# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 35f8d737-c952-560b-9e38-6e866b41c4da
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-07-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 17.07.2009 IV 2008/82
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-82_2009-07-17.pdf

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/82

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 06.07.2020

Entscheiddatum: 17.07.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 17.07.2009
Art. 6, Art. 7, Art. 8 und Art. 16 ATSG. Einkommensvergleich zur Ermittlung 
des Invaliditätsgrades, Prozentvergleich. Kann die versicherte Person 
weiterhin, wenn auch in einem reduzierten Ausmass in ihrem bisherigen 
Beruf tätig sein, kann regelmässig ein Prozentvergleich erfolgen. Kriterien 
der Abwägung zwischen einem MEDAS-Gutachten und einem 
abweichenden Bericht einer psychiatrischen Klinik (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Juli 2009, IV 2008/82).

Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus, 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 17. Juli 2009

in Sachen

W.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gabriela Grob Hügli, procap, Froburgstrasse 4, 

Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente

Sachverhalt:

A.   

Der von der Invalidenversicherung von 1997 bis 2001 zum Laienpfarrer umgeschulte 

W.___ meldete sich am 15. April 2005 erneut zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. 

med. A.___ übermittelte der IV-Stelle am 21. April 2005 seine beiden Berichte an Dr. 

med. B.___ vom 24. Mai und vom 2. Juli 2004. Gemäss dem ersten Bericht litt der 

Versicherte an einem chronischen therapieresistenten zervikozephalen und 

thorakolumbalen Schmerzsyndrom bei thorakaler Kyphose und Fehlhaltung der 

Wirbelsäule, ausserdem an einem Drogenkonsum in den 80er Jahren und einer 

erfolgreichen Rehabilitation 1991 bis 1993 mit aktueller Methadontherapie, an 

chronischer Hepatitis C und an einer chronischen Depression mit 

Somatisierungsstörung. In seinem zweiten Bericht hatte Dr. med. A.___ ausgeführt, 

nach der periduralen Infiltration sei der Versicherte schmerzfrei gewesen. Das X.___ 

teilte der IV-Stelle am 28. April 2005 mit, der Versicherte hätte im Jahr 2003 Fr. 

63'000.- verdient. Das Arbeitsverhältnis sei aufgrund unterschiedlicher Auffassung in 

geistlichen Fragen in gegenseitigem Einvernehmen per 31. Juli 2003 aufgelöst worden. 

Dr. med. B.___ berichtete am 31. Mai 2005, der Versicherte leide an einem 

Abhängigkeitssyndrom bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur (St. n. 

Drogenabusus und Alkoholproblematik bis 1991, Opiatabhängigkeit, aktuell 

Methadonprogramm), an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung 

(Fehlhaltung der Wirbelsäule, muskuläre Insuffizienz), an einer Erschöpfungsdepression 

und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an einer Hepatitis C. Seit dem 5. August 

2003 sei der Versicherte durchgehend zwischen 25% und 100% arbeitsunfähig. Seit 

dem 3. März 2005 betrage die Arbeitsunfähigkeit 70%. In den Verhältnissen, in denen 

sich der Versicherte bewege, werde eine Behandlung mit Methadon und 

Antidepressiva nicht goutiert. Der Versicherte müsse seine Abhängigkeit vor der 

Umgebung verheimlichen. Im Vordergrund stünden die psychischen Probleme mit der 

depressiven Entwicklung und dem Abhängigkeitssyndrom. Es müsste eine 

Entzugsbehandlung durchgeführt werden, zu der der Versicherte noch nicht bereit sei. 

Die Prognose und der Verlauf hingen wesentlich vom Abhängigkeitssyndrom und von 

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der Diagnose ab. Die Arbeitsfähigkeit könnte durch einen Drogenentzug und durch eine 

antidepressive Therapie verbessert werden. Die Psychiaterin Dr. med. C.___ berichtete 

am 21. Juni 2005, der Versicherte leide an Störungen durch Opioide, 

Abhängigkeitssyndrom, an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bei einer 

kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und narzisstischen Zügen und an 

Hepatitis C. Nach jahrelanger Abstinenz sei es 2003 zu einem Rückfall auf Opioide 

gekommen. Der Versicherte stehe in einer Methadonbehandlung und in einer 

psychotherapeutischen Behandlung. Die Prognose sei ungünstig. Seit Juni 2004 

bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70%.

B.   

B.a Die IV-Stelle gab eine MEDAS-Abklärung in Auftrag. Die MEDAS berichtete in ihrem 

Gutachten vom 30. November 2006, die psychiatrische Untersuchung habe eine 

äusserst schwierige Lebensgeschichte des Versicherten aufgezeigt. Der Versicherte sei 

in der Kindheit Opfer mehrmaliger sexueller Gewalterfahrungen durch den 

Stiefgrossvater gewesen. Er habe ein ständiges Ablehnungsgefühl von Seiten der 

Eltern erlebt und er sei Zeuge einer Vergewaltigung seiner Mutter durch den Vater 

gewesen. Nach der Scheidung der Eltern habe er mit zwölf Jahren einen ersten 

Suizidversuch unternommen. In der Adoleszenz habe der Versicherte einen 

Suchtmittelabusus entwickelt. Nach einem zweijährigen stationären Entzug habe er ab 

1993 abstinent gelebt. Im Rahmen einer Beziehungskrise habe die 

Schmerzproblematik in den Jahren 2002/2003 zugenommen, wodurch der Versicherte 

in eine depressive Phase geraten sei. Damals sei er erstmals psychopharmakologisch 

behandelt worden. Eine volle Remission der depressiven Symptomatik sei seither nie 

mehr eingetreten. Bei der aktuellen Untersuchung habe sich ein depressives 

Zustandsbild mit deprimierter Stimmung, Grübelneigung, Lust- und Freudlosigkeit, 

Antriebsminderung und Ein- und Durchschlafstörungen gezeigt. Damit seien die 

Kriterien einer mittelgardigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom erfüllt. 

Dazu habe der Versicherte eine zumindest akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlichen 

und narzisstischen Persönlichkeitszügen, wobei aber die Kriterien einer 

Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien. Seit der Kindheit habe der Versicherte grosse 

Angst, abgelehnt zu werden, was seine gesamte interpersonelle Beziehungsgestaltung 

präge. Der frühere Suchtmittelabusus und die daraus resultierende Abhängigkeit seien 

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als sekundäre Folgeerscheinungen der zugrunde liegenden psychischen Problematik 

zu werten. Durch den Konsum erreiche der Versicherte eine Affektdistanzierung, 

wodurch er eine Auseinandersetzung mit den belastenden Emotionen umgehen könne. 

Die Schmerzproblematik stehe nicht im Mittelpunkt des Erlebens und habe keinen 

quälenden oder schweren Schmerzcharakter. Trotzdem könne eine psychogene 

Überlagerung diskutiert werden, da die Schmerzsymptomatik im Zeitraum des 

Bewusstwerdens der traumatisierenden Vergewaltigungserlebnisse in der Kindheit 

aufgetreten sei. Der Versicherte sei damals nämlich mehrmalig mit der Faust auf den 

Rücken geschlagen worden. Da die Schmerzproblematik durch das depressive 

Syndrom überlagert bzw. auch Ausdruck einer Entzugssymptomatik sei, seien die 

Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung nicht erfüllt. Die mittelgradige 

Depression habe eine Arbeitsunfähigkeit von 40% zur Folge. Angebracht wäre eine 

adäquate antidepressive Therapie in genügend hoher Dosierung.

B.b Weiter wurde im MEDAS-Gutachten ausgeführt, aus rheumatologischer Sicht 

bestehe eine Limitierung für Tätigkeiten mit schwerer Wirbelsäulenbelastung, in länger 

dauernd vornüber geneigter Körperhaltung, mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien 

und im Überkopfbereich. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit nicht 

eingeschränkt. Dasselbe gelte aus neurologischer Sicht. Die Gesamtdiagnose lautete: 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit 

somatischem Syndrom, akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstisch und ängstlich 

vermeidenden Anteilen sowie – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – Polytoxikomanie 

bei gegenwärtiger Teilnahme an einem Methadonprogramm, chronisches 

thorakovertebrales Schmerzsyndrom (bei/mit Wirbelsäulenfehlhaltung/-fehlform, ohne 

radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik, tendomyotische Schmerzausstrahlung nach 

zervikal und lumbal, panvertebrale Symptomausweitung bei psychosozialer 

Problemkonstellation), unspezifische Periarthropathia coxae links, St. n. Hepatitis A,B, 

chronische Hepatitis C, St. n. Nasenseptumkorrektur, Entfernung von Tätowierungen 

und Spalthauttransplantatabdeckung und 1993 Diagnose einer Rhinitis pollinosa. Als 

Ergebnis der interdisziplinären Konsenskonferenz wurde ausgeführt, das chronische 

thorako-vertebralbetonte Schmerzsyndrom mit Generalisierungstendenz im Rahmen 

der psychosozialen Problemkonstellation und vor dem Hintergrund der psychiatrischen 

Diagnosen sei massivst ausgeweitet. Aufgrund der erheblichen psychiatrischen 

Komorbidität könne keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert werden. 

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Vielmehr seien die subjektiven Beschwerden im Rahmen einer Symptomausweitung 

auf dem Hintergrund der psychischen Probleme zu sehen. Die Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit als Pastor sei aus psychiatrischer Sicht zu begründen. Es bestehe eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt, mit 

somatischem Syndrom. Eine Überlagerung der Schmerzsymptomatik mit der 

Depression und auch mit der Suchtproblematik (mögliche Entzugssymptomatik) sei 

anzunehmen. Aus rein formaler Sicht sei bei dieser Diagnose eine Arbeitsfähigkeit von 

60% gegeben. Die vom Versicherten selbst angenommene Arbeitsfähigkeit von 30% 

sei deutlich zu tief. Die derzeitige medikamentös antidepressive Behandlung erscheine 

als eher unzureichend. Die medizinischen Massnahmen seien noch ungenügend 

umgesetzt. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei innerhalb eines Jahres zu erwarten, 

weshalb sich – bei einer rein psychiatrisch bedingten Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit – eine psychiatrische Reevaluation in ein bis zwei Jahren empfehle. Die 

Arbeitsaufgabe sei per 31. Mai 2003 erfolgt. Damals habe aber noch keine 

Arbeitsunfähigkeit bestanden. Im Bericht der psychiatrischen Klinik Wil vom 4. Februar 

2004 sei erstmals eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angegeben worden. Dr. med. A.___ 

habe am 24. Mai 2004 eine 50% Arbeitsunfähigkeit geschildert. Dr. med. B.___ habe 

am 31. Mai 2005 eine Arbeitsfähigkeit von 30% angegeben. Ohne die 

Drogenabhängigkeit dürfte auch hier eine 50%ige Arbeitsfähigkeit resultieren. 

Demgegenüber sei Dr. med. C.___ am 21. Juni 2005 von einer 70%igen 

Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Sie habe dies mit dem Opioid-Abhängigkeitssyndrom 

und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung begründet. Zusammenfassend 

sei ab 4. Februar 2004 von einer Arbeitsfähigkeit von 50% und ab dem Datum der 

Begutachtung von einer Arbeitsfähigkeit von 60% auszugehen. Die Sucht sei isoliert, 

es seien keine invalidisierenden Folgeschäden bekannt. Im Verlauf könne eine 

sekundäre Suchtunterhaltung durch die Schmerzstörung und durch die subjektive 

Schmerzunterdrückung durch Opiate und Tramal eine Rolle spielen. Das 

Schmerzsyndrom diene der Rechtfertigung zur Aufrechterhaltung der Sucht. Die 

Suchtanteile seien nicht relevant für die Arbeitsfähigkeit. Deshalb hätten sie bei der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung keinen Eingang gefunden.

C.   

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Dr. med. D.___ vom RAD schlug am 12. Juni 2007 vor, bereits ab dem 5. August 2003 

von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% auszugehen. Mit einem Vorbescheid vom 26. 

Juni 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er ab August 2004 einen 

Anspruch auf eine halbe und ab November 2006 einen Anspruch auf eine Viertelsrente 

habe. Sie begründete dies sinngemäss damit, dass es sich bei der aktuellen Tätigkeit 

um eine adaptierte handle und dass er diese Tätigkeit weiterhin ausüben könne, 

weshalb der Arbeitsfähigkeitsgrad direkt dem Invaliditätsgrad entspreche. Der 

Versicherte liess am 27. August 2007 einwenden, Dr. med. E.___ von der 

psychiatrischen Klinik Wil gehe davon aus, dass die psychische Krankheit schwerer 

wiege als von der MEDAS angenommen, weshalb die Arbeitsunfähigkeit höher zu 

werten sei. Dr. med. E.___ führte am 10. Oktober 2007 aus, der Versicherte habe sich 

vom 19. Februar bis 3. März 2007 stationär in der psychiatrischen Klinik Wil 

aufgehalten. Dabei sei folgende Diagnose gestellt worden: Störung durch Opioide, 

Abhängigkeitssyndrom, derzeitige Teilnahme an einem ärztlich überwachten 

Ersatzdrogenprogramm (Methadon), Störung durch Sedativa oder Hypnotika, 

Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch, wahrscheinlich vor dem 

Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und 

narzisstischen Zügen, in Kombination mit einer posttraumatischen Belastungsstörung 

und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Beim Austritt am 3. März 2007 

sei eine Arbeitsunfähigkeit von 70% attestiert worden. In einer leidensadaptierten 

Erwerbstätigkeit, die sowohl die emotionalen wie die körperlichen Anforderungen 

betreffend stress- und belastungsarm sein sollte, betrage die Arbeitsunfähigkeit 70% 

bis wenigstens 50%. Obwohl die Suchtmittelabhängigkeit im Vordergrund stehe und 

für den Versicherten selber und für dessen Umgebung deutlich wahrnehmbar sei, sei 

sie doch als maladaptive Copingstrategie vor dem Hintergrund einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung aufgrund sexueller und psychischer Gewalt zu 

sehen, welcher der Versicherte in der Kindheit ausgesetzt gewesen sei. Mit grösster 

Wahrscheinlichkeit habe sich aufgrund der traumatisierenden Ereignisse in der Kindheit 

eine Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und narzisstischen Zügen entwickelt. Auch 

das chronische Schmerzsyndrom habe sich auf dem Hintergrund der 

posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt. Da der Versicherte vor diesem 

Hintergrund eine deutlich verminderte Stresstoleranz und Belastbarkeit zeige, reagiere 

er schon bei geringen Belastungen und emotionaler Anstrengung mit zunehmenden 

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somatischen Schmerzen, die er häufig mit dem Konsum extremer Mengen von 

Methadon oder von Benzodiazepinen zu bewältigen versuche. Der Versicherte liess am 

11. Oktober 2007 geltend machen, die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der MEDAS und 

von Dr. med. E.___ divergierten. Zudem beziehe Dr. med. e.___ ihre 

Arbeitsfähigkeitsschätzung auf eine stress- und belastungsarme Tätigkeit. Die Tätigkeit 

als Gemeindearbeiter und Prediger sei aber alles andere als stress- und 

belastungsarm. Dr. med. f.___ vom RAD hielt am 6. November 2007 fest, der 

psychiatrische Gutachter der MEDAS dokumentiere ausdrücklich, dass die 

diagnostischen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien. Allenfalls 

bestünden akzentuierte Persönlichkeitszüge, die für sich gesehen keinen 

Krankheitswert hätten, sondern nur Kofaktoren für psychische Störungen mit 

Krankheitswert seien. Der psychiatrische Gutachter der MEDAS habe auch begründet, 

weshalb keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung zu diagnostizieren sei. Der 

Hinweis, dass die Suchtproblematik als sekundäre Folgeerscheinung der zugrunde 

liegenden psychischen Problematik zu werten sei, beziehe sich auf die rezidivierende 

depressive Störung und nicht auf eine schwere Persönlichkeitsstörung. Eine 

rezidivierende depressive Störung unterliege Schwankungen und könne durchaus den 

ursprünglichen Anlass für einen Abusus von Suchtmitteln im Sinn einer 

Selbstmedikation während einer depressiven Episode bieten. Der Suchtmittelkonsum 

könne sich dann verselbständigen, so dass eine eigenständige Suchterkrankung 

entstehe, ohne dass der Anlass für die Suchtmedikation noch existiere oder als Motor 

für das Suchtmittelverhalten noch notwendig sei. Im Fall des Versicherten sei davon 

auszugehen, dass depressive Episoden unabhängig vom Suchtmittelkonsum aufträten. 

Insofern sei es plausibel nachvollziehbar, dass der psychiatrische Gutachter die rein IV-

relevanten Beeinträchtigungen durch die depressive Störung von den zusätzlichen 

nicht IV-relevanten Beeinträchtigungen, die durch den Suchtmittelkonsum bedingt 

seien, getrennt und qualifiziert habe. Unter diesen Umständen sei die Einschätzung 

durch Dr. med. E.___ nicht plausibel nachvollziehbar. Sie interpretiere den identischen 

medizinischen Sachverhalt anders und behaupte eine andere diagnostische 

Einschätzung. Mit einer Verfügung vom 11. Januar 2008 sprach die IV-Stelle dem 

Versicherten ab August 2004 eine halbe und ab November 2006 eine Viertelsrente zu. 

Sie begründete dies damit, dass es sich beim Bericht der psychiatrischen Klinik Wil nur 

um eine andere Interpretation des identischen medizinischen Sachverhalts handle.

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D.   

Der Versicherte liess am 11. Februar 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung 

erheben. Er beantragte deren Aufhebung und die Vornahme weiterer Abklärungen, 

eventualiter die Zusprache der ihm zustehenden gesetzlichen Leistungen. Ausserdem 

sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Zur Begründung machte der 

Versicherte geltend, bei einem Vergleich der von der MEDAS und der von der 

psychiatrischen Klinik Wil gestellten Diagnosen zeige sich, dass keine andere 

Einschätzung des gleichen medizinischen Sachverhalts vorliege, sondern dass in der 

Klinik andere Diagnosen gestellt worden seien. Die Einschätzung durch die 

psychiatrische Klinik Wil sei aufgrund eines stationären Aufenthalts zustande 

gekommen, während es sich bei der psychiatrischen Begutachtung durch die MEDAS 

nur um eine Momentaufnahme handle. Deshalb sei es stossend, wenn die IV-Stelle nur 

auf das Gutachten abstellen wolle. Aufgrund der Untersuchungspflicht wäre es 

erforderlich gewesen, weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Die Gutachter 

hielten seine jetzige Tätigkeit von der psychischen Belastung her für optimal. Die 

psychiatrische Klinik Wil betrachte eine Tätigkeit als adaptiert, wenn sie stress- und 

belastungsarm sei. Die Arbeit als Prediger und Gemeindearbeiter sei keinesfalls stress- 

und belastungsarm. Insbesondere die emotionalen Anforderungen seien hoch. Deshalb 

müssten weitere Abklärungen betreffend eine angepasste Tätigkeit vorgenommen 

werden, damit das Invalideneinkommen korrekt bestimmt werden könne. Da er 

Sozialhilfe beziehe, sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und er sei 

von der Pflicht zur Bezahlung eines Kostenvorschusses zu befreien.

E.  

Die IV-Stelle beantragte am 23. April 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte 

geltend, einziges Thema des Beschwerdeverfahrens bilde die Arbeitsfähigkeit in einer 

dem Leiden angepassten Tätigkeit. Die übrigen Elemente der angefochtenen Verfügung 

wie der Rentenbeginn und die Grundlagen der Ermittlung des Validen- und des 

Invalideneinkommens seien nämlich nicht bemängelt worden. Dabei sei der Versicherte 

zu behaften. Auf das MEDAS-Gutachten könne ohne weiteres abgestellt werden, da es 

alle an ein Gutachten zu stellenden Anforderungen erfülle. Dr. med. E.___ stehe als 

behandelnde Ärztin in einem Vertrauensverhältnis zum Versicherten und sei deshalb 

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weniger unabhängig als die MEDAS-Gutachter. Damit könne ihrer Meinung jedenfalls 

kein grösseres Gewicht als derjenigen der MEDAS-Gutachter zukommen. Zudem 

bringe Dr. med. E.___ keine konkreten Beanstandungen gegen das MEDAS-Gutachten 

vor. Die Würdigung des Gutachtens und des Berichts von Dr. med. E.___ durch Dr. 

med. F.___ vom RAD führe zu keinem anderen Ergebnis. Deshalb sei sie zu Recht von 

einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% ausgegangen.

F.  

Der Versicherte liess am 19. Juni 2008 sinngemäss einwenden, zwischen der 

Begutachtung im Juli 2006 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 11. 

Januar 2008 hätten sich neue medizinische Erkenntnisse ergeben, die nicht 

berücksichtigt worden seien. Der neue fachärztliche Bericht diagnostiziere u.a. eine 

posttraumatische Belastungsstörung, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung 

und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und narzisstischen Zügen. 

Diese Diagnosen, die Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, seien im MEDAS-

Gutachten nicht genannt worden. Dass er sich stationär in einer psychiatrischen Klinik 

habe aufhalten müssen, lasse eine nach der Begutachtung eingetretene 

Verschlechterung vermuten. Der Bericht von Dr. med. E.___ beruhe auf neuen 

medizinischen Erkenntnissen. Es handle sich also um einen neuen Sachverhalt. Die IV-

Stelle hätte ihre Einschätzung vor Verfügungserlass verifizieren müssen. Sie habe also 

ihre Abklärungspflicht verletzt. Aufgrund dieser neuen medizinischen Einschätzung sei 

die Arbeit als Prediger und Gemeindearbeiter nicht leidensangepasst. Es sei deshalb 

abzuklären, welche Tätigkeiten angepasst wären. Da mit dem Bericht der 

psychiatrischen Klinik Wil glaubhaft gemacht sei, dass sich eine Verschlechterung 

eingestellt habe, könne dem MEDAS-Gutachten kein uneingeschränkter Beweiswert 

zuerkannt werden. Ein plausibler Bericht eines behandelnden Arztes müsse gewürdigt 

und verifiziert werden. Dr. med. E.___ habe ihn nicht über Jahre hinweg behandelt und 

begleitet, sondern nur akut behandelt. Deshalb sei ihr durchaus die nötige Objektivität 

und Unabhängigkeit zuzusprechen. Auf die Auffassung des RAD könne nicht abgestellt 

werden, da dort keine Untersuchung erfolgt sei. Im Gutachten sei nicht begründet 

worden, weshalb die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt sein sollten. Dr. 

med. E.___ habe ihre gegenteilige Auffassung nachvollziehbar begründet. Die 

Gutachter der MEDAS seien von Hypothesen darüber ausgegangen, welche 

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Krankheiten vorhanden sein könnten. Trotzdem hätten sie den Schluss gezogen, dass 

die Kriterien der somatoformen Schmerzstörung nicht erfüllt seien.

G.   

Die IV-Stelle verzichtete am 30. Juni 2008 auf eine Duplik.

Erwägungen:

1.  

Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Tätigkeit als Prediger und 

Gemeindearbeiter sei nicht leidensangepasst. Deshalb müsse abgeklärt werden, wie 

eine angepasste Tätigkeit aussähe, denn nur so lasse sich das zumutbare 

Invalideneinkommen ermitteln. Im Ergebnis stellt der Beschwerdeführer also die Frage, 

ob er nicht erneut beruflich eingegliedert, d.h. wohl umgeschult werden müsste, weil er 

nur so seine Restarbeitsfähigkeit bestmöglich verwerten könne. Der 

Einkommensvergleich zur Ermittlung der Invalidität (Art. 16 ATSG) kann erst erfolgen, 

wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen durchgeführt worden sind oder wenn 

feststeht, dass keine Eingliederung nötig oder möglich ist. Es gilt der Grundsatz der 

'Eingliederung vor Rente' (vgl. etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., 

Vorbemerkungen Rz 47). Das Versicherungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung 

davon aus, dass eine Rentenverfügung immer konkludent auch einen Entscheid über 

die Eingliederungspflicht enthalte. Es begründet diese Rechtsprechung damit, dass die 

Rentenzusprache sonst als rechtswidrig, weil die Eingliederungspflicht missachtend, zu 

qualifizieren und deshalb ohne weiteres aufzuheben wäre. Somit ist auch im 

vorliegenden Fall davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin mit der 

angefochtenen Verfügung konkludent entschieden hat, es sei keine berufliche 

Eingliederung des Beschwerdeführers notwendig. Dieser Teil der angefochtenen 

Verfügung gehört ebenfalls zum Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens. Die 

zivilprozessual anmutende Überbetonung des Rügeprinzips durch die 

Beschwerdegegnerin, die den Beschwerdeführer darauf behaften will, dass er nur die 

Feststellung seines Arbeitsfähigkeitsgrades gerügt habe, ist unhaltbar, denn der 

Streitgegenstand wird durch das zur Diskussion stehende Rechtsverhältnis definiert, 

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das gemäss Art. 61 lit. d ATSG zwingend als Ganzes gerichtlich zu beurteilen ist. Als 

Folge des Grundsatzes der 'Eingliederung vor Rente' bildet die Eingliederungspflicht 

notwendigerweise Teil des Rechtsverhältnisses 'Invalidenrentenberechtigung'. Eine 

berufliche Eingliederungspflicht in der Form einer (erneuten) Umschulung bestünde, 

wenn der Beschwerdeführer in seinem von 1997 bis 2001 erlernten zweiten Beruf in 

höherem Masse arbeitsunfähig wäre als in einem bestmöglich dem Leiden 

angepassten neuen (dritten) Beruf. Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, 

er sei in seinem jetzigen Beruf nicht in dem Umfang arbeitsfähig, der in einem besser 

adaptierten Beruf möglich wäre. Sein jetziger Beruf sei nämlich stressbeladen und 

emotional belastend. Der Beschwerdeführer übersieht dabei, dass das möglicherweise 

für seine konkrete Arbeit, nicht aber für andere Arbeiten auf seinem Beruf zutrifft. Ob 

der Beschwerdeführer eine stressbeladene und emotional belastende Tätigkeit ausübt 

oder ob er stress- und belastungsarm arbeiten kann, hängt also nicht von seinem 

Beruf, sondern nur vom konkreten Arbeitsplatz ab. Es ist davon auszugehen, dass es 

durchaus Arbeitsplätze gibt, an denen der Beschwerdeführer in Ausübung seines 

Berufes administrativ, planerisch, schriftstellerisch usw. tätig sein könnte. Eine solche 

Tätigkeit wäre ihm zumutbar. Der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt bietet 

solche Arbeitsplätze, so dass kein Umschulungsbedarf besteht. Die 

Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht konkludent die Notwendigkeit einer 

beruflichen Eingliederung verneint. Diesbezüglich erweist sich die angefochtene 

Verfügung als korrekt.

2.  

2.1  Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 

ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das 

der Beschwerdeführer nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte 

(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das er 

erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). 

Ausschlaggebendes Element der Bemessung des Invalideneinkommens bildet in aller 

Regel die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers 

liegen abweichende Angaben vor. Die MEDAS ist von einer Arbeitsfähigkeit des 

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Beschwerdeführers von 60% ausgegangen, während Dr. med. E.___ eine 

Arbeitsfähigkeit in einer stress- und belastungsarmen Tätigkeit von 30% bis höchstens 

50% angegeben hat. Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass die 

Auffassung der MEDAS nicht mit Selbstverständlichkeit als überwiegend 

wahrscheinlich qualifiziert werden könne, nur weil es sich dabei um ein von der 

Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenes Gutachten handle, das zudem alle formalen 

Anforderungen an ein Gutachten erfülle. Eine derartige Einengung der freien 

Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) ist nicht zulässig. Ebenso wenig ist jene 

Einengung der freien Beweiswürdigung zulässig, die darin bestehen soll, dass die 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen behandelnder Ärzte immer als nicht überzeugend zu 

werten seien. Jede ärztliche Aussage über die Arbeitsfähigkeit einer versicherten 

Person ist frei zu würdigen, ob sie nun von einem unabhängigen Sachverständigen 

oder von einem behandelnden Arzt stammt. Trotzdem ist im vorliegenden Fall als 

erstes zu beachten, dass die Ärzte der MEDAS als unabhängige Sachverständige tätig 

gewesen sind, während Dr. med. E.___ zumindest während des stationären Aufenthalts 

in der psychiatrischen Klinik Wil in einem rechtlichen und beruflichen Verhältnis zum 

Beschwerdeführer gestanden hat, das sie dazu verpflichtet hat, diesem zu helfen. 

Zumindest der Anschein der Befangenheit bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ist 

deshalb vorhanden. Hinzu kommt, dass Dr. med. E.___, anders als die 

Sachverständigen der MEDAS, tendenziell aus einem therapeutischen Blickwinkel 

heraus geurteilt hat. Dabei wird die Arbeitsunfähigkeit in der Regel so eingeschätzt hat, 

dass der Patient nur den für eine Heilung geeignetsten Lebensumständen ausgesetzt 

sein soll. Weiter könnte Dr. med. E.___ angesichts der weitgehenden Erfolglosigkeit der 

stationären Behandlung in der psychiatrischen Klinik Wil dazu geneigt haben, die 

zumutbare Arbeitsfähigkeit pessimistisch einzuschätzen. Die Sachverständigen der 

MEDAS haben demgegenüber vermutungsweise einen objektiveren 

Zumutbarkeitsmassstab angewendet. Ob Dr. med. E.___ die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers unabhängig und objektiv eingeschätzt hat oder sie sich von den 

genannten Umständen oder auch von anderen Momenten hat beeinflussen lassen, 

lässt sich ihrem Bericht vom 10. Oktober 2007 nicht entnehmen. Es besteht aber 

aufgrund des Anscheins der Befangenheit eine natürliche Vermutung dafür, dass sie 

bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht die für ein Gutachten erforderliche Objektivität 

angewendet hat. Diese natürliche Vermutung, die sich an jede 

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Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes knüpfen muss, kann nur 

dadurch widerlegt werden, dass der behandelnde Arzt eine wissenschaftlich-objektive 

Auseinandersetzung mit dem Fall und wenn möglich mit dem abweichenden Gutachten 

eines unabhängigen Sachverständigen vornimmt. Aber auch damit wird kaum je mehr 

zu erreichen sein als eine Verminderung der Überzeugungskraft des Gutachtens, so 

dass es das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht erreicht. 

Immerhin wird die Verwaltung dadurch gezwungen, eine zusätzliche Abklärung 

anzuordnen, bei der zur Erfüllung des Untersuchungsgrundsatzes auch die Meinung 

des behandelnden Arztes Berücksichtigung finden muss.

2.2  Im vorliegenden Fall stellt sich zunächst die Frage, ob die Sachverständigen der 

MEDAS allfällige Auswirkungen des Abhängigkeitssyndroms korrekt in die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung haben einfliessen lassen. Liegt nur eine Sucht vor, so 

vermag dies keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Dazu ist die Sucht nur zusammen 

mit einer anderen Gesundheitsbeeinträchtigung in der Lage, wobei diese andere 

Gesundheitsbeeinträchtigung entweder die Ursache oder die Auswirkung der Sucht 

sein muss (vgl. etwa AHI-Praxis 2002 S. 28 ff.). In einem solchen Fall sind allfällige 

direkte Auswirkungen der Sucht auf die Arbeitsfähigkeit ebenfalls zu berücksichtigen. 

Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist also nicht so zu verstehen, dass auch in 

einem solchen Fall der direkt aus der Sucht resultierende Teil der Arbeitsunfähigkeit 

auszuscheiden wäre. Die Sachverständigen der MEDAS haben als Antwort auf die 

spezielle Frage 3 der Beschwerdegegnerin ausgeführt, die Suchtanteile seien nicht 

relevant für die Arbeitsfähigkeit, weshalb sie keinen Eingang in die Einschätzung 

gefunden hätten (vgl. MEDAS-Gutachten S. 19 unten). Dies ist nach dem oben 

Ausgeführten so zu verstehen, dass die Sachverständigen der MEDAS angenommen 

haben, die Polytoxikomanie habe für sich allein betrachtet gar keine Arbeitsunfähigkeit 

zur Folge. Es seien nur die übrigen Gesundheitsbeeinträchtigungen, die sich auf die 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkten. Die Sachverständigen der MEDAS 

haben die höchstrichterliche Praxis also nicht falsch angewendet. Die Differenz zur 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E.___ lässt sich demnach nicht durch einen 

solchen Fehler erklären. Es handelt sich vielmehr tatsächlich um eine abweichende 

medizinische Einschätzung. Diese Abweichung kann entgegen der Auffassung der 

Beschwerdeführerin auch nicht darauf zurückgeführt werden, dass sich nach der 

Abklärung bei der MEDAS eine erhebliche Verschlechterung des 

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Gesundheitszustandes eingestellt hätte. Der Bericht von Dr. med. E.___ vom 10. 

Oktober 2007 stützt sich nämlich auf den stationären Klinikaufenthalt vom Februar/

März 2007, also auf den Gesundheitszustand, wie er nur wenige Monate nach der 

MEDAS-Abklärung im Juni 2006 bestanden hat. Dr. med. E.___, der das MEDAS-

Gutachten offenbar vorlag, hätte eine zwischen Juni 2006 und Februar 2007 

eingetretene erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes zweifellos 

erwähnt, denn dies wäre für die Arbeitsfähigkeitsschätzung von grösster Bedeutung 

gewesen. Allfällige Veränderungen nach dem Klinikaufenthalt bis zum Erlass der 

angefochtenen Verfügung sind nicht dokumentiert. Sie hätten wohl zu einer 

entsprechenden Behandlung geführt und wären so zu dokumentieren gewesen. Die 

Abweichungen in den Diagnosen belegen also keine Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes. Es handelt sich tatsächlich um abweichende Einschätzungen 

ein und desselben Gesundheitszustandes.

2.3  Es bleibt die Frage zu beantworten, ob die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. 

med. E.___ so weit zu überzeugen vermag, dass sie erhebliche Zweifel an der 

Richtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS-Sachverständigen zu wecken 

vermag und es so verunmöglicht, von einem mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit erstellten Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% auszugehen. Im MEDAS-

Gutachten finden sich als psychiatrische Diagnosen eine rezidivierende depressive 

Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode) mit somatischem Syndrom und eine 

akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstisch und ängstlich vermeidenden Anteilen. Dr. 

med. E.___ hat demgegenüber eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen 

und narzisstischen Zügen in Kombination mit einer posttraumatischen 

Belastungsstörung und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung angegeben. 

Der Art der Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit nach decken sich diese 

Einschätzungen weitgehend. Dr. med. E.___ ist aber offenbar von einer weit stärkeren 

Ausprägung dieser Beeinträchtigungen ausgegangen. Sie hat nämlich erheblich 

schwerwiegendere Diagnosen gestellt als die Sachverständigen der MEDAS. Der 

psychiatrische Sachverständige der MEDAS ist davon ausgegangen, dass die Kriterien 

einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien, dass nur eine akzentuierte 

Persönlichkeit vorliege. Eine Persönlichkeitsstörung setzt gemäss ICD-10 F60.- eine 

schwere Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens voraus. Bei allen 

Persönlichkeitsstörungen handelt es sich um tief verwurzelte, anhaltende 

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Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und 

soziale Lebenslagen manifestieren. Die Angaben des Beschwerdeführers gegenüber 

dem psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS erwecken nicht den Eindruck, dass 

der Beschwerdeführer seine tatsächliche gesundheitliche Situation beschönigt hätte, 

denn die Schilderungen decken sich mit dem Sachverhalt, von dem Dr. med. E.___ 

ausgegangen ist. Die Angaben und auch das Verhalten des Beschwerdeführers 

während der Exploration durch den psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS 

lassen nicht auf eine schwere Störung des Verhaltens und der Persönlichkeit 

schliessen, die – mit Ausnahme wohl des fortgesetzten Konsums von Suchtmitteln – 

starre Verhaltensmuster zur Folge hätte. Dr. med. E.___ hat nicht erklärt, weshalb sie 

die gesundheitliche Störung des Beschwerdeführers erheblich schwerer eingeschätzt 

hat, als es die Sachverständigen der MEDAS getan haben. Ihre 

Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag deshalb in bezug auf diesen Teil der 

psychiatrischen Diagnose keine relevanten Zweifel an derjenigen im MEDAS-Gutachten 

zu wecken. Dasselbe gilt für die von Dr. med. E.___ diagnostizierte andauernde 

somatoforme Schmerzstörung. Eine solche Störung setzt nämlich nicht nur irgendeinen 

nur unzureichend erklärbaren, sondern einen andauernden schweren und quälenden 

Schmerz voraus. Den Schmerzangaben des Beschwerdeführers lässt sich diese 

besondere Qualität nicht entnehmen. Auch hier erweist sich die Einschätzung durch die 

Sachverständigen der MEDAS als die plausiblere. Die für eine posttraumatische 

Belastungsstörung notwendige Eindrücklichkeit des Erlebens dürfte zwar gegeben 

gewesen sein, aber der Beschwerdeführer hat keine Flashbacks oder Träume 

angegeben, in denen sich das Geschehen wiederholen würde. Er hat auch nicht den 

Eindruck erweckt, dass er betäubt, emotional stumpf, gleichgültig gegenüber anderen 

Menschen und der Umgebung gegenüber teilnahmslos und freudlos wäre. Auch die 

von Dr. med. E.___ gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung 

erweist sich somit als weitaus zu pessimistisch. Zusammenfassend ist festzustellen, 

dass Dr. med. E.___ die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit des 

Beschwerdeführers überschätzt hat. Das erklärt auch, weshalb ihre 

Arbeitsunfähigkeitsschätzung so viel höher als diejenige der Sachverständigen der 

MEDAS ausgefallen ist. Der Bericht von Dr. med. E.___ weist somit nicht jene 

Objektivität und Qualität auf, die nötig wären, um die natürliche Vermutung einer 

Befangenheit und Voreingenommenheit zugunsten des Beschwerdeführers zu 

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widerlegen. Damit vermag dieser Bericht keine erheblichen Zweifel an der Richtigkeit 

der Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten zu wecken. Der 

Beschwerdeführer ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 60% arbeitsfähig.

2.4  Die Beschwerdegegnerin ist im Ergebnis davon ausgegangen, dass der 

Beschwerdeführer in seinem 1997 bis 2001 erlernten Beruf zu 60% arbeitsfähig sei, so 

dass sich die Invaliditätsbemessung auf einen Prozentvergleich beschränken könne. 

Da die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit auch eine qualitative 

Einschränkung zur Folge hat, der Beschwerdeführer also nicht mehr all jene Funktionen 

ausfüllen kann, zu denen ihn seine berufliche Ausbildung eigentlich befähigen würde, 

stellt sich die Frage, ob sich das zumutbare Invalideneinkommen trotzdem anhand des 

Valideneinkommens bemessen lässt. Diese Vorgehensweise wäre dann 

ausgeschlossen, wenn stress- und belastungsarme Tätigkeiten im Beruf des 

Beschwerdeführers generell schlechter bezahlt würden als Tätigkeiten, bei denen 

grosser Stress oder besonders starke emotionale Belastungen auftreten. 

Entsprechende statistische Erhebungen existieren, soweit überblickbar, nicht. 

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass innerhalb des Spektrums an Funktionen, die 

im Rahmen eines bestimmten Berufs möglich sind, die besonders anforderungsreichen 

am höchsten entlöhnt werden. Zu den besonders anforderungsreichen gehören die 

stress- oder belastungsreichen Tätigkeiten nicht unbedingt. Es ist deshalb nicht so, 

dass Arbeiten ohne Stress und ohne grosse emotionale Belastung automatisch zu 

einem tieferen Lohnniveau führen. Es ist dem Beschwerdeführer deshalb möglich und 

zumutbar, auch in einer stress- und belastungsarmen Tätigkeit auf seinem Beruf wieder 

das frühere Lohnniveau zu erreichen. Das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des 

zumutbaren Invalideneinkommens ist deshalb betragsmässig mit dem 

Valideneinkommen identisch. Zu klären bleibt, ob die Beschränkung auf eine 

Teilzeitarbeit einen zusätzlichen Lohnnachteil auslöst. Dies ist im beruflichen Umfeld, in 

welchem der Beschwerdeführer tätig wäre, eher unwahrscheinlich. Diese Frage kann 

letztlich offen bleiben, denn auch ein Teilzeitnachteil von höchstens 10% ändert nichts 

daran, dass der Invaliditätsgrad unter 50% liegt. Ein weiterer, indirekt auf die 

Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführender Lohnnachteil (in der Praxis 

fälschlicherweise als 'Leidensabzug' bezeichnet) besteht nicht, da der 

Beschwerdeführer in einer Stress- und belastungsarmen Arbeit durch seine 

Gesundheitsbeeinträchtigung keinen erkennbaren Nachteil gegenüber einem gesunden 

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zu 60% tätigen Arbeitnehmer aufweist. Auch hier ist davon auszugehen, dass die 

besondere Art des beruflichen Umfeldes gegen das Bestehen eines lohnmässig 

umgesetzten Lohnnachteils spricht. Der Beschwerdeführer ist also aufgrund eines 

Prozentvergleichs zwischen 40% und weniger als 50% invalid. Er hat einen Anspruch 

auf eine Viertelsrente. Massgebend für die Absolvierung des sogenannten Wartejahres 

(Art. 29 Abs. 1 litt. b IVG) ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Arztes 

Dr. med. B.___, die von den Sachverständigen der MEDAS als überzeugend betrachtet 

worden ist. Das Wartejahr war somit am 31. Juli 2004 erfüllt, so dass ab 1. August 

2004 ein Rentenanspruch entstanden ist. Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht 

gestützt auf das MEDAS-Gutachten davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer 

ab der Erfüllung des Wartejahres bis zur Begutachtung im Juli 2006 zu 50% 

arbeitsunfähig und damit auch zu 50% invalid gewesen sei und dass seither eine 

Invalidität von 40% besteht. Eigentlich hätte also von August 2004 bis Juli 2006 ein 

Anspruch auf eine halbe und anschliessend auf eine Viertelsrente bestanden. Da die 

Herabsetzung einer rückwirkend zugesprochenen Rente der höchstrichterlichen Praxis 

gemäss um drei Monate verzögert zu erfolgen hat, ist die Beschwerdegegnerin zu 

Recht davon ausgegangen, dass der Anspruch auf eine halbe Rente sogar bis Oktober 

2006 bestanden hat. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit auch in Bezug auf 

den Zeitpunkt des Rentenbeginns als auch in Bezug auf die rückwirkende Abstufung 

des Rentenanspruchs als rechtmässig.

3.  

Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. 

Grundsätzlich hat der vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführer die 

Gerichtskosten (Art. 69 Abs. 1  IVG) zu tragen. Da ihm am 28. April 2008 die 

unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, wird er von der Bezahlung der 

Gerichtskosten, die dem Verfahrensaufwand entsprechend auf Fr. 600.- festzusetzen 

sind, befreit. Sollten die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers es in der 

Zukunft einmal gestatten, diese Kosten zu bezahlen, ist er zur Nachzahlung 

verpflichtet. Das Begehren des vollumfänglich unterliegenden Beschwerdeführers um 

die Zusprache einer Parteientschädigung ist abzuweisen. Da der Beschwerdeführer die 

Voraussetzungen einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erfüllt, ist ihm diese zu 

bewilligen, denn nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung (BGE 135 I 1 ff.) besteht 

bis

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auch bei einer Vertretung durch die procap ein solcher Anspruch. Die Höhe der 

Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Diese Kriterien rechtfertigen eine 

Entschädigung von Fr. 3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die 

Entschädigung bei unentgeltlicher Rechtsverbeiständung beträgt nach Art. 31 Abs. 3 

des st. gallischen Anwaltsgesetzes 80% der Parteientschädigung, vorliegend also Fr. 

2800.-. Der Staat hat die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers also mit Fr. 2800.- 

zu entschädigen. Auch hier gilt, dass der Beschwerdeführer zur Rückzahlung 

verpflichtet ist, wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft einmal 

erlauben sollten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Gerichtsgebühr von Fr. 600.- 

befreit.

3. Der Staat entschädigt die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers mit Fr. 2800.-.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 17.07.2009
	Art. 6, Art. 7, Art. 8 und Art. 16 ATSG. Einkommensvergleich zur Ermittlung des Invaliditätsgrades, Prozentvergleich. Kann die versicherte Person weiterhin, wenn auch in einem reduzierten Ausmass in ihrem bisherigen Beruf tätig sein, kann regelmässig ein Prozentvergleich erfolgen. Kriterien der Abwägung zwischen einem MEDAS-Gutachten und einem abweichenden Bericht einer psychiatrischen Klinik (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Juli 2009, IV 2008/82).

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