# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bfa505d8-19bb-5599-af58-7dee921f7a40
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.02.2024 D-2380/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2380-2023_2024-02-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2380/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,   

vertreten durch Meriem El May,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. März 2023 / N (…). 

 

 

 

D-2380/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 18. Juli 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. Er gab an, er sei am (…) geboren und damit minderjährig. Am 25. Juli 

2022 mandatierte er die ihm zugewiesene Rechtsvertretung. 

B.  

Nach der Erstbefragung als unbegleiteter, minderjähriger Asylsuchender 

(EB UMA) vom 17. August 2022 wurde am 26. August 2022 eine rechts-

medizinische Untersuchung des Beschwerdeführers durchgeführt und am 

31. August 2022 ein entsprechendes Gutachten durch das Institut für 

Rechtsmedizin der (…) erstellt. Demzufolge wurde ein Mindestalter zum 

Zeitpunkt der Untersuchung von (…) Jahren festgestellt; die Vollendung 

des 18. Lebensjahrs lasse sich nicht mit Sicherheit belegen.  

C.  

Am 19. Oktober 2022 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen 

Asylgründen an. Im Rahmen der EB UMA vom 17. August 2022 und der 

Anhörung vom 19. Oktober 2022 brachte er im Wesentlichen vor, er sei 

marokkanischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie. Er stamme aus 

B._______ und sei dort sechs Jahre zur Schule gegangen; die fünfte 

Klasse habe er wiederholt. Daneben habe er für einen Nachbarn, der eine 

Werkstatt gehabt habe, gearbeitet. Zudem habe er illegal Obst und Ge-

müse verkauft. 2018 habe er die Schule verlassen. Seine Eltern hätten oft 

gestritten und sein Vater sei auch handgreiflich geworden. Wenn es zu-

hause Schwierigkeiten gegeben habe, sei er zu Verwandten, die auch in 

B._______ gelebt hätten, oder zu seiner in C._______ an der Grenze zu 

Algerien wohnhaften Grossmutter väterlicherseits gegangen, zu der er ein 

sehr gutes Verhältnis habe. Nachdem sein Vater (…) gestorben sei, habe 

seine Mutter wieder geheiratet. Sie hätten zwar im gleichen Haushalt ge-

lebt, aber seine Mutter habe sich nicht um ihn gekümmert. Nachbarn und 

seine Grossmutter seien für ihn aufgekommen. Er habe sich häufig, 

manchmal für mehrere Monate, bei der Grossmutter aufgehalten. Zu sei-

nen Geschwistern habe er keinen Kontakt mehr. Sein Bruder sei dem Al-

kohol verfallen und seine beiden Schwestern seien zu anderen Familien 

gezogen. Wo seine Mutter sich gegenwärtig befinde, wisse er nicht. Er ver-

mute, dass sie mittlerweile wieder einen neuen Partner habe. Die Armut 

und die Diskrepanz zwischen reich und arm seien in Marokko gross gewe-

sen und er habe sein Leben gehasst. Es sei nicht einfach gewesen, nicht 

die gleichen coolen Kleider wie andere kaufen zu können. Zudem habe es 

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immer wieder Auseinandersetzungen und Schlägereien mit den Jungs aus 

dem Quartier und willkürliche Polizeieinsätze gegeben. Auch hätten Ju-

gendliche versucht, ihn dazu zu bringen, Drogen für sie zu verkaufen. 

Seine Gedanken seien nur noch darum gekreist, das Land zu verlassen. 

Schliesslich habe es geklappt und er sei etwa im Juni oder Juli 2018 auf 

illegalem Weg nach Spanien gelangt. Dort sei er acht Monate geblieben. 

Er sei durch das Rote Kreuz betreut worden und habe eine Schule besucht. 

Dann sei er nach Frankreich weitergereist, wo er sich zwei Jahre aufgehal-

ten habe und ebenfalls zur Schule gegangen sei. Anschliessend sei er 

nach Belgien gegangen; dort sei er etwa eineinhalb Jahre geblieben. In all 

diesen Ländern habe er kein Asylgesuch gestellt. Er habe dazu keinen An-

lass gesehen, zumal er jeweils eine Unterkunft und Essen erhalten habe. 

Am 13. Juli 2022 sei er schliesslich in die Schweiz eingereist. Er habe drei 

Cousins in Frankreich, die ihn unterstützt hätten. Zu einem habe er noch 

Kontakt. Als er im Hinblick auf die Unterbringung bei einer Pflegefamilie in 

Belgien beim marokkanischen Konsulat einen Pass beantragt habe und 

dabei nach seiner Geburtsurkunde gefragt worden sei, habe er den besag-

ten Cousin in Frankreich kontaktiert. Dieser habe dann einen Bruder in Ma-

rokko beauftragt, zu seiner Mutter zu gehen, um das Dokument zu besor-

gen. Seine Mutter habe aber nicht darauf reagiert. Respektive die Geburts-

urkunde sei direkt an einen Verein in Belgien geschickt worden und er habe 

keine Kopie. Den Pass habe er nicht erhalten. Es habe immer geheissen, 

er müsse noch warten, und schliesslich habe er die Sache vergessen, als 

eine andere Familie ihn aufgenommen habe. Nachdem er bei der EB UMA 

zur Einreichung von Identitätspapieren aufgefordert worden sei, habe er 

erneut den Cousin in Frankreich kontaktiert. Dieser habe ihm etwa zwanzig 

Tage später berichtet, dass der in Marokko wohnhafte Bruder nochmals bei 

seiner Mutter gewesen sei und mit ihr über die Beschaffung von Dokumen-

ten gesprochen habe. Bisher habe er aber noch nichts erhalten. Er selbst 

habe in dieser Sache andere Verwandte in B._______ – Cousins seines 

Vaters und deren Cousins – kontaktiert. Diese hätten ihm aber gesagt, 

dass sie seine Mutter länger nicht gesehen und keinen Kontakt mehr zu ihr 

hätten. Mit seiner Grossmutter telefoniere er sporadisch. Sie habe zwar 

kein Handy, aber er kontaktiere manchmal Jungs aus dem Wohnviertel in 

C._______ oder den Nachbarn der Grossmutter, den er schon lange kenne 

und dem er vertraue, um mit ihr zu sprechen. Bei einem Videoanruf habe 

er den Eindruck gehabt, dass sie geistig nicht mehr so fit sei. Sie sei schon 

etwa (…) Jahre alt. Ihre Rente reiche nicht bis zum Monatsende und sie 

werde daher von den Nachbarn unterstützt. Ihm gehe es gesundheitlich 

gut. Nebst seiner Muttersprache Arabisch spreche er auch Französisch, 

Spanisch und etwas Englisch. Nach Marokko wolle er nicht zurück. Er 

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wüsste nicht, was er dort tun sollte und fürchte sich vor einem Leben in 

Armut.  

Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten des 

rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle der Befragungen 

verwiesen (vgl. SEM-Akten […]-16/15 und […]-36/14). 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. Oktober 2022 wies das SEM das Asylge-

such in das erweiterte Verfahren gemäss Art. 26d AsylG (SR 142.31) zu 

und es teilte den Beschwerdeführer dem Kanton D._______ zu (Art. 27 

AsylG). 

E.  

Am 16. November 2022 mandatierte der Beschwerdeführer die rubrizierte 

Rechtsvertreterin.  

F.  

Mit Verfügung vom 29. März 2023 – eröffnet am 31. März 2023 – stellte 

das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfülle (Dispositivziffer 1). Es lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) sowie 

den Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffern 4 und 5) an. Des Weiteren 

händigte es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss 

Aktenverzeichnis aus (Dispositivziffer 6). 

Das SEM führte zur Begründung im Wesentlichen an, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingsei-

genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu genügen. Der Vollzug der Wegwei-

sung sei zulässig, zumutbar und möglich. Für die ausführliche Begründung 

wird auf die Ausführungen der Vorinstanz in der Verfügung verwiesen. 

G.  

Mit Eingabe vom 28. April 2023 erhob der Beschwerdeführer durch die 

rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. 

Er ersuchte um Aufhebung der Dispositivziffern 3–5 der vorinstanzlichen 

Verfügung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs, eventualiter um Rückweisung der Sa-

che an das SEM zwecks vollständiger Sachverhaltsermittlung und Neube-

urteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er zudem – unter Ver-

weis auf eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung vom 27. April 2023 – um 

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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Auf die Begründung der Rechtsbegehren wird – soweit für den Entscheid 

wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 1. Mai 2023 den Eingang der 

Beschwerde. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2023 hielt die Instruktionsrichterin 

fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten dürfe. Des Weiteren stellte sie fest, dass die vorinstanz-

liche Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwachsen sei, soweit sie 

die Fragen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung be-

trifft. Beschwerdegegenstand sei einzig die Frage des Vollzugs der Weg-

weisung. Sie hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung gut und ordnete die 

rubrizierte Rechtsvertreterin dem Beschwerdeführer als unentgeltliche 

Rechtsbeiständin bei. Des Weiteren lud sie die Vorinstanz zur Vernehm-

lassung zur Beschwerde ein. 

J.  

Die Vernehmlassung des SEM datiert vom 14. Juni 2023. 

K.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 3. Juli 2023.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende 

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Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine sol-

che Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, wes-

halb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den verfügten Vollzug der 

Wegweisung. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung 

des Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung an sich blieben hin-

gegen unangefochten und sind damit in Rechtskraft erwachsen (vgl. hierzu 

auch die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 30. Mai 2023). Ge-

genstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet damit einzig die 

Frage, ob der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers vom SEM 

zu Recht als durchführbar bezeichnet wurde. 

4.  

4.1 Das SEM erachtete den Vollzug der Wegweisung in der Verfügung vom 

29. März 2023 als durchführbar. Der Beschwerdeführer, der sich an der 

Schwelle zur Volljährigkeit befinde, habe bereits in Marokko ein sehr selb-

ständiges Leben geführt. Er sei fähig gewesen, bei Schwierigkeiten das 

Elternhaus zu verlassen und zur Grossmutter zu reisen, zu der er eine gute 

Beziehung gehabt habe und die sich immer um ihn gekümmert habe. Trotz 

des mehrjährigen Aufenthalts in Europa habe er den Kontakt zu Marokko 

nie ganz abgebrochen. Er stehe mit der Grossmutter und deren Nachbarn, 

den er als Vertrauensperson bezeichnet habe, in Verbindung. Auch zu 

Jungs im Quartier habe er weiterhin losen Kontakt. Zwar habe er 

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angegeben, künftig nicht mehr bei der Grossmutter wohnen zu können, da 

sie schon alt sei. Die Grossmutter sei jedoch schon zuvor betagt gewesen 

und habe sich dennoch um ihn gekümmert. Auch die Vermutung des Be-

schwerdeführers, dass die Grossmutter dement sein könnte, stehe einem 

Leben bei ihr nicht per se entgegen. Der Beschwerdeführer sei in 

B._______ aufgewachsen, scheine aber C._______ wie ein zweites Zu-

hause zu kennen, womit eine Rückkehr auch dorthin zumutbar erscheine. 

Darüber hinaus sei er gesund. Zudem sei der Beschwerdeführer in Anbe-

tracht seines heutigen Alters fähig, sich eigenständig um sich selbst zu 

kümmern. Es werde nicht in Abrede gestellt, dass er schwierige Zeiten er-

lebt und mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt habe. Ange-

sichts des Schulbesuchs in Marokko und Europa sowie der ersten Arbeits-

erfahrungen in Marokko verfüge er aber insgesamt über eine solide Grund-

ausbildung, womit es ihm zuzumuten sei, eine Arbeit zu finden und selbst 

für seinen Unterhalt zu sorgen. Zudem würden Cousins in Frankreich le-

ben, die ihn allenfalls finanziell unterstützen könnten. Auch wenn er an-

gebe, zur Mutter keinen direkten Kontakt mehr zu haben, habe er doch von 

Belgien aus Kontakt zu ihr gesucht, und der Bruder des Cousins habe sie 

auch für ihn kontaktieren können. Es sei daher nicht der Schluss zu ziehen, 

dass die Mutter nicht bereit wäre, ihn bei der Ankunft entgegenzunehmen. 

Aufgrund der Aktenlage sei vielmehr davon auszugehen, dass eine In-

Empfangnahme des Beschwerdeführers durch die Mutter zum Zeitpunkt 

der Rückkehr gewährleistet werden könne. Ferner verfüge Marokko über 

eine Vielzahl an Einrichtungen, die schutzbedürftige Kinder unterstützen 

würden.  

4.2 Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde vom 28. April 2023 

im Wesentlichen geltend, das Kindswohl spreche gegen die Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs. Bei einem UMA sei die Übergabe an ein Fami-

lienmitglied oder eine spezialisierte Organisation vorgängig sicherzustel-

len. Ein genereller Verweis auf die Existenz von Organisationen oder die 

grundsätzliche Möglichkeit der Rückkehr zur Familie genüge nicht. Er habe 

in Marokko allein für sich sorgen müssen und verfüge dort nicht über ein 

unterstützungsfähiges Beziehungsnetz. Es sei falsch, von seinem Kontakt-

versuch von Belgien aus auf die Unterstützung durch seine Mutter bei einer 

Rückkehr nach Marokko zu schliessen. Er habe einen Cousin gebeten, 

zwecks Dokumentenbeschaffung mit seiner Mutter in Kontakt zu treten, 

und diese habe erklärt, ihm nicht zu helfen. Auch seine Grossmutter oder 

deren Nachbar könnten ihn nicht aufnehmen. Ihn Marokko fehle es an 

staatlichen Institutionen, welche sich um schutzbedürftige Kinder kümmern 

würden. 

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Seite 8 

4.3 Das SEM hielt dem in seiner Vernehmlassung vom 14. Juni 2023 im 

Wesentlichen entgegen, es würden durchaus Anhaltspunkte für ein sozia-

les Netzwerk des Beschwerdeführers vorliegen. Brüder des Cousins hätten 

den Kontakt zur Mutter des Beschwerdeführers aufnehmen können. Der 

Aufenthaltsort der Mutter sei somit nicht gänzlich unbekannt. Auch verfüge 

der Beschwerdeführer über Kontakte zum erweiterten Familienkreis (Cous-

ins des Vaters und deren Cousins in B._______). Damit werde deutlich, 

dass trotz der langen Landesabwesenheit der Kontakt zu Verwandten nach 

wie vor möglich sei und auch bestanden habe. Es werde nicht in Abrede 

gestellt, dass die Familienverhältnisse des Beschwerdeführers schwierig 

seien. Das Verhältnis zur Grossmutter habe er aber als sehr gut und liebe-

voll beschrieben. Auch sein Verhältnis zum Nachbarn, der sich um die 

Grossmutter kümmere und dem er vertraue, sei gut. Allein der Umstand, 

dass die Grossmutter betagt sei, mindere die gute und gefestigte Bezie-

hung nicht. Dem Einwand des Beschwerdeführers, die Grossmutter erhalte 

nur eine kleine Rente, sei zu entgegnen, dass es ihm zuzumuten sei, bei 

einer Rückkehr nach Marokko selbst arbeitstätig zu werden. Durch seine 

Aufenthalte und steten Weiterreisen in Europa habe er gezeigt, dass er 

überaus selbständig sei. Während der ersten Zeit der Reintegration in Ma-

rokko könne er allenfalls auch auf die finanzielle Unterstützung durch seine 

Verwandten in Europa zählen, zumal ein Cousin ihm bereits früher finanzi-

ell unter die Arme gegriffen und ihm bei der Beschaffung von Dokumenten 

zur Seite gestanden habe. Falls nicht gewährleistet sein sollte, dass er 

durch einen Familienangehörigen in Empfang genommen würde, könnten 

Begleitmassnahmen, soweit notwendig, in Zusammenarbeit mit der Inter-

nationalen Organisation für Migration (IOM) angeordnet werden. 

4.4 Der Beschwerdeführer verneinte in der Replik vom 3. Juli 2023 das 

Vorhandensein eines sozialen Beziehungsnetzes in Marokko. Seine be-

tagte Grossmutter werde nicht mehr lange leben und der Cousin, zu dem 

er noch engen Kontakt pflege, lebe in Frankreich. In Marokko habe er in 

sozioökonomischer Hinsicht keine Perspektive. In D._______ habe er sich 

dank seiner Französischkenntnisse bereits gut integriert und er hoffe, hier-

zulande irgendwann eine Lehre absolvieren zu können. 

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

5.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

5.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur 

Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Nachdem in der Ver-

fügung vom 29. März 2023 rechtskräftig festgestellt wurde, dass der Be-

schwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht er-

füllt, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung 

im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des 

Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von 

Art. 5 AsylG rechtmässig. 

5.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-

führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

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Seite 10 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Auch die allgemeine Men-

schenrechtssituation in Marokko lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-

tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  

5.2.4 Aufgrund der mittlerweile eingetretenen Volljährigkeit des Beschwer-

deführers erübrigen sich inhaltliche Ausführungen zur Anwendbarkeit des 

Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107) im relevanten Urteilszeitpunkt. 

5.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

5.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

5.3.1 In Marokko herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation all-

gemeiner Gewalt, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefähr-

det bezeichnet werden müsste. Der Wegweisungsvollzug ist grundsätzlich 

zumutbar (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-6761/2023 vom 4. Januar 

2024 E. 8.3.1). 

5.3.2 Da der Beschwerdeführer mittlerweile volljährig ist, erübrigt sich vor-

liegend auch in Bezug auf die Zumutbarkeit eine Prüfung der Vereinbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs mit den Bestimmungen der KRK (vgl. hierzu 

beispielsweise die Urteile des BVGer D-1881/2019 vom 17. Juli 2019 

E. 6.2.2.3, E-559/2018 vom 25. Juli 2018 E. 8.4.3 und D-4399/2016 vom 

7. März 2018 E. 7.4.4). Auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Vorbehalte am Vorhandensein genügender Unterstützungsangebote für 

Minderjährige in Marokko und die von ihm in diesem Zusammenhang be-

anstandeten Abklärungen des SEM ist deshalb vorliegend nicht weiter ein-

zugehen. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Integration in der 

Schweiz fällt ebenfalls nicht ins Gewicht, da bei der Prüfung der Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs eines volljährigen Asylsuchenden in erster 

Linie die Situation im Heimatland zu prüfen ist. Beim Beschwerdeführer 

handelt es sich um einen mittlerweile volljährigen jungen Mann, der in 

D-2380/2023 

Seite 11 

Marokko sozialisiert wurde und somit mit der heimatlichen Kultur vertraut 

ist. Gesundheitliche Beeinträchtigungen machte er nicht geltend. Auch 

wenn er angab, an einem Umgang mit den Verwandten im Heimatland – 

mit Ausnahme der Grossmutter – eigentlich kein Interesse mehr zu haben, 

lassen seine Aussagen doch erkennen, dass soziale Anknüpfungspunkte 

an verschiedenen Orten (B._______, C._______) vorhanden sind, und 

dass eine Kontaktaufnahme mit Verwandten und Nachbarn grundsätzlich 

möglich ist. Es ist nicht ersichtlich, dass dem Beschwerdeführer das An-

knüpfen an bestehende Beziehungen nicht möglich sein oder das Schlies-

sen neuer Beziehungen nicht gelingen sollte. Darüber hinaus darf erwartet 

werden, dass er bei einer Rückkehr nach Marokko in der Lage sein wird, 

ein Auskommen zu finden, zumal er als alleinstehender Mann nur für den 

eigenen Lebensunterhalt zu sorgen hat. Bei der wirtschaftlichen Integration 

dürften ihm die im Heimatland und in europäischen Staaten erworbene 

Schulbildung sowie die umfangreichen Fremdsprachenkenntnisse von 

Nutzen sein. Überdies zeugen die Schilderungen des Beschwerdeführers 

von grosser Selbständigkeit bereits in jungen Jahren; eine Eigenschaft, die 

ihm ebenfalls die wirtschaftliche Eingliederung in die marokkanische Ge-

sellschaft erleichtern dürfte. Allfällige anfängliche wirtschaftliche Reinteg-

rationsschwierigkeiten vermögen dem Vollzug im Übrigen nicht entgegen-

zustehen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, von de-

nen die ansässige Bevölkerung betroffen ist (bspw. Mangel an Arbeitsplät-

zen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen vermögen (vgl. 

BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Des Weiteren kann auf die grundsätzliche Mög-

lichkeit der Inanspruchnahme von Rückkehrhilfe hingewiesen werden. 

Ohne die Schwierigkeiten bei einer Rückkehr nach dem (behaupteten) 

langjährigen Auslandsaufenthalt zu verkennen, ist somit insgesamt nicht 

davon auszugehen, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach 

Marokko aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesund-

heitlicher Natur in eine existenzielle Notlage geraten, die als konkrete Ge-

fährdung im Sinne der zu beachtenden Bestimmung zu werten wäre 

(Art. 83 Abs. 4 AIG).  

5.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

5.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

D-2380/2023 

Seite 12 

5.5 Zusammenfassend ist der Wegweisungsvollzug im Urteilszeitpunkt als 

zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vor-

läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm je-

doch mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2023 die unentgeltliche Prozess-

führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und weiterhin von 

dessen prozessualer Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der Kostenerhe-

bung abzusehen. 

8.  

Die amtliche Rechtsvertretung ist unbesehen des Ausgangs des Verfah-

rens zu entschädigen. Bei der Bemessung des Honorars wird nur der not-

wendige Aufwand entschädigt (vgl. Art. 8 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]), und die Rechtsbeiständin wurde in der Er-

nennungsverfügung vom 30. Mai 2023 über die vom Gericht in der Regel 

angewendeten Stundenansätze informiert.  

Die Rechtsvertreterin bezifferte den zeitlichen Aufwand in der vom 28. April 

2023 datierenden Kostennote mit 9 Stunden und machte Übersetzungs-

kosten von Fr. 86.– geltend. Sie beantragte einen Stundenansatz von 

Fr. 150.–, welcher dem in der Verfügung vom 30. Mai 2023 genannten 

Rahmen entspricht. Unter Berücksichtigung der späteren Eingabe vom 

3. Juli 2023 (Replik) und der ausgewiesenen Portokosten von Fr. 7.70 ist 

das amtliche Honorar auf insgesamt Fr. 1593.70 festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2380/2023 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Honorar von 

Fr. 1593.70 zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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