# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f5ed7ae8-abca-5c92-9923-65b2e7ba342e
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-08-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 31.08.2021 21-852
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_21-852_2021-08-31.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/15

Publikationsplattform

Kanton St.Gallen und St.Galler Gemeinden

Fall-Nr.: 21-852

Stelle: Generalsekretariat Bau- und Umweltdepartement

Instanz: Bau- und Umweltdepartement

Publikationsdatum: 06.10.2021

Entscheiddatum: 31.08.2021

BDE 2021 Nr. 55
Art. 115 Bst. g, 121 Abs. 1 Bst. b, 121 Abs. 1 Bst. c, 121 Abs. 2 und 176 Abs. 2 
Bst. b PBG. Nach Art. 176 Abs. 2 PBG sind Baudenkmäler von Gesetzes 
wegen (ex lege) geschützt, bis ein Schutzinventar nach PBG oder eine 
Schutzverordnung vorliegt, die nicht älter als 15 Jahre ist. Folge dieses ex-
lege-Schutzes ist, dass bei potentiellen Schutzobjekten – d.h., bei Bauten 
oder Ensembles, bei denen ein hinreichend konkreter Schutzverdacht 
besteht –, die Gegenstand eines Baubewilligungsverfahrens sind, von der 
zuständigen Behörde "vorfrageweise" abzuklären ist, ob es sich dabei um 
ein Schutzobjekt im Sinn von Art. 115 Bst. g oder h PBG handelt. Ist also in 
einem Baubewilligungsverfahren von Amtes wegen oder infolge einer 
Einsprache unklar, ob ein potentielles Schutzobjekt im Sinn des PBG durch 
das Bauvorhaben möglicherweise beeinträchtigt wird, hat die zuständige 
Behörde unter Beizug des Amtes für Kultur (Art. 121 Abs. 2 PBG) in einem 
dafür geeigneten Verfahren (Erw. 5) vorfrageweise abzuklären, ob es sich 
dabei tatsächlich um ein Schutzobjekt handelt und welche Bedeutung 
(national, kantonal oder lokal) diesem zukommt (sog. Triage). Das Ergebnis 
dieser "vorfrageweisen" Abklärung (Schutz und Schutzumfang bzw. 
Schutzverzicht) hat in eine separate Dispositivziffer der Baubewilligung nach 
Art. 121 Abs. 1 Bst. b PBG oder – wenn für die Unterschutzstellung eine 
andere kommunale Behörde zuständig ist – in eine Schutzverfügung nach 
Art. 121 Abs. 1 Bst. c PBG einzufliessen, die den Beteiligten gleichzeitig mit 
dem Entscheid über das Baugesuch zu eröffnen ist (Erw. 3.2).

BDE 2021 Nr. 55 finden Sie im angehängten PDF-Dokument.

Kanton St.Gallen 

Baudepartement 

 

 
 

  

 

 

 

 

 

21-852 

 

Entscheid Nr. 55/2021 vom 31. August 2021 

Rekurrentin 

 

  

 A.___,  

vertreten durch lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, Museumstrasse 35, 

9000 St.Gallen 

 

   

gegen 

 

 

Vorinstanz  Z.___ (Entscheid vom 8. Januar 2021) 

 

 

Rekursgegner 

 

 

 B.___,  

vertreten durch lic.iur.HSG Christina Nossung, Rechtsanwältin, 

Teufenerstrasse 3, 9001 St.Gallen 

 

 

Betreff  Baubewilligung (Fassaden- und Dachsanierung sowie Installation 

einer Photovoltaikanlage) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 2/14 

 

Sachverhalt 

A.  

a) B.___, Y.___, sind Eigentümer des Grundstücks Nr. 001, 

Grundbuch Y.___. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonen-

plan der Stadt Y.___ vom 1. November 1980 in der Wohnzone W2. Es 

ist mit einem Reiheneinfamilienhaus (Vers.-Nr. 002) überbaut, wel-

ches Teil der zwischen 1966 und 1968 errichteten Siedlung X.___ am 

nordostwärts abfallenden Hang der Solitüde bildet. Eine von der 

X.___strasse nach Westen abzweigende Stichstrasse erschliesst die 

in zwei Zeilen angeordneten Häuser. Die Siedlung besteht aus insge-

samt 32 zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäusern. Diese sind, in 

der Höhe und im Grundriss gestaffelt, nördlich der X.___strasse in vier 

Zweier- und zwei Dreierreihen und südlich davon in sechs Dreierrei-

hen angeordnet. Die architektonische Gestaltung der Siedlung ist ein-

heitlich und einfach. Die Fassaden sind mit grobem Putz überdeckt, 

mit Ausnahme der Sockelpartie und dem Bereich beim Nebeneingang 

zum Waschraum, welche beide glatt verputzt und grau gefasst sind. 

Als Dachform finden sich heute ausschliesslich Flachdächer.  

 

 
(Ausschnitt Orthofoto 2019; Siedlung X.___) 

 

B.  

a) Mit Baugesuch vom 14. Juni 2017 beantragten B.___ bei der 

Gemeinde Y.___ die Baubewilligung für eine Fassaden- und Dachsa-

nierung sowie die Erstellung einer Photovoltaikanlage. Das 

Bauvorhaben beinhaltete eine neue verputzte 

Aussenwärmedämmung, neue Fenster aus Holz und Metall, neue 

Lamellenstoren, ein neues Flachdach mit Wärmedämmung und 

Vordach, eine neue Eingangstür sowie die Erstellung einer 

Photovoltaikanlage auf dem Dach.  

 

b) Innert der Auflagefrist vom 4. bis 19. Juli 2017 erhob A.___, 

Y.___, vertreten durch lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen, öf-

fentlich-rechtliche und privatrechtliche Einsprache gegen das Bauvor-

haben. Sie rügte in öffentlich-rechtlicher Hinsicht, die geplanten 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 3/14 

 

baulichen Veränderungen liessen sich nicht mit dem Gesamtbild der 

Überbauung vereinbaren und wirkten verunstaltend. Dadurch liege 

eine Verletzung von Art. 50 der Bauordnung der Gemeinde Y.___ (ab-

gekürzt BauO) und Art. 93 des Baugesetzes vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 

134; abgekürzt BauG) vor. Die Siedlung X.___ sei ein qualitätsvoller 

Zeuge des genossenschaftlichen Bauens der Moderne und damit ein 

Schutzgegenstand, der in der Grundstruktur unverändert im 

Originalzustand zu erhalten sei. Das strittige Bauvorhaben stelle die 

erste Gebäudehüllensanierung der Siedlung dar und habe 

Präjudizwirkung. Es sei deshalb eine Gesamtbetrachtung angezeigt.  

 

c)  

aa) Während des hängigen Baubewilligungsverfahrens ersuchte 

A.___ durch ihren Rechtsvertreter die Gemeinde Y.___ am 

12. September 2017 um Erlass einer Planungszone zwecks Erlass 

von Sonderbauvorschriften zur Sicherstellung des einheitlichen 

Erscheinungsbilds der Siedlung X.___. Mit Beschluss vom 8. Mai 2018 

lehnte der Stadtrat Y.___ das Gesuch ab. Er führte aus, es bestehe 

kein Anspruch auf Erlass einer Planungszone, da die Ortsplanung 

Sache der Gemeinde sei und es in ihrem Ermessen liege, ob sie eine 

solche erlassen wolle. Es bestehe keine verfestigte Planungsabsicht, 

die Siedlung in ihrer einheitlichen Erscheinung erhalten zu wollen.  

 

bb) Gegen diesen Beschluss erhob A.___ am 28. Mai 2018 durch 

ihren Vertreter Rekurs beim Baudepartement (Verfahren Nr. 18-3387). 

Im Rahmen des Rekursverfahrens reichte das Amt für 

Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) mit den 

Stellungnahmen des kantonalen Hochbauamtes (HBA) und der 

kantonalen Denkmalpflege (DMP) einen koordinierten Vernehmlas-

sungsbericht ein. Das AREG kam zum Schluss, aus kantonaler Sicht 

sei der Erlass einer Planungszone zweckmässig. Da die Gemeinde 

Y.___ die zuständige Planungsbehörde sei, liege der Entscheid 

darüber jedoch beim Stadtrat. Mit Entscheid vom 25. Februar 2019 

wies das Baudepartement den Rekurs ab (BDE Nr. 9/2019), da kein 

klagbarer Anspruch auf Erlass einer Planungszone bestehe. 

 

cc) Gegen diesen Entscheid erhob A.___ am 12. März 2019 durch 

ihren Vertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Daraufhin sis-

tierte die Z.___ das Baubewilligungsverfahren bis zum rechtskräftigen 

Entscheid über die Planungszone.  

 

dd) Das Verwaltungsgericht stützte mit Urteil B 2019/60 vom 

19. September 2019 den Rekursentscheid des Baudepartementes 

und wies die Beschwerde von A.___ ab, soweit darauf eingetreten 

wurde.  

 

ee) Die vom Vertreter von A.___ am 30. Oktober 2019 gegen das 

Urteil des Verwaltungsgerichtes eingereichte Beschwerde beim Bun-

desgericht, wies dieses mit Urteil 1C_577/2019 vom 4. November 

2020 ab, soweit darauf eingetreten wurde. Es erwog abschliessend, 

es sei mit Art. 27 des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 4/14 

 

(SR 700; abgekürzt RPG) vereinbar, dass eine Rechtspflicht zum 

Erlass einer Planungszone verneint worden sei, und immerhin würden 

die zuständigen Behörden angesichts des koordinierten 

Vernehmlassungsberichts der kantonalen Fachstellen allenfalls Mass-

nahmen zum denkmalpflegerischen Schutz der Siedlung Oberhof-

stetten zu prüfen haben. 

 

d) Während des sistierten Baubewilligungsverfahrens und des 

hängigen Beschwerdeverfahrens vor Verwaltungsgericht betreffend 

Planungszone ersuchte A.___ den Stadtrat Y.___ am 22. Mai 2019 

durch ihren Vertreter um Erlass eines Sondernutzungsplans zwecks 

Erhaltung des Charakters und des einheitlichen Erscheinungsbilds der 

Überbauung X.___. Mit Schreiben vom 21. Juni 2019 teilte die Ge-

meinde Y.___ mit, der Stadtrat sei bereit, im Rahmen der anstehenden 

Gesamtrevision der Bauordnung und des Zonenplans über das Ge-

such zu befinden. Den gegen dieses Schreiben beim Baudepartement 

erhobenen Rekurs zog der Vertreter von A.___ am 9. Oktober 2019 

zurück. Daraufhin wurde das Verfahren als erledigt von der Geschäfts-

liste des Baudepartementes abgeschrieben (Verfahren Nr. 19-5560).  

 

e) Mit Schreiben vom 10. Dezember 2020 informierte die Z.___ 

B.___ über die Fortführung des Baubewilligungsverfahrens.  

 

f) Mit Beschluss vom 8. Januar 2021 erteilte die Z.___ der Ge-

meinde Y.___ die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen, 

wies die öffentlich-rechtliche Einsprache von A.___ ab und verwies de-

ren privatrechtliche Einsprache auf den Zivilrechtsweg. Zur Begrün-

dung wurde ausgeführt, gemäss der städtischen Denkmalpflege lägen 

die Qualitäten der Siedlung in erster Linie in ihrer Lage und ihrer 

einheitlichen Erscheinung. Bis heute seien die Häuser grösstenteils in 

ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild erhalten geblieben. Die 

architektonischen Qualitäten seien aber nicht als herausragend und 

die Siedlung konzeptionell nicht als besonders innovativ zu bewerten. 

Bereits im Entscheid vom 8. Mai 2020 betreffend Planungszone habe 

der Stadtrat erwogen, dass keine verfestigte Planungsabsicht 

bestehe, die Siedlung X.___ in ihrer einheitlichen Erscheinung 

erhalten zu wollen. Durch das Bauvorhaben werde sich das äussere 

Erscheinungsbild zweifelsohne leicht ändern, was für sich allein aber 

keinen Verstoss gegen das Verunstaltungsverbot darstelle. Ein 

solcher sei erst gegeben, wenn ein Gegensatz zum bestehenden Orts- 

und Landschaftsbild geschaffen werde, der qualifiziert störe. Dies sei 

vorliegend nicht der Fall. Da keine erhöhten gestalterischen 

Anforderungen an das Bauvorhaben bestünden, sei dieses zu 

bewilligen.  

 

C.  

Gegen diesen Beschluss erhob A.___ durch ihren Rechtsvertreter mit 

Schreiben vom 27. Januar 2021 Rekurs beim Baudepartement. Mit 

Rekursergänzung vom 9. März 2021 werden folgende Anträge ge-

stellt:  

 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 5/14 

 

1. Der angefochtene Entscheid vom 8. Januar 2021 
(Nr. 5) sei aufzuheben; 

2. Das Baugesuch Nr. 55'105 sei wegen Verletzung öf-
fentlich-rechtlicher Vorschriften abzuweisen;  

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.  

 

Zur Begründung wird vorgebracht, die Erteilung der Baubewilligung für 

die Verdoppelung der Aussenfassaden sowie die Erstellung einer Pho-

tovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses der Rekursgegner präjudi-

zierten die künftige Prüfung und Ergänzung der Bauvorschriften für die 

Siedlung X.___ negativ. Bereits im Rekursverfahren  

Nr. 18-3387 betreffend Planungszone sei im koordinierten Vernehm-

lassungsbericht der kantonalen Amtsstellen festgehalten worden, die 

Siedlung sei Zeuge für naturnahes, aber bodenschonendes Bauen, 

und das einheitliche Erscheinungsbild sei zu erhalten. Zudem habe 

das Bundesgericht im Urteil 1C_577/2019 vom 4. November 2020 

angemerkt, die zuständigen Behörden hätten angesichts dieses 

koordinierten Vernehmlassungsberichts allenfalls Massnahmen zum 

denkmalpflegerischen Schutz der Siedlung zu prüfen. Diese Prüfung 

sei unterblieben. Durch die Verdoppelung der Aussenfassaden und 

die Photovoltaikanlage werde der gesamtheitliche Charakter und das 

einheitliche Erscheinungsbild beeinträchtigt. Die Siedlung sei hinsicht-

lich des äusseren Erscheinungsbilds ein Baudenkmal nach Art. 115 

Bst. g des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; abgekürzt PBG). 

Da die Gemeinde Y.___ keine Schutzverordnung und kein Schutzin-

ventar im Sinn des PBG habe, bestehe gemäss Art. 176 Abs. 2 PBG 

ein Schutz von Gesetzes wegen. Das streitige Bauvorhaben beein-

trächtige einen solchen Schutzgegenstand. Selbst wenn die Siedlung 

nicht als Schutzgegenstand nach Art. 115 Bst. g PBG betrachtet 

würde, sondern bloss als Gebiet mit besonderem baulichen Erschei-

nungsbild, sei das Bauvorhaben unzulässig. Vor dem Hintergrund der 

Amtsberichte gelte die Siedlung zumindest als Gebiet mit besonderem 

baulichen Erscheinungsbild, dessen Gebietscharakter durch Art. 50 

BauO geschützt werde. Schliesslich sei das Bauvorhaben aber auch 

mit Art. 99 Abs. 1 PBG unvereinbar, da sowohl die zusätzliche Aus-

seninsolation als auch die Photovoltaikanlage das Orts- und Land-

schaftsbild verunstalteten.  

 

D.  

a) Mit Vernehmlassung vom 30. März 2021 beantragen die Re-

kursgegner, vertreten durch lic.iur.HSG Christina Nossung, 

Rechtsanwältin, St.Gallen, den Rekurs unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolge abzuweisen. Zur Begründung wird geltend gemacht, die 

Siedlung stehe weder unter Schutz noch stelle sie ein Baudenkmal 

dar. Der Stadtrat habe im Entscheid vom 8. Mai 2018 betreffend Pla-

nungszone ausführlich dargelegt, dass keine Planungsabsicht für das 

Gebiet bestehe. Dieser Entscheid sei von Baudepartement, Verwal-

tungsgericht und Bundesgericht bestätigt worden. In der Siedlung be-

stehe ein Bedürfnis nach energetischer Sanierung. Deshalb plane der 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 6/14 

 

Vorstand der Wohnbaugenossenschaft die Anpassung des Siedlungs-

reglements. Entgegen den Ausführungen der Rekurrentin würden 

nicht nur am Wohnhaus der Rekursgegner Änderungen vorgenom-

men. Bereits in der Vergangenheit seien nachweislich Veränderungen 

an der äusseren Erscheinung anderer Liegenschaften der Siedlung 

vorgenommen worden, wie sich auch anlässlich des Augenscheins 

vom 15. März 2018 gezeigt habe. Während des Einspracheverfahrens 

seien auf zwei weiteren Grundstücken sichtbare bauliche Änderungen 

durchgeführt worden. Das geltend gemachte einheitliche Bild bestehe 

nicht mehr. Die Rekurrentin verkenne auch, dass Veränderungen der 

Aussendämmung ohnehin nur schwer wahrnehmbar seien. Die Pho-

tovoltaikanlage sei zwar sichtbar, entspreche aber der heutigen Zeit 

und habe keine übermässig negativen Auswirkungen auf die äussere 

Erscheinung. Die von der Rekurrentin angeführten Alternativen zur 

energetischen Sanierung seien keine Option. Die energetische Sanie-

rung beeinträchtige das Gesamtbild nicht übermässig. Im Weiteren sei 

die Siedlung kein Schutzgegenstand nach Art. 115 PBG. Art. 50 BauO 

sei nicht einschlägig, da sich das Baugrundstück nicht in einem im Zo-

nenplan bezeichneten Gebiet mit besonderem baulichen Erschei-

nungsbild befinde. Was die erstmals geltend gemachte Verletzung von 

Art. 99 PBG betreffe, seien Vorinstanz und städtische Denkmalpflege 

zum Schluss gekommen, dass die energetische Sanierung zu keiner 

Verunstaltung führe. Zu berücksichtigen seien in diesem Zusammen-

hang die bereits vorgenommenen baulichen Anpassungen in der Sied-

lung in den vergangenen Jahren. Ein einheitliches Siedlungsbild be-

stehe somit nicht mehr.  

 

b) Mit Vernehmlassung vom 31. März 2021 beantragt  

die Vorinstanz, den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird auf die 

angefochtene Verfügung verwiesen und ergänzend ausgeführt, da für 

die Siedlung X.___ keine erhöhten gestalterischen Anforderungen gel-

ten würden, mithin lediglich das Verunstaltungsverbot  

massgebend sei, sei es unzulässig, erhöhte gestalterische Anforde-

rungen verlangen zu wollen, selbst wenn die Absicht zur Wahrung des 

heutigen Erscheinungsbilds im Grundsatz begrüssenswert sei. Im 

Rahmen der anstehenden Überarbeitung der Bau- und Zonenordnung 

werde die Siedlung auf ihre Schutzwürdigkeit überprüft. Dieser Pro-

zess dauere aber noch Jahre. Bereits im Verfahren betreffend Pla-

nungszone habe der Stadtrat allerdings erwogen, es bestehe derzeit 

keine verfestigte Planungsabsicht, weshalb er vom Erlass einer Pla-

nungszone abgesehen habe.  

 

c) Mit Amtsbericht vom 26. Mai 2021 hält die DMP fest, es sei auf-

grund der in den früheren Verfahren genannten Qualitäten der Über-

bauung von einem Schutzverdacht auszugehen. Da es mangels Vor-

abklärungen der Vorinstanz nicht möglich sei, die Schutzwürdigkeit 

der Siedlung eingehender zu beurteilen, sei es an der zuständigen 

kommunalen Behörde, die entsprechenden Grundlagen zu erarbeiten 

und vorfrageweise über die Schutzwürdigkeit zu befinden.  

  

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 7/14 

 

 

E.  

a) Mit Stellungnahme vom 30. Juni 2021 hält der Vertreter der Re-

kurrentin zu den Vernehmlassungen fest, die Haltung der Vorinstanz, 

erst später die Schutzwürdigkeit der Siedlung zu prüfen, sei irritierend. 

Sobald eines der Objekte der Überbauung verunstaltet sei, werde die 

Gesamtüberbauung beeinträchtigt. Auch wenn die Vorinstanz ihrer 

Planungspflicht nicht nachkommen wolle, bleibe es dabei, dass die 

Siedlung derzeit von Gesetzes wegen nach Art. 176 PBG geschützt 

sei.  

 

b) Die Vertreterin der Rekursgegner bringt mit Stellungnahme vom 

30. Juni 2021 vor, die Gemeinde habe sich mit der Frage der Schutz-

würdigkeit auseinandergesetzt. Im Übrigen habe die Wohnbaugenos-

senschaft anlässlich der letzten Versammlung das Siedlungsregle-

ment angepasst, das nun Aussenisolation, Dachvorsprünge und Pho-

tovoltaikanlagen regle.  

 

F.  

Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen 

eingegangen.  

Erwägungen 

1.  

1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus 

Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; 

abgekürzt VRP).  

 

1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 

VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP). 

Auf den Rekurs ist einzutreten.  

 

2.  

Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das BauG auf-

gehoben worden (Art. 172 Bst. a PBG). Der erstinstanzliche Einspra-

che- und Baubewilligungsentscheid erging am 8. Januar 2021. Mithin 

sind vorliegend grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar, 

sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche 

Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Ju-

ristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt wer-

den. Im Übrigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das entspre-

chende Baureglement zur Anwendung.  

 

3.  

Die Rekurrentin macht im Wesentlichen geltend, bei der Überbauung 

X.___ handle es sich um ein Schutzobjekt im Sinn von Art. 115 Bst. g 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 8/14 

 

PBG, welches gemäss Art. 176 Abs. 2 PBG von Gesetzes wegen ge-

schützt sei, und durch das Bauvorhaben der Rekursgegner beein-

trächtigt werde. Die Rekursgegner vertreten den Standpunkt, bei der 

Siedlung handle es sich nicht um ein geschütztes Baudenkmal nach 

Art. 115 Bst. b PBG. Insbesondere sei das einheitliche Erscheinungs-

bild aufgrund bereits erfolgter baulicher Veränderungen auf verschie-

denen anderen Grundstücken der Gesamtüberbauung nicht mehr ge-

geben.  

 

3.1 Gemäss Art. 115 Bst. g PBG sind Baudenkmäler Schutzobjekte. 

Als solche gelten herausragende bauliche Objekte und Ensembles 

von besonderem kulturellen Zeugniswert. Es können einzelne 

bauliche Objekte oder bauliche Gesamtheiten sein. Bei einem 

Einzelobjekt kann sich der schützenswerte Eigenwert auf das Ganze 

oder auch nur Teile davon beziehen. Bei Baugruppen (Ensembles) 

und Ortsbildern können einzelne oder alle Objekte aufgrund ihres 

Eigenwerts und/oder ihrer Stellung innerhalb des Ortsbilds, einer 

Baugruppe oder eines Ensembles als Teil der Gesamtheit 

Schutzobjekte sein (W. ENGELER, in: Ehrenzeller/Engeler [Hrsg.], 

Handbuch Heimatschutzrecht, Zürich/St.Gallen 2020, § 7 N 43 und 

75). Mit dem Schutz von baulichen Gesamtheiten ist ihre äussere 

Erscheinungsform, das Gesamtbild, verbunden. Für die Schutzobjekte 

Baugruppe beziehungsweise Ensembles und Ortsbild ist das Zu-

sammenwirken von Baukörpern und Freiräumen an einem bestimmten 

Ort wesentlich. Diese werden durch einheitsstiftende Elemente 

definiert und eingegrenzt, die das zu schützende charakteristische Bild 

ausmachen. Der zu schützende besondere kulturelle Wert baulicher 

Gesamtheiten ergibt sich weniger aus dem Wert ihrer Bestandteile, 

sondern vielmehr aus deren Zusammenwirken zu einem charakter-

istischen Ganzen (ENGELER, a.a.O., § 7 N 81 f.).  

 

3.2 In der Regel sind Baudenkmäler und archäologische Denkmäler 

nach Art. 115 Bst. g und h PBG dann rechtlich geschützt, wenn diese 

von der zuständigen Behörde im dafür vorgesehenen Verfahren unter 

Schutz gestellt werden (Art. 121 PBG), ausser bei einem Schutz durch 

Rechtssatz (Gesetz oder Verordnung) oder bei einem ex-lege-Schutz 

nach Art. 176 Abs. 2 PBG (ENGELER, a.a.O., § 7 N 45). Nach Art. 176 

Abs. 2 PBG sind Baudenkmäler von Gesetzes wegen (ex lege) ge-

schützt, bis ein Schutzinventar nach PBG (Bst. a) oder eine Schutz-

verordnung vorliegt, die nicht älter als 15 Jahre ist (Bst. b). Daraus 

ergeben sich die nachfolgenden drei Konstellationen: Lag in einer Ge-

meinde am 1. Oktober 2017 eine Schutzverordnung vor, die nicht älter 

als 15 Jahre war, besteht in dieser Gemeinde kein ex-lege-Schutz 

(1. Konstellation). Umgekehrt besteht ex-lege-Schutz dann, wenn eine 

Schutzverordnung am 1. Oktober 2017 älter als 15 Jahre war. Dieser 

ex-lege-Schutz gilt solange, bis ein Schutzinventar nach PBG vorliegt 

oder die Schutzverordnung nach den Bestimmungen des PBG revi-

diert ist (2. Konstellation). Das Gleiche ergibt sich, wenn die Gemeinde 

am 1. Oktober 2017 weder über eine Schutzverordnung noch über ein 

Schutzinventar verfügte (3. Konstellation). Mit dem im PBG vorgese-

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 9/14 

 

henen ex-lege-Schutz wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass spä-

testens 15 Jahre nach Inkrafttreten des PBG in jeder Gemeinde ein 

PBG-konformes Schutzinventar oder eine PBG-konforme Schutzver-

ordnung vorhanden ist. Folge dieses ex-lege-Schutzes ist, dass nun 

bei potentiellen Schutzobjekten – d.h., bei Bauten oder Ensembles, bei 

denen ein hinreichend konkreter Schutzverdacht besteht –, die Ge-

genstand eines Baubewilligungsverfahrens sind, von der zuständigen 

Behörde "vorfrageweise" abzuklären ist, ob es sich dabei um ein 

Schutzobjekt im Sinn von Art. 115 Bst. g oder h PBG handelt. Im Rah-

men dieser Prüfung ist der besondere kulturelle Zeugniswert zu ermit-

teln. Wird dieser nachgewiesen, ist das Objekt als Schutzobjekt zu be-

trachten (ENGELER, a.a.O., § 7 N 123 f.) und formell unter Schutz zu 

stellen. Ist also in einem Baubewilligungsverfahren von Amtes wegen 

oder infolge einer Einsprache unklar, ob ein potentielles Schutzobjekt 

im Sinn des PBG durch das Bauvorhaben möglicherweise beeinträch-

tigt wird, hat die zuständige Behörde unter Beizug des Amtes für Kultur 

(Art. 121 Abs. 2 PBG) vorfrageweise abzuklären, ob es sich dabei tat-

sächlich um ein Schutzobjekt handelt und welche Bedeutung (national, 

kantonal oder lokal) diesem zukommt (sog. Triage; J. BEREUTER, in: 

Bereuter/Frei/Ritter [Hrsg.], Kommentar zum Planungs- und Bauge-

setz des Kantons St.Gallen, Basel 2020, Art. 121 N 7). Das Ergebnis 

dieser "vorfrageweisen" Abklärung (Schutz und Schutzumfang bezie-

hungsweise Schutzverzicht) hat in eine separate Dispositivziffer der 

Baubewilligung nach Art. 121 Abs. 1 Bst. b PBG (BEREUTER, a.a.O., 

Art. 121 N 7) oder – im Fall eines Provokationsverfahrens nach 

Art. 116 PBG – in eine Schutzverfügung nach Art. 121 Abs. 1 Bst. c 

PBG einzufliessen, die den Beteiligten gleichzeitig mit dem Entscheid 

über das Baugesuch zu eröffnen ist.  

 

3.3 Die Gemeinde Y.___ verfügt über keine Schutzverordnung, die 

nicht älter als 15 Jahre ist. Zudem liegt auch kein Schutzinventar im 

Sinn von Art. 118 ff. PBG vor. Folglich sind in der Gemeinde Y.___ 

Baudenkmäler und archäologische Denkmäler nach Art. 115 Bst. g 

und h PBG derzeit von Gesetzes wegen nach Art. 176 Abs. 2 PBG 

geschützt.  

 

3.4 Die Vorinstanz führte im Rahmen des Einspracheverfahrens am 

15. März 2018 einen Augenschein durch. An diesem war u.a. Matthias 

Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Denkmalpflege der Ge-

meinde Y.___, anwesend, der in Bezug auf die Siedlung ausführte, 

diese präsentiere sich in einem einheitlichen Bild, auch wenn ein paar 

bauliche Veränderungen oder farbliche Nuancierungen im Lauf der 

Zeit entstanden seien. Im Wesentlichen seien die klar gefassten Ku-

ben und die Dachrandabschlüsse charakteristisch. Im Vergleich mit 

anderen Siedlungen der Gemeinde sei die vorliegende aber nicht spe-

ziell innovativ gewesen. Trotz der sichtbaren Einheitlichkeit handle es 

sich seines Erachtens nicht um ein Schutzobjekt, wobei diese Beurtei-

lung letztlich Sache des Stadtrates sei. In der Rekursvernehmlassung 

vom 31. März 2021 wies die Vorinstanz darauf hin, die Prüfung der 

Schutzwürdigkeit der Siedlung werde erst anlässlich der Gesamtrevi-

sion der Nutzungsplanung erfolgen, was noch einige Jahre dauern 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 10/14 

 

werde. Ausserdem habe der Stadtrat in seinem Entscheid vom 8. Mai 

2020 betreffend Planungszone bereits erwogen, es bestehe keine ver-

festigte Planungsabsicht, die Siedlung X.___ in ihrer einheitlichen Er-

scheinung erhalten zu wollen. Vor diesem Hintergrund sei es deshalb 

ungewiss, ob im Rahmen der bevorstehenden Prüfung das Gebiet 

X.___ überhaupt geschützt werde. Die Vorinstanz ging somit im vor-

liegend zu beurteilenden Baubewilligungsverfahren davon aus, dass 

die Siedlung X.___ kein Schutzobjekt nach Art. 115 Bst. g PBG ist. 

 

3.5 In den Vorverfahren wurde in verschiedenen Amtsberichten 

kantonaler Fachstellen Stellung zur Qualität der Siedlung X.___ ge-

nommen. Im Rekursverfahren betreffend Planungszone (Verfahren 

Nr. 18-3387) nahmen die DMP und das HBA diesbezüglich Stellung. 

Die DMP beschrieb in der Stellungnahme vom 27. September 2018 

die Siedlung als einen Zeitzeugen für naturnahes, aber bodenscho-

nendes Bauen der 1960er-Jahre, von guter architektonischer Qualität 

und in ihrer einheitlichen Erscheinung gut erhalten, weshalb die Wah-

rung der Einheitlichkeit wünschenswert sei. Im Bericht des HBA vom 

19. Oktober 2018 wird die Siedlung als heute noch intaktes Ensemble 

aus einfachen, zweigeschossigen Kuben beurteilt, das in seiner ho-

mogenen Erscheinung erhaltenswert sei. Es wurde festgehalten, dass 

durch die Siedlung auf einem verhältnismässig kleinen Areal in ange-

nehm verdichteter Form ein hochwertiges städtisches Wohnen ermög-

licht werde, wie es heutzutage raumplanungsrechtlich sogar gefordert 

werde. Vergleichbare Siedlungen gebe es in der Gemeinde Y.___ be-

ziehungsweise in der weiteren Ostschweiz nur wenige. Die platz- und 

bodensparende Setzung der Baukörper und das homogene Erschei-

nungsbild zeichneten die Siedlung aus. Die schlichte architektonische 

Fassung sei dennoch präzise und die eingesetzten Mittel würden der 

Entstehungszeit entsprechen. Diese homogene, schlichte Architektur 

sei ein wesentlicher Teil des Wohnwerts. Aufgrund dieser Amtsbe-

richte kam das AREG im koordinierten Vernehmlassungsbericht vom 

26. Oktober 2018 zum Schluss, aus kantonaler Sicht sei der Erlass 

einer Planungszone zweckmässig, um den Erlass von 

Sonderbauvorschriften für die Siedlung prüfen zu können. 

 

3.6 Mit Amtsbericht vom 26. Mai 2021 führt die DMP im vorliegen-

den Rekursverfahren aus, in der Gemeinde Y.___ seien Baudenkmä-

ler und archäologische Denkmäler nach Art. 176 Abs. 2 PBG von Ge-

setzes wegen geschützt. Im Fall eines Schutzverdachts sei deshalb im 

Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens die Schutzwürdigkeit eines 

Objekts vorfrageweise zu prüfen. Vorliegend sei aufgrund der in den 

früheren Verfahren festgestellten Qualitäten der Überbauung von ei-

nem Schutzverdacht der Siedlung auszugehen. Bereits in ihrem Be-

richt vom 27. September 2018 (Rekursverfahren Nr. 18-3387) habe 

die DMP den Erlass einer Planungszone zur Ermöglichung der Prü-

fung von Schutzmassnahmen als zweckmässig bezeichnet. Der Ver-

treter der städtischen Fachstelle für Denkmalpflege habe sich anläss-

lich des Augenscheins im Einspracheverfahren vom 15. März 2018 

bezüglich der Schutzwürdigkeit zwar zurückhaltend geäussert und auf 

die Zuständigkeit des Stadtrates verwiesen. In den Akten fänden sich 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 11/14 

 

aber keine Hinweise, dass die Schutzwürdigkeit der Siedlung vom 

Stadtrat anschliessend geprüft worden wäre. Die Überbauung verfüge 

über mehrere Ansatzpunkte, die für eine Schutzwürdigkeit sprächen. 

Abklärungen zu diesen beziehungsweise eine fachlich umfassende 

Beurteilung seien aber bislang nicht erfolgt. Dabei stehe vorliegend 

nicht der Schutz eines einzelnen Kulturobjekts im Vordergrund, son-

dern es hätte geprüft werden müssen, ob und inwieweit ein Schutz der 

Siedlung als Ortsbild, d.h. als Ensemble oder als Gesamtareal, not-

wendig sei. Das heute vorhandene einheitliche Gesamtbild sei für die 

Überbauung wesentlich. Deshalb sei es naheliegend, dass die geplan-

ten eingreifenden Änderungen an der äusseren Erscheinung eines 

einzelnen Gebäudes die ganze Überbauung und damit deren Schutz-

würdigkeit beziehungsweise allfällige Schutzziele nachhaltig beein-

trächtigen könnten. Da es mangels Vorabklärungen nicht möglich sei, 

die Schutzwürdigkeit der Siedlung eingehender zu beurteilen, sei es 

an der zuständigen kommunalen Behörde, die entsprechenden 

Grundlagen zu erarbeiten, um vorfrageweise über die Schutzwürdig-

keit der Siedlung befinden zu können.  

 

3.7 Angesichts der Amtsberichte der kantonalen Fachstellen in den 

Vorverfahren und des Amtsberichts der DMP vom 26. Mai 2021 ist 

nicht auszuschliessen, dass die Siedlung X.___ einen besonderen kul-

turellen Zeugniswert aufweist. Sogar das Bundesgericht hatte im Urteil 

1C_577/2019 vom 4. November 2020 erwogen, die zuständigen Be-

hörden hätten angesichts des koordinierten Vernehmlassungsberichts 

der kantonalen Fachstellen allenfalls Massnahmen zum denkmalpfle-

gerischen Schutz der Siedlung X.___ zu prüfen. Vorliegend besteht 

folglich ein ausreichend konkreter Schutzverdacht. Bei der Siedlung 

handelt es sich somit um ein potentielles Schutzobjekt, weshalb auf-

grund des in der Politischen Gemeinde Y.___ geltenden ex-lege-

Schutzes vor Erteilung der umstrittenen Baubewilligung "vorfrage-

weise" abzuklären gewesen wäre, ob es sich dabei tatsächlich um ein 

Schutzobjekt im Sinn von Art. 115 Bst. g oder h PBG handelt. Nach-

dem in der Gemeinde Y.___ der Stadtrat für die Beurteilung der 

Schutzwürdigkeit von Bauten und Ortsbildern zuständig ist, hätte die 

Vorinstanz für die erforderliche vorfrageweise Beurteilung der Schutz-

würdigkeit die Angelegenheit an den Stadtrat überweisen und das 

Baubewilligungsverfahren solange sistieren müssen, bis der Stadtrat 

über die Schutzwürdigkeit der Siedlung entschieden hat. Vorliegend 

erfolgte jedoch kein Entscheid über die Schutzwürdigkeit der Siedlung. 

Der Beizug der städtischen Denkmalpflege durch die  

Vorinstanz anlässlich des erstinstanzlichen Augenscheins sowie die 

Aussage der Vorinstanz, es liege keine verfestigte Planungsabsicht 

des Stadtrates für das Gebiet vor, genügen für eine "vorfrageweise" 

Beurteilung der Schutzwürdigkeit der Siedlung nicht. Weder sind bis-

lang Abklärungen zur Frage der Schutzwürdigkeit vorgenommen wor-

den noch wurde über die Schutzwürdigkeit der Siedlung vom dafür zu-

ständigen Stadtrat in Form einer anfechtbaren Verfügung entschieden 

(Schutzverfügung im Sinn von Art. 121 Abs. 1 Bst. c PBG).  

  

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 12/14 

 

 

4.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass im Rahmen des Baubewilligungs-

verfahrens rechtswidrigerweise nicht über die Schutzwürdigkeit der 

Siedlung X.___ befunden wurde. Aus diesem Grund ist der angefoch-

tene Entscheid der Vorinstanz vom 8. Januar 2021 aufzuheben und 

zur Abklärung der Schutzwürdigkeit der Siedlung X.___ sowie zur 

neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Rekurs 

erweist sich damit als begründet und ist im Sinn der Erwägungen gut-

zuheissen.  

 

5.  

Nachdem die Vorinstanz somit als Nächstes zu veranlassen haben 

wird, dass der Stadtrat über die Schutzwürdigkeit der Siedlung X.___ 

befindet, soll im Folgenden kurz der Verfahrensablauf für diese "vor-

frageweise" Beurteilung aufgezeigt werden.  

 

Nach der Sistierung des Baubewilligungsverfahrens durch die  

Vorinstanz wird der Stadtrat – nach vorgängiger sachgemässer Durch-

führung des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens gemäss Art. 139 

PBG, in das sämtliche von der Unterschutzstellung beziehungsweise 

vom Verzicht auf die Unterschutzstellung möglichen Betroffenen auf 

geeignete Art einzubeziehen sein werden – unter Beizug des Amtes 

für Kultur (Art. 121 Abs. 2 PBG) abzuklären haben, ob es sich bei der 

Siedlung tatsächlich um ein Schutzobjekt im Sinn des PBG handelt, 

und – falls ja – ob diesem nationale, kantonale oder lokale Bedeutung 

zukommt. Weil der Stadtrat vorliegend nicht für die Baubewilligungs-

erteilung beziehungsweise –verweigerung zuständig ist, kann die Un-

terschutzstellung beziehungsweise der Verzicht darauf nicht ins Dis-

positiv der Baubewilligung aufgenommen werden (vgl. dazu 

BEREUTER, a.a.O., Art. 121 N 7), sondern muss in einer separaten, 

gleichzeitig mit der Baubewilligung zu eröffnenden Schutzverfügung 

im Sinn von Art. 121 Abs. 1 Bst. c PBG erfolgen; dabei kann der Ad-

ressatenkreis der Schutzverfügung wesentlich von demjenigen der 

Baubewilligung abweichen. 

 

6.  

6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die 

Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen 

werden. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes unter-

scheiden sich Bauprozesse, an denen Bauherr und Baueinsprecher 

mit einem direkten Interesse am Prozessausgang teilnehmen, grund-

sätzlich nicht von den Verfahren vor Zivilgerichten. Die Prozesskosten 

werden deshalb in diesen Fällen jeweils in der Regel nicht dem Ge-

meinwesen, sondern den beteiligten Privaten auferlegt (VerwGE vom 

16. November 1998 i.S. E.D.). Indessen ist zu beachten, dass das Er-

folgsprinzip in gewissen, vom Gesetz ausdrücklich geregelten Fällen 

durch das Verursacherprinzip durchbrochen wird (VerwGE vom 

17. August 1999 i.S. H.S.). So gehen unter anderem Kosten, die ein 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 13/14 

 

Verfahrensbeteiligter durch Verletzung wesentlicher Verfahrensvor-

schriften verursacht hat, unabhängig vom Prozessausgang zu dessen 

Lasten (Art. 95 Abs. 2 VRP).  

 

6.2 Die Vorinstanz hat im vorliegenden Verfahren keine Prüfung der 

Schutzwürdigkeit der Siedlung X.___ durch den Stadtrat veranlasst. 

Dies stellt eine Verletzung elementarer Verfahrensvorschriften dar, 

weshalb die amtlichen Kosten von Fr. 3'000.– gemäss Art. 95 Abs. 2 

VRP der Politischen Gemeinde Y.___ aufzuerlegen sind. Da aber vor-

liegend erstmals über die Thematik der "vorfrageweisen" Prüfung der 

Schutzwürdigkeit eines potentiellen Schutzobjekts im Rahmen eines 

Baubewilligungsverfahrens entschieden wird, ist gestützt auf Art. 95 

Abs. 3 VRP auf die Erhebung der amtlichen Kosten bei der Politischen 

Gemeinde Y.___ zu verzichten.  

 

6.3 Der vom Vertreter der Rekurrentin geleistete Kostenvorschuss 

von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten. 

 

7.  

Rekurrentin und Rekursgegner stellen ein Begehren um Ersatz der 

ausseramtlichen Kosten. 

 

7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt, 

soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-

messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-

digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-

liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung 

(Art. 98ter VRP). Von den Verteilungsgrundsätzen kann abgewichen 

und die Prozesskosten können nach Ermessen verteilt werden, wenn 

andere besondere Umstände vorliegen, die eine Verteilung nach dem 

Ausgang des Verfahrens als unbillig erscheinen lassen (Art. 98ter VRP 

in Verbindung mit Art. 107 Abs. 1 Bst. f ZPO). 

 

7.2 Die Rekurrentin obsiegt mit ihren Anträgen. Da das Verfahren 

zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot, 

die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-

sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis 

VRP). Entsprechend der Rekursergänzung des Vertreters der Rekur-

rentin vom 9. März 2021 ist die ausseramtliche Entschädigung in An-

wendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Honorarordnung 

(sGS 963.75; abgekürzt HonO) ermessensweise auf Fr. 2'750.– plus 

die beantragten 4 % Barauslagen, insgesamt also auf Fr. 2'860.–, zu-

züglich Mehrwertsteuer festzulegen. Die ausseramtliche Entschädi-

gung ist von der Politischen Gemeinde Y.___ zu bezahlen. 

 

7.3 Aufgrund der Verletzung elementarer Verfahrensvorschriften 

haben auch die anwaltlich vertretenen Rekursgegner Anspruch auf 

eine ausseramtliche Entschädigung. Die Politische Gemeinde Y.___ 

hat die Rekursgegner ausseramtlich mit Fr. 2'750.– zu entschädigen. 

Weil kein Antrag auf Zusprechung von Barauslagen gestellt wurde, 

 

 

 

 

 

 
 
 

Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 55/2021), Seite 14/14 

 

sind keine Barauslagen zum Honorar hinzuzurechnen. Da zudem 

auch kein begründeter Antrag auf Zusprechung der Mehrwertsteuer 

gestellt wurde, ist diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geänderten 

Art. 29 HonO ebenfalls nicht zum Honorar der Rechtsvertreterin hin-

zuzurechnen.  

Entscheid 

1.  

a) Der Rekurs von A.___, Y.___, wird im Sinn der Erwägungen 

gutgeheissen. 

 

b) Der Entscheid der Z.___ der Gemeinde Y.___ vom 8. Januar 

2021 wird aufgehoben. Die Sache wird im Sinn der Erwägungen an 

die Z.___ der Gemeinde Y.___ zur Veranlassung der "vorfrageweisen" 

Beurteilung der Schutzwürdigkeit der Siedlung X.___ durch den 

Stadtrat Y.___ und anschliessend zur neuen Entscheidung 

zurückgewiesen.  

 

2.  

a) Auf die Erhebung der amtlichen Kosten in der Höhe von 

Fr. 3'000.– bei der Politischen Gemeinde Y.___ wird verzichtet. 

 

b) Der am 17. Februar 2021 von Urs Pfister, St.Gallen, geleistete 

Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– wird zurückerstattet. 

 

3.  

a) Das Begehren von A.___ um Ersatz der ausseramtlichen Kos-

ten wird gutgeheissen. Die Politische Gemeinde Y.___ entschädigt 

A.___ ausseramtlich mit insgesamt Fr. 2'860.– zuzüglich 

Mehrwertsteuer. 

 

b) Das Begehren von Claudia Ammann Niederer und Franz Nie-

derer um Ersatz der ausseramtlichen Kosten wird gutgeheissen. Die 

Politische Gemeinde Y.___ entschädigt B.___ ausseramtlich mit ins-

gesamt Fr. 2'750.–.   

 

 

 

Die Vorsteherin 

 

 

 

Susanne Hartmann 

Regierungsrätin 

 

	Publikationsplattform
	Kanton St.Gallen und St.Galler Gemeinden
	BDE 2021 Nr. 55
	Art. 115 Bst. g, 121 Abs. 1 Bst. b, 121 Abs. 1 Bst. c, 121 Abs. 2 und 176 Abs. 2 Bst. b PBG. Nach Art. 176 Abs. 2 PBG sind Baudenkmäler von Gesetzes wegen (ex lege) geschützt, bis ein Schutzinventar nach PBG oder eine Schutzverordnung vorliegt, die nicht älter als 15 Jahre ist. Folge dieses ex-lege-Schutzes ist, dass bei potentiellen Schutzobjekten – d.h., bei Bauten oder Ensembles, bei denen ein hinreichend konkreter Schutzverdacht besteht –, die Gegenstand eines Baubewilligungsverfahrens sind, von der zuständigen Behörde "vorfrageweise" abzuklären ist, ob es sich dabei um ein Schutzobjekt im Sinn von Art. 115 Bst. g oder h PBG handelt. Ist also in einem Baubewilligungsverfahren von Amtes wegen oder infolge einer Einsprache unklar, ob ein potentielles Schutzobjekt im Sinn des PBG durch das Bauvorhaben möglicherweise beeinträchtigt wird, hat die zuständige Behörde unter Beizug des Amtes für Kultur (Art. 121 Abs. 2 PBG) in einem dafür geeigneten Verfahren (Erw. 5) vorfrageweise abzuklären, ob es sich dabei tatsächlich um ein Schutzobjekt handelt und welche Bedeutung (national, kantonal oder lokal) diesem zukommt (sog. Triage). Das Ergebnis dieser "vorfrageweisen" Abklärung (Schutz und Schutzumfang bzw. Schutzverzicht) hat in eine separate Dispositivziffer der Baubewilligung nach Art. 121 Abs. 1 Bst. b PBG oder – wenn für die Unterschutzstellung eine andere kommunale Behörde zuständig ist – in eine Schutzverfügung nach Art. 121 Abs. 1 Bst. c PBG einzufliessen, die den Beteiligten gleichzeitig mit dem Entscheid über das Baugesuch zu eröffnen ist (Erw. 3.2).

		2024-05-26T22:33:37+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen