# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78159509-91bd-5ffa-9df3-074549d219fb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-26
**Language:** de
**Title:** Rückfallkausalität verneint.
**Docket/Reference:** UV.2013.00091
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00091.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00091
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Leicht
Urteil
vom
26. Juni 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Basler Versicherung AG
Unfallversicherung
Aeschengraben 21, Postfach, 4002 Basel
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Adelrich Friedli
Stationsstrasse 66a, 8907 Wettswil
Sachverhalt:
1.
Die 1988 geborene
X.___
war bei der
Y.___
GmbH als kaufmännische Angestellte tätig und bei der Basler Versicherung AG obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
, als sie am 28
. November 2011 stürzte und sich
am rechten Knie und am Hand
gelenk rechts verletzte
(Urk. 7/B1-B2).
In der Folge liess sich die Versicherte physiotherapeutisch behandeln.
Die Behandlung war am 28. Februar 2012 abgeschlossen (Urk.
7/
B7).
Es resultierte keine Arbeitsunfähigkeit.
Die Basler Versicherung AG erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung).
Am 6. September 2012 meldete die Versicherte
der Basler Versicherung AG
einen Rückfall (Urk.
7/
B8).
Diese holte medizinische Berichte ein
.
Gestützt darauf ver
neinte sie m
it
Verfügung vom 9. Januar 2013 einen Rückfall
und lehnte einen Anspruch auf weitere
L
ei
s
tungen ab
(Urk. 7/B17). Die dagegen erhobene Ein
sprache wies sie mit Entscheid vom
5. April 2013
ab (Urk. 7/B22 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 15. April 2013 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und
der Unfallversiche
rer sei zu verpflichten, auch die Heilbehandlungskosten für den Rückfall zu übernehmen
(Urk. 1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 15.
Mai 2013 be
antragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Das Doppel der Beschwerdeantwort wurde der Beschwerdeführerin am
22.
Mai 2013 zugestellt (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfall
ereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natür
licher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kau
salzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der einge
tretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise bezie
hungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
salzusam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereig
nis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Be
schwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Be
weis
würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995).
1.
3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11
der Verordnung über die Unfallversicherung [
UVV
]
). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfaller
eignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallver
sicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten
Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesund
heitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in fine).
1.4
Gemäss
Art.
6
Abs.
3 UVG hat die Versicherung ihre Leistungen für Schädigun
gen zu erbringen, die der versicherten Person bei der Heilbehandlung (
Art.
10 UVG) zugefügt werden. Danach hat die Unfallversicherung für Schäden einzu
stehen, die durch Krankenpflegemassnahmen (Heilbehandlung) im Anschluss an versicherte Unfälle herbeigeführt werden, ohne dass diese behandlungsbedingte Schadensverursachung den Unfallbegriff, den Tatbestand des haftpflichtrechtli
chen Kunstfehlers oder der strafrechtlich relevanten Körperschädigung erfüllen müsste (BGE 118 V 286 E. 3b).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
seit
dem 2
8.
Februar 2012 bis zum 4.
September 2012
habe
ein therapiefreies Intervall von ca. sechs Monaten bestanden, bis sich die Beschwerdeführerin
wieder
in Behandlung begeben habe. Es hätten keine Brückensymptome vorgelegen.
Dr.
Z.___
habe ein
j
umper
‘
s knee diagnostiziert. Dieses könne unter anderem auch beim Joggen auf hartem Untergrund
oder
beim Tennis auftreten. Es sei
davon auszugehen, dass die geltend gemachten Beschwerden durch die Über
belastung beim
Joggen und Tennis
hervorgerufen
worden seien
.
Diese
seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichke
it auf den
Sturz
vom 28.
November 2011 zurückzuführen (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte dagegen ein,
dass
auch
muskuläre Dysb
a
lancen
zu den Ursachen eines
j
umper
‘
s knee gehörten. Diese seien auf die
von der Physiotherapeutin angeordnete
sechsmonatige Schonungszeit zurückzuführen.
I
n
der therapiefreien Zeit seien Schmerzen aufgetreten. Es seien deshalb Brü
ckensymptome gegeben.
Der adäquate Kausalzusammenhang sei ebenfalls gegeben. Es handle sich um dasselbe Knie, das nicht richtig untersucht und behande
lt worden sei
(Urk. 1).
3.
3.1
Die
Beschwerdeführerin
begab sich
nach dem Sturz vom 28. November 2011 am 29. November 2011 zu
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin,
in Behandlung.
Diese
erstellte Röntgenbilder des rechten Knies (Urk. 3/9) und diagnostizierte
in ihrem Bericht vom 5. Dezember 2011
eine Kniedi
storsion mit Verdacht auf mediale Seitenband- und Meniskusläsion (Urk. 7/B2).
In der Folge verordnete sie
der Beschwerdeführerin
Physiotherapie
(Urk. 7/B4/2)
.
Am 4. September 2012 konsultierte die Bes
chwerdeführerin
Dr.
med.
B.___
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, wegen anhaltender Schmerzen.
Er stellt
e
die Diagnose eines
belastungsabhängigen Knieschmer
zes rechts medialbetont, Differenzialdiagnose überlastungsbedingt bei Hyperlaxizi
tät und radiologisch beginnender medialer Degeneration
und verordnete Physi
otherapie (Urk. 7/B14/1 und Urk. 7/B15/2).
Am 11. September 2012 liess sich
die Beschwerdeführerin
von
Dr.
med.
Z.___
untersuchen. Diese hielt
in ihrem Bericht vom 12. September 2012
als
objektive
Befunde Knicksenkfüsse beidseits, Genua valga rechts grösser als links, In kneeing rechts, schlechte glo
bale S
t
abilisation im Rumpf vor allem rechts, Dru
ckdolenz über Ligamentum p
atellae distal rechts, reizloses Knie, Meniskuszeichen negativ, schlechte Zent
rierung de
r Patella, Druckdolenz über Pes
Anserinus und Tractus rechts
fest und diagn
o
s
tizierte ein j
umper
‘
s
knee rechts mit/bei Status nach Sturz auf das rechte Knie im November 2011
, seither Schonmechanismus des rechten Knies,
und muskulärer Dysbalance (Urk. 7/B10/1). In ihrem Bericht vom 26. Oktober 2010 nannte
Dr.
Z.___
als
objektive
Befunde eine schlechte Patellazentrierung, eine Medialisierung der Patella und eine verbesserte Beinachsenstabilität
(Urk. 7/B13)
und verordnete ebenfalls Physiotherapie. Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
C.___
, Facharzt Allgemeine Innere Medi
zin, führte am 18. Dezember 2012 aus, eine Kausalität zum Unfallereignis vom 28. November 2011 sei eher unwahrscheinlich (Urk. 7/B15/1).
3.2
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin beim Unfallereignis vom 28. November 2011
wahrscheinlich
eine Kniedistorsion zuzog.
Der anfänglich von
Dr.
A.___
geäusserte Verdacht auf
eine Seiten
band- und Meinskusläsion
bestätigte sich nicht.
Nach neun Behandlungen Phy
siotherapie
wurde die Heilbehandlung am 28.
Februar 2012 abgeschlossen.
Von diesem Zeitpunkt
bis zum 4.
September 2012
ist
weder eine Arztkonsultation noch eine weitere
Behandlung
dokumentiert
.
Die von der Beschwerdeführerin behaupteten Brückensymptome sind
somit nicht
belegt
.
Die
am
11.
September 2012
von
Dr.
Z.___
gestellte Diagnose eines j
umper
‘
s knee
(Patellaspit
z
e
nsyn
drom)
wurde von keiner Seite bestritten
.
Dabei handelt es sich um
Knieschmer
zen infolge mechanischer Reizung des
Ligamentum
Patellae im Bereich der Kniescheibe bei relativer Überbelastung
(zum Beispiel Sport, vor allem Springen, vgl.
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 25
9.
Auflage, Berlin / New York 2002, S. 1265)
.
Ein Kausalzusammenhang zum Unfallereignis
vom 28. November 2011
ist
so
mit
nicht ersichtlich und wurde auch von keiner medizinischen Fachperson erwähnt.
Die Einschätzung von
Dr.
C.___
,
wonach
eine Unfall
kausalität eher unwahrscheinlich sei
,
ist nachvollziehbar und
stimmt mit der
medizinischen Akten
lage
überein
.
Daran ändern auch die von der Beschwerde
führerin
als Ursache
vorgebrachten muskulären Dysbalancen nichts.
Die Beschwerden traten offenbar
infolge sportlicher Betätigung auf.
Es ergibt sich von selbst, dass nach einer Schonung von rund sechs Monaten ein Muskelauf
bautraining notwendig ist, um wieder dieselben sportlichen Leistungen erbrin
gen zu können wie
zuvor
.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kann
die
ärztlicherseits beziehungsweise
von der Physiotherapeutin angeblich angeordnete Schonung
nicht
als ärztliche Fehlbehandlung qualifiziert werden.
Im Übrigen besteht kein Anlass, die Fachkompetenz der behandelnden Ärzte beziehungsweise des beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin in Frage zu stellen, zumal der vorliegende medizinische Sachverhalt ohne weiteres von einem Allgemeinmediziner beurteilt werden kann.
3.3
Nach dem Gesagten lässt sich zwischen den im September 2012 aufgetretenen Beschwerden und
dem
Unfall
ereignis
vom
2
8.
November 2011 kein Kausalzu
sammenhang erstellen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist daher nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Rechtsanwalt Adelrich Friedli
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstLeicht