# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 87593aaa-1e1e-5bfd-9aa0-9df09f01fb00
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.07.2010 A-5906/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5906-2008_2010-07-19.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-5906/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  J u l i  2 0 1 0

Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richterin Charlotte Schoder, 
Gerichtsschreiberin Iris Widmer.

X._______AG, 
vertreten durch_______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion (OZD),
Sektion chemische Erzeugnisse und VOC, 
Monbijoustrasse 40, 3003 Bern,
Vorinstanz.

VOC-Abgabe; Sistierung der Bewilligung zum Bezug von 
vorläufig abgabebefreiten VOC (Verpflichtungsverfahren).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-5906/2008

Sachverhalt:

A.
Die X._______ AG (Abgabepflichtige,  Beschwerdeführerin)  bezweckt 
gemäss ihren eigenen Angaben den Import und Export von sowie den 
Handel mit chemisch-technischen Rohstoffen, Hilfs- und Kunststoffen 
und die  Verarbeitung dieser  Ausgangsstoffe zu  Halb-  und Fertigpro-
dukten.  Sie  verfügt  seit  dem  1.  Januar  2001  über  die  Bewilligung 
Nr._______ der Oberzolldirektion (OZD) zum Bezug von vorläufig ab-
gabebefreiten  VOC  («Volatile  Organic  Compounds»  bzw.  «flüchtige 
organische Verbindungen»).

B.
Mit Schreiben vom 8. Juli 2008 entschuldigte sich die Abgabepflichtige 
bei  der  OZD  dafür,  dass  sie  die  VOC-Bilanz  nicht  fristgerecht  (per 
30. Juni 2008) beim zuständigen kantonalen Amt eingereicht hatte. Die 
Verspätung erklärte sie mit einer aussergewöhnlichen Personalfluktu-
ation  im  Bereich  der  Administration.  Diese  habe  eine  ausreichende 
Einarbeitung einer Nachfolgerin bzw. eines Nachfolgers verunmöglicht. 
Die Abgabepflichtige legte dar, die mit einer verspäteten Einreichung 
der VOC-Bilanz verbundenen Konsequenz, nämlich die Sistierung der 
Bewilligung während drei Jahren, würde sie schwer treffen und sei na-
mentlich  im Hinblick auf  ihre  Liquiditätssituation  nur  bedingt  tragbar. 
Sie bat deshalb um «Nachsicht».

C.
Am 4. September  2008  überwies  das  für  die  Vorprüfung  zuständige 
kantonale Amt der OZD die vom 8. Juli 2007 [recte: 2008] datierende 
VOC-Bilanz  der  Abgabepflichtigen  für  das  Geschäftsjahr  2007.  Die 
VOC-Bilanz wurde grundsätzlich für richtig befunden.

D.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2008 sistierte die OZD (Vorinstanz) die Be-
willigung Nr. 20515 zum Bezug von vorläufig abgabebefreiten VOC für 
die Zeit vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2011. Zur Begrün-
dung gab sie an, bei der Frist zur Einreichung der VOC-Bilanz handle 
es  sich  um eine  gesetzliche  und  damit  nicht  erstreckbare  Frist.  Die 
Zollverwaltung könne keine Ausnahme gewähren.

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E.
Mit Eingabe vom 15. September 2008 erhob die Abgabepflichtige Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte die Aufhe-
bung der  vorinstanzlichen  Verfügung,  eventualiter  sei  die  Sache  zur 
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, und es sei ihr 
eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. 

In ihrer Vernehmlassung vom 14. November 2008 beantragte die Vor-
instanz die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  Art. 31  des 
Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungs-
gericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR  173.32)  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern 
keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht 
vor  und  die  OZD  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art.  33  VGG.  Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher für die Beurteilung der vorliegen-
den Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, 
richtet sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf 
die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  steht  grund-
sätzlich  ein  umfassendes Rechtsmittel  offen. Die  Beschwerdegründe 
umfassen  allgemein  sowohl  die  Verletzung  von  Bundesrecht  ein-
schliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, die un-
richtige bzw. unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhaltes wie auch die Kontrolle der Angemessenheit vorinstanzlicher 
Verfügungen (Art. 49 Bst. a-c VwVG).

1.3
1.3.1 Nach dem Grundsatz der Gesetzmässigkeit bedarf jedes staat-
liche Handeln einer gesetzlichen Grundlage (Art. 5 Abs. 1 der Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 
1999 [BV, SR 101]). Inhaltlich gebietet das Gesetzmässigkeitsprinzip, 
dass staatliches Handeln insbesondere auf einem Rechtssatz (gene-
rell-abstrakter  Struktur)  von  genügender  Normstufe  und  genügender 
Bestimmtheit zu beruhen hat (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

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A-1552/2006  vom 22.  Juni  2009  E.  2.1,  A-1543/2006  vom 14. April 
2009 E. 3.1;  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemei-
nes Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, S. 128; ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf 2006, Rz. 381 ff.).

1.3.2 Werden  Rechtssetzungskompetenzen  des  Gesetzgebers  auf 
den  Verordnungsgeber  (im  Bund  an  den  Bundesrat)  übertragen, 
spricht man von Gesetzesdelegation. Der Gesetzgeber ermächtigt da-
mit im (formellen) Gesetz die Exekutive zum Erlass von (unselbständi-
gen) Verordnungen. Die Gesetzesdelegation gilt  grundsätzlich als zu-
lässig (Art. 164 Abs. 1 BV; BGE 128 I 113 E. 3c; Urteile des Bundes-
verwaltungsgerichts  A-7518/2009  vom  28. Juli  2009  E. 1.4.2, 
A-1543/2006  vom 14. April  2009  E. 3.2,  3.3;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 
a.a.O., Rz. 407 mit weiteren Hinweisen).

1.3.3 Bei unselbständigen (also nicht direkt auf der Verfassung beruh-
enden)  Verordnungen  (oder  einzelnen  Verordnungsbestimmungen) 
werden zwei Kategorien unterschieden: Die gesetzesvertretenden Ver-
ordnungen ergänzen oder ändern die gesetzliche Regelung und über-
nehmen damit  Gesetzesfunktion. Solche darf  der  Bundesrat  gemäss 
Art. 164 Abs. 1 BV nur gestützt auf eine besondere Ermächtigung des 
Gesetzgebers erlassen, d.h. es braucht eine genügende Delegations-
norm im Gesetz (im vorstehenden Sinn, vgl. E. 1.3.2). Vollziehungsver-
ordnungen hingegen sollen Gesetzesbestimmungen verdeutlichen und 
soweit nötig das Verfahren regeln. Sie dürfen – im Vergleich zum Ge-
setz  –  nicht  zusätzliche  Pflichten  auferlegen,  selbst  wenn  diese  mit 
dem Gesetzeszweck im Einklang stehen. Ebensowenig dürfen sie An-
sprüche, die aus dem Gesetz hervorgehen, beseitigen. Zum Erlass von 
Vollziehungsverordnungen  ist  der  Bundesrat  grundsätzlich  aufgrund 
von Art. 182 Abs. 2  BV auch ohne gesetzliche Ermächtigung befugt 
(zum Ganzen: BGE 125 V 273 E. 6b; Urteil  des Bundesverwaltungs-
gerichts  A-1543/2006  vom 14.  April  2009  E. 3.3;  TSCHANNEN/ZIMMERLI/ 
MÜLLER,  a.a.O.,  S.  92  ff.,  99  f.;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., 
Rz. 135 ff.).

1.4
1.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann auf Beschwerde hin vorfra-
geweise  Verordnungen  des  Bundesrates  auf  ihre  Gesetz-  und  Ver-
fassungsmässigkeit  prüfen  (konkrete  Normenkontrolle).  Der  Umfang 
der Kognition hängt davon ab, ob es sich um eine unselbständige oder 

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aber um eine selbständige Verordnung handelt  (ANDRÉ MOSER/MICHAEL 
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht,  Basel  2008,  Rz. 2.177).  Bei  unselbständigen  Verordnungen, 
die sich auf  eine gesetzliche Delegation stützen (vgl. E. 1.3.2),  prüft 
das Bundesverwaltungsgericht, ob sich der Bundesrat an die Grenzen 
der ihm im Gesetz eingeräumten Befugnis gehalten hat.

Wird dem Bundesrat durch die gesetzliche Delegation ein sehr weiter 
Bereich des Ermessens für die Regelung auf Verordnungsstufe einge-
räumt, so ist dieser Spielraum nach Art. 190 BV für das Bundesverwal-
tungsgericht  verbindlich. Es darf  in  diesem Fall  bei  der  Überprüfung 
der Verordnung nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen 
des  Bundesrates  setzen,  sondern  hat  seine  Prüfung  darauf  zu  be-
schränken, ob die Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat im Ge-
setz  delegierten  Kompetenz  offensichtlich  sprengt  oder  aus  andern 
Gründen gesetz-  oder verfassungswidrig ist  (BGE 131 II  562 E. 3.2, 
130  I  26  E. 2.2.1,  128  IV  177  E.  2.1,  Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_735/2007  vom  25. Juni  2008  E.  4.2;  Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-7518/2009  vom 28. Juli  2009  E. 1.4.3,  A-4620/2008 
vom 19. Januar 2009 E. 4.2). 

1.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann namentlich prüfen, ob sich 
eine Verordnungsbestimmung auf ernsthafte Gründe stützt oder Art. 9 
BV  widerspricht,  weil  sie  sinn-  oder  zwecklos  ist,  rechtliche  Unter-
scheidungen trifft, für die sich ein vernünftiger Grund nicht finden lässt, 
oder  Unterscheidungen  unterlässt,  die  richtigerweise  hätten  berück-
sichtigt werden sollen (BGE 131 V 256 E. 5.4, 129 V 330 E. 4.1 mit 
Hinweisen). Für  die  Zweckmässigkeit  der  angeordneten  Massnahme 
trägt aber der Bundesrat die Verantwortung; es ist nicht Aufgabe des 
Bundesverwaltungsgerichts, sich zu deren wirtschaftlichen oder poli ti-
schen Sachgerechtigkeit  zu  äussern  (BGE 131 II  162 E. 2.3,  131 V 
256  E.  5.4,  Urteil  des  Bundesgerichts  6P.62/2007  vom  27. Oktober 
2007 E. 3.1; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-7518/2009 vom 
28. Juli 2009 E. 1.4.3, A-1751/2006 vom 25. März 2009 E. 2.4).

1.4.3 Die vorfrageweise Feststellung einer Gesetz- oder Verfassungs-
widrigkeit  führt  indes nicht  zur Aufhebung einer bundesrätlichen Ver-
ordnung,  sondern  zur  Nichtanwendung  der  entsprechenden  Be-
stimmung und zur Aufhebung der darauf gestützten Verfügung (BGE 
107 Ib 243 E. 4b in fine, Urteil des Bundesgerichts 2C_735/729/2007 

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vom 25.  Juni  2008  E.  4.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
4620/2008 vom 19. Januar 2009 E. 4.4).

1.5 Staatliches  Handeln  muss  verhältnismässig  sein  (Art.  5  Abs. 2 
BV). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit  beansprucht im ganzen 
Bereich  des  öffentlichen  Rechts  Geltung,  sowohl  für  die  Rechts-
setzung als auch für die Rechtsanwendung. Der Verordnungsgeber hat 
Verwaltungsmassnahmen  so  zu  wählen  bzw. Vollziehungsverordnun-
gen derart auszugestalten, dass sie für die Erreichung des gesetzten 
Zieles geeignet, notwendig und für den Betroffenen zumutbar sind. Der 
angestrebte Zweck muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den ein-
gesetzten Mitteln bzw. zu den zu seiner Verfolgung notwendigen Be-
schränkungen, die den Privaten auferlegt werden, stehen. Die Verwal-
tungsmassnahme darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und perso-
neller Hinsicht nicht einschneidender sein als erforderlich und hat zu 
unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, mildere Massnahme für den 
angestrebten Erfolg ausreichen würde (BGE 130 I 16 E. 5, 128 II 292 
E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-2206/2007 vom 24. November 2008 E. 4.3.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 
a.a.O., Rz. 581 ff., 585, 591). 

2.  
2.1 Die ökologische Problematik von VOC besteht darin, dass sie zu-
sammen mit Stickoxid die Bildung von atmosphärischem Ozon bewir-
ken.  Das  Ozon  greift  als  starkes  Oxidationsmittel  beim  Menschen 
Atem- und Lungengewebe an und verursacht  Schäden an Pflanzen. 
Mittels einer umweltrechtlichen Lenkungsabgabe – der sog. VOC-Ab-
gabe – soll die Ozon-Belastung verringert werden (HANSJÖRG SEILER, in: 
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich 1999, N. 3, 12, 
88 zu Art. 35a des Umweltschutzgesetzes vom 7. Oktober 1983 [USG, 
SR 814.01]).  Mit  der  Abgabe  soll  nicht erreicht  werden,  dass  keine 
VOC verwendet werden,  sondern dass möglichst wenige VOC in die 
Umwelt  gelangen,  wodurch  die  ökologische  Gefahr  erst  entsteht 
(SEILER, a.a.O., N. 12, 60 zu Art. 35a). Zweck der Abgabe ist deshalb 
die  Belastung  der  durch  die  VOC  verursachten  Umweltbeeinträchti-
gungen  und  nicht  die  fiskalische  Besteuerung  eines  finanziellen  Er-
trages. Die VOC-Abgabe ist aus diesem Grund als reine Lenkungsab-
gabe konzipiert. Lenkungsabgaben sind ein alternatives Steuerungs-
mittel zu polizeirechtlichen Verboten und Geboten. Das unerwünschte 
Verhalten wird nicht verboten, sondern wirtschaftlich uninteressant ge-
macht. Dem Staat fliesst dabei kein Geld zu. Der Abgabeertrag wird 

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vollumfänglich an die Bevölkerung verteilt (Art. 35a Abs. 9 USG; sog. 
«Staatsquotenneutralität»  bzw.  «Bundesquotenneutralität»;  SEILER, 
a.a.O.,  N.  14,  51  zu  Art. 35a,  N. 2,  17  zu  Vorbemerkungen  zu 
Art. 35a-c).

2.2 Da von der Grundidee der Lenkungsabgabe her grundsätzlich nur 
diejenigen VOC mit der Abgabe belastet werden sollen, welche auch 
tatsächlich in die Umwelt gelangen (vgl. Botschaft zu einer Änderung 
des Bundesgesetzes über den Umweltschutz [USG], BBl 1993 II 1515, 
1522), sind VOC, die so verwendet oder behandelt  werden, dass sie 
nicht in die Umwelt gelangen, von der Abgabe befreit (Art. 35a Abs. 3 
Bst. c USG). Abgabebefreit sind auch VOC, die als Treib- oder Brenn-
stoffe  verwendet  werden  oder  die  durch-  oder  ausgeführt  werden 
(Art. 35a Abs. 3 Bst. a und b USG). Kann erst nach der Abgabeerhe-
bung nachgewiesen werden,  dass die Voraussetzungen für  eine Ab-
gabebefreiung  gegeben  sind,  so  werden  die  Abgaben  –  unter  ge-
wissen Voraussetzungen – zurückerstattet (vgl. Art. 35c Abs. 2 USG; 
zum Ganzen auch SEILER, a.a.O., N. 10 ff. zu Art. 35c). 

2.3 Aus praktischen Gründen  können  VOC im Zeitpunkt  ihrer  Emis-
sion in die Umwelt abgaberechtlich nicht erfasst werden. Basierend auf 
der Überlegung, dass bei den meisten VOC-haltigen Produkten VOC 
früher  oder  später  in  die  Umwelt  gelangen,  setzt  die  Abgabepflicht 
daher  bereits  beim  Import bzw.  bei  der  Herstellung von  VOC  bzw. 
VOC-haltiger Stoffe an (Art. 35a Abs. 1 USG; vgl. SEILER, a.a.O., N. 12 
zu Art. 35a). Aus diesem Grund hat die Lenkungsabgabe zu entrich-
ten, wer VOC einführt oder wer als Hersteller solche Stoffe in Verkehr 
bringt  oder  selbst  verwendet  (Art. 35a  Abs.  1  und  Art. 35c  Abs. 1 
Bst. a USG; vgl. zum Ganzen auch  SEILER,  a.a.O.,  N. 3 zu Art. 35c). 
Dies führt allerdings dazu, dass aus Gründen der Vollzugspraktikabili-
tät und Verwaltungsökonomie Abgaben vorläufig (d.h. bis zur Rücker-
stattung, vgl. E. 2.4.2) bezahlt werden müssen, die richtigerweise nicht 
geschuldet sind (SEILER, a.a.O., N. 17 zu Art. 35c). Durch diese Kapital-
bindungen  entstehen  systemwidrige  finanzielle  Belastungen  (SEILER, 
a.a.O.,  N.  15  zu  Art. 35c).  Um diesen  Folgen  Rechnung  zu  tragen, 
wurde ein sog. «Verpflichtungsverfahren» eingeführt (vgl. näher dazu 
E. 2.4.3).

2.4 Der Gesetzgeber hat dem Bundesrat die Kompetenz zur Regelung 
des Verfahrens für die Erhebung und Rückerstattung der Abgabe ein-
geräumt (Art. 35c Abs. 3 USG). Für die Fälle der Ein- oder Ausfuhr von 

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VOC schreibt das Gesetz vor, dass die entsprechenden Verfahrensbe-
stimmungen  der  Zollgesetzgebung  zur  Anwendung  kommen  sollen 
(Art. 35c  Abs. 3  USG).  In  Ausübung  seiner  Kompetenz  hat  der 
Bundesrat am 12. November 1997 die Verordnung über die Lenkungs-
abgabe auf flüchtigen organischen Verbindungen (VOCV, SR 814.018) 
erlassen. Bei  der  VOCV handelt  es sich somit  um eine sog. unselb-
ständige Verordnung (vgl. E. 1.3.2; vgl. auch Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-7518/2006 vom 28. Juli 2009 E. 3.3.1).

2.4.1 Die Verordnung sieht für das Verfahren der Abgabeerhebung das 
Prinzip der Selbstdeklaration vor (Art. 13 VOCV;  SEILER,  a.a.O., N. 21 
zu Art. 35c). Bei der Einfuhr ist die Zollgesetzgebung zu beachten (vgl. 
E. 2.4). Ansonsten gilt aber – da das Verfahren keine Zollveranlagung 
ist  –  das VwVG (Art. 3  Bst. e  VwVG e contrario; vgl.  SEILER,  a.a.O., 
N. 21 zu Art. 35c). Die Deklaration dient der OZD als Grundlage für die 
Festsetzung  der  Abgabe,  die  sie  mittels  Verfügung  festlegt  (Art. 13 
Abs. 4, Art. 15 Abs. 1 VOCV).

2.4.2 Ergibt sich erst nach der Bezahlung der Abgabe, dass die Vor-
aussetzungen für  eine Abgabebefreiung gegeben  sind,  wird  die  Ab-
gabe gegen entsprechenden Nachweis zurückerstattet (Art. 18 Abs. 1 
und 3 VOCV, vgl. auch Art. 35c Abs. 2 USG; vgl. auch  SEILER, a.a.O., 
N. 12,  16  zu  Art. 35c).  Rückerstattungsanträge  können,  soweit  sie 
nicht die Ausfuhr betreffen, nur nach Abschluss des Geschäftsjahres 
gestellt  werden (Art. 18 Abs. 5 VOCV; zur Gesetz-  und Verfassungs-
mässigkeit  dieser  Bestimmung vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts  A-7518/2006 vom 28. Juli  2009 E. 3.1.3). Auf  den zurückzuer-
stattenden Abgabebetrag wird kein Zins entrichtet (SEILER, a.a.O., N. 15 
zu Art. 35c).

2.4.3 Anstelle  des  Rückerstattungsverfahrens  können  die  abgabe-
pflichtigen Personen die OZD um die Erteilung einer  Bewilligung zum 
Bezug  von  vorläufig  abgabebefreiten VOC  nachsuchen  («Verpflich-
tungsverfahren»,  vgl.  Art. 21  VOCV und  Übertitel  zum 7. Abschnitt). 
Bereits in der Botschaft wurde in Aussicht gestellt, dass für Verwender 
von VOC die Möglichkeit geschaffen werden soll, VOC von der Abgabe 
vorläufig befreit beziehen zu können, nachdem diese sich gegenüber 
der  Vollzugsbehörde  schriftlich  verpflichtet  haben  (vgl.  BBl  1993  II 
1515, 1522 [zu Art. 35a Abs. 3]). 

2.4.3.1 Hintergrund  des  Verpflichtungsverfahrens  ist  die  Vermeidung 
der aus Gründen der Vollzugspraktikabilität entstehenden unerwünsch-

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ten und systemwidrigen finanziellen Belastungen in Form von Kapital -
bindungen  und  Zinsverlusten  (vgl.  bereits  E. 2.3,  2.4.2;  vgl.  SEILER, 
a.a.O., N. 31 und 15 zu Art. 35c). Um diesem Umstand Rechnung zu 
tragen, wurde das Verpflichtungsverfahren überhaupt erst geschaffen. 
Bewilligungsinhaber  können  jährlich  abrechnen  und  die  Abgabe  für 
VOC, die so verwendet wurden, dass sie nicht von der Abgabe befreit 
sind, nachbezahlen (Art. 22 Abs. 1 und 2 VOCV). Vergleichbare Rege-
lungen sind aufgrund des Vorliegens ähnlicher Konstellationen bereits 
im Zoll- und Mineralölsteuerrecht bekannt (Transitverfahren bzw. Zoll-
lagerverfahren nach Art. 49 und 50 ff. des Zollgesetzes vom 18. März 
2005  [ZG,  SR 631.0];  Verwendungsverpflichtung nach  Art.  19  f. des 
Mineralölsteuergesetzes vom 21. Juni 1996 [MinöStG, SR 641.41]; vgl. 
auch SEILER, a.a.O., N. 31 zu Art. 35c).

2.4.3.2 Der Bundesrat knüpft namentlich in  mengenmässiger Hinsicht 
die Bewilligung an gewisse Voraussetzungen. So muss sich  der  Be-
willigungsinhaber verpflichten, eine Menge von mindestens 50 Tonnen 
VOC entweder so zu verwenden oder zu behandlen, dass sie nicht in 
die Umwelt gelangen können oder zu exportieren (Art. 21 Abs. 1 Bst. a 
und b VOCV). Die Bewilligung kann auch erteilt  werden, sofern ganz 
bestimmte Stoffe (Styrol u.a.) im Umfang von mindestens 1 Tonne ver-
wendet  werden (Art. 21  Abs. 1a VOCV); weiter  kann auch Personen 
eine  Bewilligung  erteilt  werden,  die  Grosshandel  mit  VOC betreiben 
und einen durchschnittlichen Lagerbestand von mindestens 50 Tonnen 
nachweisen (Art. 21 Abs. 2 VOCV). Sind die genannte Voraussetzun-
gen eingehalten, besteht grundsätzlich ein Rechtsanspruch auf Ertei-
lung einer Bewilligung (SEILER, a.a.O., N. 31 zu Art. 35c).

2.4.3.3 Wer  über  eine  solche  Bewilligung  verfügt,  muss  eine  VOC-
Buchhaltung führen und eine VOC-Bilanz erstellen (Art. 10 VOCV; zur 
Gesetz- und Verfassungsmässigkeit dieser Bestimmung vgl. Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts A-7518/2006 vom 28. Juli  2009 E. 3.1.3). 
Die VOC-Bilanz muss spätestens sechs Monate nach Abschluss des 
Geschäftsjahres  der  kantonalen  Behörde  eingereicht  werden  (Art.  4 
Abs. 1  i.V.m. Art. 22  Abs. 1  und  Art. 22  Abs. 2  i.V.m.  Art. 13  Abs. 2 
VOCV). 

2.4.3.4 Wird  die  VOC-Bilanz  nicht  vollständig  oder  nicht  fristgerecht 
eingereicht,  wird gemäss dem am 2. April  2008 eingefügten Art.  22b 
Abs. 1 VOCV (in Kraft seit dem 1. Juni 2008) die Bewilligung ab Beginn 
des  kommenden Geschäftsjahres  für  drei  Jahre  sistiert.  Eine  Sistie-

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rung hat zur Folge, dass die Lenkungsabgabe sowohl bei der Einfuhr 
von VOC als auch beim Bezug von VOC im Inland stets zu entrichten 
ist und die abgabepflichtige Person auf den Weg des Rückerstattungs-
verfahrens verwiesen wird (vgl. E. 2.4.2).

Vor dieser Verordnungsänderung hatte, wer die VOC-Bilanz nicht voll -
ständig oder fristgerecht einreichte, für alle vorläufig von der Abgabe 
befreiten  VOC  die  Abgabe  samt  Verzugszins  nachzuzahlen  (Art.  22 
Abs. 3 in der Fassung vom 12. November 1997, AS 1997 2972). Die 
Bestimmung  wurde  gemäss  den  Ausführungen  der  OZD  deswegen 
aufgehoben,  weil  die  damit  verbundenen,  schwerwiegenden (finanzi-
ellen) Folgen für die betroffenen Unternehmen als unverhältnismässig 
erachtet wurden. Die in der Lehre zu dieser Bestimmung geäusserte 
Kritik zielte in dieselbe Richtung: So vertrat  SEILER die Auffassung, die 
Einreichung  der  VOC-Bilanz  sei  funktionell  mit  dem  Einreichen  der 
Steuererklärung vergleichbar. Die Missachtung der veranlagungsrecht-
lichen  Pflicht  könne  nicht  dazu  führen,  dass  unwiderruflich  der  ge-
samte Abgabebetrag geschuldet sei. Angesichts der in Frage stehen-
den Beträge würde dies zu unverhältnismässigen Ergebnissen führen. 
Vielmehr müsse die Behörde eine Nachfrist ansetzen. Dies gelte erst 
recht, wenn die Bilanz zwar fristgerecht, aber unvollständig eingereicht 
werde (SEILER, a.a.O., N. 31 zu Art. 35c). 

3.
Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin hauptsächlich gel-
tend,  die  VOC-Bilanz  sei  wegen Vorliegens aussergewöhnlicher  Ver-
hältnisse zu spät  eingereicht  worden. Weiter bringt  sie vor,  die OZD 
habe das ihr vom Gesetzgeber eingeräumte Ermessen nicht ausgeübt 
und den konkreten Umständen des Einzelfalles nicht genügend Rech-
nung getragen. Die Sistierung verstosse gegen das Prinzip der Verhält-
nismässigkeit. Darüber hinaus habe ihr die Behörde zugesichert, eine 
spätere Einreichung der VOC-Bilanz sei aufgrund der konkreten Sach-
lage möglich. Ihr Vertrauen in diese Zusicherung sei zu schützen. Die 
Vorinstanz entgegnet,  die in  der  Verordnungsbestimmung verankerte 
Frist  zur  Einreichung  der  VOC-Bilanz  sei  eine  gesetzliche  Frist,  die 
nicht  erstreckt  werden könne. Ihr  komme folglich  kein Ermessen zu. 
Darüber hinaus sei die Sistierung eine verhältnismässige Massnahme: 
Sie sei «vernünftig», denn mit deren «Androhung» könne die fristge-
rechte  Einreichung  der  VOC-Bilanz  gewährleistet  werden.  Eine  Zu-
sicherung mit dem von der Beschwerdeführerin behaupteten Inhalt sei 
von Seiten der Behörde nie erfolgt. Vielmehr sei  jene rechtzeitig auf  

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die  Folgen  einer  verspäteten  Einreichung  aufmerksam  gemacht 
worden.

Unstrittig ist,  dass die VOC-Bilanz verspätet  eingereicht  wurde: Statt 
per  30.  Juni  2008  soll  diese  am  11. Juli  2008  der  Post  übergeben 
worden bzw. nach unwidersprochen gebliebener Darstellung der OZD 
beim zuständigen kantonalen Amt am 14. Juli 2008 eingegangen sein 
(Zustellungscouvert liegt nicht bei den Akten). Zu beurteilen ist, ob die 
OZD aufgrund der um einige Tage (zwischen 11 und 14 Tagen) verspä-
teten Einreichung die Bewilligung zum Bezug von vorläufig befreiten 
VOC gestützt auf Art. 22b Abs. 1 VOCV zu Recht während drei Jahren 
sistiert hat.

3.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  im  vorliegenden  Beschwer-
deverfahren  im  Rahmen  der  konkreten  Normenkontrolle  Art. 22b 
Abs. 1 VOCV vorfrageweise überprüfen. Nachfolgend ist  demnach zu 
untersuchen, ob sich der Bundesrat beim Erlass dieser (unselbständi-
gen)  Verordnungsbestimmung (vgl.  E. 2.4)  im Rahmen der  ihm vom 
USG  eingeräumten  Befugnisse  bewegt  hat,  und  ob  die  Norm  auch 
sonst gesetz- und verfassungskonform ist. Namentlich ist zu prüfen, ob 
sie  dem  Gebot  der  Verhältnismässigkeit  entspricht  (vgl.  E. 1.3,  1.4, 
1.5).

3.2  
3.2.1 Art. 22b Abs. 1 VOCV steht im Zusammenhang mit der Regelung 
des  Verfahrens zur  Erhebung  und  Rückerstattung  der  VOC-Abgabe, 
genauer  mit  dem  Verpflichtungsverfahren. Dieses ist  ein  besonderes 
Verfahren  des  Bezugs bzw.  der  Erhebung der  VOC-Abgabe  (vgl. 
E. 2.4.3). Das USG sieht die bundesrätliche Kompetenz zur Regelung 
des Verfahrens ausdrücklich vor: Art. 35c USG regelt laut Überschrift 
«Abgabepflicht und Verfahren». Sein Abs. 3 legt fest, dass der Bundes-
rat das  Verfahren  für die Erhebung und Rückerstattung der Abgaben 
festzulegen hat (vgl. auch E. 2.4). 

3.2.2 Die in Art. 35c Abs. 3 USG enthaltene Gesetzesdelegation zur 
Regelung des Verfahrens der  Erhebung der  Abgabe auf  der  Verord-
nungsstufe  ist  grundsätzlich  zulässig: Aufgrund  seiner  Vollziehungs-
kompetenz wäre der Bundesrat auch ohne gesetzliche Ermächtigung 
zur Regelung des Verfahrens befugt gewesen (vgl. E. 1.3.3). Mit dieser 
Bestimmung  wurde  dem  Bundesrat  –  mangels  gegenteiliger  Anord-
nung innerhalb der Vorgaben des VwVG (vgl. E. 2.4.1) – ein gewisser 

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Spielraum für die Ausgestaltung des Verfahrens auf Verordnungsstufe 
eingeräumt.  Dieser  ist  nur  insofern  eingeschränkt,  als  in  definierten 
Fällen die Zollgesetzgebung Anwendung findet. Sofern das  Verpflich-
tungsverfahren die  verfahrensrechtlichen  Bestimmungen  der  Zollge-
setzgebung beachtet,  ist  dieses soweit  also zulässig, zumal  das Be-
willigungsverfahren nichts an den gesetzgeberischen Vorgaben insbe-
sondere betreffend Kreis der Abgabepflichtigen, Abgabeobjekt und Ab-
gabebefreiung ändert. 

Mit der Einführung des Verpflichtungsverfahrens kommt der Bundesrat 
seiner bereits in der Botschaft geäusserten Absicht nach, eine solche 
Möglichkeit  zu schaffen (vgl. E. 2.4.3). Das Verpflichtungsverfahren – 
das  auch  in  anderen  Rechtsgebieten  bekannt  ist  (vgl.  E.  2.4.3.1)  – 
stützt sich auf sachliche und ernsthafte Gründe, soll doch dadurch den 
finanziellen  Belastungen  bei  den  Abgabepflichtigen  (Kapitalbindung 
und Zinsverluste)  Rechnung getragen werden, die mit  Blick auf  Sinn 
und Zweck der VOC-Lenkungsabgabe systemwidrig sind, aber aus er-
hebungspraktischen Gründen entstehen (vgl. E. 2.4.3.1). Um den ord-
nungsgemässen  Gang  des  Verpflichtungsverfahrens  und  damit  den 
Vollzug  des  Gesetzes sicherzustellen,  hat  der  Bundesrat  unter  dem 
Titel  «Mangelhafte  Einreichung  der  VOC-Bilanz»  in  Art. 22b Abs. 1 
VOCV das Instrument der Sistierung verankert. Fraglich ist,  ob auch 
hierfür im USG eine genügende gesetzliche Grundlage vorhanden ist.

3.2.3 Bei der Regelung des Verfahrens ist dem Bundesrat ein weiter 
Ermessensspielraum eingeräumt  worden,  der  für  das  Bundesverwal-
tungsgericht grundsätzlich verbindlich ist (vgl. E. 1.4.1; vgl. auch Urteil 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-7518/2006  vom  28. Juli  2009 
E. 3.1.2). Die Ausübung des Ermessens durch die Vorinstanz hat sich 
dabei allerdings innerhalb der Vorgaben von Gesetz und Verfassung zu 
bewegen (vgl. E. 1.4.1). Die Wirkung der Bewilligungssistierung ist mit 
dem Widerruf begünstigender Verfügungen bzw. mit dem Bewilligungs-
entzug  vergleichbar.  Es  ist  deshalb  angezeigt,  die  dort  geltenden 
Rechtsgrundsätze  entsprechend  heranzuziehen.  Das  Bundesgericht 
verlangt für den Entzug einer Bewilligung eine Grundlage im formellen 
Gesetz, soweit er nicht allein wegen Wegfalls der Bewilligungsvoraus-
setzungen  erfolgt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.705/2006  vom 
24. April 2007 E. 3.7, vgl. auch BGE 125 V 266 E. 6e). Gerade dies ist 
aber vorliegend der Fall: Die Sistierung wird angeordnet,  obwohl die 
Betroffenen die sachlichen und persönlichen Voraussetzungen der Vor-
teilsgewährung erfüllen. Die Pflicht zur Erstellung einer VOC-Bilanz ist 

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nämlich  nicht  Bewilligungsvoraussetzung (vgl. E. 2.4.3.2). Die  Sistie-
rung wird zudem bereits nach einmaligem Fehlverhalten angeordnet. 
Die Bewilligungsinhabenden sollen mit dieser Massnahme für die be-
gangene Pflichtverletzung sanktioniert  werden. Sie weist somit einen 
stark repressiven Charakter auf. Eine gesetzliche Grundlage hierfür ist 
im USG aber nicht vorhanden; es fehlt dort eine explizite Delegations-
norm.

Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  deshalb  zum Ergebnis,  dass 
mit der in Art. 22b Abs. 1 VOCV verankerten Sistierung der Bundesrat 
über das hinausgeht, was er im Rahmen des Verfahrens zur Erhebung 
der  VOC-Abgabe  zulässigerweise  auf  Verordnungsstufe  regeln  darf. 
Die  Frage  nach  der  fehlenden  gesetzlichen  Grundlage  von  Art.  22b 
Abs. 1 VOCV kann aber letztlich offen bleiben.

3.3 Denn Art.  22b  Abs. 1  VOCV genügt  dem Verhältnismässigkeits-
prinzip nicht (vgl. E. 1.5):

Für  die  Beurteilung  dieser  Frage  ist  das  Veranlagungsverfahren  als 
Ganzes zu betrachten, und es sind die Stellung und Funktion der frist-
gerechten und vollständigen Einreichung darin zu untersuchen. Denn 
die  fristgerechte  und  vollständige  Einreichung  ist  kein  Selbstzweck. 
Eigentlicher Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist, dass die OZD von 
den  Bewilligungsinhabenden  die  notwendigen  Angaben  erhält,  um 
nachträglich  die  Abgabe  berechnen  und  erheben  zu  können  (vgl. 
E. 2.4.1, E. 2.4.3.3).

3.3.1 Die Sistierung ist zwar grundsätzlich ein geeignetes Instrument, 
um darauf hinzuwirken, dass die Bewilligungsinhabenden die VOC-Bi-
lanz  fristgerecht  und  vollständig  einreichen. Dies  wird  auch  von der 
Beschwerdeführerin  nicht  in  Abrede  gestellt.  Die  drohende  Bewilli-
gungssistierung  erhöht  den Druck  auf  die  Pflichtigen,  ihren veranla-
gungsrechtlichen Pflichten nachzukommen.

3.3.2 Aber bereits unter dem Gesichtspunkt der Erforderlichkeit ist die 
Verhältnismässigkeit  nicht  mehr  zu  bejahen,  stehen  doch  mildere 
Mittel zur Verfügung, mit denen dasselbe Ziel erreicht werden könnte.

Als milderes Mittel fällt die Mahnung und (bzw. oder) die Mahnung mit 
zusätzlicher  Androhung  der  fraglichen  Sistierung  in  Betracht.  Damit 
liesse sich das mit der Norm angestrebte Ziel – nämlich die ordnungs-

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gemässe Einreichung der VOC-Bilanz – mit einem milderen Mittel er-
reichen. Mit  der  Pflicht  zur  Zahlung eines Verzugszinses für  die  ge-
schuldete Abgabe, welche in Art. 22b Abs. 3 VOCV verankert ist, ver-
fügt die Vorinstanz zudem bereits über ein milderes Mittel. Schliess lich 
steht der Behörde – wie dies in anderen Rechtsgebieten ebenfalls vor-
gesehen ist  (z.B. im Mehrwertsteuerrecht)  – mit  dem Instrument der 
Schätzung der nachzubezahlenden Abgabe nach pflichtgemässem Er-
messen (Art. 22b Abs. 4 VOCV) ein weiteres milderes Mittel zur Verfü-
gung. Es obliegt in solchen Fällen dann dem Bewilligungsinhaber, mit-
hilfe des von ihm zu erbringenden Nachweises – vorab mit  der Ein-
reichung der korrekten VOC-Bilanz – die Schätzung der OZD zu wider -
legen. 

Mit den genannten Massnahmen lässt sich das mit der Sistierung an-
gestrebte Ziel, nämlich die notwendigen Angaben zu erhalten, um die 
Abgabe erheben zu können, ebenfalls erreichen. Die Bewilligungssis-
tierung während drei Jahren ist hierfür nicht erforderlich.

3.3.3 Unter dem Gesichtspunkt der Zweck-Mittel-Relation  (Zumutbar-
keit)  erweist sich überdies die Massnahme klarerweise nicht mehr  als 
verhältnismässig.  Die  Bewilligungssistierung  muss  deren  Wirkung 
rechtfertigen. Gegenüber dem Interesse des Betroffenen am Verzicht 
auf die Massnahme muss das Interesse an der Sistierung überwiegen.

3.3.3.1 Während das Interesse der Öffentlichkeit vorliegend in der ord-
nungsgemässen Abgabeerhebung besteht, fallen auf der Seite der Be-
schwerdeführerin die Tatsachen ins Gewicht,  dass das Ausmass der 
Verspätung von rund zwei Wochen gemessen an der dreijährigen Sis-
tierung als äusserst gering zu bezeichnen ist,  und dass die VOC-Bi-
lanz überdies grundsätzlich für  «richtig» befunden wurde. Zugunsten 
der Beschwerdeführerin ist auch zu berücksichtigen, dass sie – bis auf 
das Jahr 2008 – seit der Bewilligungserteilung im Jahr 2001 die VOC-
Bilanz stets rechtzeitig eingereicht hat und auch 2009 diese wiederum 
fristgerecht eingetroffen ist. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, 
wonach die verspätete Eingabe auf eine aussergewöhnliche Personal-
fluktuation im Bereich der Administration zurückzuführen und also eine 
einmalige Situation gewesen sei, wird sachverhaltsmässig dadurch ge-
stützt. Bei der Beschwerdeführerin liegen folglich keine grundlegenden 
strukturellen Probleme vor, die  eine fristgerechte Einreichung grund-
sätzlich behindern.

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3.3.3.2 Die  Folgen  der  Sistierung  für  die  Beschwerdeführerin  sind, 
dass die Lenkungsabgabe sowohl bei der Einfuhr von VOC als auch 
beim Bezug von VOC im Inland für die folgenden drei Jahre stets zu 
entrichten  ist  (vgl.  E. 2.4.3.4).  Eine  Sistierung  kommt  somit  faktisch 
einem Bewilligungsentzug  während  drei  Jahren  gleich.  Die  Abgabe-
pflichtige ist für die abgabebefreiten VOC auf das Rückerstattungsver-
fahren angewiesen. Dies führt dazu, dass die Beschwerdeführerin die 
aus Gründen der Vollzugspraktikabilität und Verwaltungsökonomie ent-
stehenden, aber an sich systemwidrigen finanziellen Belastungen wie 
Kapitalbindung und Zinsverluste zu tragen hat, von denen gerade sie 
als Grosshändlerin sinnvollerweise entlastet werden sollte (vgl. E. 2.3, 
2.4.2, 2.4.3.1). Gemäss unwidersprochen gebliebener Darstellung der 
Beschwerdeführerin führte im Jahr 2000 (also vor Erteilung der Bewilli-
gung)  die  eingezogene VOC-Abgabe dazu,  dass  sie  über  finanzielle 
Mittel im Umfang von rund Fr. 149'000.-- nicht verfügen konnte. Ohne 
Bewilligung  für  das  Verpflichtungsverfahren  dürfte  aktuell diese  Be-
lastung aufgrund des seit dem Jahr 2003 geltenden, höheren Abgabe-
satzes  (von  Fr. 3.--  statt  Fr.  2.--  [vgl.  Art. 7  Bst.  b  VOCV])  noch 
bedeutender sein. Eine Sistierung der Bewilligung während drei Jahren 
wirkt sich selbstredend erheblich auf ihre Liquiditätssituation aus, was 
im Lichte der nur 14-tägigen Verspätung bzw. der Zweck-Mittel-Rela-
tion massgeblich ins Gewicht fällt. 

3.3.3.3 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Sistierung wirke 
sich negativ auf ihre Reputation im Industriebereich und auf ihre aktive 
Mitgliedschaft im Kunststoffverband aus, in dem sie tätig sei. Tatsäch-
lich dürfte ihren Handelspartnern aufgrund der Vorschriften der OZD 
hinsichtlich  der  Rechnungsstellung für  VOC (vgl. Form. 55.14,  Merk-
blatt  für  das  Verpflichtungsverfahren)  die  Sistierung nicht  unbemerkt 
bleiben.  Zudem  wurde  die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  ihre 
Lieferanten über die Sistierung zu informieren (vgl. Ziffer 2 der Verfü-
gung der OZD vom 16. Juli 2008). Negative Auswirkungen auf ihr An-
sehen  und  ihre  Vertrauenswürdigkeit  sind  unter  diesen  Umständen 
wahrscheinlich.

3.3.4 Angesichts des geringen Ausmasses der  Verspätung einer an-
sonsten korrekten VOC-Bilanz und in Anbetracht des Umstandes, dass 
es  sich  um eine erstmalige  Pflichtverletzung handelt,  stehen die  mit 
einer drei Jahre lang dauernden Sistierung verbundenen Nachteile, die 
sie deswegen zu tragen hat (Höhe der finanziellen Belastung, System-
widrigkeit  dieser Belastungen, Ersichtlichkeit  der Pflichtverletzung für 

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Dritte), in ihrem Fall nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zum 
angestrebten Zweck (ordnungsgemässe Einreichung der VOC-Bilanz). 
Zwar kann eine gewisse Standardisierung der angeordneten Rechts-
folge  aus  Gründen  der  Praktikabilität  und  der  Verwaltungsökonomie 
namentlich  in  Massenverfahren  zulässig  sein  (siehe  dazu  BEATRICE 
WEBER-DÜRLER,  Verwaltungsökonomie  und  Praktikabilität  im  Rechts-
staat, in Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht 
[ZBl] Band 87/1986, S. 193 ff., 209; vgl. auch JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS 
SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., Bern 2008, S. 671). Im 
Rahmen der Erhebung der VOC-Abgabe müssen aber ohnehin sämt-
liche VOC-Bilanzen der Bewilligungsinhabenden je individuell überprüft 
werden. Davon also, dass eine Einzelfallbeurteilung zu einem zusätzli-
chen,  geradezu  übermässigen  und  unpraktikablen  Verwaltungsauf-
wand führen würde, kann nicht die Rede sein, vor allem nicht im Fall 
der  Beschwerdeführerin,  deren  ansonsten  korrekte  VOC-Bilanz  spä-
testens zwei Wochen nach Fristablauf unaufgefordert bei der OZD ein-
traf. Aus all den diskutierten Gründen ist Art. 22b Abs. 1 VOCV im vor-
liegenden Fall die Anwendung zu versagen (vgl. E. 1.4.3). 

3.4 Die  Beschwerde  ist  somit  gutzuheissen  und  die  vorinstanzliche 
Verfügung vom 16. Juli 2008 aufzuheben. Aus diesem Grund erübrigt 
sich,  auf  den  Antrag  der  Beschwerdeführerin  auf  Einvernahme  von 
Zeugen weiter einzugehen. Aus demselben Grund braucht auch nicht 
auf  die  übrigen  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  eingegangen  zu 
werden. 

4.
Die Beschwerdeführerin  hat  als  obsiegende Partei  keine Verfahrens-
kosten zu tragen. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der geleistete Kostenvor-
schuss in der Höhe von Fr. 3'000.-- ist  der Beschwerdeführerin nach 
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstatten.

Die  Vorinstanz  hat  der  obsiegenden  Beschwerdeführerin  die  ihr  er-
wachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 Abs. 1 und 2 
VwVG, Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]). Für das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht 
wird  die  Parteientschädigung  ermessensweise  auf  Fr.  4'500.--  (inkl. 
MWST) festgesetzt.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird  gutgeheissen, und die Verfügung der OZD vom 
16. Juli 2008 wird aufgehoben.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der Kostenvorschuss von 
Fr. 3'000.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt  der Rechtskraft 
dieses Urteils zurückerstattet.

3.
Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 
von Fr. 4'500.-- auszurichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Riedo Iris Widmer

Rechtsmittelbelehrung:
Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14, Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende Partei  in  Händen  hat,  bei-
zulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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