# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ed65683-5873-5886-a7ec-7dddcfeea4e2
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1993-04-28
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 28.04.1993 JAAC 58.32
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_031_JAAC-58-32--_1993-04-28.pdf

## Full Text

JAAC 58.32

Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 28. April 1993

Décision de principe de la Commission suisse de recours en matière
d’asile Intérêt digne de protection à la continuation de la procédure
depuis l’étranger. Notion de la persécution. Indices de persécution et
alternative de la fuite interne[5].

Art. 48 PA. Intérêt digne de protection à la continuation de la procédure
depuis l’étranger.

L’intérêt à la continuation de la procédure ne tombe pas du seul fait que
le recourant se trouve à l’étranger ou que son lieu de séjour est inconnu.
Il faut bien entendu, comme condition préalable, que cet intérêt soit
expressément manifesté ou, à tout le moins, que les circonstances
permettent de déduire que le recourant a une domiciliation légale
valable, par le truchement de laquelle il peut être atteint. La question de
l’intérêt digne de protection doit être distinguée de celle de l’éventuelle
violation de l’obligation de collaborer en ne communiquant pas son
adresse (consid. 1).

Art. 13 et 16 al. 2 LA. Notion de la persécution.

Il y a lieu d’appliquer au sens large la notion de persécution prévue par
l’art. 13 LA, laquelle comprend également les motifs prévus par les art. 3
CEDH et 14a LSEE. Cette notion est identique à celle de l’art. 16 al. 2 LA
(consid. 3.b).

Art. 16 al. 2, 2ème phrase LA. Indices de persécution et alternative de la
fuite interne.

La question de la possibilité de l’alternative de la fuite interne ne
se résume pas à celle de savoir si d’emblée toute persécution peut
être exclue, mais consiste à déterminer si, selon les circonstances, il
existe une protection contre les persécutions dans certaines parties
déterminées du pays. En pareil cas, l’examen matériel de la demande
d’asile s’impose, lequel implique qu’il soit au préalable entré en

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matière sur cette demande. Une décision de non-entrée en matière
faute d’indices de persécution au sens de l’art. 16 al. 2 LA ne peut ainsi
être fondée sur la seule allusion à l’alternative de fuite dans le pays
d’origine (consid. 3).

Grundsatzentscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission.
Rechtsschutzinteresse bei Weiterführung des Verfahrens aus dem
Ausland. Begriff der Verfolgung. Hinweise auf Verfolgung und
inländische Fluchtalternative[4].

Art. 48 VwVG. Rechtsschutzinteresse bei Weiterführung des Verfahrens
aus dem Ausland.

Das Interesse an der Weiterführung des Verfahrens entfällt nicht
schon dadurch, dass der Beschwerdeführer ausser Landes oder
unbekannten Aufenthaltes ist. Voraussetzung ist allerdings, dass das
weiterbestehende Interesse am Verfahren ausdrücklich manifestiert
oder zumindest nach den Umständen klar erkennbar ist, der
Beschwerdeführer über ein gültiges Rechtsdomizil verfügt und er über
diese Adresse erreichbar ist. Die Frage des Rechtsschutzinteresses
ist zu unterscheiden von der Frage der allfälligen Verletzung der
Mitwirkungspflicht durch Nichtbekanntgabe der Adresse (E. 1).

Art. 13 und Art. 16 Abs. 2 AsylG. Begriff der Verfolgung.

Es ist bei der Anwendung von Art. 13 AsylG von einem weiten
Verfolgungsbegriff auszugehen, der auch Gründe nach Art. 3 EMRK oder
Art. 14a ANAG umfasst. Dieser Verfolgungsbegriff ist identisch mit dem
Begriff der Verfolgung nach Art. 16 Abs. 2 AsylG (E. 3.b).

Art. 16 Abs. 2 AsylG, 2. Satz. Hinweise auf Verfolgung und inländische
Fluchtalternative.

Die Frage einer allfälligen inländischen Fluchtalternative beschlägt
nicht die Frage, ob zum vornherein gar keine Verfolgung vorliegen
kann, sondern es geht um die Frage, ob allenfalls nach den Umständen
in bestimmten Teilen des Landes Schutz vor Verfolgung besteht. Dies
bedingt eine materielle Prüfung des Asylgesuchs, was voraussetzt, dass
zunächst auf das Gesuch eingetreten wird. Ein Nichteintretensentscheid
mangels Anhaltspunkten für Verfolgung im Sinne von Art. 16 Abs. 2
AsylG kann deshalb nicht allein mit dem Hinweis auf Fluchtalternativen
im Herkunftsland begründet werden (E. 3).

Decisione di principio della Commissione svizzera di ricorso in
materia d’asilo Interesse degno di protezione alla continuazione della
procedura dall’estero. Nozione di persecuzione. Indizi di persecuzione e
alternativa di fuga interna[6].

Art. 48 PA. Interesse degno di protezione alla continuazione della
procedura dall’estero.

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L’interesse alla continuazione della procedura non viene meno per
il solo fatto che il ricorrente si trova all’estero o che il suo luogo di
residenza è ignoto. Occorre tuttavia, come condizione preliminare, che
questo interesse sia esplicitamente manifestato o, perlomeno, che le
circostanze del caso di specie permettano di ritenere che il richiedente
abbia un domicilio legale valido dove possa essere raggiunto. La
questione dell’interesse degno di protezione deve essere distinta
da quella della violazione dell’obbligo di collaborare per mancata
comunicazione dell’indirizzo (consid. 1).

Art. 13 e 16 cpv. 2 LA. Nozione di persecuzione.

La nozione di persecuzione giusta l’art. 13 LA comprende pure i motivi
ostativi all’allontanamento di cui agli art. 3 CEDU e 14a LDDS ed è
identica a quella dell’art. 16 cpv. 2 LA (consid. 3.b).

Art. 16 cpv. 2 seconda frase LA. Indizi di persecuzione e alternativa di
fuga interna.

Il quesito della possibilità di un’alternativa di fuga interna non è da
riassumere con quella di sapere se, di primo acchito, qualsivoglia
persecuzione possa essere esclusa, ma piuttosto con quella di sapere se,
secondo le circostanze, la protezione contro queste persecuzioni esista
in certe parti del paese. In simile evenienza, l’esame materiale della
domanda d’asilo s’impone, ciò che implica necessariamente un’entrata
nel merito della domanda medesima. Una decisione di non entrata
nel merito, in difetto d’indizi di persecuzione ai sensi dell’art. 16 cpv. 2
LA, non può pertanto fondarsi unicamente su una possibilità di fuga
interna nel paese d’origine (consid. 3).

Zusammenfassung des Sachverhalts

Die Beschwerdeführer verliessen Indien nach eigenen Angaben am
29. Dezember 1990. Am 3. Januar 1991 stellten sie in der Schweiz
ein Asylgesuch. Die Fremdenpolizei des Kantons Waadt befragte
die Beschwerdeführer am 27. Mai 1991 zu ihren Asylgründen. Der
Beschwerdeführer machte im wesentlichen geltend, er habe, nachdem er
im Jahre 1985 in die «All India Sikh Student Federation» (AISSF) eingetreten
sei, Probleme mit der Polizei bekommen. In der Folge sei er dreimal von der
Polizei verhaftet worden. Das letzte Mal, kurz vor der Flucht, sei er wegen
des Besuchs bei der Witwe des ermordeten Generalsekretärs der AISSF
festgenommen und während elf Tagen festgehalten worden. Dabei sei er auch
geschlagen worden. Durch Proteste einflussreicher Leute sei er freigekommen.
Aus Furcht vor weiteren Verhaftungen und aus Angst um sein Leben habe er
sich daraufhin zur Flucht entschlossen. Die Beschwerdeführerin schliesst sich
dem Asylgesuch ihres Ehemannes vollumfänglich an.

Mit Verfügung vom 31. Oktober 1991 trat das Bundesamt für Flüchtlinge
(BFF) auf das Asylgesuch der Beschwerdeführer nicht ein und ordnete ihre
Wegweisung aus der Schweiz an. Zur Begründung wurde ausgeführt, Indien
sei durch den Bundesrat zu einem «safe country» gemäss Art. 16 Abs. 2
des Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979 (AsylG, SR 142.31) erklärt worden.

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Ferner bestünde innerhalb Indiens eine Fluchtalternative, so dass die
Beschwerdeführer in anderen Landesteilen vor Verfolgung sicher gewesen
wären und sie somit die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht
erfüllen. Gleichzeitig entzog das BFF einer allfälligen Beschwerde vorsorglich
die aufschiebende Wirkung.

Mit Eingabe vom 16. Dezember 1991 beantragen die Beschwerdeführer, der
Nichteintretensentscheid sei aufzuheben und die Sache zur materiellen
Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu erteilen.

Mit Verfügung vom 7. Januar 1992 lehnte der Beschwerdedienst des EJPD das
Gesuch umWiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab.

Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 22. Januar 1992 die
Abweisung der Beschwerde.

Gemäss Mitteilung der Fremdenpolizei des Kantons Waadt vom 24. Februar
1992 sind die Beschwerdeführer von ihrem bisherigen Wohnort
verschwunden. Am 6. März 1992 forderte der Beschwerdedienst EJPD den
Rechtsvertreter der Beschwerdeführer auf, die aktuelle Wohnadresse der
Beschwerdeführer bekanntzugeben; andernfalls würde die Beschwerde
infolge Wegfalls des Rechtsschutzinteresses als gegenstandslos abgeschrieben.
Am 19. März 1992 teilte dazu Fürsprecher W. dem Beschwerdedienst mit, die
Beschwerdeführer hielten an der Beschwerde fest und verzeichneten nach wie
vor Rechtsdomizil bei ihrem Rechtsvertreter. Es sei wohl «auf die zweifellos
gegebene Arbeitsüberlastung» des Beschwerdedienstes zurückzuführen,
wenn nun plötzlich aus der Abreise der Beschwerdeführer auf fehlendes
Rechtsschutzinteresse geschlossen werde, nachdem es zuvor abgelehnt
worden sei, die entzogene aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.

Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer bestätigte am 11. Februar 1993
auf Anfrage der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) hin, dass die
Beschwerdeführer weiterhin ein Interesse am Verfahren hätten und teilte
mit, dass sich die Beschwerdeführer in der Bundesrepublik Deutschland
aufhielten.

Die ARK heisst die Beschwerde gut, hebt die angefochtene Verfügung des BFF
auf und überweist die Sache der Vorinstanz zur materiellen Beurteilung.

Aus den Erwägungen

1. Nach Art. 11 Abs. 2 AsylG können Verfügungen des BFF betreffend
Verweigerung des Asyls und Wegweisung bei der Schweizerischen
Asylrekurskommission angefochten werden, welche endgültig entscheidet (vgl.
Art. 1 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 1 VOARK).

Die Beschwerdeführer sind legitimiert. Entgegen der Meinung, die der
Beschwerdedienst des EJPD in seiner Zwischenverfügung vom 6. März
1992 vertrat, kann im vorliegenden Fall allein aus dem Fehlen einer
Wohnadresse der Beschwerdeführer in der Schweiz noch nicht auf den
Wegfall des Rechtsschutzinteresses geschlossen werden. Zur Durchführung
eines Asylverfahrens ist die Anwesenheit in der Schweiz nicht unbedingt
erforderlich (vgl. Art. 12b Abs. 4, Art. 13b und Art. 19 AsylG). Das Interesse
an der Weiterführung des Verfahrens entfällt daher nicht schon dadurch,
dass die Beschwerdeführer ausser Landes sind. Voraussetzung ist allerdings,

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dass das weiterbestehende Interesse am Verfahren ausdrücklich manifestiert
oder zumindest nach den Umständen klar erkennbar ist. Hierzu kann es
genügen, dass die Beschwerdeführer im Vertretungsfall über die Adresse
des Rechtsvertreters erreichbar sind, damit gegebenenfalls die nötigen
Abklärungen über das Vorhandensein eines Rechtsschutzinteresses
vorgenommen werden können.

Vorliegend haben die Beschwerdeführer den Fortbestand ihres Interesses an
der Weiterführung dadurch bekundet, dass sie nicht nur einen Anwalt mit
der Wahrung ihrer Interessen beauftragten und dort Rechtsdomizil verzeigt
haben, sondern auch in ihren Stellungnahmen vom 19. März 1992 und vom
11. Februar 1993 auf Nachfrage der Beschwerdeinstanz ausdrücklich erklärten,
sie hielten an der Beschwerde fest und hätten weiterhin ein Interesse am
Verfahren.

Anzumerken ist allerdings, dass Beschwerdeführer, welche sich in der Schweiz
aufhalten, sich nach Art. 12b Abs. 4 AsylG den Behörden zur Verfügung halten
müssen. Ob dies bedeutet, dass auf Rechtsmittel von Personen, welche sich
an einem unbekannten Ort in der Schweiz aufhalten, in jedem Fall wegen
Verletzung der Mitwirkungspflicht nicht einzutreten bzw. das Rechtsmittel als
gegenstandslos abzuschreiben ist, braucht vorliegend nicht näher geprüft
zu werden, da sich die Beschwerdeführer in einem Drittstaat aufhalten.
In diesem Fall werden sich aber bei einer Fortsetzung des Verfahrens die
Gesuchsteller gegebenenfalls der Schweizer Vertretung im Ausland zur
Verfügung halten müssen, soweit ihre Befragung notwendig wird und die
instruierende Behörde nicht die Wiedereinreise gestattet.

Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten
(Art. 48 ff. VwVG).

2.a. Gemäss Art. 16 Abs. 2 AsylG wird auf das Asylgesuch oder eine
Beschwerde nicht eingetreten, wenn der Asylsuchende aus einem Staat kommt,
in welchem nach Feststellung des Schweizerischen Bundesrates Sicherheit vor
Verfolgung besteht, ausser die Anhörung ergebe Hinweise auf eine Verfolgung.

Der Bundesrat erklärte am 18. März 1991 Indien zu einem «safe country».

b. Bei einem «safe country»-Beschluss des Bundesrates handelt es sich
lediglich um eine widerlegbare Vermutung, dass im betreffenden Staat
Sicherheit vor Verfolgung besteht. Die Vermutung kann folglich in jedem
einzelnen Anwendungsfall durch Gegenindizien umgestossen werden.

c. Die Vorinstanz stellt in ihrer Verfügung fest, dass sich aufgrund der Akten
keine Hinweise auf eine Verfolgung ergeben würden, weshalb auf das Gesuch
nicht einzutreten sei. Sie argumentiert in ihrer Begründung im wesentlichen
mit bestehenden innerstaatlichen Ausweichmöglichkeiten.

Die Beschwerdeführer rügen, diese Argumentation sei unhaltbar, da sie
eine gründliche materielle Prüfung des Asylgesuchs voraussetzen würde.
Die Vorinstanz widerspreche sich selbst, da allfällige innerstaatliche
Ausweichmöglichkeiten nur beachtlich wären, wenn Indien nicht generell
als verfolgungssicherer Staat einzustufen ist. Unter diesen Umständen sei
entweder das Urteilsdispositiv falsch, weil in Tat und Wahrheit auf das Gesuch
eingetreten worden sei, oder die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen,

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damit sie prüfe, ob im konkreten Fall des Beschwerdeführers wirklich
eine innerstaatliche Fluchtalternative bestanden habe, was eine Frage der
Flüchtlingseigenschaft und nicht eine des Eintretens sei.

3.a. Der Beschwerdeführer führt zur Vorgeschichte seiner Ausreise aus
Indien aus, dass er mehrmals (zwischen dem 24. Januar 1986 und dem
28. Januar 1986, vom 14. August 1988 bis am 28. Februar 1989) wegen
politischer Propaganda als aktives Mitglied des AISSF verhaftet worden sei.
Die letzte Verhaftung habe im Dezember 1990 für neun Tage nach einem
Kondolenzbesuch bei der Witwe des Generalsekretärs des AISSF stattgefunden.
Er sei dabei während drei Stunden geschlagen worden. Nachdem seine
Familie in Erfahrung gebracht hatte, wo er sich befunden habe und sich bei
der Polizei bekannte Persönlichkeiten für ihn eingesetzt hätten, sei er nach
zwei Wochen freigekommen.

Somit bestanden in concreto durchaus ernstzunehmende Hinweise auf eine
individuelle Verfolgung. Diese Hinweise werden durch die Bemerkungen
des Hilfswerksvertreters im kantonalen Anhörungsprotokoll verstärkt («... le
requérant dont les activités politiques et la sincérité méritent une attention
particulière. Je requiers donc une audition complémentaire.»). Das BFF vertritt
indessen die Auffassung, unbesehen solcher Hinweise müsse auf das Gesuch
nicht eingetreten werden, da ohnehin in anderen Teilen Indiens Schutz vor
allfälliger Verfolgung bestehe.

b. Das Fehlen einer inländischen Fluchtalternative ist zwar Voraussetzung
für die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG. Der Verweis auf mögliche
Fluchtalternativen innerhalb des Heimatstaates, worauf die Vorinstanz ihren
Entscheid hauptsächlich stützt, genügt jedoch nicht, um einen «Hinweis
auf Verfolgung» im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AsylG auszuschliessen. Das
Gesetz fordert ausdrücklich nicht das Glaubhaftmachen einer Verfolgung,
um die sich aus dem «safe country»-Beschluss ergebende Vermutung zu
widerlegen. Dies kann nur bedeuten, dass die Beweisanforderungen des
Art. 16 Abs. 2 AsylG tief anzusetzen sind und immer dann auf ein Gesuch
einzutreten ist, wenn entsprechende «glaubwürdige Hinweise auf Verfolgung»
vorliegen (Kälin Walter, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt
a. M., 1990, S. 265) beziehungsweise «Hinweise auf Verfolgung, die bei
einer prima-facie-Beurteilung nicht als offensichtlich haltlos beurteilt
werden müssen» (Gattiker Mario, Ist die Schweiz ein sicheres Asylland?,
in: ASYL 1991/3, S. 2 ff., insb. S. 5). Eine innerstaatliche Fluchtalternative,
das heisst die Frage, ob eine Verfolgungsgefahr nur in bestimmten Teilen
des Herkunftslandes aktuell ist, kann nicht pauschal oder bloss im Rahmen
einer solchen prima facie-Prüfung beantwortet werden, sondern setzt
eine genaue Prüfung der individuellen Umstände voraus. Das Argument
der innerstaatlichen Fluchtalternative kann nur in ganz spezifischen
Verfolgungssituationen zum Zuge kommen (Kälin, a.a.O., S. 73), wenn der
Zentralstaat den Betroffenen eigentlich nicht verfolgen will, aber zu schwach
ist, um ihn am Ort der Verfolgung etwa gegen Übergriffe Privater oder gegen
Amtsmissbrauch örtlicher Behörden wirksam zu schützen. Insbesondere im
Fall von Sikh-Autonomisten in Indien trifft diese Voraussetzung nicht generell
zu.

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Im übrigen ergibt sich bereits aus demWortlaut von Art. 16 Abs. 2 AsylG,
dass verfolgungssichere Staaten, nicht verfolgungssichere Regionen gemeint
sind (vgl. Gattiker, a.a.O., S. 4; in ähnlichem Sinne auch Achermann Alberto /
Hausammann Christina, Handbuch des Asylrechts, Bern/ Stuttgart, 1991,
S. 299). Zum gleichen Ergebnis gelangt man aus der gesetzessystematischen
Interpretation des Begriffs «Verfolgung», der in Art. 16 Abs. 2 nichts anderes
bedeuten kann als in Art. 13. Aus den Materialien zur Entstehung dieser
beiden mit dem Bundesbeschluss über das Asylverfahren (AVB) vom 22. Juni
1990 (AS 1990 938) eingeführten Bestimmungen ergibt sich eindeutig, dass in
beiden Artikeln vom gleichen weiten Begriff der Verfolgung auszugehen ist,
welcher nicht nur die im Sinne von Art. 3 AsylG asylrechtlich relevanten
ernsthaften Nachteile umfasst, sondern auch andere Befürchtungen,
welche allenfalls nur unter den Aspekten von Art. 3 der Konvention vom
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK, SR 0.101) oder Art. 14a des BG vom 26. März 1931 über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer (ANAG, SR 142.20) materiell von Bedeutung
sind (also insbesondere menschenrechtswidrige Behandlung, private
Verfolgung, Bürgerkriegsgefahr). Dies ergibt sich insbesondere daraus, dass
der heutige Abs. 2 von Art. 16 AsylG in der bundesrätlichen Vorlage zum
AVB (BBl 1990 II 573 ff.) noch als Abs. 2 von Art. 13 (Definition des Begriffes
«Asylgesuch») vorgesehen war in folgendemWortlaut:

«Kommt der Ausländer aus einem Staat, in dem nach den Feststellungen des
Bundesrates Menschenrechtsverletzungen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen
geahndet werden, liegt kein Asylgesuch vor.»

Die Botschaft führte zu dieser Bestimmung folgendes aus (BBl 1990 II 625 f.):
«Dadurch soll dem Bundesrat die Möglichkeit gegeben werden, für bestimmte
Herkunftsländer von Asylbewerbern festzustellen, dass dort sowohl
eine Verfolgung nach Art. 3 des Gesetzes als auch eine unmenschliche
Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgeschlossen werden und
demnach objektiv gesehen kein Asylgesuch vorliegen kann, weil der
betreffende Staat Menschenrechtsverletzungen nach rechtsstaatlichen
Grundsätzen ahndet.» Daraus ergibt sich, dass in beiden Absätzen des
ursprünglichen Art. 13 AVB in der negativen Umschreibung der gleiche
- weite - Verfolgungsbegriff angesprochen war: Nach Abs. 1 liegt kein
Asylgesuch vor, weil der Gesuchsteller keine Verfolgung - im weiten Sinne
- geltend macht, mit der Folge, dass auf das Gesuch nicht eingetreten wird;
nach Abs. 2 entsteht die gleiche Folge, wenn das Vorhandensein einer
Verfolgung - im gleichen weiten Sinne - nach der objektiven, vom Bundesrat
festgestellten Situation im betreffenden Land ausgeschlossen werden kann.
Im Verlauf der parlamentarischen Beratung wurde Abs. 2 von Art. 13 aus
gesetzessystematischen Gründen in Art. 16 umplaziert, wobei indessen
keinerlei Änderung bezüglich des weiten Verfolgungsbegriffs bezweckt wurde.
Die einzige materielle Änderung erfuhr die Bestimmung beim Transfer in
Art. 16 insofern, als nunmehr die bundesrätliche Bestimmung eines Landes
als «sicher» zu einer im Einzelfall widerlegbaren Vermutung gemacht wurde.
Bundesrat Koller hat denn auch nach der Umformulierung und Neuplazierung
der Bestimmung in der Beratung im Nationalrat am 5. Juni 1990 inhaltlich
auf die alte Version Bezug genommen, indem er von Ländern sprach, wo
nach Beurteilung des Bundesrates «Menschenrechte nicht verletzt werden
bzw. deren Verletzungen in rechtsstaatlichen Verfahren geahndet werden»,

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wobei er sich «auf eine sorgfältige Beurteilung der Menschenrechtslage in
einem solchen Staat» stütze. Der Begriff «Menschenrechtslage» kommt in der
parlamentarischen Debatte zur «safe country»-Regel auch in verschiedenen
anderen Voten vor.

Die Prüfung einer allfälligen inländischen Fluchtalternative beschlägt
folglich nicht die Frage, ob zum vornherein gar keine Verfolgung vorliegen
kann, sondern es geht um die Frage, ob allenfalls nach den Umständen
in bestimmten Teilen des Landes Schutz vor Verfolgung besteht. Dies
bedingt eine materielle Prüfung des Asylgesuchs, was voraussetzt, dass
zunächst auf das Gesuch eingetreten wird. Ein Nichteintretensentscheid
mangels Anhaltspunkten für Verfolgung im Sinne von Art. 16 Abs. 2 AsylG
kann deshalb nicht allein mit dem Hinweis auf Fluchtalternativen im
Herkunftsland begründet werden. Im gleichen Sinne hat bereits das EJPD
im Beschwerdeentscheid vom 19. März 1992 in Sachen S.D. entschieden
(abgedruckt in: ASYL 1992/ 2+3, S. 45). Die entsprechende Rüge in der
Beschwerde vom 16. Dezember 1991 erweist sich damit als begründet.

c. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist. Daher ist die Beschwerde gutzuheissen, die
vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache der Vorinstanz zur
materiellen Prüfung des Asylgesuches zu überweisen.

4. Die Zwischenverfügung des Beschwerdedienstes des EJPD vom 7. Januar
1992, welche die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung verweigerte,
bzw. die vorsorgliche Wegweisung verfügte, erscheint unter den gegebenen
Umständen nachträglich als problematisch. Indessen stellt sich die
Frage einer Wiederaufhebung dieser Zwischenverfügung nicht mehr,
da das Beschwerdeverfahren abgeschlossen und das Verfahren in erster
Instanz wieder geöffnet wird. Es bleibt somit vom BFF zu prüfen, ob den
Beschwerdeführern die Wiedereinreise zu gestatten sei, falls sich die
notwendigen weiteren Abklärungen nicht durch Vermittlung einer Schweizer
Vertretung im Ausland bewerkstelligen lassen. Ob die Beschwerdeführer
inzwischen allenfalls Schutz in einem Drittstaat gefunden haben, ist ebenfalls
nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens, sondern ist vom
BFF im Rahmen der Neubeurteilung zu prüfen.

[4] Entscheid der Präsidentenkonferenz über eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung, gemäss Art. 12 Abs. 2 Bst. a der Verordnung vom
18. Dezember 1991 über die Schweizerische Asylrekurskommission (VOARK,
SR 142.317).
[5] Décision de la Conférence des présidents sur une question juridique de
principe, selon l’art. 12 al. 2 let. a de l’Ordonnance du 18 décembre 1991
concernant la Commission suisse de recours en matière d’asile (OCRA,
RS 142.317).
[6] Decisione della Conferenza dei presidenti su questione giuridica
di principio, conformemente all’art. 12 cpv. 2 lett. a dell’Ordinanza del
18 dicembre 1991 concernente la Commissione svizzera di ricorso in materia
d’asilo (OCRA, RS 142.317).

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 58.32 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission

vom 28. April 1993

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1994
Année

Anno

Band 58
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	Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 28. April 1993