# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c8a1d04-97c8-5cd0-adb6-36c63fbc47ba
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-11-01
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 01.11.1994 JAAC 59.85
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-85--_1994-11-01.pdf

## Full Text

JAAC 59.85

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 1. November 1994
in Sachen Staatskellerei des Kantons X gegen
Bundesamt für Aussenwirtschaft; 94/3B-002

Importation de vin; qualité pour recourir; conditions d’octroi d’un
permis d’importation.

1. Art. 48 PA: droit de recours d’une collectivité.

Les Caves de l’Etat (Staatskellerei) ont qualité pour recourir lorsque le
litige porte sur la question de savoir si elles peuvent obtenir, comme
n’importe quelle autre cave privée, un permis d’importation de vin
(consid. 1.2).

2. Art. 23 LAgr, art. 16 à 18 du statut du vin, art. 1 et 2 al. 1 de
l’ordonnance limitant quantitativement l’importation de vins blancs
en bouteilles: mesures économique prises à la frontière en matière
d’importation de vins rouges et blancs.

Les bénéficiaires des mesures économiques sont les producteurs
indigènes. C’est pourquoi il ne serait pas logique de leur permettre de
participer à l’importation dans une mesure considérable sans leur
imposer de contraintes. Ils sont donc soumis à une restriction légale
selon laquelle ils ne reçoivent, en principe, pas de permis d’importation
(consid. 3).

3. Art. 23 al. 4 LAgr: définition de «producteurs de denrées agricoles et
organismes de mise en valeur» dans le domaine de la viticulture.

- Est en principe producteur celui qui plante et cultive la vigne; on
entend par denrée viticole le raisin, et non le vin. L’encaveur n’est
considéré comme producteur que s’il plante lui-même la vigne ou fait
lui-même la vendange (consid. 4.1).

- Par organismes de mise en valeur, on entend les regroupements
de producteurs dont l’organisation repose sur l’entraide, ce qui les
distingue des autres organismes qui exploitent les denrées agricoles à
titre professionnel ou industriel (consid. 4.2).

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Weinimport; Beschwerdelegitimation; Voraussetzungen für die
Erteilung einer Einfuhrbewilligung.

1. Art. 48 VwVG: Beschwerderecht des Gemeinwesens.

Eine Staatskellerei ist zur Beschwerdeführung legitimiert, wenn es um
die Frage geht, ob sie wie irgendeine private Kellerei eine Bewilligung
zur Weineinfuhr erhalten soll (E. 1.2).

2. Art. 23 LwG, Art. 16 bis 18 Weinstatut, Art. 1 und 2 Abs. 1 der
Verordnung über die mengenmässige Beschränkung der Einfuhr von
Weisswein in Flaschen: Bewirtschaftungsmassnahmen an der Grenze
im Bereich der Einfuhr von Rot- und Weissweinen.

Nutzniesser der Bewirtschaftungsmassnahmen sind die inländischen
Produzenten. Deshalb wäre es inkonsequent, sie ohne zwingenden
Grund in namhaftem Ausmass am Import teilnehmen zu lassen. Für
sie gilt die gesetzliche Einschränkung, dass sie in der Regel keine
Einfuhrbewilligung erhalten (E. 3).

3. Art. 23 Abs. 4 LwG: Begriff des «Produzenten landwirtschaftlicher
Erzeugnisse und der Verwerterorganisation von Produzenten» im
Bereich Rebbau.

- Produzent ist in der Regel, wer Reben anpflanzt und pflegt; als
Erzeugnis dieses Rebbaus sind die Trauben gemeint. Wer Wein keltert,
gilt nur insoweit als Produzent, als er auch selbst Reben anbaut oder
Trauben erntet (E. 4.1).

- Als Verwerterorganisation ist der Zusammenschluss von Produzenten
zur gemeinsamen Selbsthilfe zu betrachten und darin unterscheidet
sie sich von anderen gewerblichen oder industriellen Verwertern
landwirtschaftlicher Erzeugnisse (E. 4.2).

Importazione di vino; diritto di ricorrere; condizioni per il rilascio di
un permesso d’importazione.

1. Art. 48 PA: diritto di ricorrere di una collettività.

Una cantina dello Stato (Staatskellerei) ha il diritto di ricorrere quando
la vertenza riguarda la questione intesa a sapere se essa può ottenere,
come qualsiasi altra cantina privata, un permesso d’importazione di
vino (consid. 1.2).

2. Art. 23 LAgr; art. 16 a 18 dello statuto del vino; art. 1 e 2 cpv. 1
dell’ordinanza che limita quantitativamente l’importazione di vini
bianchi in bottiglia: misure economiche prese alla frontiera in materia
d’importazione di vini rossi e bianchi.

I beneficiari delle misure economiche sono i produttori indigeni. Per
questo motivo non sarebbe logico che essi possano partecipare in
misura ragguardevole all’importazione senza un motivo cogente. Per
loro fa stato la restrizione economica secondo cui non ricevono, di
norma, un permesso d’importazione (consid. 3).

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3. Art. 23 cpv. 4 LAgr: definizione di «produttori di derrate agricole
e organizzazioni che si occupano dell’utilizzazione nell’ambito della
viticoltura».

- Di regola il produttore è colui che pianta e coltiva la vigna; per derrata
viticola si intende l’uva e non il vino. Colui che mette in cantina il vino
è considerato produttore solamente se pianta lui stesso la vigna o fa lui
stesso la vendemmia (consid. 4.1).

- Per organizzazione che si occupa dell’utilizzazione si intendono
i raggruppamenti di produttori la cui organizzazione si basa
sull’autosostegno, ciò che li distingue dalle altre organizzazioni che
utilizzano le derrate agricole a titolo professionale o industriale
(consid. 4.2).

Aus dem Sachverhalt:

Am 10. Januar 1994 beantragte die Staatskellerei des Kantons X beim
Bundesamt für Aussenwirtschaft eine Generallizenz für die Einfuhr von Wein
und ein Einfuhrkontingent für Weisswein. Mit Schreiben vom 19. Januar
1994 liess das Bundesamt die Staatskellerei wissen, dass ihr keine Bewilligung
und keine Generallizenz für die Einfuhr von Wein erteilt werden könne. Der
Import von Weiss- und Rotwein unterliege den Bewirtschaftungsmassnahmen
an der Grenze zum Schutze landwirtschaftlicher Produzenten. Die
Staatskellerei gelte als Produzent landwirtschaftlicher Erzeugnisse
beziehungsweise als Verwerterorganisation, die von diesen Massnahmen
profitiere.

Diesen Bescheid ficht die Staatskellerei am 14. März 1994 beim EVD an und
stellt den Antrag auf eine Generallizenz für die Einfuhr von Wein und auf
ein Einfuhrkontingent für Weisswein aus dem Reservekontingent von 10 000
Hektolitern. Zur Begründung führt sie aus, dass sie ihren Wein ausschliesslich
aus zugekauften Trauben produziere. Auch sei sie rechtlich von ihren
Traubenlieferanten vollständig unabhängig. Daher könne sie weder als
durch die Einfuhrbeschränkungen geschützte Produzentin noch als deren
Verwerterorganisation angesehen werden.

Das Departement überwies die Beschwerde am 17. März 1994
zuständigkeitshalber an die Rekurskommission EVD.

Aus den Erwägungen:

1. Die Verfügung bildet Gegenstand einer Verwaltungsbeschwerde (Art. 44
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], SR 172.021). Eine ordnungsgemässe Verfügung umfasst in formeller
Hinsicht folgendes (Art. 35 VwVG): die Bezeichnung Verfügung, den Namen
der Behörde, von der sie ausgeht, den Namen des Adressaten, mit dem das
Rechtsverhältnis geregelt wird, eine kurzgefasste Begründung, die Anordnung
in der Verfügungsformel (Dispositiv), die Rechtsmittelbelehrung mit Angabe

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der Rechtsmittelinstanz und der Rechtsmittelfrist, die Eröffnungsformel
sowie Datum und Unterschrift. Auf Begründung und Rechtsmittelbelehrung
kann verzichtet werden, wenn die Behörde den Begehren der Parteien voll
entspricht und keine Partei eine Begründung verlangt (Art. 35 Abs. 3 VwVG).

1.1. Die vorliegende Verwaltungsbeschwerde bezieht sich auf ein nicht als
Verfügung bezeichnetes Schreiben des Bundesamtes für Aussenwirtschaft
(hiernach: Bundesamt) vom 19. Januar 1994 an die Staatskellerei, das mit
der Feststellung schliesst: «Das geltende Recht gestattet es uns deshalb nicht,
Ihrem Betrieb Bewilligungen beziehungsweise eine Generallizenz für die
Einfuhr von Wein zu erteilen». Weil das Schreiben nicht als Verfügung
bezeichnet ist und keine Rechtsmittelbelehrung enthält, genügt es den
vorstehend umschriebenen formellen Anforderungen nicht. Seinem Inhalt
nach umfasst es indessen eine Anordnung des Bundesamtes als Behörde in
einem Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützt und die
Abweisung eines Begehrens auf Begründung von Rechten zum Gegenstand
hat. Damit erfüllt es die begrifflichen Anforderungen an eine Verfügung
(Art. 5 Abs. 1 Bst. c VwVG), und das ist für die Beurteilung der Eintretensfrage
entscheidend (BGE 100 Ib 432).

Das Schreiben des Bundesamtes kann somit als Verfügung nach Art. 44
Abs. 1 der Verordnung vom 23. Dezember 1971 über den Rebbau und
den Absatz der Rebbauerzeugnisse (Weinstatut, SR 916.140, AS 1993
1462, 3367) und im Rahmen der allgemeinen Bestimmungen über die
Bundesverwaltungsrechtspflege (Art. 44 ff. und 71a VwVG) mit Beschwerde bei
der Rekurskommission EVD angefochten werden (Art. 3 Abs. 2 der Verordnung
vom 3. Februar 1993 über die vollständige Inkraftsetzung der Änderung des
Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege, SR 173.110.01,
AS 1993 878).

1.2. Die Staatskellerei ist als Teil der Volkswirtschaftsdirektion eine
Verwaltungseinheit des Kantons X Das Beschwerderecht des Gemeinwesens
hat in der Gestalt der Behördenbeschwerde eine ausdrückliche Anerkennung,
Regelung und eigenständige Ausgestaltung erfahren (Art. 48 Bst. b VwVG).
Daneben wird dem Gemeinwesen auch ein Beschwerderecht eingeräumt,
wenn es ähnlich wie ein Privater von der angefochtenen Verfügung betroffen
ist. Partei- und beschwerdefähig ist in diesem Fall das entsprechende
Gemeinwesen, im vorliegenden Fall also der Kanton X.

Im vorliegenden Verfahren geht es um finanzielle Interessen im
Zusammenhang mit dem Betrieb der Staatskellerei und nicht um hoheitliche
Funktionen des Kantons X Zum Entscheid steht die Frage an, ob die
Staatskellerei wie irgendeine private Kellerei eine Bewilligung zur
Weineinfuhr erhält. Daher ist die Staatskellerei beziehungsweise der Kanton X,
für den sie handelt, durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein als
schutzwürdig anzuerkennendes Interesse an deren Aufhebung oder Änderung.
Sie ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Bst. a VwVG).

1.3. Eine Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen seit der Eröffnung
einzureichen (Art. 50 VwVG). Die Beschwerde der Staatskellerei vom
14. März 1994 gegen den Entscheid des Bundesamtes vom 19. Januar 1994
ist offensichtlich nicht innert dieser Frist eingereicht worden. Da indessen
auf dem Entscheid des Bundesamtes die Rechtsmittelbelehrung fehlte, ist er
mangelhaft eröffnet worden. Dies darf für die Betroffene keinen Nachteil

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_100_Ib_432&resolve=1

zur Folge haben (Art. 38 VwVG). Daher hat die Beschwerdeinstanz auch
nach Ablauf der Beschwerdefrist auf eine Beschwerde einzutreten, weil die
Verfügung insoweit nicht in formelle Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Kölz
Alfred / Häner Isabelle, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege
des Bundes, Zürich 1993, Rz. 159).

1.4. (...)

Auf die Verwaltungsbeschwerde ist somit einzutreten.

2. Nach Massgabe des Bundesgesetzes vom 3. Oktober 1951 über die
Förderung der Landwirtschaft und die Erhaltung des Bauernstandes
(Landwirtschaftsgesetz [LwG], SR 910.1) ist der Bundesrat befugt, unter
Rücksichtnahme auf die anderen Wirtschaftszweige die Einfuhr gleichartiger
Erzeugnisse mengenmässig zu beschränken oder für die Einfuhr gleichartiger
Erzeugnisse, die eine bestimmte Menge überschreiten, Zollzuschläge zu
erheben, sofern der Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu Preisen, die
nach den Grundsätzen dieses Gesetzes angemessen sind, durch die Einfuhr
gefährdet wird (Art. 23 Abs. 1 Bst. a und b LwG).

In bezug auf den Rebbau hat der Bundesrat entsprechende wirtschaftliche
Massnahmen im schon erwähnten Weinstatut geregelt. Dieses sieht die
folgenden Massnahmen vor: Zollkontingente (Art. 16), Einfuhrbeschränkungen
(Art. 16a), Einfuhrverbote (Art. 16b), Einfuhrbewilligungen (Art. 17).

3. Für die gewerbsmässige Einfuhr von rotem Naturwein der
Zolltarifnummern 2204.2112, 2119, 2911, 2913, und rotem Traubenmost der
Zolltarifnummer ex 2204.3000 (Rotweine) bedarf es einer Generallizenz der
Abteilung für Ein- und Ausfuhr des Bundesamtes für Aussenwirtschaft. Die
Generallizenz ist eine zeitlich unbefristet gültige, generelle Einfuhrbewilligung,
welche Voraussetzung für die gewerbsmässige Einfuhr von Rotweinen ist
(Art. 16 Abs. 1 und 3 i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Weinstatut). Ausnahmen nach
Art. 16 Abs. 4 Weinstatut sind in der Verordnung vom 7. Dezember 1993 des
EVD über Ausnahmen bei der Einfuhr von Naturwein (SR 916.145.116, AS
1993 3369) geregelt. Die Einfuhr von Rotweinen ist mengenmässig nicht
beschränkt, so dass der Inhaber einer Generallizenz, unter Entrichtung
der entsprechenden Abgaben, beliebige Mengen einführen kann. Der Preis
inländischer Erzeugnisse, deren Absatz durch die Einfuhr gefährdet ist, wird
gestützt durch die Belastung der Einfuhren mit einer Einfuhrabgabe (Art. 41
Abs. 1 Weinstatut) und, ab einer bestimmten Menge, mit einem Zollzuschlag
(Art. 16 Abs. 1bis Weinstatut).

Die Einfuhr vonWeisswein dagegen ist mengenmässig beschränkt. So
ist die Einfuhr von kuranten weissen Naturweinen der Tarifnummern
2204.2111, 2912, 2914 verboten (Art. 16b Abs. 1 Weinstatut), wobei das EVD
(hiernach: Departement) Ausnahmen zulassen kann, wenn die Marktlage es
erfordert (Art. 16b Abs. 2 Weinstatut). Weiter beschränkt das Departement
die Einfuhr von als Spezialitäten anerkannten weissen Qualitätsweinen der
Tarifnummern 2204.2111, 2912, 9214 (Art. 16a Abs. 2 Weinstatut i.V.m. der
Verordnung vom 7. Juni 1972 betreffend das Verzeichnis der als Spezialitäten
anerkannten weissen Qualitätsweine, SR 916.145.114). In der Verordnung
vom 19. Dezember 1979 über die mengenmässige Beschränkung der
Einfuhr von Weisswein in Flaschen (Flaschenweisswein-Verordnung, SR
916.145.115) hat der Bundesrat die Einfuhr von weissen Qualitätsweinen

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in Flaschen der Tarifnummer 2204.2111, die als Spezialitäten anerkannt
sind, auf jährlich 35 000 Hektoliter beschränkt (Art. 1 Abs. 1), damit die
inländischen Weissweine zu Preisen abgesetzt werden können, die nach
Art. 29 Landwirtschaftsgesetz angemessen sind. Diese Menge wird auf
die einzelnen Firmen nach ihrem Anteil an den Einfuhren im Jahr 1988
aufgeteilt (Art. 1 Abs. 2 Flaschenweisswein-Verordnung). Nach Art. 2 Abs. 1
Flaschenweisswein-Verordnung wird zur Milderung von Härten zusätzlich
eine jährliche Reserve von 10 000 Hektolitern gebildet. Härten können sich
danach bei Importeuren namentlich daraus ergeben, dass sie hauptsächlich
als Spezialitäten anerkannte weisse Qualitätsweine verkaufen, die nur in
Flaschen eingeführt werden können. Aus der Reserve kann auch Personen
oder Firmen ein Kontingent zugeteilt werden, deren Umsatz an zugekauften
importierten Weissweinen in Flaschen eigene Einfuhren rechtfertigt.

Für die Einfuhr von Rebbauerzeugnissen, die nach den vorstehend genannten
Bestimmungen mengenmässig beschränkt ist, bedarf es im Einzelfall einer
Bewilligung der Abteilung für Ein- und Ausfuhr des Bundesamtes für
Aussenwirtschaft (Art. 17 Abs. 1 Weinstatut).

Die Einfuhrbewilligungen (Generallizenz für Rotweine und Bewilligung im
Einzelfall für die Einfuhr von Weisswein) werden an Personen und Firmen
erteilt, die im schweizerischen Zollgebiet niedergelassen und im Besitze der
Weinhandelsbewilligung sind, sich gewerbsmässig mit der Einfuhr von Wein
befassen und in der Weinbranche regelmässig tätig sind. Die Importeure
müssen über eine ihrer Firma angepasste kaufmännische Organisation sowie
eine Stammkundschaft und über eigene oder gemietete Keller verfügen und
Angestellte beschäftigen. Sie müssen zudem Gewähr dafür bieten, dass sie die
an die Bewilligung geknüpften Bedingungen und Auflagen erfüllen (Art. 18
Abs. 1 Weinstatut).

An Personen und Firmen, die sich bisher nicht mit der Einfuhr von Wein
befassten, aber die anderen Voraussetzungen von Abs. 1 erfüllen, können
Einfuhrbewilligungen in einem angemessenen Umfang erteilt werden, wenn
sie eine regelmässige Ausübung des Handels mit ausländischen Weinen,
deren Einfuhr beschränkt ist, nachweisen. Der Nachweis ist insbesondere
erbracht, wenn die Höhe des Umsatzes die Einfuhr rechtfertigt (Art. 18 Abs. 2
Weinstatut).

Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz bleibt vorbehalten (Art. 18 Abs. 4
Weinstatut). Danach sind den Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
die durch Massnahmen im Sinne dieses Artikels (d. h. Art. 23 Abs. 4 LwG)
geschützt werden, und ihren Verwerterorganisationen in der Regel für solche
Produkte keine Einfuhrbewilligungen zu erteilen.

Die Bewirtschaftungsmassnahmen an der Grenze bezwecken, die
Durchführung des Produktionsprogrammes und den Absatz der
einheimischen Produkte - vorliegend Rot- und Weisswein - durch die
Einfuhr von Konkurrenzprodukten nicht zu gefährden (Botschaft des
Bundesrates vom 19. Januar 1951 zum Landwirtschaftsgesetz, Botschaft zum
Landwirtschaftsgesetz, BBl 1951 I 182). Nach Art. 23 Landwirtschaftsgesetz
kann die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte beschränkt werden, entweder
mengenmässig oder mittels eines Zollzuschlages, sofern sie den Absatz
einheimischer Erzeugnisse zu kostengerechten Preisen gefährdet. Nutzniesser
dieses Agrarschutzes sind die Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse

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und ihre Verwerterorganisationen. Deshalb wäre es inkonsequent, die
inländischen Produzenten ohne zwingenden Grund in namhaftem Ausmass
am Import teilnehmen zu lassen, durch dessen Beschränkung gerade die
Versorgung des Landes mit ihren eigenen Produkten gefördert werden soll
(unveröffentlichter Bundesgerichtsentscheid vom 24. November 1989 i. S. C.
gegen S. und EVD). Daher macht der Gesetzgeber die Einschränkung, dass
Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die durch diese Massnahmen
geschützt werden (Art. 23 Abs. 1 LwG Bst. a [Weisswein] und Bst. b [Rotwein])
und ihren Verwerterorganisationen für solche Produkte in der Regel keine
Einfuhrbewilligungen zu erteilen sind (Art. 23 Abs. 4 LwG).

4. Die Staatskellerei beantragt einerseits eine Generallizenz für die
Einfuhr von Rotweinen und anderseits ein Einfuhrkontingent für
Weisswein aus der Reserve von 10 000 Hektolitern nach Art. 2 der
Flaschenweisswein-Verordnung. Das Bundesamt hat beide Gesuche im
wesentlichen mit der Begründung abgelehnt, bei der Staatskellerei handle
es sich um eine landwirtschaftliche Verwerterorganisation nach Art. 23
Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz, an welche keine Einfuhrbewilligung erteilt
werden könne. Demgegenüber macht die Staatskellerei geltend, sie sei keine
Verwerterorganisation der landwirtschaftlichen Produzenten, sondern kaufe
in Konkurrenz zu andern, privaten Kellereien im Kanton X Trauben auf dem
freien Markt, um sie zu keltern und zu vermarkten.

Es ist daher zunächst zu prüfen, ob die Staatskellerei als Produzent
landwirtschaftlicher Erzeugnisse beziehungsweise als Verwerterorganisation
der Produzenten im Sinne von Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz zu
betrachten ist.

4.1. Das Landwirtschaftsgesetz umschreibt nicht näher, was einen
Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse auszeichnet und von einem
Verwerter unterscheidet. Im vorliegenden Zusammenhang geht es um
den Rebbau und den Absatz der Rebbauerzeugnisse (vgl. die vollständige
Bezeichnung des Weinstatuts, SR 916.140). Primäres Rebbauerzeugnis ist ohne
Zweifel die Traube; es fragt sich, ob der daraus hergestellte Wein in diesem
Zusammenhang ebenfalls als Rebbauerzeugnis zu betrachten ist.

Ein erster Hinweis für die Abgrenzung findet sich in Art. 1 Abs. 2
Weinstatut über die Aufgaben der eidgenössischen landwirtschaftlichen
Forschungsanstalten «auf dem Gebiet des Rebbaues und der Verwertung
der Erzeugnisse». Produzenten und deren Erzeugnisse werden sodann im
Zusammenhang mit wirtschaftlichen Massnahmen erwähnt. Danach sind
Richtpreise für Rebbauerzeugnisse «so festzusetzen, dass die Produzenten
mit den Erlösen für diese Erzeugnisse guter Qualität Roherträge erzielen
können, die bei rationeller Betriebsführung die Produktionskosten dieser
Erzeugnisse im Durchschnitt von in der Regel zehn Jahren decken, unter
Berücksichtigung der Entwicklung der Produktionskosten» (Art. 14 Abs. 2
Weinstatut). Im Abschnitt F. «Absatzförderung von Rebbauerzeugnissen»
werden Tafeltrauben, Traubensaft und Sauser genannt (Art. 32 Abs. 1
Weinstatut in der Fassung vom 7. April 1993) aber auch einheimische Weine
oder Traubensäfte (Art. 34 Weinstatut). Im Bundesbeschluss vom 19. Juni
1992 über den Rebbau (SR 916.140.1) werden zum Rebbau namentlich
gezählt die Anpflanzung von Reben, die Erzeugung und Einfuhr von
Vermehrungsmaterial, die Anbaumethoden sowie die Traubenernte und die

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damit verbundenen Qualitätskontrollen. Nach der Verordnung vom 12. Mai
1959 über den Handel mit Wein (SR 817.421) ist eine Weinhandelsbewilligung
vorgeschrieben für Personen, die den Wein in den Verkehr bringen (Art. 1),
wobei darunter nach Art. 4 der Lebensmittelverordnung vom 26. Mai 1936
(SR 817.02) das Gewinnen, Herstellen, Lagern oder Ankünden zum Zwecke
des Verkaufes sowie das Einführen, Feilhalten und Verkaufen verstanden
wird. Nicht bewilligungspflichtig sind unter anderem Produzenten von Wein
in der Schweiz, die ausschliesslich ihr Eigengewächs in unverschnittenem
Zustand verkaufen (Art. 2). Als «Produzenten gemäss dieser Bestimmung
gelten Eigentümer, Pächter und Inhaber von in der Schweiz gelegenen
Rebgrundstücken, die ausschliesslich deren Ertrag auf eigene Rechnung
weitergeben» (Art. 2 Abs. 1 der Verordnung des EDI vom 1. Juli 1961 über
den Handel mit Wein, SR 817.421.1).

Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Ausführungen festzustellen,
dass die Begriffe Produzent und Rebbauerzeugnis nicht immer konsequent
im selben Sinn verwendet werden. Indessen ergibt sich dennoch, dass als
Produzent in der Regel eine Person bezeichnet wird, die Reben anpflanzt
und pflegt, und als Erzeugnis dieses Rebbaus die Trauben gemeint sind. Wer
Wein herstellt, das heisst keltert, gilt nur insoweit als Produzent, als er auch
selbst Reben anbaut und Trauben erntet. Dieses Ergebnis deckt sich mit den
Absichten, wie sie aus der Botschaft zum Landwirtschaftsgesetz (a. a. O.,
S. 148) hervorgehen. Danach steht die Bearbeitung von Grund und Boden
im Zentrum, als dem ursprünglichsten Element der landwirtschaftlichen
Tätigkeit. Die gewerbliche oder sonstwie verselbständigte Verarbeitung
landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist dem Gewerbe oder der Industrie
zuzurechnen.

Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Staatskellerei selber keinen
Rebbau betreibt und keine Trauben erntet, sondern vielmehr die Trauben
zur Kelterung von verschiedenen Produzenten kauft. Sie ist folglich nicht als
Produzentin im Sinne von Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz zu betrachten.

4.2. Da die Staatskellerei wie dargelegt nicht als Produzentin gilt, liegt
es nahe, sie als Verwerterin zu betrachten, denn sie verwertet die im
Rebbau erzeugten Trauben zu Wein. Zu prüfen ist daher weiter, ob sie als
«Verwerterorganisation der Produzenten» zu betrachten ist.

Der Begriff der Verwerterorganisation ist im Landwirtschaftsgesetz nicht
näher umschrieben. Offenbar geht Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz
davon aus, dass zur landwirtschaftlichen Tätigkeit nicht nur die Produktion
landwirtschaftlicher Erzeugnisse, sondern auch der vom Landwirt selbst
vorgenommene Verkauf der im eigenen Betrieb erzeugten Produkte
gehört (vgl. Botschaft zum Landwirtschaftsgesetz, a. a. O., S. 148) und
dass die Landwirte diese Verwertung durch eine Organisation, in der
sie sich in gemeinsamer Selbsthilfe zusammenschliessen, besorgen oder
fördern lassen können. Solche Zusammenschlüsse von Verwertern sind
Verwerterorganisationen im Sinne des Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz.
Es ist folgerichtig, dass diese Bestimmung Organisationen, die lediglich eine
Zusammenfassung von Produzenten darstellen, der gleichen Beschränkung
wie die Produzenten selbst unterwirft; denn andernfalls könnten die
Produzenten der ihnen auferlegten Beschränkung dadurch entgehen, dass
sie sich zu Organisationen zusammenschliessen, welche die Verwertung für

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sie durchführen. Organisationen dieser Art gelten nach der gesetzlichen
Ordnung nicht als Handelsunternehmungen, welche jener Beschränkung nicht
unterliegen (BGE 95 I 295 E. 4, mit Hinweisen).

In der Botschaft zum Landwirtschaftsgesetz führte der Bundesrat aus, die
Vorschrift des Art. 22 Landwirtschaftsgesetz (heute Art. 23) beziehe sich auf
Produzenten und ausgesprochene Sammler- und Vermittlerorganisationen
wie Obst-, Wein-, Gemüse- und Eierverwertungsorganisationen, nicht aber auf
Verteilerorganisationen wie die Verbände der landwirtschaftlichen Bezugs-
und Absatzgenossenschaften und andere ähnliche Organisationen, die bisher
schon importierten; diese sind wie die andern Grossverteiler zu behandeln. Im
übrigen dürfe Art. 22 auch gegenüber den Verwerterorganisationen nicht starr
gehandhabt werden, denn diese müssten in ausgesprochenen Mangeljahren in
der Lage sein, zu importieren, um ihre angestammte Kundschaft zu bedienen
und den Betrieb aufrecht zu erhalten (Botschaft, S. 186).

Nach den vorstehenden Ausführungen bildet das Element des
Zusammenschlusses von Produzenten zur gemeinsamen Selbsthilfe ein
entscheidendes Kriterium, um eine Verwerterorganisation der Produzenten
von andern gewerblichen oder industriellen Verwertern landwirtschaftlicher
Erzeugnisse beziehungsweise Handelsunternehmen zu unterscheiden. Dabei
kann dahingestellt bleiben, inwiefern sich Verwerterorganisationen von
Verteilerorganisationen unterscheiden, denn die Beschwerdeführerin ist
offensichtlich keine Verteilerorganisation landwirtschaftlicher Produkte.

Die Staatskellerei des Kantons X ist ein Keltereibetrieb, der seit jeher
vom Kanton geführt wird. Sie betreibt keinen Rebbau, sondern kauft die
benötigten Trauben aufgrund traditioneller oder ausdrücklicher vertraglicher
Lieferantenbindungen und vermarktet die von ihr hergestellten Weine
selbständig. Sie konkurriert mit andern Keltereibetrieben auf dem freien
Markt um die zu kelternden Trauben und beim Weinabsatz. Als wirtschaftlich
tätiger Staatsbetrieb muss sie entsprechend der geltenden Vorgaben der
Regierung gewinnbringend, zumindest aber kostendeckend arbeiten. Obwohl
die Rebbauern im Kanton X dank der Staatskellerei auf eine stabile Nachfrage
vertrauen dürfen, wird sie durch diese Nebenfolge ihrer Existenz in keiner
Weise zu einer Hilfsorganisation der Produzenten. Sie ist offensichtlich
keine Organisation, in der sich Produzenten in gemeinsamer Selbsthilfe
zusammengeschlossen haben.

Die Staatskellerei kann somit nicht als Verwerterorganisation der Produzenten
im Sinne von Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz betrachtet werden.

4.3. Daran vermag auch die Feststellung des Bundesamtes nichts zu ändern,
wonach die Kelterung von inländischen Trauben eine typische Tätigkeit einer
Verwerterorganisation im Sinne von Art. 23 Abs. 4 Landwirtschaftsgesetz
darstelle, und dass die Staatskellerei auch Nutzniesser des Agrarschutzes an
der Grenze sei. Wohl mag dies zutreffen, doch ist dies nicht ausschlaggebend,
denn in diesem Zusammenhang fallen nur die Produzenten selbst oder
ihre Verwerterorganisationen in Betracht, auf welche die Produzenten
direkt Einfluss nehmen können. Ziel von Art. 23 Landwirtschaftsgesetz
ist es, den Absatz der Erzeugnisse der landwirtschaftlichen (bäuerlichen)
Betriebe zu angemessenen Preisen zu sichern (vgl. BGE 102 Ib 360 E. 2).
Diese Massnahmen zum Schutze der einheimischen landwirtschaftlichen
Produktion, zu der auch der Rebbau zählt, müssen unter Rücksichtnahme auf

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_102_Ib_360&resolve=1

die anderen Wirtschaftszweige getroffen werden (Art. 23 Abs. 1 LwG). Dazu
gehören in erster Linie die im Weinhandel tätigen Firmen, die unter anderem
durch die Erschwerungen der Einfuhr von Wein in ihrer Handelstätigkeit
eingeschränkt werden (vgl. BGE 104 Ib 111 E. 2).

Als gewerbsmässiger Traubenverwertungsbetrieb gehört die Staatskellerei
somit in jene Kategorie von Handel und Abnehmern landwirtschaftlicher
Produkte, die der Bundesrat nicht vom Import ausschliessen wollte (vgl.
Botschaft zum Landwirtschaftsgesetz, a. a. O., S. 186).

5. (...)

(Die Rekurskommission EVD heisst die Beschwerde gut, hebt die Verfügung
des Bundesamtes auf und weist es an, über das Gesuch der Staatskellerei unter
Beachtung des Umstandes neu zu befinden, dass die Staatskellerei weder als
Produzentin noch als Verwerterorganisation der Produzenten gilt)

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_104_Ib_111&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.85 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 1.

November 1994 in Sachen Staatskellerei des Kantons X gegen Bundesamt für

Aussenwirtschaft; 94/3B-002

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
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Ref. No 150 002 801

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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 1. November 1994 in Sachen Staatskellerei des Kantons X gegen Bundesamt für Aussenwirtschaft; 94/3B-002
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: