# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67ab29c6-80bf-5d74-b170-d917cd17749a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.10.2023 E-2752/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2752-2022_2023-10-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2752/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Jonas Attenhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Meret Adam, HEKS Rechtsschutz 

Bundesasylzentren Nordwestschweiz,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. Mai 2022 / N (…). 

 

 

 

E-2752/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte die Vorinstanz am 19. Januar 2022 um 

Gewährung von Asyl in der Schweiz. Am 3. Februar 2022 fand das Dublin-

Gespräch statt und am 17. Mai 2022 befragte die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer vertieft zu seinen Asylgründen (fortan: Anhörung).  

Anlässlich der Anhörung machte er im Wesentlichen folgenden Sachver-

halt geltend: Er sei in B._______, Distrik Jaffna, geboren und mit seinen 

Eltern, drei Brüdern und einer Schwester im nahegelegenen Dorf 

C._______ aufgewachsen, wo er bis zu seiner Ausreise im Januar 2021 

gelebt habe. Seine Schwester lebe inzwischen in D._______, zwei Brüder 

würden sich in E._______ befinden und der noch in Sri Lanka befindliche 

Bruder lebe in (…) in F._______. Er habe die Schule bis zur 11. Klasse 

besucht und das O-Level absolviert. Im Jahr 2016 habe er die Schule ab-

gebrochen und fortan mit seinem Vater, welcher ein kleines Boot gehabt 

habe, als Fischer gearbeitet. Sein Bruder, welcher inzwischen in der 

Schweiz lebe, sei in Sri Lanka für die TNA (Tamil National Alliance) tätig 

gewesen. Nach seiner Flucht aus dem Land hätten Militärpersonen des-

halb seinen Vater bedroht. Etwa im Jahr 2020 hätten die Probleme in sei-

nem Dorf begonnen. Grund hierfür sei das von Indien nach Sri Lanka ge-

schmuggelte Cannabis und dessen Handel gewesen. Das Militär habe in 

dieser Zeit fast alle Fischer mit eigenem Boot kontrolliert und dabei auch 

geschlagen. Angehörige des Militärs seien mit der Zeit auch bei ihnen zu-

hause erschienen und hätten damit gedroht, ihn, den Beschwerdeführer, 

zu entführen. Sie hätten ihn persönlich und auch Familienmitglieder wie 

seine Mutter, Schwester und Vater in ein nahegelegenes (Militär-)Camp 

mitgenommen und geschlagen. Dies sei oft passiert. Die Militärangehöri-

gen hätten dabei auch Geld von ihnen verlangt. Sie hätten den Vater 

(fälschlicherweise) beschuldigt, von seinen Söhnen (den Brüdern des Be-

schwerdeführers) in Indien Cannabis ins Land zu schmuggeln und an die-

sem Geschäft zu verdienen. Sie hätten ihn einmal auch vor seinen Kolle-

gen erniedrigt und ihn beschuldigt, Cannabis zu verkaufen. Zwei Militäran-

gehörige hätten ihn sodann nach einer Befragung auf seinem Weg nach 

Hause angehalten und ihn gezwungen, sexuelle Handlungen mit ihnen zu 

vollziehen. Danach hätten sie ihn betäubt und vergewaltigt. Er habe starke 

Schmerzen gehabt. Drei Tage später sei ihm das Gleiche widerfahren. Erst 

nach dem zweiten Vorfall habe er seiner Familie davon erzählt. Sein Vater 

habe dann entschieden, er solle das Land verlassen. Zunächst sei er zu 

einem Kollegen ins Dorf G._______, Distrikt H._______, gegangen, wo er 

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rund sechs Monate geblieben sei, um danach mithilfe eines Schleppers auf 

dem Luftweg von Colombo nach Dubai auszureisen. In Dubai habe der 

Schlepper ihm den Pass weggenommen und einen anderen Pass gege-

ben, um nach Bangui, Zentralafrika, zu reisen. In Zentralafrika sei er zirka 

sieben Monate geblieben und habe das Haus nicht verlassen dürfen. Da-

nach sei er auf dem Luftweg von Bangui nach Italien und anschliessend 

nach Frankreich gereist. Nach einem ersten erfolglosen Einreiseversuch 

sei er schliesslich mithilfe von Schleppern per Auto in die Schweiz einge-

reist. 

Der Beschwerdeführer gab der Vorinstanz seine sri-lankische Identitäts-

karte und eine Geburtsurkunde (beide in Kopie) zu den Akten. 

B.  

Mit Schreiben vom 24. Mai 2022 stellte die Vorinstanz dem Beschwerde-

führer den Asylentscheid im Entwurf zu und gewährte ihm hierzu das recht-

liche Gehör. 

C.  

Die Rechtsvertretung nahm mit Eingabe vom 25. Mai 2022 hierzu Stellung. 

D.  

Mit Verfügung vom 27. Mai 2022 – gleichentags eröffnet – stellte die Vor-

instanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht 

und lehnte sein Asylgesuch ab. Sie verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz, verpflichtete den Beschwerdeführer, die Schweiz sowie den 

Schengen-Raum am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu 

verlassen und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der 

Wegweisung. Gleichzeitig händigte sie ihm die editionspflichtigen Akten 

gemäss Aktenverzeichnis aus. 

E.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2022 beantragte die Rechtsvertretung bei der 

Vorinstanz die medizinische Abklärung des Beschwerdeführers. Seine ge-

sundheitlichen Beschwerden, namentlich starke Schmerzen im Analbe-

reich, seien bereits anlässlich der Asylanhörung bekannt gewesen. Auf-

grund von kulturell bedingten Hemmungen und der Sprachbarriere sei es 

ihm nicht möglich, seine Beschwerden bei der Pflege (im Bundesasylzent-

rum) zu kommunizieren. 

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Seite 4 

F.  

Mit Eingabe vom 23. Juni 2022 (Posteingang: 24. Juni 2022) erhob der Be-

schwerdeführer gegen die Verfügung der Vorinstanz vom 27. Mai 2022 Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es sei die ange-

fochtene Verfügung aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling an-

zuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen; subeventualiter sei die angefochtene Verfügung auf-

zuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. Weiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung 

zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 

verzichten. 

G.  

Mit der Beschwerde wurden verschiedene Fotos eingereicht. 

H.  

Am 27. Juni 2022 wies die Vorinstanz den Beschwerdeführer dem Kanton 

I._______ als zuständigen Kanton zu. 

I.  

Der Instruktionsrichter bestätigte dem Beschwerdeführer am 30. Juni 2022 

den Eingang der Beschwerde. 

J.  

Mit Eingabe vom 26. Juli 2022 reichte der Beschwerdeführer dem Bundes-

verwaltungsgericht einen Länderbericht der Schweizerischen Flüchtlings-

hilfe zur Wirtschaftskrise und Gesundheitsversorgung in Sri Lanka zu den 

Akten und führte im Wesentlichen aus, diese Verschlechterung der Lage 

betreffe auch ihn direkt, weshalb dies im Rahmen des Wegweisungsvoll-

zugs zu berücksichtigen sei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch hier – end-

gültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).  

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1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 Die Vorinstanz stufte die Vorbringen des Beschwerdeführers als un-

glaubhaft und nicht asylrelevant ein (Art. 7 und 3 AsylG). 

Sie begründet dies im Wesentlichen wie folgt: Bezüglich der vorgebrach-

ten, zweimaligen Vergewaltigung habe er an der Anhörung zunächst zu 

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Protokoll gegeben, im März 2020 im Abstand von drei Tagen zweimal ver-

gewaltigt worden zu sein. Gegen Ende der Anhörung habe er jedoch be-

richtet, diese beiden Vergewaltigungen hätten sich im Abstand von etwa 

einer Woche zugetragen. Weiter habe er ausgeführt, vor den beiden Ver-

gewaltigungen sei ihm erlaubt worden, das Camp um etwa 23.30 Uhr zu 

verlassen. Davor habe er jedoch ausgesagt, dass er in der Regel bis um 

18.00 Uhr im Camp habe bleiben müssen und nur einmal bis gegen Mitter-

nacht dort festgehalten worden sei. Weiter habe er ausgeführt, nach den 

Vergewaltigungen seien die beiden Vergewaltiger viele Male zu ihm ins 

Dorf gekommen und hätten ihn mit Anspielungen auf die Vorfälle vor seinen 

Freunden und vor seinem Vater erniedrigt. Dies lasse sich jedoch nicht mit 

seinen darauffolgenden Aussagen vereinbaren, wonach er nach der zwei-

ten Vergewaltigung nur noch etwa eine Woche in seinem Elternhaus ge-

blieben und lediglich jeden zweiten Abend mit seinem Vater an den Strand 

gegangen sei. Seine Aussagen zu den geltend gemachten Vergewaltigun-

gen seien sodann in verschiedener Hinsicht realitätsfern. Mit Bezug auf die 

Brandflecken hielt die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer keine 

Formen von Misshandlung erwähnte, welche Brandflecken verursachen 

könnten. Ausserdem sei es ihm auch auf entsprechende Nachfrage hin 

nicht gelungen plausible Motive der Armeeangehörigen für die angeblich 

gegen ihn gerichteten Übergriffe zu nennen. Er habe lediglich die Vermu-

tung geäussert, er sei wegen seines Bruders verdächtigt worden. Die Vo-

rinstanz habe die Vorbringen seines Bruders im Rahmen von dessen Asyl-

gesuch in der Schweiz aber für unglaubhaft erachtet. Ein Motiv lasse sich 

auch nicht mit dem Cannabishandel seiner beiden Freunde oder dem nicht 

überzeugenden Vorbringen, sein Vater habe für die LTTE Transporte getä-

tigt, erklären. Somit seien seine Vorbringen in wesentlichen Punkten wider-

sprüchlich und realitätsfern. 

Aufgrund seiner unglaubhaften Vorbringen bestehe auch kein begründeter 

Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft flüchtlingsrecht-

lich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde. Eine Be-

fragung und die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise 

durch die sri-lankischen Behörden bei seiner Rückkehr genüge für sich al-

lein nicht. Solche Kontrollmassnahmen würden grundsätzlich kein flücht-

lingsrechtlich relevantes Ausmass annehmen. Auch die aktuelle politische 

Situation vermöge diese Einschätzung nicht umzustossen. Es sei insbe-

sondere kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zu den aktuellen 

politischen Entwicklungen in Sri Lanka ersichtlich. Was das Vorbringen in 

seiner Stellungnahme zum Entwurf des Asylentscheids betrifft, wonach er 

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für eine tamilische Menschenrechtsorganisation tätig gewesen sei, ent-

behre angesichts des dargelegten Lebenslaufes in der Anhörung jeglicher 

Plausibilität, werde nicht weiter ausgeführt und sei deshalb offenkundig 

nachgeschoben. 

5.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene im We-

sentlichen mit folgenden Argumenten: Die Schilderungen des Beschwer-

deführers würden ein substanziiertes und widerspruchfreies Bild ergeben. 

Zudem seien seinen Aussagen Realkennzeichen zu entnehmen. Zunächst 

sei seine psychische Gesundheit, auch während der Anhörung, sehr frag-

lich. Er habe damals bereits geäussert, dass er unter Schlafproblemen 

leide und keine Tabletten erhalte. Weiter müsse berücksichtigt werden, 

dass er zum Zeitpunkt der erlebten Vergewaltigungen 19 Jahre alt gewe-

sen sei und danach den grössten Teil seines Lebens versteckt und auf der 

Flucht verbracht habe. Zusammenfassend gebe es sehr starke Anzeichen 

für eine Traumatisierung, weshalb sein psychischer Zustand in Bezug auf 

die Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu berücksichtigen 

und zu würdigen sei. Die Aussagen zum zeitlichen Abstand zwischen den 

beiden Vergewaltigungen seien nicht in dem Masse widersprüchlich, dass 

sie deswegen unglaubhaft wären. Zudem seien diese Vorfälle schon mehr 

als zwei Jahre her gewesen und es könne nicht erwartet werden, dass er 

genau sagen könne, wie viele Tage dazwischen vergangen seien. Die et-

was ungenauen Angaben würden eher dafürsprechen, dass er das Ge-

sagte wirklich erlebt habe. Auch bezüglich der zeitlichen Angaben zu den 

Aufenthalten im Camp sei seine psychische Verfassung zu berücksichti-

gen. Hinsichtlich der geschilderten Vergewaltigungen sei allgemein be-

kannt, dass es Opfern von sexuellen Übergriffen regelmässig schwerfalle 

von diesen zu berichten. Gerade für Opfer von gleichgeschlechtlichen Ver-

gewaltigungen sei die Hürde noch höher, da die Sorge bestehe, selbst als 

homosexuell zu gelten. Aufgrund dessen sei es auch erklärbar, dass es 

ihm sehr wichtig sei, dass das Erzählte nicht nach aussen gelange und die 

Sorge durchaus berechtigt war, weitere Probleme durch eine Anzeige ge-

gen seine Peiniger zu bekommen. Bezüglich der Verletzungen habe er ge-

genüber der Rechtsvertretung bestätigt, weiterhin Schmerzen im Analbe-

reich zu haben. Von der Pflege in den Bundesasylzentren sei er aufgrund 

verschiedener Hindernissen nicht untersucht worden. Er habe zu Beginn 

der Anhörung auch von sich aus erwähnt, dass er Schmerzen im Analbe-

reich habe. Weiter seien noch diverse Realkennzeichen zu erwähnen, wel-

che für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen würden. Diesen 

seien namentlich inhaltliche Besonderheiten zu entnehmen, er schildere 

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gedankliche Vorgänge, gebe spontane Gegebenheiten wieder und ver-

zichte darauf, sich selbst besser darzustellen. Schliesslich habe er die bei-

den Vergewaltigungssituationen durchaus detailliert beschrieben und der 

Befrager der Vorinstanz habe eine zweite Schilderung der Geschehnisse 

als unnötig erachtet. Zur Asylrelevanz der Vorbringen führte er folgendes 

aus: Er sei vom sri-lankischen Militär gefoltert und vergewaltigt worden. 

Nach ihm werde immer noch gesucht. Kürzlich sei sein Elternhaus aufge-

sucht und sein Vater befragt worden. Weiter treffe es zu, dass er die Motive 

seiner Verfolger nicht genau kenne. Es sei aber nicht zwingend notwendig, 

dass eine verfolgte Person über die genauen Motive der Verfolgung Be-

scheid wisse. Schliesslich weise er mehrere risikobegründende Faktoren 

im Sinne der Rechtsprechung auf (illegale Ausreise, Aufenthalt in einem 

westlichen Land, Verbindungen seiner Familie zur LTTE und TNA, Zeuge 

von Menschenrechtsverletzungen). Zusammenfassend ergebe sich, dass 

er im Fall einer Rückkehr begründete Furcht vor zielgerichteter zukünftiger 

Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG habe. 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs geltend. Er bringt vor, die Vorinstanz habe seine Vor-

bringen als realitätsfern und widersprüchlich eingestuft, dies jedoch unzu-

reichend begründet. Aufgrund der vorinstanzlichen Ausführungen erhelle 

nicht, inwiefern seine Aussagen nicht plausibel, realitätsnah und überzeu-

gend sein sollen. Darüber hinaus gehe sie in der angefochtenen Verfügung 

nicht näher auf wesentliche Vorbringen betreffend seiner Asylgründe ein. 

6.2 Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz begründet 

in der angefochtenen Verfügung einlässlich, aus welchen Gründen sie die 

Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft erachtet. Sie bezieht 

sich dabei auf verschiedene Aussagen in der Anhörung, verweist auf die 

jeweilige Aktenstelle, stellt diese in den Gesamtkontext seiner Schilderun-

gen und zeigt nachvollziehbar auf, weshalb diese Aussagen aus ihrer Sicht 

etwa nicht plausibel oder widersprüchlich sind. Die Argumentation der Vor-

instanz erschliesst sich aus der angefochtenen Verfügung, mithin ist diese 

hinlänglich begründet. Die Beschwerdeschrift zeigt denn auch, dass es 

dem Beschwerdeführer möglich war, sich eingehend mit den Erwägungen 

der Vorinstanz auseinanderzusetzen. Es ist schliesslich auch nicht ersicht-

lich, dass sich die Vorinstanz in ihrem Entscheid mit wesentlichen Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers nicht befasst hätte. Alleine der Umstand, dass 

die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu einer anderen rechtli-

chen Würdigung gelangt, vermag keine Verletzung des rechtlichen Gehörs 

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zu begründen. Im Übrigen beschlägt die Kritik des Beschwerdeführers an 

der konkreten Würdigung der Glaubhaftigkeitselemente materielle und 

nicht formelle Aspekte.  

6.3 Die formelle Rüge ist somit nicht begründet. Der Antrag auf Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung und Rückweisung an die Vorinstanz (zwecks 

rechtsgenüglicher Neubeurteilung) ist abzuweisen. 

7.  

7.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen ei-

ner asylsuchenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der asylsuchenden Person spre-

chen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise 

abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung ei-

nes Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, 

substantiierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilde-

rung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung 

einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrekt-

heit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Un-

glaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wech-

selnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbrin-

gen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamt-

beurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen 

Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche 

Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die asylsuchende Person spre-

chen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).  

7.2 Die Argumente der Vorinstanz, welche die Aussagen des Beschwerde-

führers als unglaubhaft einstufen, sind insgesamt zu stützen. Die Vo-

rinstanz zeigt zutreffend die verschiedenen Widersprüchlichkeiten und Un-

zulänglichkeiten in seinen Aussagen auf und legt nachvollziehbar dar, wes-

halb diese im gesamten Kontext als nicht plausibel erscheinen. Zur Ver-

meidung von Wiederholungen ist auf die entsprechenden Erwägungen zu 

verweisen (vgl. SEM-eAkten, […], Ziffer 1, S. 4 und 5). An dieser Einschät-

zung ändert auch das auf Beschwerdeebene eingereichte Bildmaterial zu 

den Brandflecken nichts. Ob die Argumente des Beschwerdeführers in der 

Beschwerde geeignet sind, im Rahmen einer Abwägung mit der vo-

rinstanzlichen Argumentation seine vorgebrachte Verfolgungsgeschichte 

als glaubhaft erscheinen zu lassen, kann hier offengelassen werden. Denn 

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wie nachfolgend gezeigt wird, fehlt es seinen Vorbringen – selbst bei Wahr-

unterstellung – an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv beziehungs-

weise an der Asylrelevanz.  

7.3 Art. 1A des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs.1 AsylG nennt Rasse, Reli-

gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

politische Anschauungen als flüchtlingsrechtlich relevante Motive. Diese 

fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeu-

tung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung we-

gen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder 

Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise 

droht. Die Verfolgung muss mithin (kausal) an eines der fünf genannten 

Motive anknüpfen, um flüchtlingsrechtliche Relevanz zu entfalten. 

Ein solcher Anknüpfungspunkt ist bei der vom Beschwerdeführer geschil-

derten Verfolgung durch Angehörige des sri-lankischen Militärs insgesamt 

nicht ersichtlich. Der Beschwerdeführer bringt zunächst selbst vor, er sei 

sich nicht sicher, warum er ins Visier des Militärs gelangt sei (vgl. Be-

schwerde, Rz. 39, S. 18). In der Anhörung sagte er aus, die Probleme mit 

den Militärangehörigen hätten im Jahr 2020 begonnen und der Auslöser 

sei die Verdächtigung aller örtlichen Fischer (mit eigenem Boot, wie er und 

sein Vater) durch die Behörden wegen Beteiligung am Import und Handel 

mit Cannabis gewesen (vgl. SEM-eAkten, […], F47). Diesbezüglich schil-

derte er auch, dass Angehörige des Militärs von ihm und seinem Vater Geld 

verlangt und seinen Vater dabei beschuldigt hätten, von seinen Söhnen in 

Indien Cannabis geschickt zu bekommen und daran zu verdienen (vgl. 

SEM-eAkten, […], F47). Weiter sagte er aus, «sie» (gemeint: Die Angehö-

rigen des Militärs) würden nur wegen des Geldes Probleme machen (vgl. 

SEM-eAkten, […], F51 und F108). Die Verfolgung gemeinrechtlicher De-

likte durch die heimatlichen (Straf-) Behörden ist im Grundsatz rechtsstaat-

lich legitim. Die Verfolgung wegen Verdächtigung strafrechtlich relevanten 

Verhaltens genügt für sich allein nicht, um die Verfolgung als flüchtlings-

rechtlich relevant erscheinen zu lassen. Eine allfällige Illegitimität muss 

vielmehr auf einer flüchtlingsrechtlich relevanten Motivation beruhen (vgl. 

zum Ganzen BVGE 2014/28 E. 8.3.1 und 2015/3 E. 5, je m.w.H.). Den Ak-

ten und den Aussagen des Beschwerdeführers sind diesbezüglich keine 

begründeten Hinweise darauf zu entnehmen. Namentlich lässt sich ein all-

fälliges Motiv, entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers, auch 

nicht mit den politischen Anschauungen seiner Familienangehörigen nach-

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vollziehbar begründen. Der Beschwerdeführer selbst sagte in der Anhö-

rung aus, er habe sich politisch nicht betätigt (vgl. SEM-eAkten, […], F52). 

Wie die Vorinstanz sodann zurecht festhält, wurde das Asylgesuch des in 

der Anhörung erwähnten Bruders des Beschwerdeführers, J._______ 

([…]) von der Vorinstanz mit Verfügung vom 2. Juni 2021 abgewiesen. Die 

Vorinstanz hielt darin insbesondere das Vorbringen, er sei in Sri Lanka für 

die TNA tätig gewesen, für unglaubhaft. Das Bundesverwaltungsgericht 

wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil E-3127/2021 vom 

27. September 2021 ab und bestätigte die Erwägungen der Vorinstanz. So-

dann überzeugt es mit der Vorinstanz nicht, dass die Verfolgung im Zusam-

menhang mit der behaupteten (vermutlich vor Jahren erfolgten) Tätigkeit 

seines Vaters für die LTTE gestanden hätte. Weiter ist die behauptete Tä-

tigkeit des Beschwerdeführers für eine Menschenrechtsorganisation als 

nachgeschoben zu betrachten, da er diese an der Anhörung mit keinem 

Wort erwähnt hat, obwohl sich dies – bei Wahrunterstellung – offenkundig 

aufgedrängt hätte. Daran ändern die eingereichten Fotos und das Bestäti-

gungsschreiben nichts. Dieses ist als Gefälligkeitsschreiben mit (sehr) ge-

ringem Beweiswert zu qualifizieren. Schliesslich ist auch kein anderer An-

knüpfungspunkt an ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne von 

Art. 3 Abs. 1 AsylG ersichtlich, namentlich auch nicht seine Zugehörigkeit 

zur ethnischen Gruppe der Tamilen in Sri Lanka – bringt er die Verfolgung 

anlässlich der Anhörung doch zu keinem Zeitpunkt explizit mit seiner Eth-

nie oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe in Verbin-

dung. 

Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den allfälligen Verfolgungsmo-

tiven beschränken sich darauf, die Verfolgung im Zusammenhang mit der 

behaupteten Tätigkeit seiner Brüder und seines Vaters zu stellen und sind 

nicht geeignet, die obenstehende Auffassung zu erschüttern. 

7.4 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers damit zutref-

fend als nicht asylrelevant qualifiziert, die Flüchtlingseigenschaft verneint 

und folglich dessen Asylgesuch zurecht abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

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Seite 12 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG).  

9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).  

9.3  

9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden.  

9.3.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, 

dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen 

schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-

führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-

zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte 

E-2752/2022 

Seite 13 

Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-

wendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimat-

staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  

9.3.3 Im Rahmen der Prüfung der Frage der Zulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs (Art. 83 Abs. 3 AIG) müsste der Beschwerdeführer mit Blick 

auf Art. 3 EMRK gemäss Praxis des EGMR das ernsthafte Risiko ("real 

risk") nachweisen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], 

Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, 

§§ 124 – 127 m.w.H.).  

9.3.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri 

Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa res-

pektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht gene-

rell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt 

seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung 

des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Ver-

haftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei 

handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-

lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, Teilnahme 

an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und Vorliegen früherer 

Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-

menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den 

LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1 – 8.4.3). 

Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unter-

liegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere 

nach Sri-Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri-Lanka zurück-

geführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration 

(IOM) nach Sri-Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren 

Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 

und 8.4.5). Das Gericht zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rück-

kehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen haben, denen 

seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt 

sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., 

E. 8.5.1).  

9.3.5 Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick 

auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem 

E-2752/2022 

Seite 14 

europäischen Land nach Sri-Lanka zurückkehren müssen, wiederholt be-

fasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, 

Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, 

Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, 

Nr. 54705/08; Rechtsprechung zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen, Ent-

scheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde Nr. 44114/14). Dabei unter-

streicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen 

sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. 

Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene 

ernsthafte Gründe für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner 

Festnahme und Befragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche 

im Wesentlichen durch die oben erwähnten Risikofaktoren abgedeckt sind 

(vgl. Urteile des EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94; E.G. gegen 

Grossbritannien, a.a.O., §§ 13 und 69) – in Betracht gezogen werden, wo-

bei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass diese ein-

zelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglicherweise 

kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung 

erreichen könnten.  

9.3.6 Vorliegend ist selbst bei Wahrunterstellung der behaupteten Verfol-

gung eine entsprechende konkrete Gefahr, die dem Beschwerdeführer 

drohen könnte, nicht ersichtlich. Zusammenfassend seien er und sein Va-

ter von den sri-lankischen (Militär-)Behörden der Beteiligung am Cannabis-

handel verdächtigt und insgesamt dreizehnmal in einem (Militär-)Camp be-

fragt und dabei geschlagen worden. Seinen Aussagen ist zu entnehmen, 

dass die Militärpersonen nicht aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten 

Motiv gehandelt, sondern es vielmehr auf die Herausgabe von Geld abge-

sehen haben (vgl. SEM-eAkten, […], F108). Seit diesen Vorgängen sind 

inzwischen rund drei Jahre vergangen. Es ist nicht ersichtlich, dass der 

Beschwerdeführer oder seine Familie weiterhin besonders im Fokus der 

(Militär-)Behörden stehen würden. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen 

wegen der Beteiligung am Cannabishandel ist offenbar weder offiziell ein 

Strafverfahren noch sind sonstige (Zwangs-)Massnahmen gegen ihn oder 

seinen Vater eingeleitet worden. Ausserdem macht er nicht geltend und es 

ist nicht ersichtlich, dass sein Vater nach seiner Ausreise weiter von den 

(Militär-)Behörden befragt, erpresst oder behelligt worden sei. Die diesbe-

züglich eingereichten Fotografien vermögen dies nicht zu belegen. Diese 

zeigen offenbar lediglich Angehörige des Militärs gemeinsam mit seinem 

Vater im Familienhaus und könnten in jedwelchem Kontext aufgenommen 

worden sein. Ebenso leuchtet nicht ein, weshalb die (Militär-) Behörden es 

nach diesen Vorfällen noch einzig auf den Beschwerdeführer abgesehen 

E-2752/2022 

Seite 15 

hätten, seinen Vater aber unbehelligt liessen, nachdem gemäss seinen 

Aussagen beide damals verdächtigt worden und mehrmals im Camp be-

fragt worden seien. Mithin besteht nach dem Gesagten kein begründeter 

Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit oder in absehbarer Zukunft einer EMRK-wid-

rigen Behandlung ausgesetzt sein würde. Daran vermögen – bei Wahrun-

terstellung – auch die vorgebrachten zwei sexuellen Übergriffe durch An-

gehörige des Militärs nichts zu ändern. Gemäss seinen Aussagen seien 

diese Übergriffe beide Male durch die zwei gleichen Personen erfolgt, je-

weils nach Austritt aus dem Camp auf dem Weg nach Hause. Im Gesamt-

kontext ist davon auszugehen, dass diese Übergriffe nicht direkt im Zusam-

menhang mit der Verdächtigung seitens der (Militär-)Behörde gestanden 

haben, mithin keine vom Staat, sondern von Privaten ausgehende Akte 

waren. Zudem stand und steht es dem Beschwerdeführer offen, gegen 

diese zwei Personen eine Strafanzeige einzureichen. 

9.4   

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

 

9.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und 

den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg 

noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-

mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-

provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-

terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteile des BVGer E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 

Sodann vermag der Beschwerdeführer weder aus der Situation seit dem 

Machtwechsel im Jahr 2019 noch aus der aktuellen Lage in Sri-Lanka eine 

Gefährdung abzuleiten. Auch die Wahl am 20. Juli 2022 von Ranil Wickre-

mesinghe zum Nachfolger des abgetretenen Gotabaya Rajapaksa als 

neuen Staatspräsidenten ändert vorerst nichts an der bisherigen Lageein-

schätzung, ist dieser doch Teil der alten politischen Elite. Dasselbe gilt hin-

sichtlich der zurzeit in Sri-Lanka herrschenden schweren Wirtschaftskrise, 

zumal diese die ganze sri-lankische Bevölkerung betrifft.  

 

E-2752/2022 

Seite 16 

9.4.3 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Diesbezüglich kann vorab auf die 

entsprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen 

werden, an welchen sich zwischenzeitlich nichts Entscheidendes geändert 

hat. 

 

9.4.4 In Bezug auf die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden 

ist darauf hinzuweisen, dass aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG 

geschlossen werden kann, wenn eine dringend notwendige medizinische 

Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die fehlende 

Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen 

und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur 

Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person führt, wobei Unzumut-

barkeit jedenfalls nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechende Behandlung grundsätzlich mög-

lich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 

2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Von einer solchen medizinischen Not-

lage ist vorliegend aufgrund der geschilderten gesundheitlichen Beschwer-

den nicht auszugehen. Auch diesbezüglich treffen die Ausführungen in der 

angefochtenen Verfügung weiterhin zu, zumal er seit dem Austrittsbericht 

der (…) vom 2. Februar 2022 keine weiteren Dokumente zu seiner gesund-

heitlichen Verfassung zu den Akten reichte und auch nicht geltend macht, 

zur Vermeidung einer lebensgefährdenden Beeinträchtigung seiner Ge-

sundheit auf spezifische Medikamente angewiesen zu sein. 

 

9.4.5 Es ist somit nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer würde 

bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus individuellen Gründen wirtschaftli-

cher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzielle Notlage ge-

raten, die als konkrete Gefährdung im Sinne der zu beachtenden Bestim-

mung zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AIG). 

 

9.4.6 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

 

9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

 

E-2752/2022 

Seite 17 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).  

 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist ab-

zuweisen, da sich die Beschwerde als aussichtslos im Sinne dieser Be-

stimmung erwies. Demzufolge hat der Beschwerdeführer die Verfahrens-

kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 

die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]) zu tragen.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2752/2022 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

David R. Wenger Jonas Attenhofer 

 

 

 

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