# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 428d87b7-1435-5a4f-a6ec-fea62efe0ca5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-12-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.12.2012 E-6222/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6222-2012_2012-12-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6222/2012 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  D e z e m b e r  2 0 1 2   

Besetzung 

 
Einzelrichterin Muriel Beck Kadima 

mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;  

Gerichtsschreiberin Stella Boleki. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Bosnien und Herzegowina,   

alle vertreten durch Annelise Gerber,  

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2012 / N (…). 

 

 

E-6222/2012 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass die Beschwerdeführenden, ein aus der Republik Srpska stammen-

der Rom und eine aus der Föderation Bosnien und Herzegowina stam-

mende Bosniakin mit deren drei Kindern, ihren Heimatstaat, Bosnien und 

Herzegowina, eigenen Angaben zufolge am 20. Mai 2012 verliessen und 

am 1. Juni 2012 in die Schweiz einreisten, wo sie gleichentags um Asyl 

nachsuchten, 

dass sie am 13. Juni 2012 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

Altstätten summarisch befragt und am 26. Oktober 2012 einlässlich zu ih-

ren Asylgründen angehört wurden,  

dass sie zur Begründung im Wesentlichen geltend machten, sie hätten 

aufgrund ihrer Ethnie wirtschaftliche Probleme, würden aber auch Mängel 

in Bezug auf ihre Sicherheit erleben, namentlich fänden sie bei den staat-

lichen Behörden keinen Schutz vor Übergriffen durch private Dritte,  

dass sie auch keine Hilfe von der Familie der Beschwerdeführerin erwar-

ten könnten, da diese gegen die Heirat mit ihm (dem Beschwerdeführer) 

als Rom gewesen sei, 

dass er von den Brüdern der Beschwerdeführerin sogar verprügelt wor-

den sei,  

dass die Beschwerdeführerin von ihren Eltern mehrmals entführt worden 

sei und diese versucht hätten, sie mit einem älteren Mann zu verheiraten,  

dass sie (die Beschwerdeführenden) sowohl in E._______ als auch in 

F._______ (beides Orte in der Republik Srpska) mit den Nachbarn Prob-

leme gehabt hätten und er (der Beschwerdeführer) dabei geschlagen 

worden sei,  

dass er im Mai 2012 in F._______ von islamradikalen Wahabiten verprü-

gelt worden sei, weil er im Garten ein Schwein gegrillt habe,  

dass er sogar mit dem Tod bedroht worden sei, falls er F._______ nicht 

verlassen würde, 

dass er beide Vorfälle bei der Polizei angezeigt habe, doch diese hätten 

ihn nicht ernst genommen und nichts unternommen, sondern ihnen gera-

ten umzuziehen,  

E-6222/2012 

Seite 3 

dass sie (die Beschwerdeführenden) sich deshalb entschlossen hätten, 

ihren Heimatstaat zu verlassen, 

dass das BFM mit Verfügung vom 31. Oktober 2012 – eröffnet am 6. No-

vember 2012 – feststellte, die Beschwerdeführenden würden die Flücht-

lingseigenschaft nicht erfüllen, weshalb es die Asylgesuche ablehnte, die 

Wegweisung aus der Schweiz verfügte sowie den Vollzug der Wegwei-

sung anordnete,  

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Beschwer-

deführenden hätten auch als Roma die Möglichkeit, sich im Fall von 

Übergriffen durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt 

zu sein, an die heimatlichen Behörden zu wenden,  

dass generell Schutz gewährleistet sei, wenn der Staat geeignete Mass-

nahmen treffe, um die Verfolgung zu verhindern, beispielsweise durch 

wirksame Polizei- und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung und 

Ahndung von Verfolgungshandlungen, und, wenn der Antragsteller Zu-

gang zu diesem Schutz habe,  

dass gemäss Einschätzung des Bundesrates, die staatlichen Organe von 

Bosnien und Herzegowina ihrer Schutzpflicht nachkämen und sie demzu-

folge auch schutzfähig seien, weshalb die Beschwerdeführenden nicht 

auf den Schutz der Schweiz angewiesen seien, 

dass die Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

nicht standhielten, weshalb es sich erübrige auf die Ungereimtheiten in 

den Vorbringen einzugehen,  

dass das BFM den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete, 

dass die Beschwerdeführenden am 3. Dezember 2012 (vorab per Tele-

fax) gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 

erheben und beantragen liessen, es sei der angefochtene Entscheid 

teilweise aufzuheben und die Unzulässigkeit respektive die 

Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen sowie als 

Folge davon die vorläufige Aufnahme anzuordnen,  

dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrens-

gesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) beantragt wurde, 

E-6222/2012 

Seite 4 

dass die vorinstanzlichen Akten am 6. Dezember 2012 beim Bundesver-

waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 

über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entschei-

det, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor 

welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des 

Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31 – 33 

des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

[BGG, SR 173.110]),  

dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht 

vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, 

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG rich-

tet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG), 

dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die 

Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 

einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 

sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, 

weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist 

(Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

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Seite 5 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen 

Schriftenwechsel verzichtet wurde, 

dass die Dispositivziffern 1 bis 3 der vorinstanzlichen Verfügung vom 

31. Oktober 2012 mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen sind, 

dass somit Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens einzig 

die Frage bildet, ob das BFM den Vollzug der Wegweisung der Be-

schwerdeführenden aus der Schweiz zu Recht als zumutbar erklärt hat, 

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 

Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt, 

wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, 

SR 142.20]), 

dass bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind 

zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls we-

nigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtli-

che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder 

des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entge-

genstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), 

dass angesichts des rechtskräftig festgestellten Fehlens einer asylrecht-

lich relevanten Gefährdung der Beschwerdeführenden im Heimatland das 

Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements keine Anwendung 

findet,  

dass entgegen der entsprechenden Vorbringen in der Rechtsmitteleinga-

be (Bedrohung an Leib und Leben durch die Familie der Beschwerdefüh-

rerin und durch "Angehörige der Serben") keine Anhaltspunkte für eine 

menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 der 

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte 

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Seite 6 

und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, die im Heimat-

staat droht, 

dass der Bundesrat Bosnien und Herzegowina mit Beschluss vom 

25. Juni 2003 ab dem 1. August 2003 als sogenanntes Safe Country (vgl. 

Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG) definiert und damit insbesondere dessen Ein-

haltung der Menschenrechte sowie die Anwendung internationaler Kon-

ventionen im Menschenrechtsbereich bestätigt, 

dass die allgemeine Menschenrechtssituation in Bosnien und Herzegowi-

na den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt – auch mit Bezug 

auf Angehörige ethnischer Minderheiten – nach Praxis des Bundesver-

waltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen lässt (vgl. dazu auch E-

6041/2006 vom 20. Dezember 2010 E. 4.7.2),  

dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden demnach 

zulässig ist, 

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 

erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatio-

nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeine Gewalt und medizinische Notlage 

konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), 

dass Bosnien und Herzegowina weder von Bürgerkrieg noch von allge-

meiner Gewalt gekennzeichnet ist (vgl. dazu auch E-6041/2006 vom 

20. Dezember 2010 E. 6.3.6),  

dass auch keine individuellen Gründe auf eine konkrete Gefährdung 

schliessen lassen,  

dass blosse soziale und wirtschaftliche Erschwernisse nach konstanter 

Praxis der Schweizer Asylbehörden für sich alleine keine existenzbedro-

hende Situation im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG darstellen (vgl. BVGE 

2010/41 E. 8.3.6; EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1), 

dass es den Beschwerdeführenden möglich sein wird, in ihrer Heimat ei-

ne Unterkunft zu finden und ihnen dazu eigene Anstrengungen (Erwerbs-

tätigkeit) sowie die Inanspruchnahme der Hilfe von staatlichen und nicht-

staatlichen Institutionen oder auch derjenigen ihrer vielen Verwandten – 

zumindest derjenigen seitens der Familie des Beschwerdeführers – zu-

zumuten sind,  

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Seite 7 

dass es insbesondere der Beschwerdeführerin, als gelernte (…) gelingen 

sollte, in Bosnien und Herzegowina eine Erwerbstätigkeit auszuüben und 

damit – nebst der Unterstützung durch staatliche und private Organisatio-

nen – für den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen,  

dass nach dem Gesagten das BFM den Vollzug der Wegweisung zu 

Recht als zumutbar beurteilt hat, 

dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden in ihren 

Heimatstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse beste-

hen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und die Beschwerdeführenden über Identitäts-

ausweise verfügen,  

dass es den Beschwerdeführenden demnach nicht gelungen ist darzutun, 

inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechts-

erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unan-

gemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass sich die Rechtsbegehren als aussichtslos erwiesen haben, weshalb 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG schon aus diesem Grund abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.- 

(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 

Abs. 1 und Abs. 5 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.   

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 

Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Stella Boleki 

 

 

Versand: