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**Case Identifier:** 89607f38-236e-5471-b3c1-360373455697
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 20.11.2023 VBE.2023.271
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-271_2023-11-20.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.271 / lc / nl  
Art. 120 

 

 

Urteil vom 20. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichter Roth 

Gerichtsschreiberin i.V. Comiotto 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch Nicolai Fullin Advokat, c/o indemnis, Rain 63, 5000 Aarau 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügungen vom 25. April 2023 und vom 23. Mai 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1992 geborenen Beschwerdeführerin wurden im Zusammenhang mit 

ihrem Geburtsgebrechen Nr. 390 (angeborene infantile Zerebralparese) 

von der Beschwerdegegnerin Kostengutsprachen für medizinische Mass-

nahmen, für Sonderschulmassnahmen sowie für die Berufsberatung ge-

leistet. Am 21. September 2010 meldete sich die Beschwerdeführerin bei 

der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug (Massnahmen für die beruf-

liche Eingliederung) für Erwachsene an, worauf die Beschwerdegegnerin 

Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Eingliederung bei der 

B._____ Bildungsstätte leistete. Nach erfolgreicher Absolvierung der Aus-

bildung zur Fachfrau Hauswirtschaft EFZ meldete sich die Beschwerdefüh-

rerin am 22. November 2018 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von 

Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invaliden-

versicherung (IV) an. Nach erwerblichen, medizinischen und persönlichen 

Abklärungen sowie Rücksprachen mit dem internen Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) sprach ihr die Beschwerdegegnerin mit Mitteilungen vom 

5. November 2019, 3. Februar 2020, 11. Mai 2020 und 25. August 2020 In-

tegrationsmassnahmen bis zum 23. August 2020 zu (Belastbarkeits- und 

Aufbautraining).  

 

1.2. 

Im Rahmen der Rentenprüfung hielt die Beschwerdeführerin Rücksprache 

mit dem RAD und veranlasste auf dessen Empfehlung eine polydisziplinäre 

Begutachtung durch die medaffairs AG, Basel (Gutachten vom 13. Dezem-

ber 2021). Mit Vorbescheid vom 10. Januar 2022 stellte ihr die Beschwer-

degegnerin rückwirkend ab dem 1. Juli 2019 eine Viertelsrente in Aussicht. 

Nachdem die Beschwerdeführerin dagegen mehrmals Einwände erhoben 

und dazu weitere medizinische Berichte eingereicht hatte, stellte die Be-

schwerdegegnerin der medaffairs AG auf Empfehlung des RAD Ergän-

zungsfragen, welche diese mit Stellungnahmen vom 8. März und 21. Juli 

2022 beantwortete. Unter Berücksichtigung des erneut eingereichten me-

dizinischen Berichts der Beschwerdeführerin sowie der nochmals erfolgten 

Rücksprache mit dem RAD entschied die Beschwerdegegnerin mit Verfü-

gungen vom 25. April sowie 23. Mai 2023 wie vorbeschieden. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügungen vom 25. April sowie 23. Mai 2023 erhob die Be-

schwerdeführerin mit Eingabe vom 2. Juni 2023 Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. Es seien die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 25. April 2023 

und vom 23. Mai 2023 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin 

 - 3 - 

 

 

zu verpflichten, die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2019 eine ganze 

Invalidenrente zu leisten. 

 

 2. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zur Leistungsfä-

higkeit der Beschwerdeführerin durchzuführen (vorzugsweise ein Ge-

richtsgutachten), und es sei im Anschluss daran erneut über deren 

Rentenanspruch gegenüber der Beschwerdegegnerin zu entscheiden. 

 

 3. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 11. Juli 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdefüh-

rerin mit Verfügungen vom 25. April sowie 23. Mai 2023 zu Recht rückwir-

kend ab 1. Juli 2019 (lediglich) eine Viertelsrente zugesprochen hat (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 304). 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Vorliegend sind Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Ja-

nuar 2022 streitig, weshalb für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 

2021 geltende Rechtslage massgebend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). 

 

3. 

Die Beschwerdeführerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 

25. April 2023 (VB 304) in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das 

polydisziplinäre medaffairs-Gutachten vom 13. Dezember 2021. Die med-

affairs-Gutachter stellten folgende Diagnosen (VB 264.1/16): 

 
 " Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

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 1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgra-

dige Episode (ICD-10 F33.0, F33.1) 

 2. Lese- und Rechtschreibstörung / Legasthenie (ICD-10 F81.0) sowie 

Teilleistungsstörung beim unmittelbaren Aufnehmen von mündlich vor-

gesprochenen Geschichten 

 3. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vom vorwiegend un-

aufmerksamen Typus bzw. Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivi-

tät (ICD-10 F90.8) 

 

 Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

 1. Binge-Eating-Störung, gegenwärtig unter Behandlung nicht aktiv (ICD-

10 F50.9) 

 2. Akzentuierte emotional instabile (Borderline-Typ) Persönlichkeitszüge 

(ICD-10 Z73.1) 

 3. Belastungs-, konstitutionsbedingt schmerzhafte Muskulatur paraver-

tebral zervikal thorakal lumbal, Sacro-illacal bei / mit (ICD 10 M54.8) 

  - Haltungskraftinsuffizienz 

- Adipositas per magna 

 4. Status nach Kniegelenks-Operation, eigenanamnestisch wohl Menis-

kussanierung beidseits vor vielen Jahren ohne aktuelle Symptomatik 

(ICD 10 M23.3) 

 5. Sinustachykardie unklarer Ursache (ICD-10 R00.0) 

 6. Adipositas WHO Grad II mit einem BMI von 36,2 kg/m2 (ICD-10 

E66.01) 

 7. Dyslipidämie (ICD-10 E78.9)" 

 

Sowohl in angestammter als auch in einer angepassten Tätigkeit (dauerhaft 

leichte berufliche Tätigkeiten mit geringen Anforderungen an das Lesen, 

Rechtschreiben sowie unmittelbares Aufnehmen von mündlichen vorgege-

benen Informationen und ohne zu grossen Anforderungen an die Aufmerk-

samkeits- und Konzentrationsfähigkeit) bestehe eine ganztägige Arbeitsfä-

higkeit mit einer Leistungsreduktion von 40 %. Aus neuropsychologischer 

Sicht sei die Beschwerdeführerin seit dem Eintritt ins Berufsleben in ihrer 

Leistungsfähigkeit infolge einer Verlangsamung bei gewissen Aufgaben-

stellungen sowie einer erhöhten Tendenz zu Flüchtigkeitsfehlern zu 20 % 

eingeschränkt. Ebenfalls bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 20%ige 

Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund einer durch die Depression 

bedingten erhöhten Ermüdbarkeit (VB 264.1/19 ff.). 

 

An dieser Beurteilung hielten die Gutachter in ihren ergänzenden Stellung-

nahmen vom 8. März 2023 sowie 21. Juli 2022 fest (VB 276 und 288). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

 - 5 - 

 

 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

4.3. 

Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des medaffairs-Gutachtens 

fachärztlich umfassend untersucht. Dabei beurteilten die Gutachter die me-

dizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis 

der Vorakten (VB 264.2, 264.3/3, 264.4/3, 264.5/3 ff. und 264.6/3 ff.) und 

unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden (VB 264.3/3 ff., 

264.4/4 ff., 264.5/8 ff. und 264.6/7 ff.) einleuchtend und gelangten zu einer 

nachvollziehbaren begründeten Schlussfolgerung. Des Weiteren beant-

worteten sie die nachträglich von der Beschwerdegegnerin gestellten Er-

gänzungsfragen nachvollziehbar und schlüssig (VB 276 und 288). Das me-

daffairs-Gutachten vom 13. Dezember 2021 ist damit im Sinne vorstehen-

der Kriterien grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheb-

lichen medizinischen Sachverhalt zu erbringen (vgl. E. 4.1.). 

 

5. 

5.1. 

Die Schlussfolgerungen des allgemeininternistischen sowie orthopädi-

schen Gutachters bzw. deren Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen wurden von 

der Beschwerdeführerin – nach Lage der Akten zu Recht – nicht bean-

standet (vgl. Rügeprinzip; BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf 

BGE 110 V 48 E. 4a S. 53; LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des Sozialversi-

cherungsrechts, 4. Aufl. 2014, S. 590 f.; UELI KIESER, a.a.O., N. 77 zu 

Art. 61 ATSG), womit sich diesbezügliche Weiterungen erübrigen. 

 

Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen sinngemäss geltend, dass 

hinsichtlich ihres psychischen Gesundheitszustandes nicht auf das Gut-

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achten abgestellt werden könne. Gestützt auf die Beurteilungen ihrer be-

handelnden Psychiaterin Dr. med. C._____, Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie, und entgegen den Schlussfolgerungen des neuropsycho-

logischen wie auch des psychiatrischen Gutachters sei von einer "aufgeho-

benen Arbeitsfähigkeit" auszugehen (Beschwerde S. 4 Ziff. 5 und S. 5 

Ziff. 7). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Der neuropsychologische Gutachter lic. phil. D._____, Fachpsychologe für 

Neuropsychologie FSP, hielt in seinem Gutachten vom 13. Dezember 2021 

fest, dass sich bei der neuropsychologischen Untersuchung eine grosse 

Bandbreite an kognitiven Teilleistungen gezeigt hätten, welche von sehr 

deutlich vermindert bis zu überdurchschnittlich gereicht hätten. Die Be-

schwerdeführerin leide an einer Lese- und Rechtschreibstörung / Legas-

thenie (ICD-10 F81.0), was in Übereinstimmung mit den schon während 

der Schulzeit beobachteten Beschwerden stehe (VB 264.5 /15 f.). Als be-

sondere Teilleistungsschwäche könne das unmittelbare Aufnehmen und 

Wiedergeben von mündlich vorgesprochenen Geschichten gewertet wer-

den (VB 264.5/16). Diese Einschränkung führe dazu, dass beispielsweise 

Anweisungen, Inhalte von Gesprächen oder von Telefonanrufen nur unvoll-

ständig aufgenommen werden könnten, was unter anderem zu Unterlas-

sungen und Missverständnissen führen könne; das Lernen im Frontalun-

terricht sei deutlich erschwert (VB 264.5/21). Bei gewissen Aufgabenstel-

lungen komme es zu einer deutlichen Verlangsamung sowie zu Schwierig-

keiten in der Konzentrationsfähigkeit und in der Verhaltenssteuerung, was 

im Zusammenhang mit einer Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität 

stehen dürfte (VB 264.5/16). Es bestehe eine erhöhte Tendenz zu Flüch-

tigkeitsfehlern infolge der Beeinträchtigung in der selektiven Aufmerksam-

keit / Interferenzkontrolle. Bei Aufgaben mit höheren Anforderungen an die 

Handlungsplanung und an das Problemlösen sei mit einer Überforderung, 

einer erhöhten Fehlertendenz und einer Verlangsamung zu rechnen und 

von einem erhöhten Betreuungsbedarf auszugehen (VB 264.5/21). Die Be-

schwerdeführerin verfüge aber auch über eine Reihe kognitiver Stärken, so 

im Denken, im eigentlichen Gedächtnis, im verbalen Arbeitsgedächtnis, in 

visuell-räumlichen und visuokonstruktiven Leistungen, in höheren Sprach-

leistungen sowie im Kopfrechnen, was zum erfolgreichen Abschluss der 

Realschule sowie der EFZ-Berufslehre als Fachfrau Hauswirtschaft geführt 

haben dürfte (VB 264.5/16). Aus neuropsychologischer und kognitiver 

Sicht liege in angestammter sowie angepasster Tätigkeit eine 20%ige Leis-

tungseinschränkung infolge einer Verlangsamung bei gewissen Aufgaben-

stellungen wie auch einer erhöhten Tendenz zu Flüchtigkeitsfehlern vor. 

Diese Einschränkung bestehe seit dem Eintritt ins Berufsleben und spiegle 

sich in den Berichten der ehemaligen Arbeitgeber wieder (VB 264.5 /21). 

 

 - 7 - 

 

 

5.2.2. 

Der psychiatrische Gutachter Dr. med. E._____, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, führte insbesondere aus, dass die Beschwerdeführe-

rin die diagnostischen Kriterien einer leichten bis mittelgradigen depressi-

ven Episode erfülle, gemäss ICD-10 gekennzeichnet durch depressive Ver-

stimmungen mit verminderter Freude, einem gewissen Interessensverlust, 

erhöhter Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, vermindertem Selbstwert mit In-

suffizienzgedanken und negativen Zukunftsperspektiven bezüglich der ge-

sundheitlichen und beruflichen Situation. Die Beschwerdeführerin fühle 

sich nicht mehr arbeitsfähig und habe eigentlich keine Hoffnung auf eine 

Besserung. Die Depression sei rezidivierend, mit Verschlechterungen, teil-

stationären Behandlungen und nun auch einer Klinikbehandlung 

(VB 264.6/18 f.).  

 

Die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) könne 

er aufgrund seiner durchgeführten Untersuchungen nicht bestätigen. Zwar 

würden bei der Beschwerdeführerin posttraumatische Symptome mit trau-

matischen Erinnerungen an erlebte Traumatisierungen wie auch einen se-

xuellen Übergriff bestehen, dennoch liege keine PTBS vor. Dazu müssten 

gemäss ICD-10 sich die Erinnerungen an das Trauma in den Gedanken 

und Tagträumen aufdrängen. Zudem müsste ein Vermeidungsverhalten 

mit emotionaler Abgestumpftheit oder Phasen von Erregtheit bei einer Kon-

frontation mit dem Trauma erkennbar sein. Dies sei bei der Beschwerde-

führerin nicht ausgeprägt, sie habe während dem Untersuchungsgespräch 

gut über die erlebten Traumatisierungen sprechen können, sei dabei emo-

tional gut zugänglich geblieben und habe keinen Erregungszustand gezeigt 

(VB 264.6/19).  

 

Weiter könne er eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom 

Borderline-Typ ebenfalls nicht bestätigen. Gegen die Achse-II-Diagnose ei-

ner Persönlichkeitsstörung spreche einerseits der Querschnittsbefund mit 

nicht so deutlich auffälligen Persönlichkeitsmerkmalen, andererseits auch 

der Längsverlauf mit wenig auffälliger Sozialisation und vor allem der ab-

geschlosseneren Berufsausbildung. Gemäss ICD-10 würden Menschen 

mit einer Persönlichkeitsstörung bereits im Kindsalter auffallen und die Stö-

rung manifestiere sich auf Dauer im frühen Erwachsenenalter. Bei der Be-

schwerdeführerin würden lediglich akzentuierte, emotional instabile 

(Borderline-Typ) Persönlichkeitszüge bestehen, welche gekennzeichnet 

seien durch wechselnde Verstimmungen mit etwas verminderter Frustrati-

onstoleranz (VB 264.6/19 f.). 

 

5.3. 

Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. C._____ hielt in ihrer Stellung-

nahme vom 11. Februar 2022 fest, dass sie den im neuropsychologischen 

 - 8 - 

 

 

sowie psychiatrischen Gutachten vom 13. Dezember 2021 gestellten Diag-

nosen sowie den darin enthaltenen Beurteilungen zur Arbeitsfähigkeit deut-

lich widerspreche (VB 268/1): 

 

5.3.1. 

In neuropsychologischer Hinsicht würden sich deutliche Defizite bei der Be-

schwerdeführerin zeigen. Im Gutachten von lic. phil. D._____ sei lediglich 

eine einseitige Beurteilung der Leistungsfähigkeit vorgenommen worden, 

indem er nur die wohlwollend positiven Leistungsbeurteilungen einzelner 

Quellen aufgezeigt habe, ohne dass dies in Übereinstimmung mit den üb-

rigen Akten, den neuropsychologischen Testbefunden und der Verhaltens-

beobachtungen stehen würde. Die Hyperaktivität werde durch das starke 

Nesteln der Finger und die Skillsnutzung deutlich und werde durch eine 

korrekte Medikationseinstellung ausgeglichen (VB 268/1 ff.).  

 

Zu diesen Ausführungen nahm der Gutachter lic. phil. D._____ in seinem 

Bericht vom 8. März 2022 Stellung und führte dazu aus, in seinem Gutach-

ten vom 13. Dezember 2021 habe er eine spezifisch neuropsychologische 

Beurteilung der Leistungsfähigkeit ohne Berücksichtigung psychischer 

oder psychopathologischer Beeinträchtigungen vorgenommen. Seine – im 

Vergleich zu den in den Akten abweichende – Leistungsbeurteilung lasse 

sich dadurch begründen, dass er lediglich eine Beurteilung aus neuropsy-

chologischer Sicht vorgenommen habe, ohne Berücksichtigung der mögli-

chen Einschränkungen in den anderen Fachgebieten. Der Bericht von Dr. 

med. C._____ vermöge seine gutachterliche Beurteilung nicht zu beeinflus-

sen (VB 276). Das von Dr. med. C._____ erwähnte Nesteln der Finger 

wurde zudem vom neuropsychologischen Gutachter registriert (VB 

264.5/10) und damit in seine Beurteilung miteinbezogen.  

 

5.3.2. 

Dr. med. C._____ führte in ihrer weiteren Stellungnahme vom 14. Januar 

2023 aus, der neuropsychologische Gutachter lic. phil. D._____ habe die 

mittelschwere Störung im Rahmen der Aufmerksamkeit der Beschwerde-

führerin nicht codiert. Hyperaktivität werde häufig durch andere dysfunktio-

nale Verhaltensweisen kopiert. Bei der Beschwerdeführerin sei dies seit 

langer Zeit über die Essstörung erfolgt, welche zurzeit durch Medikation 

behandelt werde. Gleichzeitig sei die Essstörung eine selbstschädigende 

Regulation der innerlichen Unruhe, welche einerseits durch die innerliche 

Unruhe des ADHS und andererseits durch Emotionen, welche wenig mit 

funktionalen Fertigkeiten hätten reguliert werden können, ausgelöst werde 

(VB 295/5).  

 

Zu dieser Sache äusserte sich lic. phil. D._____ bereits in seinem Gutach-

ten vom 13. Dezember 2021 ausführlich und verneinte eine Hyperaktivität. 

Im Rahmen seiner Untersuchungen hätten die Beschwerdeführerin und de-

 - 9 - 

 

 

ren Mutter in Fragebögen zu aktuellen ADHS-Symptomen (CAARS) Anga-

ben gemacht, welche lediglich auf Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen 

hingedeutet hätten und nicht auf eine erhöhte Impulsivität oder Hyperakti-

vität. In Übereinstimmung dazu habe sich während den Untersuchungen 

der Beschwerdeführerin eine deutliche Verlangsamung sowie Schwierig-

keiten in der Konzentrationsfähigkeit und in der Verhaltenssteuerung ge-

zeigt. Gestützt auf den dem Gutachter vorliegenden Akten sei bereits wäh-

rend der Schulzeit eine ADHS bzw. ADS diagnostiziert und für eine gewisse 

Zeit erfolgreich mit dem Medikament Methylphenidat therapiert worden. Für 

eine ADS-Symptomatik würden auch die Angaben aus den Schulberichten 

sprechen, wonach die Beschwerdeführerin Mühe mit der Ordnung gehabt 

hätte, sich leicht habe ablenken lassen und Schwierigkeiten beim Zuhören 

und Konzentrieren gehabt hätte. In einem weiteren Bericht würden sich 

wiederum Angaben von der Mutter finden, wonach die Beschwerdeführerin 

seit ihrer Kindheit unter entsprechenden Einschränkungen gelitten habe 

(Vergesslichkeit, Probleme in der Planung, Fehler bei gleichbleibenden und 

festgelegten Abläufen, Konzentrationsschwierigkeiten, Ablenkbarkeit und 

Mühe beim Durchhalten). Insgesamt deuteten die zur Verfügung stehenden 

Informationen darauf hin, dass bei der Beschwerdeführerin eine Aufmerk-

samkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vom vorwiegend unaufmerksamen 

Typus bzw. eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität gemäss der 

ICD-10-Kategorie F90.8 vorhanden sei (VB 264.5/17). Dem neuropsycho-

logischen Gutachter waren zudem die Berichte von Dr. med. C._____ vom 

24. August 2020 (VB 215) und 22. März 2021 bekannt (VB 242, 264.2/1, 

265.5/1 und 18) und er berücksichtigte diese bei seiner Beurteilung. Nach 

diesen Ausführungen lassen sich aus der von der Beschwerdeführerin ein-

gereichten Stellungnahme von Dr. med. C._____ keine wichtigen neuen 

Aspekte entnehmen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder un-

gewürdigt geblieben wären. Diese vermögen daher keine Zweifel am neu-

ropsychologischen Gutachten zu erwecken.  

 

5.3.3. 

In psychiatrischer Hinsicht lässt sich den Ausführungen von Dr. med. 

C._____ in ihrer Stellungnahme vom 11. Februar 2022 entnehmen, der 

Gutachter Dr. med. E._____ habe das Erkrankungsbild der Beschwerde-

führerin – insbesondere die Hinweise auf eine PTBS – im Rahmen seiner 

Untersuchungen nicht hinreichend berücksichtigt. Die Beschwerdeführerin 

habe während der gutachterlichen Untersuchung eine gefühlsentkoppelte, 

faktenbasierte Berichterstattung abgegeben, was bei Betroffenen mit PTBS 

typisch sei. Die Vermeidung über das Erlebte zu sprechen, bei gleichzeiti-

gem Hyperarousal (Beschwerdeführerin habe mit dem Tüchlein einen wich-

tigen Skill verwendet, um die Anspannung während der Begutachtung im 

Rahmen zu halten) und die seit Jahren durchgehend vorhandene Intrusio-

nen des Erlebten mit wiederholten dissoziativen Bewusstseinsentgleisun-

gen (Wiedererleben) seien typische Anzeichen einer PTBS und dürften in 

einer Begutachtung daher nicht vernachlässigt werden. Der Gutachter 

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Dr. med. E._____ habe eine Aggravationstendenz ausgeschlossen, jedoch 

liege bei der Beschwerdeführerin eine vermeidungsbedingte Bagatellisie-

rungstendenz resp. Dissimulation vor. In Verbindung mit den Symptomen 

einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, einer ADHS, einer 

schweren Depression sowie einem Dissoziationserleben erfülle die Be-

schwerdeführerin die Kriterien einer komplexen PTBS gemäss ICD-11 

(VB 268/3 f.). In ihrer Stellungnahme vom 19. April 2022 führte Dr. med. 

C._____ zudem aus, die von den Gutachtern als mittelschwer eingestufte 

depressive Erkrankung sei als schwer einzustufen. Die depressive Erkran-

kung sei im Alltag der Beschwerdeführerin derart einschränkend, dass sie 

nicht in der Lage sei, sich beruflich zu integrieren, den Alltag zu strukturie-

ren sowie den Haushalt eigenständig zu regeln, weshalb sie auf die Unter-

stützung der Spitex angewiesen sei. Auch ziehe sie sich stark zurück und 

stehe nur selten in Kontakt mit anderen Menschen (VB 268/3 ff., 283/4). 

 

Mit diesen Vorbringen setzte sich der Gutachter Dr. med. E._____ in seinen 

Stellungnahmen vom 8. März 2022 und 21. Juli 2022 auseinander und ver-

wies in dieser Sache auf seine Ausführungen im Gutachten vom 13. De-

zember 2021 (VB 276/3, 288/2 ff.). Dort hatte er ausgeführt, die Beschwer-

deführerin leide unter akzentuierten emotional instabilen (Borderline-Typ) 

Persönlichkeitszügen, welche nach ICD-10 keinen Krankheitswert hätten. 

Die bestehenden akzentuierten Persönlichkeitszüge seien gekennzeichnet 

durch wechselnde Verstimmungen mit etwas verminderter Frustrationsto-

leranz und nicht durch die weiteren Merkmale einer eigentlich emotional 

instabilen (Borderline-Typ) Persönlichkeitsstörung. Zum anderen weise die 

Lebenskapazität, also die der Beschwerdeführerin möglichen täglichen Ak-

tivitäten, die sich bei genauer Exploration zeigten und auch im Mini-ICF-

APP abbilden liessen, auf doch erhaltene psychische Funktionen hin, was 

gegen eine anhaltende höhergradige Arbeitsunfähigkeit spreche 

(VB 264.6/22). Das Aktivitäten-Niveau im beruflichen und privaten Bereich 

weiche auseinander. Die Beschwerdeführerin sei – mit Ausnahme der Hilfe 

durch die Spitex – in ihrer Lebensführung selbstständig. Insbesondere 

könne sie kochen, auch für sich und den Freund, sie gehe selber einkaufen 

und bemühe sich um gesunde Ernährung. Sie führe mit Hilfe der Spitex den 

Haushalt, benutze öffentliche Verkehrsmittel problemlos und begleite ihren 

Freund an Darts-Turniere. Dies weise auf die erhaltenen psychischen 

Funktionen hin, was wiederum gegen eine anhaltende höhergradige Ar-

beitsunfähigkeit spreche. Eine anhaltende psychiatrische Arbeitsunfähig-

keit könne nicht bestätigt werden. Aufgrund der durch die Depression be-

dingten Ermüdbarkeit bestehe eine Leistungseinschränkung von 20 %, 

weshalb eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter wie auch ange-

passter Tätigkeit gegeben sei (VB 264.6/21 ff.). In seiner Stellungnahme 

vom 21. Juli 2021 führte der Gutachter Dr. med. E._____ insbesondere 

aus, dass es sich bei den Ausführungen von Dr. med. C._____ lediglich um 

eine andere Beurteilung eines ähnlichen Gesundheitszustandes handle 

(VB 288/2). Dr. med. C._____ stütze sich auf einen psychopathologischen 

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Befund nach AMDP. Dieser Psychostatus enthalte leider auch viele sub-

jektive Elemente. Die subjektiven Angaben würden nicht genau begründet 

werden und nirgendwo werde im vorgelegten psychopathologischen Be-

fund aber der objektive Befund festgehalten. Im Gutachten seien noch wei-

tere versicherungsmedizinische Kriterien zur Beurteilung einbezogen wor-

den als von Dr. med. C._____. Dabei sei vor allem auch die Konsistenz-

prüfung wichtig. Dies geschehe bei der klinischen psychiatrischen Untersu-

chung im Wesentlichen in einer nicht-standardisierten Konsistenzprüfung 

auf dem Hintergrund der klinischen Untersuchungsergebnisse im Abgleich 

mit der Aktenlage und der genauen Exploration der täglichen Aktivitäten, 

wobei auch das mitzuberücksichtigen sei, was der betreffenden Person 

noch möglich sei, und nicht nur das, was ihr nicht möglich sei, worauf 

Dr. med. C._____ mehrheitlich verweise (VB 276/3 f., 288/3 f.). Die von ihr 

gestellten Diagnosen – PTBS gemäss ICD-11, Persönlichkeitsstörung vom 

Borderline-Typ (ICD-10 F60.31) sowie eine schwere depressive Episode 

bei einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.2) – sowie die 

attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit könnten gestützt auf seine Untersu-

chungen nicht bestätigt werden, was er im Gutachten ausführlich begründet 

habe.  

 

5.3.4. 

Dr. med. C._____ ging in ihrem Bericht vom 11. Februar 2022 weiter davon 

aus, eine Tätigkeit im Vollzeitpensum sei "absolut undenkbar". Bei der Be-

schwerdeführerin liege in angestammter sowie angepasster Tätigkeit eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Dies habe sich bereits im Rahmen der 

Durchführung der Integrationsmassnahmen beim Verein F._____ GmbH 

gezeigt, wo die Beschwerdeführerin nach dreieinhalb bis vier Stunden Ar-

beit deutliche Symptome an Überforderungen gezeigt habe (mehrfache 

Kreislaufzusammenbrüche, dissoziative Bewusstseinsveränderungen und 

psychisch bedingtes Erbrechen). Dieser psychisch labile Zustand habe sich 

seither nur minimal gebessert. Eine stufenweise Reintegration in den ers-

ten Arbeitsmarkt sei erst nach einer angemessenen Regenerationszeit und 

nach schrittweis durchgeführten Arbeitsversuchen in einem geringen Stun-

denumfang und ohne Leistungsdruck möglich. Bei einer Tätigkeit im Voll-

zeitpensum sei mit einer massiven Überforderung zu rechnen, was wiede-

rum die psychische Belastung weiter aufrechterhalten würde und diese 

durch ständige Misserfolgserlebnisse sogar verschlechtern würde. Zudem 

beziehe sich das vom Gutachter Dr. med. E._____ erhobene Rating zur 

Leistungsbeurteilung (Mini-ICF-APP) nicht auf den beruflichen Kontext und 

werde bei der abschliessenden Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht berück-

sichtigt (VB 268/5 f.).  

 

Dazu führte der psychiatrische Gutachter Dr. med. E._____ aus, die Be-

lastbarkeit der Beschwerdeführerin sei längerfristig und gemittelt über den 

Verlauf nach den versicherungsmedizinischen Kriterien zu beurteilen. 

 - 12 - 

 

 

Dr. med. C._____ unterscheide nicht zwischen der subjektiven Selbstein-

schätzung und der Zumutbarkeit. Die Zumutbarkeit richte sich nach den 

versicherungsmedizinischen Kriterien wie objektive Befunde, diagnosti-

sche Beurteilung, Beurteilung des Verlaufs, auch der Behandlung, der Kon-

sistenzprüfung und der Einschätzung der Belastungen und Ressourcen. 

Bei eingeschränkter Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachten bestehe die Mög-

lichkeit zur Regeneration, wie dies im Bericht vom 11. Februar 2022 von 

Dr. med. C._____ gefordert werde. Die therapeutischen Möglichkeiten 

seien nicht ausgeschöpft und Dr. med. C._____ stütze sich bei ihrer Beur-

teilung lediglich auf das negative Leistungsprofil der Beschwerdeführerin. 

Bei einer versicherungsmedizinischen Beurteilung müsse jedoch im Hin-

blick auf die Ermittlung der täglichen Aktivitäten vor allem auf das positive 

Leistungsprofil abgestellt werden. Die von Dr. med. C._____ angewandten 

diagnostischen Instrumente würden auf der subjektiven Selbsteinschät-

zung der Beschwerdeführerin gründen und könnten deshalb "in der Versi-

cherungsmedizin nicht als Beweismittel zugelassen werden" (VB 276/3 f.). 

 

5.4. 

Soweit die Beschwerdeführerin dem medaffairs-Gutachten vom 13. De-

zember 2021 die abweichende Beurteilung ihrer behandelnden Psychiate-

rin Dr. med. C._____ gegenüberstellen lässt, so trifft es zwar grundsätzlich 

zu und wurde von den Gutachtern ebenfalls bestätigt, dass die Beschwer-

deführerin aus neuropsychologischer wie auch psychiatrischer Sicht an ge-

wissen Beeinträchtigungen leidet, welche ihre Leistungsfähigkeit ein-

schränken (vgl. E. 5.2.1., 5.2.2., 5.3.3. Abs. 2 und 5.3.4. Abs. 2; z. B. Lese- 

und Rechtschreibstörung, Schwierigkeiten in der Konzentrationsfähigkeit 

und Verhaltenssteuerung, Erinnerungen an erlebte Traumatisierungen, ak-

zentuierte emotional instabile Persönlichkeitszüge, Aufmerksamkeitsstö-

rung sowie rezidivierende depressive Störung). Dr. med. E._____ legte je-

doch nachvollziehbar dar, dass Dr. med. C._____ in Bezug auf diese Be-

einträchtigungen lediglich eine von den gutachterlichen Einschätzungen 

abweichende Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts vorge-

nommen hat. Zu diesem Schluss kam in seiner konsiliarischen Beurteilung 

vom 14. April 2023 auch der Arzt G._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie (VB 302). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass es die un-

terschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen 

(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten 

fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) 

nicht zulässt, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu 

stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan-

delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten 

bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil 

die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der 

Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. statt vieler: 

Urteil des Bundesgerichts 8C_42/2022 vom 13. April 2022 E. 4 mit Hinwei-

sen). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Dr. med. C._____ zeigte in ihren 

 - 13 - 

 

 

nachträglich zum Gutachten vom 13. Dezember 2021 erfassten Stellung-

nahmen keine neuen Diagnosen auf, welche sie nicht bereits in ihrem Be-

richt vom 22. März 2021 festgehalten hatte (vgl. VB 242; emotional insta-

bile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, PTBS, einfache Aktivitäts- 

und Aufmerksamkeitsstörung sowie schwere rezidivierende depressive 

Episode). Die Berichte von Dr. med. C._____ vom 22. März 2021, 8. März 

sowie 21. Juli 2022 lagen den Gutachtern vor (VB 264.5/7, 264.6/6, 276 

und 288) und gelten daher grundsätzlich als von diesen berücksichtigt (Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_616/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 6.2.2). 

Entscheidend ist, dass die Gutachter über das vollständige medizinische 

Dossier verfügten und ihre Beurteilung in Kenntnis der Unterlagen abgege-

ben haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_651/2017 vom 19. Juni 

2018 E. 4.4; 9C_212/2015 vom 9. Juni 2015 E. 4), was vorliegend zutrifft. 

Zudem setzten sich der neuropsychologische sowie der psychiatrische 

Gutachter in den ergänzenden Stellungnahmen mit den Einschätzungen 

von Dr. med. C._____ auseinander und begründeten schlüssig und nach-

vollziehbar, weshalb sie die dort geäusserten Auffassungen teilten bzw. 

weshalb sie davon abwichen (VB 276 und 288). In diesem Zusammenhang 

gilt es zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, wonach behan-

delnde Ärzte auch als spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen im 

Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mit-

unter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 8C_295/2017 vom 27. September 2017 E. 6.4.2 mit Hin-

weisen). 

 

Es sind keine Aspekte zu erkennen, die im Rahmen der Begutachtung un-

erkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Angesichts der auf einer umfas-

senden gutachterlichen Abklärung beruhenden und nach dem Gesagten 

durchwegs einleuchtenden Beurteilung der begutachtenden Experten 

rechtfertigt sich kein Abweichen vom Gutachten. Dies gilt umso mehr, als 

im Rahmen psychiatrischer Beurteilungen immer ein gewisser Ermessens-

spielraum besteht, innerhalb dessen verschiedene medizinische Interpre-

tationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte 

lege artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_200/2018 vom 

7. August 2018 E. 6.3 mit Hinweisen). Vorliegend sind ausweislich der Ak-

ten weder Hinweise ersichtlich noch wurden derartige Anhaltspunkte 

schlüssig dargetan, wonach die Beurteilungen der Gutachter nicht lege ar-

tis erfolgt wären. 

 

5.5. 

Die Beschwerdeführerin bringt weiter mit Verweis auf die Berichte des Ver-

eins F._____ vor, die Gutachter hätten sich nicht genügend mit dessen 

"Resultate" im Rahmen ihrer Eingliederungsversuche auseinandergesetzt 

(Beschwerde, S. 5 Rz. 9). Diesem Vorbringen kann nicht gefolgt werden. 

Die Berichte des Vereins F._____ lagen den Gutachtern vor (VB 264.5/6 f.) 

 - 14 - 

 

 

und wurden in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2023 (VB 276/3) berück-

sichtigt. Dr. med. E._____ begründete nachvollziehbar und in Übereinstim-

mung mit dem letzten aktenkundigen Zwischenbericht des Vereins 

F._____, dass am Ende des Eingliederungsversuchs keine Steigerung des 

Arbeitspensums ausgeschlossen wurde. Vielmehr wurde über ein stabiles 

zeitliches Arbeitspensum in Höhe von 40 % berichtet und dass die Be-

schwerdeführerin noch einen weiteren Aufbau brauche, bevor sie vermittelt 

werden könne. Beim Bericht handelt sich um eine Beurteilung zum dama-

ligen Zustand der Beschwerdeführerin am 9. Februar 2020 und um "keine 

mittel- oder langfristige Prognose" (VB 183/4). Zudem ist die Frage nach 

den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen rechtsprechungs-

gemäss nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädi-

gung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfach-

leute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen subjektiven Arbeitsleis-

tung zu beantworten (vgl. statt vieler SVR 2019 IV Nr. 52 S. 169, 

8C_801/2018 E. 4.3, SVR 2018 IV Nr. 67 S. 213, 8C_440/2017 E. 5.3). 

 

5.6. 

Entgegen den weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin (Beschwerde, 

S. 7 Rz. 14) gingen die Gutachter zu Recht nicht von einem bio-psycho-

sozialen Krankheitsmodell aus. Diese medizinische Grösse ist bedeutend 

weiter gefasst als der für die Belange der Rechtsanwendung massgebende 

sozialversicherungsrechtliche Begriff der gesundheitlichen Beeinträchti-

gung und damit im vorliegenden Kontext nicht zielführend (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_611/2012 vom 16. Oktober 2012 E. 3.2.2; vgl. auch 

BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416 sowie Urteil des Bundesgerichts 

9C_468/2021 vom 13. Dezember 2021 E. 2.2.2 mit Hinweis).  

 

5.7. 

Zusammenfassend liegen keine Umstände vor, welche Zweifel an der Voll-

ständigkeit und Schlüssigkeit des medaffairs-Gutachten zu begründen ver-

möchten, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf abstellte. Der 

rechtserhebliche medizinische Sachverhalt erweist sich zusammenfassend 

als rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb auf weitere Abklärungen in antizi-

pierter Beweiswürdigung zu verzichten ist (BGE 144 V 361 E. 6.5 

S. 368 f.). Demzufolge ist in angestammter sowie angepasster Tätigkeit 

von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungsreduktion von 

40 % auszugehen. 

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein-

gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli-

 - 15 - 

 

 

chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie-

hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). 

 

6.2. 

Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich 

(vgl. VB 304/5) wird von der rechtskundig vertretenen Beschwerdeführerin 

nicht gerügt (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.) und ist ausweislich der Akten 

nicht zu beanstanden. Es bleibt somit beim ermittelten Invaliditätsgrad von 

40 %. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin folglich mit 

Verfügungen vom 25. April sowie 23. Mai 2023 zu Recht (lediglich) rück-

wirkend eine Viertelsrente ab 1. Juli 2019 zugesprochen (vgl. Art. 28 Abs. 2 

IVG). 

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

7.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. 

 

7.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. 
Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-
erlegt. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

  

 - 16 - 

 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 20. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Kathriner     Comiotto