# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af98f593-cb95-5ce5-9190-d38bd808d354
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-13
**Language:** de
**Title:** Festsetzung eines kantonalen Gestaltungsplans betreffend die Erweiterung einer Deponie
**Docket/Reference:** BRGE IV Nrn. 0156-0157/2025
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/r4.2024.00214-215_auszug.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung

G.-Nrn.
BRGE IV Nrn. 

R4.2024.00214 und R4.2024.00215
0156/2025 und 0157/2025

Entscheid vom 13. November 2025

Mitwirkende

Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichter Roland Keller, Baurichterin
Petra Röthlisberger, Gerichtsschreiber Paul Wegmann

in Sachen

Rekurrierende

R4.2024.00214

1.  BirdLife Zürich
2.  BirdLife Schweiz
3.  Pro Natura Zürich
4.  Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz

Nr. 4 vertreten durch Pro Natura Zürich

5.  WWF Zürich
6.  WWF Schweiz

Nr. 6 vertreten durch WWF Zürich

alle vertreten durch Rechtsanwältin […]

R4.2024.00215

Zürcher Heimatschutz ZVH

gegen

Rekursgegnerschaft

1.  Baudirektion Kanton Zürich

Mitbeteiligte

2.  Politische Gemeinde X
3.  A AG

Nr. 3 vertreten durch Rechtsanwalt […]

R4.2024.00214

betreffend

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton Zürich  Nr.  ARE  24-0269  vom  15.  No-
vember  2024  und  Verfügung  des  Amtes  für  Landschaft  und  Natur  vom
14. November 2024; Festsetzung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung
Deponie  Y" mit  Umweltverträglichkeitsprüfung  und  Waldrodung  bzw.  forst-
rechtliche Bewilligung (Rodung), X

R4.2024.00215

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  Nr.  ARE  24-0269  vom  15. No-
vember 2024; Festsetzung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung Depo-
nie Y" mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Waldrodung, X

______________________________________________________

R4.2024.00214

Seite 2

hat sich ergeben:

A.

Mit Verfügung Nr. KS ARE 24-0269 vom 15. November 2024 (gleichentags

publiziert)  setzte  die  Baudirektion  Kanton  Zürich  den  kantonalen  Gestal-

tungsplan  "Erweiterung  Deponie  Y,  X",  mit  Umweltverträglichkeitsprüfung

und  Waldrodung,  fest  (Dispositivziffer  I)  und  hob  den  kantonalen  Gestal-

tungsplan "Deponie Y", festgesetzt durch die Baudirektion mit Verfügung Nr.

0055/17 vom 20. Januar 2017, auf (Dispositivziffer II). Vorgängig hatte das

Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich (ALN) mit Verfügung vom

14. November 2024 die Rodungsbewilligung erteilt.

B.

Mit gemeinsamer Eingabe vom 16. Dezember 2024 erhoben BirdLife Zürich,

BirdLife Schweiz, Pro Natura Zürich, Pro Natura – Schweizerischer Bund für

Naturschutz, WWF Zürich und WWF Schweiz Rekurs an das Baurekursge-

richt des Kantons Zürich und stellten folgende Anträge:

  " 1.  Die Festsetzungsverfügung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung
Deponie Y, X" der Baudirektion vom 15. November 2024 sei aufzuhe-
ben.

    2.  Die  Rodungsbewilligung  des  Amts  für  Landschaft  und  Natur,  Abtei-

lung Wald, vom 14. November 2024 sei aufzuheben.

    3.  Die Sache sei zur Prüfung einer umweltverträglichen Alternative zu-

rückzuweisen.

    4.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegne-

rin."

C.

Mit Präsidialverfügung vom 17. Dezember 2024 wurde vom Rekurseingang

unter  der  Geschäftsnummer  R4.2024.00214  Vormerk  genommen  und  das

Vernehmlassungsverfahren eröffnet.

R4.2024.00214

Seite 3

Mit Eingabe vom 14. Januar 2025 verzichtete die Gemeinde X sinngemäss

auf Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Vernehmlassung vom

15. Januar 2025 – unter Verweis auf die Mitberichte des Amtes für Raum-

entwicklung (ARE) und des ALN je vom 14. Januar 2025 – die Abweisung

des  Rekurses.  Die  A AG (im  Folgenden: Mitbeteiligte) beantragte mit  Ver-

nehmlassung vom 20. Januar 2025, der Rekurs sei vollumfänglich abzuwei-

sen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (letzteres zzgl. MwSt.) zulas-

ten der Rekurrierenden. Mit Replik vom 18. Februar 2025 hielten die Rekur-

rierenden an ihren Ausführungen fest. Mit Präsidialverfügung vom 19. Feb-

ruar 2025 wurde die Baudirektion zur Einreichung weiterer Unterlagen auf-

gefordert;  diese  gingen  mit  Begleitschreiben  vom  28. Februar  2025  beim

Baurekursgericht  ein,  was  den  anderen  Parteien  zur  Kenntnis  gebracht

wurde. Mit Eingabe vom 4. März 2025 verzichtete die Gemeinde X sinnge-

mäss auf Erstattung einer Duplik. Die Baudirektion hielt mit Eingabe vom 10.

März 2025 – unter Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 6. März 2025 –

sinngemäss  an  ihren  Anträgen  fest.  Auch  die  Mitbeteiligte  hielt  mit  Duplik

vom 12. März 2025 an ihren Anträgen fest.

D.

Mit Eingabe vom 16. Dezember 2024 erhob auch der Zürcher Heimatschutz

(ZVH)  Rekurs  gegen  die  Festsetzungsverfügung  vom  15. November 2024

und stellte folgende Anträge:

  " 1.  Die Verfügung der Baudirektion vom 15. November 2024 betreffend

die Festsetzung des revidierten kantonalen Gestaltungsplans "Erwei-

terung der Deponie Y X" sei aufzuheben.

    2.  Eventuell sei das Verfahren zu sistieren, bis archäologische Sondie-
rungen ein vollständiges Bild über die unter dem Boden liegenden rö-

mischen Ruinen zu vermitteln vermögen.

    3.  Eventuell  sei  ein  Gutachten  der  Eidgenössischen  Kommission  für

Denkmalpflege zur Bedeutung der zutage geförderten Ruinen einzu-

holen.

    4.  Die Verfahrenskosten seien der Rekursgegnerin aufzuerlegen."

R4.2024.00214

Seite 4

E.

Mit Präsidialverfügung vom 18. Dezember 2024 wurde vom Rekurseingang

unter  der  Geschäftsnummer  R4.2024.00215  Vormerk  genommen  und  das

Vernehmlassungsverfahren  eröffnet.  Die  Gemeinde  X  verzichtete  mit  Ein-

gabe vom 14. Januar 2025 sinngemäss auf Vernehmlassung. Die Baudirek-

tion beantragte mit Vernehmlassung vom 17. Januar 2025 – unter Verweis

auf den Mitbericht des ARE vom 15. Januar 2025 – die Abweisung des Re-

kurses. Die A AG (im Folgenden: Mitbeteiligte) beantragte mit Vernehmlas-

sung vom 22. Januar 2025, der Rekurs sei vollumfänglich abzuweisen, so-

weit  darauf  überhaupt  eingetreten  werden  könne,  unter  Kosten-  und  Ent-

schädigungsfolgen  (letzteres  zzgl.  MwSt.)  zulasten  des  Rekurrenten.  Mit

Replik vom 14. Februar 2025 und Duplik vom 10. März 2025 hielten der Re-

kurrent und die Mitbeteiligte an ihren Anträgen fest; die Baudirektion verzich-

tete  stillschweigend  und  die  Gemeinde  X  mit  Eingabe  vom  4.  März  2025

sinngemäss auf Erstattung einer Duplik.

F.

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-

derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:

1.1

Die beiden Rekursverfahren betreffen den gleichen kantonalen Gestaltungs-

plan, weshalb sie aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen sind.

1.2

Bei  der  in  beiden  Rekursverfahren  angefochtenen  Festsetzungsverfügung

handelt es sich um eine Verfügung der Baudirektion (vgl. act. 3.1 S. 6 [hier

und im Folgenden – soweit nicht anders vermerkt – bezogen auf die Akten

des Verfahrens G.-Nr. R4.2024.00214]), weshalb der Betreff in beiden Ver-

fahren entsprechend anzupassen ist.

R4.2024.00214

Seite 5

2.1

Im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 handelt es sich bei den Rekurrierenden

2 (BirdLife Schweiz), 4 (Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz)

und 6 (WWF Schweiz) um schweizweit tätige Natur- und Umweltschutzver-

bände, die sowohl nach Art. 55 des Umweltschutzgesetzes (USG) als auch

nach Art. 12 Abs. 1 lit. b des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) zur

Verbandsbeschwerde legitimiert sind (vgl. auch ihre Nennung im Anhang der

Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes so-

wie  des  Natur-  und  Heimatschutzes  beschwerdeberechtigten  Personen

[VBO]).  Dabei  umfasst  der  in  beiden  Gesetzesbestimmungen  verwendete

Verfügungsbegriff auch Sondernutzungspläne, in denen planerische Anord-

nungen getroffen werden, die in Bezug auf Ausmass und konkrete Lage der

zulässigen baulichen Veränderungen bereits entscheidende Elemente einer

Baubewilligung enthalten (vgl. [mit Bezug auf das Vorliegen einer Bundes-

aufgabe] VB.2019.00633 vom 14. Mai 2020, E. 1.2 m.w.H.; vgl. auch Peter

M. Keller, Kommentar NHG, Peter M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Lud-

wig Fahrländer (Hrsg.), 2. Auflage 2019, Art. 12 Rz. 4; Jean-Baptiste Zuffe-

rey, Kommentar NHG [s.o.], Art. 2 Rz. 32 [unter Verweis auch auf Art. 12c

Abs. 3 NHG]; Alain Griffel/Heribert Rausch, Kommentar zum Umweltschutz-

gesetz, Ergänzungsband zur 2. Aufl., Hrsg. Vereinigung für Umweltrecht, Zü-

rich 2011, Art. 55 Rz. 8), was vorliegend der Fall ist (vgl. insb. die Gestal-

tungsplanvorschriften [GPV; act. 17.3]). Hinsichtlich Art. 55 USG ist sodann

entscheidend, dass für die strittige Deponieerweiterung eine Pflicht zur Um-

weltverträglichkeitsprüfung im Sinne von Art. 10a USG besteht (vgl. Ziff. 40.4

des  Anhangs  zur  Verordnung  über  die  Umweltverträglichkeitsprüfung

[UVPV]), was unabhängig vom genauen Umfang der Erweiterung des Depo-
nievolumens (vgl. dazu E. 5.3.3) gilt, da diese jedenfalls 500'000 m3 über-
schreitet. Hinsichtlich Art. 12 NHG ist auch die Voraussetzung, wonach die

"Verfügung" in Erfüllung einer Bundesaufgabe zu ergehen hat, erfüllt, nach-
dem vorliegend eine solche bereits aufgrund der Erteilung einer Rodungsbe-

willigung nach Art. 5 des Waldgesetzes (WaG) sowie mit Blick auf die The-

matik  des  Schutzes  der Tier-  und  Pflanzenwelt und  ihrer Lebensräume  im

Sinne von Art. 18 NHG zu bejahen ist (vgl. BGr 1C_573/2018 vom 24. No-

vember 2021, E. 1.1; 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016, E. 1.3). Zusam-

mengefasst ist somit die Legitimation der Rekurrierenden 2, 4 und 6 zu be-

jahen.

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Seite 6

Die Legitimation der Rekurrierenden 1 (BirdLife Zürich), 3 (Pro Natura Zürich)

und 5 (WWF Zürich), mithin der kantonalen Verbände, ergibt sich aus § 338b

Abs. 1 lit. c des Planungs- und Baugesetzes (PBG), wonach die gesamtkan-

tonal tätigen Verbände spezifisch Rekurse gegen die Festsetzung von über-

kommunalen Gestaltungsplänen ausserhalb der Bauzonen erheben können.

Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs

im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 vollumfänglich einzutreten (was seitens

der Gegenparteien zu Recht auch nicht in Frage gestellt wird).

2.2.1

Der im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00215 rekurrierende ZVH kann seine Le-

gitimation grundsätzlich ebenfalls auf § 338b PBG stützen.

Die Mitbeteiligte macht jedoch geltend, die rekurrentischen Vorbringen wür-

den  sich  ausschliesslich  gegen  eine  allfällige  zukünftige  Baubewilligung,

nicht  aber  gegen  den  Gestaltungsplan selbst richten.  Solche  Rügen  seien

nicht stufengerecht und verfrüht. Es lägen keinerlei substantiierte Rügen vor,

die eine angeblich rechtsfehlerhafte Festsetzung des Gestaltungsplans zum

Inhalt hätten, so dass der Rekurs unsubstantiiert und auf diesen daher nicht

einzutreten sei.

2.2.2

Zwar trifft es zu, dass im Rekurs des ZVH wiederholt auf eine (zukünftige)

Baubewilligung Bezug genommen wird, indem gefordert wird, dass vor Er-

teilung einer Baubewilligung archäologische Funde ermittelt und dokumen-

tiert würden, und zudem dargelegt wird, die üblichen Nebenbestimmungen

bei Baubewilligungen wären vorliegend nicht angemessen und vor der allfäl-

ligen Erteilung einer Baubewilligung müsse die archäologische Situation ge-
klärt sein (act. 2 Rz. 17, 19 f. [im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00215]). Indessen

machen bereits diese Formulierungen deutlich, was sich sodann zumindest

sinngemäss auch aus der gesamten Rekursschrift ergibt: Dem Rekurrenten,

welcher denn auch ausdrücklich die Aufhebung der den Gestaltungsplan be-

treffenden Festsetzungsverfügung beantragt, geht es inhaltlich darum, dass

auf dieser, einer allfälligen Baubewilligung vorgelagerten Ebene, aus seiner

Sicht kein adäquater Umgang mit der innerhalb des Erweiterungsperimeters

gelegenen  archäologischen  Zone  stattgefunden  hat.  Die  Kritik  richtet  sich

somit sachlogisch gegen das (gemäss rekurrentischer Ansicht) Ungenügen

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Seite 7

der  im  Rahmen  des  Gestaltungsplans  vorgesehenen  Massnahmen  (vgl.

insb.  Art.  4  GPV i.V.m. Ziff. 16.6 des Umweltverträglichkeitsberichts  [UVB;

act.  17.4])  und  damit  gerade  nicht  gegen  eine  zukünftige  Baubewilligung,

sondern gegen  den  Gestaltungsplan  selbst  (was denn  auch im  Lichte von

Art. 12c Abs. 3 NHG als das zutreffende und zwingend zu wählende Vorge-

hen erscheint).

Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist somit entgegen

dem  Dafürhalten  der  Mitbeteiligten  auch  auf den  Rekurs  im  Verfahren  G.-

Nr. R4.2024.00215 einzutreten.

3.1

Streitgegenstand bildet der kantonale Gestaltungsplan betreffend die Erwei-

terung der bestehenden Deponie Y (Deponietyp B gemäss der Verordnung

über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen [VVEA]). Für die be-

stehende  Deponie  sah  der  (nun  aufzuhebende)  Gestaltungsplan  gemäss

Festsetzungsverfügung vom 20. Januar 2017 – entsprechend der ursprüng-
lichen  Festlegung  eines  Deponievolumens  von  500'000 m3  im  kantonalen
Richtplan – die Ablagerung von rund 535'000 m3 (fest) Inertstoffmaterial vor.
Im  Rahmen  der  Richtplanteilrevision  2017  war  mit  Festsetzungsbeschluss

des Kantonsrats vom 29. März 2021 (Vorlage 5517b) u.a. der Karteneintrag

für die Deponie Y (Pt. 5.7.2, Nr. 26) angepasst worden, indem die Fläche von
5 ha auf 16 ha und das Deponievolumen von 500'000 m3 auf 3'000'000 m3
erhöht wurde. Entsprechend sieht der nun strittige neue kantonale Gestal-

tungsplan gemäss den  Angaben  in der  angefochtenen Festsetzungsverfü-

gung  (vgl.  zur  Infragestellung  dieser  Angaben  nachstehend  E. 5.3.3)  eine

gesamthafte Ablagerungsfläche von rund 14,58 ha (bzw. 14,64 ha [vgl. act.
17.2 S. 25 f.]), ein Bruttovolumen von rund 3'200'000 m3 bzw. ein Netto-De-
ponievolumen von 2'911'000 m3 und damit eine Erweiterung um ca. 9,6 ha
bzw. um ca. 2'400'000 m3 vor (act. 3.1 S. 2).

Die  geplante  Erweiterung  der  Deponie soll  in  Etappen  erfolgen, wobei  die

Etappe 1 der bestehenden Deponie entspricht, während die Etappen 2 und

3  nördlich und  nordöstlich (bzw.  zu  einem  kleinen  Teil auch  nordwestlich)

unmittelbar an diese anschliessen. Die Deponie liegt im südöstlichen Bereich

der Gemeinde X an der Grenze zur Stadt Zürich. Sie grenzt im Südwesten

an die Autobahn; im Südosten verläuft die B-Strasse und im Nordosten ein

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Bahntrassee, wobei sich zwischen diesen beiden Verkehrsachsen und dem

vorgesehenen Ablagerungsperimeter Wald befindet; im Nordwesten liegen

einige  Gebäude  ("Tempelhof")  sowie  landwirtschaftlich  genutzte  Flächen.

Durch den Perimeter der erweiterten Deponie führt derzeit ungefähr in West-

Ost-Richtung die C-Strasse. Unmittelbar nördlich des Perimeters verläuft das

Gewässer Y-Graben; ein kurzer Seitenarm desselben, der seinen Ursprung

in  einer  natürlichen  Quelle  hat,  wird  mit  der Deponieerweiterung  auf  einer

Strecke von ca. 25 m ausgehoben und überdeckt.

Während der südwestliche Teil des Deponieperimeters (der zur Hauptsache

das Gebiet der bestehenden Deponie umfasst) in der kantonalen Landwirt-

schaftszone liegt, befindet sich der nordöstliche Teil im Wald, weshalb eine
Rodungsbewilligung für Rodungen von insgesamt 79'500 m2 (wovon 3'710
m2 definitiv) erforderlich ist. Ein Teil des im Ablagerungsperimeter liegenden
Waldes wird im Waldentwicklungsplan des Kantons Zürich 2010 (WEP) als

multifunktionaler Wald mit Vorrang Holznutzung, ein Teil als multifunktionaler

Wald mit Vorrang biologische Vielfalt ausgewiesen, wobei letzteres zudem

mit dem besonderen Ziel Eichenförderung konkretisiert wird (vgl. die entspre-

chenden Karteneinträge im Geografischen Informationssystem des Kantons

Zürich  [GIS-ZH;  https://maps.zh.ch/]).  Wie  im  Planungsbericht  (act.  17.2)

festgehalten wird, handelt es sich beim von der Deponie betroffenen Wald

um einen schutzwürdigen Lebensraum; speziell hervorgehoben werden im

zu rodenden Bereich 18 als Habitatbäume bezeichnete alte, strukturreiche

Eichen (wobei a.a.O., Anhang A2, für die gerodete Fläche insgesamt 27 Ei-

chen, wovon 13 mit Brusthöhendurchmesser [BHD] > 70 cm bzw. 21 mit BHD

> 50 cm, ausgewiesen werden [bzw. 22 gemäss UVB aufgrund des dort zu-

sätzlich verzeichneten Baums Nr. 248; vgl. act. 17.4 S. 12 und Anhang 13-

5]).  Auch  wird  ausgeführt,  dass  die  alten  Eichenbestände  einen  wichtigen

Teil  des  Lebensraums  von  teilweise  stark  gefährdeten  Arten  der  Gruppen
der xylobionten Käfer, Flechten, Fledermäuse und Nachtfalter bilden würden

(zum Ganzen act. 17.2 S. 21 f.; vgl. im Detail nachstehend E. 3.4.1). Der im

Deponieperimeter  befindliche  Wald  gehört  nördlich  der  C-Strasse  zu  den

Waldarealen "Y" und (östlich desselben) "G" (z.T. auch gesamthaft als "Y G"

bezeichnet  [act.  17.4  Anhang  14-1a]),  südlich  der  C-Strasse  primär  zum

Waldareal "I", wobei die geplante Etappierung als Etappe 2 die Ablagerung

im  nördlichen Bereich und als  Etappe 3  die Ablagerung im  Bereich I  –  wo

sich  15 der erwähnten 18  Habitatbäume befinden  –  vorsieht.  Wie  der Pla-

nungsbericht darlegt, ist der Eichenbestand im Deponieperimeter Teil eines

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grossen Bestandes  alter Eichen  im  Waldareal zwischen der Deponie Y im

Süden und dem Flughafengelände im Norden. Alte Eichen bzw. solche mit

grossem BHD finden sich dabei zunächst östlich des Deponieperimeters zwi-

schen diesem und der B-Strasse (primär innerhalb des Areals I, aber auch

nördlich desselben im Areal G), in wesentlich geringerem Umfang nördlich

des Perimeters im westlichsten Teil des Areals Y (vgl. insb. act. 17.2 Anhang

A2  und  act.  17.4  Anhang  13-5).  Sodann  sind  alte  Eichenbestände  in  den

weiter  nördlich  gelegenen  Arealen  zu  verzeichnen:  Zum  einen im  lediglich

durch das Bahntrassee von den Arealen Y und G getrennten Waldareal "D",

an  das  seinerseits  im  Nordwesten ein  grösseres  Tanklager angrenzt;  zum

andern und vor allem in den jenseits des Tanklagers und ebenfalls nordöst-

lich  des  Bahntrassees  gelegenen  Waldarealen  "E",  "nördlich  G"  (bzw.  "G

Nord") und "F" (bzw. "G Süd") sowie dem südwestlich des Trassees gelege-

nen und durch dieses vom Areal E getrennten Areal "H" (vgl. zum Ganzen

insb. act. 17.2 S. 22 sowie zur Lage der Waldareale neben dem GIS-ZH auch

act. 17.4 Anhang 14-1a).

Das  ursprüngliche  Projekt  einer  Deponieerweiterung  umfasste  zusätzlich

das gesamte Waldareal I bis zur B-Strasse (vgl. act. 17.2 Anhang A1, auch

zum  Folgenden).  Im  Rahmen  der  ersten  Vorprüfung  stellte  die  Fachstelle

Naturschutz fest, dass die vorgesehene  Rodung  naturschutzrechtlich  nicht

als  umweltverträglich  beurteilt  werden  könne (vgl.  act. 27.6  sowie  das  von

der Fachstelle eingeholte Gutachten [act. 15.1]). Seitens der Mitbeteiligten

wurden daher neun weitere Varianten entwickelt und zur Findung der opti-

malen  Variante  ein  zweistufiges  Workshopverfahren  (erster  Workshop  mit

allen involvierten kantonalen Fachstellen; zweiter Workshop mit Vertreterin-

nen  und Vertretern der Umweltverbände,  Grundeigentümern,  J-Holzkorpo-

ration X, Gemeinde X und ARE [vgl. zu einem vorgängigen ersten Austausch

mit den "Naturverbänden" auch act. 17.2 S. 50]) durchgeführt. Gemäss Dar-
stellung in der angefochtenen Festsetzungsverfügung traf die Baudirektion

am 16. Dezember 2022 den Variantenentscheid zugunsten der Variante "Y

Mitte (optimiert)" (act. 3.1 S. 4; vgl. dazu act. 27.3 sowie zum Ganzen auch

act. 17.2 S. 48 [wonach die Variante "Y, Mitte (angepasst)" gemäss Anhang

A2  als  Bestvariante  hervorgegangen  sei]);  zu  beachten  ist,  dass  gemäss

dem Planungsbericht zunächst die Variante "Y Mitte" (als eine der neun Va-

rianten gemäss act. 17.2 Anhang A1) als Bestvariante ausgewählt und diese

anschliessend (im Sinne von act. 17.2 Anhang A2) optimiert wurde (act. 17.2

S. 20, 27; vgl. zum Ganzen auch act. 17.4 S. 7 f., 11 sowie zu den sich in

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Seite 10

diesem  Zusammenhang  stellenden  Fragen  nachstehend  E. 5.3.2  f.).  Aus

Sicht Naturschutz wurde die Deponie allerdings aufgrund der Zerstörung ei-

nes nicht ersetzbaren Lebensraums weiterhin als nicht umweltverträglich be-

urteilt (vgl. act. 3.1 S. 4; act. 17.2 S. 23; act. 27.4 S. 6). Als Kompensations-

massnahme (mit dem Ziel, den Teilverlust an seltenen Arten und Lebensräu-

men auszugleichen oder diesem zumindest Rechnung zu tragen) ist die Si-

cherung einer Kompensationsfläche von 6,3 ha im Staatswald K in Z vorge-

sehen,  der ein  sehr hohes  Potenzial  zur  Entwicklung  in  einen  Alteichenle-

bensraum attestiert wird (act. 17.2 S. 24 f.; act. 17.4 S. 86 ff.).

3.2

Die Rügen im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 beziehen sich primär auf den

Richtplaneintrag  (vgl.  dazu  E.  4),  die  Interessenabwägung  auf  Ebene  des

Gestaltungsplans (E. 5) und die Rodungsbewilligung (E. 6). Unter dem Titel

"Ausgangslage" erfolgen aber zunächst zwischen den Parteien teilweise um-

strittene Ausführungen im Zusammenhang mit der Bedeutung des von der

Deponieerweiterung betroffenen Lebensraums sowie dem Ausmass des Ein-

griffs, worauf nachfolgend vorab einzugehen ist (E. 3.2 bis 3.4).

3.2.1

Die Rekurrierenden machen geltend, obwohl der grösste Teil der Rodungen

temporär sei, werde damit ein Wald zerstört, der einzigartig, durch den Altei-

chenbestand von 150-250-jährigen Eichen ökologisch von höchster Bedeu-

tung und nicht ersetzbar sei. Das von der Fachstelle Naturschutz eingeholte

Gutachten komme zum Schluss, dass der Wald aufgrund seines Alters, sei-

ner Zusammensetzung und des Vorkommens von schweizweit sehr seltenen

und  gefährdeten  Arten als  von  nationaler Bedeutung gelte. Dies  sei  in der

Interessenabwägung  zu  berücksichtigen,  auch  wenn  es  für  Waldlebens-

räume kein Bundesinventar im Sinne von Art. 18a NHG gebe. Zwar beruhe
das Gutachten auf einem alten Projektstand, so dass nicht mehr 43, sondern

noch ungefähr 20 alte Eichen betroffen wären (wobei anzumerken ist, dass

der Zahl von 43 betroffenen Eichen im ursprünglichen Projekt in der nun strit-

tigen Variante an sich die Gesamtzahl von 27 Eichen entspricht [vgl. act. 17.2

Anhänge A1 und A2 sowie bereits E. 3.1], auch wenn im Lichte von act. 20.1

[vgl. E. 3.2.2] für einen BHD > 55 cm tatsächlich von einer Reduktion von 41

auf  18  Bäume  auszugehen  ist);  es  gehe  jedoch  nicht  um  18-22  einzelne

Bäume, sondern um das gesamte durch diesen Alteichenbestand geprägte

Wald-Ökosystem. Abgesehen von der Anzahl betroffener Eichen würden die

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Seite 11

Aussagen im Gutachten weiterhin gelten, zumal der wertvollste Bereich des

Waldes südlich der C-Strasse weiterhin von der Rodung betroffen sei.

Im  Folgenden  gibt  die  Rekursschrift  die  im  Planungsbericht  referierten  Er-

gebnisse des Gutachtens wieder (vgl. dazu E. 3.4.1) und hebt sodann her-

vor, die Deponieerweiterung greife direkt und indirekt stark in die schützens-

werten Flechtenvorkommen im lichenologisch wertvollen Waldteil I (mit drei

auf Altwald angewiesenen Flechtenarten) ein und führe im Falle der national

stark  gefährdeten  Caloplaca  lucifuga  (Lichtscheuer  Schönfleck)  wohl  zum

vollständigen  und  unwiderruflichen  Verschwinden  der  Art,  wobei  aufgrund

des markanten Eingriffs in das Klima in den umliegenden Waldabschnitten

auch mit einem deutlichen Bestandes- und Vitalitätsverlust der beiden ande-

ren Flechtenarten zu rechnen sei. Sodann gehe das Habitat für die seltenen

xylobionten Käfer verloren und sei nicht zu ersetzen, wobei der Standort ins-

besondere  für  die  beiden  beobachteten  Urwaldreliktarten,  für  die  in  der

Schweiz lediglich drei bzw. fünf Vorkommen bekannt seien, eine besonders

hohe  Bedeutung  habe.  Weiter  bestehe  im  Perimeter  mindestens  ein  Mit-

telspechtrevier.  Schliesslich  wird  darauf  hingewiesen,  auch  die  auszuhe-

bende und zu überdeckende Quelle, die als von regionaler Bedeutung gelte,

stelle angesichts des Vorkommens mindestens einer auf der Roten Liste ver-

zeichneten  Köcherfliegen-Art  einen  seltenen  und  schutzwürdigen  Lebens-

raum dar.

Unter Berufung auf das Gutachten monieren die Rekurrierenden zudem, es

seien mehrere wichtige und artenreiche Gruppen mit einem hohen Anteil an

totholzbewohnenden Arten (wie z.B. Pilze, Zweiflügler, Kleinschmetterlinge

oder Hautflügler), bei denen mit dem Vorkommen seltener und gefährdeter

Arten  zu  rechnen  sei,  nicht  erfasst  worden.  Zudem  sei  die  Erfassung  von

Fledermäusen absolut ungenügend erfolgt. Zwar könne auf weitere Bestand-
serhebungen  verzichtet  werden,  da  schon  aufgrund der  bereits bekannten

Rote-Liste-Arten und weiterer seltener und gefährdeter Arten offensichtlich

sei, dass ein Eingriff nicht zu rechtfertigen sei; bei abweichender Ansicht des

Gerichts wäre aber die Sache aufzuheben und zur vollständigen Ermittlung

des massgeblichen Sachverhalts zurückzuweisen.

Schliesslich wird in der Rekursschrift argumentiert, aufgrund des Alters des

betroffenen Waldes sei für den Eingriff in den schutzwürdigen Lebensraum
kein  angemessener  Ersatz  im  Sinne  von  Art.  18  Abs.  1ter  NHG  möglich,

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Seite 12

weshalb  denn  auch  gar  keine  Ersatzmassnahmen  vorgesehen  seien.  Die

stattdessen geplante Kompensationsmassnahme betreffe zwar ebenfalls ei-

nen  –  deutlich  ausserhalb  des  Gebiets gelegenen  –  Alteichenlebensraum,

der sich aber ökologisch unterscheide, da er (im Gegensatz zum feuchten

Untergrund  im  Perimeter)  auf  trockenem  Boden  wachse.  Bei  einer  Beein-

trächtigung schutzwürdiger Lebensräume sei es nicht zulässig, auf die not-
wendigen  Massnahmen  nach  Art.  18  Abs.  1ter  NHG  zu  verzichten.  Ob  ein
Eingriff in einen schutzwürdigen Lebensraum somit überhaupt zulässig sein

könne,  wenn  keine  angemessenen  Ersatzmassnahmen  möglich  seien,

könne jedoch offengelassen werden, da jedenfalls die fehlende Ersetzbarkeit

mit äusserst hohem Gewicht in die Interessenabwägung einfliessen müsste,

was vorliegend nicht geschehen sei.

3.2.2

Die Baudirektion (bzw. der Mitbericht des ARE) entgegnet, es seien umfas-

sende Untersuchungen zum Vorkommen seltener Arten vorgenommen wor-

den, wobei die Fachstellen – und insbesondere auch die Fachstelle Natur-

schutz – keine weiteren Erhebungen verlangt hätten. Beim von der Deponie-

erweiterung betroffenen schützenswerten Lebensraum handle es sich nicht

um ein Bundesinventar im Sinne von Art. 5 NHG, weshalb auch Art. 6 Abs. 2
NHG keine Anwendung finde. Auch Art. 18 Abs. 1ter NHG und Art. 14 Abs. 6
der Natur- und Heimatschutzverordnung (NHV) würden nicht vorsehen, dass

der  Eingriff  in  einen  schutzwürdigen  Lebensraum  ein  überwiegendes  Inte-
resse von nationaler Bedeutung erfordere. Nach Art. 18 Abs. 1ter NHG seien
Eingriffe in schutzwürdige Lebensräume zulässig, wenn sie nicht vermeidbar

seien.  Die  Anordnung  von  Schutz-,  Wiederherstellungs-  oder  Ersatzmass-

nahmen sei demnach die Folge eines zulässigen Eingriffs, jedoch keine Ein-

griffsvoraussetzung, was sich auch aus der Systematik der NHV ergebe.

Die Mitbeteiligte weist vorab auf einen von ihr eingereichten Situationsplan

(act. 20.1) hin und hält fest, dieser zeige den gesamten schutzwürdigen Le-

bensraum, über welchen von der Baudirektion mit einem waldbaulichen Kon-

zept und einer Kombination aus Schutzverordnung, Verträgen und forstlicher

Ausführungsplanung eine langfristige Sicherung erlassen werden solle (wo-

bei die fragliche Abgrenzung im genannten Plan insbesondere sämtliche in

E. 3.1 erwähnten Waldareale umfasst). Der Plan weist zudem die Standorte

sämtlicher Eichen mit einem BHD > 55 cm aus. Gemäss der Mitbeteiligten

lassen  sich  aus  dem  Plan  folgende  Schlüsse  ziehen:  Die  gesamte  Fläche

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Seite 13

des schutzwürdigen Lebensraums betrage ca. 50,8 ha, während vom Erwei-

terungsperimeter nur ca. 7,95 ha (15,6 %) betroffen seien; in der gesamten

Fläche befänden sich 341 wertvolle Eichen mit einem BHD > 55 cm (bzw.

insgesamt 393 Eichen), während von der Rodung nur 18 Eichen (5,3 %) be-

troffen seien; die Eichendichte im Rodungsperimeter sei mit 2,2 Eichen pro

Hektare sehr gering im Vergleich zu den übrigen Gebieten mit einem hohen

Eichenbestand, wobei sich die grösste Eichendichte im Waldteil E mit 13,8

Eichen pro ha befinde; durch die Projektanpassung bzw. -optimierung habe

ein grosses Gebiet mit einer beträchtlichen Eichenzahl und einer mehr als

doppelt so hohen Eichendichte (5,4 Eichen pro ha) verschont bleiben kön-

nen; schliesslich sollten die wertvollen Eichen im Erweiterungsperimeter ge-

mäss der Etappierung möglichst lang bestehen bleiben können. In einer Ge-

samtbetrachtung sei der Eingriff in den schützenswerten Lebensraum somit

wesentlich weniger dramatisch als von den Rekurrierenden dargestellt. Wei-

ter bestehe an der Stelle der geplanten Deponieerweiterung eindeutig kein

Biotop von nationaler Bedeutung im Sinne von Art. 18a NHG; das Gutachten

äussere sich zur ökologischen und nicht zur rechtlichen Bedeutung des frag-

lichen  Lebensraums;  auch  handle  es  sich  dabei  nicht  um  eine  rechtliche

Festlegung eines  Biotops  von  regionaler oder lokaler  Bedeutung  im  Sinne

von Art. 18b NHG. Die Baudirektion habe sodann das Gutachten abgemildert

würdigen dürfen, da als ein Resultat der Variantenprüfung bzw. nach Opti-

mierung des Vorhabens der Eingriff in die Natur inzwischen deutlich weniger

intensiv sei; auch müsse für die erforderliche kontinuierliche Waldverjüngung

in  die  Habitate eingegriffen werden.  Art.  14 Abs.  3  lit.  d  NHV sage  zudem

nichts darüber aus, ob die Bezeichnung als schützenswert zu Biotopen von

nationaler, regionaler oder lokaler Bedeutung führe bzw. in welcher Form ein

Gebiet  überhaupt geschützt  werden  müsse.  Die  in  dieser  Bestimmung  er-

wähnten  Roten  Listen könnten  zwar  ein Hinweis  auf  die Notwendigkeit  für

den Erlass eines geschützten Biotops sein, aber es bestehe kein zwingender
automatischer  Zusammenhang  zwischen  der  Präsenz  einer  Art  der  Roten

Liste und der Einstufung als Biotop. Diese beschränkte Aussagekraft gelte

insbesondere  für  die  Totholzkäfer,  da  der  Plattnasen-Holzrüssler  (Gas-

terocercus depressirostris) entgegen den im Gutachten erwähnten drei Fun-

den in der Schweiz bereits 2020 und 2021 an drei weiteren Standorten im

Kanton Zürich und seither an acht weiteren Standorten in der Schweiz nach-

gewiesen worden sei (unter Verweis auf das nationale Daten- und Informati-

onszentrum der Schweizer Fauna [https://lepus.infofauna.ch/carto/]); Ähnli-

ches gelte für den Binden-Schwarzkäfer (Corticeus fasciatus), so dass die

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Seite 14

gemäss Gutachten besonders hohe Bedeutung des Erweiterungsperimeters

für diese beiden Urwaldreliktarten durch die zahlreichen weiteren Funde ab-

gemildert werde. Die Flechte Lichtscheuer Schönfleck (Caloplaca lucifuga)

existiere im Übrigen auch in den Wäldern in Z, wo die Kompensationsmass-

nahmen  umgesetzt  würden.  Auf  nationaler  Ebene  lägen  sodann  gemäss

Gutachten und Planungsbericht diverse artenreichere Eichenbestände vor;

überdies gebe es allein im Kanton Zürich mindestens 25 Standorte die hin-

sichtlich  Ausdehnung,  Dichte  und  Alter  der  Eichen  mit  dem  Gebiet  Y  ver-

gleichbar  seien,  wobei  mangels  detaillierter  Aufnahme  der  ökologischen

Werte  dieser  Standorte  nicht  automatisch  davon  ausgegangen  werden

könne, dass diese von geringerem ökologischem Wert seien, so dass für die

Untermauerung der Einzigartigkeit und der nationalen Bedeutung des streit-

betroffenen Waldes Feldaufnahmen an weiteren Standorten fehlten. Weiter

handle  es  sich  beim  Rodungsperimeter  nicht  um  einen  Eichenwald,  da

Hauptbaumart  heute nicht  mehr  die  Eiche  sei;  auch  fehle  der  Eichenjung-

wuchs. Im Übrigen könnten die im Gutachten erwähnten besonders bedroh-

ten Arten von Totholzkäfer, Nachtfalter und Flechten, aber auch die übrigen

an Eichen heimischen Lebewesen weiterhin im Perimeter des schutzwürdi-

gen Lebensraumes in den noch vorhandenen 323 Eichen leben. Insgesamt

liege mit Bezug auf die 18 Eichen bzw. den Teilverlust des Waldes zwar un-

bestritten ein  Naturschutzinteresse  vor,  aber keines,  welches  das  Gewicht

eines nationalen Biotops im Sinne von Art. 18a NHG oder einer umfassen-

den nationalen Bedeutung in ökologischer Hinsicht hätte; vielmehr liege ein-

fach  ein  grundsätzlich schutzwürdiger  Lebensraum  vor, was  insbesondere

bei der Interessenabwägung von Bedeutung sei.

Hinsichtlich  der  monierten  fehlenden  Kenntnis  über  weitere  Arten  hält  die

Mitbeteiligte  dafür,  die  Abklärungen  seien  äusserst  umfangreich  gewesen:

Für den UVB seien neun und für das Gutachten mehr als zehn weitere Ex-
perten beauftragt worden; zudem habe die Mitbeteiligte einen "Digital Twin"

des betroffenen Waldstücks erstellt; im Übrigen hätten die in mehreren Work-

shops  involvierten  Rekurrierenden  nie  eine  ungenügende  Sachverhaltsab-

klärung moniert. Den rechtsanwendenden Behörden stehe sodann bezüglich

der Frage, ob Objekte als schutzwürdig erachtet bzw. Eingriffe als verhält-

nismässig gelten würden, ein erhebliches Ermessen zu, in das durch die kan-

tonalen Gerichte nur bei einer klaren Rechtsverletzung eingegriffen werden

dürfe.

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Seite 15

Bezüglich  der  Ersatzmassnahmen  macht  die  Mitbeteiligte  geltend,  diese

seien nicht die Voraussetzung eines staatlichen Eingriffs. Weiter sei die Kom-

pensationsmassnahme  angesichts  des  nun  viel  geringfügigeren  Eingriffs

mehr als genügend.

3.2.3

In der  Replik führen  die Rekurrierenden  ergänzend insbesondere  aus, die

langfristige Sicherung der Alteichenlebensräume im Gebiet sei noch in weiter

Ferne und könne daher in den Abwägungen nicht berücksichtigt werden. Die

von der Mitbeteiligten verwendeten Prozentzahlen – bei denen diese zudem

mit  willkürlich  gewählten  Zahlen  arbeite,  indem  sie  erst  Eichen  ab  55 cm

Durchmesser zähle – seien nicht relevant, ebenso wenig die Eichendichte,

die Hauptbaumart und die Etappierung. Angesichts des im Gutachten aus-

gewiesenen Anteils, wonach Alteichenbestände im Kanton Zürich nur 0,35 %

der Waldbestände des Kantons ausmachen würden, sowie mit Blick auf den

noch viel kleineren Anteil, wenn man nur Alteichenbestände auf feuchtem,

nährstoffreichem Untergrund betrachten würde,  sei offensichtlich,  dass  die

geplante Zerstörung sehr wohl dramatisch sei. Auch stelle das Gutachten für

seine Einschätzung nicht nur auf die Eichen ab. Weiter möge zwar zutreffen,

dass  inzwischen  weitere  Standorte  der  beiden  Urwaldreliktarten  gefunden

worden seien, doch gehe es nach wie vor um wenige Standorte in der ge-

samten  Schweiz,  so  dass  jeder  einzelne  von  höchster  Bedeutung  für  den

Erhalt  der  Art  in  der  Schweiz  sei,  zumal  Arten  des  Totholzes  eine  sehr

schlechte Ausbreitungsstrategie hätten und etliche Flechten sowieso weitge-

hend standortgebunden seien. Da nebst dem Vorkommen von Eichen auch

das  Mikroklima,  die  übrige  Zusammensetzung  des  Waldes  und  anderes

stimmen müssten, und eine Ausbreitung sehr schwierig sei, treffe es auch

nicht zu, dass die Arten ohne Weiteres im weiteren Perimeter und den dort

noch vorhandenen Eichen leben könnten. Schliesslich seien die Ersatzmas-
snahmen gemäss Art. 18 Abs. 1ter NHG gesetzlich zwingend vorgesehene
Folgen und daher zwingender Bestandteil des Projekts, so dass es bei Un-

möglichkeit von Ersatzmassnahmen an einem gesetzlich zwingend vorgese-

henen Projektbestandteil fehle. Die vorgesehene Förderung sei zudem mar-

ginal und müsste so oder so vorgenommen werden.

Die  Mitbeteiligte entgegnet in  ihrer Duplik  ergänzend insbesondere,  es  sei

sehr  wohl  relevant,  den  Eingriff  aufgrund  der  effektiv  betroffenen  Habitat-

bäume  zu  beurteilen  sowie  diesen  Eingriff  in  ein  Verhältnis  zu  dem  vom

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Seite 16

Gutachten definierten schutzwürdigen Lebensraum zu setzen, während Ver-

gleichszahlen  über  das  gesamte  Kantonsgebiet  ungeeignet  seien.  Weiter

seien die verwendeten Zahlen nicht willkürlich, da die 18 Habitatbäume ge-

mäss UVB von einer Fachexpertin definiert worden seien, sämtliche Habitat-

bäume  im  Deponieperimeter  und  im  verschonten  Bereich  einen  BHD  von

> 55  cm  aufweisen  würden  und  zudem  alle  kartierten  Bäume  aller  Durch-

messer  in  act.  17.4  Anhang  13-5  ersichtlich  seien,  wobei  es  sich  bei  den

Bäumen mit kleinerem BHD gemäss der Expertin auch nicht um künftige Ha-

bitatbäume handle. Klar  unzutreffend sei  sodann  die Behauptung, wonach

es sich in dem vom Erweiterungsperimeter südlich der C-Strasse betroffenen

Wald um den wertvollsten Bereich handeln würde, nachdem das Gutachten

den nördlichen Bereich des gemäss Gutachten definierten schutzwürdigen

Lebensraums (mithin insbesondere die Waldareale H, E und Nördlich G) als

mindestens ebenso wertvoll bezeichne.

3.3

Gemäss Art. 18 NHG ist dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzen-

arten durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und an-

dere  geeignete  Massnahmen  entgegenzuwirken,  wobei  schutzwürdigen

land- und forstwirtschaftlichen Interessen Rechnung zu tragen ist (Abs. 1).
Besonders zu schützen sind gemäss Abs. 1bis Uferbereiche, Riedgebiete und
Moore,  seltene  Waldgesellschaften,  Hecken,  Feldgehölze,  Trockenrasen

und  weitere  Standorte,  die  eine  ausgleichende  Funktion  im  Naturhaushalt

erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für Lebensgemeinschaf-

ten  aufweisen.  Lässt  sich  eine  Beeinträchtigung  schutzwürdiger  Lebens-

räume durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht ver-

meiden, so hat der Verursacher für besondere Massnahmen zu deren best-

möglichem  Schutz,  für  Wiederherstellung  oder  ansonst  für angemessenen
Ersatz zu sorgen (Abs. 1ter). Gemäss Art. 14 NHV soll der Biotopschutz ins-
besondere  zusammen mit dem ökologischen  Ausgleich  (Art. 15  NHV)  und

den  Artenschutzbestimmungen  (Art.  20  NHV)  den  Fortbestand  der  wildle-

benden einheimischen Pflanzen- und Tierwelt sicherstellen (Abs. 1). Biotope

werden gemäss Abs. 3 als schützenswert bezeichnet aufgrund (lit. a) der ins-

besondere  durch  Kennarten  charakterisierten  Lebensraumtypen  nach  An-

hang 1; (lit. b) der geschützten Pflanzen- und Tierarten nach Art. 20 NHV;

(lit. c) der nach der Fischereigesetzgebung gefährdeten Fische und Krebse;

(lit. d) der gefährdeten und seltenen Pflanzen- und Tierarten, die in den vom

BAFU  erlassenen  oder  anerkannten  Roten  Listen  aufgeführt  sind;  (lit.  e)

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Seite 17

weiterer Kriterien, wie Mobilitätsansprüche der Arten oder Vernetzung ihrer

Vorkommen. Abs. 6 hält fest, dass ein technischer Eingriff, der schützens-

werte  Biotope  beeinträchtigen  kann,  nur  bewilligt  werden  darf,  sofern  er

standortgebunden  ist  und  einem  überwiegenden  Bedürfnis  entspricht

(Satz 1); dabei sind gemäss Satz 2 für die Bewertung des Biotops in der In-

teressenabwägung neben seiner Schutzwürdigkeit nach Absatz 3 insbeson-

dere massgebend: (lit. a) seine Bedeutung für die geschützten, gefährdeten

und seltenen Pflanzen- und Tierarten; (lit. b) seine ausgleichende Funktion

für den Naturhaushalt; (lit. c) seine Bedeutung für die Vernetzung schützens-

werter Biotope; (lit. d) seine biologische Eigenart oder sein typischer Charak-

ter.  Wer  einen  Eingriff  vornimmt  oder  verursacht,  ist  zu  bestmöglichen

Schutz-, Wiederherstellungs- oder ansonst angemessenen Ersatzmassnah-

men zu verpflichten (Abs. 7).

Als schutzwürdige Lebensräume im Sinne von Art. 18 Abs. 1ter NHG gelten
– jedenfalls ausserhalb des Baugebiets – nicht nur formelle durch den Bund

oder die Kantone als solche ausgewiesene Schutzgebiete, sondern all dieje-

nigen Lebensräume, die im Sinne dieser Bestimmung als schutzwürdig an-

zusehen sind, wobei die Schutzwürdigkeit nicht davon abhängt, ob für die im

fraglichen  Lebensraum  vorhandenen  Arten  bereits  konkrete  Schutzmass-

nahmen getroffen wurden (Karl Ludwig Fahrländer, Kommentar NHG, Peter

M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Ludwig Fahrländer (Hrsg.), 2. Auflage

2019, Art. 18 Rz. 24). Hinsichtlich des in Art. 14 Abs. 3 lit. d NHV genannten

Kriteriums  der Schutzwürdigkeit  ist  weiter festzuhalten,  dass  zu  den  Rote-

Liste-Arten diejenigen Arten gehören, die in den Roten Listen als "ausgestor-

ben" (EX [extinct in the wild] oder RE [regionally extinct]), "vom Aussterben

bedroht"  (critically  endangered  [CR]),  "stark  gefährdet"  (endangered  [EN])

oder "verletzlich" (vulnerable [VU]) eingestuft sind; die Kategorie "potenziell

gefährdet"  (near threatened  [NR]  steht zwischen  den  Rote-Liste-Arten und
den nicht gefährdeten Arten (least concern [LC]), so dass es sich um Arten

handelt, die nahe bei den Limiten für eine Einstufung in eine Gefährdungs-

kategorie liegen oder die Limite wahrscheinlich in naher Zukunft überschrei-
ten (BGE 148 II 36 E. 5.3 m.w.H.). Der in Art. 18 Abs. 1ter NHG und Art. 14
Abs. 7 NHV angesprochene Ersatz für einen beeinträchtigten Lebensraum

soll möglichst in derselben Gegend stattfinden. Zudem ist eine Gleichwertig-

keit des Zerstörten mit dem neu Geschaffenen anzustreben, wobei sich die

Gleichwertigkeit sowohl nach qualitativen als auch nach quantitativen Krite-

rien beurteilt, so dass ein rein flächenmässiger Ersatz nicht genügt, sondern

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Seite 18

das  Ersatzobjekt  auch  ähnliche  ökologische  Funktionen  wie  das  zerstörte

Objekt übernehmen können muss (BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016

E. 4.5.2 m.w.H.).

3.4.1

In dem durch die Fachstelle Naturschutz eingeholten Gutachten zur Schutz-

würdigkeit des Waldlebensraums "Y/I" vom März 2022 (act. 15.1; vgl. bereits

E. 3.1) wird zunächst festgehalten, der UVB (gemäss damaligem Stand) at-

testiere dem alten Eichenbestand einen hohen naturschützerischen Wert, da

die  Eichen  zahlreichen  seltenen  und  hoch  spezialisierten  Arten  einen  Le-

bensraum  bieten  würden.  Bei  allen  untersuchten  Organismengruppen

(Flechten,  Totholzkäfer,  Nachtfalter,  Vögel  und  Fledermäuse)  seien  Arten

nachgewiesen worden, die auf den aktuellen Roten Listen als stark gefähr-

det, verletzlich oder potenziell gefährdet aufgeführt seien. Bei den Flechten

und Totholzkäfern seien zudem mehrere Altwaldzeiger festgestellt worden,

die auf eine hohe Kontinuität von Waldstrukturen der Alters- und Zerfallspha-

sen  angewiesen  seien  und  entsprechend  eine  lange  Habitatstradition  des

Eichenbestandes  im  Erweiterungsperimeter  belegen  würden  (a.a.O.  S. 2).

Spezifisch  das  Kriterium  der Schutzwürdigkeit  gemäss  Art.  14  Abs.  3  lit.  d

NHV betreffend weist das Gutachten darauf hin, unter den im Erweiterungs-

perimeter  festgestellten  Arten  würden  laut  den  aktuellen  Roten  Listen  des

BAFU eine Art als stark gefährdet (EN), drei Arten als verletzlich (VU) und

fünf Arten als potenziell gefährdet (NT) gelten. Allerdings sei unter den Tot-

holzkäfern und Nachtfaltern nur ein sehr geringer Prozentsatz der einheimi-

schen  Arten  für  die  schweizerischen  Roten  Listen  evaluiert  worden;  ziehe

man zusätzlich die Roten Listen des benachbarten Baden-Württemberg bei,

seien  von  den nachgewiesenen  Arten  9  als EN, 13  als  VU und  10  als  NT

eingestuft, während für zwei weitere die Datengrundlage zu gering (DD) bzw.

eine Gefährdung anzunehmen (G) sei. Im Erweiterungsperimeter seien so-
mit  34  wertgebende  Arten  festgestellt  worden,  wobei  allerdings  nur  ein

Bruchteil der gesamten Artenvielfalt analysiert worden sei und insbesondere

mehrere  wichtige und artenreiche Gruppen mit  einem hohen  Anteil  an  tot-

holzbewohnenden Arten fehlen würden, bei denen mit dem Vorkommen sel-

tener und gefährdeter Arten zu rechnen sei (a.a.O. S. 3 f.).

Zur  ökologischen  Bedeutung  des  Erweiterungsperimeters  lässt  sich  dem

Gutachten  sodann  im  Einzelnen  Folgendes  entnehmen:  Ehemalige  Mittel-

wälder  würden  ganz  allgemein  einen  hohen  biologischen  und

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Seite 19

kulturhistorischen Wert besitzen; da sie zudem überaus divers seien, müsse

jeder einzelne Bestand als einzigartig angesehen werden. Die wesentlichen

Eigenschaften, welche den grossen biologischen Wert des Erweiterungspe-

rimeters ausmachten, seien die zahlreichen alten ehemaligen Eichen-Über-

hälter, welche auf frischem bis feuchtem Untergrund stocken, die Reste wei-

terer Gehölzarten aus dem ehemaligen Mittelwaldbetrieb, eine hohe Baum-

und Strauchartenvielfalt, ein kleinräumig wechselndes Mikroklima dank der

engen  Verzahnung  unterschiedlicher  Vegetationseinheiten  sowie  eine  ge-

wisse Reliefstruktur des Untergrundes mit kleinen Senken und Erhebungen,

die zu einer erhöhten Standortsvielfalt beitragen würden. Von zentraler Be-

deutung für die Biodiversität im Erweiterungsperimeter seien die unzähligen

Totholzstrukturen  der  alten  Eichen.  Gemäss  Einschätzung  des  Kreisforst-

meisters kämen im Kanton Zürich rund 25 Eichenbestände vor, welche hin-

sichtlich Ausdehnung, Dichte und Alter der Eichen mit dem Eichenbestand

im Erweiterungsperimeter vergleichbar seien. Solche Eichenbestände näh-

men somit eine Fläche von rund 175 ha und damit lediglich rund 0,35 % der

Waldfläche des Kantons ein. Die Mehrheit dieser alten Eichenbestände sto-

cke auf trockenen und mageren Böden, während der Eichenbestand im Er-

weiterungsperimeter auf feuchtem und nährstoffreichem Untergrund wachse

und somit durch ein anderes Mikroklima und wahrscheinlich auch durch eine

unterschiedliche Zusammensetzung der Eichenbegleitfauna und -flora aus-

gezeichnet sei, weshalb ihm eine sehr grosse Bedeutung für den Kanton Zü-

rich  zukomme. Auf  nationaler  Ebene  seien weitere  Waldbestände  mit  ver-

gleichbar hoher Dichte alter Eichen bekannt, wobei der gesamte Umfang auf-

grund unterschiedlicher Datenlage nicht genauer abgeschätzt werden könne

und aus Naturschutzsicht jedem dieser alten Eichenbestände eine wesentli-

che Bedeutung zukomme (a.a.O. S. 4 f.). Spezifisch die Flechten betreffend

seien  drei  Altwaldzeiger  nachgewiesen  worden,  die  alle  national  bedroht

seien:  Von  der  Eichen-Stabflechte  (Bactrospora  dryina,  VU)  seien  grosse
und vitale Populationen neben dem Erweiterungsperimeter nur von drei wei-

teren  Gebieten  in  der  Schweiz  bekannt,  während  es  sich  bei  den  übrigen

Fundorten um kleine Restpopulationen handle, wobei die Bestände im Nor-

den der Schweiz als Kernpopulation in Mitteleuropa betrachtet würden und

die Schweiz für die Erhaltung eine grosse Verantwortung trage. Aktuelle Vor-

kommen des Lichtscheuen Schönflecks (Caloplaca lucifuga, EN) seien in der

Schweiz ebenfalls selten und isoliert, so dass für die Erhaltung der Art jedes

einzelne Vorkommen wichtig sei, zumal es sich an den meisten Fundorten

nur  um  kleine  Restbestände  handle;  zudem  nehme  das  Vorkommen  im

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Seite 20

Erweiterungsperimeter eine wichtige Funktion als Trittstein ein. Die Bedeu-

tung  des  Vorkommens  der  Feinfaserigen  Fleckflechte  (Arthonia  byssacea

[bzw.  Inoderma byssaceum,  vgl.  act. 17.4 S.  93], VU) sei  im  Vergleich als

geringer einzuschätzen. Betreffend Totholzkäfer seien im Erweiterungsperi-

meter 139 Arten nachgewiesen worden, von denen 26 wertgebend seien (6

EN, 11 VU, 7 NT, 1 DD, 1G), zwei als Urwaldreliktarten gelten würden und

fünf  schweizweit  sehr  selten  seien.  Weder  in  der  Region  noch  im  Kanton

gebe es (abgesehen von den Waldarealen H, E und nördlich G, von denen

in act. 15.1 S. 7 nicht nur für Totholzkäfer, sondern generell gesagt wird, dass

sie mindestens ebenso reich an seltenen und gefährdeten Arten seien) un-

tersuchte Eichenstandorte mit einem vergleichbar hohen Wert für Totholzkä-

fer,  während  auf nationaler  Ebene mehrere artenreichere  Eichenbestände

mit  einer  höheren  Vielfalt an  seltenen  und sehr  seltenen  Arten  existierten.

Eine besonders hohe Bedeutung habe der Erweiterungsperimeter für die bei-

den Urwaldreliktarten. Festgehalten wird weiter, es seien 136 Nachtfalterar-

ten nachgewiesen worden, von denen drei wertgebend seien (2 EN, 1 NT),

wobei es in den eichenreichen Gebieten der Nordschweiz weitere Gebiete

mit  einer  ähnlichen  oder  bedeutenderen  Fauna  an  typischen  Eichenwald-

Nachtfaltern gebe. 2018 sei zudem im Erweiterungsperimeter ein Paar des

Mittelspechtes (Leiopicus medius, NT) festgestellt worden. Schliesslich seien

im Erweiterungsperimeter bzw. am Rand desselben vor 2018 je ein Quartier-

baum der Fledermausarten Grosser Abendsegler (Nyctalus noctula, NT) und

Braunes Langohr (Plecotus auritus, VU) nachgewiesen worden; 2018 seien

keine  Fledermausquartiere  in  Baumhöhlen  festgestellt  worden,  wobei  der

Kartieraufwand  ausgesprochen  gering  gewesen sei und die  potenziell vor-

kommenden Baumfledermäuse mit Ultraschalldetektoren nur schwer nach-

zuweisen seien, so dass aufgrund der methodischen Mängel eine Beurtei-

lung des Wertes der geplanten Rodungsfläche – die mit grosser Wahrschein-

lichkeit  über  ein  hohes  Angebot  an  geeigneten  Quartieren  verfüge  –  nicht
möglich sei (zum Ganzen a.a.O. S. 5 f.).

Das Gutachten weist sodann darauf hin, auch wenn eine Reihe von Eichen

im Erweiterungsperimeter alt, schwächelnd bzw. durch Schadpilze befallen

seien, sei von einer  Lebensdauer  des Eichenbestandes  auf der  geplanten

Rodungsfläche von noch mindestens vier bis fünf Jahrzehnten auszugehen.

Da abgestorbene Eichen bis zu einem weit fortgeschrittenen Abbaustadium

eine grosse Wichtigkeit für Totholzinsekten hätten, würde der jetzige Eichen-

bestand  auch  nach  Absterben  der  letzten  Eichen  noch  über  längere  Zeit

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Seite 21

hinweg ein wertvoller Lebensraum für Totholzkäfer und viele andere xylobi-

onte Organismen bleiben (a.a.O. S. 6 f.). Ausgeführt wird weiter, die seltens-

ten Arten unter den Flechten und den Totholzkäfern seien Habitatstraditions-

anzeiger, die auf eine lang andauernde Kontinuität von Strukturen der Alters-

und Zerfallsphasen angewiesen seien und Eichen ab einem Alter von 100-

200 Jahren benötigten, so dass es Jahrhunderte brauche, bis sich wieder ein

Eichenbestand mit einem entsprechenden Set an seltenen Arten entwickeln

könne. Aufgrund der ausgedünnten Verbreitung, der isolierten Populationen

und des geringen Ausbreitungspotenzials bestehe zudem nur eine geringe

Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Arten in ferner Zukunft wieder in geeig-

nete Lebensräume ausbreiten könnten. Grundsätzlich würden Lebensräume

wie alte Laubwälder aufgrund ihrer extrem langen Entwicklungszeit als uner-

setzbar gelten (a.a.O. S. 7 f.). Im Rahmen der zusammenfassenden Beurtei-

lung  wird  schliesslich  festgehalten,  da  mehrere  Altwaldzeiger  unter  den

Flechten und Totholzkäfern nach heutigem Kenntnisstand in der Schweiz nur

an einer Handvoll weiterer und weit voneinander isolierter Standorte in über-

lebensfähigen Beständen vorkämen, komme dem Vorkommen dieser Arten

und damit dem Eichenbestand im Erweiterungsperimeter nationale Bedeu-

tung zu (a.a.O. S. 9).

Die referierten Ausführungen werden zusammenfassend auch im Planungs-

bericht wiedergegeben (act. 17.2 S. 21 ff.). Im UVB wird – mit Bezug auf den

reduzierten Erweiterungsperimeter – hinsichtlich der vorstehend erwähnten

Arten präzisierend Folgendes erwähnt: Die Flechtenerhebungen im gesam-

ten Waldgebiet "Y – E" zeigten deutliche Unterschiede bei den vorhandenen

schützenswerten Flechtenpopulationen und Trägerbaumdichten. Der mit Ab-

stand  wertvollste  und  von  der  Deponieerweiterung  direkt  und  indirekt  be-

troffene Waldteil "I" (südlich der C-Strasse) beherberge knapp 40 % der Bact-

rospora-  und  16  %  der  Inoderma-Gesamtpopulation;  Caloplaca  lucifuga
komme im ganzen Waldgebiet nur hier vor; 71 % der vorhandenen Eichen

mit einem Stammdurchmesser über 50 cm seien im I von mindestens einem

Altwaldzeiger besiedelt, wobei sich eine vergleichbare Trägerbaumdichte nur

im Waldteil "G" (mit allerdings deutlich herabgesetzter Bedeutung für Bact-

rospora dryina und Fehlen von Caloplaca lucifuga) finde (act. 17.4 S. 95 f.

sowie Anhänge 14-1a und 14-1b). Für den als direkter Eingriffsbereich be-

zeichneten Ablagerungsperimeter und den Einflussbereich im Umkreis von

150 m (indirekter Eingriff, der u.a. den gesamten Bereich bis zur B-Strasse

umfasst) wird die Populationsstruktur von Bactrospora dryina und Inoderma

R4.2024.00214

Seite 22

byssaceum als gut bis sehr gut bezeichnet, während Caloplaca lucifuga nur

an fünf Eichen (von denen sich vier im Ablagerungsperimeter befinden) und

mit einer Ausnahme nur in wenigen Exemplaren gefunden wurde (act. 17.4

S. 96 f. und Anhang 14-1a). Die Rodung am Ablagerungsstandort führe zum

vollständigen Verlust der vorhandenen und der potenziellen zukünftigen Trä-

gerbäume. Darüber hinaus bedeuteten die Rodungen im Westen der heuti-

gen Kernvorkommen einen markanten Eingriff in das Bestandesklima, was

sich wegen der windoffenen Lage und dem damit verbundenen erhöhten Ein-

trag  von  Immissionen  negativ  auf  die  Flechtenvegetation  im  Waldstreifen

zwischen  zukünftiger  Deponie  und  B-Strasse  auswirken  werde.  Trotz  Trä-

gerbaumerhalt sei in diesem Waldabschnitt mit einem deutlichen Bestandes-

und  Vitalitätsverlust  bei  Bactrospora  dryina  und  Inoderma  byssaceum  zu

rechnen. Der gesamtschweizerisch stark gefährdete und durch die Rodun-

gen auf ein wenig vitales Kleinstvorkommen reduzierte Lichtscheue Schön-

fleck (Caloplaca lucifuga) sei projektbedingt unmittelbar vom Verschwinden

bedroht (zum Ganzen a.a.O. S. 97 ff.). Die xylobionten Käfer betreffend wird

bezüglich der beiden Urwaldreliktarten erwähnt, für Corticeus fasciatus seien

in der Nordost- und Westschweiz neun weitere Fundorte bekannt; für Gas-

terocercus  depressirostris  werden  insgesamt  sechs  Standorte  angegeben

und  die  Erwartung  zum  Ausdruck  gebracht,  dass  diese  Art  aufgrund  der

Temperaturerhöhungen vermehrt anzutreffen sein werde (a.a.O. S. 104 ff.).

Insgesamt hält der UVB fest, die Nachweise der Urwaldreliktarten und der

weiteren  seltenen,  gefährdeten  und  wärmeabhängigen  Altholzbewohner

zeigten, dass die Eichen eine Habitatstradition hätten, was diesen ehemali-

gen Mittelwald ökologisch sehr wertvoll und für das Mittelland sehr speziell

mache. Noch lebende Baumruinen und auch die toten Bäume bildeten ein

wichtiges Habitat für viele der gefährdeten und seltenen xylobionten Arten;

diese  Lebensräume gehörten zu  den  gefährdetsten  Habitaten  in  den  Wäl-

dern überhaupt. Hinsichtlich der Nachtfalter wird der Nachweis der auf der
Roten  Liste  Baden-Württembergs  stehenden  Arten  Kleiner  Eichenkarmin

(Catocala  promissa),  Vierpunkt-Flechtenbär  (Lithosia  quadra)  und  Rot-

braune Ulmeneule (Cosmia affinis) erwähnt, wobei im Erweiterungsperime-

ter nur erstere als Zielart gilt (a.a.O. S. 112 f.). Weiter sei davon auszugehen,

dass das Mittelspechtrevier auch im Jahr 2022 besetzt gewesen sei; bei Re-

alisierung  des  strittigen  Vorhabens  müsse  mit  der  Abwanderung  des  Mit-

telspechts gerechnet werden (a.a.O. S. 118 ff.).

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Seite 23

3.4.2

Was zunächst die Bedeutung des von der Deponieerweiterung betroffenen

Lebensraums anbelangt, ist vorab klarzustellen, dass – entgegen einer sei-

tens der Mitbeteiligten verwendeten Formulierung – durchaus ein unmittel-

barer  Zusammenhang  zwischen  der  Qualifikation  als  schutzwürdiger  Le-

bensraum  bzw.  schützenswertes  Biotop  im  Sinne  von  Art.  18  NHG  bzw.

Art. 14 NHV und der Präsenz von Arten der Roten Listen besteht, nachdem

Art.  14  Abs.  3  lit.  d  NHV  aus  letztgenanntem  Umstand  wie  aufgezeigt  die

entsprechende  Qualifikation  herleitet;  das  Vorliegen  eines  Lebensraums

bzw. Biotops im Sinne dieser Bestimmungen wird seitens der Rekursgegner-

schaft denn auch nicht ernsthaft in Frage gestellt. Irrelevant ist sodann, dass

bisher im fraglichen Gebiet Schutzmassnahmen fehlen (vgl. bereits E. 3.3),

wobei darauf hinzuweisen ist, dass eine Beurteilung der Unterschutzstellung

bzw. der Anordnung von Schutzmassnahmen ausserhalb des Streitgegen-

stands des vorliegenden Rekursverfahrens liegt (ebenso für eine vergleich-

bare Konstellation VB.2019.00633 vom 14. Mai 2020, E. 1.4; vgl. [im Kontext

der  Interessenabwägung] zur  Unterscheidung  der  Beurteilungen  einerseits

der  Zulässigkeit  einer  Schutzanordnung  und  andererseits  der  Zulässigkeit

eines Eingriffs in ein schützenswertes Biotop auch Fahrländer, a.a.O., Art. 18

Rz. 12 sowie BRGE I Nr. 0145/2023 vom 14. Juli 2023, E. 7.2.1). Die Aus-

wirkungen der zwischen den Parteien umstrittenen Frage, ob dem Lebens-

raum nationale Bedeutung zukommt, sind sodann in dem Sinne beschränkt,

als sich auch bei Zugrundelegung einer entsprechenden Qualifikation weder

aus der – nicht anwendbaren – Bestimmung von Art. 6 Abs. 2 NHG noch –

mangels entsprechenden Bundesinventars gemäss Art. 18a NHG – aus ei-

ner spezialgesetzlichen Bestimmung eines Biotopschutzinventars des Bun-

des (wie z.B. Art. 7 der Amphibienlaichgebiete-Verordnung [AlgV]) ein Erfor-

dernis  einer  qualifizierten  Interessenabwägung  ergeben  könnte  (vgl.  zur

Frage einer allein aus der ökologischen Bedeutung abgeleiteten qualifizier-
ten  Interessenabwägung  E. 5.3.1).  Hingegen  ist  die  Einschätzung  der  Be-

deutung des betroffenen Lebensraums generell im Hinblick auf die erforder-

lichen Interessenabwägungen (vgl. E. 4 und 5) absolut zentral. Diesbezüg-

lich ergibt sich im Lichte von E. 3.4.1 was folgt:

Der sehr grosse Wert des fraglichen Lebensraums ergibt sich zunächst dar-

aus, dass dieser aufgrund seines hohen Alters und der sehr langen Dauer

bis zur allfälligen Herausbildung eines entsprechenden Lebensraums als un-

ersetzbar gilt. In diesem Sinn geht der vom Bundesamt für Umwelt, Wald und

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Seite 24

Landschaft  (BUWAL,  heute  BAFU)  herausgegebene  Leitfaden  (Bruno

Kägi/Andreas  Stalder/Markus  Thommen,  Wiederherstellung  und  Ersatz  im

Natur-  und  Landschaftsschutz,  Bern 2002)  davon  aus,  entsprechende  Le-

bensräume wie namentlich alte Laubwälder seien aufgrund ihrer extrem lan-

gen Entwicklungszeit unersetzbar und Eingriffe faktisch irreversibel, weshalb

auf  solche  grundsätzlich  verzichtet  werden  sollte;  sehr  viele  selten  gewor-

dene Pflanzen- und Tierarten seien zwingend auf diese alten Lebensräume

angewiesen, weshalb ihr ökologischer Wert besonders hoch einzustufen sei

(a.a.O. S. 30). Wie in E. 3.4.1 aufgezeigt wird der Wert vorliegend auch nicht

durch einen teilweisen – bis anhin von vornherein nur einige wenige Bäume

betreffenden  (vgl.  act  15.1  S.  9)  –  Pilzbefall  relativiert,  da  einerseits  ein

dadurch herbeigeführtes rasches Absterben aller Eichen innerhalb weniger

Jahre im Gutachten mit detaillierter und nachvollziehbar Begründung als we-

nig wahrscheinlich eingeschätzt wird und andererseits wie erwähnt gerade

auch  abgestorbene  Eichen  einen  sehr  wertvollen  Lebensraum  darstellen

(a.a.O.  S. 6  f.).  Ebenso  wenig  ergibt  sich  eine  Relativierung  aufgrund  des

derzeitigen Fehlens junger Eichen bzw. des damit einhergehenden Bedarfs

für eine Eichenverjüngung: Zunächst würde eine solche von vornherein nicht

mit der Beseitigung der wertvollen Habitatbäume einhergehen; zum andern

konstatiert das Gutachten insoweit, dass sich die Verjüngungslücke langfris-

tig  negativ  auf  die  Artenvielfalt  auswirke,  falls  nicht  eine  sofortige  gezielte

Eichenverjüngung in die Wege geleitet werde (act. 15.1 S. 10; vgl. auch act.

17.2  S.  22,  je  auch  zum  Folgenden),  was  impliziert,  dass  entsprechende

Massnahmen gerade als möglich erachtet werden. Zwar wird im Einzelnen

dargelegt, eine sofortige Verjüngung würde zahlreichen xylobionten Organis-

men  und  vielen  anderen  Eichenspezialisten  einen  günstigen  Lebensraum

bieten, bevor die letzten alten Eichen voraussichtlich um das Jahr 2080 ab-

gestorben sein würden,  käme  aber für die  besonders anspruchsvollen Alt-

waldzeiger, die auf mindestens 100 Jahre alte Eichen angewiesen seien, zu
spät, doch wird diesbezüglich eine Einwanderung aus unmittelbar benach-

barten  alten  Eichenbeständen  als  denkbar  bezeichnet  (vgl.  i.Ü.  auch  die

Feststellung,  wonach  aktuell  im  ursprünglichen  Erweiterungsperimeter  Ei-

chen im Alter von 50-250 Jahren vorhanden seien [a.a.O. S. 1]). Ein Hinweis

auf  eine entsprechende  Lösung  lässt  sich  indirekt  auch dem UVB  entneh-

men, wenn dort – im Zusammenhang mit möglichen Entwicklungen nach Re-

alisierung der Deponie – festgehalten wird, allfällig überlebende Flechtenvor-

kommen im Waldstreifen gegen die B-Strasse könnten als potenzielle Mut-

terpopulationen  für  die  Besiedlung  der  vereinzelt  vorhandenen  jüngeren

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Seite 25

Eichen in den nördlich angrenzenden Waldflächen des G dienen (was umso

mehr  bei  umfassendem  Erhalt  der  derzeitigen  Populationen  gelten muss),

und  zugleich  konstatiert  wird,  ohne  gesicherten  zusätzlichen  Trägerbaum-

nachwuchs im unmittelbaren Umfeld hätten die schutzrelevanten Flechten-

arten unabhängig vom Deponieprojekt langfristig wenig Zukunft (was wiede-

rum impliziert, dass mit den fraglichen Massnahmen der gegenteilige Effekt

erreicht werden könnte).

Die  Bedeutung  des  Lebensraums  wird  sodann  durch  seine  Seltenheit  zu-

sätzlich  erhöht (wobei der  rein begriffliche  Einwand  der Mitbeteiligten,  wo-

nach es sich nicht um einen Eichenwald handle, von vornherein unbehelflich

ist): Wie in E. 3.4.1 aufgezeigt, umfassen schon die hinsichtlich Ausdehnung,

Dichte und Alter der Eichen vergleichbaren Eichenbestände lediglich 0,35 %

der  kantonalen  Waldfläche,  wobei  sich  aber  der  vorliegend  betroffene  Ei-

chenbestand  aufgrund  des  feuchten  und  nährstoffreichen  Untergrundes

selbst innerhalb dieses – geringen – Gesamtbestands von der Mehrheit der

anderen Flächen unterscheidet. Die sehr grosse Bedeutung für den Kanton

Zürich ist damit zweifellos zu bejahen, zumal nicht nachvollziehbar ist, wes-

halb – gemäss der Argumentation der Mitbeteiligten – kantonale Vergleichs-

zahlen diesbezüglich irrelevant sein sollten.

Schliesslich  ergibt  sich  die  besondere  Bedeutung  des  Lebensraums  auf-

grund des Umstands, dass eine – bereits die Qualifikation als schützenswer-

tes Biotop begründende – Präsenz von gefährdeten und seltenen Arten der

Roten  Listen (wobei der Einbezug auch der Roten  Listen Baden-Württem-

bergs für die in der Schweiz nicht abgedeckten Gruppen [insbesondere der

Totholzkäfer] plausibel erscheint) in hohem Mass gegeben ist. Dies nicht nur

in quantitativer Hinsicht (mit insbesondere 9 stark gefährdeten und 13 ver-

letzlichen Arten, wobei insoweit den xylobionten Käfern besondere Bedeu-
tung zukommt), sondern auch in qualitativer Hinsicht, was namentlich für die

Flechten augenfällig ist: So handelt es sich bei allen drei nachgewiesenen,

in der Roten Liste (Christoph Scheidegger/Philippe Clerc, Rote Liste der ge-

fährdeten  baum-  und  erdbewohnenden  Flechten  der  Schweiz,  Bern  2002)

verzeichneten Flechtenarten (vgl. E. 3.4.1) um National Prioritäre Waldziel-

arten  (vgl.  die  vom  BAFU  herausgegebene Vollzugshilfe  Nicole  Imesch  et

al., Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen, Bern 2015, S. 165 f.). Sie

sind überdies in der Liste der National Prioritären Arten der Schweiz erfasst,

wobei sich hinsichtlich der Verantwortung der Schweiz zwischen der (jeweils

R4.2024.00214

Seite 26

vom BAFU herausgegebenen) Liste der National Prioritären Arten und Le-

bensräume  von  2019  (abrufbar  über  https://www.infoflora.ch/de/arten-

schutz/listen.html#prioritäre-arten; zuletzt besucht am 3. Oktober 2025) und

der  aktualisierten  Digitalen  Liste  der  National  Prioritären  Arten  von  2025

(https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/recht/voll-

zugshilfen-biodiversitaet.html;  zuletzt  besucht  am  3.  Oktober  2025)  signifi-

kante Verschiebungen ergeben haben: Während für Arthonia byssacea die

Einstufung von "geringe Verantwortung" (2019) auf "Verantwortung" (2025)

wechselte, ergab sich für Bactrospora dryina ein Anstieg von mittlerer zu ho-

her und für Caloplaca lucifuga ein solcher von geringer zu hoher Verantwor-

tung, so dass nun für die beiden von der Deponieerweiterung besonders be-

troffenen Flechtenarten von einer hohen internationalen Verantwortung der

Schweiz auszugehen ist. Dass sodann in den öffentlich zugänglichen Ver-

breitungskarten (für Flechten https://swisslichens.wsl.ch/de/arten-abfragen/;

für die Fauna https://lepus.infofauna.ch/carto/; je zuletzt besucht am 3. Ok-

tober 2025) im Vergleich zum Stand des Gutachtens bzw. zum aktualisierten

Stand  des  UVB  gewisse  zusätzliche  Nachweise  zu  verzeichnen  sind,  fällt

entgegen dem Dafürhalten der Mitbeteiligten nicht ins Gewicht: So handelt

es sich nach wie vor lediglich um vereinzelte Vorkommen, so dass die her-

ausragende Bedeutung des vorliegend betroffenen Lebensraums im Hinblick

auf das übergeordnete Ziel, dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflan-

zenarten entgegenzuwirken, durch die neu hinzugekommenen Beobachtun-

gen nicht geschmälert wird. Es kommt hinzu, dass sich die Populationsgrös-

sen bei den einzelnen Funden erheblich unterscheiden können (vgl. bereits

E. 3.4.1), so dass es auch insoweit verfehlt wäre, aufgrund der blossen Zu-

nahme verzeichneter Fundorte die ökologische Bedeutung des im vorliegen-

den Verfahren interessierenden Lebensraums zu relativieren. Beide genann-

ten Aspekte gelten sodann nicht nur für die nachgewiesenen Flechtenarten,

sondern insbesondere auch für die seltenen Arten der Totholzkäfer, wobei
insoweit mit Blick auf die teilweise starke Gefährdung der fraglichen Käferar-

ten  auch  der  gutachterliche  Hinweis  auf  gewisse  artenreichere  Eichenbe-

stände  auf  nationaler  Ebene  nicht  geeignet  ist,  den  hohen  Wert  auch  des

vorliegend  betroffenen  Lebensraums  zu  reduzieren.  Insgesamt  ergibt  sich

damit, dass kein Anlass besteht, die Einschätzung des Gutachtens, wonach

dem  fraglichen  Eichenbestand  mit Blick auf die Flechten und  Totholzkäfer

nationale Bedeutung zukomme, in Zweifel zu ziehen.

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Seite 27

Ergänzend  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  im  Rahmen  der  Interessenabwä-

gungen grundsätzlich eine umfassende Kenntnis der seltenen und gefährde-

ten Arten im Perimeter erforderlich ist. Zwar erübrigt sich aufgrund des Aus-

gangs  des  vorliegenden  Rekursverfahrens  (vgl.  zur  Aufhebung  der  ange-

fochtenen  Entscheide  E. 4  und  5) eine  Rückweisung  zwecks  ergänzender

Sachverhaltsabklärung, doch wäre im Rahmen eines allfälligen erneuten De-

ponievorhabens eine umfassende Klärung unumgänglich. Dies betrifft zum

einen  die  im  Gutachten  erwähnten  unberücksichtigt  gebliebenen  Gruppen

mit  hohem  Anteil  an  (z.T.  seltenen  und  gefährdeten)  totholzbewohnenden

Arten,  zum  andern  die  Abklärungen  betreffend  Fledermäuse,  die  gemäss

dem im UVB ausgewiesenen Vorgehen (act. 17.4 S. 121) – und in Überein-

stimmung  mit  der  gutachterlichen  Einschätzung  –  als  offensichtlich  unzu-

reichend  erscheinen  (vgl.  zu  beidem  bereits E. 3.4.1).  Nicht ersichtlich ist,

welche zusätzlichen Erkenntnisse sich in diesem Zusammenhang aus dem

seitens der Mitbeteiligten erwähnten Digital Twin ergeben sollen, wobei es

die Mitbeteiligte auch unterlassen hat, ihre entsprechende Behauptung nä-

her  zu substantiieren. Fehl geht sodann  der in diesem Kontext erfolgende

Verweis auf eine (angebliche) Kognitionsbeschränkung der Rekursinstanz:

Wenn die Mitbeteiligte in diesem Zusammenhang auf einen denkmalschutz-

rechtlichen  Entscheid (VB.2007.00366 vom  20.  Dezember  2007)  verweist,

missachtet sie zum einen den in dieser Erwägung einleitend erläuterten Un-

terschied zwischen den Überprüfungen der Zulässigkeit einer Schutzanord-

nung  und eines Eingriffs  in  ein  schützenswertes  Biotop  und übergeht zum

andern den Umstand, dass für die Beurteilung des Umfangs der erforderli-

chen Abklärungen erst recht keine Kognitionsbeschränkung gilt. Zu erwäh-

nen ist schliesslich, dass sich vorliegend die Frage stellen könnte, ob nicht

eine Begutachtung durch die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission

erforderlich gewesen wäre, nachdem § 3 Abs. 1 lit. d der Verordnung über

die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG (VSVK) eine solche
Pflicht u.a.  für  Projekte  des  Kantons  für  grössere  Anlagen  im  Bereich  von

Schutzobjekten von überkommunaler Bedeutung statuiert und jedenfalls im

Licht  von §  1 der kantonalen  Natur-  und Heimatschutzverordnung (KNHV)

nicht offensichtlich ist, dass lediglich bei inventarisierten oder bereits unter

Schutz  gestellten  Objekten  von  einer  solchen  Konstellation  auszugehen

wäre.  Nachdem diese Frage seitens der Parteien nicht aufgegriffen  wurde

und sie sich aufgrund des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens auch nicht

als entscheidrelevant erweist, erübrigen sich jedoch entsprechende Weite-

rungen.

R4.2024.00214

Seite 28

3.4.3

Wie aufgezeigt relativiert die Mitbeteiligte auch das Ausmass des mit der De-

ponieerweiterung verbundenen Eingriffs. Diesbezüglich ist vorab festzuhal-

ten, dass sich das Ausmass des Eingriffs jedenfalls nicht auf die Schutzwür-

digkeit bzw. die Bedeutung des betroffenen Lebensraums auszuwirken ver-

mag. Selbst bei einem Eingriff, der z.B. flächenmässig als verhältnismässig

geringfügig taxiert würde, bliebe es dabei, dass damit ein Teil eines – wie in

E. 3.4.2 aufgezeigt – hochgradig schützenswerten Lebensraums vernichtet

würde. In diesem Sinn erwachsen der Argumentation der Mitbeteiligten be-

reits in methodischer Hinsicht gewisse Bedenken, erweist es sich doch als

problematisch, wenn bei einem so seltenen Lebensraum, wie er vorliegend

zur Diskussion steht, dem Anteil des zerstörten Bereichs am gesamten Le-

bensraum zu grosses Gewicht beigemessen würde, da nach Massgabe der

gesetzlichen Konzeption grundsätzlich im Gegenteil der – schon an sich sehr

geringe – gesamte schutzwürdige Lebensraum zu erhalten wäre. Auch kann

es bezüglich der spezifischen Aspekte einer Interessenabwägung nach Art.
18 Abs. 1ter NHG (namentlich der Vermeidbarkeit bzw. der Variantenprüfung
[vgl. näher E. 5.2.1]) nicht darauf ankommen, welche (ursprünglich allenfalls

intendierten)  weitergehenden  Eingriffe  unterlassen  wurden,  sondern  ist  le-

diglich zu prüfen, ob der konkret in Frage stehende Eingriff die entsprechen-

den  Voraussetzungen  erfüllt.  Zutreffend  ist  immerhin,  dass  dem  Ausmass

des  Eingriffs  im  Rahmen  der  Interessenabwägung  Bedeutung  zukommt,

weshalb auf die entsprechenden Relativierungen nachstehend näher einzu-

gehen ist:

Nicht  zu  verfangen  vermag  zunächst  der  Verweis  auf  unterschiedliche  Ei-

chendichten  verschiedener Waldareale,  da  zum  einen dieses  Kriterium  für

sich allein (mithin ohne Berücksichtigung der vorhandenen Arten) wenig aus-

sagekräftig ist und zum andern die von der Mitbeteiligten in act. 20.1 vorge-
nommene Abgrenzung tendenziös erscheint, da sich bei einer Betrachtung

lediglich des von der Deponieerweiterung betroffenen Teils des Areals I eine

wesentlich grössere Dichte ergäbe, als wenn eine Gesamtbetrachtung unter

Einschluss von Flächen nördlich der C-Strasse erfolgt. Irrelevant ist weiter

die Etappierung, da die fraglichen Zeitspannen jedenfalls bei einem Lebens-

raum mit derart langer Entstehungszeit – für den mithin im entsprechenden

Zeitraum kein Ersatz entstehen kann – nicht ins Gewicht fallen. Hinsichtlich

der prozentualen Anteile der gerodeten Fläche bzw. Eichen ist – über das

vorstehend in methodischer Hinsicht Erwähnte hinausgehend – festzuhalten

R4.2024.00214

Seite 29

was folgt: Zunächst greift eine entsprechende Betrachtung insofern zu kurz,

als mit der geplanten Rodung auch indirekte Auswirkungen auf die angren-

zenden  Waldareale  und  damit insbesondere auch  auf  den  sehr wertvollen

Bereich zwischen Deponieperimeter und B-Strasse verbunden sind. In die-

sem Sinn hält der Planungsbericht fest, durch die Deponieerweiterung werde

ein Teil des Lebensraums für ein hoch spezialisiertes Set von Arten langfris-

tig zerstört; zudem führe die Rodung für die angrenzenden Waldflächen zu

starken mikroklimatischen Veränderungen (Einstrahlung, Temperatur, Wind,

etc.),  wodurch  auch  diese  Bereiche  indirekt  Beeinträchtigungen  erfahren

würden; schliesslich werde der Waldbestand aufgrund der Lage der Depo-

nieerweiterung  in  zwei  Teile  getrennt,  wodurch  die  Vernetzung  für  die  an-

grenzenden Waldflächen über die Dauer des Deponiebetriebs hinaus beein-

trächtigt werde (act. 17.2 S. 22; vgl. spezifisch zu den Auswirkungen auf die

Flechten im genannten Bereich bis zur B-Strasse auch act. 17.4 S. 97 sowie

zur Lage des Einflussbereichs Anhang 14-1a und dazu bereits E. 3.4.1). Die

Einschätzung ist ohne Weiteres nachvollziehbar, zumal mehrere der an sich

gerade nicht gerodeten Habitatbäume im östlichen Teil des Areals I unmit-

telbar  entlang  der  östlichen  Grenze  des  Deponieperimeters  stehen  (vgl.

act. 17.2 Anhang A2; act. 17.4 Anhang 14-1a; act. 20.1). Die seitens der Mit-

beteiligten propagierte Beschränkung der Auswirkungen auf den unmittelbar

gerodeten Bereich stimmt mit den ökologischen Gegebenheiten somit nicht

überein. Fragwürdig  ist  weiter  die  pauschale  Behauptung,  wonach die  be-

drohten Arten weiterhin in den im Perimeter noch vorhandenen Eichen leben

könnten. Ausser Acht gelassen wird dabei das geringe Ausbreitungspoten-

zial gerade der besonders seltenen Arten (vgl. E. 3.4.1), das sich insbeson-

dere in Kombination mit dem – durch die indirekten Auswirkungen herbeige-

führten – Vitalitätsverlust in den nicht gerodeten östlichen Teilen der Areale

I und G negativ auswirken dürfte, da jedenfalls nicht leichthin von einer Ver-

lagerung in die räumlich abgetrennten, nördlich und nordwestlich gelegenen
Areale H, E, G Nord und G Süd ausgegangen werden kann (während eine

"versuchsweise" Transplantation von Flechten im UVB lediglich als "prüfens-

wert" bezeichnet wird und insofern ebenfalls mit erheblichen Unsicherheiten

behaftet ist [vgl. act. 17.4 S. 99]); insbesondere kann die fragliche abrupte

Verlagerung auch nicht mit der in E. 3.4.2 im Kontext der Verjüngung ange-

sprochenen  langfristigen  Besiedlung  weiterer  Trägerbäume  gleichgesetzt

werden.

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Seite 30

Als entscheidend erweist sich – in Kombination mit den erwähnten indirekten

Auswirkungen – schliesslich der Umstand, dass gerade das Areal I für die

Flechten  als  der  mit  Abstand  wertvollste  Waldteil  ausgewiesen  wird  (vgl.

act. 17.4 S. 95 f. und dazu bereits E. 3.4.1), so dass jedenfalls insoweit die

Berufung der Mitbeteiligten auf die Passage im Gutachten, der zufolge die

Areale  H, E und  Nördlich  G (ursprünglicher "Ersatzperimeter")  mindestens

ebenso reich an seltenen und gefährdeten Arten seien, fehlgeht, nachdem

das Gutachten im Gegenteil die seltenen Flechtenarten ausdrücklich von die-

ser Einschätzung ausnimmt (vgl. act. 15.1 S. 8). Dieser besondere Wert ak-

zentuiert sich sodann für die stark gefährdete Flechtenart Caloplaca lucifuga

dadurch, dass diese mit Ausnahme eines Trägerbaums – der aber seiner-

seits im indirekt betroffenen Bereich zwischen Deponie und B-Strasse steht

–  ausschliesslich  im  zur  Rodung  vorgesehenen  Deponieperimeter  vor-

kommt,  so  dass  die  Realisierung  des  strittigen  Vorhabens  voraussichtlich

zum Verschwinden dieser Rote-Listen-Art im gesamten vorliegend betrach-

teten Lebensraum (unter Einschluss aller in E. 3.1 genannten Waldareale)

führen würde (act. 17.4 S. 97 ff. und Anhang 14-1a sowie bereits E. 3.4.1).

Unter  diesen  Umständen  erweist  sich  die  Einschätzung  der  Mitbeteiligten,

wonach der Eingriff wesentlich weniger dramatisch als von den Rekurrieren-

den dargestellt sei, als unzutreffend.

3.4.4

Die fehlende Ersetzbarkeit des betroffenen Lebensraums (vgl. E. 3.4.2) hat

schliesslich  zur  Folge,  dass  Ersatzmassnahmen  im  Sinne  von  Art. 18
Abs. 1ter NHG bzw. Art. 14 Abs. 7 NHV von vornherein nicht möglich sind, so
dass  vorliegend  zu  Recht  von  "Kompensationsmassnahmen"  die  Rede  ist

(wobei eine teilweise abweichende Terminologie im UVB unzutreffend ist).

Dieser Umstand hat jedoch entgegen einer zumindest ansatzweise vertrete-

nen rekurrentischen Position nicht per se die Unzulässigkeit des Vorhabens
zur Folge. Zwar trifft es zu, dass der rechtzeitigen Anordnung ausreichender

Ersatzmassnahmen  –  soweit  solche  möglich  sind  –  grosses  Gewicht  zu-

kommt.  Mit  der gesetzlichen  Konzeption,  die entsprechende  Massnahmen

ausdrücklich als Folgen eines zulässigen Eingriffs vorsieht und sie nicht als

Eingriffsvoraussetzung  behandelt  (vgl.  auch  Fahrländer,  a.a.O.,  Art. 18

Rz. 30), wäre ein Verständnis, das die Zulässigkeit eines Vorhabens von der

Möglichkeit von Ersatzmassnahmen abhängig macht, jedoch nicht vereinbar.

Für die mit letztgenanntem Verständnis einhergehende Eigentumsbeschrän-
kung  böte  Art. 18  Abs.  1ter  NHG  denn  auch  keine  genügende  gesetzliche

R4.2024.00214

Seite 31

Grundlage. Etwas anderes lässt sich insbesondere auch nicht dem seitens

der Rekurrierenden angeführten Entscheid BGr 1C_346/2014 vom 26. Okto-

ber 2016, E. 4.8, entnehmen. Der vorstehend zitierte Leitfaden "Wiederher-

stellung und Ersatz im Natur- und Landschaftsschutz" legt denn auch bezüg-

lich nicht wiederherstellbarer Lebensräume, bei denen angemessener Ersatz
kaum möglich sei, dar, in diesen Fällen sei der Konflikt mit Art. 18 Abs. 1ter
NHG  nur  zu  beheben,  indem  der  Lebensraum  erhalten  bleibe,  weist  aber

zugleich darauf hin, die Entscheidbehörde habe bei der Interessenabwägung

vor allem das übergeordnete Interesse an Arten zu berücksichtigen, für de-

ren Erhaltung die Schweiz eine besondere Verantwortung trage (a.a.O. S. 57

[vgl. auch den Anwendungsfall gemäss Bildunterschrift auf S. 59]), woraus

sich ergibt, dass eine Interessenabwägung gerade als zulässig erachtet, mit-

hin gerade nicht von einer per se bestehenden Unzulässigkeit ausgegangen

wird.

Zuzustimmen ist den Rekurrierenden hingegen insofern, als die fehlende Er-

setzbarkeit mit äusserst hohem Gewicht in die Interessenabwägung einflies-

sen muss (vgl. nachstehend E. 5.3.4 sowie zur Bedeutung dieses Aspekts

bereits  im  Rahmen  der  Bestimmung  des  Werts  des  betroffenen  Lebens-

raums E. 3.4.2). Keine entscheidende Bedeutung kommt demgegenüber der

Qualität  der  Kompensationsmassnahmen  (vgl.  zu  diesen  insb.  act. 17.4

S. 86  ff.)  zu:  Fraglich  ist  bereits,  inwieweit  die  in  E.  3.3  wiedergegebenen

Voraussetzungen des geografischen Bezugs und der qualitativen und quan-

titativen Gleichwertigkeit – die vorliegend alle nicht erfüllt wären – überhaupt

einschlägig sind, nachdem es sich gerade nicht um Ersatzmassnahmen im

technischen Sinn handelt (was zumindest die Unmöglichkeit der qualitativen

Gleichwertigkeit impliziert). Im Gegensatz zu den gesetzlich vorgesehenen

Ersatzmassnahmen  ist  sodann  auch  nicht  davon  auszugehen,  dass  –  im

Sinne eines eigenständigen, nicht die Zulässigkeit des Eingriffs betreffenden
Aufhebungsgrundes – eine als ungenügend taxierte Qualität der Kompensa-

tionsmassnahmen  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Entscheide  führen

könnte (wobei die Frage aufgrund des Ausgangs des Verfahrens offengelas-

sen werden kann). Schliesslich ist zwar bezüglich Ersatzmassnahmen nicht

ausgeschlossen, dass deren Qualität im Rahmen der Interessenabwägung

Berücksichtigung  findet  (vgl.  BGr  1C_346/2014  vom  26.  Oktober  2016,

E. 4.4  und  4.8,  sowie  VB.2023.00521  vom  20.  März  2025,  E.  5.2.3),  was

analog  auch  für  Kompensationsmassnahmen  gelten  könnte,  doch  erweist

sich auch dieser Aspekt nicht als entscheidrelevant, nachdem – wie sogleich

R4.2024.00214

Seite 32

aufzuzeigen ist – bereits andere Gründe zur Aufhebung der angefochtenen

Entscheide führen.

4.1.1

Die  Rekurrierenden rügen  einen fehlerhaften  Richtplaneintrag:  Das  Vorha-

ben bedürfe eines Eintrags im kantonalen Richtplan, wobei die Festsetzung

aufgrund einer Evaluation von Standortvarianten und einer umfassenden In-

teressenabwägung erfolgen müsse. Dem Kantonsrat seien jedoch die vor-

stehend  thematisierten  Erkenntnisse  nicht  bekannt  gewesen,  weshalb  sie

weder in die Standortevaluation noch in die Interessenabwägung hätten ein-

fliessen können. Die vorberatende Kommission habe nicht um den ökologi-

schen Wert des Waldes gewusst. Im Zeitpunkt der Beratung im Kantonsrat

habe das vom Amt für Naturschutz eingeholte Gutachten bestanden, sei je-

doch unter Verschluss gewesen. Verschiedene Voten zeigten, wie nachläs-

sig mit der Situation umgegangen worden sei. Es sei bewusst auf die Kennt-

nisnahme  relevanter  Informationen,  eine  entsprechende  Überprüfung  der

Standortevaluation und  eine  umfassende  Interessenabwägung in  Kenntnis

der nötigen Grundlagen verzichtet worden, was unzulässig sei. Dem Projekt

fehle  es  somit  am  erforderlichen  Richtplaneintrag,  zumindest  soweit  der

Richtplaneintrag auch Varianten mit Beteiligung der wertvollen Waldgebiete

zulasse. Entgegen dem Planungsbericht habe die später erstellte Gesamt-

schau Deponien die im Rahmen des Deponieprojekts erfolgten Untersuchun-

gen nicht bestätigt. In der Gesamtschau würden Waldgebiete mit besonde-

rem Schutzstatus ein Ausschlusskriterium darstellen, wobei der Wald Y zwar

keinen  solchen  Status  habe,  jedoch  gemäss  Gutachten  klarerweise  einen

solchen  haben  müsste.  In  der  Echoraum-Veranstaltung  zur  Gesamtschau

habe es geheissen, Y sei nicht mehr nach den Gesamtschau-Kriterien beur-

teilt worden, da  der  Gestaltungsplanprozess bereits zu  weit  fortgeschritten
gewesen sei. In den Unterlagen der Gesamtschau seien zwar die neuen Er-

kenntnisse ansatzweise benannt, doch werde nicht erwähnt, dass es um ei-

nen Lebensraum von nationaler Bedeutung und um teilweise höchst seltene

Arten,  die  definitiv  verschwinden  würden,  gehe,  und  dass  ein  Ersatz  nicht

möglich  sei;  dass  und  wie  dies  in  eine  Interessenabwägung  eingeflossen

wäre, sei nirgends ersichtlich.

R4.2024.00214

Seite 33

4.1.2

Die Baudirektion (bzw. das ARE) entgegnet vernehmlassungsweise, im Rah-

men der Beantwortung einer kantonsrätlichen Anfrage habe sich der Regie-

rungsrat im Beschluss Nr. 615/2021 vom 9. Juni 2021 (act. 15.2) zum natur-

schützerischen  Wert  des  von  der  Deponieerweiterung  betroffenen  Waldes

geäussert. Die Anfrage beinhalte u.a. die Frage zu den ökologischen Grund-

lagen im Zeitpunkt des Richtplaneintrags. Bei der Beantwortung sei auf die

frühere Nutzung als Mittelwald und die zahlreichen alten Eichen als wichtige

Biotopbäume für seltene Flechten und holzbewohnende Insekten verwiesen,

mithin der hohe ökologische Wert des Waldes erkannt und ausgewiesen wor-

den.  Dem  Regierungsratsbeschluss  (RRB)  lasse  sich  weiter  entnehmen,

dass sich die Fachstelle Naturschutz und die Abteilung Wald gegen eine De-

ponieerweiterung ausgesprochen hätten; die verlangte und zur Beurteilung

der  Bewilligungsfähigkeit  notwendige  umfassende  Interessenabwägung

werde jedoch im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens und der gleichzei-

tig  durchzuführenden  Umweltverträglichkeitsprüfung  (UVP)  vorzunehmen

sein. Demnach habe bereits im Zeitpunkt der Festsetzung des Richtplanein-

trags Kenntnis über den ökologischen Wert des Waldes bestanden, auf den

auch  in  der  Beratung  im  Kantonsrat  verschiedentlich  hingewiesen  worden

sei. Bei einer Deponie würden auf Stufe Richtplan der Standort, das Volumen

und  der  Deponietyp  festgelegt;  die  detaillierteren  Planungsschritte,  insbe-

sondere der genaue Perimeter, würden hingegen im Gestaltungsplanverfah-

ren festgelegt, wobei ein grosser Handlungsspielraum bestehe. Vorliegend

seien im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens mehrere Varianten geprüft

worden, darunter auch eine, welche  den  Wald  nicht betroffen habe. Damit

habe auf Stufe Richtplan insbesondere nicht festgestanden, dass alle denk-

baren Varianten von vornherein aufgrund schwerwiegender Konflikte mit Na-

turschutzanliegen als nicht realisierbar erschienen. Auf Stufe Richtplan habe

somit eine stufengerechte Interessenabwägung in Kenntnis über den ökolo-
gischen Wert des Waldes stattgefunden, womit der Richtplaneintrag Nr. 26

bundesrechtskonform sei. Schliesslich führt die Baudirektion aus, mit der Ge-

samtschau Deponien  sollten neue Deponiestandorte im Kanton Zürich  ge-

funden  werden,  wobei  auch  die  bestehenden  Richtplaneinträge  nochmals

überprüft  worden  seien;  ein  Richtplaneintrag verlange  eine  stufengerechte

Interessenabwägung, wobei die Standorte ausgewählt würden, welche kein

Ausschlusskriterium  erfüllten  und  insgesamt  am  besten  bewertet  würden.

Der Standort der Erweiterung der Deponie Y schneide in der Gesamtschau

insgesamt  gut  ab;  vorliegend  seien  stufengerecht 

im  Rahmen  des

R4.2024.00214

Seite 34

Gestaltungsplanverfahrens  umfangreiche  Abklärungen  vorgenommen  und

verschiedene Varianten geprüft worden.

Die Mitbeteiligte argumentiert entsprechend, wobei sie ergänzend insbeson-

dere darauf hinweist, dem Kantonsrat seien bei der Festsetzung in der Sit-

zung vom 29. März 2021 die nötigen grundlegenden Kenntnisse zum streit-

betroffenen Gebiet vorgelegen; die Schutzwürdigkeit des Gebiets sei gerade

Gegenstand der Diskussion gewesen. Weiter sei dem Kantonsrat bei seinen

Richtplanfestsetzungen durchaus bewusst, dass der genaue Perimeter erst

im  Gestaltungsplanverfahren  festgelegt  werde.  Hinsichtlich  der  Gesamt-

schau Deponien hält die Mitbeteiligte fest, der Wald bzw. das entsprechende

Teilgebiet habe keinen rechtlichen Schutzstatus; dass er einen solchen ha-

ben müsste, sei eine Mutmassung der Rekurrierenden; der entsprechende

Ausschlussgrund liege somit nicht vor. Im Übrigen habe auch die Gesamt-

schau  Deponien  verschiedene  Standorte  geprüft  und  sei  zum  Schluss  ge-

kommen, dass die Deponieerweiterung Y am vorgesehenen Standort mach-

bar sei.

4.1.3

In  der  Replik  verweisen  die  Rekurrierenden  auf  den  Prüfungsbericht  des

Bundesamts  für  Raumentwicklung  vom  1.  Februar  2023  zur  Teilrevision

2017. Sie halten unter Zitierung der einschlägigen Passagen dafür, auch die

Genehmigungsbehörden  hätten  Vorbehalte  zum  Eintrag  gezeigt  und  dies

mutmasslich, ohne vom ökologischen Gutachten zu wissen, allein aufgrund

der in den Akten erkennbaren pauschalen Hinweise.

Die Gegenparteien haben zu diesem Vorbringen keine Stellung genommen.

4.2.1
Richtpläne sind behördenverbindlich (Art. 9 Abs. 1 des Raumplanungsgeset-

zes [RPG], § 19 Abs. 1 PBG), können jedoch bei der Nutzungsplanung im

Rechtsmittel- und im Genehmigungsverfahren akzessorisch auf ihre Recht-

und Zweckmässigkeit überprüft werden (§ 19 Abs. 2 PBG). Insbesondere ist

eine akzessorische Prüfung der Richtplaneinträge auch bei der Festsetzung

von  überkommunalen Gestaltungsplänen möglich, wovon jedoch die politi-

schen  Elemente  eines  solchen  Entscheids  nicht  umfasst  sind

(VB.2016.00605  vom  15.  Juni  2017,  E.  6.5.1  und  6.5.2;  Michael  Stei-

ner/Thomas  Wipf,  in:  Zürcher  Planungs-  und  Baurecht,  7.  Auflage  2024,

R4.2024.00214

Seite 35

Hrsg.  Christoph  Fritzsche/Peter  Bösch/Thomas  Wipf/Daniel  Kunz,  Bd.  1,

S. 236).  Wie sich  dem  entsprechenden  Urteil des  Verwaltungsgerichts be-

treffend  den  kantonalen  Gestaltungsplan  für  eine  Jagdschiessanlage  ent-

nehmen  lässt,  bezieht  sich  diese  Einschränkung  allerdings  zum  einen  auf

den  Grundsatzentscheid  für  die  Erstellung  einer  entsprechenden  Anlage

(a.a.O., E. 6.5.2), zum andern auf den Umstand, dass es nach Auffassung

des Verwaltungsgerichts nicht Aufgabe der Rekursinstanz ist, nochmals eine

umfassende Prüfung und Bewertung der evaluierten Standorte oder gar all-

fällig weiterer solcher vorzunehmen, wobei das Verwaltungsgericht zugleich

den im fraglichen Verfahren vorliegenden Bericht zur Standortwahl als nach-

vollziehbar erachtete und die Bevorzugung des letztlich gewählten Standorts

als schlüssig bezeichnete (a.a.O., E. 6.5.4). Daraus erhellt, dass seitens der

Rekursinstanz zwar nicht eine eigenständige Standortevaluation vorzuneh-

men ist, die (vorliegend strittige) Frage, ob die richtplanerische Festsetzung

–  insbesondere hinsichtlich  Interessenabwägung  und Standortevaluation  –

überhaupt auf einer rechtsgenügenden Vorgehensweise beruht, jedoch der

gerichtlichen Überprüfung  zugänglich  ist.  Dies  entspricht  denn auch der in

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verwendeten Umschreibung, wo –

bezogen auf die Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichts im Rahmen der

Anfechtung kantonaler Richtpläne durch eine Gemeinde – ausgeführt wird,

Richtpläne  hätten  vorwiegend politischen  Charakter  und  stellten  einen Akt

planerischen und politischen Abwägens dar, der nur begrenzt justiziabel sei.

Sei der  Planungsträger  rechtlich korrekt  vorgegangen  und  erschienen das

Vorgehen sowie die verwendeten Methoden zur Entscheidfindung als geeig-

net, so sei es nicht Sache des Bundesgerichts, die daraus hervorgegangene

richtplanerische Vorgabe aufgrund einer anderen Interessengewichtung auf-

zuheben. Seitens der Beschwerdeführerin sei vor diesem Hintergrund dar-

zulegen, dass die umstrittene richtplanerische Standortfestlegung einer stu-

fengerechten Prüfung nicht standhalte (vgl. betreffend richtplanerische Fest-
setzung  eines  Kiesabbaugebiets  BGr  1C_687/2020  vom  13.  Januar  2022,

E. 3 [sowie E. 4.6, wo festgehalten wird, zwar greife das Bundesgericht nicht

in die planerische Interessenabwägung des Kantons ein, doch setze dies vo-

raus, dass diese konsistent begründet und transparent gemacht werde, was

im konkreten Fall – in dem die Standortwahl nicht auf einer nachvollziehba-

ren Abstimmung der raumwirksamen Tätigkeit basierte – zur Aufhebung der

richtplanerischen Festsetzung führte]; vgl. auch BGE 146 I 36, E. 3.4 sowie

zum Ganzen auch BRGE III Nrn. 0196-0197/2022 vom 23. November 2022).

R4.2024.00214

Seite 36

4.2.2

Eine Grundlage im Richtplan im Sinn von Art. 8 Abs. 2 RPG setzt nach der

Rechtsprechung eine abgeschlossene Abstimmung auf Richtplanebene vo-

raus,  d.h.  eine  Festsetzung  im  Sinn  von  Art.  5  Abs.  2  lit.  a  der  Raumpla-

nungsverordnung (RPV; vgl. BGE 147 II 164 E. 3.3). Die Bestimmung sach-

gerechter Standorte für Anlagen im öffentlichen Interesse hat den Grundsät-

zen von Art. 3 Abs. 4 RPG zu entsprechen, wonach insbesondere regionale

Bedürfnisse berücksichtigt (vgl. lit. a) und nachteilige Auswirkungen auf die

natürlichen Lebensgrundlagen, die Bevölkerung und die Wirtschaft gesamt-

haft gering gehalten werden sollen (vgl. lit. c). Zu beachten ist sodann Art. 2

Abs. 1 RPV, wonach die Behörden im Hinblick auf die anzustrebende räum-

liche Entwicklung bei der Planung raumwirksamer Tätigkeiten insbesondere

zu prüfen haben, wie viel Raum für die Tätigkeit benötigt wird (lit. a), welche

Alternativen und Varianten in Betracht fallen (lit. b), ob die Tätigkeit mit den

Zielen und Grundsätzen der Raumplanung vereinbar ist (lit. c) und welche

Möglichkeiten bestehen, den Boden haushälterisch und umweltschonend zu

nutzen  sowie  die  Siedlungsordnung  zu  verbessern  (lit. d).  Die  richtplaneri-

sche  Festsetzung  erfolgt  aufgrund  einer  Evaluation  von  Standortvarianten

anhand der  Standortkriterien  und einer Interessenabwägung  (vgl.  Bundes-

amt  für  Raumentwicklung,  Ergänzung  des  Leitfadens  Richtplanung,  März

2014, S. 30 f.). Sie muss stufengerecht begründet und damit transparent ge-

macht werden (BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016, E. 2.8). Stufenge-

recht bedeutet, dass alle für die Standortauswahl relevanten Kriterien in einer

Tiefe einzubeziehen sind, die es erlaubt, die Realisierbarkeit des Projekts am

priorisierten  Ort  zumindest plausibel erscheinen  zu lassen (BGE  148  II 36

E. 2.1). Die Abklärung muss auf Stufe Richtplan in einer Tiefe erfolgen, die

es erlaubt, einerseits Standorte auszuscheiden, die aufgrund schwerwiegen-

der  Konflikte  mit  Naturschutzanliegen  von  vornherein  nicht  realisierbar  er-

scheinen, und andererseits unter den verbleibenden Standorten den oder die
am  besten geeigneten auszuwählen;  dabei sind  jedenfalls  öffentliche Inte-

ressen  von  nationalem  Interesse  zu  berücksichtigen,  wozu  auch  das  Inte-

resse  am  Schutz  gefährdeter  und  national  prioritärer  Arten  gehört

(BGE 148 II 36 E. 2.5). Namentlich für Vorhaben wie die hier betroffene De-

ponieerweiterung ist in der Regel eine räumliche Festlegung aufgrund einer

Bedarfsabklärung und Standortevaluation in einem kantonalen oder regiona-

len Deponiekonzept zu verlangen (vgl. die erwähnte Ergänzung des Leitfa-

dens Richtplanung, S. 33; zum Ganzen auch VB.2023.00035 vom 16. Mai

2024, E. 4.3).

R4.2024.00214

Seite 37

4.3.1

Die Notwendigkeit einer Grundlage im kantonalen Richtplan ergibt sich für

Deponiestandorte  sowohl  aus  Art.  8  Abs.  2  RPG  als  auch  spezifisch  aus

Art. 5 Abs. 2 VVEA. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob die zwingend er-

forderliche richtplanerische Festsetzung den in E. 4.2 umschriebenen Anfor-

derungen zu genügen vermag. Diese Frage stellt sich primär für die im Rah-

men  der  Teilrevision  2017  erfolgte  Festsetzung  durch  den  Kantonsrat  mit

Beschluss  vom  29.  März  2021  (Vorlage  5517b),  mit  der  das  im  Richtplan
ausgewiesene Volumen der Deponie Y auf 3'000'000 m3 erhöht wurde (vgl.
bereits E. 3.1). Da sich zeigen wird, dass es insoweit an einer rechtsgenü-

genden Standortevaluation und Interessenabwägung fehlt (vgl. E. 4.3.1.1 bis

4.3.1.3), ist weiter zu untersuchen, ob das Projekt der "Gesamtschau Depo-

nien" diesbezüglich zu einer anderen Einschätzung zu führen vermag (vgl.

E. 4.3.2).

4.3.1.1

Wie erwähnt stellt sich die Rekursgegnerschaft auf den Standpunkt, der öko-

logische Wert des Waldes sei bereits im Kantonsrat bekannt gewesen. Zwar

trifft es zu, dass im Rahmen der Beratung seitens der Gegner einer Depo-

nieerweiterung auf entsprechende – der vorberatenden Kommission offen-

bar  (unbestritten)  noch  nicht  bekannte  –  Aspekte  hingewiesen  wurde  und

dabei  z.T.  auch  relativ  detaillierte  Ausführungen  zu  bestimmten  im  Gebiet

vorkommenden  Arten  erfolgten 

(vgl.  Protokoll  der  Sitzung  vom

29. März 2021 [act. 5.3], insb. S. 54, 56 f., 62). Allerdings wurde gerade im

Rahmen dieser Ausführungen auch dargelegt, dass eine seitens der Betrei-

berfirma zu diesen Fragen in Auftrag gegebene Studie (und nicht – wie in der

Rekursschrift dargestellt – das seitens des Amts für Naturschutz eingeholte

Gutachten [act. 15.1], das erst vom März 2022 datiert) unter Verschluss ge-

halten werde. Schon daraus erhellt, dass im Zeitpunkt der Festsetzung des
Richtplaneintrags dem zuständigen Planungsträger zwar bekannt war, dass

– im Lichte der in E. 4.2 aufgezeigten Anforderungen – Bedarf für weiterge-

hende Abklärungen bestanden hätte, diese jedoch teilweise noch nicht er-

folgt bzw. soweit teilweise bereits erfolgt dem Kantonsrat jedenfalls nicht zu-

gänglich waren. Unabhängig von der Frage des Kenntnisstands lassen sich

sodann der kantonsrätlichen Beratung auch keine Hinweise darauf entneh-

men,  dass  eine  fundierte  Auseinandersetzung  mit  den  neu  aufgetauchten

Interessen des Naturschutzes und ein Einbezug derselben in eine stufenge-

rechte 

Interessenabwägung 

stattgefunden 

hätten.  Soweit 

die

R4.2024.00214

Seite 38

entsprechenden Informationen nicht einfach in polemischer Weise als uner-

heblich dargestellt wurden (act. 5.3 S. 55, 59), konzentrierten sich die eine

Erweiterung befürwortenden Voten darauf, die Vorzüge des Standorts (ins-

besondere: bestehende Deponie, Entsorgungssicherheit, [ökologisch vorteil-

hafte] kurze Wege zwischen Deponiestandort und Orten mit hohem Bauauf-

kommen, Erschliessung, hydrologische Verhältnisse, minimierter Kulturland-

verlust) hervorzuheben, während bezüglich der entgegenstehenden Interes-

sen des Naturschutzes pauschal auf die (angeblich ökologisch sogar vorteil-

hafte)  Wiederaufforstung  verwiesen  wurde  (a.a.O.  S.  57  ff.,  60  f.,  64).  In

Rechnung zu stellen ist immerhin, dass die fraglichen Aussagen Teil einer

politischen Debatte waren. Zu prüfen ist daher, ob bezüglich der Erweiterung

der  Deponie  Y  in  anderen  –  namentlich  seitens  der  Verwaltung  erstellten

oder in Auftrag gegebenen – Dokumenten eine stufengerechte Interessen-

abwägung im Rahmen der Teilrevision 2017 dokumentiert ist.

Nichts  Entsprechendes  lässt  sich  dem  seitens  der  Baudirektion  ins  Recht

gelegten RRB 615/2021 vom 9. Juni 2021 (act. 15.2) entnehmen, mit wel-

chem  der  Regierungsrat  eine  am  29.  März  2021  gestellte  Anfrage  zweier

Kantonsräte zum naturschützerischen Wert des von der Deponieerweiterung

betroffenen Waldes beantwortet hat. Soweit die Baudirektion aus diesem Do-

kument Rückschlüsse auf den Kenntnisstand des Kantonsrats im Zeitpunkt

der Richtplanfestsetzung ziehen will, ist vorab klarzustellen, dass der RRB

zwar gewisse Ausführungen zum ökologischen Wert des Waldes macht, je-

doch keine positive Aussage zu entsprechenden Kenntnissen des Kantons-

rats im früheren Zeitpunkt der Festsetzung enthält. Hinsichtlich der Verwal-

tung wird zum einen auf die ablehnende Haltung der Fachstelle Naturschutz

und der Abteilung Wald im Rahmen der Ämterkonsultation (mithin vor Fest-

setzung der Teilrevision), zum andern auf bestimmte von der Gesuchstellerin

(also  der  Mitbeteiligten  des  vorliegenden  Verfahrens)  eingereichte  Doku-
mente verwiesen (act. 15.2 S. 2 f.; vgl. zu diesen und weiteren Dokumenten

auch act. 17.2 S. 51 und act. 17.4 S. 6), was entsprechende Kenntnisse der

Verwaltung impliziert (die allerdings zwangsläufig lückenhaft gewesen sein

dürften, nachdem einerseits das nachmalige Gutachten [act. 15.1] noch nicht

vorlag  und  bezüglich der im  RRB erwähnten ökologischen  Wirkungsstudie

der  Gesuchstellerin  ausgeführt  wird, diese  enthalte  für die  Bereiche Flora,

Fauna und Lebensräume nur sehr summarische Angaben und sei dem Kan-

tonsrat denn auch nicht vorgelegt worden). Auch hinsichtlich der Verwaltung

zeigt  sich  sodann,  dass  unabhängig  vom  Kenntnisstand  jedenfalls  keine

R4.2024.00214

Seite 39

stufengerechte  Interessenabwägung  auf  Richtplanebene  dokumentiert  ist.

Aus den seitens der Gesuchstellerin erstellten Dokumenten (die denn auch

bezeichnenderweise weder von der Baudirektion noch von der Mitbeteiligten

ins  Recht  gelegt  wurden)  kann  sich  eine  hoheitliche  Interessenabwägung

von vornherein nicht ergeben. Dass eine solche seitens der Verwaltung vor-

genommen bzw. der Beschluss des Planungsträgers entsprechend vorberei-

tet  worden  wäre,  wird  im  zitierten  RRB  –  der  sich  auf  den  Hinweis  be-

schränkt, die notwendige umfassende Interessenabwägung werde im Rah-

men des Gestaltungsplanverfahrens vorzunehmen sein (act. 15.2 S. 3; vgl.

dazu näher E. 4.3.1.2) – im Übrigen gar nicht behauptet. Damit übereinstim-

mend  lassen  sich  insbesondere weder dem Richtplantext  der "Teilrevision

2017, Versorgung, Entsorgung" (Vorlage 5517b) noch dem entsprechenden

"Erläuterungsbericht  zu  den  Einwendungen"  Hinweise  auf  einen  Einbezug

der spezifisch für den Deponieperimeter massgeblichen Naturschutzinteres-

sen in eine stufengerechte Interessenabwägung entnehmen. Die daraus re-

sultierenden  Vorbehalte  lassen  sich  schliesslich  auch  am  Prüfungsbericht

des Bundesamts für Raumentwicklung vom 1. Februar 2023 zur Teilrevision

2017 (act. 24.1) ablesen: Im Zusammenhang mit der Erweiterung der beste-

henden Deponien L (Nr. 23) und Y (Nr. 26) heisst es, im Rahmen der Vor-

prüfung habe der Bund den Auftrag gegeben, dass im Sinne einer stufenge-

rechten  Interessenabwägung  der  Nachweis  für  die  Standortgebundenheit

der beiden Vorhaben zu erbringen sei, wobei insbesondere Alternativstand-

orte  ohne  Waldflächenbeanspruchung  zu  evaluieren  seien.  Nach  Wieder-

gabe der waldrechtlichen Einschätzung des BAFU heisst es sodann wörtlich:

"Allerdings sind, um potentielle Auswirkungen der vorgesehenen Erweiterun-

gen eruieren zu können, stufengerechte Erläuterungen zu den Auswirkungen

der Vorhaben auf Natur und Landschaft nötig" (act. 24.1 S. 6), was zur Auf-

forderung an den Kanton Zürich führt, im Rahmen einer nächsten Richtplan-

anpassung entsprechende Erläuterungen zu machen (act. 24.2, Dispositiv-
ziffer 4). Auch wenn die Teilrevision nichtsdestotrotz genehmigt wurde (was

in  Konstellationen  einer akzessorischen  Überprüfung  ohnehin  regelmässig

der  Fall sein dürfte),  zeigen  die referierten  Dokumente jedenfalls, dass an

sich  gerade nicht  von  einer stufengerechten Klärung  ausgegangen  wurde,

was (wenngleich nicht zwingend) vorliegend wenig überraschend auch das

Fehlen  einer  stufengerechten  Interessenabwägung  (im  Sinne  einer  Ausei-

nandersetzung mit den spezifischen Naturschutzinteressen) nach sich zog.

R4.2024.00214

Seite 40

4.3.1.2

Allerdings  wird der vorstehenden Einschätzung seitens der Rekursgegner-

schaft wie aufgezeigt entgegengehalten, dass bei einer Deponie der genaue

Perimeter  erst  im  Gestaltungsplanverfahren  und  nicht  auf  Stufe  Richtplan

festgelegt werde. Diese Auffassung ist insofern zutreffend, als im Richtplan

für die Deponiestandorte lediglich Punkteinträge erfolgen. Dies hat allerdings

nicht zur Folge, dass auf Richtplanebene eine stufengerechte Interessenab-

wägung, die sich mit den absehbaren räumlichen Konflikten gegensätzlicher

öffentlicher Interessen auseinandersetzt (vgl. zur letztgenannten Einschrän-

kung  Pierre  Tschannen,  Praxiskommentar  RPG:  Richt-  und  Sachplanung,

Interessenabwägung, hrsg. von Heinz Aemisegger / Pierre Moor / Alexander

Ruch / Pierre Tschannen, Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 9 Rz. 27), unterblei-

ben könnte. Auch lässt sich die vorliegende Konstellation insofern nicht mit

der in BGE 148 II 36 zu beurteilenden vergleichen, als dort hinsichtlich des

Richtplaneintrags  primär  gewisse  fehlende  Abklärungen  moniert  und  dies

seitens  des  Bundesgerichts  v.a.  deshalb  nicht  als  Aufhebungsgrund  (son-

dern als Anlass für entsprechende Anforderungen an das Nutzungsplanver-

fahren) erachtet wurde, weil – gerade auch aus Sicht der fraglichen Natur-

schutzinteressen – keine besseren Alternativstandorte ersichtlich waren (vgl.

a.a.O.  E.  2.6).  Demgegenüber  ist  vorliegend  zum  einen  (wie  in  E.  4.3.1.1

aufgezeigt)  nicht  lediglich  das  Fehlen  gewisser  Abklärungen,  sondern  der

ganz generell nicht nachvollziehbare Einbezug der für den Standort spezifi-

schen  Naturschutzinteressen  in  die  richtplanerische  Interessenabwägung

problematisch, während zum andern auch die Standortevaluation nicht in ei-

ner Weise erfolgt ist, aufgrund derer vom offensichtlichen Fehlen besser ge-

eigneter Alternativstandorte (im Verhältnis zu einer Erweiterung der Deponie

Y als solcher) ausgegangen werden könnte (vgl. dazu E. 4.3.1.3).

Worauf  die  rekursgegnerische  Argumentation  konkret  abzielt,  ist  nun  aber
die  Überlegung,  dass  mit  dem  Richtplaneintrag  der  Deponieerweiterung

noch gar nicht klar sei, dass es zu einer Beanspruchung von Wald bzw. ins-

besondere eines besonders wertvollen Waldareals kommen werde. Dieser

Ansicht – die sich bezüglich des Kriteriums einer von vornherein fehlenden

Realisierbarkeit auf BGE 148 II 36 E. 2.5 stützen kann (vgl. dazu bereits vor-

stehend E. 4.2.2) – ist vorliegend jedoch aus mehreren Gründen zu wider-

sprechen:  Was  zunächst  den  Verweis  der  Baudirektion  auf  eine  Variante

ohne Waldbeanspruchung anbelangt (vgl. generell zu den entwickelten Va-

rianten E. 3.1 und im Detail E. 5.3), findet sich im Planungsbericht bei der

R4.2024.00214

Seite 41

entsprechenden  Variante  "L"  bezeichnenderweise  der  Vermerk  "Anord-

nungsspielraum hinsichtlich Richtplanvorgabe ist kritisch" (act. 17.2 Anhang

A1). Dass beim Richtplaneintrag stets von einer Waldbeanspruchung ausge-

gangen wurde, macht sodann auch der Erläuterungsbericht zur Teilrevision

2017 deutlich, wo unter anderem ausgeführt wird, bei der Gegenstand der

Vorlage bildenden Deponie Y (und der Gegenstand der Vorlage 5517c bil-

denden Deponie M [Nr. 15]) sei die vorgesehene Erweiterung kaum ohne die

zumindest vorübergehende Beanspruchung von Waldareal möglich (a.a.O.

S. 18 [zu Einwendung Nr. 71]). In der in E. 4.3.1.1 thematisierten Kantons-

ratsdebatte wurde denn auch ganz selbstverständlich von der Notwendigkeit

einer Rodung ausgegangen. Auffallend ist nun, dass in der Debatte – trotz

des  ausdrücklichen  Hinweises  der  Gegner  einer  Erweiterung,  wonach  die

Erweiterung "passgenau im optisch wertvollsten Teil des Waldes" zu liegen

komme (act. 5.3 S. 56) – nirgends das Argument auftaucht, eine Beanspru-

chung des fraglichen Waldareals sei u.U. gar  nicht erforderlich und  werde

durch den Richtplaneintrag nicht zwingend vorgegeben. In diesem Sinn lässt

sich gerade nicht sagen, dass die Festsetzung erfolgt – und dabei wie vor-

stehend dargelegt eine stufengerechte Auseinandersetzung mit den neu auf-

getauchten Naturschutzinteressen unterblieben – wäre, weil man davon aus-

gegangen sei, die Deponie lasse sich gegebenenfalls ohnehin in einer diese

Interessen nicht tangierenden Weise realisieren. Dabei stünde es dem Pla-

nungsträger  grundsätzlich  frei,  eine  entsprechende  –  die  fragliche  Interes-

senabwägung in der Tat obsolet machende – Auffassung analog den Spezi-

fizierungen zur Erschliessung im Richtplantext selbst (im Sinne einer Spezi-

fizierung, wonach beispielsweise das Waldareal I bzw. der Bereich südlich

der C-Strasse nicht in Anspruch genommen werden dürfe) festzuschreiben.

Zumindest aber  müsste  sich aus  den Materialien  ein  Hinweis  auf  entspre-

chende Überlegungen, auf die dann im nachfolgenden Gestaltungsplanver-

fahren referenziert werden könnte, ergeben, was vorliegend indessen weder
für die Kantonsratsdebatte noch für eine seitens der (das Richtplanverfahren

vorbereitenden) Verwaltung propagierte Sichtweise der Fall ist.

Die in dieser Konstellation resultierende Problematik macht sodann das vor-

liegend strittige Gestaltungsplanverfahren deutlich: Zwar wurden in diesem

–  ausgelöst  durch  die  negative  Einschätzung insbesondere  der  Fachstelle

Naturschutz – im Jahr 2022 und damit notabene nach der (durch diese spä-

tere Entwicklung gerade nicht beeinflussten) Richtplanfestsetzung zusätzlich

zum ursprünglichen Projekt mehrere Varianten des Erweiterungsperimeters

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Seite 42

ausgearbeitet. Beim Vergleich dieser Varianten und dem gestützt darauf ge-

troffenen  Variantenentscheid  (vgl.  dazu  und  zum  Folgenden  im  Einzelnen

E. 5.3)  wurde indessen als  das  zentrale,  für die  als  Bestvariante gewählte

Variante  "Y Mitte" sprechende  Kriterium  hervorgehoben, diese  erlaube  ein

Deponievolumen,  welches die  Vorgaben der Richtplanung bestmöglich  er-

fülle (act. 17.2 S. 20; vgl. auch den Umstand, dass in Anhang A1 allein bei

dieser Variante das Kriterium Abfallwirtschaft als erfüllt erachtet wurde [bzw.

auf S. 15 ff. die Bewertung "gut" erhielt]). Auch wenn sich nachstehend zei-

gen wird, dass auch diese Einschätzung aus verschiedenen Gründen zu kurz

greift (vgl. E. 5.3.3), wird damit dennoch deutlich, dass die den Variantenent-

scheid treffende Baudirektion selbst – und damit eine staatliche Stelle – im

Planungsbericht gerade unter Verweis auf den kantonalen Richtplan (spezi-

fisch die in diesem enthaltenen Angaben zum Deponievolumen) die Reali-

sierung derjenigen Variante als geboten erachtete, mit der in den ökologisch

besonders wertvollen Lebensraum eingegriffen wird (wobei sich im Übrigen

die Ausrichtung der Richtplanung an dieser Variante in der späteren Gesamt-

schau Deponien bestätigt hat [vgl. dazu E. 4.3.2]). In einer solchen Konstel-

lation ist es nicht angängig, sich (zumindest sinngemäss) in Bezug auf die

monierten  Mängel  der  richtplanerischen  Interessenabwägung  nachträglich

darauf  zu  berufen,  ein  entsprechendes  Problem  bestehe  schon  deshalb

nicht, weil ein das besonders wertvolle Waldareal nicht tangierender Depo-

nieperimeter denkbar sei. Es ergäbe sich andernfalls die unhaltbare Konse-

quenz, dass einerseits die Anforderungen in Bezug auf eine stufengerechte

Auseinandersetzung  mit  den  entsprechenden  Naturschutzinteressen  auf

Richtplanebene – unter Verweis auf den erst hypothetischen Charakter einer

Beeinträchtigung – massiv reduziert würden, andererseits aber im Rahmen

des nachfolgenden Gestaltungsplanverfahrens der so zustande gekommene

Richtplaneintrag  (insbesondere  unter  Einbezug  der  Volumenangabe)  als

Hauptargument für die Wahl  einer ebendiese Beeinträchtigung  realisieren-
den Variante dienen könnte. Ist somit vorliegend auch die Berufung auf die

erst im Gestaltungsplanverfahren erfolgende Festlegung des genauen Peri-

meters nicht geeignet, die konstatierten Mängel der richtplanerischen Inte-

ressenabwägung zum Verschwinden  zu  bringen,  so  bleibt es bei  der in  E.

4.3.1.1  getroffenen  Feststellung,  wonach  es  hinsichtlich  des  Richtplanein-

trags  der  Deponieerweiterung  an  einer  stufengerechten  Interessenabwä-

gung fehlt.

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Seite 43

4.3.1.3

Eine rechtsgenügende Festsetzung ist sodann unabhängig vom vorstehend

Ausgeführten auch aus einem weiteren Grund zu verneinen, wobei es sich

beim Folgenden – trotz fehlender ausdrücklicher Thematisierung seitens der

Parteien  –  nicht  um  einen  verpönten  Überraschungsentscheid  handelt,  da

der erörterte Aspekt Teil einer zwischen den Parteien strittigen übergeordne-

ten Thematik bildet (was gleichermassen für ausserhalb der expliziten Par-

teistandpunkte liegende Ausführungen in E. 4.3.2 und 5.3.3 gilt).

Mangelhaft ist nämlich vorliegend auch die bereits auf Ebene der Richtpla-

nung gebotene Standortevaluation im Sinne eines Vergleichs einer Erweite-

rung der Deponie Y mit anderen möglichen Deponiestandorten, da die Teil-

revision 2017 (Vorlage 5517b) – welche hinsichtlich der Karteneinträge für

Deponien  lediglich  die  Erweiterung  zweier  bestehender  Standorte  betraf  –

insoweit von einer falschen bzw. kurze Zeit später durch den Planungsträger

selbst widerlegten Prämisse ausgeht. So wird im korrespondierenden Erläu-

terungsbericht zunächst (zutreffend) darauf hingewiesen, die Evaluation von

Deponiestandorten  sei  im  Kanton  Zürich  anfangs  der  Neunzigerjahre  flä-

chendeckend gestartet, in zwei Phasen durchgeführt und mit der Teilrevision

im  Jahr  2009  zum  Abschluss  gebracht  worden  (wobei  bemerkenswerter-

weise auch erwähnt wird, dass u.a. in anderen Gemeinden der Region der

nun geplanten Deponieerweiterung Y seinerzeit weitere Standorte näher un-

tersucht,  aber  aus  verschiedenen  Gründen,  u.a.  die  Beeinträchtigung  von

"Wald mit hohem naturkundlichen Wert", als ungeeignet eingestuft worden

seien). Da seit der Festsetzung der Standorte die Anforderungen an die hyd-

rogeologischen  Standorteigenschaften  unverändert  geblieben  seien,  habe

die  durchgeführte  Evaluation  der  Deponiestandorte  weiterhin  Gültigkeit

(a.a.O. S. 14). Im Rahmen der Behandlung der Einwendung Nr. 71 (die einen

Verzicht auf die geplante Deponieerweiterung aufgrund der zu erwartenden
Waldflächenbeanspruchung forderte) wird sodann auf die Notwendigkeit, die

regionale  Entsorgungssicherheit  zu  gewährleisten  und  die  Transportwege

kurz zu halten, sowie auf den Stand der Deponiekapazitäten und die zukünf-

tig  verstärkte  Bautätigkeit  verwiesen  und  schliesslich  wörtlich  Folgendes

ausgeführt:  "Es  ist  deshalb notwendig,  bereits  heute  die  planerischen  Vo-

raussetzungen für zusätzliches Deponievolumen für Inertstoffe zu schaffen.

Eine  solche  Erweiterung  des  Deponievolumens  kann  entweder  mittels  zu-

sätzlichen Deponiestandorten oder aber mit einer Erweiterung der Volumina

bestehender  Standorte  geschehen.  Da  die  bereits 

im  Richtplan

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Seite 44

ausgewiesenen Deponiestandorte das Resultat einer umfassenden, breit ab-

gestützten Evaluation sind, ist die Suche nach neuen Standorten nicht ziel-

führend.  In  Frage  kommt  deshalb  lediglich  die  Erweiterung  bestehender

Standorte.  Hierbei  ist  zu  beachten,  dass  bei  der  genannten  Evaluation  im

Falle  der  Standorte  im  Offenland  im  Rahmen  der  ursprünglichen  Richt-

planeinträge das Volumen optimiert, beziehungsweise maximiert wurde. Hin-

gegen  wurde  bei  Standorten  in  Waldnähe  das  Volumen  aus  Gründen  der

Walderhaltung  nicht  so  gross  festgesetzt,  wie  es  aus  landschaftlicher  und

hydrogeologischer Sicht möglich gewesen wäre. Aufgrund des damaligen re-

gionalen Bedarfes war dies auch nicht notwendig. Vor diesem Hintergrund

kommen deshalb für Erweiterungen nur noch jene Standorte in Frage, wel-

che in Waldnähe ausgeschieden wurde [sic]." (a.a.O. S. 18).

In diesem dem Festsetzungsbeschluss des Kantonsrats vom 29. März 2021

im Sinne einer "Kenntnisnahme" zugrundeliegenden Bericht werden mithin

die geplanten Erweiterungen als nachgerade alternativlos behandelt, da ins-

besondere die Suche neuer Standorte kategorisch ausgeschlossen wird (vgl.

auch den Hinweis im in E. 4.3.1.1 zitierten RRB, wonach vor der Richtplan-

anpassung  2017  keine  neuerliche  Alternativenprüfung  stattgefunden  habe

[act. 15.2 S. 4], wobei sich die u.a. im UVB erwähnte, in einem Bericht der

Mitbeteiligten aus dem Jahr 2018 dokumentierte Prüfung von Varianten ge-

rade  nicht  auf  diese  Frage  einer  übergeordneten  Alternativenprüfung  be-

zieht,  sondern bereits Teil  der  Grundlagen des  Gestaltungsplanverfahrens

ist [vgl. act. 17.4 S. 6, 10 f.]). Mit der spätestens im gleichen Jahr (2021) bzw.

nach anderer Quelle bereits im Jahr 2020 gestarteten "Gesamtschau Depo-

nien" (vgl. dazu  E.  4.3.2)  wurde  indessen ein  Prozess  initiiert, dessen Ziel

gerade darin besteht, neue Deponiestandorte zu eruieren und diese im Rah-

men  der Teilrevision 2024 (öffentliche  Auflage  vom  6.  Dezember 2024 bis

14.  März 2025; aktuell in  Überarbeitung  aufgrund  der eingegangenen  Ein-
wendungen) in den kantonalen Richtplan einzubringen (vgl. den vom Amt für

Abfall,  Wasser,  Energie  und  Luft  [AWEL]  herausgegebenen  Bericht  "Ge-

samtschau  Deponien"  [Zürich  2024;  im Folgenden: Bericht Gesamtschau],

der  auf  S. 3  den Erarbeitungszeitraum  von 2020  bis 2023 nennt;  vgl.  zum

Jahr 2021 als Startzeitpunkt den Erläuterungsbericht zur Teilrevision 2024,

S.  12).  Damit  lässt  sich  die  Prämisse  der  Teilrevision  2017,  Standorte  für

Waldfläche  beanspruchende  Deponieerweiterungen  von  vornherein  keiner

Evaluation im Verhältnis zu anderen – neuen – Standorten zu unterziehen,

nicht aufrechterhalten, wäre es doch im Gegenteil aufgrund der mutmasslich

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Seite 45

bereits  im  Zeitpunkt der Festsetzung der Teilrevision  2017 laufenden  oder

zumindest sehr kurze Zeit später einsetzenden Planungsarbeiten zwingend

gewesen, eine Standortevaluation der beiden damals festgesetzten Erweite-

rungen  unter  Einbezug  der  offenkundig  doch  als  valable  Möglichkeit  einer

Erweiterung der gesamthaften Deponiekapazitäten erachteten zusätzlichen

Standorte vorzunehmen. Die entsprechende Einschätzung lässt sich im Üb-

rigen  auch  an  den  Dokumenten  des  Gestaltungsplanverfahrens  ablesen:

Während der UVB im Zusammenhang mit der Frage der Standortgebunden-

heit  inhaltlich  noch  weitestgehend  die  vorstehend  zitierte  Einschätzung  im

Rahmen  der  Teilrevision  2017  wiedergibt und diese  lediglich dahingehend

nuanciert,  dass  "in  erster  Linie"  Erweiterungen  bestehender  Standorte  in

Frage gekommen seien (act. 17.4 S. 11), verändert der Planungsbericht die

fragliche Passage grundlegend, indem der Hinweis, wonach die Suche nach

neuen Standorten nicht zielführend sei, weggelassen und sodann ausgeführt

wird, inzwischen seien die Potentiale im Offenland weitgehend ausgeschöpft

und die temporäre Beanspruchung von Waldareal eine neue Option, wobei

der Satz zur Erweiterung bestehender Standorte durch seine Position inner-

halb des Abschnitts nur noch zum Ausdruck bringt, dass für Erweiterungen

primär Standorte in Waldnähe in Frage kommen würden, ohne dass damit

eine  negative  Aussage  zur  Suche  neuer  Standorte  verbunden  wäre

(act. 17.2 S. 6). In diesen Anpassungen spiegelt sich die Kenntnis des Pro-

zesses der Gesamtschau, aufgrund dessen die Grundüberlegung der Teilre-

vision 2017 falsifiziert worden ist (wobei der Kanton Zürich bemerkenswer-

terweise auch in der Genehmigung der Teilrevision 2017 aufgefordert wird,

bei einer nächsten Richtplananpassung bzw. bei der Weiterentwicklung u.a.

des  Bereichs  "Deponien"  stufengerechte  Grundlagen  bzw.  Erläuterungen

vorzulegen  bzw.  zu  aktualisieren,  die  sich  zum  Bedarfsnachweis  und  zur

kantonalen oder regionalen Planung für den Zeitraum der Richtplanung so-

wie zu den räumlichen Kriterien für die Festlegung der einzelnen Standorte
und zur Prüfung möglicher Standortalternativen äussern [vgl. act. 24.2]). Zu-

sammengefasst  liegt  für  die  Erweiterung  der  Deponie  Y  somit  auch  unter

dem  Titel  der  Standortevaluation  kein  rechtsgenügender  Richtplaneintrag

vor.

4.3.2

Immerhin könnte sich – wie in E. 4.3.1 einleitend angetönt – die Frage stellen,

ob  aufgrund des  Einbezugs  der  strittigen  Erweiterung in  die Gesamtschau

(die  generell  den  Anspruch  hat,  auch  die  bestehenden  Richtplanstandorte

R4.2024.00214

Seite 46

erneut zu  überprüfen,  um sicherzustellen, dass sie  den aktuellen Anforde-

rungen entsprechen  [Bericht  Gesamtschau, S. 6])  nachträglich  eine Behe-

bung der vorstehend aufgezeigten Mängel eingetreten ist. Ein solches Ver-

ständnis würde aber grundsätzlich bereits daran scheitern, dass (wie soeben

erwähnt) bis anhin aus der Gesamtschau noch keine Festsetzungen resul-

tiert sind, da die Teilrevision 2024 noch nicht im Kantonsrat behandelt wurde.

Mit Blick darauf, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in absehbarer

Zeit Festsetzungen im Sinne der öffentlich aufgelegten Teilrevision 2024 er-

folgen  könnten, soll dennoch  nachstehend aufgezeigt  werden,  weshalb je-

denfalls nach Massgabe des aktuell dokumentierten Planungsprozesses für

die Erweiterung der Deponie Y kein rechtsgenügender Richtplaneintrag re-

sultieren würde.

Im  Rahmen  der  Gesamtschau  wurden  ca.  400  Standorte  bewertet.  Dabei

wurden in einem ersten Schritt Ausschlusskriterien definiert. Es handelt sich

um Gegebenheiten, die einen Deponiestandort aufgrund von übergeordne-

ten  Schutz-  und  Nutzungsinteressen  nicht  zulassen.  Damit  unterscheiden

sich die Ausschlusskriterien von denjenigen Aspekten, für die Konflikte auf

Stufe Richtplan bestehen, die nicht direkt zu einem Ausschluss führen, die

im Standortdossier (AWEL [Hrsg.], Gesamtschau Deponien Standortdossier,

Zürich 2024; im Folgenden: Standortdossier) das erste Mal festgehalten wur-

den und die bei jedem weiteren Planungsschritt berücksichtigt werden müs-

sen  (vgl. zum  Ganzen Bericht Gesamtschau, S. 6  f.  sowie  die Tabelle  der

beiden Arten von Kriterien auf S. 11 [auch zum Folgenden]). Die Beurteilung

und Rangierung der Standorte erfolgte sodann anhand gewichteter Bewer-

tungskriterien (a.a.O., S. 8 und 12 f.).

Die  Rekurrierenden  erachten  das  Ausschlusskriterium  A2.2  "Waldgebiete

mit  besonderem  Schutzstatus  (z.B.  Naturschutzgebiete  im  Wald,  Schutz-
wald, usw.)" als erfüllt. Im Standortblatt der Erweiterung der Deponie Y, das

im Geoportal des Kantons Zürich (https://geo.ktzh.ch/maps) im Layer "Depo-

niestandorte" abgerufen werden kann (vgl. dazu Bericht Gesamtschau, S. 8),

erfolgt zwar bezüglich des Bewertungskriteriums 2.2 ("Waldgebiete mit be-

sonderem Schutzstatus") der Eintrag "Beansprucht Waldgebiete mit beson-

derem  Schutzstatus  (Eichenförderung  und  Waldrandförderung)",  was  aber

nicht  unbesehen mit dem –  wohl enger  umschriebenen  –  Ausschlusskrite-

rium A2.2 gleichgesetzt werden kann. Den Rekurrierenden ist sodann inso-

fern  zuzustimmen,  als  aufgrund  der  intendierten  Sicherung  (u.a.  mittels

R4.2024.00214

Seite 47

Schutzverordnung) der übrigen wertvollen Waldareale (vgl. dazu bereits E.

3.2.2 sowie act. 27.5) davon ausgegangen werden kann, dass ohne das vor-

liegend strittige Vorhaben auch für das von diesem betroffene Waldareal ein

entsprechender Schutz vorgesehen würde, was allerdings für die Erfüllung

des Ausschlusskriteriums A2.2 nicht ausreichend sein dürfte. Die Frage kann

aber letztlich offenbleiben, da ein anderes Ausschlusskriterium erfüllt ist. Als

solches gelten nämlich (A7.6) auch "Lebensräume mit geschützten Arten /

Arten  der  'Roten  Liste'  (RE  /  CR  /  EN  /  VU)"  (vgl.  Bericht  Gesamtschau,

S. 11). Wie in E. 3.4.1 im Detail aufgezeigt, sind – selbst bei ausschliessli-

cher  Berücksichtigung  der  Roten  Listen  der  Schweiz  –  mehrere  Arten  mit

entsprechendem Status und entsprechender Gefährdungskategorie im von

der  Erweiterung  betroffenen  Lebensraum  nachgewiesen.  Dabei  kann  im

Sinne des in E. 4.3.1.2 Ausgeführten von vornherein nicht argumentiert wer-

den, das Ausschlusskriterium sei aufgrund theoretisch denkbarer Perimeter

ausserhalb des fraglichen Lebensraums nicht erfüllt. Dies umso weniger, als

zwar im Bericht Gesamtschau darauf hingewiesen wird, dass der Deponie-

perimeter auf Stufe Richtplan noch nicht definitiv sei (a.a.O. S. 8), das Stand-

ortblatt im Geoportal aber einen räumlich konkretisierten Deponieperimeter

– der genau mit demjenigen der Variante "Y Mitte, angepasst" (act. 17.2 An-

hang  A2)  übereinstimmt –  ausweist (wobei  überdies  der  Richtplantext  ge-

mäss Teilrevision 2024 den Standort Y [Pt. 5.7.2, Nr. 54] gesamthaft als "be-

stehend" bezeichnet), so dass offensichtlich ist, dass der Planungsträger auf

Stufe Richtplan bei seiner Bewertung von einer Beanspruchung des fragli-

chen wertvollen Waldareals durch die Deponieerweiterung ausgegangen ist

(wobei sich das Standortdossier [S. 80] denn auch ausdrücklich zur Rodung

dieses Bereichs äussert [vgl. dazu nachstehend]). Damit aber hätte im Rah-

men der Gesamtschau Deponien bei Zugrundelegung der vordefinierten Kri-

terien für die Erweiterung der Deponie Y zwangsläufig ein Ausschluss erfol-

gen müssen. Stattdessen enthält das Standortblatt den Hinweis "Aus Sicht
Naturschutz  ist das  Ausschlusskriterium  A7.6  nach  wie vor  erfüllt.  Interes-

senabwägung läuft.", womit einerseits das vorstehend Ausgeführte bestätigt,

zugleich  aber  das  Ausschlusskriterium  missachtet  wird.  Klarzustellen  ist,

dass dieser Umstand nicht per se zur Unzulässigkeit eines entsprechenden

Richtplaneintrags  führen  würde,  da das  Ausschlusskriterium letztlich ledig-

lich eine Selbstbeschränkung darstellt, die sich der Planungsträger im Rah-

men der Gesamtschau auferlegt hat. Was die Missachtung dieses Kriteriums

aber deutlich macht, ist, dass hinsichtlich der Erweiterung der Deponie Y die

Vorgaben  der  Gesamtschau  nicht  strikt  zur  Anwendung  gebracht  wurden

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Seite 48

(was im Übrigen auch das entsprechende rekurrentische Vorbringen plausi-

bel erscheinen lässt), so dass die entsprechende (zukünftige) Festsetzung

hinsichtlich der – wie gesehen auch seitens des Bundes eingeforderten (vgl.

act.  24.2)  –  rechtsgenügenden  Standortevaluation  nicht  an  der  allfälligen

Einlösung dieser Vorgabe durch den Prozess der Gesamtschau partizipiert.

Im  Gegenteil  müsste  eine  rechtsgenügende  Standortevaluation  für  einen

Standort,  welcher  ein  Ausschlusskriterium  der  Gesamtschau  missachtet,

aufzeigen, weshalb auch im Vergleich mit allen anderen ausgeschlossenen

Standorten gerade dieser Standort festzusetzen ist, wäre doch ohne Weite-

res denkbar, dass im direkten Vergleich mit entsprechenden Standorten an-

dere vorzuziehen gewesen wären, was aber im Rahmen der Gesamtschau

gerade  nicht  geprüft  wurde,  da  –  entsprechend  der  Grundkonzeption  –

Standorte bei Erfüllung des Ausschlusskriteriums regelmässig ohne Weite-

rungen ausgeschieden wurden.

Während  somit  der  (nachgerade  "privilegierte")  Einbezug  der  Erweiterung

der  Deponie  Y  in  die  Gesamtschau  jedenfalls  nach  Massgabe  der  aktuell

öffentlich bekannten Dokumente nicht zur Folge hat, dass für diesen Stand-

ort von einer rechtsgenügenden richtplanerischen Standortevaluation ausge-

gangen  werden könnte,  fehlt es  überdies – wiederum nach Massgabe  der

aktuell bekannten Dokumente – auch nach wie vor an einer stufengerechten

Interessenabwägung.  Im  Standortdossier  werden  zwar  neben  der  Erläute-

rung  von  Erschliessung  und  hydrologischer Eignung  auch  Zielkonflikte  er-

wähnt,  wobei  neben  dem Hinweis auf  den  Umgang mit Fruchtfolgeflächen

(FFF) Folgendes ausgeführt wird: "Mit der Erweiterung der Deponie wird ein

Waldstück von 7,4 ha temporär gerodet. Die Rodung kann mit flächenglei-

cher Aufforstung vor Ort wieder kompensiert werden. Mit einem etappenwei-

sen Vorgehen wird nicht die ganze beanspruchte Waldfläche auf einmal ge-

rodet.  Von  der  Rodung  betroffen  sind  alte  Eichen,  die  für  schützenswerte
Arten  den  Lebensraum  bilden.  Als  Kompensationsmassnahme  werden

gleichwertige  Eichen-Standorte  gefördert  und  gesichert."  (Standortdossier

S. 80). Damit wird allerdings lediglich das spezifische Problem des fraglichen

Standorts (summarisch) angesprochen. Eine nachvollziehbare Auseinander-

setzung mit den einer Festsetzung entgegenstehenden Interessen, aufgrund

derer  transparent  würde,  weshalb  diese  im  Rahmen  der  Interessenabwä-

gung  gegenüber  den  gegenläufigen  Interessen  zurückstehen  mussten,  ist

jedoch nicht ersichtlich, wobei es insoweit aufgrund der Besonderheiten des

vorliegend 

betroffenen 

Gebiets 

(bzw. 

der 

entsprechenden

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Seite 49

Naturschutzinteressen)  insbesondere  auch  nicht  ausreichend  ist,  wenn  im

Bericht  Gesamtschau  die  jeweilige  Gesamtpunktzahl  der  letztlich  vorge-

schlagenen Standorte (a.a.O. S. 10) ausgewiesen und deren Zustandekom-

men anhand der Standortblätter im Geoportal transparent gemacht wird. Zu-

sammenfassend führt der Einbezug der strittigen Deponieerweiterung in die

Gesamtschau Deponien somit weder bezüglich der Mängel der Standorte-

valuation  noch  bezüglich  der  fehlenden  stufengerechten  Interessenabwä-

gung  zu  einer  gegenüber  dem  in  E.  4.3.1  Ausgeführten  veränderten  Ein-

schätzung.

4.3.3

Damit bleibt es dabei, dass es für die geplante Erweiterung der Deponie Y

an einem rechtsgenügenden Richtplaneintrag fehlt. Da ein solcher aber Vo-

raussetzung des nachgelagerten Gestaltungsplans ist, führt dies zur Aufhe-

bung der angefochtenen Festsetzungsverfügung.

Unabhängig vom vorstehend Ausgeführten besteht sodann ein weiterer Auf-

hebungsgrund, so dass  diese Rechtsfolge  auch  dann Platz greifen  würde,

wenn im Gegenteil von einem rechtsgenügenden Richtplaneintrag auszuge-

hen wäre. Darauf ist im Folgenden (E. 5) näher einzugehen.

5.1.1

Die Rekurrierenden rügen Fehler in der nutzungsplanerischen Interessenab-

wägung, wobei sich gewisse Argumente der Parteien mit den in E. 3.2 refe-

rierten überschneiden (und  insoweit nicht wiederholt werden).  Geltend  ge-

macht wird vorab, es gehe vorliegend nicht nur um eine Interessenabwägung
nach Art. 3 RPV, sondern um eine solche gemäss Art. 18 Abs. 1ter NHG, der
unter der Prämisse stehe, dass ein Eingriff in schutzwürdige Lebensräume
nicht gestattet sei, so dass er nur zulässig sei, wenn ausnahmsweise über-

wiegende Interessen den Eingriff rechtfertigen würden.

Moniert  wird  sodann  eine  fehlerhafte  Variantenprüfung.  So  weise  der  Pla-

nungsbericht darauf hin, dass keine formellen Enteignungen in Betracht ge-

nommen worden seien, obwohl auch entsprechende Lösungen einbezogen

werden müssten. Es seien sodann 15 als relevant erachtete Themen in drei

Kategorien (hohes  [A],  mittleres  [B] und tiefes  [C]  Interesse) eingeteilt  und

für jede der zehn Varianten ermittelt worden, in welchem Mass (gut, mittel,

R4.2024.00214

Seite 50

schlecht) die Interessen jeweils berücksichtigt würden, wobei jedes der zehn

der  Kategorie  A  zugeteilten  Interessen  als  gleichwertig  dargestellt  werde.

Dieses Vorgehen beinhalte gravierende Fehler: Nicht berücksichtigt worden

seien insbesondere die sehr grosse Bedeutung des Waldes, das Verschwin-

den von Rote-Liste-Arten, die Unmöglichkeit eines Ersatzes sowie der zeitli-

che Aspekt im Sinne des Umstands, dass die Interessen Wald und Natur-

schutz für eine Dauer von mindestens 150-250 Jahren massiv beeinträchtigt

würden, während andere Interessen nur für die Dauer einer Etappe oder ma-

ximal des gesamten Betriebs beeinträchtigt würden. Es sei in dieser Situation

nicht zulässig gewesen, das Thema Naturschutz gleichwertig als eines von

zehn  Themen  derselben  Kategorie  zu  behandeln.  Im  Übrigen  beeinflusse

schon die Auswahl und Bewertung der Interessen die Abwägung, indem ähn-

liche Anliegen (wie diejenigen von Anwohnern und Standortgemeinden) se-

parat  berücksichtigt  worden  seien;  in  gleicher  Weise  liesse  sich  auch  das

Interesse Naturschutz aufteilen.

Gestützt auf diese fehlerhafte Interessenabwägung bei der Variantenprüfung

sei  die  vermeintliche  Bestvariante  Y  Mitte  ermittelt  und  zunächst  optimiert

worden.  In einem  zweiten Schritt  sei  gestützt  auf  diese  Variante zwischen

den Anliegen der Abfallwirtschaft und dem Naturschutz eine abschliessende

Interessenabwägung  vorgenommen  worden.  Die  damit  wohl  beabsichtigte
Prüfung  im  Sinne  von  Art.  18  Abs.  1ter  NHG  sei  aber  in  einem  zu  späten
Zeitpunkt und unter fehlerhaften Prämissen erfolgt, da dafür höchst relevant

sei, welche allenfalls schonenderen Varianten es gebe. Der Planungsbericht

führe in Kap. 4.4 die den Interessen zugrundeliegenden Sachverhalte aus-

führlich auf, zähle dann aber in der eigentlichen Abwägung in Kap. 4.5 bloss

die Vorteile des Projekts aus Sicht der Abfallbewirtschaftung auf, wobei die

zusätzlich  aufgezählten  Massnahmen,  die  erst  wegen  des  Eingriffs  über-

haupt erforderlich würden (wie Aufwertung des Y-Grabens oder Optimierung
von  Flächenbeanspruchung,  Eingriffsintensität  und  Anzahl  betroffener  Ei-

chen), für die Begründung der Zulässigkeit des Eingriffs nicht herangezogen

werden  dürften.  Sodann  stelle  eine  blosse  Aufzählung  von  Interessen  mit

einer Schlussfolgerung, die einen seien den anderen überwiegend, ohne tat-

sächliche inhaltliche Auseinandersetzung und Gegenüberstellung keine ge-

setzeskonforme Interessenabwägung dar. Im Einzelnen werden schliesslich

folgende  Fehler  der  Interessenabwägung  angeführt:  die  Interessen  Natur-

schutz und Abfallwirtschaft hätten nicht gleich hoch bewertet werden dürfen;

der  Erhalt  des  Waldes  sei  von  nationaler  Bedeutung,  während  die

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Seite 51

Abfallwirtschaft zwar auch eine Bundesaufgabe, die Erweiterung am konkre-

ten Standort aber nicht von nationaler Bedeutung sei; der Wald sei im Ge-

gensatz zur Deponie strikt standortgebunden; für rund 25 Jahre Deponietä-

tigkeit  werde  ein  Schaden  angerichtet,  der  sich  mindestens  150  bis  250

Jahre auswirken werde; nicht berücksichtigt worden sei, dass die Auswirkun-

gen auch in die benachbarten Waldbereiche hinein wirken würden, Popula-

tionen etlicher seltener und gefährdeter Arten deutlich zurückgehen würden

und  mindestens  eine  Rote-Liste-Art  voraussichtlich  ganz  verschwinden

werde  (wobei 

in  diesem  Zusammenhang  auf  den  Entscheid  BGr

1C_401/2020 vom 1. März 2022 verwiesen wird, gemäss welchem das dort

strittige Wasserkraftwerk erst bewilligt werden könne, wenn ausgeschlossen

sei, dass es den Lebensraum einer gefährdeten Steinfliegen-Art beeinträch-

tige); schliesslich komme auch der Umstand, dass die Quelle als Habitat min-

destens einer Rote-Liste-Art einen schutzwürdigen Lebensraum darstelle, in

der  Interessenabwägung  nicht  vor.  Abschliessend  wird  festgehalten,  das

Projekt sei von den für die UVP zuständigen Stellen klar als nicht umweltver-

träglich benannt worden, was bedeute, dass es den Vorschriften über den

Schutz  der  Umwelt  nicht  entspreche,  mithin  Bundesrecht  verletze.  Zum

Schutz  des  Lebensraums  und der  Rote-Liste-Arten  müsse nötigenfalls  auf

eine aus Sicht anderer Interessen nur zweit- oder drittbeste Variante ausge-

wichen werden; sollte keine umweltverträgliche Variante umsetzbar sein, sei

der Standort aufzugeben.

5.1.2

Die Baudirektion (bzw. das ARE) entgegnet, der Aspekt der Enteignungen

sei im Rahmen der Variantenprüfung thematisiert worden. Gerade weil man

dem  Naturschutz  habe  Rechnung  tragen  wollen,  sei  sodann  das  Work-

shopverfahren durchgeführt worden. Im Rahmen der Variantenprüfung seien

systematisch die denkbaren Varianten ausgearbeitet, bewertet und gegen-
übergestellt worden; der Variantenentscheid sei unter Kenntnis aller betroffe-

nen  Interessen, welche  bereits im  Rahmen der  Variantenprüfung gegenei-

nander  abgewogen  worden  seien,  erfolgt,  womit  eine  den  Vorgaben  von
Art. 18 Abs. 1ter NHG entsprechende umfassende Variantenprüfung stattge-
funden  habe.  Die  sehr  umfangreichen  Sachverhaltsabklärungen  und  Pla-

nungsunterlagen liessen ohne Zweifel darauf schliessen, dass eine vertiefte

materielle Auseinandersetzung, insbesondere mit den Interessen des Natur-

schutzes, stattgefunden habe und ebendiese Interessen entsprechend hoch

gewichtet worden seien. Weiter würden die Optimierungen die Auswirkungen

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der gewählten Varianten bestimmen und hätten insofern einen Einfluss auf

die Interessenabwägung. Irrelevant sei sodann, ob die Erweiterung der De-

ponie von nationaler Bedeutung sei. Die Kantone seien zur Gewährleistung

der Entsorgungssicherheit verpflichtet und im Kanton Zürich anfallende Ab-

fälle  seien  innerhalb  des  Kantonsgebiets  abzulagern;  könnten  Abfälle  auf-

grund  mangelnder  Kapazitäten  nicht  mehr  korrekt  entsorgt  werden,  würde

dies  innert  weniger  Tage  massive  Schäden  an  der  Umwelt  verursachen,

weshalb  dem  Interesse  der  Gewährleistung der  Entsorgungssicherheit  ein

sehr  hohes  Gewicht  zukomme.  Zudem  sei  die  Erweiterung  der  Deponie

standortgebunden: Im Rahmen der Gesamtschau Deponien sei aufgezeigt

worden,  dass  es  im  Kanton  Zürich  keine  Deponiestandorte  gebe,  welche

keine anderen Interessen tangierten, so dass jeder Standort eine Interessen-

abwägung erfordere; das rekurrentische Argument könnte bei jedem Stand-

ort  vorgebracht  werden,  so  dass  im  Kanton  Zürich  kein  Standort  mehr  in

Frage  käme.  Schliesslich  lasse  sich  aus  dem  zitierten  Bundesgerichtsent-

scheid aufgrund unterschiedlicher Ausgangslage (geringer Beitrag des Was-

serkraftwerks zur Versorgungssicherheit) nichts ableiten.

Die Mitbeteiligte argumentiert, dass unter Art. 18 Abs. 1ter NHG ein Eingriff in
schutzwürdige Gebiete nicht zulässig sein solle, sei offensichtlich falsch; die

Norm besage vielmehr das Gegenteil. Inwiefern sich dabei eine andere Inte-

ressenabwägung als unter Art. 3 RPV ergeben solle, erschliesse sich nicht.

Falsch  sei,  dass  in  der  Variantenprüfung  nirgends  die  im  Gutachten  er-

wähnte "(in ökologischer Hinsicht) nationale Bedeutung" des Waldes berück-

sichtigt  worden  sei,  nachdem  gerade  vor  diesem  Hintergrund  das  Work-

shopverfahren (unter Beteiligung der Rekurrierenden) durchgeführt und das

Projekt dahingehend optimiert worden sei, dass nur noch 18 Eichen tangiert

würden. Falsch sei weiter, dass die Thematik des Naturschutzes quasi auto-

matisch  höher  stünde  als  andere  Themen.  In  einer  Interessenabwägung
seien immer die einzelnen Interessen im konkreten Einzelfall gegeneinander

abzuwägen, und es existiere rechtlich kein "per se" Vorrang eines Themas.

Die Variantenprüfung in einem mehrstufigen Workshop-Verfahren zeige auf,

dass vorliegend eine sorgfältige und umfassende Prüfung aller Möglichkeiten

und aller tangierten Themen vorgenommen worden sei (wobei die Mitbetei-

ligte  auf Ziff. 4.3 und 5.5 sowie  Anhang 1  des Planungsberichts  verweist).

Explizit sei für jede Variante eine Interessenabwägung vorgenommen wor-

den und erwähne der Planungsbericht, dass gestützt auf die Ergebnisse der

Interessenabwägung  die  Variante  "Y  Mitte"  als  Bestvariante  ausgewählt

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worden sei. Die geprüften Interessen seien in Kapitel 5 des Planungsberichts

und in den UVB-Kapiteln 3.3 und 4 bis 17 ausführlich beschrieben worden,

wobei  die tangierten Interessen in  einem mehrjährigen  Verfahren,  gestützt

auf diverse Dokumente wie Gutachten, Berichte und Einwendungsverfahren,

ausführlich  und  für  jede  Variante  geprüft  worden  seien;  daran  ändere  die

schliesslich vorgenommene Unterteilung in die Kategorien A, B und C nichts.

Vollkommen zu Recht seien dabei weitere bedeutende Themen wie z.B. die

Abfallwirtschaft, die  Anwohner oder die  Standortgemeinde untersucht wor-

den. Gerade die Abfall- und Kreislaufwirtschaft gelte als gewichtiges und un-

verzichtbares öffentliches Interesse, wobei es indirekt auch um die Vermei-

dung  von Umweltrisiken gehe. Deponien seien  aufgrund  der  geologischen

und  hydrogeologischen  Anforderungen  standortgebunden  und  die  Anzahl

geeigneter  Standorte  stark  limitiert.  Das  Interesse  an  der  Abfallwirtschaft

könne und müsse somit ebenfalls als umweltrechtliches Interesse gewichtet

werden und  stehe dem Interesse  des  Naturschutzes  auf abstrakter Ebene

absolut gleichwertig gegenüber. Dem Schutz der Umwelt sei sodann mit di-

versen Themen mehr als genügend Platz eingeräumt worden. Zu beachten

sei sodann auch in diesem Zusammenhang, dass die schutzrechtlichen Be-

urteilungsspielräume in erster Linie den erstinstanzlichen Behörden obliegen

würden und durch die Gerichte, die nur bei klarer Rechtsverletzung in dieses

Ermessen eingreifen  dürften,  grundsätzlich zu  respektieren  seien. Die Re-

kurrierenden  vermöchten  kein  willkürliches  Vorgehen  der  Rekursgegnerin

darzulegen, weshalb deren Ermessensspielraum zu schützen sei. Hinsicht-

lich der rekurrentischen Ausführungen zur "abschliessenden Interessenab-

wägung"  wiederholt  die  Mitbeteiligte  ihr  Vorbringen,  wonach  im  Gegenteil

bereits bei der Prüfung der Varianten eine Interessenabwägung durchgeführt

worden sei. Sodann seien auch keine inhaltlichen Mängel in der Interessen-

abwägung zwischen den Interessen der Abfallwirtschaft und des Naturschut-

zes ersichtlich. In diesem Zusammenhang wird erneut auf das grosse Ge-
wicht des erstgenannten Interesses verwiesen und festgehalten, es handle

sich nicht um ein rein abstraktes, sondern um ein im konkreten Einzelfall ge-

wichtiges Interesse, da die Auffüllung der bestehenden Deponie Y weit fort-

geschritten sei und für Material Typ B kurz- bis mittelfristig zu wenig Depo-

nieraum  im  Kanton  Zürich  verfügbar  sei,  so  dass  das  Erweiterungsprojekt

sofort  gebaut  und  in  Betrieb  genommen werden  müsse,  andernfalls  es  zu

erheblichen Umweltschäden kommen könnte;  bereits  heute müssten man-

gels ausreichender Deponievolumen im Kanton in eigentlich widerrechtlicher

Weise relevante Mengen an Typ B-Material in andere Kantone transportiert

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Seite 54

werden, was Umwelt und Verkehrsinfrastruktur belaste. Weiter seien die Ar-

gumente  betreffend  Standortgebundenheit  des  Eichenwaldes  nicht  so  ge-

wichtig zu berücksichtigen, insbesondere weil das Projekt optimiert worden

sei und nur ein relativ kleiner Teilverlust vorliege. Hingegen sei die Standort-

gebundenheit der Deponie Y ausgewiesen, da die Potentiale im Offenland

aufgrund  angrenzender  Objekte  wie  Autobahn  und  Siedlung  weitgehend

ausgeschöpft seien. Unzutreffend sei sodann, dass die Existenz der Totholz-

käfer auf der Roten Liste automatisch dazu führen müsse, dass die Beein-

trächtigung des  Gebiets  unzulässig sei.  Aufgrund  des  blossen Teilverlusts

des  Eichenwalds  und  der  umfangreichen  Kompensationsmassnahmen  sei

es eindeutig zulässig gewesen, das unverzichtbare Interesse der Abfallwirt-

schaft konkret höher zu gewichten als den Erhalt einiger Eichen. Zu beach-

ten sei schliesslich, dass nicht jede Umweltunverträglichkeit automatisch zu

einem Verbot von staatlichen Eingriffen führe, da andere, noch gewichtigere

Interessen dazu führen könnten, dass in den Umweltschutz eingegriffen wer-

den müsse.

5.1.3

In der Replik führen die Rekurrierenden ergänzend insbesondere aus, für die

Interessenabwägung sei zentral, dass für eine Deponie von nur regionaler

oder maximal kantonaler Bedeutung ein Lebensraum zerstört werden solle,

der  gemäss  Gutachten  aus  einer  nationalen  Sicht,  also  für  den  Erhalt  der

Artenvielfalt  auf  nationaler  Ebene,  bedeutend  sei.  Dass  in  einer  solchen

Konstellation  ausnahmsweise  die  regionalen  oder  kantonalen  Interessen

dennoch überwiegen könnten, könne nicht vollständig ausgeschlossen wer-

den, doch müssten aussergewöhnliche Umstände vorliegen, was hier nicht

der  Fall  sei.  Weiter  treffe  es  nicht  zu,  dass  den  Behörden  ein  erhebliches

Ermessen zustände, ob ein Lebensraum schutzwürdig sei. Hingegen stehe

ihnen ein Ermessen zu, ob  ein als schutzwürdig anerkannter  Lebensraum
formell  zu  schützen  sei  oder  nicht,  doch  spiele  die  Frage  des  formellen
Schutzes für die Anwendbarkeit von Art. 18 Abs. 1ter NHG und die in diesem
Rahmen vorzunehmenden Interessenabwägungen keine Rolle.

5.2.1

Technische Eingriffe in Schutzobjekte (im Sinne der schutzwürdigen Lebens-
räume bzw.  schützenswerten Biotope) sind nach  Art.  18 Abs.  1ter  NHG zu
gestatten, wenn sie  sich unter  Abwägung aller  Interessen nicht vermeiden

lassen 

(vgl. 

zu 

den 

einschlägigen 

Gesetzes-

und

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Seite 55

Verordnungsbestimmungen  bereits  E. 3.3). Mit  der fehlenden  Vermeidbar-

keit wird die ausschlaggebende Eingriffsvoraussetzung umschrieben, deren

Vorliegen im Rahmen der verlangten Interessenabwägung zu bejahen oder

zu verneinen ist. Dabei stellt sich – neben der Interessenabwägung – unter

dem Stichwort der Vermeidbarkeit auch die gesonderte Frage, ob der Eingriff

in das Schutzobjekt tatsächlich erforderlich ist. Es ist mithin die nach Art. 14

Abs. 6 NHV verlangte Standortgebundenheit nachzuweisen, wobei sich auch

die Frage stellt, ob Alternativen zu dem den vorgesehenen Eingriff auslösen-

den Projekt in Frage kämen, mit denen sich der Eingriff vermeiden oder ver-

ringern liesse (Fahrländer, a.a.O., Art. 18 Rz. 28; vgl. auch BGE 148 II 36

E. 5.5). Erweist sich ein Vorhaben als standortgebunden, stehen keine Alter-

nativen zur Verfügung und erweist sich der Eingriff damit nicht als vermeid-

bar, sind die damit verfolgten öffentlichen und/oder privaten Interessen auf

der  Grundlage der  für die  Begründung des  Vorhabens erarbeiteten  Abklä-

rungen möglichst gut zu ermitteln und zu gewichten, wobei dasselbe für die

Ermittlung des Ausmasses des Verlustes gilt. Die so ermittelten öffentlichen

und privaten Interessen am Eingriff und am integralen Schutz des betroffe-

nen  Biotops  sind  in  einer  umfassenden Interessenabwägung einander  ge-

genüberzustellen. Dabei gilt zu beachten, dass die naturfachliche Bewertung

und die sich vorab daraus ergebende Schutzwürdigkeit des Biotops vielfach

mehreren in der Regel gleichartigen öffentlichen und privaten Interessen ge-

genüberstehen. Je grössere Bedeutung das Biotop aufweist, desto gewich-

tiger müssen die entgegenstehenden Interessen sein, um einen Eingriff zu

rechtfertigen. Dabei ergibt sich aus dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit,

dass der Eingriff nur so weit gehen darf, wie dies erforderlich ist (zum Ganzen

Fahrländer,  a.a.O.,  Art.  18  Rz. 30  m.w.H.;  vgl.  auch  BGE 148  II  36  E. 5.5

[wonach  die Frage,  ob  das  Interesse  an  der  Realisierung des  Projekts  im

konkreten  Fall  überwiegt,  anhand  einer  umfassenden  Abwägung  aller  be-

troffenen Interessen zu prüfen ist] sowie BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober
2016, E. 2.10 und 6.1 [wonach in der umfassenden Interessenabwägung u.a.

zu prüfen ist, welche Alternativen und Varianten in Betracht fallen, wobei sich

diese Anforderung nebst Art. 2 Abs. 1 RPV auch aus Art. 3 NHG sowie aus

dem Erfordernis der Standortgebundenheit für technische Eingriffe in schüt-
zenswerte Biotope gemäss Art. 18 Abs. 1ter NHG i.V.m. Art. 14 Abs. 6 NHV
ergebe]).

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Seite 56

5.2.2

Das  Baurekursgericht  überprüft Nutzungspläne auf  alle  Mängel,  insbeson-

dere auch auf ihre Zweckmässigkeit und Angemessenheit hin (§ 20 Abs. 1

VRG). Damit wird Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG Nachachtung verschafft, der eine

volle Überprüfung von Nutzungsplänen durch mindestens eine kantonale Be-

schwerdebehörde  verlangt.  Eine  umfassende  Interessenabwägung  bildet

dabei Bestandteil des Prüfprogramms gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG. Ob

diese Interessen vollständig erfasst worden sind, ist eine Rechtsfrage. Die

relative  Gewichtung  der  potenziell  widerstreitenden  Interessen  ist  jedoch

weitgehend eine  Ermessensfrage.  Die  Rechtsmittelinstanz  gemäss  Art.  33

RPG  hat  zu  beurteilen,  ob  die  Planungsträgerin  ihr  Ermessen  richtig  und

zweckmässig  ausgeübt hat; dabei hat sie allerdings im Auge zu behalten,

dass sie selbst keine Planungsbehörde ist. Namentlich im Rechtsmittelver-

fahren gemäss Art. 33 RPG ist der den Planungsträgern durch Art. 2 Abs. 3

RPG  zuerkannte  Gestaltungsbereich  zu  beachten 

(zum  Ganzen

VB.2023.00035 vom 16. Mai 2024, E. 2).

Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die erneute Berufung

der Mitbeteiligten auf eine (angebliche) Kognitionsbeschränkung des Baure-

kursgerichts auch im vorliegenden Kontext fehlgeht (vgl. hierzu im Rahmen

eines anderen materiellen Aspekts schon E. 3.4.2), da sich aus der angeru-

fenen  denkmalschutzrechtlichen  Rechtsprechung  (betreffend  Überprüfung

der Zulässigkeit von Schutzanordnungen) nichts hinsichtlich der vorliegend

massgeblichen Fragen (Überprüfung der Zulässigkeit  eines Eingriffs in  ein
schützenswertes Biotop nach Massgabe von Art. 18 Abs. 1ter NHG) bzw. der
entsprechenden  Beurteilungsspielräume  ableiten  lässt.  Die  massgebliche

Kognition entspricht daher dem vorstehend Dargelegten.

5.3.1
Hinsichtlich der Frage, ob Art. 18 Abs. 1ter NHG im Verhältnis zu Art. 3 RPV
eine  spezifische  bzw.  qualifizierte  Form  der  Interessenabwägung verlangt,

ergibt sich – auch im Lichte von E. 5.2.1 – was folgt: Die geforderte Interes-

senabwägung als solche wird regelmässig als eine umfassende unter Einbe-

zug aller betroffenen Interessen umschrieben und dabei ohne weitergehende

Differenzierung auch auf Art. 3 RPV (der die klassische Dreiteilung von Er-

mittlung, Beurteilung und möglichst umfassender Berücksichtigung der Inte-

ressen  statuiert)  verwiesen  (vgl. exemplarisch BGE 148  II  36  E. 5.5, auch

zum  Folgenden),  so  dass  in  diesem  Sinn  zunächst  kein  Unterschied

R4.2024.00214

Seite 57

auszumachen  ist.  Hingegen  stellt  das  mit  dem  Aspekt  der  Vermeidbarkeit

verknüpfte Kriterium der (relativen) Standortgebundenheit eine – mit Art. 5

Abs. 2 lit. a WaG beispielsweise auch im Waldrecht bekannte – Besonderheit

dar, aufgrund derer im Rahmen des Biotopschutzes eine zusätzliche Hürde

für  Eingriffe  resultiert  (vgl.  zur  Unterscheidung  der  beiden  Aspekte  auch

Beatrice  Wagner  Pfeifer,  Umweltrecht  Besondere  Regelungsbereiche,

2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2021, Rz. 1197 ff., insb. Rz. 1198 und 1200).

Was  sodann  das Verhältnis der (in E. 3.4.2 als  zutreffend anerkannten)  in

ökologischer Hinsicht nationalen Bedeutung des betroffenen Lebensraums

zu anderen Interessen anbelangt, so erschiene es als zu weitgehend, ledig-

lich  gegenläufige  Interessen  nationaler  Bedeutung  in  die  Interessenabwä-

gung einzubeziehen, nachdem eine entsprechende Rechtsfolge für spezifi-

sche – vorliegend gerade nicht realisierte – Konstellationen spezialgesetzlich

normiert wurde (vgl. dazu bereits E. 3.4.2; weitergehend wohl Nina Dajcar,

Natur- und Heimatschutz-Inventare des Bundes, Diss. Zürich 2011, S. 134

f., welche die fraglichen Bestimmungen der Biotopschutzinventare lediglich
als Konkretisierung eines sich bereits aus Art. 18 Abs. 1ter NHG ergebenden
Grundsatzes auffasst). Entsprechend lässt sich auch ein – abgemildertes –

Prinzip, wonach nur unter aussergewöhnlichen Umständen in einen Lebens-

raum von nationaler Bedeutung (aber ohne entsprechenden rechtlichen Sta-

tus)  aufgrund  von  Interessen, denen keine nationale  Bedeutung  zukommt,

eingegriffen werden könne, nicht im Sinne einer allgemeingültigen, die Inte-

ressenabwägung  vorstrukturierenden  Regel  formulieren;  offensichtlich  ist

aber, dass dem Gewicht der jeweiligen Interessen (das sich in den fraglichen

Zuweisungen  ausdrückt)  im  Rahmen  der  Interessenabwägung  ein  hoher

Stellenwert zukommt.

5.3.2.1
Die angefochtene Festsetzungsverfügung hält unter dem Titel Interessenab-

wägung fest, im Rahmen der Interessenabwägung seien alle betroffenen In-

teressen ermittelt, gewichtet und bewertet worden. Gestützt auf die Ergeb-

nisse der Interessenbewertung bei den geprüften Varianten sei die Variante

"Y Mitte" als Bestvariante ausgewählt und in einem nächsten Schritt mit ver-

schiedenen Massnahmen optimiert worden. Da auch mit der optimierten Va-

riante nicht alle Interessen vollumfänglich hätten berücksichtigt werden kön-

nen, sei eine abschliessende Interessenabwägung zwischen den Schutzin-

teressen (Schutz von Alteichen-Lebensräumen, Schutz des Waldes, Schutz

R4.2024.00214

Seite 58

der Gewässer) sowie dem Interesse der Abfallwirtschaft (Schaffung von ge-

nügend  Deponievolumen  an  zweckmässigen  Standorten)  vorgenommen

worden. An allen betroffenen Interessen bestehe ein hohes öffentliches Inte-

resse; da sie sich vorliegend nicht vereinbaren lassen würden, seien sie ge-

wichtet und gegeneinander abgewogen worden (act. 3.1 S. 4 f.). Im Folgen-

den beschränkt sich die Festsetzungsverfügung auf die (annähernd) wörtli-

che  Wiedergabe  einer  Passage  des  Planungsberichts  (act.  17.2  S.  24

[Ziff. 4.5 "Ergebnis der Interessenabwägung", Absätze 2 und 3]).

Der Planungsbericht, dem somit hinsichtlich des (dokumentierten) materiel-

len  Gehalts  der  Interessenabwägung  entscheidende  Bedeutung  zukommt,

erwähnt zunächst die – in act. 17.2 Anhang A1 beschriebenen und planlich

dargestellten – im Workshopverfahren erarbeiteten und beurteilten zehn Va-

rianten der Deponieerweiterung (act. 17.2 S. 12 [Ziff. 4.1, vgl. auch Ziff 5.5])

und enthält sodann eine auf den UVB gestützte Interessenermittlung, wobei

bestimmte Interessen als irrelevant ausgeschieden werden (a.a.O. S. 12 f.

[Ziff. 4.2]). Daraufhin werden die Interessen bewertet, indem in einem ersten

Schritt  eine Gewichtung  im  Sinne der Zuordnung  zu  den 3  Kategorien  ho-

hes/mittleres/tiefes Interesse erfolgt und daraufhin in tabellarischer Form für

jede der zehn Varianten grafisch dargestellt wird, in welchem Mass (gut, mit-

tel, schlecht) die jeweilige Variante jedes der beurteilten 15 Interessen be-

rücksichtigt (a.a.O. S. 14 ff. [Ziff. 4.3.1 und 4.3.2]). Schliesslich heisst es in

Ziff. 4.3.3 unter dem Titel "Variantenentscheid" wörtlich: "Gestützt auf die Er-

gebnisse  der  Interessenbewertung  bei  den  geprüften  Varianten  wurde  die

Variante 'Y Mitte' als Bestvariante ausgewählt. Die gewählte Variante 'Y Mit-

te' vermag die wichtigen, z.T. konträren Interessen am besten zu berücksich-

tigen. Sie erlaubt ein Deponievolumen, welches die Vorgaben der Richtpla-

nung bestmöglich erfüllt. Zudem werden die wichtigen Schutzinteressen im

Gebiet zu einem grossen Teil berücksichtigt. Bestehen bleibt aber eine Tan-
gierung  der  Alteichen-Lebensräume  (18  Eichen  mit  wertvollen  Strukturen

(Habitatbäume)) sowie des Y-Grabens. Mit einer weiteren Optimierung kön-

nen  die  Eingriffe  aber  noch  geschmälert  werden.  Seitens  der  Standortge-

meinde,  der Grundeigentümer  und  der Anwohner  ist  die  Variante  'Y  Mitte'

akzeptiert." (a.a.O. S. 20, wobei sich in Ziff. 4.3.4 eine Darstellung der Opti-

mierungen anschliesst).

Auch wenn der Planungsbericht erst die folgende Ziff. 4.4 ausdrücklich mit

"Abwägung  der  ermittelten  und  bewerteten  Interessen  bei  der  optimierten

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Seite 59

Variante 'Y Mitte'" überschreibt (vgl. zu dieser sogenannten "abschliessen-

den Interessenabwägung" nachstehend E. 5.3.2.2), gehen die Parteien über-

einstimmend und zu Recht davon aus, dass schon der Variantenentscheid

auf einer Interessenabwägung beruhen muss. Allerdings vermögen die wie-

dergegebenen Erwägungen den Anforderungen an eine solche den Varian-

tenentscheid begründende Interessenabwägung in keiner Weise zu genügen

(wobei die Hinweise der Mitbeteiligten auf den gesamten Prozess schon des-

halb unbehelflich sind, weil letztlich nur die dokumentierte Abwägung einer

gerichtlichen  Überprüfung  zugänglich  ist).  Nicht  nachvollziehbar  ist  vorlie-

gend  insbesondere,  weshalb seitens  des Planungsträgers  (auf Ebene des

Gestaltungsplans) der Realisierung einer Variante mit gewissen (zumindest

behaupteten  [vgl.  dazu  näher  E.  5.3.3])  Vorzügen  (Deponievolumen)  und

korrespondierenden  Nachteilen  (Eingriff  in  einen  schutzwürdigen  Lebens-

raum) der Vorzug gegenüber einer Variante gegeben wurde, die sich – bei

(u.U.) gewissen Abstrichen hinsichtlich des Kriteriums der Abfallwirtschaft –

als  für  die  Interessen  des  Naturschutzes  vorteilhafter  erwiesen hätte  bzw.

weshalb letztlich die den Interessen des Naturschutzes entgegenstehenden

Interessen  (insbesondere  der  Abfallwirtschaft)  als  überwiegend  eingestuft

wurden. Eine  entsprechende  Begründung lässt  sich  namentlich  auch nicht

aus  den  tabellarischen  Übersichten  herauslesen,  indem  gleichsam  mathe-

matisch die grösstmögliche Zahl positiver Bewertungen eruiert würde (wäh-

rend der UVB von vornherein lediglich die Beschreibung bestimmter Interes-

sen  und  nicht  deren  Abwägung  enthält).  Im Gegenteil  wäre es  gerade  mit

Blick auf  die  Besonderheit  des von der geplanten  Deponieerweiterung be-

troffenen Lebensraums (vgl. im Einzelnen E. 3.4.1 f.) zwingend erforderlich

gewesen, sich im Rahmen des Variantenentscheids bzw. der entsprechen-

den  Interessenabwägung  spezifisch  mit  den  Auswirkungen  der  einzelnen

Varianten  auf  diesen  Lebensraum  auseinanderzusetzen  und  nachvollzieh-

bar aufzuzeigen, aus welchen Gründen gegebenenfalls davon ausgegangen
wurde, die insoweit bestehenden Nachteile einer bestimmten Variante hätten

gegenüber  deren  Vorteilen  in  den  Hintergrund  zu  treten.  Nichts  anderes

ergibt  sich  schliesslich  aufgrund  der  im  Anhang  A1  des  Planungsberichts

enthaltenen Beschreibungen der geprüften Varianten, da auch diese bei Um-

schreibung  der  einzelnen  Interessen  lediglich stichwortartige  Hinweise  da-

rauf geben, weshalb das jeweilige Kriterium bei einer Variante als erfüllt oder

nicht erfüllt qualifiziert wurde, sich jedoch gerade nicht zur spezifischen Ab-

wägungsfrage äussern, weshalb letztlich aufgrund dieser Interessenbewer-

tung ein Entscheid für eine bestimmte Variante resultierte.

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Seite 60

Aufgrund des Hinweises, wonach der Variantenentscheid abschliessend von

der Baudirektion am 16. Dezember 2022 getroffen worden sei (act. 3.1 S. 4),

wurde  seitens  des  Baurekursgerichts  die  Einreichung  des  fraglichen  Ent-

scheids angeordnet. Das entsprechende Dokument (act. 27.3) enthält jedoch

ebenfalls keine transparente Begründung, aufgrund derer auf eine rechtsge-

nügende  Interessenabwägung  im  Hinblick  auf  den  Variantenentscheid  ge-

schlossen werden könnte, da insoweit einzig festgehalten wird, "aufgrund der

Erkenntnisse aus der fachlich fundierten Auslegeordnung, dem Pilotverfah-

ren mit Workshops mit vielen Beteiligten sowie der Haltung, dass auf eine

Enteignung verzichtet werden soll, [sei] die Variante 'Y Mitte' weiterzuverfol-

gen" (a.a.O. S. 2). Bemerkenswert erscheint im Übrigen, dass im eingereich-

ten Dokument (Protokoll der Information zum Variantenentscheid anlässlich

einer am 16. Dezember 2022 abgehaltenen Sitzung) einleitend darauf hin-

gewiesen wird, der Entscheid sei der Mitbeteiligten vorgängig bekannt gege-

ben  worden,  so  dass  der  Anschein  eines  bereits  früher  getroffenen  Ent-

scheids entsteht, der allerdings nicht dokumentiert bzw. – trotz entsprechen-

der Aufforderung zur Einreichung des Variantenentscheids – jedenfalls nicht

aktenkundig wäre. Zusammenfassend bleibt es somit dabei, dass der – pri-

mär  im  Planungsbericht  dokumentierte –  Variantenentscheid  den Anforde-

rungen  an  eine  umfassende  und  den  Besonderheiten  der  vorliegenden

Konstellation  Rechnung  tragende  Interessenabwägung  nicht  genügt.  Zu-

gleich fehlt es damit am erforderlichen Nachweis der Standortgebundenheit,

da gerade nicht in nachvollziehbarer Weise dargetan ist, weshalb die Reali-

sierung einer das ökologisch wertvolle Waldareal tangierenden Variante als

unverzichtbar eingeschätzt wurde.

5.3.2.2

Entsprechend der referierten Passage der angefochtenen Verfügung hält der

Planungsbericht in der bereits erwähnten Ziff. 4.4 einleitend fest, für die ge-
plante Deponie mit der optimierten Variante "Y Mitte" (im Sinne von act. 17.2

Anhang A2) sei eine Interessenabwägung  zwischen den  Schutzinteressen

(Schutz von Alteichen-Lebensräumen, Schutz des Waldes, Schutz der Ge-

wässer) sowie dem Interesse der Abfallwirtschaft (Schaffung von genügend

Deponievolumen an zweckmässigen Standorten) vorzunehmen. Im Folgen-

den werden die genannten Interessen im Detail referiert (act. 17.2 S. 20 ff.,

auch zum Folgenden), wobei bezüglich der Abfallwirtschaft insbesondere auf

die gesetzliche Pflicht zur langfristigen Sicherung ausreichenden Deponievo-

lumens, das Ziel einer Ablagerung innerhalb des Kantons, die zeitlich hohe

R4.2024.00214

Seite 61

Priorität  sowie  die  Relevanz  für  eine  Kreislaufwirtschaft  hingewiesen  wird.

Bezüglich der Naturschutzinteressen erfolgen detaillierte Ausführungen, in-

dem zunächst das Gutachten referiert und die umliegenden Waldareale be-

schrieben  werden, sodann  auf die  Verjüngungslücke,  die  Etappierung und

die Optimierungen im Deponieperimeter eingegangen wird und schliesslich

Ausführungen zur langfristigen Zerstörung des Lebensraums, den indirekten

Auswirkungen,  der  fehlenden  Ersetzbarkeit  und  der  fehlenden  Umweltver-

träglichkeit  erfolgen.  Während  Ziff. 4.4  somit eine  umfassende Darstellung

der widerstreitenden Interessen enthält, beschränkt sich die eigentliche Ab-

wägung in der "Ergebnis der Interessenabwägung" betitelten Ziff. 4.5 (a.a.O.

S. 24) darauf, nach einleitenden allgemeinen Ausführungen die für die ge-

plante  Erweiterung  sprechenden  Gründe  (Entsorgungssicherheit,  optimale

Erschliessung, kurze Anfahrtswege) aufzuführen (was auch dem Vorgehen

im Bericht zu den Einwendungen entspricht [vgl. act. 17.7, insb. S. 5, 7 f.]),

um danach verschiedene Aspekte zu erörtern, welche im weiteren Sinn die

Optimierung  des  Vorhabens  betreffen  (Aufwertung  Y-Graben,  verminderte

Flächenbeanspruchung, Etappierung, Reduzierung der Zahl der von der Ro-

dung betroffenen Habitatbäume, Einpassung in die Landschaft). Abschlies-

send heisst es sodann wörtlich: "Vorliegend wird unter Berücksichtigung aller

massgeblichen Interessen die Erweiterung der Deponie Y als für die Sicher-

stellung der Entsorgungssicherheit im Kanton Zürich zwingend notwendig er-

achtet und überwiegt das Interesse des Naturschutzes."

Unabhängig  davon,  inwieweit  diese  Ausführungen  den  Anforderungen  an

eine umfassende Interessenabwägung ihrerseits zu genügen vermögen (vgl.

dazu E. 5.3.4), machen sie jedenfalls deutlich, dass eine wesentlich fundier-

tere  Auseinandersetzung  mit  den  Besonderheiten  des  vorliegend  betroffe-

nen schutzwürdigen Lebensraums möglich ist (und offenbar auch als ange-

zeigt erachtet wurde) als sie im Rahmen des dokumentierten Variantenent-
scheids erfolgt ist, wodurch sich die in E. 5.3.2.1 geäusserte Kritik bestätigt.

Entscheidend  ist  nun,  dass  mit  den  referierten  Ausführungen  gemäss

Ziff. 4.4 (und 4.5) des Planungsberichts die konstatierten Mängel des Vari-

antenentscheids bzw. der in Bezug auf diesen vorgenommenen (ersten) In-

teressenabwägung  nicht  behoben  werden  können.  Dies  deshalb,  weil  im

Rahmen  der  sogenannten  "abschliessenden"  (zweiten)  Interessenabwä-

gung  von vornherein  nur  noch die (optimierte)  "Bestvariante"  (Y Mitte)  zur

Diskussion stand, so dass sinngemäss diese gegenüber einem vollständigen

Verzicht  auf  eine  Deponieerweiterung  abgewogen  wurde.  Damit  wirkt  sich

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Seite 62

das (durchaus beachtliche) Realisierungsinteresse an einer Deponieerwei-

terung als  solcher ausschliesslich zugunsten der entsprechenden  Variante

"Y Mitte, angepasst" aus, so dass – soweit das abfallwirtschaftliche Realisie-

rungsinteresse als die Naturschutzinteressen überwiegend eingestuft wird –

automatisch  die  Zulässigkeit  der  genannten  Variante  resultiert.  Indessen

wäre durchaus denkbar, dass bei einer fundierten (und dokumentierten) Aus-

einandersetzung mit den Naturschutzinteressen bereits im Rahmen des Va-

riantenentscheids zwar ebenfalls kein vollständiger Verzicht auf eine Depo-

nieerweiterung resultieren würde, jedoch eine andere als die vorliegend ge-

wählte Variante als Bestvariante qualifiziert würde, da ihr – bei u.U. weniger

weitgehender  Erfüllung  der  Interessen  der  Abfallwirtschaft  –  aufgrund  der

dannzumal fundiert geprüften Vorteile hinsichtlich der Interessen des Natur-

schutzes insgesamt der Vorzug gegeben würde. Entsprechend ist es unver-

zichtbar,  bei  Bestimmung  der  Bestvariante  eine  rechtsgenügende  Interes-

senabwägung (vorliegend insbesondere unter vertiefter Auseinandersetzung

mit den Interessen des Naturschutzes) vorzunehmen, und können nachträg-

liche – nur noch eine Variante betreffende – Abwägungen die Mängel des

vorgängigen Verfahrens von vornherein nicht mehr beseitigen.

Zusammenfassend  bleibt  es  somit  dabei,  dass  es  hinsichtlich  des  Varian-

tenentscheids (auf Ebene der Nutzungsplanung) an einer rechtsgenügenden

Interessenabwägung und einem Nachweis der Standortgebundenheit fehlt,

was – unabhängig von den in E. 4 referierten Mängeln des Richtplaneintrags

– ebenfalls zur Aufhebung der angefochtenen Festsetzungsverfügung führt.

5.3.3

Die  Variantenprüfung und  damit auch  der  entsprechende  –  Grundlage der

Festsetzung  des  Gestaltungsplans  bildende  –  Variantenentscheid  weisen

überdies weitere Mängel auf, die unabhängig von der in E. 5.3.2 behandelten
Problematik zur Aufhebung der Festsetzung führen würden:

Zunächst fällt auf, dass in Anhang A1 des Planungsberichts für bestimmte

Varianten  ("Süd,  optimiert",  "Süd,  Steilböschung"  und  "Süd,  maximiert")  in

der  einleitenden  Übersichtstabelle  darauf  hingewiesen  wird,  sie  seien  mit

sämtlichen  Varianten  ausser  der  –  letztlich  als  Bestvariante  bestimmten  –

Variante "Y Mitte" kombinierbar. Mit anderen Worten wäre beispielsweise die

– bezüglich der Naturschutzinteressen klar vorteilhafte – Variante "Y Nord",

für  die  ein  nur  unwesentlich  geringeres  neu  geschaffenes  Volumen

R4.2024.00214

Seite 63

(2,1 Mio. m3) als für die Variante "Y Mitte" (2,3 Mio. m3) ausgewiesen wird
mit einer der vorgenannten Varianten kombinierbar, wodurch sich das Depo-

nievolumen entsprechend erhöhen würde, so dass der (behauptete) Haupt-

vorteil  der  Variante  "Y  Mitte"  verschwinden  würde.  In  diesem Zusammen-

hang  ist  –  mit  Blick  auf  das  in  E. 5.2.2  zur  Kognition  Dargelegte  –  darauf

hinzuweisen, dass es bei diesem und den folgenden Hinweisen nicht darum

geht,  anstelle der Planungsbehörde  eine andere  Bestvariante  zu eruieren;

aufgezeigt werden soll lediglich, dass bestimmte methodische Mängel (wie

z.B. die  systematische  Ausserachtlassung  von  Kombinationsvarianten) die

Variantenprüfung von vornherein verfälscht haben, so dass seitens der Pla-

nungsbehörde keine umfassende und rechtsgenügende Klärung erfolgt und

damit letztlich das ihr zustehende Ermessen offensichtlich fehlerhaft ausge-

übt worden ist.

Ebenfalls  offensichtlich  unhaltbar  ist  weiter  der  Umstand,  dass  in  den  Be-

schreibungen der Varianten in Anhang A1 des Planungsberichts beim Krite-

rium  Abfallwirtschaft  nur  für  bestimmte  Varianten  ("Süd,  optimiert",  "Süd,

Steilböschung", "Süd, maximiert" und "Y Mitte") das Volumen der bisherigen

Deponie miteingerechnet wurde, während für die anderen fünf neu gebilde-

ten Varianten ausschliesslich auf das neu geschaffene Volumen abgestellt

wurde.  Zwar  ist  nachvollziehbar,  dass  der  Unterschied  der  erstgenannten

vier Varianten zu den fünf anderen insoweit darin liegt, dass erstere den Pe-

rimeter der bestehenden Deponie in den Erweiterungsperimeter integrieren

(vgl. die planlichen Darstellungen in act. 17.2 Anhang A1). Analog der vor-

stehend erwähnten Kombinierbarkeit neuer Varianten ändert dies aber nichts

daran, dass auch im Hinblick auf die bereits bestehende Deponie eine Vari-

ante mit ausserhalb der  bereits  beanspruchten  Fläche liegendem  Erweite-

rungsperimeter von ihrer abfallwirtschaftlichen Gesamtwirkung her auch das

bestehende  Deponievolumen  mitumfasst.  Die  Verfälschung  zeigt  sich
exemplarisch beim  Vergleich  der  Varianten "Y  Nord"  und  "Y  Mitte",  deren

neu geschaffenes Volumen wie erwähnt nur geringfügig differiert, während

aufgrund der unterschiedlichen Behandlung des bestehenden Deponievolu-

mens  beim  Kriterium  Abfallwirtschaft  eine  vermeintlich  erhebliche  Diskre-
panz von 2,1 Mio m3 im Verhältnis zu 2,85 Mio. m3 ausgewiesen wird. Dass
sodann im Folgenden die (in Anhang A1 an sich transparent gemachte) un-

terschiedliche Behandlung gerade nicht mitreflektiert wurde, zeigt sich daran,

dass  das  Kriterium  der  Abfallwirtschaft  –  trotz  wie  gezeigt  effektiv

R4.2024.00214

Seite 64

geringfügiger Abweichung – für die Variante "Y Mitte" als gut, für die Variante

"Y Nord" aber als "mittel/schlecht" ausgewiesen wurde (act. 17.2 S. 17).

Ein weiteres methodisches Problem ergibt sich schliesslich im Zusammen-

hang mit der nachträglichen Optimierung der Bestvariante. In deren Rahmen
verkleinerte sich das neu geschaffene Deponievolumen auf 2 Mio. m3 (vgl.
act. 17.2 Anhang A2), so dass es mittlerweile sogar kleiner als dasjenige der

Variante "Y Nord" ist. Damit entfiel nachträglich derjenige Aspekt, welcher im

Rahmen der Variantenprüfung augenscheinlich als der grosse Vorteil der Va-

riante "Y Mitte" erachtet worden war, war doch bei dieser als einziger Vari-

ante  (nebst  dem  ursprünglichen  Projekt)  das  Kriterium  Abfallwirtschaft  als

"gut" (bzw. im Anhang A1 als "erfüllt") ausgewiesen worden, während es bei

der Variante "Y Mitte, angepasst" nun (zutreffend) als "nicht erreicht" qualifi-

ziert wird. Damit aber hätte korrekterweise eine  Abwägung  aller  Varianten

unter Einbezug der Variante "Y Mitte, angepasst" (und unter Ausschluss der

ursprünglichen Variante "Y Mitte") erfolgen müssen, was sich anhand folgen-

der  Überlegung  demonstrieren  lässt:  Werden  –  bei  zwecks  Darlegung  der

Problematik vorgenommener Fokussierung auf zwei Interessen – zwei Vari-

anten miteinander verglichen,  von denen  die eine Vorteile beim einen und

Nachteile beim anderen Kriterium aufweist, während sich für die andere Va-

riante die umgekehrte Einschätzung ergibt, so ist offenkundig, dass die Vo-

raussetzungen des – bei dieser Ausgangslage grundsätzlich offenen – Vari-

antenentscheids sich fundamental verändern, wenn das eine Kriterium durch

nachträgliche Abänderung  der  einen  Variante für  beide  Varianten  angegli-

chen wird, während das andere Kriterium (bzw. die entsprechende Diskre-

panz) gleich bleibt. Klarzustellen ist, dass damit nicht die – zwecks besserer

Berücksichtigung der Naturschutzinteressen erfolgte – Optimierung in Frage

gestellt werden soll; methodisch unhaltbar ist aber, entsprechende Optimie-

rungen erst nachträglich vorzunehmen (wobei sie bemerkenswerterweise –
wie in act. 27.3 ausgewiesen – bereits im Zeitpunkt des definitiven Varian-

tenentscheids bekannt bzw. zumindest angedacht waren) und damit den Va-

riantenentscheid  bezüglich massgeblicher  Parameter unter  unzutreffenden

Prämissen zu treffen.

Lediglich  bemerkungsweise  sei  abschliessend  noch  auf  Folgendes  hinge-

wiesen:  Sowohl  die  Festsetzungsverfügung  als  auch  der  Planungsbericht

und der UVB gehen einerseits – gerade auch mit Blick auf die Naturschutz-

interessen  (z.B.  betreffend  den  neu  weniger  stark  tangierten  Y-Graben)  –

R4.2024.00214

Seite 65

ausdrücklich davon aus, dass die optimierte Variante massgebend sei, ver-

wenden aber bezüglich des massgeblichen Deponievolumens (und entspre-

chend  auch  der  zu  rodenden Fläche)  konsequent  die  höheren Zahlen  der

nicht optimierten Variante (bzw. z.T. noch höhere; vgl. exemplarisch act. 3.1

S. 2 und 4; vgl. auch act. 17.2 S. 26 und act. 17.4 S. 2, 6 sowie zu den Werten

der Varianten act. 17.2 Anhang A1 und A2), so dass insoweit davon ausge-

gangen werden muss, dass der abfallwirtschaftliche Nutzen der Deponie im

Sinne dieser unzutreffenden Angaben überschätzt wurde (soweit nicht nach-

träglich  eine  weitere  Veränderung  vorgenommen  worden  wäre,  die  dann

aber nirgends dokumentiert wäre).

5.3.4

Nach dem in E. 4, E. 5.3.2 und E. 5.3.3 Ausgeführten ist die Festsetzungs-

verfügung aus mehreren – voneinander unabhängigen – Gründen aufzuhe-

ben. Eine allfällige zukünftige Interessenabwägung durch die Vorinstanz (vgl.

allerdings zur vorliegenden Aufhebung ohne Rückweisung E. 5.3.5) ist durch

die  Rekursinstanz  nicht  vorwegzunehmen,  doch  sind  diesbezüglich  –  mit

Blick auf die entsprechenden Parteivorbringen – immerhin die folgenden Hin-

weise anzubringen:

Es ist offenkundig, dass den Interessen des Naturschutzes in der vorliegen-

den Konstellation ein sehr grosses Gewicht zukommt (womit eine entspre-

chend  sorgfältige 

Interessenabwägung  erforderlich  wäre 

[vgl.  BGr

1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016, E. 6.3]), dies namentlich aus den fol-

genden Gründen (vgl. im Detail E. 3.4): Der von der strittigen Erweiterungs-

variante tangierte Lebensraum zeichnet sich durch seine Besonderheit aus,

da  die  schon  an  sich  speziellen  Bestände  alter  Eichen  auf  feuchtem  und

nährstoffreichem Untergrund wachsen. Im Perimeter sind diverse, teilweise

stark  gefährdete  Rote-Liste-Arten  nachgewiesen,  wobei  insbesondere  die
Flechte Caloplaca lucifuga bei Realisierung der geplanten Variante im Peri-

meter vollständig verschwinden dürfte. Der fragliche schutzwürdige Lebens-

raum  ist  aufgrund  seines  Alters  nicht  ersetzbar,  wobei  das  entsprechende

zeitliche Element das vorliegend tangierte Interesse des Naturschutzes von

sämtlichen anderen untersuchten Interessen, die nur temporär tangiert wür-

den, unterscheidet. Schliesslich greift es zu kurz, die Intensität des Eingriffs

ausschliesslich anhand des unmittelbar zerstörten Lebensraums zu bemes-

sen,  da mit grosser  Wahrscheinlichkeit erhebliche  indirekte  Wirkungen auf

den an sich "verschonten" Teil zu erwarten sind. Die genannten Aspekte sind

R4.2024.00214

Seite 66

in eine umfassende Interessenabwägung zwangsläufig einzubeziehen, wo-

bei konkret auszuweisen ist, in welcher Form sie berücksichtigt wurden bzw.

aus welchen Gründen gegebenenfalls aus Sicht des Planungsträgers trotz

dieser Aspekte andere Interessen als überwiegend beurteilt wurden, da nur

so eine materielle gerichtliche Prüfung der Interessenabwägung möglich ist.

Aufgrund des Umstands, dass die im Planungsbericht dokumentierte soge-

nannte "abschliessende" Interessenabwägung zufolge Beschränkung auf die

bereits  bestimmte  Bestvariante  von  vornherein  die  beanstandeten  Mängel

nicht zu beheben vermag, erübrigt sich an sich eine Auseinandersetzung mit

der Frage, ob diese zweite Interessenabwägung die vorstehenden Anforde-

rungen erfüllt hätte. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass zwar die meisten

der genannten Aspekte (nicht aber das unterschiedliche Gewicht des zeitli-

chen  Elements  bei  den  verschiedenen  Interessen)  in  Ziff.  4.4.2  des  Pla-

nungsberichts benannt werden, damit jedoch noch nicht nachvollziehbar dar-

getan ist, wie damit in der eigentlichen Abwägung der Interessen umgegan-

gen wurde. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang immerhin, dass die

Berufung der Rekurrierenden auf den Entscheid BGr 401/2020 vom 1. März

2022 (insb. E. 4.9) insofern zu kurz greift, als die dort formulierte Schlussfol-

gerung, wonach eine Bewilligung des strittigen Kraftwerksprojekts nur mög-

lich sei, wenn eine Beeinträchtigung des Lebensraums einer bestimmten Kö-

cherfliegen-Art ausgeschlossen werden könne, sich auf eine konkrete Inte-

ressenkonstellation bezieht, so dass die Aussage nicht unbesehen auf den

vorliegenden Fall übertragen werden kann, sondern gerade im Rahmen ei-

ner – im vorliegenden Entscheid nicht vorzunehmenden – rechtsgenügenden

Interessenabwägung konkret geprüft werden muss, ob für den tangierten Le-

bensraum der Flechte  Caloplaca  lucifuga  Entsprechendes  gilt  (soweit sich

diese  Frage  bei  einer  korrekt  durchgeführten  Variantenprüfung  überhaupt

noch stellt).

Zu einzelnen Vorbringen der Parteien drängen sich sodann folgende Bemer-

kungen auf: Der (notabene ohne nähere Begründung erfolgte) kategorische

Ausschluss von Enteignungen (vgl. act. 17.2 S. 14; ebenso act. 27.3 S. 2)

erscheint mit Blick auf das Erfordernis einer umfassenden Interessenabwä-

gung problematisch, da damit ein bestimmtes Interesse von vornherein einer

Abwägung  entzogen  wird.  Sodann  ist  zwar  ohne  Weiteres  von  einem  ge-

wichtigen Interesse der Abfallwirtschaft auszugehen, doch ist der Argumen-

tation der Mitbeteiligten, wonach ein Verzicht auf die strittige Erweiterungs-

variante  zu  erheblichen  Umweltschäden führen  könnte,  entgegenzuhalten,

R4.2024.00214

Seite 67

dass zum einen prima vista nicht ersichtlich ist, inwiefern dieses Argument

sich  auf  die  Wahl  einer konkreten  Variante  auswirken  könnte,  solange die

verglichenen Varianten bezüglich des Deponievolumens nicht erheblich von-

einander abweichen, während zum andern die Mitbeteiligte selbst (in gewis-

sem Widerspruch zur behaupteten Dringlichkeit) auf – anerkanntermassen

unerwünschte, aber dennoch praktizierte – Entsorgungsmöglichkeiten aus-

serhalb  des  Kantons  verweist.  Unbehelflich  ist  schliesslich  die  seitens  der

Baudirektion  vertretene  pauschale  Begründung  der  Standortgebundenheit

der Deponie, würde doch das fragliche Kriterium seinen Sinn verlieren, wenn

es lediglich unter  Verweis auf die bei sämtlichen  Standorten  vorhandenen

entgegenstehenden  Interessen  stets  bejaht  werden  müsste.  Zutreffend  ist

vielmehr, dass die Standortgebundenheit im konkreten Einzelfall nachgewie-

sen werden muss, wobei eine Bejahung insbesondere in Konstellationen, in

denen andere Varianten bestehen, mit denen eine Beeinträchtigung schutz-

würdiger Lebensräume vermieden oder jedenfalls minimiert werden könnte,

alles andere als offensichtlich ist.

5.3.5

Zusammengefasst  ist  die  Festsetzung  des  strittigen  Gestaltungsplans  aus

den genannten – jeweils schon bei isolierter Betrachtung zu diesem Ergebnis

führenden – Gründen (fehlender rechtsgenügender Richtplaneintrag [E. 4];

fehlende  rechtsgenügende  Interessenabwägung  im  Rahmen  des  Varian-

tenentscheids und fehlender Nachweis der Standortgebundenheit [E. 5.3.2];

weitere  methodische Mängel der  Variantenprüfung [E.  5.3.3])  aufzuheben.

Dabei ist auf eine Rückweisung an die Vorinstanz zu verzichten. Dies zum

einen  aufgrund  des  festgestellten Fehlens  eines  rechtsgenügenden  Richt-

planeintrags,  da  vor  allfälliger  erneuter  richtplanerischer  Festsetzung  des

Deponiestandorts von vornherein nicht ersichtlich ist, welche Prüfung – im

Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens – die Vorinstanz noch vornehmen
in
sollte  (auch  wenn  zu  konstatieren 

ist,  dass  das  Bundesgericht 

BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016 in einer entsprechenden Konstel-

lation ohne nähere Begründung eine Rückweisung vornahm). Zum andern

muss  es auch  deshalb bei  der blossen Aufhebung  sein  Bewenden haben,

weil  aufgrund  der  in  E. 5.3.3  dargelegten  Mängel  eine  allfällige  zukünftige

Variantenprüfung zunächst die Erarbeitung neuer (insbesondere auch kom-

binierter)  Varianten  seitens der Mitbeteiligten (als  Gesuchstellerin) voraus-

setzen würde, so dass auch insoweit eine Rückweisung an die Vorinstanz

R4.2024.00214

Seite 68

zur unmittelbaren Vornahme einer rechtsgenügenden Interessenabwägung

ausser Betracht fällt.

6.1

Angefochten ist  im  Verfahren  G.-Nr. R4.2014.00214  wie  erwähnt  auch  die

Rodungsbewilligung  (act.  3.2).  Die  Rekurrierenden  machen  diesbezüglich

zusammengefasst geltend, alles zur Festsetzung des Gestaltungsplans Aus-

geführte gelte analog auch betreffend die Rodung, so dass die Vorausset-

zungen  für  eine  Rodungsbewilligung  nach  Art.  5  Abs.  2  WaG  nicht  erfüllt

seien. Sie kritisieren sodann die beiden im Rahmen der Anhörungen einge-

reichten  Stellungnahmen  des  BAFU  vom  4.  November  2021  bzw.

10. Juli 2023 (act. 27.1 und 27.2).

Die Baudirektion (bzw. der Mitbericht des ALN) hält dafür, genügend Depo-

niekapazität  sei  ein  hohes  öffentliches  Interesse  und  damit  ein  wichtiger

Grund  für  eine  Ausnahmebewilligung.  Zudem  bestehe  ein  rechtskräftiger

Richtplaneintrag.  Die  Standortgebundenheit  resultiere  aus  der  kantonalen

Gesamtinteressenabwägung. Schliesslich werde mit der neu ausgearbeite-

ten  Variante  in  Bezug  auf  die  Walderhaltung  eine  deutliche  Verbesserung

erreicht, so dass dem Naturschutz ausreichend Rechnung getragen worden

sei.

Die Mitbeteiligte verweist auf ihre Ausführungen zur Festsetzung des Gestal-

tungsplans  und  erachtet  die  Voraussetzungen  für  eine  Rodung  als  erfüllt.

Sodann äussert sie sich ebenfalls zu den beiden Stellungnahmen des BAFU.

6.2

Gemäss Art. 5 Abs. 1 WaG sind Rodungen verboten. Gemäss Abs. 2 darf
eine  Ausnahmebewilligung  erteilt  werden,  wenn  der  Gesuchsteller  nach-

weist, dass für die Rodung wichtige Gründe bestehen, die das Interesse an

der Walderhaltung überwiegen und zudem die folgenden Voraussetzungen

erfüllt sind: (lit. a) das Werk, für das gerodet werden soll, muss auf den vor-

gesehenen Standort angewiesen sein; (lit. b) das Werk muss die Vorausset-

zungen der Raumplanung sachlich erfüllen; (lit. c) die Rodung darf zu keiner

erheblichen Gefährdung der Umwelt führen. Gemäss Abs. 4 ist dem Natur-

und Heimatschutz Rechnung zu tragen.

R4.2024.00214

Seite 69

6.3

Aufgrund  des  vorstehend  in  Bezug  auf  die  Festsetzung  des  Gestaltungs-

plans Ausgeführten ergibt sich ohne Weiteres, dass auch die Rodungsbewil-

ligung zu Unrecht erteilt wurde und entsprechend aufzuheben ist. So fehlt es

aufgrund der in E. 4 konstatierten Mangelhaftigkeit des Richtplaneintrags am

Erfordernis der sachlichen Erfüllung der Voraussetzungen der Raumplanung

(Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG). Ebenso lässt sich aufgrund der in E. 5 dargelegten

Mängel im Rahmen der Variantenprüfung die relative Standortgebundenheit

der strittigen Variante und damit auch der für diese erforderlichen Rodungen

nicht bejahen (Art. 5 Abs. 2 lit. a WaG). Aufgrund der ebenfalls in E. 5 aufge-

zeigten mangelhaften Interessenabwägung ist deshalb auch der Nachweis

überwiegender wichtiger Gründe für die konkret vorgesehene Rodung nicht

erbracht (Art. 5 Abs. 2 Ingress WaG), wobei aufgrund der Verknüpfung mit

dem Aspekt des Biotopschutzes auch eine ausreichende Berücksichtigung

des Natur- und Heimatschutzes zu verneinen ist (Art. 5 Abs. 4 WaG).

7.

Zusammengefasst ergibt sich, dass die Rekurse gutzuheissen sind (wobei

aufgrund  des  Verfahrensausgangs  auf  die 

im  Rekursverfahren  G.-

Nr. R4.2024.00215 erhobenen Rügen nicht näher einzugehen ist). Demge-

mäss  sind  die  Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  Nr.  KS ARE  24-

0269 vom 15. November 2024 und die Verfügung des Amts für Landschaft

und Natur des Kantons Zürich (ALN) vom 14. November 2024 aufzuheben.

8.1

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten je zur Hälfte der Baudirektion

Kanton Zürich und der A AG aufzuerlegen (§ 13 VRG).

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder  dem tatsächlichen  Streitinteresse fest. Liegt  wie  hier

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV

VGr). In besonders aufwendigen Verfahren kann die Gerichtsgebühr bis auf

das Doppelte erhöht werden (§ 4 Abs. 1 GebV VGr). Bei der Bemessung der

R4.2024.00214

Seite 70

Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu

(Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13

Rz. 25 ff.).

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses (kantona-

ler Gestaltungsplan betreffend Deponieerweiterung mit einem zusätzlichen
Volumen  von  [gemäss  Angaben  in  act.  3.1  S.  2]  ca.  2,4  Mio.  m3  für  eine
zusätzliche Betriebsdauer von ca. 20-25 Jahren), des Umfangs des vorlie-

genden Urteils, der Vereinigung mehrerer Rekursverfahren sowie des Um-

standes, dass mehrere Verfügungen zu beurteilen waren, ist die Gerichtsge-

bühr  auf  Fr. 20'000.--  festzusetzen  (BGr  1C_566/2015  vom  18.  Februar

2016, E. 2; BGr 1C_244/2013 vom 4. Juli 2013, E. 4; BRGE II Nrn. 0162 und

0163/2012 vom 23. Oktober 2012, E. 16, in BEZ 2014 Nr. 36; Entscheid be-

stätigt  mit  VB.2012.00774  vom  22.  August  2013,  dieser  bestätigt  mit  BGr

1C_810/2013 vom 14. Juli 2014; www.baurekursgericht-zh.ch).

8.2

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte oder

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr.

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung einer  Umtriebsentschädigung einzustufen  (VB.2003.00093 vom

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend den Rekurrierenden im

Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 zulasten der A AG eine Umtriebsentschä-
digung zuzusprechen. Angemessen erscheint ein Betrag von Fr. 3'000.--. Da

die  Umtriebsentschädigung  pauschal  festgelegt  wird,  entfällt  die  Zuspre-

chung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE  II  Nrn.  0247

und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch).

Der  Mitbeteiligten  steht  aufgrund  des  Verfahrensausgangs  von  vornherein

keine Umtriebsentschädigung zu.

R4.2024.00214

Seite 71

Das Baurekursgericht erkennt:

I.
Die Verfahren G.-Nrn. R4.2024.00214 und R4.2024.00215 werden vereinigt.

II.
Die Rekurse werden gutgeheissen.

Demgemäss werden die Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich Nr. KS
ARE  24-0269  vom  15.  November  2024  und  die  Verfügung  des  Amts  für
Landschaft und  Natur des  Kantons Zürich (ALN)  vom 14.  November  2024
aufgehoben.

III.
Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus

Fr. 20'000.--  Gerichtsgebühr
Fr.      400.--  Zustellkosten
Fr. 20‘400.--  Total
=========
werden je zur Hälfte der Baudirektion Kanton Zürich und der A AG auferlegt.
Rechnungen  und  Einzahlungsscheine  werden  den  Kostenpflichtigen  nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zugestellt. Die Kosten sind innert
30 Tagen ab Zustellung der Rechnung zu bezahlen.

IV.
Die  A  AG  wird  verpflichtet,  den  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.
R4.2024.00214 eine  Umtriebsentschädigung von  insgesamt Fr. 3'000.--  zu
bezahlen.

Im Übrigen werden keine Umtriebsentschädigungen zugesprochen.

R4.2024.00214

Seite 72