# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 549bffc9-0275-52a6-98b0-ce970a36aa3c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.11.2009 D-4686/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4686-2006_2009-11-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4686/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richter Maurice Brodard, Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
Kongo (Kinshasa),

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
24. Juni 2005 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4686/2006

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer am (...) sein 
Heimatland und reiste nach Brazzaville (Republik Kongo). Am 16. Mai 
2005 gelangte er auf dem Luftweg via B._______ nach C._______ und 
reiste von dort  aus in einem Personenwagen am 17. Mai 2005 in die 
Schweiz ein, wo er am 24. Mai 2005 im Empfangszentrum D._______ 
um  Asyl  ersuchte.  Das  Bundesamt  erhob  am  30. Mai  2005  seine 
Personalien und befragte ihn summarisch zum Reiseweg und zu den 
Gründen für  das  Verlassen  der  Heimat. Am 6. Juni  2005 führte  das 
Bundesamt gestützt auf Art. 29 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31,  damals  gültige  Fassung)  eine  direkte 
Bundesanhörung  durch  und  wies  den  Beschwerdeführer  am 7. Juni 
2005 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton E._______ zu.

Zur  Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer 
im Wesentlichen geltend, er sei ausgebildeter (...) und (...) und habe 
als  Mitglied  der  ("H._______")  ([H._______])  Häftlinge  in 
Gefängnissen besucht. Weiter  habe er  in den Gemeinden öffentliche 
Veranstaltungen zum Thema Menschenrechte durchgeführt. Auch sei 
er  Mitglied  des  Roten  Kreuzes  gewesen.  Am  (...)  habe  er  im 
Zentralgefängnis  von  Kinshasa  F._______,  welcher  Augenzeuge  bei 
der  Ermordung  von  Präsident  Kabila  gewesen  sei,  kennen  gelernt. 
F._______  habe  an  Gesichtslähmung  gelitten,  worauf  er  (der 
Beschwerdeführer)  die  Gefängnisdirektion  auf  den 
Gesundheitszustand  des  Häftlings  aufmerksam  gemacht  habe. 
Aufgrund seiner Intervention sei er vor Ort verhaftet und drei Tage lang 
festgehalten worden. Dabei  habe man ihn geschlagen und misshan-
delt. Am (...) sei er ins Kommissariat von G._______ überführt worden. 
In der Nacht vom (...) auf den (...) sei ihm mit anderen Häftlingen die 
Flucht  gelungen.  Noch  in  der  selben  Nacht  habe  er  sein  Land 
verlassen  und  sich  nach  Brazzaville  (Republik  Kongo)  begeben.  Er 
habe  in  der  Folge  Kontakt  mit  dem  Präsidenten  der  H._______ 
aufgenommen und erfahren, dass Sicherheitskräfte nach ihm suchen 
würden.

Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Mitgliederkarte  der  H._______,  ein  nicht  unterzeichnetes 
Schreiben  des  Präsidenten  der  H._______  vom  23. Juli  2004  (in 
Kopie), ein Aufgebot zum Einsatz („ordre de mission“; in Kopie) sowie 

Seite 2

D-4686/2006

ein  Schreiben  des  Justizministeriums  in  Bezug  auf  das  Gesuch  um 
Anerkennung  der  H._______  vom  28. Mai  2001  (in  Kopie)  zu  den 
Akten.

Für den Inhalt  der weiteren Aussagen wird auf die Akten verwiesen. 
Das Bundesamt verzichtete auf weitere Abklärungen.

B.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2005 - eröffnet am 28. Juni 2005 - lehnte 
das  Bundesamt  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und 
ordnete gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug 
an. Als Gründe für die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die 
Verweigerung des Asyls führte es an, die Vorbringen des Beschwerde-
führers hielten den Anforderungen an Art. 7 AsylG nicht stand, so dass 
eine  Prüfung  ihrer  Asylrelevanz  entfalle.  Auf  die  detaillierte 
Begründung wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen. 

C.
Mit  Beschwerde  an  die  damals  zuständige  Schweizerische 
Asylrekurskommission  (ARK)  vom  22. Juli  2005  (Poststempel) 
beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Gewährung  von  Asyl  gemäss 
Art. 3 AsylG, eventualiter eine vorläufige Aufnahme, weil die Rückkehr 
in sein Heimatland nicht zumutbar sei, sowie weitere Abklärungen im 
Rahmen  von  Art. 41  AsylG  und  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Im Weiteren  ersuchte  er  um Einsicht  in  die  abgegebenen 
Beweismittel.  Der  Beschwerdeführer  reichte  zwei  Artikel  aus  dem 
Internet sowie eine Skizze des Kommissariats von G._______ zu den 
Akten.  Darauf  sowie  auf  die  Beschwerdebegründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

D.
Mit  Zwischenverfügung  vom 29. Juli  2005  gestattete  der  zuständige 
Instruktionsrichter der ARK dem Beschwerdeführer die Anwesenheit in 
der Schweiz bis zum Abschluss des Verfahrens. Gleichzeitig verwies er 
die  Beurteilung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in den Endentscheid und 
verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Antragsge-
mäss wurden dem Beschwerdeführer die sich im Dossier befindenden 
Beweismittel in Kopie zugestellt.

Seite 3

D-4686/2006

E.
Am  12. August  2005  reichte  der  Beschwerdeführer  folgende 
Unterlagen zu den Akten: Kursbestätigung "Animateur  Conférencier" 
des Roten Kreuzes der ehemaligen Republik Zaïre vom 8. Mai 1992 
(in  Kopie),  Nothelferbestätigung  (in  Kopie),  "Attestation  de  Service", 
ausgestellt vom Roten Kreuz der Demokratischen Republik Kongo (in 
Kopie),  Konsultationskarte  der  Universitären Psychiatrischen Dienste 
Bern, Skizze des Kommissariats, handschriftliche Erläuterungen, Mit-
gliederkarte des Roten Kreuzes der Demokratischen Republik Kongo 
(in Kopie),  Lebenslauf, Bestätigungsschreiben des Justizministeriums 
in  Bezug  auf  das  Gesuch  um  Anerkennung  der  H._______  vom 
28. Mai  2001  (in  Kopie),  Schreiben  des  Präsidenten  der  H._______ 
vom  23. Juli  2004  (in  Kopie;  eine  unterzeichnete  sowie  eine 
nichtunterzeichnete  Version),  Aufgebot  zum  Einsatz  ("ordre  de 
mission") der H._______ (in Kopie), Mitgliederausweis H._______ (in 
Kopie).

F.
In  ihrer  Vernehmlassung  vom  15. August  2005,  welche  dem 
Beschwerdeführer  ohne  Einräumung  des  Replikrechts  zur  Kenntnis 
gebracht  wurde,  beantragte  die  Vorinstanz  die  Abweisung  der 
Beschwerde.

G.
Am 25. August 2005 teilte der Beschwerdeführer mit, er sei im Moment 
nicht  in  der  Lage,  Identitätspapiere  zu  beschaffen,  da  seine  (...) 
verstorben sei und aufgrund einer Volkszählung keine Geburtsurkun-
den ausgestellt würden.

H.
Mit Schreiben vom 15. September 2005 informierte der Beschwerde-
führer  über  den  Verfahrensstand  betreffend  F._______  und  reichte 
folgende  Unterlagen  zu  den  Akten:  Schreiben  von  Swiss-Exile  an 
Amnesty International vom 11. August 2005 (in deutsch und englisch), 
Antwortschreiben von Amnesty International vom 7. September 2005, 
Mail  von  Swiss-Exile  an  Amnesty  International  vom  8. September 
2005, Mail von Amnesty International vom 8. September 2005.

I.
Am 26. Oktober  2005  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  Arztzeugnis 
der  Abteilung  Allgemeine  Innere  Medizin  des  (...)spitals  E._______ 

Seite 4

D-4686/2006

und  am  17. November  2005  ein  Arztzeugnis  der  Universitären 
Psychiatrischen Dienste E._______ von Dr. S. M. zu den Akten. 

J.
Als Beilage zu seinem Schreiben vom 9. Dezember 2005 stellte  der 
Beschwerdeführer  der  ARK  eine  "Attestation  de  perte  des  pièces 
d’identité"  (im  Original)  sowie  eine  beglaubigte  Studienabschlussbe-
stätigung zu.

K.
Am  16. Juni  2006  ging  bei  der  ARK  ein  von  Prof.  Dr.  med.  Ph.  C. 
erstellter  ärztlicher  Bericht  vom 12. Juni  2006 sowie  ein Bericht  der 
Universitären  Psychiatrischen  Dienste  E._______  (UPD)  vom 
19. August 2005 ein.

L.
Mit  Eingabe  vom  27. Juli  2006  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Kopie einer "Ordonnance de mise en liberté provisoire No 475/04" zu 
den  Akten.  Das  Original  werde  er  nachliefern.  Gemäss  diesem 
Dokument  sei  F._______  am 16. Mai  2004 provisorisch  freigelassen 
worden, womit bewiesen sei, dass dieser sich im Januar 2004 noch in 
Gefangenschaft befunden habe. 

M.
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2006 wurde der Beschwerde-
führer  vom Instruktionsrichter  aufgefordert,  das  in  Aussicht  gestellte 
Original  der  "Ordonnance  de  mise  en  liberté  provisoire"  innert  30 
Tagen einzureichen. In seiner Eingabe vom 23. August 2006 führte der 
Beschwerdeführer aus, bei der bereits eingereichten "Ordonnance de 
mise en  liberté  provisoire"  sowie  der  neu zu  den Akten  gegebenen 
"Fiche  de  libération  du  centre  penitentiaire  et  de  réeducation  de 
Kinshasa"  handle  es  sich  um  direkte  Kopien  der  Originale  und  es 
verstehe sich von selbst, dass er die Originale nicht erhalten könne. 

N.
Am  28. August  2006  gab  der  Instruktionsrichter  der  ARK  eine 
Abklärung bei der Schweizerischen Botschaft in Kinshasa in Auftrag.

O.
Am 31. August 2006 ging bei der ARK ein ärztliches Zeugnis von Dr. 
med. M. ein.

Seite 5

D-4686/2006

P.
Im November 2006 teilte die ARK dem Beschwerdeführer mit, die per 
31. Dezember  2006  hängigen  Beschwerdeverfahren  würden  vom 
Bundesverwaltungsgericht weitergeführt.

Q.
Mit  Schreiben  vom  4. Januar  2007  übermittelte  die  Schweizerische 
Botschaft ihren Abklärungsbericht.

R.
Der Beschwerdeführer teilte mit Schreiben vom 20. März 2007 mit, er 
sei Mitglied der ("I._______") ([I._______]). Dazu reichte er die Kopie 
einer Mitgliedschaftskarte, ein Exemplar über das "Projet de société" 
der I._______ sowie die Namen- und Adressangaben des Präsidenten 
der I._______ zu den Akten.

S.
Mit Schreiben vom 2. Mai 2007 informierte der Instruktionsrichter den 
Beschwerdeführer über das Abklärungsergebnis der Botschaftsanfra-
ge und räumte ihm die Möglichkeit zur Stellungnahme ein.

T.
Mit  Schreiben  vom  8. Mai  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  die 
Kopie eines Artikels  aus  der  Zeitschrift  "Jeune Afrique"  sowie einen 
handschriftlich abgefassten Brief ein.

U.
Dem  Erstreckungsgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  9. Mai  2007 
betreffend  Stellungnahme  zur  Botschaftsabklärung  wurde  mit 
Zwischenverfügung vom 23. Mai 2007 stattgegeben. Am 25. Mai 2007 
ging  eine  erste  Eingabe  des  Beschwerdeführers,  am  15. Juni  2007 
eine Ergänzung (Faxeingang: 13. Juni 2007) beim Bundesverwaltungs-
gericht ein. Ebenfalls am 15. Juni 2007 gingen zwei weitere Beweismit-
tel  betreffend  den  Präsidenten  des  H._______  ein  (Kopien  einer 
Mitgliedskarte,  Kopie  einer  Wählerkarte).  Das  gleichzeitig 
(sinngemäss)  gestellte  Gesuch  um  Ansetzung  einer  Nachfrist  zur 
Einreichung weiterer Beweismittel wurde mit Zwischenverfügung vom 
19. Juni 2007 abgewiesen.

V.
Mit  Eingaben  vom  26. Juni  und  vom  10. Juli  2007  reichte  der 

Seite 6

D-4686/2006

Beschwerdeführer  weitere  Beweismittel  (in  Kopie  beziehungsweise 
Fax-Kopien) zu den Akten.

W.
Mit Schreiben vom 6. August 2007 teilte der Beschwerdeführer mit, er 
befinde sich in ständiger Todesgefahr durch den "Service de l'agence 
nationale  de  renseignements"  der  Demokratischen  Republik  Kongo, 
was darauf zurückzuführen sei, dass im Jahr (...) ein höchst geheimes 
Dokument  in  seine  Hände  gelangt  sei,  welches  sich  zu  den 
Umständen  des  Todes  von  Laurent  Désire  Kabila  äussere. Er  habe 
dieses  staatspolitische  Dokument  im  (...)  an  einem  geheimen  Ort 
ausserhalb  der  Demokratischen  Republik  Kongo  verbringen  lassen. 
Ohne vorherige Garantie,  ein Staatsgeheimnis zu schützen,  habe er 
das  Dokument  bei  Einreichung  seines  Asylgesuchs  nicht  in  sein 
Asylverfahren einbringen können. Er beantrage, sein Asylverfahren sei 
zu  suspendieren,  bis  das  Ergebnis  der  polizeilichen  Ermittlungen 
vorliege, es seien für ihn Schutzmassnahmen zu treffen und es sei ihm 
ein  Kantonswechsel  zu  gewähren.  Zur  Stützung  seiner  Angaben 
reichte  der  Beschwerdeführer  einen  (handschriftlich  abgefassten) 
Drohbrief  (in  Kopie)  sowie  eine  Abholungseinladung  der 
schweizerischen Post ein.

X.
Mit  Eingabe  vom 7. August  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  das 
Ergebnis  der  von ihm veranlassten und von SWISS-EXILE durchge-
führten Abklärung zur Tätigkeit von F._______ ein. Eine Stellungnah-
me des Beschwerdeführers zu diesem Abklärungsergebnis ging beim 
Bundesverwaltungsgericht  am 13. August  2007  zusammen  mit  einer 
an das IKRK gerichteten Anfrage ein.

Y.
Mit seinen Eingaben vom 5. September 2007 und vom 12. September 
2007 gab der Beschwerdeführer von ihm mitunterzeichnete Schreiben 
an  eine  Bundesrätin  beziehungsweise  an  das  Bundesgericht  in 
Lausanne  zu  den  Akten,  mit  welchen  er  sich  für  die  Belange  von 
kongolesischen Staatsbürgern in der Schweiz einsetzte.

Z.
In  der  Folge  orientierte  der  Beschwerdeführer  das  Bundesverwal-
tungsgericht  jeweils  über  seine Korrespondenz mit  den Bundesräten 
J._______ und K._______.

Seite 7

D-4686/2006

AA.
Mit  Eingabe  vom  7. Dezember  2007  reichte  der  Beschwerdeführer 
weitere  Beweismittel  ein: Antwortschreiben  des  IKRK Kinshasa  vom 
2. Oktober 2007, ein vom Beschwerdeführer (angeblich) entwendetes 
vertrauliches Dokument sowie eine Vorladung des "Cour de sûreté de 
l'Etat". Mit Schreiben vom 10. Dezember 2007 (sowie vom 29. August 
2008) berichtigte und ergänzte der Beschwerdeführer seine Eingabe 
vom 7. Dezember 2007.

AB.
Ein  neues  ärztliches  Zeugnis  vom  20. Dezember  2007  ging  am 
31. Dezember 2007 beim Bundesverwaltungsgericht ein.

AC.
Mit  seiner  Eingabe  vom  2. Dezember  2008  informierte  der 
Beschwerdeführer  über  die  Situation  in  seinem  Heimatstaat,  mit 
denjenigen  vom 8. und vom 28. Dezember  2008,  vom 1. Juni  2009, 
12. Juni 2009 und 28. Juli 2009 über sein exilpolitisches Engagement 
sowie seinen Einsatz für die Beachtung der Menschenrechte.

AD.
In  seinem Schreiben  vom 30. Juli  2009  teilte  der  Beschwerdeführer 
mit,  eine  unbekannte  Person  habe  eine Einladung  zu einem Treffen 
der Regierungspartei seines Heimatstaates (Partie de Peuple pour la 
Reconstruction  et  la  Démocratie  [PPRD])  in  Lausanne  in  seinem 
Briefkasten  deponiert,  womit  er  –  als  Mitglied  der  Organisation 
I._______  –  zum  Objekt  eines  moralischen  Bestechungsversuchs 
gemacht worden sei. Die entsprechende Einladung lag dem Schreiben 
bei. Eine Kopie seines Antwortschreibens sandte der Beschwerdefüh-
rer dem Bundesverwaltungsgericht am 21. September 2009.

AE.
Mit  Eingabe vom 21. September  2009 reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Bestätigung  (Faxkopie)  seiner  Wahl  als  Vizepräsident  für  den 
Bereich  Politik  der  I._______  (Secteur  Suisse)  für  den  Kanton 
E._______ ein.

AF.
Auf  den  Inhalt  der  Eingaben  und  Beweismittel  wird  –  soweit 
entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

Seite 8

D-4686/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine 
Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet 
betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die 
Beurteilung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48, 50 
und 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn sie in ihrem Heimatstaat  oder im Land,  in  dem sie 
zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 

Seite 9

D-4686/2006

Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.  
4.1 Das  Bundesamt  führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden 
Asylentscheides aus,  die Vorbringen des Beschwerdeführers würden 
den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht 
standhalten.  F._______  sei  nicht  laut  den  vom  Beschwerdeführer 
vorgebrachten Umständen verhaftet worden. Im Übrigen sei dieser im 
Januar 2003 nach Abschluss des Prozesses in Bezug auf das Attentat 
von  Präsident  Kabila  freigesprochen  worden.  Es  sei  auch  schwer 
vorstellbar, dass dem Beschwerdeführer der Geldbetrag von 50 Dollar 
während  seiner  Inhaftierung  nicht  abgenommen  worden  sei.  Im 
Weiteren sei  kaum glaubhaft,  dass ein Aufseher,  welcher  alleine  für 
die  Nachtwache  verantwortlich  sei,  in  einem  Polizeiposten  eine 
Zellentüre offen stehen lasse. Schliesslich sei nicht glaubhaft, dass der 
Beschwerdeführer nicht über die Identität informiert worden sei, unter 
welcher er von Brazzaville nach L._______ gereist sei, zumal es sich 
hier  um  ein  wesentliches  Element  handle,  um  jegliche  Kontrolle 
seitens der Behörden zu vermeiden.

Die eingereichten Dokumente würden keiner Echtheitskontrolle unter-
zogen,  wenn  bekannt  sei,  dass  solche  Unterlagen  käuflich  leicht 
erhältlich  seien  oder  verschiedene  formelle  und  inhaltliche  Kriterien 
ein  schlüssiges  Ergebnis  verhindern  würden.  Der  Beschwerdeführer 
habe  zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  einen  Rapport  des 
Präsidenten der H._______ vom 23. Juli 2004 zu den Akten gereicht. 
Die  Beweiskraft  dieses  Dokuments  müsse  als  äusserst  gering 
angesehen  werden,  da  solche  Unterlagen  ohne  weiteres  illegal 
erworben  werden  könnten.  Im  Übrigen  habe  sich  der 
Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  das  Original  des  Schreibens 

Seite 10

D-4686/2006

widersprochen. So habe er anlässlich der Empfangszentrumbefragung 
zunächst angegeben, dass er das Original in Kinshasa gelassen habe, 
später  habe  er  zu  Protokoll  gegeben,  dieses  befinde  sich  in  der 
Ablage.

4.2 Der Beschwerdeführer hielt  in der Rechtsschrift  im Wesentlichen 
entgegen,  der  Sachverhalt  sei  nicht  vollständig  erstellt.  Er  habe 
erwähnt,  dass  er  auch  Volontär  des  Roten  Kreuzes  sei.  Dies  sei 
insofern  wichtig,  als  er  durch diese Aktivitäten eine wichtige  Person 
und daher zusätzlich exponiert gewesen sei. Er könne den Freispruch 
von  F._______  bestätigen.  Jedoch  habe  es  noch  andere  Anklage-
punkte  gegeben.  Das  Dossier  von  F._______  bleibe  offen  und  es 
würden  weitere  Untersuchungen  durchgeführt.  Dies  würde  auch  die 
Aussage  von  F._______  bestätigen,  wonach  sein  Rechtsanwalt  mit 
einer  Strafe  von  drei  bis  fünf  Jahren  rechne.  Leider  seien  seine 
Recherchemittel  in  Bezug  auf  das  Verfahren  von  F._______ 
beschränkt.  F._______  leide  zudem  an  einer  Gesichtslähmung.  Er 
ersuche deshalb im Sinne von Art. 41 AsylG um weitere Abklärungen 
in Bezug auf den Verfahrensstand sowie den Gesundheitszustand von 
F._______. 

Die  kongolesischen  Haftumstände  müssten  für  einen  europäischen 
Beobachter sehr "seltsam" erscheinen. Seine Vorbringen seien daher 
nicht so sehr aus der "europäischen Perspektive" zu betrachten. Er sei 
nach der  Meldung beim Gefängnisdirektor  in  dessen Büro  von zwei 
Polizisten massiv geschlagen worden. Er habe dann im Zentralgefäng-
nis drei Tage verbringen müssen und sei danach auf den Polizeiposten 
von G._______ gebracht worden. Er sei zusammen mit acht Personen 
inhaftiert gewesen und habe später von dort fliehen können. Er habe 
alles  so  gut  wie  möglich  geschildert  und  erklärt.  Die  Skizze  solle 
weiterhelfen, die genauen Umstände der Flucht glaubhaft zu machen.

Das Argument,  dass Beweismittel  nicht  stichhaltig  seien,  weil  sie  im 
kongolesischen Kontext auch illegal hätten fabriziert  werden können, 
scheine  ihm  sehr  seltsam.  Er  könne  dies  allenfalls  noch  im 
Zusammenhang mit den vorhergehenden Argumenten begreifen. Aber 
zu erläutern, jegliche Dokumente im Kongo könnten gefälscht werden, 
schliesse aus, dass das BFM die Möglichkeit habe, zwischen echten 
und  unechten  Dokumenten  zu  unterscheiden.  Es  scheine  ihm 
unverantwortlich, so vorzugehen, ohne herauszufinden, welche Person 
echte und welche Person unechte Dokumente vorlege. Er könne seine 

Seite 11

D-4686/2006

Verhaftung nicht direkt beweisen. Er habe weder im Gefängnis noch in 
der Haft auf dem Polizeiposten ein Dokument erhalten. Da er geflohen 
sei, habe man ihm auch keine Haftbestätigung ausgestellt, und es sei 
zu keinem Gerichtsverfahren gekommen. Er ersuche um Abklärungen 
gemäss  Art. 41  AsylG  zur  Organisation  H._______  und  zu  seiner 
Funktion innerhalb der Organisation sowie dem Vorfall im Januar 2004.

Aufgrund  seines  Engagements  im  Allgemeinen  und  dem  Vorfall  im 
Besonderen müsse er bei einer Rückkehr mit Verfolgungsmassnahmen 
seitens  des  Staates  rechnen.  Dazu  komme,  dass  er  aus  der  Haft 
geflohen sei, was ein zusätzliches Risiko darstelle. In Brazzaville sei er 
auf  die  Dauer  nicht  sicher  gewesen,  weil  sich  immer  wieder 
Sicherheitskräfte  aus  der  Demokratischen  Republik  Kongo 
(nachstehend: Kongo [Kinshasa]) nach Brazzaville begeben hätten. 

4.2.1 Am 11. August 2005 teilte der Beschwerdeführer mit, er sei im 
Büro  des  Gefängnisdirektors  zusammengeschlagen  worden.  Dies 
habe  zur  Folge  gehabt,  dass  seine  damals  schon  geschwächte 
Wirbelsäule zusätzlich verletzt worden sei.

4.2.2 In  den  handschriftlich  eingereichten  Erläuterungen  hielt  der 
Beschwerdeführer sodann im Wesentlichen fest, er habe F._______ im 
Rahmen  eines  Besuches  im  Zentralgefängnis  von  Kinshasa  am 
20. Januar 2004 kennen gelernt. Der Gefängnisdirektor habe den zwei 
Polizisten  befohlen,  ihn  zu  schlagen.  Die  Misshandlungen  im 
Gefängnis hätten seine Wirbelsäule zusätzlich geschwächt. Die letzte 
Konsultation  im  (...)spital  E._______  habe  eine  Verletzung  an  der 
Wirbelsäule  bestätigt.  Der  Polizeiposten  habe  zwei  Zellen  (eine  für 
Männer, die andere für Frauen) enthalten. Die Distanz zwischen den 
sanitären  Installationen  und  dem  Haupteingang  habe  ungefähr  drei 
Meter betragen. Seine Flucht sei zum einen durch den Regen und zum 
anderen durch die Tatsache begünstigt  gewesen,  dass der Aufseher 
die  Zellentür  offen  gelassen  habe,  um  nicht  jedes  Mal  gestört  zu 
werden, wenn ein Insasse die sanitären Einrichtungen habe benützen 
müssen. 

5.
Die  vom  Beschwerdeführer  sinngemäss  erhobene  Rüge  der 
Verletzung des rechtlichen Gehörs beziehungsweise der mangelhaften 
Sachverhaltsermittlung  vermag  nicht  zu  überzeugen  und  ist  nicht 
geeignet, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 

Seite 12

D-4686/2006

Asylrekurskommission  [EMARK] 1994  Nr.  1  E.  6b  S.  15;  F. GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  233  m.  H., 
S. 287  und  S. 297  f.;  A.  KÖLZ/I.  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und 
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 225, Rz. 
631 m.w.H.), soweit sie nicht von vornherein durch die von der ARK in 
Auftrag gegebene Botschaftsabklärung entkräftet wurde.

5.1 Der Beschwerdeführer wendet ein, der Sachverhalt  sei  in Bezug 
auf seine Tätigkeit beim Roten Kreuz nicht vollständig erstellt worden. 
Dies sei insofern wichtig, als er durch die Aktivitäten beim Roten Kreuz 
eine wichtige Person und auch zusätzlich exponiert gewesen sei.

Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach 
hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige 
Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen. Gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. c 
AsylG ist indessen ein Asylsuchender zur Mitwirkung verpflichtet; das 
heisst  insbesondere,  dass  er  der  Behörde  alle  Gründe,  die  für  die 
Asylgewährung  oder  für  den  Verzicht  auf  die  Wegweisung  erheblich 
sein  könnten,  mitzuteilen  hat.  Ferner  ergibt  sich  aus  Art. 7  Abs. 3 
AsylG,  dass  der  Asylgesuchsteller  seine  Vorbringen  genügend 
substanziieren muss. 

Die Protokolle selber vermitteln den Eindruck einer ausführlichen und 
in  sich  schlüssigen  Sachverhaltserhebung.  So  wurde  festgehalten, 
dass der Beschwerdeführer Mitglied des Roten Kreuzes gewesen sei 
(A2/9  S. 2;  A8/26  S. 5  Fragen  14  und  16).  Jedoch  machte  der 
Beschwerdeführer  weder  in  der  Empfangszentrumbefragung  noch  in 
der  Bundesanhörung  Asylvorbringen  in  Zusammenhang  mit  seinen 
Aktivitäten  beim  Roten  Kreuz  geltend,  obwohl  er  sich  in  den 
Befragungen umfassend zu seinen Fluchtgründen äussern konnte und 
er  weiter  gefragt  wurde,  ob  er  noch  andere  Probleme  mit  den 
heimatlichen Behörden gehabt habe (A2/9 S. 5) beziehungsweise, ob 
er  noch  Aussagen  machen  wolle,  die  er  bis  anhin  noch  nicht  habe 
vorbringen  können  (A8/26  S. 23  Frage  148).  Der  Beschwerdeführer 
unterlässt  es  auch  in  seiner  Rechtsmitteleingabe,  konkret  darzutun, 
inwiefern  die  Aktivitäten  für  das  Rote  Kreuz  zu  Problemen  geführt 
haben. Die Ausführungen sind jedenfalls nicht geeignet, die Rüge des 
nicht  vollständig  erhobenen Sachverhaltes  zu  stützen. Damit  erweist 
sich  die in  der  Beschwerdeeingabe sinngemäss erhobene Rüge der 

Seite 13

D-4686/2006

Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  beziehungsweise  der 
unvollständigen Sachverhaltsfeststellung als unbegründet. 

5.2 Weitere  Sachverhaltsabklärungen forderte  der  Beschwerdeführer 
hinsichtlich der von ihm behaupteten Mitgliedschaft in der H._______. 
Diesem  Anliegen  trug  die  ARK  mit  der  Botschaftsanfrage  vom 
28. August  2006  Rechnung,  indem  die  Botschaft  um  Vornahme 
entsprechender  Abklärungen  ersucht  wurde  (vgl.  ARK  act. 15).  Die 
diesbezügliche  Kritik  des  Beschwerdeführers  ist  somit  als 
gegenstandslos zu betrachten.

6.
Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann 
glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und 
plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen 
erschöpfen,  in  wesentlichen Punkten nicht  widersprüchlich sein oder 
der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der 
allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  der 
Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere 
dann nicht der Fall ist, wenn er seine Vorbringen auf gefälschte oder 
verfälschte Beweismittel  abstützt,  aber  auch dann,  wenn er  wichtige 
Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des 
Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet 
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige 
Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  -  im 
Gegensatz  zum  strikten  Beweis  -  ein  reduziertes  Beweismass  und 
lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den 
Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG, EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1. 
S. 190 f., 2004 Nr. 1 E. 5a S. 4, 1996 Nr. 27 E. 3c.aa S. 263 f. und Nr. 
28 E. 3a S. 270).

6.1 Gemessen  an  diesen  Anforderungen  ist  vorliegend  die 
Feststellung  der  Vorinstanz,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG 
nicht stand, nicht zu beanstanden.

6.2 Der  Beschwerdeführer  gab  anlässlich  der  Bundesanhörung  zu 
Protokoll,  F._______ sei  seit  Januar  2002 inhaftiert  gewesen (A8/26 
S. 12 Fragen 74 und 75). Später korrigierte er das Verhaftungsdatum 

Seite 14

D-4686/2006

von  F._______  auf  Februar  2001  (a.a.O.,  Fragen  77,  78).  Auch  sei 
F._______  bei  seinem Besuch  im  Januar  2004  noch  nicht  verurteilt 
gewesen (a.a.O.,  Frage 84). Gemäss gesicherten Erkenntnissen des 
Bundesverwaltungsgerichts  wurde  F._______  am  (...)  verhaftet  und 
war nicht ununterbrochen inhaftiert. Er befand sich mindestens bis am 
(...) im Gefängnis Malaka (neu: Centre Pénitentier et de Rééducation 
de Kinshasa [CPRK]). Später  wurde  er  freigelassen,  jedoch im (...), 
während des Prozesses im Zusammenhang mit dem Mord an Laurent-
Désiré  Kabila,  erneut  verhaftet.  Während  des  Prozesses  war 
F._______ auf freiem Fuss. Am (...) wurde F._______ nach einer fast 
zweijährigen  Periode  von  Untersuchungen  freigesprochen.  Das 
Gericht erachtete es als notwendig, gewisse Fragen noch zu vertiefen. 
(vgl.  u.a.  The  Independent,  Witness  to  Kabila  shooting  in  prison, 
9. April  2001;  Zimbabwe  Independent,  Zimbabwe  Soldiers  guarding 
kabila  murder  suspects,  9. April  2001; Amnesty International,  RDC - 
après  l'assassinat,  des  meurtres  par  l'Etat?, 12. Dezember  2002; 
Abarundi,  Ruandische online Zeitung,  Procès Kabila.  Les avocats de 
défense de Mota soutiennent la véracité du témoignage de leur client 
et  récusent  sa  condamnation, 2. November  2002; DigitalCongo.net, 
Verdict  du procès sur  l'assassinat  de Laurent-Désiré Kabila,  voici  la 
liste  des  condamnés  et  des  acquittés, 8. Januar  2003).  Mit  diesen 
Erkenntnissen stimmt das Abklärungsergebnis der Botschaftsanfrage 
überein,  wonach  F._______  durch  das  "Parquet  Militaire"  vor  dem 
freisprechenden Entscheid vom (...) freigelassen worden sei und er im 
Januar  2004  an  der  Universität  von  M._______  unterrichtet  habe. 
Dieselbe Antwort  erhielt  der  Beschwerdeführer  im Übrigen auch auf 
seine  Anfrage  durch  Swiss-Exile,  wonach  F._______  von  2002  bis 
2006  an  der  Universität  M._______  unterrichtet  habe  (vgl.  BVGer 
act. 17). Es bestehen – wie in der Botschaftsabklärung erwähnt (vgl. 
BVGer  act. 2)  –  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  F._______  nach 
seinem  Freispruch  erneut  verhaftet  worden  wäre.  Aufgrund  der 
Tatsache,  dass die  Umstände des Todes von Laurent-Désiré Kabila, 
die  Untersuchungen  und  der  Prozess  ein  grosses  Medienecho 
auslösten, ist nicht einsehbar, weshalb der Beschwerdeführer und der 
Präsident der H._______ über die Freilassung und den Freispruch von 
F._______  nicht  informiert  gewesen  sein  wollen  (vgl.  A8/29  S. 14  f. 
Fragen  87  ff.)  und  der  Beschwerdeführer  in  Bezug  auf  den 
prominenten  F._______  nicht  besser  Bescheid  wusste.  An  dieser 
Einschätzung vermag auch die am 27. Juli 2006 in Kopie eingereichte 
„Ordonnance de mise en liberté  provisoire“  nichts  zu  ändern.  Diese 
bestätigt  vielmehr,  dass  der  Beweiswert  kongolesischer  Dokumente 

Seite 15

D-4686/2006

als  gering  eingestuft  werden  muss,  und  dass  amtliche  Dokumente 
ohne weiteres unrechtmässig erworben werden können. Es gilt als ge-
richtsnotorisch,  dass  in  der  demokratischen  Republik  Kongo  echte 
amtliche  Dokumente  frei  käuflich  sind  und  sich  der  Inhalt  von 
Dokumenten,  welche einer Echtheitsprüfung standhalten würden,  als 
falsch erweisen kann. Vor diesem Hintergrund und in Berücksichtigung 
der Gesamtumstände des Falles - so auch der Tatsache, dass der Be-
schwerdeführer  grundsätzlich  nicht  legal  in  den  Besitz  dieses 
Gerichtsdokuments hätte gelangen können, - kommt der eingereichten 
„Ordonnance de mise en liberté provisoire“ kein Beweiswert zu.

6.3 Weiter  ist  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer 
nicht in der Lage war, Namen von Inhaftierten zu nennen (vgl. A8/26 
S. 10 und S. 17 Fragen 55,  57,  113),  die er  in den Jahren 2001 bis 
2004 besucht haben will. Der Beschwerdeführer erläuterte anlässlich 
der Bundesanhörung, dass er sich jeweils bei seinen Besuchen nach 
bereits  besuchten  Häftlingen  erkundigt  oder  Personen  mehrmals 
aufgesucht  habe  (a.a.O.  S. 11  Fragen  65,  66).  Gemäss  seinen 
Ausführungen wurde dem Gefängnisdirektor mündlich berichtet und im 
Hauptsitz  der  H._______  ein  schriftlicher  Bericht  über  die  Besuche 
erstellt.  Aufgrund  des  langjährigen  Engagements  des 
Beschwerdeführers  für  Inhaftierte  wären  deshalb  zumindest  die 
Nennung  einiger  Namen  beziehungsweise  der  zuletzt  besuchten 
Inhaftierten zu erwarten gewesen.

Es entbehrt  im Übrigen auch der  Logik,  dass der Beschwerdeführer 
alleine zur Verantwortung gezogen worden sein will, hat er doch nicht 
als Einzelperson Inhaftierte besucht und der Gefängnisleitung Bericht 
erstattet,  sondern  im  Rahmen  und  im  Auftrag  der  Organisation 
H._______ gehandelt. Es wäre vielmehr zu erwarten gewesen, dass 
insbesondere  auch  gegen  die  H._______  als  Organisation 
beziehungsweise deren Leitung vorgegangen worden wäre.

6.4 Weiter  hinterlässt  die vom Beschwerdeführer geschilderte  Flucht 
aus dem Gefängnis einen konstruierten und unrealistischen Eindruck. 
Der  Beschwerdeführer  erklärte  zunächst,  mehrere  Wärter  hätten 
geschlafen (A2/9 S. 4; A8/26 S. 16 Fragen 101,  102). Später  gab er 
auf  Nachfrage  hin  zu  Protokoll,  es  habe  lediglich  einen  Wärter 
gegeben (a.a.O. Frage 105). Unabhängig von der Anzahl der Wärter ist 
auch  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  die  Zelle  mit  neun  Inhaftierten 
hätte  offen  gewesen  sein  sollen.  Der  Einwand  in  der  Beschwerde, 

Seite 16

D-4686/2006

wonach  die  Vorbringen  nicht  so  sehr  aus  der  "europäischen 
Perspektive" zu betrachten seien (vgl. Beschwerde S. 4), vermag nicht 
zu  einer  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen.  Zudem  ist  nicht 
plausibel, dass dem Beschwerdeführer die fünfzig Dollar, von welchen 
er  zwanzig  für  die  Reise  nach  Brazzaville  benötigt  habe,  während 
seiner  Inhaftierung  nicht  abgenommen  worden  sind  (A8/26  S. 16 
Frage 106).

6.5 Mit den Einwendungen in der Beschwerde und in den ergänzen-
den Eingaben wird in den erwähnten Punkten kein glaubhafteres Bild 
gezeichnet. Schliesslich sind weder die im vorinstanzlichen Verfahren 
noch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel  geeignet, 
eine  andere  Beurteilung  des  Sachverhaltes  herbeizuführen.  In 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist das Schreiben des Präsiden-
ten der H._______ vom 23. Juli 2004 (ARK act. 71 und 73) als blosses 
Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren, zumal dieses lediglich in Kopie 
vorliegt. Auch ist darauf hinzuweisen, dass sich die Angaben im Bestä-
tigungsschreiben  nicht  mit  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers 
decken.  So  wird  im  Schreiben  des  Präsidenten  der  H._______ 
festgehalten,  F._______  habe  sich  im  Pavillon  (...)  befunden.  Der 
Beschwerdeführer  jedoch hatte zu Protokoll  gegeben,  F._______ sei 
nach einem Aufenthalt im Pavillon (...) in den Pavillon (...) transferiert 
worden (A8/26 S. 14 f. Frage 94). 

6.6 Das  Bundesverwaltungsgericht  hält  es  alsdann  nach  Abwägung 
der dafür und dagegen sprechenden Gründe nicht mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit für gegeben, dass der Beschwerdeführer unter den 
von  ihm  behaupteten  Umständen  in  der  geschilderten  Notsituation 
fliehen  musste.  Mit  seinen  diesbezüglichen  Vorbringen  vermag  der 
Beschwerdeführer  somit  den  reduzierten  Beweisanforderungen  von 
Art.  7  AsylG  nicht  zu  genügen.  Aufgrund  der  dargelegten  Ge-
samtumstände kann offen bleiben, ob und allenfalls seit wann die vom 
Beschwerdeführer genannte Organisation H._______ bestand und in 
welcher Form sie allenfalls tätig war. 

6.7 Auch  die  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahrens  vorgebrachten 
Ausführungen  zu  einem  vom  Beschwerdeführer  im  (...)  angeblich 
entwendeten  vertraulichen  Geheimdokument  vermögen  keine 
Gefährdung  des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise 
glaubhaft  zu  machen.  Zunächst  lässt  der  Umstand,  dass  der 
Beschwerdeführer  den  fraglichen  Sachverhalt  nicht  bereits  bei 

Seite 17

D-4686/2006

Einreichung  des  Asylgesuches  geschildert  hat,  Zweifel  an  dessen 
Glaubhaftigkeit  aufkommen.  Die  vom  Beschwerdeführer  für  dieses 
Verhalten  genannten  Gründe  überzeugen  nicht,  wurde  er  doch 
anlässlich  der  Anhörung  vom  6. Juni  2005  ausdrücklich  auf  die 
Verschwiegenheitspflicht  der  mit  dem Verfahren  befassten  Personen 
einerseits und auf die ihn treffende Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht 
anderseits  hingewiesen  (vgl.  A8/26  S. 2).  Wenig  überzeugend 
erscheint zudem, dass der Beschwerdeführer nach dem Verschwinden 
eines  geheimen  und  vertraulichen  Dokumentes  lediglich  informell 
befragt  worden wäre. Die Angaben des Beschwerdeführers,  er  habe 
das  Dokument  im  (...)  an  einen  geheimen  Ort  im  Ausland  bringen 
lassen, sind sodann als vage zu bezeichnen und es ist nicht einsichtig, 
weshalb  der  Beschwerdeführer  diesfalls  nicht  mehr  Zugriff  auf  das 
Originaldokument  haben  sollte  und  nur  eine  teilweise  kaum lesbare 
Kopie  einreichte.  Was  schliesslich  den  Inhalt  des  eingereichten 
Dokumentes anbelangt,  geht  daraus in keiner Art  und Weise hervor, 
dass  es  sich  dabei  um  ein  vertrauliches  Geheimdokument  handelt, 
zumal dessen Inhalt zumindest teilweise offenbar bereits im Jahr 2002 
bekannt  war  (vgl.  taz-die  tageszeitung,  Tür  zu,  viele  Fragen  offen, 
15. Januar  2002).  Ebenso  wenig  ist  ersichtlich,  wer  das  Schreiben 
überhaupt  verfasst  haben  soll.  Nach  dem  Gesagten  bestand 
beziehungsweise besteht kein Anlass, das Verfahren zu suspendieren.

6.8 Aufgrund der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere 
Einwendungen in der Beschwerde und auf weitere Beweismitteleinga-
ben näher  einzugehen,  da diese nicht  geeignet  sind,  einen anderen 
Entscheid  in  den Fragen der  Flüchtlingseigenschaft  und der  Asylge-
währung herbeizuführen. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch somit zu 
Recht abgelehnt.

7.
Zu prüfen bleibt angesichts der Vorbringen des Beschwerdeführers, ob 
ihm zufolge Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingsei-
genschaft zuzusprechen ist.

7.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation 
erst geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend 
(vgl. Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach 
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls,  unabhängig davon, ob sie 

Seite 18

D-4686/2006

missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom 
Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das Vorliegen  von  sub-
jektiven Nachfluchtgründen die Gewährung von Asyl ausschliesst, ver-
bietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche 
vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  entstanden 
sind und die für  sich allein  nicht  zur  Bejahung der  Flüchtlingseigen-
schaft  und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  BVGE  D-3357/2006 
vom  9. Juli  2009  E.  7.1,  EMARK  1995  Nr. 7  E. 7b  und  8  S. 67  ff., 
EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f.).

7.2 Aus den vom Beschwerdeführer zahlreich zu den Akten gegebe-
nen  Unterlagen  geht  hervor,  dass  er  sich  in  der  Schweiz  für  die 
Belange der Flüchtlinge aus Kongo (Kinshasa) engagiert. Zudem kann 
von einer  Mitgliedschaft  des  Beschwerdeführers  in  der  Organisation 
I._______ ausgegangen werden. Dazu ist zunächst festzuhalten, dass 
sich aus diesen Aktivitäten kein besonderes politische Profil  ableiten 
lässt. Weder wird vom Beschwerdeführer  dargetan noch ist  aus den 
Akten  ersichtlich,  inwiefern  sich  die  genannte  Organisation 
beziehungsweise  der  Beschwerdeführer  persönlich  in  der 
Öffentlichkeit besonders exponiert hätte. Hinzu kommt, dass nach den 
Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  politische  Parteien 
heute in Kongo (Kinshasa) weitgehend frei  tätig sein können. In der 
Nationalversammlung  sind  gegenwärtig  70  Parteien  vertreten,  im 
Senat  26.  Immer  wieder  äussern  sich  Vertreter  der  Opposition 
regierungskritisch  (US  Department  of  State,  Country  Reports  on 
Human  Rights  Practices  2007,  Democratic  Republic  of  the  Congo, 
11.03.2008;  International  Crisis  Group,  Congo:  Consolidating  the 
Peace,  05.07.2007).  Vor  diesem  Hintergrund  ist  umso  weniger 
anzunehmen,  eine  regierungskritische  exilpolitische  Betätigung,  wie 
sie  der  Beschwerdeführer  darlegt,  führe  bei  der  Rückkehr  in  den 
Heimatstaat in jedem Fall zu Repressionsmassnahmen. Entsprechend 
sind auch keine Anhaltspunkte vorhanden, wonach die kongolesischen 
Behörden  wegen  der  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  ein 
Strafverfahren oder andere behördliche Schritte gegen ihn eingeleitet 
hätten.  Es  besteht  daher  kein  Anlass  zur  Vermutung,  der 
Beschwerdeführer  habe  im  Falle  seiner  Rückkehr  mit  erheblicher 
Wahrscheinlichkeit  mit  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Nachteilen  zu 
rechnen.

7.3 Zu  keinem  anderen  Schluss  führt  die  vom  Beschwerdeführer 
behauptete Mitgliedschaft  bei der H._______. Es ist nicht ersichtlich, 

Seite 19

D-4686/2006

inwiefern  sich  der  Beschwerdeführer  im  Namen dieser  Organisation 
während  seines  Aufenthalts  in  der  Schweiz  in  besonderer  Weise 
exponiert  hätte.  Zudem  blieb  selbst  der  Präsident  der  H._______, 
obschon  angeblich  in  Kinshasa  wohnhaft,  offenbar  von  behördlicher 
Seite  unbehelligt.  Auch  wenn  nicht  zu  verkennen  ist,  dass 
Menschenrechtsaktivisten  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers 
behördlicherseits gewissen Schikanen ausgesetzt sind, vermag alleine 
die (angebliche) Mitgliedschaft  in einer Organisation,  welche sich für 
die Wahrung der Menschenrechte einsetzt,  nicht zur Annahme eines 
subjektiven Nachfluchtgrundes zu führen. 

8.  
8.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

8.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

9.
9.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83  Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Seite 20

D-4686/2006

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101)  darf  niemand der  Folter  oder unmenschli-
cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

9.3 Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine 
asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu 
machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach 
Kongo  (Kinshasa) ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art.  5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  unglaubhaften  Aussagen  des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er 
für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach Kongo (Kinshasa)  dort  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK oder  Art.  1 
FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss 
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) 
sowie  jener  des  UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der 
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder 
unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 
122, mit  weiteren Hinweisen; EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen 
Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 
124-127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  in  Kongo  (Kinshasa) lässt  den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl  im  Sinne  der  asyl-  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat-  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt,  ist – unter Vorbehalt von 

Seite 21

D-4686/2006

Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

9.4.1 Hinsichtlich der allgemeinen Situation in Kongo (Kinshasa) kann, 
zur Vermeidung von Wiederholungen, auf die detaillierte, noch von der 
ARK erstellte und in EMARK 2004 Nr. 33 publizierte Lageanalyse zu 
diesem  Land  verwiesen  werden,  welche  das  Bundesverwaltungsge-
richt im Übrigen als im Wesentlichen weiterhin zutreffend erachtet. Na-
mentlich  ist  davon  auszugehen,  dass  dort  nicht  landesweit  eine 
Bürgerkriegssituation oder eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht. 
Daran ändern auch die Ende März 2007 stattgefundenen gewalttätigen 
Auseinandersetzungen zwischen der regulären Armee und der Garde 
von  Ex-Rebellenschaft  Bemba  nichts,  welcher  als  Präsidentschafts-
kandidat  Joseph  Kabila  unterlegen  war  und  sich  in  der  Folge  als 
Führer  einer  starken  und  republikanischen  Organisation  weigerte, 
seine Leute in die nationale Armee zu integrieren. Nach der Niederla-
ge  von  Bemba  und  dessen  Flucht  in  die  südafrikanische  Botschaft 
respektive Weiterreise nach Portugal  hat  sich die Situation in Kongo 
(Kinshasa) wieder beruhigt. Mittlerweile kann sogar von einer Stabili-
sierung gesprochen werden, aufgrund derer einem allfälligen Vollzug 
der  Wegweisung  unter  dem  Zumutbarkeitsaspekt  keine  triftigen 
Gründe entgegen stehen.

9.4.2 Dem  Beschwerdeführer  wird  eine  Anpassungsstörung  mit 
rezidivierenden Angstzuständen und depressiver Reaktion (F 43.22 + 
260),  (...)  sowie chronische (...)  attestiert  (ARK act. 8 S. 111,  act. 9 
S. 117 und act. 11 S. 135 ff.). Die medizinische Behandlung erfordert 
jedoch  keinen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz,  zumal  die 
Reisefähigkeit  sowie  die  Behandlung  im  Heimatland  als  gegeben 
erachtet werden (ARK act. 8 S. 111 und act. 9 S.117). Gemäss dem 
Arztzeugnis  von  Prof.  Dr.  med.  Ph.  C.  muss  der  Beschwerdeführer 
gegen den (...) täglich das Medikament („...“) einnehmen. In Bezug auf 
die chronische (...)  werde der Beschwerdeführer wahrscheinlich eine 
(...)diät  einhalten  müssen.  Gegen  eine  medizinische  Behandlung  im 
Herkunftsstaat  spreche  "Nichts,  so  lange  erneute  Misshandlungen 
ausgeschlossen sind". Auch lässt das Arztzeugnis vom 12. Juni 2006 
nicht  auf  fehlende Reisefähigkeit  schliessen (ARK act. 11 S. 135 f.). 
Entsprechen  die  Behandlungsmöglichkeiten  im  Herkunftsland  nicht 
dem medizinischen Standard  in  der  Schweiz,  macht  dies  allein  den 
Vollzug  noch  nicht  unzumutbar,  hingegen  dann,  wenn  die 

Seite 22

D-4686/2006

ungenügende Möglichkeit  der  Weiterbehandlung eine drastische und 
lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach 
sich zieht (vgl. EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d S. 50 ff., EMARK 2003 Nr. 24 
E. 5b S. 157 f.). Letztere Bedingungen sind für den Beschwerdeführer 
nicht  erfüllt.  Nach  den  Erkenntnissen  der  schweizerischen 
Asylbehörden  sind  im  l’Hôpital  Général  de  Kinshasa  (HGK) 
beziehungsweise  in  den  Universitätskliniken  von  Kinshasa  die 
medizinischen  Infrastrukturen  vorhanden,  um  eine  Behandlung  des 
Beschwerdeführers  zu  gewährleisten.  Aufgrund  der  Behandelbarkeit 
der  Leiden  des  Beschwerdeführers  in  dessen  Heimatland  ist  daher 
nicht  davon  auszugehen,  er  könnte  dort  die  absolut  notwendige 
medizinische  Versorgung  nicht  erhalten  oder  würde  -  aus  objektiver 
Sicht  -  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen, dem 
Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  seines 
Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert 
(vgl. EMARK 1995 Nr. 5 E. 6e S. 47, EMARK 1994 Nr. 18 S. 139 ff., Nr. 
19 S. 145 ff. und Nr. 20,  S. 155 ff.). Das Gesundheitswesen vermag 
zwar in Kinshasa westlichen Ansprüchen nur dann einigermassen zu 
genügen,  wenn  der  Betroffene  über  ausreichende  finanzielle  Mittel 
verfügt (vgl. EMARK 2004 Nr. 33 E. 8.3. S. 237 f.). Diesbezüglich ist 
darauf  hinzuweisen,  dass  es  dem Beschwerdeführer  im Sinne  einer 
Überbrückung  offen  steht,  individuelle  Rückkehrhilfe  (Art.  93  Abs.  1 
Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 
über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]) zu beantragen. Das 
vom  Beschwerdeführer  am  28. Dezember  2007  eingereichte 
Arztzeugnis (BVGer act. 28) ändert am Gesagten nichts. Im Weiteren 
hat der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat eine gute Ausbildung 
genossen  (vgl.  A8/26  S. 4  f.)  und  kann  auf  ein  familiäres 
Beziehungsnetz  zurückgreifen  (vgl.  A2/9  S. 3). Alles  in  allem ist  der 
Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar zu bezeichnen. 

9.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen 
ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

10.
Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Vollzug zu Recht 

Seite 23

D-4686/2006

als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt 
eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art.  83 
Abs. 1-4 AuG).

11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

12.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wären die Kosten dem mit 
seinen  Begehren  unterlegenen  Beschwerdeführer  zu  überbinden 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Dieser hat aber im Rahmen der Beschwerde-
begehren ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge  gestellt.  Gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG befreit  die  Beschwerdein-
stanz nach Einreichung der Beschwerde eine Partei, die nicht über die 
erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfah-
renskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Aus den 
aufgezeigten Gründen kann dem Beschwerdeführer nicht vorgehalten 
werden, seiner Beschwerde habe es im Zeitpunkt der Beantragung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  mit  Blick  auf  die  Erfolgsaussichten  an 
der nötigen Ernsthaftigkeit gefehlt (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). 
Zudem  wird  seine  prozessuale  Bedürftigkeit  durch  die  eingereichte 
Unterstützungsbestätigung  vom  15. Juli  2005  hinreichend  belegt. 
Damit  sind  beide  kumulativ  erforderlichen  Voraussetzungen  von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG erfüllt. Das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege  ist  deshalb  gutzuheissen,  und  der  Beschwerde-
führer ist von der Pflicht zur Kostentragung zu befreien. Infolgedessen 
sind  ihm  trotz  seines  Unterliegens  keine  Verfahrenskosten  aufzuer-
legen.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 24

D-4686/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- den (...) des Kantons E._______ ad (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

Seite 25