# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8af7583b-9df8-5aeb-9268-6d51b19c0d70
**Source:** Freiburg/Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-07
**Language:** de
**Title:** Freiburg Kantonsgericht Verwaltungsgerichtshöfe 07.05.2015 601 2014 134
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/FR_Gerichte/FR_TC_007_601-2014-134_2015-05-07.pdf

## Full Text

Tribunal cantonal TC
Kantonsgericht KG

Augustinergasse 3, Postfach 1654, 1701 Freiburg

T +41 26 304 15 00, F +41 26 304 15 01
www.fr.ch/tc

—
Pouvoir Judiciaire PJ
Gerichtsbehörden GB

601 2014 134

Urteil vom 7. Mai 2015 

I. Verwaltungsgerichtshof

Besetzung Stellvertretender Präsident: Christian Pfammatter
Richter: Josef Hayoz, Johannes Frölicher 
Gerichtsschreiber: Bernhard Schaaf 

Parteien A.________, Beschwerdeführer

gegen

ANWALTSKOMMISSION, Vorinstanz

Gegenstand Anwaltsrecht

Verletzung von Berufsregeln

Beschwerde vom 15. September 2014 gegen den Entscheid der Anwalts-
kommission vom 28. Mai 2014

Kantonsgericht KG

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Sachverhalt

A. Mit Urteil des Zivilgerichts des Saanebezirks vom 29. Juni 1993 wurde die Ehe von 
B.________ und seiner Frau geschieden. Die gemeinsame Tochter wurde unter die elterliche 
Sorge der Mutter gestellt und der Vater verpflichtet, für das Kind Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. 
Da B.________, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Zahlungen leistete, entrichtete die 
Abteilung Soziales der Stadt C.________, wo sich das Kind offenbar aufhält, monatliche 
Alimentenvorschüsse.

B. Mit Brief vom 24. Juni 2011 teilte Rechtsanwalt A.________, der B.________ in ver-
schiedenen versicherungsrechtlichen Angelegenheiten vertrat, der Abteilung Soziales der Stadt 
C.________ mit, dass die Invalidenversicherung seinem Klienten rückwirkend auf den 1. 
September 2005 eine Rente zugesprochen und ihm für den Zeitraum 2005 bis 2009 eine 
Kinderrente im Betrag von insgesamt 7'366 Franken ausbezahlt habe. Dieses Geld stehe auf dem 
Kundengelderkonto zur Verfügung und die Abteilung Soziales der Stadt C.________ werde 
ersucht, mitzuteilen, auf welches Bankkonto der Betrag zu überweisen sei. 

Mit Schreiben vom 8. Juli 2011 machte die Abteilung Soziales der Stadt C.________ gegenüber 
Rechtsanwalt A.________ die Auszahlung von 7'552 Franken geltend und informierte ihn gleich-
zeitig, auf welches Konto das Geld einzubezahlen sei. Nach mehreren schriftlichen und telefoni-
schen Mahnungen leistete Rechtsanwalt A.________ am 24. September 2012 eine Zahlung von 
4'478 Franken; der Saldo blieb unbezahlt. In einem Schreiben vom 25. Oktober 2012 begründete 
er dies damit, dass sein Klient nicht den Gesamtbetrag der rückwirkend geschuldeten IV-Rente 
erhalten habe, da bereits bezogene Taggelder der D.________-Versicherungsgesellschaft in der 
Höhe von 6'000 Franken angerechnet worden seien. Dieser Betrag sei anteilmässig auf die Rente 
von B.________ und auf die Kinderrente angerechnet worden. Ebenso sei ein Teil des Anwalts-
honorars über die Kinderrente abgerechnet worden.

C. Am 12. Juni 2013 erstattete die Abteilung Soziales der Stadt C.________ bei der 
Anwaltskommission des Kantons Freiburg Anzeige. Sie ist der Auffassung, dass eine Verrechnung 
der rückwirkend ausbezahlten Kinderrente mit dem Anwaltshonorar rechtlich nicht korrekt sei und 
einen Missbrauch des Klientengelderkontos von B.________ darstelle.

Die Anwaltskommission liess die Anzeige Rechtsanwalt A.________ zukommen. Dieser nahm am 
24. September 2013 zu den Vorwürfen Stellung und beantwortete mit Eingabe vom 23. Mai 2014 
zusätzliche Fragen der Anwaltskommission.

D. Mit Beschluss vom 28. Mai 2014 bestrafte die Anwaltskommission Rechtsanwalt A.________ 
mit einer Busse von 2'000 Franken wegen Verletzung von Art. 12 lit. a des Bundesgesetzes vom 
23. Juli 2000 über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61). Dagegen 
erhob Rechtsanwalt A.________ am 15. September 2014 Beschwerde beim Kantonsgericht und 
beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Die Anwaltskommission verzichtete auf 
das Einreichen einer Vernehmlassung, schloss indes mit Eingabe vom 24. November 2014 auf 
Abweisung der Beschwerde.

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Erwägungen

1. Gemäss Art. 32 Abs. 2 des kantonalen Gesetzes vom 12. Dezember 2002 über den Anwalts-
beruf (AnwG; SGF 137.1) richtet sich das Disziplinarverfahren gegen Anwälte nach dem Anwalts-
gesetz des Bundes (BGFA), den Art. 32 ff. AnwG sowie dem Gesetz vom 23. Mai 1991 über die 
Verwaltungsrechtspflege (VRG; SGF 150.1). Nach Art. 37 AnwG kann ein entsprechender Ent-
scheid nach den Bestimmungen des VRG angefochten werden. Demnach ist die Zuständigkeit des 
Kantonsgerichts gegeben (Art. 114 Abs. 1 lit. a VRG). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzun-
gen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

2. Der Beschwerdeführer verlangt die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels und einer 
öffentlichen Sitzung. Nachdem sich die Anwaltskommission zur Beschwerde nicht äusserte, be-
steht für einen zweiten Schriftenwechsel keine Veranlassung. Auch ist keine öffentliche Verhand-
lung anzusetzen, da die Beschwerde ohnehin gutzuheissen ist.

3. Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Verletzung des Rechts, einschliesslich der 
Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, gerügt sowie eine unrichtige und unvoll-
ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 77 Abs. 1 
lit. a und b VRG). Die Unangemessenheit kann vor dem Kantonsgericht nur gerügt werden, wenn 
die Angelegenheit das Gebiet der öffentlichen Abgaben oder der Sozialversicherungen betrifft oder 
sie der Beschwerde an eine zur Überprüfung dieser Rüge befugte Behörde unterliegt oder ein Ge-
setz diesen Beschwerdegrund ausdrücklich vorsieht (Art. 78 Abs. 2 lit. a-c VRG). Solange die Vor-
instanz ihr Ermessen pflichtgemäss ausübt, ist es dem Gericht verwehrt, sein eigenes Ermessen 
anstelle der Vorinstanz zu setzen (vgl. BVR 2012 S. 193 E. 1.2 S. 195). Das Gericht wendet das 
Recht von Amtes wegen an und prüft von Amtes wegen oder auf Antrag die Gültigkeit der auf den 
Einzelfall anwendbaren Vorschriften (Art. 10 Abs. 1 und 2 VRG).

4. a) Nach Art. 12 lit. a BGFA haben Anwälte ihren Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszu-
üben. Hierbei handelt es sich um eine Generalklausel, die von den Anwälten sowohl im Verhältnis 
zu ihren Klienten als auch in ihrem Verhalten gegenüber den Behörden, der Gegenpartei und der 
Öffentlichkeit, ja sogar auf die gesamte Berufstätigkeit des Anwalts ein korrektes Verhalten ver-
langt (WALTER FELLMANN, in Walter Fellmann/Gaudenz G. Zindel [Hrsg.], Kommentar zum An-
waltsgesetz, 2. A., Zürich 2011, Rz. 12 zu Art. 12 mit Hinweisen). Bei der Auslegung dieser Be-
stimmung ist ein enger Massstab anzulegen. Art. 12 lit. a BGFA begründet keine eigenständige 
Verhaltenspflicht, weshalb die Anwälte grundsätzlich zu keiner höheren Sorgfalt und Gewissen-
haftigkeit verpflichtet werden als es die Rechtsordnung von jedem Dienstleister verlangt (KASPAR 
SCHILLER, Schweizerisches Anwaltsrecht, Zürich 2009, Rz. 1458, 1461). Art. 12 lit. a BGFA greift 
erst bei qualifizierten Sorgfaltswidrigkeiten ein. Nur offensichtlich ungenügende Beratung oder 
Vertretung, gravierende oder wiederholte Verstösse gegen Vertragspflichten rechtfertigen ein 
staatliches Eingreifen (BGE 2C_379/2009 vom 7. Dezember 2009, E. 3.2; 2C_878/2011 vom 28. 
Februar 2012 E. 5.1).

b) Bei Verletzung der Sorgfaltspflicht kann die Aufsichtskommission eine Verwarnung, einen 
Verweis, eine Busse oder ein befristetes oder unbefristetes Berufsausübungsverbot verfügen (Art. 
17 Abs. 1 BGFA).

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5. a) Die Anwaltskommission wirft dem Beschwerdeführer vor, die nachträglich ausbezahlte 
Kinderrente nicht vollumfänglich an die Abteilung Soziales der Stadt C.________ überwiesen zu 
haben. Infolge der Bevorschussung der Kinderalimente stehe dieser der Betrag von 7'552 
Franken, dessen Bestand und Höhe nie bestritten worden seien, zu. Der Beschwerdeführer habe 
gewusst, dass das Gemeinwesen im Umfang der Alimentenbevorschussung für den Unterhalt des 
Kindes aufgekommen sei und im Lichte der Legalzession richtigerweise erkannt, dass die 
Kinderrenten der bevorschussenden Institution zu überweisen seien. Sein Einwand, es hätte keine 
schriftliche Zession vorgelegen und er hätte früher mit der Kindsmutter korrespondiert, verfange 
nicht. Legalzession bedeute, dass eine Forderung von Gesetzes wegen auf eine neue Gläubigerin 
übergehe. Einer schriftlichen Abtretung bedürfe es nicht. Selbst wenn gemäss Art. 35 des 
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) der Klient 
Rechtsinhaber der Kinderrente sei, habe dieser infolge der Legalzession gemäss Art. 289 Abs. 2 
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) keine 
Verfügungsberechtigung mehr über die betroffenen Beträge und könne deshalb seinem Anwalt 
diesbezüglich keine gültigen Anweisungen erteilen. Zudem widerspreche es dem gesetzlichen 
Zweck der Kinderrente, darauf Abzüge für Honorarforderungen und andere Leistungen zu tätigen. 
Es wäre die Pflicht des Anwalts gewesen, seinen Klienten entsprechend aufzuklären.

b) Der Beschwerdeführer vertritt die Auffassung, dass sein Klient B.________ der Rechts-
inhaber der Kinderrente sei und er dessen Vorgaben respektiert habe. Der Restbetrag von 3'074 
Franken werde auf dem Kundengelderkonto und B.________, dem allein Parteistellung im 
Rechtsstreit mit der Stadt C.________ zukomme, zur Verfügung gehalten. Er führe das Mandat für 
B.________ so, dass ihm von dessen Seite kein Vorwurf gemacht werden könne. Er habe keine 
persönliche Pflicht, den Bestand und die Höhe der Bevorschussung zu prüfen, sondern müsse und 
dürfe sich im Auftrag seines Klienten mit einer Gegenüberstellung der Bevorschussung und der 
Höhe der Kinderrenten (Dauer und Betrag) begnügen. Es hätten weder die Kindsmutter noch die 
Stadt C.________ je einen Antrag auf Auszahlung gestellt. Wenn er im Auftrag von B.________ 
die Stadt C.________ nicht informiert hätte, so hätte nie jemand von diesem IV-Rentenanspruch 
gewusst. Soweit bekannt, habe die Stadt C.________ B.________ kaum je aufgefordert, über 
seine finanziellen Verhältnisse während der Periode der Bevorschussung Auskunft zu geben. Der 
gesetzliche Zweck der Kinderrente möge in der ausschliesslichen Verwendung der Rente für den 
Unterhalt und die Erziehung des Kindes liegen, aber nur für künftige Monatsbetreffnisse und nicht 
für rückwirkende Zahlungen an ein Amt. Er habe aufgrund der Wünsche und Vorgaben seines 
Mandanten für nicht bezahlte Unterhaltsbeiträge und für Kinderrenten gehandelt, welche mit 
Bestimmtheit nicht mehr für den künftigen Unterhalt der Tochter bestimmt waren. B.________ sei 
und bleibe somit alleiniger Berechtigter dieser nachträglich ausbezahlten Kinder- und 
Stammrenten.

6. Es geht vorliegend nicht darum, zu überprüfen, ob der Beschwerdeführer beziehungsweise 
dessen Klient die Nachzahlung der IV-Versicherung der Abteilung für Soziales der Stadt 
C.________ überweisen muss, sondern darum, ober er mit seiner Auffassung, nicht den ganzen 
Betrag zu zahlen, sich einer qualifizierten Sorgfaltswidrigkeit schuldig gemacht hat. Ist seine 
Haltung nachvollziehbar, liegt keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor. Sodann ist hervorzuheben, 
dass nicht behauptet wird, der Beschwerdeführer hätte die Gelder zweckentfremdet. Offenbar 
befindet sich der Betrag immer noch auf seinem Kundenkonto. 

7. a) Nach Art. 35 IVG haben Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, für jedes 
Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung be-
anspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente (Abs. 1). Nach Abs. 4 der gleichen Bestim-

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mung wird die Kinderrente wie die Rente ausbezahlt, zu der sie gehört. Vorbehalten bleiben die 
Bestimmungen über die zweckgemässe Verwendung (Art. 20 des Bundesgesetzes über den All-
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 [ATSG; SR 830.1]) und abwei-
chende zivilrichterliche Anordnungen. Der Bundesrat kann die Auszahlung für Sonderfälle in Ab-
weichung von Art. 20 ATSG regeln, namentlich für Kinder aus getrennter oder geschiedener Ehe. 
Nach Art. 20 Abs. 1 ATSG können Geldleistungen ganz oder teilweise einem geeigneten Dritten 
oder einer Behörde ausbezahlt werden, der oder die der berechtigten Person gegenüber gesetz-
lich oder sittlich unterstützungspflichtig ist oder diese dauernd fürsorgerisch betreut, sofern die 
berechtigte Person die Geldleistungen nicht für den eigenen Unterhalt oder für den Unterhalt von 
Personen, für die sie zu sorgen hat, verwendet oder dazu nachweisbar nicht im Stande ist (lit. a) 
und die berechtigte Person oder Personen, für die sie zu sorgen hat, aus einem Grund nach lit. a 
auf die Hilfe der öffentlichen oder privaten Fürsorge angewiesen sind (lit. b). Nach Abs. 2 der glei-
chen Bestimmung können diese Dritten oder diese Behörde die Leistungen, die ihnen ausbezahlt 
werden, nicht mit Forderungen gegenüber der berechtigten Person verrechnen. Ausgenommen ist 
die Verrechnung bei Nachzahlungen von Leistungen im Sinne von Art. 22 Abs. 2 ATSG. Nach Art. 
22 Abs. 1 ATSG ist der Anspruch auf Leistungen weder abtretbar noch verpfändbar. Jede Abtre-
tung oder Verpfändung ist nichtig. Gemäss Abs. 2 können jedoch Nachzahlungen von Leistungen 
des Sozialversicherers abgetreten werden dem Arbeitgeber oder der öffentlichen oder privaten 
Fürsorge, soweit diese Vorschusszahlungen leisten (lit. a) oder einer Versicherung, die Vorleistun-
gen erbringt (lit. b). 

b) Nach Art. 285 Abs. 2bis ZGB hat der Unterhaltspflichtige, wenn er infolge Alter oder Invali-
dität nachträglich Sozialversicherungsrenten oder ähnliche für den Unterhalt des Kindes bestimmte 
Leistungen, die Erwerbseinkommen ersetzen, erhält, diese Beträge dem Kind zu zahlen; der bis-
herige Unterhaltsbeitrag vermindert sich von Gesetzes wegen im Umfang dieser neuen Leistun-
gen. Art. 289 ZGB bestimmt, dass der Anspruch auf Unterhaltsbeiträge dem Kind zusteht und, 
solange das Kind minderjährig ist, durch Leistung an dessen gesetzlichen Vertreter oder den Inha-
ber der Obhut erfüllt wird (Abs. 1). Kommt jedoch das Gemeinwesen für den Unterhalt auf, so geht 
der Unterhaltsanspruch mit allen Rechten auf das Gemeinwesen über (Abs. 2).

Bei Art. 289 Abs. 2 ZGB handelt es sich um eine Subrogation beziehungsweise Legalzession 
(BGE 138 III 145 E. 3 S. 146). Das Gemeinwesen tritt für alle von ihm für den Unterhalt des Kindes 
an Stelle des Pflichtigen erbrachten Leistungen in den Anspruch des Kindes ein. Von dieser Sub-
rogation nicht erfasst sind aufgrund des Bundeszivilrechts und des Sozialversicherungsrechts Kin-
derzulagen, Sozialversicherungsrenten und ähnliche für den Unterhalt des Kindes bestimmte 
Leistungen, weil deren Gläubiger der Unterhaltspflichtige ist und nicht das Kind. Demnach können 
IV-Kinderrenten grundsätzlich nicht abgetreten werden. Immerhin ist unter Umständen eine Aus-
zahlung an einen Dritten oder eine Behörde gestützt auf Art. 20 ATSG möglich, aber, wie sich aus 
der nachfolgenden Erwägung ergibt, im vorliegenden Fall eben gerade nicht (PETER BREIT-
SCHMID/ANNASOFIA KEMP, Basler Kommentar, 5. A., Rz. 10 zu Art. 289; CYRILL HEGNAUER, Zum 
Umfang der Subrogation des Gemeinwesens nach Art. 289 Abs. 2 ZGB, in Zeitschrift für Vor-
mundschaftswesen [ZVW], 54/1999 S. 18 ff.). 

8. a) Es steht ausser Diskussion, dass allein B.________ Anspruch auf die Kinderrente hat und 
diese grundsätzlich ihm auszuzahlen ist. Im Rahmen der hier strittigen Angelegenheit ist zwischen 
der Drittauszahlung einer Nachzahlung und derjenigen einer laufenden Leistung strikt zu unter-
scheiden. Erstere wird durch Art. 22 Abs. 2 ATSG geordnet, währenddem und Art. 20 ATSG sich 
ausschliesslich auf die Drittauszahlung der laufenden Leistung bezieht(vgl. UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 2. A., Zürich, usw., Rz. 9 zu Art. 20). Vorliegend handelt es sich nicht um die Aus-

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zahlung einer laufenden Leistung, sondern um eine rückwirkende Leistung. Infolgedessen gelangt 
nicht Art. 20, sondern Art. 22 ATSG zur Anwendung.

b) Werden Unterhaltsleistungen von Dritten erbracht, wie im vorliegenden Fall (Alimenten-
bevorschussung), sind diese zur Rückforderung berechtigt (vgl. KIESER, Rz. 30 zu Art. 22; Weg-
leitung über die Renten [RWL] in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver-
sicherung, gültig ab 1. Januar 2003, Rz. 10014 und 10063 ff., auch zum Folgenden). Die Zulässig-
keit der Nachzahlung der IV-Kinderrente an die Abteilung Soziales der Stadt C.________, welcher 
die geschuldeten Alimente von B.________ seit geraumer Zeit an die Kindsmutter bevorschusst, 
richtet sich grundsätzlich nach Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 85bis Abs. 1 der Verord-
nung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 821.201). Art. 85bis Abs. 1 IVV 
bestimmt, dass Arbeitgeber, Einrichtungen der beruflichen Vorsorge, Krankenversicherungen, 
öffentliche und private Fürsorgestellen oder Haftpflichtversicherungen mit Sitz in der Schweiz, wel-
che im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vorschussleistungen erbracht haben, 
verlangen können, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe ihrer Vorschussleistung ver-
rechnet und an sie ausbezahlt wird. (…) Die bevorschussenden Stellen haben ihren Anspruch mit 
besonderem Formular frühestens bei der Rentenanmeldung und spätestens im Zeitpunkt der Ver-
fügung der IV-Stelle geltend zu machen. Nach Abs. 2 gelten als Vorschussleistungen freiwillige 
Leistungen, sofern die versicherte Person zu deren Rückerstattung verpflichtet ist und sie der Aus-
zahlung der Rentennachzahlung an die bevorschussende Stelle schriftlich zugestimmt hat (lit. a) 
sowie vertraglich oder aufgrund eines Gesetzes erbrachte Leistungen, soweit aus dem Vertrag 
oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforderungsrecht infolge der Rentennachzahlung abgeleitet 
werden kann (lit. b).

c) Demnach hat eine Sozialhilfestelle, welche Alimente bevorschusst hat, nicht bloss ein 
Rückforderungsrecht gegenüber der Person, welche die IV-Kinderrente erhält, sondern darüber 
hinaus auch Anspruch darauf, dass eine Nachzahlung von IV-Kinderrenten direkt an sie erfolgen 
soll. Gemäss Rz. 10062 der erwähnten Wegleitung über die Renten (RWL) hat der bevor-
schussende Dritte, der Anspruch auf die Rückerstattung seiner Vorschussleistungen erhebt, dies 
der zuständigen Ausgleichskasse rechtzeitig schriftlich anzukündigen und dazu ausschliesslich die 
Formulargarnitur 318.183 zu verwenden. Falls das Gesetz keinen Anspruch einräumt, ist Voraus-
setzung, die Nachzahlung der Kinderrente an einen Dritten zu überweisen, eine schriftliche Voll-
macht des Berechtigten (vgl. CYRILL HEGNAUER, in Berner Kommentar, Rz. 101 zu Art. 289 ZGB).

Wesentlich ist, dass die Abteilung Soziales der Stadt C.________ weder der IV noch der 
Ausgleichkasse ein entsprechendes Gesuch gestellt oder das erwähnte Formular eingereicht 
hatte. Wenn dies geschehen wäre, was die Verfahrensbeteiligten nicht behaupten, wäre es nicht 
nachzuvollziehen, weshalb die Nachzahlung an den Rechtsvertreter von B.________ erfolgte. 
Nebstdem wurde diesem selbst nie etwas bevorschusst, weshalb unter diesem Titel nichts direkt 
von der IV an die Abteilung Soziales der Stadt C.________ auszubezahlen ist. Die von 
B.________ geschuldeten und nicht bezahlten Unterhaltsbeiträge wurden der Kindsmutter 
bevorschusst. Die Legalzession und eine allfällige schriftliche von der Kindsmutter abgegebene 
Zession beziehen sich auf das Verhältnis zwischen der Mutter und der Abteilung Soziales der 
Stadt C.________. Demnach könnte auch die Mutter die Auszahlung verlangen, was sie jedoch 
nicht getan hat. Es liegt auch keine unterschriftliche Einwilligung von B.________ vor, dass die 
Nachzahlung der Kinderrente an die Abteilung Soziales der Stadt C.________ zu erfolgen hat. 
Schliesslich steht auch überhaupt nicht fest, ob der Abteilung Soziales der Stadt C.________ ein 
gesetzliches Rückforderungsrecht im Sinn von Art. 85bis Abs. 2 lit. b IVV zusteht.

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9. Es ist, wie weiter oben gesagt, nicht Sache des Gerichts abzuklären, ob der Beschwerde-
führer beziehungsweise sein Klient die Nachzahlung der Abteilung Soziales der Stadt C.________ 
überweisen muss. Immerhin zeigt das Gesagte auf, dass diesbezüglich die Rechtslage nicht 
eindeutig ist. Vor diesem Hintergrund erscheint die Einstellung des Beschwerdeführers, der die 
Interessen seines Klienten wahrzunehmen hat, nachvollziehbar und es kann daher, entgegen den 
Erwägungen der Anwaltskommission, nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, eine 
Verrechnung mit dem Anwaltshonorar sei ausgeschlossen beziehungsweise eine Auszahlung an 
die Abteilung Soziales der Stadt C.________ sei zwingend. Insofern stellt das Verhalten keine 
Sorgfaltspflichtverletzung im Sinn von Art. 12 lit. a BGFA dar. Somit besteht keine 
Berufsregelverletzung und fällt eine Disziplinierung ausser Betracht. Die Beschwerde ist 
gutzuheissen und der Beschluss der Anwaltskommission vom 28. Mai 2014 aufzuheben. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 131 Abs. 1 und 
Art. 133 VRG). Dem Beschwerdeführer ist mangels entschädigungspflichtigen Aufwands keine 
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 140 VRG).

Der Hof erkennt:

I. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

Der Entscheid der Anwaltskommission vom 28. Mai 2014 wird aufgehoben.

II Es werden weder Gerichtskosten erhoben noch Parteientschädigungen zugesprochen.

Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss wird ihm zurückerstattet.

III. Zustellung.

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen ab Zustellung Beschwerde beim Bundesgericht, 
Lausanne, eingereicht werden. 

Freiburg, 7. Mai 2015/jha

Stellvertretender Präsident Gerichtsschreiber