# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e7a46f9-ad5b-55f2-b8b3-3dc9c127b88d
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** LA230011-O7
**Docket/Reference:** LA230011-O7
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/LA230011-O7.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Zivilkammer  

Geschäfts-Nr.: LA230011-O/U 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. A. Huizinga, Vorsitzender, Oberrichterin 

Dr. S. Janssen und Oberrichter lic. iur. K. Vogel sowie 

Gerichtsschreiberin lic. iur. N. Gerber

Urteil vom 11. Februar 2025

in Sachen

A._____,

Kläger und Berufungskläger

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, und / oder 

Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____, 

gegen

B._____ AG, 

Beklagte und Berufungsbeklagte

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Y1._____ und / oder 

Rechtsanwalt Dr. iur. LL.M. Y2._____, 

betreffend arbeitsrechtliche Forderung

Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 2. Abteilung, im 

ordentlichen Verfahren vom 13. März 2023 (AN190017-L)

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Rechtsbegehren:

bei der Einreichung der Klage beim erstinstanzlichen Gericht (Urk. 1 S. 2):

«1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von 

CHF 35'000.00 [Bonus 2017] nebst Zins zu 5% sei 1. April 2018 
zu bezahlen, unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

2. Die Beklagte sei ausserdem zu verpflichten, dem Kläger den Be-
trag von CHF 35'000.00 [Entschädigung aus missbräuchlicher 
Kündigung] nebst Zins zu 5% seit 1. Mai 2018 zu bezahlen, unter 
Vorbehalt des Nachklagerechts.

Alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 

7.7% MwSt) zu Lasten der Beklagten.»

modifiziert mit der Replik vor erstinstanzlichem Gericht (Urk. 24 S. 1):

«1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von 

CHF 35'000.00 [Bonus 2017] nebst Zins zu 5% seit 1. April 2018 
zu bezahlen, unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

2. Die Beklagte sei ausserdem zu verpflichten, dem Kläger den Be-
trag von CHF 35'000.00 [Entschädigung aus missbräuchlicher 
Kündigung] nebst Zins zu 5% seit 1. Mai 2018 zu bezahlen, unter 
Vorbehalt des Nachklagerechts.

3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von 
CHF 35'000.00 [Monatslohn Mai 2018] nebst Zins zu 5% seit 
1. Juni 2018 zu bezahlen, unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

Alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 

7.7% MwSt) zu Lasten der Beklagten.»

 
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Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 13. März 2023:
(Urk. 82 = Urk. 85 S. 76)

«1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

CHF  15'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

CHF

 130.00   Zeugengeld

CHF

15'130.00   

3. Die Gerichtskosten werden vollumfänglich dem Kläger auferlegt und vorab 

aus den von ihm geleisteten Kostenvorschüssen bezogen. Für den Mehrbe-

trag wird die Gerichtskasse Rechnung stellen. 

Der von der Beklagten geleistete Barvorschuss für das Beweisverfahren ist 

dieser von der Gerichtskasse zurückzuerstatten. 

4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von 

CHF 25'000.00 zzgl. 7.7% Mehrwertsteuer zu bezahlen.

5.

[Mitteilungen]

6.

[Rechtsmittel]»

Berufungsanträge:

des Klägers (Urk. 84 S. 2):

«1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von 

CHF 35'000.00 [Bonus 2017] nebst Zins zu 5% seit 1. April 2018 
zu bezahlen, unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

2. Die Beklagte sei ausserdem zu verpflichten, dem Kläger den 

Betrag von CHF 35'000.00 [Entschädigung aus missbräuchlicher 
Kündigung] nebst Zins zu 5% seit 1. Mai 2018 zu bezahlen, unter 
Vorbehalt des Nachklagerechts.

3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von 
CHF 35'000.00 [Monatslohn Mai 2018] nebst Zins zu 5% seit 
1. Juni 2018 zu bezahlen, unter Vorbehalt des Nachklagerechts.

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4. Die Gerichtskosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien vollum-
fänglich der Beklagten aufzuerlegen, und die Beklagte sei zu ver-
pflichten, dem Kläger für das vorinstanzliche Verfahren eine an-
gemessene Parteientschädigung (zzgl. 7.7% MwSt) zuzsprechen.

5. Eventualiter sei das Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 2. Abtei-

lung, vom 13. März 2023 (Geschäfts-Nr. AN190017-L) aufzuhe-
ben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.

Alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 

7.7% MwSt) zu Lasten der Beklagten.»

der Beklagten (Urk. 91 S. 2):

«1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf 

einzutreten ist.

  2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7% MWST 

zulasten des Klägers und Berufungsklägers.»

Erwägungen:

1.

Ausgangslage und Verfahrensgang

1.1. Die Beklagte, die B._____ AG, ist eine 2007 gegründete Aktiengesellschaft 

mit Sitz in Zürich, die Finanzprodukte wie strukturierte Produkte und Derivate emit-

tiert und vertreibt (Urk. 5B).

Der Kläger hatte die Beklagte zusammen mit anderen Personen gegründet und war 

ab 2009 ihr Chief Executive Officer (CEO; Urk. 1 Rz 2 und 11; Urk. 15 Rz 1). Im 

Herbst  2017  kam  es  zum  Bruch,  als  der  Verwaltungsrat  der  Beklagten  die  Ge-

schäftsführung in neue Hände geben wollte.

Der vorliegende Rechtsstreit dreht sich im Wesentlichen darum, ob eine Bonuszah-

lung für das Jahr 2017 geschuldet ist, per wann das Arbeitsverhältnis mit dem Klä-

ger als aufgelöst zu gelten hat und ob eine missbräuchliche Kündigung anzuneh-

men ist, gegebenenfalls mit entsprechenden Folgen.

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1.2. Der Kläger erhob am 18. März 2019 Klage bei der Vorinstanz (Urk. 1 und 3). 

Der Prozessverlauf des erstinstanzlichen Verfahrens kann dem angefochtenen Ur-

teil entnommen werden (Urk. 85 E. I S. 3 f.).

1.3. Die Vorinstanz wies die Klage – kurz zusammengefasst – mit der Begrün-

dung ab, es sei das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger am 5. Oktober 2017 wirksam 

mündlich gekündigt worden, woraufhin es nach Ablauf der sechsmonatigen Kündi-

gungsfrist am 30. April 2018 geendet habe. Es bestehe somit kein Lohnanspruch 

mehr für den Monat Mai 2018 (Urk. 85 E. IV/8 S. 32). Das Vorliegen einer miss-

bräuchlichen Kündigung verneinte die Vorinstanz (Urk. 85 E. V/5.3 S. 56 f.). Auch 

von einer Verpflichtung zur Bonuszahlung für das Geschäftsjahr 2017 sah die Vor-

instanz ab – nach ihr hätte es sich gegebenenfalls um eine freiwillige Vergütung 

gehandelt (Urk. 85 E. VI/4.7 f. S. 67 f.); der Nachweis einer erfolgten Zusicherung 

sei dem Kläger nicht gelungen (Urk. 85 E. VI/6 S. 75). Ausgangsgemäss wurden 

die Prozesskosten dem Kläger auferlegt (Urk. 85 E. VII S. 75 f.).

1.4. Gegen das ihm am 23. März 2023 zugestellte Urteil erhob der Kläger am 

8. Mai 2023, gleichentags zur Post gegeben und am 10. Mai 2023 hier eingegan-

gen,  Berufung  (Urk. 84).  Er  beharrt  auf  seiner  Forderungsklage.  Der  Kostenvor-

schuss von CHF 8'950.– ging am 16. Mai 2023 bei der Gerichtskasse ein (Urk. 88 

und  89).  Die  Beklagte  erstattete  die  Berufungsantwort  mit  Eingabe  vom  14.  Juli 

2023 (Urk. 91). In der Folge reichten die Parteien je eine weitere Stellungnahme 

ein  (Urk. 93  [Kl.],  Urk. 95  [Bekl.]).  Eine  letzte  Stellungnahme  des  Klägers  vom 

9. November  2023  (Urk. 97)  wurde  am  14. November  2023  der  Beklagten  zuge-

stellt (Urk. 98).

2.

Prozessuales im Berufungsverfahren

2.1. Die  Eintretensvoraussetzungen  für  die  Berufung  sind  erfüllt:  Die  Berufung 

richtet  sich  gegen  einen  erstinstanzlichen  Endentscheid  im  Sinne  von  Art. 308 

Abs. 1  lit.  a  ZPO  in  einer  vermögensrechtlichen  Angelegenheit,  deren  Streitwert 

CHF 10'000.– übersteigt (Art. 308 Abs. 2 ZPO) und die nicht unter einen Ausnah-

metatbestand gemäss Art. 309 ZPO fällt. Sie wurde formgerecht bei der zuständi-

gen kantonalen Berufungsinstanz (§ 48 GOG) erhoben (Art. 311 Abs. 1 ZPO), und 

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der vor Vorinstanz mit seiner Klage unterlegene und deshalb beschwerte Kläger ist 

zu  deren  Erhebung  legitimiert.  Der  verlangte  Kostenvorschuss  wurde  rechtzeitig 

bezahlt  (Urk.  88  und  89).  Unter  dem  Vorbehalt  rechtsgenügender  Begründung 

(dazu sogleich, E. 2.2 f.) ist auf die Berufung einzutreten.

Das Verfahren ist spruchreif. Der Berufungsentscheid kann aufgrund der Akten er-

gehen (Art. 316 Abs. 1 ZPO).

2.2. Mit  der  Berufung  kann  unrichtige  Rechtsanwendung  und/oder  unrichtige 

Sachverhaltsfeststellung geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO), wobei die Beru-

fung zu begründen ist (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Das Berufungsverfahren ist als eigen-

ständiges Verfahren ausgestaltet. Es dient nicht der Vervollständigung des vorin-

stanzlichen Verfahrens, sondern der Überprüfung und Korrektur des erstinstanzli-

chen Entscheides im Lichte konkret dagegen vorgebrachter Beanstandungen. In 

der Begründung ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche 

Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist. Dies setzt 

voraus, dass der Berufungskläger im Einzelnen die vorinstanzlichen Erwägungen 

bezeichnet, die er anficht, und die Aktenstücke nennt, auf denen seine Kritik beruht. 

Allgemeine Kritik oder ein blosser Verweis auf die erstinstanzlichen Vorbringen ge-

nügen den Begründungsanforderungen nicht (BGE 142 III 413 E. 2.2.2 mit Hinwei-

sen, 141 III 569 E. 2.3.3, 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 4A_72/2021 vom 28. September 

2021 E. 7.3.2, je mit Hinweisen). Soweit in der Berufungsbegründung Tatsachen 

vorgebracht  oder  Sachverhaltsrügen  erhoben  werden,  ist  mittels  klarer  und 

sauberer  Verweisungen  auf  die  Ausführungen  vor  Vorinstanz  zu  zeigen,  wo  die 

entsprechenden  Behauptungen  oder  Bestreitungen  vorgetragen  wurden  (ZPO-

Rechtsmittel-Kunz, Art. 311 N 95 und 97; DIKE-Komm ZPO-Hungerbühler, Art. 311 

N  37).  Auch  sind  die  Parteien  grundsätzlich  gehalten,  erstinstanzlich  gestellte 

Beweisanträge,  denen  nicht  entsprochen  wurde,  vor  der  zweiten  Instanz  zu 

wiederholen. Dies gilt auch für die berufungsbeklagte Partei, muss diese doch mit 

einer  Gutheissung  der  Berufung  rechnen  (BGE  144  III  394  E.  4.2).  Die 

Begründungsanforderungen  gelten  sinngemäss  auch 

für  den 

Inhalt  der 

Berufungsantwort  (BGer  4A_580/2015  vom  11. April  2016  E. 2.2,  4A_496/2016 

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vom 8. Dezember 2016 E. 2.2.2, BGE 144 III 394 E. 4.2, je mit weiteren Hinwei-

sen]).

Abgesehen  von  offensichtlichen  Mängeln  hat  sich  das  Berufungsgericht  auf  die 

Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort gegen das erstinstanzliche 

Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken (BGE 144 III 394 E. 4.1.4 mit 

Hinweis auf BGE 142 III 413 E. 2.2.4 und weitere Entscheide). Insofern erfährt der 

Grundsatz «iura novit curia» (Art. 57 ZPO) im Berufungsverfahren eine Relativie-

rung (CHK-Sutter-Somm/Seiler, ZPO 57 N 6; BK ZPO-Hurni, Art. 57 N 21 und 39 

ff.; DIKE-Komm ZPO-Glasl, Art. 57 N 22). 

Die Beanstandungen haben die Parteien in der Berufung bzw. Berufungsantwort 

vollständig vorzutragen; ein allfälliger zweiter Schriftenwechsel oder die Ausübung 

des Replikrechts (vgl. Urk. 78, 93, 95 97) dienen nicht dazu, die bisherige Kritik zu 

vervollständigen  oder  gar  neue  vorzutragen  (BGE  142  III  413  E.  2.2.4,  mit 

Hinweisen). Allerdings kann die Berufungsinstanz die Berufung auch aus andern 

als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  den  Entscheid  mit  einer 

Begründung  bestätigen,  die  von 

jener  der  Vorinstanz  abweicht 

(sog. 

Motivsubstitution; BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013, E. 2.2.2; ZK ZPO-

Hilber/Reetz, Art. 318 N 21; Seiler, Die Berufung nach ZPO, Zürich 2013, N 1507; 

für das Verfahren vor Bundesgericht: BGE 144 III 462 E. 3.2.3).

Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren (grund-

sätzlich und auch hier) nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO 

berücksichtigt werden, das heisst wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht 

wurden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorge-

bracht werden konnten (lit. b). Wer sich auf (unechte) Noven beruft, hat deren Zu-

lässigkeit darzutun und ihre Voraussetzungen notwendigenfalls zu beweisen (BGE 

143 III 42 E. 4.1, BGer 5A_86/2016 vom 5. September 2016 E. 2.1). Neue rechtli-

che Argumente (Vorbringen zum Recht) stellen keine Noven im Sinne von Art. 317 

Abs. 1 ZPO dar und können in der Berufung uneingeschränkt vorgetragen werden 

(BGer 4A_519/2011 vom 28. November 2011 E. 2.1, 5A_351/2015 vom 1. Dezem-

ber 2015 E. 4.3). Sie dürfen sich allerdings nicht auf unzulässige neue Tatsachen 

stützen.

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In diesem Rahmen ist auf die Parteivorbringen einzugehen, soweit dies für die Ent-

scheidfindung erforderlich ist (BGE 134 I 83 E. 4.1, 141 III 28 E. 3.2.4, 143 III 65 

E. 5.2).

2.3. Vor  diesem  prozessualen  Hintergrund  sind  Ausführungen  der  Parteien  im 

Berufungsverfahren  unbehelflich,  insoweit  damit  die  Geschehnisse  erneut,  von 

Grund auf (oder bloss unter vager Bezugnahme auf die Standpunkte der Parteien 

bzw. der Vorinstanz) geschildert bzw. kommentiert werden, ohne dabei geltend zu 

machen  und  zu  begründen,  dass  und  inwiefern  welche  entscheidrelevanten  vor-

instanzlichen  Erwägungen  an  einem  Mangel  im  Sinne  von  Art. 310  ZPO  leiden 

(bzw. eben nicht leiden). Im Berufungsverfahren soll nach den vorstehend skizzier-

ten Grundsätzen nicht das bereits vor Erstinstanz Vorgetragene wiederholt werden; 

Ausgangspunkte  sind  der  vorinstanzlich  erstellte  resp.  dem  angefochtenen  Ent-

scheid zugrunde gelegte Sachverhalt und die von der Vorinstanz eingenommenen 

Rechtsstandpunkte,  welche  (in  rechtsgenügender  Weise)  zu  kritisieren  (bzw.  zu 

stützen)  sind.  Auf  entsprechende  Vorbringen,  wie  sie  vereinzelt 

in  der 

Berufungsbegründung (Urk. 84 Rz 1, 3 a.E., 4, 23), mehr aber noch in einer ganzen 

Passage  der  Berufungsantwort  (Urk.  91  Rz  5–20)  vorkommen,  ist  deshalb  nicht 

weiter einzugehen.

2.4. Auf  den  1.  Januar  2025 

ist  die  Teilrevision  der  Schweizerischen 

Zivilprozessordnung vom 17. März 2023 (Verbesserung der Praxistauglichkeit und 

der Rechtsdurchsetzung) in Kraft getreten (AS 2023 491; BBl 2020 2697). Nach 

der  diesbezüglichen  Übergangsbestimmung,  Art.  407f  nZPO  (e  contrario),  hat 

diese Gesetzesnovelle jedoch keinen Einfluss auf das vorliegende Verfahren.

3.

Zulässigkeit der Klageänderung

3.1. Der Kläger erweiterte seine Klage an der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung, im Rahmen seiner Replik, indem er – hinzukommend zu den bereits im Pro-

zess  liegenden  Forderungen  –  auch  Lohn  für  den  Monat  Mai  2018  nachforderte 

(Prot. I S. 6 i.V.m. Urk. 24 S. 1, Rechtsbegehren Ziff. 3). Er liess dazu ausführen, 

dass ihm von der Beklagten mit der Klageantwort interne Dokumente zur Verfügung 

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gestellt worden seien, die ihm die «vermeintliche Kündigung vom 5. Oktober 2017» 

vertieft zu beurteilen ermöglicht hätten (Urk. 24 Rz 10). 

Die Vorinstanz liess diese Klageänderung zu (Urk. 85 E. III/1 S. 7 ff.): Sie sei im 

Rahmen des ersten Parteivortrags an der Hauptverhandlung und mithin vor dem 

Einsetzen  der  Novenschranke  erfolgt.  Auch  die  weiteren  Voraussetzungen  von 

Art. 230 ZPO erachtete die Vorinstanz als erfüllt (Urk. 85 E. III/1.5 S. 9; zur objekti-

ven Klagehäufung vgl. auch Urk. 84 Rz 11 ff.).

Die Beklagte hält dafür, dass der neue Anspruch verspätet gestellt worden sei und 

er bereits deswegen von vornherein abzuweisen gewesen wäre (soweit überhaupt 

darauf eingetreten werden könne). Nach ihr hätte dieses Begehren schon vor den 

ersten  Parteivorträgen,  spätestens  «zu  Beginn  der  Hauptverhandlung»  im  Sinne 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Novenschranke, vorgebracht werden 

müssen, um behandelt werden zu können (Urk. 91 Rz 36 i.V.m. 32 ff.).

3.2. Was die Vorinstanz zu den theoretischen Grundlagen einer Klageänderung 

und zur objektiven Klagehäufung ausführte (Urk. 85 E. III/1.1 und 1.3 S. 7 ff.), ist 

zutreffend und unbestritten und braucht hier nicht nochmals wiederholt zu werden.

3.3. Prozessparteien haben in der Regel und auch hier zweimal das Recht, un-

beschränkt Tatsachen und Beweismittel vorzutragen (BGE 144 III 67 E. 2.1, 143 III 

297 E. 6.6; 141 III 481 E. 3.2.4). Aus den Prozessakten ergibt sich und ist unbe-

stritten, dass vor der Hauptverhandlung weder ein zweiter Schriftenwechsel noch 

eine  Instruktionsverhandlung  stattgefunden  hatte.  Damit  war  der  Aktenschluss 

noch nicht eingetreten, als der klägerische Rechtsvertreter replizierte (Prot. I S. 6). 

Wenn zu Beginn der Hauptverhandlung Noven noch unbeschränkt zulässig sind, 

richten  sich  die  Voraussetzungen  einer  zulässigen  Klageänderung  allein  nach 

Art. 230  Abs.  1  lit. a  i.V.m.  Art.  227  Abs. 1  ZPO  (OFK/ZPO-Engler,  Art. 230  N 1; 

BSK ZPO-Willisegger, Art. 230 N 4 a.E.; ZK ZPO-Leuenberger, Art. 230 N 1; KUKO 

ZPO-Sogo/Naegeli, Art. 230 N 1a; vgl. bereits die Vorinstanz in Urk. 85 E. III/1.2 

S. 8). In BGE 147 III 475 E. 2.3, auf welchen Entscheid die Beklagte ihre Argumen-

tation namentlich stützt, setzte sich das Bundesgericht vertieft mit Art. 229 Abs. 2 

aZPO auseinander (dazu sogleich in E. 4). Im Zusammenhang mit der Klageände-

rung kommt diese Bestimmung vorliegend jedoch nicht zur Anwendung. Da auch 

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die  weiteren  Voraussetzungen  nebst  der  Zeitschranke  erfüllt  sind  (dazu  die  Vor-

instanz zutreffend in Urk. 85 E. III/1.5 S. 9), war die Klageänderung zulässig.  

4.

Novenschranke / Aktenschluss

4.1. Der  Kläger  stört  sich  daran,  dass  die  Vorinstanz  bei  ihrem  Entscheid  die 

neuen  Vorbringen  seiner  (als  Stellungnahme  zu  Dupliknoven  bezeichneten)  Ein-

gabe vom 5. Februar 2020 (Urk. 31) unberücksichtigt liess und auch die damit neu 

eingereichten Beweismittel nicht zuliess (Urk. 84 Rz 15 ff. sowie 120; Urk. 85 E. III/ 

4.4 S. 13).

Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Weigerung  zunächst  mit  dem  soeben  schon  er-

wähnten Recht der Prozessparteien, je zweimal unbeschränkt Tatsachenbehaup-

tungen  und  Beweisanträge  vorzubringen.  Sodann  führte  die  Vorinstanz  (zusam-

mengefasst)  aus,  der  Aktenschluss  trete  unmittelbar  nach  der  zweiten  unbe-

schränkten Äusserung ein (Urk. 85 E. III/4.2 S. 12, unter Hinweis auf BGE 144 III 

67 E. 2.1 und 140 III 312), weshalb danach neue Tatsachen und Beweismittel nur 

noch unter den Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 aZPO in den Prozess einge-

bracht  werden  könnten  (Urk.  85  E.  III/4.3  S.  13).  Die  Eingabe  des  Klägers  vom 

5. Februar 2020 (Urk. 31) sei nach Aktenschluss erfolgt. Daher sei ihm zwar freige-

standen, von der Beklagten in der Duplik neu vorgetragene Tatsachenbehauptun-

gen zu bestreiten; darüber hinausgehende Vorbringen seien jedoch nur noch unter 

den Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 aZPO zulässig gewesen. Weil der Kläger 

nicht dargetan habe, inwiefern jene Vorbringen als Noven zulässig sein sollten, sei 

er damit nicht zu hören und seien auch die neu eingereichten Beweismittel nicht 

zulässig (Urk. 85 E. III/4.4 S. 13).

Die Beklagte hält die Einwendungen des Klägers gegen das Nichtzulassen für un-

begründet (Urk. 91 Rz 30, 37). Nach ihr waren darüber hinaus aber auch bereits 

die neuen Behauptungen des Klägers in seiner Replik (Urk. 24) verspätet. Laut der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien neue Tatsachenbehauptungen und die 

zugehörigen Beweismittel «zu Beginn der Hauptverhandlung» vorzubringen, was 

gemäss Bundesgericht «vor den ersten Parteivorträgen» und damit in Bezug auf 

den Kläger vor der Replik bedeute (Urk. 91 Rz 33, unter Verweis namentlich auf 

BGE 147 III 475 E. 2.3). Da die Ausführungen des Klägers hinsichtlich des Kündi-

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gungszeitpunkts nach dem 5. Oktober 2017, hinsichtlich der angeblichen Formbe-

dürftigkeit  der  Kündigung  und  hinsichtlich  der  neuen  Begründungen  der  angebli-

chen Missbräuchlichkeit (angebliche Änderungskündigung) unechte Noven bilde-

ten und der Kläger auch nicht dargelegt habe, inwiefern es ihm nicht zumutbar ge-

wesen  sein  sollte,  sie  vor  Aktenschluss  ins  Verfahren  einzubringen,  seien  diese 

nicht zu berücksichtigen. Folglich sei auch ein Abstellen darauf im Berufungsver-

fahren nicht zulässig (Urk. 91 Rz 34 f.). 

4.2. Die  Kontroverse  darüber,  wann  genau  die  Novenschranke  fällt,  also  neue 

Tatsachenvorbringen  und  Beweismittel  nur  noch  unter  Massgabe  von  Art.  229 

Abs. 1 aZPO in den Prozess eingebracht werden können, hat das Bundesgericht 

für die vorliegende Konstellation mit BGE 147 III 475 E. 2.3.2 f. geklärt. Der Beklag-

ten ist insoweit zuzustimmen, als solche Vorbringen eigentlich bereits vor den ers-

ten Parteivorträgen (demnach hier vor der «Replik») zu machen wären. Im Sinne 

dieser Rechtsprechung sind zunächst, noch vor den ersten Parteivorträgen, Tatsa-

chenvorträge zu halten, im Rahmen derer noch unbeschränkt neue Tatsachen und 

Beweismittel vorgetragen werden können.

4.3. Aus dem Protokoll der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ergibt sich, dass 

die vorsitzende Richterin zu deren Beginn, nach der Begrüssung und Vorstellung 

der Gerichtsbesetzung, den Ablauf der Verhandlung erläuterte, sich beim klägeri-

schen Rechtsvertreter nach der Zustelladresse für fristauslösende Post erkundigte, 

eine  leserliche  Kopie  eines  Schriftstücks  einforderte  und  ihm  dann  das  Wort  zur 

«Replik» erteilte (Prot. I S. 5 f.). Anhaltspunkte, dass Gelegenheit zu eigentlichen 

Tatsachenvorträgen  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  gegeben 

worden  wäre  oder  dass  solche  in  diesem  Moment  überhaupt  ein  Thema  waren 

(etwa dass eine Kontroverse darüber entbrannte), liegen nicht vor – Solches wird 

denn auch von keiner Seite geltend gemacht.

Es ist Aufgabe der Verfahrensleitung, den Prozess zu leiten (Art. 124 Abs. 1 Satz 

1 ZPO) und im Rahmen dessen das (Prozess-) Recht von Amtes wegen anzuwen-

den  (Art.  57  ZPO).  Streng  genommen  hätte  daher  die  Verfahrensleitung  in 

Nachachtung  der  erwähnten  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  sicherstellen 

müssen,  dass  der  Kläger  zu  Beginn  der  Hauptverhandlung  noch  unbeschränkt 

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neue Tatsachen und Beweismittel hätte vortragen können, indem sie ihm Gelegen-

heit zum Tatsachenvortrag gegeben hätte. Wenn die Verfahrensleitung davon ab-

sieht und (nach herkömmlicher und noch immer weit verbreiteter Art) das Wort di-

rekt zur «Replik» erteilt, so erkennt das Bundesgericht darin eine Verletzung von 

Art. 52 ZPO. Aus dieser dürfe – so das Bundesgericht – der betroffenen Prozess-

partei kein Nachteil erwachsen, und es seien gegebenenfalls die im Rahmen der 

ersten Äusserung in den ersten Parteivorträgen nach Art. 228 ZPO vorgebrachten 

neuen  Tatsachen  uneingeschränkt,  das  heisst  ohne  Rücksicht  auf  die  Noven-

schranke  von  Art.  229  Abs. 1  aZPO,  zu  berücksichtigen  (vgl.  BGer  4A_50/2021 

vom 6. September 2021 E. 2.3.5.2, nicht veröffentlicht in BGE 147 III 475). 

Angemerkt sei am Rande noch, dass nach der seit dem 1. Januar 2025 in Kraft 

stehenden Revision der ZPO (AS 2023 491, BBl 2020 2697) in der vorliegenden 

Konstellation die Novenschranke ebenso nach dem ersten Parteivortrag im Sinne 

von Art. 228 Abs. 1 ZPO fällt (Art. 229 Abs. 1 nZPO).

Nach dem Gesagten war im Ergebnis richtig, die Vorbringen im ersten mündlichen 

Parteivortrag gemäss Art. 228 Abs. 1 ZPO (in Prot. I S. 6 als Replik bezeichnet) 

zuzulassen mitsamt der dazu ins Recht gelegten Beweismittel (Urk. 26/1–30). 

4.4. Der Kläger stört sich daran, dass die Vorinstanz eine Obliegenheit in dem 

Sinne erkannte, dass er von sich aus hätte dartun müssen, inwiefern die in seiner 

Stellungnahme  vom  5.  Februar  2020  zu  den  Dupliknoven  (Urk.  31)  enthaltenen 

neuerlichen Noven zulässig seien (Urk. 84 Rz 15 ff., inb. Rz 17, Bezug nehmend 

auf Urk. 85 E. II/4.4 S. 13). Der Kläger beruft sich dafür auf BGE 146 III 55 E. 2.5.2 

und argumentiert sinngemäss, dass lediglich eine Kausalität zwischen Dupliknoven 

und Noveneingabe insofern gegeben sein müsse, als (erst) die Dupliknoven das 

Vorbringen der unechten Noven veranlasst hätten, und dass die unechten Noven 

in technischer bzw. thematischer Hinsicht als Reaktion auf die Dupliknoven aufzu-

fassen seien. Eine Pflicht darzutun, inwiefern seine Vorbringen als Noven zulässig 

seien, habe nicht bestanden (Urk. 84 Rz 16 ff.).

Effektiv obliegt es – entgegen der Ansicht des Klägers – der Partei, die das Noven-

recht beansprucht, im Einzelnen darzutun, dass bzw. inwiefern die Verspätung ent-

schuldbar ist (DIKE-Komm ZPO-Pahud, Art. 229 N 17; Walder-Richli/Grob-Ander-

- 13 -

macher, Zivilprozessrecht, 5. A. 2009, § 19 Rz 14; ZR 103/2005 Nr. 82 E. II/3/b; 

OGer ZH LA220001-O vom 27. Dezember 2022 E. III/4.2 S. 12; vgl. auch die Be-

klagte  in  Urk.  91  Rz  42  ff.).  An  Ausführungen  dazu  fehlt  es  in  der  Eingabe  vom 

5. Februar 2020 (Urk. 31). Jedenfalls hier, wo der Verhandlungsgrundsatz (Art. 55 

Abs. 1 ZPO) voll zum Tragen kommt, war es nicht am Gericht, nachzufragen.

Es war daher korrekt, die Vorbringen des Klägers, welche über die Bestreitung der 

von der Beklagten eingebrachten Dupliknoven hinausgingen, und die dafür neu ge-

stellten Beweisantrage bzw. neu eingereichten Beweismittel (Urk. 31 bzw. Urk. 33/ 

1–10) nicht zuzulassen. Blosse Bestreitungen und rein rechtliche Argumente sind 

demgegenüber zulässig; eine konkrete Relevanz für das vorliegende Berufungs-

verfahren ist allerdings nicht zu erkennen.

5. Monatslohn Mai 2018

5.1. Die  Vorinstanz  stellte  vom  Tatsachenfundament  her,  nach  der  Würdigung 

der Beweise, darauf ab, dass die Beklagte das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger am 

5. Oktober 2017 mündlich kündigte und der Kläger dies im betreffenden Zeitpunkt 

auch so verstand. Die Vorinstanz qualifizierte diese Kündigung als rechtlich wirk-

sam per 30. April 2018 und erkannte folglich keine vertragliche Grundlage mehr, 

welche  zu  einem  Lohnanspruch  für  den  Monat  Mai  2018  führen  könnte  (Urk.  85 

E. IV/8 S. 32). Zuvor hatte sie sich in einem Obiter dictum auch gefragt, ob ange-

sichts widersprüchlicher Ausführungen des Klägers überhaupt von ausreichender 

Substantiierung seinerseits ausgegangen werden könne, nachdem er in der Klage-

begründung noch selber ausgeführt habe, es sei ihm am 5. Oktober 2017 mitgeteilt 

worden, er sei «entlassen», von welchem Standpunkt er in der Folge abgerückt sei 

(Urk. 85 E. IV/4.1 S. 17 mit Verweis auf Urk. 1 Rz 21 bzw. Rz 33; vgl. auch Urk  91 

Rz 56 f.).

5.2. Der Kläger wehrt sich gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz. Nach ihm 

sprach die Beklagte am 5. Oktober 2017 keine Kündigung aus; man habe ihm da 

lediglich eine neue Stelle im Unternehmen angeboten (Urk. 84 Rz 76). Die Beklagte 

sei bloss in der Folge nicht damit einverstanden gewesen, dass er auf die Einhal-

tung  der  Konditionen  seines  bisherigen  Arbeitsvertrags  beharrt  habe  (Urk. 84 

- 14 -

Rz 118). Entgegen der anderweitigen Behauptung der Beklagten sei das klägeri-

sche Arbeitsverhältnis erst mit Schreiben vom 30. Oktober 2017, in Reaktion auf 

die klägerischen Anpassungswünsche bezüglich des Angebots der Beklagten zur 

Änderung des Anstellungsverhältnisses, gekündigt worden (Urk. 84 Rz 31). Indem 

die Vorinstanz unzutreffend angenommen habe, die Kündigung sei am 5. Oktober 

2017 rechtlich wirksam erfolgt, und daraus schliesse, die Kündigung sei nicht miss-

bräuchlich  erfolgt,  seien  das  geltende  Recht  und  die  geltende  Rechtsprechung 

nicht  korrekt  angewendet  worden.  Die  von  der  Vorinstanz  wiedergegebenen 

Grundlagen einer Kündigung würden denn auch nicht verfangen (Urk. 84 Rz 28).

Eine Kündigung habe dem Erfordernis der Eindeutigkeit und Klarheit zu genügen; 

der Gekündigte müsse genügend klar erkennen können, dass der Kündigende das 

Arbeitsverhältnis definitiv beenden möchte und nicht etwa nur einen Wechsel der 

Position  bei  fortlaufendem  Arbeitsverhältnis  (Urk.  84  Rz  29  f.  mit  Hinweisen  auf 

Literatur  und  Rechtsprechung).  Just  diese  Klarheit  sei  vorliegend  nicht  gegeben 

gewesen. Die ganze Diskussion habe letztlich zur Publikation derjenigen von zwei 

vorbereiteten Medienmitteilungen (Urk. 5/4) geführt, mit der der Verbleib des Klä-

gers bei der Beklagten (und nicht etwa eine Kündigung und ein Weggang) kommu-

niziert worden sei (Urk. 84 Rz 25 und 30). Zu dieser Kommunikation habe sich die 

Vorinstanz  nicht  geäussert,  obschon  ihr  für  den  vorliegenden  «Kündigungsvor-

gang» entscheidende Bedeutung zukomme (Urk. 84 Rz 31, vgl. ferner auch Urk. 93 

Rz 9 und 13).

Die Beklagte demgegenüber befürwortet die Argumentation und die Schlussfolge-

rung der Vorinstanz (Urk. 91 Rz 55 ff.).

5.3. Es trifft zu, dass der Kläger seine Argumentation insofern geändert hat, als 

er in der schriftlichen Klagebegründung noch den Standpunkt vertrat, es sei ihm 

am 5. Oktober 2017 gekündigt worden (Urk. 1 Rz 21 und 33), seit dem ersten münd-

lichen Parteivortrag an der Hauptverhandlung aber geltend macht, es sei ihm an 

diesem Tag eben nicht gekündigt worden (Prot. I S. 6 i.V.m. Urk. 24 u.a. Rz 10). 

Der Kläger begründete seine Meinungsänderung explizit damit, dass ihm die Zu-

stellung von internen Dokumenten der Beklagten mit deren Klageantwort ermög-

licht habe, die vermeintliche Kündigung vom 5. Oktober 2017 vertieft zu beurteilen 

- 15 -

(Urk. 24 Rz 10). Ein solcher Meinungsumschwung während des Prozesses mag 

die  Glaubhaftigkeit  des  Vorbringens  schwächen,  zumindest  tendenziell.  An  sich 

geht es aber nicht um eine Frage der Substantiierung, also ob das Vorbringen in-

haltlich ausreichend mit Einzelheiten ausgefüllt ist oder nicht. Der Aspekt des Mei-

nungsumschwungs  wird  in  die  Beweiswürdigung  einfliessen,  nicht  weniger  und 

nicht mehr. Zu Recht hat denn auch die Vorinstanz über die rechtserhebliche, strei-

tige  Tatsache  des  Kündigungszeitpunkts  ein  Beweisverfahren  durchgeführt 

(vgl. Art. 150 Abs. 1 und Art. 152 Abs. 1 ZPO). 

5.4. Vorab kann festgehalten werden, dass die Ausführungen der Vorinstanz zu 

den wesentlichen Begriffsmerkmalen einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses im 

Sinne von Art. 335 Abs. 1 OR, deren grundsätzlichen Formfreiheit und dem Zeit-

punkt deren Wirksamkeit den von der einschlägigen Literatur und der Rechtspre-

chung  entwickelten  Grundsätzen  entsprechen  (vgl.  BK  OR-Rehbinder/Stöckli, 

Art. 335 N 2, 6–8; Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu 

Art. 319-362 OR, 7. Aufl. 2012, Art. 335 N 2, 5 und 8; Portmann/Wildhaber/Rudolph, 

Schweizerisches Arbeitsrecht, 5. Aufl. 2024, N 656 und 661 ff.; Geiser/Müller/Pärli, 

SjL Arbeitsrecht in der Schweiz, 5. Aufl. 2024, Rz. 533, 585 und 590; BGE 113 II 

259  E.  2a).  Die  entsprechenden  Ausführungen  der  Vorinstanz  (Urk.  85  E.  IV/3 

S. 16 f.) werden von der Klägerin denn auch nicht bemängelt. Diese kurz rekapitu-

lierend  kann  festgehalten  werden,  dass  es  bei  der  Kündigung  um  die  einseitige 

Erklärung einer Vertragspartei geht, mit der unmissverständlich der Wille zum Aus-

druck gebracht wird, das Arbeitsverhältnis einseitig aufzuheben, und die mit dem 

Empfang  durch  die  andere  Vertragspartei  wirksam  wird.  Einer  besonderen  Form 

bedarf die Kündigung grundsätzlich nicht – Formvorschriften können aber verein-

bart sein, namentlich vertraglich. 

Den Beweis, dass die Erklärung unmissverständlich und rechtzeitig dem Gekün-

digten zuging, trägt nach der allgemeinen Regel des Art. 8 ZGB jene Partei, die 

daraus Rechte ableitet, hier somit die Beklagte (so auch die Vorinstanz in Urk. 85 

E. IV/4.2 S. 17 f. und in Urk. 44 Ziff. II S. 4).

5.5.

Jedenfalls bis zum 5. Oktober 2017 stand der Kläger zur Beklagten unbe-

stritten in einem Arbeitsverhältnis (vgl. Urk. 5/1). Zu beachten ist, dass andererseits 

- 16 -

auch ein gesellschaftsrechtliches Rechtsverhältnis bestand als Chief Executive Of-

ficer  (CEO).  Zum  einen  handelt  es  sich  um  eine  vom  Gesellschaftsrecht  be-

herrschte  Organstellung,  zum  andern  um  eine  vertragliche  Bindung.  Die  beiden 

Rechtsverhältnisse sind in Bezug auf Entstehung, Wirkung und Auflösung klar aus-

einander zu halten, selbst wenn sie in einer engen Wechselbeziehung zueinander 

stehen (BGE 130 III 213 E. 2.1; BSK OR II-Watter/Roth Pellanda, Art. 717 N 34). 

5.6. Die erhobenen Beweise sind vom Gericht nach freier Überzeugung zu wür-

digen  (Art.  157  ZPO).  Zum  Themenkomplex  der  Beweiswürdigung  (und  nicht  zu 

Art. 8 ZGB) gehört u.a. die mittelbare Beweisführung durch Indizien (BGE 114 II 

289 E. 2a; vgl. Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, 3. Aufl. 2019, § 18 

Rz 17; Guldener, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl. 1958, S. 139). Indizien 

sind als indirekter Beweis in die Beweiswürdigung einzubeziehen, wo direkte Be-

weise fehlen (BGE 128 III 390 E. 4.3.2, 98 II 231 E. 5). Der Indizienbeweis ist dem 

direkten Beweis gleichgestellt, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren 

«Mosaik», zu würdigen ist. Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf eine Tatsache hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des 

Anders-seins offen, enthält es daher auch den Zweifel. Es ist jedoch zulässig, aus 

der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur 

mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache hindeuten und 

insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis zu schlies-

sen. Auch die tatsächliche Vermutung (natürliche Vermutung, richterliche Vermu-

tung, Lebenserfahrung) gehört zum Komplex der Beweiswürdigung. Sie beruht auf 

Indizien, aus denen mittels Wahrscheinlichkeitsüberlegungen und aufgrund der Le-

benserfahrung auf einen nicht direkt bewiesenen Sachumstand geschlossen wird 

(BSK ZGB I-Lardelli/Vetter, Art. 8 N 85).

5.7. Die  Vorinstanz  legte  ihrer  Würdigung,  dass  gegenüber  dem  Kläger  am 

5. Oktober 2017 tatsächlich eine Kündigung ausgesprochen worden sein müsse, 

was folgt zugrunde (hier verkürzt wiedergegeben, vgl. zum Ganzen Urk. 85 E. IV/ 

6.2–6.7 S. 20 ff.):

- 17 -



die Protokolle der Verwaltungsratssitzungen der Beklagten

 vom 1. Oktober 2017 (Urk. 17/23 S. 2 ff.), wonach mögliche Szenarien dis-

kutiert, eine Entscheidung betreffend den Kläger aber noch nicht getroffen 

worden sei – gemeinsam sei diesen Szenarien gewesen, dass der Kläger 

jedenfalls nicht mehr länger CEO sein solle (Urk. 85 E. IV/6.2 S. 21);

 vom  5.  Oktober  2017  (Urk.  17/24),  wonach  beschlossen  worden  sei,  den 

Arbeitsvertrag des Klägers als CEO zu beenden («terminate A._____'s em-

ployment contract as a CEO»), wobei ihm zugleich ein neuer Vertrag ange-

boten werden solle («offer him at the same time a new agreement»), und der 

Informationsfluss geregelt worden sei (Urk. 85 E. IV/6.3 S. 21 f.);

 vom 5. Oktober 2017, 19:34 Uhr (Urk. 17/25), wonach gleichentags in unter-

schiedlicher Besetzung zwei Gespräche mit dem Kläger stattgefunden hät-

ten, wobei im einen Gespräch (mit C._____, D._____ und E._____) der Klä-

ger informiert worden sei, dass der Verwaltungsrat ihn nicht mehr als geeig-

neten  CEO  ansehe  («the  Board  does  not  see  him  as  suitable  CEO  of 

B._____ anymore») und dass ihm eine neue Position angeboten worden sei 

(«a new position was proposed to him»; Urk. 85 E. IV/6.4 S. 22 f.);



zwei Press Release-Entwürfe vom tt.mm.2017 (Urk. 17/27 und 17/28), worin 

zwei  Szenarien  skizziert  seien,  wie  schon  anlässlich  der  Verwaltungsratssit-

zung vom 1. Oktober 2017 (Urk. 17/23) besprochen: Der Kläger trete als CEO 

zurück und sei fortan in einer Senior Advisor-Rolle bei der Beklagten tätig («is 

stepping down from the Executive Commitee and will remain with the company 

as Senior Advisor Corporate Relation», Urk. 17/27) oder der Kläger verlasse 

die Beklagte («A._____, founding partner and CEO, is stepping down from his 

role and will leave the company»; Urk. 85 E. IV/6.5 S. 23);



die effektiv erfolgte Pressemitteilung vom tt.mm.2017 (Urk. 5/4), worin als rele-

vante Passage enthalten sei (Urk. 5/4 S. 2):

«F._____ ZUM CEO AD INTERIM ERNANNT

Ebenfalls am 5. Oktober 2017 hat der Verwaltungsrat F._____, DeputyCEO 
und  CFO,  zum  neuen  CEO  ad  interim  von  B._____  ernannt.  Er  folgt  auf 
A._____,  Gründungspartner  und  CEO  von  B._____,  der  die  neu  geschaf-
fenen  Position  als  Senior  Advisor  Stratetic  Growth  Initiatives  übernimmt.  In 

- 18 -

seiner neuen Rolle wird A._____ der Geschäftsleitung nicht mehr angehören. 
Er wird das Management bei der Weiterentwicklung von B._____ aktiv unter-
stützen und sein internationales Netzwerk nutzen, um strategische Partner-
schaften voranzutreiben.»



die Aussagen des Zeugen D._____ (in der fraglichen Zeit Mitglied des Verwal-

tungsrates der Beklagten), der im Einklang mit dem entsprechenden Protokoll 

ausgeführt habe, dass der Verwaltungsrat am Morgen des 5. Oktober 2017 den 

Entscheid gefasst habe, den Kläger in der Funktion als CEO «sofort freizustel-

len», der zudem bestätigt habe, der Ansicht zu sein, dass an jenem Tag das 

Arbeitsverhältnis mit dem Kläger gekündigt und er als CEO entlassen worden 

sei; und der schliesslich auch der Meinung gewesen sei, dass dies dem Kläger 

klar kommuniziert worden sei (was von Anwalt G._____ sichergestellt worden 

sei), wobei ihm dies Ende Oktober 2017 nur noch schriftlich bestätigt worden 

sei (Urk. 85 E. IV/6.7.1 S. 24 f. mit Verweis auf Urk. 59);



die Aussagen des Zeugen C._____ (in der fraglichen Zeit Präsident des Ver-

waltungsrates der Beklagten), der ausgeführt habe, dass über die Kündigung 

an einer Verwaltungsratssitzung entschieden worden sei und er (C._____) im 

Anschluss  daran  selber  die  Kündigung  (als  CEO)  klar  ausgesprochen  habe, 

wobei dem Kläger eine andere Position angeboten worden sei, bezüglich wel-

cher  sich  dann  aber  keine  vernünftige  Lösung  ergeben  habe  (Urk. 85 

E. IV/6.7.2 S. 26 mit Verweis auf Urk. 63);



die Aussagen des Zeugen G._____ (in der fraglichen Zeit General Counsel der 

Beklagten), der ausgeführt habe, wie sich das Verhältnis zwischen dem Ver-

waltungsrat und dem Kläger im Verlaufe des Jahres 2017 zunehmend ange-

spannt habe, was im Oktober 2017 in der Terminierung der Position des CEOs 

gemündet habe, der sodann auf die Frage, ob man eine Kündigung ausgespro-

chen habe, erwidert habe, dass man (so viel er wisse) gesagt habe, die Position 

als CEO werde terminiert, man aber einen neuen Vertrag mit einem neuen Titel 

anbieten würde; und der schliesslich die Fragen, ob man dem Kläger kommu-

niziert habe, dass seine Tätigkeit als CEO beendet sei, und dem Kläger gekün-

- 19 -

digt worden sei, in bejahendem Sinn beantwortet habe (Urk. 85 E. IV/6.7.3 S. 

26 f. mit Verweis auf Urk. 65);



die Aussagen von E._____ (in der fraglichen Zeit Mitglied des Verwaltungsra-

tes, im Zeitpunkt seiner Befragung CEO der Beklagten), der im Rahmen der 

Parteibefragung  ausgeführt  habe,  dass  der  Kläger  am  Spätnachmittag  des 

5. Oktober 2017, im ersten Gespräch bzw. Treffen an jenem Tag mit ihm, infor-

miert worden sei, dass das Arbeitsverhältnis beendet sei, und ihm am selben 

Treffen  erläutert  worden  sei,  dass  er  einen  neuen  Arbeitsvertrag  eingehen 

könne,  den  sie  aber  noch  dokumentieren  müssten  (Urk. 85  E. IV/6.7.4  S.  27 

mit Verweis auf Urk. 58);



die Aussagen des Zeugen H._____ (in der fraglichen Zeit Mitarbeiter der Be-

klagten im Bereich Kommunikation), der jedoch beim ersten Treffen des Ver-

waltungsrates  der  Beklagten  mit  dem  Kläger  am  5. Oktober  2017  noch  nicht 

anwesend  gewesen  sei  und  daher  zum  hier  interessierenden  Thema  einer 

dann  ausgesprochenen  Kündigung  keine  genauen  Angaben  habe  machen 

können (Urk. 85 E. IV/6.7.5 S. 27 mit Verweis auf Urk. 64);



die Aussagen des Klägers selbst, der geltend mache, dass es erst Ende Okto-

ber 2017 auf schriftlichem Weg zur Kündigung gekommen sei, nachdem er ei-

nen Änderungskündigungsvorschlag der Beklagten kommentiert habe, um si-

cherzustellen, dass es zu keiner wesentlichen Schlechterstellung der wesentli-

chen Vertragsinhalte kommen würde; der seinen Meinungsumschwung gegen-

über  der  Klagebegründung  (betreffend  den  Kündigungszeitpunkt)  damit  er-

kläre, dass die Kommunikation des Verwaltungsrates, dass man ihn nicht mehr 

als CEO sehe, gefühlt eine Kündigung gewesen sei, dass eine solche jedoch 

nicht ausgesprochen worden sei, sondern ihm nur ein Vorschlag zur Positions-

änderung vorgeschlagen worden sei, welchen er angenommen habe (Urk. 85 

E. IV/6.7.6 S. 28 mit Verweis auf Urk. 57);



die E-Mail-Korrespondenz des Klägers 



vom 21. Dezember 2017 (Urk. 5/10), in welcher er im Zusammenhang mit 

dem behaupteten Versprechen zur Bonusauszahlung selber vom «day of 

- 20 -

my termination» (Tag meiner Kündigung), den 5. Oktober 2017 meinend, 

gesprochen habe, und



vom 27. Oktober 2017 (Urk. 5/7), wo nicht von einer Vertragsanpassung, 

sondern  von  «signing  a  new  contract»  (Unterzeichnen  eines  neuen  Ver-

trags) die Rede gewesen sei.

Mit  Blick  auf  die  Pressemitteilung  vom  tt.mm.2017  (Urk.  5/4)  pflichtete  die  Vor-

instanz dem Kläger insofern bei, als sich daraus nicht entnehmen lasse, dass ihm 

am 5. Oktober 2017 von der Beklagten gekündigt worden sei. Allerdings seien bloss 

kursrelevante Tatsachen unverzüglich bekannt zu geben gemäss der Richtlinie be-

treffend Ad hoc-Publizität und dem Kotierungsreglement. Von daher habe man ein-

zig über das Ausscheiden des Klägers aus der Geschäftsleitung zwingend infor-

mieren müssen. Der Kläger könne mithin nichts für seinen Standpunkt ableiten aus 

dem Umstand, dass in der Pressemitteilung nicht explizit eine Kündigung erwähnt 

worden sei. Im Übrigen sei (so die Vorinstanz) die Position als Senior Advisor Stra-

tetic Growth im Zeitpunkt der Publikation der Pressemitteilung ja effektiv angedacht 

gewesen (Urk. 85 E. IV/6.6 S. 23 f.).

Die  Beweiswürdigung  der  Vorinstanz  zusammenfassend  kann  festgehalten  wer-

den, dass sie sich von den Aussagen des Klägers, die er im Rahmen seiner Befra-

gung vor Vorinstanz deponierte, nicht überzeugen liess. Zum einen stünden diese 

im  Widerspruch  zu  seinem  eigenen,  in  der  Klagebegründung  eingenommenen 

Standpunkt, es sei ihm am 5. Oktober 2017 gekündigt worden (wobei die Vorin-

stanz  hier  auf  konkrete  Formulierungen  in  der  Klagebegründung  Bezug  nimmt); 

zum  andern  stünden  sie  auch  im  Widerspruch  zu  seinem  eigenen  Kommunika-

tionsverhalten in E-Mails nach dem 5. Oktober 2017 (the day of […] termination; 

signing a new contract und nicht Vertragsanpassung). Relevant sei, ob der Kläger 

am 5. Oktober 2017 die Äusserungen der Vertreter der Beklagten als Kündigung 

auffasste  und  somit  die  Kündigung  empfing,  und  nicht  etwa  seine  nachträgliche 

Beurteilung der Geschehnisse (Urk. 85 E. IV/6.8 S. 28 f.). 

Dass  die  Beklagte  dem  Kläger  am  5.  Oktober  2017  (mündlich)  gekündigt  habe, 

lasse sich (so die Vorinstanz) den im Kernpunkt übereinstimmenden und schlüssi-

gen Aussagen der Herren D._____, C._____, G._____ und E._____ entnehmen, 

- 21 -

welche im Einklang mit dem betreffenden Protokoll der Verwaltungsratssitzung der 

Beklagten vom 5. Oktober 2017, 9:10 Uhr, stünden. Gemäss diesem Protokoll sei 

da  entschieden  worden,  den  Kläger  (als  CEO)  zu  entlassen.  In  Kombination  mit 

den weiteren Unterlagen sowie den verschiedenen Aussagen lasse sich erstellen, 

dass der Kläger am ersten Gespräch an jenem Tag über den Entscheid informiert 

und ihm unmissverständlich (als CEO) gekündigt wurde (Urk. 85 E. IV/6.8 S. 28 ff.).

Den Gegenbeweis, dass ihm lediglich ein Positionswechsel vorgeschlagen worden 

sei, habe der Kläger mit den von ihm offerierten Beweismitteln (hierzu vgl. Urk. 44 

Ziff. II S. 5 f. sowie Urk. 51) nicht zu erbringen vermocht. Die Vorinstanz sah das 

Beweisergebnis durch den Gegenbeweis somit als nicht erschüttert.

5.8. Der Kläger ist nicht einverstanden mit dem Beweisergebnis der Vorinstanz 

betreffend  den  Zeitpunkt  der  Kündigung.  Er  hält  es  vielmehr  für  nachgewiesen, 

dass die Kündigung nicht am 5. Oktober 2017, sondern erst am 30. Oktober 2017 

ausgesprochen wurde, und zwar im zeitlichen Kontext zu seinem Beharren auf den 

vertraglichen Konditionen seines bisherigen Arbeitsvertrages (Urk. 84 Rz 118). Auf 

seine  Kritik  an  der  vorinstanzlichen  Beweiswürdigung  wird  im  Folgenden  (soweit 

entscheidrelevant) eingegangen:

5.8.1. Der  Kläger  stört  sich  bereits  am  einleitenden  Hinweis  der  Vorinstanz  (in 

Urk. 85 E. IV/6.1 S. 20), wonach es grundsätzlich keine Rolle spiele, was die Be-

klagte im Vorfeld des Gesprächs mit dem Kläger vom 5. Oktober 2017 geplant ge-

habt habe, sondern es vielmehr entscheidend sei, was ihm am fraglichen Tag kom-

muniziert worden sei. Der Kläger hält diese Bemerkung vor dem Hintergrund, dass 

die Beklagte ein börsenkotiertes Unternehmen mit speziellen Offenlegungspflichten 

ist, für unzutreffend. Nach ihm kommt es angesichts dieser Pflichten «vor allem» 

darauf an, was die Beklagte nach aussen kommunizierte und wie sie sich danach 

verhielt (Urk. 84 Rz 33 i.V.m. Rz 89 ff.; a.M. die Beklagte, vgl. Urk. 91 Rz 138 ff.).

Der fragliche Hinweis der Vorinstanz darf nicht überbewertet werden. Es ist aber 

durchaus zutreffend, dass es auf die Geschehnisse vor dem 5. Oktober 2017 nicht 

unmittelbar  ankommt,  sondern  letztlich  entscheidend  ist,  was  an  jenem  Tag,  am 

fraglichen Gespräch, kommuniziert, also effektiv gesagt und verstanden wurde. Um 

- 22 -

sich darüber ein Bild machen zu können, ist es jedoch richtig, die Geschehnisse im 

Ablauf zu sehen und auch die Vorgeschichte kurz zu beleuchten. 

5.8.2. Ebenso in die Überlegungen miteinzubeziehen ist, wie sich die Situation mit 

Blick auf die börsenrechtlichen Offenlegungspflichten präsentierte. Unmittelbar be-

weisrelevant ist zwar die direkte Kommunikation zwischen den Vertretern der Be-

klagten und dem Kläger (konkret, ob eine Kündigung ausgesprochen und auch ver-

standen wurde). Nachdem dafür aber keine direkten Beweise vorliegen, war zu un-

tersuchen, ob sich aus den Umständen Indizien für die eine oder andere Version 

ergeben.  Und  in  diesem  Zusammenhang  ist  mit  in  Betracht  zu  ziehen,  dass  die 

Beklagte börsenrechtlichen Offenlegungspflichten unterstand (und untersteht). Ge-

nau dies tat denn auch die Vorinstanz, indem sie diskutierte, inwiefern der Aspekt 

der Offenlegungspflicht von kursrelevanten Tatsachen die Beklagte dazu hätte be-

wegen können, die Kündigung explizit als solche in der Pressemitteilung zu benen-

nen  (vgl.  Urk.  85  E. IV/6.6  S.  24).  Dies  ist  weder  von  der  Vorgehensweise  noch 

inhaltlich zu beanstanden.

Aus dem Umstand, dass eine Kündigung in der Pressemitteilung nicht explizit er-

wähnt wurde, lässt sich in der Tat nicht schliessen, dass – wegen der börsenrecht-

lich geforderten Transparenz – auch keine Kündigung ausgesprochen worden sein 

konnte. In der Unternehmenskommunikation ist es durchaus üblich, personelle Än-

derungen in der Unternehmensleitung, welche mit einer einseitigen Auflösung des 

Arbeitsverhältnisses einhergehen, in gesichtswahrende Worte zu kleiden. Auch die 

Pflicht zur Ad hoc-Publizität gemäss Art. 53 Abs. 1 Kotierungsreglement lässt einen 

kommunikatorischen Spielraum (ähnlich die Beklagte in Urk. 91 Rz 139, 145 ff.). 

Kursrelevant dürfte in der Regel die Tatsache sein, dass der CEO seine Position 

nicht mehr ausüben wird, nicht aber weshalb genau. Ob dies im vorliegenden Ein-

zelfall – oder nach heute geltender Rechtslage – anders ist (wie es der Kläger aus-

führen lässt in Urk. 84 Rz 98), kann offen bleiben, geht es hier doch nicht um eine 

börsenrechtliche Beurteilung, sondern wie erwähnt bloss darum, ob diese Thematik 

Rückschlüsse darauf zulässt, was die Beklagte damals zur konkret gewählten Kom-

munikation bewogen haben könnte. Zuverlässige Rückschlüsse sind nicht möglich. 

- 23 -

Aus der damaligen Warte der Beklagten macht die gewählte Kommunikation Sinn, 

ob man nun den Kläger kündigte oder ihn bloss seiner Funktion als CEO enthob.

Es ist im Weiteren auch durchaus denkbar, dass der spätere Verlauf – das Schei-

tern  der  Vertragsverhandlungen  hinsichtlich  einer  Weiterbeschäftigung  in  neuer, 

nicht  leitender  Position  –  wiederum  nicht  als  kursrelevant  angesehen  wurde  und 

das Novum deshalb nicht mehr publik gemacht wurde.

Dem börsenrechtlichen Aspekt kommt hier weder für die eine noch die andere Ver-

sion erheblicher Beweiswert zu, so wie es schon die Vorinstanz gewichtete.

5.8.3. Der Kläger moniert weiter, die Vorinstanz habe die Medienmitteilung der Be-

klagten vom tt.mm.2017 (Urk. 5/4) nicht vollständig, sondern einseitig selektiv wie-

dergegeben  und  lasse  die  entscheidenden  Aspekte  ausser  Acht.  Richtigerweise 

halte die Vorinstanz zunächst fest, dass sich der Medienmitteilung nicht entnehmen 

lasse, dass die Beklagte dem Kläger gekündigt habe. Der Kläger gibt zu bedenken, 

dass die Ausführungen zum Kläger in der Mitteilung keine prominente Rolle ein-

nähmen; es werde explizit kommuniziert, dass der Kläger lediglich nicht mehr der 

Geschäftsleitung  angehöre  und  er  die  Funktion  als  «Senior  Advisor  Strategic 

Growth  Initiatives»  übernehme.  Mehrfach  und  auch  mit  Zitaten  von  ihm  und 

E._____  werde  betont,  dass  er  dem  Unternehmen  erhalten  bleibe  (Urk.  84 

Rz 77 ff.).

Laut  dem  Kläger  muss  sich  die  Beklagte  der  Brisanz  einer  Medienmitteilung  be-

wusst  gewesen  sein,  nachdem  es  schon  beim  Weggang  eines  anderen  Grün-

dungsmitglieds  (I._____)  zu  einem  empfindlichen  Kurssturz  gekommen  sei. 

C._____ habe denn auch an der Verwaltungsratssitzung vom 29. September 2017 

auf mögliche negative Auswirkungen aufmerksam gemacht. Das Bewusstsein um 

diese Problematik sei auch der Grund, weshalb die Beklagte eine zweite Medien-

mitteilung  mit  dem  Inhalt  des  Weggangs  des  Klägers  entworfen  habe  (vgl.  Urk. 

17/19  S.  7  unten).  Anhand  der  dann  effektiv  veröffentlichten  Medienmitteilung 

könne festgestellt werden, dass er, der Kläger, am tt.mm.2017 der Meinung gewe-

sen  sei,  nicht  entlassen  worden  zu  sein,  sondern  sich  im  Rahmen  seiner  neuen 

Position  auf  das  strategische  Wachstum  zu  konzentrieren.  Auch  E._____  sowie 

- 24 -

H._____ hätten diese Meinung geteilt (Urk. 84 Rz 84 f., mit Verweis auf Urk. 5/4 

und 17/28).

Der Kläger schliesst aus dem vorstehend Zusammengefassten, dass sich die Par-

teien einig gewesen seien, das Arbeitsverhältnis weiterzuführen und dass es des-

halb nicht sein könne, dass am 5. Oktober 2017 eine Kündigung ausgesprochen 

wurde. Zur Untermauerung dieser Argumentation weist er auf die Aussagen von 

C._____ und D._____ hin. So habe C._____ ausgeführt, dass die Medienmitteilung 

ein Abbild dessen gewesen sei, was man miteinander besprochen habe (Urk. 63 

S. 20); und D._____ habe bestätigt, dass es «für die Öffentlichkeit» (gemeint: für 

den Aktienkurs) wichtig gewesen sei, dass der Kläger zwar von seiner Position als 

CEO  zurücktrete,  jedoch  bei  der  Beklagten  bleibe  und  eine  neue  Funktion  über-

nehme (Urk. 59 S. 11). Auch der Kommunikationschef H._____ habe sich in diesem 

Sinne geäussert (Urk. 64 S. 13). Die Gefahr einer Auswirkung auf den Aktienkurs 

habe man mit der Medienmitteilung bannen wollen (Urk. 84 Rz 86). Autorisiert von 

E._____ sei schliesslich die Medienmitteilung veröffentlicht worden, nach welcher 

der Kläger fortan als Senior Advisor bei der Beklagten tätig sei (Urk. 84 Rz 87). 

Dass  man  sich  –  so  der  Kläger  weiter  –  seitens  der  Beklagten  darüber  geeinigt 

habe, weiterhin mit dem Kläger zusammenzuarbeiten, ergebe sich auch aus der 

nicht publizierten Variante der Medienmitteilung (Urk. 17/28), mit welcher ein Ver-

lassen der Firma seitens des Klägers veröffentlicht worden wäre, falls man sich mit 

dem Kläger nicht hätte einigen können (Urk. 84 Rz 88).

Die Beklagte demgegenüber schliesst sich der Vorinstanz an. Diese habe sich mit 

der  Medienmitteilung  detailliert  auseinandergesetzt  und  sei  richtigerweise  zum 

Schluss gekommen, dass die Entwürfe der Medienmitteilung klar auf eine Kündi-

gung hindeuten würden (Urk. 91 Rz 135 ff.).

Wesentliches für die eine oder die andere Position ableiten lässt sich aus den bei-

den  Entwurfsvarianten  von  Medienmitteilungen  (Urk.  17/27  und  17/28)  und  der 

dann effektiv publizierten Mitteilung (Urk. 5/4) nicht. Es ist allgemein bekannt, dass 

die Unternehmenskommunikation über die Medien oft geschönt ist und erheblich 

von dem abweicht, was zuvor hinter den Kulissen ablief und rechtlich verbindlich 

gestaltet bzw. vereinbart wurde oder eben nicht. Von daher ist Zurückhaltung an-

- 25 -

gezeigt bei der Interpretation von Medienmitteilungen im Zusammenhang mit der 

Sachverhaltsklärung. Eindeutige Hinweise gibt es vorliegend dafür, dass im Ver-

waltungsrat der Beklagten am 5. Oktober 2017 Konsens darüber bestand, dass die 

beschlossene  Ablösung  des  Klägers  als  CEO  in  einer  kooperativen  Vorgehens-

weise angestrebt würde. Im Zentrum muss gestanden haben, ihn als CEO zu er-

setzen, wie auch immer es rechtlich umgesetzt würde. Es gibt klare Hinweise dafür, 

dass man damals keinen Bruch mit dem Kläger provozieren wollte, sondern eine 

Kooperation mit ihm anstrebte. Was die Weiterbeschäftigung des Klägers in ande-

rer Funktion betrifft, scheinen noch viele offene Fragen bestanden zu haben. Es 

bestand darüber wohl erst eine skizzenhafte Absicht. Hinweise auf eine explizit aus-

gesprochene Kündigung des Arbeitsverhältnisses fehlen in den Unterlagen.

5.8.4. Nach dem Dafürhalten des Klägers ergibt sich aus der gerichtlichen Befra-

gung von C._____ (Urk. 63) der genaue Kündigungszeitpunkt nicht. Solches könne 

dessen Aussagen nicht glaubwürdig entnommen werden, insbesondere nicht «vor 

dem  Hintergrund  der  suggestiv  anmutenden  Fragestellung».  Vielmehr  bestätige 

sich, dass der Kläger am 5. Oktober 2017 zwar seines Amtes als CEO enthoben 

und  ihm  insofern  seine  aktuelle  Funktion  als  CEO  «gekündigt»  worden  sei,  er 

gleichzeitig  aber  in  anderer  Funktion  weiterbeschäftigt  worden  sei  (Urk. 84 

Rz 35 ff.; a.M. die Beklagte in Urk. 91 Rz 78 ff.).

Ähnlich sieht es der Kläger mit Bezug auf die Befragung von G._____. Auch dieser 

habe ausgeführt, dass man lediglich das «Arbeitsverhältnis als CEO» habe auflö-

sen  wollen,  ihm  aber  gleichzeitig  eine  andere  Position  im  Unternehmen  offeriert 

habe (Urk. 84 Rz 40 ff.; widersprochen seitens der Beklagten in Urk. 91 Rz 87).

Dass sich sodann E._____ nicht mehr genau erinnern könne, wer wann die (be-

hauptete) Kündigung am 5. Oktober 2017 ausgesprochen haben soll, lasse es – so 

der Kläger – als unglaubhaft erscheinen, dass ihm an jenem Tag gekündigt worden 

sei (Urk. 84 Rz 43 ff.; a.M. die Beklagte: Urk. 91 Rz 94 ff.).

Auch D._____ habe zunächst nicht von einer Kündigung, sondern von einer sofor-

tigen  Freistellung  gesprochen,  und  auch  er  habe  bestätigt,  dass  der  Kläger  das 

Angebot einer Weiterbeschäftigung (in anderer Rolle, im Sinne einer «Änderungs-

kündigung») angenommen habe. Nach D._____ sei es um zwei Möglichkeiten be-

- 26 -

treffend den Bonus gegangen (entweder bleiben mit Bonus, oder nicht bleiben ohne 

Bonus; Urk. 84 Rz 46 ff.; a.M. die Beklagte: Urk. 91 Rz 100 ff.).

Auch H._____ habe die Weiterbeschäftigung des Klägers im Sinne lediglich eines 

Rollenwechsels bestätigt (Urk. 84 Rz 49 ff.; a.M. die Beklagte: Urk. 91 Rz 108 ff.).

Kernfrage ist in diesem Zusammenhang, ob und gegebenenfalls was kommuniziert 

wurde mit Bezug auf das bestehende Arbeitsverhältnis mit dem Kläger. Sprach man 

sich  über  das  rechtliche  Schicksal  des  bestehenden  Arbeitsvertrags  aus  oder 

nicht? Dass die Beteiligten den Kläger als CEO unverzüglich ersetzt haben wollten, 

ihm aber den Verbleib im Unternehmen ermöglichen wollten – darüber kann kein 

Zweifel bestehen. Zu klären ist indes, ob am 5. Oktober 2017 eine unbedingte Kün-

digung des bisherigen Arbeitsvertrags ausgesprochen wurde (und bloss eine Ab-

sicht  bestand,  allenfalls  einen  neuen  mit  anderen  Bedingungen  auszuhandeln). 

Dies entspräche der Position der Beklagten. Oder aber ist es vielmehr so, wie es 

der Kläger vorträgt, nämlich dass ihm am 5. Oktober 2017 lediglich geänderte Ar-

beitsbedingungen eröffnet wurden (eine Positionsänderung) und sein Arbeitsver-

hältnis erst später gekündigt wurde (nämlich mit Schreiben vom 30. Oktober 2017 

[Urk. 5/9]), nachdem er die angebotenen neuen Bedingungen abgelehnt hatte?

Für diese Unterscheidung, bei der es auf die präzise Wortwahl ankommt, helfen die 

Personalbeweise,  welche  rund  vier  Jahre  nach  dem  fraglichen  Ereignis  erhoben 

wurden, wenig weiter, zumal in einer Konstellation wie der vorliegenden nicht aus-

geschlossen werden kann, dass die Wahrnehmung kontaminiert ist von subjektiven 

Interessen, Loyalitäten und auch Erinnerungsfehlern. Dazu im Einzelnen was folgt:

C._____ betonte in seiner Befragung an verschiedenen Stellen, dass man seitens 

des Verwaltungsrates interessiert gewesen sei, den Kläger «in irgendeiner Form 

weiter zu binden» (Urk. 63 S. 17). Es sei die Funktion als CEO beendet gewesen; 

dies  sei  der  entscheidende  Punkt  für  den  Verwaltungsrat  gewesen.  Der  Verwal-

tungsrat habe aber eine Tür offen gelassen, man habe eine Gesichtswahrungsstra-

tegie ermöglichen wollen. Das zukünftige Arbeitsverhältnis zu gestalten, sei dann 

aber in die Kompetenz der Geschäftsleitung gefallen (Urk. 63 S. 16 und 18). In einer 

börsenkotierten Unternehmen sei die Funktion des CEO so entscheidend, dass de-

ren Aufgabe nicht irgendein Stellenwechsel sei. Man könne nicht einfach von einem 

- 27 -

Positionswechsel  sprechen.  Auch  von  der  Unterstellung  sei  das  eine  völlig  neue 

Situation (Urk. 63 S. 19). C._____ stützt in der Tendenz eher den Standpunkt der 

Beklagten; klare Anknüpfungsmerkmale im Sinne von objektivierbaren Indizien für 

das  explizit  ausgesprochene  Kündigen  des  Arbeitsvertrags  finden  sich  in  seinen 

Aussagen aber nicht.

G._____, der als Generalsekretär damals die Protokolle verantwortete, schien zur 

Frage einer Kündigung am 5. Oktober 2017 im Wesentlichen in Erinnerung zu ha-

ben, dass man dem Kläger gesagt habe, dass die Position des CEO, also die Ge-

schäftsleitung,  terminiert  würde  und  man  aber  einen  neuen  Vertrag  mit  einem 

neuen Titel anbieten würde (Urk. 65 S. 9). G._____ bestätigte, dass es die Absicht 

gewesen sei, dass der Kläger weiterhin für die Beklagte tätig sein sollte, «einfach 

in anderer Position» (Urk. 65 S. 13), äusserte sich kurz darauf aber auch überrascht 

darüber, dass der Kläger geltend mache, es sei ihm am 5. Oktober 2017 nicht ge-

kündigt worden (Urk. 65 S. 15 f.). Letztlich fehlen auch hier klare objektivierbare 

Indizien für die eine oder die andere Version.

E._____ sprach – scheinbar dezidiert – ausdrücklich von Entlassung, Beendigung 

des Arbeitsverhältnisses und Offerte eines neuen Vertrags (Urk. 58 S. 3). Er (im 

Zeitpunkt seiner Befragung) als CEO der Beklagten äusserte sich kategorisch da-

hingehend, dass dem Kläger am 5. Oktober 2017 «absolut» klar eine Kündigung 

des Arbeitsverhältnisses (nicht bloss der CEO-Funktion) kommuniziert worden sei. 

Etwas  frappant  ist  in  diesem  Zusammenhang  jedoch,  dass  E._____  trotz  seines 

klaren  Standpunkts  nicht  anzugeben  vermochte,  wer  denn  derart  klar  die  Kündi-

gung mündlich ausgesprochen haben soll (Urk. 58 S. 9). Ein solch selektives Erin-

nerungsvermögen weckt Zweifel. Insgesamt jedenfalls kann der Parteibehauptung 

von E._____ wenig Beweiskraft zugesprochen werden für die hier relevante Frage.

Auch D._____ stellte sich auf den Standpunkt, es sei das Arbeitsverhältnis mit dem 

Kläger am 5. Oktober 2017 gekündigt und dieser sei als CEO entlassen worden. 

Man habe dem Kläger mitgeteilt, dass man ihn in seiner aktuellen Position nicht 

mehr  weiterbeschäftigen  wolle  und  habe  ihm  einen  neuen  Vertrag  unterbreitet 

(Urk. 59  S.  8).  Auch  D._____  vermochte  sich  nicht  mehr  daran  zu  erinnern,  wer 

dem Kläger das konkret gesagt haben soll (Urk. 59 S. 9). Kurz zuvor in der Einver-

- 28 -

nahme äusserte sich D._____ noch unsicher, ob es in diesem Zeitpunkt (gemeint: 

am 5. Oktober 2017) bereits einen Entscheid gegeben habe. Später, nach einem 

Gespräch mit dem Kläger, habe E._____ informiert und gesagt, der Kläger habe 

sich – vor der Wahl stehend, entweder das Unternehmen zu verlassen oder eine 

Weiterbeschäftigung  in  einer  anderen  Funktion  –  für  die  Variante  der  Weiterbe-

schäftigung entschieden (Urk. 59 S. 7). Diese Beschreibung der Vorgänge bleibt 

im rechtlich relevanten Thema ebenfalls vage. Im Vordergrund scheint die weitere 

Zusammenarbeit in anderer Funktion gestanden zu haben. Das konkrete explizite 

Aussprechen einer Kündigung scheint auch hier für den Zeugen nicht abrufbar zu 

sein.

Tendenziell den Standpunkt des Klägers unterstützend sprach der Zeuge H._____ 

von einer vertraglichen Veränderung in dem Sinne, dass der Kläger weiterhin bei 

der Beklagten beschäftigt worden wäre, einfach in einer anderen Position (Urk. 64 

S. 12). Mit der Vorinstanz ist allerdings zu bemerken, dass H._____ beim hier be-

sonders interessierenden ersten Treffen zwischen einem VR-Ausschuss und dem 

Kläger am Nachmittag des 5. Oktober 2017 nicht anwesend war (vgl. Urk. 85 E. 

IV/6.7.5 S. 27), er somit zur entscheidenden Frage nicht unmittelbar Wahrnehmun-

gen machen konnte.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass die Personalbeweise für sich betrachtet 

den Standpunkt weder des Klägers noch der Beklagten signifikant stützen.

5.8.5. Gemäss der Vorinstanz deuten die Protokolle und weiteren Unterlagen (zu-

sammen  mit  den  Aussagen)  darauf  hin,  dass  dem  Kläger  anlässlich  des  ersten 

Treffens am Nachmittag des 5. Oktober 2024 unmissverständlich gekündigt wurde. 

Der Kläger hält das Zitieren der Vorinstanz aus den Protokoll der Verwaltungsrats-

sitzungen vom 1. Oktober 2017 (Urk. 17/23 und 17/24) für selektiv. Nach ihm wur-

den wichtige Passagen weggelassen bzw. nicht berücksichtigt, sodass es zu fal-

schen Folgerungen gekommen sei (Urk. 84 Rz 60 ff. und 69 ff.). Ausserdem seien 

im Protokoll der Sitzungen vom 5. Oktober 2017 (Urk. 17/25) die Sitzungen und die 

separaten Gespräche in einem einzigen «Protokoll» zusammengefasst worden; da-

bei handle es sich eigentlich nur um eine «bessere Aktennotiz» der Beklagten bzw. 

des Verfassers G._____ über die Geschehnisse (Urk. 84 Rz 75). Die Beklagte dem-

- 29 -

gegenüber teilt und stützt die Auffassung der Vorinstanz (Urk. 91 Rz 125 ff.), wobei 

sie  die  Meinung  vertritt,  dass  eine  einseitige  Degradierung  des  Klägers  von  der 

Position des CEO in den Bereich Business Development ohne Kündigung gar nicht 

möglich gewesen wäre (Urk. 91 Rz 127).

Bei der Würdigung der erwähnten Protokolle  kann deren Entstehungsgeschichte 

nicht ausser Acht gelassen werden. Die privaten schriftlichen Aufzeichnungen über 

die  Verwaltungsratssitzungen  und  damit  zusammenhängenden  Gespräche  vom 

1. bzw.  5.  Oktober  2017  sind  von  der  Beklagten  produziert  worden.  Wenngleich 

nichts Auffälliges darauf hindeutet, besteht doch keine Gewähr dafür, dass diese 

Dokumente (Urk. 17/23–25) völlig neutral und zeitnah, noch unbeeinflusst von der 

vorliegenden Auseinandersetzung verfasst wurden. Namentlich kommt diesen Pro-

tokollen nicht erhöhte Beweiskraft zu, wie es z.B. bei öffentlichen Urkunden nach 

Art. 9 Abs. 1 ZGB der Fall wäre.

Die  Dokumente  inhaltlich  beleuchtend,  illustrieren  sie  immerhin  plausibel,  wie  es 

am 1. und 5. Oktober 2017 zum Entscheid kam, den Kläger als CEO der Beklagten 

zu ersetzen. In den recht kurz gehaltenen Aufzeichnungen zeigt sich eine deutliche 

Fokussierung  auf  die  betriebswirtschaftlichen  Aspekte  der  Personalia  zum  CEO-

Posten. Dem Verwaltungsrat scheint es darum gegangen zu sein, den Abgang des 

Klägers als CEO zu bewirken und den Kläger möglichst in einer anderen Funktion 

weiter zu beschäftigen – falls er denn gewillt sein würde, diese Gesichtswahrungs-

strategie mitzutragen (so sinngemäss C._____ in Urk. 63 S. 10 f.).

Im Protokoll der Verwaltungsratssitzung (Telefonkonferenz) vom 5. Oktober 2017, 

9:10–10:00 Uhr, heisst es wörtlich (Urk. 17/24 S. 3): 

«Thus, the Board resolves to terminate A._____'s employment contract as a 
CEO and offer him at the same time a new agreement in line with the 
discussions held. E._____, C._____, D._____ and G._____ shall 
communicate this to A._____ in the afternoon. A public announcement shall 
be made tomorrow morning.»

Vom Wortlaut her spricht dies für einen Beschluss, den Arbeitsvertrag als CEO zu 

kündigen und einen neuen zu offerieren. Im Protokoll der Verwaltungsratssitzung 

(Telefonkonferenz) vom selben Tag, 19:34–20:00 Uhr, heisst es (Urk. 17/25 S. 1): 

«G._____ summarizes the content of the two meetings this afternoon and 
evening with A._____.

- 30 -

In the first meeting with A._____, the participants were D._____, C._____, 
E._____ and G._____. A._____ was informed by C._____, D._____ and 
E._____, according to a script, that the Board does not see him as a suitable 
CEO of B._____ anymore. A new position was proposed to him, upon which 
A._____ wanted to know how much he would get if he stayed with the 
Company. Only the communication with the version where A._____ remained 
with the Company was disclosed. A._____ was then given some time to think 
about the situation.

In the second meeting, around 18.00, A._____, H._____ (on A._____'s 
request), E._____, D._____ and G._____ were present. Mainly a discussion 
about the content of tomorrow's communication took place and about 
A._____'s future remuneration where E._____ and D._____ made 
suggestions what this could look like for A._____ in 2018. For 2017, a pro rata 
bonus as for other EC members was offered to A._____, provided he staid 
with the Company.»

Es ist unbestritten, dass der Kläger am 5. Oktober 2017 signalisierte, dass er grund-

sätzlich kooperieren wolle. In diesem Sinne wurde dann auch kommuniziert.

Eine expressis verbis gegenüber dem Kläger ausgesprochene Kündigung des Ar-

beitsverhältnisses geht aus den Protokollen nicht klar hervor. Das erwähnte Skript, 

anhand dessen die drei Verwaltungsräte den Kläger informiert haben sollen, liegt 

als Beweismittel nicht vor. Festgehalten ist bloss, dass der Kläger als CEO ersetzt 

werden  sollte.  Die  Aussagen  der  involvierten  Personen  zum  letztlich  relevanten 

Punkt,  ob  eine  Kündigung  des  Arbeitsvertrags  unmissverständlich  erklärt  wurde, 

bleiben  eher  vage.  Exemplarisch  dafür  stehen  etwa  folgende  Ausführungen  von 

C._____ in der Zeugeneinvernahme:

«Entscheidend in dem Moment war [der] Abtritt als CEO und ich habe vorher 
erwähnt, es wäre durchaus im Interesse der Beklagten gewesen, den Kläger 
in einer anderen Funktion weiter zu beschäftigen. Aber für den ersten Schritt 
– Abtritt als CEO – braucht es den Entscheid des VR. Die Weiterbeschäfti-
gung muss sicher dann auch mit der Geschäftsleitung diskutiert werden und 
braucht auch – im Gegensatz zur Kündigung – das Einverständnis des Klä-
gers» (Urk. 63 S. 14);

«[…] Und somit ist schon möglich, dass wir zuerst noch dem Kläger die Zeit 
geben wollten, um diese Diskussion mit der Geschäftsleitung zu führen, ins-
besondere weil es ging ja hier um eine operative Tätigkeit, und wir die zweite 
Version verschickt haben» (Urk. 63 S. 15);

«[…] Die Funktion als CEO war beendet. Das war für uns als VR der ent-
scheidende Punkt. Aber der VR hat eine Tür offen gelassen. Im Sinne von 
wenn die Geschäftsleitung eine Zusammenarbeit mit dem Kläger weiterhin 
sieht, das hat er befürwortet. Allerdings war das nicht mehr die Funktion des 
VR, dies zu entscheiden […]» (Urk. 63 S. 16).

- 31 -

Das bisher Gesagte spricht dafür, dass sich an besagtem 5. Oktober 2017 der Ver-

waltungsrat der Beklagten (bzw. Ausschüsse von ihm) – betriebswirtschaftlich den-

kend – der Pendenz CEO annahm, die Ablösung einleitete und sich darum küm-

merte, den Weg zu ebnen, dass der bisherige CEO weiter im Unternehmen bleiben 

würde.  In  diese  Richtung  scheint  gearbeitet  worden  zu  sein,  umso  mehr  als  der 

Kläger signalisierte, diesen Weg mitgehen zu wollen. Dass er formelle Zwischen-

schritte beinhalten würde, bei welchen auch rechtliche Aspekte zu beachten waren, 

scheint nicht im Fokus gestanden zu haben. Es kann also durchaus sein, dass die 

Akteure an jenem Tag ausser Acht liessen, dass die Verhandlungen über eine zu-

künftige Zusammenarbeit allenfalls scheitern könnten und für diesen Fall vorsichts-

halber der bisherige Arbeitsvertrag ausdrücklich zu kündigen sein würde.

Diese These wäre psychologisch nachvollziehbar. Man kannte sich und stand sich 

(noch immer) nahe. Dem verdienten Gründungsmitglied A._____ den Abgang als 

Geschäftsführer zu erklären und ihn doch, mit einem geänderten Stellenprofil, bei 

der Stange zu halten, dürfte eine diplomatische Gratwanderung gewesen sein. Das 

unmissverständliche  Aussprechen  einer  Kündigung  hätte  Irritation  auslösen  kön-

nen. Es wäre zu erwarten, dass man dies gegebenenfalls (auch) schriftlich doku-

mentieren, zumindest aber explizit im Protokoll festhalten würde, allenfalls auch mit 

der Reaktion seitens des Betroffenen.

Aus den Protokollen geht zwar die Absetzung («Kündigung») des Klägers als CEO 

hervor.  Eine  erfolgte  Kündigung  des  Arbeitsverhältnisses  (wobei  es  nicht  ums 

Selbe geht, vgl. oben E. 5.5) ergibt sich aus den Aufzeichnungen jedoch nicht klar.

5.8.6. Der Kläger greift des Weitern die Argumentation der Vorinstanz auf, wonach 

unter anderem die FINMA über die Kündigung des Klägers als CEO informiert wor-

den sei (Urk. 84 Rz 58 f., Urk. 85 E. IV/5.1.5 S. 47). Er hält dazu fest, dass es in 

den Akten keine Anhaltspunkte dafür gebe (ausser einer Aussage E._____s), dass 

die  FINMA  über  eine  Absetzung  des  Klägers  als  CEO  oder  eine  Kündigung  des 

Arbeitsverhältnisses effektiv informiert worden wäre. Ausserdem werde (so der Klä-

ger) die Absetzung des Klägers als CEO mit einer Kündigung seines Arbeitsver-

hältnisses vermengt (Urk. 84 Rz 58 f., vgl. aber auch a.a.O. Rz 73).

- 32 -

Die Beklagte bezeichnet dieses klägerische Vorbringen als pauschal und nennt als 

Fundstelle  auch  das  Protokoll  der  Verwaltungsratssitzung  vom  5.  Oktober  2017 

(Urk. 91 Rz 122 ff.). 

In der Tat gibt es nebst der Erwähnung einer an die FINMA gegangenen Informa-

tion seitens E._____ (Urk. 57 S. 3) auch einen Hinweis im Protokoll der Verwal-

tungsratssitzung vom Morgen des 5. Oktober 2017. Nach letzterem wollte C._____ 

die FINMA über die Beschlüsse des Verwaltungsrats informieren (Urk. 17/ 24 S. 3).

Die Information der FINMA muss sich auf die CEO-Position als Organstellung be-

zogen haben; direkte Rückschlüsse auf das Schicksal auch des Arbeitsverhältnis-

ses lässt sie nicht zu. Eine Kündigung des Arbeitsvertrags dürfte nicht von beson-

derem Interesse für die Finanzmarktaufsichtsbehörde gewesen sein; ihr Interesse 

dürfte sich auf die Leitung des Unternehmens beschränkt haben. Dass diese Lei-

tung in andere Hände gegeben wurde, ist unstrittig.

5.8.7. Der Kläger führt des Weitern die Verhandlungen über einen neuen Vertrag 

ins Feld, welche zwischen dem 6. und dem 30. Oktober 2017 gelaufen seien und 

in welchen die Beklagte ihm massiv verschlechterte Vertragsbedingungen unter-

breitet  habe.  Der  Kläger  findet,  dass  diese  Vorgänge  und  Widersprüche  dazu  in 

den Zeugenbefragungen die Vorinstanz zu vertieften Abklärungen hätte bewegen 

müssen (Urk. 84 Rz 101 ff.). Die Beklagte demgegenüber erkennt im Zusammen-

hang mit dem Kündigungszeitpunkt keine Relevanz der Vertragsofferte und macht 

geltend, dass der Kläger nach dem 5. Oktober 2017 selber von einer Kündigung 

ausgegangen sei, sei er doch nicht mehr zur Arbeit erschienen und habe er doch 

der Feststellung der Beklagten in deren Schreiben vom 30. Oktober 2017 (Urk. 5/9) 

nicht widersprochen (Urk. 91 Rz 152 ff.). 

Aus  der  Korrespondenz,  auf  die  sich  beide  Parteien  beziehen,  lässt  sich  nicht 

schliessen, dass sie auf eine davor explizit ausgesprochene Kündigung des bishe-

rigen Arbeitsvertrags basiert. Es spricht einiges dafür, dass das rechtliche Schick-

sal  des  bisherigen  Arbeitsvertrags  gewissermassen  in  einem  Schwebezustand 

blieb, den man mit einem neuen Vertrag nahtlos hätte beseitigen wollen. 

So heisst es im eingerahmten Vermerk ganz oben auf der Offerte vom 20. Oktober 

2017 (Urk. 5/6 i.V.m. Urk. 5/5) etwa: 

- 33 -

«By signing this Contract of Employment both parties agree that as per 9 
October 2017 this version replaces the previously signed Contracts of 
Employment dated 22 January 2014 and the respective addenda dated 24 
February 2015 and 5 April 2017»;

und in der sechsten Zeile der Tabelle auf Seite 1 in Urk. 5/6 in Klammern wird fest-

gehalten, dass der 1. Juni 2007 als Eintrittsdatum gelte. 

Die zitierte Formulierung, die den bisherigen Vertrag nicht als gekündigt bezeich-

net,  könnte  dafür  sprechen,  dass  damals  auch  die  den  Vertragsentwurf  redigie-

rende Beklagte von einem fortbestehenden Arbeitsverhältnis ausging, dessen Mo-

dalitäten neu geregelt würden. Auch dass der Bonus 2017 für die vom Arbeitneh-

mer  ausgeübte  «Funktion»  (sic!)  als  CEO  nach  dem  Vorschlag  der  Beklagten  in 

den Vertragstext aufgenommen werden sollte, deutet in diese Richtung.

Andererseits wären diese Klauseln aber auch unter der Prämisse einer zuvor aus-

gesprochenen Kündigung nicht undenkbar, zumal ja noch die Kündigungsfrist des 

bisherigen  Arbeitsvertrags  ausgelaufen  wäre.  Ausserdem  ist  es  nicht  unüblich, 

dass  man  bei  einem  neuen  Arbeitsverhältnis  die  unter  früheren  Arbeitsverträgen 

angehäufte Anstellungsdauer explizit hinzurechnet.

Insgesamt also ergeben sich auch aus dieser Korrespondenz keine starken Indi-

zien für den einen oder den andern Standpunkt.

5.8.8. Mit Blick auf die Kommunikation der Beklagten an ihn vom 30. Oktober 2017 

(Urk. 5/9) erkennt der Kläger (1.) in der zeitlichen Abfolge, (2.) in dessen Titel re-

spektive Betreff sowie (3.) in der Art der Sendung (Einschreiben) Hinweise dafür, 

dass erst damit die Kündigung ausgesprochen wurde (Urk. 84 Rz 115; vgl. dazu 

auch die Beklagte in Urk. 91 Rz 155). 

Aus dem gewählten Betreff «Termination of employment» lässt sich nicht ableiten, 

dass es sich dabei um die originäre Kündigung des Arbeitsverhältnisses handeln 

muss  (weil  man  –  so  der  Kläger  –  andernfalls  «Confirmation  of  termination»  ge-

schrieben hätte). Im Brieftext wird nämlich klar festgehalten, dass sich die Absen-

derin auf den Standpunkt stellt, es sei zuvor schon am 5. Oktober 2017 eine Kün-

digung erfolgt. Vom Wortlaut her könnte es sich durchaus auch um eine Klarstel-

lung  und  Ergänzung  in  Bezug  auf  die  einzelnen  Konsequenzen  handeln.  Auch 

diese würde man mit gutem Grund, zu Beweiszwecken, eingeschrieben mitteilen, 

- 34 -

gerade wenn zuvor bloss mündlich gekündigt worden wäre. Auch aus der zeitlichen 

Nähe zum Scheitern der Vertragsverhandlungen lässt sich nichts ableiten. Sowohl 

nach dem klägerischen als auch nach dem beklagtischen Standpunkt herrschte da-

vor ein Schwebezustand, welcher der Klärung bedurfte.

5.8.9. Inwiefern  das  (unbestrittene)  Fernbleiben  des  Klägers  von  der  Arbeit  am 

6. Oktober 2017 (vgl. Urk. 91 Rz 154) Rückschlüsse zulassen soll mit Bezug auf 

die Frage, ob zuvor sein Arbeitsvertrag gekündigt oder er bloss der Funktion als 

CEO enthoben worden war, leuchtet nicht ein. Dass die am Vortag empfangene 

Nachricht  für  den  Kläger  einschneidende  Auswirkungen  hatte,  versteht  sich  von 

selbst. Ob sein Fernbleiben abgesprochen war oder nicht, wird heute unterschied-

lich gesehen (vgl. Urk. 57 S. 6 [Kläger] und Urk. 58 S. 5 [E._____]), kann aber offen 

bleiben.

5.8.10. Auch  im  Umstand,  dass  der  Kläger  die  Datumsangabe  im  Schreiben  der 

Beklagten vom 30. Oktober 2017 (Urk. 5/9) unwidersprochen liess, kann – entge-

gen der Ansicht der Beklagten (Urk. 91 Rz 155) – kein starkes Indiz dafür gesehen 

werden, dass er bewusst inhaltlich zustimmte. Damals dürfte die Situation bereits 

verworren gewesen sein nach dem, was unmittelbar davor passiert war. In einer 

solchen Phase des Konflikts ist es nachvollziehbar, dass man zunächst einmal nur 

den  Prozessstoff  sammelt  und  mangels  Dringlichkeit  nicht  sogleich  reagiert.  Es 

könnte gut sein, dass er sich der rechtlichen Konsequenzen dieser Datierung da-

mals nicht bewusst war. 

5.8.11. Fragwürdig scheint indes, wie es sich mit den Äusserungen des Klägers in 

der schriftlichen Klagebegründung (Urk. 1) verhält, welche er später modifizierte. In 

der Zeit zwischen der Klagebegründung vom 18. März 2019 und der in der Haupt-

verhandlung am 28. November 2019 erstatteten Replik passierte bei ihm offensicht-

lich ein Meinungsumschwung. Dieser Meinungsumschwung bezog sich auf die weit 

zurückliegenden Vorgänge im Oktober 2017. Während er – anwaltlich vertreten – 

in der Klagebegründung noch den Standpunkt vertreten hatte, sein Arbeitsverhält-

nis sei am 5. Oktober 2017 gekündigt worden (vgl. Urk. 1 Rz 13, 20 ff., 32 f., 55–

57), war er nunmehr der Ansicht, eine Kündigung sei am 5. Oktober 2017 gerade 

nicht ausgesprochen worden; es sei an jenem Tag einzig um das Amt des CEO 

- 35 -

gegangen. Zu dieser Erkenntnis will er gekommen sein, nachdem ihm mit der Kla-

geantwort interne Dokumente der Beklagten zugekommen seien, «welche ihm die 

vermeintliche  Kündigung  vom  5.  Oktober  2017  vertieft  zu  beurteilen  ermöglicht» 

hätten (Urk. 24 Rz 10 f.). Dazu von der Vorinstanz befragt, gab der Kläger im We-

sentlichen  an,  dass  sich  für  ihn  die  Nachricht,  dass  der  Verwaltungsrat  ihn  nicht 

mehr als CEO der Beklagten sehe, als Kündigung angefühlt habe; es sei aber keine 

ausgesprochene  Kündigung  gewesen,  sondern  nur  der  Vorschlag  zur  Positions-

änderung, welchen er angenommen habe (Urk. 57 S. 6).

Wie bereits erwähnt vermochten diese Ausführungen die Vorinstanz nicht zu über-

zeugen.  Der  Kläger  habe  verschiedentlich,  explizit  und  implizit,  von  einer  Kündi-

gung des Arbeitsverhältnisses am 5. Oktober 2017 gesprochen; und auch schon in 

seiner E-Mail-Korrespondenz habe er dieses Verständnis gezeigt («signing a new 

contract» in der E-Mail vom 27. Oktober 2017 [Urk. 5/7] und «day of my termina-

tion»  in  der  E-Mail  vom  21. Dezember  2017,  bezogen  auf  den  5.  Oktober  2017 

[Urk. 5/10]). Entscheidend für die rechtliche Einordnung sei sodann nicht die nach-

träglich  gebildete  Meinung,  sondern  nur,  ob  die  Beklagte  den  Arbeitsvertrag  am 

5. Oktober 2017 kündigen wollte und ob der Kläger ihre Äusserungen als Kündi-

gung auffasste, somit die Kündigungserklärung empfing (Urk. 85 E. IV/6.8 S. 28 f.).

Im  Berufungsverfahren  verweist  der  Kläger  in  Bezug  auf  das  Verständnis  beider 

Parteien im relevanten Zeitpunkt auf die publizierte Medienmitteilung, nach welcher 

das Arbeitsverhältnis offenkundig hätte weitergeführt werden sollen, lediglich in ei-

ner anderen Funktion. In seiner E-Mail vom 21. Dezember 2017 (Urk. 5/10) habe 

er, ein arbeitsrechtlicher Laie, sich nur auf den Standpunkt der Beklagten gemäss 

deren Schreiben vom 30. Oktober 2017 (Urk. 5/9) bezogen. Ausserdem sei für ihn 

nach den vielen Jahren als CEO die Absetzung einer Kündigung gleichgekommen 

(Urk. 84 Rz 54 ff.).

Damit vermag der Kläger nicht plausibel zu erklären, warum er selber ausführen 

liess, dass er «vom Verwaltungsrat der Beklagten Anfang Oktober 2017 aus heite-

rem Himmel seines Amtes als Geschäftsführer enthoben und entlassen» worden 

sei (Urk. 1 Rz 13; Kursivschrift hinzugefügt). Dieses Entlassen kann sich nur auf 

- 36 -

das Arbeitsverhältnis bezogen haben. Noch deutlicher und vor allem verknüpft mit 

konkreten Vorkommnissen heisst es sodann in der Klageschrift:

«Von C._____ wurde dem Kläger ohne weitere Begründung dargetan, dass 
der Kläger als CEO der Beklagten ‹entlassen› sei. Man werde ihm stattdes-
sen ein Beratungsmandat mit einem jährlichen Fixgehalt von CHF 1 Mio. offe-
rieren, das der Kläger übernehmen könne, sofern er das denn wolle. 
Dies sei dann aber ein separates Thema. E._____ fügte an, die ‹Entlassung› 
des Kläger erfolge ‹per sofort›. Das ‹Advisory Mandat›, so E._____ weiter, 
würde auf dem Tisch liegen und könne vom Kläger angenommen werden 
oder auch nicht. […]» (Urk. 1 Rz 21);

und:

«Noch vor Unterbrechung der Besprechung erkundigte sich der Kläger da-
nach, wie das weitere Vorgehen aussehen werde, sollte man sich heute über 
die von der Beklagten angedachte Weiterbeschäftigung nicht einigen. Darauf 
führte wiederum E._____ aus, der Kläger werde per sofort freigestellt und 
habe eine sechsmonatige Kündigungsfrist. […]» (Urk. 1 Rz 23).

Diese Äusserungen schildern die Vorgänge in aller Klarheit. Sie belegen die Zäsur 

in Bezug auf das Arbeitsverhältnis, nicht bloss den CEO-Posten (vgl. auch Urk. 1 

Rz 31).  Die  Erwähnung  der  sechsmonatigen  Kündigungsfrist  würde  keinen  Sinn 

ergeben, wenn es nur um den CEO-Posten gegangen wäre. Die Vorinstanz wies 

zutreffend darauf hin (Urk. 85 E. IV/6.8 S. 29), dass auch die Ausdrucksweise des 

Klägers in seiner E-Mail-Korrespondenz (Urk. 5/7 und 5/10) dafür spricht, dass er 

die Beklagte so verstanden hatte. Hinweise dafür, dass er in seiner E-Mail bloss 

auf den Standpunkt der Beklagten Bezug genommen hätte, fehlen gänzlich.

Wenn der Kläger vorbringt, es sei ihm nach der Kenntnisnahme der internen Doku-

mente besser möglich gewesen, die Vorgänge des 5. Oktober 2017 (Urk. 24 Rz 10) 

zu beurteilen, so scheint dies eher auf die Beurteilung der Beweislage zuzutreffen 

denn auf die Beurteilung des tatsächlich Gesagten und Verstandenen. Die Neube-

urteilung der Beweislage wäre ein Motiv für eine Änderung der Prozessstrategie.

5.8.12. Die vorstehenden, vom Kläger so geschilderten Äusserungen der Vertreter 

der  Beklagten  sind  jedenfalls  unmissverständlich  und  letztlich  ausschlaggebend. 

Sie lassen sich nicht anders verstehen denn als Terminierung des Arbeitsverhält-

nisses unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist und gleichzeitiger Anbah-

nung eines noch zu konkretisierenden neuen Vertrags. Gegenüber der Öffentlich-

- 37 -

keit, in der Medienmitteilung, wurde dieser neue Vertrag optimistisch – man könnte 

es auch vorschnell nennen – ins Zentrum gerückt.

5.8.13. Als Zwischenfazit ergibt sich, dass der Beklagten der Beweis gelingt, dass 

dem Kläger am 5. Oktober 2017 mündlich gekündigt wurde.

5.9. Der Kläger beharrt auf seinem Standpunkt, dass sich im Falle, dass (entge-

gen seiner Bestreitung) von einer am 5. Oktober 2017 mündlich ausgesprochenen 

Kündigung ausgegangen würde, die Folgefrage stellen würde, ob diese formgültig 

im  Sinne  der  einschlägigen  Vertragsbestimmungen  wäre.  Seiner  Ansicht  nach 

wurde das Schriftformerfordernis, das sich laut ihm aus dem Employment Manual 

(Mitarbeiter-Handbuch)  ergibt  (Urk. 17/26),  verletzt  (Urk.  84  Rz  119;  geltend  ge-

macht erstmals in Urk. 24 Rz 10 f.).

Die  Vorinstanz  kam  in  ihrer  Auslegung  der  betreffenden  Kündigungsregelung  im 

Employment Manual (Urk. 17/26, Article 5) zum Schluss, dass auf die Mitarbeiter-

Kategorie, welcher der Kläger angehöre – gestützt auf den Arbeitsvertrag (Urk. 5/1) 

«Non-Front Office» – kein Schriftformerfordernis für die Kündigung anwendbar sei. 

Dies ergebe sich aus dem Wortlaut und insbesondere aus der Systematik der Be-

stimmung (Urk. 85 E. IV/7 S. 30 f.). Die Vorinstanz erachtete somit auch eine bloss 

mündlich ausgesprochene Kündigung als zulässig.

Die Beklagte pflichtet der Vorinstanz bei und hält eventualiter dafür, dass ausser-

dem beide Parteien nachträglich konkludent auf das Formerfordernis verzichtet hät-

ten. So sei namentlich der Kläger selber nach dem 5. Oktober 2017 von einer Kün-

digung ausgegangen und habe sich entsprechend verhalten (Urk. 91 Rz 168 f.).

5.9.1. Dass das Employment Manual von Januar 2017 gemäss Urk. 17/26 auf das 

streitgegenständliche Arbeitsverhältnis Anwendung findet, ist unbestritten.

Die fragliche Bestimmung darin lautet wie folgt (Urk. 17/26 S. 3):

«TERMINATION Article 5

the  contract  of  employment 

Unless otherwise specified in the contract or by separate written 
agreement, 
front  office 
personnel may be terminated in writing by either party, to take 
effect at the end of a month, provided that the following notice 
is respected:

for 

- 38 -

▪ one month if the employment has lasted less than one year;
▪ two months if the employment has exceeded one year;
▪ three  months  if  the  employment  has  exceeded  nine  full 

years.

For non-front office personnel the notice period to be respected 
is three months, irrespective of rank or duration of employment.

The  individual  employment  contract  will  specify  to  each 
Employee in which category (front/non-front) he/she falls. (…)»

Ein tatsächlich vorhandener Wille der Parteien in Bezug auf die Kündigungsmoda-

litäten lässt sich nicht ermitteln (subjektive Vertragsauslegung, Art. 18 Abs. 1 OR), 

sodass subsidiär durch objektivierende Auslegung des Vertrags das als Vertrags-

willen anzusehen ist, was vernünftig und redlich handelnde Parteien mit ihrer Wort-

wahl oder ihrem Verhalten ausgedrückt und gewollt hätten (so statt vieler OFK/OR-

Kren Kostkiewicz, OR 18 N 12; vgl. auch BGer 4A_542/2023 vom 26. August 2024 

E. 3.1.2, BGE 138 III 659 E. 4.2.1; BSK OR-Wiegand, Art. 18 N 11, oder BK-Müller, 

Art. 18 N 61 und 63). Dabei sind die Erklärungen der Parteien aufgrund des Ver-

trauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang 

sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten. Es ist 

vom Wortlaut der Erklärungen auszugehen, welche jedoch nicht isoliert, sondern 

aus  ihrem  konkreten  Sinngefüge  heraus  zu  beurteilen  sind  (BGer  4A_542/2023 

vom 26. August 2024 E. 3.1.2, BGE 138 III 659 E. 4.2.1, 123 III 165 E. 3a).

Nach der Spezifikation im Arbeitsvertrag (Urk. 5/1 S. 1) galt der Kläger explizit als 

der Klassifikation (Kategorie) «Non-Front Office» zugeteilt. Davon war und ist aus-

zugehen. 

Der erste Teil des Artikels 5 enthält mehrere Regelungen, welche von ihrem Sinn-

gehalt auf beide Kategorien – «Front-Office Personnel» und «Non-Front Office Per-

sonnel» – Anwendung finden müssen. Die Vertragsauflösung betreffend ist grund-

sätzlich kein sachgerechter Grund ersichtlich, weshalb für die eine Kategorie ge-

nauere Regelungen formuliert werden sollten als für die andere. Das gilt namentlich 

für den Vorbehalt spezieller Regelungen («unless otherwise specified in the con-

tract or by separate written agreement»), für die Wirkung einer Kündigung auf das 

Ende eines Monats («to take effect at the end of a month, provided that the […] 

notice is respected») und eben auch für das Schriftformerfordernis («in writing»). 

- 39 -

Eine Differenzierung nach Kategorie macht einzig Sinn in Bezug auf unterschiedli-

che Kündigungsfristen.

Die Platzierung des Präpositionalobjekts «for front office personnel» im ersten Ab-

satz  des  Artikels  5  muss  daher  als  versehentlich  missglückt  angesehen  werden. 

Sie  führt  leicht  zu  Missverständnissen.  Aus  dem  Zusammenhang  heraus  erhellt 

aber doch, dass der zweite Absatz nicht separat, sondern im Zusammenhang mit 

dem ersten zu lesen ist. Das am Ende des ersten Absatzes abgehandelte Thema 

der Kündigungsfrist (dort unterschiedlich je nach Anstellungsdauer) wird im zweiten 

Absatz  sogleich  nochmals  aufgenommen  und  spezifisch  für  die  Kategorie  «Non-

front Personnel» beantwortet. Abgesehen davon sind die Absätze zusammen zu 

lesen. Es würde keinen Sinn ergeben, kürzerfristig kündbares Front-Office-Perso-

nal zwingend schriftlich entlassen zu müssen, bei längeren Kündigungsfristen aber 

bezüglich der Form frei zu sein. Die Lesart der Vorinstanz kommt daher einer un-

zulässigen rein grammatikalischen Auslegung gleich und ist abzulehnen.

Zum selben Ergebnis führt die Argumentation über die Unklarheitsregel. Diese Ma-

xime kommt beim vorliegenden, von der Beklagten vorformulierten standardisierten 

Vertragstext  zur  Anwendung,  und  zwar  –  da  Rechtsfrage  –  unabhängig  davon, 

wann sie vom Kläger ins Feld geführt wurde. Nach der Unklarheitsregel sind Un-

klarheiten in einem Vertrag im Zweifel zulasten der Verfasserin des Vertragstexts 

auszulegen (in dubio contra stipulatorem, vgl. zum Ganzen statt vieler BK-Müller, 

Art.  18  N 197  ff.,  mit  Hinweisen).  Wenn  man  das  Verständnis  der  Vorinstanz 

(Urk. 85 E. IV/7.2 S. 30 f.) der vorstehend dargelegten Lesart von Artikel 5 gegen-

über stellt, wird klar, dass die Klausel unklar ist (a.M. die Beklagte [Urk 91 Rz 166]). 

Denn beide Bedeutungen sind ernsthaft vertretbar. Es geht um eine vom Arbeit-

geber ausgesprochene Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Da ist es für den Ge-

kündigten  von  grösserem  Nutzen,  wenn  ihm  schriftlich  gekündigt  werden  muss. 

Dementsprechend ist die Klausel zu Lasten der Beklagten, die sie formuliert hat, 

auszulegen.

Nicht gefolgt werden kann dem nachgeschobenen Argument der Beklagten, dass 

ohnehin von einem konkludenten Verzicht auf ein (allenfalls) bestehendes Form-

erfordernis auszugehen wäre. Die Tatsachenbehauptungen dazu kamen verspätet 

- 40 -

(Urk. 74 Rz 71, Urk. 91 Rz 168; für die Duplik vgl. Prot. I S. 28 und 49). Aber auch 

wenn der Einwand rechtzeitig und hinreichend substantiiert erhoben worden wäre, 

vermöchte er nicht durchzudringen. Zwar wäre ein konkludenter Verzicht auf eine 

vereinbarte Form nicht grundsätzlich ausgeschlossen (vgl. BSK OR I-Schwenzer/ 

Fountoulakis,  Art.  16  N  10,  mit  Hinweisen).  Allein  aus  dem  Fernbleiben  von  der 

Arbeitsstelle  und/oder  der  bereits  diskutierten  Korrespondenz  kann  aber  klarer-

weise nicht auf einen solchen Verzicht geschlossen werden. Die Enthebung vom 

lange Jahre ausgeübten CEO-Posten und die unklare Situation hinsichtlich einer 

Weiterbeschäftigung könnten durchaus der Grund dafür gewesen sein, dass sich 

die  Beteiligten  darüber  einig  waren,  dass  der  Kläger  einstweilen  nicht  zur  Arbeit 

erscheinen müsse (strittig; vgl. dazu die Erklärung des Klägers in Urk. 57 S. 6, aber 

auch jene von E._____ in Urk. 58 S. 5). Klare Anhaltspunkte für eine konkludente 

Aufhebung des Formvorbehalts fehlen jedenfalls.

Es  ist  folglich  davon  auszugehen,  dass  eine  wirksame  Kündigung  zwingend  in 

Schriftform  ergehen  musste  (analog  Art.  16  Abs.  1  OR),  ungeachtet  dessen,  ob 

diese Front-Office- oder Non-Front-Office-Personal betraf. 

5.10. Vorliegend ist unbestritten, dass am 5. Oktober 2017 nicht schriftlich gekün-

digt wurde. Wirksam konnte damit erst die vom 30. Oktober 2017 datierende Kor-

respondenz (Urk. 5/9) sein, zumal von keiner Seite geltend gemacht wird, dass in 

der Zwischenzeit noch weitere, für eine Kündigung in Frage kommende Erklärun-

gen ergangen sind.

5.11. Dass das Schreiben vom 30. Oktober 2017 (Urk. 5/9) erst am 2. November 

2017 vom Kläger in Empfang genommen wurde (wie es vom Kläger behauptet wird 

[Urk. 24 Rz 12, vgl. Urk. 26/1 und 26/2]), ist ebenfalls unbestritten (vgl. Prot. I S. 28). 

Entsprechend dem oben Ausgeführten (vgl. E. 5.4) führt erst der Empfang der Kün-

digung zu deren Wirksamkeit. Damit endete die vertragliche sechsmonatige Kündi-

gungsfrist (Urk. 5/1 S. 1 unten; Art. 335c Abs. 2 OR) und damit die Lohnfortzah-

lungspflicht  (Art.  324  OR)  nicht  bereits  Ende  April  2018,  sondern  erst  Ende  Mai 

2018.

- 41 -

5.12. Der Kläger fordert Verzugszins zu 5% seit dem 1. Juni 2018 (Urk. 84 S. 2 

sowie Rz 210; vgl. schon Urk. 24 Rz 14). Die Beklagte bestreitet den Verzug; es 

sei  denn  auch  nie  eine  Mahnung  ausgesprochen  worden  (Urk.  91  Rz  282; 

vgl. schon Prot. I S. 28). 

Ist der Schuldner mit der Zahlung einer Geldforderung in Verzug, so schuldet er 

einen Verzugszins von 5% für das Jahr (Art. 104 Abs. 1 OR). 

Gemäss Art. 323 Abs. 1 OR ist dem Arbeitnehmer der Lohn Ende jedes Monats 

auszurichten. Mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses werden alle Forderun-

gen aus dem Arbeitsverhältnisses fällig (Art. 339 Abs. 1 OR). Bei einer Vertrags-

beendigung nach Kündigung tritt gewöhnlich sofortiger Verzug ein (Art. 102 Abs. 2 

OR; BGer 4C.67/2005 vom 4. Mai 2005 [ARV 2005 S. 251] E. 2.3; Streiff/von Kae-

nel/Rudolph, a.a.O., Art. 323 N 3; BSK OR I-Portmann/Rudolph, Art. 323 N 3 sowie 

Art. 339 N 1). Vorliegend berief sich der Kläger erstmals am 28. November 2019 

mit der Replik vor Vorinstanz (Prot. I S. 5) auf den Formmangel der Kündigung und 

damit  auf  die  verlängerte  Vertragszeit.  Es  ist  daher  hier  nicht  gerechtfertigt,  von 

einer normalen Konstellation «Schuldnerverzug nach Kündigung» auszugehen. Bei 

ihr nämlich gründet die Konsequenz des Verzugs entscheidend darauf, dass der 

Schuldner bei bestimmtem Verfalltag über seine Leistungspflicht nicht im Zweifel 

ist (Gauch/Schluep/Schmid/Emmenegger, OR AT II, 11. Aufl. 2020, Rn. 2720; von 

Tuhr/Escher, OR AT II, 3. Aufl. 1974, S. 139).

Im  konkreten  Arbeitsvertrag  (Urk.  5/1  i.V.m.  Urk.  17/26)  ist  kein  Fälligkeitstermin 

kalendermässig bestimmt oder objektiv bestimmbar; die Fälligkeit ergibt sich viel-

mehr direkt aus Art. 323 Abs. 1 OR und Art. 339 Abs. 1 OR. 

In  der  vorliegenden  speziellen  Konstellation  ist eine  Mahnung zur  Herbeiführung 

des  Verzugs  unentbehrlich  (vgl.  BK-Rehbinder/Stöckli,  Art.  323  N  24;  Streiff/von 

Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 323 N 3). Die Erhebung einer Leistungsklage genügt 

als Mahnung (BGer 4A_78/2023 vom 12. Juli 2023 E. 3.1.2; BGE 116 II 225 E. 5a). 

Der Zinsenlauf beginnt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung am ersten 

Tag  nach  dem  Mahnungszugang  (BGer  4A_58/2019  vom  13. Januar  2020  E.  4; 

Gauch/Schluep/Schmid/Emmenegger, a.a.O., Rn. 2687).

- 42 -

Nach dem Gesagten ist ein Verzugszins von 5% p.a. seit dem 29. November 2019 

geschuldet.

5.13.

In Bezug auf den nachgeforderten Lohn für den Monat Mai 2018 ist die Be-

rufung gutzuheissen, samt Verzugszins seit dem 29. November 2019.

6. Geforderte Entschädigung aus missbräuchlicher Kündigung

6.1. Der Kläger macht geltend, es handle sich bei der (erst) am 30. Oktober 2017 

erfolgten Kündigung um eine Änderungskündigung im weiteren Sinn, wobei es sich 

aufgrund dessen, dass sie im Nachtrag zur abgelehnten Vertragsofferte erfolgt sei 

und er Ansprüche aus seinem geltenden Vertrag geltend gemacht habe, um eine 

Rache- und somit um eine missbräuchliche Kündigung im Sinne von Art. 336 OR 

handle (Urk. 84 Rz 135 und 138 f.). Missbräuchlich sei die Kündigung auch, weil 

die von der Beklagten vorgeschlagenen verschlechterten Konditionen (Konkurrenz-

verbot,  Dauer  der  Kündigungsfrist,  Bonusmodalitäten)  schon  weit  vor  Ablauf  der 

vertraglichen Kündigungsfrist in Kraft hätten treten sollen (Urk. 84 Rz 140 f.). Sei-

tens der Beklagten habe man eine unbillige, sachlich nicht gerechtfertigte Vertrags-

verschlechterung durchsetzen wollen, wozu es keinen betrieblichen oder marktbe-

dingten Grund gegeben habe, zumal ja der Lohn inkl. Bonus hätte beibehalten wer-

den sollen (Urk. 84 Rz 144 f.). Laut dem Kläger liegt Missbräuchlichkeit selbst dann 

vor, wenn auf den 5. Oktober 2017 als Kündigungszeitpunkt abgestellt würde. Denn 

dann  läge  –  so  der  Kläger  sinngemäss  –  eine  Änderungskündigung  im  engeren 

Sinn vor, da der angebotene neue Arbeitsvertrag schlechtere Konditionen ausge-

wiesen habe, welche schon vor Ablauf der Kündigungsfrist des bisherigen Vertrags, 

sogar rückwirkend in Kraft getreten wären (Urk. 84 Rz 150). Hinsichtlich der Höhe 

der Pönale gemäss Art. 336a OR spricht sich der Kläger dafür aus, dass im Lichte 

der  gesamten  Umstände  und  angesichts  der  Tatsache,  dass  der  Kläger  Grün-

dungsmitglied der Beklagten gewesen sei, grundsätzlich die maximale Pönale von 

sechs Monatslöhnen, jedenfalls die eingeklagte Teilsumme von CHF 35'000.– (un-

ter Vorbehalt des Nachklagerechts) geschuldet sei (Urk. 84 Rz 153 f.).

Die  Vorinstanz  verneinte  das  Vorliegen  einer  missbräuchlichen  Änderungskündi-

gung: Gekündigt worden sei dem Kläger am 5. Oktober 2017 als CEO, unabhängig 

- 43 -

von einer allfälligen weiteren Zusammenarbeit. Man habe primär das Arbeitsver-

hältnis mit dem Kläger als CEO beenden wollen, wobei man sich aber ein neues 

Arbeitsverhältnis  mit  ihm  in  einer  anderen  Funktion  und  somit  auch  mit  einem 

neuen Vertrag habe vorstellen können. In Bezug auf diese allfällige weitere Zusam-

menarbeit sei bloss einmal abgeklärt worden, dass man dem Kläger weiterhin sein 

bisheriges  Salär  würde  anbieten  können.  Wenngleich  der  unterbreitete  neue  Ar-

beitsvertrag den Effekt gehabt hätte, dass der bisherige Arbeitsvertrag während der 

ihm  grundsätzlich  zustehenden  Kündigungsfrist  nicht  mehr  einzuhalten  gewesen 

wäre,  mutiere  die  Kündigung  vom  5.  Oktober  2017  deshalb  nicht  zu  einer  miss-

bräuchlichen Änderungskündigung (Urk. 85 E. V/5.1.6 f. S. 49). Auch die weiteren 

vom Kläger vorgebrachten Gründe vermochten die Vorinstanz nicht von einer Miss-

bräuchlichkeit  zu  überzeugen.  Unter  Hinweis  auf  den  im  schweizerischen  Recht 

geltenden  Grundsatz  der  Kündigungsfreiheit  (Art.  335  Abs.  1  OR)  sah  die  Vor-

instanz keinen Missbrauchstatbestand als erfüllt an. Es sei dem Kläger erstellter-

massen aus diversen nicht missbräuchlichen Gründen gekündigt worden, und es 

könne  der  Beklagten  auch  kein  verstecktes  oder  falsches  Spiel  im  Sinne  von 

Art. 336 OR vorgeworfen werden (Urk. 85 E. V/5.2 f. S. 49 ff.).

Die Beklagte macht in ihrer Berufungsantwort geltend, dass der Kläger im Rahmen 

der Berufung nicht mehr in Zweifel ziehe, dass sie eine Vielzahl von sachlich ge-

rechtfertigten  Gründen  für  eine  Kündigung  gehabt  habe.  Somit  sei  dies  erstellt 

(Urk. 91 Rz 174 ff.). Sodann referiert die Beklagte ausführlich die vorinstanzliche 

Argumentation bzw. Beweiswürdigung und schliesst sich dieser an (Urk. 91 Rz. 177 

ff.).

6.2. Die  Ausführungen  der  Vorinstanz  zum  Prinzip  der  Kündigungsfreiheit  von 

Arbeitsverträgen (Art. 335 OR), zu den wesentlichen Begriffsmerkmalen von ver-

pönten missbräuchlichen Kündigungen im Sinne von Art. 336 OR, namentlich hin-

sichtlich Änderungskündigungen, sowie zu den diesbezüglichen prozessualen As-

pekten (Urk. 85 E. V/4 S. 40 ff.) entsprechen den von der einschlägigen Literatur 

und der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen (vgl. BK OR-Rehbinder/Stöck-

li,  Art.  336  N 2  und  10  ff.;  Streiff/von  Kaenel/Rudolph,  a.a.O.,  Art.  335  N 3  und 

Art. 336 N 2 ff. sowie 16; Geiser, Die Änderungskündigung im schweizerischen Ar-

- 44 -

beitsrecht, AJP 1999 S. 60; BGE 150 III 78 E. 3.1, 123 III 246). Der wesentliche 

Sinngehalt der betreffenden Literaturstellen wurde von der Vorinstanz einlässlich 

und korrekt wiedergegeben. Um diesen zu erfassen, waren die vom Kläger (Urk. 

84 Rz 131 f.) vermissten weiteren Sätze aus den zitierten Quellen nicht notwendig. 

An dieser Stelle erneut hervorzuheben ist, dass ein unbefristetes Arbeitsverhältnis 

von jeder Vertragspartei unter Einhaltung der gesetzlichen oder vertraglichen Kün-

digungsfrist gekündigt werden kann (Art. 335 Abs. 1 OR). Es gilt das Prinzip der 

Kündigungsfreiheit. Es bedarf grundsätzlich keiner besonderen Gründe, um kündi-

gen zu können (vgl. BGE 136 III 513 E. 2.3 mit Hinweisen). Die Kündigungsfreiheit 

findet aber ihre Grenzen am Missbrauchsverbot. Grundsätzlich knüpft der sachliche 

Kündigungsschutz am Motiv der Kündigung an. Die Missbräuchlichkeit kann sich 

aber  auch  aus  der  Art  und  Weise  ergeben,  wie  die  kündigende  Partei  ihr  Recht 

ausübt. Auch wenn eine Partei die Kündigung rechtmässig erklärt, muss sie das 

Gebot schonender Rechtsausübung beachten. Sie darf insbesondere kein falsches 

und verdecktes Spiel treiben, das Treu und Glauben krass widerspricht (BGE 131 

III 535 E. 4.2; 125 III 70 E. 2b; BGer 4A_186/2022 vom 22. August 2022 E. 4.1).

6.3. Bei der Prüfung auf Missbräuchlichkeit sind stets sämtliche Umstände des 

Einzelfalls  zu  berücksichtigen  (BGE  132  III  115  E.  2.5;  BSK  OR  I-Portmann/Ru-

dolph, Art. 336 N 23; so bereits die Vorinstanz in Urk. 85 E. V/4.2 S. 41). 

Die Auflösung des bisherigen Arbeitsvertrags stand seit dem 5. Oktober 2017 fest 

(vgl. oben E. 5.8.12 f.). Zwar erklärte die Beklagte die Kündigung formell rechts-

wirksam erst mit ihrem Schreiben vom 30. Oktober 2017 (Urk. 5/9; vgl. E. 5.10). 

Dies bedeutet nun aber nicht, dass die gesamte Ereigniskette einzig an diesen Mo-

ment anzuknüpfen wäre. Der Kläger scheint in eine solche Betrachtungsweise zu 

verfallen, indem er bei seiner Beurteilung bloss auf diese jüngsten Ereignisse, die 

Nichteinigung über einen neuen Arbeitsvertrag kurz vor der schriftlichen und erst 

damit formgültigen Kündigung fokussiert. Angesicht des Beweisergebnisses greift 

dies zu kurz. 

Man muss das Ganze im Blick behalten, also auch die Vorgeschichte und die Dy-

namik der Auseinandersetzung: Es kann als erstellt gelten, dass der Verwaltungs-

rat nach verschiedenen Irritationen und Unstimmigkeiten das Vertrauen in den Klä-

- 45 -

ger als CEO verloren hatte – ob gerechtfertigt oder nicht, kann hier dahingestellt 

bleiben – und in ihm nicht mehr die richtige Person an der operativen Spitze des 

Unternehmens sah. Man enthob ihn deshalb vom CEO-Posten und eröffnete ihm 

mündlich die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. An sich wollte man auf seine 

unbestrittenen Fähigkeiten aber nicht verzichten. Man wollte Unruhe bei den Inves-

toren und weiteren Anspruchsgruppen vermeiden und war wohl auch gewillt, dem 

verdienten Gründungsmitglied einen Gesichtsverlust zu ersparen. Man bot ihm also 

an, weiterhin einen wichtigen Posten im Unternehmen zu bekleiden. Dem zeigte er 

sich anfänglich wohlgesinnt. Man ging damit sofort an die Medien und schnürte in 

groben  Zügen  ein  Vertragsangebot,  welches  jedoch  noch  konkretisiert  werden 

musste, und zwar nicht bloss in Nebenpunkten (vgl. Art. 2 Abs. 1 OR). Der ganze 

Prozessstoff zeigt deutlich, dass um den 5. Oktober 2017 herum die betriebswirt-

schaftliche Optik im Vordergrund stand. Dabei wurde die Formvorschrift in Bezug 

auf eine rechtswirksame Kündigung übersehen. Im Schwebezustand im Nachgang 

zum 5. Oktober 2017 muss sich allmählich gezeigt haben, dass sich die Hoffnung 

darauf, dass sich der Konflikt auf diese Weise lösen liesse, nicht erfüllen würde. 

Der Konflikt spitzte sich vielmehr zu. 

Dass ihr am 5. Oktober 2017 ein Formfehler unterlaufen war, war man sich bei der 

Beklagten offensichtlich lange – und womöglich bis heute – nicht bewusst. Aus ihrer 

damaligen Sicht ist kein Motiv ersichtlich, den Kläger unter Druck zu setzen (zur 

Druckausübung als begriffsnotwendiges Merkmal einer Änderungskündigung vgl. 

Kamber,  Die  Änderungskündigung  im  Arbeitsvertragsrecht,  Diss.  Zürich  2014, 

S. 10  RN 29).  Es  scheint  vielmehr  so,  dass  man  bei  der  Beklagten  einen  neuen 

Vertrag  mit  dem  Kläger  wollte,  doch  nicht  um  jeden  Preis.  Das  Vertrauen  dürfte 

dann noch weiter geschwunden sein. Es könnte sein, dass bei der Beklagten der 

Geduldsfaden riss und man den Bruch in Kauf nahm, als der Kläger ein aus ihrer 

Sicht etwas gar selbstbewusstes Gegenangebot für den neuen Vertrag unterbrei-

tete. Entscheidend ist, dass in jener Situation die Arbeitgeberin schlicht am länge-

ren Hebel war. Es ist weder eine Rachekündigung noch sonst eine Missbräuchlich-

keit zu erkennen, wenn die Beklagte auf das Gegenangebot des Klägers auf ihre 

Vertragsofferte (in Ausübung der Abschlussfreiheit) nicht einging, sondern an der 

- 46 -

bereits am 5. Oktober 2017 unmissverständlich kommunizierten Auflösung des bis-

herigen Vertrags festhielt respektive diese nun konkret umsetzte. 

6.4. Mangels Missbräuchlichkeit der Kündigung besteht kein Anspruch auf eine 

Sanktion im Sinne von Art. 336a OR. Diesbezüglich ist die Berufung damit abzu-

weisen.

7.

Bonusbelange

7.1. Der Kläger hält dafür, dass ihm von der Beklagten im Rahmen von zwei Be-

sprechungen am 5. Oktober 2017 ein Bonus für das Geschäftsjahr 2017 in Aussicht 

gestellt worden sei, welcher sich auf die höchste der für das Jahr 2017 an die Ge-

schäftsleitungsmitglieder der Beklagten ausgerichtete variable Vergütung belaufen 

würde,  abgerechnet  pro  rata  per  5.  Oktober  2017  (dem  faktischen  Ende  in  der 

Funktion als CEO). Abgesehen davon sei ihm – so der Kläger weiter – die geltend 

gemachte variable Vergütung auch dann geschuldet, wenn das soeben erwähnte 

Bonusversprechen nicht gemacht worden wäre (Urk. 84 Rz 155 und 158).

Wie bereits einleitend ausgeführt (E. 1.3), sah die Vorinstanz von einer Verpflich-

tung der Beklagten zur Bonuszahlung an den Kläger für das Geschäftsjahr 2017 

ab. Nach ihr hätte es sich gegebenenfalls um eine freiwillige Vergütung gehandelt 

(Urk. 85 E. VI/4.7 f. S. 67 f.); der Nachweis einer erfolgten Zusicherung sei dem 

Kläger nicht gelungen (Urk. 85 E. VI/6 S. 75).

7.2.

Zu Recht blieb unbestritten, dass es gestützt auf Art. 8 ZGB am Kläger ist, 

den Beweis für seine Behauptung einer klaren mündlichen Bonuszusicherung zu 

erbringen. 

Der Kläger sieht es als erwiesen an, dass ihm der fragliche Bonus 2017 verspro-

chen wurde. Eine Koppelung an seinen Verbleib bei der Beklagten sei nicht erstellt 

bzw. nur insofern, als der Verbleib mit dem am 6. Oktober 2017 kommunizierten 

Verbleib gleichgestellt werde (Urk. 84 Rz 190). 

7.3. Der Kläger kritisiert die Beweiswürdigung der Vorinstanz; er hält sie nament-

lich in Bezug auf die Aussagen der befragten Personen für nicht korrekt (Urk. 84 

Rz 185).

- 47 -

Die Vorinstanz legte ihrer Würdigung, dass dem Kläger der Beweis einer Bonus-

zusicherung nicht gelungen sei, was folgt zugrunde (hier verkürzt wiedergegeben, 

vgl. zum Ganzen Urk. 85 E. VI/5.2 ff. S. 69 ff.): Die Aussagen des Zeugen H._____ 

seien wenig geeignet, den Standpunkt des Klägers zu belegen, da sie zur Frage 

einer  Verknüpfung  des  Bonus  mit  einer  Weiterbeschäftigung  des  Klägers  wider-

sprüchlich seien (Urk. 85 E. VI/5.4 a.E. S. 73). Demgegenüber seien die Aussagen 

der Zeugen D._____ und E._____ klar, in sich schlüssig und widerspruchsfrei und 

würden sodann Bestätigung finden im Protokoll der telefonisch durchgeführten VR-

Sitzung der Beklagten vom 5. Oktober 2017, 19:30 Uhr (Urk. 17/25). Jenes Proto-

koll halte klar fest, dass dem Kläger ein Bonus nur für den Fall versprochen worden 

sei, dass er (in anderer Form) bei der Beklagten verbliebe. Vom Kläger werde die-

ses Protokoll nur unsubstantiiert bestritten (Urk. 85 E. VI/5.5 S. 73 f.). Aus Sicht der 

Beklagten würde es – so die Vorinstanz weiter – sodann wenig Sinn machen, dem 

Kläger auch im Falle seines Ausscheidens, quasi als Belohnung für die Tätigkeit im 

vergangenen Geschäftsjahr, einen – freiwilligen – Bonus auszurichten, zumal dies 

hinsichtlich der Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten 

Aktiengesellschaften (VegüV) problematisch wäre (Urk. 85 E. VI/5.6 S. 74 f.).

In  seiner  Berufungsbegründung  bringt  der  Kläger  (zusammengefasst)  vor,  dass 

seine Aussagen an der Parteibefragung ebenso unmissverständlich wie klar gewe-

sen  seien.  Bezogen  hätten  sich  diese  auf  die  Zusage  E._____s,  wobei  «explizit 

keine anderen Bedingungen» gestellt worden seien, als dass die Geschäftsleitung 

einen Bonus bekomme; sodann auch auf das Kompensationsmodell und die erst-

malige Bonusberechtigung, angesichts deren der Kläger zugestimmt habe (Urk. 84 

Rz 161 f.). Einzig E._____ habe inhaltlich so ausgesagt wie es der Behauptung der 

Beklagten entspreche. Die anderen befragten Personen hätten darüber nichts zu 

berichten gewusst. E._____s Aussagen seien aber vor dem Hintergrund seiner per-

sönlichen  Interessenlage  zu  betrachten  und  würden  sich  als offensichtlich  falsch 

entpuppen (Urk. 84 Rz 163 ff.). D._____s Aussagen würden die Sachdarstellung 

des  Klägers  insofern  bestätigen,  als  am  5.  Oktober  2017  ein  Bonusversprechen 

getätigt worden sei. Die näheren Umstände, wie der Bonus angeblich an eine Wei-

terbeschäftigung (eine solche im Sinne der Kommunikation vom 6. Oktober 2017) 

gekoppelt gewesen sei, habe D._____ nur selektiv zu erklären vermocht. Dabei sei 

- 48 -

er einseitig beeinflusst gewesen durch die Lektüre entsprechender Protokolle. Aus-

serdem bestehe wie bei E._____ eine finanzielle Interessenbindung. Ferner habe 

er mit dem Hinweis auf die anwendbare Kalkulationsmethode die Behauptung wi-

derlegt,  dass  eine  Bonuszahlung  im  freien  Ermessen  der  Beklagten  gestanden 

habe (Urk. 84 Rz 166 ff.). Was die Aussagen von C._____ betreffe, so habe dessen 

gezeigtes  Erinnerungsvermögen  äusserst  selektiv  angemutet.  C._____  habe  zu-

nehmend zurückhaltender ausgesagt. Immerhin aber habe er geäussert, dass man 

«sicher» über den Bonus 2017 geredet habe. Konkret habe er sich plötzlich nicht 

erinnern wollen (namentlich an ein Bonusversprechen unabhängig einer Weiterbe-

schäftigung).  Bemerkenswert  sei,  dass  vor  dem  Hintergrund  der  Interessenlage 

von C._____ (finanzielle Beteiligung an der Beklagten, Verstrickung mit E._____, 

Spesenangelegenheit)  dieser  die  Zusprechung  eines  Bonus  im  Sinn  der  klägeri-

schen Vorbringen nicht verneint habe und eingeräumt habe, dass dies Verhand-

lungssache sei, wobei er (C._____) sich nach eigenen Angaben für eine Zuspre-

chung  eingesetzt  hätte,  offenbar  (und  zwar  entgegen  dem,  was  er  zunächst  be-

hauptet habe) selbst wenn der Kläger die Beklagte verlassen würde. Hinsichtlich 

der möglichen Höhe habe die Vorinstanz ohne Grund eine Frage nicht zugelassen, 

womit  sie  das  rechtliche  Gehör  und  das  Recht  auf  Beweis  des  Klägers  verletzt 

habe. Prompt habe die Vorinstanz dem Zeugen unterstellt, keine klaren Angaben 

zu machen (Urk. 84 Rz 172 ff.). Nicht die Rede sein könne von einer Widersprüch-

lichkeit  im  Aussageverhalten  H._____s.  Er  (dem  mangels  Abhängigkeiten  eine 

hohe Glaubwürdigkeit zu attestieren sei und der an der zweiten Besprechung vom 

5. Oktober  2017  dabei  gewesen  sei)  habe  vielmehr  die  Darstellung  des  Klägers 

bestätigt (Urk. 84 Rz 177 ff.). G._____s Aussagen seien offensichtlich selektiv re-

digiert gewesen; er (dessen Glaubwürdigkeit aufgrund der Nähe zur Beklagten her-

abgesetzt sei) habe nur so viel zugegeben, wie ihm aufgrund seines eigenen Pro-

tokolls habe nachgewiesen werden können. Gleichwohl sei bemerkenswert, dass 

er dem Verwaltungsrat der Beklagten die Kompetenz für ein Bonusversprechen zu-

gebilligt habe. Indem G._____ mit der als Bedingung vorgebrachten Weiterbeschäf-

tigung jene gemäss der Medienmitteilung vom tt.mm.2017 bestätigt habe, habe er 

im Ergebnis den Bonus anerkannt. Denn zu dieser Medienmitteilung hätten beide 

Parteien am späten Abend des 5. Oktober 2017 ihr Einverständnis erklärt (Urk. 84 

- 49 -

Rz  180  ff.).  Insgesamt,  namentlich  unter  Mitberücksichtigung  der  Aussagen 

H._____s, bestehe kein vernünftiger Zweifel, dass dem Kläger im geltend gemach-

ten Umfang ein Bonus versprochen worden sei unter der einzigen (und erfüllten) 

Bedingung, dass alle Geschäftsleitungsmitglieder einen solchen bekämen (Urk. 84 

Rz 187).

Die Beklagte hält der Argumentation des Klägers im Wesentlichen entgegen, dass 

dieser bei seiner Interpretation der Beweislage selektiv Beweismittel und einzelne 

Ausführungen (Fragmente) aufgreife und versuche, Aussagen ins Gegenteil zu ver-

kehren (Urk. 85 Rz 226, 279). Die «Würdigung» des Klägers sei aber unzutreffend. 

Keiner der befragten Zeugen habe die Behauptungen des Klägers bestätigt. Des-

sen Beweis sei gescheitert, selbst wenn die Beklagte nicht den vollen Gegenbeweis 

habe erbringen können (Urk. 85 Rz 251). Der Vollständigkeit halber sei noch darauf 

hinzuweisen, dass ein (von ihr bestrittenes) unbedingtes Versprechen einer Bonus-

zahlung als Schenkungsversprechen (Art. 243 Abs. 1 OR) der Schriftform bedurft 

hätte und ausserdem rechtswidrig und damit nichtig im Sinne von Art. 20 Abs. 1 

OR i.V.m. Art. 20 Ziff. 1 VegüV gewesen wäre (Urk. 85 Rz 253 ff.).

7.4. Dass dem Kläger das rechtliche Gehör nicht gewährt und/oder sein Recht 

auf Beweis verletzt wurde, weil bei der Befragung von C._____ eine Ergänzungs-

frage seines Rechtsvertreters nicht zugelassen wurde (so der Kläger in Urk. 84 Rz 

176, auf Urk. 63 S. 22 Bezug nehmend), ist zu verneinen. 

Effektiv versprach die Frage keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, nachdem un-

mittelbar davor schon eine Erinnerung an das direkt damit verknüpfte Grundthema 

verneint  worden  war.  Aufgrund  der  Einleitung  «Ist  es  möglich,  dass…»  war  die 

Frage  vielmehr  geeignet,  Unklarheiten  hervorzurufen.  Auf  dem  Fundament  einer 

fehlenden Erinnerung über Möglichkeiten zu sprechen, trug nichts zur Wahrheits-

findung bei. Dass die Vorsitzende dies in Ausübung ihrer prozessleitenden Befug-

nisse (Art. 124 Abs. 1 ZPO) unterband, ist nicht zu beanstanden. 

7.5. Eine Würdigung der Aussagen, wie sie der Kläger vornimmt, ist abzulehnen. 

Denn diese erweist sich als sehr einseitig (wie es die Beklagte vorbringt). Die vom 

Kläger im Einzelnen gezogenen Schlüsse aus Fragmenten sind reichlich spekula-

tiv. Es trifft zwar zu, dass die Mehrheit der befragten Personen der Beklagten na-

- 50 -

hesteht und dass daher aufgrund der Motivlage die Gefahr besteht, dass sie be-

wusst oder unbewusst Aussagen machen, welche tendenziell die Beklagte begüns-

tigen. Auch mögen die betreffenden Aussagen auffällig nah bei den internen Pro-

tokollen der Beklagten liegen. Andererseits ist es aber bloss menschlich, dass man 

sich nach der verstrichenen Zeit und nach dem zu erwartenden Austausch unter 

den Beteiligten im Zeitraum bis zur Befragung nicht mehr aus eigener Erinnerung 

zuverlässig an Details dessen erinnert, was damals gesprochen wurde. 

Es trifft sodann nicht zu, dass H._____ die klägerische Darstellung inhaltlich bestä-

tigte in dem Sinne, dass er eine verbindliche Zusicherung wahrgenommen habe. 

Seine  deponierten  Aussagen  blieben  vage  in  Bezug  auf  das  konkrete  Be-

weisthema, wie aus der nachstehend zitierten Passage hervorgeht (Urk. 64 S. 9 f.):

«[…] Es stand die Frage im Raum, ob der Kläger mit der Aufnahme der Tätigkeit des Se-

nior Advisor erworbene Ansprüche auf einen Bonus verliert, durch die Vertragsänderung. 

Dies wurde im Gespräch verneint.

Wurde vereinbart, dass der Kläger für das Jahr 2017 einen Bonus be-

kommt?

Meiner Erinnerung nach wurde dies zumindest in Aussicht gestellt. In meinem Beisein 

wurden keine schriftliche Vereinbarungen getroffen.

Habe ich das richtig verstanden, dass dem Kläger für das Jahr 2017 

ein Bonus in Aussicht gestellt wurde?

Meiner Erinnerung nach in Verbindung mit der Rolle des Senior Advisors, ja.

Wurde der Bonus 2017 davon abhängig gemacht, dass er die Rolle 

des Senior Advisors übernimmt?

Das kann ich nicht klar beantworten. Weil die Diskussion eine andere Richtung hatte. 

Die Diskussion drehte sich um das Gesamtpaket in der neuen Rolle, die der Kläger über-

nehmen sollte. Soweit mir bekannt, bestand eine grundsätzlich[e] Bereitschaft, die Rolle 

des Senior Advisors zu diesem Zeitpunkt anzunehmen.

Wurde die Zahlung eines Bonus für das Jahr 2017 von einer Bedin-

gung abhängig gemacht?

Nicht in meinem Beisein.»

Geschlossen werden könnte daraus wohl, dass der Bonus mit ein Thema war, als 

dem Kläger geschildert wurde, in welcher Rolle man ihn künftig im Unternehmen 

- 51 -

sehe. Das In-Aussicht-Stellen kann im Kontext als Wecken einer dahingehenden 

Erwartung verstanden werden – im Sinne eines Teils des Gesamtpakets, aber nicht 

als direkt verbindliche Zusicherung, aus welcher man unmittelbar einen Anspruch 

ableiten könnte. Dies wird nur schon aus dem vorangestellten Wort «zumindest» 

klar, welches auf noch weitergehende Varianten hindeutet. 

7.6.

Insgesamt muss konstatiert werden, dass die Personalbeweise den Stand-

punkt des Klägers nicht in relevanter Weise stützen, selbst wenn ein Abgleich der 

Aussagen  da  und  dort  kleinere  Holprigkeiten  oder  gar  Widersprüche  offenlegen 

mag.

Die Einwände des Klägers vermögen  am plausibel begründeten Beweisergebnis 

der Vorinstanz nicht zu rütteln. Letztlich ist die Beweislage zu dünn, um den Beweis 

einer mündlichen Bonuszusicherung am 5. Oktober 2017 als erbracht anzusehen. 

Die Frage, ob die Zusicherung an eine Bedingung geknüpft war, stellt sich daher 

nicht. 

7.7. Der Kläger vertritt sodann die Ansicht, er habe (abgesehen von der behaup-

teten mündlichen Zusicherung) einen klagbaren arbeitsvertraglichen Lohnanspruch 

auf einen Bonus für das Jahr 2017. Er kritisiert, die Vorinstanz habe sich zu sehr 

auf das Wort «diskretionär» in seinem Arbeitsvertrag fixiert (Urk. 84 Rz 194). Das 

Festhalten  der  Gesamtentschädigung  der  Geschäftsleitung,  der  Berechnungs-

weise (nach dem «Target Compensation Model» [Urk. 5/3] bzw. dessen Nachfolge-

Regelwerk)  und  der  Aufteilungskompetenzen  des  Verwaltungsrates  im  Vertrag 

würden zeigen, dass die Ausrichtung eines Bonus nicht im Ermessen der Beklagten 

gestanden sei (Urk. 84 Rz 194 ff.). Unbeachtet geblieben sei von der Vorinstanz 

zudem, dass die Geschäftsleitung der Beklagten von sich aus auf einen Bonus für 

das  Jahr  2016  verzichtet  habe,  wie  aus  dem  Jahresbericht  2017  hervorgehe 

(Urk. 84 Rz 194 ff.). Mit Blick auf das Mitarbeiterhandbuch der Beklagten (Employ-

ment Manual) stehe es dieser frei, gesondert anderslautende Vereinbarungen ein-

zugehen (Urk. 84 Rz 203). Zudem sei die von der Beklagten angerufene Bestim-

mung  im  Employment  Manual  auch  gegenüber  anderen  Mitarbeitern  toter  Buch-

stabe geblieben resp. in der Praxis anders gehandhabt worden (Urk. 84 Rz 204 f.).  

- 52 -

Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid namentlich auf den Wortlaut des Arbeitsver-

trags  (Urk.  5/1).  Die  Bonusregelung  stehe  unter  dem  Titel  «Discretionary  annual 

Bonus»,  und  es  gebe  im  Vertrag  weitere  Formulierungen,  die  darauf  schliessen 

liessen, dass kein unbedingter Anspruch auf einen Bonus bestehe (so etwa unter 

den  «General  provisions»:  «If  a  bonus  will  be  paid,  …»  oder  «if  applicable,  …»; 

Urk. 85 E. VI/4.1 f. S. 64 f.). Nach der Vorinstanz lässt sich aus den Regelungen 

zur Bonushöhe nicht schliessen, dass die Ausrichtung als solche nicht im Ermessen 

der Arbeitgeberin verbleibe (Urk. 85 E. VI/4.2 f. S. 65 f.). Es sei auch nicht regel-

mässig zur Ausrichtung eines Bonus gekommen. Vom wem der Verzicht auf den 

Bonus 2016 (zuerst) vorgeschlagen worden sei, sei irrelevant (Urk. 85 E. VI/4.4 S. 

66).  Die  Akzessorietätsrechtsprechung  des  Bundesgerichts  finde  angesichts  des 

vereinbarten Bruttogehalts keine Anwendung (Urk. 85 E. VI/4.5 S. 66). Ergänzend 

diskutierte die Vorinstanz noch das Verhältnis zwischen dem konkreten Einzelar-

beitsvertrag (Urk. 5/1) und dem Employment Manual (Urk. 17/26); die beiden Re-

gelungen würden sich nicht widersprechen (Urk. 85 E. VI/4.6 f. S. 66 f.). Schliesslich 

könne der Kläger auch nichts für sich ableiten, wenn er sich unter Bezugnahme auf 

vereinzelte  andere  ehemaligen  Mitarbeiter  der  Beklagten  auf  den  Gleichbehand-

lungsgrundsatz berufe (Urk. 85 E. VI/4.8 S. 68).

Die Beklagte hält die von der Vorinstanz vorgenommene Auslegung des Arbeits-

vertrags für korrekt (Urk. 91 Rz 281) und auch die weiteren Hinweise und Ausfüh-

rungen der Vorinstanz für zutreffend (Urk. 91 Rz 270 ff.).

7.8. Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer den Lohn zu entrichten, der verab-

redet oder üblich oder durch Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag be-

stimmt ist (Art. 322 Abs. 1 OR). Richtet der Arbeitgeber neben dem Lohn bei be-

stimmten Anlässen, wie Weihnachten  oder Abschluss des Geschäftsjahres, eine 

Sondervergütung, einen Bonus, aus, so hat der Arbeitnehmer einen Anspruch dar-

auf, wenn es verabredet ist (Art. 322d Abs. 1 OR).

Die  Vorinstanz  hat  die  rechtlichen  Grundlagen  im  Zusammenhang  mit  Bonus-

ansprüchen im Arbeitsverhältnis einlässlich und in allen Teilen zutreffend abgehan-

delt  (Urk. 85  E.  VI/3  S.  61  ff.).  Dies  wird  auch  vom  Kläger  anerkannt  (Urk. 84 

- 53 -

Rz 206). Wenn nachstehend diese Grundlagen nochmals kurz rekapituliert werden, 

soll dies nur dem besseren Verständnis dienen:

Es ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob ein vereinbarter Bonus als Gratifikation im 

Sinne von Art. 322d OR oder als Teil des Lohns im Sinne von Art. 322 OR zu qua-

lifizieren ist. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind drei Bonusformen 

zu  unterscheiden:  (1)  variabler  Lohn,  (2)  Gratifikation,  auf  den  der  Arbeitnehmer 

Anspruch hat, und (3) Gratifikation, auf die er keinen Anspruch hat (BGer 4A_169/ 

2021 vom 18. Januar 2022 E. 3.1 [nicht publiziert in BGE 148 III 186], mit zahlrei-

chen Hinweisen). 

Um  variablen  Lohn  –  Situation  (1)  –  handelt  es  sich,  wenn  ein  bestimmter  oder 

aufgrund objektiver Kriterien wie dem Gewinn, dem Umsatz etc. bestimmbarer Bo-

nus vereinbart ist (BGE 129 III 276 E. 2; zit. BGer 4A_169/2021 E. 3.1.1). 

Eine Gratifikation zeichnet sich gegenüber dem Lohn dadurch aus, dass sie zum 

Lohn hinzutritt und immer in einem gewissen Masse vom Willen des Arbeitgebers 

abhängt. Die Gratifikation wird damit ganz oder zumindest teilweise freiwillig aus-

gerichtet (BGE 142 III 381 E. 2.1, 141 III 407 E. 4.1 und 4.2, 139 III 155 E. 3.1, je 

mit Hinweisen). 

Um den Charakter einer Sondervergütung zu wahren, darf eine Gratifikation neben 

dem Lohn nur eine zweitrangige Bedeutung, mithin hinzutretenden Charakter ha-

ben (Akzessorietät; BGer 4C.364/2004 vom 1. Juli 2005 E. 2.3; BGE 139 III 155 

E. 3.2  m.w.H.).  Hinsichtlich  der  Akzessorietät  einer  Gratifikation  erwog  das  Bun-

desgericht,  dass  bei  sehr  hohen  Löhnen,  welche  die  Lebenshaltungskosten  des 

Arbeitnehmers erheblich übersteigen und dessen wirtschaftliche Existenz bei Wei-

tem sichern, die Höhe der Gratifikation im Verhältnis zum Lohn kein tragendes Ab-

grenzungskriterium sei; in solchen Fällen bestehe kein Anlass, mit Mitteln des Ar-

beitsrechts korrigierend zugunsten des Arbeitnehmers in die Privatautonomie der 

Parteien  einzugreifen.  Der  im  Ermessen  des  Arbeitgebers  ausgerichtete  Bonus 

stelle folglich – unabhängig von seiner konkreten Höhe – eine Gratifikation dar, auf 

deren Auszahlung kein Anspruch bestehe. Demnach entfalle auch die Akzessorie-

tätsprüfung (BGE 139 III 155 E. 5.3, 141 III 407 E. 4.3.2, 142 III 381 E. 2.2). 

- 54 -

Es besteht ein Anspruch auf eine Gratifikation – Situation (2) –, wenn zwar grund-

sätzlich ein Bonusanspruch vereinbart wurde, jedoch dem Arbeitgeber bei der Be-

stimmung der Höhe ein gewisses Ermessen verbleibt (sog. unechte Gratifikation). 

Die grundsätzliche Verpflichtung zur Ausrichtung kann im schriftlichen oder münd-

lichen Arbeitsvertrag ausdrücklich vereinbart worden sein. Sie kann aber auch wäh-

rend des laufenden Arbeitsverhältnisses durch konkludentes Verhalten entstehen, 

wie  bspw.  durch  die  regelmässige  und  vorbehaltlose  Ausrichtung  eines  entspre-

chenden Betrags (zit. BGer 4A_169/2021 E. 3.1.2. ff.). Wie bei der echten Gratifi-

kation besteht ein pro rata-Anspruch nur, wenn er vereinbart ist (BSK OR I-Port-

mann/Rudolph, Art. 322d N 15). 

Es  besteht  kein  Anspruch  auf  eine  Gratifikation  –  Situation  (3)  –,  wenn  gemäss 

Vertrag  sowohl  im  Grundsatz  wie  in  der  Höhe  Freiwilligkeit  vorbehalten  wurde 

(sog. echte Gratifikation). Freiwillig bleibt der Bonus auch, wenn er Jahr für Jahr 

ausgeschüttet wird mit dem Hinweis auf seine Freiwilligkeit. Immerhin ist der Vor-

behalt der Freiwilligkeit dann unbehelflich, wenn er als nicht ernst gemeinte, leere 

Floskel  angebracht  wird  und  die  Arbeitgeberin  durch  ihr  ganzes  Verhalten  zeigt, 

dass sie sich zur Auszahlung einer Gratifikation verpflichtet fühlt (zit. BGer 4A_169/ 

2021  E.  3.1.2).  Deshalb  kann  eine  Gratifikation  auch  dann  als  vereinbart  gelten, 

wenn jahrzehntelang eine Zahlung mit dem Vermerk der Freiwilligkeit erfolgte, die-

ser Vorbehalt aber nie in Anspruch genommen wird. Dies ist insbesondere dann 

der Fall, wenn die Arbeitgeberin in dieser Zeit auch Grund dafür gehabt hätte, die 

Gratifikation nicht auszurichten, wie beispielsweise bei schlechtem Geschäftsgang 

(BGE 129 III 276 E. 2.3, BGer 4A_78/2018 E. 4.3.2.2 mit Hinweisen).

7.9. An sich richtig führt der Kläger in der Berufungsbegründung aus, dass Lohn 

vorliegt, «wenn Anspruch und Höhe eines Bonus vertraglich im Voraus festgelegt 

sind und dem Arbeitgeber somit keinerlei Ermessen mehr zusteht» (so in Urk. 84 

Rz 206; vgl. auch Urk. 85 E. VI/3.4 S. 62). Von den zwei genannten Prämissen, die 

gültig auf Lohn schliessen lassen – Anspruch und Höhe –, beleuchtet der Kläger 

dann vornehmlich die zweite (vgl. Urk. 84 Rz 198–202). Fraglich ist vorliegend je-

doch vielmehr die erste, nämlich ob ganz grundsätzlich eine Ausrichtung im Ermes-

sen der Arbeitgeberin lag oder nicht.

- 55 -

Wie es bereits die Vorinstanz richtig ausführte, spricht der Arbeitsvertrag (Urk. 5/1) 

eine klare Sprache: «Discretionary» (a.a.O. S. 2) bedeutet so viel wie «dem Ermes-

sen anheimgestellt». Die Regelungen im Vertrag zur Bemessung des Bonus sind 

dann – und nur dann – anwendbar, wenn überhaupt ein Bonus ausgerichtet wird. 

Dieses zweistufige Prozedere erhellt klar aus den Satzanfängen in Urk. 5/1 S. 2: 

«If a bonus will be paid, …» und auch «If applicable, …». Der Vorbehalt der Frei-

willigkeit ist damit im Vertrag klar stipuliert, im Titel und in den weiteren Bestimmun-

gen. Die weiteren Umstände ändern daran nichts.

Dass der Kläger laut seiner eigenen Darstellung sogleich, nachdem ihm die Abset-

zung als CEO eröffnet wurde, als Erstes gefragt haben will, was sein Bonus für das 

Jahr 2017 sein werde (Urk. 84 Rz 161; Urk. 57 S. 3), zeigt denn auch, dass dessen 

Ausrichtung  keineswegs  eine  blosse  Selbstverständlichkeit  darstellte.  Anhalts-

punkte, dass vorliegend ausnahmsweise doch von einer vereinbarten Gratifikation 

auszugehen wäre, bestehen auch sonst nicht. Namentlich bestand keine langjäh-

rige Praxis, dass unabhängig vom Geschäftsgang ein Bonus ausgerichtet wurde. 

Irrelevant ist, auf wessen Initiative dies im Vorjahr erfolgte. Angesichts des Grund-

gehalts  entfällt  auch  eine  Akzessorietätsprüfung.  Die  Vorinstanz  hat  sich  mit  der 

Argumentation des Klägers einlässlich und zutreffend auseinandergesetzt. Dies gilt 

namentlich auch für das Verhältnis zwischen dem konkreten Einzelarbeitsvertrag 

und dem Employment Manual (Urk. 85 E. VI/4.6 f. S. 66 ff.) und die Berufung auf 

den Gleichbehandlungsgrundsatz (Urk. 85 E. VI/4.6 f. S. 66 ff.). 

Es geht hier darum, ob eine vertragliche Verpflichtung zur Ausrichtung eines Bonus 

besteht. Dem ist klar nicht so. Es liegt die Situation 3 (echte Gratifikation) vor.

7.10. Offen bleiben kann nach dem Gesagten, ob es sich gegebenenfalls – wie 

die Beklagte vorbringt (Urk. 91 Rz 253 ff.) – um eine von der Verordnung gegen 

übermässige  Vergütungen  bei  börsenkotierten  Aktiengesellschaften  (VegüV;  SR 

221.331; inzwischen ausser Kraft) verpönte Abgangsentschädigung gehandelt re-

spektive  ob  ein  der  Schriftform  bedürftiges  Schenkungsversprechen  vorgelegen 

hätte.

7.11. Der Nachweis eines Anspruchs auf einen Bonus für das Jahr 2017 misslingt 

dem Kläger. Diesbezüglich ist die Berufung abzuweisen.

- 56 -

8.

Fazit

In teilweiser Gutheissung der Berufung ist die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger 

CHF 35'000.– (Teilklage betreffend den Lohn Mai 2018) nebst Zins zu 5% seit dem 

29. November 2019 zu bezahlen. Im Übrigen ist die Berufung abzuweisen und der 

vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen.

9.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

9.1.

Trifft  die  Rechtsmittelinstanz  einen  neuen  Entscheid,  so  entscheidet  sie 

auch über die erstinstanzlichen Prozesskosten (Art. 318 Abs. 3 ZPO). 

Die  von  der  Vorinstanz  erhobene  Entscheidgebühr  von  CHF  15'000.–  (Urk.  85 

E. VII/1  S.  75),  gegen  die  keine  Einwendungen  erhoben  wurden  (vgl.  Urk.  89 

Rz 211, Urk. 91 Rz 283), erweist sich nach wie vor als angemessen (§ 4 Abs. 1 und 

2 GebV OG i.V.m. Art. 96 ZPO sowie § 199 Abs. 1 GOG), ebenso das Überwälzen 

des ausgerichteten Zeugengelds (vgl. Prot. I S. 65) von CHF 130.– (Art. 95 Abs. 2 

lit. c ZPO). Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils ist daher zu bestätigen.

Obsiegt keine Partei vollständig, so werden die Prozesskosten nach dem Ausgang 

des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Der Kläger obsiegt im erstinstanzli-

chen  Verfahren hinsichtlich Ziffer 3  seines modifizierten Rechtsbegehrens, somit 

im Umfang eines Drittels, während er zu zwei Dritteln unterliegt bzw. die Beklagte 

in diesem Umfang obsiegt. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten deshalb dem 

Kläger zu 2/3 und der Beklagten zu 1/3 aufzuerlegen. 

Die Kosten des Schlichtungsverfahrens sind zur Hauptsache zu schlagen (Art. 207 

Abs. 2 ZPO). Sie betrugen CHF 600.– (Urk. 3 S. 2) und sind, zumal kein anderer 

Antrag  gestellt  wurde,  ebenfalls  im  Verhältnis  2/3  (Kläger)  zu  1/3  (Beklagte)  von 

den Parteien zu tragen. Die Beklagte ist somit zu verpflichten, dem Kläger davon 

1/3, entsprechend CHF 200.–, zu ersetzen.

Die Höhe der vollen Parteientschädigung von CHF 25'000.–, von der die Vorinstanz 

ausging (Urk. 85 E. VII/2 S. 75 f.), wurde von keiner Partei beanstandet, weshalb 

es dabei bleibt. Ausgangsgemäss ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten eine 

auf 1/3 (2/3 - 1/3) reduzierte Parteientschädigung in Höhe von CHF 8'333.– (exklu-

sive Mehrwertsteuer) zu bezahlen (Art. 106 Abs. 2 und Art. 95 Abs. 3 ZPO).

- 57 -

Die Beklagte machte erstinstanzlich geltend, sie sei mehrwertsteuerpflichtig, könne 

allerdings nicht die gesamten Vorsteuern abziehen, sondern lediglich einen jährlich 

zu  bestimmenden  Anteil  in  der  Grössenordnung  von  20%  (Urk.  15  Rz  225  f.). 

Entgegen ihrer Ankündigung (vgl. Urk. 15 Rz 226) erfolgte indes keine Mitteilung 

über  den  Anteil,  den  sie  definitiv  tragen  muss.  Da  kein  höherer  Betrag  für  die 

Mehrwertsteuer zugesprochen werden kann, als die Beklagte zu entrichten hat, und 

darüber  keine  Klarheit  besteht,  ist  die  reduzierte  Parteientschädigung  der 

Beklagten ohne Mehrwertsteuerzuschlag zuzusprechen.

9.2. Die  zweitinstanzliche  Entscheidgebühr  ist,  basierend  auf  einem  Streitwert 

von CHF 105'000.– und unter Berücksichtigung der umfangreichen Rechtsschriften 

von beiden Parteien (erhöhter Zeitaufwand), auf CHF 12'000.– festzusetzen (§ 12 

Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 4  Abs.  1 und 2 GebV OG, Art. 96 ZPO sowie 

§ 199 Abs. 1 GOG; Art. 91 Abs. 1 ZPO). Ausgangsgemäss sind auch diese Ge-

richtskosten dem Kläger zu 2/3 und der Beklagten zu 1/3 aufzuerlegen.

Da der Kläger mit seiner Berufung mehrheitlich (2/3) unterliegt, ist er in Anwendung 

von § 13 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 4 Abs. 1 und 2 AnwGebV zu verpflichten, der Be-

klagten  für  das  Berufungsverfahren  eine  wiederum  auf  1/3  reduzierte  Parteient-

schädigung in der Höhe von CHF 5'000.– zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 und Art. 95 

Abs. 3 ZPO). Zuschläge sind nicht geschuldet, da die in Ausübung des Replikrechts 

erfolgte Stellungnahme der Beklagten vom 17. Oktober 2023 (Urk. 95) ohne ge-

richtliche Aufforderung erstattet wurde und keinen für das Berufungsverfahren re-

levanten  Inhalt  hatte.  Wiederum  ist  kein  Mehrwertsteuerzuschlag  zuzusprechen 

(vgl. bereits E. 9.1 a.E.).

9.3. Soweit möglich, sind die Gerichtskosten aus den von beiden Parteien ge-

leisteten Kostenvorschüssen zu beziehen (Art. 111 Abs. 1 ZPO), wobei die geleis-

teten Vorschüsse (Kl.: Urk. 6, 8, 44, 46, 88 f.; Bekl.: Urk. 44 und 47) jeweils an den 

Kostenanteil jener Partei anzurechnen sind, die den betreffenden Vorschuss – ganz 

gleich, ob vor erster oder zweiter Instanz – geleistet hat. Die Fehlbeträge sind nach-

zufordern.

- 58 -

Es wird erkannt:

1.

In teilweiser Gutheissung der Berufung wird die Beklagte verpflichtet, dem 

Kläger CHF 35'000.– nebst Zins zu 5% seit dem 29. November 2019 zu be-

zahlen.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

2.

Die Kostenfestsetzung für das erstinstanzliche Verfahren (Entscheidgebühr 

CHF 15'000.– + CHF 130.– Zeugengeld; Dispositivziffer 2) wird bestätigt.

3.

4.

Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 12'000.– festgesetzt.

Die Gerichtskosten für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren werden 

zu 2/3 dem Kläger und zu 1/3 der Beklagten auferlegt. Die geleisteten Kos-

tenvorschüsse werden an die Kostenanteile der bevorschussenden Partei 

angerechnet. Im Mehrbetrag stellt die Obergerichtskasse Rechnung. 

5.

Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten für beide Verfahren eine Partei-

entschädigung von netto CHF 13'133.– (CHF 8'333.– + CHF 5'000.– abzüg-

lich CHF 200.– Beteiligung an Schlichtungskosten) zu bezahlen.

6.

Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen 

Empfangsschein. 

Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen 

Akten an die Vorinstanz zurück.

7.

Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.

- 59 -

Es handelt sich um eine vermögensrechtliche arbeitsrechtliche Angelegenheit. Der 
Streitwert beträgt CHF 105'000.–.

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG.

Zürich, 11. Februar 2025

Obergericht des Kantons Zürich
I. Zivilkammer

Der Vorsitzende:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Huizinga

lic. iur. N. Wolf-Gerber

versandt am:
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