# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 373aea03-54f5-5fd0-ac47-8fac4ab2e904
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-08
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 08.04.2024 SK1 2022 23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2022-23_2024-04-08.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 08. April 2024

Referenz SK1 22 23

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Bernhard, Aktuarin

Parteien Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

gegen

A._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Luzi Bardill
Poststrasse 43, Postfach 46, 7001 Chur 

Gegenstand Widerhandlung gegen die kantonale Jagdgesetzgebung gemäss 
Art. 15 Abs. 2 zweiter Satz KJG und Art. 21 RJV i.V. mit Art. 47 
Abs. 1 KJG

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 15.06.2021, mitgeteilt am 
22.04.2022 (Proz. Nr. 515-2020-77)

Mitteilung 10. April 2024

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Sachverhalt

A. Die Staatsanwaltschaft erhob am 11. Dezember 2020 beim Regionalgericht 
Plessur Anklage gegen A._____ (im Folgenden: Beschuldigter). Anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung beantragte sie, der Beschuldigte sei der Wi-
derhandlung gegen die kantonale Jagdgesetzgebung gemäss Art. 15 Abs. 2 zwei-
ter Satz KJG und Art. 21 RJV in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG schuldig zu 
sprechen und dafür mit einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen.

B. Das Regionalgericht Plessur sprach den Beschuldigten am 15. Juni 2021 
frei. 

C. Gegen dieses Urteil erhob die Staatsanwaltschaft Berufung. In der Beru-
fungserklärung vom 13. Mai 2022 beantragt sie denselben Schuldspruch, wie sie 
bereits im erstinstanzlichen Verfahren beantragt hatte, wofür der Beschuldigte mit 
einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen sei.

D. Nach Anordnung der schriftlichen Durchführung des Berufungsverfahrens 
(Art. 406 Abs. 1 lit. d StPO) mit Verfügung vom 28. Juni 2022 reichte die Staats-
anwaltschaft am 28. Juli 2022 die schriftliche Berufungsbegründung ein.

E. Der Beschuldigte reichte am 10. Oktober 2022 seine schriftliche Stellung-
nahme ein. Er beantragt die Abweisung der Berufung und die Bestätigung des 
Urteils des Regionalgerichts Plessur vom 15. Juni 2022, unter vollumfänglicher 
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.

Erwägungen

1.1. Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf 
die Berufung ist einzutreten.

1.2. Das Berufungsgericht kann ein Urteil grundsätzlich in allen angefochtenen 
Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Bildeten jedoch – wie vor-
liegend – ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Haupt-
verfahrens, so schränkt Art. 398 Abs. 4 StPO die Kognition der Berufungsinstanz 
ein. In diesen Fällen wird das angefochtene Urteil lediglich dahingehend überprüft, 
ob es rechtsfehlerhaft ist oder ob eine offensichtlich unrichtige Feststellung des 
Sachverhalts durch die Vorinstanz gegeben ist. Neue Behauptungen und Beweise 
dürfen nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO; BGer 6B_32/2016 v. 
20.4.2016 E. 1.2.2 m.w.H.).

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1.3. Vorliegend sind ausschliesslich Übertretungen zu beurteilen, weshalb das 
Verfahren gestützt auf Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO auf dem schriftlichen Weg durch-
geführt werden kann. Eine mündliche Verhandlung wurde nicht beantragt und ist 
auch nicht erforderlich.

1.4. Unter Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO erwachsen die mit Berufungser-
klärung nicht angefochtenen Punkte in Rechtskraft. Die Dispositivziffer 2 (Aushän-
digung der Jagdtrophäe) des vorinstanzlichen Urteils ist nicht angefochten und 
somit in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 i.V.m. Art. 402 StPO), was im Dispositiv 
festzuhalten ist.

2. Der Anklage vom 11. Dezember 2020 liegt folgender Sachverhalt zu Grun-
de: Am 4. September 2019 hat der Beschuldigte eine Gämsgeiss beschossen. Bei 
der Schussabgabe war sich der Beschuldigte sicher, das Tier getroffen zu haben. 
Nach der Schussabgabe hatte er keine Reaktion (Schusszeichen) feststellen kön-
nen. Das Tier lag nicht im Feuer. Es flüchtete zusammen mit drei anderen Tieren 
und verschwand im Wald aus dem Blickfeld des Beschuldigten. Nach einer Warte-
zeit von etwa 30 Minuten begab sich der Beschuldigte zum Anschussort. Dort 
stellte er einen ca. 0.5 bis 1 Meter langen Kugelriss fest. Pirschzeichen fand er am 
Anschussort keine. Der Beschuldigte suchte die Umgebung in Fluchtrichtung des 
beschossenen Tiers bis zum Wald ab, fand aber weder Pirschzeichen noch das 
Tier. Anschliessend ging er zur nahegelegenen Jagdhütte, behändigte weisses 
Haushaltspapier und suchte den Anschussort erneut ab, indem er die Umgebung 
des Kugelrisses während rund 10 Minuten mit dem weissen Haushaltspapier ab-
tupfte. Der Beschuldigte fand auch hier keine Pirschzeichen, weshalb er davon 
ausging, das Tier gefehlt zu haben. Tags darauf wurde ca. 250 Meter vom An-
schussort entfernt eine verendete Gämsgeiss aufgefunden, die einen Blattschuss 
aufwies. Es handelte sich um das vom Beschuldigten beschossene Tier (StA 
act. 29).

Dieser Sachverhalt ist unbestritten und kann als erstellt gelten (vgl. Urteil Vor-
instanz, act. E.1 E. 2).

3.1. Das Jagdgesetz des Kantons Graubünden sieht vor, dass sich der Jäger 
bei der Ausübung der Jagd weidgerecht zu verhalten hat (Art. 15 Abs. 1 KJG; 
BR 740.000). Art. 15 Abs. 2 KJG listet exemplarisch auf, was weidgerecht im Sin-
ne der bündnerischen Jagdgesetzgebung heisst. Demnach beinhaltet die Weidge-
rechtigkeit die Einhaltung jagdrechtlicher Bestimmungen (Abschuss jagdbarer Tie-
re), den Schutz fremder Güter (Personen oder Eigentum), aber auch das Vermei-
den von Tierleid. So muss der Jäger oder die Jägerin eine gründliche Nachsuche 

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durchführen, wenn das Wild nicht im Feuer liegt (Art. 15 Abs. 2 KJG). Im Feuer 
liegen bedeutet, dass das Wild nach erfolgtem Treffer zusammensackt bzw. zu-
sammenbricht (act. E.1 E. 5.2.1).

3.2. Die Regierungsrätliche Jagdverordnung (RJV; BR 740.020) dient dem Voll-
zug des Jagdgesetzes. Darin enthalten sind u.a. Regeln, die die Pflichten der Jä-
gerinnen und Jäger umschreiben. Zu beachten ist vorliegend Art. 21 Abs. 1 RJV. 
Diese Bestimmung gibt das Verhalten nach dem Schuss vor. Demnach sind Ver-
halten und Fluchtweg des Tieres genau zu beobachten (Satz 1). Liegt das Wild 
nicht im Feuer, ist der eigene Standort und der Anschussort des Wildes zu kenn-
zeichnen (Satz 2). Am Schussort ist vorsichtig nach Schusszeichen zu suchen 
(Satz 3). Sind die Schusszeichen ungünstig für das Auffinden des Tieres, ist ein 
Schweisshund anzufordern (Satz 4).

3.3. Gemäss Art. 47 KJG werden vorsätzliche oder fahrlässige Verstösse gegen 
das KJG oder darauf beruhende Erlasse mit Busse bestraft. Es handelt sich also 
um Übertretungen. Strafbar ist sowohl vorsätzliches als auch fahrlässiges Verhal-
ten. Fahrlässig handelt ein Täter, wenn er die Folgen seines Verhaltens aus 
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. 
Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das 
Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften (Art. 12 
Abs. 3 StGB; BGE 135 IV 56 E. 2.1; KGer GR SK1 19 56 v. 16.12.2021 E. 8.3.2 
m.w.H.).

4.1. Zunächst ist zu klären, was unter Schusszeichen im Sinne von Art. 21 
Abs. 1 Satz 3 RJV zu verstehen ist.

4.2. Die Staatsanwaltschaft hält dafür, dass mit Schusszeichen im Sinne von 
Art. 21 Abs. 1 RJV in erster Linie Pirschzeichen (namentlich Schweiss, Schnitt-
haar, Blut, Fleisch- und Knochenstücke) gemeint seien (act. A.3 Ziff. I.2; überein-
stimmend damit die Vorinstanz, wonach Pirschzeichen "physische Merkmale" des 
Wildtieres, wie Haare, Blut oder Fleischstücke sind, die infolge eines Treffers 
zurückbleiben [act. E.1 E. 6.2.1]). Nach einer weitergehenden Definition sind 
Pirschzeichen nicht nur die tierischen Spuren wie Blut, Blutart, Haare, Fleisch- und 
Knochenstücke, sondern auch der Kugelriss, Beschädigungen von Bäumen etc. 
(Arbeitsgemeinschaft für das Jagdhundewesen, Technische Kommission, Der Be-
griff der fach- und zeitgerechten Nachsuche, abrufbar unter: https://www.ag-
jagdhunde.ch/de/checklisten [zuletzt abgerufen am 13.3.2024]).

https://www.ag-jagdhunde.ch/de/checklisten
https://www.ag-jagdhunde.ch/de/checklisten

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4.3. Die Vorinstanz ging – unter Hinweis auf eine Broschüre des Bündner 
Schweisshundeclubs – davon aus, dass mit Schusszeichen nur das Verhalten des 
Tieres unmittelbar nach erfolgtem Treffer (bspw. in Form eines schlag- oder blitz-
artigen Zusammenbrechens, Ausschlagens der Läufe oder kurzen Einbrechens) 
beschrieben werde (act. E.1 E. 6.2.1). 

4.4. Gemäss Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz der Schweiz sind Schuss-
zeichen hingegen sämtliche Zeichen, die im Zusammenhang mit einem Schuss 
auf Wild wahrzunehmen sind: Geräusch der Kugel beim Auftreffen auf den Wild-
körper (sog. Kugelschlag), Reaktion des Wildes auf den Schuss (sog. Zeichnen) 
sowie sämtliche Zeichen, die am Anschuss zu finden sind, z.B. der Einschlag des 
Geschosses im Boden (sog. Kugelriss), abgeschossene Äste oder Zweige oder 
Einschläge in Baumstämmen und vor allem auch die Pirschzeichen. Pirschzeichen 
sind all jene Zeichen, die das getroffene Wild hinterlässt (Schnitthaare, Schweiss, 
Knochensplitter, Organteile, Fettpartikel, Darminhalt usw. sowie die Schalenein-
griffe des geflüchteten Tiers; vgl. Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz der 
Schweiz [Hrsg.], Jagen in der Schweiz, 3. Aufl., Bern 2019, S. 237).

4.5. Das enge Verständnis des Begriffs Schusszeichen der Vorinstanz wider-
spricht der Logik des dritten Satzes der Verordnungsbestimmung. Dieser besagt, 
dass am Schussort nach Schusszeichen zu suchen ist. Die Reaktion eines Tieres 
auf einen Schuss kann man nicht suchen (wie auch die Vorinstanz feststellt, vgl. 
act. E.1 E. 6.2.2), man kann sie nur beobachten. Suchen kann man (objektivierba-
re) Spuren, also die Einschlagszeichen des Kugelgeschosses im Boden (Kugel-
riss), abgeschossene Äste, Zweige, Einschläge in Baumstämmen, Blut, Knochen-
splitter, Fell, etc. (also Pirschzeichen nach der Definition der Arbeitsgemeinschaft 
für das Jagdhundewesen, a.a.O.). Nur solche Spuren können demnach als 
"Schusszeichen" im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 3 RJV qualifiziert werden.

5.1. Der Beschuldigte stellte am Anschussort einen ca. 0.5 bis 1 Meter langen 
Kugelriss fest. Weitere Spuren fand er am Anschussort nicht. Der Beschuldigte 
suchte die Umgebung in Fluchtrichtung des beschossenen Tiers bis zum Wald ab, 
fand aber weder Pirschzeichen noch das Tier. Anschliessend ging der Beschuldig-
te zur nahegelegenen Jagdhütte, behändigte weisses Haushaltspapier und suchte 
den Anschussort erneut ab, indem er die Umgebung des Kugelrisses während 
rund 10 Minuten mit dem weissen Haushaltspapier abtupfte.

5.2. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet es als unerklärlich, dass der Beschuldig-
te keine Pirschzeichen gefunden habe. Gleichzeitig verweist sie aber auf die Zeu-
geneinvernahme des Schweisshundeführers, der ausgesagt hatte, man habe (am 

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Tag nach der Schussabgabe) am Anschussort keine Pirschzeichen gefunden 
(act. A.3 Ziff. II.1; StA act. 26, Antworten auf Fragen 1 und 2). Die Staatsanwalt-
schaft hält in ihrer Berufungsbegründung dafür, der Beschuldigte wäre verpflichtet 
gewesen, seine Suche auch weiter in den Wald (an dessen Beginn im Übrigen die 
einen Tag später eingesetzte Schweisshündin Schweiss festgestellt habe) fortzu-
setzen (act. A.3 Ziff. II.3). Eine solche Pflicht ergibt sich indes aus dem Wortlaut 
von Art. 21 Abs. 3 RJV nicht, wonach der Jäger am Schussort nach Schusszei-
chen zu suchen hat.

5.3. Damit kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte sich den Vorgaben 
von Art. 21 Abs. 1 Satz 3 RJV entsprechend verhalten hat.

6.1. Fraglich und umstritten ist, ob der Beschuldigte eine Nachsuche mittels 
Schweisshund hätte durchführen (lassen) müssen, bzw. ob er seine aus Art. 21 
Abs. 1 Satz 4 RJV abgeleitete Sorgfaltspflicht verletzte, indem er dies unterliess. 
Art. 21 Abs. 1 Satz 4 RJV besagt, dass ein Schweisshund anzufordern ist, wenn 
die Schusszeichen ungünstig sind für das Auffinden des Tieres.

6.2. Die Vorinstanz hat die in Art. 21 RJV enthaltenen Verhaltenspflichten aus-
gelegt und mit Regelungen anderer Kantone verglichen (act. E.1 E. 5.2). Darauf 
kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Sie kommt zum Schluss, dass die 
bündnerische Regelung – anders als diejenige verschiedener anderer Kantone – 
grundsätzlich nur zur Nachsuche verpflichtet, wenn von einem Treffer auszugehen 
ist (act. E.1 E. 5.2.5).

6.3. Die Staatsanwaltschaft verweist auf das Urteil des Bundesgerichts 
6B_411/2016 vom 7. Juni 2016. Die Ausführungen des Bundesgerichts in diesem 
den Kanton Bern betreffenden Urteil hätten allgemeinen und grundsätzlichen Cha-
rakter und seien deshalb auch bei der Auslegung der Bestimmungen anderer Kan-
tone zu beachten. Dies gelte umso mehr, als das Bundesgericht auf einen Aufsatz 
der Jagd- und Fischereikonferenz der Schweiz und nicht einer einzelnen kantona-
len Behörde verweise (act. A.3 Ziff. I.4).

6.4. In dem von der Staatsanwaltschaft erwähnten Urteil hatte das Bundesge-
richt die Frage zu beurteilen, ob bei Unterlassen der Nachsuche im Rahmen der 
Jagd neben den Bestimmungen der kantonalen Jagdgesetzgebung auch die Vor-
schriften des eidgenössischen Tierschutzgesetzes zur Anwendung gelangen kön-
nen (E. 1). Das Bundesgericht bejahte dies. Es hielt im Ergebnis fest, dass dies 
der Fall sei, wenn einem zuvor beschossenen Wildtier durch Unterlassen einer 
zeit- und fachgerechten Nachsuche ungerechtfertigt Leiden zugefügt wurde. Da-

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durch werde gegen den in Art. 4 Abs. 2 TSchG festgelegten Grundsatz verstos-
sen, was nach Art. 26 TSchG strafbar sei (E. 3.1). Zwischen dem Unterlassen der 
Nachsuche nach kantonalem Recht und dem bundesrechtlichen Tatbestand der 
Tierquälerei, begangen durch Unterlassen der Nachsuche, bestehe unechte Kon-
kurrenz (E. 2.3). Die von der Staatsanwaltschaft angeführte Erwägung 1.1.2 er-
ging im Kontext dieser Erörterung. Entgegen der Auffassung der Staatsanwalt-
schaft kann daraus nicht abgeleitet werden, dass unterschiedliche kantonale Re-
gelungen schweizweit einheitlich auszulegen sind. Ob dies bei einer Verletzung 
des bundesrechtlichen Tatbestandes der Tierquälerei zutrifft, braucht vorliegend 
nicht beurteilt zu werden, zumal dies dem Beschuldigten aufgrund eines "perfek-
ten" (Blatt-)Schusses zu Recht nicht vorgeworfen wird (Plädoyer Staatsanwalt-
schaft, RG act. 10 Ziff. I.5).

6.5. Ebenso wenig kann der Staatsanwaltschaft gefolgt werden, wenn sie aus-
führt, Art. 21 Abs. 1 RJV in fine sei im Lichte des übergeordneten Art. 15 Abs. 2 
KJG zu interpretieren. Art. 21 Abs. 1 RJV dient gerade dazu, den unbestimmten 
Begriff der "gründlichen Nachsuche" gemäss Art. 15 Abs. 2 KJG zu konkretisieren, 
und widerspricht diesem nicht.

6.6. Im Ergebnis findet die Auffassung, wonach jedes beschossene und geflüch-
tete Wild nachzusuchen sei und die Unterlassung der Nachsuche in jedem Fall 
strafbar sei, in der bündnerischen Regierungsrätlichen Jagdverordnung keine 
Stütze (act. A.3 Ziff. I.4). Vielmehr verpflichtet die hiesige Regelung den Jäger da-
zu, das Verhalten des Tiers und die Schusszeichen am Schussort zu begutachten. 
Kommt er dabei berechtigterweise zum Schluss, das beschossene Wild nicht ge-
troffen zu haben, ist er nicht verpflichtet, einen Schweisshund beizuziehen.

6.7. Der Beschuldigte ging bei Abgabe des Schusses von einem Treffer aus (er 
habe ein gutes Gefühl gehabt; StA act. 3, Antworten auf Fragen 4 und 5). Er stellte 
aber keine Reaktion des Tieres fest, die auf einen Treffer hingewiesen hätten (StA 
act. 3, Antwort auf Frage 2). Trotzdem suchte er den Anschussort ab. Er stellte 
einen Kugelriss fest, fand aber trotz gründlicher Suche keine Pirschzeichen. Der 
Beschuldigte kam zum Schluss, nicht getroffen zu haben, und verzichtete deshalb 
auf eine Nachsuche. Nur das Gefühl des Beschuldigten bei Abgabe des Schusses 
deutete auf einen Treffer hin. Die Schusszeichen (fehlendes Zeichnen, Kugelriss, 
fehlende Pirschzeichen) liessen hingegen einen Fehlschuss vermuten. Der Be-
schuldigte durfte unter diesen Umständen darauf schliessen, das Tier nicht getrof-
fen zu haben. Als Folge dessen war er nicht verpflichtet, eine weitergehende 
Nachsuche einzuleiten, also einen Schweisshund anzufordern.

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7.1. Aus dem Ausgeführten folgt, dass der Beschuldigte seinen in Art. 21 Abs. 1 
RJV umschriebenen Pflichten nachgekommen ist. 

7.2. Das Urteil des Regionalgerichts Plessur vom 15. Juni 2021 ist zu bestätigen 
und der Beschuldigte ist vom Vorwurf der Widerhandlung gegen die kantonale 
Jagdgesetzgebung gemäss Art. 15 Abs. 2 zweiter Satz KJG und Art. 21 RJV in 
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG freizusprechen.

8.1.1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv zu bestätigen.

8.1.2. Ausgehend von der Honorarnote vom 15. Juni 2021 des Verteidigers des 
Beschuldigten, Rechtsanwalt Luzi Bardill, hat das Regionalgericht einen Aufwand 
von 12 Stunden als angemessen erachtet (RG act. 12; act. E.1 E. 9.5). Gestützt 
darauf hat das Regionalgericht dem Beschuldigten eine Entschädigung in der 
Höhe von CHF 3'509.95 (12 Stunden à CHF 270.00, zzgl. Barauslagen und 
MwSt.) zugesprochen. Der Beschuldigte zeigt sich zwar mit der Kürzung um 10.10 
Stunden nicht einverstanden, opponiert aber auch nicht ausdrücklich dagegen 
(act. A.4 Ziff. II.B.d). Die Festlegung der Entschädigung durch die Vorinstanz ist 
nicht zu beanstanden. Der Beschuldigte ist für das erstinstanzliche Verfahren mit 
CHF 3'509.95 zu entschädigen.

8.2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf CHF 3'000.00 fest-
zusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 7 VGS [BR 250.210]). Die Staatsan-
waltschaft unterliegt im Berufungsverfahren vollständig, weshalb die Kosten dem 
Kanton Graubünden aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO).

8.2.2. Der Verteidiger reichte für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren eine 
Honorarnote ein (act. G.1.1). Die Position vom 23. September 2022 ("Telefon 
mit/von Gericht wegen ausbleibender Bewilligung der Fristerstreckung") stellt kei-
nen notwendigen Aufwand dar, zumal das zur Diskussion stehende Fristerstre-
ckungsgesuch zwar das Datum vom 14. September 2022 trägt, allerdings erst am 
19. September 2022 aufgegeben wurde und am 20. September 2022 beim Kan-
tonsgericht einging (act. D.10), welches dieses noch am selben Tag bewilligte 
(act. D.11). Die Entschädigung ist demnach für das Berufungsverfahren auf 
CHF 4'462.75 zu beziffern (14.9 Stunden à CHF 270.00 zzgl. Spesen 3% und 
MwSt.).

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Demnach wird erkannt:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Plessur vom 
15. Juni 2021 (Proz. Nr. 515-2020-77) wie folgt in Rechtskraft erwachsen 
ist:

[…]
2. Das Amt für Jagd und Fischer Graubünden wird angewiesen, die bei 

der Wildhut sichergestellte Jagdtrophäe A._____ auszuhändigen.
[…]

2. A._____ wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen die kantonale Jagd-
gesetzgebung gemäss Art. 15 Abs. 2 zweiter Satz KJG und Art. 21 RJV in 
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG freigesprochen.

3. Die Untersuchungskosten in Höhe von CHF 1'555.00 gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden (Staatsanwaltschaft).

4.1. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 2'400.00 gehen zu 
Lasten des Kantons Graubünden (Regionalgericht Plessur).

4.2. Rechtsanwalt Luzi Bardill wird für das erstinstanzliche Verfahren mit 
CHF 3'509.95 (inkl. Spesen und MwSt.) zu Lasten des Kantons Graubün-
den (Regionalgericht Plessur) entschädigt.

5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 3'000.00 gehen zu Lasten 
des Kantons Graubünden (Kantonsgericht).

5.2. Rechtsanwalt Luzi Bardill wird für das Berufungsverfahren mit 
CHF 4'462.75 (inkl. Spesen und MwSt.) zu Lasten des Kantons Graubün-
den (Kantonsgericht) entschädigt.

6. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

7. Mitteilung an: