# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7ee2a7d-152f-5475-9ea6-9039b69f2c85
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-10
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 10.05.2017 SB160446
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB160446_2017-05-10.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB160446-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. Ch. Prinz und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. M. Knüsel sowie Gerichtsschreiberin 

lic. iur. A. Boller 

Urteil vom 10. Mai 2017 

 

in Sachen 

A._____,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

gegen 
 

Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich, 

vertreten durch Jugendanwalt lic. iur. B. Harb, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

betreffend  
Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Jugendgericht, vom  
29. Juni 2016 (DJ160001) 

 

 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft See / Oberland vom 2. März 2016 

(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

(Urk. 55 S. 79 ff.) 

Es wird erkannt: 

1. Der beschuldigte Jugendliche A._____ ist schuldig 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB; 

− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB. 

2. Der beschuldigte Jugendliche A._____ wird bestraft mit 5 ½ Monaten Freiheitsent-

zug, wovon neun Tage durch Haft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf ein Jahr 

festgesetzt.  

4. Es wird festgestellt, dass der beschuldigte Jugendliche gegenüber der 

Privatklägerin B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach scha-

denersatzpflichtig ist.  

5. Der beschuldigte Jugendliche wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ 

CHF  4'000.00 zuzüglich 5 % Zins ab 21. August 2015 als Genugtuung zu bezah-

len. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

CHF  4'500.00 die weiteren Auslagen betragen: 

CHF  14'215.60 Kosten für die amtliche Verteidigung (Vorverfahren, nach 
Aufwand, inkl. MwSt) 

CHF  15'000.00 Kosten für die amtliche Verteidigung (Hauptverfahren, pau-
schal, inkl. MwSt) 

CHF  2'768.70 Auslagen Vorverfahren 

CHF  200.00 Gebühr Strafuntersuchung 

CHF  1'006.50 Kosten der Polizei 

CHF   37'690.80 Kosten total 

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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inkl. diejenigen der 

amtlichen Verteidigung, werden dem beschuldigten Jugendlichen auferlegt.  

Die Eltern haften solidarisch für diese Kosten (Art. 44 Abs. 3 JStPO).  

8. Rechtsanwältin lic. iur. X._____ wird für ihre Bemühungen als amtliche Verteidige-

rin des beschuldigten Jugendlichen in der Zeit vom 21. Dezember 2015 bis 29. Juni 

2016 mit total CHF  29'215.60 (inkl. 8 % MwSt.) entschädigt. Die Kasse des Be-

zirksgericht Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an Rechtsanwältin lic. iur. 

X._____ auszubezahlen.  

9. Der beschuldigte Jugendliche wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ für das 

gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF  25'700.00 (inkl. MwSt) zu 

bezahlen. 

10. (Mitteilungen.) 

11. (Rechtsmittel.) 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 5 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 77 S. 1) 

1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil des Jugendgerichts Meilen vom 

29.06.2016 mit Ausnahme der Dispositiv-Ziffern 6 und 8 aufzuheben. 

2. A._____ sei vollumfänglich freizusprechen. 

3. Die zivilrechtlichen Begehren der Privatklägerin (Schadenersatzpflicht dem 

Grundsatze nach, Genugtuungsforderung und Prozessentschädigungs-

forderung) seien abzuweisen. 

4. Die Kosten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Strafver-

fahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die 

Staatskasse zu nehmen.  

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5. Es sei vorzumerken, dass Dispositiv-Ziffer 8 in Rechtskraft erwachsen ist. 

6. A._____ sei für den im Zusammenhang mit der erbetenen Verteidigung 

durch Rechtsanwalt X1._____ entstandenen Aufwand eine Prozessentschä-

digung von CHF 12'109.50 (zuzüglich 8% MWST) und für die erbetene Ver-

teidigung durch Rechtsanwältin X._____ eine solche von CHF 18'163.25 

(zuzüglich 8% MWST) aus der Staatskasse zuzusprechen. 

7. A._____ sei für die ihm aufgrund des Schulverbots entstandenen Kosten für 

die die Privatschulung eine Entschädigung von CHF 2'700.00 aus der 

Staatskasse auszurichten. 

8. A._____ sei für die erlittene Haft und die weiteren Zwangsmassnahmen eine 

Genugtuung von CHF 5'400.00 aus der Staatskasse auszurichten.  

9. Der amtlichen Verteidigung sei für den Verteidigungsaufwand im Berufungs-

verfahren eine Entschädigung gemäss eingereichter Honorarnote aus der 

Staatskasse zu entrichten.  

10. Die Kosten der Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Ver-

teidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) Der Oberjugendanwaltschaft: 

 (Urk. 78 S. 1) 

1. Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen und das vorinstanzliche Ur-

teil sei, mit Ausnahme von Dispositiv Ziff. 2 (Strafzumessung), zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte sei mit einem Freiheitsentzug von 8 Monaten zu bestrafen, 

unter Anrechnung der erstandenen Haft von 9 Tagen. 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang    

 1. Zum Verfahrensgang vor erster Instanz kann auf das angefochtene Urteil 

verwiesen werden (Urk. 53 S. 5 f. = Urk. 55 S. 5 f. [nachfolgend Urk. 55]). 

 2. Der jugendliche A._____ (Beschuldigter und Berufungskläger; nachfol-

gend "Beschuldigter") wurde mit Urteil des Jugendgerichts des Bezirks Meilen 

vom 29. Juni 2016 schuldig gesprochen der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB sowie der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

und - unter Anrechnung von 9 Tagen Haft - mit einem Freiheitsentzug von 5 1/2 

Monaten bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben und die 

Probezeit auf 1 Jahr festgesetzt. Weiter stellte die Vorinstanz fest, dass der Be-

schuldigte gegenüber der Privatklägerin B._____ (nachfolgend: Privatklägerin) 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei. 

Sie verpflichtete ihn, der Privatklägerin CHF 4'000.00 zuzüglich 5 % Zins ab 

21. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. Schliesslich setzte die Vorinstanz die Verfah-

renskosten fest und regelte die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 55 S. 79 

ff.). 

 3. Gegen das schriftlich eröffnete Urteil (Urk. 45) meldete die amtliche Ver-

teidigerin am 4. Juli 2016 innert Frist (Urk. 45 und Urk. 46/2) Berufung an 

(Urk. 47).  

 4. Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde von der Verteidigerin am 

18. Oktober 2016 in Empfang genommen (Urk. 54/2). Mit Eingabe vom 

1. November 2016 reichte sie fristgerecht ihre Berufungserklärung ein (Urk. 58). 

 5. Mit Präsidialverfügung vom 14. November 2016 wurde der Privatklägerin 

sowie der Oberjugendanwaltschaft Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung 

bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Gleichzeitig wur-

de der Privatklägerin Frist für Erklärungen im Sinne von Art. 335 Abs. 24 StPO, 

Art. 153 Abs. 1 StPO und Art. 68 Abs. 4 StPO betr. Besetzung des urteilenden 

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Gerichts mit einer Person gleichen Geschlechts etc. angesetzt (Urk. 60). Die 

Oberjugendanwaltschaft erklärte mit Schreiben vom 29. November 2016 An-

schlussberufung (Urk. 62 S. 1). Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen. Die 

Oberjugendanwaltschaft gab am 29. November 2016 ihren Vertreter für die Beru-

fungsverhandlung bekannt (Urk. 64).  

 6. Am 22. Februar 2017 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 8. Mai 

2017 vorgeladen (Urk. 68). Die Verhandlung konnte ordnungsgemäss und unter 

Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Zu dieser erschienen der Be-

schuldigte persönlich in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin 

lic. iur. X._____, Jugendanwalt lic. iur. Beda Harb für die Oberjugendanwaltschaft, 

begleitet von Oberjugendanwalt Dr. iur. Sven Zimmerlin, sowie Rechtsanwalt lic. 

iur. Y._____ namens der Privatklägerin (Prot. II S. 5). 

 7. Zu Beginn der Verhandlung waren gerichtsseitig keine Vorfragen zu klä-

ren. Die amtliche Verteidigerin wies darauf hin, dass sie an den bereits vorsorglich 

- für den Eventualfall eines vom Gericht ins Auge gefassten Schuldspruchs - vor 

Vorinstanz gestellten Beweisanträgen festhalte und sie mit dem Einverständnis 

des Gerichts erst im Rahmen des Plädoyers auf diese zurückkommen werde, 

welchem Vorgehen der Vorsitzende zustimmte (Prot. II S. 7 f.). Die Oberjugend-

anwaltschaft stellte keine Beweisanträge (Prot. II S.7 f., Urk. 78 S. 1 und Prot. II 

S. 12). Der Vertreter der Privatklägerin erklärte sodann seinen Verzicht auf das 

Stellen von Anträgen und Ausführungen zur Sache (Prot. II S. 7).  

 8. Nach den Parteivorträgen erklärten die Parteien ihren Verzicht auf eine 

mündliche Urteilseröffnung (Prot. II S. 14). Die Urteilsberatung fand unter heuti-

gem Datum statt (Prot. II S. 15). 

II.  Prozessuales 

 1. Anwendbares Recht  

 1.1. Der am tt.mm.1998 geborene und somit heute mündige Beschuldigte 

soll die zur Anklage gebrachten Taten gemäss Anklageschrift vom 2. März 2016 

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in der Nacht vom 22. auf den 23. August 2015 begangen haben (Urk. 17; später 

datumsmässig korrigiert auf: vom 21. auf den 22. August 2015 [Urk. 39 S. 1]), 

mithin im Alter von knapp 17 Jahren.  

 1.2. Gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes über das Jugendstrafrecht vom 

20. Juni 2003 (JStG) regelt dieses Gesetz die Sanktionen, welche gegenüber 

Personen zur Anwendung kommen, die vor Vollendung des 18. Altersjahres eine 

nach dem Strafgesetzbuch (StGB) oder einem anderen Bundesgesetz mit Strafe 

bedrohte Tat begangen haben. Anwendbar sind somit das Jugendstrafgesetz 

(JStG) sowie die Jugendstrafprozessordnung (Art. 1 JStPO).  

 2. Sachliche Zuständigkeit 

 2.1. Gemäss Art. 40 JStPO entscheidet die Berufungsinstanz über Beruf-

ungen gegen erstinstanzliche Urteile des Jugendgerichts. Da keine weiteren  

Regelungen zur Berufung vorgesehen sind, gelten gemäss Art. 3 JStPO überdies 

die Bestimmungen der StPO sinngemäss für das Jugendstrafverfahren.  

 2.2. Das Strafverfahren findet auch vor der Berufungsinstanz unter Aus-

schluss der Öffentlichkeit statt (Art. 14 JStPO).  

 3. Umfang der Berufung 

 3.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. Basler Kommentar StPO, 2. A., 

N 1 f. zu Art. 402). 

 3.2. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil mit Ausnahme der  

Dispositiv-Ziffer 6 (Festsetzung der Verfahrenskosten) und Dispositiv-Ziffer 8 

(Entschädigung der amtlichen Verteidigung) vollumfänglich anfechten (Urk. 58 

S. 2, Urk. 77 S. 1), wohingegen die Oberjugendanwaltschaft lediglich eine höhere 

Strafe und im Übrigen die Bestätigung des angefochtenen Urteils verlangt 

(Urk. 62 S. 1, Urk. 78 S. 1). Die Privatklägerin erklärte weder Berufung noch An-

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schlussberufung. Dementsprechend ist das Urteil hinsichtlich der Dispositiv-

Ziffern 6 und 8 in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.  

 4. Verteidigung 

 4.1. Mit Schreiben vom 25. August 2015 reichte Rechtsanwalt MLaw  

X1._____ die von den Eltern des Beschuldigten für ihn ausgestellte Vollmacht zu 

den Akten (Urk. 12/1-2). Am 7. Oktober 2015 teilte Rechtsanwalt MLaw X1._____ 

der Untersuchungsbehörde mit, dass er den Beschuldigen nicht mehr vertrete 

bzw. verteidige (Urk. 12/12).  

 4.2. Mit E-Mail vom 7. Oktober 2015 kündigte sich Rechtsanwältin lic. iur. 

X._____, mit Verweis auf die Vollmacht vom 6. Oktober 2015, als neue (vorerst 

erbetene) Verteidigerin des Beschuldigten an (Urk. 12/14-15). Am 21. Dezember 

2015 stellte sie ein Gesuch um Bestellung als amtliche Verteidigerin (Urk. 12/24), 

welchem mit Verfügung der Oberjugendanwaltschaft vom 4. Januar 2016 mit Wir-

kung ab 21. Dezember 2015 entsprochen wurde (Urk. 12/27).  

 4.3. Der vorliegende Fall erfordert eine notwendige Verteidigung (vgl. Art. 24 

lit. a-c und e JStPO), was während des ganzen Verfahrens sichergestellt war, in-

dem der Beschuldigte vom 25. August 2015 (Urk. 12/2) bis 20. Dezember 2015 

erbeten und seit dem 21. Dezember 2015 amtlich verteidigt war bzw. ist. 

 5. Geschädigte bzw. Privatklägerin 

 5.1. Die Geschädigte und heutige Privatklägerin B._____, geb. tt.mm.1999, 

erstatte am 22. August 2015 um 16:20 Uhr Anzeige bei der Stadtpolizei Zürich. 

Sie (persönlich) beauftragte am 24. August 2015 Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

mit ihrer Interessenwahrung und stellte ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsver-

tretung (Urk. 13/1). Dieses wurde von der Oberjugendanwaltschaft mit Verfügung 

vom 6. November 2015 abgewiesen (Urk. 13/21). Die hiegegen erhobene Be-

schwerde wies das Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, mit Be-

schluss vom 9. Februar 2016 ab (Urk. 13/32).  

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 5.2.1. Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, welche ausdrück-

lich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen, wobei 

der Strafantrag dieser Erklärung gleichgestellt ist (Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO). 

Gemäss Art. 118 Abs. 3 StPO ist die Erklärung spätestens bis zum Abschluss des 

Vorverfahrens abzugeben. 

 5.2.2. Die nachmalige Privatklägerin B._____ wurde mit Schreiben vom 

1. September 2015 über ihre Rechte als Opfer in Strafsachen orientiert 

(Urk. 15/1). Sie liess sich via ihren Rechtsvertreter unter dem 5. Oktober 2015 als 

Straf- wie auch als Privatklägerin konstituieren und stellte gegen den Beschuldig-

ten "…mit Bezug auf die im vorliegenden Strafverfahren zu untersuchenden Delik-

te rein vorsorglich Strafantrag…" (Urk. 10/16 S. 2).  

 5.2.3. Da bei der Strafanzeige vom 22. August 2015 keine Antragsdelikte im 

Raum standen (gemäss Polizeirapport ging es um "Vergewaltigen einer Besuche-

rin, anlässlich Einladung" und "Vergewaltigung" und "sexuelle Nötigung" mit den 

entsprechenden Strafbestimmungen ([Urk. 1/2 S. 2]), liegt - mit der Verteidigung - 

kein Fall von Art. 118 Abs. 2 StPO vor (vgl. hierzu auch BSK, StPO-

Mazzucchelli/Postizzi, N 7 4 ff.), weshalb erst mit der Erklärung vom 5. Oktober 

2015 eine Konstituierung erfolgte, diese aber innert Frist (Art. 118 Abs. 3 StPO).  

 6. Zwangsmassnahmen 

 Der Beschuldigte wurde am 23. August 2015, 14:20 Uhr, festgenommen 

(Urk. 9/3) und am 24. August 2015, 17:50 Uhr, in Untersuchungshaft versetzt 

(Urk. 9/9). Am 31. August 2015, 14:25 Uhr, erfolgte seine Entlassung (Urk. 9/16). 

Unter gleichem Datum wurden Ersatzmassnahmen angeordnet (Rayonverbot und 

Kontaktverbot gegenüber der Privatklägerin; Urk. 10/1). Am 28. September 2015 

beantragte die Vertretung der Privatklägerin eine Verlängerung der Ersatzmass-

nahmen um einen Monat, d.h. bis 31. Oktober 2015 (Urk. 10/6). Diesem Antrag 

wurde von der Jugendanwaltschaft mit Verfügung vom 30. September 2015 mit 

Bezug auf das Kontaktverbot teilweise entsprochen, wohingegen das Rayon-

verbot nicht verlängert wurde, je mit Hinweis auf die Gewährleistung des inner-

schulischen Kontaktverbots (Urk. 10/11 S. 4). Mit Schreiben vom 5. Oktober 2015 

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übermittelte Prof. Dr. med. C._____ als psychiatrischer Behandler der Privatklä-

gerin eine fachärztliche Stellungnahme betreffend Rayonverbot (Urk. 10/14). Un-

ter gleichem Datum stellte die Privatklägerin Antrag auf Aufhebung der Ersatz-

massnahmenverfügung bzw. auf allfällige Ergänzung betreffend Rayonverbot, 

wobei sie zur Begründung auf die Stellungnahme von Prof. Dr. med. C._____ 

verwies (Urk. 10/16). Mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 erfolgte eine teilweise 

Verlängerung der Ersatzmassnahmen bis am 1. Dezember 2015 (Urk. 10/29). 

Gegen diesen Entscheid erhob die Privatklägerin Beschwerde beim Zwangs-

massnahmengericht des Bezirks Meilen (Urk. 10/31), welches die Eingabe zu-

ständigkeitshalber ans Obergericht, III. Strafkammer, überwies (Urk. 10/35). Die-

ses äusserte sich im Beschluss vom 17. November 2015 zur grundsätzlichen 

Frage der Zuständigkeit für die Verlängerung von Ersatzmassnahmen im Jugend-

strafrecht, wobei die Jugendanwaltschaft als für die Verlängerung des Kontakt-

verbots und das Obergericht bzw. die III. Strafkammer als zuständige Beschwer-

deinstanz erachtet wurde. Allerdings trat das Obergericht wegen fehlender Be-

schwerdelegitimation der Privatklägerin am 17. November 2015 auf die Be-

schwerde nicht ein (Urk. 10/35). Mit Verfügung vom 30. November 2015 verlän-

gerte die Jugendanwaltschaft das Kontaktverbot ein weiteres Mal, und zwar um 

zwei Monate bis am 31. Januar 2016 (Urk. 10/36). Unter gleichem Datum wurde 

die Privatklägerin als Auskunftsperson zum Thema des Kontaktverbots zur Ein-

vernahme auf den 14. Dezember 2015 aufgeboten (Urk. 10/38). Dieser Einver-

nahme wohnten die Privatklägerin, ihr Vertreter sowie die Verteidigerin bei 

(Urk. 10/38). Der Beschuldigte seinerseits wurde zu diesem Thema am 

18. Dezember 2015 befragt, an welcher Einvernahme wiederum beide Parteiver-

tretungen teilnahmen (Urk. 10/41). Den Einvernahmen folgte Korrespondenz 

(Urk. 10/42-49), aber keine weitere Regelung von Ersatzmassnahmen.  

 7. Anklageprinzip 

 7.1. Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz-

bestimmt die Anklage den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungs-

funktion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift unter an-

derem möglichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen 

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Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung 

(lit. f). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und 

subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklage-

prinzip den Schutz der Verteidigungsrechte des Beschuldigten und garantiert den 

Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f., 

Urteil des Bundesgerichts 6B_799/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 1.1). Unter 

dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion des Anklageprinzips ist massgebend, 

dass die angeklagte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, damit sie ihre 

Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_441/2013 vom 4. November 2013. E. 3.2 mit Hinweisen). Die Missachtung 

des Anklageprinzips führt in letzter Konsequenz zur Einstellung des Verfahrens 

(Landshut in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., a.a.O., N 37 zu 

Art. 325). 

 7.2. Die Anklage nennt als Deliktszeitraum "zwischen Freitag, 22. August 

2015, ca. 23:00 Uhr, und Samstag, 23. August 2015, ca. 00.00 Uhr" (Urk. 17 

S. 2). Die zum vorliegenden Strafverfahren führende Begegnung zwischen dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin ereignete sich gemäss übereinstimmender 

Darstellung der Genannten (Urk. 2/1 S. 3 f. bzw. Urk. 3 S. 2) am Freitagabend 

des entsprechenden Wochenendes (Urk. 2/1 S. 3 f. bzw. Urk. 3 S. 2), bei dem es 

sich gemäss Kalender um den 21. August 2015 handelte. Das Datum wurde vom 

Jugendanwalt an der Hauptverhandlung bei der Vorinstanz korrigiert (Urk. 39 

S. 1), so dass das offenkundige und nunmehr behobene Versehen in der An-

klageschrift zu keinen weiteren Bemerkungen mehr Anlass gibt.  

 7.3.1. Die amtliche Verteidigung rügte vor Vorinstanz - wenn auch unter der 

rechtlichen Würdigung - eine Verletzung des Anklageprinzips. Die Anklage enthal-

te eine aktenwidrige Sachdarstellung. Zudem wies sie darauf hin, dass Art. 189 

und 190 StGB eine Nötigung voraussetzen würden, es also nicht genügen würde, 

wenn das "Opfer" nicht gewollt, aber doch mitgemacht habe, obwohl es nicht ge-

nötigt worden sei. Das Gesetz erblicke eine nötigende Handlung namentlich in: 1) 

Drohung, 2) Gewaltanwendung, 3) unter psychischen Druck setzen oder 4) zum 

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Widerstand unfähig machen. Die Anklage nenne einleitend die Punkte 2) - 4) oh-

ne jedoch auszuführen, worin sie konkret Gewaltanwendung bzw. psychischen 

Druck bzw. "zum Widerstand unfähig machen" erblicke. Insofern umschreibe die 

Anklage den Vorwurf der nötigenden Handlung nicht rechtsgenügend, sei somit 

mangelhaft und das Anklageprinzip verletzt (Urk. 42 S. 37 f.). Auch an der Beru-

fungsverhandlung machte sie eine Verletzung des Anklageprinzips durch bewusst 

falsche Sachverhaltsdarstellung geltend (Urk. 77 S. 15 ff.).  

 7.3.2. Der Ansicht der Verteidigung kann im ersten Punkt nicht gefolgt wer-

den. Soweit die Verteidigung aktenwidrige Sachdarstellung geltend macht, ist da-

ran zu erinnern, dass nach dem Akkusationsprinzip die Staatsanwaltschaft bzw. 

Jugendanwaltschaft dem Gericht den Sachverhalt zu unterbreiten hat, welcher 

gerichtlich beurteilt werden soll. Ob dieser mit den Akten übereinstimmt oder 

nicht, ist eine Frage der Sachverhaltsdarstellung bzw. der Beweiswürdigung, wie 

bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt (Urk. 55 S. 10).  

 7.3.3. Mit Bezug auf die gerügte fehlende Umschreibung von Nötigungs-

handlungen trifft es zu, dass die Jugendanwaltschaft im Ingress des Sachverhalts 

einen Auswahlkatalog von möglichen Nötigungshandlungen im Sinne der Art. 189 

Abs. 1 StGB und Art. 190 StGB lieferte (Urk. 17 S. 2). Die Anklageschrift erwiese 

sich sowohl angesichts ihrer Umgrenzungs- als auch Informationsfunktion als un-

genügend, würde der Sachverhalt im weiteren Anklagevorwurf nicht präzisiert.  

 7.3.4. Aus dem Sachverhalt der Anklageschrift vom 2. März 2016 (Urk. 17) 

ergibt sich einerseits mehrfach ein konkret beschriebenes Missbilligen der Hand-

lungen des Beschuldigten durch die Privatklägerin in allen Phasen, so bereits 

beim Vorspiel bzw. bei den Zungenküssen beim Jacuzzi (Abs. 1: "Als A._____ dann 
begann, B._____ Zungenküsse zu geben, drehte sie den Kopf ab und antwortete, dass sie dies 

nicht wolle, dies keine gute Idee finde und es besser wäre, sie würden wieder hochgehen."), aber 

auch beim Runterziehen der Unterhose und dem Eindringen mit dem bzw. den 

Fingern in die Vagina der Privatklägerin (Abs. 2: ".. begann A._____ B._____' Unterhose 
- sie war mit einem Jupe bekleidet - bis zu den Knien runterzuziehen, was er trotz ihres wiederhol-

ten Ausspruchs "Nein" und obwohl sie dies durch ausweichende Bewegungen ihres Körpers zu 

verhindern suchte," und sodann …"Mit einem oder zwei Fingern drang A._____ dann in die Vagi-

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na von B._____ ein, obwohl sie wiederholt sagte, er solle es nicht tun, und es tue ihr weh. Auch ihr 

weiteres Bitten, dies zu unterlassen, konnte ihn nicht dazu bewegen, zu stoppen"), beim Ge-

schlechtsverkehr (Abs. 3: "…Da sie sich, um die Penetration abzuwenden, hin- und her be-
wegte und sie sich vaginal verkrampfte, …" und "Trotz wiederholter Versuche gelang es B._____ 

mangels ausreichender Kraft auch nicht, den auf ihr liegenden A._____ an den Schultern wegzu-

stossen oder gar aufzustehen. Ihre mehrmalige Äusserung, dass sie dies nicht wolle, brachte ihn 

ebenso wenig dazu, von seinem Vorhaben abzulassen…") und schliesslich auch bei der 

oralen Befriedigung (Abs. 4: "… ergriff ihren Kopf, schob seinen Penis in ihren Mund und 
bewegte ihn hin- und her. B._____ versuchte einige Male aufzustehen, was allerdings nicht ge-

lang, da A._____ sie immer wieder nach unten drückte und seinen Penis in ihren Mund stiess, da-

bei jeweils ihren Kopf festhielt."). Damit führt die Anklageschrift diverse von der Privat-

klägerin verbal und körperlich zum Ausdruck gebrachte Willensbekundungen auf, 

wonach sie mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden gewesen sei. 

 In den vorgeworfenen Handlungen sind zwar auch Gewaltaspekte zu sehen 

(u.a. mit dem Runterdrücken, dem Festhalten des Kopfes beim Oralverkehr und 

der Körperauflage beim Geschlechtsverkehr, in welchen die Vorinstanz denn 

auch den Gewaltaspekt sah [Urk. 55 S. 60 f.]). In diesem Sinne plädierte der Ver-

treter der Oberjugendanwaltschaft denn auch an der Berufungsverhandlung vom 

8. Mai 2017. Konkret hielt er fest, der Beschuldigte habe - beim Versuch der vagi-

nalen Penetration - als Nötigungsmittel auch Gewalt eingesetzt, indem er sich auf 

die Privatklägerin gelegt und sein Körpergewicht eingesetzt habe, um sie während 

des Beischlafs festzuhalten (Urk. 78 S. 4). Weiter sieht der Oberjugendanwalt 

Gewaltanwendung beim Oralverkehr, da der Beschuldigte in dieser Phase wiede-

rum sein Körpergewicht und seine Kraft eingesetzt habe. Er habe da die Privat-

klägerin nach unten gedrückt und ihren Kopf gehalten, während er seinen Penis in 

ihren Mund gestossen habe (Urk. 78 S. 5). Beim Anklagevorwurf selber steht 

nach der hier vertretenen Ansicht - aufgrund des expliziten Wortlauts - eher die 

Tatbestandsvariante des "Unter-psychischen-Druck-Setzens" im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB und Art. 190 StGB im Vordergrund. So wirft die Jugend-

anwaltschaft dem Beschuldigten vor, er sei bei seinem Vorhaben davon ausge-

gangen, dass sich B._____ seinen sexuellen Absichten fügen würde, da sie we-

gen eines, wie er angenommen habe, schlechten Rufs in der Schule - sie habe 

während einer Schulreise nach … Geschlechtsverkehr mit D._____, tt.mm.1998, 

- 14 - 

gehabt, der damals eine Freundin gehabt habe,- mit keinem weiteren Vorfall sol-

cher Art würde in Verbindung gebracht werden wolle (Abs. 6). Damit stehen zwar 

immer noch Varianten von Nötigungshandlungen im Raum, aber innerhalb der 

geltend gemachten Tatbestände der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung, 

so dass der Beschuldigte wusste, wogegen er sich zu verteidigen hat, und daher 

noch nicht von einer Verletzung des Anklagegrundsatzes auszugehen ist.  

 7.3.5. Ob die vorgeworfenen (Nötigungs-)Handlungen erstellt werden kön-

nen, ist eine Frage der Beweiswürdigung, ob sie die Merkmale der angerufenen 

Tatbestände zu erfüllen vermögen, eine solche der rechtlichen Würdigung.  

 8. Protokollführung und Transkripte 

 8.1. Soweit die Verteidigung die Einvernahmen der Privatklägerin hinsicht-

lich der Protokollführung in formeller Hinsicht beanstandet, ist darauf hinweisen, 

dass bei fehlender Gegenüberstellung Einvernahmen des Kindes bzw. der  

jugendlichen Privatklägerin mit Bild und Ton aufzuzeichnen waren, zumal hier in 

Anbetracht der im Raum stehenden Thematik für die Betroffene von einer er-

kennbaren psychischen Belastung durch eine direkte Konfrontation ausgegangen 

werden konnte (vgl. hierzu Art. 154 Abs. 4 lit. d).  

 8.2. Die entsprechenden Aufzeichnungen der Einvernahmen mit der Privat-

klägerin aus zwei Kamera-Perspektiven mit Bild und Ton liegen in voller Länge 

bei den Akten (vgl. die Datenträger gemäss Urk. 2/4 und Urk. 2/8). Diese bilden 

Aktenbestandteil und sind als Beweismittel massgebend, denn Videoaufnahmen 

sind nicht zwingend in Schriftform zu übertragen (vgl. Schmid, StPO Praxiskom-

mentar, N 11 zu Art. 154). Die Transkripte (Urk. 2/3 und Urk. 2/7 und auch jene 

der Verteidigung Urk. 31/1) sind nur als Hilfsmittel zur inhaltlichen Bearbeitung zu 

sehen und werden in der Folge der Einfachheit halber auch so zitiert. Insofern 

kann der Jugendanwaltschaft keine Verletzung der Teilnahmerechte des Be-

schuldigten durch allfällige Auslassungen oder Zusammenfassungen vorgeworfen 

werden. Dies gilt umso mehr für die Berichte zu den Videobefragungen, welche 

naturgemäss eine Zusammenfassung bzw. besondere Beobachtungen zu bein-

- 15 - 

halten haben, insofern keinen Anspruch auf vollständige Niederschrift des münd-

lich Vorgebrachten erheben (Art. 154 Abs. 4 lit. f StPO). 

 9. Weitere Rügen der Verteidigung 

 Auf die weiteren formellen Rügen der Verteidigung, die sie bereits vor  

Vorinstanz vorgetragen hatte (vgl. Urk. 42, teilweise mit Verweis auf Urk. 30), und 

an der Berufungsverhandlung über weite Strecken wiederholte (Urk. 77), ist im 

Rahmen der Beweiswürdigung einzugehen.  

III. Schuldpunkt 

 A Anklagevorwurf 

 1. Die Jugendanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift 

vom 2. März 2016 (Urk. 17, mit korrigiertem Datum gemäss Urk. 39 S. 1) zusam-

mengefasst vor, er habe am Abend des 21. August 2015 im Restaurant … in Zü-

rich die Privatklägerin und deren Freundin E._____ eingeladen, ihn zu einem Fest 

bei einem Schulkollegen in … zu begleiten. Dort angekommen, habe der Be-

schuldigte der Privatklägerin angeboten, ihr den Jacuzzi zu zeigen, welcher sich 

im untersten Geschoss befunden habe. Im Fitnessraum hätten sie Wasser in den 

Whirlpool eingelassen und begonnen, sich spasseshalber gegenseitig zu besprit-

zen. Als der Beschuldigte begonnen habe, der Privatklägerin Zungenküsse zu 

geben, habe sie den Kopf abgedreht und geantwortet, dass sie dies nicht wolle, 

keine gute Idee finde und es besser wäre, sie würden wieder hochgehen. 

A._____ habe geantwortet, sie solle es geniessen. Dann habe er sie gebeten, ihm 

eine Nackenmassage zu geben, was sie gemacht habe. Inzwischen hätten sich 

beide auf einer Liege neben dem Whirlpool befunden.  

 Nunmehr habe der Beschuldigte begonnen, die Unterhose der Privat-

klägerin, welche mit einem Jupe bekleidet gewesen sei, bis zu den Knien runter-

zuziehen, was er trotz ihres wiederholten Ausspruchs "Nein" und obwohl sie dies 

durch ausweichende Bewegungen ihres Körpers zu verhindern versucht habe, zu 

Ende geführt habe führte. Mit einem oder zwei Fingern sei der Beschuldigte dann 

- 16 - 

in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen, obwohl sie wiederholte gesagt ha-

be, er solle es nicht tun, und es tue ihr weh. Auch ihr weiteres Bitten, dies zu un-

terlassen, habe ihn nicht dazu bewegen können, zu stoppen.  

 Danach habe der Beschuldigte seine Hosen bis zu den Knien runtergezogen 

und versucht, mit seinem steifen Penis in die Vagina der Privatklägerin einzudrin-

gen. Da sie sich, um die Penetration abzuwenden, hin- und her bewegt und sie 

sich vaginal verkrampft habe, sei er trotz mehrfacher Versuche lediglich in den 

Scheidenvorhof gedrungen. Trotz wiederholter Versuche sei es der Privatklägerin 

mangels ausreichender Kraft auch nicht gelungen, den auf ihr liegenden Beschul-

digten an den Schultern wegzustossen oder gar aufzustehen. Ihre mehrmalige 

Äusserung, dass sie dies nicht wolle, habe ihn ebenso wenig dazu gebracht, von 

seinem Vorhaben abzulassen. Als ihr bewusst geworden sei, dass sich der Be-

schuldigte über ihren Widerstand hinwegsetzen würde und ihr keine Gegenwehr 

mehr aussichtsreich erschienen sei, habe sie ihn gebeten, ein Kondom zu be-

nutzen.  

 Nachdem dem Beschuldigten klar geworden sei, dass eine vaginale Penet-

ration nicht gelingen würde, sei er auf die Liege gekniet, habe den Kopf der Pri-

vatklägerin ergriffen, seinen Penis in ihren Mund geschoben und ihn hin- und her 

bewegt. Die Privatklägerin habe einige Male versucht aufzustehen, was allerdings 

nicht gelungen sei, da der Beschuldigte sie immer wieder nach unten gedrückt 

und seinen Penis in ihren Mund gestossen und dabei jeweils ihren Kopf festge-

halten habe, wobei er schliesslich in ihren Mund ejakuliert habe. Während des 

Aufenthalts der beiden, u.a. auch während der sexuellen Handlungen, hätten 

mehrere Personen in Gruppen auf der Suche nach den beiden die Türe zum Fit-

nessraum geöffnet, diese aber sofort wieder geschlossen. Einmal habe der Be-

schuldigte mit dem Ausspruch "go away" reagiert.  

 2. Der Beschuldigte hat den äusseren Ablauf der Ereignisse zumindest teil-

weise anerkannt. Insbesondere hat er die sexuellen Handlungen an sich im We-

sentlichen bestätigt. Der Beschuldigte behauptet aber zusammengefasst, dass 

die Initiative für diese von der Privatklägerin gekommen sei und die sexuellen 

- 17 - 

Handlungen einvernehmlich erfolgt seien (Urk. 3/1, Urk. 3/2=Urk. 9/8, Urk. 3/5, 

Urk. 3/7, Urk. 10/41, Prot. I S. 17 ff.).  

 Daran hielt er auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung fest 
(Urk. 76, Prot. II S. 13). So machte er geltend, als er mit der Privatklägerin in den 

Jacuzzi-Raum hinunter gegangen sei, habe er keine Absicht nach Sex gehabt. 

Nach dem gegenseitigen Bespritzen mit Wasser habe die Privatklägerin den kör-

perlichen Kontakt gesucht, indem sie ihre Hände an seiner Brust abgetrocknet 

habe. Man habe sich dann gegenseitig geküsst, worauf er eine Erektion gehabt 

habe. Sie habe seinen Penis gestreichelt, und zwar - auf Nachfrage - von sich 

aus. Er hielt zusammengefasst daran fest, dass alles, was sich im Jacuzzi-Raum 

zugetragen habe, mit dem Willen beider passiert sei. Gegenteiliges will er "gar 

nicht nötig" gehabt haben. Zudem hätte die Privatklägerin bei fehlendem Einver-

ständnis immer wieder die Möglichkeit gehabt aufzustehen, wegzugehen, wegzu-

rollen, rauszugehen. Der Beschuldigte vermutet in der (aus seiner Sicht falschen) 

Anzeige der Privatklägerin auch heute einen Versuch, ihre Reputation, die wegen 

der Affäre mit D._____ gelitten hatte, zu retten. Dies zeige sich darin, dass sie 

(nach den sexuellen Handlungen) gesagt habe "Let's keep it between us". Als sie 

wieder oben gewesen seien, habe die Privatklägerin noch länger bleiben wollen, 

was aus seiner Sicht gegen vorherige unfreiwillige Handlungen spricht. Erst als 

sie vom Video erfahren habe, habe sich ihre Stimmung geändert. Schliesslich 

glaubt der Beschuldigte, dass die Privatklägerin danach unter dem Druck der Mut-

ter gestanden habe. Die Anzeige sei nicht die Idee der Privatklägerin gewesen 

(Urk. 76, Prot. S. II 13).  

 3. Die Oberjugendanwaltschaft beantragte - wie bereits zitiert - eine Bestäti-

gung des Schuldspruchs und verwies im Plädoyer im Wesentlichen auf die ent-

sprechenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 78 S. 2).  

 4. Die Vorinstanz hat die vorgeworfenen sexuellen Handlungen mit einigen 

Vorbehalten als erstellt erachtet (Urk. 55 S. 56 f.). Dementsprechend sprach sie 

den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig (Urk. 55 S. 79 f.). Da der Be-

schuldigte Berufung und die Anklägerin Anschlussberufung erhoben haben und 

sich der Beschuldigte auch heute nicht geständig im Sinne der Anklage gezeigt 

- 18 - 

hat (Urk 76), ist nachfolgend zu prüfen, ob der zur Anklage gebrachte Sachverhalt 

erstellt werden kann. 

 5. Auf die Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung und der An-

klägerin zur Sache - die Privatklägerin hat sich am Berufungsverfahren nicht be-

teiligt - ist im Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Das rechtli-

che Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des 

von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, 

prüft und in seiner Entscheidfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie 

sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Ent-

scheid wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Über-

legungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf 

die sich ihr Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 139 IV 179 E. 2.2; 

BGE 138 IV 81 E. 2.2; je mit Hinweis). 

 B Beweiswürdigung 

 1. Allgemeines zur Beweiswürdigung 

 1.1. In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld 

hohe Anforderungen zu stellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV flies-

senden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime 'in dubio pro reo' ist bis 

zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten, dass die wegen einer 

strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 127 I 40, BGE 120 

Ia 31 E. 2b). Angesichts der Unschuldsvermutung, die auch in Art. 10 Abs. 1 

StPO statuiert ist, besteht somit Beweisbedürftigkeit, das heisst, der verfolgende 

Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemen-

te nachzuweisen, woraus folgt, dass der Beschuldigte seine Unschuld nicht zu 

beweisen hat (BGE 127 I 40 f.). 

 1.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, sind die 

Depositionen frei zu würdigen (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher 

Umstände, die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersu-

- 19 - 

chen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den in-

neren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdig-

keit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben zu unterscheiden.  

 Während Erstere die Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden 

kann, ist Letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, 

ob sich der behauptete Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht. 

 Die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer pro-

zessualen Stellung auch aus ihrem wirtschaftlichen Interesse am Ausgang des 

Verfahrens sowie vor allem aus deren persönlichen Beziehungen und Bindungen 

zu den übrigen Prozessbeteiligten. Bei der Würdigung von Aussagen darf jedoch 

nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aus-

sagenden abgestellt werden, denn dies lässt nach neueren Erkenntnissen keinen 

allgemeinen Rückschluss auf die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu. Massgebend 

ist vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusser-

ungen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist generell auf 

Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch 

auf Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden 

Zahl von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen zu achten (Bender/ 

Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Auflage, München 2014, 

S. 76 ff.; vgl. auch Rolf Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von 

Zeugenaussagen, SJZ 81, 1985, S. 53 ff.). 

 1.3. Im Bereich rechtfertigender Tatsachen trifft den Beschuldigten indes ei-

ne gewisse Beweislast. Seine Behauptungen müssen plausibel sein; es muss 

ihnen eine gewisse Überzeugungskraft zukommen. Zumindest bedarf die Be-

hauptung des Beschuldigten gewisser Anhaltspunkte, sei es in Form konkreter 

Indizien oder einer natürlichen Vermutung für seine Darstellung, damit sie als Ent-

lastungstatsache dem Urteil zugrunde gelegt wird. Ein strikter Beweis kann hin-

gegen vom Beschuldigten nicht verlangt werden; doch muss seine Behauptung 

glaubhaft sein. Wenn die belastenden Beweise nach einer Erklärung rufen, wel-

che der Beschuldigte geben können müsste, dies jedoch nicht tut, darf nach  

- 20 - 

Massgabe des gesunden Menschenverstandes der Schluss gezogen werden, es 

gebe keine mögliche Erklärung und er sei schuldig. Nichts anderes kann gelten, 

wenn er zwar eine Erklärung gibt, diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt ist. 

Der Grundsatz "in dubio pro reo" zwingt somit nicht dazu, jede entlastende Anga-

be des Beschuldigten, für deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifischer 

Beweis vorhanden ist, als unwiderlegt zu betrachten. Nicht jede aus der Luft ge-

griffene Schutzbehauptung braucht durch einen hieb- und stichfesten Beweis wi-

derlegt zu werden (Bundesgerichtsentscheide 6B_453/2011 vom 20. Dezember 

2011, E. 1.6, und 6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010, E. 2.1; vgl. auch Be-

schlüsse des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 5. Oktober 

2005,AC050005, S. 10 f.; Pra 90 (2001) Nr. 110 S. 43, und vom 3. September 

1991, 91/177S, S. 5 f.). 

 2. Beweismittel 

 Die Anklagebehörde stützt den eingeklagten Sachverhalt im Wesentlichen 

auf die Aussagen der Privatklägerin im Rahmen der Videobefragungen vom 

23. August 2015 und vom 27. August 2015, welche samt DVDs und Berichten da-

zu vorliegen (Urk. 2/1-8). Eine weitere Einvernahme erfolgte am 14. Dezember 

2015 im Zusammenhang mit Ersatzmassnahmen, hier aber ohne Aufzeichnung 

(Urk. 10/38). Als Beweismittel liegen sodann die Aussagen des Beschuldigten vor 

(Urk. 3/1, Urk. 3/2=Urk. 9/8, Urk. 3/5, Urk. 3/7, Urk. 10/41, Prot. I S. 17 ff Urk. 6/1-

3, Urk. 26), weiter jene der Auskunftspersonen F._____ (Urk. 4/1), G._____ 

(Urk. 4/2), H._____ (Urk. 4/3), E._____ (Urk. 4/4) und I._____, der ab seinem Mo-

biltelefon eine Facebook-Kommunikation zwischen ihm und der Privatklägerin zi-

tierte, über welche er der Kantonspolizei Zürich im Nachgang noch einen Aus-

druck per E-Mail übermittelte (Urk. 4/5 S. 7 ff. und Anhang). Sodann bilden Ak-

tenbestandteil die Einvernahmeprotokolle der Zeugen J._____ (Urk. 4/11) und 

D._____, wecher der Kantonspolizei Zürich einen Auszug einer Facebook-

Nachricht vom 22. August 2015 nachreichte (Urk. 4/14 und Urk. 4/16). Ferner lie-

gen das Protokoll der ärztlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin 

vom 22. August 2015 (Urk. 6/3) und dessen Gutachten vom 16. September 2015 

zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin vor (Urk. 6/4). Direkte Beobach-

- 21 - 

tungen des Vorfalls durch unbeteiligte Dritte liegen vor und ergeben sich diesfalls 

aus den erwähnten Einvernahmeprotokollen der erwähnten Auskunftspersonen 

und Zeugen. Im Rahmen des Haftprüfungsverfahrens bzw. des Verfahrens betr. 

Ersatzmassnahmen wurde eine "Fachärztliche Stellungnahme" von Prof. Dr. med. 

C._____ vom 5. Oktober 2015 eingereicht (Urk. 10/14).  

 3. Verwertbarkeit der Beweismittel 

 3.1. Zunächst kann festgehalten werden, dass der Verwertbarkeit der nach-

folgend zusammengefassten Einvernahmen des Beschuldigten nichts im Wege 

steht. Insbesondere wurde der Beschuldigte jeweils - wenn zum Teil auch ohne 

Nennung der konkreten Gesetzesbestimmungen, so doch inhaltlich - auf seine 

Rechte und Pflichten gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 113 StPO und 

Art. 158 StPO aufmerksam gemacht (Urk. 3/1 S. 1 f., Urk. 3/2=Urk. 9/8 S. 1 f., 

Urk. 3/5 S. 1, Urk. 3/7 S. 1; Prot. I. S. 11). Sodann wurde er bereits an der ersten 

Einvernahme von seinem erbetenen Verteidiger begleitet, womit beim gegebenen 

Vorwurf bereits ab Beginn der Untersuchung die notwendige Verteidigung sicher-

gestellt war (Art. 24 lit. c JStPO; Urk. 3/1 S. 1). Ebenso nahm die Verteidigung an 

den weiteren Einvernahmen teil (vgl. die eben genannten Aktenstellen). 

 3.2. Was die Verwertbarkeit der Aussagen der ebenfalls minderjährigen Pri-

vatklägerin betrifft, welche von der Verteidigung bestritten wird (Urk. 42 S. 39 ff., 

Urk. 77 S. 3 ff.), ist vorweg auf ihre Stellung im Verfahren und die sich daraus er-

gebenden Rechte und Pflichten einzugehen.  

 3.2.1. Die heutige Privatklägerin beauftragte - wie bereits erwähnt - am 

24. August 2015 Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ mit ihrer Interessenwahrung 

(Urk. 13/1). Mit Schreiben vom 1. September 2015 wurde sie über ihre Rechte als 

Opfer in Strafsachen orientiert (Urk. 15/1). Am 5. Oktober 2015 konstituierte sie 

sich als Straf- wie auch als Privatklägerin (Urk. 10/16). 

 3.2.2. Gemäss Art. 104 lit. b StPO kommt der Privatklägerschaft Partei-

stellung zu. Nach Art. 105 StPO sind andere Verfahrensbeteiligte (u.a.) die ge-

- 22 - 

schädigte Person (lit. a), die Person, die Anzeige erstattet (lit. b), die Zeugin oder 

der Zeuge (lit. d) und die Auskunftsperson (lit. d).  

 3.2.3. Die Einvernahmen der Privatklägerin zur Sache fanden am 23. August 

2015 und am 27. August statt (vgl. Urk. 2/1-8). Aus der Chronologie gemäss obi-

ger Erw. Ziff. 3.2.1. ergibt sich damit, dass sie in diesem Zeitpunkt noch keine 

Partei, sondern eine "andere Verfahrensbeteiligte" war.  

 3.3.1. Zeugin oder Zeuge ist eine an der Begehung der Straftat nicht betei-

ligte Person, die der Aufklärung dienende Aussagen machen kann und nicht Aus-

kunftsperson ist (Art. 162 StPO). Als Auskunftsperson wird gemäss Art. 178 StPO 

(u.a.) einvernommen, wer sich als Privatklägerschaft konstituiert hat (lit. a), zur 

Zeit der Einvernahme das 15. Altersjahr noch nicht zurückgelegt hat (lit. b), wegen 

eingeschränkter Urteilsfähigkeit nicht in der Lage ist, den Gegenstand der Einver-

nahme zu erfassen (lit. c). Die Polizei befragt eine Person, die nicht als beschul-

digte Person in Betracht kommt, als Auskunftsperson (Art. 179 Abs. 1 StPO).  

 3.3.2. Die erste Einvernahme der (späteren) Privatklägerin vom 23. August 

2015 ist als solche im Sinne von Art. 179 Abs. 1 StPO zu sehen, da die Dele-

gation bzw. der Ermittlungsauftrag der Jugendanwaltschaft an die Kantonspolizei 

Zürich erst am 24. August 2015 erfolgte (Urk. 7/1). Demgemäss war die Privat-

klägerin da als Auskunftsperson einzuvernehmen, in der Einvernahme vom 

27. August 2015 als Zeugin und in jener vom 14. Dezember 2015 als Auskunfts-

person.  

 3.3.3. In der Einvernahme vom 23. August 2015 wird die Privatklägerin als 

Geschädigte behandelt (vgl. etwa Urk. 2/3 S. 1). Wie gesagt, konnte ihr nur die 

Rolle als polizeiliche Auskunftsperson zukommen. Sie wurde in altersgemässer 

Weise auf ihre Rechte und Pflichten als solche hingewiesen, wenn auch ohne 

Vorhalt der konkreten Gesetzesbestimmungen (so auch gemäss Transkript der 

Verteidigung, vgl. Urk. 31 /1 S. 2). Ein Hinweis auf eine spätere mögliche Einver-

nahme als Zeugin erfolgte so nicht explizit, sondern lediglich der Hinweis auf eine 

mögliche zweite Einvernahme (vgl. Urk. 31/1 S. 3). Ebenso trifft zu, dass kein 

Hinweis auf die Rechte und Pflichten als mögliche künftige Auskunftsperson im 

- 23 - 

Sinne von Art. 180 Abs. 2 StPO erfolgte, sondern ein solcher nach Art. 180 Abs. 1 

StPO (vgl. Urk. 31/1 S. 2). Der Hinweis auf ein Aussageverweigerungsrecht war 

aber - wie die Vorinstanz darlegte (Urk. 55 S. S. 8 f.) - mit Blick auf Art. 169 Abs. 4 

StPO zulässig und steht einer Verwertbarkeit deshalb nicht entgegen. 

 3.4.1. Die Einvernahme der Privatklägerin vom 27. August 2015 ist aus Sicht 

des Verteidigung ebenfalls nicht verwertbar (Urk. 42 S. 39 ff., Urk. 77 S. 5 f.). Ar-

gumentiert wird dabei vorweg mit Verweis auf Art. 154 Abs. 4 lit. c StPO, wonach 

eine zweite Einvernahme des kindlichen Opfers nur stattfinde, wenn die Parteien 

bei der ersten Einvernahme ihre Rechte nicht genügend hätten ausüben können 

oder dies im Interesse der Ermittlungen oder des Kindes unumgänglich sei. Dies 

sei vorliegend der Fall gewesen. Der Zweck dieser Bestimmung sei dem Be-

schuldigten bzw. der Verteidigung aber vereitelt worden, weil ihr vor der zweiten 

Einvernahme trotz Verlangen keine Akteneinsicht gewährt worden sei. Es sei der 

Verteidigung daher unmöglich gewesen, der Privatklägerin effiziente Ergänzungs-

fragen zu stellen. Um die Rechte des Beschuldigten zu wahren, hätte eine dritte 

Einvernahme der Privatklägerin erfolgen müssen. Die zweite Einvernahme sei 

daher unverwertbar. 

 3.4.2. Die fehlende Akteneinsicht vor der zweiten Einvernahme der Privat-

klägerin wurde vom damaligen Verteidiger thematisiert. So verlangte er mit 

Schreiben vom 25. August 2015, als er die für ihn ausgestellte Vollmacht der El-

tern des Beschuldigten einreichte, Akteneinsicht (Urk. 12/1 S. 1). Mit Schreiben 

vom 26. August 2015 hielt der Verteidiger - mit Bezugnahme auf ein vorgängig mit 

der Jugendanwältin geführtes Telefongespräch - fest, dass er bisher keine Akten-

einsicht gehabt habe und bis zur Einvernahme der Privatklägerin auch keine er-

halten werde, weshalb er bereits heute (bzw. damals) einen Vorbehalt u.a. betr. 

späterer Ergänzungsfragen anbringe (Urk. 12/3). Der damalige Verteidiger konnte 

der zweiten Befragung beiwohnen und bereits dort Ergänzungsfragen stellen 

(Urk. 2/7 S. 22). Mit Schreiben der Jugendanwaltschaft vom 28. August 2015 

wurden ihm sodann Kopien der Untersuchungsakten inkl. die Originale der DVDs 

mit den Videobefragungen zugestellt (Urk. 12/4).  

- 24 - 

 3.4.3. Art. 154 StPO ist eine Schutzbestimmung für minderjährige Opfer. 

Art 154 Abs. 4 lit. b und c sind als blosse Ordnungsvorschriften zu verstehen. 

Sind im Interesse der Wahrheitserforschung zwingend weitere Einvernahmen er-

forderlich, sind solche zulässig (vgl. Schmid, Praxiskommentar, N 8 zu Art. 154 

StPO). Dass der damalige Verteidiger auf seinen Vorbehalt zum Stellen weiterer 

Ergänzungsfragen zurückgekommen wäre, entnimmt man den Akten nicht, insbe-

sondere auch nicht im Zusammenhang mit der weiter anberaumten Einvernahme 

der Privatklägerin, welche - unüblicherweise - im Zusammenhang mit den Er-

satzmassnahmen stattfand (Urk. 10/38).  

 3.4.4. Zum Vorwurf der verweigerten Akteneinsicht ergibt sich im Übrigen 

aus dem Schreiben der Verteidigung vom 26. August 2015 - aufgesetzt nach ei-

nem Telefonat mit der damals zuständigen Jugendanwältin - was folgt: "Da ich 

bisher keine Akteneinsicht hatte und bis zur morgen stattfindenden Einvernahme 

der Geschädigten B._____ gemäss Ihrer Auskunft auch keine Akteneinsicht erhal-

ten werde, …" (Urk. 12/3 S. 1). Da sich aus den Akten keine weiteren Anhalts-

punkte zu einer aktiven Verweigerung der Akteneinsicht ergeben, die Verteidi-

gung offenbar weder auf einem entsprechenden schriftlichen bzw. anfechtbaren 

Entscheid bestand, noch eine Verschiebung der zweiten Einvernahme der Privat-

klägerin verlangte und offenbar auch keine entsprechende Konfrontation vor oder 

an der (unüblichen) dritten Einvernahme betreffend Ersatzmassnahmen beantrag-

te, kann nicht ohne weiteres gesagt werden, die Jugendanwaltschaft habe sich 

eine Missachtung von Art. 101 StPO und damit eine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs im Sinne von Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO vorzuwerfen. Damit liegt entgegen 

der Verteidigung (Urk. 77 S. 5 ff.) kein Anwendungsfall von Art. 147 Abs. 4 StPO 

vor und sind die Aussagen der Privatklägerin aus der genannten Verhandlung 

grundsätzlich verwertbar. 

 3.5.1. Was die Teilnahmerechte der Privatklägerin betrifft, wo die Verteidi-

gung ebenfalls eine unzulässige Verfahrensführung lokalisiert und daher eine Un-

verwertbarkeit der Aussagen der Privatklägerin aus beiden Videoeinvernahmen 

stipuliert (vgl. Urk. 42 S. 39 ff., Urk. 77 S. 5 ff.), ist gemäss obigen Erwägungen 

davon auszugehen, dass diese bis 5. Oktober 2015 nur "andere Verfahrensbetei-

- 25 - 

ligte" war (vgl. Erw. II/5). Es standen ihr bis dann nur die zur Wahrung ihrer Inte-

ressen erforderlichen Verfahrensrechte einer Partei zu, sofern sie in ihren Rech-

ten unmittelbar betroffen ist bzw. war (Art. 105 Abs. 2 StPO). Diese Bestimmung 

dient primär dem Rechtsschutzinteresse der entsprechenden Verfahrensbeteilig-

ten. Diese hat glaubhaft zu machen, dass sie durch die betreffende Verfahrens-

handlung selbst in ihren rechtlich geschützten Interessen tangiert ist (vgl. BSK 

StPO-Küffer, N 31 zu Art. 105).  

 3.5.2. Von einem solchen schützenswerten Interesse ist die Jugendan-

waltschaft offenbar ausgegangen, indem sie der Privatklägerin bereits vor deren 

Konstituierung als Straf- und Zivilklägerin (zeitgleich wie der Verteidigung) die ers-

te Akteneinsicht gewährte nach der zweiten Einvernahme mit der Privatklägerin, 

die damals eben "bloss" Geschädigte war (Urk. 12/4 bzw. Urk. 13/3). Dies ist in 

Anbetracht der Situation der durch ein Sexualdelikt (mutmasslich) geschädigten 

Minderjährigen vertretbar und wurde von der (damaligen) Verteidigung im Übrigen 

auch nicht beanstandet. Das Vorgehen ist in formeller Hinsicht daher nicht zu be-

anstanden, wodurch auch der Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung entkräftet 

wird (vgl. Urk. 42 S. 4). Ob sich daraus allenfalls in materieller Hinsicht 

ein (Wissens-)Vorteil der Privatklägerin ergeben hat, wäre im Rahmen der Be-

weiswürdigung zu prüfen.  

 3.5.3. Zu weit ging die Jugendanwaltschaft hingegen beim Einbezug der Pri-

vatklägerin bei der Anordnung bzw. Verlängerung der Ersatzmassnahmen, wozu 

sich bereits das Obergericht im Nichteintretensbeschluss vom Beschluss vom 

17. November 2015 geäussert hatte (Urk. 10/35). Die dabei ergangene (dritte) 

Einvernahme der Privatklägerin vom 14. Dezember 2015 kann daher nicht zum 

Nachteil des Beschuldigten verwertet werden (Urk. 10/38). Dazu gehört auch die 

von der Privatklägerin im Haft- bzw. Ersatzmassnahmen-Überprüfungsverfahren 

eingereichte "Fachärztliche Stellungnahme" von Prof. Dr. med. C._____ vom 

5. Oktober 2015 (Urk. 10/14), welcher ohnehin nur das Gewicht einer Parteidar-

stellung zugekommen wäre.  

 3.6. Die nachfolgenden Personen wurden nur als polizeiliche Auskunfts-

personen befragt: F._____ (Urk. 4/1), G._____ (Urk. 4/2), H._____ (Urk. 4/3), 

- 26 - 

E._____ (Urk. 4/4) und I._____ (Urk. 4/5). Eine Konfrontation mit dem Beschuldig-

ten fand mit andern Worten nie statt. Damit hatte der Beschuldigte keine Möglich-

keit der Teilnahme im Sinne von Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 312 Abs. 2 und 

Art. 147 Abs. 1 StPO, weshalb die entsprechenden Aussagen - entgegen der An-

sicht der Vorinstanz (Urk. 55 S. 9) - gemäss Art. 3 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 147 

Abs. 4 StPO grundsätzlich nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden 

dürfen, wie die Verteidigung zutreffend moniert (Urk. 77 S. 14).  

 3.7. Das Gutachten des IRM vom 16. September 2015 zur körperlichen Un-

tersuchung der Privatklägerin ist ohne weiteres verwertbar (Urk. 6/4).  

 3.8.1. Die amtliche Verteidigung stellte im Rahmen der Berufungsverhand-

lung abermals "vorsorglich" Beweisanträge (Urk. 77 S. 6 f., S. 21, S. 23 f., S. 45 

und S. 49). Sie machte vorweg eine Unverwertbarkeit der Einvernahmen 

der Privatklägerin vom 27. August 2015 und daher auch jener vom 23. August 

2015 geltend. Zur Begründung verwies sie auf die Verletzung des zweimal von 

der Verteidigung vor der zweiten Einvernahme verlangten Akteneinsichtsrechts, 

welche wiederum zu einer Verletzung des Konfrontationsanspruchs führe (Urk. 77 

S. 5). Eine Konfrontationseinvernahme zwischen dem Beschuldigten und der Pri-

vatklägerin nach der Akteneinsicht sei sodann nie gewährt worden. Es werde da-

her für den Eventualfall der Antrag auf Konfrontation der beiden wiederholt. 

Gleichzeitig weist die Verteidigung darauf hin, dass es fraglich sei, ob die unter-

lassene Konfrontation heute noch - d.h. nach fast zwei Jahren - rechtsgenügend 

nachgeholt werden könne (Urk. 77 S. 7).  

 3.8.2. Aus Sicht der Oberjugendanwaltschaft sind weitere Beweisabnahmen 

nicht angezeigt (Prot. II S. 12). Die Privatklägerin hat sich - wie eingangs erwähnt 

- am Berufungsverfahren nicht beteiligt und sich deshalb auch nicht zu den hier 

wiederholten Beweisanträgen der Verteidigung geäussert (Prot. II S. 7).  

 3.8.3. Art. 343 Abs. 3 StPO verpflichtet das Gericht, im Vorverfahren ord-

nungsgemäss erhobene Beweise nochmals zu erheben, sofern die unmittelbare 

Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung notwendig erscheint. Die Be-

stimmung verankert ein beschränktes Unmittelbarkeitsprinzip (BGE 140 IV 196). 

- 27 - 

Dieses erleichtert dem Gericht die Beweiswürdigung durch den unmittelbaren 

Eindruck, den es von den Beweismitteln erhält, wie etwa durch die Mimik und die 

nonverbale Kommunikation bei Zeugenaussagen oder durch Augenschein. Das 

Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Beweisen, die 

im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. 

Art. 343 Abs. 3 StPO verankert in den dort erwähnten Fällen daher eine (ein-

malige) Unmittelbarkeit im erstinstanzlichen Verfahren, in der Regel jedoch keine 

solche für das Rechtsmittelverfahren (Urteil 6B_78/2012 vom 27. August 2012 

E. 3; Schmid, Praxiskommentar, a.a.O., N 1 zu Art. 389 StPO). Beweisabnahmen 

des erstinstanzlichen Gerichts sind im Rechtsmittelverfahren jedoch zu wieder-

holen, wenn Beweisvorschriften verletzt worden sind, die Beweiserhebungen un-

vollständig waren oder die Akten über die Beweiserhebungen unzuverlässig er-

scheinen (Art. 389 Abs. 2 lit. a-c StPO). 

 Eine unmittelbare Abnahme eines Beweismittels ist im Sinne von Art. 343 

Abs. 3 StPO notwendig, wenn sie den Ausgang des Verfahrens beeinflussen 

kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die Kraft des Beweismittels in entschei-

dender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner Präsentation entsteht, bei-

spielsweise wenn es in besonderem Masse auf den unmittelbaren Eindruck einer 

Zeugenaussage ankommt, so wenn die Aussage das einzige direkte Beweismittel 

(Aussage gegen Aussage) darstellt (Urteil 6B_139/2013 vom 20. Juni 2013 

E. 1.3.2 mit Hinweis; Urteil 6B_970/2013 vom 24. Juni 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf 

Max Hauri, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2011, 

N. 21 zu Art. 343 StPO).  

 Eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Gericht gemäss Art. 343 

Abs. 3 StPO ist gemäss Bundesgericht (vgl. BGer 6B_430/2015 vom 12.06.2015) 

nicht schon deshalb notwendig, weil nonverbales Verhalten wie Mimik, Gestik, 

Redefluss, Emotionen etc. der einvernommenen Person stets Teil ihrer Aus-

sageleistung ist. Andernfalls hätte der Gesetzgeber bei den Personalbeweisen 

konsequenterweise das Unmittelbarkeitsprinzip statuieren müssen, was er jedoch 

unterliess, so das Bundesgericht im erwähnten Entscheid. Die Aussagekraft non-

verbalen Verhaltens darf allerdings nicht überbewertet werden, und dessen Inter-

- 28 - 

pretation ist schwierig. Von einer erneuten Beweisabnahme durch das Gericht 

muss unter Umständen auch aus Gründen des Opferschutzes abgesehen werden 

(siehe Art. 152-156 StPO). Für diese Fälle empfiehlt es sich, die Einvernahmen in 

der Untersuchung audiovisuell aufzuzeichnen (vgl. BGer 6B_430/2015 vom 

12.06.2015, Erw. 2.3.).  

 Das Gericht verfügt beim Entscheid über die Frage, ob die unmittelbare 

Kenntnis des Beweismittels im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO für die Urteils-

fällung notwendig erscheint, über einen Ermessensspielraum (BGE 140 IV 196; 

Urteil 6B_970/2013 vom 24. Juni 2014 E. 2.1 mit Hinweisen). 

 3.8.4. Die damals rund 16-jährige Privatklägerin wurde im Vorverfahren 

zweimal zur Sache und danach noch einmal - wie nicht vorgesehen - zu den Er-

satzmassnahmen befragt. Die ersten beiden Einvernahmen wurden audiovisuell 

aufgezeichnet. Das Gericht konnte ihre Darstellung hören und sich aufgrund der 

Aufnahmen, welche beide opferfokussiert und in einer Gesamtaufnahme vorlie-

gen, ein eigenes Bild machen über die Aussagen an sich, aber auch über das 

nonverbale Verhalten der befragten Jugendlichen, welche einen altersadäquaten 

Eindruck hinterliess (Urk. 2/4 und Urk. 2/8). Beide Befragungen wurden von der 

Psychologin K._____ beobachtet, wobei sie ihre Wahrnehmungen als Spezialistin 

in Berichten festhielt (Urk. 2/2 und Urk. 2/6).  

 Der Vertreter der Privatklägerin verwies in seinem Plädoyer vor Vorinstanz 

auf die Einschätzung der Psychologin, wonach sich die Privatklägerin sehr gut 

ausdrücken könne, aufgeweckt und intelligent wirke (Urk. 40 S. 4); "Wenn sie 
manchmal ein Wort auf Deutsch nicht findet, dann sagt sie es auf Englisch. Und sie fragt auch ih-

rerseits nach, wenn sie etwas nicht versteht. Den Wortwechsel mit dem Beschuldigten gibt sie auf 

Englisch wieder, da sie sich mit ihm in dieser Sprache unterhalten hat. Ihr Erlebnis schildert sie 

spontan, chronologisch, selbständig und flüssig. Ihre Erinnerungen belasten sie ganz offensichtlich 

und sie scheint sich auch zu schämen. Mehrmals bricht sie in Tränen aus und wirkt dabei verletzt 

und verzweifelt. Sie kann auch Fragen zu Einzelheiten gut beantworten. Als es um sexuelle De-

tails geht beginnt sie wieder zu weinen. Sie hatte Schmerzen und gibt sich zudem selber die 

Schuld; sie meint, sie hätte etwas merken müssen." (Urk. 40 S. 4 f.), und der Privatkläger-

vertreter weiter: "Auch dem Bericht von dipl. Psychologin FH K._____ vom 28. August 2015 
über die zweite Befragung von B._____ vom 27. August 2015 kann nichts entnommen werden, 

- 29 - 

was darauf schliessen lassen könnte, dass B._____ nicht die Wahrheit sagen würde."(Urk. 40 

S. 5). Damit geht offenbar auch der Vertreter der Privatklägerin davon aus, dass 

diese das aus ihrer Sicht Erlebte alters- und sprachmässig adäquat artikulieren 

konnte. Die gewissen Defizite im sprachlichen Ausdruck zufolge englischer Mut-

tersprache wusste sie mittels englischer Wörter zu überbrücken, so dass sie sich 

verständlich und authentisch zu äussern vermochte. Mit diesen Videoaufnahmen 

konnte das Gericht daher nicht nur ihre Darstellung zur Sache entgegen nehmen, 

sondern sich auch einen guten Eindruck über die Privatklägerin verschaffen. 

 3.8.5. Der Anspruch, dem Belastungszeugen Fragen zu stellen, gilt wie ge-

sagt uneingeschränkt nur, wenn dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlag-

gebende Bedeutung zukommt, dieses also den einzigen oder einen wesentlichen 

Beweis darstellt (BGE 129 I 151 E. 3.1 mit Hinweisen).  

 Im vorliegenden Fall stehen sich nicht bloss die Aussagen der Privatklägerin 

und des Beschuldigten gegenüber. Vielmehr dienen als Beweismittel auch die 

Einvernahmen diverser beobachtender Personen. Zwar hat das Bundesgericht in 

seinem Urteil 6B_1251/2014 vom 1. Juni 2015 erwogen, dass auch in einem Fall, 

in dem neben den einander widersprechenden Aussagen des mutmasslichen Tä-

ters und des mutmasslichen Opfers zwei Gutachten vorlagen, welche den ange-

klagten Sachverhalt nicht direkt belegten, sondern lediglich geeignet waren, die 

Sachverhaltsschilderung des Opfers zu stützen, eine eigentliche "Aussage gegen 

Aussage"-Situation vorliege. Es hatte dort jedoch nicht allein daraus eine Not-

wendigkeit einer unmittelbaren Einvernahme der Privatklägerin durch das Beru-

fungsgericht geschlossen, sondern weil deren mentaler Geisteszustand ungeklärt 

war (vgl. BGer 6B_430/2015 vom 12.06.2015, Erw. 2.5. mit Verweis auf BGer 

6B_1251/2014 vom 1. Juni 2015). Der dort beurteilte Sachverhalt unterscheidet 

sich damit von jenem, der vorliegend zu beurteilen ist, in mehrfacher Hinsicht:   

 Vorweg kann auf die obigen Erwägungen verwiesen werden, wonach die 

Privatklägerin in den Videoaufnahmen nicht den Eindruck hinterlassen hat, sie 

habe das Erlebte nicht gehörig darlegen können. Entsprechendes wird - wie er-

wogen - auch nicht von ihrem Rechtsvertreter behauptet, andernfalls er wohl eine 

neuerliche Einvernahme seiner Klientin beantragt hätte, was weder im Vorverfah-

- 30 - 

ren noch Vorvorinstanz der Fall war. Vielmehr liess er im Zusammenhang mit 

dem Verfahren betreffend Ersatzmassnahmen empfehlen, dass weitere Konfron-

tationen der Privatklägerin mit dem Beschuldigten vermieden werden (Urk. 10/14-

15 ). 

 Im Gegensatz zum genannten Bundesgerichtsentscheid, wo neben 

den einander widersprechenden Aussagen des mutmasslichen Täters und des 

mutmasslichen Opfers - lediglich noch - zwei Gutachten vorlagen, dienen im vor-

liegenden Fall als Beweismittel nicht nur Sachbeweise, sondern eben auch Per-

sonalbeweise, nämlich die Einvernahmen mehrere Partygäste. Diese begaben 

sich anklagegemäss und unbestrittenermassen mehrmals in Gruppen zum  

Jacuzzi-Raum, wo sie den Beschuldigten und die Privatklägerin beobachten und 

hören konnten. Dabei kann es sich zwar im einzelnen um Momentaufnahmen 

handeln, so die Vorinstanz (Urk. 55 S. 54), die einzelnen, über den gesamten 

mutmasslichen Tatzeitraum immer wieder erfolgten Beobachtungen ergeben aber 

auch ein Gesamtbild von Wahrnehmungen, welches zur Wahrheitsfindung heran-

gezogen werden kann. Es liegt in keiner Weise ein schlichtes Vier-Augen-Delikt 

vor. 

 Bei der Privatklägerin handelt es sich um eine jugendliche Geschädigte, die 

gemäss Art. 154 lit. b StPO während des ganzen Verfahrens in der Regel nicht 

mehr als zweimal einvernommen werden soll. Die konkrete Vorgehensweise der 

Jugendanwaltschaft steht bereits nicht mehr mit diesem Ansatz im Einklang. Be-

rücksichtigt man überdies den Zeitablauf von fast zwei Jahren seit dem hier zu 

beurteilenden Ereignis und der Gefahr der neuerlichen Traumatisierung mit dem 

aus ihrer Sicht sehr negativ Erlebten, so hat hier die Abwägung der Interessen der 

Verteidigung und diejenigen der Privatklägerin auch im Lichte von Art. 8 EMRK 

zugunsten der minderjährigen Geschädigten auszufallen. Dem einzig durch die 

Verteidigung und auch nur eventualiter gestellten Antrag auf neuerliche Einver-

nahme der Privatklägerin vor Gericht ist daher nicht statt zu geben.  

 3.9. Richtig ist sodann, dass die Jugendanwaltschaft mehrere den Vorfall 

beobachtende Partygäste (die Verteidigung nennt da L._____, M._____, N._____ 

sowie O._____, die Freundin von F._____; Urk. 77 S. 24) nicht einvernommen 

- 31 - 

hat. Andererseits ist es Sache der Untersuchungsbehörde zu entscheiden, wie sie 

den Tatbeweis führen will, solange sie dem Untersuchungs- und Wahrheitsgrund-

satz nachkommt, zur Abklärung, ob und unter welchen Umständen durch wen ei-

ne strafbare Handlung begangen wurde. Der Auswahl der befragten Personen 

mutet zwar etwas Unvollständiges an, sie kann aber noch nicht als Verletzung der 

genannten Grundsätze und damit des Gebots des "fair trials" bezeichnet werden. 

Dies umso weniger, als die Aussagen der tatsächlich Einvernommenen, die auch 

ohne Weiteres zugunsten des Beschuldigten prozessual verwertbar sind, über-

wiegend entlastend ausgefallen sind. Auf die nachträgliche Abnahme dieser Be-

weismittel ist daher ebenfalls zu verzichten, zumal wie erwogen bereits diverse 

Personal- und Sachbeweise vorliegen. 

 3.10. Was die Ärztin des IRM und die Polizistin des Erstkontakts mit der Pri-

vatklägerin betrifft (Urk. 77 S. 45 und 49), ist darauf hinzuweisen, dass es sich 

dabei um deren eigene Wahrnehmungen handelt, welche diese in ihren Rappor-

ten zusammengefasst haben. Gewisse Feststellungen wurden von der Privat-

klägerin selber zugunsten des Beschuldigten relativiert. Eine Beweiserhärtung (im 

Hinblick auf den Vorwurf von Falschaussagen durch die Privatklägerin) durch de-

ren Einvernahme als Zeuginnen erscheint hier ebenfalls nicht angezeigt.  

 3.11. Aus dem Gesagten folgt, dass im Rahmen dieses Rechtsmittelfahrens 

von weiteren Beweisabnahmen abzusehen ist.  

 3.12. Eine Minderheit des Gerichts hat betreffend die Notwendigkeit weiterer 

Beweisabnahmen im Rechtsmittelverfahren ihre abweichende Meinung im Sinne 

von § 124 GOG zu Protokoll gegeben (Prot. II S. 17; Begründung in Urk. 80, wel-

che diesem Urteil beigeheftet ist). 

 4. Würdigung der Beweismittel 

 4.1. Prüfung der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen  

 4.1.1. Zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ist darauf hinzu-

weisen, dass diese zur Sache zweimal (und unüblicherweise nochmals zu den 

Ersatzmassnahmen, welche Einvernahme hier nicht verwertbar ist) befragt wurde. 

- 32 - 

In der ersten Befragung wurde sie als polizeiliche Auskunftsperson, in der zweiten 

als Zeugin einvernommen und dabei in altersadäquater Form u.a. auf die Best-

immungen von Art. 303-305 StGB (Urk. 2/1 S. 2) bzw. Art. 307 StGB (Urk. 2/5 

S. 2) hingewiesen. Die Kenntnis der strengen Strafandrohungen spricht zwar nicht 

generell für eine erhöhte Glaubwürdigkeit der Privatklägerin, wohl aber für einen 

Anreiz, wahrheitsgemäss auszusagen. Zu beachten gilt andererseits, dass die 

Privatklägerin gemäss Anklage die Direktgeschädigte ist, weshalb sie auch emo-

tional am Verfahren beteiligt ist. Sodann liess sie Schadenersatz dem Grundsatz 

nach sowie eine Genugtuung im Umfang von CHF 20'000.00 beantragen (Urk. 40 

S. 2). Damit ist ein gewisses - jedoch nicht im Vordergrund stehendes - finanziel-

les Interesse am Ausgang des Verfahrens gegeben. Es ist jedoch zu berücksich-

tigen, dass ihre Aussagen zu einem Zeitpunkt erfolgten, als sie schwerlich wissen 

konnte, dass sie vom Beschuldigten allenfalls eine finanzielle Entschädigung für 

das aus ihrer Sicht durch ihn erlittene Unrecht verlangen könnte. Diesbezügliche 

Hinweise bestehen jedenfalls nicht, gegenteils wünschte sich die Privatklägerin 

mit der Anzeige vor allem, den Beschuldigten in der Schule nicht mehr zu sehen, 

"aber ich möchte nicht, dass er in prison geht"... "Und ich möchte ihn einfach nicht 

mehr sehen oder mit ihm sprechen" (Urk. 31/1 S. 56 bzw. Urk. 2/3 S. 30).  

 4.1.2. Dass die Privatklägerin den Beschuldigten bewusst und klar zu Un-

recht belasten und selber das Risiko einer Bestrafung durch bewusste Falschaus-

sagen auf sich nehmen sollte, ergibt sich entgegen der Verteidigung nicht ohne 

weiteres. Wie schon die Vorinstanz ausführlich dargelegt hat, versucht diese bzw. 

auch der Beschuldigte persönlich, ein sehr negatives Bild von der Privatklägerin 

zu zeichnen und damit auch ein Motiv zur Falschbelastung herauszuschälen 

(Urk. 55 S. 14 ff.). Sie wird immer wieder beschrieben als liederliches Mädchen. 

So sagte der Beschuldigte bereits in der ersten Einvernahme, die Privatklägerin 

sei eine, die in der Schule einen schlechten Ruf habe, weil sie auf einer vorgängi-

gen Klassenreise mit einem Schulkollegen Sex gehabt habe, der seinerseits eine 

Freundin gehabt habe (Urk. 3/1 S. 4 und 7), dass sie mit jedem "etwas Sexuelles" 

habe (mit Protokollvermerk: "Zungenküsse"; Urk. 3/1 S. 7), sie "von jedem etwas 

wolle" (Urk. 3/1 S. 8), sie nicht sehr beliebt sei in der Schule wegen ihres Rufes 

(Urk. 3/1 S. 10), sie eifersüchtig sei auf ihn, weil er am Anfang dieses (bzw. jenes) 

- 33 - 

Jahres ein Freundin gehabt habe (Urk. 3/1 S. 4) und sie ihn "gestalkt" habe 

(Urk. 3/1 S. 4). Auch an der Hafteinvernahme hielt er an diesem Bild fest, wonach 

die Privatklägerin keinen guten Namen in der Schule habe, man dort wisse, dass 

sie mit jedem ins Bett gehe, sie ihn schon immer "wollte" seit sie in der Schule sei 

und sie eifersüchtig sei, dass er sie nie akzeptiert habe (Urk. 3/2 S. 5). Den 

schlechten Ruf der Privatklägerin als leichtes Mädchen und Stalkerin wiederholte 

er dann in den Einvernahmen vom 23. September 2015, wonach die Privatkläge-

rin Angst gehabt habe, dass ein Video, das von dem Vorfall gemacht worden sei, 

die Runde machen würde, und dann alle auf der Schule davon wissen würden 

(Urk.  3/5 S. 12). Insbesondere sei es der Privatklägerin um D._____, genannt 

D'._____, gegangen. Mit diesem habe die Privatklägerin am Ende des letzten 

Schuljahres Sex gehabt, dieser aber seinerseits habe damals eine Freundin ge-

habt. D'._____s Schwester, N._____, sei am 21./22. August 2015 auch an der 

fraglichen Party gewesen, und die Privatklägerin habe Angst gehabt, dass 

N._____ es D'._____ erzählen würde. Da D'._____ der Privatklägerin danach of-

fenbar geschrieben habe "so cheap", nehme er, so der Beschuldigte weiter, an, 

dass das die Privatklägerin sehr belastet habe (Urk.  3/5 S. 4, 7). In der Einver-

nahme betreffend Ersatzmassnahmen wurde sie von ihm als "in ihren eigenen 

Lügen gefangen" beschrieben (Urk. 10/41 S. 4). Mit der Strafanzeige gegen ihn 

habe sie ihren angeschlagenen Ruf aufbessern wollen (Urk. 3/1S. 4).  

 In diese Richtung geht auch die Strategie der Verteidigung, welche das 

Motiv der Privatklägerin für die Behauptung, sie habe die sexuellen Handlungen 

mit dem Beschuldigten nicht gewollt, als mit aller Klarheit erkennbar bezeichnet 

(Urk. 42 S. 25). Die Privatklägerin habe wegen eines Vorfalls mit D._____ auf … 

und weiteren sexuellen Kurzbeziehungen zu Männern einen schlechten Ruf in der 

Schule. In den Einvernahmen habe sie mehrmals ausgesagt, sie sei nicht so ein 

Mädchen, das jeder gleich haben könne bzw. sie wolle nicht ein solches Mädchen 

sein, "Ich will nicht so einen Ruf haben" (Verweis auf "EV 27.08.215 Frage 70"). 

Sie wolle also nicht diesen Ruf haben, also müsse sie etwas dagegen unterneh-

men: Was liege da näher als zu behaupten, sie habe die sexuellen Handlungen 

mit dem Beschuldigten nicht gewollt. Sie habe unter der früheren Ächtung durch 

die Mitschüler gelitten (Verweis auf "Aussage E._____, act. 4/4 Fragen 44-47"). 

- 34 - 

Als sie realisiert habe, dass alle gewusst hätten, dass sie wieder mit einem jungen 

Mann, der nicht ihr Freund sei, Sex gehabt habe, sei ihr klar geworden, dass ihr 

schon schlechter Ruf in der Schule zusätzlich (und nachhaltig) beschädigt würde - 

daher der Stimmungsumschwung und die Schutzbehauptung, sie habe es nicht 

gewollt. Es komme nicht von ungefähr, dass alle Befragten, welche nicht eine nä-

here Beziehung zum Beschuldigten hätten und als neutral bezeichnet werden 

könnten, von einer Falschanschuldigung zu Lasten des Beschuldigten A._____s 

ausgehen würden (Verweis auf "act. 4/1 Fragen 131 und 13, act. 4/2 Frage 89, 

act. 4/3, Frage 100, act. 4/13 S. 11"). 

 4.1.3. Die Vorinstanz hat sich bereits ausführlich mit der Thematik der be-

haupteten allgemeinen Unglaubwürdigkeit der Privatklägerin befasst. Darauf kann 

vorab verwiesen werden (Urk. 55 S. 14 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Bild der kalt-

schnäuzigen Lügnerin und eines "billigen Mädchens" kann nicht geteilt werden. 

Dagegen spricht nicht nur die erste Aussage des Beschuldigten selber, die Privat-

klägerin habe ihm beim Versuch des vaginalen Eindringens erklärt, sie habe erst 

zwei Mal Sex gehabt (Urk. 3/1 S. 4), was er später bestritt (Prot. I S. 28 f.), wobei 

ihn Ersteres offenbar nicht überrascht hat. Gegen das Bild eines Mädchens, das 

mit jedem ins Bett geht, spricht sodann der Eindruck, den die Privatklägerin in den 

Videoeinvernahmen beim hiesigen Gericht hinterlassen hat (Urk. 2/4 und 

Urk. 2/8), wo sie als eher scheu und zurückhaltend, aber auch besorgt, wahrzu-

nehmen ist. Der über die erste Einvernahme berichtenden Psychologin gegen-

über wirkte sie traurig, still, bedrückt und verletzlich, oft mit Tränen in den Augen. 

Sie fühle sich schuldig und habe offenbar auch Angst, dass ihr nicht geglaubt 

werden (Urk. 2/2 S. S. 1). Auch in der zweiten Einvernahme beschrieb die Psy-

chologin die Privatklägerin als traurig, still und zurückhaltend wirkend (Urk. 2/6 

S. 1). Selbst die Freunde des Beschuldigten bezeichnen sie als "… scheu, intro-

vertiert und eher schüchtern", sie rede nicht viel (Urk. 4/1 S. 3 f.; F._____), 

G._____ gegenüber sei sie immer als unscheinbar vorgekommen, …"dann habe 

ich aber vieles gehört und dachte vielleicht doch nicht." Sie habe nach  

… einen schlechten Ruf bekommen. Sie habe glaublich auch schon was mit zwei 

Freunden von ihr gehabt, was sie aber erst am Abend vor der Einvernahme erfah-

ren habe. Ihr Ruf sei nicht gut. Man sage, sie sei einfach zu haben (Urk. 4/2 S. 4 

- 35 - 

f.). Damit zeichnet die Auskunftsperson G._____ ein nicht nur negatives, sondern 

durchzogenes Bild von der Privatklägerin, das offenbar vor allem mit dem vorlie-

genden Ereignis und der sich daraus auch ergebenden teilweisen Gerüchteküche 

(vgl. Urk. 42 S 31 ff.) ins Negative kippte. H._____ vermochte ihren Charakter 

nicht wirklich zu beschreiben; er habe einiges von seiner Ex-Freundin gehört, 

welches nicht sehr positiv gewesen sei (Urk . 4/3 S. 3 f.). Er sagte aber auch, 

dass die Privatklägerin "generell sehr zurückhaltend" sei (Urk. 4/3 S. 8) und "halt 

nie irgendwie froh" wirke. Sie zeige wenig Emotionen (Urk. 4/3 S. 10). Für 

E._____, die sich als "beste Freundin" der Privatklägerin vorstellte, sei diese im-

mer "die Liebe". Sie versuche immer, es allen recht zu machen. Zur Frage 

"Schlechter Ruf in der Schule", sagte sie, da sei ein Thema gewesen mit einem 

Jungen. Mit dem habe sie was gehabt, der habe eine Freundin gehabt (Urk. 4/4 

S. 3). I._____, Freund eines Freundes des Beschuldigten und mit der Privatkläge-

rin durch die Familienbande "leicht befreundet" Urk. 4/5 S. 4), sagte über sie, sie 

sei ziemlich nett. Auch würde er sie als sozial bezeichnen. Mit Leuten, die sie 

nicht kenne, sei sie eher scheu. Sie besitze in der Schule keinen speziellen Ruf 

(Urk. 4/5 S. 4). Der Zeuge J._____, Freund des Beschuldigten, sagte, er kenne 

die Privatklägerin nicht wirklich (Urk. 4/13 S. 2). Auf die Frage, ob er es sich vor-

stellen könne, dass sie den Beschuldigten falsch beschuldige, damit ihr ohnehin 

schon schlechter Ruf nicht noch schlechter werde, antwortete er: "Ja, das kann 

ich mir sogar sehr gut vorstellen." (Urk. 4/11 S. 13). Da nicht nachgefragt wurde, 

was ihn zu dieser Einschätzung bewog, nachdem er die Privatklägerin ja gar nicht 

wirklich kennen wollte, vermag diese Aussage die allgemeine Glaubwürdigkeit der 

Privatklägerin nicht in Frage zu stellen. 

 4.2.1 Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist 

festzuhalten, dass er im vorliegenden Verfahren nicht unter Strafandrohung zu 

wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet war und als direkt vom vorliegenden 

Strafverfahren Betroffener ein - insoweit legitimes - Interesse daran haben dürfte, 

die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen.  

 4.2.2. Die Privatklägerin ihrerseits zeichnet vom Beschuldigten ein eher ne-

gatives Bild. Sein Charakter sei, "..ähm, Bad Boy, er hört nicht zu. Er ist immer so 

- 36 - 

auf die Grenze, probiert immer schlimme Sachen. Auf Englisch sagen wir Bad 

Boy." Auf Nachfrage zu "Schlimme Sachen", sagte die Privatklägerin aus: "Ich 

glaube, er nimmt manchmal Drogen, hört seinen Eltern nicht zu. Er ist nicht so the 

teacher's pet." (Urk. 31/1 S. 53, Urk. 3/3 S. 28). Diese Vorbehalte erstaunen an-

gesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe und der heutigen Parteirollen nicht, 

vermögen aber die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten für sich alleine nicht wirk-

lich zu beeinträchtigen.  

 4.2.3. Von seinem Freund F._____ wird der Beschuldigte als "diplomatisch, 

lustig, nett und freundlich" (Urk. 4/1 S. 3), von seiner Schulfreundin G._____ als 

"lustig", dafür bekannt, "… dass er die Sachen nicht so ernst nimmt", "ein biss-

chen verpeilt", "fröhlich und aufgestellt" beschrieben, wobei ihm manchmal der 

nötige Respekt den Lehrern gegenüber fehle und er andere manchmal nerve 

(Urk. 4/2 S. 3). H._____, ebenfalls ein enger Schulfreund des Beschuldigten, be-

zeichnete ihn als freundlich und sehr zielstrebig, was die Schule und die Arbeit 

angehe (Urk. 4/3 S. 2). E._____, die Freundin der Privatklägerin, sagte zuerst, sie 

glaube, sie habe im Moment vermutlich eine voreingenommene Meinung wegen 

dem Vorwurf, der gegen ihn bestehe, und bezeichnete ihn in der Folge als "Der 

coole Macker", er kenne jeden und jeder kenne ihn. Er gebe sich immer cool und 

so, wie wenn er nicht viel auf die Schule geben würde. Er sehe alles sehr gelas-

sen (Urk. 4/4 S. 2). Aus diesen Beschreibungen kann und darf (wegen des ent-

sprechenden Verwertungsverbots der nicht konfrontierten Auskunftspersonen) - 

soweit daraus überhaupt negative Charaktereigenschaften zu sehen sind - nichts 

Nachteiliges über den Beschuldigten abgeleitet werden, was gegen seine allge-

meine Glaubwürdigkeit sprechen würde. An dieser im Ergebnis neutralen Ein-

schätzung vermögen auch die Zeugenaussagen von seinem Schulfreund J._____ 

nichts zu ändern (Urk. 4/13), ebenso wenig jene des mit der Privatklägerin be-

freundeten Zeugen D._____, der seine Beziehung zum Beschuldigten als kollegial 

bzw. "nicht immer kollegial" wegen Meinungsverschiedenheiten betreffend eine 

hier nicht beteiligte Frau beschrieb (Urk. 4/14 S. 3). Massgebend ist aber - wie 

gesagt - auch hier primär die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten, 

auf die nachfolgend einzugehen ist.  

- 37 - 

 4.3. Was die allgemeine Glaubwürdigkeit der Auskunftspersonen und Zeu-

gen betrifft, so sind diese - wie oben dargelegt - teilweise mehr mit der Privat-

klägerin, zum Teil mehr mit dem Beschuldigten befreundet. Es sind aber auch 

dort keine Umstände ersichtlich, weshalb auf die Aussagen der Betroffenen, so-

weit sie verwertbar sind, nicht einzugehen sein sollte, zumal auch die Auskunfts-

personen - in altersadäquater Weise - auf ihr Aussageverweigerungsrecht und 

den Inhalt der entsprechenden Strafbestimmungen für Falschaussagen (Urk. 4/1 

S. 1, Urk. 4/2 S. 1, Urk. 4/3 S. 1, Urk. 4/4 S. 1, Urk. 4/5 S. 1) und die Zeugen auf 

ihre grundsätzliche Aussagepflicht und die Folgen eines falschen Zeugnisses 

(Urk. 4/13 S. 1 f., Urk. 4/14 S. 1 f.) hingewiesen wurden. Eine eigentliche offen-

sichtliche Bevorzugung oder ein Schlechtmachen der Hauptprotagonisten ist nicht 

auszumachen, werden doch gewisse Vorbehalte durchaus offen deklariert (so 

insbesondere durch E._____ (Urk. 4/4 S. 2). Unter angemessener Berücksichti-

gung der freundschaftlichen Bande zum Beschuldigten bzw. zur Privatklägerin 

besteht kein Anlass, auf diese Aussagen wegen fehlender Glaubwürdigkeit der 

Personen nicht auf diese einzugehen.  

 5. Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen  

 5.1.1 Bei der nachfolgenden Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der 

ins Verfahren Involvierten ist zunächst auf diejenigen der die Strafuntersuchung 

auslösenden Privatklägerin einzugehen. Die Vorinstanz hat ihre Schilderung des 

Sachverhalts in den diversen Einvernahmen detailliert wiedergegeben (Urk. 55 

S. 27-33), weshalb auf diese zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorweg 

zu verweisen ist (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 5.1.2. Im Sinne einer Zusammenfassung lauten die Aussagen der Privatklä-

gerin zum Kerngeschehen gemäss den Videoeinvernahmen (Urk. 2/4 und 

Urk. 2/8) wie folgt: Der Beschuldigte habe zuerst versucht, sie zu küssen. Dann 

habe er ihre Unterhosen heruntergezogen und habe mit den sexuellen Hand-

lungen begonnen, und zwar gegen ihren mehrfach verbal und durch ihre Körper-

haltung und durch Wegstossen mit den Händen geäusserten Willen, keine sexuel-

len Handlungen zu wollen. Er habe darauf nicht reagiert, sondern immer wieder 

gesagt, sie solle es geniessen. Als er mit den Fingern in ihre Vagina eingedrun-

- 38 - 

gen sei, habe es ihr weh getan. Sie habe gesagt, er solle das nicht tun, sie finde 

das keine gute Idee; er habe aber nicht reagiert, er sei immer härter vorgegangen. 

Dann habe es ihr so weh getan, dass sie sich nicht mehr habe bewegen können. 

Sie habe vergeblich versucht, ihn an den Schultern wegzustossen. Dann habe er 

seine Hosen ausgezogen sowie ihre Unterhosen heruntergezogen und habe ver-

sucht, etwa viermal, mit seinem Penis in sie einzudringen, was aber nicht gelun-

gen sei. Sie habe mehrmals gesagt, dass sie das nicht wolle, zudem habe sie 

sich bewegt, um ihm zu zeigen, dass sie es nicht wolle. Zudem habe sie versucht, 

ihn mit den Händen wegzustossen. Als sie gemerkt habe, dass ihr "nein" nichts 

nütze, habe sie ihm gesagt, er solle ein Kondom benutzen. Er sei auf ihr gelegen, 

ob er sie sonst irgendwie festgehalten habe, könne sie nicht sagen. Dann habe 

der Beschuldigte einen "Blowjob" gewollt. Dabei habe er ihren Kopf so gehalten, 

dass sie auch nicht nach hinten habe ausweichen können. Sie habe immer wieder 

versucht, von der Liege aufzustehen, er habe sie aber stets wieder runter ge-

schoben. Dazu habe er gesagt, man könne nicht etwas anfangen und dann nicht 

beenden. Sie habe schliesslich irgendwann nicht mehr gewusst, was sie noch 

machen könne. Sie habe nur noch gewartet, bis es vorüber gewesen sei. Sie sei-

en danach beide zusammen nach oben gegangen. Zuvor habe sie den Beschul-

digten gebeten, niemandem etwas zu sagen; es sei ihr peinlich gewesen. Oben 

habe sie sich gleich zu ihrer Freundin E._____ gesellt und sei bald darauf mit ihr 

zusammen gegangen.  

 5.2.1 Im angefochtenen Urteil wird auch die Schilderung des Beschuldigten 

ausführlich wiedergegeben (Urk. 55 S. 23-26). Auch auf diese ist vorweg zu ver-

weisen (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 5.2.2. Im Sinne einer Zusammenfassung kann gesagt werden, dass 

der Beschuldigte in der Untersuchung und bei der Vorinstanz den Tatvorwurf der 

diversen sexuellen Handlungen gegen den Willen der Privatklägerin wiederholt 

bestritten und er ausgesagt hat, alle sexuellen Handlungen seien nur einvernehm-

lich erfolgt. Die Initiative dafür sei sogar von der Privatklägerin ausgegangen, in-

dem sie beim Spiel mit der Brause im Fitnessraum ihre Hände an seinem Körper 

abgetrocknet habe (vgl. Urk. 3/5 S. 4, Urk. 3/5 S. 6). So sagte er auch aus, an-

- 39 - 

gefangen habe B._____ (die Privatklägerin) - eben indem sie ihre Hände an sei-

nem Körper abgetrocknet habe -, der Rest sei gemeinsam gewesen, niemand ha-

be den anderen "gepusht" (Urk. 3/5 S. 6). Im Einzelnen wies er die Initiative aber 

doch grösstenteils der Privatklägerin zu, indem sie dann später beim Küssen an-

gefangen habe, seinen Penis über den Kleidern zu berühren (Urk. 3/1 S. 3) und 

zu massieren (Urk. 3/5 S. 4). So habe er gemerkt, dass sie etwas von ihm wolle 

(Urk. 3/2 S. 3). Den Fortgang schilderte er auch so, dass stets die Privatklägerin 

bei den sexuellen Handlungen voranging; so habe sie mit dem Ausziehen begon-

nen, indem sie seine Hose bis zu den Knien nach unten gezogen habe (Urk. 3/1 

S. 3, Urk. 3/2 S. 3, Urk. 3/5 S. 4) und sie habe mit ihrer Hand seinen Penis in ihre 

Vagina einführen wollen (Urk. 3/1 S. 3 und S. 10, Urk. 3/2 S. 5, Urk. 3/5 S. 5). Vor 

dem Versuch der Penetration habe er seinen Finger oder auch zwei in ihre Vagi-

na eingeführt. Sie habe gesagt, es fühle sich gut an (Urk. 3/1 S. 3 und S. 9). Auf 

seinen Vorschlag hin - hier also konzediert er mal seine Initiative -, habe sie sei-

nen Penis in den Mund genommen, bis zum Samenerguss. Nachdem sie zur Par-

ty zurückgekehrt seien, habe die Privatklägerin sich Sorgen gemacht, weil offen-

bar ein Videoclip von ihnen beiden im Fitnessraum gemacht worden sei (Urk. 3/1 

S. 3). Sie habe ihn gebeten, nach diesem Video zu suchen und es zu löschen. Er 

habe zugestimmt. Auf dem Handy von G._____ habe sich dieses Video befunden. 

Allerdings sei fast alles dunkel gewesen, man habe nur das Stöhnen der Geschä-

digten gehört. Er habe es gelöscht und dies der Geschädigten mitgeteilt; sie habe 

sich bedankt (vgl. u.a. Urk. 3/1 S. 3 ff., Urk. 3/5 S. 5 f.).  

 5.3. Aus obigen Darstellungen der Privatklägerin und des Beschuldigten 

ergibt sich, dass der äussere Ablauf des Sachverhalts in den grossen Zügen an 

sich unbestritten ist. Danach ist davon auszugehen, dass die Privatklägerin und 

der Beschuldigte zusammen in den Jacuzzi-Raum gingen, sie sich dort spasses-

halber mit dem ins Jacuzzi eingelaufenen Wasser gegenseitig mit Wasser be-

spritzten, dass es zu einem Versuch des Küssens kam, der Beschuldigte der Pri-

vatklägerin dann am Hals einen Knutschflecken verpasste, sie kitzelte und her-

nach zunächst mit seinen Fingern in ihre Vagina eindrang und dann versuchte, 

mit seinem Penis in ihre Vagina einzudringen. Nachdem das nicht funktioniert und 

die Privatklägerin dabei Schmerzen gehabt hatte, liess der Beschuldigte sich von 

- 40 - 

der Privatklägerin einen "Blowjob" geben. Er ejakulierte in den Mund der Privat-

klägerin. Danach gingen sie wieder hoch zu den andern Partygästen, wo der Be-

schuldigte der Privatklägerin noch was zum Trinken und eine Zigarette gab, bevor 

sie dann mit ihrer Freundin die Party verlassen hat.  

 5.4.1. Die Begegnung des Beschuldigten und der Privatklägerin wurde ge-

mäss Anklageschrift (vgl. Urk. 17 S. 3 Abs. 6) von mehreren Personen beobach-

tet. Es handelt sich daher nicht um ein reines "Vier-Augen-Delikt". Die Augenzeu-

gen und ein nicht anwesender Zeuge machten folgende Aussagen (Zusammen-

fassung mit den hier verwendeten Parteinamen): 

 5.4.2. F._____ will den Beschuldigten etwa 40 Minuten nach dessen Er-

scheinen an der Party überall gesucht haben. Als er die Saunatüre geöffnet habe, 

habe er den Beschuldigten und die Privatklägerin beim Küssen gesehen, auf der 

Doppelliege, der Beschuldigte über der Privatklägerin, beide komplett bekleidet. 

Sie seien schockiert gewesen, als sie ihn gesehen hätten. Der Beschuldigte habe 

ihn angeschaut. Er (der Beschuldigte) sei ein wenig schockiert gewesen. Als sie 

wieder hochgekommen seien, habe die Privatklägerin nicht komisch, sondern 

normal gewirkt, habe rote Wangen gehabt, weil es ihr peinlich gewesen sei. Es 

sei keine Verletzung gewesen (Urk. 4/1 S. 6 ff.). Die Situation habe (unten) nor-

mal ausgesehen. Die Privatklägerin habe auch nichts gesagt (Urk. 4/1 S. 13).  

 5.4.3. G._____ erklärte, einmal unten gewesen zu sein. J._____ habe mit ih-

rem Telefon gefilmt. Als der Beschuldigte davon erfahren habe, sei er ziemlich 

sauer gewesen und habe das Video auf ihrem Telefon gelöscht (Urk. 4/2 S. 6). 

Genau habe sie nicht in den Raum sehen können. Sie habe nur Beine gesehen. 

Der Beschuldigte sei oben gelegen und sie - die Privatklägerin - müsse unten ge-

legen haben. Sie habe es nicht genau gesehen. Die Hosen des Beschuldigten 

seien bis zu den Knien runter gezogen gewesen und er sei auf ihr drauf gelegen 

(Urk. 4/2 S. 7). Geräusche habe sie nicht gehört. Es habe auch niemand etwas 

gesagt von den beiden. Sie seien etwa 20-30 Minuten weg gewesen. Sie glaube, 

dass die Privatklägerin die Aufmerksamkeit genossen habe, bis sie bemerkt habe, 

dass es nicht so gut angekommen sei (Urk. 4/2 S. 9).  

- 41 - 

 5.4.4. H._____ sagte aus, er habe an der Party zusammen mit F._____ den 

Beschuldigten gesucht, weil dieser lange (1-1.5 Stunden) weg gewesen sei. Aus 

Versehen seien sie in den Sauna-Raum gelaufen. Er habe nur kurz durch den 

Türschlitz den Beschuldigten und die Privatklägerin gesehen, wie sie da gelegen 

seien. Sie hätten sich geküsst. Beide seien noch angezogen gewesen. Er habe 

mit beiden kurzen Blickkontakt gehabt, aber vor allem ihre Beine gesehen. Sie 

seien nebeneinander auf dem Rücken gelegen und hätten sich geküsst (Urk. 4/3 

S. 5). Er sei von der Situation nicht überrascht gewesen, weil die beiden schon 

beim Treffen am Bellevue sehr „flirty“ gewesen seien (Urk. 4/3 S. 6). Für ihn habe 

alles ok ausgesehen, ansonsten er etwas zu den beiden gesagt hätte (Urk. 4/3 

S. 7). Sie seien ca. ¾ Stunden, nachdem er sie gesehen habe, wieder hochge-

kommen (Urk. 4/3 S. 8). 

 5.4.5. E._____ sagte, sie sei nie nach unten gegangen. Als die Privatkläge-

rin wieder hochgekommen sei, habe die Privatklägerin ihr gesagt, dass sie das 

Ganze nicht gewollt habe und dass sie ihm gesagt habe, dass er aufhören solle. 

Er habe jedoch nicht aufgehört (Urk. 4/4 S. 9). Sie habe ihr nur erzählt, dass er 

sie in den Jacuzzi-Raum eingeladen habe. Er habe sie angespritzt, was sie nicht 

gewollt habe. Dann habe er sie aufs Bett geschmissen. Mehr habe sie ihr nicht 

erzählt. Sie habe aufgebracht gewirkt, mehr sauer als traurig. Sie – E._____ – 

habe direkt raus gehen wollen, da sie gehört habe, was passiert sei. Die Privat-

klägerin habe drinnen auf das Taxi warten wollen. Irgendwann nach dem Vorfall 

habe der Beschuldigte der Privatklägerin noch einen Drink gebracht. Im Taxi sei 

diese dann zusammengebrochen und sie – E._____ – habe dann die Privatkläge-

rin getröstet (Urk. 4/4 S. 11). 

 5.4.6. I._____ gab zu Protokoll, er sei in der ersten Gruppe gewesen, die 

nach unten zum Jacuzzi-Raum gegangen sei. Gesehen habe er persönlich nichts 

(Urk. 4/5 S. 5). Aus der Facebook-Kommunikation am folgenden Morgen habe ihr 

die Privatklägerin (u.a. [auf die Belastungen des Beschuldigten ist mangels Kon-

frontation nicht näher einzugehen]) über den Vorfall mit dem Beschuldigten ge-

schrieben, dass es sich komisch anhöre, aber es habe sich manchmal gut ange-

fühlt (Urk. 4/5 S.7, mit angehängter Facebook-Kommunikation). 

- 42 - 

 5.4.7. Der Zeuge J._____ sagte aus, der Beschuldigte und die Privatklägerin 

seien etwa 25-40 Minuten weg gewesen. Sie hätten sich gewundert. Eine Gruppe 

sei dann runtergegangen, er auch einmal. Er habe Stimmen gehört, eine weibli-

che, aber nichts verstanden. Er habe nicht in den Raum sehen können. Oben ha-

be er gesehen, wie der Beschuldigte der Privatklägerin einen Drink gebracht ha-

be, „ich würde nicht sagen in bester Laune, aber in guter Laune, freundschaftlich 

angenommen.“ (Urk. 4/13 S. 11). Es sei bemerkbar gewesen, dass sich die Laune 

der Privatklägerin verschlechtert habe, nachdem die Anwesenden erfahren hätten 

– und die Privatklägerin davon gewusst habe -, dass sie mit dem Beschuldigten 

unten in der Sauna gewesen sei (Urk. 4/13 S. 12).  

 5.4.8. Der Zeuge D._____, der zuvor auf der Klassenfahrt nach … schon 

mal mit der Privatklägerin einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt habe, 

habe am Tag nach dem Vorfall von seiner Schwester erfahren, was an der Party 

passiert sei (Urk. 4/14). Er habe dann der Privatklägerin eine Nachricht auf Face-

book geschrieben, in der er sein Unwohlsein über die ganze Situation ausge-

drückt habe. Die Text-Nachricht mit dem Inhalt „so cheap“ von der Facebook-

Plattform konnte er zu den Akten reichen (Urk. 4/16), eine weitere – What’s App-

Nachricht mit dem Text „I get so horny when I’m drunk“ - sei nicht mehr vorhan-

den (Urk. 4/14 S. 5 und 10 und Urk. 4/16). 

 6. Würdigung des IRM Gutachtens 

 Das medizinische Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung der 

Privatklägerin vom 16. September 2015 (Urk. 6/4) ist grundsätzlich mit der Dar-

stellung der Privatklägerin wie auch derjenigen des Beschuldigten vereinbar. Eine 

besondere Belastung des Beschuldigten ergibt sich daraus nicht, zumal selbst die 

Privatklägerin einräumen musste, dass sie gewisse Spuren nicht kannte oder 

nicht wusste, woher die stammten (zu den einzelnen Feststellungen vgl. Urk. 2/7 

S. 16).  

 

 

- 43 - 

 7. Gesamtwürdigung 

 7.1.1. Die Aussagen des Beschuldigten sind im Kern widerspruchsfrei und 

decken sich – wie gesagt – betreffend den äussern Ablauf der Dinge auch mit je-

nen der Privatklägerin und im Randgeschehen mit diversen Dritten. Dass die 

Aussagen des Beschuldigten mit Bezug auf die behaupteten nötigenden Hand-

lungen diesbezüglich über die diversen Einvernahmen deckungsgleich sind, er-

staunt angesichts des konstanten Bestreitens nicht weiter. Eher negativ fällt auf, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin wiederholt als „leichtes Mädchen“ und 

„Stalkerin“ darstellt und ihren schlechten Ruf in der Schule betont sowie zu den 

sexuellen Handlungen eigentlich verführt worden sein will. Letzteres zeigt sich da-

rin, dass er die Initiative – ausser beim Übergang vom gescheiterten Ge-

schlechtsverkehr zum Oralverkehr – immer der Privatklägerin zuschiebt. In dieses 

Bild passt auch, dass er den Verkehr auch ohne Kondom durchzuziehen ver-

suchte bzw. es oral auch tat. Er zeigte damit in den Einvernahmen nicht nur eine 

gewisse Externalisierungs-, sondern auch eine Verharmlosungstendenz.  

 7.1.2. Die Vorinstanz hat die Widersprüche in den Aussagen des Beschul-

digten zu den Umständen des Oralverkehrs dargelegt (Urk. 55 S. 53). Auf diese 

kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Ergebnis tragen diese jedenfalls 

nicht viel zur Bestätigung seiner Darstellung bei.  

 7.1.3. Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass aufgrund der 

ständigen Diskreditierung der Privatklägerin, des Abschiebens der eigenen Ver-

antwortung sowie der Widersprüche im Ablauf der Handlungen der Schilderung 

des Beschuldigten nicht ohne weiteres gefolgt werden kann, wonach sämtliche 

sexuellen Handlungen mit der Privatklägerin am 21./22. August 2017 einvernehm-

lich gewesen seien. 

 7.2.1. Bei der Aussagenwürdigung betreffend die Privatklägerin ist vorab in 

Erinnerung zu rufen, dass es sich bei der Privatklägerin im Zeitpunkt der vor-

geworfenen Taten und der kurz darauf erfolgten Einvernahmen um ein rund  

16-jähriges Mädchen handelte. Sie ist eigentlich englischer Muttersprache 

(Urk. 31/1 S. 3), die Einvernahmen wurden aber auf Deutsch durchgeführt, wel-

- 44 - 

che Sprache sie auch gut beherrscht (vgl. Urk. 2/4 und Urk. 2/8). Aus Sicht der 

berichtenden Psychologin entspricht die geistige und körperliche Entwicklung der 

Privatklägerin ihrem Alter (Urk. 2/2 S. 1 und Urk. 2/6 S. 1), welchen Eindruck sie 

bei der Durchsicht der Videos auch dem urteilenden Gericht hinterliess. In ihrer 

ganzen Haltung wirkt sie eher zurückhaltend und scheu.  

 7.2.3. Was die Fragetechnik der einvernehmenden Polizistin betrifft, wurden 

von der Verteidigung immer wieder Suggestivfragen bzw. unangebrachtes oder 

dann fehlendes Nachhaken gerügt (Urk. 30 S. 1 ff., Urk. 42 S. 1 ff.). Dies trifft teil-

weise zu und musste auch vom (später zuständigen) Jugendanwalt an der  

vorinstanzlichen Hauptverhandlung eingeräumt werden. Zwar ist die Frage-

stellung dem Alter des unmündigen Opfers anzupassen, für eine 16-jährige junge 

Frau, die schon sexuelle Erfahrungen, inklusive Geschlechtsverkehr hatte, wirkten 

die Fragen der einvernehmenden Polizistin aber teilweise doch wie Hilfe-

stellungen, obwohl hier blosse Denkanstösse und ganz offene Fragen die Privat-

klägerin weder kognitiv noch sprachlich überfordert hätten, auch wenn es sich um 

ein schambehaftetes Thema handelte (vgl. zu dieser Thematik auch Susanna 

Niehaus, Begutachtung der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen, FamPra.ch-

2010-315 ff., 320).  

 Als Beispiel sei aus der ersten Einvernahme auf die Fragen um den ersten 

Geschlechtsverkehr (Urk. 31/1) mit D'._____ verwiesen (Urk. 31/1 S. 10), sodann 

zum Beschuldigten gleich auf S. 13: "Ich habe probiert so mit meinen Händen ihn 

so…" Frage der Polizistin: "Wegzustossen?", oder S. 18: "Ja, und dann hat er 

probiert…" Frage der Polizistin: "Dich zu küssen?", weiter auf S. 19 zum ersten 

näheren Kontakt mit dem Beschuldigten, wann der war: Polizistin: "Also vor 

Weihnachten, vor den Ferien?", Privatklägerin: "Ja, ich bin nicht sicher.", Polizis-

tin: "Ich nehme an, du warst noch im Unterricht, Ihr hattet noch Schule?", oder 

S. 21 zu den Kleidern, die sie damals getragen habe: Polizistin: "Ein Rock. Und 

darunter? Privatklägerin: "Unterhosen", Polizistin: "Und sonst nichts? Im Dezem-

ber?", oder später auf S. 43: Privatklägerin: "… Ich habe probiert so weg zu ge-

hen, aber…,  Polizistin: "Keine Chance. Also du wolltest aufstehen, konntest aber 

nicht, weil er dich gehalten hat?" Privatklägerin: "Ja." Polizistin: Wo hat er dich 

- 45 - 

festgehalten?" Privatklägerin: "Das erinnere ich mich nicht." Polizistin: "Als er dich 

am Kopf gehalten hat, wie war er da? Wie war seine Position?", und S. 43: Poli-

zistin: "Also bist denn du gelegen, als er vor dir gekniet ist?", Privatklägerin: "Nein, 

ich habe versucht aufzu…", Polizistin: "Also bist wie gesessen?", S. 47: Polizistin: 

“Hat er dir irgendwie gedroht?", Privatklägerin: "Was bedeutet das?", Polizistin: 

"Gedroht? Ähm, hat er zum Beispiel gesagt, du darfst niemandem etwas sagen 

oder sonst passiert was?" Privatklägerin: "Nein“, und S. 54: Polizistin: „Weißt du, 

ob er so etwas schon mit andern gemacht hat?“, Privatklägerin: „Like Sex?“, Poli-

zistin: „Ja.“, Privatklägerin: „Das hat er schon gemacht.“, Polizistin: "Aber weißt 

du, so gegen den Willen der Frau?“, Privatklägerin: „Das weiss ich nicht.“, Polizis-

tin: „Das weißt du nicht. Dir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass da schon mal 

was gewesen wäre?“, Privatklägerin: Schüttelt den Kopf (S. 53 f.).  

 Nichts desto trotz wies der Jugendanwalt zu Recht darauf hin, dass das Er-

gebnis der Einvernahme, die Aussagen der Privatklägerin und ihr nonverbales 

Verhalten, deswegen nicht ganz unbrauchbar seien (Urk. 30 S. 4), weshalb nach-

folgend der Inhalt der Aussagen und das ganze Verhalten der Privatklägerin in 

den Befragungen zu analysieren ist. 

 7.2.4. Die Privatklägerin zeigte sich in den Aussagen eher zurückhaltend  

(was teilweise auch das ständige Nachhaken der Polizistin erklären kann) und 

wollte den Beschuldigten offenbar nicht unnöti