# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 529e0200-817a-5113-879e-7368573b97f8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.09.2021 D-3058/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3058-2021_2021-09-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3058/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richterin Mia Fuchs, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sarah Rutishauser. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Algerien,   

vertreten durch Bülent Zengin, Rechtsschutz für  

Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region Bern,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist);  

Verfügung des SEM vom 11. Juni 2021 / N (…). 

 

 

 

D-3058/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein minderjähriger algerischer Staatsangehöriger 

arabischer Ethnie und muslimischen Glaubens – suchte am 11. April 2021 

in der Schweiz um Asyl nach.  

B.  

Der Beschwerdeführer wurde jeweils im Beisein seines Rechtsvertreters 

am 20. April 2021 zu seiner Person, dem Reiseweg und summarisch zu 

den Fluchtgründen befragt (BzP) und am 2. Juni 2021 vertieft zu seinen 

Asylgründen angehört. Er machte im Wesentlichen geltend, seinen Hei-

matstaat aufgrund der schwierigen Lebensumstände, seiner Armut und 

Perspektivenlosigkeit verlassen zu haben. Zudem hätten in seiner Familie 

schwierige Lebensumstände geherrscht (Streitigkeiten zwischen den El-

tern wegen finanzieller Probleme), die ihn auch psychisch belastet hätten. 

Im Weiteren sei er von einem Nachbarn bei einem Streit damit bedroht 

worden, von diesem bei der Polizei des Drogenverkaufs falsch beschuldigt 

zu werden. Deshalb habe er eine Gefängnisstrafe befürchtet. Mit Hilfe sei-

nes ältesten Bruders und eines Freundes habe er 1000 Euro für die Reise 

in die Schweiz, über welche er seine Eltern nicht vorgängig informiert habe, 

gesammelt. Betreffend Familiensituation führte er aus, er habe vier Brüder 

und drei Schwestern. Alle, ausser der verheirateten ältesten Schwester, 

würden in Chlef bei den Eltern wohnen. Er selbst habe der Arbeit wegen 

auch ein oder zwei Jahre bei Verwandten der Mutter in Oran gelebt. Zu 

seinem ältesten Bruder, seinen Eltern und zu Freunden habe er regelmäs-

sig Kontakt. Seine Eltern würden sich nicht mit dem Internet auskennen, 

weshalb die Verbindung zu ihnen über seinen Bruder via Facebook Mess-

enger hergestellt werde.  

C.  

Das am 20. April 2021 vom SEM in Auftrag gegebene Altersgutachten der 

Universität Bern vom 10. Mai 2021 ergab, dass das vom Beschwerdeführer 

angegebene Geburtsdatum beziehungsweise sein Alter von fünfzehn Jah-

ren und elf Monaten plausibel sei. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. Juni 2021 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.  

D-3058/2021 

Seite 3 

E.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. Juli 2021 erhob der Beschwer-

deführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.  

Er beantragte die Aufhebung des angeordneten Wegweisungsvollzugs und 

die Rückweisung der Sache zwecks Abklärung des Sachverhalts an die 

Vorinstanz. Gleichzeitig ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses.  

Der Beschwerde legte er eine Anwaltsvollmacht vom 16. April 2021 und 

den vorinstanzlichen Entscheid vom 11. Juni 2021 bei. 

F.  

Am 5. Juli 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der 

Beschwerde.  

G.  

Der Instruktionsrichter stellte am 7. Juli 2021 fest, der Beschwerdeführer 

dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, hiess das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig erhielt 

die Vorinstanz Gelegenheit zur Vernehmlassung bis zum 19. Juli 2021. 

H.  

Das SEM hielt innert erstreckter Frist in seiner Stellungnahme vom 30. Juli 

2021 an seinem Entscheid fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

I.  

Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 4. August 2021 erhielt der Be-

schwerdeführer Gelegenheit zur Replik, welche er innert Frist am 19. Au-

gust 2021 wahrnahm. Gleichzeitig reichte der Beschwerdeführer einen Be-

richt des Notfallzentrums der Berner Universitätsklinik für Kinder- und Ju-

gendpsychiatrie und Psychotherapie (NZKJP) vom 28. Juni 2021 ein.  

 

 

 

D-3058/2021 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG, Art. 10 

COVID-19-Verordnung Asyl [SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den verfügten Vollzug der 

Wegweisung. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung 

des Asylgesuchs und die Wegweisung an sich blieben hingegen unange-

fochten und die entsprechenden Dispositivpunkte der angefochtenen Ver-

fügung sind damit in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegen-

den Beschwerdeverfahrens bildet damit einzig die Frage, ob der Wegwei-

sungsvollzug vom SEM zu Recht als durchführbar bezeichnet und verfügt 

wurde. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

 

4.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

D-3058/2021 

Seite 5 

möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-

lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 

Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

 

5.  

Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver-

pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-

länders in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen 

(Art. 83 Abs. 3 AIG). 

 

Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist – wie 

von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 

AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-

rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

 

Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte 

(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der 

Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernsthafte Risiko ("real 

risk") glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder 

unmenschliche Behandlung droht (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi ge-

gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus 

den Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen.  

 

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Seite 6 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

 

6.   

6.1  

Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund 

von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-

scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-

gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-

nahme zu gewähren. Der Beschwerdeführer untersteht als unbegleiteter 

minderjähriger Asylsuchender (UMA) den Normen der Kinderrechtskon-

vention (KRK). Das Kindswohl gemäss Art. 3 KRK und die aus der KRK 

fliessenden Rechte sind im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung von Art. 83 

Abs. 4 AIG als gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2014/20 

E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). Im Rahmen einer gesamtheitlichen 

Beurteilung sind unter dem Aspekt des Wohls des Kindes folgende Krite-

rien von Bedeutung: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, 

Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen 

(insbesondere Unterstützungsbereitschaft und – fähigkeit), Stand und 

Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung sowie der Grad der erfolgten 

Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 

2015/30 E. 7.3 und 2009/51 E. 5.6). Ferner hat die zuständige Behörde 

gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung von unbegleiteten min-

derjährigen Personen sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem 

Familienmitglied, einem Vormund oder – wo dies nicht möglich ist – einer 

geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben werden, welche den Schutz 

des Kindes gewährleisten (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3 m.w.H.; EMARK 2006 

Nr. 24 E. 6.2.4). Die Rückreisemodalitäten (Begleitung der UMA, Ort und 

Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatstaat etc.) können aber auch 

erst im unmittelbaren Vorfeld der Rückkehr geregelt werden (vgl. EMARK 

1998 Nr. 13 E. 5e.bb S. 100). Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, 

ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu 

gewähren. 

 

6.2 Vorab ist festzuhalten, dass in Algerien weder Krieg, Bürgerkrieg noch 

eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, auch wenn seit Ende Februar 

2019 regelmässig Massenproteste stattfinden – mit Unterbruch infolge von 

COVID-19-Beschränkungsmassnahmen –, zumal das Militär bisher im 

Umgang mit Demonstranten Zurückhaltung zeigte und sich weigerte, die 

von der Opposition abgelehnten Präsidentschaftswahlen gewaltsam 

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Seite 7 

durchzusetzen (vgl. Spiegel Online, Afrikas größtes Land rutscht in die 

Krise, 04.06.2019, https://www.spiegel.de/politik/ausland/machtkampf-in-

algerien-afrikas-groesstes-land-rutscht-in-die-krise-a-1270777.html, abge-

rufen am 26.08.2021; vgl. Amnesty International Report 2020/2021, AI – 

Amnesty International: „Amnesty International Report 2020/21; The State 

of the World's Human Rights; Algeria 2020“, Dokument #2048625 - 

ecoi.net, abgerufen am 26.08.2021). Der Wegweisungsvollzug ist deshalb 

nicht generell als unzumutbar zu bezeichnen. 

 

6.3 Die Vorinstanz hielt bezüglich der individuellen Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs im Wesentlichen fest, es könne von einem tragfähigen 

familiären und sozialen Netz des Beschwerdeführers in Algerien ausge-

gangen werden. Er sei dort aufgewachsen, verfüge über eine ordentliche 

Schulbildung und über mehrjährige Arbeitserfahrung als Maler/Gipser/Sa-

nitär, was ferner auch einen gewissen Grad an Selbständigkeit und Reife 

beweise. Vor der Ausreise habe er zusammen mit seinen Geschwistern bei 

seinen Eltern in Chlef wie auch ein oder zwei Jahre bei Verwandten müt-

terlicherseits in Oran gelebt. Gemäss seinen Vorbringen lebten seine El-

tern und seine Geschwister immer noch zusammen in Chlef und es be-

stehe ein regelmässiger Kontakt zu diesen wie auch zu Freunden. Die gel-

tend gemachten schwierigen Lebensumstände beziehungsweise Streitig-

keiten zwischen seinen Eltern seien durch die unsichere finanzielle Lage 

begründet gewesen, was jedoch nicht darauf hinweise, dass sein familiä-

res Umfeld nicht willens oder imstande wäre, ihn wiederaufzunehmen und 

zu unterstützen. Schliesslich sei ihm auch von seinem ältesten Bruder und 

von Freunden geholfen worden, eine beträchtliche Geldsumme für die 

Reise zu sammeln. Dadurch dass der Beschwerdeführer Algerien erst vor 

wenigen Monaten verlassen und im Zeitpunkt des Asylentscheides erst 

knapp zwei Monate in der Schweiz gelebt habe, sei weder von einer Ver-

wurzelung noch von einer fortgeschrittenen Integration oder Bindung an 

die Schweiz auszugehen. Es sei anzunehmen, dass die bereits vor der 

Ausreise bestandene enge Bindung zu Familie und Verwandten wie auch 

sein Werdegang eine Rückkehr und Wiedereingliederung in seinem Hei-

matstaat erleichterten. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdefüh-

rers erweise sich daher als zumutbar. 

 

Im Weiteren wies die Vorinstanz darauf hin, die vor der Ausreise des Be-

schwerdeführers vorhandenen Suizidgedanken aufgrund seiner dargeleg-

ten schwierigen Lebensumstände änderten nichts an der Einschätzung der 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Im Zeitpunkt der Befragungen 

https://www.ecoi.net/de/dokument/2048625.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2048625.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2048625.html
https://www.ecoi.net/de/dokument/2048625.html

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Seite 8 

und während des Aufenthaltes im Bundesasylzentrum (BAZ) sei sein Ge-

sundheitszustand gemäss eigenen Angaben gut gewesen. Ferner könne 

einer allfälligen psychischen Erkrankung im Wilaya Chlef in der Psychiatri-

schen Klinik in Ténès oder im Universitätskrankenhaus Oran Rechnung 

getragen werden.  

 

6.4 Dieser Auffassung hielt der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene 

entgegen, die Vorinstanz habe es unterlassen, konkrete Abklärungen zu 

seiner Unterbringung und Versorgung in Algerien vorzunehmen. Sie stütze 

sich einzig auf Vermutungen und Annahmen, womit sie ihre Pflicht zur rich-

tigen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes 

verletzt habe. Anstelle eines pauschalen Hinweises auf ein intaktes, trag-

fähiges und soziales Netzwerk, welches ihn bei einer Rückkehr unterstüt-

zen könne, hätte vielmehr vorgängig festgestellt werden müssen, wem ge-

nau der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr übergeben werden könnte 

(Familie oder Institution), ob die Familienangehörigen sich noch am Her-

kunftsort befänden, wie auch ob die Unterbringung zu Hause bei den Eltern 

überhaupt dem Kindeswohl entspräche. Aus den Umständen, dass der Be-

schwerdeführer einerseits sein Zuhause dreizehnjährig für die Aufnahme 

einer Arbeitstätigkeit verlassen und andererseits seine Eltern vorgängig 

nicht über seine Ausreise informiert habe, sei zu schliessen, dass keine 

enge Bindung zu den Eltern bestehe. Er habe mehrere Male über schlimme 

Umstände und den dadurch verursachten Druck, welcher Suizidgedanken 

zur Folge gehabt habe, berichtet. Am 28. Juni 2021 habe der Beschwerde-

führer im BAZ mit Suizid gedroht, weswegen er ins NZKJP eingeliefert wor-

den sei.  

 

6.5 Die Vorinstanz bestätigte in ihrer Vernehmlassung vom 30. Juli 2021 

hauptsächlich ihre Sicht der bestehenden tragfähigen familiären Gemein-

schaft, weshalb keine Abklärungen vor Ort nötig gewesen seien. Im Übri-

gen seien die Schilderungen des Beschwerdeführers im Zusammenhang 

mit dem Kindeswohl beziehungsweise zu seiner familiären Situation äus-

serst vage geblieben und seine schwierigen Lebensumstände hätten, ab-

gesehen vom finanziellen Druck auf die Familie, trotz intensiver Befragung 

nicht erklärt werden können. Alsdann könnten suizidale Tendenzen nöti-

genfalls vorgängig medikamentös und therapeutisch entgegengewirkt und 

bei einer Rückführung mit medizinischen Massnahmen Rechnung getra-

gen werden.  

 

6.6 In der Replik vom 19. August 2021 verwies der Beschwerdeführer – 

nebst der Wiederholung seiner Beschwerdevorbringen – auf den Bericht 

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Seite 9 

des NZKJP vom 28. Juni 2021 (act. 8, inkl. Beilage). Er hielt hierzu fest, 

dass aufgrund dessen nicht von einem Interesse seiner Familie an seinem 

Wohlergehen ausgegangen werden könne. 

 

Dem erwähnten Bericht sei zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer 

durch ein Telefonat mit seinen Eltern, welche ihn um Unterstützung gebe-

ten hätten und weil ihn seine Katze aufgeregt habe, ein sehr starker Druck 

wie auch Wut ausgelöst worden seien, worauf er sich als akute temporäre 

Gefühlsreaktion (akute Belastungsreaktion) suizidal geäussert habe. Er 

habe sich alsdann beim NZKJP von Suizidgedanken und von akuter 

Selbst- und Fremdgefährdung aber klar distanzieren können. Es seien 

beim Beschwerdeführer schnelle Stimmungswechsel mit Wut, Verzweif-

lung und einer Tendenz zu sehr expressivem Verhalten hinsichtlich der 

neuen Lebenssituation in der Schweiz festgestellt worden. Eine ambulante 

Psychotherapie sei indiziert (mögliche Posttraumatische Belastungsstö-

rung; PTBS). 

 

6.7 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass der Beschwerdeführer mit seiner Rüge, die Vorinstanz habe 

den Sachverhalt mit Blick auf das Kindeswohl unvollständig abgeklärt, nicht 

durchdringt. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die zutreffen-

den Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid E. III Ziff. 2 

sowie hiervor zusammenfassend E. 6.3 und E. 6.5 verwiesen werden. Die 

Ausführungen auf Beschwerdeebene führen zu keiner anderen Betrach-

tungsweise. Auf sie ist im Folgenden näher einzugehen.  

 

Zusätzlich zu den bereits vor der Vorinstanz ausgeführten «schlimmen Le-

bensumständen», welche ihn psychisch belasteten, machte der minderjäh-

rige Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift eine Kindeswohlge-

fährdung sowie Suizidalität als Wegweisungsvollzugshindernisse geltend. 

Aus der ärmlichen Lebens- beziehungsweise Familiensituation des Be-

schwerdeführers ist jedoch keine Verletzung des Kindeswohls durch sein 

familiäres Umfeld ersichtlich. Vielmehr zeichnet sich eine enge Verbunden-

heit mit seiner Familie dadurch aus, dass er mit seinen Eltern und sechs 

von sieben Geschwistern unter einem Dach lebte und gemeinsam mit sei-

nem Vater und seinem ältesten Bruder finanziell für den Familienunterhalt 

sorgte. Ebenso zeugt sein Aufenthalt bei Verwandten zwecks Ausübung 

einer Arbeitstätigkeit auch ausserhalb der Kernfamilie von intakten ver-

wandtschaftlichen Banden. Der Beschwerdeführer pflegte alsdann sowohl 

während der Überfahrt wie auch nach der Einreise in die Schweiz einen 

D-3058/2021 

Seite 10 

konstanten, regelmässigen Kontakt zu seinem familiären und freundschaft-

lichen Umfeld, insbesondere auch zu seinen Eltern. Für das Sammeln des 

Reisegeldes erhielt der Beschwerdeführer gar finanzielle Unterstützung 

von einem Bruder, aber auch von einem Freund. Der Beschwerdeführer 

macht denn auch nicht geltend, es sei ihm gegenüber Gewalt seitens der 

Familie beziehungsweise von den Eltern angetan worden oder es sei sol-

che von diesen zu befürchten. In der Folge gelingt es dem Beschwerde-

führer nicht, eine fehlende enge Familienbindung oder in dieser Konstella-

tion gar eine Kindswohlgefährdung darzulegen. Bei den geltend gemach-

ten gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers kann so-

mit auch nicht davon ausgegangen werden, dass sich diese durch ein prob-

lematisches Familienumfeld begründen liessen. Da durch seine Ausreise 

sein finanzieller Beitrag an die Familie wegfiel, erstaunt es auch nicht, dass 

ihn seine Eltern – wie am 28. Juni 2021 geschehen (act. 8, Beilage) – um 

weitere Unterstützung baten. Dadurch mag er sich in einer für ihn möglich-

erweise unangenehmen, jedoch nicht kindeswohlgefährdenden Situation 

befinden. Im Gegenteil zeugt dieser Umstand erneut von einem engen Fa-

milienverbund. Jedenfalls vermag das Argument des Beschwerdeführers 

in der Replik nicht zu überzeugen, die Eltern seien nicht an seinem Wohl-

ergehen interessiert. Vielmehr ist anzunehmen, die Eltern würden an der 

Rückkehr des Sechzehnjährigen in die Familie und finanzieller Unterstüt-

zer vor Ort durchaus Vorteile erspähen. Mit dem Einwand des Beschwer-

deführers, ohne vorgängige Kenntnis der Eltern seinen Heimatstaat verlas-

sen zu haben, kann – sofern dies überhaupt zutreffen sollte – eine enge 

Bindung ebenfalls nicht widerlegt werden (Beschwerde, S. 6). Auch der 

blosse Umstand, dass in Algerien weder derselbe Lebensstandard wie in 

der Schweiz herrscht noch dieselben Perspektiven (für Jugendliche) gege-

ben sind, reicht nicht aus, um eine Kindeswohlgefährdung zu begründen.  

 

Unter Berücksichtigung seines fortgeschrittenen jugendlichen Alters, sei-

nes bereits vorhandenen beruflichen Werdeganges sowie der geplanten 

und umgesetzten Reise in die Schweiz zwecks Führens eines besseren 

Lebens, darf von einer beträchtlichen Reife und Selbständigkeit des min-

derjährigen Beschwerdeführers ausgegangen werden. Infolge seiner Ar-

beitserfahrung dürfte er in Algerien wieder eine Tätigkeit finden. Zudem 

wuchs er in seinem Heimatstaat auf, hat diesen bis zur Ausreise nicht ver-

lassen und ist erst seit ungefähr fünf Monaten in der Schweiz. Es ist anzu-

nehmen, dass er durch die Rückkehr nicht entwurzelt wird und auch prob-

lemlos wieder an bestehende Beziehungen und Freundschaften (welche 

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Seite 11 

er ohnehin telefonisch aufrechterhalten hat) anknüpfen sowie sich im Hei-

matstaat wiedereingliedern kann. Eine Kindeswohlgefährdung ist auch un-

ter diesen genannten Aspekten nicht erkennbar.  

 

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann nur dann aus medi-

zinischen Gründen auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ge-

schlossen werden, wenn eine notwendige Behandlung im Heimatland nicht 

zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefähr-

denden Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der betroffenen Per-

son führt (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 

2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Dabei wird dieje-

nige allgemeine und dringende medizinische Behandlung als relevant er-

achtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut 

notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls nicht bereits dann vor, wenn 

im Heimat- oder Herkunftsstaat nicht eine dem hohen schweizerischen 

Standard entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 

2009/2 E. 9.3.2). Die psychischen Belastungen des minderjährigen Be-

schwerdeführers werden nicht in Abrede gestellt, jedoch sind sie nicht als 

derart gravierend zu qualifizieren, als dass sie bei einer Rückkehr nach 

Algerien zu einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des 

Gesundheitszustandes führen würden. Sodann ist von der grundsätzlichen 

Behandelbarkeit der Probleme im Heimatstaat auszugehen. Diesbezüglich 

hat das Bundesverwaltungsgericht die Zumutbarkeit des Vollzugs von 

Wegweisungen psychisch beeinträchtigter abgewiesener Asylsuchender 

nach Algerien in jüngerer Zeit wiederholt festgestellt (vgl. zuletzt etwa die 

Urteile des BVGer E-1175/2021 vom 22. März 2021 E. 8.3.3 [depressive 

Symptome nach Gewalterfahrung und Folter, PTBS], E-5977/2020 vom 

17. März 2021 E. 10.3 [unter anderem paranoide Schizophrenie, psychi-

sche Verhaltensstörungen und selbstschädigendes Verhalten], E-55/2021 

vom 26. Januar 2021 E. 9.4.2. ff. [Suizidalität]). Insbesondere ist in Alge-

rien der Zugang zu ambulanten psychologischen und psychiatrischen Be-

handlungen gewährleistet, auch wenn die algerischen Qualitätsstandards 

und Behandlungsmethoden nicht den schweizerischen Standards entspre-

chen mögen. 

 

Allfälligen suizidalen Tendenzen wäre durch geeignete Massnahmen 

Rechnung zu tragen, dadurch wird jedoch nicht die Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzuges begründet. Wie bereits von der Vorinstanz festge-

halten, besteht die Möglichkeit, bei ihr bei Bedarf einen Antrag auf Gewäh-

rung individueller medizinischer Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 

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Seite 12 

Bst. d AsylG). Eventuellen, im Wegweisungszeitpunkt auftretenden, erneu-

ten Suizidgedanken des Beschwerdeführers wäre im Rahmen der Voll-

zugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. dazu beispielsweise das Urteil 

des BVGer E-2118/2018 vom 10. Juni 2020 E. 9.4.2.2 in fine).  

 

6.8 Zusammenfassend ist aufgrund der Aktenlage der Vorinstanz demnach 

beizupflichten, dass davon ausgegangen werden darf, dass der Beschwer-

deführer im Heimatstaat über ein tragfähiges verwandtschaftliches Bezie-

hungsnetz verfügt, dem er bei seiner Rückkehr auch übergeben werden 

kann. Zudem kann den gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerde-

führers im Heimatstaat Rechnung getragen werden. Eine Kindeswohlge-

fährdung ist insgesamt nicht ersichtlich. Bei dieser Sachlage durfte die Vo-

rinstanz von weiteren Abklärungen zur Aufnahmesituation in Algerien ab-

sehen. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu weiterer 

Sachverhaltsabklärung besteht somit keine Veranlassung. Der entspre-

chende Rückweisungsantrag ist abzuweisen. 

 

6.9 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung sowohl 

in genereller als auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 

 

7.  

Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

 

8.  

Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-

figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG). 

 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 49 VwVG). Die Be-

schwerde ist abzuweisen. 

 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

D-3058/2021 

Seite 13 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm je-

doch am 7. Juli 2021 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde und 

weiterhin von der prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist von der 

Kostenerhebung abzusehen. 

 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3058/2021 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Sarah Rutishauser 

 

 

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