# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f89944e0-9b2f-5831-97e2-7ee3fade3911
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-03
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 03.08.2023 SK 2023 176
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-176_2023-08-03.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 176

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 3. August 2023 

Besetzung Oberrichterin Weingart (Präsidentin i.V.), Oberrichter Knecht,
Oberrichter Josi
Gerichtsschreiberin Windler

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwältin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, einfache Kör-
perverletzung, Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Inte-
grationsgesetz etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 1. Februar 2023 (PEN 22 882)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mitteland (nachfolgend: die Vorinstanz) erkannte betref-
fend A.________ (nachfolgend: der Beschuldigte) mit Urteil vom 1. Februar 2023 
was folgt (pag. 1272 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz (Reisen ohne gültigen 
Fahrausweis oder andere Berechtigung), angeblich begangen am 24. September 2021, ca. 11:07 
Uhr, auf der D.________ von Bern Mobil 

wird eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung des Diebstahls (geringfügiges Vermögensdelikt), angeblich begangen 
am 29. September 2021, ca. 07:30 Uhr in Bern, E.________, im 
Deliktsbetrag von CHF 1.95, 

2. von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz (Reisen 
ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung), angeblich begangen am 15. September 
2021, ca. 22:40 Uhr, auf der SBB Strecke F.________

ohne Ausrichtung einer Entschädigung mit Ausscheidung von Verfahrenskosten im Umfang von 
CHF 200.00. Diese Kosten werden dem Kanton Bern auferlegt.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfach begangen 

1.1. am 7. Oktober 2021, ca. 14:00 Uhr, auf dem Weg vom Bahnhof, G.________ zum Nach-
teil von H.________ (AKS Ziff. 1.1),

1.2. am 4. November 2021, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil von J.________ 
und K.________ (AKS Ziff. 1.2);

2. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen 

2.1. am 4. November 2021 in Bern, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil von 
J.________ (AKS Ziff. 1.2),

2.2. am 4. November 2021 in Bern, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil von 
K.________ (AKS Ziff. 1.2);

3. der Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, mehrfach begangen

3

3.1. am 4. Juni 2021, ca. 05:09 Uhr, in Bern, L.________ (AKS Ziff. 2.1), 

3.2. am 5. Oktober 2021, ca. 12:55 Uhr, in Bern, M.________ (AKS Ziff. 2.2), 

3.3. am 6. Oktober 2021, ca. 17:25 Uhr, in Bern, N.________ (AKS Ziff. 2.3), 

3.4. am 6. Oktober 2021, ca. 22:55 Uhr, in Bern, N.________ (AKS Ziff. 2.3),

3.5. am 7. Oktober 2021, ca. 13:42 Uhr bis ca. 14:00 Uhr, in Bern, O.________ und 
G.________ (AKS Ziff. 2.4),

3.6. am 8. Oktober 2021, ca. 14:45 Uhr bis ca. 14:55 Uhr, in Bern, P.________ 
(AKS Ziff. 2.5),

3.7. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________ (AKS Ziff. 2.6), 

3.8. am 20. Oktober 2021, ca. 21:06 Uhr, in Bern, Q.________ (AKS Ziff. 2.7), 

3.9. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, R.________ (AKS Ziff. 2.8), 

3.10. am 31. Oktober 2021, ca. 14:40 Uhr, in Bern, S.________ (AKS Ziff. 2.9), 

3.11. am 4. November 2021, ca. 12:35 Uhr, in Bern, T.________ (AKS Ziff. 2.10);

4. der Hinderung einer Amtshandlung, mehrfach begangen 

4.1. am 24. August 2021, ca. 12:30 Uhr, in Bern, U.________ (AKS Ziff. 3.1), 

4.2. am 1. Oktober 2021, ca. 20:05 Uhr, in Bern, V.________ (AKS Ziff. 3.2),

4.3. am 3. Oktober 2021, ca. 10:58 Uhr, in Bern, P.________ (AKS Ziff. 3.3), 

4.4. am 8. Oktober 2021, ca. 14:45 Uhr bis ca. 14:55 Uhr, in Bern, P.________ 
(AKS Ziff. 3.4);

5. des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen

5.1. am 29. September 2021, ca. 07:30 Uhr, in Bern, E.________ (AKS Ziff. 4.1),

5.2. am 7. Oktober 2021, ca. 13:42 Uhr, in Bern, O.________ (AKS Ziff. 4.2), 

5.3. am 18. September 2021, ca. 14:00 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3),

5.4. am 22. September 2021, ca. 12:00 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3),

5.5. am 4. November 2021, ca. 08:15 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3), 

5.6. am 30. September 2021, ca. 19:50 Uhr, in Bern, X.________ (AKS Ziff. 4.4), 

5.7. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________ (AKS Ziff. 4.5),

5.8. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, Z.________ (AKS Ziff. 4.6);

6. der Beschimpfung, begangen am 24. August 2021, ca. 12:30 Uhr, in Bern, U.________ zum 
Nachteil von AA.________ (AKS Ziff. 5); 

7. des Diebstahls (geringfügiges Vermögensdelikt), mehrfach begangen 

7.1. am 22. August 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, E.________, im Deliktsbetrag von CHF 7.80 
(AKS Ziff. 6.1), 

7.2. am 18. September 2021, ca. 14:00 Uhr, in Bern, W.________, im Deliktsbetrag von CHF 
13.75 (AKS Ziff. 6.2), 

4

7.3. am 22. September 2021, ca. 12:00 Uhr, in Bern, W.________, im Deliktsbetrag von CHF 
6.95 (AKS Ziff. 6.3), 

7.4. am 30. September 2021, ca. 19:50 Uhr, in Bern, X.________, im Deliktsbetrag von CHF 
6.85 (AKS Ziff. 6.5),

7.5. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________, im Deliktsbetrag von CHF 
10.85 (AKS Ziff. 6.6), 

7.6. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, Z.________, im Deliktsbetrag von CHF 
4.80 (AKS Ziff. 6.7);

8. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Konsumwiderhandlungen), 
mehrfach begangen durch Konsum von verschiedenen Betäubungsmittel

am 21. August 2021, 24. August 2021, 5. Oktober 2021, 1. Oktober 2021, 31. Oktober 2021, 
4. November 2021, jeweils in Bern (AKS Ziff. 7); 

und in Anwendung der Art. 19 Abs. 2, 30, 34, 40, 41, 47, 51, 59, 103, 123 Ziff. 1, 139 Ziff. 1 i.V.m. 
172ter, 177 Abs. 1, 186, 285 Abs. 1, 286 Abs. 1 StGB, Art. 119 Abs. 1 AIG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG, 
Art. 426 ff. StPO, 

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 
14. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland. 

Es wird festgestellt, dass sich der Beschuldigte vom 10. März 2022 bis 1. Februar 2023 (329 
Tage) im vorzeitigen Strafvollzug befunden hat. Der vorzeitige Strafvollzug wird an die Freiheits-
strafe angerechnet. 

2. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB angeordnet.

Der Vollzug der Massnahme geht der Freiheitsstrafe voraus (Art. 57 Abs. 2 StGB).

3. Zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 750.00, als Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl vom 11. November 2022 der Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau. 

4. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 850.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 
14. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung wird auf 9 Tage festgesetzt. 

5. Zu den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 16'100.00 und Auslagen von CHF 12'593.00, insgesamt bestimmt auf 
CHF 28'693.00.

5

Kosten der Untersuchung CHF 6’550.00
Auftritt Staatsanwaltschaft an HV CHF 1’250.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 8’500.00
Abzug von CHF 200.00 an den Kanton Bern CHF -200.00
Total CHF 16’100.00

Kosten Dr. Med C.______ an der HV CHF 1’325.00
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 11’268.00
Total CHF 12’593.00

Total Verfahrenskosten CHF 28’693.00

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

6. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwältin B.________ werden wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 64.25 200.00 CHF 12’850.00
Reisezuschlag CHF 637.50

CHF 889.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 14’376.50 CHF 1’107.00

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 15’483.50

volles Honorar CHF 16’062.50
Reisezuschlag CHF 637.50

CHF 889.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 17’589.00 CHF 1’354.35

CHF 0.00
Total CHF 18’943.35

nachforderbarer Betrag CHF 3’459.85

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwältin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 15'483.50. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwältin B.________ die Differenz von CHF 3'459.85 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

IV.

A.________ wird in Anwendung von Art. 47 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 1’500.00 Genugtuung an den Privatkläger J.________. 

2. Zur Bezahlung von CHF 400.00 Genugtuung an den Privatkläger K.________. 

3. Zur Bezahlung von CHF 50.00 Genugtuung an den Privatkläger H.________. 

6

V.

Weiter wird beschlossen:

1. A.________ wird in Sicherheitshaft versetzt (Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO). Die Dauer der Sicher-
heitshaft wird vorerst auf 3 Monate festgelegt bis am 30. April 2023. Für die Begründung wird auf 
den separaten Beschluss vom 01. Februar 2023 verwiesen. 

2. Von A.________ ist ein DNA-Profil zu erstellen (Art. 257 lit. c StPO). 

Zur Erstellung eines DNA-Profils zuhanden des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern 
(IRM) ist von A.________ durch den Kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Bern, ED-
Behandlung, eine WSA-Probe abzunehmen.

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern (IRM) wird in Anwendung von Art. 182 ff. StPO 
mit der Erstellung des DNA-Profils beauftragt.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IRM, Abteilung Forensische 
Molekularbiologie, und ihre Hilfspersonen werden pflichtgemäss auf ihre Geheimhaltungspflichten 
gemäss Art. 73 Abs. 1 StPO und die Straffolgen eines wissentlich falschen Gutachtens (Art. 307 
StGB) hingewiesen.

3. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des zu erstellenden DNA-Profils 
sowie der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN AB.________ und 
PCN AC.________) vorzeitig erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-Profil-Gesetz sowie Art. 354 Abs. 4 Bst. a 
StGB).

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
wältin B.________, am 6. Februar 2023 Berufung an (pag. 1296 ff.). Die Be-
rufungserklärung, beschränkt auf die Frage der stationären therapeutischen Mass-
nahme, folgte fristgerecht auf die mit Verfügung vom 6. April 2023 zugestellte Ur-
teilsbegründung am 13. April 2023 (pag. 1520 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern (nachfolgend: die Generalstaats-
anwaltschaft) erhob keine Anschlussberufung. Sodann wurden keine Gründe für 
ein Nichteintreten auf die Berufung geltend gemacht (pag. 1558 ff.).

Weder die Straf- und Zivilkläger 1-3 (H.________, J.________ und 
K.________) noch der Strafkläger (AA.________) noch die Strafklägerin 
(AD.________) liessen sich im oberinstanzlichen Verfahren vernehmen.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

3.1 Beweisanträge des Beschuldigten

In der Berufungserklärung vom 13. April 2023 stellte der Beschuldigte folgende 
Beweisanträge (pag. 1521):

1. Es sei ein zweites forensisch-psychiatrisches Gutachten über A.________ in Auftrag zu geben. 
Als sachverständige Person sei Dr. med. AE.________ der AF.________ zu ernennen.

7

2. Es sei ein ergänzendes Kurzgutachten, vorzugsweise ebenfalls bei Dr. med. AE.________, in Auf-
trag zu geben, welches sich zur Frage der Behandlungsaussichten einer stationären Massnahme 
bei A.________ äussert.

Die Kammer wies diese Beweisanträge mit Beschluss vom 31. Mai 2023 begründet 
ab (pag. 1635 ff.).

3.2 Beweisergänzungen von Amtes wegen

Von Amtes wegen wurden im Hinblick auf die Berufungsverhandlung ein aktueller 
Strafregisterauszug, datierend vom 26. Juli 2023 (pag. 1757 ff.), sowie aktuelle 
Führungsberichte des Regionalgefängnisses AG.________, datierend vom 18. Juli 
2023 (pag. 1751 ff.), und des Regionalgefängnisses AH.________, datierend vom 
19. Juli 2023 (pag. 1748 ff.), eingeholt. Mit Verfügung vom 28. Juli 2023 wurde das 
Regionalgefängnis AH.________ aufgefordert, die vom Beschuldigten in der Ein-
gabe vom 27. Juli 2023 aufgeworfenen Fragen zu beantworten (pag. 1776 ff.). Die 
entsprechenden Angaben erfolgten am 28. Juli 2023 (pag. 1779 ff.).

An der Berufungsverhandlung vom 3. August 2023 wurden der Beschuldigte 
(pag. 1790 ff.) sowie Dr. med. C.________

4. Weitere verfahrensleitende Beschlüsse

Mit Blick auf die Beschränkung der Berufung wurde mit Beschluss vom 22. Juni 
2023 festgestellt, dass das Urteil der Vorinstanz teilweise in Rechtskraft erwachsen 
ist. Sodann wurden H.________, J.________ und K.________ als Straf- und Zivil-
kläger 1-3, AA.________ als Strafkläger 1 sowie die AD.________ als Strafklägerin 
2 mit Beschluss vom 22. Juni 2023 ohne Kosten- und Entschädigungsfolgen aus 
dem Verfahren entlassen (pag. 1680 ff.).

5. Vorzeitiger Strafvollzug, Sicherheitshaft und besondere Sicherheitsmass-
nahme nach Art. 35 des Gesetzes über den Justizvollzug (JVG; BSG 341.1)

Der Beschuldigte befand sich zwecks Verbüssung diverser Freiheitsstrafen bis zum 
10. März 2022 im ordentlichen Strafvollzug. Vom 10. März 2022 bis zum 1. Februar 
2023 befand er sich im vorzeitigen Strafvollzug (pag. 42 f. und pag. 1281 ff.).

Mit Beschluss vom 1. Februar 2023 entliess die Vorinstanz den Beschuldigten aus 
dem vorzeitigen Strafvollzug und versetzte ihn zwecks Sicherstellung des Straf- 
und Massnahmenvollzugs in Sicherheitshaft. Diese befristete sie unter Vorbehalt 
des vorherigen Eintritts der Rechtskraft des erstinstanzlichen Urteils bis zum 
30. April 2023 (pag. 1281 ff.). Am 26. April 2023 verfügte die Verfahrensleitung den 
Verbleib des Beschuldigten in Sicherheitshaft zwecks Sicherung des Massnah-
menvollzugs (SK 23 177, pag. 23 ff.). Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat 
das Bundesgericht nicht ein (Urteil des Bundesgerichts 1B_271/2023 vom 23. Mai 
2023, pag. 1626 ff.). Mit Urteil vom 3. August 2023 beschloss die Kammer den wei-
teren Verbleib des Beschuldigten in Sicherheitshaft zwecks Sicherung des Mass-
nahmenvollzugs (pag. 1834 ff.).

Das Regionalgefängnis AG.________ ordnete über den Beschuldigten am 9. Sep-
tember 2022 rückwirkend ab dem 7. September 2022 gestützt auf Art. 35 JVG für 
die 

8

Dauer von 14 Tagen die besondere Sicherheitsmassnahme der Einzelbehandlung 
an. Die Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD) verfügten in der Folge gestützt 
auf Art. 35 JVG eine maximal sechs Monate dauernde Einzelbehandlung ab dem 
21. September 2022 (pag.  117.1 ff.). Die Vorinstanz verlängerte diese besondere 
Sicherheitsmassnahme mit Verfügung vom 7. März 2023 bis zum 30. April 2023 
(pag. 1379 ff.). Auf Antrag des Regionalgefängnisses AG.________ genehmigte 
die Verfahrensleitung die verlangten Vollzugslockerungen per 26. April 2023, wel-
che insbesondere die Aufhebung der besonderen Sicherheitsmassnahme beinhal-
tete (pag. 1576 ff.). Auf Antrag des Regionalgefängnisses AG.________ verfügte 
die Verfahrensleitung am 9. Juni 2023 wiederum die besondere Sicherheitsmass-
nahme der Einzelbehandlung bis am 9. September 2023 (pag. 1663 ff.).

6. Anträge der Parteien

6.1 Anträge der Verteidigung

Die Verteidigung stellte an der Berufungsverhandlung folgende Anträge 
(pag. 1819):

1. Von einer stationären Massnahme i.S.v. Art. 59 StGB sei abzusehen.

2. Es sei festzustellen, dass sich der Beschuldigte vom 10. März 2022 bis 01. Februar 2023 
(329 Tage) im vorzeitigen Strafvollzug befunden hat. Der vorzeitige Strafvollzug sei an die Frei-
heitsstrafe anzurechnen.

3. Es sei festzustellen, dass sich der Beschuldigte vom 01. Februar 2023 bis 03. August 2023 
(183 Tage) in Sicherheitshaft befunden hat. Die Sicherheitshaft sei an die Freiheitsstrafe anzu-
rechnen

4. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte die Freiheitsstrafe von 14 Monaten gemäss Urteil 
des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 01. Februar 2023 vollständig verbüsst hat.

5. Für die Überhaft, welche nicht auf die noch offenen (Ersatzfreiheits-)Strafen angerechnet wer-
den kann, sei der Beschuldigte in Anwendung von Art. 431 StPO angemessen zu entschädigen. 
Die Höhe der Entschädigung wird in das richterliche Ermessen gestellt.

6. Der Beschuldigte sei unverzüglich aus der Sicherheitshaft, eventualiter zu Handen der KESB, zu 
entlassen.

7. Die übrigen Verfügungen sind von Amtes wegen zu treffen.

8. Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sind dem Verfahrensausgang entsprechend 
zu verteilen.

9. Die Honorarnote der amtlichen Verteidigerin sei zu genehmigen.

6.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die oberinstanzlichen Anträge der Generalstaatsanwaltschaft lauten wie folgt 
(pag. 1825 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 1. Februar 2023 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als

9

1. Das Strafverfahren gegen A.________ wegen Widerhandlung gegen das Personenbeförde-
rungsgesetz (Reisen ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung), angeblich began-
gen am 24. September 2021, ca. 11:07 Uhr, auf der D.________ in Bern Mobil ohne Ausrichtung 
einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten eingestellt wurde.

2. A.________ freigesprochen wurde

2.1. von der Anschuldigung des Diebstahls (geringfügiges Vermögensdelikt), angeblich began-
gen am 29. September 2021, ca. 07:30 Uhr in Bern, E.________, im Deliktsbetrag von 
CHF 1.95;

2.2. von der Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz (Rei-
sen ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung), angeblich begangen am 
15. September 2021, ca. 22:40 Uhr, auf der SBB Strecke F.________;

ohne Ausrichtung einer Entschädigung mit Ausscheidung von Verfahrenskosten im Umfang von 
CHF 200.00 und diese Kosten dem Kanton Bern auferlegt wurden.

3. A.________ schuldig gesprochen wurde

3.1. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfach begangen

3.1.1. am 7. Oktober 2021, ca. 14:00 Uhr, auf dem Weg vom Bahnhof, G.________ zum 
Nachteil von H.________ (AKS Ziff. 1.1);

3.1.2. am 4. November 2021, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil von 
J.________ und K.________ (AKS Ziff. 1.2);

3.2. der einfachen Körperverletzung, mehrfach begangen

3.2.1. am 4. November 2021 in Bern, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil 
von J.________ (AKS Ziff. 1.2);

3.2.2. am 4. November 2021 in Bern, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________ zum Nachteil 
von K.________ (AKS Ziff. 1.2);

3.3. Der Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, mehrfach begangen

3.3.1. am 4. Juni 2021, ca. 05:09 Uhr, in Bern, L.________ (AKS Ziff. 2.1);

3.3.2. am 5. Oktober 2021, ca. 12:55 Uhr, in Bern, M.________ (AKS Ziff. 2.2);

3.3.3. am 6. Oktober 2021, ca. 17:25 Uhr, in Bern, N.________ (AKS Ziff. 2.3);

3.3.4. am 6. Oktober 2021, ca. 22:55 Uhr, in Bern, N.________ (AKS Ziff. 2.3);

3.3.5. am 7. Oktober 2021, ca. 13:42 Uhr bis ca. 14:00 Uhr, in Bern, O.________ und 
Bahnhof G.________ (AKS Ziff. 2.4);

3.3.6. am 8. Oktober 2021, ca. 14:45 Uhr bis ca. 14:55 Uhr, in Bern, P.________ 
(AKS Ziff. 2.5);

3.3.7. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________ (AKS Ziff. 2.6);

3.3.8. am 20. Oktober 2021, ca. 21:06 Uhr, in Bern, Q.________ (AKS Ziff. 2.7);

3.3.9. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, R.________ (AKS Ziff. 2.8);

3.3.10. am 31. Oktober 2021, ca. 14:40 Uhr, in Bern, S.________ (AKS Ziff. 2.9);

10

3.3.11. am 4. November 2021, ca. 12:35 Uhr, in Bern, T.________ (AKS Ziff. 2.10);

3.4. der Hinderung einer Amtshandlung, mehrfach begangen

3.4.1. am 24. August 2021, ca. 12:30 Uhr, in Bern, U.________ (AKS Ziff. 3.1);

3.4.2. am 1. Oktober 2021, ca. 20:05 Uhr, in Bern, V.________ (AKS Ziff.3.2);

3.4.3. am 3. Oktober 2021, ca. 10:58 Uhr, in Bern, P.________ (AKS Ziff. 3.3);

3.4.4. am 8. Oktober 2021, ca. 14:45 Uhr bis ca. 14:55 Uhr, in Bern, P.________ 
(AKS Ziff. 3.4);

3.5. des Hausfriedensbruchs, mehrfach begangen

3.5.1. am 29. September 2021, ca. 07:30 Uhr, in Bern, E.________ (AKS Ziff. 4.1);

3.5.2. am 7. Oktober 2021, ca. 13:42 Uhr, in Bern, O.________ (AKS Ziff. 4.2);

3.5.3. am 18. September 2021, ca. 14:00 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3);

3.5.4. am 22. September 2021, ca. 12:00 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3);

3.5.5. am 4. November 021 ca. 08:15 Uhr, in Bern, W.________ (AKS Ziff. 4.3);

3.5.6. am 30. September 2021, ca. 19:50 Uhr, in Bern, X.________ (AKS Ziff. 4.4);

3.5.7. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________ (AKS Ziff. 4.5);

3.5.8. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, Z.________ (AKS Ziff. 4.6);

3.6. der Beschimpfung, begangen am 24. August 2021, ca. 12:30 Uhr, in Bern, U.________ 
zum Nachteil von AA.________ (AKS Ziff. 5);

3.7. des Diebstahls (geringfügiges Vermögensdelikt), mehrfach begangen

3.7.1. am 22. August 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, E.________, im Deliktsbetrag von 
CHF 7.80 (AKS Ziff. 6.1);

3.7.2. am 18. September 2021, ca. 14:00 Uhr, in Bern, W.________, im Deliktsbetrag 
von CHF 13.75 (AKS Ziff. 6.2);

3.7.3. am 22. September 2021, ca. 12:00 Uhr, in Bern, W.________, im Deliktsbetrag 
von CHF 6.95 (AKS Ziff. 6.3);

3.7.4. am 30. September 2021, ca. 19:50 Uhr, in Bern, X.________, im Deliktsbetrag 
von CHF 6.85 (AKS Ziff. 6.5);

3.7.5. am 11. Oktober 2021, ca. 16:00 Uhr, in Bern, Y.________, im Deliktsbetrag von 
CHF 10.85 (AKS Ziff. 6.6);

3.7.6. am 23. Oktober 2021, ca. 16:50 Uhr, in Bern, Z.________, im Deliktsbetrag von 
CHF 4.80 (AKS Ziff. 6.7);

3.8. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Konsumwiderhandlungen), 
mehrfach begangen durch Konsum von verschiedenen Betäubungsmittel am 21. August 
2021, 24. August 2021, 5. Oktober 2021, 1. Oktober 2021, 31. Oktober 2021, 4. November 
2021, jeweils in Bern (AKS Ziff. 7);

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

11

4. verurteilt wurde zu:

4.1. zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 
14. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, und festgestellt wurde, dass sich 
der Beschuldigte vom 10. März 2022 bis 1. Februar 2023 (329 Tage) im vorzeitigen Straf-
vollzug befunden hatte, wobei der vorzeitige Strafvollzug an die Freiheitsstrafe angerech-
net wurde

4.2. zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 750.00, als Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl vom 11. November 2022 der Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau.

4.3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 850.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl 
vom 14. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, wobei die Ersatzfreiheits-
strafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 9 Tage festgesetzt wurde.

4.4. zu den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten und Auslagen;

5. A.________ ferner in Anwendung von Art. 47 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO verurteilt 
wurde:

5.1. zur Bezahlung von CHF 1'500.00 Genugtuung an den Privatkläger J.________;

5.2. zur Bezahlung von CHF 400.00 Genugtuung an den Privatkläger K.________;

5.3. zur Bezahlung von CHF 50.00 Genugtuung an den Privatkläger H.________.

II.

Es sei eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen.

Der Vollzug der Massnahmen habe der Freiheitsstrafe vorauszugehen (Art. 57 Abs. 2 StGB).

III.

A.________ sei in Sicherheitshaft zu versetzen.

IV.

Es seien üblichen Verfügungen zu treffen (amtl. Entschädigung, Löschung DNA-Profil etc.)

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Mit Beschluss vom 22. Juni 2023 wurde bereits festgestellt, dass das Urteil der 
Vorinstanz betreffend die Einstellung, die Freisprüche, die Schuldsprüche, die 
Straf- und Kostenfolgen, die Anordnung zur Erstellung eines DNA-Profils sowie den 
Zivilpunkt in Rechtskraft erwachsen ist (pag. 1680 ff.). Die Kammer hat demnach 
lediglich die Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 
des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) zu überprüfen. Neu zu 
verfügen ist sodann über die Löschung des (neu zu erstellenden) DNA-Profils und 
der biometrischen erkennungsdienstlichen Daten. Die Kammer hat sodann über ei-
ne allfällige Verlängerung der Sicherheitshaft zu entscheiden. Sie verfügt dabei 
über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0]). Da die Berufung ausschliesslich durch den Beschuldigten erho-
ben wurde, darf die Kammer das erstinstanzliche Urteil nicht zu seinem Nachteil 

12

abändern; sie ist an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 
gebunden.

II. Sachverhalt, Beweiswürdigung, rechtliche Würdigung, Strafzumessung

Mit Blick auf die Prüfung der Anordnung einer stationären therapeutischen Mass-
nahme werden die verbindlichen Ausführungen der Vorinstanz zu den Schuld-
sprüchen und der Strafzumessung im Folgenden zusammengefasst wiedergege-
ben.

8. Vorinstanzliche Schuldsprüche

Der Beschuldigte wurde vorinstanzlich wegen mehrfach begangener Gewalt und 
Drohung gegen Behörden und Beamte (2 Fälle), mehrfach begangener einfacher 
Körperverletzung (2 Fälle), mehrfach begangenen Widerhandlungen gegen das 
Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20; 11 Fälle), mehrfach begange-
ner Hinderung einer Amtshandlung (4 Fälle), mehrfach begangenen Hausfriedens-
bruchs (8 Fälle), Beschimpfung, mehrfach begangenen Diebstahls (geringfügiges 
Vermögensdelikt; 6 Fälle) und mehrfach begangenen Widerhandlungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz (BetmG, SR 812.121; 6 Fälle) schuldig erklärt. Den erstin-
stanzlichen Schuldsprüchen liegen folgende von der Vorinstanz als erstellt erachte-
te Sachverhalte zu Grunde:

8.1 Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zum Nachteil von H.________ 
(Ziff. 1.1 der Anklageschrift)

Am 7. Oktober 2021, ca. 14:00 Uhr, in Bern, übte der Beschuldigte auf dem Weg 
vom Bahnhof, G.________ nach O.________, und im O.________, Gewalt und 
Drohung gegen Behörden und Beamte (Art. 285 Abs. 1 StGB) aus. Polizisten hiel-
ten ihn an und führten eine Personenkontrolle durch. Sie wollten mit ihm zum 
O.________ gehen, welches er trotz Hausverbot betreten und wo er ein Getränk 
getrunken haben soll, ohne zu bezahlen. Auf dem Weg zum O.________ stiess der 
Beschuldigte den Polizisten H.________ mit der Hand zur Seite. Im O.________ 
angekommen, wollte sich der Polizist H.________ mit dem Beschuldigten in eine 
Ecke stellen und packte ihn am Ellenbogen. Der Beschuldigte riss sich mit einer 
halben Körperdrehung los, machte einen Schritt zurück und schlug den Polizisten 
H.________ mit der Faust an seine linke Wange. Daraufhin wurde der Beschuldig-
te durch den Polizisten H.________ und dessen Kollegin zu Boden geführt und in 
Handfesseln gelegt. H.________ erlitt beim Vorfall kleinere Verletzungen im Be-
reich des Kopfes. Der Beschuldigte verhielt sich gezielt so, um die rechtmässige 
Kontrolle der Polizisten zu stören und sie von dieser abzubringen, was ihm jedoch 
nicht gelang. 

8.2 Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und einfache Körperverletzung 
zum Nachteil von J.________ und K.________ (Ziff. I.1.2 der Anklageschrift)

Am 4. November 2021, ca. 13:45 Uhr, in Bern, I.________, führte der Beschuldigte 
vor dem AI.________ erneut Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte 
(Art. 285 Abs. 1 StGB) aus. Weiter beging er eine einfache Körperverletzung (Art. 
123 Ziff. 1 StGB) zum Nachteil von J.________ und K.________. Die Polizisten 

13

J.________ und K.________ wollten den Beschuldigten von der Polizeiwache 
AJ.________ nach Hause führen. In der I.________, kurz vor dem AI.________, 
wo das Patrouillenfahrzeug der Polizisten parkiert war, verpasste der Beschuldigte 
dem Polizisten J.________ zunächst einen Faustschlag gegen die rechte Ge-
sichtshälfte und einen weiteren Faustschlag gegen den Hinterkopf. Der Polizist 
K.________ sagte dem Beschuldigten, er solle aufhören, woraufhin der Beschul-
digte von J.________ abliess und über die Strasse rannte. K.________ konnte den 
Beschuldigten an den Kleidern festhalten, wobei sich der Beschuldigte umdrehte 
und K.________ mit voller Wucht einen Faustschlag an die Schläfe und einen 
zweiten Faustschlag an das Auge verpasste. Daraufhin konnten die Polizisten 
J.________ und K.________ den Beschuldigten zu Boden führen. K.________ er-
litt beim Vorfall eine Kontusion mit Hämatom und oberflächlicher Schürfung hoch 
temporal links und eine Kontusion infra-orbital rechts. J.________ erlitt ein Häma-
tom frontal rechts und occipital rechts, eine leichte Hirnerschütterung mit einer 
(vorübergehenden) Visusverminderung rechts und einer leichten Nausea sowie ein 
hemikraniales Druckgefühl rechts. Zudem war J.________ während vier Tagen ar-
beitsunfähig. Der Beschuldigte verhielt sich gezielt so, um seine Rückführung ans 
Domizil zu stören. 

8.3 Mehrfach begangene Widerhandlungen gegen das AIG (Ziff. I.1.2 der Anklage-
schrift)

Der Beschuldigte hielt sich in der Zeit vom 4. Juni 2021 bis am 4. November 2021 
trotz der Ausgrenzungsverfügung wiederholt in Bern auf. Der Beschuldigte begab 
sich jeweils bewusst ins Gebiet der Innenstadt Bern, obwohl er wusste, dass ihm 
mit Verfügung des Migrationsdienstes des Kantons Bern vom 25. Juli 2019 (glei-
chentags eröffnet) und vom 4. Oktober 2021 (gleichentags eröffnet) ab sofort für 
die Dauer von 2 Jahren verboten worden war, dieses Gebiet zu betreten. In Bezug 
auf die Ziff. 1.2.4 und Ziff. 1.2.5 der Anklageschrift präzisierte die Vorinstanz, dass 
es sich jeweils um eine einzige Widerhandlung gegen das AIG handelte.

8.4 Hinderung einer Amtshandlung (Ziff. I.3.1 der Anklageschrift)

Der Beschuldigte hinderte am 24. August 2021, ca. 12:30 Uhr, in Bern, 
U.________, vor dem Eingang des AK.________ eine Amtshandlung (Art. 286 
Abs. 1 StGB). Polizisten wollten den Beschuldigten infolge einer Meldung wegen 
Problemen im AL.________ einer Personenkontrolle unterziehen, woraufhin der 
Beschuldigte die Örtlichkeit verliess und kurze Zeit später selbstständig zurück-
kehrte. Nachdem ihm die Durchführung der Personenkontrolle eröffnet worden war, 
gestikulierte er wild mit seinen Armen herum, forderte die Polizei lauthals auf, zur 
Dampfzentrale mitzukommen, und entfernte sich erneut von der Kontrollörtlichkeit. 
Er ging trotz Aufforderung, zurückzukommen, weiter. Als er merkte, dass ihm die 
Polizisten nicht folgten, kehrte er erneut zum Kontrollort zurück. Ihm wurde erneut 
eröffnet, dass er einer Personenkontrolle unterzogen werde und er dazu in Hand-
fesseln gelegt werde. Plötzlich zog er seine Arme gegen den Körper hin und ver-
sperrte diese mit aller Kraft, so dass die Handfesseln unmöglich angebracht wer-
den konnten. Er wehrte sich mit aller Kraft gegen die Anhaltung und die Massnah-
men der Polizei. Nur unter grossem Kraftaufwand konnte er durch zwei Polizisten 
zu Boden geführt und arretiert werden. Nach einiger Zeit beruhigte er sich und die 

14

Handfesseln konnten ihm angezogen werden. Erst zu diesem Zeitpunkt konnten 
die Personalien geklärt werden. Der Beschuldigte erschwerte und verzögerte durch 
sein Verhalten gewollt die Durchführung der Personenkontrolle durch die dazu be-
fugten Polizisten.

8.5 Hinderung einer Amtshandlung (Ziff. I.3.3 der Anklageschrift)

Der Beschuldigte hinderte am 3. Oktober 2021, ca. 10:58 Uhr, in Bern, 
P.________, vor dem AM.________ eine Amtshandlung (Art. 286 Abs. 1 StGB). 
Mitarbeitende der AN.________ unterzogen den Beschuldigten einer Polizeikon-
trolle, wobei der Beschuldigte während der Kontrolle vor dem AM.________ zu 
Fuss flüchtete und seine Flucht trotz den Rufen «Halt, stehen bleiben!» in Richtung 
AO.________ fortsetzte. Der Beschuldigte konnte seine Flucht über die Strasse 
beim V.________ zum Treppenabgang an der AP.________ und schliesslich in 
Richtung Perronunterführung zu den AQ.________ fortsetzen. Der Beschuldigte 
verhinderte durch sein Verhalten gewollt die Durchführung der Personenkontrolle 
durch die dazu befugten Mitarbeitende der AN.________. Er konnte erst am 8. Ok-
tober 2021 im Bahnhof angehalten werden.

8.6 Hinderung einer Amtshandlung (Ziff. I.3.4 der Anklageschrift)

Der Beschuldigte hinderte am 8. Oktober 2021, ca. 14:45 und ca. 14:55 Uhr, in 
Bern, P.________, vor dem AM.________ und im Galeriegeschoss eine Amts-
handlung (Art. 286 Abs.1 StGB). Der Beschuldigte rannte um ca. 14:45 Uhr, als er 
die Mitarbeitenden der AN.________ erblickte, davon und verliess den Bahnhof via 
Nordhalle. Als die Mitarbeitenden der AN.________ ihn um ca. 14:55 Uhr zur Kon-
trolle anhielten und ihm infolge der vorangegangenen Fluchten am gleichen Tag 
resp. am 3. Oktober 2021 (vgl. Ziff. I.3.3 der Anklageschrift) den Arm fixierten, ver-
suchte der Beschuldigte, sich dem Griff zu entreissen und sich der Personenkon-
trolle zu entziehen, was ihm jedoch nicht gelang. Der Beschuldigte verhinderte 
durch sein Verhalten gewollt die Durchführung der Personenkontrolle durch die da-
zu befugten Mitarbeitenden der AN.________.

8.7 Mehrfach begangener Hausfriedensbruch (Ziff. I.4 der Anklageschrift)

Der Beschuldigte betrat am 29. September 2021, am 7. Oktober 2021, am 18. Sep-
tember 2021, am 30. September 2021, am 11. Oktober 2021 verschiedene Coop-
Filialen und am 23. Oktober 2021 eine Migros-Filiale, obwohl ihm der Zutritt dazu 
mit schriftlichem Hausverbot vom 17. September 2021 bzw. 12. November 2016 
verboten worden war und er von diesen Verboten Kenntnis hatte. Er beging so 
mehrere Hausfriedensbrüche gemäss Art. 186 StGB.

8.8 Beschimpfung (Ziff. I.5 der Anklageschrift)

Anlässlich einer Kontrolle bezeichnete der Beschuldigte am 24. August 2021 den 
Polizisten AA.________ als «Arschloch», wodurch er bewusst mündlich dessen 
Anspruch auf menschlich-sittliche Geltung verletzte. Er beging so eine Beschimp-
fung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB.

15

8.9 Mehrfach begangener Diebstahl, geringfügiges Vermögensdelikt (Ziff. I.6 der An-
klageschrift)

Der Beschuldigte begab sich am 22. August 2021, 18. September 2021, 22. Sep-
tember 2021, 30. September 202 und am 11. Oktober 2021 in mehrere 
O.________-Filialen und am 23. Oktober 2021 in Z.________ und behändigte da-
bei verschiedene Lebensmittel, ohne dafür zu bezahlen. Er tat dies jeweils, um sich 
einen finanziellen Vorteil zu verschaffen, auf welchen er keinen Anspruch hatte. Er 
beging so mehrere geringfügige Diebstähle (Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter 
StGB).

8.10 Mehrfach begangene Widerhandlungen gegen das BetmG durch unbefugten Kon-
sum von Betäubungsmitteln (Ziff. I.7)

Der Beschuldigte konsumierte in den Tagen vor dem 21. August 2021, am 24. Au-
gust 2021, in den Tagen vor dem 5. Oktober 2021, am 31. Oktober 2021, ca. am 
1. Oktober 2021 bewusst und unbefugt Kokain, Amphetamin, Methamphetamin und 
THC-haltige Substanzen. Ein solcher Konsum wurde auch am 4. November 2021 
festgestellt.

9. Vorinstanzliche Strafzumessung

Die Vorinstanz stellte zunächst eine mittel- bis schwergradig verminderte Schuld-
fähigkeit des Beschuldigten in Bezug auf die mehrfach begangene Gewalt und 
Drohung gegenüber Behörden und Beamten, die mehrfach begangene einfache 
Körperverletzung und die mehrfach begangene Hinderung einer Amtshandlung 
fest. Betreffend die mehrfach begangenen Widerhandlungen gegen das AIG, die 
Hausfriedensbrüche, die Beschimpfung und die Diebstähle nahm die Vorinstanz 
eine leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit an.

Die Vorinstanz bildete darauf in einem ersten Schritt für jedes Delikt eine hypotheti-
sche Strafe und ordnete diese hypothetischen Strafen in einem zweiten Schritt ein-
zelnen Tatgruppen zu und definierte dabei die nötigen Zusatzstrafen.

Im Wesentlichen entsprach das Verhalten des Beschuldigten jeweils den Refe-
renzsachverhalten gemäss den Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen 
und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (nachfolgend: VBRS-
Richtlinien). Nur hinsichtlich der einfachen Körperverletzung zum Nachteil von 
K.________ und der mehrfach begangenen Gewalt und Drohung gegen Behörden 
und Beamte wich die Vorinstanz bereits in Bezug auf die objektive Tatschwere vom 
Referenzsachverhalt ab. Die Verletzungsfolgen führten betreffend die einfache 
Körperverletzung zum Nachteil von K.________ zu einer geringeren Einstufung der 
objektiven Tatschwere. Die objektive Tatschwere wurde in Bezug auf die Gewalt 
und Drohung zum Nachteil von J.________ und K.________ im Vergleich zum Re-
ferenzsachverhalt wegen der Eingriffsintensität (Schlag gegen den Kopf bzw. das 
Gesicht), der Dauer sowie der Tatsache, dass sich das Verhalten des Beschuldig-
ten gegen mehrere Polizisten richtete, deutlich höher eingestuft. Auch betreffend 
die Gewalt und Drohung zum Nachteil von H.________ wurde der Schlag gegen 
den Kopf bzw. das Gesicht verschuldenserhöhend berücksichtigt. Da dieser Vorfall 
aber kürzer dauerte und weniger intensiv war als jener zum Nachteil von 

16

J.________ und K.________, wurde die objektive Tatschwere mit Blick auf den Re-
ferenzsachverhalt gemäss VBRS-Richtlinien nur leicht höher eingestuft.

Hinsichtlich der Widerhandlungen gegen das AIG wirkte sich das arrogante Verhal-
ten des Beschuldigten leicht verschuldenserhöhend aus.

Die mittel- bis schwergradig verminderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten 
berücksichtigte die Vorinstanz jeweils mit einer Reduktion der jeweiligen hypotheti-
schen Strafe um ungefähr die Hälfte. Die leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit 
des Beschuldigten führte zu einer Reduktion der jeweiligen hypothetischen Strafe 
um ungefähr einen Viertel.

Unter dem Titel der Täterkomponenten wirkten sich die schwierigen Lebensum-
stände des Beschuldigten als Jugendlicher leicht strafmindernd aus. Deutlich straf-
erhöhend wurden die zahlreichen Vorstrafen berücksichtigt. Insgesamt führten die 
Täterkomponenten zu einer Straferhöhung von ungefähr einem Drittel.

Nach durchgeführter Zusatzstrafenbildung für die einzelnen Tatgruppen und unter 
Berücksichtigung der teilweise verminderten Schuldfähigkeit verurteilte die Vor-
instanz in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu einer Frei-
heitsstrafe von 14 Monaten (teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 14. Ok-
tober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland), wobei festgestellt wurde, dass 
sich der Beschuldigte vom 10. März 2022 bis 1. Februar 2023 (329 Tage) im vor-
zeitigen Strafvollzug befunden hat und dieser an die Freiheitsstrafe angerechnet 
wurde. Sodann wurde der Beschuldigte zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu 
CHF 30.00, ausmachend total CHF 750.00 (als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 
11. November 2022 der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau), zu einer Über-
tretungsbusse von CHF 850.00 (teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 
14. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland) und zu den erstinstanz-
lichen Verfahrenskosten verurteilt. Darüber hinaus hat der Beschuldigte Genug-
tuungen an die Geschädigten zu bezahlen.

Die Vorinstanz ordnete schliesslich über den Beschuldigten eine stationäre thera-
peutische Massnahme nach Art. 59 StGB an und folgte damit dem Antrag der Re-
gionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland. Die Anordnung dieser stationären the-
rapeutischen Massnahme ist vorliegend zu überprüfen.

III. Massnahme

10. Rechtliche Grundlagen

Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe al-
leine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen 
(Bst. a), ein Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicher-
heit dies erfordert (Bst. b) und die Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 
StGB erfüllt sind (Bst. c). Die Anordnung einer Massnahme setzt weiter voraus, 
dass der mit ihr verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hin-
blick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhält-
nismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB).

17

Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnah-
me auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB). Diese äussert 
sich über die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten einer Behandlung des 
Täters, die Art und die Wahrscheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und die 
Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme (Art. 56 Abs. 3 StGB, Art. 182 StPO; 
Urteil des Bundesgerichts 7B._197/2023 vom 14. Juli 2023 E. 4.2.6; BGE 146 IV 1 
E. 3.1 S. 6; BGE 134 IV 315 E. 4.3.1 S. 326). Das Gericht würdigt Gutachten 
grundsätzlich frei (Art. 10 Abs. 2 StGB). In Fachfragen darf es davon indessen nicht 
ohne triftige Gründe abweichen und Abweichungen müssen begründet werden. Auf 
der anderen Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der 
Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen gegen das Verbot will-
kürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (zum Ganzen: BGE 142 IV 49 
E. 2.1.3; 141 IV 369 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_828/2019 vom 5. No-
vember 2019 E. 1.2.5). Ein Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügli-
che Grundlage dar, wenn gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indi-
zien die Überzeugungskraft des Gutachtens ernstlich erschüttern. Dies trifft etwa 
zu, wenn die sachverständige Person die an sie gestellte Fragen nicht beantwortet, 
seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich wi-
dersprüchlich sind oder die Expertise sonst an Mängeln krankt, die derart offen-
sichtlich sind, dass sie auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_79/2023 vom 5. April 2023 E. 1.4.1 mit weiteren Hinweisen).

Eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB zur Behandlung von 
psychischen Störungen ist anzuordnen, wenn der Täter psychisch schwer gestört 
ist, er ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen 
Störung in Zusammenhang steht, und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Ge-
fahr weiterer mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten 
begegnen (Art. 59 Abs. 1 StGB). Als schwere psychische Störungen im Rechts-
sinne gelten nur schwere psychopathologische Zustände von einer gewissen Aus-
prägung bzw. relativ schwerwiegende Arten und Formen geistiger Erkrankungen im 
medizinischen Sinne (Urteile des Bundesgerichts 6B_1163/2018 vom 14. Dezem-
ber 2018 E. 2.4.1; 6B_1406/2017 vom 9. April 2018 E. 5.3; 6B_290/2016 vom 
15. August 2016 E. 2.3.3; je mit Hinweisen). Die Massnahme dient primär der Ver-
besserung der Legalprognose (BGE 134 IV 315 E. 3.6; Urteil des Bundesgerichts 
6B_1343/2017 vom 9. April 2018 E. 2.5.3; vgl. auch HEER/HABERMEYER, in: Basler 
Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 89 f. zu Art. 59 StGB).

Die stationäre therapeutische Massnahme muss verhältnismässig sein (Art. 36 
Abs. 2 und 3 BV; Art. 56 Abs. 2 StGB). 

Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass die Massnahme geeignet ist, beim 
Betroffenen die Legalprognose zu verbessern. Die Anordnung einer stationären 
therapeutischen Massnahme setzt eine hinreichende Wahrscheinlichkeit dafür vor-
aus, dass sich durch eine solche Massnahme über die Dauer von fünf Jahren die 
Gefahr weiterer mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehender Strafta-
ten deutlich verringern bzw. eine tatsächliche Reduktion des Rückfallrisikos errei-
chen lässt. Eine lediglich vage, bloss theoretische Erfolgsaussicht genügt für die 
Anordnung einer therapeutischen Massnahme nicht. Nicht erforderlich ist hingegen 

18

eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass über einen Behandlungszeitraum von 
fünf Jahren ein Zustand erreicht wird, der es rechtfertigt, der betroffenen Person 
Gelegenheit für eine Bewährung in Freiheit zu geben. Von der Anordnung einer 
stationären therapeutischen Massnahme ist nicht bereits deshalb abzusehen, weil 
der Beschuldigte diese kategorisch ablehnt und seine Motivation nicht von Anfang 
an klar vorhanden ist. Ob eine Massnahme anzuordnen ist, entscheidet sich nach 
objektiven Gesichtspunkten. An die Therapiewilligkeit im Zeitpunkt des richterlichen 
Entscheids dürfen bei der stationären Behandlung von psychischen Störungen 
nach Art. 59 StGB keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. Dies trägt 
dem Umstand Rechnung, dass es durchaus aufgrund der psychischen Erkrankung 
des Betroffenen an der Fähigkeit fehlen kann, die Notwendigkeit und das Wesen 
einer Behandlung abzuschätzen. Mangelnde Einsicht gehört bei schweren, langan-
dauernden Störungen häufig zum typischen Krankheitsbild. Ein erstes Therapieziel 
besteht daher oft darin, Einsicht und Therapiewilligkeit zu schaffen, was gerade im 
Rahmen stationärer Behandlungen auch Aussichten auf Erfolg hat (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen und 
E. 4.4.2). Auf die subjektive Meinung der betroffenen Person kommt es grundsätz-
lich ebenso wenig an wie auf deren persönliche Empfindung (Urteil des Bundesge-
richts 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.4.2). Entscheidend ist, ob bei der be-
troffenen Person eine minimale Motivierbarkeit für eine therapeutische Behandlung 
erkennbar ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.4.2 
und 6B_1221/2021 vom 17. Januar 2022 E. 1.3.1 und E. 1.5.2 mit weiteren Hinwei-
sen). Dies gilt umso mehr, wenn mangelnde Einsicht und Kooperation zum typi-
schen Krankheitsbild gehören. Das Gericht muss sich folglich dazu äussern, ob die 
Erarbeitung von Einsicht und Therapiewilligkeit im Rahmen einer stationären thera-
peutischen Behandlung von psychischen Störungen als möglich erachtet (vgl. Urteil 
des Bundesgerichts 6B_387/2023 vom 21. Juni 2023 E. 4.4.2).

Weiter muss die Massnahme erforderlich sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn eine 
gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen 
würde. Dieses Kriterium trägt dem Aspekt des Verhältnisses zwischen Strafe und 
Massnahme bzw. der Subsidiarität von Massnahmen Rechnung (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1420/2022 vom 10. März 2023 E. 1.2.4).

Schliesslich muss zwischen dem Eingriff und dem angestrebten Zweck eine ver-
nünftige Relation bestehen (Verhältnismässigkeit i.e.S. oder Zumutbarkeit). Das 
bedeutet, dass die betroffenen Interessen gegeneinander abgewogen werden 
müssen. Bei einer Prüfung des Zweck-Mittel-Verhältnisses fallen im Rahmen der 
Gesamtwürdigung auf der einen Seite insbesondere die Schwere des Eingriffs in 
die Freiheitsrechte des Betroffenen in Betracht. Auf der anderen Seite sind das Be-
handlungsbedürfnis sowie die Schwere und die Wahrscheinlichkeit künftiger Straf-
taten relevant (vgl. BGE 142 IV 105 E. 5.4 S. 112; BGE 137 IV 201 E. 1.2 S. 203; 
Urteile des Bundesgerichts 7B_197/2023 vom 14. Juli 2023 E. 4.2.3, 6B_326/2020 
vom 17. April 2020 E. 3.3.3 und 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 5.2.2 mit Hin-
weisen, nicht publ. in: BGE 144 IV 176).

19

11. Forensisch-psychiatrische Begutachtung

Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland beauftragte Dr. med. 
C.________ am 15. März 2022 mit der psychiatrischen Begutachtung des Be-
schuldigten (pag. 908 f.). Sodann wurde sie an der erstinstanzliche Hauptverhand-
lung als auch an der Berufungsverhandlung befragt (pag. 1227 ff. und pag. 1799 
ff.). Als wesentliche Grundlage der Prüfung der stationären therapeutischen Mass-
nahme wird auf die Ausführungen von Dr. med. C.________ im Gutachten und an-
lässlich der beiden Befragungen direkt im Rahmen der Erwägungen der Kammer 
vertieft eingegangen. 

12. Weitere Unterlagen

Der Beschuldigte leidet seit Jahren an psychiatrischen Erkrankungen und verbrach-
te den grössten Teil der letzten zehn Jahre in zahlreichen und immer wieder wech-
selnden psychiatrischen oder betreuenden Institutionen oder im Straf- und Mass-
nahmenvollzug. Dabei fiel der Beschuldigte immer wieder durch Alkohol- und 
Drogenkonsum, übergriffiges und unangebrachtes Verhalten auf. Im Laufe dieser 
Jahre wurde der Beschuldigte denn auch mehrfach strafrechtlich verzeichnet. Auf 
diese weiteren Unterlagen wird – sofern von Relevanz – im Rahmen der Erwägun-
gen der Kammer vertieft eingegangen. 

12.1 Edierte Akten aus dem Verfahren SK 16 418 (pag. 559 ff.)

Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland edierte am 8. März 2022 die Ak-
ten des Verfahrens SK 16 418 (pag. 559 ff.). Folgendes fallen mit Blick auf die Kri-
terien für die Anordnung einer therapeutischen Massnahme besonders auf:

Im Bericht des AR.________ Jugend und Familie vom 24. Mai 2016 (Akten SK 16 
418, pag. 1663 ff.) werden die Vorfälle aus dem Jahr 2015 in der AS.________ de-
taillierter Beistandschaftsbericht vom 12. Juli 2016 (Akten SK 16 418, pag. 435 ff.) 
ausgeführt. Die betroffene Jugendliche habe mitgeteilt, dass sich der Beschuldigten 
in den letzten Wochen ihr gegenüber wiederholt grenzverletzend verhalten hätte. 
Er habe oft versucht, sie zu küssen, habe sie aufgefordert mit ihm zu schlafen und 
sich auch unaufgefordert in ihr Zimmer begeben. Er habe sich neben sie ins Bett 
gelegt, um sie zu berühren (Akten SK 16 418, pag. 1669 ff.).

Im Nachgang an das Urteil SK 16 418 der 1. Strafkammer des Obergerichts des 
Kantons Bern ergingen mehrere Nachentscheide, unter anderem der Nachent-
scheid vom 1. März 2021 (Akten Nr. JG 16 5, nicht paginierte Seiten, hinten), mit 
welchem die Schutzmassnahme nach Jugendstrafgesetz (JStG; SR 311.1) infolge 
Vollzugsnotstands aufgehoben werden musste. Trotz der teilweisen Gutheissung 
der hiergegen erhobenen Beschwerde (vgl. Beschluss der Beschwerdekammer in 
Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern BK 21 114 vom 1. Juli 2021) ist 
dieser bezüglich des Verlaufs des Vollzugs der im Rahmen des Verfahrens SK 16 
418 ausgesprochenen Schutzmassnahme und bezüglich der Gründe für dessen 
Aufhebung vorliegend von Interesse. Es wird festgestellt, dass die stationäre Mass-
nahme mit Nachentscheid vom 5. Februar 2020 fortgesetzt worden sei. Gestützt 
auf ein Schreiben des Beschuldigten habe die Jugendanwaltschaft am 25. März 
2020 ein nachträgliches Verfahren eröffnet. Im erneut eingeleiteten Massnah-

20

menüberprüfungsverfahren sei eine umfassende forensisch-psychiatrische Begut-
achtung des Beschuldigten angeordnet worden, um den von ihm gewünschten 
Massnahmenabbruch auf dessen Verantwortbarkeit zu prüfen. In diesem Zusam-
menhang wurde Dr. med. AT.________ mit der Erstellung eines Gutachtens (vgl. 
pag. 733 ff.) beauftragt, auf welches unter Ziff. 12.3. vertieft eingegangen wird. Da 
Dr. med. AT.________ insbesondere die Einweisung in eine psychiatrische Klinik 
empfohlen habe. Es sei festgestellt worden, dass es sich beim Beschuldigten wei-
terhin um einen höchst massnahmen- und behandlungsbedürftigen und – ohne 
Medikation – auch gefährlichen jungen Mann handle. Aufgrund fehlender passen-
der Institutionen mit Bereitschaft zur Aufnahme des Beschuldigten auf der Einwei-
sungsgrundlage nach JStG habe die Jugendanwaltschaft keine Möglichkeit mehr 
gehabt, die dringend angezeigte Schutzmassnahme gestützt auf das JStG weiter-
zuführen. Am 11. November 2020 sei bei der KESB AU.________ die Prüfung re-
spektive Anordnung geeigneter zivilrechtlicher Erwachsenenschutzmassnahmen 
beantragt worden.

12.2 Unterlagen der KESB (pag. 428 ff.)

Die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland edierte am 24. Februar 2022 die 
Akten der KESB (pag. 428 ff.). Mit diesen beigezogenen Akten lassen sich die letz-
ten knapp 10 Jahre im Leben des Beschuldigten aus Sicht der betreuenden Institu-
tionen und Behörden nachvollziehen. Folgendes fällt mit Blick auf die Kriterien für 
die Anordnung einer therapeutischen Massnahme besonders auf:

Im Rahmen der Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen gab die KESB 
AU.________ bei med. pract. AV.________ eine ergänzende ambulante psychia-
trische Begutachtung des Beschuldigten in Auftrag (pag. 479 und pag. 501 ff.) und 
ordnete am 23. März 2021 unter anderem gestützt auf darauf eine behördliche für-
sorgerische Unterbringung an (pag. 478 ff.). Auf dieses Gutachten wird unter 
Ziff. 12.4. vertiefter eingegangen. Die hiergegen erhobene Beschwerde des Be-
schuldigten wurde durch das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht Bern am 12. 
April 2021 teilweise gutgeheissen, da es unter anderem an der persönlichen Unter-
suchung des Beschuldigten fehlte (pag. 471), weshalb die Sache der KESB 
AU.________ zur Einholung eines neuen Gutachtens und zu neuem Entscheid im 
Sinne der Erwägungen zurückgewiesen wurde (pag. 476 f.).

Die KESB AU.________ gab in der Folge bei den AW.________ die Erstellung ei-
nes Gutachtens in Auftrag (pag. 458 ff. und pag. 501 ff.). Auf dieses Gutachten wird 
unter Ziff. 12.5. vertiefter eingegangen. Gestützt auf dieses neue Gutachten und im 
Sinne der Erwägungen des Entscheids des Kindes- und Erwachsenenschutzge-
richts Bern wurden für den Beschuldigten am 14. Juni 2021 unter anderem für die 
Dauer von einem Jahr ambulante Massnahmen angeordnet (pag. 452 ff.).

12.3 Gutachten von Dr. med. AT.________ vom 17. Juni 2020 (pag. 733 ff.)

Wie bereits ausgeführt, beauftragte die Jugendanwaltschaft Emmental-Oberaargau 
Dr. med. AT.________ mit der psychiatrischen Begutachtung des Beschuldigten. 
Gestützt auf die ihr zur Verfügung gestellten Unterlagen, ihre Exploration des Be-
schuldigten und ein Telefonat mit dem behandelnden Psychiater kam sie zusam-
mengefasst zu folgenden Schlüssen (pag. 774-806):

21

Beim Beschuldigten seien eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F20.0), differen-
tialdagnostisch eine hebephrene Schizophrenie, sowie ein Missbrauch multipler 
Substanzen (ICD-10: F19.1; Alkohol, Kokain, THC) zu diagnostizieren. 

In der schweren psychischen Erkrankung und dem nicht unerheblichen Suchtmit-
telkonsum lägen zwei gewichtige Risikofaktoren für eine zukünftige Delinquenz des 
Beschuldigten vor. Im psychotischem Zustandsbild mit den Threat-control-override-
Symptomen (Verfolgungs-, Bedrohungswahn), mangelnder Einsicht, unzureichen-
dem Realitätsbezug, aktiven Symptomen (Halluzinationen, Wahnerleben), ina-
däquater Affektivität (Aggressivität, Reizbarkeit, Anspannung) und mangelnder Be-
handlungsbereitschaft steige das Risiko für gewalttätige Übergriffe stark an. Ein 
hinzukommender und die Verhaltenskontrolle zusätzlich reduzierender Suchtmittel-
konsum erhöhe darüber hinaus noch einmal die Gefahr für (erhebliche) Straftaten. 
Es sei von einem insgesamt hohen Risiko für zukünftige (erhebliche) Straftaten 
auszugehen.

Die Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis sei grundsätzlich gut behan-
delbar. Eine medikamentöse Behandlung sei aus gutachterlicher Sicht unabding-
bar. Im Rahmen einer längeren intensiven psychiatrischen Therapie sollte der Be-
schuldigte eine Psychoedukation erhalten. Positiv sei, dass er günstig auf antipsy-
chotische Medikamente anspreche, d.h., es bestehe eine grundsätzliche medika-
mentöse Behandelbarkeit.

Dr. med. AT.________ kommt zum Schluss, dass die beim Beschuldigten notwen-
dige Therapie in einer forensischen Fachklinik die Anordnung einer strafrechtlichen 
Massnahme für Erwachsene nach Art. 59 StGB voraussetzen würde, welche drin-
gend angezeigt wäre.

12.4 Gutachten von med. pract. AV.________ vom 24. Februar 2021 (pag. 520 ff.)

Trotz der bereits erläuterten Gutheissung der Beschwerde gegen den Entscheid, 
welcher sich auf das Gutachten von med. pract. AV.________ stützte, werden die 
wesentlichen Schlüsse der Vollständigkeit halber zusammengefasst wiedergege-
ben (pag. 552-557): 

Med. pract. AV.________ verwies für die diagnostische Beurteilung auf das Gut-
achten von Dr. med. AT.________, deren diagnostische Ausführungen er teile. Der 
schleichende Beginn der Erkrankung, die Komorbidität mit der Suchterkrankung 
und die geringe Intelligenz des Beschuldigten würden den Schweregrad der Er-
krankung erhöhen und deren Behandelbarkeit erschweren. 

Die Fremdgefährdung des Beschuldigten sei als erheblich einzuschätzen. Eine sta-
tionäre Behandlung oder Betreuung sei zwingend erforderlich. Die schizophrene 
Erkrankung müsse zwingend medikamentös behandelt werden, um das Risiko ei-
ner Chronifizierung und einer allfälligen Selbst- und Fremdgefährdung zu begeg-
nen. Rechnung zu tragen sei ebenfalls einem allfälligen Konsum psychotroper 
Substanzen, der einerseits das Risiko für Selbst- und Fremdgefährdung erhöhe 
und andererseits zu einem schwereren Krankheitsverlauf der schizophrenen Er-
krankung beitrage.

22

12.5 Gutachten der AW.________ vom 31. Mai 2021 (pag. 501 ff.)

Die Beschwerde des Beschuldigten gegen die behördlich angeordnete für-
sorgerische Unterbringung wurde, wie bereits ausgeführt, teilweise gutgeheissen 
und der Entscheid insbesondere zur Einholung eines neuen Gutachtens zurückge-
wiesen. Im Auftrag der KESB AU.________ verfassten die AW.________ (Assis-
tenzärztin AX.________, Dr. med. AY.________, visiert durch Prof. Dr. med. 
AZ.________) daher ein psychiatrisches Gutachten über den Beschuldigten. Ge-
stützt auf Explorationen, Untersuchungsbefunde und Beobachtungen des Beschul-
digten und weiteren Unterlagen kamen die Verfasser des Gutachtens der 
AW.________ zusammengefasst zu folgenden Schlüssen (pag. 514-519):

Die AW.________ diagnostizierten beim Beschuldigten eine paranoide Schizo-
phrenie, episodisch mit stabilem Residuum, mit katatonen Anteilen (F20.01). So-
dann bestätigten die AW.________ eine «Psychische und Verhaltensstörungen 
durch Cannabinoide, Schädlicher Gebrauch» (F12.1) sowie eine «Psychische und 
Verhaltensstörungen durch Kokain, Schädlicher Gebrauch» (F 14.1).

Es sei davon auszugehen, dass ohne geeignete antipsychotische Therapie eine 
weitere Chronifizierung der Symptomatik eintrete und episodisch auftretende psy-
chotische Dekompensationen mit einhergehender Selbst- und Fremdgefährdung 
vermehrt eintreten würden. Im Rahmen von Intoxikationen bestehe beim Beschul-
digten ein intoxikationsbedingt erhöhtes Risiko für selbst- und fremdgefährdende 
Handlungen. Die Impulsivität und fehlende Krankheitseinsicht erhöhten wiederum 
das Risiko für wiederholten Substanzkonsum, Absetzen der medikamentösen Be-
handlung und konsekutiven Dekompensationen der Schizophrenie, welche mit ei-
ner Selbst- und Drittgefährdung einhergehen könnten.

Eine stationäre akut-psychiatrische Behandlung sei im Zeitpunkt der Begutachtung 
aufgrund der anhaltenden Stabilisierung der schizophrenen Grunderkrankung und 
der beschriebenen Ausprägung der Residualsymptome nicht notwendig.

12.6 Strafrechtliche Vergangenheit

Gemäss Strafregisterauszug vom 26. Juli 2023 (pag. 1757 ff.) beging der Beschul-
digte bereits als Jugendlicher diverse Straftaten:

- Mit Urteil der 1. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern SK 16 418 
vom 6. Juli 2017 wurde der Beschuldigte wegen versuchter vorsätzlicher 
Tötung, Raufhandel und Widerhandlung gegen Art. 19a BetmG schuldig ge-
sprochen. Als Sanktionen wurde ein unbedingt vollziehbarer Freiheitsentzug 
von 24 Monaten in einer offenen Unterbringung nach Art. 15 Abs. 1 JStG aus-
gesprochen. 

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland O 17 10035 vom 
15. November 2017 wurde der Beschuldigte wegen einfachen Diebstahls (ge-
ringfügiges Vermögensdelikt) und Sachbeschädigung schuldig gesprochen und 
zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 36 Tagessätzen zu CHF 30.00 
mit einer Probezeit von 2 Jahren und zu 44 Stunden unbedingt vollziehbarer, 
gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

23

- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl E-4/2018/37734 vom 9. No-
vember 2018 wurde der Beschuldigte wegen einfachen Diebstahls zu einer un-
bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 10.00 verurteilt. 
Gleichzeitig wurde der bedingte Vollzug gemäss Strafbefehl der Regionalen 
Staatsanwaltschaft Oberland O 17 10035 nicht widerrufen, aber die Probezeit 
um 1 Jahr verlängert.

Als Erwachsener fiel der Beschuldigte ebenfalls mehrfach strafrechtlich auf:

- Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland C-2/2019/02603 
vom 1. Februar 2019 wurde der der Beschuldigte wegen Drohung zu einer un-
bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 4 Monaten verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 19 
34367 vom 11. September 2019 wurde der Beschuldigte wegen Missachtung 
der Ein- oder Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG und einer Widerhandlung 
gegen Art. 19a BetmG zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 25 
Tagen und einer Busse von CHF 300.00 verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 19 3909 
vom 11. Dezember 2019 wurde der Beschuldigte wegen Missachtung der Ein- 
oder Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG, einfachen Diebstahls, versuchten 
Einführens, Erwerbens oder Lagerns falschen Geldes und einer Widerhandlung 
gegen Art. 19a BetmG als Zusatzstrafe zum vorgenannten Strafbefehl vom 
11. September 2019 zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 
40 Tagen und einer Busse von CHF 100.00 verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 20 
11600 vom 5. Mai 2020 wurde der Beschuldigte wegen Hinderung einer Amts-
handlung, Missachtung Ein- und Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG sowie 
wegen Widerhandlungen gegen Art. 19 Abs. 1 Bst. c und Art. 19a BetmG zu ei-
ner unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 90 Tagen und einer Busse von 
CHF 100.00 verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 20 
24720 vom 7. Juli 2020 wurde der Beschuldigte wegen Missachtung der Ein- 
oder Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG und einer Widerhandlung gegen 
Art. 19a BetmG zu einer unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 75 Tagen 
und einer Busse von CHF 100.00 verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 21 
19362 vom 17. Mai 2021 wurde der Beschuldigte wegen Missachtung der Ein- 
oder Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG zu einer unbedingt vollziehbaren 
Freiheitsstrafe von 60 Tagen verurteilt.

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland BM 21 
28438 vom 14. Oktober 2021 wurde der Beschuldigte wegen Missachtung der 
Ein- oder Ausgrenzung i.S.v. Art. 119 Abs. 1 AIG, mehrfach begangenen einfa-
chen Diebstahls (geringfügiges Vermögensdelikt), Hausfriedensbruch, und ei-
ner Widerhandlung gegen Art. 19a BetmG zu einer unbedingt vollziehbaren 
Freiheitsstrafe von 65 Tagen und einer Busse von CHF 900.00 verurteilt.

24

- Mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau EO 
22 9932 vom 11. November 2022 wurde der Beschuldigte der Gewalt oder 
Drohung gegen Behörden oder Beamte und der Sachbeschädigung zu einer 
unbedingt vollziehbaren Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 30.00 verur-
teilt.

12.7 Jüngste Entwicklungen

Im Wesentlichen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte seit 
dem erstinstanzlichen Urteil erneut strafrechtlich relevant in Erscheinung getreten 
ist. So ist dem Bericht des Regionalgefängnisses AG.________ vom 23. Mai 2023 
(pag. 1579 ff.) zu entnehmen, dass es am Montag, 22. Mai 2023, um 10:09 Uhr sei-
tens des Beschuldigten zu einem unangekündigten und unmittelbaren Übergriff auf 
einen ihn betreuenden Gefängnismitarbeiter gekommen sei. Der Beschuldigte habe 
diesem mit Wucht auf das Nasenbein und die Schläfe geschlagen. Um 10:10 Uhr 
sei ein Personenalarm ertönt, worauf das Gros der diensthabenden Mitarbeitenden 
unverzüglich hinzu geeilt sei. Angekommen hätten sie den Beschuldigten auf dem 
Boden liegen sehen. Er sei durch den betreuenden Gefängnismitarbeiter und einer 
zu Hilfe eilenden eingewiesenen Person fixiert worden. Der Beschuldigte habe sich 
in hohem Masse fremdaggressiv gezeigt und versucht, um sich zu schlagen. In der 
Folge seien aufgrund des Personenalarms auch Pflegefachkräfte aus dem Ge-
sundheitsdienst hinzugekommen. Der Beschuldigte hätten trotz heftiger Gegen-
wehr zu dessen Sicherung nach den taktischen Grundsätzen des Eigenschutzes 
Handschellen angelegt werden können. Er sei zeitnah in die Sicherheitszelle ver-
legt und dort unverletzt zurückgelassen worden. Der betreuende Gefängnis-
mitarbeiter sei an der Nase erheblich verletzt worden und habe sich am Nachmittag 
desselben Tages für weitere Untersuchungen ins Spital BA.________ befunden. 
Gemäss den bisherigen medizinischen Diagnosen habe der betreuende Gefäng-
nismitarbeiter eine Nasenbeinfraktur, welche leicht disloziert sei, erlitten. Sie würde 
am darauffolgenden Freitag gerichtet werden und nach Ausführungen des be-
handelnden Orthopäden konservativ heilen. Bis zu diesem Freitag sei dem be-
treuenden Gefängnismitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 100% be-
scheinigt worden. Nach Ansicht der Mitarbeitenden der Aufsicht & Betreuung sei 
der Umgang mit dem Beschuldigten zu jener Zeit äusserst herausfordernd und er 
sei «brandgefährlich».

Dieser Vorfall war mitunter ausschlaggebend für die erneute Anordnung der be-
sonderen Sicherheitsmassnahme der Einzelbehandlung (vgl. Verfügung der Ver-
fahrensleitung vom 9. Juni 2023, pag. 1663 ff.).

13. Aussagen des Beschuldigten

13.1 Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung

Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlungen führte der Beschuldigte zu-
sammengefasst aus, er habe keine psychische Erkrankung (pag. 1249, Z. 47 und 
pag. 1250, Z. 1; pag. 1250, Z. 6) und er benötige keine Hilfe (pag. 1250, Z. 41-42). 
Damit er sich an die Regeln halte, müsse er lernen, und er habe bereits gelernt 
(pag. 1250, Z. 37-38). Eine stationäre Behandlung in einer forensisch-psychiat-
rischen Klinik erachte er als Zeitverschwendung und er würde sich gegen eine sol-

25

che Therapie wehren (pag. 1250, Z. 19-25). Er wolle frei entlassen werden und 
dann werde er keine Probleme mehr machen (pag. 1250, Z. 27-30). Wenn die Poli-
zei keine Gesetze mehr mache, dann mache er auch keine Probleme oder Fehler 
mehr (pag. 1250, Z. 32-34). Der Beschuldigte führte weiter aus, es gehe ihm 
während der Einzelbehandlung besser (pag. 1249, Z. 14-15). Im Weiteren sagte 
der Beschuldigte aus, der Umgang mit den Konflikten gehe besser, aber langsam 
sei das Limit erreicht, und lachte dann (pag. 1249, Z. 18-21).

Hinsichtlich Medikamente sagte der Beschuldigte aus, er habe Medikamente ver-
langt und wegen der Medikamente reingeschlagen (pag. 1249, Z. 16). Die Medi-
kamente für das Herz hätten seinen Kopf schädlich gemacht (pag. 1249, Z. 27). Er 
nehme die Neuroleptika nicht immer, er nehme Valium (pag. 1249, Z. 26-31).

Der Beschuldigte betonte: «Ich habe meine Welt und sie haben ihre.» (pag. 1249, 
Z. 43). Er habe einen anderen Glauben (pag. 1249, Z. 43-45). Wenn man in Eritrea 
eine weisse Pflanze pflanze, erhalte man auch eine weisse Pflanze; aber wenn 
man hier etwas mache, werde man verhaftet (pag. 1250, Z. 12-13).

Auf Frage nach seinen Vorstellungen für die Zukunft, gab er an, er wolle arbeiten, 
studieren und Musik machen (pag. 1250, Z. 44-46).

13.2 Anlässlich der Berufungsverhandlung

Im Rahmen der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zusammengefasst 
auf Frage, wieso er mit der stationären therapeutischen Massnahme nicht einver-
standen sei, aus, nicht zu glauben, dass er das habe, was gesagt worden sei 
(pag. 1792, Z. 26-27, Z. 33-34 und Z. 37). Er wolle wissen, welche Schizophrenie 
er habe (pag. 1792, Z. 33 und Z. 37-38). In Eritrea heile man Schizophrenie; das 
heisse dort zirzir (pag. 1792, Z. 28). Zirzir habe jemand, der eine schlechte Art von 
Mensch glücklich mache (pag. 1792, Z. 31-32). Er wolle wissen, ob er einer von 
denen sei (pag. 1792, Z. 32).

Er sei ein gestorbener Mensch gewesen und habe seine Verzweiflung gehabt (pag. 
1793, Z. 2-3). Er habe seine Fehler herausgefunden; er mache immer Dummhei-
ten, wenn er auf Drogen sei (pag. 1793, Z. 17-18). Auf Vorhalt des 
Führungsberichts des Regionalgefängnisses AG.________ vom 18. Juli 2023 
(pag. 1751 ff.), wonach er am 22. Mai 2023 einem Gefängnismitarbeiter mit der 
Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, sagte er aus, das sei richtig, aber er habe 
das Recht dazu gehabt (pag. 1790, Z. 32-35). Auf Frage, wieso er immer wieder 
gewalttätig werde, sagte er aus, wenn man jung sei, sei man naiv; dann mache 
man das (pag. 1794, Z. 6-7). Er sehe es als negativ an, einen Polizisten geschla-
gen zu haben (pag. 1795, Z. 8-9). Er sei nicht so gewalttätig, wie man sehe; es 
passiere manchmal, aber es sei nicht so (pag. 1795, Z. 9-10). Er habe in 
AG.________ und im BB.________ einen Vorfall gehabt (pag. 1796, Z. 35). Er sei 
gewalttätig geworden, weil er seine Probleme niemandem habe erklären können; 
er könne nicht anders (pag. 1796, Z. 40-44 und pag. 1797, Z. 1-3). Auf Frage, wie-
so es dann nicht mehr passieren würde, sagte er aus, ein sehr positiver Mensch zu 
sein (pag. 1797, Z. 5-6).

Auf Vorhalt, wonach den Akten zu entnehmen sei, dass er sich gegenüber Frauen 
nicht immer korrekt verhalte, gab er an, sich mehr als korrekt zu verhalten und Re-

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spekt vor Frauen zu haben (pag. 1794, Z. 21-23). Es sei ein Rassismuskampf ge-
wesen; diese Menschen hätten gelogen (pag. 1794, Z. 26, Z. 29 und Z. 32-33). 

Betreffend Drogenkonsum gab der Beschuldigte an, momentan nicht zu rauchen; 
es tue ihm nicht gut (pag. 1795, Z. 17). Manchmal rauche er Haschisch und Ko-
kain, aber nicht so viel (pag. 1795, Z. 17-18). Wenn er aus dem Gefängnis kommen 
würde, würde er kein Haschisch und Kokain rauchen; das könne er versichern 
(pag. 1796, Z. 9-10). Wenn er Haschisch rauche, habe er Hunger, stehle ein 
Sandwich und müsse wieder ins Gefängnis; das müsse ein Ende haben (pag. 
1796, Z. 9-12). Er trinke am Wochenende ein paar Bierchen (pag. 1795, Z. 38-39) 
und würde, wenn er aus dem Gefängnis kommen würde, vielleicht ab und zu Alko-
hol trinken (pag. 1796, Z. 6-7).

Hinsichtlich Therapie sagte der Beschuldigte aus, eine Therapie würde ihm gut tun 
(pag. 1794, Z. 42-44). Er wolle «Artikel 63», sich die Medikamente monatlich sprit-
zen lassen, eine Therapie machen, Arbeit suchen und sein Leben beginnen 
(pag. 1794, Z. 45 und pag. 1795, Z. 1). Er wolle immer Drogen, jetzt sei es viel zu 
viel (pag. 1795, Z. 3). Auf Frage, ob er sich im Moment in der Lage fühle, nicht 
mehr im Gefängnis zu sein und irgendwo draussen herum zu laufen, sagte er aus, 
er fühle sich sehr einsam, was ihn sehr belaste (pag. 1795, Z. 12-14).

Bezüglich der aktuellen Medikation sagte er aus, er nehme die Medikamente, wenn 
er sie verlange (pag. 1791, Z. 33-34). Er nehme jeden Abend freiwillig Olanzapin, 
Sequase und Rivotril; er müsse, sonst sei es nicht einfach (pag. 1791, Z. 43-44 und 
pag. 1792, Z. 1-8). Er merke jetzt, dass diese Medikamente ihn «schnell zu denken 
machen» und das sei nicht gut für den Kopf (pag. 1791, Z. 34-37). Da habe er 
Angst; sie würden seinen Kopf vielleicht dumm machen (pag. 1792, Z. 14-15). Die 
Medikamente würden ihm beim Einschlafen helfen (pag. 1792, Z. 10-11). Wenn er 
die Medikamente nicht nehme, gehe es ihm gut (pag. 1792, Z. 20-21). Wenn er 
wählen könnte, würde er die Medikamente nehmen, sie aber reduzieren (pag. 
1792, Z. 23-24).

Auf Vorhalt des im Führungsbericht des Regionalgefängnisses AH.________ vom 
19. Juli 2023 (pag. 1748 f.) beschriebenen Vorfalls in der Nacht vom 31. Mai 2023 
gab der Beschuldigte an, es stimme nicht, dass er Tupac Shakur in dieser Nacht 
gesehen habe, sondern das sei am 19. Januar 2019 mit dem Propheten Moham-
med gewesen (pag. 1797, Z. 8-18).

Auf Frage nach seinen Vorstellungen für die Zukunft, gab er an, es sei eine schwie-
rige Frage; er würde eine Familie gründen, heiraten und als Maler arbeiten 
(pag. 1794, Z. 9-19 und pag. 1796, Z. 23-24). 

14. Erwägungen der Kammer

14.1 Gutachterliche Ausführungen von Dr. med. C.________ als Grundlage für den rich-
terlichen Entscheid

Für die Kammer sind keine Gründe ersichtlich, die ein Abweichen von den gutach-
terlichen Einschätzungen erlauben oder gar verlangen würden. Die Ausführungen 
von Dr. med. C.________ sowohl im schriftlichen Gutachten als auch an den ge-
richtlichen Befragungen sind nachvollziehbar begründet und stringent. Dr. med. 

27

C.________ nahm Bezug sowohl auf die dokumentierten Unterlagen als auch auf 
die aktuellen Entwicklungen. Ihre Einschätzungen erscheinen beim Abgleich mit 
den zahlreichen weiteren ärztlichen Einschätzungen in den Akten stimmig. Viele 
der im Gutachten beschriebenen Verhaltensmuster des Beschuldigten bestätigten 
sich in der darauffolgenden Zeit sowie anlässlich der erst- und oberinstanzlichen 
Einvernahmen (z.B. Ambivalenz, fehlende Schuldgefühle, unrealistische Selbstein-
schätzung, optische Halluzinationen).

Es ist denn auch zulässig, wenn «erledigte» Sachverhalte im Sinne von Vorstrafen 
in die Überlegungen einbezogen wurden (BGE 135 IV 87; anstatt vieler: Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1076/2021 vom 28. Oktober 2021 E. 2.5.4). Das Gericht muss 
gutachterliche Schlüsse, die auf (entfernte) Vorstrafen beruhen, nicht etwa aus-
blenden (Urteil des Bundesgerichts 1B_589/2021 vom 19. November 2021 E. 5.3 
mit Hinweisen). Gemäss Bundesgericht darf einer psychiatrischen Begutachtung 
schliesslich die Hypothese zugrunde gelegt werden, die Täterschaft der beschul-
digten Person sei erstellt. Indem Dr. med. C.________ erst- und oberinstanzlich um 
eine Aktualisierung ihrer Einschätzungen nach den teilweise erfolgten Einstellun-
gen und Freisprüchen gebeten wurde, sind die entsprechenden Folgerungen wei-
terhin haltbar.

An diesen Schlüssen vermag auch die Kritik der Verteidigung nichts zu ändern.

Die Verteidigung rügte im Zusammenhang mit der Exploration des Beschuldigten, 
Dr. med. C.________ habe den Beschuldigten lediglich einmal und dabei auch 
nur während 90 Minuten persönlich gesehen, was ungenügend sei. Dr. med. 
C.________ habe zur Erstellung des Gutachtens fünf Monate Zeit gehabt und die-
se Zeit nicht gut genutzt, da sie vier von fünf Monaten ungenutzt habe verstreichen 
lassen. Sie habe sich für die Diagnosestellung primär auf die Akten gestützt. Eine 
sorgfältige gutachterliche Untersuchung sei in einer so kurzen Exploration mit 
Trennscheibe und Dolmetscher kaum möglich. Es habe keine Befragung zur Le-
bensgeschichte, keine körperliche Untersuchung und keine Bildgebung stattgefun-
den (vgl. pag. 1808). Die Verteidigung stellt damit implizit die Verwertbarkeit des 
Gutachtens in Frage.

Vorab ist diesbezüglich festzuhalten, dass das Gutachten von einer geeigneten 
Fachperson erstellt werden muss. Dr. med. C.________ ist eine ausgewiesene fo-
rensische Psychiaterin mit langjähriger Praxiserfahrung und deshalb als Sachver-
ständige ohne weiteres geeignet. 

Darüber hinaus hielt die Vorinstanz (S. 102 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag.1498 ff.) überzeugend fest, dass aufgrund der bloss kurz durchgeführten 
Exploration nicht von einer ungenügenden Begutachtung auszugehen ist. Denn 
Dr. med. C.________ konnte anlässlich der von ihr durchgeführten Exploration ei-
nen persönlichen Eindruck des Beschuldigten gewinnen (vgl. dazu pag. 938 ff.) und 
mit ihm diverse Punkte besprechen. So habe er beispielsweise die dokumentierten, 
inhaltlichen Denkstörungen (Gefühl, beobachtet zu werden) sowie die ebenfalls do-
kumentierten Ich-Störungen in Abrede gestellt. Er habe hingegen optische Halluzi-
nationen wie das Wahrnehmen des Propheten Mohammed bejaht und auf Nach-
fragen dann auch, dass er mit diesem gesprochen hat, was verdächtig auf akusti-

28

sche Halluzinationen hindeute. Die Stimmung während des Gesprächs sei ge-
spannt gewesen und bei manchen Themen habe der Beschuldigte abrupt offen 
dysphorisch und gereizt reagiert (pag. 944 ff.). Aufgrund des Gesprächs konnte 
Dr. med. C.________ also den Zustand des Beschuldigten ohne weiteres ein-
schätzen. 

Sodann war die Lebensgeschichte des Beschuldigten im Zeitpunkt der Begutach-
tung durch Dr. med. C.________ bereits eingehend dokumentiert. Es ist nicht 
nachvollziehbar, inwiefern eine weitere Bestätigung der Lebensgeschichte im per-
sönlichen Gespräch notwendig gewesen wäre. 

Dr. med. C.________ konnte sodann schlüssig erläutern, wieso sie auf eine körper-
liche Untersuchung verzichtete und wieso eine Bildgebung (sog. Kernspintomo-
gramm) nicht nötig war, um die Diagnose der paranoiden Schizophrenie zu sichern. 
Die Kammer kann gestützt auf die Ausführungen von Dr. med. C.________ (vgl. 
pag. 1229, Z. 40-47 und pag. 1230, Z. 1-8; pag. 1801, Z. 35-45 und pag. 1802, 
Z. 1) ohne weiteres nachvollziehen, dass bei Vorliegen einer organischen Ursache 
in der Zwischenzeit auch andere Symptome aufgetreten wären und sich auch bei 
Vorliegen einer zusätzlichen organischen Erkrankung nichts an der Diagnose der 
paranoiden Schizophrenie ändern würde. Dementsprechend gelingt es der Vertei-
digung nicht, die gestellte Diagnose der Fachärzte in Zweifel zu ziehen.

Hinzu kommt, dass zahlreiche übereinstimmende Vorgutachten und Berichte in den 
Akten liegen, welche Dr. med. C.________ beim Verfassen ihres Gutachtens hin-
länglich bekannt waren (vgl. Ziff. 12 hiervor). Diese stimmen, was die Diagnosen 
des Beschuldigten betrifft, überein. Es ist damit durchaus vertretbar, dass Dr. med. 
C.________ nach der eigenen Exploration des Beschuldigten auf eine weitere per-
sönliche Exploration verzichtete, da sie keine Zweifel an den von ihr (und den Vor-
gutachtern) gestellten Diagnosen hatte. Dr. med. C.________ konnte schlüssig er-
läutern, dass eine bestimmte Kombination von Symptomen über einen bestimmten 
Zeitraum hinweg andauern müsse, damit die Diagnose der paranoiden Schizo-
phrenie gestellt werden könne (vgl. pag. 1799, Z. 29-31). Daher erscheint es gebo-
ten, sich auch auf frühere Befunde zu stützen. Im Besondern ist zusammen mit der 
Vorinstanz nicht einzusehen und wurde von der Verteidigung auch nicht nachvoll-
ziehbar erläutert, weshalb die mehrfach und von verschiedenen Fachpersonen ge-
stellten Diagnosen der paranoiden Schizophrenie sowie des schädlichen Sub-
stanzgebrauchs falsch sein sollten. Die von der Verteidigung vorgebrachten alter-
nativen Erklärungsversuche sind ungeeignet, die mehrfach übereinstimmenden 
Diagnosen der Fachärzte zu widerlegen bzw. in Zweifel zu ziehen.

Weiter kritisiert die Verteidigung die Punktevergabe von Dr. med. C.________ im 
Violence Risk Appraisal Guide-Revised (VRAG-R) und hat damit die Risikoein-
schätzung für erneute Delikte in Zweifel gezogen. Die Vorinstanz hat sich ausführ-
lich mit der Punktevergabe im Gutachten (vgl. pag. 953 ff.) auseinandergesetzt, ist 
die 12 Items selbst durchgegangen und hat diese mit den Ausführungen von Dr. 
med. C.________ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung verglichen. 
Den Ausführungen der Vorinstanz, wonach sich im Ergebnis die Punktevergabe 
nachvollziehen lässt, ist zuzustimmen (vgl. S. 104 ff. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung, pag. 1500 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab Dr. med. 

29

C.________ an, sich im Nachgang an die erstinstanzliche Hauptverhandlung mit 
den Items 2 und 10 befasst zu haben und ihre Ausführungen zu diesen beiden 
Items korrigieren zu müssen. Ihr gelang es, nachvollziehbar zu erklären, wie ihr 
hinsichtlich Altersgrenzen bei den Items 2 und 10 ein Versehen unterlaufen sei (vgl. 
pag. 1804, Z. 24-40). Diese Korrektur berücksichtige sie ausgehend von der 
«bestmöglichen Variante» bei Item 2 mit der Vergabe von -3 Punkten und bei Item 
10 mit der Vergabe von -2 Punkten. Daraus resultiert ein «Gesamtscore» von 20 
Punkten, was zu einer Zuordnung zur Risikokategorie 8 führt (vgl. pag. 1804, Z. 40-
45). 83.2% der Normstickprobe erreichten denselben oder einen niedrigeren Wert. 
Das Rückfallrisiko in dieser Gruppe war immer noch erhöht. In dieser Gruppe kam 
es innerhalb von 5 Jahren bei 58% der Probanden zu einem gewalttätigen Rückfall 
und innerhalb von 12 Jahren bei 78% der Probanden (vgl. pag. 1804, Z. 43-45 und 
pag. 1805, Z. 1-4). Übereinstimmend mit ihren gutachterlichen Ausführungen (vgl. 
pag. 958 f.) wich Dr. med. C.________ nicht von ihrer Gesamteinschätzung des 
Rückfallrisikos ab. Mit Verweis auf die schwer verlaufende Schizophrenie und den 
Alkohol- und Drogenmissbrauch erachtete Dr. med. C.________ für das Risikopro-
fil des Beschuldigten seine schwere psychische Erkrankung als entscheidend (vgl. 
pag. 1805, Z. 4-8). Wird diese behandelt, erachtet sie das Rückfallrisiko des Be-
schuldigten als deutlich gebessert, weil aus diesen Problemfeldern sein gewalttäti-
ges Verhalten resultiere (vgl. pag. 1805, Z. 9-13). Diese Ausführungen erachtet die 
Kammer als schlüssig. Es ist nachvollziehbar, wieso sich Dr. med. C.________ für 
die Einschätzung des Rückfallrisikos bei einer Gesamteinschätzung primär auf die 
individuelle Risikoeinschätzung stützt und wieso hierbei die schwere psychische 
Erkrankung des Beschuldigten eine entscheidende Rolle spielt. Ihre Schlüsse 
stimmen auch mit den Ausführungen der Vorgutachterin Dr. med. AT.________ 
überein, wonach von einer hohen Gefahr zukünftiger gewalttätiger Handlungen 
durch den Beschuldigten ausgegangen werden muss (vgl. pag. 797 f.).

Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, gilt es in diesem Zusammenhang die jüngsten 
Entwicklungen zu erwähnen, welche die Gesamteinschätzung von Dr. med. 
C.________ ebenfalls als schlüssig erscheinen lassen. Zunächst machte sich der 
Beschuldigte während hängigen Verfahrens erneut der Gewalt und Drohung gegen 
Behörden und Beamten schuldig (vgl. Strafbefehl vom 11. November 2022, 
pag. 1195 ff.). Sodann sei es am 22. Mai 2023 (vgl. Ziff. 12.7.) zu einem unan-
gekündigten und unmittelbaren Übergriff auf einen ihn betreuenden Gefängnismit-
arbeiter gekommen (vgl. Verfügung der Verfahrensleitung vom 9. Juni 2023, pag. 
1663 ff.).

Im Ergebnis konnte Dr. med. C.________ nach Ansicht der Kammer auf sämtliche 
Vorhalte ausführlich, konsistent und nachvollziehbar eingehen. Ihre Ausführungen 
sind insbesondere hinsichtlich der Einschätzung der Rückfallgefahr plausibel und 
gut begründet. Auf das Gutachten von Dr. med. C.________, welches sich auf die 
zahlreichen Vorgutachten stützt und mit diesen in Bezug auf die hier im Zentrum 
stehende Diagnose der paranoiden Schizophrenie übereinstimmt, ist im Ergebnis 
abzustellen.

30

14.2 Vorliegen einer schweren psychischen Störung

Dr. med. C.________ stellte in ihrem Gutachten vom 12. August 2022 (pag. 919 ff.) 
folgende Diagnosen: Der Beschuldigte habe zur Tatzeit unter einer schweren para-
noiden Schizophrenie, episodischer Verlauf mit zunehmendem Residuum (ICD-10 
F20.01), gelitten. Hinzu komme ein mittelgradig ausgeprägter schädlicher Ge-
brauch von Alkohol und multiplen Substanzen (ICD-10 F10.1, F19.1; pag. 961). 
Diese Diagnosen konnte Dr. med. C.________ anlässlich der Berufungsverhand-
lung aufgrund des Querschnittbefunds und des Längsschnittbefunds vorbehaltlos 
bestätigen (pag. 1799, Z. 22-24). Sie erläuterte schlüssig, was sie zur Diagnose-
stellung bewog (pag. 1799 Z. 26-41 und pag. 1800, Z. 1-6). 

Im Übrigen diagnostizierten auch sämtliche Vorgutachter beim Beschuldigten 
eine paranoide Schizophrenie nach ICD-10 F20.01 (vgl. Gutachten von Dr. med. 
AT.________: pag. 783, pag. 788, pag. 801; Gutachten von med. pract. 
AV.________: pag. 542 und pag. 552; Gutachten der UPD: pag. 515 f.). Auch in 
einem Bericht der UPD vom 18. Januar 2022 über die stationäre Behandlung des 
Beschuldigten vom 2. Dezember 2021 bis am 7. Januar 2022 wird als Hauptdia-
gnose die paranoide Schizophrenie genannt (vgl. pag. 423). Die Diagnose hat da-
mit als gesichert zu gelten.

Die Verteidigung macht in ihrer Berufungserklärung hierzu geltend, die Diagnose 
der Schizophrenie sei im Wesentlichen auf diverse Erzählungen des Beschuldigten 
abgestützt, die auf akustische und optische Halluzinationen hinweisen resp. diese 
beweisen sollen. Dabei werde aus Sicht der Verteidigung völlig ausser Acht gelas-
sen, dass es bei religiösen Menschen, zu denen der Beschuldigte gehöre, ganz 
normal sei, mit Gott oder Propheten und dergleichen zu reden. Das akute Halluzi-
nieren wurde von Dr. med. C.________ nicht beobachtet oder selber festgestellt – 
sie vertraue auf die vermeintlichen Eingeständnisse des Beschuldigten. Daraus 
lasse sich keine Schizophrenie ableiten. Die Umstände der durch den Beschuldig-
ten wiedergegebenen Erfahrungen seien zu wenig untersucht und stattdessen un-
gefiltert übernommen und in eine Diagnose gezwängt worden (vgl. pag. 1522).

Dr. med. C.________ erläuterte schlüssig, Wahnphänomene seien auch immer kul-
turell geprägt. Die meisten Personen, die eine Schizophrenie entwickelten, entwi-
ckelten vielleicht auch Wahnthemen, die mit ihrem Leben oder vielleicht sogar mit 
ihrer Biographie zu tun hätten. Man spreche in jenem Moment von einem Wahn, in 
dem eine Relativierung nicht mehr möglich sei und es dem Betreffenden nicht mehr 
möglich sei, sein Erleben infrage zu stellen und probeweise einmal von Aussen zu 
betrachten (vgl. pag. 1800, Z. 32-42). Der Beschuldigte zeigte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung selber, dass er nicht zu einer solchen Relativierung in der Lage 
ist. Dies zeigen seine Aussagen auf Vorhalt des Führungsberichts des Regionalge-
fängnisses AH.________ vom 19. Juli 2023, in welchem von einem Redeschwall 
des Beschuldigten geschildert wird, bei dem er unter anderem von Besuchen durch 
Gott, der Jungfrau Maria sowie Tupac Shakur gesprochen habe. Der Beschuldigte 
war nicht in der Lage, zu erkennen, dass die Besuche an sich erklärungsbedürftig 
sein könnten. Vielmehr war es ihm wichtig, das Datum des Besuchs von Tupac 
Shakur und des Propheten Mohammed zu korrigieren, die er am 19. Januar 2019 
gesehen habe (vgl. pag. 1797, Z. 8-18). Notorisch ist, dass Tupac Shakur im Jahr 

31

1996 verstarb. Dokumentiert ist, dass Religion in seiner Familie eine grosse Rolle 
gespielt habe (pag. 758) und der Beschuldigte Rap-Musik als Hobby mache 
(pag. 512). Zudem hat Dr. med. C.________ anlässlich ihrer Exploration auch ei-
gene Beobachtungen gemacht. Es habe eine ganz kurze Sequenz gegeben, bei 
der er aus einem Fenster geschaut habe, was auffällig und nicht adäquat gewesen 
sei. Er habe dem Dolmetscher eher bruchstückhaft Inhalte genannt, die sie nicht 
mit dem Thema, das gerade besprochen worden sei, in Verbindung habe bringen 
können. Sie habe den Eindruck gehabt, dass er da Dinge erlebt habe, die für sie 
bzw. die beiden anderen Personen im Raum nicht zugänglich gewesen seien 
(pag. 1800, Z. 17-26). Dr. med. C.________ erläutert schlüssig, wieso dies ins Bild 
gepasst habe, welches der Beschuldigte auch sonst klinisch gezeigt habe (vgl. pag. 
1800, Z. 26-30). Demnach bestehen keine Anhaltspunkte, um an der Einschätzung 
von Dr. med. C.________, wonach der Beschuldigte Wahnerleben habe, zu zwei-
feln.

Die Verteidigung bringt weiter vor, dass die Diagnose der Schizophrenie nicht gesi-
chert sei, weil auch eine Persönlichkeitsstörung nicht ausgeschlossen werden kön-
ne. Dazu beruft sie sich unter anderem auf eine E-Mail vom 6. Januar 2022 von 
BC.________ (BVD) an BD.________ (KESB; pag. 493). Darin zitiert BC.________ 
Ausführungen von BE.________ (Mitarbeitende einer Bewachungsstation) welche 
ihr mitgeteilt haben soll, dass der Beschuldigte nicht psychotisch sei, sondern die 
Ursache für die Einweisung vom Regionalgefängnis AG.________ in die 
BF.________ (eine Bewachungsstation) auf seine gestörte Persönlichkeit zurück-
zuführen sei. Daraus leitete die Verteidigung ab, es liege möglicherweise gar keine 
Schizophrenie, sondern eine Persönlichkeitsstörung vor. 

Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung zusätzlich zur paranoiden Störung wur-
de durch Dr. med. C.________ nicht verneint (pag. 1232, Z. 3-23 und Z. 25-44). 
Sie führte aber aus, dass eine solche zurzeit nicht sicher diagnostiziert werden 
könne bzw. dürfe, da die schizophrene Erkrankung im Vordergrund stehe und da-
her aktuell keine Rückschlüsse auf die Primärpersönlichkeit möglich seien. Da die 
schizophrene Erkrankung medikamentös behandelbar sei, müsse man zuerst diese 
Krankheit angehen. Sobald diese Erkrankung unter Kontrolle sei und sich stabili-
siert habe, könnten dann weitere Abklärungen zur Primärpersönlichkeit vorgenom-
men werden (pag. 961). Diese Ausführungen von Dr. med. C.________ erscheinen 
schlüssig. Es ist damit weder ein Widerspruch zum bzw. Zweifel am Gutachten er-
sichtlich.

Im Übrigen geht aus einer Telefonnotiz vom 7. Januar 2022 hervor, dass 
BF.________ (Mitarbeitende einer Bewachungsstation) selbst gesagt habe, der 
Beschuldigte leide an einer paranoiden Schizophrenie (pag. 492). Dementspre-
chend ist auch fraglich, ob BC.________ BF.________ (Mitarbeitende einer Bewa-
chungsstation) in ihrer E-Mail vom 6. Januar 2022 richtig zitiert hat. Andernfalls hät-
te sich BF.________ (Mitarbeitende einer Bewachungsstation) innerhalb von zwei 
Tagen diametral widersprochen. Dahingehende Bedenken äusserte auch die Vor-
instanz (Ziff. IV.1.4.3 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1503 f.). 

Schliesslich ist in Bezug auf die Bildgebung des Hirns (Kernspintomogramm des 
Schädels), von welcher im Gutachten zwar die Rede ist, die dann aber nicht ge-

32

macht wurde (pag. 951), Folgendes festzuhalten: Dr. med. C.________ führte 
diesbezüglich aus, dass eine Bildgebung des Gehirns bei Personen mit schizo-
phrener Störung an sich empfohlen sei. Bei organischen Psychosen könnten be-
sonders sexuelle Enthemmungen gesehen werden, wie sie auch beim Beschuldig-
ten zu beobachten seien. Allerdings müsse ein sexuell übergriffiges Verhalten aber 
nicht organisch verursacht sein, sondern das könne z.B. auch im Rahmen dissozia-
ler Persönlichkeitsstörungen vorkommen. Um ganz sicher zu sein, dass nicht eine 
(zusätzliche) anders behandelbare Krankheit vorliege, habe sie erwähnt, dass man 
eine solche Bildgebung im Verlauf machen könnte. Beim Beschuldigten sei die Er-
krankung nun aber schon seit langem dokumentiert. Wenn eine hirnorganische Er-
krankung vorliegen würde, wären inzwischen auch andere Ausfälle oder Symptome 
gesichtet worden, weshalb das Fehlen einer Bildgebung des Hirns kein Problem 
darstelle (pag. 1230, Z.38 und pag. 1231, Z. 1-8). Die Diagnose der Schizophrenie 
sei ohnehin gegeben. Daran, wie diese behandelt und die psychotische Symptoma-
tik besser kontrolliert werden könne, ändere sich nichts (pag. 1230, Z. 16-36). Es 
sei zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich, dass der 
Beschuldigte wegen einer hirnorganischen Veränderung nicht auf die Medikamente 
reagiere könnte, aber immerhin zeige er nun schon bereits seit sieben Jahren eine 
typische Schizophrenie-Symptomatik (pag. 1231, Z. 1-4). Im Übrigen decken sich 
diese Aussagen von Dr. med. C.________ anlässlich der Berufungsverhandlung 
(vgl. pag. 1801, Z. 35-43, pag. 1801, Z. 45 und pag. 1802, Z. 1) mit den vorange-
hend zitierten Aussagen anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung.

Hinsichtlich der Schwere der paranoiden Schizophrenie, episodischer Verlauf mit 
zunehmendem Residuum (ICD-10 F20.01), ist auf die Ausführungen von Dr. med. 
C.________ abzustellen, wonach die Störung des Beschuldigten, gemessen an der 
Gesamtgruppe der psychisch gestörten Personen aber auch im Vergleich mit ande-
ren schizophren erkrankten Menschen, als schwer zu beurteilen sei (pag. 961). Ihre 
Einschätzung deckt sich mit den Ausführungen von Dr. med. AT.________, welche 
von einer «tiefgreifenden Geisteskrankheit» spricht (vgl. pag. 802). Es besteht kein 
Grund, an dieser fachärztlichen Einschätzung zu zweifeln.

Es liegt damit entgegen den Vorbringen der Verteidigung beim Beschuldigten zwei-
felsfrei eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.01) und damit eine schwere 
psychische Störung i.S.v. Art. 59 StGB vor.

Hinzu kommt nachgeordnet die Diagnose «schädlicher Gebrauch von Alkohol und 
multiplen Substanzen» (ICD-10 F10.1, F19.1), welche etwa mittelgradig ausgeprägt 
ist (pag. 961). Diese ist laut Dr. med. C.________ hinsichtlich der Risikoeinschät-
zung des Beschuldigten zu berücksichtigen (vgl. pag. 1800, Z. 1-3) und wird daher 
unter dem Titel «Rückfallgefahr / Legalprognose» aufzugreifen sein.

14.3 Verbrechen oder Vergehen im Zusammenhang mit der psychischen Störung

Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz der mehrfach begangenen Gewalt und 
Drohung gegen Behörden und Beamte (2 Fälle), der mehrfach begangen einfachen 
Körperverletzung (2 Fälle), der mehrfach begangenen Widerhandlungen gegen das 
Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20; 11 Fälle), der mehrfach be-
gangenen Hinderung einer Amtshandlung (4 Fälle), des mehrfach begangenen 

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Hausfriedensbruchs (8 Fälle), der Beschimpfung, des mehrfach begangenen Dieb-
stahls (geringfügiges Vermögensdelikt; 6 Fälle) und der mehrfach begangenen Wi-
derhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG, SR 812.121; 6 Fälle) 
schuldig erklärt. Dabei handelt es sich grösstenteils um Vergehen. 

Die Vorinstanz führte zum geforderten Zusammenhang Folgendes aus 
(Ziff. IV.1.4.4. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1504): 

Das Gutachten vom 12. August 2022 äussert sich zur Konnexivität [recte: Konnexität] zwischen der 
diagnostizierten Störung und den Anlasstaten und bejaht diese klar (vgl. 958 f.); dies auch unter 
Berücksichtigung des Umstands, dass die Delikte im Zusammenhang mit der Polizei nicht aus einem 
wahnhaften Verhalten heraus erfolgt sind (pag. 952). Die Delikte erfolgten demnach im Rahmen sei-
ner Erkrankung aufgrund einer deutlichen Veränderung von Stimmung und Antrieb, im Sinne einer 
vermehrten Reizbarkeit, erhöhten Impulsivität und verminderten Fähigkeit, die Handlungsimpulse 
kritisch zu prüfen, was dazu führte, dass er sich situativ unangemessen verhielt und unerwartet über-
schiessend reagierte (pag. 952 f.). Zudem weist Dr. med. C.________ sowohl im Gutachten vom 
12. August 2022 (pag. 958) sowie auch anlässlich der Hauptverhandlung vom 30. Januar 2023 
(pag. 1235 Z. 29 ff.) darauf hin, dass die Schwelle des Beschuldigten, sich gewalttätig zu verhalten, 
auch unabhängig der schizophrenen Störung eher niedrig sei. Das sei jedoch nicht bedingungsunab-
hängig (pag. 1235 Z. 31). Risikoerhöhend wirke sich zudem nicht nur die prekäre soziale Situation, 
sondern auch der schädliche Gebrauch von Alkohol und Drogen aus (pag. 958; pag. 1235 Z. 26 ff.).

Diesen zutreffenden Ausführungen kann sich die Kammer anschliessen. Dr. med. 
C.________ hält unmissverständlich fest, dass die Taten mit der festgestellten pa-
ranoiden Schizophrenie und der Störung durch psychotrope Substanzen in Zu-
sammenhang standen (pag. 962, Frage 4.1, letzter Satz), womit davon auszuge-
hen ist, dass die vom Beschuldigten begangenen Delikte/Vergehen im Zusammen-
hang mit der diagnostizierten Störung bestanden.

14.4 Rückfallgefahr / Legalprognose

Dr. med. C.________ hält im Gutachten vom 12. August 2022 Folgendes fest 
(pag. 958 f.): 

Wenn man ein aktuarisches Prognoseinstrument auf den Expl. anwendet, dann kommt man zum 
Schluss, dass sein Risiko, mit einem (sexuellen) Gewaltdelikt in Erscheinung zu treten – verglichen 
mit den durchschnittlichen Tätern dieser Deliktskategorien – hoch ist.

Wenn man den Einzelfall strukturiert beurteilt, dann zeigt sich, dass im Bedingungsgefüge der jetzt 
zur Last gelegten Straftaten die paranoide Schizophrenie zwar eine zentrale Rolle spielt. Allerdings 
fiel Herr A.________ bereits vor Erkrankungsbeginn mit sexueller Regelverletzung und gewalttätigem 
Verhalten auf, was dafür spricht, dass die Schwelle des Expl., sich (sexuell) gewalttätig zu verhalten 
auch unabhängig von der schizophrenen Störung eher niedrig ist und er die geltenden sozialen Nor-
men nur unzureichend internalisiert hat. Risikoerhöhend wirken sich weiter seine prekäre soziale Si-
tuation (wohnungslos, keine Beschäftigung, keine stabile soziale Unterstützung) und ein schädlicher 
Gebrauch von Alkohol und Drogen aus. Weil Herr A.________ derzeit in keinster Weise als abspra-
chefähig beurteilt werden kann ist ein Risk-Management ausserhalb eines hoch strukturierten, ge-
schlossenen Settings nicht aussichtsreich. Das Risiko wäre hoch, dass Herr A.________ wieder mit 
ähnlichen Delikten auffällt, wie die, wegen denen er in der Vergangenheit verurteilt wurde. Dabei ist 
das Risiko für Delikte, die (auch) mit seiner prekären sozialen Situation in Zusammenhang stehen 
(Eigentumsdelikte, Drogendelikte) sicherlich am höchsten. Ausgehend vom aktuellen Untersuchungs-

34

befund (deutlich gereizt-dysphorische Stimmung) und Verhalten (häufige sexuelle Grenzverletzungen 
in Form von exhibitionistischem Verhalten oder unangemessenen Berührungen) liegt aber auch das 
Risiko für (sexuelle) Gewaltdelikte deutlich über der durchschnittlichen Rückfallrate dieser Deliktska-
tegorien.

Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte Dr. med. C.________ die Rück-
fallgefahr (vgl. pag. 1804, Z. 6-22). Der Beschuldigte sei gemäss VRAG-R der Risi-
kokategorie 8 zuzuordnen. In dieser Gruppe sei es innerhalb von 5 Jahren bei 58% 
der Probanden und innerhalb von 12 Jahren bei 78% der Probanden zu einem ge-
walttätigen Rückfall gekommen (pag. 1804, Z. 45 und pag. 1805, Z. 1-4). Der Be-
schuldigte gehöre eher weniger zu dieser Gruppe, an der die VRAG-R validiert und 
entwickelt worden sei (pag. 1805, Z. 8-9). Für das Risikoprofil des Beschuldigten 
sei die schwer verlaufende Schizophrenie sowie der Alkohol- und Drogenmiss-
brauch entscheidend (pag. 1805, Z. 4-8). Wenn die beiden Punkte hinreichend be-
handelt würden, sei sein Rückfallrisiko deutlich gebessert, weil das die Problemfel-
der seien, aus denen sein gewalttätiges Verhalten resultiere (pag. 1805, Z. 9-13). 
Eine moderne Schizophreniebehandlung umfasse Medikamente als wichtigen Bau-
stein (pag. 1805, Z. 17-18). Die nachgeordnete Störung durch die psychotropen 
Substanzen sei im Hinblick auf die Risikoeinschätzung des Beschuldigten sehr re-
levant (pag. 1800, Z. 1-3). Bereits im Gutachten führte Dr. med. C.________ aus, 
der Konsum von Alkohol und Drogen wäre im Zusammenwirken mit einer nicht 
adäquat behandelten paranoiden Schizophrenie hinsichtlich Risikos (sexuell-) ge-
walttätigen Verhaltens sehr problematisch (pag. 951).

Diese Einschätzung stimmt im Wesentlichen mit den Ausführungen der anderen 
Gutachter überein (vgl. Gutachten von Dr. med. AT.________: pag. 802, Antwort 
zu Frage 5, und pag. 805; vgl. Gutachten von med. pract. AV.________: pag. 553; 
vgl. Gutachten der UPD: pag. 517). Sowohl Dr. med. AT.________ als auch med. 
pract. AV.________ schätzen die vom Beschuldigten ausgehende Rückfallgefahr 
als erheblich ein, wobei sich die non-Compliance bezüglich Medikation und ein ex-
zessiver Substanzgebrauch ungünstig auswirken könnten. Die UPD gehen im Zu-
sammenhang mit einer ausfallenden Medikamenteneinnahme und/oder mit einem 
allfälligen Substanzkonsum ebenfalls von einem erhöhten Risiko für fremdgefähr-
dende Handlungen aus.

Der Beschuldigte sagte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, er würde seine 
Medikamente reduzieren, wenn er wählen könnte (pag. 1792, Z. 23-24), und in 
Freiheit vielleicht ab und zu Alkohol trinken (pag. 1796, Z. 6-7). Er wolle immer 
Drogen (pag. 1795, Z. 3). Sämtliche Gutachter stellen beim Beschuldigten, sofern 
die paranoide Schizophrenie unbehandelt bleibt oder sofern er wiederum Substan-
zen, wie beispielsweise Alkohol oder Drogen, konsumiert, ein hohes Risiko für 
fremdgefährdende Handlungen fest. Weiter sagte der Beschuldigte aus, er sei in 
der Vergangenheit gewalttätig geworden, weil er nicht anders könne (pag. 1797, 
Z. 2-3). Der Beschuldigte bestätigte seine Rückfallgefahr somit implizit auch selber.

Die Rückfallgefahr zeigte