# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a77edc5c-5a3f-5972-87fe-e202e4305b0c
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-21
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 21.10.2022 460 2022 24 (460 22 24)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2022-24_2022-10-21.pdf

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

21. Oktober 2022 (460 22 24) 

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Strafrecht 

 

 

Fahrlässige einfache Körperverletzung 

 

 

Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Stephan Gass (Ref.), Richter Daniel 

Häring; Gerichtsschreiber Dominik Haffter 

 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Strafbefehle,  

Rheinstrasse 12, Postfach, 4410 Liestal,  

Anklagebehörde 

 

A.____,  

vertreten durch B.____,  

Privatkläger 

  

 

gegen 

 

 

 C.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt David Grimm,  

Hauptstrasse 45, Postfach 111, 5070 Frick,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

 

Gegenstand Fahrlässige einfache Körperverletzung etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidenten  

Basel-Landschaft vom 25. Januar 2022 

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A. Mit Urteil vom 25. Januar 2022 erklärte der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft 

C.____ in teilweiser Abänderung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 

27. Mai 2021 der fahrlässigen einfachen Körperverletzung, des pflichtwidrigen Verhaltens nach 

einem Unfall sowie der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln schuldig und verurteilte ihn zu 

einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 170.--, bei einer Probezeit 

von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 3'430.-- (davon CHF 30.-- als Übertretungsbusse 

und CHF 3'400.-- als Verbindungsbusse) resp. zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen (Zif-

fer 1 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs). Die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten 

des Vorverfahrens in der Höhe von CHF 851.-- sowie der Gerichtsgebühr von CHF 1'500.--, auf-

erlegte der Vorderrichter C.____ (Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteilsdispositivs).  

 

Auf die Begründung dieses vorinstanzlichen Entscheids wird, soweit erforderlich, im Rahmen der 

Erwägungen des vorliegenden Urteils eingegangen.  

 

B. Gegen das obgenannte Urteil meldete C.____, vertreten durch Rechtsanwalt David 

Grimm, mit Eingabe vom 3. Februar 2022 Berufung an. In seiner Berufungserklärung vom 4. März 

2022 begehrte der Beschuldigte, er sei von den Vorwürfen der fahrlässigen einfachen Körperver-

letzung sowie des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall freizusprechen und mit einer ma-

ximalen Busse von CHF 30.-- zu belegen. Ferner sei die erfolgte Auferlegung der Verfahrenskos-

ten aufzuheben und ihm eine Parteientschädigung für das erstinstanzliche Hauptverfahren ge-

mäss der eingereichten Kostennote zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-

züglich Mehrwertsteuer und Auslagen.  

 

C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft teilte mit Eingabe vom 10. März 2022 mit, dass 

sie weder einen Antrag auf Nichteintreten stelle noch die Anschlussberufung erkläre.  

 

D. Der verfahrensleitende Präsident der strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Ba-

sel-Landschaft stellte mit Verfügung vom 13. April 2022 fest, dass die Staatsanwaltschaft Basel-

Landschaft und der Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben.  

 

E. Mit Verfügung vom 2. Mai 2022 ordnete der verfahrensleitende Präsident der Abteilung 

Strafrecht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft an, dass die Berufung des Beschuldigten in 

einem schriftlichen Verfahren gemäss Art. 406 StPO behandelt wird.  

 

F. Mit Berufungsbegründung vom 30. Juni 2022 wiederholte der Beschuldigte seine mit 

Berufungserklärung vom 4. März 2022 gestellten Rechtsbegehren.  

 

G. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragte mit Berufungsantwort vom 6. Juli 

2022 die Abweisung der Berufung unter o/e-Kostenfolge.  

 

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H. Der verfahrensleitende Präsident des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung 

Strafrecht, stellte mit Verfügung vom 8. August 2022 fest, dass der Privatkläger auf das Einrei-

chen einer Berufungsantwort verzichtet hat.  

 

I. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2022 reichte Rechtsanwalt David Grimm seine Honorar-

note betreffend seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein.  

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 

(StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren 

ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollstän-

dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, wo-

bei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann 

(Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst die 

Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder 

mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des 

begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Gemäss Art. 382 Abs. 1 

StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung 

eines Entscheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. 

 

2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 25. Ja-

nuar 2022 angefochten, welches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eingaben vom 

3. Februar 2022 (Berufungsanmeldung) respektive vom 4. März 2022 (Berufungserklärung) hat 

der Beschuldigte die Rechtsmittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht nachgekommen. 

Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsge-

richt zur Beurteilung der vorliegenden Berufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie 

aus § 15 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung 

(EG StPO, SGS 250). Die Berufung des Beschuldigten erfüllt somit sämtliche Formalien, weshalb 

auf diese einzutreten ist. 

 

 

II. Materielles 

1. Allgemeines 

1.1 Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil 

nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Gegen das Urteil des Straf-

gerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 25. Januar 2022 hat einzig der Beschuldigte ein 

Rechtsmittel ergriffen. Konkret richtet sich die Berufung gegen die Schuldsprüche wegen fahrläs-

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siger einfacher Körperverletzung sowie pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall, die Straf-

zumessung, die Verlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie den Entscheid betref-

fend die Parteientschädigung. Demnach bilden im vorliegenden Berufungsverfahren die vorgän-

gig genannten Punkte Gegenstand der richterlichen Überprüfung. 

 

1.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei-

lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon-

nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob 

es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der 

Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art des 

Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren Stich-

haltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozessrecht, 

2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). Nach 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfas-

sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 der 

Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) veranker-

ten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu vermuten, dass der 

wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte unschuldig ist. Als Beweiswürdigungsregel besagt 

die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten un-

günstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel beste-

hen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswürdigungsregel ist verletzt, wenn 

der Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss abstrakte 

und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Ge-

wissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unterdrückende 

Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen 

(BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Eine Verurteilung darf nur ergehen, wenn 

das Gericht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt ist, dass sämtliche Strafbarkeits-

voraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorliegen. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit 

reicht hierfür nicht. Vielmehr ist ein sehr hoher Grad an Wahrscheinlichkeit gefordert. Demnach 

hat ein Freispruch zu ergehen, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung Anklagesachverhalt und 

Täterschaft nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt sind (ESTHER 

TOPHINKE, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 83 und Fn 268 zu N 83; 

BGer 6B_850/2018 vom 1. November 2018, E. 1.1.2 und 1.3.1). Dem Sachgericht steht im Be-

reich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu (BGE 134 IV 132, E. 4.2; 

BGE 129 IV 6, E. 6.1). 

 

1.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind Aussagen auf Glaubhaftigkeitsmerkmale bzw. 

Lügensignale hin zu analysieren. Aussagen sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Real-

kennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individuali-

tät, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchsfrei-

heit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungsmerkmalen (Konstanz, Erweiterung) unterschieden 

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wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit hoher Wahr-

scheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes Realitätskrite-

rium für sich allein betrachtet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau aller Indikatoren 

kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der Aussage haben, wo-

bei sie in der Regel in solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter und ausgeprägter 

vorkommen als in solchen ohne (MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und Lügen – Eine Darstellung 

der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 369 f.; 

ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 162 N 15). 

 

 

2. Ausgangslage und Standpunkte der Parteien 

2.1 Mit Urteil vom 25. Januar 2022 erwägt der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft, dass 

es am 24. September 2020, um 17.10 Uhr, auf der D.____strasse in E.____ auf dem Rad- und 

Fussweg zwischen dem Beschuldigten, welcher auf seinem E-Bike mit Tretunterstützung bis zu 

45 km/h und eingeschaltetem Motor unterwegs gewesen sei, sowie dem auf seinem normalen 

Fahrrad ohne Tretunterstützung fahrenden Privatkläger zu einer Kollision gekommen sei, wobei 

die Polizei nicht zum Unfallort beigezogen worden sei. In der Folge seien beim Privatkläger so-

wohl eine Gehirnerschütterung als auch eine Kontusion am rechten Knie diagnostiziert worden. 

Indem der Beschuldigte auf den Privatkläger zugefahren sei und sich dabei darauf verlassen 

habe, dass der Letztere ausweichen werde, habe er ein unerlaubtes Risiko für den Privatkläger 

geschaffen. Auch sei der Taterfolg sowohl vorhersehbar als auch vermeidbar gewesen, weshalb 

sich der Beschuldigte der fahrlässigen einfachen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Fer-

ner habe der Beschuldigte aufgrund der Gesamtumstände des Unfalls nicht darauf vertrauen 

dürfen, dass sich der Privatkläger nur leicht verletzt habe, weshalb er verpflichtet gewesen wäre, 

die Polizei zu benachrichtigen. Indem er dies nicht getan habe, habe er sich des pflichtwidrigen 

Verhaltens nach einem Unfall schuldig gemacht.  

 

2.2 Demgegenüber führt der Beschuldigte mit Berufungsbegründung vom 30. Juni 2022 

aus, dass in Bezug auf die fahrlässige einfache Körperverletzung bereits der Taterfolg nicht ge-

geben sei, zumal beim Privatkläger gemäss dem Bericht des Universitäts-Kinderspitals beider 

Basel (UKBB) vom 25. September 2020 lediglich eine Druckdolenz und ein Hämatom am rechten 

Knie, eine Druckdolenz der Patella sowie eine minime Druckdolenz des Beckenkamms diagnos-

tiziert worden seien. Demgegenüber sei die vom Strafgericht angenommene Hirnerschütterung 

nicht erstellt. Zwar werde im vorgenannten Bericht vom 25. September 2020 eine sogenannte 

Commotio cerebri erwähnt, gleichwohl sei demselben Bericht auch zu entnehmen, dass sich die 

Diagnose der Commotio cerebri nicht bestätigt habe, zumal der Privatkläger keine entsprechen-

den Symptome gezeigt habe. Im nämlichen Bericht sei vielmehr festgestellt worden, dass keine 

neurologischen Auffälligkeiten oder andere Allgemeinsymptome aufgetreten seien. Des Weiteren 

übersehe die Vorinstanz, dass primär das Handeln des Privatklägers kausal für den Unfall gewe-

sen sei, zumal der Erfolg einzig aufgrund des Fahrens des Privatklägers auf der Gegenfahrbahn 

eingetreten sei. Hinzu komme, dass der Beschuldigte nicht damit habe rechnen müssen, dass 

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der Privatkläger nicht ausweiche und eine frontale Kollision in Kauf nehme. Im Gegenteil habe er 

darauf vertrauen dürfen, dass sich der Privatkläger an die Regeln halte, mithin liege ein Anwen-

dungsfall des Vertrauensgrundsatzes vor. Sodann habe er über keine Möglichkeit verfügt, den 

Unfall zu vermeiden, zumal er seine Geschwindigkeit verringert habe. Dass er den Unfall durch 

Anhalten hätte vermeiden können, werde bestritten, da die ihm entgegenkommenden jugendli-

chen Fahrradfahrer ihn zwar gesehen, dennoch aber die Fahrbahn nicht freigegeben hätten. Ein 

Ausweichen seinerseits hätte im Übrigen zu einem Sturz geführt und sei daher nicht zumutbar 

gewesen. In Bezug auf den Vorwurf des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall sei darauf 

hinzuweisen, dass aus seiner Deposition, wonach die Sache glimpflich ausgegangen sei, nicht 

geschlossen werden könne, dass er um die schweren Verletzungen des Privatklägers gewusst 

habe. Hinzu komme, dass er sich ebenfalls als Opfer des Zusammenstosses sehe. Alle Beteilig-

ten, insbesondere auch die Jugendlichen, seien mit dem vorgeschlagenen Vorgehen, nämlich 

dem Austausch der Telefonnummern, einverstanden gewesen. Wenn also die Pflicht zum Beizug 

der Polizei bestanden habe, so würde diese Pflicht auch den Privatkläger sowie die anderen be-

teiligten Jugendlichen treffen. Im Übrigen sei die Bekanntgabe der Mobiltelefonnummer ausrei-

chend, um eine spätere Kontaktaufnahme zu gewährleisten. Ohnehin sei einzig relevant, dass er 

sich zeitnah mit dem Privatkläger bzw. dessen Mutter in Verbindung gesetzt habe.  

 

2.3 Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft macht dagegen in ihrer Berufungsantwort vom 

6. Juli 2022 geltend, dass die im Arztbericht des UKBB vom 25. September 2020 geschilderte 

Diagnose den Tatbestand der Körperverletzung erfülle, womit der Taterfolg gegeben sei. Ferner 

verkenne der Beschuldigte, dass besondere Vorsicht geboten sei, wenn Anzeichen dafür bestün-

den, dass sich ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten werde. Dies sei vorliegend offensicht-

lich der Fall gewesen. Dem Beschuldigten wäre es problemlos möglich gewesen, sein Fahrrad 

abzubremsen und eine Kollision zu vermeiden, zumal er auf der überblickbaren Strecke einige 

Zeit vor der Kollision festgestellt habe, dass sich die entgegenkommenden Radfahrer nicht regel-

konform verhalten hätten. In Bezug auf das pflichtwidrige Verhalten nach einem Unfall sei darauf 

hinzuweisen, dass es sich beim Privatkläger um einen 13-jährigen Jugendlichen gehandelt habe 

und überdies die Verletzungsfolgen nicht klar gewesen seien, weshalb der Beschuldigte verpflich-

tet gewesen wäre, die Polizei beizuziehen.  

 

 

3. Tatsächliches 

3.1 In tatsächlicher Hinsicht hat der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft die Darlegun-

gen der Parteien in seinem Urteil vom 25. Januar 2022 ausführlich zusammengefasst, weshalb 

auf die diesbezüglichen Ausführungen in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden 

kann (S. 4 ff.). Nachfolgend werden daher lediglich die für das vorliegende Berufungsverfahren 

relevanten Depositionen der Parteien wiedergegeben. Sodann ist in casu unbestritten, dass der 

Beschuldigte am 24. September 2020, um 17.10 Uhr, mit seinem E-Bike mit einer Tretunterstüt-

zung bis 45 km/h auf der D.____strasse in E.____ auf dem Rad- und Fussweg gefahren ist, wobei 

er den Motor seines E-Bikes eingeschaltet hatte. Der Privatkläger seinerseits fuhr mit seinem 

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Fahrrad ohne Tretunterstützung in die entgegenkommende Richtung des Beschuldigten, wobei 

er und zwei weitere Jugendliche nebeneinander gefahren sind, weshalb der Privatkläger auf der 

Fahrspur für den ihm entgegenkommenden Verkehr gefahren ist. Des Weiteren ist unbestritten, 

dass der Beschuldigte die ihm entgegenfahrenden Jugendlichen erkannt und angenommen hat, 

diese würden seine Fahrspur freigeben, weshalb er aufgehört hat, in die Pedale zu treten, und so 

seine Geschwindigkeit auf ungefähr 15 bis 20 km/h reduziert hat. Dessen ungeachtet hat keiner 

der dem Beschuldigten entgegenkommenden Radfahrer reagiert, weshalb es zur Kollision zwi-

schen dem Beschuldigten und dem Privatkläger gekommen ist. Aufgrund dessen haben sowohl 

der Beschuldigte als auch der Privatkläger aus dem Mund geblutet, worauf sich der Beschuldigte 

beim Privatkläger erkundigt hat, ob sonst alles in Ordnung sei, was dieser mit einem Kopfnicken 

bestätigt hat. In der Folge haben die beiden Verunfallten die Telefonnummern ausgetauscht und 

vereinbart, dass der Beschuldigte mit dem Privatkläger zwecks Schadensregulierung Kontakt 

aufnehmen wird. Überdies hat der Beschuldigte mit der Zeugin F.____ Rücksprache genommen, 

ob die Polizei zu informieren ist, wobei man gemeinsam zum Schluss gekommen ist, die Polizei 

nicht zu benachrichtigen. Insofern ist der Sachverhalt erstellt. Hingegen ist strittig, ob sich der 

Privatkläger bei der Kollision eine Hirnerschütterung zugezogen hat, was nachfolgend zu prüfen 

ist.  

 

3.2 In Bezug auf die erlittenen Verletzungen des Privatklägers ist dem Bericht des Universi-

täts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) vom 25. September 2020 (act. 57 ff.) zu entnehmen, dass 

der Privatkläger vom 24. bis zum 25. September 2020 hospitalisiert worden ist, wobei die Diag-

nosen Commotio cerebri und Kontusion Knie rechts gestellt worden sind. Ferner erhellt aufgrund 

des besagten Berichts, dass zur GCS-Überwachung (Glasgow Coma Score) eine stationäre Auf-

nahme erfolgt ist, wobei im Verlauf keine neurologischen Auffälligkeiten oder andere Allgemein-

symptome aufgetreten sind. Der Privatkläger konnte am 25. September 2020 in gutem Allgemein-

zustand nach Hause entlassen werden, wobei ihm das Commotio-Informationsblatt ausgehändigt 

und erklärt worden ist. Schliesslich wurden eine körperliche Schonung sowie der Verzicht auf den 

Fernseh-, Computer- sowie Mobiltelefonkonsum für mindestens eine Woche empfohlen und die 

Eltern des Privatklägers über die Notwendigkeit einer sofortigen Wiedervorstellung bei neurolo-

gischen Auffälligkeiten, zunehmenden Kopfschmerzen, Verschlechterung des Allgemeinzu-

stands oder wiederholtem Erbrechen aufgeklärt (act. 57 ff.). Gestützt auf diesen Bericht des 

UKBB ist klarerweise als erstellt zu erachten, dass der Privatkläger aufgrund der Kollision mit 

dem Beschuldigten eine Commotio cerebri resp. eine Hirnerschütterung erlitten hat. Soweit der 

Beschuldigte diesbezüglich vorbringt, dass es sich bei der Hirnerschütterung lediglich um den 

Eintrittsgrund handle, welcher nicht bestätigt worden sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Zunächst 

ist darauf hinzuweisen, dass der Eintrittsgrund im Bericht des UKBB vom 25. September 2020 

unter dem Titel "Aufnahmegrund" dargelegt und wie folgt umschrieben wird: "Vorstellung am 

24.08.2020 bei Kopftrauma. A.____ wurde beim Radfahren von einem E-Bike Fahrer angefahren. 

Dabei sei Helm des anderen Fahrers gegen seinen Kopf geprallt, A.____ selbst habe keinen 

Helm getragen. Anamnestisch sei er kurz bewusstlos gewesen, mag sich nicht erinnern, mit wem 

er gefahren sei. Bei Vorstellung fühlte sich A.____ wieder deutlich besser. Zudem Knieschmerzen 

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rechts. Keine Abdominaltrauma." Demgegenüber wird der Befund der Commotio cerebri unter 

dem Titel "Diagnose" aufgelistet. Dass es sich bei der Hirnerschütterung offenkundig um das 

Untersuchungsergebnis handelt, wird sodann durch das weitere Vorgehen untermauert, zumal 

der Privatkläger zur Überwachung des Glasgow Coma Score (sog. GCS-Überwachung), mithin 

dem Bewertungsschema für Bewusstseins- und Hirnfunktionsstörungen nach einem Schädel-

Hirn-Trauma, hospitalisiert wurde. Überdies wurde den Eltern des Privatklägers das sogenannte 

Commotio-Informationsblatt ausgehändigt und das weitere Prozedere festgelegt, wonach nicht 

nur die körperliche Schonung sowie der Verzicht auf den Fernseh-, Computer- sowie Mobiltele-

fonkonsum für mindestens eine Woche empfohlen wurde, sondern auch die Notwendigkeit einer 

sofortigen Wiedervorstellung bei neurologischen Auffälligkeiten, zunehmenden Kopfschmerzen, 

Verschlechterung des Allgemeinzustands oder wiederholtem Erbrechen erklärt wurde. Dieses 

Vorgehen des UKBB ist offenkundig nur dann zweckmässig, wenn der Privatkläger auch tatsäch-

lich einer Hirnerschütterung erlitten hat. Es bestehen daher keine relevanten Zweifel, dass es 

sich bei der Hirnerschütterung um die aufgrund der erfolgten Untersuchung des Privatklägers 

gestellte Diagnose handelt, und nicht bloss um den Eintrittsgrund. Der angeklagte Sachverhalt 

ist demzufolge auch hinsichtlich der Verletzung des Privatklägers, mithin der Diagnose der Hirn-

erschütterung, als erstellt zu erachten.  

 

 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1 Fahrlässige einfache Körperverletzung 

4.1.1 Gemäss Art. 125 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB, SR 311.0) 

macht sich der fahrlässigen einfachen Körperverletzung strafbar, wer fahrlässig einen Menschen 

am Körper oder an der Gesundheit schädigt. Die fahrlässige einfache Körperverletzung knüpft im 

objektiven Tatbestand somit an dieselben Voraussetzungen an wie die vorsätzliche (Art. 123 

Ziff. 1 StGB), nur dass kein Vorsatz gefordert ist, sondern Fahrlässigkeit genügt. Dementspre-

chend muss der objektive Tatbestand der Körperverletzung bei fahrlässiger Begehung in gleicher 

Weise gegeben sei wie bei vorsätzlicher Delinquenz. Mithin wird vorausgesetzt, dass das nach 

Art. 123 Ziff. 1 StGB geforderte Mindestmass an Beeinträchtigung vorliegt (ANDREAS 

ROTH/TORNIKE KESHELAVA, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 125 N 1 ff.). Von der ein-

fachen Körperverletzung erfasst werden Schädigungen der körperlichen und geistigen Gesund-

heit sowie Schädigungen des Körpers, die noch nicht in den Anwendungsbereich der schweren 

Körperverletzung nach Art. 122 StGB fallen, die aber auch nicht mehr als eine blosse Tätlichkeit 

im Sinne von Art. 126 StGB eingestuft werden können (ANDREAS ROTH/TORNIKE KESHELAVA, 

a.a.O., Art. 123 N 3; CHRISTOPHER GETH, Praxiskommentar StGB, 4. Aufl. 2021, Art. 123 N 2; 

GUNHILD GODENZI, Handkommentar StGB, 4. Aufl. 2020, Art. 123 N 2). Die körperliche Integrität 

ist dann im Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen 

oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit 

erfordern, also etwa Knochenbrüche, selbst wenn sie unkompliziert sind und verhältnismässig 

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rasch und problemlos ausheilen, aber auch Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüs-

sen und Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse Kratzer hinausgehen. Dass die körper-

lichen Beeinträchtigungen den Beizug eines Arztes nötig machen, ist jedoch nicht gefordert. Auf 

blosse Tätlichkeiten ist umgekehrt zu erkennen, wenn Schürfungen, Kratzwunden, Quetschun-

gen oder bloss blaue Flecken offensichtlich so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorüber-

gehen und ausheilen (ANDREAS ROTH/TORNIKE KESHELAVA, a.a.O., Art. 123 N 4; CHRISTOPHER 

GETH, a.a.O., Art. 123 N 2).  

 

4.1.2 Gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB begehrt ein Verbrechen oder Vergehen fahrlässig, wer die 

Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rück-

sicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu 

der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist. Die An-

nahme der Fahrlässigkeit setzt die Verletzung einer Sorgfaltspflicht voraus. Sorgfaltswidrig ist 

eine Handlungsweise dann, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie 

seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers 

hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos 

überschritten hat. Wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein 

bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster 

Linie nach diesen Vorschriften. Fehlen solche, kann auf analoge Regeln privater oder halbprivater 

Vereinigungen abgestellt werden, sofern diese allgemein anerkannt sind. Dies schliesst nicht aus, 

dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den Gefahrensatz 

gestützt werden kann. Grundvoraussetzung einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin der Fahr-

lässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehen-

sabläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar 

sein. Zunächst ist zu fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte 

voraussehen bzw. erkennen können und müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der 

Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und den allgemeinen Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen 

herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwid-

rige Verhalten des Täters zurückzuführen ist, wird weiter vorausgesetzt, dass der Erfolg vermeid-

bar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei 

pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs ge-

nügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit 

die Ursache des Erfolgs bildet (BGE 122 IV 225, E. 2a; BGer 6B_305/2012 vom 22. Januar 2013, 

E. 2.3).  

 

4.1.3 Aufgrund des erstellten Sachverhalts erhellt, dass der Privatkläger zufolge Zusammen-

pralls mit dem Beschuldigten eine Hirnerschütterung erlitten hat, während einer Nacht zur GCS-

Überwachung hospitalisiert worden ist und sich in der Folge während mindestens einer Woche 

körperlich schonen musste. Mithin hat die erlittene Verletzung des Privatklägers eine Behandlung 

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sowie eine gewisse Heilungszeit erfordert, weshalb es sich zweifellos um eine einfache Körper-

verletzung im Sinne des Gesetzes handelt (vgl. insb. ANDREAS ROTH/TORNIKE KESHELAVA, a.a.O., 

Art. 123 N 4; CHRISTOPHER GETH, a.a.O., Art. 123 N 2). Das Erfordernis des tatbestandsmässi-

gen Erfolgs ist demnach ohne Weiteres gegeben ist.  

 

4.1.4 Im Weiteren wird die Missachtung einer Sorgfaltspflicht vorausgesetzt. Gemäss Art. 26 

Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG, SR 741.01) muss sich jedermann im Verkehr so 

verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse weder behindert 

noch gefährdet. Besondere Vorsicht ist geboten gegenüber Kindern, Gebrechlichen und alten 

Leuten, ebenso wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht richtig 

verhalten wird (Art. 26 Abs. 2 SVG).  

 

Die Bestimmung von Art. 26 Abs. 1 SVG gilt für alle Verkehrsteilnehmer und steht primär im 

Dienst der Verkehrssicherheit. Sie dient allerdings unmittelbar nicht bloss dem Schutz des rei-

bungslosen Ablaufs des Strassenverkehrs, sondern schützt insbesondere auch das Individualin-

teresse von Leib und Leben (PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar SVG, 2. Aufl. 2015, Art. 26 

N 1 f.; GERHARD FIOLKA, Basler Kommentar SVG, 2014, Art. 26 N 2 ff.). Rechtsprechung und 

Lehre haben aus Art. 26 Abs. 1 SVG den sogenannten Vertrauensgrundsatz abgeleitet. Danach 

darf jeder Strassenbenützer, der sich selbst korrekt verhält, mangels konkreter Anzeichen für das 

Gegenteil darauf vertrauen, dass auch die übrigen Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln ein-

halten und ihn weder behindern noch gefährden. Die Berufung auf den Vertrauensgrundsatz ist 

selbst bei einem verkehrsregelwidrigen Verhalten möglich, sofern dieses in keinem Zusammen-

hang zur strittigen Verkehrssituation steht (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 26 N 7; 

GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 26 N 25 ff.).  

 

Schranke des Vertrauensgrundsatzes bildet Abs. 2 von Art. 26 SVG (sog. Misstrauensgrund-

satz). Das Vertrauen in das ordnungsgemässe Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer ist 

dann nicht gerechtfertigt, wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein Strassenbenützer nicht 

richtig verhalten wird, oder wenn ein Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers aufgrund 

einer unklaren Verkehrssituation nach der allgemeinen Erfahrung unmittelbar in die Nähe rückt. 

Liegen konkrete Anzeichen dafür vor, dass sich Verkehrsteilnehmer unkorrekt verhalten werden, 

obliegt es den anderen Verkehrsteilnehmern, der Gefahr mit besonderer Vorsicht zu begegnen, 

widrigenfalls ihnen die Berufung auf das Vertrauensprinzip versagt bleibt. Wer eine Verkehrsregel 

strikte befolgt, kann sich daher gleichwohl schuldhaft verhalten, wenn er den Hinweisen auf ein 

Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer nicht durch angemessene Vorkehrungen, beispiels-

weise durch Abbremsen oder Ausweichen, begegnet, die einen Unfall hätten verhindern oder 

dessen Folgen verringern können. Anzeichen für fehlerhaftes Verhalten eines Strassenbenützers 

liegen nicht erst vor, wenn aufgrund seines bisherigen Verhaltens damit gerechnet werden muss, 

dass er sich in verkehrsgefährdender Weise regelwidrig verhalten wird. Vielmehr kann sich ein 

Fehlverhalten eines anderen Verkehrsteilnehmers auch aus der Unklarheit oder Ungewissheit 

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einer bestimmten Verkehrslage aufdrängen, die nach allgemeiner Erfahrung die Möglichkeit frem-

den Fehlverhaltens unmittelbar in die Nähe rücken lässt. In solchen Situationen liegen zwar keine 

konkreten Anzeichen für unrichtiges Verhalten vor, doch ist angesichts der besonderen Gefah-

renneigung der Umstände risikoarmes Verhalten gefordert (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., 

Art. 26 N 13 ff.; GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 26 N 49 ff.).  

 

4.1.5 In casu beruft sich der Beschuldigte auf den Vertrauensgrundsatz und macht geltend, er 

habe darauf vertrauen dürfen, dass die entgegenkommenden jugendlichen Radfahrer auswei-

chen, da sie bewusst auf der falschen Strassenseite gefahren seien. Dem ist allerdings − in Über-

einstimmung mit der Vorinstanz − zu entgegnen, dass der Beschuldigte selbst zu Protokoll gege-

ben hat, er habe die drei nebeneinander auf ihren Fahrrädern fahrenden Jugendlichen bereits 

aus 50 Metern Entfernung entgegenkommen sehen, wobei diese die gesamte Breite des Fahr-

radwegs für sich beansprucht hätten. Dabei hätten die Jugendlichen nichts unternommen, um 

ihm auszuweichen (act. 97, 231). Mithin bestanden augenscheinlich konkrete Anzeichen, dass 

sich die dem Beschuldigten entgegenkommenden Jugendlichen, namentlich auch der Privatklä-

ger, nicht regelkonform verhalten werden. Dabei ist zu konstatieren, dass sich das Fehlverhalten 

der Jugendlichen nicht erst abgezeichnet hat, sondern bereits in vollem Gange war, was ebenfalls 

einen Anwendungsfall von Art. 26 Abs. 2 SVG darstellt (GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 26 N 80). 

Folglich durfte der Beschuldigte − entgegen seinem Vorbringen − gerade nicht darauf vertrauen, 

der Privatkläger werde rechtzeitig ausweichen. Im Gegenteil ist der Beschuldigte verpflichtet ge-

wesen, besondere Vorsicht walten zu lassen und alle zumutbaren Vorsichtsmassnahmen zu tref-

fen, um die drohende Kollision mit dem Privatkläger zu verhindern. In casu hat der Beschuldigte 

lediglich aufgehört, in die Pedale zu treten, und dadurch seine Geschwindigkeit auf 15 bis 20 km/h 

verringert. Hingegen hat er weder einen Bremsvorgang eingeleitet noch anderweitige Vorkehrun-

gen zur Verhinderung einer Kollision mit dem Privatkläger getroffen. Mithin hat der Beschuldigte 

offensichtlich nicht alles Zumutbare unternommen, um eine Kollision zu vermeiden, weshalb er 

seiner Pflicht zur besonderen Sorgfalt in der damaligen Situation nicht nachgekommen ist. Das 

Erfordernis der Sorgfaltspflichtsverletzung ist demnach erfüllt.  

 

4.1.6 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass in casu zusätzlich die Pflicht zur besonderen 

Vorsicht geboten gewesen wäre, da es sich beim Privatkläger um ein Kind im Sinne von Art. 26 

Abs. 2 SVG gehandelt hat. Mithin gilt gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG die erhöhte Sorgfaltspflicht 

auch gegenüber Kindern. Für den Terminus "Kinder" findet sich im schweizerischen Recht keine 

allgemeine Definition. Eine Altersgrenze erscheint allerdings ohnehin nicht sonderlich hilfreich, 

weil im Strassenverkehr für eine fundierte Schätzung des Alters der Kontakt zu lose und die Zeit 

zu knapp ist. Ungeachtet des konkreten Alters ist entscheidend, ob junge Verkehrsteilnehmer 

objektiv als Kinder wahrgenommen werden müssen, deren Verhalten schwer vorhersehbar sein 

kann (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 26 N 19; GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 26 N 55). 

Das Bundesgericht hat bis anhin nicht entschieden, bis zu welchem Alter Jugendliche als Kinder 

im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG zu qualifizieren sind. PHILIPPE WEISSENBERGER stützt auf das 

sexuelle Schutzalter ab, womit die erhöhte Sorgfaltspflicht gegenüber Kindern bzw. Jugendlichen 

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bis zum Alter von 16 Jahren gilt. Ergänzend verweist er auf die Rechtsprechung zu Art. 59 Abs. 1 

SVG, wonach erst ab einem Alter von 15 bis 16 Jahren von einer vollständigen Anpassung an 

den Verkehr ausgegangen werden kann (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 26 N 19). Dem-

gegenüber vertritt GERHARD FIOLKA die Meinung, dass die Kindereigenschaft gemäss Art. 26 

Abs. 2 SVG mit dem schulpflichtigen Alter einhergehe. Mithin entfalle die erhöhte Sorgfaltspflicht 

bei Jugendlichen, welche älter als 14 bzw. 15 Jahre seien (GERHARD FIOLKA, a.a.O., Art. 26 N 57). 

Vorliegend war der Privatkläger, welcher am 29. November 2016 geboren wurde, im Ereigniszeit-

punkt 13 Jahre alt. Folglich erhellt, dass der Privatkläger, ungeachtet welcher Lehrmeinung ge-

folgt wird, im Tatzeitpunkt in jedem Fall noch als Kind im Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG zu quali-

fizieren war. Demzufolge ist der Beschuldigte auch in dieser Hinsicht verpflichtet gewesen, be-

sondere Vorsicht walten zu lassen und entsprechende Massnahmen zu treffen, um die Kollision 

mit dem Privatkläger zu verhindern, namentlich anzuhalten, an den Strassenrand zu fahren und 

lautstark auf sich aufmerksam zu machen, anstatt lediglich die Geschwindigkeit auf 15 bis 

20 km/h zu verringern. Folglich ist der Beschuldigte auch in dieser Hinsicht seiner Sorgfaltspflicht 

nicht nachgekommen. 

 

4.1.7 Des Weiteren ist in Bezug auf die Vorhersehbarkeit des Erfolgs zu konstatieren, dass 

die vorstehend dargelegte Sorgfaltspflichtsverletzung des Beschuldigten nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, einen Erfolg wie den einge-

tretenen, mithin die Kollision mit dem Privatkläger sowie die Verursachung einer Hirnerschütte-

rung, herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Daran vermag das Vorbringen des Be-

schuldigten, es sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen, dass die Jugendlichen nicht rechtzeitig 

ausweichen würden, nichts zu ändern. Vielmehr ist zu konstatieren, dass die Vorhersehbarkeit 

nur dann zu verneinen ist, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände als Mitursache hinzutreten, 

mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als 

wahrscheinlichste und unmittelbares Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitver-

ursachenden Faktoren − namentlich das Verhalten des Beschuldigten − in den Hintergrund drän-

gen (STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MAGHADAM, Praxiskommentar StGB, 4. Aufl. 2021, Art. 12 

N 27). Dies ist in casu klarerweise nicht der Fall. Im Gegenteil ist die Vorhersehbarkeit offenkun-

dig zu bejahen, zumal der Beschuldigte − obwohl er erkannt hat, dass der Privatkläger ihm auf 

seiner Fahrspur entgegenkommt − seine Geschwindigkeit lediglich auf 15 bis 20 km/h reduzierte, 

ohne jedoch anzuhalten oder anderweitige zumutbare Vorkehrungen zur Verhinderung einer Kol-

lision zu treffen. Vielmehr umschreibt der Beschuldigte die Vorhersehbarkeit selbst, indem er 

ausführt, er habe angenommen, dass der ihm entgegenkommende Privatkläger rechtzeitig zur 

Seite fahren werde. Mithin hat er den möglichen Erfolg offensichtlich vorausgesehen, aber darauf 

vertraut, dass der Privatkläger eine die Kollision verhindernde Reaktion an den Tag legen werde. 

Gerade damit unterstreicht der Beschuldigte indessen sein bewusst fahrlässiges Handeln aus 

pflichtwidriger Unvorsichtigkeit. In diesem Zusammenhang ist ergänzend − und unter Hinweis auf 

die Ausführungen der Vorinstanz, wonach ein eventualvorsätzliches Verhalten näher liege − fest-

zustellen, dass angesichts der Depositionen des Beschuldigten als erstellt zu erachten ist, dass 

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dieser leichtfertig darauf vertraut hat, es werde schon nicht zu einem Unfall kommen. Die An-

nahme, der Beschuldigte habe sich gegen das Rechtsgut entschieden und nicht mehr im Sinne 

der bewussten Fahrlässigkeit auf einen guten Ausgang vertraut, darf daher nicht leichthin getrof-

fen werden. Auch wenn er den Erfolg als möglich ansieht, kann er sich innerlich darauf verlassen 

haben, dass schon nichts passieren werde, und wer sich so verhält, wer leichtfertig oder gar frivol 

auf Nichteintritt selbst eines für wahrscheinlich gehaltenen Erfolges vertraut, handelt nicht mit 

Eventualvorsatz. Hier bleibt es bei bewusster Fahrlässigkeit (GÜNTER STRATENWERTH, Schwei-

zerisches Strafrecht − Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl. 2011, § 9 N 105). In diesem Sinne 

vermag das Kantonsgericht im Gegensatz zu den vorinstanzlichen Erwägungen keinerlei Hin-

weise auf ein eventualvorsätzliches Handeln des Beschuldigten zu erkennen. 

 

4.1.8 Hinsichtlich der Vermeidbarkeit des Taterfolgs ist festzustellen, dass es ohne Weiteres 

zumutbar ist, anzuhalten, an den Strassenrand zu fahren, lautstark auf sich aufmerksam zu ma-

chen oder dem entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer auf die neben dem Radweg vorhan-

dene Grünfläche auszuweichen. Der Beschuldigte macht diesbezüglich geltend, der Privatkläger 

habe die verbotene Handlung, nämlich das Fahren auf der Gegenfahrbahn, vorgenommen, wes-

halb einzig dieser die Kollision hätte vermeiden können. Dem ist zu entgegnen, dass die Pflicht 

zur besonderen Vorsicht bei Anzeichen für ein nicht richtiges Verhalten eines anderen Strassen-

benützers sowie spezifisch gegenüber Kindern (Art. 26 Abs. 2 SVG) gerade primär auf Fälle irre-

gulären Verhaltens anderer Verkehrsteilnehmer gerichtet ist. Mithin begründet sich die Sorgfalts-

pflicht des Beschuldigten mit dem regelwidrigen Verhalten des Privatklägers. Der Beschuldigte 

hat dieses Verhalten bereits aus einer Entfernung von 50 Metern wahrgenommen und folglich 

ohne Weiteres den Taterfolg, mithin die Kollision mit einhergehender Verletzung des Privatklä-

gers, vermeiden können.  

 

4.1.9 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erhellt somit, dass sämtliche Tatbestands-ele-

mente gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB erfüllt sind, weshalb sich der Beschuldigte der fahrlässigen 

einfachen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Seine Berufung erweist sich demnach in die-

sem Punkt als unbegründet und ist somit abzuweisen.  

 

 

4.2 Pflichtwidriges Verhalten nach einem Unfall 

4.2.1 Gemäss Art. 92 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer als Fahrzeugführer bei einem Ver-

kehrsunfall einen Menschen getötet oder verletzt hat und die Flucht ergreift. Ferner normiert 

Art. 51 Abs. 1 SVG, dass sämtliche Beteiligten sofort anzuhalten haben, wenn sich ein Unfall 

ereignet, an dem ein Motorfahrzeug oder Fahrrad beteiligt ist. Sie haben nach Möglichkeit für die 

Sicherung des Verkehrs zu sorgen. Sind Personen verletzt, so haben gemäss Art. 51 Abs. 2 SVG 

alle Beteiligten für Hilfe zu sorgen, Unbeteiligte, soweit es ihnen zumutbar ist. Die Beteiligten, in 

erster Linie die Fahrzeugführer, haben die Polizei zu benachrichtigen. Alle Beteiligten, namentlich 

auch Mitfahrende, haben bei der Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken. Ohne Zustimmung 

der Polizei dürfen sie die Unfallstelle nur verlassen, soweit sie selbst Hilfe benötigen, oder um 

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Hilfe oder die Polizei herbeizurufen. Gemäss Art. 55 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (VRV, 

SR 741.11) ist bei Unfällen mit Personenschaden die Polizei sofort zu benachrichtigen, wenn 

jemand äussere Verletzungen aufweist oder wenn mit inneren Verletzungen zu rechnen ist. Auf 

die Schwere oder Sichtbarkeit der Verletzung kommt es dabei nicht an. Eine Person gilt bereits 

dann als verletzt, wenn sie kleine bzw. leichte Quetschungen, Prellungen, Verstauchungen oder 

Schürfungen erleidet. Dies gilt ungeachtet davon, ob eine ärztliche Behandlung notwendig ist 

oder nicht. Nur absolut geringfügige, praktisch bedeutungslose Schäden werden nicht erfasst 

(PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommentar SVG, 2. Aufl. 2015, Art. 92 N 24; LEA UNSELD, Basler 

Kommentar SVG, 2014, Art. 92 N 36). Dementsprechend erfüllen etwa geringfügige Streifkollisi-

onen, bei welchen die angefahrene Person scheinbar unverletzt davonläuft, den objektiven Tat-

bestand von Art. 92 Abs. 2 SVG nicht. Hingegen ist bei anderen Kollisionen, z.B. frontalen mit 

einem Fussgänger, selbst bei Geschwindigkeiten um die 20 km/h oder weniger, immer eine An-

halte- und Meldepflicht nach Art. 92 Abs. 2 SVG anzunehmen, weil nebst zumeist erlittenen 

Schürfungen und Prellungen innere oder sonst verborgene Verletzungen möglich und sogar oft-

mals wahrscheinlich sind (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 92 N 24).  

 

4.2.2 Dem erstellten Sachverhalt ist zu entnehmen, dass aufgrund der Kollision zwischen dem 

Beschuldigten und dem Privatkläger beide aus dem Mund geblutet haben, worauf sich der Be-

schuldigte beim Privatkläger erkundigt hat, ob sonst alles in Ordnung sei, was dieser mit einem 

Kopfnicken bestätigt hat. In der Folge haben die beiden Verunfallten die Telefonnummern aus-

getauscht und vereinbart, dass der Beschuldigte mit dem Privatkläger zwecks Schadensregulie-

rung Kontakt aufnehmen wird. Überdies hat der Beschuldigte mit der Zeugin F.____ Rücksprache 

genommen, ob die Polizei zu informieren ist, wobei man gemeinsam zum Schluss gekommen ist, 

die Polizei nicht zu benachrichtigen. Somit erhellt, dass der Beschuldigte als Fahrradfahrer den 

Privatkläger durch die Kollision offenkundig verletzt hat, zumal beide Verunfallten aus dem Mund 

geblutet haben. Entsprechend den vorstehenden rechtlichen Erwägungen, wonach nur bei abso-

lut bedeutungslosen Schäden, wenn keinerlei Schürfungen oder Prellungen ersichtlich sind, von 

einer unverletzten Person auszugehen ist, erweist sich als offenkundig, dass der Beschuldigte 

als Fahrzeugführer einen Personenschaden verursacht hat. Aufgrund des Umstands, dass der 

Privatkläger aus dem Mund geblutet hat, war die verursachte Verletzung für den Beschuldigten 

auch ohne Weiteres ersichtlich. Mithin konnte er nicht davon ausgehen, dass nur absolut gering-

fügige, praktisch bedeutungslose Schäden vorliegen und der Privatkläger geradezu unverletzt ist. 

Folgerichtig war der Beschuldigte als Verursacher eines Personenschadens verpflichtet, die Po-

lizei zu benachrichtigen. Dessen ungeachtet hat der Beschuldigte − ohne vorab die Polizei zu 

informieren − die Unfallstelle verlassen.  

 

4.2.3 Es stellt sich nunmehr die Frage, ob eine Ausnahme von der Meldepflicht bei der Polizei 

gemäss Art. 55 Abs. 2 VRV vorliegt. Die Meldung an die Polizei ist gemäss Art. 55 Abs. 2 VRV 

nicht erforderlich, wenn der Verletzte lediglich kleine Schürfungen oder Prellungen erlitten hat. 

Der Schädiger muss aber dem Verletzten Namen und Adresse angeben. In casu hat der Beschul-

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digte dem Privatkläger lediglich seine Mobiltelefonnummer hinterlassen, ohne jedoch seinen Na-

men und seine Adresse zu nennen. Aufgrund des expliziten Wortlauts von Art. 55 Abs. 2 VRV 

erhellt, dass die blosse Angabe der Mobiltelefonnummer nicht ausreicht, um den Erfordernissen 

der Ausnahmebestimmung Genüge zu tun. Es ist zwar zutreffend, dass der Austausch der Mo-

biltelefonnummern unter Umständen eine beförderliche Schadensregulierung zu vereinfachen 

vermag, gleichwohl trifft dies nur in jenen Fällen zu, in welchen der Unfallverursacher zu einer 

raschen Schadensregulierung überhaupt Hand bietet. Stellt sich der Unfallverursacher hingegen 

quer und versucht die nachträgliche Aufarbeitung des Unfallereignisses zu vereiteln bzw. zu er-

schweren, so erweist sich die blosse Angabe der Telefonnummer für den Geschädigten als nicht 

zielführend. Namentlich kann der Unfallverursacher durch die blosse Weigerung der Annahme 

der Telefonanrufe des Geschädigten das Verfahren in die Länge ziehen. Ebenso erweist sich die 

Einreichung einer Strafanzeige lediglich gestützt auf eine Telefonnummer als überaus umständ-

lich. Folglich vermag die blosse Angabe der Mobiltelefonnummer der Intention von Art. 55 Abs. 2 

VRV nicht gerecht zu werden und ist daher mit der Angabe von Name und Adresse nicht gleich-

zustellen. Entsprechend hat der Beschuldigte durch den blossen Austausch der Telefonnummern 

die Ausnahmebestimmung von Art. 55 Abs. 2 VRV nicht erfüllt.  

 

4.2.4 Schliesslich ist hinsichtlich des Vorbringens des Beschuldigten, wonach sich auch der 

Privatkläger sowie die anderen Jugendlichen strafbar gemacht hätten, darauf hinzuweisen, dass 

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens einzig die Strafbarkeit des Beschuldigten ist. Die 

Frage, ob der Privatkläger sowie die übrigen anwesenden Jugendlichen ebenso verpflichtet ge-

wesen sind, die Polizei zu benachrichtigen, hat keine Auswirkung auf die Strafbarkeit des Be-

schuldigten. Ebenso wenig vermag der Umstand, dass der Privatkläger dem vom Beschuldigten 

vorgeschlagenen Vorgehen, mithin dem Austausch der Telefonnummern sowie der späteren 

Kontaktaufnahme zur Schadensregulierung, zugestimmt hat, nichts an den gesetzlichen Pflichten 

zu ändern, zumal es sich bei den zur Anwendung kommenden Bestimmungen des Strassenver-

kehrsrechts keineswegs um dispositives Recht handelt, welches durch Übereinstimmung seitens 

der Beteiligten wegbedungen werden könnte.  

 

4.2.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erhellt somit, dass der Tatbestand des pflicht-

widrigen Verhaltens nach einem Unfall offenkundig erfüllt ist. Die Berufung der Beschuldigten 

erweist sich in diesem Punkt demnach als unbegründet und ist deshalb abzuweisen.  

 

 

5. Strafzumessung 

5.1 In Bezug auf die Strafzumessung bringt der Beschuldigte mit Berufungsbegründung vom 

30. Juni 2022 vor, dass die ausgesprochene bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 

CHF 170.-- deutlich zu hoch ausgefallen sei. Im Vergleich zu ähnlichen Urteilen zeige sich, dass 

eine Sanktion in der Höhe von nicht mehr als 30 Tagessätzen angemessen wäre. Ferner habe 

die Vorinstanz ausgeführt, dass ihm durch die Verbindungsbusse ein spürbarer Denkzettel zu 

verpassen sei. Das Wort “Denkzettel“ suggeriere, dass die Strafe absichtlich und unabhängig von 

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der objektiven Verschuldensschwere sehr hoch angesetzt werde. Dies erweise sich als rechts-

widrig, zumal die Strafe lediglich angemessen sein soll. Sodann bezeichne der Vorderrichter das 

Verhalten des Beschuldigten als rücksichtslos, was nicht sachgerecht sei. Namentlich sei zu be-

rücksichtigen, dass auch der Privatkläger rechtswidrig gehandelt habe. Im Übrigen seien bei der 

Strafzumessung jeweils die Auswirkungen der Strafe auf das Leben des Beschuldigten zu be-

achten. Bei einem Eintrag im Strafregister lautend auf Körperverletzung denke ein unbeteiligter 

Dritter nicht an einen Unfall zwischen zwei Fahrradfahrern. Hinzu komme, dass der Beschuldigte 

bei seinem Arbeitgeber alle fünf Jahre einen Strafregisterauszug einreichen müsse, weshalb ihm 

aus dem Eintrag unangemessene Nachteile erwachsen würden. Sodann habe er sich kooperativ 

verhalten, die Tat korrekt geschildert und die von ihm begangenen Verkehrsregelverletzung ein-

gesehen. Überdies habe er sich nach dem Unfall unverzüglich bei den Eltern des Privatklägers 

gemeldet, um die Situation zu regeln.  

 

5.2 Mit Berufungsantwort vom 6. Juli 2022 führt die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft 

aus, dass die ausgesprochene Sanktion zwar relativ hoch erscheine, sich jedoch im Bereich des 

Zulässigen bewege, so dass diese nicht zu beanstanden sei.  

 

5.3 Gemäss Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters 

zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der 

Strafe auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung 

oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Be-

weggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren 

und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Abs. 

2). Demgegenüber ist das Verschulden für die Wahl der Sanktionsart nicht von Relevanz. Mass-

gebliche Kriterien bilden die Zweckmässigkeit, die Auswirkungen auf den Täter und sein soziales 

Umfeld sowie die präventive Effizienz (BGE 134 IV 97, E. 4.2; BGE 134 IV 82, E. 4.1). 

 

5.4 Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Verschul-

den zu bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung 

der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten hat – im Urteil darzutun, 

welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall 

gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 136 

IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen 

Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich eingehen, 

die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht massge-

bend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 E. 4). 

Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen 

Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Gericht das 

Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschuldens im Urteil 

ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad 

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auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten Schritt ist die (hy-

pothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Verfügung stehenden 

Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten 

Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten verändert werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7). Die 

tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der 

schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. 

 

5.5 Die Berufungsinstanz fällt ein neues Urteil (Art. 408 StPO) und hat die Strafe nach ihrem 

eigenen Ermessen festzusetzen. Unter dem Vorbehalt des Verbots der reformatio in peius muss 

sie sich nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren ge-

wichtet hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014, E. 6.2). 

 

5.6 Vorliegend ist der Beschuldigte der fahrlässigen einfachen Körperverletzung, des pflicht-

widrigen Verhaltens nach einem Unfall sowie der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln schul-

dig gesprochen worden. Die dem Verschulden angemessene Strafe ist zunächst innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzulegen. Dem-

zufolge bildet in casu der Strafrahmen der fahrlässigen einfachen Körperverletzung (Art. 125 

Abs. 1 StGB) von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe die Grundlage für die Festle-

gung der Sanktion.  

 

5.7 Bei der Bewertung der Tatkomponenten der fahrlässigen einfachen Körperverletzung ist 

− entgegen der Vorinstanz − zu konstatieren, dass in casu keineswegs von einem rücksichtslosen 

Verhalten des Beschuldigten gesprochen werden kann. Insbesondere erscheint der Begriff der 

Selbstjustiz im vorliegenden Zusammenhang augenscheinlich verfehlt. Der Beschuldigte hat viel-

mehr leichtfertig darauf vertraut, dass es schon nicht zu einem Unfall kommen werde, womit er 

weder skrupellos noch im Sinne einer Selbstjustiz gehandelt hat. Stattdessen liegt eine blosse 

Fehleinschätzung des Beschuldigten vor, die sich in der damaligen Situation mit einer minimalen 

Reaktionszeit von wenigen Sekunden offenbart hat. Entgegen der Vorinstanz kann daher offen-

sichtlich nicht von einer Verhaltensweise an der Grenze zum Eventualvorsatz gesprochen wer-

den. Des Weiteren sind sowohl das Mitverschulden des Privatklägers als auch die geringfügigen 

persönlichen Folgen für diesen bei der Verschuldensbewertung zu Gunsten des Beschuldigten 

zu werten. Unter Berücksichtigung der objektiven sowie der subjektiven Tatschwere ist das Tat-

verschulden hinsichtlich der fahrlässigen einfachen Körperverletzung als sehr leicht im unteren 

Bereich zu qualifizieren.  

 

5.8 In einem weiteren Schritt ist nunmehr innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrah-

mens die (hypothetische) verschuldensangemessene Strafe für das Hauptdelikt zu bestimmen, 

die diesem Verschulden entspricht (BGE 136 IV 55, E. 5.7). Vorliegend massgebend ist unter 

Hinweis auf Ziffer 5.6 hievor der Strafrahmen der fahrlässigen einfachen Körperverletzung von 

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe (Art. 125 Abs. 1 StGB). Das Kantonsgericht 

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erachtet angesichts der Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach die Formulierung des Ver-

schuldens und die Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im Einklang stehen müssen, 

sowie in Beachtung des festgestellten sehr geringfügigen Verschuldens des Beschuldigten und 

des vorgenannten Strafrahmens eine (hypothetische) Geldstrafe von 25 Tagessätzen betreffend 

die fahrlässige einfache Körperverletzung als angemessen. 

 

5.9 In einem zweiten Schritt ist diese Einsatzstrafe von 25 Tagessätzen unter Einbezug der 

weiteren Straftaten zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei wiederum den jeweiligen Umstän-

den Rechnung zu tragen ist (sog. Asperationsprinzip; Art. 49 Abs. 1 StGB). Die Bildung einer 

Gesamtstrafe ist allerdings nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind ku-

mulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Sanktio-

nen ausgesprochen werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne 

von Art. 49 Abs. 1 StGB. Das Gericht kann somit auf eine Gesamtstrafe nur erkennen, wenn es 

im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss dieselbe Sanktionsart ausfällen würde 

(BGE 138 IV 120, E. 5.2). 

 

5.10 In Bezug auf das pflichtwidrige Verhalten nach einem Unfall ist zu konstatieren, dass das 

Tatvorgehen im Vergleich zu anderen pflichtwidrigen Verhalten nach einem Unfall, insbesondere 

im Vergleich zu einer konventionellen Fahrerflucht, als nicht besonders verwerflich imponiert. 

Ebenso lässt sich keine besondere Rücksichtslosigkeit feststellen. Im Gegenteil hat der Beschul-

digte mit dem Privatkläger die Telefonnummern ausgetauscht und sich kurze Zeit später telefo-

nisch bei diesem resp. dessen Eltern zwecks Schadensregulierung gemeldet. Das Verschulden 

ist daher ebenfalls als sehr leicht zu qualifizieren, weshalb die Einsatzstrafe für das pflichtwidrige 

Verhalten nach einem Unfall auf 20 Tagessätze festzusetzen ist. Im Rahmen der Asperation ist 

der enge zeitliche, räumliche und sachliche Konnex in Bezug auf die fahrlässige einfache Kör-

perverletzung zu beachten, womit der Gesamtschuldbeitrag des pflichtwidrigen Verhaltens nach 

einem Unfall im Verhältnis zur fahrlässigen einfachen Körperverletzung als gering zu veranschla-

gen ist. Dies berücksichtigend erachtet das Kantonsgericht im Ergebnis eine Asperation im Um-

fang von 5 Tagessätzen für das pflichtwidrige Verhalten nach einem Unfall als angemessen. Die 

(hypothetisch) tatbezogene Gesamtgeldstrafe ist folglich auf 30 Tagessätze festzusetzen.  

 

5.11 Diese Gesamtstrafe ist in einem nochmaligen Schritt im Hinblick auf allfällige besondere 

Täterkomponenten, welche in casu für alle Straftaten gleichermassen gelten, zu überprüfen. Die 

persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten weisen keine Besonderheiten auf und sind dem-

nach neutral zu werten.  

 

Der Beschuldigte macht sodann geltend, sein kooperatives Verhalten sei zu seinen Gunsten zu 

werten, zumal er das Fahren mit eingeschalteter Tretunterstützung zugestanden habe. Ein Ge-

ständnis kann bei der Beurteilung des Nachtatverhaltens zugunsten des Täters einbezogen wer-

den, wenn es auf Einsicht in das begangene Unrecht oder auf Reue schliessen lässt. Diese Praxis 

fusst auf der Überlegung, dass Geständnisse zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens 

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und zur Wahrheitsfindung beitragen können. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demge-

genüber aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich 

weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des 

erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist (BGer 6B_737/2007 vom 14. April 2008, E. 1.2). 

In casu ist festzustellen, dass der Beschuldigte die einfache Verletzung von Verkehrsregeln kei-

neswegs von Anfang an zugestanden hat. Vielmehr gab er anlässlich seiner Befragung vom 

22. März 2021 zu Protokoll, dass der Motor zu Beginn seiner Fahrt eingeschaltet gewesen sei. 

Auf die Frage, ob der Motor seines E-Bikes auch im Zeitpunkt vor der Kollision eingeschaltet 

gewesen sei, verweigerte der Beschuldigte hingegen die Aussage (act. 99). Erst anlässlich der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung gestand der Beschuldigte die einfache Verletzung von Ver-

kehrsregeln explizit ein (act. 229). Ohnehin handelt es sich dabei lediglich um einen geringfügigen 

Nebenpunkt, wobei das Strafmass für das Delikt durch die Ordnungsbussenverordnung (OBV, 

SR 314.11) festgelegt wird. Demgegenüber kann in Bezug auf die in casu ins Gewicht fallenden 

Delikte, nämlich primär die fahrlässige einfache Körperverletzung sowie sekundär das pflichtwid-

rige Verhalten nach einem Unfall, keine Rede von einem Geständnis sein, welches auf der Ein-

sicht in das begangene Unrecht oder auf Reue schliessen lassen würde. Insbesondere fehlen 

jedwelche Depositionen des Beschuldigten, welche das Verfahren vereinfacht resp. verkürzt ha-

ben. Somit besteht keine Veranlassung, das diesbezügliche Verhalten des Beschuldigten straf-

mindernd zu berücksichtigen.  

 

Des Weiteren bringt der Beschuldigte vor, ihn würden durch den Eintrag im Strafregister unange-

messene Nachteile treffen. Mithin macht der Beschuldigte eine erhöhte Strafempfindlichkeit gel-

tend. Eine solche ist indes praxisgemäss nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen 

(HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, N 352). Der Eintrag im Strafregister ist 

als unmittelbare gesetzmässige Folge einer Verurteilung wegen eines Vergehens oder eines Ver-

brechens als unvermeidbare Konsequenz der Verurteilung hinzunehmen. Die Nachteile durch 

den Eintrag im Strafregister können nur dann berücksichtigt werden, wenn weitere erschwerende 

Umstände dazukommen, die den Beschuldigten in aussergewöhnlicher Weise belasten. So ver-

mögen beispielsweise weder der Verlust der Arbeitsstelle noch die Kündigung der Wohnung 

grundsätzlich eine erhöhte Strafempfindlichkeit zu bewirken (HANS MATHYS, a.a.O., N 354). In 

casu sind keine derartigen aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich. Ebenso wenig zeigt der 

Beschuldigte auf, dass ihm aufgrund des Eintrags im Strafregister konkrete schwerwiegende ne-

gative Folgen drohen könnten. Der blosse Umstand, dass er seinem Arbeitgeber in regelmässi-

gen Abständen einen Auszug aus dem Strafregister vorlegen muss, vermag jedenfalls für sich 

alleine keine aussergewöhnlichen Umstände zu begründen. Es zeigt sich daher, dass die Aus-

wirkungen, die den Beschuldigten treffen, die allgemeine und gesetzliche Folge der Verurteilung 

wegen eines Vergehens bilden und insoweit nicht zu einer Strafminderung führen können.  

 

Somit erhellt, dass sich aufgrund der besonderen Täterkomponenten weder eine Reduktion noch 

eine Erhöhung der Strafe aufdrängt. Somit ist der Beschuldigte zu einer Geldstrafe in der Höhe 

von 30 Tagessätzen zu verurteilen.  

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5.12 Gelangt das Gericht zur Erkenntnis, dass eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe aus-

zusprechen ist, so hat es im Anschluss daran über deren Vollzug zu befinden. Das Gericht schiebt 

den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel 

auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung 

weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Mit Urteil des Strafge-

richtspräsidenten Basel-Landschaft vom 25. Januar 2022 wurde dem Beschuldigten der bedingte 

Strafvollzug gewährt und die Probezeit auf zwei Jahre festgelegt. Angesichts der Gegebenheit, 

wonach in casu einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat, sowie des in Art. 391 Abs. 2 StPO 

normierten Verbotes der reformatio in peius erhellt, dass das Kantonsgericht über den erstin-

stanzlich gewährten bedingten Strafvollzug sowie die Dauer der Probezeit nicht neu zu befinden 

hat. 

 

5.13 Mit Urteil vom 25. Januar 2022 hat der Strafgerichtspräsident Basel-Landschaft gegen 

den Beschuldigten eine Verbindungsbusse ausgesprochen. Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann 

eine bedingte Strafe mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Die Bestimmung 

dient in erster Linie dazu, die sogenannte Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für 

Übertretungen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu entschärfen. Auf Massendelikte, 

die im untersten Bereich bloss mit Bussen geahndet werden, soll gegebenenfalls mit einer unbe-

dingten Sanktion reagiert werden können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. 

Insoweit, also im Bereich der leichteren Kriminalität, verhilft Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer rechts-

gleichen Sanktionierung und übernimmt auch Aufgaben der Generalprävention. Darüber hinaus 

erhöht die Verbindungsbusse ganz allgemein die Flexibilität des Gerichts bei der Auswahl der 

Strafart. Sie kommt in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug der Strafe gewähren 

möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer Busse einen spürbaren 

Denkzettel erteilen will. Die Verbindungsbusse dient hier spezialpräventiven Zwecken (ROLAND 

M. SCHNEIDER/ROY GARRÉ, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 42 N 103). Die Vorinstanz 

begründet die Verbindungsbusse mit der “auffällig fehlenden Einsicht“ des Beschuldigten, welche 

einen Denkzettel als angebracht erscheinen lasse. Dem ist allerdings zu entgegnen, dass es sich 

beim Beschuldigten nicht um einen unbelehrbaren Verkehrsteilnehmer handelt, welcher ohne 

Rücksicht und skrupellos die Kollision in Kauf genommen hat. Der Beschuldigte hat die konkrete 

Situation vielmehr bloss falsch eingeschätzt und leichtfertig darauf vertraut, es werde schon nicht 

zu einem Unfall kommen. Nach Überzeugung des Kantonsgerichts erweist sich die Verbindungs-

busse daher weder aus spezial- noch aus generalpräventiven Gesichtspunkten als erforderlich, 

weshalb auf eine solche zu verzichten ist.  

 

5.14 Schliesslich wurde die seitens der Vorinstanz für die einfache Verletzung der Verkehrs-

regeln ausgesprochene Busse in der Höhe von CHF 30.-- nicht angefochten. Es kann diesbezüg-

lich vollumfänglich auf die sachlich zutreffenden Erwägungen des Strafgerichtspräsidenten Ba-

sel-Landschaft in seinem Urteil vom 25. Januar 2022 verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Folglich ist der Beschuldigte zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 

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CHF 170.--, bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 30.-- zu verur-

teilen. Die Berufung des Beschuldigten ist in diesem Punkt demnach teilweise gutzuheissen.  

 

 

6. Soweit die Berufung des Beschuldigten die Verlegung der erstinstanzlichen Kosten so-

wie den Entscheid betreffend die erstinstanzliche Parteientschädigung betrifft, ist darauf hinzu-

weisen, dass diese Rügen einzig auf den Fall des Freispruchs von den Vorwürfen der fahrlässi-

gen einfachen Körperverletzung sowie des pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall be-

schränkt sind. Im vorliegenden Berufungsverfahren wurde das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich 

der Schuldsprüche wegen fahrlässiger einfacher Körperverletzung sowie pflichtwidrigen Verhal-

tens nach einem Unfall jedoch bestätigt, weshalb sich Ausführungen betreffend die erstinstanzli-

che Kostenverlegung sowie die Verwehrung einer Parteientschädigung erübrigen. In Anbetracht 

der vorstehenden Erwägungen kann somit im Ergebnis festgestellt werden, dass das Urteil des 

Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 25. Januar 2022 in teilweiser Gutheissung der 

Berufung des Beschuldigten in Ziffer 1 durch ein den vorstehenden Erwägungen entsprechendes 

Erkenntnis zu ersetzen ist. Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil in der Dispositiv-Ziffer 2 

unverändert als Bestandteil dieses Urteils erklärt.  

 

 

III. Kosten 

1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah-

rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, 

auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht. Entspre-

chend dem Ausgang des vorliegenden Verfahrens, mithin der teilweisen Gutheissung der Beru-

fung des Beschuldigten, gehen die Verfahrenskosten des Kantonsgerichts in der Höhe von 

CHF 2'500.--, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 2'250.-- (§ 12 Abs. 1 der Verordnung 

über die Gebühren der Gerichte, GebT, SGS 170.31) und Auslagen von CHF 250.-- (§ 3 Abs. 6 

GebT), je zur Hälfte zu Lasten des Staates (CHF 1'250.--) sowie zu Lasten des Beschuldigten 

(CHF 1'250.--). 

 

2. Ferner ist zu prüfen, ob der Beschuldigte Anspruch auf eine Parteientschädigung für das 

Berufungsverfahren hat. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf Entschädi-

gung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429 ff. StPO. Diesen Bestimmun-

gen ist zwar keine Regelung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen, dessen ungeach-

tet hat sich indes auch der Anspruch auf Entschädigung im Rechtsmittelverfahren nach Mass-

gabe des Obsiegens oder Unterliegens zu richten (PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss 

Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 578; NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Praxis-

kommentar StPO, 3. Aufl. 2018, Art. 436 N 1; STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, Basler 

Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 436 N 4). Angesichts des vorliegenden Verfahrensaus-

gangs, mithin der teilweisen Gutheissung der Berufung des Beschuldigten, sind ihm die Partei-

kosten im Umfang von 50% zu entschädigen. Mit Honorarnote vom 20. Oktober 2022 weist der 

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Wahlverteidiger des Beschuldigten einen Aufwand von 23.75 Stunden à CHF 250.-- aus. In Be-

zug auf die Höhe des Stundenansatzes ist zu konstatieren, dass gemäss § 3 Abs. 1 der Tariford-

nung für die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Basel-Landschaft (Tarifordnung, 

SGS 178.112) das Honorar CHF 200.-- bis CHF 350.-- pro Stunde beträgt, je nach Schwierigkeit 

und Bedeutung der Sache, der damit verbundenen Verantwortung und der persönlichen und fi-

nanziellen Verhältnisse der zahlungspflichtigen oder der auftraggebenden Person. Praxisgemäss 

legt das Kantonsgericht in mittleren Fällen den Stundenansatz auf CHF 250.-- fest, während in 

leichten Fällen ein geringerer Honoraransatz pro Stunde zur Anwendung gelangt. In komplexen 

Fällen wird ausnahmsweise ein höherer Stundenansatz bestimmt, wobei hinsichtlich der An-

nahme von komplexen Fällen Zurückhaltung geübt wird. In casu ist weder ein komplexer Sach-

verhalt gegeben noch stellen sich diffizile Rechtsfragen. Mithin ist die Sache in Bezug auf den 

Sachverhalt sowie die rechtliche Würdigung prinzipiell im Bereich eines leichten Falls anzusie-

deln. Sodann ist der Fall hinsichtlich der Bedeutung der Sache als gering zu qualifizieren. Auch 

sind keine besonderen Umstände ersichtlich, welche die bescheidene Komplexität dieses in tat-

sächlicher sowie rechtlicher Hinsicht als leicht zu qualifizierenden Fall erhöhen würden. Folge-

richtig erachtet das Kantonsgericht den vorliegenden Fall als im unteren Bereich liegend, weshalb 

in Beachtung der vorstehenden Erwägungen der Stundenansatz des Verteidigers des Beschul-

digten auf CHF 230.-- festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung der vorstehenden Erwägungen, 

wonach dem Beschuldigten 50% seiner Parteikosten zu entschädigen sind, ist ihm für das Beru-

fungsverfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 2'800.25 (inklusive Auslagen von 

CHF 69.--) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von CHF 215.60, insgesamt somit CHF 3'015.85, aus 

der Gerichtskasse zu entrichten.  

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Demnach wird erkannt: 

 

://: I.  Das Urteil des Strafgerichtspräsidenten Basel-Landschaft vom 

25. Januar 2022, auszugsweise lautend:  

 

"1. C.____ wird in teilweiser Abänderung des Strafbefehls der 

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 27. Mai 2021 der 

fahrlässigen einfachen Körperverletzung, des pflichtwidrigen 

Verhaltens nach einem Unfall sowie der einfachen Verletzung 

von Verkehrsregeln schuldig erklärt und verurteilt 

 

 zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 120 Tagessät-

zen zu je CHF 170.00, 

 bei einer Probezeit von 2 Jahren, 

 

 sowie zu einer Busse von CHF 3’430.00 (davon CHF 30.00 

als Übertretungsbusse und CHF 3’400.00 als Verbindungs-

busse), 

 im Falle schuldhafter Nichtbezahlung der Busse tritt an deren 

Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen, 

 

 in Anwendung von Art. 125 Abs. 1 StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG, 

Art. 92 Abs. 2 SVG, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und Abs. 4 

StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 106 

StGB. 

 

 2. Die Verfahrenskosten bestehen aus den Kosten des Vorver-

fahrens in Höhe von CHF 851.00 und der Gerichtsgebühr von 

CHF 1'500.00. 

 

 C.____ trägt die Verfahrenskosten in Anwendung von Art. 426 

Abs. 1 StPO." 

 

wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten 

in Ziffer 1 wie folgt neu gefasst:  

 

1. C.____ wird in teilweiser Abänderung des Strafbefehls der 

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 27. Mai 2021 der 

fahrlässigen einfachen Körperverletzung, des pflichtwidrigen 

Verhaltens nach einem Unfall sowie der einfachen Verletzung 

von Verkehrsregeln schuldig erklärt und verurteilt 

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Seite 24  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

 zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen 

zu je CHF 170.00, 

 bei einer Probezeit von 2 Jahren, 

 

 sowie zu einer Übertretungsbusse von CHF 30.00, 

 

 in Anwendung von Art. 125 Abs. 1 StGB, Art. 90 Abs. 1 SVG, 

Art. 92 Abs. 2 SVG, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 

Abs. 1 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB. 

 

Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil in Ziffer 2 unverändert zum 

Bestandteil dieses Urteils erklärt.  

 

 II.  Die Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von CHF 2'500.--, 

beinhaltend eine Gebühr von CHF 2'250.-- sowie Auslagen von 

CHF 250.--, gehen im Umfang von CHF 1'250.-- zu Lasten des Staa-

tes sowie im Umfang von CHF 1'250.-- zu Lasten des Beschuldigten. 

 

 III.  Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren eine reduzierte 

Parteientschädigung in der Höhe von CHF 2'800.25 (inklusive Ausla-

gen von CHF 69.--) zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer von CHF 215.60, 

somit insgesamt CHF 3'015.85, aus der Gerichtskasse entrichtet.  

 

 

 

Präsident 
 
 
 
 
Dieter Eglin 

Gerichtsschreiber 
 
 
 
 
Dominik Haffter 

 

 

 

Dieser Entscheid ist rechtskräftig.  

 

 

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