# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 242e97da-562b-56c9-a32d-0daef0d77a82
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.03.2025 F-8151/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-8151-2024_2025-03-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-8151/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  M ä r z  2 0 2 5  

Besetzung 
 Einzelrichter Sebastian Kempe, 

mit Zustimmung von Richterin Aileen Truttmann; 

Gerichtsschreiberin Aisha Luisoni. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch B._______, 

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone;  

Verfügung des SEM vom 10. Dezember 2024. 

 

 

 

F-8151/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, türkischer Staatsangehöriger, geb. (…), ersuchte 

am 23. April 2023 in der Schweiz um Asyl. Für den Aufenthalt während der 

Dauer des Asylverfahrens wurde er mit Zuweisungsentscheid vom 16. Mai 

2024 dem Kanton C._______ zugewiesen. 

B.  

Mit Eingabe vom 29. August 2024 beantragte der Beschwerdeführer bei 

der Vorinstanz einen Kantonswechsel vom Kanton C._______ in den Kan-

ton D._______ und ersuchte um Erteilung einer Arbeitsbewilligung. 

C.  

Mit Schreiben vom 5. November 2024 gewährte die Vorinstanz dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung seines 

Kantonswechselgesuchs. Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Stel-

lungnahme. 

D.  

Am 21. November 2024 verweigerte das Migrationsamt des Kantons 

D._______ die Zustimmung zum Kantonswechsel. 

E.  

Die Vorinstanz lehnte das Kantonswechselgesuch mit Verfügung vom 

10. Dezember 2024 ab. 

F.  

Gegen die vorinstanzliche Verfügung gelangte der Beschwerdeführer mit 

Beschwerde vom 23. Dezember 2024 an das Bundesverwaltungsgericht 

und beantragte sinngemäss deren Aufhebung und die Bewilligung des 

Kantonswechsels vom Kanton C._______ in den Kanton D._______. 

G.  

Den am 14. Januar 2025 einverlangten Kostenvorschuss in Höhe von 

Fr. 800.– bezahlte der Beschwerdeführer am 24. Januar 2025 fristgerecht. 

 

 

 

F-8151/2024 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt auf Beschwerde hin Verfügun-

gen des SEM betreffend Kantonszuweisung und Kantonswechsel (Art. 27 

Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]; Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 31 ff. VGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes be-

stimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG). 

1.3 Entscheide über die Zuweisung einer asylsuchenden Person an einen 

Kanton oder über einen Kantonswechsel können gemäss Art. 27 Abs. 3 

AsylG nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletzten den 

Grundsatz der Einheit der Familie (vgl. Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 13 

Abs. 1 BV; siehe ferner BVGE 2009/54 E. 1.3.1; 2008/47 E. 1.2 und 

1.3.2 f.). Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung dieses Grundsatzes 

und beantragt den Kantonswechsel in den Kanton D._______, den Wohn-

kanton seines Bruders. 

1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-

gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzun-

gen (Rechtsmittelfrist [Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form der Beschwerde 

[Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutre-

ten ist. 

1.5 Die Beschwerde erweist sich – wie sich aus den nachfolgenden Erwä-

gungen ergibt – als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren 

einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters 

beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne 

Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung 

zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

2.  

2.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist die Vorinstanz die Asylsuchenden 

den Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kan-

tone und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311), wobei die Vorinstanz bei der Verteilung bereits in 

der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der 

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Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt 

(Art. 22 Abs. 1 AsylV 1). 

2.2 Der Begriff der «Einheit der Familie» gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG wird 

im Asylgesetz einheitlich verwendet und entspricht dem Schutzbereich des 

Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK 

(BVGE 2008/47 E. 4.1). Er umfasst in erster Linie die Kernfamilie, das 

heisst die Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner und in dau-

ernder eheähnlicher Gemeinschaft zusammenlebende Personen sowie 

deren minderjährige Kinder (vgl. Art. 1a Bst. e AsylV 1). 

2.3 Andere familiäre Beziehungen stehen nur in besonderen Fällen unter 

dem Schutz dieser Bestimmung. Hinsichtlich Beziehungen zwischen Ver-

wandten ausserhalb der Kernfamilie, namentlich zwischen erwachsenen 

Kindern und ihren Eltern oder zwischen Geschwistern, setzt die Berufung 

auf Art. 8 Abs. 1 EMRK voraus, dass sich die ausländische Person in ei-

nem besonderen, über die üblichen affektiven Bindungen hinausgehendes 

Abhängigkeitsverhältnis zum anwesenheitsberechtigten Elternteil bezie-

hungsweise Geschwister befindet (vgl. BGE 147 I 268 E. 1.2.3; 144 II 2 

E. 6.1; Urteil des BGer 6B_108/2024 vom 1. Mai 2024 E. 4.5). Ein solches 

Abhängigkeitsverhältnis kann sich – unabhängig vom Alter – namentlich 

aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen wie bei körperlichen 

oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben 

(vgl. BGE 145 I 227 E. 3.1; 120 Ib 257 E. 1e; Urteile des EGMR 23887/16 

I.M. gegen die Schweiz vom 9. April 2019 Ziff. 62; 65550/13 Belli und Ar-

quier-Martinez gegen die Schweiz vom 11. Dezember 2018 Ziff. 65). Die 

betroffene Person muss für die Bewältigung des täglichen Lebens auf 

fremde Hilfe angewiesen sein, die sinnvollerweise nur von einem nahen 

Angehörigen geleistet werden kann (vgl. Urteile des BVGer F-162/2024 

vom 16. Mai 2024 E. 2.3; F-2651/2020 vom 4. April 2023 E. 4.3). Dies kann 

auch in Situationen schwerer psychischer Störungen nach Traumata der 

Fall sein, in denen sich die Anwesenheit eines nahen Angehörigen als un-

erlässlich erweist, um eine gewisse psychische Stabilität zu gewährleisten 

und eine schwere Dekompensation auf Dauer zu vermeiden (vgl. Urteile 

des BVGer D-989/2023 vom 3. März 2023 E. 6.2.4; F-260/2021 vom 

22. Juli 2021 E. 8.4 je m.w.H.). Eine lediglich moralische Unterstützung ge-

nügt hingegen nicht, um ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der Recht-

sprechung zu begründen (Urteile des BVGer F-720/2023 vom 15. Mai 

2024 E. 8.1; F-6545/2024 vom 18. März 2024 E. 4.3). Das besondere Ab-

hängigkeitsverhältnis muss im Zeitpunkt der Geltendmachung des 

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Anspruchs bereits vorliegen (vgl. Urteile des BGer 2C_396/2021 vom 

27. Mai 2021 E. 3.2; 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer begehrt den Wechsel in den Kanton D._______, 

wo sein Bruder lebt. Da dieser nicht zur Kernfamilie des Beschwerdefüh-

rers gehört, kann er sich bezüglich des beantragten Kantonswechsels nur 

dann auf den Grundsatz der Einheit der Familie berufen, wenn zwischen 

ihm und seinem im Kanton D._______ lebenden Bruder ein Abhängigkeits-

verhältnis im Sinne der obenstehenden Erwägungen (E. 2.4) besteht. 

3.2 Der Beschwerdeführer lässt auf Rechtsmittelebene diesbezüglich vor-

bringen, dass er nicht in der Lage sei, seine eigenen Bedürfnisse ausrei-

chend zu decken. Im Vergleich zu Gleichaltrigen sei er nicht ausreichend 

reif und er habe Defizite in seiner Bildung. Statt einer Zahnbehandlung sei 

ihm in der Schweiz ein Zahn gezogen worden, was gesundheitliche und 

psychologische Nachteile mit sich bringe. Diese Vorbringen sind nicht ge-

eignet, ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der obenstehenden Erwägun-

gen (E. 2.4) zu begründen. Auch den vorinstanzlichen Akten sind keine 

rechtsgenügenden Hinweise auf ein solches zu entnehmen. Das Verhältnis 

des Beschwerdeführers zu seinem im Kanton D._______ wohnhaften Bru-

der fällt mangels Abhängigkeitsverhältnisses nicht in den Schutzbereich 

der Einheit der Familie. 

3.3 Nach dem Gesagten verletzt die Verweigerung des Kantonswechsels 

den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG 

nicht. 

4.  

4.1  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

4.2 Daran ändert auch die geltend gemachte Möglichkeit eines Stellenan-

tritts bei einem Coiffeur in E._______ nichts. Die Erwerbstätigkeit in einem 

anderen Kanton bildet keinen vom Gesetzgeber vorgesehenen Beschwer-

degrund für einen Kantonswechsel beziehungsweise lässt sich nicht unter 

einen solchen subsumieren (Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG; [nicht publizierte] 

Urteile des BVGer F-5646/2024 vom 5. Dezember 2024 E. 2.4, 

F-3734/2023 vom 12. Juli 2023 E. 2.3). Anzumerken bleibt, dass die Ver-

fügung angesichts der vorliegenden Gesamtumstände auch vor dem 

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grundrechtlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Achtung des Pri-

vatlebens gemäss Art. 8 EMRK standhalten würde. Es erübrigt sich dem-

nach, zu klären, inwieweit die Wahrung des genannten konventionsrechtli-

chen Anspruchs nach Massgabe der akzessorischen Rechtsweggarantie 

von Art. 13 EMRK im vorliegenden Verfahren müsste überprüft werden 

können. 

5.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des 

Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-

waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]) und auf 

Fr. 800.– festzulegen. Sie sind durch den in gleicher Höhe am 24. Januar 

2025 einbezahlten Kostenvorschuss gedeckt. 

6.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Sie sind durch den in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss 

gedeckt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und das kan-

tonale Migrationsamt. 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Aisha Luisoni 

 

 

 

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