# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e026cde6-adbf-5905-8d6b-7ca65ef0a6ae
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-04-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 13.04.2010 S 2010 33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-33_2010-04-13.pdf

## Full Text

S 10 33

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 13. April 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, portugiesische Staatsangehörige, geboren 1976 und wohnhaft in …, war 

bei der … AG als Mitarbeiterin im Bereich Office angestellt, als sie sich am 

19. Januar 2006 im Spital … einer Leistenhernie-Operation unterziehen 

musste. Nach der Operation traten Schmerzen im rechten Bein auf, welche 

sich trotz verschiedener Behandlungen und Therapien chronifizierten. Vom 

18. Januar bis zum 30. September 2006 war sie zu 100% arbeitsunfähig, vom 

1. Oktober bis zum 15. November 2006 zu 50%, vom 19. Dezember 2006 bis 

zum 15. Juli 2007 wieder zu 100%, und ab dem 16. Juli 2007 zu 50%. Ihre 

Arbeitstätigkeit hat sie bis heute nicht wieder aufgenommen.

2. Am 3. Juli 2007 ersuchte … die IV-Stelle des Kantons Graubünden um 

Leistungen, worauf die IV-Stelle die Berichte der involvierten Ärzte einholte:

• Der Hausarzt, Dr. …, Facharzt für Innere Medizin, gab in verschiedenen 

Schreiben an, er habe Schmerzmittel und Cortisoninjektionen 

verschrieben und versucht, die Patientin für Physiotherapie zu motivieren.

• Dr. …, Facharzt für Neurologie, gab an, die Ursache für die anhaltenden 

Schmerzen bliebe ungeklärt (Bericht vom 20. Juni 2006). 

• Vom 19. bis 30. Dezember 2006 war … zur stationären Rehabilitation in 

der Klinik ... Im Austrittsbericht vom 7. Januar 2007 wurden folgende 

Diagnosen angegeben: 1. Periarthropathia coxae rechts mit 

Schmerzausstrahlung ins gesamte Bein, erstmalig nach Leistenoperation 

aufgetreten. 2. Lumbospondylogenes Syndrom linksbetont mit 

Hyperelastizität, erstmals vor 5 Jahren. 3. Mittelgradige depressive 

Episode mit somatischem Syndrom. 4. Verdacht auf Sulcus ulnaris 

Syndrom links. Die Arbeitsfähigkeit wurde aus rheumatologischer 

medizinisch-theoretischer Sicht für eine leichte sitzende Tätigkeit ohne 

Zwangshaltungen mit 100% angegeben, aus psychiatrischer Sicht mit 

50%. 

• Dr. …, Facharzt für Innere Medizin speziell Rheumaerkrankungen, teilte 

mit Bericht vom 22. Januar 2007 mit, die Beschwerden könnten als 

weichteil- und muskulärbedingt betrachtet werden. Die Inkongruenz 

zwischen den Angaben der Patientin und dem objektiven Befund 

sprächen für eine erhebliche funktionelle Komponente.

• Am 7. Februar 2007 wurde im Spital … eine operative Revision der Leiste 

rechts gemacht.

• Dr. …, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin der 

Psychiatrischen Klinik …, teilte mit Bericht vom 7. Februar 2007 mit, 

aktuell bestehe eine leichte depressive Episode, aber eine ausgeprägte 

Schmerzproblematik. Differenzialdiagnostisch müsse auch von einer 

somatoformen Schmerzstörung ausgegangen werden. Mit Bericht vom 

21. August 2007 diagnostizierte sie eine Anpassungsstörung mit 

dysfunktionaler Schmerzverarbeitung und depressiver Reaktion nach 

Leistenhernie-Operation. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht bezifferte sie mit 50% seit Mitte Juli 2007 und die 

Prognose beurteilte sie als schlecht. Sie gab an, zur Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit und der diagnostischen Evaluation wäre eine stationäre 

Begutachtung aus psychiatrischer Sicht indiziert.

• Mit Arztbericht vom 14. September 2007 gab Dr. … an, die Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit durch die Klinik … vom 8. Januar 2007 sei immer noch 

aktuell. Er beantrage einen Arbeits-/Reha-Aufenthalt als einzige Chance, 

irgendwie bei dieser Patientin weiter zu kommen.

• Am 22. Februar 2008 fand eine RAD-Untersuchung durch Dr. …, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Facharzt für Allgemeinmedizin, 

statt. Im Bericht hält Dr. … fest, aufgrund der durchgeführten 

Untersuchung könne er eine psychiatrische Störung objektiv nicht 

feststellen. Die von der Versicherten angeführten psychischen 

Befindlichkeitsstörungen lägen eindeutig nicht im pathologischen Bereich 

und seien im Rahmen der langjährigen konstanten Schmerzsymptomatik 

nachvollziehbar. Es sei Sache eines chirurgischen Sachverständigen, die 

somatische Problematik abschliessend zu beurteilen.

• Mit Bericht vom 15. März 2008 gab Dr. … an, der Zustand der Patientin 

habe sich in keiner Weise verbessert. Aus somatischer Sicht sei die 

Patientin nach wie vor 50% arbeitsunfähig.

• Mit Gutachten vom 10. September 2008 kam Prof. Dr. …, Chefarzt der 

Chirurgie im Ospedale Regionale di …, zum Schluss, es sei sehr 

schwierig, die geklagten Beschwerden objektiv einzuschätzen. Aufgrund 

des psychischen Zustands sei keine adaptierte Tätigkeit denkbar.

• Am 16. September 2008 nahm der RAD Stellung zum Bericht von Prof. ... 

Die Versicherte werde zu 100% arbeitsunfähig eingeschätzt. Die 

Schmerzsymptomatik habe aber weder chirurgisch noch neurologisch 

gesichert werden können. Es sei deshalb von einer vollen Arbeitsfähigkeit 

in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. 

3. Mit Vorbescheid vom 22. September 2008 teilte die IV-Stelle mit, es bestehe 

kein Anspruch auf eine Rente. Der Invaliditätsgrad liege bei 0%, das 

Valideneinkommen bei Fr. 39'172.--, das Invalideneinkommen bei Fr. 51'165.-

-. Hiergegen liess … am 1. Oktober 2008 Einwand erheben. Sie beantragte 

eine pluridisziplinäre Begutachtung in der MEDAS ... Mit Verfügung vom 20. 

Januar 2010 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorbescheid und wies das 

Leistungsbegehren ab. Sie stützte sich auf die Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit durch den RAD-Arzt Dr. med. ... Dieser Einschätzung komme 

volle Beweiskraft zu, und sie gebe ein ausreichend klares Bild über den 

Gesundheitsschaden und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.

4. Gegen diese Verfügung erhob … am 22. Februar 2010 Beschwerde ans 

Verwaltungsgericht. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben, und die IV-Stelle sei zu verpflichten, sie einer pluridisziplinären 

Begutachtung, eventuell einer funktionalen Eingliederung zu unterziehen und 

anschliessend die Invalidität neu festzulegen. Zur Begründung machte sie 

geltend, die IV habe sich bis heute nicht die Mühe genommen, sie "auf Herz 

und Nieren" zu prüfen. Eine Begutachtung in der MEDAS Bellinzona sei nötig.

5. Die IV-Stelle beantragte die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung 

verwies sie auf die angefochtene Verfügung.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird soweit erforderlich 

in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung 

(IVG; SR 831.20) hat eine Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn 

sie zu mindestens 70% invalid ist, auf eine Dreiviertelsrente wenn sie zu 

mindestens 60% invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn sie zu mindestens 

50% invalid ist und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid 

ist. Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall 

sein; sie ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze 

oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1], Art. 4 

IVG). Erwerbsunfähigkeit wiederum ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Für die Bestimmung des 

Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die Versicherte nach 

Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung 

und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit 

bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), 

in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn 

sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Für die 

Beurteilung der Rentenfrage ist der Sachverhalt massgeblich, der sich zum 

Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 20. Januar 2010 verwirklicht hatte 

(BGE 121 V 366).

2. Das Valideneinkommen von Fr. 39'172.-- wurde gestützt auf das Einkommen 

bemessen, das die Beschwerdeführerin in ihrer letzten Stelle als 

Officemitarbeiterin bei der … AG erzielt hatte. Dies ist korrekt und wurde von 

der Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet.

3. Streitig ist das hypothetische Invalideneinkommen, beziehungsweise die für 

die Bemessung des Invalideneinkommens entscheidende Frage, welche 

Arbeitsleistungen der Beschwerdeführerin in welchem Umfang noch 

zugemutet werden können. Für die Beantwortung dieser Frage sind 

Sozialversicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte auf medizinische 

Experten angewiesen. Vorliegend stehen folgende ärztliche Beurteilungen zur 

Verfügung:

• Klinik …, 7. Januar 2007: 

Die Patientin sei aus rheumatologischer medizinisch-theoretischer Sicht 

für eine leichte sitzende Tätigkeit ohne Zwangshaltungen zu 100% 

arbeitsfähig. Aufgrund der psychiatrischen Diagnose sei sie aktuell in 

diesem Rahmen nur zu 50% arbeitsfähig. 

• Dr. …, Oberärztin der Psychiatrischen Klinik …, 21. August 2007:

Die Patientin leide unter einer Anpassungsstörung mit dysfunktionaler 

Schmerzverarbeitung und depressiver Reaktion nach Leistenhernie-

Operation im Januar 2006 (ICD-10 F 43.2). Aus psychiatrischer Sicht sei 

sie ab dem 16. Juli 2007 bis auf weiteres zu 50% arbeitsfähig. Zur 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der diagnostischen Evaluation sei 

eine stationäre Begutachtung aus psychiatrischer Sicht indiziert. Im 

Verhalten der Patientin fielen immer wieder widersprüchliche Angaben 

und Verhaltensweisen auf. Ebenso auffällig seien das eigene 

Krankheitskonzept und die Schmerzverarbeitung. 

• Dr. …, Hausarzt, 14. September 2007: 

Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Klinik … vom 8. Januar 

2007 sei immer noch aktuell. 

• Dr. … / RAD, 22. Februar 2008:

In Synopsis aller Daten sei bei der Versicherten in der angestammten 

Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100% gegeben. Auch in 

leidensadaptierter Tätigkeit liege derzeit eine Arbeitsunfähigkeit von 

100% vor. Die Arbeitsunfähigkeit sei nicht psychiatrisch ausgelöst.

• Dr. …, 15. März 2008: 

Der Zustand der Patientin habe sich in keiner Weise verbessert. Aus 

somatischer Sicht sei die Patientin nach wie vor 50% arbeitsunfähig.

• Prof. Dr. …, Chefarzt der Chirurgie im Ospedale Regionale di …, 10. 

September 2008: 

Die Ursache der Schmerzen sei unklar. Es sei sehr schwierig, die 

geklagten Beschwerden objektiv einzuschätzen. Seiner Ansicht nach 

bestehe eine psychogene Komponente. Es sei äusserst verwirrend und 

verdächtig, dass die Patientin eine gewisse Bewegungsfreiheit zeige, 

wenn sie sich unbeobachtet glaube. Prognostisch sei es schwierig, sie 

wieder zu einer Arbeitstätigkeit hinzuführen, da sie seit November 2005 

nicht mehr gearbeitet habe und von ihrer Arbeitsunfähigkeit überzeugt sei. 

Die Patientin sei zu 100% arbeitsunfähig in angestammter und adaptierter 

Tätigkeit.

• Dr. … / RAD, 16. September 2008:

Prof. Dr. … habe die Schmerzsymptomatik weder chirurgisch noch 

neurologisch sichern können. Aus psychiatrischen Gründen bestehe 

keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Es sei deshalb von einer vollen 

Arbeitsfähigkeit auszugehen. 

4. Diese ärztlichen Einschätzungen weichen stark voneinander ab. Aus 

rheumatologischer medizinisch-theoretischer Sicht wird die Arbeitsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit von der Klinik …, von 

Dr. … (Sept. 2007) und von Dr. … (Sept. 2008) mit 100% angegeben, von Dr. 

… (März 2008) mit 50%, und schliesslich von Dr. … (Feb. 2008) und Prof. Dr. 

… mit 0%. Auch bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer 

Sicht sind die Unterschiede gross, gemäss der Klinik … und Dr. … liegt sie 

bei 50%, gemäss Dr. … bei 100%. 

5. Liegen mehrere ärztliche Beurteilungen vor und widersprechen sich diese in 

wesentlichen Punkten, so kann dem einen Beweismittel nur dann der Vorrang 

gegeben werden, wenn sein Beweiswert klarerweise grösser ist als derjenige 

der übrigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist dabei 

entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen des 

Experten begründet sind (BGE 122 V 159). 

6. Vorliegend ist den Einschätzungen der Klinik …, der behandelnden 

Psychiaterin Dr. … und des Prof. Dr. … voller Beweiswert beizumessen. Ihre 

Berichte beruhen alle auf eigenen Untersuchungen und auf vollständiger 

Kenntnis der Vorakten und sie leuchten in der Darlegung der medizinischen 

Situation je für sich betrachtet ein. Die offensichtlichen Widersprüche 

zwischen diesen ärztlichen Beurteilungen zu klären, ist für das Gericht ohne 

medizinische Fachkenntnisse nicht möglich. Keinem der Berichte kann ein so 

überragender Beweiswert beigemessen werden, dass auf ihn alleine 

abgestellt werden könnte.

7. Der Einschätzung des Hausarztes Dr. … ist wegen seiner auftragsrechtlichen 

Vertrauensstellung gegenüber der Beschwerdeführerin ein leicht reduzierter 

Beweiswert beizumessen (BGE 124 I 175 Erw. 4). Der Einschätzung von Dr. 

… vom RAD kann ebenfalls kein voller Beweiswert beigemessen werden. 

Seine Darlegung der medizinischen Zusammenhänge erscheint in sich 

widersprüchlich und seine Schlussfolgerungen sind nur ungenügend 

begründet. Noch im Februar 2008 nahm Dr. … eine 100%-ige 

Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht an und erachtete eine Begutachtung 

bei einem Facharzt als angezeigt. Der beauftragte Chirurge Prof. Dr. med. … 

bestätigte schliesslich in seinem Gutachten ebenfalls eine 100%-ige 

Arbeitsunfähigkeit. Die vor diesem Hintergrund vollzogene Kehrtwende in der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den RAD im September 2008 – mithin 

im Widerspruch zu seiner eigenen, einige Monate vorher gemachten 

Einschätzung – ist nicht nachvollziehbar. Auch die Beurteilung des RAD aus 

psychiatrischer Sicht vermag nicht vollständig zu überzeugen. Gemäss Dr. … 

liegen die von der Versicherten angeführten psychischen 

Befindlichkeitsstörungen eindeutig nicht im pathologischen Bereich. Dieser 

Schluss steht indes im Widerspruch zur Diagnose von Dr. … 

(Anpassungsstörung mit dysfunktionaler Schmerzverarbeitung und 

depressiver Reaktion) und zur Diagnose des Psychosomatischen Dienstes 

der Klink … (mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom). 

Die Abweichung von diesen beiden Diagnosen anerkannter Fachpersonen 

vermag der RAD nicht genügend zu begründen. Insbesondere kann er sich 

nicht auf objektive Testergebnisse (Beck-Depression-Inventory, Hamilton-

Depressionsskala) stützen, da keine psychometrischen Tests durchgeführt 

wurden bzw. durchgeführt werden konnten, was angesichts der mehrfach 

attestierten psychiatrischen Problematik jedoch angezeigt gewesen wäre.

8. Für die Notwendigkeit weiterer Abklärungen spricht auch, dass mehrere der 

involvierten Ärzte ausdrücklich darauf hinwiesen, die Beurteilung sei wegen 

der widersprüchlichen Aussagen und wegen des demonstrativ 

selbstlimitierenden Verhaltens der Beschwerdeführerin sehr schwierig 

gewesen, so dass eine stationäre Begutachtung indiziert sei. 

9. Die vorliegenden ärztlichen Beurteilungen genügen somit nicht, um die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin korrekt einzuschätzen. Die IV-Stelle 

hat deshalb die medizinische Situation durch eine multidisziplinäre 

Begutachtung zu klären. Ob die IV-Stelle diese Begutachtung wie von der 

Beschwerdeführerin beantragt in der MEDAS … oder in einer anderen 

geeigneten Institution durchführen will, bleibt ihr freigestellt. Allerdings hat sie 

die sprachlichen Voraussetzungen der Beschwerdeführerin zu 

berücksichtigen. 

10. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtswidrig, und die 

dagegen erhobene Beschwerde ist gutzuheissen. Die Angelegenheit wird zur 

weiteren medizinischen Abklärung und zur Neubeurteilung im Sinne der 

Erwägung an die IV-Stelle zurückgewiesen. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten 

um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach 

dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-

1000 Franken festgelegt. Vorliegend hat die unterliegende IV-Stelle Kosten in 

der Höhe von Fr. 700.-- zu übernehmen. Zudem hat die IV-Stelle die 

obsiegende Beschwerdeführerin aussergerichtlich mit Fr. 864.45 zu 

entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgehoben 

und die Angelegenheit zur Abklärung und zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheids an die Finanzkontrolle des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle, 

entschädigt … aussergerichtlich mit Fr. 864.45 (inkl. MWST).