# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a7a6f96-8d39-5ae1-b183-44837b653a73
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.01.2012 E-7879/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7879-2008_2012-01-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­7879/2008

U r t e i l   v om   6 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Walter Stöckli, Richter Markus König,   
Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel.

Parteien A._______,
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Monique Bremi, Beratungsstelle 
für Asyl­ und Ausländerrecht, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 5. November 2008 / N (…)

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein 
afghanischer  Staatsangehöriger  aus  B._______,  Provinz  C._______, 
seinen Heimatstaat Ende Juli 2007. Am 13. September 2007 reiste er  in 
die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. 

Der Beschwerdeführer machte bei seiner Einreise geltend, erst 16 Jahre 
alt  und  somit  minderjährig  zu  sein.  Das  BFM  kam  aufgrund  seines 
äusseren  Erscheinungsbildes  zum  Schluss,  das  angegebene  Alter 
erscheine nicht als glaubhaft. Die am 20. September 2007 durchgeführte 
Knochenalteranalyse  ergab  gemäss  ärztlichem  Bericht  ein 
wahrscheinliches chronologisches Alter  von 19 Jahren.  Im Rahmen des 
dem  Beschwerdeführer  am  26.  September  2009  gewährten  rechtlichen 
Gehörs machte er geltend, das Alter so angegeben zu haben, wie es  in 
seiner  vom  Grossvater  beantragten  Identitätskarte  stehe,  und  keinen 
Grund zu haben, sich als Minderjähriger auszugeben. Zum Beweis seiner 
Minderjährigkeit  stellte  er  die  Einreichung  seiner  Identitätskarte  in 
Aussicht.  Für  die Reise  habe er  die  eigene  ID­Karte mitgenommen,  sei 
jedoch  nirgends  kontrolliert  worden.  Dem  Beschwerdeführer  wurde 
mitgeteilt,  dass an seiner Minderjährigkeit  starke Zweifel bestünden und 
er  im  weiteren  Verfahren  als  Volljähriger  behandelt  und  ihm  keine 
Vertrauensperson beigegeben werde. 

B. 
Anlässlich der Kurzbefragung vom 26. September 2007 im Empfangs und 
Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ und der Anhörung vom 7. Oktober 
2007 zu den Asylgründen machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:

Er habe bis zur Ausreise in B._______ gelebt. Da sein Vater den Taliban 
angehört habe, habe seine Familie Probleme mit der Regierung gehabt. 
Sein  Vater  sei  einige  Monate  vor  dem  Einmarsch  der  Amerikaner  bei 
Kämpfen  gegen  Anhänger  Massouds  in  E._______  ums  Leben 
gekommen.  Nach  der  Niederlage  der  Taliban  sei  er  (der 
Beschwerdeführer)  von  deren  Gegnern,  die  an  die  Macht  gekommen 
seien,  bedroht  worden.  Diese  hätten  ihn  beschuldigt,  Kalaschnikows 
versteckt  zu  haben.  Die Dorfältesten  hätten  sich  über  dieses  Vorgehen 
beschwert,  da  er  noch  sehr  jung  gewesen  sei  und  die Waffen  deshalb 
nicht  habe  besitzen  können.  Dennoch  sei  er  weiterhin  bedroht  worden. 
F._______,  der  zu  dieser  Zeit  die Provinz  regiert  habe  und  auch  heute 
noch  über  grossen  Einfluss  verfüge,  habe  als  Warnung  das  Haus  des 

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Beschwerdeführers  angezündet.  Danach  habe  seine Mutter  die  Familie 
verlassen  und  erneut  geheiratet,  worauf  er  und  seine  Brüder  zum 
Grossvater gezogen seien. Wegen seines vermeintlichen Waffenbesitzes 
sei  er  mehrmals  verhört  und  von  Soldaten  mitgenommen  worden.  Die 
Dorfältesten hätten erreichen können, dass er nach ungefähr drei Tagen 
wieder  freigelassen  worden  sei.  Daraufhin  habe  der  Grossvater  ihm 
mitgeteilt, er müsse Afghanistan verlassen und habe ihm das Geld für die 
Reise gegeben. Der Beschwerdeführer habe sich, seit er  in der Schweiz 
sei,  bemüht,  seine  Identitätskarte  zu  bekommen.  Er  habe  einen 
Bekannten  angerufen,  um  mit  dem  Grossvater  in  Kontakt  zu  treten. 
Dieser  Bekannte  habe  ihm  aber  mitgeteilt,  sein  Grossvater  und  seine 
Brüder hätten ebenfalls fliehen müssen. Er (der Beschwerdeführer) solle 
sich nicht mehr bei ihm melden, da die Telefone abgehört würden. 

C. 
Mit Verfügung vom 5. November 2008 – eröffnet tags darauf – lehnte das 
BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete  seine 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz 
begründete  den  ablehnenden  Asylentscheid  damit,  dass  die 
Schilderungen des Beschwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die 
Glaubhaftmachung  eines  Asyl  begründenden  Sachverhalts  nicht 
genügten und er daher die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht 
erfülle. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. 
Für  die  detaillierte  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  auf  die 
Erwägungen verwiesen. 

D. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  8.  Dezember  2008  beantragte  der 
Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die 
Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  Neubeurteilung, 
eventualiter  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die 
Gewährung  von  Asyl,  subeventualiter  die  Anordnung  der  vorläufigen 
Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzuges  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung 
eines Kostenvorschusses. Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer 
die Kopie einer Tazkara zu den Akten, aus welcher das Geburtsjahr (…) 
hervorgeht. Ausserdem reichte er eine Kopie der Tazkara seines Vaters, 
Kopien  von  Fotos  seines  Vaters  sowie  einen  UNHCR­Bericht  zu  den 
Akten.

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E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Dezember  2008  stellte  die  damals 
zuständige  Instruktionsrichterin  den  legalen  Aufenthalt  des 
Beschwerdeführers während des Verfahrens fest und setzte ihm Frist zur 
Einreichung einer Fürsorgebestätigung.

F. 
Mit Eingaben vom 16. beziehungsweise 30. Dezember 2008  reichte der 
Beschwerdeführer seine Tazkara, die Tazkara seines Vaters, Fotografien 
seines Vaters (alles  im Original) sowie eine Fürsorgebestätigung zu den 
Akten. Mit Eingabe vom 11. Februar 2009 reichte der Beschwerdeführer 
Übersetzungen der Tazkaras zu den Akten. 

G. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  5.  Juli  2011  machte  die  nun  zuständige 
Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Vorinstanz  auf 
das  Grundsatzurteil  vom  16.  Juni  2011  (E­7625/2008)  betreffend 
Sicherheitslage und humanitäre Situation in Afghanistan aufmerksam und 
setzte Frist zur Vernehmlassung.

H. 
Mit  Verfügung  vom  20.  Juli  2011  hob  das  BFM wiedererwägungsweise 
die Ziffern 4 und 5 der Verfügung vom 5. November 2008 auf und nahm 
den Beschwerdeführer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in der Schweiz vorläufig auf.

I. 
Mit Schreiben vom 17. August 2011 hielt der Beschwerdeführer an seiner 
Beschwerde  fest,  soweit  sie  aufgrund  der  vorläufigen  Aufnahme  nicht 
gegenstandslos geworden war, und ergänzte diese.

J. 
Mit Vernehmlassung vom 2. September 2011 beantragte das BFM unter 
Verweis  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen  und  unter 
Berücksichtigung der  vom Beschwerdeführer  eingereichten Beweismittel 
die Abweisung der noch hängigen Beschwerdebegehren. 

K. 
Mit  Eingabe  vom  "17.  August  2011"  (Datum  des  Poststempels:  22. 
September 2011) nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung des 
BFM Stellung und machte unter Beilage einer Kopie der Tazkara, gemäss 
welcher der Beschwerdeführer  (…) geboren sei, unter anderem geltend, 

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zum  Zeitpunkt  der  Asylgesuchseinreichung  minderjährig  gewesen  zu 
sein.

L. 
Eine beim Forensischen  Institut Zürich  in Auftrag gegebene Prüfung der 
Tazkara  ergab  gemäss  Bericht  vom  18.  November  2011,  dass  es  sich 
beim Dokument um einen Ausweis bescheidener Qualität handle, welcher 
keinerlei  Sicherheitselemente  aufweise,  wobei  an  den  Inhaltseinträgen 
keine Manipulationsspuren feststellbar seien. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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1.4. Der Gegenstand der vorliegenden Beschwerde ist aufgrund der von 
der  Vorinstanz  im  Rahmen  der  Vernehmlassung  gewährten  vorläufigen 
Aufnahme  des  Beschwerdeführers  infolge  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  auf  die  Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  der 
vorinstanzlichen  Verfügung  vom  5.  November  2008  (Verneinung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  Ablehnung  des  Asylgesuchs, 
Wegweisungsanordnung als solche) beschränkt. 

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Vorab  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  zu  Recht  von  der  Volljährigkeit  des 
Beschwerdeführers ausging und auf die Beigabe einer Vertrauensperson 
verzichtete.

3.1.  Die  behördliche  Untersuchungspflicht  wird  im  Asylverfahren  durch 
die  der  asylsuchenden  Person  gestützt  auf  Art.  8  AsylG  auferlegte 
Mitwirkungspflicht  eingeschränkt,  wobei  sie  insbesondere  auch  ihre 
Identität  offenzulegen  und  in  der  Empfangsstelle  Reisepapiere  und 
Identitätsausweise abzugeben hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 
Mit Bezug auf das Beweismass, dem Altersangaben zu genügen haben, 
ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst 
die  behauptete  Minderjährigkeit  muss  zumindest  glaubhaft  erscheinen. 
Dabei ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwägung sämtlicher 
Anhaltspunkte,  welche  für  oder  gegen  die  Richtigkeit  der  betreffenden 
Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Es gilt der Grundsatz der  freien 
Beweiswürdigung  (vgl.  Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember 
1947 über den Bundeszivilprozess  [BZP, SR 273]  i.V.m. Art. 19 VwVG). 
Zur  Altersabklärung  stehen  grundsätzlich  die  in  Art.  12  Bst.  a­e  VwVG 
aufgezählten  Beweismittel  zur  Verfügung,  das  heisst  Urkunden, 
Auskünfte  der  Parteien,  Auskünfte  oder  Zeugnis  von  Drittpersonen, 
Augenschein  und  Gutachten  von  Sachverständigen.  Liegen  keine 
schlüssigen  Identitätsdokumente  vor,  fallen  mit  Blick  auf  die 
Altersfeststellung  als  Beweismittel  sodann  Abklärungsergebnisse  in 
Betracht,  welche  auf  "wissenschaftliche Methoden"  im Sinne  von  Art.  7 
Abs. 1 der Asylverordnung über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) 
abstellen.  In der Praxis des BFM handelt es sich dabei  in der Regel um 
sogenannte  Knochenalteranalysen.  Hinsichtlich  der  Frage,  ob  eine 

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Person  das  18. Altersjahr  tatsächlich  bereits  erreicht  hat,  sind  aufgrund 
dieser  Analyse  jedoch  keine  wissenschaftlich  zuverlässigen  Aussagen 
möglich. Auch aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes kann das Alter 
meist nur grob geschätzt werden. Angesichts des geringen Beweiswertes 
der beiden zuletzt genannten Beweismittel kommt bei der vorfrageweisen 
Prüfung  des  Alters  einer  ihre  Minderjährigkeit  behauptenden 
asylsuchenden  Person  der  Würdigung  ihrer  eigenen  Angaben,  die  sie 
einerseits zu  ihrem Alter selbst, andererseits zur unterbliebenen Abgabe 
von  Identitätspapieren  macht,  in  aller  Regel  entscheidende  Bedeutung 
zu. Der Beweiswert ihrer Aussagen über das Alter kann reduziert werden, 
wenn  sie  neben nicht  schlüssigen Aussagen  zu den  soeben genannten 
Punkten ganz offensichtlich unzutreffende Angaben über ihren Reiseweg 
macht oder wenn ihr elementare Kenntnisse über ihr angebliches Heimat­ 
oder Herkunftsland fehlen (vgl. zum Ganzen Entscheide und Mitteilungen 
der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004 Nr.  30  E.  5 
und 6 S. 208 ff.).

3.2. Vorab ist festzustellen, dass, nachdem der Untersuchungsbericht des  
Forensischen  Instituts  Zürich  vom  18.  November  2011  dem 
Beschwerdeführer  vorgängig  nicht  zur  Kenntnis  gebracht  worden  ist, 
dieser in den nachfolgenden Erwägungen nicht weiter berücksichtigt wird. 
Eine  Kopie  des  Berichts  wird  zusammen  mit  dem  Urteil  dem 
Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht.

3.3. Das  BFM  stellte  bei  seiner  Feststellung,  der  Beschwerdeführer  sei 
volljährig, hauptsächlich auf die Knochenalteranalyse vom 20. September 
2007  ab.  Anlässlich  der  diesbezüglichen  Gewährung  des  rechtlichen 
Gehörs  zur  Altersbestimmung  begründete  es  dem  Beschwerdeführer 
gegenüber seine Auffassung, es erachte ihn als volljährig, damit, dass er 
keine  Identitätspapiere  abgegeben  habe,  die  Knochenalteranalyse  zum 
Resultat habe, dass er 19 Jahre oder älter sei, und er älter aussehe als 
es  sich  aus  dem  von  ihm  angegebenen  Geburtsdatum  ergebe.  In  der 
angefochtenen  Verfügung  stützte  sich  das  BFM  betreffend  die 
Unglaubhaftigkeit  der  Minderjährigkeit  ebenfalls  auf  das  Resultat  der 
Knochenalteranalyse  und  darauf,  dass  er  bis  zum  Entscheiddatum 
keinerlei Ausweispapiere zu den Akten gereicht habe. 

3.4.  In  seiner  Beschwerde  beantragte  der  Beschwerdeführer  die 
Aufhebung  der Verfügung  der Vorinstanz  und  die Rückweisung  zwecks 
Neubeurteilung.  Da  die  Minderjährigkeit  von  der  Vorinstanz  nicht  habe 
widerlegt werden können, hätte diese unter Anerkennung derselben  ihm 

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eine  Vertrauensperson  zuweisen  müssen.  Indem  sie  dies  unterlassen 
habe,  habe  sie  den Anspruch  auf  rechtliches Gehör,  den Anspruch  auf 
unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie Art. 17 Abs. 3 AsylG verletzt, 
weshalb sich die Kassation der Verfügung aufdränge.

3.5. Mit den Aussagen, die Knochenalteranalyse habe ergeben, dass der 
Beschwerdeführer  mindestens  19  Jahre  alt  sei  und  seine  persönliche 
Glaubwürdigkeit  durch  seine  Falschangabe  zu  seiner  Identität  massiv 
beeinträchtigt sei, verkennt das BFM, dass einer Knochenalteranalyse mit 
Bezug  auf  die  Frage  der  Minderjährigkeit  nur  ein  geringer  Beweiswert 
zukommt  und  das  Bundesverwaltungsgericht  von  einer 
Standardabweichung  von  zweieinhalb  bis  drei  Jahren  ausgeht  (vgl. 
EMARK 2000 Nr. 19). Dennoch  ist die Einschätzung der Vorinstanz, die 
vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  sei 
unglaubhaft,  im Ergebnis zu stützen. Bei  fraglicher Minderjährigkeit  trägt 
nach der Bestimmung von Art.  8  des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs 
vom  10. Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  die  als  allgemeiner 
Rechtsgrundsatz  auch  im  öffentlichen  Recht  Anwendung  findet,  die 
asylsuchende  Person  dafür  die  Beweislast  und  damit  die  Folgen  der 
Beweislosigkeit  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  19,  Erw.  8b,  S.  188).  Dieser 
Grundsatz wirkt sich allerdings erst dann zu Ungunsten der betreffenden 
Person  aus,  wenn  die  Behauptung  der  Minderjährigkeit  tatsächlich 
unbewiesen  bleibt,  weil  sich  andernfalls  die  Frage  der 
Beweislastverteilung gar nicht stellt (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 Erw. 5.2, S. 
208).  Bis  zum  Entscheiddatum  hatte  der  Beschwerdeführer  keine 
Identitätspapiere  eingereicht,  welche  sein  angebliches  Geburtsdatum 
belegen könnten. Seine Aussagen anlässlich des rechtlichen Gehörs zur 
Knochenalteranalyse  fielen  unsubstantiiert  aus.  So  konnte  der 
Beschwerdeführer  kaum  Angaben  zum  Alter  seiner  Eltern  machen. 
Anlässlich der Befragung zur Person und auch bei der Anhörung zu den 
Asylgründen  machte  er  geltend,  er  könne  seine  Identitätskarte  nicht 
einreichen,  da  sie  ihm  vom Schlepper  abgenommen worden  sei  und  er 
sie  von  diesem  nicht mehr  zurückbekommen  habe  (vgl.  vorinstanzliche 
Akten A1 S.4 und A20 S. 3). Wie ihm diese dann doch zugestellt werden 
konnte,  wird  weder  in  der  Beschwerde  noch  in  einer  seiner  späteren 
Eingaben  erklärt.  Auch  die  Angaben  zum  Reiseweg,  welche  der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  zur  Person machte,  werfen 
Fragen auf und sind als unglaubhaft zu beurteilen. Weiter  fällt auf, dass 
er  sowohl  bei  der  Befragung  zur  Person  (vgl.  A1  S.1)  als  auch  beim 
rechtlichen  Gehör  (vgl.  A12  S.2)  und  bei  der  Anhörung  zu  den 
Asylgründen  (vgl.  A20  S.2)  stets  angab,  im  Jahr  (…)  geboren  zu  sein. 

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Dies  stehe  so  in  seiner  Identitätskarte.  In  der  von  ihm  auf 
Beschwerdeebene  eingereichten  Identitätskarte  ist  jedoch  das  Jahr  (…) 
als Geburtsjahr eingetragen. Dazu kommt, dass gemäss Rechtsprechung 
des  Bundesverwaltungsgerichts  einer  afghanischen  Tazkara  aufgrund 
fehlender  Sicherheitselemente  nur  ein  sehr  geringer  Beweiswert 
zukommt (vgl. beispielsweise D­4472/2008). 

Die  Argumentation  in  der  Beschwerde  vermag  ebenfalls  nicht  zu 
überzeugen. So ist der Aussage, die Vorbringen des Beschwerdeführers 
zu  seinem  Alter  seien  grundsätzlich  glaubhaft  und  ausführlich,  zu 
widersprechen.  Weiter  wird  in  der  Beschwerde  am  Geburtsjahr  (…) 
festgehalten, während der Tazkara das Jahr  (…) zu entnehmen  ist  (vgl. 
Beschwerde S. 3). Die Aussage, das vom Beschwerdeführer angegebene 
Alter  habe  nicht  widerlegt  werden  können,  weshalb  die  Vorinstanz  von 
dessen  Minderjährigkeit  hätte  ausgehen  müssen,  verkennt,  dass  die 
Beweislast  für  die  Glaubhaftmachung  der  Minderjährigkeit  beim 
Beschwerdeführer  und  nicht  bei  der  Vorinstanz  liegt  (vgl.  obige 
Ausführungen, 3.1.).

Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer 
behauptete  Minderjährigkeit  im  vorinstanzlichen  und  auch  im 
Beschwerdeverfahren  nicht  glaubhaft  gemacht  worden  ist.  Auf  die 
Beiordnung  einer Vertrauensperson  im Sinne  von Art.  17 Abs.  3 Bst.  b 
bzw. c AsylG wurde demnach zu Recht verzichtet. 

4.  

Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Wer  um  Asyl  nachsucht, 
muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft 
machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie 
genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen 
sich nicht  in  vagen Schilderungen erschöpfen oder den Tatsachen oder 
der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  und  sie  dürfen  nicht 

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widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren. Darüber  hinaus 
muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre  Vorbringen  auf 
gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG), 
wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe 
des Verfahrens Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt, 
mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung 
verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten 
Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  Raum  für  gewisse 
Einwände und Zweifel  an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine 
Behauptung  gilt  bereits  als  glaubhaft  gemacht,  wenn  das  Gericht  von 
ihrer Wahrheit  nicht  völlig  überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für wahr 
hält,  obwohl  nicht  alle Zweifel  beseitigt  sind. Für  die Glaubhaftmachung 
reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der  Inhalt der Vorbringen zwar 
möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung sprechen.

5. 

5.1. Die Vorinstanz begründete  ihren ablehnenden Asylentscheid damit, 
dass die Schilderungen des Beschwerdeführers den Anforderungen von 
Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftmachung  eines  Asyl  begründenden 
Sachverhalts  nicht  genügten,  und  er  daher  die  Flüchtlingseigenschaft 
nach  Art. 3  AsylG  nicht  erfülle.  So  werde  seine  persönliche 
Glaubwürdigkeit  durch  die  Falschaussage  zu  seiner  Identität 
(Minderjährigkeit) massiv beeinträchtigt. Soweit  er  geltend mache, unter 
dem Verdacht des Waffenbesitzes  inhaftiert worden zu sein, sei er auch 
nach  wiederholter  Aufforderung  nicht  in  der  Lage  gewesen,  die 
entsprechenden Ereignisse glaubhaft zu schildern, seine Antworten seien 
oberflächlich  und  ausweichend  ausgefallen.  Die  angeblichen 
Befragungen und Drohungen habe er zeitlich nicht einzuordnen vermocht 
und  die  Aussagen  zur  Inhaftierung  seien  widersprüchlich  gewesen. 
Während er bei der Befragung zur Person von einer zweiwöchigen Haft 
gesprochen  habe,  habe  er  im  Rahmen  der  Anhörung  angegeben, 
während  ungefähr  drei  Tagen  in  Haft  gewesen  zu  sein.  Diese 
Ungereimtheiten würden bestätigen, dass sich der Beschwerdeführer auf 
einen konstruierten Sachverhalt beziehe.

5.2.  In  seiner  Rechtsmitteleingabe  wiederholt  der  Beschwerdeführer 
zunächst weitgehend seine bei der Vorinstanz vorgebrachten Asylgründe, 

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um  dann  im  Einzelnen  auf  die  Erwägungen  des  BFM  einzugehen.  So 
seien die in der Verfügung gemachten Ausführungen betreffend sein Alter 
unzutreffend,  da  im  Untersuchungsbericht  selber  auf  die  Ungenauigkeit 
einer  solchen  Altersfeststellung  hingewiesen  worden  sei  und  auch  das 
Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Praxis  von  einer 
Standardabweichung  von  zweieinhalb  bis  drei  Jahren  ausgehe.  Weiter 
führe  das  BFM  aus,  die  Antworten  des  Beschwerdeführers  seien  sehr 
oberflächlich  und  ausweichend  ausgefallen.  Dies  sei  nicht 
nachvollziehbar,  zumal  er  substanziierte  Angaben  zu  den Bedrohungen 
gemacht habe. Namentlich habe er ausführliche und genaue Angaben zu 
den  Personen  gemacht,  die  ihn  bedroht  und  befragt  hätten.  Es  sei 
hervorzuheben, dass er detaillierte Aussagen habe machen können trotz 
der  Tatsache,  dass  er  Analphabet  sei.  Ausserdem  falle  auf,  dass  der 
Befragungsstil  bei  der  Anhörung  sehr  aggressiv  gewesen  sei,  was  den 
Beschwerdeführer  verunsichert  habe.  Daten  könne  er  sehr  wohl 
angeben,  es  könne  jedoch  nicht  erwartet  werden,  dass  er  bei  etwa  20 
Befragungen  eine  genaue  zeitliche  Einordnung  machen  könne.  Auch 
habe  der  Beschwerdeführer  klar  erklärt,  inwiefern  sich  die 
ausgesprochenen  Drohungen  zugespitzt  hätten;  ein  Bekannter  seines 
Vaters  habe  seinem  Grossvater  erzählt,  der  Beschwerdeführer  würde 
eine  erneute  Verhaftung  wohl  nicht  überleben.  Bei  dem  vom  BFM 
angeführten  Widerspruch  bezüglich  der  Haft  handle  es  sich  um  einen 
Übersetzungsfehler. Überhaupt  gebe es einige Ungenauigkeiten bei  der 
Übersetzung. Der Beschwerdeführer habe sich beim Übersetzer beklagt, 
dass  dieser  seine  Antworten  nur  in  sehr  zusammengefasster  Form 
übersetzt  habe.  Dieser  habe  ihm  versichert,  dass  dies  unproblematisch 
sei. Ausserdem sei die Befragung zur Person und die Anhörung nicht  in 
seiner Muttersprache Paschtu durchgeführt worden. Die Vorinstanz habe 
aus  all  diesen  Gründen  die  Glaubhaftigkeit  der  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers zu Unrecht verneint. 

5.3.  Mit  Beschwerdeergänzung  vom  17.  August  2011  hält  der 
Beschwerdeführer  hinsichtlich  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der 
Asylgewährung  an  seiner  Beschwerde  fest  und  macht  auf  die 
angespannte Situation im Distrikt G._______ aufmerksam. Weiter führt er 
aus,  er  sei  nach  wie  vor  gefährdet,  da  F._______,  der  für  seine 
Verfolgung  mitverantwortlich  gewesen  sei,  immer  noch  zu  den 
einflussreichsten  Persönlichkeiten  in  G._______  gehöre.  Dies  belegt  er 
mit Zitaten aus einem Artikel des "Afghanistan Analysts Network" vom 19. 
Juli 2011. 

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5.4.  In  seiner  die  Ablehnung  der  Beschwerde  beantragenden 
Vernehmlassung  vom  2.  September  2011  verweist  das  Bundesamt 
vollumfänglich  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen. 
Weiter  macht  es  auf  einen  Fehler  in  der  vom  Beschwerdeführer 
eingereichten Übersetzung seiner Tazkara aufmerksam und weist darauf 
hin,  dass  der  Stempel  über  dem  Foto  der  Tazkara  unleserlicher  und 
mangelhafter Qualität sei und solche Dokumente leicht käuflich seien. 

5.5.  In  seiner  Replik  vom  "17.  August  2011"  (Eingang  beim 
Bundesverwaltungsgericht am 23. September 2011) entschuldigt sich der 
Beschwerdeführer  für  die  mangelhafte  Übersetzung  und  gibt  in 
handschriftlicher  Übersetzung  die  fraglichen  Stellen,  so  wie  sie  lauten 
sollten,  wieder.  Weiter  hält  er  an  seinen  früheren  Ausführungen  im 
Beschwerdeverfahren fest. 

6. 

6.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  zur  Erkenntnis,  dass  die  in 
der  angefochtenen  Verfügung  (dort  E.  I)  getroffene 
Glaubhaftigkeitsprüfung  den  durch  Gesetz  und  Praxis  festgelegten 
Ansprüchen  genügt.  Zur Vermeidung  von Wiederholungen  kann  auf  die 
betreffenden  Erwägungen  verwiesen  werden.  Die  Vorinstanz  ist 
insbesondere in der Feststellung zu stützen, dass die Ausführungen des 
Beschwerdeführers  betreffend  seine  Inhaftierung  und  seine  Freilassung 
sehr  unsubstantiiert  sind  und  sich  ausserdem  seine  Aussagen 
diesbezüglich  bei  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  von  jenen  bei  der 
Befragung  zur Person  unterscheiden.  Auch  kann  der Beschwerdeführer 
seine  Aussagen  zeitlich  nicht  genügend  einordnen.  Seine  Antworten 
fallen,  wie  vom  BFM  richtig  festgestellt,  durchs  Band  vage  und 
ausweichend aus. Er erzählt  nicht  frei,  sondern muss bei  der Anhörung 
immer  wieder  auf  Aussagen  hingewiesen  werden,  die  er  bei  der 
Befragung  zur  Person  gemacht  hat.  Die  Ungenauigkeit  und 
Oberflächlichkeit seiner Aussagen lassen darauf schliessen, dass er das 
Erzählte nicht tatsächlich erlebt hat. 

Die  in  der  Beschwerdeschrift  angeführten  Entkräftungsversuche  und 
Gegenargumente  überzeugen  nicht  und  bleiben  erfolglos.  So  wird  die 
widersprüchliche Aussage bezüglich der Haft des Beschwerdeführers mit 
einem  Übersetzungsfehler  erklärt.  Die  Qualität  der  Übersetzung  sei 
mittelmässig  gewesen  und  der  Übersetzer  habe  die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers nur  in sehr zusammengefasster Form rückübersetzt. 

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Ausserdem sei er auf Dari befragt worden, nicht  in seiner Muttersprache 
Paschtu.  Dazu  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  die 
Frage,  wie  er  den  Dolmetscher  verstanden  habe,  mit  "sehr  gut" 
beantwortete (vgl. A20 S.12). Ausserdem gab er anlässlich der Befragung 
zur  Person  an,  er  spreche  fliessend  Dari,  da  dies  die  Sprache  seines 
Vaters  sei,  und  erklärte  sich  einverstanden,  auf Dari  befragt  zu werden 
(vgl.  A1  S.3).  Auf  dem  Personalienblatt  gab  er  sogar  Dari  als 
Muttersprache  an  (vgl.  A2  Nr.  9).  Hinweise  auf  eine  unvollständige 
Übersetzung  der  Aussagen  des  Beschwerdeführers  lassen  sich  den 
Protokollen  keine  entnehmen.  Die  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachte 
Misshandlung  kann  dem  Beschwerdeführer  nicht  geglaubt  werden,  da 
diese zuvor in keiner der Befragungen geltend gemacht worden ist und in 
der  Beschwerdeschrift  nur  kurz  erwähnt  wird,  ohne  Begründung  dafür, 
warum  sie  nicht  schon  früher  vorgebracht  wurde.  Im  Verlaufe  des  nun 
beinahe  dreijährigen  Verfahrens  hätte  er  ausserdem  genügend 
Gelegenheit  gehabt,  das  in  diesem  Zusammenhang  erwähnte  ärztliche 
Zeugnis beizubringen. 

6.2.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine  flüchtlingsrechtlich  beachtlichen  Benachteiligungen  oder 
Befürchtungen hat glaubhaft machen können. Aufgrund dieser Sachlage 
und  in  Würdigung  der  gesamten  Umstände  und  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers ergibt sich, dass dieser die Voraussetzungen  für die 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat 
das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt.  Auf  die  weiteren  durch  den 
Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel,  namentlich  die 
Fotografien,  die  Tazkaras  und  den  UNHCR­Bericht,  ist  nicht  näher 
einzugehen,  da  diese  aufgrund  der  festgestellten  Unglaubhaftigkeit  der 
Asylvorbringen  nicht  zu  einem  anderen  Ausgang  des  Verfahrens  zu 
führen vermögen.

7. 
Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein, 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Da  der  Beschwerdeführer  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen  verfügt,  wurde  die  Wegweisung  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9)

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8. 
Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 
(Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit)  sind  alternativer 
Natur: Sobald eine von  ihnen erfüllt  ist,  ist der Vollzug der Wegweisung 
als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).

Nachdem  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführer  wiedererwägungsweise 
wegen  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  in  der  Schweiz 
vorläufig  aufgenommen  hat,  ist  auf  eine  Erörterung  der  beiden  andern 
Voraussetzungen eines rechtmässigen Wegweisungsvollzugs zur Zeit zu 
verzichten.

9. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
hinsichtlich  der  Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt  richtig  festgestellt hat und angemessen  ist  (Art. 106 AsylG); 
die  Beschwerde  ist  entsprechend  abzuweisen.  Bezüglich  der  Ziffern  4 
und  5  des  Dispositivs  ist  die  Beschwerde  aufgrund  der  durch  die 
Vorinstanz  gewährten  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers 
gegen­standslos geworden und abzuschreiben. 

10. 
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung sind 
grundsätzlich  nach  dem  Verhältnis  von  Obsiegen  und  Unterliegen  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen beziehungsweise  zuzusprechen  (Art. 63 
Abs. 1  und  Art.  64  Abs.  1  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  bezüglich 
seiner  Anträge  auf  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  der 
Asylgewährung  und  der  Aufhebung  der  Wegweisung  unterlegen. 
Bezüglich  der  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  hat  er  obsiegt. 
Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen.

Nach dem Gesagten wären die Verfahrenskosten grundsätzlich zur Hälfte 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65 
Abs. 1  VwVG  wurde  bisher  noch  nicht  beurteilt.  Die  Bedürftigkeit  des 
Beschwerdeführers  ist  aufgrund  der  eingereichten  Fürsorgebestätigung 
vom  30.  Dezember  2008  jedoch  als  erstellt  zu  erachten,  und  die 
Beschwerde war zudem nicht  von vornherein aussichtslos. Das Gesuch 

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um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  somit 
gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu erheben sind.

Der Beschwerdeführer ist im Umfang seines Obsiegens – hier also hälftig 
– für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädigen (Art. 64 
Abs.  1  VwVG,  Art.  7  ff.  VGKE).  Er  reichte mit  seiner  Eingabe  vom  17. 
August  2011  eine  Kostennote  seiner  Rechtsvertreterin  mit  dem 
Gesamtrechnungsbetrag  von  Fr.  1205.50  ein,  welche  angemessen 
erscheint. Nach diesem Zeitpunkt machte die Rechtsvertreterin noch eine 
Eingabe, welche als notwendig zu beurteilen und zu entschädigen ist. Der 
Gesamtrechnungsbetrag  ist  deshalb  auf  angemessene  Fr.  1300.­­  zu 
erhöhen.  Die  durch  die  Vorinstanz  auszurichtende  Parteientschädigung 
ist somit auf Fr. 650.­­ (inkl. Auslagen) festzusetzen.

 (Dispositiv nächste Seite)

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird hinsichtlich der Ziffern 1 bis 3 der vorinstanzlichen 
Verfügung abgewiesen.

2. 
Die  Beschwerde  betreffend  die  Ziffern  4  und  5  der  vorinstanzlichen 
Verfügung wird zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Die Parteientschädigung wird auf gesamthaft Fr. 650.­­  festgesetzt. Das 
BFM  wird  angewiesen,  diesen  Betrag  an  den  Beschwerdeführer 
auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

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Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel

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