# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 18439d0a-119f-5142-9f6e-49a12cdf9a27
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230223-O1
**Docket/Reference:** SB230223-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230223-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230223-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, und lic. iur. 

M. Langmeier, Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie 

die Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle

Urteil vom 18. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Juli 2022 

(DG210032)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. Juni 2021 

(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 117 S. 110 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig





der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbin-

dung mit Art. 200 StGB sowie

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 9 Monaten, 

wovon 575 Tage (gerechnet vom 22. Juni 2020 bis und mit 17. Januar 2022) durch 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.

3.

4.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für 8 Jahre des Landes 

verwiesen.

5.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem angeordnet.

6.

Dem Beschuldigten wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 

Abs. 3  lit. b  und  c  StGB  erteilt,  das  jede  berufliche  und  jede  organisierte  ausser-

berufliche Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen mit 

sich bringt.

7.

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67b StGB für die Dauer von 5 Jahren ver-

boten, 

a)

sich der Privatklägerin anzunähern und

- 3 -

b)

mit  der  Privatklägerin  direkt  oder  über  Drittpersonen  Kontakt  aufzunehmen, 

namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg.

8.

Die  folgenden,  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich  vom 

23. Juli 2020 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten oder einer von ihm bevollmäch-

tigten Person nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben:





Sporthose grau (A013'910'388)

Traineroberteil grau (A013'910'399)

Wird innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils keine Herausgabe verlangt, wird 

die  Lagerbehörde  für  berechtigt  erklärt,  die  vorgenannten  Gegenstände  innert 

weiterer 30 Tage zu vernichten respektive gutscheinend zu verwenden.

9.

Der  Antrag  auf  umgehende  Löschung  bzw.  Vernichtung  des  DNA-Profils  und  des 

erkennungsdienstlichen Datenmaterials wird abgewiesen.

10.

a)

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

den  Ereignissen  gemäss  Dispositiv-Ziffer  1  dem  Grundsatze  nach  schaden-

ersatzpflichtig  ist.  Zur  genauen  Feststellung  des  Umfanges  wird  die  Privat-

klägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

b)

Der  Beschuldigte  wird  verpflichtet,  der  Privatklägerin  Fr. 16'000.–  zuzüglich 

Zins zu 5 % seit dem 10. April 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Übrigen 

wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00

; die weiteren Kosten betragen:

14'000.00

  Gebühr für das Vorverfahren; 

616.50

  Auslagen Untersuchung;

450.00

  Kosten Kantonspolizei Zürich;

17.60

  Zeugenentschädigung;

1'000.00

  Beschwerde Obergericht (UB210119-O);

1'000.00

  Beschwerde Obergericht (UB210177-O);

- 4 -

Fr.

148.50

  anteilsmässige Kosten Kinderpsychologin für 
  Befragung der Privatklägerin anlässlich der 
  Hauptverhandlung;

Fr.

53'110.40

  Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und
  MwSt.); 

Fr.

Fr.

9'042.85

  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklä-
  gerin, Rechtsanwältin Dr. iur Y._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.);

62'301.75

  Total

12. Die  Kosten  gemäss  Dispositiv-Ziffer  11  werden  dem  Beschuldigten  auferlegt,  die-

jenigen  der  amtlichen  Verteidigung  und  der  unentgeltlichen  Rechtsvertretung  der 

Privatklägerin  indessen  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  genommen.  Eine  Nach-

forderung  gemäss  Art.  135  Abs.  4  StPO  sowie  Art. 138  Abs. 1  StPO  bleibt  vorbe-

halten.

13. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Entschädigung sowie Genug-

tuung wird abgewiesen.

14.

(Mitteilungen)

15.

(Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 6 ff.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 137)

Der  Beschuldigte  A._____  sei  vollumfänglich  von  Schuld  und  Strafe  freizu-

sprechen.

Von der Anordnung einer Landesverweisung sei jedenfalls abzusehen. Even-

tualiter sei von der Ausschreibung der Landesverweisung im SIS abzusehen.

Die Zivilforderungen der Privatklägerin seien abzuweisen. Eventualiter sei sie 

mit diesen auf den Zivilweg zu verweisen.

- 5 -

Der Beschuldigte sei angemessen zu entschädigen und es sei ihm eine an-

gemessene Genugtuung zuzusprechen.

Dem Beschuldigten seien keine Kosten aufzuerlegen.

Die  einzig  als  Beweismittel  beschlagnahmten  Gegenstände  seien  dem  Be-

schuldigten auszuhändigen. Die übrigen Sicherstellungen seien bei den Akten 

zu belassen oder zu vernichten.

Es sei die umgehende Löschung bzw. Vernichtung des DNA-Profils und des 

erkennungsdienstlichen Datenmaterials anzuordnen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 139)

1.

2.

Es sei eine Landesverweisung von 10 Jahren auszusprechen.

Im Übrigen sei das Urteil vom 7. Juli 2022 des Bezirksgerichts Winterthur zu 

bestätigen. 

c)

Der Privatklägerin:

(Urk. 140/3)

Die  Berufung  von  A._____  sei  abzuweisen;  unter  Kosten-  und  Entschädi-

gungsfolge zu Lasten des Staates bzw. des Beschuldigten

- 6 -

Erwägungen:

1.

Prozessgeschichte

1.1. Das  vorliegende  Verfahren  ist  Teil  eines  gesamten  Verfahrenskomplexes, 

welcher im Vorverfahren und vor Vorinstanz weitgehend gleichzeitig, formell jedoch 

in getrennten Verfahren, gegen sieben verschiedene Beschuldigte geführt wurde. 

Mit Datum vom 7. Juli 2022 fällten das Jugendgericht Winterthur hinsichtlich vier 

Beschuldigten sowie das Bezirksgericht Winterthur betreffend drei weitere Beschul-

digte die Urteile, welche sodann am 8. Juli 2022 mündlich eröffnet wurden (Prot. I 

S. 327 ff.).

1.2. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, gegen den Beschuldig-

ten gerichtete Urteil des Bezirksgerichts Winterthur meldete dieser am 13. Juli 2022 

Berufung  an  (Urk. 110).  Das  begründete  Urteil  der  Vorinstanz  wurde  ihm  am 

27. Februar [recte: März] 2023 zugestellt (Urk. 114).

1.3. Am 12. April 2023 liess der Beschuldigte fristgerecht die Berufungserklärung 

einreichen (Urk. 119).

1.4.

Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO erhob die Staats-

anwaltschaft I des Kantons Zürich (fortan Staatsanwaltschaft) Anschlussberufung 

(Urk. 124).  Die  Privatklägerin  verzichtete  auf  Erhebung  einer  Anschlussberufung 

und beantragte gleichzeitig die Besetzung des Berufungsgerichts mit Personen bei-

derlei Geschlechts. Überdies sei eine allfällige Befragung der Privatklägerin durch 

eine  weibliche  Person  und  im  Beisein  einer  Spezialistin  gemäss  Art. 154  Abs. 4 

lit. d  StPO  durchzuführen.  Auf  Gegenüberstellung  mit  dem  Beschuldigten  sei  zu 

verzichten und eine Begegnung mit ihm zu vermeiden. Die Öffentlichkeit sei voll-

ständig von der Verhandlung auszuschliessen, eventualiter, für den Fall, dass nicht 

in  allen  Verfahren  die  akkreditierten  Gerichtsberichterstatter  ausgeschlossen 

würden, seien diese auch im vorliegenden Verfahren zuzulassen (Urk. 123).

1.5.

Insgesamt  haben  sechs  der  sieben  Beschuldigten  ihre  erstinstanzliche 

Verurteilung angefochten, wobei innert Frist zur Berufungserklärung ein Rückzug 

erfolgte.  Aufgrund  des  Sachzusammenhangs  war  sodann  für  die  verbleibenden 

- 7 -

fünf Berufungsverfahren koordiniert vorzugehen. Nachdem die ersten, im Novem-

ber 2023 für die Monate April, Mai und Juni 2024 offerierten Verhandlungstermine 

bei  den  verschiedenen  involvierten  Parteien  keine  Übereinstimmung  fanden, 

konnte am 29. August 2024 auf den 2., 3., 5. und 6. Dezember 2024 zur Berufungs-

verhandlung  vorgeladen  werden  (Urk. 129),  wobei  bereits  mit  Präsidialverfügung 

vom  30. Mai  2024  die  Publikumsöffentlichkeit  ausgeschlossen  und  die 

Medienberichterstatter unter Auflagen zugelassen wurden (Urk. 128).

1.6. Bereits  am  13. April  2023  und  erneut  am  2.  Dezember  2024  wurde  im 

Schweizerischen  Strafregister  je  eine  ergebnislose  Personensuche  durchgeführt 

(Urk. 123 und Urk. 134). 

1.7. Am 2., 3. und 5. Dezember 2024 wurde die Berufungsverhandlung durchge-

führt,  zu  welcher  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers, 

Rechtsanwalt lic. iur. X._____, Staatsanwältin lic. iur. B._____ sowie die unentgelt-

liche Rechtsbeiständin der Privatklägerin, Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____, erschie-

nen sind (Prot. II S. 6).

1.8. Das  Urteil  wurde  am  18.  Dezember  2024  gefällt  und  den  Parteien  am 

29. Januar 2025 mündlich eröffnet (Urk. 145; Prot. II S. 43 ff.). 

2.

Prozessuales

2.1. Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung nicht (Urk. 119 S. 2), während 

sich  die  Anschlussberufung  der  Staatsanwaltschaft  lediglich  auf  die  (Dauer  der) 

Landesverweisung  (Dispositivziffer 4)  bezieht  (Urk. 124  S. 2).  Mithin  ist  das  erst-

instanzliche Urteil bisher in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen. 

2.2. Was den Aufbau der Anklageschrift angeht, so ist darauf hinzuweisen, dass 

den  eigentlichen  Tatvorwürfen  längere  "Vorbemerkungen  zum  Gesamtkontext" 

vorausgehen, welche das Verhältnis zwischen der Privatklägerin und dem in einem 

getrennt  geführten,  jugendstrafprozessualen  Verfahren  zu  beurteilenden  Mitbe-

schuldigten  C._____  betreffen  (Urk. 28  S. 3-5).  Soweit  dort  pauschal  auf 

Situationen  und  Gegebenheiten  verwiesen  wird,  welche  in  der  Anklageschrift 

gegen C._____ umschrieben seien, mithin den Beschuldigten nicht direkt betreffen 

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und auch nicht Teil der vorliegenden Akten sind, ist hierauf nachfolgend nicht näher 

einzugehen,  da  ein  pauschales  Verweisen  auf  eine  in  einem  getrennt  geführten 

Verfahren  erhobene  Anklage  dem  Anklageprinzip  nicht  genügen  kann  und  das 

rechtliche  Gehör  des  Beschuldigten  verletzt,  auch  wenn  die  Akten  des 

Jugendstrafverfahrens im Hinblick auf das Gerichtsverfahren pauschal beigezogen 

wurden  (vgl.  das  Aktenverzeichnis  der  Staatsanwaltschaft,  S. 2  mit  entspre-

chendem Hinweis).

3.

Sachverhalt

3.1. Die Vorinstanz hat die bei der Sachverhaltsermittlung zu berücksichtigenden 

Grundsätze  zutreffend  dargestellt  (Urk. 117  S. 7 ff.),  worauf  verwiesen  werden 

kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es am Staat 

liegt, dem Beschuldigten seine Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige 

Zweifel  verbleiben.  Nebst  der  Würdigung  von  Sachbeweisen  kommt  dabei  auch 

den Aussagen der in das Geschehen involvierten Personen entscheidendes Ge-

wicht zu. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen hängt davon ab, ob die 

Ausführungen  grundsätzlich  überprüfbar  sind  (formelle  Validität),  ob  sie  in  sich 

konsistent sind (innere Validität) und ob sie mit anderweitig im Verfahren erhobenen 

Fakten und Erkenntnissen übereinstimmen bzw. in Einklang gebracht werden kön-

nen  (äussere  Validität)  (vgl.  dazu  Haas,  Validitätsprüfung  von  Argumenten, 

Justice/Justiz/Giustizia 2019/1 S. 6 ff.). In diesem Zusammenhang vermag insbe-

sondere auch eine merkmalsorientierte Aussagenanalyse wertvolle Anhaltspunkte 

für die Einschätzung von deren Glaubhaftigkeit zu erbringen (vgl. dazu im Einzel-

nen  Bender/Häcker/Schwarz,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  5. Aufl.  2021, 

S. 77 ff.).

3.2. Auch hinsichtlich der Auflistung der vorliegenden Beweismittel, deren inhalt-

licher Wiedergabe und der allgemeinen Glaubwürdigkeit der in das Verfahren in-

volvierten Aussagepersonen kann auf das erstinstanzliche Urteil verwiesen werden 

(Urk. 117 S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) mit der Ergänzung, dass die von der Vor-

instanz  noch  erwähnten  Vorstrafen  des  Beschuldigten  mittlerweile  gelöscht  und 

damit  in  jeder  Hinsicht  unbeachtlich  sind,  und  dass  die  Privatklägerin  bei  ihren 

Aussagen zwar der Aussage-, nicht aber einer eigentlichen Wahrheitspflicht unter-

- 9 -

lag (BSK StPO-Kerner, 2023, Art. 180 N 6; Jositsch/Schmid, StPO Praxiskommen-

tar,  4. Auflage,  Art. 180  N 8;  Urteil  6B_567/2014  vom  14.  Oktober  2014  E.  1.2.). 

Dies tut ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit jedoch keinen Abbruch. Sodann ist zu 

ergänzen,  dass  auf  Aussagen  von  Dritten,  welche  nicht  mit  dem  Beschuldigten 

konfrontiert wurden (Urk. 7, 10/2-7, vgl. auch Urk. 29 S. 2), nur zu seinen Gunsten 

abgestellt werden kann. Darüber hinaus sind sie jedoch nicht verwertbar (Art. 147 

Abs. 4 StPO).

3.3. Wie sich aus der Anklageschrift (Urk. 28) und den ergänzenden Ausführun-

gen der Staatsanwaltschaft (Urk. 29 S. 1 und Prot. I S. 237) klar ergibt, wird dem 

Beschuldigten  an  den  Ereignissen,  die  sich  zwischen  der  Privatklägerin  und 

D._____  abgespielt  haben,  nachdem  der  Beschuldigte  (zusammen  mit  C._____ 

und  E._____)  das  Gartenhaus  verlassen  hat,  keine  Tatbeteiligung  vorgeworfen. 

Dies  wurde  von  der  Vorinstanz  ebenso  gesehen  (Urk. 117  S. 81).  Entsprechend 

erübrigt  es  sich  nachfolgend  aber  auch,  die  konkreten,  in  der  Anklageschrift  ge-

schilderten Handlungen dieser beiden Personen (vgl. Urk. 28 S. 7 oben) sachver-

haltsmässig zu erstellen, da daraus bereits aufgrund des Verschlechterungsverbots 

gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO nichts zulasten des Beschuldigten abgeleitet werden 

könnte. 

3.4. Bevor zur detaillierten Sachverhaltserstellung geschritten wird, sind einige 

generelle  Ausführungen  zu  Aussageverhalten  und  Glaubhaftigkeit  der  Aussagen 

der Hauptakteure, konkret des Beschuldigten, der Privatklägerin und von C._____ 

angebracht. 

3.4.1. Die Privatklägerin sagte im vorliegenden Verfahrenskomplex mehrfach (auch 

vor Vorinstanz und dem Berufungsgericht) aus (vgl. die Transkriptionen der Video-

befragungen Urk. 6/1, 3, 7, 10, 13, 18, 20, 22, 24, 27 und 29, Urk. 84, Prot. I S. 65-

98 und S. 179-201, Urk. 135). Das erste Mal wurde sie am 26. Februar 2019 als 

mutmassliches Opfer befragt, wobei sie alle gegen C._____ gerichteten Vorwürfe 

von sich wies, diesen schützte und anerkanntermassen auch (durchaus überzeu-

gend) Lügen erzählte (Urk. 6/1). Ab dem 29. Oktober 2019 (Urk. 6/3) wurde sie als 

Opfer bzw. Privatklägerin befragt und sagte sodann – im Rahmen eines eigentli-

chen  "Einvernahmemarathons"  –  inhaltlich  grundsätzlich  konstant  und  wider-

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spruchsfrei aus, wobei sie auf Nachfragen auch ihre ersten – falschen – Aussagen 

in einen Kontext setzen und nachvollziehbar erklären konnte. Über all diese Ein-

vernahmen  liegen  Videoaufnahmen  vor,  zumal  die  Privatklägerin  auch  im  Beru-

fungsverfahren persönlich befragt wurde, sodass sich das Berufungsgericht einen 

umfassenden persönlichen Eindruck über ihr verbales und nonverbales Aussage-

verhalten verschaffen konnte. Die im Zeitpunkt der Einvernahmen bei den Kantons-

polizeien Thurgau und Zürich 14 und 15 Jahre alte Privatklägerin sagte insgesamt 

nachvollziehbar, kohärent und widerspruchsfrei aus und war jederzeit in der Lage, 

die einzelnen Vorfälle in einen persönlichen, zeitlichen und sachlichen Kontext zu 

setzen, ihre eigenen Handlungen zu reflektieren, ihre Emotionen offen zu legen und 

auf  Nachfragen  weitergehende,  logisch  überzeugende  Erklärungen  abzugeben 

(vgl. mit Blick auf die anklagebezogenen Aussagen auch die Erwägungen der Vor-

instanz  in  Urk. 117  S. 44 f.,  auf  welche  in  Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO 

ausdrücklich verwiesen wird). Die Privatklägerin zeigte in ihren Ausführungen ein 

auffallend  gutes  situatives  Erinnerungsvermögen  (Beschreibung  von  Tatorten, 

Personenbeschreibungen)  und  viele,  selbst  nebensächliche  Details  konnten  im 

Nachhinein verifiziert werden. Zu den hier interessierenden Vorwürfen wurde sie im 

Vorverfahren  zweimal  detailliert  befragt.  Zudem  machte  sie  auch  vor  Vorinstanz 

und im Berufungsverfahren nochmals gewisse Aussagen dazu. Mit der Vorinstanz 

(Urk. 117  S. 45 ff.;  Art. 82  Abs. 4  StPO)  –  und  sogar  der  amtlichen  Verteidigung 

(Urk. 98  S. 1)  –  ist  den  Ausführungen  der  Privatklägerin  eine  insgesamt  hohe 

Qualität einzuräumen, zumal ihre Darstellung des äusseren Ablaufs nach anfäng-

lichem Leugnen von C._____, A._____ und D._____ sowie auch von E._____ fast 

durchwegs bestätigt wurde und damit extern validiert werden konnte. Soweit, wor-

auf insbesondere die Verteidigung hingewiesen hat (Urk. 98 S. 12; Urk. 137 S. 1 

ff.), innerhalb ihrer verschiedenen Aussagen gewisse Widersprüche verbleiben, die 

für die Sachverhaltserstellung und/oder rechtliche Würdigung von Belang sein kön-

nen, wird darauf im Folgenden spezifisch einzugehen sein. 

3.4.2. Der Beschuldigte leugnete zunächst konsequent, die Privatklägerin persön-

lich zu kennen oder je in einem Gartenhäuschen gewesen zu sein (Urk. 5/1-3). Erst 

nach  fast  neunmonatiger  Untersuchungshaft  konnte  er  sich  im  Rahmen  der 

Konfrontationseinvernahme  vom  9. März  2021,  wohl  angesichts  des  bisherigen 

- 11 -

Untersuchungsergebnisses  (insbesondere  des  Geständnisses  von  D._____  und 

des  zu  den  Akten  erhobenen  Screenshots,  welcher  –  wie  er  nach  anfänglichem 

Leugnen eingestand – den Beschuldigten zeigt, wobei dessen Gesicht unkenntlich 

gemacht wurde, wie er gerade im Gartenhaus mit der Privatklägerin von hinten in 

der Doggy-Position den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzieht, vgl. Urk. 5/1 An-

hang)  schliesslich  zu  einem  Teilgeständnis  durchringen  (Urk. 5/5  S. 26 ff.).  Den 

Namen  des  bisher  unbekannten  Täters  (E._____)  offenbarte  er  dann  aber  noch 

nicht. Vielmehr erklärte er klar wahrheitswidrig, der Dritte habe gar nichts gemacht. 

Es  sei  ein  Uber-Fahrer  gewesen,  der  ihn  nur  dorthin  gefahren  und  draussen 

gewartet habe, in "200 bis 300 Metern Entfernung. Ich sage ihnen die Wahrheit. Ich 

habe keine Lust mehr auf die ganze Sache, deswegen sage ich hier die Wahrheit" 

(Urk. 5/5 S. 30). Erst in einer späteren Befragung nannte er dann den Namen des 

Mitbeschuldigten, "damit es schneller vorbei geht und es für uns besser aussieht 

und  Sie  weniger  Arbeit  haben"  (Urk. 5/6  S. 2).  Dazu,  wieso  er  so  lange  gelogen 

habe, führte er aus, es habe halt keine Beweise gegeben und er habe gehofft, dass 

er  als  Unschuldiger  rauskommen  könne  (Urk. 5/7  S. 9).  Mithin  ist  entgegen  den 

Ausführungen  der  Verteidigung  (Urk.  137  S.  3  f.)  von  einem  strategischen,  die 

Wahrheit  bewusst  unterschlagenden  Aussageverhalten  auszugehen,  das 

– durchaus  wandelbar –  auf  den  jeweiligen  situativen  Vorteil  des  Beschuldigten 

ausgerichtet  war.  Kommt  hinzu,  wie  die  Vorinstanz  zutreffend  festgehalten  hat 

(Urk. 117  S. 48 ff.;  Art. 82  Abs. 4  StPO),  dass  er  ab  der  ersten  Einvernahme  die 

Privatklägerin schlecht machte, sie diskreditierte und sich in eigentlichen, vulgär-

primitiven  Schimpftiraden  gegen  die  Privatklägerin  im  Speziellen  und  Frauen  im 

Allgemeinen erging, was nahtlos in die von ihm gewählte Strategie passte, seinen 

Aussagen  jedoch  keine  zusätzliche  Glaubhaftigkeit  zu  verleihen  vermag.  Im 

Gegenteil.  Ebenfalls  zutreffend  hat  bereits  die  Vorinstanz  (a.a.O.)  darauf  hin-

gewiesen,  dass  der  Beschuldigte  in  seinen  Aussagen  zum  Hauptvorwurf,  den 

konkreten  sexuellen  Kontakten,  pauschal  verkürzt,  detailarm  und  oberflächlich 

verblieb, und die wenigen Details, die er nannte, mehrfach abänderte. Mithin kann 

nicht von vom Grund auf überzeugenden, erlebnisbasierten, nachvollziehbaren und 

damit letztendlich glaubhaften Aussagen ausgegangen werden, sondern es muss 

vielmehr – mit der Vorinstanz (Urk. 117 S. 51) – von im Kern unglaubhaften Äusse-

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rungen  ausgegangen  werden,  was  jedoch  nicht  bedeutet,  dass  sein  jeweiliger 

Standpunkt nachfolgend völlig unbeachtlich wäre. Jedoch braucht es gewichtiger 

zusätzlicher Umstände, dass seine gegenteilige Darstellung die grundsätzlich sehr 

glaubhaften Aussagen der Privatklägerin zu widerlegen vermögen. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung  konnte  sich  der  Beschuldigte  grösstenteils  nicht  mehr  er-

innern und gab lediglich an, dass sowohl das Treffen als auch der Geschlechts-

verkehr am 10. April 2019 spontan gewesen seien (Urk. 136 S. 9 f.). 

3.4.3. Auch C._____ leugnete zunächst über mehrere Einvernahmen konsequent 

jegliche (sexuelle) Beziehung zur Privatklägerin bzw. von ihm begangene strafbare 

Handlungen. Später wollte er einzig vor Erreichen seiner Volljährigkeit mit der Pri-

vatklägerin  Geschlechtsverkehr  gehabt  haben,  während  er  Gewaltausübungen 

weiterhin von sich wies (Urk. 9/1-4). Im weiteren Verfahren machte er dann keine 

Aussagen mehr (Urk. 9/5-7, Urk. 5/5). Erst vor Vorinstanz tätigte er dann – in um-

fassender Kenntnis der Aktenlage – sachbezogene, den früheren Vorbringen teil-

weise diametral widersprechende Aussagen, wobei er nunmehr mehrfach die Dar-

stellung der Privatklägerin, insbesondere betreffend den äusseren Ablauf gewisser 

Vorfälle, grundsätzlich bestätigte (Prot. I passim, vgl. S. 134 ff.), woraus sich ergibt, 

dass  auch  er  –  wie  die  Privatklägerin  und  der  Beschuldigte  –  die  grundsätzliche 

Fähigkeit  und  Bereitschaft  besitzt,  gegenüber  den  (Straf-)Behörden  zu  lügen. 

Heute können nebst seinen Aussagen vor Vorinstanz auch die im Berufungsver-

fahren getätigten Aussagen mitberücksichtigt werden. Beiden ist jedoch immanent, 

dass sie erst Jahre nach den betreffenden Ereignissen erfolgten und selektiv de-

tailliert erscheinen, indem er primär belastende Details nicht zu erinnern vermag. 

Dass C._____ die Darstellungen der Privatklägerin, was den äusseren Ablauf der 

Ereignisse angeht, aber nun mehrheitlich bestätigte, kann als weiteres Indiz für die 

bereits festgestellte hohe Qualität ihrer Aussagen gewürdigt werden. Demgegen-

über kann aber auch ihm – wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat 

(Urk. 117 S. 52), auf deren Ausführungen ergänzend verwiesen sei (Art. 82 Abs. 4 

StPO) – vor diesem Hintergrund über alles gesehen keine grundsätzlich erhöhte 

Aussagequalität  zugesprochen  werden,  auch  wenn  dies  für  den  Einzelfall  noch 

nichts bedeutet. 

- 13 -

3.5.

Zu den Vorbemerkungen der Anklageschrift

3.5.1. Mit  der  Vorinstanz  lässt  sich  die  damals  zwischen  der  Privatklägerin  und 

C._____  bestehende  Beziehung  aus  deren  vorinstanzlichen  Aussagen  wie  folgt 

rekonstruieren:  Die  beiden  lernten  sich  im  Herbst  2017  kennen  und  trafen  sich 

erstmals  zu  zweit  am  6. Dezember  2017,  wo  es  sogleich  zu  einvernehmlichem 

Geschlechtsverkehr,  dem  "ersten  Mal"  für  die  Privatklägerin,  gekommen  ist.  Die 

damals erst zwölf Jahre alte Privatklägerin (geb. tt.mm.2005) verliebte sich hierauf 

unmittelbar und unsterblich in den 16-jährigen C._____ (geb. tt.mm.2001). Sie und 

C._____ standen fortan bis zur fürsorgerischen Unterbringung der Privatklägerin im 

Dezember 2019 dauerhaft und fortwährend in engem Kontakt und nahmen auch 

regelmässig und stets einvernehmlich sexuelle Handlungen miteinander vor. Dies 

obschon C._____ den Kontakt zur Privatklägerin, erstmals nachdem er von deren 

Mutter ihr richtiges Alter erfahren hatte, immer wieder abbrach und ihr ankündigte, 

sie auf Social Media zu blockieren und mit ihr nichts mehr zu tun haben zu wollen. 

Die  Privatklägerin  war  aufgrund 

ihrer  Verliebtheit  bereit,  alles 

für  den 

Mitbeschuldigten  C._____  zu  tun,  in  der  Erwartung  und  Hoffnung,  im  Gegenzug 

Liebe,  Zuneigung  und  Beachtung  von  ihm  zu  bekommen,  obschon  sie  um  die 

Einseitigkeit ihrer Liebe wusste. Diesen Umstand machte sich C._____ zunutze, in 

dem er bereits zu Beginn ihres Verhältnisses begann, von der Privatklägerin Geld 

zu fordern und anzunehmen. Er tat dies im Verlaufe der Beziehung immer öfter und 

in  immer  grösseren  Beträgen  und  indem  er  der  Privatklägerin  vormachte,  in 

Geldnöten  zu  sein  oder  andere  Sorgen  zu  haben.  Die  Privatklägerin  wiederum 

versuchte,  die  Geldforderungen  von  C._____  zu  erfüllen,  nicht  zuletzt  in  der 

Hoffnung und Absicht, von ihm im Gegenzug die ersehnte Liebe und körperliche 

Zuwendung zu erhalten. C._____ – zunächst noch nett und zärtlich – erwiderte die 

übersteigerte  Liebe  der  Privatklägerin  nicht,  stattdessen  wurde  er  zunehmend 

wütend und aggressiv, wenn sie seinen (Geld-) Forderungen nicht nachkam bzw. 

nicht  mehr  nachkommen  konnte.  Seine  Aggressionen  mündeten 

in 

Gewaltausbrüchen,  Schlägen  und  Drohungen  gegenüber  der  Privatklägerin.  Die 

geschilderten und erstellten Umstände führten zu einer emotionalen und faktischen 

Abhängigkeit  der  Privatklägerin  von  C._____  und  verschafften  diesem  eine 

- 14 -

Machtposition,  welche  er  zu  seinem  eigenen  Vorteil  ausnutzte  (Urk. 117  S. 13 f. 

m.w.H; Art. 82 Abs. 4 StPO).

Eine grundsätzlich andere Frage ist jedoch, inwiefern der Beschuldigte um diese 

toxische Beziehung der beiden wusste und inwiefern er dieses allfällige Wissen in 

strafrechtlich relevanter Form zu seinen Gunsten ausnützte (so auch die Verteidi-

gung, Urk. 98 S. 1 und S. 7 f. und Urk. 137 S. 9 f.).

Beim Beschuldigten und C._____ handelt es sich offenbar um entfernt verwandte 

Coucousins  (C._____  sei  der  Sohn  eines  Cousins  des  Beschuldigten,  Urk. 5/2 

S. 5), die ursprünglich aus demselben Dorf in Kosovo stammen (Urk. 5/7 S. 2). Aus 

den vorliegenden Aussagen des Beschuldigten, C._____s und der Privatklägerin 

erhellt jedoch, dass der Beschuldigte zur Tatzeit weder zur Peergroup noch zum 

engsten Kollegenkreis C._____s gehörte. Für erstere war er, geboren am tt.Januar 

1991, deutlich zu alt, zur zweiten gehörten unter anderem die in getrennt geführte 

Verfahren 

involvierten  F._____  und  G._____,  welche  gemäss  den 

ihnen 

gemachten  Vorwürfen  an  mehreren  Vorfälle  zwischen  C._____  und  der 

Privatklägerin  beteiligt  waren  (Urk. 10/9/1-17  und  Urk. 10/10/1-3).  Auch  die 

Privatklägerin 

führte  diesbezüglich  unmissverständlich  aus,  sie  habe  den 

Beschuldigten  (sowie  D._____  und  E._____)  weder  vorher  noch  nachher  je 

gesehen. Sie habe zwar das Gefühl gehabt, dass sie C._____ kennen würden, sie 

seien aber keine engen Freunde gewesen, denn sonst hätte sie sie auch gekannt 

(Urk. 6/3 S. 24). Nachdem die Privatklägerin in jenen Monaten versuchte, möglichst 

viel  Zeit  mit  C._____  zu  verbringen  und  auch  seine  Online-Präsenz  kontrollierte 

(Urk. 6/3 S. 25), erscheint dies durchaus glaubhaft. Der Beschuldigte selbst erklärte 

dazu, er habe nicht häufig Kontakt mit C._____ gehabt. Sie hätten durch das Fuss-

ballspielen Kontakt gehabt und sich manchmal auch spontan draussen getroffen, 

circa  einmal  im  Monat,  da  er  (der  Beschuldigte)  nicht  so  viel  Zeit  gehabt  habe 

(Prot. I S. 113 f.). Bereits früher hatte er erklärt, er sei alt, die (gemeint C._____) 

seien jung, er hänge nicht mit denen herum (Urk. 5/1 S. 8), er sei nicht unbedingt 

mit C._____ unterwegs, es habe jeder seine Gruppe, er sei kein Kollege, sondern 

ein Cousin von ihm (Urk. 5/2 S. 5 und S. 13; vgl. auch Urk. 5/7 S. 2 f.). Auch dies 

scheint vor dem Hintergrund des Altersunterschiedes von über zehn Jahren und da 

- 15 -

der  Beschuldigte,  anders  als  C._____,  berufstätig  war,  nachvollziehbar.  Sodann 

liegt zwar ein WhatsApp-Chat zwischen dem Beschuldigten und C._____ bei den 

Akten, der auf einen deutlich engeren Kontakt hinweist (Urk. 17/7), jedoch beginnt 

dieser  (soweit  Ausdrucke  bei  den  Akten  liegen)  erst  am  12. Oktober  2019  und 

vermag  somit  keine  belastbaren  Hinweise  für  die  Enge  ihrer  Beziehung  im 

Tatzeitraum  zu  liefern.  Daran  ändert  auch  nichts,  dass  der  Chat  gemäss  dem 

Bericht  über  die  Datensicherung  und  Auswertung  bereits  am  1. Dezember  2018 

begonnen habe (Urk. 17/11 S. 4), nachdem entsprechende Nachrichten mangels 

Erhebung  zu  den  Akten  nicht  überprüft  werden  können.  Betreffend  die 

Privatklägerin  erklärte  der  Beschuldigte  sodann  relativ  konstant,  diese  vor  dem 

10. April 2019 lediglich einmal kurz auf "Instagram live" gesehen zu haben, als er 

spontan C._____ getroffen habe (Urk. 5/1 S. 8 f., Urk. 5/2 S. 3 f., Prot. I S. 116 f.). 

Er  sei  davon  ausgegangen,  die  beiden  seien  zusammen  (Urk. 5/1  S. 3),  bzw.  er 

habe keine Ahnung, er kenne die "Kontaktfrauen" von C._____ nicht (Urk. 5/2 S. 4). 

Immerhin  aber  ist  seiner  iMessage-Chatkonversation  vom  Tattag  und  den 

Folgetagen  klar  zu  entnehmen,  dass  er  der  Ansicht  war,  dass  C._____  über  die 

Privatklägerin  verfügen  kann  bzw.  soll,  wie  über  eine  Ware.  Dies  beginnt  schon 

damit,  dass  er  am  10. April  2019  danach  fragt,  ob  es  "etwas"  zu  ficken  gebe 

(Urk. 17/12 S. 1, 21.03 Uhr UTC +0 = 23.03 Uhr MESZ) und geht in den folgenden 

Tagen und Wochen nahtlos in weitere Aufforderungen und Vorschläge über, wem 

die Privatklägerin noch gebracht werden könnte (Urk. 17/12 S. 2 ff.). Dies scheint 

allerdings  seinem  generellen  Frauenbild  zu  entsprechen,  wie  nicht  nur 

verschiedenen  Aussagen  im  Rahmen  seiner  Einvernahmen  zu  entnehmen  ist 

(Urk. 5/1  S. 8  und  S. 12,  Urk. 5/2  S. 8 f.,  Urk. 5/5  S. 34 f.,  Urk. 5/7  S.  6,  10  und 

S. 29),  sondern  auch  dem  vorliegenden  Chat  zwischen  C._____  und  dem 

Beschuldigten, in welchem gemäss dem zusammenfassenden Extraktionsbericht 

vulgär und primitiv über Frauen gesprochen wird (Urk. 17/6, vgl. auch Urk. 5/5 S. 18 

und Urk. 5/7 S. 5). 

Nachdem der Beschuldigte auch gemäss Anklageschrift bei keinem der früheren 

(tätlichen)  Übergriffe  von  C._____  an  der  Privatklägerin  zugegen  war,  konnte  er 

somit am 10. April 2019 kein detailliertes Vorwissen betreffend deren Beziehungs-

struktur mitbringen und es können im Folgenden bloss aufgrund der Ereignisse vom 

- 16 -

10. April 2019 diesbezügliche Schlüsse gezogen werden. Jedenfalls ist mit der Ver-

teidigung (Urk. 137 S. 10) aber auszuschliessen, dass dem Beschuldigten das lan-

gandauernde, tiefgreifende, emotional bedingte Abhängigkeitsverhältnis zwischen 

der Privatklägerin und C._____ und dessen regelmässige tätliche Übergriffe gegen 

die Privatklägerin bekannt waren, als er sich erstmals persönlich mit ihr auf dem 

Parkplatz in der Nähe des Schrebergartengeländes in H._____ traf. Dass C._____ 

seinen missbräuchlichen Umgang mit der Privatklägerin von sich aus dem Beschul-

digten  offenbart  hätte,  wie  die  Vorinstanz  offenbar  annimmt  (Urk. 117  S. 64),  ist 

reine  Spekulation  und  wenig  überzeugend.  Dass  C._____  allenfalls  gegenüber 

dem Beschuldigten damit prahlte, eine Frau zu "haben" bzw. für Sex vermitteln zu 

können,  lässt  jedenfalls  nicht  von  vornherein  auf  langwierigen,  systematischen 

Zwang von der Qualität einer Nötigung schliessen, zumal vulgär-despektierliches 

Sprechen bzw. Schreiben über Frauen wie gesehen bei den beiden allgemein Usus 

war. Kommt hinzu, dass aufgrund seiner – wie noch zu zeigen sein wird – erstell-

baren Intervention gegen die von C._____ im Gartenhaus ausgeübten Tätlichkeiten 

naheliegend  erscheint,  dass  der  Beschuldigte  bei  Wissen  um  die  regelmässigen 

Schläge negativ reagiert und diese nicht kommentarlos hingenommen hätte (Prot. I 

S. 151 und S. 166 f.). 

3.5.2. Sodann ist festzuhalten, dass der Beschuldigte am 10. April 2019 das wahre 

Alter  der  Privatklägerin  von  im  damaligen  Zeitpunkt  erst  rund  13  ½  Jahren  nicht 

kannte.

Die Privatklägerin hat – worauf die Verteidigung zu Recht hingewiesen hat (Urk. 98 

S. 3; Urk. 137 S. 14) – erst vor Vorinstanz geltend gemacht, dass sie gehört habe, 

dass C._____ dem Beschuldigten ihr wahres Alter gesagt habe (Prot. I S. 194 f.). 

Sie hat sich damit in einen klaren Widerspruch zu ihren früheren Aussagen gestellt, 

wo sie diesen Umstand nie erwähnte, obwohl er klarerweise wesentlich gewesen 

wäre, bzw. klar verneinte, dass ihr Alter je Thema gewesen sei (Urk. 6/18 S. 16 f.). 

Sie vermochte das angeblich mitangehörte Gespräch zwischen C._____ und dem 

Beschuldigten  auch  nicht  überzeugend  in  den  Handlungsablauf  einzubetten.  Die 

Aussage blieb singulär im Raum stehen. Insgesamt verbleiben somit Zweifel daran, 

dass dies wirklich so passiert ist. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 117 S. 71) kann 

- 17 -

auch  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  C._____  dem  Beschuldigten  das 

wahre Alter der Privatklägerin vorab (oder überhaupt je) genannt hätte. Vielmehr 

stand dieser ja genau wegen ihrem jugendlichen Alter in der Öffentlichkeit nicht zu 

ihr,  sondern  wollte  sich  nur  auf  eine  "Freundschaft  Plus"  einlassen,  welche  die 

Privatklägerin im Vorverfahren wie folgt umschrieb: "es ist wie eine Beziehung aber 

wenn dich jemand fragt, hast mit dieser Person eine Affäre/eine Beziehung, dann 

sagst  du  nein"  (Urk. 6/3  S. 7;  vgl.  auch  Prot. I  S. 47).  Vor  Vorinstanz  führte  er  – 

dazu kongruent – sogar aus, er habe sich extrem geschämt, weshalb er ihr Alter 

nicht  einmal  seinem  Kollegenkreis  gegenüber  erwähnt  habe  (Prot. I  S. 56). 

Aufgrund seines Aussageverhaltens ist zudem davon auszugehen, dass C._____ 

die  Brisanz  bzw.  strafrechtliche  Relevanz  des  (Schutz-)Alters  der  Privatklägerin 

durchaus bewusst war, leugnete er doch anfangs sämtliche sexuellen Kontakte und 

wollte 

in  einer  späteren  Phase 

lediglich  vor  seinem  18. Geburtstag 

Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt haben (Urk. 9/1-3, Urk. 9/4 S. 13). Kommt hinzu, 

dass  es  ihm  bei  seiner  "Kuppler"-Tätigkeit  offensichtlich  darum  ging,  von  seinen 

Kollegen  und  Cousins  Anerkennung  und  ein  zumindest  symbolisches 

Schulterklopfen zu erhalten (Prot. I S. 58 und S. 135 f.). Dies wäre ihm angesichts 

des  mit  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Schutzalter  –  völlig  zu  Recht  – 

einhergehenden sozialen Stigmas jedoch nicht möglich gewesen, was ja auch der 

Grund dafür war, dass sich die Privatklägerin gemäss eigenen Worten jeweils als 

16 Jahre alt ausgab. Sie habe nicht als Kind durchgehen wollen, wenigstens aber 

16 Jahre alt sein, damit es für C._____ nicht so peinlich sei (Prot. I S. 194). 

Untermauert wird der Schluss, dass der Beschuldigte nicht um das wahre Alter der 

Privatklägerin  gewusst  hat,  auch  durch  das  in  diesem  Punkt  sehr  authentisch 

wirkende Entsetzen des Beschuldigten und die ungefiltert zum Ausdruck gebrachte 

Empörung  darüber,  dass  ihm  weder  die  Privatklägerin  noch  C._____  dies  (ihr 

junges  Alter)  gesagt  und  ihn  so  quasi  in  die  Sache  reingeritten  hätten  (vgl.  die 

Zusammenstellung  der  diesbezüglichen  Aussagen  durch  die  Verteidigung  in 

Urk. 98 S. 11). Mithin ist durchaus glaubhaft, dass der Beschuldigte nicht wissent-

lich und willentlich Geschlechtsverkehr mit einem 13 Jahre alten Mädchen haben 

würde,  zumal  vor  dem  Hintergrund  der  dadurch  in  seiner  Verwandtschaft  auch 

tatsächlich  erfolgten  sozialen  Ausgrenzung.  Allerdings  ist  gleichzeitig  aber  auch 

- 18 -

auszuschliessen,  dass  sich  die  Privatklägerin  –  wie  vom  Beschuldigten  geltend 

gemacht – deutlich älter als der damals 17 Jahre alte C._____, nämlich 22 oder 24 

Jahre  alt  gemacht  hätte,  ist  dafür  aus  ihrer  Perspektive  doch  gar  keine 

Notwendigkeit  ersichtlich.  Dass  der  Beschuldigte  gerade  und  nur  diese  Angabe 

vorab  irgendwann  einmal,  quasi  im  Vorübergehen  und  zufällig  beim  kurzen  Mit-

ansehen  eines  Instagram-live-Chats  erfahren  und  sich  auch  noch  dauerhaft  ge-

merkt haben will, muss als reine Schutzbehauptung gewürdigt werden, zumal er 

anlässlich seiner Verhaftung wusste, dass C._____ schon einige Zeit in Haft war 

und dass daran die Privatklägerin "Schuld" war (Urk. 5/1 S. 12). Dass er ein ihm 

angeblich  positiv  bekanntes  Alter  von  22  oder  24  Jahren  bereits  in  der  ersten 

Einvernahme, obwohl er da noch abstritt, die Privatklägerin persönlich zu kennen 

oder mit ihr je Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, sofort geltend machte, passt 

ins  Bild  eines  vorsorglichen  Gegenangriffs,  wie  auch  die  nachfolgenden  Verun-

glimpfungen und die späteren Verschwörungstheorien (vgl. hierzu Urk. 5/5 S. 31). 

Zudem  konnten  weder  I._____,  welche  beim  Chat  mit  dabei  gewesen  sein  soll, 

noch C._____, in dessen Anwesenheit der Beschuldigte den Chat gesehen haben 

will,  eine  derartige  Aussage  bestätigen,  während  die  Privatklägerin  nicht 

ausschloss, dass der Beschuldigte tatsächlich einmal einen Livechat mitangesehen 

habe, sie dort aber ein Alter von 14 Jahren genannt habe (Urk. 6/18 S. 48), was 

indessen  nicht  zur  Darstellung  des  Beschuldigten  passt.  Mithin  ist  davon 

auszugehen,  dass  der  Beschuldigte  am  10. April  2019,  als  er  die  Privatklägerin 

beim Parkplatz in der Nähe des Schrebergartenareals zum ersten Mal persönlich 

traf, ihr Alter nicht kannte. Kommt hinzu, dass die Privatklägerin damals zwar älter 

als 13 Jahre aussah und somit optisch durchaus auf plus/minus 16 bis gar 18 Jahre 

geschätzt werden konnte (vgl. Urk. 1/20 sowie Urk. 6/6+16; hierauf schätzten sie 

denn  auch  die  Kollegen  und  Freundinnen  aus  ihrer  Peergruppe,  vgl.  die 

Zusammenstellung der Verteidigung in Urk. 98 S. 14). Ein mutmassliches Alter von 

deutlich über 20 Jahren erscheint dann aber doch absurd. Weiter ist aufgrund der 

glaubhaften, vom Beschuldigten überdies bestätigten (Urk. 5/2 S. 8) Aussagen der 

Privatklägerin davon auszugehen, dass er sich vor Ort auch nicht danach erkundigt 

hat, wie alt die Privatklägerin war. Dies verwundert zwar vor dem Hintergrund, dass 

er gemäss eigener Deklaration offenbar der Meinung war, das Schutzalter in der 

- 19 -

Schweiz liege bei 18 Jahren (Urk. 5/2 S. 9) und dass es viele junge Frauen gebe, 

die "ficken umher und sagen sie seien 28 Jahre alt, 30 Jahre" und dann würden sie 

mit  12,  13  Jahren  schwanger  (a.a.O.),  passt  letztendlich  aber  zu  seiner 

aktenkundigen  primitiv-abwertenden  Attitüde  und  dem  mehrfach  zum  Ausdruck 

gebrachten  Frauenbild  des  Beschuldigten.  Nach  dem  Alter  zu  fragen,  kam  ihm 

offenbar  nicht  einmal entfernt  in  den  Sinn,  weil es  ihm  letztlich  egal war  und  ihn 

überhaupt nicht interessiert hat – wie ihn auch die Privatklägerin als eigenständig-

individuelle Person nicht interessiert hat. 

3.6. Konkrete Ereignisse vom 10. April 2019

Die  Vorinstanz  hat  die  vorliegenden  Beweismittel  zusammengefasst  wiederge-

geben (Urk. 117 S. 17 ff.), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Dabei lohnt es sich, zusätzlich auch die Aussagen der Privatklägerin zum weiteren 

Vorfall  im  Gartenhaus  (Urk. 6/7+26)  kurz  anzuschauen.  Dabei  wird  augenfällig, 

dass sie in ihren ersten Aussagen die drei Ereignisse im Gartenhaus (9./10. April 

2019 und späterer Vorfall mit F._____ und G._____) teilweise vermischt, insbeson-

dere was den jeweiligen Beginn der Abende angeht (wo sie sich getroffen haben, 

wie sie zum Gartenhaus gelangt sind, wer später dazu kam etc.) und überdies zu-

nächst nichts davon erwähnte, dass es – nebst dem Geschlechtsverkehr mit den 

erwachsenen  Cousins  von  C._____  und  E._____  –  auch  zu  einem  Vorfall  mit 

F._____  und  G._____  gekommen  war.  Den  Abend  vom  9. April  2019  (vgl.  dazu 

Prot. I S. 180 f.) erwähnte sie demgegenüber bis zum Schluss nicht von sich aus, 

da sie daran keine Erinnerungen hatte. Auf Nachfrage machte sie in diesem Zu-

sammenhang  –  durchaus  nachvollziehbar  –  geltend,  das  Erlebte  im  Alltag  mög-

lichst zu verdrängen und erst, als ihr geraten worden sei, sich alles aufzuschreiben, 

bzw. bei der Tatortsuche mit dem Polizisten weitere Ereignisse erinnert zu haben 

(Urk. 6/7 S. 8, vgl. auch S. 38). Auch habe sie bei der ersten Einvernahme alles 

zusammen erzählen müssen und deshalb Sachen vermischt (Urk. 6/18 S. 38 ff.). 

Trotzdem  zeigt  sich  in  der  Gesamtschau  aller  vorliegenden  Beweismittel  sofort, 

dass  die  Privatklägerin  keine  haltlosen,  jegliche  Grundlage  entbehrenden  Lügen 

erzählt hat (so im Übrigen auch die Verteidigung, Urk. 98 S. 1; Urk. 137 S. 3). Denn 

nachdem zunächst alle von der Privatklägerin als anwesend bezeichneten Perso-

- 20 -

nen jegliche Beteiligung weit von sich gewiesen hatten, gestanden im Verlaufe der 

Strafuntersuchung ebenfalls alle ein, dass es am 10. April 2019 im Gartenhäuschen 

von J._____ mehrfach zu sexuellen Handlungen bzw. Geschlechtsverkehr gekom-

men war. Einzig der konkrete Ablauf blieb teilweise bestritten und ist somit insoweit 

zu erstellen, als dies zur rechtlichen Würdigung der Handlungen des Beschuldigten 

notwendig ist. Mithin ist zu prüfen, ob die Aussagen des Beschuldigten sowie die 

weiteren Beweismittel die wiederum inhaltlich höchst glaubhafte und grösstenteils 

bereits bestätigte Darstellung der Privatklägerin zu entkräften vermögen. Dabei ist 

allerdings auf die schon vorab gemachten Ausführungen zu verweisen, wonach die 

Aussagen des Beschuldigten zu widersprüchlich, vage und ausweichend geblieben 

sind, als dass sie für sich alleine genommen geeignet wären, die glaubhaften Äus-

serungen der Privatklägerin zu entkräften. Was sodann C._____ angeht, welcher – 

wie bereits unter Ziff. 3.4.3 erwähnt – erst vor Vorinstanz zu diesem Vorwurf münd-

liche Stellung nahm, gilt im Ergebnis dasselbe. Er deponierte eine von der Darstel-

lung  der  Privatklägerin  stark  abweichende  Schilderung,  die  nicht  zu  überzeugen 

vermag. Als Schutzbehauptung wirkt insbesondere seine Aussage, er habe der Pri-

vatklägerin auf dem Hinweg gesagt, sie könne sagen, wenn sie etwas nicht wolle, 

da dies nicht mit seiner Chat-Konversation mit dem Beschuldigten und seinem üb-

rigen Verhalten an jenem Abend (vgl. nachfolgende Ausführungen) in Übereinstim-

mung zu bringen ist. Sodann ist erneut darauf hinzuweisen, dass seine Wiedergabe 

der  damaligen  Ereignisse  sehr  selektiv  ausgefallen  ist,  indem  er  wenige  Details 

sehr genau erinnern will, während andere – potentiell belastende – nicht mehr im 

Gedächtnis waren. 

Dass die Privatklägerin zusammen mit C._____ durch K._____ zu den Schreber-

gärten  gefahren  wurde  und  dort  auf  einem  Parkplatz  auf  den  Beschuldigten  und 

E._____ traf, wurde mehrfach bestätigt und kann somit als erstellt angesehen wer-

den. Ebenso, dass D._____ sich – entgegen seinen Angaben – bereits vor Ort be-

fand,  als  die  erwähnten  Personen  beim  Gartenhaus  von  J._____  eintrafen.  Auf-

grund des vorgehenden Chatverkehrs zwischen der Privatklägerin und C._____ ist 

davon auszugehen, dass die Privatklägerin wusste, dass Letzterer auch an diesem 

Abend – wie am Vortag – mit dabei sein würde und dass sie grundsätzlich damit 

einverstanden war, hatte sie C._____ doch initial angefragt, ob sie am Abend wie-

- 21 -

der kommen solle, worauf dieser dies von D._____ abhängig machte und die Pri-

vatklägerin  deswegen  dann  offenbar  direkten  Kontakt  mit  D._____  hatte 

(Urk. 17/15 S. 111 f.). Entgegen den Vorbringen der Verteidigung ist jedoch auszu-

schliessen, dass die Privatklägerin auch mit der Anwesenheit des Beschuldigten 

und von E._____ rechnete bzw. im Wissen um diese freiwillig nach H._____ gefah-

ren war. Ein direkter Kontakt zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten 

ist  nicht  belegt  und  wurde  von  diesem  in  der  Voruntersuchung  im  Übrigen  auch 

nicht konstant geltend gemacht. Zwar sind für den 9. April 2019 zwei Textnachrich-

ten von C._____ an den Beschuldigten belegt, in welchen dieser den Beschuldigten 

knapp vor Mitternacht auffordert, abzunehmen, weil eine Frau mit ihm reden wolle 

(Urk. 17/11 S. 4, vgl. auch Urk. 17/14 [DVD] iMessage Report Nachricht von 21:44 

Uhr [UTC + 0 = 23.44 MESZ]), jedoch beantwortete der Beschuldigte diese gerade 

nicht. Und auch dass danach ein Facetime-Gespräch zustande kam, ist – trotz voll-

ständiger Auswertung des Mobiltelefons von C._____ (Urk. 17/11) – nicht erstell-

bar.  Erst  für  den  10. April  2019  liegt  dann  wieder  ein  WhatsApp-Austausch  zwi-

schen C._____ und dem Beschuldigten vor, wobei letzterer C._____ um 21:03:05 

Uhr  (WTC+0  =  23:03:05  Uhr  MESZ)  auf  Albanisch  fragt,  ob  es  etwas  zu  ficken 

gebe, was C._____ mit der Zusendung eines Standortes beantwortete. In der Folge 

begibt sich der Beschuldigte zum genannten Treffpunkt und wartet dort – instrukti-

onsgemäss  –  auf  C._____  und  die  Privatklägerin  (Urk. 17/12  S. 1 ff.).  Dass  sie 

darum wusste, dass C._____ zum Treffen mit D._____ noch weitere, ihr völlig un-

bekannte Personen eingeladen hatte, kann diesem Diskurs nicht entnommen wer-

den und nicht einmal C._____ hat je geltend gemacht, dies sei vorab mit der Pri-

vatklägerin  vereinbart  gewesen  (so  auch  die  Vorinstanz  in  Urk. 117  S. 62 f.,  auf 

deren Erwägungen ergänzend verwiesen wird). Mithin ist davon auszugehen, dass 

sie von deren Anwesenheit beim Parkplatz in der Nähe der Schrebergärten über-

rumpelt wurde.

Sodann machte die Privatklägerin konstant geltend, C._____ habe ihr schon auf 

dem Fussweg vom Parkplatz zum Gartenhaus gesagt, sie solle "es" für ihn machen 

und es geniessen. Mit dem Türken (E._____) solle/müsse sie es nicht machen. Da 

habe  sie  gewusst,  was  sie  erwarte.  Dass  sie  richtig  vermutete,  zeigt  sich  auch 

daran, dass der Beschuldigte geltend machte, C._____ habe vorgängig am Telefon 

- 22 -

mit ihm schon von "ficken" geredet, es sei klar gewesen, dass es Sex geben werde. 

Er habe von C._____ gewusst, dass die Privatklägerin mit jedem ficke, sie sei dafür 

bekannt  gewesen  in  H._____.  Es  könne  sein,  dass  er  (der  Beschuldigte)  auch 

E._____ gesagt habe, dass es "etwas zum ficken" gebe (Urk. 5/6 S. 3 und S. 5). 

Damit  korrespondierend  ist  auch  die  bereits  mehrfach  erwähnte,  im  Vorfeld  vom 

Beschuldigten  an  C._____  geschickte  Frage  zu  lesen,  ob  es  "etwas  zu  ficken" 

gebe. Umgangston und Verhalten decken sich in ihrem abschätzigen Ton und feh-

lendem Respekt für das weibliche Gegenüber. 

Im weiteren Ablauf schilderte die Privatklägerin dann keinen ausdrücklichen Befehl 

oder gar eine Gewaltanwendung von C._____, dem Beschuldigten oder E._____, 

aber auch keine wahrnehmbare Ablehnung ihrerseits. Sie habe einfach gemacht, 

was  die  anderen  wollten  (Urk. 6/18  S. 44),  sie  habe  es  einfach  so  schnell  wie 

möglich durchziehen und heimgehen wollen, mit der Hoffnung aber, dass sie doch 

noch mit C._____ nachher Geschlechtsverkehr haben könne oder irgend so was 

(Urk. 6/18 S. 17). Auch der Beschuldigte und die übrigen Anwesenden schilderten 

–  die  Darstellung  der  Privatklägerin  stützend  –  keine  objektiv  erkennbaren 

Nötigungshandlungen  von  C._____  im  Gartenhaus  oder  eine  verbale  oder  gar 

tätlich-abwehrende Verneinung sexueller Handlungen durch die Privatklägerin. In 

der  Folge 

kam  es 

zugestandenermassen 

zunächst 

zu  Oral-  und 

Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten, wobei C._____ hiervon heimlich eine 

Videoaufnahme machte. Ein Screenshot dieser Aufnahme liegt bei den Akten (vgl. 

Urk. 5/1 Anhang). Hernach hatte auch E._____ (der Türke) mit der Privatklägerin 

oralen  und  vaginalen  Geschlechtsverkehr.  Gemäss  der  Privatklägerin  kam  es 

kurzzeitig  sogar  zu  gleichzeitigen  sexuellen  Handlungen  zwischen  ihr,  dem 

Beschuldigten  und  E._____,  was  die  beiden  Letztgenannten  jedoch  bestreiten. 

Diese  hatten  zunächst  allerdings  jegliche  sexuelle  Handlungen  bestritten,  wobei 

insbesondere  der  Beschuldigte  – wie  bereits  erwähnt –  auch  nicht  davor 

zurückschreckte,  die  Privatklägerin  wiederholt  massiv  zu  verunglimpfen  und  zu 

beschimpfen.  Vor  diesem  Hintergrund  genügt  es  nicht  zur  Widerlegung  der 

glaubhaften  Darstellung  der  Privatklägerin,  wenn  er  – nach  anfänglichem  Leug-

nen –  zwar  eingesteht,  dass  die  Darstellung  der  Privatklägerin  von  sexuellen 

Handlungen halt eben doch stimmt, dass sie aber hinsichtlich des Umstands der 

- 23 -

Gleichzeitigkeit,  also  dass  ein  sogenannter  "Dreier"  praktiziert  wurde,  gelogen 

haben soll. Kommt hinzu, dass er hierzu zunächst auch nur vage erklärte, sich nicht 

erinnern zu können, dass es aber sein könne (Urk. 5/6 S. 3). Dies spricht vielmehr 

dafür, dass A._____ (und auch E._____, der zunächst die Aussagen verweigerte 

und  hernach  einzig  einvernehmlichen  Geschlechtsverkehr  anerkannte)  primär 

bestrebt  waren,  den  Schaden  zu  minimieren  und  ihre  eigenen  Handlungen 

möglichst  zu  bagatellisieren.  In  die  gleiche  Richtung  zielt  die  Behauptung  des 

Beschuldigten, die Privatklägerin vorab (sogar mehrfach) gefragt zu haben, ob sie 

mit ihm Sex haben möchte. Dies wollen nur die Erwachsenen, die damals mit der 

ihnen  vorab  völlig  unbekannten,  erst  13 Jahre  alten  Privatklägerin  nacheinander 

Geschlechtsverkehr hatten, gesagt bzw. gehört haben. Selbst C._____ erwähnte 

solches in seinen Aussagen nicht, was die Angabe als Schutzbehauptung entlarvt. 

Mithin  ist  diesbezüglich  auf  die  überzeugende  Darstellung  der  Privatklägerin 

abzustellen, dass damals keiner sie nach ihrem Willen gefragt hat. Vielmehr wurden 

die Handlungen einfach vorgenommen. Dies erscheint angesichts des Umstandes, 

dass der Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 

ja vorab zwischen C._____ und dem Beschuldigten vereinbart worden war, auch 

folgerichtig,  zumal  es  ganz  offensichtlich  auch  zu  keinem  Zeitpunkt  darum  ging, 

dass auch die Privatklägerin sexuell auf ihre Kosten kommen sollte. Entsprechende 

Fragen  der  Staatsanwältin  konnte  der  Beschuldigte  jedenfalls  nur  schwer 

nachvollziehen (Prot. I S. 168). Auch dass, nachdem E._____ fertig gewesen sei, 

der  Beschuldigte  nochmals 

ins  Gartenhause  gekommen 

ist 

für  erneuten 

Geschlechtsverkehr bis zum Orgasmus, wobei ein Teil des Samens sich aus dem 

Kondom  über  die  Privatklägerin  ergoss,  ist  damit  aufgrund  ihrer  überzeugenden 

Aussagen  rechtsgenügend  erstellt,  auch  wenn  der  Beschuldigte  sowie  E._____ 

dies abstreiten.

Hernach passierte zunächst nichts weiter, als dass man gemeinsam im Gartenhaus 

zusammensass.  Gemäss  den  glaubhaften  Angaben  der  Privatklägerin  äusserte 

sich der Beschuldigte dabei derart, dass er wisse, dass sie "es" nur für C._____ 

getan habe. Als sie darauf mit Tränen reagierte, wurde C._____ wütend und ging 

sie tätlich an, wogegen durch den Beschuldigten und D._____ interveniert wurde. 

Dass  sich  die  Auseinandersetzung  an  einer  Sprachnachricht  der  Mutter  der 

- 24 -

Privatklägerin  entzündete,  wie  von  C._____  vor  Vorinstanz  geltend  gemacht,  ist 

aufgrund der Aussagen von D._____ auszuschliessen, der diese auf den Vortag 

verortete,  zumal  weder  der  Beschuldigte  noch  E._____  derartiges  erwähnten. 

Hingegen war dem Beschuldigten zumindest präsent, dass es tatsächlich zu einer 

Handgreiflichkeit  von  C._____  gegenüber  der  Privatklägerin  kam,  was  ihm  (dem 

Beschuldigten)  "mega  weh"  getan  und  ihn  zu  einer  Intervention  veranlasst  habe 

(Prot. I S. 166 f.). 

Später verliessen der Beschuldigte und C._____ (nach heimlicher Absprache per 

WhatsApp-Chat, vgl. Urk. 17/12 S. 2 Nachricht von 23.08 Uhr [UTC+0] = 01.08 Uhr 

[MESZ]) zusammen mit E._____ das Gartenhaus. Die Privatklägerin, die zunächst 

hätte mitfahren sollen, blieb auf Bitte von D._____, der nicht allein zurückbleiben 

wollte,  vor  Ort.  Offenbar  gingen  sie  und  D._____  zunächst  davon  aus,  dass  die 

anderen  lediglich  Zigaretten  kaufen  und  danach  wieder  zurückkommen  würden. 

Das war aber nicht der Fall. Bis am Morgen kam keiner zurück. Was hernach zwi-

schen D._____ und der Privatklägerin noch passierte, interessiert an dieser Stelle 

– wie bereits oben unter Ziff. 3.3 ausgeführt – nicht weiter.

4.

Rechtliche Würdigung

4.1. Seit Erlass des vorinstanzlichen Urteils ist per 1. Juli 2024 die breit disku-

tierte Revision des Sexualstrafrechts in Kraft getreten. Diese hat die unter den Titel 

"Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität" gehörenden Straftatbestände 

neu gefasst und die Grenzen strafbaren Verhaltens erweitert. Im Ergebnis ermög-

licht die neue Gesetzeslage jedoch keine mildere Beurteilung des Beschuldigten, 

weshalb  in  Anwendung  von  Art. 2  Abs.  2  StGB  von  der  Weitergeltung  der  bis-

herigen  Normen,  im  Folgenden  bezeichnet  als  "Art. X  aStGB",  auszugehen  ist. 

Ebenfalls ohne Einfluss auf die konkret in Frage kommenden Strafnormen blieb im 

Übrigen die bereits per 1. Juli 2023 in Kraft getretene Strafrahmenharmonisierung. 

4.2. Nachfolgend werden die erstellten Vorfälle rechtlich zu würdigen sein. Die 

Vorinstanz hat die in Frage kommenden Tatbestände der Vergewaltigung/sexuel-

len Nötigung sowie der sexuellen Handlungen mit Kindern sowie die Variante der 

gemeinsamen Tatbegehung (vgl. Art. 187, 189, 190 und 200 aStGB) beschrieben 

- 25 -

und aufgezeigt, welche Tatbestandsmerkmale jeweils konkret zu erfüllen sind, da-

mit ein Schuldspruch erfolgen kann (Urk. 117 S. 73 ff., S. 82 ff.). Ebenso hat sie die 

Voraussetzungen der Mittäterschaft gemäss aktueller Bundesgerichtspraxis zutref-

fend aufgezeigt und festgehalten, dass für die Annahme von Mittäterschaft genügt, 

wenn sich der Mittäter einem bereits früher gefassten Tatentschluss des anderen 

Mittäters konkludent anschliesst. Nicht vorausgesetzt wird sodann hinsichtlich der 

hier interessierenden Sexualdelikte, dass jeder Täter eigenhändig sexuelle Hand-

lungen am Opfer vornimmt (Urk. 117 S. 79 f.). Auch hierauf sei ausdrücklich ver-

wiesen (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

4.3. Weiter  wurde  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  in  Anwendung  von 

Art. 344 StPO auf die mögliche rechtliche Würdigung der erstellten Handlungen als 

mittäterschaftliches Ausnützen einer in anderer Weise begründeten Abhängigkeit 

gemäss  Art. 193  Abs. 1  aStGB  hingewiesen  (Prot. II  S. 17).  Diesen  Tatbestand 

erfüllt, wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen oder zu 

dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Arbeitsverhältnis oder eine in 

anderer  Weise  begründete  Abhängigkeit  ausnützt,  ohne  aber  eine  tatsituative 

Zwangswirkung – wie sie Merkmal einer sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung 

ist – auszuüben. Vielmehr ist der auf das Opfer wirkende Zwang bereits vorbeste-

hend.  Wer  ausnützt,  der  will  sich  etwas  zunutze  machen  bzw.  sich  einer  Sache 

bedienen  oder  aus  etwas  einen  Vorteil  ziehen  (BSK  StGB-Maier,  4. Auflage, 

Art. 193 N 4, vgl. auch BSK StGB-Maier, 4. Auflage, Art. 189 N 5 ff.). Notlage meint 

eine unabhängig vom Täter bestehende Zwangssituation, die auf das Opfer wirkt. 

Im Gegensatz zur Abhängigkeit besteht keine spezifische Verknüpfung zur Person 

des Täters und der Zwangssituation (BSK StGB-Maier, a.a.O., Art. 193 N 12). Ein 

Ausnützen der Notlage liegt dann vor, wenn zu der nicht vom Täter geschaffenen 

Zwangssituation und der sexuellen Handlung ein Motivationszusammenhang be-

steht (BSK StGB-Maier, a.a.O., Art. 193 N 14). Das Delikt ist als Vergehen ausge-

staltet und damit mit Blick auf den (Verbrechens-)Tatbestand der Vergewaltigung 

"milder", weshalb ein Schuldspruch das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 

Abs. 2 StPO nicht tangieren würde.

- 26 -

4.4. Der 28 Jahre alte Beschuldigte hatte am 10. April 2019 zweimal vaginalen 

Geschlechtsverkehr mit der damals rund 13.5 Jahre alten Privatklägerin, wobei er 

dazwischen kurz das Gartenhaus verliess (während E._____ den Vaginalverkehr 

mit der Privatklägerin vollzog) und die Privatklägerin den Beschuldigten teilweise 

zusätzlich auch oral befriedigt hatte. Dass es zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin  im  Gartenhaus  zu  sexuellen  Handlungen  kommen  würde,  war 

zwischen C._____ und dem Beschuldigten vorabgesprochen. Mithin begab sich der 

Beschuldigte an jenem Abend bereits in dieser Absicht zum Treffpunkt in der Nähe 

des Gartenhauses. Nicht in die Absprache involviert und auch später nie explizit 

um ihre Einwilligung gefragt wurde demgegenüber die Privatklägerin, welche von 

der Anwesenheit des Beschuldigten an jenem Abend überrascht wurde. Vielmehr 

fügte sie sich ohne erkennbaren Widerstand und nahm an ihm Oralverkehr vor bzw. 

stellte sich für vaginalen Geschlechtsverkehr zur Verfügung (Urk. 6/18 S. 16 f. und 

S. 44).

Durch diese Handlungen erfüllte der Beschuldigte in objektiver Hinsicht den Tatbe-

stand der sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB, 

wobei von zweifacher Tatbegehung auszugehen ist, da der Beschuldigte zwischen-

durch den Raum verlassen (und die Privatklägerin E._____ überlassen) hatte und 

somit für den Wiedereintritt einen neuen Tatentschluss hatte treffen müssen. Sub-

jektiv wurde erstellt, dass er nicht positiv darum wusste, dass die Privatklägerin erst 

13 Jahre alt war und damit noch im Schutzalter stand, womit eine direktvorsätzliche 

Tatbegehung ausscheidet. Gleichzeitig wurde aber auch erstellt, dass es sich bei 

seiner Behauptung, die Privatklägerin habe in einem Instagram-live-Chat ein Alter 

von  22  oder  24  Jahren  genannt,  um  eine  unzutreffende  Schutzbehauptung  han-

delte und er sich tatsächlich keinen Moment mit der Frage ihres Alters befasst hatte 

und  ihm  dieses  ganz  eigentlich  gleichgültig  war  bzw.  ihn  nicht  interessierte  (vgl. 

Ziff. 3.5.2  hiervor).  Dass  die  Privatklägerin  damals  tatsächlich  etwas  älter  als  13 

Jahre aussah (vgl. Urk. 1/20), vermag ihn sodann nicht zu entlasten, hätte ihn der 

Eindruck einer rund 16-18-jährigen Jugendlichen doch erst Recht zu Abklärungen 

veranlassen müssen, zumal ihm zumindest positiv bekannt war, dass sein Coucou-

sin C._____ rund zehn Jahre jünger war als er selbst, womit von ihm mitgebrachte 

Kolleginnen  wohl  auch  in  dieser  Altersklasse  anzusiedeln  waren.  Dass  der  Be-

- 27 -

schuldigte  sprachlos  gewesen  sei  und  sich  habe  umbringen  wollen,  als  er  das 

wahre Alter der Privatklägerin erfahren habe, zeigt entgegen der Auffassung der 

Verteidigung (Urk. 137 S. 13) und mit der Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 25 f.), umso 

mehr, dass Abklärungen zum wahren Alter der Privatklägerin angezeigt gewesen 

wären. Nachdem der Beschuldigte weitere Abklärungen oder auch nur ein einfa-

ches Nachfragen bei der Privatklägerin selbst aber gänzlich unterliess, konnte er 

entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 137 S. 15) auch nicht in der 

irrigen  Überzeugung  handeln,  dass  sie  dem  Schutzalter  bereits  entwachsen  sei, 

sondern nahm er vielmehr in Kauf, dass es auch anders sein könnte. Er erfüllte den 

genannten  Tatbestand  somit  eventualvorsätzlich,  zumal  er  auch  darum  wusste, 

dass sexuelle Handlungen mit Kindern und Jugendlichen bis zu einem gewissen 

Alter verboten sind (wobei er die Grenze irrtümlich sogar auf 18 Jahre ansetzte, vgl. 

Urk. 5/2 S. 9).

Da sich der Beschuldigte und E._____ bei der Ausübung der sexuellen Handlungen 

abwechselten bzw. sogar eine gewisse Zeit lang ein sogenannter "Dreier" stattfand 

und überdies auch C._____ in unmittelbarer Nähe vor dem Gartenhaus verblieb, 

ist eine gemeinsame Tatbegehung im Sinne von Art. 200 aStGB zu bejahen (vgl. 

ergänzend die Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 117 S. 83 f.).

Angeklagt ist gleichzeitig aber auch der Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190  Abs. 1  aStGB,  begangen  durch  das  Nötigungsmittel  des  Unter-psy-

chischen-Druck-Setzens.  Wie  bereits  im  Rahmen  der  Sachverhaltserstellung 

festgehalten,  bestand  im  damaligen  Zeitpunkt  zwischen  der  Privatklägerin  und 

C._____ ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis, in dessen Rahmen C._____ die 

Privatklägerin  finanziell  ausbeutete  und  sie  auch  regelmässig  tätlich  anging.  Der 

Beschuldigte wusste allerdings vorab nicht um dieses Abhängigkeitsverhältnis und 

die  damit  einhergehende  dominierende  Machtposition,  die  C._____  damals  über 

die Privatklägerin inne hatte und auch die beobachteten Tätlichkeiten erfolgten erst 

nach  vollzogenem  Geschlechtsverkehr.  Wie  den 

in  den  Akten 

liegenden 

Einvernahmen  der  Privatklägerin  sowie  den  Beizugsakten  betreffend  C._____ 

entnommen werden kann, steht überdies eine Vielzahl weitere Vorwürfe betreffend 

sexuelle Ausbeutung der Privatklägerin durch C._____ und weitere Beschuldigte 

- 28 -

im Raum. Diese sind allerdings nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens und 

waren  dem  Beschuldigten  im  damaligen  Zeitpunkt  ebenfalls  nicht  bekannt. 

Während  die  gesamten  Umstände  (Vorgeschichte  und  konkrete  Situation)  somit 

aus  der  Optik  der  Privatklägerin  durchaus  ausweglos 

im  Sinne  der 

bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zu  den  sexuellen  Nötigungsdelikten  sein 

konnten (vgl. hierzu BSK StGB-Maier, a.a.O., Art. 189 N 11 ff.), was ihre fehlende 

Gegenwehr  bzw.  Duldung  der  sexuellen  Handlungen  hinreichend  erklärt  und  im 

Verhältnis  zu  C._____  –  der  seinerseits  um  die  volle  Tiefe  der  gemeinsamen 

Erlebnisse  und  das  zwischen  ihnen  aufgrund  der  grossen  Verliebtheit  der 

Privatklägerin  bestehenden  Machtgefälles  wusste  –  die  Tatbestandsmässigkeit 

nicht  entfallen  lässt,  so  ist  mit  Blick  auf  den  Beschuldigten  eine  differenzierte 

Beurteilung vorzunehmen. Ihm war einzig aber immerhin bekannt, dass sein mehr 

als zehn Jahre jüngerer Coucousin C._____ in der Lage ist, eine – der Beschuldigte 

nahm  sogar  an  "seine"  –  Freundin  an  ein  mitternächtliches  Treffen  in  einen 

abgelegenen  Schrebergarten  aufzubieten  und  ihr  unbekannten  Dritten  sexuelle 

Handlungen mit dem Mädchen zu versprechen, sie somit dazu zu verpflichten. Dies 

geht bereits aus dem kurzen Chatverkehr hinreichend hervor. So reagierte C._____ 

auf die Frage des Beschuldigten, ob es "etwas" zu ficken gebe, mit der Übermittlung 

seines Standortes und traf dort dann mit der Privatklägerin im Schlepptau ein. Dass 

er diese in Aktualisierung seiner Machtposition sodann auf dem Weg vom Parkplatz 

zum Gartenhaus aufforderte, "es" für ihn zu tun und "es" zu geniessen, bekam der 

Beschuldigte  nicht  mit.  C._____  dürfte  damit  der  Privatklägerin  aber  bereits 

hinreichend den Tarif durchgegeben sprich seine Erwartungen an sie klargemacht 

und  den  latenten  Zwang  aktualisiert  haben,  zumal  angesichts  der  situativen 

Gegebenheiten 

(Überraschungseffekt,  zahlenmässige  Überlegenheit  durch 

deutlich ältere Männer, Mitternacht, abgelegene/einsame Schrebergartenanlage). 

Sie  handelte  dann  auch  folgsam,  entsprechend  seinen  Erwartungen,  wie  bereits 

zur Genüge erörtert wurde. Der Beschuldigte seinerseits erklärte dazu, es sei ihm 

bereits  vorab  zum  Treffen  klar  gewesen,  dass  es  zu  sexuellen  Handlungen 

zwischen  ihm  und  der  Privatklägerin  kommen  würde.  Das  sei  so  mit  C._____ 

besprochen gewesen. Gleichzeitig ergibt sich aus der erstellten Situation aber auch 

zweifelsfrei,  dass  es  zu  keinem  Zeitpunkt  darum  gegangen  wäre,  dass  auch  die 

- 29 -

Privatklägerin  im  Rahmen  eines  lustvollen  One-Night-Stands  sexuell  auf  ihre 

Kosten  kommen  sollte.  Vor  diesem  Hintergrund  fand  er  es  denn  –  durchaus 

folgerichtig  –  auch  nicht  nötig,  sich  bei  der  Privatklägerin  ihres  expliziten 

Einverständnisses  zu  versichern  oder  gar  schon  vorab  den  Kontakt  zu  ihr  zu 

suchen,  um  sie  näher  kennenzulernen.  Entsprechende  Vorbringen  (mehrfaches 

Einholen 

ihrer  expliziten  Einwilligung 

kurz 

vor  dem  Beginn  des 

Geschlechtsverkehrs,  gemeinsames  FaceTime-Gespräch)  wurden  als  Schutz-

behauptungen widerlegt. Dass C._____ aber derart über die sexuelle Verfügbarkeit 

einer  bzw.  seiner  Freundin,  der  Privatklägerin,  bestimmen  konnte,  ist  ein  klares 

Indiz  für  eine  ihr  gegenüber  bestehende  Machtposition  und  impliziert  damit  eine 

irgendwie  geartete  Notlage  der  Privatklägerin,  zumal  der  Beschuldigte  gemäss 

eigenen Aussagen gerade nicht davon ausging, bei der Privatklägerin handle es 

sich  um  eine  Prostituierte,  die  entsprechend  (vom  jüngeren  Coucousin,  der  sie 

"organisiert"  hatte)  für  ihre  Dienste  entlohnt  werden  würde  (Prot. I  S. 153).  Dass 

der Beschuldigte die Situation auch genau so zur Kenntnis nahm und damit korrekt 

interpretierte,  zeigt  sein  entsprechender  Hinweis  nach  dem  Geschlechtsverkehr, 

als er in gemeinsamer Runde sagte, er wisse, dass sie es nur für C._____ gemacht 

habe. 

Der  Beschuldigte  wusste  nicht  um  die  tatsituative  Zwangssituation  für  eine  Ver-

gewaltigung  und  die  Privatklägerin  zeigte  keine  für  ihn  wahrnehmbaren  Abwehr-

handlungen,  sondern  kooperierte,  weshalb  mit  Bezug  auf  ihn  der  Vorwurf  der 

Vergewaltigung  jedenfalls  am  subjektiven  Element  scheitert.  Hingegen  hatte  er 

gemäss  eigener  Aussage  bemerkt,  dass  sich  die  Privatklägerin  nur  wegen 

C._____,  mithin  aufgrund  einer  ihm  in  ihrer  konkreten  Beschaffenheit  zwar  un-

bekannten, in ihrem Vorhandensein aber registrierten persönlichen Notlage mit den 

ihr völlig unbekannten, deutlich älteren Männern A._____ und E._____ auf sexuelle 

Handlungen  eingelassen  hatte.  Dem  Beschuldigten  war  bekannt,  dass  es  die 

Privatklägerin  nur  für  C._____  tat  und  er  hat  die  Notlage  der  Privatklägerin  zu 

seinem eigenen sexuellen Vergnügen ausgenutzt. Ein Motivationszusammenhang 

ist demnach ohne weiteres zu erkennen. Damit hat der Beschuldigte sich zumindest 

in  diesem  Punkt  dem  Vorsatz  von  C._____,  die  Privatklägerin  ohne 

Rücksichtnahme  auf  deren  Wünsche  zu  sexuellen  Handlungen  mit  dem 

- 30 -

Beschuldigten zu bestimmen, angeschlossen und aus dem zwischen den beiden 

bestehenden, ihm dies ermöglichenden Abhängigkeitsverhältnis bzw. der Notlage 

der  Privatklägerin  einen  persönlichen  Vorteil  gezogen.  Damit  hat  er  objektiv  wie 

auch subjektiv (vorsätzlich) den Tatbestand von Art. 193 Abs. 1 aStGB erfüllt. 

Auch hier ist sodann von zweifacher Tatbegehung auszugehen, da die sexuellen 

Handlungen zwischenzeitlich beendet waren und der Beschuldigte mit Wiederein-

tritt ins Gartenhaus einen neuen Tatentschluss fassen musste.

Anzumerken  ist  an  dieser  Stelle,  dass  im  Falle  einer  Notlage  gemäss  Art. 193 

aStGB immer von einer Idealkonkurrenz zu Art. 187 aStGB auszugehen ist (BSK 

StGB-Maier, a.a.O., Art. 193 N 25). 

4.5.

Zusammenfassend ist der Beschuldigte – da Rechtfertigungs- und Schuld-

ausschlussgründe fehlen – der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im 

Sinne von Art. 187 Ziff. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB sowie der mehr-

fachen Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 aStGB schuldig zu 

sprechen.

5.

Strafzumessung und Vollzug

5.1. Die Vorinstanz hat die anwendbaren Grundsätze der Strafzumessung nach 

Art. 47 StGB und der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB zutreffend 

und  überzeugend  dargelegt  (Urk. 117  S. 84 ff.  und  S. 92 f.).  Hierauf  kann  ver-

wiesen werden. 

5.2. Während sexuelle Handlungen  mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 aStGB 

mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  fünf  Jahren  oder  Geldstrafe  bedroht  sind,  sanktionierte 

das damals geltende Gesetz das Ausnützen einer Notlage bzw. einer in anderer 

Weise begründeten Abhängigkeit mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Gelds-

trafe (vgl. Art. 193 aStGB). Da vorliegend keine ausserordentlichen Gründe ersicht-

lich sind, die ein – aufgrund von Art. 200 aStGB grundsätzlich mögliches – Verlas-

sen der ordentlichen Strafrahmen als notwendig erscheinen lassen, wird dem Um-

stand  der  gemeinsamen  Tatbegehung  innerhalb  der  ordentlichen  Strafrahmen 

straferhöhend Rechnung zu tragen sein. 

- 31 -

Sodann  ist  bereits  angesichts  der  Art  der  konkreten  sexuellen  Handlungen  (Ge-

schlechts-  und  Oralverkehr,  die  schwerstmöglichen  sexuellen  Handlungen  über-

haupt)  augenscheinlich,  dass  für  die  beiden  Übergriffe  bei  isolierter  Betrachtung 

der einzelnen Straftatbestände je nur Freiheitsstrafen verhaltensadäquat sein kön-

nen (vgl. auch nachfolgende Ausführungen zu den isoliert zuzumessenden Einzel-

strafen), weshalb Geldstrafen ausser Betracht fallen und nachfolgend eine Gesamt-

freiheitsstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB auszufällen sein wird. Dabei wird 

von  den  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  als  schwerster  Straftat  im  Sinne  der 

genannten  Norm  auszugehen  und  die  dafür  angemessene  Strafe  aufgrund  der 

weiteren Taten angemessen zu erhöhen sein.

5.3. Der  damals  rund  28 Jahre  alte  Beschuldigte  vollzog  am  10. April  2019 

zweimal  kurz  nacheinander  den  (jeweils  durch  Kondom  geschützten)  Beischlaf 

bzw. vaginalen Geschlechtsverkehr mit der in jenem Zeitpunkt erst rund 13 ½ Jahre 

alten, und damit noch deutlich im Schutzalter stehenden Privatklägerin, die ihm im 

Übrigen völlig unbekannt war. Beide Vorfälle dauerten insgesamt nur kurze Zeit. 

Beim  ersten  Mal  kam  es  begleitend  zu  ungeschütztem  Oralverkehr,  indem  die 

Privatklägerin  den  Penis  des  Beschuldigten  mit  ihrem  Mund  befriedigte.  Beim 

zweiten  Mal  zog  er  während  des  Ejakulierens  seinen  Penis  aus  der  Vagina  der 

Privatklägerin und führte ihn zu ihrem Mund, wobei Ejakulat auf Bauch, Brüste und 

in ihren Mund floss, womit ein gewisses Risiko der Ansteckung mit Geschlechts-

krankheiten  einherging.  Damit  vollzog  der  Beschuldigte  –  wie  oben  bereits  er-

wähnt – die schwerwiegendsten sexuellen Handlungen, die im Spektrum möglicher 

sexueller  Handlungen  überhaupt  in  Frage  kommen,  zumal  das  Bundesgericht 

jüngst explizit festgehalten hat, dass sexuelle Handlungen mündiger Personen mit 

Kindern im Schutzalter grundsätzlich zu den schwerwiegendsten Straftaten zählen, 

deren  Unrechtsgehalt  nicht  bagatellisiert  werden  dürfe  (Urteil  6B_93/2022  vom 

24. November 2022 E. 1.3.8, vgl. auch E. 1.4.7). Bereits vor diesem Hintergrund ist 

die Tatschwere im mittleren Rahmen anzusetzen, wobei mit Bezug auf den ersten 

Vorfall  erschwerend  ins  Gewicht  fällt,  dass  aufgrund  teilweise  zeitgleicher  Hand-

lungen  zusammen  mit  E._____  von  gemeinsamer  Tatbegehung  auszugehen  ist. 

Relativierend ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der Privatklägerin nicht um 

ein (Klein-)Kind, sondern um eine pubertierende und sexuell erfahrene Jugendliche 

- 32 -

handelte.  Als  Motiv  ist  von  egoistisch  motiviertem  Lustgewinn  auszugehen,  was 

indessen  tatbestandsimmanent  ist  und  das  Verschulden  nicht  zusätzlich  erhöht. 

Der Beschuldigte ging bei den Übergriffen weder besonders raffiniert vor, noch übte 

er irgendwie gearteten Zwang aus. Allerdings wäre es ihm ein leichtes gewesen, 

von  seinem  Tun  abzusehen  oder  sich  zumindest  explizit  der  Zustimmung  der 

Privatklägerin  zu  versichern,  was  er  indessen  unterlassen  und  damit  in  Kauf 

genommen  hat,  dass  die  Handlungen  entgegen  ihrem  Willen  stattfanden. 

Stattdessen nützte er die ihm von seinem jüngeren Verwandten C._____ gebotene 

Gelegenheit  für  schnellen  Sex  skrupellos  und  ohne  jegliche  Rücksicht  auf  die 

sexuelle  Integrität  der  Privatklägerin  aus,  wobei  ihm  jedoch  hinsichtlich  des  (zu) 

jungen  Alters  der  Privatklägerin  lediglich  Eventualvorsatz  vorzuwerfen  ist.  Dies 

vermag  das  objektive  Verschulden  deutlich  zu  relativieren,  womit  im  ersten  Teil 

noch von einem mittleren, im zweiten Fall sodann von einem nicht mehr leichten 

Verschulden auszugehen ist. Dementsprechend sind die isolierten Einsatzstrafen 

für die beiden Übergriffe auf 22 bzw. 18 Monate festzusetzen.

5.4. Der Beschuldigte nützte die einzig aufgrund ihres in heftigster Verliebtheit 

gründenden  Abhängigkeitsverhältnisses  bestehende  Duldungsbereitschaft  der 

Privatklägerin  und  damit  ihre  diesbezügliche  Notlage  zur  Vornahme  von  Ge-

schlechts- und Oralverkehr aus, wobei C._____ konstant im Hintergrund präsent 

war.  Wie  bereits  oben  erwähnt,  handelt  es  sich  hierbei  um  die  denkbar 

gravierendsten sexuellen Handlungen überhaupt, womit auch hier eine erhebliche 

Tatschwere zu monieren ist. Die Übergriffe waren von kurzer Dauer und erfolgten 

mehrheitlich geschützt, wenn auch mit dem ungeschützten Oralverkehr wie auch 

dem  Verteilen  seines  Ejakulats  (insbesondere  soweit  es  in  den  Mund  der 

Privatklägerin gelangte) ein gewisses Gesundheitsrisiko einherging. Immerhin ist 

von einem spontanen Entschluss auszugehen, wobei der Beschuldigte die Notlage 

nicht selbst herbeigeführt, jedoch skrupellos ausgenützt hat, da das Abhängigkeits-

verhältnis nicht zu ihm, sondern zu seinem jüngeren Coucousin bestand. 

Wie die Sachverhaltsermittlung ergeben hat, nahm der Beschuldigte in Kauf, dass 

die Privatklägerin einzig wegen C._____ bei den sexuellen Handlungen mitmachte, 

was ihn nicht von der Vornahme sexueller Handlungen abhielt. Er handelte even-

- 33 -

tualvorsätzlich, was das objektive Verschulden relativiert. Mithin wäre bei isolierter 

Betrachtung aufgrund der Tatkomponenten pro Übergriff eine vorläufige Strafe von 

je 12 Monaten auszusprechen.

5.5.

Im Rahmen der Gesamtstrafenbildung sind die Einzelstrafen nicht zu kumu-

lieren,  sondern  lediglich  angemessen  zu  asperieren,  sprich  zu  erhöhen  (Art. 49 

Abs. 1 StGB). Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten unterein-

ander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die 

Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen 

zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts ist dabei gerin-

ger zu veranschlagen, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem en-

gen  Zusammenhang  stehen  (Urteil  6B_1176/2021  vom  26. April  2023  E. 4.5.2 

m.w.H.).

Vorliegend richteten sich die Delikte gegen dasselbe Opfer und fanden in einem 

äusserst engen zeitlichen, sachlichen und situativen Zusammenhang statt. Soweit 

es  um  die  Tatmehrheit  identischer  Delikte  geht,  kommt  deshalb  den  späteren 

Delikten  nurmehr  ein  untergeordneter  Gesamtschuldbeitrag  zu,  wobei  aber  die 

Tatsache,  dass  der  Missbrauch  der  Privatklägerin,  nachdem  zwischenzeitlich 

E._____ zum Zuge kam, mit neuem Tatentschluss nahtlos verlängert wurde, nicht 

bagatellisiert  werden  darf.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  die  Strafe  für  die  ersten 

sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  von  22 Monaten  aufgrund  des  zweiten,  iden-

tischen Delikts um vier Monate auf 26 Monate zu erhöhen. Sodann betrafen auch 

die konkurrierenden Tatbeständen jeweils die sexuelle Integrität der Privatklägerin, 

jedoch  mit  andersgelagertem  Schwerpunkt.  So  liegt  der  Fokus  der  sexuellen 

Handlungen mit Kindern auf der damit einhergehenden Störung der sexuellen Ent-

wicklung, während das Ausnützen einer Notlage das sexuelle Selbstbestimmungs-

recht verletzt. Diesbezüglich ist denn auch von einem verbleibenden, wenn auch 

kleinen  eigenständigen  Schuldbeitrag  auszugehen,  welchem  im  Rahmen  der 

Asperation angemessen Rechnung zu tragen ist. Entsprechend sind für die beiden 

in  Idealkonkurrenz  begangenen  Delikte  weitere  sechs  Monate  hinzuzurechnen, 

womit aufgrund der Tatkomponenten eine Einsatzstrafe von 32 Monaten resultiert. 

- 34 -

5.6. Betreffend Vorleben und persönlicher Verhältnisse kann den Akten (Urk. 5/1 

S. 5  f.,  Urk. 5/7  S. 36 ff.,  Urk. 24/14,  Prot. I  S. 216 ff.)  und  dem  angefochtenen 

Urteil (Urk. 117 S. 89) Folgendes entnommen werden: Der Beschuldigte wurde in 

der Republik Kosovo geboren, deren Staatsangehöriger er ist. In der Schweiz ver-

fügt  er  über  die  Aufenthaltsbewilligung  C.  Er  kam  im  Alter  von  elf  Jahren  in  die 

Schweiz, wo er in der Region H._____ bei seinen Eltern und mit seinen drei Brüdern 

sowie  einer  Schwester  aufwuchs  und  auch  die  üblichen  Schulen  besuchte.  Er 

verfügt über einen Sekundarschulabschluss Typ C. Eine Berufslehre absolvierte er 

nicht, arbeitete aber fortwährend – so auch bereits kurz nach der Haftentlassung 

wieder  –  in  verschiedenen  Funktionen,  zumeist  in  Temporäranstellung,  im  Bau-

gewerbe.  Seinen  monatlichen  Durchschnittsnettoverdienst  bezifferte  er  vor  Vor-

instanz auf Fr. 6'000.– bis Fr. 7'000.–. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte 

er aktualisierend aus, dass er temporär bei L._____ AG als Schaler angestellt sei 

und  monatlich  Fr. 7'000.–  brutto  verdiene.  Er  habe  etwa  Fr. 50'000.–  Schulden, 

wobei  es  sich  um  Steuerschulden,  Krankenkassenbeiträge  und  andere  Sachen 

handle. Im Moment sei er nicht am Abzahlen, weil er eine Familie habe, die seine 

Hilfe brauche und auch noch einen andere Familie bzw. seine Eltern. Er wohne bei 

den Eltern. Seine Partnerin, mit welcher er einen 1 ½ jährigen Sohn habe, wohne 

im Kanton M._____ (Urk. 136 S. 2 ff.). Dies alles bleibt ohne Auswirkung auf die 

Strafzumessung.

Moderat strafmindernd ist sein schliesslich erfolgtes Geständnis zu würdigen, da 

dieses die Beweisführung – bei allerdings guter Beweislage – etwas vereinfachte. 

Überdies  ermöglichten  die  Aussagen  des  Beschuldigten,  den  dritten  Mann 

(E._____) zu identifizieren, was mit einer zusätzlichen Strafreduktion zu würdigen 

ist.  Die  heute  bestehende  Vorstrafenlosigkeit  ist  neutral  zu  werten.  Weitere,  die 

Strafzumessung beeinflussende Täterkomponenten fehlen. Jedoch ist im Sinne ei-

nes  weiteren  Strafzumessungsgrundes  eine  Verletzung  des  Beschleunigungs-

gebotes im Sinne einer insgesamt überlangen Verfahrensdauer zu monieren. So 

stellte das Bundesgericht im parallelen Verfahren von D._____ bereits eine Verlet-

zung des Beschleunigungsgebotes in Haftsachen fest (vgl. Entscheid 1B_672/2021 

vom 30. Dezember 2021) was auch für den Beschuldigten gelten muss (Urk. 117 

S. 6 und S. 90). Anderseits benötigte die Vorinstanz zwischen Urteilseröffnung und 

- 35 -

Versand des begründeten Urteils rund achteinhalb Monate für die Erstellung der 

schriftlichen  Begründung.  Dies  erscheint  angesichts  des  Aktenumfangs  (sechs 

Bundesordner sowie zwei Aktentheke, exkl. Beizugsakten) selbst mit Blick darauf, 

dass das Verfahren in einen gesamten Verfahrenskomplex, umfassend sieben ge-

trennte  Verfahren,  eingebunden  war,  und  das  Urteil  schliesslich  114 Seiten  um-

fasste, doch als eher lang. Diesem Aspekt ist deshalb durch eine weitere Strafre-

duktion von insgesamt vier Monaten Rechnung zu tragen. 

5.7.

Zusammenfassend  ist  der  Beschuldigte  somit  mit  22  Monaten  Freiheits-

strafe zu bestrafen. Daran anzurechnen sind 575 Tage erstandene Untersuchungs- 

und Sicherheitshaft sowie vorzeitiger Strafvollzug (Art. 51 StGB).

5.8. Dem Beschuldigten ist der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe zu gewähren 

(vgl. Art. 42 StGB), da er keine Vorstrafen hat (Urk. 134) und somit als Ersttäter zu 

behandeln ist. Es ist davon auszugehen, dass die erstandene Haft ihn genügend 

beeindruckt hat, um ihn von einer weiteren Delinquenz abzuhalten. Die Probezeit 

ist auf das gesetzliche Minimum von 2 Jahren festzulegen (Art. 44 Abs. 1 StGB).

6.

Landesverweisung

6.1. Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger der Republik Kosovo und hat mit den 

sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  gemäss  Art. 187  Ziff. 1  aStGB  sogenannte 

Katalogtaten begangen, welche bei ausländischen Tätern gemäss Art. 66a StGB, 

vorbehältlich  der  Bejahung  eines  Härtefalls,  zu  einer  obligatorischen  Landesver-

weisung führen (vgl. Art. 67a Abs. 1 lit. h und Abs. 2 StGB; vgl. zu den konkreten 

Voraussetzungen und der massgebenden Bundesgerichtspraxis die erstinstanzli-

chen Ausführungen in Urk. 117 S. 94 ff.). 

6.2. Die Vorinstanz verneinte einen persönlichen Härtefall und verwies den Be-

schuldigten sodann für acht Jahre des Landes, wobei sie gleichzeitig die Ausschrei-

bung  der  Ausweisung  im  Schengener  Informationssystem  (SIS)  anordnete 

(Urk. 117 S. 96 ff.).

- 36 -

Während  der  Beschuldigte  den  Verzicht  auf  eine  Landesverweisung  beantragt 

(Urk. 119 und Urk. 137), plädiert die Staatsanwaltschaft in ihrer Anschlussberufung 

dafür, deren Dauer auf zehn Jahre zu erhöhen (Urk. 124 und Urk. 139).

6.3. Wie  obenstehender  Darstellung  des  Vorlebens  und  der  persönlichen 

Verhältnisse  zu  entnehmen  ist,  kam  der  Beschuldigte  mit  etwa  elf  Jahren  in  die 

Schweiz,  wo  er  heute  über  eine  Niederlassungsbewilligung  C  verfügt.  Mithin 

handelt es sich bei ihm weder um einen sogenannten "Secondo", der bereits hier 

geboren und (vollständig) aufgewachsen ist, noch kam er erst nach Abschluss der 

prägenden  Kinder-  und  Jugendjahre  hierher.  Erfahrungsgemäss 

ist  eine 

Übersiedlung zu Beginn der oder in der Pubertät oft mit grossen Problemen ver-

bunden,  da  die  Kinder  in  einem  kritischen  Alter  gleichsam  entwurzelt  werden, 

jedoch nicht mehr derart anpassungsfähig sind, dass sie den Übergang in einen 

neuen, fremden Kulturkreis (inkl. Sprache etc.) mit Leichtigkeit schaffen. Dies zeigt 

sich  auch  an  der  Biographie  des  Beschuldigten.  Wie  er  selbst  ausführte,  wurde 

seine  schulische  Laufbahn  durch  die  fehlenden  Sprachkenntnisse  deutlich  ge-

hemmt. So wurde er nach seiner Ankunft in der Schweiz um Jahre zurückgestuft, 

da  er  zunächst  Deutsch  lernen  musste  und  auch  die  schulischen  Vorkenntnisse 

ungenügend waren. Nach dem Abschluss der Sekundarschule Typus C machte er 

sodann  keine  Lehre,  sondern  arbeitete  sogleich  und  bis  heute  in  verschiedenen 

Funktionen auf dem Bau. Nachdem er zunächst einige Jahre eine Festanstellung 

innehatte,  arbeitete  er  seither,  nun  schon  jahrelang  in  Temporäranstellungen  im 

Stundenlohn, womit er ein monatliches Einkommen von zwischen Fr. 6'000.– bis 

Fr. 7'000.-  erwirtschaftet.  Offenbar  auch,  weil  er  bereit  ist,  regelmässig  Über-

stunden zu leisten. Obwohl er somit grundsätzlich gut verdiente, weist er namhafte 

Schulden von heute noch Fr. 50'000.– aus, die primär aus einer früheren Spielsucht 

stammen  sollen  (Urk. 5/7  S. 36 f.,  Prot. I  S. 217 ff.).  Anlässlich  der  Berufungs-

verhandlung führte er aus, er habe aus der Spielsucht keine Schulden mehr. Die 

Fr. 50'000.–  würden  Steuern,  Krankenkassenbeiträge  und  andere  Sachen  be-

treffen (Urk. 136 S. 2 f.). Seine sozialen Kontakte scheinen primär im erweiterten 

Familienkreis zu liegen. Er lebt noch bei seinen Eltern, auch um die Schuldentilgung 

zu erleichtern. Allerdings scheint dies in seiner Familie auch üblich zu sein, leben 

gemäss seinen Angaben doch auch seine Brüder (teils samt eigener Familie) bei 

- 37 -

den Eltern in der der Familie gehörenden Eigentumswohnung. Einzig die verhei-

ratete Schwester hat die elterliche Wohnung mittlerweile verlassen (Urk. 5/1 S. 6, 

Urk. 24/14 S. 2 ff.). Er führt seit seiner Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug 

anfangs 2022 eine Beziehung mit einer einige Jahre älteren Schweizerin, welche 

dabei sei, aus Interesse an seiner Kultur Albanisch zu lernen (Prot. I S. 221 und 

S. 224 f.). Zwischenzeitlich ist er mit ihr verlobt und hat seit mm.2023 einen Sohn, 

wobei er ihn bis heute nicht anerkannt hat (Urk. 136 S. 5). Der albanischen Sprache 

scheint  er  in  Wort  und  Schrift  grundsätzlich  mächtig,  auch  wenn  er  seine 

Kenntnisse im Verfahren heruntergespielt hat. Immerhin ist den vorliegenden Chats 

(Urk. 17/4-9) zu entnehmen, dass er sich problemlos auf Albanisch verständigen 

kann.  Den  Kosovo  kennt  er  überdies  aus  regelmässigen  Ferienaufenthalten 

(Urk. 5/4  S. 2 f.,  Prot. I  S. 222 f.).  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  gab  der 

Beschuldigte  an,  seine  Verwandten  aus  dem  Kosovo  seien  mittlerweile  alle 

weggezogen. Es sei niemand mehr dort (Urk. 136 S. 4 und S. 8). Das letzte Mal sei 

er  im  Sommer  2024  im  Kosovo  in  den  Ferien  gewesen  (Urk.  136  S.  5).  Der 

Beschuldigte ist demnach nach wie vor mit seinem Heimatland und den dortigen 

Verhältnissen vertraut. Zudem ist davon auszugehen, dass bei einer Ausweisung 

auch  ein  gewisser  sozialer  Empfangsraum  besteht,  obschon  der  Beschuldigte 

vorbrachte, die Verwandte seien alle weggezogen. 

6.4. Mit  Blick  auf  das  vorstehend  Geschilderte  kann  dem  Beschuldigten  zwar 

durchaus  eine  einigermassen  gelungene  sprachliche  und  berufliche  Integration 

zugebilligt  werden,  an  besonders  intensiven,  über  eine  normale  Integration  hin-

ausgehenden  privaten  Beziehungen  beruflicher  und 

insbesondere  gesell-

schaftlicher Natur fehlt es jedoch. Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Integration 

durch eine massive Verschuldung – namentlich auch gegenüber der öffentlichen 

Hand – belastet ist, deren Abzahlung voraussichtlich noch Jahre dauern wird. Den 

andauernden  Temporäranstellungen  haftet  zudem  etwas  prekäres  an.  Der  Be-

schuldigte  ist  mittlerweile  verlobt  und  hat  einen  1  ½  jährigen  Sohn,  welchen  er 

jedoch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht anerkannt hat. Der Sohn lebt bei der Mutter 

im Kanton M._____, währenddessen der Beschuldigte bei seinen Eltern in N._____ 

lebt. Der Beschuldigte ist mithin weder sorge- noch obhutsberechtigt, weshalb sein 

Sohn im Falle einer Landesverweisung faktisch nicht gezwungen ist, die Schweiz 

- 38 -

mit dem Beschuldigten zu verlassen (vgl. dazu Urteil 6B_49/2022 vom 28. August 

2024  E. 3.2.8).  Vielmehr  kann  er  bei  seiner  Mutter  in  der  Schweiz  verbleiben. 

Zudem  wurde  das  Kind  in  Kenntnis  der  erstinstanzlichen  Verurteilung  und  damit 

der  drohenden  Landesverweisung  gezeugt.  Es  ist  dem  Beschuldigten  daher 

zuzumuten, der Familie auch vom Kosovo aus finanzielle Unterstützung zu leisten 

und mit seiner Partnerin bzw. dem Sohn telefonisch, brieflich oder über die sozialen 

Medien den Kontakt aufrecht zu erhalten. Dass ihm die Resozialisierung in seinem 

Heimatland Kosovo gelingen würde, ist zu vermuten, nachdem er mit Sprache und 

Kultur  vertraut  ist  und  seine  umfangreiche  Arbeitserfahrung  im  Baugewerbe  dort 

uneingeschränkt  verwertbar 

ist.  Die  zugestandenermassen  schlechteren 

Verdienstmöglichkeiten  vermögen  sodann  keinen  Härtefall  zu  begründen  (Urteil 

6B_487/2021  vom  3. Februar  2023  E. 5.7.2  m.w.H).  Insgesamt  ist  damit  das 

Vorliegen  eines  schweren  persönlichen  Härtefalls  –  mit  der  Vorinstanz –  zu 

verneinen, womit sich eine Interessenabwägung erübrigt.

6.5. Nachdem heute der gewichtige Vorwurf der Vergewaltigung fallen zu lassen 

und die Strafe spürbar zu reduzieren ist, ist die vorinstanzlich verhängte Dauer der 

Landesverweisung von acht Jahren zu reduzieren. Das Verschulden wiegt tiefer. In 

Anbetracht  der  konkreten  Umstände  und  der  auszusprechenden  Strafe  von 

22 Monaten Freiheitsstrafe ist die Landesverweisung auf 5 Jahre festzusetzen.

6.6. Was  die  Ausschreibung  der  Landesverweisung  im  Schengener  Informati-

onssystem angeht, sind vorliegend die Grundvoraussetzungen erfüllt, wie dies be-

reits  die  Vorinstanz  in  ihren  detaillierten  Erwägungen  zutreffend  festgehalten  hat 

(Urk. 117 S. 98 f.). Kosovo ist nicht Mitgliedstaat des Schengen-Übereinkommens 

und die für die Katalogtaten auszusprechende Strafe von 22 Monaten (vgl. Ziff. 5.5 

vorstehend) übertrifft die Jahresgrenze gemäss Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verord-

nung.  Unabhängig  von  der  Voraussetzung  von  Art.  24  Abs.  2  lit.  a  SIS-II-Ver-

ordnung  in  Bezug  auf  die  abstrakte  Strafandrohung  ist  gemäss  Bundesgericht 

kumulativ jedoch stets zu prüfen, ob von der betroffenen Person eine Gefahr für die 

öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht. Damit wird dem in Art. 21 SIS-II-Ver-

ordnung  verankerten  Verhältnismässigkeitsprinzip  Rechnung  getragen  (BGE 147 

IV 340 E. 4.8). Vorliegend wiegt die konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

- 39 -

und Ordnung nicht so stark, dass eine Ausschreibung der Landesverweisung im 

SIS  angezeigt  ist.  Folglich  ist  dem  Eventualantrag  der  Verteidigung  (Urk. 137 

S. 18 f.) stattzugeben und von einer Ausschreibung der Landesverweisung im SIS 

abzusehen. 

7.

Tätigkeits-, Kontakt- und Rayonverbot

7.1. Was das beantragte Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 StGB angeht, so findet 

dieses in Art. 67 Abs. 3 lit. b und c StGB seine Grundlage, wobei dem Gericht von 

Gesetzes wegen kein Ermessensspielraum verbleibt. 

Entsprechend  ist  dem  Beschuldigten  in  Anwendung  von  Art. 67  Abs. 3  StGB 

lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die 

einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu verbieten. 

7.2. Weiter ordnete die Vorinstanz auf Antrag der Privatklägerin ein auf Art. 67b 

StGB fussendes Kontakt- und Rayonverbot an, womit sie dem Beschuldigten für 

die Dauer von fünf Jahren verbot, sich der Privatklägerin anzunähern oder mit ihr 

direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen. Sie führte dazu aus, es sei 

insbesondere  dem  Umstand  Rechnung  zu  tragen,  dass  sich  die  Privatklägerin 

bereits  mehrfach  mit  Kontaktaufnahmen  und  Beeinflussungsversuchen  von 

aussenstehenden  Personen  konfrontiert  gesehen  habe.  So  habe  sie  sowohl  im 

Untersuchungsverfahren  als  auch  anlässlich  der  Hauptverhandlung  ausgeführt, 

dass  sie  mehrfach  und  von  verschiedenen  Personen  angesprochen  worden  sei, 

weshalb  sie  gewisse  Personen  in  das  vorliegende  Verfahren  miteinbeziehe  und 

Vorwürfe  gegen  diese  erhebe.  Zudem  sei  sie  auch  schon  mehrfach  bedrängt 

worden, keine Aussagen zu tätigen bzw. eine Person habe ihr sogar Geld ange-

boten,  um  anlässlich  der  gerichtlichen  Hauptverhandlung  die  Vorwürfe  zurück-

zunehmen. Allgemein hätten verschiedene Personen versucht, ihr ein schlechtes 

Gewissen  einzureden  (Urk. 117  S. 101 f.).  Gegenüber  der  Kammer  erklärte  die 

Privatklägerin  hierzu,  dass  es  seit  der  erstinstanzlichen  Verhandlung  zu  keinen 

Kontaktversuchen mehr gekommen sei (Urk. 135 S. 7 f.).

- 40 -

7.3. Die Verteidigung zeigte sich vor Vorinstanz mit dem beantragten Kontakt-

verbot  ausdrücklich  einverstanden  (Prot. I  S. 243).  Im  Berufungsverfahren  führte 

die  Verteidigung  aus,  der  Beschuldigte  wäre  im  Falle  eines  Schuldspruchs  mit 

einem Rayon- und Kontaktverbot einverstanden (Prot. II S. 18).

7.4. Gemäss den Angaben der Privatklägerin in ihrer Einvernahme vom 15. Sep-

tember 2020 hatte ein O._____ sie über Instagram kontaktiert und gefragt, ob sie 

nicht irgendetwas machen könne, damit die – gemeint gewesen seien D._____ und 

der Beschuldigte – eine mildere Strafe hätten. Er habe dabei anständig gesprochen 

und sie gebeten, dies für sich zu behalten (Urk. 6/18 S. 18). Dieser Vorfall ereignete 

sich,  als  der  Beschuldigte  bereits  inhaftiert  war,  und  erfolgte  offensichtlich  ohne 

seine Kenntnis und Instruktion. Weiter erklärte die Privatklägerin vor Vorinstanz, sie 

habe  gegen  den  Schluss  (wohl  gemeint:  des  Untersuchungsverfahrens)  von  der 

Familie von C._____ Nachrichten bekommen und auch von Kollegen von ihm, die 

sinngemäss an ihr Mitleid appelliert und sie stark in Mitleidenschaft gezogen hätten, 

sodass  sie  schlaflose  Nächte  gehabt  habe.  Zudem  sei  sie  kurz  vor  der 

erstinstanzlichen Verhandlung von der Cousine von C._____ kontaktiert worden, 

welche ihr Vorschläge gemacht habe, was sie machen könnte, damit es "nicht so 

schlimm kommt", sie solle sagen, der Sex sei freiwillig gewesen, dafür würden sie 

ihr mit den Kosten helfen. Auch ein Kollege von C._____ habe ihr Geld geboten, 

Fr. 10'000.– bzw. Fr. 20'000.– dafür, dass sie sage, dass sie das mit dem Sex alles 

gewollt  habe  (Prot. I  S. 90 f.,  S. 97 f.  und  S. 195 ff.).  Aus  der  nachfolgenden 

Äusserung des Beschuldigten ergibt sich, dass er zumindest über den Kontakt mit 

der Cousine Bescheid wusste (Prot. I S. 99 und S. 120 f.). 

7.5. Aus vorgenannten Äusserungen der Privatklägerin erhellt, dass es bei den 

versuchten Einflussnahmen aus dem Umfeld (primär von C._____, aber auch) des 

Beschuldigten  darum  ging,  die  Aussagen  der  Privatklägerin  und  damit  den  Pro-

zessausgang  zu  Gunsten  der  Beschuldigten  zu  beeinflussen.  Inwiefern  nach 

rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens die Gefahr besteht, dass bei einem 

Kontakt zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin der Beschuldigte er-

neut ein Verbrechen oder Vergehen begehen wird, wie dies Voraussetzung eines 

Kontaktverbots  gemäss  Art. 67b  Abs. 1  StGB  ist  (vgl.  hierzu  BSK  StGB-

- 41 -

Hagenstein,  2019,  Art.  67b  N 28 f.),  ist  demgegenüber  nicht  ersichtlich.  Hinzu 

kommt, dass weder durch den Beschuldigten ausgeübte Gewalt, noch Drohungen 

oder  Nachstellungen  zulasten  der  Privatklägerin  im  vorliegenden  Verfahren  je 

Thema gewesen sind, was aber Voraussetzung für ein zivilrechtliches Kontaktver-

bot wäre (vgl. Art. 28b ZGB).

Damit ist von einem Kontakt- und Rayonverbot abzusehen. 

8. Weitere Massnahmen

8.1. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, wurden einzig eine 

graue Sporthose sowie ein graues Traineroberteil, beides dem Beschuldigten ge-

hörend, offiziell beschlagnahmt (Urk. 117 S. 101 f.). Entsprechend ist auch nur über 

das Schicksal dieser Gegenstände mit Urteil zu befinden (vgl. Art. 267 Abs. 3 StPO) 

und  sind  diese,  da  sie  lediglich  zu  Beweiszwecken  beschlagnahmt  wurden 

(Urk. 14/5), dem Beschuldigten herauszugeben.

8.2. Da eine Landesverweisung auszusprechen ist, richtet sich die Löschung des 

DNA-Profils des Beschuldigten nach Art. 16 Abs. 2 lit. h des DNA-Profil-Gesetzes 

(SR 363; Löschung nach 30 Jahren; Art. 259 StPO). Sein (schon vor Vorinstanz 

gestellter) Antrag um sofortige Löschung ist damit abzuweisen.

9.

Zivilansprüche

9.1. Die Privatklägerin stellte vor Vorinstanz Antrag auf Feststellung der Scha-

denersatzpflicht  des  Beschuldigten  dem  Grundsatze  nach  sowie  Vormerknahme 

eines  Nachklagevorbehalts.  Weiter  sei  der  Beschuldigte  in  solidarischer  Haftung 

mit D._____ und E._____ zur Leistung einer Genugtuung von Fr. 30'000.–, mit ei-

nem internen Anteil des Beschuldigten von Fr. 16'000.–, zu verurteilen, zuzüglich 

5 % Zins seit 10. April 2019 (Urk. 96 S. 1 f. in Verbindung mit Urk. 85). 

Betreffend Schadenersatzforderung dem Grundsatz nach verwies sie zur Begrün-

dung darauf, dass die genaue Höhe des Schadens noch nicht feststehe, da sie erst 

am  Anfang  der  traumatherapeutischen  Aufarbeitung  stehe  (Urk. 85  S. 8  sowie 

Urk. 96 S. 22). 

- 42 -

Was die Höhe der geforderten Genugtuung angeht, so bezog sich die Rechtsbei-

ständin der Privatklägerin in ihren Ausführungen primär auf gewaltsam ausgeübten 

sexuellen Missbrauch bei Mehrfachtäterschaft, wobei ihren Ausführungen für alle 

drei erwachsenen Täter Geltung zukam. Gleichzeitig stellte sie unter Verweis auf 

die dazu eingereichten medizinischen Berichte aber auch die subjektiven Auswir-

kungen  auf  die  Privatklägerin  dar.  Die  sexuellen  Handlungen  mit  verschiedenen 

Kollegen von C._____ hätten an ihrem Wohnort und in ganz H._____ die Runde 

gemacht. Fotos davon kursierten immer noch. Die Privatklägerin sei aufgrund der 

fast unermesslich schwierigen Situation nicht in der Lage gewesen, die Schule or-

dentlich abzuschliessen. Wenn auch nicht zu verkennen sei, dass der grösste Anteil 

der Verursachung des Leidens bei C._____ liege, hätten doch die Taten der erheb-

lich älteren Täter für die Privatklägerin etwas ganz besonders Abscheuliches und 

sie sei dadurch massiv belastet, wie die Befragung gezeigt habe. Sollte die Taten 

"lediglich" als sexuelle Handlungen mit einem Kind gewürdigt werden, dürften die 

Genugtuungen nicht wesentlich tiefer liegen als bei Vergewaltigung/sexueller Nöti-

gung, da aus genugtuungsrechtlicher Sicht die immaterielle Unbill beim Opfer nicht 

tiefer liege und sich die Tatschwere und die dadurch entstehende Belastung nicht 

in  erster  Linie  an  der  rechtlichen  Qualifikation  der  Taten  bemesse.  Gemäss 

Hütte/Landolt belaufe sich diesfalls die Durchschnitts-Basisgenugtuung selbst ohne 

orale oder vaginale Penetration auf Fr. 5'000.– bis Fr. 10'000.– (Urk. 96 S. 15 ff., 

S. 19 in Verbindung mit Urk. 85 S. 4 ff.).

9.2. Vor  Vorinstanz  und  vor  Berufungsgericht  äusserte  sich  die  Verteidigung 

nicht zu den geltend gemachten Zivilansprüchen. 

9.3. Dem  Abschlussbericht  der  Psychiatrischen  Dienste  des  Spitals  Thurgau 

vom  15. April  2020  über  die  vom  1. Oktober  2019  bis  30. Januar  2020  durchge-

führte, schon vor der Heimeinweisung der Privatklägerin begonnene Multisystemi-

sche Therapie (MST) ist zu entnehmen, dass bei der stark traumatisierten Privat-

klägerin  der  Verdacht  auf  eine  Posttraumatische  Belastungsstörung  vorliege, 

weshalb  eine  weiterführende  diagnostische  Abklärung  sowie  eine  enge  trauma-

therapeutische Begleitung zwingend notwendig erscheine (Urk. 90/3).

- 43 -

Gemäss dem Therapiebericht der in der Folge beigezogenen Psychotherapeutin 

vom 8. Mai 2022 zeige die Privatklägerin deutliche Zeichen einer komplexen post-

traumatischen Belastungsreaktion (ICD-11 6B41). Sie zeige eine tiefe Traurigkeit. 

Ausserdem fielen im Kontakt mit ihr dissoziative Symptome auf. Zudem schildere 

sie eindrücklich Gefühle tiefer Hilflosigkeit und Ohnmacht. Sie befinde sich trauma-

bedingt in einer ständigen Übererregung (zu hoher Stress im Körper/Gehirn), was 

ihre Belastbarkeit einschränke und sich u.a. in erhöhter Schreckhaftigkeit, Konzen-

trationsstörungen und Schlafstörungen zeige. Ausserdem werde sie von stetigen 

"Flashbacks" in Form von Affekten, Albträumen, Bildern und Körperempfindungen 

belastet. Die Privatklägerin sei durch die über viele Monate andauernden und zahl-

reichen traumatischen Ereignisse schwer belastet. In der Traumatherapie konzen-

triere  man  sich  deshalb  vorerst  auf  Krisenintervention,  psychische  Stabilisierung 

und  die  Festigung  ihres  Alltags.  Die  eigentliche  Verarbeitung  in  Form  einer 

Konfrontation  mit  den  traumatischen  Erlebnissen  werde  in  absehbarer  Zeit  nicht 

möglich bzw. nicht angebracht sein (Urk. 86/1).

9.4. Mit der Vorinstanz, auf deren Ausführungen – um Wiederholungen zu ver-

meiden  –  verwiesen  wird,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Feststellung  einer 

grundsätzlichen  Schadenersatzpflicht  betreffend  aus  den  vorliegenden  Delikten 

zum Nachteil der Privatklägerin resultierende finanzielle Schäden erfüllt (Urk. 117 

S. 104 f.), weshalb dieser Antrag gutzuheissen ist. Die Festsetzung der genauen 

Schadenshöhe wird dabei den zuständigen Zivilgerichten vorbehalten sein, soweit 

sich  die  Parteien  nicht  aussergerichtlich  einigen  können.  Einer  Vormerknahme 

eines  Nachklagevorbehalts  bedarf  es  dafür,  wie  bereits  von  der  Vorinstanz  er-

wogen, nicht. 

9.5. Hinsichtlich  der  geforderten  Genugtuung  hat  die  Vorinstanz  darauf  hinge-

wiesen, das dem Beschuldigten mit Bezug auf die Handlungen von E._____ und 

D._____ keine Mittäterschaft angelastet werde, was eine solidarische Haftung aus-

schliesse. Folgerichtig beschränkte sie ihren Entscheid auf die vom Beschuldigten 

persönlich geschuldete Genugtuung, wobei sie darauf hinwies, dass eine allfällige 

solidarische  Haftung  von  C._____  –  über  welche  aufgrund  prozessualer  Hinder-

nisse nicht im vorliegenden Verfahren entschieden werden könne – auf dem Zivil-

- 44 -

weg durchzusetzen sei (Urk. 117 S. 105 f.). Dies wurde von der Privatklägerin nicht 

angefochten und hat damit auch für das Berufungsgericht Geltung, da ansonsten 

das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO verletzt würde. 

Sodann  kann  dem  Beschuldigten  zwar  nicht  angelastet  werden,  eine  psychisch 

ausweglose  Zwangssituation  der  Privatklägerin  zu  seinem  Vorteil  bestärkt  und 

verwendet  zu  haben,  jedoch  hat  er  doch  zumindest  skrupellos  von  einer  wahr-

genommenen  Abhängigkeit  der  Privatklägerin  von  C._____  bzw.  deren  Notlage 

profitiert und dabei zweimal Geschlechtsverkehr mit der doch recht deutlich noch 

im Schutzalter stehenden Privatklägerin vollzogen, was als schuldhafter Eingriff in 

deren sexuelle Integrität und Entwicklung zu beurteilen ist. Auch wenn die von ihr 

belegten  psychischen  Probleme  (komplexe  posttraumatische  Belastungsstörung, 

kPTBS)  im  Wesentlichen  durch  die  nötigenden  Übergriffe  von  C._____  und 

weiteren  Mittätern  verursacht  worden  sein  dürften  (gemäss  den  vorliegenden 

Einvernahmen von C._____ gab es noch zahlreiche sexuelle Nötigungsdelikte zum 

Nachteil der Privatklägerin), ist doch davon auszugehen, dass auch der zweimalige 

Geschlechtsverkehr  mit  dem  erwachsenen  Beschuldigten  die  Psyche  der 

Privatklägerin tangiert und ihr seelisches Leiden vergrössert hat, zumal sie hier mit 

einem deutlich älteren, gar mehr als doppelt so alten Mann, der nicht ansatzweise 

ihrem Kollegenkreis angehörte, Geschlechts- und auch Oralverkehr hatte, obwohl 

sie dies innerlich ablehnte. Wie prägend und schwer zu verarbeiten die Ereignisse 

vom 10. April 2019 für die Privatklägerin waren, zeigt sich einerseits darin, dass sie 

diese  gar  dazu  bewegen  konnten,  (endlich)  eine  Anzeige  gegen  C._____  zu 

erstatten und wahrheitsgetreue Aussagen zu machen (Urk. 6/3 S. 22). Anderseits 

zeugt auch ihre tiefgreifende emotionale Reaktion anlässlich der entsprechenden 

Befragungen  (Urk. 6/3  S. 21  in  Verbindung  mit  Urk. 6/4  S. 1;  Prot. I  S. 177),  wie 

sehr  die  Ereignisse  sie  noch  Jahre  danach  belasten.  Damit  sind  die 

Voraussetzungen einer durch die Taten des Beschuldigten verursachten schweren 

Persönlichkeitsverletzung  sowie  immaterieller  Unbill  erfüllt  (vgl.  dazu  Landolt, 

Genugtuungsrecht,  2. Auflage  2021,  S. 203).  Unter  Verweis  auf  die  obzitierten 

Ausführungen  der  Rechtsbeiständin  der  Privatklägerin  scheint  hier  eine 

Basisgenugtuung  von  Fr. 10'000.–  den  Tatumständen  jedenfalls  angemessen. 

Aufgrund  der  zweifachen  Tatbegehung  und  dem  zusätzlichen,  ungeschützten 

- 45 -

Oralverkehr  ist  dieser  Betrag  auf  die  beantragten  Fr. 16'000.–  zu  erhöhen.  Die 

sexuellen  Akte  dauerten  jeweils  bloss  wenige  Minuten  und  erfolgten  (was  den 

Vaginalverkehr  angeht)  geschützt  und  überdies  auch  gewaltfrei.  Auch  war  die 

Privatklägerin  kein  vorpubertäres,  sexuell  unerfahrenes  Kind,  sondern  ein  dies-

bezüglich durchaus erfahrener Teenager. Jedoch hatte sie nicht selbstbestimmt in 

die  sexuellen  Handlungen  eingewilligt,  was  dem  Beschuldigten  bewusst  war. 

Zudem  reihten  sich  die  sexuellen  Handlungen  des  Beschuldigen  vor,  nach  und 

kurzzeitig sogar gleichzeitig mit denjenigen von E._____ ein, womit insgesamt von 

einem  längerdauernden  Martyrium  zu  sprechen  ist,  wobei  der  Beschuldigte 

abschliessend  gar  noch  sein  Sperma  auf  Körper  und  Gesicht  der  Privatklägerin 

verteilte, was eine zusätzliche Erniedrigung darstellt. Wie den vorliegenden Unter-

lagen zu entnehmen ist, hat die Privatklägerin jahrelang Therapie benötigt, um die 

Übergriffe in ihrer Gesamtheit verarbeiten zu können. Die Therapie hat sie beendet, 

weil  sie  bzw.  ihre  Eltern  sie  nicht  mehr  finanzieren  konnten  (Urk.  135  S. 4  und 

S. 14 f.).  Die  dem  Beschuldigten  auferlegte  Genugtuungsleistung  vermag  denn 

auch nur einen Bruchteil der gesamten immateriellen Unbill zu entschädigen, wie 

es seinem bei Gesamtbetrachtung bloss beschränkten Tatbeitrag angemessen ist. 

Die Genugtuungsleistung ist antragsgemäss zu verzinsen. 

10. Kosten- und Entschädigungsfolgen

10.1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 426  Abs. 1  StPO).  Die  Kosten  des  Berufungsverfahrens  sind  den  Parteien 

nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  und  Unterliegens  aufzuerlegen  (Art. 426  StPO 

bzw. Art. 428 Abs. 1 StPO). 

10.2. Die Kostenfestsetzung für das Vorverfahren und das Gerichtsverfahren vor 

erster  Instanz  gemäss  Dispositivziffer  11  des  Urteils  vom  7. Juli  2022  (Urk. 117 

S. 112) wurde keinerseits beanstandet und ist entsprechend zu bestätigen. Nach-

dem es heute zu keinem Freispruch kommt, bleibt es auch bei der vollständigen 

Kostenauflage, wie sie bereits die Vorinstanz vorgesehen hat. Die andere rechtli-

che Würdigung ändert an diesem Ergebnis nichts. 

- 46 -

10.3. Für das Berufungsverfahren ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 3'600.– zu er-

heben (§ 14 Abs. 1 lit. b GebV OG in Verbindung mit § 16 Abs. 1 GebV OG).

Während die Staatsanwaltschaft mit ihrer auf die Frage der Dauer der Landesver-

weisung  beschränkten  Anschlussberufung  unterliegt,  dringt  der  Beschuldigte  mit 

seiner Berufung insofern durch, als er nebst den mehrfachen sexuellen Handlun-

gen mit Kindern auch der lediglich als Vergehen ausgestalteten mehrfachen Aus-

nützung einer Notlage und nicht wegen des als Verbrechen schwerer wiegenden 

Vergewaltigungsvorwurfs  schuldig  zu  sprechen  ist.  Damit  verbunden  fällt  zudem 

auch  die  Strafe  spürbar  tiefer  aus.  Bei  dieser  Sachlage  sind  die  Kosten  dem 

Beschuldigten lediglich zu drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die 

Gerichtskasse zu nehmen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche ausgehend von den eingereichten 

Honorarnoten und des zusätzlichen Aufwandes für die Urteilseröffnung (inkl. Weg), 

das  Urteilsstudium  und  eine  Nachbesprechung  auf  insgesamt  Fr. 17'500.–  fest-

zusetzen  sind  (Urk. 143/1+2;  § 23  in  Verbindung  mit  § 17 f.  AnwGebV),  und  die 

Kosten  der  unentgeltlichen  Rechtsvertretung  der  Privatklägerin  von  Fr. 4'854.55 

(vgl.  die  entsprechende  Honorarnote,  Urk. 144;  § 23  in  Verbindung  mit  § 17 f. 

AnwGebV), sind sodann einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vor-

behalt  der  Rückforderung  von  drei  Vierteln  dieser  Kosten  beim  Beschuldigten 

(Art. 135 Abs. 4 StPO, teilweise in Verbindung mit Art. 138 Abs. 1 StPO). 

10.4. Mangels  Freispruchs  oder  Überhaft  fehlt  es  an  einer  Rechtsgrundlage  für 

die Zusprechung einer (Haft-)Entschädigung, wie der Beschuldigte dies fordert (vgl. 

Art.   429  Abs. 1  StPO  und  Art. 431  Abs. 2  StPO).  Der  Verletzung  des  Beschleu-

nigungsgebots  wurde  sodann  durch  Strafreduktion  angemessen  Rechnung  ge-

tragen, weshalb auch unter diesem Titel keine finanzielle Entschädigung zu leisten 

ist.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

- 47 -





der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB sowie

der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 
aStGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

575 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen 

Strafvollzug erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt. 

4.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes 

verwiesen.

5.

Es wird keine Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

6.

Dem Beschuldigten wird lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjähri-

gen umfasst, verboten.

7.

Von der Anordnung eines strafrechtlichen Kontakt- und Rayonverbotes ge-

genüber der Privatklägerin wird abgesehen. 

8.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 23. Juli 2020 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, 

Asservate-Triage, lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten oder 

einer von ihm bevollmächtigten Person nach Eintritt der Vollstreckbarkeit 

dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben:





Sporthose grau (A013'910'388)

Traineroberteil grau (A013'910'399)

Wird innert 3 Monaten ab Vollstreckbarkeit kein entsprechendes Begehren 

gestellt, wird der Gegenstand der Lagerbehörde zur Vernichtung bzw. gut-

scheinenden Verwendung überlassen.

- 48 -

9.

Der Antrag auf umgehende Löschung bzw. Vernichtung des DNA-Profils und 

des erkennungsdienstlichen Datenmaterials wird abgewiesen.

10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung 

des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen.

11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von 

Fr. 16'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 10. April 2019 zu bezahlen. 

12. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 11 und 12) 

wird bestätigt.

13. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

17'500.–   amtliche Verteidigung

4'854.55   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin.

14. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden dem Beschuldigten zu zwei Dritteln auferlegt und zu einem Drittel 

auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden zu zwei 

Dritteln einstweilen und zu einem Drittel definitiv auf die Gerichtskasse ge-

nommen, unter Vorbehalt einer Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im 

Umfang von zwei Dritteln gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO, teilweise in Verbin-

dung mit Art. 138 Abs. 1 StPO. 

15. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung von Entschädigung sowie 

Genugtuung wird abgewiesen.

16. Mündliche Eröffnung (am 29. Januar 2025) und schriftliche Mitteilung im 

Dispositiv an

- 49 -









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-
klägerin (übergeben)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-
klägerin

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an













die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, Güterstrasse 33, Post-
fach, 8010 Zürich betr. Dispositiv-Ziffer 8.

Rechtsanwalt lic. iur. X._____ betr. Dispositiv-Ziffer 8

17. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

- 50 -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 18. Dezember 2024

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw T. Künzle

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam ge-

macht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie 

die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheits-

strafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 

Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.