# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d9cc78c6-95d5-5e00-b569-257039b19146
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-29
**Language:** de
**Title:** Fallabschluss in somatischer Hinsicht rechtens; psych. adäquat unfallkausales Leiden nicht ausgewiesen; Kürzung Taggelder gestützt auf Art. 49 Abs. 2 UVV rechtens
**Docket/Reference:** UV.2019.00261
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00261.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00261
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
2
9.
Mai 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Schlegel Kempf Rechtsanwälte
Webernstrasse 5, Postfach, 8610 Uster
gegen
Helsana Unfall AG
Zürichstrasse
130, 8600 Dübendorf
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Helsana Versicherungen AG
Recht & Compliance
Postfach, 8081 Zürich Helsana
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1980
geborene
X.___
war seit dem
4.
Mai 2018
als
Kiosk
ver
käu
ferin
bei der
Y.___
angestellt und dadurch
bei der
Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe
rufsun
fällen versichert,
als sie
sich
am 1
4.
August 2018
anlässlich eines Sturzes an der linken Hand verletzte
(
v
gl.
Urk.
11/K1
Urk.
11/K5 S. 2;
vgl. demgegenüber
Urk.
11/K4,
Urk.
11/
M1 f.
, wonach
der Unfall am 1
2.
August 2018
erfolgt sei
).
Der am 1
4.
August 2018 erstbehandelnde Arzt diagnostizierte eine Metacarpale
IV Scha
f
tspiralfraktur links und attestierte der Versicherten eine 100%ige Arbeit
s
unfähigkeit (
Urk.
11/M2);
am 2
1.
August 2018
wurde
eine
offene Reposition und
Frakturversorgung
durchgeführt
(vgl. Operationsbericht
des
Z.___
,
Urk.
11/
M1).
Die Helsana anerkannte den Schadenfall und erbrachte die gesetz
lichen Leistungen (vgl.
Urk.
11/K7,
Urk.
11/K16
ff.
).
Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2019 teilte
sie der Versicherten
unter anderem mit, aufgrund des
Unfalls vom 1
4.
August
2018 bestehe kein weiterer Leistungsanspruch, zumal
die dabei erlittene Handverletzung durch das Ereignis vom
3.
Oktober 2018 (vgl.
hienach
Ziffer 1.2) richtunggebend ver
schlimmert worden sei (
Urk.
11/K
18).
1.2
Am
3.
Oktober 2018
zog sich die Versicherte durch Fremdeinwirkung
erneut
eine
Handverletzung links
z
u
(
Urk.
12/K1, vgl. auch Rapport der Kantonspolizei Zürich
vom
2.
November 2018
,
Urk.
12/K3)
.
Der selben Tags erstbehandelnde Arzt des
Z.___
diagnostizierte (1) eine multifragmentäre Fraktur Caput Os meta
carpale
Digitus
IV links
(
adominant
)
vom
3.
Ok
t
o
ber 2018,
(2) Status nach ORIF und Schrau
benosteosynthese APTUS 2.0 MC IV Hand links am 2
1.
August 2018 bei dislozierter,
diaphysärer
Schrägf
raktur MC IV Hand links vom 12. August 2018 (
Urk.
12/M1); a
m 11.
Oktober 2018 erfolgte
eine
operative Reposition
mit Osteosynthese
(
vgl. Operationsbericht des
Z.___
,
Urk.
12/M3). Die im wei
teren Verlauf entwickelte Bewegungseinschränkung mit zwischenzeitlicher
milder
tropischer Dysregulation
in der linken Hand
hatte die Revisionsoperation vom 2
1.
Janu
ar 2019 zur Folge (vgl. Operationsbericht des
Z.___
, Urk. 12/M8). A
m 1
4.
Februar 2019 gab
die die Helsana beratende
Dr.
med. A.___
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates
,
eine
medizinische
Beurteilung ab (
Urk.
12/M11). Im Bericht vom 1
6.
Febru
ar 2019
h
ielt
die behandelnde
Psychologin
lic
. phil. B.___
,
mit
gezeichnet von
m
ed.
pract
. C.___
,
Fachärztin FMH
Allgemeine Innere Medizin
und weitergebildet im Bereich
Homöopathie und Psychosomatik
,
(1) einen dringenden Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-
10: F
60.31
), (2) eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F
43.1
), (3) eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10: F 44), (4) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-D: F 32.1) sowie (5) eine belastende psychosoziale Situation (ICD-10: Z 56.6)
fest; bei alle dem sei die
Versichert
e
100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
12/M13). Darauf
hin holte die Helsana das psychiatrische Konsilium
des
sie
beratenden
Dr.
med. D.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 1
9.
März 2019 ein
(
Urk.
12/M14).
Mit Verfügung vom 2
5.
April 2019
stellte
die
Helsana die
Tag
gelder
zufolge
Wiedererlangen der 100%igen Arbeitsfähigke
it per 3
1.
März 2019 ein
; die Kosten für die laufende Psychotherapie würden noch bis längstens 2
1.
Juni 2019 übernommen. Zudem
kürzte sie
die
Taggelder, nicht aber die Hei
lungskosten,
für den Zeitraum vom 6.
Oktober 2018 bis 3
1.
März 2019
um 50
%
(
Urk.
12/K19
).
Die am 27.
Mai
2019
(Urk. 14
)
dagegen
erhobene Einsprache wies die Helsana mit
Einspracheentschei
d
vom 26.
September 2019 ab
(
Urk.
2).
2.
Dagegen er
hob
X.___
am 2
8.
Oktober
2019 Beschwerde und bean
tragte, es seien
ihr
in Aufhebung des
angefochtenen Entscheids vom 26. Septem
ber
2019
rückwirkend und über den
1.
April 2019 hinaus ungekürzte Ve
rsiche
rungsleistungen (Taggeld
, Rente, Integritätsentschädigung) sowie Heilungskosten auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Helsana zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2
).
Mit Nachtrag vom 3
1.
Oktober 2019 gab sie den Bericht von
Dr.
C.___
vom 2
2.
Juli 2019 zu den Akten (
Urk.
5,
Urk.
6).
Mit Be
schwerdeantwort vom 3. Dezember 2019
schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab
weisun
g der Beschwerde (
Urk.
10
), was der
Beschwerdeführer
in
am
5.
Dezem
ber
2019 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. Septembe
r 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Der hier zu beurteilende Sachverhalt
hat
sich
am
3.
Oktober 2018
ereignet, wes
halb die ab dem 1. Januar 2017 gültigen Normen
auf den vorliegenden Fall An
wen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6
des
UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.4
UV170500
Kürzung bei Wagnis und aussergewöhnlichen Gefahren
08.2018
Der Bundesrat kann aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leis
tungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kür
zung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1–3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
ordnen (Art. 39 UVG). Von dieser Kompetenzdelegation hat er in Art. 49 (betreffend aussergewöhnliche Gefahren) und 50 UVV (betreffend Wagnisse) Gebrauch gemacht.
1.5
UV170600
Fallabschluss, Ende Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen, Beginn des Anspruchs auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung
08.2018
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige)
Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prog
nostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbe
sondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezem
ber 2014 E. 3).
1.6
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.7
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zu
sammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.8
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – aus
gehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorge
nom
men wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr.
10 E. 2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde
füh
rerin sei aufgrund der medizinischen Abklärungen aus handchirurgischer Sicht seit dem
1.
April 2019 wieder voll einsatzfähig.
Mithin sei ab diesem Zeitpunkt keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten und der medizinische Endzustand erreicht. Sodann sei
gestützt auf den Rapport der
Kan
tonspolizei sowohl der Kürzungstatbestand nach
lit
. a als auch
lit
. b von
Art.
49
Abs.
2
UVV erfüllt. Betreffend die psychischen Leiden sei eine Unfall
kausalität gestützt auf die Einschätzung des beratenden Psychiaters
jedenfalls nicht sicher; zudem überwiegten
unfallfremde Faktoren.
Zudem würden allfällige psychische Unfallfolgen
im Normalfall innert dreier Monate ausheilen
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein,
der Fallabschluss sei zu früh erfolgt. Betreffend die linke Hand
sei die Weiterführung der Ergotherapie ärztlicherseits empfohlen worden. Zudem sei es bei der Arbeitsaufnahme als Reinigungskraft zu belastungsabhängigen Beschwerden gekommen, weshalb
der Beschwerdeführerin im September 2019
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei
.
In psy
chischer Hinsicht sei der Endzustand g
estützt auf die Einschätzung der behan
delnden Psychologin
ebenfalls
noch nicht erreicht. Demgegenüber sei der Bericht des
die Beschwerdegegnerin
beratenden Psychiaters sehr vage formuliert und
es
hätten
betreffend die Arbeitsfähigkeit weitere
Abklärungen durchgeführt werden müssen. Schliesslich sei ein Kürzungstatbestand allein gestützt auf den Polizei
rapport nicht erstellt. Insbesondere sei das Strafverfahren noch anhängig
und der genaue Tathergang damit noch nicht erstellt. Entsprechende Einvernahmen stün
den noch bevor. Eventualiter seien die Akten des Strafverfahrens zu editieren und
bis zu einem
Entscheid betreffend Leistungskürzung bis zum Ausgangs des Straf
verfahrens zu sistieren. Selbst wenn lediglich auf den Polizeirapport abgestellt würde, sei die Leistungskürzung ungerechtfertigt. Habe die Beschwerdeführerin doch im Vorfeld
die Polizei avisiert und um
Begleitung ersucht
. Zudem
habe sie d
ie Wohnung erst nach Eintreffen
der Polizei und nachdem der Exfreund mit einem der Polizeibeamten
auf den Sitzplatz gegangen sei, betreten. Mithin habe sie nicht damit rechnen müssen, dass der Exfreund in Anwesenheit der Polizei ins Schlafzimmer stürme, sie an der Hand packe und
verletze. Im Gegenteil
habe sie Vorkehrungen getroffen, um die Kleider in einem geschützten Rahmen abzu
holen
(
Urk.
1).
3.
3.
1
Der angefochtene Entscheid
vom 2
6.
September 2019 (Urk. 2), welche
r
(in soma
tischer Hinsicht)
ausschliesslich den
Taggeld
a
nspruch
und dessen Umfang sowie
(in psychiatrischer Hinsicht)
den Anspruch auf Heilungskosten
zum Inhalt hat, bildet den Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens und stellt eine Sachurteilsvoraussetzung dar (BGE 125 V 413 E. 1a). Soweit
die Beschwerde
führerin
vorliegend
eine Rente sowie Integritätsentschädigung
beantragt
(
Urk.
1 S. 2), liegt ihr
Rechtsbegehren ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes
; dies hat sie
im Rahmen der Beschwerdebegründung
selbst zutreffend ausgeführt
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
2.6
). Mithin
ist
diesbezüglich auf die Beschwerde nicht einzutreten (vgl. auch Urteil IV.2015.00623 des hiesigen Gerichts vom 14. Juni 2016 E.3.2 und 3.3).
3.2
St
rittig und zu prüfen ist
zunächst
die Einstellung der Taggelder per 3
1.
März 2019
sowie
deren Kürzung um 50
%
seit dem
6.
Oktober 201
8.
Umstritten
und zu prüfen
ist
ausserdem
, ob
aufgrund der geltend gemachten psychischen Leiden
über den 2
1.
Juni 2019 hinaus
ein Leistungsanspruch
besteht
.
Hinsichtlich Kürzung des Taggeldes gestützt auf
Art.
49
Abs.
2 UVV ist jedoch zu vermerken, dass die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 3
1.
Mai 2019 einen ungekürzten Taggeldanspruch infolge des Unfallereignisses vom 1
4.
August 2018
bis 3
1.
Dezember 2018
anerkannte
(
Urk.
11/K16
; vgl. auch
Urk.
11/K20
).
4.
4.1
Im Bericht vom 1
1.
Oktober 2018 hielt der erstbehandelnde Hausarzt
fest, die Beschwerdeführerin sei am 1
2.
August 2018
sturzbedingt
auf die linke Hand gefallen. Anlässlich der Erstkonsu
ltation vom 1
4.
August 2018 hätten
sich
eine Schwellun
g und
Druckdolenz
, Hämatome sowie
eingeschränkte Beweglichkeit im Be
reich der linken Mittelhand gezeigt
. Radiologisch ergab sich eine Met
acarpale IV
Scha
f
tspiralfraktur links
(
Urk.
11/M2).
Am 21.
August 2018 wurde die Be
schwerdeführer
in
im
Z.___
an der linken Hand operiert (ORIF MC IV und Schraubenosteosynthese APTUS
2.0,
Urk.
11/M1);
es
folgte eine intensive Ergo
therapie
. Zudem wurde ihr seit dem 12. August 2018 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert
(vgl.
Urk.
11/M2
).
Aufgrund dieses Ereignisses wäre die Be
schwerdeführerin nach Auskunft des Leitenden Arztes Handchirurgie des
Z.___
s bis Ende 2018 arbeitsunfähig geblieben (
Urk.
11/K15).
4.2
Am
3.
Oktober 2018 verletzte sich die Beschwerdeführerin durch Fremdein
wir
kung erneut an der linken Hand
(
Urk.
12/K1,
Urk.
12/K3)
. Die konventionell-ra
dio
logischen und ergänzenden CT-Abklärungen zeigten eine mehrfragmentäre Frak
tur des Metacarpale IV-Köpfchens mit Frakturausläufern in die Gelenkfläche. Bei der akzentuierten Rotationsfehlstellung sowie dislozierten intraartikulären Fraktur
ergab sich die Indikation zu
r am 1
1.
Oktober 2018 im
Z.___
durch
ge
führten offenen Reposition der Trümmerfraktur mit Osteosynthese (vgl. Ope
rations
bericht,
Urk.
12/M3). Die im weiteren Verlauf entwickelte Bewegungs
einschrän
kung
durch nar
bige Adhäsionen und kurzzeitige milde tropische
Dys
regu
lation
hatte die Revisionsoperation
vom 2
1.
Januar 2019 zur Folge (v
gl.
Opera
tionsbericht des
Z.___
,
Urk.
12/M8)
. Zudem wurde
der
Beschwerde
führerin
weiterhin
eine
100
%
ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(vgl. Sprechstun
denberi
cht vom
6.
Februar 2019,
Urk.
12
/M10).
4.3
Die
die Beschwerdegegnerin beratende
Dr.
A.___
hielt mit
Aktenbeur
teilung vom 1
4.
Februar 2019 eine multifragmentäre Fraktur Metacarpale IV Köpfchen links sowie einen Status nach Osteosynthese Metacarpale Schaft IV links vom 2
1.
August 2018 fest. Die Fraktur sei überwiegend wahrscheinlich kausal zum Ereignis vom
3.
Oktober 2018 und der Heilungsverlauf durc
h den Vorzustand mit Operation sieben
Wochen zuvor etwas verzögert. Die Behandlung sei
,
bis
vollständiger Faustschluss und nahezu volle Streckung wieder erreicht seien,
ca. März 20
19
,
fortzusetzen. Da es sich um eine Verletzung der
adomi
nanten
Hand handle, sei die Arbeitsfähigkeit
ab April 2019
in einer adaptierten
Tätigkeit wieder gegeben (
Urk.
12/M11).
4.4
Im Sprechstundenbericht vom
5.
März 2019 hielt der behandelnde
Dr.
med. E.___
,
Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
sowie
Handchirurgie
,
Z.___
, fest, trotz
täglicher
Ergo
therapie bestünden
weiterhin Bewegungseinschränkungen
, welche auf narbenbe
dingte Adhäsionen zurückzuführen seien
.
Es sei wohl leider mit einer bleibenden Funktionseinschränkung am Ringfingerstrahl zu rechnen.
Die Ergotherapie sei weiterzuführen, könne aber in der Frequenz
auf 2-3 Sitzungen wöchentlich
redu
ziert werden. Ab April sollte das Erreichen der vollen Arbeitsfähigkeit für leichte Verkaufstätigkeiten realistisch sein (
Urk.
12/M12).
4.5
Am 2
8.
März 2019
hielt
Dr.
E.___
fest, die Bewegungseinschränkung im Ring
finger halte nicht ganz unerwartet noch immer an
; die Flexion im Finger
grund
gelenk sei weiterhin massiv eingeschränkt
. Aktuell
absolviere die Beschwerde
führerin
drei Mal pro Woche
eine Ergotherapie; die Fortschritte seien gering. Allein aus handchirurgischer Sicht sei die Wiederaufnahme einer beruflichen
Tätigkeit per anfangs April 2019
möglich. Allerdings sei die Beschwerdeführer
in
psychisch
und psychosozial
stark belastet, weshalb sie bei einem neuen Arbeit
geber rasch an ihr Limit käme und
dekompensiere
n
würde
. Ein Weiterführen der Ergotherapie mache zum jetzigen Zeitpunkt absolut Sinn
(
Urk.
11/M15). Mit Schreiben vom
9.
April 2019 bestätigte
Dr.
E.___
ausdrücklich, dass die Be
schwerdeführerin aus handchirurgischer Sicht
seit
dem
1.
April 2019 wieder arbeitsfähig sei. Allerdings könnte sie das geforderte Leistungspensum aus psy
chosozialen
Gründen nicht erbringen (
Urk.
12
/M16).
4.6
Die behandelnde Psychologin hielt mit Bericht vom 1
6.
Februar 2019 (1) einen
dringenden Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10
:
F
60.31
), (2) eine
post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10: F
43.1
), (3) eine
gemischte dissoziative Störung
(ICD-10:
F 44
), (4) eine
mittelgradige depressive
Episode (ICD-D:
F 32.1
) sowie (5)
eine
belastende psychosoziale Situation
(ICD-1
0: Z 56.6) fest
(
Urk.
12/M13 S.1)
.
Nebst den beiden Unfällen im August
und
Oktober 2018
sowie der zweifachen Handoperation habe die Beschwerdeführerin
Ende Oktober 2018
die Kündigung
erhalten
.
Letzteres
habe einen
Rechtsstreit mit dem Arbeitgeb
er und den Versi
cherungen zur Folge gehabt;
die finanzielle
Situation sei
prekär
geworden. Auf
grund des schwierigen
Heilungsverlaufs
sei
es i
m Januar 2019 zu einer dritten Hando
peration
gekommen
. All diese
Ereignisse hätten
habe
zu einer massiven Destabilisierung geführt
. Subjektiv leide die Beschwerdeführerin an
Grübeln, Schlafprobleme
n
, Nervosität, Gereiztheit, finanzielle
n
Sorgen und Zukunfts
ängs
te
n, fehlender Freude am Leben, dem Gefühl
vom Leben abgeschnitten
zu sein. Sie treffe sich auch
kaum mehr
mit
Familienmitglieder
n
und Bekannte
n
(
Urk.
12/M13 S. 1 f.)
.
Im Psychostatus notierte
lic
. phil.
B.___
eine b
eeinträchtigte Konzentra
tions
fähigkeit und Aufmerksamkeitsspanne, Vergesslichkeit, Flashbacks, pessimis
tisch
e Einstellung, Stimmungssch
wankungen, suizidale Gedanken, ohne akute Anzei
chen von Selbst- oder Fremdgefährdung,
Gedankenkreisen, negative Zukunfts
per
spektiven, existenzielle
Ä
ngste, Angst- und Panikzustände, Al
b
träume, bio
grafische Amnesien resp. dissoziatives Erleben (
Derealisation
, Depersonalisation), hohe Anspannungen, Reizbarkeit, Impulsivität, Wutausbrüche, selbstverletzendes
Verhalten, Sachbeschädigungen,
einen verminderten Antrieb sowie sozialen Rück
zug, rasche Ermüdbarkeit
, Lust-und Freudlosigkei
t, Appetitlosigkeit/Ge
wichts
verl
ust, erhöhte Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit,
Libidoverlust
, Schlafstörungen
, Vermeidungsverhalten in Bezug auf den traumatischen Vorfall (Umweg machen,
um dem Täter nicht zu begegnen;
Rückzug von gemeinsamen
Bekannten;
abends nicht mehr aus dem Haus, etc.
,
Urk.
12/M13 S. 3
).
Bei der aktuellen Therapie
im wöchentlichen Rhythmus
handle es sich um
eine integrierte medizinisch-psychotherapeutische Behandlung nach
traumathera
peu
tischen
(EMDR, Ego States, PITT,
Screentechniktechnik
, etc.) und systemischen Ansätzen.
Zudem erhalte die Beschwerdeführerin
pflanzliche Medikamente zur
Schlafförderung und Beruhigung; neu stehe
der Einsatz eines schlafanstossenden
Antidepressivas
zur Diskussion
. Bisher
habe sich die
Symptomatik
leicht ver
bessert
(
Urk.
12/M13 S. 2
)
.
Die Beschwerdeführerin sei seit
Behandlungsbeginn aus psychischen Gründen zu 100
%
arbeitsunfähig. Aktuell könn
t
en
ihr
weder eine angepasste Tätigkeit noch die Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber resp. die Anmeldung beim RAV und
die damit verbundenen Stellenbewerbungen zugemutet werden
(
Urk.
12/M13
S. 3
).
4.7
Auf Vorlage des Berichts von
lic
. phil.
B.___
(vgl. E. 4.6) kam der
die Beschwerdegegnerin beratende
Dr.
D.___
am
1
9.
März 2019
im Wesentlichen
zum Schluss
,
die
darin genannten
Diagnosen
könnten
zwar
als nachvollziehbar beurteilt werden; einzig
die ge
mischte dissoziative Störung sei
viel
eher im
Rahmen der
verdachtsweisen
emotional instabilen Persönlichkeitsstörung zu inte
r
pretiere
n, insbesondere mangels
im Bericht genannter
eigentliche
r
Dissozia
tionen
.
Allerdings
seien die
festgestellten
Krankheitsbilder nicht als Folge des Unfallereignisses vom 03.
Oktober 2018 zu betrachten
; allenfalls
seien sie
durch den Unfall verstärkt worden
.
Jedenfalls
seien
die erwähnten psychiatrischen Krankheitsbilder mehrheitlich unfallfremd
und
es
würden
unfallfremde Fa
ktoren deutlich überwieg
en
(
Urk.
12/M14 S.
4 ff.)
.
Allfällige
psychische
Unfallfolgen
heilten
im Normalfall
innert drei Monaten
aus
.
Mithin seien die
unfallver
siche
rungsrechtlichen Leistungen diesbezüglich
auf
maximal drei Monate
zu be
schrän
ken
(Urk.12/M14 S.
10
)
.
5.
5.1
In somatischer Hinsicht ist aufgrund der insoweit aufschlussreichen und kon
gruenten Aktenlage erstellt und unbestritten, dass bei der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Taggeldeinstellung eine Bewegungseinschränkung im linken Ring
finger bestand. Aus rein
handchirurgischer Sicht
gingen
Dr
es
.
A.___
und
E.___
übereinstimmend von einer 100%igen Arbe
itsfähigkeit
seit
April 2019 aus.
Dies hat letzterer
mit
Schreiben vom
9.
April 2019
auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin
ausdrücklich bestätigt
(vgl.
Urk.
12/M16, E.
4.5)
.
Die übrigen bei den Akten liegende
n Sprechstundenberichte von Dr.
E.___
, worin er davon abweichend
jeweils eine eingeschränkte
Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführerin
festhielt
,
datieren vom
7.
Juni 2019, 1
7.
September 2019 und
8.
Okto
ber 2019 (
Urk.
12/M17 ff.) und ergingen damit nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
April 2019 (
Urk.
2).
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt
das Sozialversicherungs
gericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Ent
scheids
demgegenüber
in der Regel nach dem
Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsver
fahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs
ver
fügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Davon
abgesehen
be
grün
dete
Dr.
E.___
die
dort postulierte eingeschränkte
Leistungs- und Arbeits
fähigkeit
ausschliesslich gestützt auf
die
subjektiven Angaben
der Beschwerde
führerin
so
wie
unter ausdrücklichem Hinweis auf
ihre
psyc
hischen und psycho
sozialen Leide
n
(
Urk.
12/M17 ff.)
.
Alsdann
wurden
zu keinem Zeitpunkt
irgendwie geartete
Heil
behandlungen
genannt
, welche eine
namhafte
gesundheitliche Verbesserung zu zeitigen vermöchten
.
Im Gegenteil hielt
Dr.
E.___
bereits im März 2019 fest, mit einer gewissen bleibenden funktionellen Bewegungseinschränkung des linken Ringfingers sei zu rechnen;
die
Fortschritte seien
trotz intensiver Ergotherapie gering
(
Urk.
12/M12
, E. 4.4
).
Da
ran ändert auch der Umstand nichts, dass
er
die
Weiterführung der Ergotherapie
für sinnvoll hielt
(
Urk.
12/M16
, E. 4.5)
und die Beschwerdegegnerin die laufende
Ergotherpie
laut Verfügung vom 2
5.
April 2019 noch erbrachte (
Urk.
12/K19)
.
Ist eine versicherte Person wieder in der Lage, in ihrer angestammten Tätigkeit vollzeitlich erwerbstätig zu sein, so ist der Fall abzuschliessen, selbst wenn die Befindlichkeit der versicherten Person durch die Fortsetzung der medizinischen Behandlung noch verbessert werden könnte (
vgl.
Rumo-Jungo
/Holz
er, Rechtsprechung des Bundesge
richtes zum Sozialversiche
rungsrecht, Bundesgesetz über
die Unfallversicherung, 4. Auf
lage 2012, S. 144
mit weiteren Hinweisen
)
.
Der Vollständigkeit ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass
auch (
unfallkausale)
behandlungsbedürftige
psychische Gesundheitsschäden nach Massgabe der „Psycho-Praxis“ kein Hindernis für den Fallabschluss dar
stellen
(vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer,
a. a. O
, S. 144).
Zusammenfassend
hat die Beschwerdegegnerin die Taggelder beim
Erreichen des medizinischen Endzustandes
und Erlangen der vollen Arbeitsfähigkeit aus hand
chirurgischer Sicht
zu Recht
per
31.
März 2019
ein
gestellt
. Daran
vermag weder das Schreiben vom
3.
Mai 2019 noch der Umstand, dass sie die Behandlungs- und Heilungskosten
über diesen Zeitpunkt hinaus
weiterhin
übernahm
,
etwas zu ändern
(vgl.
Urk.
12/K23).
5.2
In psychiatrischer
Hinsicht
ist
eine fachärztlich festgestellte psychische Störung mit Krankheitswert
vorliegend
nicht ausgewiesen
, jedenfalls keine auf den Unfall zurückzuführende
.
Handelt es sich doch weder bei
lic
. phil.
B.___
noch
bei
med.
pract
.
C.___
um e
ine psychiatrische Fachärztin und
tragen die Parteien insofern eine Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableit
en wollte (BGE 115 V 133 E. 8a)
.
Kommt hinzu, dass blosse Ver
dachtsdiagnosen dem im Sozialversicherungsrecht massgeblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht standzuhalten vermögen und es mit Bli
ck auf die
übrigen zum Teil doch schwerwiegenden Diagnosen
zumindest Fragen aufwirft, wenn
sich
die medikamentöse
Therapie
in der
Einnahme
rein
pflanz
licher Wirkstoffe
erschöpft (
Urk.
12/M13,
Urk.
6).
In erster Linie jedoch
ist ge
stützt auf die
Ausführungen von
Dr.
D.___
davon auszugehen, dass der Unfall vom
3.
Oktober 2018 höchstens eine vorübergehende Verschlechterung
allenfalls vorbestehender
psychisc
her
Störungen hervorrief (E. 4.7).
Seine diesbe
züglichen Ausführungen vermögen
bei wiederholten und expliziten Hinweisen (vgl.
Urk.
12/M17
ff.) auf anderweitige Umstände, die die
psychische
n
Leiden
verur
sacht und unterhalten haben,
allerdings
nicht
restlos
zu überzeugen
.
Selbst wenn von einer Teilursache ausgegangen würde, wäre jedenfalls die Adäquanz zu den als leicht einzustufenden Unfällen zweifellos zu verneinen (vgl. hierzu die in E.
1.8 zitierte Praxis).
Angesichts dessen sind weitere Abklärungen über Bestehen und Kausalität psychischer/psychiatrischer Erkrankungen sowie
über den
Umfang der
durch allenfalls solche Erkrankungen bestehenden
Arbeitsunfähigkeit nicht notwendig.
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin
gestützt auf den Bericht von
Dr.
D.___
eine Unfallkausalität allfälliger psychi
scher Leiden
jedenfalls ab dem 21. Juni 2019
verneinte
und die in diesem Kontext erbrachten Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt hin einstellte
.
6.
Strittig und zu prüfen ist
schliesslich die Kürzung der Taggelder um 50
%
ab dem
6.
Oktober 2018
respektive
1.
Januar 2019 (vgl. E. 3.2)
.
6.1
Nach
Art.
49
Abs.
2 UVV in Verbindung mit
Art.
39 UVG werden die Geld
leistungen mindestens um die Hälfte gekürzt für Nichtber
ufsunfälle, die sich ereignen unter anderem bei
lit
.
a. Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, es sei denn, der Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistung für einen Wehrlosen durch die Streitenden verletzt worden;
lit
.
b. Gefahren, denen sich der Versicherte dadurch aussetzt, da
ss er andere stark provoziert.
6.2
Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV ist grundsätzlich verschuldens-unabhängig konzipiert und weiter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel
gemäss
Art.
133
StGB. Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr
einschliesst
, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen musste. Der Tatbestand des
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV ist daher nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zu
dem, aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge ge
nommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder erkennen musste. Eine Leistungs
kürzung nach
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV setzt sodann voraus, dass zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex notwendig (
Bundesgerichts
ent
scheid 8C_420/2016 vom 2
7.
Oktober 2016
Erw
. 2.2 mit weiteren Hinweisen
).
6.3
Nach der Rechtsprechung kann der Begriff der starken Provokation im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. b UVV nicht abstrakt definiert werden. Es gilt vielmehr in jedem Einzelfall unter Berücksichtigung der konkret gegebenen Verhältnisse zu prüfen, ob das beanstandete Verhalten ernsthaft geeignet erscheint, eine gewaltsame Reaktion anderer hervorzurufen. Eine solche Provokation kann in Worten, Ge
bärden oder Tätlichkeiten bestehen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob die Reak
tion
unverhältnismässig
ist. Die Provokation muss aber natürlich und adäquat kausal für diese sein. Die Annahme einer starken Provokation setzt zudem eine gewisse Unmittelbarkeit der Reaktion des Provozierten voraus (Bundesge
richts
entscheid 8C_420/2016 vom 2
7.
Oktober 2016
Erw
.
2.3
mit weiteren Hinweisen).
6.4
Dem
Polizeirapport
vom
2.
November 2018
ist zu entnehmen
, die Beschwerde
führerin habe am
3.
Oktober 2018, um 11:30 Uhr die Polizeistation
F.___
kontaktiert. Sie habe angegeben,
ihre Kollegin (nachfolgend:
Exfreundin
) habe in der Nacht zuvor mit ihrem Exfreund Streit gehabt und bei ihr übernachtet. Sie seien soeben unterwegs in die Wohnung der
Exfreundin
, wo auch deren Exfreund wohne, um dort
Kleider und dergleichen abzuholen
. Da sie ein
e
Eskalation
der Situation befürchtet habe, habe die Beschwerdeführerin
um polizeilich
e
Überwa
chung/Begleitung ersucht. Daraufhin seien zwei Polizeibeamte an die ang
egebene Örtlichkeit ausgerückt,
hätten an der Wohnungstür des Exfreundes geklingelt und diesen darüber orientiert, dass
seine
Exfreundin
als
bald eintreffe
, um Kleider abzu
holen.
Dieser sei damit
einverstanden
gewesen. Als
die
Exfreundin
zu
sammen mit der Beschwerdeführerin kurze Zeit später einget
roffen sei, sei der Exfreund auf
brausend geworden und habe
letztere
nicht in die Wohnung herein
lassen wollen. Die Beschwerdeführerin
sei
dennoch in die Wohnung
eingetreten
.
Daraufhin sei es zwischen
derselben
und dem Exfreund
zu einem Wortgefecht gekommen; beide seien «sehr aufbrausend» gewesen
, hätten sich gegenseitig
auf Italienisch
beschimpft und
seitens der Polizeibeamten
getrennt werden müssen; einer der beiden Polizeibeamten sei mit dem Exfreund auf den Sitzplatz [der Wohnung im Erdgeschoss] gegangen, während der Andere in der Wohnung ver
blieben sei, um die «Kleiderholaktion» zu überwachen. Die Beschwerdeführerin und der Exfreund seien
immer wieder verbal aneinandergeraten. Schliesslich sei der Exfreund in
s Schlafzimmer gestürzt, wo die Besch
werdeführerin und die
Exfreundin
daran gew
esen seien, Kleider einzu
packen. Die Beschwerdeführerin habe nach einem kurzen Wortgefecht mit beiden Händen wild vor dem Gesicht des Exfreundes umhergefuchtelt, woraufhin dieser die Beschwerdeführerin an der Hand gepackt habe. Nach einem kurz
en Gerangel habe er die Hand wieder los
gelassen und die B
eiden
hätten polizeilich getrennt we
rden
können
. Daraufhin hätten die Beschwerdeführerin und der Exfreund
gegenseitig
Strafantrag erhoben w
egen Tätlichkeiten
resp.
Hausfrie
densbruch
(
Urk.
12/K3 S. 3 f.).
Gegenüber der Polizei
habe
die Beschwerdeführerin später aus
gesagt
, der Exfreund
habe sie an der Hand gepackt und diese weiterhin festgehalten, obwohl sie d
ie Hand
zurückgezogen habe. Anschliessend habe er die Hand gedreht.
Dadurch
sei
das Köpfchen des vierten Mittelhandknochens gebrochen
. Der Exfreund habe zwar gesagt, dass er nicht möchte, dass sie die Wohnung betrete. Allerdings sei die Polizei anwesend gewesen und diese habe gesagt, es sei ok, wenn sie die Wohnung betrete
(
Urk.
12/K3 S. 4
f.
)
.
6.5
Damit ist hinreichend
erstellt, dass
die Beschwerdeführerin
die Wohnung
des Exfreundes
wissentlich und willentlich entgegen dessen Einverständnis betreten hat
.
Alsdann
hat
sie
sich eine
n
verbalen Schlagabtausch mit
ihm
geliefert
und unmittelbar vor der Tätlichkeit mit beiden Händen
«Wild vor seinem Gesicht umherg
e
fuchtelt»
.
Dass und inwiefern die Angaben im Polizeirapport nicht der Wahrheit entsprechen sollten, ist nicht einzusehen und wurde seitens der Be
schwerdeführerin denn auch nicht konkret geltend gemacht. Damit schloss ihr
Verhalten objektiv gesehen die Gefahr mit ein, dass der Streit in eine nonverbale Auseinandersetzung über
ging oder eine solche nach sich zog.
Mithin ist ihr Verhalten
als Provokation zu werten, die geeignet ist, eine gewaltvolle Reaktion hervorzurufen.
Vor diesem Hintergrund geht
denn
auch das
beschwerdeweise
Vorbringen der Beschwerdeführerin
,
wonach
sie angesichts der polizeilichen An
wesenheit nicht damit
habe
rechnen müssen, dass der Exfreund ins Schlafzimmer stür
ze und sie an der Hand packe,
ins Leere. Davon abgesehen ist
unerheblich, welche Wendung
ein
Ereignis
im Verlauf
tatsächlich eingenommen hat
. Entschei
dend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinan
der
setzung erkannt hat oder erkennen
musste; wer sich aus freien Stü
cken in eine Situation einlässt
oder herbeiführt
, welche die Gefahr tätlicher Auseinander
setzungen in sich birgt, kann sich nicht auf Unvorhersehbarkeit der Ereignisse berufen, wenn es tatsächlich zu Tätlichkeiten kommt.
Dass
die Beschwerde
füh
rerin eine wehrlose Person vor Gewalttätigkeiten, mithin der Gefahr für Leib und Leben, geschützt hat und damit ein Fall sog. «schützenswerter Hilfeleistung» vorliegen würde
,
ist weder ersichtlich noch
hat dies die Beschwerdeführerin geltend gemacht
.
Unter den gegebenen Umständen
ist
die Kürzung nach
Art.
49
Abs.
2
lit
.
a und
b UVV um den vorgesehenen Minimalansatz
nicht zu beanstanden, nachdem sich der Unfall resp. die Tätlichkeit vor dem Hintergrund wiederholter Provokationen
, gleichsam unter direktem Eindruck derselben
ereignete
. Die adäquate Kausalität ist demnach zu bejahen
.
Weiterungen erübrigen sich. Dies gilt – entgegen der Beschwerdeführerin - mangels Relevanz für das vorliegende Verfahren auch für den beantragten
Beizug
der Strafakten (
antizipierte Beweiswürdigung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E.2.2 mit Hinweisen).
7.
Der angefochtene Entscheid erweist sich
damit
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tomas Kempf
-
Helsana Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger