# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c04f760-5ad1-5f15-a8e9-1c57829f1d50
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-23
**Language:** de
**Title:** Polytrauma bei Verkehrsunfall. Beweiskräftiges polydisziplinäres Gutachten. Unfallkausale Beschwerden. Zeitpunkt Fallabschluss. Rentenprüfung (Erhöhung wegen Fehlkalkulation). (hängig)
**Docket/Reference:** UV.2022.00129
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00129.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00129
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Kübler
Ersatzrichterin Curiger
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
23. Januar 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
HDI Global SE, Hannover, Niederlassung Zürich/Schweiz
Hardstrasse
201, 8005 Zürich
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bürkle
Thouvenin
Rechtsanwälte
Klausstrasse
33, 8024 Zürich
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1967 geborene
X.___
war ab dem 15. Mai 2003
als Raumpflegerin bei einem Beschäftigungsgrad von 50 %
in
einem Spital
angestellt und durch
die
Arbeitgeberin bei der
HDI Global SE, Hannover, Niederlassung Zürich/Schweiz
(kurz: HDI) obligatorisch
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert.
Am 6. Januar 2017
ereignete sich
in Serbien
ein Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen, bei welchem sich
die Versicherte
multiple Verletzungen zuzog (vgl. die
Schadenmeldung der Arbeitgeberin vom 6. Januar 2017
[
Urk. 14/K1
]
). Der Ehemann der Versicherten meldete sich noch am Unfalltag bei der HDI
(
Urk. 14/K2)
, woraufhin
X.___
a
m 7. Januar 2017 in die Schweiz
repatriiert
wurde
(Urk. 14/K5).
Die HDI
erbrachte
die vorübergehenden gesetzlichen Leistungen
.
1.2
Die Versicherte war vom 7. bis 16. Januar 2017 im Stadtspital
Y.___
hospitalisiert, wo die erste Operation stattfand (Austrittsbericht vom 12. Januar 2017 und Operationsbericht vom 10. Januar 2017 [Urk. 14/M3]). Anschliessend befand sie sich vom 16. Januar bis 21. Februar 2017 im Kantonsspital
Z.___
, wo weitere Operationen vorgenommen wurden.
Anschliessend befand sich die Versicherte vom 21. Februar bis 18. Mai 2017 in der Rehaklinik in
A.___
(Urk. 14/M7), während
dessen im
Z.___
Verlaufs
kontrollen durchgeführt
wurden
und
ein weiterer Eingriff erfolgte
(
Urk. 14/M7
S.
2 und S.
6; vgl. auch die Berichte des
Z.___
vom 24.
März 2017 [Urk.
14/M13] und 17.
Mai 2017 [Urk.
14/M14]).
Es
wurden
weitere Untersuchungen im Spital
B.___
(Urk. 14/M24), in der
C.___
(Urk. 14/M25
und Urk. 14/M42
), im
D.___
, Institut für Blutgerinnung (Urk. 14/M29; vgl. auch Urk. 14/M41 und Urk. 14/M60)
,
und im
Z.___
(Urk. 14/M43, Urk. 14/M44)
durchgeführt
.
Zwecks interdisziplinärer Rehabilitation befand sich die Versicherte vom 3. April 2018 bis
7. Mai
2018 in der
E.___
(Urk. 14/M34)
.
1.3
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess die Versi
cherte, welche sich aufgrund ihrer bereits vor dem Unfall bestehenden Schulter
probleme am 25. Oktober 2016 zum Leistungsbezug angemeldet hatte, bei der
F.___
AG polydisziplinär begutachten
, wobei der Regressdienst Zusatzfragen zur Unfallkausalität der Beschwerden stellte (Urk. 14/M35 S. 22)
. Das Gutachten wurde am 11. März 2018 erstattet (Urk. 14/M35).
Mit Verfügung vom 12. Dezem
ber 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab
dem 1. April 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 14/K145).
1.4
Es fanden
weitere Untersuchungen a
m
Z.___
statt
(Urk. 14/M61
; vgl. auch die Berichte zur
Einjahres
-
[
Urk. 14/M54
]
und Zweijahreskontroll
e
[
Urk. 14/M59
]
).
Die Versicherte wurde in der
G.___
behandelt (vgl. Urk. 14/M50.1) und nahm ab dem 14. Dezember 2018 psychotherapeutische Hilfe bei Dr.
phil.
H.___
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, in Anspruch (vgl. Urk. 14/M80).
In seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 17. Mai 2019 zuhan
den der Beschwerdegegnerin hielt
der beratende Arzt
Dr. med.
I.___
fest, der Endzustand sei noch nicht erreicht. Es sei mit einer weiteren namhaften Ver
besserung zu rechnen. Er empfehle eine gutachterliche Klärung im Fachgebiet Bewegungsapparat und Psychiatrie (Urk. 14/M55).
1.5
Mit Schreiben vom 4. Juli 2019 ersuchte die Versicherte um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung der Unfallversicherung (Urk. 14/K145).
1.6
Die HDI liess die Versicherte polydisziplinär untersuchen. Das Gutachten des
J.___
wurde am 28. November 2019 erstattet (Urk. 14/K182
; Urk. 14/M75-78
). Gestützt darauf
stellte
die HDI
den Fallabschluss
per 1. Dezem
ber 2019
formlos
fest
(
Schreiben vom 4. Dezember 2019 [
Urk. 14/K186
]
und
vom 19. März 2020
[
Urk. 14/K197
]
)
und
liess das Gutachten de
s
J.___
nach
diversen
Stellungnahmen de
r Rechtsvertreterin der
Versicherten vom 9. März 2020 (Urk. 14/K195)
,
7. Juli 2020 (Urk. 14/K209)
, 8. Juli 2020
(Urk. 14/K220)
und Auflage weiterer Unterlagen
ergänzen
(
Stellungnahmen
J.___
vom 12. August 2020 [Urk. 14/M85]
,
9. Februar 2021 [Urk. 14/M86]
und
22. April 2021 [Urk. 14/M87]
).
Am
18. Juni 2021
verfügte die HDI den Fallabschluss per 30. November 2019 und sprach
der Versicherten eine Invalidenrente der Unfallversicherung
bei einem Invaliditätsgrad von gerundet 16 % sowie
eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 20 % zu (Urk. 14/K230).
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
19. August 2021
Einsprache
(Urk. 14/K239)
und wies die HDI mit E-Mail-Schreiben vom 15. September 2021 darauf hin, dass die Verfügung vom 18. Juni 2021 unvoll
ständig sei, da über den Antrag auf Hilflosenentschädigung nicht verfügt worden sei (Urk. 14/K239a). Die HDI holte beim
J.___
weitere
Stellungnahme
n
ein (
Stellungnahme
n
vom 10. März 2022 [Urk. 14/M88] und 16. März 2022 [Urk. 14/M89]
).
Die Versicherte machte mit
Noveneingabe
vom 24. März 2022 eine Verschlech
terung des unfallkausalen Gesundheitszustands geltend (Urk. 14/K246)
, worauf
hin die HDI
abermals
eine Stellungnahme des
J.___
einholte (Urk. 14/
M96
). Mit Entscheid vom 8. Juni 2022 wies die HDI die Einsprache der Versicherten ab (
Urk. 2 =
Urk. 14/K254
[vgl. die
ausführliche Wiedergabe des gesamten Sachverhalts auf
den
S
eiten 1-10
]
).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 8. Juni 2022
erhob d
ie
Versicherte mit
Ein
gabe vom 11. Juli 2022 Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht
und bean
tragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr
über den 1. Dezember 2019 hinaus die vollen gesetzlichen Leistungen zu erbringen,
namentlich
Taggelder und Heilbehandlungskosten beziehungsweise Therapien. Eventualiter sei ihr eine 100%ige Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung von 100 % (Komplexinstabilität beide Knie je 30 % [Tab. 6.2], PTS 15 % [Tab. 16.2], leichte bis mittelschwere psychische Unfallfolgen [Tab. 19])
zuzusprechen
.
Subeventualiter
sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
zur
Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen. Insbesondere sei sie (die Beschwerdeführerin) erneut
polydiszipli
när zu begutachten und es sei ein EFL-Gutachten einzuholen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
10. November 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin innert erstreckter Frist (Urk. 10 und 11) die Abweisung der Beschwerde (Urk. 13). Es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Verfügung vom 11. November 2022 [Urk. 15]).
Im Rahmen ihres zweiten
Fristerstreckungsgesuch
s
(Urk. 18; vgl. auch Urk. 17) teilte
die
die Beschwerdeführerin bis dato vertretende Rechtsan
wältin
Dr.
iur
. Barbara Wyler mit, es finde ein Wechsel der Rechtsvertretung statt, weshalb sie um eine Fristerstreckung bis mindestens 30. April 2023 ersuche. Mit Verfügung vom 3. Februar 2023 gewährte das Gericht eine Fristerstreckung bis am 6. März 2023 (Urk. 19). Innert Frist erstattete
der von der Beschwerdeführerin neu mandatierte Rechtsanwalt Mark A
.
Glavas
die Replik und hielt darin an
den bisherigen
Anträgen fest (Urk. 21). Mit Eingabe vom 13. März 2023 äusserte
er
sich erneut
zur Sache
(Urk. 25) und legte einen Sprechstundenbericht
von Prof. Dr. med.
K.___
, Chefarzt am
Kantonsspital
L.___
,
vom 7. März 2023 auf (Urk. 26). Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 21. April 2023 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (Urk. 32).
Ihrer Eingabe legte sie die Verfügung vom 9. Januar 2023 bei, mit welcher sie der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. Mai 2017 bis 31. März 2018 eine Hilflosenentschädigung leichten Grades zusprach. Ab dem 1. April 2018 verneinte sie einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung (Urk. 33). Die Duplik (Urk. 32) sowie die Verfügung vom 9. Januar 2023 (Urk. 33) wurden der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 24. April 2023 zugestellt (Urk. 34).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin
legte die Rechtsgrundlagen zur Beurteilung der Streit
sache zutreffend dar. Dies betrifft die Ausführungen über das anwendbare Recht
(Anwendbarkeit der seit dem
1. Januar 2017
in Kraft getretenen
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
[
UVG
]
und der Verordnung über die Unfallversicherung
[
UVV
]
)
sowie über den für die Leistungspflicht des obli
gatorischen Unfallversicherers (Art.
6 Abs.
1 UVG in Verbindung mit Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
) erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
sowie
die zu beachtenden Beweisregeln.
Richtig sind auch die Darlegungen betreffend die Voraussetzungen des Fallabschlusses mit Einstellung von Heilbehandlung und Taggeld
(Urk. 2 S. 10-13),
betreffend
die
Rechtsgrundlagen des Rentenanspruchs
,
einschliesslich der Invaliditäts
bemessung mittels Einkommensvergleich
s
samt Hinweisen auf die einschlägige Kasuistik zum leidensbedingten Abzug
(Urk. 2 S. 22 f.) sowie betreffend die Rechtsgrundlagen eines Anspruchs auf Integritätsentschädigung (Urk. 2 S. 26).
Darauf wird verwiesen
.
Ergänzungen, Präzisierungen oder Wiederholungen, soweit sie angezeigt bzw. sinnvoll sind, erfolgen in den entsprechenden Erwä
gungen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, dem Gutachten des
J.___
(samt Ergänzungen)
komme volle Beweiskraft zu, der medizinische Endzustand hinsichtlich der unfallkausalen Befunde beziehungs
weise Beschwerden der Beschwerdeführerin sei am 30. November 2019 erreicht worden, der Invaliditätsgrad betrage 16 % und die Integritätseinbusse 20 %. Von zusätzlichen medizinischen Abklärungen seien keine abweichenden Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon – in antizipierter Beweiswürdigung – abzusehen sei. Die Einsprache werde daher abgewiesen (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die
Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin
in der Beschwerde vom 11. Juli 2022
im Wesentlichen
vor,
die Beschwerdeführerin habe wiederholt über Schmerzen, Kribbelparästhesien, Schwellung der Unterschenkel sowie über Auffassungs-, Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Gedächtnis
störungen geklagt (Urk. 1
Rz
. 7.4-7.10). Sie habe auch berichtet, unsicher auf den Beinen zu sein, weswegen sie entweder am Stock oder am Rollator mobil sei (Urk. 1
Rz
. 7.10). Insgesamt seien die Ausführungen der Beschwerdeführerin seit fünf Jahren stringent und konstant. Es sei davon auszugehen, dass sich
ihr
neurologische
s
Zustandsbild verschlechtert habe
. Es seien jedoch keine näheren
Abklärungen durchgeführt worden, was eine Verletzung der Abklärungspflicht der Beschwerdegegnerin darstelle (Urk. 1
Rz
. 7.11).
Es sei sodann eine klare Indi
kation gegeben, erneute cerebrale Bildgebungen durchzuführen (Urk. 1
Rz
. 7.12). Weiter liege ein unfallbedingter Weichteilschmerz am ganzen Körper vor. Auch hier seien weitere Abklärungen durchzuführen
(Urk. 1
Rz
. 7.13). Die Beschwerden im Bereich des Nackens, des Rückens
,
der linken Schulter
sowie im Ellenbogen
gelenk
seien unfallkausal (Urk. 1
Rz
. 8.6
und Urk. 1
Rz
. 8.10
).
Auch die
Phleb-Lipödemie
sei unfallkausal (Urk. 1
Rz
. 8.8).
Es werde sodann bestritten, dass es seit der Vorbegutachtung durch die
F.___
AG zu einer erheblichen Verbesse
rung des psychischen Zustandsbilds gekommen sei, sodass zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung keine nach ICD-10 diagnostizierbare psychische Störung vorgelegen
habe
. Es sei die Einholung eines neuropsychologischen Gutachtens erforderlich, andernfalls keine vollständigen Abklärungen vorlägen (Urk. 1
Rz
. 9.8).
Der neu mandatierte Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt in der
Replik vom
6. März 2023 an den Rechtsbegehren sowie den Ausführungen in der Beschwerde vollumfänglich fest
(Urk. 21)
. Zusätzlich brachte er vor, di
e Beschwerdeführerin befinde sich in nochmaliger fachmedizinischer Abklärung bei Prof.
Dr. med.
K.___
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Chefarzt
am Kantonsspital
L.___
, welcher noch Stellung nehmen werde. Insbesondere sei die persistierende Instabilität (der Knie) mittels eines noch nicht durchgeführten Verfahrens zu messen. Bereits die ersten Aussagen des Fachmediziners
würden
darauf hin
deuten
, dass die medizinischen Abklärungen der Beschwerdegegnerin ungenügend gewesen seien (Urk. 21
S.
2).
Es hätten zudem bereits zu Beginn der medizinischen Behandlungen Hinweise auf neuropathische Schmerzen bestanden (Urk. 21
S.
4).
Die fehlende neuropsychologische Abklärung stelle sodann eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar
(Urk. 21 S. 5
f.
).
Die Knieproblematik habe sich verschlechtert und es sei absehbar, dass eine Knie
prothesenversorgung erfolgen müsse. Es sei anzunehmen, dass Prof.
K.___
zum Schluss kommen werde, dass aufgrund der Instabilität der Kniegelenke noch eine erhebliche Verbesserung der gesundheitlichen Situation erreicht werden könne, weshalb noch kein Endzustand
eingetreten
sei (Urk. 21 S. 6).
Mit Eingabe vom 13. März 2023 reichte
Rechtsanwalt
Glavas
(Urk. 25) den Sprechstundenbericht von Prof.
K.___
vom 7. März 2023 zu den Akten (Urk. 26) und brachte vor, es habe sich ergeben, dass eine hochgradige,
multiligamentäre
Instabilität beider Kniegelenke mit wesentlicher Schmerzprägung und
konsekutiver Einschränkung der Patientenautonomie bestehe. Aufgrund dessen sei die Beschwerdeführerin vollumfänglich arbeitsunfähig.
3.
3.
1
Das polydisziplinäre Gutachten des
J.___
basiert auf ortho
pädischen, neurologischen und psychiatrischen Untersuchungen (neurologisches Gutachten
von Dr. med.
M.___
, Facharzt für Neurologie FMH,
vom 18. November 2019 [Urk. 14/M75], orthopädisches Gutachten
von Dr. med. univ.
N.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs
apparates FMH,
vom 25. November 2019 [Urk. 14/M76] und psychiatrisches Gut
achten
von Dr. med.
O.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH,
vom 27. November 2019 [Urk. 14/M77]). Im
interdiszplinären
Konsens vom 27. November 2019 wurden die folgenden Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (Urk. 14/M78 S. 2 f.):
-
Kniegelenksluxation links, S83.10 und Status nach vorderer und hinterer Kreuzbandrekonstruktion und medialer und lateraler Seitenbandrekon
struktion am 08.02.2017
-
Kniegelenksluxation rechts, S83.10 und Status nach vorderer und hinterer Kreuzbandrekonstruktion und
l
ateraler Seitenbandrekonstruktion am 20.01.2017
-
Status nach Gefässverletzung der A. poplitea rechts mit Venen-Patch, Ligatur V. poplitea rechts, Logenspaltung Unterschenkel rechtsmedial und lateral am 20.01.2017 bei intraoperativer Gefässverletzung
-
Beckenringfrakturen Typ LC11 nach Young and Burgess, S32.7
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden aufgeführt (Urk. 14/M78 S. 2)
-
Adipositas, BM
I
32
-
Tiefe Schnittwunde Schulter links mit ossäre
n
Absprengungen am
Akro
mion
bei St
atus nach
Rotatorenmanschettenrepair
2016, T14.6
-
Stumpfes
Abdominaltrauma
ohne Organläsionen, T14.05
-
Thrombose V. iliaca
externa
links, 180.20
-
Leicht dislozierte Frakturen de
s
Prozessus
transvers
us
LWK 2 bis LWK4 rechts,
S32
.
82
-
Lumbospondylogene
Schmerzen bei m
ä
ssiger Spondylarthrose L4 bis S1
beidseits, M47.86
-
Degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule, M47.82
Die Gutachter vernein
t
en Diagnosen auf neurologischem sowie psychiatrischem Fachgebiet (Urk. 14/M78 S. 1 und 3)
und hielten fest, durch das Polytrauma sei es in orthopädischer Hinsicht zu erheblichen Verletzungen gekommen. In der interdisziplinären Besprechung der Beschwerden, Befunde und Diagnosen hätten sich keine relevanten Diskrepanzen ergeben. Auch in der Einschätzung der Unfallkausalität, der verbleibenden Arbeitsfähigkeit und bezüglich des Integri
tätsschadens ergäben sich keine unterschiedlichen Ansichten. Für die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin sei die Versicherte nicht mehr einsetzbar; die Arbeits
unfähigkeit betrage 100 %. In einer leichten körperlichen Tätigkeit, vorwiegend oder nur im Sitzen, bestehe bei der Versicherten hingegen keine Arbeitsunfähig
keit; sie könne in einer solchen Tätigkeit ein volles Pensum (100 %) und eine volle Leistung (100 %) erbringen. Entsprechend der Tabelle
5 der Suva sei ein Integritätsschaden bei mässiger
Femorotibialarthrose
von 5-15 % ausgewiesen. Der mittlere Wert von 10 % sei im Kniegelenkschaden entsprechend angemessen geschätzt, insbesondere im Quervergleich mit einer mittelschweren Gelenkinsta
bilität des Kniegelenkes, welche ebenfalls mit 5-15 % ausgewiesen sei. Gesamt
haft werde der Integritätsschaden somit auf 20 % geschätzt (Urk. 14/M78 S. 3 f.).
Der begutachtende Psychiater fasste in seinem Gutachten vom 27. November 2019 zusammen, es sei seit der Vorbegutachtung durch die
F.___
AG im März 2018 zu einer erheblichen Verbesserung im psychischen Zustandsbild gekommen, sodass aktuell keine nach ICD-10 diagnostizierbare psychische Störung vorliege.
Zum genauen Zeitpunkt des Auftretens dieser Verbesserung könne keine Aussage getroffen werden. Der Stellenwert der Zugabe von
Escitalopram
erscheine in diesem Kontext gering; ausserdem zeigten die Ergebnisse der laborchemischen Untersuchung, dass das verordnete Mittel überwiegend wahrscheinlich nicht wie verordnet eingenommen werde
(
Urk. 14/M77
S. 16
und S. 18
).
Der begutachtende Orthopäde und Traumatologe
hielt
fest, die Nacken- und Rückenschmerzen seien überwiegend wahrscheinlich auf eine vorbestehende
Defektarthropatie
, ein degeneratives Verschleissleiden, zurückzuführen (Urk. 14/M76 S. 23). Die Beschwerden im Bereich des linken Oberschenkels und an beiden Kniegelenken seien überwiegend wahrscheinlich durch die strukturell nachweisbaren Befunde und bildgebend dargestellten Pathologien erklärbar und stünden in natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 6. Januar 2017. Möglich unfallkausal seien die Beschwerden im Bereich beider Unterschenkel, die Lipödeme. Mehr als zwei Jahre nach dem Ereignis sei der Status quo sine im Bereich des linken Schultergelenkes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erreicht; bei Status nach
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
des linken Schul
tergelenkes sei es durch die Schnittverletzung des Deltamuskels mit knöchernen
Absprengungen des Schulterdaches zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes gekommen. Durch die Verletzung des Deltamuskels und die knöchernen Absprengungen sei es jedoch zu keiner richtunggebenden Verschlim
merung des Gesundheitszustands
betreffend
das linke Schultergelenk gekommen (Urk. 14/M76 S. 24).
Für vorwiegend leichte sitzende Tätigkeiten, unter Einhal
tung der ergonomischen Richtlinien für das Arbeiten im Sitzen, sei überwiegend wahrscheinlich mit keiner Schädigung der Gesundheit und mit keiner Schmerz
zunahme zu rechnen. Die arbeitsmedizinisch gültigen Richtlinien für das Arbeiten im Sitzen seien zu beachten (Urk. 14/M76 S. 26). Die Anpassung und Angewöh
nung an die Unfallfolgen habe abschliessend stattgefunden, seit dem Unfall seien mehr als zweieinhalb Jahre vergangen; eine namhafte Besserung des Gesund
heitszustands durch weitere Massn
a
hmen sei nicht über
wiegend wahrscheinlich, insbesondere sei eine namhafte Besserung im Sinne einer Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht mehr zu erreichen (Urk. 14/M76 S. 28). Der medizinische Endzustand sei erreicht. Eine Kostenübernahme für die Fortführung der Stützstrumpfbehandlung werde empfohlen, da hierdurch die Kniegelenksstabilität verbessert werde und die post
operativen Schwellungen verhindert würden (Urk. 14/M76 S. 29).
Der begutachtende Neurologe
, Dr.
M.___
,
gelangte zum Schluss, die von der Versicherten beklagten Schmerzen entsprächen keinem typischen organpatholo
gisch
verstehbaren Schmerzbild auf neurologischem Fachgebiet.
Sie entsprächen keinem typischen radikulären Schmerz. Auch ein neuropathischer Schmerz sei nicht vorgetragen worden. Hiergegen sprächen
zudem
die Schmerzverstärkung bei Bewegung und Belastung, die Lokalisation der Schmerzen und die Angabe, dass normale Analgetika die Schmerzen zeitweilig reduzieren könnten (Urk. 14/M75 S. 29). Die Tatsache, dass trotz erheblicher vorgetragener Schmer
zen die angegebenen Analgetika im Serum unterhalb der Nachweisgrenze seien, begründe erhebliche Zweifel an dem tatsächlichen Leidensausmass der Versicher
ten. Die spontanen Bewegungen seien flüssig gewesen und ohne Schmerz- oder Schonverhalten. Die mitgebrachten Unterarmgehstöcke seien nicht entlastend beim Gehen eingesetzt worden (Urk. 14/M75 S. 30).
3.
2
3.2.1
In der
Ergänzung
seines
Gut
a
chtens
führte
Dr.
N.___
am 12. August 2020
zu
den Einwänden
der
Beschwerdeführerin
in
ihrer
Stellungnahme
vom 9. März 2020 (Urk. 14/K195)
sowie zu den beigelegten Berichten aus (
Urk. 14/M85),
auf
grund der vorgelegten Bildgebungen und Dokumente lägen keine neuen medizi
nischen Aspekte vor, welche nicht bereits im Gutachten vollumfänglich berück
sichtigt worden wären und eine anderslautende Beurteilung als jene im November 2019
erlaubten. Die tatsächlichen Verhältnisse hätten sich unfallbedingt nicht wesentlich verändert, eine namhafte Verschlechterung sei anhand der Berichte nicht objektiviert. Auch zur Kausalität der Beschwerden am linken Schulter
gelenk, inklusive Arm und Hand, und am Becken sei im Gutachten ausführlich Stellung genommen worden.
3.
2.2
In der Stellungnahme vom 9. Februar 2021 (Urk. 14/M86) äusserte sich
auch
Dr.
M.___
zu den Einwänden
der
Beschwerdeführerin in
den
Stellung
nahme
n
vom 9. März 2020 (Urk. 14/K195)
und
7. Juli 2020 (Urk. 14/K209) sowie den beigelegten Berichten.
Er verwies
bezüglich des Fachgebiets der Orthopädie
auf die Stellungnahme
seines Kollegen
vom 12. August 2020 und hielt
zusätzlich
fest, es bestehe kein Anhalt, eine weitere Diagnostik vorzunehmen oder erneut eine cerebrale Bildgebung durchzuführen
. D
er Hinweis auf die Beschwerde
vorträge der
Versicherten
ersetze keine vernünftige Beweisführung, welche erstens Befunde benötige, die die Beschwerden erklären könnten, sowie im zwei
ten Schritt einen überwiegend kausalen Zusammenhang zwischen den Befunden und dem Unfallereignis darlegten.
Entsprechendes
werde nicht vorgelegt. Dass das psychiatrische Gutachten «oberflächlich und nicht den Qualitätsanforde
rungen entsprechend» sei, werde entschieden zurückgewiesen. Medizinische Belege für diese Behauptung würden nicht vorgelegt.
Es würden keine triftigen Gegenargumente gegen die Befunde und die Beurteilungen im Gutachten vorge
tragen.
3.
2.3
Dr.
M.___
nahm am 22. April 2021
(Urk. 14/M87)
Stellung zu
r
Eingabe
der Beschwerdeführerin
vom 8. Juli 2020
(Urk. 14/K220
,
mitsamt Beilagen
)
und hielt an seiner gutachterlichen Einschätzung fest.
3.
2.4
Dr.
M.___
wies die von der Beschwerdeführerin in der Einsprache vom 19. August 2021 (Urk. 14/K239) vorgetragenen Vorwürfe gegen das
polydiszipli
näre
Gutachten in seiner Stellungnahme vom 10. März 2022
(Urk. 14/M88)
zurück
. Es seien keine neuen relevanten Befunde oder unfallbezogenen Diagno
sen vorgelegt worden. Es sei auch keine medizinisch plausibel begründete Kritik am interdisziplinären Gutachten vorgelegt worden. Die Aktenlage sei ausrei
chend, um die Angelegenheit abschliessend zu beurteilen. Es werde zudem an der Einschätzung im Gutachten festgehalten.
3.2.5
Dr.
N.___
nahm
am 16. März 2022 (Urk. 14/M89) ebenfalls Stellung zur Einsprache vom 19. August 2021 und gelangte zum Schluss, es könne auch unter vollumfänglicher Würdigung der Einwände der
Versicherten
keine anders
lautende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert werden, dies bei Berücksichtigung der objektivierbaren Befunde.
Anderslautende
neue medizinische Tatsachen seien nicht objektiviert worden, und es lägen keine neuen medizinischen Berichte vor.
3.2.6
Schliesslich
äusserte sich
Dr.
N.___
am 13. April 2022 zur
Noveneingabe
der
Beschwerdeführerin
vom 24. März 2022 (Urk. 14/K246)
und führte aus (Urk. 14/M96
), aus den vorgelegten Berichten von PD Dr. med.
P.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, und Dr. med.
Q___
, Facharzt Orthopädische Chirurgie, ergebe sich kein Hinweis auf eine namhafte Veränderung beziehungsweise Verschlechterung der medizinischen Situation gegenüber der Konsensbeurteilung vom 25. November 2019.
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten des
J.___
(
namentlich das neurologische Gutachten vom 18. November 2019, das orthopädische Gutachten vom 25. November 2019 und das psychiatrische Gutachten vom 27. November 2019 sowie die
interdiszplinäre
Beurteilung vom 27. November 2019
inklusive Ergänzungen
) ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
,
und die Schlussfolgerungen der Experten sind begründet, womit es die rechtsprechungs
gemässen Anforderungen
an die Beweiskraft einer Expertise
(BGE 134 V 231 E. 5.1)
erfüllt
.
4.
2
4.
2.1
Der Beurteilung von Dr.
M.___
hielt die
Beschwerdeführerin
unter Verweis auf den Austrittsbericht des Stadtspitals
Y.___
vom 12. Januar 2017
entgegen
, bei der Massenkarambolage sei
das
Fahrzeug
der Beschwerdeführerin
zunächst auf den Kopf gestellt worden und nach dem zweiten Aufprall des hinteren Fahr
zeuges wieder auf die Räder gefallen. Die Beschwerdeführerin habe einen Kopf
anprall mit Ereignisamnesie erlitten (Urk.
1
Rz
. 7.4 und Urk. 14/M3). Es trifft zwar zu, dass dies im erwähnten Bericht
des Stadtspitals
Y.___
so festgehalten wurde. Diese Darstellung widerspricht jedoch klar dem in die deutsche Sprache übersetz
ten Auszug aus dem Polizeirapport zum Unfallhergang (wobei unklar ist, wer die Übersetzung vorgenommen hat). Der Polizeirapport
berechtigt zu der
Annahme, dass sich die Beschwerdeführerin
das Polytrauma
erst beim Verlassen des Fahr
zeugs zuzog
:
Es wurde festgehalten, sie habe es nicht geschafft wegzurennen und sei durch den Anprall des nachfolgenden Fahrzeuges (VW Golf) auf ihr eigenes Fahrzeug (
Chysler
) zwischen dem eigenen (Chrysler) und dem davorstehenden
Fahrzeug (Audi) eingeklemmt und verletzt worden. Von einem Überschlag des Autos wurde
demnach
nicht berichtet, sondern
einzig
von dessen Wegschleudern
, was zusätzlich
bildlich
im Sinne einer
seitlichen
Drehbewegung dargestellt
wurde
.
Die eingereichten Fotografien lassen
im Übrigen
keine Beschädigungen am Chrysler erkennen, welche auf einen Überschlag hindeuten würden (vgl. Urk. 14/K131 beziehungsweise Urk. 14/K20).
Im Einklang dazu steht auch die
Angabe des
Ehemann
es der Beschwerdeführerin im Rahmen der gutachterlichen Fremdanamnese. Dieser gab an, die Beschwerdeführerin habe sich
erst beim Aus
steigen aus dem Auto verletzt (Urk. 14/M77 S. 5).
Dr.
M.___
führte in seinem Gutachten gestützt auf die Akten aus, es sei erwähnt worden, dass eine anamnes
tische Lücke für den Unfallhergang bestehe. Die Versicherte habe ihm gegenüber angegeben, dass sie sich an den Unfallhergang nicht mehr genau erinnern könne. Es bleibe unklar, inwieweit es tatsächlich zu einem Kopfanprall und einer Bewusstlosigkeit gekommen sei. Die unscharfe Erinnerung
der Beschwerde
führerin lasse
sich bereits durch die Tatsache
erklären
, dass
sich
die Ereignisse sehr schnell vollzogen hätten, und dass die Versicherte sich sehr bedroht gefühlt habe, sodass sie psychisch unter Schock gestanden
sei
. Inwieweit eine leichte Hirnerschütterung im Rahmen des Unfalls erfolgt sei, sei retrospektiv nicht mit Sicherheit zu klären. Eine längere Bewusstlosigkeit sei nicht dokumentiert und von der Versicherten auch nicht vorgetrage
n worden. In der gesamten Versiche
rungsakte sei
en
bezogen auf den Unfall von der erstversorgenden Klinik und auch den anschliessenden Kliniken keine neurologischen Symptome und keine neuro
logisch auffälligen Befunde dokumentiert. Ein CCT im Rahmen der Erstver
sorgung habe normale Verhältnisse und keinen Anhalt für intrakranielle Verlet
zungen gezeigt (Urk. 14/M7
5
S. 28). Die Argumentation von Dr.
M.___
überzeugt und trägt dem Umstand Rechnung, dass ein Kopfanprall ohne entspre
chende
echtzeitliche
Dokumentation
oder
medizinisch
nachträglich festgestellte
Anhaltspunkte
nicht erstellt
werden kann
. Das CCT vom 7. Januar 2017 im Stadt
spital
Y.___
ergab keinen Anhalt für eine Kopfverletzung (Urk. 14/64).
Auffällig ist hingegen
der Hinweis im Austrittsbericht der Rehaklinik
A.___
vom 15.
Mai
2017 über den Aufenthalt vom 21. Februar bis 18. Mai 2017, wonach die Beschwerdeführerin nahezu bei jeder wöchentlichen Visite ergänzende Beschwer
den beklagt habe, die sie anamnestisch seit dem Unfall verspüre. Eine Objektivie
rung der Beschwerden sei teilweise nicht gelungen.
Zum Beispiel für den Schwin
del habe keine somatische Ursache aufgezeigt werden können.
Bei der Abschluss
visite in der Austrittswoche habe
die Beschwerdeführerin
im Beisein ihres Ehemannes erstmalig
(
Anmerkung des Gerichts:
somit mehr als fünf Monate nach dem Unfall)
Kopfschmerzen angegeben, die seit dem Unfall persistieren würden (Urk. 14/M7 S. 7).
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass e
in Kopfanprall
nicht
mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden konnte
.
Der blosse Hinweis auf von der Beschwerdeführerin
geklagte
Beschwer
den
(insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel, Auffassungs-, Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen [vgl. z.B. Urk. 1
Rz
. 7.8])
reicht
daher
nicht aus, um
einen Kausalzusammenhang zwischen diesen
Beschwerden
und
dem U
nfallereignis herzustellen.
Es erschliesst sich daher nicht, i
nwiefern eine «klare Indikation gegeben» sein sollte, erneute cerebrale Bildgebungen durchzu
führen
(Urk. 1
Rz
. 7.12).
4.
2
.2
Dr.
M.___
hielt in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung fest, in der bildgebenden Diagnostik sei eine Fraktur de
s
Process
us
transvers
us
LWK2-4 rechts dokumentiert worden. Zu einer wesentlichen Dislokation sei es nicht gekommen. Ein Anhalt für eine Verletzung nervaler Strukturen (Myelon oder Nervenwurzeln) habe sich in der bildgebenden Diagnostik nicht ergeben. In der
Verlaufsbildgebung
habe sich ein normaler
Heilungsprozess des frakturierten Processus
transvers
us
ohne Hinweise für eine
Neurokompression gezeigt. Die von der Beschwerdeführerin geschilderte Schmerzsymptomatik entspreche keinem typischen radikulären Schmerz. Auch entsprächen die Schmerzen keinem neuro
pathischen Schmerz. Zusätzlich habe die Versicherte angegeben
–
allerdings erst auf explizite Nachfrage
–,
dass sie an Parästhesien an Armen und Beinen leide. Die Beschreibung der Parästhesien sei unscharf geblieben, sowohl bezüglich der Lokalisation als auch bezüglich der Zeitgestalt. In der neurologischen Untersu
chung habe sich ein normaler Neurostatus gezeigt. Der psychopathologische Querschnittsbefund sei normal gewesen, ebenso der verhaltensneurologische Befund. In der elektrophysiologischen Diagnostik habe sich in den evozierten Potenzialen kein Anhalt für eine zervikale Wurzelläsion (Medianus-SEP) und kein Anhalt für eine lumbale Wurzelläsion (
Tibialis
-SEP), ebenso kein Anhalt für eine
Myelonschädigung
gezeigt. In der Elektrophysiologie der Arme hätten sich normale F-Wellen gezeigt. Somit habe sich auch kein Anhalt für eine Schädigung der motorischen zervikalen Nervenwurzeln ergeben. Die Elektroneurographie der A
r
mnerven sei normal gewesen. Ein Anhalt für eine Schädigung des
Nervus
medianus oder des
Nervus
ulnaris
bestehe
beidseits nicht. Ein elektrophysio
logisches Korrelat der beklagten Parästhesien habe sich somit weder in der neurologischen Untersuchung noch in der ausgiebigen elektrophysiologischen Diagnostik ergeben.
Eine Polyneuropathie könne bei der Versicherten nicht diagnostiziert werden. Es ergebe sich kein Anhalt für eine traumatisch bedingte Läsion am Nervensystem oder eine neurologische Erkrankung
. Die Vermutung der Kollegen der Gefässsprechstunde am
Z.___
vom 29. Mai 2019, dass ein neu
ropathischer Schmerz vorliege, könne nicht bestätigt werden
(Urk. 14/M75 S. 30
f.
).
Die Beschwerdeführerin verwies auch hier auf
ihre eigenen
Beschwerdeschil
derungen und zitierte aus den Berichten der behandelnden Ärzte, wonach sich im
Schmerzfragebogen Hinweise für einen neuropathischen Schmerz gezeigt hätten (Urk. 1
Rz
7.5),
wonach neuropathische Schmerzen vermutet worden seien (Urk. 1
Rz
. 7.9), wonach differentialdiagnostisch an neuropathisch bedingte Schmerzen zu denken sei (Urk. 1
Rz
. 7.10
; vgl. auch Urk. 21 S. 4
). Weiter brachte
sie vor,
sie
habe seit fünf Jahren stringent und konstant über ihre Schmerzen und Beschwer
den berichtet. Es sei daher davon auszugehen, dass sich das neurologische Zustandsbild verschlechtert habe. Da die Beschwerdegegnerin keine näheren Abklärungen durchgeführt habe, habe sie ihre Abklärungspflicht verletzt (Urk. 1
Rz
. 7.11). Diese
r
Argumentation
kann nicht gefolgt werden
.
Die
subjektiven Beschwerde
schilderungen
und
die
gestützt darauf
von den behandelnden Ärzten angestellten Vermutungen oder Empfehlungen vermögen an der Schlüssigkeit der gutachterlichen Feststellungen nichts zu ändern.
Es
lieg
t
weder
ein ärztlich objektivierter Befund
noch
eine
näher begründete fachärztliche Einschätzung vor, welche die gutachterliche Beurteilung widerlegen könnte
.
Dies gilt auch für d
en
im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht der Notfallpraxis am Spital
B.___
vom 5. April 2022, in welche
m
bloss
ein Verdacht auf ein radikuläres Syndrom erwähnt wurde (Urk. 3/3)
, sowie
den Bericht
des Fachärztezentrums
R.___
(
Z.___
)
vom 20. Mai 2022, in welchem
ein Facharzt für Angiologie fachfremd
neuropa
thisch bedingte Schmerzen in Erwägung
zog
(
«Differentialdiagnostisch wäre an neuropathisch bedingte Schmerzen zu denken, inwiefern diese posttraumatisch nach Polytrauma vorhanden sind, kann aus angiologischer Sicht nicht beurteilt werden» [
Urk. 3/4
]
).
Es ist
sodann
darauf hinzuweisen,
dass es zur Aufgabe des Gutachters gehört, den vom ihm erhobenen Befund anhand der Klinik kritisch zu überprüfen und dessen Auswirkungen bei der Untersuchung und im Alltag detailliert darzulegen. So darf der oder die medizinische Sachverständige die Angaben d
er
Explorand
in
im Rahmen der klinischen Untersuchung nicht vorbehaltlos als richtig ansehen. Bestandteil einer stichhaltigen Begutachtung bilden unter anderem Angaben zum ärztlich beobachteten Verhalten, Feststellungen über die Konsistenz der gemach
ten Angaben wie auch Hinweise, welche zur Annahme von Aggravation führen können (
Urteil des Bundesgerichts 8C_149/2022 vom 19. Januar 2023 E. 6.1
mit Hinweis
en
).
Dr.
M.___
prüfte
die Beschwerdeschilderungen der Beschwerdeführerin
anlässlich des erhobenen Befunds eingehend
und konnte nachvollziehbar begründen,
weshalb er keine neurologischen Funktionsstörungen
erheben
und keine neurologischen Diagnosen stellen konnte.
Darüber hinaus
wies er darauf hin
,
dass trotz erheblicher vorgetragener Schmerzen die angegebenen Analgetika im Serum unterhalb der Nachweisgrenze s
eien
,
was
erhebliche Zweifel an dem tatsächlichen Leidensausmass der Versicherten
begründe
(Urk. 14/M75 S. 30
; vgl. die Angaben zur Einnahme der Analgetika [insbesondere Ibuprofen und
Novalgin
, Urk. 14/M75 S. 19 f.
] sowie
die erhobenen
Werte der Analgetika
[
Urk. 14/M75 S. 27
]).
4.
2
.3
Nach dem Gesagten
erweist sich die
gutachterliche Beurteilung als überzeugen
d
, und es
kann in neurologischer Hinsicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Kausalzusammenhang zwischen den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis hergestellt werden.
4.
3
4.
3
.1
Die Beschwerdeführerin brachte
vor, entgegen der gutachterlichen Einschätzung von Dr.
N.___
seien die Beschwerden im Bereich des Nackens, des Rückens
,
der linken Schulter
sowie im Ellenbogengelenk unfallkausal (Urk. 1
Rz
. 8.6 und Urk. 1
Rz
. 8.10).
4.
3
.2
Dr.
Q.___
stellte in seinem Bericht vom 7. Januar 2022 die Diagnose einer aktivierten AC-Gelenksarthrose Schul
t
er links mit leichter, aktivierter SC-Gelenksarthrose links
und führte aus, möglicherweise seien die aktivierten Arthrosen auf die ausgeprägten Belastungen beim Gehen mit zwei Stöcken zurückzuführen (Urk. 14/M94).
Dr.
N.___
bestätigte
in seiner Stellungnahme vom 13. April 2022
,
der an den Schultergelenken erhobene Befund entspreche einer leichten AC-Gelenksarthrose
; dieser
bedinge keine Überschreitung der
Erheblichkeitsgrenze
. Das Gehen mit Unterarmstützkrücken könne möglicher
weise zu einer Aktivierung der Arthrose im linken Schultereckgelenk geführt haben, jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit, dies bei intakter
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
. Struktu
relle Läsionen am AC-Gelenk hätten zum Unfallzeitpunkt und zeitnah danach nicht objektiviert werden können, die stattgehabte knöcherne Absprengung sei gelenksfern gewesen (Urk. 14/M96 S. 3)
, was der Aktenlage entspricht (vgl. den Bericht des
Z.___
vom 24. März 2017 [Urk. 14/M13 S. 2]).
Die
Einschätzung
von Dr.
N.___
vermag zu überzeugen, zumal ge
mäss dem von Dr. med.
S.___
, Spezialarzt für Orthopädie und Traumatologie FMH,
erstellten Gutachten
vom 1. März 2017
zuhanden der Vorsorgeeinrichtung
der Beschwerdeführerin
(aufgrund der am 30. November 2016 und damit noch vor dem Unfallereignis stattgefundenen Untersuchung)
schon
vor dem Unfall eine Unterflächenläsion der Supraspinatus
sehne bei
Impingement
und eine AC-Arthrose links bestanden (Urk. 14/M70 S. 3) und auch im polydisziplinären Gutachten der
F.___
AG vom 11. März 2018 festgehalten wurde, die degenerative Schultererkrankung links sei vollständig getrennt von den Unfallfolgen zu beurteilen. Sie bestehe in einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der linken Schulter (Urk. 14/M35 S. 55).
Soweit
die
Beschwerdeführerin vorbring
t
,
ihr sei von
Dr.
S.___
ab dem 30. November 2016 in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden (Urk. 1
S. 4
Rz
. 4 und
Rz
. 8.7), vermag sie daraus
hingegen
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 30. November 2016 klagte sie
nach wie vor
über Schmerzen in der linken Schulter (Urk. 14/M70 S. 5 unten)
und war somit nicht schmerzfrei (vgl. das Vorbringen in Urk.
1
S. 4
Rz
. 4)
.
Ausserdem bezog sie auch
für den
Monat Dezember 2016 noch
Krankentaggelder
, obwohl ihr von Dr.
S.___
ab dem 30. November 2016 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit attestiert worden war
(vgl. die Lohnabrechnung für den Monat Januar 2017 de
r
bei der Beschwer
degegnerin versicherten Arbeitgeberin mit dem handschriftlichen Vermerk
neben der Position KTG-Taggelder Langfrist
«01.12.-25.12.16 (26.12.-31.12.16 Ferien
)
»
[Urk. 14/K185]
sowie die Lohnabrechnung der eigenen GmbH der Beschwerde
führerin vom 31. Dezember 2016 betreffend den Monat Dezember 2016 [Urk. 14/K187]
).
Kommt hinzu, dass im Gutachten der
F.___
AG vom 11. März 2018 festgehalten wurde, die jetzt noch bestehende schmerzhafte Bewegungsein
schränkung im Bereich der linken Schulter resultiere aus einer eigenständigen Erkrankung einer oberflächlichen Läsion der Supraspinatussehne links bei
Impingementsyndrom
der linken Schulter. Diese Erkrankung und deren Fort
bestehen sei
en
vollständig unfallunabhängig zu sehen (Urk. 14/M35 S. 45)
Es kann daher festgehalten werden, dass die
von der Beschwerdeführerin geklag
ten
Schulterbeschwerden
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
degenerativ bedingt und
nicht
unfallkausal
sind
.
4.
3
.3
Dr.
N.___
hielt
weiter
fest, die Nacken- und Rückenschmerzen seien durch strukturell nachweisbare Befunde erklärbar, die strukturellen Veränderungen seien jedoch überwiegend wahrscheinlich auf eine vorbestehende
Defektarthro
pat
h
ie
, ein degeneratives Verschleissleiden, zurückzuführen (Urk. 14/M76 S. 23)
.
Eine Läsion der Halswirbelsäule
anlässlich des
Unfallereignis
ses
vom 6. Januar 2017
ist nicht dokumentiert (vgl.
den Bericht des Stadtspitals
Y.___
vom 7. Ja
nuar 2017 über die gleichentags durchgeführten CT-Untersuchungen, unter anderem auch der HWS, wo
– im Gegensatz zu März 2018 [Urk. 14/M32] –
noch keine
Foramenstenose
C6/7 dargestellt wurde [Urk. 14/M64],
den Austrittsbericht
des Stadtspitals
Y.___
vom 12. Januar 2017 [Urk. 14/M3]
und des
Z.___
vom 1. März 2017 [Urk. 14/M11a]).
W
ährend des Aufenthalts in der Rehaklinik
A.___
wurden sodann
keine Beschwerden an der Halswirbelsäule beklagt (Urk. 14/M7).
Demgemäss
bestehen keine Anhaltspunkte für eine unfallkausale Ursache der Nackenschmerzen
.
In seiner Stellungnahme vom 16. März 2022 führte Dr.
N.___
aus,
die
zusätz
lich
im Verlauf dargestellten degenerativen Veränderungen, die Spondylarthro
sen der Hals- und Lendenwirbelsäule, anlagebedingte Veränderungen, begründe
ten keine unfallkausale Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 14/M89 S. 7).
Diese gutachterli
che Beurteilung
steht im Einklang mit der Aktenlage
(vgl. den Bericht vom 27. Ja
nuar 2011 über den MRI-Untersuch der LWS vom 24. Januar 2011, in welchem festgehalten wurde, es bestehe der Verdacht auf eine Übergangsanomalie LWK5/SWK1 links [Urk. 14/M79])
und
vermag zu überzeugen, zumal keine gegenteiligen
fach
ärztlichen Einschätzungen vorliegen
.
4.3.4
Dr.
N.___
konnte bei der Untersuchung im Jahr 2019 am linken Ellenbogen einen Druckschmerz über dem Epicondylus
lateralis
und
medialis
feststellen; die Beweglichkeit in beiden Ellenbogengelenken war frei (Urk. 14/M76 S. 20 unten). Im Bericht des
Z.___
vom 22. Juni 2020 wurde die Verdachtsdiagnose
Epicondy
litis
humeri
links gestellt (Urk. 14/M82 S. 1). Die behandelnden Ärzte vermuteten die Ursache im Rahmen einer Überbelastung der oberen Extremität aufgrund der inzwischen 3 ½-jährigen Mobilisation mit Hilfsmitteln (Urk. 14/M82 S. 3). Be
i der Beschwerdeführerin
wurde allerdings
bereits im Jahr 2015 und somit vor dem Unfall eine
Epicondylopathia
humeri
lateralis
links diagnostizier
t
(Urk.
14/M70 S.
3)
.
Dr.
N.___
hielt in der Stellungnahme vom 12. August 2020 fest, es lasse sich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit objektivieren, dass die geklagten Beschwerden im Bereich des linken Ellenbogengelenks in kausalem Zusammen
hang mit dem Unfallereignis stünden. Das Gehen an Krücken, Stöcken oder anderen Gehhilfen führe nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Überlastung von Muskelansätzen im Bereich des linken Ellenbogengelenks, ins
besondere würde sich eine einseitige Armüberlastung nicht auf das beidarmige Benützen von Gehhilfen zurückführen lassen (Urk. 14/M85 S. 3). Am 16. März 2022 ergänzte er, dass keine strukturellen Läsionen im Ellenbogenbereich echt
zeitlich oder zeitnah dokumentiert
worden
seien (Urk. 14/M89 S. 8).
Die Einschätzung von Dr.
N.___
vermag zu überzeugen
, zumal die behandeln
den Ärzte nicht weiter begründeten, weshalb
der Befund am Ellenbogengelenk auf eine Überlastung durch die Mobilisation mit Hilfsmitteln zurückzuführen sein
soll; eine Auseinandersetzung mit der gutachterlichen Einschätzung fehlt gänz
lich
.
4.3
.5
Nach dem Gesagten erweist sich die gutachterliche Beurteilung als überzeugend
. E
s lässt sich
nicht mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nachweisen, dass
zwischen
dem Unfallereignis vom 6. Januar 2017 und
den Beschwerden im Bereich des Nackens, des Rückens sowie im Ellenbo
gengelenk
ein Kausalzusammenhang best
eht
. Betreffend das linke Schultergelenk ist nach einer vorübergehenden, richtunggebenden Verschlimmerung des Vorzu
standes durch die Schnittverletzung des Deltamuskels mit knöchernen Abspren
gungen des Schulterdachs der Status quo sine erreicht (Urk. 14/M76 S. 25); die weiterbestehenden Beschwerden sind
hingegen
mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
degenerativ bedingt.
4.
4
4.4.1
Die Beschwerdeführerin machte
ferner
geltend, a
uch die
Phleb-Lipödemie
sei unfallkausal
. Sie
(die Beschwerdeführerin)
habe hauptsächlich eine erhebliche direkte Verletzung des linken Beins anlässlich des Unfallereignisses erlitten. Doch auch das rechte Bein sei beim Unfall und bei der Operation am 20. Januar 2017 im
Z.___
verletzt worden. Es sei zu einer intraoperativen Gefässverletzung lateral gekommen. Das rechte Bein sei 8 Stunden nicht mit Blut versorgt worden. Die Schwellung des rechten Beins sei heute schlimmer als diejenige des linken Beins.
Die Beurteilung des Gutachter
s
falle sodann widersprüchlich aus, wenn er das Tragen und die Übernahme von Kompressionsstrümpfen empfehle, andererseits aber bloss eine mögliche Unfallkausalität in Betracht ziehe
(Urk. 1
Rz
. 8.8).
4.4.2
Den Akten ist das Vorliegen eines krankhaften Vorzustandes zu entnehmen: Gemäss Dr.
S.___
ergab die Anamnese anlässlich der Untersuchung vom 30. November 2016, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2006 eine Operation an beiden Beinen wegen Varizen hatte und seither Stützstrümpfe tragen musste (Urk. 14/M70 S. 5
; vgl. auch Urk. 3/4 S. 1
). Nach dem Unfallereignis vom 6. Januar 2017 kam es beim Eingriff vom 20. Januar 2017 zu einer intra
operativen Gefässverletzung
am rechten Kniegelenk.
Im
Austrittsbericht des
Z.___
vom 1. März 2017
wurde festgehalten, d
ie operative Versorgung des rechten Kniegelenkes sei am 20. Januar 2017 erfolgt. Bei iatrogener intraoperativer Verletzung der
Arteria
poplitea und
Vena
(poplitea)
sei in der gleichen Operation eine
Patchplastik
der A
. poplitea und eine Ligatur der V. poplitea erfolgt sowie eine präventive Logenspaltung. Die postoperative Durchblutung habe sich im weiteren Verlauf unauffällig gezeigt. Eine Therapie mit Aspirin und Clexane sei prophylaktisch eingeleitet worden. Die postoperative
angiologische Kontrolle vom 30. Januar 2017 habe duplexsonographisch keine Anhaltspunkte für eine signifikante Rest-Stenose
femoropoplietal
gezeigt. In den tiefen Beinvenen hätten sich
beidseits keine Thrombosen
mehr nachweisen lassen
(Urk. 14/M11a
S. 2; vgl. auch die Diagnose in E. 3.1
)
.
Den Akten ist
des Weiteren
zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin
an einem
Phleb
-/Lipödem der unteren Extremitäten beidseits sowie an rezidivierenden Thromboembolien leidet, wobei
eine heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutation festgestellt wurde, welche ein schwacher Risikofaktor für venöse Thrombo
embolien (5-fach) darstellt. Das ebenfalls festgestellte
Sticky
-
Platelet
-Syndrom (gesteigerte
Thrombozytenaggregabilität
) kann sodann die Risiken durch die heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutation verstärken (
vgl. den
Bericht des
D.___
vom 20. Februar 2018
[
Urk. 14/M29
]
, vgl. auch Urk. 3/4
).
4.4.3
Dr.
N.___
ging hinsichtlich der Ödeme in den Beinen
lediglich
von einer mög
lichen Unfallkausalität aus (Urk. 14/M76 S. 25)
und
gab zu bedenken, dass die Ödeme symmetrisch seitengleich vorlägen (Urk. 14/M85 S. 4). Die Beschwerde
gegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, die Beschwerdeführerin vermöge nicht darzutun, weshalb die geklagten Beschwerden unfallkausal seien
(Urk. 2 S. 18)
.
4.4.4
Der Beschwerdegegnerin
ist beizupflichten.
Zum einen spricht der Umstand,
dass das
Phleb
-/Lipödem beidseitig in beiden Unterschenkeln vorhanden
ist,
gegen eine Unfallkausalität. Letztlich bestätigt aber der angiologische Schlussbericht des Fachärztezentrums
R.___
(
Z.___
) vom 20. Mai 2022, dass die Ödeme auf den bekannten krankhaften Vorzustand
(vgl. vorstehende E. 4.4.2)
zurückzuführen sind (Urk. 3/4). Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der
Angiologe
die Diagnose
«
Phleb
-/Lipödem der unteren Extremitäten beidseits
»
im Zusammenhang mit den folgenden Unterdiagnosen
stellte
: komplette Stamm- und Astvarikose der
Vena
saphena magna Stadium Hach II links, komplette Stamm- und Astvarikose der
Vena
saphena
parva
Stadium Hach I links, Seitenastvarikose rechts, anamnestisch Status nach Varizenoperation beidseits.
Er stellte somit keinen Zusammenhang zwischen
dem Unfallereignis und den Ödemen in den Unterschenkeln her
, was sich aufgrund der erhobenen Befunde nachvollziehen lässt. Die Stadien I und II nach Hach bringen zum Ausdruck, dass die Insuffizienz der beiden Venen saphena magna
(Stadium II)
und
parva
(Stadium I)
nicht bis unter den Oberschen
kel reicht (
Crosse
der V. saphena magna insuffizient; Stamm der V. saphena magna bis Oberschenkel distal insuffizient; V. saphena
parva
im proximalen Abschnitt insuffizient, im weiteren Verlauf suffizient [Urk. 3/4 S. 3]). Die
Dia
gnose
Seitenastvarikose recht
s wurde
sodann
aufgrund der im medialen Unter
schenkel nachgewiesenen insuffizienten Seitenäste, bei suffizienter V. saphena
parva
, gestellt. Die V. poplitea war im proximalen Abschnitt bei Status nach Ligatur nicht nachweisbar. Hingegen war sie distal nachweisbar und vollständig kompressibel
(Urk. 3/4 S. 3)
.
Nach dem Gesagten
führte der
Angiologe
die Ödeme auf die Varikosen zurück, welche aufgrund ihrer Lokalisation nicht mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit unfallkausal sind.
4.4.5
Daraus, dass Dr.
N.___
eine Kostenübernahme für die Fortführung der Stütz
strumpfbehandlung empfahl, da hierdurch die Kniegelenksstabilität verbessert werde und die postoperativen Schwellungen verhindert würden (Urk. 14/M76 S. 29), vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten (vgl. Urk. 1
Rz
. 8.9). Soweit die Kompressionsstrümpfe der Verbesserung der Kniege
lenksstabilität dienen, dienen sie der Behandlung eines Leidens, welches von Dr.
N.___
als unfallkausal gewertet wurde (E. 3.1). Dass seine Empfehlung auch die Behandlung der bloss möglicherweise unfallkausalen Schwellungen an den Unterschenkeln mitumfasste, stellt indes keinen Widerspruch dar, zumal es sich bei der Behandlung mittels Kompressionsstrümpfen um eine sehr nieder
schwellige, aber dennoch effektive
Massnahme
handelt, welche selbst bei einem bloss möglichen Kausalzusammenhang aus ärztlicher Sicht durchaus vertretbar erscheint.
4.
5
Der
gutachterlichen Einschätzung, wonach es seit der Vorbegutachtung durch die
F.___
AG im März 2018 zu einer erheblichen Verbesserung im psychischen Zustandsbild gekommen sei, sodass aktuell keine nach ICD-10 diagnostizierbare psychische Störung vorliege, stellte die Beschwerdeführerin die Beurteilung der behandelnden Psychologin Dr. phil.
H.___
entgegen.
Nach der Rechtsprechung kann das Sozialversicherungsgericht eine fachärztliche Beurteilung zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit nur gestützt auf eine ebenfalls fachärztliche abweichende Beurteilung entkräften. Über eine (
fach
)ärztliche Qualifikation
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_726/2019 vom 27. Oktober 2021 E. 5.3.2)
verfügt
Dr. phil.
H.___
indes nicht. Des Weiteren ist
ihre
Einschätzung mit Blick auf die Verschiedenheit von Expertise und Therapie ohnehin mit Vorbehalt zu würdigen (
Urteil des Bundesgerichts
8C_450/2018 vom 16. Oktober 2018 E. 5.1 mit Hinweis auf
9C_139/2014 vom 6. Oktober 2014 E. 5.2 mit Hinweisen
).
Damit liegen keine fachärztlichen Beur
teilungen vor, welche die schlüssige Beurteilung des begutachtenden Psychiaters entkräften könnten.
Was die von der Beschwerdeführerin beantragte zusätzliche neuropsychologische Abklärung
(Urk. 1
Rz
. 9.8 und Urk. 21 S. 5
f.
)
betrifft, stellt diese gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung lediglich eine Zusatzuntersuchung dar, die bei
begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist. Der Entscheid darüber unter
liegt dem Ermessen der Experten (Urteile des Bundesgerichts 9C_127/2022 vom 8.
Juli 2022 E.
5.3, 8C_11/2021 vom 16.
April 2021 E.
4.2 mit Hinweis auf die Qualitätsrichtlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweize
rischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie vom 16.
Juni 2016 [SGPP]; publiziert in SZS 2016 S.
435
ff.).
Gemäss gutachterlicher Einschätzung bestanden keine Anhaltspunkte für Konzentrationsstörungen oder Gedächtnis
defizite, obwohl von solchen berichtet wurde
. Auch konnten keine Ermüdungs
erscheinungen im Gespräch von drei Stunden Dauer festgestellt werden.
Die 10-minütige Pause wurde a
uf Wunsch des
begutachtenden Psychiaters
durchgeführt (Urk. 14/M77 S. 15).
In Anbetracht dessen besteht kein Anhalt für die Einholung eines
neuropsychologische
n
Gutachten
s
.
4.
6
Als
Fazit
ist festzuhalten, dass
die persistierenden
Beschwerden im Bereich des linken Oberschenkels
sowie
an beiden Kniegelenken
unfallkausal sind.
Die übri
gen Beschwerden können jedoch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückgeführt werden.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin
bestritt, dass
ihr
seit dem 1. Dezember 2019 eine leidens
angepasste, ausschliesslich sitzende Tätigkeit in einem 100 %-Pensum zumutbar sei. Der Gutachter habe seine Schlüsse lediglich aus seiner Beobachtung während einer 90-minüten Exploration gezogen. Beim vorliegenden Polytrauma am Bewegungsapparat mit zahlreichen Auswirkungen und Wechselwirkungen der einzelnen Beschwerden sei es mindestens angezeigt, die funktionelle Leistungs
fähigkeit mit einem EFL-Gutachten abzuklären. Zudem sei zu beachten, dass
die Gutachter
der
F.___
AG nur kurze Zeit früher
die einzelnen Einschränkungen in die Gesamtbeurteilung hätten einfliessen lassen und die Ergebnisse allein im orthopädisch-chirurgischen und
traumatologischen
Fachbereich trotz eines wei
testgehend unveränderten gesundheitlichen Zustands zu 100 % voneinander abwichen
(Urk. 1
Rz
. 11.2).
5.2
F
ür den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts
kommt es
nicht auf die Dauer der Untersuchung an. Vielmehr
ist
massgeblich, ob die Beurteilung inhalt
lich vollständig und im Ergebnis schlüssig
ist (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_472/2020 vom 16. September 2020 E. 5.3
und 8C_771/2019 vom 19. Mai 2020 E. 4.4
).
5.3
Der begutachtende Facharzt für Chirurgie der
F.___
AG
ging in seinem Gut
achten von einer Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von 0 % aus
, da
die
Beschwerdeführerin
zum Begutachtungszeitpunkt kurz
vor einem
erneuten
Reha
bilitationsaufenthalt
stand
.
Er hielt fest, e
rst nach angemessener Zeit nach Been
digung der Rehabilitationsmassnahmen könne über einen optimal angepassten Arbeitsplatz entschieden werden
;
s
pekulativ könnte in einer optimal angepassten
Tätigkeit in einer sitzenden Position von einer Arbeitsfähigkeit von zunächst 40 % ausgegangen werden. Berücksichtigt werden müsse, wie die Beschwerde
führerin ihren Arbeitsplatz verkehrstechnisch erreichen könne. Analog gelte dies auch für den Rückweg von einer möglichen Arbeitsstelle (Urk. 14/M35 S. 37).
In Bezug auf
das
Fähigkeitsprofil ging der begutachtende Chirurg davon aus, eine rein sitzende Tätigkeit sei ganztags zumutbar mit einer Leistung von 80 %, eine Rotation im Sitzen sei ebenfalls ganztags zumutbar mit einer Leistung von 70 % (Urk. 14/M35 S. 38). Daraus erhellt, dass der Gutachter
der
F.___
AG
im Bereich seines Fachgebiets nicht von einer andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausging, sondern eine Verbesserung prognostizierte, wobei er
sich
die
sbezüglich noch
nicht festlegen
wollte
.
Eine Verbesserung des Gesundheitszustands trat denn auch ein, was sich
bereits aus den
eigenen
Schilderungen der Beschwerdeführerin
ergibt
:
Während
sie
gegenüber de
m Chirurgen
der
F.___
AG
noch
angab, sie könne seit dem Unfall den Garten nicht mehr bewirtschaften (Urk. 14/M35
/28
)
, gab sie gegenüber dem begutachtenden Psychiater des
J.___
an, sie verstecke sich trotz ihrer Krankheit nicht, gehe mit dem Rollator in den Garten und erledige dort das, was sie noch erledigen könne, wie Unkraut zu jäten, unabhängig davon, ob sie danach Schmerzen bekomme oder nicht. Manchmal nehme sie vorsorglich eine Schmerztablette ein und gehe dann in den Garten, weil die Arbeiten dort so oder so erledigt werden müssten (Urk. 14/M77 S. 9).
Diesbezüglich ist anzumer
ken, dass Garten- und insbesondere
Jätarbeiten
häufig in einer ergonomisch ungünstigen Position ausgeführt werden
müssen, was der Beschwerdeführerin
zum Zeitpunkt der Begutachtung beim
J.___
offensichtlich wieder
gelang
. Des Weiteren gab die Beschwerdeführerin gegenüber dem Neuro
logen der
F.___
AG an, sie lenke seit dem Unfall kein Automobil mehr; wegen der Sicherheit gehe es nicht mehr (Beine, Nacken [Urk. 14/M35/82
]
). Auch dies hat sich verändert
. G
egenüber dem begutachtenden Psychiater des
J.___
schilderte sie
, sie könne unproblematisch selber Autofahren. Gefühle in den Beinen, um ein Auto sicher lenken zu können, habe sie genug. Problema
tisch seien die Schmerzen im unteren Rücken oder wenn sie das rechte Bein vermehrt belaste
, zum Beispiel bei langsamem Verkehr oder im Stau
(Urk. 14/M77 S. 8).
Angesichts dieser
Umstände
verfängt die
vorgenannte
Kritik der
Beschwer
deführerin nicht
, zumal die Gutachter des
J.___
die von der Beschwerdeführerin angegebenen Analgetika
(Schmerzmittel) im Serum nicht nachweisen konnten (Urk. 14/M75 S. 27) und
sich keine fachärztlichen Berichte
finden
, in welchen der Beschwerdeführerin für die Zeit nach der Begutachtung beim
J.___
bis zum Erlass des angefochtenen
Einsprache
entscheids
eine Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert worden wäre.
Insbesondere finden sich hinsichtlich der Knie keine Hinweise dafür, dass eine angepasste sitzende Tätigkeit nicht mehr zumutbar
wäre. Im Bericht des
Z.___
vom 25. März 2020 wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin klage neben Schmerzen auch über ein Instabilitätsgefühl in beiden Knien, was zu einem gewissen Mass auch in der aktuellsten orthopädischen/
traumatologischen
Untersuchung vom 14. Februar 2020 bestätigt worden sei (Urk. 14/M83 S. 3).
Zu diesem Zeitpunkt konnte
n die geklagten Beschwerden somit nicht vollumfänglich objektiviert werden. Dass sich eine
relevante
Verschlechterung im Vergleich zur gutachterlichen Untersuchung ergeben hätte, ist nicht
erkennbar.
Der behan
delnde Arzt Dr.
P.___
erhob im Bericht vom 21. September 2021 den Befund einer beginnenden posttraumatischen Gonarthrose rechts (Urk. 14/M92)
, was einer leichten Arthrose entspricht und noch keinen Anhalt für eine Veränderung in Bezug auf die Zumutbarkeit einer sitzenden Tätigkeit ergibt.
5.4
Im Beschwerdeverfahren wurde der Sprechstundenbericht von Prof.
K.___
vom 7. März 2023 aufgelegt
(Urk. 26)
. Darin hielt dieser fest, nach ausführlicher Sichtung der vorliegenden Befunde sowie der Lang- und Kurzzeitanamnese der Patientin
seien sie nicht mehr im Konsens mit dem ihnen von der Patientin mit
gebrachten orthopädischen Gutachten vom 6. Januar 2017 (richtig wohl: 25. November 2019), in welchem eine vorhandene Restinstabilität beider Knie attestiert worden sei. Aktuell bestehe eine hochgradige,
multiligamentäre
Insta
bilität beider Kniegelenke mit wesentlicher Schmerzausprägung und konsekutiver Einschränkung der Patientenautonomie. Nach Ansicht der Untersucher sei dieses Zustandsbild eindeutig posttraumatischer Genese. Derzeit bestehe keine Arbeits
fähigkeit der Patientin. Die Erstellung eines ausführlichen Gutachtens sei zeitlich im Rahmen der Sprechstunde leider nicht möglich. Sollte dies weiterhin gewünscht sei
n
, werde darum gebeten, gesondert den Kontakt zu Prof.
K.___
zu suchen.
Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Duplik vom 21. April 2023 zu Recht aus
führte, hielt Prof.
K.___
damit dem Gutachten von Dr.
N.___
nichts entgegen (Urk. 32 S. 11). Vielmehr brachte er zum Ausdruck, dass sich der Gesundheitszustand in Bezug auf die Knie
seither
verschlechtert ha
be
; dass eine Verschlechterung bereits zum Zeitpunkt des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 8. Juni 2022 eingetreten wäre, lässt sich dem Bericht indes nicht entnehmen.
Damit vermag er die Beurteilung, bezogen auf
den massgebenden
Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheentscheides
(vgl. nachstehende E. 6.
3.1 zur Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis
), nicht
zu beeinflussen.
5.5
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass
in manchen Fällen neben den medizini
schen Befunden und Diagnosen auch eine arbeitsorientierte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
f
ür eine valide Beurteilung der Arbeits
fähigkeit und Zumutbarkeit
wünschbar oder sogar erforderlich
sein kann
. Ein EFL-Testverfahren ist indessen nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern allen
falls in Betracht zu ziehen, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren vorzuneh
men, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte berufliche Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_976/2010 vom 23. Februar 2011 E. 5.5 mit Hinweisen)
.
Ein solcher Fall liegt hier nicht vor. Demzufolge ist kein EFL-Testverfahren
(vgl. Urk. 1
Rz
. 11.2 und Urk. 21 S. 6 f.)
anzuordnen
.
5.
6
Nach dem Gesagten ist g
estützt auf das beweiskräftige Gutachten des
J.___
mit dem Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit aus
gewiesen,
dass
die
Beschwerdeführerin
die bisherige Tätigkeit
als Raumpflegerin
unfallbedingt nicht mehr
verrichten kann
, dass ihr
ab dem
1.
Dezember 2019
aber
eine leidensangepasste, sitzende Tätigkeit in einem 100 %-Pensum zumutbar
ist
.
Von den
sub
eventualiter
beantragten weiteren
medizinischen
Abklärungen sind keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon in antizipierter Beweiswürdigung abgesehen werden kann (BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.7
V
on der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
kann sodann k
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
mehr
erwartet werden
(Urk. 14/M76 S. 29)
.
Selbst d
er behandelnde Arzt Dr.
P.___
konnte in seinem im Beschwerdeverfahren aufgelegten Bericht vom 28. November 2022 keine weitere Heilbehandlung be
treffend die Knie mehr anbieten. Er hielt fest,
in dieser schwierigen Situation bleibe eigentlich nichts anderes übrig, als abzuwarten,
bis die Arthrose ein so grosses Ausmass annehme, um über eine endoprothetische Knieprothesenversor
gung zu sprechen. Ü
ber einen
kniearthroskopischen
Eingriff könne in dieser Situation kaum eine Verbesserung erreicht werden, weshalb er der Patientin und ihrem anwesenden Ehemann empfehle, weiter konservativ zu bleiben. Von seiner Seite seien vorerst keine weiteren Kontrollen geplant, je nach Verlauf dürfe sich die Patientin aber wieder melden (Urk. 22/7; vgl. auch bereits Urk. 14/M92 S. 2).
Eine
Knieprothesenversorgung
ist verfrüht und damit (noch) nicht indiziert. Doch selbst dieser Eingriff würde
nicht zu einer Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
als Raumpflegerin
führen
. In einer angepassten Tätig
keit
hingegen
ist die Beschwerdeführerin
bereits
zu 100 % arbeitsfähig
; eine
durch eine prothetische Versorgung der Kniegelenke
zu erwartende Verbesserung
des Gesundheitszustandes vermöchte mithin zu keiner Erhöhung der Arbeitsfä
higkeit zu führen
.
Demgemäss ist i
n Bezug auf d
en
unfallbedingten
Gesundheitszustand
der Endzu
stand erreicht
, und
der Fallabschluss per 1. Dezember 2019
ist
nicht zu beanstan
den.
5.
8
Die Beschwerdegegnerin
ermittelte einen Invaliditätsgrad von gerundet 16 %.
5.
8
.1
Zur Bemessung des
Valideneinkommens
stellte sie auf d
ie
in de
n
bisherigen Tätigkeit
en
erzielte
n
Einkommen
ab. Für die Tätigkeit beim eigenen Versiche
rungsnehmer ging die Beschwerdegegnerin von einem Jahreseinkommen von Fr. 29'322.25 (Fr. 2'164.10 x 13 plus jährliche Zulagen von Fr. 1'188.95) betref
fend das Jahr 2017 aus. Für die Tätigkeit
der Beschwerdeführerin in der eigenen GmbH
ging sie von einem Jahreseinkommen von Fr. 30'000.-- (Fr. 2'500.-- x 12)
betreffend das Jahr 2017
aus.
Unter Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung bis ins Jahr 2019
e
rrechnete sie
ein
Valideneinkommen
von Fr. 60'202.-- (Fr. 59'322.25 / 101.2 x 102.7; vgl. Urk. 14/K230 Ziff. 2.4.4 S. 15).
Diese
s
Valideneinkommen
wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten und
ist
ausgewiesen
(vgl. insbesondere die Lohnabrechnungen des Versiche
rungsnehmers
der Beschwerdegegnerin
betreffend die Monate Januar und Februar 2016 [Urk. 14/K185
sowie Urk. 14/K1
] sowie die über Jahre unverändert gebliebenen Lohnabrechnungen der
eigenen
GmbH
[Urk. 14/K187
]).
5.
8
.2
Dass sich die Beschwerdegegnerin zur Bemessung des Invalideneinkommens auf die statistischen Werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018 stützte und den Lohn gemäss der Tabelle TA1_tirage_skill_level, privater Sektor, Kompetenzniveau 1,
Frauen,
von monatlich Fr.
4'371.
--
heranzog, ist
aufgrund der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist und sie
über keine in einer angepassten Tätigkeit verwertbare Aus
bildung
verfügt,
nicht zu beanstanden
.
Die Beschwerdegegnerin errechnete unter
Berücksichtigung der
betriebsüblichen
Arbeitszeit
im Jahr 2019 ein Jahreseinkommen
in der Höhe von Fr.
55'957.--
(Urk. 14/K230 Ziff. 2.4.4 S. 16)
,
wobei
ein
e Fehlkalkulation vorliegt
. Unter Berücksichtigung der korrekt zitierten Werte (Fr. 4'371 / 40 x 41.7 x 12) ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr.
54'681.21
(nicht von
Fr.
55'957.--)
.
Angepasst
an die Nominallohnentwicklung
bis ins Jahr 2019
(Fr. 54'681.21 / 101.7 x 102.7)
ergibt sich ein Jahresverdienst von Fr. 55'219.--.
Die Beschwerdegegnerin gewährte
unter Berücksichtigung, dass die Beschwerde
führerin die körperlich leichten Arbeiten vornehmlich nur sitzend verrichten könne, was sich auf das zu realisierende Einkommen auswirken könne,
einen Leidensabzug von 10 %
(Urk. 14/K230 Ziff. 2.4.4 S. 16)
, was von der Beschwer
deführerin beanstandet wurde.
Diese
machte geltend, es sei ein maximaler Leidensabzug von 25 % zu berücksichtigen, da sie multimorbid zahlreichen Ein
schränkungen aus allen Fachdisziplinen unterworfen sei. Allein die Ganzkörper
beschwerden mit Dauerschmerzen rechtfertigten vorliegend einen maximalen Abzug (Urk. 1
Rz
. 11.4
, vgl. auch Urk. 21 S. 7
). Die Beschwerdeführerin verkennt, dass einzig die unfallbedingten Beschwerden zu berücksichtigen sind und nicht die von ihr geltend gemachten Ganzkörperbeschwerden. D
er Tabellenlohn im Kompetenzniveau
1
umfasst
sodann
bereits eine Vielzahl von leichten und mit
telschweren Tätigkeiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19.
Sep
tember 2019 E.
6.3.2).
Damit ist der Leidensabzug von 10 % nicht zu beanstan
den
, was ein Invalideneinkommen von Fr. 49'697.-- ergibt.
Ausgehend von einem
Valideneinkommen
von
Fr. 60'202.--
und einem Invali
deneinkommen von
Fr. 49'697.--
ergibt sich
eine Einkommenseinbusse von Fr. 10'505.-- und
damit ein Invaliditätsgrad von
gerundet 17
% (
17.45).
5.
9
Nach dem Gesagten ist
der Invaliditätsgrad auf 17 % zu
erhöhen
.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin
sprach der Beschwerdeführerin
eine Integritäts
ent
schädigung bei einer Integritäts
einbusse von
20 %
zu
(Urk. 14/K230 Ziff. 2.4.7 S. 18)
. Dabei stützte sie sich auf die Beurteilung von Dr.
N.___
, welcher
fest
hielt, aufgrund des Ereignisses sei ein erheblicher und dauernder körperlicher Integritätsschaden entstanden. Es bestehe ein operativ behandelter Zustand nach schwerer Komplexinstabilität beider Kniegelenke mit zufriedenstellendem Ergeb
nis und verbleibender unfallkausaler Restinstabilität
.
U
nter Berücksichtigung der zu erwartenden Verschlimmerung aufgrund der Restinstabilität und der daraus im Verlauf resultierenden mässigen
Femorotibialarthrose
sei eine Schätzung von 10 % für jedes Kniegelenk angemessen
.
In der Suva-Tabelle 5 (Integritätsschaden bei Arthrosen) sei bei einer mässigen
Femorotibialarthrose
ein Integritätsschaden zwischen 5 und
15
% vorgesehen
.
Aktuell
liege bei der Beschwerdeführerin klinisch und bildgebend keine Arthrose vor; vorhersehbar sei die Entwicklung einer mässigen
Femorotibiala
rthrose
bis zum Erreichen des Lebensendes bei
Einhaltung des Zumutbarkeitsprofils
. Der mittlere Wert von 10 % entspreche dem Kniegelenksschaden
(Urk. 14/M76 S. 30).
In seiner Stellungnahme vom 16. März 2022 ergänzte Dr.
N.___
, gemäss der Tabelle 6.2 sei bei einer mässigen Komplexinstabilität der Seitenbänder ein Integritätsschaden zwischen 5 % und 15 % ausgewiesen. Im Untersuchungs
setting habe eine leichte bis beginnend mässige Instabilität an beiden Knie
gelenken vorgelegen,
was
eine
r
Schätzung
von
5 % je Kniegelenk
entsprochen
hätte. Unter Berücksichtigung einer zukünftigen möglichen Verschlimmerung erweise sich die Schätzung von 10 % je Kniegelenk als angemessen.
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte subjektive Instabilität habe nicht vollum
fänglich objektiviert werden können, eine leichte Instabilität hingegen schon. Dass die Beschwerdeführerin beim Gehen Krücken benütze, sei versicherungs
medizinisch nicht begründbar. Eine Instabilität, welche das Gehen an Stöcken zwingend notwendig gemacht hätte, sei 2019 nicht vorgelegen (Urk. 14/M89 S. 10).
6.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, es sei klar von einer Komplexinstabilität beider Knie in einem schweren Ausmass auszugehen. Analog der Suva-Tabelle 6 sei deshalb von einer 30%igen Integritätseinbusse pro Knie auszugehen, was insgesamt 60 % ergebe (Urk. 1
Rz
. 12.4).
6.3
6.3.1
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen beziehungsweise der
Einsprache
entscheide
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs
verfügung sein (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Jedoch sind Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streit
gegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurtei
lung im Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung beziehungsweise des
Einspracheentscheides
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b, 99 V 98 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1
m.w.H
.).
6.3.2
Gemäss Art. 36 Abs. 4 UVV müssen voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens angemessen berücksichtigt werden (Satz 1). Revisionen sind nur in Ausnahmefällen möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Trag
weite ist und nicht voraussehbar war (Satz 2). Eine voraussehbare Verschlim
merung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschä
digung eine Verschlimmerung als wahrscheinlich prognostiziert und damit auch
geschätzt werden kann. Nicht voraussehbare Verschlechterungen können natur
gemäss nicht im Voraus berücksichtigt werden. Entwickelt sich daher der Gesundheitsschaden im Rahmen der ursprünglichen Prognose, so ist die Revision einer einmal zugesprochenen Integritätsentschädigung ausgeschlossen. Hingegen kann die Entschädigung neu festgelegt werden, wenn sich der Integritätsschaden später bedeutend stärker als prognostiziert verschlimmert (Urteil des Bundesge
richts 8C_746/2022 vom 18. Oktober 2023 E. 2.2 mit Hinweisen).
6.
4
Im Beschwerdeverfahren wurde ein
weiterer
Bericht
des behandelnden Arztes
Dr.
P.___
vom 28. November 2022 aufgelegt (Urk. 22/7). Darin diagnostizierte er aufgrund der am 18. August 2022
erhobenen
MRI-
Befunde
der Knie beidseits
(Urk. 26/6)
eine zunehmende posttraumatische
Pangonarthrose
bei persistieren
der komplexer Knieinstabilität und führte unter anderem aus, solche posttrauma
tischen Gonarthrosen würden eigentlich immer auftreten nach so schweren Verletzungen, gelegentlich sogar noch schneller.
Im weiteren Verlauf
wurde der Sprechstundenbericht von Prof.
K.___
vom 7. März 2023
eingereicht
(Urk. 26). Darin hielt dieser fest,
a
ktuell bestehe eine hochgradige,
multiligamentäre
Instabilität beider Kniegelenke mit wesentlicher Schmerzausprägung und konsekutiver Einschränkung der Patientenautonomie. Nach Ansicht der Untersucher sei dieses Zustandsbild eindeutig posttraumatischer Genese.
6.5
Die Integritätsentschädigung beruht grundsätzlich auf dem Gedanken der Genug
tuung und soll einen gewissen Ausgleich für Schmerz, Leid sowie Beeinträchti
gung des Lebensgenusses bringen. Bei der konkreten Festsetzung muss allerdings beachtet werden, dass das Prinzip der abstrakten und egalitären Bemessung gilt. Im Unterschied zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht sind die erlittene Unbill und die weiteren besonderen Umstände des Einzelfalles nicht zu berücksichtigen.
Massgeblich
ist die medizinisch-theoretische Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität (Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2019 vom 11. Februar 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
Nicht
massgebend
ist das (subjek
tive) Schmerzempfinden. Die angew
andte
Suva-Tabelle 5 weist denn auch keine diesbezügliche Abstufung aus, wie das etwa bei der Suva-Tabelle 7 (Jahr 2001, «Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen») der Fall ist. Die mit dem Schweregrad der Arthrose zunehmenden Schmerzen sind mit dem dafür vorgese
henen Prozentsatz bereits abgegolten (vgl. dazu die Überlegungen des Bundes
gerichts zu den Schmerzen, welche mit Funktionsstörungen der Schulter verbun
den sind im Urteil 8C_756/2019 vom 11.
Februar 2020 E. 4.3).
Es fällt ins Gewicht
, dass Dr.
P.___
als ausgewiesener Spezialist in der Knie
chirurgie festhielt,
solche posttraumatischen Gonarthrosen
– wie sie bei der Beschwerdeführerin im November 2022 nachgewiesen wurden –
würden eigentlich immer auftreten nach so schweren Verletzungen
(Urk. 22/7).
Dieser medizinischen Erfahrungstatsache ist Rechnung zu tragen
, weshalb
die Entwick
lung einer
Pangonarthrose
als
zum Zeitpunkt des
Einspracheentscheids
voraus
sehbar zu gelten
hat
.
Dr.
P.___
hielt zwar zusätzlich fest, in dieser schwierigen Situation bleibe eigentlich nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis die Arthrose ein so grosses Ausmass annehme, um über eine endoprothetische Knieprothesen
versorgung zu sprechen.
Darüber, wie
schnell
die
Arthrose in Zukunft fortschrei
ten w
ürde
,
äusserte er sich
verständlicherweise
jedoch nicht
.
Dr.
N.___
konnte bildgebend noch keine Arthrose feststellen. Dass er von der Entwicklung einer mässigen Arthrose im mittleren Bereich ausging, erscheint daher nachvollziehbar.
Im Bericht des medizinischen Diagnose-Zentrums des Spitals
B.___
vom 18. August 2022 wurden die an den Knien im bildgebenden Verfahren (MRI) befundeten Schäden im Detail aufgelistet. Der Radiologe Dr. med.
T.___
beurteilte gestützt darauf, am Knie links bestehe eine leichte bis moderate
Pangonarthrose
, am rechten Knie eine beginnende
Pangonarthrose
(Urk. 22/6 S. 2). Dr.
P.___
fasste diese Untersuchungsergebnisse am 28. November 2022 zusammen, wonach an beiden Knien u.a. ausgeprägte Knorpelschäden sowohl
femorotibial
als auch
femoropatellär
mit komplexen Meniskusschäden medial und lateral bestünden (Urk. 22/7 S. 2). Im Bericht von Prof.
K.___
vom 7. März 2023 wurde rechts von einer deutlichen medialen Gonarthrose mit Gelenkspaltverschmälerung und kräftigen
osteophytären
Anbauten und einer geringen Retropatellararthrose berichtet, links von einer geringeren Verschmäle
rung des medialen Gelenkspalts im Rahmen einer moderaten Gonarthrose sowie einer geringen Retropatellararthrose (Urk. 26 S. 2).
Entgegen den Erwartungen von Dr.
N.___
(E. 6.1) hat sich inzwischen nicht nur an den
Femorotibialgelenken
je eine Arthrose entwickelt, sondern auch an den
Femoropatellargelenken
, eben
Pangonarthrosen
.
Die
Pangonarthrosen
werden von den behandelnden Ärzten mit leicht bis moderat (linkes Knie) respektive beginnend (rechtes Knie) qualifiziert; nach Suva-Tabelle 5 ist für eine mässige
Pangonarthrose
eine Integritätsentschädigung von 10-30 % geschuldet. Hätte der nun vorliegende Befund bereits im Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheentscheides
vorgelegen, wäre für die leichte bis moderate
Pangon
arthrose
wohl eine Entschädigung von 10 % zugesprochen worden, für die erst beginnende
Pangonarthrose
wohl keine, respektive hätte über deren weitere Ent
wicklung eine Prognose gestellt werden müssen. Die nachgereichten Befunde
(Urk. 22/6-7, 26) geben der angerufenen Instanz keinen Anlass, die von der Beschwerdegegnerin zugesprochene Integritätsentschädigung von 20 % zu erhö
hen. Dies auch nicht unter dem Aspekt, dass Prof.
K.___
gestützt auf die Bildgebung eine insgesamt deutliche, multidirektionale Bandinstabilität beider Knie anführte (Urk. 26 S. 2) respektive von einer hochgradigen,
multiligamen
tären
Instabilität beider Kniegelenke mit wesentlicher Schmerzausprägung und konsekutiver Einschränkung der Patientenautonomie sprach (Urk. 26 S. 3). Dr.
N.___
führte, von einer unfallkausal verbleibenden Restinstabilität der Kniegelenke ausgehend, aus, diese sei je Knie mit 5 % einzuschätzen, unter Berücksichtigung einer zukünftigen möglichen Verschlimmerung erweise sich die Schätzung von 10 % je Kniegelenk als angemessen (E. 6.1). Da Dr.
N.___
unter Berücksichtigung einer möglichen Verschlimmerung auch bezüglich der Knie
instabilität beidseits von einer Integritätsentschädigung von 20 % ausging und Prof.
K.___
nur Bezug auf die von Dr.
N.___
angeführte «vorhandene Restinstabilität» nahm, mit der er nicht mehr im Konsens sei (Urk. 26 S. 3), nicht aber auf die Einschätzung von 20 %, ist die Einschätzung der Integritätseinbusse durch die Beschwerdegegnerin – auch unter Berücksichtigung des ausgeübten ärztlichen Ermessens, in das das Gericht nicht unbegründet eingreift – zu bestä
tigen.
Sollte sich der Gesundheitszustand an den Knien in einer von der Beschwerde
gegnerin nicht vorausgesehenen Weise verschlechtern im Sinne der Entwicklung von schweren
Pangonarthrosen
oder schweren Bandinstabilitäten, ist die Beschwerdeführerin auf das Revisionsrecht zu verweisen (Art. 36 Abs. 4 UVV).
6.
6
Soweit die Beschwerdeführerin weitere Integritätsschäden
(postthrombotisches Synd
r
om und psychische Unfallfolgen)
geltend macht
e
, kann ihr nicht gefolgt werden, zumal
diesbezüglich keine Unfallkausalität festgestellt werden konnte
.
7.
Gemäss
den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise
gutzuheissen
, als
festzustellen ist,
dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 17 % hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8.
8.1
Nach Art.
61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nennen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
sowie §
7
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer]
).
8.2
Ist das Quantitativ einer Leistung streitig, rechtfertigt eine «
Überklagung
» nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (BGE 117 V 401 E. 2c; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8C_449/2016 vom 2. November 2016 E. 3.1.1 und 8C_500/2020 vom 9. Dezember 2020 E. 4.4).
Wurden zusätzlich zu den Rechtsbegehren, hinsichtlich derer die Beschwerde füh
rende Person obsiegt hat, weitere Leistungen beantragt, denen nicht entsprochen wurde, so ist die Parteientschädigung zu reduzieren (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1).
8.3
Hinsichtlich des Fallabschlusses
unterlag die Beschwerdeführerin
. Eine Erhöhung des Invaliditätsgrades ergab sich
lediglich aufgrund eine
r Fehlkalkulation
der Beschwerdegegnerin und nicht
aufgrund der Vorbringen
der Beschwerdeführerin
. D
ie
Rechtsbegehren
der Beschwerdeführerin haben
den Prozessaufwand
somit bedeutend
beeinflusst
.
Damit rechtfertigt sich die Zusprache einer Prozess
entschädigung
nicht
.
Die ebenfalls teilweise obsiegende Beschwerdegegnerin beantragte keine Prozess
entschädigung,
wobei ihr als Organisation mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben in der Regel
ohnehin
keine Parteientschädigung zusteht
(vgl. BGE 126 V 143 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2016 vom 24. März 2017 E. 9.2, je mit Hin
weis)
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne teilweise gutgeheissen, als
festgestellt wird,
dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 17 % hat.
Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Der Beschwerdeführerin wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Rechtsanwalt Martin Bürkle
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
PhilippMuraro