# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68f6857e-1aab-53ee-a952-caae5148a6ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.04.2017 F-7945/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-7945-2016_2017-04-19.pdf

## Full Text

°  B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-7945/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  A p r i l  2 0 1 7   

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richterin Marianne Teuscher;  

Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

Beschwerdeführer,  

vertreten durch Michael Steiner, Rechtsanwalt,   

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone. 

 

 

 

F-7945/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (geb. […]) und seine Schwester B._______ (geb. 

[…]), beide syrische Staatsangehörige, gelangten eigenen Angaben zu-

folge am 22. November 2016 in die Schweiz und suchten gleichentags um 

Asyl nach. Am 8. Dezember 2016 fand im Empfangs- und Verfahrenszent-

rum (EVZ) Basel die Befragung zur Person (BzP) statt (Akten der Vo-

rinstanz [SEM act.] A5). Der Beschwerdeführer gab dabei – zum Fluchtweg 

befragt – an, er habe sein Heimatdorf einige Wochen vor seiner Schwester 

verlassen. Im November 2016 hätten sie beide sich in der Türkei getroffen 

und wenige Tage später seien sie zusammen Richtung Schweiz weiterge-

reist. Seine Schwester sei im August 2016 im Rahmen einer religiösen 

Ferntrauung mit dem im Kanton C._______ wohnhaften D._______, einem 

Cousin zweiten Grades (nachfolgend: Cousin), verheiratet worden, und sie 

wolle zusammen mit diesem in der Schweiz leben. 

B.  

Mit separaten Verfügungen vom 12. Dezember 2016 wies das SEM den 

Beschwerdeführer und seine Schwester für die Dauer ihrer Asylverfahren 

dem Kanton E._______ zu (SEM act. A10). Im den Beschwerdeführer be-

treffenden Formularentscheid verwies die Vorinstanz auf im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum getroffene Abklärungen und darauf, dass nach er-

folgter Rechtsbelehrung keine spezifisch schützenswerten Interessen er-

sichtlich geworden seien, die für eine Zuweisung in einen bestimmten Kan-

ton sprechen würden. 

C.  

Sowohl der Beschwerdeführer wie auch seine Schwester fochten den sie 

betreffenden Zuweisungsentscheid mit Eingaben vom 22. Dezember 2016 

beim Bundesverwaltungsgericht an. Das Beschwerdeverfahren von 

B._______ wurde (unter F-7936/2016) separat geführt. 

Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Rechtsmitteleingabe die Auf-

hebung des vorinstanzlichen Entscheides vom 12. Dezember 2016 und die 

Rückweisung der Sache an das SEM zur Neubeurteilung. Eventualiter sei 

die angefochtene Verfügung aufzuheben und er sei dem Kanton 

C._______ zuzuweisen. Weiter sie ihm Einsicht in sämtliche Verfahrens-

akten, insbesondere in das Protokoll der BzP sowie in die von ihm selbst 

zu den Akten gereichten Unterlagen zu gewähren, und es sei ihm nach 

Einsichtnahme in die erwähnten Akten beziehungsweise nach Gewährung 

F-7945/2016 

Seite 3 

des rechtlichen Gehörs eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be-

schwerdeergänzung einzuräumen. Ferner sei die aufschiebende Wirkung 

der Beschwerde wiederherzustellen. 

Verfahrensrechtlich liess der Beschwerdeführer in zweifacher Hinsicht eine 

Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör rügen. Er habe trotz 

entsprechendem Ersuchen die Akten des SEM bisher nicht zur Einsicht er-

halten. Zudem habe das SEM in der angefochtenen Verfügung seine Be-

gründungspflicht verletzt. Er habe anlässlich der BzP darum ersucht, in den 

gleichen Kanton wie seine Schwester bzw. der (mit dieser in Wirklichkeit 

erst verlobte) Cousin zugewiesen zu werden. Darauf sei das SEM in der 

standardisierten Verfügung vom 12. Dezember 2016 nicht eingegangen, 

was zwingend zu deren Aufhebung führen müsse. Materiellrechtlich liess 

der Beschwerdeführer einwenden, die Vorinstanz verletze mit ihrer Verfü-

gung den Grundsatz der Einheit der Familie. Sein Cousin und künftig auch 

seine Schwester würden im Kanton C._______ wohnen. Er (der Beschwer-

deführer) sei noch jung und nicht in der Lage, allein zurecht zu kommen. 

Der ebenfalls im Kanton C._______ wohnende F._______, der ältere Bru-

der von D._______, habe ihm gegenüber eine väterliche Rolle inne und 

könne ihn bei einer Zuweisung in dessen Aufenthaltskanton in emotionaler 

Hinsicht sowie bei einer sprachlichen und sozialen Integration optimal un-

terstützen. Zudem dürften er und seine noch minderjährige Schwester auf-

grund ihrer engen Beziehung und der gemeinsamen Flucht nicht voneinan-

der getrennt werden. Das Gesagte wiege umso schwerer, als sich öffentli-

che und private Interessen an einer Unterbringung seiner Person im Auf-

enthaltskanton seines Cousins überlagern würden. Das SEM habe es un-

terlassen, die Kriterien, auf welche es seinen abweichenden Entscheid 

stütze, offenzulegen. Insbesondere werde nicht ersichtlich, welche öffentli-

chen Interessen die Zuweisung in den aktuellen Aufenthaltskanton recht-

fertigten und inwiefern diese stärker zu gewichten seien als die öffentlichen 

und privaten Interessen an einer Unterbringung im Aufenthaltskanton sei-

nes Cousins. 

D.  

In einer unaufgefordert nachgereichten Eingabe an das Bundesverwal-

tungsgericht vom 29. Dezember 2016 bestätigte der Beschwerdeführer mit 

Hinweis auf eine beigelegte Zwischenverfügung der Vorinstanz vom 

27. Dezember 2016 seine Rüge, wonach sich das SEM zu Unrecht wei-

gere, ihm Akteneinsicht zu gewähren.  

F-7945/2016 

Seite 4 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2017 trat das Bundesverwaltungs-

gericht auf das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-

kung der Beschwerde nicht ein und gewährte Einsicht in das Personalblatt 

EVZ und auszugsweise in das Befragungsprotokoll vom 8. Dezember 

2016. Soweit darüber hinausgehend, wurde der Antrag auf Akteneinsicht 

abgewiesen. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit zur Beschwerde-

ergänzung gewährt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde 

vorerst verzichtet. 

F.  

Der Beschwerdeführer liess seine Rechtsschrift mit einer Eingabe vom 

23. Januar 2017 ergänzen. Dabei machte der Rechtsvertreter geltend, er 

könne zwar aufgrund der ihm zur Verfügung gestellten Akten nach wie vor 

nicht prüfen, ob der Beschwerdeführer und seine Schwester in Syrien zu-

sammengelebt hätten. Davon sei aber auszugehen. Auf jeden Fall hätten 

sie ihre Flucht teilweise zusammen zurückgelegt. Unter diesen Umständen 

sei offensichtlich, dass eine Trennung des Beschwerdeführers von seiner 

Schwester nicht erfolgen dürfe. Das habe die Vorinstanz insofern berück-

sichtigt, als sie beide dem Kanton E._______ zugewiesen habe. Nach voll-

ständiger Abklärung und Prüfung der Kantonszuweisung der Schwester 

müsse auch die Zuweisung des Beschwerdeführers entsprechend ange-

passt werden.  

Der Eingabe beigelegt waren eine Ernennungsurkunde und eine Verfü-

gung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) G._______ be-

treffend Anordnung einer Vertretungsbeistandschaft, beides die Schwester 

betreffend und datiert vom 16. Januar 2017. 

G.  

Der Beschwerdeführer reichte am 22. März 2017 eine Eingabe seiner 

Schwester desselben Datums samt einem Schreiben deren Beiständin zu 

den Akten, wonach er und seine Schwester inzwischen innerhalb des Kan-

tons E._______ in das Durchgangszentrum H._______ transferiert worden 

seien. Sie würden dort Französischunterricht erhalten und viel näher bei 

ihrer Verwandtschaft wohnen. Die Asylbehörden und die KESB seien nun 

offenbar davon überzeugt, dass es für die Geschwister wichtig sei, in einer 

französischsprachigen Region in der Nähe ihrer Verwandten zu leben.  

F-7945/2016 

Seite 5 

H.  

Gleichzeitig mit dem vorliegenden Urteil heisst das Bundesverwaltungsge-

richt mit Urteil F-7936/2016 die Beschwerde der Schwester gut, hebt die 

sie betreffende Verfügung (Zuweisung in den Kanton E._______) auf und 

weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Beim Entscheid des SEM über die Zuweisung einer asylsuchenden 

Person an einen Kanton bzw. über das Gesuch um Wechsel von einem 

Zuweisungskanton in einen anderen handelt es sich um eine selbständig 

anfechtbare Zwischenverfügung (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG 

[SR 142.31], Art. 46 VwVG). 

1.2 Die Zuständigkeit zur Behandlung von Beschwerden gegen Zuwei-

sungsentscheide des SEM liegt beim Bundesverwaltungsgericht (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes bestimmen 

(Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 6 AsylG). 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden 

Rechtsmaterie endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.5 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Entsprechend ist er zur Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  

1.6 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.7 Entscheide über die Zuweisung der asylsuchenden Person an einen 

Kanton oder über den Kantonswechsel können gemäss Art. 27 Abs. 3 

AsylG nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletzten den 

Grundsatz der Einheit der Familie. Formelle Rügen sind insoweit zulässig, 

F-7945/2016 

Seite 6 

als sie im Zusammenhang mit der Frage des Grundsatzes der Einheit der 

Familie stehen (BVGE 2008/47 E. 1.3).  

2.  

Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – als 

offensichtlich unbegründet, weshalb das Urteil in Anwendung von Art. 111 

Bst. e AsylG in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters ergeht. Es ist gestützt auf Art. 111a Abs. 2 AsylG nur sum-

marisch zu begründen. 

3.  

Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteileingabe in doppelter Hin-

sicht eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör, was seiner 

Auffassung nach die Aufhebung des angefochtenen Zuweisungsent-

scheids und die Rückweisung der Sache an das SEM zur Folge haben 

müsse.  

3.1 Zunächst liege eine Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht vor. Ganz 

generell müsste die Vorinstanz bei Verfügungen der angefochtenen Art auf-

grund der nur kurzen Beschwerdefrist (analog zur Praxis bei Nichteintre-

tensentscheiden) mit der Eröffnung von Amtes wegen Einsicht in sämtliche 

Akten, insbesondere in das Protokoll der Befragung zur Person, gewähren. 

Nicht nur, dass die Vorinstanz vorliegend nicht so vorgegangen sei; sie 

habe darüber hinaus auf ein Akteneinsichtsgesuch vom 15. Dezember 

2016 überhaupt nicht bzw. (mit Zwischenverfügung vom 27. Dezember 

2016) abschlägig reagiert. 

3.1.1 Gemäss Art. 26 VwVG hat die Partei oder ihr Vertreter – unter Vorbe-

halt der Ausnahmen gemäss Art. 27 VwVG – grundsätzlich Anspruch da-

rauf, sämtliche Aktenstücke einzusehen, welche geeignet sind, in einem 

konkreten Verfahren als Beweismittel zu dienen. Ausgenommen sind ein-

zig Unterlagen, welche von der verfügenden Behörde ausschliesslich für 

den Eigengebrauch bestimmt sind, wie Entscheidentwürfe oder Notizen in-

nerhalb der Behörden, da solchen Aktenstücken kein Beweischarakter zu-

kommt und sie lediglich Hilfsmittel bei der Entscheidfindung darstellen. Der 

in Art. 26 VwVG enthaltene Anspruch auf Akteneinsicht bedeutet jedoch 

nicht, dass bei selbständig anfechtbaren Zwischenverfügungen gemäss 

Art. 107 Abs. 1 AsylG aufgrund der kürzeren Beschwerdefrist den jeweili-

gen Betroffenen gleichzeitig mit dem Entscheid in der Sache die entscheid-

wesentlichen Akten im Sinne eines Automatismus zuzustellen wären. Ein 

solcher Anspruch lässt sich auch nicht aus dem Umstand ableiten, dass 

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Seite 7 

die Vorinstanz bei Nichteintretensentscheiden die Akteneinsicht aus ver-

fahrensökonomischen Gründen parallel zur Entscheideröffnung gewährt, 

zumal in diesen Fällen – abhängig vom Datum der Entscheideröffnung – 

die Beschwerdefrist nur halb so lange dauern kann wie in der hier zu beur-

teilenden Konstellation (vgl. Urteil des BVGer D-5434/2012 vom 30. Okto-

ber 2012 E. 2.1.1). 

3.1.2 Der Beschwerdeführer hat erst nach Eröffnung der angefochtenen 

Verfügung um Akteneinsicht ersucht (vgl. Rechtsmittelschrift II. A. 2.). Eine 

allfällige Verweigerung bzw. Verzögerung der Akteneinsicht (die Vorinstanz 

verweigerte in einem als Zwischenverfügung qualifizierten Schreiben vom 

27. Dezember 2016 eine Einsicht in die Akten, solange die Untersuchung 

zu den Asylvorbringen nicht abgeschlossen sei und berief sich dabei auf 

Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG) kann demnach zum Vornherein nicht die Kas-

sation der Verfügung zur Folge haben. 

3.1.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer mit Zwi-

schenverfügung vom 11. Januar 2017 Kopien derjenigen vorinstanzlichen 

Akten zugestellt, die von entscheidswesentlicher Bedeutung sind und auf 

deren Einsicht Anspruch bestand. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdefüh-

rer Gelegenheit zur Ergänzung seiner Rechtsschrift gewährt. Damit ist die 

Rüge der Verletzung des Akteneinsichtsrechts – soweit diese begründet 

war – als auf Beschwerdeebene geheilt zu erachten. Die Verletzung des 

Akteneinsichtsrechts durch die Vorinstanz wird jedoch im Kostenpunkt an-

gemessen zu berücksichtigen sein. Der Einwand, es könne aufgrund der 

bloss auszugsweisen Akteneinsicht nach wie vor nicht geprüft werden, ob 

der Beschwerdeführer und seine Schwester in Syrien zusammengelebt 

hätten, ist demgegenüber unbehelflich. Es war dem Beschwerdeführer 

ohne weiteres möglich, in seiner Person liegende Gründe wie das Zusam-

menleben mit der Schwester geltend zu machen. Dazu bedurfte es nicht 

der vollständigen Offenlegung des Einvernahmeprotokolls. 

3.2 Weiter rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Pflicht des SEM 

zur sorgfältigen und ernsthaften Prüfung seiner Vorbringen im Zusammen-

hang mit seinen beiden im Kanton C._______ lebenden Cousins und zur 

diesbezüglichen Begründung der angefochtenen Verfügung.  

3.2.1 Diese beiden Teilgehalte des Anspruchs auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangen, dass 

die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, 

sorgfältig und ernsthaft prüft und berücksichtigt, was sich entsprechend in 

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Seite 8 

der Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 

VwVG). Hat die asylsuchende Person um Zuteilung in einen bestimmten 

Kanton ersucht oder ergeben sich aus den Akten Umstände, die für eine 

bestimmte Zuweisung sprechen würden, muss sich das SEM damit konkret 

auseinandersetzen. Eine blosse Formularverfügung genügt in einem sol-

chen Fall den Anforderungen an die Begründungspflicht nicht (BVGE 

2008/47 E. 3.3.3). 

3.2.2 Den vorinstanzlichen Akten sind keine Hinweise darauf zu entneh-

men, dass seitens des Beschwerdeführers anlässlich der BzP beantragt 

worden wäre, für den Aufenthalt während des Asylverfahrens in einen be-

stimmten Kanton (konkret: C._______) zugewiesen zu werden. Im Proto-

koll des Beschwerdeführers (BzP; SEM act. A5) wird zwar unter der Rubrik 

„Beziehungen in der Schweiz“ (Pt. 3.02) erwähnt, dass sich die vorge-

nannte Schwester und ein Schwager (D._______) in der Schweiz aufhal-

ten. Irgendein spezieller Wunsch zum eigenen Aufenthaltsort wurde aber 

weder dort noch an anderer Stelle im Protokoll festgehalten; so beispiels-

weise auch nicht auf Gewährung des rechtlichen Gehörs (Pt. 8.01) oder 

Nachfrage zu allfälligen Zusatzbemerkungen (Pt. 9.01) hin. Auf einen ent-

sprechenden Wunsch zu schliessen bestand schliesslich auch angesichts 

dessen, dass das SEM von dem im Kanton C._______ lebenden „Schwa-

ger“ Kenntnis hatte, keine Veranlassung. Dies gilt umso mehr, als den vor- 

instanzlichen Akten keinerlei Hinweise auf ein zu diesem oder auch zu 

F._______ – der im Protokoll der BzP überhaupt nicht erwähnt wird – be-

stehendes Abhängigkeitsverhältnis zu entnehmen waren, und der Be-

schwerdeführer auf Gewährung des rechtlichen Gehörs zum medizini-

schen Sachverhalt hin auch festhalten liess, er sei gesund (Pt. 8.02). Dem 

SEM kann somit nicht vorgeworfen werden, es habe einen Wunsch auf 

Zuweisung an den Kanton C._______ in seinem Entscheid zu Unrecht 

nicht berücksichtigt bzw. das Vorhandensein eines Abhängigkeitsverhält-

nisses nicht geprüft. 

3.2.3 Der blosse Verweis auf die angewendeten gesetzlichen Bestimmun-

gen im Rahmen einer Formularverfügung vermag zu genügen, wenn we-

der die asylsuchende Person um Zuteilung in einen bestimmten Kanton 

ersucht noch sich aus den Akten Anhaltspunkte ergeben, die für eine kon-

krete Zuweisung sprechen würden (BVGE 2008/47 E. 3.3.3). Dies ist dem 

Gesagten zufolge vorliegend der Fall. Der Beschwerdeführer vermag dem-

nach auch aus der im Zuweisungsentscheid fehlenden Interessenabwä-

gung nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 

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Seite 9 

3.3 Bei dieser Sachlage ist die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör als unbegründet zu erachten.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kanto-

ne und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

(AsylV 1, SR 142.311), wobei das SEM bei der Verteilung bereits in der 

Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der Asylsu-

chenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksichtigt (Art. 22 

Abs. 1 AsylV 1). 

4.2 Der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG orientiert 

sich grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne 

von Art. 1a Bst. e AsylV 1 und umfasst mithin die Kernfamilie (Ehegatten 

und minderjährige Kinder). Über diesen engen Kern hinausgehende Bezie-

hungen zwischen nahen Verwandten, die in der Familie eine wesentliche 

Rolle spielen können – wie die Beziehung unter Grosseltern und ihren En-

keln bzw. Enkelinnen, Onkeln/Tanten und ihren Nichten/Neffen sowie auch 

zwischen Geschwistern – fallen demgegenüber nur dann unter den Schutz 

der Einheit der Familie, wenn zwischen diesen Personen nebst einer na-

hen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung auch ein eigentliches Ab-

hängigkeitsverhältnis besteht (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.; Urteil des 

BVGer D-4027/2009 vom 4. September 2009 S. 6). Die Abhängigkeit eines 

Menschen von einem andern steht im Gegensatz zu seiner erlangten Selb-

ständigkeit. Sie kann sich namentlich aus besonderen Betreuungs- oder 

Pflegebedürfnissen wie bei körperlichen oder geistigen Behinderungen 

und schwerwiegenden Krankheiten ergeben. Liegen keine solche Um-

stände vor, hängt sie regelmässig vom Alter beziehungsweise Entwick-

lungsstand der betreffenden Person ab (Urteil des BVGer D-5937/2012 

vom 23. März 2013 E. 4.6). 

4.3 Der Beschwerdeführer bildet weder mit den Cousins noch mit der 

Schwester eine Kernfamilie, so dass grundsätzlich ein Abhängigkeitsver-

hältnis zu prüfen ist.  

4.3.1 Mit Blick auf die Cousins ist festzuhalten, dass sich diese seit dem 

Jahre 2010 (F._______) bzw. 2013 (D._______) in der Schweiz aufhalten. 

Es ist demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit sie-

F-7945/2016 

Seite 10 

ben bzw. vier Jahren keinen über einen allfälligen schriftlichen oder fern-

mündlichen Verkehr hinaus gehenden persönlichen Kontakt zu ihnen 

pflegte, weshalb von einer nahen, tatsächlich gelebten Beziehung nicht die 

Rede sein kann. Zudem handelt es sich beim Beschwerdeführer um einen 

volljährigen, gemäss Aktenlage gesunden Mann. Vor diesem Hintergrund 

bestehen keine Anzeichen dafür, dass er in erhöhtem Masse auf Hilfe und 

Unterstützung durch Verwandte in der Schweiz angewiesen wäre. Daran 

ändern auch die Beschwerdevorbringen zum jungen Alter nichts. Ein be-

sonderes Abhängigkeitsverhältnis ausreichender Schwere kann auch nicht 

in den Umständen der Unterbringung und der Alltagsbewältigung gesehen 

werden. Es ist davon auszugehen, dass den im Vergleich zu anderen Asyl-

suchenden nicht erhöhten Betreuungsbedürfnissen des Beschwerdefüh-

rers mit den den Asylbehörden im Kanton zur Verfügung stehenden Struk-

turen Rechnung getragen werden kann. Entscheidend kann dabei nicht 

sein, dass diese Betreuungsbedürfnisse durch Verwandte besser oder in 

persönlicherer Weise abgedeckt werden könnten. Der Wunsch des Be-

schwerdeführers, sich während der Dauer des Asylverfahrens in der Nähe 

seiner Verwandten aufhalten zu können, ist zwar nachvollziehbar, und es 

soll auch nicht verkannt werden, dass wirkungsvolle Unterstützung auf 

diese Weise in mancherlei Hinsicht leichter organisierbar wäre. Es kann 

aber nach dem bisher Gesagten nicht davon ausgegangen werden, dass 

der Beschwerdeführer auf Hilfe und Unterstützung durch seine Verwand-

ten angewiesen wäre. Unbesehen davon ist der Beschwerdeführer zwi-

schenzeitlich nach H._______, eine im (…) und damit nahe an der Grenze 

zum Wunschkanton gelegene Ortschaft, verlegt worden.  

4.3.2 Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern er von seiner Schwes-

ter abhängig wäre. Solches geht auch nicht aus den Akten hervor. Eine 

Berufung auf die Einheit der Familie ist allerdings auch in Konstellationen 

möglich, wo nicht der Beschwerdeführer selbst hilfsbedürftig ist, sondern 

eine hilfsbedürftige Person in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Be-

schwerdeführer steht (vgl. Urteil des BVGer D-5937/2012 vom 23. März 

2013 E. 4.7). Die Prüfung der Frage, ob die Schwester infolge ihrer Min-

derjährigkeit vom Beschwerdeführer besonders abhängig ist, ist jedoch im 

vorliegenden Verfahren nicht angezeigt. Nachdem der Aufenthaltskanton 

der Schwester während deren Asylverfahrens gemäss jenem (ebenfalls mit 

heutigem Datum ergehenden) Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-7936/2016 durch das SEM neu zu beurteilen sein wird (vgl. Sachverhalt 

Bst. C und G), ist eine allfällige besondere Unterstützungsbedürftigkeit der 

minderjährigen Schwester im Rahmen jenes Verfahrens abzuklären. Ange-

sichts dessen, dass keine Gründe ersichtlich sind, wonach die Schwester 

F-7945/2016 

Seite 11 

gleichzeitig gegenüber D._______ und dem Beschwerdeführers beson-

ders unterstützungsbedürftig wäre, besteht keine Veranlassung, den vor-

liegenden Entscheid zur Bestimmung des Aufenthaltskantons des Be-

schwerdeführers vom Ergebnis besagter Abklärungen abhängig zu ma-

chen. 

5.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

6.  

6.1 Die Kosten des Verfahrens sind grundsätzlich dem unterliegenden Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der festge-

stellten Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz wurde in 

der Beschwerde zu Recht ein Verfahrensmangel gerügt, dieser jedoch auf 

Beschwerdeebene geheilt. Die Verfahrenskosten sind daher in Anwendung 

von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 

173.320.2) zu ermässigen und auf insgesamt Fr. 400. festzusetzen 

(Art. 1–3 VGKE). 

6.2 Praxisgemäss wird sodann eine reduzierte Parteientschädigung aus-

gerichtet, wenn – wie vorliegend – eine Verletzung der Verfahrenspflichten 

auf Beschwerdeebene geheilt wird. Die entsprechende Parteientschädi-

gung kann vorliegend zuverlässig abgeschätzt werden und ist in Anbe-

tracht der vorgegebenen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG 

i.V.m. Art. 7 VGKE) auf Fr. 200. festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuwei-

sen, diesen Betrag auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

F-7945/2016 

Seite 12 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die reduzierten Verfahrenskosten von Fr. 400.– werden dem Beschwerde-

führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 200.– 

zu entrichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage Einzahlungsschein) 

– die Vorinstanz (Beilage: Beschwerdeschrift vom 22. Dezember 2016 

und Beschwerdeergänzung vom 23. Januar 2017[je im Doppel]; Dos-

sier N […] retour) 

– die Migrationsbehörde des Kantons E._______ (in Kopie) 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Andreas Trommer Jeannine Scherrer-Bänziger 

 

Versand: