# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09b85ac1-da46-5347-bb4a-1ff88300a16e
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Handelsgericht 28.11.2022 HOR.2021.14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_009_HOR-2021-14_2022-11-28.pdf

## Full Text

Handelsgericht 

1. Kammer 

 

HOR.2021.14  
  

 

Entscheid vom 28. November 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichter Dubs, Präsident  

Ersatzrichter Meichssner 

Handelsrichterin Baumann 

Handelsrichter Meyer 

Handelsrichter Wieland 

Gerichtsschreiberin Füglister        

 

 
   

Klägerin   A._____  

vertreten durch lic. iur. Gabriela Loepfe-Lazar und MLaw Sandra Strahm, 

Rechtsanwältinnen, Tödistrasse 67, 8002 Zürich     

 

     

 
   

Beklagte   B._____  

vertreten durch lic. iur. Matthias Kuster, Rechtsanwalt, Bahnhofstrasse 12, 

8001 Zürich    

 

     

 
 

Gegenstand  Ordentliches Verfahren betreffend Forderung (Retrozessionen) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Handelsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in C.. Sie bezweckt die Fi-

nanzierung von Rechtsstreitigkeiten sowie den Erwerb und das Inkasso 

von Forderungen (Klagebeilage [KB] 2). 

 

2. 

Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D.. Sie bezweckt das 

Erbringen von Dienstleistungen, welche in das Tätigkeitsgebiet einer Treu-

hand- und Revisionsunternehmung fallen, insbesondere Anlageberatung 

und Vermögensverwaltung sowie Finanzierungen aller Art (KB 3). 

 

3. 

Mit Verwaltungsauftrag vom 22. Oktober 2008 und 24. April 2009 beauf-

tragte E. die Beklagte mit der Verwaltung seiner Anlagen (KB 8 - 11).  

 

4. 

Mit Abtretungsvereinbarung vom 4. März 2020 bzw. 10. März 2020 trat E. 

sämtliche Ansprüche betreffend geldwerte Vorteile, welche die Beklagte im 

Rahmen der Geschäftsbeziehung vereinnahmte, an die Klägerin ab (KB 4). 

 

5. 

5.1. 

Am 18. Februar 2021 erliess das F. in der von der Klägerin gegen die Be-

klagte angehobenen Betreibung Nr. 152880 einen Zahlungsbefehl über 

Fr. 73'786.76 nebst 5 % Zins seit dem 31. März 2010 (KB 18). Als Forde-

rungsgrund wurde aufgeführt "Anspruch auf Erstattung der an die Klägerin 

abgetretenen Vertriebsentschädigungen aus Kundenbeziehungen von E. 

mit der Beklagten gemäss Schreiben vom 26. Januar 2021" (KB 18). 

 

5.2. 

Am 25. Februar 2021 erhob die Beklagte Rechtsvorschlag (KB 18). 

 

6. 

Mit Klage vom 10. März 2021 (Postaufgabe: gleichentags) stellte die 

Klägerin die folgenden Rechtsbegehren: 

 

" 1. 
 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin teilklageweise 

CHF 30'000.00 zzgl. Zins von 5 % seit 31.03.2010 zu bezahlen 
(mit Nachklagevorbehalt).  
  

 - 3 - 

 

 

 2. 
 Es sei im Umfang gemäss vorstehender Ziff. 1 der Rechtsvor-

schlag der Beklagten vom 25.02.2021 in der Betreibungs-
Nr. 152880 des F. vom 18.02.2021 zu beseitigen und Rechtsöff-
nung zu erteilen. 

 
 3.  
 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die Auslagen für 

die Betreibungskosten in der Höhe von CHF 103.30 sowie die 
Postgebühren von CHF 14.60 zurückzuerstatten. 

 
 4.  
 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt. von 

7.7 %) zu Lasten der Beklagten." 
 

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Klägerin habe An-

spruch auf Herausgabe der Retrozessionen, welche die Beklagte im Rah-

men der Geschäftsbeziehung mit E. vereinnahmt habe. 

 

7. 

Mit Klageantwort vom 29. April 2021 (Postaufgabe: gleichentags) stellte die 

Beklagte folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. 
 Es [sei] die Klage vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist.  
 
 2. 
 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der 

Klägerin." 
 

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, es bestehe kein An-

spruch auf Herausgabe der vereinnahmten Retrozessionen. E. habe auf 

die Herausgabe der Retrozessionen verzichtet. 

 

8. 

Mit Replik vom 21. Juni 2021 (Postaufgabe: gleichentags) änderte die Klä-

gerin ihre Rechtsbegehren wie folgt: 

 

" 1. 
 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin teilklageweise 

CHF 30'000.00 zzgl. Zins von 5 % seit 31.03.2010, eventualiter 
ab mittlerer Verfall, zu bezahlen (mit Nachklagevorbehalt).  

 
 2. 
 Es sei im Umfang gemäss vorstehender Ziff. 1 der Rechtsvor-

schlag der Beklagten vom 25.02.2021 in der Betreibungs-
Nr. 152880 des F. vom 18.02.2021 zu beseitigen und Rechtsöff-
nung zu erteilen. 
  

 - 4 - 

 

 

 3.  
 Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die Auslagen für 

die Betreibungskosten in der Höhe von CHF 103.30 sowie die 
Postgebühren von CHF 14.60 zurückzuerstatten. 

 
 4.  
 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt. von 

7.7 %) zu Lasten der Beklagten." 
 

9. 

Mit Duplik vom 17. August 2021 (Postaufgabe: gleichentags) hielt die Be-

klagte an ihren Rechtsbegehren fest. 

  

10. 

10.1. 

Mit Verfügung vom 21. September 2022 wurde den Parteien Frist bis zum 

5. Oktober 2022 gesetzt, um eine allfällige Stellungnahme zur Frage der 

sachlichen Zuständigkeit des Handelsgerichts einzureichen. Gleichzeitig 

wurde der Klägerin Frist gesetzt, um eine Kopie des Schreibens vom 

22. April 2020 nachzureichen. 

 

10.2. 

Mit Eingaben vom 28. September 2022 (Postaufgabe: gleichentags) und 

5. Oktober 2022 (Zustellung: gleichentags per E-Mail) reichten die Parteien 

jeweils eine Stellungnahme zur Frage der sachlichen Zuständigkeit des 

Handelsgerichts ein. 

 

11. 

11.1. 

Mit Eingaben vom 17. Oktober 2022 und 20. Oktober 2022 erklärten die 

Parteien den Verzicht auf eine mündliche Hauptverhandlung und beantrag-

ten die Einreichung schriftlicher Schlussvorträge. 

 

11.2. 

Mit Eingaben vom 31. Oktober 2022 und 7. November 2022 reichten die 

Parteien schriftliche Schlussvorträge ein. 

 

12. 

Mit Verfügung vom 7. November 2022 überwies der Präsident die Streitsa-

che ans Handelsgericht und gab den Parteien die Zusammensetzung des 

Gerichts bekannt. 

 

13. 

Am 28. November 2022 fällte das Handelsgericht den nachfolgenden Ent-

scheid. 

  

 - 5 - 

 

 

   

Das Handelsgericht zieht in Erwägung: 

 

1.  

Das Gericht prüft die Prozessvoraussetzungen - darunter namentlich seine 

sachliche Zuständigkeit (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO) - von Amtes wegen 

(Art. 60 ZPO).  

 

2. 

2.1. 

Das Handelsgericht des Kantons Aargau ist sachlich zuständig für die Be-

urteilung handelsrechtlicher Streitigkeiten (Art. 6 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 12 

Abs. 1 lit. a i.V.m. § 13 Abs. 1 lit. a EG ZPO). Eine Streitigkeit gilt als han-

delsrechtlich, wenn sie die geschäftliche Tätigkeit mindestens einer Partei 

betrifft, gegen den Entscheid die Beschwerde in Zivilsachen an das Bun-

desgericht offensteht und die Parteien im schweizerischen Handelsregister 

oder in einem vergleichbaren ausländischen Register eingetragen sind 

(Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO).  

 

2.2. 

Die Klägerin und die Beklagte sind im Handelsregister eingetragen 

(KB 2 - KB 3), die Streitsache betrifft den Geschäftsbetrieb beider Parteien 

und der Streitwert erreicht die für die Beschwerde in Zivilsachen an das 

Bundesgericht vorgeschriebene Höhe von Fr. 30'000.00 (Art. 74 Abs. 1 

lit. b BGG; siehe zum Streitwert E. 3.5). Die Streitsache erfüllt mithin die 

Voraussetzungen der sachlichen Zuständigkeit des Handelsgerichts. 

 

3.  

3.1. 

Erfüllt eine Angelegenheit die Voraussetzungen der sachlichen Zuständig-

keit des Handelsgerichts sowie jene für die Geltung des vereinfachten Ver-

fahrens, ist Absatz 3 von Artikel 243 ZPO zu beachten. Demnach findet das 

vereinfachte Verfahren vor Handelsgericht keine Anwendung. Da gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Regelung der Verfahrensart jener 

über die sachliche Zuständigkeit der Handelsgerichte vorgeht, sind die 

Handelsgerichte nicht zuständig für die Beurteilung von Streitigkeiten, die 

dem vereinfachten Verfahren unterliegen.1 

 

3.2. 

Art. 243 ZPO bestimmt den Geltungsbereich des vereinfachten Verfahrens. 

Gemäss Absatz 1 umfasst dieser vermögensrechtliche Streitigkeiten bis zu 

einem Streitwert von Fr. 30'000.00. Da handelsrechtliche Streitigkeiten mit 

einem Streitwert von exakt Fr. 30'000.00 in den Geltungsbereich des ver-

einfachten Verfahrens fallen und die Regelung der Verfahrensart der sach-

lichen Zuständigkeit des Handelsgerichts vorgeht, ist das Handelsgericht 

                                                
1  BGE 143 III 137 E. 2.2, 139 III 457 E. 4.4.3.3, 142 III 788 E. 4. 

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für solche Streitigkeiten nicht zuständig (siehe E. 3.1). Ob das Handelsge-

richt für die vorliegende Streitsache zuständig ist, hängt folglich von deren 

Streitwert ab. 

 

3.3. 

Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 

ZPO). Nicht zum Streitwert hinzugerechnet werden die Zinsen und die Kos-

ten des laufenden Verfahrens, sofern sie als akzessorische Nebenforde-

rungen einer Hauptforderung geltend gemacht werden (Art. 91 Abs. 1 

ZPO).2 Die Gerichtskosten, die Parteientschädigung und die Betreibungs-

kosten sind daher ohne Relevanz für die Streitwertermittlung, selbst wenn 

sie im Rechtsbegehren genannt werden.3 Vorprozessuale und prozessuale 

Aufwendungen, die nicht durch das Prozessrecht abgegolten werden, sind 

demgegenüber bei der Streitwertbestimmung zu berücksichtigen, denn 

diesbezüglich besteht Raum für einen selbstständigen materiell-rechtlichen 

Schadenersatzanspruch.4 

 

3.4. 

3.4.1. 

Die Klägerin verlangt mit Rechtsbegehren Ziff. 1 die Zahlung von 

Fr. 30'000.00 zuzüglich Verzugszins von 5 % seit dem 31. März 2010. Da-

neben fordert die Klägerin mit Rechtsbegehren Ziff. 3 den Ersatz der Aus-

lagen für die Betreibung in der Höhe von Fr. 103.30 sowie der Kosten für 

den Versand der Schreiben vom 10. und 25. März 2020, 22. April 2020 und 

20. November 2020 in der Höhe von Fr. 14.60. Sodann verlangt die Kläge-

rin mit Rechtsbegehren Ziff. 4 eine Entschädigung der Gerichts- und Par-

teikosten. 

 

3.4.2. 

Dem Gesagten zufolge sind der geltend gemachte Verzugszins, die Ge-

richts- und Parteikosten sowie die Betreibungskosten von Fr. 103.30 bei 

der Streitwertbestimmung nicht zu berücksichtigen. Die sachliche Zustän-

digkeit des Handelsgerichts hängt somit von der Frage ab, ob die geltend 

gemachten Postgebühren bei der Ermittlung des Streitwertes zu berück-

sichtigen sind. Dies hängt wiederum davon ab, ob die Postgebühren bereits 

durch die Parteientschädigung abgegolten werden (siehe E. 3.3).  

 

                                                
2  FREY, Grundsätze der Streitwertbestimmung, 2017, N. 285 m.w.N.; KUKO ZPO-KÖLZ, 

3. Aufl. 2021, Art. 91 N. 5. 
3  STEIN-WIGGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur Schweizeri-

schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 91 N. 33; BSK ZPO-RÜEGG/RÜEGG, 3. Aufl. 2017, 
Art. 91 N. 5; KUKO ZPO-KÖLZ (Fn. 2), Art. 91 N. 5; BK ZPO I-STRECHI, 2012, Art. 91 N. 10. 

4  BGer 4A_386/2008 vom 2. März 2009 E. 1.2.2, 5C.212/2003 vom 27. Januar 2004 E. 6.3.1 m.w.N.; 
STEIN-WIGGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Fn. 3), Art. 91 N. 34; FREY (Fn. 2), 
N. 285. 

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3.4.3. 

Art. 95 Abs. 3 lit. a ZPO sieht eine – nach kantonalem Tarif zu bemessende 

(Art. 96 ZPO) – Parteientschädigung für den Ersatz notwendiger Auslagen 

der Parteien vor. Auslagen, die im Zusammenhang mit vorprozessualen 

oder prozessualen Bemühungen entstehen, sind demnach im Rahmen der 

Parteientschädigung zu ersetzen, wenn sie retrospektiv betrachtet für die 

Vorbereitung des Prozesses oder dessen mögliche Verhinderung als not-

wendig oder nützlich zu erachten sind.5 Die Kosten der Beweismittelbe-

schaffung sind daher regelmässig im Rahmen der Parteientschädigung zu 

ersetzen.6 

 

  

Die Beurteilung der Streitwertrelevanz der betreffenden Postgebühren er-

fordert eine Würdigung der Schreiben der Klägerin vom 10. und 25. März 

2020, 22. April 2020 und 20. November 2020. Im Schreiben vom 10. März 

2020 informierte die Klägerin die Beklagte über die Abtretung der Heraus-

gabeansprüche und bat diese um Unterzeichnung einer Verjährungsver-

zichtserklärung. Gleichzeitig forderte sie die Beklagte zur Herausgabe der 

nachfolgenden Dokumente auf (KB 14): 

 Sämtliche Verträge, Vertragsunterlagen und Zusatzvereinbarungen 

sowie Anlegerprofile betreffend E. (Kundenpicturing) 

 Detaillierte Auszüge der erhaltenen internen und externen Ver-

triebsentschädigungen über die Vertragslaufzeit für die Jahre ab 

2010 auf Monatsbasis 

 Korrespondenz mit E. im Zusammenhang mit den Vertriebsent-

schädigungen 

 Sämtliche Vermögensauszüge per Ende des Kalenderjahres 

 

Nachdem die Beklagte der Bitte um Herausgabe keine Folge leistete, er-

suchte die Klägerin die Beklagte mit Schreiben vom 25. März 2020 und 

22. April 2020 erneut um Herausgabe der betreffenden Dokumente (KB 15, 

KB 30). Das Schreiben vom 22. April 2020 ging dabei an den Rechtsver-

treter der Beklagten (KB 30). 

 

Bei den begehrten Dokumenten handelt es sich zweifelsohne um potentiell 

entscheidende Beweismittel. Die Klägerin legt diese denn auch teilweise 

als Beweismittel ins Recht (KB 6 – KB 11 sowie KB 28). Entsprechend er-

weisen sich die betreffenden Schreiben in prozessualer Hinsicht als sinn-

voll, unabhängig davon, ob die fraglichen Dokumente auch tatsächlich von 

                                                
5  Vgl. BGer 4A_148/2016 vom 30. August 2016 E. 2.4; HGer ZH, HG140250 E. 6.9, HG150152 

E. 1.2.3, HG140233 E. 12; BSK ZPO-RÜEGG/RÜEGG (Fn. 3), Art. 95 N. 17; FREY (Fn. 2), N. 289 
m.w.N. 

6  BSK ZPO-RÜEGG/RÜEGG (Fn. 3), Art. 95 N. 17. 

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der Beklagten erhältlich gemacht werden konnten. Dass die Bitte um Un-

terzeichnung einer Verjährungsverzichtserklärung prozessual als notwen-

dig zu erachten ist, liegt angesichts der drohenden Verjährung der streitge-

genständlichen Forderung auf der Hand. Bei den entsprechenden Postge-

bühren handelt es sich daher um notwendige Auslagen im Sinne von 

Art. 95 Abs. 3 lit. a ZPO, sodass diese bei der Ermittlung des Streitwertes 

nicht zu berücksichtigen sind. 

 

  

Das Schreiben vom 20. November 2020 richtete sich wiederum an den 

Rechtsvertreter der Beklagten. Das Schreiben erging zu einem Zeitpunkt, 

als sich eine gerichtliche Auseinandersetzung bereits abzeichnete (siehe 

KB 12, KB 20). Im betreffenden Schreiben verlangte die Klägerin von der 

Beklagten die Herausgabe der vereinnahmten Retrozessionen unter Ver-

weis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (Replikbeilage [RB] 27). 

Das Schreiben diente mithin der Verhinderung eines gerichtlichen Prozes-

ses, womit es sich bei den betreffenden Postgebühren um notwendige Aus-

lagen im Sinne von Art. 95 Abs. 3 lit. a ZPO handelt. Diese sind bei der 

Ermittlung des Streitwertes nicht zu berücksichtigen.  

 

  

Weil die fraglichen Postgebühren durch das Prozessrecht entschädigt wer-

den, besteht – entgegen den Behauptungen der Klägerin (Stellungnahme 

vom 5. Oktober 2022 Rz. 6; Schlussvortrag Rz. 4) – kein Raum für einen 

selbstständigen materiell-rechtlichen Schadenersatzanspruch. Die Postge-

bühren sind daher bei der Streitwertbestimmung nicht zu berücksichtigen. 

Daran vermag auch der Umstand, dass diese in einem eigenständigen 

Rechtsbegehren geltend gemacht werden, nichts zu ändern (vgl. E. 3.3). 

Ob die Berechnung des mit Verfügung vom 12. März 2021 geforderten Kos-

tenvorschusses unter Einbezug der Postgebühren erfolgte, wie die Kläge-

rin in ihrer Stellungnahme vom 5. Oktober 2022 vorbringt, kann dahin ge-

stellt bleiben, denn die Prüfung der Prozessvoraussetzungen obliegt dem 

Handelsgericht als Kollegium (Art. 60 ZPO). Dieses entscheidet, ob die 

Prozessvoraussetzungen –  und damit insbesondere die sachliche Zustän-

digkeit (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO) –  erfüllt sind, nicht der Instruktionsrichter.  

 

3.5. 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Betreibungskos-

ten, die Verzugszinsen und die Postgebühren bei der Streitwertermittlung 

nicht zu berücksichtigen sind. Der Streitwert beträgt mithin Fr. 30'000.00. 

Die vorliegende Streitsache unterliegt damit dem vereinfachten Verfahren 

(Art. 243 Abs. 1 ZPO). Das Handelsgericht ist für die Beurteilung der Klage 

somit sachlich nicht zuständig, sodass auf die Klage mangels Zuständigkeit 

nicht einzutreten ist (Art. 59 Abs. 1 ZPO e contrario i.V.m. Art. 59 Abs. 2 lit. 

b ZPO).  

 

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4.  

Die Prozesskosten, bestehend aus den Gerichtskosten und der Parteient-

schädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO), werden den Parteien im Verhältnis des 

Obsiegens bzw. Unterliegens auferlegt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Bei Nichtein-

treten gilt die klagende Partei als unterliegend (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die 

Klägerin gilt demnach als unterliegend, womit ihr die Prozesskosten aufzu-

erlegen sind. Es sind keine Gründe ersichtlich, die eine abweichende Kos-

tenverteilung rechtfertigen würden (vgl. Art. 107 ZPO). 

 

4.1.  

Die Gerichtskosten entsprechen vorliegend der Entscheidgebühr (Art. 95 

Abs. 2 ZPO). Diese wird von Amtes wegen anhand des Dekrets über die 

Verfahrenskosten (VKD; SAR 221.150) festgelegt (Art. 105 Abs. 1 ZPO). 

Bei einem Streitwert von Fr. 30'000.00 beträgt der Grundansatz der Ge-

richtsgebühr Fr. 3'090.00 (vgl. § 7 Abs. 1 VKD). Weil das vorliegende Ver-

fahren nur geringe Aufwendungen erforderte, sind die Gerichtskosten um 

50 % auf Fr. 1'545.00 zu reduzieren und ausgangsgemäss von der Kläge-

rin zu tragen (§ 7 Abs. 3 VKD). Die Gerichtkosten werden mit dem von der 

Klägerin geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 3'097.00 ver-

rechnet (Art. 111 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Der Überschuss wird der Klägerin 

ausbezahlt. 

 

4.2.  

Die Parteientschädigung besteht vorliegend aus den Kosten der berufs-

mässigen Vertretung (Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO). Bei ihrer Festsetzung ist 

von den kantonalen Tarifen auszugehen (Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 

ZPO). Ausgehend von einem Streitwert von Fr. 30'000.00 beträgt die Grun-

dentschädigung Fr. 6'190.00 (§ 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 6 des Dekrets über die 

Entschädigung der Anwälte des Kantons Aargau vom 10. November 1987 

[AnwT; SAR 291.150]). Dadurch sind Instruktion, Aktenstudium, rechtliche 

Abklärungen, Korrespondenz und Telefongespräche sowie eine Rechts-

schrift und die Teilnahme an einer behördlichen Verhandlung abgegolten 

(§ 6 Abs. 1 AnwT). Zwar wurde vorliegend keine Verhandlung durchge-

führt, jedoch entspricht der Abzug für die nicht durchgeführte Verhandlung 

betragsmässig dem Zuschlag für die zweite Rechtsschrift und den schriftli-

chen Schlussvortrag (§ 6 Abs. 2 und Abs. 3 AnwT), sodass es bei der 

Grundentschädigung bleibt. Diese ist um eine Auslagenpauschale von pra-

xisgemäss 3 % zu erhöhen, womit die Klägerin der Beklagten eine Partei-

entschädigung von insgesamt Fr. 6'375.70 zu entrichten hat. 

 

  

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Das Handelsgericht erkennt: 

 

1. 

Auf die Klage vom 10. März 2021 wird nicht eingetreten. 

 

2. 

Die Gerichtskoten von Fr. 1'545.00 werden der Klägerin auferlegt. Sie wer-

den mit dem von der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. Der 

Überschuss wird der Klägerin ausbezahlt. 

 

3. 

Die Klägerin hat der Beklagten deren Parteikosten in richterlich festgesetz-

ter Höhe von Fr. 6'375.70 zu ersetzen. 

 

 
   

Zustellung an: 

 die Klägerin (Vertreter; zweifach mit Abrechnung) 

 die Beklagte (Vertreter; zweifach) 

 

Mitteilung an: 

 die Obergerichtskasse 

 

 
  1. 

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., 

Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröff-

nung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweize-

rischen Bundesgericht einzureichen. Die Beschwerdeschrift ist in einer 

Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit An-

gabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte elekt-

ronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form 

darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) 

verletzt. Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind 

beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen hat; ebenso ist der ange-

fochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

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Aarau, 28. November 2022 

 

Handelsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Dubs Füglister