# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 224c7614-9c7c-5e95-8211-a66de527fc0e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2009 E-4343/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4343-2009_2009-07-15.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4343/2009/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 
mit Zustimmung von Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Jan Feichtinger.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Thomas Zajac, Advokat 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Kantonswechsel; Verfügung des BFM vom 24. Juni 2009 / 
N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4343/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  5. Februar 2009  (...)  um  Asyl 
nachsuchte,

dass das BFM mit Verfügung vom 24. Juni 2009  in Anwendung von 
Art. 27 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und 
Art. 21 und 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfa-
hrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) den Beschwerdeführer mit der Be-
gründung, aus den Abklärungen im EVZ und nach erfolgter Rechtsbe-
lehrung seien keine spezifischen schützenswerten Interessen ersicht-
lich, die für eine Zuweisung in eine bestimmten Kanton sprächen, dem 
Kanton B._______ zuwies,

dass es gleichzeitig festhielt, der Zuweisungsentscheid könne nur mit 
der Begründung angefochten werden, er verletze den Grundsatz der 
Einheit der Familie, und einer allfälligen Beschwerde die aufschieben-
de Wirkung entzog,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 
6. Juli 2009  (Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesve-
rwaltungsgericht Beschwerde erheben und dabei beantragen liess, die 
Verfügung des BFM vom 24. Juni 2009 sei aufzuheben, der Beschwer-
deführer sei dem Kanton C._______ zuzuweisen, eventualiter sei dem 
Beschwerdeführer  der  Aufenthalt  an  der  Adresse  seines  Onkels 
D._______ in E._______ zu bewilligen,

dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  die  Ausrichtung  einer  Par-
teientschädigung beantragen liess,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf 
dem Gebiet des Asyls entscheidet (Art. 31 - 34 des Bundesgesetzes 
vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  [VGG, 

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SR 173.32]; Art. 1 Abs. 2 VGG i.V.m. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes-
gesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht  [BGG, 
SR 173.110]), 

dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 
Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-
ständig  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechtbare  Zwischenverfü-
gung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert  ist, da er durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung hat (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  daher  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist  (Art.  108  Abs. 1  AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art.  52 
Abs. 1 VwVG).

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass der Zuweisungsentscheid nur  mit  der  Begründung angefochten 
werden  kann,  er  verletze  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie 
(Art. 27 Abs. 3 Satz 3 AsylG),

dass das BFM gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG die Asylsuchenden den 
Kantonen zuteilt und dabei den schützenswerten Interessen der Asyl-
suchenden sowie der Kantone Rechnung trägt,

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dass  das  BFM  dabei  gemäss  Art. 22  Abs. 1  AsylV 1  bereits  in  der 
Schweiz  lebende  Familienangehörige  und  die  Staatsangehörigkeit 
Asylsuchender sowie besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-
tigt,

dass die Verteilung nach einem Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1 er-
folgt,

dass nach Art. 22 Abs. 2 AsylV 1 ein Kantonswechsel  vom BFM nur 
bei Zustimmung beider Kantone, bei Anspruch auf Einheit der Familie 
oder  bei  schwerwiegender  Gefährdung  der  asylsuchenden  Person 
oder anderer Personen verfügt wird,

dass der von Art. 27 Abs. 3 AsylG erfasste Begriff der Familieneinheit 
sich dabei am grundsätzlich im Asylrecht geltenden Familienbegriff ori-
entiert, wonach gemäss Art. 1 Bst. e AsylV 1 in erster Linie Ehegatten 
und deren minderjährige Kinder, mithin also die Kernfamilie, als Fami-
lie  zu  verstehen sind,  wobei  eingetragene Partnerinnen und Partner 
sowie die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft lebenden Personen 
den Ehegatten gleichgestellt sind, 

dass  über  die  Kernfamilie  hinausgehend der  Familienbegriff  gemäss 
Art. 51 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 38 AsylV 1 auch andere nahe Angehö-
rige umfasst, wenn sie eine Behinderung haben oder aus einem ande-
ren Grund auf die Hilfe einer Person, die in der Schweiz lebt, angewie-
sen sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 24), 

dass darunter eine Person zu verstehen ist, welche der Unterstützung 
bedarf, die durch ein in der Schweiz lebendes (asylberechtigtes) Fami-
lienmitglied und nicht durch die Schweizer Behörden oder durch Dritte 
zu erbringen ist, 

dass dazu ein besonderes Engagement des in der Schweiz lebenden 
Angehörigen verlangt wird, indem dieser seine verwandte Person nicht 
bloss finanziell oder moralisch unterstützt, sondern sich persönlich um 
sie  kümmert  (vgl. EMARK 2000 Nr. 21 E. 6c  S. 200 f.; EMARK 2001 
Nr. 24 E. 3 S. 191 f.), 

dass die Berufung auf den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne 
von Art. 27 Abs. 3 letzter Satz AsylG mithin entweder die Anwesenheit 
eines Angehörigen der Kernfamilie der asylsuchenden Person oder - 

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so dies nicht der Fall ist - ein Abhängigkeitsverhältnis gemäss Recht-
sprechung  zu  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
beziehungsweise  Art. 51  Abs. 2  AsylG  voraussetzt  (vgl.  Entscheide 
des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2008/47 
E. 4.1),

dass  in  der  Beschwerde  geltend  gemacht  wird,  der  Onkel  des  Be-
schwerdeführers habe bereits mit Schreiben vom 5. Februar 2009 bei 
der zuständigen Asylbehörde um Zuteilung seines Neffen an den Kan-
ton  C._______  respektive  F._______  ersucht,  wobei  er  sich  für  die 
Übernahme sämtlicher Lebenshaltungskosten verbürgt habe,

dass der genannte Onkel über eine Wohnung verfüge, welche genü-
gend Platz  für  die Aufnahme des Beschwerdeführers biete und sein 
Einkommen es erlaube, für die anfallenden Kosten aufzukommen,

dass  der  Beschwerdeführer  die  Gepflogenheiten  der  Schweiz  nicht 
kenne,  keine  Landessprache  beherrsche  und  er  überdies  durch  die 
Entwicklungen  in  seiner  Heimat  sowie  die  Ungewissheit  über  den 
Verbleib seiner Eltern traumatisiert und verängstigt sei, 

dass im Gegensatz zur Begründung in der Verfügung des BFM vom 
24. Juni 2009  starke  schützenswerte  Interessen  des  Beschwerde-
führers für eine Zuweisung in den Kanton C._______ sprächen,

dass in Anbetracht  der vorgenannten Umstände und in Berücksichti-
gung  des Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  ein  Verbleib  des  Be-
schwerdeführers bei seinem nächsten in der Schweiz lebenden Famili-
enangehörigen dringend angezeigt sei, 

dass festzustellen ist, dass der Verwandtschaftsgrad eines Onkels vom 
gesetzlichen  Begriff  der  Familieneinheit  (Art. 27  Abs. 3  AsylG  i.V.m. 
Art. 1 Bst. e AsylV 1) nicht umfasst ist,

dass  mit  den  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  auch  kein 
Sachverhalt  dargetan  wird,  welcher  ein  Zusammenleben  des  Be-
schwerdeführers mit  seinem Onkel wegen einer eigentlichen einseiti-
gen  Abhängigkeit  im  Sinne  der  Rechtsprechung  zu  Art. 51  Abs. 2 
AsylG i.V.m. Art. 38 AsylV 1 als dringend angezeigt erscheinen liesse,

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dass der Wunsch des Beschwerdeführers, bei seinem Onkel wohnen 
zu können, zwar verständlich ist, sich damit allein gestützt auf Art. 27 
Abs. 3 AsylG jedoch kein Rechtsanspruch auf Zuteilung zu einem be-
stimmten Kanton ableiten lässt, 

dass mithin festzustellen ist, dass die Zuweisung des Beschwerdefüh-
rers an den Kanton B._______ den Grundsatz der Einheit der Familie 
im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt, sich die angefochtene 
Verfügung als rechtmässig erweist, weshalb der Hauptantrag der Be-
schwerde abzuweisen ist,

dass  hinsichtlich  des  Eventualantrags  festzustellen  ist,  dass  mit  der 
Kantonszuteilung  gerade  die  Festlegung  des  Aufenthaltsortes  be-
zweckt wird, zumal andernfalls die Zuweisung an einen Kanton obsolet 
würde, 

dass sich Asylsuchende gemäss Art. 8 Abs. 3 AsylG während des Ver-
fahrens den Behörden des Bundes sowie des zugewiesenen Kantons 
zur Verfügung zu halten haben, weshalb auch der Eventualantrag ab-
zuweisen ist, 

dass mit dem Unterliegen in der Hauptsache das Begehren um Aus-
richtung einer Parteikostenentschädigung gegenstandslos wird,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerle-
gen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM und (...).

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Jan Feichtinger

Versand: 

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