# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a8a4a60-d885-530d-81f3-233d33a4f9fb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.04.2024 E-3777/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3777-2021_2024-04-03.pdf

## Full Text

–  
B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 
 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3777/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Chrystel Tornare Villanueva,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Karin Parpan. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

eigenen Angaben zufolge China (Volksrepublik),   

vertreten durch Rechtsanwältin Catalina Mendoza,  

Beschwerdeführerin, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 23. Juli 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3777/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin stellte am 7. Februar 2020 in der Schweiz ein 

Asylgesuch. 

B.  

Am 13. Februar 2020 wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen der  

Personalienaufnahme zu ihren Personalien und ihrer Identität, zu ihrer Her-

kunft, zu ihren Familienverhältnissen und Lebensumständen sowie zu  

ihrem Reiseweg befragt. Am 18. Februar 2020 wurde ein kurzes soge-

nanntes Dublin-Gespräch mit der Beschwerdeführerin durchgeführt,  

in dem sie zur Beschaffbarkeit von Identitätspapieren und zu ihrer gesund-

heitlichen Situation befragt wurde. Das SEM führte am 6. April 2020 in An-

wesenheit der amtlichen Rechtsvertretung eine Anhörung der Beschwer-

deführerin zu ihren Asylgründen durch, in deren Folge sie am 15. April 

2020 dem erweiterten Verfahren zugewiesen wurde. 

C.  

C.a Die Beschwerdeführerin gab im Wesentlichen zu Protokoll, sie sei  

ethnische Tibeterin und stamme aus dem Dorf B._______ in C._______ im 

Landkreis D._______. Sie sei dort aufgewachsen und habe zusammen mit 

ihren Eltern und der älteren Schwester in einem Haushalt  

gelebt. Die Familie habe Landwirtschaft betrieben, Milch- und andere 

Landwirtschaftsprodukte hergestellt und Pilze gesammelt. Als Sennerin 

habe sie sich insbesondere um die Tiere der Familie gekümmert und sich 

in der wärmeren Jahreszeit auch in Nomadengebieten der Umgebung auf-

gehalten. Eine Schule habe sie nie besucht; Lesen und Schreiben habe sie 

von einem Nachbarn gelernt. 

C.b Die chinesischen Behörden hätten den Familien ihrer Gemeinde eine 

Höchstzahl an Nutztieren vorgeschrieben. Sie (Beschwerdeführerin) hätte 

diesbezüglich eine Einverständniserklärung unterschreiben respektive sich 

schriftlich dazu verpflichten müssen, ihr Nomadinnenleben aufzugeben. 

Weil sie diese Unterschrift vorerst verweigert habe, habe man sie mitge-

nommen und ein paar Tage in einer Art Gefängnis festgehalten, bis sie 

dann unterschrieben habe.  

Im Herbst 2019 habe in einem nahegelegenen Kloster eine traditionelle 

Maskentanzdarbietung von Mönchen stattgefunden, an der sie mit ihrem 

Cousin teilgenommen habe. Vor den Darbietungen seien Bilder von Lamas 

und anderen tibetischen Würdenträgern hochgehalten und getragen 

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worden, darunter auch ein Bild des Dalai Lama; es habe sich ergeben, 

dass sie dieses Bild getragen habe. Daraufhin habe ein Mann Parolen für 

den Dalai Lama zu skandieren begonnen. Das Publikum – und auch sie 

selbst – habe im Chor mitgesungen, was die Polizisten des nahegelegenen 

Postens gehört hätten. Als sie drei Beamte gesehen hätten, die auf sie zu-

gekommen seien, seien sie aus dem Kloster geflohen. Der Cousin habe 

sie mit seinem Auto zu einer befreundeten Familie ins Dorf E._______ ge-

bracht, wo sie sich versteckt habe. Er habe dann telefonisch erfahren, dass 

Teilnehmer der Tanzveranstaltung geschlagen und verhaftet worden seien 

und die Weiterführung der Darbietungen verboten worden sei. lhre 

Schwester habe den Cousin schliesslich auch darüber informiert, dass die 

Polizei im Dorf nach ihr (Beschwerdeführerin) gesucht habe; zudem sei 

den Eltern mitgeteilt worden, ihre Tochter habe sich gegen die Kommunis-

tische Partei aufgelehnt und solle den Behörden ausgehändigt werden, 

was zu ihren Gunsten strafmildernd berücksichtigt würde. Nach Erhalt die-

ser Informationen sei sie zu einem anderen Cousin nach F._______ geflo-

hen. Weil sie bereits behördlich bekannt gewesen sei, habe dieser sie zur 

Ausreise gedrängt und sie nach drei Tagen über G._______ nach Nepal 

geschickt, das sie im September 2019 erreicht habe. Nach einem etwa 

viermonatigen Aufenthalt in diesem Land sei sie in die Schweiz weiterge-

reist. 

C.c Die Beschwerdeführerin reichte beim SEM eine Kopie ihres Familien-

büchleins ein. Sie gab an, ihre Identitätskarte sei ihr bei der Einreise in 

Nepal abhandengekommen. 

D.  

D.a Nachdem das SEM an der angegebenen Herkunft der Beschwerde-

führerin zweifelte, beauftragte es die Fachstelle LINGUA mit dem Erstellen 

einer Herkunftsanalyse. 

D.b Am 25. Juni 2020 wurde für die Herkunfts- und Sprachabklärung ein 

gut einstündiges telefonisches Interview mit der Beschwerdeführerin 

durchgeführt. Auf der Grundlage der Aufzeichnung dieses Telefonats  

erstellte eine sprach- und länderkundige Person (AS19) am 17. Juli 2020 

eine Herkunftsanalyse. Die sachverständige Person kam dabei zum 

Schluss, dass die Hauptsozialisation der Beschwerdeführerin sehr wahr-

scheinlich nicht am geltend gemachten Herkunftsort im Landkreis 

D._______, sondern in der exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

Volksrepublik China stattgefunden habe; allenfalls habe sie vor längerer 

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Seite 4 

Zeit einmal in D._______ gelebt, sei aber deutlich früher als angegeben 

aus dem angeblichen Herkunftsort weggezogen. 

E.  

E.a Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2021 teilte das SEM der Be-

schwerdeführerin zusammenfassend das Ergebnis der LINGUA-Analyse 

mit und gewährte ihr das rechtliche Gehör dazu. 

E.b Am 21. Mai 2021 liess die Beschwerdeführerin durch ihre neu manda-

tierte heutige Rechtsvertreterin eine Stellungnahme zu den Akten reichen 

und die Schlussfolgerungen der LINGUA-Analyse bestreiten. 

F.  

Am 26. Mai 2021 führte das SEM mit der Beschwerdeführerin – in Anwe-

senheit ihrer Rechtsvertreterin – eine ergänzende Anhörung durch.  

Dabei bestätigte und ergänzte sie die bisher dargestellten Ausreisegründe 

und -umstände. 

G.  

Mit Verfügung vom 23. Juli 2021 (eröffnet am 27. Juli 2021) stellte die Vor-

instanz fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht; sie lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an, wobei ein Vollzug der Weg-

weisung in die Volksrepublik China ausdrücklich ausgeschlossen wurde. 

H.  

H.a Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 25. August 2021 liess die  

Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 

diesen Asylentscheid erheben. Sie beantragte inhaltlich sinngemäss, die 

Verfügung des SEM sei aufzuheben, ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzu-

erkennen und ihr sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei sie als Flüchtling 

vorläufig in der Schweiz aufzunehmen, subeventualiter sei infolge Unzu-

lässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ihre vorläu-

fige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen und subsubeventualiter sei die 

Sache zwecks weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

H.b In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und um Beiordnung ihrer Rechtsvertreterin als amtliche Rechts-

beiständin ersucht; zudem beantragte sie Einsicht in die in ihrem Verfahren 

durchgeführte LINGUA-Analyse 

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Seite 5 

H.c Mit der Beschwerde wurden neben einer Kostennote unter anderem 

Kopien zweier Dokumente betreffend den LINGUA-Analysten "AS19" zu 

den Akten gereicht. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2021 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht) und um Einsetzung einer amtli-

chen Rechtsverbeiständung gut und setzte Rechtsanwältin Mendoza als 

amtliche Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 6 

2.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, die vorab zu be-

urteilen sind. Die Beschwerdeführerin beantragt in einem Eventualbegeh-

ren die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Vornahme weiterer 

Abklärungen und zur Gewährung der vollständigen Einsicht in die LINGUA- 

Analyse. 

3.2  

3.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), welches alle Befugnisse um-

fasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirk-

sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 

E. 6.4.1). Dazu gehört insbesondere das Recht der betroffenen Person, 

sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit 

erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden. Mit dem Gehörsanspruch 

korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, 

ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu berücksich-

tigen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person 

den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 

136 I 184 E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b). 

3.2.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst gemäss Art. 29 Abs. 2 

BV auch das Recht auf Akteneinsicht. Die allgemeinen, aus der Bundes-

verfassung abgeleiteten Grundsätze des Akteneinsichtsrechts haben in 

den Art. 26 ff. VwVG Ausdruck gefunden (vgl. BGE 115 V297 E. 2d).  

Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG besteht ein grundsätzlicher Anspruch der 

Partei oder ihres Vertreters auf Einsicht in die Verfahrensakten. Die  

Behörde darf die Einsichtnahme in Akten nur verweigern, wenn wesentli-

che öffentliche Interessen (Art. 27 Abs. 1 Bst. a VwVG) oder private  

Interessen (Art. 27 Abs. 1 Bst. b VwVG) die Geheimhaltung erfordern, oder 

die Verweigerung im Interesse einer noch nicht abgeschlossenen amtli-

chen Untersuchung steht (Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG). Gemäss Art. 27 

Abs. 2 VwVG darf das Einsichtsrecht nur soweit beschränkt werden, wie 

effektiv Geheimhaltungsgründe bestehen (vgl. BVGE 2013/23 E. 6.4.1 

m.w.H.). Auf ein Aktenstück, bei welchem die Einsichtnahme verweigert 

wurde, darf zum Nachteil der Partei nur abgestellt werden, wenn ihr die 

Behörde von seinem für die Sache wesentlichen Inhalt mündlich oder 

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schriftlich Kenntnis und ihr ausserdem Gelegenheit geboten hat, sich zu 

äussern und allfällige Gegenbeweismittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). 

Die Berücksichtigung geheim gehaltener Akten bei der Entscheidfindung 

ist somit nicht ausgeschlossen; sie ist indessen an die Voraussetzung  

geknüpft, dass die Parteien vorgängig in geeigneter Form über den  

wesentlichen Inhalt des Aktenstücks informiert werden und dazu Stellung 

nehmen können. 

3.3  

3.3.1 Das SEM verweigerte im Asylverfahren der Beschwerdeführerin die 

Einsicht in das Aktenstück A27/15 (LINGUA-Analyse) gestützt auf öffentli-

che und private Geheimhaltungsinteressen. Der Beschwerdeführerin 

wurde hingegen einerseits eine Übersicht "Werdegang und Qualifikation 

der sachverständigen Person AS19" zur Verfügung gestellt (SEM-

act. 28/1); andererseits fasste das SEM den wesentlichen Inhalt der Ana-

lyse schriftlich zusammen und gewährte der Beschwerdeführerin hierzu 

das rechtliche Gehör (SEM-act. 30/4).  

3.3.2 Dieses Vorgehen ist korrekt und nicht zu beanstanden:  

Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stehen 

der vollumfänglichen Offenlegung von LINGUA-Analysen generell über-

wiegende öffentliche und private Geheimhaltungsinteressen entgegen, wo-

bei das öffentliche Interesse insbesondere in der Verhinderung eines Lern-

effekts gesehen wird, durch den zukünftige Abklärungen in analogen Ver-

fahren erschwert oder verunmöglicht würden; das schützenswerte private 

Interesse an der Geheimhaltung liegt insbesondere im evidenten Sicher-

heitsanspruch der sachverständigen Person (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1 so-

wie Urteil des BVGer D-3988/2019 vom 9. Juni 2020 E. 3.4.1). 

Der zusammenfassende Bericht des SEM enthält die wesentlichen Ele-

mente der LINGUA-Analyse und trägt den berechtigten Interessen an der 

Geheimhaltung des Verfassers sowie der Vermeidung eines Lern- 

effekts Rechnung. Das vierseitige Dokument geht relativ ausführlich auf die 

konkrete Vorgehensweise der sachverständigen Person ein, greift zahlrei-

che Punkte aus der LINGUA-Analyse auf und enthält insbesondere Erläu-

terungen dazu, wie bestimmte Aspekte der Sprache der Beschwerdeführe-

rin beurteilt wurden. Insgesamt geht aus diesem Bericht mit ausreichender 

Klarheit hervor, aus welchen Gründen die sachverständige Person zu ihren 

Schlussfolgerungen kam. Vor diesem Hintergrund ist die vorinstanzliche 

Verweigerung der Einsicht in das Aktenstück A27/15 als berechtigt und 

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verhältnismässig zu qualifizieren. Die Beschwerdeführerin ist vom SEM in 

die Lage versetzt worden, ihre Sichtweise darzulegen und sich einlässlich 

zum relevanten Inhalt der LINGUA-Analyse zu äussern.  

3.3.3 Es liegt somit keine unzulässige Einschränkung der Akteneinsicht 

vor. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nicht verletzt worden. Soweit 

im Rahmen des Beschwerdeverfahrens um Einsicht in dieses Aktenstück 

ersucht wird, ist dies abzulehnen. 

3.4 Wie den nachfolgenden Erwägungen entnommen werden kann, hat die 

Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt korrekt und vollständig fest-

gestellt. Weitere sachverhaltliche Abklärungen waren und sind nicht erfor-

derlich. 

3.5 Soweit in der Beschwerde Zweifel an der fachlichen Qualifikation und 

Unabhängigkeit und auch an der inhaltlichen Schlüssigkeit der Analyse des 

LINGUA-Experten "AS19" geäussert werden, vermengt die Beschwerde-

führerin mit ihrer Kritik an der Einschätzung der Vorinstanz die Frage der 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtli-

chen Würdigung der Sache. Nachdem sich diese Rügen schwergewichtig 

auf die Beweiswürdigung beziehen, wird darauf bei der materiellen Beur-

teilung der Beschwerde zurückzukommen sein. 

3.6 Das Eventual-Kassationsbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2  

4.2.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-

sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in 

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wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 

sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte 

oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.; ANNE KNEER / LINUS SONDEREGGER, 

Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 3 ff.). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 

5.1.1 Sie führte zur Begründung im Wesentlichen aus, das in Form einer 

Kopie eingereichte chinesische Familienbüchlein (Hukou) enthalte keine 

Fotografie der Beschwerdeführerin und es handle sich dabei nicht um ein 

rechtsgenügliches Reisepapier, das ihre Identität und Herkunft zu belegen 

vermöge. 

5.1.2 Weil aufgrund der Papierlosigkeit und der Aussagen zu den Lebens-

umständen in der angeblichen Heimatregion Zweifel an der angegebenen 

Herkunft und Staatsangehörigkeit sowie an der illegalen Ausreise aus dem 

angeblichen Heimatstaat aufgekommen seien, habe das SEM eine  

LINGUA-Herkunftsanalyse in Auftrag gegeben. Diese habe ergeben, dass 

die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich nicht im Landkreis 

D._______, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

Volksrepublik China hauptsozialisiert worden sei.  

5.1.3 Die sachverständige Person habe erstens die landeskundlich- 

kulturellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin in den Bereichen administ-

rative Einteilung, Distanzen, Geografie und Sehenswürdigkeiten, Vieh-

zucht und Landwirtschaft, Pilzsammeln und Lebensalltag ausgewertet. Sie 

sei zusammenfassend zum Schluss gekommen, dass die Beschwerde-

führerin zwar über gewisse Kenntnisse von der angeblichen Heimatregion 

verfüge; allerdings habe es auch auffällige Unstimmigkeiten gegeben, die 

angesichts des geltend gemachten (…)-jährigen Aufenthalts in diesem Ge-

biet nicht erklärbar seien. Das landeskundliche Wissen, über das die Be-

schwerdeführerin verfügt habe, sei zudem nicht derart spezifisch mit ihrer 

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individuellen Biografie verknüpft, dass sie es sich nicht auch ausserhalb 

der tibetischen Gebiete der Volksrepublik China hätte aneignen können. 

Die an die Beschwerdeführerin gestellten Erwartungen im landeskundlich-

kulturellen Teil der Analyse seien demnach nur teilweise erfüllt worden. 

5.1.4 Zweitens sei von der sachverständigen Person auch die von der Be-

schwerdeführerin gesprochene Sprache in den Bereichen Phonetik, Pho-

nologie, Morphologie / Morphosyntax sowie Lexikon ausgewertet worden, 

wobei sie ausdrücklich gebeten worden sei, ihren Heimatdialekt zu spre-

chen. Ihre Sprache habe nicht im erwarteten Ausmass Gemeinsamkeiten 

mit dem Dialekt von D._______ aufgewiesen, sondern auch viele Elemente 

anderer Dialekte enthalten, wie dies bei einem längeren Aufenthalt im Exil 

typisch sei. Das vorliegend festgestellte Dialektgemisch sei angesichts der 

von der Beschwerdeführerin geschilderten Biografie unerwartet und nicht 

erklärbar, zumal gerade der Umstand, dass sie als Halbnomadin gelebt und 

jeweils das Sommerhalbjahr auf der Hochweide verbracht haben wolle, 

eine archaischere – kaum von anderen Dialekten beeinflusste – Sprach-

form begünstigt hätte. Dass die Beschwerdeführerin zudem aktiv Formen 

verwendet habe, die im lnnertibetischen ungrammatisch seien (beispiels-

weise eine sogenannte Kasusreduktion), habe ebenfalls nicht den Erwar-

tungen des LINGUA-Experten entsprochen. Schliesslich seien die Kennt-

nisse der chinesischen Sprache ausgewertet worden. Diese hätten die auf 

der angeblichen Biografie basierenden Erwartungen zwar übertroffen; al-

lerdings habe die Beschwerdeführerin ausschliesslich Hochchinesisch und 

nicht Sichuan-Chinesisch gesprochen, was nicht zu ihrer Angabe passe, 

sie habe keine Schule besucht und Chinesisch in Gesprächen mit Freun-

den und beim Einkaufen erlernt. 

5.1.5 Im Rahmen des rechtlichen Gehörs sei es der Beschwerdeführerin 

nicht gelungen diesen Schlussfolgerungen der sachverständigen Person 

zum Ort der Hauptsozialisation Stichhaltiges entgegenzusetzen. 

5.1.6 Nach dem Gesagten kenne das SEM weder die tatsächliche Identität 

der Beschwerdeführerin noch ihren Lebenslauf. Wegen der Verletzung  

ihrer Mitwirkungspflicht kenne das SEM den tatsächlichen Heimatstaat 

nicht, was die Prüfung verunmögliche, ob sie dort verfolgt werde und ob 

sie, gegebenenfalls, zumutbarerweise in einen sicheren Drittstaat zurück-

kehren könnte.  

5.1.7 Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass auch die vor-

getragenen Verfolgungsgründe den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

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Seite 11 

nicht standzuhalten vermöchten, seien diese Vorbringen doch von erhebli-

chen Widersprüchen geprägt und würden teilweise unlogisch erscheinen.  

5.1.8 Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 

keine Verfolgung glaubhaft machen könne. Deshalb werde sie nicht als 

Flüchtling anerkannt und sei das Asylgesuch abzuweisen. 

5.2  

5.2.1 Die Beschwerdeführerin wies in ihrem Rechtsmittel schwergewichtig 

darauf hin, dass der umstrittene Experte "AS19" ihre LINGUA-Analyse  

erstellt habe. Ein mit der Beschwerde eingereichtes Gutachten namhafter 

Tibetologen verschiedener Universitäten habe aufgezeigt, dass an den 

fachlichen Qualifikationen und an der Neutralität des Experten "AS19" 

grosse Zweifel bestünden. So hätten diese Gutachter aufgezeigt, dass 

dem Sachverständigen "AS19" in der Vergangenheit erhebliche Fehler bei 

der Analyse der Phonetik und Phonologie – respektive der Morphologie / 

Morphosyntax – unterlaufen seien. Überdies sei die von ihm geäusserte 

Auffassung unzutreffend, bestimmte Variationen in der Sprache und pho-

netische Merkmale seien für das im Exil gesprochene Tibetisch charakte-

ristisch. Soweit in der angefochtenen Verfügung davon die Rede sei, die 

Beschwerdeführerin habe auch Formen des "Kandzee-Dialekts" verwen-

det, sei auf die herrschende Lehre hinzuweisen, gemäss welcher ein spe-

zifischer Dialekt dieser Präfektur gar nicht existiere. Diese Ungenauigkeit 

lasse weitere Zweifel an der Richtigkeit der LINGUA-Analyse aufkommen, 

auf welcher die angefochtene Entscheidung beruhe.  

5.2.2 Die Beschwerdeführerin spreche einen Dialekt, dessen Aussprache 

Töne beinhalte, die nützlich wären, um ihn klar von anderen Dialekten  

– wie etwa dem Ü-Tsang (Lhasa-Tibetisch) – zu unterscheiden. Eine solche 

Abgrenzungsanalyse wäre daher vorliegend besonders interessant gewe-

sen, sei aber von "AS19" fälschlicherweise nicht durchgeführt worden.  

Gewisse sprachliche Feststellungen dieses Analysten seien nicht auf eine 

Sozialisation ausserhalb Tibets zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, 

dass die Beschwerdeführerin nicht zur Schule gegangen sei und als 

Halbnomadin in Tibet gelebt habe; sie habe sich demnach nicht in einem 

Umfeld entwickelt, das für die Standardisierung ihrer Sprache förderlich 

gewesen sei. Aufgrund ihres semi-nomadischen Lebensstils sei sie viel-

mehr verschiedenen Dialekten ausgesetzt gewesen, was ihre Sprache 

zweifellos beeinflusst habe und es geradezu logisch erscheinen lasse, 

dass sie eine Permeabilität gegenüber anderen Dialekten aufweise. Hinzu 

komme, dass der spezifische Sprachgebrauch ihrer Schwester, die 

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ihrerseits regelmässig Zeit in der Region Amdo verbracht habe, durch die 

Aufenthalte in dieser Region beeinflusst worden sei, was wiederum auf die 

von der Beschwerdeführerin gesprochene Sprache abgefärbt haben 

dürfte. Schliesslich gelte es zu berücksichtigen, dass die Beschwerdefüh-

rerin vor dem Zeitpunkt der LINGUA-Analyse bereits viereinhalb Monate in 

Nepal und etwa fünf Monate in der Schweiz verbracht habe, was ihre 

Sprechweise ebenfalls beeinflusst habe. 

5.2.3 Was die von der Beschwerdeführerin verwendeten Begriffe anbe-

lange, seien diese stark geprägt von lokalen tibetischen Wörtern und  

Ausdrücken sowie von Wörtern aus dem tibetischen Sprachraum. Es sei 

anzunehmen, dass die Begriffe aus dem Grundwortschatz der Beschwer-

deführerin als typisch für eine Person anzusehen seien, die in Tibet sozia-

lisiert worden sei und nicht lange im Exil gelebt habe. Auch die protokolla-

risch festgehaltene spontane Verwendung chinesischer Wörter stelle ein 

Indiz für die Sozialisierung der Beschwerdeführerin in Tibet dar, zumal die 

von ihr verwendeten chinesischen Begriffe sich auf das tägliche Leben und 

den lokalen Kontext bezogen hätten. Das Niveau der Chinesisch-Kennt-

nisse der Beschwerdeführerin sei schliesslich ein weiterer Beleg für ihre 

Sozialisierung in Tibet, werde doch diese Sprache in den exil-tibetischen 

Gemeinschaften in Indien oder Nepal nicht häufig verwendet.  

5.2.4 Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Variationen in der  

Sprache der Beschwerdeführerin – entgegen der Auffassung des Sachver-

ständigen "AS19" – keineswegs unvereinbar mit ihrer Biografie seien.  

Im Übrigen würden auch die Feststellungen der bei den beiden Anhörun-

gen der Beschwerdeführerin mitwirkenden Dolmetscher – die teilweise 

Mühe bekundet hätten, ihre Aussagen zu verstehen – darauf schliessen 

lassen, dass sie von ihrer Geburt bis zu ihrer Ausreise im September 2019 

in Tibet sozialisiert worden sei.  

5.2.5 Zum landeskundlichen Teil der LINGUA-Analyse halte das SEM in 

seiner Verfügung fest, das Wissen der Beschwerdeführerin zu den Verwal-

tungseinheiten in Tibet sei ebenso veraltet wie die von ihr beschriebenen 

Frisuren und Kopfbedeckungen der Frauen oder die konkrete Bezeichnung 

von Behörden in ihrer Heimatregion. Die wissenschaftlichen Gutachter, 

welche die landeskundliche Tätigkeit von "AS19" überprüft hätten, seien 

indessen auch in dieser Hinsicht zu vernichtenden Schlussfolgerungen ge-

kommen. Ihre Kritik lasse darauf schliessen, dass "AS19" mit den lokalen 

Gegebenheiten nicht genügend vertraut sei. Mangelnde Kenntnisse von 

Behördenbezeichnungen und administrativen Strukturen würden in Tibet 

E-3777/2021 

Seite 13 

zudem grundsätzlich keine Rückschlüsse auf den Ort der Sozialisierung 

zulassen, weil die lokale Bevölkerung üblicherweise nicht in politische und 

administrative Prozesse involviert sei und kaum mit der Bezirksregierung 

in Kontakt stehe; die am besten bekannte Verwaltungsbehörde dürfte denn 

jeweils auch das lokale Polizeibüro sein. Überdies habe das SEM neben 

der fehlenden Schulbildung und der bäuerlichen Lebensweise der Be-

schwerdeführerin auch ausser Betracht gelassen, dass sie das Gefängnis 

in H._______, in dem sie rund eine Woche lang festgehalten worden sei, 

detailliert habe beschreiben können. 

5.2.6 Die Vorbehalte des SEM bezüglich des Wissens über Frisuren und 

Kopfbedeckungen seien unklar; es sei nicht nachvollziehbar, inwiefern 

diese Angaben der Beschwerdeführerin veraltet gewesen seien. Mangels 

einer diesbezüglichen Präzisierung der Vorinstanz sei festzuhalten, dass 

diese nicht nachgewiesen habe, dass die Kenntnisse der Beschwerdefüh-

rerin tatsächlich veraltet gewesen seien. 

5.2.7 Die Beweiskraft des Familienbüchleins müsse gemäss Recht- 

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts im Kontext der konkreten Fall-

umstände qualifiziert werden. Dass dieses Dokument keine Fotografie  

enthalte, sei unbestritten. Es könne aber trotzdem als Indiz für die behaup-

tete Identität und Herkunft anerkannt werden, zumal es von der  

Beschwerdeführerin gleich zu Beginn des Verfahrens unaufgefordert vor-

gelegt worden sei. 

5.2.8 Die knappe vom SEM zusätzlich verwendete Unglaubhaftigkeits- 

argumentation sei nicht überzeugend; dies umso weniger angesichts der 

in den Protokollen verbalisierten Verständigungsschwierigkeiten, die in den 

Anhörungen aufgetreten seien. Die Schilderungen der Beschwerdeführerin 

seien substanziiert und authentisch. Die angeblichen Aussagewidersprü-

che würden sich zudem beim genauen Betrachten der betreffenden Proto-

kollstellen im Wesentlichen auflösen. 

6.  

6.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die 

Vorinstanz die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer behaupteten Her-

kunft zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Als wesentlich wird Folgen-

des erachtet: 

6.2 Dem eingereichten Familienbüchlein ist aufgrund der Fälschungsanfäl-

ligkeit praxisgemäss nur ein geringer Beweiswert beizumessen. Dieser 

E-3777/2021 

Seite 14 

wird zusätzlich dadurch reduziert, dass das Beweismittel in Form von Fo-

tokopien respektive Scans eingereicht worden ist, was zusätzliche Verfäl-

schungsmöglichkeiten eröffnet. 

6.3  

6.3.1 Im BVGE 2014/12 hat das Bundesverwaltungsgericht festgehalten, 

dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern 

oder verheimlichen, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass keine 

flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr 

an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden. Die Abklärungspflicht der 

Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchen-

den Person. Durch die Angabe einer falschen Identität respektive Herkunft 

verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender mit der Verletzung seiner Mit-

wirkungspflicht sowohl die Prüfung seiner Flüchtlingseigenschaft als auch 

eine Drittstaatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG (vgl. 

BVGE 2014/12 E. 5.9 f.). 

6.3.2 Steht eine Täuschung über die Herkunft von Asylsuchenden im 

Raum, kommt in der Praxis der LINGUA-Analyse grosse Bedeutung zu. 

Bei dieser handelt es sich um eine Herkunftsanalyse, die von einem amts-

externen, von der Fachstelle LINGUA durch das SEM beauftragten und mit 

den entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen ausgestatteten 

Sachverständigen durchgeführt wird. Dabei werden neben den landes-

kundlich-kulturellen Kenntnissen üblicherweise auch die sprachlichen  

Fähigkeiten der asylsuchenden Person geprüft.  

Eine LINGUA-Analyse stellt gemäss konstanter Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts kein Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e 

VwVG; Art. 57 ff. BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern eine schrift-

liche Auskunft einer Drittperson dar (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP 

i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität der sachkundigen Person wie 

auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse 

erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). 

6.3.3 Soweit die Beschwerdeführerin grundsätzliche Kritik an dem in ihrem 

Verfahren mit der Erstellung der LINGUA-Analyse betrauten Experten 

"AS19" äussert, ist auf das zwischenzeitlich ergangene Referenzurteil  

D-2337/2021 des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Juli 2023 zu verwei-

sen. In diesem hat das Gericht – in Kenntnis der von der 

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Seite 15 

Beschwerdeführerin mit ihrem Rechtsmittel vorgelegten Unterlagen der 

vier Tibetologen vom 29. September 2020 – festgehalten, dass es keine 

Hinweise auf fehlende Unabhängigkeit, Sachkenntnis oder Professionalität 

des Analysten "AS19" gebe und die Qualität und Aussagekraft der von die-

sem erstellten LINGUA-Analysen nicht grundsätzlich zu beanstanden 

seien (vgl. a.a.O. E. 7.9). Ihnen kommt daher – wie LINGUA-Analysen ge-

nerell – erhöhter Beweiswert zu, der nicht ohne Weiteres erschüttert wer-

den kann. Die in der Beschwerdeschrift unter Hinweis auf Wissenschafts-

kreise erhobene Kritik an der Arbeitsweise des Experten "AS19" ist deshalb 

nicht geeignet, die im vorliegenden Verfahren erstellte LINGUA-Analyse 

grundsätzlich in Frage zu stellen. 

6.3.4 Der 15-seitige LINGUA-Bericht vom 17. Juli 2020 ist nachvollziehbar 

und schlüssig verfasst. Die sachverständige Person formulierte für die bei-

den untersuchten Hauptbereiche (landeskundlich-kulturelle sowie linguisti-

sche Teilanalyse) anhand der Biografie der Beschwerdeführerin zunächst 

jeweils ihre abstrakten Erwartungen. In der Folge mass sie die Aussagen 

der Beschwerdeführerin an diesen Erwartungen und zog daraus – in trans-

parenter und überzeugender Abwägung der zugunsten und der zulasten 

der Beschwerdeführerin sprechenden Indizien – ein entsprechendes Fazit.  

6.3.5 Für das Bundesverwaltungsgericht erscheint die Feststellung im  

linguistischen Teil der LINGUA-Analyse zentral, wonach die Beschwerde-

führerin die Erwartungen an die Sprache insgesamt nicht erfülle. Die Spra-

che der Beschwerdeführerin weist zwar eindeutige Bezüge zum Dialekt ih-

res angeblichen Herkunftsgebiets um D._______ auf. Allerdings sind so-

wohl in lexikalischer als auch grammatischer Hinsicht zahlreiche Abwei-

chungen feststellbar, die sich nicht mit ihrem behaupteten biografischen 

Hintergrund vereinbaren lassen. Sodann fällt auf, dass sich gerade auch 

die Chinesisch-Kenntnisse der Beschwerdeführerin nur schwer mit ihrer 

angeblichen Biografie (halbnomadischer Lebensstil und keinerlei Schulbil-

dung, wobei ihre Eltern ebenfalls beide aus dem Dorf B._______ stammen 

sollen) in Einklang bringen lassen. Insgesamt bestehen gewichtige Zweifel 

daran, dass die Beschwerdeführerin sich tatsächlich bis im Herbst 2019 in 

der Region D._______ aufgehalten hat und dort den behaupteten Tätigkei-

ten nachgegangen ist. 

6.3.6 Die diesbezügliche Gegenargumentation in der Beschwerde hinter-

lässt auf den ersten Blick zwar einen recht überzeugenden Eindruck. Bei 

genauer Betrachtung reduziert sich die Kritik aber letztlich erstens auf das 

Vorbringen, der Experte "AS19" sei fachlich nicht qualifiziert, wähle 

E-3777/2021 

Seite 16 

ungeeignete Analysemethoden und gehe von unzutreffenden linguisti-

schen Grundannahmen aus; zweitens werden mit Bezug auf konkrete Fra-

gestellungen – etwa die Frage des Einflusses der semi-nomadischen Le-

bens-weise auf den Sprachdialekt der Beschwerdeführerin – im Ergebnis 

blosse Gegenbehauptungen aufgestellt. Beides vermag das Gericht ange-

sichts der vorstehenden Ausführungen zum Sachverständigen "AS19" und 

zum erhöhten Beweiswert der LINGUA-Expertisen nicht zu überzeugen. 

Dieser ist zu entnehmen, dass die angeblich fehlende Schulbildung, die 

Lebensweise der Beschwerdeführerin und die von ihr angegebene Dauer 

des Aufenthalts in der exil-tibetischen Diaspora (Nepal) und in der Schweiz 

von der sachverständigen Person nicht nur bei der Beschreibung der Bio-

grafie, sondern auch bei der Formulierung der daraus abzuleitenden Er-

wartungen nachvollziehbar berücksichtigt wurde (überdies der sogenannte 

Akkommodationseffekt, d.h. die sprachliche Anpassung an den Dialekt der 

das Interview durchführenden Person). 

6.3.7 Auch das spekulativ wirkende Vorbringen, der Dialekt der Schwester 

könnte sich durch deren Aufenthalte in einer anderen Region verändert und 

dann auf die Sprache der Beschwerdeführerin abgefärbt haben, vermag 

das Bundesverwaltungsgericht nicht zu überzeugen: Hätte ein Mitglied der 

Kernfamilie der Beschwerdeführerin tatsächlich einen stark abweichenden 

Dialekt gesprochen, hätte die Beschwerdeführerin dies wohl spätestens 

bei der Wahrung des rechtlichen Gehörs thematisiert; dies war jedoch nicht 

der Fall (vgl. SEM-act. 33/4). 

6.3.8 Die Beschwerdeführerin verfügt nach Ansicht des Bundesverwal-

tungsgerichts zwar über recht substanzielle landeskundlich-kulturelle 

Kenntnisse; sie vermag damit aber nicht zu belegen, dass sie sich bis im 

Herbst 2019 in Tibet aufgehalten hat, zumal die entsprechenden Kennt-

nisse eine zeitliche Verortung nicht zulassen und sich auch auf faktisches 

Wissen bezogen, das ausserhalb Tibets erworben werden kann.  

6.3.9 Das aus diesen Feststellungen gezogene Fazit, wonach die Be-

schwerdeführerin sehr wahrscheinlich nicht unter den behaupteten Um-

ständen in der von ihr angegebenen Region in Tibet hauptsozialisiert wor-

den sei, sondern sehr wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft 

ausserhalb Chinas, ist folglich nachvollziehbar. 

6.4 Aufgrund der Ergebnisse der LINGUA-Analyse ist den von der Be-

schwerdeführerin vorgebrachten Verfolgungsvorbringen die Glaubhaftig-

keitsgrundlage entzogen. 

E-3777/2021 

Seite 17 

6.5 Hinzu kommt, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu ihren 

angeblichen Fluchtgründen grobe Ungereimtheiten aufweisen: 

6.5.1 In der ergänzenden Anhörung vom 26. Mai 2021 gab sie zu Protokoll, 

bei der Veranstaltung im Kloster habe sie das Foto des Dalai Lama getra-

gen; eigentlich habe ihr Cousin dies tun wollen, aber schliesslich habe sie 

es dann getan. Sie seien am (…) 2019 gegen 9.00 Uhr beim Kloster ange-

kommen und gegen 10:00 Uhr habe sie das Bild des Dalai Lama beim Ein-

gang des Klosters abgeholt (vgl. SEM-act. 34/18 F7, F24). Anlässlich der 

Anhörung vom 6. April 2020 schilderte sie diesen Ablauf hingegen so: Sie 

habe neben ihrem Cousin im Kloster gesessen, als ein Lama das Portrait 

des Dalai Lama gebracht habe. Sie habe zuvor noch nie ein Bild des Da-

lai Lama gesehen gehabt und die abgebildete Person deshalb nicht er-

kannt. Der Lama habe den Cousin aufgefordert, er solle das Foto hochhal-

ten und tragen. Dieser habe aber bloss "Seine Heiligkeit" beziehungsweise 

"Seine Heiligkeit, der Dalai Lama" gestammelt (wodurch sie erst realisiert 

habe, wen das Portrait dargestellt habe). Der Cousin sei zu Tränen gerührt 

gewesen, von starken Emotionen übermannt worden und deshalb nicht in 

der Lage gewesen, mit dem Bild aufzustehen. Deshalb sei sie aufgestan-

den und habe gesagt, dass sie das Bild hochhalten und tragen werde (vgl. 

SEM-act. 17/12 F44). Diese völlig unterschiedliche Beschreibung der an-

geblichen Vorgänge ist offensichtlich nicht durch Übersetzungsprobleme 

zu erklären; es handelt sich bei der erstgenannten Version auch nicht um 

eine bloss ergänzende Beschreibung des Orts, bei dem die Beschwerde-

führerin das Bild in Empfang genommen habe (vgl. Beschwerde S. 14).  

Wie plausibel die Schilderung der damals (…)-jährigen Beschwerdeführe-

rin ist, sie habe bis zu diesem Zeitpunkt noch nie ein Bild des Dalai Lama 

gesehen gehabt, kann an dieser Stelle offenbleiben. 

6.5.2 Die Darstellung der angeblich fluchtauslösenden Erlebnisse der Be-

schwerdeführerin wirkt zwar teilweise recht detailreich, insgesamt jedoch 

stereotyp, unplausibel und konstruiert. Beispielsweise beschränkte sich 

ihre freie Schilderung, wie es ihr gelungen sei, vor den drei herannahenden 

Polizisten aus dem Kloster zu fliehen, bei der Anhörung vom 6. April 2020 

im Wesentlichen auf die folgenden Aussagen: Der Cousin habe beim An-

blick der Beamten zunächst eine Erklärung abgegeben (die nach Ansicht 

des Gerichs – in Anbetracht der angeblich äusserst dringlichen konkreten 

Situation – eigenartig ausführlich ausgefallen ist: "Er hat mir gesagt, ich 

solle unbedingt fliehen, denn es sei für mich gefährlich, weil ich diejenige 

war, die aufgefallen war. Ich habe ja schliesslich das Bild von seiner Hei-

ligkeit hochgehalten. Ich könnte aufgefallen sein. Man würde mich 

E-3777/2021 

Seite 18 

schlagen und so"). Daraufhin habe er sie weggezogen – wobei das Bild 

des Dalai Lama zu Boden gefallen sei – und sie seien dann zu seinem Auto 

gegangen und damit fortgefahren (vgl. SEM-act. 17/12 F45, S. 7 f.).  

6.5.3 Das Protokoll der ergänzenden Anhörung hält unter anderem diesen 

Wortwechsel fest: "Pouvez-vous nous décrire le déroulement, en détails, 

de cette manifestation du I._______, à ce moment-là? C’était Ie (…) 2019. 

Ça a commencé le matin à 9h00. À midi, iI y avait une pause pour le repas, 

pour tout le monde. Dans l’après-midi, cela a repris jusqu’à 16h00 […]" (vgl. 

SEM-act. 34/18 F24). Mit der Angabe der Beschwerdeführerin, diese Ver-

anstaltung sei vor Mittag polizeilich abgebrochen worden, erscheint diese 

zeitliche Darstellung der Ereignisse auf den ersten Blick in der Tat schwer 

vereinbar (vgl. angefochtene Verfügung S. 9). Das Argument, sie habe nur 

den Ablauf der Ereignisse wiedergegeben, wie er in früheren Jahren üblich 

gewesen sei (vgl. Beschwerde S. 14), vermag die ungereimt wirkenden 

Schilderungen kaum plausibel aufzulösen. Allerdings wird hier erneut auf 

die Möglichkeit sprachlicher Missverständnisse hingewiesen (vgl. a.a.O.), 

was in diesem Zusammenhang wohl nicht ganz auszuschliessen ist: Der 

bei dieser Befragung mitwirkende Übersetzer hatte zu Protokoll gegeben, 

er habe teilweise Mühe, die Beschwerdeführerin richtig zu verstehen (vgl. 

SEM-act. 34/18 F6), auch wenn sie selber angegeben hatte, ihn gut res-

pektive sehr gut zu verstehen (vgl. a.a.O. F1, F7). Angesichts der vorste-

henden Ausführungen kann die Frage der Glaubhaftigkeit dieser Schilde-

rungen – respektive die Überzeugungskraft der diesbezüglichen Unglaub-

haftigkeitsargumentation des SEM – indessen letztlich offenbleiben. 

6.6 Zusammenfassend sind hinsichtlich der durchgeführten LINGUA- 

Analyse keine Mängel auszumachen, welche deren Ergebnis in Frage stel-

len würden. Die Beschwerdeführerin hat zudem unglaubhafte Angaben zu 

ihren Fluchtgründen zu Protokoll gegeben. Vor diesem Hintergrund ist nicht 

davon auszugehen, dass sie im Herbst 2019 tatsächlich aus der angege-

benen Herkunftsregion in Tibet nach Nepal ausgereist ist.  

6.7  

6.7.1 Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter, sie sei als Flüchtling 

vorläufig aufzunehmen. Durch ihre illegale Ausreise erfülle sie die Flücht-

lingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe.  

6.7.2 Wie vorstehend dargelegt, vermochte sie weder ihre Asylgründe 

noch ihre Herkunft glaubhaft zu machen, womit auch der behaupteten  

illegalen Ausreise aus der Volksrepublik China im Herbst 2019 die Grund-

lage entzogen ist. Bei dieser Sachlage ist auch das Vorliegen von 

E-3777/2021 

Seite 19 

subjektiven Nachfluchtgründen gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen. Im Üb-

rigen hat die Vorinstanz einen Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik 

China ausdrücklich ausgeschlossen (vgl. Dispositivziffer 6 der angefochte-

nen Verfügung). 

7.  

In Übereinstimmung mit dem SEM ist somit festzustellen, dass die Be-

schwerdeführerin täuschende Angaben über ihre Herkunft zu Protokoll ge-

geben hat. In Anwendung der in BVGE 2014/12 entwickelten Recht- 

sprechung hat das SEM daher zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft ver-

neint und ihr Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-

setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen; die Untersuchungspflicht fin-

det ihre Grenzen aber an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. 

Es ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen; vielmehr hat eine asylsuchende Person, welche ihre wahre Her-

kunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen ihres Verhal-

tens zu tragen. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass keine 

flüchtlings- oder vollzugsrechtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den 

bisherigen Aufenthaltsort der Beschwerdeführerin (wobei insbesondere 

Nepal oder Indien in Betracht fallen, bestehen; vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10) 

sprechen.  

E-3777/2021 

Seite 20 

9.3 Es obliegt sodann der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als 

möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine 

Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Da ihr mit Zwischenverfü-

gung vom 27. August 2021 die unentgeltliche Prozessführung gewährt 

wurde und den Akten keine Anhaltspunkte für eine relevante Veränderung 

ihrer finanziellen Verhältnisse zu entnehmen, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

11.2 Mit derselben Verfügung wurde auch das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung gutgeheissen und Rechtsanwältin Mendoza als 

amtliche Rechtsvertreterin eingesetzt. Ihr Honorar ist angesichts der Ab-

weisung der Beschwerde durch die Gerichtskasse zu vergüten. In der  

Kostennote vom 25. August 2021 wurde ein zeitlicher Aufwand von 

13½ Honorarstunden, ein Stundenansatz von Fr. 200.– und Auslagen von 

insgesamt Fr. 86.– geltend gemacht, was angemessen respektive regle-

mentskonform erscheint. Das amtliche Honorar ist demnach auf insgesamt 

Fr. 2786.– festzusetzen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-3777/2021 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Rechtsanwältin Mendoza wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtli-

ches Honorar in der Höhe von Fr. 2786.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinin, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Karin Parpan 

 

 

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