# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fbdea44-75b9-55fe-84a6-c37cdfb35887
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.09.2014 B-8404/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-8404-2010_2014-09-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung II 

B-8404/2010 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  S e p t e m b e r  2 0 1 4  

 

Besetzung 

 
Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), 

David Aschmann und Maria Amgwerd,  

Gerichtsschreiberin Linda Kubli. 

 

 
 

Parteien 

 
SFS unimarket AG,  

Nefenstrasse 30, 9435 Heerbrugg,   

vertreten durch Rechtsanwälte  

Dr. Marcel Meinhardt und Dr. Astrid Waser,  

Lenz & Staehelin,  

Bleicherweg 58, 8027 Zürich, 

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 

 
Wettbewerbskommission WEKO,  

Monbijoustrasse 43, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Unzulässige Wettbewerbsabrede. 

 

 

B-8404/2010 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ist Vertriebshändlerin für Fenster- und Fenster-

türbeschläge der Mayer & Co Beschläge GmbH, Salzburg (Maco), in der 

Schweiz. Des Weiteren wurde die Beschwerdeführerin bis vor einiger Zeit 

von der Paul Koch AG, Wallisellen (Koch), mit Produkten der Siegenia-

Aubi AG, Uetendorf (Siegenia), beliefert, welche sie ausschliesslich in der 

Romandie an diverse Fensterverarbeiter vertrieb. Auf Kundenwunsch hin 

liefert die Beschwerdeführerin Baubeschläge für Fenster und Fenstertü-

ren auch anderer Hersteller. 

A.a  

Unter Beschläge für Fenster und Fenstertüren werden alle mechanischen 

Teile verstanden, welche Fensterflügel und -rahmen miteinander verbin-

den und die Öffnungs- und Schliessfunktion eines Fensters bzw. einer 

Fenstertüre ermöglichen. Für die Herstellung eines Beschlags werden 

vorwiegend nichtrostende metallische Stoffe wie Stahl, Zamak und Alumi-

nium eingesetzt. Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren umfassen 

sämtliche Beschlagskomponenten, die Fenster- und Fenstertüren funkti-

onsfähig machen.  

A.b  

Die führenden Hersteller von Baubeschlägen für Fenster- und Fenstertü-

ren sind die Roto Frank AG, Leinfelden-Echterdingen, Deutschland (Roto 

D), die Siegenia-Aubi KG, Wilnsdorf, Deutschland (Siegenia D), Wink-

haus GmbH und Co. KG, Telgte, Deutschland (Winkhaus), die Gretsch-

Unitas GmbH, Ditzingen, Deutschland (GU D), und Maco. Auf diese fünf 

Hersteller von Baubeschlägen entfällt nahezu der gesamte schweizeri-

sche Markt für Fenster- und Fenstertürbeschläge. Die ausländischen 

Hersteller von Baubeschlägen sind allesamt in ganz Europa am Markt tä-

tig. Neben den genannten Herstellern gibt es europaweit nur noch wenige 

weitere Hersteller von Baubeschlägen für Fenster und Fenstertüren. Die-

se sind jedoch ausserhalb der Schweiz geschäftstätig.  

Die Hersteller von Baubeschlägen (Roto D, Siegenia D, GU D, Winkhaus 

und Maco) haben den Vertrieb ihrer Produkte in der Schweiz grundsätz-

lich auf zwei verschiedene Arten organisiert: Einige vertreiben ihre Pro-

dukte über eigene, in der Schweiz domizilierte Tochtergesellschaften (Ro-

to sowie Siegenia und GU) oder über eine Zweigniederlassung (Wink-

haus); diese sog. Vertriebsgesellschaften wiederum beliefern sowohl klei-

nere Zwischenhändler als auch Fensterverarbeiter direkt. Andere Herstel-

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ler von Baubeschlägen vertreiben ihre Produkte über Schweizer Gross-

händler, insbesondere über die Beschwerdeführerin und Koch. Die 

Grosshändler wiederum beliefern sowohl kleinere Zwischenhändler als 

auch Fensterverarbeiter direkt. Diese Vertriebsform wird beispielsweise 

von Maco über die Beschwerdeführerin als Grosshändlerin praktiziert. 

Vereinzelt beliefern auch in Deutschland ansässige Zwischenhändler 

Fensterverarbeiter in der Schweiz. Zudem kommt es vor, dass Händler 

einander gegenseitig beliefern. 

Der Handel mit Baubeschlägen in der Schweiz lässt sich demnach in 

zwei Stufen unterteilen:  

 Einer ersten Stufe sind Händler (sog. Direkteinkäufer) zuzuord-

nen, welche Baubeschläge direkt von einem Hersteller beziehen 

und – entweder an einen Fensterverarbeiter oder an einen weite-

ren Händler – weiterverkaufen;  

 auf der zweiten Stufe sind diejenigen Händler einzuordnen, wel-

che die Baubeschläge von einem anderen Händler beziehen und 

weiterverkaufen (Zwischenhändler). 

A.c  

Fensterverarbeiter erhalten in der Regel Preislisten von ihren Bezugs-

quellen. Auf den darauf enthaltenen Bruttopreisen werden einzelnen 

Fensterverarbeitern jeweils Rabatte gewährt.  

Preiserhöhungen werden auf unterschiedliche Art und Weise vorgenom-

men: In der Regel wird die Preisbasis, namentlich der Einkaufspreis, er-

höht, indem Letzterer mit einem Materialteuerungszuschlag (nachfolgend: 

MTZ) versehen wird. Vereinzelt bleibt die Preisbasis unverändert, und die 

Preiserhöhung erfolgt mittels individueller, mit den einzelnen Kunden ver-

handelter Rabattanpassungen. 

A.d  

In den Jahren 2004 und 2006/2007 kam es auf Grund gestiegener Stahl-, 

Zink- und Aluminiumpreise zu Preiserhöhungen der Hersteller. 

Die Europäische Kommission sanktionierte am 28. März 2012 neun Her-

steller von Fensterbeschlägen wegen wettbewerbswidriger Abreden in 

Form einer horizontalen Preisabsprache in der Zeitspanne von November 

1999 bis Juli 2007 mit einer Geldbusse von 86 Mio. Euro. Die ausländi-

schen Hersteller von Fensterbeschlägen hatten danach auch gemeinsa-

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me Preiserhöhungen für die Schweiz beschlossen, und die lokalen Ver-

triebsgesellschaften in ganz Europa hätten ebenfalls regelmässig Kontak-

te gehabt, um den Erfolg des Kartells zu gewährleisten (vgl. Pressemittei-

lung der EU-Kommission vom 28. März 2012). 

A.e  

Mit E-Mail vom 7. September 2006 lud Koch die Beschwerdeführerin, Ro-

to, Siegenia und Winkhaus zu einem Treffen am 22. September 2006 zu 

sich nach Walisellen ein. Am Treffen vertreten waren Koch, die Be-

schwerdeführerin, Siegenia, Roto und Winkhaus. Die E-Mail enthielt den 

Betreff „Terminanfrage Umsetzung MTZ 2007“ und lautete u.a. wie folgt: 

„Bezüglich Umsetzung und Höhe sollten wir uns in der Schweiz abstim-

men, um dem internationalen Preisniveau etwas näher zu kommen.“  

A.f  

Am 10. Juli 2007 ging beim Sekretariat der Wettbewerbskommission 

(Sekretariat) eine Selbstanzeige in Form einer schriftlichen Unterneh-

menserklärung von Roto ein. Am 16. Juli 2007 eröffnete das Sekretariat 

gestützt auf diese Selbstanzeige hin eine Untersuchung gemäss Art. 27 

KG gegen die Beschwerdeführerin, Siegenia, Koch, Roto, Winkhaus, GU 

und Maco betreffend unzulässige Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 

5 KG im Bereich der Baubeschläge für Fenster, Fenstertüren und Türen. 

Das Sekretariat gab die Eröffnung der Untersuchung mittels amtlicher 

Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 30. Juli 2007 (Nr. 

145, S. 38) sowie im Bundesblatt vom 7. August 2007 (BBl 2007 6007) 

bekannt.  

Mit Schreiben vom 6. September 2007 reichte die Beschwerdeführerin 

dem Sekretariat eine Meldung im Sinne von Art. 12 Abs. 3 der Verord-

nung über die Sanktionen bei unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen 

vom 12. März 2004 (KG-Sanktionsverordnung, SVKG, SR 251.5) ein.  

Am 18. Oktober 2010 erliess die Wettbewerbskommission in der Untersu-

chung betreffend Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren eine Verfü-

gung mit folgendem Dispositiv:  

"1. Es wird festgestellt, dass die von den Untersuchungsadressaten Roto 

Frank AG, Dietikon, Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG, Telgte, Siegenia-Aubi 

AG, Uetendorf, Paul Koch AG, Wallisellen, und SFS unimarket AG, Heer-

brugg, im Jahre 2006/2007 praktizierte/getroffene Wettbewerbsabrede 

betreffend Preiserhöhungen nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 

Abs. 3 lit. a KG unzulässig ist.  

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Seite 5 

2. Es wird festgestellt, dass die von den Untersuchungsadressaten Roto 

Frank AG, Dietikon, und Siegenia-Aubi AG, Uetendorf, praktizierte/getroffene 

Wettbewerbsabrede betreffend Preiserhöhungen im Jahre 2004 nach Mass-

gabe von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 3 lit. a KG unzulässig ist.  

3. Die zwischen dem Sekretariat der Wettbewerbskommission und den Un-

tersuchungsadressaten Roto Frank AG, Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG 

und Siegenia-Aubi AG abgeschlossenen einvernehmlichen Regelungen wer-

den genehmigt im Sinne von Art. 29 Abs. 2 KG.  

4. Die Untersuchung gegen Gretsch-Unitas AG, Rüdtligen b. Kirchberg, und 

Mayer & Co. Beschläge GmbH, Salzburg, wird ohne Folgen eingestellt.  

5. Die an den unzulässigen Wettbewerbsabreden beteiligten Untersu-

chungsadressaten werden für das unter Ziffer 1 und Ziffer 2 vorstehend be-

schriebene Verhalten gestützt auf Art. 49a KG mit folgenden Beträgen be-

lastet:  

Roto Frank AG CHF 0 

SFS unimarket AG CHF 557‘200 

Siegenia-Aubi AG CHF 3‘876‘465  

Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG CHF 235‘381 

Paul Koch AG CHF 2‘957‘817 

6. Die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 718‘670 (bestehend aus einer 

Gebühr von CHF 715‘670 und Auslagen von CHF 3‘000) werden den Adres-

saten der Verfügung zu gleichen Teilen und unter solidarischer Haftung auf-

erlegt. Da die Untersuchung gegen GU und Maco eingestellt wird, geht ihr 

Anteil zu Lasten der Staatskasse. Somit werden die verbleibenden Unter-

nehmen wie folgt belastet:  

Roto Frank AG CHF 102‘667  

SFS unimarket AG CHF 102‘667  

Siegenia-Aubi AG CHF 102‘667  

Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG CHF 102‘667  

Paul Koch AG CHF 102‘667  

7. [Rechtsmittelbelehrung] 

8. [Eröffnung]" 

Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, bei der Beurteilung der Wir-

kungen der Wettbewerbsabrede sei von einem Markt für Baubeschläge 

der Art Drehkipp in der Schweiz auszugehen. 

Es sei erstellt, dass die Beschwerdeführerin sich am Treffen vom 

22. September 2006 für diesen Markt mit den weiteren dort anwesenden 

Unternehmen über die Festsetzung von (Mindest-)Preiserhöhungen ab-

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gesprochen habe. Dadurch sei die Unsicherheit des freien Wettbewerbs 

beseitigt worden, weshalb der wirksame Wettbewerb vermutungshalber 

als beseitigt gelte. Diese Vermutung werde auch nicht durch vorhandenen 

Restwettbewerb umgestossen. Innenwettbewerb bestehe nicht, da die 

am Treffen Beteiligten sich im Nachgang an dieses an die Absprache 

gehalten hätten. Aktueller Aussenwettbewerb liege ebenfalls nicht vor, da 

die an der Absprache beteiligten Unternehmen nahezu den gesamten 

Markt in der Schweiz ausmachten. Potentiell sei es theoretisch zwar mög-

lich, dass Fensterverarbeiter Drehkippbeschläge von ausländischen Zwi-

schenhändlern bezögen. Das höhere Preisniveau in der Schweiz und die 

Tatsache, dass Fensterverarbeiter Beschläge trotz tieferer Preise nicht im 

umliegenden Ausland einkauften, spreche jedoch gegen eine disziplinie-

rende Wirkung der ausländischen Händler auf den Schweizer Markt. Die 

Wettbewerbsabrede könne überdies nicht durch Effizienzgründe gerecht-

fertigt werden, weshalb von einem direkt sanktionierbaren Verstoss ge-

gen das Kartellgesetz auszugehen sei. Die Höhe der Sanktion sei für die 

Beschwerdeführerin zumutbar und die Höhe der Sanktionsreduktion auf 

Grund der Wichtigkeit der gelieferten Beweise sowie der zusätzlich einge-

reichten Informationen betreffend eines weiteren Wettbewerbsverstosses 

angemessen. 

B.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 6. Dezember 

2010 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, die 

angefochtene Verfügung sei betreffend Ziff. 1, 5 und 6 des Dispositivs 

aufzuheben, eventualiter sei die Sache vom Bundesverwaltungsgericht 

neu zu entscheiden, subeventualiter sei sie zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. Falls das Gericht in der Sache entscheide, 

sei eine Verhandlung durchzuführen. 

B.a  

In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, die Vorin-

stanz habe in ihrer Untersuchung wesentliche Verfahrensgrundsätze 

missachtet. Sie habe das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin ver-

letzt, indem sie sich mit ihren wesentlichen Vorbringen nicht oder unge-

nügend auseinandergesetzt und ihren Entscheid unzulänglich begründet 

habe. Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin Folgendes vor: Sie 

habe aufgezeigt, dass das Verhalten der Hersteller ursächlich für die 

Preiserhöhungen in der Schweiz gewesen sei und sie als Händlerin die 

ihr auferlegten Preiserhöhungen lediglich hinzunehmen gehabt habe. 

Diese Fakten habe die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung nicht berücksich-

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tigt. Zudem habe sie ausführlich dargelegt, dass sie am Treffen vom 22. 

September 2006 keinerlei Informationen ausgetauscht habe, was akten-

kundig sei (vgl. act. 2 Anlage 23). Dies habe die Vorinstanz ebenfalls 

nicht berücksichtigt, sondern diese behaupte in der Verfügung sogar das 

Gegenteil, ohne dafür irgendwelche Beweismittel vorzubringen (vgl. Ver-

fügung Rz. 113 und 215). Sie habe überdies dargelegt, dass intensiver 

Wettbewerb herrsche, was die grosse Mehrheit der Fensterverarbeiter 

bestätigt habe (vgl. Verfügung Rz. 280). Es sei nicht nachvollziehbar, wie 

die Vorinstanz dazu komme, zu behaupten, die entsprechenden Aussa-

gen unabhängiger Dritter seien „subjektiv“ und deshalb irrelevant (vgl. 

Verfügung Rz. 281 ff.). Nach ihren Schätzungen hätten ausländische 

Händler in der Schweiz einen Marktanteil von rund 8% (vgl. act. 182, Rz. 

8). Die Vorinstanz habe dieses Vorbringen, welches für die Beurteilung 

der Wettbewerbsverhältnisse von Bedeutung sei, nicht berücksichtigt (vgl. 

Verfügung Rz. 279). Nicht berücksichtigt habe die Vorinstanz zudem, 

dass Fensterverarbeiter regelmässig Offerten im Ausland einholen und 

damit Preisdruck auf die Beschwerdeführerin ausüben würden. 

Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes durch die Vorinstanz. Sie bringt vor, die Vorinstanz 

trage die Beweisführungslast für rechtserhebliche Tatsachen, d.h. für Tat-

sachen, die ihren Entscheid beeinflussen könnten, da der Untersu-

chungsgrundsatz begriffsnotwendig ausschliesse, dass eine Partei den 

Beweis selber zu führen habe. Durch die Mitwirkungspflichten der Partei-

en werde die Beweislast der Verfahrensparteien nicht beeinflusst. Da die 

sanktionierbaren Tatbestände gemäss Art. 49a Abs. 1 KG strafrechtlichen 

Charakter hätten, sei hinsichtlich des Beweismasses nur der Vollbeweis 

rechtsgenüglich. Die Verfügung beruhe auf einer mangelhaften Ermittlung 

des rechtserheblichen Sachverhalts und auf widersprüchlichen Sachver-

haltsaussagen. Besonders schwer wiege der Umstand, dass die Vorin-

stanz nur den Markt der Hersteller für Fenster und Fenstertüren unter-

sucht habe. Der Markt für den Handel mit diesen Produkten sei demge-

genüber nie Teil ihrer Abklärungen gewesen. Dennoch behaupte die Vor-

instanz, die Beschwerdeführerin habe mit ihrem Verhalten den Wettbe-

werb auf diesem Handelsmarkt beseitigt.  

B.b  

In materieller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin, die Verfügung verlet-

ze Bundesrecht, da sie keinerlei Preisinformationen mit Wettbewerbern 

ausgetauscht habe und daher auch an keinem abgestimmten Verhalten 

mit Wettbewerbern über Zeitpunkt der Ankündigung, Höhe der Preiserhö-

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hung und Umsetzungsdatum beteiligt gewesen sei. Erwiesenermassen 

bestehe kein Kausalzusammenhang zwischen der Teilnahme an der Sit-

zung vom 22. September 2006 und den von der Beschwerdeführerin im 

Laufe des Jahres 2007 vorgenommenen Preiserhöhungen. Ihre Preiser-

höhungen seien vielmehr und einzig auf die Preiserhöhungen ihrer 

Hauptlieferanten Siegenia und Maco zurückzuführen. Des Weiteren 

macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei an keiner horizontalen 

Preisabrede im Sinne von Art. 5 Abs. 3 KG beteiligt gewesen, da sie mit 

ihren Wettbewerbern weder Preise noch Preiselemente bzw. Preiskom-

ponenten vereinbart habe und sich mit Wettbewerbern auch nicht bezüg-

lich Ankündigung, Umsetzungszeitpunkt oder Höhe der Preiserhöhungen 

abgesprochen habe. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass Art. 

5 Abs. 3 KG vorliegend anwendbar wäre, hätte die Vorinstanz den Sach-

verhalt unrichtig festgestellt und Bundesrecht vor allem deshalb verletzt, 

weil im relevanten Markt, d.h. im Bereich Handel mit Drehkippbeschlä-

gen, wirksamer aktueller und potenzieller Aussenwettbewerb bestehe, 

was insbesondere die Vielzahl der in- und ausländischen Händler und der 

aggressive Presswettbewerb belegen würden. Auf dem relevanten Han-

delsmarkt bestehe ebenfalls wirksamer Innenwettbewerb, was durch die 

hohen Rabatte der Händler, die Wettbewerbsintensität, die Bedeutung der 

Wettbewerbsparameter Qualität und Innovation und die Marktdynamik be-

legt werde und auch von der befragten Marktgegenseite bestätigt worden 

sei. Der wirksame Wettbewerb als Ganzes sei weder beseitigt noch er-

heblich beeinträchtigt. Überdies würden Rechtfertigungsgründe für das 

Verhalten der Beschwerdeführerin vorliegen, welche die Vorinstanz nicht 

berücksichtigt habe. Die Beschwerdeführerin könne deshalb nicht im Sin-

ne von Art. 49a KG sanktioniert werden. Darüber hinaus wäre die ausge-

sprochene Sanktion auch deshalb nicht rechtmässig, weil die Beschwer-

deführerin kein Verschulden treffe, die Vorinstanz bezüglich der Be-

schwerdeführerin zu Unrecht von einem schweren Verstoss ausgegangen 

sei und sie weder mildernde Umstände berücksichtigt noch eine Verhält-

nismässigkeitsprüfung vorgenommen habe. 

C.  

Mit Vernehmlassung vom 28. Februar 2011 beantragt die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. In formeller Hinsicht 

macht die Vorinstanz im Wesentlichen geltend, sie habe weder den recht-

lichen Gehörsanspruch der Beschwerdeführerin noch den Untersu-

chungsgrundsatz verletzt. So seien insbesondere die Befragungen der 

Fensterverarbeiter im Sinne einer Plausibilitätsprüfung als Ergänzung zu 

den anlässlich der Hausdurchsuchungen beschlagnahmten Beweismitteln 

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und den eingereichten Selbstanzeigen vorgenommen worden; diese hät-

ten damit nicht die alleine entscheidende Grundlage für die Beurteilung 

der in Frage stehenden Wettbewerbsabreden gebildet. Materiellrechtlich 

habe sie den vorliegenden Sachverhalt entgegen der Ansicht der Be-

schwerdeführerin zu Recht als unzulässige Preisabrede gemäss Art. 5 

Abs. 3 KG qualifiziert, weshalb die Sanktionierung der Beschwerdeführe-

rin zulässig sei.  

D.  

Mit Replik vom 12. Mai und Duplik vom 11. Juli 2011 halten die Parteien 

an ihren Anträgen fest. 

Am 27. Oktober 2011 fand eine Instruktionsverhandlung statt. Die schrift-

liche Ergänzung zur Beantwortung der anlässlich der Verhandlung ge-

stellten Fragen erfolgte seitens der Vorinstanz am 30. November 2011 

und seitens der Beschwerdeführerin am 16. Januar 2012. Die Parteien 

halten an ihren Anträgen fest.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. Prozessvoraussetzungen 

1.1 Die Verfügung der Vorinstanz vom 18. Oktober 2010 ist eine Verfü-

gung im Sinne von  Art. 5 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 

vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das Bundesverwaltungs-

gericht, das gemäss Art. 31 VGG als Beschwerdeinstanz Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG beurteilt, ist nach Art. 33 Bst. f 

VGG für die Behandlung der vorliegenden Streitsache zuständig, zumal 

keine Ausnahme nach Art. 32 VGG greift. 

1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen und ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt. 

Sie hat zudem ein als schutzwürdig anzuerkennendes Interesse an deren 

Aufhebung oder Änderung, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Ihre Vertreter haben sich rechtsgenüglich durch 

Vollmacht ausgewiesen (Art. 11 Abs. 2 VwVG). Die Eingabefrist sowie die 

Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt 

(Art. 50 und 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde fristgemäss 

bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

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2. Persönlicher Anwendungsbereich 

2.1 Das Kartellgesetz vom 6. Oktober 1995 (KG, SR 251) bezweckt, 

volkswirtschaftlich oder sozial schädliche Auswirkungen von Kartellen und 

anderen Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern und damit den 

Wettbewerb im Interesse einer freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ord-

nung zu fördern (Art. 1 KG).  

2.2 Das Kartellgesetz gilt für Unternehmen des privaten und des öffentli-

chen Rechts, die Kartell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, 

Marktmacht ausüben oder sich an Unternehmenszusammenschlüssen 

beteiligen (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen gelten sämtliche Nachfra-

ger oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen im Wirtschaftspro-

zess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 Abs. 

1
bis

 KG). Es werden alle Formen unternehmerischer Tätigkeit erfasst, so-

weit sich daraus eine Wettbewerbsbeschränkung ergeben kann (vgl. Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. Juni 2010, B-420/2008, E.3). 

2.3 Die Beschwerdeführerin ist eine schweizerische Aktiengesellschaft 

und damit als Unternehmen im kartellrechtlichen Sinne gemäss Art. 2 

Abs. 1
bis

 KG zu qualifizieren.  

3. Formelle Rügen 

In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin Verletzungen ihres An-

spruchs auf rechtliches Gehör und des Untersuchungsgrundsatzes. 

3.1 Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs 

a)   Vorbringen der Vorinstanz 

3.1.1 Die Vorinstanz macht geltend, sie habe sich mit dem Argument, 

dass die Beschwerdeführerin keine preisrelevanten Informationen ausge-

tauscht habe, eingehend auseinandergesetzt (vgl. Vernehmlassung, Rz. 

46; Verfügung, Rz. 173 ff.). Dass gewisse, teilweise unbelegte Behaup-

tungen der Beschwerdeführerin den Entscheid der Vorinstanz nicht zu 

Gunsten der Beschwerdeführerin hätten ändern können, sei nicht mit ei-

ner Verletzung des rechtlichen Gehörs gleichzusetzen. 

b)   Vorbringen der Beschwerdeführerin 

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Seite 11 

3.1.2 Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor, die Vorinstanz 

habe sich mit wesentlichen Vorbringen nicht oder nur ungenügend ausei-

nandergesetzt und ihren Entscheid unzulänglich begründet. So habe sie 

aufgezeigt, dass die von ihr durchgeführten Preiserhöhungen wegen 

des Verhaltens ihrer Hersteller wirtschaftlich notwendig und am Treffen 

vom 22. September 2006 nicht abgesprochen worden seien. Es seien 

bei diesem Anlass auch keinerlei Informationen ausgetauscht worden. 

Die Mehrheit der Fensterverarbeiter habe bestätigt, dass intensiver 

Wettbewerb bestehe, der durch den Marktanteil ausländischer Händler 

von 8% zusätzlich verstärkt würde. Zudem würden die Fensterverar-

beiter durch das Einholen von Offerten aus dem Ausland zusätzlichen 

Preisdruck ausüben.  

c)   Würdigung des Gerichts  

3.1.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2 

der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. 

April 1999 (BV; SR 101) und verleiht den von einem zu treffenden Ent-

scheid Betroffenen verschiedene Mitwirkungsrechte. So umfasst das 

rechtliche Gehör den Anspruch auf Orientierung und Begründung, das 

Recht auf Akteneinsicht (Art. 26 ff. VwVG), auf vorgängige Stellungnahme 

und Anhörung (Art. 30 VwVG), auf Mitwirkung bei der Feststellung des 

Sachverhalts (Art. 12 ff. VwVG) sowie auf ernsthafte Prüfung der Vorbrin-

gen durch die Behörde und deren Berücksichtigung in der Entscheidfin-

dung (Art. 32 VwVG; vgl. statt vieler BGE 135 II 286 E. 5.1, sowie Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts B-2050/2007 vom 24. Februar 2010, 

Swisscom, E. 6.1, jeweils mit weiteren Hinweisen; ALFRED KÖLZ/ISABELLE 

HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 173 ff.). Um den Betroffe-

nen eine Stellungnahme vor Erlass der Verfügung zu ermöglichen, muss 

ihnen die Verwaltungsbehörde den voraussichtlichen Inhalt der Verfü-

gung, zumindest ihre wesentlichen Elemente, bekannt geben (vgl. ULRICH 

HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rn. 1681). Im Kartellverwaltungsverfah-

ren wird der Anspruch auf rechtliches Gehör durch Art. 30 Abs. 2 KG inso-

fern erweitert, als die Verfahrensbeteiligten schriftlich zum Antrag des 

Sekretariats Stellung nehmen können, bevor die Wettbewerbskommission 

ihren Entscheid trifft (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.492/2002 vom 17. 

Juni 2003, Elektra Baselland, E. 3.4). Wie das Bundesgericht festgestellt 

hat, beschränkt sich der Gehörsanspruch auf rechtserhebliche Sachfra-

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Seite 12 

gen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.492/2002 vom 17. Juni 2003, 

Elektra Baselland, E. 3.2.3). 

3.1.4 Des Weiteren soll gewährleistet werden, dass der Entscheid auf al-

le wesentlichen Elemente abgestützt und entsprechend nachvollziehbar 

begründet wird (vgl. Entscheid der REKO/WEF FB/2004-4 vom 4. Mai 

2006, 20 Minuten, E. 4.1, veröffentlicht in: RPW 2006/2, S. 347 ff., bestä-

tigt durch das Urteil des Bundesgerichts 2A.327/2006 vom 22. Februar 

2007, 20 Minuten). Die Begründung eines Entscheids darf sich auf dieje-

nigen Aspekte beschränken, welche die Behörde willkürfrei als wesentlich 

betrachtet. Sie muss aber darlegen, weshalb sie vorgebrachte Partei-

standpunkte für nicht erheblich, unrichtig oder allenfalls unzulässig hält 

(vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-2612/2011 vom 2. Juli 2013 

E. 4.3.1; Entscheid der REKO/WEF FB/1999-7 vom 4. November 1999, 

Cablecom-Headends, E. 4.3, veröffentlicht in: RPW 1999/4, S. 618 ff.; 

MICHELE ALBERTINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches 

Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 

369, 404). Je grösser der Spielraum ist, welcher der Behörde infolge Er-

messens oder unbestimmter Rechtsbegriffe eingeräumt wird, und je stär-

ker der Entscheid in die individuellen Rechte einer Partei eingreift, desto 

höhere Anforderungen sind an die Prüfungs- und Begründungsdichte zu 

stellen (vgl. BGE 112 Ia 107 E. 2b S. 110). 

3.1.5 Nach vorgängig angekündigter voller Kooperationsbereitschaft 

reichte die Beschwerdeführerin dem Sekretariat mit Datum vom 6. Sep-

tember 2007 eine Meldung im Sinne von Art. 12 Abs. 3 SVKG samt Bei-

lagen ein (act. 28 und 31). Mit Schreiben vom 30. April 2010 reichte die 

Beschwerdeführerin ihre Stellungnahme zum ersten Verfügungsentwurf 

des Sekretariats vom 11. Februar 2010 ein. Zum überarbeiteten Verfü-

gungsantrag des Sekretariats vom 14. Juli 2010 nahm die Beschwerde-

führerin mit Schreiben vom 30. August 2010 Stellung. Am 20. September 

2010 wurde die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz angehört. Folg-

lich ist vorliegend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin hinreichend 

Gelegenheit hatte, ihre Vorbringen vor der Vorinstanz geltend zu machen. 

3.1.6 Des Weiteren ist festzustellen, dass die Rügen der Beschwerdefüh-

rerin, die Vorinstanz habe ihre Vorbringen nicht berücksichtigt oder sich 

nicht objektiv und ernsthaft mit ihnen befasst, in der Hauptsache die 

rechtliche Würdigung der Sache durch die Vorinstanz beschlagen. Diese 

mag zu einem anderen als dem von der Beschwerdeführerin beantragten 

Ergebnis geführt haben. Die Rechtmässigkeit dieser abweichenden 

B-8404/2010 

Seite 13 

Rechtsauffassung stellt jedoch keine Frage des Gehörsanspruchs dar. 

Vielmehr geht es dabei um die im Folgenden zu behandelnden materiel-

len Fragen (vgl. unten E. 5). 

3.1.7 Folglich ist die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs abzu-

weisen.  

3.2 Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes  

a)   Vorbringen der Vorinstanz 

3.2.1 Die Vorinstanz macht im Wesentlichen geltend, sie habe die Befra-

gungen von Fensterverarbeitern in erster Linie zur Klärung verschiedener 

Fragen rund um die Markt- und Wettbewerbsverhältnisse sowie betref-

fend die Auswirkungen der Preiserhöhungen vorgenommen. Diese Befra-

gungen seien als Ergänzung zu den Selbstanzeigen von Roto und der 

Beschwerdeführerin sowie insbesondere auch zu den anlässlich der 

Hausdurchsuchungen beschlagnahmten Beweismitteln vorgenommen 

worden. Die Befragungen seien primär im Sinne einer Plausibilitätsprü-

fung erfolgt und hätten nicht die Grundlage für die Beurteilung der in Fra-

ge stehenden Wettbewerbsabrede gebildet (vgl. Vernehmlassung, Rz. 

47). 

3.2.2 Zum Einwand der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz hätte einen 

weiteren Kreis zu den Wettbewerbsverhältnissen befragen müssen, 

macht die Vorinstanz geltend, es wäre nicht verhältnismässig gewesen, 

im vorliegenden Fall sämtliche, in der Schweiz tätigen Fensterverarbeiter 

zu befragen. Die Vornahme einer Stichprobe sei deshalb angezeigt ge-

wesen und entspreche im Übrigen auch dem Vorgehen in wissenschaftli-

chen Befragungen. Was die Befragung ausländischer Händler angehe, so 

gelte es zu berücksichtigen, dass mangels entsprechender Rechtshilfe-

abkommen die Einholung von Informationen weder gewährleistet noch er-

folgversprechend sei, da solche Händler keiner Auskunftspflicht unterste-

hen würden. Zudem zeige die bisherige Praxis der Vorinstanz, dass die 

Rücklaufquote von Befragungen ausländischer Unternehmen von sehr 

bescheidenem Erfolg gekrönt sei. 

b)   Vorbringen der Beschwerdeführerin 

3.2.3 Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor, die Vorinstanz 

habe den relevanten Sachverhalt verschiedentlich nicht rechtsgenüglich 

untersucht. So habe sie lediglich 13.75% der Marktgegenseite befragt. 

B-8404/2010 

Seite 14 

Sie habe auch keinen einzigen ausländischen Zwischenhändler über sei-

ne Vertriebsaktivitäten in der Schweiz befragt, obwohl diese einen starken 

Wettbewerbsdruck auf die Schweiz ausgeübt hätten. Die Vorinstanz ver-

menge horizontale und vertikale Geschäftsverhältnisse und nehme keine 

Prüfung der Wettbewerbsverhältnisse auf Handelsstufe vor. Des Weiteren 

prüfe die Vorinstanz die Erheblichkeit nicht, sondern behaupte lediglich in 

aktenwidriger Weise, dass die Beschwerdeführerin die abgesprochenen 

Preiserhöhungen umgesetzt habe. Schliesslich habe die Vorinstanz den 

relevanten Sachverhalt verschiedentlich widersprüchlich beurteilt. Da der 

Untersuchungsgrundsatz begriffsnotwendig ausschliesse, dass eine Par-

tei den Beweis zu führen habe, trage die Vorinstanz die Beweisführungs-

last für rechtserhebliche Tatsachen. Durch die Mitwirkungspflichten der 

Parteien werde die Beweislast nicht beeinflusst. Zudem sei als Beweis-

mass nur der Vollbeweis rechtsgenüglich, da die sanktionierbaren Tatbe-

stände gemäss Art. 49a Abs. 1 KG strafrechtlichen Charakter hätten. 

c)   Würdigung des Gerichts 

3.2.4 Bezüglich der Beweisführung ist festzuhalten, dass ein Verstoss 

gegen das Kartellgesetz gemäss der auch im Kartellverfahren anwendba-

ren Untersuchungsmaxime grundsätzlich durch die Behörden zu untersu-

chen ist (Art. 39 f. KG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl. Entscheid der REKO/WEF 

FB/2005-4 vom 11. Juli 2006, Buchpreisbindung, E. 6.1, veröffentlicht in: 

RPW 2006/3, S. 548 ff.). Dies bedeutet, dass die Wettbewerbsbehörde 

für die Beschaffung der Entscheidungsgrundlagen verantwortlich ist, allen 

relevanten Tatsachen nachzugehen hat und dass sie sich nicht auf die 

Aussagen, Informationen und Beweismittel von Verfahrensbeteiligten be-

schränken darf. Sie muss vielmehr aus eigener Initiative erforderliche 

Sachverhaltselemente aufklären. Dies gilt sowohl für den Nachweis von 

unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen als auch für Elemente, wel-

che deren Rechtfertigung ermöglichen (Art. 5 Abs. 2 bis 4 KG). Sie hat 

die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen richtig 

und vollständig abzuklären, wobei die Parteien gestützt auf Art. 13 VwVG 

eine Mitwirkungspflicht trifft. Als rechtserheblich gelten alle Tatsachen, 

welche den Ausgang der Entscheidung beeinflussen können (vgl. BGE 

117 V 282 E. 4a; Entscheid der REKO/WEF FB/2004-1 vom 27. Septem-

ber 2005, Ticketcorner, E. 5.1, veröffentlicht in: RPW 2005/4, S. 672 ff.).  

3.2.5 Es ist festzustellen, dass die Rügen der Beschwerdeführerin betref-

fend Verletzung der Untersuchungsmaxime einen engen Bezug zum In-

halt der angefochtenen Verfügung aufweisen. Sofern die Rügen im Hin-

B-8404/2010 

Seite 15 

blick auf den Ausgang des vorliegenden Verfahrens von Bedeutung sind, 

werden sie daher ebenfalls als materielle Fragestellungen im Zusam-

menhang mit der Rechtmässigkeit der Verfügung behandelt (vgl. Ent-

scheid der REKO/WEF FB/2004-4 vom 4. Mai 2006, 20 Minuten, E. 4.3, 

veröffentlicht in: RPW 2006/2, S. 347 ff., bestätigt durch das Urteil des 

Bundesgerichts 2A.327/2006 vom 22. Februar 2007, veröffentlicht in: 

RPW 2007/2, S. 331 ff.). 

4. Zulässigkeit der Beschwerde bei Vorliegen einer Selbstanzeige  

a) Vorbringen der Vorinstanz 

4.1 Die Vorinstanz wertet die nachträglich zur Selbstanzeige eingereichte 

Beschwerde als widersprüchliches Verhalten der Beschwerdeführerin. 

Die Beschwerdeführerin bestreite in ihrer Beschwerde nicht nur ihre Be-

teiligung an einer unzulässigen Wettbewerbsabrede im Sinne von  Art. 5 

Abs. 3 KG, sondern überhaupt das Vorliegen einer Abrede im Sinne von  

Art. 4 Abs. 1 KG. Dies stehe im Widerspruch zur Tatsache, dass die Be-

schwerdeführerin eine Selbstanzeige eingereicht habe, denn nach An-

sicht der Vorinstanz sei die Beschwerdeführerin damit zumindest davon 

ausgegangen, an einer unzulässigen Wettbewerbsabrede beteiligt gewe-

sen zu sein. Dass die Beschwerdeführerin sogar das Vorliegen einer  

hinsichtlich der wettbewerbsrechtlichen Zulässigkeit nichts aussagenden 

 Wettbewerbsabrede im Sinne von  Art. 4 Abs. 1 KG vehement bestreite, 

sei als widersprüchliches Verhalten (sog. venire contra factum proprium) 

zu bezeichnen. Dies komme einem nachträglichen Rückzug ihrer Selbst-

anzeige gleich. Folglich müsse der Beschwerdeführerin infolge Wegfalls 

der entsprechenden Voraussetzung im Rahmen des Beschwerdeverfah-

rens die gewährte Reduktion von 60% bei der Sanktionsberechnung voll-

ständig entzogen werden (vgl. Vernehmlassung Rz. 7 ff.). 

b) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

4.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Replik vom 12. Mai 2011 dem-

gegenüber im Wesentlichen geltend, die Vorbringen der Vorinstanz seien 

in der Sache falsch und rechtlich nicht haltbar. Entgegen der Behauptung 

der Vorinstanz habe die Beschwerdeführerin den von ihr dargelegten 

Sachverhalt nie und schon gar nicht im Beschwerdeverfahren bestritten. 

Ein venire contra factum proprium oder ein Widerruf der Fakten liege 

deshalb nicht vor. Die Beschwerdeführerin habe zu keinem Zeitpunkt be-

hauptet, nicht am Treffen vom 22. September 2006 teilgenommen zu ha-

B-8404/2010 

Seite 16 

ben (vgl. Replik Rz. 8 ff.). Strittig sei einzig die rechtliche Würdigung der 

Fakten.        

4.3 Die Voraussetzungen für eine Sanktionsreduktion in der Höhe von 

60% seien nach wie vor erfüllt. Der Sachverhalt, welcher der Sanktions-

reduktion zu Grunde liege, habe sich mit Einreichung der Beschwerde 

nicht verändert (vgl. Replik Rz. 12 ff.). 

4.4 Eine abschliessende rechtliche Qualifikation des gemeldeten Sach-

verhalts und ein Schuldeingeständnis seien entgegen den Behauptungen 

der Vorinstanz keine Voraussetzungen für eine Selbstanzeige (vgl. Replik 

Rz. 16 ff.). Die Beschwerdeführerin sei im Übrigen bereits im Rahmen 

des Verfahrens vor der Vorinstanz in allen ihren Stellungnahmen und der 

Anhörung selbst stets von der gleichen rechtlichen Würdigung des Sach-

verhalts ausgegangen. Die Vorinstanz habe damit die rechtliche Argu-

mentation der Beschwerdeführerin bereits vor Erlass der angefochtenen 

Verfügung in allen Einzelheiten gekannt. Das sei unbestritten. Weshalb 

nun einzig aufgrund der Beschwerde die Sanktionsreduktion entzogen 

werden sollte, sei nicht nachvollziehbar. 

4.5 Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, faktisch käme es dem 

Entzug des Grundrechts auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz gleich, 

falls eine Beschwerde allein dazu führen könnte, dass dem beschwerde-

führenden Unternehmen die Möglichkeit einer Sanktionsreduktion entzo-

gen würde (vgl. Replik Rz. 26 ff.). 

c) Würdigung des Gerichts 

4.6 Im vorliegenden Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass im 

Umstand, dass eine Verfahrenspartei im Rahmen einer Selbstanzeige mit 

der Vorinstanz kooperiert und anschliessend die rechtliche Würdigung 

des Sachverhalts mit einer Beschwerde bestreitet, grundsätzlich kein wi-

dersprüchliches Verhalten zu sehen ist. Würde nämlich das Verhalten der 

Beschwerdeführerin als nachträglicher Rückzug der Selbstanzeige ge-

wertet werden, so müsste im vorliegenden Verfahren überdies der Frage 

Beachtung geschenkt werden, ob der Wegfall der Grundlage für eine 

Sanktionsreduktion auch einen Einfluss auf die ungehinderte Verwertbar-

keit der anlässlich der Selbstanzeige erlangten Informationen und einge-

reichten Beweismittel haben könnte.  

4.7 Nach Ansicht der Vorinstanz müsste der Beschwerdeführerin die ur-

sprünglich gewährte Sanktionsreduktion bei der Sanktionsbemessung 

B-8404/2010 

Seite 17 

aufgrund des Wegfalls der Grundlage entzogen werden. Dennoch stützt 

sie sich im weiteren Verlauf dieses Verfahrens auf die Selbstanzeigen der 

Untersuchungsadressaten und qualifiziert diese folglich als taugliche Be-

weismittel. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Beweiswert der 

Fragebogen weist sie darauf hin, dass die Fragebogen im Sinne einer 

Plausibilitätsprüfung anzusehen seien und die Würdigung des Sachver-

halts sich auch auf weitere Beweismittel stütze, u.a. auf die eingereichten 

Selbstanzeigen. Dass die Vorinstanz den Selbstanzeigen sowohl der Be-

schwerdeführerin als auch der übrigen Untersuchungsadressaten aber 

keineswegs eine nur untergeordnete Bedeutung bei der Beweiswürdi-

gung beimisst, wird aufgrund ihrer Ausführungen zum Untersuchungs-

grundsatz in ihrer Duplik vom 12. Mai 2011 ersichtlich. Als nämlich die 

Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde im Zusammenhang mit der Be-

fragung der Fensterverarbeiter u.a. vorbringt, dass zur Beurteilung der 

Wettbewerbsverhältnisse die Befragung von 55 und damit lediglich 

13.75% aller Fensterverarbeiter in der Schweiz insbesondere dann nicht 

genüge, wenn die Vorinstanz die Antworten der Fensterverarbeiter als 

„strategisch“ erachte und aus diesem Grund nicht berücksichtige (vgl. 

Beschwerde Rz. 61), wendet die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 

28. Februar 2011 u.a. ein, es wäre nicht verhältnismässig gewesen, im 

vorliegenden Verfahren sämtliche in der Schweiz tätigen Fensterverarbei-

ter zu befragen (vgl. Vernehmlassung Rz. 47). Präzisierend führt sie in 

diesem Zusammenhang aus, dass im vorliegenden Verfahren drei 

Selbstanzeigen vorliegen würden. Selbstanzeigende Unternehmen seien 

dazu verpflichtet, bei der Aufdeckung unzulässiger Wettbewerbsabreden 

unaufgefordert und uneingeschränkt mitzuwirken. Nach Ansicht der Vor-

instanz konnte und durfte sie sich aufgrund dessen bis zu einem gewis-

sen Grad auf die Informationen, die von den selbstanzeigenden Unter-

nehmen eingereicht worden sind, verlassen (vgl. Duplik Rz. 29).  

4.8 Diese Vorgehensweise der Vorinstanz wirft die Frage auf, ob darin 

dann ein inkonsistentes Verhalten erblickt werden könnte, wenn die 

Selbstanzeige als Grundlage im Zusammenhang mit der Gewährung ei-

ner Sanktionsreduktion als weggefallen gewertet wird, in der Folge aber 

gleichwohl ohne Einschränkung Eingang in die Beweiswürdigung findet. 

4.9 Das Gericht erachtet es als zulässig, wenn eine Verfahrenspartei im 

Rahmen einer Selbstanzeige mit der Vorinstanz kooperiert und an-

schliessend die rechtliche Würdigung des Sachverhalts mit einer Be-

schwerde bestreitet. Folglich besteht kein Anlass, die Frage der Zulässig-

keit der Verwertung einer von der Vorinstanz als nachträglich zurückge-

B-8404/2010 

Seite 18 

zogen qualifizierten Selbstanzeige im Rahmen der Beweiswürdigung zu 

verneinen. Die Kooperationsbereitschaft einer Partei darf nicht per se als 

Schuldeingeständnis gewertet werden, und das Einreichen einer Selbst-

anzeige hat auf die Verteidigungsrechte der Partei grundsätzlich keinen 

Einfluss. Die im Rahmen der Selbstanzeige der Wettbewerbsbehörde ge-

lieferten Informationen und Beweismittel beziehen sich vielmehr lediglich 

auf den Sachverhalt. Die rechtliche Würdigung eines angezeigten Sach-

verhalts ist deshalb nicht Gegenstand der anlässlich der Selbstanzeige 

gemachten Sachverhaltsdarstellung. Denn mit dem Anspruch auf rechtli-

ches Gehör und der Rechtsweggarantie nicht vereinbar wäre der Verzicht 

auf die Einlegung eines Rechtsmittels vor Erlass der in Frage stehenden 

Verfügung. „Mitwirken“ im Sinne von Art. 49a Abs. 2 KG darf daher nicht 

ausschliessen, dass zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens eine di-

vergierende Rechtsauffassung vertreten wird. Folglich kann die rechtliche 

Bewertung mittels Beschwerde angefochten werden.  

5. Vorliegen einer Wettbewerbsabrede  

5.1 Ausgangslage 

5.1.1 Als Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG gelten 

rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinbarungen sowie auf-

einander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder 

verschiedener Marktstufen, die eine Wettbewerbsbeschränkung be-

zwecken oder bewirken.  

5.1.2 Mittels einer Wettbewerbsabrede verzichten Unternehmen auf ihre 

aus dem Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) fliessende unter-

nehmerische Handlungsfreiheit, ihre eigene Wettbewerbsposition im In-

nen- oder Aussenwettbewerb festzulegen (vgl. BGE 129 II 18, 24 E. 5.1; 

MARC AMSTUTZ/BLAISE CARRON/MANI REINERT, in: Vincent Marte-

net/Christian Bovet/Pierre Tercier [Hrsg.], Commentaire Romand, Droit de 

la concurrence, Basel 2013, Art. 4 Abs. 1 Rn. 11 ff., 71 ff.; THOMAS NY-

DEGGER/WERNER NADIG, in: Amstutz Marc/Reinert Mani [Hrsg.], Basler 

Kommentar zum Kartellgesetz, Basel 2010, Art. 4 Abs. 1 Rn. 51 ff.).  

5.1.3 Von einem solchen Verzicht erfasst wird jedes Marktverhalten, mit 

welchem sich zwei oder mehrere Unternehmen auf dem Markt gegenüber 

stehen, sei es als Konkurrenten auf horizontaler oder als Anbieter und 

Nachfrager auf vertikaler Ebene (vgl. AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., 

Art. 4 Abs. 1 Rn. 102 ff.). Von Bedeutung ist, dass der Verzicht und somit 

B-8404/2010 

Seite 19 

auch die Wettbewerbsabrede auf einem Konsens beruhen, d.h. auf einem 

bewussten und gewollten Zusammenwirken von zwei oder mehreren be-

teiligten Unternehmen (vgl. NYDEGGER/NADIG, a.a.O., Art. 4 Abs. 1 Rn. 52 

ff.). 

5.1.4 Aufgrund der vorhandenen Beweismittel und der Stellungnahmen 

der Untersuchungsadressaten erachtet es die Vorinstanz für beweismäs-

sig erstellt, dass die Beschwerdeführerin sich zusammen mit Siegenia, 

Roto, Koch und Winkhaus am Treffen vom 22. September 2006 in Wallis-

ellen über Preiserhöhungen ausgetauscht und dabei insbesondere die 

Höhe und das Datum der Umsetzung untereinander koordiniert hätten. 

Gestützt darauf geht die Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht von einer 

beweismässig erstellten einmaligen Absprache zwischen der Beschwer-

deführerin, Roto, Siegenia, Koch und Winkhaus über Preiserhöhungen im 

Jahre 2006/2007 aus. 

5.1.5 In rechtlicher Hinsicht qualifiziert die Vorinstanz diese Absprache als 

Abrede über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen gemäss 

Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG. Diese Form der Abrede setzt voraus, dass sie 

zwischen Unternehmen getroffen wird, die tatsächlich oder der Möglich-

keit nach miteinander im Wettbewerb stehen. Es bedarf somit einer hori-

zontalen Wettbewerbsabrede. Das Gericht stellt fest, dass die Verfügung 

der Vorinstanz sich trotz offensichtlich vorhandener Anhaltspunkte im 

Sachverhalt für das Vorliegen einer vertikalen Wettbewerbsbeschränkung 

in Form einer Preisvorgabe bzw. einer Preisbindung der zweiten Hand 

gleichwohl ausschliesslich auf eine horizontale Preisabsprache bezieht; 

auf vertikale Wettbewerbsbeschränkungen wird nicht eingegangen. 

Überdies ist die Durchsetzung des horizontalen Kartells der Hersteller auf 

EU-Ebene in der Schweiz nicht näher untersucht worden, obwohl hierfür 

aufgrund des Wettbewerbsverfahrens der EU-Kommission mehrere An-

haltspunkte bestanden haben, die eine nähere Untersuchung und Einbe-

ziehung in die Analyse der Wettbewerbsbeschränkungen nahe gelegt hät-

ten.  

5.1.6 Gemäss Art. 5 Abs. 1 KG sind Abreden, die den Wettbewerb auf ei-

nem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen erheblich beeinträchti-

gen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-

gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs 

führen, unzulässig. Entscheidendes Kriterium für die Beurteilung der Un-

zulässigkeit einer Wettbewerbsbeschränkung ist in erster Linie die durch 

diese tatsächlich hervorgerufene Beeinträchtigung des Wettbewerbs (vgl. 

B-8404/2010 

Seite 20 

PATRICK L. KRAUSKOPF/OLIVIER SCHALLER, in: Amstutz/Reinert (Hrsg.), 

Basler Kommentar zum Kartellgesetz, Basel 2010, Art. 5 Rn. 3, mit weite-

ren Hinweisen).  

5.1.7 Die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs wird gemäss Art. 5 Abs. 3 

Bst. a KG bei Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von 

Preisen vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, 

die tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb ste-

hen. Kann diese Vermutung durch den Nachweis von Restwettbewerb auf 

dem fraglichen Markt umgestossen werden, bleibt zu prüfen, ob die frag-

liche Abrede den Wettbewerb erheblich beeinträchtigt (vgl. 

AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., Art. 5 Rn. 371 ff, 395 ff.; KRAUSKOPF/ 

SCHALLER, a.a.O., Art. 5 Rn. 9). 

5.1.8 Die Vermutungsbasis von Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG ist erfüllt, wenn ei-

ne Preisabrede zwischen Konkurrenten vorliegt. Vorausgesetzt ist eine 

horizontale Abrede zwischen Unternehmen, die tatsächlich oder der Mög-

lichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen (vgl. 

AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., Art. 5 Rn. 380 ff.; KRAUS-

KOPF/SCHALLER, a.a.O., Art. 5 Rn. 364 ff.). 

5.2 Horizontale Wettbewerbsabrede 

Für die Untersuchung einer horizontalen Preisabsprache stellt sich somit 

die Frage, ob sowohl die Beschwerdeführerin als auch Koch als wirt-

schaftlich selbständige Zwischenhändler einerseits und die vertikal integ-

rierten Tochtergesellschaften andererseits auf derselben Marktstufe tätig 

sind, d.h. ob sie als Konkurrenten zu qualifizieren sind.  

Nachfolgend ist daher als Erstes zu prüfen, ob die Vorinstanz der Struktur 

des untersuchten Markts hinreichend Rechnung getragen hat.  

a) Vorbringen der Vorinstanz 

5.2.1 Die Vorinstanz vertritt die Ansicht, die Untersuchungsadressaten 

hätten sich als Vertriebsgesellschaften und grosse Zwischenhändler in 

einem insgesamt horizontalen Verhältnis als Konkurrenten gegenüber 

gestanden. Auch wenn sich die Untersuchungsadressaten teilweise ge-

genseitig beliefern würden, was auf einen zusätzlichen vertikalen Aspekt 

der Beziehungen hindeute, sei das Verhältnis doch insgesamt als ein ho-

rizontales zu qualifizieren (vgl. Verfügung Rz. 188; Vernehmlassung Rz. 

38 ff.). 

B-8404/2010 

Seite 21 

5.2.2 In ihrer Vernehmlassung vom 28. Februar 2011 weist die Vorinstanz 

die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie sei auf einer anderen Markt-

stufe tätig als die übrigen Untersuchungsadressaten, vollumfänglich zu-

rück und hält demzufolge an den Feststellungen in ihrer Verfügung fest.  

5.2.3 Bereits im Rahmen des Untersuchungsverfahrens habe die Be-

schwerdeführerin vorgebracht, es handle sich vorliegend nicht um eine 

Abrede von Unternehmen gleicher Marktstufe. Als Grosshändlerin sei sie 

nicht auf derselben Marktstufe tätig wie die Vertriebsgesellschaften der 

ausländischen Hersteller.  

5.2.4 Nach Ansicht der Vorinstanz stösst dieses Vorbringen indes ins Lee-

re. Nach ihr ist einzig entscheidend, dass Roto, Siegenia, GU und Wink-

haus keine Produkte in der Schweiz herstellten, sondern diese lediglich 

vertreiben würden und damit genau dasselbe täten wie die Beschwerde-

führerin und Koch. Die Vorinstanz weist in diesem Zusammenhang so-

dann darauf hin, dass sich auch verschiedene Untersuchungsadressaten 

in diesem Sinne geäussert hätten. Roto und Siegenia hätten ausgesagt, 

dass die Vertriebsgesellschaften in der Schweiz eigentlich eine Händler-

funktion ausüben würden (vgl. act. 355, S. 6, 15, 37). Mehrere der Unter-

suchungsadressaten seien zudem der Ansicht, dass alle am Treffen vom 

22. September 2006 anwesenden Unternehmen ähnliche Interessen ge-

habt hätten (vgl. act. 355, S. 6, 8, 11; Verfügung Rz. 105, 188).  

5.2.5 Die Vorinstanz weist darauf hin, die Vertriebssysteme der ausländi-

schen Hersteller differenzierten einzig danach, ob sie über eine eigene 

Vertriebsgesellschaft oder eine grosse Zwischenhändlerin organisiert sei-

en. Zwar treffe es zu, dass die Beschwerdeführerin zu Maco und Koch zu 

Siegenia über ein besonderes und enges Verhältnis verfügten, das über 

eine gewöhnliche Lieferbeziehung hinausgehe. Dass sich die Beschwer-

deführerin und Koch jedoch auch mit Roto und Winkhaus sowie mit Roto, 

Winkhaus und Siegenia ausgetauscht hätten, spreche dafür, dass das 

Verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und Koch zu den übrigen 

Untersuchungsadressaten gesamthaft betrachtet als ein horizontales zu 

qualifizieren sei (vgl. Verfügung Rz. 188).  

5.2.6 Zwar hält die Vorinstanz fest, der Einwand der Beschwerdeführerin, 

dass die Preiserhöhung gegen ihren Willen erfolgt und sie folglich ge-

zwungen gewesen sei, die Preiserhöhung weiterzugeben, möge grund-

sätzlich zutreffend sein. Dies ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass 

die Beschwerdeführerin und Koch am Treffen teilgenommen und sich da-

B-8404/2010 

Seite 22 

bei über Preiserhöhungen untereinander und mit den übrigen drei Teil-

nehmern ausgetauscht hätten. Massgeblich sei einzig, dass die Be-

schwerdeführerin die Preiserhöhungen, wie am Treffen vom 22. Septem-

ber 2006 vereinbart, ihren Kunden gegenüber kommuniziert und umge-

setzt habe. Ob die Teilnahme der Beschwerdeführerin am Treffen eine 

stabilisierende Wirkung gehabt habe oder nicht, könne letztlich dahinge-

stellt bleiben, denn ungeachtet der Beweggründe und Auswirkungen des 

am Treffen Vereinbarten auf die Beschwerdeführerin sei nicht einzuse-

hen, weshalb sie gezwungen gewesen sein sollte, am Treffen teilzuneh-

men und sich insbesondere mit Roto auszutauschen. Angesichts der Ab-

wesenheiten von GU und Maco deute die Teilnahme der Beschwerdefüh-

rerin am Treffen eher darauf hin, dass sie sich aktiv am Austausch habe 

beteiligen wollen (vgl. Verfügung Rz. 106).  

5.2.7 In ihrer Vernehmlassung verweist die Vorinstanz sodann auf die fol-

genden Aspekte, die nach ihrer Ansicht unabhängig von den entspre-

chenden Vorbringen der Beschwerdeführerin belegten, dass diese zu den 

an der fraglichen Abrede beteiligten Untersuchungsadressaten Roto, 

Koch und Winkhaus insgesamt und in Übereinstimmung mit der Realität 

im vorliegenden Markt in einem horizontalen Verhältnis stünden bzw. ge-

standen hätten:  

In der wirtschaftlichen Realität sei der massgebende Unterschied zwi-

schen der Beschwerdeführerin und Koch im Vergleich zu Roto und Sie-

genia einzig in der vertikalen Integration Letzterer zu sehen. Dies vermö-

ge jedoch am Umstand, dass sämtliche an der in Frage stehenden Abre-

de beteiligten Untersuchungsadressaten im Markt dieselbe Funktion aus-

übten, nichts zu ändern. 

5.2.8 Die Ermittlungen der Vorinstanz hätten gezeigt, dass es im schwei-

zerischen Markt für Baubeschläge verschiedene, relativ unbedeutende 

gegenseitige Belieferungsverhältnisse und Verflechtungen zwischen den 

verschiedenen Marktteilnehmern gäbe. Klarzustellen sei in diesem Zu-

sammenhang, dass die Beschwerdeführerin im untersuchungsrelevanten 

Zeitraum  neben Maco-Beschlägen  auch Siegenia-Beschläge in der 

Westschweiz vertrieben habe. Die Beschläge habe die Beschwerdeführe-

rin von Koch (und nicht von Siegenia) bezogen. Das Verhältnis zwischen 

der Beschwerdeführerin und Koch (in der Westschweiz) habe demnach 

eine vertikale Komponente gehabt. Gleichzeitig seien sich die Beschwer-

deführerin als Vertreiberin von Maco-Produkten und Koch als Vertreiberin 

von Siegenia-Produkten (in der Deutschschweiz) als Konkurrenten ge-

B-8404/2010 

Seite 23 

genüber gestanden. Das Verhältnis zwischen der Beschwerdeführerin 

und Koch habe damit auch eine gewichtige horizontale Komponente ge-

habt. Aus diesen Gesamtumständen zu schliessen, dass die Beschwer-

deführerin und Koch ausschliesslich in einem rein vertikalen Lieferver-

hältnis gestanden hätten (vgl. Beschwerde Rz. 104), entspreche nicht 

den Tatsachen. Die Ansicht, dass die Beschwerdeführerin und Koch auf 

derselben Marktstufe tätig seien, sei im Verlaufe des Verfahrens im Übri-

gen nie bestritten, sondern von der Beschwerdeführerin sogar geteilt 

worden (vgl. z.B. Verfügung Rz. 39, Abbildung 1). 

5.2.9 Bereits dies zeige, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin ins 

Leere stossen würden. Untermauert werde dies durch den folgenden 

Umstand: Wenn die am Treffen vom 22. September 2006 anwesenden 

Untersuchungsadressaten nicht auf derselben Marktstufe tätig gewesen 

wären, dann wäre unerklärlich, weshalb die mutmasslichen Hersteller 

(Roto, Siegenia und Winkhaus) die Beschwerdeführerin zu einem Treffen 

eingeladen hätten, an welchem die Ankündigung und Umsetzung der von 

den ausländischen Herstellerunternehmen beschlossenen Preiserhöhun-

gen gemeinsam besprochen und koordiniert werden sollten. Die Tatsa-

che, dass die Beschwerdeführerin und Koch am besagten Treffen aktiv 

teilgenommen hätten, zeige, dass sie – als die gleiche Tätigkeit wie Roto, 

Siegenia und Winkhaus ausübende Unternehmen – die Möglichkeit ge-

habt hätten, die Ergebnisse des Treffens zu beeinflussen. Denn Fakt sei 

auch, dass die kleineren Zwischenhändler (Rudolf Geiser AG, Immer AG 

etc.) von Baubeschlägen nicht am Treffen teilgenommen hätten bzw. da-

zu gar nicht erst eingeladen worden seien. Würden die Beschwerdeführe-

rin und Koch den Tochtergesellschaften Roto, Siegenia und Winkhaus 

nicht als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen und würden die Be-

schwerdeführerin und Koch zu den anderen Untersuchungsadressaten 

(Roto, Siegenia und Winkhaus) ausschliesslich in einem vertikalen Liefer-

verhältnis stehen, dann bestünde nach Ansicht der Vorinstanz ein 

Verhandlungsungleichgewicht, so dass die Beschwerdeführerin und Koch 

von vornherein weder Mitsprache- noch Einflussmöglichkeiten gehabt 

hätten. Doch dies treffe gerade nicht zu, da die Teilnahme der Beschwer-

deführerin und von Koch am Treffen für Roto, Siegenia und Winkhaus of-

fensichtlich erforderlich gewesen sei. 

5.2.10 Nach Ansicht der Vorinstanz stehen sich folglich sämtliche an der 

in Frage stehenden Wettbewerbsabrede beteiligten Untersuchungsadres-

saten auf dem Schweizer Markt als tatsächliche Konkurrenten gegenüber, 

B-8404/2010 

Seite 24 

weshalb es sich vorliegend um eine horizontale Wettbewerbsabrede 

handle. 

b) Vorbringen der Beschwerdeführerin  

5.2.11 Unzulässige Vermengung horizontaler/vertikaler Kontakte 

Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber sowohl in formeller als 

auch in materieller Hinsicht geltend, die Vorinstanz habe ihre Marktstufe 

unrichtig untersucht und gewürdigt (vgl. Beschwerde Rz. 61, 63, 102 ff.): 

5.2.11.1 Im Zusammenhang mit der Rüge, die Vorinstanz habe den 

rechtserheblichen Sachverhalt mangelhaft ermittelt, bringt die Beschwer-

deführerin u.a. vor, die Vorinstanz vermenge in ihren Begründungen hori-

zontale und vertikale Kontakte und erwecke damit den Anschein, die Kon-

takte zwischen den Unternehmen hätten auf horizontaler Ebene stattge-

funden.  

5.2.11.2 Die Verfügung behaupte zu Unrecht, die Untersuchungsadressa-

ten stünden sich als Vertriebsgesellschaften und grosse Zwischenhändler 

in einem insgesamt horizontalen Verhältnis als Konkurrenten gegenüber 

(vgl. Verfügung Rz. 186). Trotz mehrfacher Klarstellung behaupte die Ver-

fügung fälschlicherweise wiederholt, die Beschwerdeführerin stünde ins-

besondere zu Siegenia in einem horizontalen Verhältnis (vgl. z.B. Verfü-

gung Rz. 105 und 188).  

5.2.11.3 Die Beschwerdeführerin habe demgegenüber ausführlich darge-

legt, dass sie im Bereich der Drehkippbeschläge zu Siegenia und Koch in 

einem vertikalen Verhältnis gestanden habe (vgl. act. 31, Rz. 8 ff.). Die 

Beschwerdeführerin habe über Koch ihre gesamten Drehkippbeschläge 

der Marke Siegenia bezogen. Siegenia habe denn auch an der Anhörung 

bestätigt, dass sie in der Schweiz mit Ausnahme von drei Direktkunden 

nicht auf Handelsstufe tätig sei (vgl. act. 352, S. 7). 

5.2.11.4 Gleiches gelte für Maco, die mit Ausnahme von wenigen Direkt-

kunden in der Schweiz auch nicht auf Handelsstufe tätig sei (vgl. act. 352, 

S. 7). Daneben beziehe die Beschwerdeführerin von den anderen Her-

stellern Drehkippbeschläge, wenn eine spezielle Kundenanfrage hierfür 

bestehe (vgl. Verfügung Rz. 6 und Beschwerde Rz. 22).  

5.2.11.5 Die Schweizer Niederlassungen dieser Hersteller und Koch wür-

den daher als Zulieferer in einem vertikalen Verhältnis zur Beschwerde-

B-8404/2010 

Seite 25 

führerin stehen (vgl. Beschwerde Rz. 102 ff.). Dass Hersteller und Zuliefe-

rer ihre Kunden über Preiserhöhungen informieren müssten, sei selbst-

verständlich und kartellrechtlich unproblematisch (vgl. Beschwerde Rz. 

61).  

5.2.12 Widersprüchliche Beurteilung des relevanten Sachverhalts 

5.2.12.1 Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren geltend, die Vorin-

stanz habe den relevanten Sachverhalt in widersprüchlicher Weise beur-

teilt, wie die nachfolgenden Beispiele zeigten: Die Verfügung nehme kei-

ne klare Unterscheidung der relevanten Marktstufen (Herstellerstufe und 

Vertriebsstufe) vor. Sie vermenge vielmehr die diesbezüglichen Aussagen 

(vgl. auch Beschwerde Rz. 102 ff.). Insbesondere die folgende Stelle 

bringe zum Ausdruck, dass die Verfügung widersprüchliche Feststellun-

gen in Bezug auf die für die Beschwerdeführerin einzig relevante Han-

delsstufe mache: „Das Sekretariat hat die Ausführungen von Koch und 

SFS betreffend die Verhältnisse im Bereich des Handels mit Baubeschlä-

gen zur Kenntnis genommen. Vorliegend werden jedoch die Verhältnisse 

auf dem relevanten Markt für Drehkippbeschläge analysiert“ (Verfügung 

Rz. 270).  

5.2.12.2 Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass sie nur im Be-

reich des Handels von Drehkippbeschlägen tätig sei. Auf Herstellerstufe 

sei sie demgegenüber nicht tätig. Die Vorinstanz habe jedoch „nur“ den 

„relevanten Markt für Drehkippbeschläge“ und nicht den Handelsmarkt 

untersucht.  

5.2.12.3 Die Beschwerdeführerin sei im untersuchungsrelevanten Zeit-

raum unter anderem als Händlerin von Drehkippbeschlägen der Marke 

Siegenia tätig gewesen. Obwohl dies eingangs der Verfügung so fest-

gehalten sei (vgl. Verfügung Rz. 6), werde an zahlreichen Stellen fälschli-

cherweise davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin bezöge keine 

Drehkippbeschläge der Marke Siegenia. Auch an der Anhörung habe die-

ses Missverständnis – trotz klarer Feststellungen seitens der Beschwer-

deführerin – bestanden (vgl. Protokoll der Anhörung vom 20. September 

2010, act. 352, S. 18). Dieses falsche Verständnis habe die Vorinstanz in 

ihrer Verfügung nicht korrigiert. Es werde weiterhin in aktenwidriger Weise 

festgehalten, die Beschwerdeführerin stünde zu Siegenia in einem hori-

zontalen Verhältnis (vgl. Verfügung Rz. 105 und 188).  

B-8404/2010 

Seite 26 

5.2.12.4 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin verletze die Vorinstanz mit 

diesem Vorgehen den Untersuchungsgrundsatz, da sie zur richtigen und 

vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet 

gewesen wäre. 

c) Würdigung des Gerichts 

5.2.13 Horizontale Wettbewerbsabreden charakterisieren sich dadurch, 

dass zwei oder mehrere wirtschaftlich selbständige Unternehmen gleicher 

Marktstufe den Wettbewerb durch ein koordiniertes Verhalten beschrän-

ken (vgl. Botschaft 1994, 545). Auf gleicher Marktstufe befinden sich Un-

ternehmen dann, wenn sie infolge der Austauschbarkeit ihrer Güter oder 

Dienstleistungen „tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinander im 

Wettbewerb stehen“. Nach dem Wortlaut von Art. 5 Abs. 3 KG spielt es 

dabei keine Rolle, ob die an der Abrede beteiligten Unternehmen sich tat-

sächlich konkurrenzieren (sog. aktueller Wettbewerb) oder ob die Unter-

nehmen nur der Möglichkeit nach (potentiell) in Konkurrenz zueinander 

stehen. Letzteres ist dann der Fall, wenn ein Unternehmen innerhalb ei-

ner kurzen Frist von zwei bis drei Jahren den Eintritt auf den von der Ab-

rede betroffenen Markt vollziehen und damit den Wettbewerbsdruck auf 

die an der Abrede beteiligten Unternehmen erhöhen kann (sog. potentiel-

ler Wettbewerb; vgl. AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., Art. 5 Rn. 382; 

NYDEGGER/NADIG, a.a.O, Art. 4 Abs. 1 N 129 ff.; ALAIN RAEMY/MONIQUE 

LUDER, Horizontale oder vertikale Abrede?, Schnittstellen und Abgren-

zungskriterien, in: Jusletter vom 17. Oktober 2005). Folglich wird neben 

dem aktuellen auch der potentielle Wettbewerb geschützt. 

5.2.14 Entscheidend ist damit einzig, dass es der Marktgegenseite bei  

der Deckung ihres Bedarfs offen steht, sowohl aus den Angeboten der 

Beschwerdeführerin als auch von denjenigen von Koch, Roto und Wink-

haus zu wählen. Sowohl die Beschwerdeführerin als auch Koch, Roto 

und Winkhaus bieten ihren Abnehmern Baubeschläge für Fenster und 

Fenstertüren der Öffnungsart Drehkipp in der Schweiz an. Die Beschwer-

deführerin ist damit als Konkurrentin der Teilnehmer des multilateralen 

Treffens vom 22. September 2006 zu qualifizieren. 

5.2.15 Mit Bezug auf die Grosshändlerin Koch ist festzuhalten, dass die 

Beschwerdeführerin, die im Jahre 2006 primär mit den Drehkippbeschlä-

gen der Marken Maco und Siegenia handelte, hinsichtlich des Vertriebs 

der Maco-Baubeschläge zweifelsohne als Konkurrentin von Koch zu be-

trachten ist, handelt es sich doch bei Maco- und Siegenia-Baubeschlägen 

B-8404/2010 

Seite 27 

um Konkurrenzprodukte. Im Zusammenhang mit dem Vertrieb der Siege-

nia-Baubeschläge ist demgegenüber festzustellen, dass die Beschwerde-

führerin ihre gesamten Drehkippbeschläge der Marke Siegenia über Koch 

bezogen hat, nicht von Siegenia direkt. Das Lieferverhältnis zwischen der 

Beschwerdeführerin und Koch begründet insofern neben einem Horizon-

tal- auch ein Vertikalverhältnis. 

5.2.16 In diesem Zusammenhang gilt es überdies darauf hinzuweisen, 

dass auch das Verhältnis zwischen Koch und Siegenia nicht als horizon-

tales, sondern als vertikales Verhältnis zu qualifizieren ist. Denn Unter-

nehmen stehen dann auf gleicher Marktstufe, wenn sie infolge der Aus-

tauschbarkeit ihrer Güter oder Dienstleistungen „tatsächlich oder der 

Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen“. Aufgrund der Tat-

sache, dass der Vertrieb von Siegenia-Baubeschlägen in der Schweiz seit 

2004 fast ausschliesslich über Koch erfolgt und Siegenia folglich in der 

verfahrensrelevanten Zeitspanne mit Koch einen Umsatz von 95 - 98% 

generierte, können Siegenia und Koch nicht als Wettbewerber qualifiziert 

werden. Siegenia liefert grundsätzlich nicht direkt an Händler, sondern 

fast ausschliesslich an Koch, die das Lager für Siegenia-Beschläge in der 

Schweiz unterhält. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass Siegenia 

selbst noch drei Kunden direkt beliefert, da es sich hierbei um Kunden 

handelt, die eine Belieferung mit Siegenia-Baubeschlägen durch Koch 

ablehnen und zu einem Konkurrenzprodukt wechseln würden, sollte Sie-

genia die Direktbelieferung einstellen (vgl. Eingabe von Siegenia zur In-

struktionsverhandlung vom 29. Mai 2012, S. 4 Ziff. 6). Des Weiteren führt 

Siegenia selbst aus, nur im Falle von Lieferengpässen bei Koch würden 

noch drei weitere Händler  darunter auch die Beschwerdeführerin  di-

rekt von Siegenia Waren beziehen. Die Direktbelieferung durch Siegenia 

steht der Wertung, dass es sich beim Verhältnis zwischen Koch und Sie-

genia um ein vertikales handelt, nicht entgegen und ist folglich nicht in 

dem Sinne zu werten, dass Siegenia Koch konkurrenziert. Da in der 

Schweiz keine Baubeschläge hergestellt werden, bewegen sich Siegenia 

und Koch zwar ausschliesslich auf der Handelsstufe und üben damit die 

gleiche Tätigkeit aus. Doch ist vorliegend massgebend, dass Koch und 

Siegenia nicht auf der gleichen Vertriebsebene agieren. Es kann dabei 

nicht ausser Acht gelassen werden, dass Siegenia als direkte Vertreterin 

von Siegenia D auf dem Schweizer Markt auftritt, Koch demgegenüber 

als reine Händlerin tätig wird, welche die Beschläge von Siegenia bezieht 

und vertreibt. Siegenia könnte Koch ohne Weiteres vom Schweizer Markt 

verdrängen und ihre Marktanteile erhalten, wenn sie Koch nicht mehr be-

liefern würde. Zwar hat Wettbewerb auch zum Ziel, Marktanteile zu ver-

B-8404/2010 

Seite 28 

grössern. Dieses Ziel hat Siegenia gegenüber Koch aber klar nicht, da 

Koch Abnehmerin und Händlerin ihrer Produkte ist. Siegenia hat vielmehr 

ein Interesse daran, dass Koch möglichst viele Siegenia-Beschläge ver-

kauft. Aus diesem Grund stehen Koch und Siegenia nicht auf der gleichen 

Marktstufe und sind daher keine Wettbewerber.  

5.2.17 Inwiefern sich das Vertikalverhältnis zwischen der Beschwerdefüh-

rerin und Koch von jenem zwischen Koch und Siegenia unterscheidet, 

kann vorliegend jedoch offen bleiben. Denn die Beschwerdeführerin und 

Koch stehen als wirtschaftlich selbständige Händler grundsätzlich auf 

derselben Marktstufe und sind daher als Konkurrenten zu betrachten. 

5.2.18 Es ist folglich festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin und die 

Untersuchungsadressaten Koch, Roto und Winkhaus horizontal auf der 

gleichen Marktstufe stehen. Sie sind daher auf der Handelsstufe der 

Baubeschläge als Konkurrenten anzusehen, weshalb eine Preisabrede 

im Sinne von  Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG möglich ist. Demgegenüber stehen 

Koch und Siegenia in einem vertikalen Verhältnis zueinander. Entspre-

chend ist eine Preisabrede im Sinne von  Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG zwi-

schen Koch und Siegenia nicht möglich. 

5.3 Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

Die Vermutungsbasis von Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG setzt des Weiteren das 

Bestehen einer Preisabrede voraus. Erforderlich ist damit das Vorliegen 

einer Wettbewerbsabrede im Sinne von  Art. 4 Abs. 1 KG, die sich inhalt-

lich auf die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen bezieht.  

Damit eine Wettbewerbsabrede bejaht werden kann, muss den Untersu-

chungsadressaten ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken zur 

Last gelegt werden können. Zudem muss mit der Abrede eine Wettbe-

werbsbeschränkung bezweckt oder bewirkt werden (vgl. KRAUS-

KOPF/SCHALLER, a.a.O., Art. 5 N 56 ff.). Spezifische Ausführungen zum 

Bestehen einer Preisabrede erübrigen sich jedoch vorliegend, da bereits 

das Vorliegen des Tatbestandsmerkmals „bewusstes und gewolltes Zu-

sammenwirken“ zu verneinen ist. 

a) Vorbringen der Vorinstanz 

5.3.1 Bejahung einer abgestimmten Verhaltensweise 

B-8404/2010 

Seite 29 

5.3.1.1 Nach Ansicht der Vorinstanz ist bei dem vorliegend zu beurteilen-

den Verhalten mindestens das Tatbestandselement des abgestimmten 

Verhaltens erfüllt. Unter Hinweis auf die europäische Rechtsprechung hält 

die Vorinstanz u.a. fest, gemäss dem EuGH verstosse es „gegen die 

Wettbewerbsregeln des Vertrages, wenn ein Hersteller mit seinen Kon-

kurrenten – in welcher Form auch immer – zusammenwirkt, um für eine 

Preisbewegung ein koordiniertes Verhalten festzulegen und den Erfolg 

dieser Bewegung im Voraus hinsichtlich der wesentlichen Faktoren die-

ses Vorgehens – wie Prozentsatz, Gegenstand, Zeitpunkt und Ort der 

Bewegung – jede Unsicherheit über das wechselseitige Verhalten besei-

tigt wird (EuGH, ICI/Kommission, C-48/69, ECLI:EU:C:1972:70, Rn. 10)“. 

Abgestimmtes Verhalten setze demnach zunächst eine Abstimmung zwi-

schen den beteiligten Unternehmen voraus, sodann ein der Abstimmung 

entsprechendes Marktverhalten dieser Unternehmen und schliesslich ei-

nen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Abstimmung und dem 

Marktverhalten, ohne dass sich aber dieses Marktverhalten als solches in 

einer konkreten Wettbewerbseinschränkung niederschlagen müsste (vgl. 

EuGH, Kommission/Anic Partecipazioni, C-49/92 P, ECLI:EU:C:1999:356, 

Rn. 118 ff.). Demzufolge entfalle bei einer abgestimmten Verhaltensweise 

die Selbständigkeit der Handlungsweise von beteiligten Unternehmen 

(vgl. Verfügung Rz. 177).  

5.3.1.2 Die Vorinstanz verweist in diesem Zusammenhang auf das Urteil 

des EuGH in Sachen T-Mobile Netherlands, in dem dieser festhält, es 

könne davon ausgegangen werden, dass Unternehmen, die ihr Verhalten 

im vorgenannten Sinne abstimmten und weiterhin auf dem Markt tätig 

blieben, die mit ihren Konkurrenten ausgetauschten Informationen beim 

Festlegen ihres eigenen Marktverhaltens berücksichtigen würden. Nach 

Auffassung der Vorinstanz besteht folglich eine Umkehr der Beweislast: 

Es müsse nicht nachgewiesen werden, dass betroffene Unternehmen ihr 

Marktverhalten aufgrund der mit ihren Konkurrenten ausgetauschten In-

formationen festgelegt hätten, sondern betroffene Unternehmen müssten 

ihrerseits den Gegenbeweis erbringen (vgl. EuGH, T-Mobile Netherlands, 

C-8/08, ECLI:EU:C:2009:343, Rn. 51). 

5.3.1.3 Ein Verhalten könne auch dann als abgestimmte Verhaltensweise 

qualifiziert werden, wenn die Parteien nicht ausdrücklich einen gemein-

samen Plan verfolgten, der ihr Marktverhalten festlege, sondern bewusst 

Absprachen treffen oder einhalten würden, welche die Abstimmung ihres 

Geschäftsverhaltens erleichtern und damit die Unsicherheit hinsichtlich 

B-8404/2010 

Seite 30 

des Marktverhaltens der Wettbewerber verringern würden (vgl. KOMM, 

ABl. 2006 C 303/15, Rn. 180, 190 – Kautschukchemikalien).  

5.3.1.4 Dementsprechend beraube das Postulat der Selbständigkeit die 

Unternehmen zwar nicht des Rechts, sich dem festgestellten oder erwar-

teten Verhalten ihrer Mitbewerber mit wachem Sinn anzupassen. Indes-

sen stehe jenes Postulat der Selbständigkeit streng jeder unmittelbaren 

oder mittelbaren Fühlungnahme zwischen Unternehmen entgegen, die 

bezwecke oder bewirke, entweder das Marktverhalten eines gegenwärti-

gen oder potentiellen Mitbewerbers zu beeinflussen oder diesen Mitbe-

werber über das Marktverhalten ins Bild zu setzen, das zu zeigen man 

entschlossen sei oder in Erwägung ziehe (vgl. EuGH, Suiker Unie 

u.a./Kommission, verb. Rs. C-40/73 bis C-48/73, C-50/73, C-54/73 bis C-

56/73, C-111/73, C-113/73 und C-114/73, ECLI:EU:C:1975:174, Rn. 

173/174, auch zitiert in: KOMM, ABl. 2006 C 303/15, Rn. 181 – Kau-

tschukchemikalien). 

5.3.1.5 Nach Ansicht der Vorinstanz haben die Untersuchungsadressaten 

ihr Verhalten nach vorgängiger gegenseitiger Kontaktaufnahme und nach 

Erhalt der Konkurrenzinformationen in Bezug auf eine bestimmte Preiser-

höhung angepasst. Dieser Anpassung sei ein bewusstes und gewolltes 

Zusammenwirken der Untersuchungsadressaten vorausgegangen. Nicht 

nur die direkte Kontaktaufnahme stehe dem Postulat der Selbständigkeit 

der Handlungsweise der Konkurrenten entgegen, sondern vor allem auch 

deren darauf gestütztes Handeln bezüglich des eigenen Verhaltens und – 

vorliegend – der eigenen Preispolitik. Der gegenseitige Austausch habe 

den Untersuchungsadressaten Einsicht in das künftige Handeln der Kon-

kurrenz verschafft und dadurch die durch eine einseitige unkoordinierte 

Preiserhöhung bedingte Ungewissheit des Wettbewerbs beseitigt. Durch 

die Verhaltenskoordination sei das Risiko, welches mit jeder selbständi-

gen Änderung des Verhaltens auf dem Markt einhergehe, weitestgehend 

entfallen (vgl. Verfügung Rz. 180).  

5.3.1.6 Der vorliegende Informationsaustausch zwischen den Untersu-

chungsadressaten sei durch das Zustellen von Preiserhöhungsschreiben 

abgerundet worden. Dies sei zum Zweck der Vertrauensbildung erfolgt. 

Damit habe der jeweilige Versender beweisen wollen, dass er sich ab-

sprachegemäss verhalten habe. Das Übersenden der Preiserhöhungs-

schreiben sei letztlich zwecks Dokumentation der Umsetzung der Ab-

sprache erfolgt. Im vorliegenden Fall liege daher eine abgestimmte Ver-

haltensweise im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor (vgl. Verfügung Rz. 181). 

B-8404/2010 

Seite 31 

5.3.2 Stellungnahme zum Treffen vom 22. September 2006  

5.3.2.1 In ihrer Vernehmlassung nimmt die Vorinstanz in einem Abschnitt 

insgesamt zu sämtlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin Stellung, 

die diese im Zusammenhang mit dem multilateralen Treffen vom 22. Sep-

tember 2006 geltend macht. Dabei weist sie insbesondere die Behaup-

tung der Beschwerdeführerin, dass sie sich mit der Teilnahme am Treffen 

einzig gegen die Preiserhöhungen der ausländischen Hersteller habe 

wehren wollen, als unzutreffende Schutzbehauptung zurück (vgl. Ver-

nehmlassung, S. 11, Rz. 27 ff.). 

5.3.2.2 Was den Zweck und die Inhalte des besagten Treffens angehe, so 

sei hervorzuheben, dass Roto angegeben habe, dass die Gesprächsteil-

nehmer sich über ihre Absichten informiert hätten (vgl. act. 2, S. 17). Des 

Weiteren sei festgestellt worden, dass Winkhaus der billigste Anbieter am 

Tisch gewesen sei und der anwesende Vertreter von Roto den Vorschlag 

für ein Gentlemen‘s Agreement gemacht habe, mit dem Ziel, dass der je-

weilige Beschlagslieferant für einen bestimmten Zeitraum vor Angriffen 

seiner Wettbewerber geschützt würde. 

5.3.2.3 Die Beschwerdeführerin habe die Vorinstanz in ihrer Selbstanzei-

ge darüber informiert, dass das „Thema der Sitzung (vom 22. September 

2006) […] neben der Preiserhöhung der Hersteller auch die Reaktion der 

Händler in der Schweiz“ gewesen sei (vgl. act. 31, Rz. 17), „…ein weite-

rer Preisanstieg die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Händler …“ ge-

fährden (vgl. act. 31, Rz. 20) und eine weitere Preiserhöhung die Wett-

bewerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin weiter schwächen würde (vgl. 

act. 31, Rz. 21). 

5.3.2.4 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin belegen nach Ansicht der 

Vorinstanz zweierlei: Erstens, dass die Untersuchungsadressaten Roto, 

Siegenia, Koch, Winkhaus und die Beschwerdeführerin am Treffen teilge-

nommen hätten, um gegenseitig preisrelevante Informationen unterein-

ander auszutauschen; und zweitens, dass es am Treffen darum gegan-

gen sei, die wettbewerbsrelevanten Auswirkungen, die von den Preiser-

höhungen (MTZ) ausgehen könnten, untereinander abzustimmen und 

diesbezüglich koordiniert vorzugehen. 

5.3.2.5 Wie die Vorinstanz in ihrer Verfügung ausführlich dargelegt habe, 

ergebe sich aus den im Recht liegenden Informationen deutlich, dass der 

Zweck des gegenseitigen Informationsaustauschs darin bestanden habe, 

B-8404/2010 

Seite 32 

sich Gewissheit über die Preisfestsetzung der Konkurrenz zu verschaffen 

und damit den in preislicher Hinsicht vorhandenen Wettbewerbsdruck un-

tereinander zu verringern oder gar auszuschalten (vgl. Verfügung Rz. 173 

ff.). Daran halte die Vorinstanz vollumfänglich fest und weise zudem auf 

Folgendes hin: 

Aus kartellrechtlicher Sicht sei alleine die Tatsache, dass sich Unterneh-

men, die sich im Markt als Konkurrenten gegenüberstehen und sich ge-

meinsam treffen würden, um preisrelevante Informationen untereinander 

auszutauschen, geeignet, den Wettbewerbsparameter Preis direkt und 

unmittelbar zu beeinflussen. Denn entscheidend und nicht zu rechtferti-

gen sei es, dass es für die Abhaltung eines solchen Treffens keinen (an-

deren) plausiblen Grund geben würde, als den Wettbewerbsdruck, der 

vom Verhalten der Konkurrenten ausgehe, in Schranken zu halten. 

5.3.2.6 Zudem würden verschiedene Beweismittel vorliegen, welche auf-

zeigten, dass die Untersuchungsadressaten sich in regelmässigen Ab-

ständen und bei unterschiedlichen Gelegenheiten untereinander aus-

tauschten, was nach Ansicht der Vorinstanz weiter belegt, dass die Un-

tersuchungsadressaten erstens über die Verhaltensweisen ihrer Konkur-

renten informiert gewesen seien und zweitens solche Informationsaus-

tausche als das Ergebnis eines starken Bedürfnisses der Untersu-

chungsadressaten zu werten seien. 

5.3.2.7 Die Argumentation der Beschwerdeführerin, dass sie am Treffen 

vom 22. September 2006 (einzig) mit dem Ziel teilgenommen habe, eine 

weitere Preiserhöhung ihrer Zulieferer zu verhindern, stosse ins Leere: 

Die Beschwerdeführerin habe selber angegeben, dass die (im untersu-

chungsrelevanten Zeitraum) geplanten und angekündigten Preiserhöhun-

gen von den ausländischen Herstellern von Baubeschlägen für Fenster 

und Fenstertüren festgelegt worden seien und ihre Vertriebsgesellschaf-

ten oder Grosshändler in der Schweiz angewiesen hätten, die Preiserhö-

hungen umzusetzen (vgl. Verfügung Rz. 38). Bereits aus diesem Grund 

sei nicht ersichtlich, inwiefern sich die Beschwerdeführerin gegen die 

Preiserhöhungen überhaupt habe wehren können. 

5.3.2.8 Des Weiteren treffe es nicht zu, dass die Beschwerdeführerin mit 

sämtlichen Teilnehmern des Treffens in einem ausschliesslich vertikalen 

Verhältnis stehe, insbesondere nicht mit Roto und Winkhaus. Daran ver-

möge auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin 

vereinzelt auf Kundenbestellung hin Produkte dieser Marken liefere. 

B-8404/2010 

Seite 33 

5.3.2.9 Würde der Argumentation der Beschwerdeführerin gefolgt wer-

den, so bestünde nach Ansicht der Vorinstanz kein objektiv nachvollzieh-

barer Grund, welcher ihre Teilnahme am Treffen vom 22. September 2006 

erklären könnte. Denn wenn die Beschwerdeführerin zu Roto, Koch und 

Winkhaus in einem (ausschliesslich) vertikalen Verhältnis stünde, die Be-

schwerdeführerin also lediglich Kundin besagter Unternehmen sei, wäre 

die Beschwerdeführerin wohl kaum zu einer (strategischen) Besprechung 

über die Umsetzung von Preiserhöhungen in der Branche eingeladen 

worden. Die Beschwerdeführerin hätte sich – als Kundin – vielmehr ge-

gen die Preiserhöhungen von Roto, Koch und Winkhaus individuell und 

bilateral gewehrt bzw. wehren müssen, wie dies Kunden der Beschwerde-

führerin, welchen gegenüber die Beschwerdeführerin Preiserhöhungen 

kommuniziere, auch tun würden. 

5.3.2.10 Schliesslich sei hervorzuheben, dass die Beschwerdeführerin in 

ihrer Selbstanzeige angegeben habe, dass sie sich gegen die angekün-

digten Preiserhöhungen u.a. deshalb gewehrt habe, weil ansonsten ihre 

Wettbewerbsfähigkeit geschwächt worden wäre (vgl. act. 31 Rz. 19 ff.). 

Daraus wird nach Ansicht der Vorinstanz ersichtlich, dass die Beschwer-

deführerin am Treffen teilgenommen habe, um keine (weiteren) Wettbe-

werbsnachteile zu erleiden. Doch gerade darin bestehe in der Regel der 

Grund für Mitglieder eines Kartells, sich mit Konkurrenten abzusprechen. 

5.3.2.11 All diese Gründe würden illustrieren, dass die Teilnahme am 

Treffen vom 22. September 2006 dem Zweck gedient habe, sich über das 

Verhalten der Konkurrenten hinsichtlich der Preiserhöhungen 2006/2007 

zu informieren und diese bei der Festlegung des eigenen Wettbewerbs-

verhaltens mit einfliessen zu lassen.  

b) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, ihr könne kein 

bewusstes und gewolltes Zusammenwirken in Zusammenhang mit den 

Preiserhöhungen in den Jahren 2006/2007 vorgeworfen werden (vgl. Be-

schwerde Rz. 65 ff.). Sie habe sich  entgegen den Behauptungen der 

Vorinstanz  nicht mit ihren Wettbewerbern abgesprochen und mit ihnen 

keinerlei Preisinformationen ausgetauscht (vgl. Beschwerde Rz. 30 ff.). 

Sie habe damit keine „Einsicht in das künftige Handeln“ gegeben und 

schon gar nicht den Informationsaustausch durch „das Zustellen von 

Preiserhöhungsschreiben abgerundet“, sondern sich einzig für die Preise 

ihrer Lieferanten interessiert.   

B-8404/2010 

Seite 34 

Eine abgestimmte Verhaltensweise setze ein bewusstes und gewolltes 

Zusammenwirken bzw. ein Mindestmass an Verhaltenskoordination vor-

aus (vgl. BGE 129 II 18, 27 E. 6.3, m.w.N.). Die von der Vorinstanz er-

wähnte europäische Rechtsprechung (vgl. EuGH, Kommission/Anic Par-

tecipazioni, C-49/92 P, ECLI:EU:C:1999:356, Rn. 118) setze für die An-

nahme einer abgestimmten Verhaltensweise ebenfalls (i) eine Abstim-

mung zwischen den beteiligten Unternehmen, (ii) ein der Abstimmung 

entsprechendes Marktverhalten dieser Unternehmen, sowie (iii) einen ur-

sächlichen Zusammenhang zwischen der Abstimmung und dem Markt-

verhalten voraus.  

Die nachfolgende Prüfung dieser Voraussetzungen zeige, dass sich die 

Beschwerdeführerin hinsichtlich der Preiserhöhungen im Jahre 

2006/2007 an keiner abgestimmten Verhaltensweise beteiligt habe: 

5.3.3  Keine Abstimmung mit anderen Unternehmen  

5.3.3.1 Für eine Abstimmung zwischen den Unternehmen müssten sich 

diese auf irgendeine Weise über eine Koordinierung ihres wettbewerbli-

chen Verhaltens verständigen (vgl. EuGH, T-Mobile Netherlands, C-8/08, 

ECLI:EU:C:2009:343, Rn. 26; ROGER ZÄCH, Schweizerisches Kartellrecht, 

2. Aufl., Bern 2005a.a.O., Rn. 367), bei welcher jede Unsicherheit über 

das wechselseitige Verhalten beseitigt werde (vgl. EuGH, 

ICI/Kommission, C-48/69, ECLI:EU:C:1972:70, Rn. 10). 

5.3.3.2 Die Beschwerdeführerin habe ihr wettbewerbliches Verhalten be-

züglich der Preiserhöhung der Hersteller im Jahre 2006/2007 in keiner Art 

und Weise mit ihren Wettbewerbern, nämlich den anderen Schweizer 

Händlern, koordiniert. Am Treffen vom 22. September 2006 habe die Be-

schwerdeführerin vielmehr klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die 

Preise der Hersteller im Vergleich zu Europa als zu hoch erachte und kei-

ne Preiserhöhung wolle.  

5.3.3.3 Die Beschwerdeführerin habe auch keinerlei Daten bezüglich 

Preiserhöhungen mit den übrigen Teilnehmern ausgetauscht. Dies sei für 

sie gar nicht möglich gewesen, da nicht sie als Händlerin, sondern die 

Hersteller über die Höhe und den Zeitpunkt der Preiserhöhungen ent-

schieden hätten. Zum Zeitpunkt des Treffens vom 22. September 2006 

sei der Umfang der ihr durch die Zulieferer auferlegten Preiserhöhung 

noch gar nicht bekannt gewesen (vgl. Beschwerde Rz. 33).  

B-8404/2010 

Seite 35 

5.3.3.4 Dies bestätige auch die Verfügung mit folgender Passage: „Die 

geplanten Preiserhöhungen wurden von Roto anlässlich des Treffens wie 

folgt zusammengetragen: Koch und Siegenia um 5.7% per 1. Februar 

2007, Winkhaus um 6% per 1. Januar 2007, Roto um 5.8% per 1. Febru-

ar 2007. Sämtliche vier Unternehmen, d.h. Koch, Siegenia, Roto und 

Winkhaus, hielten ihre Zusagen ein und kündigten die Preiserhöhungen 

tatsächlich so an, wie dies an der Sitzung vom 22. September 2006 ver-

einbart worden beziehungsweise an der bilateralen Sitzung vom 29. Sep-

tember 2006 kommuniziert worden war“ (Verfügung Rz. 89 und 90).  

5.3.3.5 Die in dieser Passage der Verfügung nicht erwähnte Beschwerde-

führerin habe all dies eben gerade nicht getan. Auch im Nachgang zum 

Treffen vom 22. September 2006 habe die Beschwerdeführerin mit ihren 

Wettbewerbern keinerlei Daten bezüglich ihrer Preiserhöhungen ausge-

tauscht. Sie habe vielmehr intensiv versucht, die Preiserhöhungen ihrer 

Hauptlieferanten, Maco und Siegenia/Koch, zu verhindern (vgl. Be-

schwerde Rz. 32 ff.). Die Beschwerdeführerin habe bloss eines gewollt 

und versucht, nämlich Preise, die „europäisches“ Niveau hätten, und da-

mit eine Preiserhöhung ihrer Lieferanten zu verhindern (vgl. act. 31, Bei-

lage 12). 

5.3.3.6 Eine Koordination der Beschwerdeführerin mit den anderen Un-

ternehmen sei unter diesen Umständen gar nicht möglich gewesen. Da-

mit könne das Vorliegen einer abgestimmten Verhaltensweise ausge-

schlossen werden.  

5.3.4 Kein der Abstimmung entsprechendes Marktverhalten  

5.3.4.1 Eine aufeinander abgestimmte Verhaltensweise setze nicht nur 

eine Abstimmung, sondern auch ein daraus resultierendes Marktverhalten 

der beteiligten Unternehmen voraus. 

5.3.4.2 Selbst wenn die von der Vorinstanz herangezogene europäische 

Rechtsprechung im Einklang stünde mit den Beweisregeln des VwVG, 

hätte die Vorinstanz den europäischen Standard nicht erfüllt. Zwar gelte 

in der EU vorbehaltlich des Gegenbeweises grundsätzlich die Vermutung, 

dass die an der Abstimmung beteiligten und weiterhin im Markt tätigen 

Unternehmen die mit ihren Wettbewerbern ausgetauschten Informationen 

bei der Bestimmung ihres Marktverhaltens berücksichtigen würden (vgl. 

EuGH, T-Mobile Netherlands, C-8/08, ECLI:EU:C:2009:343, Rn. 63; 

EuGH, Hüls AG/Kommission, C-199/92 P, ECLI:EU:C:1999:358, Rn. 

B-8404/2010 

Seite 36 

155). Nach der Rechtsprechung des EuGH reiche deshalb bereits der 

Nachweis der Teilnahme an einem Treffen, bei dem es zu wettbewerbs-

widrigen Absprachen gekommen sei. Die Wettbewerbsbehörden hätten 

jedoch zu prüfen, ob tatsächlich ein der angeblichen Absprache entspre-

chendes Verhalten vorliege. Dafür hätten sie die vom betroffenen Unter-

nehmen vorgebrachten Beweismittel zu prüfen. Tue eine Behörde dies 

nicht, verletze sie Art. 6 EMRK. Die Beschwerdeführerin verweist in die-

sem Zusammenhang auf die Verfügung des holländischen College van 

Beroep voor het bedrijfsleven vom 12.8.2010 (LJN: BN3895 betreffend 

den Fall T-Mobile Netherlands). Des Weiteren fügt sie an, der Entscheid 

sei im Nachgang zur Entscheidung des EuGH vom 4. Juli 2009 (T-Mobile 

Netherlands) ergangen und halte fest, dass es gegen Art. 6 EMRK ver-

stossen würde, wenn die betroffenen und sanktionierten Unternehmen 

konklusiv beweisen müssten, dass die Abstimmung ihr Marktverhalten 

nicht beeinflusst habe. Gemäss diesem Urteil reiche es aus, wenn die be-

troffenen Unternehmen genügend Beweismittel vorlegten, um die Vermu-

tung zu widerlegen.   

5.3.4.3 Dieser Prüfungspflicht sei die Vorinstanz nicht nachgekommen, 

obwohl die Beschwerdeführerin sogar den Gegenbeweis habe erbringen 

können.  

5.3.4.4 Der Gegenbeweis sei erbracht, wenn das betreffende Unterneh-

men aufzeige, dass es dem Kartellverhalten deutlich widersprochen bzw. 

sich offen dagegen ausgesprochen habe (vgl. EuGH, Dansk Rørindustri 

u.a./Kommission, verb. Rs. C-189/02 P, C-202/02 P, C-205/02 P bis C-

208/02 P und C-213/02 P., ECLI:EU:C:2005:408, Rn. 142; EuGH, Aalborg 

Portland u.a./Kommission, verb. Rs. C-204/00, C-205/00 P, C-211/00 P, 

C-213/00 P, C-217/00 P und C-219/00 P, ECLI:EU:C:2004:6, Rn. 81 ff.; 

DANIEL ZIMMER, in: Immenga/Mestmäcker (Hrsg.), Wettbewerbsrecht – 

Kommentar zum Deutschen Kartellrecht, 4. Aufl. 2007, § 1, Rn. 97). Die-

ser Widerspruch könne sich entweder in der Missbilligung des Kartellver-

haltens gegenüber den anderen Unternehmen oder in der offenen Dis-

tanzierung vom Kartellverhalten manifestieren (vgl. EuGH, Dansk Rørin-

dustri u.a./Kommission, verb. Rs. C-189/02 P, C-202/02 P, C-205/02 P bis 

C-208/02 P und C-213/02 P., ECLI:EU:C:2005:408, Rn. 143 f.). 

5.3.4.5 Ein solcher Widerspruch sei nun gerade vorliegend durch die Be-

schwerdeführerin erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe sich nämlich an-

lässlich der Sitzung vom 22. September 2006 vehement gegen die Preis-

erhöhungen ihrer Zulieferer und deren gemeinsam geplante Preiserhö-

B-8404/2010 

Seite 37 

hung ausgesprochen (vgl. Beschwerde Rz. 30). Sie habe an diesem Tref-

fen mit dem Ziel teilgenommen, eine weitere Preiserhöhung ihrer Zuliefe-

rer zu verhindern. Ihr sei es insbesondere darum gegangen, gegenüber 

ihren Hauptlieferanten, Siegenia und Koch (als Generalimporteur der 

Siegenia-Produkte), nochmals zu erläutern, dass aufgrund der Preisun-

terschiede zum umliegenden Ausland von einer Preiserhöhung in der 

Schweiz abgesehen werden sollte (vgl. act. 2, Anlage 23; act. 31, Beila-

gen 7 und 8). Die anwesenden Lieferanten und Hersteller seien über die 

Einwände der Beschwerdeführerin jedoch hinweg gegangen. Sie hätten 

im Gegenteil beschlossen, die Preise um mindestens 5% zu erhöhen (vgl. 

act. 31, Beilage 8), was per Ende Oktober angekündigt und per 1. Febru-

ar 2007 wirksam werden sollte (vgl. act. 31, Beilage 8). Die Beschwerde-

führerin habe diesen Entscheid aber nicht akzeptiert (vgl. act. 2, Beilage 

23). 

5.3.4.6 Die Beschwerdeführerin habe in ihrem Schreiben an die Kunden 

vielmehr unmissverständlich klargestellt, dass sie mit der vorgenomme-

nen Preiserhöhung der Hersteller nicht einverstanden sei, was durch die 

folgende Passage bestätigt werde: „Sie wurden bereits durch den Aus-

sendienst informiert, dass die Firma Maco seit geraumer Zeit eine Preis-

anpassung angekündigt hat. Trotz intensiver Bemühungen von SFS uni-

market ist es uns nicht gelungen, die Preiserhöhung abzuwenden“ (act. 

31, Beilage 15). 

5.3.4.7 Die Beschwerdeführerin habe ihr Verhalten in der Folge des Tref-

fens vom 22. September 2006 denn auch keineswegs an das Verhalten 

anderer, am Treffen anwesenden Unternehmen angepasst. Im Gegenteil, 

die anderen am Treffen vom 22. September 2006 anwesenden Unter-

nehmen hätten die Preiserhöhungen gegenüber ihren Kunden vereinba-

rungsgemäss im Oktober 2006 angekündigt (vgl. act. 31, Beilagen 9, 10 

und 11). 

5.3.4.8 Die Beschwerdeführerin habe demgegenüber in individuellen Ge-

sprächen mit ihren Zulieferern Maco und Siegenia/Koch verhandelt, um 

diese von einer Preiserhöhung abzuhalten (vgl. Beschwerde Rz. 32). Im 

November 2006 sei dann trotzdem die Preiserhöhung ihrer Zulieferer er-

folgt (vgl. act. 31, Beilagen 13 und 14, sowie Beschwerde Rz. 33). Die üb-

rigen Hersteller und Zwischenhändler hätten die Preiserhöhungen – wie 

am Treffen vom 22. September 2006 besprochen – bereits im Oktober 

2006 angekündigt (vgl. act. 31, Beilagen 9, 10 und 11). 

B-8404/2010 

Seite 38 

5.3.4.9 Erst als für die Beschwerdeführerin klar festgestanden habe, dass 

die Zulieferer ihr gegenüber die Preise erhöhen würden, und sie sich aus 

wirtschaftlichen Gründen gezwungen gesehen habe, zu versuchen, die 

ihr auferlegten Preiserhöhungen weiterzugeben, habe sie am  

15. und am 21. Dezember 2006 gegenüber ihren Kunden Preiserhöhun-

gen der Hersteller angekündigt. Bereits zu diesem Zeitpunkt sei es für die 

Beschwerdeführerin aber klar gewesen, dass die Preiserhöhungen der 

Hersteller sich nicht im ganzen Umfang und sicherlich nicht auf den 1. 

Februar 2007 hin würden umsetzen lassen; hierfür wären eine viel frühe-

re Ankündigung und Verhandlungen mit den Kunden notwendig gewesen. 

Dies sei auch ein Grund dafür gewesen, weshalb die Beschwerdeführerin 

Maco davon habe überzeugen können, die Preiserhöhungen für Maco-

Produkte erst auf den 1. Mai 2007 umzusetzen (vgl. Beschwerde Rz. 35; 

act. 262, S. 13). 

5.3.4.10 Von einer Abstimmung ihres Marktverhaltens mit der Konkurrenz 

könne daher bei der Beschwerdeführerin keine Rede sein. Damit sei der 

Beweis erbracht, dass die Beschwerdeführerin dem vermeintlichen Kar-

tellverhalten klar widersprochen habe. Eine allfällige Vermutung, sie habe 

ihr Verhalten aufgrund des an der Sitzung vom 22. September 2006 Be-

sprochenen festgelegt, sei dadurch widerlegt. 

5.3.5  Fehlender Kausalzusammenhang  

5.3.5.1 Die Beschwerdeführerin macht des Weiteren geltend, dass wegen 

des Fehlens sowohl eines Abstimmens mit Wettbewerbern als auch eines 

entsprechenden Marktverhaltens ebenfalls kein Kausalzusammenhang 

zwischen dem Treffen vom 22. September 2006 und ihrem Marktverhal-

ten im Jahre 2007 bestehe (vgl. Beschwerde Rz. 91 ff.). 

5.3.5.2 Die Beschwerdeführerin habe sich erwiesenermassen gegenüber 

ihren Lieferanten vehement gegen eine Preiserhöhung eingesetzt. Im 

Gegensatz zu den übrigen Teilnehmenden an der Besprechung vom 22. 

September 2006 habe die Beschwerdeführerin im Oktober 2006 auch 

keine Preiserhöhung angekündigt. Dennoch hätten ihre Hauptzulieferer, 

Maco und Siegenia, ihr gegenüber die Preiserhöhungen am 9. November 

2006 (Siegenia, 5.7%) und am 15. November 2006 (Maco, 5.6%) notifi-

ziert. 

5.3.5.3 Aufgrund dieser Ankündigung sei die Beschwerdeführerin aus 

wirtschaftlichen Gründen gezwungen gewesen, gegenüber ihren Kunden 

B-8404/2010 

Seite 39 

im gleichen Rahmen Preiserhöhungen anzukündigen, und zwar auf den 

gleichen Zeitpunkt hin und in gleicher Höhe, wie ihr die Hersteller die 

Preiserhöhungen auferlegt hätten: Bei den Siegenia-Produkten 5.7% auf 

den 1. Februar 2007 und bei den Maco-Produkten 5.6% auf den 1. Feb-

ruar 2007. Nach Ankündigung der Preiserhöhungen hätten intensive Ver-

handlungen mit den Kunden begonnen, die bis in den Sommer 2007 ge-

dauert hätten. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen: 

5.3.5.4 Gegenüber den „Maco-Kunden“ – den Kunden, die Maco-

Beschläge beziehen würden und etwa 60% des relevanten Umsatzes 

ausmachten –  habe die Beschwerdeführerin keine Preiserhöhung vorge-

nommen. Stattdessen habe sie mit jedem Kunden einzeln versuchen 

müssen, die auf den Bruttopreisen gewährten Rabatte zu verhandeln. Bei 

den Maco-Produkten hätten diese Preisverhandlungen mit den Kunden – 

gemessen am Umsatz – durchschnittlich zu einer Preiserhöhung von ca. 

0.6% geführt. Die Preiserhöhungen von Maco hätten daher praktisch 

nicht weitergegeben werden können (vgl. Beschwerde Rz. 36).  

5.3.5.5 Bei den Siegenia-Produkten habe die Beschwerdeführerin eine 

Erhöhung der Preisbasis (Bruttopreis) vorzunehmen versucht, auf der 

dann individuell verhandelte Rabatte gewährt worden seien. Die Kunden 

hätten jedoch aufgrund der Erhöhung der Bruttopreise höhere Rabatte 

verlangt, was bei den „Siegenia-Kunden“ insgesamt dazu geführt habe, 

dass lediglich ca. 2.76% Preiserhöhung – gemessen am Umsatz –  habe 

umgesetzt werden können (vgl. Beschwerde Rz. 36).  

5.3.5.6 Falsch und aktenwidrig sei deshalb die Behauptung der Vorin-

stanz, die Beschwerdeführerin habe eine Preiserhöhung von mindestens 

5% „umgesetzt“ (vgl. Verfügung Rz. 117).  

5.3.5.7 Bei der Beschwerdeführerin hätten der Zeitpunkt der Ankündi-

gung, die Höhe der Preiserhöhung und das Umsetzungsdatum gerade 

nicht den vermeintlichen Abmachungen der übrigen Teilnehmer des Tref-

fens vom 22. September 2006 entsprochen (vgl. Beschwerde Rz. 37). 

5.3.5.8 Dies zeige, dass keine Kausalität zwischen der Teilnahme an der 

Sitzung vom 22. September 2006 und den von der Beschwerdeführerin 

im Laufe des Jahres 2007 vorgenommenen Preiserhöhungen bestanden 

habe. Die Beschwerdeführerin habe vielmehr nachgewiesen, dass ihre 

Preiserhöhungsankündigungen direkt und kausal auf die Ankündigungs-

B-8404/2010 

Seite 40 

schreiben ihrer Hauptlieferanten Siegenia und Maco zurückzuführen sei-

en. 

5.3.5.9 Eine abgestimmte Verhaltensweise, an der sich die Beschwerde-

führerin beteiligt hätte, liege somit nicht vor, und eine Vereinbarung im 

Sinne von Art. 4 KG schon gar nicht. 

5.3.6  Verletzung des rechtlichen Gehörs  

5.3.6.1 Die Beschwerdeführerin macht im vorliegenden Zusammenhang 

zudem die mangelhafte Prüfung der Parteivorbringen und die Verletzung 

der Begründungspflicht geltend. Die Vorinstanz habe sich u.a. insbeson-

dere mit den folgenden wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin 

nicht oder nur ungenügend auseinandergesetzt und ihren Entscheid ent-

sprechend unzulänglich begründet: 

5.3.6.2 Die Vorinstanz habe in ihrer Untersuchung selbst festgestellt, 

dass die europäischen Hersteller die Preiserhöhungen für die Schweiz 

beschlossen (vgl. Verfügung Rz. 38) und Roto und Siegenia sogar Um-

setzungshöhe und Zeitpunkt abgesprochen hätten (vgl. Verfügung Rz. 

86). Die Beschwerdeführerin habe diesbezüglich aufgezeigt, dass das 

Verhalten der Hersteller ursächlich für die Preiserhöhungen in der 

Schweiz gewesen sei und sie als Händlerin die ihr auferlegten Preiserhö-

hungen habe hinnehmen müssen (vgl. Beschwerde Rz. 24 ff.). Das Tref-

fen vom 22. September 2006 habe damit gar nichts zu tun gehabt. Die 

Beschwerdeführerin habe dargelegt, dass sie gegenüber ihren Kunden 

Preiserhöhungen erst angekündigt habe, als die Hersteller ihr gegenüber 

die Preise erhöht hätten, da sie hierzu wirtschaftlich gezwungen gewesen 

sei. Diese Fakten habe die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung nicht berück-

sichtigt (vgl. Verfügung Rz. 118).  

5.3.6.3 Des Weiteren habe die Vorinstanz das Vorbringen der Beschwer-

deführerin nicht berücksichtigt, dass sie am Treffen vom 22. September 

2006 keinerlei Informationen ausgetauscht habe (vgl. Beschwerde Rz. 29 

ff.). Obwohl dies aktenkundig sei (vgl. act. 2, Anlage 23), behaupte die 

Vorinstanz in der Verfügung sogar das Gegenteil, ohne dafür irgendwel-

che Beweismittel vorzubringen (vgl. Verfügung Rz. 113 und 215).  

c) Würdigung des Gerichts  

5.3.7 Zur Frage der abgestimmten Verhaltensweise  

B-8404/2010 

Seite 41 

5.3.7.1 Der Verzicht auf die individuelle Festlegung der eigenen Wettbe-

werbsposition kann entweder in Form einer Vereinbarung oder einer ab-

gestimmten Verhaltensweise erfolgen. Den Erscheinungsformen ist ge-

meinsam, dass ihnen ein Konsens und damit ein „bewusstes und gewoll-

tes Zusammenwirken der an der Abrede beteiligten Parteien“ zugrunde 

liegt (vgl. BGE 129 II 18 E. 6.3; AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., Art. 4 

Abs. 1 Rn. 21; NYDEGGER/NADIG, a.a.O., Art. 4 Abs. 1 Rn. 53, 79). 

5.3.7.2 Für die Qualifikation als Wettbewerbsabrede ist nicht erforderlich, 

dass die beteiligten Unternehmen sich ausdrücklich in ein Einvernehmen 

über ihr Marktverhalten setzen. In der Praxis bestehen denn auch oft 

Schwierigkeiten bei der gegenseitigen Abgrenzung von zulässigem Paral-

lelverhalten einerseits und unzulässigem abgestimmtem Verhalten ande-

rerseits. Ein aufgrund von Markt- und Kostenstrukturen bewusst prakti-

ziertes Parallelverhalten stellt jedoch noch kein abgestimmtes Verhalten 

im Sinne von  Art. 4 Abs. 1 KG dar. Vielmehr ist ein Mindestmass an Ko-

ordination unternehmerischer Strategien zu verlangen, was eine Kontakt-

nahme der beteiligten Unternehmen in irgendeiner Form erfordert. Über-

dies bedarf es einer gemeinsamen Intention der Kartellanten (vgl. 

AMSTUTZ/CARRON/REINERT, a.a.O., Art. 4 Abs. 1 Rn. 115 ff.; JÜRG BORER, 

Wettbewerbsrecht I, Schweizerisches Kartellgesetz [KG], Kommentar, 3. 

Aufl., Zürich 2011, Art. 4 Rn. 2, 12 ff.).  

5.3.7.3 Zur Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der abgestimm-

ten Verhaltensweise orientieren sich Lehre und Praxis in der Schweiz 

ebenfalls an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (vgl. 

EuGH, ICI/Kommission, C-48/69, ECLI:EU:C:1972:70, Rn. 64, 67; EuGH, 

Geigy/Kommission, C-52/69, ECLI:EU:C:1972:73, Rn. 26; BGE 129 II ,18, 

27 E. 6.3, mit Hinweis auf ZÄCH, a.a.O., Rn. 367, welcher dafür plädiert, 

die EuGH-Definition der abgestimmten Verhaltensweisen auch für das 

schweizerische Kartellrecht zu übernehmen). Danach liegt eine solche 

vor, wenn die Wettbewerbsteilnehmer „bewusst die praktische Zusam-

menarbeit an die Stelle des mit Risiken verbundenen Wettbewerbs treten 

lassen“. Eine Koordination im Sinne des bewussten und gewollten Zu-

sammenwirkens erfolgt durch planmässigen Austausch bestimmter 

Marktinformationen, was es den Unternehmen anschliessend erleichtert, 

das Verhalten ihrer Konkurrenten zu antizipieren und ihr eigenes Verhal-

ten danach auszurichten (vgl. BGE 129 II 18 E. 6.3, mit weiteren Hinwei-

sen; EuGH, Geigy/Kommission, C-52/69, ECLI:EU:C:1972:73, Rn. 26; 

NYDEGGER/NADIG, a.a.O., Art. 4 Abs. 1 Rn. 101 f.). Eine gemeinsame Be-

B-8404/2010 

Seite 42 

schlussfassung im Sinne eines Vertrags muss nicht vorliegen (vgl. BO-

RER, a.a.O., Art. 4 Abs. 1 Rn. 13). 

5.3.7.4 Die Abrede muss zudem von den beteiligten Unternehmen aus 

freien Stücken abgeschlossen und umgesetzt we