# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4eab2b7-15f8-517e-8b08-762a8e5e068a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 27.10.2022 VBE.2022.263
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-263_2022-10-27.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.263 / fk / ce       
Art. 105 

 

 

Urteil vom 27. Oktober 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Schircks 

Gerichtsschreiberin Käslin 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch MLaw Kim Wysshaar, Rechtsanwältin,  

Mellingerstrasse 2a, Postfach 2078, 5402 Baden    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 13. Juni 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1977 geborene, zuletzt als Montageelektriker tätig gewesene Be-

schwerdeführer meldete sich am 24. Januar 2020 unter Hinweis auf eine 

Suchterkrankung bei der Beschwerdegegnerin zum Leistungsbezug (beruf-

liche Integration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) 

an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin Abklärungen in erwerblicher 

und medizinischer Hinsicht. Auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen 

Dienstes (RAD) liess sie den Beschwerdeführer polydisziplinär untersu-

chen (Gutachten der Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen AG 

[PMEDA] vom 23. August 2021). Nach Rücksprache mit dem RAD stellte 

die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 

8. Februar 2022 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach-

dem der Beschwerdeführer dagegen Einwände erhoben hatte, stellte die 

Beschwerdegegnerin den PMEDA-Gutachtern auf Empfehlung des RAD 

Ergänzungsfragen, welche diese mit Stellungnahme vom 9. Mai 2022 be-

antworteten. Nach erneuter Rücksprache mit dem RAD verfügte die Be-

schwerdegegnerin am 13. Juni 2022 ihrem Vorbescheid entsprechend. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 13. Juni 2022 erhob der Beschwerdeführer am 

12. Juli 2022 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"1. Es sei die Verfügung vom 13. Juni 2022 aufzuheben und es sei 
ein IV-Grad von mindestens 50% festzustellen. 

 
2. Es sei die angefochtene Verfügung vom 13. Juni 2022 aufzuheben 

und es sei dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. Juli 2020 
mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen sowie die Be-
schwerdegegnerin zur Ausrichtung der entsprechenden Renten-
leistungen, zuzüglich Verzugszins, zu verpflichten. 

 
3. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung vom 13. Juni 2022 

aufzuheben und das Leistungsbegehren zur umfassenden Fest-
stellung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be-

schwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 1. Septem-

ber 2022 die Abweisung der Beschwerde. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 13. Juni 2022 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 51) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

2.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung 

(VB 51) in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das PMEDA-Gut-

achten vom 23. August 2021 (VB 32), welches eine internistische, neuro-

logische, orthopädische und psychiatrische Beurteilung vereint. Darin wur-

den interdisziplinär die nachfolgenden Diagnosen gestellt (VB 32 S. 5): 

 
"Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
Opiat-Abhängigkeit, ICD-10: F11.2 
 
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
Adipositas WHO Grad I 
Fettleberhepatitis 
Arterielle Hypertonie 
Spreizfuss und Hallux valgus beidseits". 

 

Betreffend die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, der Beschwerde-

führer sei in seiner bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund 

der Sucht seien Arbeiten mit höherer Verantwortung für Dritte, Arbeiten an 

und mit gefährdenden Maschinen, in gefährdenden Höhen und mit dem 

Führen von Kraftfahrzeugen sowie Arbeiten mit Zugriff auf Suchtmittel un-

geeignet. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsunfä-

higkeit. Unter einer Anpassung der derzeit toxischen Morphindosierung sei 

eine Stabilisierung und Steigerung der Arbeitsfähigkeit zumindest in ange-

passten Arbeiten in circa sechs Monaten zu erwarten. Das Ausmass der 

Arbeitsunfähigkeit gelte seit über zehn Jahren (VB 32 S. 6 f.). 

 

2.2. 

Mit Stellungnahme vom 2. Februar 2022 gab RAD-Arzt Dr. med. B., Fach-

arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, an, es bestehe in der Gesamt-

schau kein IV-relevanter Gesundheitsschaden mit Krankheitswert, welcher 

bleibende Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit mit langandauerndem 

Charakter in einer angepassten Tätigkeit begründe. Es sei von einer Fehl-

behandlung bzw. toxischen Überdosierung mit Opiaten auszugehen. Aus 

diesem Grund werde eine adäquate Behandlung/Therapie dringend emp-

fohlen. Nach Dosisanpassung der Opiatsubstitution oder alternativ voll-

ständigem Entzug und Entwöhnung sei eine wesentliche Verbesserung 

bzw. Stabilisierung des Gesundheitszustandes nach sechs Monaten zu er-

warten (VB 34 S. 4). 

 - 4 - 

 

 

 

2.3. 

Am 6. April 2022 nahm RAD-Arzt B. zu den Einwänden des Beschwerde-

führers vom 24. März 2022 (VB 44) Stellung. Er empfahl, Rückfragen be-

züglich der psychiatrischen Beurteilung an die PMEDA-Gutachter zu stel-

len, zumal sich Unstimmigkeiten hinsichtlich der Diagnosestellung, des Be-

handlungsvorschlags und der Einschätzung der Leistungsfähigkeit zwi-

schen dem psychiatrischen Gutachten und den behandelnden Ärzten er-

geben würden (VB 46 S. 2 f.). 

 

Am 9. Mai 2022 nahmen die PMEDA-Gutachter Stellung und führten aus, 

der behandelnde Arzt, Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie, nenne keine eigene Bewertung der Arbeitsfähigkeit und berichte 

keinen eigenen Befund (VB 48 S. 1). In Überdosierungssituationen sei eine 

schrittweise Dosisreduktion – gegebenenfalls unter stationären Bedingun-

gen – angezeigt. Die gutachterliche Empfehlung sei also sinnvoll und auf-

rechtzuerhalten (VB 48 S 5). 

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

3.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-

obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den Gut-

achten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversi-

cherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4. 

4.1. 

In Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten (vgl. VB 15 S. 4; VB 22 

S. 2) diagnostizierte die psychiatrische Gutachterin der PMEDA eine Opiat-

Abhängigkeit. Diese Diagnose wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. 

 - 5 - 

 

 

 

Vielmehr bringt er vor, erst nach Abschluss einer Abdosierungstherapie 

könne die Leistungsfähigkeit beurteilt werden. Mittels Auflage sei der Be-

schwerdeführer anzuhalten, das Substitutionsmedikament langsam abzu-

dosieren. Davon unbesehen habe er einen Anspruch auf mindestens eine 

halbe IV-Rente ab 1. Juli 2020, zumal im Verfügungszeitpunkt eine voraus-

sichtlich längere Zeit dauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe 

(Beschwerde, Rz. 19 f.). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Im PMEDA-Gutachten, welches die Beschwerdegegnerin als beweiskräftig 

wertete, wurde in psychiatrischer Hinsicht eine Opiat-Abhängigkeit (ICD-

10: F11.2) diagnostiziert (VB 32 S. 115), was zu einer 100%igen Arbeits-

unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer 50%igen Arbeitsunfä-

higkeit in einer angepassten Tätigkeit führe (VB 32 S. 125 ff.). Die Gutach-

terin führte unter "Psychiatrischer Befund nach AMDP" aus, es bestehe ins-

gesamt kein psychisch erheblich beeinträchtigter Eindruck, namentlich be-

stehe kein Anhalt für qualitative oder quantitative Bewusstseinsstörungen. 

Sie stellte eine unauffällige Konzentration und Aufmerksamkeit, geordnetes 

Denken, keine Denkstörungen und einen unauffälligen Antrieb fest (VB 32 

S. 113 ff.). Der Beschwerdeführer wirke klinisch unauffällig, im Gespräch 

aufmerksam und kooperativ sowie nicht "intoxikiert" (VB 32 S. 116). Hin-

sichtlich der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit führte sie aus, 

die letzte Tätigkeit erscheine zumindest vorerst nicht geeignet, was allen-

falls in circa sechs Monaten evaluiert werden könne (VB 32 S. 125). Die 

50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit begrün-

dete sie mit der diagnostizierten Opiat-Abhängigkeit, wobei sie ausführte, 

der aktuelle psychiatrische Befund sei eher blande. Bei zweifelsfrei vorlie-

gender Opiatabhängigkeit liessen sich auf psychiatrischem Fachgebiet 

keine dauerhaften psychiatrischen Folgen dieser Abhängigkeit feststellen, 

die einer Arbeit in einer angepassten Tätigkeit im Wege stehen würden 

(VB 32 S. 118). Ebenfalls liessen sich keine überdauernden psychischen 

Auffälligkeiten und keine relevanten Einschränkungen kognitiver Fähigkei-

ten feststellen (VB 32 S. 117). Die attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit be-

ziehe sich auf Arbeiten ohne höhere Verantwortung für Dritte und ohne Tä-

tigkeiten an gefährdenden Maschinen oder in gefährdenden Höhen oder 

mit Kraftfahrzeugen. Die Arbeitsfähigkeit erscheine in circa sechs Monaten 

auf 100 % steigerbar, da eine leitliniengerechte Therapieführung (Dosisan-

passung der Opiatsubstitution in einen nicht toxischen Bereich, alternativ 

eine vollständige Entgiftung und Entwöhnung) eine weitere Stabilisierung 

erwarten lasse (VB 32 S. 118). Unter "Funktionelle Auswirkungen der Be-

funde/Diagnosen" gaben die Gutachter in der Konsensbeurteilung an, es 

bestehe anamnestisch eine erhaltene Alltags-Selbständigkeit, eine Selbst-

versorgungsfähigkeit und eine soziale Integration. Ferner besorge der Be-

schwerdeführer seinen Haushalt selbst, sei mobil, selbständig, verfolge In-

 - 6 - 

 

 

 

teressen und unterhalte soziale Kontakte, was einen generellen Aus-

schluss des Beschwerdeführers von der Teilhabe am Arbeitsleben nicht 

stütze (VB 32 S. 6). 

 

4.2.2. 

Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit, worunter auch 

Suchterkrankungen fallen (BGE 145 V 215 E. 5.2.1 S. 222), ist nicht ohne 

Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität (BGE 145 V 

215 E. 4.2 S. 221 mit Hinweis auf BGE 127 V 294 E. 4c S. 298), denn auch 

bei Abhängigkeitssyndromen – nicht anders als bei den meisten Erkran-

kungen (BGE 140 V 193 E. 3.1 S. 195) – besteht kein direkter Zusammen-

hang zwischen Diagnose und Arbeits(un)fähigkeit bzw. Invalidität. Vielmehr 

sind die Auswirkungen des bestehenden Gesundheitsschadens auf das 

funktionelle Leistungsvermögen im Einzelfall für die Rechtsanwendenden 

nachvollziehbar ärztlich festzustellen (BGE 145 V 215 E. 6.1 S. 227; 143 V 

409 E. 4.2.1 S. 412 f.), denn bei psychischen Leiden ist in allen Fällen 

durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und in-

wieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter 

Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend 

und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sach-

verständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psy-

chiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diag-

nosen usw.), das heisst, sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die 

in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Er-

gebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits 

ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen 

Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und 

die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin-

sicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat dar-

zutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Be-

funde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar 

– zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken – unter Miteinbe-

zug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der ren-

tenansprechenden Person (BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 368; vgl. auch 

BGE 148 V 49 E. 6.2.1 S. 53 f. mit Hinweis). 

 

4.2.3. 

Sowohl die Ausführungen der psychiatrischen Gutachterin als auch jene 

der Gutachter in der Konsensbeurteilung sind nicht geeignet, um die Aus-

wirkungen der Opiat-Abhängigkeit auf das funktionelle Leistungsvermögen 

zu beurteilen. Insbesondere ist festzuhalten, dass sich weder im psychiat-

rischen Teilgutachten noch in der interdisziplinären Konsensdiskussion 

Ausführungen zu den Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf das 

funktionelle Leistungsvermögen finden lassen. Solche wären jedoch für die 

Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabdingbar gewesen, zu-

mal sie das Grundgerüst der Folgenabschätzung bilden (BGE 141 V 281 

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E. 4.3 S. 298). Gleiches gilt für die Ausführungen von RAD-Arzt B. (vgl. 

VB 34 S. 4). Es genügt zur Beurteilung des funktionellen Leistungsvermö-

gens namentlich nicht, wenn er ausführt, die aktuellen Leistungseinschrän-

kungen von 50 % liessen sich im Rahmen der nicht adäquaten Thera-

pie/Behandlung bei toxischer Überdosierung mit Opiaten erklären (VB 34 

S. 4). Dies umso weniger, als der behandelnde Psychiater im Vorbescheid-

verfahren (VB 44 S. 1) ausgeführt hatte, es stelle sich die Frage, weshalb 

eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit gesehen worden sei; an der Opiatdosis 

könne es nicht liegen. Mit anderen Worten lässt sich die attestierte Arbeits-

unfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gestützt auf das Gutachten so-

wie die Beurteilungen des RAD nicht nachvollziehbar begründen. 

 

Soweit die Gutachter und der RAD-Arzt dem Beschwerdeführer demzu-

folge eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attes-

tieren, ohne sich zu allfällig bestehenden funktionellen Einschränkungen zu 

äussern und sich sodann eingehend und nachvollziehbar mit den Auswir-

kungen der Diagnose auf das funktionelle Leistungsvermögen auseinan-

derzusetzen, ist das Gutachten unvollständig und die Angelegenheit somit 

zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 

4.2.4. 

Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten bestehe des Weiteren ein nicht 

ausgeschöpftes therapeutisches Potential (vgl. VB 32 S. 132). Diesbezüg-

lich führte die Gutachterin aus, der Beschwerdeführer nehme täglich 

1'000 ml Morphin ein, wobei der toxische Bereich bei nicht Opiatabhängi-

gen bei einem Spiegel oberhalb von 350 nmol/l liege. Beim Beschwerde-

führer liege der Spiegel bei 772,6 nmol/l. Die Opiat-Abhängigkeit sei einer 

Behandlung zugänglich. Die Mitarbeit an einer solchen Behandlung sei 

dem Beschwerdeführer gut zumutbar und stehe in seinem Gesundheitsin-

teresse (VB 32 S. 116 f.). Es sei nicht plausibel, weshalb psychiatrische 

Vorstellungen lediglich alle vier Wochen erfolgen würden (VB 32 S. 118). 

Zu empfehlen sei eine schrittweise Dosisreduktion der Substitutionsmedi-

kation, hierunter sei eine Stabilisierung zu erwarten. Im Rahmen der weite-

ren Behandlung sollten Compliance-Kontrollen hinsichtlich eines Bei-

konsums erfolgen (VB 32 S. 118). Auch der RAD-Arzt empfahl in seiner 

Aktenbeurteilung vom 2. Februar 2022 eine ambulante Behandlung (psy-

chiatrisch-psychotherapeutisch mit Schwerpunkt Suchtmedizin) mit dem 

Ziel der Dosisanpassung der Opiatsubstitution. Diesfalls sei eine Verbes-

serung des Gesundheitszustands bzw. die Erhöhung der Leistungsfähig-

keit von 50 % bis auf 100 % innerhalb von sechs Monaten zu erwarten 

(vgl. VB 34 S. 5). 

 

In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass insbesondere die 

grundsätzliche Behandelbarkeit einer Gesundheitsbeeinträchtigung in der 

Invalidenversicherung einen Anspruch nicht per se ausschliesst (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.3.1; BGE 143 V 

 - 8 - 

 

 

 

409 E. 4.4 S. 414 f. sowie grundlegend BGE 127 V 294 E. 4 S. 294 ff.), 

denn die Behandelbarkeit, für sich allein betrachtet, sagt nichts über den 

invalidisierenden Charakter einer psychischen Störung aus (BGE 143 V 

409 E. 4.2.1 S. 412 f.). Die Therapierbarkeit vermag entgegen der Ansicht 

der Beschwerdegegnerin mithin keine abschliessende evidente Aussage 

über das Gesamtmass der Beeinträchtigung und deren Relevanz im 

invalidenversicherungsrechtlichen Kontext zu liefern. 

 

4.3. 

Zusammenfassend lässt sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers 

gestützt auf das PMEDA-Gutachten vom 23. August 2021 und die Stellung-

nahme vom 9. Mai 2022 nicht zuverlässig beurteilen. Der anspruchs-

relevante medizinische Sachverhalt erweist sich im Lichte der Untersu-

chungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 

E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 S. 195; KIESER, 

a.a.O., N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) als nicht rechtsgenüglich erstellt. Es 

rechtfertigt sich deshalb, die Sache zu weiteren Abklärungen an die Be-

schwerdegegnerin zurückzuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 100; 

137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzu-

heissen, dass die angefochtene Verfügung vom 13. Juni 2022 aufzuheben 

und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur 

Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

  

 - 9 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 

13. Juni 2022 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne 

der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 3'300.00 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreterin; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 - 10 - 

 

 

 

   

Aarau, 27. Oktober 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Käslin