# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d23dff5-69d3-5fe2-b635-9d29e5249a00
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2000-12-21
**Language:** de
**Title:** Zürich Verwaltungsgericht 21.12.2000  VB.2000.00344
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Verwaltungsgericht/ZH_VG_001_-VB-2000-00344_2000-12-21.html

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				Geschäftsnummer: 	VB.2000.00344	 
	Entscheidart und -datum: 	Endentscheid vom 21.12.2000
	Spruchkörper: 	3. Abteilung/3. Kammer
	Weiterzug: 	Dieser Entscheid ist rechtskräftig.
	Rechtsgebiet: 	Gesundheitswesen
	Betreff: 

	Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung als Psychotherapeutin

	
Anspruch einer Theologin mit jahrelanger selbständiger Tätigkeit auf Zulassung nach den Richtlinien der Gesundheitsdirektion

Da die Beschwerdeführerin schon vor dem 31. Dezember 1994 als selbständige Therapeutin tätig war, gelten für sie die erleichterten Ausbildungsanforderungen (E. 3).
Ihre Erstausbildung genügt den Anforderungen klar nicht (E. 3a).
Dass die Spezialausbildung nicht "integral" sein muss, hat den Verzicht auf den Einbezug von Selbsterfahrung und Supervision in einen einheitlichen Lehrgang zur Folge (E. 3b).
Das theoretische Ausbildungsangebot der von der Beschwerdeführerin absolvierten Institution genügt schon quantitativ nicht (E. 3c).
Die theoretische Ausbildung ist zudem nicht umfassend, sondern als Zusatzausbildung konzipiert (E. 3d).

			 	
				Stichworte:
	
						BERUFSAUSÜBUNG
CHARTA
INTEGRAL
PSYCHOTHERAPEUT/-IN
PSYCHOTHERAPIE
RICHTLINIEN
SELBSTÄNDIGE BERUFSAUSÜBUNG
SPEZIALAUSBILDUNG
THEORIE
ÜBERGANGSRECHT

					
	
	Rechtsnormen:
	
						§ 7 Abs. I aGesundheitsG

					
	
	Publikationen:
	
						- keine -
					
	Gewichtung:

					(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
	
						Gewichtung: 4
					

			 

	 	
			

			

I. Die an der Universität Basel diplomierte Theologin A
ersuchte die Gesundheitsdi­rektion des Kantons Zürich am 10. Februar 1999
um Zulassung als selbständig tätige Psy­chotherapeutin. Die hierfür
erforderliche Spezialausbildung belegte sie durch einen Kurs­ausweis des
Instituts E. Da die von diesem In­stitut angebotene Ausbildung von der CHAR­TA
nicht anerkannt und der Fachkommission der Gesundheitsdirektion nicht bekannt
war, ersuchte diese die Gesuchstellerin, einen Fragebogen durch die
Ausbildungsinstitution be­antworten zu lassen. Nach Eingang eines Berichts von
Prof. D teilte die Gesundheitsdirek­tion der Gesuchstellerin am 28. April
2000 mit, die Bewilligung zur selbständigen Berufs­ausübung als Psychotherapeu­tin
könne ihr nicht erteilt werden.

 

Auf Ersuchen von A wies die Direktion das Gesuch am
13. Sep­tember 2000 förm­lich ab. Sie erwog, nach Ziff. 5 der
Richtlinien der Gesundheitsdirektion vom März 1999 könne die Bewilligung an
Gesuchstellende erteilt werden, die vor dem 31. Dezember 1994 im Kanton
psychotherapeutisch tätig geworden seien und über eine ausreichende Ausbil­dung
verfügten. Die Ausbildung gelte als ausreichend, wenn entweder die
Zulassungsvor­aussetzung der Erstausbildung oder aber jene der
Spezialausbildung erfüllt seien, wobei von einer integralen Ausrichtung der
Spezialausbildung abgesehen werde. Die seit dem 1. Januar 1988 selbständig
tätige Gesuchstellerin habe weder eine rechtsgenügende Erst­ausbildung noch
eine rechtsgenügende Spezialausbildung absolviert. Die vom Institut für Ehe und
Familien angebotene Ausbildung umfasse 288 Stunden Theorie und sei allein
schon von der Stundenzahl her ungenügend. Diese sei auch nicht als umfassende
Ausbil­dung in Psychotherapie, sondern lediglich als Zusatzausbildung zu einer
be­reits absolvier­ten Spezialausbildung konzipiert. Die weiteren von der
Gesuchstellerin besuchten Theorie­stunden würden teilweise psychologisches
Grundlagenwissen vermitteln und könnten nur im Rahmen einer Erstausbildung,
nicht aber im Rahmen der psychotherapeutischen Spezi­alausbildung anerkannt
werden.

 

II. Gegen diese Verfügung wandte sich A am 6. Oktober
2000 an das Verwaltungs­gericht und beantragte, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und die ersuchte Bewil­ligung zu erteilen. Die Gesundheitsdirektion
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 31. Ok­tober 2000 die Abweisung des
Rechtsmittels.

 

Mit Eingabe vom 30. November 2000 reichte die
Beschwerdeführerin unaufgefor­dert eine ergänzende Stellungnahme von Prof. D
vom 24. November 2000 ins Recht.

 

 

Das Verwaltungsgericht
zieht in Erwägung:

 

 

1. Das Verwaltungsgericht ist für die vorliegende Streitsache
gemäss § 41 in Ver­bindung mit § 19a Abs. 2 Ziff. 2 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/ 8. Juni 1997 (VRG)
zuständig.

 

Mit der vorliegenden direkten Beschwerde an das
Verwaltungsgericht können so­wohl Rechtsverletzungen als auch die
Unangemessenheit der angefochtenen Verfügung geltend gemacht werden (§ 50
Abs. 1 und 3 VRG).

 

2. a) Die Zulassung selbständiger Psychotherapeuten und
Psychotherapeutinnen hat im Kanton Zürich eine lange und wechselvolle
Geschichte hinter sich. Im Jahr 1991 hatte das Verwaltungsgericht festgestellt,
dass der damals noch im zürcherischen Gesundheits­recht vorgesehene Ausschluss
nichtärztlicher selbständiger Psychotherapeuten gegen den Grundsatz der
Verhältnismässigkeit verstosse und daher verfassungswidrig sei (vgl. RB 1991
Nr. 81 = ZBl 93/1992, S. 74). In der Folge erliess der Regierungsrat
am 8. Januar 1992 gestützt auf die in § 31a des Gesundheitsgesetzes
vom 4. November 1962 (Gesund­heitsG) enthaltene Ermächtigung die
Verordnung über die Berufe der Gesundheitspflege (VBG), welche die frühere
Verordnung über die medizinischen Hilfsberufe vom 11. Au­gust 1966
ersetzte.

 

Nach § 1 VBG übt einen Beruf der Gesundheitspflege aus,
wer gegen Entgelt oder berufsmässig Krankheiten, Verletzungen oder sonstige
gesundheitliche Störungen feststellt oder behandelt, Geburtshilfe ausübt oder
medizinische Analysen durchführt. § 2 VBG un­terscheidet zwischen
unselbständiger und selbständiger Ausübung der Berufe der Gesund­heitspflege.
Während die unselbständige Berufsausübung ‑ im Namen und auf
Rechnung eines zur selbständigen Berufsausübung berechtigten
Aufsichtspflichtigen ‑ nach §§ 35/36 VBG keiner Bewilligung
bedarf, ist für die selbständige Berufsausübung nach § 9 VBG ei­ne
Bewilligung der Gesundheitsdirektion erforderlich. Die in § 3 VBG einzeln
aufgezähl­ten Tätigkeiten gelten jedoch von vornherein als nicht
bewilligungspflichtige medizinische Verrichtungen, so auch unter anderem die
psychologische Beratung und Beurteilung ge­sun­der Personen (lit. f). Die
Psychotherapeuten sind gemäss § 8 lit. g VBG zur selbständi­gen
Berufsausübung berechtigt. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst laut § 31 VBG die
Feststel­lung und Behandlung von Krankheiten, die sich nach anerkannter
wissenschaftlicher Lehre mit psychologischen Methoden behandeln lassen
(Abs. 1). Die Behandlung von Krankhei­ten mit körperlichen Merkmalen ist
nur unter Beizug eines Arztes zulässig (Abs. 2). 

 

Die Voraussetzungen für die
Bewilligungserteilung waren sodann in § 32 VBG um­schrieben: Erforderlich
waren ein abgeschlossenes Psychologiestudium unter Einschluss der
Psychopathologie an der Universität Zürich oder an einer anderen von der
Gesundheits­direk­tion als gleichwertig anerkannten Hochschule und zusätzlich
eine Berufsarbeit in einer von der Gesundheitsdirektion anerkannten
Institution, wobei zwei der drei Praxisjahre bei einem selbständigen
Psychotherapeuten, einem Spezialarzt für Psychiatrie/­Psy­cho­the­rapie oder ei­nem
Spezialarzt für Kinder‑ und Jugendpsychiatrie/‑psychotherapie
absolviert werden konn­ten (Abs. 1). Zusätzlich mussten nach dem Studium
200 Stunden Selbsterfahrung, 200 Stun­den Theorie und
200 Stunden Supervision bei einem selbständigen Psychotherapeuten oder einem
Spezialarzt für Psychiatrie/Psychotherapie besucht worden sein (Abs. 2).
Die in der VBG getroffene Zulassungsordnung für die Psychotherapie wurde auf
staatsrechtliche Be­schwerde hin vom Bundesgericht am 3. Dezember 1993
überprüft. Dabei würdigte das Bun­desgericht die in § 32 VBG formulierten
Zulassungsvoraussetzungen in den Grundzügen (näm­lich bezüglich des
Erfordernisses einer Grundausbildung in Psychologie mit Einschluss der
Psychopathologie sowie bezüglich der Umschreibung der erfor­derlichen praktischen
Tätigkeit) als verfassungskonform; ob es sich bei dem bestehenden privaten
Ausbildungsan­gebot rechtfertige, den Zugang zum Beruf eines selbständigen
Psychotherapeuten aus­schliess­lich von einem Psychologiestudium an der
Universität Zürich oder an einer anderen von der Gesundheitsdirektion
anerkannten Hochschule abhängig zu machen, liess das Bun­desgericht offen, weil
diese Grundsatzfrage jedenfalls in einem for­mellen Gesetz zu regeln wäre.
Sodann beanstandete das Bundesgericht das Fehlen von Übergangsbestimmungen be­züglich
der in § 32 VBG getroffenen Zulassungsordnung. Weil die verfassungsmässige
Zu­lässigkeit von § 32 VBG eng von der zu schaffenden Übergangs­regelung
abhänge, hob es diese Bestimmung als Ganzes auf.

 

Ein späterer Entwurf der Gesundheitsdirektion vom November
1994 sah vor, die Zulassungsvoraussetzungen für Psychotherapeuten und für
Kinderpsychotherapeuten im Gesundheitsgesetz (§§ 22 und 22a) zu regeln. In
§ 22 des Entwurfs wurden die im aufge­hobenen § 32 VBG enthaltenen
Bewilligungsvoraussetzungen weitgehend übernommen. Diesem Entwurf folgte ein
weiterer vom Mai 1997, der eine Regelung in der zu revidieren­den VBG mit
weiter umschriebener Zulassungsberechtigung insbesondere hinsichtlich der
Grundausbildung vorsah. Deren Erlass unterblieb jedoch infolge eines
parlamentarischen Vorstosses, der eine Regelung auf Gesetzesstufe verlangte. 

 

b) In dieser Situation beschloss der Regierungsrat am
12. August 1998, angesichts der unsicheren Lage über eine künftige
Regelung vorläufig überhaupt keine Bewilligungen mehr zur selbständigen
Berufsausübung an nichtärztliche Psychotherapeuten und Psycho­therapeutinnen zu
erteilen. Die daraufhin von der Gesundheitsdirektion verfolgte restriktive
Bewilligungspraxis würdigte das Verwaltungsgericht in einem Entscheid vom
12. No­vem­ber 1998 (RB 1998 Nr. 79) jedoch als
verfassungswidrig. Es kam zum Schluss, welche An­forderungen an nichtärztliche
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu stellen seien, müsse bis zum
Erlass einer generell-abstrakten Regelung auf Gesetzes‑ oder Verord­nungsstufe
im Einzelfall bestimmt werden. Zulässig sei es aber, jedenfalls eine fundierte
Ausbildung in Psychologie einschliesslich Psychopathologie mit anschliessender
Berufsar­beit, ergänzt durch eine begleitende, spezifisch auf die
Psychotherapie ausgerichtete Spezi­alausbildung zu verlangen. Die
Gesundheitsdirektion werde nicht darum herumkommen, im Sinn einer
Übergangsregelung zwecks rechtsgleicher Behandlung aller diesbezüglichen
Gesuche einen mehr oder minder detaillierten Anforderungskatalog für die
Zulassung zur selbständigen Berufsausübung von nichtärztlichen
Psychotherapeutinnen und Psychothera­peuten zu entwickeln. Dabei stehe es ihr
frei, zur Vermeidung einer negativen Präjudizie­rung der ausstehenden Regelung
die Voraussetzungen derart eng zu umschreiben, dass da­mit jedenfalls nicht
wesentlich mehr Berufsangehörige zugelassen würden, als dies mit der
restriktivsten aller denkbaren verhältnismässigen Lösungen der Fall wäre. Sie
könne den An­forderungskatalog aber auch soweit mildern, dass jedenfalls nicht
wesentlich weniger Berufsangehörige zugelassen würden als mit der extensivsten
aller wahrscheinlichen ge­setzlichen Lösungen und allfälligen späteren
Differenzen zwischen Praxis und Gesetz als­dann etwa mittels Auflagen und
Befristung begegnen. Gleiches habe mit Bezug auf die aus­stehende Regelung des
Übergangsrechts zu gelten, das seinerseits einer behelfsmässi­gen
zwischenzeitlichen Ordnung bedürfe.

 

Im Anschluss an diesen Entscheid des Verwaltungsgerichts
erarbeitete die Gesund­heitsdirektion im März 1999 ein Merkblatt über ihre
Bewilligungspraxis zur Führung einer Psychotherapiepraxis. Nach deren
Ziffer 1 wird neben einem abgeschlossenen Psycholo­giestudium oder einer
anderen gleichwertigen Ausbildung (lit. a) und einer unselbständigen
psychotherapeutischen Tätigkeit (mit näheren Spezifizierungen; lit. c)
eine integrale Spezi­alausbildung in mindestens einer anerkannten, bei der
Behandlung von psychischen und psychosomatischen Krankheiten und Störungen
bewährten Psychotherapiemethode vor­ausgesetzt, die Theorie, Selbsterfahrung
und Supervision in der entsprechenden Methodik umfasst (lit. b). In den
Erläuterungen zu diesen Richtlinien werden bezüglich der Spezial­ausbildung
mindestens je 200 Stunden Theorie, Selbsterfahrung und Supervision in
einer anerkannten, bei der Behandlung von psychischen und psychosomatischen
Krankhei­ten bewährten Psychotherapiemethode verlangt. Die Ausbildung muss die
vertiefte Anwen­dung der in der Theorie erlernten Methode über eine Umsetzung
auf die eigene Person um­fassen (Selbsterfahrung). Sie hat auch die vertiefte
Anwendung der gewählten Methode auf andere Personen unter fachlicher Kontrolle
zu beinhalten (Supervision). Im Bereich des Übergangsrechts sieht das Merkblatt
die Bewilligung für vor dem 31. Dezember 1994 selb­ständig tätige
Psychotherapeuten vor, wenn diese entweder die Zulassungsvoraussetzung der
Erstausbildung oder jene der Spezialausbildung erfüllen, wobei von einer
integralen Ausrichtung der Spezialausbildung abgesehen wird (Ziff. 5).

 

c) Gemäss der vom Kantonsrat am 21. August 2000
beschlossenen Revision von § 22 GesundheitsG werden abgesehen von einer
Verschärfung im Bereich der Erstausbil­dung im Wesentlichen die gleichen
Anforderungen an selbständige nichtärztliche Psycho­therapeuten wie in
Ziff. 1 des erwähnten Merkblatts gestellt. Mit Bezug auf das Übergangs­recht
entspricht Ziff. II der Revision ebenfalls dem zitierten Merkblatt mit dem
Zusatz, dass das Recht auf Zulassung nach dieser Bestimmung verwirkt ist, wenn
nicht innert sechs Monaten seit ihrem Inkrafttreten ein entsprechendes Gesuch
gestellt wird. Die Referen­dums­frist betreffend diese Gesetzesänderung ist
Ende Oktober 2000 unbenutzt abgelaufen (Kantonsratsbeschluss vom
20. November 2000). Die Inkraftsetzung ist bis heute nicht er­folgt.

 

3. Da die Beschwerdeführerin schon vor dem 31. Dezember
1994 als selbständige Psychotherapeutin im Kanton Zürich tätig geworden ist,
gelten für sie die erleichterten Aus­­bildungsanforderungen gemäss Ziff. 5
des Merkblatts. 

 

a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Erstausbildung
entspreche den An­forderungen gemäss Ziff. 1 des Merkblatts.

 

Die Beschwerdeführerin hat einen Abschluss der Universität
Basel in Theologie und hat im Nachdiplomstudium Prüfungen in Neurosenlehre
(60 Stunden), Psychopatholo­gie (60 Stunden) und Psychiatrie
(30 Stunden) abgelegt (act. --). Demgegenüber hatte die
Gesundheitsdirektion der Beschwerdeführerin bereits mit Schreiben vom
7. Ok­to­ber 1999 dargelegt, welche Anforderungen an die Gleichwertigkeit
eines anderen Hochschulab­schlusses im Sinn von Ziff. 1 des Merkblatts zu
stellen seien, insbesondere welche Fächer eine auf das Theologiestudium
folgende Nachdiplomausbildung im Einzelnen umfassen müsse, um als hinreichende
Erstausbildung anerkannt werden zu können (act. --). Verlangt werden ein
in mindestens 400 Stunden vermitteltes Grundlagenwissen in sieben spezifi­schen
Fächern zu je mindestens 30 Stunden sowie mindestens 140 Stunden in
zusätzlichen vier spezifischen Fächern zu je mindestens 30 Stunden (vgl.
act. --). Da die Nachdiplom­studien der Beschwerdeführerin diese
Anforderungen klar nicht erfüllen, ist einzig zu prü­fen, ob ihre
familientherapeutische Ausbildung beim Institut E eine hinreichende Spezial­ausbildung
darstellt.

 

b) Die Gesundheitsdirektion hat in der angefochtenen Verfügung
allgemein darge­legt, dass eine Spezialausbildung in Psychotherapie die
Elemente Theorie, Selbsterfahrung und Supervision zu enthalten habe, die
aufeinander abgestimmt sein und ein ganzheitliches Lehrsystem bilden müssten.
Der von einer Ausbildungsinstitution vorgeschriebene Theo­rieunterricht müsse
Metatheorie (insbesondere erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Aspekte der
entsprechenden Schule, schulspezifische Geschichte und Ethik), Therapietheo­rie
(Gesundheits- und Krankheitsverständnis: schulspezifische Theorien der
psychischen Störungen und Erkrankungen inkl. Psychosomatik) sowie Praxistheorie
(Diagnostik, Indi­kation und Kontraindikation, Prognostik, Interventions- und
Methodenlehre, Exploration und Behandlungstechnik mit Bezug auf bestimmte
Krankheits- und Störungsbilder) umfas­sen. Mit diesen Kriterien lehnt sich die
Gesundheitsdirektion erklärtermassen an die­jenigen der Schweizer CHARTA für
Psychotherapie an, eine zur Qualitätssicherung geschlossene Übereinkunft
verschiedener Ausbildungsinstitutionen für Psychotherapie. Dementspre­chend
anerkennt die Gesundheitsdirektion allgemein diejenigen psychotherapeutischen
Spezialausbildungen, die von der CHARTA bereits anerkannt sind, und unterzieht
nur diejenigen, die bisher nicht anerkannt sind, einer eigenen Überprüfung auf
Erfüllung der Anerkennungsvoraussetzungen.

 

Die Übergangsbestimmungen verzichten erklärtermassen darauf,
dass die absolvier­te Spezialausbildung integral ausgerichtet sein müsse. Was
dies im Einzelnen bedeutet, sagt die Gesundheitsdirektion nicht ausdrücklich,
indem sie zwar in den allgemeinen Erwä­gungen auf diese Vergünstigung verweist,
alsdann aber die von der Beschwerdeführerin ab­solvierte Ausbildung anhand der
von ihr auch in anderen nicht übergangsrechtlichen Fäl­len angewandten
Kriterien prüft und der Ausbildung in E. 4 schliesslich die Qualifikation
als umfassende integrale Spezialausbildung abspricht. Gleichzeitig ist jedoch
eine massge­bende Differenz zu der in anderen Fällen verlangten Integration der
Selbsterfahrung und Supervision in die Spezialausbildung ersichtlich. Indem die
Gesundheitsdirektion aus­drück­lich die von der Beschwerdeführerin absolvierte
Selbsterfahrung und Supervision anerkennt (E. 3 am Ende), wird im Gegensatz
zu den nicht übergangsrechtlichen Fällen darauf verzichtet, von der
Ausbildungsinstitution selber einen direkten Einbezug der not­wendigen Stunden
in Supervision und Selbsterfahrung im Rahmen des Ausbildungskon­zepts zu
verlangen. Dies bedeutet, dass die drei Bestandteile der Spezialausbildung,
Theo­rie, Selbsterfahrung und Supervision sich nach Auffassung der
Gesundheitsdirektion in den übergangsrechtlichen Fällen nicht zwingend zu einer
geschlossenen Einheit zusammen­fügen müssen. Diese Auslegung erscheint sinnvoll
und deckt sich auch mit dem in der CHARTA verwendeten Begriff der
"Integralität einer Ausbildung" (vgl. Teil B Ziff. 3.1.).
Die Beschwerdeführerin selber beanstandet denn auch dieses Verständnis von
Ziff. 5 des Merkblatts nicht.

 

c) Mit Bezug auf das theoretische Ausbildungsangebot verlangt
die Gesundheitsdi­rektion, dass die entsprechende Institution insgesamt
mindestens 300 Stunden an theoreti­scher Wissensvermittlung anbiete. Diese
Stundenzahl gewährleiste eine theoretische Wis­sensvermittlung auf angemessenem
Niveau, zumal die Theorie sich auf die Exploration, Diagnose, Indikation und
Prognose auswirke. Dieses Erfordernis, zu dem sich die Be­schwerdeführerin in
ihrer Beschwerdeschrift nicht weiter äussert, erscheint durchaus an­gemessen.
Zwar verlangen die Erläuterungen der Gesundheitsdirektion zu ihrem Merkblatt
vom Gesuchsteller selber nur den Nachweis, dass er 200 Theoriestunden
absolviert habe. Es leuchtet jedoch ohne weiteres ein, dass ein ernsthaftes
institutionelles Ausbildungsan­gebot gesamthaft mehr an Theorie zu umfassen
hat, als vom einzelnen Teilnehmer tatsäch­lich im Minimum verlangt werden muss.
Mit diesem Erfordernis bleibt die Gesundheitsdi­rektion sogar noch unter
demjenigen der CHARTA, die eine Theorievermittlung während wenigstens
400 Stunden verlangt (Teil B Ziff. 3.3.3.; Teil C
Ziff. 1.8.).

 

Der von der Beschwerdeführerin beim Institut E zwischen 1977
und 1979 absol­vierte Kurs für Paar- und Familientherapie umfasste gemäss ihrem
Kurs­ausweis 294 Kurs­stunden (act. --). Dies entspricht auch
derjenigen Anzahl an Theoriestunden, wel­che die Beschwerdeführerin gemäss
eigenen Angaben an diesem Institut besucht haben will (act. --).
Demgegenüber macht ihr Rechtsvertreter in der Beschwerdeschrift nunmehr
geltend, die gesamte Ausbildung über 4 Semester habe insgesamt
576 Stunden umfasst. Diese Behaup­tung ist offensichtlich aktenwidrig.
Entgegen den Berechnungen in der Be­schwerdeschrift wird am Institut E nämlich
nicht während 40 Wochen im Jahr, sondern nur während der Dauer der
akademischen Semester zwischen April und Juli, bzw. November und Februar
unterrichtet (vgl. act. --). Insofern decken sich die von Prof. D
gemachten An­gaben über den zeitlichen Umfang der Ausbildung von insgesamt
288 Stunden durchaus mit denjeni­gen der hauseigenen Broschüre, der
Kursbestätigung und der Beschwerdeführe­rin selber. Auch das nach Ablauf der
Beschwerdefrist eingereichte Schreiben von Prof. D geht von einer
Gesamtstundenzahl von 288 Stunden aus. Nicht zum theoretischen Teil ge­rechnet
werden dürfen sodann die 70 Stunden der zwei intensiven Kurswochen, die
der Selbster­fahrung dienten (act. --). Demgemäss ist die
Gesundheitsdirektion zu Recht davon ausge­gangen, das Ausbildungsangebot des
Instituts E entspreche vom Umfang des theore­tischen Stundenangebot her nicht
den an eine hinreichende Spezialausbildung zu stellenden Anfor­derungen.

 

d) Inhaltlich beanstandete die Gesundheitsdirektion weiter,
das Ausbildungsangebot des Instituts E sei keine umfassende Spezialausbildung.
Sie stützte sich dabei auf die An­gaben von Prof. D, wonach die Ausbildung von
Anfang an als Zusatzausbildung konzipiert gewesen sei, weil viele Absolventen
sich theoretische und praktische Kenntnisse schon anderswo erworben hätten. Es
sei daher nicht angestrebt worden, die Bedingungen einer vollen Ausbildung in
Psychotherapie zu erfüllen. Dem Charak­ter einer Zusatzausbildung entsprechend,
die mit anderen kumuliert werden könne, werde denn auch kein Diplom, son­dern
nur ein Kursausweis ausgestellt (act. --). Die Beschwer­deführerin wendet
dagegen ein, der Begriff der Zusatzausbildung sei von Prof. D nicht in dem von
der Gesundheitsdi­rektion verstandenen Sinne verwendet worden. Nach den
Zulassungsvoraussetzungen schliesse die Ausbildung an eine Erstausbildung an
und sei, da sie die drei Themenbereiche Metatheorie, Therapietheorie sowie
Praxistheorie umfasst habe, auch als umfassende Spe­zialausbildung zu bewerten.

 

Nach den Aufnahmevoraussetzungen des Instituts E steht der
Kurs in Paar- und Familientherapie den Fachärzten der Psychiatrie und
Psychotherapie, den Psychologen mit Abschluss und anschliessender Berufspraxis
und den Sozialarbeitern mit Diplom, Zu­satzausbildung und Berufspraxis sowie
allenfalls auch weiteren Bewerbern mit adäquater Vorbildung offen (vgl.
act. --). Aus diesen unterschiedlichen Gruppen von möglichen Kurs­absolventen
ergibt sich, dass die Ausbildung des Instituts in theoretischer Hinsicht von
einem äusserst heterogenen Wissensstand der einzelnen Kursteilnehmer ausgehen
muss. So wird etwa bei den Fachärzten bereits eine Spezialausbildung
vorausgesetzt, bei den Psychologen neben dem Universitätsabschluss auch die Mög­­lichkeit
eines spezifischen Abschlusses an einem psychotherapeutischen Ausbildungs­institut
erwähnt, während etwa bei den Sozialarbeitern nur gerade eine sehr offen
umschrie­bene "Zusatzausbildung (z.B. Arbeit unter Supervision,
Supervisorenkurs, Fachkurse)" verlangt wird. Dementsprechend überrascht es
nicht, wenn Prof. D in seinem Bericht erwähnt, dass die Auszubildenden von
unterschiedlichen Voraussetzungen herkamen und viele bereits eine
psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen hatten. In seinem Schreiben vom
24. November 2000 äusserte sich Prof. D ergänzend dahingehend, in den
Jahren 1977 bis 1979 sei keine Professionali­sierung in der Paar- und
Familientherapie im Sinn einer Erstausbildung zum Therapeuten in Sicht gewesen,
und so sei es bis heute geblieben (act. --). Vor diesem Hintergrund kann
kein Zweifel über Inhalt und Stellenwert der weiteren Äusserung von Prof. D
bestehen, wo­nach die Ausbildung eben nicht als volle Ausbildung in
Psychotherapie, sondern nur als Zusatz­ausbildung konzipiert gewesen sei.
Angesichts dieser klaren eigenen Standortbe­stimmung des Instituts und des
ebenfalls zutreffend festgestellten Defizits hinsichtlich des Umfangs der
angebotenen Theoriestunden konnte die Gesundheitsdirektion auf weitere
Abklärungen zu den spezifischen Lerninhalten in den Bereichen Metatheorie,
Therapie­theorie und Praxistheorie verzichten.

 

Die von der Gesundheitsdirektion ausgesprochene
Bewilligungsverweigerung er­weist sich demzufolge als rechtmässig und
angemessen. Die Beschwerde ist daher abzu­weisen.

 

4. ...

 

 

Demgemäss entscheidet
das Verwaltungsgericht:

 

 

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

 

...