# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d50c861-6184-5ef8-8126-b27844f9a274
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.06.2020 E-2395/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2395-2020_2020-06-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2395/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Roswitha Petry, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler,  

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

China (Volksrepublik),  

Zentrum für Asylsuchende (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 14. April 2020. 

 

 

 

E-2395/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Anga-

ben im (…) 2017 in Richtung Nepal. Am (…) April 2018 reiste sie in die 

Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Anlässlich der Befra-

gung zur Person (BzP) vom 17. April 2018 und der Anhörung vom 18. Ok-

tober 2018 brachte sie im Wesentlichen Folgendes vor:  

Sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und stamme aus 

der Stadt B._______, in der Autonomen Region Tibet der Volksrepublik 

China. Dort habe sie zusammen mit ihren Eltern (Vater 2013 verstorben) 

gelebt. Sie habe während ungefähr zehn Jahren die Schule besucht und 

danach gelegentlich in einem Restaurant gearbeitet. Bereits im Jahr 1987 

habe sie an einer Demonstration teilgenommen, damals habe sie den Be-

hörden jedoch unerkannt entkommen können. Im Rahmen der Unruhen im 

Jahr 2008 sei ihr Haus enteignet worden. Am 1. Juni 2017 habe sie anläss-

lich eines Kinderfestes in B._______ zusammen mit drei Freunden Plakate 

aufgehängt, mit welchen sie die Unabhängigkeit Tibets forderten. Bereits 

nach etwa zehn Minuten sei die Polizei gekommen und habe sie verfolgt. 

Sie habe zusammen mit einem ihrer Freunde fliehen können und ihren Hei-

matort direkt und den Heimatstaat am (…) 2017 in Richtung Nepal verlas-

sen. Die Polizei habe sie nach dem Kinderfest bei ihrer Mutter gesucht. 

Diese müsse seither wöchentlich eine Unterschrift auf dem Polizeiposten 

leisten. Sie habe sich fast neun Monate in C._______ bei einer Gastfamilie 

in Nepal gelassen.  

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie ihres Famili-

enbüchleins sowie ihrer chinesischen Identitätskarte und drei Fotos von 

Verwandten und ihr selbst in D._______ ein. 

B.  

Am 20. Mai 2019 führte die Fachstelle LINGUA im Auftrag des SEM im 

Hinblick auf eine Analyse der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der 

Beschwerdeführerin und ihres linguistischen Profils ein Telefoninterview 

durch. Der Experte der Fachstelle kam aufgrund dieses Interviews in sei-

nem Gutachten vom 28. Juni 2019 zum Schluss, dass zwar sehr wahr-

scheinlich eine frühe Sozialisation der Beschwerdeführerin in der Stadt 

B._______ stattgefunden habe, sie aber wohl viel früher als behauptet aus 

ihrem Heimatland ausgereist sei. So habe sie eine Reihe von landeskund-

lich-kulturellen Kenntnissen, welche aber zum Teil veraltet seien. Ausser-

E-2395/2020 

Seite 3 

dem hätten sich darin einige Unstimmigkeiten und Lücken gefunden. Be-

treffend den linguistischen Teil der Analyse führte der Experte aus, dass in 

allen analysierten Bereichen der Sprache der Beschwerdeführerin zahlrei-

che Einflüsse der exiltibetischen Koine festzustellen seien. Dies sei auch 

unter Berücksichtigung des etwas mehr als eineinhalbjährigen Aufenthalts 

im Exil (Nepal und Schweiz) unerwartet. Deshalb müsse die im Exil ver-

brachte Zeit, während der die Beschwerdeführerin einer exiltibetischen Ge-

meinschaft ausgesetzt gewesen sei, bedeutend länger ausgefallen sein als 

angegeben.  

C.  

Mit Schreiben vom 29. August 2019 gewährte die Vorinstanz der Be-

schwerdeführerin das rechtliche Gehör und informierte sie unter Beilage 

der Qualifikation der sachverständigen Person über den wesentlichen In-

halt des sie betreffenden Lingua-Gutachtens.  

D.  

In ihrer Stellungnahme vom 5. September 2019 (Eingang SEM) hielt die 

Beschwerdeführerin an ihren Herkunftsangaben und dem angegebenen 

Ausreisezeitpunkt fest. Sie führte unter anderem aus, dass sie nicht Chi-

nesisch sprechen könnte, wenn sie nicht aus Tibet kommen würde. Zu ei-

nem Teil der vorgeworfenen Widersprüche könne sie keine Ausführungen 

machen, da ihr diese nicht vollständig offengelegt worden seien. Ihr Dialekt 

weise Ähnlichkeiten zum in D._______ gesprochenen Dialekt auf, da der 

Vater ihres Sohnes aus D._______ stamme und ihre Schwester seit langer 

Zeit dort lebe. Ausserdem sei B._______ eine grosse Stadt geworden, in 

welcher sich Personen aus ganz Tibet angesiedelt hätten. Es liesse sich 

dort daher kein genauer Dialekt mehr lokalisieren. 

E.  

Mit Verfügung vom 14. April 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft der Beschwerdeführerin und wies ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig 

ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg-

weisung an, wobei ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China 

ausdrücklich ausgeschlossen wurde.  

F.  

Mit Beschwerde vom 30. April 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-

antragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung 

E-2395/2020 

Seite 4 

von Asyl. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzuläs-

sig, unzumutbar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme 

anzuordnen.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses so-

wie um die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands. Eventualiter sei 

die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen. 

Der Beschwerde legte sie eine Fürsorgebestätigung des E._______ vom 

4. Mai 2020 bei.  

G.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. Mai 2020 den Eingang der 

Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden wird. 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

E-2395/2020 

Seite 5 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-

kommt (vgl. Art. 42 AsylG und Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz 

diese nicht entzogen hat, wird auf den Eventualantrag, der Beschwerde sei 

die aufschiebende Wirkung zu erteilen, mangels Rechtschutzinteresses 

nicht eingetreten.  

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

E-2395/2020 

Seite 6 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein 

reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zwei-

fel an den Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig-

keit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei 

ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Bei der Beurteilung der 

Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente, die 

für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft ist eine Sach-

verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1). 

5.4 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken. Sie müssen ihre Identität offenlegen sowie Reisepapiere und 

Identitätsausweise abgeben. Der Untersuchungsgrundsatz findet unter an-

derem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person 

(Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.).  

6.  

6.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz 

aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforde-

rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung nicht genügen, weshalb 

die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht 

erfülle.  

E-2395/2020 

Seite 7 

Die sachverständige Person sei bei der Evaluation der landeskundlich-kul-

turellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin zum Schluss gekommen, 

dass sie betreffend ihrer Heimatregion über ein relativ breites historisches 

Wissen verfüge. Es hätten sich aber Lücken und Unstimmigkeiten ergeben, 

die vor ihrem angegebenen biografischen Hintergrund nicht erklärbar 

seien. So sei es überraschend, dass eine Person, die einundfünfzig Jahre 

in Tibet gelebt habe und erst im Jahr 2017 ausgereist sei, einen veralteten 

Begriff für die administrative Einheit «(…) B._______» verwende. Zudem 

seien die Angaben bezüglich der Ausstellungsjahre und Geltungsdauern 

ihrer Personalausweise nicht nachvollziehbar. Ausserdem sei die von ihr 

angegebene Anzahl Schulstufen der Grundschule unzutreffend, obwohl ihr 

Sohn vor ihrer Ausreise die Grundschule besucht haben müsste. Ihre Spra-

che weise ausserdem zahlreiche Einflüsse der exiltibetischen Koine auf. In 

den Bereichen der Morphologie und Lexik hätten die Gemeinsamkeiten mit 

der exiltibetischen Koine trotz Gemeinsamkeiten zum B._______-Dialekt 

überwogen. Gemäss der sachverständigen Person sei dies auch unter Be-

rücksichtigung des behaupteten, etwas länger als eineinhalb Jahre dau-

ernden Aufenthalts im Exil (Nepal, Schweiz) unerwartet. Ihre Chinesisch-

kenntnisse erfüllten aber die auf ihrer Biografie basierenden Erwartungen. 

Es liege die Vermutung nahe, dass die Beschwerdeführerin eine Zeit lang 

– vermutungsweise bis zum Erwachsenenalter – in Tibet gelebt habe. Hin-

gegen würden der signifikante Einfluss der exiltibetischen Koine in ihrer 

Sprache und die Lücken und Unstimmigkeiten im biografischen Hinter-

grund auf einen ausgedehnten Aufenthalt im Exil hinweisen. Es sei folglich 

abschliessend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin sehr wahr-

scheinlich in der Stadt B._______ teilsozialisiert worden, aber deutlich frü-

her als angegeben ausgereist sei. In ihrer Stellungnahme zu den Abklä-

rungsergebnissen habe sie nichts entgegenhalten können, was zu einer 

anderen Einschätzung führen könnte. So sei beispielsweise auffällig, dass 

sie anlässlich der Stellungnahme angegeben habe, ihr Sohn habe lediglich 

zwei Jahre Privatunterricht erhalten und nie die Regelschule besucht, hin-

gegen anlässlich der Anhörung erklärte, er habe die Schule in der Heimat 

während sechs Jahren besucht. Ferner sei nicht nachvollziehbar, wie der 

Vater ihres Sohnes, den sie seit dem Jahr 2005 nicht mehr gesehen habe, 

ihre Sprache mit seinem D._______-Dialekt vor etwa zwölf Jahren derart 

nachhaltig habe beeinflussen können. Dasselbe gelte für den angeblichen 

Einfluss des D._______-Dialektes ihrer Schwester, besonders unter Be-

rücksichtigung der grossen räumlichen Entfernung zu dieser. Die Zweifel, 

dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise aus der Volksrepublik 

China (...) Jahres 2017 in B._______ gelebt habe, verstärkten sich damit 

erheblich. 

E-2395/2020 

Seite 8 

Ferner habe sie zur vorgetragenen Biographie anlässlich der BzP und der 

Anhörung diverse Angaben gemacht, welche auf eine frühere Ausreise aus 

China deuten würden. Beispielsweise habe sie erklärt, dass sie bis ins Jahr 

2017 im Dorf F._______, G._______ in B._______ (…), gelebt habe. Sie 

habe jedoch nicht gewusst, welche Einheitsbezeichnung G._______ habe, 

denn früher hätten die Einteilungsbezeichnungen anders gelautet. Diese 

Aussage erstaune anlässlich des Umstandes, dass sie ihren Angaben zu-

folge bis 2017 dort gelebt habe und bis zum Zeitpunkt der BzP demnach 

nicht einmal ein Jahr vergangen sei. Ausserdem falle auf, dass sie ihren 

Sohn nicht erwähnt habe, als sie alle Personen aufgezählt habe, die mit ihr 

an der obigen Adresse gelebt hätten. Auch ihre Angaben betreffend die 

Kontaktaufnahme mit der Familie erscheinen konstruiert. So habe sie seit 

ihrer Ausreise keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie. Ihre Mutter und 

Schwester in China würden sich vor einer Überwachung der chinesischen 

Behörden fürchten. Dass die Beschwerdeführerin jedoch ebenso wenig 

Kontakt zu ihrem Sohn in Nepal pflege, sei hingegen nicht nachvollziehbar. 

Überdies scheine ihre Erklärung, ihr Handy mit der Nummer ihres Sohnes 

verloren zu haben und wegen ihres verletzten Fusses keinen Kontakt her-

stellen zu können, angesichts der globalen Vernetzungsmöglichkeiten so-

wie technischen Möglichkeiten, verlorene Kontakte wiederherzustellen, 

eine Schutzbehauptung zu sein. Diese Einschätzung werde ferner dadurch 

untermauert, dass sie nicht wisse, wo genau sich ihr Sohn aufhalte oder 

ob er zur Schule gehe, und gleichzeitig nicht aktenkundig sei, welche ernst-

haften Anstrengungen sie unternommen habe, um ihn ausfindig zu ma-

chen. Dies sei angesichts der Angabe, dass sie fast neun Monate in Nepal 

gewesen sei, erstaunlich und lasse vermuten, dass sie im Zusammenhang 

mit ihrer Biographie wichtige Eckdaten zu verheimlichen versuche. Ausser-

dem habe sie zwar geltend gemacht, dass sie ihre Identitätskarte im Jahr 

2012 habe ausstellen lassen. Hingegen handle es sich beim eingereichten 

Beweismittel lediglich um eine Kopie, womit die Echtheit des Dokuments 

nicht überprüft und ihm kein Beweiswert zugesprochen werden könne.  

Es sei der Beschwerdeführerin folglich nicht gelungen, glaubhaft zu ma-

chen, zum angegebenen Zeitpunkt und aus den von ihr geltend gemachten 

Fluchtgründen aus der Volksrepublik China ausgereist zu sein. Den er-

wähnten Asylgründen werde damit jegliches glaubhafte Fundament entzo-

gen. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Protestaktion hätten 

kaum Realkennzeichen beinhaltet. Dies falle besonders im Vergleich zu 

ihren Schilderungen der Ausreise aus China auf, die sich durchaus ereig-

net haben könne, jedoch nicht zum geltend gemachten Zeitpunkt. So habe 

E-2395/2020 

Seite 9 

sie auf die Frage, was zur Plakataktion geführt habe, ein Ereignis angege-

ben, welches sich im Jahr 2005 ereignet habe. Auf Nachfrage habe sie 

lediglich erklärt, dass sie schon lange einen inneren Drang zu protestieren 

verspürt habe. Als Grund, warum sie erst im Jahr 2017 protestiert habe, 

habe sie angegeben, dass ihr Vater vorher noch gelebt habe. Zusätzlich 

zum vagen Charakter dieser Antwort falle auf, dass der Vater der Be-

schwerdeführerin bereits vier Jahre vor der Plakataktion verstorben sei. 

Auch auf die Frage, wie die herumstehenden Leute am Fest reagiert hät-

ten, habe sie lediglich geantwortet, dass diese zurückgeschaut hätten. 

Weitere Fragen habe sie widersprüchlich, nicht nachvollziehbar und vage 

beantwortet, beispielsweise wie die Behörden sie identifiziert hätten oder 

wann sie erfahren habe, dass ihre Mutter einer Meldepflicht nachgehen 

müsse. Somit gelte es festzuhalten, dass sie weder ihre mit der angebli-

chen Protestaktion in Zusammenhang stehenden Verfolgungsvorbringen 

noch ihren Aufenthalt in Tibet bis zu ihrer angeblichen Flucht habe glaub-

haft machen können. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der 

Schweiz zumindest während längerer Zeit nicht in der Volksrepublik China, 

sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sich aufgrund der 

Akten keine konkreten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem 

Drittstaat ergeben würden, kommt gemäss Vorinstanz die Regelvermutung 

zur Anwendung, wonach keine flüchtlingsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestehen würden. 

6.2 Die Beschwerdeführerin hält dem in ihrer Beschwerdeschrift entgegen, 

das SEM habe ihr aufgrund des Lingua-Gutachtens nicht geglaubt, dass 

sie aus Tibet stamme. Dies obwohl der Experte festgehalten habe, dass 

sie sehr viel über ihre Heimat gewusst habe und sie sicher aus Tibet 

stamme. Ausserdem bekennt sie sich dazu, bisher verschwiegen zu ha-

ben, dass ihr Sohn im Kloster sei. Als er im Alter von drei Jahren gewesen 

sei, hätten Geistliche erklärt, dass er eine Reinkarnation eines Lamas, ei-

nes hohen religiösen Würdenträgers, sei. Er sei daher bereits in diesem 

jungen Alter ins (…) Kloster in Osttibet gegangen, um sich dort der religiö-

sen Ausbildung zu widmen. Einige Tibeter hätten ihr geraten, diese Tatsa-

che zu verschweigen, was zu einer Reihe von Missverständnissen geführt 

habe. Es würde allerdings auch erklären, weshalb sie sich betreffend die 

Grundschule widersprochen und ihren Sohn bei Angabe der im gleichen 

Haushalt lebenden Personen nicht erwähnt habe. Hinsichtlich ihrer Spra-

che führte sie aus, dass sie einen sehr starken Dialekt habe und es daher 

gewohnt sei, ihre Sprache im Umgang mit Personen aus anderen Regio-

nen anzupassen. So habe sie es auch im Telefonat mit der Interviewerin 

E-2395/2020 

Seite 10 

gemacht. Auch der Dolmetscher bei der Anhörung habe sie scheinbar nicht 

immer verstehen können. Dieser sei ihr ohnehin etwas suspekt gewesen. 

Er habe ihre Antworten immer sehr kurz und zusammengefasst übersetzt 

und ihre Frage nach seiner Herkunft sogleich der Fachspezialistin gemel-

det. Dessen sei sie sich bisher nicht bewusst gewesen. Sie versichere, 

dass sie an der Plakatklebeaktion dabei gewesen sei und sich alles so zu-

getragen habe, wie sie es geschildert habe. Ausserdem habe sie bereits 

1987 an Protesten teilgenommen. Als ihre Eltern älter geworden seien, 

habe sie jedoch die Verantwortung im Haushalt übernehmen müssen und 

sei auch nach dem Tod ihres Vaters zu stark eingebunden gewesen, um 

an Protestaktionen teilzunehmen. Erst 2017 habe sich schliesslich die Ge-

legenheit ergeben. Danach habe sie das Land illegal verlassen. In Nepal 

seien sie bei einer Gastfamilie untergekommen und hätten mit dem Handy 

ihres Sohnes mit ihrer Mutter Kontakt aufnehmen können. So habe sie von 

der Meldepflicht ihrer Mutter erfahren. Sie habe ihren Sohn bei der Gastfa-

milie zurücklassen müssen, da sie sich die Reise nicht für beide habe leis-

ten können. Die Gastfamilie habe gesagt, dass sie ihren Sohn in ein Kloster 

bringen werde, sollte sie sich nach ihrer Ausreise nicht mehr melden. Wäh-

rend ihrer Reise habe sie die Kontakte zu dieser Gastfamilie verloren, wes-

halb sie auch nicht wisse, in welches Kloster ihr Sohn gebracht worden sei. 

Aufgrund ihrer Beinverletzung habe sie bis heute noch keinen Kontakt zur 

hiesigen tibetischen Community herstellen können. Sie hoffe, dass sie bald 

jemanden treffe, der nach Nepal reise und nach ihrem Sohn suchen könne.  

7.  

7.1 Die Vorinstanz hat ihre Erkenntnis der Unglaubhaftigkeit der Herkunfts-

angaben und mithin der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin unter an-

derem auf das Ergebnis des Lingua-Berichts vom 28. Juni 2019 abgestützt. 

Dessen Verwertbarkeit ist vorab von Amtes wegen zu prüfen.  

7.2 Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objek-

tivität und Neutralität der sachverständigen Person wie auch an die inhalt-

liche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ei-

ner LINGUA-Analyse nach der Rechtsprechung erhöhter Beweiswert bei-

zumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003 

Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34).   

7.3 Gestützt auf die Auswertung des Telefoninterviews kam die sachver-

ständige Person in ihrem Bericht zum Schluss, dass die Beschwerdefüh-

rerin zwar sehr wahrscheinlich aus der Stadt B._______ stamme, sie aber 

wohl viel früher als behauptet aus ihrem Heimatland ausgereist sei.  

E-2395/2020 

Seite 11 

7.4 Die fachliche Eignung der sachverständigen Person steht vorliegend 

nicht in Frage. Inhaltlich erscheint die LINGUA-Analyse sehr ausgewogen. 

Die Evaluation ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie 

ausgewogenen Begründung versehen. Sie basiert auf einer Vielzahl 

unterschiedlicher Fragen, die sich auf das Alltagswissen sowie das 

spezifische Profil der Beschwerdeführerin beziehen. In diesem 

Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass für die Einschätzung der 

landeskundlichen Kenntnisse sowie des sprachlichen Ausdrucks der 

Beschwerdeführerin dem von ihr behaupteten biografischen Hintergrund 

ausdrücklich Rechnung getragen wurde. Gestützt auf eine linguistische 

Analyse, welche vom soziolinguistischen Profil der angeblichen 

Herkunftsregion der Beschwerdeführerin ausging, wurden Phonetik/Pho-

nologie, Morphologie und Lexikon ihres effektiven Sprachgebrauchs mit 

dem zu erwartenden sprachlichen Profil abgeglichen. Für die Aussagekraft 

des Ergebnisses der Lingua-Analyse spricht auch die Tatsache, dass 

differenziert begründet wurde, dass die Sozialisation der Beschwerde-

führerin in der Stadt B._______ durchaus möglich sei, aufgrund der ver-

alteten Kenntnisse über die Region aber von einem früheren Zeitpunkt der 

Ausreise ausgegangen werden müsse. Somit sind sowohl Pro- als auch 

Contra-Argumente berücksichtigt worden.  

Festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin diese Einschätzung im Rah-

men der Gewährung des rechtlichen Gehörs offensichtlich nicht in Zweifel 

zu ziehen vermochte. Die Vorinstanz hat mit nachvollziehbarer Begrün-

dung dargelegt, weshalb die Fluchtgründe der Beschwerdeführerin ober-

flächlich und vage ausgefallen sind, mithin den Anforderungen an das 

Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Um 

Wiederholungen zu vermeiden, kann im Übrigen auf die korrekten Darle-

gungen des SEM verwiesen werden (vgl. E. 6.1).  

Auch auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhaltiges entgegenge-

setzt. Ihr Erklärungsversuch, ihren Dialekt aufgrund häufiger Verständi-

gungsprobleme mit Personen aus anderen Regionen angepasst zu haben, 

überzeugt nicht, zumal sie zu Beginn des Telefoninterviews explizit darauf 

hingewiesen wurde, in ihrem Heimatdialekt zu sprechen (vgl. A20 S. 2). Die 

Darlegung der Beschwerdeführerin, wonach ihr Sohn in einem Kloster ge-

wesen sei, was ihre mangelnden Kenntnisse hinsichtlich der Grundschule 

erkläre, ist ebenfalls wenig plausibel. Ausserdem widerspricht sie sich er-

neut bezüglich ihrer Kenntnisnahme der Meldepflicht der Mutter aufgrund 

ihres Verschwindens. So will sie nun in Nepal direkt durch ihre Mutter da-

von erfahren haben und nicht durch ihre Schwester (vgl. A17 F154 und 

E-2395/2020 

Seite 12 

F156 sowie Beschwerdeschrift S. 4). Sie vermag auch nicht nachvollzieh-

bar darzutun, wie sie ihren Sohn nach der Flucht aus B._______ abgeholt 

haben will, beziehungsweise äussert sich in ihrer Beschwerdeschrift nicht 

dazu. Auch ihre Angaben zum Kontakt zu ihrer Familie in Tibet wecken er-

hebliche Zweifel. Anlässlich der BzP und der Anhörung hatte sie behauptet, 

es sei zu gefährlich, Kontakt mit der Familie aufzunehmen, da die chinesi-

schen Behörden sie überwachen würden (vgl. A6 Ziff. 4 und A17 F12). In 

ihrer Beschwerdeschrift bringt sie hingegen vor, in Nepal per WeChat mit 

ihrer Mutter Kontakt gehabt zu haben (vgl. Beschwerdeschrift S. 4). Die 

Angaben betreffend die unterbliebene Kontaktaufnahme zu ihrem Sohn 

nach ihrer Ausreise überzeugen auch auf Beschwerdeebene nicht. Es 

kann davon ausgegangen werden, dass eine Mutter, welche ihren einzigen 

Sohn bei einer fremden Familie in einem fremden Land zurücklässt, alles 

daransetzt, dessen Aufenthalt ausfindig zu machen. Zudem hat der Sohn 

ihren eigenen Angaben zufolge ein Handy besessen. Ihre Behauptung, 

seine Kontaktdaten nicht zu kennen, vermag nicht zu überzeugen. Inwie-

fern ihr verletzter Fuss sie angesichts der zur Verfügung stehenden tech-

nischen Möglichkeiten an der Kontaktaufnahme zu ihrem Sohn hindern 

sollte, ist nicht nachvollziehbar. Es drängt sich daher der Schluss auf, dass 

die Beschwerdeführerin nicht die ganze Wahrheit zu ihren Aufenthalten in 

Tibet und Nepal beziehungsweise zu ihrer Biographie im Allgemeinen 

preisgegeben hat und somit ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen 

ist. Dem Fazit der sachverständigen Person, die Beschwerdeführerin habe 

sich bereits viel länger als behauptet in einer exiltibetischen Gemeinschaft 

ausserhalb der Volksrepublik China aufgehalten, kommt vor diesem Hin-

tergrund erhebliches Gewicht zu. Dafür sprechen letztlich auch ihre wider-

sprüchlichen Angaben anlässlich der BzP dazu, mit welchen Papieren sie 

aus Nepal ausgereist ist (vgl. A6 Ziff. 4.02).  

Ferner ist anzumerken, dass die Vorinstanz das Lingua-Gutachten zwar 

als wichtigen Teil für die Entscheidfindung herangezogen und es auch als 

Argument zur Begründung der Zweifel am Ausreisezeitpunkt der Be-

schwerdeführerin verwendet hat. Den von der Vorinstanz umfassend ge-

würdigten weiteren Unglaubhaftigkeitsaspekten betreffend Herkunft, 

Staatsangehörigkeit, Reiseumstände und Verfolgungsvorbringen kommt 

aber ebenfalls erhebliches Gewicht zu. Vor diesem Hintergrund weckt auch 

die Kritik an der Übersetzung durch den Dolmetscher während der Anhö-

rung erhebliche Zweifel, zumal dies erst auf Beschwerdeebene – und somit 

eineinhalb Jahre nach der Anhörung – geltend gemacht wird. Darüber hin-

aus hat die Beschwerdeführerin die Übereinstimmung des Protokolls mit 

ihren Aussagen und dessen Vollständigkeit unterschriftlich bestätigt. Die 

E-2395/2020 

Seite 13 

Verwertung des Anhörungsprotokolls ist somit nicht zu beanstanden. Be-

treffend die durch die Vorinstanz zu Recht aufgezeigten Widersprüche der 

Beschwerdeführerin kann vollumfassend auf die Zusammenfassung unter 

Erwägung 6.1 verwiesen werden. Insgesamt lassen ihre Aussagen jegliche 

Realkennzeichen vermissen (vgl. REVITAL LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA 

BAUMER, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, 

Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 11/2011 S. 1424 f.). Insbeson-

dere weisen die vorgebrachten Beweggründe für ihre plötzliche Teilnahme 

an politischen Aktivitäten keinen persönlichen Bezug auf (vgl. A17 F119). 

Die Einschätzung des SEM, die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin 

seien unglaubhaft, ist somit zutreffend.  

7.5 Im Urteil BVGE 2014/12 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass 

bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder 

verheimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass 

keine flüchtlings- oder wegweisungsvollzugsbeachtlichen Gründe gegen 

eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort sprächen. Denn die Ab-

klärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungs-

pflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische Asylsu-

chende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, wel-

chen effektiven Status sie in Nepal innehabe, könne namentlich keine Dritt-

staatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. 

Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren 

Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Per-

son in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.9 f.).  

Wie oben dargelegt (vgl. E. 7.4), stellt das Verhalten der Beschwerdefüh-

rerin eine Verletzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) 

dar. Dadurch verunmöglicht sie den Behörden nähere Abklärungen. Sie hat 

demnach die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten, und es ist gemäss 

dargelegter Rechtsprechung davon auszugehen, dass keine flüchtlings- 

oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr in das effek-

tive Heimatland bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 

7.6 Nach Abwägung sämtlicher Elemente (Lingua-Analyse, Aussageproto-

kolle von BzP und Anhörung) teilt das Bundesverwaltungsgericht die aus-

führlich und zutreffend begründete Einschätzung der Vorinstanz. Insge-

samt hat die Beschwerdeführerin somit nichts vorgebracht, das geeignet 

E-2395/2020 

Seite 14 

wäre, einen Fluchtgrund in Bezug auf die Volksrepublik China nachzuwei-

sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach zu 

Recht ihre Flüchtlingseigenschaft abgelehnt und ihr Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt namentlich weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.   

9.1 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglichkeit 

des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersu-

chungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl-

suchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast 

trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, wo-

möglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen, nach allfälligen Wegweisungs-

vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ver-

mutungsweise ist deshalb vorliegend davon auszugehen, einer Wegwei-

sung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen. 

Bei dieser Sachlage kann das Gericht sich mit der Frage des Wegwei-

sungsvollzugs lediglich in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise ge-

mäss den vorstehenden Ausführungen befassen. Die Beschwerdeführerin 

entzieht mit ihrem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche 

Grundlage, und es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und 

Spekulationen zu ergehen. 

9.2 Im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositiv-

ziffer 5 der angefochtenen Verfügung ist abschliessend festzuhalten, dass 

für alle Exil-Tibeterinnen und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach 

China gemäss Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen ist, da ihnen 

dort gegebenenfalls Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne bezie-

hungsweise eine menschenunwürdige Behandlung nach Art. 3 EMRK 

droht (BVGE 2014/12 E. 5.11).  

E-2395/2020 

Seite 15 

9.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls 

benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus-

ser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 

106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzu-

treten ist. 

11.  

11.1 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

der unentgeltlichen Rechtsvertretung (vgl. Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m. 

aArt. 110a AslyG) sind unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Be-

schwerdeführerin abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehen-

den Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer 

gesetzlichen Voraussetzung für deren Gewährung fehlt. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Ver-

zicht der Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2395/2020 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Regina Seraina Goll 

 

 

Versand: