# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8bff8632-7a31-527f-94f4-b176969096f1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-07-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.07.2014 D-1411/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1411-2014_2014-07-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1411/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  9 .  J u l i  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. 

   Parteien 
 

A.______, geboren am (…), 

China (Volksrepublik),   

handelnd durch B.______ (…) und vertreten durch Stefan 

Hery, HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende 

SG/AI/AR, (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl);  

Verfügung des BFM vom 11. Februar 2014 / N (…). 

 

 

D-1411/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom 19. Januar 2012 anerkannte das BFM den Onkel 

respektive Halbonkel und Stiefvater des Beschwerdeführers (nachfolgend 

B.______) als Flüchtling und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. 

B.  

Mit Eingabe vom 10. Juni 2013 ersuchte B.______ für seine sich 

gegenwärtig in Indien aufhaltende Ehefrau, die (...) leiblichen Kinder und 

für den Beschwerdeführer um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) und Bewilligung der Einreise im 

Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG. 

C.  

Mit Verfügungen vom 11. Februar 2014 bewilligte das BFM der Ehefrau 

und den (...) leiblichen Kindern die Einreise in die Schweiz zwecks 

Familienvereinigung, verweigerte diese jedoch dem Beschwerdeführer 

und lehnte sein Asylgesuch ab.  

D.  

Mit Eingabe vom 17. März 2014 erhob der Beschwerdeführer gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und 

beantragte, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, das Gesuch 

um Familienzusammenführung gutzuheissen und ihm sei die Einreise in 

die Schweiz zu bewilligen; eventualiter sei die Sache für weitere 

Abklärungen und zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

Schliesslich wurde aufgrund der vorliegenden Umstände um prioritäre 

Behandlung der Beschwerde ersucht. 

E.  

Mit Verfügung vom 19. März 2014 verzichtete die Instruktionsrichterin auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses und stellte fest, dass über das 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von  

Art. 65 Abs. 1 VwVG (SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt 

entschieden werde. Der Beschwerdeführer respektive B.______ wurde 

aufgefordert, in den nächsten Tagen eine Fürsorgebestätigung 

nachzureichen. Der Vorinstanz wurde Gelegenheit eingeräumt, innert 

Frist eine Vernehmlassung einzureichen.  

D-1411/2014 

Seite 3 

F.  

Mit Eingabe vom 25. März 2014 reichte B.______ Lohnabrechnungen der 

letzten fünf Monate zu den Akten und führte aus, dass er sowohl seinen 

Lebensunterhalt in der Schweiz als auch den seiner (…)köpfigen Familie 

im Ausland zu bestreiten habe. Der Eingabe war weiter eine Kostennote 

beigelegt.  

G.  

Mit Verfügung vom 26. März 2014 forderte die Instruktionsrichterin den 

Beschwerdeführer auf, innert Frist das Formular "Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege" vollständig ausgefüllt einzureichen.  

H.  

Mit Eingabe vom 3. April 2014 reichte der Beschwerdeführer das 

Formular zu den Akten und machte darauf aufmerksam, dass die 

Ausgaben für seine Familie im Ausland im Formular unberücksichtigt 

geblieben seien.  

I.  

In seiner Vernehmlassung vom 3. April 2014 beantragte das BFM die 

Abweisung der Beschwerde.   

J.  

Mit Verfügung vom 8. April 2014 lehnte die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG mangels Bedürftigkeit ab und räumte dem Beschwerdeführer 

Gelegenheit zur Einreichung einer Replik ein. 

K.  

Mit Eingabe vom 22. April 2014 replizierte der Beschwerdeführer.  

L.  

Am (...) 2014 reiste die Stiefmutter des Beschwerdeführers mit ihren (...) 

leiblichen Kindern legal in die Schweiz ein. 

M.  

Mit Verfügung vom 17. Juni 2014 wurde dem Beschwerdeführer 

Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Stellungnahme zu seinem 

Verbleib einzureichen. Zudem wurde er ersucht, mitzuteilen, ob er an den 

in der Beschwerde vom 17. März 2014 gestellten Rechtsbegehren 

festhält. 

D-1411/2014 

Seite 4 

N.  

Mit Eingabe vom 26. Juni 2014 erteilte der Beschwerdeführer innert Frist 

Auskunft über seinen Aufenthaltsort und hielt vollumfänglich an seinen 

Rechtsbegehren fest.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 

ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend 

–  endgültig  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 

Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und  

Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und 

deren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, 

D-1411/2014 

Seite 5 

sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Besondere 

Umstände sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familienmitglied 

Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Familie in 

diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status 

derivativ erworben hat, oder wenn das Familienleben während längerer 

Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder 

nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In jedem Fall 

bedingt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, dass die 

anspruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat verlas-

sen hat; im Hinblick hierauf haben Personen, welche nach  

Art. 51 Abs. 1 AsylG als Flüchtlinge anzuerkennen sind, aus Art. 51 Abs. 

4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern 

sie sich im Ausland aufhalten und durch die Flucht vom anerkannten 

Flüchtling getrennt wurden (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 7 E. 5.4. 

und 6.1.). Massgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung ist derjenige des 

Asyl- beziehungsweise Beschwerdeentscheides. 

3.2 Der Prüfung eines derivativen Anspruchs auf Anerkennung als 

Flüchtling im Sinne von Art. 51 AsylG geht die Prüfung der originären 

Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG vor (Art. 37 AsylV 1). Ein 

Gesuch um Einbezug eines sich bereits in der Schweiz befindlichen 

nahen Angehörigen in das Familienasyl eines in der Schweiz 

asylberechtigten Flüchtlings gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG ist mithin 

nach Treu und Glauben auch als Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG 

zu verstehen (BVGE 2007/19 E. 3.3).  

3.3 Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass Art. 20 AsylG mit der 

dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012, welche 

am 29. September 2012 in Kraft trat und für ab diesem Datum 

eingereichte Auslandsgesuche Geltung hat, aufgehoben worden ist  

(AS 2012 5359), mithin das vorliegende Gesuch um 

Familienzusammenführung nicht auch als Asylgesuch aus dem Ausland 

zu verstehen gewesen ist. 

4.  

4.1 Das BFM führte zur Begründung seines negativen Entscheides im 

Wesentlichen aus, B.______ habe in seiner Befragung vom 16. März 

2011 zu Protokoll gegeben, beim Beschwerdeführer handle es sich um 

das Kind seines Bruders und seiner Frau, er habe ihn nicht offiziell 

adoptiert, betrachte ihn jedoch als eigenen Sohn. Demgegenüber habe 

D-1411/2014 

Seite 6 

B.______ in der Anhörung vom 17. Januar 2012 angegeben, bei der 

Mutter des Beschwerdeführers habe es sich um ein Mädchen gehandelt, 

dessen Eltern mit einer Eheschliessung nicht einverstanden gewesen 

seien. Das mit Eingabe vom 4. Oktober 2013 übermittelte DNA-Ergebnis 

vom 5. September 2013 schliesse ein Verwandtschaftsgrad gemäss 

Deklaration mit rechtsgenüglicher Sicherheit aus. Deshalb, und in 

Anbetracht der gemachten widersprüchlichen Angaben, stehe das 

Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und 

B.______ nicht fest. Im Übrigen seien die eingereichten Special Entry 

Permits (SEP) allesamt gefälscht. 

4.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde im Wesentlichen geltend gemacht, 

der Beschwerdeführer sei im Alter von etwa drei Monaten zusammen mit 

dessen Vater zur Familie von B.______ gestossen. Im Jahr 2008 sei der 

Vater des Beschwerdeführers verstorben. Nach der Flucht von B.______ 

im Jahr 2010 habe der Beschwerdeführer drei weitere Jahre bei dessen 

Ehefrau und den leiblichen Kindern verbracht, bevor diese alle 

gemeinsam nach Indien geflohen seien. Der Beschwerdeführer sei somit 

das Pflegekind und habe sein ganzes Leben bei der Familie von 

B.______ verbracht. Auch habe es B.______ bisher unterlassen den 

Beschwerdeführer über seine wahre Abstammung aufzuklären. Die 

Vorinstanz habe es unterlassen, sich in der angefochtenen Verfügung mit 

dem Kindeswohl auseinanderzusetzen. Eine Verweigerung der Einreise 

des Beschwerdeführers komme einer Verweigerung des Rechts auf 

Familieneinheit gleich, womit die angefochtene Verfügung die 

Kinderrechtskonvention verletze. Ob im Fall einer definitiven 

Verweigerung der Einreisebewilligung die beiden älteren Kinder allein in 

die Schweiz kämen oder alle gemeinsam in Indien blieben, sei noch nicht 

klar – feststehe, dass die beiden jüngeren Kinder nicht ohne ihre Mutter 

leben könnten. Betreffend der widersprüchlichen Angaben in der 

Befragung respektive der Anhörung vermute B.______ eine falsche 

Übersetzung; die Ehefrau sei ansonsten gerne bereit, mittels DNA-

Gutachten nachzuweisen, dass sie nicht die leibliche Mutter ist.  

Es treffe zwar zu, dass der DNA-Test zum Ergebnis gekommen sei, dass 

ein Verwandtschaftsgrad gemäss Deklaration mit rechtsgenüglicher 

Wahrscheinlichkeit auszuschliessen sei. Das BFM habe es jedoch 

unterlassen, die ebenfalls im DNA-Gutachten getroffene Feststellung, 

wonach keine Aussage darüber gemacht werden könne, ob der Bruder 

von B.______ nicht der Vater oder der Bruder kein Vollgeschwister von 

B.______ sei, zu berücksichtigen. Gemäss Auskunft von B.______ hätten 

D-1411/2014 

Seite 7 

er und sein Bruder andere Väter; sie seien demnach Halbgeschwister. 

Schliesslich sei hinsichtlich der gefälschten SEP anzumerken, dass die 

Ehefrau aus Angst gegenüber den Behörden selber in Erscheinung zu 

treten, jemanden in C._____ beauftragt habe, die Dokumente zu 

besorgen. Es könne sein, dass die Dokumente gefälscht seien, dies sei 

ihnen jedoch nicht bewusst gewesen, ansonsten sie die Dokumente nicht 

eingereicht hätten. Insgesamt besehen, seien die Voraussetzungen von 

Art. 51 Abs. 2 und Abs. 4 AsylG erfüllt, weshalb dem Beschwerdeführer, 

unbesehen der Zweifel am Abstammungsverhältnis, die Einreise in die 

Schweiz zu bewilligen sei. 

4.3 In seiner Vernehmlassung führte das BFM im Wesentlichen aus, 

B.______ habe in seinem Asylverfahren an keiner Stelle geltend 

gemacht, dass es sich bei seinem Bruder um einen Halbbruder handle. 

Der zweite Teil des DNA-Tests halte sodann lediglich fest, dass darüber, 

ob es sich bei B.______ um einen Halbbruder des Kindsvaters handle, 

keine Aussage gemacht werden könne.  

4.4 In der Replik wurde ausgeführt, gemäss der Tibetisch-Dolmetscherin 

existiere im Tibet kein Begriff analog zum Begriff Halbbruder, was 

kulturelle Gründe habe. Es sei in der tibetischen Tradition üblich, dass 

Frauen mit mehr als einem Mann Kinder hätten, welche in der Regel 

gemeinsam in einem Haushalt lebten. Es existiere deshalb auch kein 

Begriff analog des Stiefvaters. Zudem würden diese Begriffe auch im 

schweizerischen Kontext selten verwendet, da damit oft eine Abwertung 

oder Ausgrenzung einhergehe. Der Eingabe war eine Kostennote 

beigelegt.  

5.  

5.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht 

zum Schluss, dass die Ausführungen betreffend das Verhältnis zwischen 

B.______ und dem Beschwerdeführer glaubhaft sind, namentlich, dass 

der Beschwerdeführer das Kind des Halbbruders von B.______ und bei 

dessen Familie aufgewachsen ist. Zunächst ist festzustellen, dass 

B.______ sowohl bei der Befragung vom 16. März 2011 als auch der 

Anhörung vom 17. Januar 2012 angegeben hat, er habe (…) leibliche 

Söhne und einen Sohn, welcher das Kind seines Bruders sei (act. A 5/11 

S. 3; A 11/13 S. 2). Letzteren betrachte er – B.______ – als seinen 

eigenen Sohn. Der von der Vorinstanz angeführte Widerspruch, wonach 

B.______ in der Befragung zu Protokoll gegeben habe, der 

Beschwerdeführer sei der Sohn seiner Ehefrau und seines Bruders, ist 

D-1411/2014 

Seite 8 

vorliegend unbeachtlich. Einerseits sind die Vorbringen betreffend die 

Eltern des Beschwerdeführers, abgesehen von diesem Widerspruch 

konsistent. Andererseits entspricht es offensichtlich nicht den Tatsachen, 

dass der Beschwerdeführer der Sohn der Ehefrau von B.______ ist, da 

dies für die Frage des vorliegenden Gesuchs um Familiennachzug 

zweifelsohne zugunsten des Beschwerdeführers auszulegen wäre, sich 

mithin nachfolgende Erörterungen erübrigen würden, da Art. 51 Abs. 1 

AsylG gemäss ständiger Praxis auch Stiefkinder betrifft (vgl. dazu Urteil 

D-6263/2011 v. 16. Januar 2013 E. 5.2.2.3)  

5.2 Sodann gilt es anzumerken, dass die Vorinstanz von der 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen von B.______ hinsichtlich seines Bruders, 

welcher einen wesentlichen Bestandteil in dessen Verfolgungsgeschichte 

einnimmt, ausgegangen ist. So wird denn auch weder vom BFM und 

noch vom Gericht in Zweifel gezogen, dass sein Bruder (…) und politisch 

aktiv war. Im (…) 2008 war sein Bruder, nachdem er an Protesten 

teilgenommen und längere Zeit verschollen war, schwer verletzt nach 

Hause gekommen. B.______ hatte zu seinem Bruder ein sehr schlechtes 

Verhältnis, da dieser sich nie um die Probleme zuhause gekümmert hat. 

Gemäss seinen Aussagen hätten sie schliesslich am Sterbebett Frieden 

geschlossen und er habe seinem Bruder versprochen, dessen politisches 

Engagement weiterzuführen und dessen Sohn – den Beschwerdeführer – 

wie seinen eigenen aufzuziehen und zu ernähren (vgl. act. A 11/13 S. 8). 

Von einem Freund seines Bruders namens D._____ hatte er daraufhin 

CDs mit regimekritischen Inhalt erhalten und diese verteilt. Im (…) 2010 

ist seine Tätigkeit aufgeflogen, woraufhin er die Flucht ergriffen hat.  

Die Vorbringen von B.______ anlässlich seines eigenen Asylverfahrens 

hinsichtlich seinen verstorbenen Bruders und Vater des 

Beschwerdeführers sind glaubhaft und wurden auch vom BFM zu keinem 

Zeitpunkt in Zweifel gezogen. 

5.3 Das DNA-Ergebnis vom 5. September 2013 besagt demgegenüber, 

dass ein Verwandtschaftsgrad gemäss Deklaration (der 

Beschwerdeführer ist der Sohn des Bruders von B.______) mit 

rechtsgenüglicher Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Eine 

Aussage darüber, ob der Bruder von B.______ nicht der Vater des 

Beschwerdeführers oder kein Vollgeschwister von B.______ sei, sei nicht 

möglich (act. A 8/10 S. 5). Währenddem, wie von der Vorinstanz zurecht 

angemerkt, der DNA-Test ausschliesst, dass es sich beim 

Beschwerdeführer um den Sohn eines Vollgeschwister von B.______ 

D-1411/2014 

Seite 9 

handelt, schliesst der Test nicht aus, dass B.______ und sein Bruder 

keine Vollgeschwister sind, respektive wird festgestellt, dass 

diesbezüglich keine Aussage gemacht werden könne. Im Sinne dieser 

Ausführungen besehen, finden die diesbezüglichen Ausführungen in der 

Beschwerde, wonach die Vorinstanz den zweiten Teil des Gutachtens 

ausser Acht gelassen habe, keine Stütze. Andererseits geht aus dem 

Gutachten aber logischerweise auch in keiner Weise hervor, dass der 

Bruder und B.______ keine Halbgeschwister seien. 

5.4 In Anbetracht der vorliegenden Akten und der äusserst substantiierten 

Angaben von B.______ anlässlich seines eigenen Asylverfahrens 

hinsichtlich des Verhältnisses zum Beschwerdeführer kommt das 

Bundesverwaltungs-gericht – auch unter Berücksichtigung der zweiten 

Feststellung im DNA-Gutachten – zum Schluss, dass von der 

Glaubhaftigkeit des genannten Verwandtschaftsverhältnisses – der Vater 

des Beschwerdeführers ist ein Halbgeschwister von B.______ – 

auszugehen ist. Schliesslich lässt sich dies auch mit den in der Replik 

gemachten Ausführungen, wonach Polyandrie im tibetanischen 

Kulturkreis verbreitet ist (war), vereinbaren.  

6.  

6.1 Das BFM führte in der angefochtenen Verfügung vom 11. Februar 

2014 aus, gestützt auf Art. 51 Abs. 2 und 4 AsylG könne einem anderen 

nahen Angehörigen einer in der Schweiz lebenden Person Asyl gewährt 

werden, wenn besondere Umstände für eine Familienvereinigung 

sprechen würden. In der Botschaft des Bundesrates zur Totalrevision des 

Asylgesetzes vom 4. Dezember 1995 sei festgehalten worden, dass unter 

dem Begriff der anderen nahen Angehörigen unter anderem volljährige 

behinderte Kinder und Pflegekinder zu subsumieren seien.  

6.2 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – 

namentlich die Ehegatten und die minderjährigen Kinder von Flüchtlingen 

ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, 

wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Diese Bestim-

mung zielt auf die Mitglieder der Kernfamilie ab, welche mit einem Flücht-

ling in die Schweiz eingereist sind, ihrerseits aber keine eigenen Asyl-

gründe (im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG) geltend machen können, son-

dern sich auf der Basis ihrer Familienbande ebenfalls auf die Gesuchs-

gründe des Flüchtlings – hier von B.______  – abstützen. Zentrale 

Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ist dabei, dass 

bereits vor der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden hat (vgl. 

D-1411/2014 

Seite 10 

dazu die Botschaft zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Ände-

rung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Aus-

länder vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 68):  

"Der Leitgedanke des Familienasyls besteht darin, den Rechtsstatus der 

zum Zeitpunkt der Flucht bestehenden Kernfamilie eines Flüchtlings 

einheitlich zu regeln, sofern sie dieselbe Nationalität wie der Flüchtling 

besitzt. Diese einheitliche Regelung rechtfertigt sich, da davon ausgegan-

gen wird, dass die engsten Familienangehörigen unter der Verfolgung 

des Ehegatten beziehungsweise der Ehegattin respektive eines Eltern-

teils im Heimatstaat mitgelitten haben oder selbst der Gefahr der Verfol-

gung ausgesetzt waren. Dabei ist es unerheblich, ob einzelne 

Familienmitglieder tatsächlich verfolgt wurden. Eine conditio sine qua non 

der Konzeption des Familienasyls ist daher die Tatsache, dass zum Zeit-

punkt der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss." 

6.3 Ebenfalls unter dem Titel Familienasyl bestimmt Art. 51 Abs. 4 AsylG, 

dass jenen Personen, welche aufgrund ihrer persönlichen Beziehung (im 

Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG) einen Anspruch auf Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl haben, auf Gesuch 

hin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist, wenn sie sich noch im 

Ausland befinden und sie durch die Flucht getrennt wurden.  

Diese Bestimmung zielt auf Mitglieder der Kernfamilie ab, welche auf-

grund der Umstände der Flucht von der in der Schweiz als Flüchtling 

anerkannten Person getrennt wurden. Darunter fallen namentlich die 

Ehegatten und die noch minderjährigen Kinder von Flüchtlingen, welche 

sich noch im Heimatstaat befinden oder erst einen Drittstaat erreicht ha-

ben. Diesen ist – im Sinne des Familiennachzuges – die Einreise in die 

Schweiz zu bewilligen, jedoch ebenfalls nur dann, wenn eine Trennung 

durch die Fluchtumstände stattgefunden hat. Auch in diesem Fall ist dem-

nach eine conditio sine qua non die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der 

Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss. Zweck der Be-

stimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit alleine die Wiedervereinigung 

von vorbestandenen Familiengemeinschaften. 

6.4 Gemäss Rechtsprechung der vormaligen Schweizerischen 

Asylrekurskommission (ARK), welche vom Bundesverwaltungsgericht 

weitergeführt wird, sind entgegen den Ausführungen der Vorinstanz unter 

dem Begriff der minderjährigen Kinder im Sinne von  

Art. 51 Abs. 1 AsylG nicht nur die gemeinsamen Kinder der Partner, 

D-1411/2014 

Seite 11 

sondern auch die Stief- und Adoptivkinder und andere subsumiert, da die 

Norm nach ihrer ratio legis die Herstellung eines einheitlichen 

Rechtsstatus innerhalb der Kernfamilie bezweckt (vgl. EMARK 1997 Nr. 1 

E. 5b S. 6 f. und EMARK 2000 Nr. 22). Der minderjährige 

Beschwerdeführer ist somit unter den Begriff der minderjährigen Kinder 

im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG und nicht unter jenen der anderen 

nahen Angehörigen im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AsylG zu subsumieren, 

da Art. 51 Abs. 1 AsylG einen einheitlichen Rechtsstatus innerhalb der 

Kernfamilie, zu welcher der Beschwerdeführer zweifelsohne zu zählen ist, 

bezweckt. Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungs- 

gericht zum Schluss, dass keine besonderen Umstände im Sinne der 

Rechtsprechung vorliegen, welche der Zuerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl für den 

Beschwerdeführer entgegenstehen könnten. Die Beziehung des 

Beschwerdeführers zu seinem Halbonkel und Stiefvater B.______ wurde 

durch die Flucht getrennt (Art. 51 Abs. 4 AsylG). Mit dem Gesuch um 

Familienzusammenführung wurde schliesslich zum Ausdruck gebracht, 

die getrennte Familiengemeinschaft wiederherstellen zu wollen. Die 

Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG sind vorliegend erfüllt. 

Es liegen keine besonderen Umstände vor, die eine Verweigerung der 

Flüchtlingseigenschaft nahelegen würden.  

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist gutzuheissen 

und die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, 

die Einreise des Beschwerdeführers zwecks Familienasyl und Einbezug 

in die Flüchtlingseigenschaft von B.______ zu bewilligen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

9.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 

Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für 

die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Mit 

Eingabe vom 22. April 2014 reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote 

in der Höhe von Fr. (…) (inklusive Auslagen) zu den Akten, welche als 

D-1411/2014 

Seite 12 

angemessen erscheint (Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 VGKE). Demnach ist 

dem Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung 

in der Höhe von insgesamt Fr. (…) (inklusive Auslagen und 

Mehrwertsteuer) zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1411/2014 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Das BFM wird angewiesen, die Einreise des Beschwerdeführers zwecks 

Gewährung des Familienasyls zu bewilligen und diesen in die 

Flüchtlingseigenschaft von B.______ einzubeziehen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Die Vorinstanz wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine 

Parteientschädigung von Fr. (…) (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 

auszurichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die 

zuständige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Eva Hostettler 

 

 

Versand: