# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c233e0d2-924d-50cc-a4a4-34141c38a841
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2022 F-5543/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5543-2022_2022-12-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5543/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;   

Gerichtsschreiberin Corina Fuhrer. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren am (…), 

2. B._______, geboren am (…), 

3. C._______, geboren am (…), 

4. D._______, geboren am (…), 

Türkiye, 

Beschwerdeführende,  

alle vertreten durch Daniela Candinas,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 21. November 2022 / N (…). 

 

 

 

F-5543/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden 1 und 2 ersuchten am 20. September 2022 in 

der Schweiz für sich und ihre beiden Kinder um Asyl. Ein Abgleich ihrer 

Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) 

ergab, dass sie am 1. September 2022 in Kroatien in das Hoheitsgebiet 

der Dublin-Mitgliedstaaten eingereist waren und um Asyl ersucht hatten 

(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1 ff., 16, 18).  

B.  

Am 1. November 2022 gewährte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden 

1 und 2 für sich und ihre Kinder das rechtliche Gehör, unter anderem zur 

Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-

verfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung 

in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszustand (SEM-

act. 24, 26).  

C.  

Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen der Vorinstanz vom 

3. November 2022 um Übernahme der Beschwerdeführenden gestützt auf 

Art. 20 Abs. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO) am 17. November 2022 gut (SEM-act. 28 f., 34 f.).  

D.  

Am 18. November 2022 reichten die Beschwerdeführenden bei der 

Vorinstanz Arztberichte vom 27. Oktober 2022 und 31. Oktober 2022 be-

treffend die Beschwerdeführerin 3 sowie einen Konsultationsbericht vom 

28. Oktober 2022 betreffend die Beschwerdeführerin 2 ein (SEM-

act. 43 f.).  

E.  

Mit Verfügung vom 21. November 2022 – eröffnet am 24. November 2022 

– trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz nach Kroatien an und forderte die Beschwerdeführenden auf, 

die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-

lassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Be-

schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und 

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Seite 3 

beauftragte den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung (SEM-

act. 46 f.).  

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 1. Dezember 2022 (Datum Postaufgabe) ge-

langten die Beschwerdeführenden 1 und 2 für sich und ihre Kinder an das 

Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die vorinstanzliche Verfügung 

sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf die Asylgesuche 

einzutreten. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und 

die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Vor-

instanz anzuweisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs 

zum Asylverfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbrin-

gung von den kroatischen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die 

aufschiebende Wirkung zu gewähren und die Vorinstanz und die Vollzugs-

behörden seien im Rahmen von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich 

anzuweisen, bis zum Entscheid über die vorliegende Beschwerde von jeg-

lichen Vollzugshandlungen abzusehen. Des Weiteren beantragten sie die 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses (Akten des Bundesverwaltungsgerichts 

[BVGer-act.] 1).  

G.  

Am 2. Dezember 2022 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in 

elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den 

Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus 

(BVGer-act. 2).  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-

ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden 1 und 

2 sind für sich und ihre Kinder zur Beschwerdeanhebung legitimiert  

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 4 

2.  

2.1. Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.2. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen ist – als 

offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines 

Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1. Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der/die 

Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der 

Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an 

(Art. 44 AsylG). 

3.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt. Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitglied-

staates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d 

beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH 

[Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, 

EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 

8.2.1 m.H.).  

3.3. Der Mitgliedstaat, bei dem der erste Antrag auf internationalen Schutz 

gestellt wurde, ist gehalten, einen Antragsteller, der sich ohne Aufenthalts-

titel im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält oder dort einen 

Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, nachdem er seinen ersten 

Antrag noch während des Verfahrens zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach den Bestimmungen der Artikel 23, 

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Seite 5 

24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um das Verfahren zur Bestimmung 

des zuständigen Mitgliedstaats zum Abschluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 

Dublin-III-VO). Diese Bestimmung findet auch – wie vorliegend – im Falle 

der Weiterreise eines Antragstellers in einen anderen Mitgliedstaat bei 

noch nicht abgeschlossenem Zuständigkeitsverfahren Anwendung 

(vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 2014, K. 19 zu Art. 20).  

3.4. Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerde-

führenden 1 und 2, dass sie am 1. September 2022 in Kroatien aufgegriffen 

und daktyloskopisch erfasst worden waren. Gleichentags hatten sie ge-

mäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank Asylgesuche gestellt (vgl. 

Sachverhalt A). Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnah-

meersuchen der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO frist-

gerecht zu und wiesen darauf hin, dass das Zuständigkeitsverfahren von 

ihnen fortgeführt werde. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 hätten am 

1. September 2022 ihren Willen zum Ausdruck gebracht, um internationa-

len Schutz zu ersuchen, seien aber vor der Durchführung ihrer Befragung 

verschwunden. Damit sind sowohl die Antragsstellung in Kroatien als auch 

der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung des für die 

Asylgesuche der Beschwerdeführenden zuständigen Mitgliedstaats ge-

mäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlossen wurde und 

nach einer Rücküberstellung der Beschwerdeführenden fortgesetzt wird, 

als erstellt zu betrachten (vgl. Urteil des BVGer F-5023/2022 vom 23. No-

vember 2022 E. 4.4 f. m.H.). Die Zuständigkeit Kroatiens ist somit grund-

sätzlich gegeben, was von den Beschwerdeführenden auf Beschwerde-

ebene nicht mehr bestritten wird.  

4.  

4.1. Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob 

es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die 

Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden. 

4.2. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie-

deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten 

Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-

gungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstel-

len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufwei-

sen (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-3957/2022 vom 11. Oktober 2022 E. 5; 

F-5543/2022 

Seite 6 

F-4002/2022 vom 26. September 2022 E. 7.2; F-3903/2022 vom 16. Sep-

tember 2022 E. 4; F-3448/2022 vom 22. August 2022 E. 6.2). Für eine Än-

derung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der von den Be-

schwerdeführenden gemachten Äusserungen zu ihrer Behandlung in Kro-

atien keine Veranlassung. Folglich ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

5.  

5.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

5.2. Die Beschwerdeführenden vermögen nicht darzutun, dass die sie bei 

einer Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart 

schlecht sind, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könn-

ten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihnen zu-

stehenden Aufnahmebedingungen könnten sie sich im Übrigen nötigenfalls 

an die kroatischen Behörden wenden und ihre Rechte auf dem Rechtsweg 

einfordern (vgl. Art. 26 der Richtlinie des Europäischen Parlaments und 

des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für 

die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen [Auf-

nahmerichtlinie]). Im Übrigen steht den Beschwerdeführenden die Möglich-

keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. Im 

Zusammenhang mit dem Kindeswohl ist festzuhalten, dass Kroatien Sig-

natarstaat des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte 

des Kindes (KRK, SR 0.107) ist, weshalb eine Überstellung nach Kroatien 

weder eine Verletzung von Art. 3 KRK noch Art. 3 EMRK bedeutet.  

5.3. Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine vom 

EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-

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Seite 7 

schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-

staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen 

und unwiederbringlichem Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes 

ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen 

Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa-

poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180-193 m.w.H.). 

5.4. Den Akten zufolge konsultierte die Beschwerdeführerin 2 am 27. Ok-

tober 2022 aufgrund von Ängsten eine Ärztin der X._______ AG in 

Z._______, welche den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungs-

störung, Angst und Depression festhielt. Sie überwies die Beschwerdefüh-

rerin 2 an einen Psychiater und verschrieb ihr das Medikament Laitea 

(Konsultationsbericht vom 28. Oktober 2022 [SEM-act. 40]). Weiter geht 

aus den Akten eine notfallmässige Selbstvorstellung im Kantonsspital 

Y._______ am 25. Oktober 2022 hervor wegen Veränderungen der Haut 

mit Juckreiz bei beiden Kindern. Beim einjährigen Beschwerdeführer 4 

wurde der Verdacht auf Stichreaktionen am Gesicht, Armen und Beinen 

sowie ein viraler Infekt, bei der zweieinhalbjährigen Beschwerdeführerin 3 

der Verdacht auf ein impetiginisiertes Exanthem am rechten Unterarm, Sta-

tus nach Varizellen (Windpocken), sowie der Verdacht auf atopische Der-

matitis diagnostiziert. Beide wurden medikamentös behandelt (Arztberichte 

des Kantonsspitals Y._______ vom 25., 27. und 31. Oktober 2022 [SEM-

act. 41, 42]). Am 6. November 2022 war zudem bei beiden Kindern ein 

Atemwegsinfekt (beim Sohn zusätzlich anamnestisch Obstipation) festge-

stellt und die entsprechende Medikation verordnet worden (Arztberichte 

des Kantonsspitals Y._______ vom 7. November 2022 [SEM-act. 41, 42]).  

5.5. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Beschwerden 

stellen keine gravierenden Erkrankungen dar, welche in Kroatien nicht 

(weiter) behandelt werden könnten. Kroatien verfügt grundsätzlich über 

eine ausreichende medizinische Infrastruktur (vgl. dazu Urteil des BVGer 

D-735/2022 vom 28. Februar 2022 E. 6.7.3). So kann davon ausgegangen 

werden, dass die Beschwerdeführenden Zugang zur nötigen Unterstüt-

zung erhalten können, zumal Kroatien aufgrund der Aufnahmerichtlinie ins-

besondere auch zur Behandlung schwerer psychischer Störungen und ge-

gebenenfalls zur psychologischen Betreuung verpflichtet ist. Im Übrigen 

wäre auch eine mögliche Schwangerschaft der Beschwerdeführerin 2, wie 

auf Beschwerdeebene angedeutet, kein Überstellungshindernis (vgl. etwa 

Urteil des BVGer D-1304/2021 vom 25. Mai 2021 E. 7.3.2.2). Vor diesem 

Hintergrund war die Vorinstanz auch nicht verpflichtet, individuelle Zusiche-

rungen bezüglich des Zugangs zu adäquater medizinischer Versorgung 

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Seite 8 

einzuholen. Die Vorbringen der Beschwerdeführenden, wonach das spezi-

elle Auffangzentrum für vulnerable Personen in Kroatien aktuell renoviert 

werde, vermag daran auch nichts zu ändern, zumal es sich dabei um ein 

zeitlich begrenztes Vollzugshindernis zu handeln scheint. Ausserdem wer-

den die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochte-

nen Verfügung beauftragt sind, dem aktuellen Gesundheitszustand der Be-

schwerdeführenden bei der Organisation der Überstellung nach Kroatien 

Rechnung tragen, indem sie die dortigen Behörden im Sinne von Art. 31 

und Art. 32 Dublin-III-VO vorgängig über den aktuellen Gesundheitszu-

stand und die allenfalls notwendige medizinische Behandlung der Be-

schwerdeführenden informieren werden.  

5.6. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz 

bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-

spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter 

diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten 

keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermessensausübung durch die 

Vorinstanz zu entnehmen und es kann insbesondere nicht – wie in der Be-

schwerde vorgebracht – von einer Ermessensunterschreitung ausgegan-

gen werden. Für die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

besteht kein Anlass; das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusam-

menhang weiterer Äusserungen.  

5.7. In Beachtung vorstehender Erwägungen liegt kein Grund für die An-

wendung der Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungs-

weise Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf 

die Asylgesuche einzutreten, noch sind Rechtsfehler bei der Ermessens-

betätigung ersichtlich. Die Vorinstanz ist daher zu Recht auf die Asylgesu-

che der Beschwerdeführenden nicht eingetreten und hat die Überstellung 

nach Kroatien angeordnet.  

6.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 2. Dezember 2022 angeordnete Vollzugsstopp da-

hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-

standslos geworden.  

7.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-

sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt 

– von Anfang an als aussichtslos zu bezeichnen waren. Die Verfahrens-

kosten sind den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

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Seite 9 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 ff. des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Andreas Trommer Corina Fuhrer 

 

 

Versand: