# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df4c0a25-d69a-571c-8ab6-74aebf98dbd0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-03-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 31.03.2003 SF 2003 10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2003-10_2003-03-31.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 31. März 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 03 9 (mündlich eröffnet)
SF 03 10

Urteil
Strafkammer

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichter Jegen, Riesen-Bienz, Tomaschett-Murer 
und Burtscher, Aktuarin ad hoc Baretta.

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In der Strafsache

des X., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Rath-
geb, Postfach 101, Bahnhofstrasse 7, 7001 Chur,

und

der Y., Angeklagte, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Rathgeb, 
Postfach 101, Bahnhofstrasse 7, 7001 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 24. Februar 2003 in Ankla-
gezustand versetzt, 

wegen Raub, Diebstahl und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz,

hat sich ergeben:

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A. 1. X. wurde am 16. November 1983 in A. geboren. Er hat eine jüngere 
Schwester und einen jüngeren Bruder. Sie wuchsen zunächst bei ihren Eltern in B., 
C., D. und A. auf. Im Jahre 1991 trennten sich die Eltern und zwei Jahre später 
wurde die Ehe gerichtlich geschieden, wobei der Vater in A. blieb und die Mutter mit 
den Kindern nach F. zog. Weil die Mutter mit der Erziehung von X. zusehends 
Schwierigkeiten bekam, kehrte er zu seinem Vater nach A. zurück. Bereits im Ver-
laufe der 6. Klasse wurde er jedoch wegen Alkohol- und Drogenkonsum auffällig, 
weshalb er von der Schule gewiesen wurde. Es erfolgte eine erneute Versetzung 
nach F. zur Mutter. So besuchte X. abwechslungsweise die Primarschule in F. und 
in A.. In der Folge fing er mit dem Konsum von Heroin an. Nach dem Besuch der 1. 
Realschulklasse wurde er auch in F. von der Schule gewiesen. Mit Beschluss der 
Vormundschaftsbehörde des Kreises Rhäzüns vom 28. Mai 1998 wurde sodann der 
Mutter die Obhut über X. einstweilen entzogen und gleichzeitig ein Amtsvormund 
als Beistand ernannt. Nach einer vorübergehenden Plazierung bei einer Familie in 
G. wurde der Angeklagte Ende August 1998 mit Beschluss der Vormundschafts-
behörde des Kreises Rhäzüns für die Dauer von 6 Monaten in die Beobachtungs-
station des Jugenddorfes AD. eingewiesen. Aufgrund der bestehenden Drogenpro-
blematik erfolgte Mitte Februar 1999 der Übertritt in die Jugendstation der Psychia-
trischen Klinik AE.. Nach einigen Entweichungen aus dieser Klinik und weil die Ju-
gendgruppe zeitweilig aufgehoben wurde, wurde für X. im September 1999 ein The-
rapieplatz im Drogenrehabilitationszentrum AF. gefunden. Im März 2002 verliess er 
vorzeitig dieses Zentrum, ohne die angefangene Lehre als Druckausrüster beendet 
zu haben. Nach erneutem Drogenkonsum sowie Hospitalisation in der Psychiatri-
schen Klinik AH. trat der Angeklagte am 26. Juni 2002 in das Therapiezentrum AG. 
ein. Doch auch diese Therapie brach er im September 2002 ab. Vom 4. bis am 14. 
Oktober 2002 befand er sich ein letztes Mal in der psychiatrischen Klinik AH.. An-
sonsten hielt er sich bis zu seiner Verhaftung vom 14. November 2002 eigenen An-
gaben zufolge auf der Gasse sowie in der Notschlafstelle des Vereins Überlebens-
hilfe in H. auf und konsumierte täglich Heroin oder Methadon.

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit folgender Vorstrafe ver-
zeichnet:

4. November 2002: Kreispräsident Chur
Veruntreuung, Diebstahl, Sachbeschädigung, 
Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen Art. 19a 
Ziffer 1 BetmG,
45 Tage Gefängnis, bedingt, Probezeit 2 Jahre, ab-
züglich 3 Tage Polizeihaft.

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Bereits mit Entscheid der Jugendanwaltschaft Graubünden vom 12. Septem-
ber 2000 war X. der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziffer 1 und Art. 19a 
Ziffer 1 BetmG schuldig gesprochen worden, wobei von einer Bestrafung oder 
Massnahme gestützt auf Art. 98 Abs. 2 StGB abgesehen wurde. 

Dem Leumundbericht kann entnommen werden, dass der Angeklagte keinen 
schlechten Ruf geniesst. 

X. wurde am 14. November 2002 in H. festgenommen und am 18. November 
2002 vom Haftrichter des Bezirksgerichtes Plessur in Untersuchungshaft versetzt, 
die in der Strafanstalt AI. in H. vollzogen wurde. Am 16. Dezember 2002 wurde er 
aus der Untersuchungshaft entlassen und in den vorzeitigen Massnahmevollzug 
versetzt, welcher ab dem 18. Dezember 2002 im Therapiezentrum AG. erfolgte. Am 
9. Februar 2003 entwich der Angeklagte aus diesem Therapiezentrum. Am 10. Fe-
bruar 2003 konnte er von der Stadtpolizei Zürich am Hauptbahnhof Zürich festge-
nommen werden. Noch am gleichen Tag wurde er in die Strafanstalt AI. zurückver-
setzt. Mit Entscheid des zuständigen Haftrichters vom 14. Februar 2003 wurde X. 
erneut in Untersuchungshaft versetzt.

Im Rahmen des gegen den Angeklagten geführten Verfahrens wurde durch 
Dr. med. AL. von der Klinik AH. am 29. Januar 2003 ein psychiatrisches Gutachten 
erstellt, welches zu folgendem Schluss gelangt:

„Zusammenfassend stellen wir beim Expl. eine Polytoxikomanie und eine 
Störung des Sozialverhaltens fest. Es zeichnet sich weiter eine begin-
nende Fehlentwicklung der Persönlichkeit mit dissozialen und emotional 
instabilen Merkmalen ab. Die Polytoxikomanie entspricht der Beeinträch-
tigung der geistigen Gesundheit im Sinne des Gesetzes. Eine Persön-
lichkeitsstörung würde zwar einer geistig mangelhaften Entwicklung ent-
sprechen. Da aber die Kriterien für die Diagnose einer dissozialen Per-
sönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Zügen beim Expl. noch nicht 
voll entwickelt sind, kann höchstens von einer beginnenden mangelhaft 
geistigen Entwicklung gesprochen werden.“

Die durch die Staatsanwaltschaft gestellten Fragen wurden von der Gutachte-
rin wie folgt beantwortet:

„1. War der Angeschuldigte zur Zeit der Tat in seiner geistigen Gesund-
heit oder in seinem Bewusstsein beeinträchtigt oder war er geistig 
mangelhaft entwickelt, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht in das 
Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht herabge-
setzt war, wenn ja, in welchem Grad (Art. 11 StGB)?

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Beim Angeklagten war zum Zeitpunkt der Tat eine Beeinträchtigung der 
geistigen Gesundheit vorhanden (langjährige Polytoxikomanie). Zum 
Zeitpunkt der Tat war die Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat 
nicht eingeschränkt, jedoch die Fähigkeit gemäss dieser Einsicht zu han-
deln, in leichtem Grad herabgesetzt.

2. Ist der Angeschuldigte rauschgiftsüchtig und erscheint daher zur 
Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in eine 
Drogenentziehungsanstalt oder eine andere Heilanstalt zweckmäs-
sig (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB)?

Beim Angeklagten besteht eine Rauschgiftsucht (Polytoxikomanie), und 
eine Einweisung in eine Drogentherapieanstalt ist zweckmässig (Art. 44 
Ziff. 1 Abs. 1 StGB). 

Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 
1 letzter Satz StGB?

Eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 letzter 
Satz StGB ist ungenügend. Die Einweisung in eine stationäre Drogen-
therapie muss trotz gescheiterter Therapieversuche nochmals angeord-
net werden, da der Expl. zurzeit äussert motiviert ist.

3. Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren:                      
Erscheint nach dem körperlichen und geistigen Zustand des Ange-
schuldigten sowie im Blick auf dessen Erziehbarkeit zur Arbeit zur 
Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in eine 
Arbeitserziehungsanstalt zweckmässig (Art. 100bis StGB)?

Nein.

4. Sind andere Massnahmen zweckmässig, z.B. Bevormundung, Ver-
beiständung?

Wir empfehlen die Errichtung einer Schutzaufsicht.“

Prognose:

Aufgrund der vorliegenden Befunde muss die Prognose eher als ungüns-
tig bezeichnet werden. 

A. 2. Y. wurde am 2. Januar 1984 in H. geboren und wuchs vorerst bei ihren 
Grosseltern väterlicherseits in I. auf, wo sie auch die Primarschule besuchte. An-
schliessend zog sie zu ihrem Vater nach H., wo sie die 1. Klasse der Sekundar-

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schule und zwei Klassen der Realschule absolvierte. Nach der Schulentlassung im 
Sommer 2000 trat sie im Coiffeuresalon J. in H. eine Lehre als Coiffeuse an. Infolge 
Unzuverlässigkeit löste der Lehrmeister das Lehrverhältnis jedoch bereits per Ende 
Dezember 2000 wieder auf. Eigenen Angaben zufolge betätigte sich die Angeklagte 
in Jahre 2001 während drei bis vier Monaten in K. als Babysitterin. Seither geht sie 
keiner geregelten Arbeit mehr nach. Eine Zeit lang wurde sie noch von ihrem Vater 
finanziell unterstützt und später vom Sozialamt. Zu ihrer Mutter hat sie keine Bezie-
hung.

Anfangs Februar 2001 konsumierte Y. zum ersten Mal Heroin. Mit dem Rau-
chen von Marihuana begann sie hingegen bereits im Winter 1999/2000. Infolge ihrer 
Drogensucht hielt sie sich ab dem 29. Januar 2002 diverse Male in der Psychiatri-
schen Klinik AH. in AJ. auf. Im Herbst 2002 fand sie auch Unterschlupf in der Not-
schlafstelle des Vereins Überlebenshilfe in H.. 

Y. ist im Schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet. Hingegen 
wurde sie von der Jugendanwaltschaft Graubünden wie folgt bestraft:

26. April 2000: geringfügiger Diebstahl,
2 Halbtage Arbeitsleistung.

2. Oktober 2001 Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19a Ziffer 1 
BetmG, 
Fr. 150.-- Busse, Aufschub des Vollzuges der 
Busse, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-
ren und Anordnung von Schutzaufsicht.

Dem Leumundbericht kann entnommen werden, dass die Angeklagte keinen 
schlechten Ruf geniesst. 

Am 14. November 2002 wurde die Angeklagte aufgrund der vorliegend zu 
beurteilenden Delikte festgenommen. Mit Verfügung vom 15. November 2002 wies 
die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur Y. zur Behandlung ihrer Drogensucht 
erneut in die Psychiatrische Klinik AH. ein. In der Folge kam es zu mehreren Ent-
weichungen aus der Klinik. Am 17. Februar 2003 trat die Angeklagte in der Thera-
peutischen Gemeinschaft AK. eine Langzeittherapie an. 

In ihrem psychiatrischen Gutachten vom 31. Januar 2003 gelangt Dr. med. 
AL., Kantonale Psychiatrische Klinik AH., AJ., zu folgender Beurteilung:

„Aufgrund unserer Untersuchungen können wir bei der Expl. eine Dro-
gensucht (Polytoxikomanie), was einer Beeinträchtigung der geistigen 

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Gesundheit entspricht, feststellen. Die Straftaten stehen in Zusammen-
hang mit der Drogensucht. Zur Finanzierung der Drogensucht benötigte 
die Expl. viel Geld, das sie durch fehlende Arbeitstätigkeit nicht selbst 
aufbringen konnte. Neben der Tätigkeit als Prostituierte hat sie sich Geld 
unrechtmässig erworben. Zuerst bestahl sie Familienangehörige, zuletzt 
beging sie mit ihrem Freund und einem weiteren Kollegen die vorgewor-
fenen Entreissdiebstähle. Vor den Taten konsumierte die Expl. fünf Do-
sen Bier, was einer leichten Alkoholisierung entspricht. Zudem stand sie 
unter Methadoneinfluss. Damit beging sie die Taten unter Alkohol- und 
Drogeneinfluss, was einer leichten Bewusstseinsbeeinträchtigung ent-
spricht.            
Da die auffälligen Verhaltensstörungen nur teilweise den Kriterien einer 
Persönlichkeitsstörung entsprechen, also auch keine mangelhafte geis-
tige Entwicklung vorliegt, haben die psychischen Störungen keinen Ein-
fluss auf die Zurechnungsfähigkeit.“

Die Gutachterin beantwortete die gestellten Fragen folgendermassen:

„1. War die Angeschuldigte zur Zeit der Tat in ihrer geistigen Gesund-
heit oder in ihrem Bewusstsein beeinträchtigt oder war sie geistig 
mangelhaft entwickelt, so dass ihre Fähigkeit zur Einsicht in das Un-
recht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht herabge-
setzt war, wenn ja, in welchem Grad (Art. 11 StGB)?

Ja, die Expl. war zur Zeit der Tat in ihrer geistigen Gesundheit und in 
ihrem Bewusstsein leicht beeinträchtigt, so dass ihre Einsichtsfähigkeit 
in das Unrecht der Tat zwar erhalten, jedoch zum Handeln gemäss dieser 
Einsicht in leichtem bis mittlerem Grad herabgesetzt war.

2. Ist die Angeschuldigte rauschgiftsüchtig und erscheint daher zur 
Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in eine 
Drogenentziehungsanstalt oder eine andere Heilanstalt zweckmäs-
sig (Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB)?

Ja, die Expl. ist rauschgiftsüchtig. Die Einweisung in eine Drogenentzie-
hungsanstalt zu einer Langzeittherapie erscheint zweckmässig. Wichtig 
wäre eine berufliche Ausbildung und eine stützende Psychotherapie 
während der Drogenlangzeittherapie.

Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 
1 letzter Satz StGB?

Nein.

3. Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren:                      
Erscheint nach dem körperlichen und geistigen Zustand der Ange-
schuldigten sowie im Blick auf deren Erziehbarkeit zur Arbeit zur 

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Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in eine 
Arbeitserziehungsanstalt zweckmässig (Art. 100bis StGB)?

Nein.

4. Sind andere Massnahmen zweckmässig, z. B. Bevormundung, Ver-
beiständung?

Wir empfehlen zunächst die Errichtung einer Schutzaufsicht. Nach The-
rapieabschluss sollte die Errichtung vormundschaftlicher Massnahmen 
überprüft werden.

B. 1. X. und Y. werden angeklagt des mehrfachen Raubes gemäss Art. 140 
Ziffer 1 StGB. Der Anklage liegt gemäss der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft 
Graubünden vom 24. Februar 2003 folgender Sachverhalt zugrunde:

„1.1 Am Abend des 14. November 2002 hielten sich die Angeklagten sowie 
E., geb. 23. Januar 1985, beim N. in der Q.-Gasse in H. auf. Y. hatte zu 
diesem Zeitpunkt zwei kleine Flaschen Bier und 30 oder 40 mg Methadon 
konsumiert. Ca. um 18.00 Uhr kamen die Angeklagten und E. überein, 
Überfälle zu begehen, um auf diese Weise Geld für den Ankauf von Dro-
gen zu erlangen.

Etwa um 18.40 Uhr begab sich L., geb. 31. August 1955, vom P.-Platz 
kommend durch die Q.-Gasse Richtung R.-Gasse. Als sie sich auf der 
Höhe der Angeklagten befand, warf Y. eine leere Bierflasche gegen die 
Fassade des N.s. Dies veranlasste L. zur Bemerkung, dass man die Fla-
sche auf eine andere Weise hätte entsorgen können. Y. liess sich diese 
Bemerkung nicht gefallen und beschimpfte L.. Anschliessend folgte sie 
ihr Richtung R.-Gasse und ergriff plötzlich deren Handtasche, um sie sich 
anzueignen. Die Geschädigte liess jedoch ihre Handtasche nicht los, 
worauf auch X. und E. in die Auseinandersetzung eingriffen. Zu dritt 
drückten sie L. in eine Nische beim Möbelgeschäft M. und zogen gleich-
zeitig an der Tasche, bis L. sie losliess. Nach diesem Überfall rannten die 
Täter Richtung R.-Gasse davon, nachdem Y. ihr Opfer noch ermahnt 
hatte, niemandem vom Überfall zu erzählen, ansonsten sie, L., „dran-
komme“.

Beim Karlihofparkplatz hinter dem Gebäude der Fremdenpolizei teilten 
sich die Täter die Beute. E. erhielt das Münzgeld im Wert von etwa Fr. 
15.--, während sich die beiden Angeklagten Fr. 50.-- in Notengeld aneig-
neten, womit sie später Kokain kauften und konsumierten. X. behändigte 
auch die in der Handtasche vorhandenen Kreditkarten, um damit Geld 
abheben zu können. Da er aber den dazu erforderlichen Code in der Ta-
sche nicht finden konnte, warf er die Kreditkarten später in der Nähe des 
S. weg.

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Gemäss Deliktsgutverzeichnis hatte die Handtasche samt Inhalt einen 
Wert von Fr. 1'575.--. Sie enthielt neben dem erwähnten Geld und den 
Kreditkarten ein Portemonnaie, ein Mobiltelefon, einen Führerausweis, 
eine Identitätskarte, eine Kosmetiktasche und zwei Schlüsseletuis. Diese 
Gegenstände konnten – bis auf den Führerausweis – beigebracht und 
der Geschädigten erstattet werden.

1.2. Etwa eine Stunde später hielten sich die beiden Angeklagten an der Va-
zerolgasse in H. auf. Als U., geb. 11. April 1984, an ihnen vorbeiging, 
bettelte Y. sie an. U. AG.te es ausdrücklich ab, den Angeklagten Geld zu 
geben, und forderte sie auf, sich im Spiegel anzuschauen. Y. fühlte sich 
durch diese Äusserung provoziert und ergriff deren Handtasche, in der 
Absicht, sich diese anzueignen. U. wollte in diesem Augenblick die Lie-
genschaft an der T.-Gasse betreten. Sie hatte ihre Handtasche um die 
Schulter gehängt und liess sie nicht los. Y. fasste in der Folge ihr Opfer 
am Hals an und drückte es gegen die Haustüre. Gleichzeitig ergriff X. 
den Arm von U. und drehte ihn um, bis diese ihre Handtasche losliess. 
Sobald sich die Angeklagten der Tasche bemächtigt hatten, rannten sie 
davon. In der Handtasche befanden sich ein Portemonnaie mit ca. Fr. 
7.10 Münzgeld, zwei Kreditkarten, ein Führerausweis, eine Armkette, ein 
Mobiltelefon sowie Schulbücher und –unterlagen, alles im Gesamtwert 
von ca. Fr. 600.--.           Die An-
geklagten eigneten sich aus dieser Tasche das Bargeld und das Mobil-
telefon an und liessen die Tasche auf dem Z.-Platz zurück. Das Mobilte-
lefon tauschten sie später bei einem Schwarzafrikaner gegen ein Ko-
kainkügelchen im Wert von Fr. 40.-- ein.“

B. 2. Y. wird weiter angeklagt des mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 
Ziffer 1 StGB und X. des geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1/ 172 ter 
StGB. Die Staatsanwaltschaft von Graubünden legt dieser Anklage folgenden Sach-
verhalt zugrunde:

„2.1. Am 1. November 2002 entwendete Y. im Geschäft V. an der P.-Strasse 
30 in H. eine Kuhglocke im Wert von Fr. 93.--. Als eine Verkäuferin auf 
die Angeklagte aufmerksam wurde, rannte diese mit ihrer Beute davon 
und konnte vom Verkaufspersonal nicht mehr eingeholt werden.

2.2. Am 5. November 2002 entwendete Y. im Kaufhaus AA. an der AM. in 
H. ein Parfüm der Marke Estée Lauder und diverse Körperpflegemittel 
der Marke Weleda im Gesamtwert von Fr. 104.15.

2.3. Am 11. November 2002 eignete sich die Angeklagte im Schuhhaus AB. 
an der Gäuggelistr. 2 in H. zwölf Paar Damensocken im Wert von Fr. 
120.-- an.

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2.4. Am gleichen Tag behändigte Y. im Kaufhaus AA. an der AM. in H. vier 
Fingerringe, zwei Halsketten und zwei Armketten im Gesamtwert von 
Fr. 105.40.

2.5. Am 13. November 2002 betrat die Angeklagte erneut das Kaufhaus 
AA.. In der Sportabteilung eignete sie sich ein Paar Sportschuhe der 
Marke Nike im Wert von Fr. 99.-- an. 

2.6. Am 14. November 2002 entwendeten die beiden Angeklagten in der 
Import Parfümerie an der P.-Strasse 22 in H. ein Eau de Toilette (Test-
Flacon) der Marke Sculpture im Wert von Fr. 66.90. Die Import Parfü-
merie stellte noch gleichentags Strafantrag wegen Diebstahls.

Abgesehen von der Kuhglocke (vgl. oben Ziff. 2.1.) und dem Eau de Toilette 
(Ziff. 2.6.) konnte sämtliches Diebesgut sichergestellt und den Geschädigten 
erstattet werden.“

B. 3. X. und Y. werden schliesslich angeklagt der mehrfachen Widerhand-
lung gegen Art. 19a Ziffer 1 BetmG. Der Anklage liegt gemäss Anklageschrift der 
Staatsanwaltschaft Graubünden folgender Sachverhalt zugrunde:

„3.1. X. konsumierte zwischen der letzten Verzeigung (3. Oktober 2002) und 
seiner Festnahme am 14. November 2002 eigenen Angaben zufolge 
insgesamt mindestens ca. 15 g Heroin, 5 g Kokain und 600 ml Metha-
don. Für den Ankauf dieser Drogen will er gesamthaft ca. Fr. 2'300.-- 
aufgewendet haben.

3.2. Y. konsumierte ab November 2001 regelmässig Heroin. Eigenen Anga-
ben zufolge injizierte sie sich diese Droge in der Regel zweimal täglich. 
In den zwei bis drei Monaten vor ihrer Festnahme am 14. November 
2002 nahm sie vorwiegend Methadon zu sich, und zwar jeweils 20 – 30 
mg pro Tag, wofür sie Fr. 10.-- - Fr. 15.-- bezahlen musste. Sofern Ko-
kain erhältlich war, nahm sie auch diesen Stoff zu sich. Y. war nicht in 
der Lage, die insgesamt konsumierte Menge Heroin und Kokain zu be-
ziffern.“

C. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 31. März 2003 vor der Straf-
kammer des Kantonsgerichtes von Graubünden waren der Staatsanwalt, Dr. iur. J. 
Grob, sowie die Angeklagten mit ihrem Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Ch. Rath-
geb, anwesend. Es wurden keine Einwände gegen die Zuständigkeit und Zusam-
mensetzung des Gerichts erhoben. Im Rahmen der richterlichen Befragung 
bestätigten die beiden Angeklagten im Wesentlichen die von der Staatsanwaltschaft 
ermittelten Sachverhalte und anerkannten die ihnen zur Last gelegten Straftaten. 

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Nach Abschluss des Beweisverfahrens stellte und begründete der Staatsan-
walt Dr. iur. J. Grob folgende Anträge: 

„1. a) X. sei des mehrfachen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB, des ge-
ringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 
172 ter Abs. 1 StGB und der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a 
Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.

b) Y. sei des mehrfachen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB, des mehr-
fachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen 
Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen. 

2. Dafür seien zu bestrafen:

a) X. mit 18 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung der Untersuchungs-
haft und der Dauer des vorzeitigen Massnahmeantritts.

b) Y. mit 16 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 2 Tagen Polizei-
haft.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei für beide Angeklagte aufzuschieben 
und es sei für beide eine stationäre Massnahme gemäss Art. 44 Ziff. 
1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 6 StGB anzuordnen.

4. Gesetzliche Kostenfolge.“

In seinem Plädoyer vertrat der Staatsanwalt die Ansicht, dass der Sachver-
halt bereits ausgewiesen und von den Angeklagten anerkannt sei; deshalb be-
schränkte er sich auf die Begründung der Strafzumessung. Für die beiden Raubde-
likte sei den Angeklagten ein schweres Verschulden zur Last zu legen. Die beiden 
hätten innerhalb von nur etwa einer Stunde zwei Raubdelikte begangen; damit sei 
eine latente Bereitschaft manifestiert. Wenn Bandenmässigkeit nicht eingeklagt 
worden sei, so lediglich aus dem Grund, weil nicht nachgewiesen werden konnte, 
dass sich die Angeklagten schon vor dem ersten Überfall dazu entschlossen hätten, 
Raubdelikte fortgesetzt zu begehen. Die schweren Verfehlungen seien keineswegs 
dadurch gemildert, dass sich die Angeklagten das Geld für den Ankauf von Drogen 
beschaffen wollten. Ein solches Verhalten rufe vielmehr nach einer hohen Strafe. 
Zugunsten beider Angeklagten könne das umfassende Geständnis berücksichtigt 
werden. Strafmindernd falle für beide auch das jugendliche Alter in Betracht. Für X. 
sollte im Übrigen auch die Vorstrafe als Straferhöhungsgrund berücksichtigt wer-
den. Er sei zwar noch nicht in Kenntnis des Urteiles gewesen, ihm sei jedoch klar 
gewesen, dass gegen ihn ein Strafverfahren im Gange war. Strafschärfend falle das 
Zusammentreffen mehrerer strafbarer Handlungen in Betracht. Strafmildernd sei bei 

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X. die Verminderung der Zurechnungsfähigkeit in leichtem Grad und bei Y. in leich-
tem bis mittlerem Grad zu berücksichtigen, weshalb es sich rechtfertige, die Dauer 
der Gefängnisstrafe bei Y. um zwei Monate zu reduzieren, das heisst statt 18 Mo-
nate, wie für X., 16 Monate anzuordnen.

D. Der amtliche Verteidiger anerkannte sowohl den seinen Mandanten 
zur Last gelegten Sachverhalt wie auch die von der Anklagevertretung vorgenom-
mene rechtliche Subsumtion. Bei der Strafzumessung sei sowohl bei Y. wie auch 
bei X. zu berücksichtigen, dass einzig und alleine ihre Sucht Antrieb für ihr delikti-
sches Verhalten gewesen sei. Eine Strafmilderung nach Art. 64 StGB sei für beide 
Angeklagten aufgrund der in schwerer Bedrängnis ausgeführten Taten in Betracht 
zu ziehen. Es habe nämlich eine finanzielle Notlage aufgrund der Suchtproblematik 
bestanden. Zur Anwendung gelange jedoch auch ein anderer Strafmilderungs-
grund, da die Täter 18 bis 20 Jahre alt gewesen seien und nicht die volle Einsicht in 
das Unrecht der Tat besessen hätten. Im Übrigen sei, „wenn z. B. eine Beeinträch-
tigung der geistigen Gesundheit mit verzögerter Reifung zusammenfällt“, gemäss 
Lehre eine Kumulation der Strafmilderungsgründe von Art. 11 (verminderte Zurech-
nungsfähigkeit) und Art. 64 StGB denkbar.

Raub sei zwar ein schwerwiegender Tatbestand, das Ausmass des verschul-
deten Erfolges sei jedoch nicht zu überschätzen. Es habe sich nicht um einen 
überaus hohen Deliktsbetrag gehandelt und eine ernsthafte Gefahr von Leib und 
Leben für die Opfer habe auch nicht bestanden. Zu den Täterkomponenten sei bei 
beiden Angeklagten eine ausserordentlich schwere Kindheit und Jugendzeit zu 
berücksichtigen. Das Verhalten nach der Tat sei im Übrigen ebenfalls strafmindernd 
zu berücksichtigen. In erster Linie sei das umfassende Geständnis zu werten, je-
doch auch die Einsicht in das Unrecht und die Reue, welche sich aus den an die 
Geschädigten gerichteten Entschuldigungsschreiben ergebe. In Würdigung dieser 
Kriterien könne das Mass der persönlichen Vorwerfbarkeit bei den Angeklagten 
nicht als schwer bezeichnet werden.

Bei beiden Angeklagten sei die Anordnung einer stationären Massnahme an-
gezeigt. Dafür würden sich mehrere Berichte über die Angeklagten positiv äus-sern. 
Ausserdem seien die beiden auch dazu motiviert.

Der Verteidiger stellte deshalb folgende Anträge:

„1. Y. sei mit höchstens 12 Monaten Gefängnis zu bestrafen, unter Anrech-
nung der Polizeihaft sowie des vorzeitigen Massnahmevollzuges.

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2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und eine stationäre 
Massnahme gemäss Art. 44 Ziff. 1 und 6 StGB anzuordnen.

3. X. sei mit höchstens 14 Monaten Gefängnis zu bestrafen, unter Anrech-
nung der Untersuchungshaft und des vorzeitigen Massnahmevollzu-
ges. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und eine stationäre 
Massnahme gemäss Art. 44 Ziff. 1 und 6 StGB anzuordnen.

5. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

E. In seiner Replik hielt der Staatsanwalt fest, dass eine finanzielle Not-
lage eine Tat nur unter den Voraussetzungen rechtfertigen würde, dass die Notlage 
nicht auf andere Weise abzuwenden und die Tat verhältnismässig wäre. In casu sei 
dies jedoch sicherlich nicht der Fall. Des weiteren sei eine Kumulation der Strafmil-
derungsgründe gemäss Art. 11 und Art. 64 al. 9 StGB zwar möglich; für die Anwen-
dung des Art. 64 al. 9 StGB müsse jedoch gerade das Alter für die fehlende Einsicht 
ausschlaggebend sein. Vorliegendenfalls könne dies jedoch nicht angenommen 
werden, deshalb falle die Kumulation ausser Betracht. Schliesslich fügte er noch an, 
dass die geringe Beute nicht zu einer Strafreduktion führen könne. Für Raubdelikte 
sei nämlich die Gefährdung der Menschen und nicht der Wert der Beute massge-
bend.

In der Duplik beteuerte der Verteidiger nochmals, dass gemäss der neueren 
Lehre eine Kumulation möglich sei. Relevant sei lediglich die Tatsache, dass die 
Angeklagten ein Alter zwischen 18 und 20 Jahre haben würden und dies sei in die-
sem konkreten Fall erfüllt.

In seinem Schlusswort erklärte X., dass ihm die ganze Sache leid tue. Er 
wünsche sich nun noch eine letzte Chance, um sein Leben in den Griff zu bekom-
men. Y. erklärte ebenfalls, dass ihr die ganze Sache leid tue. Sie habe bereits eine 
Therapie angefangen; sie würde gerne diese Möglichkeit nutzen und weitermachen. 

Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwaltes und des amt-
lichen Verteidigers zu den Anträgen - die mündlichen Plädoyers wurden schriftlich 
zu den Akten gereicht - sowie auf die richterliche Befragung der Angeklagten an-
lässlich der Hauptverhandlung wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Er-
wägungen eingegangen. 

13

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. a) Des Raubes gemäss Art. 140 Ziffer 1 Abs. 1 StGB macht sich unter 
anderem strafbar, wer unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben 
einen Diebstahl begeht. Die Strafe beträgt Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Ge-
fängnis nicht unter sechs Monaten. Der Täter muss also zunächst alternativ eine 
der Nötigungshandlungen vornehmen, welche den Diebstahl erst ermöglichen, und 
alsdann diesen auch wirklich verüben; erst damit ist die Tat vollendet. Bei der An-
drohung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben muss dem Opfer sinngemäss 
ein so erheblicher Schaden an Körper oder Gesundheit in Aussicht gestellt werden, 
dass sich unter den gleichen Umständen normalerweise auch ein anderer dem An-
greifer beugen würde. Allgemein ist anerkannt, dass der Täter seine Drohung nicht 
zu verwirklichen wollen braucht. Es genügt, wenn für das Opfer dieser Eindruck 
erweckt wird. Der Täter muss sodann einen Diebstahl nach Art. 139 Ziffer 1 StGB 
begehen. Dieser muss ihm gerade durch die Nötigungshandlung ermöglicht oder 
mindestens erleichtert werden (vgl. Rehberg/Schmid, Strafrecht III, 7. Auflage, 
Zürich 1997, S. 123 ff.).

b) Nach der Anklageschrift wird beiden Angeklagten zur Last gelegt, zu-
sammen zwei Raubüberfälle verwirklicht zu haben. X. und Y. sind überführt und 
geständig (act. 6.3, act. 6.4, Dossier 7), am 14. November 2002 um ca. 18.40 Uhr 
zusammen mit einem dritten Kollegen, E., gegen den ein separates Strafverfahren 
geführt wird, L. beraubt zu haben. An diesem Abend folgte Y. L. in Richtung R.-
Gasse, nachdem letztere ihr vorgeworfen hatte, dass sie die leere Bierflasche auch 
anders hätte entsorgen können. Y. hatte nämlich die Flasche gegen die Fassade 
des N.s geworfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits mindestens zwei kleine 
Flaschen Bier und 30 oder 40 mg Methadon konsumiert. Auch X. hatte, wie er in 
der Hauptverhandlung vorgebracht hat, Drogen konsumiert. Während der Verfol-
gung ergriff Y. plötzlich die Handtasche von L., um sie sich anzueignen. Dabei grif-
fen auch X. und E. sofort ein, da die Geschädigte die Handtasche nicht losliess. Zu 
dritt drückten sie sodann letztere in eine Nische, bis sie die Tasche losliess. 
Schliesslich ermahnte Y. noch L., niemandem vom Überfall zu erzählen, ansonsten 
sie „drankomme“. Danach rannten die Täter Richtung R.-Gasse davon.

Aus den Akten ergibt sich sodann (act. 6.3, act. 6.4, Dossier 8), dass die 
Angeklagten gleichentags um ca. 19.40 Uhr eine zweite Frau, U., beraubt haben. 
E. war diesmal nicht mehr dabei. Nachdem Y. bei U. gebettelt und von ihr kein Geld 
erhalten hatte, ergriff sie die Handtasche von U.. Letztere wollte sodann sofort die 

14

Liegenschaft an der T.-Gasse betreten. An dieser Stelle wurde sie von Y. am Hals 
gefasst und gegen die Haustüre gedrückt. Sodann ergriff X. ihren Arm und drehte 
ihn um, bis diese ihre Handtasche losliess. Sobald sich die Angeklagten der Tasche 
bemächtigt hatten, rannten sie davon.

c) In subjektiver Hinsicht ist zunächst der Vorsatz des Täters, jemanden 
durch die gesetzlich umschriebenen Nötigungsmittel widerstandsunfähig zu ma-
chen, erforderlich. Dies hat sodann in der Absicht zu erfolgen, einen Diebstahl zu 
begehen, das heisst eine fremde, bewegliche Sache wegzunehmen, um sich diese 
anzueignen und sich damit unrechtmässig zu bereichern. 

Die beiden Angeklagten wussten, dass sie die Opfer mit ihrer Vorgehens-
weise widerstandsunfähig machten. Ihre Absicht dabei war, das Opfer anschlies-
send zu berauben, um mit dem erbeuteten Geld Drogen zu beschaffen. Dabei 
kommt es nicht an, dass in beiden Fällen nur wenig Geld vorhanden war. Massge-
bend für solche Delikte ist einzig die Tatsache, dass sie mit Wissen und Wille mit 
Gewalt und Drohung gegen zwei Personen vorgegangen sind, um einen Diebstahl 
zu begehen. Damit sind auch die subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen des 
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziffer 1 Abs. 1 StGB erfüllt. 

d) Die Praxis des Bundesgerichtes bezeichnet als Mittäter, wer bei der 
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in mass-
gebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter 
dasteht (Trechsel, Kurzkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Auf-
lage, Zürich 1997, N 9 ff. vor Art. 24 StGB, mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche 
Rechtsprechung). In neueren Urteilen wird zudem danach gefragt, ob der Tatbeitrag 
nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des 
Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt (Trechsel, a.a.O., N 11 
zu vor Art. 24 StGB; BGE 120 IV 272; 118 IV 399).

Am gleichen Abend, das heisst am 14. November 2002 vereinbarten Y. 
und X. Entreissdiebstähle zu begehen, um sich auf diese Weise Geld für den Kauf 
von Drogen zu beschaffen. Die beiden Angeklagten planten die Überfälle damit ge-
meinsam, führten sie auch gemeinschaftlich aus und teilten schliesslich den Erlös 
untereinander auf. Sie sind deshalb Mittäter im Sinne der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung.

Die beiden Angeklagten haben sich damit in objektiver als auch in subjek-
tiver Hinsicht des Raubes gemäss Art. 140 Ziffer 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

15

2. a) Y. wird des weiteren des mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Zif-
fer 1 StGB und X. des geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1/ 172 ter 
StGB angeklagt.

b) Den Tatbestand des Diebstahls erfüllt, wer jemandem eine fremde, 
bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen anderen damit 
unrechtmässig zu bereichern (Art. 139 Ziffer 1 StGB). In subjektiver Hinsicht wird 
das Wissen des Täters um die Fremdheit der Sache und seinen Willen zum Bruch 
des fremden und zur Begründung des eigenen Gewahrsams an der Sache verlangt. 
Ausserdem wird die Aneignungsabsicht und die Absicht der unrechtmässigen Be-
reicherung verlangt. Als Strafe droht Gefängnis oder eine Zuchthausstrafe bis zu 
fünf Jahren. 

Die Angeklagte Y. ist überführt wie auch geständig, in der Zeit vom 1. No-
vember 2002 bis 14. November 2002 zum Nachteil verschiedener Geschädigter 
sechs entsprechende Vermögensdelikte begangen zu haben (Anklageschrift Ziffer 
2.1. bis Ziffer 2.6; Dossier 9 bis Dossier 14). Der Deliktsbetrag der weggenommen 
fremden Sachwerte beläuft sich gesamthaft auf Fr. 633.45. Da sie in all diesen Fäl-
len offensichtlich vorsätzlich und in der Absicht, sich zu bereichern, gehandelt hat, 
hat Y. den Tatbestand von Art. 139 Ziffer 1 StGB objektiv und subjektiv in mehrfa-
cher Hinsicht erfüllt. 

c) Gemäss Art. 172 ter Abs. 1 StGB wird der Täter auf Antrag mit Haft 
oder Busse bestraft, wenn sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert oder 
auf einen geringen Schaden richtet. Bei Sachen mit einem Marktwert beziehungs-
weise einem objektiv bestimmbaren Wert ist nach der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung allein dieser entscheidend. In BGE 121 IV 261 ff. hat das Bundesgericht 
dabei einen Grenzwert von Fr. 300.-- festgesetzt (vgl. Trechsel, a.a.O., N 2 zu Art. 
172 ter StGB).

X. ist ebenfalls überführt und geständig, am 14. November 2002 einen Dieb-
stahl in der AC. in H. mit Y. zusammen begangen zu haben. Dabei haben die beiden 
einen Parfüm-Tester der Marke Sculpture im Deliktsbetrag von Fr. 66.90 entwendet 
(act. 6.4; Dossier 14). Die Parfüm-Flasche weist damit einen geringen Wert im Sinne 
von Art. 172 ter Abs. 1 StGB auf. Der Angeklagte verübte die Tat vorsätzlich und in 
der Absicht, sich die Sache anzueignen und sich unrechtmässig zu bereichern. Der 
für die Bestrafung erforderliche Strafantrag liegt bei den Akten (act. 14.4). X. hat 
somit den Tatbestand des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziffer 1 

16

StGB in Verbindung mit Art. 172 ter StGB in objektiver und subjektiver Hinsicht er-
füllt. 

3. a) X. und Y. werden ferner der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 
19a Ziffer 1 BetmG angeklagt. 

Art. 19 BetmG stellt den unbefugten Umgang mit Betäubungsmitteln unter 
Strafe, da deren Genuss für die Gesundheit der Menschen als schädlich betrachtet 
wird. Um dieser Gefahr für die menschliche Gesundheit zu begegnen, hat der Ge-
setzgeber unter Ziffer 1 der zitierten Gesetzesbestimmung diejenigen Handlungen 
mit Strafe bedroht, welche schliesslich dazu führen oder führen können, dass Betäu-
bungsmittel in Verkehr gebracht und so für mögliche Konsumenten zugänglich ge-
macht werden (BGE 120 IV 337). Gemäss Art. 19 Ziffer 1 BetmG macht sich unter 
anderem strafbar, wer unbefugt Betäubungsmittel anbietet, verteilt, verkauft, vermit-
telt, verschafft, verordnet, in Verkehr bringt oder abgibt (Abs. 4), wer sie unbefugt 
besitzt, aufbewahrt, kauft oder sonstwie erlangt (Abs. 5), oder wer hiezu Anstalten 
trifft (Abs. 6). Das Strafmass beträgt bei vorsätzlicher Tatbegehung Gefängnis oder 
Busse. In schweren Fällen ist die Strafe Zuchthaus oder Gefängnis nicht unter ei-
nem Jahr, allenfalls verbunden mit einer Busse bis zu einer Million Franken (Art. 19 
Ziffer 1 Abs. 9 BetmG). Soweit solche Handlungen dem Eigenkonsum dienen, er-
fahren sie gemäss Art. 19a Ziffer 1 BetmG eine privilegierte Behandlung; als Strafe 
drohen in diesem Falle - wie für den unbefugten Konsum von Betäubungsmitteln 
selbst - Haft oder Busse. Dieser privilegierte Tatbestand erfasst nur eine Beschaf-
fungshandlung, die ausschliesslich dem eigenen Konsum dient und somit eine Ge-
fährdung Dritter ausschliesst (BGE 118 IV 202).

b) In der polizeilichen Einvernahme vom 15. November 2002 (act. 15.2) 
und in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 27. November 2002 (act. 
6.4) gab X. zu Protokoll, zwischen seiner letzten Verzeigung (3. Oktober 2002) und 
seiner Festnahme am 14. November 2002 insgesamt mindestens 15 Gramm He-
roin, 5 Gramm Kokain und 600 ml Methadon konsumiert zu haben. Für den Ankauf 
dieser Drogen will er gesamthaft Fr. 2'300.-- aufgewendet haben. Diese Angaben 
bestätigte er an der mündlichen Hauptverhandlung.

c) Y. ist überführt und geständig, ab November 2001 regelmässig Heroin 
konsumiert zu haben. Sofern Kokain erhältlich war, nahm sie auch diesen Stoff zu 
sich. Sie war jedoch nicht in der Lage, die insgesamt konsumierte Menge Heroin 
und Kokain zu beziffern. In der polizeilichen Einvernahme vom 15. November 2002 

17

(act. 16.2) und in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 22. November 
2002 (act. 6.3) gab sie zu Protokoll, dass sie sich diese Droge in der Regel zweimal 
täglich injiziert habe. In den zwei bis drei Monaten vor ihrer Festnahme am 14. No-
vember 2002 habe sie vorwiegend Methadon zu sich genommen, und zwar jeweils 
20 – 30 mg pro Tag, wofür sie Fr. 10.-- bis Fr. 15.-- bezahlen musste. Sie bestätigte 
ebenfalls an der mündlichen Hauptverhandlung diese Ausführungen.

d) Die Angaben der beiden Angeklagten zu ihrem Erwerb und Konsum 
der Betäubungsmittel sind im Wesentlichen widerspruchsfrei, weshalb in Würdigung 
der Beweise davon ausgegangen werden kann, dass die Angeklagten in den be-
sagten Zeitspannen in verschiedenen Malen Heroin, Kokain und Methadon gekauft 
und konsumiert haben. Der objektive Tatbestand von Art. 19a Ziffer 1 BetmG wurde 
daher von beiden Angeklagten mehrfach erfüllt.

e) In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Wie den Einvernahme-
protokollen zu entnehmen ist, wussten beide Angeklagten über den ganzen Zeit-
raum um den Konsum von Heroin und Kokain sowie Methadon in der genannten 
Menge. Die Einnahme dieser Betäubungsmittel kann nicht anders verstanden wer-
den, als dass der Konsum gewollt war. Somit haben beide Angeklagten fraglos auch 
den subjektiven Tatbestand erfüllt, weshalb sie sich entsprechend der Anklage-
schrift der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziffer 1 BetmG schuldig ge-
macht haben. 

4. a) Bei der Strafzumessung hat der Richter gemäss Art. 63 StGB vom 
Verschulden des Täters auszugehen und insbesondere die Beweggründe, das Vor-
leben und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Das Verschulden um-
fasst den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat. Der Bemes-
sung der Schuld ist die Schwere der Tat zugrunde zu legen. Weiter unterscheidet 
man beim Verschulden Tat- und Täterkomponenten. Bei der Tatkomponente be-
trachtet man das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Willensrichtung, mit wel-
cher der Täter handelte und seine Beweggründe. Die Täterkomponente hingegen 
umfasst Vorleben und persönliche Verhältnisse des Täters sowie das Verhalten 
nach der Tat oder im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Straf-
empfindlichkeit (BGE 117 IV 112, mit Hinweisen). Diese in die Waagschale gelegten 
Elemente wirken strafmindernd oder straferhöhend, wobei in der Begründung der 
Strafzumessung die Überlegungen des Richters nachvollziehbar sein müssen (BGE 
121 IV 56; BGE 118 IV 16). Liegen keine Strafmilderungs- oder Strafschärfungs-

18

gründe vor, hat sich der Richter an den vom Gesetzgeber vorgesehenen Strafrah-
men zu halten. 

Hat jemand durch eine oder mehrere Handlungen mehrere Freiheitsstrafen 
verwirkt, so verurteilt ihn der Richter gemäss dem Asperationsprinzip zu der Strafe 
der schwersten Tat und erhöht deren Dauer angemessen. Er kann jedoch das 
höchste Mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei 
ist er an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 68 StGB). 
Schwerste Tat ist diejenige, welche unter den mit der höchsten Strafe bedrohten 
Tatbestand fällt.

Grundlage für die Strafzumessung im vorliegenden Fall bildet für beide An-
geklagten der in Art. 140 Ziffer 1 Abs. 1 StGB vorgesehene Strafrahmen für Raub 
von Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder Gefängnis nicht unter sechs Monaten. Der 
Gesetzgeber hat damit zu erkennen gegeben, dass der Raub als schweres Delikt 
zu qualifizieren ist.

b) Für die Bemessung der Strafe ist vorliegend in erster Linie, wie bereits 
erwähnt, der Raub von Bedeutung. Bei den weiteren strafbaren Handlungen – Dieb-
stahl und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – handelt es sich vor-
liegend indessen eher um untergeordnete Delikte, die sich nur unwesentlich auf die 
Strafzumessung auswirken.

Beim Hauptanklagepunkt des Raubes muss das Verschulden von X. und Y. 
als schwer bezeichnet werden. Die beiden Angeklagten haben innerhalb von nur 
etwa einer Stunde zwei Raubdelikte begangen; damit haben sie eine latente Bereit-
schaft manifestiert. Nicht die Anwendung von Gewalt war die Triebfeder für die Ver-
übung der Tat, sondern bei beiden Angeklagten die Finanzierung ihrer Drogensucht. 
Dieser Umstand darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim Raub 
nicht um ein Bagatelldelikt, sondern um ein Delikt gegen die körperliche Integrität 
und damit um ein schweres Delikt handelt. Das Argument – es sei nur ein kleiner 
Betrag in den geraubten Taschen vorhanden gewesen – hilft daher nicht weiter. Die 
finanzielle Notlage der Angeklagten kann ebenfalls nicht als Strafmilderungsgrund 
gemäss Art. 64 al. 2 StGB berücksichtigt werden. Erforderlich dazu wäre vielmehr 
eine Situation, die den Täter so schwer belastet, dass sich ihm kein anderer Ausweg 
als die strafbare Handlung bietet. Dieser Strafmilderungsgrund setzt im Übrigen vor-
aus, dass der Täter einigermassen verhältnismässig vorgeht. Daran fehlt es, wenn 
die Tat in deutlichem Missverhältnis zur Bedrängnis steht (vgl. Trechsel, a.a.O., N 

19

9 f. zu Art. 64 StGB). Die Begehung von zwei Raubdelikten zur Finanzierung der 
Drogensucht erfüllt vorliegend bestimmt nicht die vorerwähnten Voraussetzungen 
zur Annahme einer finanziellen Notlage.

Strafmindernd sind das von Anfang an umfassende Geständnis der Ange-
klagten, ihre Einsicht und Reue sowie ihr korrektes und sehr kooperatives Verhalten 
während der Strafuntersuchung zu werten. Im gleichen Sinne muss ebenfalls die 
persönliche Situation der beiden Angeklagten gewichtet werden. Beide stammen 
nämlich aus schwierigen Familienverhältnissen. Schliesslich sind auch die an die 
Geschädigten gerichteten Entschuldigungsschreiben positiv zu werten. Weiter wirkt 
sich zudem strafmildernd die psychiatrisch festgestellte Beeinträchtigung der Fähig-
keit aus, entsprechend der Einsicht in das Unrecht der Tat zu handeln. Strafmildernd 
wirkt sich demnach bei X. die vom Gutachter festgestellte leichtgradige und bei Y. 
die leicht- bis mittelgradige Verminderung der Zurechnungsfähigkeit auf das Straf-
mass aus. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Kumulation der Straf-
milderungsgründe gemäss Art. 11 StGB (verminderte Zurechnungsfähigkeit) und 
Art. 64 al. 9 StGB im vorliegend zu beurteilenden Fall nicht angemessen ist. Die 
letztere Bestimmung fällt nur in Betracht, wenn gerade das Alter des Täters die Ur-
sache dafür ist, dass er nicht die volle Einsicht in das Unrecht seiner Tat besass. 
Dafür bestehen im vorliegenden Fall keinerlei Anhaltspunkte; auch die Gutachten 
enthalten keinen Hinweis auf diese Komponente. Liegt die Ursache in einer Beein-
trächtigung der geistigen Gesundheit, dann ist ausschliesslich Art. 11 StGB an-
wendbar (BGE 103 IV 146 ff.).

Straferhöhend sind bei beiden Angeklagten die Vorstrafen zu berücksichti-
gen. X. wurde im Schweizerischen Zentralstrafregister im Jahre 2002 zum ersten 
mal erfasst. Dabei betrug die Strafe 45 Tage Gefängnis bedingt. Von der Jugend-
anwaltschaft Graubünden wurde er jedoch bereits im Jahre 2000 wegen mehrfacher 
Widerhandlung gegen das BetmG schuldig gesprochen. Damals wurde jedoch von 
einer Bestrafung abgesehen. Y. ist von der Jugendanwaltschaft Graubünden im 
Jahre 2000 und 2001 bestraft worden. Dabei wurde sie zu zwei Halbtage Arbeits-
leistung verpflichtet beziehungsweise zur Bezahlung einer Busse von Fr. 150.--, de-
ren Vollzug jedoch aufgeschoben wurde, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei 
Jahren und Anordnung von einer Schutzaufsicht. Strafschärfend im Sinne von Art. 
68 StGB wirken sich schliesslich die mehrfache Begangenschaft und das Zusam-
mentreffen mehrerer strafbarer Handlungen aus. 

Bei X. wirken sich daher die Vorstrafen bei der Strafzumessung etwas un-
günstiger aus als bei Y.. Dasselbe gilt in Bezug auf die Verminderung der Zurech-

20

nungsfähigkeit. Demgegenüber hat Y. mehrere Diebstähle begangen. Bei X. ist 
schliesslich zu berücksichtigen, dass er einen geringen Teil der vorliegend zu beur-
teilenden Straftaten vor seiner Verurteilung durch den Kreispräsidenten Chur vom 
4. November 2002 begangen hat (act. 1.8 der Vorakten). Die vorliegendenfalls aus-
zufällende Strafe ist daher teilweise als Zusatzstrafe im Sinne von Art. 68 Ziffer 2 
StGB zu verhängen. 

Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe und im Hinblick 
auf die Feststellung im Gutachten von Y. vom 31. Januar 2003 (act. 4.11, S. 10), 
wonach sie in der Beziehung mit ihrem Freund (X.) sicher die treibende Kraft gewe-
sen sei, erachtet die Strafkammer die Anordnung einer Freiheitsstrafe von 15 Mo-
naten Gefängnis dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen der Ange-
klagten als angemessen. 

5. Nach Art. 69 StGB rechnet der Richter dem Verurteilten die Untersu-
chungshaft auf die Freiheitsstrafe an, soweit der Täter diese nicht durch sein Ver-
halten nach der Tat herbeigeführt oder verlängert hat. Nach der neueren Praxis des 
Bundesgerichts darf von der Anrechnung nur abgesehen werden, soweit der Be-
schuldigte durch sein - nach rechtsstaatlich vertretbaren Verfahrensgrundsätzen 
vorwerfbares - Verhalten nach der Tat die Untersuchungshaft in der Absicht herbei-
geführt oder verlängert hat, um dadurch den Strafvollzug zu verkürzen oder zu um-
gehen (BGE 117 IV 405; Rehberg, Strafrecht II, 6. Auflage, Zürich 1994, S. 88). 
Grundsätzlich fällt in Bezug auf die Anrechnung jede Form der Freiheitsentziehung 
in Betracht, die aus Anlass eines Strafverfahrens bis zum Eintritt der Vollstreckbar-
keit des Urteils verfügt wurde und deren Dauer drei Stunden übersteigt (Christoph 
Mettler, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 1-110 StGB, N 13 ff. zu Art. 69 
StGB). Anrechnungsfähig sind demzufolge neben der Untersuchungshaft sowohl 
der vorzeitige Massnahmevollzug als auch die fürsorgerische Freiheitsentziehung. 
Die Anrechnung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung ist, in AnAG.ung an die 
deutsche Regelung, dann befürwortet, wenn sie aus Anlass der Tat verfügt wurde 
(vgl. Christoph Mettler, a.a.O., N 18 zu Art. 69 StGB). 

Vorliegend hat zwar die Schutzaufsicht der Stadt Chur bereits am 13. No-
vember 2002 den Antrag für die Einweisung von Y. in die Psychiatrische Klinik AH. 
zum Drogenentzug und für die Abklärung weiterer Massnahmen im Sucht- oder/und 
pädagogischen Bereich mit fürsorgerischem Freiheitsentzug gemäss Art. 397a ZGB 
an die Vormundschaftsbehörde eingereicht (act. 4.4). Die Festnahme von Y. auf-
grund der vorerwähnten Delikte (vgl. Erwägungen 1, 2 und 3 hievor) hat zwar am 

21

14. November 2002 stattgefunden (act. 5.1). Als die Präsidentin der Vormund-
schaftsbehörde am 15. November 2002 die fürsorgerische Freiheitsentziehung ver-
fügt hat (act. 5.3), war sie sicherlich bereits in Kenntnis ihrer Festnahme. Aus der 
Begründung der Verfügung geht jedoch hervor, dass primär der Antrag Anlass zur 
Anordnung der Freiheitsentziehung gegeben hat und nicht die begangenen Delikte. 
Es lässt sich vorliegend nicht feststellen, was angeordnet worden wäre, falls die 
Schutzaufsicht keinen Antrag gestellt hätte. In einem solchen Fall rechtfertigt sich 
jedoch trotzdem die Dauer der fürsorgerischen Freiheitsentziehung anzurechnen. 
Es wäre unverhältnismässig, die betreffende Dauer lediglich aufgrund eines rein 
formellen Problems nicht zu berücksichtigen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wäre 
nämlich Y. in Untersuchungshaft versetzt worden, deren Dauer voll anrechnungs-
fähig ist (vgl. Christoph Mettler, a.a.O., N 13 ff. zu Art. 69 StGB).

X. wurde bereits am 14. November 2002 festgenommen (act. 3.1) und vom 
Haftrichter in Untersuchungshaft versetzt (act. 3.6). Am 17. Dezember 2002 erfolgte 
der Antritt des vorzeitigen Massnahmevollzuges (act. 3.10 und act. 3.11). Am 9. 
Februar 2003 entwich X. aus der Therapiestation AG.. Bereits am 10. Februar 2003 
wurde er von der Stadtpolizei Zürich festgenommen und erneut in Untersuchungs-
haft versetzt (act. 3.18). Anzurechnen ist demnach X. die erstandene Untersu-
chungshaft von 83 Tagen und der vorzeitige Massnahmevollzug von 55 Tagen. Y. 
wurde ebenfalls am 14. November 2002 festgenommen (act. 5.1). Mit Verfügung 
vom 15. November 2002 der Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur wurde sie 
gestützt auf Art. 397a ff. ZGB zur Behandlung ihrer Drogensucht in die Psychiatri-
sche Klinik AH. in AJ. eingewiesen (act. 5.3). Am 1. Januar 2003 entwich Y. sodann 
aus der vorerwähnten Klinik (act. 5.5 und act. 5.6); sie kam erst am 6. Januar 2003 
zurück (act. 5.7). Am 4. Februar 2003 trat die Angeschuldigte immer noch auf Grund 
der fürsorgerischen Freiheitsentziehung in die therapeutische Gemeinschaft AK., 
für eine Langzeitdrogentherapie ein (act. 5.8 und act. 5.9). Anfangs Februar entwich 
sie auch aus dieser Gemeinschaft, wobei sie am 10. Februar 2003 zusammen mit 
X. polizeilich aufgegriffen wurde (act. 5.10). Am 17. Februar 2003 trat sie wieder in 
die Gemeinschaft AK. ein. Bei Y. rechtfertigt sich somit die Anrechnung von 2 Tagen 
Untersuchungshaft und von 132 Tagen fürsorgerischem Freiheitsentzug.

6. Im vorliegend zu beurteilenden Fall hat sich der Richter noch nicht zur 
Frage des bedingten Strafvollzuges gemäss Art. 41 Ziffer 1 StGB auszusprechen. 
Wie die nachstehenden Erwägungen zeigen werden (vgl. E. 7 hiernach), sind X. 
und Y. stark drogenabhängig, weshalb bei ihnen eine Massnahmebedürftigkeit zu 
bejahen ist. Diese ausgewiesene Massnahmebedürftigkeit steht aber einer Ge-

22

währung des bedingten Strafvollzuges von vornherein entgegen. Denn über den 
Vollzug der Freiheitsstrafe ist bei Anordnung einer solchen Massnahme erst in ei-
nem späteren Zeitpunkt gestützt auf Ziffer 3 des Art. 44 StGB (wenn sich die Mass-
nahme als nicht geeignet oder als wirkungslos erweist) oder gestützt auf Ziffer 5 des 
Art. 44 StGB (wenn der Verurteilte als geheilt aus der Heilanstalt entlassen wird) zu 
entscheiden (vgl. PKG 1983 Nr. 12; Roland M. Schneider, Basler Kommentar, Straf-
gesetzbuch I, Art. 1-110 StGB, N 48 zu Art. 41 StGB). Bei Anordnung einer sichern-
den Massnahme nach Art. 43 StGB beziehungsweise Art. 44 StGB sieht nämlich 
bereits Art. 43 Ziffer 2 Abs. 1 StGB die Möglichkeit des Strafaufschubes vor, wes-
halb die Praxis eine Kombination mit bedingtem Strafvollzug nicht zulässt. 

7. Das strafbare Verhalten der beiden Angeklagten steht mit dem Kon-
sum von Drogen und der damit entstandenen Abhängigkeit in direktem Zusammen-
hang. Es stellt sich deshalb – wie bereits erwähnt – zwingend die Frage, ob anstelle 
oder neben der Strafe Massnahmen anzuordnen sind. Auszugehen ist von Art. 44 
Ziffer 1 StGB, der gemäss Ziffer 6 der Bestimmung auf Rauschgiftsüchtige sinn-
gemäss anwendbar ist. Soweit erforderlich holt der Richter gemäss Art. 44 Ziffer 1 
Abs. 2 StGB ein Gutachten über den körperlichen und geistigen Zustand des Täters 
sowie über die Zweckmässigkeit der Behandlung ein. 

a) Gemäss Art. 44 Ziffer 1 und 6 StGB kann der Richter, wenn der Täter 
rauschgiftsüchtig ist und die von ihm begangene Tat damit im Zusammenhang 
steht, zur Vermeidung künftiger Delinquenz seine Einweisung in eine Heilanstalt 
oder eine ambulante Massnahme anordnen. Ausschlaggebend für die Anordnung 
einer Massnahme nach Art. 44 StGB sind einerseits die Massnahmebedürftigkeit 
und -fähigkeit, sowie andererseits eine entsprechende Massnahmewilligkeit des 
Verurteilten.

b) Prüft man nun, ob die Voraussetzungen für die Anordnung einer Mass-
nahme gemäss Art. 44 Ziffer 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziffer 6 StGB im vorliegen-
den Fall erfüllt sind, so ist unbestritten, dass das strafbare Verhalten der beiden 
Angeklagten mit dem Konsum von Betäubungsmittel und der daraus entstandenen 
Abhängigkeit in engem Zusammenhang steht. Für X. steht gemäss psychiatrischem 
Gutachten vom 29. Januar 2003 des weiteren fest, dass beim Angeklagten erhebli-
che Störungen der charakterlichen Entwicklung bestehen würden. Allerdings seien 
diese nicht so weit ausgeprägt, dass sie einer Persönlichkeitsstörung entsprechen 
würden; es handle sich vielmehr um eine behebbare Entwicklungsstörung (vgl. act. 
2.17, S. 11). Wegen der bestehenden Rauschgiftsucht sei die Einweisung in eine 

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Drogentherapieanstalt zweckmässig. Eine ambulante Behandlung sei ungenügend. 
Bei Y. stellte die Gutachterin, Dr. AL., fest, dass wegen der Rauschgiftsucht der 
Angeklagten sowie zur Nachreifung ihrer Persönlichkeit eine stationäre Drogenthe-
rapie notwendig und zweckmässig sei. Laut Gutachten sei eine stationäre Mass-
nahme verbunden mit dem gleichzeitigen Erwerb einer beruflichen Ausbildung an-
zustreben, um die Defizite der Angeklagten zu beheben und sie auf ein Leben ohne 
Drogen vorzubereiten (vgl. act. 4.11, S. 10 f.); eine ambulante Behandlung sei un-
genügend.

Bezüglich der Frage der Massnahmebedürftigkeit gilt es zu berücksichtigen, 
dass zwischen der körperlichen und der psychischen Abhängigkeit unterschieden 
werden muss. Selbst dann, wenn die Angeklagten den körperlichen Entzug hinter 
sich gebracht haben werden, wird es mit Gewissheit noch einige Zeit dauern, bis X. 
und Y. ihre psychische Stabilität wiedergefunden haben werden. Infolgedessen 
muss das Vorliegen der Massnahmebedürftigkeit bei den Angeklagten bejaht wer-
den. Die Anordnung einer Massnahme, insbesondere wenn es um eine stationäre 
geht, setzt neben der Behandlungsbedürftigkeit jedoch zusätzlich – wie bereits er-
wähnt – die Massnahmewilligkeit des Betroffenen voraus. Dabei darf es sich nicht 
um ein blosses Lippenbekenntnis handeln. Vielmehr muss aus den Gesamtumstän-
den deutlich die Ernsthaftigkeit der Kundgebung erkennbar werden. Gerade dies-
bezüglich können vorliegend berechtigte Zweifel aufkommen, wenn man sich vor 
Augen führt, dass der bisherige Therapieversuch von X. gescheitert ist. Es würde 
jedoch von einer kurzsichtigen Betrachtungsweise zeugen, wenn man allein das 
bisherige Scheitern als massgebliches Kriterium für den Entscheid über die Anord-
nung einer Massnahme gelten liesse. Während der Hauptverhandlung gaben die 
beiden zudem an, dass eine stationäre Massnahme notwendig und wichtig für ihre 
Zukunft sei. X. führte an, dass er zwar aus der Therapie entwichen sei, jedoch sei 
es ihm jetzt klar, dass dies nicht mehr möglich sei. Y. hingegen äusserte sich positiv 
bezüglich ihres Aufenthaltes in der therapeutischen Gemeinschaft AK.. Sie habe 
sich gut eingelebt und dort würde die Möglichkeit bestehen, eine Ausbildung zu ab-
solvieren, was für sie sehr wichtig sei. Dem Therapiebericht der Gemeinschaft AK. 
vom 2. März 2003 kann ebenfalls entnommen werden, dass der bisherige Aufenthalt 
von Y. positiv gewertet werden könne. Der therapeutische Prozess habe gerade 
erst begonnen, bei der Angeklagten seien die ersten Entwicklungsschritte jedoch 
bereits beobachtbar (vgl. act. 06/1). In diesem Zusammenhang gilt es zur Kenntnis 
zu nehmen, dass die Massnahmewilligkeit für eine stationäre Entwöhnungstherapie 
sich ebenfalls aus den Gutachten der beiden Angeklagten ergibt. Schliesslich ist 
auch die Tatsache zu berücksichtigen, dass die Angeklagten eine stationäre Mass-

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nahme vorziehen, obwohl sie damit rechnen müssen, dass die Durchführung einer 
Massnahme mehr Zeit als der Strafvollzug sowie eine erhebliche Anstrengung ih-
rerseits beanspruchen wird. Der ernsthafte Behandlungswille der Angeklagten ver-
mag zu überzeugen.

Insgesamt erscheint der Wille der beiden Angeklagten, sich einer stationären 
Massnahme zu unterziehen, um auf diesem Wege von den Drogen loszukommen 
und ein geordnetes Leben führen zu können, dem Gericht als ernsthaft und damit 
glaubwürdig. Unter diesen Voraussetzungen erweisen sich die Erfolgsaussichten 
einer stationären Massnahme als gut. In Anbetracht der Umstände erachtet es das 
Gericht somit als angezeigt, dem Willen der beiden Angeklagten nachzukommen 
und eine stationäre Massnahme gemäss Art. 44 Ziffer 1 in Verbindung mit Ziffer 6 
StGB anzuordnen und den Vollzug der ausgesprochenen Hauptstrafe aufzuschie-
ben, um ihnen damit die Chance zu geben, auf diesem Weg von der Drogensucht 
loszukommen. Allerdings müssen sich die beiden Angeklagten im Klaren sein, dass 
sie bei einem weiteren Scheitern der Massnahme nicht mehr mit Nachsicht werden 
rechnen können. 

8. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass, obwohl X. den 
grössten Teil der ihm zur Last gelegten Handlungen während der Probezeit der mit 
Strafmandat des Kreispräsidenten Chur am 4. November 2002 ausgesprochenen 
Gefängnisstrafe begangen hat, sich vorliegend die Frage nicht stellt, ob der ge-
währte bedingte Vollzug der Strafe von 45 Tagen Gefängnis zu widerrufen ist. X. 
hat nämlich erst anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 27. 
November 2002 das vorerwähnte Strafmandat erhalten (act. 6.4, S. 4). Vorausset-
zung für den Widerruf ist jedoch, dass der Täter vom früheren Urteil überhaupt 
Kenntnis hatte (Trechsel, a.a.O., N 46 zu Art. 41 StGB). Diese Voraussetzung ist 
vorliegend nicht erfüllt; es rechtfertigt sich deshalb nicht, den gewährten bedingten 
Strafvollzug zu widerrufen. 

9. Die Errichtung einer Schutzaufsicht im Sinne von Art. 47 StGB ist im 
vorliegenden Fall sowohl bei X. als auch bei Y. nicht erforderlich. Bei beiden Ange-
klagten wurde eine stationäre Massnahme angeordnet. In solchen Fällen ist das 
Institut der Schutzaufsicht nicht gegeben. Erst im Zeitpunkt der Entlassung kommt 
die Anordnung einer solchen in Frage (vgl. Art. 43 Ziffer 4 Abs. 2 StGB; Marianne 
Heer, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch I, Art. 1-110 StGB, N 250 zu Art. 43 
StGB).

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10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten der Strafunter-
suchung, des Gerichtsverfahrens, des Massnahmevollzuges sowie das Honorar der 
amtlichen Verteidigung zu Lasten der beiden Verurteilten (Art. 158 Abs. 1 StPO und 
Art. 189 Abs. 1 StPO). Demgegenüber sind die Kosten der angerechneten Untersu-
chungshaft und jene eines allfälligen Strafvollzuges vom Kanton Graubünden zu 
übernehmen (Art. 158 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 188 StPO).

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Demnach erkennt die Strafkammer :

1. a) X. ist schuldig des mehrfachen Raubes gemäss Art. 140 Ziffer 1 StGB, des 
geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1 in Verbindung mit Art. 172 
ter StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziffer 1 
BetmG.

b) Dafür wird er – teilweise als Zusatz zu der mit Strafmandat des Kreispräsi-
denten Chur vom 4. November 2002 ausgefällten Strafe – mit 15 Monaten 
Gefängnis bestraft, abzüglich der erstandenen Untersuchungshaft von 83 
Tagen und des vorzeitigen Massnahmevollzuges von 55 Tagen.

c) Der Vollzug der Strafe wird aufgeschoben und es wird eine stationäre Mass-
nahme im Sinne von Art. 44 Ziffer 1 und 6 StGB angeordnet. 

2. a) Y. ist schuldig des mehrfachen Raubes gemäss Art. 140 Ziffer 1 StGB, des 
mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziffer 1 StGB sowie der mehrfachen 
Widerhandlung gegen Art. 19a Ziffer 1 BetmG.

b) Dafür wird sie mit 15 Monaten Gefängnis bestraft, abzüglich der erstandenen 
Untersuchungshaft von 2 Tagen und des fürsorgerischen Freiheitsentzuges 
von 132 Tagen.

c) Der Vollzug der Strafe wird aufgeschoben und es wird eine stationäre Mass-
nahme im Sinne von Art. 44 Ziffer 1 und 6 StGB angeordnet.

3. a) X. trägt:

- die Hälfte der Kosten der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 2'880.90

- die Hälfte der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.—

- das Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'994.90

total somit Fr.6‘375.80

Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft und eines allfälligen Straf-
vollzuges trägt der Kanton Graubünden. Die Kosten der Massnahme gehen 
zu Lasten von X..

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b) Y. trägt:

- die Hälfte der Kosten der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 2'880.90

- die Hälfte der Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.—

- das Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'769.65

total somit Fr.6‘150.55

Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft und eines allfälligen Straf-
vollzuges trägt der Kanton Graubünden. Die Kosten der Massnahme gehen 
zu Lasten von Y..

4. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

5. Mitteilung an:

__________

Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin ad hoc