# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f7f851f-c62f-5d34-9f1e-32ea8c7f6dd9
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 28.03.2022 WBE.2022.14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2022-14_2022-03-28.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

 

WBE.2022.14 / ek / we 
ZEMIS [***] / ZEMIS [***] (E.2021.099)  

Art. 19 

 

Urteil vom 28. März 2022 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz 

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Verwaltungsrichterin Kiefer 

Gerichtsschreiberin William 

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____, von Kamerun 

vertreten durch lic. iur. Ivan Brüschweiler, Rechtsanwalt, 

Hauptstrasse 17, 9422 Staad SG 

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau 

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Familiennachzug 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration 

vom 15. Dezember 2021 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Die aus Kamerun stammende Beschwerdeführerin heiratete am 21. No-

vember 2015 in Kamerun einen Schweizer Staatsangehörigen (Akten des 

Amtes für Migration und Integration betreffend die Beschwerdeführerin 

[MI1-act.] 81) und reiste am 15. Juni 2016 in die Schweiz ein, wo ihr am 

17. Juni 2016 im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbe-

willigung zum Verbleib beim Ehegatten erteilt wurde (MI1-act. 91 ff.). Die 

Ehegatten lebten fortan gemeinsam in X..  

 

Aus früheren Beziehungen der Beschwerdeführerin gingen die beiden 

Söhne B. (geb. 2003, kamerunischer Staatsangehöriger) und C. (geb.  

2005, kamerunischer Staatsangehöriger) hervor (Akten des Amtes für 

Migration und Integration betreffend B. [MI2-act.] 17; Akten des Amtes für 

Migration und Integration betreffend C. [MI3-act.] 17), die nach der Ausreise 

der Beschwerdeführerin in Kamerun verblieben.  

 

Mit Gesuch vom 25. Februar 2020 beantragte die Beschwerdeführerin den 

Familiennachzug ihrer beiden Söhne in die Schweiz (MI2-act. 53 ff.; MI3-

act. 50 ff.).  

 

Nach diversen weiteren Abklärungen teilte das Amt für Migration und In-

tegration des Kantons Aargau (MIKA) der Beschwerdeführerin mit Schrei-

ben vom 29. Juni 2021 mit, dass es beabsichtige, das Familiennachzugs-

gesuch wegen Nichteinhaltens der Nachzugsfrist abzulehnen, sofern die 

Beschwerdeführerin keine wichtigen familiären Gründe für einen nachträg-

lichen Familiennachzug geltend machen könne, und gewährte ihr das 

rechtliche Gehör. Zudem wurde die Beschwerdeführerin zur Einreichung 

weiterer Unterlagen aufgefordert (MI2-act. 249 ff.; MI3-act. 246 ff.). Die Be-

schwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 21. Juli 2021 Stellung und reichte 

die einverlangten Unterlagen ein (MI2-act. 252 ff.; MI3-act. 249 ff.). 

 

Am 20. August 2021 verfügte das MIKA die Ablehnung des Familiennach-

zugsgesuchs der Beschwerdeführerin für die beiden Söhne und verwei-

gerte diesen die Einreise in die Schweiz (MI2-act. 293 ff.; MI3-act. 290 ff.). 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 20. August 2021 erhob die Beschwer-

deführerin mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. September 2021 

beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) fristgerecht Einsprache (MI2-

act. 305 ff.; MI3-act. 302 ff.). 

 

Am 15. Dezember 2021 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheent-

scheid (act. 1 ff.): 

 - 3 - 

 

 

 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

C. 

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Januar 2022 erhob die Be-

schwerdeführerin beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-

tungsgericht) Beschwerde und stellte folgende Begehren (act. 13 ff.): 

 

1. 
Es sei der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 15. Dezember 2021 
aufzuheben, in entsprechender Abänderung der Verfügung der Vorinstanz 
vom 20. August 2021 dem Gesuch der Beschwerdeführerin vom 
25. Februar 2020 zu entsprechen und den beiden Söhnen der Beschwer-
deführerin, B., geb. 2003, Kamerun, und C., geb. 2005, Kamerun, die 
Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug zu erteilen, ihnen die Einreise 
in die Schweiz zu erlauben und die Botschaft der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft in Yaoundé, Kamerun, zu ermächtigen und anzuwei-
sen, den beiden Söhnen zwecks Einreise in die Schweiz jeweils ein natio-
nales Visum des Typus D auszustellen. 
 
2. 
Eventualiter zu Ziff. 1 vorstehend seien der Einspracheentscheid der 
Vorinstanz vom 15. Dezember 2021 und die Verfügung der Vorinstanz 
vom 20. August 2021 vollumfänglich aufzuheben und die Sache unter Bin-
dung an die Auffassung des Verwaltungsgerichtes zur ergänzenden Ab-
klärung und neuen Beurteilung und Entscheidung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (einschließlich MwSt) zulasten 
der Staatskasse des Kantons Aargau, eventualiter zulasten der 
Vorinstanz. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses verzichtete die Vorinstanz auf eine 

Beschwerdeantwort, beantragte die Abweisung der Beschwerde und 

reichte aufforderungsgemäss die Akten ein (act. 58, 62). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 28. März 2022 beraten und ent-

schieden. 

 - 4 - 

 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Die Beschwerdeführerin beantragt unter anderem die Erteilung einer Auf-

enthaltsbewilligung für ihre Söhne. Das Verwaltungsgericht kann keine Auf-

enthaltsbewilligungen erteilen. Der entsprechende Antrag ist deshalb so zu 

verstehen, dass das Verwaltungsgericht das MIKA gegebenenfalls anzu-

weisen habe, den Söhnen der Beschwerdeführerin eine Aufenthaltsbewil-

ligung zu erteilen, dies unter Vorbehalt der Zustimmung des Staatssekre-

tariats für Migration (SEM; vgl. Art. 6 lit. a der Verordnung des EJPD über 

die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen Be-

willigungen und Vorentscheide vom 13. August 2015 [Verordnung des 

EJPD über das ausländische Zustimmungsverfahren, ZV-EJPD; 

SR 142.201.1]). 

 

Im Übrigen richtet sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einsprache-

entscheid der Vorinstanz vom 15. Dezember 2021. Die Zuständigkeit des 

Verwaltungsgerichts ist somit gegeben. Auf die frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde ist daher einzutreten. 

 

2. 

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder 

Bestimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwal-

tungsgericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung 

oder Missbrauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermes-

sensüberprüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 

Abs. 2 EGAR; vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensaus-

übung bildet das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, 

in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], 

Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

 - 5 - 

 

 

 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrations-

gesetz, AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, per-

sönliche Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechts-

fehlerfrei gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu 

Art. 96). Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entschei-

den, ob die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches 

Interesse gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren 

Sinn). 

 

II. 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid fest, das Familiennach-

zugsgesuch sei nicht innert der von Art. 73 Abs. 1 der Verordnung über 

Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 (VZAE; 

SR 142.201) vorgeschriebenen Frist gestellt worden. Es handle sich somit 

um einen nachträglichen Familiennachzug im Sinne von Art. 73 Abs. 3 

VZAE. Wichtige familiäre Gründe, wie sie für die Bewilligung eines nach-

träglichen Familiennachzugs vorliegen müssten, seien nicht gegeben. 

Dazu führt die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dass es zwar durchaus 

nachvollziehbar erscheine, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Söhne in 

die Schweiz nachziehen wolle. Jedoch seien die Gründe nicht mit dem Ziel 

und Zweck des nachträglichen Familiennachzugs aus wichtigen familiären 

Gründen vereinbar. Im Ergebnis sei der Nachweis der fehlenden Be-

treuungsmöglichkeit im Heimatland, an den in Anbetracht des Alters der 

Söhne und der hier zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten hohe An-

forderungen zu stellen seien, nicht erbracht. Es sei sodann nicht zu erwar-

ten, dass mit dem Nachzug in die Schweiz dem Kindswohl besser entspro-

chen werden könnte. Sicherlich könne das Kindswohl im vorliegenden Fall 

nicht nur durch einen Nachzug in die Schweiz gewahrt werden (act. 9). 

Ferner hält die Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin habe die Angele-

genheit selbst nicht als dringlich erachtet und es sei ihr offenkundig insbe-

sondere auch darum gegangen, den beiden Söhnen in der Schweiz eine 

bessere berufliche und wirtschaftliche Zukunft zu ermöglichen. Gestützt auf 

das nationale Recht sei der Familiennachzug zu verweigern, auch wenn 

davon ausgegangen werden könne, dass die übrigen Voraussetzungen 

des Familiennachzugs erfüllt wären. 

 

Mit Blick auf das durch Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschen-

rechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) ge-

schützte Familienleben hält die Vorinstanz fest, die Verweigerung des Fa-

miliennachzugs für ihre Söhne stelle zwar einen Eingriff in das durch Art. 8 

EMRK geschützte Familienleben dar. Dieser sei jedoch gerechtfertigt, da 

 - 6 - 

 

 

 

das öffentliche Interesse an der Verweigerung die privaten Interessen über-

wiege. 

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin stellt sich in ihrer Beschwerde demgegenüber auf 

den Standpunkt, der nachträgliche Familiennachzug der beiden Söhne sei 

wegen Vorliegens wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 

AIG zu bewilligen. Dazu führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, 

die Familie habe sich mit ihren erheblichen Investitionen, Projekten und 

Engagements über Jahre hinweg auf eine gemeinsame Zukunft in 

Kamerun vorbereitet, indem spätestens mit dem Antritt des Ruhestandes 

des Ehemannes, welcher seit Jahren selbständig erwerbstätig sei und im 

Wesentlichen von den Erträgen der Vermietung zahlreicher in der Schweiz 

gelegenen Wohnungen problemlos leben könne, die Familienzusammen-

führung dauerhaft in Kamerun hätte vollzogen werden sollen – und zwar in 

Buea, in einer der anglophonen Regionen im Südwesten Kameruns, wo sie 

ihr eigenes, stattliches Anwesen mit Umschwung gebaut hätten. Deshalb 

habe die Beschwerdeführerin denn auch die gesetzliche Nachzugsfrist, 

welche für B. am 17. Juni 2017 und für C. am 15. März 2018 geendet habe, 

ungenutzt verstreichen lassen. Es gehe vorliegend definitiv immer noch um 

die Familienzusammenführung, allerdings im Vergleich zum 

ursprünglichen Plan gewissermassen in umgekehrter Richtung. Aufgrund 

des in den beiden anglophonen Regionen Kameruns ausgebrochenen 

Konflikts und dessen Folgen könne die Familienzusammenführung nicht 

mehr in Buea vollzogen werden. Die im vorinstanzlichen Verfahren 

ausführlich dargelegten und von der Vorinstanz nicht in Zweifel gezogenen 

Folgen des ausgebrochenen Konflikts in den beiden anglophonen 

Regionen hätten nach Ablauf der gesetzlichen Nachzugsfristen zu einer 

nicht vorhergesehenen und nicht vorhersehbar gewesenen, erheblichen 

und wesentlichen Veränderung in der Betreuungssituation hinsichtlich der 

beiden Söhne, von welchen der ältere in gut zweieinhalb Jahren und der 

jüngere in rund fünf Jahren nach dem Recht Kameruns überhaupt erst voll-

jährig würden, geführt (act. 21). Mit anderen Worten liege im vorliegenden 

Fall der wichtige familiäre Grund darin, dass die geplante Familienzusam-

menführung und damit einhergehende Betreuungssituation nicht wie vor-

gesehen in Kamerun realisiert werden könne, sondern nun eben in der 

Schweiz zu realisieren sei (act. 26). 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Ausländischen Ehegatten und ledigen Kindern unter 18 Jahren von Perso-

nen mit Aufenthaltsbewilligung kann gemäss Art. 44 Abs. 1 AIG eine Auf-

enthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt und ver-

längert werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (lit. a), eine be-

 - 7 - 

 

 

 

darfsgerechte Wohnung vorhanden ist (lit. b), sie nicht auf Sozialhilfe an-

gewiesen sind (lit. c), sie sich in der am Wohnort gesprochenen Landes-

sprache verständigen können (lit. d) und die nachziehende Person keine 

jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz über Ergän-

zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung 

vom 6. Oktober 2006 (ELG; SR 831.30) bezieht oder wegen des Familien-

nachzugs beziehen könnte (lit. e). Bei ledigen Kindern unter 18 Jahren fin-

det die Voraussetzung nach Art. 44 Abs. 1 lit. d AIG keine Anwendung 

(Art. 44 Abs. 3 AIG). 

 

Für die Frage, ob die Altersgrenze von 18 Jahren eingehalten wurde, ist 

das Alter des Kindes bei der Gesuchseinreichung massgeblich 

(BGE 136 II 497, Erw. 3.4; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS 

ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kom-

mentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 1 zu Art. 47 AIG). Die 

übrigen materiellen Voraussetzungen für einen Familiennachzug gestützt 

auf Art. 44 Abs. 1 AIG müssen zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der 

Gesuchseinreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des nach-

zuziehenden Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt alle zugleich erfüllt sein 

(Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2015.341 vom 3. März 2017, 

Erw. II/3.3, und WBE.2019.83 vom 2. September 2020, Erw. II/4.2).  

 

2.1.2. 

Als die Beschwerdeführerin am 25. Februar 2020 das Familiennachzugs-

gesuch einreichte, war sie im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung und ihre 

beiden Söhne waren 14- bzw. 16-jährig und ledig. Sodann verfügen die 

Beschwerdeführerin und ihr Ehemann über eine angemessene Wohnung 

sowie hinreichende finanzielle Mittel, um den Bedarf der Familie auch im 

Falle eines Nachzugs der beiden Söhne der Beschwerdeführerin zu decken 

und es bestehen keine Anhaltspunkte für eine künftige Sozialhilfeab-

hängigkeit der Familie (vgl. act. 10; MI2-act. 267 ff., 295; MI3-act. 264 ff., 

292). Damit waren die materiellen Voraussetzungen für einen Familien-

nachzug gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AIG zeitgleich erfüllt, was durch die 

Vorinstanz im Übrigen explizit bestätigt wurde (act. 10). 

 

2.2. 

Dass vorliegend von einem nachträglichen Familiennachzug auszugehen 

ist, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Ausführungen. Dies umso 

weniger, als das Verpassen der Nachzugsfristen von der Beschwerde-

führerin nicht in Abrede gestellt wird (act. 18). Damit ist das Gesuch als 

nachträgliches Familiennachzugsgesuch im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

zu qualifizieren und ist gemäss genannter Bestimmung nur bei Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe zu bewilligen. 

 

 - 8 - 

 

 

 

2.3. 

2.3.1. 

2.3.1.1. 

Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG liegen gemäss 

Art. 75 VZAE vor, wenn das Kindswohl nur durch einen Nachzug in die 

Schweiz sachgerecht gewahrt werden kann. Entgegen dem Wortlaut der 

Verordnungsbestimmung ist der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu-

folge jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindswohl abzustellen. Vielmehr 

bedarf es einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller relevanten Ele-

mente im Einzelfall. Dabei soll nach dem Willen des Gesetzgebers die Be-

willigung eines Familiennachzugs, der nach Ablauf der gesetzlichen Fristen 

beantragt wurde, die Ausnahme und nicht die Regel bilden (zum Ganzen 

Urteil des Bundesgerichts 2C_767/2015 vom 19. Februar 2016, 

Erw. 5.1.1). 

 

2.3.1.2. 

In Bezug auf den massgeblichen Zeitpunkt, in welchem wichtige familiäre 

Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen müssen, ist zunächst auf 

den Sachverhalt im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen 

(vgl. BGE 136 II 497, Erw. 3.4). Waren sämtliche Voraussetzungen für den 

nachträglichen Familiennachzug bereits zu jenem Zeitpunkt erfüllt, ist das 

Gesuch zu bewilligen bzw. eine Einsprache oder Beschwerde gutzuheis-

sen. Andernfalls ist die Entwicklung ab Gesuchseinreichung in die Beurtei-

lung miteinzubeziehen. Stellt sich nämlich heraus, dass im Zeitpunkt der 

Gesuchseinreichung noch keine wichtigen familiären Gründe vorlagen, 

diese jedoch im Laufe des Verfahrens eingetreten sind, ist eine Einsprache 

oder eine Beschwerde gutzuheissen, sofern in jenem Zeitpunkt auch die 

übrigen Voraussetzungen für den Familiennachzug zeitgleich erfüllt waren. 

Geht es um den Nachzug eines Kindes darf in jenem Zeitpunkt zudem das 

nachzuziehende Kind noch nicht 18 Jahre alt gewesen sein. Dieselben 

Überlegungen gelten auch, wenn eine andere Voraussetzung für den Fa-

miliennachzug (Wohnung, finanzielle Mittel etc.) im Zeitpunkt der Gesuchs-

einreichung noch nicht erfüllt war. 

 

Ein nachträgliches Familiennachzugsgesuch ist mit anderen Worten dann 

zu bewilligen, wenn zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen der Gesuchs-

einreichung und dem Entscheidzeitpunkt – beim Kindernachzug zwischen 

der Gesuchseinreichung und der Vollendung des 18. Altersjahres des 

nachzuziehenden Kindes bzw. dem Entscheidzeitpunkt – sämtliche Vo-

raussetzungen für den (nachträglichen) Familiennachzug gleichzeitig erfüllt 

waren. Dies geht auch aus dem Gebot der rechtsgleichen Behandlung her-

vor, da andernfalls der Ausgang eines Familiennachzugsverfahrens vom 

jeweiligen Zeitpunkt abhängig wäre, in welchem die zuständige Behörde 

über das Gesuch befindet (Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2015.341 vom 3. März 2017, Erw. II/3.3). 

 

 - 9 - 

 

 

 

Für die Beurteilung der wichtigen familiären Gründe beim Kindernachzug 

bedeutet das Gesagte, dass im Hinblick auf die altersspezifische Be-

treuungsbedürftigkeit des Kindes auf das jeweilige Alter des Kindes in dem 

Zeitpunkt abzustellen ist, in dem die wichtigen familiären Gründe behaup-

teterweise eintraten und sämtliche weiteren Voraussetzungen gleichzeitig 

erfüllt waren – und nicht auf den Entscheidzeitpunkt. 

 

2.3.1.3. 

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob wichtige familiäre Gründe vorliegen, 

die den Familiennachzug offensichtlich gebieten.  

 

Hinsichtlich des nachträglichen Nachzugs eines Kindes ist dies der Fall, 

wenn das Kindswohl nur durch einen Nachzug in die Schweiz sachgerecht 

gewahrt werden kann (Art. 75 VZAE). Angesprochen sind hier insbeson-

dere Fälle, in denen die bisherige Betreuungssituation des nachzuziehen-

den Kindes wegfällt, ohne dass im Heimatland eine adäquate Alternative 

gegeben wäre, oder in denen sich der Gesundheitszustand des nachzuzie-

henden Kindes wesentlich verschlechtert, ohne dass im Heimatland 

adäquate Behandlungsmöglichkeiten bestünden. 

 

Wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 75 VZAE können zudem auch 

dann vorliegen, wenn rechtsgenügend dargetan wird, dass ein familiäres 

Zusammenleben im Ausland geplant war und die Familienzusammenfüh-

rung gemäss den am geplanten Familienwohnsitz geltenden Normen auch 

zulässig gewesen wäre. Ist dies der Fall und ist ein Zusammenleben im 

Ausland bei objektiver Betrachtung aus unvorhersehbaren Gründen nicht 

mehr möglich, ist ebenfalls von wichtigen familiären Gründen auszugehen, 

die den Familiennachzug offensichtlich gebieten. 

 

Bestehen wichtige familiäre Gründe im Sinne von Art. 75 VZAE und sind 

zudem die materiellen Nachzugsvoraussetzungen erfüllt, ist der Familien-

nachzug in der Regel ohne weiteres zu bewilligen. 

 

2.3.1.4. 

2.3.1.4.1. 

Liegen keine derartigen Umstände vor, ist in einem zweiten Schritt zu prü-

fen, ob die Verwei¬gerung des Familiennachzugs zu einer Verletzung von 

Art. 8 EMRK führen würde und deshalb vom Vorliegen wichtiger familiärer 

Gründe auszugehen ist. 

 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das nationale Gesetzes-

recht möglichst verfassungs- und konventionskonform auszulegen (vgl. Ur-

teile des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018, Erw. 5.3.1, 

und 2C_1050/2016 vom 10. März 2017, Erw. 5.1). Wird der Familiennach-

zug eines Kindes zu einem Elternteil oder des einen Ehegatten zum ande-

ren verweigert, geht damit regelhaft ein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK 

 - 10 - 

 

 

 

geschützte Familienleben einher. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG 

bildet indes eine ausreichende gesetzliche Grundlage für den Eingriff im 

Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK (Urteil des Bundesgerichts 2C_323/2018 

vom 21. September 2018, Erw. 6.5.1). Entsprechend gilt der Eingriff nach 

Massgabe von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als gerechtfertigt, sofern er sich im kon-

kreten Einzelfall in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig, d.h. 

als verhältnismässig, erweist. Ist dies zu bejahen, hält die Verweigerung 

des Familiennachzugs vor Art. 8 EMRK stand. 

 

Nach dem Gesagten ist bei der Beurteilung nach nationalem Recht, ob der 

Familiennachzug eines Kindes oder des Ehegatten trotz Verpassens der 

Nachzugsfrist gemäss Art. 47 Abs. 1 AIG zu bewilligen ist, die Ausnahme-

regelung von Art. 47 Abs. 4 AIG so zu handhaben – mithin der unbestimmte 

Rechtsbegriff der wichtigen familiären Gründe so auszulegen – dass das 

durch Art. 8 EMRK geschützte Familienleben der Betroffenen nicht verletzt 

wird. Um dies sicherzustellen, ist im Rahmen der Gesamtschau, derer es 

hinsichtlich des allfälligen Vorliegens wichtiger Gründe für einen nachträg-

lichen Familiennachzug bedarf (siehe vorne Erw. 2.3.1.1), grundsätzlich 

eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. zum Ganzen Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hin-

weisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2C_386/2016 vom 22. Mai 

2017, Erw. 2.3.2). Erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Um-

stände im Einzelfall die Verweigerung des nachträglichen Familiennach-

zugs als unverhältnismässig und damit als konventionswidrig (Art. 8 Ziff. 2 

EMRK), ist gleichsam davon auszugehen, dass bei gesamthafter Betrach-

tung wichtige familiäre Gründe für den nachträglichen Familiennachzug im 

Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG vorliegen. Mit anderen Worten: Vermag das 

öffentliche Interesse an der Verweigerung des verspätet beantragten Fa-

miliennachzugs das private Interesse an dessen Bewilligung nicht zu über-

wiegen, ist dieser bereits unter nationalem Recht – gestützt auf Art. 47 

Abs. 4 AIG – zu bewilligen. 

 

Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass das Vorliegen 

wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG mit Blick auf 

Art. 8 EMRK nicht auf Gründe zu beschränken ist, die nicht vorhersehbar 

waren. Lassen die Gesamtumstände darauf schliessen, dass die Familie 

über längere Zeit freiwillig getrennt gelebt hat, geht das Interesse des 

Staates an einer restriktiven Einwanderungspolitik, der ratio legis von 

Art. 47 Abs. 4 AIG folgend, den verspätet vorgebrachten Interessen der Be-

troffenen an einer Familienzusammenführung in der Schweiz jedoch regel-

mässig vor. Werden demgegenüber objektiv nachvollziehbare Umstände 

rechtsgenügend dargetan, die darauf schliessen lassen, dass das Ge-

trenntleben nicht freiwillig erfolgte, ist der Familiennachzug bei Wegfallen 

dieser Umstände in der Regel zu bewilligen (BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1). 

Als nachvollziehbare Umstände fallen insbesondere das Fehlen einer ma-

teriellen Nachzugsvoraussetzung wie einer bedarfsgerechten Wohnung 

 - 11 - 

 

 

 

oder genügender finanzieller Ressourcen für den Familienunterhalt in Be-

tracht (BGE 146 I 185, Erw 7.1.2). Liegen derartige Umstände vor, erübrigt 

sich eine umfassende Interessenabwägung und ist – ähnlich wie bei Vor-

liegen von Umständen, die den nachträglichen Familiennachzug offensicht-

lich gebieten (vgl. vorne Erw. 2.3.1.3) – ohne weiteres von wichtigen fami-

liären Gründen im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG auszugehen. 

 

Das Vorliegen wichtiger familiärer Gründe im Sinne von Art. 47 Abs. 4 AIG 

hängt zudem nicht davon ab, ob es den Betroffenen unmöglich ist, das Fa-

milienleben im Ausland zu führen, da dies keine gesetzliche Voraussetzung 

für den Familiennachzug darstellt (vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.2). 

 

Soweit eine Interessenabwägung vorzunehmen ist, ist zu den entgegen-

stehenden öffentlichen und privaten Interessen betreffend den nachträg-

lichen Familiennachzug eines Kindes mit der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung das Folgende festzuhalten: 

 

2.3.1.4.2. 

Was das öffentliche Interesse angeht, soll mit der gesetzlichen Befristung 

des Familiennachzugs die rasche Integration der nachzuziehenden Ange-

hörigen und insbesondere der Kinder gefördert werden. Durch einen früh-

zeitigen Nachzug sollen diese unter anderem eine möglichst umfassende 

Schulbildung in der Schweiz geniessen. Gleichzeitig kommt den Nachzugs-

fristen die Funktion zu, den Zuzug ausländischer Personen zu steuern bzw. 

zu beschränken. Die Fristenregelung von Art. 47 AIG bildet einen Kompro-

miss zwischen den genannten, legitimen, öffentlichen Interessen und dem 

konträren Anliegen der Ermöglichung des Familienlebens (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit Hinweisen). Vor 

diesem Hintergrund ist rechtsprechungsgemäss von einem entsprechend 

grossen öffentlichen Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs 

auszugehen, wenn die Fristen von Art. 47 Abs. 1 AIG nicht eingehalten 

wurden (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2019.410 vom 

27. April 2020, Erw. II/2.3.1.4.2, WBE.2019.1 vom 22. Januar 2020, 

Erw. II/3.4.1, und WBE.2015.476 vom 29. Juni 2016, Erw. II/4).  

 

Abhängig vom Alter des nachzuziehenden Kindes im Gesuchszeitpunkt 

bzw. im Zeitpunkt, da sämtliche Nachzugsvoraussetzungen erfüllt gewesen 

sein sollen (siehe vorne Erw. 2.3.1.2), kann sich sodann das öffentliche In-

teresse an der Verweigerung eines nachträglichen Kindernachzugs im Ein-

zelfall weiter erhöhen oder kann tiefer zu veranschlagen sein. Entschei-

dend sind dabei wiederum die im Fall einer Bewilligung des nachträglichen 

Familiennachzugs zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der 

Schweiz, welche grundsätzlich mit dem Alter des nachzuziehenden Kindes 

zunehmen. Als Ausgangs- und Scheidepunkt für die Bemessung der zu er-

wartenden Integrationsschwierigkeiten drängt sich die Vollendung des 

13. Lebensjahres auf, hat doch der Gesetzgeber mit der Fristverkürzung 

 - 12 - 

 

 

 

auf zwölf Monate für Kinder über zwölf Jahren (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AIG) 

festgelegt, dass der Nachzug eines Kindes prinzipiell vor dessen 13. Ge-

burtstag zu beantragen ist (vgl. Botschaft vom 8. März 2002 zum Bundes-

gesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [Botschaft AuG], Bundes-

blatt [BBl] 2002 3709 ff., 3792 f.). Nach dem Gesagten erhöht sich das 

öffentliche Interesse mit Blick auf die zu erwartenden Integrations-

schwierigkeiten in der Schweiz entsprechend weiter, wenn das nachträg-

lich nachzuziehende Kind im massgeblichen Zeitpunkt bereits wesentlich 

älter als 13 Jahre ist. Ist demgegenüber das Kind noch wesentlich jünger 

als 13 Jahre, sind grundsätzlich keine erheblichen Integrationsschwierig-

keiten zu erwarten und ist das öffentliche Interesse an der Verweigerung 

des nachträglichen Familiennachzugs entsprechend tiefer zu veranschla-

gen. 

 

Eine zusätzliche Höher- oder Tieferveranschlagung des öffentlichen In-

teresses an der Verweigerung des nachträglichen Familiennachzugs kann 

sich sodann aufdrängen, wenn das nachzuziehende Kind bereits einmal 

während einer gewissen Zeit in der Schweiz gelebt hat (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 2C_340/2017 vom 15. Juni 2018, Erw. 3.4). Geht in einem sol-

chen Fall aus den Akten hervor oder wird rechtsgenügend dargelegt, dass 

sich das nunmehr nachzuziehende Kind anlässlich seines letzten Aufent-

halts erfolgreich in der Schweiz integriert hat, sind bei diesem im Nach-

zugsfall – vorbehaltlich der konkreten Umstände – unterdurchschnittlich ge-

ringe Integrationsschwierigkeiten zu erwarten. Folglich ist das öffentliche 

Interesse an einer Verweigerung des Nachzugs entsprechend tiefer zu ver-

anschlagen. Von einer erfolgreichen Integration im Rahmen des vorma-

ligen Aufenthalts ist jedenfalls dann auszugehen, wenn das nachzu-

ziehende Kind die an seinem damaligen Wohnort gesprochene Landes-

sprache erlernt hat, am Erwerb von Bildung (oder auch bereits am Wirt-

schaftsleben) teilgenommen hat und sich in sicherheits- sowie ordnungs-

politischer Hinsicht nichts Erhebliches hat zu Schulden kommen lassen 

(vgl. Art. 58a Abs. 1 lit. c, lit. d bzw. lit. a AIG; vgl. auch Art. 77a, 77d und 

77e VZAE). Sollte demgegenüber aktenkundig sein, dass das nachzu-

ziehende Kind bei seinem letzten Aufenthalt in der Schweiz nicht fähig oder 

nicht bereit war, sich zu integrieren – wovon, unter angemessener Berück-

sichtigung des Alters, namentlich fehlende Bemühungen zum Sprach-

erwerb, fehlende Bemühungen zum Erwerb von Bildung und/oder Ver-

stösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zeugen können – 

würde sich der umgekehrte Schluss aufdrängen: Diesfalls wäre grundsätz-

lich damit zu rechnen, dass bei einer Bewilligung des Nachzugs in die 

Schweiz erneut überdurchschnittlich grosse Integrationsschwierigkeiten 

auftreten würden, weshalb sich das öffentliche Interesse an einer Verwei-

gerung entsprechend erhöhen würde. 

 

 - 13 - 

 

 

 

2.3.1.4.3. 

Dem öffentlichen Interesse ist das private Interesse an der Bewilligung des 

nachträglichen Familiennachzugs gegenüberzustellen. Da die Verweige-

rung eines Kindernachzugs regelhaft das geschützte Familienleben ge-

mäss Art. 8 EMRK tangiert (siehe vorne Erw. 2.3.1.4.1), ist – in einem 

ersten Schritt – grundsätzlich von einem grossen privaten Interesse des 

nachzuziehenden Kindes und des nachziehenden Elternteils am Zusam-

menleben in der Schweiz auszugehen. Lebt eine Familie jedoch jahrelang 

freiwillig voneinander getrennt, bringt sie damit rechtsprechungsgemäss ihr 

geringes Interesse an einem gemeinsamen Familienleben zum Ausdruck 

und ist das private Interesse in der Regel entsprechend tiefer zu veran-

schlagen. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn objektive, nachvoll-

ziehbare Gründe für das bisherige Getrenntleben bestehen, welche da-

gegen sprechen, dieses zu Lasten der Betroffenen zu würdigen (siehe 

wiederum vorne Erw. 2.3.1.4.1; vgl. BGE 146 I 185, Erw. 7.1.1 am Schluss; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_889/2018 vom 24. Mai 2019, Erw. 3.1 mit 

Hinweisen; Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2019.1 vom 22. Ja-

nuar 2020, Erw. II/3.4.2).  

 

Gegebenenfalls sind zudem sämtliche weiteren Umstände des Einzelfalls 

zu beachten, welche sich – namentlich unter dem Gesichtspunkt des Kinds-

wohls (Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die 

Rechte des Kindes [Kinderrechtskonvention, KRK; SR 0.107]; vgl. 

BGE 144 I 91, Erw. 5.2; Urteil des EGMR Nr. 56971/10 in Sachen El Ghatet 

gegen die Schweiz vom 8. November 2016, §§ 27 f. und 46 f.) – auf das 

private Interesse an der Bewilligung eines nachträglichen Familiennach-

zugs auswirken. 

 

2.3.1.5. 

Soll ein nachträglicher Familiennachzug bewilligt werden, obliegt es auf-

grund der weitreichenden Mitwirkungspflichten gemäss Art. 90 AIG den 

Gesuchstellenden, ihre entsprechenden Vorbringen zu substanziieren und 

rechtsgenügend zu belegen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_214/2019 

vom 5. April 2019, Erw. 3.3, 2C_303/2014 vom 20. Februar 2015, Erw. 6.1, 

und 2C_906/2012 vom 15. Juni 2013, Erw. 2.2; vgl. auch Urteil des Bun-

desgerichts 2C_50/2010 vom 17. Juni 2010, Erw. 2.2; BGE 130 II 482, 

Erw. 3.2). 

 

2.3.2. 

2.3.2.1. 

Die Beschwerdeführerin führt im Zusammenhang mit dem Vorliegen wich-

tiger familiärer Gründe glaubhaft und gleich wie bereits mit dem Nachzugs-

gesuch vom 25. Februar 2020 aus, dass und weshalb sich die Familie ur-

sprünglich dazu entschieden hatte, die Familie in Buea zusammen-

zuführen. Aufgrund der ausgezeichneten Schulen bis hin zur Universität 

hätten die Söhne ab 2011 in Buea die Schule besucht. Zudem habe man 

 - 14 - 

 

 

 

in Buea Land erworben, ein Haus erbaut und dieses ab 2014 bewohnt, um 

den Söhnen von Beginn weg ideale Voraussetzungen für ihre Ausbildung 

zu bieten. Erklärtes Ziel sei es gewesen, die Söhne ein universitäres 

Grundstudium in Kamerun absolvieren zu lassen und nur den "letzten 

Schliff" an einer europäischen Hochschule zu erlangen. Bis Juni 2016 seien 

die Söhne durch die Beschwerdeführerin betreut worden, danach durch 

deren Grossmutter. Ab Oktober 2017 habe sich die Situation in der anglo-

phonen Provinz Buea zusehends verschlechtert. Insbesondere sei es ver-

mehrt zu Entführungen gekommen, wovon ihre Söhne als Stiefsöhne eines 

Schweizers besonders betroffen gewesen seien. Im Mai 2018 hätten die 

Söhne den Familienwohnsitz in Buea zusammen mit der Grossmutter ver-

lassen müssen und hätten behelfsmässig in einer 3-Zimmerwohnung in 

Bafoussam gelebt und dort die Matura erlangt. Die Hoffnung nach Buea 

zurückzukehren, hätte sich zerschlagen und an eine Familienzusammen-

führung in Buea sei nicht mehr zu denken gewesen. Da keine alternativen 

Möglichkeiten für eine Familienzusammenführung in Kamerun bestanden 

hätten und eine Betreuung der Söhne in Kamerun nicht mehr sichergestellt 

gewesen sei, habe man sich dazu entschlossen, die Familie in der Schweiz 

zusammenzuführen und den Familiennachzug in der Schweiz zu beantra-

gen (MI2-act 48, act. 21 ff.). 

 

Dass ein familiäres Zusammenleben in Kamerun von Anfang an geplant 

war, wurde seitens der Vorinstanz zu Recht nicht angezweifelt (siehe auch 

hinten Erw. 2.3.2.4.1). So geht aus den in den Akten befindlichen Foto-

aufnahmen klar hervor, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann von 

2012 bis 2014 in Buea ein stattliches Haus errichtet hatten, welches seit 

ihrer Flucht im Jahr 2018 allmählich vermoost und verwuchert (vgl. MI2-

act. 43 f., 87 ff. und 384 ff.). Angesichts der schlüssigen, nachvollziehbaren 

und unbestrittenen Ausführungen der Beschwerdeführerin ist im vorliegen-

den Fall rechtsgenügend dargetan, dass stets ein familiäres Zusammen-

leben mit den minderjährigen Kindern im Ausland geplant war und dass 

eine Rückkehr in das Eigenheim in Buea aufgrund der nicht vorherseh-

baren Auswirkungen des Konflikts in den beiden anglophonen Regionen 

Kameruns unmöglich wurde. Da den Akten nichts Gegenteiliges entnom-

men werden kann, ist ferner davon auszugehen, dass die in Buea beab-

sichtigte Familienzusammenführung gemäss kamerunischem Recht auch 

zulässig gewesen wäre. Unter diesen konkreten Umständen und ange-

sichts der Tatsache, dass sich die Unruhen im Heimatland erst seit 2016 

schleichend akzentuierten und verschärften, ist im Ergebnis festzuhalten, 

dass auch bei objektiver Betrachtung ein Zusammenleben der Familie in 

Kamerun aus unvorhersehbaren Gründen unmöglich wurde. 

 

Da nach dem Gesagten die in Erwägung 2.3.1.3 genannten Voraus-

setzungen erfüllt sind, ist im vorliegenden Fall von wichtigen familiären 

 - 15 - 

 

 

 

Gründen im Sinne von Art. 75 VZAE auszugehen und das Familiennach-

zugsgesuch entsprechend zu bewilligen. Damit erübrigt sich grundsätzlich 

die Vornahme einer Interessensabwägung. 

 

Selbst wenn man davon ausginge, es läge in der zwischenzeitlich eingetre-

tenen Unmöglichkeit, die Familie in Kamerun zusammenzuführen, kein 

offensichtlich wichtiger familiärer Grund vor, wäre der Familiennachzug, 

wie nachfolgend zu zeigen sein wird, zu bewilligen, da es an einem über-

wiegenden öffentlichen Interesse fehlt, welches einen Eingriff in das durch 

Art. 8 EMRK geschützte Familienleben rechtfertigen würde. 

 

2.3.2.2. 

Hinsichtlich einer konventionskonformen Auslegung von Art. 47 Abs. 4 AIG 

und der dabei vorzunehmenden umfassenden Interessenabwägung (siehe 

vorne Erw. 2.3.1.4) ist Nachfolgendes festzuhalten. 

 

2.3.2.3. 

Was das öffentliche Interesse anbelangt, ist zunächst anzumerken, dass 

die beiden Söhne im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung am 25. Februar 

2020 knapp 16 bzw. rund 15 Jahre alt waren. Ihren 13. Geburtstag hatten 

sie damit im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung um einiges überschritten 

(vgl. dazu vorne Erw. 2.3.1.4.2). Grundsätzlich würde sich unter diesen 

Umständen das bereits aufgrund des Verpassens der Nachzugsfrist von 

Art. 47 Abs. 4 AIG grosse öffentliche Interesse an der Verweigerung des 

nachträglichen Familiennachzugs der beiden Söhne mit Blick auf die alters-

bedingt zu erwartenden Integrationsschwierigkeiten in der Schweiz zusätz-

lich erhöhen.  

 

Vorliegend ist jedoch zu berücksichtigen, dass die beiden Söhne der Be-

schwerdeführerin ein sehr unterstützendes Umfeld in der Schweiz erwartet. 

So ist ihr Stiefvater Schweizer Staatsbürger und lebt durch die Vermietung 

zahlreicher Eigentumswohnungen in wirtschaftlich guten Verhältnissen. Er 

kann seine Stiefsöhne daher bei ihrer Eingliederung in die hiesigen Ver-

hältnisse unterstützen. Auch sprechen die beiden Söhne der Beschwerde-

führerin Französisch und damit eine der schweizerischen Landessprachen, 

was die Integration in die hiesigen Verhältnisse erleichtern dürfte. Insbe-

sondere weist die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang darauf 

hin, dass ein Umzug der Familie von X. in die Westschweiz bzw. in die 

zweisprachigen Landesteile des Kantons Fribourg oder des Kantons Bern 

jedenfalls nicht ausgeschlossen sei, sollte dies tatsächlich zur Erleich-

terung der Integration erforderlich sein (act. 27). Dies zeigt exemplarisch, 

dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann sogar einen Wohnort-

wechsel in Betracht ziehen, um die Integration der nachzuziehenden Söhne 

zu fördern. Sodann verliefen die Schulkarrieren beider Kinder soweit er-

sichtlich bis anhin erfolgreich, weshalb sich die Annahme rechtfertigt, diese 

wiesen eine hohe Lernmotivation und auch die nötigen Fähigkeiten für eine 

 - 16 - 

 

 

 

erfolgreiche Integration, namentlich zum raschen Erwerb der deutschen 

Sprache, auf. 

 

Nach dem Gesagten waren damit im Gesuchszeitpunkt für den Fall eines 

nachträglichen Nachzugs der beiden Söhne der Beschwerdeführerin in die 

Schweiz – trotz deren Alters – unterdurchschnittlich geringe Integrations-

schwierigkeiten zu erwarten. Entsprechend ist unter diesem Gesichtspunkt 

das grundsätzlich grosse öffentliche Interesse an einer Verweigerung des 

Familiennachzugs tiefer zu veranschlagen und lediglich noch als mittel bis 

gross zu qualifizieren. 

 

Andere Umstände, die das öffentliche Interessen an einer Verweigerung 

des Familiennachzugs erhöhen könnten, sind nicht ersichtlich.  

 

2.3.2.4. 

2.3.2.4.1. 

Was demgegenüber das private Interesse angeht, ist der Beschwerdefüh-

rerin und deren Ehemann grundsätzlich ein grosses privates Interesse an 

einem Zusammenleben in der Schweiz zuzugestehen. 

 

Die Beschwerdeführerin bringt diesbezüglich vor, dass der im Jahr 2016 in 

den anglophonen Regionen Kameruns ausgebrochene Konflikt dazu ge-

führt habe, dass sie und ihre Familie das in Buea in den Jahren 2012 bis 

2014 unter erheblichem Einsatz eigener Arbeitskraft und finanzieller Mittel 

gebaute Haus im Mai 2018 fluchtartig verlassen sowie aus der anglo-

phonen Region wegziehen mussten (MI2-act. 317). Die Familie habe seit 

der Flucht aus Buea im Mai 2018 immer gehofft, dass die beiden Söhne 

und ihre Grossmutter wieder dahin zurückkehren könnten, insbesondere 

auch deshalb, weil die beiden Söhne dort nach der Matur das Studium an 

der Universität Buea hätten aufnehmen sollen. Sie hätten mit viel Hoffnung 

das Einschreiten der Sicherheitskräfte der Regierung im Jahre 2017, die 

Präsidentschaftswahlen im Jahre 2018, den nationalen Dialog, die Auto-

nomieregelungen im Jahre 2019 und die Regionalwahlen vom 9. Februar 

2020 abgewartet, seien dann aber zum Schluss gelangt, dass sich die Lage 

in den beiden anglophonen Regionen Kameruns, und damit auch in Buea, 

auch in absehbarer Zeit nicht ändern werde. Allein deshalb sei das Fami-

liennachzugsgesuch erst nach Ablauf der gesetzlichen Nachzugsfristen ge-

stellt worden (vgl. MI2-act. 305 Rz. 13 und act. 21 Rz. 24). 

 

Die Beschwerdeführerin weist insbesondere darauf hin, dass die Bildung 

einer echten Familiengemeinschaft nach wie vor im Vordergrund stehe. Ur-

sprünglich sei geplant gewesen, die Familie in Buea zusammenzuführen – 

und zwar letztlich ohne dass die beiden Söhne längerfristig durch ihre 

Grossmutter oder ihre Tante betreut würden. Die Beziehung der beiden 

Söhne zur Beschwerdeführerin sei denn auch seit deren Geburt immer sehr 

eng gewesen und gepflegt worden. Hätte die Beschwerdeführerin und ihr 

 - 17 - 

 

 

 

Ehemann die aufgetretenen Konflikte in den beiden anglophonen Regionen 

im Südwesten Kameruns vorausgesehen bzw. überhaupt voraussehen 

können, hätten sie die gesetzliche Nachzugsfrist sicher nicht verstreichen 

lassen. Sie hätten – gezwungenermassen – bereits zu jenem Zeitpunkt die 

Familienzusammenführung in der Schweiz angestrebt (act. 23). 

 

Dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin glaubhaft sind, geht ohne 

Weiteres aus den Vorakten hervor. Der aktuell strittige Familiennachzug für 

die beiden Söhne wurde nicht wegen Zweifeln an den Ausführungen der 

Beschwerdeführerin zur Situation im Heimatland bzw. zu den Auswir-

kungen des Konflikts auf die ursprünglich geplante Familienzusammenfüh-

rung in Buea, sondern vielmehr deshalb verweigert, weil die Beschwerde-

führerin eine fehlende Betreuungsalternative im Heimatland nicht dargetan 

habe und somit – nach Auffassung der Vorinstanz – keine wichtigen 

familiären Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug vorgelegen 

hätten. Dass die Sicherheitslage in Kamerun erst ab Mai 2018 immer 

kritischer wurde und damit die Veranlassung zur Stellung des Familien-

nachzugsgesuchs erst nach Ablauf der gesetzlichen Nachzugsfristen ein-

getreten war, wurde seitens der Vorinstanz nicht angezweifelt (vgl. act. 7). 

 

Aufgrund der Akten und der Ausführungen der Beschwerdeführerin steht 

fest, dass die nicht vorhergesehenen und nicht vorhersehbaren Auswir-

kungen des Konflikts in den beiden anglophonen Regionen Kameruns dazu 

geführt haben, dass die Familienzusammenführung nicht mehr, wie ur-

sprünglich beabsichtigt, im Anwesen in Buea realisiert werden kann. Nach 

Ablauf der gesetzlichen Nachzugsfristen sind denn auch hinsichtlich der 

ursprünglich geplanten Betreuungssituation unstreitig erhebliche Ände-

rungen eingetreten. Dem angefochtenen Entscheid sowie den Akten kann 

diesbezüglich entnommen werden, dass die beiden Brüder nach ihrer 

Flucht aus Buea im Mai 2018 zunächst zusammen mit ihrer Grossmutter 

während ungefähr eines Jahres bis zur Erlangung der Matur im Juni 2019 

in Bafoussam untergebracht werden konnten. Von Juli bis September 2019 

besuchten die beiden Brüder die Beschwerdeführerin und deren Ehemann 

in der Schweiz. Anschliessend begleitete die Beschwerdeführerin ihre 

Söhne im September 2019 zurück nach Kamerun, da mit Blick auf den be-

vorstehenden Wechsel an eine Universität ein Wegzug aus Bafoussam 

erforderlich wurde. Die Beschwerdeführerin suchte für die beiden Söhne in 

Yaoundé eine Zweizimmerwohnung zur Miete, welche im Oktober 2019 be-

zogen werden konnte. Damit die Beschwerdeführerin im Dezember 2019 

wieder in die Schweiz zurückreisen konnte, begab sich die Grossmutter 

während rund zweier Monate in die Hauptstadt nach Yaoundé. Da die 

Grossmutter mit dem Leben in der Grossstadt nicht zurechtkam, kehrte sie 

bereits im Februar 2020 nach Mansen in ihr Heimatdorf zurück. 

 

 - 18 - 

 

 

 

Nach dem Gesagten konnten die beiden Brüder nach der Flucht aus Buea 

im Mai 2018 bis zur Erlangung der Matur im Juni 2019 in Bafoussam wei-

terhin von der Grossmutter betreut werden. Erst als die Betreuung durch 

die Grossmutter in Yaoundé nicht mehr übernommen werden konnte und 

sich eine Verbesserung der Lage in Buea bzw. eine Rückkehr in das Fami-

lienanwesen nicht abzeichnete, sah sich die Beschwerdeführerin ge-

zwungen, von ihrem ursprünglichen Plan Abstand zu nehmen. 

 

In Anbetracht dieser Umstände und insbesondere des zeitlichen Ablaufs 

der Ereignisse ist mit der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass 

beim Nachzugsgesuch die Bildung einer echten Familiengemeinschaft und 

nicht eine bessere berufliche und wirtschaftliche Zukunft der beiden Söhne 

im Vordergrund stand und immer noch steht. Daran ändert auch der Um-

stand nichts, dass die wirtschaftlichen Perspektiven in der Schweiz besser 

sind als in Kamerun, da in der Schweiz gegenüber einer Vielzahl ausser-

europäischer Länder bessere Erwerbs- und Ausbildungsmöglichkeiten be-

stehen und wirtschaftliche Erwägungen für den Nachzug von Kindern nicht 

von vornherein verpönt sind, solange – wie eben im vorliegenden Fall – 

eine echte Familienzusammenführung beabsichtigt ist (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 2C_581/2020, Erw. 2.3.1). Des Weiteren lässt sich der Be-

schwerdeführerin nicht vorwerfen, sie habe sich nicht um einen frühzeitigen 

Nachzug bemüht, zumal unbestritten ist, dass die Familie bis zuletzt auf 

eine Familienzusammenführung in ihrem Anwesen in Buea hoffte. Vielmehr 

hat die Beschwerdeführerin ein diesbezügliches Gesuch gestellt, sobald 

klar wurde, dass die beiden Söhne entgegen der ursprünglichen Absicht 

nicht mehr durch die Grossmutter betreut werden konnten, keine weiteren 

Notlösungen ersichtlich waren und als die erhoffte Familienzusammenfüh-

rung in Buea endgültig aussichtslos erschien. Nach dem Gesagten liegen 

damit objektive, nachvollziehbare Gründe für die verspätete Gesuchs-

einreichung vor. Auch ist vorliegend mangels entsprechender Anhalts-

punkte nicht davon auszugehen, dass das verspätet eingereichte Familien-

nachzugsgesuch für die beiden Söhne rechtsmissbräuchlich bloss im Hin-

blick darauf gestellt wurde, diesen den Zugang zur Erwerbstätigkeit in der 

Schweiz zu ermöglichen. 

 

Im Sinne eines Zwischenfazits bleibt es damit beim eingangs festgestellten 

grossen privaten Interesse. 

 

2.3.2.4.2. 

Sodann sind bei der Bemessung des privaten Interesses an einer Bewilli-

gung des nachträglichen Familiennachzugs der beiden Söhne der Be-

schwerdeführerin sämtliche weiteren Umstände zu beachten, welche im 

Einzelfall relevant sind. Zu einer Erhöhung des privaten Interesses führt 

dabei namentlich, wenn das Kindswohl eine Übersiedlung des nachzu-

ziehenden Kindes gebietet. 

 

 - 19 - 

 

 

 

Die beiden Söhne haben gestützt auf die Akten seit jeher keinen Kontakt 

zu ihren Vätern. Bis zur Ausreise der Beschwerdeführerin im Juni 2016 

haben sie stets mit ihr zusammengelebt und auch danach mehrere Monate 

pro Jahr mit ihr in Kamerun verbracht. Von Juni bis Dezember 2019 wurden 

die beiden Söhne sodann wieder persönlich von der Beschwerdeführerin 

betreut. Auch geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdeführerin ihre 

Kinder stets aus der Ferne mittels Telefongesprächen und finanziellen 

Hilfen unterstützt hat und das Verhältnis entsprechend sehr nahe war. Da-

mit hat die Beschwerdeführerin als einziger Elternteil als Hauptbezugs-

person der Kinder zu gelten. Gesamthaft betrachtet liegt auf der Hand, dass 

unter den gegebenen Umständen dem Kindswohl wesentlich besser ge-

dient wäre, wenn die beiden Söhne zur Beschwerdeführerin und deren 

Ehemann in die Schweiz übersiedelten, als wenn sie erstmals ohne jegliche 

Betreuung in ihrer gewohnten Umgebung im Heimatland zurückblieben. 

 

2.3.2.4.3. 

Nach dem Gesagten sowie angesichts des Alters der im Gesuchszeitpunkt 

inmitten der Pubertät befindlichen Söhne würde hinsichtlich des Kinds-

wohls selbst dann keine andere Beurteilung resultieren, wenn sich in den 

Akten Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer adäquaten Betreuungs-

alternative im Heimatland fänden. Vorliegend sind indes keine ent-

sprechenden Hinweise ersichtlich. Keine adäquate Betreuungsalternative 

stellt insbesondere der Vorschlag der Vorinstanz dar, die Kinder müssten 

zur Grossmutter bzw. mit ihr beispielsweise nach Foumbot ziehen, wo die 

beiden Brüder bis im Jahr 2011 aufgewachsen seien. Foumbot befände 

sich zudem in der Nähe des Wohnortes der Grossmutter und sei von der 

Einwohnerzahl her vergleichbar mit jener in Buea, wo die Grossmutter gut 

zurechtgekommen sei. Von Foumbot aus müsste es – so die Vorinstanz – 

den beiden Brüdern sodann möglich sein, in Bafoussam an der Universität 

zu studieren (act. 7 f.). Entgegen der Vorinstanz kann es der Beschwerde-

führerin vor dem Hintergrund der gewaltsamen Zustände in den anglo-

phonen Regionen Kameruns jedoch nicht zum Vorwurf gereichen, dass sie 

ihre Söhne zum Studium nach Yaoundé in die Hauptstadt ziehen liess, 

zumal gestützt auf die glaubhaften Aussagen ein weiterer Verbleib bzw. 

eine Studienaufnahme in Bafoussam wegen der grenzüberschreitenden 

Übergriffe in die frankophonen Gebiete als unsicher galt (act. 23 f.). Viel-

mehr ist mit der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass der Umzug 

nach Yaoundé kombiniert mit einer Betreuung durch die Grossmutter im 

Sinne einer weiteren vorübergehenden Notlösung erfolgte, bis eine Rück-

kehr in das Anwesen in Buea wieder möglich erschien. Sodann kann auch 

die Schwester der Beschwerdeführerin nicht dazu verpflichtet werden, ihre 

eigene Familie in Foumbot zurückzulassen und zu ihren Neffen in die 300 

Kilometer entfernte Hauptstadt zu ziehen. 

 

 - 20 - 

 

 

 

Damit ist anzunehmen, dass die beiden Söhne der Beschwerdeführerin 

– wie von dieser behauptet – ohne adäquate Betreuung im Heimatland zu-

rückblieben, wenn der Nachzug nicht bewilligt werden sollte. 

 

2.3.2.4.4. 

Schliesslich bleibt bei der Bemessung des privaten Interesses an einer Be-

willigung des nachträglichen Familiennachzugs zu berücksichtigen, dass 

der Ehemann der Beschwerdeführerin und Stiefvater der beiden Söhne 

Schweizer ist. Als solcher verfügt er über eine enge, mit Art. 24 Abs. 1 und 

Art. 25 Abs. 2 BV verfassungsmässig geschützte, Bindung zur Schweiz. 

Angesichts dieser engen Bindung ist der Beschwerdeführerin und deren 

Ehemann ein erhöhtes privates Interesse an einer Familienzusammen-

führung in der Schweiz zuzubilligen.  

 

2.3.2.4.5. 

In der Gesamtbetrachtung besteht nach dem Gesagten ein sehr grosses 

privates Interesse am Familiennachzug der beiden Söhne der Beschwer-

deführerin. 

 

2.3.2.5. 

Das festgestellte mittlere bis grosse öffentliche Interesse an der Verwei-

gerung des nachträglichen Familiennachzugs für die beiden Söhne der Be-

schwerdeführerin würde das entgegenstehende private Interesse damit 

klar nicht überwiegen. Infolgedessen würde sich der mit einer Verweige-

rung einhergehende Eingriff in das geschützte Familienleben als unverhält-

nismässig und mithin unter Art. 8 Ziff. 2 EMRK als unzulässig erweisen. In 

konventionskonformer Auslegung der gesetzlichen Ausnahmeregelung 

von Art. 47 Abs. 4 AIG wären deshalb wichtige familiäre Gründe für die 

ausnahmsweise Bewilligung ihres nachträglichen Familiennachzugs zu be-

jahen. 

 

Folglich wäre das Familiennachzugsgesuch für die beiden Söhne der Be-

schwerdeführerin auch unter konventionskonformer Auslegung von Art. 44 

AIG zu bewilligen. 

 

3. 

Wie bereits eingangs erwähnt (siehe vorne Erw. I/1), steht die Erteilung 

einer Aufenthaltsbewilligung an Drittstaatsangehörige (d.h. Staatsange-

hörige von Nichtmitgliedstaaten der EU oder der EFTA) im Rahmen des 

Familiennachzugs nach Ablauf der Nachzugsfrist gemäss Art. 47 AIG oder 

Art. 73 VZAE unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundes. Mit ande-

ren Worten hat das SEM vor Erteilung der Bewilligung durch den Kanton 

seine Zustimmung zu erteilen (Art. 40 Abs. 1 AIG; Art. 99 AIG i.V.m. Art. 85 

Abs. 1 und 2 VZAE; Art. 6 lit. a ZV-EJPD; vgl. Weisungen und Erläute-

rungen des SEM zum Ausländerbereich [Weisungen AIG], Bern Oktober 

2013 [aktualisiert am 15. Dezember 2021], Ziff. 1.3.2.1, S. 19). 

 - 21 - 

 

 

 

 

Vorliegend unterliegt demnach die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen 

an die beiden Söhne der Beschwerdeführerin, welche gemäss Art. 44 

Abs. 1 i.V.m. Art. 47 Abs. 4 AIG jeweils einen entsprechenden Anspruch 

haben, der Zustimmung des SEM. Die Gutheissung der Beschwerde durch 

das Verwaltungsgericht hat im vorliegenden Fall deshalb nicht unmittelbar 

die Erteilung der Bewilligung durch das MIKA zur Folge, sondern führt ein-

zig dazu, dass das MIKA die Erteilung der Bewilligung dem SEM mit dem 

Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten hat, wobei das SEM nicht an die 

Beurteilung der kantonalen Behörden gebunden ist (Art. 99 Abs. 2 AIG). 

 

4. 

Zusammenfassend ist die Beschwerde gutzuheissen und das MIKA in Auf-

hebung des Einspracheentscheids der Vorinstanz vom 15. Dezember 2021 

anzuweisen, dem SEM die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen an die 

beiden Söhne der Beschwerdeführerin mit dem Antrag auf Zustimmung zu 

unterbreiten.  

 

III. 

1. 

Gemäss § 31 Abs. 2 VRPG werden die Verfahrenskosten in der Regel 

nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. 

Gleiches gilt gemäss § 32 Abs. 2 VRPG für die Parteikosten. 

 

2. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegt die Beschwerdeführerin. Die Ver-

fahrenskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen (§ 31 Abs. 2 VRPG). 

 

3. 

Als unterliegende Partei hat das MIKA der Beschwerdeführerin die Partei-

kosten für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zu ersetzen (§ 32 

Abs. 2 VRPG). 

 

Die Festsetzung der Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem 

Dekret über die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (An-

waltstarif, AnwT; SAR 291.150). Migrationsrechtliche Verfahren sind soge-

nannte nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten. Die Parteientschä-

digung setzt sich damit zusammen aus einer Grundentschädigung zwi-

schen Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b 

AnwT) sowie den Zu- und Abschlägen (§§ 6–8 AnwT). Innerhalb dieses 

Rahmens ist die Grundentschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand 

des Anwaltes sowie nach der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles 

festzusetzen (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Durch die tarifgemässe Entschädi-

gung sind die in einem Verfahren notwendigen und entsprechend der Be-

deutung der Sache üblichen Leistungen des Anwaltes einschliesslich der 

 - 22 - 

 

 

 

üblichen Vergleichsbemühungen abgegolten (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die Ent-

schädigung ist als Gesamtbetrag festzusetzen. Auslagen und Mehrwert-

steuer sind darin enthalten (§ 8c AnwT). 

 

Im vorliegenden Fall ist in Anwendung der genannten Gesetzesbestim-

mungen die Entschädigung inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer auf 

Fr. 3'500.00 festzusetzen. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Einspracheent-

scheid vom 15. Dezember 2021 aufgehoben. Das MIKA wird angewiesen, 

dem SEM die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen an die beiden Söhne 

der Beschwerdeführerin, B. und C., mit dem Antrag auf Zustimmung zu 

unterbreiten. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Kan-

tons. 

 

3. 

Das MIKA wird angewiesen, der Beschwerdeführerin nach Rechtskraft die 

vor Verwaltungsgericht entstandenen Parteikosten in Höhe von 

Fr. 3'500.00 zu ersetzen. 

 

 
   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter, im Doppel) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatsekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

 - 23 - 

 

 

 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 28. März 2022 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger William