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**Case Identifier:** 5926346e-6122-519e-8b54-f263af080608
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.11.2019 BB.2019.169
**Docket/Reference:** BB.2019.169
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2019-169_2019-11-07

## Full Text

Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).

Beschluss vom 7. November 2019 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Patrick Robert-Nicoud und Stephan Blättler,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A., 

vertreten durch Rechtsanwalt Till Gontersweiler, 

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

1. B., Staatsanwalt des Bundes, 

 

2. C., Assistenz-Staatsanwältin des Bundes, 

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Ausstand der Bundesanwaltschaft 

(Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2019.169 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 6. November 2015 eröffnete die Bundesanwaltschaft die Strafuntersu-

chung mit der Verfahrensnummer SV.15.1462 gegen unbekannte Täter-

schaft wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der 

Geldwäscherei (act. 2.2). Am 5. Juli 2016 dehnte die Bundesanwaltschaft 

die Strafverfolgung aus auf D., E., F., G. und A. wegen des Verdachts des 

Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Veruntreuung 

(act. 2.3).    

 

 

B. Am 2. Juli 2019 teilte die Bundesanwaltschaft den Parteien mit, sie beab-

sichtige im Lichte neuer Entwicklungen betreffend den Gesundheitszustand 

des Beschuldigten F., das Verfahren gegen diesen gestützt auf Art. 30 StPO 

abzutrennen. Gleichzeitig lud sie die Parteien ein, zur beabsichtigten Verfah-

rensabtrennung Stellung zu nehmen (act. 2.24). A. liess sich diesbezüglich 

mit Eingabe vom 19. Juli 2019 vernehmen (act. 2.30). Mit Verfügung vom 

23. Juli 2019 stellte die Bundesanwaltschaft das wegen Geldwäscherei ge-

führte Strafverfahren gegen F., A. und die übrigen Beschuldigten ein 

(act. 2.4). Am 24. Juli 2019 verfügte die Bundesanwaltschaft zudem Folgen-

des (act. 2.5):  

 

1. Die gegen F. geführte Strafuntersuchung wegen des Verdachts des Betrugs, der unge-

treuen Geschäftsbesorgung und der Veruntreuung wird vom Verfahren SV.15.1462 abge-

trennt und unter einer neu zu eröffnenden Verfahrensnummer weitergeführt. 

2. Das Verfahren gegen D., E., G. und A. wegen Verdachts des Betrugs, der ungetreuen 

Geschäftsbesorgung und der Veruntreuung wird unter der Verfahrensnummer SV.15.1462 

weitergeführt. 

 

 

C. Am 30. Juli 2019 stellte A. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-

richts ein Ausstandsgesuch (act. 1). Darin beantragt er Folgendes: 

 

1. Der fallführende StA B. und die ihm assistierende StA C. seien zu verpflichten, im Verfahren 

SV.15.1462 in den Ausstand zu treten resp. seien für befangen zu erklären; 

2. die Befangenheit der beiden StAe sei rückwirkend festzustellen, also ab Verfahrensbeginn, 

spätestens jedoch seit Erlass des Schreibens v. 3.ds; 

3. unter Kosten- und Entschädigung zu Lasten des Staates. 

 

Die Beschwerdekammer leitete das Gesuch am 31. Juli 2019 weiter an die 

zuständige Verfahrensleitung gemäss Art. 58 Abs. 1 StPO (act. 1.0).  

 

- 3 - 

 

 

Am 5. August 2019 erhob die Bundesanwaltschaft im Verfahren SV.15.1462 

Anklage gegen die Beschuldigten G., D., E. und A. (vgl. act. 2, S. 5).  

 

Am 13. August 2019 nahmen der Staatsanwalt des Bundes B. und die As-

sistenz-Staatsanwältin C. gemeinsam Stellung zum Ausstandsgesuch. Sie 

beantragen, das Ausstandsgesuch von A. vom 30. Juli 2019 sei abzuweisen, 

soweit darauf einzutreten sei, und die Kosten seien dem Gesuchsteller auf-

zuerlegen (act. 2). Mit Replik vom 28. August 2019 ersucht A. um antrags-

gemässen Entscheid (act. 4). Die Replik wurde der Bundesanwaltschaft am 

29. August 2019 zur Kenntnis gebracht (act. 5). 

 

 

D. Mit Beschluss BB.2019.166 vom 26. September 2019 wies die Beschwerde-

kammer die von A. gegen die Verfügung vom 24. Juli 2019 betreffend Ver-

fahrensabtrennung erhobene Beschwerde ab. 

 

 

E. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person ver-

langen, so hat sie der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes 

Gesuch zu stellen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den 

Ausstand begründenden Tatsachen sind dabei glaubhaft zu machen. Die be-

troffene Person nimmt zum Gesuch Stellung (Art. 58 StPO). Wird ein Aus-

standsgrund nach Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht oder widersetzt 

sich eine in einer Strafbehörde tätige Person einem Ausstandsgesuch einer 

Partei, das sich auf Art. 56 lit. b–e StPO abstützt, so entscheidet ohne wei-

teres Beweisverfahren und endgültig die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts, wenn die Bundesanwaltschaft betroffen ist (Art. 59 Abs. 1 

lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Der Entscheid ergeht schriftlich und 

ist zu begründen (Art. 59 Abs. 2 StPO). Bis zum Entscheid übt die betroffene 

Person ihr Amt weiter aus (Art. 59 Abs. 3 StPO). 

 

1.2 Der Gesuchsteller macht sinngemäss geltend, es liege der Anschein von Be-

fangenheit im Sinne von Art. 56 lit. f StPO vor. Sein Gesuch erfolgte wenige 

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Tage nach Kenntnisnahme der beiden Verfügungen der Bundesanwaltschaft 

vom 23. und 24. Juli 2019 (act. 2.4 und 2.5), welche im Zentrum seiner Kritik 

stehen. Auf das Gesuch ist nach dem Gesagten einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Der Gesuchsteller kritisiert im Rahmen seines Gesuchs in erster Linie die 

Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 24. Juli 2019 betreffend Verfah- 

rensabtrennung (act. 1, Rz. 28 ff.). Diese stelle eine einer Begünstigung 

gleichkommende Vorzugsbehandlung des Beschuldigten F. dar (act. 1, 

Rz. 32; act. 4, Rz. 8). Zudem hätten sich die Gesuchsgegner bei ihrem Ent-

scheid lediglich auf einfache und bestrittene Parteibehauptungen von F. ge-

stützt, was deren Voreingenommenheit aufzeige (act. 1, Rz. 33). Der Ge-

suchsteller rügt zudem, die Einstellung des Verfahrens betreffend Geldwä-

scherei am 23. Juli 2019 sei verspätet erfolgt, da der entsprechende Vorwurf 

bereits bei Eröffnung der Strafuntersuchung verjährt gewesen sei. Obwohl 

er unzählige Male auf diesen Umstand hingewiesen habe, sei der entspre-

chende (ungerechtfertigte) Vorwurf im Raum stehen gelassen worden. Die-

ses Handeln sei parteiisch, nicht objektiv und zeuge von Befangenheit seit 

Beginn des Verfahrens (act. 1, Rz. 36; act. 4, Rz. 9 ff.). 

 

2.2 Gemäss Art. 56 lit. f StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in den 

Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen (als diejenigen in Art. 56 lit. a–e 

StPO), insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei 

oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte. Bei dieser Bestimmung 

handelt sich um eine Generalklausel, die alle Ausstandsgründe erfasst, wel-

che in Art. 56 lit. a–e StPO nicht ausdrücklich vorgesehen sind. 

 

Voreingenommenheit oder Befangenheit werden nach Rechtsprechung an-

genommen, wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung geeig-

net sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Staatsanwaltes und den An-

schein der Befangenheit und Voreingenommenheit zu erwecken. Bei der Be-

urteilung solcher Umstände ist nicht auf das subjektive Empfinden einer Par-

tei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss viel-

mehr in objektiver Weise begründet erscheinen. Bei der Anwendung von 

Art. 56 lit. f StPO ist entscheidendes Kriterium, ob bei objektiver Betrach-

tungsweise der Ausgang des Verfahrens noch als offen erscheint (Urteil des 

Bundesgerichts 1B_52/2016 vom 19. April 2016 E. 3.3). Für die Ablehnung 

wird nicht verlangt, dass der Richter bzw. der Staatsanwalt tatsächlich be-

fangen ist (BGE 144 I 234 E. 5.2 S. 237; 141 IV 178 E. 3.2.1; Urteil des 

Bundesgerichts 1B_34/2011 vom 16. Februar 2011 E. 2.3.1; TPF 2012 37 

E. 2.2 S. 39). 

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Die Staatsanwaltschaft leitet das Verfahren bis zur Anklageerhebung (Art. 61 

lit. a StPO). Sie gewährleistet insoweit eine gesetzmässige und geordnete 

Durchführung des Verfahrens (Art. 62 Abs. 1 StPO). Zwar verfügt sie bei 

ihren Ermittlungen über eine gewisse Freiheit. Sie ist jedoch zur Zurückhal-

tung verpflichtet. Sie hat sich jeden unlauteren Vorgehens zu enthalten und 

sowohl die belastenden als auch die entlastenden Umstände mit gleicher 

Sorgfalt zu untersuchen (vgl. Art. 6 Abs. 2 StPO). Sie darf keine Partei zum 

Nachteil einer anderen bevorteilen (BGE 141 IV 178 E. 3.2.2 S. 180). Allge-

meine Verfahrensmassnahmen, seien sie nun richtig oder falsch, vermögen 

als solche keine Voreingenommenheit der verfahrensleitenden Justizperson 

zu begründen (BGE 138 IV 142 E. 2.3) und sind im Rechtsmittelverfahren zu 

rügen (Urteil des Bundesgerichts 1B_233/2019 vom 25. September 2019 

E. 2.1). Anders verhält es sich, wenn besonders krasse oder wiederholte Irr-

tümer vorliegen, die eine schwere Verletzung der Amtspflichten darstellen 

(BGE 143 IV 69 E. 3.2 S. 74 f.; 141 IV 178 E. 3.2.3; 138 IV 142 E. 2.3) und 

die sich einseitig zu Lasten einer der Prozessparteien auswirken (Urteil des 

Bundesgerichts 1B_164/2015 vom 5. August 2015 E. 3.2). 

 

2.3 Der Gesuchsteller leitet die von ihm gerügte Voreingenommenheit bzw. Be-

fangenheit sinngemäss aus der (fehlerhaften) Verfahrensführung der beiden 

Gesuchsgegner ab. Nach dem eben Ausgeführten (E. 2.2) vermögen jedoch 

selbst fehlerhafte Verfahrenshandlungen grundsätzlich keine bzw. nur in 

Ausnahmefällen eine Voreingenommenheit zu begründen. Zur Überprüfung 

von angeblich fehlerhaften Verfahrenshandlungen stehen dem Gesuchstel-

ler die gesetzlich vorgesehenen Rechtsmittel zur Verfügung. Die vom Ge-

suchsteller vorliegend kritisierte und gleichzeitig auch mit Beschwerde ange-

fochtene Verfahrensabtrennung wurde von der Beschwerdekammer mit Be-

schluss BB.2019.166 vom 26. September 2019 als rechtens betrachtet (vgl. 

dort E. 2.5 in fine). Damit ist auch dem daraus abgeleiteten Vorwurf der Be-

fangenheit der Boden entzogen. Was die nicht erfolgte Einstellung des Vor-

wurfs der Geldwäscherei betrifft, so behauptet der Gesuchsteller zwar, er 

habe die Gesuchsgegner unzählige Male darauf aufmerksam gemacht (act. 

1, Rz. 36), legt diesbezüglich aber lediglich einen Auszug aus einer Eingabe 

vom 15. August 2017 ans Zwangsmassnahmengericht bei, in welchem der 

Gesuchsteller beiläufig auf die eingetretene Verjährung hinweist (act. 1.17). 

Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die beschuldigte Person gegen 

die Eröffnung eines Strafverfahrens grundsätzlich nicht zur Wehr setzen 

kann (Art. 300 Abs. 2 StPO). Sie kann diesen Rechtsmittelausschluss, ohne 

den die beschuldigte Person das Strafverfahren faktisch beliebig blockieren 

könnte, nicht dadurch umgehen, dass sie die Einstellung des Verfahrens ver-

langt und die Weigerung der Staatsanwaltschaft mit Beschwerde anficht (Ur-

teile des Bundesgerichts 1B_375/2016 vom 21. November 2016 E. 2; 

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1B_209/2011 vom 6. September 2011 E. 2). Sie kann diesen Rechtsmittel-

ausschluss auch nicht mit der Behauptung umgehen, der Staatsanwalt habe 

das Verfahren zu Unrecht eröffnet und sei deswegen befangen. Sie kann mit 

anderen Worten auch im Ausstandsverfahren keine materielle Prüfung der 

Eröffnung bzw. der Weiterführung des Strafverfahrens erreichen (vgl. hierzu 

das Urteil des Bundesgerichts 1B_317/2011 vom 6. September 2011 E. 4.9). 

Auch in diesem Punkt ist somit kein Ausstandsgrund erkennbar. 

 

 

3. Aufgrund des vorstehend Ausgeführten erweist sich das Ausstandsgesuch 

als unbegründet. Es ist abzuweisen.  

 

 

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Gesuchsteller dessen Kosten 

zu tragen (Art. 59 Abs. 4 StPO). Die entsprechende Gerichtsgebühr ist auf 

Fr. 2‘000.– festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 2 des 

Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, 

Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; 

SR 173.713.162]). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Das Ausstandsgesuch gegen den Staatsanwalt des Bundes B. und die Assis-

tenz-Staatsanwältin des Bundes C. wird abgewiesen.  

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2‘000.– wird dem Gesuchsteller auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 7. November 2019 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Till Gontersweiler 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.