# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c04a802-c039-5a49-8973-f5f54be49713
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.02.2015 200 2014 916
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-916_2015-02-23.pdf

## Full Text

200 14 916 IV
KOJ/JAP/JAA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. Februar 2015

Verwaltungsrichter Kölliker, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Jakob

A.________
vertreten durch B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 27. August 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1957 geborene A.________ (fortan Versicherte bzw. Beschwerdeführe-
rin) meldete sich am 20. März 2013 unter Hinweis auf eine posttraumati-
sche Belastungsstörung, Depressionen sowie eine «Hirnschädigung» bei 
der IV-Stelle Bern (fortan IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Leistungs-
bezug an (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 2). Diese forderte sie nach 
medizinischen und erwerblichen Abklärungen, unter Androhung der 
Rechtsfolge im Unterlassungsfall, zur Mitwirkung in Form einer mindestens 
sechsmonatigen vollständigen Alkoholabstinenz mit regelmässiger Labor-
kontrolle auf (AB 28). In der Folge stellte die IVB ihr nach Rücksprache mit 
dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; AB 54) mit Vorbescheid vom 
23. Mai 2014 (AB 55) die Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht, da 
gestützt auf die Laborwerte weiterhin ein massiver Alkoholkonsum bestehe 
und eine abschliessende Anspruchsprüfung nicht möglich sei. Nach erho-
benem Einwand (AB 56, 60) verneinte die IVB entsprechend dem Vorbe-
scheid mit Verfügung vom 27. August 2014 (AB 61) einen Anspruch auf 
Leistungen der Invalidenversicherung.

B.

Mit Eingabe vom 26. September 2014 erhob die Versicherte – vertreten 
durch die B.________ – Beschwerde und beantragte sinngemäss, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur weiteren Ab-
klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2014 schloss die Beschwer-
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 3

Erwägungen:

1.

1.1 Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun-
gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren 
Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur 
Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gege-
ben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 27. August 2014 
(AB 61). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere auf eine Invaliden-
rente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 4

2.

2.1 Die Beschwerdeführerin rügt vorab eine Verletzung des Anspruchs 
auf rechtliches Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; 
SR 101]; BGE 132 V 368 E. 3.1 S. 371; SVR 2008 UV Nr. 1 S. 2 E. 3.2), da 
in der angefochtenen Verfügung (AB 61) nur unvollständig auf ihre Ein-
wände eingegangen worden sei (vgl. Beschwerde S. 2 Ziff. 3.1).

2.2 Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte die gegen den Vorbe-
scheid (AB 55) erhobenen wesentlichen Einwände (AB 56, 60) und setzte 
sich mit diesen auseinander. Sie zeigte unter Verweis auf ihr Schreiben 
vom 26. September 2013 (AB 28) auf, dass das Mahn- und Bedenkzeitver-
fahren durchgeführt wurde, legte die Gründe für die geforderte sechsmona-
tige Alkoholabstinenz dar und erklärte, weshalb eine abschliessende An-
spruchsprüfung nicht möglich ist, womit sie gleichzeitig klarstellte, dass 
weitere Tatbestandserhebungen nicht sachdienlich sind. Die Begründungs-
dichte der Verfügung vom 27. August 2014 (AB 61) ermöglichte deren 
sachgerechte und zielgerichtete Anfechtung und ist nicht zu beanstanden, 
zumal sich die Verwaltung nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen 
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss, 
sondern sich vielmehr auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken 
kann (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236, 124 V 180 E. 1a S. 181). Überdies 
könnte eine in diesem Zusammenhang allfällig erfolgte (leichte) Verletzung 
des rechtlichen Gehörs in Anbetracht der uneingeschränkten Kognition des 
angerufenen Gerichts ohnehin als geheilt gelten (vgl. BGE 137 I 195 
E. 2.3.2 S. 197, 126 V 130 E. 2b S. 132; SVR 2013 IV Nr. 26 S. 76 E. 4.2). 

Es sind demnach die materiellen Rügen im Zusammenhang mit dem strei-
tigen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu prüfen. 

3.

3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-

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lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

3.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). 

Nach ständiger Rechtsprechung begründen Alkoholismus, Medikamenten-
missbrauch und Drogensucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des 
Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich 
erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in de-
ren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit 
beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie 
selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheits-
schadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c S. 268; 
SVR 2012 BVG Nr. 14 S. 62 E. 4.4.2).

3.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 

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sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99).

4.

4.1 Die Beschwerdeführerin meldete sich im März 2013 zum Leistungs-
bezug an (AB 2). Dass auf Empfehlung der behandelnden Ärzte im Jahr 
2011 eine IV-Anmeldung thematisiert worden sein und sich diese in der 
Folge verzögert haben soll (vgl. Beschwerde S. 1 Ziff. 1; AB 18/5), ist im 
vorliegenden Kontext unerheblich. Für den im Vordergrund stehenden Ren-
tenanspruch ist unter Berücksichtigung von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 
Abs. 1 IVG demnach hauptsächlich der Gesundheitszustand ab September 
2012 relevant. Diesbezüglich lassen sich den Akten im Wesentlichen die 
folgenden Angaben entnehmen:

4.1.1 Im Rahmen einer Fürsorgerischen Freiheitsentziehung (FFE; heute: 
Fürsorgerische Unterbringung [FU]; AB 18/6-12) war die Beschwerdeführe-
rin vom 21. August bis 5. Oktober 2012 in C.________ hospitalisiert. Im 
anlässlich des FFE verfassten Gutachten vom 17. September 2012 
(AB 23/2-15) bzw. im Austrittsbericht vom 9. Oktober 2012 (AB 8/7-10) dia-
gnostizierten med. pract. D.________ sowie Dr. med. E.________, 
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine Alkoholabhängig-
keitserkrankung, gegenwärtig abstinent in beschützter Umgebung (ICD-10: 
F10.21), sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remit-
tiert (ICD-10: F33.4). Sie erklärten unter anderem, es bestehe seit Jahren 
eine Alkoholabhängigkeit mit teils ausgeprägtem Alkoholkonsum, auf so-
matischer Ebene hätten sich klinisch und laborchemisch Hinweise auf eine 
passagere Leberfunktionsstörung als Folge des Alkoholkonsums gezeigt.

4.1.2 Die behandelnde Dr. med. F.________ vermerkte im Bericht vom 
28. April 2013 (AB 9/2-6) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit ein organisches Psychosyndrom (ICD-10: F07.2) nach multiplen 
Hirntraumata sowie eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.21). Sie erach-
tete die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht als unzumutbar, woge-
gen eine behinderungsangepasste Tätigkeit ganztags möglich sei.

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4.1.3 Der Hausarzt Dr. med. G.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin FMH, führte im Bericht vom 22. Mai 2013 (AB 13/2-5) in diagnosti-
scher Hinsicht hauptsächlich das Nachstehende auf:

- Chronischer Aethylabusus bei Status nach Abstinenz unter Antabus-
therapie von 2007 bis Februar 2012

- Rezidivierende Stürze bei Verdacht auf rhythmogene Präsynko-
pen/Synkopen bei möglicherweise idiopathischer Kammertachykar-
die aus dem rechten Ausflusstrakt; Differenzialdiagnose: zusätzliche 
psychomotorische Epilepsie seit 2007

- Ischämische zerebrovaskuläre Insulte im vertebrobasilären Strom-
gebiet bei kardiovaskulären Risikofaktoren: Nikotinabusus, Status 
nach Vorhofseptumaneurysma und persistierendem Foramen ovale 
(PFO) Grad III am 15. März 2012

- Status nach PFO-Verschluss am 11. April 2012
- Status nach rezidivierenden depressiven Episoden bei schwieriger 

psychosozialer Situation (häusliche Gewalt, konfliktbehaftete Tren-
nungssituation, Scheidung)

- Senkspreizfüsse mit Hallux valgus beidseits

Er führte aus, dass seine Patientin an den Folgen der rezidivierenden zere-
bralen Durchblutungsstörungen und des zeitweilig beträchtlichen Alkohol-
konsums mit deutlichen mnestischen Problemen und Konzentrationspro-
blemen leide. Daneben bestünden noch Probleme seitens des Alkohols mit 
jedoch weiter durchgeführtem kontrolliertem Trinken. Sie habe Mühe, sich 
auf Arbeiten zu konzentrieren, «am Faden zu bleiben» und geplante Auf-
gaben zielgerichtet durchzuführen. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei 
ganztags möglich, die angestammte Beschäftigung jedoch nicht mehr zu-
mutbar.

4.1.4 In ihrer Stellungnahme vom 2. September 2013 (AB 27) erklärte die 
RAD-Ärztin Dr. med. H.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie FMH, ob und – wenn ja – welche gesundheitliche Einschränkun-
gen nebst dem Suchtverhalten bestünden, sei erst nach einer längeren 
Abstinenzphase beurteilbar. Die Neubeurteilung der medizinischen Situati-
on erfolge, nachdem eine mindestens sechsmonatige Abstinenz nachge-
wiesen sei.

Unter Berücksichtigung der in der Folge durchgeführten Laborkontrollen 
(AB 33/2, 41/2, 45/2, 48/2, 52/2) gelangte Dr. med. H.________ zum 
Schluss, dass aufgrund des weiterhin bestehenden ausgeprägten Suchtge-
schehens eine Beurteilung des bestehenden Gesundheitsschadens nicht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 8

möglich sei und erachtete weitere Kontrollen nicht mehr für angezeigt 
(AB 54). 

4.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweis-
wert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet 
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverläs-
sigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem An-
stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf 
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Gleiches gilt, 
wenn ein frei praktizierender Arzt von einer Versicherung wiederholt für die 
Erstellung von Gutachten beigezogen wird (SVR 2008 IV Nr. 22 S. 70 
E. 2.4). Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen 
in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen 
lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten 
im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gut-
achters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 
E. 3b ee S. 354).

4.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü-
gung vom 27. August 2014 (AB 61) auf die Stellungnahme der RAD-Ärztin, 
wonach der Gesundheitszustand anhand der aktuellen medizinischen Ak-
tenlage aufgrund des persistierenden Suchtgeschehens nicht beurteilbar 
sei. Auf diese überzeugende und einleuchtende Einschätzung ist beweis-
rechtlich abzustellen:

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4.3.1 Das Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit wird seitens der Be-
schwerdeführerin nicht in Frage gestellt und ist durch die dokumentierten 
Laborwerte ausgewiesen. Das carbohydrierte deficiente Transferrin (CDT) 
ist ein Labormarker, der einen exzessiven Alkoholkonsum in den Wochen 
vor der Bestimmung anzeigt; erhöhte Werte lassen dabei eher auf das 
tatsächliche Trinkverhalten schliessen als subjektive Aussagen (vgl.  
SCHMIDT/GASTPAR/FALKAI/GAEBEL [Hrsg.], Evidenzbasierte Suchtmedizin, 
2006, S. 29). Die erhobenen CDT-Werte lagen grösstenteils nicht mehr im 
Referenzbereich, sondern waren teilweise massiv erhöht (AB 41/2, 45/2, 
48/2, 52/2), was für einen chronischen Alkoholismus spricht (vgl. PSCHY-
REMBEL, Klinisches Wörterbuch, 266. Aufl. 2014, S. 468). 

Die Beschwerdegegnerin ging von einer primären – mithin nicht invalidisie-
renden (vgl. E. 3.2 hievor) – Alkoholabhängigkeit aus, was mit Blick auf die 
Aktenlage nicht zu beanstanden ist und beschwerdeweise auch nicht sub-
stantiiert bestritten wird. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass dem Alkohol-
konsum eine «Selbstwertproblematik» zugrunde liegt (AB 23/13 Ziff. V) 
bzw. der Alkohol in früheren Jahren zum Bewältigen von «Stressproble-
men» benötigt wurde (AB 23/20, 23/22). Bei den beschriebenen Problemen 
handelte es sich indes nicht um Gesundheitsschäden mit Krankheitswert im 
Sinne der Invalidenversicherung. Nach dem massgeben Beweisgrad der 
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221) ist auf-
grund der Aktenlage vielmehr erstellt, dass psychosoziale Belastungsfakto-
ren (Ehekonflikt, schlechte Finanzierung des Hauses etc.) zum Auslösen 
und Unterhalten des Aehtylabusus führten (vgl. AB 23/19, 23/22 f.). In An-
betracht des Umstandes, dass der Gesundheitszustand ab September 
2012 im Zentrum steht (vgl. E. 4.1 hievor), ist nicht entscheidwesentlich, ob 
in den Jahren zwischen 2009 und Anfangs 2012 der übermässige Alkohol-
konsum «kein Thema» gewesen sein soll (vgl. Beschwerde S. 1 Ziff. 1; 
AB 56/4 Ziff. 4, 60/4 Ziff. 4). Jedenfalls wurde das Suchtverhalten – nach 
einer unter Antabus-Medikation abstinenten Phase – später erneut durch 
psychosoziale Faktoren (unvorbereitetes Zusammentreffen mit dem abge-
schiedenen Ehegatten, Überforderung aufgrund der Erwartungen der eige-
nen Kinder, der eigenen Pflegemutter und Nachbarn, Anforderungen des 
Haushaltes [AB 18/4 f., 18/14 f., 25/1]) getriggert. Weitere Sachverhaltser-
hebungen bezüglich der Suchtproblematik (vgl. Beschwerde S. 2 Ziff. 3.2) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 10

sind bei dieser Ausgangslage nicht erforderlich (sog. antizipierte Beweis-
würdigung [BGE 122 V 157 E. 1d S. 162]).

4.3.2 Weil nach dem Gesagten eine primäre Alkoholabhängigkeit vorliegt 
und daneben Hinweise auf verschiedene somatische (kardiologische, cere-
brovaskuläre, gastroenterologische, epileptologische [AB 7.2/1 f., 7.2/11-
13, 13/15-18, 8/10]) Beschwerden sowie ein depressives Geschehen 
(AB 8/7-10, 23/2-15) bestehen, ist nachvollziehbar und folgerichtig, dass 
Dr. med. H.________ zur Beurteilung der medizinischen Situation eine 
sechsmonatige Abstinenz forderte (AB 27, 54). Denn die Anordnung und 
der Nachweis einer Abstinenz im Abklärungsverfahren kann unter dem Titel 
der Mitwirkungspflicht angezeigt sein, wenn es darum geht, einen 
invaliditätsfremden Alkoholkonsum bei der Einschätzung der 
Arbeitsunfähigkeit auszublenden (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 
22. November 2013, 9C_370/2013, E. 4.2.1). 

5.

5.1 Die Leistungen können nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder ver-
weigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG 
oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht nachgekommen ist (Art. 7b Abs. 1 
IVG).

Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen 
beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldba-
rer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten 
verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. 
Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfol-
gen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen 
(Art. 43 Abs. 3 ATSG). Bei der gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG zu 
verfügenden Sanktion ist der Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu 
berücksichtigen. Wird die verweigerte Mitwirkung in einem späteren 
Zeitpunkt erbracht, kann sich die festgelegte Sanktion – Nichteintreten, 
Entscheid aufgrund der Akten – nur auf diejenige Zeitspanne beziehen, 
während der die Mitwirkung verweigert wurde (BGE 139 V 585 E. 6.3.7.5 S. 
590). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 11

5.2 Es ist nicht ersichtlich und wird seitens der Beschwerdeführerin 
auch nicht näher begründet, inwiefern die Auflage einer kontrollierten 
Abstinenz nicht zumutbar gewesen sein soll (AB 56/4 Ziff. 4, 60/4 Ziff. 4). 
Anhand der dokumentierten Laborwerte (AB 41/2, 45/2, 48/2, 52/2) ist zu-
dem eine Verletzung der Mitwirkungspflicht objektiv ausgewiesen und es 
bestehen weder Anhaltspunkte dafür noch wird geltend gemacht, dass die 
Verletzung in entschuldbarer Weise erfolgt ist. Entgegen der Ansicht der 
Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerde S. 2 Ziff. 3.1) wurde auch das Mahn- 
und Bedenkzeitverfahren korrekt durchgeführt. Die Beschwerdegegnerin 
forderte sie mit Einschreiben vom 26. September 2013 (AB 28) auf, künftig 
auf den Konsum von Alkohol konsequent zu verzichten, wobei die 
Abstinenz in den nächsten sechs Monaten mittels Laborwerten regelmässig 
geprüft werde. Gleichzeitig drohte sie unter Wiedergabe der 
Rechtsgrundlage von Art. 43 Abs. 3 ATSG die Rechtsnachteile im 
Unterlassungsfall an. Nachdem sich die Beschwerdeführerin in der Folge 
nicht an die Anordnung gehalten hatte und ihr mit Vorbescheid vom 23. Mai 
2014 (AB 55) das rechtliche Gehör gewährt worden war, durfte die 
Verletzung der Mitwirkungspflicht ohne nochmalige Androhung sanktioniert 
werden. 

5.3 Als Rechtsfolge erging ein Entscheid aufgrund der Akten, wobei ein 
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint wurde. 

Da die behandelnden Fachärzte die rezidivierende depressive Störung als 
remittiert (ICD-10: F33.4) qualifizierten (AB 8/7, 23/13), waren die Kriterien 
für eine depressive Episode jeglichen Schweregrades nicht erfüllt (vgl. 
DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychi-
scher Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch diagnostische Leitlinien, 
9. Aufl. 2014, S. 180). Weil zudem Dr. med. F.________ soweit ersichtlich 
(vgl. FMH-Index [<www.doctorfmh.ch>] bzw. Medizinalberuferegister 
[<www.medregom.admin.ch>]) über keinen Facharzttitel verfügt, kann auf 
das von ihr postulierte Bestehen eines organischen Psychosyndroms nach 
multiplen Hirntraumata (AB 9/2 Ziff. 1.1) nicht ohne weiteres abgestellt 
werden. Sie attestierte im Übrigen – wie der Hausarzt Dr. med. 
G.________ (AB 13/5) – eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer 
Verweisungstätigkeit (AB 9/6). Aus somatischer Sicht lässt sich den Akten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 12

nicht entnehmen, dass die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit aufgrund der 
bestehenden kardiologischen und cerebrovaskulären Beschwerden 
(AB 7.2/1, 13/15 f.) medizinisch-theoretisch eingeschränkt wäre. Die diffe-
renzialdiagnostisch in Betracht gezogene psychomotorische Epilepsie 
(AB 7.2/12) wurde nicht erhärtet und die Leberfunktionsstörung trat ledig-
lich passager auf (AB 8/10), womit keine gastroenterologische Abklärung 
angezeigt war. Insgesamt bietet die aktuelle medizinische Aktenlage jeden-
falls keine Grundlage zur Ermittlung eines rentenbegründenden Invali-
ditätsgrades von mindestens 40 % (vgl. E. 3.3 hievor) und auch der Eintritt 
eines anderweitigen leistungsspezifischen Invaliditätsfalles (vgl. Art. 4 Abs. 
2 IVG; BGE 137 V 417 E. 2.2.3 S. 422, 126 V 461 E. 1 S. 461) ist nicht 
ausgewiesen. Weitere Abklärungen sind entsprechend der Einschätzung 
der RAD-Ärztin Dr. med. H.________ (AB 27) erst dann sinnvoll, wenn die 
Beschwerdeführerin sich für eine Abstinenzphase entschieden hat, womit 
sich auch eine Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin erüb-
rigt. Dementsprechend verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch 
auf Leistungen der Invalidenversicherung mit Verfügung vom 27. August 
2014 (AB 61) zu Recht. Die dagegen erhobene Beschwerde vom 26. Sep-
tember 2014 erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. 

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt. Sie werden dem geleisteten Kostenvorschuss entnommen.

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin 
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Feb. 2015, IV/14/916, Seite 13

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.