# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b219f7b-5ee4-558f-be14-c6a8add4a069
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-06-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.06.2019 D-4391/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4391-2017_2019-06-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4391/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  J u n i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richter Jürg Marcel Tiefenthal, 

Gerichtsschreiberin Irina Wyss. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 29. Juni 2017 / N (…). 

 

 

 

D-4391/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie 

mit letztem Wohnsitz in der Stadt B._______ (arabisch; kurdisch: 

C._______), in der Provinz al-Hasakah (arabisch) beziehungsweise He-

siça (kurdisch), gelangte seinen Angaben zufolge am 9. November 2015 in 

die Schweiz, wo er am selben Tag um Asyl ersuchte.  

B.  

Am 2. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Person und 

seinem Reiseweg sowie summarisch zu seinen Asylgründen angehört (Be-

fragung zur Person; BzP). Am 29. Mai 2017 fand die eingehende Anhörung 

statt.  

Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen da-

mit, dass er von den syrischen Behörden gesucht werde, weil er trotz Auf-

forderung nicht in den Militärdienst eingerückt sei.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer ein internes Polizeidoku-

ment betreffend Zuführung des Beschwerdeführers zum Rekrutierungsamt 

D._______ (nachfolgend als „Haftbefehl“ bezeichnet) sowie ein Militär-

dienstbüchlein (beide im Original) zu den Akten.  

C.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2017 (eröffnet am 7. Juli 2017) stellte das SEM 

fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

an. Gleichzeitig verfügte es die vorläufige Aufnahme des Beschwerdefüh-

rers wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  

D.  

Mit Eingabe vom 7. August 2017 erhob der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte, die 

Verfügung des SEM sei aufzuheben und die Sache zur vollständigen und 

richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei 

die Verfügung aufzuheben und es sei ihm als Flüchtling Asyl zu gewähren, 

eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen.  

D-4391/2017 

Seite 3 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung, eventualiter die Gewährung einer Frist zur Ein-

reichung einer Fürsorgebestätigung.  

E.  

Mit Eingabe vom 8. August 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Für-

sorgebestätigung zu den Akten.  

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 17. August 2017 hiess der damals zustän-

dige Instruktionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab dem Be-

schwerdeführer Gelegenheit, das fremdsprachige eingereichte Militär-

dienstbüchlein in eine Amtssprache übersetzen zu lassen.  

G.  

Mit Eingabe vom 25. August 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Über-

setzung des Militärdienstbüchleins zu den Akten.  

H.  

Mit Instruktionsverfügung vom 29. August 2017 lud der damals zuständige 

Instruktionsrichter die Vorinstanz ein, innert Frist eine Vernehmlassung ein-

zureichen. Diese traf am 5. September 2017 beim Gericht ein.  

I.  

Mit Eingabe vom 11. September 2017 reichte der Beschwerdeführer auf 

Aufforderung des damals zuständigen Instruktionsrichters eine Replik ein.  

J.  

Mit Schreiben vom 28. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine 

Aufforderung für den Militärdienst des Rekrutierungsbüros D._______, ein 

Schreiben des Vaters des Beschwerdeführers (beide Dokumente im Origi-

nal und mit Übersetzung) sowie die Kopie eines Briefumschlags zu den 

Akten.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 4 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 

2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5).  

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer führte zu seinen Asylgründen aus, dass er in 

B._______ an Demonstrationen gegen das syrische Regime teilgenom-

men habe. Sein Bruder habe einen Haftbefehl erhalten und sei darauf in 

die Türkei geflohen. Er selbst habe befürchtet, an Stelle seines Bruders 

festgenommen zu werden. Er sei ins Dorf E._______ zu seinem Onkel ge-

gangen. Eines Tages habe sein Vater ihm mitgeteilt, dass ein Haftbefehl 

gegen ihn erlassen worden sei, welcher zu ihm nach Hause gebracht wor-

den sei. Noch am selben Tag habe sein Vater ihn an die Grenze zur Türkei 

D-4391/2017 

Seite 5 

gebracht und ihm ein Dienstbüchlein und einen Haftbefehl übergeben. Von 

da sei er mit einem Schlepper in die Türkei gereist.  

Zum Erhalt des militärischen Dienstbüchleins führte der Beschwerdeführer 

aus, dass er vor Beginn der Ereignisse beim Einkaufszentrum in 

B._______ Fingerabdrücke für das Militärbüchlein abgegeben und etwas 

unterschrieben habe (A16 F78). Später habe sein Vater das Dienstbüchlein 

dann erhalten (A5 7.04 S. 8). Einen Pass habe er nie beantragen können, 

weil er von den syrischen Behörden gesucht worden sei.  

3.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass aufgrund der De-

monstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers in B._______ nicht davon 

ausgegangen werden müsse, dass ihm im Falle einer Rückkehr nach Sy-

rien eine Verfolgung drohe. So sei er wegen dieser Teilnahmen weder je 

gesucht noch verhaftet worden und habe in den Befragungen auch keine 

solchen Befürchtungen geltend gemacht (A5 S. 7; F37–F45, F60–F62).  

Voraussetzung für die Wehrdienstfähigkeit sei eine militärische Aushe-

bung, wobei als ausgehoben jeder Mann gelte, der sich ein Dienstbüchlein 

habe ausstellen lassen. Dass der Beschwerdeführer tatsächlich von der 

syrischen Armee ausgehoben worden sei, wie er geltend gemacht habe, 

sei aufgrund seines Alters zwar denkbar. Er habe jedoch nicht nachvoll-

ziehbar darzulegen vermocht, wie er sein Dienstbüchlein erhalten habe. 

Seine diesbezüglichen Antworten seien ausweichend und teilweise unver-

ständlich gewesen, so dass der Befrager mehrfach habe nachhaken müs-

sen. Ausserdem habe der Beschwerdeführer realitätsfremde Angaben ge-

macht wie diejenigen, dass er vor den Ereignissen (im März 2011, also im 

Alter von 15 Jahren) beim Einkaufszentrum in B._______ etwas für das 

Militär habe unterschreiben müssen und sein Vater dann das Dienstbüch-

lein gebracht habe. Auch die Tatsache, dass er nie seine Blutgruppe habe 

testen lassen, deute darauf hin, dass er das eingereichte Militärbüchlein 

nicht auf dem regulären Weg erhalten habe. Auf diesen Vorhalt habe er in 

der Anhörung zusammenhanglose Antworten gegeben (A16 F70–F88). Da 

er nicht habe glaubhaft machen können, für den Militärdienst ausgehoben 

worden zu sein, sei auch die polizeiliche Suche in diesem Zusammenhang 

nicht glaubhaft. Daran vermöge auch das als Beweismittel eingereichte, 

polizeiinterne Dokument, welches aufgrund des eben Gesagten und auf-

grund seiner Eigenschaft als internes Dokument gefälscht sein müsse, 

nichts zu ändern.  

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Seite 6 

3.3 Dem setzte der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene entgegen, 

dass er glaubhaft geschildert habe, den Haftbefehl von seinem Vater erhal-

ten zu haben. Erkundigungen bei seinem Vater hätten ergeben, dass die-

ser als Staatsangestellter einen Arbeitskollegen habe, dessen Bruder als 

Kommandant zuständig sei für die Ausstellung von Haftbefehlen. Über die-

sen Arbeitskollegen und dessen Bruder habe sein Vater erfahren, dass 

seine Söhne wegen ihrer Rekrutierung verhaftet werden sollten. Auf die-

sem Weg habe sein Vater dann am gleichen Tag den Haftbefehl erhalten 

und umgehend die Flucht des Beschwerdeführers veranlasst. Was seine 

angeblich realitätsfremden Aussagen betreffe, befinde sich das Rekrutie-

rungsbüro in B._______ tatsächlich im Zentrum der Stadt, wobei in der 

Nähe ebenfalls ein Einkaufszentrum stehe. Aus diesem Grund sei nicht un-

glaubhaft, dass er dort zur Erfassung für das Dienstbüchlein habe erschei-

nen müssen. Seine Blutgruppe sei sehr wohl bestimmt worden, auch wenn 

er diese nicht kenne und auch kein Krankenhaus habe aufsuchen müssen. 

Aufgrund seiner Dienstverweigerung werde er als Regimegegner und Ver-

räter gesucht, was durch den eingereichten Haftbefehl belegt sei. Zudem 

sei davon auszugehen, dass die syrischen Behörden ihn anlässlich der De-

monstrationen identifiziert hätten und zwischen der Suche nach ihm vor 

der Ausreise einerseits und andererseits der Teilnahme an Demonstratio-

nen ein unmittelbarer Zusammenhang bestehe, worauf er bereits in der 

BzP hingewiesen habe. Aufgrund dessen, der Dienstverweigerung, seiner 

Angehörigkeit zur kurdischen Ethnie und weil er bereits in der Vergangen-

heit die Aufmerksamkeit der syrischen Behörden auf sich gezogen habe, 

sei davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Syrien als politi-

scher Gegner festgenommen und bestraft werde.  

Zumindest aufgrund seiner illegalen Ausreise aus Syrien erfülle er die 

Flüchtlingseigenschaft, da die Ausreise als landesverräterische und re-

gimefeindliche Handlung aufgefasst werde.  

3.4 In der Vernehmlassung hielt das SEM an seinem bisherigen Stand-

punkt fest und führte zudem aus, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich 

seines Alters nicht dem Profil der von ihm als Beispiele aufgeführten ge-

suchstellenden Personen entspreche, welche aufgrund ihrer illegalen Aus-

reise die Flüchtlingseigenschaft erfüllen würden.  

3.5 In der Replik führte der Beschwerdeführer aus, dass nicht ersichtlich 

sei, welchen Zusammenhang sein Alter im Zeitpunkt der Ausreise von 19 

Jahren mit der neuen Praxis des SEM zur illegalen Ausreise habe. Gemäss 

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Seite 7 

dieser Praxis würden Personen aus Syrien die Flüchtlingseigenschaft er-

füllen, welche illegal und gegen die Ausreisebestimmungen verstossend 

aus Syrien ausgereist seien und bereits vor ihrer Flucht über ein spezifi-

sches Profil verfügt hätten. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten und der 

Dienstverweigerung verfüge er über ein solches Profil und müsse bei einer 

Rückkehr nach Syrien aufgrund seiner illegalen Ausreise mit asylrelevan-

ten Nachteilen rechnen. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe, das SEM 

habe das rechtliche Gehör und die Begründungspflicht verletzt, den rechts-

erheblichen Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt und eine 

willkürliche Beweiswürdigung vorgenommen. Diese verfahrensrechtlichen 

Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-

tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

4.2  

4.2.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden 

den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei 

muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-

lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber 

ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung 

dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter 

belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn 

die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes 

wegen abgeklärt hat oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa-

chumstände berücksichtigt worden sind (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA 

MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 12 N. 16; BENJAMIN SCHINDLER, 

in: a.a.O., Art. 49 N. 29).  

4.2.2 Die Begründungspflicht, welche sich aus dem Anspruch auf rechtli-

ches Gehör gemäss Art. 29 VwVG ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren 

Entscheid so begründet, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls 

sachgerecht anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmit-

telinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können 

(vgl. LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in: a.a.O., Art. 35 N. 7ff.; 

BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei kann sich die verfügende Behörde auf die 

wesentlichen Gesichtspunkte beschränken, hat jedoch wenigstens die 

Überlegungen kurz anzuführen, von denen sie sich leiten liess und auf wel-

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Seite 8 

che sie ihren Entscheid stützt (BVGE 2008/47 E. 3.2; Entscheide und Mit-

teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 

24 E. 5.1).  

4.3  

4.3.1 Der Beschwerdeführer rügt, in den vorinstanzlichen Akten sei keine 

Übersetzung des Militärdienstbüchleins vorhanden, obwohl sich das SEM 

in der Anhörung auf dessen Inhalt gestützt habe (A16 F87). Die Abklä-

rungspflicht sei in jedem Fall verletzt worden, sei es dadurch, dass das 

SEM eine vorhandene Übersetzung nicht zu den Akten genommen und 

paginiert habe, sei es dadurch, dass überhaupt keine Übersetzung vor-

liege, das SEM ihn aber nicht zur Einreichung einer solchen aufgefordert 

habe. Auch hätte eine Dokumentenanalyse (für das Dienstbüchlein und al-

lenfalls auch für den Haftbefehl) durchgeführt und er mit den entsprechen-

den Ergebnissen konfrontiert werden müssen.  

4.3.2 Diese Rüge der unvollständigen Sachverhaltsabklärung ist nicht be-

gründet. Einerseits sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, dass 

eine Übersetzung des Dienstbüchleins existiert, von der Vorinstanz jedoch 

nicht zu den Akten gelegt wurde. Andererseits obliegt es im Rahmen der 

Mitwirkungspflicht den gesuchstellenden Personen, eine solche zu be-

schaffen. Wie oben ausgeführt, muss die Behörde nur die für das Verfahren 

erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen. Deuten – wie im vorlie-

genden Fall – sämtliche Umstände darauf hin, dass sich ein Sachverhalt 

nicht wie vorgetragen ereignet hat beziehungsweise bestehen aufgrund 

der Angaben der gesuchstellenden Person berechtigte Zweifel an der Echt-

heit von eingereichten Beweismittel, erübrigt sich unter Umständen, insbe-

sondere auch angesichts der leichten Erhältlichkeit von solchen Dokumen-

ten, eine Übersetzung beziehungsweise Analyse eines Beweismittels. Wie 

die untenstehenden Ausführungen zu diesen Dokumenten zeigen, trifft 

dies vorliegend zu. Eine Abstützung auf den Inhalt eines Beweismittels 

ohne offizielle Übersetzung (wie vorliegend den Vermerk der Blutgruppe 

des Beschwerdeführers im Dienstbüchlein) stellt, insbesondere angesichts 

dessen, dass dem Beschwerdeführer dieser Umstand im Zusammenhang 

mit seiner Aussage, er habe sich nie Blut nehmen lassen, in der Anhörung 

vorgehalten wurde, keinen Verfahrensfehler dar. Demnach hat die Vo-

rinstanz in ihrer Verfügung sämtliche für ihren Entscheid wesentlichen Um-

stände berücksichtigt.  

  

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Seite 9 

4.4  

4.4.1 Weiter rügt der Beschwerdeführer eine mehrfache Verletzung der Be-

gründungspflicht. Einerseits habe das SEM eine neue Praxis ausgearbei-

tet, welche die illegal aus Syrien ausgereisten Personen betreffe. Gemäss 

dieser Praxis sei davon auszugehen, dass diese Personen gegen spezifi-

sche Ausreisebestimmungen verstossen hätten und deshalb bei einer 

Rückkehr nach Syrien von den Behörden verfolgt würden. Dies sei in ver-

schiedenen anderen Fällen so entschieden worden. Da er in den Befra-

gungen geschildert habe, dass ihn der Schlepper illegal über die Grenze 

gebracht habe, hätte sich das SEM zwingend damit auseinandersetzen 

und diese neue Praxis anwenden müssen. Andererseits habe das SEM in 

der Verfügung weder die eingereichten Beweise gewürdigt noch den Um-

stand, dass sein Bruder ebenfalls in die Schweiz geflüchtet sei, weil die 

Militärbehörden nach ihm (dem Bruder) gesucht hätten. Obwohl er seinen 

Bruder und dessen Haftbefehl in der BzP erwähnt sowie seine Befürchtung 

geäussert habe, an Stelle seines Bruders festgenommen zu werden, habe 

das SEM diesen Umstand nicht berücksichtigt. Schliesslich habe es die 

eingereichten Beweismittel nicht hinreichend gewürdigt.  

4.4.2 Hierzu ist festzuhalten, dass sich das SEM mit den wesentlichen Vor-

bringen des Beschwerdeführers im erforderlichen Umfang auseinanderge-

setzt hat. In der angefochtenen Verfügung nannte es die Überlegungen, 

auf welche es seinen Entscheid stützte, und nahm in seiner Begründung 

Bezug auf die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Asylgründe. Insbe-

sondere begründete es in hinreichender Ausführlichkeit, aus welchen 

Gründen es die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die behaup-

tete Suche aufgrund der Nichtbefolgung eines Militärdienst-Aufgebots als 

unglaubhaft und deshalb weitergehende Abklärungen als unnötig erach-

tete.  

Insbesondere erwähnte das SEM in der angefochtenen Verfügung das als 

Beweismittel eingereichte Dienstbüchlein und den Haftbefehl ausdrücklich 

und legte dar, aus welchen Gründen diesen Dokumenten keinen Beweis-

wert beizumessen sei. Auf die Frage, ob die vom SEM vorgenommene Be-

weiswürdigung korrekt und angemessen ist, wird unter dem Aspekt der ma-

teriellen Prüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers näher eingegan-

gen. Die Rüge, die Vorinstanz habe die vom Beschwerdeführer eingereich-

ten Beweismittel (Dienstbüchlein, Haftbefehl) nicht hinreichend gewürdigt, 

geht demnach fehl.  

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Seite 10 

Was den Bruder des Beschwerdeführers betrifft, den der Beschwerdefüh-

rer in der Befragung erwähnte und aufgrund dessen Haftbefehl er sich 

ebenfalls vor einer Verhaftung gefürchtet habe (vgl. A5 5.01), ist festzustel-

len, dass diesem Sachverhaltselement, wie die nachfolgenden Erwägun-

gen zeigen, keine entscheidwesentliche Bedeutung zukommt. Entgegen 

der in der Beschwerde vertretenen Auffassung bestand für eine entspre-

chende Auseinandersetzung kein Anlass, zumal der Beschwerdeführer im 

Rahmen seiner Anhörung keinerlei Nachteile im Zusammenhang mit dem 

Haftbefehl seines Bruders geltend machte, sondern ausdrücklich bestä-

tigte, er habe neben dem Umstand, dass er (Beschwerdeführer) von den 

Militärbehörden gesucht werde, keine weiteren Probleme gehabt (vgl. A5 

7.01, A16 F92). Demnach ist darin, dass die Vorinstanz eine Reflexverfol-

gung des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung nicht aus-

drücklich prüfte, keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zu er-

kennen. Der Behauptung, die Vorinstanz hätte diese Aspekte bei der Beur-

teilung des Asylgesuchs erwähnen müssen, kann nicht gefolgt werden.  

Auch ist die im Zusammenhang mit dem Untersuchungsgrundsatz erho-

bene Rüge unberechtigt, das SEM habe eine in verschiedenen anderen 

Fällen angewandte Praxis betreffend illegale Ausreise aus Syrien bei ihm 

nicht angewandt. Eine solche Praxis existiert jedoch entgegen den Ausfüh-

rungen des Beschwerdeführers nicht. Die illegale Ausreise aus Syrien kann 

per se praxisgemäss keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern 

keine Verfolgungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere 

individuelle Vorbelastung vorliegen (vgl. zur Praxis des Bundesverwal-

tungsgerichts betreffend die illegale Ausreise aus Syrien u.a. Urteile des 

BVGer E-3692/2016 vom 13. Oktober 2017 E. 4.7, E-5587/2017 und  

E-5790/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 6.4, je m.w.H.). Eine solche Ver-

folgung ist hingegen, wie nachfolgend ausgeführt wird, vorliegend nicht er-

sichtlich. Das SEM verzichtete demnach zu Recht auf eine Prüfung der 

Verfolgungsgefahr aufgrund der illegalen Ausreise des Beschwerdefüh-

rers.  

4.4.3 Insgesamt ist die vorinstanzliche Verfügung so abgefasst, dass sich 

der Beschwerdeführer über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen 

konnte. Wie die Beschwerdeschrift zeigt, war es ihm denn auch ohne wei-

teres möglich, diese Verfügung sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung 

des rechtlichen Gehörs in Form einer Begründungspflichtverletzung liegt 

demnach nicht vor.  

  

D-4391/2017 

Seite 11 

4.5  

4.5.1 Weiter stellt der Beschwerdeführer die Verwertung der Anhörungs-

protokolle in Frage. Dazu bringt er vor, es sei in der Anhörung zu zahlrei-

chen Missverständnissen und Unklarheiten gekommen. Insbesondere bei 

den Fragen 67 ff. sei offensichtlich, dass er den Befrager nicht verstanden 

habe. Bei der Antwort zu Frage 77 (der Beschwerdeführer habe „vor dem 

Ereignis“ einen Brief unterschrieben und danach sei das Militärbüchlein 

ausgestellt worden) habe das SEM es unterlassen abzuklären, welches 

Ereignis er damit gemeint habe, und ihm anschliessend unterstellt, damit 

sei „März 2011“ gemeint. Die ihm gestellte Frage zu seiner Blutgruppe sei 

gar absurd. Mit seiner suggestiven Frageweise habe der Befrager ihn ver-

wirrt. Das SEM hätte deswegen eine neue Anhörung durchführen oder sich 

nach einer Pause erneut mit diesen Fragen befassen müssen.  

4.5.2 Die Rüge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgrund von Ver-

ständigungsschwierigkeiten mit dem Befrager erweist sich ebenso als un-

begründet. Dem Anhörungsprotokoll ist zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer die Aussage des Befragers, er sei erstaunt, dass der Be-

schwerdeführer mit dem Haftbefehl ein polizei-internes Dokument besitze, 

vorerst nicht verstand (A16 F66). Darauf folgte eine dreifache Erklärung 

des Befragers, worauf der Beschwerdeführer letztendlich antwortete, es 

sei die Regierung, welche das Dokument zu ihnen nach Hause bringe. Da-

mit ist ersichtlich, dass er verstand, was der Befrager meinte, jedoch keine 

plausible Antwort zu geben vermochte. Auch bat er bei der Frage, ob er die 

Schule vor oder nach dem Ausbruch der Unruhen beendet hatte, um Wie-

derholung (A16 F31). Nach einer Erläuterung durch den Befrager ver-

mochte er diese Frage jedoch schlüssig zu beantworten.  

Dass die Vorinstanz den Zeitpunkt der vom Beschwerdeführer genannten 

„Ereignisse“ (A16 F77), vor welchen er eine Unterschrift für den Erhalt sei-

nes Dienstbüchleins geleistet habe, in der Verfügung auf „vor März 2011“ 

datierte und daraus schloss, er sei bei der Abgabe seiner Unterschrift 15 

Jahre alt gewesen, was als realitätsfremd zu erachten sei, vermag die da-

raus gezogene Schlussfolgerung nicht zu beeinflussen. Dass der Be-

schwerdeführer mit den „Ereignissen“ den Ausbruch der Unruhen in Syrien 

gemeint hat, gab er kurz zuvor bereits zu Protokoll (F35: „2011 kam der IS, 

danach fingen die Ereignisse an“). Folglich macht es für die Beurteilung 

des Sachverhalts keinen Unterschied, ob nun damit das Jahr 2011 oder 

2012 gemeint war und der Beschwerdeführer 15 oder 16 Jahre alt gewesen 

sein will, als er eine Unterschrift zwecks Erhalt des militärischen Dienst-

büchleins geleistet habe. Zudem bestreitet der Beschwerdeführer gar 

D-4391/2017 

Seite 12 

nicht, mit seiner Aussage ein anderes „Ereignis“ gemeint zu haben, als vom 

SEM angenommen.  

Anhaltspunkte für Missverständnisse zwischen dem Beschwerdeführer 

und dem Befrager, die wesentlichen Einfluss auf die Sachverhaltsfeststel-

lung gehabt haben könnten, sind somit nicht erkennbar. Schon gar nicht 

kann dem Protokoll eine suggestive Frageweise entnommen werden. Aus 

den festgehaltenen Aussagen des Beschwerdeführers kann vielmehr ge-

schlossen werden, dass er durchaus in der Lage war, die ihm gestellten 

Fragen, insbesondere betreffend seine Asylgründe, zu verstehen und ent-

sprechend zu beantworten. Weder die Hilfswerkvertretung noch der Be-

schwerdeführer selbst machten entsprechende Bemerkungen hinsichtlich 

Verständigungsschwierigkeiten. Zudem bestätigte der Beschwerdeführer, 

die Dolmetscherin gut zu verstehen, sowie dass das Protokoll in eine ihm 

verständliche Sprache (Kurmandschi) rückübersetzt worden sei und sei-

nen Aussagen entspreche (A16 S. 1 F1 und S. 11).  

4.5.3 Demnach kann davon ausgegangen werden, dass der entscheidre-

levante Sachverhalt im Rahmen der Anhörung korrekt erhoben wurde, 

weshalb sich die vom Beschwerdeführer geforderte Durchführung einer 

weiteren Befragung als nicht notwendig erweist.  

4.6 In einem weiteren Punkt wird behauptet, es stelle eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs dar, dass zwischen der Erstbefragung und der vertief-

ten Anhörung rund eineinhalb Jahre verstrichen sei. Zwar wäre es durch-

aus wünschenswert, wenn zwischen der BzP und der Anhörung ein relativ 

kurzer Zeitraum liegen würde; allerdings gibt es keine zwingende, mit 

Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörung 

innerhalb eines gewissen Zeitraums nach der BzP durchzuführen. Eine 

Gehörsverletzung liegt deshalb mangels für die Vorinstanz verbindlicher 

Vorgaben nicht vor.  

4.7 Schliesslich kann eine willkürliche Vorgehensweise nur dann vorliegen, 

wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situ-

ation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen 

Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtig-

keitsgedanken zuwiderläuft (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX 

UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, S. 137 Rz. 605 

m.w.H.). Die Rüge, das SEM habe durch seine Vorgehensweise wie das 

Verhalten des Befragers oder die Argumentation in der Verfügung mehr-

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Seite 13 

fach gegen das Willkürverbot verstossen, entbehrt angesichts der oben-

stehenden Ausführungen zur Verfahrensführung der Vorinstanz somit jeg-

licher Grundlage.  

4.8 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-

det, womit der Rückweisungsantrag abzuweisen ist.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Die in Syrien herrschende politische und menschenrechtliche Lage 

wurde durch das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen zweier asylrecht-

licher Koordinationsentscheide ausführlich gewürdigt (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.2 sowie Urteil D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2 

[als Referenzurteil publiziert], jeweils m.w.Verw.). Wie dabei ausgeführt 

wurde, ist durch eine Vielzahl von Berichten belegt, dass die staatlichen 

syrischen Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 

gegen tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutali-

tät und Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich an regimekriti-

schen Demonstrationen beteiligt haben, sind in grosser Zahl von Verhaf-

tung, Folter und willkürlicher Tötung betroffen. Mit anderen Worten haben 

Personen, die durch die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner 

des Regimes identifiziert werden, eine Behandlung zu erwarten, die einer 

D-4391/2017 

Seite 14 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleich-

kommt.  

Zwar nannte der Beschwerdeführer in der BzP tatsächlich als Grund für 

den erhaltenen Haftbefehl, er habe an Demonstrationen gegen das syri-

sche Regime teilgenommen (vgl. A5 7.01). Es ist aber nicht zu erkennen, 

worin der genannte Zusammenhang bestanden haben soll. Der Haftbefehl 

bezieht sich einzig auf die Zuführung zu einem Rekrutierungsamt und steht 

somit eindeutig (und ausschliesslich) im Zusammenhang mit dem Militär-

dienst. Zudem bestätigte der Beschwerdeführer in der vertieften Anhörung, 

er habe abgesehen von den Problemen wegen der Dienstverweigerung 

keine Probleme mit dem syrischen Regime gehabt und sei wegen der De-

monstrationsteilnahmen weder gesucht noch festgenommen worden (A16 

F60 ff.). Schliesslich hatte der Beschwerdeführer seinen Aussagen zufolge 

auch keinerlei andere Kontakte mit Regierungsangehörigen. Es fehlen 

folglich jegliche Hinweise, dass der Beschwerdeführer durch die staatli-

chen syrischen Sicherheitskräfte aufgrund seiner Demonstrationsteilnah-

men als Gegner des Regimes identifiziert wurde und ihm deswegen bei 

einer Rückkehr nach Syrien Nachteile im Sinne des Asylgesetzes drohen 

würden.  

6.2 Weiter ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass die Ausführungen 

des Beschwerdeführers betreffend seine Einberufung in den Militärdienst 

ausnahmslos oberflächlich geblieben sind. Realkennzeichen, welche auf 

ein persönliches Erleben der Vorkommnisse schliessen lassen, fehlen in 

seinen Schilderungen gänzlich, und der Beschwerdeführer vermochte 

auch durch mehrmaliges Nachfragen der befragenden Person nicht plau-

sibel anzugeben, wie er sein Dienstbüchlein erhalten habe (vgl. hierzu A16 

F70–F88; zum Erhalt Erhalts des Haftbefehls A16 F64–F69). Soweit der 

Beschwerdeführer seine Angaben mit Verständnisschwierigkeiten zwi-

schen ihm und dem Befrager begründet, ist auf die obenstehenden Aus-

führungen zu den verfahrensrechtlichen Aspekten der Anhörung zu verwei-

sen (vgl. oben E. 4.5.2). Dafür, dass die substanzlosen Angaben des Be-

schwerdeführers auf die Art der Befragung zurückzuführen sind, sind keine 

Hinweise vorhanden. Es bestehen somit bereits aufgrund der Aussagen 

des Beschwerdeführers Zweifel an der Glaubhaftigkeit des geschilderten 

Sachverhalts und insbesondere an der Art und Weise, wie der Beschwer-

deführer an ein militärisches Dienstbüchlein gekommen sein will. Ange-

merkt an dieser Stelle sei zudem, dass sich dem Gericht nicht erschliesst, 

wie die Blutgruppe des Beschwerdeführers – wie in der Beschwerdeschrift 

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Seite 15 

behauptet – hat bestimmt werden können, wenn er dafür nie habe Blut ge-

ben müssen (seine entsprechende Aussage in der Anhörung bezieht sich 

dabei ganz offensichtlich nicht nur auf einen Bluttest im Krankenhaus, son-

dern darauf, dass der Beschwerdeführer generell noch nie Blut zwecks Be-

stimmung seiner Blutgruppe hat geben müssen („Ich war noch nie in einem 

Krankenhaus, um mich testen zu lassen. Da war ich noch nie. Vielleicht 

können sie meine Blutgruppe auch hier testen lassen?“ [A16 F87]).  

6.3 Selbst wenn von der Echtheit des Dienstbüchleins und dessen regulä-

rem Erhalt ausgegangen würde, ist festzuhalten, dass den Akten zufolge 

die militärische Dienstpflicht des Beschwerdeführers durch die syrischen 

Behörden noch gar nicht festgestellt worden ist. Zwar hatte er im Zeitpunkt 

seiner Ausreise das wehrdienstpflichtige Alter erreicht; damit steht jedoch 

keineswegs fest, dass er auch tatsächlich zum Dienst in der syrischen Ar-

mee einberufen worden wäre. Gemäss vorliegenden Erkenntnissen zum 

Ablauf der Rekrutierung (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Sy-

rien: Rekrutierung durch die syrische Armee, 30. Juli 2014, S. 5) haben 

sich syrische Staatsbürger, die das Alter von 18 Jahren erreicht haben, bei 

den staatlichen Rekrutierungsbüros zu melden, beziehungsweise sie wer-

den von der lokalen Polizeibehörde dazu vorgeladen. Beim Rekrutierungs-

büro erhalten sie ihr Militärbüchlein, und anschliessend werden sie ärztlich 

untersucht. Im Falle ihrer ärztlich attestierten Militärdiensttauglichkeit wer-

den sie schliesslich innert drei bis sechs Monaten zur Leistung ihres Mili-

tärdiensts eingezogen. Dass sich der Beschwerdeführer geweigert habe, 

sich bei einem Rekrutierungsamt zu melden, machte er aber gar nicht gel-

tend. Umso erstaunlicher ist, dass er (direkt und ohne vorherige Aufforde-

rung, sich bei einem solchen Amt zu melden) einen Haftbefehl erhalten ha-

ben will. Dessen ungeachtet wäre aber auch eine Weigerung, sich bei ei-

nem Rekrutierungsamt zu melden, ohnehin nicht mit einer Verweigerung 

der militärischen Dienstpflicht gleichzusetzen, da eine solche voraussetzt, 

dass die für die Rekrutierung zuständige Behörde diese Dienstpflicht tat-

sächlich ‒ durch entsprechende Eintragung ins Dienstbüchlein ‒ festge-

stellt hat, womit überhaupt erst die Möglichkeit der Einberufung entsteht. 

Zum eingereichten Haftbefehl bleibt schliesslich mit der Vorinstanz festzu-

halten, dass in keiner Weise erklärlich ist, wie der Beschwerdeführer in den 

Besitz dieses internen (und nicht für den zu Rekrutierenden bestimmten) 

Dokuments kommen konnte. Zudem weist das Dokument deutliche Fäl-

schungsmerkmale auf: Wie aus der Übersetzung hervorgeht, ist nicht er-

sichtlich, an wen das Schreiben gerichtet sein soll. So ist sowohl als Ab-

sender und Anschrift als auch als unterschreibende (beziehungsweise 

stempelnde) Behörde die Polizeiführung der Stadt al-Hasaka angegeben. 

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Seite 16 

Das genannte Beweismittel ist nach dem Gesagten als gefälscht zu erach-

ten.  

Aus diesen Gründen kann auch den im Beschwerdeverfahren eingereich-

ten Beweismitteln (Aufforderung für den Militärdienst [Einrückungsbefehl] 

sowie ein Bestätigungsschreiben seines Vaters, gemäss welchem er von 

der Polizei aufgefordert worden sei, seinen Söhnen mitzuteilen, sich im 

Rekrutierungsbüro zu melden) kein grosser Beweiswert beigemessen wer-

den.  

6.4 Schliesslich ist festzuhalten, dass nach Erkenntnissen des Bundesver-

waltungsgerichts im fraglichen Zeitraum zum Zeitpunkt des angeblich aus-

gestellten Haftbefehls gegen den Beschwerdeführer im Juli 2015 weite 

Teile der Provinz al-Hasakah von der syrisch-kurdischen Partei PYD (Par-

tiya Yekitîya Demokrat; Demokratische Einheitspartei) und deren bewaff-

neten Organisation YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungsein-

heiten) kontrolliert wurden, während sich die Sicherheitskräfte des staatli-

chen Regimes weitgehend zurückgezogen hatten (vgl. dazu BVGE 2015/3 

E. 6.7.5.3 sowie das länderspezifische Referenzurteil D-5779/2013 vom 

25. Februar 2015 E. 5.9.3). Dies schliesst zwar nicht aus, dass vereinzelte 

behördliche Repräsentanten des staatlichen syrischen Regimes in diesem 

Gebiet damals noch Versuche unternahmen, durch die Zustellung von ent-

sprechenden schriftlichen Aufgeboten in gewissen Fällen Rekrutierungen 

für die staatliche Armee durchzuführen. Es ist aber nicht davon auszuge-

hen, dass zum fraglichen Zeitpunkt in der Stadt D._______, wo sich das 

Rekrutierungsamt befinden soll, bei welchem sich der Beschwerdeführer 

dem eingereichten Haftbefehl zufolge hätte melden müssen, und in der 

Stadt al-Hasakah, wo sich die mit diesem Dokument angeschriebene Poli-

zeibehörde befinden soll, für die Sicherheitskräfte des syrischen Staats 

noch die Möglichkeit bestand, entsprechende Rekrutierungen durch 

Zwangsmassnahmen durchzusetzen. Somit wäre, auch wenn der Be-

schwerdeführer tatsächlich ausgehoben und als diensttauglich erachtet 

worden wäre, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen, dass er 

wegen dessen Nichtbefolgung in seiner Heimatregion al-Hasakah der Ge-

fahr einer Verfolgung durch das syrische Regime ausgesetzt war.  

7.  

7.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sind vorliegend auch 

keine subjektiven Nachfluchtgründe zu erkennen. Solche sind dann anzu-

nehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem 

D-4391/2017 

Seite 17 

Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Aus-

reise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Perso-

nen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden je-

doch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG).  

7.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts führen weder die ille-

gale Ausreise aus Syrien noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland 

bereits zur begründeten Furcht, bei einer Rückkehr nach Syrien mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen Behandlung aus-

gesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer war gemäss obigen Erkenntnis-

sen im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssituation im Sinne von 

Art. 3 AsylG ausgesetzt, und es fehlen in den Akten jegliche Hinweise, dass 

er in Syrien (abgesehen von den Demonstrationsteilnahmen) politisch aktiv 

gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen konkreter Indizien 

für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger Verfolgung im 

Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie BVGE 

2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz (Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 

E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.2 Im vorliegenden Fall ist im Übrigen anzumerken, dass sich vorliegend 

nicht der Schluss ergibt, der Beschwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt 

in seinem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefähr-

dung im Falle des Beschwerdeführers ausschliesslich auf die allgemeine 

in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurückzuführen, welcher 

durch die Vorinstanz im Rahmen der Anordnung der vorläufigen Aufnahme 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen 

wurde.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist folg-

lich abzuweisen.  

D-4391/2017 

Seite 18 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen wurde 

der in der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche Prozess-

führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 

17. August 2017 gutgeheissen, womit der Beschwerdeführer keine Verfah-

renskosten zu tragen hat.   

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Irina Wyss 

 

 

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