# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30bcd5fa-f6e8-5e1f-88d4-b5b7754d1425
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.12.2008 D-7352/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7352-2007_2008-12-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7352/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richter Robert Galliker, 
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

A._______, geboren _______,
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Dieter Gysin, _______
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Sep-
tember 2007 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7352/2007

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer reiste  eigenen  Angaben  zufolge  am 11. Sep-
tember 2006 illegal in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag um Asyl 
nachsuchte. Anlässlich der Kurzbefragung im Empfangs- und Verfah-
renszentrum  B._______  vom  14.  September  2006  sowie  der 
kantonalen Anhörung vom 6. November 2006 gab er zu seiner Person 
an, er gehöre der tamilischen Ethnie an und stamme aus C._______, 
Batticaloa, Ostprovinz.

B.
Zur  Begründung seines Asylgesuches machte der  Beschwerdeführer 
im Wesentlichen geltend, er sei in seiner Heimat von Mitgliedern der 
Karuna-Fraktion  behelligt  worden.  Er  habe  in  den  Jahren  1999  bis 
März 2006 beim D._______ gearbeitet, wo er anfänglich als Schaffner 
und  im  letzten  Jahr  als Sicherheitsbeamter  tätig gewesen  sei. 
Während der  Nachtschicht  vom 25. März  2006 hätten  ihn  sieben in 
Uniformen  der  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  mit  grünen 
Streifen  gekleidete  Personen  aufgesucht  und  bedrängt,  ihnen  einen 
Bus  zur  Verfügung  zu  stellen.  Am  folgenden  Tag  habe  ihn  ein 
Mitarbeiter des D._______ im Auftrag des Depot Superintendant (DS) 
aufgesucht und ihm in dessen Auftrag mitgeteilt, er solle ein paar Tage 
der  Arbeit  fernbleiben,  da  es  grosse  Probleme  an  der  Arbeitsstelle 
gebe. Dieser Aufforderung habe er Folge geleistet. In der Nacht vom 5. 
April  2006  sei  er  von  ihm  unbekannten,  in  Schwarz  gekleideten 
Personen behelligt worden. Diese hätten ihm gedroht, sie würden ihn 
zu Hause abholen und mitnehmen, wenn er sich nicht am anderen Tag 
in der Nähe von E._______ melden würde. Am 7. April 2006 habe er 
sich auf Anraten seiner Ehefrau zum Dorfvorsteher begeben und ihm 
alles  erzählt.  Auf  dessen  Rat  hin  habe er  am 9. April  2006  bei  der 
Polizei  Anzeige erstattet  und  auf  Empfehlung von Nachbarn  hin  ein 
lokales  Parteimitglied  eingeschaltet.  Am  17.  April  2006  sei  er  vor 
seiner  Haustür  von  einer  schwarz  gekleideten  Person  mit  einem 
Gewehr bedroht und unter anderem der Zusammenarbeit mit der LTTE 
beschuldigt  worden.  Er  und  seine  Ehefrau  seien  mit 
Kokospalmenstengeln geschlagen worden und er sei in der Folge mit 
einem Boot in ein Haus in F._______ mitgenommen worden. Dort habe 
er  einen Wächter  bestochen,  ihm zur Flucht  zu verhelfen,  worauf  er 
sich vier  Monate lang bei  einem Kollegen in G._______ aufgehalten 
habe und schliesslich über Colombo aus Sri Lanka ausgereist sei. Er 

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wisse,  dass  es  sich  bei  den  Unbekannten  um  Karuna-Anhänger 
handle, weil  sie gesagt hätten, Karuna sei der Führer von Batticaloa 
(vgl.  A2/  S.  7)  beziehungsweise  Karuna  sei  für  die  Personen  in 
Batticaloa verantwortlich (vgl. A9/ S. 9).

Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  legte  der  Beschwerdeführer 
folgende  Dokumente  ins  Recht:  Auszug  aus  dem  Anzeigenregister, 
(Anzeige  bei  der  Polizei  wegen  Bedrohung  durch  Unbekannte  vom 
9. April  2006,  ausgestellt  am  16.  April  2006  );  „To  Whom  It  May 
Concern“ des (...) (Dorfvorstehers) vom 9. April 2006; "To Whom It May 
Concern" von (...), Parlamentsmitglied des Distrikts (...), vom 15. April 
2006.

C.
Mit Verfügung vom 26. September 2007 lehnte das BFM das Asylge-
such des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der 
Schweiz sowie deren Vollzug an. 

D.
Mit Eingabe vom 29. Oktober 2007 liess der Beschwerdeführer gegen 
diesen  Entscheid  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhe-
ben und unter  anderem die  Gewährung der  unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) beantragen.

E.

E.a Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2007 wurden die Gesu-
che zufolge Aussichtslosigkeit der Begehren abgewiesen und der  Be-
schwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolge zur Leistung eines 
Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 600.- bis zum 22. November 
2007 aufgefordert. 

E.b Der einverlangte Kostenvorschuss wurde am 19. November 2007 
geleistet.

F.
Unter Berücksichtigung des Anschlages vom Januar 2008 in Sri Lanka 
sowie im Zusammenhang mit dem Gespräch vom 16. Januar 2008 auf 
Radio DRS1 am Mittag mit  einem Sri  Lanka-Spezialisten wurde das 

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BFM mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2008 zu einer Stellung-
nahme bis zum 12. Februar 2008 eingeladen.

G.
Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2008 beantragte das BFM die Ab-
weisung der  Beschwerde und verwies  auf  seine Erwägungen in  der 
angefochtenen Verfügung vom 26. September 2007, an denen es voll-
umfänglich festhalte.

H.

H.a Mit Replik vom 12. Februar 2008 liess sich der Beschwerdeführer 
vernehmen und legte verschiedene Beweismittel ins Recht.

H.b Am 15. Februar 2008 reichte der  Beschwerdeführer weitere Un-
terlagen zu den Akten.

I.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Februar 2008 wurde das BFM ange-
sichts des Beschlusses des BFM vom 12. Februar 2008 (Anpassung 
der Wegweisungspraxis) erneut um die Einreichung einer Vernehmlas-
sung ersucht.

J.
Mit  zweiter  Vernehmlassung vom 4. März 2008 beantragte das BFM 
wiederum die Abweisung der Beschwerde, wobei es bezüglich der all-
gemeinen Lage in Sri Lanka an seiner Ausführungen in der ersten Ver-
nehmlassung (Inanspruchnahme einer innerstaatlichen Wohnsitzalter-
native  für  den  Beschwerdeführer in  Colombo)  vom 25. Januar  2008 
festhielt.

K.
Mit Zwischenverfügung vom 7. März 2008 erhielt der  Beschwerdefüh-
rer unter Hinweis auf die Säumnisfolge die Gelegenheit, bis zum 25. 
März 2008 eine Stellungnahme einzureichen.

Mit Eingabe vom 25. März 2008 replizierte der Beschwerdeführer.

L.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2008 wurde dem Beschwerde-
führer mitgeteilt, es werde eine Motivsubstitution in Betracht gezogen 
und erwogen, seine Vorbringen nicht unter dem Aspekt ihrer Asylrele-

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vanz (Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]), 
sondern unter dem ihrer Glaubhaftmachung (Art. 7 AsylG) zu würdi-
gen. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer Frist zur Stellungnah-
me bis zum 20. Oktober 2008 gewährt.

M.
Mit  Eingabe vom 20. Oktober  2008 liess sich  der  Beschwerdeführer 
vernehmen  und  legte  seiner  Eingabe  folgende  Unterlagen  bei:  eine 
Länderanalyse  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  vom  No-
vember 2006 von Florian Lüthy („Sri Lanka – aktuelle Situation“, Up-
date); ein Themenpapier der SFH vom Dezember 2007 von Helena Li-
sibach („Tamilische Akteure in Sri Lanka“); eine Landkarte von Sri Lan-
ka in Kopie; die Bestätigung einer Anzeige bei der Human Rights Com-
mission  of  Sri  Lanka  (No. _______); Faxkopien  des  Schreibens  der 
Schweizerischen  Botschaft  in  (...)  an  die  Ehefrau  des 
Beschwerdeführers  vom 25.  Februar  2008  sowie  vom 9. September 
2008.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.

4.1 Das  BFM begründete  die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft 
sowie die Ablehnung des Asylgesuchs mit der Asylirrelevanz der Vor-
bringen des  Beschwerdeführers. Bei  den vom Beschwerdeführer ge-
nannten  Übergriffen  biete  der  srilankische  Staat  Schutz  und  treffe 
Massnahmen. Zudem würden im Rahmen der lokalen Gegebenheiten 
und  der  effektiv  bestehenden  Strafverfolgungsmöglichkeiten  die  ge-
schilderten  Übergriffe  in  Sri  Lanka  geahndet.  Auch  im  vorliegenden 
Fall habe der srilankische Staat geeignete Massnahmen ergriffen (Ent-
gegennahme der Anzeige durch die Polizei, Einschaltung eines Partei-
mitgliedes), um den Beschwerdeführer zu schützen. Demnach könnten 

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seine diesbezüglichen Vorbringen sowie die eingereichten Dokumente 
keine asylrechtliche Relevanz entfalten.

4.2 Gemäss Art. 62 Abs. 4  VwVG ist  das Bundesverwaltungsgericht 
als  Beschwerdeinstanz  an  die  rechtliche  Begründung  der  Begehren 
nicht gebunden. Die Beschwerdeinstanz darf also ihren Entscheid an-
ders  begründen  als  die  Parteien  oder  die  Vorinstanz  (vgl.  ALFRED 
KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege 
des Bundes,  Zürich,  2. Auflage,  1998,  S. 240/Randziffer  677). Nach 
dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ist  es viel-
mehr verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt jenen Rechtssatz 
anzuwenden, den es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Aus-
legung zu geben, von der es überzeugt ist (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a). 
Dies bedeutet, dass es eine Beschwerde auch aus einem anderen als 
den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen 
Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen kann, die von 
jener der Vorinstanz abweicht (sogenannte Motivsubstitution, vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 1994 Nr. 29 E.3).

5. Das  Bundesverwaltungsgericht  setzte  den  Beschwerdeführer  mit 
Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2008 über die beabsichtigte Motiv-
substitution  (Würdigung  seiner  Vorbringen  unter  dem  Aspekt  der 
Glaubhaftmachung  [Art.  7  AsylG])  in  Kenntnis  und  forderte  ihn  auf, 
diesbezüglich Stellung zu nehmen. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2008 
liess sich der Beschwerdeführer fristgerecht vernehmen und legte ver-
schiedene Unterlagen ins Recht (vgl. vorstehend Bst. M.). 

5.1 Bereits  bei  der  Befragung  im  Empfangszentrum  gab  der  Be-
schwerdeführer zu Protokoll,  die  Polizei  habe seine Anzeige vom 9. 
April  2006 nur der Form halber entgegengenommen und aufgeschrie-
ben (vgl. A2/ S. 6). Er habe dem Polizisten gesagt, dass er Angst habe. 
Dieser habe ihm gesagt, er brauche keine Angst zu haben, er könne 
gehen (vgl. ebd.). Seine Nachbarn hätten ihm geraten, ein Mitglied des 
Parlaments  ihrer  Gegend  (...)  aufzusuchen,  ihm  seine  Probleme  zu 
schildern  und  ihn  um Schutz  zu  ersuchen  (vgl.  ebd.).  Am  15.  April 
2006 habe er diesem seine Probleme geschildert und ihn gebeten, ge-
eignete Massnahmen zu ergreifen. Das Parlamentsmitglied  habe ihn 
aber nur ausgelacht und gesagt, er selbst sei bei sich zu Hause nicht 
sicher, wie könne er da ihn schützen (vgl. ebd.). Erst als er ihm die Un-
bekannten beschrieben habe,  habe der Parlamentarier  gemeint,  das 

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seien schreckliche Leute und er könne ihm nur zur Flucht raten. An-
lässlich  der  kantonalen  Anhörung  erklärte  der  Beschwerdeführer,  er 
habe sich am 7. April 2006 auf Anraten seiner Ehefrau hin zum Dorf-
vorsteher begeben und diesem alles über das Vorgefallene berichtet. 
Dieser habe es aufgeschrieben und ihn mit dem Zettel zur Polizei ge-
schickt. Am Sonntag habe er der Polizei alles erzählt. Diese hätten al-
les aufgeschrieben. Als er gesagt habe, er habe Angst, hätten sie ihm 
gesagt, er müsse keine Angst haben, er solle nur nach Hause gehen 
(vgl. A9/ S. 8). Zuhause hätten ihm seine Nachbarn geraten, sich zum 
Verantwortlichen für das Wohngebiet zu begeben, um dort um Schutz 
nachzusuchen. Da er diesen nicht angetroffen habe, habe er ihn am 
15. April 2006 erneut aufgesucht. Als er ihm gesagt habe, er brauche 
Schutz, habe ihn dieser nur ausgelacht und gesagt, nicht einmal er sei 
sicher (vgl. ebd.) Als er ihm erzählt habe, welche Leute bei ihm gewe-
sen seien, habe er geantwortet,  diese Leute seien gefährlich und er 
müsse sich in Sicherheit bringen. Daraufhin habe er sich nach Hause 
begeben.

5.1.1 Aus dem ins Recht gelegten Auszug aus dem Anzeigenregister, 
Eintrag vom 9. April 2006, geht hervor, dass der Beschwerdeführer bei 
der Polizei eine Anzeige wegen Bedrohung durch Unbekannte erstattet 
hat.  Auch  aus  den  beiden  „To Whom  It  May  Concern“,  datiert  vom 
9. sowie vom 15. April 2006 gehen die geltend gemachten Behelligun-
gen  durch  Unbekannte  hervor. Unter  diesen  Umständen  erscheinen 
die geschilderten Behelligungen als glaubhaft. Wie sich aus den nach-
folgenden  Erwägungen  ergibt,  bleibt  aber  die  Identität  der  Täter  im 
Dunkeln.

5.1.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers weisen einige Ungereimt-
heiten auf. So will sich der  Beschwerdeführer gemäss seinen Aussa-
gen bei der kantonalen Anhörung nach dem Gespräch mit dem Parla-
mentsmitglied am 15. April 2006 wieder nach Hause begeben haben, 
obwohl er befürchtet haben will, erneut behelligt zu werden und trotz 
der Warnung seines Gesprächspartners (vgl. 4.3.1). Auch erscheint es 
als  ungereimt,  dass der  Beschwerdeführer seinen Aussagen zufolge 
die  Unbekannten  derart beschreiben  konnte,  dass  sein  Gesprächs-
partner  sofort  gewusst  haben  will,  dass  mit  diesen  Leuten  nicht  zu 
spassen sei, zumal er an anderer Stelle der kantonalen Anhörung aus-
sagte, er wisse nicht, um wen es sich gehandelt habe, sie (die Unbe-
kannten) seien aber bewaffnet gewesen (vgl. A9/ S. 8). Auch auf Be-
schwerdeebene  konnte  der  Beschwerdeführer nicht  glaubhaft  darle-

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gen, dass es sich bei den unbekannten Männern tatsächlich um Ange-
hörige  der  Karuna-Fraktion  gehandelt  haben  soll.  Daran  vermögen 
auch die zahlreichen Dokumentationen nichts zu ändern, zumal diesen 
nichts zu entnehmen ist, was die Identität  der Unbekannten erhellen 
oder deren Zugehörigkeit zur Karuna-Fraktion belegen würde. 

5.1.3 In  der  Eingabe vom 20. Oktober  2008  wurde im Wesentlichen 
ausgeführt, die Aussagen des Beschwerdeführers müssten im gesam-
ten Kontext  und nicht  isoliert  betrachtet  werden. Es  wurde kurz das 
Verhältnis der LTTE zur Karuna-Fraktion skizziert  und erwähnt,  dass 
sich  deren  Machtkampf  seit  dem  Jahre  2006  drastisch  intensiviert 
habe. Die Karuna-Fraktion gehe vor allem gegen Personen, die sie der 
Kooperation  mit  der  LTTE verdächtige,  massiv  vor. So  sei  bekannt, 
dass sie für unzählige Morde, Verschleppungen und Folterungen ver-
antwortlich sei. Indem der  Beschwerdeführer – wenn auch unfreiwillig 
– der LTTE einen Bus zur Verfügung gestellt  habe, habe er  aus der 
Sicht der Karuna-Fraktion die LTTE unterstützt und sich so zu deren 
Gegner gemacht. Insofern sei glaubhaft, dass es sich bei den „unbe-
kannten Angreifern“ des Beschwerdeführers um Angehörige der Karu-
na-Fraktion gehandelt habe. Auch angesichts der geographischen Ver-
teilung der LTTE sowie der Karuna-Fraktion, deren Hochburg sich im 
Osten des Landes, insbesondere in Batticaloa, befinde, gehe aus den 
protokollierten Äusserungen des Beschwerdeführers (A2/ S.6; A9/ S.9) 
eindeutig hervor, dass es sich bei den Angreifern um Karuna-Anhän-
ger gehandelt habe. Zudem habe der Beschwerdeführer seine Flucht-
gründe detailliert geschildert und bei beiden Einvernahmen dieselben 
Vorkommnisse übereinstimmend und sehr ausführlich geschildert.

5.1.4 Auch  diesen  Ausführungen  ist  nichts  zu  entnehmen,  was  die 
Identität der Unbekannten erhellen oder deren Zugehörigkeit zur Karu-
na-Fraktion belegen würde, handelt es sich doch im Wesentlichen um 
Mutmassungen und Vermutungen, und auch aus den mit der Eingabe 
ins  Recht  gelegten  Unterlagen  lässt  sich  nichts  zu  Gunsten  des 
Beschwerdeführers ableiten. So ist  den beiden Dokumentationen der 
SFH  nichts  zu  entnehmen,  was konkret  mit  den  vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Vorbringen in Zusammenhang stehen wür-
de.  Auch  die  vom Beschwerdeführer geltend  gemachten  Drohungen 
der Karuna-Gruppe gegenüber seiner Ehefrau und deren Situation in 
Sri Lanka findet in den eingereichten Unterlagen keinen Niederschlag. 
Vielmehr  wird  dort  allgemein  auf  die  Menschenrechtssituation  in  Sri 
Lanka beziehungsweise auf die Offensive der Karuna-Fraktion sowie 

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die Vorgehensweise der von Karuna gegründeten politischen Partei Ta-
mil Makkal Viduthalai Pulikal (Tamil People's Liberation Tigers; TMVP) 
eingegangen.

5.1.5 Aus den beiden Schreiben der Schweizerischen Botschaft in  (..) 
vom 25. Februar 2008 sowie vom 9. September 2008 an die Ehefrau 
des  Beschwerdeführers und aus der Bestätigung der Anzeige bei der 
Human Rights Commission of Sri Lanka vom (...) geht lediglich hervor, 
dass  sich  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  an  diese  gewandt 
beziehungsweise ein Asylgesuch gestellt  hat. Die näheren Umstände 
oder  detaillierte  Informationen  sind  diesen  Unterlagen  nicht  zu 
entnehmen. Ebensowenig können diese die Identität der Angreifer des 
Beschwerdeführers erhellen.

5.1.6 Zusammenfassend ist  demnach festzuhalten,  dass die  geltend 
gemachten  Behelligungen  des  Beschwerdeführer  durch  Unbekannte 
als glaubhaft zu erachten sind, nicht aber deren Zugehörigkeit zur Ka-
runa-Fraktion. Aus den geltend gemachten und als glaubhaft zu erach-
tenden Behelligungen des  Beschwerdeführer durch Unbekannte kann 
er jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten, da eine asylrechtlich rele-
vante Motivation der geltend gemachten Misshandlungen und Drohun-
gen  fehlt.  Flüchtlingsrechtlich  relevant  können  Misshandlungen  und 
Drohungen dann sein, wenn sie wegen der Rasse, der Religion, Natio-
nalität,  Zugehörigkeit  zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder we-
gen der politischen Anschauungen des Bedrohten ausgestossen wer-
den. In casu sind die geltend gemachten Behelligungen nicht in asyl-
rechtlich  relevanten  Motiven  begründet  gewesen. Diese  Ereignisse 
könnten auch keinen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von 
Art. 3 AsylG erzeugen. Mit dem Begriff des unerträglichen psychischen 
Drucks  sollte  im  Asylgesetz  nicht  ein  Auffangtatbestand  geschaffen 
werden, um auch weniger intensive Eingriffe in Leib, Leben oder Frei-
heit asylrechtlich anzuerkennen. Vielmehr soll diese Formulierung er-
lauben,  auch  asylrechtlich  motivierte  Massnahmen  zu  erfassen,  die 
sich nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben oder Freiheit 
richten, sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges Leben ver-
unmöglichen (vgl. Botschaft, BBl 1983 III 783). Ein unerträglicher psy-
chischer Druck im Sinne von Art. 3 AsylG kann nur dann bejaht wer-
den, wenn er in asylrechtlich relevanten Motiven begründet liegt, was 
hier unter Hinweis auf die vorstehenden Ausführungen nicht der Fall 
ist. 

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5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe machte der Beschwerdeführer unter 
anderem geltend, die Polizei habe seine Anzeige nur der Form halber 
entgegengenommen und auch das von ihm aufgesuchte Parlaments-
mitglied habe ihm keinen wirksamen Schutz vor Verfolgung bieten kön-
nen. Den Aussagen des Beschwerdeführers zufolge soll ihn dieser nur 
ausgelacht und gesagt haben, er selbst sei bei sich zu Hause nicht si-
cher, wie solle er da ihn schützen (vgl. A2/ S. 6; A9/ S.8). Erst nach-
dem er ihm die Täter beschrieben habe, soll ihm dieser zur Flucht ge-
raten und ein Schreiben mitgegeben haben (vgl. A2/ S.6). Auch wenn 
das  Verhalten  des  Parlamentsmitgliedes  erstaunen  mag,  lässt  sich 
daraus  keine  asylrelevante  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  ab-
leiten. Als  asylrelevant  hätte  nur  das Verhalten der  srilankischen Si-
cherheitskräfte qualifiziert  werden können, sofern sie dem  Beschwer-
deführer den anbegehreten Schutz verweigert hätten. Im vorliegenden 
Fall  lassen sich jedoch den protokollierten Aussagen  keine Hinweise 
auf  allfällige Verfehlungen der  srilankischen Polizei  entnehmen. Viel-
mehr wurde seinen eigenen Angaben zufolge seine Anzeige problem-
los aufgenommen (vgl. A9/ S. 8). Zudem hätten ihn die Polizisten beru-
higt (vgl. ebd.). Doch selbst wenn sich die verantwortlichen Beamten 
etwas zu Schulden hätten kommen lassen, hätte der  Beschwerdefüh-
rer dies in Sri Lanka an die nächsthöhere Stelle melden und die allfäl-
lig verweigerte Schutzgewährung auf  dem Dienstweg ahnden lassen 
können. Gemäss Aktenlage hat  der  Beschwerdeführer diesbezüglich 
nichts unternommen, was darauf schliessen lässt, dass sich die Polizei 
ihm gegenüber schutzwillig und -fähig gezeigt hat.

5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschwer-
deführers weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch den-
jenigen an die Asylrelevanz standhalten. Der Beschwerdeführer erlitt 
bis zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri  Lanka weder asylrechtlich 
relevante Verfolgung, noch musste er solche in begründeter Weise be-
fürchten. Auch im heutigen Zeitpunkt ist nicht davon auszugehen, ihm 
drohe bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  asylrechtlich  relevante 
Verfolgung.  Es  kann  deshalb  darauf  verzichtet  werden,  auf  weitere 
Ausführungen in der Beschwerdeschrift  einzugehen. Das Asylgesuch 
wurde vom Bundesamt zu Recht abgewiesen.

6.  

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

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ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.

7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 

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Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

7.4 Der  Vollzug  ist  schliesslich  nicht  möglich,  wenn  die  Ausländerin 
oder  der  Ausländer  weder  in  den  Heimat-  oder  den  Herkunftsstaat 
noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.5 Die vorstehend erwähnten Bedingungen für einen Verzicht auf den 
Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglich-
keit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Voll-
zug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere 
Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vor-
läufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f., 
EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2). Gegen eine allfällige Aufhebung der 
vorläufigen Aufnahme steht dem weggewiesenen Asylsuchenden wie-
derum die Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht  offen (Art. 
105 i.V.m. Art. 44 Abs. 2 AsylG), wobei in jenem Verfahren sämtliche 
Vollzugshindernisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dann-
zumal herrschenden Verhältnisse (vgl. EMARK 1997 Nr. 27) von Neu-
em zu prüfen sind.

8.

8.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  Grundsatzurteil  BVGE 
2008/2 bezüglich Sri Lanka eine Lageanalyse vorgenommen und die 
Praxis hinsichtlich der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs von abgewiesenen Asylsuchenden tamilischer Ethnie neu festge-
legt.

8.2 Angesichts  der  im  zitierten  Urteil  dargelegten  politischen,  wirt-
schaftlichen und gesellschaftlichen Begebenheiten und der auf Eskala-
tion  und  Verschlechterung  hinweisenden  Entwicklung  in  Sri  Lanka, 
sieht das Bundesverwaltungsgericht keine Veranlassung, die bisherige 
Wegweisungspraxis  hinsichtlich  des  Nordens  Sri  Lankas  zu ändern: 
Die Rückschaffung abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka in die 
Nordprovinz  (die  Distrikte  Killinochchi,  Mannar,  Vavuniya,  Mullaitivu 
und  Jaffna)  wird  nach  wie  vor  als  unzumutbar  qualifiziert.  Auch  die 
Rückschaffung in die Ostprovinz (Distrikte Trincomalee, Batticaloa und 

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Ampara)  muss angesichts  der  dort  herrschenden,  oben  dargelegten 
Lage als unzumutbar betrachtet werden. 

8.3 Im zitierten Urteil wurde dargelegt, dass sich die allgemeine Lage 
im  Grossraum Colombo seit  2006  in  einem erheblichen  Masse  ver-
schlechtert hat. Aufgrund der wiederaufgeflammten Konflikte erweisen 
sich die Existenzmöglichkeiten für die tamilische Bevölkerungsgruppe 
als sehr schwierig. Jungen Tamilen wird nicht im gleichen Umfang wie 
den  übrigen  Bevölkerungsschichten  Schutz  vor  Verfolgung  gewährt. 
Singhalesen und Tamilen werden unterschiedlich behandelt. Die Unter-
künfte, in welchen die meisten der sich auf Besuch in der Hauptstadt 
befindlichen  Tamilen  logieren,  werden  von  der  Polizei  regelmässig 
kontrolliert. Dabei  müssen sich die Bewohner der Lodges ausweisen 
können. Die Zahl der Entführungen nimmt ständig zu.

8.4 Die Frage, inwieweit Tamilen in Colombo oder in anderen von der 
Regierung kontrollierten  Gebieten im Süden des Landes leben kön-
nen, hängt sehr von ihrer jeweiligen finanziellen Situation, von einem 
qualifizierten  Beruf  oder  eventueller  Unterstützung  durch  dortige 
Freunde oder  Verwandte ab. Die  meisten der  vom Bürgerkrieg  nach 
Colombo vertriebenen Tamilen  leben jedoch in  ärmlichen Verhältnis-
sen. Zudem kann nicht von einer grundsätzlich spielenden Solidarität 
unter  der  tamilischen  Bevölkerungsgruppe ausgegangen werden,  da 
die Tamilen in Sri Lanka keine kulturell oder sozial homogene Gruppe 
darstellen.  Zwischen  den  Tamilen  aus  dem Norden  oder  Osten  des 
Landes  und  den  Tamilen  aus  dem  zentralen  Hochland  sind  sowohl 
sprachliche als auch kulturelle Unterschiede auszumachen. In Colom-
bo muss deshalb ebenfalls zwischen den „einheimischen“ und den aus 
dem Norden und Osten zugezogenen Tamilen unterschieden werden. 

Angesichts der Verschärfung der allgemeinen Lage in Sri Lanka, von 
der auch der Grossraum Colombo stark betroffen ist, ist bei der Frage 
des Wegweisungsvollzugs von abgewiesenen tamilischen Asylsuchen-
den  aus  Sri  Lanka  eine  sorgfältige  Prüfung  aller  oben  dargelegten 
massgeblichen Faktoren vorzunehmen. Es bedarf besonders begünsti-
gender, positiver individueller Umstände, damit die Rückkehr abgewie-
sener tamilischer Asylsuchender in den Grossraum Colombo und Um-
gebung im heutigen Zeitpunkt als zumutbar qualifiziert  werden kann. 
Bei der Beurteilung begünstigender Umstände erachtet das Bundes-
verwaltungsgericht namentlich das Vorliegen eines tragfähigen Famili-
en- oder sonstigen Beziehungsnetzes, die konkreten Möglichkeiten der 

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Sicherung des Existenzminimums sowie der Wohnsituation als mass-
gebend. 

Unter Berücksichtigung der oben dargelegten allgemeinen Lage ist da-
von auszugehen, dass zwar alle rückkehrenden Tamilen mit gewissen 
Schwierigkeiten rechnen müssen. Aber es ist  zwischen der Situation 
der aus dem Grossraum Colombo oder Umgebung selbst stammenden 
Tamilen und der Lage der aus der Nord- oder Ostprovinz stammenden 
Tamilen zu differenzieren. 

8.5 Bei abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden, die aus der Nord- 
oder Ostprovinz stammen, ist unter Hinweis auf die Feststellungen un-
ter Erwägung 8.2 die Frage einer zumutbaren Aufenthaltsalternative im 
Süden  des  Landes  zu  prüfen.  Die  Rechtsprechung  der  schweizeri-
schen Asylbehörden ist in den vergangenen Jahren stets vom Vorlie-
gen einer grundsätzlichen Aufenthaltsalternative für rückkehrende, ab-
gewiesene  tamilische  Asylsuchende  im  Grossraum Colombo  ausge-
gangen (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 6.5). Es gibt keine zuverlässigen 
Zahlen oder Schätzungen darüber, wie viele tamilische Bürgerkriegs-
flüchtlinge zu Freunden oder  Verwandten nach Colombo oder  in  die 
nicht vom Bürgerkrieg betroffenen Gebiete im Süden des Landes ge-
flohen  sind.  Personen  ohne  Kontakte  in  Colombo  dürften  sich  dort 
kaum beziehungsweise höchstens für kurze Zeit  aufhalten, nachdem 
dort  keine Flüchtlingslager existieren und es keine Unterstützung für 
diese  meist  völlig  mittellosen  Personen  gibt.  Eine  Rückkehr  in  den 
Grossraum Colombo ist bei dieser tamilischen Bevölkerungsgruppe in 
noch erhöhtem Masse in Frage gestellt als bei den von dort stammen-
den Tamilen. Erstere werden in  aller  Regel  über keine engeren Ver-
wandten oder Bekannten in Colombo verfügen, die ihnen bei der Wie-
derintegration  als  soziales  Netz  eine  Unterstützung  und  eine  Unter-
kunftsmöglichkeit zur Verfügung stellen können. Ohne tragfähiges Be-
ziehungsnetz  werden  sie  auch  in  aller  Regel  keiner  legalen  Arbeit 
nachgehen können, was ihnen den Aufbau einer wirtschaftlichen Exis-
tenz praktisch verunmöglicht. Hinzu kommt, dass die aus dem Norden 
und Osten stammenden Tamilen einer  erhöhten Gefahr  behördlicher 
Behelligungen ausgesetzt  wären,  zumal  davon auszugehen ist,  dass 
sie  aus  Sicht  der  Behörden keinen valablen Grund respektive  keine 
Rechtfertigung für ihren Aufenthalt vorweisen können.

8.6 Bei  rückkehrenden  Tamilen,  die  aus  der  Nord-  oder  Ostprovinz 
stammen, kann nicht mehr von der generellen Zumutbarkeit der Inan-

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spruchnahme einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden 
des Landes,  namentlich  im Grossraum Colombo, ausgegangen wer-
den. Können die Existenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die 
konkreten Möglichkeiten der Existenzsicherung und der Wohnsituation 
nicht als gesichert angenommen werden, ist der Wegweisungsvollzug 
daher  als  unzumutbar  zu  qualifizieren  und  in  der  Folge  als  Ersatz-
massnahme eine vorläufige Aufnahme anzuordnen.

8.7 Aus den Akten geht  hervor,  dass der Beschwerdeführer aus der 
Ostprovinz stammt und seine Ehefrau und der gemeinsame Sohn dort 
leben. Es gibt keine konkreten Hinweise für ein tatsächlich bestehen-
des familiäres oder soziales Beziehungsnetz des Beschwerdeführers 
im Grossraum Colombo oder im Süden Sri Lankas. Er hat sich wäh-
rend der vergangenen zwei Jahre nicht mehr im Heimatland aufgehal-
ten. Unter  diesen  Umständen ist  nicht  davon auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer im Grossraum Colombo auf ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz  zurückgreifen  kann.  Ausserdem  dürften  die  allgemeinen 
Schwierigkeiten der aus dem Norden und Osten Sri Lankas stammen-
den rückkehrenden Asylsuchenden, sich im Grossraum Colombo eine 
Existenz aufzubauen, im Fall des Beschwerdeführers nicht ohne weite-
res zu überwinden sein. Auch seine Wohnsituation kann nicht als gesi-
chert  betrachtet  werden. Der Wegweisungsvollzug ist  somit  als  unzu-
mutbar zu qualifizieren. Da sich aus den Akten keine Hinweise auf all-
fällige Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, ist 
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers anzuordnen. 

9.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit sie den 
Vollzug der Wegweisung betrifft; im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ver-
fügung des BFM vom 26. September 2007 ist hinsichtlich der Ziffern 4 
(Verlassen der Schweiz) und 5 (Vollzug der Wegweisung) des Disposi-
tivs  aufzuheben.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  des  Be-
schwerdeführers nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläu-
fige Aufnahme zu regeln (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG). 

9.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), in Anbetracht sei-
nes hälftigen Obsiegens auf insgesamt Fr. 300.- festzusetzen (Art. 16 
Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

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tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),  und mit  dem am 19. November 
2007 geleisteten Kostenvorschuss in  der Höhe von Fr. 600.-  zu ver-
rechnen. Die Differenz ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

9.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der ob-
siegenden  Partei  eine  Parteientschädigung  für  die  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten  zusprechen.  Dem  vertretenen  Be-
schwerdeführer ist angesichts seines teilweisen Obsiegens eine redu-
zierte  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  7  Abs.  2  VGKE). Der 
Rechtsvertreter  hat  keine Kostennote  eingereicht,  der  Vertretungsauf-
wand kann aufgrund der Akten jedoch zuverlässig abgeschätzt werden, 
weshalb auf die Einholung einer Kostennote zu verzichten ist (vgl. Art. 
14  Abs.  2  VGKE).  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Be-
rechnungsfaktoren (Art. 9 - 11 und 13 VGKE) ist die um die Hälfte zu 
kürzende Parteientschädigung auf Fr. 500.- (inkl. Auslagen und MWST) 
festzusetzen. Das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen 
Betrag als Parteientschädigung zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit sie den Vollzug der Weg-
weisung betrifft; im Übrigen wird sie abgewiesen.

2.
Die Verfügung des Bundesamtes vom 26. September 2007 wird bezüg-
lich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs aufgehoben und das BFM an-
gewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist mit dem am 19. November 2007 geleisten-
ten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-  zu verrechnen und die 
Differenz ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 500.- zu bezahlen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Zahlungsformular)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)

- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand: 

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