# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72a00c7c-d00f-564e-9032-1e0a30d2c4cb
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 2. Abteilung O2S-13-18
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_002_O2S-13-18_nodate.pdf

## Full Text

Berufungskläger/ 
Anschlussberufungs- 
beklagter 
Beschuldigter 

A___ 
 
verteidigt durch: RA B___ 
 

 
 
Berufungsbeklagte/ 
Anschlussberufungs- 
klägerin 
Anklägerin  

Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK,  
Eigerplatz 1, 3003 Bern 
 

 
 
Berufungsbeklagte 
Anklägerin  

Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden  
 
vertreten durch: StA C___,  
Schützenstrasse 1A, 9100 Herisau 
 

 
 
 

 
 
  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
2. Abteilung  
 

Urteil vom  9. Dezember 2014  
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 
Oberrichter B. Oberholzer, H.P. Blaser, H. Zingg, R. Aebischer 
Obergerichtsschreiberin B. Widmer 
 

Verfahren Nr. O2S 13 18 
 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 
 
 

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über Glücks-
spiele und Spielbanken (SBG)  

 

Seite 2 

A. Anträge 
 
a) der Staatsanwaltschaft:   
 
 im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren: 
 
 -- 
 
 
b) der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren (an Schranken): 

 
1.  A___ sei in Anwendung von Artikel 56 Absatz 1 Buchstabe a Spielbankengesetz der 

Widerhandlung gegen das SBG schuldig zu sprechen, begangen durch die 
Organisation von Glücksspielen ausserhalb konzessionierter Spielbanken 
(Organisieren eines Pokerturniers der Variante Texas Hold’em No Limit) in den 
Räumlichkeiten des Pokerclubs E___ in F___, festgestellt am 17. Dezember 2010. 
 

2. A___ sei zu einer Busse von CHF 1‘500.00 zu verurteilen. 
 
3. Das am 17. Dezember 2010 beschlagnahmte Spielgeld in der Höhe von 

CHF 780.00 sei anteilsmässig im Betrag von CHF 390.00 bei A___ einzuziehen. 
 

4. A___ sei zur Leistung einer Ersatzforderung zugunsten des Bundes in der Höhe von 
CHF 20.00 zu verurteilen. 
 

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 
 
 
bb) im Berufungsverfahren: 
  
 Auf die vom Rechtsvertreter von A___ eingereichte Berufung gegen das Urteil der 

Einzelrichterin des Kantons Appenzell Ausserrhoden vom 15.10.2013 sei nicht einzu-
treten.  

 
  
 Korrektur des Nichteintretensantrages gemäss act. B 11:  
  
 „Richtigerweise hätte die Abweisung der Berufung verlangt werden müssen.“ 
 
 

Zur Anschlussberufung: 
 
A___ sei der vorsätzlichen Widerhandlung gegen Artikel 56 Absatz 1 Buchstabe a 
Spielbankengesetz schuldig zu sprechen (Organisation von Glücksspielen ausserhalb 
einer konzessionierten Spielbank, begangen am 17. Dezember 2010).  

  
 

 

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c) des Beschuldigten: 
 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren (an Schranken): 

 
1. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates. 
 
 

bb) im Berufungsverfahren:  
  
 in der Berufungserklärung (act. B 1): 
 
 1. Der Beschuldigte A___ sei vom Anklagevorwurf der vorsätzlichen Verletzung des 

Spielbankengesetzes im Sinne von Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG sowie auch der 
fahrlässigen Verletzung des Spielbankengesetzes im Sinne von Art. 56 Abs. 2 SBG 
frei zu sprechen.  

  
 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse. 
 
 

in der Eingabe vom 5.2.2014 (act. B 17): 
 

1. Auf die Berufung von A___ vom 22.11.2013 sei einzutreten 
 
2. Auf die Anschlussberufung der ESBK im Verfahren gegen den Beschuldigten A___, 

datierend vom 17.12.2013, sei nicht einzutreten. 
 
3. Unter Kosten– und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse. 

 
 

in der Eingabe vom 25.2.2014 (act. B 20): 
 

1. Der Beschuldigte A___ sei vom Anklagevorwurf der vorsätzlichen Verletzung des 
Spielbankengesetzes im Sinne von Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG sowie auch der 
fahrlässigen Verletzung des Spielbankengesetzes im Sinne von Art. 56 Abs. 2 SBG 
frei zu sprechen.  

 
2. Eventualiter sei das Urteil des Kantonsgerichts vom 15.10.2013 aufzuheben und zur 

neuen Beurteilung an die Vorinstanz zu weisen. 
 
3. Die am 17.12.2010 beschlagnahmten Gelder seien in der Höhe von CHF 390.00 an 

den Beschuldigten A___ herauszugeben. 
 
4. Auf eine Ersatzforderung des Bundes von CHF 20.00 sei zu verzichten. 
 
5. Die Kosten der Untersuchung, der ersten Instanz als auch des Obergerichts des 

Kantons Appenzell Ausserrhoden seien vollständig von der Staatskasse zu tragen. 
 
6. A___ sei eine Prozessentschädigung in der Höhe der ihm entstandenen 

Rechtsvertretungskosten aus der Staatskasse zu bezahlen. 

 

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B. Sachverhalt 

Am 21. November 2008 wurde die E___ GmbH mit Sitz in F___ in das Handelsregister 

des Kantons Appenzell Ausserrhoden eingetragen. Gesellschafter und Geschäftsführer ist 

A___, dessen Bruder D___ Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung, beide 

mit Einzelunterschriftsbefugnis (act. 1B 05/001). Am 20. Mai 2010 entschied das Bun-

desgericht, dass das Pokerspiel, darunter die Variante Texas Hold’em, als Glücksspiel zu 

qualifizieren ist (BGE 136 II 291 ff.). A___ und D___ führten am 17. Dezember 2010 in 

den Räumlichkeiten des Pokerclubs E___ GmbH in F___ ein Pokerturnier („Abschluss 

Freeroll“) der Spielvariante „Texas Hold’em No Limit“ durch. An diesem Turnier spielten 

46 Personen Poker. Sodann wurde Spielgeld im Betrag von total CHF 780.00 

beschlagnahmt (act. 1B 01/005, 1B 01/007, 1B 02/006, 1B 02/013). 

 

 
 

C. Prozessgeschichte 

Der Beschuldigte wurde am 17. Dezember 2010 durch das Untersuchungsamt Altstätten  

einvernommen (act. 1B 04/001-005; D___: siehe Verfahren O2Z 13 19). Die Teilnehmer 

des Pokerturniers wurden gleichentags durch die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden 

als Auskunftspersonen befragt (act. 1B 04/012-217). Daraufhin erging am 

25. Oktober 2011 von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (im Folgenden ESBK 

genannt) der Strafbescheid im abgekürzten Verfahren gegen den Beschuldigten (act. 1B 

07/084-088). Der Beschuldigte teilte am 8. November 2011 der ESBK telefonisch mit, 

dass er den Strafbescheid im abgekürzten Verfahren nicht unterschreiben werde (act. 1B 

07/077), woraufhin am 25. Januar 2012 das Schlussprotokoll erging (act. 1B 07/065-069). 

Von der Möglichkeit, zu diesem Schlussprotokoll Stellung zu nehmen oder einen Antrag 

auf Ergänzung zu stellen, machte der Beschuldigte keinen Gebrauch. Daraufhin erliess 

die ESBK am 25. Juni 2012 einen unbegründeten Strafbescheid gegen den Beschuldigten 

(act. 1B 07/031-033). Gegen diesen Strafbescheid erhob A___ am 23. Juli 2012 

Einsprache, verbunden mit dem Antrag um Beurteilung durch das Strafgericht (act. 1B 

07/027). Die ESBK erliess am 3. Oktober 2012 eine begründete Strafverfügung gegen 

den Beschuldigten. Darin wurde A___ der Organisation von Glückspielen ausserhalb 

konzessionierter Spielbanken, begangen am 17.12.2010, schuldig gesprochen und zu 

einer Busse von CHF 1‘500.00 verurteilt (act. 1B 07/004-013). Daraufhin verlangte der 

Beschuldigte am 15. Oktober 2012 die Beurteilung durch das Strafgericht (act. 1B 

07/001). Die ESBK überwies das Verwaltungsstrafverfahren gegen den Beschuldigten am 

26. Oktober 2012 zur gerichtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Appenzell 

Ausserrhoden (act. 1B 00/001-003). Letztere wiederum überwies die 

 

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Überweisungsverfügung der ESBK vom 26. Oktober 2012 am 19. Juli 2013 an das Kan-

tonsgericht Appenzell Ausserrhoden (act. 1A). Am 15. Oktober 2013 fand die mündliche 

Hauptverhandlung statt (act. 16, 17). Das Urteil wurde am 4. November 2013 in 

begründeter Ausfertigung an die Parteien versandt (act. 24).  

 

 
 

D. Erstinstanzliches Urteil  

Mit Urteil der Einzelrichterin des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden vom 15. Okto-

ber 2013 (ES2 13 7) wurde A___ der fahrlässigen Organisation von Glückspielen 

ausserhalb konzessionierter Spielbanken gemäss Art. 56 Abs. 2 SBG (begangen am 

17.12.2010) schuldig gesprochen. Er wurde zu einer Busse von CHF 750.00, bei 

schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 7 Tagen, verurteilt. 

Dazu wurde im Urteilsdispositiv vermerkt, dass gemäss Art. 90 Abs. 1 VStrR die Eidge-

nössische Spielbankenkommission das Urteil des Strafgerichts vollstreckt und die Busse 

dem Bund zufällt (Art. 93 Abs. 1 VStrR). Die Verfahrenskosten von total CHF 2‘555.00 

wurden dem Beschuldigten auferlegt und es wurde ihm keine Entschädigung zugespro-

chen. Entschieden wurde weiter, dass die am 17.12.2010 beschlagnahmten Gelder in der 

Höhe von total CHF 780.00 anteilsmässig (CHF 390.00) bei A___ eingezogen werden 

und gemäss Art. 93 Abs. 1 VStrR dem Bund zufallen. Sodann entschied die Ein-

zelrichterin, dass der Beschuldigte keine Ersatzforderung an den Bund zu leisten hat.  

 

Auf eine Wiedergabe der Urteilsbegründung in den angefochtenen Punkten wird verzich-

tet und auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen.  

 
 

 

E. Schriftenwechsel 

  a) Gegen das Urteil vom 15. Oktober 2013, dessen Zustellung an den Beschuldigten in 

begründeter Ausfertigung am 5. November 2013 (act. 26) erfolgt war, liess dieser 

mit Eingabe vom 22. November 2013 (act. B 1) fristgemäss die Berufung einreichen. 

 

  b) Mit Verfügung des Obergerichtspräsidenten vom 25. November 2013 wurde den 

Parteien die Zuweisung des Prozesses an die 2. Abteilung mitgeteilt (act. B 4).  

 

 c) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 25. November 2013 wurde der 

Staatsanwaltschaft sowie der ESBK Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und 

begründeten Nichteintretensantrag und/oder eine schriftliche Anschlussberufung 

 

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einzureichen (act. B 5). Die ESBK reichte mit Eingabe vom 17. Dezember 2013 

fristgemäss Anschlussberufung ein (act. B 10).  

 

  d) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 23. Dezember 2013 wurde den Parteien 

mitgeteilt, dass beabsichtigt sei, das Berufungsverfahren schriftlich durchzuführen 

(act. B 12).  

 

 e) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 14. Januar 2014 wurde dem Beschuldig-

ten sowie der Staatsanwaltschaft Gelegenheit gegeben, einen schriftlichen und 

begründeten Nichteintretensantrag und/oder eine schriftliche Anschlussberufung 

einzureichen. Weiter wurden dem Beschuldigten sowie der ESBK Frist eingeräumt, 

um die Begründung ihre Berufungs- und Anschlussberufungsanträge zu ergänzen 

(act. B 16).  

 

  f) Der Beschuldigte liess sich mit Eingabe vom 5. Februar 2014 vernehmen (act. B 

17). Eine weitere Eingabe von RA B___ ging am 26. Februar 2014 beim Obergericht 

ein (act. B 20). Die ESBK reichte am 14. März 2014 eine Stellungnahme ein (act. B 

26). Der Beschuldigte liess sich am 28. März 2014 vernehmen (act. B 27). Eine 

weitere Eingabe von RA B___ datiert vom 8. April 2014 (act. B 30). Die ESBK nahm 

am 2. Mai 2014 Stellung (act. B 34), RA B___ am 20. Mai 2014 (act. B 36). 

 

 Auf die entsprechenden Ausführungen und Angaben in den in lit. a - f vorstehend ange-

führten Schriftstücken wird, soweit für die Beurteilung erforderlich, im Rahmen der 

nachfolgenden Erwägungen einzugehen sein. 

 

 

 

Erwägungen des Gerichts 

 
1. Formelles 

 
1.1 Zuständigkeit 

Auf die zutreffende vorinstanzliche Erwägung Ziff. 1.2.1 zur örtlichen Zuständigkeit kann 

verwiesen werden.  

 

Bezüglich der sachlichen Zuständigkeit des Obergerichts ist auf die Art. 26 und 27 des am 

1.1.2011 in Kraft getretenen Justizgesetzes vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 

hinzuweisen. Nach Art. 26 JG ist das Obergericht Berufungs- und Beschwerdeinstanz in 

der allgemeinen Strafrechtspflege, unter Vorbehalt der Befugnisse des Einzelrichters 

 

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(letztere beschränken sich laut Art. 27 JG auf den Bereich des Zwangsmassnahme-

rechts).  

 

 

1.2 Rechtskräftige Urteilspunkte 

Festzuhalten ist, dass Dispositiv Ziff. 6 des Urteils der Einzelrichterin des Kantonsgerich-

tes vom 15.10.2013, welche festhält, dass der Beschuldigte keine Ersatzforderung an den 

Bund zu leisten hat, nicht angefochten worden ist (siehe nachstehende Erwägung Ziff. 1.7 

und 1.8). Dementsprechend ist der genannte Urteilspunkt gestützt auf Art. 437 Abs. 1 lit. a 

StPO rechtskräftig.  

 

 

1.3 Anwendbares Recht 

Ebenfalls verwiesen werden kann auf die Erwägung Ziff. 1.1 der Vorinstanz zum anwend-

baren Recht. Zu ergänzen ist folgendes: 

 

Gestützt auf Art. 454 Abs. 1 StPO, wonach für Rechtsmittel gegen erstinstanzliche Ent-

scheide, die nach Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt werden, neues Recht gilt, ist die 

StPO (SR 312.0) anwendbar.  

 

Anwendbar auf den vorliegenden Fall ist das Bundesgesetz über das Verwaltungsstraf-

recht (VStrR, SR 313.0). Art. 1 VStrR sieht vor, dass dieses Gesetz Anwendung findet, 

wenn die Verfolgung und Beurteilung von Widerhandlungen einer Verwaltungsbehörde 

übertragen ist. Dies ist gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über Glücksspiele und Spiel-

banken (Spielbankengesetz, SBG; SR 935.52) der Fall. Ausdrücklich wird in jener 

Bestimmung festgehalten, dass das VStrR anwendbar und urteilende Behörde die Eidge-

nössische Spielbankenkommission ist. 

 

Zu beurteilen ist vorliegend ein Vorfall vom 17. Dezember 2010. Die aktuellste Fassung 

des VStrR ist diejenige mit Stand am 1. Mai 2013. Gestützt auf die Übergangsregelung in 

Art. 106 Abs. 1 VStrR kommt aufgrund dessen, dass die Strafverfügung der ESBK am 

3. Oktober 2012 erging, das VStrR mit Stand am 1. Januar 2011  (nachfolgend mit 

aVStrR  bezeichnet) zur Anwendung. Art. 82 aVStrR verweist für den Fall, dass die Artkel 

73-81 nichts anderes bestimmen, für das Verfahren vor den kantonalen Gerichten auf die 

entsprechenden Vorschriften der StPO.  

 

Das SBG ist in der heutige gültigen Fassung, Stand am 27. Dezember 2006 , anwendbar. 

 

 

Seite 8 

Die Verordnung über Glücksspiele und Spielbanken (Spielbankenverordnung, VSBG; SR 

935.521) ist mit Stand am  1. Januar 2010  massgebend (die aktuellste Version ist dieje-

nige per 1.1.2011). Dies, weil ein Tatbestand vom 17.12.2010 zu beurteilen ist und eine 

anderslautende Übergangsbestimmung in der aktuellsten Version fehlt. Nachfolgend wird 

diese Verordnung mit aVSBG bezeichnet.  

 

Die Verordnung des EJPD über Überwachungssysteme und Glücksspiele (Glücksspiel-

verordnung, GSV; SR 935.521.21) ist mit der bis heute gültigen Fassung, Stand am  

26. Oktober 2004 , anwendbar.  

 

 

1.4 Zulässigkeit der Berufung 

Art. 80 Abs. 1 aVStrR verweist für Strafsachen, welche an das kantonale Gericht zur 

Beurteilung überwiesen wurden, auf die Rechtsmittel der StPO. Gestützt auf Art. 398 Abs. 

1 StPO ist die Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil der Einzelrichterin des Kantons-

gerichts zulässig.  

 

 

1.5 Legitimation 

Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung 

eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Der 

Beschuldigte, der vor erster Instanz verurteilt wurde, hat zweifellos ein rechtlich 

geschütztes Interesse an der Aufhebung des Urteils der Vorinstanz vom 15. Oktober 

2013.  

 

Zu prüfen ist, ob die ESBK zur Erhebung einer Anschlussberufung legitimiert ist. Art. 74 

Abs. 1 aVStrR führt ausdrücklich die beteiligte Verwaltung als Partei im gerichtlichen 

Verfahren auf. Somit ist die ESBK Partei und gestützt auf Art. 80 Abs. 2 aVStrR befugt, 

selbständig ein Rechtsmittel zu ergreifen.  

 

Die Legitimation der Staatsanwaltschaft als Verfahrenspartei ergibt sich aus Art. 74 Abs. 1 

i.V.m. Art. 80 Abs. 1 aVStrR bzw. Art. 381 Abs. 1 StPO.  

 

 

 1.6 Berufungsgründe/Noven bei Übertretungen 

 Da vor der Einzelrichterin des Kantonsgerichts ausschliesslich Übertretungen zu beurtei-

len waren, ist vorliegend Art. 398 Abs. 4 StPO zu beachten. Danach prüft das Berufungs-

gericht das Urteil zunächst auf Rechtsfehler, womit offenbar (nach der üblicheren Termi-

 

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nologie) Rechtsverletzungen gemeint sind. Analog zu Art. 95 BGG ist primär an Verlet-

zungen des Bundesrechts, so der StPO oder des StGB, aber auch z. B. der Grundrechte 

nach BV oder EMRK zu denken. Gerügt werden kann in Anlehnung an Art. 398 Abs. 3 lit. 

a StPO ebenso Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, weiter (hier weniger 

aktuell) Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, wohl aber nicht Unangemessen-

heit, d.h. Ermessensfehler, nach Art. 398 Abs. 3 lit. c StPO (Schmid, Schweizerische 

Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., N. 12 zu Art. 398). Sämtliche Rechts-

fragen sind mit freier Kognition zu prüfen, und zwar nicht nur materiellrechtliche, sondern 

auch prozessuale (Hug/Scheidegger, in Donatsch/Hansjakob/Lieber (Hrsg.), Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl.,  N. 23 zu 398). Ferner beschränkt 

Art.  398 Abs. 4 StPO die Überprüfung des Sachverhalts auf offensichtlich unrichtige Fest-

stellungen (willkürliche Feststellung des Sachverhalts) und Rechtsverletzungen. Neue 

Behauptungen und Beweise können in diesem Verfahren nicht vorgebracht werden 

(Eugster, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., N. 3a zu 

Art. 398). Das Verfahren im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO kennt keine qualifizierte 

Rügepflicht (Hug/Scheidegger, a.a.O., N. 24 zu Art. 398). Die Rüge der offensichtlich 

unrichtigen oder auf Rechtsverletzung beruhenden Feststellung des Sachverhalts 

entspricht Art. 97 BGG. Relevant sind hier zunächst klare Fehler bei der Sachver-

haltsermittlung, liegend etwa in Versehen und Irrtümern, offensichtlichen Diskrepanzen 

zwischen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten- sowie 

Beweislage und der Urteilsbegründung (Schmid, a.a.O., N. 13 zu Art. 398).  

 

 

1.7 Ergänzung Berufungsanträge 

Die ESBK  weist daraufhin, der Berufungskläger ergänze in der Berufungsbegründung 

seine ursprünglich in der Berufung gestellten Anträge. Diese Ergänzung verletze Art. 399 

Abs. 3 StPO. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist von 20 Tagen sei eine Ausdehnung des 

Berufungsantrages auf bisher nicht angefochtene Teile eines Urteils nicht mehr möglich. 

Es sei deshalb auf die ergänzenden Anträge nicht einzutreten. Gemäss Art. 69 ff. StGB 

verfüge das Gericht ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person die Ein-

ziehung von Gegenständen, die zur Begehung einer Straftat gedient hätten oder bestimmt 

gewesen seien. Die Folgerung des Verteidigers des Beschuldigten, dass bei einem allfäl-

ligen Freispruch die akzessorische Einziehung und allenfalls Ersatzforderung dahinfalle, 

müsse deshalb im Einzelfall geprüft werden.  

Der Berufungskläger  stellt sich auf den Standpunkt, die Verteidigung habe mit Beru-

fungserklärung einen vollumfänglichen Freispruch beantragt. Die logische Folge sei, dass 

die auf dem Schuldspruch basierenden akzessorischen Einziehungen und allenfalls 

 

Seite 10 

Ersatzforderungen mitangefochten seien. Ansonsten würde bei einem Freispruch eine 

Einziehung bzw. Ersatzmassnahme ohne Rechtsgrundlage vorliegen.   

 

Weil in den formellen Anträgen auf S. 2 der Berufungserklärung nur der Freispruch auf-

geführt ist, auf Seite 1 unten jedoch auch die Strafzumessung und die damit verbundenen 

Nebenfolgen, hätte gestützt auf Art. 400 Abs. 1 StPO der Berufungskläger und 

Anschlussberufungsbeklagte (nachfolgend Berufungskläger genannt) zur Verdeutlichung 

der Berufungserklärung aufgefordert werden müssen. Dies ist in der Folge unterblieben. 

Der Berufungskläger hat diese Verdeutlichung in seiner Eingabe vom 25. Februar 2014 

(act. B 20) von sich aus vorgenommen, was angesichts der unterbliebenen Aufforderung 

zulässig sein muss. Unbesehen davon ist die Ergänzung der Berufungsanträge aber 

bereits deshalb zulässig, weil mit der Anfechtung z. B. des Schuldspruchs mit Antrag auf 

Freispruch für den Fall der Gutheissung der Anträge automatisch auch damit zusammen-

hängende Folgepunkte des Urteils (z. B. Sanktion, Nebenfolgen, vor allem Zivilpunkte, 

Kosten- und Entschädigungen) als angefochten gelten, also eigentlich alle Punkte nach 

Art. 399 Abs. 4 lit. b–g (Schmid, a.a.O., N. 18 zu Art. 399; Eugster, a.a.O., N. 7 zu Art. 

399). Folglich sind die vom Berufungskläger vor Obergericht vorgenommenen Ergänzun-

gen seiner Anträge zulässig.  

 

 

1.8 Umfang der Anschlussberufung /Eintreten auf Ans chlussberufung 

Der Berufungskläger  lässt seinen Nichteintretensantrag bezüglich der Anschlussberu-

fung der ESBK damit begründen, es sei nicht klar ersichtlich, ob diese das ganze Urteil 

oder nur Teile desselben anfechte. Deshalb sei die Eingabe der ESBK vom 17. Dezember 

2013 hinsichtlich der Anschlussberufung mangelhaft bzw. genüge den Anforderungen von 

Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO nicht. Zudem sei die ESBK der ihr obliegenden Rügepflicht 

nicht nachgekommen, indem sie die Berufungsgründe nicht geltend gemacht habe. 

Die ESBK  weist daraufhin, dass in der Anschlussberufung geltend gemacht werde, dass 

im Urteil erster Instanz die Feststellung des Sachverhaltes offensichtlich unrichtig erfolgt 

sei (Annahme von Fahrlässigkeit anstelle von Vorsatz) und somit eine Rechtsverletzung 

darstelle.  

 

Aus dem Antrag sowie der Begründung der Anschlussberufung der ESBK geht klar her-

vor, dass sich die Anschlussberufung auf Dispositiv Ziff. 1 des angefochtenen Urteils be-

zieht, also auf den Schuldspruch gestützt auf Art. 56 Abs. 2 SBG. Klar ist auch, dass die 

Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin (nachfolgend Berufungsbeklagte ge-

nannt) statt des Schuldspruchs nach Art. 56 Abs. 2 SBG wegen fahrlässiger Tatbegehung 

einen solchen nach Art. 56 Abs. 1 wegen vorsätzlicher Tatbegehung  verlangt. Hingegen 

 

Seite 11 

hat die ESBK keine Ausführungen und keinen Antrag zum Strafmass gemäss Urteilsdis-

positiv Ziff. 2 des erstinstanzlichen Urteils gemacht. Anzufügen ist, dass es in der Beru-

fungserklärung auch nicht genügen würde, bloss festzuhalten, das Rechtsmittel richte sich 

gegen das Strafmass. Bei einer Anfechtung der Sanktion ist bspw. anzugeben, ob ein 

Wechsel der Strafart (Geldstrafe anstelle von Freiheitsstrafe) oder eine Strafminderung 

oder –schärfung angestrebt wird (Eugster, a.a.O., N. 4 zu Art. 399). Dasselbe gilt auch für 

die Anschlussberufung (vgl. Art. 399 Abs. 3 und 4 i.V.m. Art. 401 Abs. 1 StPO). Aufgrund 

des Gesagten richtet sich somit die Anschlussberufung der ESBK einzig gegen den 

Schuldpunkt.  

 

Der Vorwurf der ESBK gegenüber dem Berufungskläger, er habe die Rügepflicht nicht 

erfüllt bzw. die Berufungsgründe nicht genannt, ist zurückzuweisen, da in der Berufungs-

erklärung vom 22. November 2013 ausdrücklich vorgebracht wird, das angefochtene 

Urteil sei rechtsfehlerhaft, beruhe auf einer Rechtsverletzung bzw. die Sachverhalts-

erstellung sei willkürlich erfolgt (act. B1 S. 1 ff.). Die Minimalanforderungen an eine 

Begründung sind damit erfüllt. Auf die Anschlussberufung, welche sich einzig gegen den 

Schuldpunkt richtet, kann daher eingetreten werden.  

 

 

1.9 Unterbliebene Befragung der Spieler in Anwesenh eit des Beschuldigten 

Der Berufungskläger  lässt rügen, durch die Nichtabnahme der beantragten Befragungen 

der Pokerturnierteilnehmer in seinem Beisein sei sein rechtliches Gehör im Sinne von Art. 

6 EMRK unheilbar verletzt, weshalb ein Freispruch zu erfolgen habe. Er habe keinen Ver-

zicht auf die Befragung der Spieler erklärt.  

Die ESBK  wirft ein, dass sich die Aussagen der Spieler mit den eigenen Aussagen des 

Beschuldigten decken würden. Zudem sei das Schlussprotokoll unwidersprochen geblie-

ben und es seien keine Anträge auf Ergänzung der Untersuchung (Neubefragung von 

Zeugen) gestellt worden.  

 

Die Vorinstanz hat in Erw. 1.3 zutreffende rechtliche Ausführungen zu den Teilnahme-

rechten bei Beweiserhebungen gemäss Art. 147 StPO gemacht, insbesondere dass der 

Anspruch aus dieser Bestimmung nur uneingeschränkt gilt, wenn dem fraglichen Zeugnis 

ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Wäre dies der Fall, dürften gemäss Abs. 4 von 

Art. 147 StPO die Aussagen der Spieler, die in Verletzung der Bestimmungen von Abs. 1 

bis 3 erhoben worden sind, nicht zulasten des abwesenden Beschuldigten verwertet wer-

den. Das Obergericht teilt die Meinung der Vorinstanz, dass der Beschuldigte durch die 

Aussagen der Spieler nicht stärker belastet wird als durch seine eigenen. Hinzu kommt, 

dass die Aussagen der Spieler in der nachfolgenden Beurteilung keine Verwendung fin-

 

Seite 12 

den, also nicht ausschlaggebend sind. Aufgrund dieser Überlegungen erscheint der Ver-

zicht der Vorinstanz – sowie auch des Obergerichts - auf die Wiederholung der Befragung 

der Spieler, wie sie in Art. 147 Abs. 3 StPO ausgeführt wird, als rechtmässig.   

 

 
 

2. Art. 56 SBG (Organisation von Glücksspielen auss erhalb konzessionierter Spiel-
banken) 

 
2.1 Anklagegrundsatz  

Der Berufungskläger  lässt vorbringen, weder in der Anklage (Strafverfügung der ESBK) 

noch im Plädoyer der ESBK vor Kantonsgericht Appenzell Ausserrhoden sei ihm jemals 

eine fahrlässige Begehung vorgeworfen worden. Gegenstand einer gerichtlichen Beurtei-

lung habe jedoch nur derjenige Anklagesachverhalt bilden dürfen, welcher nicht von einer 

Fahrlässigkeit ausgehe. Entsprechend seien das Anklageprinzip und auch das rechtliche 

Gehör verletzt worden, womit eine Rechtsverletzung vorliege. Der von der  Einzelrichterin 

des Kantonsgerichts ausgesprochene Schuldspruch der fahrlässigen Verletzung von Art. 

56 SBG decke sich nicht mit dem Anklagesachverhalt.  

Die ESBK lässt einwenden, es sei nicht einsichtig, dass das Anklageprinzip und somit das 

rechtliche Gehör verletzt werde, wenn das Gericht entgegen der Anklage (auf vorsätzliche 

Tatbegehung) auf eine fahrlässige Tatbegehung erkenne. Der Grundsachverhalt und 

damit der Tatvorwurf bleibe bei beiden Begehungsarten der Gleiche. Sollte das ange-

rufene Gericht dennoch auf eine Verletzung des Anklageprinzips und des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör durch das erstinstanzliche Gericht erkennen, müsste das angefochtene 

Urteil aufgehoben werden und die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhand-

lung und zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurückgewiesen 

werden.   

 

Der Anklagegrundsatz wird in Art. 9 StPO festgehalten. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und 

Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten Ankla-

gegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens. 

Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens können nur Sachverhalte sein, die dem Ange-

klagten in der Anklageschrift vorgeworfen werden (Umgrenzungsfunktion; Immutabilitäts-

prinzip). Letztere muss die Person des Angeklagten sowie die ihm zur Last gelegten 

Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise umschreiben, dass die Vorwürfe im objektiven und 

subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das Anklageprinzip bezweckt damit 

zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte des Angeklagten und dient dem Anspruch 

auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). In der Anklage sind im Übrigen namentlich 

die Umstände aufzuführen, welche zum gesetzlichen Tatbestand gehören (Urteil des Bun-

 

Seite 13 

desgerichts 6B_899/2010 vom 10.1.2011 E. 2.3). Die Anforderungen an die Anklage-

schrift werden in Art. 325 StPO konkretisiert. Danach hat die Anklageschrift u.a. möglichst 

kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung 

von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung zu bezeichnen. In der Anklage 

muss immer völlig klar sein, ob dem Angeklagten Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Bege-

hung vorgeworfen wird, denn die beiden Varianten verlangen durchaus ein unterschiedli-

ches Vorgehen der Verteidigung (BGE 120 IV 348 E. 3c). Bei Fahrlässigkeitstaten gehört 

zu der in der Anklage zu bezeichnenden Tat die Aufführung sämtlicher Umstände, aus 

denen sich Pflichtwidrigkeit, Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit der Tatfolgen ergeben 

(Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 3. Aufl., Rz. 624). Wird lediglich die vor-

sätzliche Tatbestandsvariante angeklagt, fällt bei Verneinung eines Vorsatzes eine Ver-

urteilung wegen der Fahrlässigkeitstatbestandsvariante ausser Betracht, weil die tatsäch-

lichen Voraussetzungen der Fahrlässigkeit von der Anklageschrift umschrieben werden 

müssen (Niggli/Heimgartner, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 

N. 6 zu Art. 350). In einem solchen Fall ist das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und die 

Sache an die Vorinstanz zur Weiterbearbeitung zurückzuweisen (Art. 409 Abs. 1 StPO). 

Die Rückweisung nach Art. 409 StPO erfolgt mit einem Beschluss (Eugster, a.a.O., N. 2 

zu Art. 409). Gestützt auf Art. 333 i.V.m. Art. 409 Abs. 2 StPO muss die Vorinstanz der 

Staatsanwaltschaft Gelegenheit geben, die Anklage zu ändern (vgl.: Oberholzer, a.a.O., 

Rz. 1427).  

 

Die Überweisungsschrift der ESBK vom 26. Oktober 2012 (act. 1B 00/001-003), welche 

als Anklage gilt (act. 1A), verweist bezüglich der Begründung auf die betreffend A___ am 

3. Oktober 2012 erlassene Strafverfügung (act. 1B 07/004-013). In der genannten 

Strafverfügung wird der Beschuldigte einzig der vorsätzlichen Begehung von Art. 56 Abs. 

1 lit. a SGB für schuldig befunden (S. 7 ff.). Von einer fahrlässigen Tatbegehung ist 

dagegen in den gesamten Verfahrensakten der ESBK nirgends die Rede und eine solche 

wurde von ihr auch nicht geprüft. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird (Erwägung Ziffer 

2.3), geht das Obergericht, im Gegensatz zur Vorinstanz, beim subjektiven Tatbestand 

von Vorsatz aus. Damit erübrigt sich eine Rückweisung des Verfahrens an die Ein-

zelrichterin des Kantonsgerichts mit der Anweisung, die Anklage sei durch die Staatsan-

waltschaft bezüglich einer fahrlässigen Tatbegehung entsprechend zu ändern.  

 

 

2.2 Objektiver Tatbestand  

Mit Haft oder mit Busse bis zu CHF 500‘000.00 wird bestraft, wer Glücksspiele ausserhalb 

konzessionierter Spielbanken organisiert oder gewerbsmässig betreibt. Wer fahrlässig 

 

Seite 14 

handelt, wird mit Busse bis zu CHF 250‘000.00 bestraft (Art. 56 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 

SBG).  

 

2.2.1 Tatbestandselement Glücksspiel 

Der Berufungskläger lässt geltend machen, das fragliche Pokerturnier in der Variante 

„Texas Hold’em“ sei von der Vorinstanz zu Unrecht als Glücksspiel im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 SBG qualifiziert worden. Das Bundesgericht habe mit seinem Urteil BGE 136 II 291 

eine von der ESBK erlassene Qualifikationsverfügung, welche die darin beschriebene 

Pokervariante als Geschicklichkeitsspiel qualifiziert habe, aufgrund von Mängeln im 

Qualifikationsverfahren (unsichere Datenbasis etc.) aufgehoben. Der Widerruf einer 

mangelhaften Qualifikation, welche in einem Verwaltungsverfahren auf Gesuch hin 

erlassen worden sei, könne nicht in einem Strafverfahren umkehrschlussweise als 

Glücksspielqualifikation im Sinne von Art. 60 VSBG herangezogen werden.  

Die ESBK  ist der Ansicht, das Bundesgericht habe in 136 II 291 E. 5.3.3 entschieden, 

„Texas Hold’em“ eigne sich zum Glücksspiel oder lasse sich leicht zum Glücksspiel ver-

wenden. Als Konsequenz aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung habe die ESBK 

sämtliche von ihr erlassenen Qualifikationsverfügungen betreffend Pokerturniere als 

Geschicklichkeitsspiele widerrufen. Unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen 

Überlegungen stelle die Qualifikation der vom Beschuldigten durchgeführten Poker-

variante als Glücksspiel die einzige Möglichkeit dar.  

 

Die Definition von Glückspielen findet sich in Art. 3 SBG. Dieser lautet wie folgt: 

 

  Begriffe und Abgrenzung 
1 Glücksspiele sind Spiele, bei denen gegen Leistung eines Einsatzes ein 
Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht, der ganz oder 
überwiegend vom Zufall abhängt. 

2 Glücksspielautomaten sind Geräte, die ein Glücksspiel anbieten, das im 
Wesentlichen automatisch abläuft. 

3 Geschicklichkeitsspielautomaten sind Geräte, die ein Geschicklichkeitsspiel 
anbieten, das im Wesentlichen automatisch abläuft und dessen Gewinn von der 
Geschicklichkeit des Spielers abhängt. 

4 Der Bundesrat erlässt nach Anhören der Kantone Vorschriften über die Abgren-
zung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen.  

 

Gestützt auf den einschlägigen Bundesgerichtsentscheid BGE 136 II 291 ff. vom 20. Mai 

2010 teilt das Obergericht die Meinung der Vorinstanz, dass es sich beim Pokerspiel der 

Variante „Texas Hold’em“ klar um ein Glücksspiel im Sinne von Art. 3 Abs. 1 SBG handelt 

(gl.M.: Zünd/Hugi Yar, Rien ne va plus: Das Schweizerische Glücksspielrecht im 

Umbruch, in: Jusletter 17.11.2014, S. 18 ff.). Anzufügen ist, dass der Beschuldigte 

 

Seite 15 

gemäss eigenen Aussagen vor der Durchführung des Pokerturniers am 17. Dezember 

2010 vom erwähnten Bundesgerichtsentscheid Kenntnis hatte (act. 17, S. 3 ff.). Auf eine 

Wiederholung der zutreffenden und sorgfältigen Begründung der Vorinstanz kann ver-

zichtet und vollumfänglich auf deren Erwägung 2.1.5 verwiesen werden.  

 

2.2.2 Tatbestandselement Einsatz  

Der Berufungskläger  lässt vorbringen, die sogenannte fakultative „Stuhlmiete“ sei kein 

Einsatz nach Art. 3 Abs. 1 SBG. Die Stuhlmiete sei optional gewesen und es hätte auch 

stehend mitgespielt werden können, mit andern Worten ohne die Bezahlung von 

CHF 20.00 pro Stuhl. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz, das Bezahlen einer 

optionalen Stuhlmiete stelle eine Einsatzkomponente dar, sei willkürlich bzw. 

bundesrechtswidrig. Es hätte sämtlichen Auskunftspersonen die Frage gestellt werden 

müssen, ob diese einen Spieleinsatz für das Pokerturnier hätten leisten müssen, bzw. ob 

einfach optional eine Stuhlmiete für CHF 20.00 möglich gewesen sei. Durch die 

Nichtabnahme der beantragten Befragungen der Pokerturnierteilnehmer im Beisein des 

Beschuldigten sei dessen rechtliches Gehör unheilbar verletzt worden. Es hätten sich 

nicht alle beteiligten Personen zum Einsatz geäussert.  

 Die ESBK wendet ein, die Leistung dieser CHF 20.00 sei conditio sine qua non für die 

Teilnahme am Turnier gewesen. Bis auf eine Person hätten alle Spieler, die ausgesagt 

hätten, ausnahmslos gesagt, sie hätten die CHF 20.00 bezahlt. Die Schlussfolgerung, 

dass es nicht möglich gewesen sei, ohne Leistung der CHF 20.00 am Pokerturnier teilzu-

nehmen, decke sich auch mit den Aussagen von A___, der angegeben habe, dass vor 

Spielbeginn ein Eintritt von CHF 20.00 hätte bezahlt werden müssen. Unerheblich sei der 

Einwand der Verteidigung, die Stuhlmiete sei optional gewesen. Tatsache sei, dass alle 

Spieler eine Teilnahmegebühr entrichtet hätten.  

 

Zunächst ist danach zu fragen, ob zu den „Einsätzen“ im Sinne von Art. 3 Abs. 1 SBG nur 

Spieleinsätze gehören (Geld, um das gespielt wird, siehe beispielsweise Art. 40 Abs. 2 

SBG) oder auch Kommissionen (Geld, das bezahlt werden muss, damit man spielen 

kann). Das Bundesgericht hat diese Frage in seinem Entscheid 2C_322/2012 vom 

31.8.2012 E. 3.5 klar beantwortet: Der Vorteil, der gewonnen werden kann, muss nicht 

zwingend in einer frankenmässigen Relation zum geleisteten Einsatz stehen: es kann 

auch ein anderer geldwerter Vorteil sein, z. B. Spielpunkte, Warengewinne, Jetons. Es 

geht nur darum, dass Geld bezahlt wird, um spielen zu können. Zu fragen ist weiter, ob 

das „Stuhlgeld“ von CHF 20.00 als blosser „Eintritt in die Spielbank“ im Sinne von Art. 23 

lit. b SBG qualifiziert werden könnte. Dies wäre dann der Fall, wenn der Eintritt unabhän-

gig von einem konkreten Spiel bezahlt wird (so: Urteil des Bundesgerichts 2C_322/2012 

vom 31.8.2012 E. 3.8). Dies ist in casu aber gerade nicht der Fall, weil es um einen Stuhl 

 

Seite 16 

an einem der Pokertische ging und damit um eine Zahlung für die Teilnahme an einem 

bestimmten Spiel. Sodann wird die Aussage des Beschuldigten, es hätte wahlweise auch 

kostenlos, diesfalls aber stehend, mitgespielt werden können, klar dadurch widerlegt, 

dass es gemäss Fotoaufnahme des Spiellokals der E___ GmbH keine „Stehtische“ gab, 

sondern einzig „Sitztische“, also Tische mit Stühlen (act. 1B 01/001). 

 

Gestützt auf diese Überlegungen kommt das Obergericht übereinstimmend mit der 

Vorinstanz zum Schluss, dass der von den Teilnehmern des Pokerturniers vom 

17.  Dezember 2010 unter dem Titel „Stuhlmiete“ bezahlte Betrag von CHF 20.00 Einsatz 

im Sinne von Art. 3 Abs. 1 SBG darstellt.  

 

2.2.3 Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vortei l 

Gemäss Art. 3 Abs. 1 SBG sind Glücksspiele Spiele, bei denen gegen Leistung eines 

Einsatzes ein Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht, der ganz 

oder überwiegend vom Zufall abhängt.  

 

Der Berufungskläger hat vor der Einzelrichterin des Kantonsgerichts auf deren Vorhalt, 

dass es laut Akten Sachpreise zu gewinnen gegeben habe, geantwortet, das seien 

gesponsorte Preise gewesen, aber nicht speziell für diesen Event am 17. Dezember 

2010. Die Preise hätten sich mit der Zeit angesammelt (act. 17, S. 6). Wie die Vorinstanz 

in ihrer Erwägung 2.3.5 ausgeführt hat, gab es am Turnier vom 17. Dezember 2010 ver-

schiedene Sachpreise zu gewinnen, unter anderem ein iPod Shuffle, Sets bestehend aus 

T-Shirts, Frottée-Tüchern und Kartensets, Schnaps- und Biergläser etc. (act. 1B 07/006 

sowie 07/066-067). Wie bereits in vorstehender Erwägung 2.2.2 unter Verweis auf das 

Urteil des Bundesgerichts 2C_322/2012 vom 31.8.2012 E. 3.5 ausgeführt, ist auch ein 

Warengewinn ein geldwerter Vorteil im Sinne von Art. 3 Abs. 1 SBG, wobei dieser nicht 

zwingend in Relation zum Einsatz stehen muss. Aufgrund dieser Sachlage ist, in Überein-

stimmung mit der Vorinstanz (Erwägung 2.3.5), auch dieses Tatbestandselement klar er-

füllt.  

 

 

2.2.4 Tathandlung: Organisieren 

Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die zutreffende Erwägung 2.4.4 der Vorinstanz 

verwiesen werden, wonach feststeht, dass der Beschuldigte am 17. Dezember 2010 ein 

Glücksspiel ausserhalb einer konzessionierten Spielbank organisiert hat.  

 

 

 

 

Seite 17 

2.2.5 Fazit bezüglich des objektiven Tatbestandes 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass A___ mit der Durchführung des Pokerturniers 

am 17. Dezember 2010 den objektiven Tatbestand von Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG (Organi-

sation von Glücksspielen ausserhalb konzessionierter Spielbanken) erfüllt hat.  

 

 

2.3 Subjektiver Tatbestand  

Der Berufungskläger lässt geltend machen, die ESBK habe in einem E-Mail vom 

26. November 2010 an G___ bestätigt, Freeroll-Pokerturniere mit optionaler Stuhlmiete 

würden Unterhaltungsspiele darstellen. Auf diese fachbehördliche Auskunft, welche dem 

Beschuldigten bekannt gewesen sei, habe sich dieser verlassen dürfen. Der 

Berufungskläger sei der festen Überzeugung gewesen, dass Pokerturniere ohne Potein-

satz und lediglich optionaler Stuhlmiete Spiele ohne Einsatzkomponente darstellen wür-

den. Aus seiner Sicht habe kein Glücksspiel vorgelegen, weshalb er nicht vorsätzlich 

gehandelt habe. Auf die behördliche Auskunft an G___, einem Kollegen, habe er vertraut. 

Die ESBK geht von einer vorsätzlichen Tatbegehung aus. Der Beschuldigte habe 

gewusst, dass es sich beim Pokerspiel um ein Glücksspiel gehandelt habe und dass die 

in Aussicht gestellten Sachpreise einen Gewinn in geldwerter Form darstellen würden. 

Gegenüber der Kriminalpolizei Appenzell Ausserrhoden habe D___, der Bruder des 

Beschuldigten, am 25. September 2010 zu Protokoll gegeben, dass er das massgebende 

Bundesgerichtsurteil kenne. A___ sei von seinem Bruder über diese Sachlage informiert 

worden. Festzuhalten sei, dass der Beschuldigte (zusammen mit seinem Bruder) einziger 

Gesellschafter der E___ GmbH gewesen sei, die sich mit der Durchführung von 

Geschicklichkeitsspielen befasst habe. Als Gesellschafter einer solchen Unternehmung 

habe A___ Kenntnis von Art. 60 VSBG haben müssen. Er habe die von ihm am 17. 

Dezember 2010 durchgeführte Turnierform der ESBK aber nie zur Qualifikation 

unterbreitet. Es sei für die ESBK nicht nachvollziehbar, inwieweit der Beschuldigte aus 

einer an eine Drittperson erteilten Auskunft bezüglich eines konkreten, diese Drittperson 

betreffenden Sachverhalts, irgendwelche Ansprüche zu seinen Gunsten ableiten wolle.  

 

In casu sind bei der Prüfung des subjektiven Tatbestandes die allgemeinen Bestimmun-

gen des Strafgesetzbuches anwendbar (Art. 2 aVStrR i.V.m. Art. 57 Abs. 1 SBG). Diese 

sind auch auf Übertretungen anwendbar (Art. 104 StGB). Art. 12 Abs. 2 StGB hält fest, 

dass vorsätzlich ein Verbrechen oder Vergehen begeht, wer die Tat mit Wissen und Wil-

len ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält 

und in Kauf nimmt. Gemäss Art. 12 Abs. 3 begeht ein Verbrechen oder Vergehen fahrläs-

sig, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt 

oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter 

 

Seite 18 

die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen 

Verhältnissen verpflichtet ist (bezüglich Art. 56 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 SBG: vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_466/2011 vom 16.3.2012 E. 4.3.1).  

 

Die Vorinstanz ist in ihrer Erwägung 2.6 bezüglich des Tatbestandselementes des Leis-

tens eines Einsatzes zum Schluss gelangt, der Beschuldigte habe gemeint, die Durchfüh-

rung eines Freeroll-Turniers mit Bezahlung einer Stuhlmiete sei legal, weshalb es ihm am 

direkten Vorsatz fehle. Der Beschuldigte habe sich in einem Sachverhaltsirrtum nach Art. 

13 Abs. 1 StGB befunden, weil er sich aber besser hätte informieren müssen, wäre der 

Irrtum vermeidbar gewesen (Art. 13 Abs. 2 StGB).  

 

Art. 13 StGB lautet wie folgt: „Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den 

Sachverhalt, so beurteilt das Gericht die Tat zu Gunsten des Täters nach dem Sachver-

halt, den sich der Täter vorgestellt hat (Abs. 1). Hätte der Täter den Irrtum bei pflichtge-

mässer Vorsicht vermeiden können, so ist er wegen Fahrlässigkeit strafbar, wenn die 

fahrlässige Begehung der Tat mit Strafe bedroht ist (Abs. 2).  

 

Das Obergericht gelangt aufgrund der nachfolgend aufgeführten Begründung zu einer 

anderen Auffassung als die Vorinstanz, nämlich, dass sich der Beschuldigte nicht in 

einem Sachverhalts-, sondern in einem sog. Subsumtionsirrtum befunden hat. Der 

Beschuldigte hat für die sitzende Teilnahme am Spiel von jedem Turnierbesucher eine 

Zahlung von CHF 20.00 verlangt. Dies hat er bewusst so entschieden und auch umge-

setzt. Somit liegt auch bezüglich des Tatbestandselementes „Einsatz“ Vorsatz vor. Dass 

der Beschuldigte nun gemeint hat, die Zahlung der „Stuhlmiete“ von CHF 20.00 sei recht-

lich anders zu qualifizieren bzw. falle nicht unter das Spielbankengesetz, beschlägt nach 

Ansicht des Obergerichts jedoch nicht einen Sachverhalts-, sondern einen Sub-

sumtionsirrtum. Dieser ist jedoch unbeachtlich (BGE 112 IV 132 E. 4b; BGE 105 IV 181 E. 

4b; Trechsel/Jean-Richard, in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Praxiskommentar, 2. Aufl., N. 4 zu Art. 21). Der Beschuldigte hat sich nicht über ein 

Sachverhaltselement, sondern über dessen rechtliche Qualifizierung geirrt. Anders wäre 

es, wenn eine falsche Vorstellung über ein Tatbestandsmerkmal rechtlicher Natur (z. B. 

Fremdheit der Sache bei der Veruntreuung) vorliegen würde. Dann würde es sich um 

einen Sachverhaltsirrtum handeln (vgl. BGE 129 IV 238 E. 3.2). Der Vorsatz muss sich 

nicht auf die Strafbarkeit der Tat beziehen (BGE 109 IV 27 E. 4b). Gegenstand des Vor-

satzes sind nicht die rechtlichen Begriffe oder die Rechtswidrigkeit der Handlung, sondern 

die Tatumstände, d.h. die äusseren Gegebenheiten mitsamt ihrer sozialen Bedeutung 

(BGE 129 IV 238 ff. E 3.2.2).  

 

 

Seite 19 

Zu prüfen bleibt, ob sich der Beschuldigte auf Rechtsirrtum berufen kann. Der Rechtsirr-

tum ist in Art. 21 StGB geregelt. Danach handelt nicht schuldhaft, wer bei der Begehung 

der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig verhält. War der Irr-

tum vermeidbar, so mildert das Gericht die Strafe. Auf Rechtsirrtum kann sich nur beru-

fen, wer aus zureichenden Gründen annahm, er sei zur Tat berechtigt gewesen (BGE 105 

IV 181 ff. E. 4c). Der Beschuldigte beruft sich auf eine E-Mail-Auskunft von H___ von der 

ESBK vom 26. November 2010. Dieser Auskunft liegt eine Anfrage von G___ bei der 

ESBK zu Poker-Stehturniere „Freeroll-Poker-Turniere“ zugrunde, an denen ohne 

Einsatzkomponente gespielt und auch keine Gebühr erhoben werde. Wer wolle, könne 

(optional) einen Stuhl mieten, Eintritt werde nicht erhoben (act. 19/3). Die ESBK 

antwortete per E-Mail, diese Turniere würden in der dargestellten Weise Unterhaltungs-

spiele darstellen, weshalb keine rechtlichen Bedenken bestehen würden (act. 19/3). Diese 

Auskunft war dem Beschuldigten bekannt (act. B20, S. 8 ff.). Das Obergericht ist der 

Ansicht, dass sich der Beschuldigte nicht auf diese Auskunft berufen kann. Die Umstände 

des vorliegend zu beurteilenden Falles weichen von den im E-Mail beschriebenen ab. So 

war es, wie vorstehend ausgeführt, am 17. Dezember 2010 im Lokal der E___ GmbH 

nicht möglich, stehend Poker zu spielen (vgl. vorstehende Erwägung 2.2.2). Von insge-

samt 41 Turnierteilnehmern leisteten denn auch deren 39 den Einsatz von CHF 20.00 

bzw. die sog. Stuhlmiete (act. 17, S. 5 ff.). Sodann beruft sich der Beschuldigte auf eine 

zweite E-Mail-Auskunft von H___ von der ESBK vom 14. April 2011, worin es um eine 

Anfrage von G___ betreffend Durchführung von „Freeroll-Pokerturnieren“ an der Züspa 

ging (act. 19/4). Aus der Antwort von H___, dass das Eintrittsgeld für eine 

Messeveranstaltung nicht als Einsatz für ein Pokerturnier gewertet werde, sofern die 

Messe über diverse anderweitige Stände bzw. Attraktionen verfüge, kann der Be-

schuldigte mangels Vergleichbarkeit ebenfalls nichts zu seinen Gunsten ableiten. Im Ge-

gensatz zur Züspa gab es bei dem von ihm am 17. Dezember 2010 angebotenen Poker-

turnier keinerlei anderen Vergnügungsangebote. Zusammengefasst hat der Beschuldigte 

mit den Auskünften der ESKB gegenüber einem Dritten keine zureichenden Gründe vor-

bringen können, um sich auf Rechtsirrtum zu berufen. Anzufügen ist, dass es ihm freige-

standen wäre, vor der Durchführung des fraglichen Pokerturniers bei der ESBK eine An-

frage in eigener Sache zu machen.  

 

Das Obergericht kommt zum Schluss, dass der Beschuldigte den Tatbestand von Art. 56 

Abs. 1 lit. a SBG in vorsätzlicher Weise begangen hat.  

 

 

  

 

Seite 20 

2.4 Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich A___ der vorsätzlichen Organisation von 

Glücksspielen ausserhalb konzessionierter Spielbanken und damit der vorsätzlichen 

Widerhandlung gegen Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG, begangen am 17. Dezember 2010, 

schuldig gemacht hat.  

 

 
 

3. Strafzumessung  

 Festzuhalten bleibt, dass in vorstehender Erwägung Ziff. 1.8 festgestellt wird, dass sich 

die Anschlussberufung der ESBK einzig gegen den Schuldpunkt richtet. Das Berufungs-

gericht überprüft jedoch das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 

404 Abs. 1 StPO). Folglich bleibt es bei der von der Vorinstanz für eine fahrlässige Tatbe-

gehung ausgefällten Busse von CHF 750.00 bzw. einer Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen 

(Dispositiv 2 des vorinstanzlichen Urteils).  

 

 
 

4. Einziehung von Vermögenswerten 

Der Berufungskläger verlangt die Herausgabe der beschlagnahmten Gelder in der Höhe 

von CHF 390.00 an ihn. 

 

Es bleibt auch vor zweiter Instanz bei einem Schuldspruch. Auf die zutreffende Begrün-

dung der Vorinstanz in Erwägung 3, wonach gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB der von 

39 Personen geleistete Spieleinsatz von je CHF 20.00, somit insgesamt CHF 780.00, 

beschlagnahmt und zur Hälfte beim Beschuldigten und zur Hälfte bei dessen Bruder D___ 

eingezogen wird, kann verwiesen werden.  

 
 

 

5. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

 Art. 97 Abs. 1 aVStrR verweist bezüglich der Kosten des gerichtlichen Verfahrens und de-

ren Verlegung auf die Artikel 417-428 StPO. Zudem können gemäss dieser Bestimmung 

im Urteil die Verfahrenskosten der Verwaltung gleich wie die Kosten des Gerichtsverfah-

rens verlegt werden (Abs. 2). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Personen 

nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die beschul-

digte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch 

über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Dem Ver-

 

Seite 21 

fahrensausgang entsprechend, die Berufung wird vollumfänglich ab- und die Anschluss-

berufung gutgeheissen, sind die erst- und die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten sowie 

die Kosten des Verfahrens vor der ESBK dem Berufungskläger aufzuerlegen (vgl. Art. 422 

Abs. 2 lit. d StPO).  Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf CHF 1‘000.00 festge-

setzt (Art. 29 lit. b Gebührenordnung, bGS 233.3).  

 

 Bezüglich der Entschädigungsfolgen findet sich im aVStrR kein Verweis auf die StPO. Für 

Entschädigungen im gerichtlichen Verfahren verweist Art. 101 Abs. 1 aVStrR auf Art. 99 

VStrR. Letztere Bestimmung hält in Abs. 1 fest: „Dem Beschuldigten, gegen den das 

Verfahren eingestellt oder der nur wegen Ordnungswidrigkeit bestraft wird, ist auf Begeh-

ren eine Entschädigung für die Untersuchungshaft und für andere Nachteile, die er erlitten 

hat, auszurichten; sie kann jedoch ganz oder teilweise verweigert werden, wenn er die 

Untersuchung schuldhaft verursacht oder das Verfahren mutwillig erschwert oder verlän-

gert hat.“ Wie die Vorinstanz in deren Erwägung 6.2 zutreffend ausgeführt hat, wurde das 

Verfahren gegen A___ weder eingestellt noch stand vorliegend eine Ordnungswidrigkeit 

i.S.v. Art. 3 aVStrR zur Diskussion. Der Beschuldigte hat demnach für die Verfahren vor 

beiden Gerichtsinstanzen keinen Entschädigungsanspruch.  

 

 

 

 

 

In Abweisung der Berufung und Gutheissung der Ansch lussberufung erkennt das 
Obergericht: 
 
1. Es wird Vormerk genommen, dass das Urteil der Einzelrichterin des Kantonsgerichts 

Appenzell Ausserrhoden vom 15. Oktober 2013 (ES2 13 7) 
 

- in Dispositiv Ziff. 6 (Beschuldigter hat keine Ersatzforderung an den Bund zu leisten)  
 
mangels Berufung in Rechtskraft erwachsen ist.  

 
 
2. Der Beschuldigte A___ wird schuldig gesprochen der vorsätzlichen Widerhandlung gegen 

Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG (Organisation von Glücksspielen ausserhalb konzessionierter 
Spielbanken; Tatzeit: 17. Dezember 2010).  

 
3. Er wird verurteilt zu einer Busse von CHF 750.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatz-

weise zu einer Freiheitsstrafe von 7 Tagen (Art. 106 StGB). 
 

Gemäss Art. 90 Abs. 1 aVStrR vollstreckt die Eidgenössische Spielbankenkommission 
das Urteil des Strafgerichts. Die Busse fällt dem Bund zu (Art. 93 Abs. 1 aVStrR).  

 
 
4. Die Verfahrenskosten, bestehend aus 

 

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CHF 2‘255.00 Kosten des Verwaltungsverfahrens der ESBK 
CHF    300.00 erstinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 1‘000.00 zweitinstanzliche Gerichtsgebühr 
CHF 3‘555.00 insgesamt, 

 werden dem Beschuldigten A___ auferlegt. 
 
 

5. Dem Beschuldigten wird für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren keine Entschädi-
gung zugesprochen.  

 
 
6. Die am 17. Dezember 2010 beschlagnahmten Gelder in der Höhe von total CHF 780.00 

werden anteilsmässig (CHF 390.00) bei A___ eingezogen. Gemäss Art. 93 Abs. 1 aVStrR 
fallen sie dem Bund zu.  

 
 
7. Rechtsmittel:  
 Den Parteien steht innert einer Frist von 30 Tagen  seit Zustellung dieses Urteils die Be-

schwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesgericht offen (Art. 78-81 BGG). 
Die Beschwerde in Strafsachen ist bei der Bundesgerichtskanzlei, Avenue du Tribunal-
Fédéral 29, Postfach, 1000 Lausanne 14, schriftlich einzureichen (Art. 42 BGG).  

 
 
8. Zustellung am 28.04.2015 an: 

- den Berufungskläger über seinen Verteidiger 
- die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK (62-2010-62/05) 
- die Staatsanwaltschaft (U 12 1101) 
- die Vorinstanz (ES2 13 7)  

 

 

 

 

Der Obergerichtsvizepräsident: 

 

 

W. Kobler 

 

Die Obergerichtsschreiberin:  

 

 

B. Widmer  

 

 

 

Die vom Beschuldigten gegen dieses Urteil  

erhobene Beschwerde an das Bundesgericht  

hat dieses mit Entscheid vom 17.11.2015 

abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist  

(6B_560/2015 & 561/2015).