# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11d7b651-e224-5c66-9b8f-0a3519ff6eea
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 15.09.2020 SK 2019 338
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-338_2020-09-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 19 338

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. September 2020 

Besetzung Suppleant Zbinden (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Falkner, Oberrichter Guéra
Gerichtsschreiber Jaeger

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern  

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin 1/Anschlussberufungsführerin

und

E.________
vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilkläger 2/Anschlussberufungsführer

und

F.________

2

per Adresse und amtlich vertreten durch Fürsprecherin 
G.________

Straf- und Zivilklägerin 3

und

AE.________ H.________

Zivilkläger 

Gegenstand Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern, betrügerischer 
Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-See-
land (Kollegialgericht) vom 8. März 2019 und Berichtigung vom 
18. November 2019 (PEN_1.________)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland, Kollegialgericht in Fünferbesetzung, fällte 
am 8. März 2019 folgendes Urteil (pag. 1912 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Widerhandlungen gegen das Sozialhilfegesetz, angeblich begangen am 23.10.2015, 
01.12.2015 und 29.12.2015 in I.________ und J.________ z.N. der Einwohnergemeinde I.________ 
betreffend Geldzahlungen über CHF 910.00, CHF 1‘300.00, CHF 200.00 und CHF 150.00 (Teileinstel-
lung zu Ziff. 8 AKS)

wird infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, angeblich be-
gangen am 18.04.2017 in J.________

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Schändung, mehrfach begangen 

1.1. in der Zeit von Anfangs 2013 bis Ende April 2017 in I.________, K.________, L.________ 
und J.________, M.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von 
C.________ (Ziff. 2.1. AKS)

1.2. in der Zeit von Anfangs 2015 bis Frühling 2016, in I.________, K.________, L.________, 
am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von F.________ (Ziff. 2.2. AKS)

1.3. in der Zeit von Oktober 2013 bis Ende 2016, in I.________, K.________, L.________ und 
J.________, N.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten bzw. am Domizil von 
O.________, z.N. von E.________ (Ziff. 2.3. AKS)

2. der sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen 

2.1. in der Zeit von Anfangs 2013 bis Ende April 2017 in I.________, K.________, L.________ 
und J.________, M.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von 
C.________ (Ziff. 3.1. AKS)

2.2. in der Zeit von Anfangs 2015 bis Frühling 2016, in I.________, K.________, L.________, 
am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von F.________ (Ziff. 3.2. AKS)

4

2.3. in der Zeit von Oktober 2013 bis Ende 2016, in I.________, K.________, L.________ und 
J.________, N.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten bzw. am Domizil von 
O.________, z.N. von E.________ (Ziff. 3.3. AKS)

3. des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfach, gewerbsmässig 
und teilweise gemeinsam mit seinem Bruder P.________ begangen in der Zeit vom 03.12.2015 
bis 14.02.2016 in I.________, Q.________, R.________, S.________, T.________, T.________, 
U.________, V.________, W.________, AB.________, z.N. der AC.________ (Ziff. 4 AKS)

4. der Drohung, begangen am 25.11.2015 zwischen 09:30 Uhr und 11:45 Uhr in I.________, 
K.________, z.N. von AD.________ (Ziff. 5 AKS)

5. der Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz, mehrfach begangen 

5.1. in der Zeit vom 13.10.2015 bis 25.11.2015, in I.________, K.________ (Ziff. 6.1. AKS)

5.2. am 26.04.2016, in I.________, K.________  (Ziff. 6.2. AKS)

6. der Widerhandlungen gegen das Sozialhilfegesetz, begangen am 17.07.2016 und 27.09.2016 in 
I.________ und J.________ betreffend Geldzahlungen von CHF 710.00, CHF 70.00 und CHF 
420.00, z.N. der Einwohnergemeinde I.________ (teilweiser Schuldspruch zu Ziff. 8 AKS)

und in Anwendung der 

Art. 191 StGB (Schuldspruch Ziff. 1 hiervor), 
Art. 187 Ziff. 1 StGB (Schuldspruch Ziff. 2 hiervor),
Art. 147 Abs. 1 und 2 StGB (Schuldspruch Ziff. 3 hiervor),
Art. 180 Abs. 1 StGB (Schuldspruch Ziff. 4 hiervor),
Art. 26 Abs. 1 lit. a und 28 Abs. 3 TSchG (Schuldspruch Ziff. 5.1. und 5.2. hiervor),
Art. 85 SHG (Schuldspruch Ziff. 6 hiervor),

Art. 67 Abs. 3 aStGB i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB (Tätigkeitsverbot gem. Ziff. 3 hiernach)
Art. 67b Abs. 1, 2 aStGB i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB (Kontaktverbot gem. Ziff. 4 hiernach)

Art. 40, 47, 49 Abs. 1 und 2, 51, 59, 106 StGB, 
Art. 426 Abs. 1 StPO,

verurteilt:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren, teilweise als Zusatzstrafe zu den Urteilen der Staatsan-
waltschaft des Kantons Bern, Biel, vom 09.09.2014 sowie der Staatsanwaltschaft Frauenfeld vom 
11.08.2015.

Die Untersuchungshaft von 341 Tagen (24.05.2017 - 29.04.2018) wird im Umfang von 341 Tagen 
auf die Freiheitsstrafe angerechnet und es wird festgestellt, dass die Strafe am 30.04.2018 vor-
zeitig angetreten worden ist.

Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet (Art. 59 StGB).

Der Vollzug der Massnahme geht der Freiheitsstrafe voraus.

2. zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung wird auf 3 Tage festgesetzt.

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3. A.________ wird für die Dauer von 10 Jahren und unter Strafandrohung von Art. 294 StGB jede 
berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit untersagt, die einen regelmässigen 
Kontakt zu Minderjährigen umfasst.

4. A.________ wird für die Dauer von 5 Jahren und unter Strafandrohung von Art. 294 StGB verbo-
ten,

a) mit C.________, E.________ und F.________ direkt oder über Drittpersonen Kontakt auf-
zunehmen, namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg, 

b) sich in einem Umkreis von weniger als 300 Metern von C.________, E.________ und 
F.________ sowie von deren Wohnort und deren Schulen, aufzuhalten. 

5. zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 25‘900.00 und Aus-
lagen von CHF 68‘137.10 (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche 
Rechtsvertretung der Privatklägerschaft), insgesamt bestimmt auf CHF 94‘037.10 (ohne Kosten 
für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerschaft auf 
CHF 40‘843.10).

Kosten der Untersuchung CHF 12’900.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 13’000.00
Total CHF 25’900.00

Entschädigung für Zeugen CHF 237.40
Kosten für die amtliche Verteidigung (vgl. Tabelle) CHF 36’955.70
Kosten der uR der Privatklägerschaft (vgl. Tabelle) CHF 16’238.30
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 14’705.70
Total CHF 68’137.10

Total Verfahrenskosten CHF 94’037.10

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

IV.

[amtliche Entschädigungen]

V.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR, Art. 126 Abs. 1 lit. a und 433 Abs. 1 lit. a StPO 
sowie Art. 7 OHG weiter verurteilt:

1. zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 19‘235.30 (inkl. Auslagen und MWST) an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________ für ihre Aufwendungen im Verfahren (Ersatz der Interventi-
onskosten, 80% Honorarnote D.________).

2. zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 4‘808.80 (inkl. Auslagen und MWST) an den Straf- 
und Zivilkläger E.________ für seine Aufwendungen im Verfahren (Ersatz der Interventionskos-
ten, 20% Honorarnote D.________).

6

3. zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 20‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 01.08.2015 
(mittlerer Verfall) an die Straf- und Zivilklägerin F.________. 

4. dem Grundsatz nach zur Tragung der Behandlungs- und Therapiekosten, welche der Straf- 
und Zivilklägerin F.________ durch die strafbaren Handlungen in Zukunft erwachsen werden. Für 
die vollständige Beurteilung dieser Forderung wird F.________ auf den Zivilweg verwiesen.

5. zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 11‘037.30 an die Straf- und Zivilklägerin 
AC.________.

6. zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 390.45 (inkl. Auslagen und MWST) an die 
Straf- und Zivilklägerin AC.________.

7. zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 2‘760.00 an die Zivilklägerin AE.________.

8. Für die Zivilklagen von F.________, der AC.________ sowie der AE.________ werden keine Kos-
ten und Entschädigungen ausgeschieden.

VI.

Im Zivilpunkt wird weiter verfügt:

1. Es wird festgestellt, dass A.________ anerkannt hat, der Straf- und Zivilklägerin C.________ 
eine Genugtuung von CHF 40‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 01.03.2015 (mittlerer Verfall) 
zu schulden. 

Die Zivilklage wird insoweit als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

2. Es wird festgestellt, dass A.________ weiter anerkannt hat, dem Straf- und Zivilkläger 
E.________ eine Genugtuung von CHF 5‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit dem 01.06.2015 (mitt-
lerer Verfall) zu schulden. 

Die Zivilklage wird insoweit als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

3. Es wird festgestellt, dass A.________ ferner anerkannt hat, dem Grundsatz nach haftpflichtig 
für sämtliche Kosten zu sein, u.a. die Behandlungs- und Therapiekosten, welche C.________ 
und E.________ durch die strafbaren Handlungen in Zukunft erwachsen werden. 

Für die vollständige Beurteilung dieser Forderungen werden C.________ und E.________ auf 
den Zivilweg verwiesen.

4. Für die Zivilklagen von C.________ und E.________ werden ebenfalls keine Kosten und Entschä-
digungen ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ geht in den vorzeitigen Strafvollzug zurück.

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. AF.________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten  
(PCN-Nr. AG.________) ist nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen 
(Art. 17 Abs. 4 i.V.m. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienst-
licher Daten).

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4. [Eröffnungsformel]

2. Berufungsverfahren

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 14. März 2019 form- und fristge-
recht die Berufung an (pag. 1947). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 27. 
August 2019 (pag. 1954 ff.). Mit Schreiben vom 12. September 2019 erklärte der 
Beschuldigte form- und fristgerecht die Berufung, beschränkt auf den Schuldspruch 
und die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin 3 (F.________; pag. 2040 ff.). Mit Ein-
weisungsverfügung vom 16. September 2019 zeigten die Bewährungs- und Voll-
zugsdienste Bern die Verlegung des Beschuldigten in den vorzeitigen Strafvollzug 
an (pag. 2054 ff.). AE.________ verzichtete mit Schreiben vom 24. September 2019 
auf die Erklärung einer Anschlussberufung (pag. 2059). Die Generalstaatsanwalt-
schaft erhob mit Schreiben vom 26. September 2019, beschränkt auf das Strafmass, 
Anschlussberufung (pag. 2061 ff.). Rechtsanwältin D.________ erhob namens der 
Straf- und Zivilklägerin 1 (C.________) und des Straf- und Zivilklägers 2 
(E.________) mit Schreiben vom 2. Oktober 2019 Anschlussberufung 
(pag. 2071 ff.). Die Straf- und Zivilkläger 1 und 2 beantragten subsidiär zur Mass-
nahme nach Art. 67b StGB – wenn die Massnahme nach Art. 67b StGB im oberin-
stanzlichen Urteil nicht bestätigt werde –, dass dem Beschuldigten gemäss 
Art. 28b ZGB während fünf Jahren zu verbieten sei, mit den Straf- und Zivilklägern 1 
und 2 direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen und sich in einem Um-
kreis von weniger als 300 Metern aufzuhalten, unter Androhung der Straffolgen bei 
Ungehorsam (pag. 2071 f.).

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2019 wurde insbesondere festgestellt, dass sich die 
Straf- und Zivilklägerinnen 3 (F.________) und 4 (AC.________) sowie die Strafklä-
gerin (AD.________) in Bezug auf die ihnen mit Verfügung vom 13. September 2019 
gestützt auf Art. 400 Abs. 3 StPO gewährte Frist nicht haben vernehmen lassen (pag. 
2074 ff.).

Mit Schreiben vom 23. Oktober 2019 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass 
kein Grund für ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung der Straf- und Zivilkläger 
1 und 2 bestehe (pag. 2084 f.).

Am 6. November 2019 verfügte die Verfahrensleitung, dass infolge der Beschrän-
kung der Berufung und fehlender Anschlussberufung das angefochtene Urteil insbe-
sondere in den Punkten der Schuldsprüche Ziff. III 3. betreffend Straf- und Zivilklä-
gerin 4 (AC.________), III. 4. betreffend Strafklägerin (Dr. med. vet. AD.________) 
und Entschädigungen Ziff. V. 5.+6. betreffend Straf- und Zivilklägerin (AC.________) 
und Ziff. V. 7. betreffend AE.________ in Rechtskraft erwachsen sei und sie beab-
sichtige, die Straf- und Zivilklägerin 4 (AC.________), die Strafklägerin 
(AD.________) und AE.________ aus dem oberinstanzlichen Verfahren zu entlas-
sen (pag. 2087 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 13. No-
vember 2019 mit, dass sie keine Einwände gegen das beabsichtigte Vorgehen gel-
tend mache und keine Beweisanträge stelle (pag. 2097). Ebenso teilte Fürsprecherin 
G.________ namens und im Auftrag der Straf- und Zivilklägerin 3 mit, keine Ein-
wände gegen das beabsichtigte Vorgehen geltend zu machen und keine Beweisan-

8

träge zu stellen (pag. 2099). Mit Schreiben vom 18. November 2019 zeigte Rechts-
anwältin D.________ namens der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 ebenfalls an, keine 
Einwände gegen das beabsichtigte Vorgehen zu haben und stellte den Beweisantrag 
für die Aktennahme eines E-Mails und eines ergänzenden Berichts (pag. 2101 f.). 

Mit Urteilsberichtigung vom 18. November 2019 berichtigte die Vorinstanz Ziffer V.7. 
des erstinstanzlichen Urteils vom 8. März 2019 gestützt auf Art. 83 Abs. 1 StPO, da 
über die von AE.________ geltend gemachte Zivilforderung betreffend die Therapie-
kosten von E.________ irrtümlicherweise nicht befunden worden sei und erhöhte 
den Schadenersatzbetrag zu Gunsten von AE.________ von CHF 2'760.00 um 
CHF 460.00 auf CHF 3'220.00 (pag. 2110 ff.).

Mit Schreiben vom 21. November 2019 teilte auch Rechtsanwalt B.________ mit, 
keine Einwände gegen das beabsichtigte Vorgehen und die weiteren Beweisanträge 
– vorbehalten solche im Rahmen der Hauptverhandlung je nach Verlauf – zu haben 
(pag. 2121). 

Die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern teilten mit Verfügung vom 
21. November 2019 mit, die vollzugseitig angeordnete ambulante Therapie werde 
rückwirkend per 30. September 2019 formell in Vollzug gesetzt (pag. 2147 f.). 

Mit Schreiben vom 9. Dezember 2019 erklärte Rechtsanwalt B.________ form- und 
fristgerecht namens und im Auftrag des Beschuldigten die vollumfängliche Berufung 
gegen die Berichtigung vom 18. November 2019 und beantragte die Aufhebung der 
Urteilsberichtigung, unter Auferlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten an 
den Beschuldigten, die Tragung der zweitinstanzlichen Verfahrenskosten durch den 
Kanton Bern und die Festsetzung des amtlichen Honorars gemäss noch einzurei-
chender Honorarnote (pag. 2150 ff.).

Mit Beschluss vom 11. Dezember 2019 wurden die Straf- und Zivilklägerin 4 
(AC.________) und die Strafklägerin (AD.________) aus dem Verfahren entlassen. 
Aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Urteilsberichtigung zu Ziff. V. 7. betreffend 
AE.________ und der dagegen erfolgten Berufung durch den Beschuldigten be-
schloss die Kammer den Verbleib von AE.________ im Verfahren (pag. 2153 ff.). 

Fürsprecherin G.________ teilte mit Schreiben vom 17. Dezember 2019 mit, die 
Straf- und Zivilklägerin 3 habe keine Einwände gegen die von Rechtsanwältin 
D.________ gestellten Beweisanträge und erkläre keine Anschlussberufung oder 
Nichteintreten gegen die Berufungserklärung gegen die Urteilsberichtigung vom 9. 
Dezember 2019 (pag. 2164). Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben 
vom 20. Dezember 2019 mit, sie erkläre keine weitere Anschlussberufung, verlange 
kein Nichteintreten und beantrage die Gutheissung des Beweisantrags von Rechts-
anwältin D.________ (pag. 2166 f.). Rechtsanwalt B.________ teilte innert verlän-
gerter Frist mit Schreiben vom 8. Januar 2020 mit, zu den eingereichten Beweisan-
trägen erfolge keine Stellungnahme (pag. 2172). 

Am 17. Januar 2020 beschloss die Kammer die Gutheissung des Beweisantrages 
zur Aktennahme des E-Mails und zum ergänzenden Bericht. Gleichzeitig wurde der 
Termin zur Berufungsverhandlung angesetzt und die Straf- und Zivilkläger 1-3 vom 
persönlichen Erscheinen dispensiert (pag. 2188 ff.). 

9

Mit Schreiben vom 17. Februar 2020 beantragte Rechtsanwältin D.________ den 
Ausschluss der Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung (pag. 2207 f.), wobei sie auf 
Nachfrage der Verfahrensleitung mit Schreiben vom 27. Februar 2020 präzisierte, 
der Antrag erstrecke sich auf den Teil der Parteiverhandlungen, die ihre Klienten 
betreffen würden und nicht auf die akkreditierten Medienvertreter (pag. 2218 f.). Die 
Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben vom 28. Februar 2020 mit, sie unter-
stütze den Antrag der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 dem Grundsatze nach (pag. 2221 
f.). Fürsprecherin G.________ schloss sich namens der Straf- und Zivilklägerin 3 
dem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit an und verwies auf die entsprechende 
Begründung der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 sowie diejenige der Generalstaatsan-
waltschaft (pag. 2224). Rechtsanwalt B.________ verzichtete namens und im Auf-
trag des Beschuldigten auf die Einreichung einer Stellungnahme (pag. 2226). Am 
12. März 2020 verfügte die Verfahrensleitung den Ausschluss der Öffentlichkeit be-
treffend Publikum (nicht für akkreditierte Medienvertreter) von der oberinstanzlichen 
Verhandlung mit Ausnahme der Urteilseröffnung (pag. 2228 ff.).

Mit Verfügung vom 22. April 2020 wurde den Parteien die Zusammensetzung der 
Kammer mitgeteilt (pag. 2232 f.). Am 22. Juli 2020 ging der Vollzugsauftrag/Einwei-
sungsverfügung der Bewährungs- und Vollzugsdienste Bern (nachfolgend: BVD) ein 
(pag. 2236 ff.).

Der Beschuldigte beantragte und begründete mit Schreiben vom 14. August 2020, 
von der den Beschuldigten behandelnden Therapeutin der psychiatrischen Dienste 
U.________ sei ein aktueller Therapiebericht einzuholen (pag. 2240 f.). Dieser An-
trag wurde den Parteien mit Verfügung vom 17. August 2020 mit Frist zur Stellung-
nahme zugestellt (pag. 2244 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Schreiben 
vom 19. August 2020 mit, sich dem Antrag nicht zu widersetzen (pag. 2253). Die 
Straf- und Zivilkläger 1 und 2 nahm mit Schreiben vom 20. August 2020 Stellung. 
Gemäss diesen sei die Erstellung und Aktennahme eines solchen Berichts nicht 
zulässig. Gleichzeitig stellten sie den Antrag, den Entscheid der Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörde vom 29. Juli 2020 über den Entzug der elterlichen Sorge des 
Vaters gemäss Art. 311 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210), zu 
den Akten zu erkennen (pag. 2255 f.). 

Die mit Schreiben vom 17. August 2020 beim BVD edierten Akten (pag. 2247) gingen 
mit Schreiben vom 18. August 2020 am 19. August 2020 ein (pag. 2254 ff.) und 
wurden mit Verfügung vom 24. August 2020 den Parteien zur Kenntnis gebracht und 
zu den Akten genommen. Mit gleicher Verfügung vom 24. August 2020 wurde der 
Antrag des Beschuldigten vom 14. August 2020 zur Einholung eines aktuellen The-
rapieberichts sowie derjenige der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 betreffend den Ent-
scheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde über den Entzug der elterlichen 
Sorge des Vaters gemäss Art. 311 ZGB gutgeheissen (pag. 2297 ff.). 

Am 3. September 2020 ging der Vollzugsverlaufsbericht des Amts für Justizvollzug 
des Kantons U.________, Justizvollzugsanstalt U.________, vom 2. September 
2020 ein (pag. 2301 ff.). Dieser wurde den Parteien mit Schreiben vom 3. September 
2020 zugestellt (pag. 2307). 

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Mit Verfügung vom 7. September 2020 wurde den Parteien zur Kenntnis gebracht, 
dass die Einvernahme des Beschuldigten sowie die Parteivorträge zusätzlich zur 
schriftlichen Protokollierung auf einem Tonträger festgehalten werden und dass die 
Verfahrensleitung beabsichtigt, der Kammer zu beantragen, auf das Vorlesen oder 
Aushändigen der Einvernahmeprotokolle zum Lesen und deren Unterzeichnung zu 
verzichten und die Aufzeichnungen zu den Akten zu erkennen (pag. 2309 f.). 

Die Vertretung der Straf- und Zivilklägerin 3 reichte ihre Anträge mit Schreiben vom 
9. September 2020 ein (pag. 2313 ff.). 

Am 10. September 2020 ging der einverlangte Therapiebericht der Psychiatrischen 
Dienste vom 8. September 2020 ein (pag. 2317 f.), welcher den Parteien mit Schrei-
ben vom 10. September 2020 unter Beilage der Anträge der Vertretung der Straf- 
und Zivilklägerin 3 vom 9. September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (pag. 2320). 

Am 14. September 2020 fand die Hauptverhandlung statt (pag. 2321 ff.). Mit Be-
schluss wurde der Antrag der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 auf Ausschluss der Öf-
fentlichkeit betreffend Publikum (nicht für akkreditierte Medienvertreter) von der obe-
rinstanzlichen Verhandlung mit Ausnahme der Urteilseröffnung gutgeheissen. Die 
Verteidigung des Beschuldigten zog vorfrageweise die Berufung in Bezug auf den 
Schuldspruch betreffend Straf- und Zivilklägerin 3 sowie in Bezug auf die Urteilsbe-
richtigung der Vorinstanz vom 18. November 2019 zurück (pag. 2323). Der Beschul-
digte wurde einvernommen (pag. 2324 ff.) und die Parteien stellten und begründeten 
ihre Anträge, welche sie schriftlich zu Protokoll reichten (pag. 2329 ff.). Dem Be-
schuldigten wurde das letzte Wort gegeben und nach der geheimen Urteilsberatung 
wurde das Urteil den Parteien mündlich eröffnet und begründet, unter schriftlicher 
Abgabe (pag. 2345). 

3. Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde oberinstanzlich im Sinne von Beweisergänzungen Folgen-
des eingeholt: Vollzugsakten BVD (insbesondere kurzer Bericht Forensisch-Psych-
iatrischer Dienst IRM vom 7. Februar 2019 [pag. 2263 f.], Verfügung ambulante The-
rapie während Strafvollzug der BVD vom 21. Februar 2019 [pag. 2266 ff.], Bericht 
Justizvollzugsanstalt AL.________ vom 13. September 2019 [pag. 1169], Disziplina-
rverfügung Amt für Justizvollzug des Kantons Bern vom 13. September 2019 [pag. 
2270 ff.], Vollzugsbericht Austritt der Justizvollzugsanstalt AL.________ vom 19. 
September 2019 [pag. 2272 ff.], Anmeldungsschreiben der BVD an die Justizvoll-
zugsanstalt U.________ vom 25. September 2019 [pag. 2276 ff.], Therapieverlaufs-
bericht IRM, Forensisch-Psychiatrischer Dienst (FPD) vom 8. November 2019 [pag. 
2280 ff.], Verfügung ambulante Therapie BVD vom 21. November 2019 [pag. 2289 
ff.], Kurzbrief Amt für Justizvollzug des Kantons U.________ vom 29. Juni 2020 und 
Disziplinarverfügung vom 23. Juni 2020 [pag. 2291 ff.]) und ein Führungsbericht des 
Amts für Justizvollzug, Justizvollzugsanstalt U.________, vom 2. September 2020 
(pag. 2301 ff.).  

4. Anträge der Parteien

Der Beschuldigte stellte anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vom 
14. September 2020 folgende Anträge (pag. 2347 ff.):

11

Ia.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil vom B. März 2019 in Bezug auf 

die Einstellung wegen Widerhandlung gegen das Sozialhilfegesetz, angeblich begangen am 
23.10.2015, 01.12.2015 und 29.12.2015 in I.________ und J.________ z.N. der Einwohnergemeinde 
I.________ betreffend Geldzahlungen über CHF 910.00, CHF 1'300.00, CHF 200.00 und CHF 150.00 
infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausschei-
dung von Verfahrenskosten (I. des Urteilsdispositivs); 

den Freispruch von der Anschuldigung der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, an-
geblich begangen am 18.04.2017 in J.________, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten (II. des Urteilsdispositivs); 

die Schuldsprüche der Schändung sowie der sexuellen Handlungen mit Kindern, beides mehrfach be-
gangen in der Zeit von anfangs 2013 bis Ende April 2017 in I.________, K.________, L.________ und 
J.________, M.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von C.________ und von 
F.________ sowie an den oben genannten Orten bzw. am Domizil von O.________ z.N. von 
E.________ (III. Ziff. 1.1, Ziff. 1.2 und Ziff. 1.3 sowie III. Ziff. 2.1, Ziff. 2.2 und Ziff. 2.3 des Urteilsdispo-
sitivs); 

den Schuldspruch des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfach, ge-
werbsmässig und teilweise gemeinsam mit seinem Bruder P.________ begangen in der Zeit vom 
03.12.2015 bis 14.02.2016 in I.________, Q.________, R.________, S.________, AN.________, 
T.________, U.________, V.________, W.________, AB.________, z.N. der AC.________ (III. Ziff. 3 
des Urteils-dispositivs); 

den Schuldspruch der Drohung, begangen am 25.11.2015 zwischen 09:30 Uhr und 11:45 Uhr in 
I.________, K.________, z.N. von AD.________ (III. Ziff. 4 des Urteilsdispositivs); 

den Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz, mehrfach begangen, in der Zeit 
vom 13.10.2015 bis 25.11.2015, in I.________, K.________ am 26.04.2016, in I.________, 
K.________ (III. Ziff. 5.1 und Ziff. 5.2 des Urteilsdispositivs);

den Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das Sozialhilfegesetz, begangen am 17.07.2016 und 
27.09.2016 in I.________ und J.________ betreffend Geldzahlungen von CHF 710.00, CHF 70.00 und 
CHF 420.00, z.N. der Einwohnergemeinde I.________ (III. Ziff. 6 des Urteilsdispositivs); 

die Übertretungsbusse von CHF 300.00 und die Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung von 3 Tagen (III. Ziff. 2 der Sanktion gemäss Urteilsdispositiv);

auf das Kontaktverbot zu Minderjährigen für die Dauer von 10 Jahren (III. Ziff. 3 der Sanktion gemäss 
Urteilsdispositiv);

auf das Kontakt- und Rayonverbot bezüglich C.________, E.________ und F.________ für die Dauer 
von 5 Jahren (III. Ziff. 4 lit. a und b der Sanktion gemäss Urteilsdispositiv); 

die Festlegung der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt B.________ (IV. des Urteilsdispositivs); 

die Bezahlung von Entschädigungen an die Straf- und Zivilkläger C.________ und E.________ (V. Ziff. 
1 und Ziff. 2 des Urteilsdispositivs) sowie einer Genugtuung an die Straf- und Zivilklägerin F.________ 
(V. Ziff. 3 des Urteilsdispositivs);

12

dem Grundsatz nach zur Tragung der Behandlungs- und Therapiekosen der Straf- und Zivilklägerin 
F.________ (V. Ziff. 4 des Urteilsdispositivs); 

die Schadenersatzzahlung und die Parteientschädigung an die Straf- und Zivilklägerin AC.________ 
(V. Ziff. 5 und Ziff. 6 des Urteilsdispositivs); 

die Schadenersatzzahlung an die Zivilklägerin AE.________ (V. Ziff. 7 des Urteilsdispositivs vom 8. 
März 2019);

den Verzicht für die Zivilklagen von F.________, der AC.________, der AE.________ sowie von 
C.________ und E.________ Kosten und Entschädigungen auszuscheiden (V. Ziff. 8 und VI. Ziff. 4 des 
Urteilsdispositivs); 

die Anerkennung der Genugtuungen sowie der grundsätzlichen Haftpflicht für sämtliche Kosten, u.a. 
die Behandlungs- und Therapiekosten, welche den Straf- und Zivilklägern C.________ und E.________ 
durch die strafbaren Handlungen in Zukunft erwachsen werden, durch den Beschuldigten (VI. Ziff 1, 
Ziff. 2 und Ziff. 3 des Urteilsdispositivs); 

in Rechtskraft erwachsen ist.

Ib.

Es sei weiter festzustellen, dass die Urteilsberichtigung vom 18. November 2019 in Bezug auf die Scha-
denersatzzahlung von CHF 2'760.0 an die Zivilklägerin AE.________ (V. Ziff. 7 des Urteilsdispositivs 
vom 8. März 2019)

in Rechtskraft erwachsen ist. 

II.

Der Berufungsführer, sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen sowie gestützt auf 
die in Rechtskraft erwachsenen Schuldsprüche (siehe oben I.) 

zu einer Freiheitsstrafe von 70 Monaten (5 Jahre und 10 Monate), unter Anrechnung der in Polizei - 
und Untersuchungshaft sowie im vorzeitigen Strafvollzug verbrachten Zeit von 1'210 Tagen, sowie der 
bereits rechtskräftigen Übertretungsbusse von CHF 300.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatz-
weise zu einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen zu verurteilen. 

III.

Es sei eine ambulante therapeutische Behandlung gemäss Art. 63 StGB anzuordnen. 

IV.

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Berufungsführer aufzuerlegen. 

Die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten seien zu 2/5 vom Kanton Bern zu tragen und zu 3/5 dem Be-
rufungsführer aufzuerlegen. 

V.

Dem Berufungsführer sei eine Entschädigung von 2/5 der Parteikosten für das Berufungsverfahren zu-
zusprechen. 

VI.

13

Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sei gemäss noch einzureichender 
Honorarnote festzusetzen.

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte anlässlich der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 14. September 2020 Folgendes (pag. 2350 ff.):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kolle-
gialgericht in Fünferbesetzung) vom 8. März 2018 neben den mit Verfügung vom 6. November 2019, 
Ziff. 2 festgestellten Punkten weiter in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Einstellung des Verfahrens wegen Widerhandlungen gegen das Sozialhilfegesetz angeblich 
begangen am 23. Oktober 2015, 1. Dezember 2015 und 29. Dezember 2015 in I.________ und 
J.________ z.N. der Einwohnergemeinde I.________ infolge Eintritts der Verfolgungsver-
jährung, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2. des Freispruchs von der angeblichen Anschuldigung der Widerhandlungen gegen das Strassen-
verkehrsgesetz, angeblich begangen am 18. April 2017 in J.________, ohne Ausrichtung einer 
Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

3. der Schuldsprüche

3.1. wegen Schändung, mehrfach begangen

3.1.1. in der Zeit von Anfang 2013 bis Ende 2017 in I.________, K.________, L.________ 
und J.________, M.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von 
C.________;

3.1.2. in der Zeit von Oktober 2013 bis Ende 2016 in I.________, K.________, 
L.________ und J.________, N.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldig-
ten bzw. am Domizil von O.________, z.N. von E.________;

3.1.3. in der Zeit von Anfang 2015 bis Frühling 2016, in I.________, K.________, 
L.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von F.________

3.2. wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen

3.2.1. in der Zeit von Anfang 2013 bis Ende 2017 in I.________, K.________, L.________ 
und J.________, M.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von 
C.________;

3.2.2. in der Zeit von Oktober 2013 bis Ende 2016 in I.________, K.________, 
L.________ und J.________, N.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldig-
ten bzw. am Domizil von O.________, z.N. von E.________;

3.2.3. in der Zeit von Anfang 2015 bis Frühling 2016, in I.________, K.________, 
L.________, am jeweiligen Domizil des Beschuldigten z.N. von F.________

3.3. wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz, mehrfach begangen

3.3.1. in der Zeit vom 13. Oktober 2015 bis 25. November 2015 in I.________, 
K.________,

3.3.2. am 26. April 2016 in I.________, K.________;

14

3.4. wegen Widerhandlungen gegen das Sozialhilfegesetz, begangen am 17. Juli 2016 und 
27. September 2016 in I.________ und J.________ betreffend Geldzahlungen von CHF 
710.00, CHF 70.00 und CHF 420.00, z.N. der Einwohnergemeinde I.________;

4. des Tätigkeitsverbots für die Dauer von 10 Jahren und unter Strafandrohung von Art. 294 StGB;

5. des Kontaktverbots für die Dauer von 5 Jahren und unter Strafandrohung von Art. 294 StGB, mit 
C.________, E.________ und F.________. 

Er sei in Anwendung der Artikel 2 Abs. 2, 40, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 67 Abs. 3, 67b Abs. 1 und 2 
aStGB; 147 Abs. 1 und 2, 180 Abs. 1, 187 Abs. 1, 191 StGB; 26 Abs.1 lit. a und 28 Abs. 3 TSchG; 85 
SHG; 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

zu verurteilen:

6. zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs-
haft;

7. zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00 (Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung von 3 Tagen) und 

8. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

9. Es sei eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen.

Verfügungen

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei in den vorzeitigen Strafvollzug zurück zu versetzen.

2. Die Honorare der amtlichen Verteidiger sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

3. Es sei die vorzeitige Zustimmung zu erteilen zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. 
AG.________) und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der 
gesetzlichen Frist (Art. 16 Abs. 1 Bst. e DNA-ProfilG und Art. 17 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 19 Abs. 
1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

Fürsprecherin G.________ stellte anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung im Namen der Straf- und Zivilklägerin 3 folgende Anträge (pag. 2342 f.):

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil vom Regionalgericht Berner Jura-Seeland vom 
8. März 2019 bis auf die Strafzumessung, die Massnahme sowie die Parteientschädigung für die 
unentgeltliche Rechtsvertretung im erstinstanzlichen Verfahren in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien durch den Berufungsführer zu tragen.

3. Der Berufungsführer sei zu verurteilen, eine Parteientschädigung an die Straf- und Zivilklägerin 
auszurichten für die unentgeltliche Rechtspflege im erstinstanzlichen Verfahren gemäss Urteil 
vom 8. März 2019 und für das oberinstanzliche Verfahren gemäss noch einzureichender Hono-
rarnote. 

Fürsprecherin D.________ beantragte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung 
namens der Straf- und Zivilkläger 1 und 2 folgendes (pag. 2344):

1. Es sei festzustellen, dass alles was ihre Klienten betreffe, in Rechtskraft erwachsen sei.

15

2. Die Verfahrenskosten der zweiten Instanz seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

3. Die Interventionskosten für das zweitinstanzliche Verfahren für die Rechtsvertretung der beiden 
Klienten seien gemäss noch einzureichender Honorarnote ebenfalls dem Beschuldigten aufzuer-
legen. 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer überprüft das Urteil nur in den angefochtenen Punkten 
(Art. 404 Abs. 1 StPO). Mangels Berufung resp. nach erfolgten Rückzügen bleibt 
von der Kammer das Strafmass und die angeordnete Massnahme zu überprüfen. 
Die weiteren Punkte sind in Rechtskraft erwachsen. Die Kammer verfügt dabei über 
volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO) und ist aufgrund der Anschlussberufung durch 
die Generalstaatsanwaltschaft nicht an das Verschlechterungsverbot (auch «Verbot 
der reformatio in peius» genannt) nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Der Beschuldigte gestand mit handschriftlichem Teilgeständnis vom 19. April 2018, 
welches er im Rahmen der Schlusseinvernahme vom 23. April 2018 der Staatsan-
wältin überreichte, ein, dass er seine Tochter C.________ zwei Mal anal penetriert 
habe. Dies sei im Frühling 2015 in I.________ passiert (pag. 631 ff.). Gegen die 
Tatvorwürfe betreffend seine beiden Kinder C.________ und E.________ erhob der 
Beschuldigte keine Berufung (pag. 1947 und pag. 2040 ff.). Schlussendlich zog der 
Beschuldigte anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung am 14. September 
2020 die Berufung gegenüber den vorgeworfenen Delikten zum Nachteil von 
F.________ zurück (pag. 2323). Dementsprechend gilt der Sachverhalt betreffend 
die ihm vorgeworfenen Delikte als erstellt. Sollten sich weitere sachverhaltliche Fra-
gen in Bezug auf die Strafzumessung und betreffend Massnahme stellen, wird nach-
folgend näher darauf eingegangen. 

16

7. Die Kammer geht daher von dem Sachverhalt aus, wie ihn die Erstinstanz erstellt 
und wie folgt dargestellt hat (pag. 1987 f.):

Das Gericht geht für die nachfolgende rechtliche Würdigung somit – teilweise in dubio – von folgendem 
konkreten Ausmass eines wissentlich und willentlich vollzogenen Sexualmissbrauchs durch den Be-
schuldigten aus:
- zum Nachteil von C.________: 10-faches Einstechen mit einer Spritze in den nackten Intimbereich 

(8x in Schamlippen, 2x in Brust); zudem 2-maliger vaginaler und 2-maliger analer Missbrauch (im 
Rahmen verschiedener Vorfälle).

- zum Nachteil von F.________: jeweils mehrfaches Einstechen mit einer Spritze neben und in die 
Schamlippen, 7 Vorfälle; zudem je einmaliger vaginaler, analer und oraler Missbrauch (im Rahmen 
verschiedener Vorfälle).

- zum Nachteil von E.________: „Chueli mälchen“ am Penis, drei Vorfälle.

Festzustellen ist weiter, dass der Beschuldigte jeweils direkt die Geschlechtsteile der Kinder (Scham-
lippen, kindliche Brüste, Penis von E.________) anvisiert und meistens sein eigenes Zuhause und das 
Bett als konkreten Ort des Geschehens gewählt hat. Das konkrete Vorgehen des Beschuldigten mit der 
Spritze, welche C.________ als „Fougispritze“ bezeichnet hat, weist nebst der sexuellen auch auf eine 
sadistische Lustbefriedigung und allenfalls gar auf eine Devianz in Form des sog. „Piquerismus“ hin. 
Beim „Chueli mälchen“ ist der geschlechtliche Bezug überdies mit den begriffsimmanenten Onaniebe-
wegungen ausgewiesen und hat die Zeugin AH.________ bezüglich des Vorfalls im Wohnwagen in 
Spanien ausserdem festgestellt, dass der Beschuldigte dabei ein erregtes Glied gehabt hat. 

Entgegen den Beteuerungen des Beschuldigten waren demnach auch das Einstechen in den Intimbe-
reich von C.________ und F.________ mit einer Spritze sowie das „Chueli mälchen“ bei E.________ 
klar sexuell motiviert und diente dies seiner Lustbefriedigung.

Ergänzend ist festzustellen, dass der Beschuldigte bei den Missbräuchen, insb. bei 
den Penetrationen nicht verhütet hat (pag. 2328). 

III. Rechtliche Würdigung

8. Es wird auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 1991 ff.). Der Beschuldigte ist gestützt auf den angenommenen Sachverhalt 
der mehrfachen Schändung i.S.v. Art. 191 StGB, der mehrfachen sexuellen Hand-
lungen mit Kindern i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB zum Nachteil von C.________, 
F.________ und E.________, des gewerbsmässigen Missbrauchs einer Datenver-
arbeitungsanlage i.S.v. Art. 147 Abs. 1 und 2 StGB, der Drohung i.S.v. Art. 180 Abs. 
1 StGB, der mehrfachen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz und der Wi-
derhandlungen gegen das Sozialhilfegesetz schuldig gesprochen worden.

IV. Strafzumessung

9. Überprüfung durch die Kammer

Die Strafkammern des Obergerichtes verfügen als Berufungsgericht über umfas-
sende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 

17

StPO). Das gilt auch für die Strafzumessung, doch sind die Kammern bei gleichblei-
benden Schuldsprüchen und vergleichbarer Gewichtung der übrigen Strafzumes-
sungsfaktoren bezüglich einer allfälligen Abweichung von der durch die Vorinstanz 
festgelegten Sanktion zurückhaltend, da die erstinstanzlichen Gerichte von allen As-
pekten des beurteilten Falles einen unmittelbaren Eindruck gewinnen und in be-
stimmten Deliktskategorien über eine reiche Praxis mit vielen Vergleichsmöglichkei-
ten verfügen. Für gleiche Schuldsprüche ist daher in solchen Fällen eine Korrektur 
im Strafmass durch die Kammer nur angezeigt, wenn wesentliche Tat- oder Täter-
komponenten oder Abstufungen unter Teilnehmern unberücksichtigt geblieben oder 
falsch gewürdigt worden sind oder wenn seit dem erstinstanzlichen Urteil wesentli-
che, die Strafzumessung beeinflussende Änderungen eingetreten sind.

Die Vorinstanz hat für die Schuldsprüche wegen Verbrechen und Vergehen eine un-
bedingte Freiheitsstrafe von neun Jahren ausgefällt. Damals wie auch im Berufungs-
verfahren erachtet die Staatsanwaltschaft diese Strafe als zu niedrig und fordert 
zwölf Jahre Freiheitsstrafe. Demgegenüber hatte und hat die Verteidigung eine nied-
rigere Strafe von damals 775 Tagen Freiheitsstrafe bzw. aktuell 70 Monaten Frei-
heitsstrafe gefordert.

Die unterschiedlichen Anträge basierten und basieren zur Hauptsache auf unter-
schiedlichen Gewichtungen der Tatschwere, der Asperation wegen Art. 187 StGB 
und der Täterpersönlichkeit. Einig waren sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Ver-
teidigung in der Vorinstanz darüber, dass es sinnvoll sei, bei den Delikten zum Nach-
teil der Kinder C.________, F.________ und E.________ je Kind Tatgruppen zu bil-
den. Neu verzichtet die Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren auf die Bildung 
von Tatgruppen.

10. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung

Für die allgemeinen Grundlagen gemäss Art. 47 des Schweizerischen Strafgesetz-
buches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) kann auf die vollständigen und 
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 1997 f.).

Nach Art. 50 StGB hat das Gericht in der Urteilsbegründung die für die Zumessung 
der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung zu begründen. Insgesamt 
müssen seine Erwägungen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass 
muss plausibel erscheinen (BGE 134 IV 17 E. 2.1).

11. Strafart und Strafrahmen

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Schändung und mehrfachen sexuellen 
Handlungen mit Kindern; des mehrfachen, gewerbsmässigen betrügerischen Miss-
brauchs einer Datenverarbeitungsanlage; der Drohung; der mehrfachen Widerhand-
lungen gegen das Tierschutzgesetz und der Widerhandlungen gegen das Sozialhil-
fegesetz schuldig gemacht.

Die Schuldsprüche sind rechtskräftig, nicht hingegen die hierfür auszusprechende 
Sanktion.

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, können – mit Ausnahme der Übertretungs-
tatbestände von Art. 28 Abs. 3 TSchG und Art. 85 SHG, welche einzig mit Busse 

18

strafbedroht sind – sämtliche Delikte abstrakt mit Freiheits- oder Geldstrafe sanktio-
niert werden. Wie auch die Vorinstanz erachtet die Kammer unter Berücksichtigung 
der jeweiligen Tatschwere resp. des konkreten Tatvorgehens des Beschuldigten für 
die Schuldsprüche wegen Verbrechen/Vergehen die Freiheitsstrafe als angemes-
sen. Die Freiheitsstrafe ist zudem teilweise als Zusatzstrafe auszufällen, da der Be-
schuldigte die mehrfachen Schändungen bzw. die sexuellen Handlungen mit Kindern 
zum Teil bereits begangen hat, bevor er am 9. September 2014 erstmalig wegen 
mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 
von 120 Tagen (vgl. Strafbefehl vom 26. August 2014, pag. 10341, Akten 
PEN_2.________) beziehungsweise auf entsprechenden Antrag hin zu 480 Stunden 
gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurde (vgl. pag. 10347, PEN_2.________; 
vgl. pag. 1998 f., S. 46 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Ein Teil der De-
likte erfolgte auch vor dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Frauenfeld vom 
11. August 2015 wegen eines SVG-Deliktes (siehe pag. 755, 8 Tagessätze Gelds-
trafe). 

In Bezug auf den theoretischen Strafrahmen kann ebenfalls auf die erstinstanzlichen 
Erwägungen verwiesen werden. Das mit dem abstrakt höchsten Strafrahmen sank-
tionierte Delikt – mithin vorliegend die Schändung nach Art. 191 StGB – ist für die 
Bildung der Einsatzstrafe massgebend. Der Tatbestand der Schändung nach 
Art. 191 StGB sieht eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe vor. In 
Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB erhöht sich der theoretische Strafrahmen auf 
15 Jahre Freiheitsstrafe. Es sind jedoch keine Umstände ersichtlich, aufgrund wel-
cher der ordentliche Strafrahmen in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB zu verlas-
sen wäre. (BGE 136 IV 55, E. 5.8.; pag. 1999 f., S. 47 der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). Die eigene Tochter des Beschuldigten, C.________, war das seiner-
zeit jüngste Opfer und erlitt anzahlmässig die meisten Übergriffe, sodass es sich 
rechtfertigt, von der Schändung zum Nachteil von ihr für die Festlegung der Einsatz-
strafe auszugehen. 

12. Einsatzstrafe betreffend Schändung z.N. von C.________ 

12.1 Tatgruppe

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es nicht erforderlich, für jedes Delikt 
gesondert die Strafart zu ermitteln und eine hypothetische Strafe festzusetzen, wenn 
die Straftaten zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft sind, dass sich 
diese nicht sinnvoll auftrennen und beurteilen lassen. Eine Tatgruppenzusammen-
fassung kann im Einzelfall bei gleicher Vorgehensweise, gleichem Opfer, zeitlichem 
und persönlichem Konnex zulässig sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 
6B_681/2013 vom 26. Mai 2014 E. 1.3.3. sowie 6B_1011/2014 vom 16. März 2015 
E. 4.4 und 6B_241/2018 vom 4. Oktober 2018 E. 1.3.4).

Der weite Tatzeitraum (von Anfang 2013 bis Ende April 2017) spricht vordergründig 
nicht für eine Tatgruppenzusammenfassung. Bei näherer Betrachtung sind jedoch 
die genauen Zeitpunkte der Übergriffe nicht klar feststellbar. Dies liegt auch daran, 
dass ein Kind in diesem Alter notorischerweise keine genauen Datumsangaben ma-
chen kann. Auch hat der Beschuldigte die Übergriffe lediglich global eingestanden 

19

und daher auch keine ganz genauen Zeitangaben zu den einzelnen Übergriffen ge-
macht. Erstellt ist, dass der Beschuldigte C.________ mit einer Spritze zehnfach in 
den nackten Intimbereich (acht Mal in die Schamlippen, zweimal in die Brust) stach 
und zudem zweimal vaginal und zweimal anal (im Rahmen verschiedener Vorfälle) 
missbrauchte. Dies geschah jeweils am Domizil des Beschuldigten in I.________ 
bzw. J.________. Es handelte sich dabei um ein jeweils gleich gelagertes Tatvorge-
hen und um das gleiche Opfer. Ein über die Jahre zeitlich relevanter Unterbruch ist 
nicht ersichtlich. Schlussendlich war für all diese Übergriffe die diagnostizierte psy-
chische Störung des Beschuldigten gleichermassen mitkausal. Die zum Nachteil von 
C.________ begangenen Taten sind daher letztlich so eng verbunden, dass sich 
diese nicht sinnvoll auftrennen und beurteilen lassen. Es ist von einer Tatgruppe aus-
zugehen.

12.2 Tatkomponenten

12.2.1 Objektive und subjektive Tatschwere (objektives und subjektives Tatverschulden) 

Die Vorinstanz begründete die objektive und subjektive Tatschwere wie folgt 
(pag. 1999 f.): 

Die Schwere der Verletzung des Rechtsgutes der sexuellen Freiheit wiegt vorliegend schwer: Der Be-
schuldigte hat über einen Zeitraum von mehr als dreieinhalb Jahren seine damals zwischen 3.5 und 
noch nicht ganz 7-jährige Tochter C.________ je zweimal vaginal und anal penetriert. Darüber hinaus 
hat er ihr mehrmals und ohne jegliche medizinische Indikation mit einer Nadel oder Spritze in die 
Schamlippen und in die Brüste gestochen. Es bedarf keiner näheren Erklärung, dass der vollendete 
vaginale und anale Sexualkontakt mit einem so kleinen Kind eine der schwerstmöglichen Formen eines 
sexuellen Kindesmissbrauchs überhaupt darstellt. Diesen hat der Beschuldigte mehrmals, über einen 
längeren Zeitraum hinweg sowie an mehreren Orten vollzogen. Dabei ist kaum vorstellbar, was 
C.________ bei diesen Sexualkontakten für Schmerzen hat aushalten müssen. Dies gilt vorliegend 
umso mehr, als nach den übereinstimmenden Schilderungen von C.________ und Frau AH.________ 
der Beschuldigte über ein grosses Geschlechtsteil verfügt. Durch das Stechen mit einer Spritze in den 
Genitalbereich hat C.________ zudem weitere massive Schmerzen aushalten müssen. Dieses zusätz-
liche Beifügen von Schmerzen über den eigentlichen sexuellen Kontakt hinaus mutet sadistisch an 
(„Folgisprütze“) und dürfte als deviantes Verhalten womöglich gar dem sog. Piquerismus zuzuordnen 
sein.

Das von mehreren Quellen geschilderte, sehr verhaltensauffällige und sexualisierte Verhalten von 
C.________ sowie die vorliegenden Behandlungsberichte lassen derzeit nur ansatzweise erahnen, wie 
tiefgreifend C.________ durch diesen schweren und lange dauernden intensiven Sexualmissbrauch 
traumatisiert worden ist. Es ist leider davon auszugehen, dass dies eine lange und intensive psychiatri-
sche Behandlung nötig machen wird und dass die Langzeitfolgen sich heute noch in keiner Art und 
Weise abschätzen lassen.

Entgegen seinen eigenen Aussagen handelte der Beschuldigte nicht, weil es ihn einfach einmal oder 
zweimal „verjagt“ hat, weil ihn seine Tochter an die Ex-Frau erinnerte. Vielmehr suchte er sich jeweils 
die passenden Gelegenheiten gezielt aus, um mit C.________ alleine und ungestört zu sein. Er han-
delte insoweit auch planmässig und zielgerichtet. Er nutzte dabei insbesondere das grosse Vertrauen, 
welches grundsätzlich jedes Kind in seinen Vater hat, schamlos aus. Mit dem implementierten Schwei-
gegebot erzielte er zudem perfiderweise gleich einen doppelten Effekt. Einerseits gelang es ihm über 

20

lange Zeit, das kleinkindliche Opfer zum Schweigen zu bringen und andererseits bestehen bei 
C.________ jetzt, wo sie diesen Missbrauch offengelegt hat, schwere eigene Schuldgefühle.

[…]

Der Beschuldigte hat klarerweise mit direktem Vorsatz gehandelt, was im Bereich der Sexualdelinquenz 
jedoch den Regelfall darstellt. Die Frage nach den Beweggründen ist vorliegend nicht ganz so einfach 
zu beantworten. Einerseits ging es dem Beschuldigten sicherlich weitgehend um die eigene primitiv-
egoistische (sexuelle) Lustbefriedigung. Ob ausserdem auch noch weitergehende Motive vorliegen, 
muss hier mangels entsprechender Aussagen des Beschuldigten offen bleiben.

Diese Erwägungen sind grösstenteils zutreffend und werden durch die Kammer 
bestätigt. Anzufügen ist, dass der Beschuldigte wohl nicht über einen, bewusst ge-
fassten, «Gesamtplan» verfügte und sein Vorgehen jeweils vor allem angesichts ei-
ner sich bietenden Gelegenheit zielgerichtet wurde (vgl. Risikoabklärung pag. 1365, 
wonach das Tatverhalten als eher unstrategisch und unüberlegt bezeichnet wurde). 
Am Gesamtbild eines krassen Kindsmissbrauchs zum Nachteil der eigenen Tochter 
zur Befriedigung der eigenen Lustbedürfnisse ändert dies jedoch nichts. Der Thera-
piebericht über die Therapie bei C.________ bestätigt die von der Vorinstanz aus-
geführten Langzeitschäden (pag. 2104 ff.). Erschwerend kommt hinzu, dass der Be-
schuldigte während der Penetrationen nicht verhütet hat. Sodann war er jederzeit 
vollumfänglich schuldfähig. 

12.3 Einsatzstrafe

Die Vorinstanz ging von einer Einsatzstrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe bei einem 
schweren bis sehr schweren Verschulden des Beschuldigten aus (pag. 2000). Bei 
Berücksichtigung des Strafrahmens handelt es sich dabei eher um ein mittleres bis 
schweres Verschulden, wovon auch die Kammer im konkreten Fall ausgeht. Die 
Kammer geht deshalb übereinstimmend mit der Vorinstanz für die mehrfache Schän-
dung zum Nachteil von C.________ von einer angemessenen Einsatzstrafe von 60 
Monaten aus. 

13. Asperation betreffend Schändung z.N. von F.________

Auch in Bezug auf F.________ liegt eine intensive und schwere Form des sexuellen 
Missbrauchs vor. Wie bei den Vorfällen zum Nachteil von C.________ lassen sich 
die einzelnen Vorteile zum Nachteil von F.________ nicht hinreichend voneinander 
abgrenzen. Es kann deshalb zur Frage der Tatgruppenzusammenfassung und auch 
betreffend objektiver und subjektiver Tatschwere allgemein auf die Ausführungen zu 
C.________ verwiesen werden. Auch die Übergriffe zum Nachteil von F.________ 
haben ohne Verhütung stattgefunden. Wie die erste Instanz richtigerweise feststellte, 
liegt in Bezug auf F.________ «nur» je ein vaginaler und ein analer Missbrauch vor. 
Jedoch kommt der erzwungene Oralverkehr und dabei insbesondere die Abgabe von 
Urin oder Sperma in den Mund von F.________ sowie die Nötigung des Beschuldig-
ten, diese Flüssigkeit anschliessend noch zu schlucken, erschwerend hinzu. Der Be-
schuldigte hatte bei F.________ eine grosse Vertrauensstellung inne – diese hat ihn 
offenbar angehimmelt (pag. 1899). Diese Vertrauens- und Respektsposition (ver-
gleichbar derjenigen gegenüber den eigenen Kindern) hat der Beschuldigte scham-

21

los und zielgerichtet ausgenutzt. Der Zeitraum des Missbrauchs ist kürzer als derje-
nige bei C.________. Auch F.________ wurde durch das Erlittene erheblich trauma-
tisiert. 

Gesamthaft gibt es keine Gründe, hier von der erstinstanzlichen Strafzumessung ab-
zuweichen. Auch die Kammer geht für die mehrfache Schändung z.N. von 
F.________ für sich alleine betrachtet von einer angemessenen Sanktion von 54 
Monaten (4.5 Jahren) Freiheitsstrafe aus. Asperiert um 2/3 ergibt dies eine Erhöhung 
der Einsatzstrafe um 36 Monate auf 96 Monate (acht Jahre). 

14. Asperation betreffend Schändung z.N. von E.________ 

Wie die Vorinstanz ausgeführt hat, kann in Bezug auf die Verwerflichkeit des Han-
delns und der Willensrichtung und Beweggründe auch in Bezug auf den Missbrauch 
beim Sohn E.________ insbesondere auf die Ausführungen zu C.________ verwie-
sen werden. Auch diesbezüglich muss von einer Tatgruppe ausgegangen werden. 
Das mindestens dreimalige Ziehen an seinem Glied hat bei E.________ starke 
Schmerzen verursacht und zu Blutergüssen und Rötungen geführt (pag. 2001). Zu 
berücksichtigen ist, dass die Beschreibung des Vorgangs durch den Beschuldigten 
als «Chueli-melken» (pag. 505 ff.) verniedlichend und despektierlich erscheint. 
E.________ ist durch diese Vorfälle nachhaltig traumatisiert. Die Übergriffe zum 
Nachteil von E.________ waren jedoch – rein objektiv betrachtet - deutlich weniger 
schwer als bei C.________ und F.________. Die Tatschwere betreffend E.________ 
ist daher als eher leicht zu bezeichnen. 

Es gibt auch hier keinen Grund, von den auf E.________ bezogenen erstinstanzli-
chen Ausführungen zur Strafzumessung abzuweichen. Bei einer Einzelstrafzumes-
sung geht auch die Kammer von einer Freiheitsstrafe von neun Monaten für die 
Schändung z.N. von E.________ aus. Asperiert um 2/3 rechtfertigt es sich, die Ein-
satzstrafe um sechs Monate auf 102 Monate – mithin auf 8.5 Jahre – zu erhöhen. 

15. Asperation betreffend sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB)

Zwischen Art. 187 Ziff. 1 und Art. 191 StGB besteht echte Idealkonkurrenz (vgl. BGE 
120 IV 194, E. 2b). Dies rechtfertigt sich auch nach Auffassung der Kammer: Die 
Mehrheit der Rechtsgüter, das noch sehr junge Alter der drei kindlichen Opfer und 
deren Urteilsunfähigkeit im Zeitpunkt der Taten (die Kammer erachtet die diesbezüg-
lichen Überlegungen der Vorinstanz für überzeugend) und die durch diese erlittenen 
Traumatisierungen, welche ihr ungestörtes Heranreifen massiv beeinträchtigt haben 
und noch beeinträchtigen werden, indizieren eine kumulative Anwendung beider Tat-
bestände (pag. 1995). Wie stark jedoch letztlich die sexuelle Entwicklung der betrof-
fenen Kinder beeinträchtigt sein wird, bleibt offen. Vermutlich dürften die Auswirkun-
gen massiv sein und mindestens sehr lange bleiben. Gemäss Bericht vom 16. No-
vember 2019 sei zum Beispiel C.________ mindestens seit November 2017 in psy-
chotherapeutischer Behandlung. Zwar sei es durch enge systemische Zusammena-
rbeit aller beteiligten Personen des Helfernetzes gelungen, eine hinreichende Stabi-
lisierung von C.________ im Alltag zu erreichen. Dies sei jedoch gemäss der zu-
ständigen Fachpsychologin ein «fragiles Gleichgewicht». Der Therapieprozess be-
finde sich im Stadium der Trauma-Verarbeitung, was jedoch noch längere Zeit in 

22

Anspruch nehmen werde. Ob C.________ das Trauma bewältigen könne, konnte 
die zuständige Psychologin noch nicht einschätzen (pag. 2104 ff.). 

Es rechtfertigt sich daher – wie von der Vorinstanz ebenfalls angenommen – von 
einer Einzelstrafzumessung bei C.________ und F.________ von je zwölf Monaten 
auszugehen. Für E.________ erscheint die Annahme von vier Monaten angemes-
sen. Mit einem Asperationsprozentsatz von 50%, da die von Art. 187 Ziff. 1 und 191 
StGB geschützten Rechtsgüter ineinander übergehen, ergibt sich damit die Er-
höhung der Strafe um weitere 14 Monate auf 116 Monate. 

16. Asperation weitere Delikte

Für die Asperation der weiteren Delikte kann auf die folgend zutreffenden Ausführun-
gen der ersten Instanz verwiesen werden (pag. 2002): 

Was die objektive und subjektive Tatschwere beim gewerbsmässigen Missbrauch einer Datenverarbei-
tungsanlage anbelangt, ist festzuhalten, dass der Beschuldigte zusammen mit seinem Bruder in bloss 
2.5 Monaten ganze 83 Bezüge mit der gestohlenen Tankkarte getätigt hat. Wenngleich die Deliktsbe-
träge der einzelnen Bezüge nicht allzu hoch ausgefallen sind, weisen die Besuche an diversen Tank-
stellen in und ausserhalb der Region sowie die Tatsache, dass zum Teil am gleichen Tag mehrmals 
Bezüge getätigt worden sind, auf eine erhebliche Hartnäckigkeit des Beschuldigten bei seiner Delin-
quenz hin. Entsprechend ist denn auch die Qualifikation der Gewerbsmässigkeit i.S.v. Art. 147 Abs. 2 
StGB gegeben. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, was allerdings deliktsimmanent ist. Weiter 
hat er selber ausgesagt, dass für ihn klar ein finanzielles Motiv im Vordergrund gestanden habe, da er 
damals finanziell sehr schlecht dagestanden und diese Tankkarte für ihn wie eine Art „Geschenk des 
Himmels“ gekommen sei (pag. 1778). Wie er zudem angeführt hat, haben nebst ihm auch sein Bruder 
sowie weitere Bekannte und Verwandte von der missbräuchlichen Verwendung der Tankkarte profitie-
ren können.

Zu beachten gilt es, dass die Qualifikation von Art. 147 Abs. 2 StGB eine Mindeststrafe von 90 Tages-
sätzen Geldstrafe vorsieht. Vorliegend würde das Gericht als Einzelstrafe ein Strafmass von 6 Monaten 
Freiheitsstrafe als schuldangemessen erachten. 

Die objektive und subjektive Tatschwere der Drohung wiegt vergleichsweise leicht. Dies deshalb, weil 
es sich um einen einzigen Vorfall handelt und die ausgestossenen Drohungen das Opfer zwar in Angst 
und Schrecken versetzt haben, jedoch eher subtil und in ihrer Intensität vergleichsweise moderat aus-
gefallen sind. Im Rahmen einer Einzelstrafzumessung hätte das Gericht eine zusätzliche Strafe von 1 
Monat Freiheitsstrafe ausgefällt. 

Bezüglich der Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz (Vergehen) schliesslich gilt es festzuhal-
ten, dass der kantonale Veterinärdienst eine starke Vernachlässigung von insgesamt 21 Tieren (8 
Schlangen, 8 Zwergbartagamen, 3 Geckos, 1 Meerschweinchen, 1 Hund „X.________“) festgestellt 
hat. Der beweismässig erstellte Tatzeitraum beträgt indessen bloss knapp 1.5 Monate. Zudem hat der 
Beschuldigte im vorliegenden Kontext nicht direktvorsätzlich gehandelt, sondern hielt die Tiere glaub-
haft aus Tierliebe, war dann aber einfach mit deren Fütterung und Pflege resp. der Bereitstellung der 
nötigen Infrastruktur überfordert, was er selber auch zugegeben hat (pag. 296, 1778).

Für die Vergehen gegen das TSchG gemäss erstellter Ziff. 6.1. AKS hätte das Gericht bei einer Einzel-
strafzumessung eine Strafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe ausgesprochen.

23

Unter Einbezug des Asperationsprinzips nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist für den gewerbsmässigen Miss-
brauch einer Datenverarbeitungsanlage, die Drohung sowie die Widerhandlungen gegen das Tier-
schutzgesetz (Vergehen) die auszufällende Freiheitsstrafe zusammengenommen um 6 Monate […] zu 
erhöhen.

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die weiteren Delikte keine Bagatellen dar-
stellen. Eine allfällige Überforderung des Beschuldigten rechtfertigte die begangenen 
Delikte nicht. Der Punkt der Überforderung wurde von der Vorinstanz – soweit not-
wendig – aber in angemessener Art und Weise in ihre Überlegungen einbezogen. 
Die Kammer erhöht damit die auszufällende Freiheitsstrafe wie die Vorinstanz um 
sechs Monate auf 122 Monate. 

17. Täterkomponenten

17.1 Vorleben, persönliche Verhältnisse und Schuldfähigkeit

Vordergründig kann auf die erstinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden 
(pag. 2002 f.). Insbesondere ist das belastete Vorleben des Beschuldigten zu 
berücksichtigen. In seiner Kindheit wurde der Beschuldigte selbst Opfer von sexuel-
len Übergriffen (vgl. pag. 837, 2280 und 2318). Zwar hat der Sachverständige im 
Gutachten vom 29. September 2017 festgehalten, dass die kombinierte Persönlich-
keitsstörung den Beschuldigten tatzeitaktuell weder in seiner Einsichts- noch in sei-
ner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt hat (pag. 852). Dieses Gutachten ging im-
merhin noch nicht von einer Pädophilie (ICD-10 F.65.4) aus, wogegen der Therapie-
verlaufsbericht vom 8. November 2019 diese deutlich diagnostizierte (pag. 2282). 
Ebenfalls führt der Bericht aus, die Persönlichkeitsstörung sei ursächlich als eine 
komplexe Traumafolgestörung zu betrachten (pag. 2282). Der Therapiebericht der 
Psychiatrischen Dienste der Solothurner Spitäler geht diagnostisch von einer kom-
binierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und unreifen Zügen (ICD10: F60.8) 
und einer Pädophilie, nicht ausschliesslicher Typ (ICD-10: F65.4) aus (pag. 2317). 
Die Taten hat der Beschuldigte offenbar im Rahmen seiner Krankheit ausgeführt. 
Dies berücksichtigt die Kammer klar strafmindernd. Eine Schuldunfähigkeit liegt je-
doch nicht vor (pag. 858). Sodann wertet die Kammer die weiteren persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten (ohne Berufsausbildung, verschiedene gesundheitliche 
Probleme und Sozialhilfeunterstützung seit längerer Zeit vor seiner Verhaftung) wie 
die Vorinstanz als neutral (vgl. pag. 2003). Gesamthaft sieht die Kammer für die per-
sönlichen Verhältnisse eine Reduktion von zwölf Monaten vor. 

Demgegenüber ist der Beschuldigte mehrfach vorbestraft (pag. 754 ff.). Insbeson-
dere die einschlägige Vorstrafe wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kin-
dern vom 9. September 2014 ist straferhöhend zu berücksichtigen. Damals hatte der 
Beschuldigte tatsächlich «Glück», wie die Vorinstanz ausführte, dass seine eigenen 
Kinder gestützt auf sein Schweigegebot vorerst keine belastenden Angaben mach-
ten. Dass das damalige Verfahren und der damalige Schuldspruch ihn aber nicht von 
weiteren Übergriffen abzuhalten vermocht haben, wirkt sich deutlich straferhöhend 
aus. Er intensivierte den sexuellen Missbrauch und fand mit F.________ noch ein 
weiteres Opfer. Aus welchem Grund der Beschuldigte in der Sendung 
«AI.________» im Jahr 2017 auftrat und ob dies bzw. seine dortigen Aussagen ge-
genüber seiner Ex-Frau, Frau F.________, der KESB und weiteren Behörden als 

24

besonders dreist zu taxieren sind (Vorinstanz pag. 2003), ist nicht klar und hier of-
fenzulassen. Aber schon nur die Tatsache, dass der Beschuldigte trotz dem abge-
schlossenen Verfahren weitere Übergriffe auf seine beiden Kinder und ein drittes 
Opfer, F.________, ausübte, zeigt, wie sicher und unangreifbar er sich damals of-
fenbar fühlte, wobei immerhin der Zusammenhang mit der Pädophilie zu beachten 
ist. Die Kammer erachtet bei diesem Strafzumessungsfaktor eine Erhöhung um zehn 
Monate als angemessen. 

Unter Berücksichtigung des Vorlebens, der persönlichen Verhältnisse und der 
Schuldfähigkeit ist die Strafe gesamthaft um zwei Monate auf 120 Monate zu redu-
zieren. 

17.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren

Der Beschuldigte hat seine Taten grundsätzlich eingestanden. Das erste Teileinge-
ständnis in Bezug auf die Übergriffe betreffend C.________ erfolgte am 23. 
April 2018 in der Schlusseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft (pag. 643 ff.). Im 
Rahmen der Einvernahme anlässlich der erstinstanzlichen Verhandlung am 26. Fe-
bruar 2019 gestand er sodann die Übergriffe betreffend C.________ und 
E.________ im Grundsatz ein (pag. 1775 ff.). Die Verurteilung in Bezug auf 
F.________ hat der Beschuldigte zunächst noch abgestritten und dagegen Berufung 
erhoben. Erst anlässlich der Verhandlung vor der Strafkammer am 14. September 
2020 hat er die Berufung zurückgezogen und damit auch diese Übergriffe eingestan-
den. Dieses Eingeständnis erfolgte jedoch eingeschränkt. Obwohl mit dem Rückzug 
auch der Sachverhalt und damit die sexuelle Komponente des Stechens mit der Na-
del zugegeben wurde, gab der Beschuldigte anlässlich der Verhandlung vom 14. 
September 2020 immer noch an, das Stechen mit der Nadel hätte ihn sexuell nicht 
erregt (pag. 2327). Er sagte aus, er habe dies aus rein medizinischen Gründen ge-
macht und er sei offen und ehrlich damit umgegangen (pag. 2327). Auf die Frage, 
wonach er noch keine Antwort betreffend Motivation für die Stiche bei F.________ 
habe geben können, er durch die Therapie aber zugegeben habe, dass er sie sexuell 
missbraucht habe, gab er an, dass er noch nicht bereit sei, betreffend die Stiche 
Aussagen zu machen (pag. 2328 Z. 9 ff.). Weiter gab er an, dass er zu den Taten 
stehe, er aber zurzeit nicht darüber sprechen könne (pag. 2328 Z 14 ff.). Unter 
Berücksichtigung, dass der Sachverhalt und damit auch die sexuelle Komponente 
des Stechens mit der Nadel durch den Rückzug formell eingestanden ist, stellen die 
diesbezüglich bis zuletzt volatilen Ausführungen des Beschuldigten maximal eine Art 
Teileingeständnis dar. Wie auch die erste Instanz ausführt, kann man dem Beschul-
digten nicht zu Gute halten, dass er besondere Einsicht oder Reue gezeigt oder ins-
besondere das Verfahren wesentlich erleichtert hätte. Um einen substanziellen Ge-
ständnisrabatt zu erhalten, hätte der Beschuldigte die Sachverhalte vorbehaltlos ein-
gestehen müssen, womit er (nebenbei bemerkt) zu Gunsten der Opfer wesentlich 
mehr hätte bewirken können. Die Kammer erachtet daher eine Reduktion von ledig-
lich bzw. immerhin zehn Monaten – auf 110 Monate (unter Berücksichtigung der zu-
letzt rapportierten Schritte des Beschuldigten zur Wiedergutmachung) als angemes-
sen. 

25

17.3 Strafempfindlichkeit

Wie von der Vorinstanz ausgeführt, vermögen die vier Kinder, das Leben in beschei-
denen Verhältnissen und die gesundheitlichen Probleme keine besondere Strafemp-
findlichkeit des Beschuldigten zu begründen (pag. 2004). Die Kammer stimmt mit der 
Vorinstanz überein, dass dieser Faktor für die Strafzumessung als neutral zu erach-
ten ist. 

17.4 Zwischenergebnis

Gestützt auf die obigen Ausführungen erachtet die Kammer eine Gesamtstrafe von 
110 Monaten als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen. 

18. Zusatzstrafe

Der Beschuldigte wurde bereits mit Strafbefehl vom 9. September 2014 der mehrfa-
chen sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig erklärt und ursprünglich zu einer 
unbedingten Freiheitsstrafe von 120 Tagen resp. erst auf Antrag des Beschuldigten 
hin zu 480 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt (pag. 10341 und 10347, Akten 
PEN_2.________). Weiter wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl vom 11. August 
2015 wegen Führens eines Motorfahrzeuges ohne erforderlichen Führerausweis mit 
einer Geldstrafe von 8 Tagessätzen belegt. Vorliegend wird der Beschuldigte für eine 
Delinquenz im Zeitraum von Anfang 2013 bis Ende April 2017 zu einer Freiheitsstrafe 
verurteilt, womit ein Fall von retrospektiver Konkurrenz i.S.v. Art. 49 Abs. 2 StGB 
vorliegt. 

Wie die erste Instanz ausführte, enthalten die neu zu beurteilenden Delikte offen-
sichtlich die weit gewichtigeren Straftaten als die bereits abgeurteilten strafbaren 
Handlungen (wobei die Geldstrafe wegen des SVG-Deliktes ohnehin nur marginale 
Bedeutung hat). Somit ist die vorliegende Strafe mit den Strafen gemäss Strafbefeh-
len vom 9. September 2014 und 11. August 2015 zu asperieren (vgl. pag. 2004 f. 
und BGE 142 IV 265, E. 2.4.2). 

Die diesbezüglichen Überlegungen der Vorinstanz erscheinen der Kammer nachvoll-
ziehbar. Bei Anwendung von Art. 49 Abs.  1 StGB erscheint eine Gesamtstrafe in der 
Grössenordnung von 112 Monaten für die in den Strafbefehlen abgeurteilten straf-
baren Handlungen und die neu zu beurteilenden Delikte als angemessen. Der Be-
schuldigte hat die rund 120 Tage resp. vier Monate bereits verbüsst, weshalb vier 
Monate abzuziehen sind. Vorliegend ist daher eine teilweise Zusatzstrafe von 108 
Monaten, resp. neun Jahren, Freiheitsstrafe auszufällen.

19. Konkretes Strafmass

Gesamthaft ist der Beschuldigte im Sinne einer teilweisen Zusatzstrafe zum Urteil 
der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Biel, vom 9. September 2014 sowie der 
Staatsanwaltschaft Frauenfeld vom 11. August 2015 zu einer Freiheitsstrafe von 
9 Jahren zu verurteilen. Diese ist unbedingt zu vollziehen. 

Weiter ist der Beschuldigte für die Widerhandlungen gegen das TSchG gemäss Ziff. 
6.2. der Anklageschrift sowie der Widerhandlungen gegen das SHG gemäss Ziff. 8 
der Anklageschrift, unter Berücksichtigung der einschlägigen VBRS-Richtlinien für 
die Strafzumessung, asperiert zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00 zu 

26

verurteilen. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung ist auf 3 Tage 
festzusetzen. 

20. Anrechnung von Untersuchungs- und Sicherheitshaft

Die Untersuchungshaft von 65 Tagen, welche der Beschuldigte im Rahmen der ers-
ten Strafuntersuchung 2014 ausgestanden hat, wurde bereits an die mit Strafbefehl 
vom 9. September 2014 ausgesprochene Strafe von 480 Stunden gemeinnützige 
Arbeit angerechnet (pag. 10347, Akten PEN_2.________).

Die vom Beschuldigten seit seiner erneuten Verhaftung am 24. Mai 2017 bis zum 
29. April 2018 vom Beschuldigten zusätzlich ausgestandene Untersuchungshaft, 
ausmachend 341 Tage, ist gestützt auf Art. 51 StGB vollumfänglich an die Strafe 
anzurechnen.

21. Vorzeitiger Straf- / Massnahmevollzug

Der Beschuldigte beantragte am 29. August 2017 bzw. 30. Oktober 2017 den vor-
zeitigen Massnahmenvollzug (pag. 169 ff.), was mit Verfügung vom 8. Novem-
ber 2017 jedoch abgelehnt wurde (pag. 181 ff.).  

Hingegen wurde sein Gesuch vom 23. März 2018 auf vorzeitigen Strafvollzug 
(pag. 185 ff.) mit Verfügung vom 27. März 2018 gutgeheissen (pag. 188 f.), worauf 
per 30. April 2018 vorerst die Einweisung in das Regionalgefängnis T.________ zum 
vorzeitigen Vollzug erfolgte (pag. 198 ff.).

V. Massnahmen

22. Allgemeine Ausführungen zur stationären Massnahme

Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, der Ge-
fahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungsbedürfnis des 
Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und die Voraussetzungen 
der Art. 59-61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB). Ist der Täter psy-
chisch schwer gestört, so kann das Gericht gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB eine statio-
näre Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen began-
gen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und zu erwar-
ten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner psychischen Störung in 
Zusammenhang stehender Taten begegnen (vgl. Urteil des BGer 6B_606/2020 vom 
10. September 2020 E. 3.3.1.). 

Die stationäre therapeutische Massnahme muss verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 
2 und 3 BV; Art. 56 Abs. 2 StGB). Das Verhältnismässigkeitsprinzip verlangt, dass 
die Massnahme geeignet ist, beim Betroffenen die Legalprognose zu verbessern. 
Weiter muss die Massnahme notwendig sein. Sie hat zu unterbleiben, wenn eine 
gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen 
würde. Dieses Kriterium trägt dem Aspekt des Verhältnisses zwischen Strafe und 
Massnahme bzw. der Subsidiarität von Massnahmen Rechnung. Schliesslich muss 
zwischen dem Eingriff und dem angestrebten Zweck eine vernünftige Relation be-
stehen (Verhältnismässigkeit i.e.S.). Das bedeutet, dass die betroffenen Interessen 

27

gegeneinander abgewogen werden müssen. Bei einer Prüfung des Zweck-Mittel-
Verhältnisses fallen im Rahmen der Gesamtwürdigung auf der einen Seite insbeson-
dere die Schwere des Eingriffs in die Freiheitsrechte des Betroffenen in Betracht. Auf 
der anderen Seite sind das Behandlungsbedürfnis sowie die Schwere und die Wahr-
scheinlichkeit künftiger Straftaten relevant (Urteil des BGer 6B_606/2020 vom 
10. September 2020 E. 3.3.2.).

Das Gericht stützt sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer Massnahme 
auf eine sachverständige Begutachtung (Art. 56 Abs. 3 StGB). Diese äussert sich 
über die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, die 
Art und die Wahrscheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten 
des Vollzugs der Massnahme (Art. 56 Abs. 3 StGB, Art. 182 StPO; BGE 146 IV 
1 E. 3.1 S. 6; 134 IV 315 E. 4.3.1 S. 326). Das Gericht würdigt Gutachten grundsätz-
lich frei (Art. 10 Abs. 2 StGB). In Fachfragen darf es davon indessen nicht ohne trif-
tige Gründe abweichen und Abweichungen müssen begründet werden. Auf der an-
deren Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw. der Verzicht 
auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen gegen das Verbot willkürlicher 
Beweiswürdigung (Art. 9 BV) verstossen (Urteil des BGer 6B_606/2020 vom 
10. September 2020 E. 3.3.3. mit weiteren Hinweisen).

Nach Art. 57 Abs. 2 StGB geht der Vollzug einer Massnahme nach Art. 59 und 
61 StGB einer vollziehbaren Freiheitsstrafe voraus. 

23. Ausgangslage

23.1 Erstinstanzliche Ausführungen

Die erste Instanz ordnete entgegen den damaligen Anträgen der Staatsanwaltschaft 
und der Verteidigung eine stationäre therapeutische Massnahme an, deren Vollzug 
der Freiheitsstrafe vorausgehen soll. Dies mit folgender Begründung (pag. 2008 f.): 

Ob konkret eine stationäre oder eine ambulante vollzugsbegleitende Massnahme anzuordnen ist, be-
urteilt sich primär nach ärztlichen und damit objektiven Kriterien. Eine ambulante Behandlung stellt letzt-
lich nichts anderes als eine besondere Art des Vollzugs einer stationären Massnahme dar. Es fragt 
sich, ob im konkreten Fall für eine betroffene Person eine institutionelle Umgebung, ein besonderes 
therapeutisches Milieu mit einem intensiven dichten Behandlungsprogramm förderlich ist oder nicht. 
Die Wünsche oder das Empfinden der betroffenen Person selber ist zur Klärung der Frage hingegen 
nicht von Bedeutung (vgl. BSK StGB-HEER, 2019, Art. 63 N 12, mit weiteren Hinweisen).

In seinem ausführlichen und soweit die Diagnose und die Beurteilung der Rückfallgefahr betreffend 
nachvollziehbaren und schlüssigen Gutachten ist der Sachverständige zum Schluss gelangt, dass eine 
stationäre Massnahme gemäss Art. 59 StGB aus gutachterlicher Sicht nicht zwingend erforderlich ist. 
Er hat indessen im Sinne einer Befürchtung darauf hingewiesen, dass eine ambulante Massnahme 
zwar auch vollzugsbegleitend durchgeführt werden könne, das diesfalls erforderliche psychotherapeu-
tische Setting aber unter Haftbedingungen nicht in genügender Weise etabliert werden könne 
(pag. 860).

Genau diese Befürchtung hat sich vorliegend zwischenzeitlich bewahrheitet: Der Beschuldigte hat am 
30.04.2018 im Regionalgefängnis T.________ den vorzeitigen Strafantritt angetreten und befindet sich 
seit dem 15.01.2019 in den Anstalten AL.________ (pag. 1605). Dort hat ein Abklärungsgespräch für 
eine ambulante Massnahme stattgefunden (vgl. Therapieabklärungsbericht FPD vom 07.02.2019, 

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pag. 1608 f.). Seither hat aber gemäss eigenen Angaben des Beschuldigten keine weitere Therapiesit-
zung mehr stattgefunden.

Es ist somit davon auszugehen, dass sich in Bezug auf eine lange unbedingte Freiheitsstrafe eine 
ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB als ungenügend erweist, was im Übrigen auch der gerichts-
notorischen Erfahrung mit derartigen Massnahmen entspricht. 

Mit Blick auf das konkrete und komplexe psychiatrische Störungsbild des Beschuldigten ist offenkundig, 
dass dieser eine intensive, dauerhafte und zielgerichtete Therapie benötigt. Diese gilt namentlich auch 
im Hinblick auf den in seiner Jugendzeit selber erlittenen, sexuellen Missbrauch. Dieser ist nach seinen 
Angaben noch nie intensiver aufgearbeitet worden. Im Verfahren hat sich auch in vielfältiger Weise 
gezeigt, dass der Beschuldigte weder eine eingehendere Krankheitseinsicht hat, noch, dass er sich mit 
angemessener Empathie in seine Missbrauchsopfer einfühlen kann. Dies zeigt sich etwa daran, dass 
von ihm immer wieder erhebliche Externalisierungstendenzen ausgehen. Ebenso mutet es doch sehr 
befremdlich an und zeugt von einer stark verzerrten Realitätswahrnehmung, wenn der Beschuldigte mit 
Blick auf die ausserordentliche Schwere seiner Sexualstraftaten allen Ernstes vor Gericht darauf hin-
weist, dass er ab März 2019 – also gleich im Anschluss an die ursprünglich für den 28.02.2019 vorge-
sehene Urteilsverkündung – in Freiheit entlassen und ohne weiteres sogleich eine 100%-ige Erwerbs-
tätigkeit als Kurierfahrer aufnehmen könnte (pag. 1774). 

Zudem ist auf die Risikoabklärung vom 04.09.2018 hinzuweisen, welche der kantonale Bewährungs- 
und Vollzugsdienst (BVD) bei der Abteilung für forensisch-psychologische Abklärungen des Strafvoll-
zugskonkordats der Nordwest- und Innerschweiz (AFA NWI; nachfolgend: Risikoabklärung) zwischen-
zeitlich in Auftrag gegeben hat (pag. 1345 ff.). 

Diese schätzt das Rückfallrisiko des Beschuldigten nochmals negativer ein bzw. gelangt hinsichtlich 
der Behandlungsaussichten zu einer noch zurückhaltenderen Auffassung:

Eine erstmalige FOTRES-Abklärung hat ergeben, dass die Behandlungsaussichten beim Beschuldig-
ten ungünstig sind (pag. 1362, 1367). Ebenso wurde die deutliche Progredienz des Deliktverhaltens 
des Beschuldigten hervorgehoben und überdies darauf hingewiesen, dass die im Zusammenhang mit 
dem Einstechen in den Intimbereich mit einer Spritze bzw. Nadel allfällig vorhandene sadistische Prä-
ferenz (Paraphilie) sein Delinquenzrisiko noch zusätzlich erhöhen würde (pag. 1366 f.). Es sei deshalb 
von hoher Relevanz, im Rahmen einer Therapie allfällige sexuell deviante Fantasien zu erfragen und 
die deliktrelevanten motivationalen Gründe des Zufügens von Stichverletzungen zu eruieren. Weiter sei 
davon auszugehen, dass sich der therapeutische Zugang zum Beschuldigten schwierig gestalten und 
sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werde (pag. 1367). Das Risikopotenzial wird schliesslich als „sehr 
hoch“ eingestuft (pag. 1372).

Unter Berücksichtigung der vorstehenden, insgesamt klar gegen die Anordnung einer bloss ambulanten 
Massnahme sprechenden Überlegungen gelangt das Gericht – abweichend sowohl zur Auffassung des 
Gutachters, der Staatsanwaltschaft als auch der amtlichen Verteidigung – zum Schluss, dass vorlie-
gend die Anordnung einer stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB geeignet und auch erforderlich 
ist. Für den Beschuldigten erweist sich diese Massnahme als verhältnismässig, nachdem dadurch sei-
nem vielfach selbst geäusserten Wunsch Rechnung getragen wird, dass seine psychischen Störungen 
zukünftig gezielt und intensiv aufgearbeitet und bestmöglich behandelt werden können.

Es ist somit eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB anzuordnen.

29

23.2 Massnahmerelevanter Verlauf und Positionen des Beschuldigten

Der Beschuldigte gab bei der Polizei am 24. Mai 2017 an, er sei in psychischer Be-
handlung. Es sei aber schwierig, über seine sexuellen Neigungen zu sprechen 
(pag. 583). Sodann sagte er bei der Hafteröffnung aus, es wäre für ihn das Idealste, 
wenn er in eine Klink gehen könnte und zwar so schnell wie möglich (pag. 21). Am 
26. Mai 2017 gab er dann zu Protokoll, die bereits abgeurteilte Tat (Fall 
AJ.________) werde in einer Therapie aufgearbeitet. Eigentlich habe er einen Kli-
nikaufenthalt gewollt, was jedoch noch auf die Seite gelegt worden sei (pag. 45). Am 
22. März 2018 gab er dann an, dass der Fall AJ.________ irgendwie an ihm vorbei-
gegangen sei, er habe das auch nicht psychisch aufarbeiten können. Daher habe er 
eigenständig einen Psychiater aufgesucht. Er sei auch bereit, eine Therapie zu ma-
chen. Es sei zum Teil auch zutreffend, wenn im Gutachten vom 29. September 2017 
von einer erhöhten Rückfallgefahr für sexuelle Handlungen des Beschuldigten zum 
Nachteil von Kindern ausgegangen werde und dass er jedenfalls Kinder viel zu nahe 
an sich heranlasse. Dass er dies nicht dürfe, sei ihm erst im Nachhinein klargewor-
den (pag. 624.1). Weiter sagte der Beschuldigte am 24. April 2018 aus, er sei seit 
2015 «allgemein» in Behandlung. Auch das Thema Pädophilie sei zur Sprache ge-
kommen, jedoch nicht ganz vertieft. Eine pädophile Nebenströmung treffe auf ihn zu. 
Sie sei aber nicht mehr akut und er habe gelernt, damit umzugehen (pag. 627). Mit 
seinem handschriftlichen Geständnis datiert vom 19. April 2018, bat er um Haftent-
lassung «mit der Bedingung, mich ambulant der Therapie zu unterziehen und eine 
Bewährungsstrafe aufgesetzt würde» (pag. 655). Anlässlich der Einvernahme vor 
der Vorinstanz am 26. Februar 2019 gab er an, die Therapiegespräche auf dem 
AL.________ seien ein «riesen Anliegen» (pag. 1772) für ihn. Der selbst erlebte se-
xuelle Missbrauch habe bei ihm eine «Riesen-Scham» ausgelöst, er habe Angst ge-
habt, mit jemandem darüber zu sprechen. In späteren Beziehungen habe ihn dies 
auch beeinträchtigt. Das Gutachten vom 29. September 2017 anerkenne er. Er habe 
ja selbst gemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimme, so dass er zum Psychiater ge-
gangen sei, leider erst nach der Tat. Eine Rückfallgefahr könne sein, solange er 
keine therapeutische Massnahme gemacht habe. Sein ganzes Umfeld wisse vom 
Ganzen Bescheid und werde ihm helfen können. Die Beziehung mit Frau 
AK.________ sei wieder beendet. In Zukunft wolle er wieder in die Arbeitswelt kom-
men (und habe bereits eine Stelle per 1. März 2019 als Kurierfahrer in Aussicht). Die 
Kinder wolle er klar nicht mehr zurücknehmen, sie hätten es in der Pflegefamilie bes-
ser (pag. 1772 ff.).

Die Verteidigung stellte im Rahmen des Vorverfahrens am 29. August 2017 ein Ge-
such um vorzeitigen Massnahmevollzug und Einweisung des Beschuldigten in eine 
geeignete Institution (pag. 169). Die Staatsanwaltschaft hielt den Antrag mit Hinweis 
auf die laufende Begutachtung pendent (pag. 179). Am 30. Oktober 2017 beantragte 
die Verteidigung im Hinblick auf das nun erfolgte Gutachten die Behandlung des An-
trags, unter Hinweis auf die empfohlene ambulante Massnahme (pag. 180). Das Ge-
such wurde von der Staatsanwaltschaft am 8. November 2017 aus formalen Grün-
den (vorzeitiger Massnahmeantritt nur bei einer stationären Massnahme) mit dem 
Hinweis, der Beschuldigte könne wöchentlich die Dienste des FPD in Haft in An-
spruch nehmen, abgewiesen (pag. 181 f.). Am 23. März 2018 beantragte die Vertei-

30

digung die raschmöglichste Anordnung des vorzeitigen Strafvollzuges «in einer ge-
eigneten Strafanstalt […], wo er mit der längst nötigen, vollzugsbegleitenden ambu-
lanten Therapie beginnen kann» (pag. 185 f.). Das Gesuch wurde mit Verfügung der 
Staatsanwaltschaft vom 27. März 2018 frühestens ab dem 24. April 2018 gutgeheis-
sen (pag. 188 f.). In der Folge wurde der Beschuldigte in den geschlossenen Straf-
vollzug eingewiesen (pag. 202 ff.). Ein Gesuch um Versetzung in den offenen Vollzug 
wurde abgewiesen (pag. 205.10 f.). Am 21. Februar 2019 verfügten die BVD im 
Sinne eines Abklärungsgesprächs mit dem Forensisch-Psychiatrischen Dienst (FPD; 
Bericht FPD pag. 1608) eine ambulante Therapie, durch den FPD durchzuführen 
(pag. 1610 ff.). Anlässlich des Austrittsbericht der JVA AL.________ vom 19. Sep-
tember 2019 wurde vermerkt, dass regelmässig Therapiegespräche beim Forensisch-
psychiatrischen Dienst stattgefunden hätten (pag. 2272 ff.). Am 8. November 2019 
gab der FPD einen Therapieverlaufsbericht gegenüber der Vollzugsbehörde ab. 
Gemäss diesem hätten 26 einzeltherapeutische Sitzungen zu je einer Stunde, in der 
Regel im Wochenrhythmus, stattgefunden (pag. 2280 ff.). Mit dem Wechsel der 
Strafanstalt vom der JVA AL.________ zur JVA U.________ ging die ambulante Be-
handlung auf die Psychiatrischen Dienste U.________ über (pag. 2289 ff.). Am 2. 
September 2020 verfasste die JVA U.________ einen Vollzugsverlaufsbericht (pag. 
2301 ff.). Sodann reichten die Psychiatrischen Dienste U.________ mit Schreiben 
vom 8. September 2020 der Strafkammer einen Therapiebericht ein (pag. 2317 ff.; 
vgl. betreffend Inhalt der Berichte die nachfolgenden Erwägungen Ziff. 23.5 f.). Der 
Beschuldigte gab anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung am 14. Sep-
tember 2020 an, er habe Kenntnis des Berichts der JVA U.________, könne diesen 
akzeptieren und er sei korrekt beschrieben worden. Den Bericht des Sachverständi-
gen vom 8. November 2019 habe er erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sei er noch im 
Anfangsstadium der deliktorientierten Therapie gewesen. Während der Untersu-
chungshaft habe er wöchentliche krisen- und interventionsorientierte Gespräche mit 
einer Psychologin führen können. Mittlerweile sei er aber weiter und habe ein Jahr 
mehr, in welchem er in der JVA U.________ eine Therapie habe machen dürfen. Er 
wisse mittlerweile, wohin es gehe. Er wisse, welche Fehler er in der Vergangenheit 
gemacht habe und könne damit umgehen, wenn er wieder in solche Situationen 
komme. Er wisse, dass und wie er sich rechtzeitig Hilfe holen könne, wenn er sie 
brauche und habe gemerkt, dass er sich auch nicht dafür schämen müsse, diese 
Hilfe zu holen. Er könne, was ihm in der Kindheit widerfahren sei, nicht auf andere 
abwälzen und müsse dies verarbeiten und reflektieren, damit er nicht wieder delin-
quent werde. Eine Pädophilie, wie im Bericht vom 8. November 2019 beschrieben, 
sei da. Ob dies eine Hauptströmung oder eine Nebenströmung sei, sei vom Experten 
und nicht von ihm zu entscheiden. Der Bericht der JVA U.________ zeige deutlicher 
auf, was es sei. Dieser Bericht sei klarer. Sodann wolle er keine Delikte mehr bege-
hen und habe sich mit dem Thema Pädophilie extrem auseinandergesetzt. Er habe 
sich den Kopf zerbrochen, ob dies im ICD-10 oder im DSM 5 sei. Er habe versucht, 
sich die Grenzen zu merken und habe diese in der Therapie auch erarbeiten dürfen. 
Er wolle ein Leben B ohne Delikte. Auf Vorhalt der Einschätzung des Sachverstän-
digen, wonach sich aus forensisch-therapeutischer Sicht eine stationäre Massnahme 
als zweckmässiger erweisen könne, als eine vergleichsweise niederschwellige am-

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bulante Massnahme, meinte der Beschuldigte, er gehe jetzt eher von einer ambu-
lanten Massnahme aus. Bei einer ambulanten Massnahme habe er den Stressfaktor 
Gefängnis (eingesperrt sein) und die Konfrontation mit all den Delikten der anderen 
Straftäter nicht und könne sich auf sich konzentrieren. In der JVA sei dies nicht so 
stark möglich, wie er es wolle. Wenn er dies mit nahen Verwandten diskutieren 
könne, helfe ihm dies mehr, als wenn er mit einem Mitinsassen darüber spreche. Er 
könne es mit niemandem ausser der Psychologin und der Betreuungsperson be-
sprechen. Zwei, drei Stunden nach der Therapie sei es für ihn sehr wichtig, dies mit 
anderen Personen, welche er kenne, zu besprechen. Am Anfang der Haftzeit habe 
er noch gesagt, dass er einen Klinikaufenthalt wünsche. Mittlerweile habe er so et-
was wie eine stationäre Klinik. Wenn er wieder draussen wäre und an einen Punkt 
kommen würde, wo er nicht mehr weiterwisse, würde er mit einer Psychologin 
schauen, ob er nicht doch stationär behandelt werden könne. Dies wäre aber dann 
seine freie Entscheidung. Es sei korrekt, dass sich gemäss Bericht vom 8. Septem-
ber 2020 die Therapie noch in der Anfangsphase befinde. Wenn er seine Vergan-
genheit betrachte, sei diese Therapie nicht in ein, zwei oder drei Jahren fertig, son-
dern werde sich über Jahre hinweg hinziehen. Diese werde ihn lange begleiten. Er 
fühle selbst als Schande, was er gemacht habe. Er wolle davon wegkommen. Es 
komme von seinem tiefsten Innern, dass er von dieser Pädophilie wegkommen wolle. 
Er wolle die Zeit zurückdrehen und sei an der Wiedergutmachung. Es sei ihm klar, 
dass Geld das Geschehene nicht aufwiegen könne, es sei aber ein kleines Zeichen. 
Das Kontaktverbot gegenüber seinen Kindern halte er ein und auch dasjenige ge-
genüber F.________ sei für ihn «ok». Die sexuellen Missbräuche seien durch Kurz-
schlussreaktionen aus Überforderung, Stress und dem ganzen «Ghetto», welches 
er zu dieser Zeit gehabt habe, passiert. Es sei wie ein Ablassventil gewesen. Eine 
Erregung und Phantasie sei dagewesen, sonst wäre es nie dazu gekommen. Die 
Therapeutin bestimme den Rhythmus der Sitzungen in Absprache mit dem zustän-
digen Psychiater. Ob mehr möglich sei, wisse er nicht. Betreffend Motivation für die 
Stiche bei F.________ sei er noch nicht bereit, darüber zu sprechen (pag. 2324 ff.). 

Die Verteidigung führte aus, der Beschuldigte befinde sich zwar in der Anfangsphase 
der Therapie, diese würde aber sehr gut funktionieren. Der Beschuldigte mache bei 
den Therapien mit, erledige die aufgetragenen Hausaufgaben, die Einsicht in das 
Bewältigungsmuster gelinge ihm und er setze sich immer häufiger mit schwierigen 
Aspekten seiner Tat auseinander. Die therapeutische Beziehung sei tragfähig. Die 
störungs- und deliktspezifische Arbeit sei noch nicht abgeschlossen, weshalb die 
Weiterführung der forensischen Therapie empfohlen werde. Der Beschuldigte wün-
sche sich explizit eine Therapie und suche sich die notwendige Hilfe. Der Erfolg zeige 
sich auch darin, dass er jetzt alles zugebe und er sei auf eine ambulante Massnahme 
eingestellt. Das psychotherapeutische Setting sei im vorzeitigen Strafvollzug einge-
richtet. Der Therapieverlaufsbericht vom 8. November 2019 spreche davon, dass die 
ambulante vollzugsseitig eingerichtete Massnahme knapp ausreichend, zweckmäs-
sig und für die Stabilisierung des Beschuldigten zwar einen hohen Betreuungsauf-
wand bedeute, aber eben ausreichend sei. Die ambulant vollzugsseitig eingerichtete 
Therapie habe nur wegen der relativ kurzen Behandlungszeit noch nicht genügend 
Resultate hervorgebracht, dies sei aber bei entsprechendem Aufwand durchaus 
möglich. Der Beschuldigte habe eine Therapie gewollt, diese sei jedoch von der 

32

Staatsanwaltschaft abgelehnt worden. Die Strafverfolgungsbehörden hätten selbst 
dafür gesorgt, dass die Behandlung bis zum Urteilszeitpunkt noch nicht die ge-
wünschten Resultate habe bringen können. Sodann habe das Gutachten vom Sep-
tember 2017 darauf hingewiesen, dass eine stationäre Massnahme allenfalls keine 
intensivere Therapie als eine ambulante Massnahme mit sich bringen könne. Eine 
stationäre Massnahme sei daher nicht zweckmässiger als eine ambulante Mass-
nahme, da sich der Therapieverlaufsbericht vom 8. November 2019 nicht darüber 
äussere, wie die stationäre Massnahme zweckmässiger sein solle. Allenfalls könnten 
die Deliktschwere oder Sicherungszwecke für die Anordnung einer stationären 
Massnahme sprechen. Sicherungszwecke würden nicht vorliegen, da über den Be-
schuldigten eine langjährige unbedingte Freiheitsstrafe verhängt worden sei. Auch 
die aktuellen Berichte würden nicht gegen die Anordnung einer ambulanten Mass-
nahme sprechen. Dass der Beschuldigte innert kürzester Zeit in der JVA 
U.________ von der Integrationsabteilung in den Normalvollzug habe verlegt werden 
können, zeige dies ebenfalls. Er habe sich durchwegs angepasst. Es würden 
wöchentliche Gespräche mit der Therapeutin erfolgen. Er habe ein Vertrauen in 
diese aufbauen und über die schambehaftete Kindheit sprechen können. Er habe 
auch das Verhalten in Bezug auf seine Delikte thematisieren können (pag. 2336 f.).

23.3 Position der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft führte vor der Kammer aus, der Beschuldigte sei therapiebe-
dürftig. Im Gutachten sei eindeutig festgehalten, dass vollzugsbegleitend kein genü-
gendes therapeutisches Setting etabliert werden könne. Aus dem aktuellen Thera-
piebericht gehe sodann hervor, dass unter den gegebenen Bedingungen die Ent-
wicklung nur sehr langsam vorwärtsgehe. Der Beschuldigte sehe sich zwar in der 
Therapie weit fortgeschritten, der Therapiebericht sage aber, dass er erst am Anfang 
sei. Dies obwohl er im Vollzug und nicht in Freiheit sei, was er sich wünsche. Ein 
Aufschub des Vollzugs zu Gunsten einer ambulanten Massnahme komme aus Si-
cherheitsüberlegungen nicht in Frage. Folglich sei eine stationäre Massnahme aus-
zusprechen. Die Verteidigung vertraue dem Beschuldigten, wobei sie auch schon 
anlässlich des erstinstanzlichen Verfahrens geglaubt habe, dass nicht mehr passiert 
sei, als der Beschuldigte erstinstanzlich zugegeben habe, was sich nun als falsch 
erwiesen habe. Von einer Krankheitseinsicht sei der Beschuldigte weit entfernt. Die 
auf dem aktuellen Therapiesetting fussende Position der Verteidigung stehe im Wi-
derspruch zu dem, was der Beschuldigte selber wolle. Er wolle nämlich keine voll-
zugsbegleitende ambulante Massnahme, sondern eine ambulante Massnahme in 
Freiheit. Dies sei aber aufgrund der hohen Freiheitsstrafe und aus Sicherheitsüber-
legungen nicht möglich (pag. 2342). 

23.4 Gutachten vom 29. September 2017 (pag. 813 ff.)

Die erste Instanz hat das Gutachten vom 29. September 2017 zutreffend zusam-
mengefasst. Es wird auf die folgenden Erwägungen erwiesen (pag. 2006 f.):

Das Gutachten des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes (FPD) der Universität Bern vom 29.09.2017 
(pag. 813 ff.) kommt hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen zum Schluss, dass der Beschuldigte 
an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und unreifen Anteilen (ICD-10 F60.8) leide 
und bei ihm zudem eine pädophile Nebenströmung bestehe (pag. 848 ff., 857). Das Vorliegen einer 

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Pädophilie sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aufgrund des selber erlebten se-
xuellen Sexualmissbrauchs werden nach näherer Diskussion verneint (pag. 848 ff.). Die Diagnose einer 
Pädophilie wird dabei insbesondere mit der Begründung verworfen, dass der Beschuldigte offensicht-
lich in der Lage sei, mit erwachsenen Frauen längere partnerschaftliche und sexuelle Beziehungen zu 
führen, weshalb nicht von einer dominierenden bzw. ausschliesslichen sexuellen Präferenz für Kinder 
ausgegangen werden könne (pag. 848).

Zur Risikoeinschätzung bzw. Legalprognose wird zunächst ausgeführt, dass seine Verurteilung 2014 
wegen sexueller Handlungen mit Kindern die Legalprognose des Beschuldigten deutlich belaste 
(pag. 853). Nach Anwendung der Dittmann-Kriterien kommt der Gutachter bekräftigend zum Schluss, 
dass die Legalprognose im Hinblick auf erneute sexuelle Handlungen mit Kindern als deutlich belastend 
angesehen werden müsse und insoweit von einer erhöhten Rückfallgefahr auszugehen sei. Als erheb-
licher Risikofaktor müsse ausdrücklich auf das ungenügende Problembewusstsein des Beschuldigten 
im Hinblick auf den Umgang mit Kindern hingewiesen werden (pag. 854 f.). Auch sei das Risiko für das 
erneute Begehen von Betrugsdelikten aus gutachterlicher Sicht erhöht (pag. 858). 

Bezüglich der Therapie und möglicher Massnahmen wird im Gutachten vermerkt, dass die dem Be-
schuldigten vorgehaltenen Delikte erkennbar in einem engen Zusammenhang stehen würden. Im Rah-
men einer Therapie sei vor allem die Selbstwahrnehmung bzw. Verhaltenssteuerung des Beschuldigten 
zu bearbeiten und zu verbessern. Dieser sei zu einer psychiatrisch-psychologischen Behandlung 
grundsätzlich bereit. Allerdings müsse seine Fähigkeiten auf eine selbstkritische Auseinandersetzung 
mit dem eigenen Verhalten zurückhaltend beurteilt werden. Bereits im psychologischen Gutachten zu 
Handen der KESB 2014 und nun auch im Rahmen der aktuellen Untersuchung habe sich die Tendenz 
des Beschuldigten dargestellt, für ihn unangenehme Umstände auszublenden bzw. sich als ein Opfer 
der Umstände zu betrachten. Dieser Umstand erschwere aktuell den therapeutischen Zugang zum Be-
schuldigten und werde dies sehr wahrscheinlich auch in Zukunft tun (pag. 855). Generell müsse eine 
erfolgreiche Therapie beim Beschuldigten störungsspezifisch sowie langfristig angelegt sein, d.h. sich 
über mehrere Jahre erstrecken. Zunächst sollte sich ein einzeltherapeutisches Setting vollziehen, wobei 
eine konfrontative bzw. aufdeckende Arbeit notwendig sein werde. Ergänzend erscheine die Teilnahme 
an einem gruppentherapeutischen Angebot als eindeutig sinnvoll. 

Gutachterlich könne primär die Anordnung einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB empfohlen 
werden bzw. erscheine aus gutachterlicher Sicht der Rahmen einer ambulanten Massnahme als aus-
reichend. In diesem Rahmen sei von Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten auszugehen. Die Ein-
leitung der ambulanten Massnahme durch eine längere (mehrmonatige) stationäre Behandlung sei 
sinnvoll. Grundsätzlich könne eine ambulante Massnahme auch haftbegleitend vollzogen werden. Dies 
erfordere allerdings ein überwiegend psychotherapeutisch ausgerichtetes Setting, welches erfahrungs-
gemäss im Strafvollzug nur erschwert zu organisieren sei (pag. 856). 

Die Anordnung einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB sei beim Beschuldigten aus gutach-
terlicher Sicht nicht zwingend erforderlich. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht könnte allenfalls die 
Deliktsschwere bzw. der Sicherungsaspekt Grund für die Anordnung einer stationären Massnahme bil-
den (pag. 856).

Der Sachverständige stellte weiter fest, dass beim Beschuldigten im Rahmen einer 
Therapie vor allem seine Selbstwahrnehmung bzw. seine Verhaltenssteuerung be-
arbeitet und verbessert werden soll. Die bei ihm bestehenden pädophilen Neigungen 
könnten hingegen nicht kausal behandelt bzw. nicht «wegtherapiert» werden 
(pag. 855). 

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23.5 Bericht Institut für Rechtsmedizin (IRM) vom 7. Februar 2019 (pag. 1608 f.)

Gemäss Bericht des IRM vom 7. Februar 2019 habe am 17. Januar 2019 ein Ab-
klärungsgespräch stattgefunden. Sodann habe der Sachverständige das in der Voll-
zugsakte der JVA AL.________ enthaltene Gutachten des FPD vom 29. Septem-
ber 2017 sowie die Risikoabklärung der AFA Bern studiert. Der Beschuldigte habe 
vordergründig offen über die zu seiner Inhaftierung und anstehender (Wieder-)Ver-
urteilung führenden Ereignisse sprechen können. Mit zunehmender Gesprächs-
dauer und Nachfragen seitens des Sachverständigen seien aber immer mehr rele-
vante Begebenheiten und Verhaltensweisen zum Vorschein gekommen, welche das 
Persönlichkeitsbild eines zunächst unsicher wirkenden Mannes zunehmend in Rich-
tung dissozialer Prägung verschoben hätten. Insgesamt sei bei ihm eine oberflächli-
che und tendenziell kritikgeminderte Einstellung, insbesondere zu seinem problema-
tischen Verhalten aufgefallen. Ein Leidensdruck sei im Verlauf des Gesprächs nicht 
spürbar geworden, auch wenn der Beschuldigte angegeben habe, unter den Konse-
quenzen seines Verhaltens zu leiden. Er habe jedoch angegeben, dass er auf jeden 
Fall eine Therapie machen wolle, was auch vom Gutachter empfohlen worden sei. 
Es sei dem Beschuldigten wichtig, dass es in Zukunft keine Rückfälle mehr durch ihn 
gebe. Aufgrund des erkennbaren Behandlungsbedarfs, einer vermutlich noch aus-
reichenden Behandlungsfähigkeit und des erklärten Behandlungswillens des Be-
schuldigten kam der Sachverständige zum Schluss, dass aus forensisch-psychiatri-
scher Sicht eine ambulante delikt