# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c55b3f7-74c0-5017-a877-8d81cf7d310f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.08.2020 E-2109/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2109-2019_2020-08-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2109/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier, 

Richter Lorenz Noli, 

Richterin Muriel Beck Kadima, 

Richter Jean-Pierre Monnet; 

Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Äthiopien,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist);  

Verfügung des SEM vom 26. April 2019 / N (…). 

 

 

 

E-2109/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 6. Dezember 2018 in der Schweiz um 

Asyl. Am 7. Dezember 2018 wurde ihm mitgeteilt, dass er per Zufallsprinzip 

der Testphase des Verfahrenszentrums Zürich zugewiesen wurde. Anläss-

lich der Personalienaufnahme vom 18. Dezember 2018, der Erstbefragung 

vom 22. Februar 2019 und der Anhörung vom 12. April 2019 führte der Be-

schwerdeführer im Wesentlichen aus, er sei ethnischer Amhare und in Ad-

dis Abeba geboren und aufgewachsen. Er habe die Schule bis zur zehnten 

Klasse besucht. Bereits mit dreizehn Jahren, in der sechsten Schulklasse, 

habe er seine homosexuelle Neigung wahrgenommen und sich zu einem 

Schulfreund sexuell hingezogen gefühlt. In den folgenden vier Jahren habe 

er vergebens gegen seine Homosexualität gekämpft. Im Sommer 2017 

habe er in einem Café den saudi-arabischen Homosexuellen B._______ 

kennengelernt und mit ihm eine Beziehung angefangen. Er habe auf sei-

nem Mobiltelefon Fotos von ihm und B._______ beim Küssen gespeichert 

gehabt. Im Juli/August 2017 habe seine Schwester die Fotos auf seinem 

Mobiltelefon entdeckt und seiner Mutter gezeigt. Diese sei ohnmächtig ge-

worden. Die zu Hilfe geeilten Nachbarn hätten die Bilder ebenfalls gese-

hen. Als er nach Hause gekommen sei, sei er beschimpft worden. Er habe 

die Wohnung verlassen und sei am nächsten Tag zurückgekehrt. Seine 

Mutter habe ihn beschimpft und verstossen. Die Nachbarn hätten Steine 

nach ihm geworfen. Aus Angst angezeigt zu werden, sei er zu seinem sau-

dischen Freund gegangen und habe mit ihm in Addis Abeba zusammenge-

lebt. Im September/Oktober 2017 sei er mit B._______ nach C._______ 

umgezogen, wo sie mit einem weiteren saudi-arabischen Homosexuellen 

namens D._______ gelebt hätten. B._______ sei einige Zeit später nach 

Saudi-Arabien zurückgekehrt. Im Januar/Februar 2018 sei er mit 

D._______ nach E._______ umgezogen. Im Juni 2018 habe er mit ihm 

nach Saudi-Arabien reisen wollen. Da er jedoch kein Visum erhalten habe, 

sei D._______ alleine ausgereist. Wegen ethnischer Unruhen sei er nach 

Addis Abeba zurückgekehrt und habe sich dort versteckt. Einmal habe er 

in einem Sammelschlafsaal übernachtet. Sein Schlafnachbar habe ihn be-

rührt. Dies habe er als Annäherung gedeutet, weshalb er ihn ebenfalls be-

rührt habe. Daraufhin habe der Schlafnachbar angefangen zu schreien und 

ihn als Homosexuellen beschimpft. Die übrigen Personen im Saal hätten 

ihn geschlagen und die Inhaberin habe ihm geraten, zu verschwinden be-

vor die Polizei komme. Nach diesem Vorfall sei ihm bewusst geworden, 

dass er aufpassen müsse. Im Juli/August 2018 sei D._______ nach Äthio-

pien zurückgekehrt. Im September/Oktober 2018 sei er mit dessen Hilfe 

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illegal aus Äthiopien ausgereist. In der Schweiz habe er in einer Bar einen 

eritreischen Staatsangehörigen kennengelernt, mit welchem er eine Bezie-

hung geführt habe.  

Der Beschwerdeführer reichte eine gefälschte äthiopische Identitätskarte 

inklusive Übersetzung (in Kopie) ein.  

B.  

Mit Schreiben vom 24. April 2019 gab die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-

rer Gelegenheit, sich zum Entscheidentwurf zu äussern. Mit Stellung-

nahme vom 25. April 2019 machte er geltend, er könne zu seiner Jugend-

liebe während seiner Schulzeit keine genaueren Angaben machen, da er 

in den Jungen zwar verliebt gewesen sei, ihn aber nicht gut gekannt und 

ihm seine Zuneigung auch nicht offenbart habe. Er gehe nicht davon aus, 

dass seine Schwester der Mutter die Fotos aus Böswilligkeit gezeigt habe. 

Er glaube auch nicht, dass seine Mutter die Fotos den Nachbarn gezeigt 

habe. Die Nachbarn hätten die Fotos vermutlich von selbst gesehen, als 

sie zu Hilfe geeilt seien. Der genaue Ablauf sei ihm aber nicht bekannt. Als 

er nach Hause gekommen sei, sei die Situation bereits eskaliert. Aufgrund 

seiner homosexuellen Neigung habe er im Schlafsaal in Addis Abeba auf 

die Annäherung eines Mannes reagiert. Über die Gefahr habe er sich keine 

Gedanken gemacht.  

C.  

Mit Verfügung vom 26. April 2019 (gleichentags eröffnet) stellte die Vor-

instanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-

wie den Vollzug der Wegweisung an. 

D.  

Mit Schreiben vom 26. April 2019 teilte die Rechtsvertreterin die Beendi-

gung des Mandatsverhältnisses mit. 

E.  

Mit Eingabe vom 3. Mai 2019 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-

gung sei in allen Dispositivpunkten aufzuheben. Der Entscheid sei auf-

grund der vorliegenden Verfahrensfehler an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der Be-

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schwerdeführer als Ausländer vorläufig aufzunehmen. Es sei dem Be-

schwerdeführer die Pflicht zur Zahlung der Verfahrenskosten sowie eines 

Kostenvorschusses zu erlassen und es sei ihm beim Obsiegen eine ange-

messene Parteientschädigung auszurichten. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Mai 2019 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzich-

tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz 

Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung. 

G.  

Am 20. Mai 2019 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.  

H.  

Mit Replik vom 21. Juni 2019 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-

lassung Stellung. 

I.  

Mit Schreiben vom 3. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer einen  

USB-Stick mit drei Auszügen eines E-Mailverkehrs zwischen D._______ 

und ihm sowie acht Fotos von ihm ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 

(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-

ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur 

Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden wird. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

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von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer 

ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (aArt. 112b Abs. 3 AsylG, Art. 38 aTestV und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des 

Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

Das Urteil erging in Besetzung mit fünf Richterinnen und Richtern und bil-

dete Gegenstand eines Verfahrens der Vereinigung der Abteilungen IV 

und V im Sinne von Art. 25 Abs. 2 und Abs. 3 VGG. Im Koordinationsver-

fahren wurde beschlossen, dem Urteil keinen Grundsatzcharakter beizu-

messen, da es sich um einen Anwendungsfall der bisherigen Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts handelt (Art. 25 Abs. 1 VGG 

e contrario). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Begründungspflicht. 

Dabei handelt es sich um eine formelle Rüge, welche vorab zu beurteilen 

ist, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Ver-

fügung zu bewirken. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

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5.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vorinstanz habe im Entscheid le-

diglich festgehalten, die Probleme mit der Familie wegen seiner Homose-

xualität seien nicht glaubhaft; zur Frage der Glaubhaftigkeit seiner sexuel-

len Orientierung habe sie nicht Stellung genommen. Des Weiteren habe 

sich die Vorinstanz nicht damit auseinandergesetzt, ob ihm bei einer Rück-

kehr nach Äthiopien aufgrund seiner Homosexualität asylrelevante Nach-

teile drohen würden. Selbst wenn das Bekanntwerden der Homosexualität 

im Familien- und Nachbarschaftskreis für unglaubhaft gehalten werde, 

hätte die Vorinstanz gemäss dem jüngst ergangenen Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts D-6539/2018 vom 2. April 2019 prüfen müssen, ob bei 

ihm die Verheimlichung der Homosexualität zu einem unerträglichen psy-

chischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG führen würde. 

5.4 Die Vorinstanz setzte sich in der Begründung der Verfügung mit den 

Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Homosexualität auseinander 

und hielt sie für nicht nachvollziehbar. Anschliessend sprach sie von der 

"angeblichen sexuellen Orientierung" und stellte in der Schlussfolgerung 

fest, seine Vorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

nicht standhalten. Folglich geht aus der Verfügung klar hervor, dass die 

Vorinstanz die Homosexualität des Beschwerdeführers für unglaubhaft 

hält. Diese Auffassung bestätigte sie in ihrer Vernehmlassung. Die Vor- 

instanz sah sich deshalb zu Recht nicht veranlasst, sich zur Asylrelevanz 

seiner Homosexualität und zu der von ihm zitierten Rechtsprechung zu 

äussern. Die Begründungspflicht ist somit nicht verletzt. 

5.5 Die formelle Rüge erweist sich angesichts dieser Sachlage als unbe-

gründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aufzuheben und 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist 

abzuweisen. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach 

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Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flücht-

lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund der in Art. 3 

Abs. 1 AsylG aufgezählten Verfolgungsmotiven drohen oder zugefügt wor-

den sein. Die erlittene Verfolgung muss zudem aktuell sein. Dies bedeutet, 

dass zwischen der Verfolgungshandlung und der Flucht aus dem Heimat- 

oder Herkunftsstaat ein zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang 

bestehen muss, sowie die Furcht vor einer andauernden Verfolgung (noch) 

begründet ist. 

Befürchtungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt 

zu werden, sind nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur An-

nahme besteht, eine Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte Mög-

lichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vor-

liegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz 

aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrscheinlich und 

dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar er-

scheinen lassen. Ob eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung vor-

liegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. Es 

müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhan-

den sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage Furcht vor Verfol-

gung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Die objek-

tive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und 

das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer 

bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive 

Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (BVGE 2010/57 E. 2.5; 

BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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7.  

7.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Aussagen des Be-

schwerdeführers hinsichtlich seiner Gefühle für den Schulfreund, der Situ-

ation mit den Schulkollegen, welche Bemerkungen über Homosexuellen-

treffpunkte gemacht hätten, sowie der Entwicklung seiner Gefühle zu an-

deren Männern nach dem Abbruch des Kontakts zum Schulfreund seien 

zu wenig detailliert und nicht nachvollziehbar. Nicht überzeugend sei fer-

ner, dass er Fotos und Videos mit homosexuellem Inhalt auf seinem Mobil-

telefon gespeichert und das Mobiltelefon seiner Schwester gegeben habe, 

obwohl er hätte wissen müssen, dass dies Probleme für ihn zur Folge ha-

ben könnte. Zudem sei zu bezweifeln, dass seine Schwester die entdeck-

ten Fotos sofort seiner Mutter und diese die Fotos den Nachbarn gezeigt 

haben soll. Es sei nicht davon auszugehen, die Mutter hätte ihn bei der 

Polizei anzeigen wollen, da dies den Ruf der Familie zerstört hätte. Im Üb-

rigen seien seine Schilderungen bezüglich der Entdeckung der Fotos reine 

Spekulation. Der Vorfall im Schlafsaal sei realitätsfremd. Es sei zwar nicht 

auszuschliessen, dass er sich über die Homosexuellenbewegung infor-

miert und Kontakt zu saudischen Homosexuellen gehabt habe. Er habe 

aber keine asylrelevanten Probleme in Äthiopien aufgrund seiner sexuellen 

Orientierung glaubhaft machen können. Gemäss eigenen Aussagen habe 

er nie Probleme mit den äthiopischen Behörden gehabt. Der Wegwei-

sungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich. 

7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Aussagen zu seiner Ho-

mosexualität und den darauf beruhenden Vorfällen seien widerspruchsfrei 

und würden von der Vorinstanz einzig wegen vermeintlich fehlender Plau-

sibilität einzelner Sachverhaltselemente für unglaubhaft befunden. Die 

Schilderungen bezüglich des Bewusstwerdens seiner Homosexualität in 

der Jugend, der Gefühle für den Schulfreund, der gesellschaftlichen und 

rechtlichen Diskriminierung von Homosexuellen in Äthiopien sowie des 

Eingehens einer homosexuellen Beziehung in der Schweiz seien lebens-

nah und realitätsnah. Es sei daher von der Glaubhaftigkeit seiner Homose-

xualität auszugehen. Er habe nachvollziehbar erzählt, er habe heikle Fotos 

und Videos auf seinem Mobiltelefon gespeichert gehabt und seine Schwes-

ter trotzdem darauf spielen lassen, weil er die Fotogalerie mit einem Code 

gesperrt gehabt habe. Es sei nicht erstaunlich, dass seine Schwester als 

Teenager die entdeckten Fotos ihrer Mutter gezeigt habe. Angesichts der 

jahrelangen Haftstrafen und der gesellschaftlichen Ächtung der Homose-

xualität in Äthiopien sei es glaubhaft, dass die Erkenntnis über seine Ho-

mosexualität bei seiner Mutter einen Schock ausgelöst habe und sie ohn-

mächtig geworden sei. Seine Vermutung, die Nachbarn seien aufgrund der 

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Ohnmacht seiner Mutter von der Schwester gerufen worden, sei nachvoll-

ziehbar. Eine Anzeige bei der Polizei durch die Familie sei denkbar gewe-

sen, da eine Geheimhaltung seiner Homosexualität ohnehin nicht mehr 

möglich gewesen sei und sich die Familie in den Augen des gesellschaftli-

chen Umfelds dadurch hätte exkulpieren können. Beim Vorfall im Schlaf- 

saal habe er wegen der Berührung des Mannes nicht zwingend mit Reak-

tionen der anderen Männer im Schlafsaal rechnen müssen. Die Situation 

sei lediglich eskaliert, weil der Mann ihn denunziert habe. Er sei fälschli-

cherweise von dessen Homosexualität ausgegangen und habe die Berüh-

rungen erwidert, weil er einsam gewesen sei. Homosexuelle würden in 

Äthiopien von der Gesellschaft und den Behörden verfolgt. Das äthiopische 

Strafgesetzbuch sehe lange Haftstrafen für homosexuelle Handlungen vor. 

Der Staat sei bei Übergriffen durch Dritte nicht schutzwillig. Aufgrund seiner 

Homosexualität und deren Bekanntwerdens gegenüber seiner Familie und 

den Nachbarn sei davon auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr eine 

flüchtlingsrelevante Verfolgung drohe. Gemäss Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-6539/2018 könne das Verheimlichen der Homosexualität 

wegen der ständigen Angst vor schweren Misshandlungen durch Privat-

personen oder Behörden und vor der massiven Homophobie der Gesell-

schaft zu einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG führen. Aufgrund der Glaubhaftigkeit seiner Homosexualität 

sei deshalb auch dann von der Asylrelevanz auszugehen, wenn ihm die 

konkreten Erlebnisse in Äthiopien nicht geglaubt würden.  

7.3  Die Vorinstanz führte in der Vernehmlassung aus, es sei nicht relevant, 

ob der Beschwerdeführer homosexuell sei, da gemäss schweizerischer 

Asylpraxis die Homosexualität auch bei Staatsangehörigen aus Ländern, 

in denen Homosexualität teils verfolgt werde, nicht zur Asylgewährung 

führe. In Äthiopien gebe es keine Kollektivverfolgung homosexueller Per-

sonen. Es sei im Einzelfall zu prüfen, ob eine homosexuelle Person in ih-

rem Heimatland Verfolgungsmassnahmen erlitten habe und einem uner-

träglichen psychischen Druck ausgesetzt gewesen sei. Der Beschwerde-

führer habe die Entwicklung seiner Homosexualität, die Probleme mit sei-

ner Familie und den Vorfall im Schlafsaal nicht glaubhaft darlegen können. 

Er habe nie Probleme mit den Behörden in Äthiopien gehabt. Somit habe 

er nicht glaubhaft machen können, dass er einem unerträglichen psychi-

schen Druck ausgesetzt gewesen sei. Angesichts der unglaubhaften Aus-

sagen zu seinen familiären Problemen sei davon auszugehen, dass er ein 

familiäres Netz in Äthiopien habe und eine Rückkehr dorthin möglich sei.  

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Seite 10 

7.4 In seiner Replik bringt der Beschwerdeführer vor, der juristische Stand-

punkt der Vorinstanz zu den zitierten Urteilen und der Frage der künftig 

drohenden Verfolgung bleibe unklar. Es sei von der Glaubhaftigkeit seiner 

sexuellen Orientierung auszugehen. Äthiopien gehöre zu den homophobs-

ten Ländern der Welt; die gesellschaftliche Ächtung homosexueller Perso-

nen sei massiv. Die staatliche Gesetzgebung sehe für Homosexualität 

Haftstrafen von nicht unter einem Jahr vor. Somit sei von einer vergleich-

baren staatlichen und privaten Diskriminierung von Homosexuellen auszu-

gehen wie im bereits erwähnten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. 

Ungeachtet der Glaubhaftigkeit der von ihm in Äthiopien erlebten Verfol-

gung sei durch die Furcht vor dem Bekanntwerden seiner Homosexualität 

und der dadurch massiven Angst vor langjährigen Haftstrafen oder privaten 

Übergriffen von einem unerträglichen psychischen Druck auszugehen. 

8.  

8.1 Die Vorinstanz gelangt in ihrem Entscheid zum Schluss, die Homose-

xualität des Beschwerdeführers, die Entdeckung der Fotos auf seinem Mo-

biltelefon und der Vorfall im Schlafsaal seien unglaubhaft. Nachfolgend ist 

deshalb zu prüfen, ob die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers zu Recht als unglaubhaft eingestuft hat. Dabei ist die Glaubhaftigkeit 

der Homosexualität und jener der darauf basierenden Ereignisse einzeln 

zu beurteilen. 

8.2 Die Vorinstanz begründet die Unglaubhaftigkeit der Homosexualität 

des Beschwerdeführers in erster Linie damit, seine Angaben zur Entwick-

lung seiner Homosexualität in der Jugend, zur Entdeckung seiner Homo-

sexualität durch die Familie und zu seiner Befürchtung, er werde angezeigt, 

seien realitätsfremd und würden der allgemeinen Handlungslogik wider-

sprechen, womit auf das Kriterium der Plausibilität zurückgegriffen wird. 

Dazu ist vorab anzumerken, dass dieses Kriterium für die Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen in der Lehre mitunter kritisiert wird, weil 

die Plausibilität als ein kultur- und persönlichkeitsabhängiges Konzept ver-

standen werden muss (vgl. Urteil des BVGer D-4194/2015 vom 15. Januar 

2016 E 7.3). Nach der Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts hat 

sich die Vorinstanz bei der Würdigung der Schilderungen zur Homosexua-

lität durchaus vereinzelt von einem zu engen Plausibilitätskonzept leiten 

lassen, andererseits aber zu Recht auch auf schwer nachvollziehbare Mo-

mente in den Vorbringen hingewiesen.  

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz fielen die Angaben des Beschwerde-

führers zur Entwicklung seiner Homosexualität ausgesprochen lebensnah 

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Seite 11 

aus. Auffallend sind seine zahlreichen detaillierten Schilderungen in Bezug 

auf die Entdeckung seiner Homosexualität in der Jugend. So erklärte er 

ausführlich und widerspruchslos, wie er bereits in der sechsten Klasse be-

merkt habe, dass er sich zu einem Klassenkameraden hingezogen gefühlt 

habe. Auf den Grund für die plötzliche Zuneigung angesprochen, gab der 

Beschwerdeführer an, es habe mit dem Alter zu tun gehabt. Manche Jun-

gen hätten angefangen, sich für Mädchen zu interessieren. Bei ihm sei es 

anders gewesen. Er habe sich für Knaben interessiert. Er habe sich nicht 

erklären können, weshalb er plötzlich solche Gefühle entwickelt habe 

(SEM-Akten, act. […] F 54, 79 f. [nachfolgend: act. A20]). Die Vorinstanz 

wirft dem Beschwerdeführer vor, er habe von seinem damaligen Schul-

freund, in welchen er verliebt gewesen sei, weder Wohnadresse, familiären 

Hintergrund, schulische Leistungen noch individuelle Eigenschaften nen-

nen können. Dieses Unwissen spricht indes nicht gegen den Beschwerde-

führer, da es nachvollziehbar ist, dass solche Details für den damals drei-

zehnjährigen Beschwerdeführer keine Rolle spielten im Vergleich zu sei-

nen aufkeimenden Gefühlen. Im Übrigen machte der Beschwerdeführer zu 

den individuellen Eigenschaften des Schulfreunds durchaus konkrete An-

gaben (act. A20 F 59 ff.). Ebenso wenig ist dem Beschwerdeführer ein Vor-

wurf daraus zu machen, dass er die Namen der Schulkollegen, die Bemer-

kungen über einen Homosexuellentreffpunkt gemacht hätten, nicht kannte. 

Der Beschwerdeführer bekam das Gespräch auf dem Pausenhof nur bei-

läufig mit, ohne selber Teil der Gesprächsrunde gewesen zu sein. Dem 

Einwand der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe die Entwicklung sei-

ner Gefühle für andere Männer nach dem Kontaktabbruch zum Schul-

freund nicht konkret und differenziert schildern können, obwohl davon aus-

zugehen sei, dass die erste Liebe in ihm einen Prozess ausgelöst habe, ist 

ebenfalls nicht zu folgen. Der Beschwerdeführer schilderte einlässlich 

seine emotionale Verwirrung und seinen inneren Kampf, nachdem er sich 

zum ersten Mal seiner Homosexualität bewusst geworden sei. Das Nach-

denken über diese Gefühle habe ihm Angst gemacht. Manchmal habe er 

gedacht, er sei vom Teufel besessen. Der Umstand, dass er als Messdie-

ner direkt mit der Homophobie, dem Homosexuellenhass und der Verteu-

felung seiner Sexualität konfrontiert gewesen sei, habe dazu geführt, dass 

er sich Gedanken über die heimatliche Gesellschaft und Kultur gemacht 

habe. Er habe Angst gehabt, die Bevölkerung würde seine sexuelle Orien-

tierung nicht akzeptieren. Er habe versucht, sich von der Homosexualität 

loszureissen und wie seine Altersgenossen Beziehungen mit Mädchen ein-

zugehen. Dies sei ihm aber nicht gelungen (act. A20 F 82 f., 88 und 90). Er 

beschrieb ferner überzeugend, in den nächsten Jahren habe er nicht mehr 

dieselben starken Gefühle gehabt, obwohl es für jeweils kurze Zeit Männer 

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gegeben habe, welche ihm gefallen hätten. Es sei für ihn nicht einfach ge-

wesen, seine Gefühle nicht steuern zu können. Die Gefühle hätten auch 

nicht abgenommen (act. A20 F 91 ff.). Nachvollziehbar erzählte er zudem 

von seinen Internetrecherchen zur Homosexualität und vom Aufsuchen ei-

nes Hochhauses in Addis Abeba, welches als Treffpunkt für Homosexuelle 

genannt worden sei, was sich indes als falsch herausgestellt habe 

(act. A20 F 98). Detailliert sind seine weiteren Aussagen zu den von Ho-

mosexuellen genutzten Geheimzeichen in Äthiopien. Er habe diese Zei-

chen selber eines Tages genutzt und so seinen Freund aus Saudi-Arabien 

kennengelernt. Bei diesem und einem weiteren Freund sei er nach der Ent-

deckung seiner Homosexualität durch seine Familie untergekommen. In 

der Schweiz habe er eine Beziehung zu einem homosexuellen Flüchtling 

gehabt. Er schilderte ungefragt und glaubhaft, wie er diesen in einer Zür-

cher Bar kennengelernt habe (act. […] F 67 [nachfolgend: act. A23]). Auf-

grund dieser Ausführungen ist die Homosexualität des Beschwerdeführers 

als glaubhaft einzustufen. 

8.3 Der Vorinstanz ist jedoch zuzustimmen, dass die Ausführungen des 

Beschwerdeführers zur Entdeckung der Fotos auf seinem Mobiltelefon 

durch die Familie und die Nachbarn grundlegende Ungereimtheiten auf-

weisen. Der Beschwerdeführer erzählte ausführlich von der Ächtung ho-

mosexueller Menschen in der äthiopischen Gesellschaft. Es ist daher 

schwer nachvollziehbar, dass er Fotos, auf welchen er und sein Freund 

sich küssen, auf dem Mobiltelefon gespeichert hatte, auch wenn die Foto-

galerie mit einem separaten Code gesichert war. Selbst wenn er solche 

Fotos auf dem Mobiltelefon gespeichert gehabt hätte, so ist nicht erklärbar, 

wie die Schwester beim Spielen auf seinem Mobiltelefon den Code für die 

Fotogalerie hätte umgehen können. Die Erklärung des Beschwerdeführers, 

er wisse nicht, wie die Schwester den Code habe entsperren können, viel-

leicht sei die Software des Mobiltelefons abgelaufen, überzeugt nicht. Des 

Weiteren ist nicht nachvollziehbar, dass auch die Nachbarn die Fotos ge-

sehen haben sollen. Der Beschwerdeführer betonte, dass seine Mutter we-

gen Bluthochdrucks öfters in Ohnmacht gefallen sei und die Nachbarn je-

weils zu Hilfe geeilt seien (act. A23 F 29 und 39). An jenem Tag, als die 

Mutter wegen der Entdeckung der Fotos in Ohnmacht gefallen sein soll, 

trafen die Nachbarn demnach auf eine bereits erlebte Situation. Angesichts 

der Tatsache, dass Homosexualität für äthiopische Familien eine Schande 

bedeutet und die Mutter sich zu Hause abfällig zum Thema Homosexualität 

geäussert hat, ist schlichtweg nicht erklärbar, dass sie den Nachbarn die 

Fotos als Erklärung für ihre Ohnmacht gezeigt haben soll. Vielmehr wäre 

anzunehmen, dass sie wegen der eigenen Ablehnung der Homosexualität 

E-2109/2019 

Seite 13 

und der Angst vor gesellschaftlicher Ächtung der Familie die Homosexua-

lität des Sohnes vor den Nachbarn verheimlicht und gesundheitliche Prob-

leme als Grund für die Ohnmacht angegeben hätte. Die auch geäusserten 

Vermutungen des Beschwerdeführers, seine Schwester habe den Nach-

barn die Fotos gezeigt oder die Nachbarn hätten die Fotos selbst gesehen, 

überzeugen nicht. Nachdem die Schwester angeblich durch das Zeigen 

der Fotos bereits bei der Mutter eine Ohnmacht ausgelöst hat, ist nicht da-

von auszugehen, dass sie diese auch noch den Nachbar zeigen würde, 

zumal ihr die Bedeutung der Fotos durchaus hätte bewusst sein müssen. 

Auch wenn die Nachbarn das Mobiltelefon selbst an sich genommen hät-

ten, hätten sie sicherlich nicht den Code zum Entsperren des Mobiltelefons 

sowie den zweiten Code zum Entsperren der Fotogalerie gekannt. Weiter 

ist zu festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach der behaupteten Ent-

deckung seiner Homosexualität durch Familie und Nachbarn unbehelligt 

während mehr als eines Jahres in Addis Abeba und Umgebung – zunächst 

auch ohne spezielles Versteck – leben konnte. Schliesslich ist der sich in 

dieser Zeit angeblich ereignete Vorfall im Schlafsaal, wo er auf die Berüh-

rung durch einen Schlafnachbarn seinerseits mit dessen Berührung rea-

giert haben will, schwer zu glauben. Angesichts des Umstandes, dass sich 

in diesem Schlafsaal zahlreiche andere Männer befunden haben, wäre die 

Gefahr, als Homosexueller entdeckt zu werden, ausgesprochen hoch ge-

wesen. Gerade im soziokulturellen Kontext Äthiopiens ist nicht anzuneh-

men, dass der Beschwerdeführer das Risiko eines Outings in einem voll-

belegten Schlafsaal eingehen würde, zumal er sich gerade den Folgen sei-

ner angeblichen Entdeckung zu entziehen versuchte. Daran vermag auch 

die Erklärung des Beschwerdeführers, er habe sich in dieser schwierigen 

und einsamen Situation über die Berührung gefreut, nichts zu ändern. Ins-

gesamt sind die Entdeckung der Fotos und der Vorfall im Schlafsaal als 

unglaubhaft zu qualifizieren. 

8.4 Zusammenfassend konnte der Beschwerdeführer seine Homosexuali-

tät glaubhaft darlegen. Die geltend gemachte Entdeckung der Homosexu-

alität durch seine Familie und die Nachbarn sowie der Vorfall im Schlafsaal 

sind indes als unglaubhaft einzustufen. Er konnte somit keine Vorflucht-

gründe im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen. Es bleibt zu prüfen, 

ob eine begründete Furcht vor künftiger asylrelevanter Verfolgung vorliegt. 

E-2109/2019 

Seite 14 

9.  

9.1 Als Verfolgungsmotiv lässt sich die Homosexualität in ständiger Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG er-

wähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Urteile des BVGer D-6539/2018 

E. 7.2; E-1284/2015 vom 17. Mai 2017 E. 5.4.1).  

9.2  

9.2.1 Nachfolgend ist die aktuelle Situation von homosexuellen Personen 

in Äthiopien näher zu beleuchten. Dafür wurden insbesondere folgende 

Quellen verwendet (aufgelistet in alphabetischer Reihenfolge nach Her-

ausgeberschaft, zuletzt abgerufen am 24.07.2020): 

 British Broadcasting Corporation (BBC), Ethiopia religious anger over 

US gay tour plan, 04.06.2019, < https://www.bbc.com/news/world-af-

rica-48512407 >; 

 International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association 

(ILGA World), State-Sponsored Homophobia 2019, 03.2019, < https://i 

lga.org/downloads/ILGA_State_Sponsored_Homophobia_2019.pdf >; 

 Institute of Development Studies (IDS), Interview with Beki Abi of 

DANA Social Club, Ethiopia, 24.06.2016, < https://www.ids.ac.uk/opin-

ions/interview-with-beki-abi-of-dana-social-club-ethiopia/ >; 

 Norwegian Association for Asylum Seekers (NOAS), Months of Sun-

shine? Rapport fra NOAS’ faktasøkende reise til Etiopia 2012, 

08.2012, < https://www.noas.no/wp-content/uploads/2017/07/Etiopia-

rapport-2012.pdf >; 

 Oluoch, Anthony, HIV: God Cleansing Ethiopia?, 05.02.2019, < https: 

//anthony-oluoch.com/2019/02/05/hiv-god-cleansing-ethiopia/ >; 

 Pew Research Center, Ethiopia is an outlier in the Orthodox Christian 

world, 28.11.2017, < https://www.pewresearch.org/fact-tank/2017/11/ 

28/ethiopia-is-an-outlier-in-the-orthodox-christian-world/ >; 

 Salzburg Global Seminar, Fleeing Home - LGBT Refugees' Stories, 

29.01.2018, < https://www.salzburgglobal.org/news/latest-news/arti-

cle/fleeing-home-lgbt-refugees-stories.html >; 

 Tatchell, Peter / The Guardian, There are reasons to be cheerful ... 

LGBTI rights gains in unlikely countries, 20.02.2017, 

E-2109/2019 

Seite 15 

< https://www.theguardian.com/global-development-professionals-

network/2017/feb/20/lgbti-rights-gains-unlikely-countries >; 

 U.S. Department of State, Country Reports on Human Rights Practices 

for 2013: Ethiopia, 27.02.2014, < https://2009-2017.state.gov/docu-

ments/organization/252893.pdf >; 

 U.S. Department of State, Country Reports on Human Rights Practices 

for 2015: Ethiopia, 13.04.2016, < https://2009-2017.state.gov/docu-

ments/organization/252893.pdf >; 

 U.S. Department of State, 2016 Country Reports on Human Rights 

Practices: Ethiopia, 03.03.2017, < https://www.state.gov/reports/2016-

country-reports-on-human-rights-practices/ethiopia/ >; 

 U.S. Department of State, 2017 Country Reports on Human Rights 

Practices: Ethiopia, 20.04.2018, < https://www.state.gov/reports/2017-

country-reports-on-human-rights-practices/ethiopia/ >; 

 U.S. Department of State, 2018 Country Reports on Human Rights 

Practices: Ethiopia, 13.03.2019, < https://www.state.gov/reports/2018-

country-reports-on-human-rights-practices/ethiopia/ >. 

9.2.2 Homosexualität ist in Äthiopien ein Tabuthema, über das kaum offen 

gesprochen wird. Nur wenige Übergriffe werden öffentlich bekannt. Es lie-

gen zwar Berichte zu Gewalt vor, viele Fälle werden jedoch aus Angst vor 

Vergeltung, Diskriminierung oder Stigmatisierung nicht gemeldet. Organi-

sationen und Akteure, welche sich für homosexuelle Personen einsetzen, 

gibt es in Äthiopien nur sehr wenige, weshalb sich auch die Quellenlage 

entsprechend schlecht darstellt. 

9.2.3 In Äthiopien steht auf homosexuelle Handlungen eine Gefängnis-

strafe von einem bis fünfzehn Jahren. Das äthiopische Strafgesetz sieht für 

Geschlechtsverkehr und andere unsittliche Handlung zwischen Partnern 

oder Partnerinnen desselben Geschlechts eine einfache Haftstrafe vor 

(Art. 629). In den Artikeln 630 und 631 wird präzisiert, dass homosexuelle 

Handlungen mit einer Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr, bei er-

schwerenden Umständen wie dem Ausnützen eines Abhängigkeitsverhält-

nisses bis höchstens zehn Jahre bestraft werden. Kommen weitere Um-

stände wie Gewaltanwendung oder Minderjährigkeit einer beteiligten Per-

son hinzu, beträgt die Gefängnisstrafe drei bis fünfzehn Jahre. 

E-2109/2019 

Seite 16 

Die Informationen zur Anwendung der Strafnorm sind uneinheitlich. Ge-

mäss Menschenrechtsbericht des U.S. Department of State aus den Jah-

ren 2013 und 2015 sowie einem Interview eines äthiopischen LGTB-Akti-

visten (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) aus dem Jahr 2016 befindet 

sich eine unbekannte Anzahl von Personen wegen homosexueller Hand-

lungen im Gefängnis. In der Haft kommt es oft zu Folter. Die späteren Men-

schenrechtsberichte des U.S. Department of State aus den Jahren 2016, 

2017 und 2018 halten fest, dass es zu keiner strafrechtlichen Verfolgung 

von Personen aufgrund homosexueller Handlungen gekommen ist. Dies 

geht auch aus Aussagen eines äthiopischen Menschenrechtsanwalts aus 

dem Jahr 2019 hervor, wonach seit der Einführung der Strafbestimmungen 

im Jahr 2004 niemand wegen homosexueller Handlungen angeklagt oder 

verurteilt worden ist. Nach Angaben eines Beamten der äthiopischen 

Staatsanwaltschaft erfolgt keine aktive Strafverfolgung, sondern nur auf 

Anzeige hin. Indes geht aus einem Bericht einer norwegischen Nichtregie-

rungsorganisation hervor, dass Inhaftierungen homosexueller Personen 

oftmals mit falschen Anschuldigungen, beispielsweise Gewaltanwendung 

oder Vergewaltigung, gerechtfertigt werden. Gesetze, welche homosexu-

elle Personen vor Diskriminierung und Gewalt schützen, gibt es nicht. 

9.2.4 Homosexualität wird aufgrund konservativer religiöser und morali-

scher Vorstellungen in der äthiopischen Gesellschaft geächtet, was die Ge-

fahr, Diskriminierungen ausgesetzt zu werden, stark erhöht. Orthodoxe 

Christen in Äthiopien sind konservativer als in anderen Ländern. Diskrimi-

nierung auf der Basis der sexuellen Orientierung oder aufgrund der blos-

sen Vermutung, homosexuell zu sein, kann von Schwierigkeiten bei der 

Arbeitssuche über Erpressung, Missbrauch bis hin zur Gewaltanwendung 

reichen; teils stammen die Täter aus der eigenen Familie oder gehören der 

Polizei an. Selbst die medizinische Versorgung kann einer homosexuellen 

Person verwehrt werden, insbesondere wenn sie an HIV erkrankt ist. Äthi-

opien gehört zu denjenigen Ländern, in denen staatliche Repression und 

öffentliche Anfeindungen gegen homosexuelle Personen in den letzten 

Jahren zunahm. Sie sind der allgegenwärtigen Gefahr ausgesetzt, gegen-

über der Familie, dem Arbeitgeber oder den Nachbarn geoutet zu werden, 

was zur ökonomischen und sozialen Isolation führt. In Äthiopien besteht 

zudem ein Gesetz, welches Nichtregierungsorganisationen verbietet, sich 

für Menschenrechte einzusetzen und sich zu mehr als zehn Prozent aus 

dem Ausland zu finanzieren. Von den Behörden können Homosexuelle kei-

nen Schutz erwarten. Im Gegenteil kommt es auch zu Misshandlungen und 

Folter durch staatliche Organe. 

E-2109/2019 

Seite 17 

9.2.5 Gefahr kann auch von den Familien ausgehen. Homosexualität gilt 

als Schande für die Familie und wird tabuisiert. Entsprechend kommt es zu 

Misshandlungen. Homosexuelle Familienmitglieder werden verstossen, 

was unter anderem zu finanziellen Notlagen und Schwierigkeiten bei der 

Arbeitssuche führen kann. Familien versuchen durch Zwangsverheiratung 

die Homosexualität des Familienmitglieds zu verheimlichen.  

9.2.6 Insgesamt ist festzustellen, dass es in Äthiopien nicht möglich ist, of-

fen als homosexuelle Person zu leben. Bei einem Bekanntwerden der Ho-

mosexualität drohen sowohl von Seiten der Familie als auch der Behörden 

ernsthafte Nachteile, welche sich in direkter Gewalt, Inhaftierung, ausge-

prägter Diskriminierung und gesellschaftlicher Ächtung äussern können. 

Im Weiteren sind die äthiopischen Behörden im Zusammenhang mit Delik-

ten gegen Homosexuelle weder schutzwillig noch schutzfähig. Aus der La-

geanalyse ergibt sich indes kein Hinweis auf eine Kollektivverfolgung der 

Homosexuellen in Äthiopien (vgl. zur Kollektivverfolgung BVGE 2014/32 

E. 7.2). 

10.  

10.1 Im Referenzurteil D-6539/2018 gelangte das Bundesverwaltungsge-

richt nach einer eingehenden Lageanalyse der Homosexualität im Irak zum 

Schluss, dass die Verheimlichung der Homosexualität im Irak aufgrund der 

ständigen Gefahr der Denunziation oder unfreiwilligen Entdeckung, der ge-

sellschaftlichen Repressionen und Marginalisierung, der fehlenden Unter-

stützung des Familienverbandes sowie der Angst vor Diskriminierung in 

Polizeigewahrsam oder im Strafvollzug unter Umständen einen unerträgli-

chen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG verursachen 

könne. Das Vorliegen dieses Drucks sei indes im Einzelfall zu prüfen. Im 

vorliegenden Fall würden persönliche Umstände zur Annahme der Flücht-

lingseigenschaft führen, die insbesondere in der traumatischen Erfahrung 

einer Vergewaltigung im Kindesalter liegen würden, verbunden mit der 

Furcht, gerade von diesen Peinigern denunziert zu werden, beziehungs-

weise aufgrund des psychischen Drucks, den sie ausüben würden. Zudem 

würde die eigene Familie dem Beschwerdeführer bei einem Outing nach 

dem Leben trachten. Da die befürchteten Nachteile sowohl von privaten 

Dritten als auch von den irakischen Behörden ausgehen würden, sei auch 

nicht vom Bestehen einer sicheren innerstaatlichen Schutzalternative aus-

zugehen (vgl. Urteil D-6539/2018 E. 8.2 und 8.6). 

10.2 Die Situation der Homosexuellen in Äthiopien ist mit derjenigen im Irak 

vergleichbar. Bei einem Bekanntwerden ihrer sexuellen Orientierung müs-

E-2109/2019 

Seite 18 

sen homosexuelle Personen mit gravierenden gesellschaftlichen Nachtei-

len, staatlicher Verfolgung und Verhaftung bis hin zu schweren Misshand-

lungen rechnen. Es ist folglich zu prüfen, ob im vorliegenden Fall der Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Herkunftsland ernsthaften 

Nachteilen, insbesondere einem unerträglichen psychischen Druck, nach 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt wäre.  

Der Beschwerdeführer hatte in Äthiopien keine traumatischen Erlebnisse 

im Zusammenhang mit seiner Homosexualität erfahren. Die geltend ge-

machten Vorfälle, die Entdeckung der Fotos auf seinem Mobiltelefon und 

der Vorfall im Schlafsaal, sind unglaubhaft (vgl. E. 8.3). Im Juli/August 2017 

lernte er in einem Café seinen Freund kennen und ist mit ihm eine Bezie-

hung eingegangen. In der Folge sind sie zusammen in eine Wohnung in 

Addis Abeba gezogen. Ab September/Oktober 2017 lebten sie mit 

D._______ in C._______ zusammen. Nach der Rückkehr seines Freundes 

nach Saudi-Arabien lebte er bis im Juni 2018 mit D._______ in C._______ 

und später in E._______. Er macht nicht geltend, deswegen irgendwelche 

Probleme mit den Behörden oder Dritten gehabt zu haben. Die Homose-

xualität des Beschwerdeführers ist somit weder seiner Familie noch Dritten 

oder den Behörden bekannt. Im Unterschied zum zitierten Referenzurteil 

gab es in seiner Vergangenheit kein Ereignis, welches zu einer konkreten 

Gefahr führen würde, dass seine Homosexualität in Äthiopien mittlerweile 

bekannt sein oder nach seiner Rückkehr durch ein unfreiwilliges Outing 

bekannt werden könnte. Folglich bestehen auch keine konkreten Hinweise 

dafür, bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-

sehbarer Zukunft Opfer zukünftiger Verfolgung zu werden. Eine lediglich 

abstrakte Gefahr der Entdeckung und Verfolgung genügt zur Annahme ei-

nes unerträglichen psychischen Drucks jedenfalls nicht. Dies entspricht 

auch der bisherigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wo-

nach gewisse Einschränkungen im öffentlichen Auftreten und im Privatle-

ben für sich noch keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG darstellen und namentlich nicht per se zu einem unerträglichen psy-

chischen Druck führen (vgl. Urteile des BVGer D-5961/2017 vom 27. Feb-

ruar 2018 E. 6.3; E-6640/2018 vom 16. Mai 2019 E. 6.2.4 m.w.H.;  

E-3447/2019 vom 13. November 2019 E. 6.3.6; E-5458/2017 vom 30. Juli 

2019 E. 5.5.5 f.; e contrario: D-6539/2018 E. 8). Insgesamt ist aufgrund der 

Tatsache, dass in Äthiopien keine Ereignisse vorfielen beziehungsweise 

unmittelbar zu befürchten sind, die zur konkreten Gefahr eines unfreiwilli-

gen Outings führen könnten, festzustellen, dass beim Beschwerdeführer 

nach einer Rückkehr keine begründete Furcht vor einem unerträglichen 

psychischen Druck oder anderen ernsthaften Nachteilen nach Art. 3 Abs. 2 

E-2109/2019 

Seite 19 

AsylG gegeben ist. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch somit zu Recht ab-

gelehnt.  

11.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen 

(Art. 32 Abs. 1 AsylGV 1; SR 142.31). Die Wegweisung wurde zu Recht 

angeordnet. 

12.  

12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). 

12.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-

eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von 

Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-

bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-

meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 

BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der 

Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Äthiopien dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der 

Wegweisung ist zulässig. 

12.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

E-2109/2019 

Seite 20 

Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis von der grund-

sätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen Äthio-

piens aus (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 12.2; 

BVGE 2011/25 E. 8.3). 

Der Beschwerdeführer ist jung und gesund. Er ist in Addis Abeba aufge-

wachsen und hat dort zehn Jahre die Schule besucht. Mit seinen Eltern 

und seiner Schwester verfügt er über ein tragfähiges familiäres Bezie-

hungsnetz in seinem Heimatort. Es ist daher davon auszugehen, dass er 

nach der Rückkehr bei seinen Eltern wohnen kann und diese ihn bei der 

Wiedereingliederung unterstützen. Der Vollzug der Wegweisung erweist 

sich somit auch in individueller Hinsicht als zumutbar. 

12.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-

nen, weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Ver-

tretung seines Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedo-

kumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 

12.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

13.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

14.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom 

8. Mai 2019 wurde indes das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gutgeheissen. Dem Beschwerdeführer sind deshalb trotz 

Unterliegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

  

E-2109/2019 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

David R. Wenger 

 

Eliane Kohlbrenner 

 

 

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