# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1677e886-da65-5642-85cf-6424c794d670
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.08.2010 D-5713/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5713-2008_2010-08-05.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5713/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Robert Galliker (Vorsitz), 
Richter François Badoud, Richter Fulvio Haefeli; 
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

A._______, 
geboren (...),
Kamerun,
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 8. August 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r  a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5713/2008

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführerin  reiste  nach  eigenen  Angaben  unter  Um-
gehung der Grenzkontrolle von Frankreich her am 28. Dezember 2006 
in die Schweiz ein, wo sie am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 
16. Januar  2007  erfolgte  die  Kurzbefragung  im  Empfangs-  und  Ver-
fahrenszentrum (EVZ) B._______. Der  Migrationsdienst  des Kantons 
C._______ hörte die Beschwerdeführerin am 23. März 2007 zu ihren 
Asylgründen an.

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 
Wesentlichen geltend, sie habe mit zehn Jahren angefangen Fussball 
zu  spielen.  Seit  2000  habe  sie  regelmässig  in  der  kamerunischen 
Fussballmannschaft  der  Frauen  mitgespielt.  Ab  zirka  August  2005 
habe sie eine homosexuelle Beziehung zu D._______ unterhalten, die 
ebenfalls in der kamerunischen Nationalmannschaft gespielt habe. An 
einem Wochenende im Mai 2006 habe sie wie gewöhnlich D._______ 
in E._______ besucht,  wo diese mit  ihrem Freund, der in der Regel 
von Freitag bis Sonntag nicht zu Hause gewesen sei, gewohnt habe. 
Als  sie am Samstag Nachmittag zusammen im Bett  gewesen seien, 
habe sie der Freund von D._______ überrascht. Da in Kamerun eine 
homosexuelle Beziehung zwischen zwei Frauen ein Skandal sei, habe 
der  Freund von D._______ zu schreien begonnen und sei  aus  dem 
Haus gelaufen,  um den Leuten auf  der Strasse davon zu berichten, 
wodurch für sie und D._______ die Gefahr bestanden habe, von den 
herbeieilenden  Menschen  umgebracht  zu  werden.  Da  der 
Haupteingang  des  Hauses  durch  die  heranrennenden  Personen 
versperrt  gewesen sei,  sei  sie auf anraten von D._______ durch ein 
Fenster geflohen, während D._______ im Haus zurückgeblieben sei. 
Per Auto und Bus sei sie nach F._______ in ihre Wohnung gefahren, 
wo sie ihrem Halbbruder G._______, der mit  ihr zusammen dort  ge-
wohnt habe, vom Vorfall berichtet habe. Da sie in ihrer Wohnung nicht  
sicher  gewesen  sei,  habe  sie  G._______  zu  H._______,  einem 
anderen Halbbruder, gefahren, der sie zu einem Pastor gebracht habe, 
wo sie sich fürs Erste habe verstecken können. Daraufhin hätten ihre 
Halbbrüder  G_______.  und  H_______.  ihren  Vater  über  das 
Geschehene informiert. Dieser sei jedoch nicht bereit gewesen, ihr zu 
helfen,  sondern  habe  vielmehr  gedroht,  er  werde  sie  der  Polizei 
ausliefern, sobald er ihr begegne. Nach zwei Tagen habe der Pastor in 
I._______ einen Unterschlupf organisiert,  wo sie sich weiterhin habe 

Seite 2

D-5713/2008

verstecken  können.  Da  homosexuelle  Personen  in  Kamerun 
strafrechtlich verfolgt würden und sie zudem aufgrund ihrer nationalen 
Bekanntheit  in ganz Kamerun von Seiten der Bevölkerung Nachteile 
zu befürchten gehabt hätte, habe der Pastor ihre Ausreise organisiert.  
Am 27. Dezember 2006 sei sie auf dessen Geheiss mit einem Mann 
per  Auto  nach  E._______  gefahren,  von  wo  sie  unter  Verwendung 
eines  fremden Reisepasses  nach  Paris  geflogen  und  anschliessend 
mit  dem  Zug  in  die  Schweiz  weitergereist  sei.  Für  die  übrigen 
Aussagen wird auf die Akten verwiesen.

Zum Beweis ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin im Laufe 
des  Verfahrens  vor  der  Vorinstanz  die  Kopie  eines  Berichts  sowie 
einen Ausdruck aus dem Internet zu den Akten. 

B.
Mit  Verfügung vom 8. August  2008 -  eröffnet  am 11. August  2008 - 
stellte  das  BFM fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlings-
eigenschaft  nicht,  und  es  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig 
ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. 

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die geltend 
gemachte Verfolgungssituation insgesamt konstruiert  wirke und nicht 
auf persönlich erlebte Ereignisse schliessen lasse. So falle auf, dass 
die  Beschwerdeführerin  die  Kerngeschichte  anlässlich  der  Kurz-
befragung und bei der Anhörung chronologisch praktisch in identischer 
Weise geschildert habe. Weiter sei realitätsfremd, dass der Freund von 
D._______ die Leute alarmiert haben solle, ohne sich vorher ein Bild 
über  die  angeblich  bestehende  Beziehung  zwischen  den  beiden 
Frauen zu machen, zumal er seine Freundin durch sein Vorgehen in 
eine erhebliche Gefährdungssituation gebracht hätte. Ferner sei auch 
das  Verhalten  von  D._______,  die  in  der  Wohnung  ihres  Freundes 
zurückgeblieben  sei,  nachdem  dieser  die  Nachbarschaft  informiert 
habe, nicht nachvollziehbar, da sie dadurch riskiert habe, umgebracht 
zu werden. Das Argument der Beschwerdeführerin,  D._______ hätte 
die Situation vermutlich mit ihrem Freund bereinigen können, vermöge 
nicht  zu  überzeugen,  zumal  dieser  die  beiden  Frauen  ja  gerade 
denunziert  habe. Zudem habe die Beschwerdeführerin bezüglich der 
geltend  gemachten  Verhaftung  von  D._______  keine  genaueren 
Angaben zu machen vermocht,  was nicht überzeuge, da D._______, 
wie  die  Beschwerdeführerin,  eine  internationale  Fussballspielerin 
gewesen sei,  weshalb anzunehmen sei,  eine tatsächliche Verhaftung 

Seite 3

D-5713/2008

von  D._______  wäre  unbestreitbar  publik  geworden,  was  zur  Folge 
gehabt  hätte,  dass  der  Halbbruder  der  Beschwerdeführerin 
ausführlichere  Auskünfte  hinsichtlich  der  Verhaftung  von  D._______ 
hätte erhalten müssen. Überdies sei es nicht plausibel, dass sich die  
beiden  Halbbrüder  der  Beschwerdeführerin  aktiv  darum  bemüht 
hätten,  die  Beschwerdeführerin in  Sicherheit  zu  bringen,  gleichzeitig 
aber ihren Vater, der ihren Aussagen zufolge ein Traditionalist und ein 
Marabout sei,  über die Situation informiert  haben sollen. Ausserdem 
würden die religiösen Institutionen die Homosexualität als sittenwidrig 
bezeichnen, weshalb es fragwürdig sei, dass die Beschwerdeführerin 
in ihrer Lage ausgerechnet bei einem Pastor, einem Repräsentanten 
einer  solchen  Institution,  um  Schutz  nachgesucht  haben  will.  
Schliesslich  sei  es  auch  erfahrungswidrig,  dass  die  Be-
schwerdeführerin nicht wissen wolle, auf welche Identität der von ihr 
bei der Ausreise verwendete Passe gelautet habe. In Würdigung dieser 
Ausführungen seien deshalb auch die eingereichten Dokumente,  die 
die Beschwerdeführerin mit ihrem Fussballteam beziehungsweise den 
ihr  behilflichen  Pastor  zeigen  sollen,  nicht  geeignet,  die  angeführte 
Verfolgungssituation  zu  stützen,  weshalb  ihnen  kein  Beweiswert  zu-
komme. Daher  sei  die  geltend gemachte  Verfolgung nicht  glaubhaft, 
weswegen die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anforderungen 
an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  standhalten  würden. 
Demzufolge erfülle die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft 
nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei. 

Den Vollzug erachtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar und mög-
lich.

C.
Mit  Beschwerde  vom  6.  September  2008  (Poststempel)  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um Asyl 
gemäss Art. 3 AsylG sowie eventualiter um Gewährung der vorläufigen 
Aufnahme,  da  die  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  weder  zulässig  noch 
zumutbar  sei.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  die  Beschwerde-
führerin  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Auf  die  Begründung 
der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Er -
wägungen eingegangen. 

Seite 4

D-5713/2008

Der  Beschwerde  lagen  unter  anderem  die  Kopie  eines  ärztlichen 
Rezeptes, der Ausdruck einer Internetseite, der Ausdruck eines Inter-
netberichts  über  Homosexualität  in  Kamerun  sowie  eine  Für-
sorgebestätigung vom 2. September 2008 bei.

D.
Mit  Zwischenverfügung  des  zuständigen  Instruktionsrichters  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom 12. September  2008 wurde der  Be-
schwerdeführerin mitgeteilt,  dass sie den Ausgang des Verfahrens in 
der  Schweiz  abwarten  könne. Gleichzeitig  verfügte  der  Instruktions-
richter,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. 

E.
Mit  Beschwerdeergänzung  vom  19.  September  2008  gab  die  Be-
schwerdeführerin einen ärztlichen Bericht von Dr. med. J._______ vom 
18. September 2008 zu den Akten. 

F.
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2008 reichte die Beschwerdeführerin ein 
Schreiben  des  Fussballklubs  K._______  vom 2.  Oktober  2008  dem 
Bundesverwaltungsgericht ein. 

G.
In ihrer Vernehmlassung vom 14. Oktober 2008 hielt die Vorinstanz an 
der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

H.
Mit Schreiben vom 31. Oktober 2008 machte die Beschwerdeführerin 
von der ihr gewährten Möglichkeit zur Replik Gebrauch. Der Eingabe 
lagen die Ausdrucke zweier Internetartikel bei. 

I.
Mit  Eingabe  vom 11. Dezember  2008  (Poststempel)  reichte  die  Be-
schwerdeführerin  ein  "Carnet  de  notes"  inklusive  Briefumschlag,  in 
welchem ihr dieses Dokument übermittelt wurde, zu den Akten. 

Seite 5

D-5713/2008

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM 
gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vor-
instanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  be-
treffende  Ausnahme im  Sinne  von  Art.  32  VGG liegt  nicht  vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art.37 VGG und Art. 52 VwVG). Die 
Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und  Art. 48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 

Seite 6

D-5713/2008

Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vor-
bringen  der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten.

4.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie 
genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind.  Sie 
dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen 
Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder 
den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen. 
Darüber  hinaus  muss  der  Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  er-
scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige 
Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt  oder  die  nötige  Mitwirkung  am Verfahren  verweigert.  Glaub-
haftmachung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein 
reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum für  gewisse  Ein-
wände und Zweifel  an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entschei-
dend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhalts-
darstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine 
objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

4.3 Vorab ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin den Wortlaut 
sämtlicher Protokolle mit ihrer Unterschrift bestätigt hat und sich des-
halb  ihre  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  muss.  Im 
Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asyl-
suchenden  Person  in  der  Empfangsstelle  beziehungsweise  im  Em-
pfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen 

Seite 7

D-5713/2008

Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit  nur 
ein  beschränkter  Beweiswert  zukommt  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  7  E. 
6.2.1 S. 66 und dort  zitierte,  weiterhin gültige Praxis). Widersprüche 
dürfen  nur  dann  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  im 
Empfangszentrum in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von 
den späteren Aussagen in der Befragung beim Kanton oder beim BFM 
diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürch-
tungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht 
bereits in der Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise 
erwähnt werden.

4.4 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist festzustellen, dass 
sich  die  Beschwerdeführerin  im  Laufe  des  Asylverfahrens  zu  ihren 
Asylvorbringen zum Teil  erheblich  widersprüchlich  geäussert  hat. So 
erklärte sie beispielsweise bei der Kurzbefragung, nur ihr Halbbruder 
H._______  sei  zu  ihrem  Vater  gegangen,  um  diesen  über  das 
Geschehene zu informieren (act. A 2/10, S. 5), während sie anlässlich 
der  Anhörung  vorbrachte,  sowohl  G._______  als  auch  H._______ 
seien  zu  ihrem  Vater  gegangen,  um  diesem  von  ihrem  (der 
Beschwerdeführerin) Problem zu erzählen (act. A 16/21, S. 11). Zudem 
gab die Beschwerdeführerin bei der Anhörung zu Protokoll, D._______ 
habe  in  einem anderen  Quartier  von  F._______  gewohnt  als  deren 
Freund (act. A 16/21,  S. 12),  in  der Beschwerde (S. 3)  sie dagegen 
geltend macht,  D._______ habe in  E._______ mit  ihrem Freund zu-
sammen  in  einer  Wohnung  gelebt.  Überdies  äusserte  sich  die  Be-
schwerdeführerin auch zum Alter von D._______ widersprüchlich. So 
sagte  sie bei  der  Anhörung vom 23. März 2007 aus,  D._______ sei 
zwischen  achtzehn  und  neunzehn  Jahre  alt  (act.  A  16/21,  S.  6), 
demgegenüber  sie  in  der  zirka  eineinhalb  Jahre  später  verfassten 
Rechtsmittelschrift vorbringt, D._______ sei ein bisschen älter als sie 
selbst (S. 2 unten), somit älter als zweiundzwanzig Jahre alt, macht die 
Beschwerdeführerin doch geltend, im Jahre 1986 geboren worden zu 
sein. Ferner  gab die Beschwerdeführerin  in  der  Anhörung zuerst  zu 
Protokoll,  sie  habe  erst  im Februar  2007  erfahren,  dass  D._______ 
verhaftet worden sei, nachdem sie ihren Bruder von der Schweiz aus 
telefonisch  beauftragt  habe,  Erkundigungen  über  D._______ 
einzuholen (act. A 16/21, S. 5 f.), während sie später in der Anhörung 
aussagte,  sie  habe  bereits  während  ihres  Aufenthalts  in  I._______ 
durch  ihren  Bruder  erfahren,  dass  D._______  verhaftet  worden  sei 
(act. A 16/21, S. 13). 

Seite 8

D-5713/2008

Im Weiteren ist festzuhalten, dass das geltend gemachte Verhalten der 
Beschwerdeführerin, wonach sie schon zwei Tage nach der Flucht aus 
D._______ aufgehört habe zu versuchen, D._______ auf ihrem Natel 
zu  erreichen  (act.  A  16/21,  S.  13),  nicht  nachvollziehbar  ist.  Dies 
insbesondere  deshalb,  da  die  Beschwerdeführerin  vorbringt,  währen 
zirka neun Monaten mit D._______ eine Beziehung geführt zu haben 
(act.  A  16/21,  S.  15),  weshalb  anzunehmen  ist,  die 
Beschwerdeführerin  hätte  wesentlich  länger  und  intensiver  versucht, 
D._______ auf ihrem Natel oder sonst auf andere Weise zu erreichen, 
um zu erfahren wie es ihr geht,  hätten sich die Dinge tatsächlich so 
zugetragen, wie die Beschwerdeführerin sie vorgetragen hat. 

Nicht nachvollziehbar ist überdies, dass die Beschwerdeführerin nicht 
angeben kann, wie der Freund von D._______ geheissen hat (act. A 
2/10, S. 4),  obwohl  sie geltend macht,  während zirka neun Monaten 
mit  D._______  eine  Beziehung  unterhalten  zu  haben  und  während 
dieser  Zeit  etliche  Male  in  der  Wohnung von  D._______  und  deren 
Freund  gewesen  zu  sein  (act.  A  16/21,  S.  10,  15).  Es  ist  davon 
auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  Auskunft 
hätte  geben  können,  hätte  sie  tatsächlich  mit  D._______  eine 
homosexuelle Beziehung geführt. 

Bezüglich  weiterer  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  kann auf  die  zutreffenden Erwägungen der  Vor-
instanz verwiesen werden (vgl. Ziffer I; Bst. B. vorstehend), ohne diese 
im Einzelnen zu wiederholen.

Schliesslich  ist  festzustellen,  dass  mangels  Einreichung  eines 
rechtsgenüglichen Originaldokumentes die Identität  der Beschwerde-
führerin nicht feststeht,  was aber für die Überprüfung der Aussagen, 
der Dokumente und die Asylgewährung grundsätzlich Voraussetzung 
ist. Zwar hat die Beschwerdeführerin den Asylbehörden ein "carnet de 
notes" eingereicht,  jedoch handelt  es sich bei diesem Dokument um 
kein rechtsgenügliches Reise-  beziehungsweise Identitätspapier  (vgl. 
dazu BVGE 2007/7).

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt daher nach Prüfung der Akten 
und  in  Würdigung  sämtlicher  eingereichten  Beweismittel  zur  Auf-
fassung, dass die von der Beschwerdeführerin zur Begründung ihres 
Asylgesuchs geltend gemachten  Vorbringen  den umschriebenen An-
forderungen an die Glaubhaftmachung nicht  genügen, und das BFM 
die  behaupteten  Asylgründe  zu  Recht  als  unglaubhaft  beurteilt  hat. 

Seite 9

D-5713/2008

Die  Beschwerdeführerin  erfüllt  somit  die  Voraussetzungen  zur  Zu-
erkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  die  Vorinstanz 
das Asylbegehren zu Recht abgelehnt hat. Es erübrigt  sich deshalb, 
auf die weiteren Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe sowie in den 
Beschwerdeeingaben  näher  einzugehen,  zumal  die  Beschwerde-
führerin  den vorinstanzlichen Erwägungen nichts Substanzielles ent-
gegenhält  und im Wesentlichen lediglich  am Wahrheitsgehalt  der  im 
vorinstanzlichen Verfahren geltend gemachten Vorbringen festhält be-
ziehungsweise  es  bei  der  blossen  Wiedergabe  des  bereits  fest-
gestellten  Sachverhalts  bewenden  lässt,  was  aber  an  der  Un-
glaubhaftigkeit  der  behaupteten  Verfolgungsvorbringen  nichts  zu  än-
dern  vermag. Soweit  die  Beschwerdeführerin  in  der  Replik  vom 31. 
Oktober 2008 beantragt, es seien weitere Abklärungen bezüglich ihrer 
Identität vorzunehmen, ist festzuhalten, dass vorliegend der Sachver-
halt genügend erstellt ist, weshalb sich weitere Abklärungen erübrigen 
und der diesbezügliche Antrag abzuweisen ist, zumal auch der Nach-
weis der Identität der Beschwerdeführerin ihre widersprüchlichen und 
unplausiblen  Asylvorbringen  nicht  glaubhaft  zu  machen  vermöchte 
(antizipierte  Beweiswürdigung;  FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechts-
pflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 274; EMARK 2003 Nr. 13 S. 84).

5.  
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

6.
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 

Seite 10

D-5713/2008

Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2
6.2.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent -
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

6.2.2 Da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  asyl-
rechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu 
machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlings-
rechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  An-
wendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Kame-
run ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerde-
führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall  
einer Ausschaffung nach Kamerun dort  mit  beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-

Seite 11

D-5713/2008

richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall  
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen). Das ist jedoch vorliegend nicht der Fall, zumal - wie oben 
unter Ziffer 4.4 der Erwägungen dargelegt wird - die geltend gemachte 
Verfolgungssituation nicht geglaubt werden kann. Auch die allgemeine 
Menschenrechtssituation  in  Kamerun  lässt  den  Wegweisungsvollzug 
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Für den Fall, 
dass  sich  bei  der  Beschwerdeführerin  im  Falle  eines  allfälligen 
zwangsweisen Vollzugs der Wegweisung suizidale Tendenzen akzen-
tuieren,  wie  das  im  ärztlichen  Bericht  vom  18.  September  2008 
angedeutet  wird,  wäre  dem  mit  geeigneten  medikamentösen  oder 
allenfalls  auch  psychotherapeutischen  Massnahmen  entgegen  zu 
wirken, so dass für sie eine konkrete Gefahr ernster gesundheitlicher 
Schäden auszuschliessen wäre (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1.  
S.  212,  mit  einem  Hinweis  auf  den  Entscheid  des  EGMR  vom  7. 
Oktober 2004 i.S. Dragan et al. gegen Deutschland [Beschwerde Nr. 
33743/03]).  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl  im  Sinne  der  asyl-  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestim-
mungen zulässig.

6.3
6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002,  BBl  2002  3818).  Aus  medizinischen  Gründen  kann  sich  der 
Wegweisungsvollzug  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  4  AuG auch  als  un-
zumutbar erweisen, wenn für die betroffene Person bei einer Rückkehr 
in ihre Heimat eine wesentliche medizinische Behandlung nicht erhält -
lich wäre. Der Umstand alleine, dass die Spitalinfrastruktur oder das 
medizinische  Fachwissen  im  Heimatstaat  ein  tieferes  Niveau  auf-
weisen,  führt  praxisgemäss  nicht  zur  Unzumutbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzugs. Bei  der  Prüfung der  Voraussetzungen von Art.  83 
Abs. 4 AuG sind humanitäre Überlegungen im Einzelfall gegen andere 

Seite 12

D-5713/2008

öffentliche  Interessen  abzuwägen,  die  allenfalls  für  den  Vollzug  der 
Wegweisung  sprechen  würden,  was  den  Asylbehörden  einen  Er-
messensspielraum  lässt.  Entsprechend  bilden  etwa  gesundheitliche 
Probleme, welche für  sich allein  betrachtet  den Wegweisungsvollzug 
nicht  bereits  als  unzumutbar  erscheinen  lassen,  ein  Beurteilungs-
element,  welches  in  die  vorzunehmende  Interessenabwägung  ein-
bezogen  werden  muss  und  zusammen  mit  weiteren  humanitären 
Aspekten zur Feststellung der Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvoll-
zugs führen kann (vgl. zum Ganzen EMARK 2001 Nr. 16 E. 6b S. 123, 
2003 Nr. 24 E. 5a und 5b S. 157 f.).

6.3.2 Der  Versuch  des  seit  1982  ununterbrochen  als  Präsident 
amtierenden Paul Biya,  mit  einer  Verfassungsänderung die bisherige 
Amtszeitbeschränkung  für  Staatschefs  abzuschaffen,  führte  gegen 
Ende des Jahres 2007 zu massiven innenpolitischen Spannungen. Die 
Unzufriedenheit grosser Teile der Bevölkerung wurde durch die stark 
angestiegenen Lebenshaltungskosten,  insbesondere durch die Preis-
erhöhung beim Treibstoff verstärkt. In der Folge kam es zwischen dem 
23.  und  dem 29.  Februar  2008  zuerst  in  Douala  und  dann  auch  in 
Yaoundé  sowie  in  verschiedenen  anderen  Städten  im  Westen 
Kameruns zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstran-
ten  und  Sicherheitskräften.  Nach  Zugeständnissen  seitens  der 
Regierung - etwa durch die Befreiung von Abgaben auf verschiedenen 
lebensnotwendigen  Gütern  oder  durch  die  Vergünstigung  von  Treib-
stoff für Taxis - beruhigte sich die Lage wieder. Auch die am 10. April  
2008 erfolgte, die Amtszeitbeschränkung für den Staatschef aufheben-
de  Verfassungsänderung  löste  keine  neuen  Unruhen  aus.  Es  kann 
demnach im jetzigen Zeitpunkt nicht von Krieg, Bürgerkrieg oder von 
einer Situation allgemeiner Gewalt, welche für die Beschwerdeführerin 
bei seiner Rückkehr nach Kamerun eine konkrete Gefährdung darstel-
len würde, gesprochen werden.

6.3.3 Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, 
die  eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  in  ihren  Heimatstaat  als 
unzumutbar  erscheinen  lassen.  Insbesondere  ist  zu  prüfen,  ob  die 
geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beschwerden  ein  individuelles 
Vollzugshindernis bilden.

6.3.4 Im  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  J._______.  (Fachärztin  für 
Gynäkologie  und  Geburtshilfe)  vom  18.  September  2008  wird  im 
Wesentlichen festgehalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  unter  einer 

Seite 13

D-5713/2008

mittelschweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-
10; F 32.11 [recte: F 32.1]) leide. Sie sei affektiv stark herabgestimmt,  
deprimiert  und  hoffnungslos.  Zudem  würden  sie  Insuffizienz-  und 
Schuldgefühle  plagen  und  ihre  emotionale  Schwingungsfähigkeit  sei 
herabgesetzt.  Ein  Grossteil  dieser  Beschwerden  komme  durch  die 
diskriminierende Haltung und Verfolgung ihrer andersartigen sexuellen 
Ausrichtung in  ihrem Herkunftsland zustande, weshalb die Prognose 
bei  einer  Rückkehr  nach  Kamerun  als  schlecht  anzusehen  sei. 
Bezüglich  Behandlung  der  Beschwerdeführerin  wird  im  Bericht 
ausgeführt,  dass  diese  aus  einer  medikamentösen,  antidepressiven 
Therapie sowie einer Psychotherapie bestehe. 

Wie vorstehend unter Ziffer 4.4 der Erwägungen festgestellt wird, kann 
die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  Verfolgungss-
ituation nicht  geglaubt  werden, weshalb auch die behauptete Homo-
sexualität der Beschwerdeführerin als konstruiert  und nicht glaubhaft 
erscheint.  Auch  mit  dem  eingereichten  ärztlichen  Bericht  vom  18. 
September  2008  wird  die  Homophilie  der  Beschwerdeführerin  nicht 
belegt,  zumal  sich Dr. J._______ bei  ihrer  Beurteilung der sexuellen 
Orientierung  der  Beschwerdeführerin  lediglich  auf  deren  Angaben 
stützt. Zudem ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin sich erst 
ab  dem 27.  August  2008  -  nach  Ergehen  der  vorinstanzlichen  Ver-
fügung - in ärztliche Behandlung begeben hat, obwohl sie sich schon 
seit dem 28. Dezember 2006 in der Schweiz aufhält, und obschon die 
diagnostizierten  psychischen  Probleme  der  Beschwerdeführerin  auf 
deren  angebliche  Homosexualität  zurückzuführen  sein  sollen.  Es  ist 
davon  auszugehen,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  schon  viel 
früher in ärztliche Behandlung begeben hätte, wären ihre psychischen 
Probleme tatsächlich auf die von ihr geltend gemachte sexuelle Aus-
richtung zurückzuführen. An dieser Einschätzung vermögen auch die 
Ausführungen in der Replik vom 31. Oktober 2008 nichts zu ändern. 
Aufgrund der  Tatsache,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  nur  kurze 
Zeit  nach  Erhalt  der  Verfügung  der  Vorinstanz  vom 8.  August  2008 
erstmals  wegen  psychischer  Probleme  in  ärztliche  Behandlung  be-
geben hat,  lässt  darauf  schliessen,  dass diese gesundheitlichen Be-
schwerden  nicht  mit  der  geltend  gemachten  Homosexualität  in  Ver-
bindung stehen, sondern vielmehr auf die schwierige Situation im Zu-
sammenhang  mit  dem negativen  Asylentscheid  zurückzuführen  sein 
dürften. 

Seite 14

D-5713/2008

6.3.5 Kamerun verfügt im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten 
über  ein  relativ  gut  ausgebautes  Gesundheitssystem,  wobei  die 
medizinische  Versorgung  auf  dem  Land  (wo  noch  heute  fast  aus-
schliesslich traditionelle Heilmethoden zur Anwendung gelangen) be-
deutend  schlechter  ist  als  in  grösseren  Städten.  Die  Behandlung 
psychischer  Erkrankungen hat  zwar  gegenüber  der  Behandlung von 
Infektionskrankheiten  (insbesondere  Tuberkulose,  Malaria  und  Aids) 
eine  geringe  Priorität  und  nur  ein  sehr  kleiner  Teil  des  staatlichen 
Gesundheitsbudgets wird für Leistungen im Bereich der psychischen 
Gesundheitspflege aufgewendet. Das "Hôpital La Quintinie" in Douala 
sowie  das  "Jamot  Hospital"  in  Yaoundé  verfügen  indessen  über 
psychiatrische  Abteilungen;  möglich  sind  auch  ambulante  psycho-
logische  beziehungsweise  psychiatrische  Privatbehandlungen.  Über-
dies wird versucht, dem bestehenden Mangel an qualifiziertem Perso-
nal mit der Lancierung von Ausbildungsprojekten für Pflegepersonal im 
Bereich  Psychologie  und  Psychiatrie  zu  begegnen.  Sodann  sind 
gemäss  den  aufgrund  der  durch  das  Schweizerische  Konsulat  in 
Yaoundé getätigten Abklärungen, welche sich diesbezüglich auch mit 
den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts decken, die meis-
ten  Medikamente  zur  Behandlung  psychischer  Erkrankungen  (ins-
besondere  auch  Antidepressiva  und  Schlafmittel)  in  Kamerun  ohne 
Weiteres erhältlich, wobei die finanziellen Möglichkeiten der Patienten 
beziehungsweise deren Angehörigen faktisch über die Zugänglichkeit 
zu  denselben  entscheidet  (vgl.  dazu  auch  das  Gutachten  der  SFH-
Länderanalyse vom 3. August 2006 "Kamerun: Psychotherapeutische 
und  medikamentöse  Behandlungsmöglichkeiten  von  Depressionen 
und psychasthenischen Persönlichkeitsstörungen").

Die Beschwerdeführerin hat vor ihrer Ausreise in F._______ gelebt, wo 
die  erforderlichen  psychopharmakologischen  sowie  psychotherapeu-
tischen Behandlungen erhältlich sind, um die im ärztlichen Bericht vom 
18.  September  2008  aufgeführten  psychischen  Probleme  der  Be-
schwerdeführerin  angemessen  zu  behandeln,  zumal  es  sich  dabei 
nicht um gravierende gesundheitliche Beschwerden handelt. Bezüglich 
der Finanzierbarkeit  ist  festzuhalten,  dass die Beschwerdeführerin in 
ihrer  Heimatregion  über  viele  nahe  Verwandte  verfügt,  die  sie  bei 
Bedarf  finanziell  unterstützen  können.  Schliesslich  ist  festzustellen, 
dass die Beschwerdeführerin über die Möglichkeit verfügt, bei Bedarf 
beim BFM einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 
93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 
1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV  2,  SR  142.312]). 

Seite 15

D-5713/2008

Zusammenfassend ist daher davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführerin  -  sofern  die  in  der  Schweiz  aufgetretenen  psychischen 
Probleme in  der  Heimat  überhaupt  noch vorhanden sind -  bei  einer 
Rückkehr  nach  Kamerun  die  erforderliche  medizinische  Behandlung 
erhältlich  machen kann. Allein  der  Umstand,  dass  die  Behandlungs-
möglichkeiten  in  Kamerun nicht  dem medizinischen  Standard  in  der 
Schweiz entsprechen, macht den Vollzug nicht unzumutbar (vgl. BVGE 
2009/2 E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und 5b). 
Eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführerin durch Rückschaf-
fung in  ihre Heimat  kann deshalb nicht  angenommen werden. Nach 
dem Gesagten erscheint eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach 
Kamerun unter medizinischen Gesichtspunkten als zumutbar.

6.3.6 Es ist  nicht in Abrede zu stellen, dass die Beschwerdeführerin 
bei  einer  Rückkehr  nach  Kamerun  aufgrund  ihrer  längeren  Landes-
abwesenheit  mit  gewissen  Schwierigkeiten  konfrontiert  sein  könnte. 
Indes  hat  sie  bis  zu  ihrer  Ausreise  im  Dezember  2006  in  ihrem 
Heimatstaat  gelebt,  weshalb  sie  mit  den  dortigen  Gepflogenheiten 
bestens  vertraut  ist. Zudem wohnen viele  Verwandte  in  der  Heimat-
region der Beschwerdeführerin, weshalb davon auszugehen ist, dass 
sie  dort  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihr  eine 
Reintegration  erleichtern  wird.  Insbesondere  ist  davon  auszugehen, 
dass  die  Beschwerdeführerin  nach ihrer  Rückkehr  in  ihr  Heimatland 
fürs erste bei einem Familienmitglied wohnen kann, bis sie eine eigene 
Wohnung gefunden hat. Es ist  festzuhalten, dass blosse soziale und 
wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung 
im Allgemeinen betroffen ist,  nicht genügen, um eine Gefährdung im 
Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  die  weiterhin  zu-
treffende  Praxis  der  ARK  in  EMARK  2005  Nr. 24  E.  10.1.  S. 215). 
Sodann steht  es  der  Beschwerdeführerin frei  und ist  ihr  auch zuzu-
muten, sich an einem anderen als ihrem Herkunftsort niederzulassen.

6.3.7 Im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  sämtlicher  Faktoren  ist 
somit  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  der  Vollzug  der  Weg-
weisung der Beschwerdeführerin nach Kamerun als zumutbar zu er-
achten ist. 

6.4 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-

Seite 16

D-5713/2008

halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Weg-
weisung zu bestätigen. Die Vorinstanz hat  den Vollzug zu Recht  als 
zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt 
eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme ausser  Betracht  (Art.  83 
Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten desselben der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  und  auf  insgesamt  Fr. 600.--  fest-
zusetzen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG und Art. 1-3 des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem die Be-
schwerde  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeeinreichung  nicht  als  aus-
sichtslos bezeichnet werden konnte und die Beschwerdeführerin nach 
wie  vor  keiner  bezahlten  Tätigkeit  nachgeht  (so  dass  von  ihrer  Be-
dürftigkeit ausgegangen werden kann), sind in Gutheissung des in der 
Eingabe  vom  6.  September  2008  gestellten,  bis  anhin  nicht  be-
handelten  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozess-
führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 17

D-5713/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

Versand:

Seite 18