# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0165070-7f96-5073-8e7b-dba817a4fcd8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.01.2023 F-19/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-19-2023_2023-01-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-19/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

mit Zustimmung von Richterin Constance Leisinger,   

Gerichtsschreiberin Youlo Wujohktsang. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Stefan Frost, MLaw, 

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

Bundesasylzentrum Region Zürich,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 15. Dezember 2022 / N (…). 

 

 

 

F-19/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer (afghanischer Staatsangehöriger, geb. 1993) er-

suchte am 7. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich seiner 

Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) 

ergab, dass er am 23. September 2022 in Österreich ein Asylgesuch ge-

stellt hatte.  

B.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer am 11. November 2022 das 

rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit der Überstellung nach Österreich, dessen Zuständigkeit für die 

Behandlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Be-

schwerdeführer gab an, er habe in Österreich vier oder fünf Nächte auf der 

Strasse schlafen müssen und habe seine Nägel verloren. Er habe Tuber-

kulose und leide sowohl an psychischen als auch körperlichen Problemen. 

In Österreich sei er nicht medizinisch behandelt worden, weswegen er nicht 

dorthin zurückkehren wolle. 

C.  

Das SEM ersuchte am 15. November 2022 die österreichischen Behörden 

um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Die österreichischen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist 

zum Übernahmeersuchen des SEM keine Stellung. 

D.  

Mit Verfügung vom 15. Dezember 2022 (eröffnet am 22. Dezember 2022) 

trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

seine Überstellung nach Österreich an und forderte ihn auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-

fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-

ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-

bende Wirkung zu. 

E.  

Am 30. Dezember 2022 gelangte der Beschwerdeführer an das Bundes-

F-19/2023 

Seite 3 

verwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu-

heben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten, 

eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts 

und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventuali-

ter sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Garantien betreffend adä-

quate medizinische Versorgung und Unterbringung von den österreichi-

schen Behörden einzuholen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-

kung zu gewähren und die Vollzugsbehörden seien im Rahmen vorsorgli-

cher Massnahmen unverzüglich anzuweisen, bis zum Entscheid über die 

Beschwerde von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. Des Weiteren 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

F.  

Am 3. Januar 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG 

[SR 142.31]). 

1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die üb-

rigen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], 

Frist [Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 VwVG] sind offensichtlich 

erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

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Seite 4 

3.  

3.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe ihre Be-

gründungspflicht verletzt, indem sie sich widersprüchlich zur Frage geäus-

sert habe, wer – die Vorinstanz oder er selbst – die österreichischen Be-

hörden über seinen Gesundheitszustand zu informieren habe.  

3.1.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV umfasst 

alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Ver-

fahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 II 

427  E. 3.1). Dazu gehört die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid ausrei-

chend und nachvollziehbar zu begründen (BGE 145 IV 99 E. 3.1; Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Be-

troffene den Entscheid in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz 

weiterziehen kann. Nicht erforderlich ist, dass sich die Behörde mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-

bringen ausdrücklich widerlegt (BGE 143 III 65 E. 5.2).  

3.1.2. In Bezug auf das Vorbringen, die Vorinstanz habe sich widersprüch-

lich geäussert, ist festzuhalten, dass keine widersprüchlichen Ausführun-

gen seitens der Vorinstanz ersichtlich sind. In der Verfügung wird der Be-

schwerdeführer darauf hingewiesen, dass er sich für Unterstützung und 

Hilfe an die österreichischen Behörden sowie karitative Organisationen 

wenden könne. Damit wird die Verantwortung für die Weiterleitung der In-

formationen zu seinem Gesundheitszustand bei ihm geortet. Es liegt somit 

keine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der Begründungspflicht vor. 

3.2. Der Beschwerdeführer moniert, der Sachverhalt sei ungenügend ab-

geklärt, da die Vorinstanz die Ursachen für seinen massiven Gewichtsver-

lust und für seine Schlafstörungen nicht abschliessend geklärt habe. Die 

Diagnosen «stressinduzierter Gewichtsverlust» sowie «epigastrische 

Schmerzen» stellten lediglich «Verdachtsdiagnosen» dar. Auch suggeriere 

die Vorinstanz fälschlicherweise, eine psychiatrische Anbindung sei bei ihm 

– dem Beschwerdeführer – nicht zwingend indiziert (SEM-act. 1202200-

27/1). Diese Einschätzung stehe im Widerspruch zur Dokumentation des 

Zentrumsarztes (SEM-act. 1202200-25/3), wonach eine «rasche» psychi-

atrische Anbindung nötig sei.  

3.2.1. Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unvollständig ist die Sach-

verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz des geltenden Untersu-

chungsgrundsatzes Art. 12 VwVG) den Sachverhalt nicht von Amtes we-

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F-19/2023 

Seite 5 

gen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum 

VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). 

3.2.2. Gemäss Akten wurden beim Beschwerdeführer umfangreiche medi-

zinische Abklärungen (u.a. Gastroskopie, Röntgen, Laboruntersuchungen) 

durchgeführt, wobei die Befunde unauffällig waren. Er ist stark unterge-

wichtig (50 kg bei einer Grösse von 170 cm), leidet an epigastrischen 

Schmerzen und Schlafstörungen. Zudem nimmt er das Antidepressivum 

Mirtazepin ein. Sein Allgemeinzustand wird jedoch insgesamt als stabil be-

urteilt und sein Gewichtsverlust auf die Fluchterfahrung zurückgeführt bzw. 

als «stressinduziert» gewertet. Es erschliesst sich vor diesem Hintergrund 

nicht, inwiefern die Angaben «epigastrische Schmerzen» und «stressindu-

zierter Gewichtsverlust» (Einträge in der Rubrik «Anamnese/Diagnose» im 

Arztbericht, vgl. SEM-act. 1202200-25/3) als «ungesicherte Verdachtsdi-

agnosen» – so der Beschwerdeführer – aufzufassen wären. Dass keine 

Krankheit festgestellt wurde, vermag nichts daran zu ändern, dass der me-

dizinische Sachverhalt – in Bezug auf eine allfällige Verletzung von Art. 3 

EMRK – vollständig ermittelt wurde. Weiter wird von der Vorinstanz nicht 

in Abrede gestellt, dass eine psychiatrische Anbindung nötig ist. Insofern 

ist auch kein Widerspruch zur Einschätzung des Zentrumsarztes erkenn-

bar. Die Frage, ob sie «zwingend» nötig war oder nicht, ist angesichts des 

gemäss Beschwerdeschrift am 9. Februar 2023 anstehenden Termins bei 

den Psychiatrischen Dienste Aargau hinfällig geworden. Dass die geplan-

ten psychiatrischen Abklärungen neue, überstellungsrelevante Erkennt-

nisse zu Tage fördern würden, ist aufgrund der bisherigen Untersuchungen 

und der Anamnese nicht zu erwarten. Darauf durfte die Vorinstanz in anti-

zipierter Beweiswürdigung verzichten (vgl. BGE 141 I 60 E. 3.3; 136 I 229 

E. 5.3). 

3.2.3. Der medizinische Sachverhalt erweist sich mit Blick auf eine mögli-

che Verletzung von Art. 3 EMRK somit als hinreichend abgeklärt. Eine Ver-

letzung des Untersuchungsgrundsatzes ist zu verneinen. 

3.3. Es besteht demnach keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das ent-

sprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

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Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

4.3. Die österreichischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen der 

der Vorinstanz innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist 

unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Österreichs gemäss Art. 25 

Abs. 2 Dublin-III-VO implizit anerkannten. Die Zuständigkeit Österreichs ist 

somit grundsätzlich gegeben. 

4.4. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-

charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-

stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. 

Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der 

Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-

gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird 

der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat 

(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.5. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

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Seite 7 

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

5.  

5.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, gibt es keine wesentli-

chen Gründe für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-

gungen für asylsuchende Personen in Österreich hätten Schwachstellen 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO, die eine 

Gefahr einer unmenschlichen Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-

Grundrechtcharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden. Österreich ist 

Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 

gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende 

Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des 

Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt 

seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es ist so-

mit anzunehmen, dass dieser Staat die Rechte, die sich für Schutzsu-

chende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-

richtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Nor-

men für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantra-

gen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, anerkennt und schützt. 

5.2. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, das Anlass zur Änderung der 

Rechtsprechung geben könnte. Eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO ist daher nicht gerechtfertigt. 

6. Nachfolgend ist zu prüfen, ob – wie beantragt – das Selbsteintrittsrecht 

nach Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO auszuüben ist. 

6.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe in Österreich vier oder fünf 

Tage auf der Strasse übernachten müssen, habe seine Nägel verloren und 

sei deshalb ins «Camp» gegangen. Er sei gezwungen worden, in Öster-

reich ein Asylgesuch einzureichen. Auch habe er keine medizinische Be-

handlung erhalten. Eine Wegweisung nach Österreich würde folglich zu ei-

nem Behandlungsabbruch führen.  

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Seite 8 

6.2. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden grundsätzlich kein 

Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. 

BVGE 2010/45 E. 8.3). Die persönliche Präferenz des Beschwerdeführers 

ist somit unerheblich.  

6.3. Fraglich ist vorliegend, ob sich der Beschwerdeführer überhaupt in das 

österreichische Asylsystem integrieren wollte. Bereits einige Tage nach 

Einreichen seines Asylantrags reiste er in die Schweiz ein und stellte hier 

ein weiteres Asylgesuch. Der Beschwerdeführer entzog sich somit weitge-

hend dem Zugriff des österreichischen Asylsystems. Auch liegen keine Hin-

weise vor, wonach Österreich den Zugang zur medizinischen Behandlung 

verweigert hätte.  

6.4. Seine geltend gemachten gesundheitlichen Probleme (vgl. E. 3.4) sind 

nicht von einer derartigen Schwere, dass bei einer Überstellung nach Ös-

terreich eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Im Übrigen verfügt 

Österreich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur, welche der 

Beschwerdeführer im Bedarfsfall in Anspruch nehmen kann. Der Zugang 

für asylsuchende Personen zum österreichischen Gesundheitssystem 

über die Notversorgung hinaus ist grundsätzlich gewährleistet (vgl. E. 5.1). 

Auch können ihm bei Bedarf Medikamente auf Vorrat mitgegeben werden. 

Sollte er nach der Rückkehr nach Österreich eine medizinische Behand-

lung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten verpflich-

tet sind, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die 

zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung 

von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-

lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden Per-

sonen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder 

sonstige Hilfe, einschliesslich psychologischer Betreuung, zu gewähren 

(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie).  

6.5. Es liegen keine Hinweise vor, wonach dem Beschwerdeführer in Ös-

terreich eine allenfalls nötige, adäquate medizinische Behandlung verwei-

gert würde. Folglich droht keine Verletzung von Art. 3 EMRK, weshalb die 

Schweiz nicht zum Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflich-

tet ist; auch humanitäre Gründe i.S.v. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 liegen nicht 

vor. Den Akten sind keine Hinweise auf eine gesetzeswidrige Ermes-

sensausübung (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) oder ein Über- oder Unterschrei-

ten des Ermessens (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vorinstanz 

zu entnehmen. 

F-19/2023 

Seite 9 

6.6. Aus denselben Gründen ist auch das Subeventualbegehren, die Vor-

instanz sei anzuweisen, individuelle Garantien betreffend adäquate medi-

zinische Versorgung und Unterbringung von den österreichischen Behör-

den einzuholen, abzuweisen. 

7.  

Der Beschwerdeführer macht geltend, zwei Cousins und eine Cousine leb-

ten in der Schweiz. Die Verwandten könnten ihn bei der Bewältigung seiner 

psychischen und körperlichen Beschwerden unterstützen. 

7.1. Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO setzt voraus, dass zwischen dem Antrag-

steller und seinen Kindern, Geschwistern oder Elternteilen ein Abhängig-

keitsverhältnis wegen schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder 

hohen Alters besteht.  

7.2. Soweit sich er Beschwerdeführer auf ein Abhängigkeitsverhältnis zu 

seinen Cousins und seiner Cousine beruft, ist darauf hinzuweisen, dass 

diese Verwandtschaftsverhältnisse nicht von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO 

erfasst sind. Die Anwendung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO ist daher zu 

verneinen. 

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und 

hat die Wegweisung nach Österreich angeordnet. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 3. Januar 2023 angeordnete Vollzugsstopp dahin. 

Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos 

geworden. 

10.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorste-

henden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Ver-

fahrenskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

F-19/2023 

Seite 10 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-19/2023 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Youlo Wujohktsang 

 

 

Versand: