# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce595f1c-b633-58d2-b96f-631d347fce29
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.08.2011 E-1921/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1921-2008_2011-08-26.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1921/2008

U r t e i l   v om   2 6 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Kurt Gysi,   
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

Parteien A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
E._______,
Irak,
alle vertreten durch lic. iur. Simon Näscher, Rechtsanwalt,
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 20. Februar 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden  –  kurdischer  Ethnie  aus  Suleymania  im 
Nordirak – verliessen den Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 27. 
März  2000  und  gelangten  nach  F._______  im  Iran.  Im  Sommer  2005 
begaben sie sich in die Türkei und am 27. November 2006 gelangten sie 
illegal  in  die  Schweiz,  wo  sie  tags  darauf  um  Asyl  nachsuchten.  Die 
summarischen Erstbefragungen der Beschwerdeführenden fanden am 6. 
Dezember  2006  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Vallorbe, 
die ausführlichen Anhörungen durch die kantonale Behörde am 26. und 
29. Januar 2007 statt.

Die Beschwerdeführerenden machten zur Begründung ihrer Asylgesuche 
im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Der  Beschwerdeführer  stamme  im  Gegensatz  zu  seiner  Ehefrau  aus 
einer  in  religiösen  Belangen  toleranten  Familie.  Die  Familie  der 
Beschwerdeführerin habe deswegen seinerzeit einer Eheschliessung erst 
nach langem Zögern zugestimmt. In der Folge sei der Beschwerdeführer 
von  der  Familie  seiner  Ehefrau  –  zwei  ihrer  Onkel  hätten  einer 
islamistischen Gruppierung angehört – dennoch nicht akzeptiert worden. 
Im September 1998 sei er von Unbekannten, vermutlich Angehörigen der 
Beschwerdeführerin, angegriffen, geschlagen und angeschossen worden. 
Um  nicht  weitere  Probleme  zu  provozieren,  habe  er  keine  Anzeige 
erstattet.  Nach  diesem Vorfall  hätten  die Schwiegereltern  ihm  verwehrt, 
seine  Ehefrau  zu  sehen.  Nach  der  Geburt  des  ersten  Kindes  habe  die 
Familie  von  seiner  Ehefrau  verlangt,  dass  sie  sich  scheiden  lasse  und 
das Kind dem Beschwerdeführer überlasse. Als die Beschwerdeführerin 
sich  geweigert  habe,  habe  ihr  Bruder  –  dieser  habe  sie  schon  früher 
geschlagen – in seiner Wut einen Ölofen in ihre Richtung gestossen. Die 
Beschwerdeführerin  habe  durch  das  heisse  Essen  schwere 
Verbrennungen erlitten und fast 20 Tage im Spital verbracht. Sie sei nach 
der  Spitalentlassung  mit  dem  Kind  zu  den  Schwiegereltern  und  zum 
Ehemann  gegangen.  Nachdem  sie  dort  Drohbriefe  erhalten  hätten,  in 
denen  ihnen  mit  dem  Tod  gedroht  worden  sei,  sollten  sie  sich  nicht 
scheiden lassen, hätten sie nur die Ausreise in den Iran gesehen. 

Sie hätten in der Folge in G._______ in der Nähe der irakischen Grenze 
gelebt. Der Beschwerdeführer habe dort als Kellner gearbeitet. Dabei sei 
er  mit  einem  iranischen  Kurden  in  Kontakt  gekommen,  der  ihm  bei 

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entsprechenden  Gegenleistungen  die  Besorgung  eines  sicheren 
Aufenthaltsstatus  in Aussicht  gestellt  habe. Der Beschwerdeführer  habe 
in diesem Zusammenhang mehrere, ihm unverständliche, fremdsprachige 
Dokumente  unterzeichnet.  In  der  Folge  sei  er  vom  iranischen 
Geheimdienst beauftragt worden, zwei Personen  in der Türkei ausfindig 
zu machen um sie später  zu  liquidieren. Der Beschwerdeführer habe  in 
der Türkei den Aufenthalt einer dieser Männer ausfindig machen können, 
diesen  jedoch  vor  den  Absichten  des  iranischen  Geheimdienstes 
gewarnt. Er selber sei nicht mehr in den Iran zurückgekehrt und habe die 
Ausreise  seiner  Ehefrau  und  den  drei  Kindern  in  die  Türkei  organisiert. 
Sie  hätten  sich  in  der  Türkei  illegal  aufgehalten  und  seien,  letztlich  aus 
Angst  vor  Racheakten  des  iranischen  Geheimdiensts,  in  die  Schweiz 
gereist.

Die  Beschwerdeführenden  reichten  drei  Identitätsausweise,  zwei 
Nationalitätenausweise,  zwei  iranischen Ausweise sowie den Eheschein 
zu den Akten.

B. 
Mit Verfügung vom 20. Februar 2008 – eröffnet  am 21. Februar 2008 – 
lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und 
ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Den  Vollzug  der 
Wegweisung  beurteilte  die  Vorinstanz  aus  individuellen  Gründen, 
namentlich angesichts der drei minderjährigen Kinder, als nicht zumutbar. 
Als  Folge  davon  ordnete  sie  die  vorläufige  Aufnahme  der 
Beschwerdeführenden an.

C. 
Mit  Eingabe  vom  20.  März  2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
beantragten  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  die 
Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  im  Asyl­  und 
Wegweisungspunkt.  Es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und 
ihre  Asylgesuche  seien  gutzuheissen.  Eventuell  sei  die  Sache  zur 
Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  sie  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Beigabe  eines  unentgeltlichen 
Rechtsbeistands. 

D. 
Mit  Verfügung  vom  1.  April  2008  verwies  der  Instruktionsrichter  den 
Entscheid  über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf 

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einen  späteren  Zeitpunkt  und  wies  das  Gesuch  um  Beigabe  eines 
unentgeltlichen  Rechtsbeistands  ab.  Gleichzeitig  forderte  er  die 
Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung auf. 

E. 
Die  Vorinstanz  hielt  in  der  Vernehmlassung  vom  11.  April  2008 
vollumfänglich an  ihren Erwägungen  fest und beantragte die Abweisung 
der  Beschwerde. 

Diese  Stellungnahme  wurde  den  Beschwerdeführenden  am  15.  April 
2008 zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 

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Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG).

Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Das  BFM  lehnte  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  im 
Wesentlichen  mit  der  Begründung  ab,  die  angegebenen  Fluchtgründe 
hielten den Anforderungen an das Glaubhaftmachen eines asylrelevanten 
Sachverhalts nicht stand.

4.2. 
4.2.1.  In der Beschwerdeschrift halten die Beschwerdeführenden diesen 
Ausführungen  entgegen,  die  Vorinstanz  stelle  in  ihren  Erwägungen 
lediglich Mutmassungen respektive Wahrscheinlichkeitsüberlegungen an. 
Behauptungen  eines  Asylsuchenden  dürften  jedoch  nicht  mit 
Vermutungen  der  Behörden  widerlegt  werden.  Vorliegend  sei  nicht 
erheblich,  wie  es  zur  Eheschliessung  der  Beschwerdeführenden 
gekommen sei; entscheidend sei einzig die Tatsache, dass sie verheiratet 
seien.  Hinsichtlich  des Mordanschlags  auf  den  Beschwerdeführer  habe 

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dieser  bei  der Erstbefragung angegeben,  die  beiden Schützen gesehen 
und in ihnen Teilnehmer seiner Hochzeitsfeier erkannt zu haben, bei der 
kantonalen  Befragung  habe  er  lediglich  verdeutlicht,  diese  nicht 
persönlich  gekannt  zu  haben.  In  diesen  Aussagen  seien  entgegen  der 
Auffassung  des  BFM  keine  Ungereimtheiten  erkennbar.  Dass  er  nicht 
getötet,  sondern  nur  angeschossen  worden  sei,  sei  letztlich  wohl  als 
Drohung  zu  verstehen  gewesen;  auch  diese  Angaben  seien 
nachvollziehbar  ausgefallen.  Sodann  sei  zu  beachten,  dass  in  der 
Empfangsstelle gemachte Aussagen nur summarischen Charakter hätten 
und entsprechend mit Zurückhaltung zu würdigen seien.

4.2.2.  Entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  habe  der 
Beschwerdeführer  auch  die  Verfolgung  durch  den  iranischen 
Geheimdienst  glaubhaft  geschildert.  Der  Mann,  der  ihm  gültige 
Aufenthaltsausweise  beschafft  habe,  habe  sich  als  Mitglied  des 
iranischen Geheimdiensts Ettelaat erwiesen. Der Beschwerdeführer habe 
die  Wahl  gehabt,  die  bezeichneten  Personen  in  der  Türkei  zu  suchen 
oder in den Irak zurückzukehren. Er habe sich daher für die Flucht in die 
Türkei entschieden. Dass der Beschwerdeführer  für eine solche Aktivität 
ausgewählt worden sei, sei unter Umständen damit zu erklären, dass der 
Ettelaat so jede Verwicklung hätte abstreiten können. 

4.2.3.  Zusammenfassend  seien  die  Asylgründe  glaubhaft  gemacht 
worden;  die  Beschwerdeführenden  würden  die  Flüchtlingseigenschaft 
erfüllen.  Ihre  Asylgesuche  seien  gutzuheissen,  allenfalls  sei  eine 
Rückweisung an die Vorinstanz angezeigt.

4.3. 
4.3.1. Der Beschwerdeführer hat angegeben,  im September 1998 sei er 
von  zwei  Personen  angegriffen  worden.  Er  habe  diese  als  Teilnehmer 
seiner Hochzeitsfeier erkannt (vgl. Protokoll EVZ Beschwerdeführer S. 5). 
Bei  der  kantonalen  Befragung  erklärte  er  dazu,  er  habe  diese  Männer 
nicht gekannt und damals auch nicht gewusst, wer diese beauftragt habe 
(vgl. Protokoll Kanton S. 9). Auf Rückfrage führte er aus, er sei sich nicht 
sicher,  er  habe  diese  Männer  aber  vielleicht  an  der  Hochzeitsfeier 
gesehen  (vgl.  a.a.O.  S.  12).  Zu  seiner  Heirat  führte  er  bei  der 
Erstbefragung  aus,  die  Familie  der  Ehefrau  habe  ihre  Zustimmung 
letztlich  an  die  Bedingung  geknüpft,  dass  es  keine Hochzeitsfeier  gebe 
(vgl.  Protokoll  EVZ  Beschwerdeführer  S.  5).  Die  Beschwerdeführerin 
hatte zu Protokoll gegeben, bei der Hochzeit seien nur seine Eltern und 
Geschwister  und  einige  ihrer  Tanten  anwesend  gewesen  (vgl.  Protokoll 

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Kanton  Beschwerdeführerin  S.  4).  Angesichts  dieser  Aussagen  konnte 
der Beschwerdeführer schwerlich weitere Gäste haben, die er später als 
seine  Angreifer  hätte  wiedererkennen  können.  Vor  diesem  Hintergrund 
erweist  sich namentlich  auch der Erklärungsversuch  in  der Beschwerde 
als nicht stichhaltig, wonach der Beschwerdeführer seine Angreifer zwar 
nicht persönlich gekannt, diese jedoch an seiner Hochzeitsfeier gesehen 
(und als Angehörige der Beschwerdeführerin erkannt) habe. Im Ergebnis 
sind die diesbezüglichen Vorbringen daher von der Vorinstanz zu Recht 
als unglaubhaft beurteilt worden.

4.3.2.  Auch  die  geschilderte  fortdauernde  Bedrohungssituation  seitens 
der Familie der Beschwerdeführerin erweist sich als unglaubhaft: 

Die Beschwerdeführenden haben angegeben, nach der Spitalentlassung 
der Ehefrau im September 1999 seien Drohbriefe zu ihnen gelangt. Dabei 
hat  der  Beschwerdeführer  von  mehreren  Drohbriefen  gesprochen,  die 
sowohl  an  ihn  als  auch  an  seine  Familie  gerichtet  gewesen  seien  (vgl. 
Protokoll  EVZ  Beschwerdeführer  S.  6).  Bei  der  anschliessenden 
ausführlichen Befragung  legte er zunächst dar, es habe zwei schriftliche 
sowie mündliche Drohungen über Drittpersonen gegeben. Dabei  sei  ein 
Brief  beim  Haus  seines  Vaters,  einer  bei  seinem  Haus  eingeworfen 
worden.  Auf  Nachfrage  ergänzte  er,  die  mündlichen  Drohungen  seien 
über  eine Verwandte  der Ehefrau  erfolgt, welche  zwei­  oder  dreimal  zu 
seiner  Frau  geschickt  worden  sei.  Als  er  Namen  und  Adresse  jener 
Verwandten  hätte  nennen  sollen,  zog  der  Beschwerdeführer  seine 
diesbezüglichen  Aussagen  zurück  und  erklärte,  es  habe  nie  mündliche 
Drohungen  über  Drittpersonen  gegeben  (vgl.  Protokoll  Kanton 
Beschwerdeführer  S.  15  f.).  Dieses  Aussageverhalten  lässt  jedoch 
erhebliche Zweifel an den entsprechenden Vorbringen entstehen.

Die  Beschwerdeführerin  führte  dazu  aus,  es  habe  vier  oder  fünf 
schriftliche  Drohungen  seitens  ihrer  Eltern  gegeben;  sie  und  ihr  Sohn 
seien  darin  mit  dem  Tod  bedroht  worden  (vgl.  Protokoll  Kanton 
Beschwerdeführerin  S.  8  und  10).  Dass  die  Beschwerdeführerin  weiter 
sogar erklärte, sie habe mit diesen Briefen, die vermutlich beim Haus des 
Schwiegervaters eingeworfen worden seien, nicht viel zu  tun gehabt,  ist 
vor dem Hintergrund, dass darin Todesdrohungen gegen sie und ihr Kind 
ausgesprochen  worden  sein  sollen,  nicht  nachvollziehbar.  Insgesamt 
beurteilt  das Gericht  diese Bedrohungssituation  als widersprüchlich  und 
nicht nachvollziehbar dargelegt.

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4.3.3. Zusammenfassend  ist die von den Beschwerdeführenden geltend 
gemachte  Verfolgungssituation  seitens  der  Familie  der  Ehefrau  in  der 
geschilderten  Form  als  nicht  glaubhaft  zu  beurteilen,  zumal  auch  nicht 
nachvollziehbar  ist,  dass  die  Familie  zunächst  einer  Eheschliessung – 
gemäss  Beschwerdeführerin  habe  der  Vater  zugestimmt,  nachdem  sie 
unbeirrt  erklärt  habe,  ihren  Mann  zu  lieben  (vgl.  Protokoll  Kanton 
Beschwerdeführerin  S.  7),  der  Beschwerdeführer  sprach  davon,  seine 
Frau  habe  mit  Suizid  gedroht  (vgl.  Protokoll  Kanton  Beschwerdeführer 
S. 11)  –  zugestimmt  haben  sollen,  um diese  nur wenige Monate  später 
wieder rückgängig machen zu wollen, dies zudem zu einem Zeitpunkt, als 
die  Beschwerdeführerin  bereits  schwanger  war.  Schliesslich  haben  die 
Beschwerdeführenden  und  ihre  jeweiligen  Familien  offenbar  im  selben 
Quartier  gewohnt;  damit  ist  nicht  nachvollziehbar,  dass  sie  nach  dem 
angeblich  schwerwiegenden  Übergriff  auf  den  Beschwerdeführer  im 
September  1998  noch  bis  Frühjahr  2000 mit  einer  Ausreise  zugewartet 
und sich so dem erheblichen Risiko weiterer Nachstellungen ausgesetzt 
hätten. 

4.3.4. Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit ist letztlich festzustellen, 
dass  die  Beschwerdeführenden  sich  allfälligen  familiären  Problemen 
grundsätzlich  auch  durch  eine  Wohnsitzverlegung  innerhalb  des 
Heimatstaats  hätten  entziehen  können. Gemäss  eigenen  Aussagen  hat 
der  Beschwerdeführer  als  (…)  gearbeitet  und  ist  es  ihnen  im  Irak 
finanziell  sehr  gut  gegangen  (vgl.  Protokoll  Kanton  Beschwerdeführer 
S. 8). Es wäre daher der Familie möglich und zumutbar gewesen, sich in 
sicherer Distanz zur Familie der Beschwerdeführerin ein eigenes Leben 
aufzubauen.  Ausserdem  haben  die  Beschwerdeführenden  –  weder  der 
Beschwerdeführer  im September  1998  noch  die Beschwerdeführerin  im 
September 1999 – sich nicht um Schutzgewährung durch die kurdischen 
Behörden bemüht und es namentlich unterlassen, bei der Polizei Anzeige 
zu  erstatten.  Die  Beschwerdeführenden  haben  keinerlei  Probleme  mit 
den Behörden oder Parteien in ihrer Heimatprovinz geltend gemacht. Es 
wäre  ihnen  daher  möglich  und  insbesondere  zumutbar  gewesen,  bei 
diesen  um  Schutz  zu  ersuchen  (zur  Frage  betreffend  die 
Schutzgewährung  und  ­möglichkeiten  im  kurdischen  Teil  des  Nordiraks 
vgl. BVGE 2008/4).

4.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, vom iranischen Geheimdienst 
verfolgt  zu  werden.  Er  habe  während  des  Aufenthalts  im  Iran  die 
Bekanntschaft  eines  Mannes  gemacht,  der  ihm  Aufenthaltspapiere  in 
Aussicht gestellt habe. Vermeintlich in diesem Zusammenhang habe der 

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Beschwerdeführer  mehrere  Papiere  unterschrieben,  ohne  jedoch  deren 
Inhalt  zu  verstehen.  Zu  Recht  hat  die  Vorinstanz  dieses  Verhalten  als 
nicht  glaubhaft  beurteilt.  Zudem  bestehen  in  der  Tat  erhebliche  Zweifel 
daran,  dass  der  iranische  Geheimdienst  eine  Person  ohne  jegliche 
Ausbildung als erstes mit besonderen Aufträgen wie Personensuche und 
–überwachung  und  letztlich  mit  der  Ermordung  dieser  Personen 
beauftragt  haben  soll.  Die  hier  entstehenden  Zweifel  werden  durch 
verschiedene  unstimmige  Angaben  des  Beschwerdeführers  verstärkt. 
Insbesondere ist zu erwähnen, dass er einmal die zuvor erhaltenen Fotos 
der  in der Türkei zu observierenden Personen zerrissen haben will  (vgl. 
Protokoll EVZ Beschwerdeführer S. 8), später demgegenüber festhielt, er 
habe  diese  Fotos  in  der  Türkei  bei  einer  kurdischen  Familie 
zurückgelassen,  wobei  er  erstgemachte  Aussage  nicht  zu  relativieren 
vermochte  und  diese  ohne  weitere  Erklärung  abstritt  (vgl.  Protokoll 
Kanton Beschwerdeführer S. 17 f. und S. 21). 

4.5.  Letztlich  kann  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  angeblich  im  Iran 
drohenden  Verfolgung  jedoch  ebenfalls  offen  bleiben:  Die 
Beschwerdeführenden  haben  keine  Verfolgung  im  Irak  geltend machen 
können  (vgl.  oben  Erwägung  4.3).  Die  Frage  eines  allfälligen 
Drittstaatenschutzes  und  vor  diesem  Hintergrund  die  Prüfung  der – 
gemäss  ihren  Angaben  –  im  Iran  bestehenden  oder  befürchteten 
Verfolgung  unter  den  Aspekten  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der 
Glaubhaftigkeit  können  daher  vorliegend  unterbleiben.  Dass  die 
Beschwerdeführenden  konkret  befürchten  müssten,  vom  iranischen 
Geheimdienst  im  Irak  behelligt  zu  werden,  ist  vorliegend  nicht 
anzunehmen.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E.9).

6. 

E­1921/2008

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6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

6.2.  Die  Vorinstanz  hat  in  ihrer  Verfügung  vom  20.  Februar  2008  die 
Beschwerdeführenden  zufolge  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs aus individuellen Gründen vorläufig in der Schweiz 
aufgenommen.  Damit  erübrigen  sich  zum  heutigen  Zeitpunkt 
praxisgemäss  Erwägungen  zur  Durchführbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs.

6.3.  Bei  diesem  Verfahrensausgang  erwächst  die  vorläufige  Aufnahme 
der  Beschwerdeführenden  in  Rechtskraft  (vgl.  Dispositivziffern  4  und  5 
der vorinstanzlichen Verfügung).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

Nachdem  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  (vgl.  Art.  65  Abs.  1  VwVG)  gemäss  Akten  erfüllt  sind, 
sind in Gutheissung dieses Gesuchs keine Kosten aufzuerlegen. 

(Dispositiv nächste Seite)

E­1921/2008

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinn 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
kantonale Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

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