# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5f79c24c-00a8-56f1-a532-47495ea4c5cf
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-20
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 20.05.2021 VG.2018.00095 (VG.2021.1050)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2018-00095_2021-05-20.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 20. Mai 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2018.00095

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Klägerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Previs Vorsorge (vormals Comunitas)

    	
    Beklagte

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt C.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Glarner Pensionskasse

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt D.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente aus BVG 

  
	
  (Wiederaufnahme des Verfahrens VG.2016.00060)

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  A.______, geboren am […],
  beantragte am 25. April 2013 Leistungen der Invalidenversicherung, da sie an
  einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, an einer rezidivierenden depressiven
  Störung sowie an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  leide. Am 20. März 2014 sprach die IV-Stelle A.______ ab dem 1. April
  2012 eine halbe Invalidenrente zu.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 A.______ reichte am 19. Mai 2016 beim
  Verwaltungsgericht Klage gegen die Comunitas und gegen die Pensionskasse des
  Kantons Glarus ein. Sie beantragte, die Comunitas sei zu verpflichten, ihr
  entweder über den Anschlussvertrag Nr. 1603, Arbeitgeber E.______, oder
  über den Anschlussvertrag Nr. 7273, Arbeitgeber F.______, rückwirkend eine
  Invalidenrente aus der obligatorischen und überobligatorischen beruflichen
  Vorsorge auszurichten, zuzüglich Verzugszinsen ab Klageerhebung. Eventualiter
  sei die Pensionskasse des Kantons Glarus zu verpflichten, ihr rückwirkend
  eine Invalidenrente aus der obligatorischen und überobligatorischen beruflichen
  Vorsorge auszurichten, zuzüglich Verzugszinsen ab Klageerhebung; alles unter
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der unterliegenden Partei.

  
	
   

  
	
  Am 12. September 2016
  reichte die Pensionskasse des Kantons Glarus ihre Klageantwort ein und
  beantragte, die Klage gegen sie abzuweisen. Am 14. September 2016
  schloss die Comunitas ebenfalls auf Abweisung der gegen sie erhobenen Klage. 

  
	
   

  
	
  2.2 Nach Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
  sowie nach mehrmaligen Sistierungen hiess das Verwaltungsgericht am 26.
  Oktober 2017 (Verfahren VG.2016.00060) die Klage gegen die Comunitas gut und
  verpflichtete diese, A.______ ab dem 1. April 2012 eine halbe
  Invalidenrente, zuzüglich Zins von 5 % seit 19. Mai 2016, zu
  bezahlen. Am 2. November 2017 beantragte die Pensionskasse des Kantons
  Glarus in einem Erläuterungsbegehren, das Dispositiv des
  verwaltungsgerichtlichen Urteils vom 26. Oktober 2017 damit zu ergänzen, dass
  die Klage gegen sie abgewiesen werde. Am 6. November 2017 hiess das
  Verwaltungsgericht das Erläuterungsbegehren teilweise gut und ergänzte sein
  Urteil vom 26. Oktober 2017 mit einer neuen Disp.-Ziff. 2, wonach die
  Klage gegen die Pensionskasse des Kantons Glarus als gegenstandslos geworden
  abgeschrieben werde.

  
	
   

  
	
  2.3 Die Comunitas gelangte in der Folge mit Beschwerde
  in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 30. November 2017 ans
  Bundesgericht und beantragte die Aufhebung des Urteils und des
  Erläuterungsbeschlusses des Verwaltungsgerichts. Die gegen sie erhobene Klage
  sei abzuweisen. Das Bundesgericht hiess die Beschwerde am 7. September 2018
  gut, hob den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 26. Oktober 2017 und
  dessen Beschluss vom 6. November 2017 auf und wies die Sache zur
  Neuentscheidung ans Verwaltungsgericht zurück (BGer-Urteil 9C_856/2017).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Das Verwaltungsgericht nahm das Verfahren am 17.
  September 2018 unter der Verfahrensnummer VG.2018.00095 wieder auf und gab
  A.______ die Gelegenheit, sich zu äussern. Diese beantragte am
  13. Dezember 2018, das Verfahren zu sistieren, bis rechtskräftig über
  ihren Anspruch auf Entrichtung einer ganzen Invalidenrente entschieden worden
  sei. Eventualiter sei festzustellen, dass ihre relevante bleibende
  Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt habe, am 1. Oktober
  2012 eingetreten sei, also zu einer Zeit, als sie bei der Pensionskasse des
  Kantons Glarus versichert gewesen sei. Subeventualiter sei Letztere zu
  verpflichten, ihr ab dem 1. Oktober 2016 eine Invalidenrente aus der
  obligatorischen und überobligatorischen beruflichen Vorsorge auszurichten,
  zuzüglich Verzugszinsen ab Klageerhebung. Mit Präsidialverfügung vom 17.
  Dezember 2018 sistierte das Verwaltungsgericht das Verfahren bis zum
  Vorliegen eines rechtskräftigen invalidenversicherungsrechtlichen Entscheids.

  
	
   

  
	
  3.2 Am 13. Mai 2020 sprach die IV-Stelle A.______ ab 1.
  Oktober 2016 eine ganze Invalidenrente zu, da sie seither in sämtlichen
  Tätigkeiten des ersten Arbeitsmarkts vollständig arbeitsunfähig sei. Gestützt
  darauf beantragte A.______ am 30. Juni 2020, die Pensionskasse des Kantons
  Glarus sei zu verpflichten, ihr ab dem 1. Oktober 2016 eine
  Invalidenrente aus der obligatorischen und der überobligatorischen Vorsorge,
  zuzüglich Zinsen ab Klageerhebung, auszurichten. Letztere schloss am
  2. November 2020 auf Abweisung der Klage.

  
	
   

  
	
  3.3 Mit Replik vom 10. Dezember 2020 hielt A.______ an
  den bereits gestellten Klagebegehren fest und beantragte zudem die Gewährung
  der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen
  Rechtsverbeiständung. Die Pensionskasse des Kantons Glarus hielt in ihrer
  Duplik vom 10. März 2021 ebenfalls an ihrem Antrag auf Klageabweisung fest.
  Das Verwaltungsgericht schloss am 11. März 2021 den Schriftenwechsel ab.

  
	
   

  
	
  3.4 Am 11. März 2021 edierte das Verwaltungsgericht von
  der IV-Stelle die Akten des IV-Verfahrens von A.______, woraufhin diese beim
  Verwaltungsgericht am 16. März 2021 eingingen.

  
	
   

  
	
  3.5 In der Folge reichte A.______ am 18. März 2021
  unaufgefordert eine Triplik ein, wobei sie an den bereits gestellten
  Rechtsbegehren festhielt. Sodann zog sie am 29. März 2021 ihr Gesuch um
  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltlichen
  Rechtsverbeiständung zurück. Mit Stellungnahme vom 13. April 2021
  äusserte sich die Pensionskasse des Kantons Glarus erneut und hielt an ihrem
  Antrag auf Klageabweisung fest. Anschliessend schloss das Verwaltungsgericht
  am 15. April 2021 den Schriftenwechsel abermals ab. 

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 109 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4.
  Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 73 Abs. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die
  berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge vom 25. Juni
  1982 (BVG) zur Behandlung der vorliegenden Klage zuständig. Da auch die
  übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten.

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die obligatorische berufliche Vorsorge
  umfasst alle Massnahmen auf kollektiver Basis, die den Invaliden bei Eintritt
  des Versicherungsfalls (Alter, Tod oder Invalidität) zusammen mit den
  Leistungen der eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
  (AHV/IV) die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise
  erlauben (Art. 1 Abs. 1 BVG). Die
  obligatorische Versicherung beginnt mit Stellenantritt und endet
  grundsätzlich im Zeitpunkt der Auflösung des Arbeitsverhältnisses (Art. 10
  Abs. 1 und Abs. 2 lit. b BVG). Für das Risiko der Invalidität bleibt der
  Arbeitnehmer aber noch zusätzlich während eines Monats nach Auflösung des
  Vorsorgeverhältnisses bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung versichert,
  sofern nicht vorher ein neues Vorsorgeverhältnis begründet wird (Art. 10 Abs.
  3 BVG).

  
	
   

  
	
  2.2 Anspruch auf Invalidenleistungen der obligatorischen
  beruflichen Vorsorge haben Versicherte, die im Sinn der IV zu mindestens
  40 % invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache
  zur Invalidität geführt hat, versichert waren (Art. 23 lit. a BVG).
  Versicherte sind in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wenn sie ihr funktionelles
  Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich eingebüsst haben. Kann vom einzelnen Versicherten
  vernünftigerweise verlangt werden, dass er die ihm verbliebene
  Arbeitsfähigkeit in einem anderen Berufszweig verwertet, ist er unter Berücksichtigung
  der Arbeitsmarktlage und gegebenenfalls nach einer bestimmten Anpassungszeit
  nach der beruflichen Tätigkeit zu beurteilen, die er bei gutem Willen ausüben
  könnte (BGE 134 V 20 E. 3.2.2).

  
	
   

  
	
  2.3 In berufsvorsorgerechtlicher Hinsicht ist
  die Arbeitsunfähigkeit relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und
  sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es
  muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass der Versicherte an
  Leistungsvermögen eingebüsst hat (BGer-Urteil 9C_91/2013, 9C_110/2013 vom
  17. Juni 2013 E. 4.1.2). Dabei sind die gesamten Umstände des
  konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Art des
  Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch die Ärzte sowie
  die Beweggründe, welche den Versicherten zur Wiederaufnahme oder
  Nichtwiederaufnahme einer Arbeit veranlasst haben (BGer-Urteil 9C_420/2015 vom 26. Januar 2016 E. 4.1). 

   

  
	
  2.4 Der Zeitpunkt des Eintritts der
  berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
  Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (BGer-Urteil 9C_91/2013, 9C_110/2013 vom
  17. Juni 2013 E. 4.1.2). Dabei gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung,
  d.h. die Beweise sind frei, ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
  sowie umfassend und pflichtgemäss vom Gericht zu würdigen (vgl. dazu
  BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  2.5 Ein Entscheid einer IV-Stelle ist für eine
  Einrichtung der beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern sie in das
  invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete
  Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der
  Invalidenversicherung entscheidend war und sich die
  invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise auf Grund einer
  gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erweist.
  Die Bindungswirkung vermag sich indessen nicht auf Feststellungen erstrecken,
  welche für die Festlegung des Anspruchs auf eine Rente der
  Invalidenversicherung nicht entscheidend waren. Eine Bindungswirkung entfällt
  unter anderem dann, wenn die Rente der Invalidenversicherung aufgrund einer
  verspäteten Anmeldung ausgerichtet wird. Diesfalls besteht kein Anlass für
  die IV-Stelle, den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit vor dem Zeitpunkt der
  Anmeldung zu prüfen, womit hinsichtlich weiter zurückliegender Zeiten eine
  Verbindlichkeit allfälliger Feststellungen und Beurteilungen der IV-Stelle
  für die Vorsorgeeinrichtung von vornherein ausser Betracht fällt (BGer-Urteil
  9C_464/2015 vom 31. Mai 2016 E. 2.4.1 f., mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Klägerin bringt vor, dass sie vom 1. Mai 2010
  bis zum 31. Januar 2013 in einem schwankenden Arbeitspensum arbeitstätig
  und damit bei der Beklagten 2 vorsorgeversichert gewesen sei. Sie habe
  ihre Arbeitstätigkeit als vollständig Arbeitsfähige aufgenommen, was aufgrund
  des in vorliegender Sache ergangenen Bundesgerichtsurteils erstellt sei. Das
  Bundesgericht habe verbindlich festgestellt, dass zu der Zeit, als sie bei
  der Beklagten 1 versichert gewesen sei, keine Arbeitsunfähigkeit
  arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten sei. Nichts Anderes ergebe sich aus der
  Tatsache, dass sie von der Beklagten 2 vorbehaltlos in die
  BVG-Versicherung aufgenommen worden sei. In der Folge sei sie jedoch am 2.
  Oktober 2012 erkrankt, weswegen sie von ihren behandelnden Ärzten in
  unterschiedlichem Umfang krankgeschrieben worden sei. Damit seien ihre
  gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund ihrer psychischen Erkrankung
  während ihrer Versicherungszeit bei der Beklagten 2 erstmals
  arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten, sodass diese leistungspflichtig
  sei. Dies ergebe sich ebenso aus der damaligen Konfliktsituation am
  Arbeitsplatz, deren Ursache in ihrer psychischen Erkrankung gründe. Folglich
  sei die Beklagte 2 für die Ausrichtung der vollen Invalidenrente
  leistungspflichtig, denn ihre schliesslich zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit
  sei erstmals arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten, als sie bei der
  Beklagten 2 vorsorgeversichert gewesen sei.  

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beklagte 2 wendet hingegen ein, die
  Klägerin sei zur Zeit der Aufnahme ihrer Arbeitstätigkeit bei G.______ und
  damit zu Beginn ihrer Versicherungszeit aufgrund der gesundheitlichen
  Beeinträchtigungen eingeschränkt arbeitsfähig gewesen, was sich aus dem von
  der IV-Stelle eingeholten Gutachten von Dr. med. H.______, Facharzt
  für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, ergebe. Aus den vorhandenen
  Arztberichten zeige sich, dass sie spätestens seit dem Jahr 2007 nur noch in
  einem 50 %-Pensum arbeitsfähig gewesen sei. Dieses habe sie während der
  Zeit, als sie bei ihr BVG-versichert gewesen sei, konstant bewältigen können.
  Folglich sei die Arbeitsunfähigkeit, welche zur Teilinvalidität geführt habe,
  vor ihrer Versicherungszeit eingetreten. Auch habe sich die Teilinvalidität
  während ihrer Versicherungszeit nicht vergrössert, sei die Klägerin doch auch
  danach weiterhin zumindest in einem 50 %-Pensum arbeitstätig gewesen. Da
  sie ihre Erwerbstätigkeit seit dem Jahr 2005 nur noch in jenem Teil
  ausgeübt habe, welchen sie erwerblich noch habe verwerten können, sei die
  Teilinvalidität in dem Bereich eingetreten, welcher von keiner Vorsorgeversicherung
  versichert gewesen sei. Daher sei sie nicht leistungspflichtig.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Bei der Klägerin wurden in ihren Jugendjahren eine
  mittelschwere Depression und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung
  diagnostiziert. Beide Diagnosen (oder zumindest der Verdacht auf diese Krankheitsbilder) wurden
  über die Jahre immer wieder gestellt. So diagnostizierte auch Dr. H.______
  in seinem im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren erstellten
  psychiatrischen Teilgutachten vom 23. Dezember 2019 eine emotional
  instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus nach stattgehabtem
  sexuellen Missbrauchserleben in der Kindheit (ICD-10: F60.31), eine
  rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
  psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), eine Aktivitäts- und
  Aufmerksamkeitsstörung im Sinne einer ADHS mit Persistenz im Erwachsenenalter
  (ICD-10: F90.0) und eine Agoraphobie ohne Angabe einer Panikstörung (ICD-10:
  F40.0). Seit mindestens 2002 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als
  kaufmännische Angestellte und als Fachfrau Betreuung. Eine vollständige
  Arbeitsunfähigkeit sei in ihrer angestammten Tätigkeit und in sämtlichen
  Verweistätigkeiten seit Anfang 2016 vorhanden. Aktuell sei sie maximal acht
  Stunden pro Woche als Putzfrau einsetzbar, wobei eine Erhöhung dieses Pensums
  nicht möglich sei. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei einzig in einem
  50 %-Pensum in einem geschützten Rahmen möglich. Der Regionalärztliche
  Dienst im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren stufte dieses Gutachten
  am 12. März 2020 als verwertbar ein und anerkannte gestützt darauf eine
  Verschlechterung des Gesundheitszustands der Klägerin spätestens per Juli
  2016.

  
	
   

  
	
  4.2 Trotz der oben genannten Krankheitsbilder war die
  Klägerin vom 1. September 1994 bis zum 31. August 2001 bei verschiedenen
  Arbeitgebern im Rahmen eines Vollzeitpensums arbeitstätig. Am
  18. Dezember 2001 nahm sie ihre Vollzeit-Tätigkeit für E.______ auf,
  welche sie bis zum 30. September 2002 ausübte. Während dieser Zeit war sie
  bei der Beklagten 1 vorsorgeversichert. Vom 1. Januar 2003 bis zum
  1. Januar 2006 war die Klägerin in einem 80 % Pensum, anschliessend
  bis zum 1. Januar 2007 in einem 65 % Pensum sowie danach bis am
  31. Dezember 2009 in einem 50 % Pensum beim F.______ arbeitstätig.
  Auch während dieser Zeit war sie bei der Beklagten 1 vorsorgeversichert.

  
	
   

  
	
  4.3 In der Folge nahm die Klägerin am 1. Mai 2010 ihre
  Teilzeit-Arbeitstätigkeit als Sachbearbeiterin bei G.______ auf. Im Anschluss
  daran war sie wiederum in einem 60 % Pensum bei der I.______ als
  Sekretärin tätig, wobei dieses Arbeitsverhältnis im gegenseitigen
  Einvernehmen per 31. Mai 2013 beendet wurde. Während ihrer
  Anstellungszeit bei G.______ und I.______ war die Klägerin bei der
  Beklagten 2 vorsorgeversichert.

  
	
   

  
	
  4.4 Aus den Akten ergibt sich weiter, dass die Klägerin
  ab August 2014 bis Ende Januar 2016 bei der J.______ und der K.______ im
  Umfang von 50 – 60 % arbeitstätig war. Im August 2016 nahm sie
  eine neue Arbeitstätigkeit als Betreuerin im L.______ in […] auf, welche sie
  jedoch nach zwei Wochen wieder beendete. In der Folge war sie ab dem 14.
  September 2016 zu 100 % bzw. ab dem 28. September 2016 zu 80 %
  krankgeschrieben, was auch der Regionalärztliche Dienst im
  invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren am 2. März 2017 als nachvollziehbar
  einstufte. Sodann war sie vom 11. März 2018 bis zum 4. Mai 2018 zwecks
  stationärem Aufenthalt in der Klinik M.______ vollständig arbeitsunfähig. Am
  1. September 2018 nahm die Klägerin eine Tätigkeit als Assistenzperson
  in einem 10 %-Pensum auf, welche sie per 24. November 2019
  beendete. Seit dem 7. März 2019 arbeitet sie nun als Putzhilfe für vier
  Stunden pro Woche, wobei sie diese Tätigkeit ab dem 12. September 2019
  um zusätzliche zwei Wochenstunden erhöhte. Am 12. September 2019 attestierte
  Dr. med. N.______, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der Klägerin
  eine Arbeitsfähigkeit in ihrer angestammten Tätigkeit von vier bis acht
  Stunden pro Woche.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  Das Bundesgericht kam in
  seinem Urteil vom 7. September 2018 (Verfahren 9C_856/2017) zum Schluss, dass
  während der Versicherungszeit bei der Beklagten 1, mithin in der Zeit
  vom 1. Januar 2003 bis zum 31. Dezember 2009, bei der Klägerin keine Einbusse
  des funktionellen Leistungsvermögens arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten
  sei. Dies ergebe sich unter anderem daraus, dass sie sich selber gemäss
  Gesundheitserklärung vom 8. Januar 2003 als vollständig arbeitsfähig
  angesehen habe. Zwar habe sie im Jahr 2005 ihr Pensum zuerst auf 65 %
  und anschliessend auf 50 % reduziert, was jedoch in familiären Veränderungen
  (Geburt ihrer Tochter) gegründet habe. Ein anderweitiger Leistungsabfall,
  welcher etwa durch entsprechende Feststellungen oder gar Ermahnungen des
  Arbeitgebers der Klägerin ausgewiesen wäre, ergebe sich aus den Akten nicht.
  Daher sei die Beklagte 1 mangels zeitlicher Konnexität nicht
  leistungspflichtig.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Die Klägerin leidet an psychischen Beschwerden,
  welche dazu führten, dass ihr ab dem 1. April 2012 eine halbe und ab dem 1.
  Oktober 2016 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wurde.
  Im vorliegenden Klageverfahren ist unbestritten, dass die ursprüngliche
  Zusprache der halben Invalidenrente wie auch die Erhöhung auf eine ganze
  Invalidenrente in derselben Erkrankung der Klägerin gründen. Folglich beruht
  die Erhöhung der Invalidenrente der Invalidenversicherung in einer
  Verschlimmerung der vorbestandenen psychischen Beschwerden der Klägerin und
  ist nicht auf neue gesundheitliche Beschwerden zurückzuführen. Dabei ist
  aufgrund des Urteils des Bundesgerichts vom 7. September 2018 in vorliegender
  Angelegenheit erstellt, dass die psychische Erkrankung der Klägerin, welche
  zur Invalidität führte, nicht in der Zeit, in welcher diese bei der
  Beklagten 1 vorsorgeversichert war, arbeitsrechtlich in Erscheinung
  getreten ist. Im vorliegenden Klageverfahren bleibt zu prüfen, ob dies
  während der Versicherungszeit der Klägerin bei der Beklagten 2 eintraf
  und bejahendenfalls, ob diese dadurch leistungspflichtig wird.

  
	
   

  
	
  6.2

  
	
  6.2.1 Wie bereits erwähnt, ist in berufsvorsorgerechtlicher Hinsicht die
  Arbeitsunfähigkeit relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich
  auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss
  arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass der Versicherte an
  Leistungsvermögen eingebüsst hat (vgl. E. II/2.3
  vorne).

  
	
   

  
	
  Aus den Akten
  ergibt sich, dass die Klägerin während ihrer Anstellungszeit bei G.______ ab
  Anfang Oktober 2012 bis zum 30. November 2012 vollständig krankgeschrieben
  war. Anschliessend war sie ab dem 1. Dezember 2012 bis zur Beendigung des
  Arbeitsverhältnisses Ende Januar 2013 im Umfang von 70 % arbeitsunfähig.
  Das Arbeitsverhältnis mit G.______ beendete die Klägerin. Grund dafür war
  eine Auseinandersetzung am Arbeitsplatz, welche dazu führte, dass G.______
  der Klägerin am 24. September 2012 einen Verweis erteilte. Dieser wurde damit
  begründet, dass die Klägerin einen Entscheid der Teamleitung nicht akzeptiert
  und sich an einer Teamsitzung unfreundlich und respektlos gegenüber
  Mitarbeitern verhalten habe, indem sie eine Teamsitzung vorzeitig verlassen
  habe. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit G.______ nahm die Klägerin
  am 1. Februar 2013 eine neue Tätigkeit bei der I.______ in einem
  60 % Pensum auf. Dabei war sie am 27. und 28. März 2013
  vollständig und ab dem 8. April 2013 bis zum 31. Mai 2013 zu 50 – 100 %
  krankgeschrieben. Dieses Arbeitsverhältnis hoben die Klägerin und I.______
  Mitte Mai 2013 im gegenseitigen Einvernehmen während der verlängerten
  Probezeit per 31. Mai 2013 auf.

  
	
   

  
	
  Am 25. April 2013
  und somit noch während des Arbeitsverhältnisses mit I.______ meldete sich die
  Klägerin bei der Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen an. Im Rahmen des invalidenversicherungsrechtlichen
  Verfahrens diagnostizierten lic. phil. O.______,
  Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und P.______, leitender Arzt
  Psychiatrie im Spital Q.______, am 11. Juli 2013 eine
  Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Zügen (ICD-10: F60.31), eine
  rezidivierende mittelgradige depressive Störung (ICD-10: F33.1) sowie eine
  ADHS (ICD-10: F90.0). Die Klägerin sei bei ihnen seit Februar 2007 in
  Behandlung, wobei verschiedene Behandlungsunterbrüche zu verzeichnen seien.
  Die letzte Kontrolle habe am 5. Juli 2013 bzw. am 31. Mai 2013
  stattgefunden. Die psychischen Leiden der Klägerin würden sich auf ihre Arbeit
  insbesondere in dem Sinne auswirken, als dass interpersonale Interaktionen
  erschwert seien, da sich die Klägerin schnell angegriffen und entwertet
  fühle. Ihre Teamfähigkeit sei eingeschränkt, denn es seien ein erhöhtes
  Konfliktpotential und eine Angriffigkeit gegenüber Vorgesetzten und Kollegen
  zum Selbstschutz vorhanden. In ihrer angestammten Tätigkeit sei die Klägerin
  zu 50 % arbeitsunfähig. Entsprechend attestierte
  Dr. med. R.______, RAD-Arzt, der Klägerin am 20. August 2013 eine
  50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten wie auch in einer angepassten
  Tätigkeit. Vom 10. September 2013 bis am 30. September 2013 war die
  Klägerin vollständig arbeitsunfähig.

  
	
   

  
	
  6.2.2 Aus vorstehenden Ausführungen folgt, dass
  die Klägerin während ihrer Anstellungszeit bei G.______ zunächst während
  zweier Monate vollständig und während weiterer zweier Monate zu 70 %
  krankgeschrieben war. Sodann ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
  auszugehen, dass die am Arbeitsplatz bei G.______ entstandene
  Konfliktsituation, welche zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses führte, in
  der psychischen Erkrankung der Klägerin gründete. Denn es kann ohne Weiteres
  davon ausgegangen werden, dass die der Klägerin von deren behandelnden
  Therapeuten O.______ und P.______ attestierte eingeschränkte Teamfähigkeit,
  das erhöhte Konfliktpotential und die Angriffigkeit gegenüber Vorgesetzen und
  Kollegen Einfluss auf deren Verhalten am Arbeitsplatz zeigten und sich
  schliesslich in der dortigen Konfliktsituation realisierten. Zwar war die
  Klägerin im direkt anschliessend bei der I.______ eingegangenen
  Arbeitsverhältnis im Februar 2013 wie auch grösstenteils im März 2013 im
  Rahmen des vereinbarten Arbeitspensums von 60 % arbeitsfähig. Allerdings
  änderte sich dies Ende März 2013, als die Klägerin zunächst für zwei Tage
  vollständig und ab dem 8. April 2013 bis zur Beendigung des
  Arbeitsverhältnisses Ende Mai 2013 zu 50 bis 100 % krankgeschrieben war.
  Dass das Arbeitsverhältnis mit I.______ in der Folge während der Probezeit im
  gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst worden war, ist ebenso auf die
  psychischen Beschwerden und die deswegen erfolgte Krankschreibung der
  Klägerin zurückzuführen. Denn es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
  davon auszugehen, dass es die psychischen Beschwerden der Klägerin im
  damaligen Zeitpunkt verunmöglichten, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen.
  Nichts Anderes ergibt sich aus der Tatsache, dass die Klägerin ihre Anmeldung
  bei der Invalidenversicherung Ende April 2013 und damit während der
  Anstellungszeit bei I.______ vornahm. Daraus kann einzig geschlossen werden,
  dass die Klägerin einsehen musste, dass es ihr aufgrund ihres
  Gesundheitszustands nicht mehr möglich war, eine Arbeitstätigkeit im bisher
  gewohnten Umfang auszuüben. Damit übereinstimmend attestierten der
  behandelnde Arzt und der RAD-Arzt der IV-Stelle der Klägerin auch nach
  Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses mit der I.______ im Sommer 2013 eine
  50%ige Arbeitsunfähigkeit insbesondere in ihrer angestammten Tätigkeit.

  
	
   

  
	
  Folglich ist eine
  Arbeitsunfähigkeit der Klägerin von mindestens 20 % zu der Zeit in
  Erscheinung getreten, als diese bei der Beklagten 2 vorsorgeversichert
  war. Daran ändert im Übrigen nichts, dass die IV-Stelle davon ausging, die
  Arbeitsunfähigkeit der Klägerin sei bereits im Jahr 2002 eingetreten. Denn
  die diesbezüglichen Ausführungen der IV-Stelle beziehen sich auf die Frage
  des Beginns des Wartejahres aufgrund der verspätet eingereichten IV-Anmeldung
  der Klägerin, weshalb diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Rente
  durch die IV-Stelle nicht entscheidend waren. Demnach besteht diesbezüglich
  keine Bindungswirkung (vgl. E. II/2.5 vorne).

  
	
   

  
	
  6.3

  
	
  6.3.1 Der Anspruch auf Invalidenleistungen der
  beruflichen Vorsorge setzt weiter einen engen sachlichen und zeitlichen
  Zusammenhang zwischen der während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses
  (einschliesslich der Nachdeckungsfrist nach Art. 10 Abs. 3 BVG)
  bestandenen Arbeitsunfähigkeit und der allenfalls erst später eingetretenen
  Invalidität voraus. Der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt
  hat, muss daher von der Art her im Wesentlichen derselbe sein, der der
  Erwerbsunfähigkeit zu Grunde liegt (BGE 134 V 20 E. 3.2).

  
	
   

  
	
  6.3.2 Sowohl die Krankschreibung der Klägerin ab Oktober
  2012 bis im Frühjahr 2013 wie auch die später teilweise bzw. ganz
  eingetretene Invalidität der Klägerin gründen in ihrer psychischen
  Erkrankung, womit der sachliche Zusammenhang gegeben ist. Daran ändert
  nichts, dass der sachliche Zusammenhang auch zu der Zeit vorhanden war, als
  die Klägerin bei der Beklagten 1 vorsorgeversichert war. Denn es ist
  entscheidend, dass sich die Arbeitsunfähigkeit effektiv und konkret auf das
  Arbeitsverhältnis auswirkt, sich mit anderen Worten arbeitsrechtlich
  offenbart (vgl. BGer-Urteil B 7/06 vom 9. März 2007
  E. 4.2). Dies ist während der Versicherungszeit bei der Beklagten 2
  eingetreten (vgl. E. II/6.2.2 vorne), nicht jedoch zur Versicherungszeit bei
  der Beklagten 1, was das Bundesgericht in seinem Urteil vom
  7. September 2018 in vorliegender Sache einlässlich begründet hat und
  woran das Verwaltungsgericht gebunden ist.

  
	
   

  
	
  Es ist folglich mit
  überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem engen sachlichen Zusammenhang
  zwischen der Arbeitsunfähigkeit der Klägerin ab Oktober 2012 und der heutigen
  Invalidität der Klägerin auszugehen. Zu prüfen bleibt, ob der zeitliche
  Zusammenhang zur Versicherungszeit bei der Beklagten 2 ebenfalls zu
  bejahen ist.

  
	
   

  
	
  6.4

  
	
  6.4.1 Zwischen der während der Dauer des
  Vorsorgeverhältnisses bestandenen Arbeitsunfähigkeit und der später
  eingetretenen Invalidität wird auch ein zeitlicher Zusammenhang
  vorausgesetzt. Der Versicherte darf daher nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit,
  deren Ursache zur Invalidität geführt hat, nicht während längerer Zeit wieder
  voll arbeitsfähig gewesen sein. Bei der Prüfung dieser Frage sind die
  gesamten Umstände des konkreten Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich
  die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch den
  Arzt sowie die Beweggründe, welche den Versicherten zur Wiederaufnahme oder
  Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGer-Urteil 9C_340/2016 vom
  21. November 2016 E. 4.1). Der zeitliche Konnex zwischen der
  während des Vorsorgeverhältnisses eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der
  späteren Invalidität wird unterbrochen, wenn während mehr als drei Monaten
  eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten
  Erwerbstätigkeit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.4 f.).

  
	
   

  
	
  6.4.2 Die Klägerin meldete sich erst am 25. April 2013
  und damit nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit G.______ bei der
  Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Somit bezog die Klägerin während
  ihrer Versicherungszeit bei der Beklagten 2 und damit insbesondere beim
  Eintritt in die Beklagte 2 im Mai 2010 noch keine Teilrente der
  Invalidenversicherung. Daher ist die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum
  Beitritt Teilinvalider zu einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung
  (vgl. BGE 123 V 262) vorliegend nicht einschlägig.
  Stattdessen liegt kein echtzeitliches Arztzeugnis bei den Akten, welches der
  Klägerin im Mai 2010 eine Arbeitsunfähigkeit attestieren würde, womit davon
  auszugehen ist, dass die Klägerin bei Aufnahme ihrer Arbeitstätigkeit für G.______
  vollständig erwerbsfähig war. Zwar hat die Klägerin auf dem
  Gesundheitsfragebogen der Beklagten 2 angegeben, in der Vergangenheit
  bereits an psychischen Problemen gelitten gehabt zu haben, was die
  Beklagte 2 dann auch dazu veranlasste, Abklärungen über den
  Gesundheitszustand der Klägerin zu treffen. Dabei stufte die leitende Ärztin
  Psychiatrie des Spitals Q.______, S.______, den psychischen Gesundheitszustand
  der Klägerin als stabil ein und verneinte die Frage nach der vorzeitigen
  Invalidität. Daher nahm die Beklagte 2 die Klägerin in der Folge
  vorbehaltlos in ihre Versicherung auf, was sie ihr entsprechend schriftlich
  zusicherte. Eine solche, in schriftlicher Form ergangene Aufnahmebestätigung
  einer Pensionskasse ist geeignet, zwischen den Parteien vorsorgerechtliche
  Wirkungen zu entfalten (vgl. BGer-Urteil B 101/02 vom
  22. August 2003 E. 4.4). Denn eine solche Bestätigung kann seitens
  der Klägerin nur so verstanden werden, dass die Beklagte 2 zusicherte,
  der Klägerin die bei ihr versicherten Leistungen bei Eintritt eines
  Versicherungsfalls zu entrichten, wozu eben auch Leistungen aus Invalidität
  gehören.

  
	
   

  
	
  6.4.3 Nachdem die Klägerin während der Dauer des
  Arbeitsverhältnisses mit G.______ von Anfang Oktober 2012 bis Ende Januar
  2013 vollständig bzw. zu 70 % krankgeschrieben war, arbeitete sie
  für I.______ fast zwei Monate im vereinbarten 60 %-Pensum. Anschliessend
  wurde dieses Arbeitsverhältnis indessen von Krankschreibungen von
  50 – 100 % überlagert. Im Anschluss daran ist keine
  Wiederaufnahme einer neuen Erwerbstätigkeit im Jahr 2013 aktenkundig.
  Stattdessen ergibt sich aus den Akten, dass die Klägerin im Verlauf des
  Jahres 2013 abermals krankgeschrieben werden und sich aufgrund ihrer
  psychischen Probleme behandeln lassen musste. Überdies bezog sie ab Juni 2013
  Taggeldleistungen der Arbeitslosenversicherung, welchen ihr versicherter
  Verdienst im zuvor ausgeübten 60 %-Arbeitspensum zugrunde lag. Mitte August
  2014 nahm die Klägerin sodann eine neue, befristete Arbeitstätigkeit mit
  einem Arbeitspensum von 50 % auf, welche sie bis Ende Januar 2016
  ausübte. Parallel dazu wurde sie im August 2014 in einem kleinen Pensum von
  der K.______ angestellt. Seit Juli 2016 besteht jedoch eine vollständige
  Arbeitsunfähigkeit der Klägerin in der angestammten wie auch in einer
  angepassten Tätigkeit, weshalb ihr seit 1. Oktober 2016 eine volle
  Invalidenrente der Invalidenversicherung zusteht.

  
	
   

  
	
  Aus obigen Ausführungen
  ergibt sich, dass die Klägerin nach dem Eintritt ihrer Arbeitsunfähigkeit
  zwar kurzzeitig Leistungen der Arbeitslosenversicherung bezogen sowie im
  August 2014 eine Arbeitsstelle in einem 50%-Pensum aufgenommen hat. Doch
  haben sich im Verlaufe dieser Zeit die psychischen Beschwerden der Klägerin
  verschlechtert, was zu deren Erwerbsunfähigkeit ab Juli 2016 führte. Die
  Klägerin war seit dem Eintritt ihrer Arbeitsunfähigkeit im Oktober 2012 zu
  keinem Zeitpunkt mehr voll bzw. in einem Umfang von mehr als 80 %
  erwerbstätig gewesen, sodass die zeitliche Konnexität zwischen der
  Arbeitsunfähigkeit und der daraus resultierenden Invalidität jedenfalls nicht
  unterbrochen wurde.

  
	
   

  
	
  6.5 Zusammenfassend ist die Arbeitsunfähigkeit der
  Klägerin aufgrund ihrer psychischen Beschwerden während der bei der
  Beklagten 2 bestehenden Versicherungszeit arbeitsrechtlich in
  Erscheinung getreten. Da überdies der sachliche wie auch der zeitliche
  Zusammenhang zwischen der Erwerbsunfähigkeit und der daraus resultierenden
  Invalidität zu bejahen sind, steht der Klägerin ab 1. Oktober 2016 eine
  Invalidenrente, basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %, der
  Beklagten  2 zu.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Im Bereich der beruflichen
  Vorsorge anerkennt die bundesgerichtliche Rechtsprechung die Pflicht zur
  Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
  Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines
  Alterskapitals oder bei Invalidenrenten. Enthalten die Statuten keine
  Bestimmungen über die Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5 % gemäss
  Art. 104 Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR). Der
  Beginn der Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR,
  wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst
  vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an
  Verzugszinsen zu bezahlen hat (BGE 119 V 131 E. 4a;
  Hans-Ulrich Stauffer, in Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.],
  Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge, 4. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2019, S. 108). Die Klägerin reichte die vorliegend zu
  beurteilende Klage am 20. Mai 2016 (Datum der Postaufgabe) ein. Allerdings
  besteht der Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte 2 auf Ausrichtung
  einer ganzen Rente erst seit dem 1. Oktober 2016, weshalb von diesem
  Zeitpunkt an Verzugszinsen in der Höhe von 5 % (Art. 104
  Abs. 1 OR) geschuldet sind.

  
	
   

  
	
  8. 

  
	
  Dies führt zur Abweisung
  der gegen die Beklagte 1 erhobenen Klage. Die Klage gegen die
  Beklagte 2 ist hingegen gutzuheissen und der Klägerin ist ab 1. Oktober
  2016 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 %,
  zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2016, zuzusprechen. Die Sache ist
  an die Beklagte 2 zur betragsmässigen Festsetzung der Invalidenrente zu
  überweisen.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Die Klägerin hat die von
  ihr gestellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
  der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zurückgezogen, weshalb diese als
  durch Rückzug erledigt abzuschreiben sind.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 73 Abs. 
  BVG). Sodann hat die obsiegende Klägerin gemäss Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG zu
  Lasten der Beklagten 2 einen Anspruch auf eine angemessene
  Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3'000.-
  (inkl. Mehrwertsteuer).

  
	
  Demgemäss beschliesst die Kammer:

  
	
  Die
  Gesuche der Klägerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
  unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden als durch Rückzug erledigt
  abgeschrieben.

  
	
  und erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Klage gegen die Beklagte 1 wird abgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Klage gegen die Beklagte 2 wird gutgeheissen. Die Beklagte 2 wird
    verpflichtet, der Klägerin ab 1. Oktober 2016 eine Invalidenrente basierend
    auf einem Invaliditätsgrad von 100 %, zuzüglich Zins zu 5 % seit
    1. Oktober 2016, zu bezahlen. Zur betragsmässigen Festsetzung der
    Invalidenrente wird die Sache an die Beklagte 2 überwiesen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    4.

    	
    Die
    Beklagte 2 wird verpflichtet, der Klägerin innert 30 Tagen nach
    Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-
    (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]