# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ead6ff92-fa09-569e-8e2b-ec8a2c0737d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.09.2009 D-5997/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5997-2006_2009-09-25.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5997/2006
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 5 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier; 
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Emil Robert Meier, Rechtsanwalt, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 31. Mai 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5997/2006

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  Staatsangehöriger  aus  Sri  Lanka  tamili-
scher  Ethnie,  christlichen  Glaubens  aus  B._______  (Zentralprovinz) 
mit  letztem  Wohnsitz  in  Colombo,  suchte  am  26. April  2006  in  der 
Schweiz um Asyl nach.

B.
Am 10. Mai  2006  erhob  das  BFM im  Empfangszentrum (heute  Em-
pfangs-  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  Kreuzlingen  die  Personalien 
des Beschwerdeführers und befragte ihn summarisch zum Reiseweg 
und zu den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Am 29. Mai 
2006 hörte ihn das BFM ausführlich zu seinen Asylgründen an.

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen geltend,  er sei Textilhändler und habe Waren mit einem 
Van  unter  anderem  nach  Vavuniya  und  Trincomalee  gebracht.  In 
Vavuniya habe ihn ein Kunde gebeten, einen Jungen zu Verwandten in 
Colombo mitzunehmen, der nicht Singhalesisch sprechen könne. Am 
6. März 2006 habe er ihn mitgenommen. Während der Fahrt habe ihm 
der Junge erzählt,  dass er  von der  Liberation Tigers of  Tamil  Eelam 
(LTTE) zwangsrekrutiert  worden und aus Vanni geflüchtet  sei. Als er 
am 10. März  2006  wieder  nach  Vavuniya  gefahren  sei,  um Geld  zu 
kassieren,  habe er  von Kunden erfahren,  dass Karunas Leute  seine 
Autonummer  notiert  hätten  und  er  gesucht  werde.  Er  habe  grosse 
Angst  gekriegt  und  sei  nach  Colombo  zurückgekehrt.  Am  15. März 
2006 seien vier Personen aus der Karuna-Gruppe oder einer anderen 
Untergruppierung in einem weissen Van bei ihm zu Hause erschienen. 
Da er zu diesem Zeitpunkt in Negombo gewesen sei,  hätten sie von 
seiner Frau wissen wollen, wo er sich aufhalte und wo der Junge, den 
er von Vavuniya nach Colombo gebracht habe, sei. Sie solle ihm aus-
richten,  er  müsse  den  Jungen  bis  am  30. März  2006  aushändigen, 
sonst  würde  er  lebensbedrohliche  Schwierigkeiten  bekommen  und 
zwangsweise mitgenommen. Am folgenden Tag habe er sich nochmals 
zum Haus begeben, wo er den Jungen hingebracht habe, aber es sei 
verschlossen gewesen. Aus Angst um sein Leben habe er am 18. April 
2006 Sri Lanka mit Thai Air verlassen und sei via Bangkok und Rom 
am 26. April 2006 in die Schweiz eingereist.

C.
Mit  gleichentags  eröffneter  Verfügung  vom 31. Mai  2006  stellte  das 

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BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg-
weisung aus der Schweiz und forderte den Beschwerdeführer – unter 
Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz 
bis zum 26. Juli 2006 zu verlassen.

D.
Mit Eingabe vom 30. Juni 2006 liess der Beschwerdeführer gegen die-
se Verfügung mittels seines Rechtsvertreters bei der damals zustän-
digen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde er-
heben und beantragen, der Entscheid des BFM vom 31. Mai 2006 sei 
aufzuheben und der Fall an das BFM zurückzuweisen. Eventualiter sei 
dem  Beschwerdeführer  Asyl  zu  gewähren;  subeventualiter  sei  von 
einer Wegweisung abzusehen und ihm die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen.

E.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2006 stellte der Instruktionsrichter der ARK 
fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz  abwarten  und  forderte  ihn  auf,  einen  Kostenvorschuss  zu 
bezahlen.

F.
Der Beschwerdeführer zahlte am 24. Juli  2006 den Kostenvorschuss 
ein.

G.
Am 31. Juli 2006 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter eine vom Dorfvorsteher C._______ in Colombo bestätigte Be-
schwerde seiner Ehefrau in Kopie mit  Übersetzung ein. Das Original 
reichte  er  am 10. August  2006 zusammen mit  einem Schreiben des 
Friedensrichters D._______ nach.

H.
Am  17. August  2006  überwies  der  Instruktionsrichter  der  ARK  dem 
BFM die Beschwerdeakten zur Vernehmlassung.

I.
In der Vernehmlassung vom 12. September 2006 beantragte das BFM 
die Abweisung der Beschwerde.  Der Instruktionsrichter der ARK gab 
dem Beschwerdeführer am 15. September 2006 die Gelegenheit, eine 
Stellungnahme zur Vernehmlassung einzureichen.

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J.
Mit  Eingabe vom 2. Oktober  2006 nahm der  Beschwerdführer  durch 
seinen Rechtsvertreter zur Vernehmlassung des BFM Stellung.

K.
Am  11. Oktober  2006  reichte  der  Beschwerdeführer  ein  Schreiben 
seiner Tochter vom 9. Oktober 2006 mit  Unterlagen ihres Arbeitsver-
hältnisses in Kopie zu den Akten. Am 5. Dezember 2006 reichte er die 
Originale nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Ge-
biet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung  der  bei  der  ARK  am  31. Dezember  2006  hängig  gewesenen 
Rechtsmittel  übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar 
(vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

1.4 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders  be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 

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und Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Den erhobenen Kosten-
vorschuss  hat  der  Beschwerdeführer  am  24. Juli  2006 innert  ange-
setzter Frist geleistet. Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

2.
2.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

2.2 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bzw. mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  be-
fürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfol-
gungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaat-
liche Akteure zugefügt worden sind bzw. zugefügt zu werden drohen 
(vgl. Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2008/4 E. 5.2 
S. 37; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 
2005  Nr. 21  E. 7  S. 193).  Aufgrund der  Subsidiarität  des  flüchtlings-
rechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 
ausserdem voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem Heimatland 
keinen  ausreichenden  Schutz  finden kann (vgl. BVGE 2008/4  E. 5.2 
S. 37 f.;  EMARK  2006  Nr. 18  E. 10  S. 201  ff.;  EMARK  2005  Nr. 21 
E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung 
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Aus-
reise vorhandenen Verfolgung oder  begründete Furcht  vor einer  sol-
chen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im 
Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht eben-
falls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimat-
staat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten 
und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksich-
tigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20; 
WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 

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Ausländerrecht,  Basel/Bern/Lausanne  2009,  Rz. 11.17  und  11.18; 
WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, 
S. 135 ff.).

3.
3.1 Das Bundesamt  lehnte  das  Asylgesuch mit  der  Begründung ab, 
die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht asylrelevant. 

Im Einzelnen führte es aus, bei der vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten  Bedrohung  durch  Karuna-Leute  oder  Personen  anderer 
Untergruppierungen handle es sich um Übergriffe Dritter. Auch für von 
Übergriffen  der  Karunaorganisation  oder  Untergruppierungen  betrof-
fene  Personen sei  es  möglich  und zumutbar,  bei  den  sri-lankischen 
Behörden um Schutz nachzusuchen. Darüber hinaus bestehe die Mög-
lichkeit,  sich  an  die  mit  der  Überwachung  des  Waffenstillstandsab-
kommens  beauftragte  Sri  Lanka  Monitoring  Mission  (SLMM)  oder 
andere unabhängige Organisationen wie beispielsweise das Internatio-
nale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) oder die Human Rights Com-
mission (HRC) zu wenden, um Unterstützung bei Bedrängungen durch 
die Karuna-Leute oder Untergrundsgruppierungen zu erhalten. Da der 
Beschwerdeführer  es  unterlassen  habe,  die  Behörden  oder  andere 
Organisationen über sein Schutzbedürfnis zu informieren, würden die 
geltend  gemachten  Nachteile  nicht  dem  sri-lankischen  Staat  zuge-
rechnet werden können und seien folglich gemäss Art. 3 AsylG nicht 
asylrelevant. Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei.

3.2 In der Beschwerde wird demgegenüber im Wesentlichen geltend 
gemacht,  gemäss  dem  Grundsatzurteil  der  ARK  vom  8. Juni  2006 
könne auch die Verfolgung durch nichtstaatliche Behörden asylrelevant 
sein. Im vorliegenden  Fall  werde  der  Beschwerdeführer  von  Mitglie-
dern der Karuna-Gruppe mit dem Tod bedroht. Nachdem die Karuna-
Gruppe in Sri Lanka praktisch landesweit aktiv sei und insbesondere 
auch in der Hauptstadt Colombo während des letzten  halben Jahres 
diverse  Leute  umgebracht  habe bzw. umbringen liesse,  sei  die  Ver-
folgungsgefahr durch nichtstaatliche Gruppen beim Beschwerdeführer 
klar gegeben. Dass die Gefahr ernsthaft zu betrachten sei, ergebe sich 
daraus,  dass  einerseits  ein  zeitliches  Ultimatum gesetzt  worden  sei 
und  dass  nach  Ablauf  dieses  Ultimatums  Mitglieder  der  Karuna-
Gruppe  bereits  drei  Mal  bei  der  Familie  des  Beschwerdeführers  er-
schienen seien. Richtig sei zwar, dass der Beschwerdeführer bei den 
staatlichen Behörden nicht um Schutz gegen die drohende Verfolgung 

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durch die Karuna-Gruppe ersucht habe. Aufgrund der politischen Lage 
in Sri Lanka hätte ein solches Ersuchen aber einerseits nicht gefruch-
tet  und  andererseits  den  Beschwerdeführer  wahrscheinlich  selbst 
strafrechtlicher Verfolgung ausgesetzt. Aufgrund der politischen Lage 
in Sri Lanka sei davon auszugehen, dass die Karuna-Gruppe derzeit 
von  der  Regierung  und  von  den  sri-lankischen  Behörden  geduldet, 
wenn nicht gefördert werde. Die Regierung habe ein Interesse daran, 
dass  die  LTTE durch die  von ihr  abgespaltenen Karuna-Gruppe ge-
schwächt werde und so der Konflikt auf Tamilen untereinander abge-
schoben werde. Dies spiegle sich darin, dass Mitglieder der Karuna-
Gruppe selbst  in der Hauptstadt  Colombo agieren könnten. Die Dul-
dung  bzw. Förderung  der  Karuna-Gruppe  beinhalte,  dass  die  staat-
lichen  Behörden  Anzeigen  von  betroffenen  Personen  gegen  die 
Karuna-Gruppe  nicht  oder  zumindest  nicht  mit  Ernsthaftigkeit  nach-
gehe, zumal wenn es sich um Übergriffe der Karuna-Gruppe auf tami-
lische  Bürger  handle.  Eine  Schutzgewährung  durch  die  staatlichen 
Organe  wäre  dem  Beschwerdeführer  deshalb  verschlossen.  Hinzu 
komme, dass der Beschwerdeführer, hätte er  gleichwohl Anzeige er-
stattet, sich der Gefahr staatlicher Verfolgung ausgesetzt hätte. Indem 
der  Beschwerdeführer  ein  16-jähriges  LTTE-Mitglied  von  Vavuniya 
nach Colombo gebracht habe und dieses LTTE-Mitglied wenige Tage 
danach schon "untergetaucht" sei, hätte für die staatlichen Behörden 
der  Verdacht  bestanden,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  Infiltration 
von Selbstmordattentätern o.ä. mitgewirkt habe. Der Beschwerdeführer 
hätte  deshalb  mit  einer  Anzeige  riskiert,  selbst  verfolgt  zu  werden. 
Nicht  ersichtlich sei,  inwiefern der Beschwerdeführer Schutz von der 
SLMM, dem IKRK oder der HRC hätte erhalten können. Gerade die 
derzeitige Entwicklung in Sri Lanka zeige auf, dass die SLMM faktisch 
bedeutungslos geworden sei. Von den unabhängigen Organisationen 
(IKRK, HRC) könne - mangels Machtmittel  - ohnehin kein wirksamer 
Schutz erwartet werden. Das BFM hätte unter diesen Umständen den 
Beschwerdeführer als Flüchtling anerkennen müssen, zumindest aber 
hätte das BFM seine Vorbringen auf ihre Asylrelevanz hin prüfen müs-
sen, statt  infolge Negierung der Relevanz nichtstaatlicher  Verfolgung 
das Asylgesuch von vornherein abzulehnen. Da eine solche Prüfung 
bisher unterblieben sei, sei der Fall an die Vorinstanz zurückzuweisen, 
eventualiter sei ihm auf Beschwerdeebene Asyl zu gewähren.

Schliesslich  wird  in  der  Beschwerde  die  Begründung  des  Asylge-
suches ergänzt und ausgeführt, dass der Beschwerdeführer bereits im 
April 2004 Probleme mit einer tamilischen Gruppe, vermutlich Mitglie-
dern  der  LTTE gehabt  habe. Im Trincomalee-Distrikt  sei  er  von den 

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Rebellen mit seinem Wagen angehalten worden. Unter Waffendrohung 
habe man ihm sein ganzes Geld weggenommen und ihm mit der Er-
mordung gedroht, sofern er zur Polizei gehe. Nach dem Tsunami habe 
er  grössere  Spenden  für  die  Tamilen  des  Nordens  und  des  Ostens 
gemacht.  Der  Beschwerdeführer  nehme  an,  dass  die  Behörden  da-
rüber informiert gewesen seien.

3.3 In  der  Vernehmlassung vom 12. September  2006 hielt  das  BFM 
fest,  beim Beschwerdeführer handle es sich um einen aus Colombo 
stammenden Tamilen, der eigenen Angaben zufolge politisch nie aktiv 
gewesen sei  und auch nie  irgendeiner  Organisation  oder  Partei  an-
gehört  habe.  Sein  einziges  "Vergehen"  bestehe  darin,  einen  16-
jährigen Jungen, der aus der LTTE desertiert sei, mit dem Wagen nach 
Colombo gebracht zu haben. Es sei nicht davon auszugehen, dass er 
allein  deswegen  ernsthafte  Probleme  mit  der  Karuna-Fraktion  der 
LTTE oder  einer  anderen Gruppierung  erhalte. Zum einen  könne er 
nämlich der Karuna-Fraktion erklären, weshalb er den Jungen mitge-
nommen habe. Zum anderen sei nicht ersichtlich, welches besondere 
Interesse die Karuna-Fraktion an dem noch minderjährigen Deserteur 
haben sollte,  verfüge dieser doch aufgrund seines Alters  und seiner 
vergleichsweise kurzen Mitgliedschaft bei der LTTE über kein beson-
deres  Profil.  Vor  diesem  Hintergrund  befinde  sich  der  Beschwerde-
führer kaum im Visier der Karuna-Fraktion oder einer anderen Grup-
pierung. Ausserdem habe er die Möglichkeit, sich allfälligen weiteren 
Behelligungen  seitens  der  Anhänger  Karunas  durch  Verlegung  des 
Wohnsitzes  in  einen  anderen  Stadtteil  oder  in  die  Umgebung  von 
Colombo  oder  aber  nach  F._______,  wo  seine  Mutter  lebe,  zu 
entziehen.  Überdies  hätte  er  sich  auch  an  die  sri-lankischen 
Sicherheitskräfte  wenden  können,  damit  diese  mit  der  Karuna-
Fraktion,  mit  welcher  sie  Beziehungen  unterhalten  würden,  das 
Gespräch  suchen  würden.  Im  Übrigen  gelte  es  anzumerken,  dass 
vorliegend  zumindest  gewisse  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  der 
Vorbringen des Beschwerdeführers existieren würden. Der Junge soll 
vor  rund  zwei  Jahren,  also  im  Frühjahr  2004,  von  der  LTTE 
zwangsrekrutiert  worden  und  im  März  2006  aus  dem  Vanni-Gebiet 
geflohen sein. Im Frühjahr  2004 sei  es aber  zur  Spaltung der  LTTE 
gekommen.  Karuna  habe  in  der  Folge  viele  seiner  Anhänger  nach 
Hause geschickt, insbesondere zahlreiche Minderjährige. Daher sei es 
kaum möglich,  dass  der  Junge  der  Karuna-Fraktion  angehört  habe. 
Auch der Umstand, dass er aus dem Vanni-Gebiet geflohen sei, sei ein 
klares  Indiz  dafür,  dass  er  der  von  Prabhakaran  befehligten  LTTE-
Fraktion  angehört  habe.  Somit  würden  die  geltend  gemachten 

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Verfolgungsmassnahmen  seitens  der  Karuna-Fraktion  keinen  Sinn 
machen.

3.4 In der Replik vom 2. Oktober 2006 wird im Wesentlichen geltend 
gemacht,  es  sei  illusorisch,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  an  die 
staatlichen Stellen wenden könnte, damit diese das Gespräch mit der 
Karuna-Gruppe suchen würden. Die staatlichen Stellen hätten bisher 
jede  Zusammenarbeit  mit  der  Karuna-Gruppe  in  Abrede  gestellt, 
selbst wenn diese notorisch sei. Vor diesem Hintergrund sei eine Hilfe 
vom Staat  nicht  zu erhalten,  wie auch die zwischenzeitlich eingetre-
tenen  neuen  Umstände  aufzeigen  würden. Die  Karuna-Leute  hätten 
seine  Familie  mehrmals  nach  dem  Verbleib  des  Beschwerdeführers 
gefragt und sie mit  Waffen bedroht. Seine Tochter, die bei der Fern-
sehstation E._______ arbeite, habe deshalb aus Angst ihre Arbeit auf-
geben müssen. Am 14. Juli 2006 sei sein Haus von Soldaten der sri-
lankischen Armee nach Mitternacht überprüft  worden. Seine Ehefrau 
sei von ihnen ebenfalls nach seinem Verbleib befragt worden, weil er 
einvernommen werden müsse. Aufgrund dieser neuen Umstände er-
gebe  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  weiterhin  gesucht  werde.  In 
erster  Linie dürften dies Leute von der Karuna-Gruppe sein. Die be-
hördliche Kontrolle  zeige aber  auf,  dass der Beschwerdeführer  auch 
im Visier der sri-lankischen Sicherheitskräfte stehe.

4.
Der in der Beschwerde zur Begründung des Hauptantrages erhobene 
Einwand, das BFM habe durch die Negierung der Relevanz nichtstaat-
licher  Verfolgung  die  Asylrelevanz  der  Vorbringen  des  Beschwerde-
führers nicht  geprüft,  ist  nicht  stichhaltig. Das BFM hat  in der ange-
fochtenen  Verfügung  nicht  behauptet,  nichtstaatliche  Verfolgung  sei 
asylrechtlich  nicht  relevant,  wie  dies  in  der  Beschwerde  unterstellt 
wird.  Indem  es  in  der  Begründung  ausdrücklich  festhält,  dass  eine 
asylrechtliche  Verfolgung  bei  Übergriffen  durch  Dritte  nur  vorliege, 
wenn  der  Staat  trotz  bestehender  Schutzpflicht  und  Schutzfähigkeit 
den erforderlichen Schutz nicht gewähre, hat es klar deklariert,  dass 
nichtstaatliche  Verfolgung  grundsätzlich  asylrechtlich  relevant  sein 
kann. Aus seiner weiteren Begründung geht  denn auch hervor, dass 
das  BFM  die  asylrechtliche  Relevanz  der  geltend  gemachten  Über-
griffe  durch  Leute  der  Karuna-Fraktion  oder  anderer  Untergrunds-
gruppierungen  nicht  deshalb  verneinte,  weil  es  sich  bei  diesen  um 
nichtstaatliche  Akteure  handelt,  sondern  weil  es  davon ausging,  die 
sri-lankischen Behörden seien in der Lage, den Beschwerdeführer vor 
Übergriffen dieser Leute zu schützen, und er diesen Schutz auch hätte 

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in Anspruch nehmen können. Es kann mithin keine Rede davon sein, 
dass  BFM  habe  die  Asylrelevanz  der  Vorbringen  des  Beschwerde-
führers nicht geprüft, weshalb auch kein Grund besteht, die Sache an 
die Vorinstanz zwecks ergänzender Sachverhaltsaufnahme und neuem 
Entscheid zurückzuweisen.

5.
5.1 Der  Beschwerdeführer  machte  zur  Begründung  seines  Asylge-
suchs  hauptsächlich  geltend,  höchstwahrscheinlich  von  der  Karuna-
Fraktion oder einer anderen Untergruppierung verfolgt worden zu sein. 
Das  BFM  bezeichnete  die  Vorbringen  zur  Asylbegründung  des  Be-
schwerdeführers in der Verfügung vom 31. Mai 2006 nicht als unglaub-
haft, erachtete diese aber als nicht asylrelevant. Im Rahmen der Ver-
nehmlassung hat das BFM lediglich - ohne dabei die Glaubhaftigkeit 
seiner Vorbringen zu verneinen - gewisse Zweifel an der Glaubhaftig-
keit  der  geltend  gemachten  Verfolgungsmassnahmen  seitens  der 
Karuna-Fraktion  angebracht,  mit  der  Begründung,  diese  ergäben 
keinen Sinn, da der Junge, den er mitgenommen haben soll, kaum der 
Karuna-Fraktion angehört haben könne, da die Indizien eher für desse 
Zugehörigkeit  zu  der  von  Prabhakaran  befehligten  LTTE-Fraktion 
sprechen würden. 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Urteil BVGE 2008 Nr. 2 
vom 14. Februar 2008 einlässlich mit der damaligen Lage in Sri Lanka 
befasst und stellte dabei fest, dass sich seit Januar 2006 die Sicher-
heitslage kontinuierlich verschlechtert  habe, dies auch im  Grossraum 
Colombo.  Aufgrund  der  damals  wieder  aufgeflammten  Konflikte, 
namentlich  zwischen  den  LTTE,  der  Karuna-Gruppe  und  den  sri-
lankischen  Sicherheitskräften  würden sich  die  Existenzmöglichkeiten 
für die tamilische Bevölkerungsgruppe als sehr schwierig erweisen. So 
sei  die  Regierung  selbst  in  Colombo  nicht  in  der  Lage  und  nicht 
willens, den dort lebenden Tamilen, Schutz vor zielgerichteter Gewalt 
und  Menschenrechtsverletzungen  durch  die  LTTE  zu  bieten  (vgl. 
BVGE  2008/2  E. 7.3  S. 17  ff.).  Die  vermehrt  vorkommenden 
Entführungen mit weissen Vans, seien seitens der Sicherheitskräfte oft 
passiv  geduldet  worden.  Die  von  Karuna  geführten  Milizen  durften 
dabei offensichtlich sogar auf die Hilfe des sri-lankischen Militärs zäh-
len. Auffallend sei in diesem Zusammenhang vor allem die Untätigkeit 
der Behörden bei der Aufklärung von Verbrechen (vgl. a.a.O. E. 7.2.4 
S. 15 f.). Auf Grund dieser Umstände ist dem Beschwerdeführer, wie in 
der Beschwerde zu Recht geltend gemacht wird, unabhängig davon, 
ob  die  geltend  gemachten  Drohungen  von  der  Karuna-  oder  der 

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Prabhakaran-Fraktion ausgingen, kein Vorwurf zu machen, dass er die 
staatlichen Behörden nicht um Schutz ersuchte.

5.3 Soweit in der Replik geltend gemacht wird, der Beschwerdeführer 
sei auch ins Visier der sri-lankischen Sicherheitsbehörden geraten, ist 
folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer lebte mehrere Jahre in 
Colombo, war weder religiös noch politisch tätig und er gab anlässlich 
der Befragung im EVZ an, bis anhin keine Probleme mit den Behörden 
gehabt  zu  haben. Am 18. April  2006 ist  er  zudem legal  mit  seinem 
Pass  über  den  Flughafen  von  Colombo  ausgereist  (vgl.  act. A1/10 
S. 7). Der Umstand, dass der Beschwerdeführer nach dem Tsunami im 
Dezember 2004 den Tamilen im Norden Spenden zukommen liess, hat 
somit  offenbar  zu  keinerlei  Reaktionen der  Behörden geführt.  Es  ist 
somit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Aus-
reise am 18. April 2006 von den sri-lankischen Sicherheitskräften nicht 
gesucht  wurde. Im Übrigen besteht  vor diesem Hintergrund und an-
gesichts des Profils des Beschwerdeführers auch kein Grund zur An-
nahme,  bei  der  angeblich  am  14.  Juli  2006  erfolgten  Überprüfung 
seines Hauses durch die sri-lankische Armee habe es sich um eine 
gezielt  gegen  den  Beschwerdeführer  gerichtete  Massnahme  gehan-
delt.

6.
6.1 Wie bereits erwähnt,  ist für die Beurteilung der Flüchtlingseigen-
schaft  die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheids  massgebend 
(E. 2.2). Entscheidend ist somit,  ob die geltend gemachte Verfolgung 
durch die Karuna- bzw. die Prabhakaran-Fraktion aktuell noch begrün-
det  erscheint. Dabei  ist  eine allenfalls  eingetretene  Veränderung der 
objektiven  Situation  im Heimatland  seit  der  Ausreise  zu  berücksich-
tigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.).

6.2 Nach  Erlass  des  Urteils  vom  14. Februar  2008  hat  sich  die 
Situation weiter verändert. Der bewaffnete Konflikt  hat sich zwischen 
der unter Präsident Rajapakse massiv aufgerüsteten Armee und den 
zunehmend  dezimierten  Truppen  der  LTTE  im  Vanni-Gebiet  (Nord-
provinz)  weiter  zugespitzt  und  einen  immer  höheren  Blutzoll  auch 
unter der Zivilbevölkerung gefordert. Nachdem die sri-lankische Armee 
das letzte von den tamilischen Rebellen kontrollierte Gebiet im Raum 
Mullaitivu zurückerobert  hatte, verkündete ihr Chef in einer Fernseh-
ansprache am 18. Mai 2009 den endgültigen Sieg im Krieg gegen die 
LTTE. In  der  Folge erklärte  die sri-lankische Regierung den Bürger-
krieg offiziell für beendet. In den letzten Tagen des Bürgerkrieges war 

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nahezu die  gesamte Führung der LTTE getötet  worden. In  einer  am 
24. Mai 2009 veröffentlichten Erklärung bestätigte die LTTE, dass ihr 
Anführer  Velupillai  Prabhakaran  eine  Woche  zuvor  bei  Kämpfen  mit 
Regierungstruppen im Nordosten  von Sri  Lanka  getötet  worden sei. 
(vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  4. Juni  2009 
D-6328/2006  E. 5.2).  Angesichts  dieser  Umstände  ist  davon  auszu-
gehen,  dass der Beschwerdeführer keine Verfolgung mehr durch die 
LTTE unter Prabhakaran zu befürchten hat. 

Auch  in  der  Annahme,  er  sei  vor  seiner  Ausreise  von  der  Karuna-
Fraktion bedroht worden, besteht aus heutiger Sicht kein hinreichender 
Anlass mehr für die Annahme, der Beschwerdeführer habe weiterhin 
begründete Furcht vor Verfolgung durch Karuna oder der von ihm nach 
dem Bruch mit Prabhakaran im Jahre 2005 gegründeten Partei Tamil 
Peoples  Liberation  Tigers  (TVMP).  Karuna  hat  seine  Tätigkeit  als 
Oberst  abgelegt  und ist  am 8. Oktober  2008 als  Mitglied der  Regie-
rungskoalition United People's Freedom Alliance (UPFA) im Parlament 
vereidigt  worden  und  seit  dem  9. März  2009  Minister  für  Nationale 
Integration  und  Aussöhnung.  Die  TVMP  wird  zwar  von  den  United 
Nations  (UN)  und  Menschenrechtsorganisationen  beschuldigt 
Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit ihren paramilitä-
rischen Tätigkeiten verübt zu haben (vgl.  Amt des Hohen Flüchtlings-
kommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) Eligibility Guidelines for 
Assessing the international Protection Needs of Asylum-Seekers from 
Sri Lanka, vom April 2009) und in den Medien  wurde im Schatten der 
Berichterstattung  über  den  Entscheidungskrieg  im  Vanni-Gebiet  und 
die  prekären  Zustände  in  den  Flüchtlingslagern  Meldungen  über 
grundlose  Verhaftungen,  Entführungen  und  über  das  Verschwinden-
lassen von tamilischen Jugendlichen im Rahmen so genannter „anti-
terroristischer“ Operationen der staatlichen Sicherheitskräfte oder der 
mit  ihnen verbündeten Paramilitärs  verkündet,  welche nach überein-
stimmender  Einschätzung von Beobachtern  auch im Raum Colombo 
weiterhin unbesehen der Rügen des Supreme Courts als repressives 
Instrument  gegen  befürchtete  Infiltrationen  tamilischer  Separatisten 
angewandt  werden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
4. Juni 2009 D-6328/2006 E. 5.2). Ungeachtet dessen weist der bald 
58-jährige  Beschwerdeführer  kein  Profil  auf,  welches  ihn  zum  Ziel 
solcher antiterroristischer Operationen durch die TVMP im Zusammen-
hang  mit  ihren  paramilitärischen  Tätigkeiten  machen  würde  (vgl. 
UNHCR Eligibility Guidelines for Assessing the international Protection 
Needs of Asylum-Seekers from Sri Lanka, vom April 2009; Note on the 
Applicability  of  the  2009  Sri  Lanka  Guidelines,  vom Juli  2009). Der 

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Beschwerdeführer  ist  zwar  Tamile,  war  jedoch  nie  in  der  LTTE und 
lebte vor seiner Ausreise mehrere Jahre in Colombo. Da er nicht aus 
dem Norden oder dem Osten, sondern ursprünglich aus der Zentral-
provinz stammt und gemäss seinen Angaben fliessend Singhalesisch 
spricht,  gehört  er  auch  nicht  zu  einer  Personengruppe  an,  die  aus 
Sicht  der  Behörden generell  verdächtig  ist. Schliesslich handelt  sich 
beim Vorfall mit dem desertierten Jungen um ein singuläres Ereignis, 
welches bereits über drei Jahre zurückliegt. Es kann unter diesen Um-
ständen  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerde-
führer  im Falle  der  Rückkehr  nach  Sri  Lanka heute  noch ernsthafte 
Nachteile zu befürchten hat.

6.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer in An-
betracht der Entwicklungen in Sri  Lanka im heutigen Zeitpunkt keine 
Verfolgung  im  Sinne  von Art. 3  AsylG  droht,  weil  er  im  Jahre  2006 
einen aus der LTTE desertierten Jungen nach Colombo chauffierte. 

6.4 Soweit  der  Beschwerdeführer  in  der  Beschwerde  seine  Asylbe-
gründung damit ergänzte, im Jahre 2004 vermutlich durch LTTE-Mit-
glieder  seines Geldes beraubt  und bedroht  worden zu sein,  ist  fest-
zustellen, dass erstens der zeitliche Kausalzusammenhang zwischen 
diesem Vorfall und der Ausreise im Jahre 2006 nicht gegeben ist und 
zweitens  gemäss der  Schilderung  die  geltend gemachten  Übergriffe 
und Drohungen durch Rebellen offensichtlich keine asylrechtlich rele-
vanten Motive  zugrunde  gelegen  haben,  weshalb  es  sich  dabei  von 
vornherein nicht um ein Ereignis handelt, das geeignet ist, die Flücht-
lingseigenschaft zu begründen.

6.5 Da die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  -  wie  soeben  darge-
legt - asylrechtlich nicht mehr relevant sind, kann er nicht als Flüchtling 
anerkannt werden. Die Vorinstanz hat demnach zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch 
abgelehnt.

7.
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 

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einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

8.
8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

8.2
8.2.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen  werden,  in  dem ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist  oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grund-
freiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen  wer-
den.

8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-

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foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri  Lanka ist  demnach unter 
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall 
einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe 
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen 
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete 
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft  machen, dass ihm im 
Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung 
drohen  würde  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 16  S. 122,  mit  weiteren 
Hinweisen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 
6. Februar  2001,  Recueil  des  arrêts  et  décisions  2001-I,  S. 327  ff.). 
Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri  Lanka lässt  den 
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im  Sinne  der  asyl-  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen 
zulässig.

8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

8.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund seiner Beurteilung 
der Lage in Sri Lanka davon aus, dass zwar alle rückkehrenden Tamilen 
mit  gewissen Schwierigkeiten  rechnen müssen. Dabei  ist  jedoch zwi-
schen der Situation der aus dem Grossraum Colombo oder Umgebung 
selbst stammenden Tamilen und der Lage der aus der Nord- oder Ost-
provinz  stammenden  Tamilen  zu  differenzieren.  So  ist  eine  Rück-
schaffung abgewiesener Asylgesuchsteller aus Sri Lanka in die Nord-
provinz (Distrikte Killinochchi, Mannar, Vavuniya, Mullaitivu und Jaffna) 
sowie in die Ostprovinz (Distrikte Trincomalee, Batticaloa und Ampara) 
angesichts der dort herrschenden allgemeinen Lage unzumutbar. Bei 

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rückkehrenden Tamilen,  welche längere Zeit  im Grossraum Colombo 
selbst gelebt haben, dort  auf ein existierendes, tragfähiges Familien- 
oder  Beziehungsnetz  zurückgreifen  und  mit  einer  konkreten  Unter-
kunftsmöglichkeit  rechnen  können,  ist  davon  auszugehen,  dass  sie 
grundsätzlich  die  Möglichkeit  haben,  sich  innert  nützlicher  Frist  und 
mit  Unterstützung  ihrer  Verwandten  wieder  zu  integrieren  und  dass 
ihnen  das  wirtschaftliche  Fortkommen  gelingt.  Auch  gegenüber  den 
Sicherheitskräften werden sie ihren erneuten Aufenthalt  rechtfertigen 
können und werden somit  nicht  anhaltenden,  unzumutbaren behörd-
lichen  Schikanen  oder  Repressalien  ausgesetzt  sein.  Bei  dieser 
Konstellation  ist  jedoch  die  Dauer  der  Landesabwesenheit  mitzube-
rücksichtigen.  Je  kürzer  der  Aufenthalt  eines  Rückkehrenden  in 
Colombo dauerte  und je  weiter  er  zeitlich  zurückliegt,  desto  höhere 
Anforderungen  sind  an  das  Vorliegen  eines  tatsächlichen  familiären 
oder sozialen Beziehungsnetzes zu stellen. Bei Tamilen, die aus dem 
Grossraum Colombo oder dessen Umgebung stammen und dort über 
ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetze verfügen und mit einer 
konkreten  Unterkunftsmöglichkeit  rechnen  können,  ist  grundsätzlich 
von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in diese Gebiete aus-
zugehen (BVGE 2008/2 E. 7.6 S. 20 f.).

8.3.3 Eigenen  Angaben  zufolge  wohnte  der  aus  B._______  in  der 
Zentralprovinz  stammende  Beschwerdeführer  vor  der  Ausreise  seit 
1998 in Colombo (vgl. Act. A1/10 S. 1). Gemäss den Ausführungen in 
der Beschwerde soll  er mit seiner Ehefrau und den fünf Kindern gar 
bereits  seit  mehreren  Jahrzehnten  in  Colombo  leben.  Er  arbeitete 
selbstständig als Textilhändler im Grosshandel von 1975 bis kurz vor 
seiner  Ausreise  im  Jahre  2006  und  spricht  fliessend  Singhalesisch. 
Gemäss seinen Angaben anlässlich der Befragung zur Person wohnt 
seine Familie an der angegebenen Adresse in Colombo. Seine Mutter, 
zwei  Schwestern  und  ein  Bruder  leben  in  F._______,  ein  weiterer 
Bruder  im  selben  Destrikt  in  G._______  und  eine  Schwester  in 
H._______,  Bezirk  Gambaha.  Aufgrund  der  beim 
Bundesverwaltungsgericht  eingereichten  Briefe  seiner  Angehörigen 
aus Colombo ist  davon auszugehen, dass diese immer noch an der 
besagten Adresse leben. Der Beschwerdeführer kann somit auch nach 
drei  Jahren  Landesabwesenheit  auf  ein  tragfähiges  familiäres 
Beziehungsnetz  in  Colombo sowie  in  anderen  Provinzen,  in  welche 
eine  Rückführung  nicht  unzumutbar  ist,  zurückgreifen  und  eine 
Unterkunft finden. Soweit den Akten zu entnehmen ist, ist der bald 58-
jährige Beschwerdeführer zudem gesund. Unter diesen Umständen ist 
der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers zumutbar.

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8.4 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9.
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu be-
stätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1-4 
AuG).

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist demnach abzuweisen.

11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von 
insgesamt Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem 
am 24. Juli  2007  geleisteten  Kostenvorschuss  von Fr. 600.--  zu  ver-
rechnen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG i.V.m.Art. 1-3  des  Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 600.-- 
verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lagen: drei Briefe im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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