# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e515662-b1a4-5347-9085-f82823bd4829
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 D-6068/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6068-2011_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­6068/2011

U r t e i l   v om   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richterin Contessina Theis, Richter Thomas Wespi,   
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien C._______, geboren am … ,
Nigeria, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. Oktober 2011 / N … .

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  A._______,  welche  zu 
jenem  Zeitpunkt  schwanger  war,  am  14. April  2011  –  von  Italien 
kommend – in der Schweiz um Asyl ersuchten, 

dass die beiden – gemäss Verzeichnung in der Eurodac­Datenbank – vor 
ihrer Einreise in die Schweiz bereits in Italien Asylanträge gestellt hatten 
(beide am 1. Januar 2009 in X._______), 

dass  die  beiden  am  19.  April  2011  vom  BFM  zu  ihrer  Person,  ihrem 
Reiseweg  und  summarisch  zu  ihren  Gesuchsgründen  befragt  wurden 
(vgl. dazu im Einzelnen die Akten), 

dass sie dabei übereinstimmend angaben,  in  Italien hätten sie beide  im 
Frühjahr  2009  einen  positiven  Asylentscheid  erhalten  und  es  sei  ihnen 
beiden eine fünf Jahre gültige Aufenthaltsbewilligung ausgestellt worden, 
welche  sie  aber  vor  ihrer  Reise  in  der  Schweiz  in  Y._______ 
zurückgelassen hätten (vgl. BFM­Akten; act. A11 und A10, je Ziff. 16), 

dass  sich  jedoch beide gegen eine Rückkehr nach  Italien aussprachen, 
da es dort keine Arbeit mehr gebe (vgl. act. A11 und A10, je Ziff. 18), 

dass  das  BFM  am  11.  Mai  2011  –  nach  den  Bestimmungen  der 
Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig  ist  (Dublin­II­VO)  –  zwei  separate  Ersuchen  um  eine 
Wiederaufnahme sowohl des Beschwerdeführers als auch seiner Ehefrau 
an Italien richtete, 

dass  diese  Ersuchen  innert  der  massgeblichen  Frist  von  zwei Wochen 
(Art. 20 Abs. 1 Bst. b Dublin­II­VO) von Italien nicht beantwortet wurden, 

dass  das  BFM  in  der  Folge  am  15.  Juni  2011  betreffend  den 
Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  einen  Nichteintretensentscheid  in 
Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR 142.31)  erliess  und  die  Wegweisung  nach  Italien 
anordnete, 

dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  …  [kurz  darauf]  das  Kind 
B._______ gebar, 

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dass  dem BFM am 21.  Juni  2011  von  der  italienischen Dublin­Behörde 
mitgeteilt  wurde,  im  Falle  des  Beschwerdeführers  könnten  die 
Bestimmungen der Dublin­II­VO nicht mehr zur Anwendung gelangen, da 
ihm  von  Italien  bereits  der  Flüchtlingsstatus  zuerkannt  worden  sei, 
weshalb das Bundesamt in seinem Fall ein Rückübernahmeersuchen an 
Italien  gemäss  den  Bestimmungen  des  bilateralen 
Rückübernahmeübereinkommens  zu richten habe (vgl. dazu act. A28), 

dass  das  Bundesamt  aufgrund  dieser  Mitteilung  den  vorgenannten 
Nichteintretensentscheid  (betreffend  sowohl  den  Beschwerdeführer  als 
auch seine Ehefrau) am 22. Juni 2011 wieder aufhob, 

dass  das  BFM  indes  bereits  am  14.  Juli  2011  –  alleine  betreffend  die 
Ehefrau  des  Beschwerdeführers  und  das  in  der  Zwischenzeit  geborene 
Kind  –  wiederum  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  erliess  und  die  Wegweisung  nach  Italien 
anordnete, 

dass  dieser  Entscheid  –  auf  Beschwerde  hin  –  vom 
Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D­4109/2011  vom  27.  Juli  2011 
bestätigt wurde, 

dass auf der anderen Seite der Beschwerdeführer am 27. Juli 2011 vom 
BFM  zu  seinen  Gesuchsgründen  angehört  wurde  (vgl.  für  die 
Gesuchsvorbringen im Einzelnen die Akten), 

dass er bei dieser Gelegenheit namentlich bestätigte, sowohl er als auch 
seine  Ehefrau  hätten  im  Frühjahr  2009  einen  positiven  Asylentschied 
erhalten,  worauf  ihnen  beiden  ein  "permesso  di  soggiorno"  ausgestellt 
worden sei (vgl. act. A46 F. 64 ff.), 

dass er zum Grund für die Weiterreise in die Schweiz vorbrachte, wegen 
der  schwierigen  Lebensumstände  habe  seine  Ehefrau  während  ihres 
zweijährigen Aufenthalts  in  Italien zwei Fehlgeburten erlitten, weshalb er 
– nachdem seine Ehefrau erneut schwanger geworden sei – aus Furcht 
vor  einer  weiteren  Fehlgeburt  respektive  zur  Sicherheit  seiner  Ehefrau 
und des Kindes etwas habe unternehmen müssen (vgl. act. A46 F. 74 ff.), 

dass er sich wiederum gegen eine Rückkehr nach  Italien aussprach, da 
er und seine Ehefrau nicht in der Lage seien, sich eine Existenzgrundlage 
aufzubauen (vgl. act. A46 F. 78 und F. 86 [zweiter Teil]), 

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dass  das  BFM  am  5.  August  2011  (auf  der  Basis  des  bilateralen 
Rückübernahmeübereinkommens)  ein  Gesuch  um Rückübernahme  des 
Beschwerdeführers  an  die  zuständige  italienische  Behörde  sandte, 
welchem  von  Italien  am  29.  September  2011  ausdrücklich  entsprochen 
wurde, 

dass  nach  Eingang  dieser  Erklärung  –  am  13.  Oktober  2011  –  vorab 
seine  Ehefrau  und  das  gemeinsame  Kind  von  der  zuständigen 
kantonalen  Behörde  nach  Italien  zurückgeführt  wurden  (nach  den 
Bestimmungen der Dublin­II­VO), 

dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  allerdings  bereits  acht  Tage 
später – am 21. Oktober 2011 und wiederum von Italien kommend – mit 
ihrem Kind erneut in der Schweiz ein Asylgesuch einreichte, 

dass das BFM derweil mit Verfügung vom 24. Oktober 2011 (eröffnet am 
2. November  2011)  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  in 
Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. a  AsylG  nicht  eintrat  und  dessen 
Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete, 

dass  das  Bundesamt  dabei  zur  Hauptsache  festhielt,  der 
Beschwerdeführer habe sich vor seiner Einreise in die Schweiz in Italien 
und  damit  in  einem  sicheren  Drittstaat  (im  Sinne  von  Art.  6a  Abs.  2 
AsylG)  aufgehalten,  und  Italien  habe  sich  bereit  erklärt,  ihn  wieder 
aufzunehmen,  weshalb  auf  das  Asylgesuch  nicht  einzutreten  und  die 
Wegweisung nach Italien anzuordnen sei, da der Beschwerdeführer einer 
Schutzgewährung  durch  die  Schweiz  nicht  bedürfe,  sondern  er  bereits 
von  Italien  als  Flüchtling  anerkannt  worden  sei,  wo  er  auch  effektiven 
Schutz vor Rückschiebung (nach Art. 5 Abs. 1 AsylG) geniesse, 

dass das Bundesamt im Anschluss daran den Wegweisungsvollzug nach 
Italien als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  am  7.  November 
2011 Beschwerde erhob, wobei er  in seiner Eingabe die Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung beantragte,  verbunden mit  der Anweisung an 
das BFM, sich  für das Asylverfahren  für zuständig zu erklären  [1], unter 
Kosten­ und Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz [3],

dass  er  gleichzeitig  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 
Beschwerde  und  um  Anordnung  vollzugshemmender  Massnahmen  [2] 

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ersuchte,  sowie  um  Befreiung  von  der  Kostenvorschusspflicht  und  um 
Erlass der Verfahrenskosten [4 und Ziff. 1.2],

dass er  im Rahmen der Begründung seiner Beschwerde vorab ausführt, 
wegen einer ungenügenden Mitteilung vonseiten  Italiens, sowie aus  ihm 
unverständlichen  Gründen,  sei  das  Asylverfahren  seiner  Ehefrau  und 
seines Kindes sowohl vom BFM als auch vom Bundesverwaltungsgericht 
getrennt von seinem eigenen Verfahren beurteilt worden, worauf nur die 
beiden nach der Dublin­II­VO behandelt  und  schliesslich  ohne  ihn  nach 
Italien ausgeschafft worden seien, 

dass  die  beiden  jedoch  in  der  Zwischenzeit  –  aufgrund  der  in  Italien 
herrschenden Verhältnisse  und weil  er  sich  noch  hier  befinde  –  bereits 
wieder in die Schweiz zurückgekehrt seien, 

dass nun ihm eine Ausschaffung nach Italien drohe, während sich seine 
Ehefrau  und  sein  Kind  im  Rahmen  eines  neuen  Asylverfahrens  in  der 
Schweiz  befänden,  weshalb  er  um  eine  Koordinierung  respektive 
Vereinigung  ihrer  Verfahren  ersuche,  damit  es  nicht  wieder  zu  einer 
Trennung der Familie komme, 

dass  er  daneben  zur  Hauptsache  geltend  machte,  in  Italien  seien  die 
Aufnahmebedingungen  auch  für  anerkannte  Flüchtlinge  völlig 
ungenügend  und  grossenteils  menschenunwürdig,  weshalb  er  darum 
ersuche, aus humanitären Gründen auf sein Asylgesuch einzutreten, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  11. November  2011  vorab  darüber  in 
Kenntnis  gesetzt  wurde,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz abwarten (vgl. Art. 42 AsylG), 

dass  gleichzeitig  dem  Gesuch  um  Befreiung  von  der 
Kostenvorschusspflicht  entsprochen  und  das  BFM  zur  Vernehmlassung 
eingeladen wurde, 

dass das BFM in seiner Vernehmlassung vom 23. November 2011 an der 
angefochtenen  Verfügung  festhielt  und  die  Abweisung  der  Beschwerde 
beantragte,  wobei  es  im Wesentlichen  ausführte,  die  beklagte  fehlende 
Koordination  der  Verfahren  der  Eheleute  aus  verfahrenstechnischen 
Gründen  sei  letztlich  unerheblich,  zumal  es  dem  Beschwerdeführer 
unbenommen  sei,  als  anerkannter  Flüchtling  seine  Familie  aus  der 
Schweiz nach Italien nachzuziehen, 

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dass  der  Beschwerdeführer  am  24.  November  2011  eine 
Fürsorgebestätigung  nachreichte  und  am  13.  Dezember  2011  zur 
vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung nahm, 

dass er dabei seinen bisherigen Hauptantrag korrigierte, indem er neu die 
Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  das  Eintreten  auf  sein 
Asylgesuch beantragte, 

dass er in seinen Ausführungen erneut auf die schwierigen Bedingungen 
in Italien auch für anerkannte Flüchtlinge hinwies, 

dass  er  gleichzeitig  ausdrücklich  um  eine  Koordination  seines 
Asylverfahrens  mit  dem  Verfahren  seiner  Ehefrau  und  seines  Kindes 
ersuchte, damit es nicht zu einer erneuten Trennung der Familie komme, 

dass er in diesem Zusammenhang eine Verletzung des Grundsatzes der 
Einheit der Familie rügte, zumal er und seine Ehefrau in Italien den genau 
gleichen Status  gehabt  hätten,  auch wenn er  dies  zurzeit  nicht  belegen 
könne,  und  sie  auch  miteinander  verheiratet  seien  (wozu  er  die  Kopie 
eines italienischen Kirchenbuchauszuges vorlegte), 

dass  das  BFM  am  26.  Dezember  2011  betreffend  die  Ehefrau  des 
Beschwerdeführers  und  das  gemeinsame  Kind  wiederum  einen 
Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG 
erliess und die Wegweisung nach Italien anordnete, 

dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  gegen  diesen  Entscheid  am 
3. Januar 2012 Beschwerde erhob, 

dass  über  diese  Beschwerde  ebenfalls  mit  Urteil  heutigen  Datums 
entschieden wird, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM entscheidet, ausser bei 
Vorliegen  eines  Auslieferungsgesuches  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (vgl.  dazu  Art. 105  AsylG 
i.V.m.  Art. 31  und  33   des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, soweit 
das VGG oder  das AsylG  nichts  anderes  bestimmen  (vgl.  Art.  37 VGG 
sowie Art. 6 und 105 AsylG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass  auf  die  frist­  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten 
Beschwerdeführers einzutreten ist (vgl. Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 
Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass dem Ersuchen um eine Koordination des  vorliegenden Verfahrens 
mit dem Beschwerdeverfahren betreffend die Ehefrau und das Kind des 
Beschwerdeführers  (D­28/2012)  insoweit  Rechnung  getragen  wird,  als 
beide Verfahren vom Bundesverwaltungsgericht am gleichen Tag und  in 
gleicher  Besetzung  entschieden  werden,  wobei  auch  Anordnungen  im 
Hinblick auf den Wegweisungsvollzug ergehen (vgl. dazu unten),

dass  gemäss  Art.  34  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  auf  ein  Asylgesuch  nicht 
eingetreten  wird,  wenn  eine  asylsuchende  Person  in  einen  sicheren 
Drittstaat (im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG) zurückkehren kann, 
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat,

dass  dieser  Nichteintretenstatbestand  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Personen,  zu  denen  die  asylsuchende  Person  enge  Beziehungen  hat, 
oder nahe Angehörige in der Schweiz leben (Art. 34 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
wenn  die  asylsuchende  Person  offensichtlich  die  Flüchtlingseigenschaft 
nach  Art.  3  AsylG  erfüllt  (Art.  34  Abs.  3  Bst.  b  AsylG),  oder  wenn 
Hinweise  darauf  bestehen,  dass  im Drittstaat  kein  effektiver  Schutz  vor 
Rückschiebung nach Art.  5 Abs.  1 AsylG besteht  (Art.  34 Abs.  3 Bst.  c 
AsylG),

dass  es  sich  bei  Italien  gemäss  Beschluss  des  Bundesrates  vom 
14. Dezember  2007  (in  Kraft  seit  dem  1.  Januar  2008)  um  einen 
verfolgungssicheren Drittstaat  im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG 
handelt  und  die  italienischen  Behörden  einer  Rückübernahme  des 
Beschwerdeführers mit Erklärung vom 29. September 2011 ausdrücklich 
zugestimmt haben,

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dass damit die Grundvoraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid 
in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt sind, 

dass  im Falle des Beschwerdeführers weder die Ausschlussbestimmung 
von  Art. 34  Abs.  3  Bst.  b  AsylG  (offensichtliches  Erfüllen  der 
Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG)  noch  die 
Ausschlussbestimmung  von Art.  34 Abs.  3 Bst.  c AsylG  (kein  effektiver 
Schutz  im  Drittstaat  vor  Rückschiebung  nach  Art.  5  Abs.  1  AsylG)  zur 
Anwendung  gelangen  kann,  da  er  bereits  von  Italien  als  Flüchtling 
anerkannt  worden  ist,  wo  er  gleichzeitig  über  eine  gültige 
Aufenthaltsbewilligung verfügt, womit er – wie vom BFM zu Recht erkannt 
– einer  Schutzgewährung  durch  die  Schweiz  nicht  bedarf  (vgl.  BVGE 
2010 Nr. 56 E. 3 ­ 6, insbes. E. 5.4), 

dass  sich  zwar  die  Ehefrau  und  das  Kind  des  Beschwerdeführers  seit 
dem  21.  Oktober  2011  wiederum  als  Asylsuchende  in  der  Schweiz 
aufhalten,  sich  daraus  jedoch  kein  Vollzugshindernis  im  Sinne  der 
Ausschlussbestimmung  von  Art.  34  Abs.  3  Bst.  a  AsylG  (nahe 
Angehörige in der Schweiz) ergibt, 

dass  die  Ausschlussbestimmung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  a  AsylG 
praxisgemäss  keine  Anwendung  finden  kann,  wenn  die  in  der  Schweiz 
befindlichen nahen Angehörigen einer asylsuchenden Person sich selbst 
nur als Asylbewerber  in der Schweiz aufhalten, womit  sie  lediglich über 
einen  vorübergehenden  Aufenthaltsstatus  verfügen  (vgl.  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts E­2559/2009 vom 27. April 2009, insbes. S. 9 
Mitte,  mit  Verweis  auf  die  in  diesem  Sachzusammenhang  weiterhin 
geltende Rechtsprechung gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1999  Nr.  21  E.  4  S. 
136 f.), 

dass  zudem die Ehefrau  und  das  gemeinsame Kind mit Urteil  heutigen 
Datums ebenfalls zur Rückkehr nach Italien verpflichtet werden,

dass nach vorstehenden Erwägungen keiner der Ausschlussgründe nach 
Art.  34  Abs.  3  Bstn. a  ­  c  erfüllt  ist,  womit  der  Nichteintretensentscheid 
des BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG zu bestätigen ist,

dass die Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz nach dem Erlass 
des  Nichteintretensentscheides  im  Einklang  mit  der  gesetzlichen 
Konzeption steht und ebenfalls zu bestätigen ist (Art. 44 Abs. 1 AsylG), 

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dass  im  Folgenden  zu  prüfen  verbleibt,  ob  es  Gründe  gibt,  die  dem 
Vollzug  der Wegweisung  entgegenstehen,  da  das  BFM  eine  vorläufige 
Aufnahme nach Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20) 
anzuordnen hat, wenn sich der Vollzug der Wegweisung als unzulässig, 
unzumutbar oder unmöglich erweist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 2 ­ 
4 AuG),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgebenden 
völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  da  der 
Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  kann,  welcher  seinen 
Verpflichtungen  aus  dem  Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention, SR 0.142.30) und 
der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) nachkommt und 
in  welchem  er  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art. 5  Abs. 1 
AsylG findet, 

dass Asylsuchende in Italien zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und dem 
Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  durchaus  gewissen 
Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können,  wobei  sich  bereits 
vorbestandene  Kapazitätsprobleme  seit  dem  Frühjahr  2011  noch 
akzentuiert haben dürften, 

dass  sich  zudem  aufgrund  der  allgemeinen  Verschlechterung  der 
wirtschaftlichen  Verhältnisse  auch  die  Arbeitsmöglichkeiten  merkbar 
verringert  haben  dürften,  wie  dies  vom  Beschwerdeführer  und  seiner 
Ehefrau beim BFM vorgebracht wurde, 

dass  jedoch  auch  unter  Berücksichtigung  dieser Umstände  kein  Anlass 
zur Annahme besteht, im Falle einer Rückführung nach Italien gerate der 
Beschwerdeführer mit seiner Familie in eine existenzielle Notlage,

dass  sich  der  Beschwerdeführer  vor  seiner  Einreise  in  der  Schweiz 
bereits  während  mehr  als  zwei  Jahren  mit  seiner  Ehefrau  in  Italien 
aufgehalten hat, 

dass  der  Beschwerdeführer  von  Italien  als  Flüchtling  anerkannt worden 
ist  und  er  dort  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  und  damit  über  einen 
geregelten  Aufenthaltsstatus  verfügt,  womit  er  sich  –  trotz  seiner 
sinngemäss  anders  lautenden  Vorbringen  –  gegenüber  Asylsuchenden 

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mit  noch  ungeregeltem  Aufenthalt  in  einer  grundsätzlich  besseren 
Position befindet, ist er doch in Italien zum Erwerb berechtigt, 

dass  er  zudem  gehalten  ist,  sich  bei  Schwierigkeiten  an  die  in  Italien 
zuständigen  staatlichen  Instanzen  und  namentlich  auch  an  die  dort 
vorhandenen privaten Hilfsorganisationen zu wenden, wo er aufgrund des 
familiären  Profils  (Familie  mit  Kleinkind)  durchaus  einen  Zugang  finden 
dürfte, 

dass der Vollzug der Wegweisung daher als zumutbar zu erkennen ist, 

dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  schliesslich  auch  als  möglich 
erweist,  da  die  italienischen  Behörden  einer  Rückübernahme  des 
Beschwerdeführers bereits ausdrücklich zugestimmt haben,

dass  angesichts  dieser  Erwägungen  die  Anordnung  einer  vorläufigen 
Aufnahme  ausser  Betracht  fällt,  weshalb  auch  die  Anordnung  des 
Wegweisungsvollzuges zu bestätigen ist, 

dass  bei  der  Anordnung  der  Wegweisung  und  des 
Wegweisungsvollzuges  –  wie  vom  Beschwerdeführer  zu  Recht  geltend 
gemacht – der Grundsatz der Einheit  der Familie  zu berücksichtigen  ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG [letzter Satz]), wobei diesem Grundsatz nicht nur im 
Asylverfahren,  sondern  auch  bei  der  Umsetzung  des 
Wegweisungsvollzuges  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde 
nachzuleben  ist,  auch  wenn  in  der  Praxis  sogenannte  "gestaffelte 
Rückführungen" toleriert werden, 

dass  mit  Urteil  heutigen  Datums  auch  die  Ehefrau  und  das  Kind  des 
Beschwerdeführers zur Ausreise aus der Schweiz nach Italien verpflichtet 
werden  und  die  zuständige  kantonale  Behörde  anzuhalten  ist,  den 
Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  mit  dem 
Wegweisungsvollzug seiner Ehefrau und seines Kindes zu koordinieren, 

dass  nach  vorstehenden  Erwägungen  die  angefochtene  Verfügung  zu 
bestätigen und die eingereichte Beschwerde abzuweisen ist,

dass bei vorliegendem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer 
grundsätzlich Kosten aufzuerlegen wären (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), von 
einer  Kostenauflage  jedoch  aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  –  in 
Gutheissung  des Gesuches  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  (im  Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG) – abzusehen ist. 

D­6068/2011

Seite 11

(Dispositiv nächste Seite)  

D­6068/2011

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Dem  Beschwerdeführer  werden  in  Gutheissung  des  Gesuchs  um 
unentgeltliche Rechtspflege keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  
Die  zuständige  kantonale  Behörde  wird  angehalten,  den 
Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  mit  dem 
Wegweisungsvollzug  seiner  Ehefrau  und  seines  Kindes  koordiniert 
umzusetzen. 

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer