# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e8609494-3d55-5b87-b7ff-648017143c07
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.01.2023 E-44/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-44-2023_2023-01-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-44/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger;  

Gerichtsschreiberin Karin Parpan. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,substitu-

iert durch MLaw Elena Liechti,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Wiedererwägung);  

Verfügung des SEM vom 2. Dezember 2022 / N (…). 

 

 

 

E-44/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

 I. 

A.  

Das SEM trat mit Verfügung vom 23. März 2022 nicht auf ein Asylgesuch 

des Beschwerdeführers vom 21. Dezember 2021 ein und verfügte seine 

Überstellung in den für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständigen 

Dublin-Mitgliedstaat Italien, welche bis zum 15. September 2022 stattzufin-

den habe. 

B.  

Eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde wies das Bundesver-

waltungsgericht mit Urteil E-1693/2022 vom 5. Mai 2022 ab, womit der 

Nichteintretensentscheid in Rechtskraft erwuchs. 

C.  

Einer Meldung der zuständigen kantonalen Migrationsbehörde vom 

24. Mai 2022 zufolge, galt der Beschwerdeführer seit 16. Mai 2022 als ver-

schwunden und war unbekannten Aufenthalts. 

D.  

Am 31. Mai 2022 erklärte das SEM gegenüber den italienischen Dublin-

behörden unter Hinweis auf das Untertauchen des Beschwerdeführers die 

Verlängerung der Überstellungsfrist auf 18 Monate (demnach bis zum 

15. September 2023). 

 II. 

E.  

E.a Mit einer als "Mehrfachgesuch" bezeichneten Eingabe gelangte der 

Beschwerdeführer am 9. November 2022 an die Vorinstanz. In seiner Ein-

gabe machte er im Wesentlichen geltend, er habe sich nach dem Ab-

schluss des ordentlichen Verfahrens während mehr als drei Monaten in 

Serbien – und damit ausserhalb des Hoheitsgebiets der Dublin-Mitglied-

staaten – aufgehalten, weshalb gestützt auf Art. 19 Abs. 2 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), die Zustän-

digkeit Italiens für die Behandlung seines Asylgesuchs erloschen sei.  

E-44/2023 

Seite 3 

E.b Konkret sei er am (…) Juni 2022 von B._______ aus mit dem Bus nach  

C._______ in Kroatien gereist. Von dort aus sei er – teils zu Fuss, teils mit 

einer Mitfahrgelegenheit – nach D._______ in Serbien gelangt. Anschlies-

send habe er ab 10. Juli 2022 in E._______ eine Wohnung gemietet. Am 

10. Oktober 2022 habe er sich schliesslich jemandem anschliessen kön-

nen, der ihn mit dem Auto nach F._______ gebracht habe. Dort sei er am 

Folgetag angekommen. Sodann beabsichtige er, seine im Kanton 

G._______ wohnhafte Partnerin, eine Schweizer Bürgerin, zu heiraten und 

habe mit ihr ein Gesuch um Durchführung eines Ehevorbereitungsverfah-

rens eingereicht. 

E.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer 

folgende Beweismittel zu den Akten:  

 den Ausdruck einer Bordkarte lautend auf seinen Namen für die 

Busfahrt von B._______ nach C._______, Kroatien (via 

H._______) vom (…) Juni 2022 mit geplanter Ankunft am Folgetag; 

 einen Mietvertrag (in serbischer Sprache) für eine Wohnung in 

E._______; 

 ein Bestätigungsschreiben der Vermieterpartei (serbisch und 

deutsch); 

 Fotos von vier Kaufquittungen von Geschäftsbetrieben in 

D._______, Serbien vom 9. und 10. Juni 2022 sowie vom 1. und 

22. August 2022; 

 Fotos von vier Quittungen von Geschäftsbetrieben in E._______, 

Serbien vom 20. und 21. Juli 2022 sowie vom 5. August 2022; 

 ein Foto einer Kreditkarte lautend auf den Namen des Beschwer-

deführers; 

 eine Hotelrechnung von einem Motel in I._______, Serbien vom 

14. September 2022 mit namentlicher Erwähnung des Beschwer-

deführers; 

 die Kopie eines Gesuchs um Durchführung eines Vorbereitungsver-

fahrens zur Eheschliessung. 

F.  

Das SEM nahm die Eingabe des Beschwerdeführers als Wiedererwä-

gungsgesuch entgegen. Mit Verfügung vom 2. Dezember 2022 – eröffnet 

am 5. Dezember 2022 – wies es das Wiedererwägungsgesuch ab, stellte 

die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 23. März 2022 

fest und erklärte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende 

Wirkung zu.  

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Seite 4 

G.  

G.a Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungs- 

gericht vom 4. Januar 2023 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Ver- 

fügung erheben. Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch ein-

zutreten; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG einschliesslich des Verzichts 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner seien die vorinstanzli-

chen Akten beizuziehen, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung 

zu gewähren und die kantonalen Behörden seien anzuweisen, den Weg-

weisungsvollzug für die Dauer des Beschwerdeverfahrens auszusetzen. 

G.b Zusätzlich zu den teilweise bereits bei der Vorinstanz eingereichten 

Beweismitteln reichte der Beschwerdeführer mit seinem Rechtsmittel  

Fotos von insgesamt 18 weiteren Kaufquittungen aus dem Zeitraum vom 

10. Juli 2022 bis zum 21. Juli 2022 (wobei sich 16 davon Betrieben in 

E._______, Serbien zuordnen lassen) zu den Akten.  

H.  

Am 5. Januar 2023 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstel-

lung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist eine Be-

hörde im Sinne von Art. 33 VGG und somit eine Vorinstanz des Bundes-

verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-

dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung 

auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist 

das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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Seite 5 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-

lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). 

4.2 Mit dem Wiedererwägungsgesuch wird in der Regel die Anpassung ei-

ner ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene 

erhebliche Veränderung der Sachlage bezweckt (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 

m.w.H.). 

4.3 Im vorliegenden Fall hat das SEM die Eingabe vom 9. November 2022 

als Wiedererwägung qualifiziert und ist darauf eingetreten. Diese Qualifi-

kation ist nicht zu beanstanden, da der Beschwerdeführer keine neuen 

Asylgründe, sondern nachträglich eingetretene Tatsachen (angeblicher 

dreimonatiger Aufenthalt ausserhalb des Dublinraums) geltend macht, wel-

che seiner Auffassung nach geeignet sind, eine erneute Zuständigkeitsprü-

fung respektive die Durchführung des nationalen Asylverfahrens zu recht-

fertigen. Ausserdem konnte die Dublin-Überstellung infolge temporären 

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Seite 6 

Untertauchens des Beschwerdeführers nicht stattfinden. In solchen Fällen 

ist bei einem Folgegesuch nicht von einem Dublin-Mehrfachgesuch, son-

dern ebenfalls von einem Wiedererwägungsgesuch auszugehen (vgl. 

BVGE 2017 VI/5 E. 4). 

5.  

5.1 Das SEM begründete die Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs 

damit, dass der Beschwerdeführer keine Beweismittel eingereicht habe, 

die seinen Aufenthalt in Serbien und die damit verbundene Aus- und  

Wiedereinreise in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten, zweifelsfrei be-

legen würden. Dem eingereichten Busticket komme kein Beweiswert zu, 

zumal dieses weder einen Rückschluss auf den anschliessenden Aufent-

haltsort erlaube noch es als Nachweis für eine tatsächlich angetretene 

Reise gelte. Die eingereichten (teils unleserlichen) Quittungen seien eben-

falls nicht geeignet, einen genügenden Nachweis zu erbringen, zumal  

darauf lediglich Informationen einer Zahlkarte vermerkt seien, die sich  

bei ihrer Verwendung nicht zwangsläufig in seinem Besitz habe befinden 

müssen. Dem eingereichten Mietvertrag und der dazugehörigen Bestäti-

gung des Vermieters komme ebenfalls kein Beweiswert zu, zumal derartige 

Dokumente leicht fälschbar, käuflich zu erwerben oder als Gefälligkeits-

schreiben erhältlich seien. Ausserdem handle es sich bei diesen Dokumen-

ten ebenfalls nicht um einen Beleg für seine tatsächliche Anwesenheit in 

Serbien. Insgesamt habe er den geltend gemachten Aufenthalt ausserhalb 

der Dublin-Staaten weder glaubhaft machen noch zweifelsfrei nachweisen 

können. Das angestrebte Ehevorbereitungsverfahren erfordere seine  

Anwesenheit in der Schweiz sodann nicht und es stehe ihm und seiner 

Partnerin nach erfolgtem Eheschluss frei, mit Blick auf einen ausländer-

rechtlichen Familiennachzug ein entsprechendes Gesuch bei der zustän-

digen Migrationsbehörde einzureichen. Somit lägen keine Gründe vor, wel-

che die Rechtskraft der Verfügung vom 23. März 2022 beseitigen könnten. 

5.2 Zur Begründung seines Rechtsmittels brachte der Beschwerdeführer 

im Wesentlichen vor, er habe sich über vier Monate in Serbien aufgehalten, 

weshalb gestützt auf Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO die Zuständigkeit des ur-

sprünglich zuständigen Dublin-Mitgliedstaats Italien mittlerweile erloschen 

sei. Die Vorinstanz habe die es unterlassen, die eingereichten Beweismittel 

rechtmässig zu prüfen und zu würdigen. Die Vorinstanz habe dem einge-

reichten Busticket ohne begründete Anhaltspunkte pauschal jeglichen Be-

weiswert abgesprochen. Ähnlich argumentiere die Vorinstanz hinsichtlich 

des eingereichten Mietvertrags und der Quittungen. Sofern das SEM von 

der Unleserlichkeit der Quittungen ausgegangen sei, hätte es von ihm eine 

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besser zu lesende Kopie einfordern können. Die Behauptung, eine Dritt-

person hätte seine Bankkarte in Serbien benutzen können, erweise sich 

als ebenso haltlos wie die Mutmassungen der Vorinstanz zum Busticket. 

Die Vorinstanz spreche den eingereichten Beweismitteln zu Unrecht pau-

schal jeglichen Beweiswert ab, indem sie mögliche Alternativen zu deren 

Beschaffung erwähnt habe. Auf den eingereichten Beleg zu einer Hotel-

übernachtung in I._______ sei das SEM gar nicht eingegangen, weshalb 

auch diesbezüglich die Beweiswürdigung mangelhaft und rechtswidrig ver-

laufen sei. Schliesslich habe die Vorinstanz vor dem Hintergrund der aktu-

ellen Situation in Italien nicht abgeklärt, ob Italien ihm trotz Kapazitätsbe-

schränkungen Zugang zum Asylverfahren und entsprechender Unterkunft 

gewähren würde.  

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Wiedererwägungsgesuch des Beschwer-

deführers zu Recht abgelehnt hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen ist 

vorab auf die zutreffende Argumentation der Vorinstanz in der angefochte-

nen Verfügung zu verweisen. 

Ergänzend wird Folgendes festgehalten: 

6.2 Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO sieht unter anderem vor, dass die Pflicht 

eines Mitgliedstaats zur Aufnahme eines Antragsstellers (vgl. Art. 18 Abs. 1 

Dublin-III-VO) erlischt, wenn der Nachweis gelingt, dass die betreffende 

Person das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für mindestens drei Monate 

verlassen hat. Dieser Nachweis ist dem Beschwerdeführer gestützt auf die 

mit der Eingabe vom 9. November 2022 sowie mit der Beschwerde einge-

reichten Beweismittel nicht gelungen.  

6.3 Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer sich mit keinem 

Wort zur Frage äussert, aus welchem Grund er eigentlich aus der Schweiz 

nach Serbien und wieder zurück gereist sein will. Die Vermutung liegt nahe, 

dass es ihm dabei einzig darum ging, Fakten zu schaffen, um gestützt da-

rauf die in der Schweiz rechtskräftig festgestellte Zuständigkeit Italiens für 

die Behandlung seines Asylgesuchs unterlaufen zu können. Angesichts 

des demnach zu vermutenden unlauteren Hintergrunds des Wiedererwä-

gungsverfahrens – respektive des offensichtlichen Missbrauchspotenzials 

bei solchen Konstellationen – ist die kritische Beweiswürdigung des SEM 

nicht zu beanstanden. Dies umso weniger, nachdem der Beschwerdefüh-

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rer bereits im Rahmen seines ordentlichen Asylverfahrens geltend ge-

macht hatte, weil er das Dublin-Verfahren kenne habe er sich nach der 

Registrierung in Italien zunächst für gut drei Monate in die Ukraine bege-

ben, bevor er in die Schweiz gereist sei; dieses Vorbringen wurde von SEM 

und Bundesverwaltungsgericht als unglaubhaft qualifiziert (vgl. Urteil 

BVGer E-1693/2022 E. 6). Davon, dass das SEM eine "widerrechtliche  

Beweislastumkehr" vorgenommen habe (vgl. Beschwerde Rz. 22), kann  

im Rahmen des vorliegenden ausserordentlichen Rechtsmittelverfahrens 

im Übrigen keine Rede sein. 

6.4  

6.4.1 Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass das eingereichte Bus-

ticket von B._______ nach C._______ (Kroatien) keine Rückschlüsse über 

den anschliessenden Aufenthaltsort des Beschwerdeführers zulässt. 

Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass der Beschwerdeführer das 

bloss rund (…) Franken kostende Ticket eingelöst und die Busreise tat-

sächlich angetreten hat, beweist dies zudem offensichtlich nicht die be-

hauptete Ausreise aus dem Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten, nachdem 

Kroatien Mitgliedstaat des Dubliner-Abkommens ist. 

6.4.2 Der eingereichte Mietvertrag, der lediglich in serbischer Sprache vor-

liegt, lässt sodann – selbst bei Unterstellung seiner Authentizität – keine 

Schlüsse über den Ort des Vertragsschlusses zu. In diesem Zusammen-

hang ist darauf zu verweisen, dass der Vermieter gemäss dem ebenfalls 

eingereichten Bestätigungsschreiben über eine Schweizer Mobiltelefon-

nummer verfügt und sich selber als "Freund" des Beschwerdeführers be-

zeichnet. Insofern ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass weder der Miet-

vertrag noch das Bestätigungsschreiben die Anwesenheit des Beschwer-

deführers in Serbien ausreichend zu belegen vermögen. 

6.4.3 Aus den übrigen Beweismitteln ergibt sich sodann Folgendes: 

Lediglich drei der eingereichten Quittungen lassen Rückschlüsse auf das 

verwendete Zahlungsmittel (die Kredit- bzw. Zahlkarte lautend auf den  

Namen des Beschwerdeführers) zu. Diese Quittungen datieren vom 

21. Juli 2022, 1. August und 5. August 2022. Einen direkten Bezug zum 

Beschwerdeführer soll ausserdem die Hotelrechnung vom 14. September 

2022 herstellen. Somit existieren lediglich im Zeitraum vom 21. Juli 2022 

bis zum 14. September 2022 (und somit weniger als drei Monate) Trans-

aktionen, die gegebenenfalls überhaupt einen klaren Rückschluss auf den 

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Beschwerdeführer zulassen könnten. Wie die Vorinstanz zu Recht ange-

merkt hat, lassen sich gewisse Zweifel an der persönlichen Verwendung 

der Bankkarte und entsprechend der Anwesenheit des Beschwerdeführers 

in Serbien nicht in Abrede stellen.  

6.4.4 Insgesamt sind die eingereichten Beweismittel demnach offenkundig 

nicht geeignet, den behaupteten dreimonatigen Aufenthalt des Beschwer-

deführers ausserhalb des Hoheitsgebiets der Dublin-Mitgliedstaaten glaub-

haft zu machen geschweige denn zu beweisen. Es ist bei der geschilderten 

Aktenlage auch nicht mit Sicherheit auszuschliessen, dass er die Schweiz 

seit seiner ersten Einreise nie verlassen und sich seither bei Bekannten 

aufgehalten hat. 

6.4.5 Abschliessend lässt sich diesbezüglich erneut festhalten, dass die  

vorinstanzliche Beweiswürdigung nicht zu beanstanden ist und die ange-

fochtene Verfügung sich ausreichend mit den eingereichten Beweismitteln 

beschäftigt. Eine einlässliche Auseinandersetzung des SEM mit jedem ein-

zelnen Sachverhaltselement (respektive jeder einzelnen Quittung) war 

nicht erforderlich und eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung war 

dem Beschwerdeführer offensichtlich ohne Weiteres möglich. 

6.5 Der vom Beschwerdeführer infrage gestellte Zugang zum italienischen 

Asylsystem (vgl. Beschwerde Rzn. 25, 27 und 28) wurde im ordentlichen 

Verfahren abschliessend beurteilt. Der Vollständigkeit halber sei dennoch 

darauf hinzuweisen, dass es sich bei allfälligen Kapazitätsengpässen in 

Italien (höchstens) um ein temporäres Überstellungshindernis handelt, das 

einzig den Zeitpunkt der Überstellung und nicht die Rechtsstellung der 

Asylsuchenden betrifft und auch nicht die zwangsläufige Unmöglichkeit ei-

ner Überstellung innerhalb der dafür vorgesehenen Frist bedeutet.  

6.6 Betreffend das angestrebte Ehevorbereitungsverfahren ist auf die zu-

treffende Argumentation der Vorinstanz zu verweisen (vgl. Verfügung S. 2). 

6.7 Nach dem Gesagten liegen keine Gründe vor, welche die Zuständigkeit 

der italienischen Behörden infrage stellen oder auch sonst eine Wiederer-

wägung des ursprünglichen Dublin-Entscheids vom 23. März 2022 recht-

fertigen würden. Das SEM hat das Wiedererwägungsgesuch somit zu 

Recht abgewiesen. Für die eventualiter beantragte Rückweisung der  

Sache an die Vorinstanz besteht ebenfalls keine Veranlassung. 

  

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Seite 10 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

8.  

8.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. 

Die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und Befreiung von 

der Kostenvorschusspflicht erweisen sich als gegenstandslos. Der am 

5. Januar 2023 angeordnete Vollzugsstopp fällt dahin. 

8.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist ungeachtet der geltend gemachten prozessualen 

Bedürftigkeit abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend 

den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen 

haben. 

8.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1500.– dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1‒3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1500.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils 

zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Karin Parpan