# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7a9a9184-e4da-562b-8702-7272cc6a2cac
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.04.2024 E-2303/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2303-2020_2024-04-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2303/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiber Jonas Attenhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Shahryar Hemmaty,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 16. März 2020 / N (…). 

 

 

E-2303/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführer suchten am 8. Februar 2018 für sich und ihre min-

derjährigen Kinder in der Schweiz um Asyl nach. 

B.  

Am 14. Februar 2018 wurden der Beschwerdeführer und die Beschwerde-

führerin je im Rahmen ihrer Befragung zur Person (BzP) summarisch zum 

Reiseweg und zu ihren Asylgründen befragt (SEM-Akten A6 und A7). 

C.  

Am 16. Februar 2018 eröffnete die Vorinstanz das Dublin-Verfahren (SEM-

Akte A9). 

D.  

Am 1. Mai 2018 reichten die Beschwerdeführer zum Nachweis ihrer Iden-

tität Taskeras für sich und C._______ ein – alle mit Ausstellungsdatum (…) 

Oktober 2015 und Ausstellungsort F._______, Afghanistan. 

E.  

Mit Entscheid vom 4. Mai 2018 trat das SEM auf das Asylgesuch der Be-

schwerdeführer nicht ein und verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz 

sowie deren Vollzug. Die dagegen am 18. Mai 2018 erhobene Beschwerde 

wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2924/2018 vom 3. Sep-

tember 2018 ab. Am 29. September 2018 stellte der damalige Rechtsver-

treter der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein Wiedererwägungsge-

such und begründete dieses im Wesentlichen mit dem Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin und daraus resultierender Vollzugshinder-

nisse. Die Vorinstanz hiess das Wiedererwägungsgesuch am 25. Februar 

2019 gut, hob den Entscheid vom 4. Mai 2018 auf, beendete das Dublin-

Verfahren und nahm das erstinstanzliche Verfahren wieder auf (SEM-Akte 

A60). 

F.  

Am 6. September 2019 hörte das SEM die Beschwerdeführer je vertieft zu 

ihren Asylgründen an (SEM-Akten A52 und A53). 

G.  

Die Beschwerdeführer machten im Wesentlichen folgenden Sachverhalt 

geltend: Sie seien beide ethnische Hazara schiitischen Glaubens und 

stammten aus G._______, H._______, F._______. 2011 hätten Sie 

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Seite 3 

geheiratet und zuletzt mit Ihren Kindern in F._______ gelebt. Die Be-

schwerdeführerin habe während sechs oder acht Jahren die Schule be-

sucht, dann Schneiderin gelernt und später als Hausfrau gearbeitet. Der 

Beschwerdeführer habe sich zum Lehrer ausbilden lassen. Diesen Beruf 

habe er bis 2013 oder 2014 ausgeübt. Zudem sei er ab 2012 oder 2013 in 

der Sicherheitskommandatur in F._______ im Informatik-Bereich tätig ge-

wesen, wo er sich um die Waffen- und Munitionslieferungen gekümmert 

habe. 

Der Bruder des Beschwerdeführers sei Kommandant eines polizeilichen 

Kontrollpostens in H._______ gewesen. Im Herbst 2015 sei der Bruder auf 

seinem Arbeitsweg verschwunden. Nach ungefähr 20 Tagen habe der Be-

schwerdeführer einen Anruf eines Taliban erhalten, der ihn über die Ent-

führung des Bruders informiert und ihn dazu aufgefordert habe, Informati-

onen über die staatlichen Waffen- und Munitionstransporte an die Taliban 

weiterzuleiten, ansonsten sie seinen Bruder umbringen würden. Ein telefo-

nisches Gespräch mit dem Bruder selbst sei ihm nicht gewährt worden. 

Der Beschwerdeführer habe sich gegen eine Zusammenarbeit mit den Ta-

liban entschieden. Nach weiteren fünf Tagen sei er erneut angerufen wor-

den und man habe ihm selbst mit dem Tod gedroht sowie mit dem Tod 

seines Bruders und seiner Familie, falls er die Zusammenarbeit mit den 

Taliban verweigere. Zudem sei ihm viel Geld und Schutz für seine allfälligen 

Dienste angeboten worden. Er habe erneut ausgeschlagen und sei am fol-

genden Morgen telefonisch über den Tod seines Bruders und den Verbleib 

von dessen Leiche benachrichtigt worden. Nun habe der Beschwerdefüh-

rer den Chef der Verbrechensbekämpfung benachrichtigt und die Leiche 

seines Bruders sei ins Spital von F._______ gebracht worden, wo er ihn 

identifiziert habe. Der Bruder sei gefoltert und mit einem Schuss in die 

Brust getötet worden. Rund zehn Tage danach habe ein Taliban ihn erneut 

angerufen und ihm als Gegenleistung für eine Zusammenarbeit ein Vielfa-

ches seines Gehalts und Sicherheit für seine Familie angeboten. Der Be-

schwerdeführer sei jedoch aufgebracht gewesen über den Tod seines Bru-

ders und habe den Anrufer am Telefon beschimpft. 

Gut einen Monat später habe die Beschwerdeführerin anlässlich eines Bä-

ckereibesuchs vernommen, dass bewaffnete Männer, hinter denen sie Ta-

liban vermutet habe, nach dem Haus ihres Mannes gefragt hätten. Sie 

habe den Beschwerdeführer darüber informiert, und dieser habe beschlos-

sen, in derselben Nacht mit der Familie das Haus zu verlassen und zum 

Schwiegervater zu gehen. Am folgenden Tag habe der Beschwerdeführer 

das Haus des Schwiegervaters verlassen und sei im November 2015 

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Seite 4 

alleine in den Iran ausgereist. Die Beschwerdeführerin und die Kinder seien 

beim Schwiegervater geblieben. Wenige Tage nachdem die Beschwerde-

führer und ihre Kinder ihr Haus verlassen hätten, seien die Taliban erneut 

aufgetaucht und hätten die Nachbarn nach ihrem Verbleib befragt. 

Die Beschwerdeführerin sei dem Beschwerdeführer mit den Kindern rund 

drei Monate nach dessen Ausreise nachgereist und sie hätten sich im Iran 

wieder getroffen. Gemeinsam seien sie via die Türkei nach Griechenland 

weitergereist. Über Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich und Frank-

reich seien sie schliesslich in die Schweiz gelangt. Die Reise per verschie-

dener Schlepper habe insgesamt EUR 27'000.– gekostet. Dieses Geld 

habe der Beschwerdeführer geerbt. 

Der Beschwerdeführer ergänzte, dass die Hazara in Afghanistan zahlrei-

che Schwierigkeiten zu gewärtigen hätten. So sei es ihnen nicht möglich, 

ihre Religion auf angemessene Art und Weise zu praktizieren oder Bestat-

tungen zu organisieren. Sie seien Vertriebene und würden diskriminiert. 

Sie hätten nicht das Recht zu lernen und selbst arbeiten sei schwierig. Auf 

Reisewegen würden Hazara angehalten und getötet. 

H.  

Mit Verfügung vom 16. März 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft der Beschwerdeführer, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an, wobei der Vollzug der Wegweisung in-

folge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgescho-

ben wurde. 

I.  

Gegen die Verfügung des SEM erhoben die Beschwerdeführer mit Eingabe 

ihres Rechtsvertreters vom 30. April 2020 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde. Sie beantragen, es sei der Entscheid der Vorinstanz aufzu-

heben, die originäre Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführer und ih-

rer Kinder festzustellen und ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. Even-

tualiter sei die vom Beschwerdeführer abgeleitete Flüchtlingseigenschaft 

der Beschwerdeführerin und seiner Kinder festzustellen und ihnen in der 

Schweiz Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Sache zwecks Ergän-

zung des Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragen sie, es sei die unentgeltli-

che Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses zu verzichten. Weiter beantragen sie, es seien die Asylvorbrin-

gen der Kinder separat zu prüfen und diese seien dazu anzuhören. Mit der 

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Seite 5 

Beschwerde wurde eine Fürsorgebestätigung der Einwohnergemeinde 

I._______, J._______, vom 20. März 2020 eingereicht. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2020 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf einen Kostenvorschuss. Der Rechtsvertreter lic. iur. Shahryar 

Hemmaty wurde als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Mit derselben 

Zwischenverfügung ersuchte der Instruktionsrichter die Vorinstanz, bis am 

2. Juni 2020 eine Vernehmlassung einzureichen. Diese äusserte sich mit 

Vernehmlassung vom 10. Juni 2020 zur Beschwerdeschrift. 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 stellte der Instruktionsrichter die 

Vernehmlassung den Beschwerdeführern zu und setzte ihnen gleichzeitig 

Frist für eine Replik bis am 29. Juni 2020. Mit Eingabe vom 26. Juni 2020 

ging die Replik fristgereicht beim Bundesverwaltungsgericht ein. 

L.  

Mit Eingabe vom 20. Januar 2021 (fälschlicherweise datiert auf den 20. Ja-

nuar 2020; eingegangen am 26. Januar 2021) reichte der Rechtsvertreter 

der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben in 

deutscher Sprache mit Inhaltsangaben zu einem beiliegenden fremdspra-

chigen Beweismittel zu den Akten. 

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2021 brachte der Instruktionsrich-

ter die Replik der Vorinstanz zur Kenntnis und lud diese gleichzeitig und 

unter Beilage einer Kopie der Eingabe der Beschwerdeführer vom 20. Ja-

nuar 2021 zur Einreichung einer Duplik bis am 12. Februar 2021 ein. 

N.  

Mit Eingabe vom 3. Februar 2021 hielt das SEM an seinem Standpunkt 

fest und verzichtete auf eine weitergehende Stellungnahme im Rahmen 

der Duplik. 

O.  

Mit Eingabe vom 18. August 2021 ersuchte der Rechtsvertreter der Be-

schwerdeführer um Beschleunigung des Verfahrens. Mit Brief vom 25. Au-

gust 2021 verwies der Instruktionsrichter auf die Priorität der Verfahren mit 

gesetzlich geregelten Behandlungsfristen. Mit Eingabe vom 21. Juli 2022 

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Seite 6 

stellte der Beschwerdeführer erneut ein im Wesentlichen gleichlautendes 

Beschleunigungsgesuch. 

P.  

Mit Eingabe vom 4. September 2023 gelangte die Beschwerdeführerin mit 

einem als «Mehrfachgesuch» bezeichneten Schreiben ans SEM. Dieses 

behandelte das Schreiben als Eingabe im laufenden Beschwerdeverfahren 

und leitete es am 13. Dezember 2023 dem Bundesverwaltungsgericht wei-

ter. 

Q.  

Am 1. November 2023 gelangte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer 

mit einer weiteren Eingabe ans Bundesverwaltungsgericht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bis zu diesem Zeitpunkt geltende Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015). 

2.  

2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (vgl. Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.3 Die Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (vgl. 

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Seite 7 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (vgl. aArt. 108 Abs. 1 AsylG; und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier 

verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). Darüber hinaus 

muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was 

insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf ge-

fälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt. Auch dann nicht, wenn sie 

wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des 

Verfahrens Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt (vgl. E-

MARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). Die Mitwirkung am Verfahren wird 

vorausgesetzt (vgl. Art. 8 AsylG). 

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Seite 8 

5.  

5.1 Gemäss der Vorinstanz hielten die Vorbringen insgesamt weder den 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG, noch 

den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand. 

Bezüglich der Glaubhaftigkeit stellte die Vorinstanz fest, dass sich die Be-

schwerdeführerin in einem zentralen Punkt ihrer Vorbringen widersprochen 

habe. So habe sie in der BzP ausgeführt, dass der Bäcker Sie eines Mor-

gens über zwei Männer informiert habe, die er gesehen habe und die sich 

nach dem Aufenthaltsort Ihres Mannes erkundigt hätten (vgl. SEM-Akte A7 

F7.01). Hingegen habe sie in der Anhörung geschildert, sie sei an jenem 

Tag gegen 16:30 Uhr beim Bäcker gewesen. Dort hätten ihr einige Frauen 

erzählt, dass zwei Männer Kinder nach Ihrem Haus gefragt hätten (vgl. 

SEM-Akten A53, F44, F55-59). Damit konfrontiert, dass der Beschwerde-

führer in seiner BzP das Ereignis ebenfalls abweichend dargelegt habe, 

nämlich, dass Taliban am Abend zu ihnen in die Strasse gekommen seien 

(vgl. SEM-Akte A6 F7.01), habe sie entgegnet, es sei Abend gewesen, als 

sie dem Beschwerdeführer davon erzählt habe. Die abweichenden Schil-

derungen habe die Beschwerdeführerin mit der Einnahme von Medika-

menten erklären wollen, was als fraglich zu qualifizieren sei, da sie damals 

keine gesundheitlichen Beschwerden geäussert habe (vgl. SEM-Akte A7 

F8.02). Weiter habe die Beschwerdeführerin auf persönliche Probleme ver-

wiesen, die sie beschäftigen würden (vgl. SEM-Akte A53 F62-63.). Da es 

sich beim beschriebenen Vorfall um den eigentlichen Auslöser der geltend 

gemachten Flucht der Familie handle, würden die Erklärungsversuche die 

Widersprüche nicht aufzulösen vermögen. 

Weiter sei die Vorinstanz überrascht gewesen, dass der Beschwerdeführer 

die Geschehnisse rund um den behaupteten Tod des Bruders nicht mit Spi-

talunterlagen, einem Totenschein oder polizeilichen Protokollen habe do-

kumentieren können. Dies sei umso erstaunlicher angesichts der geltend 

gemachten Tätigkeit des Beschwerdeführers für die Polizei. Die Begrün-

dung des Beschwerdeführers, dass er auch vor der Ausreise über keine 

Unterlagen den Tod seines Bruders betreffend verfügt habe und solche nur 

persönlich vor Ort hätte beschaffen können, überzeuge das SEM nicht (vgl. 

SEM Akten A 52 F79-84). 

Schliesslich zweifelte die Vorinstanz an der Richtigkeit des vorgebrachten 

Fluchtgrundes. Es sei bemerkenswert, dass sich der Beschwerdeführer 

nach der Tötung seines Bruders durch die Taliban sowie Todesdrohungen 

ihm und seiner Familie gegenüber nicht veranlasst gesehen habe, Haus 

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und Dorf zu verlassen. Dies, obwohl er selbst erklärt habe, dass die Taliban 

alles über ihn gewusst hätten (vgl. SEM Akte A52 F48). Gemäss der Vo-

rinstanz sei befremdend, dass die Beschwerdeführer ihr Haus erst rund 

zwei Monate nach dem Tod des Bruders des Beschwerdeführers – dann 

jedoch überstürzt – verlassen hätten, nachdem die Beschwerdeführerin in 

der Bäckerei gehört habe, es hätten Männer nach ihnen oder ihrem Haus 

gefragt. 

Bezüglich der Asylrelevanz verneinte das SEM eine Exponiertheit des Be-

schwerdeführers. Gemäss dem SEM wäre einzig denkbar, dass dem Be-

schwerdeführer aufgrund seiner Mitarbeit in der Sicherheitskommandatur 

in F._______ die Unterstützung der (damaligen) afghanischen Regierung 

hätte vorgeworfen werden und er folglich als Feind der Taliban hätte iden-

tifiziert werden können. Dies träfe jedoch nicht zu, selbst wenn die Glaub-

haftigkeit seiner Ausreisegründe als vorausgesetzt bezeichnet werden 

könnten. So habe er für die Zeit vor der Entführung seines Bruders keinerlei 

Schwierigkeiten mit den Taliban erwähnt. Auch hätten die Taliban den Be-

schwerdeführer erst rund drei Wochen nach der Entführung seines Bruders 

kontaktiert, nachdem dieser ihnen offenbar von den Aufgaben des Be-

schwerdeführers in der Sicherheitskommandatur erzählt habe. Das Inte-

resse der Taliban an der Person des Beschwerdeführers hätte somit ledig-

lich darin bestanden, dass er die Taliban mit sensiblen Daten hätte versor-

gen können. Dafür hätten die anonymen Anrufer ihm gar das Doppelte sei-

ner damaligen Bezahlung geboten und in Aussicht gestellt, für die Sicher-

heit seiner Familie zu sorgen (vgl. SEM Akte A52 F92). 

Somit läge gemäss der Vorinstanz keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG vor, selbst wenn den Aussagen des Beschwerdeführers vollumfäng-

lich Glauben geschenkt werden könnte. Weiter schloss das SEM ein Inte-

resse seitens der Taliban an der Person des Beschwerdeführers auch im 

Zeitpunkt seines abweisenden Asylentscheids aus. So habe der Beschwer-

deführer seine Funktion in der Sicherheitskommandatur von F._______ zu 

dem Zeitpunkt bereits seit über vier Jahren nicht mehr innegehabt. Es be-

stehe demnach auch kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sich eine 

Verfolgung mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

verwirklichen würde. 

Gemäss der Vorinstanz liege ebenfalls keine asylrelevante Verfolgung vor, 

wenn staatliche Massnahmen rechtsstaatlich legitimen Zwecken dienten. 

Dies sei der Fall bei den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Re-

pressionen, die ihm bei einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seiner 

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Seite 10 

Dienstquittierung drohen würden. Weiter sei fraglich, ob der Beschwerde-

führer solche tatsächlich fürchte, da er sie erst auf Nachfrage der anwe-

senden Hilfswerksvertreterin zu Protokoll gegeben habe. 

Bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Nachteile auf-

grund der ethnischen Zugehörigkeit hielt das SEM mit Bezug auf die Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts fest, dass Hazara alleine we-

gen ihrer Volkszugehörigkeit keiner gezielten Verfolgung unterliegen wür-

den. Der Beschwerdeführer habe keine Nachteile vorgebracht, die eine 

asylrelevante Intensität zu entfalten vermöchten oder von denen er persön-

lich und direkt betroffen gewesen sei. Seine Schilderungen seien als Aus-

druck der allgemeinen Lebensbedingungen in Afghanistan zu taxieren und 

würden keine asylrechtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstel-

len. 

5.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe 

sich bezüglich Orts- und Zeitangaben in relevanten Punkten nicht wider-

sprochen. 

Bezüglich der Beschwerdeführerin hält die Beschwerde fest, der von ihr in 

ihrer Anhörung abweichend von ihren Aussagen in der BzP beschriebene 

Zeitpunkt des Bäckereibesuchs könne nicht als erheblich angesehen wer-

den. Die Einwände der Vorinstanz gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers entbehrten der Logik und basierten nicht auf 

verlässlicher allgemeiner Erfahrung. Es sei nicht möglich aufgrund von wi-

dersprechenden Angaben der Beschwerdeführerin auf die fehlende Glaub-

haftigkeit der Angaben des Beschwerdeführers zu schliessen.  

Bezüglich des zweimonatigen Zuwartens mit der Flucht entspreche es der 

allgemeinen Erfahrung, dass eine Flucht aus der Heimat das Risiko des 

wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs berge. Eine Flucht komme nur als 

ultima ratio in Frage und der Beschwerdeführer habe diese erst ergriffen, 

als den Kindern die Halbverwaisung gedroht habe. Auch aufgrund ihrer 

schlechten psychischen Verfassung hätten die Beschwerdeführer eine 

Flucht nur im äussersten Notfall aushalten können. Dieser Notfall sei erst 

eingetreten, als Männer nach ihrem Aufenthaltsort gefragt hätten. 

Dass der Beschwerdeführer keine Dokumente über den Tod seines Bru-

ders vorlegen konnte sei nur logisch, da etwa ein Totenschein nicht einfach 

herausgegeben würde. Ein Anruf im Spital in F._______ wäre mit grosser 

Gewissheit nicht zielführend gewesen, weil sein Bruder dort weder 

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behandelt noch obduziert worden sei. Da der Beschwerdeführer seine 

Stelle bei der Polizei unerlaubt verlassen habe und sich somit strafbar ge-

macht habe, sei es ihm nun unmöglich nochmals mit seiner ehemaligen 

Arbeitsstelle in Kontakt zu treten und nach einem Polizeirapport über den 

Tod des Bruders zu fragen. 

Eine wissenschaftlich gestützte, methodisch geleitete Analyse der Partei-

vorbringen weise die Asylbegründung des Beschwerdeführers als hochgra-

dig glaubhaft und den Beschwerdeführer als glaubwürdig aus. Insbeson-

dere enthielten seine Vorbringen eine Fülle und Vielfalt von Details mit spe-

zifischen Kennzeichnungen seiner jeweiligen situativ angemessen schei-

nenden Befindlichkeit und Selbstwahrnehmung sowie ethischen Erwägun-

gen. Auch spezifische Einzelheiten führe er an, die nur erklärbar seien als 

Wiedergabe von selbst oder durch Dritte erlebten Vorgängen. Auch scheue 

sich der Beschwerdeführer nicht, eigene Schwächen, wie etwa seine Ohn-

machtsattacken oder die Versuchung mit den Taliban zusammenzuarbei-

ten, einzugestehen. Die Aussagen würden den Anschein erwecken, dass 

sie frisch gebliebene Erinnerungen wiedergeben, was umso bemerkens-

werter sei, als bei der Befragung die berichteten Ereignisse ungefähr vier 

volle, ereignisreiche Jahre zurückgelegen hätten. Der Beschwerdeführer 

habe demnach die traumatisierungsgeeigneten Erlebnisse noch nicht ver-

arbeiten können. 

Indem der Beschwerdeführer sich geweigert habe, mit den Taliban zu ko-

operieren, habe er diese gedemütigt, weil damit die Tötung des Bruders für 

sie nutzlos geblieben sei. Es bestehe deshalb eine erhebliche Gefahr wei-

terer Verfolgung. Der Staat Afghanistan sei auf absehbare Zeit nicht zum 

Schutz der Familie imstande gewesen. Bei einer Machtbeteiligung der Ta-

liban hätte er Schikanen zu befürchten. Der Beschwerdeführer sei somit 

zur Flucht und einhergehenden Preisgabe seiner wirtschaftlichen und so-

zialen Existenz gezwungen gewesen. 

Die Beschwerdeführerin sei durch die Verfolgung ihres Ehemannes in ihrer 

Existenz ebenfalls direkt bedroht. Dies auch aufgrund ihrer arbeitsteiligen 

Rolle als Hausfrau. Ferner seien Frauen in Afghanistan in allen Lebensbe-

reichen benachteiligt und es würden für sie keine wirksamen staatlichen 

Institutionen zur Prävention und zur Ahndung von Gewalt bestehen. 

In Bezug auf die Kinder der Beschwerdeführer wird in der Rechtsmittelein-

gabe geltend gemacht, die Verfolgung des Vaters sei auch gezielt gegen 

diese gerichtet. Die Vorinstanz habe es unterlassen, die Asylrelevanz der 

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von den Verfolgern ausdrücklich angestrebten Benachteiligung der Kinder 

zu ermitteln und zu erwägen. Dazu bedürfe es auch einer Spezifizierung 

des Verfolgungsbegriffs für Kinder, um sie nicht wegen ihres Alters auf-

grund von Art. 8 Abs. 2 BV unzulässig zu diskriminieren. Weiter habe es 

die Vorinstanz in rechtswidriger Weise unterlassen, die allfällige originäre 

Flüchtlingseigenschaft der Kinder anhand der Rechte gemäss dem Über-

einkommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, 

SR 0.107) abzuklären und zu erwägen. Etwa könne die Angst der Kinder 

vor dem Verlust der Eltern eine Verletzung des Anspruchs auf bestmögli-

che Entwicklungsförderung sein, worin ein ernsthafter Nachteil i.S. von Art. 

3 AsylG liegen könne. Das älteste, urteilsfähige Kind sei nicht befragt und 

nicht pflichtgemäss über seine Verfahrensrechte orientiert worden. 

Es wird vorgebracht, die Beschwerdeführer und ihre Kinder würden bei ei-

ner Rückkehr nach Afghanistan dauernd und unausweichlich an die erlitte-

nen Schrecken erinnert, welche Entführung, Folterung und Tötung des Bru-

ders des Beschwerdeführers verursacht habe. Diese Folgen würden einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. 

Der Entscheid des SEM basiere entgegen den SEM-eigenen Vorgaben 

nicht auf einer minutiösen oder ergebnisoffenen Prüfung. Auch habe das 

SEM nicht direkt auf länderspezifische Informationen zurückgegriffen, als 

es eine zukünftige Bedrohung des Beschwerdeführers ausgeschlossen 

habe. Je schlechter die allgemeine Menschenrechtslage in einem Land sei 

und je weniger der Staat den Schutz der Menschenrechte gewährleisten 

könne, desto geringer seien die Anforderungen an die individuelle Bedro-

hung. 

Weiter wird in der Beschwerde vorgebracht, dass aufgrund der Regie-

rungsnähe des Beschwerdeführers eine Gefährdung durch die Taliban be-

stehe. Entgegen der Meinung der Vorinstanz gehöre der Beschwerdefüh-

rer somit zu einer Risikogruppe. 

Schliesslich wird geltend gemacht, dass das unerlaubte Verlassen des Ar-

beitsplatzes infolge der Flucht des Beschwerdeführers zu einem Strafver-

fahren im Falle seiner Rückkehr nach Afghanistan führen müsse, welches 

die Minimalanforderungen eines rechtsstaatlichen Verfahrens nicht erfüllen 

und mit ungewisser Strafe geahndet würde. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz fest, die Beschwerde ent-

halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine 

E-2303/2020 

Seite 13 

Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Die Kinder der Be-

schwerdeführer im damaligen Alter von (…), (…) und (…) Jahren nicht zu 

ihren allfälligen eigenen Asylgründen zu befragen, entspreche der Amts-

praxis des SEM, wonach keine Befragungen und Anhörungen von unter 

14-jährigen, begleiteten Kindern stattfänden. Weiter befremde das SEM, 

dass von der Urteilsfähigkeit des ältesten, damals (…) Jahre alten Kindes 

ausgegangen und bemängelt werde, es sei nicht über seine Verfahrens-

rechte informiert worden. Zudem sei nicht schlüssig, inwiefern den drei Kin-

dern nach der erfolgten Prüfung der Asylgründe ihrer Eltern vorliegend ein 

zusätzliches oder anderes Interesse betreffend ihre Flüchtlingseigenschaft 

zukommen sollte. Daran vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, 

dass die Verfolger dem Beschwerdeführer mit Konsequenzen für seine Fa-

milienmitglieder gedroht hätten. 

5.4 In ihrer Replik machen die Beschwerdeführer geltend, die Interessen 

des Kindes würden sich teilweise mit den Interessen der Eltern decken, 

teilweise seien sie durch die unterschiedliche Generationenzugehörigkeit 

fundamental verschieden, würden sich aber grösstenteils in den einzelnen 

Rechtsgarantien der KRK niederschlagen. Ferner sei die Urteilsfähigkeit 

eines Prozessbeteiligten immer fallspezifisch zu ermitteln, dürfe aber nie 

an ein fixes Alter geknüpft werden. Die Urteilsfähigkeit des ältesten Kindes 

sei zu vermuten und dürfe jedenfalls nicht ungeprüft verneint werden, ohne 

Bezug zu nehmen auf Art. 19 und 19c Abs. 1 ZGB. Die Weigerung des 

SEM, unter 15-jährige, begleitete Kinder anzuhören verletze Art. 29 BV und 

Art. 12 KRK. 

5.5 Beim später eingereichten fremdsprachigen Beweismittel handelt es 

sich gemäss Begleitschreiben des Rechtsvertreters um ein Dokument, das 

die Entführung des Bruders des Beschwerdeführers vom 29. Juli 2015 und 

seine Hinrichtung am 25. August 2015 bestätige. Das Bestätigungsschrei-

ben habe aufgrund des Gesuchs eines Rechtsanwalts in Afghanistan be-

schafft werden können und sei unterzeichnet von der Polizeibehörde und 

dem Innenministerium von F._______. 

5.6 Auf das neue Beweismittel aufmerksam gemacht und zur Duplik einge-

laden, verzichtete das SEM auf eine Stellungnahme und verwies vollum-

fänglich auf seine bisherigen Erwägungen. 

5.7 Mit ihrer als «Mehrfachgesuch» bezeichneten und vom SEM zutreffend 

als Eingabe im Beschwerdeverfahren behandelten, sowie ans Bundesver-

waltungsgericht weitergeleiteten Eingabe vom 4. September 2023 macht 

E-2303/2020 

Seite 14 

die Beschwerdeführerin eine Verschlechterung der Situation von Frauen 

und Mädchen in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban geltend. 

Als afghanische Frau erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihr 

Asyl zu gewähren. Ausser der veränderten Sachlage in Afghanistan mache 

sie keine weiteren Gründe geltend. 

Bezüglich der minderjährigen Kinder macht die Beschwerdeführerin nun-

mehr geltend, diese seien in ihre Asyl- und Flüchtlingseigenschaft einzu-

beziehen. 

5.8 Mit Eingabe vom 1. November 2023 verweist der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführer auf eine Praxisänderung des SEM in Bezug auf weibli-

che afghanische Asylsuchende. Afghanische Frauen und Mädchen würden 

vom SEM als potentielle Opfer diskriminierender Gesetzgebung und reli-

giös motivierter Verfolgung anerkannt und würden entsprechend die 

Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Die neue Praxis des SEM nehme spezi-

fisch Bezug auf individuelle Risikoprofile und Umstände, die bei einer 

Rückkehr nach Afghanistan eine erhöhte Gefährdungslage implizieren 

würden. In Anbetracht dieser Situation sowie der gesundheitlichen Verfas-

sung der Beschwerdeführerin ersuche er um eine individuelle Fallprüfung. 

6.  

6.1 Das Gericht stellt mit der Vorinstanz fest, dass die Beschwerdeführer 

wesentliche Vorbringen nicht glaubhaft machen konnten (vgl. E. 5.1).  

Bezüglich des Bäckereibesuchs der Beschwerdeführerin und somit des un-

mittelbaren Auslösers der Flucht sind die Widersprüche zwischen ihrer BzP 

und ihrer Anhörung nicht zu erklären. Zudem werden in der Beschwerde 

wiederum ein anderer Zeitpunkt des Bäckereibesuchs und andere Über-

bringerinnen der Nachricht (die Bäckerinnen) genannt (Beschwerde S. 4). 

Es erscheint zweifelhaft, dass die Beschwerdeführer zuerst ihr Haus und 

dann ihre Heimat fluchtartig verlassen, ohne dass sich ihnen Zeitpunkt und 

Urheberschaft der Schreckensnachricht einprägen. Dieselben Zweifel er-

geben sich aufgrund der je gegenteiligen Angaben der Beschwerdeführer 

darüber, wer von den beiden den anderen aufgefordert habe, sie sollen 

sofort Haus und Dorf verlassen (vgl. SEM-Akten A52 F48; A53 F44). 

Wie der Vorinstanz, erschliesst sich auch dem Gericht das Zuwarten mit 

der Flucht nicht. Die Taliban hätten kurz nach der Tötung des Bruders dem 

Beschwerdeführer selber und seiner Familie mit dem Tod gedroht. Auch 

hätten sie zu diesem Zeitpunkt bereits gewusst, wo die Beschwerdeführer 

E-2303/2020 

Seite 15 

wohnten (vgl. SEM Akte A52 F48). Es leuchtet daher nicht ein, dass die 

Familie nach der Tötung des Bruders während mehrerer Wochen in ihrem 

Haus verblieben sein, dieses dann aber überstürzt verlassen haben soll 

(vgl. SEM-Akte A52 F48; A53 F60 f.; Beschwerde S.6). Dies leuchtet umso 

weniger ein, als gemäss Beschwerde die Tötung des Bruders den einzigen 

Zweck verfolgt habe, die Kooperation des Beschwerdeführers zu erreichen 

und dieser seine Funktion bei der Sicherheitsbehörde weiterhin ausgeübt 

habe (vgl. Beschwerde S.10). 

Das Gericht kann mit der Vorinstanz ebenfalls nicht nachvollziehen, wes-

halb keine Dokumente vorliegen, die den Tod des Bruders direkt bestäti-

gen, wie etwa ein Totenschein. Die Behauptung des Beschwerdeführers, 

nicht damit gerechnet zu haben, dass er eines Tages das Land verlassen 

und diese Dokumente brauchen würde, überzeugt nicht (vgl. SEM-Akte 

A52 F84). Das Fehlen von Dokumenten stösst sich auch an der Angabe 

des Beschwerdeführers, ihm sei das Erbe des vor Jahren verstorbenen 

Vaters in Höhe von EUR 27'000.– als einzigem Erben zugefallen (SEM-

Akte A6 F5.01). Gemäss dieser Angabe hätte er das Geld erst nach dem 

Tod des (älteren) Bruders erhalten, da wiederum gemäss eigener Angaben 

beide denselben Vater hatten (vgl. SEM-Akten A52 F18; A6 F1.16.02; Ein-

gabe vom 20. Januar 2021). Bei einem für Afghanistan dermassen hohen 

Betrag würde man erwarten, dass sich der Beschwerdeführer auf irgend-

eine Art und Weise über den Antritt des Erbes nach dem behaupteten Tod 

des Bruders würde ausweisen können oder wollen. 

Jedenfalls sind die Umstände des geltend gemachten Todes des Bruders 

und damit der Ausreisegrund ausgesprochen zweifelhaft. Dass der Be-

schwerdeführer in der Anhörung behauptet, er habe den Anruf mit der 

Nachricht über den Tod des Bruders bei der Arbeit erhalten, in der Be-

schwerde jedoch gesagt wird, er sei an diesem Tag nicht zur Arbeit gegan-

gen verstärkt die Zweifel zusätzlich (vgl. SEM-Akte A52 F71; Beschwerde 

S.5). 

6.2 Das Gericht stellt zudem fest, dass die vorgebrachte separate und um 

drei Monate verzögerte Ausreise der Beschwerdeführerin mit den Kindern 

in einem offensichtlichen Widerspruch steht zu den von den Beschwerde-

führern gemachten Zeitangaben. 

Gemäss den Akten wurden die Beschwerdeführer am 6. September 2017 

in Ungarn registriert (SEM-Akte A18). Davor waren sie gemäss eigenen 

Angaben mindestens 12 Monate in Serbien und 9 Monate in Griechenland 

E-2303/2020 

Seite 16 

(vgl. SEM-Akten A6 F5.01; A7 F5.01; A30 S.2). Vor ihrer Ankunft in Grie-

chenland auf dem Seeweg seien sie durch die Türkei und den Iran gereist, 

nachdem die Familie in Maschhad, Iran, wieder vereint worden sei (vgl. 

SEM-Akten A6 F5.01; A7 F5.01). Diese Zeitangaben und der Reiseweg 

können demnach übereinstimmen mit der für den Beschwerdeführer gel-

tend gemachten Ausreise aus Afghanistan vom November 2015 (vgl. SEM-

Akte A6 F5.01). Gemäss diesen Zeitangaben kann jedoch die Behauptung 

nicht stimmen, dass die Beschwerdeführerin und die Kinder erst drei Mo-

nate später aus Afghanistan ausgereist seien (vgl. SEM-Akten A6 F5.01; 

A52 F48; A53 F44; Beschwerde S.4). 

Dasselbe Bild ergibt sich aufgrund der vorliegenden Taskeras beider Be-

schwerdeführer und C._______. Alle drei Taskeras weisen dasselbe Aus-

stellungsdatum vom 31. Oktober 2015 auf. Die Behauptung, dass der Be-

schwerdeführer nach seiner Flucht den Schwiegervater aus dem Iran an-

gewiesen habe für Frau und Kinder Taskeras zu besorgen, erscheint daher 

sehr unwahrscheinlich (vgl. SEM-Akte A53 F44). 

Somit ist nicht glaubhaft gemacht, der Beschwerdeführer hätte sich vorab 

in Sicherheit gebracht, um seine Familie nicht zu gefährden (Beschwerde 

S.4). Daraus ergeben sich wiederum erhebliche Zweifel am Ausreisegrund. 

6.3 An den Zweifeln des Gerichts ändert an dieser Stelle auch das auf Be-

schwerdeebene als Beweismittel eingereichte und leicht fälschbare Schrei-

ben, bei dem es sich mutmasslich um eine Bestätigung der Entführung und 

Tötung des Bruders seitens der Polizeibehörde und des Innenministeriums 

von F._______ handelt, nichts mehr. Der Verzicht des SEM auf einen zwei-

ten Schriftenwechsel mangels Erheblichkeit des Beweismittels kann somit 

gestützt werden. Die Frage, ob und wie der Beschwerdeführer doch noch 

an ein behördliches Bestätigungsschreiben gelangen konnte, nachdem er 

zuvor behauptete, nichts von den Behörden erlangen zu können, weil er 

seinen Dienst infolge überstürzter Flucht und in strafbarer Weise verlassen 

habe, kann offenbleiben (vgl. SEM-Akte A52 F82; Beschwerde S.16 f.). 

6.4 Zu den festgestellten zahlreichen Widersprüchen kommt hinzu, dass 

beide Beschwerdeführer angaben, in keinem anderen Land als der 

Schweiz einen Asylantrag gestellt zu haben (vgl. SEM-Akten A6 F2.06; A7 

F2.06, F5.01). Gemäss den Akten haben die Beschwerdeführer jedoch in 

Ungarn, Österreich und Frankreich Asylanträge gestellt (SEM-Akten A5; 

A18). In Ungarn erhielten sie zudem subsidiären Schutz (SEM-Akte A18). 

Somit sind ihre Angaben als aktenwidrig zu qualifizieren. 

E-2303/2020 

Seite 17 

An dieser Stelle muss das Gericht nicht nur die Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen, sondern auch die persönliche Glaubwürdigkeit der Beschwerde-

führer in Abrede stellen. Offengelassen werden kann die Frage, weshalb 

die Beschwerdeführerin in ihrer BzP aussagte, ihr Mann habe als Lehrer 

an der K._______ Schule noch zwei bis drei Tage vor seiner Flucht die 

Schule aufgesucht, während er angab, den Lehrerberuf bereits 2014 zu-

gunsten der Tätigkeit in der Sicherheitsbehörde aufgegeben zu haben (vgl. 

SEM-Akten A6 F1.17.04; A7 F7.02; A52 F18; Beschwerde S.3). 

7.  

7.1 Selbst bei Wahrunterstellung der Vorbringen des Beschwerdeführers 

ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass ihnen die Asylrelevanz fehlt. 

Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen sich bei 

der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von Personen 

definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsri-

siko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die der af-

ghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahestehen 

oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich 

orientierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen nicht 

entsprechende Personen. Dabei ist davon auszugehen, dass auch die fa-

miliäre Zugehörigkeit zu einer Person, die einem erhöhten Verfolgungsri-

siko im Sinne der obenstehenden Erwägungen ausgesetzt ist, zu einer Re-

flexverfolgung führen kann. Dies gilt insbesondere in Bezug auf (ehema-

lige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte 

oder der Regierung nahestehende Personen. Die konkrete Einschätzung 

des Risikoprofils ist im jeweiligen Einzelfall vorzunehmen (vgl. statt vieler 

Urteil des BVGer D-1884/2023 vom 25. Januar 2024 E. 6.2 m.w.H.). 

Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass die Taliban am Beschwerdeführer 

nur interessiert waren, während er seine mutmassliche Position bei der Si-

cherheitsbehörde innehatte, weil diese ihnen hätte nützlich sein können. 

Vor den behaupteten Erpressungsversuchen gegen ihn und seine Familie 

habe er keine Probleme mit den Taliban gehabt (vgl. SEM-Akte A6 F7.03). 

Bei der Sicherheitsbehörde habe seine Funktion lediglich in der Datenver-

arbeitung der Waffenlieferungen bestanden. Auch bei Wahrunterstellung 

seiner damaligen Position bei der Sicherheitsbehörde ist nicht zu erwarten, 

dass die Taliban über acht Jahre nach seiner Ausreise und über zwei Jahre 

nach ihrer Machtübernahme noch ein Interesse an ihm haben sollten. So-

mit können der Beschwerdeführer und seine Familie auch nach der 

E-2303/2020 

Seite 18 

Machtübernahme der Taliban im Sinne der Rechtsprechung nicht als ex-

poniert gelten. 

7.2 Die Zugehörigkeit der Beschwerdeführer zur ethnischen Minderheit der 

Hazara vermag für sich allein keine Asylrelevanz zu entfalten. Es ist zwar 

nicht in Abrede zu stellen, dass sich die Situation der Hazara in Afghanistan 

schwierig präsentieren kann. Gemäss der Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts ist indessen auch nach der Machtübernahme der Ta-

liban nicht von einer Kollektivverfolgung von Hazara in Afghanistan auszu-

gehen (vgl. Urteile des BVGer E-3516/2023 vom 29. November 2023 E. 6.9 

und D-4340/2023 vom 8. November 2023 E. 7.4.3, je m.w.H.). 

7.3 Im Folgenden prüft das Gericht die Asylrelevanz der Zugehörigkeit zum 

weiblichen Geschlecht in Afghanistan. 

7.3.1 In seiner letzten Eingabe verlangt der Rechtsvertreter eine individu-

elle Prüfung des Falles der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Situation 

der Frauen in Afghanistan seit Machtübernahme der Taliban (oben, 5.8). 

Dazu ist vorab zu bemerken, dass sowohl das SEM als auch das Gericht 

bei jedem Asylgesuch eine individuelle Prüfung vorzunehmen haben 

(Art. 12 VwVG). Im Asylverfahren muss die gesuchstellende Person ihre 

Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen 

(Art.  3 i.V.m. Art. 7 AsylG). Nur wenn die gesuchstellende Person ihre Zu-

gehörigkeit zu einem Personenkreis, der gemäss Rechtsprechung der Kol-

lektivverfolgung unterliegt, glaubhaft machen konnte, beschränkt sich die 

weitere Prüfung auf das Nichtvorhandensein der Asylausschlussgründe in 

Art. 53 und 54 AsylG. Gehört die gesuchstellende Person jedoch keinem 

solchen Kollektiv an, so ist wiederum individuell zu prüfen, ob sie ander-

weitig ein Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG sowie daraus resul-

tierende ernsthafte Nachteile glaubhaft machen kann (vgl. Art. 3 i.V.m. 

Art. 7 AsylG; BVGE 2014/32 E. 7.3). 

7.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in Bezug auf Frauen und Mäd-

chen in Afghanistan bisher nicht von einer Kollektivverfolgung, basierend 

auf der Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, aus (vgl. Urteile des 

BVGer D-4386/2022, D-4390/2022 vom 22. November 2023 E. 6.5; 

E-1060/2022 vom 22. März 2022 E. 6.2.1). 

Gemäss Art. 3 Abs. 2 Satz 2 AsylG ist den frauenspezifischen Fluchtgrün-

den Rechnung zu tragen. Verfolgung aufgrund des Geschlechts ist somit 

bei der Auslegung von Art. 3 Abs. 1 AsylG mitzuberücksichtigen. «Zu 

E-2303/2020 

Seite 19 

betonen ist allerdings, dass dies nicht heisst, dass die Liste der in Art. 3 

Abs. 1 AsylG aufgezählten Verfolgungsgründe um ein neues, selbständi-

ges Motiv erweitert würde» (EMARK 2006/32 E. 8.7.3; vgl. auch SPE-

SCHA/ZÜND/BOLZLI/HRUSCHKA/DE WECK [Hrsg.] Kommentar Migrations-

recht, 5. Aufl. 2019, Art. 3 AsylG N. 17). Eine geschlechtsgerechte Ausle-

gung von Art. 3 AsylG bedeutet «keineswegs, dass alle Frauen automa-

tisch als Flüchtlinge gelten würden. Jede asylsuchende Frau hat nämlich 

im Einzelfall glaubhaft zu machen, dass sie begründete Furcht vor Verfol-

gung hat; sind ihre Vorbringen als glaubhaft zu erachten, setzt eine behörd-

liche Feststellung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass neben einem 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotiv auch die übrigen Kriterien 

von Art. 3 Abs. 1 AsylG erfüllt sind. Dabei ist gerade mit Blick auf das Er-

fordernis einer bestimmten Intensität erlittener Nachteile zu beachten, dass 

geschlechtsspezifische Diskriminierungen für sich allein in der Regel keine 

flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung darstellen» (EMARK 2006/32 E. 

8.7.3 m.w.H.; vgl auch das SEM Handbuch, demgemäss generelle Unter-

drückungsmassnahmen und grundsätzliche Schwierigkeiten, denen 

Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft ausgesetzt sind für sich al-

lein keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen [SEM Hand-

buch Asyl und Rückkehr, Artikel D2.1 – Die geschlechtsspezifische Verfol-

gung, Stand 1. März 2019, zuletzt geändert 11.10.2021, S.10]). 

«Der Unterschied zwischen Diskriminierung und flüchtlingsrechtlicher Ver-

folgung liegt vorab in der Intensität des Eingriffs» (EMARK 2006/32 E. 8.7.1 

m.w.H.). Eine genügende Intensität für ein flüchtlingsrechtlich relevantes 

Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt etwa dann vor, 

wenn eine Frau oder ein Mädchen von Zwangsheirat oder Ehrenmord be-

droht ist und nicht denselben staatlichen Schutz erhält, mit dem im Allge-

meinen männliche Opfer von privater Gewalt rechnen können (vgl. etwa 

Urteile des BVGer D-1595/2019 vom 22. September 2023 E. 4.2 und D-

4606/2019 vom 22. Juni 2022 E. 6.2 m.w.H.). In diesen Fällen kann ein 

flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungsmotiv aufgrund des Geschlechts 

allein erblickt werden, unabhängig davon, ob und inwieweit das Mädchen 

oder die Frau zusammen mit anderen eine bestimmte soziale Gruppe ge-

mäss Art. 3 Abs. 1 AsylG beziehungsweise Art. 1 A Ziff. 2 des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) bildet (EMARK 2006/32 E. 8.7.2). 

Eine Kollektivverfolgung jedoch, auf Grund derer man bei Frauen und Mäd-

chen ohne Einzelfallprüfung von einer Verfolgung ausgehen würde, kann 

nach dem Gesagten nur aufgrund eines zusätzlichen Verfolgungsmotivs 

E-2303/2020 

Seite 20 

definiert werden. Als das Bundesverwaltungsgericht im Falle von Frauen 

und Mädchen in Somalia eine Kollektivverfolgung annahm, verlangte es 

nicht nur die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht, sondern zusätzlich 

das Verfolgungsmotiv der Zugehörigkeit zu einem Minderheitenclan, die in-

terne Vertreibung und das Fehlen des Schutzes durch einen erwachsenen 

männlichen Verwandten (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.6). 

7.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat in Grundsatzentscheiden wieder-

holt festgestellt, dass die Anforderungen an die Feststellung einer Kollek-

tivverfolgung sehr hoch sind (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2 m.w.H.). Aus An-

lass der Definition der Kollektivverfolgung hat das Bundesverwaltungsge-

richt auch den Begriff des unerträglichen psychischen Drucks ausgelegt. 

Ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 AsylG liegt vor, 

wenn einzelne Personen oder Teile einer Bevölkerung systematisch 

schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Menschenrechte durch den 

Staat ausgesetzt sind und diese Eingriffe eine derartige Intensität errei-

chen, dass ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich erscheint 

(vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2 m.w.H.). 

In einem kürzlich ergangenen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts 

wurde ein unerträglicher psychischer Druck im Fall von zwei jungen, ledi-

gen afghanischen Beschwerdeführerinnen bejaht, welche die 12. Klasse 

abgeschlossen hatten, studieren wollten und zudem eine Reflexverfolgung 

durch die Taliban aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters, eines in der Schweiz 

als Flüchtling mit Asyl anerkannten Journalisten, fürchteten (vgl. Urteil des 

BVGer D-4386/2022, D-4390/2022 vom 22. November 2023 E. 6.5). In die-

sem Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht die Zugehörigkeit zum weib-

lichen Geschlecht somit um weitere Verfolgungsmotive ergänzt und an-

schliessend eine Verfolgung im Einzelfall bejaht. Mit dem genannten Urteil 

erfolgte jedoch keine Änderung der Praxis, wonach das Bundesverwal-

tungsgericht nicht von einer Kollektivverfolgung von Frauen in Afghanistan 

ausgeht. 

7.3.4 Bei der Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall handelt es sich um 

eine verheiratete Frau. Als solche ist sie in Afghanistan nicht dem Risiko 

einer Zwangsheirat ausgesetzt. Da sie in Hausgemeinschaft mit dem Be-

schwerdeführer lebt sowie keine Übergriffe durch diesen geltend macht, 

besteht aus heutiger Sicht auch kein asylrechtlich relevantes Risiko der 

Gewaltanwendung gegen sie. Damit stellt sich diesbezüglich auch nicht die 

Frage der Schutzmöglichkeit und des Schutzwillens der Taliban-Regie-

rung. 

E-2303/2020 

Seite 21 

Die Beschwerdeführerin gab an, sechs oder acht Jahre zur Schule gegan-

gen zu sein (SEM-Akte A7 F1.17.04; A53 F30). An ihrer BzP erwähnte sie, 

die Bedingungen in Afghanistan würden es für Frauen der Ethnie der Ha-

zara unmöglich machen zu studieren (SEM-Akte A7 F1.17.04). An ihrer An-

hörung sagte sie dann, sie hätte nach einem Umzug der Eltern an einen 

Ort, wo es viele Taliban gegeben habe, die Schule dort nicht weitergeführt, 

weil sie eine Burka hätte tragen müssen, was sie nicht habe tun wollen 

(SEM-Akte A53 F32). Anstatt die Schule weiterzuführen, hat die Beschwer-

deführerin zu Hause Schneiderin gelernt (SEM-Akte A53 F33). Seither war 

sie Hausfrau und Mutter (SEM-Akten A7 F1.17.04 f.; A53 F34-36). Ihren 

Schulabbruch macht sie nicht als Fluchtgrund geltend. Auch macht sie 

nicht geltend, sich gegen das Tragen der Burka aufgelehnt zu haben. Von 

einem unerträglichen psychischen Druck kann daher nicht ausgegangen 

werden. Somit entfällt die Asylrelevanz der nicht weitergeführten Schulbil-

dung und es erübrigt sich im Fall der Beschwerdeführerin auch die Frage, 

ob ihr ausserhalb des öffentlichen Raums in Afghanistan eine Weiterbil-

dungsalternative zur Verfügung stünde. 

Im vorliegenden Verfahren wurden keine weiteren individuellen Flucht-

gründe der Beschwerdeführerin geltend gemacht – dies auch nicht mit den 

Eingaben nach Machtübernahme der Taliban. Es besteht daher in diesem 

Fall kein Anlass, neben der erfolgten individuellen Prüfung die Zugehörig-

keit zum weiblichen Geschlecht um eines oder mehrere Verfolgungsmotive 

zu ergänzen und so eine Kollektivverfolgung zu definieren. 

7.3.5 Da die letzten beiden Eingaben im Namen der Beschwerdeführerin 

als Begründung einzig eine Praxisänderung des SEM angeben, sieht sich 

das Gericht zu folgender Einschätzung veranlasst: Gemäss dem Fakten-

blatt «Praxisänderung weibliche afghanische Asylsuchende» des SEM 

vom 26. September 2023  «können weibliche Asylsuchende aus Afghanis-

tan sowohl als Opfer diskriminierender Gesetzgebung als auch einer reli-

giös motivierten Verfolgung betrachtet werden – wenn nicht ohnehin an-

dere flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotive zum Tragen kom-

men. Ihnen ist die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen» (abgerufen am 

21.3.2024 unter https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/asyl/afghanis-

tan.html). Diese Aussage kann so verstanden werden, dass das SEM von 

einer Kollektivverfolgung von Frauen und Mädchen in Afghanistan basie-

rend allein auf der Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht ausgeht, 

ohne jeweils ein weiteres, individuelles Verfolgungsmotiv zu verlangen. 

Eine solche Praxis wäre wie dargelegt weder im Einklang mit dem Gesetz 

noch mit der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, da eine 

E-2303/2020 

Seite 22 

Kollektivverfolgung von Frauen und Mädchen nicht basierend auf dem Ge-

schlecht allein, sondern nur aufgrund zusätzlicher Verfolgungsmotive an-

genommen werden kann (vgl. oben 7.3.2). 

7.4 Die fehlende Glaubhaftigkeit des Ausreisegrundes, sowie die fehlende 

Asylrelevanz und damit die fehlenden Asylgründe der Eltern beschlagen 

auch die Kinder.  

Bezüglich der formellen Rüge, die Asylvorbringen der Kinder seien separat 

zu prüfen und sie seien dazu anzuhören, verweist das Gericht mit der Vor-

instanz auf die fehlende Urteilsfähigkeit der Kinder der Beschwerdeführer. 

Die Stellung von begleiteten minderjährigen Kindern im Asylverfahren rich-

tet sich nach Art. 5 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. 

August 1999 (AsylV 1, SR 142.311). Ein eigenes Asylgesuch eines Fami-

lienangehörigen setzt demgemäss Urteilsfähigkeit voraus. Die Urteilsfähig-

keit in Bezug auf die Durchführung eines Asylverfahrens wiederum setzt 

voraus, dass die asylsuchende Person in der Lage ist, bezüglich der in 

einem Asylverfahren erforderlichen Mitwirkung vernunftgemäss zu handeln 

und namentlich ihre Verfolgungssituation nachvollziehbar zu schildern (vgl. 

statt vieler Urteil des BVGer E-3026/2021 vom 7. August 2023 E. 6.2.3 

m.w.H.). Vorliegend kann in Bezug auf die Geltendmachung von Asylgrün-

den aufgrund des Alters der Kinder sowohl zum Zeitpunkt der vorgebrach-

ten Flucht als auch zum heutigen Zeitpunkt nicht von ihrer Urteilsfähigkeit 

ausgegangen werden. Der Antrag auf eine separate Anhörung und Prüfung 

ihrer eigenen Asylvorbringen ist somit abzuweisen. 

8.  

Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, wo-

nach die Beschwerdeführer bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Af-

ghanistan einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefahr ausgesetzt wären. 

Sie haben insgesamt nichts vorgebracht, was geeignet wäre, ihre Flücht-

lingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die 

Vorinstanz hat die Asylgesuche zu Recht abgelehnt. 

 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

E-2303/2020 

Seite 23 

9.2 Die Beschwerdeführer verfügen insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG). 

9.4 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 16. März 2020 die vorläu-

fige Aufnahme der Beschwerdeführer in der Schweiz angeordnet hat, er-

übrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumut-

barkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. statt vieler Urteil 

des BVGer E-4702/2019 vom 5. Oktober 2020 E. 7.2). Die vorläufige Auf-

nahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Rechtskraft. Somit 

erübrigen sich vorliegend Ausführungen zum geltend gemachten Gesund-

heitszustand der Beschwerdeführerin. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den 

Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen jedoch 

mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2020 die unentgeltliche Prozessfüh-

rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Verfah-

renskosten zu erheben. 

11.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertreter der Beschwerdeführer als 

amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet wurde, ist er für seinen Aufwand un-

besehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit dieser 

sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Gericht geht bei amt-

licher Vertretung praxisgemäss von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis 

Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 

VGKE). Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb der notwendige 

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Seite 24 

Aufwand aufgrund der Akten zu bestimmen ist (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9–13 VGKE) ist dem Rechtsvertreter für seinen Aufwand zulasten der 

Gerichtskasse ein amtliches Honorar in Höhe von Fr. 1050.– (inklusive 

Auslagen) auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2303/2020 

Seite 25 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird zulasten der Gerichtskasse ein Hono-

rar von Fr. 1050.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

David R. Wenger Jonas Attenhofer 

 

 

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