# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 70c32a7f-9d9f-53cf-b6bb-8ffaea31b951
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.07.2009 D-4212/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4212-2009_2009-07-08.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4212/2009/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  8 .  J u l i  2 0 0 9

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von Richterin Emilia Antonioni;
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______
Nigeria,
B.________
Beschwerdeführer,

gegen 

Bundesamt für Migration (BFM)
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 18. Juni 2009 / N______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4212/2009

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer  am 1. März  2008 ohne Einreichung von 
Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass er im C._______ am 17. März 2008 einer Erstbefragung unterzo-
gen wurde,

dass das BFM mit Verfügung 20. April 2009 in Anwendung von Art. 32 
Abs. 2 Bst. c AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eintrat  mit  der  Begründung,  dieser  sei  nicht  zur  Anhörung  vom 
20. März 2009 erschienen und habe, obwohl am 23. März 2009 dazu 
schriftlich  aufgefordert,  keine  entsprechende  Stellungnahme  einge-
reicht, 

Page 2

D-4212/2009

dass der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe vom 27. April  2009 an das 
Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde 
erhob,

dass die Vorinstanz, nachdem interne Nachforschungen ergeben hat-
ten,  dass der Beschwerdeführer entgegegen der Annahme im ange-
fochtenen Entscheid fristgerecht eine Stellungnahme zur versäumten 
Teilnahme an der auf den 20. März 2009 angesetzten Anhörung einge-
reicht hatte, den Nichteintretensentscheid vom 20. April 2009 im Rah-
men  des  Vernehmlassungsverfahrens  wiedererwägungsweise  aufhob 
und die Wiederaufnahme des Asylverfahrens verfügte,

dass  in  der  Folge das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Entscheid  vom 
6. Mai  2009 das Beschwerdeverfahren als  gegenstandslos geworden 
abschrieb,

dass das BFM am 12. Juni 2009 eine Anhörung des Beschwerdefüh-
rers durchführte,

dass der Beschwerdeführer im Rahmen dieser Anhörung und der vor-
angegangenen Erstbefragung vom 17. März 2008 unter anderem an-
gab,  er  sei  nigerianischer  Staatsangehöriger  und  stamme  aus 
D._______,

dass sein Zwillingsbruder als Angehöriger einer militanten Gruppe an 
einem Überfall  auf  eine Ölfirma und der Entführung von zehn Mitar-
beitern beteiligt gewesen sei, 

dass die Sicherheitsbehörden das Haus, in dem er mit seinem Bruder 
und der Mutter gelebt habe, angezündet und seine Mutter getötet hät-
ten,

dass er wegen der Ähnlichkeit mit seinem Bruder mit diesem verwech-
selt worden sei und er daher habe flüchten müssen,

dass er zuerst nach E.______ und von dort  in Begleitung mit einem 
Flugzeug  nach  Frankreich  und  anschliessend  mit  dem  Zug  in  die 
Schweiz gelangt sei, 

dass er nie Identitätspapiere besessen und 'mit einem grünen Papier, 
das jeweils sein Begleiter vorgewiesen habe', gereist sei (vgl. A1, S. 3 
und 5),

Page 3

D-4212/2009

dass für weitere Einzelheiten auf die vorinstanzlichen Akten verwiesen 
werden  kann  (vgl.  Art.  109  Abs. 3 BGG  i.V.m. Art.  6  und  Art.  111a 
Abs. 2 AsylG),

dass der Beschwerdeführer trotz Aufforderung im C._______ bis zum 
jetzigen Zeitpunkt keine Identitätspapiere eingereicht hat,

dass das BFM mit  – am 23. Juni  2009 eröffnetem  – Entscheid vom 
18. Juni  2009  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs. 2  Bst.  a  und  Abs. 3 
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat,  des-
sen  Wegweisung  anordnete  und  den  Vollzug  als  zulässig,  zumutbar 
und möglich erachtete,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 30. Juni  2009  an  das 
Bundesverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde erhob 
und  dabei  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  unter  anderem  um  Ge-
währung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 VwVG ersuchte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 2. Juli 2009 beim Bundesverwal-
tungsgericht eingingen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 - 34 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG,

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  sowie  Art.  6  AsylG  i.V.m. 
Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

Page 4

D-4212/2009

rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass daher auf den Antrag in der Beschwerdeschrift, das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers sei gutzuheissen, nicht einzutreten ist, 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen  ist,  wobei  auf  die  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Ver-
fügung verwiesen werden kann  (vgl. Art. 111a Abs. 2 AsylG und 109 
Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde, 

dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetre-
ten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von 
48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspa-
piere abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet,  wenn Asylgesuch-
steller  glaubhaft  machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 
wird oder zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind 
(vgl. Art. 32 Abs. 3 AsylG),

dass das Bundesamt offensichtlich zu Recht zum Schluss gelangt ist, 
der  Beschwerdeführer  mache angesichts  der  unglaubhaften angebli-
chen Reiseumstände und der teils  widersprüchlichen Angaben keine 

Page 5

D-4212/2009

entschuldbaren Gründe für das versäumte Einreichen von Identitätsdo-
kumenten geltend, 

dass hierzu auf die zutreffenden Erwägungen des Bundesamtes ver-
wiesen werden kann, zumal die blosse Behauptung in der Beschwer-
de,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  seit  seiner  Einreise  in  die 
Schweiz stets um die Beschaffung von Identitätsdokumenten bemüht 
und zu diesem Zweck seinen Onkel  kontaktiert,  an dieser  Einschät-
zung nichts zu ändern vermag,

dass auch der weitere Erklärungsversuch, die Beschaffung von Identi-
tätsdokumenten  sei  schwierig,  weil  die  Geburtsurkunde  und  seine 
Zeugnisse verbrannt seien, nicht zu überzeugen vermag, hat der Be-
schwerdeführer doch, wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, 
zum Verbleib seiner Papiere im Heimatstaat im Rahmen der Befragun-
gen widersprüchliche Angaben gemacht,

dass im Weiteren die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Vor-
bringen,  aus  Furcht,  mit  seinem von den Behörden gesuchten Zwil-
lingsbruder  verwechselt  und  festgenommen zu  werden,  wie  von  der 
Vorinstanz zutreffend festgestellt, widersprüchlich ausgefallen sind,

dass hinsichtlich näherer Begründung zur Vermeidung von Wiederho-
lungen  auf  die  zu  bestätigenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen 
Verfügung verwiesen werden kann (vgl. Art. 109 Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 
6 AsylG), zumal die Entgegnung in der Beschwerde, der Beschwerde-
führer habe aus 'momentaner Verwirrtheit die Jahreszahlen durchein-
andergebracht', als unbehelflicher Erklärungsversuch zu erachten ist,

dass  sich  die  übrigen  Argumente  in  der  Beschwerdeschrift  in  einer 
Wiederholung  der  bereits  im  vorinstanzlichen  Verfahren  geltend  ge-
machten  Vorbringen,  blossen  Behauptungen  und  allgemeinen  Aus-
führungen erschöpfen, 

dass auch keine Abklärungen im Sinne von Art. 32 Abs. 3 AsylG not-
wendig erscheinen,

dass  das  Bundesamt  somit  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers nicht eingetreten ist,

dass, befindet sich der Asylsuchende nicht im Besitz einer ausländer-
rechtlichen Aufenthaltsbewilligung,  die  Anordnung einer  Wegweisung 

Page 6

D-4212/2009

die gesetzliche Regelfolge des Nichteintretens auf ein Asylgesuch ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  über  keine  derartige  Bewilligung  verfügt 
und auch keinen Anspruch auf eine solche geltend machen kann, wes-
halb die von der Vorinstanz ausgesprochene Wegweisung im Einklang 
mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist  (vgl. 
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [ARK] / EMARK 2001 Nr. 21),

dass das Bundesamt, ist der Vollzug nicht möglich, nicht zulässig oder 
nicht  zumutbar,  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme von  Ausländern  regelt 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass der Vollzug der Wegweisung des jungen, nach eigenen Angaben 
gesunden Beschwerdeführers als zulässig, zumutbar und möglich im 
Sinne von Art. 83 AuG zu erachten ist, weshalb die Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme ausser Betracht fällt,

dass die  angefochtene Verfügung,  da diese weder  Bundesrecht  ver-
letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von 
der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt  wurde (vgl. Art. 106 
AsylG), zu bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen ist,

dass  die  eingereichte  Beschwerde  als  zum  Vornherein  aussichtslos 
erschien,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.– 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE) dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Page 7

D-4212/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.
Dieses Urteil geht an:

- den  Beschwerdeführer (eingeschrieben;  Beilage:  Einzahlungs-
schein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N______
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand am:

Page 8