# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a840a2b1-e6b0-502d-b763-e2ecee79ba9e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.12.2010 D-1837/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1837-2007_2010-12-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1837/2007/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Richter Fulvio Haefeli; 
Gerichtsschreiberin Jacqueline Augsburger.

A._______, geboren [...], Russland,
vertreten durch lic. iur. Christian Wyss, Fürsprecher, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 8. Februar 2007 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1837/2007

Sachverhalt:

A.
Die aus Z._______ in Tschetschenien stammende Beschwerdeführerin 
verliess ihren Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im Februar 2001 
und  lebte  fortan  in  der  Stadt  Y._______  in  der  russischen  Republik 
Bashkortostan. Am 12. Oktober 2006 reiste sie auf dem Luftweg von 
Moskau mit  einem Touristenvisum legal  in  die  Schweiz  ein,  und am 
18. Oktober  2006  stellte  sie  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
(EVZ) Basel ein Asylgesuch. Nach der Befragung zur Person (BzP) im 
EVZ Chiasso am 30. Oktober 2006 fand am 5. Februar 2007 die ein-
lässliche Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM statt. 

B.
Die Beschwerdeführerin machte bei den beiden Befragungen im We-
sentlichen geltend, sie habe in der [...]klinik in Grosny als [...]ärztin ge-
arbeitet; ihr Ehemann sei als [...] am selben Spital tätig gewesen. Wäh-
rend  des  zweiten  Tschetschenienkrieges  hätten  sie  verletzte  Wider-
standskämpfer operiert, ihre Krankheitsgeschichten verfälscht und sie 
als Zivilisten zur weiteren Behandlung nach Dagestan oder Ingusche-
tien geschickt. Sie hätten am Ort der Kämpfe auch provisorische Kran-
kenlager eingerichtet. Jemand habe sie verraten, und im Januar 2001 
seien Maskierte bei ihnen zu Hause eingedrungen, hätten sie und ih-
ren Mann zusammengeschlagen, ihre Münder geknebelt, ihnen Säcke 
über die Köpfe gestülpt und sie an einen unbekannten Ort gebracht. 
Später habe sie erfahren,  dass es ein Lager in X._______ gewesen 
sei. In einem Keller hätten russische Offiziere sie – die Beschwerde-
führerin – zunächst verhört, um zu erfahren, wen sie behandelt und mit 
wem sie zusammengearbeitet  hätten. Nach den Verhören hätten die 
russischen Offiziere sie vergewaltigt. Sie sei im dritten Monat schwan-
ger gewesen und habe aufgrund der Schläge und der Vergewaltigun-
gen mehrmals das Bewusstsein verloren. Sie wisse nicht, wie oft sie 
vergewaltigt worden sei; es seien sehr viele Leute gewesen, russische 
Offiziere und andere Soldaten, sie habe gehört, wie sie einander er-
muntert  hätten,  weiterzumachen. Ihr  Kopf sei  geschwollen gewesen, 
sie habe eine Gehirnerschütterung gehabt und nichts mehr sehen kön-
nen. Von ihrer Schwester habe sie später gehört, sie habe vier bis fünf 
Tage oder gar eine Woche dort verbracht. Ihre Verwandten hätten sie 
für 3000 Dollar freigekauft. Ihr Ehemann sei umgebracht worden, und 
seine Verwandten hätten für die Herausgabe seiner Leiche 1000 Dollar 
bezahlt. Nach der Freilassung habe sie zunächst bei ihrer Schwester 

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in Z._______ gewohnt, wo sie eine Fehlgeburt erlitten habe. Ihre Ver-
wandten hätten dann ihre Ausreise nach Y._______ zu einem befreun-
deten Ehepaar organisiert, mit dem sie studiert habe. 

Mit  Hilfe dieser Freunde, bei denen sie ein Jahr lang gewohnt habe, 
habe sie sich in Y._______ im April 2001 gegen Bestechungsgeld ei -
nen echten Reisepass ausstellen lassen, und von September 2002 bis 
April  2003 sei  sie in  Y._______ provisorisch registriert  gewesen. Ein 
Polizist sei ca. dreimal zu ihren Freunden gekommen, weil die Nach-
barn erzählt hätten, dass dort eine fremde Person wohne; er habe sie 
dann aber in  Ruhe gelassen, weil  er  gemerkt  habe, dass sie nichts 
verbrochen hätten. Sie  habe in Y._______ in ständiger  Angst  gelebt 
und häufig ihren Wohnort  gewechselt. Durch die Vermittlung des be-
freundeten Ehepaars habe sie eine Anstellung als  [...]ärztin  in einer 
Ambulanz-Station  erhalten,  von der  aus Verletzte  in  die Spitäler  ge-
bracht worden seien. Dort sei sie bis am 31. August 2006 illegal tätig  
gewesen, und sie habe auch in einer privaten [...]klinik gearbeitet. 

Am 31. August  2006  sei  sie  im  Rahmen einer  Routinekontrolle  von 
Tschetschenen an ihrem Wohnort in Y._______ verhaftet und zur Iden-
titätsabklärung  auf  einen  Polizeiposten  gebracht  worden.  Dort  habe 
man  ihr  Fotos  ihrer  ehemaligen  Ärztekollegen  während  des  Tsche-
tschenienkrieges vorgehalten und sie gefragt, ob sie die darauf abge-
bildeten Leute kenne, weshalb sie Tschetschenien verlassen und wa-
rum sie keine Registrierung habe. Die Leute der "speziellen Dienste" 
(vgl. Protokoll vom 5. Februar 2007, act. A15 S. 9), welche sie tagsüber 
verhörten, hätten ihr mitgeteilt,  sie würden eine Anfrage nach Tsche-
tschenien schicken. In der ersten Nacht sei sie in einer Zelle von zwei 
Aufsehern vergewaltigt worden, in der zweiten Nacht von einem Auf-
seher. Am 3. September 2006 habe man sie unter der Auflage freige-
lassen, die Stadt Y._______ nicht zu verlassen, solange die Anfrage in 
Tschetschenien pendent sei. Die Vergewaltigungen habe sie nicht an-
gezeigt, weil sie dadurch als Tschetschenin nur noch mehr Probleme 
bekommen hätte  und weil  die  Täter  sie  eingeschüchtert  hätten. Ihre 
Schwestern hätten darauf bestanden, dass sie das Land verlasse; mit 
Hilfe  von  Freunden,  die  ihre  Ausreise  organisierten,  flog  sie  am 
12. Oktober 2006 vom Flughafen Moskau in die Schweiz. 

Ihre Mutter sei nach ihrer Ausreise zusammengeschlagen worden und 
verstorben. Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwer-
deführerin einen am 11. September 2002 ausgestellten russischen In-

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landspass sowie einen Ausweis des tschetschenischen Gesundheits-
ministeriums von 1999 zu den Akten. 

Die Beschwerdeführerin wurde für die Dauer des Verfahrens dem Kan-
ton V._______ zugewiesen. 

C.
Am 18. September 2006 richtete das BFM eine Anfrage bezüglich des 
Einreisevisums der Beschwerdeführerin an die Schweizer Botschaft in 
Moskau. Gemäss den Abklärungen der  Botschaft  war sie  mit  einem 
am 9. September 2006 in Moskau beantragten Touristenvisum unter ih-
rem eigenen Namen als "stellvertretende Direktorin" respektive "Com-
merce Director" (vgl. A12/24 S. 1 und 2) einer Firma in die Schweiz 
eingereist. Weiter ergab die Abklärung, dass die Beschwerdeführerin 
über eine bis am 27. April 2007 gültige Nieder lassungsbestätigung der 
Stadt Y._______ verfügte, welche laut der Botschaft jährlich erneuert  
wird. Am 11. September 2002 sei ihr zudem in Y._______ ein Inlands-
pass ausgestellt  worden,  woraus zu schliessen sei,  dass sie bereits 
seit etlichen Jahren, mindestens aber seit 2002 in Y._______ wohnhaft 
gewesen sei. Aus den Botschaftsunterlagen geht weiter hervor, dass 
der  Beschwerdeführerin  am 24. August  2005  in  Y._______  ein  Aus-
landspass  ausgestellt  wurde. Die  Vorinstanz  gewährte  ihr  zu  diesen 
Ergebnissen anlässlich der Befragung vom 5. Februar 2007 das recht-
liche Gehör. 

D.
Das BFM stellte  mit  Verfügung  vom 8. Februar  2007  – eröffnet  am 
9. Februar 2007 – fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ver fügte 
es die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ord-
nete  den Vollzug an. Zur  Begründung führte  die Vorinstanz aus,  die 
Vorbringen hielten weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31)  noch  denjenigen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7 
AsylG stand. 

Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Misshandlungen 
und Vergewaltigungen anlässlich der Haft in Grosny im Jahr 2001 stell -
te die Vorinstanz nicht in Abrede. Sie ging jedoch davon aus, dass die 
Freilassung  gegen  Zahlung  eines  Lösegeldes  nur  möglich  gewesen 
sei, weil gegen die Beschwerdeführerin nichts Gravierendes vorgele-
gen habe. Das BFM sah seine Vermutung, die föderalen Kräfte hätten 

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keine  Verfolgungsabsichten  gegen  die  Beschwerdeführerin  gehegt, 
auch  dadurch  bestätigt,  dass  diese  kurz  nach  ihrer  Freilassung  im 
Februar problemlos unter ihrem eigenen Namen aus Tschetschenien 
ausreisen  konnte.  Ihr  Aufenthalt  in  Y._______  in  der  Republik 
Bashkortostan  untermauere  die  Annahme,  sie  könne  sich  auf  dem 
Staatsgebiet der Russischen Föderation aufhalten, ohne Verfolgungs-
massnahmen befürchten zu müssen. Dafür spreche ebenfalls, dass sie 
sich im September 2002 in Y._______ einen echten Inlandspass und 
im August 2005 einen echten Auslandspass habe beschaffen können, 
und dass sie eine bis im April 2007 gültige Registrierung für die Stadt 
Y._______ besitze, da die Hürden für  den Erhalt  dieser Papiere  be-
kanntermassen gerade für Tschetschenen sehr hoch seien und vor ih-
rer Ausstellung umfangreiche Abklärungen getätigt würden. Die Erklä-
rung der Beschwerdeführerin,  sie habe die Pässe und die Registrie-
rung durch Korruption erhalten, wertet das Bundesamt als Schutzbe-
hauptung, sei es doch nicht einsichtig, weshalb sie diesfalls die Papie-
re auf  ihren eigenen Namen hätte ausstellen lassen und damit  eine 
Spur zu ihrer Vergangenheit  hätte legen sollen. Zudem widerspreche 
es den Erkenntnissen des BFM, dass tatsächlich gesuchte Personen 
problemlos über den strikt  kontrollierten Moskauer Flughafen ausrei-
sen könnten. 

Die  Verfolgungsvorbringen,  welche  die  Beschwerdeführerin  während 
ihres Aufenthaltes in der Stadt Y._______ in der Republik Bashkorto-
stan geltend macht, vermögen laut der Vorinstanz aufgrund von meh-
reren  Widersprüchen  die  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  ge-
mäss Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen. 

In der Befragung zur Person habe die Beschwerdeführerin ausgesagt, 
sie sei vom 31. August 2006 bis am 2. September 2006 während zwei-
er Tage in der Polizeistation in Y._______ inhaftiert gewesen; in der Di-
rektanhörung  hingegen  habe  sie  angegeben,  bis  am  3.  September 
2006 inhaftiert gewesen zu sein. Dieser an sich kleine Widerspruch sei 
nicht mehr nachvollziehbar angesichts ihrer Aussage, während zweier 
Nächte  vergewaltigt  worden  zu  sein  und  während  der  dritten  Nacht 
Angst vor einer weiteren Vergewaltigung gehabt zu haben. Zudem ha-
be sie während der Direktanhörung an einer Stelle erzählt, zwei Poli-
zisten hätten sie  vergewaltigt,  an  anderer  Stelle  aber,  es  seien drei 
Vergewaltiger gewesen. 

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Nicht  nachvollziehbar sei weiter,  dass die Beschwerdeführerin einer-
seits im Rahmen einer allgemeinen Überprüfung von Tschetschenen 
inhaftiert und ihr eine Nachfrage in Tschetschenien angekündigt wor-
den sei,  ihr andererseits aber nach Eintreffen auf dem Polizeiposten 
Fotos ihrer ehemaligen Ärztekollegen vorgelegt worden seien. Bei der 
ersten Version hätten die Behörden nicht gewusst, mit wem sie es zu 
tun hatten, bei der zweiten hätten sie es gewusst, weshalb sich eine 
Anfrage in Tschetschenien erübrigt hätte. Auch die Angaben der Be-
schwerdeführerin  hinsichtlich der Überprüfung ihrer  Anwesenheit  vor 
der angeblichen Inhaftierung in  Y._______ seien widersprüchlich ge-
wesen. Während sie anlässlich der  BzP gesagt  habe,  sie sei  in  der 
Wohnung ihrer Freunde einmal von Polizisten aufgesucht und befragt 
worden, habe sie an der Direktanhörung angegeben, der zuständige 
Polizist sei drei Mal in die Wohnung ihrer Freunde gekommen und ha-
be sich ausschliesslich mit diesen unterhalten. 

Den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Tschetschenien  bezeichnete  die 
Vorinstanz aufgrund der  dortigen allgemeinen Lage  als  unzumutbar. 
Sie  bejahte  jedoch  die  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs in andere Teile der Russischen Föderation. Ein Gross-
teil  der tschetschenischen Bevölkerung Russlands lebe traditionel ler-
weise ausserhalb der Republik Tschetschenien. Die Niederlassung sei 
nicht mehr bewilligungspflichtig, und die russischen Behörden würden 
mit der Registrierung von einem Entscheid eines Bürgers, sich in ei-
nem bestimmten  Gebiet  niederlassen  zu  wollen,  nur  noch  Kenntnis 
nehmen. Die  Versuche in einzelnen Ballungsgebieten,  durch admini-
strative Massnahmen einen unkontrollierten Zuzug zu verhindern, ha-
be  das  Verfassungsgericht  als  verfassungswidrig  aufgehoben.  Auf-
grund der Grösse der Russischen Föderation und des unterschiedli-
chen Charakters ihrer einzelnen Subjekte bestehe somit die Möglich-
keit, ausserhalb Tschetscheniens zumindest temporär einen Aufenthalt 
zu finden,  beispielsweise im Wolgagebiet  oder in  Dagestan. Die  Be-
schwerdeführerin  habe  eine  sehr  gute  Ausbildung  als  Ärztin  sowie 
reichlich Berufserfahrung; sie habe mehrere Jahre in Y._______ gelebt 
und dort auch ihren Beruf ausüben können. Sie verfüge in Y._______ 
über ein Beziehungsnetz sowie eine gültige Registrierung und könne 
daher problemlos in diese Stadt zurückkehren. 

E.
Mit Eingabe ihres damaligen Rechtsvertreters vom 12. März 2007 er-
hob  die  Beschwerdeführerin  beim  Bundesverwaltungsgericht  Be-

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schwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung. Sie beantragte die Auf-
hebung der angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung oder je-
denfalls die Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft. Eventualiter seien 
die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses. Mit der Rechtsmitteleingabe reichte die Beschwerdeführerin 
eine Fürsorgebestätigung vom 12. März 2007 ein.

Zu den von der Vorinstanz beanstandeten Widersprüchen in den Anga-
ben zur Anzahl Vergewaltiger in Y._______ im Jahr 2006 macht die Be-
schwerdeführerin geltend, aus ihrer Aussage, nachts von zwei Aufse-
hern vergewaltigt worden zu sein (act. A15 S. 10), werde nicht ersicht-
lich, ob es sich um die erste Nacht oder um beide Nächte zusammen 
gehandelt habe. An anderer Stelle habe sie gesagt, sie sei in der ers-
ten Nacht von zwei, in der zweiten von einer weiteren, insgesamt von 
drei Personen vergewaltigt worden (act. A15 S. 11). Die Aussagen wür-
den sich nicht eindeutig widersprechen. Es sei bekannt, dass traumati-
sierte  Menschen  Mühe  bekundeten,  das  Erlebte  wahrheitsgetreu, 
chronologisch,  widerspruchsfrei,  detailreich  und  vollständig  zu  schil-
dern. Ungereimtheiten in den Aussagen sprächen sogar für die Glaub-
würdigkeit  der Beschwerdeführerin. Grundsätzlich seien ihre  Vorbrin-
gen genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel. 

Die  Beschwerdeführerin  macht  weiter  geltend,  sie  werde  in  der  ge-
samten Russischen Föderation  und insbesondere in  Tschetschenien 
im Sinne von Art. 3  AsylG verfolgt. Die Behauptung des Bundesam-
tes – welches die Ereignisse in Grosny im Jahr 2001 nicht bestritten 
habe  – gegen  sie  habe  nichts  vorgelegen,  sei  zynisch.  Willkürliche 
Misshandlungen  tschetschenischer  Gefangener  in  Haftanstalten  und 
ihre Freilassung gegen die Bezahlung beträchtlicher Summen an rus-
sische Offiziere seien damals üblich gewesen. Alle Inhaftierten seien 
unter  dem  Verdacht  der  Zusammenarbeit  mit  den  Rebellengruppen 
festgenommen worden. Die Beschwerdeführerin sei als Frau erniedrigt 
und gebrochen worden. Die  Frage,  ob etwas gegen  sie  vorlag oder 
nicht,  interessiere in Anbetracht des Verlustes ihres Ehemannes und 
des ungeborenen Kindes sowie der erlittenen Vergewaltigungen nicht. 

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Mit  Hinweis  auf  das  Update  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe 
(SFH) vom 7. November 2005 zu Tschetschenien wird in der Rechts-
mittelschrift  ferner festgehalten, der Zugang zu Identitätspapieren für 
Tschetschenen  sei  zwar  erschwert;  als  Tschetschenin  in  Russland 
über Identitätspapiere zu verfügen, sei jedoch nicht aussergewöhnlich, 
da es möglich sei, sowohl Inlands- als auch Auslandspässe gegen Be-
stechungsgelder zu erhalten. 

Die Beschwerdeführerin bestreitet die von der Vorinstanz bejahte Zu-
lässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Sie sei in ihrer 
Heimat  mehrfach gefoltert  und  vergewaltigt  worden. Das menschen-
rechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) schütze gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfas-
sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, 
SR 101) auch Asylsuchende, deren Gesuch mangels Flüchtlingseigen-
schaft abgewiesen wurde. Während ihres Aufenthalts in Y._______ ha-
be  sie  in  permanenter  Angst  gelebt  und  ihren  Wohnort  ständig  ge-
wechselt. Sie habe nur illegal arbeiten können und sei oft von der Poli-
zei  kontrolliert  worden. Gemäss dem SFH-Update  vom 7. November 
2005 seien Diskiminierungen und Misshandlungen von Tschetschenen 
durch Privatpersonen und durch Beamte weit verbreitet. Sie müssten 
willkürliche Verhaftungen, konstruierte Anklagen, illegale Identitätskon-
trollen,  aber  auch  Angriffe  durch  Privatpersonen  über  sich  ergehen 
lassen,  könnten  nicht  legal  arbeiten,  und  der  Zugang  zum Gesund-
heits-  und  Bildungswesen sowie  zu Altersrenten  sei  ihnen verwehrt. 
Die  Beschwerdeführerin  sei  in  regelmässiger  ärztlicher  Behandlung; 
ein ärztlicher Bericht werde nachgereicht. 

F.
Mit Zwischenverfügung vom 15. März 2007 stellte der zuständige In-
struktionsrichter die Behandlung des Gesuchs um Gewährung der un-
entgeltlichen  Rechtspflege  zu  einem späteren  Zeitpunkt  in  Aussicht 
und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Weiter 
forderte er die Beschwerdeführerin auf, allfällige Wegweisungshinder-
nisse  medizinischer  Natur  durch  einen  aktuellen,  detaillierten  ärztli-
chen Bericht zu belegen sowie eine Erklärung über die Entbindung der 
behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht einzureichen. 

G.
Mit  Eingabe  vom 11. April  2007 liess  die  Beschwerdeführerin  einen 

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ärztlichen Bericht von Dr. med. B._______, Fachärztin für Psychiatrie 
und Psychotherapie, vom 9. April 2007 sowie die unterzeichnete Erklä-
rung  über  die  Entbindung  von  der  ärztlichen  Schweigepflicht  einrei-
chen. Die Ärztin diagnostizierte der Beschwerdeführerin eine posttrau-
matische  Belastungsstörung  (ICD 10  F 43.1)  infolge  der  Vergewalti-
gungen in  Tschetschenien. Die  am 27. Januar  2007 begonnene Be-
handlung bestehe in  einer  medikamentösen Therapie  sowie  psycho-
therapeutischen Gesprächen. Die Patientin habe bereits zwei Suizid-
versuche – einen in Grosny und einen in Y._______ – hinter sich; eine 
Rückkehr sei nicht zumutbar, weil  diesfalls mit  einer Verstärkung der 
PTBS sowie mit einer akuten Suizidalität zu rechnen sei. 

H.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vom 10. Mai 2007 an ihrer 
Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde. Zur 
Begründung führte sie im Wesentlichen an, die Beschwerdeschrift ge-
he auf die Argumentation des Entscheides nur bedingt ein, die wesent-
lichen  Widersprüche  bezüglich  der  behaupteten  Ereignisse  in 
Y._______ blieben bestehen. Die Angaben im ärztlichen Zeugnis wie-
sen zudem darauf hin, dass die Beschwerdeführerin in Y._______ als 
Ärztin habe arbeiten können und es dort nicht erneut zu einer Verge-
waltigung gekommen sei. Die posttraumatische Belastungsstörung sei 
durch den eingereichten Arztbericht belegt; gemäss den Erkenntnissen 
des BFM lasse diese sich in Y._______ adäquat behandeln, beispiels-
weise in der psychiatrischen Klinik des Ministeriums für Gesundheits-
wesen der Republik Bashkortostan. Das BFM gehe nach wie vor davon 
aus,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Y._______  keine  Verfolgungs-
massnahmen erlebt  habe und auch  in  Zukunft  nicht  mit  solchen  zu 
rechnen haben werde. Bei einer Rückkehr nach Y._______ würden da-
her auch keine Ursachen vorliegen, die eine akute Suizidalität begrün-
den könnten. Die zuständigen Behörden seien jedoch verpflichtet, ge-
eignete Begleitmassnahmen zu ergreifen, um einer allfälligen Suizid-
handlung vorzubeugen. 

I.
In ihrer Stellungnahme vom 1. Juni 2007 zur Vernehmlassung der Vor-
instanz wies die Beschwerdeführerin nochmals darauf hin, dass sie im 
Spital in Y._______ illegal tätig gewesen sei und ihren Wohnort regel-
mässig habe wechseln müssen. Die Vorinstanz habe die Ereignisse in 
Grosny im Jahr 2001 und die daraus resultierende posttraumatische 
Belastungsstörung nicht  bestritten. Aufgrund kleiner  Ungereimtheiten 

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bezweifle sie jedoch die Verfolgungsvorbringen in Y._______. An den 
Nachweis der Zumutbarkeit einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternati-
ve  seien  gemäss  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizeri-
schen Asylrekurskommission (EMARK) 2005 Nr. 17 hohe Anforderun-
gen zu stellen, welche vorliegend nicht erfüllt seien. Die Beschwerde-
führerin habe zwar einige Zeit in Y._______ verbracht, doch könne von 
einem dortigen tragfähigen Beziehungsnetz keine Rede sein. Sie habe 
bei Freunden und Kollegen gewohnt, auf deren Rat hin ihren Wohnort  
jedoch immer wieder gewechselt. Sie sei mittellos, in schlechter psy-
chischer Verfassung und seit  dem 27. April  2007 in Y._______ nicht 
mehr registriert. 

J.
Mit  Eingabe  vom  21.  Dezember  2007  zeigte  der  oben  rubrizierte 
Rechtsvertreter die Mandatsübernahme an und reichte ein Schreiben 
eines  Arztkollegen  der  Beschwerdeführerin  aus  Y._______  vom 
12. November  2007 mit  deutscher Übersetzung und einer  Passkopie 
des Verfassers ein. Im Schreiben bestätigt  der Arzt,  er  habe mit  der 
Beschwerdeführerin in der [...]station in Y._______ zusammengearbei-
tet und sie nach den Misshandlungen im Gefängnis im Sommer 2006 
medizinisch und psychologisch betreut. Sie habe eine Nacht bei seiner 
Familie übernachtet; am nächsten Tag habe er sie zu Bekannten an 
den Stadtrand gefahren. 

K.
Mit Eingabe vom 22. September 2008 reichte der Rechtsvertreter wei-
tere Beweismittel, welche bei ihm liegengeblieben seien, zu den Akten: 
Ein  Bestätigungsschreiben einer  nach W._______ emigrierten  Ärztin 
und Freundin der Beschwerdeführerin vom 17. Dezember 2007, ein an 
diese gerichtetes persönliches, undatiertes Schreiben der befreunde-
ten  Ärztin  (beide  mit  deutscher  Übersetzung)  sowie  Kopien  der  [...]  
Aufenthaltsberechtigungskarte, eines Ärztezertifikates sowie einer Hei-
ratsurkunde der Verfasserin der Briefe. Im an die Beschwerdeführerin 
gerichteten Schreiben heisst es unter anderem, alle Krankenschwes-
tern und Ärzte, welche mit dieser und ihrem Mann (in Grosny) gearbei-
tet hätten, könnten deren Zustand nach deren Freilassung bestätigen. 
Sie seien jedoch nach deren Fall aus Furcht nach Europa gegangen, 
und  sie  habe  keinen  Kontakt  zu  ihnen.  Im  Bestätigungsschreiben 
heisst  es  unter  anderem,  die  Kollegin  habe  die  Beschwerdeführerin 
nach ihrer Freilassung aus der Haft in Tschetschenien untersucht, eine 
Gebärmutterblutung, eine Fehlgeburt, eine Gehirnerschütterung, viele 

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Gesichtswunden  und  verletzte  Glieder  diagnostiziert  und  sie  an-
schliessend  ins  Spital  in  Z._______  gebracht,  wo  die  Gebärmutter 
ausgeschabt und die Wunden behandelt worden seien. Als ihre beste 
Freundin habe sie  die Beschwerdeführerin nach der Entlassung aus 
dem Spital weiter behandelt und an der Beerdigung ihres Mannes teil-
genommen. 

Der Rechtsvertreter hält in der Eingabe fest, der Beschwerdeführerin 
sei aufgrund frauenspezifischer Fluchtgründe Asyl zu gewähren. Eine 
Rückschiebung auch in  andere Gebiete Russlands sei  im Lichte der 
erlebten Grausamkeit unzumutbar.

L.
Mit Eingabe vom 7. Oktober 2008 reichte der Rechtsvertreter als Beleg 
fortschreitender Integration seiner Mandantin eine Arbeitsbestätigung 
eines [...] Pflegeheimes vom 29. September 2008 ein, in welchem die-
se  seit  dem 1.  August  2008  als  Praktikantin  in  einem Pensum von 
100% angestellt sei. 

M.
Mit Schreiben vom 29. September 2009 ersuchte die Beschwerdefüh-
rerin das BFM um Behandlung ihres Asylgesuchs. Im Falle einer Ab-
lehnung bittet sie um eine Begründung und um die Rückgabe ihrer Pa-
piere, damit sie in einem andern Land ein Asylgesuch stellen könne. 
Die Vorinstanz leitete die Eingabe ans Bundesverwaltungsgericht wei-
ter, wo sie am 26. Oktober 2009 eintraf. Mit Schreiben vom 28. Okto-
ber  2009 an den Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  stellte  der 
zuständige  Instruktionsrichter  eine  Behandlung  der  Beschwerde  im 
Jahr 2010 in Aussicht. 

N.
Mit Eingabe vom 8. Januar 2010 reichte der Rechtsvertreter einen ak-
tuellen, kurzen Arztbericht vom 4. Januar 2010, ein Arbeitszeugnis des 
[...] Pflegeheims vom 14. Oktober 2009 sowie ein persönliches Schrei-
ben der Beschwerdeführerin an ihren Rechtsvertreter zu den Akten. In 
letzterem beschreibt sie die Gründe für den Brief ans BFM – ihre Ver-
zweiflung angesichts der Schwierigkeiten, mit einer N-Bewilligung eine 
permanente Arbeitsstelle zu finden und der Ungewissheit über ihre Zu-
kunft  – und fügt an, sie habe keine Kraft mehr, in einem andern Land 
ein Asylgesuch zu stellen. 

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Im Arztbericht schreibt die behandelnde Ärztin, seit ihrem Bericht vom 
9. April 2007 habe sich an der psychischen Verfassung der Beschwer-
deführerin nichts  verändert. Nach einer  leichten Besserung während 
der  Zeit  ihrer  Anstellung  als  Hilfspflegerin  seit  August  2008  sei  sie  
nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Ende September 2009 er-
neut  den  peinigenden  Flashbacks  ausgesetzt  und  in  einer  dement-
sprechend schlechten psychischen Verfassung mit Schlaflosigkeit, in-
nerer  Unruhe, Verzweiflung und häufigem Aufkommen von Suizidge-
danken,  und  sie  benötige  wieder  Medikamente.  Das  zermürbende 
Warten bei der ständigen Ungewissheit, eventuell zurückgeschickt zu 
werden, verschlechtere ihre Verfassung zusehends. Der Rechtsvertre-
ter argumentiert in der Eingabe, für das psychische Gleichgewicht sei -
ner Mandantin sei  es wichtig,  dass sie sich  weiterhin im derzeitigen 
Umfeld integrieren könne. Sollten die frauenspezifischen Fluchtgründe 
wider Erwarten nicht zur Asylgewährung führen, sei angesichts der an-
haltenden psychischen Folgen des Erlebten eine vorläufige Aufnahme 
wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das Bundesamt für 
Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist da-
her eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem Gebiet  des 
Asyls endgültig (Art. 105 AsylG);  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung;  sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, die unrichti-
ge  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu letzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei -
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

3.2
Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität bereits erlitten hat oder bei einer Rück-
kehr in das Heimatland solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 
in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr 
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des 
Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden 
sind bzw. zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37; 
EMARK 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 
S. 193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes 
setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft  ausserdem voraus, 
dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden 
Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/4  E. 5.2  S. 37 f.; EMARK 2006 
Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 
S. 201  f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigen-
schaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen 
Verfolgung oder begründete Furcht vor einer solchen. Die Situation im 
Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung der 
Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen 
der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asyl -
entscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch 

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stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4 
S. 38 f.; EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: Ue-
bersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  Ba-
sel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18; WALTER KÄLIN, Grundriss 
des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 135 ff.). 

3.3
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 
die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in 
wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich 
sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälsch-
te oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum  Schluss,  dass  die  angefochtene  Verfügung  einer  Überprüfung 
standhält. Die Vorinstanz hat im Ergebnis richtig aufgezeigt, weshalb 
die Vorbringen der Beschwerdeführerin sowohl als asylrechtlich uner-
heblich als auch als unglaubhaft zu beurteilen sind (vgl. Sachverhalts-
darstellung Bst. D und H). Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift 
und der Replik (vgl. Bst. E und I) sind nicht geeignet, die zu treffende 
Einschätzung der Vorinstanz zu entkräften und zu einer anderen Beur-
teilung der Asylvorbringen zu führen. 

4.2 Im asylrechtlichen Sinn nicht mehr von Bedeutung sind die Miss-
handlungen und Vergewaltigungen der Beschwerdeführerin sowie die 
Tötung  ihres  Mannes  anlässlich  der  Inhaftierung  des  Ehepaars  in 
Grosny im Januar 2001. Diese zweifellos ungeheuerlichen Vorkomm-
nisse wurden von der Vorinstanz nicht als unglaubhaft erachtet. Auch 
das Bundesverwaltungsgericht sieht keine Veranlassung, die sich auf 
diese Ereignisse beziehenden Schilderungen der Beschwerdeführerin 
in Zweifel zu ziehen. Dabei kann offenbleiben, ob es sich bei den Miss-
handlungen und Vergewaltigungen während der Haft in Grosny um rein 
willkürliche Übergriffe durch russische Offiziere handelte oder ob sie 
als frauenspezifische Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu 
werten wären, da – wie nachstehend aufgezeigt – mit der Vorinstanz 
davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin über eine inner-
staatliche Schutzalternative innerhalb der Russischen Föderation ver-
fügt,  von der  sie  nach der  Ausreise  aus Tschetschenien denn auch 

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während über fünfeinhalb Jahren bereits Gebrauch machte. Wie nach-
stehend zu zeigen sein wird, kann sich die Beschwerdeführerin nicht 
auf  die sogenannte "raisons-impérieuses"-Klausel  von Art. 1C Ziff. 5 
Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) berufen (vgl. dazu E. 4.3.3). 

4.3 Die Asylgewährung hat nicht zum Zweck, Opfer jeglichen Unrechts 
für  erlittene Unbill  zu "entschädigen" (vgl. auch  KÄLIN,  a.a.O., S. 42), 
sondern  soll  denjenigen gewährt  werden,  die  im Zeitpunkt  des  Ent-
scheides des Schutzes durch einen ausländischen Staat bedürfen (vgl. 
BVGE 2007/31 E. 5.3). Vergangene Verfolgung ist grundsätzlich nur in-
sofern beachtlich, als diese noch andauert oder – falls sie bereits ihren 
Abschluss gefunden hat – die Furcht vor künftiger Verfolgung begrün-
det erscheinen lässt. Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die be-
gründete Furcht vor künftiger Verfolgung müssen sachlich und zeitlich 
kausal  für  die  Ausreise  aus  dem  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  und 
grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein 
(vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5).  Eine nur in einem Landesteil  verfolgte 
Person, die sich in eine andere, sichere Region begeben kann, verfügt  
über eine sogenannte innerstaatliche Flucht- beziehungsweise Schutz-
alternative und wird deshalb im Fall ihrer Ausreise aus dem Heimat-
land nicht zum Flüchtling (vgl. STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.20). Eine inner-
staatliche  Schutzalternative  kann  der  asylsuchenden  Person  entge-
gengehalten werden, wenn sie am Zufluchtsort voraussichtlich wirksa-
men  Schutz  vor  unmittelbarer  und  mittelbarer  staatlicher  Verfolgung 
findet. Die Anforderungen an die Effektivität des Schutzes sind indes-
sen  nach  konstanter  Praxis  hoch anzusetzen  (vgl.  BVGE  2008/4 
E. 6.1. - 6.7, 2008/12 E. 7.2.6.2 f., EMARK 1996 Nr. 1 E. 5c, EMARK 
2006 Nr. 18 E. 10.3). 

4.3.1 Eine längere Zeitspanne zwischen erlebter Verfolgung und der 
erst später erfolgenden Ausreise aus dem Heimatland kann zum einen 
im Hinblick auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten 
Ausreisegründe relevant  sein  (vgl.  EMARK 1996 Nr. 25,  bestätigt  in 
BVGE 2009/51 E. 4.2.5).  Der  Umstand,  dass  zwischen  der  erlebten 
Verfolgung und der Ausreise aus dem Heimatland eine längere Zeit-
spanne  vergangen  ist,  ist  zum andern  relevant  bei  der  Prüfung  der 
Frage, ob für den Zeitpunkt der Ausreise noch eine begründete Verfol-
gungsfurcht  bejaht  werden  kann.  Gemäss  Art.  3  AsylG  erfüllt  die 
Flüchtlingseigenschaft,  wer  aufgrund  einer  asylrelevanten  Motivation 
gezielte ernsthafte Nachteile erlitten hat oder begründete Furcht hat, 

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solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; sofern die erlittene Vorver-
folgung in zeitlichem und sachlichem Kausalzusammenhang zur Flucht 
steht, lässt sich dem Asylgesetz – ohne dass der Aspekt einer drohen-
den Wiederholung der erlittenen Verfolgung noch weiter zu prüfen wä-
re – die Regelvermutung entnehmen, aufgrund der erlittenen Vorverfol-
gung sei auch eine begründete Furcht vor weiterer, zukünftiger Verfol-
gung  zu  bejahen  (vgl. KÄLIN,  a.a.O.,  S.  126  ff.;  ALBERTO ACHER-
MANN/CHRISTINA HAUSAMMANN,  Handbuch  des  Asylrechts,  2.  Aufl. 
Bern/Stuttgart  1991,  S.  107  f.;  SAMUEL WERENFELS,  Der  Begriff  des 
Flüchtlings  im  schweizerischen  Asylrecht,  Bern u.a.  1987,  S.  283, 
293 ff.).  Ein  fehlender  zeitlicher  Zusammenhang  zwischen  Vorverfol-
gung und Ausreise zerstört  (nur) die Regelvermutung zugunsten des 
Vorliegens begründeter Furcht vor Verfolgung; dies schliesst nicht aus, 
dass im konkreten Einzelfall  die früher erlittene Verfolgung einen der 
guten  Gründe für  die  heutige Verfolgungsfurcht  darstellen  kann. Die 
begründete Furcht vor Verfolgung ist dann freilich nicht aufgrund einer 
Regelvermutung aus der erlittenen Vorverfolgung abzuleiten, sondern 
ihr Bestehen im Zeitpunkt der Ausreise ist von der asylsuchenden Per-
son darzutun und von der Behörde gesondert zu prüfen. Ausschlagge-
bend kann dabei  nicht  allein sein,  wie die betreffende asylsuchende 
Person in subjektiver Hinsicht durch die ehemals erlittene Verfolgung 
weiterhin betroffen war; entscheidrelevant ist, ob im Zeitpunkt der Aus-
reise auch in objektiver Hinsicht eine Wiederholungsgefahr der früher 
erlittenen  Verfolgung  noch  bestanden  hat  und  ein  Schutzbedürfnis 
demnach auch im Zeitpunkt der Ausreise weiterhin noch bestand (vgl. 
BVGE 2009/51 E. 4.2.5 und EMARK 2000 Nr. 2 E. 8.b und c S. 20 ff.  
mit zahlreichen weiteren Hinweisen; zu den objektiven wie subjektiven 
Aspekten der Verfolgungsfurcht vgl. EMARK 1998 Nr. 4 E. 5.d S. 27). 

Eine fixe zeitliche Grenze, wann der Kausalzusammenhang als unter-
brochen zu gelten hat, lässt sich nicht festlegen; zu würdigen sind je -
weils bei der Beurteilung auch allfällige plausible objektive und subjek-
tive Gründe,  die  eine frühere  Ausreise  verhindert  haben  (vgl. BVGE 
2009/51 E. 4.2.5, EMARK 2000 Nr. 17 S. 157 f. mit weiteren Hinwei-
sen). In der asylrechtlichen Literatur und Praxis wird eine Zeitspanne 
von sechs bis zwölf Monaten genannt, nach deren Ablauf der zeitliche 
Kausalzusammenhang in der Regel als zerrissen gelten müsste (vgl. 
WERENFELS, a.a.O., S. 295; KÄLIN,  a.a.O., S. 128; ACHERMANN/HAUSAMMANN, 
a.a.O., S. 107;  MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 
3. Aufl., Bern 1999, S. 76;. EMARK 1998 Nr. 20 E. 7 S. 179 f.; EMARK 
2000 Nr. 17 E. 11.a S. 157 f.); bei einer Zeitspanne von mehr als zwei 

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Jahren wird  jedenfalls  in  der  Praxis  ein  Kausalzusammenhang nicht 
mehr bejaht (vgl. EMARK 1999 Nr. 7 E. 4b S. 46). 

4.3.2 Im  vorliegenden  Fall  vermochte  die  Beschwerdeführerin  keine 
plausible Erklärung dafür abzugeben, weshalb sie das Gebiet der Rus-
sischen Föderation erst im Oktober 2006, mithin mehr als fünfeinhalb 
Jahre nach den zweifellos als Vorverfolgung zu wertenden Vergewalti-
gungen in Grosny verliess.  Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, 
dass die Verfolgungsvorbringen, welche die Beschwerdeführerin nach 
über  fünfeinhalbjährigem  Aufenthalt  in  der  Stadt  Y._______  geltend 
macht – Vergewaltigungen während einer dreitägigen Festnahme Ende 
August  bis  Anfang  September  2006  –  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Das BFM hat 
überzeugend und nachvollziehbar die diversen Unstimmigkeiten in res-
pektive zwischen den Vorbringen der  Beschwerdeführerin aufgezeigt 
und diese zu Recht  und mit  zutreffenden Hinweisen als  unglaubhaft 
bezeichnet. Im Einzelnen ist zwecks Vermeidung unnötiger Wiederho-
lungen vorab auf die in der Sachverhaltsdarstellung (Bst. D S. 5 f. hie -
vor) dargestellten detaillierten Erwägungen in der angefochtenen Ver-
fügung zu verweisen. Die entsprechenden Erklärungen der Beschwer-
deführerin sowohl anlässlich der Anhörungen (vgl. Bst. B) als auch in 
der Beschwerde (vgl. Bst. E) sowie in der Replik vom 1. Juni 2007 (vgl. 
Bst.  I)  vermögen  die  überwiegenden  Zweifel  an  jener  angeblichen 
Festnahme und  den  Vergewaltigungen  nicht  zu  zerstreuen. Die  Be-
schwerde sowie auch die übrigen Eingaben enthalten keine stichhalti-
gen  Vorbringen,  welche  die  vorinstanzlichen  Erwägungen umzustos-
sen und zu einer anderen Beurteilung der Asylgründe der Beschwer-
deführerin zu führen vermöchten.

Auf die Frage nach den Gründen für das nach fast sechsjährigem un-
behelligtem Aufenthalt in Y._______ wiedererwachte Interesse der Be-
hörden an ihrer Tätigkeit während des Tschetschenienkrieges antwor-
tete die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Bundesanhörung,  sie  sei 
ihnen einfach im Rahmen einer  regelmässigen Kontrolle  von Tsche-
tschenen ins Netz gegangen (act. A15 S. 15). Dieser Erklärungsver-
such vermag angesichts der Tatsache, dass sie in dieser Zeit über gül-
tige Pässe und eine gültige Registrierung für die Stadt Y._______ ver-
fügte  –  Dokumente,  welche  gerade  für  Personen  tschetschenischer 
Herkunft  erst nach umfangreichen Abklärungen ausgestellt  werden – 
nicht zu überzeugen. Auch die Beteuerungen in der Anhörung und in 
der Beschwerde, sie habe diese Papiere durch Bestechung erhalten, 

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vermögen nicht zu überzeugen. Zum einen hätte sie diese, wie die Vor-
instanz zutreffend argumentierte, kaum auf ihren eigenen Namen aus-
stellen lassen, wenn sie tatsächlich begründete Furcht vor Verfolgung 
durch  die  russischen  Behörden  und  vor  einer  Abschiebung  nach 
Tschetschenien gehabt hätte. Zum andern behauptete sie – in der An-
hörung mit der im März 2006 ausgestellten, bis am 27. April 2007 gülti-
gen Registrierung konfrontiert – zunächst, dieses Papier nie gesehen 
zu haben (act. A15 S. 13), um gleich darauf anzugeben, vielleicht sei 
die Aufenthaltsbewilligung rückwirkend im Zuge der Ausreisevorberei-
tungen ausgestellt worden, welche ihre Kollegen für sie getroffen hät-
ten (act. A15 S. 14). Zu guter Letzt sagte sie, diese Dokumente würden 
für viel Geld gemacht (act. A15 S. 14). Diese  Widersprüche vermochte 
die Beschwerdeführerin weder in der Beschwerde noch in der Replik 
zu entkräften, beschränkt sie sich dort doch auf die Aussage, es sei 
für Tschetschenen nicht ungewöhnlich, über einen Inlands- und einen 
Auslandspass  zu  verfügen,  da  sie  sich  diese  mit  Hilfe  von  Beste-
chungsgeldern beschaffen könnten.  Auf die stringente Argumentation 
der Vorinstanz, es sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdefüh-
rerin nach ihrer Festnahme eine Nachfrage zu ihrer Person in Tsche-
tschenien angekündigt worden sein soll, obwohl ihr Fotos ihrer ehema-
ligen tschetschenischen Ärztekollegen vorgelegt wurden, aufgrund de-
rer die Behörden bereits gewusst haben müssten, mit wem sie es zu 
tun hatten, wird in der Beschwerdeschrift gar nicht eingegangen.

Auch wenn man die auf Beschwerdeebene (Seite 2) abgegebene Er-
klärung der Beschwerdeführerin zur in den Anhörungen unterschied-
lich  angegebenen Anzahl  in  Haft  verbrachter  Tage bzw. Nächte  und 
der Anzahl Vergewaltiger akzeptieren wollte, sind doch die Schilderun-
gen  der  behaupteten  Festnahme  und  der  Vergewaltigungen  in 
Y._______ (act. A15 S. 9 ff.) im Vergleich zur Beschreibung der Fest-
nahme  sowie  der  Misshandlungen  und  Vergewaltigungen  in  Grosny 
(act. A15 S. 3 ff.) sehr viel weniger detailliert, unsubstanziiert und ent-
halten überdies kaum Realitätskennzeichen. Die Zweifel an den Verge-
waltigungsvorbringen in Y._______ werden durch den Arztbericht vom 
9. April  2007  weiter  verstärkt,  in  welchem zwei  Vergewaltigungen  in 
Grosny erwähnt werden, jedoch keine in Y._______. Auch die Aussage 
der Beschwerdeführerin anlässlich der Direktanhörung vom 5. Februar 
2007,  sie  wäre nicht  ausgereist,  wenn ihre  Schwestern  nicht  darauf 
bestanden  hätten,  (act.  A15  S.  15)  spricht  eher  dafür,  dass  sie  in 
Y._______ keine Verfolgungshandlungen erlebt und in Zukunft solche 
auch nicht zu befürchten hat. Vor diesem Hintergrund kommt dem Be-

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stätigungsschreiben des befreundeten Arztes vom 12. November 2007 
(vgl. Sachverhaltsdarstellung Bst. J) kein beachtlicher Beweiswert zu; 
dieses muss viel eher als Gefälligkeitsschreiben qualifiziert werden. 

Die Vorinstanz hat daher zu Recht festgestellt, dass sowohl der mehr-
jährige Aufenthalt der Beschwerdeführerin in Y._______ in der Repu-
blik  Bashkortostan als  auch die Tatsache, dass sie einen echten In-
landspass, einen echten Auslandspass und eine bis im April 2007 gül-
tige  Registrierung für  die  Stadt  Y._______ besass  sowie  problemlos 
unter  ihrem eigenen  Namen über  den  strikt  kontrollierten  Moskauer 
Flughafen ausreisen konnte,  dafür  sprechen,  dass  sie  sich  auf  dem 
Staatsgebiet der Russischen Föderation aufhalten kann, ohne Verfol-
gungsmassnahmen befürchten zu müssen. 

Die Argumentation des Rechtsvertreters in der Eingabe vom 22. Sep-
tember 2008, aufgrund der Traumatisierung durch das Schlüsselerleb-
nis in Tschetschenien habe die Beschwerdeführerin die Festnahme in 
Y._______  (am  31.  August  2006)  als  Fortsetzung  der  Peinigung  in 
Grosny (im Januar 2001) erlebt und sich deshalb in Y._______ nicht 
mehr sicher gefühlt, vermag angesichts der vorstehenden Erwägungen 
nicht zu überzeugen. Gemäss der oben zitierten Praxis wird bei einer 
länger  als  zwei  Jahre  zurückliegenden  Vorverfolgung  ein  Kausalzu-
sammenhang zwischen  Vorverfolgung  und  Flucht  nicht  mehr  bejaht. 
Liegt die Vorverfolgung über zwei Jahre zurück und besteht keine ob-
jektive Verfolgungsgefahr für den Zeitpunkt der Ausreise, ist eine be-
gründete  Furcht  vor  weiterer  Verfolgung  zu  verneinen  (vgl.  BVGE 
2009/51 E. 4.2.5).  Demnach ist  festzuhalten, dass zwischen der Vor-
verfolgung der  Beschwerdeführerin  in  Grosny  Anfang  2001  und  der 
über fünfeinhalb Jahre später erfolgten Ausreise aus der Russischen 
Föderation in die Schweiz kein nachvollziehbarer zeitlicher und sachli -
cher Zusammenhang besteht. Sodann ist seit der Ausreise aus Tsche-
tschenien im Februar 2001 nichts mehr vorgefallen, das als Verfolgung 
zu  werten oder  geeignet  gewesen wäre,  objektiv  begründete  Furcht 
vor künftiger Verfolgung zu erzeugen. Aus den Geschehnissen in Gros-
ny kann die Beschwerdeführerin daher keine landesweite asylrelevan-
te Gefährdung ableiten. Die von ihr geäusserten Befürchtungen, bei ei-
ner Rückkehr nach Y._______ dort behelligt zu werden oder mit einer 
Abschiebung nach Tschetschenien rechnen zu müssen, sind deshalb 
unbegründet. 

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4.3.3 Anzufügen  bleibt,  dass  die  im  Jahr  2001  erlittene  Verfolgung 
höchstens insofern von Bedeutung sein könnte, als eine Person,  die 
bereits früher staatlichen Verfolgungen ausgesetzt war, objektive Grün-
de für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat als jemand, der erst-
mals in Kontakt mit staatlichen Sicherheitskräften kommt (vgl. EMARK 
1993 Nr. 11), oder wenn trotz Wegfalls einer künftig drohenden Verfol-
gungsgefahr  die Inanspruchnahme des Schutzes durch den Heimat-
staat aus zwingenden, auf die erlebte Vorverfolgung zurückgehenden 
Gründen im Sinne von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 FK (sogenannte "raisons 
impérieuses") nicht zumutbar wäre (vgl. BVGE 2007 Nr. 31 E. 5.4 mit 
weiteren Hinweisen). Der fünfeinhalbjährige, aus Sicht des Bundesver-
waltungsgerichts wegen der unglaubhaften Verfolgungsvorbringen un-
behelligte  Aufenthalt  in  der  Stadt  Y._______,  in  welcher  auch 
zahlreiche Russen leben, belegt jedoch, dass der Beschwerdeführerin 
eine innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfügung stand, welche sie 
denn auch in Anspruch nahm. Bezüglich einer allfälligen Anwendbar-
keit von Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 2 FK ist auf die Ausführungen in EMARK 
1999 Nr. 7 (E. 4.d.aa S. 46 f., kürzlich bestätigt in BVGE 2009/51 E. 
4.2.7 S. 746 f.) zu verweisen. Danach kann sich auf zwingende Gründe 
nur berufen,  wer im Zeitpunkt  der Einreise in die Schweiz sämtliche 
Voraussetzungen für  die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft  er-
füllt hatte. Dies ist, wie aus den obigen Erwägungen hervorgeht, vorlie-
gend nicht der Fall, weshalb sich im Hinblick auf die Flüchtlingseigen-
schaft weitere Ausführungen zu diesem Thema und zur Relevanz einer 
Langzeittraumatisierung erübrigen.

4.4 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  davon  auszugehen, 
dass die Beschwerdeführerin in der Stadt Y._______ in der Republik 
Bashkortostan  grundsätzlich  über  eine  unter  dem  Sicherheitsaspekt 
valable Schutzalternative innerhalb der Russischen Föderation verfügt. 
Das Vorliegen einer  innerstaatlichen Fluchtalternative führt  praxisge-
mäss  zur  Nichtanerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  zur  Ver-
weigerung des Asyls; die Frage der Zumutbarkeit des Verbleibs an ei-
nem solchen Zufluchtsort wird unter dem Aspekt der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs  zu  prüfen  sein  (vgl.  EMARK 1996  Nr. 1  E. 5c 
S. 6 f., EMARK 1999 Nr. 9 E. 4b.bb S. 58). 

4.5 In  Würdigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  festzustellen, 
dass die Beschwerdeführerin nicht darzutun vermochte, dass sie einer 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war oder objektiv be-
gründete Furcht hat, einer solchen ausgesetzt werden zu können. Sie 

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kann daher nicht als Flüchtling anerkannt werden. Die Vorinstanz hat 
ihr Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 

5.  
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord -
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei -
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

6.  
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder nicht möglich, regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 
von  Ausländerinnen  und  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83 
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän-
derinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendma-
chung von Wegweisungshindernissen gilt gemäss ständiger Praxis des 
Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK 
der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das 
heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und 
andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  STÖCKLI,  a.a.O., 
Rz. 11.148).

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

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same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Fol-
ter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 
unterworfen werden.

6.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer-
deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-
rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei -
ner Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein lich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr 
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer 
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 
(vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimat-
staat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerwei-
se nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Wegweisung ist so-
wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 
zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

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6.4.1 Da die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die Wegwei-
sung  der  Beschwerdeführerin  nach  Tschetschenien  als  unzumutbar 
bezeichnete und das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Ent-
scheid  zum  Ergebnis  gelangt,  dass  die  Beschwerdeführerin  in 
Y._______  in  der  Republik  Bashkortostan  über  eine  valable  inner-
staatliche Schutzalternative verfügt,  ist  im Folgenden nur die Zumut-
barkeit  dieser  Aufenthaltsalternative  beziehungsweise  des  Wegwei-
sungsvollzugs nach Y._______ zu prüfen. 

6.4.2 Gemäss EMARK 2005 Nr. 17 S. 147 ff. stehen abgewiesenen 
tschetschenischen Asylsuchenden unter bestimmten Voraussetzungen 
innerhalb der Russischen Föderation innerstaatliche Aufenthaltsalter-
nativen zur Verfügung. Der betroffenen Person muss es möglich sein, 
am Zufluchtsort eine menschenwürdige Existenz aufzubauen, was auf-
grund der flächenmässigen Grösse sowie der  föderalen Struktur  der 
Russischen  Föderation  grundsätzlich  zu  bejahen  ist  (EMARK  2005 
Nr. 17 E. 8.3.2 S. 156). Aufgrund der allgemeinen Lage in der Russi-
schen Föderation  geht  das Bundesverwaltungsgericht  in  Fortführung 
der Praxis der ARK davon aus, dass sich der Wegweisungsvollzug ab-
gewiesener  tschetschenischer  Asylsuchender  an  einen  innerstaatli-
chen Zufluchtsort innerhalb der Russischen Föderation unter Umstän-
den als zumutbar erweisen kann. An den Nachweis der Zumutbarkeit 
einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative sind indessen hohe Anfor-
derungen zu stellen. Erforderlich ist vor allem – auch im Hinblick auf 
eine zumutbare Unterkunft – ein tragfähiges, insbesondere familiäres 
Beziehungsnetz. Auf ein Beziehungsnetz kann unter Umständen auch 
geschlossen werden, wenn sich die betreffende Person während lan-
ger Zeit  an einem innerstaatlichen Zufluchtsort  aufhielt  und sich aus 
den  Akten  keine  überzeugenden  Argumente  gegen  eine  Rückkehr 
dorthin ergeben. Als weitere Kriterien sind das Alter, die Gesundheit, 
das  Geschlecht,  die  Ausbildung  und  bisherige  Berufserfahrung  der 
Person  sowie  hinreichende  finanzielle  Mittel  zu  berücksichtigen 
(EMARK 2005 Nr. 17 E 8.3.3 S. 156 f.). 

6.4.3 Als  Hauptprobleme  intern  Vertriebener  ("Internally  Displaced 
Persons", IDP) tschetschenischer Herkunft, welche in anderen Regio-
nen  der  Russischen  Föderation  ausserhalb  des  Nordkaukasus  Zu-
flucht suchen, hat der Norwegische "Refugee Council" fehlende Aus-
weise  beziehungsweise  Dokumente  und  damit  einhergehend  einen 
eingeschränkten Zugang zu staatlichen Leistungen sowie den Mangel 
an permanentem Wohnraum identifiziert. Viele IDP hätten Schwierig-

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keiten,  den für  den Zugang zu staatlichen Leistungen erforderlichen 
"forced  migrant  status",  eine  Wohnsitz-Registrierung  oder  einen  In-
landspass zu erhalten, weil die dazu erforderlichen Originalausweisdo-
kumente im Krieg zerstört wurden und/oder weil Gesuchsteller tsche-
tschenischer Herkunft bei der Vergabe allgemein diskriminiert würden 
(vgl. Internal Displacement Monitoring Centre [IDMC], Struggling to in-
tegrate: Displaced people from Chechnya living in other areas of the 
Russian Federation, Genf, Juni 2008, S. 7 ff.). 

Wie oben dargelegt,  verfügte die Beschwerdeführerin über einen In-
lands- und einen Auslandspass sowie im Zeitpunkt der Ausreise aus 
Y._______  auch  über  eine  gültige  Niederlassungsbestätigung  –  das 
heisst eine permanente Registrierung des Wohnsitzes, im Gegensatz 
zu  einer  bloss  temporären  Registrierung  des  Aufenthaltsortes  –  für 
diese  Stadt,  welche  gemäss  Abklärungen  der  Schweizer  Botschaft 
jährlich erneuert wird. Sie vermochte somit offenbar die grundsätzlich 
hohen  Hürden  zu  nehmen,  denen  Personen  tschetschenischer  Her-
kunft bei der Vergabe dieser Dokumente häufig ausgesetzt sind. 

Mit der gültigen, permanenten Registrierung des Wohnsitzes und dem 
Inlandspass erfüllte  sie  ferner  –  entgegen den  Beteuerungen in  der 
Beschwerde, illegal erwerbstätig gewesen zu sein – zumindest in der 
letzten Zeit ihres Aufenthaltes in Y._______ – die Voraussetzungen für 
den Zugang zu einer legalen Beschäftigung im offiziellen Arbeitsmarkt 
(vgl. IDMC, a.a.O., S. 8, 15 und 19). Auch ihre Vorbringen, in Angst ge-
lebt und den Wohnort  häufig gewechselt  zu haben, erscheinen unter 
diesen Umständen als zweifelhaft. Jedenfalls dürfte sie zu jeder Zeit 
über eine akzeptable Unterkunft verfügt haben, macht sie doch keine 
schlechten Wohnverhältnisse geltend. 

6.4.4 Aus den  Akten ist  zu schliessen, dass sie im Laufe ihres über 
fünfeinhalbjährigen Aufenthaltes in Y._______ immer wieder auf einen 
Freundes- und Bekanntenkreis zurückgreifen konnte, welchen sie zum 
Teil schon bei ihrer Ankunft in der Stadt besass (vgl. act. A15 S. 6 f.) 
und in den folgenden Jahren laufend auszubauen vermochte (vgl. auch 
das  Bestätigungsschreiben  eines  befreundeten  Arztes,  Sachverhalt 
Bst. J). Personen aus diesem Beziehungsnetz verhalfen ihr  zu einer 
Stelle in ihrem angestammten Beruf als Ärztin (vgl. act. A15 S. 9), ver-
mittelten ihr Wohnmöglichkeiten (vgl. act. A15 S. 8) und unterstützten 
sie bei der Beschaffung von Dokumenten und der Registrierung (vgl. 
act. A15 S. 7 ff.). Ferner ergeben sich – wie in den Erwägungen des 

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vorliegenden Entscheids dargelegt – aus den Akten keine überzeugen-
den Argumente gegen eine Rückkehr nach Y._______. Es ist daher da-
von auszugehen, dass sie in Y._______ über ein soziales Beziehungs-
netz verfügt, welches das fehlende familiäre Beziehungsnetz zu erset-
zen vermag und auf das sie bei einer Rückkehr für die Erneuerung der 
Registrierung und die Suche nach einem Arbeitsplatz und einer Woh-
nung  wird  zurückgreifen können. Als  hochqualifizierte  Frau mittleren 
Alters mit einer langjährigen Erfahrung in ihrem Beruf als Ärztin wird 
es ihr so möglich sein, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. 

6.4.5 Aufgrund der  im fachärztlichen  Bericht  vom 9. April  2007  dia-
gnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung infolge der Verge-
waltigungen in Tschetschenien, welche in einem kurzen Bericht dersel-
ben Ärztin vom 4. Januar 2010 bestätigt wird, bleibt zu prüfen, ob Weg-
weisungshindernisse  medizinischer  Natur  vorliegen.  Da  die  Belas-
tungsstörung auf die Ereignisse in Tschetschenien zurückgeht,  muss 
die  Beschwerdeführerin  bereits  in  den  fünfeinhalb  Jahren,  während 
denen sie in  Y._______ lebte,  daran gelitten haben. Wie und ob sie 
diese dort behandeln liess, geht aus den Akten nicht hervor. Offenbar 
war sie trotzdem als Ärztin tätig und in der Lage, ihren Lebensunter-
halt zu verdienen. Dem aktuellen Arztbericht ist  nicht zu entnehmen, 
ob die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren seit dem ersten Arzt-
bericht  dauernd,  unregelmässig oder gar nicht  mehr in  psychothera-
peutischer Behandlung war. Die Ärztin erwähnt lediglich, dass die me-
dikamentöse Behandlung nach dem Verlust des Arbeitsplatzes wieder 
aufgenommen  werden  musste.  Die  Aussage  der  Vorinstanz  in  ihrer 
Vernehmlassung,  die  posttraumatische  Belastungsstörung  der  Be-
schwerdeführerin  lasse  sich  in  Y._______  adäquat  behandeln,  bei-
spielsweise  in  einer  namentlich  genannten  staatlichen  Klinik,  wurde 
weder in der Replik noch in den übrigen Eingaben bestritten. IDP, wel-
che in der Russischen Föderation permanent registriert sind, können 
eine Krankenversicherung abschliessen und haben damit Zugang zur 
Gesundheitsversorgung (vgl. IDMC, a.a.O., S. 19). Die Beschwerdefüh-
rerin hat überdies die Möglichkeit, bei Bedarf um  medizinische Rück-
kehrhilfe im Sinne von Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG zu ersuchen. Auf-
grund dieser Erwägungen kann die Behandelbarkeit der posttraumati-
schen Belastungsstörung in Y._______ als erstellt gelten. 

6.4.6 Was die im Arztbericht vom 9. April 2007 prognostizierte akute 
Suizidalität im Falle einer Rückkehr sowie das im Bericht vom 4. Janu-
ar 2010 erwähnte häufige Aufkommen von Suizidgedanken bei der Be-

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schwerdeführerin betrifft,  besteht gemäss Rechtsprechung des Euro-
päischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  (EGMR)  keine  Verpflich-
tung, von einer zu vollziehenden Weg- oder Ausweisung Abstand zu 
nehmen, wenn die betroffene Person mit Suizid droht, wobei dies aber 
voraussetzt, dass der ausschaffende Staat geeignete Massnahmen er-
greift,  um die  Umsetzung der  Suiziddrohung im Zusammenhang mit 
der Wegweisung zu verhindern (vgl. EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 S. 212 
mit  dem Hinweis  auf  den  Unzulässigkeitsentscheid  des  EGMR vom 
7. Oktober 2004 i.S. D. et al. gegen Deutschland [Nr. 33743/03]). Die 
Vorinstanz wies in ihrer Vernehmlassung vom 10. Mai 2007 ebenfalls 
explizit auf allenfalls einzuleitende präventive Massnahmen hin. In die-
sem Zusammenhang darf aufgrund der Aktenlage davon ausgegangen 
werden, dass die Vollzugsbehörden die notwendigen Schritte bei der 
Rückführung der Beschwerdeführerin in die Republik Bashkortostan in 
die Wege leiten werden.

6.4.7 Aufgrund dieser Erwägungen kann daher eine konkrete Gefähr-
dung  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  einer  medizinischen  Notlage 
bei einer Rückkehr ausgeschlossen werden, weshalb auch aus medizi-
nischer Sicht dem Wegweisungsvollzug nichts entgegensteht. 

6.4.8 Der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  nach 
Y._______ (Republik Bashkortostan) erweist sich daher auch als zu-
mutbar. 

6.5 Schliesslich verfügt die Beschwerdeführerin über einen russischen 
Reisepass, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG), dies zumal es ihr überdies obliegt, 
bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken.

7.
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  nach 
Y._______ zu bestätigen. Die Vorinstanz hat  deren Vollzug zu Recht 
als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.

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9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und  auf  insgesamt 
Fr. 600.– festzusetzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 
des  Reglements  vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die erfor-
derlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfah-
renskosten befreit, wenn ihr Begehren im Zeitpunkt der Gesuchseinrei-
chung  nicht  aussichtslos  erscheint.  Diese  Voraussetzungen  sind  im 
konkreten Fall erfüllt, da die vorliegende Beschwerde nicht von vorn-
herein  als  aussichtslos  bezeichnet  werden  konnte  und aufgrund der 
Aktenlage von der prozessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin 
auszugehen ist. Das Gesuch um Befreiung von der Bezahlung der Ver-
fahrenskosten ist daher gutzuheissen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Jacqueline Augsburger

Versand: 

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