# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea6fbc3c-ca69-5e0a-ad70-33d6239122ef
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-27
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 27.01.2023 OG.2021.00052 (OGS.2023.146)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2021-00052_2023-01-27.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit:
  Obergerichtsvizepräsidentin MLaw Sarina Dreyer, Oberrichterin Monika Trümpi,
  Oberrichter Roger Feuz, Oberrichterin Ruth Hefti und Oberrichter Martin Ilg
  sowie Gerichtsschreiber Dr. iur. Alfonso Hophan. 

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 27. Januar 2023

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2021.00052

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter
  und

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
  amtlich
  verteidigt durch lic. iur. Erich Leuzinger,
  Rechtsanwalt,
  

  
	
  Hauptstrasse 47, Postfach 532, 8750 Glarus 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats-
  und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus
  

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch den Staatsanwalt

  
	
   

  
	
  2. B.______

  
	
  c/o
  Arbeitslosenkasse, Zwinglistrasse 6,
  8750 Glarus 

  
	
  Privatklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  angeklagt der

  
	
   

  
	
   

  
	
  Gewalt
  und Drohung gegen Behörden und Beamte

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren des Berufungsklägers (gemäss
  Eingabe vom 29. Juni 2021 [act. 27] und mündlicher Ergänzung
  anlässlich der Berufungsverhandlung vom 11. November 2022 [act. 40,
  S. 2], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei das Urteil der
    Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 31. März 2021
    vollumfänglich aufzuheben und der Beschuldigte von Schuld und Strafe
    freizusprechen.

    
	
    2.

    	
    Eventualiter sei die Sache zur
    Neuverhandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

    
	
    3.

    	
    Es seien sämtliche
    Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen; dem Beschuldigten sei eine
    angemessene Parteientschädigung zuzusprechen und sei ferner festzustellen,
    dass die Privatklägerin keine Zivilforderung gestellt hat.

    
	
    4.

    	
    Es sei lic. iur. Erich
    Leuzinger als amtlicher Verteidiger für das Verfahren vor Obergericht
    einzusetzen.

     

    

  

  
	
  Antrag der Staatsanwaltschaft (act. 32, sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei die Berufung abzuweisen.

    
	
    2.

    	
    Unter
    Kostenfolge zulasten des Beschuldigten.

    

  

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.
  Prozessgeschichte

  
	
  1. 

  
	
  Die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend: Staatsanwaltschaft)
  stellte gegen A.______ (nachfolgend: Beschuldigter) am 27. Juli 2017
  einen Strafbefehl wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte aus
  (act. 3). Der Beschuldigte erhob am 8. August 2017 gegen diesen
  Strafbefehl Einsprache (Vorakten act. 14.1.03). Die Staatsanwaltschaft
  hielt am Strafbefehl fest und überwies am 23. Dezember 2020 die
  Angelegenheit zur gerichtlichen Beurteilung an das Kantonsgericht
  (act. 1).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit Urteil vom 31. März 2021
  (act. 23; Versand: 8. Juni 2021) sprach die Strafgerichtskommission
  des Kantonsgerichts den Beschuldigten der Gewalt und Drohung gegen Behörden
  und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig
  (Dispositivziffer 1) und verurteilte ihn hierfür zu einer bedingten
  Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.– sowie zu einer Busse
  von CHF 300.–, wobei die Busse bei Nichtbezahlung in eine unbedingt
  vollziehbare Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen umgewandelt würde
  (Dispositivziffer 2). Weiter nahm die Strafgerichtskommission davon
  Vormerk, dass die Privatklägerin keine Zivilforderungen gestellt hat
  (Dispositivziffer 3); sodann auferlegte sie dem Beschuldigten die Kosten
  (Dispositivziffern 4–5).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gegen dieses Urteil erhob der
  Beschuldigte mit Schreiben vom 29. Juni 2021 fristgerecht Berufung beim
  Obergericht des Kantons Glarus und stellte die eingangs wiedergegebenen Anträge
  (act. 27), welche anlässlich der Berufungsverhandlung vom
  11. November 2022 dahingehend ergänzt wurden, dass eventualiter die
  Sache zur nochmaligen Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei
  (act. 40, S. 2). Die Staatsanwaltschaft beantragt Abweisung der
  Berufung; die Privatklägerin reichte vor Obergericht keine Stellungnahme ein
  (act. 30).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Die
  mündliche Berufungsverhandlung fand am 18. November 2022 statt
  (act. 40–46). Am 27. Januar 2023 fällte das Obergericht seinen
  Entscheid (act. 50). Der Entscheid wird schriftlich eröffnet, nachdem
  die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung ausdrücklich verzichtet
  haben (Art. 84 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 379 StPO;
  vgl. act. 40, S. 12–13).

  
	
   

  
	
  II.
  Prozessuales

  
	
  1.

  
	
  Das angefochtene Strafurteil der
  Vorinstanz (act. 23) ist der Berufung zugänglich. Der Beschuldigte ist
  zur Berufung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO), hat die
  Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt zulässige Rügen (Art. 398
  Abs. 3 StPO). Das Obergericht ist als Rechtsmittelinstanz zuständig für
  die Behandlung der vorliegenden Berufung (Art. 17 Abs. 1
  lit. a GOG GL [GS III A/2]). Auf die Berufung ist einzutreten
  (Art. 398 ff. StPO).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Mit Berufung kann
  gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO geltend gemacht werden, die Vorinstanz
  habe das Recht verletzt, den Sachverhalt unvollständig oder unrichtig
  festgestellt oder unangemessen gehandelt. Im vorliegenden Fall macht der
  Beschuldigte geltend, dass die Vorinstanz den Sachverhalt falsch dargestellt
  und die Beweise falsch gewürdigt habe (act. 40, S. 7–9). Da der
  Anklagesachverhalt nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
  erstellt sei, müsse der Beschuldigte von Schuld und Strafe freigesprochen
  werden (act. 40, S. 4 ff.).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die
  Berufungsinstanz überprüft das Urteil nur in den angefochtenen Punkten
  (Art. 404 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ficht den Schuldspruch,
  die Sanktion sowie den Entscheid über die Kostenauflage an und beantragt die
  amtliche Verteidigung (act. 27, S. 2; act. 40, S. 2).

  
	
   

  
	
  III.
  Rückweisungsantrag

  
	
  1.

  
	
  Der Beschuldigte stellte
  anlässlich der Hauptverhandlung vom 18. November 2022 den Antrag, es sei
  die Sache gestützt auf Art. 409 Abs. 1 StPO zur nochmaligen
  Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 40, S. 2). Dies,
  weil dem vorinstanzlichen Verfahren ein wesentlicher und im
  Berufungsverfahren nicht mehr zu heilender Verfahrensmangel anhafte, indem
  damals der Gerichtsschreiber ausgewechselt wurde, was die Vorinstanz mit
  einer Standardformulierung offenlegte (vgl. act. 23, S. 3,
  Ziff. I.: "Der am Entscheid mitwirkende Gerichtsschreiber i.V. [...]
  amtet nicht mehr am Kantonsgericht Glarus, weshalb der begründete Entscheid
  von Gerichtsschreiber i.V. [...] unterzeichnet wird"). Der Beschuldigte
  macht geltend, dass die Vorinstanz damit gegen Art. 33 GOG GL verstossen
  habe, da der Gerichtsschreiber Teil des Spruchkörpers und damit auch des
  Gerichts sei (act. 40, S. 4). Anders als bei Richtern (Art. 30
  ff. GOG GL) sehe das GOG GL für Gerichtsschreiber keine Stellvertretung vor.
  Dies sei umso gravierender, als dem Gerichtsschreiber in der Glarnerischen
  Gerichtsorganisation eine bedeutsame Stellung zukomme, indem er über ein
  Antragsrecht und über beratende Stimme verfüge (Art. 37 Abs. 1 GOG
  GL) und überdies als Ersatzrichter amten könne (Art. 30 Abs. 3 GOG
  GL).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gemäss
  Art. 335 Abs. 1 StPO tagt das Gericht während der gesamten
  Hauptverhandlung in seiner gesetzmässigen Zusammensetzung und im Beisein
  einer Gerichtsschreiberin oder eines Gerichtsschreibers. Während also die
  Anwesenheit eines Gerichtsschreibers im Strafverfahren eine bundesrechtliche
  Vorgabe darstellt (was implizit bereits aus Art. 76 Abs. 1 StPO
  hervorgeht), muss es sich dabei nicht zwingend um ein und denselben handeln.
  Dies ergibt sich aus Art. 335 Abs. 2 StPO e contrario,
  wonach nämlich die gesamte Hauptverhandlung in der Regel nur dann wiederholt
  werden muss, wenn während der Hauptverhandlung eine Richterin oder ein
  Richter ausfällt. Der Grund, weshalb ein Gerichtsschreiber ohne Weiteres
  ersetzt werden kann, liegt darin, dass ihm "lediglich" beratende
  Stimme zukommt (Art. 348 Abs. 2 StPO; BSK StPO-Stephenson/Zalunardo-Walser, N 5
  zu Art. 335 StPO).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1. Eine Auslegung des
  GOG GL zeigt, dass das kantonale Recht in der hier interessierenden Thematik
  nicht über die Vorgaben des Bundesrechts hinausgeht und somit die
  Stellvertretung bei einem Gerichtsschreiber ebenfalls nicht ausschliesst.
  Gemäss Art. 33 Abs. 1 GOG GL müssen Gerichte stets vollständig und
  in derselben Sache gleich besetzt sein; dass dies indes nicht absolut gilt,
  zeigt bereits Art. 33 Abs. 2 GOG GL, wonach in Fällen, in denen
  dies nicht möglich ist, die Bestimmungen über die Stellvertretung und
  Ergänzung gemäss Art. 30–32 GOG GL gelten. Der Beschuldigte behauptet,
  dass diese Artikel nicht auf Gerichtsschreiber anwendbar seien, ohne dies
  weiter zu begründen. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Zwar stimmt
  es, dass sich keine Regelung findet, die explizit die Stellvertretung von
  Gerichtsschreibern zum Inhalt hat. Nach gängiger Auslegungsmethodik ist indes
  weder von einer Gesetzeslücke auszugehen (immerhin wird der Gerichtsschreiber
  im Wortlaut von Art. 30 Abs. 3 GOG GL erwähnt) noch von einem
  qualifizierenden Schweigen: Art. 30 GOG GL steht unter dem Titel
  "Gerichtsergänzung und Entscheid über den Ausstand" und ist damit
  insbesondere der gerichtsorganisatorischen Umsetzung der
  Ausstandsbestimmungen nach Art. 56 ff. StPO gewidmet. Die detaillierte
  Kaskadenordnung für Stellvertretungen und Ergänzungen von Art. 30 GOG GL
  – wie sie in kleinräumigen Verhältnissen wie dem Kanton Glarus notwendig ist
  – verdeutlicht dies. Somit gewährleistet Art. 30 GOG GL indirekt den
  Anspruch auf ein unparteiisches, unbefangenes und unvoreingenommenes Gericht
  im Sinne von Art. 30 Abs. 1 BV (SGK BV-Steinmann, N 16 zu Art. 30 BV). Da die Anforderungen
  von Art. 30 Abs. 1 BV ohne Weiteres auch für Gerichtsschreiber
  gelten (vgl. SGK BV-Steinmann,
  N 10 zu Art. 30 BV) und sich Ausstandsbegehren auch gegen
  Gerichtsschreiber richten können (BSK StPO-Boog,
  N 12 zu Art. 56 StPO mit Verweis auf Art. 34 Abs. 1 BGG),
  muss es im Sinne des GOG GL sein, dass auch Gerichtsschreiber vertreten
  werden können. Nichts anderes legt auch der Grundsatz a maiore ad minus ("vom
  Grösseren auf das Kleine") nahe: Wenn Stellvertretungen bei den immerhin
  von der Glarner Landsgemeinde gewählten Richterinnen und Richter
  (Art. 68 Abs. 1 lit. b KV GL) möglich sind, muss dies
  erst recht auch für Gerichtsschreiber in einem Anstellungsverhältnis gelten.

  
	
   

  
	
  3.2. An diesem
  Auslegungsergebnis ändert auch die behauptete Stellung des Gerichtsschreibers
  in der Glarner Gerichtsorganisation nichts (Art. 37 GOG GL). Zum einen,
  weil dieser sich – bezüglich Antragsrecht und beratender Stimme – kaum
  wesentlich von Gerichtsschreibern anderer Kantone unterscheidet (vgl. bspw.
  § 133 Abs. 1 GOG ZH [LS 211.1] oder Art. 4 Abs. 3
  GOG UR [RB 2.3221]; vgl. ferner BGE 115 Ia 224
  E. 7.b.aa S. 228–229). Diesem nicht spezifisch
  Glarnerischen "nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Willensbildung
  der richterlichen Behörde oder auf den Inhalt der Urteilsbegründungen"
  (Urteil BGer 2P.301/2005 vom 23. Juni 2006 E. 4.1; Urteil BGer
  6P.126/2000 vom 20. Februar 2001 E. 1.c; BGE 115 Ia 224
  E. 7.b.aa S. 229–230, je m.w.H.) wird bereits dadurch Rechnung
  getragen, dass für die Gerichtsschreiber bezüglich Neutralität im Sinne von
  Art. 30 Abs. 1 BV die gleichen Anforderungen wie für die
  richterliche Behörde gelten (SGK BV-Steinmann,
  N 10 zu Art. 30 BV). Da im vorliegenden Fall aber nicht beanstandet
  wird, die Stellvertretung des Gerichtsschreibers habe zu einer Verletzung von
  Art. 30 Abs. 1 BV geführt, läuft dieses Argument des Beschuldigten
  ins Leere. Dasselbe gilt sodann für den Hinweis auf Art. 30 Abs. 3
  GOG GL: Insofern keiner der erwähnten Gerichtsschreiber konkret als
  Ersatzrichter hat amten müssen, ist nicht ersichtlich, weshalb die abstrakte
  Möglichkeit dazu eine Stellvertretung von Gerichtsschreiber verunmöglichen
  sollte.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Damit ist das
  Rückweisungsbegehren abzuweisen und hat nachfolgend das Obergericht in der
  Sache zu entscheiden.

  
	
   

  
	
  IV.
  Sachverhalt

  
	
  1.

  
	
  Dem Beschuldigten wird vorgeworfen,
  der Privatklägerin als Mitarbeiterin der Arbeitslosenkasse des Kantons
  Glarus, Zwinglistrasse 6, Glarus, anlässlich eines Telefongesprächs vom
  12. August 2016, ca. 11.30 Uhr, bei welchem es um die
  Einreichung von Unterlagen des Beschuldigten an die Arbeitslosenkasse des
  Kantons Glarus ging, mit den Worten "Wenn ich Sie gseh uf de Strass,
  denn erschüss ich Sie" gedroht zu haben. Nach dieser Aussage habe der
  Beschuldigte das Telefongespräch abrupt beendet. Durch diese Aussage sei die
  Privatklägerin in Angst versetzt und in ihrem Sicherheitsgefühl
  beeinträchtigt worden, was der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen habe
  (act. 3, S. 2).

  
	
   

  
	
  Die Vorinstanz gelangte nach
  Würdigung der vorhandenen Indizien zum Schluss, dass der eingeklagte
  Sachverhalt erstellt sei und der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
  tatsächlich besagte Drohung ausgesprochen habe (act. 23, S. 5–6,
  Ziff. II./3.). Der Beschuldigte wendet sich gegen diesen Schuldspruch
  und bestreitet den eingeklagten Sachverhalt (act. 40, S. 7–9).
  Damit ist die Sachverhaltswürdigung der Vorinstanz zu überprüfen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Zur Feststellung des
  massgeblichen Sachverhalts hat das Gericht zunächst sämtliche prozessual
  zulässigen Beweismittel zu erfassen, welche zur Feststellung des
  tatbestandserheblichen Sachverhalts beitragen können. Anschliessend hat das
  Gericht die als relevant erkannten Beweise frei und umfassend zu würdigen
  (Art. 10 Abs. 2 StPO) und seine Erkenntnis als Beweisergebnis
  festzustellen. Dieses Beweisergebnis kann je nach Würdigung als gesichert
  erscheinen, sofern vorhandene Widersprüche bereinigt werden konnten, oder
  aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2
  S. 350–351).

  
	
   

  
	
  2.2. Bestehen nach der
  Feststellung des Beweisergebnisses unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung
  der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, geht das Gericht in
  Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ("im Zweifel für den
  Angeklagten") von der für die beschuldigte Person günstigere Sachlage
  aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Denn der angeklagte Sachverhalt kann der
  beschuldigten Person nur dann zur Last gelegt werden, wenn er nach
  Überzeugung des Gerichts mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
  erstellt ist. Eine entsprechende Wahrscheinlichkeit liegt vor, wenn die
  richterliche Überzeugung, dass sich ein Sachverhalt in bestimmter Weise
  verwirklicht hat, auf einem jeden vernünftigen Zweifel ausschliessenden
  Urteil eines besonnenen und lebenserfahrenen Beobachters beruht. Abstrakte
  und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich
  sind; absolute Gewissheit kann nicht verlangt werden (BGE 144 345
  E. 2.2.1 S. 347 ff. und E. 2.2.3.2–3 S. 351 ff.).

  
	
   

  
	
  2.3. Liegen für einen
  eingeklagten Sachverhalt keine direkten Beweise vor, so ist auch der
  sogenannte indirekte Beweis gestützt auf Indizien zulässig. Hierbei wird aus
  bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen
  sind (sog. Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche
  Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur
  mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat
  hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offenlassen,
  können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen,
  das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der
  Sachverhalt so verwirklicht hat. Beim Indizienbeweis gelangt der Grundsatz in
  dubio pro reo nicht bereits bei der Würdigung der einzelnen Indizien zur
  Anwendung, sondern kommt erst zum Tragen, wenn das von den Indizien geprägte
  Gesamtbild steht (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4 S. 352–353; Urteil
  BGer 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3, je m.w.H.).

  
	
   

  
	
  2.4. Steht zudem Aussage
  gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten
  ergeben, zu untersuchen, welche Sachverhaltsdarstellung überzeugend ist,
  wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden
  mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Es zählt dabei nicht primär
  die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der aussagenden
  Person, sondern die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten
  Aussage. Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das
  Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien wie etwa die logische
  Konsistenz, Konstanz und Folgerichtigkeit in der Darstellung des
  Geschehensablaufes, die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses
  sowie eine unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle Gewicht zu legen ist.
  Als Hinweis für unglaubhafte Aussagen gelten hingegen etwa Strukturbrüche in
  den Schilderungen, laufende Anpassungen der Aussagen oder wenn Aussagen
  unstimmig oder widersprüchlich sind (BGE 133 I 33 E. 4.3
  S. 45; BGE 129 I 49 E. 5 S. 58; BGE 128 I 81
  E. 2 S. 85–86, je m.w.H.; BSK StPO-Hauri/Venetz,
  N 22 zu Art. 343 StPO).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1. Durch die Akten
  erwiesen ist vorliegend, dass der Beschuldigte in einer
  verwaltungsrechtlichen Auseinandersetzung um Arbeitslosentaggelder mit der
  Hauptabteilung Wirtschaft und Arbeit stand. Dieses Verfahren, welches mit
  Einsprache des Beschuldigten vom 11. Mai 2016 gegen die Verfügung
  Nr. 4.692 vom 10. Mai 2016 der Arbeitslosenkasse begann (vgl.
  Vorakten act. 8.1.05, S. 1), dauerte offensichtlich lange. Mit
  E-Mail vom 16. August 2016, 11.26 Uhr, bestätigte X.______, Leiter
  Wirtschaft und Arbeit, dem Beschuldigten, dass die Anspruchsabklärungen
  "in der Tat überdurchschnittlich lange" dauern würden und dass dies
  "nicht der Normalfall" sei und äusserte Verständnis über den
  "Unmut über die Dauer unserer Abklärungen". In der gleichen
  Nachricht wurde aber gleichzeitig sachlich dargelegt, weshalb diese
  Anspruchsabklärungen so lange dauerten und wurde der vom Beschuldigten
  geäusserte Vorwurf der "Verzögerungstaktik" zurückgewiesen (Vorakten
  act. 8.1.05, S. 1–2). Auch die Privatklägerin anerkennt, dass die
  Anspruchsabklärung sehr lange dauerte (Vorakten act. 10.2.02,
  F. 14).

  
	
   

  
	
  3.2. Folgende
  Sachverhaltselemente sind unstrittig:

  
	
  3.2.1. Gesichert ist, dass
  der Beschuldigte am 12. August 2016, um ca. 11.30 Uhr, telefonisch
  die Arbeitslosenkasse des Kantons Glarus kontaktierte und dabei mit der
  Privatklägerin als dort tätige Sekretariatsmitarbeiterin verbunden war. Das
  Gespräch dauerte nach Angaben des Beschuldigten "2–3 Minuten
  Maximum" (Vorakten act. 8.1.02, F. 7), gemäss der
  Privatklägerin "vielleicht zehn Minuten" (Vorakten
  act. 8.1.03, F. 5). Weitgehend übereinstimmend sagen beide Parteien
  aus, das Telefongespräch sei hitzig geworden und habe damit geendet, dass der
  Beschuldigte abrupt aufgehängt habe. Bei den Aussagen des Beschuldigten ist
  chronologisch eine graduelle Milderung auszumachen: Zunächst gab er gegenüber
  der Kantonspolizei am 12. August 2016 an, er sei etwas wütend geworden
  und habe in "sehr lautem Ton" gesprochen (Vorakten
  act. 8.1.02, F. 4), dann sagte er vor der Vorinstanz am 10. März
  2021 aus, zunächst "sehr anständig mit ihr verhandelt" zu haben und
  erst nachher "laut" geworden zu sein (act. 9, F. 10),
  schliesslich sagte er wiederum vor der Vorinstanz am 31. März 2021, er
  sei "aufgewühlt" gewesen, habe ziemlich laut gesprochen und danach
  das Telefon einfach abgehängt (act. 13, S. 3 und 5 sowie
  Aufnahmestellen 20.34 und 25.45 in act. 16; act. 42, F. 17,
  28). Mit Bezug auf seine Reaktion auf den Hinweis der fehlenden Dokumente ist
  ebenfalls eine Veränderung erkennbar, diesmal jedoch graduell verschärfend:
  Vor der Vorinstanz am 10. März 2021 sagte der Beschuldigte aus, er habe
  ruhig geantwortet "Dann haben Sie irgendwo eine Sauerei auf Ihrem Tisch.
  Das liegt nicht bei mir. Aber gerne werde ich das nochmals wiederbringen
  […]" (act. 9, F. 10), während er an der Berufungsverhandlung
  vom 18. November 2022 dieselbe Gesprächssequenz wesentlich schärfer mit
  "Dann habt ihr halt eine verdammte Schweinerei" (act. 42,
  F. 17) und nachher sogar "verdammte, elende Sauerei bei euch drin
  […]" (act. 42, F. 28) wiedergab. Demgegenüber beschrieb die
  Privatklägerin den Beschuldigten als bereits von Beginn an gereizt (Vorakten
  act. 8.1.03, F. 6) und bestätigte, dass der Beschuldigte unmittelbar
  nach seiner (umstrittenen) Aussage das Telefon aufgehängt habe, sodass sie
  selber nichts mehr habe sagen können (Vorakten act. 8.1.03, F. 4,
  7).

  
	
   

  
	
  3.2.2. Fest steht sodann,
  dass sich der Beschuldigte und die Privatklägerin vorher nicht kannten. Die
  Privatklägerin sagte aus, dass sie den Beschuldigten nur von der Arbeit her
  kenne (Vorakten act. 8.1.03, F. 11). Der Beschuldigte sagte
  seinerseits aus, er habe nur schriftlichen Kontakt mit ihr gehabt, habe sie
  noch nie gesehen und wisse nicht, wie sie aussehe (Vorakten act. 8.1.02,
  F. 9; act. 9, F. 11; act. 14). Zum ersten Mal gesehen
  habe er sie an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 31. März 2021
  (act. 14), würde sie aber nicht wiedererkennen (act. 42,
  F. 24–25).

  
	
   

  
	
  3.3. Folgende
  Sachverhaltselemente sind strittig und zu klären:

  
	
  3.3.1. Der genaue Wortlaut
  der hier inkriminierten Äusserung

  
	
  3.3.1.1. In zeitlicher
  Abfolge wurde der Wortlaut erstmals von Y.______, Leiter Arbeitslosenkasse,
  am 12. August 2016 um 12.23 Uhr wiedergegeben: "Konkret drohte er,
  dass er sie erschiessen werde, falls er sie auf der Strasse sehen würde"
  (Vorakten act. 8.1.04). Am 12. August 2016 um 13.51 Uhr gab
  die Privatklägerin auf dem Polizeistützpunkt Näfels die Drohung mündlich zu
  Protokoll: "Ich erschiesse dich auf der Strasse, wenn ich dich sehe"
  (Vorakten act. 8.1.03, F. 4). Als sie am 6. Oktober 2016 durch
  die Staatsanwaltschaft einvernommen wurde, war sie sich nicht mehr ganz
  sicher: "Wenn ich Sie gseh uf de Strass, denn erschüss ich Sie"
  (Vorakten act. 10.2.01, F. 1–2). Anlässlich der erneuten
  Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 27. November 2020 gab sie
  zwei Versionen zu Protokoll: einerseits "wenn er mich sieht auf der
  Strasse, dass er mich dann erschiesst" und andererseits, "dass er
  mich erschiesst, wenn er mich auf der Strasse sieht" (Vorakten
  act. 10.2.02, F. 1–2). An der Einvernahme durch das Kantonsgericht
  vom 31. März 2021 wurde sie vom Kantonsgerichtspräsidenten mehrfach
  vergebens dazu aufgefordert, den Wortlaut in direkter Rede wiederzugeben,
  wobei sie immer in der indirekten Form blieb: "Wenn er mich gseht uf dr
  Strass, erschüsst er mich" (vgl. Aufnahmestelle ab 09.11 in
  act. 16; nur sinngemäss protokolliert in act. 15, F. 9, 12).
  Obwohl sich mit Bezug auf die Reihenfolge der Teilsätze über die verschiedenen
  Einvernahmen hinweg zwei Varianten feststellen lassen – welche aber nicht
  sinnverändernd sind und über einen mehrere Jahre langen Zeitraum im Übrigen
  nicht weiter verwundern –, so ist doch die Kernaussage mit Bezug auf die zwei
  Teilsätze und ihren jeweiligen Signalwörtern der "Strasse" und des
  "Erschiessens" konstant gleich geblieben. Diese Aussage stimmt auch
  überein mit der Schilderung ihres Vorgesetzten Y.______, an den sich die
  Privatklägerin unmittelbar nach dem Telefongespräch mit dem Beschuldigten
  gewandt hatte.

  
	
   

  
	
  3.3.1.2. Der Beschuldigte
  bestreitet die von der Privatklägerin behauptete Aussage. Am 12. August
  2016, 14.45 Uhr, gab er auf dem Polizeistützpunkt Biäsche folgenden
  Wortlaut zu Protokoll: "Frau B.______, Sie kommen dran! Ich werde vor
  die Presse treten mit dieser Sache" und "dass ich Sie fertig mache
  und an die Presse gehe" (Vorakten act. 8.1.02, F. 4, 14). In
  seinem Schreiben vom 8. August 2017 erwähnte er, sein letzter Satz habe
  "ich mache sie fertig" gelautet, wobei dem die Worte vorangegangen
  seien, "dass ich zur Presse gehe und die Inkompetenz von Frau B.______
  zu Tage führe" (act. 6/1, S. 1). In der Einvernahme durch die
  Staatsanwaltschaft am 20. September 2017 gab er als Wortlaut an
  "Ich mache Sie fertig", wobei es möglich sei, dass er noch angehängt
  habe, dass sie sich nicht mehr auf der Strasse blicken lassen könne (Vorakten
  act. 10.1.01, F. 5), auf alle Fälle "etwas mit 'fertig
  machen'" (Vorakten act. 10.1.01, F. 6). In seinem Schreiben
  vom 12. Januar 2021 gab er an: "Ich machä si fertig"
  (act. 5, S. 2). An seiner Einvernahme vor Kantonsgericht am
  10. März 2021, sagte er aus: "[I]ch gehe zur Presse und ich mach
  sie [recte: Sie] fertig" (act. 9, F. 10) und anschliessend, er
  habe gesagt, er mache sie fertig, wobei er vielleicht höchstens noch hinzugefügt
  habe, dass sie sich nicht mehr auf der Strasse blicken lassen könne
  (act. 8, S. 4 und Aufnahmestelle 19.57 in act. 10). In einer
  von ihm eingereichten Beilage an der Hauptverhandlung vom 31. März 2021
  gab er den Wortlaut schriftlich mit "ich gu vor Press und machä si
  fertig" wieder (act. 14). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom
  11. November 2022 sagte der Beschuldigte aus, er habe gesagt: "Ich
  mache Sie fertig!" (act. 42, F. 17, 27; act. 40,
  S. 12), er wisse nicht, ob er "die Presse" gesagt habe (act. 42,
  F. 17), vielleicht habe er gesagt, dass sie nicht mehr auf die Strasse
  gehen könne (act. 42, F. 27), die genaue Form und Reihenfolge könne
  er aber nicht mehr sagen, obwohl er dann doch "sicher etwas wie, dass
  sie nicht mehr auf die Strasse gehen könne" auch noch gesagt habe
  (act. 40, S. 12). An einer anderen Stelle sagte er wörtlich aus:

  
	
  	
    "[I]ch habe gesagt: 'Ich gehe an die Presse und ich
    ersch-' – von erschiessen keine Rede, 'ich gehe an die Presse und mache Sie
    fertig, sodass Sie nicht mehr auf die Strasse können.' Es ist möglich, dass
    ich gesagt habe: 'Sie können nicht mehr auf die Strasse, ich mache Sie
    fertig. Wie der Wortlaut genau gelautet hat, ob ich zuerst gesagt habe, Sie
    können nicht mehr auf die Strasse oder zuerst gesagt habe, ich mache Sie
    fertig, Sie können nicht mehr auf die Strasse, weiss ich nicht mehr"
    (act. 42, F. 28 mit Transkription auf Mundart in Fn. 1).

    

  Selbst wenn man auch hier lange
  Zeitspanne seit dem Vorfall in Betracht zieht, so fällt doch auf, dass die
  Schilderung des Beschuldigten über seine am Telefon gegenüber der
  Privatklägerin gemachten Äusserungen eine inhaltliche Veränderung durchlief;
  zunächst beinhaltete sie ein "Drankommen", dann grundsätzlich das
  "Fertigmachen", wobei später teilweise auch noch das
  "Vor-die-Presse-Gehen" und das
  "Sich-nicht-mehr-auf-der-Strasse-blicken-lassen-können"
  uneinheitlich und in unterschiedlicher Reihenfolge und Kombination genannt
  sind. Da bekanntermassen das mehrmalige Befragen einer Person zum selben
  Thema im Rahmen eines Gerichtsverfahrens zu einer Veränderung des
  Erinnerungsbildes führen kann, geht man grundsätzlich davon aus, dass die
  Erstaussage die zuverlässigste ist (Peter
  Schumacher, Die Würdigung von Zeugen- und Parteiaussagen insbesondere
  im Zivilprozess, AJP/PJA 12/2000, S. 1457–1458). Vorliegend kontrastiert
  die Erstaussage des Beschuldigten, welche dieser nur rund drei Stunden nach
  dem inkriminierten Telefongespräch bei der Kantonspolizei zu Protokoll gab,
  am stärksten mit der ein Jahr später gemachten und seither stetig verfestigten
  Aussage, zu welcher auch dann erst ab dem 20. September 2017 das
  "Sich-nicht-mehr-auf-der-Strasse-blicken-lassen-Können" hinzukam,
  wohl um damit das von der Privatklägerin konstant verwendete Element der
  "Strasse" aufzunehmen.

  
	
   

  
	
  3.3.2. Das aufbrausende
  Temperament

  
	
  Nach Angaben der Privatklägerin
  sei vom Beschuldigten bekannt, dass er schon mehrmals ausgerufen und sich
  über Amtsstellen beschwert habe (Vorakten act. 8.1.03, F. 12). Dem
  widerspricht der Beschuldigte; er sagt von sich, er sei generell ein
  gutmütiger Mensch (Vorakten act. 8.1.02, F. 10), was sich an seinen
  langjährigen, teilweise ehrenamtlichen Tätigkeiten zeige, welche immerzu
  einen Umgang mit Menschen erfordert hätten (vgl. Vorakten act. 10.1.01,
  F. 5; act. 13, S. 5; act. 42, F. 7; vgl. insb. die
  Auflistung in act. 43). Er bestreitet konkret, ein "Ausrufer"
  zu sein, aber er lasse sich gleichwohl "nüd uf Kappä schissä" und
  es habe ihn die Aussage der Privatklägerin am Telefon, wonach sie keine
  Dokumente von ihm erhalten habe, "emotionell glupft" (Vorakten
  act. 10.1.01, F. 5). Aus manchen Äusserungen ergibt sich, dass der
  Beschuldigte gerade diese Aussage seinerseits als Drohung wahrnahm
  (vgl. Vorakten act. 10.1.01, F. 5: "Sie antwortete dann,
  wenn sie diese Formulare nicht erhalte, dann kriege ich kein Geld. Und sagen
  Sie das jemandem, der kein Geld hat. […] Das ist ja eigentlich eine schwere
  Drohung, es geht ja ums Überleben. Das ist schlimmer als erschiessen").
  Das für die darauffolgende Reaktion oftmals benutzte sprachliche Bild des
  "Lupfens" durchzog auch die gesamte Berufungsverhandlung vom
  18. November 2022 (act. 42, F. 17: "Das lüpft einen! […]
  Also das lüpft jedem Menschen den Hut", F. 22: "Dann lupft es
  einem […] eben doch den Hut", F. 30: "Das hat mir den Hut
  gelüpft"). Insofern sind beim Beschuldigten durchaus Muster erkennbar,
  die auf ein aufbrausendes Temperament hindeuten. Die ersichtliche Neigung zu
  erhöhter Emotionalität deckt sich letztlich mit der Selbsteinschätzung des
  Beschuldigten als "unbequemer Kunde", der sich "zur Wehr
  setzt" (act. 40, S. 6); sie schlug sich im Übrigen ebenso in
  der Kundgabe seines Ärgers nieder, als der Beschuldigte vor Obergericht die
  von ihm empfundene Situation spontan und lebhaft schilderte (vgl.
  act. 42, F. 17: "Latsch" und "verdammte Schweinerei",
  F. 22: "Gopferteggel" und "Hergottnochämal",
  F. 28: "verdammti eländi Sauerei", F. 33:
  "gopfertelli, du Babe", F. 34: "Schafseggel").

  
	
   

  
	
  3.4. Vom Beschuldigten zu
  seiner Entlastung vorgebrachte Argumente:

  
	
  3.4.1. In seiner Eingabe
  vom 12. Januar 2021 an die Vorinstanz brachte der Beschuldigte erstmals
  vor, dass ein aufgewühlter Glarner nie "erschüss ich sie" sagen
  würde, sondern "knall si abe" (act. 5, S. 2). An der
  erstinstanzlichen Befragung vom 10. März 2021 wiederholte er, ein
  "urchiger" (urwüchsiger, echter) Glarner würde nie sagen "Ich
  schüsse Sie abe", sondern "Ich knall Sie abe" (act. 9,
  F. 10); an der Hauptverhandlung vom 31. März 2021 meinte er
  schliesslich, dass ein Glarner nicht sagen würde "Ich erschüsse
  Sie", sondern "Ich verschüsse Sie", was einen riesigen
  Unterschied darstelle (act. 13, S. 4 und Aufnahmestelle 22.41 in
  act. 16). Auch an der Berufungsverhandlung wiederholte er noch einmal,
  dass er als Glarner in der Wut sagen würde: "Ich verschüss di, du Latsch!"
  (act. 42, F. 17), in jedem Fall "verschüsse" statt
  "erschüssä" (act. 42, F. 27, act. 40, S. 8).
  Diese Behauptung ist in verschiedener Hinsicht zumindest fraglich. Während
  nämlich in der Hochsprache ein klarer semantischer Unterschied zwischen
  "erschiessen" (mit einer Schusswaffe töten) und
  "verschiessen" (u.a. etwa [1.] als Munition beim Schiessen
  verwenden, [2.] durch Schiessen verbrauchen, [3.] ungenaues, verfehltes
  Schiessen) besteht, werden im Schweizerdeutschen die beiden Begriffe
  "erschüsse" und "verschüsse" synonym verwendet, wobei
  gewisse geographische Unterschiede bestehen (vgl. Schweizerisches Idiotikon,
  Bd. VIII, erschiessen, Sp. 1395–1396, 2.a.α [ausdrücklich
  genannt werden Bern, Freiburg und Graubünden] und Bd. VIII,
  Sp. 1407–08, verschiessen, 2.c.ε [ausdrücklich genannt werden
  Aargau, Appenzell, erneut Graubünden, St. Gallen, Schwyz und die
  Schwyzer March, Thurgau, Uri und Zürich], digital einsehbar unter:
  www.idiotikon.ch). Für den Kanton Glarus ist also von vornherein keine klare
  Präferenz für "verschüsse" ersichtlich und kann auch von dem
  behaupteten riesigen Unterschied nicht die Rede sein; beide Begriffe können
  benutzt werden. Nach Auffassung und Sprachgefühl des Gerichtes fällt die
  Präferenz sogar eher zugunsten "erschiessen" aus. Vielsagend ist in
  diesem Zusammenhang sodann, dass aus den Tonaufnahmen der
  Gerichtsverhandlungen an verschiedenen Stellen zu hören ist, wie der
  Beschuldigte selber quasi instinktiv zunächst das als so unglarnerisch
  abgelehnte "erschüsse" ausspricht und sich gleich danach jeweils
  korrigiert (vgl. etwa Aufnahmestelle 25.30 in act. 16: "Ich bin
  öpper wo für d'Lüüt da isch, für d'Mänschä da isch und sehr sozial und nüd
  öpper, wo öpper erschüsst – und das heisst verschüssä, uf
  Glarnerdeutsch, und nüd erschüssä, das isch ä riesä Underschied" oder
  act. 42, S. 11, F. 28 und Fn. 1: "[…] ha gseit ich
  gu i d'Press und ich ersch- und ich- erschüssä kä Red, ich gu a
  d'Press und mach Sie fertig, […]"; vgl. auch Vorakten act. 10.1.01,
  F. 5: "Das ist schlimmer als erschiessen", wobei es
  sich hier um eine nachträgliche Anpassung an die Hochsprache handeln könnte).
  In jedwedem Falle aber ist der Auffassung der Vorinstanz zuzustimmen, dass
  von einer zusehenden Vermischung des Glarnerdeutschen mit anderen Dialekten
  ebenso wie mit der Hochsprache ausgegangen werden kann (act. 23,
  S. 6, Ziff. II./3.; vgl. bereits Heinrich
  Bäbler, Glarner Sprachschuel, Glarus 1949, S. VI: "[…]
  Vermischung und Verplattung unserer Glarnermundart […]"). Insofern kann
  dem Beschuldigten nicht gefolgt werden, wenn er geltend macht, dass der
  Anklagesachverhalt nicht zutreffen könne, weil er als Glarner das darin
  inkriminierte Wort "erschüsse" gar nicht verwenden würde.

  
	
   

  
	
  3.4.2. Erstmals an der
  Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft am 20. September 2017 brachte
  der Beschuldigte eine angebliche schwere psychische Voreingenommenheit gegen
  jegliche Schusswaffen und das Schiessen im Allgemeinen vor. Er erklärte diese
  mit der Tatsache, dass sein Vater im Zweiten Weltkrieg als Soldat in
  Kampfhandlungen involviert gewesen sei und dabei auch Leute erschossen habe.
  Er habe dies als Kind von seinem Vater vernommen und es habe ihn derart
  geprägt, dass er sich im Militär immer davor gedrückt habe, zu schiessen und
  sich nicht auf dem Schiessplatz gemeldet habe (Vorakten act. 10.1.01, F. 5;
  act. 6/1, S. 1; act. 9, F. 10; act. 42, F. 17).
  Aus diesem Grund fehle das Wort schiessen in seinem Wortschatz (Vorakten
  act. 10.1.01, F. 5) oder er nehme es nur ungerne in den Mund
  (act. 13, S. 4 und Aufnahmestelle 23.00 in act. 16;
  act. 42, F. 17). Ein Mensch, der über Jahre derart traumatisiert
  vom Schiessen und Erschiessen sei, spreche selber nicht davon (act. 8,
  S. 3–4 und Aufnahmestelle 20.10 in act. 10). Sodann besitze er
  selber gar keine Waffen und würde daher auch nicht eine solche Drohung
  aussprechen (Vorakten act. 10.1.01, F. 5; act. 5, S. 2;
  act. 40, S. 8; act. 42, F. 17: "[…] dann gehe ich
  nicht 'pistölelen', wenn ich überhaupt nicht mit Pistolen zu tun habe").
  Auch dieses Argument vermag den Beschuldigten nicht zu entlasten. Vielmehr
  ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass zum Aussprechen einer Drohung
  nicht eine unmittelbare Umsetzungsmöglichkeit (über welche das Opfer der
  Drohung ja im Unklaren ist) gegeben sein muss, zumal für die
  Tatbestandsmässigkeit einer Drohung bereits ein diesbezüglicher "Bluff"
  (solange er dem Opfer der Drohung realistisch genug erscheint) ausreichen
  kann. Lediglich der Vollständigkeit halber bleibt noch Folgendes anzufügen,
  was die vom Beschuldigten behauptete Waffenaversion relativiert: In der
  Untersuchung erwähnte er, vor Jahren als Betreiber eines Fitnesscenters eine
  Pistole gekauft zu haben, weil seine damalige Frau sich unsicher gefühlt
  habe, wobei die Pistole jeweils (ungeladen) bei der Kasse gelegen habe
  (Vorakten act. 10.1.01, F. 5).

  
	
   

  
	
  3.4.3. Der Beschuldigte
  stellt seine behauptete Aussage des "Fertigmachens" in einen
  grösseren Kontext zur Presse. Dies, indem er zum einen generell auf seine
  Affinität zur Presse (act. 13, S. 3: "Pressemensch",
  S. 4: "Pressefreak") und zum Schreiben hinweist (act. 42,
  F. 12: "Schreiberling", F. 17: "[…] ich war eine
  Zeit lang der Politiker des Glarnerlandes, der mit Abstand am meisten in der
  Presse war, weil ich so viele Sachen mache und selber schreibe"), zum
  anderen, indem er konkret auf seine Mithilfe zur Aufdeckung behördlicher Vergehen
  durch das Fernsehmagazin "Kassensturz" im Jahre 1994 verweist
  (Vorakten act. 10.1.01, F. 5; act. 9, F. 10;
  act. 40, S. 12). Diese Punkte sind zu allgemein gehalten und weisen
  schlicht auch keinen konkreten Bezug zum eingeklagten Sachverhalt auf, als dass
  sie vorliegend als Indizien zur Entlastung des Beschuldigten in Betracht
  kämen.

  
	
   

  
	
  3.4.4. An der Einvernahme
  vom 10. März 2021 stellte der Beschuldigte erstmals die These einer
  gezielten "Racheaktion" gegen ihn in den Raum (act. 9,
  F. 12). Mit Eingabe vom 31. März 2021 schrieb der Beschuldigte, die
  Privatklägerin forme "ein Konstrukt, um ihre Haut zu retten" und
  merkte anlässlich der Einvernahme desselbigen Tages an, dass sie kurz vor
  einer "Ehrung" respektive eines Jubiläums stehe und daher ein
  gewisser Druck auf ihr liege (act. 14; act. 13, S. 5). Nachdem
  sich der Beschuldigte wegen des langen Verfahrens zudem beim Landammann
  beschwert habe, "um das Ganze zu klären, dass endlich mal was
  geht", sei "von oben hinab" Druck auf die Privatklägerin
  ausgeübt worden (act. 9, F. 12); der Druck, der auf der gesamten
  Amtsstelle gelastet habe, sei "riesengross" geworden (act. 42,
  F. 29; act. 14; act. 40, S. 6). Zu diesem Zeitpunkt habe
  man seine Schwäche erkannt und ausgenutzt (act. 9, F. 12:
  "'[J]aja, jetzt kann man den Herr A.______ packen"), weswegen der
  Vorgesetzte der Privatklägerin sie auch "zur Anzeige angestachelt"
  habe, wobei es sich hierbei gar um eine "Strategie" handle, wie die
  Arbeitslosenkasse wohl generell mit Telefonaten der Enthüllungspresse umgehe
  (act. 40, S. 7). Ziel der Anzeige als "Gegenangriff" sei
  es gewesen, über die Versäumnisse der Privatklägerin oder der
  Arbeitslosenkasse hinwegzutäuschen (act. 40, S. 7). Es habe daher
  der Privatklägerin nur recht sein können, wenn der Beschuldigte "ins Visier
  der Justiz" gerate (act. 40, S. 8). Da die Aussage "Ich mach
  dich fertig" für eine Anzeige nicht ausgereicht habe, seien sie schlau
  genug gewesen, um entsprechend zu lügen und einen anderen Wortlaut zu
  erfinden (act. 42, F. 17). An der erstinstanzlichen
  Hauptverhandlung vom 31. März 2021 sei ihm klargeworden, dass die
  inkriminierten Worte der Privatklägerin eingegeben worden seien, sie diese
  auswendig gelernt und dann wiederholt habe (act. 42, F. 27:
  "Du musst dann sagen, der Herr A.______ habe gesagt, dass er dich
  erschiesse").

  
	
   

  
	
  Es liegen keine Hinweise vor,
  welche diesen massiven Vorwurf eines behördlichen Komplotts gegen den
  Beschuldigten auch nur im Entferntesten stützen würden. Mehr noch:
  Verschiedene Versatzstücke dieser Behauptung sind nachweislich falsch. Der
  Vorgesetzte meldete den ihm von der Privatklägerin mitgeteilten Wortlaut der
  Drohung unverzüglich per E-Mail der Polizei und die Privatklägerin bestätigte
  ihn wenige Stunden später bei ihrer polizeilichen Befragung. Auch schilderte
  die Privatklägerin die telefonisch erlebte Drohung über das ganze Verfahren
  hinweg jeweils stringent und glaubhaft; vor Kantonsgericht verstand sie
  lediglich die Frage des Präsidenten nicht, welcher den Wortlaut in direkter
  Rede hören wollte, während sie diesen in indirekter Rede wiedergab (vgl.
  vorne Ziff. IV./3.3.1.1). Nicht ersichtlich ist ferner, wie überhaupt
  eine Anzeige über amtliche Versäumnisse hinwegtäuschen soll, wenn dadurch
  gleichzeitig (auch) justizkundig wird, dass ein konkretes Verfahren zu lange gedauert
  hat (vgl. vorne Ziff. IV./3.1.).

  
	
   

  
	
  3.5. Der Nachgang zum
  Telefongespräch

  
	
  3.5.1. Unmittelbar nach
  der Drohung informierte die Privatklägerin ihre Kollegin am Schalter über den
  Vorfall und wies sie an, den Schalterbereich nicht zu verlassen, da sie nicht
  wusste, "ob er kommt oder nicht" (Vorakten act. 8.1.03,
  F. 7). Sie habe sogleich ihren Vorgesetzten, Y.______, informieren
  wollen, doch sei dieser an einer Sitzung gewesen. Dann habe sie sich
  überlegt, dass sie selber aktiv werden und die Polizei alarmieren müsse, wenn
  der Beschuldigte wirklich komme. Sie entschied sich aber, auf ihren
  Vorgesetzten zu warten (Vorakten act. 8.1.03, F. 7). Dieser
  Entschluss nahm der Beschuldigte als Indiz auf die fehlende Todesangst der
  Privatklägerin auf, welche in wirklicher Todesangst keinesfalls gezögert
  hätte (act. 40, S. 6–7; act. 42, F. 17).

  
	
   

  
	
  3.5.2. Der weitere
  Nachgang der Tat weist zeitlich keine Auffälligkeiten auf, insofern es sich
  um eine rasch gestaffelte Abfolge klarer Ereignisse handelte: Die Privatklägerin
  sprach mit Y.______ kurz nach 12.00 Uhr, welcher mit E-Mail vom
  12. August 2016, 12.23 Uhr, die Mitarbeitenden der
  Arbeitslosenkasse, verschiedene weitere Mitglieder der Glarner Behörden sowie
  die Kantonspolizei informierte, dass der Beschuldigte explizite
  Todesdrohungen gegen die Privatklägerin geäussert habe (Vorakten
  act. 8.1.04). Er informierte weiter, dass die Privatklägerin die Drohung
  am Nachmittag bei der Polizei zur Anzeige bringen würde. Im Anschluss habe
  die Privatklägerin den Mittag im Gebäude an der Zwinglistrasse 6 in
  Glarus verbracht, welches sie erst nach dem dort eingenommenen Mittagessen
  verlassen habe. Dabei habe sie das Gebäude nicht wie üblicherweise über den
  Vorderausgang, sondern über den Hinterausgang verlassen und sich dabei vergewissert,
  dass der Beschuldigte nicht in der Nähe sei. Sie sei nervös gewesen. Sodann
  sei sie die rund 200 Meter bis zur Bäckerei Gabriel gegangen und
  habe noch eine kleine Runde um die Kirche gemacht, welche sich direkt vor der
  Arbeitslosenkasse befindet (Vorakten act. 8.1.03, F. 10;
  act. 15, F. 13). Am Nachmittag erhob sie Anzeige gegen den
  Beschuldigten bei der Kantonspolizei (act. 15, F. 13), wobei die
  polizeiliche Einvernahme um 13.51 Uhr erfolge (Vorakten act. 8.1.03).
  Der Beschuldigte wurde um 14.30 Uhr an seiner Wohnadresse festgenommen
  (Vorakten act. 4.1.01), um 14.45 Uhr einvernommen (Vorakten
  act. 8.1.02) und um 16.40 Uhr entlassen (Vorakten
  act. 4.1.03).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  In einer Gesamtwürdigung ist in
  Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte
  der Privatklägerin am Telefon damit drohte, sie zu erschiessen, wenn er sie
  auf der Strasse sehe.

  
	
   

  
	
  4.1. Hierfür sprechen
  insbesondere die mit der Aussage ihres Vorgesetzten übereinstimmende und
  konstante bleibende Wiedergabe des Wortlautes durch die Privatklägerin.
  Glaubhaft wirkt, dass sie jeweils Unsicherheiten und Gedächtnislücken offen
  zugab (act. 15, F. 8, 11) und den Beschuldigten nicht übermässig
  beschuldigte. So zeigte sie teilweise sogar Verständnis für dessen Situation
  (Vorakten act. 8.1.03, F. 14). Die Sachverhaltsdarstellung der
  Privatklägerin ist auch im Nachgang an die Drohung überzeugend und lebensnah;
  so schilderte sie namentlich ihre Gefühle der Verunsicherung, ihre Sorge um
  die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden, ihre Unsicherheit mit Bezug auf das
  weitere Vorgehen sowie ihre Nervosität beim Verlassen des Gebäudes über den
  Hinterausgang zur nächstgelegenen Bäckerei (vgl. vorne Ziff. IV./3.5.).
  Ihre Aussagen weisen keine Widersprüche auf. Zudem ist mit der Vorinstanz übereinstimmend
  festzustellen, dass keine Gründe ersichtlich sind, weshalb sie eine Drohung
  hätte erfinden und eine ihr gänzlich unbekannte Person anzeigen sollen.

  
	
   

  
	
  4.2. Demgegenüber wirft
  der vom Beschuldigten behauptete Wortlaut in seiner sich ändernden Form
  verschiedene Zweifel auf. Zwar stellt die unvorteilhafte Darstellung der
  eigenen Rolle innerhalb der Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten ein
  bedeutendes Realitätskriterium dar, doch verliert es durch die ständigen
  Anpassungen bedeutend an Glaubhaftigkeit. Der Beschuldigte vermag zwar
  detailreich und sehr charakteristisch zu schildern, jedoch nur mit Bezug auf
  die Dauer des verwaltungsrechtlichen Verfahrens als unmittelbare
  Vorgeschichte und die Verhaftung als unmittelbare Folge des Vorfalls. Die geltend
  gemachte Erinnerungslücke zum Kerngeschehen und die Unsicherheit mit Bezug
  auf den Wortlaut – wobei es im Laufe des gesamten Verfahrens zu bedeutenden
  Anpassungen und Strukturbrüchen gekommen ist – sind als Lügensignale zu
  werten. Aus den Akten sowie der Fremd- und Eigeneinschätzung des
  Beschuldigten ergibt sich, dass dieser eine temperamentvolle Veranlagung
  besitzt und sein Herz auf der Zunge trägt (vgl. vorne Ziff. IV./3.3.2).
  In Anbetracht des vom Beschuldigten selber anschaulich und lebensnah geschilderten
  Drucks und der Verzweiflung erachtet es das Gericht als mit an Sicherheit
  grenzender Wahrscheinlichkeit für erstellt, dass es dem Beschuldigten – wie
  er selber sagt – den Hut lupfte und er die Drohung des Erschiessens
  aussprach. Dies umso mehr, als die vom Beschuldigten vorgebrachten Einwände,
  welche auf einen anderen Wortlaut hindeuten könnten, erst verhältnismässig
  spät in das Verfahren eingebracht wurden und überdies nicht überzeugen (wie
  seine Ausführungen zum Glarnerdeutsch sowie zu seiner behaupteten
  Waffenaversion), wenn nicht sogar gänzlich lebensfremd anmuten (wie bei der
  behaupteten Verschwörung). Sie sind als Schutzbehauptungen zu werten.

  
	
   

  
	
  4.3. Im Berufungsverfahren
  wurden Zeugenbegehren gestellt (act. 27, S. 2 und act. 40,
  S. 3). Da die Einvernahme der genannten Zeugen, soweit sie denn
  überhaupt unmittelbar zum Tatgeschehen etwas sagen könnten, an der
  Beurteilung des Gerichts nichts mehr zu ändern vermöchten, ist das
  Zeugenbegehren abzuweisen.

  
	
   

  
	
  4.4. Das soeben dargelegte
  Beweismass (an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit; keine
  zurückbleibenden, ernsthaften Zweifel) ist für eine Verurteilung ausreichend.
  Eine absolute Gewissheit kann vorliegend nicht erlangt werden und wird auch
  nicht verlangt, da theoretische Zweifel immer möglich sind (BGE 144 IV
  345 E. 2.2.1 S. 348). Die Ausführungen des Beschuldigten zur
  Unschuldsvermutung verfangen daher nicht (act. 40, S. 4–6). Nachdem
  bereits die Vorinstanz die Tatschuld des Beschuldigten aus insgesamt
  zutreffenden Überlegungen bejaht hat, kann hier zur Ergänzung der
  vorstehenden Ausführungen auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen
  Entscheid (act. 23, S. 5–6, E. Ziff. II/3.) verwiesen
  werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

  
	
   

  
	
  V.
  Rechtliche Würdigung

  
	
  1.

  
	
  Die Vorinstanz qualifizierte das
  eingeklagte Tatgeschehen als Gewalt und Drohung gegen Beamte im Sinne von
  Art. 285 Abs. 1 StGB (act. 23, S. 6–7, E. III.).
  Diese Qualifikation wurde im Berufungsverfahren mit Bezug auf den Taterfolg
  gerügt (act. 40, S. 7, 10).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Wer einen Beamten durch
  Drohung zu einer Amtshandlung nötigt, die innerhalb seiner Amtsbefugnisse
  liegt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft
  (Art. 285 StGB). Gemäss herrschender Lehre liegt eine Drohung vor, wenn
  – analog zum Tatbestand der Nötigung (Art. 181 StGB) – ein
  "ernstlicher Nachteil" angedroht wird (BSK StGB-Heimgartner, N 10 zu
  Art. 285 StGB; PK StGB-Trechsel/Vest,
  N 6 zu Art. 285 StGB). Eine solche Androhung ernstlicher Nachteile
  liegt vor, wenn nach der Darstellung des Täters der Eintritt des Nachteils
  als von seinem Willen abhängig erscheint und wenn die Androhung geeignet ist,
  den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken (BSK StGB-Delnon/Rüdy, N 25 zu
  Art. 181 StGB). Dabei reichen grundsätzlich nur Androhungen, die auch
  eine besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig machen würden (BSK
  StGB-Delnon/Rüdy, N 34 zu
  Art. 181 StGB). Das Opfer muss dabei die Verwirklichung des Übels
  befürchten (BSK StGB-Delnon/Rüdy,
  N 36 zu Art. 181 StGB), wobei unwesentlich ist, ob der Täter die
  Verwirklichung des angedrohten Übels überhaupt anstrebt oder dazu in der Lage
  wäre (BSK StGB-Delnon/Rüdy,
  N 30 zu Art. 181 StGB). Bei besonders exponierten Amtsträgern (wie
  etwa Polizeibeamte, Betreibungsbeamte, Migrationsbeamte) ist zudem zu
  beachten, dass diese oftmals im Umgang mit renitenten Personen besonders
  geschult sind, weshalb auch die Anforderungen hinsichtlich der Intensität der
  Drohung relativ hoch sind. Bei dieser Kategorie von Beamten ist entsprechend
  ein gewichtiger Nachteil vorauszusetzen, der eine Willensbeeinflussung des
  Beamten als verständlich erscheinen liesse. Bei Todesdrohungen ist eine
  Androhung eines ernstlichen Nachteils auf jeden Fall gegeben (BSK StGB-Heimgartner, N 11 zu
  Art. 285 StGB; PK StGB-Trechsel/Vest,
  N 3 und 6 zu Art. 285 StGB je m.w.H.), ebenso wie die
  Rechtswidrigkeit, welche durch die Tatbestandsmässigkeit der Beamtennötigung
  per se noch nicht indiziert wird und daher zusätzlich positiv begründet
  werden muss (BSK StGB-Heimgartner,
  N 13 zu Art. 285 StGB).

  
	
   

  
	
  2.2. Bei der
  Tatbestandsvariante der sog. Beamtennötigung zwingt der Täter die Amtsperson
  durch das Nötigungsmittel der Drohung zur Vornahme einer Amtshandlung, d. h.
  er bewirkt diese durch den Amtsträger, gegen dessen Willen. Bei der
  Beamtennötigung handelt es sich wie bei der einfachen Nötigung um ein
  Erfolgsdelikt (BSK StGB-Delnon/Rüdy,
  N 53 zu Art. 181 StGB), bei welchem der Erfolg erst dann eintritt,
  wenn sich das Opfer (wenigstens teilweise) nach dem Willen des Täters
  verhält; misslingt die Bestimmung von Willensbildung oder -betätigung, so
  bleibt es beim Versuch (PK StGB-Trechsel/Mona,
  N 9 zu Art. 181 mit Verweis auf BGE 96 IV 58 E. 4
  S. 62–63; BGE 106 IV 125 E. 2.b S. 128–129). Für die
  Beamtennötigung liegt der tatbestandsmässige Erfolg somit in der Vornahme der
  Amtshandlung durch den Amtsträger, wobei teilweise schon der Beginn der
  Amtshandlung als Erfolg betrachtet wird (BSK StGB-Heimgartner, N 12 zu Art. 285 StGB).

  
	
   

  
	
  2.3. In subjektiver
  Hinsicht muss die Handlung mit Vorsatz erfolgen, wobei Eventualvorsatz
  ausreicht. Bei der Tatbestandsvariante der Beamtennötigung muss die Handlung
  des Täters zudem mit Wissen und Willen um die möglicherweise nötigende
  Wirkung erfolgen (BSK StGB-Heimgartner,
  N 23 zu Art. 285 StGB).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1. Der Beschuldigte
  sagte der Privatklägerin am 12. August 2016, ca. 11.30 Uhr,
  dass er sie erschiessen werde, wenn er sie das nächste Mal auf der Strasse
  sehe und beendete danach das Telefongespräch abrupt, womit er sie in Leib und
  Leben bedrohte. Damit ist die Androhung eines ernstlichen Nachteils erstellt
  und es liegt damit eine Drohung im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
  Abs. 1 StGB vor. Eine Todesdrohung stellt nach herrschender Lehre eine
  rechtswidrige Androhung eines derart ernstlichen Nachteils dar (BSK StGB-Heimgartner, N 11 zu
  Art. 285 StGB m.w.H.), dass sie geeignet ist, nicht nur einen besonnenen
  Beamten, sondern auch einen besonders geschulten Beamten in der Kategorie der
  Privatklägerin als Mitarbeitende der Arbeitslosenkasse – welche nach eigener
  Aussage routinemässig Kontakt zu schwierigen Personen hat (Vorakten
  act. 8.1.03, F. 8) – gefügig zu machen. Die Privatklägerin selber
  führte denn auch glaubhaft aus, wie sie in Angst versetzt wurde und sich
  weder in den Räumlichkeiten der Arbeitslosenkasse noch auf der Strasse sicher
  fühlte (vgl. Vorakten act. 8.1.03, F. 9–10). Der Beschuldigte hat
  die Privatklägerin durch seine Aussage und den anschliessenden Abbruch des
  Telefongesprächs mit Wissen und Willen um deren drohende, möglicherweise
  hindernde bzw. nötigende Wirkung in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt.
  Vorsätzlich (oder zumindest eventualvorsätzlich) wollte er mit seiner Aussage
  erreichen, dass die Privatklägerin oder andere Mitarbeitende der
  Arbeitslosenkasse seine Einsprache vom 11. Mai 2016 gegen die Verfügung
  der Arbeitslosenkasse vom 10. Mai 2016 umgehend bearbeiten würden, wie
  dies auch aus seiner tags darauf verfassten E-Mail vom 13. August 2016
  (Vorakten act. 8.1.05, S. 2–3) sowie verschiedenen Aussagen (vgl.
  bspw. Vorakten act. 8.1.02, F. 4: "Ich werde immer wieder
  gebeten Sachen einzureichen und es geht einfach nicht vorwärts. Da ich dann
  etwas wütend wurde, dass mein Verfahren nicht weiter geht habe ich heute in
  sehr lautem Ton am Telefon gesagt […]"; act. 9, F. 10:
  "[…] und ich war da laut, das gebe ich zu, nach so langer Zeit, es war
  so ein grosser Kampf" und F. 12: "Denken Sie mal,
  14 Monate immer der gleiche Stapel vor sich, man kommt nicht
  weiter") und eingereichten Beilagen (act. 5, S. 2;
  act. 6/7) ersichtlich ist. Unmassgeblich für den Vorsatz (oder
  Eventualvorsatz) ist, ob der Beschuldigte die Verwirklichung der Drohung
  effektiv anstrebte bzw. ob er, da er keine Schusswaffen mehr besitzt,
  unmittelbar dazu überhaupt in der Lage war.

  
	
   

  
	
  3.2. Die Vorinstanz ging
  davon aus, dass der Beschuldigte durch seine Drohung eine zügigere Behandlung
  seines Gesuchs um Arbeitslosengeld erreichte (vgl. act. 23, S. 7,
  Ziff. III.) und verweist dabei auf die Antwort von X.______ vom
  16. August 2016 auf die E-Mail des Beschuldigten vom 13. August
  2016 (Vorakten act. 8.1.05) sowie die Antwort der Privatklägerin auf die
  Frage, was der Beschuldigte mit der Drohung habe erreichen wollen (vgl.
  Vorakten act. 10.2.02, F. 13: "Schlussendlich denke ich schon,
  dass er wollte, dass wir seinen Forderungen nachkommen bzw. entsprechen"
  und F. 14: "Ich denke schon, dass er sagen wollte, jetzt müssten
  wir dem mal endlich entsprechen und den Anspruch gewähren"). Der
  Beschuldigte stellt dies in Abrede und verweist darauf, dass eine durch die
  Drohung ausgelöste Amtshandlung nicht nachgewiesen sei (act. 40,
  S. 10); sodann seien ihm in der Folge Arbeitslosengelder nicht aufgrund
  seines Telefons, sondern aufgrund seines gesetzlichen Anspruchs ausbezahlt
  worden (act. 9, F. 12: "'aufgrund des Telefons hätte ich die Ausbezahlung
  gekriegt', das stimmt doch nicht! Des Amtes wegen mussten sie endlich zahlen,
  nicht wegen meinem Telefonat"). Dem ist zuzustimmen. Aus den Akten
  ergibt sich lediglich der subjektive Wille des Beschuldigten, das langwierige
  Verfahren zu beschleunigen (vgl. vorne Ziff. V./3.1), nicht aber auf
  eine objektiv erfolgte Beschleunigung desselben. Die Privatklägerin gibt an,
  durch die Drohung zwar in Angst versetzt worden zu sein, nicht aber als Folge
  der Drohung eine bestimmte Amtshandlung vorgenommen zu haben (Vorakten act. 10.2.02,
  F. 16: "Ich wurde ja eigentlich nicht genötigt"). Auch aus den
  restlichen Akten lässt sich kein Hinweis darauf entnehmen, dass der
  Beschuldigte mit seiner Drohung tatsächlich eine konkrete Amtshandlung zu
  erwirken vermochte. Damit ist der für die Beamtennötigung erforderliche
  Erfolg nicht eingetreten. Indes aber ist offensichtlich, dass seine Drohung
  darauf ausgerichtet war, die Privatklägerin dazu zu verhalten, sein pendentes
  Gesuch um Arbeitslosengeld nun umgehend an die Hand zu nehmen. Es liegt somit
  ein vollendeter Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vor. Der
  Beschuldigte ist damit schuldig der versuchten Gewalt und Drohung gegen
  Behörden und Beamten im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB in
  Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

  
	
   

  
	
  VI. Strafzumessung und Vollzug

  
	
  1.

  
	
  Die
  Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten wegen Gewalt und Drohung gegen
  Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB zu einer Geldstrafe von
  30 Tagessätzen zu je CHF 30.–, bedingt aufgeschoben bei einer
  Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 300.–, wobei die
  Busse, falls sie nicht bezahlt wird, in eine unbedingt vollziehbare
  Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen umgewandelt würde (act. 23,
  S. 10, Dispositivziffer 2). Weil vorliegend einzig der Beschuldigte
  Berufung erhoben hat, kann das Obergericht von vornherein nicht über dieses
  Strafmass hinausgehen (Art. 391 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Verteidigung bringt vor, dass
  die vorinstanzliche Strafzumessung im Falle einer Verurteilung angemessen zu
  korrigieren sei. So müsse das Ausbleiben des Erfolges als
  Strafmilderungsgrund im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB genommen
  werden. Überdies könne aufgrund der Dauer des Verfahrens und dem Umstand,
  dass es dem Beschuldigten nicht um einen persönlichen Vorteil, sondern um
  Gelder für die Sozialhilfe ging, von einem sehr geringen Verschulden des
  Beschuldigten ausgegangen werden. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der
  Vorfall mittlerweile über sechs Jahre zurückliege und dass der Beschuldigte
  altershalber sowie aufgrund seines Vorlebens und seiner nicht einschlägigen
  Vorstrafen milder zu bestrafen sei (act. 40, S. 10–11)

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1. Die Gewalt und
  Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
  StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
  Bei der vorliegend als Sanktionsart zur Debatte stehende Geldstrafe (siehe
  dazu BGE 144 IV 217 E. 3.3.3 S. 227–229) reicht der abstrakt
  mögliche Strafrahmen von drei bis zu höchstens 180 Tagessätzen (Art. 34
  Abs. 1 StGB).

  
	
   

  
	
  3.2. Innerhalb des
  Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters,
  wobei es dessen Vorleben und persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der
  Strafe auf sein Leben berücksichtigt (Art. 34 Abs. 1 i.V.m.
  Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden bestimmt sich nach der Schwere
  der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, der
  Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
  danach, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der
  Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
  Abs. 2 StGB). Zu unterscheiden ist dabei zwischen der Tat- und der
  Täterkomponente (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1 S. 66–67 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.2.1. Bei der Tatkomponente
  bildet die objektive Tatschwere, d.h. das Ausmass der Verletzung und
  der Gefährdung des Rechtsguts sowie die Art und Weise des Tatvorgehens, den
  Ausgangspunkt (Hans Mathys, Leitfaden
  zur Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019, Rz. 77 ff.; Günter Stratenwerth/Felix Bommer, Schweizerisches
  Strafrecht, Allgemeiner Teil II: Strafen und Massnahmen, 3. Aufl.,
  Bern 2020, § 5 Rz. 19 ff.). Sodann ist zu beurteilen, wie dem Täter
  die objektive Tatschwere subjektiv anzurechnen ist (Hans Mathys, a.a.O., Rz. 142 ff.;
  Günter Stratenwerth/Felix Bommer, a.a.O.,
  § 5 Rz. 25 ff.).

  
	
   

  
	
  3.2.2. Die Täterkomponente
  umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, die Strafempfindlichkeit
  sowie das Nachtatverhalten des Täters (Günter
  Stratenwerth/Felix Bommer, a.a.O., § 5 Rz. 36).

  
	
   

  
	
  3.3. Die Festsetzung der
  Strafe erfolgt dabei in zwei Schritten: Zunächst ist die dem Verschulden des
  Täters angemessene Anzahl Tagessätze zu bestimmen (Art. 34
  Abs. 1 StGB; vgl. nachfolgend Ziff. VI./4.). Danach ist die Höhe
  des Tagessatzes entsprechend den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten
  im Zeitpunkt des Urteils betraglich festzulegen (Art. 34 Abs. 2
  StGB; vgl. nachfolgend Ziff. VI./5.).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1. Zur Bewertung der objektiven
  Tatschwere ist vorliegend zunächst zu beachten, dass Art. 285
  Ziff. 1 StGB als Rechtsgut das Funktionieren der staatlichen Organe und
  damit recht eigentlich die staatliche Autorität schützt (BSK StGB-Heimgartner, N 2 zu Vor Art. 285 StGB). Zu diesem
  Zweck muss (sekundär) auch die physische und psychische Integrität der
  Amtsträger mitgeschützt werden. Der Beschuldigte äusserte eine Todesdrohung,
  die sich gegen die Privatklägerin richtete, sie in Angst versetzte und in
  ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigte; dadurch verletzte er das durch
  Art. 285 Ziff. 1 StGB geschützte Rechtsgut indirekt. Das Ausmass
  der Verletzung des Rechtsgutes ist bei einer wie hier telefonischen
  Todesdrohung vergleichsweise gering, dies gemessen an den möglichen
  Tatbestandsvarianten von Art. 285 Ziff. 1 StGB, die bis hin zu
  physischer Gewalt reichen. Weitere Kriterien für die Bewertung der objektiven
  Tatschwere fehlen naturgemäss, da es sich vorliegend um einen vollendeten
  Versuch handelt. Aus diesem Grund muss das Gericht in einem ersten Schritt
  vom hypothetisch vollendeten Delikt ausgehen (Mathys,
  a.a.O., Rz. 121): Wenn die Beamtennötigung entsprechend dem
  Vorsatz des Beschuldigten vollendet worden wäre, hätte dies mutmasslich zu
  einer Beschleunigung des verwaltungsrechtlichen Verfahrens geführt, d.h. die
  später effektiv erfolgte Auszahlung durch die Arbeitslosenkasse wäre als
  Amtshandlung zeitlich früher erfolgt. Da der Beschuldigte durch seine
  Todesdrohung also auf den Willen der Behörde nicht inhaltlich Einfluss nahm,
  sondern vielmehr eine ohnehin zu erfolgende Amtshandlung beschleunigen
  wollte, ist der Unrechtsgehalt des hypothetisch vollendeten Delikts als
  gering einzustufen. Dem entspricht die Einordnung der Tatschwere noch im
  unteren Bereich der Geldstrafe und hier konkret bei 60 Tagessätzen.

  
	
   

  
	
  4.2. In Hinsicht auf die subjektive
  Tatschwere ist zunächst festzuhalten, dass der Beschuldigte vorsätzlich
  mit Bezug auf die Drohung und zumindest eventualvorsätzlich mit Bezug auf die
  Beamtennötigung handelte. Verschuldensmindernd ist zu werten, dass der
  Beschuldigte unter grosser seelischer Belastung und in einer heftigen
  Gemütsbewegung gehandelt hat (Art. 48 lit. c StGB). Der psychische
  Druck, der während des langen Zeitraums des verwaltungsrechtlichen Verfahrens
  stetig anwuchs und beim Beschuldigten zu einer Verzweiflung führte
  (act. 9, F. 10: "[…] so gedrängt über die Jahre und emotional
  geladen"), ist letztlich der Grund dafür, dass der Beschuldigte keinen
  anderen Ausweg als die Drohung mehr sah (Mathys,
  a.a.O., Rz. 246). Nach Art. 48 lit. c StGB muss die
  Belastung ebenso wie die heftige Gemütsbewegung entschuldbar sein (Mathys, a.a.O., Rz. 244, 247).
  Vorliegend ist davon auszugehen, dass ein vernünftiger Mensch unter denselben
  äusseren Bedingungen fähig gewesen wäre, die Situation richtig einzuschätzen
  und zu meistern. Denn immerhin wurde der Beschuldigte damals bereits von der
  Sozialhilfe unterstützt und befand sich demnach nicht in einer unmittelbaren
  finanziellen Notlage. Auch bei der Aussage der Privatklägerin – welcher der
  Beschuldigte als "schwere Drohung" auffasste (Vorakten
  act. 10.1.01, F. 5) – darf nicht angenommen werden, dass ein
  durchschnittlicher Mensch mit vergleichbarer Herkunft, Erziehung sowie
  täglicher Lebensführung wie der Beschuldigte in derselben Situation leicht in
  einen solchen Affekt geraten wäre.

  
	
  Insgesamt vermögen die
  subjektiven Elemente die objektive Tatschwere nur leicht zu vermindern. Das
  Verschulden des Beschuldigten ist somit nicht wie von der Verteidigung
  vorgebracht als sehr leicht (act. 40, S. 10), sondern gerade noch
  als leicht zu erachten. Im Ergebnis rechtfertigt sich eine Einsatzstrafe von
  55 Tagessätzen.

  
	
   

  
	
  4.3.

  
	
  4.3.1. Gemäss
  Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die Strafe mildern, wenn der
  zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt (BSK StGB-Niggli/Maeder, N 28 zu
  Art. 22 StGB; BSK StGB-Wiprächtiger/Keller,
  N 4 zu Art. 48a StGB). Es handelt sich dabei um einen vom Verschulden
  unabhängigen Milderungsgrund, hat doch der Täter aus seiner Sicht alles
  Nötige für den Taterfolg getan. Obwohl sich nichts am Unrechtsgehalt der Tat
  ändert, gehört die Berücksichtigung des vollendeten Versuchs und des in der
  Folge geringeren Strafbedürfnisses – wie vom Beschuldigten richtig
  vorgebracht (act. 40, S. 10–11) – zur Tatkomponente und wirkt sich
  auf die tatbezogene Strafzumessung aus: Konkret ist eine tiefere Strafe
  auszufällen, wenn der Taterfolg nicht eingetreten ist (Mathys, a.a.O., Rz. 298, 301).
  Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe hängt nach bundesgerichtlicher
  Rechtsprechung unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und
  den tatsächlichen Folgen der Tat ab; es wird mit andern Worten umso geringer
  sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerwiegender die
  tatsächliche Folge der Tat war (Mathys,
  a.a.O., Rz. 300; BSK StGB-Wiprächtiger/Keller,
  N 24 zu Art. 48a StGB; BGE 121 IV 49 E. 1.b S. 54).

  
	
   

  
	
  4.3.2. Vorliegend handelt
  es sich aber immerhin um einen vollendeten Versuch, indem der Beschuldigte
  eine Todesdrohung ausstiess, welche bei einem anderen Adressaten durchaus
  geeignet gewesen wäre, ihn zu einer Amtshandlung zu nötigen. Insofern ist mit
  einer Reduktion der Strafe um 15 Tagessätze dem Umstand, dass es sich
  "nur" um einen vollendeten Versuch gehandelt hat, zureichend
  Rechnung getragen. Demnach beläuft sich die hier schuldangemessene Geldstrafe
  auf 40 Tagessätze.

  
	
   

  
	
  4.4.

  
	
  4.4.1. Im Sinne von
  Art. 47 Abs. 1 StGB kann die verschuldensangemessene Strafe
  aufgrund verschiedener Täterkomponenten, d.h. Faktoren, die beim Täter
  liegen und geeignet sind, ihn zu belasten oder zu entlasten und dazu führen,
  dass die Höhe der Strafe entsprechend herabgesetzt oder erhöht wird (Mathys, a.a.O., Rz. 311).

  
	
   

  
	
  4.4.2. Das Vorleben und
  die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten erweisen sich für die
  Strafzumessung als neutral. Der Beschuldigte ist heute 68-jährig
  (act. 42, F. 4). Das Alter hat jedoch – entgegen der Ansicht des
  Beschuldigten (act. 40, S. 11) – keinen Einfluss auf die
  Strafzumessung (Mathys, a.a.O.,
  Rz. 311; vgl. hierzu auch Urteil BGer 6B_1299/2016
  vom 27. September 2017 E. 2.3.3 und Urteil BGer 6S.2/2006
  vom 7. März 2006 E. 1.2). Es sind auch sonst keine weiteren
  Täterkomponenten ersichtlich, welche sich auf die Strafzumessung auswirken
  könnten.

  
	
   

  
	
  4.5.

  
	
  4.5.1. Das Beschleunigungsgebot
  verpflichtet die Behörden, Strafverfahren unverzüglich an die Hand zu nehmen
  und sie ohne unbegründete Verzögerung zum Abschluss zu bringen (Art. 5
  Abs. 1 StPO), denn jede Person hat in Verfahren vor Gerichts- und
  Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist
  (Art. 29 Abs. 1 BV). Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von
  den konkreten Umständen des Einzelfalls ab, welche in ihrer Gesamtheit zu
  würdigen sind (Mathys, a.a.O.,
  Rz. 367).

  
	
   

  
	
  4.5.2. Das vorliegende Strafverfahren dauerte
  insgesamt erheblich zu lange, was entsprechend auch im nachfolgenden
  Dispositiv festzuhalten ist (BGE 143 IV 373 E. 1.4.2
  S. 379–380; Urteil BGer 6B_790/2017 vom 18. Dezember 2017
  E. 2.3.2 m.w.H.). Als Folge der langen Verfahrensdauer sowie im Lichte
  auch von Art. 48 lit. e StGB ist die schuldangemessene Strafe von
  40 Tagessätzen hier deutlich um 20 Tagessätze herabzusetzen, womit
  die auszufällende Strafe noch 20 Tagessätze beträgt.

  
	
   

  
	
  5. Festlegung der
  Tagessatzhöhe

  
	
  5.1. Ein Tagessatz beträgt
  in der Regel mindestens CHF 30.– und höchstens CHF 3'000.–. Das
  Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und
  wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils,
  namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien-
  und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34
  Abs. 2 StGB). Hierbei bleibt zu erwähnen, dass auch bei einkommensschwachen
  Personen dem Zweck der Geldstrafe und ihrer Bedeutung im strafrechtlichen
  Sanktionensystem Rechnung zu tragen ist; bei Verurteilten, die nahe oder
  unter dem Existenzminimum leben, ist daher der Tagessatz lediglich in dem
  Masse herabzusetzen, dass einerseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch
  den Eingriff in die gewohnte Lebensführung erkennbar ist und andererseits der
  Eingriff nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen als
  zumutbar erscheint (Mathys, a.a.O.,
  Rz. 449).

  
	
   

  
	
  5.2. Der Beschuldigte verfügt
  gemäss eigenen Angaben aufgrund seiner Rente und Ergänzungsleistungen über
  monatliche Einkünfte von CHF 2'780.– (act. 9, F. 6;
  act. 42, F. 12). Hinweise auf weitere Einnahmen oder Vermögen sind
  aus den vorhandenen Akten nicht ersichtlich (act. 33–34, act. 42,
  F. 13).

  
	
  Der Beschuldigte ist geschieden
  und hat gegenüber seinen volljährigen Kindern keine Unterstützungspflichten
  (act. 9, F. 5; act. 42 F. 8–9, 14). Andere
  Unterstützungspflichten wurden ebenfalls nicht geltend gemacht.

  
	
  Der Beschuldigte ist damit als
  einkommensschwach einzustufen.

  
	
   

  
	
  5.3. Für
  einkommensschwache Personen rechtfertigt sich eine Herabsetzung des
  Nettoeinkommens um mindestens die Hälfte (Mathys,
  a.a.O., Rz. 450), wobei vorliegend eine Reduktion um die Hälfte
  als angemessen erscheint. Wird der Tagessatz basierend auf diesen Angaben
  nach dem von der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz empfohlenen
  Berechnungsformular ausgerechnet, ergibt sich auch mit dem aktuellen
  Einkommen des Beschuldigten ein Tagessatz von CHF 36.–. Eine Abrundung
  in Übereinstimmung mit der Tagessatzhöhe der Vorinstanz auf das gesetzliche
  Minimum von CHF 30.– erscheint unter den vorliegenden finanziellen
  Verhältnissen als angemessen.

  
	
   

  
	
  5.4. Gesamthaft ergibt
  sich damit, dass dem Beschuldigten vorliegend eine Geldstrafe von
  20 Tagessätzen zu je CHF 30.– aufzuerlegen ist. Diese ist in
  Übereinstimmung mit der Vorinstanz (act.  23, S. 8–9,
  Ziff. V.1.) bedingt auszusprechen (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1. Zu prüfen bleibt, ob
  die bedingte Geldstrafe vorliegend in Anwendung von Art. 42 Abs. 4
  StGB mit einer Busse nach Art. 106 StGB zu verbinden ist. Eine
  Verbindungsbusse kommt insbesondere dann in Betracht, wenn das Gericht dem
  Täter den bedingten Vollzug einer Geld- oder Freiheitsstrafe gewähren, ihm
  aber dennoch mit der Auferlegung einer zu bezahlenden Geldbusse den Ernst der
  Lage vor Augen führen möchte. Die Verbindungsbusse soll damit nicht zu einer
  Straferhöhung führen oder eine zusätzliche Strafe ermöglichen; sie erlaubt
  lediglich innerhalb der schuldangemessenen Strafe eine täter- und
  tatangemessene Sanktion, wobei die an sich verwirkte Geldstrafe und die damit
  verbundene Busse in ihrer Summe schuldangemessen sein müssen. Um den
  akzessorischen Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu werden, ist gemäss bundesgerichtlicher
  Rechtsprechung die Obergrenze grundsätzlich auf einen Fünftel der konkret
  auszufällenden Strafe festzusetzen (BGE 146 IV 145 E. 2.2.
  S. 147–148; BGE 135 IV 188 E. 3.3 S. 189–190 und
  E. 3.4.4 S. 190–191, je m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6.2. Vorliegend rechtfertigt
  es sich aufgrund der zu beurteilenden Tat und insbesondere im Hinblick auf
  die spezialpräventiven Gesichtspunkte den Beschuldigten mit einer (spürbaren)
  Verbindungsbusse zu belegen. Unter Beachtung der bundesgerichtlichen
  Rechtsprechung (vgl. vorstehende Ziff. VI./6.1.) ist die oben erwähnte
  Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 30.– (entsprechend
  CHF 600.–) mit einer Busse von CHF 120. – (entsprechend 20 %
  der Geldstrafe) zu verbinden.

  
	
   

  
	
  6.3. Da ein Teil der
  Sanktion mit der akzessorischen Busse abzugelten ist (vgl. vorstehende
  Ziff. V./6.1.), rechtfertigt es sich, entsprechend den Ausführungen der
  Vorinstanz (act. 23, S. 9, Ziff. V.2.), die Geldstrafe des
  Beschuldigten in einem der Bussenhöhe gleichkommenden Umfang zu reduzieren.
  Die oben festgelegte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 30.–
  (vgl. vorne Ziff. VI./5.4.) ist entsprechend um 4 Tagessätze
  (entsprechend der Bussenhöhe von CHF 120.– [4 x CHF 30.–]) zu
  reduzieren.

  
	
   

  
	
  6.4. Demnach ist der
  Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu je
  CHF 30.– (entsprechend CHF 480.–) und einer Verbindungbusse von
  CHF 120.– zu bestrafen. Der Beschuldigte hat die Busse zu bezahlen
  (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für den Fall, dass der Beschuldigte die Busse
  schuldhaft nicht bezahlt, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe festzulegen
  (Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 Abs. 2 StGB). Als
  Umrechnungsschlüssel für die Bemessung der Ersatzfreiheitsstrafe ist die Höhe
  des Tagessatzes einer parallel ausgefällten Geldstrafe heranzuziehen, indem
  die Busse durch den betreffenden Tagessatz zu dividieren ist (BGE 134 IV
  60 E. 7.3.3 S. 77 m.w.H.). Somit würde vorliegend grundsätzlich
  eine Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen resultieren
  (CHF 120.– : 30.–).

  
	
   

  
	
  VII.
  Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
  1.

  
	
  1.1. Die Kosten des
  Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder
  Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Erwirkt eine Partei, die ein
  Rechtsmittel ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so können
  ihr die Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn der angefochtene Entscheid
  nur unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 lit. b
  StPO).

  
	
   

  
	
  1.2. Im vorliegenden
  Berufungsverfahren waren Sachverhalt und Schuldpunkt strittig. Die Berufung
  des Beschuldigten ist im Wesentlichen abzuweisen. Während die
  von der Vorinstanz ausgesprochene Sanktion weitgehend bestätigt wird, ist die
  Anzahl Tagessätze jedoch zu Gunsten des Beschuldigten herabgesetzt worden.
  Bei diesem Ausgang sind die Gebühren für das obergerichtliche Verfahren dem
  Beschuldigten im Umfang von drei Vierteln aufzuerlegen.

  
	
   

  
	
  1.3. Die (volle)
  Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf CHF 2'000.–
  festzusetzen (Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Verordnung
  zu den Kosten im Zivil- und Strafprozess vom 22. Dezember 2010 [GS III
  A/5]). Der Beschuldigte hat davon CHF 1'500.— als
  reduzierte Gerichtsgebühr zu bezahlen. Die restliche Gebühr wird auf die
  Staatskasse genommen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Zu den
  Kosten des Berufungsverfahrens zählen auch die Kosten der amtlichen
  Verteidigung (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO).

  
	
   

  
	
  2.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten
  macht für das Berufungsverfahren Aufwendungen in der Höhe von
  CHF 4'522.30 (inkl. Auslagen und 7.7.% Mehrwertsteuer) geltend
  (act. 49/1). Darin enthalten sind auch die voraussichtlichen Kosten für
  die Nachbesprechung des Urteils des Obergerichts. Veranschlagt ist ein
  Stundensatz von CHF 250.– (act. 49/1).

  
	
   

  
	
  2.3. Wie sich aus Art. 6 des Tarifs für die
  Entschädigung der öffentlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
  Rechtsvertretung des Kantons Glarus vom 12. März 2004 (GS III I/5;
  nachfolgend: Entschädigungstarif) ergibt, wird der notwendige Zeitaufwand
  einer amtlichen Verteidigung mit CHF 180.– pro Stunde entschädigt. Zudem
  ist der in Rechnung gestellte Zeitaufwand des amtlichen Verteidigers mit
  Bezug auf die in ihrer Dauer geschätzten Berufungsverhandlung als zu hoch zu
  bezeichnen, da diese statt 120 Minuten (act. 49/1) lediglich deren
  105 gedauert hat (act. 40, S. 13). Der in Rechnung gestellte
  Zeitaufwand ist somit auf 990 Minuten respektive 16.5 Stunden zu
  reduzieren. Zusammen mit den Auslagen und der Mehrwertsteuer ergibt sich
  somit ein Rechnungstotal von CHF 3'211.– (CHF 2'970.— [Honorar für
  Stundenaufwand] + 11.50 [Auslagen] + 0.077 * 2'981.50 [Mehrwertsteuer]).
  Dieser Betrag erscheint als angemessen (vgl. Art. 3 Abs. 1 i.V.m.
  Art. 6 Abs. 1 Entschädigungstarif).

  
	
   

  
	
  2.4. Die
  Entschädigung der amtlichen Verteidigung erfolgt vorab durch die
  Gerichtskasse (Art. 426 Abs. 1 StPO). Soweit der Beschuldigte zu
  den Verfahrenskosten verurteilt wird, so hat er die Kosten der amtlichen
  Verteidigung der Gerichtskasse zurückzuerstatten, wenn es seine
  wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a
  StPO). Angesichts des im Vergleich zum vorinstanzlichen Entscheid milderen
  Urteils hat der Beschuldigte vorliegend nicht die gesamten Kosten des
  Berufungsverfahrens zu tragen (siehe dazu oben Ziff. V./2.). Demgemäss
  können ihm auch die Verteidigungskosten des Berufungsverfahrens nur zu drei
  Vierteln auferlegt werden. Insofern hat der Beschuldigte, sobald es seine
  wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, dem Staat CHF 2'408.25
  zurückzuerstatten. Der amtliche Verteidiger kann zudem die Differenz zu
  seinem vollen Honorar (von ihm berechnet mit einem Stundenansatz von CHF
  250.—) vom Beschuldigten einfordern, sobald es dessen wirtschaftlichen
  Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Beim vorliegenden Ausgang des
  Berufungsverfahrens hat der Beschuldigte keinen Anspruch auf Entschädigung
  (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Der Privatklägerin ist
  im Berufungsverfahren ebenfalls keine Entschädigung zuzusprechen, da weder
  ein entsprechender Antrag gestellt wurde, noch notwendige Aufwendungen
  ersichtlich sind (Art. 433 StPO e contrario).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Da das Obergericht als
  Rechtsmittelinstanz vorliegend einen neuen Entscheid fällt, ist auch über die
  von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung betreffend die Gerichtsgebühr in
  Höhe von CHF 1'600.– und die weiteren Verfahrenskosten in Höhe von
  insgesamt CHF 1'600.– (vgl. act. 23, S. 10, Dispositivziffer 4)
  zu befinden. Es ist im Lichte von Art. 6 Abs. 1 sowie
  Art. 7 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 und Art. 8 Abs. 1
  lit. b Ziff. 2 der Verordnung zu den Kosten im Zivil- und
  Strafprozess vom 22. Dezember 2010 (GS III A/5) kein Grund
  ersichtlich, welcher eine Änderung des vorinstanzlichen Kostenentscheids
  nahelegen würde, zumal auch der Beschuldigte hiergegen keine konkreten
  Einwände vorgebracht hat. Der Beschuldigte wurde im erstinstanzlichen
  Verfahren im Anklagepunkt schuldig gesprochen (act. 23, S. 10,
  Dispositivziffer 1). Die vorinstanzliche Kostenregelung (act. 23,
  S. 10, Dispositivziffer 4–5) ist daher unverändert zu bestätigen.

  
	
  ____________________

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______ ist schuldig

    
	
     

    	
     

    
	
     

    	
    der versuchten Gewalt und
    Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1
    StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es wird festgestellt, dass im
    vorliegenden Verfahren das Beschleunigungsgebot verletzt wurde.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    A.______ wird bestraft mit einer
    bedingten Geldstrafe von 16 Tagessätzen zu je CHF 30.– sowie zu einer
    Busse von CHF 120.–.

    
	
     

    	
    Der Vollzug der Geldstrafe wird
    aufgeschoben und die Probezeit wird auf zwei Jahre festgesetzt.

    
	
     

    	
    Die Busse von CHF 120.–
    ist zu bezahlen. Bezahlt A.______ die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
    deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Gerichtsgebühr und die
    weiteren Kosten für das erstinstanzliche Verfahren SG.2020.00152 und das
    Untersuchungsverfahren SA.2016.00424 von insgesamt CHF 3'200.– (exkl.
    Kosten der amtlichen Verteidigung) werden A.______ vollumfänglich auferlegt
    und von ihm bezogen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Für das Berufungsverfahren wird
    eine Gerichtsgebühr im Betrag von CHF 2'000.—festgesetzt. Diese Gebühr
    wird im Umfang von CHF 1'500.--  A.______ auferlegt und von ihm
    bezogen. Im Mehrbetrag wird die Gebühr auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Rechtsanwalt lic. iur. Erich
    Leuzinger wird für das Berufungsverfahren als amtlicher Verteidiger von
    A.______ aus der Gerichtskasse mit insgesamt CHF 3'211.–
    (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt. A.______ wird
    verpflichtet, der Gerichtskasse die Kosten der amtlichen Verteidigung für
    das Berufungsverfahren im Umfang von CHF 2'408.25 zurückzuerstatten,
    wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Die wirtschaftlichen
    Verhältnisse von A.______ werden spätestens im Januar 2024 überprüft.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Es werden keine
    Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    8.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]