# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80b8424d-1bc4-55c2-819c-b00d7006a8bc
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.05.2021 200 2020 662
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-662_2021-05-21.pdf

## Full Text

200 20 662 IV
WIS/SHE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. Mai 2021

Verwaltungsrichterin Wiedmer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 16. Juli 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1964 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. 
Beschwerdeführerin) arbeitete seit Oktober 2007 als … im Kanton Bern 
(Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin], 
Antwortbeilage [AB] 14). Im Dezember 2009 (AB 2) meldete sie sich unter 
Hinweis auf eine Augenerkrankung bei der IVB zum Leistungsbezug 
(Umschulung auf eine neue Tätigkeit sowie Hilfsmittel) an und am 5. 
Januar 2011 (AB 29) beantragte sie die Ausrichtung einer Invalidenrente. 
Die IVB tätigte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen. 
Insbesondere gewährte sie Beratung und Unterstützung beim Erhalt des 
Arbeitsplatzes (AB 16) und sicherte die Kostenübernahme für Hilfsmittel am 
Arbeitsplatz zu (AB 26, 28). Gestützt auf die Beurteilung des Regionalen 
Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 24. Februar 2014 (AB 115) verneinte die 
IVB mit Verfügung vom 2. Mai 2014 (AB 129) bei einem errechneten 
Invaliditätsgrad von 17% den Anspruch auf eine Invalidenrente. Diese 
Verfügung blieb unangefochten. In der Folge veranlasste die IVB berufliche 
Massnahmen: Sie gewährte am 2. Juli 2014 (AB 132) Berufsberatung vom 
25. Juni bis zum 31. Oktober 2014, am 4. September 2014 (AB 133) 
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche und am 18. Oktober 2016 
(AB 140) eine Umschulung „…“ vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. 
September 2019. Während der Umschulung sprach die IVB im Frühjahr 
2017 (AB 144, 148) zwei …kurse vom 15. Dezember 2016 bis zum 1. April 
2017 und vom 10. Juli bis zum 4. August 2017 sowie am 11. Dezember 
2018 (AB 161) ein „Praktikum …“ vom 7. Januar bis zum 17. Februar 2019 
zu. Am 17. April 2019 (AB 166) teilte die C.________ der IVB mit, die 
Umschulung könne nicht wie geplant per 30. September 2019 
abgeschlossen werden. Nach weiteren Abklärungen stellte die IVB mit 
Vorbescheid vom 29. April 2020 (AB 200) in Aussicht, einen 
Umschulungsanspruch über den 30. September 2019 hinaus abzulehnen, 
da nie ein solcher bestanden habe. Nach dagegen erhobenem Einwand 
(AB 211) verfügte die IVB am 16. Juli 2020 (AB 213) dem Vorbescheid 
entsprechend. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 3

B.

Mit Eingabe vom 7. September 2020 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwalt B.________, dagegen Beschwerde. Sie beantragt, die 
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei weiterhin und auch 
über den 30. September 2019 hinaus „Kostengutsprache“ für die 
Umschulung zu gewähren. 

Mit Beschwerdeantwort vom 8. Oktober 2020 schliesst die 
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von 
Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche 
Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des 
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des 
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des 
kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) 
Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im 
vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch 
den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse 
an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 
ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 
SR 831.20]). Da unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes auch die 
Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG; vgl. Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG) 
sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 4

kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 
[VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 16. Juli 2020 
(AB 213). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Umschulung ab 
1. Oktober 2019.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität 
(Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnah-
men, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder 
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, 
zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den An-
spruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).

2.3 Gemäss Art. 17 IVG besteht Anspruch auf Umschulung auf eine 
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig 
ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder 
verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue 
Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf 
gleichgestellt (Abs. 2). Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt, wer nicht 

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hinreichend eingegliedert ist, weil der Gesundheitsschaden eine Art und 
Schwere erreicht hat, welche die Ausübung der bisherigen Erwerbstätigkeit 
ganz oder teilweise unzumutbar macht. Dabei muss der Invaliditätsgrad ein 
bestimmtes erhebliches Mass erreicht haben; nach der Rechtsprechung ist 
dies der Fall, wenn die versicherte Person in den ohne zusätzliche 
berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende 
oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet, wobei 
es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2 S. 490, 
124 V 108 E. 2b S. 110; SVR 2010 IV Nr. 24 S. 74 E. 4).

2.4

2.4.1 Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung 
[BV; SR 101]) umfasst einerseits den Anspruch auf Schutz berechtigten 
Vertrauens in Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen 
begründendes Verhalten der Behörden, sofern sich dieses auf eine 
konkrete, den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit bezieht. 
Andererseits verbietet er sowohl den staatlichen Behörden wie auch den 
Privaten, sich in ihren öffentlich-rechtlichen Rechtsbeziehungen 
widersprüchlich oder rechtsmissbräuchlich zu verhalten. Rechtsmissbrauch 
liegt insbesondere dann vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur 
Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut 
nicht schützen will (BGE 130 I 26 E. 8.1 S. 60, 127 II 49 E. 5a S. 56; 
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; heute 
Bundesgericht {BGer}] vom 14. Dezember 2004, H 157/04, E. 3.3.1).

2.4.2 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher die 
Bürgerin und den Bürger in ihrem berechtigten Vertrauen auf behördliches 
Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden un-
ter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende 
Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss Lehre und 
Rechtsprechung (BGE 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346, 131 V 472 E. 5 S. 480) 
ist dies der Fall,

1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte 
Personen gehandelt hat; 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 6

2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die 
rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig 
betrachten durfte; 

3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen 
konnte; 

4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen 
hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 

5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung 
erfahren hat. 

Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Der unrichtigen Aus-
kunft gleichgestellt ist die Unterlassung einer behördlichen Auskunft, 
welche gesetzlich vorgeschrieben oder nach den im Einzelfall gegebenen 
Umständen geboten war. Die dritte Voraussetzung lautet diesfalls: wenn 
die Person den Inhalt der unterbliebenen Auskunft nicht kannte oder deren 
Inhalt so selbstverständlich war, dass sie mit einer anderen Auskunft nicht 
hätte rechnen müssen (BGE 143 V 341 E. 5.2.1 S. 346; SVR 2020 UV Nr. 
26 S. 106 E. 4).

3.

3.1 Die Umschulung wurde mit der formlosen Mitteilung vom 18. 
Oktober 2016 (AB 140) bis zum 30. September 2019 zugesprochen. Bei 
schulischen oder beruflichen Eingliederungsmassnahmen ist eine solche 
Befristung von der Sache her gerechtfertigt, wobei die im 
leistungszusprechenden Verwaltungsakt aufgenommene Befristung nicht 
bedeutet, dass damit die Leistungsgewährung über den festgesetzten 
Endtermin hinaus als abgelehnt oder verweigert gilt. Umgekehrt ist die 
Befristung jedoch in dem Sinne zu verstehen, dass der Anspruch nach 
Ablauf der Leistungsdauer auf Gesuch hin erneut – ohne Bindung an die 
frühere Leistungszusprache – materiell zu prüfen ist (AHI 2000 S. 233; vgl. 
auch Rz. 3025 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversiche-
rungen [BSV] über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI]). In 
Bezug auf den hier strittigen Umschulungsanspruch ab 1. Oktober 2019 
ergibt sich hinsichtlich der medizinischen Ausgangslage im Wesentlichen 
das Folgende: 

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3.1.1 Mit Verfügung vom 2. Mai 2014 (AB 129) verneinte die Beschwerde-
gegnerin bei einem Invaliditätsgrad von 17% rechtskräftig einen 
Rentenanspruch. Dabei stützte sie sich auf die RAD-Beurteilung von Dr. 
med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 24. 
Februar 2014 (AB 115). Darin diagnostizierte dieser mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit eine Monokelsituation bei massiver Visusminderung rechts 
und hoher Myopie links (korrigierbar). Die Beschwerdeführerin habe keine 
Tätigkeiten mit erhöhter Anforderung an das räumliche Sehen auszuüben. 
Auch bei Beachtung dieser Einschränkung könne es zu 
Ermüdungserscheinungen aufgrund der Monokelsituation kommen, z.B. 
aufgrund vermindertem Kontrastsehen und unscharfen Sehbildern in 
gewissen Situationen, so etwa bei schlechten Lichtverhältnissen (S. 2). Die 
Beschwerdeführerin sei als … tätig. Dabei handle es sich um eine gut 
angepasste Tätigkeit, welche ihr zu einem Pensum von 100% (…, ohne 
erhöhte Anforderung ans räumliche Sehen, ohne …) zumutbar sei. In 
diesem Rahmen bestehe medizinisch-theoretisch eine Einschränkung der 
Leistungsfähigkeit von 25-30%. Dieses Zumutbarkeitsprofil gelte 
mindestens seit Herbst 2009 (S. 3).

3.1.2 Prof. Dr. Dr. med. E.________, Facharzt für Ophthalmologie, Spital 
F.________, führte im Bericht vom 21. November 2019 (AB 181) aus, 
objektiv sei im Vergleich zum Zeitpunkt der Verfügung vom 2. Mai 2014 
keine Verschlechterung feststellbar, und es bestehe ein Status quo bei 
funktioneller Monokelsituation (S. 4 Ziff. 1). Die bisherige Tätigkeit als ... sei 
aus augenärztlicher Sicht unter Beachtung bestimmter Einschränkungen 
nach wie vor zumutbar. Dr. med. D.________ sei am 24. Februar 2014 bei 
einem 100%-Pensum (d.h. 28 Stunden pro Woche) von einer 
krankheitsbedingten Leistungsminderung von 25-30% ausgegangen, dem 
werde aus augenärztlicher Sicht unverändert zugestimmt (Ziff. 2). Die 
Beschwerdeführerin sei mit der funktionellen Monokelsituation zeitlebens 
eingeschränkt. Diese funktionellen Einschränkungen bestünden u.a. darin, 
dass die bereits reduzierte Sehleistung zusätzlich unter dauerhaft erhöhter 
Anstrengung geschehe. Bezogen auf die Tätigkeit als ... führe dies zu 
schnellerer und erhöhter Ermüdung und damit zu einhergehenden 
Konzentrationsschwierigkeiten und verminderter Stresstoleranz. 
Mittlerweile kämen noch altersbedingte Einschränkungen im Nahbereich 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 8

dazu (Ziff. 3). Die Prognose sei unter Beachtung der funktionellen 
Einschränkungen mittelfristig an sich gut. Es sei allerdings zu beachten, 
dass aufgrund der hohen Myopie das Risiko für eine fortschreitende 
Makulopathie bestehe. Die qualitative und quantitative Einschränkung der 
Leistungsfähigkeit wegen der Augen sei mittel- bis längerfristig zu 
beachten. Aus augenärztlicher Sicht werde mittelfristig eine Tätigkeit als … 
mit kleinerer … oder … befürwortet, da die dauerhaft hohe (also auch 
visuelle) Präsenzleistung in …, verbunden mit sehr hohen Anforderungen 
an Anpassung- und Umstellfähigkeit, wegfallen würde (S. 5 Ziff. 4). 

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.3 Nach Verneinung des Rentenanspruchs im Mai 2014 (AB 129) 
veranlasste die Beschwerdegegnerin diverse berufliche Massnahmen. 
Insbesondere gewährte sie eine Umschulung „…“ vom 1. Oktober 2016 bis 
zum 30. September 2019 (AB 140). In dieser Zeit sowie auch vor- und 
nachher arbeitete die Beschwerdeführerin immer in einem Pensum von 
80% und mehr als ..., und sie erzielte dabei ein Einkommen, welches 
einem vollen Rendement entspricht, was durch die Akten erstellt ist (AB 
120/1 Ziff. 4, 129/2, 181/1 i.V.m. 181/8). Gemäss eigenen Angaben 
besuchte sie nebenbei „möglichst viele Veranstaltungen“ an der …, schrieb 
Arbeiten, legte Prüfungen ab und absolvierte ein Praktikum (AB 168/3), d.h. 
insgesamt besuchte sie neben der Tätigkeit als ... zu „30-40%“ die 
„Umschulung“ (AB 179/1). Es bestehen keine Hinweise dafür, dass ihr die 
80%-ige Tätigkeit als ... gesundheitsbedingt nicht weiterhin zumutbar wäre, 
was denn von ihr zu Recht nicht geltend gemacht wird.

3.4 Die in der RAD-Beurteilung von Dr. med. D.________ vom 24. 
Februar 2014 (AB 115) getätigten Schlussfolgerungen werden im Bericht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 9

von Prof. Dr. Dr. med. E.________ vom 21. November 2019 (AB 181) im 
Wesentlichen bestätigt. Damit ist erstellt, dass ein Status quo besteht, die 
Arbeit als ... nach wie vor eine gut angepasste Tätigkeit darstellt und der 
Beschwerdeführerin ein 100%-Pensum (… pro Woche, ohne erhöhte 
Anforderung ans räumliche Sehen, ohne … im …) zumutbar ist. In diesem 
Rahmen besteht infolge der Ermüdungserscheinungen medizinisch-
theoretisch eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 25-30%. 
Aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. Entscheid des 
BGer vom 15. April 2020, 9C_782/2019, E.2.2) ist der Mittelwert, d.h. 28%, 
massgebend (vgl. jedoch die Ausführungen hiernach). 

Die bei einem Pensum von 100% bestehende Leistungseinschränkung 
wurde sowohl von Dr. med. D.________ als auch von Prof. Dr. Dr. med. 
E.________ wegen den Ermüdungserscheinungen veranschlagt. Diesen 
Ermüdungserscheinungen wird mit dem 80%-Pensum (statt 100%) 
genügend Rechnung getragen. Zwar befürwortet Prof. Dr. Dr. med. 
E.________ eine Tätigkeit als ... mit kleinerer … oder …, da die dauerhaft 
hohe (also auch visuelle) Präsenzleistung in …, verbunden mit sehr hohen 
Anforderungen an Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit, wegfallen würde 
(AB 194/4 Ziff. 4; vgl. auch Beschwerde S. 6 Ziff. 18). Jedoch ist seinem 
Bericht nicht zu entnehmen, dass die Tätigkeit als ... in dem bisher 
geleisteten Umfang von 80%, mit welchem sie ein Einkommen erzielt, 
welches einem vollen Rendement entspricht, nicht zumutbar wäre. Somit 
ist die Beschwerdegegnerin in der hier angefochtenen Verfügung zu Recht 
davon ausgegangen, dass die bisherige Tätigkeit als ... gut bzw. optimal 
angepasst ist.

3.5 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin als ... in 
zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert ist. Mit Blick darauf bzw. 
auf die spezifische Erheblichkeitsschwelle des Umschulungsanspruchs von 
20% (vgl. E. 2.3 hiervor) ergibt sich das Folgende:

In der Verfügung vom 2. Mai 2014 (AB 129) wurde bei einem 
Valideneinkommen von Fr. 82'371.-- und einem tatsächlich erzielten 
Invalideneinkommen von Fr. 68'169.-- ein rentenausschliessender 
Invaliditätsgrad von 17% ermittelt. Damit hat bereits damals kein 
Umschulungsanspruch bestanden. Soweit die Beschwerdeführerin 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 10

vorbringen lässt, das Valideneinkommen sei gestützt auf die E-Mail der 
(damaligen) G.________ vom 16. Juli 2019 (AB 181/7) neu auf 
Fr. 106'569.-- zu beziffern (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 21), vermag sie 
hieraus nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Bei einem trotz 
gesundheitlicher Einschränkung ab August 2019 tatsächlich erzielten 
Jahreseinkommen von Fr. 84'010.-- (Fr. 35'004.-- / 7 Monate x 12 Monate; 
AB 181; vgl. auch Beschwerde S. 7 Ziff. 21) würde zwar eine 
Erwerbsunfähigkeit von gerundet maximal 21% ([Fr. 106'569 - Fr. 84'010.--] 
/ Fr. 106'569.-- x 100; von einer höheren Erwerbsunfähigkeit kann nicht 
ausgegangen werden) resultieren. Dies allein vermag jedoch nicht ohne 
Weiteres einen Umschulungsanspruch zu begründen, da es sich – wie die 
Beschwerdeführerin zutreffend vorbringt (Beschwerde S. 7 Ziff. 20) – bei 
den 20% lediglich um einen Richtwert handelt. Vorliegend muss der 
Umschulungsanspruch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die 
Beschwerdeführerin als ... optimal eingegliedert ist, verneint werden. Ein 
solcher hat nie bestanden.

3.6 Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus dem Grundsatz 
von Treu und Glauben (E. 2.4 hiervor; vgl. auch Beschwerde S. 3 Ziff. 10 
sowie S. 9 Ziff. 24 ff.) nichts zu ihren Gunsten ableiten.

Ihr Einwand, sie sei aufgrund eines Missverständnisses zwischen ihr und 
der Eingliederungsfachperson der Beschwerdegegnerin davon 
ausgegangen, sie habe während der Dauer der Umschulung keinen 
Anspruch auf Taggelder der Invalidenversicherung und habe deshalb 
versucht, so gut es ging, ihr Arbeitspensum hochzuhalten, weshalb die 
Umschulung nicht wie geplant habe abgeschlossen werden können 
(Beschwerde S. 3 Ziff. 10), vermag nicht zu überzeugen. Wie dem IV-
Protokoll zu entnehmen ist, wurde die Taggeldfrage mehrmals bei 
Besprechungen und Telefonaten erörtert. Anlässlich der Besprechung vom 
9. September 2015 erläuterte die Eingliederungsfachperson der 
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin, dass, falls während der „…“ 
das Arbeitspensum reduziert würde, ein Taggeld zur Ausbezahlung käme. 
Am 9. August 2016 wurde diesbezüglich besprochen, dass, da vorläufig 
keine Pensumsreduktion erfolge und damit keine Lohneinbusse bestehe, 
ein Taggeld im Moment nicht anfalle. Anlässlich eines Telefonats vom 1. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 11

November 2016 teilte die Beschwerdeführerin mit, voraussichtlich im 
August 2017 das Pensum zu reduzieren. Die Eingliederungsfachperson 
forderte die Beschwerdeführerin auf, sich diesbezüglich zu melden mit der 
Folge, dass sie ein Taggeld zu Gute hätte. Ebenfalls wurde an der 
Besprechung vom 18. Oktober 2018 eine Pensumsreduktion verbunden mit 
einem Taggeldanspruch thematisiert. 

Dass die Voraussetzungen für eine Umschulung nicht erfüllt waren, konnte 
die Beschwerdeführerin bei der formlosen Mitteilung vom 18. Oktober 2016 
(AB 140) tatsächlich nicht wissen. Vielmehr durfte sie aufgrund des 
Verhaltens der Beschwerdegegnerin insbesondere aufgrund der 
zugesprochenen Umschulung, der im Jahr 2017 zugesprochenen …kurse 
(AB 144, 148) und des 2019 zugesprochenen Praktikums (inkl. Taggeld; 
AB 161 f.) davon ausgehen, dass es mit der Umschulung seine Richtigkeit 
hatte. Allerdings wurde die Umschulung lediglich für die Zeit vom 1. 
Oktober 2016 bis zum 30. September 2019 gewährt (AB 140). Die 
Beschwerdeführerin konnte die Umschulung nicht auf das ursprünglich 
vorgesehene Datum abschliessen, weil sie wegen ihres 80%-igen 
Arbeitspensums nicht alle Veranstaltungen an der … besuchte (AB 168/3). 
Aus den hiervor erwähnten Protokolleinträgen vom 9. September 2015, 
9. August 2016, 1. November 2016, 18. Oktober 2018 und 3. Juli 2019 ist 
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin über die Möglichkeit einer 
Pensumsreduktion mit dementsprechendem Taggeldanspruch aufgeklärt 
bzw. diese Punkte thematisiert wurden. Unklar ist, ob die 
Beschwerdeführerin aus Gründen der beruflichen Vorsorge (vgl. IV-
Protokoll, Eintrag vom 18. Oktober 2016) oder gestützt auf andere 
Überlegungen davon keinen Gebrauch gemacht hat. Entscheidend ist, 
dass der fehlende Abschluss bis zum vorgesehenen Zeitpunkt alleine auf 
ihr Verhalten zurückzuführen ist und nicht der Beschwerdegegnerin 
angelastet werden kann. Die Beschwerdeführerin hat der 
Beschwerdegegnerin erstmals am 17. April 2019 (AB 166) kurz und am 21. 
Mai 2019 dann (AB 168) ausführlich mitgeteilt, dass der Abschluss per 30. 
September 2019 nicht möglich sein werde. Daraufhin hat die 
Beschwerdegegnerin ihr mit E-Mail vom 17. Juni 2019 (AB 173) zeitnah 
mitgeteilt, dass der Umschulungsanspruch grundsätzlich nie bestanden hat 
und die Beschwerdeführerin über den Zeitpunkt der bis 30. September 

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2019 gutgesprochenen Umschulungsmassnahmen keine weitere 
Unterstützung erhalten wird. Zuvor war eine Verlängerung der Umschulung 
über den 30. September 2019 hinaus nie ein Thema. Es liegen weder eine 
Zusicherung noch irgendeine Verhaltensweise der Beschwerdegegnerin 
vor, aus welchen die Beschwerdeführerin hätte schliessen dürfen und 
können, dass über den 30. September 2019 hinaus eine weitere 
Leistungszusprache erfolgen wird. Vielmehr musste sie davon ausgehen, 
dass sie die Umschulung bis zu diesem Zeitpunkt abzuschliessen hatte. 

Aufgrund des Dargelegten liegt keine Verletzung von Treu und Glauben 
vor. 

3.7 Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 16. Juli 
2020 (AB 213) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Verfügung 
abzuweisen.

4.

4.1 Gemäss aArt. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) ist das Be-
schwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in 
Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und 
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- 
festzulegen.

Die unterliegende Beschwerdeführerin hat die Verfahrenskosten, gerichtlich 
bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden 
dem geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen.

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG 
[Umkehrschluss]).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 13

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in 
gleicher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21. Mai 2021, IV/20/662, Seite 14

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen 
Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde 
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.