# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f0b63b77-624e-59dd-bcb0-d60a58d4cc76
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.07.2021 D-691/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-691-2020_2021-07-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-691/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier, 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Gerichtsschreiberin Kathrin Rohrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 3. Januar 2020 / N (…). 

 

 

 

D-691/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge im (…) 2015 über den Iran, die Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn 

sowie Österreich und gelangte am 3. März 2016 in die Schweiz, wo er glei-

chentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum B._______ um Asyl nach-

suchte. 

A.b Das SEM befragte ihn am 10. März 2016 zu seiner Person, seinem 

Reiseweg und summarisch zu den Gesuchsgründen (Befragung zur Per-

son [BzP]). Am 8. August 2017 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen 

angehört. 

A.c Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer zu seiner 

Identität und seinem persönlichen Hintergrund geltend, er sei afghanischer 

Staatsangehöriger tadschikischer Ethnie und in C._______ (Bezirk 

D._______, Provinz E._______) geboren, wo er – mit Ausnahme eines 

Jahres, als seine Familie in F._______ gelebt habe – aufgewachsen sei. 

Im Jahr 2005 habe er Abitur gemacht und anschliessend in der (…) seines 

Vaters in D._______ gearbeitet. Im Jahr 2011 habe er eine (…) in Kabul 

begonnen, welche er 2013 erfolgreich abgeschlossen habe. Danach habe 

er ein Jahr in G._______ und anschliessend knapp ein halbes Jahr in Kabul 

für das Unternehmen „H._______“ gearbeitet, welches im Auftrag von (…) 

für das afghanische Militär (…) habe. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, (…) 2014 sei seine Fa-

milie wiederholt seinetwegen von den Taliban bedroht worden. Sie hätten 

verlangt, dass er seine Stelle aufgebe und sich wenigstens ein Familien-

mitglied ihnen anschliesse. Infolgedessen sei er von Kabul nach 

D._______ zurückgekehrt. Er habe daraufhin in der (…) seines Vaters aus-

geholfen und in der Nähe seines Heimatdorfes Kindern heimlich (…) bei-

gebracht. Durch Spione hätten die Taliban erfahren, dass er ehrenamtlich 

unterrichtet habe. Eines nachts hätten sie ihn deshalb bei sich zu Hause 

aufgesucht und gegen seinen Willen mitgenommen. Unter Gewaltanwen-

dung sei er zum (…)-Unterricht, seiner Ausbildung und seinen Tätigkeiten 

in Kabul befragt worden. Aufgrund seiner (…)-Kenntnisse hätten sie ihn 

aufgefordert, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Durch die Intervention der 

Dorfältesten sei er nach zwei Tagen wieder freigelassen worden. Etwa ei-

nen Monat später sei er nochmal von den Taliban entführt worden. Sie hät-

ten ihn wiederum zur Kooperation aufgefordert und während zweier Tage 

immer wieder verprügelt. Erst nachdem sich die Dorfältesten abermals für 

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Seite 3 

ihn eingesetzt hätten und sein Vater Geld bezahlt habe, hätten sie ihn lau-

fen lassen. Er habe sich daraufhin in ein Spital begeben, wo er seine (…)- 

und (…) habe behandeln lassen. Nachdem sein Vater kurze Zeit später 

mitbekommen habe, dass die Taliban eine erneute Entführung planen wür-

den, habe er seine Ausreise organisiert. Des Weiteren machte der Be-

schwerdeführer geltend, sein Onkel (väterlicherseits), welcher für Ahmad 

Shah Massoud gearbeitet habe und (…) gewesen sei, habe damals seine 

Macht missbraucht und vier Familienangehörige eines Rivalen getötet. Auf-

grund dessen befürchte er (der Beschwerdeführer), dass deren Angehö-

rige an ihm und seiner Familie Rache für die Morde ausüben könnten. 

A.d Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-

rer zum Beleg seiner Identität und zur Untermauerung seiner Vorbringen 

folgende Beweismittel zu den Akten: 

- eine Tazkera vom (…) 1998 sowie ein Duplikat einer Tazkera vom 

(…) 2014 (beide im Original), 

- Studentenausweise vom (…) 2012 und (…) 2013 (im Original), 

- eine Wählerkarte (im Original), 

- einen Personalausweis des Unternehmens „H._______“ gültig bis am 

(…) 2015 (im Original), 

- einen Führerausweis (im Original), 

- (…) Registration Cards Nr. (…) und Nr. (…) (beide im Original) samt 

Umschlag datierend vom (…) 2006, 

- ein Abiturzeugnis vom (…) 2007 (im Original), 

- eine Ehrung der Universität ([…]; im Original), 

- diverse (…)-Zertifikate und Diplome (im Original und in Kopie), 

- zwei (…)-Zertifikate (im Original), 

- ein Bestätigungsschreiben der Dorfältesten (im Original), 

- einen Umschlag der Beweismitteleingabe mit Absenderadresse aus 

Kabul (im Original), 

- diverse Unterlagen aus (…) (in Kopie). 

B.  

Mit Verfügung vom 3. Januar 2020 – eröffnet am 6. Januar 2020 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an.

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Seite 4 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 21. Januar 2020 zeigte der rubrizierte Rechtsvertre-

ter der Vorinstanz unter Vorlage der Anwaltsvollmacht die Mandatsüber-

nahme für das Asylverfahren des Beschwerdeführers an. Gleichzeitig er-

suchte er um vollständige Einsicht in die gesamten Asylakten. 

C.b Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2020 stellte das SEM dem 

Rechtsvertreter eine Kopie des Aktenverzeichnisses zu und gewährte ihm 

Einsicht in die verfahrenswesentlichen Akten. Gleichzeitig wurde festgehal-

ten, in die mit „A“ (überwiegende öffentliche oder private Interessen an der 

Geheimhaltung), „B“ (interne Akten) und „C“ (Kopien von Akten anderer 

Behörden) gekennzeichneten Aktenstücke werde keine Einsicht gewährt. 

D.  

Mit Eingabe vom 5. Februar 2020 (Datum Poststempel) erhob der Be-

schwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Dabei bean-

tragte er, es sei ihm Einsicht in die Akten A3/12, A17/1 und A18/1 zu ge-

währen (Rechtsbegehren 1), eventualiter sei das rechtliche Gehör zu die-

sen Akten zu gewähren (Rechtsbegehren 2) und nach Gewährung der Ak-

teneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs sei eine angemessene 

Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen (Rechtsbe-

gehren 3). Ferner ersuchte er um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung und Rückweisung der Sache an das SEM zur vollständigen und rich-

tigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

(Rechtsbegehren 4), eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen 

(Rechtsbegehren 5). Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder die Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er vorläufig aufzuneh-

men (Rechtsbegehren 6 und 7). In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, 

es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten (Rechts-

begehren 8) und er sei von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu be-

freien (Rechtsbegehren 9). 

Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Für-

sorgebestätigung der Stadt I._______ vom 21. Januar 2020, sowie eine 

Fotokopie einer undatierten fremdsprachigen Bestätigung eines afghani-

schen Zivilstandsamtes zum Ausstellungsdatum der Tazkera des Be-

schwerdeführers samt deutscher Übersetzung und einer Bemerkung der 

Übersetzerin vom 24. Januar 2020 bei. 

D-691/2020 

Seite 5 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 6. Feb-

ruar 2020 den Eingang der Beschwerde. 

F.  

Die Instruktionsrichterin stellte mit Verfügung vom 5. März 2020 fest, der 

Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung unter Vorbehalt einer allfälligen nachträglichen Veränderung seiner 

finanziellen Verhältnisse gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Des Weiteren hiess sie das Akteneinsichtsgesuch teil-

weise gut und wies infolgedessen das SEM an, dem Beschwerdeführer im 

Sinne der Erwägungen Einsicht in die Akte A3/12 zu gewähren. Ferner 

wurde das Gesuch um Fristansetzung zur Einreichung einer Beschwerde-

ergänzung abgewiesen. Gleichzeitig wurde der Vorinstanz Gelegenheit ge-

geben, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. 

G.  

Das SEM liess sich innert Frist mit Eingabe vom 20. März 2020 zur Be-

schwerde vernehmen, wobei es dem Beschwerdeführer den wesentlichen 

Inhalt des Aktenstücks A3/12 mitteilte. 

H.  

Mit Eingabe vom 7. Juli 2020 liess der Beschwerdeführer eine Kopie eines 

Drohbriefes der Taliban vom (…) 2020 in Paschtu mitsamt deutscher Über-

setzung als Beweismittel zu den Akten reichen. 

I.  

Mit Instruktionsverfügung vom 16. März 2021 wurde die Vorinstanz einge-

laden, eine zweite Vernehmlassung einzureichen. 

J.  

Das SEM reichte am 23. März 2021 beim Bundesverwaltungsgericht eine 

zweite Stellungnahme ein. 

K.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2021 wurde der Beschwerdeführer 

eingeladen, eine Replik einzureichen. 

L.  

Mit Eingabe vom 30. April 2020 (recte: 30. April 2021) replizierte der 

Beschwerdeführer.  

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Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgül-

tig entscheidet.  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden 

(aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-

che vorab zu prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, 

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Seite 7 

eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 

2013/34 E. 4.2). 

3.2  

3.2.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3 und BVGE 

2009/35 E. 6.4.1, je m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht 

der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und 

in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforder-

lich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

3.2.2 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs 

folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteilig-

ten offenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung 

darauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des 

Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung 

betroffene Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Ver-

waltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzu-

halten haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein 

kann (BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). 

Der Anspruch auf Akteneinsicht setzt sodann eine geordnete, übersichtli-

che und vollständige Aktenführung (Ablage, Paginierung und Registrierung 

der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis) voraus (vgl. BVGE 2012/24 

E. 3.2 und 2011/37 E. 5.4.1, je m.H.). 

3.2.3 Des Weiteren gilt im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsver-

fahren auch – der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 

VwVG). Danach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von 

sich aus abklären. Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den 

Entscheid notwendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsre-

levanter Tatsachen (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KRAUSKOPF/ 

EMMENEGGER/BABEY, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskom-

mentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 

VwVG). 

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Seite 8 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b 

VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfü-

gung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachver-

halt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz 

Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt 

oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berück-

sichtigt hat (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz 

über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16). 

3.3  

3.3.1 Der Beschwerdeführer rügt auf Beschwerdeebene, die Vorinstanz 

habe das Akteneinsichtsrecht und somit auch den Anspruch auf rechtliches 

Gehör verletzt, da sie ihm die Aktenstücke A3/12, A17/1 und A18/1 nicht 

zur Einsicht zugestellt habe. Zudem habe sie die Pflicht zur vollständigen 

und richtigen Aktenführung schwerwiegend verletzt, indem sie die entspre-

chenden Beweismittel mangelhaft bezeichnet habe. 

Wie aus der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 

5. März 2020 hervorgeht, hat die Vorinstanz die Aktenstücke A17/1 und 

A18/1 zu Recht von der Akteneinsicht ausgenommen und in dieser Hinsicht 

weder den Anspruch auf Akteneinsicht noch auf rechtliches Gehör verletzt. 

Auf die entsprechende Begründung sei hier verwiesen. Bezüglich des Ak-

tenstücks A3/12 („Rapport der Grenzwacht J._______“) ist festzuhalten, 

dass für die Durchführung der Akteneinsicht die verfügende Behörde (vor-

liegend: das SEM) zuständig ist, und dies grundsätzlich auch bezüglich Ak-

ten anderer Stellen gilt, die sie in ihr Aktenverzeichnis aufnimmt (vgl. hierzu 

BGE 129 I 249 E. 4.2). Infolgedessen wurde die Vorinstanz mit der ge-

nannten Verfügung aufgefordert, unter Berücksichtigung allfälliger Ge-

heimhaltungsinteressen im Sinne von Art. 27 VwVG ergänzend Aktenein-

sicht zu gewähren. Dieser Aufforderung kam sie in ihrer Vernehmlassung 

nach, indem sie dem Beschwerdeführer unter Beachtung von Geheimhal-

tungsinteressen den wesentlichen Inhalt offenlegte (vgl. Sachverhalt oben, 

Bst. G). Sodann gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer eine Frist 

zur Replik nach erfolgter Akteneinsicht. Die aus der unvollständig gewähr-

ten Einsicht entstandene Verletzung des rechtlichen Gehörs ist damit als 

geheilt zu erachten. Beim vorliegenden Aktenstück A3/18 handelt es sich 

indes unabhängig von der Klassifizierung um eine für den Ausgang des 

Asylverfahrens unwesentliche Akte (Anhaltung des Beschwerdeführers im 

Grenzbahnhof K._______ am (…) 2016 und Übergabe an die Polizei), auf 

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Seite 9 

die sich die Vorinstanz bei der Entscheidfindung nicht zulasten des Be-

schwerdeführers abstützte. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwerde-

ebene vorliegend relevant für den Kostenentscheid ist, ist im Kostenpunkt 

zu beurteilen. 

3.3.2 Weiter monierte der Beschwerdeführer, das SEM habe nicht erwähnt, 

dass die Privatfirma, für welche er in Zusammenarbeit mit den (…) gear-

beitet habe, (…) für das afghanische Militär (…) habe. Es sei offensichtlich, 

dass diese Tätigkeit ein zentrales Vorbringen darstelle, welches zwingend 

hätte berücksichtigt werden müssen. In der Vernehmlassung vom 

20. März 2020 führte die Vorinstanz hierzu aus, es sei zutreffend, dass die 

Zusammenarbeit mit dem afghanischen Militär nicht ausdrücklich erwähnt 

worden sei. Der Grund dafür liege jedoch darin, dass der Beschwerdefüh-

rer zu Protokoll gegeben habe, die Privatfirma habe die Aufträge von den 

(…) erhalten, welche diese auch beaufsichtigt hätten. Ausserdem seien 

seine beruflichen Tätigkeiten nicht generell bezweifelt worden, sondern le-

diglich die angebliche Verfolgung durch die Taliban deswegen. Dem hielt 

der Beschwerdeführer in der Replik entgegen, das Dazwischenschalten 

der (…) vermöge nichts daran zu ändern, dass er deshalb als Feind der 

Taliban betrachtet worden sei. Vielmehr stelle die Zwischenstufe der (…) 

eine zusätzliche Verschlimmerung dar, zumal diese sich eindeutig zur Un-

terstützung der afghanischen Behörden gegen die Taliban im Land befin-

den würden. 

In der angefochtenen Verfügung zog die Vorinstanz die geltend gemachten 

beruflichen Tätigkeiten tatsächlich nicht generell in Zweifel (vgl. dort E. II, 

Ziff. 3). Sodann hat sie nachvollziehbar und hinreichend differenziert auf-

gezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess und sich auch mit 

sämtlichen zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers und den einge-

reichten Beweismitteln auseinandergesetzt. Dabei musste sich das SEM 

nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-

lichen Einwand auseinandersetzen, sondern durfte sich auf die wesentli-

chen Gesichtspunkte beschränken. Der blosse Umstand, dass der Be-

schwerdeführer die Schlussfolgerungen des SEM nicht teilt, beschlägt die 

Frage der rechtlichen Würdigung, nicht jene des rechtlichen Gehörs oder 

der Abklärungs- und Begründungspflicht. Überdies zeigt die ausführliche 

Beschwerdeeingabe deutlich auf, dass eine sachgerechte Anfechtung 

ohne weiteres möglich war. Daher erweist sich auch sein Einwand als un-

begründet. 

D-691/2020 

Seite 10 

3.3.3 Alsdann geht die Rüge fehlt, das SEM habe den Anspruch auf recht-

liches Gehör verletzt, indem es die eingereichten Beweismittel nicht gewür-

digt habe. Der Beschwerdeführer verwechselt diesbezüglich eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs mit der von der Vorinstanz vorgenommenen 

Beweiswürdigung. Eine diesbezügliche Verletzung des rechtlichen Gehörs 

liegt jedenfalls nicht vor: Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfü-

gung sämtliche im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel 

im Sachverhalt aufgenommen (vgl. dort E. I, Ziff. 3 und 4), und diese an-

schliessend entsprechend ihrer Rechtserheblichkeit gewürdigt (vgl. dort 

E. II, Ziff. 1, 3 und 4). Mit Blick auf die Tatsache, dass das SEM die Verfol-

gung durch die Taliban bereits aufgrund der bestehenden Aktenlage als 

unglaubhaft beurteilte, durfte es zudem in seiner Vernehmlassung vom 

23. März 2021 in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. dazu BVGE 2008/24 

E. 7.2, m.w.H.) darauf verzichten, den mit Eingabe vom 7. Juli 2020 nach-

gereichten Drohbrief der Taliban ausführlich inhaltlich zu würdigen. 

3.3.4 Ferner wird in der Beschwerde vorgebracht, die Vorinstanz habe be-

züglich des Beweismittels 11, bei welchem es sich um eine konkrete Be-

stätigung der gezielt gegen den Beschwerdeführer gerichteten Verfolgung 

handle, in aktenwidriger Weise behauptet, dabei handle es sich um Unter-

lagen im Zusammenhang mit seiner Ausbildung. Überdies habe sie das 

Dokument nicht vollständig übersetzen lassen, womit sie auch die Abklä-

rungspflicht verletzt habe. Dagegen wendete das SEM in der Vernehmlas-

sung vom 20. März 2020 ein, dass nicht ersichtlich sei, wie der Beschwer-

deführer zum Schluss gelangt sei, die Übersetzung sei übersehen und das 

Beweismittel 11 nicht gewürdigt worden, zumal dieses sowohl im Sachver-

halt aufgeführt als auch in den Erwägungen erwähnt und beurteilt worden 

sei. Replizierend machte der Beschwerdeführer geltend, die Ausführungen 

unter der Frage 186 in der Anhörung würden höchstens eine summarische 

Zusammenfassung darstellen. Ausserdem fehle weiterhin eine inhaltliche 

Würdigung dieses Dokuments, denn die Behauptung in der angefochtenen 

Verfügung, das Schreiben vermöge an dieser Einschätzung nichts zu än-

dern, stelle keine inhaltliche Würdigung dar. 

Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2020 zu Recht 

festhielt, wurde das Schreiben der Dorfältesten sowohl im Sachverhalt auf-

geführt (vgl. dort. E. I, Ziff. 3), als auch in den Erwägungen der angefoch-

tenen Verfügung erwähnt und beurteilt (vgl. dort E. II, Ziff. 3). Der Umstand, 

dass sie diesem Beweismittel eine andere Bedeutung beimisst als der Be-

schwerdeführer, stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Anläss-

lich der Anhörung äusserte sich der Beschwerdeführer sodann zum Inhalt 

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Seite 11 

der Beweismittel (vgl. SEM-Akte A19, F55 ff.), insbesondere zum Bestäti-

gungsschreiben der Dorfältesten (vgl. SEM-Akte A19, F79). Der Dolmet-

scher hat das Schreiben zudem anlässlich der Anhörung übersetzt 

(vgl. SEM-Akte A19, F186). Für die Vorinstanz bestand bei dieser Sach-

lage keine Veranlassung, das Beweismittel weiter übersetzen zu lassen 

beziehungsweise dem Beschwerdeführer hierfür Frist anzusetzen. Anzu-

merken bleibt, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwirkungs-

pflicht eine Übersetzung dieses Schreibens von sich aus hätte einreichen 

können; dies hat er jedoch auch auf Beschwerdeebene nicht getan. 

3.3.5 Der Beschwerdeführer bringt des Weiteren vor, das SEM habe die 

Abklärungspflicht, den Anspruch auf Akteneinsicht sowie das rechtliche 

Gehör schwerwiegend verletzt, indem es ihm die Einsicht in die von seinen 

Eltern an das SEM geschickten Unterlagen während des laufenden Ver-

fahrens verweigert habe, obwohl er ausdrücklich darum ersucht habe. 

Überdies sei frappant, dass nicht ersichtlich sei, wann, wer, wo und wie die 

entsprechenden Beweismittel eingereicht habe. 

Das SEM teilte dem Beschwerdeführer am 15. Juli 2016 unter Berufung 

auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c VwVG mit, solange die Untersuchung zu seinen 

Asylvorbringen nicht abgeschlossen sei, könne die beantragte Aktenein-

sicht nicht gewährt werden (vgl. SEM-Akte A11). Das Schreiben wurde als 

erst mit dem Endentscheid anfechtbare Zwischenverfügung bezeichnet 

(Art. 107 Abs. 1 AsylG). Mit der Gewährung der Akteneinsicht am 30. Ja-

nuar 2020 erhielt der Beschwerdeführer Einsicht in die ersuchten Unterla-

gen. Der Vollständigkeit halber ist in diesem Zusammenhang sodann fest-

zuhalten, dass die Vorinstanz die im erstinstanzlichen Verfahren einge-

reichten Beweismittel in der Akte A14 (Beweismittelcouvert) abgelegt und 

die eingereichten Dokumente auf dem Beweismittelumschlag numerisch 

aufgeführt sowie mit dem Datum der Einreichung (10. März 2016, 16. März 

2016 und 8. August 2017) und den entsprechenden Angaben des Be-

schwerdeführers bei der Anhörung zum wesentlichen Inhalt (Personalaus-

weis, Wählerkarte, Studentenausweis, etc.) versehen hat. 

3.3.6 Alsdann wurde auf Beschwerdeebene eingewendet, das SEM habe 

seine Abklärungspflicht auch dadurch verletzt, indem es das Asylverfahren 

jahrelang „untätig verschleppt“ habe. So sei die Anhörung erst eineinhalb 

Jahre nach Einreichung des Asylgesuchs durchgeführt worden. Dabei 

handle es sich um eine schwerwiegende Verschleppung des Verfahrens, 

welche auch gegen die Grundsätze von Treu und Glauben und eines fairen 

D-691/2020 

Seite 12 

Verfahrens verstosse. Weiter habe dies zur Folge, dass das SEM die aktu-

elle Situation in Afghanistan, insbesondere in Kabul, hätte berücksichtigen 

müssen. Diesbezüglich merkte das SEM in seiner Vernehmlassung vom 

20. März 2020 an, die Dauer des vorliegenden Asylverfahrens sei auf die 

hohe Geschäftslast und die sich daraus ergebende interne Prioritätenord-

nung zurückzuführen. Auch wenn der erstinstanzliche Entscheid vom Ja-

nuar 2020 datiere, sei zu berücksichtigen, dass die BzP und die Anhörung 

bereits in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführt worden seien und somit 

zeitlich nicht unüblich lange auseinanderliegen würden. Entgegen der in 

der Beschwerdeschrift vertretenen Ansicht könne daher der Zeitablauf zwi-

schen der Anhörung und des Asylentscheids nicht für die Erklärung allfälli-

ger Ungereimtheiten im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung herangezo-

gen werden. In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

an seinen Vorbringen fest. 

Zwar wäre es durchaus wünschenswert, wenn die Anhörung möglichst 

bald nach der Einreichung des Asylgesuchs stattfindet und auch der Asyl-

entscheid zeitnah erfolgt. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist daraus 

jedoch nicht auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu schliessen, zu-

mal es sich dabei nicht um eine justiziable Verfahrenspflicht handelt 

(vgl. Urteil des BVGer E-1277/2018 vom 3. April 2018 E. 4.3). Es besteht 

keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung 

des SEM, die Anhörung innerhalb eines gewissen Zeitraums nach der BzP 

respektive nach Einreichung eines Asylgesuchs durchzuführen. Jedoch ist 

ein zwischen der BzP und der Anhörung verstrichener längerer Zeitraum 

bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen angemessen zu be-

rücksichtigen. Inwiefern sich der zeitliche Abstand zwischen der Einrei-

chung des Asylgesuchs und der Anhörung zu Ungunsten des Beschwer-

deführers ausgewirkt haben könnte, wird in der Beschwerde indes nicht 

weiter ausgeführt. Im Übrigen wäre es dem Beschwerdeführer unbenom-

men gewesen, im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens die Vorinstanz 

um beförderliche Behandlung seines Asylgesuchs zu ersuchen, was er je-

doch unterlassen hat. Der Vorwurf, das SEM habe mit seinem Vorgehen 

die Abklärungspflicht verletzt, ist somit unbegründet. Sodann ist in der Ar-

gumentation der Vorinstanz, wonach die Ausführungen des Beschwerde-

führers nicht glaubhaft und nicht substantiiert seien, kein Verstoss gegen 

die Grundsätze von Treu und Glauben sowie eines fairen Verfahrens zu 

erblicken. Ob diese Argumentation zutrifft, wird ohnehin Gegenstand der 

nachfolgenden materiellen Prüfung der geltend gemachten Asylgründe 

sein. Inwiefern die Dauer des Verfahrens zu einer Verletzung der Abklä-

rungspflicht in Bezug auf die Situation in Afghanistan geführt haben könnte, 

D-691/2020 

Seite 13 

ist nicht ersichtlich. Im Übrigen wird in der Beschwerde auch in diesem 

Punkt die sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Frage der 

Feststellung es rechtserheblichen Sachverhalts mit jener der rechtlichen 

Würdigung der Sache vermengt. 

3.3.7 Ferner wird in der Beschwerde eine Verletzung des Grundsatzes auf 

ein faires Verfahren und der Abklärungspflicht gerügt, da die Anhörung mit 

acht Stunden und 50 Minuten zu lange gedauert habe. Es sei offensicht-

lich, dass es unter diesen Umständen nicht möglich sei, von einem fairen 

Verfahren zu sprechen. Ausserdem habe es zwischen 16:00 Uhr bis 

19:00 Uhr keine Pause mehr gegeben, obwohl während diesen drei Stun-

den insbesondere die Rückübersetzung durchgeführt worden sei. Aufgrund 

des grossen Zeitdrucks sei die Rückübersetzung denn auch nur noch 

schnell und abgekürzt vorgenommen worden, so dass es dem Beschwer-

deführer nicht mehr möglich gewesen sei, sich ausreichend zu konzentrie-

ren. Das SEM hätte zwingend eine weitere Anhörung durchführen müssen. 

Dagegen wendete die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 

2020 ein, dass mehrere Pausen gemacht worden seien und dem Anhö-

rungsprotokoll weder implizite Hinweise noch explizite Bemerkungen dafür 

zu entnehmen seien, dass die Konzentration des Beschwerdeführers be-

einträchtigt gewesen sei. Zudem messe sich die Substanz der Asylvorbrin-

gen weder an der Länge der Anhörung noch am Umfang der Ausführun-

gen, sondern an deren Inhalt. In der Replik wurde dagegengehalten, es 

gehe nicht an, eine überlange Anhörung durchzuführen und lediglich zu 

prüfen, ob sich aus den Akten Hinweise auf Konzentrationsschwierigkeiten 

ergeben würden. Vielmehr gehe das Bundesverwaltungsgericht praxisge-

mäss von einer maximalen Anhörungsdauer von vier Stunden aus. Zudem 

liege es in der Natur der Sache, dass Konzentrationsschwierigkeiten ins-

besondere bei der Rückübersetzung unprotokolliert bleiben würden. Es sei 

offensichtlich, dass die Anhörung abgebrochen und an einem anderen Tag 

hätte weitergeführt werden müssen. Hinsichtlich der Argumentation des 

SEM, wonach sich die Substanz weder nach der Länge noch dem Umfang 

der Anhörung bemesse, sondern nach dem Inhalt, handle es sich um eine 

simple Leerformel und Parteibehauptung, womit nicht nachvollziehbar sei, 

was damit gemeint sei. Aufgrund der langen Anhörungsdauer sei das SEM 

schlicht nicht mehr in der Lage gewesen, den Sachverhalt vollständig ab-

zuklären, und habe es in zahlreichen Punkten unterlassen, nachzufragen.  

Die Dauer der Anhörung erscheint mit acht Stunden und 50 Minuten auf 

den ersten Blick zwar lang. Sie wurde aber durch drei Pausen von 10 be-

D-691/2020 

Seite 14 

ziehungsweise 20 Minuten und einer Mittagspause von 60 Minuten unter-

brochen. Zudem beinhaltete die Anhörung auch die Rückübersetzung des 

Protokolls. Unter diesen Umständen erscheint die Anhörungsdauer nicht 

unzumutbar. Im Übrigen ist festzuhalten, dass seitens des Beschwerdefüh-

rers kein dahingehender Rechtsanspruch besteht, dass die Anhörung, wie 

in einer internen Weisung des SEM vorgesehen, nicht länger als vier Stun-

den dauern sollte und abgebrochen werden müsse, wenn sich abzeichne, 

dass ein höherer Zeitbedarf bestehe (vgl. Urteil des BVGer E-882/2018 

vom 15. August 2018 E. 3.4.8). In erster Linie ist massgebend, ob die an-

gehörte Person in der Lage ist, der Anhörung zu folgen, was nicht vordring-

lich anhand von starren zeitlichen Kriterien, sondern im Rahmen einer in-

dividuellen Einschätzung ihrer Befindlichkeit zu beurteilen ist (vgl. Urteil 

des BVGer D-4217/2018 vom 6. August 2019 E. 3.4.3). Aus dem Anhö-

rungsprotokoll sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die darauf hindeuten, 

dass aufgrund der Anhörungsdauer die Konzentration des Beschwerdefüh-

rers vermindert gewesen wäre. Aus dem Unterschriftenblatt der Hilfswerks-

vertretung ergeben sich ebenfalls keine Hinweise auf kognitive Beeinträch-

tigungen oder den Inhalt beeinträchtigende Ermüdungserscheinungen. 

Auch wenn vor der Rückübersetzung keine Pause stattgefunden hat, sind 

keine Übersetzungsprobleme festzustellen. Sowohl zu Beginn als auch am 

Ende der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer, dass er den Dolmet-

scher verstehe (vgl. SEM-Akte A19, F1 und S. 29). Im Anschluss an die 

Rückübersetzung bestätigte er sodann mit seiner Unterschrift die Korrekt-

heit und Vollständigkeit des Protokolls (vgl. SEM-Akte A19, S. 29). Insge-

samt erscheint die Anhörung zwar lang, angesichts der genannten Um-

stände steht ihre Verwertbarkeit aber nicht in Frage und das SEM durfte 

somit auf die protokollierten Aussagen abstellen. Es ist nicht ersichtlich, 

dass der Grundsatz des fairen Verfahrens oder die Abklärungspflicht ver-

letzt worden wären. Dementsprechend ist auch die Notwendigkeit weiterer 

Abklärungen oder einer zusätzlichen Anhörung zu verneinen. Mit Blick auf 

die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers hätte die Vorinstanz entge-

gen der in der Replik vertretenen Ansicht auch zu verschiedensten The-

menbereichen nicht weiter nachfragen müssen, zumal sie ihm während der 

Anhörung genügend Gelegenheiten gab, sich zu äussern. So erhielt er 

nach den einleitenden Fragen die Möglichkeit, zunächst in freier Erzähl-

form und dann entlang von diversen vertiefenden Nachfragen seine Aus-

reisegründe darzulegen. Sodann wurde er gegen Schluss der Anhörung 

gefragt, ob es noch etwas gebe, was er bislang noch nicht gesagt habe, 

was er verneinte (vgl. SEM-Akte A19, F206). Daraufhin teilte ihm der Be-

frager mit, dass aus der Sicht des SEM alle Fakten gesammelt worden 

D-691/2020 

Seite 15 

seien, um sein Asylgesuch zu beurteilen (vgl. SEM-Akte A19, S. 28). An-

schliessend wurde er gefragt, ob es Gründe gebe, die gegen eine Rück-

kehr in seine Heimat sprechen würden, was er verneinte (vgl. SEM-

Akte A19, F207). Die Rüge der unvollständigen Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhaltes erweist sich ebenfalls als unbegründet. 

3.3.8 Der Beschwerdeführer moniert weiter, dass sein Asylgesuch zu-

nächst als Dublin-Fall behandelt worden sei. Im Rahmen von Dublin-Fällen 

würden normalerweise keine Angaben zu den Asylgründen erhoben. Ge-

mäss Belehrung der Vorinstanz hätte sie ihn demnach nicht summarisch 

nach den Asylgründen fragen dürfen, da es lediglich um die Frage der Zu-

ständigkeit gegangen sei. Aus der angefochtenen Verfügung gehe hervor, 

dass das zentrale Argument des SEM darin bestehe, dass er seine Asyl-

vorbringen in der BzP nicht vollständig geschildert und bei der Anhörung 

entscheidrelevante Nachschübe gemacht habe. Es sei damit offensichtlich 

willkürlich und verstosse gegen die Grundsätze von Treu und Glauben so-

wie eines fairen Verfahrens, einerseits im Dublin-Verfahren ausdrücklich 

die Asylgründe nicht vollständig abzuklären und andererseits genau diesen 

Mangel im Vorgehen des SEM dem Beschwerdeführer vorzuwerfen. 

Diese Rüge ist schon deshalb nicht stichhaltig, weil dem Beschwerdeführer 

in der BzP zu keinem Zeitpunkt mitgeteilt wurde, die BzP werde nur durch-

geführt, um die Dublin-Zuständigkeiten festzustellen; im Gegenteil wurde 

ihm anlässlich der Begrüssung gesagt, dass allenfalls auch die Asylgründe 

summarisch erfragt würden (vgl. SEM-Akte A4, S. 1). Im Übrigen kann es 

einem Asylsuchenden nicht zum Nachteil gereichen, dass er mehrere Male 

zu seinen Asylgründen befragt wird. Vielmehr erhält er hierdurch zusätzli-

che Gelegenheiten, die Gründe für die von ihm behauptete Verfolgung dar-

zutun (ein Anspruch auf Durchführung einer BzP besteht im Übrigen nicht; 

vgl. Urteil D-3607/2016 vom 4. August 2017 E. 6.2.4). 

3.3.9 Schliesslich gehen sowohl die weiteren Rügen betreffend eine Ver-

letzung des Grundsatzes von Treu und Glauben als auch des Willkürver-

bots fehl. Beim Grundsatz von Treu und Glauben geht es einerseits um die 

Frage, wie weit sich Private auf eine im Widerspruch zum geltenden Recht 

stehende behördliche Auskunft verlassen können. Andererseits verbietet 

es dieser Grundsatz, dass die Behörden einen einmal in einer Sache ein-

genommenen Standpunkt ohne sachlichen Grund wechseln (vgl. BGE 

138 I 49 E. 8.3.1; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwal-

tungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 22 Rz. 1 ff. und 21 f.). Das vorliegend gerügte 

Verhalten des SEM liegt offensichtlich nicht im Anwendungsbereich dieses 

D-691/2020 

Seite 16 

Grundsatzes. Sodann liegt Willkür nicht schon dann vor, wenn eine andere 

Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen wäre, sondern nur, 

wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situ-

ation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen 

Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtig-

keitsgedanken zuwiderläuft (vgl. BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.; MÜL-

LER/SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 11). Diesbe-

züglich wird jedoch weder näher ausgeführt noch ist ersichtlich, dass und 

inwiefern die Erwägungen des SEM darunter zu subsumieren sind. Die Rü-

gen, wonach die Vorinstanz das Gebot von Treu und Glauben sowie das 

Willkürverbot verletzt habe, sind daher ebenfalls als unbegründet zu quali-

fizieren. 

3.4 Nach dem Gesagten erweisen sich die zahlreich erhobenen Rügen der 

Verletzung des formellen Rechts als unbegründet. Das Begehren des Be-

schwerdeführers, die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Sach-

verhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen 

(Rechtsbegehren 4 der Beschwerde), ist demzufolge abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-

gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in 

verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-

rauf kann hier verwiesen werden (vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 

D-691/2020 

Seite 17 

E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.2 und 2.3, jeweils 

m.w.H.). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die 

Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Voraussetzungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 

Im Einzelnen hielt sie fest, die Vorbringen im Zusammenhang mit den Dro-

hungen und den Entführungen durch die Taliban seien überwiegend ober-

flächlich und vage ausgefallen. Insbesondere gehe daraus nicht hervor, 

weshalb es die Taliban überhaupt auf den Beschwerdeführer abgesehen 

hätten. So vermöge er nicht plausibel aufzuzeigen, weshalb seine Anstel-

lung in Kabul, bei welcher er während eines Jahres mit dem afghanischen 

Militär zusammengearbeitet habe, unbemerkt geblieben sei, während die 

Anstellung in L._______, bei welcher er in der (…) einer (…) tätig gewesen 

sei, nach wenigen Monaten bekannt gewesen sei. Als Erklärung habe er 

angeführt, er nehme an, dass seine Feinde aus dem Dorf ihn bei den Tali-

ban verraten hätten. Dabei habe er jedoch offengelassen, wie diese von 

seiner Stelle in Kabul hätten erfahren sollen. Auch die Ausführungen dazu, 

wie die Taliban von seiner Tätigkeit als (…) erfahren haben sollen, seien 

unsubstantiiert ausgefallen. Einerseits habe er vermutet, dass Spione ihn 

verraten hätten und andererseits erklärte er, die Taliban hätten erst ein 

Jahr, nachdem er die (…)-Tätigkeit aufgenommen habe, reagiert, weil sie 

genug Zeugen und Beweise hierfür hätten finden müssen. Des Weiteren 

habe er geltend gemacht, die Arbeit als (…) sei nicht der Hauptgrund für 

seine Probleme mit den Taliban gewesen, sondern weil er mit den Behör-

den und ausländischen Einheiten zusammengearbeitet habe. Im Zeitpunkt 

der Behelligungen habe er seine Tätigkeit in Kabul jedoch längst aufgege-

ben gehabt. Ausserdem habe er geltend gemacht, die Taliban hätten von 

jeder Familie mindestens ein Mitglied für ihren Kampf rekrutieren wollen. 

Insgesamt sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, schlüssig 

aufzuzeigen, weshalb die Taliban ein besonderes Interesse an seiner Per-

son haben sollten. Darüber hinaus handle es sich bezüglich der geltend 

gemachten Behelligungen durch die Taliban trotz ihres Umfangs um stere-

otype Erzählungen, die blosse Handlungsabläufe ohne persönlichen Be-

zug oder Emotionen wiedergeben würden. Ferner würden seine Schilde-

rungen mehrere Elemente aufweisen, welche nicht überzeugen würden. 

Obwohl er angegeben habe, die (…) nie begonnen zu haben, wenn er ge-

ahnt hätte, welche Probleme er erhalten würde, willigte er offenbar doch 

D-691/2020 

Seite 18 

ein, die Kinder inoffiziell und heimlich zu unterrichten, was gerade impli-

ziere, dass es zu Problemen kommen könne. Weiter habe er keine valide 

Begründung dafür angeben können, weshalb er sich zu keinem Zeitpunkt 

an die Sicherheitsbehörden gewendet und die Entführungen beziehungs-

weise Misshandlungen angezeigt habe. Im Übrigen sei es nicht einleuch-

tend, dass sein Vater erst einen Taliban-Aushorcher engagiert haben soll, 

nachdem er schon das zweite Mal entführt und misshandelt worden sei, 

obwohl er und seine Familie bereits viel früher bedroht worden sein sollen. 

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sein Vater die Sachen jeweils mit 

Geld habe lösen können, als er noch mit dem Militär gearbeitet habe, was 

nach seiner Rückkehr ins Dorf nicht mehr möglich gewesen sein soll, er-

scheine dies nicht nachvollziehbar. Es bereite ihm zudem offensichtlich 

Mühe, die geltend gemachten Vorfälle zeitlich zu verorten, was unter Be-

rücksichtigung seines Bildungsstandes und seiner beruflichen Tätigkeit in 

einer (…) erstaune. Anstatt zur Klärung beizutragen, hätten seine zeitlichen 

Angaben nur weitere Fragen aufgeworfen. So habe er vorgebracht, er habe 

das Duplikat seiner Tazkera am (…) 2014 ausstellen lassen, weil er das 

Original in Ungarn verloren habe. Dagegen würden die weiteren einge-

reichten Unterlagen allerdings belegen, dass er im Jahr 2015 und nicht be-

reits im Jahr 2014 in Ungarn gewesen sei. Alsdann habe er die zwei Ent-

führungen durch die Taliban erst anlässlich der Anhörung vorgebracht, was 

seltsam anmute. Auch unter Berücksichtigung des summarischen Charak-

ters der BzP vermöge die in der Anhörung abgegebene Erklärung, wonach 

er angehalten worden sei, sich kurz zu fassen, nicht restlos zu überzeugen, 

insbesondere da er ausdrücklich nach dem Ablauf im Zusammenhang mit 

der geltend gemachten Prügelei gefragt worden sei. Demgegenüber wür-

den die geltend gemachten beruflichen Tätigkeiten an sich nicht generell 

in Zweifel gezogen. Nach einer Gesamtabwägung sei aber jedenfalls da-

von auszugehen, dass sich die Ereignisse mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit nicht so zugetragen haben, wie sie vom Beschwerdeführer geltend 

gemacht worden seien. An dieser Einschätzung ändere auch das einge-

reichte Bestätigungsschreiben der Dorfältesten nichts, da dieses – man-

gels verifizierbarer Sicherheitsmerkmale – als Gefälligkeitsschreiben zu 

qualifizieren sei. 

Im Weiteren erwog die Vorinstanz, dass es sich beim Vorbringen, dem Be-

schwerdeführer drohe aufgrund des Amtsmissbrauchs seines Onkels in 

der Vergangenheit Blutrache, um eine abstrakte Angst handle, welche un-

begründet sei. Er habe angegeben, die verfeindete Familie verfüge nicht 

über genügend Beweismittel bezüglich der Täterschaft. Deren Drohungen 

hätten sich bisher nie auf seine Person gerichtet und überdies sei bisher 

D-691/2020 

Seite 19 

auch nichts geschehen. Sodann fügte sie an, dass ein asylrechtlich rele-

vantes Motiv ohnehin fraglich sein dürfte. 

Die übrigen eingereichten Beweismittel, bei welchen es sich im Wesentli-

chen um Unterlagen im Zusammenhang mit der Ausbildung des Beschwer-

deführers handle, seien nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung zu 

gelangen, da sie keine asylrechtlich relevante Verfolgung zu belegen ver-

möchten. 

5.2 Der Beschwerdeführer führt dagegen aus, die Einschätzung der Vor-

instanz stelle eine Verletzung von Art. 7 AsylG dar. So sei die Behauptung, 

er habe die inneren Kausalitäten der Taliban nicht detailliert erzählen kön-

nen, offensichtlich absurd. Er habe diejenigen Ereignisse, welche er objek-

tiv habe schildern können, detailliert und glaubhaft dargelegt. Zudem habe 

das SEM seine seitenlangen detaillierten Ausführungen ignoriert und sich 

lediglich auf die Widergabe einer einzigen Antwort beschränkt. Im Übrigen 

liege es auch in der Natur der Sache, dass er keine Aussagen dazu ma-

chen könne, wie und weshalb die Taliban genau ihn im entsprechenden 

Zeitpunkt ausfindig gemacht und ins Visier genommen hätten. Die 

Vorinstanz habe dabei aktenwidrig behauptet, er habe nicht konkret ange-

ben können, weshalb es die Taliban auf ihn abgesehen hätten, obwohl er 

übereinstimmend und widerspruchslos ausgesagt habe, dass sie gewollt 

hätten, dass er sein Wissen über Kasernen, Stützpunkte und ausländische 

Einheiten für sie einsetze. Aufgrund der Distanz zwischen seinem Heimat-

dorf und G._______ sei es für die Taliban auch schwieriger gewesen, be-

reits früher auf ihn zuzugreifen. Er habe ausführlich geschildert, dass seine 

Tätigkeit in Kabul für die Taliban entscheidend gewesen sei und nicht die 

(…). Des Weiteren seien die Mutmassungen des SEM betreffend seine 

Verfolgung schlicht absurd, denn er sei konkret entführt und schwerwie-

gend misshandelt worden. Seine Ausführungen anlässlich der Anhörung 

seien denn auch überdurchschnittlich ausführlich ausgefallen. Er habe sei-

tenlang ununterbrochen in freier Rede detaillierte Schilderungen gemacht, 

was ein eindeutiges Glaubhaftigkeitsmerkmal darstelle. Es sei geradezu 

absurd, ihm diesbezüglich vorzuwerfen, seine Aussagen seien nicht sub-

stantiiert. Weiter sei es offensichtlich, dass der (…)-Unterricht in Afghanis-

tan heimlich erfolgen müsse, denn die Taliban würden jeder Person, wel-

che Kindern (…) beibringe, per se vorwerfen, westliche Werte zu vertreten 

und die islamischen zu verraten. Folglich sei es nachvollziehbar, dass er 

davon ausgehen konnte und musste, seine Tätigkeit werde geheim gehal-

ten. Soweit ihm die Vorinstanz vorwerfe, er habe nicht plausibel begründen 

können, weshalb er sich zu keinem Zeitpunkt an die Sicherheitsbehörden 

D-691/2020 

Seite 20 

gewendet habe, sei er in der Anhörung danach gefragt worden, ob sein 

Vater etwas gegen die Taliban unternommen habe. Es sei somit willkürlich, 

wenn das SEM diese Aussage auf ihn beziehe. Darüber hinaus sei be-

kannt, dass den afghanischen Behörden sowohl der Schutzwille als auch 

die Schutzfähigkeit gegen die Taliban fehle. Wie er bereits anlässlich der 

Anhörung zu Protokoll gegeben habe, habe er erst nach seiner Ausreise 

aus Afghanistan erfahren, dass sein Vater versucht habe, Informationen 

über bevorstehende Schritte der Taliban zu erhalten. Ausserdem begehe 

das SEM hierbei den Fehler, das angeblich unlogische Verhalten seines 

Vaters als Unglaubhaftigkeitselement seiner Aussagen auszugeben. Be-

treffend die zeitliche Einordnung der Vorfälle, habe er sehr wohl präzise 

angegeben, dass die erste Drohung (…) und damit mehrere Monate nach 

Antritt der Stelle in Kabul stattgefunden habe. Bei der Ausstellung des Dop-

pels der Tazkera sei zudem ein Fehler gemacht worden, indem anstatt dem 

Ausstellungsdatum (…) 2017 fälschlicherweise (…) 2014 erfasst worden 

sei. Dies werde durch das mit der Beschwerde eingereichte Schreiben des 

Zivilstandsamtes bestätigt. Indem das SEM wiederholt behaupte, seine 

Vorbringen seien unlogisch, habe es einen Fehler begangen, da es sich 

auf das Verhalten der Taliban bezog. Bei den Taliban handle es sich um 

eine komplexe Organisation, welche nach ihren eigenen Regeln funktio-

niere. Die Vorinstanz habe zu Recht festgestellt, dass seine Ausführungen 

in der BzP und der Anhörung deckungsgleich ausgefallen seien. Der an-

gebliche Nachschub betreffend die beiden Entführungen sei dagegen will-

kürlich und verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben, weil 

einerseits zwar eine Dublin-Befragung durchgeführt, andererseits jedoch 

trotz anderslautender Belehrung Fragen zu den Asylgründen gestellt wor-

den seien. Besonders frappant daran sei, dass er anlässlich der BzP an-

gehalten worden sei, sich kurz zu fassen. Er sei überdies aufgefordert wor-

den seine Hauptgründe und nicht alle Gründe zu nennen. Ausserdem habe 

er die Misshandlungen der Taliban, welche im Rahmen der Entführungen 

erfolgt seien, sehr wohl während der BzP erwähnt. Er habe damit die ent-

scheidrelevanten Vorbringen bereits bei der Erstbefragung geschildert. 

Seine Ausführungen würden keine Brüche in der Erzählstruktur aufweisen 

und seien insgesamt detailliert und somit glaubhaft. 

Schliesslich habe die Vorinstanz Art. 7 AsylG auch bezüglich der Würdi-

gung der Beweismittel schwerwiegend verletzt. Er habe ausführlich darge-

legt, wann er wo gearbeitet und studiert habe. Weitere Beweismittel, ins-

besondere das Schreiben der Dorfältesten, seien jedoch ignoriert worden. 

Es gehe nicht an, die angebliche Unglaubhaftigkeit der Vorbringen mittels 

D-691/2020 

Seite 21 

konstruierter Argumente zu behaupten und die entsprechenden Beweis-

mittel nicht zu berücksichtigen. 

Zu Art. 3 AsylG hielt der Beschwerdeführer fest, er habe für die afghani-

schen Behörden gearbeitet und sei dadurch ins Visier der Taliban geraten. 

Er sei aufgefordert worden, mit ihnen zusammenzuarbeiten, was er ver-

weigert habe, und in der Folge massiv gefoltert sowie misshandelt worden. 

Im Zeitpunkt seiner Ausreise sei er gezielt aus ethnisch-politischen Grün-

den verfolgt worden. Seit seiner Flucht aus Afghanistan hätten sich die Ta-

liban bei seinem Vater immer wieder nach ihm erkundigt. Im Falle seiner 

Rückkehr drohe ihm erneut die Festnahme, Misshandlung oder direkt die 

Tötung durch die Taliban. Damit erfülle er die Voraussetzungen der begrün-

deten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. Eine Fluchtalternative bestehe 

nicht. Folglich sei ihm die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und es sei 

ihm Asyl zu gewähren. Betreffend die Rache seines Onkels, welcher sich 

als Parlamentsvorsteher der Provinz E._______ an der Macht befinde, sei 

festzuhalten, dass diese Bedrohung sehr wohl konkret sei und sich gegen 

ihn richte. Auch diesbezüglich sei von einer asylrelevanten Verfolgung aus-

zugehen. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2020 teilte die Vorinstanz dem 

Beschwerdeführer zunächst den wesentlichen Inhalt der Akte A3/12 mit 

(vgl. hierzu E. 3.3.1). Des Weiteren nahm sie zu den in Art. 9 f., 12, 19, 109, 

23, 26 sowie 73 der Beschwerde formulierten formellen Rügen Stellung 

(vgl. hierzu E. 3). Schliesslich führte sie zum korrigierten Ausstellungsda-

tum der Tazkera aus, dass sich diese nun zwar mit den Aussagen des Be-

schwerdeführers anlässlich der Anhörung in Übereinstimmung bringen 

lasse. Die Beschwerdebeilage sei jedoch für sich alleine betrachtet nicht 

geeignet, die gesamte Glaubhaftigkeitsprüfung in der angefochtenen Ver-

fügung in Frage zu stellen, zumal der zeitliche Faktor nur als ein Element 

unter vielen weiteren für die Unglaubhaftigkeit der Vorgingen sprechenden 

Elemente gewertet werde. Im Übrigen verwies das SEM auf seine Erwä-

gungen, an welchen es weiterhin vollumfänglich festhalte. 

5.4 In der zweiten Vernehmlassung vom 23. März 2021 teilte die Vor-

instanz mit, dass dem nachgereichten angeblichen Drohbrief der Taliban 

vom (…) 2020 nur ein äusserst geringer Beweiswert zukomme, da kopierte 

Dokumente sehr leicht gefälscht werden könnten (vgl. hierzu E. 3.3.3). 

5.5 In seiner Replik nahm der Beschwerdeführer vorab Stellung zur Argu-

mentation der Vorinstanz hinsichtlich der formellen Rügen (vgl. hierzu 

D-691/2020 

Seite 22 

E. 3). Alsdann führte er aus, das SEM sei verpflichtet, sämtliche Aussagen 

und Beweismittel einer Gesamtbetrachtung und -würdigung zu unterzie-

hen, was vorliegend jedoch unterlassen worden sei. Ferner monierte er, 

dass es sich in pauschaler Weise weigere, den Drohbrief der Taliban in-

haltlich zu würdigen. Damit werde der Anspruch auf rechtliches Gehör ver-

letzt. Überdies unterstelle es ihm indirekt ein strafbares Verhalten, indem 

es argumentiere, der Drohbrief könnte gefälscht sein. Weiter wurde auf die 

verschlimmerte Situation in Afghanistan hingewiesen. Durch den angekün-

digten Abzug der amerikanischen Truppen würden sich die Taliban gestärkt 

fühlen und ihre Präsenz sowie ihre Macht wieder ausbauen. Darüber hin-

aus werde nun auch sein Bruder von den Taliban bedroht. 

6.  

6.1 Nach eingehender Prüfung der Akten stellt das Bundesverwaltungsge-

richt fest, dass die Einschätzung des SEM, die Vorbringen des Beschwer-

deführers seien weder glaubhaft noch asylrelevant, zu bestätigen ist. Zur 

Vermeidung von Wiederholungen kann hierzu auf die zutreffenden Erwä-

gungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. II 

sowie vorstehend E. 5.1), welchen sich das Gericht vollumfänglich an-

schliesst. Die Vorbringen des Beschwerdeführers auf Beschwerdeebene 

sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. In Ergän-

zung und Präzisierung ist Folgendes festzuhalten: 

6.2  

6.2.1 Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz die Anstellung des Be-

schwerdeführers beim Unternehmen „H._______“ in Kabul nicht grund-

sätzlich bezweifelt und auch das Bundesverwaltungsgericht sieht keinen 

Anlass, diese Angaben in Zweifel zu ziehen. So äusserte er sich in den 

Befragungen substantiiert zu seiner Tätigkeit (vgl. SEM-Akten A4, 

Ziff. 1.17.04 und A19, F41, F52 sowie F202) und belegte seine Anstellung 

mit einem Personalausweis (vgl. SEM-Akte A14 [Beweismittelcouvert], Be-

weismittel 3). 

6.2.2 Es ist jedoch strittig, ob der Beschwerdeführer aufgrund dieses An-

stellungsverhältnisses einer durch die Taliban gezielt gegen seine Person 

gerichteten Verfolgung in Afghanistan ausgesetzt war oder eine solche zu 

befürchten hatte. Er vermochte indes nicht überzeugend darzulegen, wie 

die Taliban von seinen beruflichen Tätigkeiten in Kabul erfahren haben sol-

len. Als er während der Anhörung danach gefragt wurde, woher die Taliban 

davon gewusst hätten, gab er zu Protokoll, er nehme an, dass seine Feinde 

im Heimatdorf sie darüber in Kenntnis gesetzt hätten (vgl. SEM-Akte A19, 

D-691/2020 

Seite 23 

F98). Wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bereits festhielt, 

machte er jedoch keinerlei Aussagen dazu, unter welchen Umständen 

seine Feinde herausgefunden haben sollen, dass er in Kabul für ein Unter-

nehmen gearbeitet habe. Der Beschwerdeführer machte denn auch nicht 

geltend, während seines Aufenthalts in Kabul bedroht oder in anderer 

Weise behelligt worden zu sein, so dass davon ausgegangen werden 

muss, er sei in Kabul nicht aufgefallen oder in den Fokus von seinen Fein-

den respektive den Taliban geraten. 

6.2.3 Sodann sind die Schilderungen der angeblichen mündlichen Bedro-

hungen seiner Familie durch die Taliban – selbst unter Berücksichtigung 

des Umstands, dass er selber dabei nicht anwesend war respektive nicht 

direkt bedroht wurde – als stereotyp, nicht erlebnisgeprägt und vage zu be-

zeichnen. Da es sich dabei um prägende Ereignisse gehandelt haben soll, 

infolgedessen er sich entschied, seine Stelle in Kabul aufzugeben und 

nach C._______ zurückzukehren, und angesichts des Bildungsstandes 

des Beschwerdeführers wäre zu erwarten gewesen, dass er die Bedrohun-

gen durch die Taliban aus der Perspektive seines Vaters erlebnisgeprägt 

und detailliert schildern könnte. In der Anhörung brachte er aber lediglich 

vor, etwa zwei oder drei Monate nachdem er seine Arbeitsstelle in Kabul 

angetreten habe, sei seine Familie erstmals telefonisch von den Taliban 

bedroht worden. Sie hätten verlangt, dass er seine Arbeit in Kabul aufgebe 

und zu seiner Familie nach C._______ zurückkehre (vgl. SEM-Akte A19, 

F90 und F99). Beim zweiten Mal hätten die Taliban seine Familie persön-

lich zu Hause aufgesucht, wobei sie entweder seinen Vater oder seinen 

Bruder unter Gewaltandrohung mitzunehmen versuchten (vgl. SEM-

Akte A19, F107). Ausserdem erscheint der Umstand, die Taliban hätten 

seiner Familie eine Erstreckung der Frist für seine Rückkehr gewährt, we-

nig plausibel und spricht gegen die geltend gemachte Intensität der Bedro-

hungen. 

6.2.4 Des Weiteren konnte der Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar er-

klären, weshalb er nach seiner Rückkehr im (…) 2014 in der Nähe von 

C._______ Kinder in (…) unterrichtete und sich damit erneut exponierte. 

Dies, obwohl die Taliban bereits auf ihn aufmerksam geworden seien und 

er infolgedessen seine Arbeit in Kabul, wie von diesen gefordert, aufgege-

ben habe. Die Vorinstanz hat dabei überzeugend dargelegt, dass seine Er-

klärung, Kindern helfen zu wollen, nicht zu überzeugen vermag, und die 

heimliche Durchführung gerade impliziert, dass es zu Problemen mit den 

Taliban kommen könne (vgl. dort E. II, Ziff. 1b). Soweit diesbezüglich in der 

D-691/2020 

Seite 24 

Beschwerdeschrift vorgebracht wird, dass der (…)-Unterricht in Afghanis-

tan auf jeden Fall heimlich erfolgen müsse, da jede (…) sich dadurch in 

konkrete Gefahr begebe (vgl. dort S. 17, Art. 60), wird dadurch bestätigt, 

dass er das nicht unerhebliche Risiko, erneut ins Visier der Taliban zu ge-

raten, zumindest in Kauf nahm. 

6.2.5 Ferner erscheint das vom Beschwerdeführer geschilderte Verhalten 

der Taliban, wonach er erst knapp ein Jahr nach seiner Rückkehr nach 

C._______ wieder behelligt und zur Zusammenarbeit gezwungen worden 

sein soll, nicht plausibel, auch wenn in der Beschwerde zutreffend geltend 

gemacht wird, dass ihm das unlogisch oder inkohärent erscheinende Ver-

halten seiner Verfolger nur mit grosser Zurückhaltung angelastet werden 

könne. Seine Vermutung, wonach sie während dieser Zeitspanne Beweis-

mittel für seine (…) sammelten, um ihn damit unter Druck setzen zu können 

(vgl. SEM-Akte A19, F132), vermag nicht zu überzeugen. Dies umso we-

niger, als er angab, dass seine Familie im Dorf Feinde habe und es viele 

Leute gebe, welche direkt mit den Taliban zusammenarbeiten würden 

(vgl. SEM-Akte A19, F98). 

6.2.6 Insofern als die Vorinstanz dem Beschwerdeführer vorwarf, die an-

lässlich der Anhörung geltend gemachten zwei Entführungen durch die Ta-

liban in der BzP mit keinem Wort erwähnt zu haben, womit gewichtige 

Zweifel am Wahrheitsgehalt betreffend die Verfolgung der Taliban entste-

hen würden, ist ihr beizupflichten. Diese Vorbringen sind als nachgescho-

ben und damit unglaubhaft zu qualifizieren, denn es wäre ihm – entgegen 

seinen Behauptungen, er habe bei der Erstbefragung nur seine Haupt-

gründe und nicht alle Gründe für sein Asylgesuch vorbringen können 

– ohne weiteres möglich gewesen, diese zentralen und einschneidenden 

Vorkommnisse bereits in der BzP zu erwähnen. Dafür hätte er auch genü-

gend Zeit gehabt, denn immerhin dauerte die summarische Befragung (in-

klusive einer kleinen Pause) zwei Stunden und 30 Minuten (vgl. SEM-

Akte A4, Ziff. 9.03), wobei dem Beschwerdeführer auch gezielte Nachfra-

gen zu den Asylgründen gestellt wurden (vgl. SEM-Akte A4, Ziff. 7.02). An-

lässlich der Erstbefragung erklärte er ausserdem ausdrücklich, den Dol-

metscher gut beziehungsweise sehr gut verstanden zu haben (vgl. SEM-

Akte A4, Bst. h und Ziff. 9.02) und bestätigte eigenhändig mit seiner Unter-

schrift, dass das Protokoll seinen Aussagen entspreche, diese wahrheits-

gemäss erfasst und in seine Muttersprache (…) rückübersetzt worden 

seien (vgl. a.a.O., S. 10). Folglich muss er sich auf seine Angaben in der 

BzP und die sich daraus allenfalls ergebenden Widersprüche behaften las-

D-691/2020 

Seite 25 

sen. Seine Erklärungsversuche anlässlich der Anhörung, als er danach ge-

fragt wurde, weshalb er die Entführungen nicht erwähnt habe (vgl. SEM-

Akte A19, F 203 f.), vermögen vor diesem Hintergrund nicht zu überzeu-

gen. Soweit in der Beschwerde sodann vorgebracht wird, dass er die Miss-

handlungen, welche er im Rahmen der Entführungen erlitten haben will, 

geschildert habe, womit offensichtlich sei, dass er die entscheidrelevanten 

Vorbringen bereits bei der Erstbefragung vorgebracht habe, ist entgegen-

zuhalten, dass es sich bei den beiden Entführungen, wobei er jeweils wäh-

rend zweier Nächte von den Taliban festgehalten worden sein soll, nicht 

nur um ein Detail respektive eine blosse Konkretisierung des Hauptvorbrin-

gens der Bedrohung durch die Taliban, sondern vielmehr ein Kernvorbrin-

gen handelt. Dass er zentrale Asylvorbringen ohne überzeugende Erklä-

rung erst an der Anhörung vorgebracht hat, ist als Steigerung von Vorbrin-

gen im Laufe des Verfahrens beziehungsweise als Nachschub zu werten 

und stellt gemäss Praxis der Asylbehörden ein wesentliches Unglaubhaf-

tigkeitsmerkmal dar. 

Des Weiteren ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzustellen, dass 

die Ausführungen des Beschwerdeführers betreffend die Entführungen 

durch die Taliban insgesamt wenig konkret, vage und unsubstantiiert aus-

gefallen sind. Er war insbesondere nicht in der Lage, genauere Angaben 

zu den Gesprächen mit seinen Entführern, zum Ort, wo er jeweils gefangen 

gehalten worden sein soll, und den körperlichen Misshandlungen, welche 

er während seiner Gefangenschaft erlitten haben soll, zu machen. Zwar 

sind seine Angaben in der freien Erzählung relativ ausführlich, dennoch 

beschränken sie sich auf blosse Handlungsabläufe und enthalten – entge-

gen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – kaum Realkennzeichen, 

Details, Nebensächlichkeiten oder persönliche Reaktionen, die auf selbst 

Erlebtes hinweisen würden (vgl. SEM-Akte A19, F92 f., F135–150 und 

F151–162). Auch die zeitliche Einordnung der beiden Ereignisse fiel sehr 

ungenau aus (vgl. SEM-Akte A19, F92 f. und F151). Alsdann reichte er 

zum Nachweis des anschliessenden Spitalaufenthalts, wo er sich wegen 

(…)- und (…) behandeln lassen habe (vgl. SEM-Akte A19, F94 und F163), 

keinerlei Beweismittel zu den Akten, welche seine Vorbringen stützen 

könnten. Insgesamt wirken seine Ausführungen zu den Entführungen 

durch die Taliban somit konstruiert. 

Schliesslich erscheint das Verhalten des Beschwerdeführers nach seiner 

zweiten Freilassung nicht nachvollziehbar. Obwohl er von den Taliban mit 

dem Tod bedroht und gefoltert worden sein soll, hielt er sich nach seinem 

Spitalaufenthalt gemäss eigenen Angaben wieder an seinem den Taliban 

D-691/2020 

Seite 26 

bekannten Wohnsitz bei seinen Eltern in C._______ auf (vgl. SEM-

Akte A19, F174). Dieses Vorgehen widerspricht der Logik des Handelns 

einer Person, die an Leib und Leben gefährdet ist. Es wäre zu erwarten 

gewesen, dass er sich umgehend nach seiner Freilassung von seinem Hei-

matdorf entfernt hätte, in welchem ihm weitere Schwierigkeiten aufgrund 

seiner verweigerten Kooperation mit den Taliban drohten. Es erscheint des-

halb unwahrscheinlich, dass sich der Sachverhalt in der geschilderten 

Weise zugetragen hat. 

6.2.7 An dieser Einschätzung vermögen auch die zum Nachweis der Asyl-

vorbringen zu den Akten gereichten Beweismittel nichts zu ändern. Zwar 

konnten die Ungereimtheiten betreffend das Ausstelldatum des Duplikats 

der Tazkera (vgl. SEM-Akte A14 [Beweismittelcouvert], Beweismittel 12 

und 13 sowie BVGer-Akte 1, Beilage 3) auf Beschwerdeebene aufgelöst 

werden, dennoch lässt sich daraus keine persönliche Verfolgung des Be-

schwerdeführers durch die Taliban ableiten. Dasselbe gilt für die zu den 

Akten gereichten Beweismittel, welche die beruflichen Aus- und Weiterbil-

dungen des Beschwerdeführers belegen (vgl. SEM-Akte A14 [Beweismit-

telcouvert], Beweismittel 1 und 5–10). Das in den Akten liegende Bestäti-

gungsschreiben der Dorfältesten (vgl. SEM-Akte A14 [Beweismittelcou-

vert], Beweismittel 11) ist – wie in der angefochtenen Verfügung zutreffend 

bemerkt wurde – ebenfalls nicht geeignet, die Zweifel an der Glaubhaf-

tigkeit der Vorbringen zu beseitigen, zumal dieses – wie die Vorinstanz in 

der angefochtenen Verfügung zu Recht feststellte – zum einen als reines 

Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren ist und zum anderen auch keinerlei 

Sicherheitsmerkmale aufweist, leicht fälschbar ist und diesem daher kein 

tragender Beweiswert zuerkannt werden kann. Schliesslich ist auch die auf 

Beschwerdeebene eingereichte Kopie des Drohbriefes vom (…) 2020 

(vgl. BVGer-Akte 5, Beilage), worin der Beschwerdeführer über den Befehl 

seiner Hinrichtung informiert wurde, angesichts ihres geringen Beweiswer-

tes nicht geeignet, an dieser Einschätzung zu ändern. Überdies können 

derartige Dokumente ohne Weiteres gefälscht oder käuflich erworben wer-

den. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Taliban dem Be-

schwerdeführer einen solchen Drohbrief erst fünf Jahre nach seiner Aus-

reise hätten zustellen sollen. Des Weiteren ist nicht plausibel, weshalb sie 

ihm darin vorwerfen, mit der amerikanischen Regierung zusammenzuar-

beiten. 

6.2.8 Soweit in der Replik vorgebracht wurde, dass nunmehr auch der Bru-

der bedroht werde und diesem mitgeteilt worden sei, der Beschwerdefüh-

rer werde gesucht (vgl. dort S. 4), erscheint dies angesichts dessen, dass 

D-691/2020 

Seite 27 

der Beschwerdeführer Afghanistan bereits vor mehr als fünf Jahren verlas-

sen hat und seine in der Heimat verbliebenen Familienangehörigen in den 

letzten Jahren offenbar nie behelligt oder konkret bedroht wurden, wenig 

wahrscheinlich. Im Übrigen handelt es sich dabei um eine durch nichts be-

legte Behauptung. 

6.2.9 Nach einer Gesamtwürdigung ist es dem Beschwerdeführer nicht ge-

lungen, eine wegen seiner beruflichen Tätigkeiten in Kabul gezielt gegen 

seine Person gerichtete Verfolgung durch die Taliban nachzuweisen oder 

zumindest glaubhaft zu machen. 

6.3 Betreffend die befürchtete Blutrache aufgrund der Handlungen des On-

kels des Beschwerdeführers ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – 

festzuhalten, dass sich die diesbezüglichen Vorbringen als wenig konkret 

und nicht geeignet erweisen, die behauptete Furcht vor einer zukünftigen 

Verfolgung als begründet erscheinen zu lassen. So gab der Beschwerde-

führer zu Protokoll, dass die Angehörigen der Mordopfer bis heute nicht 

genau wissen würden, ob sein Onkel der Täter gewesen sei, und sie auch 

über keine genügenden Beweismittel verfügen würden (vgl. SEM-

Akte A19, F197). Bei Begegnungen hätten sie denn auch lediglich „mit ei-

nem feindseligen Ton“ mit ihnen gesprochen (vgl. SEM-Akte A19, F193). 

Ausserdem räumte der Beschwerdeführer ein, dass er selber bisher nie 

bedroht oder im Zusammenhang mit Drohungen spezifisch genannt wor-

den sei (vgl. SEM-Akte A19, F195). Die geltend gemachte Gefährdung auf-

grund der vorgebrachten Fehde wird weiter dadurch relativiert, dass der 

Beschwerdeführer und seine Familie seit den angeblich durch den Onkel 

ausgeführten Morden unbehelligt in Afghanistan leben konnten. Überdies 

mangelt es privaten Blutfehden und drohender Blutrache am Erfordernis 

der flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotivation, da die Verfol-

gungsmassnahmen im Sinne einer Blutrache seitens Privatpersonen nicht 

aus einem in Art. 3 Abs. 1 AsylG aufgezählten Grund, sondern aus einem 

asylfremden Motiv erfolgen und somit asylrechtlich nicht von Belang sind. 

Dabei vermögen auch die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe den Ein-

wand der fehlenden Asylrelevanz nicht zu entkräften. Auf die Frage der Re-

levanz unter völkerrechtlichen Gesichtspunkten ist bei der Prüfung der 

Wegweisungsvollzugshindernisse einzugehen (vgl. hierzu die nachstehen-

den Erwägungen E. 8.2.2). 

6.4 Soweit der Beschwerdeführer schliesslich generell auf die prekäre Si-

cherheitssituation in Afghanistan zufolge der starken Präsenz der Taliban 

hinweist (vgl. SEM-Akte A19, F199 f.), bleibt festzuhalten, dass es sich 

D-691/2020 

Seite 28 

hierbei um Nachteile handelt, die auf der allgemeinen Konfliktlage in seiner 

Herkunftsregion gründen. Derartigen Nachteilen kommt gemäss konstan-

ter Rechtspraxis keine Asylrelevanz zu, da es diesen an der Gezieltheit der 

Verfolgung fehlt, weshalb der Beschwerdeführer aus ihnen ebenfalls kei-

nen Asylanspruch ableiten kann. 

6.5 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, 

zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan im (…) 2015 asylrechtlich 

relevanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu 

sein oder solche im Falle einer Rückkehr in objektiv begründeter Weise 

befürchten zu müssen. Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers zu Recht verneint und dessen Asylgesuch abgewiesen. 

Eine Verletzung des Willkürverbots oder eine Voreingenommenheit der 

Vorinstanz ist dabei nicht ersichtlich. Es erübrigt sich, auf weitere Vorbrin-

gen in der Beschwerde einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern kön-

nen. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-

der und über die Integration [AIG, SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

D-691/2020 

Seite 29 

8.2  

8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen.  

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; 

vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. Art. 4 EMRK beinhaltet die Verbote der Sklaverei und 

Leibeigenschaft (Abs. 1) sowie der Zwangs- oder Pflichtarbeit (Abs. 2 

und 3). 

8.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-

raufhin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  

Angesichts der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen bezüglich der befürchte-

ten Blutrache (vgl. hierzu die Ausführungen in E. 6.3) ergeben sich sodann 

weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten An-

haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimat-

staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 

Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss 

Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie 

jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine 

konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 

im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung dro-

hen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). 

D-691/2020 

Seite 30 

Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht lässt auch die allge-

meine Menschenrechtssituation in Afghanistan den Wegweisungsvollzug 

zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

8.2.3 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer-

deschrift. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist 

sich nach dem Gesagten – sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-

rechtlichen Bestimmungen – als zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2  

8.3.2.1 Das SEM bejahte das Vorliegen besonders begünstigender Fakto-

ren. Es führte aus, der Beschwerdeführer habe von 2011 bis 2013 eine 

(…)-Ausbildung in Kabul absolviert und danach eigenen Angaben zufolge 

während eines Jahres in G._______ und anschliessend ein halbes Jahr 

lang in Kabul gelebt, wo er in verschiedenen Bereichen Arbeitserfahrungen 

gesammelt habe. Seine Eltern, welche beide (…) seien, würden nicht nur 

eine eigene (…) besitzen, sondern auch Ländereien sowie Liegenschaften, 

darunter auch eine in Kabul, welche zurzeit von seinem Onkel (väterlicher-

seits) bewohnt werde. Mithin verfüge er über gesicherte finanzielle Verhält-

nisse. Nebst seiner Schwester, deren Ehemann eine eigene (…) habe, 

würden mehrere Onkel und Tanten (väterlicherseits) in Kabul leben. Da er 

insbesondere mit seinem Vater in regelmässigem Kontakt stehe, sei anzu-

nehmen, dass er bei seiner Wiedereingliederung nötigenfalls auch finanzi-

ell unterstützt werde. Er sei ausserdem jung und – soweit aktenkundig – 

gesund. Insgesamt sei aufgrund seines familiären sozialen Netzes, seiner 

Ausbildung sowie seiner Arbeitserfahrung in Kabul trotz seiner mehrjähri-

gen Landesabwesenheit davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr 

nicht in eine existenzielle Notlage geraten werde. 

8.3.2.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer 

habe ausführlich und detailliert geschildert, dass seine Familie im Dorf 

D-691/2020 

Seite 31 

C._______ lebe, weshalb weit entfernte Verwandte in Kabul zum Vornhe-

rein kein tragfähiges Beziehungsnetz darstellen könnten. Weiter sei es tat-

sachenwidrig, wenn das SEM behaupte, er verfüge in Kabul über gesi-

cherte finanzielle Verhältnisse, zumal er sich seit mehreren Jahren in der 

Schweiz befinde. Zudem würde er im Falle der Rückkehr von seiner Fami-

lie ausgestossen und stigmatisiert, da er aufgrund seines Profils die ge-

samte Familie in konkrete Gefahr gebracht habe oder bringen werde. Es 

stehe somit fest, dass er nicht über ein tragfähiges soziales Netz im Sinne 

der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung verfüge. Es lägen 

somit keine besonders begünstigenden Faktoren vor, aufgrund derer aus-

nahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausgegangen werden 

könne. Mit Verweis auf diverse Internetartikel wird überdies geltend ge-

macht, die Situation in Kabul sei desaströs und es bestehe eine Situation 

allgemeiner Gewalt. 

In der Replik wurde ergänzend vorgebracht, von den elf in der BzP erwähn-

ten Onkel und Tanten hätten mittlerweile fünf Afghanistan verlassen und 

eine Person sei nach wie vor verschollen. Sowohl die Schwester als auch 

sein Vater würden ihre Flucht aus Afghanistan in Erwägung ziehen. Damit 

verfüge er über kein tragfähiges Beziehungsnetz mehr. Er würde im Falle 

der Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten, denn er wäre nicht in 

der Lage sich eine neue Existenz aufzubauen. Ausserdem würde er sein 

Leib und Leben gefährden. 

8.3.3  

8.3.3.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist vorab auf die vom 

Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung im Koordina-

tionsurteil BVGE 2011/7 zu verweisen. Die Sicherheitslage sowie die hu-

manitären Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls in 

den Grossstädten – wird darin als äusserst schlecht bezeichnet. Die Situ-

ation in Afghanistan wurde praktisch flächendeckend als existenzbedro-

hend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG qualifiziert (vgl. E. 9.3 ff. des genann-

ten Urteils). 

8.3.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 eine ausführliche Lageanalyse zur Situation in der 

afghanischen Hauptstadt Kabul vorgenommen (vgl. E. 6.3 ff. des genann-

ten Urteils). Diese Lageanalyse und die daraus gezogenen Schlussfolge-

rungen sind weiterhin zutreffend. Gemäss Einschätzung des Gerichts ha-

ben sich sowohl die Sicherheitslage – die als volatil und von zahlreichen 

Anschlägen geprägt zu bezeichnen ist – als auch die humanitäre Situation 

D-691/2020 

Seite 32 

in Kabul im Vergleich zu der in BVGE 2011/7 beschriebenen Situation noch 

einmal verschlechtert. Die Lage in Kabul ist daher grundsätzlich als exis-

tenzbedrohend und somit unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu 

qualifizieren. Von dieser Regel kann abgewichen werden, falls besonders 

begünstigende Faktoren vorliegen, aufgrund derer ausnahmsweise von 

der Zumutbarkeit des Vollzugs ausgegangen werden kann. 

Wie bereits in BVGE 2011/7 festgestellt, kann danach der Vollzug der 

Wegweisung zumutbar sein, wenn im Einzelfall besonders günstige Vo-

raussetzungen vorliegen, und die nach Kabul zurückkehrende Person 

demnach ausnahmsweise nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten 

würde. Solche günstigen Voraussetzungen können grundsätzlich nament-

lich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, 

gesunden Mann handelt. Unabdingbar ist in jedem Fall ein soziales Netz, 

das sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rück-

kehrenden als tragfähig erweist. Dieses soziale Netz muss dem Rückkeh-

renden insbesondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung so-

wie Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Al-

lein aufgrund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch 

Mitgliedern der Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche 

Fortkommen sowie die Unterbringung ungeklärt sind, ist nicht von einem 

tragfähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen. Es liegt in der Natur der 

Sache, dass bei Personen, bei welchen Kabul lediglich eine Aufenthaltsal-

ternative darstellt und die somit kaum oder nie in Kabul gelebt haben, eine 

Bejahung eines solchen tragfähigen sozialen Netzes noch grösserer Zu-

rückhaltung bedarf. Ebenso ist entscheidrelevant, über welche Berufser-

fahrung die rückkehrende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine 

wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusam-

menspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden kann. Angesichts 

der festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul versteht es sich von 

selbst, dass das Vorliegen dieser strengen Anforderungen in jedem Einzel-

fall sorgfältig geprüft wird und diese erfüllt sein müssen, um einen Wegwei-

sungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren (vgl. a.a.O., 

E. 8.4.1). 

8.3.4 Der Beschwerdeführer stammt gemäss eigenen Angaben aus dem 

Dorf C._______ (Bezirk D._______; vgl. SEM-Akte A4, Ziff. 1.07), wo er 

aufwuchs, die Grundschule besuchte (vgl. SEM-Akte A19, F27) und ab 

(…) 2014 bis zu seiner Ausreise bei seinen Eltern lebte (vgl. SEM-Akte A4, 

D-691/2020 

Seite 33 

Ziff. 2.01). Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug in die Heimatpro-

vinz des Beschwerdeführers (E._______) zu Recht nicht in Betracht gezo-

gen. 

Hinsichtlich der sich hier stellenden Frage der allfälligen Zumutbarkeit ei-

nes Vollzugs nach Kabul ist Folgendes zu erwägen: 

Der Beschwerdeführer absolvierte die weiterführende Schule (…) in Kabul, 

welche er im Jahr 2005 erfolgreich mit dem Abitur abschloss 

(vgl. vgl. SEM-Akten A19, F29 f. und A14 [Beweismittelcouvert], Beweis-

mittel 6). Von 2011 bis 2013 studierte er (…) an der Universität in Kabul 

(vgl. SEM-Akten A4, Ziff. 1.17.04 und A19, F35 sowie F53) und arbeitete 

(…) 2014 für etwa sechs Monate in Kabul (vgl. SEM-Akten A4, Ziff. 1.17.04 

und A19, F53 f.). Da er in Kabul zur Schule ging, studierte und auch arbei-

tete, ist davon auszugehen, dass er Kontakte zu Mitschülerinnen und Mit-

schülern sowie Kommilitoninnen und Kommilitonen hatte, auf die er bei der 

Erarbeitung einer Existenzgrundlage wird zurückgreifen können. Zudem le-

ben gemäss seinen eigenen Angaben seine Schwester sowie mehrere On-

kel und Tanten (väterlicherseits) in Kabul (vgl. SEM-Akten A4, Ziff. 3.01 

und A19, F15 f.). Aufgrund dieser Aktenlage ist folglich anzunehmen, dass 

er in Kabul nach wie vor über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügt, be-

stehend aus Mitgliedern seiner Kernfamilie sowie Freunden und Bekann-

ten. Sofern auf Beschwerdeebene geltend gemacht wird, dass der Be-

schwerdeführer in Kabul über kein Beziehungsnetz mehr verfüge, ist dies 

als blosse, unbelegte Parteibehauptung zu werten. Darüber hinaus ist da-

von auszugehen, dass ihm im von seinem Onkel bewohnten Haus, wel-

ches seiner Familie gehört (vgl. SEM-Akte A19, F180–183), eine Wohn-

möglichkeit offensteht und ihn seine Verwandten bei der Wiedereingliede-

rung in Afghanistan unterstützen werden. In Bezug auf seine wirtschaftliche 

Wiedereingliederung ist herauszustreichen, dass der Beschwerdeführer 

über eine hohe Schul- und universitäre Bildung verfügt. Ausserdem verfügt 

er neben seiner Muttersprache (…) auch über Sprachkenntnisse in (…) 

(vgl. SEM-Akte A4, Ziff. 1.17.02 f.). Bis zu seiner Ausreise aus Afghanistan 

war er überdies jahrelang in verschiedenen Bereichen arbeitstätig und ver-

fügt hierdurch über solide Berufserfahrungen (vgl. SEM-Akten A4, 

Ziff. 1.17.04 f. und A19, F31 ff.). Damit dürfte ihm auch unter Berücksichti-

gung der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Kabul eine rasche Rein-

tegration in den Arbeitsmarkt gelingen. Ferner ist die Familie des Be-

schwerdeführers dessen eigenen Angaben zufolge wirtschaftlich gut situ-

iert. So hatte sie zumindest problemlos die notwendigen finanziellen Kapa-

zitäten, um dem Beschwerdeführer eine langjährige Schuldbildung sowie 

D-691/2020 

Seite 34 

einen Universitätsabschluss zu ermöglichen. Ausserdem besitzt die Fami-

lie eigene Ländereien und zwei Häuser (vgl. SEM-Akte A19, F104). Des 

Weiteren verfügt der Beschwerdeführer über Verwandte im Ausland, die 

ihm allenfalls Unterstützung gewähren könnten (vgl. SEM-Akte A4, Ziff. 

3.03). Vor dem aufgezeigten Hintergrund ist bei dem jungen, gesunden und 

arbeitsfähigen Beschwerdeführer das Vorliegen von besonders begünsti-

genden Umständen im Sinne der obengenannten Rechtsprechung zu be-

jahen und es ist nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach 

Kabul in eine existenzielle Notlage geraten wird. 

8.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach 

Kabul sowohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar im 

Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. 

8.4 Alsdann obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und BVGE 2008/34 

E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-

nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang 

mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet 

ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Bei 

der Coronavirus-Pandemie handelt es sich, soweit derzeit feststellbar, al-

lenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt somit den kanto-

nalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeitpunkts 

des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen (vgl. statt vieler: 

Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.). 

8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die die Vorinstanz den Weg-

weisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 

hat. Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.

D-691/2020 

Seite 35 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da indessen mit 

Instruktionsverfügung vom 5. März 2020 das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge-

heissen worden ist und weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerde-

führers auszugehen ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

10.2 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-

chen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerde-

ebene geheilt wird (vgl. hierzu die Ausführungen zur Verletzung des Akten-

einsichtsrechts in E. 3.3.1). Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote 

ein, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestim-

men sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu zie-

henden Bemessungsfaktoren (Art. 8 ff. VGKE) ist die Parteientschädigung 

auf insgesamt Fr. 150.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) 

festzusetzen. Die Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer die-

sen Betrag als Parteientschädigung für die berechtigte Geltendmachung 

der formellen Rüge auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-691/2020 

Seite 36 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 150.–

auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mia Fuchs Kathrin Rohrer 

 

 

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