# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b3d2da5-a340-5eb8-9251-f15cce8567a2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.11.2010 D-7620/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7620-2010_2010-11-01.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7620/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Daniel Schmid 
mit Zustimmung von Richterin Muriel Beck Kadima;
Gerichtsschreiber Alfred Weber.

A._______, geboren [...], Georgien, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2010 / 
N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7620/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer gemäss den Akten bereits in mehreren eu-
ropäischen Staaten unter anderem auch als Asylsuchender in Erschei-
nung getreten ist, wobei er – gemäss Verzeichnung in der Eurodac-Da-
tenbank – seinen ersten Asylantrag im europäischen Raum am 2. Ja-
nuar  2009 in Österreich gestellt hat, 

dass er am 30. August 2010 auch in der Schweiz ein Asylgesuch ein -
gereicht  hat,  worauf  das  BFM am 1.  September  2010  mit  ihm eine 
summarische Befragung durchführte, in deren Verlauf ihm das recht li-
che Gehör zu einer Wegweisung nach Österreich gewährt wurde, 

dass er dabei im Wesentlichen vorbrachte, suizidgefährdet zu sein und 
an Hepatitis C zu leiden, in Österreich keine Feinde zu haben, indes 
dort  einen  negativen Entscheid  erhalten  zu  haben,  wobei  er  keinen 
Rekurs habe einlegen wollen (vgl. A1 S. 6, 8 und 10), 

dass am 27. September 2010 von Seiten der zuständigen Behörde Ös-
terreichs  einem  Ersuchen  des  BFM  um  Wiederaufnahme  des  Be-
schwerdeführers ausdrücklich entsprochen wurde, 

dass das BFM in der Folge mit Verfügung vom 15. Oktober 2010 – er-
öffnet am 19. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat und dessen Wegweisung 
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug nach Österreich an-
ordnete,

dass das BFM in seinem Entscheid – unter Verweis auf die einschlägi-
gen Bestimmungen zum Dublin-Verfahren,  die Verzeichnung des Be-
schwerdeführers  in  der  Eurodac-Datenbank  und  die  aus  Österreich 
eingelangte Erklärung betreffend seine Wiederaufnahme – auf die Zu-
ständigkeit von Österreich für die Behandlung des Asylgesuches vom 
30. August  2010  verwies,  wobei  es  festhielt,  vom Beschwerdeführer 
seien keine relevanten Hindernisse gegen eine Überstellung nach Ös-
terreich vorgebracht worden, 

dass  keine  ärztlichen  Zeugnisse  eingereicht  worden  seien,  weshalb 
die geltend gemachten medizinischen Vorbringen (Suizidalität, Hepati -
tis C) in keiner Weise belegt seien, 

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dass  gemäss  gefestigter  Rechtsprechung  Suizidandrohungen  einer 
Person, deren Abschiebung angeordnet worden sei, den Vertragsstaat 
nicht  daran  hindere,  die  beabsichtigte  Massnahme  durchzuführen, 
wenn er in einem solchen Fall  konkrete Massnahmen zur Verhütung 
treffe, 

dass  der  Beschwerdeführer  in  Österreich  die  notwendige Betreuung 
und  medizinische  Behandlung  erhalte,  da  dieses  Land  seinen  Ver-
pflichtungen im Rahmen des Dubliner Übereinkommens nachkomme,

dass das BFM im Verteiler der angefochtenen Verfügung sowie in ei-
nem separaten Schreiben – ebenfalls vom 15. Oktober 2010 – an die 
zuständige Vollzugsbehörde darauf hinwies, der Beschwerdeführer ha-
be mehrere Suizidversuche geltend gemacht; das letzte Mal im Jahre 
2010 als Asylbewerber in Österreich,

dass der Beschwerdeführer mit ans BFM gerichteter und von diesem 
in  der  Folge  ans  Bundesverwaltungsgericht  überwiesener  Eingabe 
vom 25. Oktober 2010 gegen diesen Entscheid Beschwerde einreichte,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 27. Oktober 2010 vorsorglich 
vollzugshemmende Massnahmen angeordnet hat (per Telefax), 

dass die vorinstanzlichen Akten am 27. Oktober 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eingetroffen sind (Art. 109 Abs. 2 AsylG), 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 und 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) richtet, so-
weit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 6 und 
105 AsylG sowie Art. 37 VGG), 

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dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  auf  die  frist-  und  formgerechte  Eingabe  des  legitimierten  Be-
schwerdeführers  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  und  Art. 52 
VwVG sowie Art. 48. Abs. 1 VwVG), 

dass die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – of -
fensichtlich unbegründet ist, weshalb darüber in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise 
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), 

dass auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Entscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),

dass Gegenstand des Verfahrens ein Nichteintretensentscheid gemäss 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ist, weshalb sich das Bundesverwaltungs -
gericht – sofern es den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig er-
achtet  –  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  des  Asylgesuches 
enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer 
Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist, 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

dass aufgrund der Akten zweifelsfrei erstellt ist, dass der Beschwerde-
führer am 2. Januar 2009 in Österreich seinen ersten Asylantrag im 
europäischen Raum eingereicht hat, und von Österreich mit der Abga-
be einer Erklärung betreffend die Wiederaufnahme des Beschwerde-
führers ausdrücklich akzeptiert wurde, 

dass bei dieser Sachlage – entsprechend den vom BFM angerufenen 
Bestimmungen zum Dublin-Verfahren, auf welche anstelle einer Wie-
derholung zu verweisen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) – Österreich für 
die Prüfung seines Asylantrages zuständig ist, 

dass der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe unter anderem 
ausführt,  wegen der  nicht  therapierbaren Hepatitis  C im Heimatland 

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warte auf ihn dort der Tod, wenn Österreich ihn nach Georgien zurück-
schicke, weshalb es in diesem Fall  besser sei,  Selbstmord zu bege-
hen, 

dass er deshalb die Schweiz bitte, hier bleiben zu dürfen,

dass  in  diesem Zusammenhang festzuhalten  bleibt,  dass  Österreich 
sowohl  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30)  als  auch der  Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist und keine konkreten Hinweise 
darauf bestehen, Österreich würde sich  im Falle des Beschwerdefüh-
rers nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten, 

dass im Übrigen – wie vom BFM zu Recht erkannt – aufgrund der Ak-
ten keine Gründe ersichtlich sind, welche im Falle des Beschwerdefüh-
rers  in  rechtserheblicher  Weise  gegen  eine  Rückführung  in  dessen 
Erstasylland sprechen würden, 

dass insbesondere darauf hinzuweisen ist, dass gemäss Akten der Be-
schwerdeführer  im  Zusammenhang  mit  den  erwähnten  gesundheitli-
chen Problemen in Österreich medizinisch behandelt  wurde (A1 S. 6 
und 7),

dass das BFM zu Handen der zuständigen Vollzugsbehörde sowohl in 
der angefochtenen Verfügung als auch in einem separaten Schreiben 
auf die Suizidalität des Beschwerdeführer hinwies, mit andern Worten 
der Vollzugsbehörde zu verstehen gab,  bei  den Reisevorbereitungen 
dem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen 
und allenfalls die notwendigen Vorkehrungen zu treffen,

dass nach vorstehenden Erwägungen das BFM zu Recht auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, 

dass die Anordnung der Wegweisung nach Österreich der Systematik 
des Dublin-Verfahrens entspricht  und von daher  im Einklang mit  der 
Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG steht, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem es  sich  um ein 
Überstellungsverfahren in den für  die Behandlung des Asylgesuches 
zuständigen Staat  handelt  –  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Er-
satzmassnahmen  im  Sinne  von  Art.  44  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  83 

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Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Auslän-
derinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20), 

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. vor-
stehende Erwägungen),

dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Ös-
terreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass nach den vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung 
zu bestätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich un-
begründet abzuweisen ist, 

dass dem Beschwerdeführer die Kosten für das Verfahren aufzuerle-
gen sind (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 - 3 des Regle-
ments vom 21. Februar  2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  Dublin-Office,  Ref.-Nr. N [...],  (per 

Telefax)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (per Telefax)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Alfred Weber

Versand: 

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