# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91f89d70-7cae-5d2c-84ba-12826d990fd1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-21
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 21.07.2020 100 2019 218
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2019-218_2020-07-21.pdf

## Full Text

100.2019.218U
STE/TST/ROS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 21. Juli 2020

Verwaltungsrichter Häberli, Abteilungspräsident
a.o. Verwaltungsrichterin Baerfuss Klossner, 
Verwaltungsrichterin Steinmann 
Gerichtsschreiber Tschumi

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführer 

gegen

1. B.________
2. C.________
3. D.________
4. E.________
5. F.________
6. G.________
7. H.________
alle vertreten durch Fürsprecher …
Beschwerdegegnerschaft

und

Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern
Reiterstrasse 11, 3011 Bern

sowie

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21.07.2020, Nr. 100.2019.218U, 
Seite 2

Einwohnergemeinde Roggwil
Fachbereich Bau und Betriebe, Bahnhofstrasse 8, 4914 Roggwil 

betreffend Baubewilligung; Abbruch und Neubau eines Mehrfamilienhauses 
mit acht Wohnungen (Entscheid der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion 
des Kantons Bern vom 27. Mai 2019; RA Nr. 110/2019/6)

Sachverhalt:

A.

A.________ ist Eigentümer der Parzelle Roggwil Gbbl. Nr. 1________ in 
der Dorfzone D II. Am 2. Oktober 2017 stellte er ein Baugesuch für den Ab-
bruch des bestehenden Gebäudes und den Neubau eines Mehrfamilien-
hauses mit acht Wohnungen. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter an-
deren B.________ und C.________, D.________, E.________ und 
F.________ sowie G.________ und H.________ Einsprache. A.________ 
reichte am 17. April und 28. August 2018 Projektänderungen ein. Mit Ge-
samtentscheid vom 5. Dezember 2018 erteilte das Regierungsstatthalter-
amt (RSA) Oberaargau die Baubewilligung und wies die Einsprachen ab.

B.

Gegen diesen Entscheid erhoben B.________ und C.________, 
D.________, E.________ und F.________ sowie G.________ und 
H.________ am 7. Januar 2019 gemeinsam Beschwerde bei der Bau-, 
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE; heute: Bau- und 
Verkehrsdirektion [BVD]). Diese holte beim Amt für Gemeinden und 
Raumordnung des Kantons Bern (AGR) eine Stellungnahme ein. Unter 
anderem gestützt darauf hiess sie die Beschwerde am 27. Mai 2019 gut, 
hob den Gesamtentscheid des Regierungsstatthalters auf und verweigerte 
die beantragte Baubewilligung wegen Unterschreitens des grossen 
Grenzabstands auf der Südostseite des geplanten Neubaus.

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C.

Dagegen hat A.________ am 27. Juni 2019 beim Verwaltungsgericht Be-
schwerde eingereicht. Er beantragt, der angefochtene Entscheid sei auf-
zuheben und die nachgesuchte Baubewilligung sei zu erteilen; eventuell sei 
die Angelegenheit zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Mit Beschwerdeantwort vom 31. Juli 2019 beantragen B.________ und 
C.________, D.________, E.________ und F.________ sowie 
G.________ und H.________, die Beschwerde sei abzuweisen. Auch die 
BVE schliesst mit Vernehmlassung vom 4. Juli 2019 auf Abweisung der Be-
schwerde. Die Einwohnergemeinde (EG) Roggwil hat keine Stellungnahme 
eingereicht.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen 
Verfahren teilgenommen, ist als Baugesuchsteller durch den an-
gefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. 
auch Art. 40 Abs. 5 i.V.m. Abs. 2 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 
[BauG; BSG 721.0]). Die Bestimmungen über Form und Frist sind ein-
gehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerde ist ein-
zutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

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2.

2.1 Gemäss Art. 12 Abs. 2 BauG sind für die gegenüber Nachbargrund-
stücken und gegenüber anderen Bauten und Anlagen einzuhaltenden 
Grenz- und Gebäudeabstände die Vorschriften der Gemeinden mass-
gebend. Unter dem Randtitel «Bauabstände gegenüber nachbarlichem 
Grund» sieht Art. 16 des Baureglements der EG Roggwil vom 16. Oktober 
2006 (nachfolgend: GBR) Folgendes vor:

1 Bei der Erstellung von Bauten, welche den gewachsenen Boden 
überragen, sind gegenüber dem nachbarlichen Grund die in Art. 43 
festgesetzten Grenzabstände zu wahren.
2 Gebäude mit Wohn- oder Arbeitsräumen haben auf einer Gebäude-
seite einen grossen Grenzabstand einzuhalten. Dieser darf nicht im 
Norden liegen und ist zwingend auf einer Gebäudeseite auszuweisen, 
ist aber sonst durch die Bauherrschaft selbst festzulegen. Für Ge-
bäude ohne Wohn- und Arbeitsräume gilt für alle Gebäudeseiten der 
kleine Grenzabstand.
3 Der kleine Grenzabstand wird rechtwinklig zur Grundstücksgrenze 
gemessen und bezeichnet die zulässige kürzeste, waagrechte Ent-
fernung der Fassade (Umfassungswand) von der Grundstückgrenze. 
Der grosse Grenzabstand wird rechtwinklig zur Fassade gemessen. 
Bei Winkelbauten und anderen im Grundriss gestaffelten Bauten gilt 
für die Ermittlung der Grenz- und Gebäudeabstände die im Anhang B, 
Ziffer 1.2 dargestellte Messweise.
4 In den Dorfzonen ist für die Bemessung der Grenzabstände von der 
vorhandenen Bebauung auszugehen. Die Baubewilligungsbehörde 
kann eine Reduktion der reglementarischen Grenzabstände zulassen 
oder vorschreiben, wenn dies für das Ortsbild wichtig ist und die 
Wohnhygiene gewährleistet ist.

Gemäss Art. 43 GBR gilt in der hier interessierenden Dorfzone D II ein 
grosser Grenzabstand von mindestens 8 m.

2.2 Der Beschwerdeführer macht nicht geltend und es ist auch nicht er-
sichtlich, dass der Grenzabstand gestützt auf Art. 16 Abs. 4 GBR zu redu-
zieren wäre (vgl. hierzu E. 3d des angefochtenen Entscheids). Ebenso 
wenig hat er eine Ausnahmebewilligung beantragt (vgl. Art. 18 Abs. 1 GBR) 
oder mit der benachbarten Grundeigentümerschaft eine Vereinbarung für 
ein Unterschreiten des Grenzabstands getroffen (vgl. Art. 18 Abs. 2 und 3 
GBR). 

2.3 Das Bauvorhaben weist den grossen Grenzabstand auf der nach 
Südosten ausgerichteten Schmalseite des Gebäudes aus (gegenüber dem 
benachbarten Grundstück Gbbl. Nr. 2________; Situationsplan vom 

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9.4.2018, Vorakten RSA pag. 318). Soweit die Beschwerdegegnerschaft 
geltend macht, der grosse Grenzabstand müsse sich notwendigerweise auf 
der gegen Süden gerichteten Längsseite des Gebäudes befinden (Be-
schwerdeantwort S. 19 f.), kann ihr nicht gefolgt werden. Der Wortlaut von 
Art. 16 Abs. 2 GBR ist in dieser Hinsicht eindeutig: Danach darf der grosse 
Grenzabstand zwar «nicht im Norden liegen», ist «aber sonst durch die 
Bauherrschaft selbst festzulegen». Eine Beschränkung auf die gegen 
Süden gerichtete Längsseite ergibt sich daraus nicht und lässt sich auch 
nicht unmittelbar aus dem Zweck des grossen Grenzabstands herleiten, 
der darin besteht, die Wohn- und Arbeitshygiene zu gewährleisten sowie 
eine übermässige Überbauungsdichte zu verhinden (BGE 119 Ia 113 E. 3b; 
Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I/II, 5./4. Aufl. 
2020/2017, Art. 70 N. 15; vgl. auch Musterbaureglement, Ausgabe März 
1988, Amt für Gemeinden und Raumordnung, S. 86, wonach einzig 
zwingend ist, dass der grosse Grenzabstand nicht in Nordrichtung zu liegen 
kommt). Im Übrigen kann hier offenbleiben, ob Art. 16 Abs. 2 GBR in einem 
Widerspruch zu Art. 43 GBR steht, wonach sich der grosse Grenzabstand 
in den Dorfzonen bei Hauptgebäuden mit einer Gebäudelänge von mehr 
als 20 m auf 10 m vergrössert (vgl. Stellungnahme des AGR vom 1.4.2019, 
Vorakten BVD pag. 72 f.); das geplante Gebäude ist auf keiner Seite mehr 
als 20 m lang, weshalb ein Mehrlängenzuschlag nicht zur Diskussion steht. 
Der grosse Grenzabstand darf folglich auf der südöstlichen Gebäudeseite 
ausgewiesen werden.

3.

3.1 Streitig ist vor Verwaltungsgericht, ob das geplante Gebäude unter 
die Kategorie der «Winkelbauten und anderen im Grundriss gestaffelten 
Bauten» fällt, so dass der grosse Grenzabstand nach Art. 16 Abs. 3 Satz 3 
GBR anhand der mittleren Abstandslinie zu ermitteln ist und nicht wie in 
den übrigen Fällen rechtwinklig zur Gebäudefassade. Unbestritten ist hin-
gegen, dass der grosse Grenzabstand nur eingehalten ist, wenn er nach 
der erstgenannten Methode ermittelt werden darf; rechtwinklig zur Fassade 
gemessen beträgt er nur knapp 7 m anstatt der vorgeschriebenen 8 m 
(Situationsplan vom 9.4.2018, Vorakten RSA pag. 318). 

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3.2 Auf welche Weise Grenz- und Gebäudeabstände anhand der 
mittleren Abstandslinie zu messen sind, wird in Anhang B Ziff. 1.2 GBR wie 
folgt dargestellt und erläutert:

Bemerkungen:

Der Grenzabstand und der Gebäudeabstand einer im Grundriss ge-
staffelten Gebäudeseite werden von der Linie des mittleren Abstandes 
dieser Gebäudeseite zur Grundstückgrenze aus gemessen;

Die mittlere Abstandslinie ist parallel zur massgebenden Grundstück-
grenze zu ziehen und zwar derart, dass die über die Linie vor-
springenden Grundrissflächen flächengleich sind mit den hinter der 
Linie liegenden Grundriss-Rücksprüngen (baufreie Flächen);

Die mittlere Abstandslinie darf in keinem Punkt die reglementarischen 
Grenz- oder Gebäudeabstände unterschreiten. 

Einzelne Gebäudeteile oder Teile einer Gebäudegruppe können 
– auch auf der besonnten Längsseite – höchstens bis zu dem, von 
ihrer Ausdehnung berechneten, kleinen Grenzabstand an die Nachbar-
grenze heranreichen.

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Wie auf der Abbildung zu erkennen ist, lässt die Bemessung des grossen 
Grenzabstands anhand der mittleren Abstandslinie zu, dass der reglemen-
tarische Grenzabstand durch die vorgestellten Gebäudeteile unterschritten 
wird. Insofern hat die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass es 
sich bei dieser Messweise um eine Privilegierung für im Grundriss ge-
staffelte Bauten handelt (vgl. angefochtener Entscheid E. 3c). 

3.3 Nach der Interkantonalen Vereinbarung vom 22. September 2005 
über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB; BSG 721.2-1) ist es nicht 
mehr zulässig, den grossen Grenzabstand anhand der mittleren Abstands-
linie zu messen (Vortrag der BVE an den Regierungsrat vom 19. Mai 2011 
zur Verordnung vom 25. Mai 2011 über die Begriffe und Messweisen im 
Bauwesen [BMBV; BSG 721.3] S. 18, einsehbar unter: <www.bvd.be.ch>, 
Rubriken «Die Direktion/Organisation/Rechtsamt/Rechtliche Grundlagen/
Vorträge»; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 12 N. 8e). Die in den vorangehenden 
Erwägungen zitierten kommunalen Grenzabstandsvorschriften bleiben für 
das hier umstrittene Bauvorhaben indes massgebend, da die EG Roggwil 
die Bestimmungen der BMBV in ihrer baurechtlichen Grundordnung noch 
nicht umgesetzt hat (Art. 34 Abs. 1 BMBV).

4.

4.1 Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass das geplante Mehrfamilien-
haus auf der Südostseite, wo der grosse Grenzabstand ausgewiesen wird, 
keine Staffelung aufweist. Das GBR regle zwar im Zusammenhang mit dem 
Grenzabstand nicht ausdrücklich, was eine im Grundriss gestaffelte Baute 
sei. Der Begriff «Staffelung im Grundriss» werde jedoch in Art. 23 Abs. 4 
GBR und in Anhang B Ziff. 4.6 GBR im Zusammenhang mit der Gebäude-
höhe näher definiert. Daraus gehe hervor, dass eine Staffelung erst dann 
vorliege, wenn der Rücksprung mindestens einen Drittel der Fassaden-
länge ausmache. Es sei nicht ersichtlich, weshalb diese Regelung – auf 
welche die Gemeinde im Übrigen selber hinweise – im Zusammenhang mit 
dem Grenzabstand bzw. der mittleren Abstandslinie nicht zumindest analog 
gelten sollte. Auch die grafische Darstellung in Anhang B Ziff. 1.2 GBR 
spreche nicht gegen eine analoge Anwendung von Art. 23 Abs. 4 GBR, 

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mache der dargestellte Rücksprung doch mehr als die Hälfte der Fassa-
denlänge aus. Die Südostfassade des geplanten Mehrfamilienhauses sei 
insgesamt 11,73 m lang und springe bloss auf einer Länge von 2,48 m um 
4,21 m zurück. Dieser Rücksprung stelle nach dem Gesagten keine 
Staffelung dar, die eine Anwendung der Messweise der mittleren Abstands-
linie rechtfertige. Der grosse Grenzabstand müsse deshalb rechtwinklig zur 
Fassade gemessen werden und sei auf der Südostseite des Gebäudes 
nicht eingehalten (angefochtener Entscheid E. 3c).

4.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, mit «Winkelbauten und 
anderen im Grundriss gestaffelten Bauten» im Sinn von Art. 16 Abs. 3 
Satz 3 GBR seien Gebäude gemeint, die im Grundriss nicht viereckig sind. 
Eine weitergehende (einschränkende) Definition von gestaffelten Bauten 
sehe die Bestimmung nicht vor. Es werde einzig auf die grafische Dar-
stellung in Anhang B Ziff. 1.2 GBR verwiesen. Diese definiere die Mindest-
staffelung dahingehend, «dass die Fläche von über die mittlere Abstands-
linie vorspringenden Gebäudeteilen nicht grösser sein darf, als die rück-
springenden freien Bauflächen hinter der Abstandslinie entlang derselben 
Gebäudeseite». Für eine zusätzliche Anwendung von Art. 23 Abs. 4 GBR 
bestehe deshalb kein Raum, zumal diese Norm auch nicht auf Art. 16 
Abs. 3 GBR hinweise. Vielmehr enthalte das GBR klar getrennte Rege-
lungen für im Grundriss und in der Höhe gestaffelte Bauten. Während 
Art. 16 Abs. 3 GBR systematisch dem Abschnitt B3 (Mass der Nutzung) an-
gehöre, sei Art. 23 Abs. 4 GBR im Abschnitt B4 (Baugestaltung; Gebäude-
höhe) angesiedelt. Zudem sei in Art. 23 Abs. 4 GBR bloss von «vor-
gestellten Bauteilen» die Rede, welche mindestens einen Drittel der Fassa-
denlänge ausmachen müssten. Damit könnten nach dem allgemeinen 
Sprachverständnis nicht Rücksprünge gemeint sein. Die Vorinstanz er-
wähne mit keiner Silbe, weshalb die von der Gemeinde vertretene Aus-
legung von Art. 16 Abs. 3 GBR rechtlich nicht haltbar sein soll. Sie habe 
daher nicht nur die Baubewilligung gestützt auf eine unkorrekte Anwendung 
von kommunalen Bauvorschriften verweigert, sondern zusätzlich die Ge-
meindeautonomie verletzt (Beschwerde S. 9 ff. Rz. 2.13 ff.).

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5.

5.1 Die Gemeinden sind im Bereich ihrer Bau- und Zonenordnung im 
Rahmen der gesetzlichen Regelungen und der übergeordneten Planung 
autonom (vgl. Art. 109 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1] 
und Art. 65 Abs. 1 BauG). Diese Autonomie beschränkt sich nicht auf den 
Bereich der Rechtsetzung; insbesondere wo eine Gemeinde zum Erlass 
von Rechtsnormen berechtigt ist, kommt ihr grundsätzlich auch bei deren 
Anwendung ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Es ist deshalb vorab 
Sache der Gemeinde zu bestimmen, wie sie eine eigene Vorschrift ver-
standen haben will. Wird die Anwendung einer von ihr erlassenen Be-
stimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die Rechts-
mittelinstanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Aus-
legung rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine 
gewisse Zurückhaltung gegenüber der Auffassung der Gemeinde, indem 
sie sich der Prüfung enthalten, ob eine andere Bedeutung der umstrittenen 
Bestimmung ebenfalls möglich und rechtlich vertretbar wäre (BVR 2019 
S. 15 E. 3.2, 2016 S. 79 E. 4.6, 2015 S. 263 E. 5.1, 2012 S. 20 E. 3.2). 

5.2 Bei der Vorprüfung des Baugesuchs stellte die EG Roggwil fest, 
dass der grosse Grenzabstand nicht eingehalten sei, weil das geplante 
Mehrfamilienhaus keinen gestaffelten Grundriss aufweise und die Mess-
weise der mittleren Abstandslinie daher keine Anwendung finde (vgl. Aus-
schnitt aus dem eingereichten Erdgeschossplan mit handschriftlichen 
Notizen, unpag. Vorakten Gemeinde; Formular «Materielle Prüfung» vom 
19.10.2017, Vorakten RSA pag. 69, 72). Nachdem der Beschwerdeführer 
neue Pläne eingereicht hatte (als ungültig gestempelte Pläne vom 
12.12.2017, Mäppli «Vorakten Diverses», unpag. Vorakten Gemeinde), ver-
merkte die Gemeinde in ihrem Amtsbericht vom 26. Februar 2018 zu-
handen des RSA unter dem Stichwort «Gebäudehöhe» Folgendes: «Ge-
staffeltes Gebäude nach Art. 23 Abs. 4 Bst. b wird angewendet (rück-
versetzter Bauteil) in NW-Fassade > ⅓ von vorgestellter Fassade». Zum 
Thema «grosser Grenzabstand» führte sie aus: «Das Gebäude erfüllt die 
Anforderungen an ein gestaffeltes Gebäude nach Art. 23 Abs. 4 Bst. b. 
Flächenausgleich so legitim. OK» (Vorakten RSA pag. 308). Im vorinstanz-
lichen Verfahren erklärte die Gemeinde sodann, sie verfolge bei der An-

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wendung von Art. 16 Abs. 3 GBR eine «pragmatische Praxis». Demnach 
beurteile sie nur, ob es sich bei der Baute als Ganze um eine Winkel- oder 
andere im Grundriss gestaffelte Baute nach Art. 23 Abs. 4 GBR handle. 
Seien die Voraussetzungen erfüllt, erachte sie es als legitim, den Flächen-
ausgleich zur Ermittlung der mittleren Abstandslinie anzuwenden, egal auf 
welcher Gebäudeseite. Aus ihrer Sicht habe das Bauvorhaben die An-
forderungen an eine gestaffelte Baute nach der «Projektbereinigung» erfüllt 
(Stellungnahmen vom 8.2.2019 und 26.4.2019, Vorakten BVE pag. 43, 94). 
Im verwaltungsgerichtlichen Verfahren hat sich die Gemeinde nicht weiter 
geäussert (vorne Bst. C).

5.3 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, der Begriff der im Grundriss 
gestaffelten Bauten in Art. 16 Abs. 3 GBR dürfe nicht so verstanden 
werden, wie er in Art. 23 Abs. 4 GBR umschrieben wird, vermag er aus der 
Gemeindeautonomie von vornherein nichts zu seinen Gunsten herzuleiten. 
Die Gemeinde hat selber ausdrücklich erklärt, dass für die Anwendbarkeit 
der mittleren Abstandslinie massgebend sei, ob eine gestaffelte Baute nach 
Art. 23 Abs. 4 GBR vorliege (vgl. E. 5.2 hiervor). Da es der Rechtssicher-
heit im Allgemeinen zuträglich ist, wenn gleichlautende Begriffe innerhalb 
desselben Erlasses nicht ohne Not unterschiedlich ausgelegt werden, er-
scheint diese Praxis ohne weiteres als rechtlich haltbar. Daran ändert 
nichts, dass Art. 16 und 23 GBR verschiedenen Abschnitten des GBR zu-
geordnet sind und Art. 16 GBR nicht ausdrücklich auf Art. 23 GBR verweist. 
Dasselbe gilt, soweit in Art. 23 GBR von «vorgestellten Bauteilen» und 
nicht von «Rücksprüngen» die Rede ist, zumal die Gemeinde diese Be-
stimmung lediglich analog heranzieht. Entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers erfasst der Begriff der «Winkelbauten und anderen im 
Grundriss gestaffelten Bauten», wie ihn die Gemeinde in rechtlich haltbarer 
Weise versteht, folglich nicht sämtliche Gebäude, die im Grundriss nicht 
viereckig sind. Ebenso wenig kann gesagt werden, die erforderliche «Min-
deststaffelung» liege stets dann vor, wenn die Fläche der über die mittlere 
Abstandslinie vorspringenden Gebäudeteile nicht grösser ist als die rück-
springenden freien Bauflächen hinter der Abstandslinie entlang derselben 
Gebäudeseite. Bei der entsprechenden Erläuterung in Anhang B Ziff. 1.2 
GBR (vgl. vorne E. 3.2) handelt es sich um die Anleitung zur Bestimmung 
der mittleren Abstandslinie. Sie ist nur dann von Bedeutung, wenn fest-

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steht, dass der grosse Grenzabstand anhand der mittleren Abstandslinie 
gemessen werden darf.

5.4 Die Gemeinde geht nach dem Gesagten wie die Vorinstanz davon 
aus, dass auf der Südostseite des Gebäudes keine Staffelung im Sinn von 
Art. 16 Abs. 3 i.V.m. Art. 23 Abs. 4 GBR geplant ist. Sie hält aber dafür, 
dass eine solche Staffelung auf der Nordwestseite vorliege, weshalb das 
Gebäude als Ganzes eine im Grundriss gestaffelte Baute darstelle und die 
privilegierende Messweise für den grossen Grenzabstand zur Anwendung 
komme. Was diese «pragmatische Praxis» anbelangt, hat die Vorinstanz 
zu Recht erkannt, dass eine solche Auslegung von Art. 16 Abs. 3 GBR 
rechtlich nicht haltbar ist (angefochtener Entscheid E. 3c). In der Abbildung 
in Anhang B Ziff. 1.2 GBR ist die mittlere Abstandslinie auf der gestaffelten 
Gebäudeseite eingezeichnet und in den «Bemerkungen» dazu wird aus-
geführt, dass «der Grenzabstand und der Gebäudeabstand einer im Grund-
riss gestaffelten Gebäudeseite […] von der Linie des mittleren Abstands 
dieser Gebäudeseite zur Grundstückgrenze aus gemessen» werden (vorne 
E. 3.2). Zu Recht kam die Vorinstanz daher schon gestützt auf diese Er-
läuterungen zum Schluss, dass die Bemessung des grossen Grenz-
abstands anhand der mittleren Abstandslinie nur auf gestaffelten Gebäude-
seiten zulässig ist. Tatsächlich lässt sich die privilegierende Messweise des 
grossen Grenzabstands nur rechtfertigen, wenn auf der entsprechenden 
Gebäudeseite eine gestaffelte Fassade geplant ist. Diese Auffassung hat 
im Übrigen auch das AGR in seiner Stellungnahme vom 1. April 2019 ver-
treten und bei der Vorprüfung des Baugesuchs sogar die Gemeinde selber 
(vgl. vorne E. 5.2), worauf schon die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat 
(angefochtener Entscheid E. 3c). Die Vorinstanz hat die Gemeinde-
autonomie folglich nicht verletzt, indem sie die von der Gemeinde (später) 
vertretene Auslegung als rechtlich unhaltbar erachtete. Bei diesem Ergeb-
nis kann offenbleiben, ob sich der Beschwerdeführer als Privater überhaupt 
auf die Gemeindeautonomie berufen kann (ebenso etwa schon BVR 2014 
S. 327 [VGE 2010/423/427 vom 18.9.2013] nicht publ. E. 3.3 mit Hin-
weisen; bejahend BGer 1C_396/2018 vom 12.4.2019 E. 2 mit Hinweis für 
den Fall, dass die Gemeinde das Bauvorhaben unterstützt).

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6.

Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet und ist 
abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerde-
führer die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Zudem hat 
er der Beschwerdegegnerschaft die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 
Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 3'500.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.

3. Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerschaft für das Ver-
fahren vor dem Verwaltungsgericht die Parteikosten, bestimmt auf 
Fr. 3'345.15 (inkl. Auslagen und MWSt), zu ersetzen.

4. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführer
- Beschwerdegegnerschaft
- Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern 
- Einwohnergemeinde Roggwil

und mitzuteilen:
- Regierungsstatthalteramt Oberaargau
- Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern

Der Abteilungspräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 21.07.2020, Nr. 100.2019.218U, 
Seite 13

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.