# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b8093777-3093-5cf6-95dd-2cb933dcddb7
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230570-O1
**Docket/Reference:** SB230570-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230570-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer   

Geschäfts-Nr.: SB230570-O/U/bs 

Mitwirkend:  der Oberrichter lic. iur. B. Amacker, Präsident, die Oberrichterinnen 

lic. iur. M. Knüsel und Dr. iur. E. Borla sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw W. Dharshing 

Urteil vom 18. Dezember 2024 

in Sachen 

A._____,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

gegen 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung etc.  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung,  

vom 26. September 2023 (DG230024) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

Anklage 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. November 2023 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 46). 

Urteil der Vorinstanz 
(Urk. 62 S. 31 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

−  der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB, 

−  des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von Art. 292 StGB. 

2. 

Der Beschuldigte wird bestraft mit 180 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 500.– sowie mit 

Fr. 3'000.– Busse. 

3. 

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

Die Busse ist zu bezahlen. 

4. 

Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-

heitsstrafe von 6 Tagen. 

5. 

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird abgewiesen. 

6. 

Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses 

verwiesen. 

7. 

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 

Fr. 

Fr. 

6'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

3'000.–   Gebühr für das Vorverfahren; 

21'232.50 

  unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (Akonto-
zahlungen von Fr. 18'088.50 bereits erhalten). 

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.  

8. 

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

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9. 

Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden dem Beschuldig-

ten im Umfang von Fr. 12'188.26 auferlegt.  

Es wird davon Vormerk genommen, dass Fr. 9'044.24 mit Einstellungsverfügung der Staats-

anwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. Februar 2023 dem Beschuldigten bereits anteilsmässig 

auferlegt wurden.  

10. 

(Mitteilungssatz) 

11. 

(Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge 

a)  Des Beschuldigten (Urk. 73; Urk. 115 S. 1 f.): 

1.  Der Beschuldigte A._____ sei vollumfänglich freizusprechen. 

2.  Allfällige Zivilansprüche seien abzuweisen bzw. auf den Weg des Zivil-

prozesses zu verweisen. 

3. 

a) Die Kosten beider gerichtlichen Instanzen sowie diejenigen des Vor-

verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) A._____ sei wie folgt zu entschädigen: 

Vorinstanz und Vorverfahren: 

Es sei ihm gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung 

von Fr. 39'250.15 zuzusprechen. 

Der  wirtschaftliche  Schaden  (Umsatzeinbusse)  sei  vom  Gericht  nach 

pflichtgemässem Ermessen gestützt auf Art. 42 Abs. 2 OR zu schätzen, 

aber mit mindestens Fr. 30'000 zu entschädigen, und ab mittlerem Ver-

fall seit der Eröffnung des Vorverfahrens und der Hauptverhandlung vom 

26.09.2023 mit 5 % zu verzinsen. 

- 4 - 

Es sei A._____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung 

von Fr. 2000 zuzusprechen. Diese sei ab mittlerem Verfall seit der Eröff-

nung des Vorverfahrens und der Hauptverhandlung vom 26. September 

2023 mit 5 % zu verzinsen. 

Berufungsverfahren 

Es sei ihm gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung 

von Fr. 36'624.40 zuzusprechen. 

Der  wirtschaftliche  Schaden  (Umsatzeinbusse)  sei  vom  Obergericht 

nach  pflichtgemässem  Ermessen  gestützt  auf  Art. 42  Abs. 2  OR  zu 

schätzen, aber mit mindestens Fr. 12'500 zu entschädigen, und ab mitt-

lerem Verfall zwischen dem 26.09.2023 und dem 18.12.2024 mit 5 % zu 

verzinsen.  

Es sei A._____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung 

von  Fr.  1'000  zuzusprechen.  Diese  sei  ab der  heutigen  Berufungsver-

handlung mit 5 % zu verzinsen. 

b)  Der Privatklägerin (Urk. 97): 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 
 
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Erwägungen: 

I.  Verfahrensgang 

1. 

Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-

dung von unnötigen Wiederholungen vorab auf die Erwägungen der Vorinstanz im 

angefochtenen  Entscheid  verwiesen  werden  (Urk. 71  S. 4 f.).  Hervorzuheben  ist, 

dass  das  Strafverfahren  gegen  den  Beschuldigten  durch  eine  Strafanzeige  des 

Rechtsanwalts lic. iur. B._____ namens und im Auftrag von †C._____ gegen den 

im  Nachlass  von  †D._____  eingesetzten  Willensvollstrecker,  den  Beschuldigten, 

datiert  vom  12. Februar  2020,  eingeleitet  wurde  (Urk. 1).  Die  Staatsanwaltschaft 

Zürich-Sihl (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erhob am 27. Februar 2023 Anklage 

gegen den Beschuldigten (Urk. 34). 

2. 

Mit dem oben wiedergegebenen Urteil vom 26. September 2023 wurde der 

Beschuldigte  durch  das  Bezirksgericht  Zürich,  6. Abteilung,  der  ungetreuen  Ge-

schäftsbesorgung sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig 

gesprochen. Er wurde mit 180 Tagessätzen zu Fr. 500.– sowie mit einer Busse von 

Fr. 3'000.– bestraft (Urk. 71 S. 46). Das Urteilsdispositiv wurde den Parteien noch 

gleichentags  mündlich  eröffnet  und  übergeben  (Prot. I  S. 41).  Der  Beschuldigte 

meldete sodann fristgerecht Berufung an (Urk. 63) und erstattete nach Erhalt der 

begründeten Urteilsausfertigung innert Frist am 27. November 2023 die Berufungs-

erklärung  (Urk. 73).  Die  Staatsanwaltschaft  liess  sich  innert  Frist  nicht  zur  Frage 

der  Anschlussberufung  vernehmen  und  die  Privatklägerin  verzichtete  auf  An-

schlussberufung (Urk. 76). 

3. 

In  der  Berufungserklärung  stellte  der  Beschuldigte  diverse  Beweisanträge 

und einen Verfahrensantrag (Urk. 73). Mit Präsidialverfügung vom 29. November 

2023 wurde der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin Frist angesetzt, um zu 

den  Beweisanträgen  und  zum  Verfahrensantrag  des  Beschuldigten  Stellung  zu 

nehmen (Urk. 74). Nachdem innert Frist von der Staatsanwaltschaft keine Stellung-

nahme  einging,  wurde  dieser  mit  Präsidialverfügung  vom  3. Januar  2024  obliga-

torisch Frist angesetzt, um zu den Beweisanträgen und zum Verfahrensantrag des 

Beschuldigten  Stellung  zu  nehmen  (Urk. 77).  Am  18. Dezember  2023  liess  die 

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Privatklägerin  mitteilen,  dass  sie  bezüglich  der  Beweisanträge  auf  die  Präsidial-

verfügung vom 2. Mai 2023 sowie das vorinstanzliche Urteil verweise (Urk. 76). Die 

Stellungnahme der Staatsanwaltschaft datiert vom 15. Januar 2024 (Urk. 79). Die 

Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Anträge des Beschuldigten. Zur 

Begründung führte sie aus, der Beschuldigte habe gleichlautende Beweisanträge 

im Vorverfahren und im Hauptverfahren gestellt. Diese seien bereits von ihr sowie 

von der Vorinstanz abgewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft verwies auf ihren 

Beweisergänzungsentscheid  vom  24. Februar  2023  (Urk. 32/12),  die  vorinstanz-

liche  Präsidialverfügung  vom  2. Mai  2023  sowie  die  Ausführungen  im  vorin-

stanzlichen  Urteil.  Mit  Präsidialverfügung  vom  8. März  2024  wurden  die  Be-

weisanträge  und  der  Verfahrensantrag  abgewiesen  (Urk. 80).  Mit  Eingabe  vom 

4. Mai  2024  liess  der  Beschuldigte  sodann  einen  Antrag  auf  Rückweisung  des 

Strafprozesses sowie einen Antrag auf Abnahme der Vorladung für die Berufungs-

verhandlung  vom  12. Juni  2024  stellen  (Urk. 92).  Der  Antrag  auf  Abnahme  der 

Vorladung  wurde  mit  Präsidialverfügung  vom  24. Mai  2024  abgewiesen.  In  der 

Folge  stellte  der  Beschuldigte  ein  Ausstandsbegehren  gegen  den  Vorsitzenden, 

Oberrichter  lic. iur.  B. Amacker  (Urk. 95+98),  welches  er  wieder  zurückzog 

(Urk. 105).  Die  Berufungsverhandlung  vom  12. Juni  2024  fand  infolge  einer  Er-

krankung des Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._____ nicht statt (Urk. 99-101). 

Mit Eingabe vom 5. Juli 2024 stellte die Verteidigung den Antrag, auf eine (erneute) 

Ladung  zur  Berufungsverhandlung  sei  zu  verzichten,  solange  nicht  über  den 

Rückweisungsantrag entschieden worden sei (Urk. 102). Mit Schreiben vom 8. Juli 

2024  teile  die  Verfahrensleitung  der  Verteidigung  mit,  dass  der  Rückweisungs-

antrag anlässlich der Berufungsverhandlung behandelt werde (Urk. 103).  

4. 

Am 18. Dezember 2024 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seines  erbetenen  Verteidigers  Rechtsanwalt  lic. iur. 

X._____ erschien (Prot. II S. 8).  

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II.  Prozessuales 

1. 

Anwendbares Recht 

1.1.  Per 1. Januar 2024 ist die revidierte StPO in Kraft getreten. Gemäss Art. 448 

Abs. 1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, 

nach  neuem  Recht  fortgeführt,  soweit  die  nachfolgenden  Bestimmungen  nichts 

anderes  vorsehen.  Verfahrenshandlungen,  die  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes 

angeordnet oder durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 

StPO).  Ist  ein  Entscheid  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes  gefällt  worden,  so 

werden Rechtsmittel dagegen nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen 

Behörden, beurteilt (Art. 453 Abs. 1 StPO). Das Verfahren richtet sich folglich nach 

bisherigem Recht. 

1.2.  Mit Bezug auf die ungetreue Geschäftsbesorgung ist zu beachten, dass die 

Staatsanwaltschaft  dem  Beschuldigten  delinquentes  Verhalten  in  der  Zeit  vom 

16. Dezember 2015 bis 11. Juli 2019 vorwirft (Urk. 134 S. 2 ff.). Auch das StGB hat 

zwischenzeitlich relevante Teilrevisionen erfahren. So trat per 1. Januar 2018 das 

neue  Sanktionenrecht  in  Kraft.  Weiter  wurde  per  1.  Juli  2023  das  Bundesgesetz 

vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen in Kraft gesetzt. 

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 StGB wurde 

angepasst.  Die  revidierten  Bestimmungen  des  Strafgesetzbuches  kommen  auch 

auf Straftaten zur Anwendung, die vor ihrem Inkrafttreten begangen wurden, aber 

erst nachher beurteilt werden, sofern das neue Recht das mildere ist, was gegebe-

nenfalls zu beachten sein wird (Art. 2 Abs. 2 StGB). 

2. 

Umfang der Berufung 

2.1.  Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung  auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend  gehemmt.  Das  Berufungsgericht  überprüft  somit  das  erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das 

Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein 

insgesamt  neues  Urteil  (Art. 408  StPO),  worin  es  jedoch  anzugeben  hat,  welche 

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Punkte  bereits  früher  in  Rechtskraft  erwachsen  sind  (BGE  141  IV  244  E. 1.3.3; 

BGer 6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hinweisen). 

2.2.  Der  Beschuldigte  beantragt  einen  vollumfänglichen  Freispruch  unter 

entsprechender Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 73). Nicht 

angefochten  ist  die  Abweisung  des  Genugtuungsbegehrens  der  Privatklägerin. 

Dispositiv-Ziff. 5  des  vorinstanzlichen  Urteils  ist  demnach  in  Rechtskraft  er-

wachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.  

3. 

Vorbemerkungen und Anklagegrundsatz 

3.1.  Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift insbesondere 

möglichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit 

Beschreibung von Ort, Datum, Zeit sowie Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) 

und  die  nach  Auffassung  der  Staatsanwaltschaft  erfüllten  Straftatbestände  unter 

Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g). Die Anklage hat die der 

beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu 

umschreiben,  dass  die  Vorwürfe  in  objektiver  und  subjektiver  Hinsicht  genügend 

konkretisiert sind (BGE 147 IV 439 E. 7.2; 141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). 

Entscheidend  ist,  dass  die  betroffene  Person  genau  weiss,  welcher  konkreter 

Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit 

sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, 

erst  an  der  Gerichtsverhandlung  mit  neuen  Anschuldigungen  konfrontiert  zu 

werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen).  

3.2.  Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich der Beschuldigte mit dem in 

der Anklageschrift umschriebenen Verhalten der ungetreuen Geschäftsbesorgung 

im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB, eventualiter im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 

Abs. 1 StGB, sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen im Sinne von 

Art. 292 StGB schuldig gemacht (Urk. 34 S. 9). Die Vorinstanz sprach den Beschul-

digten  bezüglich  ungetreuer  Geschäftsführung  im  Sinne  des  Eventualantrags 

schuldig, welche rechtliche Würdigung von der Staatsanwaltschaft, die weder Be-

rufung noch Anschlussberufung erhoben hat, nicht angefochten wurde. Aufgrund 

des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist auf die Qualifikation bei 

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Bereicherungsabsicht  im  Sinne  von  Art.  158  Ziff.  1  Abs.  3  StGB  daher  im  Be-

rufungsverfahren nicht mehr einzugehen. 

3.3.1.  In Bezug auf den Grundtatbestand von Art. 158 StGB ist das Folgende zu 

beachten:  Der  Tatbestand  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  ist  relativ  unbe-

stimmt, da die Pflichtverletzung im Gesetz, d.h. in Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nicht 

näher definiert wird. Sie besteht in der Verletzung jener spezifischen Pflichten, die 

den Täter in seiner Stellung als Geschäftsführer generell, aber auch bezüglich spe-

zieller Geschäfte zum Schutz des Auftraggebers bzw. des Geschäftsherrn treffen 

(BGE  120  IV  190  E.  2b;  BGE  118  IV  244  E.  2b).  Die  entsprechenden  Pflichten 

ergeben  sich  aus  dem  jeweiligen  Grundverhältnis  (vgl.  hierzu  auch  Urteile 

6B_203/2022, 6B_298/2022 vom 10. Mai 2023, E. 8.5.5), vorliegend im Wesentli-

chen aus dem konkreten Auftrag des Erblasser entsprechend der Verfügung von 

Todes wegen und den Rechten und Pflichten gemäss Art. 517 ff. ZGB, wobei auch 

Auftragsrecht  hilfsweise  berücksichtigt  werden  kann  (vgl.  PraxKomm  Erbrecht-

CHRIST/EICHNER, Art. 518 ZGB, N 29; vgl. dazu im Weiteren Erw. III.).  

3.3.2.  Gemäss Anklageschrift vom 27. Februar 2023 hatte der Erblasser †D._____ 

(geboren am tt. Juli 1936, gestorben am tt.mm.2015; nachfolgend: Erblasser) den 

Beschuldigten  am  22.  März  2014  testamentarisch  zu  seinem  Willensvollstrecker 

ernannt. Die Annahme des Amtes als Willensvollstrecker durch den Beschuldigten 

sei vom zuständigen Gericht am 16. Dezember 2015 vorgemerkt worden (Urk. 34 

S.  3).  Dieses  Datum  entspricht  dem  Beginn  der  Deliktszeitraums  gemäss 

Anklageschrift  (Urk.  34  S.  2).  Allerdings  werden  konkrete  Handlungen  erst  ab  5. 

Januar 2016 spezifiziert (Urk. 34 S. 3 ff.).  

3.3.3.  Ob,  wann  und  wie  die  Willensvollstreckung  hier  beendet  wurde,  entnimmt 

man der Anklageschrift nicht. Dies wäre aber für die Beurteilung allfälliger Pflicht-

verletzungen des Beschuldigten als Willensvollstreckers aufgrund der – gegenüber 

dem bloss Beauftragten – speziell gesetzlich geregelten Stellung inklusive seines 

Anspruchs auf angemessene Entschädigung (Art. 517 f. i.V.m. Art. 595 ZGB) von 

Bedeutung, zumal auch die Vergütung des Willensvollstreckers erst mit der Been-

digung der Tätigkeit fällig wird (vgl. hierzu Erw. III.3.2.3.2.). Aufgrund des angege-

benen Enddatum des Deliktsraums (11.07.2019; Urk. 34 S. 2), lässt sich anhand 

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der  Anklage  nur  annehmen,  dass  die  vorgeworfenen  Handlungen  während  der 

Amtsführung erfolgten. Ebenso kann gestützt auf die Anklageschrift bloss vermutet 

werden, dass der Nachlass in diesem Zeitpunkt (11.07.2019) noch nicht vollständig 

geteilt war. Die Anklage liefert dazu nur vage Hinweise, indem sie z.B. wie folgt auf 

eine Erbteilung Bezug nimmt: "[…] zumal er bei korrekt erfolgter Erbteilung nicht in 

den  Genuss  der  sich  selber  überwiesenen  Fr. 197'575.81  gekommen  wäre,  was 

dem Beschuldigten bekannt war.." (Urk. 34 S. 7). Die Staatsanwaltschaft erwähnte 

erst in ihrem Plädoyer vor Vorinstanz am 26. September 2023, dass auch "nach 

über  fünf  Jahren  nach  dem  Ableben  von  †D._____  (verstorben  am  tt.mm.2015) 

noch keine Teilung des überschaulichen Nachlasses erfolgt war und ein ordentli-

cher Rechenschaftsbericht bis heute fehlt" (Urk. 60 S. 3). Dass die Erbteilung voll-

ständig durchgeführt wurde, was das Willensvollstreckermandat spätestens been-

det hätte, entnimmt man der Anklageschrift mit anderen Worten nicht. Dieser Um-

stand verletzt das Anklageprinzip noch nicht, hat aber Auswirkungen auf die mate-

rielle Beurteilung (vgl. hierzu Erw. III.). 

3.3.4.  Ebenfalls keine Angaben finden sich zum Wert des Gesamtnachlasses, wie 

von der Verteidigung vor Vorinstanz zu Recht gerügt wurde (Urk. 61 S. 29). Damit 

fehlt es an einer Referenz zum beanstandeten Aufwand des Willensvollstreckers. 

Dies erweist sich insofern als problematisch, als dem Beschuldigten im Zusammen-

hang  mit  Akontozahlungen  für  das  Willensvollstreckermandat  eine  "massiv über-

setzte und durch den getätigten Aufwand folglich nicht gerechtfertigte Summe", die 

er in Rechnung gestellt habe (Urk. 34 S. 5), oder "massive Auszahlungen an sich 

selbst"  (Urk.  34  S.  6)  bzw.  "massiv  übersetzte  Honorarzahlungen  in  Rechnung" 

gestellt habe (Urk. 34 S. 8), vorgeworfen werden. Auch wenn diese Attribute mit 

konkreten Honorarrechnungen bzw. Auszahlungen und damit mit Zahlen verknüpft 

werden, fehlt ihnen wegen fehlender Angaben zum Nachlasswert jegliche Aussa-

gekraft, zumal in der Anklageschrift weder ein Stundenaufwand noch ein Stunden-

ansatz  genannt  wird.  Es  genügt  nicht,  dass  die  Staatsanwaltschaft  sich  erst  im 

Rahmen  des  Plädoyers  vor  Vorinstanz  zum  Wert  des  Nachlasses  äussert  (vgl. 

Urk. 58  S.  3).  Das  Anklageprinzip  ist  diesbezüglich  noch  gewahrt,  die  fehlenden 

Angaben  wirken  sich  aber  auch  auf  die  Beurteilung  des  Schuldpunkts  aus  (vgl. 

hierzu Erw. III.).  

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3.3.5.  Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  vor,  dieser  sei  sich  im 

Zeitpunkt,  als  er  die  unter  Missachtung  der  feststehenden  Erbquote  getätigten 

Überweisungen  ausgeführt  habe,  stets  bewusst  gewesen,  dass  keine  weiteren 

Vermögenswerte des Erblassers mehr vorhanden gewesen seien, mit denen er die 

Ungleichbehandlung der beiden Erbinnen hätte ausgleichen können. Im Wesent-

lichen  hätten  weitere  Vermögenswerte  nur  noch  aus  einem  Bild  «E._____» 

bestanden,  dessen  Wert  jedoch  absolut  unklar  sei,  jedoch  schätzungsweise 

lediglich rund Fr. 50'000.00 bis Fr. 80'000.00 betrage und welcher Vermögenswert 

nicht einmal ausreichen würde, um die offenstehenden Forderungen aus seinem 

Mandat als Willensvollstrecker zu begleichen, auf deren Bezahlung der Beschul-

digte bestanden habe (Urk. 34 S. 8).  

Die  Formulierung  der  Staatsanwaltschaft  erweist  sich  insofern  als  verun-

glückt, als sie mit der Anklage gleich selber Zweifel an den noch vorhandenen Ver-

mögenswerten zum Ausdruck bringt, was mit Blick auf den behaupteten Schaden 

nach dem Grundsatz in dubio pro reo schon nach einem Freispruch rufen könnte. 

Die Staatsanwaltschaft hätte im Rahmen der Untersuchung die Möglichkeit und die 

Pflicht gehabt (Art. 6 StPO), diesen aus ihrer Sicht relevanten Wert durch ein Gut-

achten oder eine formelle Schätzung des Verkaufswerts bestimmen zu lassen und 

nicht  eine  Ungefährzahl  zu  nennen,  die  dem  blossen  Auktionsinitialwert  gemäss 

unverbindlicher Auskunft entsprach (vgl. Urk. 2/39). Ebenso ist die Verknüpfung mit 

dem Honoraranspruch des Beschuldigten hier nicht nachvollziehbar, geht es doch 

nicht  um  die  Forderung  des  Beschuldigten,  sondern  die  angeblich  missachteten 

Erbquoten und damit einhergehenden Pflichtverletzungen im Rahmen der Willens-

vollstreckung. Diese Punkte, auf die nachfolgend einzugehen ist, beschlagen aber 

eher die Beweislage als den Anklagegrundsatz, (vgl. Erw. III.). 

Zum Thema des Schadens, unter welchem Titel der Beschuldigte eine Ver-

letzung des Anklageprinzips rügt (vgl. Urk. 92 S. 17), ist ebenfalls im Rahmen des 

Schuldpunkts einzugehen (Erw. III.). 

3.4.1.  Dem Beschuldigten wird unter dem Titel "Ungehorsam gegen amtliche Ver-

fügungen"  vorgeworfen,  er  sei  mit  Verfügung  [recte:  Urteil]  des  Bezirksgerichts 

 
 
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Zürich vom 28. August 2020 aufgefordert worden, innert zwei Monaten ab Rechts-

kraft des Urteils die durch ihn unrechtmässig bezogenen Fr. 197'576.60 zurück auf 

das Nachlasskonto zu überweisen. Dies habe er erst am 13. November 2020 und 

damit zu spät getan (Urk. 34 S. 9).  

3.4.2.  Ob der Beschuldigte  die Rückzahlungen, die unbestrittenermassen erfolg-

ten, innert zweier Monate seit Rechtskraft des anweisenden Urteils oder zu spät 

getätigt hat, lässt sich aus der Anklageschrift selber nicht lesen, da diese nicht an-

gibt, wann die Rechtskraft des fristauslösenden Urteils überhaupt eingetreten ist. 

In dieser Hinsicht erscheint zweifelhaft, ob das Anklageprinzip gewahrt blieb, ohne 

dass der Zeitpunkt, an dem die relevante Handlung (spätestens) gemäss Anklage 

vorzunehmen  gewesen  wäre,  genannt  wurde.  Mit  Blick  auf  die  nachfolgenden 

Erwägungen zum Schuldpunkt kann diese Frage indes offengelassen werden. 

4.  Beweisanträge und Rückweisungsantrag 

Der Beschuldigte liess bereits am 4. Mai 2024 eine Rückweisung des Prozesses 

an  die  Vorinstanz  beantragen  (Urk.  92),  welchen  Antrag  er  anlässlich  der  Beru-

fungsverhandlung  wiederholte,  unter  Erneuerung  diverser  Beweisanträge 

(Urk. 114). Aufgrund  nachfolgender  Erwägungen  zum  Schuldpunkt  (Erw.  III.)  be-

steht weder Anlass für weitere Beweiserhebungen noch für eine Rückweisung.  

5.  Allgemeine Hinweise 

5.1.  Unter dem Gesichtspunkt des Gehörsrechts ist darauf hinzuweisen, dass die 

Entscheidbegründung kurz die wesentlichen Überlegungen nennen muss, von de-

nen sich das Gericht leiten liess und auf die es seinen Entscheid stützt. Es muss 

sich  nicht  mit  jedem  Parteivorbringen  einlässlich  auseinandersetzen  (BGE 146 

IV 297 mit Hinweisen). Im Übrigen kann sich die Berufungsinstanz auf die für ihren 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253; 

141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; je mit Hinweisen).  

5.2.  Wo im Folgenden auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt 

dies  in  Anwendung  von  Art.  82 Abs.  4  StPO. Wird  davon  abgewichen,  wird  dies 

explizit erwähnt. 

- 13 - 

III.  Schuldpunkt 

1. 

Anklagevorwurf 

1.1.   Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe die vom 

Erblasser festgelegten Erbquoten von je 50 % für die beiden Erbinnen F._____ und 

†C._____ missachtet, unzulässige Verrechnungen – teilweise noch von bereits ver-

jährten Forderungen – vorgenommen und sich für seine Bemühungen als Willens-

vollstrecker  ein  zu  hohes  Honorar  ausgerichtet.  Dadurch  habe  er  die  Erbin 

†C._____ bzw. deren Rechtsnachfolger im Umfang von Fr. 148'787.90 am Vermö-

gen geschädigt (Urk. 34 S. 3 ff.). Dies soll er durch die in der Anklageschrift ange-

führten Überweisungen und Kontobelastungen getan haben. Der Beschuldigte sei 

sich stets bewusst gewesen, dass keine weiteren Vermögenswerte des Erblassers 

mehr vorhanden gewesen seien, mit denen er die Ungleichbehandlung der Erbin-

nen hätte ausgleichen können, zumal der Wert des Bildes "E._____" absolut unklar 

gewesen sei, jedoch schätzungsweise lediglich Fr. 50'000.00 bis Fr. 80'000.00 be-

tragen habe (Urk. 34 S. 8).  

1.2.  Für  Einzelheiten  des  eingeklagten  Sachverhalts  ist  auf  die  Anklageschrift 

vom 27. Februar 2023 zu verweisen (Urk. 34). Zu ergänzen bleibt, dass gemäss 

den  Erwägungen  zum  Prozessualen  das  Thema  der  Bereicherungsabsicht  nicht 

mehr Verfahrensgegenstand bildet (vgl. Erw. II.3.2.; Art. 391 Abs. 2 StPO).  

2. 

Standpunkt des Beschuldigten 

2.1.  Der Beschuldigte bestreitet die in der Anklageschrift erwähnten Überweis-

ungen nicht. Ebenfalls bestreitet er nicht, dass die beiden Erbinnen je zu 50 % erb-

berechtigt  sind  und  er  die  Überweisungen  in  seinem  Amt  als  Willensvollstrecker 

vorgenommen  hat.  Er  stellt  sich  jedoch  auf  den  Standpunkt,  dass  er  †C._____ 

durch  seine  Handlungen  nicht  benachteiligt  habe  bzw.  dass  weitere  Ver-

mögenswerte des Erblassers bzw. aus dem Vornachlass von †G._____ vorhanden 

gewesen  seien,  mit  denen  er  die  Ungleichbehandlung  von  †C._____  und  der 

Privatklägerin  hätte  ausgleichen  können.  Insbesondere  bringt  er  vor,  dass  das 

Gemälde  "E._____"  einen  Erlös  im  siebenstelligen  Bereich  hätte  einbringen 

können,  dass  lebzeitige  Zuwendungen  an  †C._____  sowie  Liegenschaften 

- 14 - 

(Einfamilienhaus H._____, I._____ und Studio in J._____) aus dem Vornachlass 

†G._____  im  vorinstanzlichen  Urteil  nicht  berücksichtigt  worden  seien  und  dass 

auch  der  güterrechtliche  Anspruch  der  Privatklägerin  gegenüber  dem  Nachlass 

dazu  führen  würde,  dass  keine  Ungleichbehandlung  vorliegen  würde,  weil  mit 

diesen  Vermögenswerten  stets  die  Ungleichbehandlung  hätte  ausgeglichen 

werden  können.  Anlässlich  der  Berufungsverhandlung  bekräftigte  er  seinen 

Standpunkt (Urk. 113 S. 3 ff.). 

2.2.  Der Beschuldigte bestreitet weiter nicht, dass er bis zum 15. Mai 2019 für 

seine Bemühungen als Willensvollstrecker Fr. 179'774.– in Rechnung gestellt und 

sich davon bereits einen Teilbetrag vom Konto des Erblassers überwiesen habe. 

Allerdings  ist  er  der  Ansicht,  dass  das  geltend  gemachte  Honorar  im  genannten 

Betrag dem Aufwand entsprochen habe bzw. die Höhe des Honorars der Komple-

xität  des  Nachlasses  geschuldet  gewesen  sei.  Auch  unbestritten  ist,  dass  er  die 

Privatklägerin am 11. Juli 2019 eine Schuldanerkennung für Honorarforderungen 

in Höhe von Fr. 197'576.60 unterzeichnen liess (Urk. 59; Urk. 61; Urk. 115). 

3.  Würdigung Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung 

3.1.  Ausgangslage 

3.1.1.  Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt in objektiver Hinsicht insofern als 

erstellt, als der Beschuldigte durch die ungleich hohen Zahlungen zu Gunsten der 

beiden Erbinnen die vom Erblasser vorgesehenen Erbquoten verletzt und dadurch 

dessen Willen, den er im Rahmen seines Willensvollstreckermandats durchzuset-

zen habe, missachtet habe. Dadurch sei †C._____ (zumindest vorübergehend) im 

Umfang von Fr. 98'197.53 (Fr. 143'197.53 - Fr. 45'000.–) an ihrem Vermögen ge-

schädigt worden, zumal im Zeitpunkt der Überweisungen weder liquides Erbsub-

strat noch ausreichend gesicherte Ansprüche vorhanden gewesen seien, um ihren 

Erbanspruch auszugleichen. In subjektiver Hinsicht ging die Vorinstanz davon aus, 

dass der Beschuldigte diesen Vermögensschaden bei †C._____ zumindest in Kauf 

genommen habe (Urk. 71 S. 26 f.). Der Anklagesachverhalt betreffend die eigen-

mächtige Begleichung von Honorarschulden der Privatklägerin gegenüber dem Be-

schuldigten  und  Rechtsanwalt  N._____  liess  sich  gemäss  Vorinstanz  hingegen 

- 15 - 

nicht erstellen (Urk. 71 S. 31), ebenso wenig in Bezug auf das Stellen von massiv 

übersetzten  Honorarrechnungen  des  Beschuldigten  als  Willensvollstrecker  zum 

Nachteil der Erbinnen (Urk. 71 S. 34).  

3.1.2.  Die  Vorinstanz  gelangte  in  rechtlicher  Hinsicht  zum  Schluss,  der  Beschul-

digte habe sich der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 

StGB schuldig gemacht, indem er durch ungleich hohe Zahlungen zu Gunsten der 

beiden Erbinnen die vom Erblasser vorgesehenen Erbquoten verletzt und dadurch 

dessen  Willen,  den  er  im  Rahmen  seines  Willensvollstreckermandats  durchzu-

setzen habe, missachtet habe (Urk. 71 S. 34).  

3.2.  Beurteilung 

3.2.1.  Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der ungetreuen Geschäfts-

besorgung  gemäss  Art.  158  StGB  im  Allgemeinen  dargelegt  und  auf  die  Rechte 

und Pflichten des Willensvollstreckers kurz Bezug genommen. Dabei hat sie auch 

auf  den  Grundsatz  der  Gleichbehandlung  der  Erben  und  auf  das  Recht  des 

Willensvollstreckers auf Akontozahlungen hingewiesen (Urk. 71 S. 10 ff.). Darauf 

kann verwiesen werden.  

Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz hingegen in der Anwendung auf den 

konkreten Fall. Die Würdigung der Vorinstanz trägt dem Wesen der Willensvollstre-

ckung  auf  der  Basis  der  konkreten  Eckwerte  der  Anklageschrift  zu  wenig  Rech-

nung, wie es die Staatsanwaltschaft als Ganzes tat.  

3.2.2.  Unbestritten  ist,  dass der  Beschuldigte  vom  Erblasser  testamentarisch  als 

Willensvollstrecker eingesetzt wurde und er dieses Amt angenommen hatte (vgl. 

auch Urk. 2/2). Wie lange dieses dauerte, ergibt sich aus der Anklage nicht (vgl. 

hierzu  Erw.  II.3.).  Zugunsten  des  Beschuldigten  ist  davon  auszugehen,  dass  die 

vorgeworfenen  Handlungen  in  die  Mandatszeit  fallen,  weshalb  die  Rechte  und 

Pflichten  des  Willensvollstreckers  nochmals  näher  zu  beleuchten  sind,  da  sich 

diese von einem ansonsten mit der Vermögensverwaltung Beauftragten in wesent-

lichen Punkten unterscheiden. Die hier relevanten Aspekte sind nochmals aufzu-

zeigen. 

 
- 16 - 

3.2.3.1. Die Willensvollstreckung muss als privatrechtliches Institut sui generis be-

trachtet werden, das nicht als Ganzes eingeordnet werden kann, sondern aus sich 

selbst heraus ausgelegt werden muss. Der Willensvollstrecker ist weder (weisungs-

gebundener) Vertreter noch Treuhänder des Erblassers oder der Erben, sondern 

er hat eine objektive Aufgabe, die durch den rechtgültigen Willen des Erblassers 

sowie  die  Rechtsordnung  insgesamt  bestimmt  ist  (vgl.  Urteil  2C_933/2018  vom 

25. März 2019 E. 5.5.1). Gemäss Art. 518 Abs. 2 ZGB hat der Willensvollstrecker 

den Willen des Erblassers zu vertreten. Er gilt als beauftragt, die Erbschaft zu ver-

walten, die Schulden des Erblassers zu bezahlen, die Vermächtnisse auszurichten 

und die Teilung nach den vom Erblasser getroffenen Anordnungen oder nach den 

Vorschriften des Gesetzes vorzubereiten. Er ist gegenüber den Erben zur Auskunft 

und Rechenschaft verpflichtet. Der Willensvollstrecker hat bei all seinen Aufgaben 

einen  grossen  Handlungsspielraum  und  ist  nicht  verpflichtet,  Anweisungen  der 

Erben Folge zu leisten. Allerdings ist er dazu verpflichtet, im Interesse aller Erben 

zu handeln und auf deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen (vgl. hierzu BSK ZGB 

II-LEU, Art. 518 N 16 ff.).  

3.2.3.2. Der Willensvollstrecker hat gemäss Art. 517 Abs. 3 ZGB Anspruch auf eine 

angemessene Vergütung für seine Tätigkeit. Die Höhe des Honorars ist dabei unter 

Berücksichtigung  der  konkreten  Umstände  des  Einzelfalls,  namentlich  der  Kom-

plexität, dem Umfang und der Dauer des Auftrages sowie der damit verbundenen 

Verantwortung,  festzulegen  (BSK  ZGB  II-KARRER/VOGT/LEU,  Art.  517  N  31).  Die 

Vergütung  des  Willensvollstreckers  wird  erst  mit  Beendigung  der  Tätigkeit  fällig. 

Anerkannt ist jedoch, dass der Willensvollstrecker bei länger dauernder Tätigkeit 

das  Recht  hat,  selbständig  zu  Lasten  des  Nachlasses  Akontozahlungen  zu 

beziehen (BSK ZGB ll-KARRER/VOGT/LEU, Art. 517 N 28 ff.; Urteil 5A_672/2013 vom 

24.  Februar  2014  E.  6.1).  Der  Willensvollstrecker  muss  auch  seine  Vorschüsse 

nicht von den Erbinnen und Erben bewilligen lassen (Urteil des Obergerichts des 

Kantons Zürich PF230010 vom 31. Mai 2023 E. 7.2.). Der Willensvollstrecker ist 

gegenüber  den  Erben  aber  auch  diesbezüglich  zur  Auskunft  und  Rechenschaft 

verpflichtet (Art. 518 i.V.m. Art. 607 Abs. 3 und 610 Abs. 2 ZGB). 

- 17 - 

3.2.3.3.  Den  Willensvollstrecker  trifft  für  seine  Tätigkeit  eine  persönliche  Verant-

wortlichkeit disziplinarischer, zivilrechtlicher, strafrechtlicher und beruflicher Natur. 

Den Erben stehen bei Unregelmässigkeiten damit verschiedene Rechtsbehelfe zur 

Verfügung: Bei Pflichtverletzungen des Willensvollstreckers können die Erben die 

Aufsichtsbehörde anrufen (Art. 595 Abs. 3 ZGB). Fehlverhalten kann aber auch zu 

einer zivilrechtlichen Haftung (Art. 398 Abs. 2 OR, analog) oder zu einem Honorar-

rückforderungsanspruch führen. Beim Honorarrückforderungsanspruch soll es sich 

gleichsam  um  einen  eigenständigen  bzw.  gesonderten  Anspruch  handeln,  und 

zwar einen Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung (vgl. Urteil 5A_881/2012 

vom 26. April 2013 E. 4.1; 5A_705/2015 vom 21. Juni 2016 E. 7.2). Die Beurteilung 

materiellrechtlicher Fragen bleibt allerdings dem Zivilgericht vorbehalten.  

3.2.3.4. Der Willensvollstrecker verfügt über einen Ermessensspielraum hinsicht-

lich zweckmässiger Massnahmen zur Ausübung seines Amtes. Der grosse Spiel-

raum des Ermessens ist auf die Verwaltung der Erbschaft beschränkt. Dementspre-

chend legt sich auch das Bundesgericht (in Prozessen betreffend die Aufsicht über 

den Willensvollstrecker im Sinne von Art. 518 Abs. 1 i.V.m. Art. 595 Abs. 3 ZGB) 

bei der Überprüfung der Ermessensbetätigung des Willensvollstreckers Zurückhal-

tung auf, wie es in einem Strafverfahren betreffend qualifizierte Veruntreuung durch 

einen Willensvollstrecker festhielt (Urteil 6B_582/2014 vom 7. Januar 2015 E. 2.1.).  

3.2.4.1. Prüft man nun die Vorwürfe gemäss Anklageschrift vom 27. Februar 2023 

anhand der aufgezeichneten Stellung und der Rechte und Pflichten des Willens-

vollstreckers,  gilt  es  vorweg  festzuhalten,  dass  das  vorgeworfene  Nichteinhalten 

einer testamentarisch angeordneten Erbquote primär eine zivilrechtliche Leistungs-

störung und noch kein strafrechtlich relevantes Verhalten darstellt. Nicht jede Leis-

tungsstörung begründet sodann effektiv einen Vermögensschaden. Die Folgen von 

Leistungsstörungen regelt das Zivilrecht. Eine generelle strafrechtliche Erfassung 

von  (eventualvorsätzlich  in  Kauf  genommenen)  Leistungsstörungen  wäre  nicht 

sachgerecht,  da  solche  oftmals  nicht  mit  Sicherheit  ausgeschlossen  werden 

können und damit eine übermässige Pönalisierung des Wirtschaftsverkehrs einher-

ginge (vgl.  Urteil 6B_582/2014 vom 7. Januar 2015 E. 2.8 mit Hinweis auf  Urteil 

6B_663/2011 vom 2. Februar 2012 E. 2.3.2).  

- 18 - 

3.2.4.2. Ebenso wenig lässt das Ergebnis eines Beschwerdeverfahrens im Sinne 

von  Art.  595  Abs.  3  ZGB  im  Rahmen  der  Behördenaufsicht  direkt  auf  ein  straf-

rechtlich  relevantes  Verhalten  schliessen.  Das  Beschwerdeverfahren  ist  eine 

«quasi-administrative Untersuchung kraft Aufsichts- und Disziplinarrechts» (BSK-

LEU/BRUGGER,  Art.  595  ZGB  N  33).  Die  Überprüfungsbefugnis  der  Aufsichts-

behörde beschränkt sich auf das formelle Vorgehen des Willensvollstreckers, wie 

es dann auch das Einzelgericht des Bezirksgerichts Zürich als Aufsichtsbehörde im 

Urteil  vom  28.  August  2020  tat  (Urk.  13/18  S.  5  ff.).  Demgegenüber  darf  die 

Aufsichtsbehörde  materiellrechtliche  Fragen  nicht  behandeln.  Dafür  ist  das  Zivil-

gericht  zuständig  (Urteil  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich  PF230010  vom 

31. Mai 2023 E. 3 mit Hinweisen). Durch die materielle Rechtskraft des Beschwer-

deentscheides  ist  lediglich  die  Aufsichtsbehörde  gebunden,  nicht  hingegen  der 

ordentliche  Richter,  der  bei  einer  Klage  (z.B.  einer  Verantwortlichkeitsklage  oder 

Rückforderungsklage) möglicherweise den gleichen Sachverhalt zu überprüfen hat 

(BSK ZGB II-LEU/BRUGGER, Art. 595 N 35). Das gilt umso mehr für das Strafgericht 

(vgl. hierzu im Übrigen auch Art. 53 Abs. 2 OR).  

3.2.4.3. In Bezug auf das vorgeworfene, "massiv übersetzte" Honorar ist nochmals 

auf die fehlenden Angaben zum Nachlasswert in der Anklageschrift zu verweisen. 

Einerseits genügt es nicht, erst mit dem Plädoyer entsprechende Informationen zu 

liefern,  in  dem  die  Staatanwaltschaft  folgendes  vortrug  (Urk.  58  S.  3):  "Die  Ge-

schichte, die sich hier präsentiert, ist eigentlich ganz einfach. Es gab einen Todes-

fall und einen Willensvollstrecker. Der Erblasser hinterliess zwei Erbinnen, welche 

je zur Hälfte an seinem Nachlass berechtigt waren. Der Nachlass war überschau-

bar und belief sich auf knapp eine Million Schweizer Franken. Ein Bankkonto, eine 

zum Verkauf stehende Liegenschaft, eine Eigentumswohnung, ein Chalet, ein Bild 

'E._____' sowie weitere unbedeutende Bilder und etwas Hausrat. Wobei einige die-

ser Vermögenswerte unbestrittenermassen aus einem Vornachlass stammten und 

zwischen drei Parteien zu teilen waren" (Urk. 58 S. 3). Andererseits ist daran zu 

erinnern, dass es sich beim Streit über das Honorar um einen reinen Abrechnungs-

prozess  im  Rahmen  umstrittener  Rechtspositionen  handelt,  die  erst  in  einem  or-

dentlichen zivilrechtlichen Verfahren geklärt werden können. Wenn schon das Auf-

sichtsverfahren nicht bezweckt, die Grundlage für einen Honorarstreit oder einen 

- 19 - 

Verantwortlichkeitsprozess  zu  schaffen  (vgl.  Urteil  5D_136/2015  vom  6. [recte: 

18.] April 2016 E 5.2. und 6.2.), so gilt dies a fortiori für das Strafverfahren. Es geht 

nicht an, reine Zivilrechtsstreitigkeiten mit Mitteln des Strafrechts auszutragen. Be-

streiten Erbinnen die Höhe des Honorars, steht ihnen ein Rückerstattungsanspruch 

zur gesamten Hand zu. Daraus ergibt sich, dass eine Honorarbestreitung oder die 

Klärung von materiellrechtlichen Fragen über den Bestand einer umstrittenen For-

derung sowie diesbezügliche Meinungsverschiedenheiten auf dem Zivilweg zu er-

folgen  haben.  Vergütung  und  Spesenersatz  sind  im  Streitfall  durch  den  ordentli-

chen Richter festzulegen (Urteil 6B_582/2014 vom 7. Januar 2015 E. 2.8). In die-

sem Sinne äusserte sich denn auch die Aufsichtsbehörde im Urteil vom 28. August 

2020 betreffend die Beschwerde gegen den Beschuldigten als Willensvollstrecker 

(Urk. 13/18 S. 16 f.).  

Am Rande sei vermerkt, dass das Einzelgericht als Aufsichtsbehörde über die 

Willensvollstreckung zwar Beanstandungen an der Mandatsführung anbrachte und 

diverse Massnahmen im Rahmen ihrer Kompetenzen traf (Urk. 13/18). Im Gegen-

satz zur Staatanwaltschaft erachtete sie den Nachlass aber als komplex. Zur Be-

gründung  wies  das  Einzelgericht  als  Aufsichtsbehörde  darauf  hin,  dass  die 

Abwicklung  abhängig  gewesen  sei  von  der  Teilung  dreier  Liegenschaften  und 

einem wertvollen Gemälde, an welchen zwei verschiedene Erbengemeinschaften 

Ansprüche  erhoben  hätten.  Schliesslich  hätten  sich  auch  die  Vertreter  von 

†C._____  und  Dr.  K._____ 

(Schwester  des  Erblassers  und  Teil  der 

Erbengemeinschaft  aus  deren  elterlichen  Nachlass  [Mutter  †G._____,  gestorben 

am tt.mm.2001]; Urk. 2/5) in der Pendenz der Abwicklung des Studios im L._____ 

vom  Februar  2017  bis  zum  Februar  2019,  mithin  ganze  zwei  Jahre,  Zeit 

genommen.  Die  Dauer  der  Nachlassabwicklung  sei  demnach  nicht  nur  auf  die 

Amtsführung 

des  Beschwerdegegners 

(des 

heutigen  Beschuldigten) 

zurückzuführen, weshalb hieraus keine Pflichtverletzung des Beschwerdegegners 

(des Beschwerdeführers) abgeleitet werden könne (Urk. 13/18 S. 12). 

3.2.4.4. Sollte es dennoch zu einer strafrechtlichen Beurteilung des Handeln eines 

Willensvollstreckers kommen, ist weiter zu beachten, dass diesem gemäss obigen 

Ausführungen  in  der  Mandatsführung  ein  grosser  Ermessenspielraum  zukommt. 

 
- 20 - 

Dies gilt auch für den heutigen Beschuldigten bei den in der Anklage angeführten 

Überweisungen, welche vom Beschuldigten – mit geringfügigen rechnerischen Be-

richtigungen (Urk. 61 S. 1 f.) – im Übrigen auch anerkannt wurden (Prot. I S. 13 ff.; 

Urk. 113 S. 12). Er war grundsätzlich berechtigt, ab dem Nachlasskonto Geld zum 

Mandatszweck zu beziehen, und zwar auch zwecks eigener Vergütung im Rahmen 

von Akontozahlungen. Mit der Verteidigung ist festzuhalten, dass auch Vorschüsse 

an die Erben zulässig sind (Urk. 61 S. 25). Diese haben provisorischen Charakter, 

stellen  Verwaltungshandlungen  des  Willensvollstreckers  und  nicht  Teil-Erbteilun-

gen  dar,  die  der  Zustimmung  aller  Erben  bedürften  (BSK  ZGB  II-LEU,  Art. 518 

N 46).  Diese  können  auf  Anrechnung  an  den  Erbteil  –  faktisch  z.B.  als  zinslose 

Darlehen  –  ausgerichtet  werden.  Ob  und  wie  diese  Vorschüsse  an  die  Erbin 

F._____ in concreto die definitiven Verhältnisse beeinflussten, lässt sich gemäss 

nachfolgenden  Ausführungen  nicht  sagen.  Daran  ändert  auch  nichts,  dass  die 

Aufsichtsbehörde den Beschuldigten angewiesen hatte, Honorarzahlungen auf das 

Nachlasskonto  zurück  zu  überweisen  und  keine  weiteren  Honorarzahlungen  aus 

dem Nachlass zu seinen Gunsten zu überweisen (Urk. 13/18, Dispositiv-Ziff. 1 lit. 

a  und  c).  Dabei  handelt  es  sich  wie  gesagt  um  aufsichtsrechtliche  und  diszi-

plinarische  Massnahmen  während  laufender  Mandatsführung  mit  insofern  vor-

läufigem Charakter, als die definitive Beurteilung dem Zivilgericht vorbehalten ist.  

3.2.4.5. Ob aus den in der Anklage aufgeführten Überweisungen und Verrechnun-

gen effektiv eine Missachtung der vom Erblasser zugewiesenen Erbquoten und ein 

Vermögensschaden resultierte, wie das die Anklage im Umfang von Fr. 148'787.90 

zum Nachteil von †C._____ behauptet (Urk. 34 S. 8), lässt sich bereits anhand der 

Anklageschrift vom 27. Februar 2023 nicht beantworten. Denn diese stellt in Bezug 

auf  das  vorliegende  Willensvollstreckermandat  nicht  mehr  und  nicht  weniger  als 

eine Momentaufnahme dar. Dem Anklagesachverhalt entnimmt man – wie bereits 

erwähnt – nicht, dass der Beschuldigte sein Mandat im Zeitpunkt der letzten einge-

klagten Handlungen bereits beendet hätte. Es ist gegenteils von einem laufenden 

Mandat auszugehen. Die Anklage erwähnt auch keine Schlussabrechnung des Wil-

lensvollstreckers über Einnahmen, Ausgaben und Teilung, die insb. auch die ge-

samten  Honoraransprüche,  Spesen  und  Auslagen  enthalten  würde  (vgl.  hierzu 

BSK ZGB II-LEU, Art. 518 N 16 ff.), oder gar ein Ergebnis der Teilung des gesamten 

- 21 - 

Nachlasses, aus der sich bei definitiver Bevorzugung der Erbin F._____ eine end-

gültige Benachteiligung der Erbin †C._____ ergeben hätte. Insofern lassen sich in 

Bezug auf den angeklagten Deliktszeitraum weder eine strafrechtlich relevante Ver-

letzung von Pflichten des Beschuldigten als Willensvollstrecker noch der Eintritt ei-

nes Vermögensschadens erstellen. Diesen behandelt die massgebliche Anklage-

schrift vom 27. Februar 2023 als endgültig eingetretenen Schaden, nicht aber als 

vorübergehenden oder als blosse Vermögensgefährdung (Urk. 34 S. 8). Die An-

nahme der Vorinstanz, es sei der Privatklägerin †C._____ "zumindest vorüberge-

hend" ein  Schaden im Umfang von Fr. 98'1197.53 findet keine Stütze in der An-

klage und kann daher nicht geteilt werden. Liegt aber kein Vermögensschaden vor, 

kommt Art. 158 StGB nicht zur Anwendung. Insofern erübrigt es sich auch, auf die 

Rüge der Verteidigung betreffend Verletzung des Anklageprinzips noch einzuge-

hen (vgl. Urk. 92 S. 17; Urk. 114 S. 8 ff.).  

3.2.4.6.  Dass  die  Anklage  für  den  angeklagten  Deliktszeitraum  (16.12.2015-

11.07.2019)  nur  einen  vorübergehenden  Zustand  über  den  Stand  des  Nach-

lassvermögens darstellt, zeigt sich auch darin, dass der Beschuldigte als Willens-

vollstrecker  den  beiden  Erbinnen  erst  am  13.  November  2020  einen  Rechen-

schaftsbericht  mit  den  Titeln  "Mandatsführung  mit  detaillierter  Abrechnung  über 

Honoraransprüche"  und  "Mitwirkungshandlungen/Teilungsvorschlag"  zustellte 

(Urk. 14/6). Im Zusammenhang mit dem Teilungsvorschlag wies der Beschuldigte 

auf  ausstehende  Auskünfte  für  den  Teilungsvorschlag  hin,  so  "insbesondere 

Nachlass  der  vorverstorbenen  †G._____, 

lebzeitige  ausgleichungspflichtige 

Zuwendungen,  Festlegung  betreffend  das  obergerichtliche  Trennungsurteil  in 

Sachen Unterhalt und «Güterrecht» sowie Nachlass-Aktiva wie Chalet M._____ / 

Wohnung J._____ / weitere Wertgegenstände und vor allem E._____" (Urk. 14/6 

S. 11). Er orientierte die beiden Erbinnen dahingehend, dass er ihnen ohne diese 

Informationen einen Teilungsvorschlag aufgrund von Annahmen unterbreiten und 

er  bei  Ablehnung  des  Vorschlags  das  Willensvollstreckermandat  niederlegen 

würde und er es den Parteien überlassen müsse, eine gerichtliche Erbteilung zu 

erlangen (Urk. 14/6 S. 11). Daraus ergibt sich klar, dass die Teilungsvorbereitungen 

während  des  angeklagten  Deliktszeitraums  noch  am  Laufen  waren  und  eine 

überprüfbare  Schlussrechnung  noch  nicht  vorlag,  so  dass  sich  per  11.  Juli  2019 

- 22 - 

(Ende des angeklagten Deliktszeitraums) auch noch nicht erstellen lässt, dass die 

Erbquoten nicht eingehalten wurden. Damit lassen sich weder Pflichtverletzungen 

des  Beschuldigten  als  Willensvollstrecker  nachweisen,  noch  kann  auf  dieser 

Grundlage  ein  (wie  angeklagt)  definitiver  Schaden  –  weder  überhaupt  noch  im 

Umfang der angeklagten Fr. 148'787.90 (Urk. 34 S. 8) – im Sinne von Art. 158 StGB 

erstellt werden.  

3.2.5.  Der  Tatbestand  von  Art.  158  StGB  wäre  im  Übrigen  auch  in  subjektiver 

Hinsicht  nicht  erfüllt.  Dieser  erfordert  Vorsatz  oder  Eventualvorsatz,  was  hier 

bedeuten  würde,  dass  der  Beschuldigte  im  Deliktszeitraum  wusste,  dass  er  die 

Erbin  †C._____ 

finanziell  schädigen  würde  bzw.  er  ernsthaft  mit  einer 

Vermögensschädigung  rechnete,  sich  aber  mit  diesem  Risiko  abfand.  Entspre-

chendes  kann  ihm  aufgrund  der  mit  der  Anklage  gelieferten  Momentaufnahme 

– das Ergebnis der Erbteilung war im Deliktszeitraum noch nicht bekannt – nicht 

unterstellt werden.  

3.2.6.  Wollte man dem Beschuldigten unterstellen, dass er mit der Mandatsführung 

bisweilen überfordert war und er selber retrospektiv Verbesserungsbedarf verortete 

(vgl. z.B. Prot. I S. 16 f.; Urk. 113 S. 9), so liessen sich allfällige Pflichtverletzungen 

allenfalls  strafrechtlich  unter  den  Begriff  der  Fahrlässigkeit  subsumieren  (Art.  12 

Abs. 3 StGB). Dazu werden in der Anklageschrift aber keine konkreten Gesichts-

punkte angeführt. Eine aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit begangene ungetreue 

Geschäftsführung ist nicht strafbar. 

3.2.7.1. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass das angeklagte Verhalten des 

Beschuldigten durchaus Fragen im Zusammenhang mit dessen Berufspflichten als 

Anwalt im Sinne von Art. 12 BGFA, insbesondere dessen lit. a-b und lit. i, aufwirft 

und entsprechende Unzulänglichkeiten auch schon im Beschwerdeverfahren nach 

Art. 595 ZGB Thema waren. Dort führten diese allerdings nicht etwa zu der von der 

Erbin †C._____ beantragten Absetzung des Willensvollstreckers, wohl aber zu kon-

kreten Anweisungen zur weiteren Mandatsführung (Urk. 13/18, Dispositiv-Ziff. 1).  

3.2.7.2.  Gestützt  auf  §  39  des  Anwaltsgesetzes  des  Kantons  Zürich  meldete  die 

Staatanwaltschaft der kantonalen Aufsichtskommission über die Anwältinnen und 

- 23 - 

Anwälte die Eröffnung der Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten (Urk. 25/1), 

welches Verfahren sistiert ist (Urk. 113 S. 2). Die Beurteilung der nicht strafrechtlich 

relevanten,  aber  dennoch  problematischen  Aspekte  der  Mandatsführung,  wie 

Aufklärung, Rechnungstellung, Verrechnung, Interessenkollision etc., bleiben der 

allfälligen  Beurteilung  durch  die  Aufsichtsbehörde  über  die  Anwältinnen  und  An-

wälte vorbehalten.  

3.3.  Fazit 

Zusammenfassend kann dem Beschuldigten auf der Basis der Anklageschrift vom 

27. Februar 2023 für den angeklagten Deliktszeitraum vom 16. Dezember 2015 bis 

11.  Juli  2019  weder  in  objektiver  noch  in  subjektiver  Hinsicht  ein  strafrechtlich 

relevantes  Verhalten  in  der  Führung  seines  Mandats  als  Willensvollstrecker  im 

Nachlass von †D._____ nachgewiesen werden. Er ist daher vom Vorwurf der un-

getreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Abs. 1 StGB freizusprechen.  

4. 

Vorwurf des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen 

4.1.  Anklagesachverhalt 

Dem  Beschuldigten  wird  vorgeworfen,  die  Anweisung  gemäss  Verfügung  [recte: 

Urteil] des Bezirksgerichts Zürich vom 28. August 2020, welche unter Androhung 

von Bestrafung wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung mit dem Hin-

weis auf Art. 292 StGB erfolgt sei, innert zwei Monate ab Rechtskraft des Urteils 

die  durch  ihn  unrechtmässig  bezogenen  Fr. 197'576.60  zurück  in  das  Nach-

lasskonto einzubezahlen, missachtet zu haben und dies erst mittels zweier Über-

weisungen vom 13. November 2020 – und damit zu spät – auf das Nachlasskonto 

zurück transferiert zu haben. Damit habe er sich des Ungehorsams gegen amtliche 

Verfügungen schuldig gemacht. 

4.2.  Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er zu spät bezahlt hat. Er räumt vielmehr 

ein,  dass  ihm  möglicherweise  ein  Versehen  unterlaufen  sei.  Zunächst  habe  er 

überlegt, ein Rechtsmittel gegen die Verfügung einzureichen, dann habe er aber 

- 24 - 

davon  abgesehen  und  es  sei  möglich,  dass  in  diesem  Zusammenhang  die  Frist 

überschritten  worden  sei  (Urk. 3/4  S.  22;  Prot.  I  S. 22;  Urk. 113  S. 11).  Seine 

Verteidigung  bringt  sodann  vor,  dass  es  sich  vorliegend  um  einen  Sachverhalts-

irrtum  handeln  würde,  weil  der  Entscheid  bei  unbenutzter  Rechtsmittelfrist 

ausnahmsweise  sogleich  mit  der  Zustellung  rechtskräftig  geworden  sei,  im 

Normalfall  Urteile  jedoch  erst  rechtskräftig  würden,  wenn  die  Rechtsmittelfristen 

abgelaufen seien (Urk. 61 S. 50; Urk. 115 S. 34 ff.). 

4.3.  Würdigung 

Das  Urteil  vom  28. August  2020  war  gleichentags  in  Rechtskraft  erwachsen 

(Urk. 13/20),  weshalb  die  Überweisung  spätestens  per  28. Oktober  2020  hätte 

ausgeführt  werden  müssen.  Der  Beschuldigte  nahm  die  entsprechenden  Über-

weisungen aber erst am 13. November 2020 vor (Urk. 14/5 Blatt 4). Die Anweisung 

an den Beschuldigten, die Rücküberweisungen durchzuführen, stand sodann unter 

der Androhung von Art. 292 StGB. Aus § 84 GOG i.V.m. Art. 325 ZPO ergibt sich 

die (formelle) Rechtskraft des Urteils vom 28. August 2020. Wie der Beschuldigte 

indes zu Recht geltend macht, ist in subjektiver Hinsicht von einem Sachverhalts-

irrtum  auszugehen:  Zum  einen  sind  seine  Aussagen  hinsichtlich  der  Erwägung 

eines Rechtsmittels und Annahme der Rechtskraft nach Ablauf der Rechtsmittelfrist 

konsistent und schlüssig. Zum anderen wird sein Vorbringen durch den Umstand 

gestützt,  dass  er  die  Zahlung  exakt  zwei  Monate  nach  dem  von  ihm  irrtümlich 

angenommenen  Rechtskraftsdatum  vornahm.  Selbst  wenn  der  Umstand  der 

rückwirkenden  Rechtskraft  am  Rande  einer  Einvernahme  angesprochen  worden 

wäre,  so  legt  das  (mit  einem  Zufall  schlecht  erklärbaren)  Zahlungsdatum  nahe, 

dass der Beschuldigte tatsächlich einem (normativen) Sachverhaltsirrtum unterlag 

(BGE 129 IV 238 E. 3.2). Indem der Beschuldigte verkannte, dass die Rechtskraft 

rückwirkend auf den 28. August 2020 eintrat, konnte er keinen Vorsatz der Wider-

handlung  gegen  eine  amtliche  Verfügung  bilden,  weshalb  er  auch  diesbezüglich 

freizusprechen ist. 

- 25 - 

IV.  Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1.  Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung und des 

erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

2.  Kosten des Berufungsverfahrens  

2.1.  Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  auf  Fr. 3'600.–  festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). 

2.2.  Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ob-

siegt mit seinen Berufungsanträgen vollumfänglich, weshalb die Gerichtkosten des 

Berufungsverfahrens  vollumfänglich  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen  sind 

(Art. 423 Abs. 1 StPO). 

3.  Entschädigung- und Genugtuungsforderung des Beschuldigten  

3.1.  Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO richten sich Ansprüche auf Entschädigung und 

Genugtuung im Rechtsmittelverfahren nach Art. 429-434 StPO. Wird die beschul-

digte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren gegen sie 

eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO Anspruch auf Entschädigung 

ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (lit. a); 

Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Betei-

ligung  am  Strafverfahren  entstanden  sind  (lit.  b);  Genugtuung  für  besonders 

schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheits-

entzug (lit. c).  

Art. 430 StPO hält demgegenüber fest, dass die Entschädigung oder Genug-

tuung unter anderem dann herabgesetzt oder verweigert werden kann, wenn die 

beschuldigte  Person  rechtswidrig  und  schuldhaft  die  Einleitung  des  Verfahrens 

bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (lit. a). Die Strafbehörde hat den 

Anspruch der beschuldigten Person von Amtes wegen zu prüfen (Art. 429 Abs. 2 

StPO).  Die  Regelung  betreffend  Entschädigung  und  Genugtuung  korrespondiert 

 
- 26 - 

mit derjenigen der Kostentragung nach Art. 426 Abs. 2 StPO (Zürcher Kommentar 

StPO-GRIESSER, Art. 430 N 2 und 5). Die Entschädigungsfrage ist daher grundsätz-

lich jeweils nach der Kostenfrage zu beantworten, womit die Kostenfrage die Ent-

schädigungsfrage präjudiziert (BGE 137 IV 357). 

3.2.   Der  Beschuldigte  beantragt  im  Berufungsverfahren,  er  sei  wie  folgt  zu  ent-

schädigen (Urk. 73 S. 3 f.; Urk. 115 S. 1 f.):  

Vorinstanz und Vorverfahren: 

Es sei ihm gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung 

von CHF 39'250.15 zuzusprechen. 

Der  wirtschaftliche  Schaden  (Umsatzeinbusse)  sei  vom  Gericht  nach 

pflichtgemässem Ermessen gestützt auf Art. 42 Abs. 2 OR zu schätzen, 

aber mit mindestens CHF 30'000 zu entschädigen, und ab mittlerem Ver-

fall seit der Eröffnung des Vorverfahrens und der Hauptverhandlung vom 

26.09.2023 mit 5 % zu verzinsen. 

Es sei A._____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung 

von CHF 2000 zuzusprechen. Diese sei ab mittlerem Verfall seit der Er-

öffnung des Vorverfahrens und der Hauptverhandlung vom 26. Septem-

ber 2023 mit 5 % zu verzinsen. 

Berufungsverfahren: 

Es sei ihm gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung 

von CHF 36'624.40 zuzusprechen. 

Der  wirtschaftliche  Schaden  (Umsatzeinbusse)  sei  vom  Obergericht 

nach  pflichtgemässem  Ermessen  gestützt  auf  Art. 42  Abs. 2  OR  zu 

schätzen,  aber  mit  mindestens  CHF  12'500  zu  entschädigen,  und  ab 

mittlerem Verfall zwischen dem 26.09.2023 und dem 18.12.2024 mit 5 % 

zu verzinsen.  

- 27 - 

Es sei A._____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine Genugtuung 

von CHF 1'000 zuzusprechen. Diese sei ab der heutigen Berufungsver-

handlung mit 5 % zu verzinsen. 

3.3.  Gemäss  obigen  Ausführungen  trifft  den  freizusprechenden  Beschuldigten 

kein  strafrechtliches  Verschulden.  Dass  der  Beschuldigte  durch  sein  Handeln  in 

zivilrechtlich  vorwerfbarer  Weise  klar  gegen  eine  Verhaltensnorm  verstossen  hat 

und diese Verstösse adäquat kausal für die Verfahrenseinleitung waren, lässt sich 

auf der Basis der vorliegenden Anklage nicht sagen. Damit kommt eine Entschädi-

gung gemäss Art. 429 StPO grundsätzlich in Frage.  

3.4.  Entschädigung für erbetene Verteidigung 

3.4.1. Zu den entschädigungsfähigen Aufwendungen im Sinne von Art. 429 Abs. 1 

lit. a StPO gehören primär die Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn der 

Beizug einer Verteidigung angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexi-

tät  des  Falls  geboten  war  (SCHMID/JOSITSCH,  Handbuch  StPO,  4.  Aufl.,  N  1810). 

Der Beschuldigte ist zwar selber Rechtsanwalt. Die Vorwürfe betreffen aber seine 

Tätigkeit als Willensvollstrecker und damit zivilrechtliche Aspekte. Dies lässt den 

Beizug einer anwaltlichen Vertretung im Strafverfahren durch einen Rechtsanwalt 

aus diesem Fachgebiet daher nicht ohne Weiteres als ungerechtfertigt erscheinen, 

weshalb dem Beschuldigten eine Entschädigung auszurichten ist. 

3.4.2. Für das Vorverfahren machte der Beschuldigte wegen der schwierigen Auf-

schlüsselung  für  die  Aufwendungen  für  das  eingestellte  Verfahren  den  hälftigen 

Aufwand geltend, nämlich Fr. 18'518.55. Dafür lieferte er einen Tätigkeitsnachweis 

(Urk. 61A/2). Für das erstinstanzliche Verfahren verlangte der Beschuldigte für die 

erbetene  Verteidigung  eine  Entschädigung  von  Fr.  20'731.60,  ebenfalls  unter 

Beilage  einer  Aufstellung  der  getätigten  Aufwendungen  (Urk.  61A/3).  Diese  Auf-

wendungen  sind  ausgewiesen  und  angemessen,  weshalb  der  Beschuldigte  für 

seine  Aufwendungen  in  Zusammenhang  mit  seiner  Verteidigung  im  Vor-  und 

Hauptverfahren antragsgemäss mit Fr. 39'250.15 zu entschädigen ist. 

- 28 - 

3.4.3. Für das Berufungsverfahren beantragt der Beschuldigte eine Entschädigung 

von Fr. 36'624.40 (Urk. 115 S. 1). Nachdem Rechtsanwalt lic. iur. X._____ den Be-

schuldigten bereits im Vor- und Hauptverfahren verteidigt hat und der Standpunkt 

des Beschuldigte im Berufungsverfahren unverändert blieb, was sich aus der iden-

tischen Argumentation im Parteivortrag ergibt, erweist sich eine Entschädigung in 

dieser Höhe nicht als gerechtfertigt. Mit Blick auf Komplexität des Falls und Verant-

wortung des Anwalts, welche Kriterien sich vorliegend im Mittelfeld bewegen, er-

weist  sich  im  Berufungsverfahren  eine  Entschädigung  von  Fr. 15'000.–  (inkl. 

MwSt.) als angemessen (vgl. § 2 Abs. 1 AnwGebV i.V.m. § 18 Abs. 1 AnwGebV). 

3.4.4. Dem Beschuldigten ist für das Strafverfahren daher eine Entschädigung von 

insgesamt Fr. 54'250.– zuzusprechen (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. a aStPO).  

3.5.  Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen 

3.5.1.  Der  Beschuldigte  verlangte  für  die  durch  das  Strafverfahren  verursachten 

wirtschaftlichen Einbussen eine Entschädigung (zuzüglich 5% Zins seit mittlerem 

Verfall)  nach  richterlichem  Ermessen,  mindestens  aber  Fr. 12'500.–  bzw. 

Fr. 30'000.– (Urk. 73 S. 3; Urk. 115 S. 2, S. 43). Zur Begründung macht er geltend, 

er habe durch dieses Strafverfahren fraglos wirtschaftliche Einbussen erlitten. Er 

habe an diversen Einvernahmen teilnehmen müssen und stehe einen ganzen Tag 

vor Gericht. Ferner seien mehrere Besprechungen mit dem Verteidiger zwingend 

notwendig gewesen. Er habe sich mit den Verfahrensakten auseinander zu setzen 

und  Beweise  zu  seinen  Gunsten  zu  sammeln  gehabt.  Angesichts  der  Fülle  der 

Sachverhalte, die zu Umsatzeinbussen geführt hätten, lasse sich der wirtschaftliche 

Schaden letztlich schlicht nicht beziffern, weshalb er diesen dem richterlichen Er-

messen  nach  Art.  42  Abs.  2  OR  überlasse.  Ausgangspunkt  für  die  vom  Gericht 

vorzunehmende  Schätzung  seien  zunächst  die  Tätigkeitsnachweise  des  Vorver-

fahrens  und  des  gerichtlichen  Verfahrens.  Dazu  würden  die  Befassung  des  Be-

schuldigten mit den Verfahrens- sowie den eigenen Akten und die Beibringung von 

Beweismitteln  sowie  die  Reisespesen  kommen.  Auf  dieser  Basis  sei  seine  wirt-

schaftliche  Einbusse  zu  schätzen,  wobei  von  einem  durchschnittlichen,  der  Er-

fahrung  und  dem  Alter  des  Beschuldigten  angemessenen  Stundenansatz  von 

- 29 - 

Fr. 300.00 auszugehen sei. Aus Sicht der Verteidigung sei ein Aufwand von insge-

samt mindestens 100 Stunden zu entschädigen und antragsgemäss zu verzinsen 

(Urk. 61 S. 54 f.; Urk. 115 S. 42 f.).  

3.5.2.  Der  Beschuldigte  hat  seine  Ansprüche  nicht  genügend  substantiiert.  Der 

Beschuldigte beschränkt sich darauf zu behaupten, dass ein konkreter Schaden-

nachweis angesichts der "Fülle der Sachverhalte", die zu Umsatzeinbussen geführt 

hätten, nicht möglich sei. Das Vorbringen überzeugt nicht. Entgegen seiner Ansicht 

handelt es sich um Schadenposten, die einem strikten Nachweis zugänglich wären. 

Inwiefern das Erbringen eines strikten Beweises bei Umsatzeinbussen beispiels-

weise  infolge  Wahrnehmung  konkreter  Einvernahmetermine  nicht  möglich  oder 

nicht zumutbar wäre (vgl. BGE 144 III 155 E. 2.3), ist mit dem Verweis auf die "Fülle 

der  Sachverhalte"  nicht  dargetan.  Die  einzelnen  Prozesshandlungen  im  vor-

liegenden Strafverfahren waren ohne Weiteres bestimmbar und dem Beschuldigten 

wäre  offen  gestanden,  die  erlittenen  Umsatzeinbussen  zu  substanziieren.  Die 

Anwendung  von  Art. 42  Abs. 2  OR  fällt  deshalb  ausser  Betracht.  Da  der 

Beschuldigte seiner Substantiierungsobliegenheit nicht nachgekommen ist, ist sein 

Antrag auf Entschädigung infolge Umsatzeinbussen abzuweisen. 

3.6.  Genugtuung 

3.6.1. Bei besonders schweren Verletzungen in den persönlichen Verhältnissen im 

Sinne  von  Art.  28  ZGB  und  Art.  49  OR  sichert  Art.  429  Abs.  1  lit.  c  StPO  der 

beschuldigten  Person  bei  einem  Freispruch  eine  Genugtuung  zu.  Hauptbeispiel 

einer besonders schweren Verletzung in den persönlichen Verhältnissen ist der im 

Gesetz ausdrücklich erwähnte Freiheitsentzug.  

Ein Genugtuungsanspruch kann jedoch auch durch andere Verfahrenshandlungen 

ausgelöst werden. Die Verletzung muss nicht zwingend in einer Inhaftierung oder 

anderen  Zwangsmassnahmen  und  deren  Folgen  bestehen.  Denkbare  Ursachen 

sind  auch  die  Behandlung  eines  Falles  in  den  Medien  unter  Bekanntgabe  der 

beschuldigten Person oder eine andere schwere Beeinträchtigung im persönlichen, 

beruflichen  oder  politischen  Ansehen  (vgl.  hierzu  auch  SCHMID/JOSITSCH, 

Handbuch StPO, 4. Aufl., N 1817). Die mit jedem Strafverfahren in grösserem oder 

- 30 - 

kleinerem  Ausmass  verbundene  psychische  Belastung,  Demütigung  und  Bloss-

stellung gegen aussen genügt im Regelfall jedoch nicht (Urteil 6B_1087/2017 vom 

18. Januar 2018 E. 1.2.).  

3.6.2. Der Beschuldigte hatte im Verlauf des Verfahrens nie einen Freiheitsentzug 

oder  schwerwiegende  Zwangsmassnahmen  wie  Hausdurchsuchungen  etc.  zu 

gewärtigen.  Dass  der  Beschuldigte  wesentliche  Nachteile  in  beruflicher  und 

persönlicher  Hinsicht  zu  befürchten  hatte  oder  solche  gehabt  hätte,  wobei  die  in 

diesem  Zusammenhang  erlittene 

immaterielle  Unbill  über  diejenige  eines 

durchschnittlichen Strafverfahrens hinaus gegangen wäre, ist nicht dargetan. Die 

unbelegte  Behauptung,  dass  sich  sein  Strafverfahren  in  gewissen  Justizkreisen 

herumgesprochen  habe  (Urk. 113  S. 2),  begründet  ebenfalls  keine  besonders 

schwere  Verletzung  in  seinen  persönlichen  Verhältnissen.  In  der  Gesamtbe 

rechtfertigen  die  konkreten  Umstände  keine  Genugtuung.  Das  entsprechende 

Begehren des Beschuldigten ist daher abzuweisen.  

4.  Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 

Die  unentgeltliche  Rechtsvertreterin  der  Privatklägerin  reichte  mit  Datum  vom 

3. Juni 2024 ihre Honorarnote ein (Urk. 97). An der geltend gemachten Entschädi-

gung von Fr. 1'011.40 (inkl. MwSt.) hielt sie mit Schreiben vom 10. Dezember 2024 

fest (Urk. 111). Das beantragte Honorar ist ausgewiesen und angemessen. Rechts-

anwältin lic. iur. von Y._____ ist daher mit Fr. 1'011.40 (inkl. MwSt.) aus der Ge-

richtskasse zu entschädigen.  

- 31 - 

Es wird beschlossen: 

1.  Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 26. September 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

" 1.-4.  […] 

5. 

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird abgewiesen. 

6.-9. 

[…] 

10. 

[Mitteilungen] 

11. 

[Rechtsmittel]" 

2.  Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1.  Der Beschuldigte wird vollumfänglich freigesprochen. 

2.  Die Privatklägerin wird mit ihrer Schadenersatzforderung auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

3.  Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Ziff. 7) wird bestätigt.  

4.  Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 

Fr. 

3'600.00  ; die weiteren Kosten betragen: 
1'011.40    unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin (inkl. 8,1% MWSt) 

5.  Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 

sowie die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der 

unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, werden auf die Gerichtskasse 

genommen. 

6.  Dem Beschuldigten wird für die Untersuchung, das erstinstanzliche Ge-

richtsverfahren und das Berufungsverfahren für anwaltliche Verteidigung 

- 32 - 

eine Prozessentschädigung von Fr. 54'250.– aus der Gerichtskasse zuge-

sprochen. 

7.  Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Entschädigung für 

wirtschaftliche Einbussen wird abgewiesen. 

8.  Die Genugtuungsforderung des Beschuldigten wird abgewiesen. 

9.  Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− 

− 

− 

die Verteidigung für sich und zuhanden des Beschuldigten (über-
geben); 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (versandt) 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin für sich und zuhanden 
der Privatklägerin (versandt) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

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die Verteidigung für sich und zuhanden des Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin für sich und zuhanden 
der Privatklägerin 

die Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte, 
c/o Obergericht des Kantons Zürich, Postfach, 8021 Zürich 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− 

− 

die Vorinstanz 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten 
gemäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 112. 

10.  Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen. 

- 33 - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Obergericht des Kantons Zürich 

Zürich, 18. Dezember 2024 

Der Präsident: 

Der Gerichtsschreiber: 

lic. iur. B. Amacker 

MLaw W. Dharshing