# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bec34918-963f-503f-ab2d-02f1c7b10223
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.01.2023 SK 2022 32
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-32_2023-01-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 32+33

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. Januar 2023 

Besetzung Oberrichterin Schwendener (Präsidentin), 
Oberrichter Vicari, Oberrichter Zbinden
Gerichtsschreiberin Susedka

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt und privat vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________

Beschuldigter 1 / Strafkläger gegen Beschuldigten 2

C.________
privat verteidigt und vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Beschuldigter 2 / Berufungsführer 1 / Strafkläger gegen Beschul-
digten 1

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin 2 gegen Beschuldigten 1

Gegenstand Gefährdung des Lebens, versuchte schwere Körperverletzung, 
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (Beschuldig-
ter 1) 

Tätlichkeit, Sachbeschädigung (Beschuldigter 2)

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 25. November 2021 (PEN 20 585 / 
586)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 25. November 2021 (pag. 490 ff.) stellte das Regionalgericht Berner 
Jura-Seeland, Kollegialgericht in Dreierbesetzung (nachfolgend Vorinstanz), das 
Verfahren gegen A.________ (nachfolgend Beschuldigter 1) wegen Sachbeschä-
digung zum Nachteil von C.________ (nachfolgend Beschuldigter 2) ohne Ausrich-
tung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten ein, 
sprach den Beschuldigten 1 frei vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens zum 
Nachteil des Beschuldigten 2, unter anteilsmässiger Auferlegung (4/25) der Verfah-
renskosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer anteilsmässigen Ent-
schädigung (4/25) für die amtliche Verteidigung. Sie erklärte ihn indessen schuldig 
der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Beschuldigten 2 und 
der groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtanpassen der Geschwindigkeit 
beim Rückwärtsfahren, und verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 
Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu einer bedingten Geldstrafe von 
120 Tagessätzen à CHF 90.00, ausmachend total CHF 10'800.00, bei einer Probe-
zeit von zwei Jahren und zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten (16/25) sowie 
zur Leistung einer Entschädigung (4/5) an den Beschuldigten 2 für seine Aufwen-
dungen im Verfahren. 

Mit gleichem Entscheid sprach die Vorinstanz den Beschuldigten 2 schuldig wegen 
Tätlichkeiten und geringfügiger Sachbeschädigung, beides zum Nachteil des Be-
schuldigten 1 begangen, und verurteilte diesen zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 150.00 mit zwei Tagen Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung, 
zu den anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/5) sowie zur Leistung einer Entschä-
digung (1/5) an den Beschuldigten 1 für seine Aufwendungen im Verfahren.

Im Weiteren legte die Vorinstanz das amtliche Honorar samt anteilsmässiger Rück- 
und Nachzahlungspflicht des Beschuldigten 1 fest. 

Im Zivilpunkt hiess die Vorinstanz die Schadenersatzforderung des Beschuldigten 2 
betreffend die versuchte schwere Körperverletzung dem Grundsatz nach gut, mit 
Verweis auf den Zivilweg für die vollständige Beurteilung der Forderung. Infolge 
Einstellung des Strafverfahrens verwies sie auch die Schadenersatzklage des Be-
schuldigten 2 betreffend die Sachbeschädigung und in Anbetracht der unzurei-
chenden Begründung/Bezifferung seine Genugtuungsforderung betreffend ver-
suchte schwere Körperverletzung auf den Zivilweg. Im Zivilpunkt wurden keine 
Kosten ausgeschieden.

2. Berufung und Gang des Verfahrens

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte 2, privat verteidigt und vertreten 
durch Rechtsanwalt D.________, mit Schreiben vom 3. Dezember 2021 bzw. 
7. Dezember 2021 als Beschuldigter und als Straf- und Zivilkläger gegen den Be-
schuldigten 1 die Berufung an (pag. 503 f., pag. 513). Mit Eingabe vom 9. Dezem-

3

ber 2021 erfolgte zudem die Berufungsanmeldung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Berner Jura-Seeland gegen das Urteil der Vorinstanz betreffend die Be-
schuldigten 1 und 2 (pag. 518). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 
11. Januar 2022 (pag. 525 ff.). Mit Eingabe vom 21. Januar 2022 erklärte die Gene-
ralstaatsanwaltschaft frist- und formgerecht die Berufung (pag. 609 ff.), beschränkt 
auf den Freispruch des Beschuldigten 1 vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens 
(Ziff. A.II. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie den Sanktionenpunkt 
(Ziff. A.III.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Mit frist- und formgerechter Berufungserklärung vom 1. Februar 2022 focht der Be-
schuldigte 2 die Kosten- und Entschädigungsfolgen des vorinstanzlichen Urteils 
vom 25. November 2021 an (Ziff. A.II., A.III.3., Ziff. B.IV.3. und Ziff. B.IV.4. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs [pag. 612 ff.]) und beantragte die Durchführung ei-
nes schriftlichen Verfahrens (pag. 615). 

Die Generalstaatsanwaltschaft, der Beschuldigte 1, amtlich verteidigt und privat 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________, sowie der Beschuldigte 2 erklärten we-
der die Anschlussberufung noch beantragten sie ein (generelles) Nichteintreten auf 
die Berufungen (pag. 623 [Generalstaatsanwaltschaft]; pag. 624 [Beschuldigter 1]; 
pag. 627 [Beschuldigter 2]). Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte sich zudem mit 
der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens einverstanden (pag. 623). Der Be-
schuldigte 1 verlangte hingegen eine mündliche Verhandlung (pag. 624). 

Mit Verfügung vom 22. März 2022 stellte die Kammer fest, dass die Voraussetzun-
gen für die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens gemäss Art. 406 (Abs. 1) 
der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) nicht vorliegen und 
stellte eine oberinstanzliche Hauptverhandlung in Aussicht (pag. 360 f.). 

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 23. Januar 2023 statt 
(pag. 678 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden ein aktueller Strafregisterauszug 
(datierend vom 23. Dezember 2022 [pag. 674]), ein aktueller Leumundsbericht (in-
kl. wirtschaftliche Verhältnisse; datierend vom 13. Dezember 2022 [pag. 660 ff.]) 
sowie ADMAS-Auszüge (datierend vom 23. Dezember 2022 [pag. 675] und vom 
20. Januar 2023 [pag. 677]) über den Beschuldigten 1 eingeholt. 

Schliesslich wurden die Beschuldigten 1 und 2 anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung ergänzend einvernommen (pag. 680 ff. [Beschuldigter 2]; 
pag. 685 ff. [Beschuldigter 1]). 

4. Anträge der Parteien

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt E.________ beantragte anlässlich der 
Berufungsverhandlung für die Generalstaatsanwaltschaft vorab die Feststellung der 
Rechtskraft der nicht angefochtenen Punkte und stellte im Weiteren folgende An-
träge (pag. 694 f. / pag. 705 ff.): 

4

II.

A.

A.________ sei schuldig zu sprechen der Gefährdung des Lebens, angeblich begangen am 
21.04.2019 am F.________ in G.________ zum Nachteil von C.________. 

und in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen 

zu verurteilen zu:

1. einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben mit einer 
Probezeit von 2 Jahren; 

2. den anteilmässigen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (zzgl. eine Gebühr von 
CHF 400.00 gemäss Art. 21 VKD).

B.

C.________ sei zu verurteilen zu den anteilsmässigen erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

III.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (amtl. Honorar). 

Rechtsanwalt D.________ verwies anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhand-
lung namens und auftrags des Beschuldigten 2 auf seine mit Berufungserklärung 
vom 1. Februar 2022 gestellten Anträge (pag. 614 f. / pag. 696): 

1. Lit. A. Ziff. II. des Urteils PEN 20 585/586 des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
25. November 2021 sei, soweit die Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den 
Kanton Bern betreffend, aufzuheben. 

2. Lit. A. Ziff. III. 3. des Urteils PEN 20 585/586 des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
25. November 2021 (betr. Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an A.________), 
sei aufzuheben. 

3. Lit. B. Ziff. IV. 3. des Urteils PEN 20 585/586 des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
25. November 2021 (betr. Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an C.________), 
sei aufzuheben. 

4. Lit. B. Ziff. IV. 4. des Urteils PEN 20 585/586 des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
25. November 2021 (betr. Entschädigung von C.________ an A.________ für seine Aufwen-
dungen im Verfahren), sei aufzuheben.

5. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern sowie A.________ je anteils-
mässig zur Bezahlung aufzuerlegen. 

6. Es sei festzustellen, dass der Berufungsführer A.________ für die Schuldsprüche gemäss Lit. B. 
Ziff. IV. des Urteils PEN 20 585/586 des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 25. Novem-
ber 2021 keine Entschädigung schuldet. 

7. Dem Berufungsführer sei für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte für das Beru-
fungsverfahren durch den Kanton Bern, eventualiter durch A.________ eine Entschädigung zu 
entrichten. 

8. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahrens seien dem Kanton Bern, eventualiter 
A.________ zur Bezahlung aufzuerlegen. 

5

– unter Kosten- und Entschädigungsfolge – 

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung namens und auftrags des Beschuldigten 1 folgende Anträge 
(pag. 698 / pag. 710):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht) vom 
25. November 2021 (PEN 20 582/586) hinsichtlich

• Bst. A Ziff. I (Freispruch vom Vorwurf der Sachbeschädigung),

• Bst. A Ziff. Ill (Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung und grober Verlet-
zung der Verkehrsregeln),

• Bst. C (amtliche Entschädigung) und 

• Bst. D (Zivilpunkt)

in Rechtskraft erwachsen ist.

II.

1. Soweit das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht) vom 25. Novem-
ber 2021 (PEN 20 582/586) noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist, sei es vollumfänglich zu 
bestätigen. 

2. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien zu zwei Dritteln dem Kanton Bern und zu einem 
Drittel C.________ aufzuerlegen. 

3. C.________ sei zur Bezahlung einer Parteikostenentschädigung im Umfang von einem Drittel 
der gesamten Kostennote der Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren an A.________ 
zu verurteilen. 

III.

Im Weiteren sei

zu verfügen:

1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss eingereichter Kostennote festzusetzen. 

2. Die erforderlichen weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

5. Eintretensfrage

Der Beschuldigte 1 hat in seiner Eingabe vom 28. Februar 2022 geltend gemacht, 
dass die Berufungserklärung des Beschuldigten 2 teilweise Kostenaspekte betreffe, 
in welchen dieser durch das erstinstanzliche Urteil nicht belastet sei (pag. 624). Er 
bezieht sich damit offensichtlich auf die Anfechtung von Ziff. A.II. des erstinstanzli-
chen Urteils, Auferlegung eines Kostenanteils an den Kanton, sowie Ziff. A.III.3. 
des erstinstanzlichen Urteils, Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten 
an den Beschuldigten 1. Der Beschuldigte 2 führte anlässlich der Berufungsver-
handlung vom 23. Januar 2023 aus, dass die Kosten zwar dem Beschuldigten 1 
und dem Kanton Bern auferlegt worden seien, aber im Falle der neuen Kostenver-
teilung 1/5 der Verfahrenskosten übrigbleiben würden, weshalb das Urteil auch 

6

diesbezüglich aufgehoben werden müsse, damit wieder alles zur Disposition stehe. 
Entsprechend sei auf seine Anträge gemäss Ziff. 1 und 2 einzutreten (pag. 696). 
Demgegenüber gab der Beschuldigte 1 an, dass es im Falle einer Bestätigung des 
erstinstanzlichen Freispruchs keinen Grund gebe, die Kosten anders zu verlegen. 
Die Kosten würden ohnehin zu Lasten des Beschuldigten 1 oder des Kantons Bern 
gehen, weshalb das Interesse des Beschuldigten 2 diesbezüglich nicht ersichtlich 
und entsprechend auch nicht auf diesen Antrag einzutreten sei. Auch in Bezug auf 
die Kostenverlegung von 4/5 an den Beschuldigten 1 sei der Beschuldigte 2 nicht 
beschwert. Hätte er eine andere Kostenverlegung erreichen wollen, hätte er auch 
den entsprechenden Schuldspruch anfechten müssen (pag. 701). 

Bei der Verfahrenskostenverteilung handelt es sich rechtlich zwar nicht um eine 
Solidarhaftung und somit um eine «notwendige Streitgenossenschaft». Weil aber 
mehrere beschuldigte Personen bei einer Verfahrensvereinigung betreffend Verfah-
renskosten prozessual untrennbar miteinander verbunden werden – Art. 418 Abs. 1 
StPO spricht explizit von «anteilsmässig» und legt den Fokus damit auf den Vertei-
lungsschlüssel – muss das Rechtsmittel eines Einzelnen gegen den Verteilungs-
schlüssel auch gegen die anderen gelten, weshalb dem Beschuldigten 2 ein 
Rechtsschutzinteresse an der Gesamtanfechtung des Schlüssels, also auch ge-
genüber dem Beschuldigten 1, zugestanden wird. Mit anderen Worten müssen so-
mit die gesamten erstinstanzlichen Verfahrenskosten als mitangefochten gelten, 
weil es sich um Folgepunkte der in Berufung gezogenen Ziffer B.IV.3. handelt und 
im Falle des Obsiegens des Beschuldigten 2 die restlichen Verfahrenskosten an-
sonsten zu Lasten des Kantons gehen würden, was dem Grundsatz der Kostentra-
gung im Rechtsmittelverfahren nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens 
zuwiderlaufen würde (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Entsprechend ist auf die Anträge 
des Beschuldigten 2 einzutreten. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den 
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Mit Blick auf den Umfang der Beru-
fungen (dazu E. I.2. und I.4. hiervor) ist vorab festzustellen, dass das Urteil der Vor-
instanz vom 25. November 2021 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als das 
Strafverfahren gegen den Beschuldigten 1 wegen Sachbeschädigung zum Nachteil 
des Beschuldigten 2 mangels Strafantrags ohne Ausrichtung einer Entschädigung 
und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten eingestellt wurde (Ziff. A.I. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs), der Beschuldigte 1 hingegen schuldig erklärt wur-
de der versuchten schweren Körperverletzung (Ziff. A.III.1. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs) und der groben Verletzung von Verkehrsregeln (Ziff. A.III.2 des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Rechtskräftig sind überdies die Schuldsprüche 
gegen den Beschuldigten 2 wegen Tätlichkeiten (Ziff. B.IV.1. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs) und geringfügiger Sachbeschädigung (Ziff. B.IV.2. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs) – beides zum Nachteil des Beschuldigten 1 – sowie 
die diesbezüglich erfolgte Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von 
CHF 150.00 – unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen bei 
schuldhafter Nichtbezahlung – und das Absehen von einer Bestrafung in Bezug auf 
die Tätlichkeiten (Ziff. B.IV.1.-2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Ebenfalls 

7

in Rechtskraft erwachsen ist der gesamte Zivilpunkt (Ziff. D.I.1.-2. und Ziff. D.II.1.-3. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie die Entschädigungspflicht des Be-
schuldigten 1 (Ziff. A.III.4 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Nicht rechtskräftig und von der Kammer zu überprüfen sind hingegen der Frei-
spruch des Beschuldigten 1 vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Ziff. A.II. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie der den Beschuldigten 1 betreffende 
Sanktionenpunkt (Ziff. A.III.1.-2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Bei einer 
zusätzlichen Verurteilung wegen Gefährdung des Lebens ist eine Geldstrafe ange-
sichts des gesetzlichen Strafrahmens nicht ausgeschlossen. Der Kammer müssen 
in Bezug auf die neue Strafzumessung alle Optionen offenbleiben, so dass die vor-
instanzlich für das SVG-Delikt ausgesprochene Geldstrafe nicht in Rechtskraft er-
wachsen kann. Ebenfalls nicht rechtskräftig und zu überprüfen sind die mit den an-
gefochtenen Punkten zusammenhängenden Kosten- und Entschädigungsfolgen 
(Ziff. A.II. und Ziff. A.III.3. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), die Kosten- und 
Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldigten 2 (Ziff. B.IV.3.-4.) sowie allfällige 
Rück- und Nachzahlungspflichten des Beschuldigten 1 (Ziff. C).

Auf die Höhe der amtlichen Entschädigungen für das erstinstanzliche Verfahren ist 
nur zurückzukommen, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Honorarfestsetzung zu-
stehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte (Urteile des Bun-
desgerichts 6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2 und 6B_769/2016 vom 
11. Januar 2017 E. 2.3). Darüber hinausgehend unterliegt dieser Punkt auf Grund 
der fehlenden Beanstandung durch die Generalstaatsanwaltschaft dem Ver-
schlechterungsverbot (Urteil des Bundesgerichts 6B_1231/2022 vom 10. März 
2023 E. 2.2.5).

Die Kammer verfügt bei der Überprüfung der angefochtenen – und/oder der 
Rechtskraft nicht zugänglichen – Punkte über volle Kognition (Art. 398 Abs. 2 
StPO). Aufgrund der Berufungen der Generalstaatsanwaltschaft und des Beschul-
digten 2 darf sie das Urteil betreffend Vorwurf der Gefährdung des Lebens samt 
Sanktionen-, Kosten und Entschädigungspunkt auch zu Ungunsten des Beschul-
digten 1 abändern.

7. Privatklägerschaft 

Der vorinstanzliche Entscheid über die Zivilklage samt Kostenfolgen blieb unange-
fochten und ist somit – wie oben erwähnt – in Rechtskraft erwachsen. Infolgedes-
sen stehen die Zivilansprüche im vorliegenden Rechtsmittelverfahren nicht mehr 
zur Diskussion. Der Beschuldigte 2 wird deshalb im Berufungsverfahren formell – 
nebst seiner Stellung als Beschuldigter und Berufungsführer – nur noch als Straf-
kläger gegen den Beschuldigten 1, nicht aber als Zivilkläger geführt. 

8

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorbemerkungen

Das Urteil ist betreffend Einstellung und Schuldsprüche in Rechtskraft erwachsen, 
mit Ausnahme des Freispruchs vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens. Es gilt 
somit oberinstanzlich einzig noch, diesen Anklagepunkt zu prüfen. 

Die Vorinstanz hat in ihrer Beweiswürdigung zu Recht den gesamten Vorfall vom 
Ostersonntag, 21. April 2019, ca. 16:30 Uhr, als dynamisches, fortlaufendes Ge-
schehen in einem Zug gewürdigt. Aus diesem Geschehen ergeben sich die einzel-
nen Anklagepunkte für je die beiden Beschuldigten und auch die erfolgten (rechts-
kräftigen) Schuldsprüche. Für die nachfolgende Beurteilung des Vorwurfs der Ge-
fährdung des Lebens ist somit zunächst von folgendem rechtskräftig erstellten 
Sachverhalt auszugehen, welcher sich vor der Kollision zugetragen hat (pag. 559; 
S. 35 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Am 21.04.2019 fuhr A.________ mit seinem Personenwagen Renault Mégane zusammen mit seiner 
Grossmutter auf dem Beifahrersitz und den beiden Kindern in den Kindersitzen auf der Rückbank vom 
F.________ in Richtung G.________. Er hielt für eine Gruppe von Fahrradfahrern an, damit diese 
passieren konnten. Anschliessend nahm er die Fahrt wieder auf und ihm kamen C.________ und 
H.________ auf ihren Fahrrädern auf der Strasse entgegen. Die beiden Fahrradfahrer fuhren von 
I.________ in Richtung J.________. C.________ fuhr zunächst neben H.________, begab sich aber 
aufgrund des entgegenkommendes Personenwagens von A.________ hinter diese. H.________ 
kreuzte den Personenwagen von A.________ ohne Berührung. Beim Kreuzen vom Personenwagen 
von A.________ holte C.________ mit dem Arm aus und schlug absichtlich mit der linken Hand auf 
den linken Rückspiegel des Fahrzeuges von A.________, sodass dieser einklappte und das Spiegel-
glas aus der Halterung fiel. C.________ schlug auf den Rückspiegel von A.________ aus Wut darü-
ber, dass der Autofahrer nach seinem Empfinden beim Kreuzen zu wenig Rücksicht auf sie nahm. 
Sowohl an der von A.________ oder der von C.________ angegebenen Kreuzungsstelle hätte genü-
gend Platz bestanden für ein Kreuzen ohne Kontakt mit dem Rückspiegel. 

Rechtskräftig erstellt ist zudem das Geschehen nach der Kollision (pag. 557 ff.; 
S. 33 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

C.________ stürzte auf seine linke Körperseite und zog sich dabei eine Prellung der linken Schulter, 
Schürfwunden auf der linken Körperseite sowie eine kollabierte Baker-Zyste im linken Knie zu. 

Für das Gericht ist aufgrund der objektiven Beweismittel klar erstellt, dass das Hinterrad des Fahrra-
des durch die Kollision verbogen […] [und] die Sonnenbrille durch die Kollision beschädigt wurde. 

Nach der Kollision stand C.________ nach etwa fünf Sekunden wieder auf, warf seinen Fahrradhelm 
aus Wut zu Boden und ging auf A.________ zu, welcher aus dem Auto ausgestiegen und zwischen 
der Türe und dem Auto stand. C.________ griff A.________ körperlich am Hals im Bereich des 
Oberkörpers an. Er konnte aber durch das Eingreifen des Nachbarn von A.________ Eltern und 
H.________ beruhigt werden und liess schlussendlich von A.________ ab. A.________ erlitt auf-
grund des körperlichen Übergriffs von C.________ einen Kratzer am Hals. 

Was den hier noch zu beurteilenden Tatbestand der Gefährdung des Lebens be-
trifft, ist festzuhalten, dass der zugrundeliegende Sachverhalt im Wesentlichen und 
vor allem im Rahmengeschehen deckungsgleich mit jenem der (versuchten) 

9

schweren Körperverletzung ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch der Un-
rechtsgehalt deckungsgleich ist, weshalb auf die diesem Vorwurf zugrundeliegen-
den Beweise nachfolgend einzugehen ist. 

9. Allgemeine Grundlagen zur Beweiswürdigung

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach 
seiner freien, aus dem gesamten Verfahren und den Akten gewonnenen Überzeu-
gung (Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeu-
tet, dass jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpf-
ten Überzeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen 
soll. Die freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen 
und logischen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder 
blosse Vermutung stützen (HOFER, in: Basler Kommentar, StPO/JStPO, 2. Aufl. 
2014, N. 58 und 61 zu Art. 10 StPO m.w.H.). Bestehen unüberwindliche Zweifel an 
der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das 
Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 
Abs. 3 StPO). 

10. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Mit Anklageschrift vom 1. September 2020 wird dem Beschuldigten 1 folgender 
Sachverhalt zur Last gelegt (pag. 343; Hervorhebungen im Original):

Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB)

begangen am 21.04.2019 um ca. 16:30 Uhr in G.________, F.________, zum Nachteil von 
C.________, indem der Beschuldigte mit seinem PW Renault Mégane 1.6 mit den Kontrollschildern 
K.________ im Rückwärtsgang dem mit dem Fahrrad wegfahrenden C.________ ca. 245, evt. ca. 
282 Meter hinterherfuhr, diesen sodann einholte und mit einer Geschwindigkeit des Autos von ca. 24 
km/h auf das Fahrrad von C.________ auffuhr. In der Folge stürzte C.________ vom Fahrrad, geriet, 
zusammen mit dem Fahrrad, mit einem Teil seines Unterkörpers unter das Auto, im Bereich zwischen 
dessen Hinterrädern, und wurde fast 4 Meter weit geschoben, bis das Auto des Beschuldigten zum 
Stillstand kam. Durch sein Verhalten schuf der Beschuldigte eine unmittelbare Gefahr für das Leben 
von C.________, indem die nahe Möglichkeit bestand, dass C.________ bei einem Sturz aufgrund 
der Kollision oder unter dem Auto tödliche Verletzungen erleidet. Der Beschuldigte wusste, dass er 
durch die von ihm verursachte Kollision für C.________ eine unmittelbare Lebensgefahr schuf, und er 
wollte auch, dass es zu der Gefährdung kommt. Er handelte trotz dieses Wissens, weil ihm die Ge-
fährdung gleichgültig war, da er C.________ einholen und zur Rede stellen wollte.

11. Erwägungen der Kammer

Unbestritten ist, dass es am 21. April 2019 um 16:30 Uhr am F.________ in 
G.________ zu einer Kollision zwischen dem Beschuldigten 2 und dem Beschul-
digten 1 kam, indem der Beschuldigte 1 mit seinem Auto im Rückwärtsgang dem 
mit dem Fahrrad wegfahrenden Beschuldigten 2 hinterherfuhr, diesen einholte und 
auf das Fahrrad des Beschuldigten 2 auffuhr, wobei der Beschuldigte 2 und sein 
Fahrrad unter das Auto des Beschuldigten 1 gezogen wurden. 

Unter Beizug der Vermessungen und Fotografien der Polizei vom 21. April 2019 
rekonstruierte der Unfalltechnische Dienst (UTD) den Verkehrsunfall und erstellte 

10

dazu am 27. Mai 2019 einen Bericht (pag. 184 ff.), worin er zum Schluss kam, dass 
die mit dem Auto im Rückwärtsgang zurückgelegte Strecke zwischen 245-282 Me-
ter betragen habe (pag. 188, pag. 192). Anhand der Bremsspuren des Autos konn-
te – bei einer Verzögerung von 6.4 m/s2 – eine Geschwindigkeit von 24 km/h vor 
dem Bremsmanöver errechnet werden. Gestützt auf die errechnete Ausgangsge-
schwindigkeit von 24 km/h folgerte der UTD, dass der Beschuldigte 1 das Brems-
manöver 6.66 Meter vor Beginn der Bremsspur bzw. 7.93 Meter vor der Kollision 
mit dem Beschuldigten 2 eingeleitet habe. Hätte der Beschuldigte 1 das Brems-
manöver eine Sekunde früher eingeleitet, wäre die Kollision vermeidbar gewesen 
(pag. 186). Der Bericht ist in allen Punkten nachvollziehbar, weshalb die Kammer 
diese Erkenntnisse als uneingeschränkt überzeugend erachtet und folglich vollum-
fänglich darauf abstellt. Zudem wurden die Berechnungen von keinem der Be-
schuldigten in Abrede gestellt, vielmehr stehen sie in Einklang mit ihren Schätzun-
gen (vgl. bspw. pag. 7, pag. 23 Z. 118 ff., pag. 148 [Beschuldigter 1]; pag. 54 
Z. 198 ff., pag. 152 [Beschuldigter 2]). Ebenfalls unbestritten ist die errechnete Ge-
schwindigkeit von 24 km/h während der Rückwärtsfahrt (pag. 432 Z. 37 ff. [Be-
schuldigter 1]; pag. 71 f. Z. 295-331 [Beschuldigter 2]). Des Weiteren ist aufgrund 
des Spurenbildes davon auszugehen, dass der Beschuldigte 2 mit seinem Fahrrad 
rund vier Meter weit geschoben wurde bis das Auto des Beschuldigten 1 zum Still-
stand kam (vgl. pag. 141, pag. 206 f.). Allerdings bestreitet die Generalstaatsan-
waltschaft die Geschwindigkeit im Zeitpunkt des Aufpralls bzw. machte sie geltend, 
dass gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten 1 davon auszugehen sei, dass 
er erst im Zeitpunkt der Kollision gebremst habe, womit die Geschwindigkeit im Kol-
lisionszeitpunkt 24 km/h betragen habe (pag. 692). Der Generalstaatsanwaltschaft 
ist zwar insoweit zuzustimmen, als dass der Beschuldigte 1 unter anderem ausführ-
te, dass er sofort auf die Bremsen getreten sei, als er festgestellt habe, dass es zur 
Kollision gekommen sei (pag. 42 Z. 103 ff.). Dies lässt die Schlussfolgerung zu, 
dass er – entgegen des Berichts des UTD – das Bremsmanöver eben gerade nicht 
vor der Kollision, sondern erst währenddessen eingeleitet hat. Allerdings ist zu be-
achten, dass der Beschuldigte 1 bezüglich des Bremsmanövers unterschiedliche 
Aussagen machte. So führte er beispielsweise am 16. Mai 2019 aus, dass er den 
Beschuldigten 2 bemerkt habe, auf die Bremsen gegangen und es gleichzeitig zum 
Aufprall gekommen sei (pag. 7 Z. 186). Später in der Befragung gab er an, dass er 
gebremst habe, als er erkannt habe, dass der Beschuldigte 2 dort gestanden sei, 
viel zu nahe (pag. 9 Z. 270 ff.). Die unterschiedlichen Angaben des Beschuldigten 1 
in Bezug auf die zeitlichen Abläufe der Geschehnisse erstaunen nicht, weil sich der 
ganze Ablauf innerhalb von Sekunden und – unter Berücksichtigung der Berech-
nungen des UTD – die Einleitung des Bremsmanövers bis zur Kollision sogar in-
nerhalb einer Sekunde zugetragen hat. Die enge Aneinanderreihung von Ge-
schehnissen innert kürzester Zeit kann eine spätere Widergabe der konkreten Ab-
läufe erschweren. Die Aussagen des Beschuldigten 1 sind denn auch in diesem 
Lichte zu würdigen. Zusammen mit den Erkenntnissen des UTD kommt die Kam-
mer damit in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschul-
digte 1 das Bremsmanöver bereits vor der Kollision einleitete und folglich ein Zu-
sammenstoss mit dem Fahrrad nicht absichtlich herbeiführte, dies auch vor dem 
Hintergrund, dass der Beschuldigte 1 den Fahrradfahrenden über eine Wegstrecke 

11

von 245-282 Metern folgte, wobei er sie – gestützt auf die übereinstimmenden 
Aussagen der Beschuldigten (vgl. pag. 45 Z. 205 ff. [Beschuldigter 1]; pag. 54 
Z. 202 ff. [Beschuldigter 2]) – bereits nach einer gewissen Strecke (ca. 50-150 Me-
tern) einholte und ihnen somit über eine bestimmte Distanz mit gleicher Geschwin-
digkeit gefolgt sein muss und eben nicht geradewegs in den Beschuldigten 2 fuhr. 
Wie die Vorinstanz zu Recht schlussfolgerte, kam es zur Kollision, weil der Be-
schuldigte 1 aufgrund der eingeschränkten Sichtverhältnisse (Kindersitze, 
Schrägheck, kaputter linker Rückspiegel [vgl. pag. 197]), der Geschwindigkeit und 
des verlängerten Bremsweges die Distanz zum Beschuldigten 2 falsch einschätzte 
und nach einem kurzen Blick nach vorne nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, 
um eine Kollision zu verhindern. Ebenfalls schlüssig legte die Vorinstanz dar, dass 
die Ausgangsgeschwindigkeit, also die Geschwindigkeit vor Einleitung des Brems-
manövers, 24 km/h betrug. Durch die Einleitung des Bremsmanövers nahm die 
Geschwindigkeit im Verlauf des Bremsweges ab, womit die Geschwindigkeit zum 
Zeitpunkt der Kollision und damit nach Einleitung des Bremsmanövers weniger als 
24 km/h betragen haben muss. 

Für die Frage, weshalb der Beschuldigte 1 dem Beschuldigten 2 nachgefahren ist, 
kann auf die konstanten Aussagen des Beschuldigten 1 abgestellt werden, wonach 
er ihn nach dem Schlag auf den Rückspiegel zur Rede stellen und die Angelegen-
heit klären wollte (pag. 8 Z. 212 f., pag. 23 Z. 133 ff., pag. 432 Z. 31, pag. 688 Z. 11 
ff.). Weiter hat die Vorinstanz nachvollziehbar dargelegt, dass der Beschuldigte 1 
vor der Kollision mit dem Beschuldigten 2 keine Möglichkeit hatte, sein Fahrzeug 
zu wenden, dies, weil der Tattag ein Ostersonntag war und somit erfahrungs-
gemäss viele Parkplätze besetzt gewesen sein dürften. Zudem kam die Vorinstanz 
zu Recht beweiswürdigend zum Schluss, dass die Behauptung des Beschuldigten 
2, wonach er das Rufen des Beschuldigten 1 nicht gehört haben will als Schutzbe-
hauptung angesehen werden muss. Dafür spricht, dass der Beschuldigte 1 kon-
stant aussagte, er sei nach dem Kreuzen aus dem Auto gestiegen und habe dem 
Beschuldigten 2 nachgerufen (bspw. pag. 146, pag. 8 Z. 231 ff., pag. 432 Z. 6), 
was unter den gegebenen Umständen nachvollziehbar ist. Zudem bestätigte die 
Partnerin des Beschuldigten 2, H.________, welche nach dem Kreuzen zunächst 
neben und nicht hinter dem Beschuldigten 2 fuhr und somit auch nicht in näherer 
Reichweite des Beschuldigten 1 war als der Beschuldigte 2, dass der Beschuldigte 
1 «He» gerufen habe, er habe geschrien […], recht laut und energisch (pag. 109 
Z. 100-105, Z. 124-127). Dass der Beschuldigte 2 unter diesen Umständen die Zu-
rufe nicht gehört haben will, ist somit wenig plausibel. Vielmehr ist davon auszuge-
hen, dass die Art, wie der Beschuldigte 1 die beiden Fahrradfahrenden kreuzte, auf 
Unverständnis stiess, weshalb der Beschuldigte 2 ihm auf dessen Rückspiegel 
schlug und weiterfuhr. Aufgrund dessen stieg der Beschuldigte 1 aus und rief den 
beiden Fahrradfahrenden hinterher. Diese waren offensichtlich genervt vom Be-
schuldigten 1 (vgl. pag. 109 Z. 107-111 [H.________]; pag. 683 Z. 32 f. [Beschul-
digter 2]), weshalb sie seine Zurufe ignorierten und ihren Weg Richtung 
J.________ fortsetzten. 

Abschliessend stellt sich noch die Frage, wie weit der Beschuldigte 2 aufgrund der 
Kollision zusammen mit dem Fahrrad unter das Auto gezogen wurde. Der Beschul-
digte 2 schilderte hierzu, dass er bis zur Hüfte unter das Auto gezogen worden sei 

12

(pag. 56 Z. 262-265 und Z. 278 f., pag. 73 Z. 385 f., pag. 93 Z. 204 f.), aber nach 
fünf bis sechs Sekunden beim Beschuldigten 1 gestanden sei (pag. 74 Z. 394 f.). 
H.________ gab am Unfalltag zu Protokoll, dass die Füsse des Beschuldigten 2 
zusammen mit dem Hinterrad des Fahrrads unter dem Auto gewesen seien 
(pag. 143). Anlässlich der Befragung vom 17. Juni 2019 führte sie sodann aus, 
dass der Beschuldigte 2 nach der Kollision schnell wieder gestanden sei (pag. 110 
Z. 183-185) und es ihn unter das Auto genommen habe (pag. 111 Z. 196-204, 
Z. 217 f.), bis zu den Hüften (pag. 111 Z. 214 f.). Der Beschuldigte 1 führte diesbe-
züglich aus, dass er nach der Kollision zügig aus dem Auto ausgestiegen, der Be-
schuldigte 2 aber nicht rausgekrochen sei, dafür hätte er eine gewisse Zeit ge-
braucht, welche er bestimmt nicht gehabt habe (pag. 11 Z. 351-353). Es sei zur 
Kollision gekommen und fünf Sekunden später sei er aus dem Auto gestiegen und 
habe dem Beschuldigten 2 in die Augen geschaut (pag. 29 Z. 432-437), der Be-
schuldigte 2 sei nach der Kollision sofort aufgestanden und auf ihn losgegangen 
(pag. 43 Z. 143). 

Gestützt auf den Bericht des UTD vom 19. Mai 2019 und des Verletzungsbildes 
des Beschuldigten 2 (linksseitige Verletzungen) kann ein Überrollen des Beschul-
digten 2 und/oder des Fahrrades ausgeschlossen werden (vgl. pag. 203 ff.). Weiter 
erachtet die Kammer – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – aufgrund der 
knappen Platzverhältnisse (Bodenfreiheit unter dem Personenwagen des Beschul-
digten 2: 30 cm; Breite der Beine des Beschuldigten 2 mit dem dazwischen befind-
lichen Fahrrad: 30 cm), der Dynamik des Unfallhergangs und der am Personenwa-
gen angebrachten Anhängerkupplung die Angaben des Beschuldigten 2, wonach 
er bis zu den Hüften unter dem Auto gelegen sei, als wenig wahrscheinlich respek-
tive übertrieben. Zudem führten alle drei Beteiligten aus, dass der Beschuldigte 2 
schnell wieder gestanden sei, was kaum möglich gewesen wäre, wenn er bis zur 
Hüfte und mit dem Fahrrad zwischen den Beinen unter dem Auto gelegen wäre. 
Vielmehr spricht das schnelle Aufstehen gerade für die tatnächsten Aussagen von 
H.________, wonach der Beschuldigte 2 bis zu den Füssen unter dem Auto gewe-
sen sei. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass 
der Beschuldigte 2 nach dem Sturz zu Boden nur mit den Füssen bzw. Beinen, 
nicht aber bis zur Hüfte, unter dem Auto zu liegen kam. 

III. Rechtliche Würdigung

12. Rechtliche Grundlagen

Den Tatbestand der Gefährdung des Lebens erfüllt, wer einen Menschen in skru-
pelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr bringt (Art. 129 des Schweizerischen 
Strafgesetzbuches [SR 311.0]). In objektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand den 
Eintritt einer konkreten, unmittelbaren Lebensgefahr. Eine solche liegt vor, wenn 
sich aus dem Verhalten des Täters nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge direkt 
die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Todesfolge ergibt (BGE 133 IV 1 
E. 5.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 
6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Die Wahrscheinlich-

13

keit des Todes muss nicht grösser sein als jene seiner Vermeidung (BGE 121 IV 67 
E. 2b/aa; Urteil des Bundesgerichts 6B_1036/2014 vom 16. Februar 2015 E. 1.2.2).

Die Gefährdung des Lebens erfordert in subjektiver Hinsicht direkten Vorsatz in 
Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr. Eventualvorsatz genügt nicht (BGE 133 
IV 1 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 
E. 7.3). Bei sicherem Wissen um den Eintritt der tödlichen Verletzung liegt 
Tötungsvorsatz vor, sodass die Art. 111 ff. StGB greifen. Eine Verurteilung wegen 
Art. 129 StGB kommt daher nur in Betracht, wenn der Täter trotz der erkannten Le-
bensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Gefahr (der Todeseintritt) werde sich 
(im Gegensatz zu jener der Lebensgefahr) nicht realisieren (BGE 136 IV 76 E. 2.4; 
Urteile des Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 
6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 2.4.2; 6B_1038/2009 vom 27. April 2010 
E. 1.2, nicht publ. in: BGE 136 IV 76). Weiter erfordert der Tatbestand skrupelloses 
Handeln. Skrupellos ist ein in schwerem Grad vorwerfbares, ein rücksichtsloses 
oder hemmungsloses Verhalten (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Je grösser die vom Täter 
geschaffene Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu billigen sind, desto 
eher ist die Skrupellosigkeit zu bejahen. Diese liegt stets vor, wenn die Lebensge-
fahr aus nichtigem Grund geschaffen wird oder deutlich unverhältnismässig er-
scheint, sodass sie von einer tiefen Geringschätzung des Lebens zeugt (Urteile des 
Bundesgerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 7.3; 6B_758/2018 vom 
24. Oktober 2019 E. 2.1; 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 4.2; je mit Hinwei-
sen).

13. Objektiver Tatbestand

13.1 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt fest, dass in keinem der angeforderten Berichte beschrieben 
worden sei, dass bei der Kollision eine Lebensgefahr bestanden habe. Dies könne 
zwar nicht vorbehaltlos übernommen werden. Weil es sich jedoch um ein konkretes 
Gefährdungsdelikt handle, müsse die Beurteilung der Lebensgefahr von den je-
weils konkreten Umständen abhängen. So sei bspw. die Geschwindigkeit des Au-
tos und des Fahrrades, die Art des Fahrzeugs (LKW oder PW) entscheidend. Es 
erscheine zweifelhaft, dass für den Beschuldigten 2 durch die Kollision oder nach 
dem Sturz vom Fahrrad eine konkrete Lebensgefahr bestanden habe und diese 
insbesondere unmittelbar gewesen sei (pag. 565 f.). 

13.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft machte oberinstanzlich in Bezug auf die Frage des 
objektiven Tatbestandes von Art. 129 StGB zusammenfassend geltend, dass das 
Fahrmanöver des Beschuldigten 1 – als Reaktion auf das Schlagen auf seinen 
Rückspiegel durch den Beschuldigten 2 – heftig und lebensgefährlich gewesen sei. 
Der Beschuldigte 1 sei darauf versessen gewesen, den Beschuldigten 2 zur Rede 
zu stellen. Gestützt auf seine Aussagen sei davon auszugehen, dass die Ge-
schwindigkeit im Zeitpunkt der Kollision – entgegen der Vorinstanz – 24 km/h be-
tragen habe. Der Beschuldigte 1 habe den Beschuldigten 2 hartnäckig über eine 
Strecke von rund 300 Metern verfolgt, wobei es sich nicht um einen freien Feldweg, 
sondern eine enge, betonierte Strasse gehandelt habe. Zudem habe der Beschul-

14

digte 1 keinen Hehl daraus gemacht, dass die Rückwärtsfahrt anspruchsvoll gewe-
sen sei. Die Fahrt sei riskant gewesen und hätte im schlimmsten Fall zum Tod des 
Beschuldigten 2 führen können. Mit Blick auf die Lebensgefahr werde nicht ver-
langt, dass die Todesfolge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintre-
te. Diese Wahrscheinlichkeit des Todeseintritts müsse nicht einmal grösser sein, 
als diejenige des Ausbleibens. Die Todesgefahr müsse zwar unmittelbar aber nicht 
unausweichlich erscheinen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1258/2020 vom 12. No-
vember 2021 E. 1.4). Dass eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden habe, stehe 
somit ausser Frage (pag. 692 f.).

Die Verteidigung führte hingegen aus, es sei zweifelhaft, dass eine unmittelbare 
und konkrete Lebensgefahr für den Beschuldigten 2 tatsächlich bestanden habe. 
Die Staatsanwaltschaft habe bei den behandelnden Ärzten Bericht eingefordert und 
ihnen die Frage gestellt, ob sich der Beschuldigte 2 je in Lebensgefahr befunden 
habe. Sie seien aber keine Rechtsmediziner oder Unfallanalytiker. Eine Lebensge-
fahr könnten sie nicht belegen. Es werde nicht bestritten, dass eine Kollision immer 
tödlich enden könne, aber allein die theoretische Möglichkeit genüge für die Erfül-
lung des Tatbestands von Art. 129 StGB nicht. Es brauche eine konkrete unmittel-
bare Lebensgefahr. Eine solche sei hier nicht vorgelegen. Der Beschuldigte 1 sei 
zwar schnell, mit 24 km/h rückwärtsgefahren, die Energie sei aber nicht besonders 
hoch. Das Bundesgericht habe die konkrete und unmittelbare Lebensgefahr insbe-
sondere bei Raserdelikten und Amokfahrten bejaht. Diese Fälle hätten gemeinsam, 
dass es nur durch Zufall oder die Reaktion potenzieller Opfer nicht zu fatalen Unfäl-
len gekommen sei. Vorliegend habe der Beschuldigte 1 aber die Gefahr durch sein 
eigenes Handeln gebannt. Keiner der fraglichen Lenker sei acht Meter vor der Kol-
lision auf die Bremsen getreten. Auf Teufel komm raus jemandem hinterherzufah-
ren sei etwas anderes, als auf Teufel komm raus die Fahrt trotz Kollision fortzuset-
zen. Der Beschuldigte 1 habe den Beschuldigten 2 nicht einfach aufgeladen und 
sei weitergefahren. Im Gegenteil, er habe versucht, die Kollision zu verhindern, in-
dem er gebremst habe. Hier sei es nicht nur dem Zufall zu verdanken, dass nichts 
Schlimmeres passiert sei, sondern der Reaktion des Beschuldigten. Selbst wenn 
der Beschuldigte erst später gebremst hätte, hätte nicht zwingend eine konkrete 
und unmittelbare Lebensgefahr für den Beschuldigten 2 bestanden, wie das Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.3 zeige. Der Be-
schuldigte 2 sei zudem nach fünf Sekunden wieder selbstständig aufgestanden. Er 
habe dadurch keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitten. Anders wäre es ge-
wesen, wenn der Beschuldigte 1 nicht gebremst hätte und einfach weitergefahren 
wäre. Dann hätte tatsächliche Lebensgefahr bestehen können. Aber es gehe nicht 
darum, was hätte passieren können. Die konkrete, unmittelbare Lebensgefahr sei 
vorliegend nicht eingetreten, weil der Beschuldigte 1 vor der Kollision gebremst und 
sich nicht über die Gefahr hinweggesetzt habe. Die Situation sei zwar gefährlich 
gewesen, aber es habe keine konkrete und unmittelbare Lebensgefahr bestanden. 
Der Beschuldigte 1 habe sofort gebremst und damit Schlimmeres verhindert. Der 
objektive Tatbestand von Art. 129 StGB sei somit klar nicht erfüllt (pag. 699 ff.).

15

13.3 Erwägungen der Kammer

Der vorinstanzlichen Subsumtion kann sich die Kammer nur teilweise anschliessen. 
Vorab ist Folgendes festzuhalten: In der SVG-Praxis findet der Tatbestand der Ge-
fährdung des Lebens oft Anwendung auf Sachverhalte, welche auch die Voraus-
setzungen von Art. 90 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) er-
füllen. Bei Art. 90 Abs. 3 muss eine Gefahr vorliegen, die höher ist als jene gemäss 
Art. 90 Abs. 2 SVG. Analog der Lebensgefährdung nach Art. 129 StGB muss bei 
Art. 90 Abs. 3 SVG die Gefahr eine unmittelbare sein, nicht jedoch eine unaus-
weichliche; die nahe Möglichkeit des Erfolgseintritts genügt (Urteil des Bundesge-
richts 6B_148/2016 vom 29. November 2016 E. 1.3.2; ist der Tatbestand der Le-
bensgefährdung erfüllt, tritt Art. 90 Abs. 3 SVG aber dahinter zurück; WOHL-
ERS/COHEN, in: Strassenverkehr 4/2013, S. 5, 15, mit Hinweisen auf die Lehre). 
Daraus und aus der Tatsache, dass vorliegend eine rechtskräftige Verurteilung we-
gen Art. 90 Abs. 2 (und nicht Abs. 3) SVG vorliegt, kann nun aber nicht automa-
tisch der Umkehrschluss gezogen werden, es sei damit erwiesen, dass die verur-
sachte Gefährdung die Schwelle der Lebensgefährdung nicht erreicht habe. Es ist 
nämlich auch denkbar, dass aus anderen, formellen Gründen nicht Anklage nach 
Art. 90 Abs. 3 SVG erhoben wurde oder dass eine solche ganz einfach irrtümlich 
nicht erfolgte. Die Frage der unmittelbaren Lebensgefahr ist somit vorliegend un-
abhängig vom rechtskräftigen Schuldspruch wegen Art. 90 Abs. 2 SVG zu prüfen. 

Weiter relevant dürfte vorab die Konkurrenzfrage sein. Der Tatbestand der Gefähr-
dung des Lebens nach Art. 129 StGB geht Art. 90 SVG vor, soweit jemand durch 
eine Verkehrsregelverletzung vorsätzlich in Lebensgefahr gebracht wurde: Beide 
Tatbestände sind Gefährdungsdelikte gegen das Leben, Art. 129 StGB konsumiert 
Art. 90 SVG als schwereres Delikt (FIOLKA, in: Basler Kommentar, Strassenver-
kehrsgesetz, 2014, N. 192 zu Art. 90 SVG). Würde dieser Auffassung ohne weitere 
Differenzierung gefolgt, würde dies bedeuten, dass der Kammer neben dem 
Schuldspruch gestützt auf Art. 90 Abs. 2 SVG ein weiterer Schuldspruch nach 
Art. 129 StGB von vornherein verwehrt wäre, da wegen der eingetretenen Rechts-
kraft der vorinstanzliche SVG-Schuldspruch nachträglich nicht mehr durch einen 
weiteren Schuldspruch «konsumiert» werden kann. Das Bundesgericht hat nun 
aber in seinem Urteil 6B_794/2014 vom 9. Februar 2015 E. 5.2 Folgendes festge-
halten: Die Tatbestände der fahrlässigen Tötung oder Körperverletzung und der 
groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von aArt. 90 Ziff. 2 SVG gelangen nach 
der Rechtsprechung in echter Konkurrenz zur Anwendung, wenn neben der ver-
letzten oder getöteten Person weitere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet wur-
den (BGE 96 IV 39 E. 2; 91 IV 211 E. 4; vgl. auch BGE 119 IV 280 E. 2c). Gleiches 
gilt für durch Verkehrsregelverletzungen begangene vorsätzliche Delikte gegen 
Leib und Leben (vgl. FIOLKA, a.a.O, N. 188 zu Art. 90 SVG; WEISSENBERGER, 
Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. 2015, N. 45 zu Art. 90 SVG) und 
entsprechend auch für die Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB 
(vgl. BGE 136 IV 76; SCHULTZ, Die Strafbestimmungen des Bundesgesetzes über 
den Strassenverkehr vom 19. Dezember 1958, 1964, S. 174; FIOLKA, a.a.O., 
N. 192 zu Art. 90 SVG). Genau dies ist vorliegend der Fall. Gemäss Anklageschrift 
und rechtskräftig erstelltem Sachverhalt schuf der Beschuldigte 1 durch das Rück-
wärtsfahren auf dem schmalen F.________ eine ernstliche Gefahr für die Sicher-

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6mjshe
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5thl5yf6ylsorptsma
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5dhmjpxax3boj2f6mjshe
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pxg5thl5yf6ylsorptsma
https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/previews/bca72035-f770-49c3-8fba-5d9c723f6311%2Cc0b0510d-f94f-4318-a3ba-13ddd7298873/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/175d0842-35ac-4067-be5b-315ae82abf40/citeddoc/58a314a9-466b-4590-a28f-028a8d10e672/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/30b154f1-de04-4ff2-9856-88eef2163663/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/30b154f1-de04-4ff2-9856-88eef2163663/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/5eac5071-337f-40dc-b477-d9ce86ed9f36/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/01c82893-4572-4d0e-9502-15d9e29d3bae/citeddoc/37a3084d-bf45-45bf-bcea-65045453b655/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/30b154f1-de04-4ff2-9856-88eef2163663/902ed666-8821-4a96-af81-03534898cc69/source/document-link

16

heit anderer, insbesondere der Partnerin des Beschuldigten 2, welche ebenfalls auf 
dem F.________ Fahrrad fuhr, oder auch für Passanten, welche hätten auf die 
Strasse heraustreten können. Der Unrechtsgehalt ist somit nicht deckungsgleich, 
so dass bei Bejahung einer Gefährdung des Lebens – welche nur in Bezug zum 
Beschuldigten 2 steht – echte Konkurrenz anzunehmen wäre. 

Es ist zutreffend, dass das Bestehen von Lebensgefahr anhand der konkreten Um-
stände zu beurteilen ist. Allerdings ist dabei nicht (nur) auf den tatsächlichen Unfall 
und dessen Folgen abzustützen, sondern auch und insbesondere auf das Verhal-
ten des mutmasslichen Täters, welches Rückschlüsse auf konkret mögliche, kon-
kret riskierte Alternativausgänge zum Unfall zulässt. Es ist somit nicht relevant, 
dass die Ärzte und andere medizinische Fachleute hier anhand des Verletzungsbil-
des des Beschuldigten 2 zum Schluss kamen, eine konkrete Lebensgefahr habe 
für ihn zu keinem Zeitpunkt bestanden. Eine solche medizinische Feststellung wäre 
für die Eruierung von Lebensgefahr z.B. bei Würgen oder bei einem Messerstich 
knapp vorbei an einem lebenswichtigen Organ erforderlich. Hier ist indessen der 
Fokus auf die Art und Weise des Fahrmanövers des Beschuldigten 1 zu verlegen 
und darauf, welche Lebensgefahren ein solches Manöver bei gewöhnlichem Lauf 
der Dinge realistischerweise auch hätte verwirklichen können. Dies ist in der Folge 
zu prüfen.

Vorliegend bewegten sich Auto und Fahrrad in dieselbe Richtung, so dass die Ge-
schwindigkeitsdifferenz zwischen den beiden (Auto: max. 24 km/h; Velo: über eine 
gewisse Distanz der Verfolgungsstrecke gleich schnell wie das Auto) nicht allzu 
gross war. Dieser Umstand alleine schliesst Lebensgefahr jedoch nicht von vorn-
herein aus. Es sei dabei an die typischen Gefährdungssituationen aus dem SVG-
Bereich erinnert, bei denen durch Hinterherfahren mit zu geringem Abstand (Stoss-
stange an Stossstange und damit praktisch gleicher Geschwindigkeit beider Fahr-
zeuge) bereits bei kurzem Touchieren eine unmittelbare Lebensgefahr geschaffen 
werden kann, dort aber zugegebenermassen bei deutlich höheren Geschwindigkei-
ten (bspw. Urteil des Bundesgerichts 6B_698/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 4.3.).

Beim vorliegend Manöver bestand die Gefahr weder im Geschwindigkeitsunter-
schied der Fahrzeuge noch in der Wucht des tatsächlich erfolgten Aufpralls, son-
dern vielmehr im unterschiedlichen Kräfte-, Grösse- und Stabilitätsverhältnis zwi-
schen motorisiertem Personenwagen und einfachem Fahrrad. Es ist notorisch, 
dass bei jeglichem, auch noch so leichten Auffahren eines Autos auf ein (fahren-
des) Fahrrad ein immenses Risiko besteht, dass der Zweiräder zu Boden geht und 
der Fahrradfahrer so unter den Autorädern landet, dies umso mehr als sich beide 
Protagonisten, Auto- und Velofahrer, je den Rücken zuwendeten. Komplett anders 
wäre es, wenn der Beschuldigte 1 bei gleicher Geschwindigkeit statt auf das Fahr-
rad auf einen anderen Personenwagen aufgefahren wäre. 

Vorliegend spielt zudem eine Rolle, dass nach dem Auffahren ein «Mitschleppen» 
des zuerst aufrechten, dann gekippten Velos über knapp vier Meter erfolgte. Wäre 
der Beschuldigte 2 anders gestürzt, hätte er während dieser Strecke so auch gänz-
lich unter das Fahrzeug gelangen und sich am Unterboden verletzt haben können. 
Noch schlimmer und akut lebensgefährdend: Es ist dem reinen Zufall zu verdan-
ken, dass der Beschuldigte 2 im Zeitpunkt des Aufpralls (wieder) neben seiner 

17

Partnerin, in der Mitte der Strasse fuhr und das rückwärtsfahrende Auto ihn mittig 
erfasste. Wäre er auch nur wenig weiter links oder rechts gefahren oder wäre er 
nach der Kollision gegen links oder rechts gefallen, so hätte er geradesogut unter, 
statt zwischen den Rädern des Autos enden können. Betrachtet man das Foto der 
Tatrekonstruktion (pag. 201) wird klar, dass nur der spezifischen Landeposition des 
Fahrrads das «Mitschleppen» zu verdanken ist. Wäre der Beschuldigte 2 anders 
gefallen, wäre er möglicherweise nicht mit seinem Fahrrad mitgeschleppt worden, 
sondern unter den Rädern gelandet. Ein Überrollen eines Menschen ist auch bei 
geringen Tempi möglich, bei rund vier Metern Bremsweg wäre denkbar, sogar 
zweimal überrollt zu werden. Entscheidend ist dabei auch, dass es sich beim kon-
kreten Modell Renault Mégane 1.6 um eine Schrägheckversion älterer Generation 
handelt, welche hinter den Hinterreifen nur wenig Karosserie-Überhang (in-
kl. Stossstange) aufweist (vgl. bspw. pag. 196 und 199). Bei einem Sturz nach 
Touchierung mit der Stossstange kann man so besonders direkt und unmittelbar 
unter die Räder gelangen. Hinzu kommt, dass das Auto des Beschuldigten 1 auch 
noch über eine Anhängerkupplung verfügt, welche bei einem Sturz ebenfalls ge-
eignet ist, lebensgefährliche Verletzungen zuzufügen (vgl. auch tatsächlich erfolgte 
Kollision der Kupplung mit dem Fahrrad, Fotos pag. 203 und 209). Weiter aus-
schlaggebend ist die Tatsache, dass es sich um ein Fahrrad handelte. Fahrräder 
sind gleich wie Motorräder Zweiräder, welche empfindlich reagieren, wenn 
während der Fahrt die Balance gestört wird. Ein Quad oder bereits schon ein 
dreirädriges Motorrad läuft nicht oder zumindest weniger Gefahr, bei einem Manö-
ver wie dem vorliegenden umzukippen und den Fahrer zu verlieren. Hinzu kommt, 
dass Velofahrer notorisch ohne Schutzkleidung fahren, anders als Fahrer motori-
sierter Zweiräder. Die leibliche Gefahr ist für Fahrradfahrer somit um einiges grös-
ser. Abschliessend ist es sodann dem reinen Zufall zu verdanken ist, dass der Be-
schuldigte 1 bei seinem rückwärts ausgeführten, unübersichtlichen, schwer kontrol-
lierbaren und waghalsigen Manöver (teilweise nach vorne schauend) überhaupt so 
«frühzeitig» hat bremsen können. Hätte er auch nur eine Sekunde später reagiert, 
wäre ein viel fatalerer Ausgang zu erwarten gewesen. Insgesamt ist somit davon 
auszugehen, dass der Beschuldigte 1 mit seinem Manöver (Rückwärtsfahren in 
überhöhtem Tempo auf einem schmalen F.________ mit dem klaren Ziel, einen 
Fahrradfahrer einzuholen, zu nahes Auffahren an das Fahrrad mit zu wenig Reak-
tionszeit zum rechtzeitigen Bremsen) eine unmittelbare Lebensgefahr für den Be-
schuldigten 2 geschaffen hat, welche sich nur durch Zufall nicht verwirklicht hat. Es 
bestand die grosse Wahrscheinlichkeit eines schweren Verkehrsunfalls mit mögli-
cherweise tödlichen Folgen für den Beschuldigten 2. Der objektive Tatbestand ist 
somit erfüllt. 

14. Subjektiver Tatbestand

14.1 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz subsumierte, es fehle am subjektiven Tatbestand, weil der Beschul-
digte 1 keine Lebensgefahr des Beschuldigten 2 habe herbeiführen wollen. Dies 
zeige sich insbesondere am Umstand, dass der Beschuldigte 1 7.93 Meter vor der 
Kollision zu bremsen begonnen habe. Eine Inkaufnahme genüge nicht. Zur Skru-

18

pellosigkeit äusserte sich die Vorinstanz wegen des verneinten direkten Vorsatzes 
nicht (pag. 566; S. 42 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

14.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Zur Frage des subjektiven Tatbestandes von Art. 129 StGB äusserte die General-
staatsanwaltschaft, dass es – entgegen der Vorinstanz – nicht zweifelhaft sein 
könne, dass der Beschuldigte 1 die riskante Rückwärtsfahrt gewollt habe, obwohl 
er sich der zahlreichen Umstände bewusst gewesen sei, welche zu einer Kollision 
und im schlimmsten Fall zum Tod des Beschuldigten 2 hätten führen können. Er 
habe die Gefahrenlage konsequent aufrechterhalten. Eine Verurteilung gemäss 
Art. 129 StGB falle dann in Betracht, wenn der Täter trotz der erkannten Lebensge-
fahr handle, aber darauf vertraue, die Gefahr werde sich nicht realisieren (Urteil 
des Bundesgerichts 1B_535/2012 vom 28. November 2012 E. 4.1). Genau das sei 
hier der Fall: Der Beschuldigte 1 habe zwar um die Lebensgefahr gewusst, aber 
stets betont, er sei der Meinung gewesen, dass er die Situation im Griff habe 
(pag. 26 Z. 263 f.). Der Tatbestand der Gefährdung des Lebens erfordere zudem 
ein skrupelloses Handeln. Als skrupellos zeichne sich ein rücksichtsloses oder 
hemmungsloses Verhalten aus. Skrupellosigkeit liege stets vor, wenn die Lebens-
gefahr aus nichtigem Grund geschaffen werde oder deutlich unverhältnismässig 
erscheine. Vorliegend erschiene es deutlich unverhältnismässig, wenn der Be-
schuldigte 1 sein lebensgefährliches Fahrmanöver einzig mit dem Ziel vollzogen 
habe, einen Velofahrer, welcher sich eine geringfügige Sachbeschädigung habe 
zuschulden kommen lassen, zur Rede zu stellen, um nicht auf dem Schaden sitzen 
bleiben zu müssen. Zusammengefasst sei somit der Tatbestand von Art. 129 StGB 
erfüllt. Entsprechend habe ein Schuldspruch zu erfolgen (pag. 693). 

Die Verteidigung hielt dagegen, mehrere Indizien würden dafürsprechen, dass der 
Beschuldigte 1 den Beschuldigten 2 nicht absichtlich angefahren habe. Zum einen 
habe er seine Kinder und Grossmutter dabeigehabt. Er habe sie sicher nicht einem 
solchen Trauma aussetzen wollen. Der Beschuldigte 1 sei den Fahrradfahrern ca. 
300 Meter nachgefahren, bevor es zur Kollision gekommen sei. Hätte der Beschul-
digte 1 den Beschuldigten 2 anfahren wollen, dann hätte er dies problemlos tun 
können, ohne über diese lange Strecke rückwärtsfahren zu müssen. Das wichtigste 
Indiz sei, dass der Beschuldigte 1 gemäss UTD-Bericht das Bremsmanöver bereits 
7.93 Meter vor der Kollision eingeleitet habe. Hätte der Beschuldigte 1 das nur eine 
halbe Sekunde früher gemacht, wäre es zu keiner Kollision gekommen. Der Be-
schuldigte 1 sei dem Beschuldigten 2 fast 300 Meter hinterhergefahren, wobei er 
einen gewissen Abstand gehalten habe. Dann habe er kurz nach vorne geschaut. 
Als er wieder nach hinten geschaut habe, habe er gemerkt, dass er dem Beschul-
digten 2 viel zu nahe sei und habe daraufhin sofort das Bremsmanöver eingeleitet 
und eine Vollbremsung gemacht. In dem Moment, als er die Gefahr einer Kollision 
erkannt habe, sei es ihm nicht gleichgültig gewesen. Er habe das einzige gemacht, 
was in seiner Macht gestanden sei, um die Kollision zu verhindern, und zwar eine 
Vollbremsung. Der Beschuldigte 1 habe über alle Einvernahmen hinweg ausge-
sagt, dass er den Beschuldigten 2 nicht habe anfahren wollen. Er sei ihm nachge-
fahren, um die Angelegenheit zu klären. Die einfache Sachbeschädigung habe 
beim Beschuldigten 1 sicher nicht den Vorsatz geweckt, den Beschuldigten 2 in 

19

Lebensgefahr zu bringen. Sein Plan wäre gewesen, sein Auto zu wenden und dann 
den Fahrradfahrern vorwärts hinterherzufahren, sie zu überholen und zum Anhal-
ten zu bewegen. Es sei darauf abzustellen, dass der Beschuldigte 1 im Zeitpunkt, 
als er die Gefahr erkannt habe, alles gemacht habe, um genau das zu verhindern. 
Für alles Weitere – das rücksichtslose Rückwärtsfahren – sei der Beschuldigte 1 
bestraft worden. Über die Gefahr, dass mehr passieren könne, habe er sich nicht 
hinweggesetzt. Entsprechend sei auch kein Vorsatz oder Eventualvorsatz gege-
ben. Der Beschuldigte 1 sei entsprechend vom Vorwurf der Gefährdung des Le-
bens freizusprechen und das vorinstanzliche Urteil sei zu bestätigen (pag. 699 ff.). 

14.3 Erwägungen der Kammer

14.3.1 Vorsatz

Direkter Vorsatz beim Lebensgefährdungsdelikt bedeutet nicht, als Täter einen 
(möglicherweise tödlichen) Unfall provozieren zu wollen. Der Vorsatz muss nicht 
darauf ausgerichtet sein, überhaupt einen Unfall zu verursachen. Dies würde bei 
objektiv festgestellter lebensgefährlicher Situation nämlich bedeuteten, dass sub-
jektiv mindestens Eventualvorsatz bezüglich eines Tötungsdeliktes vorliegt, so 
dass es gar nie zur Verurteilung wegen dem Gefährdungsdelikt käme. Mit dem Ge-
fährdungsdelikt nach Art. 129 StGB sollen Täterabsichten unter Strafe gestellt wer-
den können, welche auf der einen Seite die Schwelle des (Eventual-)Vorsatzes zur 
Tötung nicht erreichen, und auf der anderen Seite wegen fehlender Verwirklichung 
einer Todesfolge als versuchtes Fahrlässigkeitsdelikt straflos bleiben. Insofern 
muss der Vorsatz des Täters lediglich auf die Schaffung einer Gefährdungssituati-
on ausgerichtet sein, welche geeignet ist, tödliche Folgen nach sich zu ziehen. Der 
Gefährdungsvorsatz ist gegeben, wenn der Täter die Gefahr kennt und trotzdem 
handelt. Hingegen muss er die Verwirklichung der Gefahr nicht gewollt haben (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_1038/2009 vom 27. April 2010 E. 1.2 mit Hinweis, nicht 
publ. in BGE 136 IV 76). Sicheres Wissen um die Gefahr, also um die Möglichkeit 
des Erfolgseintritts, ist mit sicherem Wissen um den Erfolgseintritt nicht identisch 
(STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Straftaten gegen In-
dividualinteressen, 7. Aufl. 2010, § 4 N. 12; Urteil des Bundesgerichts 6B_411/2012 
vom 8. April 2013 E. 2.2). 

Dem Beschuldigten 1 muss deshalb nicht nachgewiesen werden, dass er beab-
sichtigte, das Fahrrad des Beschuldigten 2 zu touchieren, oder durch Touchieren 
zum Anhalten/zu Fall zu bringen. Dem Beschuldigten 1 muss lediglich nachgewie-
sen werden, dass er die Lebensgefahr, die er durch sein verantwortungsloses Auf-
fahren verursacht hatte, kannte und trotzdem handelte. Dies ist hier der Fall. Der 
Beschuldigte 1 schuf durch seine Fahrweise eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit ei-
nes Auffahrunfalles, die sich letztendlich verwirklichte. Für den Beschuldigten 2 be-
stand nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit oder nahe 
Möglichkeit eines tödlichen Unfalls. Der Beschuldigte 1 kannte die hohe Wahr-
scheinlichkeit. Gleichwohl hat er das Manöver durchgeführt und mit Gefährdungs-
vorsatz gehandelt. Er konnte nicht ernsthaft davon ausgehen, die Rückwärtsfahrt 
auf dem engen F.________ in Verfolgung zweier Fahrräder bei nahem Aufschlies-
sen und vor allem im schwierigen Rückwärtsmodus mit eingeschränkter Sicht und 
notorisch fehlender Fahrübung bei dieser übermässigen Geschwindigkeit (diese 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/1fe36213-16be-4e19-8b54-6fdc1f7bda06/citeddoc/2b28bf6a-7074-469c-8bbe-5e3bf9b2018f/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/01c82893-4572-4d0e-9502-15d9e29d3bae/citeddoc/d0198389-29f4-4148-b824-9b032215d06e/source/document-link

20

reichte immerhin für eine Verurteilung nach Art. 90 Abs. 2 SVG) unter Kontrolle zu 
haben und den Beschuldigten 2 dabei nicht in Lebensgefahr zu bringen. Der Be-
schuldigte 1 war sich der engen und schwierigen Verhältnisse auf dem F.________ 
bewusst («weil es wesentlich einfacher ist, vorwärts zu fahren als rückwärts. Sie 
wissen, wie eng es dort ist» [pag. 24 Z. 184 f.]). Obwohl er immer wieder betonte, 
dass er im Zeitpunkt des Rückwärtsfahrens der Meinung war, genügend Abstand 
zu halten und die Situation im Griff zu haben, räumte er auf Vorhalt hin ein, dass es 
in solchen Situationen immer zu einem Unfall kommen könne und er sich bewusst 
sei, dass der Beschuldigte 2 im schlimmsten Fall hätte sterben können (pag. 26 
Z. 268 ff.). Er führte zudem aus, beim letzten Mal, als er zurückgeschaut habe, der 
Meinung gewesen zu sein, es bestünde genügend Abstand zu den Fahrrädern, 
dass er bei einem Manöver ihrerseits frühzeitig würde bremsen können. Als er den 
Beschuldigten 2 dann hinter seiner Stossstange gesehen habe, habe er zu brem-
sen begonnen (pag. 26 Z. 296 ff.). Damit räumte der Beschuldigte 1 implizit auch 
ein, dass er vor dem Bremsvorgang resp. Unfall nicht in die Fahrtrichtung geschaut 
hatte (vgl. auch pag. 433 Z. 18 ff. und 25 ff.). Seine Grossmutter führte auf Frage 
nach dem Zustand des Beschuldigten 1 während des Rückwärtsfahrens aus «Il 
était furieux. Il n’aime pas les injustices alors dès qu’il y a quelque chose comme 
ça et ben hop.» (pag. 121 Z. 196 ff.) und «Il roulait comme un fou.» (pag. 121 
Z. 170 f.), «il roulait à 40 à l’heure. C’est vraiment là où il a déconné.» (pag. 121 
Z. 186 f.). Dieses Verhalten (klar überhöhte Geschwindigkeit beim Rückwärtsfah-
ren, nicht ständiges Rückwärtsschauen, gesteigerte Risikobereitschaft durch er-
höhten Erregungszustand, Bewusstsein um die grundsätzliche Gefährlichkeit sol-
cher Manöver) zeigt, dass er diese Gefahr wollte, mochte sie ihm auch uner-
wünscht sein und mochte er auch darauf vertraut haben, sie werde sich nicht reali-
sieren. 

14.3.2 Skrupellosigkeit

Das Element der Skrupellosigkeit entspricht dem der Gewissenlosigkeit im früheren 
Recht. Nach BGE 114 IV 108 soll die Handlung des Täters gewissenlos sein, wenn 
sie angesichts des Tatmittels und des Tatmotivs unter Berücksichtigung der Tatsi-
tuation den allgemein anerkannten Grundsätzen von Sitte und Moral zuwiderläuft. 
Neuere Entscheide verlangen eine besondere Hemmungs- oder Rücksichtslosig-
keit, die vorliegen soll, wenn der Erfolgseintritt so wahrscheinlich ist, dass es skru-
pellos ist, sich darüber hinwegzusetzen (BGE 121 IV 70 E. 2 [= Pra. 85 (1996) 
Nr. 173]; BGE 133 IV 8), bzw. «wenn die Lebensgefahr aus nichtigem Grund ge-
schaffen wird oder deutlich unverhältnismässig erscheint, sodass sie von einer tie-
fen Geringschätzung des Lebens zeugt» (Urteile des Bundesgerichts 6B_83/2016 
E. 2.3 vom 15. Juni 2016; 6B_67/2017 E. 2.2 vom 4. August 2017; 6B_758/2018 
E. 2.1 vom 24. Oktober 2019; 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.2). Da-
mit würde jedoch praktisch jeder, der einen anderen in unmittelbare Lebensgefahr 
bringt, skrupellos handeln. Wer jemanden vorsätzlich in unmittelbare Lebensgefahr 
bringt, dürfte jedenfalls dann nicht skrupellos handeln, wenn vom Gesetz anderwei-
tig als entlastend anerkannte Umstände vorliegen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_782/2013 vom 10. Februar 2014), so wenn der Täter die Tat in Notwehrüber-
schreitung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6S.734/1999 vom 10. April 2001 E. 2 f. 
[Skrupellosigkeit trotzdem bejaht]), auf Provokation durch das Opfer hin (Urteil des 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/7607ce2c-b9a5-477c-b5cf-a8e63e20a02e/citeddoc/d6a98c83-ace2-4ee3-b52e-78bc7f72bdab/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/aa575a5a-0814-498b-8906-2350b18356de/citeddoc/9c21989e-01d3-4e7c-9806-b443c07b24f2/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/56999b82-65f5-4d83-8ed7-ab55b32af03c/citeddoc/832de016-7d4f-4d38-b37b-237f72e4aebf/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/7921d8f4-994d-49bc-a891-9437ba8a457e/citeddoc/d51781ca-20d9-4506-a121-c6f3e186f6e1/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/7921d8f4-994d-49bc-a891-9437ba8a457e/citeddoc/d51781ca-20d9-4506-a121-c6f3e186f6e1/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/4f676700-af85-4f16-9736-85389a00f97d/citeddoc/b901046e-6a78-4e7f-9e24-6a84e1f96f6c/source/document-link

21

Bundesgerichts 6S.334/2004 vom 30. November 2004 E. 3 [in diesem Entscheid 
wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer die behauptete Provokation nicht 
näher begründet oder bewiesen habe, eine eigentliche Bestätigung, dass Provoka-
tion entlastend wirken kann, findet sich dort nicht]), in entschuldbarer Gemütsbe-
wegung oder unter grosser seelischer Belastung beging. Skrupellos handelt etwa, 
wer seine Gesprächspartnerin dadurch zum Schweigen bringen will, dass er sie mit 
beiden Händen am Hals packt und heftig würgt (Urteil des Bundesgerichts 
6B_83/2016 vom 15. Juni 2016; DONATSCH, in: OFK, StGB/JStG mit Hinweis auf 
die Rechtsprechung, 21. Aufl. 2022, N. 3 zu Art. 129 StGB). 

Unter Skrupellosigkeit ist ein in schwerem Grad vorwerfbares, rücksichts- oder 
hemmungsloses Verhalten zu verstehen (BGE 122 IV 1 E. 5.1; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.2). Dafür sind die Höhe der 
geschaffenen Gefahr sowie die Beweggründe des Täters zu beurteilen. Je höher 
die vom Täter geschaffene Gefahr ist und je weniger seine Beweggründe zu billi-
gen sind, desto eher ist die Skrupellosigkeit anzunehmen (BGE 107 IV 163 E. 3; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1017/2019 vom 20. November 2019 E. 2.2; EGE, in: 
Annotierter Kommentar StGB, N. 3 zu Art. 129 StGB). 

Der Generalstaatsanwaltschaft ist darin zuzustimmen, dass vorliegend zwischen 
Mittel und Zweck ein Missverhältnis besteht. Der Grund für das Manöver des Be-
schuldigten 1, welches sich letztendlich als klar waghalsig und höchst gefährlich 
herausstellte, bestand darin, dass er den Beschuldigten 2 nicht entwischen lassen 
respektive diesen zur Rede stellen wollte, weil er ihm zuvor seinen linken Rück-
spiegel beschädigt hatte und einfach davongefahren war und sich somit über die 
gesetzliche Pflicht, anzuhalten und die Personalien anzugeben (vgl. Art. 51 Abs. 1 
und 3 SVG) hinweggesetzt hatte. Der verursachte Schaden war ein geringfügiger. 
Die gewählte Massnahme war bei dieser Ausgangslage unverhältnismässig. Inso-
fern hat der Beschuldigte 1 klar überreagiert. Ob er damit aber auch skrupellos im 
Sinne des Gesetzes gehandelt hat, dass also sein Handeln von einer tiefen Ge-
ringschätzung des Lebens zeugt, ist fraglich. Immerhin hat er nicht ganz zu Unrecht 
in der Hitze des Gefechts einen Weg gesucht, wie er den Beschuldigten 2, der sich 
nach dem verursachten Schaden (für diesen Tatvorwurf erfolgte ein rechtskräftiger 
Schuldspruch gegen den Beschuldigten 2) einfach davonmachen wollte, zur Re-
chenschaft ziehen könnte. Anders als bei vorbeifahrenden Autofahrern, bei denen 
man sich immerhin die Nummer des Kontrollschildes notieren kann, ist es bei ei-
nem Velofahrer nachträglich kaum noch möglich, diesen ausfindig zu machen, es 
sei denn, man stellt ihn vor Ort zur Rede und notiert seine Personalien. Der Be-
schuldigte 1 wusste, dass ihm angesichts des engen Strandweges ein Wenden 
nicht möglich und er zum Hinterherlaufen zu langsam sein würde. Die einzige Mög-
lichkeit war in seiner Wahrnehmung auf die Schnelle die motorisierte Verfolgung. 
Dabei war seine Absicht weder darauf ausgerichtet, auf leichtsinnige Weise seine 
Fahrkünste unter Beweis zu stellen noch dem Beschuldigten 2 durch Angstma-
chen, Touchieren oder gar «Niedermähen» eine Lektion zu erteilen. Wenn zwi-
schen Mittel und Zweck doch ein deutliches Missverhältnis bestand, als krass ist es 
unter diesen Umständen jedenfalls nicht einzustufen. Die Beweggründe des Be-
schuldigten können – ohne sein Verhalten entschuldigten oder bagatellisieren zu 
wollen – nicht gänzlich missbilligt werden. 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/555e3b09-2061-4fd1-90a4-2504a5bb6f63/citeddoc/4b1e3f3f-72d6-4571-a787-afb33b74e73a/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/addb283d-35e3-4dbd-866a-fee212825085/citeddoc/fdec2c0a-14be-44bd-a9a6-6b60d5e038ca/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/e38e877f-2a92-488f-b391-4510680e5973/citeddoc/4889deac-0597-4fab-bee8-15c32cc34806/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/addb283d-35e3-4dbd-866a-fee212825085/citeddoc/b693555f-b85d-4891-87ec-8b69fb9f53a0/source/document-link

22

Mangels Nachweis der Skrupellosigkeit ist der Beschuldigte 1 somit vom Vorwurf 
der Gefährdung des Lebens freizusprechen. 

IV. Strafzumessung

15. Vorbemerkungen

Gegenstand der nachfolgenden Strafzumessung bilden vorliegend einzig noch die 
rechtskräftigen Schuldsprüche gegen den Beschuldigten 1 wegen versuchter 
schwerer Körperverletzung zum Nachteil des Beschuldigten 2 und grober Verlet-
zung von Verkehrsregeln. Die Schuldsprüche gegen den Beschuldigten 2 wegen 
Tätlichkeiten und geringfügiger Sachbeschädigung zum Nachteil des Beschuldigten 
1 inkl. Sanktion sind demgegenüber rechtskräftig. 

16. Theoretische Grundlagen

Für die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung wird auf die korrekten Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 568 f.; S. 44 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). Wiederholend ist festzuhalten, dass, soweit die Straftat bloss 
versucht begangen worden ist, das Gericht vorerst die hypothetische schuldange-
messene Strafe für das vollendete Delikt festzulegen hat. Anschliessend ist diese 
hypothetische Strafe unter Berücksichtigung der versuchsweisen Begehung zu re-
duzieren (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

Die Strafkammern des Obergerichts verfügen als Berufungsgericht über umfassen-
de Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). 
Das gilt auch für die Strafzumessung. 

17. Strafrahmen und Strafart

Für die (versuchte) schwere Körperverletzung ist gemäss Art. 122 StGB einzig das 
Ausfällen einer Freiheitsstrafe (sechs Monate bis zehn Jahre) möglich. Der ordent-
liche Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen 
und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu 
milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Vorliegend sind keine solche ausserge-
wöhnlichen Umstände ersichtlich. Der Strafrahmen für die versuchte schwere Kör-
perverletzung reicht somit von sechs Monaten Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren 
Freiheitsstrafe. 

Eine grobe Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 SVG kann mit einer Gelds-
trafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren sanktioniert werden. Der konkrete 
Strafrahmen beträgt somit drei Tagessätze Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstra-
fe. Aufgrund des konkreten Verschuldens kommt vorliegend nur eine Strafe in Fra-
ge, welche unter 180 Strafeinheiten zu liegen kommt. Die Geldstrafe geht der Frei-
heitsstrafe grundsätzlich vor (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1). Der Beschuldigte hat keine 
Vorstrafen und auch somit einen intakten Leumund. Es sind keine Gründe ersicht-
lich, vom gesetzlich vorgesehenen Primat der Geldstrafe abzuweichen (Art. 41 
Abs. 1 StGB). Die Strafe ist daher als Geldstrafe auszusprechen. 

23

18. Konkrete Strafzumessung

18.1 Versuchte schwere Körperverletzung (rechtskräftiger Schuldspruch)

18.1.1 Rechtskräftig erstellter und beurteilter Sachverhalt gemäss Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtet in Bezug auf den Vorwurf der versuchten schweren Kör-
perverletzung folgenden Sachverhalt als erstellt (pag. 553 f., pag. 561 f.; S. 29 f., 
S. 37 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung): 

Das Gericht erachtet es deshalb aufgrund der Arztberichte zu den Unfallfolgen lediglich als erstellt, 
dass C.________ aufgrund der Kollision eine Schulterprellung (am Oberarmkopf), eine kollabierte Ba-
ker-Zyste am linken Knie sowie diverse Schürfwunden an der linken Körperseite erlitt. Hingegen lässt 
sich eine Fraktur an der Schulter und dass die heute noch bestehenden Rücken- und Nackenschmer-
zen auf den Verkehrsunfall zurückzuführen sind, nicht beweisen. 

Zudem war C.________ für sieben Tage zu 100% arbeitsunfähig. Es lag somit weder ein langer Spi-
talaufenthalt noch eine lang andauernde Arbeitslosigkeit vor. Ferner wurde C.________ keine Invali-
dität attestiert. C.________ machte an der Hauptverhandlung geltend, unter anhaltenden Schmerzen 
im Rücken und im Nacken zu leiden. Wie ausgeführt wurde ist jedoch fraglich, inwiefern diese 
Schmerzen auf den Unfall zurückzuführen sind. Die bereits in den Akten befindlichen und an der 
Hauptverhandlung von Rechtsanwalt D.________ eingereichten Arztbelege und -berichte lassen 
diesbezüglich keinen Schluss zu. C.________ räumte anlässlich der Hauptverhandlung denn auch 
ein, sich bereits drei Hüftoperationen unterzogen zu haben und bereits vor dem Unfall bei einer Os-
teopathin und einem Atlasologen in Behandlung gewesen zu sein. Ebenfalls geht aus dem Bericht 
vom 13.03.2020 der orthopädischen Behandlung hervor, dass die rechte Schulter therapiert wurde. 
Es kann damit nach Ansicht des Gerichts nicht ausgeschlossen werden, dass die noch bestehenden 
Schmerzen nicht auf die Kollision, sondern auf diese bereits vorbestehenden körperlichen Einschrän-
kungen zurückzuführen sind. 

Weiter machte C.________ zu Recht nicht geltend, dass die Schmerzen zu einer erheblichen Beein-
trächtigung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit führten. Dies zeigt die Tatsache, dass er nun 
wieder zu 100% arbeitstätig ist. 

In Bezug auf allfällig psychische Beeinträchtigungen kam die Vorinstanz zum 
Schluss, es könne zwar nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte 2 
von der Kollision psychische Folgen davongetragen habe. Allerdings könne nicht 
erstellt werden, ob und in welchem Umfang er aufgrund der Kollision an psychi-
schen Folgen gelitten habe (pag. 554; S. 30 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Die Verletzungen wurden objektiv als einfache Körperverletzung qualifiziert 
(pag. 570; S. 46 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Zur subjektiven Seite führte die Vorinstanz aus, dass der Beschuldigte 1 die Gefahr 
einer Kollision gekannt habe. Er habe den Beschuldigten 2 aber nicht absichtlich 
anfahren bzw. schwer verletzten wollen, weshalb ein direkter Vorsatz verneint wur-
de (pag. 563; S. 39 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Zum Eventualvorsatz 
erwog die Vorinstanz sodann Folgendes (S. 39 f.; pag. 563 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung):

Das Risiko der Tatbestandsverwirklichung war im vorliegenden Fall sehr gross. C.________ wurde 
auf seinem Fahrrad von hinten angefahren, hatte somit keine Möglichkeit, die Gefahr kommen zu se-
hen und darauf mit ausweichen, bremsen oder sonstigen Manövern zu reagieren. Ferner ist ein Sturz 

24

des Fahrradfahrers vom Fahrrad als Folge eines Anpralles mit einem Fahrzeug aufgrund der unter-
schiedlichen Kräfteverhältnisse unvermeidbar. Auch war die Gefahr einer schweren Körperverletzung 
an der konkreten Unfallstelle hoch. Die Kollision fand nicht auf einem freien Feldweg, sondern einer 
engen betonierten Strasse statt und es befindet sich bei dem auf der rechten Strassenseite ange-
brachten Zaun ein Randstein, der die Gefahr einer schweren Körperverletzung bei einem Sturz zu-
sätzlich erhöhte. Die Sorgfaltspflichtverletzung von A.________ ist ebenfalls als sehr gross zu be-
zeichnen. Er fuhr mit einer massiv übersetzen Geschwindigkeit, nämlich 24 km/h statt der gesetzlich 
erlaubten 5 km/h Schritttempo, rückwärts. Ferner war die Sicht beim Rückwärtsfahren durch das 
schräge Heck, die zwei Kindersitze und den kaputten linken Rückspiegel eingeschränkt. Auch konnte 
A.________ die Distanz zum Velofahrer unter diesen Umständen nicht richtig einschätzen. Weiter 
verlängerte sich der Bremsweg beim Rückwärtsfahren, was A.________ grundsätzlich wusste. Das 
von ihm eingegangene Risiko konnte A.________ daher kaum richtig einordnen. Weiter zeigt die Tat-
sache, dass A.________ den Fahrradfahrer über eine Strecke von knapp 300 Metern nachgefahren 
ist, dass er sein Ziel hartnäckig verfolgte. Er hätte während dem Nachfahren ohne Weiteres genügend 
Zeit gehabt, sich zu besinnen und die Verfolgung abzubrechen. Die Fahrweise und das Fahrmanöver 
ist daher als absolut unangebracht zu bezeichnen. Auch aus dem Beweggrund kann A.________ 
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es ging ihm lediglich darum, den Fahrradfahrer zur Rede zu stel-
len, der ihm zuvor den Rückspiegel durch einen Schlag mit der Hand kaputt gemacht hat. Für eine 
bloss geringe Sachbeschädigung war er also bereit, den Fahrradfahrer einer sehr grossen Gesund-
heitsgefahr auszusetzen. Die Würdigung der gesamten Umstände, insbesondere aber die grosse Ge-
fahr der Tatbestandsverwirklichung und die grosse Sorgfaltspflichtverletzung, lässt einzig den Schluss 
zu, dass A.________ mit seinem Fahrmanöver in Kauf genommen hat, dass es zu einer Kollision mit 
dem Fahrradfahrer kommt, dieser deshalb stürzt und sich schwer verletzt. Oder anders gesagt: Für 
A.________ hat sich aufgrund seines Fahrmanövers der Eintritt des Erfolges als so wahrscheinlich 
aufgedrängt, dass ihm die Bereitschaft ihn als Folge hinzunehmen vernünftigerweise nur noch als In-
kaufnahme des Erfolges ausgelegt werden kann. Mit Blick auf die Umstände konnte A.________ nicht 
darauf vertrauen, dass die Kollision sich nicht verwirklichen werde, weil er die Situation unter Kontrolle 
hatte bzw. der Fahrradfahrer reagieren konnte.

18.1.2 Objektive Tatschwere

Ausmass der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts

Ausgangspunkt der Strafzumessung ist die Einschätzung der Tatkomponenten. 
Dabei ist abzuklären, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut durch das 
Verhalten des Beschuldigten beeinträchtigt wurde. Weil der Erfolg beim versuchten 
Delikt nicht eingetreten ist, hat das Gericht in einem ersten Schritt vom hypothe-
tisch vollendeten Delikt auszugehen. Es hat eine hypothetische Beurteilung vorzu-
nehmen und sich dabei zu fragen, welche Folgen eingetreten wären, wenn die 
strafbare Handlung entsprechend dem Vorsatz des Beschuldigten vollendet wor-
den wäre (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, Rz. 73 und Rz. 121).

Durch die Kollision wurde der Beschuldigte 2 in seinem hochrangigen Rechtsgut 
der körperlichen Unversehrtheit verletzt, was allerdings tatbestandsimmanent ist 
und sich daher neutral auswirkt. Der Beschuldigte 2 hätte beim Zusammenstoss 
mit dem Personenwagen des Beschuldigte 1 weitaus mehr unter das Fahrzeug ge-
langen und – wäre er weiter links oder rechts gefahren – sogar überrollt werden 
können. Dabei hätte er weit erheblichere Verletzungen als die letztlich festgestell-
ten (Schulterprellung am Oberarmkopf, kollabierte Baker-Zyste am linken Knie, di-

25

verse Schürfwunden an der linken Körperseite) erleiden können. Es handelte sich 
zudem um eine schmale, betonierte Strasse mit einem Randstein, wobei das Ver-
letzungspotential wesentlich höher ist, als auf einem offenen, weitläufigen Feldweg. 
Relativierend ist aber zu beachten, dass beispielsweise bei einem Zusammenstoss 
mit einem Lastwagen (statt dem Personenwagen des Beschuldigten 1) noch weit-
aus schlimmere Verletzungen denkbar gewesen wären. 

Art und Weise des Vorgehens / Verwerflichkeit des Handelns

Bei Gewaltdelikten spielt das Ausmass bzw. die Intensität der Gewalteinwirkung für 
die Einordnung der Tatschwere eine wichtige Rolle. Je übermässiger das gewalt-
same Vorgehen und je brutaler die Einwirkung auf das Opfer ist, desto verwerfli-
cher ist die Tat und desto schwerer wiegt letztlich das Verschulden. Die Verschul-
denseinschätzung wird auch dadurch beeinflusst, ob und inwieweit es dem Opfer 
möglich ist bzw. war, sich gegen einen Angriff zu wehren (MATHYS, a.a.O., N. 93 f.).

Der Beschuldigte 2 wurde vom Verhalten des Beschuldigten 1 überrascht und 
konnte dem rückwärtsfahrenden Auto aufgrund der Wegverhältnisse nicht auswei-
chen. Der Beschuldigte 1 fuhr dem Beschuldigten 2 gesetzeswidrig über mehrere 
100 Meter rückwärts in fünffach überhöhter Geschwindigkeit bei eingeschränkter 
Sicht hinterher, was sich straferhöhend auswirkt. 

Fazit objektive Tatschwere

In Relation zum ausgesprochen weiten Strafrahmen und anderen denkbaren Fällen 
ist das Verschulden im mittleren Bereich des leichten Verschuldens anzusiedeln. 
Für das vollendete Delikt erachtet die Kammer – in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz – eine hypothetische Strafe von 30 Monaten Freiheitsstrafe als angemes-
sen. 

18.1.3 Subjektive Tatschwere

Willensrichtung und Beweggründe

Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Hierfür ist eine Strafminderung zu 
gewähren (vgl. MATHYS, a.a.O., Rz. 249 mit Verweis auf BGE 133 IV 222 E. 5.3). 
Vorliegend wird der Eventualvorsatz im Umfang von vier Monaten Freiheitsstrafe 
strafmindernd berücksichtigt.

Grund für das gefährliche Fahrmanöver des Beschuldigten 1 war, nicht auf dem 
durch den Beschuldigten 2 verursachten (geringen) Schaden sitzen zu bleiben. Die 
gewählte Massnahme war bei dieser Ausgangslage klar unverhältnismässig, kann 
aber auch nicht gänzlich missbilligt werden. Insgesamt rechtfertigt sich eine Straf-
erhöhung im Umfang von zwei Monaten Freiheitsstrafe. 

Vermeidung der Verletzung und Gefährdung des betroffenen Rechtsguts

Die vom Beschuldigten 1 begangene Tat war ohne Weiteres vermeidbar. Er hätte 
sich gegen eine waghalsige Rückwärtsfahrt entscheiden können. Dieser Umstand 
wirkt sich aber neutral aus.

Fazit subjektive Tatschwere

26

Insgesamt rechtfertigt sich unter dem Titel der subjektiven Tatschwere somit eine 
Reduktion der Strafe um zwei auf 28 Monate Freiheitsstrafe. 

18.1.4 Strafmilderungsgrund: Versuch

Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-
hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollen-
dung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann 
das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

Die verschuldensangemessene Strafe für das vollendete Delikt ist aufgrund der le-
diglich versuchten Tatbegehung zu reduzieren. Die Reduktion hängt von der Nähe 
des Erfolges und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab (MATHYS, a.a.O., 
Rz. 124).

Die Vorinstanz reduzierte die Strafe aufgrund der versuchsweisen Begehung um 
zehn Monate Freiheitsstrafe, dies, weil der Beschuldigte 1 mit seinem Bremsmanö-
ver eine schwere Körperverletzung verhindert habe (pag. 571 f.; S. 47 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Die Kammer kann sich dieser Begründung mit dem 
Vorbehalt anschliessen, dass der Beschuldigte 1 zwar durch sein Bremsmanöver 
Schlimmeres hat verhindern können, der Zeitpunkt des Bremsens aber auf Grund 
der selber geschaffenen Gesamtumstände seiner Kontrolle weitgehend entzogen 
war. Es ist auch insofern eher dem Zufall zu verdanken, dass das Bremsmanöver 
nicht eine halbe oder gar eine ganze Sekunde später eingeleitet werden konnte. 
Der Abzug wegen Versuchs hat daher geringer auszufallen. Insgesamt rechtfertigt 
die versuchte Tatbegehung eine weitere Reduktion um acht Monate.

18.1.5 Zwischenfazit

Für die versuchte schwere Körperverletzung erscheint der Kammer gestützt auf die 
vorangehenden Ausführungen eine Strafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe als dem 
Verschulden des Beschuldigten 1 angemessen. 

18.1.6 Täterkomponenten

Der Beschuldigte 1 ist Gesellschafter und Geschäftsführer der L.________ GmbH, 
welche für die M.________ tätig ist (pag. 687 Z. 10 ff.). Er hat keine Vorstrafen und 
lebt in geordneten familiären, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Insge-
samt wirken sich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse neutral aus. 

Hinsichtlich seines Verhaltens nach der Tat und im Strafverfahren kann festgehal-
ten werden, dass der Beschuldigte 1 insofern Einsicht und Reue an den Tag legte, 
als dass er mehrfach äusserte, dass die Rückwärtsfahrt dumm und ein Fehler ge-
wesen sei (bspw. pag. 434 Z. 7 f., pag. 688 Z. 22 f.). Eine Entschuldigung an den 
Beschuldigten 2 blieb allerdings aus (pag. 685 Z. 21 ff.). Des Weiteren war der Be-
schuldigte 1 geständig, wobei relativierend zu beachten ist, dass sein Geständnis 
nicht merklich zur Ermittlung beitrug, weil die Beweislage bereits relativ klar war. 
Insgesamt erscheint aber eine Strafminderung von sechs Monaten angemessen. 

Eine besondere Strafempfindlichkeit des Beschuldigten 1 ist nicht ersichtlich.

Die Täterkomponenten wirken sich gesamthaft im Umfang von sechs Monaten 
strafmindernd aus. Die Freiheitsstrafe beträgt damit 14 Monate. 

27

18.1.7 Vollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von 
höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not-
wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver-
gehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).

Aufgrund der Vorstrafenlosigkeit und dem somit tadellosen Leumund ist dem Be-
schuldigten 1 der bedingte Vollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer minimalen 
Probezeit von zwei Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

18.2 Grobe Verkehrsregelverletzung (rechtskräftiger Schuldspruch)

18.2.1 Rechtskräftig erstellter und beurteilter Sachverhalt gemäss Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtet in Bezug auf den Vorwurf der groben Verkehrsregelverlet-
zung folgenden Sachverhalt als erstellt (pag. 568.; S. 44 der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung): 

A.________ ist mit seinem Fahrzeug auf dem F.________ in G.________ den Fahrradfahrern zwi-
schen 245 und 282 Meter rückwärts nachgefahren. Zudem fuhr er entgegen der gesetzlichen Vor-
schrift mit einer Geschwindigkeit von 24 km/h statt Schritttempo von 5 km/h […]. 

Durch seine Fahrweise hat A.________ die Verkehrssicherheit ernstlich bzw. abstrakt gefährdet. Er 
hätte mit weiteren Verkehrsteilnehmern als C.________ nämlich mit dessen Ehefrau 
oder Personen, die aus den am Strassenrand liegenden Häusern treten, kollidieren können. Beim Tat-
tag handelte es sich um den Ostersonntag womit mutmasslich viele Personen unterwegs gewesen 
sind. Ebenfalls gefährdete A.________ abstrakt seine Kinder und Grossmutter, die in seinem Fahr-
zeug mitfuhren. 

In subjektiver Hinsicht hat A.________ die abstrakte Gefährdung weiterer Verkehrsteilnehmer in Kauf 
genommen. Er handelte mindestens in bewusster Fahrlässigkeit, indem er sich dieser Gefahr bewusst 
war, aber darauf vertraute, dass sie sich nicht verwirklichte. 

18.2.2 Objektive und subjektive Tatschwere sowie Täterkomponenten

Die Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältin-
nen und Staatsanwälte (nachfolgend VBRS-Richtlinien) sehen für gewisse Delikts-
kategorien normierte Strafen vor. Die Kammer ist nicht an diese Richtlinien gebun-
den, sie können jedoch als Orientierungspunkte dienen (vgl. etwa Urteil des Bun-
desgerichts 6B_510/2019 vom 8. August 2019 E. 4.3.).

Die VBRS-Richtlinien sehen für eine einfache Verkehrsregelverletzung durch nicht 
vorschriftsgemässes Rückwärtsfahren eine Busse in der Höhe von CHF 300.00 vor 
(S. 21, Ziff. 2.7.) und für eine grobe Verkehrsregelverletzung eine Strafe ab 12 
Strafeinheiten (S. 7, Ziff. 2.). 

Der Beschuldigte 1 hat die erlaubte Geschwindigkeit von 5 km/h bei Rückwärtsfah-
ren um rund das Fünffache überschritten. Die unübersichtliche Rückwärtsfahrt er-
streckte sich zudem über einen Weg von rund 300 Metern auf einer engen, seitlich 
begrenzten Strasse. Dadurch gefährdete er nebst seinen Fahrzeuginsassen und 
den beiden Fahrradfahrenden auch weitere Personen, welche auf die Fahrbahn 
hätten treten können. Straferhöhend wirkt sich wiederum der Beweggrund für das 
gefährliche Fahrmanöver aus. Reduzierend fällt allerdings ins Gewicht, dass der 

28

Beschuldigte 2 eventualvorsätzlich handelte und zudem geständig und reuig war. 
Die Tat wäre ohne Weiteres vermeidbar gewesen. Eine Strafempfindlichkeit ist 
beim Beschuldigte 1 zudem nicht auszumachen. Entsprechend rechtfertigt sich – 
im Übereinstimmung mit der Vorinstanz – eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen. 
Die Höhe des Tagessatzes bleibt dabei unverändert bei CHF 90.00. 

18.2.3 Vollzug

In Bezug auf die Frage der Vollzugsform kann auf das in Ziff. 18.1.7 hiervor Gesag-
te verwiesen werden. Einträge im Strafregister oder im ADMAS-Register sind nicht 
verzeichnet. Entsprechend ist dem Beschuldigten 1 der bedingte Vollzug unter An-
setzung einer minimalen Probezeit von zwei Jahren zu gewähren (Art. 44 Abs. 1 
StGB). 

18.3 Fazit Strafmass

Der Beschuldigte 1 ist somit zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer 
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 90.00, ausmachend total CHF 10'800.00, 
zu verurteilen, wobei ihm jeweils der bedingte Vollzug zu gewähren ist, unter An-
setzung einer Probezeit von zwei Jahren. 

V. Verfahrenskosten und Entschädigung

19. Verfahrenskosten

19.1 Erstinstanzliche Verfahrenskosten

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 
auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 
StPO). Die beschuldigte Person trägt die (erstinstanzlichen) Verfahrenskosten, 
wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Bei einem Freispruch trägt 
grundsätzlich der Kanton Bern die Verfahrenskosten (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

Die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten (ohne amtliche Entschädigung) 
von insgesamt CHF 22'200.00 (CHF 10'000.00 Kosten der Vorinstanz; 
CHF 10'550.00 Kosten der Untersuchung; CHF 1'000.00 Auftritt Staatsanwalt-
schaft; CHF 50.00 allgemeine Auslagen; CHF 600.00 Auslagen Beschuldigter 2 
[medizinische Berichte]; pag. 346 f., pag. 475, pag. 490 ff.) ist nicht zu beanstanden 
und wird entsprechend bestätigt. 

Der Beschuldigte 2 beantragt in seiner Berufung sinngemäss, von jeglicher erstin-
stanzlichen Kostenauflage entbunden zu werden («Die erstinstanzlichen Verfah-
renskosten seien dem Kanton Bern sowie A.________ je anteilsmässig zur Bezah-
lung aufzuerlegen» [pag. 615]). Diese Haltung kann nicht nachvollzogen werden. 
Die vorinstanzliche Kostenauflage traf ihn nicht als Zivilkläger, sondern als Be-
schuldigten. Somit gilt auch für ihn, dass er die Verfahrenskosten zu tragen hat, 
wenn er verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte 2 wurde in beiden 
Anklagepunkten schuldig gesprochen und wird somit grundsätzlich kostenpflichtig. 

A maiore minus ist davon auszugehen, dass sein Antrag auf Aufhebung der ge-
samten Kostenpflicht auch eine Reduktion umfasst. Die Ausscheidung von 1/5 an 

29

den Gesamtkosten erscheint in Anbetracht der konkret zu beurteilenden Delikte auf 
beiden Seiten, der dafür abstrakt vorgesehenen Strafzumessungen (zwei Verbre-
chen/ein Vergehen, die Staatsanwaltschaft beantragte dafür vor erster Instanz 45 
Monate Freiheitsstrafe vs. zwei Übertretungen, die Staatsanwaltschaft beantragte 
dafür vor erster Instanz eine Einstellung und einen Freispruch, letztendlich gab es 
CHF 150.00 Busse und Strafbefreiung), aber auch des konkreten objektiven Ver-
schuldens tatsächlich hoch. Wären die zu behandelnden Tatvorwürfe gegen den 
Beschuldigten 2 im Strafbefehlsverfahren und vor Einzelgericht abgetrennt behan-
delt worden, wären die dafür anfallenden Verfahrenskosten deutlich geringer aus-
gefallen. Aber auch die Betrachtung des Aufwands, welchen das Verfahren gegen 
den Beschuldigten 2 den Strafverfolgungsbehörden effektiv verursacht haben dürf-
te (bereits ersichtlich am Umfang des Themas in der Anklageschrift sowie im vorin-
stanzlichen Motiv), rechtfertigt eine Reduktion des auf den Beschuldigten 2 fallen-
den Anteils. 

Dass die den Beschuldigten 2 betreffenden Auslagen von CHF 600.00 (medizini-
sche Berichte) dem Beschuldigten 1 auferlegt wurden, ist nachvollziehbar, stehen 
sie doch mit den Ermittlungen betreffend Körperverletzung in Zusammenhang. 
Weshalb die Auslagen divers der Staatsanwaltschaft (Porto, Kopien etc.) von 
CHF 50.00 dem Beschuldigten 1 allein auferlegt und nicht ebenfalls anteilsmässig 
auf beide Parteien aufgeteilt wurden, ergibt sich aus dem vorinstanzlichen Urteil 
nicht. Entsprechend sind (lediglich) die Auslagen von CHF 600.00 vorab von den 
gesamten Verfahrenskosten von CHF 22'200.00 in Abzug zu bringen, womit ein 
Betrag von CHF 21'600.00 resultiert. Es erscheint angezeigt, dem Beschuldigten 2 
einen Anteil von 1/10 dieser Verfahrenskosten, ausmachend CHF 2'160.00, aufzu-
erlegen. 

Der vorinstanzliche Freispruch des Beschuldigten 1 wurde bestätigt. Die Ausschei-
dung von 1/5 der auf den Beschuldigten 1 entfallenden Verfahrenskosten dafür, 
ausmachend CHF 4'008.00 (1/5 von CHF 20'040.00), erachtet die Kammer als an-
gemessen. Diese Kosten gehen zu Lasten des Kantons Bern. Entsprechend be-
trägt der auf die Schuldsprüche entfallende Betrag CHF 16'032.00 (4/5 von 
CHF 20'040.00). Dieser wird dem Beschuldigten 1 auferlegt. 

19.2 Oberinstanzliche Verfahrenskosten

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelver-
fahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Ob bzw. inwieweit ei-
ne Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in 
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen 
werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1040/2016 vom 2. Juni 2017 E. 1.1.1.).

Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten werden in Anbetracht des beschränkten 
Themas auf CHF 3'500.00 bestimmt. Die berufungsführende Generalstaatsanwalt-
schaft ist mit ihren Anträgen unterlegen. Der berufungsführende Beschuldigte 2 ist 
mit seinen Anträgen etwa zu 1/2 durchgedrungen. Schuld und Strafe standen nicht 
mehr zur Diskussion. Er hat mit seiner Berufung erwirkt, dass er aus dem ihn be-
treffenden Strafverfahren weniger Verfahrenskosten tragen und dem Beschuldigten 
1 als Strafkläger keine Entschädigung bezahlen muss (siehe sogleich). Sein Unter-

30

liegen zu 1/2 begründet sich entsprechend im «Überklagen» betreffend Verfah-
renskostenabänderung. 

Für den Beschuldigten 1 hat sich wunschgemäss in der Hauptsache keine Verän-
derung zum erstinstanzlichen Urteil ergeben. Hingegen ist er im Kostenpunkt teil-
weise unterlegen. Die Verfahrenskosten sind deshalb im Umfang von 7/10 
(CHF 2'450.00) dem Kanton Bern, im Umfang von 2/10 (CHF 700.00) dem Be-
schuldigten 1 und im Umfang von 1/10 (CHF 350.00) dem Beschuldigten 2 zur Be-
zahlung aufzuerlegen. 

20. (Amtliche) Entschädigungen

20.1 Theoretische Grundlagen

Zu den Verfahrenskosten gehören grundsätzlich auch die Kosten der amtlichen 
Verteidigung (Art. 422 Abs. 2 Bst. a StPO). Diese werden von der Kammer jedoch 
praxisgemäss separat ausgeschieden. 

Gemäss Art. 135 Abs. 1 StPO wird die amtliche Verteidigung nach dem Anwalts-
tarif desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde. 
Art. 135 Abs. 4 StPO bestimmt, dass die beschuldigte Person bei einer Verurtei-
lung zu den Verfahrenskosten dazu verpflichtet ist, (Bst. a) dem Kanton die der 
amtlichen Verteidigung ausgerichtete Entschädigung zurückzuzahlen und (Bst. b) 
der Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol-
len Honorar zu erstatten, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das 
Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädigung ihrer Auf-
wendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 436 
Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO). Dazu gehört insbesondere der Ersatz 
der Kosten für den Beizug eines Anwalts (WEHRENBERG/FRANK, in: Basler Kom-
mentar, StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 12 ff. zu Art. 429 StPO). Das Anwaltshono-
rar bestimmt sich ebenfalls nach dem Kantonalen Anwaltsgesetz (KAG; BSG 
168.11) und der Verordnung über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Par-
teikostenverordnung [PKV; BSG 168.811]) (vgl. BGE 142 IV 163 E. 3.1.2). 

20.2 Erstinstanzliches Verfahren

20.2.1 Beschuldigter 1

Es liegen keine Gründe vor, die Höhe des erstinstanzlich festgesetzten amtlichen 
Gesamthonorars für den Verteidiger des Beschuldigten 1 (vgl. pag. 578 und 584), 
total ausmachend CHF 15'082.05 (56.08325 Stunden zzgl. 5.5 Stunden umgerech-
nete Praktikantenstunden à CHF 200.00, ausmachend CHF 12'316.65, 
CHF 887.10 Auslagen, CHF 800.00 Reisezuschlag mit MWST und CHF 1'078.30 
MWST 7.7%), zu korrigieren. 

Von diesem anwaltlichen Gesamtaufwand stellen 9/10 Verteidigungskosten dar. 
Entsprechend entschädigt der Kanton Bern Rechtsanwalt B.________ für die amt-
liche Verteidigung des Beschuldigten 1 im erstinstanzlichen Verfahren mit 
CHF 13'573.85 (9/10 von CHF 15'082.05). Darauf besteht im Umfang von 4/5 
gemäss seinem anteilsmässigen Unterliegen eine Rück- und Nachzahlungspflicht. 

31

Das volle Honorar wird praxisgemäss auf der Grundlage eines Stundenansatzes 
von CHF 250.00 berechnet. Entsprechend hat der Beschuldigte 1 dem Kanton 
Bern 4/5 der für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichteten amtlichen Entschä-
digung von insgesamt CHF 13'573.85, ausmachend CHF 10'859.10, zurückzuzah-
len und Rechtsanwalt B.________ 4/5 der Differenz zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar von insgesamt CHF 2'984.65, ausmachend 
CHF 2'387.70, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 StPO). Im Umfang von 1/5 besteht weder eine Rück- noch eine 
Nachzahlungspflicht. 

Im Umfang von 1/5 fällt der anwaltliche Gesamtaufwand von rund 61.5 Stunden, 
ausmachend rund 12.3 Stunden, in die private Rechtsvertretung des Beschuldigten 
1 im Verfahren gegen den Beschuldigten 2. Für den dort entstandenen Aufwand 
hat die Vorinstanz den Beschuldigten 2 nach dem Unterliegerprinzip zur Bezahlung 
einer Entschädigung von CHF 4'343.95 (1/5 von dessen ganzem Aufwand, aber 
100% des privatklägerischen Aufwands) verurteilt. Die CHF 4'343.95 entsprechen 
1/5 des vollen Honorars gemäss Kostennote von Rechtsanwalt B.________, wobei 
dort mit einem Stundenansatz von CHF 300.00 gerechnet wurde (pag. 484). Dage-
gen wehrt sich der Beschuldigte 2 mittels Berufung. Er will die Aufhebung dieser 
Entschädigungsverpflichtung. Wie der Beschuldigte 2 zu Recht darauf hinweist, 
sind Entschädigungsforderungen bei den Strafbehörden zu beantragen, zu bezif-
fern und zu belegen (Art. 433 Abs. 2 StPO). Vorliegend fehlt es an einem entspre-
chenden Antrag, auch implizit (vgl. pag. 258, pag. 302, pag. 478 ff. pag. 484 ff.). 
Entsprechend schuldet der Beschuldigte 2 dem Beschuldigten 1 für seine Aufwen-
dungen im erstinstanzlichen Verfahren auch keine Entschädigung. 

20.2.2 Beschuldigter 2

Die erstinstanzlich verfügte Entschädigung durch den Beschuldigten 1 an den Be-
schuldigten 2 als Privatkläger (4/5 des geltend gemachten vollen Honorars von 
Rechtsanwalt D.________, ausmachend CHF 10'897.10) hat keine der Parteien in 
Frage gestellt und ist entsprech