# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c58a7f86-08fd-5bf2-bfce-499da854a174
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.12.2023 B-5918/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-5918-2017_2023-12-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 

 

 

 Abteilung II 

B-5918/2017 

 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 

 
Richter Stephan Breitenmoser (Vorsitz), 

Richter David Aschmann, Richterin Mia Fuchs; 

Gerichtsschreiber Ralf Straub. 

 

 
 

Parteien 

 
Siegenia-Aubi AG,  

Zelgstrasse 97, 3661 Uetendorf,    

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Reinert,  

Baker & McKenzie,  

Holbeinstrasse 30, Postfach, 8034 Zürich,  

Beschwerdeführerin,  
 

 
gegen 

 

 
Wettbewerbskommission,  

Hallwylstrasse 4, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  
Gegenstand 

 
Unzulässige Wettbewerbsabrede. 

 

B-5918/2017 

Seite 2 

Inhaltsverzeichnis: 

Sachverhalt ............................................................................................ 3 

Erwägungen ......................................................................................... 17 

 

I. Prozessvoraussetzungen .............................................................. 17 

II. Geltungs- und Anwendungsbereich des Kartellgesetzes ................ 18 

III. Rechtmässigkeit des vorinstanzlichen Verfahrens ......................... 18 

IV. Relevanter Markt ......................................................................... 21 

V. Unzulässige Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 KG ...................... 22 

1) Abreden .......................................................................................... 23 

a) Beteiligte einer Wettbewerbsabrede .................................. 23 

b) Verhältnis der Abredebeteiligten ........................................ 24 

c) Abredeform ....................................................................... 28 

2) Wettbewerbsbeschränkung ............................................................. 40 

3) Wettbewerbsbeseitigung ................................................................. 54 

4) Wettbewerbsbeeinträchtigung ........................................................ 54 

5) Erheblichkeit ................................................................................... 55 

6) Rechtfertigungsgründe .................................................................... 58 

7) Fazit Wettbewerbsabrede ................................................................ 60 

VI. Sanktionen .................................................................................. 60 

1) Massgebende Sanktionsvorschriften ................................................ 60 

2) Vorwerfbarkeit ................................................................................ 62 

3) Sanktionsbemessung ....................................................................... 63 

a) Allgemeines ....................................................................... 63 

b) Basisumsatz ...................................................................... 65 

c) Basisbetrag ....................................................................... 70 

d) Dauer des wettbewerbswidrigen Verhaltens ...................... 77 

e) Berücksichtigung des mutmasslichen Gewinns ................. 83 

f) Sonstige Sanktionserhöhung ............................................. 84 

g) Milderung des Sanktionsbetrags ....................................... 90 

h) Maximalsanktion ................................................................ 96 

i) Übersicht Sanktionsbemessung ........................................ 96 

j) Sanktionsherabsetzung wegen Dauer des Verfahrens ...... 97 

VII. Gesamtbeurteilung der Beschwerde ............................................. 99 

VIII. Verfahrenskosten und Parteientschädigung ............................... 100 
 

Dispositiv ........................................................................................... 101 

B-5918/2017 

Seite 3 

 

Hinweis: Bei allen im Urteil nachfolgend in geschwungenen Klammern aufgeführ-

ten Leerstellen, Ersetzungen oder Zahlenangaben handelt es sich um Anonymi-

sierungen von Geschäftsgeheimnissen der Parteien oder von Dritten. 

 

Sachverhalt: 

A.  Gegenstand 

Gegenstand des vorliegenden Urteils bildet die von der Wettbewerbs-

kommission (nachfolgend auch: WEKO oder Weko) am 18. Oktober 2010 

erlassene Verfügung in Sachen Untersuchung Nr. 22-0358 betreffend 

Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren (RPW 2010/4, 717, nachfol-

gend: angefochtene Verfügung). Danach hätten im Zeitraum zwischen 

2004 und 2007 (nachfolgend: massgeblicher Zeitraum) verschiedene Un-

ternehmen der Fensterbeschlagsbranche einschliesslich der Beschwer-

deführerin durch die Mitwirkung an einer Preisabrede hinsichtlich der 

Durchführung von Preiserhöhungen bei Beschlägen für Fenster- und 

Fenstertüren eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung gemäss Art. 5 

des Kartellgesetzes vom 6. Oktober 1995 (KG, SR 251) verwirklicht, 

weshalb die Beschwerdeführerin mit einem Betrag gemäss Art. 49a KG 

sanktioniert wurde. 

B.  Beschwerdeführerin 

B.a  Die Beschwerdeführerin (nachfolgend: Siegenia) ist eine 1977 ge-

gründete Aktiengesellschaft mit Sitz in Uetendorf. Ihr Zweck besteht in 

der Herstellung und dem Vertrieb von Baubeschlägen sowie der Verwer-

tung von Patenten und Schutzrechten und dem Erwerb von Grundstü-

cken. Sie ist eine Tochtergesellschaft der deutschen Siegenia-Aubi KG in 

Wilnsdorf (nachfolgend: Siegenia D) und damit eine Konzerngesellschaft 

der Siegenia-Gruppe. 

C.  Sonstige Unternehmen 

C.a   Die nachfolgend aufgeführten Unternehmen waren als Untersu-

chungsadressaten ebenfalls in die Untersuchung der Vorinstanz einbezo-

gen und stellen auch Verfügungsadressaten der angefochtenen Verfü-

gung dar. Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung 

ergaben sich hierbei die nachfolgend aufgeführten Unternehmensaspek-

te. 

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C.b   Die Roto Frank (Schweiz) GmbH (nachfolgend: Roto) ist eine 

1972 gegründete Gesellschaft mit Sitz in Dietikon (vormals bis 2012: Roto 

Frank AG mit Sitz in Zürich). Ihr Zweck besteht im Vertrieb von Baube-

schlägen und Bauzubehör. Sie ist eine Tochtergesellschaft der deutschen 

Roto Frank AG in Leinfelden-Echterdingen (nachfolgend: Roto D) und 

damit eine Konzerngesellschaft der Roto-Gruppe. 

C.c   Die Koch Group AG Wallisellen (vormals bis 2015: Paul Koch AG; 

nachfolgend: Koch) ist eine seit 1979 bestehende schweizerische Aktien-

gesellschaft mit Sitz in Wallisellen. Der Zweck der Gesellschaft besteht im 

Handel mit Beschlägen, Werkzeugen und Maschinen, Planung, Montage 

und Service von Schliessanlagen sowie Zutritts-, Verschluss- und Ret-

tungswegtechnik. Sie ist eine Gruppengesellschaft der Koch-Gruppe, zu 

der auch die Koch Group AG St. Gallen (vormals bis 2015: Eugen Koch 

AG, nachfolgend auch: Koch-St. Gallen) mit Sitz in St. Gallen sowie die 

Koch Group AG Bern (vormals bis 2015: KWB Beschläge AG, nachfol-

gend auch: Koch-Bern) mit Sitz in Bern gehören. Die Koch-Gruppe ist 

nach eigenen Angaben die grösste Händlerin für Fenster- und Fenster-

türbeschläge in der Schweiz.  

C.d    Die Gretsch-Unitas AG (nachfolgend: GU) ist eine 1991 gegründe-

te Aktiengesellschaft mit Sitz in Rüdtligen bei Kirchberg. Ihr Zweck be-

steht im Handel und der Herstellung von Baubeschlägen sowie Metallwa-

ren aller Art. Sie ist eine Tochtergesellschaft der deutschen Gretsch-

Unitas GmbH in Ditzingen (nachfolgend: GU D) und damit eine Konzern-

gesellschaft der GU-Gruppe. 

C.e   Die SFS unimarket AG (nachfolgend: SFS) ist eine 2001 gegrün-

dete Aktiengesellschaft mit Sitz in Widnau und Domiziladresse in 

Heerbrugg. Ihr Zweck besteht im Vertrieb sowie der Entwicklung und 

Herstellung von Beschlägen, Befestigungselementen, Konstruktionstei-

len, Werkzeugen und anderen Produkten. Sie ist eine Tochtergesellschaft 

der SFS Group AG (vormals: SFS Holding AG) mit Sitz in Heerbrugg 

(nachfolgend: SFS Holding) und damit eine Konzerngesellschaft der SFS-

Gruppe. Nach mehreren Fusionen mit anderen Gruppengesellschaften 

lautet ihre Firma heute SFS Group Schweiz AG. 

C.f   Die deutsche Winkhaus Fenstertechnik GmbH & Co. KG in Teltge 

betrieb bis Juni 2007 eine Zweigniederlassung in Winterthur. Seit diesem 

Zeitpunkt bearbeitet die Winkhaus-Gruppe (nachfolgend: Winkhaus) den 

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schweizerischen Markt direkt aus Deutschland mit zwei Aussendienstmit-

arbeitern der Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG in Teltge. 

C.g   Die Mayer & Co. Beschläge GmbH (nachfolgend: Maco) ist eine 

österreichische Gesellschaft mit Sitz in Salzburg. Ihr Zweck besteht in der 

Produktion von Baubeschlägen für Fenster und Fenstertüren, Türschlös-

sern, Fenstergriffen und Ladenbeschlägen. 

D.  Wesentliche Aspekte des Geschäftsbereichs 

D.a   Den Gegenstand der angefochtenen Verfügung bilden die Wett-

bewerbsverhältnisse im Geschäftsbereich der Baubeschläge für Fenster 

und für Fenstertüren (nachfolgend zusammen: Fensterbeschläge).  

D.b   Bei einer Fenstertüre handelt es sich im Wesentlichen um ein 

Fenster mit Türfunktion. Da eine sachliche Differenzierung zwischen 

Fenstern und Fenstertüren für die vorliegende Angelegenheit nicht erfor-

derlich ist, wird eine entsprechende Differenzierung nachfolgend nicht 

mehr erwähnt, sondern nur noch insgesamt auf den Begriff «Fenster» 

abgestellt.  

D.c   Als Fensterbeschläge sind alle mechanischen Teile zu qualifizie-

ren, welche Fensterrahmen und Fensterflügel verbinden und die Öff-

nungs- und Schliessfunktion eines Fensters steuern. Fensterbeschläge 

umfassen dabei alle Beschlagskomponenten, welche die Öffnungs- und 

Schliessfunktion sicherstellen. Dabei sind die Beschlagskomponenten 

aufeinander abgestimmt und bilden eine funktionale Einheit, wodurch sich 

jeweils spezifische Beschlagsgarnituren für bestimmte Fenstertypen er-

geben. 

D.d   Fensterbeschläge werden in unterschiedlicher Art für Fenster mit 

verschiedenen Arten der Fensteröffnung hergestellt: Dreh-Kipp-

Mechanismus, Drehmechanismus, Kippmechanismus, Schwingmecha-

nismus, Hebeschiebmechanismus, Parallelschiebmechanismus, Falt-

schiebmechanismus. Der ganz wesentliche Teil der Fensterbeschläge im 

Umfang von rund 80%-90% ist in Zentraleuropa als Dreh-Kipp-Beschlag 

ausgestaltet, wodurch bei einem Fenster eine Öffnung sowohl mittels ei-

ner Kippstellung als auch durch eine Drehstellung verwirklicht werden 

kann. 

D.e   Bei Fenstern lassen sich aufgrund ihrer Bauart zwei grundsätzli-

che Kategorien unterscheiden: Holz- und Kunststofffenster sowie Alumi-

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niumfenster. Während Holz- und Kunststofffenster zumeist durch speziali-

sierte Fensterproduzenten oder Holzbetriebe hergestellt werden, erfolgt 

die Produktion von Aluminiumfenstern durch Metallbaubetriebe, Fassa-

denbauer und Schlossereien. Aufgrund der Bauart bedürfen die jeweili-

gen Fenster unterschiedlicher Fensterbeschläge.   

D.f   Von den Fensterbeschlägen zu unterscheiden ist das Beschlags-

zubehör. Hierzu zählen Fenstergriffe, Bänder, Bauchemie, Schwellen, 

Regenschienen, Dichtungen, Schrauben, Getriebe u.a. Das Beschlags-

zubehör wird üblicherweise über andere Bezugsquellen als die Fenster-

beschläge bezogen.  

D.g   Für die Herstellung eines Fensterbeschlags werden vorwiegend 

nichtrostende metallische Stoffe wie Stahl, Zamak und Aluminium einge-

setzt. 

E.  Vertriebsstrukturen 

E.a   Die massgeblichen Hersteller von Fensterbeschlägen in Europa 

sind Roto D, Siegenia D, GU D, Maco und Winkhaus. Auf diese fünf Be-

schlaghersteller entfallen auch nahezu sämtliche in der Schweiz abge-

setzten Produkte an Fensterbeschlägen. Neben diesen massgeblichen 

Beschlagherstellern sind in Europa nur noch einige wenige Hersteller von 

Fensterbeschlägen vorhanden, deren Fokus auf Nischenmärkte ausge-

richtet ist und die in der Schweiz nicht selbst geschäftstätig sind.  

E.b   Der Vertrieb ihrer Fensterbeschläge innerhalb der Schweiz durch 

die massgeblichen Beschlaghersteller erfolgt im Wesentlichen über natio-

nale Vertriebsvertretungen in Gestalt von Tochtergesellschaften oder Nie-

derlassungen und/oder über Zwischenhändler als Vertriebsmittler in Ge-

stalt von Grosshändlern (Koch und SFS) oder kleineren Einzelhändlern 

(z.B. Rudolf Geiser AG, Immer AG, Fritz Blaser & Cie. AG) an die Her-

steller von Fenstern (nachfolgend: Fensterproduzenten). Diese verwen-

den die Fensterbeschläge zum Einbau in die jeweils von ihnen hergestell-

ten Fenster, die sie wiederum gegenüber den Endkunden in Gestalt von 

Bauunternehmen, Architekten und Privaten, welche den Einbau eines 

montagefertigen Fensters nachfragen, absetzen. Im Bedarfsfall beliefern 

sich die Grosshändler auch gegenseitig. In einem sehr geringen Umfang 

werden Fensterproduzenten direkt von Lieferanten aus Deutschland be-

liefert.  

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E.c   Im massgeblichen Zeitraum haben die Hersteller Roto D und GU 

D sowie Winkhaus ihre Produkte über ihre in der Schweiz domizilierten 

Tochtergesellschaften Roto und GU sowie ihre Zweigniederlassung ver-

trieben. Diese nationalen Herstellervertretungen haben sowohl die Fens-

terproduzenten direkt als auch die Zwischenhändler beliefert. 

E.d   Siegenia D hat ihre Produkte ebenfalls über ihre schweizerische 

Tochtergesellschaft Siegenia vertrieben. Siegenia wiederum hat die Pro-

dukte mehrheitlich über die Koch-Gruppe abgesetzt, die als Grosshändle-

rin wiederum an Fensterproduzenten und Einzelhändler verkauft. Dane-

ben hat Siegenia auch direkte Lieferbeziehungen zu drei Kunden unter-

halten, um die Geschäfte mit diesen Kunden nicht an die Konkurrenz zu 

verlieren. 

E.e   Auf Kundenwunsch hin haben die Koch-Gruppe und SFS als 

Grosshändler auch Fensterbeschläge anderer Beschlaghersteller als die 

von ihnen üblicherweise vertriebenen Produkte geliefert. 

E.f   Maco hat ihre Produkte in der Schweiz über SFS vertrieben, die 

als Grosshändlerin wiederum die Fensterproduzenten und die Einzel-

händler beliefert hat. Darüber hinaus hat Maco einen Kunden auch direkt 

beliefert. 

E.g    Die Fensterproduzenten lassen sich in drei Kategorien einteilen, 

die sich hinsichtlich Produkteangebot, Betriebsgrösse und Umsatz deut-

lich voneinander unterscheiden. Den grossen Fensterproduzenten mit ei-

nem Umsatz von mehr als 20 Mio. CHF, welche die Fenster automatisiert 

und in grossen Stückzahlen produzieren, stehen die kleinen Fensterpro-

duzenten mit einem Umsatz von weniger als 10 Mio. CHF gegenüber, die 

zumeist als Schreinereibetriebe ausgestaltet sind. Bei den mittelgrossen 

Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 20 Mio. CHF variiert 

die Ausgestaltung entsprechend. 

E.h   Die grosse Mehrheit der Fensterproduzenten bezieht die Fenster-

beschläge stets vom gleichen Lieferanten. Der Wechsel eines Lieferanten 

ist mit relativ grossem Aufwand in Bezug auf die elektronische Erfassung 

und Verwendung im Kalkulations- und Produktionsprozess durch das je-

weilige IT-System sowie die Schulung der Mitarbeiter verbunden. Ein Lie-

ferantenwechsel kommt deshalb relativ selten vor. 

E.i  Preiserhöhungen werden auf unterschiedliche Art und Weise vor-

genommen. In der Regel wird die Preisbasis, d.h. der Verkaufspreis des 

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jeweiligen Lieferanten, erhöht, indem diese mit einem Materialteuerungs-

zuschlag (nachfolgend: MTZ) versehen wird. Vereinzelt bleibt die Preis-

basis unverändert, und die Preiserhöhung erfolgt mittels Kürzungen von 

Nachlässen, insbesondere durch die mit den einzelnen Abnehmern ver-

handelten individuellen Rabattanpassungen.  

F.   Marktverhältnisse 

F.a   Für den relevanten Markt der Fensterbeschläge mit Dreh-Kipp-

Mechanismus bestanden aufgrund der durchgeführten Marktuntersu-

chungen für das Jahr 2007 folgende, vorliegend relevanten Marktanteile: 

(1) die Koch-Gruppe, die Siegenia-Gruppe, die Roto-Gruppe und Wink-

haus sowie SFS wiesen einen Gesamtanteil von über 90% des Markts 

auf; (2) die Koch-Gruppe, die Siegenia-Gruppe, die Roto-Gruppe und 

Winkhaus vereinten einen Gesamtanteil von über 80% des Markts auf 

sich. 

G.  Geschehensablauf 

G.a   In der Zeit zwischen November 1999 und Juli 2007 kam es zu ho-

rizontalen Preisabsprachen von europäischen Herstellern von Fensterbe-

schlägen einschliesslich der für die Schweiz massgeblichen Beschlag-

hersteller, in welche die jeweiligen nationalen Vertriebsgesellschaften der 

Hersteller in den einzelnen Staaten der Europäischen Union (nachfolgend 

auch «EU») einbezogen waren. Die EU-Kommission sanktionierte neun 

Hersteller wegen dieser wettbewerbswidrigen Abreden mit einer Geld-

busse von 86 Mio. Euro (EU-Kom, 28.3.2012, COMP/39452 – Beschläge 

für Fenster und Fenstertüren, Siegenia-Aubi KG, Roto AG u.a., ABl. 2012 

C 292/6). Die Sanktionsverfügungen gegenüber den als Verfügungsad-

ressaten in Anspruch genommenen einzelnen Unternehmen wurden 

rechtskräftig, weil von diesen keine Rechtsmittel ergriffen oder eingelegte 

Rechtsmittel zurückgezogen wurden. 

G.b   In den Jahren 2004 sowie 2006/2007 kam es auch zu Preiserhö-

hungen von Fensterbeschlägen in der Schweiz. Dabei erfolgte jeweils ei-

ne Vielzahl von Kontakten zwischen den Untersuchungsadressaten in der 

Schweiz.  

G.c   Für die Beurteilung des von der Beschwerdeführerin gemäss der 

angefochtenen Verfügung zu sanktionierenden Verhaltens sind die nach-

folgend aufgeführten Ereignisse von massgeblicher Bedeutung. Diese 

gliedern sich in zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Hand-

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lungen, denen die gleiche sachliche Thematik eines Materialteuerungszu-

schlags wegen gestiegener Rohstoffpreise zu Grunde liegt. 

G.d    Im Jahre 2004 hatte Roto Kontakt zur Beschwerdeführerin wegen 

der Durchführung einer Preiserhöhung aufgenommen, die in Form eines 

Materialteuerungszuschlags von 6% zum 23. April 2004 durchgeführt 

werden sollte. Hierzu hatte Roto bereits ein entsprechendes Ankündi-

gungsschreiben vorbereitet. Auch die Beschwerdeführerin hatte sich zu 

diesem Zeitpunkt zu einer Preiserhöhung von 6% entschieden. Allerdings 

konnte sie diese Preiserhöhung gegenüber ihren Kunden nicht durchset-

zen. Die Beschwerdeführerin teilte Roto mit, dass von ihr eine entspre-

chende Preiserhöhung nicht vorgenommen werden könne, weil diese von 

ihren Kunden nicht anerkannt werde. Nach verschiedenen wechselseiti-

gen Konsultationen änderte Roto ihr Vorhaben ab und führte ihre Preiser-

höhung in zwei Etappen mit 3,5% zum 1. Juli 2004 und 2,5% zum 1. Sep-

tember 2004 durch. Die Beschwerdeführerin erhöhte ihre Preise ebenfalls 

in zwei Etappen jeweils um 3% zum 1. Juli 2004 und zum 1. Oktober 

2004. 

G.e  Zu Beginn des Jahres 2006 war eine neuerliche Preiserhöhung 

bei Fensterbeschlägen durch die Beschlaghersteller aufgrund der gestie-

genen Rohstoffpreise absehbar. Daraufhin kam es im Laufe des Jahres 

2006 zu verschiedenen Kontaktaufnahmen der schweizerischen Untersu-

chungsadressaten mit einem Austausch über die Ausgestaltung der 

Preiserhöhung. 

G.f   Im Rahmen einer solchen Kontaktaufnahme wurde Roto von Sie-

genia im August 2006 mitgeteilt, dass diese eine Preiserhöhung von 5% 

bis 6% auf den 1. September 2006 durchführen werde. Bereits vorgängig 

war gegenüber Koch eine Preiserhöhung von 6% auf den 1. September 

2006 durch Siegenia angekündigt worden. 

G.g   Mit E-Mail vom 7. September 2006 lud Koch sämtliche Untersu-

chungsadressaten mit Ausnahme von Maco und GU zu einem Treffen ein. 

Unter dem Betreff «Terminanfrage Umsetzung MTZ 2007» wurde u.a. 

ausgeführt: «Aufgrund der Preisentwicklung der Rohmaterialien Stahl, 

Zink und Alu sowie der gestiegenen Sozial- und Transportkosten werden 

alle Hersteller Preisaufschläge ankündigen. Bezüglich Umsetzung und 

Höhe sollten wir uns in der Schweiz abstimmen, um dem internationalen 

Preisniveau etwas näher zu kommen.» 

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G.h  Mit E-Mail vom 8. September 2006 bestätigte Koch den Bespre-

chungstermin vom 22. September 2006. Zudem wurde darüber informiert, 

«dass sich GU entschuldigen lässt, diese hätten ohnehin einen MTZ von 

4,2% per 01.09.2006 umgesetzt».  

G.i    Am Treffen vom 22. September 2006 nahmen Koch, Roto, SFS, 

Siegenia und Winkhaus teil. Gegenstand der Besprechung bildete der 

Aspekt, ob eine Preiserhöhung für 2007 vorgenommen werden soll und 

falls ja, wie hoch diese Preiserhöhung ausfallen und zu welchem Zeit-

punkt sie angekündigt und durchgeführt werden soll. Hierzu tauschten die 

Teilnehmer Informationen über Verkaufspreise, Marktsituation und ihre 

Vorstellungen und Absichten über Preiserhöhungen aus.   

G.j  Anlässlich der Besprechung verständigten sich Koch, Roto, Sie-

genia und Winkhaus darüber, bis Ende Oktober 2006 eine Preiserhöhung 

in Form eines Materialteuerungszuschlags in der Höhe von mindestens 

5% zum 1. Februar 2007 anzukündigen. Von Seiten der Selbstanzeigerin 

Roto wurde der Inhalt dieser Verständigung folgendermassen angege-

ben: Roto um 5,8% zum 1. Februar 2007, Koch und Siegenia um 5,7% 

zum 1. Februar 2007 sowie Winkhaus um 6% bereits zum 1. Januar 

2007. Von Seiten Koch wurde dementsprechend geltend gemacht, dass 

im Rahmen der Verständigung ihre angekündigte Preiserhöhung von 6% 

auf den 1. September 2006 in eine Preiserhöhung von 5,7% zum 1. Feb-

ruar 2007 umgewandelt worden sei.  

G.k   Mit E-Mail vom 16. Oktober 2006 informierte Winkhaus die übri-

gen Teilnehmer der Besprechung, dass die Preiserhöhung in der Höhe 

von 6% bis spätestens 1. Februar 2007 umgesetzt sei. Dabei wurde das 

betreffende Preiserhöhungsschreiben an die Kunden als Anlage beige-

fügt. Die E-Mail weist zudem die Aufforderung zum gegenseitigen Aus-

tausch der Preiserhöhungsschreiben auf. Bereits vorgängig hatte Wink-

haus anlässlich eines Treffens am 29. September 2006 über die Umset-

zung der Preiserhöhung um 6% auf den 1. Januar 2007 informiert. 

G.l  Die Ankündigung der Preiserhöhungen wurde durch Koch, Siege-

nia, Roto und Winkhaus wie vorgesehen bis Ende Oktober gegenüber 

den jeweiligen Kunden vorgenommen. 

G.m   Die Preiserhöhungsschreiben an die Kunden wurden von Koch, 

Siegenia, Roto und Winkhaus wechselseitig ausgetauscht. 

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G.n   Die Preiserhöhungen wurden durch Koch, Roto, Siegenia und 

Winkhaus wie vorgesehen im Januar bzw. Februar vorgenommen. 

G.o   Die Anwendung des koordinierten Materialteuerungszuschlags 

durch die Abredebeteiligten einschliesslich der Beschwerdeführerin er-

folgte jedenfalls bis Juli 2007. Zu diesem Zeitpunkt waren aufgrund einer 

Selbstanzeige von Roto Hausdurchsuchungen bei verschiedenen Ab-

redebeteiligten durch die Wettbewerbsbehörden durchgeführt worden. Im 

Nachgang hierzu erfolgte in unterschiedlicher Ausgestaltung auch eine 

gewisse Kooperation der Abredebeteiligten mit den Wettbewerbsbehör-

den.   

G.p   Der wesentliche Inhalt der Besprechung am 22. September 2006 

wird durch verschiedene handschriftliche Notizen sowie Aktennotizen von 

Sitzungsteilnehmern belegt. Im Übrigen sind die Durchführung des Tref-

fens einschliesslich der Teilnahme der angeführten Unternehmen, der 

Gegenstand der Besprechung einschliesslich des Austauschs von Infor-

mationen über die Preiserhöhungen sowie die vorgesehene Ankündigung 

der Preiserhöhungen und die Umsetzung der Preiserhöhungen unstrittig. 

H.  Vorinstanzliches Verfahren 

H.a   Am 10. Juli 2007 ging beim Sekretariat der Wettbewerbskommis-

sion (nachfolgend: Sekretariat) eine Selbstanzeige in Form einer schriftli-

chen Unternehmenserklärung von Roto ein. Am 26. Juli 2007 hat das 

Sekretariat im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der 

Wettbewerbskommission unter Vorbehalt von Art. 11 Abs. 1 SVKG den 

vollständigen Erlass der Sanktion gemäss Art. 8 Abs. 1 SVKG zu Guns-

ten von Roto bestätigt. Im weiteren Verlauf des Untersuchungsverfahrens 

hat Roto ergänzende Beweismittel und angefragte Informationen übermit-

telt.     

H.b   Gestützt auf diese Selbstanzeige eröffnete das Sekretariat am 16. 

Juli 2007 eine Untersuchung gemäss Art. 27 KG gegen die potentiellen 

Abredebeteiligten einschliesslich der Beschwerdeführerin als Verfü-

gungsadressaten. Das Sekretariat gab die Eröffnung der Untersuchung 

mittels amtlicher Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 

30. Juli 2007 (Nr. 145, S. 38) sowie im Bundesblatt vom 7. August 2007 

(BBl 2007 6007) bekannt. 

H.c   Bei verschiedenen Untersuchungsadressaten wurden daraufhin 

Hausdurchsuchungen im Sinne von Art. 42 Abs. 2 KG durchgeführt. Im 

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Seite 12 

Rahmen der Hausdurchsuchungen wurde umfangreiches Aktenmaterial 

beschlagnahmt und dieses in Beschlagnahmungsprotokollen unter Anga-

be von Gegenstand, Fundort etc. dokumentiert. Die Server dieser Unter-

nehmen wurden dabei gespiegelt. 

H.d   Nach vorgängig angekündigter voller Kooperationsbereitschaft hat 

SFS dem Sekretariat eine Meldung im Sinne von Art. 12 Abs. 3 SVKG 

samt Beilagen eingereicht.  

H.e   Ab dem 12. März 2008 wurden die Untersuchungsadressaten vom 

Sekretariat schriftlich befragt. Die schriftlichen Antworten gingen zwischen 

dem 26. März 2008 und dem 18. Januar 2010 ein. Des Weiteren wurden 

55 Fensterverarbeiter, neun Zwischenhändler, zwei schweizerische Fach-

verbände sowie Dritte zur Abgabe von Auskünften aufgefordert. Sämtli-

che Antworten gingen zwischen dem 12. Februar 2009 und dem 22. Mai 

2009 beim Sekretariat ein. 

H.f   Am 14. Juli 2010 übermittelte das Sekretariat sämtlichen Untersu-

chungsadressaten den Verfügungsantrag zur Stellungnahme. Die einzel-

nen Stellungnahmen hierzu wurden im Laufe des August 2010 einge-

reicht. 

H.g   Ebenfalls am 14 Juli 2010 versandte das Sekretariat einen Vor-

schlag einer einvernehmlichen Regelung an Roto, Siegenia, SFS, Koch 

und Winkhaus einschliesslich einer voraussichtlichen Sanktionsberech-

nung. Im August 2010 wurde zwischen dem Sekretariat sowie Roto, Sie-

genia und Winkhaus eine einvernehmliche Regelung abgeschlossen. Von 

Koch und SFS sowie Maco wurde der Abschluss einer einvernehmlichen 

Regelung abgelehnt. 

H.h   Am 18. Oktober 2010 erliess die Wettbewerbskommission die an-

gefochtene Verfügung mit folgendem Dispositiv: 

«1. Es wird festgestellt, dass die von den Untersuchungsadressaten Roto 

Frank AG, Dietikon, Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG, Telgte, Siegenia-Aubi 

AG, Uetendorf, Paul Koch AG, Wallisellen, und SFS unimarket AG, 

Heerbrugg, im Jahre 2006/2007 praktizierte/getroffene Wettbewerbsabrede 

betreffend Preiserhöhungen nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 

Abs. 3 lit. a KG unzulässig ist.  

2. Es wird festgestellt, dass die von den Untersuchungsadressaten Roto 

Frank AG, Dietikon, und Siegenia-Aubi AG, Uetendorf, praktizierte/getroffene 

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Seite 13 

Wettbewerbsabrede betreffend Preiserhöhungen im Jahre 2004 nach Mass-

gabe von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 5 Abs. 3 lit. a KG unzulässig ist.  

3. Die zwischen dem Sekretariat der Wettbewerbskommission und den Un-

tersuchungsadressaten Roto Frank AG, Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG 

und Siegenia-Aubi AG abgeschlossenen einvernehmlichen Regelungen wer-

den genehmigt im Sinne von Art. 29 Abs. 2 KG.  

4. Die Untersuchung gegen Gretsch-Unitas AG, Rüdtligen b. Kirchberg, und 

Mayer & Co. Beschläge GmbH, Salzburg, wird ohne Folgen eingestellt.  

5. Die an den unzulässigen Wettbewerbsabreden beteiligten Untersu-

chungsadressaten werden für das unter Ziffer 1 und Ziffer 2 vorstehend be-

schriebene Verhalten gestützt auf Art. 49a KG mit folgenden Beträgen belas-

tet:  

Roto Frank AG 0 CHF 

SFS unimarket AG    557‘200 CHF 

Siegenia-Aubi AG 3‘876‘465 CHF 

Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG 235‘381 CHF 

Paul Koch AG  2‘957‘817 CHF 

6. Die Verfahrenskosten von insgesamt CHF 718‘670 (bestehend aus einer 

Gebühr von CHF 715‘670 und Auslagen von CHF 3‘000) werden den Adres-

saten der Verfügung zu gleichen Teilen und unter solidarischer Haftung auf-

erlegt. Da die Untersuchung gegen GU und Maco eingestellt wird, geht ihr 

Anteil zu Lasten der Staatskasse. Somit werden die verbleibenden Unter-

nehmen wie folgt belastet: 

Roto Frank AG 102‘667 CHF 

SFS unimarket AG    102‘667 CHF 

Siegenia-Aubi AG 102‘667 CHF 

Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG 102‘667 CHF 

Paul Koch AG  102‘667 CHF 

7. [Rechtsmittelbelehrung] 

8. [Eröffnung]» 

 

I.  Bundesverwaltungsgerichtliches Beschwerdeverfahren  

(B–8499/2010) 

I.a   Die Verfügung der Wettbewerbskommission wurde von der Be-

schwerdeführerin mit Beschwerde vom 6. Dezember 2010 beim Bundes-

verwaltungsgericht mit den später aufrechterhaltenen Anträgen (vgl. SV 

K.d) angefochten. 

B-5918/2017 

Seite 14 

I.b   Die Beschwerdeführerin beantragte, die angefochtene Verfügung 

sei sowohl aus formellen als auch aus materiellen Gründen vollumfäng-

lich aufzuheben. Sie brachte dabei die Einwände vor, die von ihr auch im 

fortgeführten Verfahren weiterhin geltend gemacht werden. 

I.c  Die Vorinstanz liess sich am 28. Februar 2011 innert erstreckter 

Frist zur Beschwerde vernehmen und beantragte deren Abweisung unter 

Kostenfolge, soweit darauf einzutreten sei. Dabei stützt sie sich auf die 

Gründe, die sie in der angefochtenen Verfügung und im vorliegenden Ver-

fahren vorgetragen hat. 

I.d  Mit Replik vom 2. Mai 2011 und Duplik vom 11. Juli 2011 führten 

die Parteien ihre jeweiligen Standpunkte weiter aus, wobei sie an ihren 

Anträgen festhielten. 

I.e   Mit Schriftsätzen vom 5. Januar 2012 bzw. 3. und 9. Februar 2012 

beantworteten die Vorinstanz und die Beschwerdeführerin Fragen des 

Bundesverwaltungsgerichts. 

I.f   Am 29. Mai 2012 fand eine Instruktionsverhandlung statt. Die 

schriftliche Beantwortung der anlässlich der Verhandlung gestellten Fra-

gen erfolgte seitens der Beschwerdeführerin am 4. Juli 2012 und seitens 

der Vorinstanz am 16. Juli 2012. Die Beschwerdeführerin reichte hierzu 

nochmals eine Stellungnahme vom 26. Juli 2012 ein. Die Parteien hielten 

dabei an ihren Anträgen fest.  

I.g  Am 23. September 2014 erliess das Bundesverwaltungsgericht 

ein Urteil (nachfolgend: Ausgangsurteil, zit. Baubeschläge-Siegenia–I) mit 

folgendem Dispositiv:  

«1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und es werden die Ziffern 1, 

5 und 6 des Dispositivs der Verfügung vom 18. Oktober 2010 – so-

weit die Beschwerdeführerin betreffend – aufgehoben. 

2. Der geleistete Kostenvorschuss von CHF 31'000.– wird der Be-

schwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-

teils zurückerstattet. 

3. Der Beschwerdeführerin wird für das Verfahren vor der Beschwer-

deinstanz zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von 

CHF 60'000.– (inkl. Auslagen und MWST) zugesprochen. 

4. Der Beschwerdeführerin wird für das Verfahren vor der Vorinstanz 

keine Parteientschädigung zugesprochen.» 

B-5918/2017 

Seite 15 

J.  Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht (2C_1016/2014) 

J.a   Gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erhob das Eid-

genössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung im Inte-

resse der Wettbewerbskommission Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 

Angelegenheiten beim Bundesgericht mit den Anträgen, das Urteil des 

Bundesverwaltungsgerichts sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass 

Siegenia an einer unzulässigen Abrede nach Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 

beteiligt sei, weshalb die Sache zur Festsetzung der Sanktion nach Art. 

49a KG an das Bundesverwaltungsgericht zurückzuweisen sei; eventuali-

ter sei das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aufzuheben und die Sa-

che an dieses zur Neubeurteilung zurückzuweisen.  

J.b   Die Beschwerdeführerin beantragte als Beschwerdegegnerin die 

Beschwerde abzuweisen. 

J.c   Mit Urteil vom 9. Oktober 2017 erliess das Bundesgericht ein Ur-

teil (nachfolgend: Rückweisungsurteil, zit. Baubeschläge-Siegenia–I) mit 

folgendem Dispositiv: 

«1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts B–8399/2010 vom 23. September 2014 aufgehoben 

und die Sache zur Sachverhaltsabklärung und -feststellung sowie zu 

neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

2.  Die Gerichtskosten von Fr. 20´000.-- trägt die Beschwerdegegnerin. 

3. Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und dem Bundesverwal-

tungsgericht, Abteilung II, schriftlich mitgeteilt.» 

 

K.  Fortführung des bundesverwaltungsgerichtlichen   

Beschwerdeverfahrens (B–5918/2017) 

K.a   Nach Zustellung des bundesgerichtlichen Urteils wurde der beste-

hende Rechtsstreit im bundesverwaltungsgerichtlichen Verfahren unter 

dem neuen Aktenzeichen B–5918/2017 fortgeführt. 

K.b   Mit Verfügung vom 6. Juni 2018 wurden die Parteien aufgefordert, 

unter Berücksichtigung der neuesten Entwicklungen im Kartellrecht seit 

dem aufgehobenen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den bisheri-

gen Vorbringen Stellung zu nehmen. 

B-5918/2017 

Seite 16 

K.c   Mit Schreiben vom 27. August 2018 hat die Beschwerdeführerin 

ihre Stellungnahme eingereicht.  

K.d   Die Beschwerdeführerin hält dabei an ihrem bisherigen Vorbringen 

sowie den gestellten Anträgen vollumfänglich fest:  

«1. Es seien die Ziffern 1, 2, 5 und 6 der Verfügung der Wettbewerbs-

kommission vom 18. Oktober 2010 in Sachen Untersuchung gemäss Art. 

27 KG betreffend 22-0358 Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren 

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG auf-

zuheben, soweit sie die Beschwerdeführerin betreffen. 

2.  Eventualiter sei der in Ziff. 5 der Verfügung der Wettbewerbskom-

mission vom 18. Oktober 2010 in Sachen Untersuchung gemäss Art. 27 

KG betreffend 22-0358 Baubeschläge für Fenster und Fenstertüren we-

gen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG festge-

haltene Betrag, mit dem die Beschwerdeführerin belastet wurde, auf ein 

angemessenes Mass, maximal aber CHF 11´043.94 zu reduzieren. 

3.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vor-

instanz.» 

K.e  Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass auch unter Berück-

sichtigung der neuesten Entwicklung der kartellrechtlichen Rechtspre-

chung des Bundesgerichts das durch die angefochtene Verfügung bean-

standete Verhalten keine Wettbewerbsbeschränkung gemäss Kartellge-

setz darstelle. Hierzu führt sie weiterhin die bereits vorgebrachten formel-

len und materiellen Einwände gegenüber der angefochtenen Verfügung 

auf. Zudem erhebt sie weitere formelle und materielle Einwände. Sämtli-

che Einwände werden nachfolgend im Rahmen der Erwägungen abge-

handelt. 

K.f  Mit Schriftsatz vom 12. Oktober 2018 nahm die Wettbewerbs-

kommission Stellung, wobei die bisherigen Positionen und Anträge eben-

falls beibehalten wurden. 

K.g   Mit Schriftsatz vom 24. November 2023 hat die Beschwerdeführe-

rin einen beförderlichen Abschluss der Angelegenheit angemahnt und er-

neut um eine Berücksichtigung der übermässigen Verfahrensdauer bei 

der Sanktionsbemessung nachgesucht. 

  

B-5918/2017 

Seite 17 

L.  Parallelverfahren in Sachen Koch 

L.a   Im Parallelverfahren gegenüber Koch als Abredebeteiligte erging 

ebenfalls mit Datum vom heutigen Tage ein Urteil (BVGer, 12. Dezember 

2023, B-5919/2017, Koch Group AG Wallisellen gg. Weko, zit. Baube-

schläge-Koch-II), auf das verwiesen wird, soweit dies als sachdienlich er-

scheint. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

I. PROZESSVORAUSSETZUNGEN 

1.  Das Bundesverwaltungsgericht prüft gemäss Art. 7 Verwaltungs-

verfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) mit freier 

Kognition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob und in wel-

chem Umfang auf eine Beschwerde einzutreten ist (ständige Rechtspre-

chung seit BVGE 2007/6 E. 1). 

2.  Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss Art. 31 des Verwal-

tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) zur Beurtei-

lung von Beschwerden der betroffenen Unternehmen gegen Verfügungen 

der Wettbewerbskommission, mit der die Feststellung und Ahndung der 

Wettbewerbswidrigkeit eines von ihnen ausgeübten wirtschaftlichen Ver-

haltens vorgenommen wird, zuständig (BVGer, 14.9.2015, B-7633/2009, 

Swisscom AG u.a. gg. Weko, zit. ADSL II, E. 2 ff.; BVGer, 18.12.2018, 

B-831/2011, Six Group AG u.a. gg. Weko, zit. DCC, E. 2 ff.). 

3.   Die Beschwerdefähigkeit der Beschwerdeführerin als im Handels-

register eingetragene Aktiengesellschaft ist gemäss Art. 6 VwVG gege-

ben. 

4.   Die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin ist gemäss 

Art. 48 Abs. 1 VwVG gegeben, da sie am vorinstanzlichen Verfahren teil-

genommen hat und als Verfügungsadressatin von der angefochtenen 

Verfügung besonders berührt wird, weshalb sie auch ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung aufweist. 

5.  Die formalen Anforderungen an eine Beschwerde hinsichtlich Be-

schwerdefrist gemäss Art. 50 VwVG, Form und Inhalt gemäss Art. 52 

B-5918/2017 

Seite 18 

VwVG, ordnungsgemässe Vertretung gemäss Art. 11 Abs. 2 VwVG sowie 

die fristgerechte Einzahlung des angeforderten Kostenvorschusses ge-

mäss Art. 63 Abs. 4 VwVG sind erfüllt. 

6.   Da alle Prozessvoraussetzungen vorliegen, ist auf die Beschwer-

de einzutreten. 

II. GELTUNGS- UND ANWENDUNGSBEREICH DES KARTELLGESETZES 

7.   Die angefochtene Verfügung hat den Abschluss einer Wettbe-

werbsabrede durch verschiedene Unternehmen und damit ein Verhalten 

gemäss Art. 2 Abs. 1 KG zum Gegenstand. Bei der Siegenia-Gruppe 

handelt es sich um einen Konzern und damit um ein Unternehmen ge-

mäss Art. 2 Abs. 1bis KG, weil bei einem Konzern die gesamte Unterneh-

mensgruppe und nicht einzelne Konzerngesellschaften das massgebliche 

Kartellrechtssubjekt bilden (BGer, 29.6.2012, 2C_484/2010, Publigroupe 

SA u.a. gg. Weko, publ. in BGE 139 I 72, zit. Publigroupe, E. 3; ausführ-

lich BVGer, B–7633/2009, ADSL II, E. 26 ff., 29; BVGer, B-831/2011, 

DCC, E. 39 ff., 48). Die Beschwerdeführerin stellt die Repräsentantin des 

massgeblichen Kartellrechtssubjekts dar, die als Verfügungsadressatin 

und damit als Partei im Rechtsmittelverfahren anzusehen ist.  

8.   Ein Vorbehalt zugunsten anderer Vorschriften gemäss Art. 3 KG 

ist nicht ersichtlich. Das festgestellte Verhalten erfolgte im Jahr 2004 so-

wie zwischen den Jahren 2006 und 2007 und wird daher gemäss Art. 62 

f. KG von der zeitlichen Geltung der Sanktionsvorschrift des Art. 49a KG 

erfasst. 

9.  Der Geltungs- und der Anwendungsbereich des Kartellgesetzes 

sind daher gegeben. Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht bestrit-

ten. 

III. RECHTMÄSSIGKEIT DES VORINSTANZLICHEN VERFAHRENS 

10.   Die angefochtene Verfügung bildet den Abschluss eines Kartell-

verfahrens der Vorinstanz, welches aufgrund der Art. 18 ff. KG sowie der 

ergänzenden Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes durch-

geführt wurde. 

B-5918/2017 

Seite 19 

11.  Die Beschwerdeführerin rügt, das Untersuchungsverfahren der 

Wettbewerbskommission verstosse gegen die Verfahrensgarantien von 

Art. 6 EMRK, weshalb die verhängte Sanktion vollständig aufzuheben sei. 

(1) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

12.   Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass einer Sanktion ge-

mäss Art. 49a Abs. 1 KG ein pönaler Charakter zukäme, weshalb die Ver-

fahrensgarantien von Art. 6 EMRK zur Anwendung gelangen würden. 

13.   Die Beschwerdeführerin erhebt hierzu den Einwand, dass die 

Wettbewerbskommission die Anforderungen von Art. 6 EMRK an ein un-

abhängiges und unparteiisches Gericht nicht erfüllen würde, weil diese 

nicht eine selbständige richterliche Instanz sei, sondern es sich bei ihr 

aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit dem Sekretariat um eine organisato-

risch-funktionelle Verflechtung von Anklage- und Entscheidinstanz hand-

le. Die Wettbewerbskommission könne daher nicht als EMRK-konformes 

Gericht angesehen werden.  

14.   Gemäss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte (nachfolgend: EGMR) würde ein Beschwerdeverfahren 

diese Mängel des unrechtmässigen vorinstanzlichen Verfahrens mit Aus-

nahme von Bagatellstrafverfahren nicht zu heilen vermögen. Vielmehr 

müsse dies die vollständige Aufhebung des erstinstanzlichen Verfahrens 

zur Folge haben. Dies gelte insbesondere dann, wenn die zu sanktionie-

rende Handlung wie im vorliegenden Fall kein Bagatelldelikt darstelle, 

sondern die Sanktion erheblich sei. 

15.   Es sei auch widersprüchlich, wenn einerseits festgestellt werde, 

dass das Bundesverwaltungsgericht seine Kognition einschränken könne, 

soweit die Natur der Streitsache dies sachlich gebiete, und andererseits 

dem Bundesverwaltungsgericht eine volle Kognition unterstellt werde. 

Vielmehr führe diese Einschränkung gerade dazu, dass kein unabhängi-

ges Gericht mit voller Kognition den angefochtenen Sanktionsbetrag 

überprüfe. Eine Sanktionierung der Beschwerdeführerin verbiete sich 

deshalb.  

  

B-5918/2017 

Seite 20 

(2) Vorbringen der Vorinstanz 

16.   Die Vorinstanz verweist zur Rechtsmässigkeit des vorinstanzli-

chen Verfahrens auf die einschlägige Rechtsprechung. 

(3) Würdigung durch das Gericht 

17.   In nunmehr ständiger Rechtsprechung haben das Bundesgericht 

und das Bundesverwaltungsgericht unter Berücksichtigung der einschlä-

gigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-

rechte (EGMR, 3.12.2002, 53892/00, Lilly France gg. Frankreich, Ziff. 2 

[S. 9]; EGMR, 27.9.2011, 43509/08, Menarini Diagnostics S.R.L. gg. Ita-

lien, zit. Menarini, Ziff. 38 ff.) die Rechtmässigkeit einer Durchführung des 

Kartellverwaltungsverfahrens durch die Wettbewerbskommission festge-

stellt (ausführlich BVGer, B–7633/2009, ADSL II, E. 58 ff.), wobei es sich 

trotz des strafrechtsähnlichen Charakters, d.h. eines strafrechtlichen Ver-

fahrens im Sinne von Art. 6 EMRK, um ein Verwaltungsverfahren handelt, 

weshalb strafrechtliche Grundsätze nicht ohne Weiteres und nur insoweit 

eingeschränkt Anwendung finden, als dies unter Berücksichtigung der 

wettbewerblichen Gegebenheiten sachgerecht ist (BGE 147 II 72, Hors-

Liste–Pfizer-II, E. 8.3.2 f.; BGer, 9.12.2019, 2C_985/2015, Swisscom AG 

u.a. gg. Weko, publ. BGE 146 II 217, zit. ADSL II, E. 8.5.3; BGE 143 II 

297, Gaba, E. 9.1; BGE 139 I 72, Publigroupe, E. 2.2.2; BVGer, 

B-831/2011, DCC, E. 98 f.; BVGer, 19.12.2013, B–506/2010, Gaba Inter-

national AG gg. Weko, zit. Gaba, E. 6.1.3; BVGer, 24.2.2010, 

B-2050/2007, Swisscom (Schweiz) AG gg. Weko, zit. Terminierung Mobil-

funk, E. 4.2). Ein Kartellverwaltungsverfahren kann deshalb auch unter 

Berücksichtigung der Verhängung von hohen Geldbussen durch eine 

Verwaltungsbehörde zulässigerweise durchgeführt werden, soweit deren 

Entscheidung im Rahmen eines Rechtsmittels durch ein unabhängiges 

Gericht mit umfassender Kognition überprüft werden kann. Da die Kogni-

tion des Bundesverwaltungsgerichts im Rahmen einer Beschwerde ge-

gen Verfügungen der Wettbewerbskommission umfassend ausgestaltet 

ist, wie das Bundesgericht bereits im Rückweisungsurteil (vgl. E. 2.2) so-

wie unlängst nochmals ausdrücklich festgestellt hat (BGer, 12.2.2020, 

2C_113/2017, Aktiengesellschaft Hallenstadion und Ticketcorner AG gg. 

Weko, zit. Hallenstadion, E. 3.1), ergeben sich auch unter Berücksichti-

gung der Verfahrensgarantien von Art. 6 und 7 EMRK keine grundsätzli-

chen Einwände gegen die Rechtmässigkeit des kartellverwaltungsrechtli-

chen Verfahrens.   

B-5918/2017 

Seite 21 

18.   Die Einwände der Beschwerdeführerin wegen einer Verletzung 

der in Art. 6 EMRK gewährleisteten Verfahrensgarantien durch das Kar-

tellverwaltungsverfahren der Wettbewerbskommission und deren Auf-

rechterhaltung nach Rückweisung durch das Bundesgericht (vgl. SV K.b) 

sind daher unzutreffend. 

19.   Dies gilt auch für den Einwand der Beschwerdeführerin (vgl. 

E. 15), wonach ein Widerspruch zwischen behaupteter und tatsächlich 

ausgeübter Kognition durch das Bundesverwaltungsgericht bestehen 

würde (vgl. hierzu E. 203). 

IV. RELEVANTER MARKT 

20.  Das Kartellgesetz enthält weder eine Definition des relevanten 

Markts noch statuiert es einzelne Kriterien für dessen Bestimmung. Nach 

ständiger Rechtsprechung finden die in Art. 11 Abs. 1 und 3 der Verord-

nung des Bundesrats vom 17. Juni 1996 über die Kontrolle von Unter-

nehmenszusammenschlüssen (VKU, SR 251.4) aufgeführten Abgren-

zungskriterien des sachlich, räumlich und zeitlich relevanten Markts auch 

für die Beurteilung von anderen Wettbewerbsbeschränkungen Anwen-

dung (BGE 139 I 72, Publigroupe, E. 9.1; BGer, 2C_113/2017, Hallensta-

dion, E. 5.1; BVGer, B–7633/2009, ADSL II, E. 257 m.w.N; BVGer, 

24.11.2016, B–3618/2013, Starticket AG u.a. gg. Aktiengesellschaft Hal-

lenstadion, Ticketcorner AG und Weko, zit. Hallenstadion, E. 32, m.w.N.; 

BVGer, B–831/2011, DCC, E. 230 m.w.N.). 

21.   Die angefochtene Verfügung hat einen Handelsmarkt für Dreh-

Kipp-Fensterbeschläge für Holz- und Kunststofffenster auf Stufe der 

Fensterproduzenten in der Schweiz als relevanten Markt abgegrenzt, bei 

dem sich einerseits die massgeblichen Beschlaghersteller und die grös-

seren Zwischenhändler sowie andererseits die Fensterproduzenten und 

die kleineren Zwischenhändler gegenüberstehen. 

22.   Diese Marktabgrenzung ist zutreffend (vgl. ausführlich BVGer, 

B-5919/2017, Baubeschläge-Koch-II, E. 109 ff.). Sie wurde von der Be-

schwerdeführerin im Rahmen ihrer Beschwerde auch nicht bestritten. 

23.   Ungeachtet dessen hält die Beschwerdeführerin in der Stellung-

nahme zur Beantwortung der Fragen des Bundesgerichts durch die Vor-

instanz fest, dass es verfehlt sei, von einem Schweizer Markt zu spre-

chen. Denn es gäbe keine wesentlichen Unterschiede zwischen dem 

B-5918/2017 

Seite 22 

Schweizer Markt für Baubeschläge und dem Markt für Baubeschläge im 

Ausland. Insbesondere seien die Fenstersysteme für Holz- und Kunst-

stofffenster in der Schweiz und im Ausland die gleichen und auch die Be-

schläge seien mit den im Ausland (Deutschland, Österreich) genutzten 

identisch.  

24.   Allein der Verweis auf die Identität von Fenstern und Beschlägen 

im In- und Ausland stellt allerdings kein ausreichend substantiiertes Vor-

bringen für die Erfassung des Auslands bei der Festlegung des massge-

blichen räumlich relevanten Markts dar. Denn dadurch ergibt sich noch in 

keiner Weise, dass auch in beachtenswerter Weise direkte Lieferbezie-

hungen der inländischen Nachfrager zu ausländischen Verkäufern beste-

hen. Daher ist dieser Einwand nicht von Belang.   

25.   Die Begriffe „Fenster“ und „Fensterbeschläge“ beziehen sich 

nachfolgend auf Produkte dieses relevanten Markts.  

V. UNZULÄSSIGE WETTBEWERBSABREDE GEMÄSS ART. 5 KG 

26.  Die angefochtene Verfügung qualifiziert das in Frage stehende 

Verhalten als unzulässige Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 KG.  

27.   Der Zweck von Art. 5 KG besteht darin, die wirtschaftliche Hand-

lungsfreiheit der einzelnen Unternehmen sicherzustellen, um dadurch ei-

nem kollusiven Verhalten von Unternehmen entgegenzuwirken. Demzu-

folge hat jedes Unternehmen im Sinne des Selbständigkeitspostulats ei-

genständig Entscheidungen über die konkrete Ausgestaltung der für die 

Marktgegenseite jeweils massgeblichen Wettbewerbsparameter zu tref-

fen, ohne sich mit anderen Unternehmen über diese Ausgestaltung zu 

verständigen (BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 301; nunmehr auch 

BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.2, 3.4.1, 3.5). Ansonsten würde 

an die Stelle des mit Risiken verbundenen Wettbewerbs zwischen den 

Mitbewerbern angesichts der Unsicherheiten bezüglich ihres tatsächli-

chen zukünftigen Verhaltens mittels der jeweiligen Verhaltenskoordination 

eine praktische Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen treten 

(BGer, 14.8.2002, 2A_298/2001 u.a., Schweizerischer Buchhändler- und 

Verlegerverband gg. Weko, publ. 129 II 18, zit. Buchpreisbindung I, 

E. 6.3; BGE 147 II, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.2, 3.4.1; BVGer, 

B-7920/2015, VPVW-Repo–3, E. 8.10.3).  

B-5918/2017 

Seite 23 

28.  Ein Austausch von Preisinformationen sowie eine inhaltliche oder 

zeitliche Verständigung über Preisveränderungen zwischen verschiede-

nen Unternehmen, wie den Teilnehmern der Besprechung vom 22. Sep-

tember 2006, stellen deshalb jeweils eine unzulässige Wettbewerbsabre-

de gemäss Art. 5 KG dar, wenn es sich hierbei um eine Abrede gemäss 

Art. 4 Abs. 1 KG (Abschnitt VI.1 und 2) auf dem festgestellten relevanten 

Markt (Abschnitt IV) handelt, die entweder zu einer Wettbewerbsbeseiti-

gung führt (Abschnitt VI.3) oder die eine erhebliche Wettbewerbsbeein-

trächtigung zur Folge hat (Abschnitt VI.4 und 5), welche nicht durch 

Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt werden kann (Ab-

schnitt VI.6). 

1) Abreden 

29.   Als Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 5 KG gelten gemäss 

der Legaldefinition von Art. 4 Abs. 1 KG rechtlich erzwingbare oder nicht 

erzwingbare Vereinbarungen sowie aufeinander abgestimmte Verhal-

tensweisen von Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen, 

die eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken. 

a) Beteiligte einer Wettbewerbsabrede 

30.   Als Beteiligte einer Wettbewerbsabrede müssen Unternehmen 

auftreten. Diese Abredebeteiligten umfassen als massgebliche Kartell-

rechtssubjekte gemäss Art. 2 Abs. 1bis KG alle wirtschaftlich selbständigen 

Organisationseinheiten, die ungeachtet ihrer Rechts- und Organisations-

form als Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Diensten im Wettbe-

werbsprozess auftreten (BVGer, B–7633/2009, ADSL II, E. 27 ff. m.w.N.; 

BVGer, B–3618/2013, Hallenstadion, E. 296; BVGer, B–831/2011, DCC, 

E. 35 ff. m.w.N.). 

31.   Bei Konzernverhältnissen ist der Konzern als Ganzes und nicht 

nur eine einzelne Konzerngesellschaft als massgebliches Kartellrechts-

subjekt zu qualifizieren. Die einzelnen Konzerngesellschaften bilden hier-

bei nur Repräsentanten des Konzerns (BVGer, B–7633/2009, ADSL II, 

E. 29 f.; BVGer, B–831/2011, DCC, E. 48 f.). Dies gilt ungeachtet dessen, 

dass als Verfügungsadressaten wegen des Grundsatzes der Pro-

zessökonomie auch nur einzelne Konzerngesellschaften herangezogen 

werden können. Hierbei kann zum Beispiel auch auf eine Heranziehung 

B-5918/2017 

Seite 24 

von ausländischen Muttergesellschaften verzichtet werden, weil der 

Wettbewerbskommission bei der Auswahl der Verfügungsadressaten ein 

Ermessen zukommt (BVGer, B–7633/2009, ADSL II, E. 67 ff.; BVGer, 

B-831/2011, DCC, E. 121 ff.). 

32.   Soweit die angefochtene Verfügung daher Roto, Koch Wallisellen, 

SFS, GU und Winkhaus als Verfügungsadressaten heranzieht, werden 

dadurch die Roto-Gruppe, die Koch-Gruppe, die Gretsch-Unitas-Gruppe 

und die Winkhaus-Gruppe als massgebliche Kartellrechtssubjekte be-

langt. Gleiches gilt auch für Siegenia als Konzerngesellschaft der Siege-

nia-Gruppe. Diese Konzerne bilden jeweils die massgeblichen Kartell-

rechtssubjekte gemäss Art. 2 Abs. 1bis KG. 

33.   Bei dem Treffen am 22. September 2006 sowie bei dessen Vorbe-

reitung und bei den sich daraus ergebenden Massnahmen haben die 

Koch-Wallisellen, Roto, SFS, Siegenia und Winkhaus demzufolge als Re-

präsentanten der Koch-Gruppe, der Roto-Gruppe, der SFS-Gruppe, der 

Siegenia-Gruppe und der Winkhaus-Gruppe, die als Unternehmen ge-

mäss Art. 2 Abs. 1bis KG zu qualifizieren sind, gehandelt.  

34.   Aus der Qualifizierung der einzelnen Konzerne als massgebliche 

Kartellrechtssubjekte ergibt sich, dass keine entscheidungsrelevante Dif-

ferenzierung zwischen den deutschen Muttergesellschaften und ihren 

schweizerischen Vertriebsorganisationen und damit auch keine Differen-

zierung zwischen ausländischen Herstellern und deren nationalen Ver-

triebsvertretungen vorzunehmen ist (vgl. E. 45 ff.).   

b) Verhältnis der Abredebeteiligten 

35.  Die angefochtene Verfügung qualifiziert die Verständigung der Ab-

redebeteiligten als horizontale Wettbewerbsabrede. 

(1) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

36.   Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe sich nicht an ei-

ner horizontalen Wettbewerbsabrede beteiligt.   

37.   Hierzu bringt sie den Einwand vor, dass zwischen ihr und der 

Koch-Gruppe ein rein vertikales Wettbewerbsverhältnis bestanden habe. 

Bei der Koch-Gruppe handele es sich um die weitaus grösste Abnehme-

B-5918/2017 

Seite 25 

rin der Beschwerdeführerin. Eine Preisvereinbarung zwischen ihr und der 

Koch-Gruppe sei daher zulässig gewesen. 

38.   Die Beschwerdeführerin und die Koch-Gruppe hätten sich demzu-

folge nicht als Konkurrenten am Markt gegenübergestanden. 

39.   Die wenigen von der Beschwerdeführerin belieferten Direktkunden 

seien für die Koch-Gruppe als Kunden ohnehin verloren gewesen, weil 

diese Kunden ohne Direktbelieferung durch die Beschwerdeführerin auf 

ein Konkurrenzprodukt gewechselt hätten. 

(2) Vorbringen der Vorinstanz 

40.   Die Vorinstanz hält die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten 

Einwände angesichts der bisherigen Wettbewerbspraxis aus sachlichen 

Gründen für unzutreffend. 

(3) Würdigung durch das Gericht 

41.   Als Abreden gemäss Art. 4 Abs. 1 KG wird ein koordiniertes Ver-

halten sowohl von Unternehmen gleicher Marktstufe als auch von Unter-

nehmen verschiedener Marktstufen erfasst.  

42.   Koordinierte Verhaltensweisen auf gleicher Marktstufe werden üb-

licherweise als sog. horizontale Wettbewerbsabreden qualifiziert, bei de-

nen die beteiligten Unternehmen aufgrund der Austauschbarkeit ihrer 

Produkte tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinander in Wettbe-

werb stehen (BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 298 m.w.N., Bot-

schaft des Bundesrats zu einem Bundesgesetz über Kartelle und andere 

Wettbewerbsbeschränkungen vom 23.11.1994, BBl 1995, 531, zit. Bot-

schaft KG 1995, 553).  

43.   Koordinierte Verhaltensweisen auf verschiedenen Marktstufen 

werden üblicherweise als sog. vertikale Wettbewerbsabreden qualifiziert, 

bei denen die beteiligten Unternehmen innerhalb der Absatzkette für ein 

Produkt im Verhältnis von Anbieter und Abnehmer stehen (BVGer, 

B-3618/2013, Hallenstadion, E. 298 m.w.N.; Botschaft KG 1995, 553). 

44.   Wie das Bundesverwaltungsgericht bereits in Sachen Hallenstadi-

on festgestellt hatte (BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 299, inhalt-

B-5918/2017 

Seite 26 

lich bestätigt durch BGer, 2C_113/2017, Hallenstadion, E. 7.2.3), werden 

nach Sinn und Zweck der Vorschrift nicht nur horizontale oder vertikale 

Abreden, sondern auch sonstige Abreden, bei denen die Unternehmen 

weder in einem horizontalen noch in einem vertikalen Wettbewerbsver-

hältnis zueinander stehen, von Art. 4 Abs. 1 KG erfasst. Denn es ist kein 

Grund ersichtlich, warum einzelne kollusive Verhaltensweisen verschie-

dener Unternehmen mit einschränkender Wirkung auf den Wettbewerb 

nicht erfasst werden sollten, nur weil sie sich nicht anhand einer schema-

tischen Differenzierung den Qualifizierungen «horizontal» oder «vertikal» 

zuordnen lassen.      

45.   Gleiches hat umso mehr dann zu gelten, wenn die an der Wettbe-

werbsabrede beteiligten Unternehmen nicht nur ausschliesslich in einem 

horizontalen, vertikalen oder sonstigen Verhältnis, sondern jeweils teil-

weise in einem horizontalen, vertikalen und sonstigen Verhältnis zueinan-

derstehen. Denn dadurch wird die nachteilige Einwirkung auf den Wett-

bewerb im relevanten Markt gegenüber einer bloss horizontalen, vertika-

len oder sonstigen Abrede sogar noch verstärkt. Und je mehr Marktteil-

nehmer der horizontalen Ebene und der vertikalen Ebene sich an der 

Wettbewerbsabrede beteiligen, um so dichter wird die Koordination des 

Wettbewerbsverhaltens im jeweiligen Geschäftsbereich und umso mehr 

wird ein wirksamer Wettbewerb ausgeschlossen. 

46.   Dabei sind Vertikalverhältnisse den Horizontalverhältnissen 

gleichzustellen, wenn ein Vertikalverhältnis in irgendeiner Weise mit ei-

nem Horizontalverhältnis verknüpft oder verbunden ist (BGE 129 II 18, 

Buchpreisbindung I, E. 6.2).    

47.  Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin (vgl. E. 37) ist es 

für die Beurteilung des Vorliegens einer Abrede daher unerheblich, ob 

zwischen ihr und der Koch-Gruppe ein horizontales Verhältnis besteht 

oder nicht, weil auch ein vertikales oder ein sonstiges Wettbewerbsver-

hältnis als Grundlage für die Feststellung einer Wettbewerbsabrede aus-

reichend wäre. 

48.   Vorliegend ergibt sich zwischen den Teilnehmern des Koordinati-

onstreffens eine Gemengelage aus verschiedenen Wettbewerbsverhält-

nissen (vgl. SV E.b ff.). Die Roto-Gruppe, die Siegenia-Gruppe und Wink-

haus stehen als Beschlaghersteller in einem horizontalen Wettbewerbs-

verhältnis zueinander. Die Koch-Gruppe und SFS stehen als Grosshänd-

ler ebenfalls in einem horizontalen Wettbewerbsverhältnis zueinander. 

B-5918/2017 

Seite 27 

Die Siegenia-Gruppe steht zudem in einem horizontalen Wettbewerbs-

verhältnis zur Koch-Gruppe, weil sie auch Kunden direkt beliefert (vgl. SV 

E.d). Die Koch-Gruppe und SFS stehen schliesslich als Abnehmer der 

jeweiligen Produkte in einem vertikalen Wettbewerbsverhältnis zur Siege-

nia-Gruppe und zu Maco.  

49.   Angesichts dessen, dass sowohl die massgeblichen Beschlagher-

steller als auch die Grosshändler die Fensterbeschläge gegenüber den 

Fensterproduzenten als relevante Marktgegenseite (vgl. E. 21) absetzen, 

besteht darüber hinaus auch insgesamt zwischen allen Abredebeteiligten 

ein horizontales Wettbewerbsverhältnis. Denn massgebend für die Beur-

teilung des Verhältnisses zwischen den einzelnen Abredebeteiligten sind 

nicht abstrakte Qualifizierungen im Rahmen einzelner Vertriebsketten, 

sondern deren konkrete Betätigung auf dem relevanten Markt und damit 

die tatsächlichen Verhältnisse auf dem jeweiligen Markt (BGE 129 II 18, 

Buchpreisbindung I, E. 6.2, wonach keine formalistische Unterscheidung 

vorzunehmen sei; ebenso BGer, 2C_113/2013, Hallenstadion, E. 3.5.3, 

wonach die Realität und nicht theoretische Aspekte für die Beurteilung 

des relevanten Markts massgebend seien). 

50.   Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin (E. 37 f.) wird 

demzufolge die Feststellung einer Wettbewerbsabrede aufgrund der be-

stehenden Wettbewerbsverhältnisse einschliesslich eines horizontalen 

Wettbewerbsverhältnisses zwischen der Siegenia-Gruppe, der Koch-

Gruppe, der Roto-Gruppe und der Winkhaus-Gruppe als Abredebeteiligte 

nicht ausgeschlossen. Insbesondere ist der Verweis auf die Funktion der 

Koch-Gruppe als Vertriebspartner der Siegenia-Gruppe nicht geeignet, 

die Massgeblichkeit der Belieferung der Fensterproduzenten durch die 

Abredebeteiligten zu entkräften. 

51.    Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin ausdrücklich be-

stätigt hat (vgl. E. 39), dass sie einzelne Kunden auch deswegen direkt 

beliefert, um den Umsatz für Siegenia-Produkte nicht zu verlieren, weil 

diese Kunden ansonsten zu Lieferanten von anderen Produkten wech-

seln würden. Mithin ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführerin jeden Kunden direkt beliefern wird, soweit er ansonsten 

von Siegenia-Produkten zu solchen anderer Hersteller wechseln würde. 

52.   Für die Beurteilung des Wettbewerbsverhältnisses im Einzelfall 

sind aber nicht allein die aktuellen, d.h. die tatsächlich bestehenden Ge-

schäftsbeziehungen, sondern auch die potentiellen, d.h. die möglicher-

B-5918/2017 

Seite 28 

weise in der Zukunft sich ergebenden Geschäftsbeziehungen massge-

bend. 

c) Abredeform  

53.   Die angefochtene Verfügung nimmt keine eindeutige Qualifizie-

rung der Form vor, mittels der die Verständigung der Abredebeteiligten 

über die Verwirklichung einer Preiserhöhung erfolgte, sondern stellt ledig-

lich auf ein abgestimmtes Verhalten als Minimum einer wechselseitigen 

Koordination der Preisgestaltung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG ab. 

(1) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

54.   Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass aus mehreren Grün-

den keine Abreden vorliegen würden, bei der sie als Abredebeteiligte zu 

qualifizieren sei. Denn Siegenia sei in ihrer Handlungsfreiheit nie einge-

schränkt gewesen. 

55.   Bei den Geschehnissen habe es sich um ein erlaubtes Parallel-

verhalten gehandelt. Denn die angeblichen Abredebeteiligten hätten sich 

aufgrund von exogenen Faktoren, welche die im relevanten Markt tätigen 

Unternehmen nicht beeinflussen können, gleich oder gleichförmig im 

Markt verhalten. Sowohl in den Jahren 2004 als auch 2006 hätten massi-

ve Kostenerhöhungen bei den Rohstoffen eine Preiserhöhung unaus-

weichlich gemacht. Der Umfang der Preiserhöhung und der Zeitpunkt ih-

rer Einführung seien daher weitestgehend vorbestimmt gewesen.  

56.   Im Hinblick auf die Preiserhöhung 2004 bringt die Beschwerdefüh-

rerin vor, dass die Preiserhöhungen von Roto und ihr auf jeweils eigen-

ständigen Entscheiden dieser Unternehmen beruht hätten.  

57.   Roto habe den Entscheid zu einer Preiserhöhung von 6% schon 

vor April 2004 gefällt und bereits ein entsprechendes Ankündigungs-

schreiben an die Kunden verfasst. Die Beschwerdeführerin sei zu diesem 

Zeitpunkt bereits durch ihre Muttergesellschaft ebenfalls angewiesen 

worden, eine Preiserhöhung von 6% vorzunehmen. Die anschliessenden 

Gespräche zwischen Roto und der Beschwerdeführerin im April und Mai, 

bei denen Roto von Siegenia mitgeteilt wurde, dass sie die geplante 

Preiserhöhung gegenüber ihrem wichtigsten Kunden Koch nicht durch-

setzen könne, hätten nicht zu einer Änderung dieser autonomen Ent-

B-5918/2017 

Seite 29 

scheide, sondern lediglich zu einer etwas verzögerten Umsetzung ge-

führt.  

58.  Die Beschwerdeführerin bestreitet ausdrücklich, dass in einem Te-

lefongespräch mit Roto am 24. Mai 2004 vereinbart worden sei, einen 

Materialteuerungszuschlag in zwei Schritten einzuführen. Anlässlich des 

fraglichen Telefonats habe die Beschwerdeführerin einzig Roto auf deren 

Anfrage hin diesen bereits autonom getroffenen Preiserhöhungsentscheid 

mitgeteilt.  

59.    Im Übrigen seien die Preiserhöhungen auch inhaltlich nicht de-

ckungsgleich gewesen. Denn Roto habe seine Preise per 1. Juli 2004 um 

3,5% und per 1. September um weitere 2,5% erhöht, während die Be-

schwerdeführerin ihre Preise per 1. Juli 2004 und per 1. Oktober 2004 

jeweils um 3% erhöht habe. 

60.   Entgegen den Feststellungen in der angefochtenen Verfügung trä-

fe es auch nicht zu, dass der Austausch von Informationen rund um die 

Preiserhöhungen im Jahre 2004 zwischen Roto und der Beschwerdefüh-

rerin in einem direkten und kausalen Zusammenhang mit den jeweils ih-

ren Kunden gegenüber angekündigten respektive umgesetzten Preiser-

höhungen gestanden hätten.      

61.  Im Hinblick auf die Preiserhöhung 2007 macht die Beschwerde-

führerin ebenfalls geltend, sie habe sich nicht an einer horizontalen Wett-

bewerbsabrede beteiligt.  

62.   Hierzu bringt sie den allgemeinen Einwand vor, dass der fragli-

chen Preiserhöhung im Jahr 2007 ein einseitiger Beschluss ihrerseits zu 

Grunde gelegen habe, aufgrund der massiv gestiegenen Rohstoffpreise 

ihre Preise zu erhöhen. Grundlage der Preiserhöhung würden daher exo-

gene Marktfaktoren bilden und keine planmässig ausgetauschten 

Marktinformationen, bei denen richtigerweise ein Gleichverhalten zumin-

dest als abgestimmte Verhaltensweise zu qualifizieren wäre. Daher sei 

die durchgeführte Preiserhöhung bereits vor dem massgeblichen Ge-

schehensablauf autonom getroffen worden.  

63.   Die Behauptung, die Beschwerdeführerin hätte Roto anlässlich ei-

nes Telefongesprächs am 22. August 2006 vorgeschlagen, die Preise per 

1. September 2006 um 5% bis 6% zu erhöhen, wird von ihr bestritten. 

Vielmehr habe sie Roto auf deren Anfrage hin lediglich mitgeteilt, dass sie 

B-5918/2017 

Seite 30 

eine Preiserhöhung in der entsprechenden Grössenordnung beabsichti-

ge. 

64.   Die Preiserhöhung von 6% sei damals aber bereits vorgängig dem 

Vertriebspartner Koch zur Kenntnis gebracht worden. 

65.   Diese Kommunikation der Preiserhöhung sei auch der Grund da-

für gewesen, dass Koch zur Sitzung vom 22. September 2006 eingeladen 

habe. Koch habe an dieser Sitzung eine Reduktion der angekündigten 

Preiserhöhung erreichen wollen. 

66.   Die Beschwerdeführerin erhebt zudem den Einwand, dass an der 

Sitzung vom 22. September 2006 keine Vereinbarung getroffen, sondern 

lediglich die bereits autonom getroffenen Entscheidungen bestätigt wor-

den seien. 

67.   Des Weiteren erhebt die Beschwerdeführerin den Einwand, dass 

das für eine Wettbewerbsabrede notwendige Gleichverhalten nicht gege-

ben sei. Denn bezüglich Höhe der Preiserhöhung und dessen Zeitpunkt 

hätten sich die Abredebeteiligten nicht gleich verhalten. 

68.   Die Vorinstanz trage im Übrigen widersprüchlich vor, wenn sie im 

Rahmen ihrer Vernehmlassung zunächst anerkenne, dass die Preiserhö-

hungen bereits beschlossen gewesen seien, gleichzeitig aber festhalte, 

die Parteien hätten sich auch über die Höhe der Preiserhöhung ausge-

tauscht. 

69.   Schliesslich weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass nicht 

jegliche Aussage von Roto korrekt sei, ungeachtet dessen, dass sie 

selbst in ihrer Beschwerde ausdrücklich festgestellt habe, dass Roto als 

Kronzeuge volle Strafbefreiung geniesse und daher an Rotos Aussagen 

nicht zu zweifeln sei. 

(2) Vorbringen der Vorinstanz 

70.   Die Vorinstanz hält die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten 

Einwände aus tatsächlichen Gründen nicht für zutreffend und durch die 

Selbstanzeige von Roto sowie den anerkannten Geschehensablauf wi-

derlegt. 

B-5918/2017 

Seite 31 

(3) Würdigung durch das Gericht 

71.  Art. 4 Abs. 1 KG sieht vor, dass eine Verhaltenskoordination durch 

die Koordinationsformen einer rechtlich erzwingbaren Vereinbarung, einer 

rechtlich nicht erzwingbaren Vereinbarung oder einer abgestimmten Ver-

haltensweise erfolgen kann. 

(a) Allgemeine Aspekte   

72.   Mit der weiten Umschreibung der Legaldefinition in Art. 4 Abs. 1 

KG wird klargestellt, dass sämtliche Formen eines koordinierten Verhal-

tens von mindestens zwei Wirtschaftsteilnehmern, die zu einer nachteili-

gen Einwirkung auf den Wettbewerb führen, erfasst werden sollen, unab-

hängig davon, ob es sich um eine rechtsgeschäftlich oder eine auf andere 

Weise ausdrücklich abgestützte oder um eine bloss praktisch durchge-

führte Koordination handelt (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.4.1; 

BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, E. 8.3.2; BVGer, B-3618/2013, 

Hallenstadion, E. 294 m.w.N.; vgl. auch Botschaft KG 95, 533, zum ge-

setzlichen Ansatz, alle Formen einer wirtschaftlichen Tätigkeit zu erfas-

sen). Die Begriffe der Vereinbarung und der abgestimmten Verhaltens-

weise stimmen dabei mit denjenigen aus Art. 101 AEUV überein, weshalb 

die Praxis zum EU-Wettbewerbsrecht hierbei rechtsvergleichend Berück-

sichtigung finden kann (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.1). 

73.   Die gesetzlich vorgesehenen Formen einer Wettbewerbsabrede 

bilden dabei eine Stufenfolge hinsichtlich der Intensität der formalen Aus-

gestaltung einer Verhaltenskoordination, die von den beteiligten Wirt-

schaftsteilnehmern vorgenommen wird (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-

II, E. 3.4.1 mit Verweisen auf das EU-Wettbewerbsrecht). Ungeachtet 

dessen sind die verschiedenen Formen eines koordinierten Verhaltens 

aufgrund der gesetzlichen Anordnung materiell als gleichrangig zu qualifi-

zieren. Daher ist es für die Verwirklichung eines unzulässigen Wettbe-

werbsverhaltens letztlich unerheblich, ob die Unternehmen eine Vereinba-

rung eingehen oder ein abgestimmtes Verhalten durchführen. 

74.   Die subjektiven Absichten eines Unternehmens sind für die Beur-

teilung einer Beteiligung an einer Verhaltenskoordination unerheblich, 

können aber herangezogen werden, soweit sie bekannt sind.   

B-5918/2017 

Seite 32 

75.  Bereits aufgrund dieser allgemeinen Erwägungen ist festzustellen, 

dass wesentliche Einwände der Beschwerdeführerin gegen ihre Beteili-

gung an einer Wettbewerbsabrede unbeachtlich sind, weil sie für die 

rechtliche Beurteilung nicht massgeblich sein können. Denn die Darle-

gungen der Beschwerdeführerin, wonach sie angesichts einer Preiserhö-

hung der Rohstoffe gezwungen war, eine Preiserhöhung ihrer eigenen 

Produkte intern zu beschliessen und diese an ihre Kunden weiterzugeben 

(vgl. E. 55, 62), sind für ihre Beteiligung an einer Preisabrede nicht von 

Belang. Denn der Zweck von Art. 5 KG besteht nicht im Schutz des Wett-

bewerbs und der Wettbewerber vor einer allfälligen Notwendigkeit oder 

Möglichkeit zur Weitergabe von Preiserhöhungen des jeweiligen Vorliefe-

ranten im Rahmen des Produktabsatzes, sondern vielmehr im Schutz des 

Wettbewerbs und aller Wettbewerber vor einer Koordination der Preisge-

staltung durch einzelne Wettbewerber oder durch die Mitglieder einer Ver-

triebskette. Aufgrund des Selbständigkeitspostulats hat jeder Marktteil-

nehmer seine Preise ausschliesslich selbst und ohne irgendwelche Koor-

dination mit Wettbewerbern oder Vorlieferanten bzw. Abnehmern festzu-

legen. Liegt daher eine Koordination der Preisgestaltung in inhaltlicher, 

zeitlicher oder sonstiger Weise vor, so handelt es sich stets um eine 

Preisabrede, welche auch nicht mit Hinweisen auf vermeintliche oder tat-

sächlich bestehende wirtschaftliche Strukturen und Notwendigkeiten aus 

der Welt geschafft werden kann. Wenn überhaupt, wären derartige Über-

legungen erst im Rahmen der Feststellung des Vorliegens einer Wettbe-

werbsbeschränkung sowie der allfälligen Beurteilung einer Rechtfertigung 

der Verhaltenskoordination gemäss Art. 5 Abs. 2 KG aufgrund von im 

Einzelfall vorliegenden Rechtfertigungsgründen zu berücksichtigen. 

76.   Vorliegend ist die Koordination der Preisgestaltung schon deshalb 

erstellt, weil die Beschwerdeführerin den Austausch von Informationen 

über Preiserhöhungen mit anderen Marktteilnehmern sowohl im Hinblick 

auf die Preiserhöhung im Jahr 2004 (nachfolgend: Preiserhöhung 2004) 

als auch die Preiserhöhung im Jahr 2007 (nachfolgend: Preiserhöhung 

2007) selbst einräumt. Die Behauptung der Beschwerdeführerin (vgl. 

E. 54), wonach ihre Handlungsfreiheit in keiner Weise eingeschränkt wor-

den sei, ist für die Feststellung der Preiskoordination nicht von Belang.  

(b) Massgebliche Koordinationsform: Vereinbarungen  

77.   Als rechtlich erzwingbare Vereinbarung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG 

ist eine rechtsgeschäftliche Übereinkunft von Unternehmen zu qualifizie-

B-5918/2017 

Seite 33 

ren, die auf einer vertraglichen, gesellschaftsrechtlichen oder verbands-

rechtlichen Grundlage beruht, der von den Abredebeteiligten auch 

Rechtsverbindlichkeit beigemessen wird. Diese Form der Verhaltensko-

ordination zielt auf eine durch die Rechtsordnung als grundsätzlich 

rechtswirksam anerkannte Handlungsform von Rechtssubjekten ab (BGE 

147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.3; BGE 144 II 246, Altimum, E. 6.4.1). 

78.   Als rechtlich nicht erzwingbare Vereinbarung gemäss Art. 4 Abs. 1 

KG ist eine quasi-rechtsgeschäftliche Übereinkunft von Unternehmen zu 

qualifizieren, die zwar formal ebenfalls auf einer vertraglichen, gesell-

schaftsrechtlichen oder verbandsrechtlichen Grundlage beruht, der nach 

dem Willen der Abredebeteiligten aber keine Rechtsverbindlichkeit zu-

kommen soll. Diese Form der Verhaltenskoordination zielt auf eine durch 

die Rechtsordnung zwar grundsätzlich anerkannte, im Einzelfall aber 

nicht verwirklichte Handlungsform von Rechtssubjekten ab (BGE 147 II 

72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.3; BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, 

E. 8.3.1).  

79.   Die Grundlage der rechtsgeschäftlichen und quasi-rechtsgeschäft-

lichen Vereinbarungen bildet ein Konsens der Abredebeteiligten, der sich 

auf übereinstimmende, bei Beschlüssen gegebenenfalls nur auf mehrheit-

lich übereinstimmende Willenserklärungen in vertraglicher, gesellschafts-

rechtlicher oder verbandsrechtlicher Form abstützt, die schriftlich, münd-

lich oder konkludent abgegeben werden (BGE 147 II 72, Hors-Liste–

Pfizer-II, E. 3.1, 3.3; BGE 144 II 246, Altimum, E. 6.4.1; BVGer, 

B-7920/2015, VPVW-Repo–3, E. 8.3.1).  

80.  Im Übrigen wird mit der Formulierung «rechtlich erzwingbar» für 

rechtsgeschäftliche Vereinbarungen kein Bezug zur zivilrechtlichen 

Durchsetzbarkeit hergestellt (BVGer, B–506/2010, Gaba, E. 3.2.3; BVGer, 

B–3332/2012, BMW, E. 2.2.3; BVGer, B–5682/2012, Altimum, E. 4.1), 

weil eine wettbewerbswidrige Vereinbarung aufgrund ihres widerrechtli-

chen Inhalts gemäss Art. 20 OR von vornherein einen Durchsetzungs-

mangel aufweist (BGer, 12.6.2008, 4A_16/2008, Almonte SA gg. Air Mer-

cury AG, publ. in RPW 2008/3, 535, Ziff. 2.2).  

  

B-5918/2017 

Seite 34 

(c) Sachverhalt 

81.   Vorliegend sind sowohl die tatsächlichen Ereignisse, die zur 

Preiserhöhung 2007 geführt haben, als auch diejenigen, die zur Preiser-

höhung 2004 geführt haben, zu beurteilen. 

82.   Im Hinblick auf die Preiserhöhung 2007 ist zunächst der Charakter 

des Treffens der Untersuchungsadressaten am 22. September 2006 

(nachfolgend: Koordinationstreffen) aufgrund von dessen Gegenstand 

festzustellen. Dabei erweist sich die Behauptung der Beschwerdeführerin 

(vgl. E. 62 ff.), wonach die Einberufung und Durchführung des Koordinati-

onstreffens einschliesslich des hierbei vorgenommenen Informationsaus-

tauschs nur dazu gedient haben sollen, die autonom festgelegten und 

gegenüber der Koch-Gruppe bereits angekündigten Preiserhöhungen der 

Siegenia-Gruppe im Rahmen des Absatzverhältnisses inhaltlich zu be-

grenzen, als tatsachenwidrig. Denn bereits in der Einladung zu dieser 

Besprechung vom 7. September 2006 (vgl. SV G.g) wird als Gegenstand 

der Besprechung «Umsetzung MTZ 2007» angegeben und ausgeführt, 

dass «[...] alle Hersteller Preisaufschläge ankündigen [werden]. Bezüglich 

Umsetzung und Höhe sollten wir uns in der Schweiz abstimmen [...].» Die 

Besprechung war somit von vornherein gar nicht auf eine Bekämpfung 

einer bereits erfolgten Preiserhöhung der Verkaufspreise der Siegenia-

Gruppe und damit der Einstandspreise der Koch-Gruppe für Siegenia-

Produkte ausgerichtet, sondern zum einen auf die Preiserhöhungen aller 

Beschlaghersteller und zum anderen auf die inhaltliche und zeitliche Fest-

legung der Wiederverkaufspreise gegenüber den Fensterproduzenten 

und den übrigen Zwischenhändlern. Ein anderer Sinngehalt kann der 

Formulierung «Umsetzung von Preiserhöhungen der Beschlaghersteller» 

aus objektiver Sicht nicht beigemessen werden. Alle Untersuchungsad-

ressaten haben sich demzufolge zu dem Koordinationstreffen in dem Be-

wusstsein und der Erwartung eingefunden, dass hierbei eine Koordination 

der inhaltlichen und zeitlichen Ausgestaltung der Wiederverkaufspreise 

gegenüber den Fensterproduzenten und anderen Zwischenhändlern er-

folgen soll. Das Koordinationstreffen diente daher einem wettbewerbswid-

rigen Zweck. 

83.   Diese Feststellung wird auch durch das E-Mail der Koch-Gruppe 

zur Bestätigung des Koordinationstermins vom 8. September 2006 (vgl. 

SV G.h), mit der die Mitteilung der GU-Gruppe an die anderen Teilnehmer 

des Koordinationstreffens weitergeleitet wurde, bestätigt. Darüber hinaus 

erscheint das Bewusstsein für ein wettbewerbskonformes Verhalten kaum 

B-5918/2017 

Seite 35 

vorhanden gewesen zu sein, wenn ein Branchenunternehmen sich dafür 

entschuldigt, dass es an einem Koordinationstreffen der massgeblichen 

Hersteller und Händler der Branche zum Austausch über Zeitpunkt und 

Höhe einer Preiserhöhung nicht teilnimmt und als Grund hierfür die be-

reits erfolgte Preiserhöhung angibt.   

84.   Die Roto-Gruppe hat im Rahmen ihrer Selbstanzeige angegeben, 

dass jedenfalls die am Koordinationstreffen teilnehmenden Unternehmen, 

d.h. die Koch-Gruppe, die Roto-Gruppe, die Siegenia-Gruppe und die 

Winkhaus-Gruppe, als Abredebeteiligte eine Verständigung darüber vor-

genommen hätten, jeweils spätestens per 1. Februar 2007 eine Preiser-

höhung in Form eines Materialteuerungszuschlags in der Höhe von 5,7%, 

5,8% und 6% durchzuführen und diese Preiserhöhung bis Ende Oktober 

2006 gegenüber den Kunden anzukündigen (vgl. SV G.j).  

85.   E-Mails der Winkhaus-Gruppe an die übrigen Abredebeteiligten 

(vgl. SV G.k) bestätigen sowohl das Vorhandensein einer Verständigung 

als auch deren Inhalt im Hinblick auf Höhe und Zeitpunkt der vorzuneh-

menden Preiserhöhung einschliesslich einer Ankündigung gegenüber den 

Kunden im Oktober. Denn ohne das Vorhandensein einer entsprechen-

den Verständigung würde eine Benachrichtigung der übrigen Abredebe-

teiligten keinen Sinn ergeben.  

86.   Koch räumt unter Hinweis auf das von ihr mit ihrer Teilnahme am 

Koordinationstreffen verfolgte Ziel ausdrücklich selbst ein (vgl. BVGer, 

B-5919/2017, Baubeschläge-Koch-II, E. 221), dass zum einen die Ab-

redebeteiligten einen Informationsaustausch über den Zeitpunkt und die 

Höhe einer Preiserhöhung in Form eines Materialteuerungszuschlags 

einschliesslich einer entsprechenden Ankündigung gegenüber den Kun-

den vorgenommen haben und dass zum anderen Koch und Siegenia eine 

Verständigung darüber getroffen haben, spätestens per 1. Februar 2007 

eine Preiserhöhung in der Höhe von 5,7% durchzuführen und diese 

Preiserhöhung bis Ende Oktober 2006 gegenüber den Kunden anzukün-

digen. Koch bestätigt demzufolge, dass ein Austausch sowie eine inhaltli-

che Festlegung über Zeitpunkt und Umfang einer Preiserhöhung in Form 

eines Materialteuerungszuschlags stattgefunden haben. 

87.  Die Angaben der Abredebeteiligten stimmen somit in den wesent-

lichen Punkten überein und das Ergebnis entspricht dem Zweck des Ko-

ordinationstreffens, wie dies in der Einladung von Koch angegeben wor-

den war. 

B-5918/2017 

Seite 36 

88.   Diese Feststellung entspricht im Übrigen auch dem Inhalt des 

ausdrücklichen Vorbringens von Koch zum Erfolg des von ihr geleisteten 

Widerstands gegen das Herstellerdiktat (vgl. BVGer, B-5919/2017, Bau-

beschläge-Koch-II, E. 223), wonach aufgrund der Tätigkeit von Koch die 

Preiserhöhung der Hersteller sowohl zeitlich als auch der Höhe nach ha-

be abgewendet und durch eine später stattfindende und in der Höhe re-

duzierte Einführung des Materialteuerungszuschlags ersetzt werden kön-

nen.   

89.   Die Preiserhöhungen wurden von den Abredebeteiligten entspre-

chend dem Inhalt der Verständigung gegenüber den Kunden im Oktober 

angekündigt und Anfang 2007 termingerecht umgesetzt und angewendet. 

Zudem waren die jeweiligen Preiserhöhungsschreiben an die Kunden 

wechselseitig ausgetauscht worden (vgl. SV G.m), was von der Be-

schwerdeführerin nicht bestritten wird. Dadurch wird das Vorhandensein 

einer entsprechenden Verständigung unter den Abredebeteiligten belegt. 

Denn ohne das Vorhandensein einer entsprechenden Verständigung 

würde ein entsprechender Austausch von Kundenschreiben keinen Sinn 

ergeben.   

90.   Daher bestehen über den Vorgang der Preiskoordinationen als 

massgeblichen rechtsrelevanten Sachverhalt keinerlei begründete Zwei-

fel. Der massgebliche Sachverhalt der Verhaltenskoordination ist demzu-

folge ausreichend erstellt. 

91.   Dabei ist es unerheblich, dass die Angaben zur Preiserhöhung 

durch Roto im Rahmen einer Selbstanzeige gemacht wurden und letztlich 

zu einer Sanktionsbefreiung der Roto-Gruppe geführt haben. Denn so-

wohl die von der Beschwerdeführerin und anderen Abredebeteiligten ge-

machten Angaben als auch die tatsächlich vorgenommenen Handlungen 

der Abredebeteiligten zu den wesentlichen Punkten der Preiserhöhung 

stimmen mit den Angaben von Roto in der Selbstanzeige überein. Ge-

genüber der Richtigkeit der von Roto eingeräumten Angaben zur Preiser-

höhung bestehen daher keinerlei Zweifel.    

92.   Die an dem Koordinationstreffen teilnehmenden Abredebeteiligten 

haben somit bewusst und gewollt eine Verständigung darüber vorge-

nommen, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Höhe von ihnen eine 

Preiserhöhung gegenüber ihren jeweiligen Kunden durchzuführen ist, 

womit offensichtlich eine Koordination der Preisgestaltung der Endkun-

B-5918/2017 

Seite 37 

denpreise gegenüber den Fensterproduzenten und den sonstigen Zwi-

schenhändlern einherging.  

93.   Für das Vorliegen einer Verhaltenskoordination ist es dabei entge-

gen dem Einwand der Beschwerdeführerin (vgl. E. 59, 67) unerheblich, 

dass die Abredebeteiligten keine identischen Inhalte der von ihnen vorge-

nommenen Preiserhöhungen vorgesehen haben. Denn ein identischer 

Abredeinhalt für alle Abredebeteiligten stellt keine Voraussetzung für die 

Herbeiführung einer Verhaltenskoordination dar. 

94.   Aufgrund der erstellten Umstände ist davon auszugehen, dass die 

Abredebeteiligten eine rechtlich verbindliche Vereinbarung treffen wollten, 

weil die Beschlaghersteller im Rahmen der getroffenen Vereinbarung die 

rechtswirksame Verpflichtung eingehen sollten, dass die Preiserhöhung 

von ihnen erst zum vorgesehenen Zeitpunkt in der vorgesehenen Höhe 

geltend gemacht werden kann. Dies ergibt sich schon daraus, dass zum 

einen die von der Beschwerdeführerin behauptete Preiserhöhung von 6% 

zum 1. September 2006 inhaltlich reduziert und zeitlich auf Anfang 2007 

hinausgeschoben wurde und zum anderen die vereinbarte Preiserhöhung 

vorgängig gegenüber den Kunden angekündigt werden sollte. Denn es 

hätte keinem ordnungsgemässen Geschäftsgebaren entsprochen und für 

alle Abredebeteiligten zu nachteiligen Weiterungen geführt, wenn die Be-

schlaghersteller oder die Zwischenhändler nach Ankündigung dieser ver-

einbarten Preiserhöhung dann doch eine andere inhaltliche oder zeitliche 

Erhöhung der Preise vorgenommen hätten. Die Abredebeteiligten haben 

zum Nachweis ihres vereinbarungsgemässen Verhaltens sogar die Preis-

erhöhungsschreiben an ihre Kunden wechselseitig ausgetauscht (vgl. SV 

G.m), was ebenfalls das Bestehen einer entsprechenden verbindlichen 

Verpflichtung zwischen den Unternehmen nahelegt. Letztlich kann aber 

dahingestellt bleiben, ob diese Vereinbarung rechtlich bindend oder recht-

lich unverbindlich sein sollte, weil beide Varianten in gleicher Weise von 

Art. 4 Abs. 1 KG erfasst werden. 

95.   Gleichermassen kann dahingestellt bleiben, ob die Preiserhö-

hungsvereinbarung bereits am 22. September 2006 abgeschlossen wor-

den war oder ob sie erst aufgrund des konkludenten Verhaltens der Ab-

redebeteiligten zustande kam. Denn die Abredebeteiligten haben wie vor-

gesehen im Oktober 2006 die vereinbarten Preiserhöhungen gegenüber 

den Kunden zum einen inhaltlich und zeitlich angekündigt (vgl. SV G.l) 

und zum anderen die entsprechenden Ankündigungsschreiben wechsel-

seitig ausgetauscht (vgl. SV G.m). Damit haben sie die anlässlich des 

B-5918/2017 

Seite 38 

Treffens am 22. September 2006 wechselseitig angebotene Verständi-

gung über eine Preiserhöhung der Endkundenpreise in jedem Fall spä-

testens zu diesem Zeitpunkt konkludent angenommen. 

96.  Dass von den Abredebeteiligten eine Vereinbarung abgeschlossen 

worden war, an die sie gebunden waren oder an die sie sich zumindest 

gebunden fühlten, wird durch den Umstand bestätigt, dass die Abredebe-

teiligten ihre Preise im vorgesehenen Umfang zum angekündigten Zeit-

punkt gegenüber den Kunden erhöht haben (vgl. SV G.n).      

97.  Dabei spielt es keine Rolle, ob einzelne der beteiligten Unterneh-

men einen nicht erklärten Vorbehalt mit dem Inhalt angebracht haben, die 

Preiserhöhung gegenüber den Kunden tatsächlich überhaupt nicht, nicht 

in der vorgesehenen Höhe oder nicht zu dem vorgesehenen Zeitpunkt 

anzuwenden oder durch die Anwendung anderer Massnahmen, wie eine 

Gewährung von besonderen Rabatten, faktisch aufzuheben. Denn eine 

entsprechende Mentalreservation ist bereits bei Abschluss von rechtlich 

anerkannten Vereinbarungen unbeachtlich (HUGUENIN CLAIRE, Obligatio-

nenrecht, 3. Aufl. 2020, Rn. 197; KOLLER ALFRED, Schweizerisches Obli-

gationenrecht, Allgemeiner Teil, 4. Aufl. 2017, Rn. 3.201 f.). Umso mehr 

ist eine Berücksichtigung derartiger Vorstellungen im Rahmen einer kar-

tellrechtlichen Beurteilung von rechtlich nicht anerkannten Vereinbarun-

gen ausgeschlossen. Deshalb sind Mentalreservationen, selbst wenn sie 

stattgefunden hätten, nicht zu berücksichtigen. Dies gilt auch für eine all-

fällige Vorstellung der Beschwerdeführerin, dass die Verständigung der 

Abredebeteiligten sich auf die Bruttopreise gegenüber den Endkunden 

bezogen habe, weshalb dadurch eine spätere Ausgestaltung der Kun-

denpreise aufgrund der Einräumung von individuellen Rabatten auf diese 

Bruttopreise nicht ausgeschlossen gewesen sei. 

98.   Die Beschwerdeführerin und mit ihr die Siegenia-Gruppe sind 

demzufolge als Beteiligte an einer rechtlichen Vereinbarung über die 

Ausgestaltung von Preisen in Gestalt einer Preiserhöhungsvereinbarung 

in Form eines Materialteuerungszuschlags zu qualifizieren. 

99.   Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass weder eine rechtlich 

verbindliche noch eine rechtlich unverbindliche Vereinbarung zwischen 

den Abredebeteiligten abgeschlossen worden war, würde zwischen den 

Abredebeteiligten zumindest eine abgestimmte Verhaltensweise vorlie-

gen. Denn die Fühlungnahme in Gestalt des wechselseitigen Informati-

onsaustauschs zwischen den Abredebeteiligten am Koordinationstreffen 

B-5918/2017 

Seite 39 

wurde durch das nachfolgende, diesem Informationsaustausch entspre-

chende Verhalten manifestiert und bestätigt (BGE 147 II 72, Hors-Liste–

Pfizer-II, E. 3.4.2; BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, E. 8.3.2). 

100.   Die hiergegen vorgebrachte Behauptung der Beschwerdeführerin 

(vgl. E. 62), wonach der Entscheid über die Preiserhöhung zum 1. Sep-

tember 2006 von 6% bereits autonom getroffen gewesen sei, ist tatsa-

chenwidrig. Denn von der Beschwerdeführerin wurde eine Preiserhöhung 

zum 1. September 2006 gerade nicht durchgeführt. 

101.   Auch die Behauptung der Beschwerdeführerin (vgl. E. 66), wo-

nach an der Koordinationssitzung keine Vereinbarung getroffen worden 

sei, sondern lediglich die bereits autonom getroffenen Entscheidungen 

bestätigt worden seien, ist tatsachenwidrig. Denn offensichtlich wurde von 

der Beschwerdeführerin anlässlich der Koordinationssitzung keine Bestä-

tigung der Preiserhöhung von 6% zum 1. September 2006 erklärt, son-

dern im Einklang mit den anderen Sitzungsteilnehmern eine Preiserhö-

hung von 5,7% auf Anfang 2007 vorgenommen. 

102.  Im Hinblick auf die Preiserhöhung 2004 ist Folgendes zu beach-

ten.  

103.   Nach dem eigenen Vortrag der Beschwerdeführerin haben Roto 

und Siegenia im Nachgang zu einem Informationsaustausch über eine 

geplante einheitliche Preiserhöhung von 6% und der Mitteilung von Sie-

genia, dass die intendierte Preiserhöhung bei ihren Kunden nicht durch-

gesetzt werden könne, zwischen April und Mai 2024 beschlossen, die 

Preiserhöhung in zwei Schritte mit leicht unterschiedlichen Erhöhungsko-

effizienten aufzuteilen und die erste Erhöhung mit 3,5% bzw. 3% zum 

1. Juli 2004 sowie die zweite Erhöhung mit 2,5% und 3% zum 1. Septem-

ber bzw. 1. Oktober umzusetzen, woraus im Ergebnis eine Gesamtpreis-

erhöhung von jeweils 6% bei beiden Unternehmen resultierte. 

104.   Die Aufteilung der geplanten Preiserhöhung in zwei Schritten zum 

gleichen Zeitpunkt mit der identischen Gesamtpreiserhöhung beruht of-

fensichtlich auf dem durchgeführten Informationsaustausch und der dabei 

getroffenen Verständigung zwischen den Parteien. Eine andere Begrün-

dung für diesen Geschehensablauf als rein hypothetische Überlegung ist 

nach allgemeinem Verständnis nicht ersichtlich und wird von der Be-

schwerdeführerin auch nicht vorgebracht. Die blosse Behauptung der Be-

schwerdeführerin, wonach eine autonome interne Entscheidung diesen 

B-5918/2017 

Seite 40 

Preiserhöhungen zu Grunde liegt, vermag diese gerichtliche Einschät-

zung des sachlichen und zeitlichen Geschehensablaufs nicht zu erschüt-

tern. Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin selbst vorbringt 

(vgl. E. 57), die Kommunikation mit Roto habe die autonom entschiedene 

Preiserhöhung nicht ersetzt, sondern nur verzögert. Mithin würde unstrit-

tig zumindest eine Abrede über den Zeitpunkt der Einführung einer Preis-

erhöhung vorliegen.  

105.   Die Beschwerdeführerin und mit ihr die Siegenia-Gruppe sind 

demzufolge auch in diesem Fall als Beteiligte an einer rechtlichen Verein-

barung über die Ausgestaltung von Preisen in Gestalt einer Preiserhö-

hungsvereinbarung in Form eines Materialteuerungszuschlags zu qualifi-

zieren. Ob es sich hierbei um eine rechtlich verbindliche Vereinbarung 

oder angesichts der mangelnden Verabredung weiterer unterstützender 

Massnahmen zur Umsetzung dieser Verständigung allenfalls nur um eine 

rechtlich unverbindliche Vereinbarung gehandelt hat, bedarf keiner ab-

schliessenden Feststellung. 

106.   Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass keine rechtlich unver-

bindliche Vereinbarung zwischen den Abredebeteiligten abgeschlossen 

worden war, würde zwischen den Abredebeteiligten zumindest eine ab-

gestimmte Verhaltensweise vorliegen. Denn die Fühlungnahme in Gestalt 

des wechselseitigen Informationsaustauschs zwischen den Abredebetei-

ligten mittels einer ausdrücklichen Kommunikation wurde durch das nach-

folgende, diesem Informationsaustausch entsprechende Verhalten mani-

festiert und bestätigt (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.4.2; 

BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, E. 8.3.2).  

2) Wettbewerbsbeschränkung  

107.   Die angefochtene Verfügung stellt angesichts der Preisabrede, mit 

der die Preise für Fensterbeschläge durch die Abredebeteiligten gegen-

über den Fensterproduzenten als Endkunden festgelegt wurden, auch ei-

ne Wettbewerbsbeschränkung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG fest.  

  

B-5918/2017 

Seite 41 

(1) Vorbringen der Beschwerdeführerin 

108.   Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass eine Wettbewerbs-

beschränkung nicht vorgelegen habe. Hierzu bringt sie verschiedene 

Einwände vor. 

109.   Die Verständigung über die Preiserhöhung sei ausschliesslich die 

zwingende Folge einer objektiv notwendigen Preiserhöhung aufgrund der 

gestiegenen Rohstoffpreise. Preiserhöhungen wären auch ohne irgend-

welchen Austausch der Parteien erfolgt. 

110.   Art. 5 Abs. 3 lit. a KG erfasse nur Abreden, mit denen – unabhän-

gig davon, ob direkt oder indirekt – die Verkaufspreise fixiert werden. Ab-

reden, die sich sonst irgendwie auf den Preis auswirken, seien dagegen 

vom Begriff der Preisabrede nicht erfasst, sondern könnten lediglich unter 

Art. 5 Abs. 1 KG fallen. Vorliegend würde keine Preisabrede vorliegen, 

weil keine Endpreise vereinbart wurden und grosser Preiswettbewerb 

herrsche. Dass eine Festsetzung von Preisen gemäss Art. 5 Abs. 3 lit. a 

KG eine Festsetzung des Endpreises verlange und die Festsetzung von 

einzelnen Preisparametern nicht genüge, habe Tuchschmid (Die horizon-

tale Preisabrede, AJP 2018/7, 848 ff.) überzeugend dargelegt. Auch das 

Bundesgericht habe in seinem Rückweisungsurteil festgehalten, massge-

bend sei «alleine, ob die Beteiligten auf der gleichen Marktstufe eine Ab-

rede getroffen haben, die Preise in bestimmter Höhe festzusetzen bzw. 

hier weiterzugeben». 

111.   Diese Auslegung von Art. 5 Abs. 3 lit. a KG dränge sich umso 

mehr auf, als es sich dabei um eine Strafnorm handle, die dem strafrecht-

lichen Bestimmtheitsgebot zu genügen habe.  

112.  Die Qualifizierung als Preisabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 lit. a KG 

würde voraussetzen, dass durch die Verständigung über die Preisgestal-

tung wesentliche Preiselemente oder Preiskomponenten festgesetzt wür-

den. Die Festlegung von unbedeutenden Preiselementen, bei denen sich 

die Vereinbarung nur auf einen sehr kleinen Preisbestandteil beziehe und 

damit keine spürbaren Auswirkungen auf den Endpreis habe, würde 

demgegenüber nicht unter Art. 5 Abs. 3 lit. a KG fallen. Vorliegend habe 

es sich bei der Preiserhöhung um einen marginalen Preisbestandteil ge-

handelt, der die Annahme einer indirekten Preisabsprache verbieten wür-

de. 

B-5918/2017 

Seite 42 

113.  Die Preiserhöhung habe gegenüber den Kunden nicht durchge-

setzt werden können. Die Beschwerdeführerin sei gezwungen gewesen, 

ihren Kunden nach der Preiserhöhung höhere Rabatte zu gewähren, was 

die Preiserhöhungen grösstenteils wieder zunichte gemacht und ihrer 

Wirkung beraubt habe.  

114.  Allgemein würde eine Abrede – unabhängig davon, ob in Form ei-

ner Vereinbarung oder einer abgestimmten Verhaltensweise – keine di-

rekte oder indirekte Preisfestsetzung gemäss Art. 5 Abs. 3 lit. a KG dar-

stellen, wenn zwar eine einzelne Preiskomponente abgesprochen werde, 

dies jedoch zu keiner Preisfestsetzung führe, weil aufgrund anderer 

Preisparameter weiterhin erheblicher Preiswettbewerb stattfände. 

(2) Vorbringen der Vorinstanz 

115.   Die Vorinstanz hält die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten 

Einwände aus sachlichen Gründen für unzutreffend und verweist auf die 

bestehende Wettbewerbspraxis. 

(3) Würdigung durch das Gericht 

116.   Für die Beurteilung von Wettbewerbsbeschränkungen einschliess-

lich von Preisabreden sind die folgenden Aspekte zu berücksichtigen, die 

auch durch die mittlerweile ergangene Rechtsprechung bestätigt werden. 

(a) Allgemeines 

117.   Eine Wettbewerbsbeschränkung gemäss Art. 4 Abs. 1 KG liegt 

vor, wenn durch eine Abrede die Handlungsfreiheit der Wettbewerbsteil-

nehmer im Innen- oder Aussenverhältnis hinsichtlich eines Wettbe-

werbsparameters oder mehrerer Wettbewerbsparameter beschränkt wird 

(BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.5; BGE 129 II 18, Buchpreisbin-

dung I, E. 5.1; BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 301 m.w.N.; 

BVGer, B–506/2010, Gaba, E. 3.2.3; BVGer, B–3332/2012, BMW, 

E. 2.2.3).  

118.   Als Wettbewerbsparameter gelten dabei alle Faktoren, welche 

durch ein Unternehmen zur (Aus-)Gestaltung seiner wirtschaftlichen Be-

ziehungen zu anderen Wirtschaftsteilnehmern eingesetzt werden können 

B-5918/2017 

Seite 43 

(BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 301). Im Wesentlichen handelt 

es sich dabei um die Faktoren Preis, Menge und Qualität der Produkte, 

Geschäftskonditionen, Kundendienst, Beratung, Werbung sowie Marke-

ting, Forschung und Entwicklung (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, 

E. 3.5).   

119.   Massgebend für die Beurteilung, ob eine nachteilige Einwirkung 

auf den Wettbewerb vorliegt, sind allein objektive Aspekte, während sub-

jektive Elemente hierfür nicht berücksichtigt werden müssen (BVGer, 

B-3618/2013, Hallenstadion, E. 302 m.w.N.; BVGer, B–506/2010, Gaba, 

E. 3.2.3; BVGer, B–3332/2012, BMW, E. 2.2.3; BVGer, 16.9.2016, 

B-581/2012, Nikon AG gg. Weko, zit. Nikon, E. 4.2). Daher bedarf es kei-

ner bestimmten subjektiven Motive auf Seiten der an einer Abrede betei-

ligten Unternehmen (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.6). Eben-

falls unerheblich sind die subjektiven Ab- und Ansichten der betroffenen 

Wirtschaftsteilnehmer und allfälliger Konkurrenten.  

120.   Die Wettbewerbsbeschränkung kann gemäss Art. 4 Abs. 1 KG be-

zweckt oder bewirkt sein. Deshalb bildet das kumulative Vorliegen von 

Zweck und Wirkung keine Voraussetzung für eine durch eine Wettbe-

werbsabrede herbeigeführte Wettbewerbsbeschränkung (BGE 147 II 72, 

Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.6; BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, 

E. 8.3.3; BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 303). 

121.   Eine Abrede ist dann bezweckt (nachfolgend: Zweckabrede), 

wenn bereits der Gegenstand der Verhaltenskoordination in einer Ein-

schränkung des Wettbewerbs besteht, weil die Abrede aufgrund ihres 

Regelungsinhalts auf die Ausschaltung oder Begrenzung eines oder meh-

rerer relevanter Wettbewerbsparameter ausgerichtet ist (BGE 147 II 72, 

Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.6; BVGer, B-7920/2015, VPVW-Repo–3, 

E. 8.3.3; BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 303). 

122.   Mit Abschluss einer Vereinbarung wird die bezweckte Wettbe-

werbsabrede verwirklicht, weil die nachteilige Einwirkung auf den Wett-

bewerb bereits durch die Aufhebung des Selbständigkeitspostulats einge-

treten ist. Daher bedarf es keiner Feststellung von darüber hinausgehen-

den Auswirkungen auf den Markt (BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, 

E. 3.6). Denn aufgrund der Legaldefinition in Art. 4 Abs. 1 KG wird klarge-

stellt, dass auch der potentielle Wettbewerb geschützt wird, weshalb es 

bereits ausreichend ist, dass eine Verhaltenskoordination den Wettbe-

B-5918/2017 

Seite 44 

werb möglicherweise beeinträchtigen kann (BGE 143 II 297, Gaba, 

E. 5.4.2). 

123.   Eine Abrede ist dagegen bewirkt, wenn die Abrede aufgrund ihrer 

Anwendung in der konkreten Sachverhaltskonstellation zu einer Aus-

schaltung oder Begrenzung eines oder mehrerer relevanter Wettbe-

werbsparameter führt, obwohl ihr Regelungsinhalt darauf nicht ausgerich-

tet ist (BVGer, B-3618/2013, Hallenstadion, E. 303; im Ergebnis ebenso 

BGE 147 II 72, Hors-Liste–Pfizer-II, E. 3.6; BVGer, B-7920/2015, VPVW-

Repo–3, E. 8.3.3). 

(b) Horizontale Preisabrede 

124.   Der Preis eines Produkts stellt einen relevanten Wettbewerbsfak-

tor und in vielen Branchen das wesentliche Kriterium für eine Auswahl-

entscheidung der Nachfrager dar (BGE 129 II 18, Buchpreisbindung I, 

E. 5.1). 

125.    Der Gesetzgeber hat horizontale Preisabreden neben horizontalen 

Gebiets- und Mengenabreden sowie Kundenaufteilungen als die schwer-

wiegendsten Einschränkungen des Wettbewerbs mit einem erheblichen 

Schädigungspotential qualifiziert. Deshalb hat er mit der Beweislastrege-

lung der Art. 5 Abs. 3 KG sowie der direkten Sanktionierbarkeit gemäss 

Art. 49a KG diesen, als «harte Kartelle» bezeichneten Wettbewerbsabre-

den (Botschaft KG 1995, 469) eine besondere Stellung zugewiesen und 

sie dadurch gegenüber den anderen Verhaltenskoordinationen abge-

grenzt (Botschaft KG 1995, 469, 491, 517, 566; Botschaft des Bundesrats 

über die Änderung des Kartellgesetzes vom 7.11.2001, BBl 2001, 2022, 

zit. Botschaft KG 2004, 2023, 2036, 2037). Bei Einführung der direkten 

Sanktionen hat der Gesetzgeber diese Qualifizierung von horizontalen 

Preisabreden als harte Kartelle mit verheerenden Wirkungen für den 

Wettbewerb (Botschaft KG 2004, 2036) ohne Weiteres zu Grunde gelegt. 

Die in Art. 5 Abs. 3 lit. a KG bestehende Regelung zu Preisabreden sollte 

im Rahmen der Revision des Kartellgesetzes 2004 keine Veränderung er-

fahren und sie bildete auch keinen Gegenstand der parlamentarischen 

Beratungen. 

126.   Die Zulässigkeit derartiger Wettbewerbsabreden ist nur dann ge-

geben, wenn eine Rechtfertigung aus den in Art. 5 Abs. 2 KG aufgeführ-

ten Gründen einer wirtschaftlichen Effizienz vorliegt (Botschaft KG 1995, 

B-5918/2017 

Seite 45 

557; BGE 143 II 297, Gaba, E. 5.4.2). Dabei sind in der Praxis allerdings 

nur wenige Fälle vorstellbar, in denen diese Arten von Wettbewerbsabre-

den aus wettbewerblicher Sicht positiv zu beurteilen seien (Botschaft KG 

1995, 546). 

127.   Horizontale Preisabreden wurden vom Gesetzgeber dabei integral 

als besonders schädlich qualifiziert, ohne dass eine Differenzierung von 

verschiedenen sachlichen Varianten vorgenommen wurde (Botschaft KG 

1995, 469, 491, 517, 566; Botschaft KG 2004, 2023, 2036, 2037). Aus 

diesem Grund kommt der Vorschrift ein weites und einheitliches Anwen-

dungsspektrum zu.  

128.   So wurde eine Unterteilung der Preisabreden nach schweren und 

leichteren Varianten auf der Ebene des Tatbestands vom Gesetzgeber 

ausdrücklich abgelehnt, weil leichte Fälle im Rahmen der Sanktionierung 

Berücksichtigung finden könnten (Botschaft KG 2004, 2037).  

129.  Für die Verwirklichung einer horizontalen Preisabrede wurde vom 

Gesetzge