# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd50433f-260c-5f8b-8728-10d16ec45cbc
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 18.09.2023 BK 2023 347
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2023-347_2023-09-18.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 23 347

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. September 2023

Besetzung Oberrichter Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiber Rudin

Verfahrensbeteiligte A.________

Verurteilter/Beschwerdeführer

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, Post-
fach, 3001 Bern

Gegenstand Umwandlung einer Busse in eine Freiheitsstrafe

Beschwerde gegen den Entscheid des Regionalgerichts Bern-Mit-
telland, Einzelgericht, vom 11. Juli 2023 (PEN 23 411)

2

Erwägungen:

1.

1.1 Mit Verfügungen der Direktion Umwelt und Betriebe, Abteilung Umwelt und Land-
schaft, Dienstzweig Abfallbewirtschaftung und Deponie, der Gemeinde B.________ 
(Örtlichkeit) (nachfolgend: Gemeinde B.________ (Örtlichkeit)) vom 13. Juni 2022, 
15. September 2022 und 22. November 2022 wurde A.________ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) wegen Widerhandlungen gegen das Abfallreglement der Gemeinde 
B.________ (Örtlichkeit) zu Bussen von CHF 35.00, CHF 150.00 und CHF 250.00 
verurteilt (Akten PEN 23 411, pag. 2-3, 6-7 und 12-13).

1.2 Je mit Schreiben vom 13. April 2023 ersuchte die Gemeinde B.________ (Örtlich-
keit) die Regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland (nachfolgend: Staatsanwalt-
schaft) um Umwandlung der genannten Bussen in Ersatzfreiheitsstrafen (resp. um 
«Bestimmung der Ersatzfreiheitsstrafe»), mit der Begründung, dass die Bussen trotz 
schriftlicher Mahnungen nicht bezahlt worden seien. 

1.3 Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 12. Mai 2023 wurden die ausstehenden 
Bussen der Gemeinde B.________ (Örtlichkeit) in Höhe von CHF 35.00, CHF 150.00 
und CHF 250.00 in Ersatzfreiheitsstrafen von einem Tag, zwei Tagen und drei Tagen 
umgewandelt. Der Beschwerdeführer erhob hiergegen mit Eingabe vom 26. Mai 
2023 sinngemäss Einsprache.

1.4 Mit Entscheid PEN 23 411 vom 11. Juli 2023 wandelte das Regionalgericht Bern-
Mittelland (nachfolgend: Regionalgericht) die mit Verfügungen der Gemeinde 
B.________ (Örtlichkeit) vom 13. Juni 2022, 15. September 2022 und 22. November 
2022 wegen Widerhandlungen gegen das Abfallreglement gegenüber dem Be-
schwerdeführer ausgesprochenen Bussen von CHF 35.00, CHF 150.00 und CHF 
250.00 in unbedingte Ersatzfreiheitsstrafen von einem, zwei und drei Tagen um. Dar-
aufhin wandte sich der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 24. Juli 2023 an das 
Regionalgericht und erklärte, dass der gefällte Entscheid ungerecht sei und er mit 
der Angelegenheit nichts zu tun habe. Da gestützt auf dieses Schreiben nicht klar 
war, ob es sich dabei um ein Rechtsmittel gegen den ergangenen Entscheid han-
delte, ersuchte die zuständige a.o. Gerichtspräsidentin den Beschwerdeführer um 
Mitteilung bis zum 7. August 2023, ob das Schreiben als Beschwerde entgegenzu-
nehmen und an die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kan-
tons Bern (nachfolgend: Beschwerdekammer) weiterzuleiten sei. Nachdem der Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 3. August 2023 erklärt hatte, dass er den Ent-
scheid vom 10. Juli 2023 nicht akzeptieren könne, wurde die Eingabe des Beschwer-
deführers vom 24. Juli 2023 inkl. Akten zur Bearbeitung an die Beschwerdekammer 
weitergeleitet. 

1.5 In der Folge eröffnete die Verfahrensleitung der Beschwerdekammer mit Verfügung 
vom 22. August 2023 ein Beschwerdeverfahren. Gleichzeitig wurde dem Beschwer-
deführer gestützt auf Art. 385 Abs. 2 der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) eine 
nicht verlängerbare Frist von fünf Tagen gesetzt, um seine Rechtsmittelschrift im 
Sinne der gesetzlichen Vorgaben zu verbessern. Daraufhin machte der Beschwer-
deführer mit Schreiben vom 26. August 2023 ergänzende Ausführungen zu seiner 
Beschwerde. Das Regionalgericht verzichtete mit Schreiben vom 1. September 2023 

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und die Generalstaatsanwaltschaft mit Eingabe vom 5. September 2023 auf die Ein-
reichung einer Stellungnahme. 

2.

2.1 Die Umwandlung einer Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe gemäss 
Art. 106 Abs. 5 i.V.m. Art. 36 Abs.1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; 
SR 311) geschieht in einem nachträglichen Entscheid nach Art. 363 ff. StPO. Der 
Kanton Bern hat in Art. 61 Abs. 1 EG ZSJ die Kompetenzen zur nachträglichen Be-
stimmung von Ersatzfreiheitstrafen aufgeteilt. Er hat explizit festgelegt, dass über 
Anträge von Verwaltungsbehörden auf Bestimmung von Ersatzfreiheitsstrafen für 
Bussen und Geldstrafen bis zu 180 Tagessätzen die Staatsanwaltschaft entscheidet. 
Die Staatsanwaltschaft ist selbst dann zuständig, wenn die Busse nicht von ihr selbst 
erlassen wurde (vgl. Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 17 518 vom 
21. Dezember 2017 E. 3.2). Die Vorschriften über den Strafbefehl kommen ergän-
zend zur Anwendung (HEER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess-
ordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 363 StPO). Gegen den selbständigen nachträg-
lichen Entscheid der Staatsanwaltschaft im Strafbefehlsverfahren ist Einsprache zu 
erheben und für die erstinstanzliche Beurteilung ist das Gericht zuständig (Beschluss 
des Obergerichts des Kantons Bern BK 17 518 vom 21. Dezember 2017 E. 3.2).

2.2 Gegen selbständige nachträgliche Entscheide erstinstanzlicher Gerichte ist die Be-
schwerde gemäss Art. 393 Abs. 1 Bst. b StPO das zulässige Rechtsmittel. Die Be-
schwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdekammer 
in Strafsachen einzureichen (Art. 393 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 396 Abs. 1 StPO, Art. 
35 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwalt-
schaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des 
Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Der Beschwerdeführer ist durch den Um-
wandlungsentscheid des Regionalgerichts unmittelbar in seinen rechtlich geschütz-
ten Interessen betroffen und somit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 
1 StPO). Auf die frist- und zufolge Nachbesserung auch knapp formgerechte Laien-
eingabe wird eingetreten.

3.

3.1 Soweit der Verurteilte eine Geldstrafe nicht bezahlt und sie auf dem Betreibungsweg 
(Art. 35 Abs. 3 StGB) uneinbringlich ist, tritt an die Stelle der Geldstrafe eine Frei-
heitsstrafe. Ein Tagessatz entspricht einem Tag Freiheitsstrafe. Die Ersatzfreiheits-
strafe entfällt, soweit die Geldstrafe nachträglich bezahlt wird (Art. 36 Abs. 1 StGB). 
Art. 36 Abs. 1 StGB gilt abgesehen vom Umwandlungssatz trotz des fehlenden Ver-
weises in Art. 106 Abs. 5 StGB auch für Bussen (vgl. zum fehlenden Verweis mit 
entsprechender Kritik: HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 
2019, N 44 zu Art. 106 StGB; vgl. ohne nähere Erörterung auch Urteile des Bundes-
gerichts 6B_889/2022 vom 2. November 2022 E. 2.3.1 f. und 6B_164/2018 vom 
9. April 2018 E. 2.3 sowie Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 20 124 
vom 10. Juni 2020 E. 4). Entsprechend ist die Uneinbringlichkeit Voraussetzung für 
die Umwandlung einer Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe.

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3.2 Uneinbringlichkeit bedeutet, dass ein Pfändungsverlustschein vorliegen muss oder 
dass von einer Betreibung aufgrund der offenkundigen Aussichtslosigkeit eines Er-
gebnisses abgesehen werden durfte. Der Verurteilte kann also nicht wählen, ob er 
freiwillig zahlen oder die Ersatzstrafe verbüssen will. Zahlt er nicht, ist mit Ausnahme 
der offensichtlich aussichtslosen Fälle zunächst die Betreibung zu versuchen, denn 
es soll grundsätzlich diejenige Strafe vollstreckt werden, zu welcher der Täter verur-
teilt wurde (statt vieler: Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 20 124 
vom 10. Juni 2020 E. 4 mit Hinweis auf DOLGE, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 
4. Aufl. 2019, N. 10-12 zu Art. 36 StGB). 

3.3 Grundsätzlich spricht das Gericht bereits im Urteil für den Fall, dass die Busse 
schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag 
und höchstens drei Monaten aus (Art. 106 Abs. 2 StGB). Die Umwandlung erfolgt in 
diesen Fällen (Urteil eines Gerichts) von Gesetzes wegen (vgl. Art. 36 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 106 Abs. 5 StGB) bzw. durch die Vollzugsbehörde – diese hat im Rahmen der 
Umwandlung festzustellen, ob die Geldstrafe uneinbringlich und daher die Ersatz-
freiheitsstrafe zu vollziehen ist (DOLGE, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 
2019, N. 8 zu Art. 36 StGB). Wurde die Busse durch eine Verwaltungsbehörde ver-
hängt, so entscheidet das Gericht (in einem nachträglichen Verfahren) über die Um-
wandlung in eine Ersatzfreiheitsstrafe (Art. 36 Abs. 2 StGB). 

3.4 Die Vorinstanz hat die Uneinbringlichkeit der umzuwandelnden Bussen im angefoch-
tenen Entscheid nicht geprüft bzw. diesbezüglich lediglich ausgeführt, die Umwand-
lung einer Busse in eine Ersatzfreiheitsstrafe bedeute in aller Regel, dass der Ge-
büsste die Zahlung schuldhaft unterlassen habe. Der fehlende Zahlungswille dürfe 
als Ausdruck mangelnder Einsicht des Beschuldigten betrachtet werden. Die Staats-
anwaltschaft hat in ihrer Verfügung vom 12. Mai 2023 betreffend die Uneinbringlich-
keit festgehalten, laut Mitteilungen der Gemeinde B.________ (Örtlichkeit) vom 
14. April 2023 sowie vom 13. April 2023 habe der Beschwerdeführer die Bussen bis 
heute trotz erfolgter Mahnung nicht bezahlt, weshalb die Einbringlichkeit fraglich er-
scheine. Beide Argumentationen sind für die Annahme der Uneinbringlichkeit mit 
Blick auf Praxis und Doktrin selbsterklärend unzureichend. Dass die Gemeinde 
B.________ (Örtlichkeit) den Beschwerdeführer für die umzuwandelnden Bussen 
betrieben hätte bzw. dass diesbezüglich ein Verlustschein vorliegen würde, lässt sich 
den Akten nicht entnehmen. Dass die Gemeinde B.________ (Örtlichkeit) ohne Be-
treibungsverfahren von der Uneinbringlichkeit der Busse ausgehen und damit auf 
eine Betreibung verzichten durfte, wird nirgends geltend gemacht und findet in den 
Akten keine Stütze, zumal namentlich auch keine anderen Verlustscheine oder er-
gebnislose Vollstreckungsverfahren gegen den Beschwerdeführer erwähnt werden 
und der kleinste Forderungsbetrag lediglich CHF 35.00 beträgt. 

4. Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Bussenumwandlung nicht er-
füllt und die Beschwerde ist gutzuheissen bzw. die Anträge der Gemeinde 
B.________ (Örtlichkeit) auf Umwandlung der Bussen vom 13. Juni 2022, 15. Sep-
tember 2022 sowie 22. November 2022 in Ersatzfreiheitsstrafen sind abzuweisen 
(reformatorischer Entscheid).

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5. Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens, 
bestimmt auf CHF 1’200.00, vom Kanton zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die 
Rechtsmittelinstanz einen reformatorischen Entscheid, so befindet sie darin auch 
über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die 
von der Vorinstanz in der Höhe zutreffend festgesetzten Verfahrenskosten der 
Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz werden vom Kanton Bern getragen. Entschä-
digungswürdiger Aufwand ist dem Beschwerdeführer nicht entstanden.

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutheissen. Der Entscheid des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
vom 11. Juli 2023 wird aufgehoben und die Anträge der Gemeinde B.________ (Ört-
lichkeit) auf Umwandlung der Bussen vom 13. Juni 2022, 15. September 2022 sowie 
22. November 2022 in Ersatzfreiheitsstrafen werden abgewiesen. 

2. Die Verfahrenskosten der Staatsanwaltschaft in der Höhe von CHF 100.00 und des 
Regionalgerichts in der Höhe von CHF 150.00, insgesamt CHF 250.00, trägt der Kanton 
Bern.

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1’200.00, trägt der Kanton 
Bern. 

4. Entschädigung ist keine zu sprechen.

5. Zu eröffnen:
- dem Verurteilten/Beschwerdeführer (per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)

Mitzuteilen:
- dem Regionalgerichts Bern-Mittelland, a.o. Gerichtspräsidentin C.________

(mit den Akten – per Kurier)
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin D.________

(BM 23 17137 – per Kurier)
- der Gemeinde B.________ (Örtlichkeit), Direktion Umwelt und Betriebe, 

B.________ (Örtlichkeit)

Bern, 18. September 2023 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter Bähler
i.V. Oberrichter Schmid

Der Gerichtsschreiber:

Rudin

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Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.