# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6d2429b2-33fd-5b39-9b0c-a1b1126c9c9e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-12-17
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt zu wenig abgeklärt. Bei einer Qualifikation von 55 % Erwerbs- und 45% Haushalttätigkeit muss erneut über den Rentenanspruch entschieden werden.
**Docket/Reference:** IV.2019.00458
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00458.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00458
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Wantz
Urteil
vom
1
7.
Dezember 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Für d
ie
1991
geborene
X.___
wurden am 23. Mai 2003 (Ein
gangsdatum)
bei der Invalidenversicherung
Schuheinlagen beantragt
(
Urk. 7
/4).
Nach erfolgten Abklärungen
wurde
mit
Verfügung
vom
18. August 2003
eine Kostenübernahme ab
gelehnt
(Urk.
7/15
).
Am 30. Dezember 2004 (Eingangs
datum) wurde die Versicherte unter Hinweis auf epileptische Anfälle zum Leistungsbezug für Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet (Urk. 7/16). Nach durchgeführten medizinischen Abklärungen erteilte die
Invaliden
ver
sicherung
der Versicherten mit Verfügung vom 10. März 2005 Kostengutsprache für medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit der Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 387, Angeborene Epilepsie
,
(Urk. 7/23 und Urk. 7/37). Später
wurden
mit Mitteilung vom 25. April 2007 auch die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 209,
Mordex
apertus
congenitus
, über
nommen
(Urk. 7/32).
Vom 1. August 2009 bis am 31. Juli 2011 absolvierte
X.___
eine Lehre als Hauswirtschaftspraktikerin im
Y.___
in
Z.___
. Am 10. Januar 2012 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hin
weis auf einen Meniskus- und Kreuzbandriss am rechten Knie bei der
Invaliden
versicherung
zur beruflichen Integrat
ion bzw. zu einem Rentenbezug an (Urk. 7/39 und Urk. 7/46). Zur
Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse
holte die
Invalidenversicherung
zunächst die Akten des Unfall
versicherers AXA Winterthur ein (Urk. 7/44), zog einen Arbeitgeberbericht bei (Urk. 7/46) und verlangte Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 7/47-48). Mit Verfügung vom 15. März 2013
wurde
das Leistungsgesuch wie vorbeschieden ab
gelehnt
(Urk. 7/53).
Seit dem 13. Februar 2012 arbeitete die Versicherte als Hauswirt
schafts
prak
tikerin/Reinigung zuerst in einem 50%-Pensum und
ab
dem 1. Juni 2014 in einem 65%-Pensum im
A.___
. Am 7. November 2014 (Eingangsdatum)
erhielt die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hin
weis auf Epilepsie, Kreuzband- und Meniskusriss am rechten und linken Knie sowie Armbruch rechts
abermals ein Leistungsbegehren de
r
Versicherten
(Urk. 7/55 und Urk. 7/68). In der Folge zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (Urk. 7/60) und holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/64, Urk. 7/67, Urk. 7/69, Urk. 7/74 und Urk. 7/85-86 und Urk. 7/89) sowie einen Arbeitgeberbericht ein (Urk. 7/68). Mit Mitteilung vom 19. Mai 2015 gewährte die IV-Stelle der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen (Urk. 7/79 ff.) und mit Mitteilung vom 11. November 2015 berufliche Massnahmen (Urk. 7/91 ff.). Am 15. Februar 2016 wurde die Versicherte am
B.___
neuropsychologisch
untersucht. Anschliessend nahm die IV-Stelle den Unter
suchungsbe
richt zu den Akten (Urk. 7/99) und
ebenso das im Auftrag der BVK erstellte vertrauensärztliche psychiatrische Gutachten (Expertise vom 20. März 2016, Urk. 7/105). Aufgrund der Verschlechterung des psychischen Zustandes der Versicherten wurde das Arbeitsverhältnis mit dem
A.___
beendet und sie startete per 2. Mai 2016 ein Arbeitstraining im
C.___
in
D.___
(Urk. 7/124/12-17). Mit Mitteilung vom 3. November 2016 stellte die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen aufgrund der Schwangerschaft und de
s anschliessenden Mutterschafts
urlaubs der Versicherten ein (Urk. 7/122). Nach der Geburt des Sohnes am 15. Januar 2017 (Urk. 7/126
/3
) holte die IV-Stelle aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 7/128-129) und
stellte d
er
Versicherten mit Vorbescheid vom
22. Dezember 2017
eine
Viertelsrente
ab 1. November 2016 in Aussicht (Urk. 7/135).
Dagegen erhob
die
Versicherte am
19. Januar
und am
13. Februar 2018
Einwände
(Urk. 7/145 und 7/149).
Diese veranlassten die IV-Stelle
am 18. April 2018 eine Abklärung vor Ort vorzunehmen (Urk. 7/155).
Mit
Verfügung vom
15. Mai 2019
sprach
die IV-Stelle
der Versicherten
nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
25. Juni 2018
, Urk.
7/
158
;
vorsorglicher Einwand vom 2. Juli 2018, Urk. 7/159 und
Einwand vom
7. September 2018
,
Urk.
7/
174
)
mit Verfügung vom
15. Mai
2019 eine vom 1. November 2016 bis am 31. Dezember 2017 befristete ganze Rente zu
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
die Versicherte
am
20. Juni 2019
Beschwerde und beantragte, in Aufhebung
der angefochtenen Verfügung sei ihr auch ab 1. Januar 2019 eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (Urk. 1)
. Mit Beschwerdeantwort vom
28. August 2019
schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Eingabe vom 6. September 2019 verzichtete die Beschwerdeführerin auf eine Replik
(
Urk. 9
)
und die Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom
11. Oktober
2019
auf eine Duplik (Urk. 13)
.
Mit Beschluss vom 1
5.
Oktober 2020 wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit eingeräumt, um zu der vom Gericht nicht
auszuschliessenden
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen möglichen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu ihrem Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 17). Mit Eingabe vom 5. November 2020 hielt sie an ihrer Beschwerde fest (Urk. 19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich
die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungs
gemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheits
schadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassi
fikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Ent
scheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbrin
gen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Inva
liditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig ein
zustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kin
dern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausge
übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen
wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid,
die Abklärungen nach dem
Einwand
auf den Vorbescheid vom 1
5.
Februar 2018
hätten
ergeben, dass
die zu verwertende Rest-Arbeitsfähigkeit nicht auf den ersten
Arbeitsmarkt
bezogen werden könne. Es bestehe keine Arbeitsfähigkeit im ersten
Arbeitsmarkt
, woraus eine
E
r
wer
bseinbusse von 100
%
resultiere. Dies
entspreche
dem
Invaliditäts
grad ab November 201
6.
Im Januar 2017 habe die
Beschwerdeführerin
ein Kind bekommen.
Aufgrund einer Gesetzesänderung begründe dies neu einen Revisionsgrund, weshalb
am 1
8.
April
2018
eine Haushaltsabklärung
durch
geführt
worden
sei
. Vor der Geburt des Kindes, hätte
die Beschwerdeführerin
bei
guter
Gesundheit
zu 100
%
gearbeitet. Nach der
Geburt
wäre si
e
noch zu 20
%
erwerbstätig, die
restlichen 80
% würde sie in den
Haushalt
bzw. die Kinder
erziehung investieren.
Aufgrund der Anwendung der neuen Rechtsprechung bezüglich der gemischten Methode,
habe
die Beschwerdeführerin ab
1.
Januar 2018 mit einem danach errechneten Invaliditätsgrad von
24
%
keinen Renten
anspruch mehr (
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, sie habe vor der Geburt
ihres
Sohnes ganz klar ausgesagt (vgl. Eingliederungsprotokoll vom 1
4.
November 2016), dass sie nach dem Mutterschaftsurlaub gerne wieder zu 50 bis 60
%
arbeiten würde, auch aus finanziellen Gründen. Aufgrund ihrer Behinderung sei ihr
neben ihren Aufgaben als Mutter,
eine teilzeitliche Erwerbs
tätigkeit nicht möglich. Deshalb habe sie bei der Haushaltsabklärung ausgesagt, dass sie nicht bzw. nur noch ganz wenig arbeiten würde. Sie arbeite die angegebenen 20
%
im Kinderheim, wo sie teilweise aufgewachsen sei und ihr ein „geschützter Arbeitsplatz“ geboten werde. Dort
sei
es jedoch nicht möglich, das Pensum zu
erhöhen
. Das kognitive Leistungsniveau der Beschwerdeführerin
liege
gemäss den vielen ärztlichen Berichten und Abklärungen im untere
n Norm
ber
e
i
ch, weshalb
sie
die hypothetische Frage, „was wäre
, wenn
sie nicht ein
geschränkt wäre“, gar nicht
habe
abstrahieren und verstehen
können
. Erstens sei sie in ihrem ganzen Leben schon immer eingeschränkt gewesen und zweitens könne sie solche Schlussfolgerungen aufgrund ihrer Behinderung nicht nach
voll
ziehen. Sie sei daher bei der Abklärung einfach von der konkreten Situation aus
gegangen, die sie bereits überlaste, weshalb sie sich nicht vorstellen könne, wie es hypothetisch im Gesundheitsfall wäre. Es sei auf die Aussage der ersten Stunde abzustellen, noch bevor sie durch ihre Mutterrolle überlastet gewesen sei. Zudem wiesen auch die Taggeldabrechnungen der
Unia
darauf hin, dass die Beschwerdeführerin bei
guter
Gesundheit in einem höheren Pensum erwerbstätig wäre.
Anzunehmen, dass sie auch bei guter Gesundheit nur
20
%
gearbeitet hätte, sei diskriminierend.
Denn b
ei einem erwerbstätigen Mann wäre nach der Geburt eines Kindes kaum davon ausgegangen worden, dass er nur noch 20
%
arbeiten würde und vom weit unterdurchschnittlichen Lohn seiner Frau leben würde. Die Haushaltsabklärung sei auch sonst zu kritisieren. Sie sei mit der Betreuung des Kindes viel mehr eingeschränkt, als die Aussendienstmitarbeiterin der IV berück
sichtigt habe. Sie brauche für die Kinderbetreuung eine Entlastung.
Sie
habe sich jedoch nicht getraut, ihre Probleme
mitzuteilen
, da sie
Angst
gehabt habe, dass ansons
ten allenfalls kinderschutzrech
t
l
iche Massnahmen aufgegleist würden
. Sie
habe
deshalb ihre Einschränkungen minimiert und
beschönigt
. Sie werde seit Anfang
April
2019
durch
d
ie
D.___
während drei Stunden pro Woche begleitet.
Ferner
werde auch die Wechselwirkung von Haushalt und Erwerb nicht
berücksichtigt
(
Urk.
1).
3.
Im Rahmen der hier zu prüfenden Neuanmeldung
stützte sich d
ie Beschwerde
gegnerin in der angefochtenen Verfügung vom
15. Mai 2019
(
Urk.
2) im Wesent
lichen auf
die nachfolgenden Unterlagen:
3.1
Dem neuropsychologischen Untersuchungsbericht des
E.___
,
zugehörig zum
B.___
,
vom 1
5.
Februar 2016
ist zu entnehmen
, dass die Beschwerdeführerin über ein allgemeines kognitives Leistungsniveau im unteren Normbereich ohne signifikante Asymmetrie zwischen Sprach- und Handlungsteil verfüge. Diskrepant tiefere Leistungen im Vergleich zum allgemeinen Leistungs
vermögen hätten sich partiell im Bereich der Verarbeitungsgeschwindigkeit, der mentalen Flexibilität, der Lernleistung bei verbalen mehr noch bei figuralen Inhalten, der
Visuokonstruktion
sowie der
visuomotorischen
Handkoordination
gezeigt
. Ausserdem sei es beim Widererkennen verbaler als auch figuraler Inhalte zu einer erhöhten Anzahl an falsch-positiven Zuordnungen, welche auf Schwierigkeiten bei der Quellenzuordnung verwiesen, gekommen. Des Weiteren habe die
neuropsychologische
Untersuchung niveaugerechte, das heisst bezogen auf Normwerte mittelgradig reduzierte Ergebnisse ergeben: Bei erhöhten Anforderungen an die geteilte und selektive Aufmerksamkeit
sei
keine
adäquate
Umsetzung
von
A
r
b
eitsgeschwindigkeit und Fehlerkontrolle
gelungen. Ausser
dem
seien die verbale Merkspanne und das Arbeitsgedächt
n
is beeinträchtigt. Diese lägen teilweise auch den Schwierigkeiten beim
Verständnis
komplexer Tex
t
informationen zu Grunde.
Die beschriebenen
neuropsychologischen
Beein
trächtigungen stellten im
beruflichen
Umfeld Einschränkungen dar. Es sei deshalb notwendig, die eher knappen kognitiven
Ressourcen
und die
zusätzlichen
Defizite zu berücksichtigen. Bei der Ausübung einer Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin auf eine klare externe Strukturierung angewiesen. Weiter sollten
Instruktionen
möglichst vereinfacht, in einzelnen Schritten und wiederholt vermittelt werden. Ausserdem sollten die Ansprüche an die Arbeitsgeschwindigkeit, die mentale Flexibilität und die
inhaltliche
Auseinandersetzung
geringgehalten
werden
. Zwingend seien bei der Wahl einer geeigneten Tätigkeit die
ort
hopädischen Ein
schränkungen mit
zu
berück
s
i
cht
i
gen (
Urk.
7/99/5-6)
.
3.2
Die BVK
holte ein
vertrauensärztliches
Gutachten
von
Dr.
med.
F.___
, Fachärzt
i
n Psychiatrie und Psychotherapie, ein
(Expertise vom
2
0.
März 2016
,
Urk.
7
/
105
). Darin werden
die weiteren
bis zur Begutachtung de
r
Beschwerdeführerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
7/105/9-11
),
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen
.
3.3
Dr.
med.
F.___
erhob in ihrem Gutachten folgende Diagnosen
(Urk.
7/105/13):
-
Ängs
tl
ich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (
ICD
-
10
:
F60.6), kombiniert mit zwanghaften und
abhängigen
Zügen
-
Pharmakoresistente
läsionelle
Epilepsie mit einfach- und komplex-foka
len und sekundär generalisierten Anfällen bei MR-tomographisch
a
us
gewiesener
Gliose
rechts temporal lateral (
ICD
-
10:
G40.2)
-
Verdacht auf soziale Phobie (
ICD
-
10:
F40.1)
-
Spezifische Phobie (bezogen auf
den
bisherigen Arbeitsplatz) (
ICD10:
F40.2)
-
St. n. mittelschwerer
depressiver
Episode 2015 (
ICD
-
10:
F32.1)
-
Neuropsychologisch
: Exekutive Minderlei
s
tungen, insbesondere i
m
An
trieb und
in der
Flexibilität sowie
Schwierigkeiten
bei visuell-konstruktiven und
visuomot
o
r
i
schen
Anforderungen bei einem
allgemeinen
kognitiven Lei
stungsniveau im unteren Normber
e
i
ch und einer affektiven
Symptomatik
-
St. n.
traumatischer
Knieverletzung und Knieoperation
bds
.
m
it rezidivierenden Beschwerden
-
Posttraumatische
Ulna
-Minus-
Variante
rechts und Verdacht auf
Lunatumn
e
krose
rechts mit rezidivierenden Beschwerden
Zur Arbeitsfähigkeit hielt sie fest, eine
Wiedereingliederung
im
1.
Arbeitsmarkt als
Reinigungskraft
an einer angepassten Stelle sei aus psychiatrischer Sicht realistisch. Die
Beschwerdeführerin
sei sowohl aufgrund ihrer psychischen Leiden wie auch der Epilepsie
ausgesprochen
stres
s
anfällig und
zwar
in erster Linie auf
zwischenmenschliche
Unstimmigkeiten und mangelndes Verständnis für ihre Eigenheiten, in
zweiter
Linie
auf äussere
Rahmenbedingungen
. Ihrer
reduzierten
Flexibilität solle mittels
regelmässige
r
Arbeitszeiten (kein Schichtdienst i. e. S.),
überschaubaren
Örtlichkeiten (kleinere Institution) und möglichst gleichbleiben
den,
berechenbaren Arbeitsablä
u
f
en Rechnung getragen werden. Entscheidend für ihr Funktionieren seien
verständnisvolle
Ansprechpersonen
/Vorgesetzte, die ihr grosses
Bedürfnis
nach Absicherung und Bestätigung akzeptier
t
en
,
angemessen berücksichtig
t
en und grundsätzlich über
die
Auswirkungen
ihrer psychischen,
neurologischen
und kognitiven
Einschränkungen
im Bild
seien
. Besonderes in
der Einarbeitungsphase müsse auch ihren knappen kognitiven
Res
sourcen
Rechnung
getragen werden. Sie könne ab
sofort mit einem Pensum von 50 -
60
%
die Arbeit aufnehmen und benötige eine etwas verlängerte Einarbeitungszeit. Das Pensum könne
voraussichtlich
schrittweise bis auf ca. 80-
85
%
(insgesamt, d.h. 65
%
, wenn sie ihren Nebenjob im Kinderheim von ca. 20
%
beibehalte
) gesteigert werden. Die
Leistungsfähigkeit
werde sich unter den oben
skizzierten
angepassten
Voraussetzungen
voraussichtlich im normalen Rah
men bewegen
. Bei dieser Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht fehle der somatische Teil. Die seit dem Jahr 2007 bestehenden
,
für die Arbeitsunfähigkeit relevanten Knie- und Handgelenksschmerzen erforderten ebenfalls eine Anpassung des Arbeitsplatzes in Richtung von mehr sitzende
n
und leichtere
n
resp.
w
echselhaft belastenden Tätigkeiten. Sollten diese Beschwerden eine Wiedereingliederung behindern, sei noch eine zusätzlich
e
orthopädische
Begutachtung
notwendig (Urk. 7/105/17).
3.
4
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Ps
y
cho
therapie,
am
H.___
diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
6.
Juni 2017 mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/128/1):
-
Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung
(ICD
-
10:
F60.7
)
-
Ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsakzentuierung
(ICD
-
10:
F60.6
)
-
Soziale Phobie
(ICD
-
10:
F40.2
)
-
Mittelschwere depressive Episode, in Remission
(ICD
-
10:
F
32.1
)
-
Läsionelle
Epilepsie mit einfach- und komplex-fokalen und sekundär generalisierten Anfällen
,
MR-tomographisch nachgewiesener
Gliose
rechts temporal lateral
(ICD-10:
G40.2
)
-
St. n. traumatischer Knieverletzung u. Knieoperation
bds
.
/
t
raumatischer
Arthropathie
2007
(ICD-10:
M12.58
)
-
Exekutive Minderlei
stung, insbesondere im
Antrieb und
in der
Flexibilität sowie Schwierigkeiten bei visuell konstruktiven
visuomot
o
r
i
schen
Anforderungen, bei allgemeinem kognitiven Leistungsn
iveau im unteren Normbereich (IQ
76)
Aktuell bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
für den ersten Arbeitsmarkt.
Als angepasste Tätigkeit gelte die Anstellung im 20%-Pensum im Bereich Haus
wirtschaft in einer gewohnten Umgebung (ehemaliges Kinderheim) mit einer sehr vertrauten Bezugsperson (Leiterin). Die Anforderungen seien erfüllbar und gleich
bleibend. Die depressive Symptomatik sei im Verlauf der Zeit unter einer Reiz
abschirmung infolge der beruflichen Arbeitsunfähigkeit remittiert. Die Per
sönlichkeitssymptomatik mit abhängigen und ängstlich vermeidenden Anteilen sowie mit sozialphobischen Symptomen sei weiterhin sehr deutlich im Alltag erkennbar und beeinträchtigend. Daneben bestehe eine nachgewiesene neuro
psychologische Einschränkung, die u.a. die Ursache für
die
Angst
symptomatik sei und diese gleichzeitig aufrechterhalte. Die Beschwerdeführerin könne in einer klar
und einfach strukturierten, wertschätzenden und eher familiären Arbeitsum
gebung ihre Arbeit als Hauswirtschaftlerin gut und ohne Aufsicht ausführen. Sie benötige im Team eine feste vertrauensvolle
Bezugs
person
, zu der sie eine professionelle Bindung
aufbauen
könne. Zudem brauche sie regelmässig die Möglichkeit, bei Unklarheiten
nachfragen zu können
. In einem grossen Team, mit wechselnden und kritischen
Bezugspersonen
, hohen und komplexen Anforderungen v.a. in Bezug auf Schnelligkeit,
hohe
Flexibilität und ständige
r
Anpassung der
Arbeitsbedingungen
wäre sie nach
kurzer
Zeit deutlich über
fordert und nicht mehr
arbeitsfähig
(wie 2016). Unter optimalen Beding
ung
en sei die
Beschwerdeführerin
mittelfristig
maximal 50
%
arbeitsfähig. Sollte ein
Arbeitsort dieser Art nicht
vorliegen
, sei sie für den ersten
Arbeitsmarkt
erwerbs
unfähig. In diesem Fall solle ein
Rentenanspruch
so
rasch
wie möglich geprüft werden und eine geschützte
Stelle
im
zweiten
Arbeitsmarkt
gesucht wer
den
(
Urk.
7/128/2-5).
3.
5
Dr.
med. I.___
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
beim RAD
, hielt in seiner Stellungnahme vom
6.
Oktober 2017
folgende
Diagnosen
mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
fest
(
Urk.
7/133/6)
:
-
Fokale Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen
-
Mittelschwere depressive Episode, in Remission (ICD-10: F32.1)
-
St. n. med. und lat.
Teilmeniskektomie
und Kreuzbandstumpfresektion (27.02.2014)
-
St. n. Kreuzbandplastik und
Meniskusrefixation
(5.11.2011)
-
St. n. Kreuzbandplastik links (2007)
-
Posttraumatische
Ulnaminusvariante
mit DRUG-Läsion bei St. n. UA-Fraktur (2004)
Als Diagnosen ohne
dauerhafte
Auswirkung
auf die
Arbeitsfähigkeit
verblieben:
-
Ängstlich
e
, vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6)
-
Abhängige
, asthenische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7)
-
Soziale Phobie (ICD-10: F40.2)
-
Senk-Spreizfuss
-
Hallux
valgus
-
Kopfschmerzen
Mischtyp
Die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei multifaktoriell beeinträchtigt. Seit Geburt leide sie an einer Epilepsie mit gelegentlichen
a
bsenzenartigen
An
fällen. Somatisch bestünden Restbeschwerden und fortschreitende degenerative
Veränderungen a
m
rechte
n
Hand- und Kniegelenk mit Einschränkung der Belast
barkeit. Neuropsychologisch lägen kognitive Einschränkungen vor. Psychiatrisch bestehe eine depressive Störung und Persönlichkeitsstörungen. Entscheidend seien die sehr geringen Ressourcen, die in Stresssituationen rasch zur Dekompen
sation führen könnten. Die Tätigkeit als Hauswirtschafterin sei aus orthopädischer Sicht nur noch zu 50
%
, eine adaptierte Tätigkeit
gemäss Belastungsprofil
zu 100
%
zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei ein Arbeitsplatz erforderlich, an dem die Beschwerdeführerin mit ihren kognitiven und affektiven Einschränkungen anerk
a
nnt werde und der keine grosse Anforderung an
die
Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit stelle. Dann bestehe eine 60%ige Arbeits
fähigkeit mit der Möglichkeit zur schrittweisen Steigerung auf 80
%
(Urk.
7/133/8).
Am
2.
November 2017 ergänzte
Dr.
med.
I.___
, aus orthopädischer Sicht könne mindestens ab März 2016 von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit ausgegangen werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe ab Abschluss BM (10/2016) eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Die Steigerung auf 80
%
hänge stark vom Arbeitgeber ab und müsse erprobt werden. Es könne nicht retrospektiv gesagt werden,
dass
eine 80%-
ige
Arbeitsfähigkeit
immer vorgelegen habe (Urk.
7/133/8).
3.
6
Dr.
med.
G.___
führt
e
in
seiner Stellungnahme
vom 1
3.
Februar 2018 aus, dass die angepasste Tätigkeit aufgrund der komplexen psychischen und somatischen Symptomatik einer Tätigkeit im geschützten Arbeitsbereich, also im zweiten Arbeitsmarkt, entspreche. Er beziehe sich auf die Empfehlung des Abschluss
berichts der
J.___
(Arbeitstraining und –
vermittlung
vom
9.
November 2016). Demzufolge sei die Beschwerdeführerin sogar in einer geschützten
Arbeitsstelle
nicht 100
%
arbeitsfähig
. Daher empfehle er dringend, die Akten bzgl.
d
es Rentenentscheids erneut zu prüfen und die IV-Rente dementsprechend anzupassen, d.h. eine
ganze Rente zuzusprechen
(
Urk.
7/149).
3.
7
Dr.
med.
I.___
hielt in seiner Stellungnahme
vom
1
3.
März 2018 fest, im
K.___
-Bericht vom
9.
November 2016 werde ein Arbeitsplatz in wohlwollendem Umfeld gefordert und darauf
hingewiesen
, dass derartige Einsatzorte im ersten
Arbeits
markt
nicht
einfach
zu finden seien.
Grundsätzlich
ausgeschlossen werde ein Ein
satz im ersten
Arbeitsmarkt
jedoch
nicht. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei nachvollziehbar, dass die Restarbeit
s
fähigkeit mit überwie
ge
nder
Wahrscheinlichkeit
nur im
geschützten
Rahmen umgesetzt werden
könne
(Urk.
7/157/2)
4.
4.1
Strittig und
vorab
zu prüfen ist die Qualifikation der Beschwerdeführerin. Mass
gebend für die Qualifikation als Vollzeit- oder Teilerwerbstätige ist die Frage, in welchem Umfang sie eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, wenn keine gesund
heitliche Beeinträchtigung bestünde. Dabei sind im Besonderen ihre persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen
(E. 1.4).
Vorliegend wurde die Haushaltsabklärung am
1
8.
April 201
8
vor Ort von einer qualifizierten Person durchgeführt, welche Kenntnis von den örtlichen und räum
lichen Verhältnissen sowie den sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben
den Beeinträchtigungen und Behinderungen hatte. Im Weiteren wurde der Bericht angemessen detailliert und plausibel begründet, wobei auch die Angaben der Beschwerdeführerin Berücksichtigung fanden. Somit kommt dem Bericht grund
sätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentliche Erwägung]; Urteil des Bundesgerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2).
4.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf den Haushaltabklärungsbericht vom
1
8.
April 2018
von einer Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu
20
%
Erwerbstätige und zu
80
%
im Aufgabenbereich Tätige aus.
Die Beschwerde
führerin
macht
e
geltend, sie wäre
im Gesundheitsfall
zwischen 50
%
bis
60
%
erwerbstätig (E. 2.
1.
und E. 2.2).
Die Beschwerdeführerin ist
1991
geboren und Mutter eines am
15. Januar 2017
geborenen
Sohnes
.
Sie
verfügt über
eine
Attestausbildung
als Hauswirt
schaftspraktikerin und arbeitete
von
2012 50
% und
ab
Juni 2014
65
%
bis
zu ihrer Krankschreibung
im Juli
2015
als Hauswirtschaftspraktikerin
im
A.___
. Da
s Arbeitsverhältnis wurde per 30
. April 201
6
aufgelöst und danach
absolvierte sie vom
1. Mai 2016
bis
am
31.
Oktober 2016
ein Arbei
t
s
t
raining
in einem 60%-Pensum
und später in einem 65%-Pensum
. Nebenbei
arbeitete
sie
von
2013
bis im Juni 2016
20
% im Kinder- und Jugendheim in
Z.___
. Dies teilweise auch während ihrer Krankschreibung
(
Urk
.
7/
105/3
, Urk.
106-107
Urk.
7/123/2
-3
und
Urk.
7/124
/9 ff.
)
.
Auf
dem
Auszug aus dem individuellen Konto
sind nur die
Jahre 2009 bis 2013 aufgeführt, wobei die
Beschwerde
führerin
, wie angegeben,
im
Jahr 2012 und
im Jahr
2013 im
A.___
tätig war
(
Urk.
7/60/1)
.
Anlässlich der Eingliederungsberatung teilte die Beschwerdeführerin kurz vor
der Geburt ihres Sohnes im November 201
6
mit, aus rein finanziellen Gründen wolle sie nach dem Mutterschaftsurlaub wieder 50
%
bis 60
%
arbeiten. Dazu
wurde
festgehalten
, ob sie
gesundheitlich bedingt
neben der Aufgabe als Mutter dazu in der Lage s
ei, bleibe aus Sicht der Einglie
derungsb
e
raterin s
ehr fraglich
(Urk.
7/
124
/2)
.
Bei der Haushaltsabklärung am 1
8.
April 2018 gab
die Beschwerdeführerin
schliesslich an
,
sie würde ohne Gesundheitsschaden keiner 100%
-
igen
Erwerbs
tätigkeit nachgehen. Die aktuelle Tätigkeit im Kinderheim von 20
% pro Woche an zwei
halben
Tagen, stimme für sie. Der K
leine werde an diesen beiden Tagen (morgens) von ihrem Vater betreut, mehr mö
chte
sie ihm nicht aufladen. Eine Betreuung von Seiten der
Eltern
des Ehemannes sei nicht möglich, da die
Schwiegermutter
noch in einem 100
%
Pensum
tätig
sei. Eine Fremdbetreu
u
ng (KITA) wäre
für
sie nicht sinnvoll, da sie
schlichtweg
zu wenig
verdienen
würde und ihr Salär direkt für die Betreuung des Kleinen wieder a
bge
ge
b
en werden müsse, was nicht im Sinne von ihr und ihrem Ehemann sei.
Gemäss Hausabklärungsbericht verdient der Ehemann
lediglich
Fr.
5'100.-- und die Beschwerdeführerin erhält
neben ihrem Einkommen von
Fr.
7
00.--
noch
Arbeits
losentaggelder
von
Fr.
1’280.--
(
Urk.
7/155/5).
4.3
Die Beschwerdeführerin versuchte
, auch wenn sie mit Jahrgang 19
91
erst eine kurze Erwerbsbiographie aufweisen kann,
stets
so viel wie es
für sie
aufgrund ihrer
beklagten
gesundheitlichen Einschränkungen möglich war, zu arbeiten
. Im Jahr 2013 war sie
insgesamt
in einem 70%-Pensum und ab dem Jahr 2014 in einem 85%-Pensum tätig.
Ebenso
ging sie im
Arbeitsver
such
ei
nem 60%-Pensum
und
,
nachdem sie die anfängliche
20%
-
ige
Tätigkeit im Kinderheim
aufgegeben hatte
, einem
65%-Pensum
nach
.
Hinzu kommt, dass
der Bruttolohn des Ehe
mannes
lediglich
Fr.
5
'
100
.
--
beträgt
und d
ie Beschwerdeführerin
anlässl
ich der Eingliederungsberatung
ihre Annahme
bestätigte
, dass sie nach der Niederkunft aus rein finanziellen Gründen zwischen 50 % bis 60 % arbeiten möchte.
Dieses Pensum wurde
von der Eingliederungsberaterin
mit Blick auf die neuen Kinder
betreuungsaufgaben
lediglich aus gesundheitlichen Gründen
als fraglich betrachtet. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitseinschränkung
überwiegend wahrscheinlich
in einem 55%-Pensum tätig wäre.
Bei de
n
anschliessend
anlässlich
der Haushaltabklärung gemachte
n
Aussage
n
ist
nämlich
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
grundsätzlich
von der
Situation
im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung
sprach
.
Sie gab an
,
die aktuelle Tätigkeit
«
stimme
»
für sie
. Im
Übrigen
würde sie,
gestützt
auf den Auszug aus dem
i
ndividuellen
Konto
und die
angegebenen
Teilpensen
,
bei guter Gesundheit
in
ihre
r
angestammte
n
Tätigkeit als
Haushaltspraktikerin
weiter ausüben könnte
,
ein um einiges höheres Einkommen
erziel
en
so dass unter
Berücksichtigung der
Möglichkeit eines subventionierten KITA-Platzes
eine Erwerbstätigkeit in einem höheren Umfang sich auch finanziell lohnen würde.
4.4
Nach dem Gesagten
ist in Würdigung aller Umstände die Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu
55
%
im Erwerbsleben und zu
45
%
im Haushalt tätig
festzulegen
.
5.
5.1
Anlass zu Beanstandungen gibt
nun
die Abklärung der medizinischen Situation.
Fest steht
, dass
die Beschwerdeführerin
– laut dem RAD – in somatischer Hinsicht
ab März 2016 gemäss Belastungsprofil voll arbeitsfähig ist.
Aus psychiatrischer Sicht
kann jedoch entgegen der Ansicht beider Parteien anhand der im Recht liegenden medizinischen Akten nicht eindeutig beurteilt werden,
an welchen psy
chischen Leiden die Beschwerdeführerin leidet und insbesondere in welchem Aus
mass sich diese Leiden auf ihre Arbeitsfähigkeit
,
besonders in angepasster
Tätig
keit
,
auswirken
und ausgewirkt haben
.
5.2
Dr.
med.
F.___
erachtete die Beschwerdeführerin in ihrem Gutachten vom 2
0.
März 2016 aus rein psychiatrischer Sicht
gemäss Belastungsprofil
ab sofort 50 - 60
%
arbeitsfähig.
Sie war der
Ansicht
, dass d
as Pensum voraussichtlich schrittweise bis auf ca. 80-85% (insgesamt, d.h. 65
%
, wenn sie ihren Nebenjob im Kinderheim von ca. 20
%
beibehalte) gesteigert werden
könne
(
E. 3.
3
)
. Dem
gegenüber
diagnostizierte
Dr.
med.
G.___
rund ein Jahr später keine ä
ngstlich
(vermeidende)
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) kombiniert mit zwang
haften und abhängigen Zügen
mehr
,
sondern
dafür
eine
abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7)
sowie
eine ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10: F60.6
) und
bestätigte
den Verdacht auf eine soziale Phobie (ICD-10: F40.2).
Aus sämtlichen Diagnosen schloss er, dass die Beschwerdeführerin
auf dem
ersten Arbeitsmarkt
n
ur noch
20
%
arbeitsfä
hig
sei
. Als angepasste Tätigkeit gelte die Anstellung im 20%-Pensum im Bereich Hauswirtschaft in einer gewohnten Umgebung (ehemaliges Kinderheim) mit einer sehr vertrauten Bezugsperson (Leiterin). Unter optimalen Beding
ung
en sei die Beschwerdeführerin mittelfristig maximal 50
%
arbeitsfähig. Sollte ein Arbeitsort dieser Art nicht vorliegen, sei sie für den ersten Ar
beitsmarkt erwerbsunfähig (E.
3.
4
).
Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge einzig eine interne Beurteilung des RAD ein.
Ohne die Beschwerdeführerin zu untersuchen hielt
Dr.
med.
I.___
in
der versicherungsmedizinischen Beurteilung
fest
, eine ange
passte Tätigkeit nach Belastungsprofil sei
der Beschwerdeführerin
aus orthopädischer Sicht voll zumutbar. Aus psychiatr
ischer Sicht sei die
Beschwerde
führerin unter Berücksichtigung des Arbeitsprofils 60
%
arbeitsfähig mit der Möglichkeit zur schrittweisen Steigerung auf 80
%
.
Der vom behandelnden Psychiater attestierten
Arbeitsfähigkeit
von lediglich 20%
gemäss Belastungsprofil
auf dem ersten Arbeitsmarkt
schenk
te er dabei keinerlei Beach
tung
. Obwohl die attestierte neurologische Einschränkung sowie die Persönlich
keitsstörungen gemäss seiner Beurteilung die Arbeitsfähigkeit beeinflussen, führte er diese unter den Diagnosen
mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
nicht auf
(
E. 3.
5
)
. B
ei
de
r
zweiten
Stellungnahme vom
1
3.
März 2018
von
Dr.
med.
I.___
,
handelt es sich
lediglich um
eine
versicherungsmedizinisc
h-theoretische Schlussfolgerung
aus de
r
Beur
teilung
de
s
die
Beschwerdeführer
in
behandelnden
psychiatrischen Facharztes
Dr.
med.
G.___
, der
ohne Diagnosestellung und Untersuchungsbefunde
die Beschwerdeführerin in einer
angepasste
n
Tätigkeit aufgrund der komplexen psy
chischen und somatischen Symptomatik
nur noch im
geschützten Arbeitsbereich
arbeitsfähig sah
(
E.
3.
7
)
.
Dies
ist
nicht nachvollziehbar
, zumal auch im
Abschluss
bericht der
J.___
des
K.___
vom
9.
November 2016 eine Arbeit
sf
ähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich ausgeschlossen worden war (
Urk.
7/123).
Darüber hinaus
lassen sich weder im Gutachten von
Dr.
med.
F.___
noch in den Berichten des
H.___
ausreichende Anmerkungen zu den massgebenden Indikatoren finden, womit ein schlüssiger und widerspruchsfreier Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit bei psychischen Erkrankungen anhand der im
Regelfall beachtlichen Standard
indikatoren nicht möglich ist.
5.3
Nach dem Gesagten kann angesichts dieser dargelegten Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Würdigung der Aktenlage durch den
RAD
nicht darauf abgestellt werden.
6.
Vorliegend wurde der
medizinische
Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Es ist deshalb angezeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Sachverhalt im gesamten Zeitraum erneut abkläre und hernach gestützt auf eine Qualifikation von
55
%
Erwerbs- und
45%
Haushalttätigkeit erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verfüge. Das polydisziplinäre Gut
achten wird sich auch zur Arbeitsfähigkeit im Haushalt im gesamten Zeitraum zu
äussern
haben. Allenfalls wird eine weitere Haushaltabklärung durchzuführen sein
.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne
gutzuheissen
, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur zusätzlichen Abklärung und zum
an
schliessendem
Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen ist.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00
.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
7.2
Überdies hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (§ 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG).
Rechtsanwältin Lotti Sigg
machte mit Honorarnote vom
5.
November 20
20
(
Urk.
2
0
)
einen Aufwand von Total Fr. 3‘457.35 (Fr. 3‘116.65 Arbeitsaufwand für 14 Stunden und 10 Minuten plus Fr. 93.50 Barauslagen zzgl. MwSt.) geltend
,
was
der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses
gerade noch als
angemessen
erscheint
.
Somit ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Beschwerdeführerin in diesem Umfang zu entschädigen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
15. Mai 2019
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch de
r Beschwerdeführerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozess
entschädigung von
Fr.
3'457.35
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage des Doppels von
act
. 19
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstWantz