# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5beb623c-c70b-504b-ba3c-2cc43213e3cb
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-01-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 18.01.2012 BK 2011 266
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2011-266_2012-01-18.pdf

## Full Text

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BK 11 266

Beschluss der Beschwerdekammer in Strafsachen
Oberrichter Stucki (Präsident i.V.),  Oberrichter Trenkel, Oberrichter Rieder sowie Gerichts-
schreiber Baloun

vom 18. Januar 2012

in der Strafsache gegen

A.
Angezeigter

B.
Straf- und Zivilkläger/

Beschwerdeführer

wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses / Nichtanhandnahme

Regeste

Aus dem Einverständnis eines Patienten, wonach sich der behandelnde Arzt bei seinem 
Vorgänger Informationen beschaffen darf, kann nicht auf die (konkludente) Einwilligung zur 
Übermittlung von neuen Behandlungsberichten an den vorbehandelnden Arzt geschlossen 
werden. Eine solche ist nicht leichthin anzunehmen, insbesondere wenn der Arztwechsel auf 
Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Patienten und dem Arzt basiert und die Weiter-
gabe der Berichte nicht medizinisch notwendig ist.

Auszug aus den Erwägungen:

[…]

4.

4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führt die Vorinstanz aus, dem Beschwerdeführer sei 
bekannt gewesen, dass der Angezeigte mit dem vorbehandelnden Arzt in Kontakt 
stehe. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer mit der Über-
mittlung der Befunde an den vorbehandelnden Arzt nicht einverstanden gewesen sei. 
Demnach habe der Angezeigte vom Einverständnis des Beschwerdeführers für die 
Information des vorbehandelnden Arztes ausgehen können. Angesichts des Umstan-
des, dass die gegenseitige Information und das Zustellen der Befunde in Schweizer 

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Arztpraxen üblich und auch von Art. 24 der Standesordnung gedeckt sei, liege keine 
Verletzung des Berufsgeheimnisses vor.

4.2 Der Beschwerdeführer bringt dagegen zusammengefasst vor, es habe für die Mittei-
lung der Befunde keine Einwilligung des Patienten vorgelegen. Nach Meinungsver-
schiedenheiten mit dem vorbehandelnden Arzt habe er selbstständig einen neuen 
Arzt, den Angezeigten, aufgesucht. Eine Übergabe oder Zuweisung habe nicht statt-
gefunden. Ein Arzt könne zwar seinem Nachfolger vertrauliche Daten weitergeben, 
hingegen sei es nicht üblich und nicht gesetzeskonform, dass umgekehrt der Nach-
folger dem vorgängigen Arzt vertrauliche Daten zukommen lasse. Insbesondere 
störend sei hierbei, dass ein Arzt, der die Behandlung eines Patienten ablehne, den-
noch Einsicht in nachfolgende vertrauliche Daten des Patienten erhalte. Berücksichti-
gend, dass der vorbehandelnde Arzt den Beschwerdeführer zum fraglichen Zeitpunkt 
nicht mehr behandelt habe, könne ausgeschlossen werden, dass seitens des vorbe-
handelnden Arztes ein Interesse im Sinne des Patienten bestand, die neueren Do-
kumente zu erhalten.

4.3 Der Angezeigte führt in seiner Stellungnahme aus, nach Behandlungsschluss habe er 
wie üblich den Hausarzt und den vorbehandelnden Arzt mittels Bericht informiert. 
Dies sei im Interesse des Patienten sowie der Transparenz und bei potentiell lebens-
gefährlichen Medikamenten unbedingt notwendig.

4.4  Die Generalstaatsanwaltschaft macht in Ergänzung zu den Ausführungen der Vorin-
stanz geltend, der Beschwerdeführer habe die Weitergabe von Informationen an den 
vorbehandelnden Arzt nie explizit untersagt. Der Beschwerdeführer hätte spätestens 
dann reagieren müssen, als er von der Kontaktaufnahme des Angezeigten mit dem 
vorbehandelnden Arzt erfahren habe. Indem er dies unterliess, habe er konkludent 
sein Einverständnis erklärt. Selbst wenn nicht von einem konkludenten Einverständ-
nis ausgegangen werde, sei der fragliche Tatbestand aufgrund eines Sachverhaltsirr-
tums nicht erfüllt, da der Angezeigte die Behandlungsberichte an den vorbehandeln-
den Arzt in der irrigen Vorstellung gesendet habe, dass ein Einverständnis des Pati-
enten vorliege.

4.5 In der Replik bringt der Beschwerdeführer ergänzend vor, er habe dem Angezeigten 
lediglich erlaubt, sich Informationen über die bisherige Behandlung zu beschaffen. 
Das Behandlungsverhältnis mit dem vorbehandelnden Arzt sei beendet gewesen, 
weshalb dieser entgegen der Ausführung des Angezeigten in die Behandlung nicht 
aktiv involviert gewesen sei. Da die beiden fraglichen Ärzte zudem dieselbe Funktion 
in derselben Fachrichtung ausüben würden, sei eine solche Doppelspurigkeit von ver-
traulichen Informationen nicht gerechtfertigt.

5.

5.1 Gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhand-
nahme des Verfahrens, wenn feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände eindeutig 
nicht erfüllt sind. Eine Nichtanhandnahme darf nur in sachverhaltsmässig als auch 
rechtlich klaren Fällen ergehen, was etwa dann der Fall ist, wenn der fragliche Sach-
verhalt, selbst wenn er erwiesen wäre, keinen Straftatbestand erfüllen könnte 

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(SCHMID, Die Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, Zürich/St. Gal-
len 2009, Art. 310 N 2 f.).

5.2 Sachverhaltsmässig unbestritten ist, dass der Angezeigte mit dem vorbehandelnden 
Arzt Kontakt aufgenommen hat, um sich über die vorgängige Behandlung des Be-
schwerdeführers zu informieren. Diese Kontaktaufnahme wurde dem Beschwerdefüh-
rer mitgeteilt und von diesem nicht beanstandet. Es ist somit davon auszugehen, 
dass bezüglich der Informationsbeschaffung seitens des Angezeigten eine (mindes-
tens konkludente) Einwilligung des Beschwerdeführers vorgelegen hat. Allerdings ist 
– wie der Beschwerdeführer zutreffend ausführt – die Einwilligung zur Informations-
beschaffung beim vorbehandelnden Arzt nicht gleichzusetzen mit dem Einverständnis 
für die Übermittlung von (neuen) Behandlungsberichten an denselben. Die Einwilli-
gung zur Informationsbeschaffung entbindet den neu behandelnden Arzt nur insofern 
vom Berufsgeheimnis, als dieser berechtigt wird, dem Vorgänger mitzuteilen, dass 
der Patient bei ihm in Behandlung steht. Eine weitergehende Einwilligung ist darin 
nicht zu erblicken und auch nicht gerechtfertigt. Es liegt einerseits im Interesse des 
Patienten und ist aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll – wenn nicht sogar not-
wendig –, dass sich der neu behandelnde Arzt bei seinem Vorgänger über die beim 
Patienten durchgeführten Behandlungen bzw. über dessen Krankengeschichte infor-
miert, damit eine korrekte weitere Behandlung möglich ist. Andererseits trifft dies für 
den umgekehrten Fall nicht zu: Es erscheint entgegen der Auffassung des Angezeig-
ten nicht notwendig, dass der behandelnde Arzt seinen Vorgänger über die neu 
durchgeführten Behandlungen informiert, wenn wie vorliegend der Patient beim 
früheren Arzt überhaupt nicht mehr in Behandlung ist. Mit anderen Worten kann aus 
dem (konkludenten) Einverständnis des Patienten, dass sich der behandelnde Arzt 
bei seinem Vorgänger Informationen beschaffen darf, nicht auf die Einwilligung zur 
Übermittlung von (neuen) Informationen an den vorbehandelnden Arzt geschlossen 
werden. 

Soweit die Generalstaatsanwaltschaft vorbringt, der Beschwerdeführer hätte nach 
Kenntnisnahme des Kontakts zwischen den beiden Ärzten reagieren müssen, an-
sonsten eine konkludente Einwilligung für die Weiterleitung der Berichte vorliege, 
kann ihr nicht gefolgt werden. Es ist nicht die Aufgabe eines Patienten, zur Wahrung 
seiner Geheimhaltungsinteressen die Weiterleitung von Berichten ausdrücklich zu un-
tersagen. Vielmehr ist der Arzt verpflichtet, bei Zweifel über das Einverständnis eine 
ausdrückliche Einwilligung des Patienten einzuholen. Eine konkludente Einwilligung 
ist nicht leichthin anzunehmen, insbesondere wenn der Arztwechsel auf Meinungs-
verschiedenheiten zwischen dem Patienten und dem vorbehandelnden Arzt basiert – 
was dem Angezeigten bekannt war – und die Weitergabe der Berichte nicht notwen-
dig ist. 

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz und der Generalstaatsanwaltschaft kann 
folglich nicht von einer konkludenten Einwilligung des Beschwerdeführers für die Wei-
terleitung der Behandlungsberichte ausgegangen werden.

5.3 Die Vorinstanz begründet die Nichtanhandnahme ferner damit, dass die Weiterleitung 
der Befunde in Schweizer Arztpraxen üblich und durch die Standesordnung der FMH 
gedeckt sei. Daraus lässt sich nichts zu Gunsten des Angezeigten ableiten. Allein der 
Umstand, dass gewisse Handlungen üblich sein sollen – was im Übrigen vom Be-

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schwerdeführer bestritten wird – vermag an der Strafbarkeit eines Verhaltens nichts 
zu ändern bzw. stellt keinen Rechtfertigungsgrund dar. Das Strafgesetzbuch als Bun-
desgesetz geht zudem der Standesordnungen der FMH vor, wie dies auch in Abs. 4 
der Standesordnung ausdrücklich festgehalten wird. Abgesehen davon ist das hier zu 
beurteilende Verhalten durch Art. 24 Abs. 2 der Standesordnung ohnehin nicht ge-
deckt, besteht die darin geregelte Pflicht zur Weiterleitung von Befunden doch nur in-
soweit, als das Einverständnis des Patienten vorliegt oder anzunehmen ist, und nur 
wenn dies der vorbehandelnde Arzt verlangt, was vorliegend nicht dargetan wird. 

5.4 Die Generalstaatsanwaltschaft macht im Weiteren geltend, der fragliche Straftatbe-
stand sei aufgrund eines Sachverhaltsirrtums des Angezeigten nicht erfüllt.

Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Angezeigte selbst nicht geltend macht, er 
habe in der irrigen Vorstellung gehandelt, es liege eine Einwilligung des Patienten 
vor. Er beruft sich vielmehr darauf, dass es sich bei der Übertragung der Berichte um 
einen üblichen Vorgang handelt. Ob und inwieweit der Angezeigte einem Sachver-
haltsirrtum unterlag, ist somit bereits sachverhaltsmässig unklar. Es kann auch nicht 
ausgeschlossen werden, dass dem Angezeigten das Fehlen einer Einwilligung be-
wusst war, er aber die Übertragung der Berichte trotzdem vorgenommen hat, da dies 
seiner Ansicht nach – wie er selbst ausführt – üblich und im Sinne des Patienten so-
wie der Transparenz notwendig war.

Selbst wenn der Angezeigte geltend machen würde, er habe in einer irrigen Vorstel-
lung über die Einwilligung des Patienten gehandelt, so ist in rechtlicher Hinsicht nicht 
eindeutig, ob dadurch vorliegend die vorsätzliche Tatbegehung ausgeschlossen wä-
re. Aus Art. 13 Abs. 1 StGB ergibt sich zwar, dass es dem Täter, der in der irrigen 
Vorstellung über den Sachverhalt handelt, am Vorsatz fehlt, da die Anforderungen an 
die Wissensseite nicht erfüllt sind (JENNY, in: Basler Kommentar Strafrecht I, Basel 
2007, Art. 13 N 8). Erkennt der Täter hingegen, dass seine Vorstellung unzutreffend 
ist oder hält er dies zumindest für möglich, so irrt er nicht im Sinne Art. 13 StGB. Mit 
anderen Worten handelt derjenige Täter (eventual-)vorsätzlich, welcher es für mög-
lich hält, dass die angebliche Einwilligung gar nicht vorliegt.

Vorliegend kann aufgrund der hievor dargelegten Umstände (Arztwechsel aufgrund 
einer Meinungsverschiedenheit, keine Notwendigkeit zur Übertragung der Behand-
lungsberichte) nicht ausgeschlossen werden, dass der Angezeigte es mindestens für 
möglich hielt, dass der Beschwerdeführer mit der Übertragung der Berichte nicht ein-
verstanden war bzw. keine Einwilligung vorgelegen hat. Dies kann bei der Frage der 
Nichtanhandnahme eines Verfahrens jedoch nicht abschliessend beurteilt werden. 
Jedenfalls ist aus diesen Ausführungen ersichtlich, dass es sich in rechtlicher Hinsicht 
nicht um einen klaren Fall handelt.

5.5 Diesen Ausführungen folgend kann nicht davon ausgegangen werden, dass der frag-
liche Straftatbestand eindeutig nicht erfüllt ist, weshalb sich die Nichtanhandnahme 
als nicht gerechtfertigt erweist. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die Ver-
fügung vom 5. Oktober 2011 aufzuheben und die Staatsanwaltschaft anzuweisen, die 
Strafuntersuchung gegen den Angezeigten wegen Verletzung des Berufsgeheimnis-
ses zu eröffnen.

[…]