# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2250d8c5-8b53-582d-b0bf-2e0da691dcce
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1997-05-20
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 20.05.1997 JAAC 62.12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_031_JAAC-62-12--_1997-05-20.pdf

## Full Text

JAAC 62.12

Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 20. Mai 1997

Décision de principe de la Commission suisse de recours en matière
d’asile[20].

Art. 50 et 66 PA. Art. 31 OCRA. Force de chose jugée d’une décision
rendue avant l’expiration du délai de recours. Conditions (précision de
jurisprudence).

1. Une décision au fond ne peut être rendue avant l’expiration du délai
pour recourir qu’à la double condition que le mémoire de recours
apparaisse, sans ambiguïté aucune, comme étant définitif et que l’état
de fait soit complet (confirmation de JAAC 61.9). Cette procédure,
applicable en particulier aux cas d’aéroport et aux cas dans lesquels
le requérant est placé en détention, peut cependant être appliquée
exceptionnellement dans d’autres cas lorsque des circonstances
particulières l’exigent, à la condition que l’entier du dispositif soit
contesté (consid. 1).

2. En pareils cas, la décision acquiert force de chose jugée à l’instar des
autres décisions de la CRA. Lorsqu’un nouveau recours est introduit
après que cette décision a été rendue, mais avant l’expiration du délai
pour recourir, la procédure de recours ne peut être reprise qu’aux
conditions de la révision (consid. 2).

3. Si le premier mémoire de recours apparaît comme étant définitif,
la CRA statue en se fondant sur les circonstances de l’époque. Si tel
n’est pas le cas, il faut constater une violation du droit d’être entendu,
laquelle ouvre la voie de la révision. Dans l’hypothèse où la CRA a
considéré à juste titre que le mémoire de recours était définitif d’après
les circonstances d’alors, un nouvel acte de recours, déposé contre toute
attente avant l’expiration du délai pour recourir, ne peut servir de base
à une révision qu’aux autres conditions de l’art. 66 PA (en particulier
pour faits nouveaux ou nouveaux moyens de preuve). L’art. 66 al. 3 PA
n’est alors pas applicable (consid. 3).

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003689.pdf?ID=150003689

Grundsatzentscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission[19].

Art. 50 und 66 VwVG. Art. 31 VOARK. Voraussetzungen und Rechtskraft
eines noch während laufender Beschwerdefrist ergehenden Urteils
(Präzisierung der Rechtsprechung).

1. Über ein Rechtsmittel kann vor Ablauf der Beschwerdefrist nur
dann rechtskräftig entschieden werden, wenn die Rechtsmitteleingabe
eindeutig als abschliessend zu verstehen und der Sachverhalt
vollständig festgestellt ist (Bestätigung von VPB 61.9). Dieses Vorgehen
ist insbesondere im Flughafenverfahren sowie in Haftfällen zulässig,
kann indessen unter besonderen Umständen - sofern das Dispositiv
vollständig angefochten ist - auch in anderen Fällen ausnahmsweise
angezeigt sein (E. 1).

2. In solchen Fällen erlangt das Urteil mit seiner Ausfällung
gleichermassen Rechtskraft wie andere Urteile der ARK. Eine noch
während laufender Beschwerdefrist nachträglich eingereichte weitere
Beschwerde kann die Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens nur
unter den Voraussetzungen einer Revision bewirken (E. 2).

3. Ob die ARK die erste Beschwerdeeingabe als abschliessend verstehen
konnte, beurteilt sich nach den Umständen im damaligen Zeitpunkt. Ist
die Frage zu verneinen, liegt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
und damit ein Revisionsgrund vor. Hat indessen die ARK die erste
Beschwerdeeingabe nach den damaligen Umständen zu Recht als
abschliessend aufgefasst, so bildet eine wider Erwarten doch noch vor
Ablauf der Beschwerdefrist eingereichte weitere Eingabe nur unter den
übrigen Voraussetzungen von Art. 66 VwVG (insbesondere der neuen
Tatsachen oder Beweismittel) einen Revisionsgrund. Dabei ist Art. 66
Abs. 3 VwVG nicht anwendbar (E. 3).

Decisione di principio della Commissione svizzera di ricorso in materia
d’asilo[21].

Art. 50 e 66 PA. Art. 31 OCRA. Presupposti e crescita in giudicato di una
sentenza pronunciata prima della scadenza del termine ricorsuale
(precisazione della giurisprudenza).

1. Una sentenza di merito non può essere resa prima della scadenza
del termine ricorsuale, ad eccezione del caso in cui il gravame possa
ritenersi inequivocabilmente completo sia in fatto che in diritto
(conferma di GAAC 61.9). Siffatta procedura, applicabile segnatamente
ai casi d’aeroporto e a quelli in cui il richiedente è detenuto, può
eccezionalmente, e a determinate condizioni, essere applicato ad
altri casi, a condizione che sia impugnato l’integralità del dispositivo
(consid. 1).

2. In simile evenienza, la sentenza cresce in giudicato, alla pari
delle altre sentenze della CRA, immediatamente dopo essere stata
pronunciata. Un atto ricorsuale inoltrato dopo l’emanazione di una

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003689.pdf?ID=150003689
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003689.pdf?ID=150003689

tale sentenza, ma ancor prima della scadenza del termine ricorsuale,
può giustificare il ripristino della procedura ricorsuale solo alle
condizioni della revisione (consid. 2).

3. Se la CRA potesse considerare siccome definitivo il primo ricorso,
va esaminato in base alle circostanze dell’epoca. In caso negativo, vi
è stata violazione del diritto di essere sentito e vi è pertanto motivo
di revisione. In caso affermativo, un nuovo atto ricorsuale inoltrato
inaspettatamente prima del termine ricorsuale può servire quale
base per una domanda di revisione solo se adempie le altre condizioni
dell’art. 66 PA (in particolare per fatti o mezzi di prova nuovi e
rilevanti). L’art. 66 cpv. 3 PA non è applicabile (consid. 3).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

Der Beschwerdeführer ersuchte am 14. Oktober 1996 in der Empfangsstelle
Genf um Asyl. Nach seinen Angaben habe er seinen Heimatstaat - angeblich
Sudan - am 21. September 1996 verlassen und sei über den Tschad, Niger,
Algerien, Marokko und Italien in die Schweiz gelangt.

Das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF) lehnte mit Verfügung vom 23. Januar
1997 das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers
aus der Schweiz an. Zur Begründung wurde angeführt, aufgrund der
tatsachenwidrigen und unsubsantiierten Angaben des Beschwerdeführers
zu seinem angeblichen Herkunftsland müsse zwingend geschlossen werden,
dass er nicht aus dem Sudan stamme, sondern vermutlich aus Westafrika
oder einem Nachbarstaat des Sudan. Einer allfälligen Beschwerde wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen. Die Ausreisefrist wurde auf den 6. Februar
1997 festgesetzt.

Diese Verfügung wurde dem Beschwerdeführer am 24. Januar 1997 eröffnet.
Die Beschwerdefrist lief somit am Montag, 24. Februar 1997 ab.

Mit Beschwerdeeingabe vom 6. Februar 1997 seines damaligen
Rechtsvertreters X liess der Beschwerdeführer die Verfügung des Bundesamtes
vollumfänglich anfechten. Es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde
wiederherzustellen.

Mit Schreiben vom 11. Februar 1997 sistierte das BFF auf Antrag der
kantonalen Fremdenpolizei den Vollzugsauftrag bis zum Vorliegen von
Reisepapieren, längstens bis zum 30. April 1997.

Mit Urteil vom 17. Februar 1997 wies die Schweizerische
Asylrekurskommission (ARK) die Beschwerde ab. Dieses Urteil wurde
dem Rechtsvertreter am 19. Februar 1997 zugestellt.

In der Zwischenzeit hatte der Beschwerdeführer mit Vollmacht vom
18. Februar 1997 Herrn Advokat Y mit der Abfassung einer zusätzlichen
Beschwerde beauftragt. Diese wurde am 24. Februar 1997, somit noch vor
Ablauf der Beschwerdefrist, eingereicht, mit den Anträgen, die angefochtene
Verfügung vom 23. Januar 1997 sei vollumfänglich aufzuheben und das

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Asylgesuch gutzuheissen; eventuell: es sei die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventuell: die Wegweisungsverfügung sei
aufzuheben und die vorläufige Aufnahme anzuordnen; alles unter Kostenfolge.
Ferner sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Die aufschiebende
Wirkung sei unverzüglich wiederherzustellen.

Mit Instruktionsverfügung vom 7. März 1997 setzte der zuständige
Instruktionsrichter der ARK den Vollzug einstweilen aus.

Mit Eingabe vom 30. April 1997 gibt der Beschwerdeführer eine Erklärung zu
den Akten, wonach er für den Fall des Nichteintretens auf die Beschwerde die
Revision des Urteils der ARK vom 17. Februar 1997 beantragt.

Die ARK tritt auf die Beschwerde nicht ein.

Aus den Erwägungen:

1.a. Es besteht hier die Situation, dass eine an sich rechtzeitig innert der
Rechtsmittelfrist eingereichte Beschwerdeschrift vorliegt, obschon eine
erste Beschwerde, mit welcher die gleiche vorinstanzliche Verfügung
angefochten wurde, bereits abgewiesen wurde. Es stellt sich die Frage, ob
und unter welchem Titel auf diese zweite Beschwerdeeingabe überhaupt
einzutreten ist, m. a. W. ob diese einen Grund darstellt, um das durch
Urteil vom 17. Februar 1997 abgeschlossene Beschwerdeverfahren ohne
weiteres wieder aufzunehmen, und falls nein, ob allenfalls die Eingabe als
ausserordentliches Rechtsmittel entgegenzunehmen ist. Dazu ist zunächst auf
die Frage einzugehen, unter welchen Voraussetzungen es nach Praxis der ARK
überhaupt zulässig ist, über eine frühzeitig eingegangene Beschwerde noch
während laufender Beschwerdefrist zu entscheiden.

b. Im Grundsatzentscheid vom 30. April 1996 i. S. J.-B. L. (VPB 61.9) wurde
festgehalten, dass in Flughafen- und Haftfällen vor Ablauf der Beschwerdefrist
über die Beschwerde entschieden werden darf, unter der Voraussetzung, dass
die Rechtsmitteleingabe eindeutig als abschliessend zu verstehen und der
Sachverhalt vollständig festgestellt ist. Die Zulässigkeit dieses Vorgehens in
anderen Fällen wurde in diesem Grundsatzentscheid indessen offen gelassen:
«Ob neben den beiden Kategorien Flughafen- und Haftfälle weitere Umstände
denkbar sind, die im wohlverstandenen Interesse des Beschwerdeführers
ausnahmsweise für eine umgehende materielle Entscheidung über die
Beschwerde sprechen können (...), kann hier offen bleiben.»(VPB, a. a. O.).

Es ist indessen nicht einzusehen, weshalb - unter den selben Voraussetzungen -
in anderen vergleichbaren Fällen, in welchen ein rascher Entscheid angezeigt
ist, ein Urteil noch innerhalb laufender Beschwerdefrist ausgeschlossen sein
sollte. Insbesondere wenn die Vorinstanz der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung entzogen hat und über die Frage deren Wiederherstellung
innert 48 Stunden zu befinden wäre (Art. 47 Abs. 2 des Asylgesetzes vom
5. Oktober 1979 [AsylG], SR 142.31), liegt ein schnelles Vorgehen seitens
der ARK sowohl im Interesse der Behörden wie auch demjenigen des
Beschwerdeführers. Sofern ein Beschwerdefall als spruchreif erscheint
und innert der Ordnungsfrist des Art. 47 AsylG ein materieller Entscheid
gefällt werden kann, ist einem solchen Vorgehen unter Umständen der
Vorzug gegenüber einer (aufgrund summarischer Beurteilung gefällten)

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Zwischenverfügung über die aufschiebende Wirkung zu geben, da die
materielle Beschwerdeerledigung letztlich ebenfalls im wohlverstandenen
Interesse des Betroffenen liegt (vgl. VPB 61.9). Allerdings muss ein solches
Vorgehen sorgfältig abgewogen werden und sollte nur ausnahmsweise
angewendet werden, da sonst - wie im erwähnten Grundsatzentscheid unter
Berufung auf BGE 112 Ia 1 ff. festgehalten wurde - die Gefahr besteht, dass
mit einer vorweggenommenen Erledigung eine unzulässige Verkürzung der
gesetzlich zwingend geregelten Rechtsmittelfrist und damit eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs begangen wird.

c. Ein Entscheid vor Ablauf der Rechtsmittelfrist ist somit - innert den
erwähnten Schranken - grundsätzlich möglich. Dabei ist allerdings zu
unterscheiden, je nachdem ob die vorinstanzliche Verfügung vollständig
oder nur in einzelnen Teilen des Dispositivs angefochten wird.

ca. Liegt nur eine teilweise Anfechtung vor, erwachsen die unangefochten
gebliebenen Punkte des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung erst mit
Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft. In einem solchen Fall wird das
Beschwerderecht insofern nicht «konsumiert», d. h. der Beschwerdeführer
hat das Recht, innert der laufenden Beschwerdefrist auch noch die übrigen
Teile des Verfügungsdispositivs anzufechten. Dieses Recht würde er
auch durch einen «vorgezogenen» Entscheid über die vorerst auf eine
Teilanfechtung beschränkte Beschwerdeeingabe nicht verlieren; würde
der Beschwerdeführer in einem solchen Fall innert der Beschwerdefrist
eine zweite, gegen die bisher noch nicht angefochtenen Punkte gerichtete
Beschwerde einreichen, müsste darüber trotz des bereits ergangenen Urteils
über die erste Beschwerde ein erneuter Beschwerdeentscheid gefällt werden.
Um eine solche prozessökonomisch unsinnige Situation zu vermeiden, ist
es deshalb geboten, bei Beschwerden mit bloss teilweiser Anfechtung der
vorinstanzlichen Verfügung - sofern nicht ausdrücklich auf die Anfechtung
eines Teils verzichtet wird - auf jeden Fall mit dem Entscheid bis zum Ablauf
der Beschwerdefrist zuzuwarten.

cb. In den übrigen Fällen, in welchen - wie vorliegend - die Verfügung
der Vorinstanz in allen Punkten angefochten wird, ist dagegen von einer
Konsumation des Beschwerderechts auszugehen. Das heisst, dass der
Verfügungsadressat sein Recht, innert der Beschwerdefrist eine Beschwerde
einzureichen, nur einmal ausüben kann (wobei von der hier vorliegenden
Konstellation eines einzigen Verfügungsadressaten diejenige zu unterscheiden
ist, dass gleichzeitig mehrere Personen zur Beschwerdeführung legitimiert
sind). Zusätzliche Beschwerdeschriften innert der Frist sind somit nicht
weitere (selbständige) Beschwerden, sondern - selbst wenn sie von
verschiedenen Verfassern stammen - nur Ergänzungen zur einmal erhobenen
Beschwerde. Ein Beschwerdeführer, der sich entschliesst, mit der Einreichung
der Beschwerde nicht bis zum letzten Tag der Frist zuzuwarten, sondern dies
bereits einige Zeit zuvor tut, hat keinen unbedingten Anspruch darauf, dass
mit der Behandlung der Beschwerde bis zum Ablauf der Beschwerdefrist
unter allen Umständen zugewartet werden muss. Er hat zwar ein Recht, seine
einmal deponierte Beschwerde bis zum Ablauf der Beschwerdefrist noch
zu ergänzen; allerdings muss er dabei (falls er nicht riskieren will, dass die
Ergänzung nicht mehr berücksichtigt wird) vorsichtigerweise deutlich machen,
dass die eingereichte Beschwerde unter dem Vorbehalt weiterer Ergänzungen

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ia_1&resolve=1

steht (etwa durch die Bezeichnung als «vorsorgliche» oder «vorläufige»
Beschwerde o. ä., durch ausdrückliche Ankündigung von Ergänzungen oder
zusätzlichen Beweismitteln usw.).

cc. Daraus ergibt sich zunächst für den hier zu beurteilenden Fall, dass mit der
zweiten Eingabe vom 24. Februar 1997 nicht einfach eine neue Beschwerde
vorliegt, über die wiederum materiell zu entscheiden ist. Das Beschwerderecht
wurde von Herrn G. ausgeübt; über die erhobene Beschwerde ist bereits
entschieden und damit das Beschwerdeverfahren grundsätzlich abgeschlossen.
Es geht somit einzig um die Frage, ob und unter welchem Titel gestützt
auf die neue Eingabe allenfalls ein Anspruch auf Wiederaufnahme des
Beschwerdeverfahrens abgeleitet werden kann.

2.a. Zum gleichen Ergebnis gelangt man auch unter dem Aspekt der
Rechtskraft. Gemäss Art. 31 der Verordnung vom 18. Dezember 1991 über
die Schweizerische Asylrekurskommission (VOARK, SR 142.317; analog zu
Art. 38 OG für die Urteile des Bundesgerichts) werden die Entscheide der
ARK mit ihrer Ausfällung rechtskräftig. Das Urteil der ARK vom 17. Februar
1997 ist somit an diesem Tag in Rechtskraft erwachsen. Die Rechtskraft
ist folglich nicht etwa erst mit Ablauf der Beschwerdefrist eingetreten.
Rechtskraft (im materiellen Sinne) bedeutet, dass ein neues ordentliches
Prozessverfahren über diesen Streitgegenstand nicht zulässig ist (Fritz
Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 322 f.). «Die
formelle Rechtskraft wäre nutzlos, wenn, nachdem über die Sache in einem
ersten Verfahren abschliessend entschieden worden ist, über den gleichen
Streitgegenstand beliebig wieder ein neues Verfahren in Gang gesetzt, also
wieder von vorne angefangen werden könnte.» (Gygi, a. a. O., S. 322)

b. Eine «formlose» Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens ist
somit ausgeschlossen. Dies im übrigen auch im Gegensatz zum Fall
eines Abschreibungsbeschlusses wegen vermutetemWegfall des
Rechtsschutzinteresses nach Verschwinden eines Beschwerdeführers: Erweist
sich diese Annahme nach «Wiedererscheinen» des Beschwerdeführers
nachträglich als unzutreffend, so wird in der Praxis der ARK das
abgeschriebene Beschwerdeverfahren ohne weiteres und ohne Prüfung von
Revisionsgründen jeweils wieder aufgenommen.

c. Etwas anderes kann auch nicht aus dem Satz aus dem in BGE 112 Ia 1 ff.
abgeleitet werden, wonach eine vorweggenommene Erledigung auf eine
unzulässige Verkürzung der gesetzlichen Rechtsmittelfrist hinausläuft
und damit das rechtliche Gehör verletzt; «dies jedenfalls dann, wenn die
Rechtsmittelinstanz nicht bereit ist, ihren Entscheid ohne weiteres in
Wiedererwägung zu ziehen, falls der Einleger des Rechtsmittels noch frist-
und formgerecht eine Ergänzung nachliefert.» (a. a. O., S. 3 unten). Um nicht
in unlösbaremWiderspruch zum dargelegten Prinzip der Rechtskraft zu
stehen, kann diese etwas schwierig interpretierbare Formulierung (vgl. dazu
sogleich in nachfolgender Erwägung) wohl nur so verstanden werden, dass
unter den genannten Umständen ein Anspruch auf «Wiedererwägung», d. h.
ein Revisionsgrund bestehen kann, womit die Rechtskraft des ergangenen

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ia_1&resolve=1

Entscheides beseitigt wird (vgl. Gygi, a. a. O., S. 323: «Das frühere, formell
rechtskräftige Urteil müsste zuvor mit einem ausserordentlichen Rechtsmittel
beseitigt werden. Erst dann ginge an, über die Sache neu zu verhandeln»).

d. Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass das während laufender
Beschwerdefrist ergangene Urteil mit einer weiteren fristgerechten Eingabe
nicht einfach unwirksam wird, sondern das Beschwerdeverfahren nur dann
wieder aufgenommen wird, wenn die spätere Eingabe einen Revisionsgrund
schafft, der die Rechtskraft des Urteils beseitigt.

3.a. Die Kernfrage ist nun allerdings die, ob der Revisionsgrund schon allein
durch die Tatsache gegeben ist, dass wider Erwarten doch noch innert
Rechtsmittelfrist eine oder mehrere weitere Eingaben eingetroffen sind. Dies
wäre dann der Fall, wenn die Frage der Verletzung des rechtlichen Gehörs,
d. h. die Frage, ob die Beschwerdeeingabe abschliessend war, allein ex post
betrachtet würde. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs würde so betrachtet
immer vorliegen, wenn die Annahme, die Beschwerdeschrift sei abschliessend
zu verstehen, allein durch die Tatsache einer unerwarteten späteren Eingabe
als widerlegt gilt - und zwar selbst dann, wenn diese Annahme nach den
damaligen Umständen durchaus nachvollziehbar erscheint, mit einer
ergänzenden Eingabe somit vernünftigerweise gar nicht gerechnet werden
musste.

Eine solche Betrachtungsweise liesse sich indessen kaummit dem Sinn der
Rechtskraft und dem Grundsatz der Prozessökonomie vereinbaren. Wenn
die Praxis der ARK - gestützt auf die zitierte Bundesgerichtspraxis - ein Urteil
vor Ablauf der Beschwerdefrist unter bestimmten Voraussetzungen zulässt,
so muss konsequenterweise ein solches Urteil gleichermassen wie andere
Urteile der ARK Rechtskraft erlangen und behalten. «Urteilen hat nur einen
Sinn, wenn das Urteil Rechtskraft erlangt.» (Gygi, a. a. O., S. 321). Unter diesen
Umständen ein Urteil zu erlassen, das bis zum Ablauf der Beschwerdefrist
durch eine neue Eingabe - selbst wenn sie im Extremfall die identischen
Vorbringen nochmals vorträgt - ohne weiteres unwirksam gemacht werden
könnte, wäre schlechterdings unvernünftig.

b. Die richtige Betrachtungsweise muss somit auf den Zeitpunkt der
ersten Beschwerdeeingabe abstellen. Ob die ARK zu Recht die erste
Beschwerdeeingabe als abschliessend verstehen bzw. nach den Umständen
einen vorgezogenen Entscheid richtigerweise (vgl. vorne E. 1b in fine) als
angezeigt erachten konnte, beurteilt sich nach den damaligen Umständen.
Ist die Frage zu verneinen, d. h. musste nach den Umständen (beispielsweise
weil eine Ergänzung ausdrücklich vorbehalten oder zusätzliche Beweismittel
in Aussicht gestellt wurden, oder der Sachverhalt offensichtlich noch nicht
genügend erstellt war) mit Ergänzungen gerechnet werden, weshalb mit dem
Entscheid hätte zugewartet werden müssen, liegt darin eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs, womit ein Revisionsgrund gegeben ist. Hat indessen die
ARK die erste Beschwerdeeingabe nach den damaligen Umständen zu Recht
als abschliessend aufgefasst, so durfte berechtigterweise ein Entscheid vor
Ablauf der Rechtsmittelfrist gefällt werden, und es liegt keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs vor. Allerdings kann eine wider Erwarten doch noch vor
Ablauf der Beschwerdefrist eingereichte weitere Eingabe dann einen Grund

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zur Wiederaufnahme bilden, wenn der Inhalt dieser Eingabe unter einen der
übrigen in Art. 66 VwVG genannten Revisionsgründe (insbesondere desjenigen
der neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel) fällt.

c. Zusammenfassend ergibt sich, dass auf die Eingabe vom 24. Februar 1997
nicht eingetreten werden kann. Da der Beschwerdeführer inzwischen bereits
vorsorglich ein Revisionsbegehren eingereicht hat, ist über dieses nunmehr
in einem gesonderten Verfahren zu befinden; dabei wird zu prüfen sein, ob
die Beschwerdeinstanz durch die Ausfällung eines Urteils vor Ablauf der
Beschwerdefrist im Sinne vorstehender Erwägungen das rechtliche Gehör
verletzt hat. Ist die Frage zu verneinen, ist zu prüfen, ob allenfalls die Eingabe
vom 24. Februar 1997 einen anderen Revisionsgrund im Sinne von Art. 66
VwVG anruft. Dabei ist Art. 66 Abs. 3 VwVG nicht anwendbar.

[19] Vgl. oben Fussnote 1, S. 19.
[20] Cf. ci-dessus note 2, p. 20.
[21] Cfr. sopra nota 3, pag. 20.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 62.12 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission

vom 20. Mai 1997

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1998
Année

Anno

Band 62
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Ref. No 150 003 794

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 20. Mai 1997
	Zusammenfassung des Sachverhalts:
	Aus den Erwägungen: