# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 696f29c4-4964-5f5d-aba5-3f8d5d381280
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-08-09
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 09.08.2018 SK.2018.26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2018-26_2018-08-09.pdf

## Full Text

Urteil vom 9. August 2018 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stefan Heimgartner, Einzelrichter 

Gerichtsschreiber David Heeb  

 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Cédric 

Remund, Staatsanwalt des Bundes,  

 

 
gegen 

  
A.,  

 

Gegenstand  
Mehrfaches Ausnützen der Kenntnis vertraulicher 

Tatsachen (aStGB), mehrfache Widerhandlung ge-

gen das Revisionsaufsichtsgesetz (aRAG) 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2018.26 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

1. A. sei schuldig zu sprechen wegen Widerhandlung gegen Art. 40 Abs. 1 aRAG, 

mehrfach vorsätzlich begangen in der Zeit vom 30. August 2013 bis 30. Januar 2014 

in Frauenfeld oder anderswo in der Schweiz. 

 

2. A. sei schuldig zu sprechen wegen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsa-

chen als Primärinsider gemäss Art. 161 Ziff. 1 aStGB, mehrfach vorsätzlich began-

gen in der Zeit vom 20. bis 23. September 2011 in Zürich, Frauenfeld, Basel oder 

anderswo in der Schweiz. 

 

3. A. sei mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 650.--, entsprechend 

Fr. 117‘000.-- zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, bei einer 

Probezeit von 2 Jahren. 

 

4. A. sei mit einer Busse von Fr. 7‘000.-- zu bestrafen, bei schuldhaftem Nichtbezahlen 

ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 70 Tagen.  

 

5. A. sei zu verurteilen, der Schweizerischen Eidgenossenschaft eine Ersatzforderung 

von Fr. 29‘073.20 als unrechtmässigen Vermögensvorteil zu bezahlen. 

 

6. Die Untersuchungskosten von Fr. 22‘000.-- zuzüglich Fr. 4‘000.-- Aufwand der Bun-

desanwaltschaft für das Hauptverfahren, sowie die Gerichtskosten seien vollständig 

A. zur Bezahlung aufzuerlegen.  

 

7. Es seien weder Entschädigung noch Genugtuung auszusprechen. 

 

8. Für den Vollzug der Strafen sei der Kanton Thurgau zuständig zu erklären.  

 

 

Anträge des Beschuldigten: 

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Widerhandlung gegen das aRAG 

sowie des mehrfachen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen freizuspre-

chen.  

 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.  

 

 

 

- 3 - 

Sachverhalt: 

A. Am 30. Januar 2014 erstattete die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde bei 

der Staatsanwaltschaft Frauenfeld Strafanzeige gegen A. (nachfolgend: Beschul-

digter) wegen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz (Art. 40 aRAG) 

und Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen (Art. 161 aStGB [BA SV.0227 

pag. 5.101.1-4]). Der Beschuldigte stand im Verdacht, als Mitglied der Geschäftslei-

tung der B. AG und Revisor vertrauliche Informationen bezüglich Effekten von Un-

ternehmen, welche die B. AG als Revisionsstelle hatten, ausgenützt zu haben. Die-

ser Verdacht erhärtete sich im Laufe der Untersuchung unter anderem in Bezug auf 

Effekten der Bank C.. Der Beschuldigte wurde verdächtigt, am 2., 20. und 22. Sep-

tember 2011 mehrfach Namenaktien der Bank C. erworben und dabei Insiderinfor-

mationen ausgenützt zu haben. Ausserdem habe der Beschuldigte als Geschäfts-

leitungsmitglied der B. AG und in seiner Funktion als Revisionsexperte trotz Auffor-

derung der RAB vom 30. August 2013 sowie mit Schreiben vom 17. Oktober 2013 

mehrmals verschiedene verlangte Auskünfte/Unterlagen nicht bzw. nicht vollständig 

erteilt bzw. übermittelt.  

B. Am 24. Februar 2014 ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau die 

Bundesanwaltschaft um Verfahrensübernahme (BA pag. 2.100.1-2). Mit Verfügung 

vom 5. März 2014 vereinigte die Bundesanwaltschaft das Verfahren in Bezug auf 

alle erwähnten Tatbestände gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der Hand der Bun-

desbehörden (BA pag. 2.100-5 f.). 

C. Am 5. März 2014 eröffnete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung gegen 

den Beschuldigten wegen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz 

(RAG) sowie Widerhandlung gegen Art. 40 BEHG bzw. Art. 161 aStGB (BA pag. 

1.100-1 f.). 

D. Von 2014 bis 2017 holte die Bundesanwaltschaft bei verschiedenen Banken und 

anderen Dritten verschiedene Unterlagen ein. Insbesondere erfolgten Editionen bei 

Bank C., Bank H., I. AG, Bank J., Bank K., Bank L., Bank M., Bank N., Bank O., 

Bank D., BankP., B. AG, Q. AG sowie bei der R. AG (BA pag. 7.101.1, -7.203.16). 

E. Am 19. März 2018 erliess die Bundesanwaltschaft gegen den Beschuldigten einen 

Strafbefehl wegen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz gemäss 

Art. 40 Abs. 1 aRAG und mehrfachen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsa-

chen als Primärinsider gemäss Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB und verurteilte ihn zu 

einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 650.--, bedingt erlassen auf eine 

Probezeit von 2 Jahren und zu einer Busse von Fr. 7‘000.-- (BA pag. 3.0.15-28). Der 

damalige Verteidiger von A. erhob hierauf am 29. März 2018 form- und fristgerecht 

Einsprache (BA pag. 3.0-29).  

- 4 - 

F. Mit Schreiben vom 9. bzw. 19. April 2018 erteilte die Bundesanwaltschaft dem da-

maligen Verteidiger erneut Akteneinsicht und gewährte ihm eine Frist zur Stellung 

allfälliger Beweisergänzungsanträge bis 11. Mai 2018 (BA pag. 16.1-76 f.; 16.1-84).  

G. Mit Schreiben vom 11. Mai 2018 beantragte der damalige Verteidiger verschiedene 

Beweisanträge, welche mit Verfügung vom 22. Mai 2018 teilweise gutgeheissen 

wurden (BA pag. 16.1-88, -107; 16.1.110, -117).  

H. Mit Verfügung der Bundesanwaltschaft vom 22. Mai 2018 wurde die Strafverfolgung 

gegen den Beschuldigten in Bezug auf die Effekten-Transaktionen vom 2. Septem-

ber 2011 eingestellt (BA pag. 3.0-34, -37).  

I. Mit Anklageschrift vom 22. Mai 2018 erhob die Bundesanwaltschaft bei der Straf-

kammer des Bundesstrafgerichts Anklage gegen den Beschuldigten wegen mehr-

facher Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz gemäss Art. 40 Abs. 1 

aRAG und mehrfachen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen als Pri-

märinsider gemäss Art. 161 Ziff. 1 aStGB (TPF pag. 50.100.1, -10). Im Begleitschrei-

ben zur Anklageschrift vom 22. Mai 2018 wies die Bundesanwaltschaft auf die dro-

hende Verjährung hin (TPF pag. 50.100.011 f.).  

J. Das Bundesstrafgericht eröffnete am Eingangstag der Anklageschrift vom 24. Mai 

2018 das Verfahren unter der Geschäftsnummer SK.2018.26 (TPF pag. 

50.120.1 f.). 

K. Mit Schreiben vom 24. Mai 2018 wurden die Parteien ersucht, unter anderem den 

25. Juli 2018 (Reservetag 26. Juli 2018) als möglichen Termin für die Hauptverhand-

lung zu reservieren. Den Parteien wurde Gelegenheit gegeben, allfällige zwingende 

Verhinderungsgründe dem Gericht mit schriftlicher Begründung und Belegen bis 

5. Juni 2018 mitzuteilen (TPF pag. 50.310.1 f.). Die Parteien erhoben keine Ein-

wände. Mit prozessleitender Verfügung vom 6. Juni 2018 wurde den Partien mitge-

teilt, dass die Hauptverhandlung am 25. Juli 2018 (Reservetag 26. Juli 2018) statt-

finden wird (TPF pag. 50.310.4).  

L. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte der Einzelrichter die erforderlichen Be-

weismittel zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten ein 

(Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister vom 19. Juni 2018 [TPF pag. 

50.231.1.2], Auszug aus dem Betreibungsregister des Betreibungsamtes des Be-

zirks Frauenfeld [TPF pag. 50.231.3.2], letzte Steuerunterlagen bzw. Veranlagungs-

verfügung des Steueramtes der Stadt Frauenfeld für das Steuerjahr 2014 [TPF pag. 

50.231.2.3,-6]).  

- 5 - 

M. Mit Verfügung vom 19. Juni 2018 entschied der Einzelrichter über Beweismassnah-

men. Er zog unter anderem die Akten Nr. B-1171/2014 des Bundesverwaltungsge-

richts bei (TPF pag. 50.250.3, -7; 50.262.1.1).  

N. Mit Schreiben vom 12. Juli 2018 teilte der Verteidiger mit, dass er den Beschuldigten 

nicht mehr vertrete (TPF pag. 50.521.30). 

O. Mit Schreiben des Einzelrichters vom 12. Juli 2018 wurde der Beschuldigte aufge-

fordert, bis zum 17. Juli 2018 einen Verteidiger bzw. eine Verteidigerin zu ernennen 

und die entsprechende Vollmacht einzureichen, ansonsten sich das Gericht vorbe-

halten würde, allenfalls selbst einen Verteidiger bzw. eine Verteidigerin zu bestim-

men (TPF pag. 50.400.4). Der Beschuldigte liess die Frist unbenutzt verstreichen.  

P. Die Hauptverhandlung fand am 25. Juli 2018 in Anwesenheit des Beschuldigten vor 

dem Einzelrichter der Strafkammer am Sitz des Bundesstrafgerichts in Bellinzona 

statt (TPF pag. 50.720.1, -12). Die Bundesanwaltschaft liess sich am 23. Juli 2018 

vernehmen bzw. stellte Anträge (TPF pag. 50.510.21 f.), doch verzichtete sie auf 

eine Teilnahme an der Hauptverhandlung (TPF pag. 50.510.19 f.). Das Urteil des 

Einzelrichters der Strafkammer wurde am 9. August 2018 in Anwesenheit des Be-

schuldigten mündlich eröffnet und begründet (TPF pag. 50.930.1, -3). Die Bundes-

anwaltschaft verzichtete wiederum auf eine Teilnahme. 

Q. Der Beschuldigte hat innert gesetzlicher Frist die schriftliche Begründung des Urteils 

verlangt (Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO).  

 

Der Einzelrichter erwägt: 

1. Prozessuales 

1.1 Anwendbares Recht 

1.1.1 Die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten wegen Ausnützens der Kenntnis 

vertraulicher Tatsachen haben sich vor der am 1. Mai 2013 in Kraft getretenen 

Gesetzesrevision (AS 2013 1103), durch welche das Insiderdelikt von Art. 161 

aStGB in Art. 40 aBEHG überführt wurde, ereignet. Per 1. Januar 2016 wurde 

das betreffende Delikt mit marginalen Änderungen in Art. 154 des Bundesgeset-

zes vom 19. Juni 2015 über die Finanzmarktinfrastrukturen und das Marktverhal-

ten im Effekten- und Derivatehandel (Finanzmarktinfrastrukturgesetz, FinfraG; 

SR 958.1) transferiert (AS 2015 5339). Aufgrund des strafrechtlichen Rückwir-

kungsverbots gilt grundsätzlich das zur Tatzeit geltende Recht, es sei denn, das 

neue Recht ist im konkreten Fall für den Täter das mildere (Art. 2 Abs. 2 StGB; 

- 6 - 

vgl. BGE 134 IV 82 E. 6.3.2). Letzteres ist hier nicht der Fall. Auf die inkriminierten 

Taten von 2011 kommt nach der anwendbaren konkreten Methode als lex mitior 

im Sinne von Art. 2 Abs. 2 StGB das zur Tatzeit geltende Recht, mithin Art. 161 

Ziff. 1 aStGB, zur Anwendung, da die Anforderungen an den Quellennachweis 

und die Art des Informationserhalts nach Art. 161 aStGB restriktiver sind als nach 

Art. 154 FinfraG.  

1.1.2 In Bezug auf die vorgeworfenen Widerhandlungen gegen das Revisionsauf-

sichtsgesetz sah der zur Tatzeit geltende Straftatbestand von Art. 40 Abs. 1 lit b 

aRAG eine Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

vor. Die heute geltende Fassung von Art. 40 Abs. 1 lit. b RAG sieht die gleiche 

Strafandrohung vor. Folglich kommt vorliegend das zur Tatzeit geltende Recht 

(aRAG) zur Anwendung.  

1.2 Zuständigkeit 

1.2.1 Nach Art. 22 StPO obliegt die Verfolgung und Beurteilung strafbarer Handlungen 

grundsätzlich den Kantonen, soweit sie nicht der Bundesgerichtsbarkeit unter-

stehen. Ist in einer Strafsache sowohl Bundes- als auch kantonale Zuständigkeit 

gegeben, kann der Staatsanwalt des Bundes die Vereinigung der Verfahren in 

der Hand der Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 

Abs. 2 StPO). 

Straftaten nach Art. 161 aStGB waren unter kantonaler Gerichtsbarkeit zu verfol-

gen und zu beurteilen. Mit der vorstehend erwähnten Gesetzesrevision (E. 1.1.1.) 

wurde die Verfolgung und Beurteilung von Insiderdelikten per 1. Mai 2013 in die 

Bundeszuständigkeit überführt (Art. 44 aBEHG i.V.m. Art. 23 Abs. 2 StPO). Diese 

Zuständigkeit wurde auch mit Inkrafttreten des FinfraG beibehalten (156 Abs. 1 

FinfraG i.V.m. Art. 23 Abs. 2 StPO). Da es sich bei der entsprechenden Gerichts-

standsbestimmung im aBEHG bzw. neu im FinfraG um ein sog. Zeitgesetz han-

delt, ist die neu definierte Instanz bzw. das Bundesstrafgericht auch für die Be-

urteilung dieses altrechtlichen Insiderdelikts zuständig. 

Gemäss Art. 40 Abs. 3 aRAG unterstehen Widerhandlungen gegen das Revisi-

onsaufsichtsgesetz der kantonalen Gerichtsbarkeit. Soweit dieser in kantonale 

Kompetenz fallende Tatbestand zur Anklage gelangt, ist die Verfolgung und Be-

urteilung von der Bundesanwaltschaft rechtsgültig in Bundeskompetenz über-

führt worden (Lit. B).  

Die Bundesgerichtsbarkeit ist demnach gegeben. 

1.2.2 Die Kompetenz des Einzelrichters der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO i.V.m. Art. 36 Abs. 2 des Bundesgesetzes 

- 7 - 

über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010 (Straf-

behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71). 

1.3 Verteidigung 

1.3.1 Mit Schreiben vom 24. Mai 2018 wurde dem Beschuldigten der Termin für die 

Hauptverhandlung vom 25. Juli 2018 bekannt gegeben (TPF pag. 50.250.1 f.). 

Am 12. Juli 2018 teilte Rechtsanwalt S. mit, dass er den Beschuldigten nicht mehr 

vertrete (TPF pag. 50.521.30; Lit. N.). Das Gericht hat dem Beschuldigten glei-

chentags mitgeteilt, dass er innert Frist eine neue erbetene Verteidigung benen-

nen soll, wenn er das wünsche (TPF pag. 50.400.4). Der Beschuldigte liess die 

Frist unbenutzt verstreichen. Mit Schreiben vom 23. Juli 2018 verzichtete die 

Bundesanwaltschaft auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung (TPF pag. 

50.510.19 f.). Mit Eingabe vom 24. Juli 2018, eingegangen beim Gericht am 

Hauptverhandlungstag vom 25. Juli 2018, ersuchte der Beschuldigte um Frister-

streckung zur Ernennung eines neuen erbetenen Verteidigers (TPF pag. 

50.521.31). Der Einzelrichter wies den Antrag in der Hauptverhandlung ab (TPF 

pag. 50.720.003). 

1.3.2 Gemäss Art. 130 lit. d StPO muss die beschuldigte Person verteidigt werden, 

wenn die Staatsanwaltschaft vor dem erstinstanzlichen Gericht oder dem Beru-

fungsgericht persönlich auftritt (sog. notwendige Verteidigung). Die beschuldigte 

Person muss ausserdem verteidigt werden, wenn sie wegen ihres körperlichen 

oder geistigen Zustandes oder aus anderen Gründen ihre Verfahrensinteressen 

nicht ausreichend wahren kann und die gesetzliche Vertretung dazu nicht in der 

Lage ist (Art. 130 lit. c StPO). Anderweitige Gründe für eine notwendige Verteidi-

gung liegen a priori vor. 

1.3.3 Obschon der bisherige Verteidiger des Beschuldigten relativ kurz vor der Haupt-

verhandlung dem Gericht mitgeteilt hat, dass das Mandatsverhältnis beendet sei, 

konnte das Gericht die Hauptverhandlung ohne anwaltliche Verteidigung des Be-

schuldigten durchführen. Da die Bundesanwaltschaft auf eine Teilnahme an der 

Hauptverhandlung verzichtet hat, liegt kein Fall von notwendiger Verteidigung 

gemäss Art. 130 lit. d StPO vor. Es oblag dem Beschuldigten für den Verhand-

lungstermin, der ihm seit langem bekannt war, den Beizug einer gewünschten 

Verteidigung sicherzustellen. Ausserdem ist der Fall nicht derart komplex, dass 

für den Beschuldigten mit seiner grossen Sachkunde im Bereich Aktienhandel 

und Revision (vgl. E. 5.3.5.1) in casu eine Verteidigung zur Wahrung der Interes-

sen (Art. 130 lit. c StPO) zwingend geboten wäre. Hinzu kommt, dass dem Be-

schuldigten die Vorwürfe seit längerer Zeit bekannt sind und er diese mehrmals 

mit seinem ehemaligen Verteidiger besprochen hatte. 

- 8 - 

1.4 Verjährung 

Der Vorwurf des mehrfachen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen 

bezieht sich auf die Aktienkäufe vom 20. und 22. September 2011. Zur Tatzeit 

sah der Tatbestand des Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen durch 

den sog. Primärinsider (Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB) dieselbe Strafandrohung 

vor wie in der heutigen Fassung von Art. 154 Abs. 1 FinfraG (Freiheitsstrafe bis 

zu drei Jahren oder Geldstrafe). 

Unter dem zur Tatzeit geltenden Recht verjährte die Tat nach Art. 161 Ziff. 1 

Abs. 1 aStGB (sog. Primärinsider) in 7 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. c aStGB), nach 

heutigem Recht in 10 Jahren (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB).  

Gemäss Art. 389 StGB (welcher das Prinzip der sog. lex mitior in Bezug auf die 

Verjährung statuiert) ist das alte bzw. das zur Tatzeit geltende Verjährungsrecht 

anwendbar, wenn es milder ist als das neue Recht. Somit ist für die vorgeworfe-

nen Straftaten des mehrfachen Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen 

die altrechtliche siebenjährige Verjährungsfrist anzuwenden. Die Verfolgungsver-

jährung betreffend die Insiderdelikte gemäss Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB tritt 

somit am 22. September 2018 ein. Die Verfolgungsverjährung ist damit noch 

nicht eingetreten. 

Die mutmasslichen mehrfachen Widerhandlungen gegen das Revisionsauf-

sichtsgesetz fanden in der Zeit vom 30. August 2013 bis 30. Januar 2014 statt. 

Die Frage der Verjährung gibt diesbezüglich zu keinen Bemerkungen Anlass.  

1.5 Verbot der doppelten Strafverfolgung („ne bis in idem“) 

1.5.1 Der Beschuldigte macht im Zusammenhang mit der vorgeworfenen Widerhand-

lung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz geltend, dass dieser Sachverhalt im 

Verwaltungsverfahren vor Bundesverwaltungsgericht mittels Vergleichs mit der 

Revisionsaufsichtsbehörde (nachfolgend: RAB) abgeschossen worden sei (TPF 

pag. 50.720.8). Dieser Sachverhalt könne daher nicht Gegenstand des Strafver-

fahrens sein (TPF pag. 50.720.8).  

1.5.2 Gemäss Art. 11 Abs. 1 StPO darf wegen der gleichen Straftat nicht erneut verfolgt 

werden, wer in der Schweiz rechtskräftig verurteilt oder freigesprochen worden 

ist. Art. 11 StPO verbietet die doppelte Strafverfolgung; ebenso Art. 4 des Proto-

kolls Nr. 7 zur EMRK (SR 0.101.07) und Art. 14 Abs. 7 UNO-Pakt II (SR 0.103.2) 

(Urteil des Bundesgerichts 1B_56/2017 vom 8. März 2017 E. 2.1). Das Verbot 

der doppelten Strafverfolgung stellt ein Verfahrenshindernis dar, das in jedem 

Verfahrensstadium von Amtes wegen zu berücksichtigen ist (TAG, in: Niggli/Heer/ 

- 9 - 

Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 11 StPO N. 6; 

Urteil des Bundesgerichts 1B_56/2017 vom 8. März 2017 E. 2.1). 

1.5.3 Mit Entscheid B-1171/2014 des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. März 2015 

wurde das Beschwerdeverfahren zwischen dem Beschuldigten und der RAB zu-

folge gerichtlichen Vergleichs als gegenstandslos abgeschrieben (Ziff. 1 des Dis-

positivs). Im Verwaltungsverfahren vor Bundesverwaltungsgericht ging es um ein 

rein administrativrechtliches und nicht um ein Verwaltungsstrafverfahren bzw. 

eine strafrechtliche Sanktionierung. Der Grundsatz „ne bis in idem“ findet somit 

keine Anwendung. Der Einwand ist daher unbegründet. 

1.6 Beweisanträge 

1.6.1 Gutachten über Kursrelevanz und Voraussehbarkeit 

1.6.1.1 Der Beschuldigte macht geltend, dass die Kursrelevanz sowie die Voraussehbar-

keit der erheblichen Kursveränderung nicht gegeben seien. Entgegen der Auf-

fassung der Bundesanwaltschaft handle es sich bei der Information, welche am 

12. Oktober 2011 veröffentlicht worden sei, nicht um eine kursrelevante Tatsa-

che. Er beantrage daher eine Begutachtung dieser Kriterien durch einen unab-

hängigen Sachverständigen (TPF pag. 50.720.6; 50.521.1, 5-7). 

1.6.1.2 Das Bundesstrafgericht hat nachfolgend von Amtes wegen zu würdigen, ob die 

öffentliche Bekanntgabe des Übernahmeangebots am 13. Oktober 2011 (siehe 

nachfolgend E. 2.3.14; 3.4.1.3) zu einem relevanten Kursanstieg geführt hat und 

voraussehbar war (TPF pag. 50.720.7; 50.250.4). Inwiefern für diese nicht sehr 

komplexen Tatsachenfeststellungen und -würdigungen ein Gutachter beauftragt 

werden soll, ist nicht ersichtlich und lässt sich nicht rechtfertigen. Der Beweisan-

trag ist daher abzuweisen (TPF pag. 50.720.7).  

1.6.2 Einvernahme von Zeugen 

1.6.2.1 Der Beschuldigte bringt vor, dass die Bank D. der Bank E. nie eine konkrete oder 

verbindliche Offerte („binding offer“) vorgelegt habe (TPF pag. 50.720.6; 

50.521.8). Er beantragt daher die Befragung des Direktors der RAB sowie des 

Leiters des Rechtsdienstes der RAB. 

1.6.2.2 Für die Beantwortung der Frage, ob der Beschuldigte Insiderinformationen aus-

genützt hat, ist unerheblich, ob ein verbindliches oder indikatives Angebot seitens 

der Bank D. vorlag. Der Beweisantrag beschlägt daher keine beweisrelevante 

Tatsache. Es ist nicht ersichtlich, inwieweit die Zeugenbefragungen etwas sach-

dienliches zur Klärung der Frage nach der Strafbarkeit beitragen könnten. Aus-

- 10 - 

serdem ist die vorhandene Beweislage in Bezug auf die Anklagevorwürfe ausrei-

chend, damit das Gericht würdigen kann, ob der Beweis dafür erbracht werden 

kann. Der Beweisantrag ist somit abzuweisen (TPF pag. 50.720.7).  

2. Mehrfaches Ausnützen der Kenntnis vertraulicher Tatsachen (Art. 161 

Ziff. 1 Abs. 1 aStGB) 

2.1 Anklagevorwurf 

2.1.1 Die Anklage wirft dem Beschuldigten zusammenfassend vor, er habe als leiten-

der Revisor der B. AG für die Kundin Bank D. die vertrauliche Tatsache der Un-

terbreitung eines Übernahmeangebots betreffend die durch die Bank E. gehalte-

nen Mehrheitsanteile an der Bank C. durch die Bank D. ausgenützt, indem er am 

20. und 22. September 2011 insgesamt 4‘000 Aktien der Bank C. erworben habe. 

Er habe dadurch für sich bzw. auf der Bankverbindung seiner Kinder einen Buch-

gewinn von Fr. 29‘037.20 realisiert. Das kursrelevante Projekt betreffend die 

Übernahme der Bank C. durch die Bank D. habe die Bank D. unter dem Projekt-

namen „F.“ behandelt. Dabei habe der Beschuldigte voraussehen können, dass 

eine Nachricht über Gespräche der Bank E. mit mehreren Interessenten im Hin-

blick auf den Verkauf der Mehrheitsanteile an der Bank C. zu erheblichen Kurs-

veränderungen führen würde. In der Tat sei die Bewertung der Aktie der Bank C. 

nach Veröffentlichung der entsprechenden Meldung bzw. des Übernahmepro-

jekts am 12./13. Oktober 2011 um 15.3% gegenüber dem Vortagesschlusskurs 

gestiegen. Der Beschuldigte habe sich dadurch wegen mehrfachen Ausnützens 

der Kenntnis vertraulicher Tatsachen als sog. Primärinsider im Sinne von Art. 161 

Ziff. 1 aStGB schuldig gemacht. 

2.1.2 Der Beschuldigte weist den Anklagevorwurf von sich. Er bestreitet integral über 

irgendwelche Insiderinformationen verfügt zu haben.  

2.2 Nach Art. 161 Ziff. 1 aStGB macht sich unter anderem strafbar, wer als Mitglied 

des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung, der Revisionsstelle oder als Hilfs-

person einer der vorgenannten Personen, sich oder einem andern einen Vermö-

gensvorteil verschafft, indem er die Kenntnis einer vertraulichen Tatsache, deren 

Bekanntwerden den Kurs von in der Schweiz börslich oder vorbörslich gehandel-

ten Aktien, andern Wertschriften oder entsprechenden Bucheffekten der Gesell-

schaft oder von Optionen auf solche in voraussehbarer Weise erheblich beein-

flussen wird, ausnützt oder diese Tatsache einem Dritten zur Kenntnis bringt. Bei 

diesen Personen handelt es sich um sog. Primärinsider (PETER, in: Niggli/Wi-

prächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 161 StGB N. 19). 

Personen, welche die abschliessend aufgezählten Sondereigenschaften nicht 

- 11 - 

aufweisen, können sich nicht als Insider nach Art. 161 Ziff. 1 aStGB strafbar ma-

chen (FAHRLÄNDER, Schweizerische Schriften zum Finanzmarktrecht; Der revi-

dierte schweizerische Insiderstraftatbestand, Zürich/Basel/Genf 2015, S. 74). 

2.3 Äusserer Sacherhalt 

2.3.1 Die betroffene Emittentin und deren Effekten 

Die Bank C. ist eine Schweizer Privatbank, die sich heute im Besitz der brasilia-

nischen Bank G. befindet. Ihre Hauptaktivität ist die Anlageberatung und Vermö-

gensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie das Anlagefondge-

schäft. Die niederländische Bank E. erwarb von der Bank C. Aktien. Im April 2007 

hielt sie 46,1% am Aktienkapital und 68,6% Stimmenmehrheit. Im September 

2011 betrug das Aktienkapital der Emittentin Fr. 22‘014‘783.91 (TPF pag. 

50.100.004).  

Am 25. November 2011 wurde bekanntgegeben, dass die brasilianische Bank G. 

von der Bank E. deren Aktienpaket für Fr. 1,04 Mrd. übernehmen werde (BA pag. 

3.0-3). Der Verkauf der Mehrheitsanteile an die Bank G. wurde Ende Juli 2012 

abgeschlossen. Danach hielt die Bank G. 50,15 % des Aktienkapitals und 

71,01% der Stimmrechtsanteile (TPF pag. 50.100.4).  

2.3.2 Das Projekt der Bank D. zur Übernahme der Bank C. 

Die Bank E. befand sich im obgenannten Zeitpunkt (E. 2.3.1) nicht nur mit der 

Bank G., sondern auch mit der Bank D. im Gespräch betreffend die Veräusse-

rung ihrer Anteile der Bank C. (BA pag. 7.110-15). Das Projekt betreffend die 

Übernahme der Bank C. durch die Bank D. behandelte Letztere unter dem Pro-

jektnamen „F.“ (BA pag. 12.3-143; 7.110-15). Nach ersten informellen Gesprä-

chen zwischen der Bank D. und der Bank E. erfolgte am 13. Juli 2011 die Unter-

zeichnung einer Geheimhaltungserklärung zwischen den beiden Banken (BA 

pag. 7.110-15). Am 5. August 2011 erhielt die Bank D. Zugang zum virtuellen 

Datenraum, um die due diligence durchzuführen (BA pag. 7.110-15). Am 26. Au-

gust 2011 gab die Bank D. eine erste Offerte an die Bank E. ab (BA pag. 7.110-

15). Ab 11. Oktober 2011 führte die Bank D. eine vertiefte due diligence bei der 

Bank C. durch (TPF pag. 50.100.4; BA pag. 7.110-14 ff. sowie die Beilagen). 

2.3.3 Funktion des Beschuldigten 

Der Beschuldigte ist eidg. Wirtschaftsprüfer und war zwischen 7. Dezember 2007 

und 30. Januar 2014 (Entzug der Zulassung) als Revisionsexperte zugelassen 

(BA pag. 11.0.-3; 3.101-5, -38). Ab. 1. Juni 2007 leitete der Beschuldigte bei der 

B. AG als Head of Audit Financial Services den Bereich Wirtschaftsprüfung für 

- 12 - 

Banken und Versicherungen. Er war von 2007 bis 2013 Partner sowie Mitglied 

der Geschäftsleitung der B. AG. Während der gleichen Zeitspanne war er leiten-

der Revisor der Bank D. sowie Hauptverantwortlicher für das Mandat (TPF pag. 

50.731.5). Die Tätigkeit der B. AG im Rahmen dieses Mandats umfasste sowohl 

die aufsichtsrechtliche wie auch die finanzbuchhalterische Prüfung (Regulatory 

und Financial Audit; TPF pag. 50.731.5). Im relevanten Zeitraum war der Be-

schuldigte zuständig für die Erstellung bzw. Verfassung des Regulatory Audit Re-

ports 2010/2011 (Revisionsperiode: 1. Juli 2010 bis 30. Juni 2011) wie auch für 

den Review der Halbjahreszahlen 2011 (TPF pag. 50.100.5).  

2.3.4 Erste Gerüchte zur Übernahme 

2.3.4.1 Erste Gerüchte zur Übernahme der Bank C. durch die Bank D. wurden bereits im 

Frühjahr 2011 öffentlich thematisiert. Der Beschuldigte erhielt am 20. Mai 2011 

eine E-Mail eines in Zürich tätigen Partners der B. AG, T., der ihn auf die Ge-

rüchte zur Übernahme der Bank C. durch die Bank D. oder andere Interessenten 

aufmerksam machte (BA pag. 13.1-63 f.; B13.1.2-1; 3.0-5). Der E-Mail ist folgen-

des zu entnehmen: 

„A., good to see you the other day. It seems by this recent article that is getting more serious at 

bank C.. Let me know if you would like any assistance on this. I would be happy to assist. Kind 

regards.“  

„Subject: 

(…) 

„The latest round of chatter has had greater substance, according to Swiss bankers. One person 

with knowledge of the matter said serious negotiations had taken place, notably with bank D. – with 

bank C. has been regularly paired in the past.” 

2.3.4.2 Am 20. Mai 2011 bekundete AA., CEO der Bank C., sein Interesse an einem 

Management Buyout und berichtete über informelle Gespräche mit der Mehr-

heitsaktionärin Bank E. (BA pag. 11.0-23; 11.0.28). Gleichzeitig wies AA. darauf 

hin, dass keine formellen Gespräche im Gange seien.  

2.3.4.3 Am 30. Mai 2011 teilte Verwaltungsratspräsident BB. mit, dass die Bank D. Ka-

pital für Akquisitionen habe, und sie zugreifen würden, wenn ein Institut kulturell 

zu ihnen passen würde (BA pag. 11.0-23; 11.0-29). Zu einem allfälligen Interesse 

an der Bank C. wollte BB. aber keinen Kommentar abgeben (BA pag. 11.0-23; 

11.0-29). 

 

- 13 - 

2.3.4.4 Am 28. Juli 2011 gab AA. schliesslich bekannt (E. 2.3.4.2), dass die Bank E. kei-

nen Verkauf ihrer Anteile plane (BA pag. 11.0-23; 11.0-30). 

2.3.4.5 Am 12. Oktober 2011 erschien in einer Zeitung ein Artikel (am 12. Oktober 2011 

auf CC. L.P. publiziert), gemäss welchem die Bank D. der Bank E. ein Angebot 

für ihren Mehrheitsanteil an der Bank C. unterbreitet habe (BA pag. 11.0-33; 

11.0-53; 3.0-4 m.w.H.). Der Artikel bezieht sich auf einen namentlich nicht ge-

nannten Zürcher Investmentbanker (BA pag. 11.0.53). DD., Sprecher der Bank 

D. bestätigte dies am gleichen Tag „indirekt“, indem er die Bank C. als interessant 

charakterisierte (BA pag.11.0-53).  

2.3.5 Meeting der B. AG vom 27. Mai 2011 

In den Traktanden eines Meetings der B. AG vom 27. Mai 2011 betreffend die 

Bank D. – an welchem der Beschuldigte als Sitzungsteilnehmer teilnahm – sind 

mögliche und im Zeitraum der Besprechung noch vertrauliche M&A Aktivitäten 

der Bank D. aufgeführt (BA pag. B7.201.2-112; 3.0-5). 

2.3.6 Protokolle des Verwaltungsrates der Bank D. 

Konkret befanden sich in Verwaltungsratsprotokollen der Bank D. Hinweise auf 

die potentielle Übernahme der Bank C. bzw. auf das Projekt „F.“. 

Aus den Verwaltungsratsprotokollen von Gesellschaften der Bank D. vom 

29. Juni 2011 ist Folgendes zu entnehmen: 

a) Minutes of the 181st Meeting of the Board of Directors of Bank D., Wednesday, 

29 June 2011 

“3.2 Package Solution Feasibility Study 

(…) 

Upon a question by EE., FF. mentioned that a substantial M&A project would indeed challenge to 

run this IT project in parallel. Acquiring a bank, which already had such a package up and running 

would also not help considerably as for example the R. solutions (e.g. at bank C.) were quite differ-

ently implemented an partially already outdated.” 

b) Minutes of the 9th Meeting of the Board of Directors of Bank D., Wednesday, 

29 June 2011 

(…) 

“6. M&A Update (GG./HH.) 

Project F. 

The potential target is probably the jjj. largest “independent” bank in Switzerland, owned by 70% in 

votes (40% in nominal value) by Group II. (foreign banking group) and is headquartered in Z.. F. 

has a similar strategy in place than bank D. and has considerably grown in Asia and the Middle 

- 14 - 

East in the past few years. The DNA fit would definitely be given with F. as it is culturally rather 

close to bank D.. (…) In terms of operating income an (…), F. represents approx. 25% of bank D.. 

The current valuation of F. at the stock exchange is at around CHF 2 bn, but its valuation has come 

down considerably in the last few days.” 

2.3.7 Auszug aus dem Protokoll des Ad-hoc-IT Commitees (IT-Verwaltungsratsaus-

schusskomitee) der Bank D. vom 31. August 2011 

Am 31. August 2011 fand eine Sitzung des Ad-hoc-IT Comittees des Verwal-

tungsrates der Bank D. statt (BA B07.110.4-19 ff.). Im Rahmen dieser Sitzung 

wurde das Projekt zur Erneuerung der IT-Plattform (core system) der Bank D. 

besprochen. Die IT-Plattform der Bank D. galt zu diesem Zeitpunkt als veraltet; 

auch handelte es sich dabei gemäss dem Beschuldigten aus regulatorischer 

Sicht um eines der drei Hauptrisiken bei der Bank D. (BA pag. 13.1-24, 92). Die 

Bank D. prüfte somit eine IT-Plattformerneuerung im Rahmen eines Evaluations-

projekts. Es wurden die Ergebnisse des Evaluationsprojekts betreffend die allfäl-

lige Erneuerung der IT-Plattform bei der Bank D. besprochen. Im Rahmen dieser 

Sitzung vom 31. August 2011 wurde entschieden, von der unmittelbaren Initiie-

rung der Plattformerneuerung abzusehen, um die strategische Flexibilität im Hin-

blick auf mögliche M&A Transaktionen offenzuhalten (BA pag. B07.110.4-26). 

FF. schlug anlässlich dieser Sitzung vor, mit Rücksicht auf das Projekt „F.“ erst 

im März 2012 mit den Verhandlungen für die Plattformerneuerung zu beginnen 

(BA pag. B07.110.4-26). Im Rahmen der Sitzung wurde sodann beschlossen, 

kurz- bis mittelfristig von der Initiierung der IT-Plattformerneuerung abzusehen 

(BA pag. 3.0-8). Konkrete Hinweise auf das Übernahmeprojekt „F.“ lassen sich 

auch im Protokoll des IT-Verwaltungsratsausschusses finden. Insbesondere ist 

dem Protokoll dieser Sitzung der folgende Passus zu entnehmen:  

„FF. mentioned that the project team would like to decide by March 2012 at the latest, unless project 

„F.“ would not materialise as planned as then negotiations could be started immediately.“ (BA pag. 

B07.110.4-26). 

Die Bank D. äusserte sich am 23. Oktober 2017 zu diesem Protokoll nachträglich 

wie folgt:  

„Der Fokus des zweiten Meetings vom 31. August 2011 (…) lag: auf der Präsentation der Feasibility 

Study, wobei unter anderem explizit entschieden wurde, kurz- und mittelfristig (mindestens 6-9 

Monate) von einer Initiierung der Plattform-Erneuerung abzusehen, um die strategische Flexibilität 

im Hinblick auf mögliche M&A Transaktionen offenzuhalten. Dabei wurde namentlich auch die Ab-

hängigkeit zu laufenden Verhandlungen im Rahmen des Projekts F. erwähnt.“ (BA pag. B07.110.4-

26; 7.110-97).  

- 15 - 

2.3.8 Regulatory Audit Report 2010/2011 

Zum Zeitpunkt der Durchführung des Ad-hoc-IT Comittees (E. 2.3.7) war die 

B. AG daran, den Regulatory Audit Report 2010/2011 zu erstellen (BA pag. 13.1-

82; B13.1.2-12). Die Problematik der veralteten IT-Plattform wurde im Regulatory 

Audit Report 2010/2011 als medium risk eingestuft, was in diesem Bereich die 

höchste verwendete Risikostufe darstellt (BA pag. 13.1-89; 18.101-435; B13.1.2-

26). Die Thematik der IT-Plattformerneuerung bei der Bank D. fand mit folgender 

Umschreibung in den Regulatory Audit Report 2010/2011 vom 26. September 

2011 Eingang: 

„An evaluation project is ongoing for a potential replacement of the host environment by a third 

party banking solution.“ (BA pag. B13.1.2-27; 13.1-89). 

Laut Regulatory Audit Report hatte der Beschuldigte Kenntnis vom IT-Evaluati-

onsprojekt der Bank D. (BA pag. 3.0-8). 

Des Weiteren wird im Regulatory Audit Report, für den der Beschuldigte als lei-

tender Revisor verantwortlich zeichnete, ausdrücklich erwähnt, dass sich der Be-

richt auf die Verwaltungsratsprotokolle und weitere einschlägige Dokumente 

stützt (BA pag. 3.0-9; B13.1.2-15, 18, 19; 18.101-435). Das lässt sich den Con-

clusions entnehmen. Die Passagen des Berichts zum Reputationsrisiko, zum 

operationellen Risiko sowie zum Liquiditätsrisiko münden in folgende Konklusio-

nen, die sich ausdrücklich auf die Protokolle der relevanten Gremien abstützen:  

„Based on our review, which consisted of reading meeting minutes, reading policies and the risk 

landscape as well as interviews with the management, nothing came to our attention that would 

lead us to belive that the controls and processes in place are not adequate to mitigate potential 

reputation risk events.” (BA pag. B13.1.2-15). 

“Based on our review, which consisted of reading meeting minutes, reading policies and the risk 

landscape as well as interviews with the management, nothing came to our attention that would 

lead us to belive that the design and the effectiveness of controls are not adequate and sufficient 

internal processes are not in place to identify and monitor operational risk.” (BA pag. B13.1.2-18). 

“Based on our review consisting of reading meeting minutes, reading policies and the risk land-

scape as well as interviews with management nothing came to our attention that would lead us to 

belive that the design and the effectiveness of controls are not adequate and sufficient internal 

processes are in place to identify and monitor liquidity risks.” (BA pag. B13.1.2-19). 

Der Beschuldigte unterzeichnete den Regulatory Audit Report vom 26. Septem-

ber 2011, dessen Entwurfsversion bereits Ende August 2011 vorlag (BA pag. 

12.5-134; 12.5-25; 12.5-19). Das Protokoll des Verwaltungsrates vom 29. Juni 

- 16 - 

2011 (E. 2.3.6), indem das Projekt „F.“ besprochen wurde, fiel somit in die Prüf-

periode für den Regulatory Audit Report 2010/2011 (BA pag. 3.0-9; 12.5-154 f.). 

2.3.9 Traktanden für das FINMA-Meeting vom 19. September 2011 

Mit E-Mail von JJ., Aufsicht bei der FINMA für Vermögensverwaltungsbanken 

und Effektenhändler, Geschäftsbereich Banken, wurden unter anderem dem Be-

schuldigten die Traktanden für das FINMA-Meeting vom 19. September 2011 zu-

gestellt. Den Traktanden ist zu entnehmen: „Strategische IT-Entscheidung zum 

Kernbankensystem (Hintergründe für den Entscheid, finanzielle Auswirkungen, 

wesentliche Risiken, geplante Investitionen, Strategie zur Ablösung der beste-

henden Plattform).“ (BA pag. 12.6-105). 

2.3.10 FINMA-Meeting vom 19. September 2011 

Schliesslich wurde das geplante Übernahmeprojekt der Bank D. betreffend die 

Bank C. („F.“) auch am Meeting mit der FINMA vom 19. September 2011 – einen 

Tag bevor der Beschuldigte begann, Kaufaufträge für die Aktien der Bank C. zu 

platzieren – thematisiert (BA pag. 3.0-9; 13.1-95-100; B13.1.2-45-51; E. 2.3.11). 

Der Beschuldigte war als leitender Revisor der Bank D. an diesem Meeting an-

wesend (BA pag. 13.1-95). Im Protokoll (Minutes) der FINMA wurde unter ande-

rem folgendes festgehalten: 

„Margen-/Kostendruck, geplante und mögliche Massnahmen 

(…) 

M&A 

Die Bank D. informierte, dass sie eine grössere Übernahme plane und in Verhandlungen betreffend 

dem Kauf einer grösseren Bank im Private Banking sind.“ (BA pag. B13.1.2-47; 12.6.108). 

„Strategische IT-Entscheidung zum Kernbankensystem (Hintergründe für den Entscheid, finanzi-

elle Auswirkungen, wesentliche Risiken, geplante Investitionen, Strategie zur Ablösung der beste-

henden Plattform. 

(…) 

Die Bank D. informierte uns, dass sie entschieden habe, sich mittelfristig von ihrer Plattform zu 

trennen. Da sie jedoch zur Zeit plane eine grössere Übernahme zu machen, habe man sich ent-

schieden mit dem Projekt zuzuwarten (die Bank D. erachtet es als realistisch, dass die Bank D. auf 

die Systeme der neuen Bank wechsle).“ (BA pag. B131.2-47 f.). 

„Besetzung Funktion Global Head of Risk 

Die Bank D. hat sich grundsätzlich für den internen Kandidaten entschieden. Wird jedoch die allen-

falls ausstehende Übernahme abwarten, bevor sie dies kommuniziert.“ (BA pag. B13.1.2-50). 

- 17 - 

2.3.11 Chronologie der Aktienkäufe und Buchgewinn 

Einen Tag nach dem FINMA-Meeting vom 19. September 2011 (E. 2.3.10) er-

teilte der Beschuldigte am 20. September 2011 der Bank C. telefonisch einen 

Kaufauftrag betreffend 2‘000 Namenaktien der Bank C. (BA pag. B07.101.2.1.V-

73-83). Der Kaufauftrag beinhaltete, die Namenaktien der Bank C. an der SIX 

Swiss Exchange in Zürich zu kaufen (TPF pag. 50.100.7). Seine Bank buchte am 

22. September 2011 2‘000 Namenaktien der Bank C. zu Fr. 25.20 ins Depot (BA 

pag. B07.101.2.1.V-73-76, 81). Das Konto wurde mit Fr. 50‘855.52 belastet (BA 

pag. B07.101.2.1.V-73, 81; TPF pag. 50.100.7). Am 22. September 2011 erteilte 

der Beschuldigte der Bank C. telefonisch einen weiteren Kaufauftrag betreffend 

2‘000 Namenaktien der Bank C. (BApag. B07.101.2.1.V.73, 77 f., 82-84). Eine 

Teilausführung über 490 Namenaktien der Bank C. erfolgte am 22. September 

2011 zu Fr. 25.15, wobei dem Konto Fr. 12‘484.74 belastet wurden (BA pag. 

B07.101.2.1.V-73, 77, 82, 84). Am 23. September 2011 erfolgte eine Restaus-

führung über 1‘510 Namenaktien der Bank C. zu einem Preis von Fr. 25.15 (BA 

pag. B07.101.2.1.V-73, 78, 83 f.). Das Konto des Beschuldigten wurde bei dieser 

Transaktion mit Fr. 38‘320.29 belastet (BA pag. B07.101.2.1.V-78, 83; TPF pag. 

50.100.7).  

Einen Tag nachdem die Bank D. die B. AG und den Beschuldigten offiziell in das 

Projekt F. involviert hatte (siehe unten, E. 2.3.13; TPF pag. 50.731.6), gab der 

Beschuldigte am 27. September 2011 die Stornierung aller vorgängigen Käufe 

von Aktien der Bank C. aus dem Konto von KK. und A. sowie die Umbuchung 

der Käufe der Namenaktien der Bank C. auf das Konto von LL. und MM. (Kinder 

des Beschuldigten) bei der Bank C. (Konto-Nr. 1) in Auftrag (BA pag. 

B07.101.2.1.V-84-89; B07.101.1.1.1-107-111). Auf der Bankverbindung seiner 

Kinder realisierte der Beschuldigte bei Veröffentlichung des Übernahmeprojekts 

Fr. 29‘073.20 in Form eines Buchgewinns auf den 4‘000 Namenaktien der 

Bank C.. Ab der Bankverbindung seiner Kinder veräusserte der Beschuldigte am 

26. März 2012 die 4‘000 Namenaktien der Bank C. zu einem Preis von 

Fr. 112‘228.06 (TPF pag. 50.100.8).  

2.3.12 Kenntnisnahme der Protokolle des Verwaltungsrates der Bank D. 

Gemäss Schreiben der Bank D. vom 13. März 2017 hatte die B. AG grundsätzlich 

zweimal im Jahr Einsicht in die Protokolle des Verwaltungsrates, jeweils im Juli 

und Dezember/Januar (BA pag. 7.110-12). 

- 18 - 

2.3.13 Formelle Involvierung der B. AG und des Beschuldigten in das Übernahmepro-

jekt „F.“ 

Am 26. September 2011 wurde die B. AG und der Beschuldigte erstmals offiziell 

durch die Bank D. in das Übernahmeprojekt „F.“ involviert (TPF pag. 50.720.7; 

50.731.6, 15). Der CFO der Bank D., HH., kontaktierte den Beschuldigten, um 

sich über eine mögliche Involvierung der B. AG als Revisor und Prüfstelle der 

Bank D. im Projekt zu erkundigen (BA pag. 7.110-9; 3.0.10). 

2.3.14 Bekanntgabe des Übernahmeprojekts 

Die öffentliche Bekanntgabe des Übernahmeprojekts erfolgte am 13. Oktober 

2011 (E. 3.4.1.3; BA pag. 11.0-53; 7.110.15). Am 13. Oktober 2011 bestätigte 

die Bank C. im Rahmen einer vorbörslichen Ad-hoc-Meldung, dass zwischen der 

Bank E. und mehreren Interessenten Gespräche im Gange seien, die den Abbau 

der Beteiligungen der Bank E. an der Bank C. zum Gegenstand hätten (BA pag. 

11.0-53; 3.0-4 m.w.H.). Zu einem Abschluss des Übernahmeprojekts durch die 

Bank D. kam es nie. Letztlich übernahm nicht die Bank D. die Bank C., sondern 

die Bank G. (TPF pag. 50.100.8; E. 2.3.1). 

2.3.15 Kursentwicklung 

Im Anschluss an die Bekanntgabe des Übernahmeprojektes (E. 2.3.14) stieg der 

Kurs der Aktie der Bank C. im Laufe des Handelstages vom 13. Oktober 2011 

von Fr. 28.50 (Schlusskurs 12. Oktober 2011) um 15.3% auf Fr. 32.85 zum Bör-

senschluss (Schlusskurs 13. Oktober 2011) an (BA pag. 23.100-4: 50.100.8). 

2.4 Aussagen 

2.4.1 Der Beschuldigte wurde am 23. Oktober 2017 und 20. Dezember 2017 durch die 

Bundesanwaltschaft einvernommen (BA pag. 13.1-1, -115). Er machte im We-

sentlichen geltend, er habe über keine Insiderinformationen verfügt. In Bezug auf 

die Anlageentscheidung zum Kauf der Aktien der Bank C. am 20. und 22. Sep-

tember 2011 sagte er aus, dass er diese gemeinsam mit seinen Kindern getroffen 

habe, gestützt auf Beobachtungen, wonach sich der Kurs der Aktie der Bank C. 

seit 2010 halbiert habe und aufgrund der Erkenntnisse aus einer Studie zum Pri-

vate Banking, welche die B. AG gemeinsam mit der III. erstellt habe (BA 

pag. 13.1-16; 13.1-102). Die Studie habe gezeigt, dass die Aktie der Bank C. un-

terbewertet gewesen sei (BA pag. 13.1-16). Auf Vorhalt der Stornierung der Ak-

tienkäufe vom 20. und 22. September 2011 (BA07.101.2.1.1-279, -283) sagte er 

aus, dass die Aktienkäufe auf das falsche Konto gemacht worden seien. Nicht er 

habe storniert, sondern die Bank C. (BA pag. 13.1-42). In Bezug auf die Stornie-

rung der Aktienkäufe und die Umbuchung der Käufe auf das Konto 1, lautend auf 

- 19 - 

seine Kinder, sagte er aus, er habe für dieses Konto eine Vollmacht (BA pag. 

13.1-43 f.). 

An der Hauptverhandlung vom 25. Juli 2018 wurde der Beschuldigte insbeson-

dere dazu befragt, ob er als leitender Revisor der Bank D. in Bezug auf die ge-

plante Übernahme der Bank C. über Insiderinformationen verfügt habe. Er sagte 

aus, dass er als Partner der B. AG und leitender Revisor für das Mandat der 

Bank D. zuständig gewesen sei (TPF pag. 50.731.5). Er habe aber als Revisor 

in die Protokolle des Verwaltungsrates und Verwaltungsratsausschusskom-

mitees der Bank D. nicht selber Einsicht genommen, obwohl er Zugriff gehabt 

habe (TPF pag. 50.731.5). Er habe durch einen Telefonanruf vom CFO HH. von 

der Bank D. vom 26. September 2011 vom Projekt „F.“ (gemeint: Übernahme-

projekt der Bank D. betreffend die Bank C.) erfahren (TPF pag. 50.731.6). Er 

habe vorher keine Kenntnis vom Projekt „F.“ gehabt. Er habe keine Anhalts-

punkte gehabt, dass die Bank D. eine Offerte abgeben würde (TPF pag. 

50.731.6). 

In der Folge wurde der Beschuldige vom Einzelrichter mit den relevanten Be-

weismitteln zur geplanten Übernahme der Bank C. durch die Bank D. konfron-

tiert. Auf Vorhalt der E-Mail von einem in Zürich tätigen B. AG Partner vom 

20. Mai 2011 (E. 2.3.4.1) sagte er aus, dass es immer wieder Zeitungsartikel ge-

geben habe, wonach die Bank C. möglicherweise zum Verkauf stehe (TPF pag. 

50.731.6). Das sei „public information“, was er per E-Mail erhalten habe (TPF 

pag. 50.731.7). Zu den vorgelegten Auszügen der beiden Verwaltungsratsproto-

kolle der Bank D. vom 29. Juni 2011 im Zusammenhang mit dem Projekt „F.“ 

(E. 2.3.6) sagte er aus, dass er von diesen Protokollen bis ungefähr 20./21. Ok-

tober 2011 keine Kenntnis gehabt habe (TPF pag. 50.731.7 f.). Er sei nur an 

Sitzungen des Audit-Kommitees anwesend gewesen (TPF pag. 50.731.7). Die 

B. AG habe mit der Bank D. eine Vereinbarung gehabt, wonach sie zwei- bis 

dreimal pro Jahr die Protokolle habe anschauen können (TPF pag. 50.731.8). Er 

habe aber nie irgendwelche Protokolle erhalten. Am 20./21. Oktober 2011 sei es 

publik gewesen, dass die Bank D. ein Angebot unterbreitet habe. In Bezug auf 

den vorgelegten Auszug aus dem Protokoll des Ad-hoc-IT-Commitees (Verwal-

tungsratsausschusskommitee der Bank D.) vom 31. August 2011 (E. 2.3.7) will 

er gar keine Kenntnis gehabt haben (TPF pag. 50.731.8). Auf Vorhalt des Schrei-

bens der Bank D. vom 23. Oktober 2017 (E. 2.3.7) wiederholte er, dass er erst 

durch das Telefonat von HH. der Bank D. am 26. September 2011 über das Über-

nahmeinteresse der Bank D. Bescheid gewusst habe (TPF pag. 50.731.9). Der 

Beschuldigte bestätigte, dass er den Regulatory Audit Report 2010/2011 vom 

26. September 2011 unterschrieben habe (TPF pag. 50.50.731.9). Die Ereig-

nisse nach dem 30. Juni 2011 seien nicht Gegenstand des Regulatory Audit Re-

port gewesen (TPF pag. 50.731.10). Zur Aussage des Zeugen NN. (zusammen 

- 20 - 

mit dem Beschuldigten im Revisionsteam der B. AG betreffend die Bank D. [BA 

pag. 12.6-12]) vom 5. Februar 2018, wonach die B. AG im 3. Quartal 2011 im 

Hinblick auf die Übernahme der Bank C. eine Prüfung der Kapitaldecke durchge-

führt habe und der Beschuldigte darüber im Bilde gewesen sei (BA pag. 12.6-

159), sagte er aus, das müsse er ganz klar zurückweisen (BA pag. 50.731.10). 

In Bezug auf das Meeting der Bank D. mit der FINMA vom 19. September 2011 

sagte er aus, dass es glaublich eine Bemerkung gegeben habe, dass die Bank D. 

im Moment mit dem IT-Projekt abwarte, weil sie eine Privatbank anschaue (TPF 

pag. 50.731.11). Auf Vorhalt des Protokollauszugs vom FINMA-Meeting, wonach 

die Bank D. eine grössere Übernahme plane und in Verhandlungen betreffend 

den Kauf einer grösseren Bank im Private Banking sei (E. 2.3.10; BA pag. 

B13.1.2-47), sagte er aus, er könne nicht irgendwelche konkreten Hinweise dar-

aus entnehmen. Er habe in diesem Moment nicht gewusst, um welche Bank es 

sich gehandelt habe (TPF pag. 50.731.11). Auf Frage zu seinem Investitionsent-

scheid bzw. gestützt auf welche Informationen er die Aktienkäufe am 20. und 

22. September 2011 getätigt habe, sagte der Beschuldigte aus, dass er die Käufe 

gestützt auf eine Studie gemacht habe (TPF pag. 50.731.13). Sie hätten in der 

Studie festgestellt, dass die Bank C. stark unterbewertet gewesen sei (TPF pag. 

50.731.13). Es habe keinen Zusammenhang gehabt, dass er einen Tag nach 

dem FINMA-Meeting vom 19. September 2011, bei welchem die Übernahme 

einer grösseren Bank thematisiert worden sei, am 20. September 2011 Aktien 

der Bank C. gekauft habe, obwohl er vor September 2011 noch nie Aktien der 

Bank C. gekauft habe (TPF pag. 50.731.14). Auf Frage, warum er am 27. Sep-

tember 2011 die Stornierung aller vorgängigen Aktienkäufe von Aktien der 

Bank C. auf dem Konto von KK. (Ehefrau) und ihm selbst sowie die Umbuchung 

auf das Konto von LL. und MM. (Kinder) bei der Bank C. in Auftrag gegeben 

habe, sagte er aus, nicht er selber habe die Stornierung initiiert, sondern die Bank 

(TPF pag. 50.731.14). Am 20. September 2011 habe kein Übernahmeangebot 

bestanden (TPF pag. 50.731.15). Der Beschuldigte verneinte die Frage, dass er 

im Zeitpunkt des Aktienerwerbs aufgrund seiner beruflichen Stellung konkrete 

Hinweise gehabt habe, dass es öffentlich werden könnte, dass die Bank D. Inte-

resse habe, die Bank C. zu akquirieren. Die Mitarbeiter der B. AG hätten die Pro-

tokolle erst am 20./21. Oktober 2011 eingesehen (TPF pag. 50.731.15). 

2.4.2 Am 5. Februar 2018 sagte der Zeuge NN. bei der Bundesanwaltschaft aus, er sei 

im Prüfteam des Beschuldigten bei der B. AG gewesen (BA pag. 12.6-12). Der 

Beschuldigte sei im Team leitender Revisor gewesen. Auf Vorhalt eines Eintrags 

auf CC. L.P. vom 26. August 2011 sagte er aus, dass es Ende Mai 2011 Speku-

lationen zu einer Übernahme gegeben habe (BA pag. 12.6-158). Die B. AG habe 

bei der Bank D. im 3. Quartal 2011 im Hinblick auf eine Übernahme der Bank C. 

eine Prüfung der Aktienkapitaldecke durchgeführt. Der Zeuge bestätigte, dass 

der Beschuldigte darüber „im Bilde“ gewesen sei (BA pag. 12.6-158 f.). 

- 21 - 

2.4.3 Am 19. Januar 2018 sagte der Zeuge OO. aus, der Beschuldigte sei sein Chef 

bei der B. AG gewesen (BA pag. 12.5-9). Auf Frage, ob am 23. August 2011 

bereits eine Version des Regulatory Reports vorgelegen habe, sagte er aus: „Ja, 

ein Teil“. Ende September 2011 habe der Bericht rausgehen müssen. Es habe 

eine Vorlaufzeit gebraucht, weil der gesamte Bericht im Entwurf an die Bank zur 

Stellungnahme gegangen sei (BA pag. 12.5-134). Auf Vorhalt des Protokolls vom 

FINMA-Meeting vom 19. September 2011 (E. 2.3.10), wonach die Bank D. infor-

miert habe, dass sie eine grössere Übernahme plane und in Verhandlungen be-

treffend den Kauf einer grösseren Bank im Private Banking sei, sagte der Zeuge 

auf Frage, welche Bank hier gemeint sei, wiederholt aus (BA pag. 12.5-164): „Da 

kann nur Bank C. gemeint sein“ (BA pag. 12.5-165). Auf Vorhalt eines Auszugs 

vom gleichen Protokoll, wonach sich die Bank D. für den internen Kandidaten 

entschieden habe, sagte der Zeuge aus: „Ja also, wenn’s so steht, kann ich mir 

nur die Bank C. vorstellen“ (BA pag. 12.5-165). 

3. Tatsächliche und rechtliche Würdigung 

3.1 Unbestrittener Sachverhalt 

Der äussere Sachverhalt (E. 2.3) ist unbestritten. Die Effektentransaktionen vom 

20. und 22. September 2011 sind in objektiver Hinsicht erstellt. Umstritten ist in 

tatsächlicher Hinsicht lediglich, auf wessen Namen bzw. Konten die Käufe erfolgt 

sind bzw. hätten erfolgen sollen. Diesem Umstand kommt indessen bei der recht-

lichen Würdigung vorliegend keine Relevanz zu, da der Beschuldigte an sämtli-

chen Konten wirtschaftlich berechtigt war. Er verfügte über eine Vollmacht und 

transferierte von seinen Konten Buchgeld darauf.  

3.2 Insiderstatus 

Zum möglichen Täterkreis des Sonderdelikts nach Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB 

gehören neben Mitgliedern des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung auch 

ausdrücklich Mitglieder der Revisionsstelle (E. 2.2). Der Beschuldigte war vom 

7. Dezember 2007 bis 30. Januar 2014 als Revisionsexperte zugelassen (BA 

pag. 11.0-3). Gemäss Geschäftsbericht war er von 2007 bis 2011 leitender Re-

visor der Bank D. (BA pag. 11.0-21). Als leitender Revisor der Bank D. bzw. zu-

handen der FINMA gehörte der Beschuldigte unbestrittenermassen zum mögli-

chen Täterkreis dieser Primärinsidertatbestandsvariante (PETER, a.a.O., Art. 161 

StGB N. 19). Als Primärinsider nach Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB war er im Tat-

zeitpunkt Träger vertraulicher Tatsachen. Unbedeutend ist dabei, dass der Han-

del mit Aktien des Zielobjekts bzw. der Bank C. stattfand. Im Falle einer geplan-

- 22 - 

ten Übernahme sind die Organe beider Gesellschaften als Insider erfasst, unab-

hängig davon, ob sie Geschäfte mit den Effekten der eigenen oder der anderen 

Unternehmung tätigen (LEUENBERGER, Die materielle kapitalmarktstrafrechtliche 

Regulierung des Insiderhandels de lege lata und de lege ferenda in der Schweiz, 

Zürich/St. Gallen 2010, S. 306). 

3.3 Taugliches Angriffsobjekt 

Gegenstand des Insiderdelikts nach Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB sind unter an-

derem börslich in der Schweiz gehandelte Aktien (PETER, a.a.O., Art. 161 StGB 

N. 23). Diese Voraussetzung ist bei den in Frage stehenden Effekten erfüllt. Die 

Namenaktie der Bank C. war in der angeklagten Zeit an der Schweizer Börse SIX 

Swiss Exchange AG kotiert. Sie ist somit ein taugliches Angriffsobjekt nach 

Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB. 

3.4 Objektiver Tatbestand 

3.4.1 Insiderinformation 

3.4.1.1 Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB verlangt zunächst als Tatbestandsvoraussetzung 

das Vorliegen eines Tatobjekts in Form einer Insiderinformation. Eine Insiderin-

formation liegt bei einer vertraulichen Information bzw. Tatsache vor, die der Pri-

märinsider im Rahmen seiner Stellung erlangt hat.  

3.4.1.2 Als vertraulich gilt eine Information, wenn sie nicht allgemein, sondern nur einem 

beschränkten Personenkreis bekannt ist (MICHAEL TRIPPEL/GUIDO URBACH, in: 

Watter/Vogt [Hrsg.], Basler Kommentar zum Börsengesetz, 2. Aufl., Basel 2011, 

Art. 161 StGB N 25). Sie ist hingegen nicht vertraulich, wenn das Börsenpublikum 

davon – durch eine offizielle Information oder auf andere Art und Weise – Kennt-

nis hat. Die Vertraulichkeit einer Tatsache bzw. Information endet, wenn sie "de 

manière presque certaine, par un cercle élargi d'acteurs boursières" bekannt ist 

(BGE 118 Ib 448 E. 6b/aa) oder „wenn ein Dritter sie erlangen könnte, wenn auch 

nur mit Anstrengung“ (Urteil des Bundesgerichts 2A.230/1999 vom 2. Februar 

2000 E. 6.b m.w.H.; PETER, a.a.O., Art. 161 StGB N. 32). 

Es ist erwiesen, dass es sich beim Projekt, die Bank C. zu akquirieren, zum da-

maligen Zeitpunkt um eine vertrauliche Information gehandelt hat. So wurde in 

Bezug auf das Übernahmeprojekt eine Stillschweigevereinbarung zwischen der 

Bank D. und der Bank E. geschlossen. Auch der von der Bank D. für das Über-

nahmeprojekt verwendete Codename „F.“ spricht für die Vertraulichkeit. Die in 

den Medien im Frühling/Sommer 2011 kolportierten Gerüchte über Übernahme-

absichten der Bank D. (E. 2.3.4.1-2.3.4.5) waren nicht hinreichend konkret, dass 

sie die Vertraulichkeit des Projekts aufgehoben hätten (E. 3.4.4.1).  

- 23 - 

3.4.1.3 Zu prüfen bleibt, ab welchem Zeitpunkt die Information nicht mehr vertraulich war.  

Als Tatsache gelten nicht nur eingetretene Ereignisse, sondern auch Absichten, 

Pläne und künftige Entwicklungen (BA pag. 11.0-19). Tatsachen im Insiderstraf-

recht können auch in Form von Plänen und Absichten bestehen, unabhängig von 

einer zukünftigen Realisierung. Ferner gelten auch laufende Verhandlungen, un-

abhängig von ihrem Fortschritt, als Tatsachen (KOENIG, Das Verbot von Insider-

handel, Zürich 2006, S. 164; vgl. LEUENBERGER, a.a.O., S. 350 f.; BA pag. 11.0-

19). 

Vorliegend erschien am 12. Oktober 2011 in einer Zeitung ein Artikel, wonach 

die Bank D. der Bank E. ein Angebot für das Aktienpaket der Bank C. unterbreitet 

habe (E. 2.3.4.5). Der betreffende Artikel beruft sich auf einen anonym bleiben-

den Zürcher Investmentbanker. Insoweit handelte es noch um die Kolportage ei-

nes Gerüchts. Auch noch keine konkrete Bestätigung war die Aussage des Spre-

chers der Bank D. am Abend des 12. Oktobers 2011, der die Bank C. als inte-

ressant und gut passend zur Bank D. charakterisierte (E. 2.3.4.5). Erst mit der 

Ad-hoc-Mitteilung der Bank C. vom 13. Oktober 2011 – in Verbindung mit der 

vortägigen Meldung über die Übernahmeabsichten der Bank D. – wurde die In-

formation der im Gange befindenden ernsthaften Verkaufsverhandlungen zwi-

schen der Bank E. und potentiellen Käufern offiziell bestätigt. Die öffentliche Be-

kanntgabe der vertraulichen Tatsache erfolgte somit unbestrittenermassen am 

13. Oktober 2011, machte doch der Beschuldigte in seiner Eingabe vom 5. Juni 

2018 geltend, nicht die Meldung vom 12. Oktober 2011, sondern die europaweit 

kommunizierte Bestätigung der Bank C. vom 13. Oktober 2011 habe den Kurs-

anstieg der Namenaktie der Bank C. verursacht (TPF pag. 50.521.5). Die Ad-

hoc-Mitteilung der Bank C. vom 13. Oktober 2011 betrifft zweifelsohne eine Tat-

sache. Die Tatsache, dass die Bank D. der Bank E. ein Übernahmeangebot be-

treffend Bank C. machen würde, war in der Öffentlichkeit bis zur erwähnten Mit-

teilung vom 13. Oktober 2011 nicht bekannt. Die diesbezügliche Information war 

somit bis zu diesem Zeitpunkt vertraulich.  

3.4.2 Insidertransaktion sowie Kursentwicklung  

In Bezug auf die unbestrittene Chronologie der Aktienkäufe sowie die Kursent-

wicklung kann auf die Erwägungen 2.3.11 sowie 2.3.15 verwiesen werden.  

3.4.3 Voraussehbarkeit einer erheblichen Kursveränderung 

3.4.3.1 Qualitativ wird weiter vorausgesetzt, dass die vertrauliche Information kursrele-

vant ist, d.h. voraussichtlich bei ihrem Bekanntwerden geeignet ist, den Aktien-

kurs erheblich zu beeinflussen (Botschaft zur Änderung des Schweizerischen 

Strafgesetzbuches [Streichung von Art. 161 Ziff. 3 StGB] vom 8. Dezember 2006; 

- 24 - 

BBl 2007 444). Massgebend für die Beurteilung des Kursbeeinflussungspotenti-

als ist eine objektivierende Betrachtungsweise ex ante. Sowohl die Vorausseh-

barkeit als auch die Erheblichkeit des Kurssprungs müssen unter dem damaligen 

Wissensstand des Insiders im Zeitpunkt der Tat unter einer objektivierenden Be-

trachtungsweise ex ante nachgewiesen sein. Im Zeitpunkt der Tat müssen für 

den Insider sowohl die Ausschlagrichtung (nach oben oder unten) als auch deren 

Intensität in groben Zügen vorhersehbar sein (Urteil des Bundestrafgerichts 

SK.2015.14 vom 1. Juli 2015 E. 7.3; PETER, a.a.O., Art. 161 StGB N. 33).  

3.4.3.2 Die Frage der Erheblichkeit der Kursveränderung wird in der Doktrin kontrovers 

diskutiert. Im älteren Schrifttum wird das Merkmal der erheblichen Kursbeeinflus-

sung mittels prozentualer Grenzwerte konkretisiert. Bei Aktien wird, je nach Lehr-

meinung, eine zu erwartende Kursänderung von 5-10%, 10-20% oder mindes-

tens 20% verlangt; bei Optionen und Obligationen wird wegen der höheren resp. 

niedrigeren Volatilität von höheren resp. tieferen Schwellenwerten ausgegangen 

(Nachweise bei SETHE/FAHRLÄNDER, in: Sethe et al. [Hrsg.], Kommentar FinfraG, 

Basel/Genf 2017, Art. 2 lit. j FinfraG N. 52; PETER, a.a.O., Art. 161 StGB N. 33; 

LEUENBERGER, a.a.O., 352 f.). Dieser Ansatz vermag indes nicht zu überzeugen. 

Zunächst können in Prozenten gefasste Richtwerte dem Umstand nicht Rech-

nung tragen, dass verschiedene Wertpapiere auch innerhalb einer Gattung un-

terschiedliche Volatilitäten aufweisen. So fallen etwa Kursschwankungen von 

umsatzstarken Aktien grosser Unternehmen (sog. „Blue Chips“) im Vergleich zu 

den Aktien mit kleinerem Handelsvolumen in der Regel geringer aus. Bei solchen 

Gesellschaften hat selbst ein offensichtlich kursrelevantes Ereignis wie eine be-

vorstehende Fusion in Bezug auf den Aktienkurs nicht zwingend eine ziffernmäs-

sig grosse Kursschwankung zur Folge. Indes sind die diesbezüglichen Auswir-

kungen auf Optionen aufgrund der diesen zugrunde liegenden Hebelwirkung 

sehr gross. Gegen die Verwendung fester Prozentsätze spricht sodann, dass die 

Kursrelevanz aus der ex ante-Perspektive beurteilt werden muss. Eine präzise 

prozentmässige Prognose einer künftigen Kursentwicklung ist aber faktisch un-

möglich. Richtigerweise ist daher die Kursrelevanz in Anlehnung an das US-ame-

rikanische Insiderrecht nach dem sog. Reasonable Investor Test zu beurteilen, 

wie es in der neueren Lehre vermehrt gefordert wird: Demnach ist die Kursrele-

vanz gegeben, wenn ein vernünftiger Anleger die Information mit erheblicher 

Wahrscheinlichkeit als Teil der Grundlage seiner Anlageentscheidung nutzen 

würde (SETHE/FAHRLÄNDER, a.a.O., Art. 2 lit. j FinfraG N. 53, 58 ff.; LEUENBER-

GER, a.a.O., 349; KOENIG, a.a.O., S. 174 f.; WOLFGANG WOHLERS, Insiderrechtli-

che Schranken für die Offenlegung von Informationen im Rahmen von Firmen-

übernahmen und beim Pakethandel, in: Sethe Rolf [Hrsg.], Festschrift für Rolf H. 

Weber zum 60. Geburtstag, 2011, 398; Urteile des Bundesstrafgerichts 

SK.2017.19 vom 19. Dezember 2017 E. 4.6; SK.2015.14 vom 1. Juli 2015 E. 7.3).  

- 25 - 

3.4.3.3 Als vertrauliche Insiderinformation umschreibt die Anklage die Information, dass 

die Bank D. im Rahmen des Projekts „F.“ mit der Bank E. Gespräche betreffend 

die Übernahme der Bank C.-Aktienanteile führte. 

Mit Eingabe vom 5. Juni 2018 bestritt der Beschuldigte die Kursrelevanz der In-

formation der Bank C. vom 12. Oktober 2011 (TPF pag. 50.521.5 f.). Er machte 

geltend, dass erst die Information der Bank C. vom 13. Oktober 2011, dass meh-

rere Interessenten am Aktienpaket interessiert seien, kursrelevant gewesen sei 

(TPF pag. 50.521.5). Der Kursanstieg der Namenaktie der Bank C. sei aber nicht 

voraussehbar gewesen (TPF pag. 50.521.6).  

3.4.3.4 Dass die öffentliche Bekanntgabe einer konkreten Übernahmeabsicht durch eine 

solvente und seriöse Bank zu einem Kursanstieg führt, ist notorisch. Die Bank D. 

war finanzstark und solid. Bei der Bank D. und Bank C. handelte es sich im Tat-

zeitpunkt um zwei renommierte und gewichtige Unternehmungen im Finanz-

marktbereich. Für einen verständigen Anleger war somit unter vorliegenden Um-

ständen voraussehbar, dass das Bekanntwerden von Übernahmeabsichten 

einen erheblichen Kursanstieg in den Titel der Bank C. auslösen könnte, zumal 

das Aktienpaket der Bank E. mehr als 2/3 der Stimmrechte der Bank C. enthielt. 

Ein verständiger Anleger würde die diesbezügliche Information mit erheblicher 

Wahrscheinlichkeit für einen Anlegeentscheid nutzen. Zudem war der Aktienkurs 

der Bank C. wegen des sog. Steuerstreits mit den USA im Verlauf des Vorjahres 

erheblich gefallen. Damit ist die Information über laufende Gespräche der 

Bank E. mit der Bank D. bzw. mehreren Interessenten im Hinblick auf den Ver-

kauf der Mehrheitsanteile an der Bank C. zum Zeitpunkt der inkriminierten Effek-

tentransaktionen bei der massgeblichen ex ante-Betrachtung (vgl. E. 3.4.3.2) als 

kursrelevant zu qualifizieren.  

Aufgrund der regulatorischen Vorgaben war auch voraussehbar, dass das Öf-

fentlich-werden einer solchen Information eine Ad-hoc-Mitteilung der betroffenen 

Bank C. auslösen würde. Angesichts der Umstände erscheint auch der Inhalt der 

Mitteilung – die Rede ist von mehreren Kaufinteressenten – im Rahmen des Sze-

narios, das sich ein erfahrener Anleger vorstellen würde. Wäre es doch realitäts-

fremd, dass ein Verkäufer eines solchen Aktienpakets lediglich mit einem Kauf-

interessenten verhandelt. Insoweit war die betreffende Information – die ernst-

hafte Akquisitionsbestrebung der Bank D. – für sich alleine genommen schon 

kursrelevant. Auch wurden mit dem Kursanstieg von über 15% selbst die relativ 

hohen Schwellenwerte, die von einem Teil der Lehre für die Kursrelevanz vo-

rausgesetzt werden, klar überschritten. Mithin handelte es sich bei der inkrimi-

nierten Information – bei massgeblicher ex ante Betrachtung – um eine Informa-

tion, die ein verständiger Anleger bei seinem Anlageentscheid mit hoher Wahr-

scheinlichkeit berücksichtigt.  

- 26 - 

3.4.4 Kenntnis einer kursrelevanten Tatsache 

3.4.4.1 Grundlage jedes Insiderdelikts ist die Kenntnis einer kursrelevanten Tatsche, aus 

der sich die notwendigen Schlüsse über die Kursrelevanz mit einiger Wahr-

scheinlichkeit ziehen lassen, was bei blossen Gerüchten und Spekulationen oder 

unverbindlichen ersten unverbindlichen Sondierungsplänen nicht der Fall ist. Die 

Kenntnis muss klar und sicher sein (PETER, a.a.o., Art. 161 StGB N. 29).  

3.4.4.2 Vom Beschuldigten wird in Abrede gestellt, in Kenntnis von Insiderinformationen 

die inkriminierten Effektenhandelstransaktionen getätigt zu haben (statt vieler: 

TPF pag. 50.731.5, -15; BA pag. 13.1-1, -115). Der Kaufentscheid betreffend die 

Aktien der Bank C. erklärt er im Wesentlichen damit, dass er die Aktien aufgrund 

einer Studie der B. AG und der III. als unterbewertet eingeschätzt habe. Von den 

im Gang befindlichen ernsthaften Akquisitionsbemühungen seitens der Bank D. 

will er demgegenüber keine Kenntnis gehabt haben. 

3.4.4.3 Da die objektiven Fakten bezüglich der von der Anklage umfassten Kaufvor-

gänge der Effekten unbestritten sind, wird auf dessen Basis gewürdigt, ob der 

Beweis erbracht ist, dass der Beschuldigte in Kenntnis der Übernahmegespräche 

zwischen der Bank D. und der Bank E. betreffend Aktien der Bank C. die inkrimi-

nierten Effektentransaktionen getätigt hat.  

3.4.4.4 Der Nachweis kann mittels direkten oder indirekten Beweises erbracht werden. 

Bei Letzterem (sog. Indizienbeweis) wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht 

unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu bewei-

sende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von 

Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

die Täterschaft oder die Tat hinweisen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild er-

zeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich 

der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_1427/2016 

vom 27. April 2017 E. 3 m.w.H.).  

Direkte Sach- oder Personalbeweise, dass der Beschuldigte von der Insiderin-

formation in Form des Projekts „F.“ Kenntnis hatte, liegen nicht vor. Mangels di-

rekter Beweise bedarf es somit zum Nachweis der Kenntnisnahme einer Indi-

zienkette, die in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das Zweifel ausschliesst, 

dass der Beschuldigte über diesbezügliche konkrete Informationen verfügt hatte, 

bevor er die inkriminierten Transaktionen in Auftrag gab.  

3.4.4.5 Der Verdacht, dass der Beschuldigte in Kenntnis von Insiderinformationen die 

Effektenkäufe tätigte, stützt sich auf folgende Indizien: 

- 27 - 

a) Der Beschuldigte hat nachweislich am 20. Mai 2011 von einem Mitarbeiter der 

B. AG eine einschlägige E-Mail erhalten (E. 2.3.4.1). In dieser E-Mail werden die 

öffentlich kolportierten Verkaufsabsichten der Bank E. erwähnt und auf die Ge-

rüchte in Bankkreisen hingewiesen, wonach die Bank D. ernsthafte Kaufverhand-

lungen betreffend das Aktienpaket der Bank C. führe. Diese E-Mail vermag kei-

nen Nachweis zu erbringen, dass der Beschuldigte in seiner Funktion als leiten-

der Revisor Kenntnis über die Insidertatsache erhalten hatte. Doch die E-Mail 

weist nach, dass er Kenntnis über entsprechende Gerüchte zur Übernahme der 

Bank C. durch die Bank D. erhalten hatte. 

b) In den Traktanden eines Meetings der B. AG vom 27. Mai 2011 sind vertrauli-

che M&A Aktivitäten der Bank D. aufgeführt (E. 2.3.5). Der Beschuldigte hatte 

davon als Sitzungsteilnehmer Kenntnis.  

c) Erstellt ist weiter, dass der Beschuldigte in seiner Funktion als leitender Revi-

sor Zugriff zu den Protokollen des Verwaltungsrates bzw. Verwaltungsratsaus-

schusses hatte (E. 2.4.1). Er hatte somit Zugang zu den konkreten und vertrauli-

chen Informationen betreffend das Übernahmeprojekt „F.“. Unbestritten ist, dass 

im Verwaltungsratsprotokoll der Bank D. vom 29. Juni 2011 das Projekt „F.“ er-

wähnt wurde – zwar mit Phantasienamen der Beteiligten, jedoch sind diese auf-

grund der Angaben leicht identifizierbar. So wird in den Minutes (Protokoll) das 

Zielobjekt („target“) als jjj.-grösste unabhängige Bank in der Schweiz mit Sitz in 

Z. und mit 70% der Stimmen im Besitz der Group II. umschrieben. Selbst für 

einen vernünftigen Anleger ohne spezielle Finanzmarktkenntnisse war mit dieser 

Umschreibung naheliegend, dass es sich bei dem zu übernehmenden Zielobjekt 

um die Bank C. in Z. handelte, zumal das verwendete Pseudonym „Group II.“ 

(gemeint: Bank E.) für die Eigentümerin des Aktienpakets einfach zu entschlüs-

seln ist. Einen anderen Schluss lässt die Umschreibung des Zielobjekts in den 

Minutes vernünftigerweise nicht zu. Umso offensichtlicher war das Zielobjekt für 

den Beschuldigten erkennbar, ist er doch ausgewiesener Finanzmarktspezialist 

mit fundierten Kenntnissen in der Schweizer Bankenbranche. Ein konkreter Hin-

weis, dass der Beschuldigte Einsicht in betreffendes Protokoll genommen hat, 

fehlt zwar. Indes erscheint es unwahrscheinlich, dass die dem Beschuldigten un-

terstellten Mitarbeiter des Prüfteams von der B. AG, welche die Verwaltungs-

ratsprotokolle bis Ende Juni 2011 zuhanden der Erstellung des Regulatory Audit 

Reports vom 26. September 2011 studiert hatten, den für die Zeichnung verant-

wortlichen Beschuldigten nicht im Laufe der Erstellung des Reports im Verlaufe 

des 3. Quartals 2011 über den Inhalt eines solch gewichtigen Traktandums zu-

mindest mündlich informiert haben. Nota bene hält der Report ausdrücklich fest, 

dass er unter anderem auf den Verwaltungsratsprotokollen basiere. Anzumerken 

bleibt, dass ein Teil des Reports bereits im August 2011 vorlag, da der Entwurf 

an die Bank zur Stellungnahme ging (E. 2.4.3). Es ist daher lebensfremd, wenn 

- 28 - 

dem leitenden Revisor nicht auch die Rohfassung des Reports mit den klaren 

Hinweisen auf das Übernahmeprojekt bereits im August 2011 zur Kenntnis ge-

bracht worden wäre.  

d) Laut dem Zeugen NN. war der Beschuldigte im Bilde, dass die B. AG im 

3. Quartal 2011 im Hinblick auf eine Übernahme der Bank C. eine Prüfung durch-

geführt hat, ob die Aktienkapitaldecke der Bank D. für eine Akquise ausreicht 

(E. 2.4.2). Die Aussagen von NN. sind ein gewichtiges Indiz, dass der Beschul-

digte vom Übernahmeprojekt der Bank D. wusste, war er doch im Prüfteam des 

Beschuldigten. Auch erscheint es wenig plausibel, dass der Beschuldigte in sei-

ner Position nicht darüber informiert worden wäre, leitete er doch das Prüfteam 

der B. AG.  

e) Schliesslich ist unbestritten, dass der Beschuldigte anlässlich der Sitzung der 

Bank D. und der FINMA vom 19. September 2011 anwesend war und in diesem 

Rahmen Vertreter der Bank D. darüber informierten, dass sie in Verhandlungen 

betreffend die Übernahme einer grösseren Bank stehen (E. 2.3.10; 2.4.1). So hält 

es das Protokoll der FINMA fest. Es erscheint wenig glaubhaft, dass der Beschul-

digte bei dieser Information – auch wenn das Zielobjekt nicht namentlich genannt 

wurde – nicht wusste, um welche Bank es sich gehandelt hat bzw. wenn dem so 

wäre, dass er nach der Sitzung bei den Vertretern der Bank D., die er nach eige-

nen Angaben gut kannte, nicht nachfragte, um welche Bank es sich handelte. 

Auch nach Angaben des Zeugen OO. haben sich der damalige CEO, GG. und 

der Beschuldigte gut verstanden bzw. der Beschuldigte war für GG. eine Vertrau-

ensperson und zwischen den beiden fanden regelmässige Austausche statt (BA 

pag. 12.5.-126, -129; 12.5.141; 12.5-145-147; 12.5.154; 13.1-66). Die Tatsache 

aber, dass der Zeuge OO., Mitarbeiter des Beschuldigten, bei der Bundesanwalt-

schaft mehrmals aussagte, dass es beim FINMA-Meeting vom 19. September 

2011 nur um den Kauf der Bank C. gehen konnte (E. 2.4.3), lässt vernünftiger-

weise keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte als leitender Revisor 

auch anlässlich des Meetings von der beabsichtigten – und noch vertraulichen – 

Übernahme der Bank C. durch die Bank D. in Kenntnis gesetzt wurde.  

f) Tatsache ist, dass der Beschuldigte am Folgetag des FINMA-Meetings 

(E. 3.4.4.5/e) am 20. September 2011 und 2 Tage danach insgesamt 4‘000 Ak-

tien der Bank C. kaufte und gewisse Zeit später die Bank, auf welcher er die be-

treffenden Depots führte, sinnigerweise die Bank C. anwies, die betreffenden Bu-

chungen auf dem Konto seiner Kinder zu verbuchen (angeblich weil die Buchun-

gen fälschlicherweise auf seinem Konto vorgenommen worden seien). Der zeit-

nahe Kauf der Effekten nach der FINMA-Sitzung vom 19. September 2011 ist 

auffällig, zumal er vor September 2011 noch nie Aktien der Bank C. gekauft hatte. 

- 29 - 

Aber auch die vom Beschuldigten initiierten Umbuchungen erscheinen verdäch-

tig; sie erwecken den Anschein, als habe der Beschuldigte vertuschen wollen, 

dass er die betreffenden Aktien gekauft hatte.  

3.4.4.6 Aufgrund der aufgezeigten Indizienkette drängt sich der zweifelsfreie Schluss 

auf, dass der Beschuldigte unter anderem aufgrund seiner Position als leitender 

Revisor – und den Quellen, die sich ihm dadurch erschlossen – Kenntnis von 

konkret im Gange befindlichen Verkaufsgesprächen zwischen der Bank D. und 

der Bank E. hatte und er auch wusste, dass diese vertrauliche Information früher 

oder später öffentlich werden würde. Auch sein ungewöhnliches Anlageverhalten 

– Aktienkauf einen Tag nach dem FINMA-Meeting – lässt sich vernünftigerweise 

nur dadurch erklären, dass er über sichere konkrete Informationen vom Über-

nahmeprojekt hatte. Die aufgeführten Indizien lassen in ihrer Gesamtheit bei ob-

jektiver Betrachtung keine Zweifel daran übrig.  

3.4.4.7 Der Einwand des Beschuldigten, er habe den Kaufentscheid betreffend die Ak-

tien aufgrund einer Studie der B. AG und der III. 

3.4.4.8  getroffen, ist mithin unglaubhaft. 

3.4.5 Tathandlung des Insiders 

Art. 161 StGB verbietet unter anderem dem Insider, sein Wissen über ein kurs-

relevantes Ereignis dadurch zu Geld zu machen, dass er es vor dem bevorste-

henden Kurssprung durch eigenes Handeln ausnützt (PETER, a.a.o., Art. 161 

StGB N. 34). 

Indem der Beschuldigte gestützt auf sein Insiderwissen Effekten vor dem bevor-

stehenden Kurssprung gekauft hat, nützte er die betreffende Insiderinformation 

durch sein Handeln tatbestandsmässig gemäss Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB aus. 

3.4.6 Verschaffung eines Vermögensvorteils als tatbestandsmässiger Erfolg 

Als Erfolgsdelikt ist die Tat erst dann vollendet, wenn dem Täter oder einem Drit-

ten ein Vermögensvorteil erwächst. Dieser Gewinn muss auf die Ausnützung des 

Wissensvorsprungs zurückgehen (PETER, a.a.o., Art. 161 StGB N. 34). Nach 

bundesstrafgerichtlicher Praxis liegt ein solcher vor, sobald der durch die Tat-

handlung verursachte Gewinn zu Buche steht. Für die Höhe des inkriminierten 

Gewinns massgebend ist i.d.R. der erste Kurs nach Veröffentlichung der Insider-

tatsache, d.h. der nachmalige Schlusskurs bzw. Eröffnungskurs am folgenden 

Börsentag (TPF 2015 66 E. 7.5, vgl. aber in Bezug auf Optionen Urteil des Bun-

desstrafgerichts SK.2017.19 vom 19. Dezember 2017 E. 6.2.5). Angesichts der 

- 30 - 

mit den elektronischen Handelsplattformen einhergehenden schnellen Reakti-

onsgeschwindigkeiten ist davon auszugehen, dass der Markt die betreffende In-

formation ab diesem Zeitpunkt absorbiert hat und ab dann alle Marktteilnehmer 

die gleichen Chancen auf Erwerb einer Aktie der betreffenden börsenkotierten 

Gesellschaft haben. Unbestrittenermassen erfolgte die öffentliche Bekanntma-

chung der im Gange befindlichen ernsthaften Verkaufsverhandlungen zwischen 

der Bank E. und potenziellen Käufern bzw. der Bank D. am 13. Oktober 2011 

(E. 3.4.1.3), sodass für die Berechnung des Gewinns der Schlusskurs vom 

13. Oktober 2011 massgebend ist. 

In Bezug auf die Kursentwicklung kann auf Erwägung 2.3.15 verwiesen werden. 

Der Beschuldigte generierte dabei einen Buchgewinn im Sinne eines tatbe-

standsmässigen Vermögensvorteils von insgesamt über Fr. 29‘073.20.  

3.5 Kausalität 

Die erforderliche Kausalität zwischen der Insiderinformation und der Effekten-

transaktion ist ohne Weiteres gegeben. Ebenso ist die Kausalität zwischen der 

öffentlichen Bekanntgabe und dem erheblichen Kursanstieg sowie zwischen der 

inkriminierten Effektentransaktion und dem kausalen Vermögensvorteil evident. 

3.6 Subjektiver Tatbestand 

3.6.1 Art. 161 StGB setzt Vorsatz voraus, worunter nach konstanter Rechtsprechung 

des Bundesgerichts auch Eventualvorsatz fällt. Bei einzelnen Tatbestandsele-

menten ist jedoch direkte Absicht erforderlich (PETER, a.a.o., Art. 161 StGB 

N. 38). Dies ist nach übereinstimmender Lehre der Fall beim Tatbestandsele-

ment des genügend klaren und sicheren Wissens sowohl um die vertrauliche 

Tatsache als auch um deren Kursrelevanz. 

3.6.2 In subjektiver Hinsicht bestehen am Vorsatz und der Vorteilsabsicht des Beschul-

digten keine Zweifel. Als erfahrender und leitender Revisor wusste er, dass es 

sich beim Übernahmeprojekt „F.“ um eine vertrauliche Tatsache handelte. 

Ebenso war ihm klar, dass die öffentliche Bekanntgabe der Übernahmeabsichten 

zu einem erheblichen Kursanstieg der Effekten führen würde. Aufgrund des ziel-

gerichteten Verhaltens des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass er um die 

Kursrelevanz der ihm bekannt gewordenen vertraulichen Information wusste und 

diese gerade dazu ausnutzen wollte, um mittels Käufe der Aktien für sich einen 

Vermögensgewinn zu generieren. 

3.7 Der Tatbestand des Ausnützens von Insiderinformationen gemäss Art. 161 Ziff. 1 

Abs. 1 aStGB ist objektiv und subjektiv erfüllt.  

- 31 - 

3.8 Rechtfertigungs- und Schuldausschliessungsgründe liegen keine vor. 

3.9 Angesichts der zwei Transaktionen fragt sich, ob der Beschuldigte sich des mehr-

fachen Ausnützens von Insiderinformationen schuldig gemacht hat oder eine 

Handlungseinheit besteht. Eine natürliche Handlungseinheit liegt vor, wenn meh-

rere Einzelhandlungen auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen 

des engen örtlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung 

als ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen erscheinen (BGE 131 IV 

83 E. 2.4.5; 132 IV 49 E. 3.1.13). Vorliegend hat der Beschuldigte ein und die-

selbe Information in örtlicher und zeitlicher Nähe – von einem Gesamtvorsatz 

getragen – ausgenützt. Nach dem Gesagten erscheinen die inkriminierten Hand-

lungen als eine Tateinheit.  

3.10 Der Beschuldigte ist des Ausnützens der Kenntnis vertraulicher Tatsachen ge-

mäss Art. 161 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB schuldig zu sprechen. 

4. Mehrfache Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz (Art. 40 

Abs. 1 aRAG  

4.1 Anklagevorwurf 

4.1.1 Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, er sei im Zusammenhang mit dem 

Insiderhandel (E. 3) von der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde (nach-

folgend: RAB) mit Schreiben vom 30. August 2013 sowie 17. Oktober 2013 auf-

gefordert worden, verschiedene Unterlagen einzureichen bzw. Auskünfte zu er-

teilen. Der Beschuldigte habe die in diesen Schreiben verlangten Auskünfte/Un-

terlagen wissentlich und willentlich nicht vollständig erteilt bzw. herausgegeben. 

Der Beschuldigte habe sich dadurch der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Revisionsaufsichtsgesetz gemäss Art. 40 Abs. 1 aRAG schuldig gemacht.  

4.1.2 Der Beschuldigte weist den Anklagevorwurf von sich.  

4.2  

4.2.1 Gemäss Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG wird mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe be-

straft, wer der Aufsichtsbehörde die verlangten Auskünfte nicht erteilt oder ihr die 

verlangten Unterlagen nicht herausgibt, ihr gegenüber falsche oder unvollstän-

dige Angaben macht oder ihr keinen Zutritt zu seinen Geschäftsräumlichkeiten 

gewährt (Art. 13 aRAG). 

4.2.2 In Analogie zu Art. 306 StGB (falsche Beweisaussage der Partei) ist das durch 

Art. 20 Abs. 1 aRAG geschützte Rechtsgut das Interesse des Staates, anlässlich 

der Beweisführung der RAB die Wahrheit zu erfahren. Formell bezieht sich der 

- 32 - 

Rechtsschutz auf ein korrektes Beweisverfahren, materiell auf die inhaltliche 

Richtigkeit der Aussage (DELNON/RÜDY, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 

Kommentar StGB, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 306 StGB N. 5). Es spielt keine Rolle, 

ob ein Brief, Fragebogen, E-Mail etc. eine einzige unwahre Auskunft enthält oder 

gleich mehrere. Entweder sind Auskünfte wahr oder falsch. Das Ausmass der 

Unwahrheit spielt in Bezug auf den Schuldpunkt keine Rolle. Aus diesem Grund 

hat, wer z.B. in einem Brief mehrere falsche Auskünfte erteilt oder unwahre Bei-

lagen mitliefert, die Tat nicht mehrfach begangen. Dies entspricht der Fallkate-

gorie der Handlungseinheit, wenn mehrere Einzelhandlungen rechtlich als Ein-

heit anzusehen sind, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und 

wegen des engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Be-

trachtung noch als ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen erschei-

nen (BGE 131 IV 83 E. 2.4.5). Wenn sich in einem Brief eine von mehreren als 

falsch angeklagten Auskünfte nicht als unwahr herausstellt, ist die beschuldigte 

Person insoweit nicht freizusprechen. Mehrfachtäter ist hingegen, wer auf meh-

rere zeitlich auseinanderliegende Auskunftsbegehren falsch antwortet, und frei-

zusprechen ist, wer in einem konkreten Fall komplett wahr Auskunft erteilt hat 

(Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2017.22 vom 14. Juni 2018 E. 4.5). 

4.3 Äusserer Sachverhalt 

4.3.1 Mit Schreiben vom 30. August 2013 forderte die RAB den Beschuldigten auf, 

folgende Unterlagen einzureichen bzw. Auskünfte zu erteilen (BA pag. 

B05.101.1-1013-1026):  

1. Beschreibung des Auftragsverhältnisses zwischen A. und der Bank C. sowie den erteilten 

Auftrag an die Bank bezüglich der Verwaltung der Wertschriften (insbesondere betreffend 

PP. AG und QQ. AG);  

2. Herausgabe der entsprechenden Vereinbarung (z.B. Vermögensverwaltungsvertrag);  

3. Auskunft darüber, wer, wie und unter welcher Anleitung Aufträge zu den einzelnen/Verkäu-

fen von Wertschriften erteilt bzw. ausführt, in welcher Frist die Käufe/Verkäufe durch die 

Bank gemeldet werden sowie in welchem Intervall A. die Transaktionen online überwacht;  

4. Einreichung der Belege wonach A. mit der Steuerbehörde bezüglich des nicht als Einkom-

men deklarierten Betrages von CHF 210‘000.00 bzw. CHF 105‘000.00 in Verhandlung 

stehe;  

5. Auskunft darüber, mit welchen negativen Auswirkungen (insbesondere die finanziellen Ein-

bussen) A. bei einem befristeten Entzug der Zulassung zu rechnen hätte;  

6. Mitteilung, welches Einkommen im Jahr 2013 voraussichtlich erzielt wird (inkl. Einreichung 

der Belege);  

7. Transaktionsauszug für sämtliche Transaktionen über die zwei Konti bei der Bank C. für die 

Jahre 2008 bis dato; 

8. Information, in welcher Periode A. als leitender Prüfer der Bank D. tätig war;  

- 33 - 

9. Beschreibung der Transaktionen.  

(Nummerierung mit Ziffern durch das Gericht vorgenommen) 

4.3.2 Mit Eingabe vom 25. September 2013 antwortete der Beschuldige wie folgt (BA 

pag. B05.101.1-1032-1039): 

Antwort zu den Ziffern 1-3 des Schreibens der RAB vom 30. August 2013: 

„3.1: „Das Auftragsverhältnis zwischen Bank C. und mir beinhaltete eine persönliche Beratung. 

Ich habe keinen Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen. Die besagte PP. AG Trans-

aktion habe ich nicht in Auftrag gegeben und wie bereits ausgeführt handelt es sich um ein 

Missverständnis, welches bei Entdeckung unverzüglich und innerhalb der Meldefrist von 

10 Tagen klargestellt wurde.“ 

 

Antwort zu den Ziffern 5 und 6 des Schreibens der RAB vom 30. August 2013: 

„3.3 Ich kann die Auswirkungen eines befristeten Entzugs der Zulassung auf mein Einkommen 

nicht einschätzen. Die B. AG hat mich am 21. Februar 2013 (nicht Ende Dezember 2012) 

freigestellt und mir gleichzeitig eine Auflösungsvereinbarung per 25. Februar 2013 zuge-

stellt, welche wir gegenseitig unterzeichnet haben. In diesem Zusammenhang wurde mir 

per 30. April 2013, 50% einer Abfindung bezahlt und die Restzahlung von 50% für 30. April 

2014 schriftlich bestätigt und in Aussicht gestellt. Sofern die B. AG Ihre Verpflichtungen voll-

ständig erfüllt, entspricht die gesamte Entschädigung ca. CHF 700‘000.“ 

Antwort zu Ziffer 8 des Schreibens der RAB vom 30. August 2013: 

„3.5 Nach meinem Wissenstand war ich leitender Prüfer für die Bank D. zwischen 2007 bis zu 

meinem Ausscheiden im Februar 2013. Ich verweise Sie auf die jährlichen Meldungen der 

B. AG an die FINMA, welche die Zuständigkeiten für die einzelnen Bankmandate festhält.“ 

Antwort zu Ziffer 9 des Schreibens der RAB vom 30. August 2013: 

„3.6 Gemäss den Postenauszug vom 13.3.2012-8.7.2013, welche ich Ihnen am 8. Juli 2013 

durch die Bank C. habe zustellen lassen, wurden am 10. April 2012 die Geldmarktanlagen 

(48 Std. EUR-Call Anlagen) geschlossen und neu das Instrument HHH.Call EUR seit die-

sem Datum verwendet.“ 

4.3.3 Mit Schreiben vom 17. Oktober 2013 forderte die RAB den Beschuldigten auf, 

folgende Unterlagen einzureichen bzw. Auskünfte zu erteilen (BA pag. 

B05.101.1-1013-1026):  

1. Information, ob A., seine Ehefrau, seine Kinder oder Patenkinder neben den Konti bei der 

Bank C., der Bank RR., der Bank J., der Bank K., der Bank N., der Bank TT. noch andere 

Kontoverbindungen gehabt haben bzw. über diese Konti Effektentransaktionen ausgeführt 

wurden; 

- 34 - 

2. Information, ob A. über Handelsplattformen wie beispielsweise „I. AG“ finanzielle Transakti-

onen ausführte; 

3. Transaktionsauszug für 2008 bis dato betreffend sämtliche Konti bzw. Anweisung an die 

jeweilige Bank, der RAB einen solchen Auszug zuzustellen. 

4.3.4 Mit Schreiben vom 1. November 2013 nahm der damalige Rechtsvertreter zum 

Schreiben der RAB vom 17. Oktober 2013 Stellung (BA pag. B05.101.1-1059-

1061).  

4.3.5 Mit Schreiben der RAB vom 7. November 2013 erfolgte die letztmalige Aufforde-

rung zur Einreichung der Unterlagen bzw. der Auskünfte bis am 27. November 

2013 (BA pag. B05.101.1-1062-1064). 

4.3.6 Mit Schreiben vom 27. November 2013 nahm der damalige Rechtsvertreter ein 

weiteres Mal zum Schreiben vom 17. Oktober 2013 Stellung (BA pag. B05.101.1-

1066-1073).  

4.4 Aussagen 

4.4.1 Der Beschuldigte sagte am 20. Dezember 2017 bei der Bundesanwaltschaft aus, 

dass er nach bestem Wissen und Gewissen die Auskünfte erteilt habe (BA pag. 

13.1-113).  

4.4.2 An der Hauptverhandlung vom 25.Juli 2018 wurde der Beschuldigte zu den ein-

zelnen Fragen der RAB im Schreiben vom 30. August 2013 und 17. Oktober 2013 

bzw. zu den entsprechenden Vorhalten in der Anklageschrift befragt. Er sagte 

wie folgt aus: 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, das Auftragsverhältnis zwischen A. und 

der Bank C. zu beschreiben (E. 4.3.1, Ziff. 1), sagte er aus, dass er dieses in 

Punkt 3.1 seines Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2) beschrieben 

habe (TPF pag. 50.731.016). 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, die entsprechende Vereinbarung 

(E. 4.3.1, Ziff. 2) einzureichen, sagte er unter Verweis auf Punkt 3.1 seines 

Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2) aus, er habe keinen Vermö-

gensverwaltungsvertrag (TPF pag. 50.731.016). 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB zur Auskunftserteilung (E. 4.3.1, Ziff. 3), 

wer, wie und unter welcher Anleitung Aufträge zu den einzelnen Verkäufen 

erteilt bzw. ausgeführt habe, sagte er aus, er habe dies in Punkt 3.1 seines 

Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2) beantwortet (TPF pag. 

50.731.017). 

- 35 - 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, Belege einzureichen, wonach der Be-

schuldigte mit den Steuerbehörden in Verhandlung stehe (E. 4.3.1, Ziff. 4), 

sagte er aus, er habe die Belege nicht eingereicht (TPF pag. 50.731.017). 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, Auskunft zu erteilten, welche negativen 

finanziellen Auswirkungen ein befristeter Entzug seiner Zulassung als Revisor 

hätte (E. 4.3.1, Ziff. 5), sagte er aus, er könne nicht konkret sagen, welche 

Auswirkungen dies haben würde. Im Übrigen verweise er auf Punkt 3.3 seines 

Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2).  

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, welches Einkommen er im Jahr 2013 

erzielen werde (E. 4.3.1, Ziff. 6), sagte er unter Verweis auf Punkt 3.3 seines 

Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2) aus, dass er keine Einkünfte 

für die Zukunft abschätzen könne (TPF pag. 50.731.017 f.). Sein Einkommen 

sei bis Ende Januar 2013 sowie seine Abgangsentschädigung bekannt gewe-

sen, welche er der RAB mitgeteilt habe (TPF pag. 50.731.018). 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, den Transaktionsauszug für sämtliche 

Transaktionen über die zwei Konti bei der Bank C. für die Jahre 2008 bis dato 

einzureichen (E. 4.3.1, Ziff. 7), sagte er aus, die Bank C. habe am 12. Juli 2013 

die Belege für sämtliche Transaktionen über die ganze Laufzeit auf dem Konto 

der Bank C. eingereicht (TPF pag. 50.731.018).  

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB zur Information, in welcher Periode er 

leitender Revisor bei der Bank D. gewesen sei (E. 4.3.1; Ziff. 8), sagte er aus, 

er habe diese Auskunft in Punkt 3.5 seines Schreiben vom 25. September 

2013 erteilt (E. 4.3.2; TPF pag. 50.731.018). 

- Auf Vorhalt der der Aufforderung der RAB, die Transaktionen betreffend AAA. 

zu beschreiben (E. 4.3.1, Ziff. 9), sagte er aus, er habe dazu in Punkt 3.6 sei-

nes Schreibens vom 25. September 2013 (E. 4.3.2) Auskunft erteilt (TPF pag. 

50.731.019). 

Schliesslich wurde der Beschuldigte zu den einzelnen Aufforderung der RAB im 

Schreiben vom 17. Oktober 2013 befragt. Er sagte dazu wie folgt aus:  

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, der Beschuldigte solle ihnen mitteilen, 

welche Kontoverbindungen er und seine Familie gehabt haben (E. 4.3.3, 

Ziff. 1), sagte er aus, die RAB habe seine Steuererklärungen gehabt (TPF 

pag. 50.731.019). 

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, der Beschuldigte solle allfällige finan-

zielle Transaktionen über Handelsplattformen mitteilen (E. 4.3.3, Ziff. 2), sagte 

- 36 - 

er aus, dass auch diese Information die RAB gehabt habe. Auf der Steuerer-

klärung stehe, dass seine Frau ein Konto bei der I. AG habe (TPF pag. 

50.731.019).  

- Auf Vorhalt der Aufforderung der RAB, den Transaktionsauszug für 2008 bis 

dato für sämtliche Konti bzw. Anweisungen zuzustellen (E. 4.3.3, Ziff. 3) sagte 

er aus, dass er dies nicht gemacht habe (TPF pag. 50.731.020). 

4.5 Tatsächliche und rechtliche Würdigung 

4.5.1 Anwendungsbereich des RAG 

In seiner Eigenschaft als eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer bzw. Revisionsexperte und 

in seiner Funktion bei der B. AG (E. 2.3.3; 4.3.7) unterstand der Beschuldigte 

dem aRAG (Art. 1 ff. aRAG). 

4.5.2 Auskünfte zum Schreiben der RAB vom 30. August 2013 

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 1: Der Beschuldigte hat in Ziff. 3.1 des 

Schreibens vom 25. September 2013 das Auftragsverhältnis inhaltlich be-

schrieben (Beratung). Die verlangte Auskunft wurde daher vollständig erteilt. 

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 2: In Ziffer 3.1 des Schreibens des 

Beschuldigten vom 25. September 2013 ist zwar zu entnehmen, dass er kei-

nen Vermögensverwaltungsvertrag habe. Er verfügte indessen über einen Be-

ratungsvertrag, welcher er dem RAB nicht eingereicht hat. Die verlangte Aus-

kunft war daher unvollständig (Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG). 

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 3: Ziff. 3.1 des Schreibens des Be-

schuldigten vom 25. September 2013 gibt keine Auskunft auf die von der RAB 

verlangte Information. Die verlangte Auskunft wurde daher nicht erteilt (Art. 40 

Abs. 1 lit. b aRAG).  

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 4: Die verlangten Unterlagen wurden 

nicht herausgegeben (Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG).  

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 5: Die Mitteilung des Beschuldigten, 

wonach er nicht antizipierend sagen könne, welche negativen finanziellen 

Auswirkungen ein Entzug der Zulassung als Revisor haben würde, erscheint 

plausibel. Die Auskunft wurde daher vollständig erteilt.  

- 37 - 

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 6: Der Beschuldigte teilte zwar in 

Ziff. 3.3 seines Schreibens vom 25. September 2013 seine Einkommenssitu-

ation für das Jahr 2013 mit, reichte aber die verlangten Belege nicht ein. Die 

Auskunft war somit unvollständig (Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG).  

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 7: Mit Schreiben der Bank C. vom 

12. Juli 2013 wurden der RAB die Transaktionsauszüge von anfangs 2010 bis 

Mai 2012 eingereicht (BA pag. B05.101.1-900-995). Der Beschuldigte gab zu 

Protokoll, dass die eingereichten Bankauszüge die ganze Laufzeit der Konto-

verbindung bei der Bank C. abdecken würden. Die eingereichten Unterlagen 

sind daher vollständig. 

- Zur Aufforderung der RAB gemäss Ziff. 8: Der Beschuldigte hat in Ziff. 3.5 

seines Schreibens vom 25. September 2013 angegeben, in welcher Zeit er 

bei der Bank D. leitender Revisor war. Die Auskunft ist daher vollständig  

Der Tatbestand der Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz gemäss 

Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG ist somit in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt.  

4.5.3 Der Beschuldigte hat die mit Schreiben der RAB vom 17. Oktober 2013 verlang-

ten Auskünfte und Unterlagen nicht erteilt bzw. herausgegeben (Art. 40 Abs. 1 

lit. b aRAG). 

Der Tatbestand der Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz gemäss 

Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAG ist in somit objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt.  

4.6 Im Ergebnis hat der Beschuldigte mit Schreiben vom 25. September 2013 die 

Fragen der RAB in mehrfacher Hinsicht unvollständig beantwortet bzw. die ver-

langten Unterlagen nicht eingereicht. Aufgrund der tatbestandlichen Handlungs-

einheit hat er aber die Tat nicht mehrfach gegangen (E. 4.2.2). Das Schreiben 

des Beschuldigten vom 25. September 2013 sowie die Stellungnahmen seines 

damaligen Rechtsbeistands vom 1. und 27. November 2013 liegen zeitlich aus-

einander und beruhen auf einer neuen Entschlussfassung. Somit ist mehrfache 

Tatbegehung (in zwei Fällen) gegeben. 

4.7 Nach dem Gesagten hat der Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbe-

stand von Art. 40 Abs. 1 lit. b aRAB mehrfach erfüllt. 

4.8 Einwand 

4.8.1 Der Beschuldigte wendet ein, er hätte aufgrund des Grundsatzes der Selbstbe-

lastungsfreiheit („nemo tenetur-Prinzip“) die Auskünfte und Unterlagen gar nicht 

erteilen bzw. einreichen müssen (BA pag. B05.101.1-160; B.05.101.1-1067 f.; 

TPF pag. 50.720.009). 

- 38 - 

4.8.2  

4.8.2.1 Nach dem verfahrensrechtlichen Grundsatz, der unter anderem aus Art. 32 BV 

sowie aus Art. 6 Abs. 1 EMRK abgeleitet wird, ist grundsätzlich niemand gehal-

ten, sich im Hinblick auf eine strafrechtliche Verantwortlichkeit im Verwaltungs-

strafverfahren selbst zu belasten, also aktiv zu seiner eigenen Überführung und 

Verurteilung beizutragen (nemo tenetur se ipsum accusare; TRUFFER, in: Wat-

ter/Vogt [Hrsg.], Basler Kommentar, Börsengesetz, Finanzmarktaufsichtsgesetz, 

2. Aufl., Basel 2011, Art. 29 FINMAG N. 21; BGE 142 IV 207 E. 8). Auf dieses 

Verbot des Selbstbelastungszwangs kann man sich somit nur berufen, wenn man 

sich durch die Beantwortung der Fragen und Einreichung von Unterlagen selber 

in strafrechtlicher Hinsicht belasten würde. Vorliegend ist nicht ersichtlich – und 

wurde auch nicht geltend gemacht – inwiefern die betreffenden Auskünfte und 

Unterlagen den Beschuldigten in strafrechtlicher Hinsicht hätten belasten kön-

nen. Die Aufforderungen waren denn auch nicht strafbewehrt bzw. die RAB hat 

für den Fall der Auskunfts- und Herausgabeverweigerung keine Strafe ange-

droht. 

4.8.2.2 Ausserdem bestehen im Verwaltungsverfahren vor der RAB für die Beaufsichtig-

ten Mitwirkungspflichten. Die Mitwirkungspflichten basieren auf dem Grundge-

danken, dass die zugelassenen Personen, welche zulassungspflichtige Revisi-

onsdienstleistungen erbringen, sich freiwillig unter die Aufsicht der RAB gestellt 

haben und sich damit freiwillig und wissentlich in ein besonderes Rechtsverhält-

nis zum Staat begeben haben, von dem sie auch profitieren. Im Rahmen solcher 

Sonderstatus- und Sonderrechtsverhältnisses dürfen Grundrechte stärker einge-

schränkt werden als im gewöhnlichen Hoheitsverhältnis zwischen Staat und Bür-

gern (siehe dazu Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2017.22 vom 14. Juni 2018 

E. 5.8.2.8). Mit Blick auf die RAB steht dahinter der Gedanken, dass sie ihre 

aufsichtsrechtlichen Aufgaben bzw. die Beaufsichtigung von Personen, welche 

Revisionsdienstleistungen erbringen (Art. 1 Abs. 1 RAG) in Kenntnis aller rele-

vanten Fakten und Umstände wahrnehmen kann. Das ist naturgemäss ohne In-

formationen aus erster Hand kaum möglich. Deshalb sind die Mitwirkungspflich-

ten zugunsten der RAB weit auszulegen. 

4.8.2.3 Die gesetzlichen Grundlagen für die Mitwirkungspflichten des Beschuldigten er-

geben sich aus dem Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 

20. Dezember 1968 (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) sowie 

der spezialgesetzlichen Regelung des RAG. Im Verwaltungsverfahren gelten die 

allgemeinen Bestimmungen des VwVG. Der sog. Untersuchungsgrundsatz ge-

mäss Art. 12 VwVG wird dadurch relativiert, dass den Parteien gemäss Art. 13 

VwVG eine Mitwirkungspflicht obliegt. Die Mitwirkungspflicht besteht insbeson-

dere im Hinblick auf Tatsachen, die eine Partei besser kennt als die Behörde und 

die ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand 

- 39 - 

erhoben werden können (BGE 128 II 142 E. 2b). Gemäss Art. 13 Abs. 1 VwVG 

sind die Parteien verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken: 

(a.) in einem Verfahren, das sie durch ihr Begehren einleiten; (b.) in einem Ver-

fahren, soweit sie darin selbständige Begehen stellen; (c.) soweit ihnen nach ei-

nem anderen Bundesgesetz eine weitergehende Auskunfts- oder Offenbarungs-

pflicht obliegt. 

Die weitergehende Auskunfts- oder Offenbarungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 

lit. c VwVG ergibt sich vorliegend aus der spezialgesetzlichen Regelung des 

RAG. Mit der Unterstellung unter das besondere Rechtsverhältnis hat sich der 

Beschuldige im Verwaltungsverfahren vor der RAB der entsprechenden Spezial-

gesetzgebung bzw. der spezialgesetzlichen Mitwirkungspflicht von Art. 13 Abs. 1 

RAG unterworfen. Gemäss Art. 13 Abs. 1 RAG müssen staatlich beaufsichtigte 

Revisionsunternehmen, ihre Mitarbeiter, die Personen, die sie für Revisions-

dienstleistungen beziehen, und die geprüften Gesellschaften der RAB alle Aus-

künfte erteilen und Unterlagen herausgeben, die sie für die Erfüllung ihrer Auf-

gabe benötigt.  

Nebst den gesetzlichen Mitwirkungspflichten ergeben sich die Mitwirkungspflich-

ten auch aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (BA pag. B05.101.1-1063). 

4.8.3 Nach dem Gesagten ergibt sich die Mitwirkungspflicht (Auskunfts- und Heraus-

gabepflicht) für den Beschuldigten gemäss Art. 13 Abs. 1 lit. a–c VwVG aus fol-

genden Gründen: 

4.8.3.1 Die RAB hatte vorliegend aufgrund von Hinweisen Dritter konkrete Anhalts-

punkte, dass der Beschuldigte als leitender Revisor möglicherweise über die 

Bankkonti seiner Kinder mit Effekten gehandelt hat, deren Emittenten von der 

B. AG revidiert wurden. Es bestand somit der Verdacht, dass der Beschuldigte 

insbesondere gegen die Unabhängigkeit verstossen hat, indem möglicherweise 

eine Beteiligung am Aktienkapital von geprüften Unternehmen erfolgte. Diese 

Vorwürfe standen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem damals laufenden 

Verfahren zum Entzug der Zulassung wegen fehlender Gewähr für eine einwand-

freie Prüftätigkeit.  

4.8.3.2 a) Der Beschuldigte hat am 30. November 2007 ein Gesuch um Zulassung als 

Revisionsexperte gestellt. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2007 wurde er als 

Revisionsexperte zugelassen. Eine der gesetzlichen Zulassungsvoraussetzun-

gen bildet der unbescholtene Leumund (Art. 4 Abs. 1 aRAG). So muss der Zu-

lassungsträger alle Angaben machen und sämtliche Unterlagen bezeichnen, aus 

denen hervorgeht, dass die Voraussetzungen für die Zulassung weiterhin erfüllt 

sind, und sie auf Verlangen der Aufsichtsbehörde zustellen. Da der unbeschol-

tene Leumund eine dauernd einzuhaltende