# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe91a193-083e-547c-82ce-3d78cbdff7f6
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-30
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Appellationsgericht 30.08.2019 SB.2018.50 (AG.2020.15)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_APG_001_SB-2018-50_2019-08-30.html

## Full Text

Appellationsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

  Dreiergericht

   

  

 

SB.2018.50

 

URTEIL

 

vom 30.
August 2019

 

 

Mitwirkende

 

lic. iur. Liselotte Henz (Vorsitz), 

Dr. phil. und MLaw Jacqueline
Frossard , Prof. Dr. Ramon Mabillard     

und Gerichtsschreiber MLaw Joël
Bonfranchi 

 

 

 

Beteiligte

 

A____, geb. [...]                                                                        Berufungskläger

c/o [...]                                                                                             Beschuldigter

vertreten durch D____, Advokat, 

[...]    

 

gegen

 

Staatsanwaltschaft
Basel-Stadt                                     Berufungsbeklagte 

Binningerstrasse 21, 4001 Basel

 

 

Privatklägerin

 

B____                                                                                                                       

vertreten durch K____, Advokatin,

[...] 

 

 

Gegenstand

 

Berufung gegen ein Urteil des
Strafdreiergerichts vom 23. Januar 2018

 

betreffend Vergewaltigung,
sexuelle Nötigung und Tätlichkeiten (mehrfach begangen) 

 

Sachverhalt

 

Mit Urteil des
Strafgerichts vom 23. Januar 2018 wurde A____ (Berufungskläger) der
Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, der Tätlichkeiten (mehrfach begangen)
sowie der Übertretung nach Art. 19a BetmG schuldig erklärt und zu einer
Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten sowie zu einer Busse von
CHF 1'000.– (bei schuldhafter Nichtbezahlung 10 Tage
Ersatzfreiheitsstrafe) und zur Zahlung einer Genugtuung in Höhe von
CHF 10‘000.– an B____ (Privatklägerin) verurteilt. Weiter verwies das
Strafgericht A____ für 5 Jahre des Landes, beschloss über das Beschlagnahmegut,
überband ihm die erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie eine Urteilsgebühr
und setzte das Honorar für die amtliche Verteidigung sowie die unentgeltliche
Vertretung von B____ fest. 

 

Gegen dieses
Urteil hat A____, vormals amtlich verteidigt durch Advokat C____, am
23. Januar 2018 die Berufung angemeldet und am 17. Mai 2018 erklärt.
Ebenfalls mit Eingabe vom 17. Mai 2018 gelangte Advokat D____ an das
Appellationsgericht, erklärte von A____ mit der Wahrung seiner Interessen
betraut worden zu sein und legitimierte sich durch entsprechende Vollmacht. Er
beantragte einen Wechsel der amtlichen Verteidigung. Zudem sei das
erstinstanzliche Urteil insofern aufzuheben, als A____ von der Anklage der
Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, der mehrfachen Tätlichkeiten sowie der
Übertretung nach Art. 19a BetmG vollumfänglich und kostenlos
freizusprechen sei. Die Berufung richte sich auch gegen die Bemessung der
Strafe, die Art der Strafe, sowie die Modalitäten des Vollzugs (unbedingt /
bedingt) und die Landesverweisung gemäss Art. 66a lit. h StGB. Durch
die beantragten Abänderungen ergebe sich auch eine Neubeurteilung der Kosten-,
Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen. Mit Eingabe vom 2. Juni 2018 äusserte
sich A____ persönlich zum beantragten Wechsel der amtlichen Verteidigung und am
8. Juni 2018 liess sich Advokat C____ hierzu vernehmen. Mit Entscheid vom
14. Juni 2018 verfügte die Instruktionsrichterin die Abweisung des Gesuchs
um Wechsel der amtlichen Verteidigung. Mit Eingabe vom 2. Juli 2018 teilte
Advokat D____ dem Appellationsgericht mit, als Privatverteidiger mandatiert
worden zu sein und beantragte den Widerruf der bestehenden amtlichen
Verteidigung durch Advokat C____. Dieser wurde mit Verfügung vom 4. Juli
2018 aus dem amtlichen Mandat entlassen und es wurde am 13. August 2018
seine Entschädigung für das Berufungsverfahren festgesetzt. Diese Verfügung ist
in Rechtskraft erwachsen. 

 

Innert erstreckter Frist stellte A____ mit Eingabe vom 31. Januar
2019 den Beweisantrag, es sei B____ als Zeugin respektive Auskunftsperson zur
Berufungsverhandlung vorzuladen und teilte mit, im Materiellen auf die Eingabe
einer schriftlichen Berufungsbegründung zu verzichten. Mit ihren jeweiligen
Stellungnahmen vom 27. Februar 2019 beantragen B____ und die
Staatsanwaltschaft die Abweisung des Beweisantrags. Mit Verfügung vom
18. März 2019 wies die Instruktionsrichterin den Antrag vorläufig ab und
liess folgende Beweismittel edieren: Die Videoaufnahme der Befragung von B____
anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, ein Gutachten der
Gerichtschemie betreffend die toxikologische Untersuchung von B____ vom
11. Oktober 2017 sowie Ausdrucke aus dem Datenmarkt Basel-Stadt betreffend
die Eltern von A____. Am 20. März 2019 liess B____ um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege, unter Beiordnung von Advokatin K____ ersuchen,
was mit Verfügung vom 21. März 2019 bewilligt wurde und am 3. Mai
2019 ging ein Strafregisterauszug betreffend A____ beim Appellationsgericht
ein. Schliesslich ersuchte die Instruktionsrichterin am 29. Mai 2019 das
Amt für Bevölkerungsdienste und Migration des Kantons Basel-Stadt um Auskünfte
zur migrationsrechtlichen Situation von A____, welche dieses mit Schreiben vom
31. Mai 2019 beibrachte. Den Parteien wurde am 3. Juni 2019 Kenntnis
davon gegeben. 

 

Die auf den
5. Juni 2019 angesetzte Berufungsverhandlung wurde wegen Ausfalls des
Dolmetschers infolge Unfalls mit Spitalaufenthalt kurzfristig abgesetzt und es
wurden die Parteien auf einen neuen Termin vorgeladen. Am 31. Juli 2017
ging ein aktueller Strafregisterauszug beim Appellationsgericht ein. Gestützt
auf einen entsprechenden Eintrag edierte die Instruktionsrichterin mit
Verfügung vom 28. August 2019 bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt die Akten
der hängigen Strafuntersuchung VT.[...]. 

 

Am 30. August
2019 fand die Berufungsverhandlung statt. Die fakultativ geladene B____ ist
nicht erschienen. A____ wurde Einsicht in die edierten Akten VT.[...] und das
rechtliche Gehör dazu gewährt. Anschliessend wurde er zur Person und zur Sache
befragt. Es gelangten seine Verteidigung, die Vertreterin der Privatklägerin
und die Staatsanwaltschaft zum Vortrag. Der Berufungskläger änderte seine
Rechtsbegehren insofern ab, als dass er für den Anklagepunkt der Übertretung
nach Art. 19a BetmG einen Schuldspruch sowie die Ausfällung einer Busse
von CHF 300.– beantragte. Für sämtliche Ausführungen wird auf das
Protokoll der Berufungsverhandlung verwiesen. 

 

Die Einzelheiten
der Parteistandpunkte ergeben sich, soweit rechtserheblich, aus dem
erstinstanzlichen Urteil und den nachfolgenden Erwägungen. 

 

 

Erwägungen

 

1.

1.1      Nach
Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte zulässig,
mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen wird, was vorliegend
der Fall ist. Zuständiges Berufungsgericht ist nach § 88 Abs. 1 und 92 Abs. 1
Ziff. 1 des basel-städtischen Gerichtsorganisationsgesetzes (GOG, SG 154.100)
ein Dreiergericht des Appellationsgerichts. Der Berufungskläger ist vom
angefochtenen Urteil berührt und hat ein rechtlich geschütztes Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung, sodass er gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO zur
Erhebung der Berufung legitimiert ist. Sowohl die Berufungsanmeldung als auch
die Berufungserklärung sind innert der gesetzlichen Fristen gemäss Art. 399
Abs. 1 und 3 StPO eingereicht worden. Auf das frist- und formgerecht
eingereichte Rechtsmittel ist daher einzutreten.

 

1.2

1.2.1   Gemäss
Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzungen einschliesslich
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und
Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des
Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Im Rechtsmittelverfahren
gilt die Dispositionsmaxime. Die Berufung kann beschränkt werden. Wer nur Teile
des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 4 StPO
verbindlich anzugeben, auf welche Teile sich die Berufung beschränkt (vgl. Art.
399 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 sowie Art. 401 Abs. 1 StPO). 

 

1.2.2   Gemäss
Berufungserklärung vom 17. Mai 2018 ficht der Berufungskläger das Urteil
des Strafgerichts vom 23. Januar 2018 vollumfänglich an. Hiervon nicht
erfasst und somit nicht mehr streitgegenständlich sind die Aufhebung der
Beschlagnahme und die Rückgabe der Kleidung an die Privatklägerin sowie die
Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertreterin
der Privatklägerin für das erstinstanzliche Verfahren. Da die Vorinstanz dem
Berufungskläger keinen Rückforderungsvorbehalt gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO respektive Art. 138 Abs. 1 StPO gesetzt hat, ist er dadurch
nicht beschwert. Diese Punkte des erstinstanzlichen Urteils sind in Rechtskraft
erwachsen und demzufolge im Berufungsverfahren nicht mehr zu überprüfen. Zudem
hat der Berufungskläger zum Abschluss seines Parteivortrags beantragt, er sei
der Übertretung gemäss Art. 19a BetmG schuldig zu erkennen und mit einer
Busse von CHF 300.– zu bestrafen. Damit ist dieser Schuldspruch ebenfalls
in Rechtskraft erwachsen. 

 

2.

Dem
Berufungskläger wird gemäss Anklageschrift vom 4. Oktober 2017 vorgeworfen,
er habe sich in den frühen Morgenstunden des 10. September 2017 nach dem gemeinsamen
Besuch eines Quartierfestes und der „[...]-Bar“ mit der Privatklägerin zu sich
nach Hause begeben, sie zunächst im Flur körperlich bedrängt, dann bäuchlings
auf sein Bett gedrückt, entkleidet und vergewaltigt. Danach habe sich die
Privatklägerin angezogen, sich aus der Wohnung ins Treppenhaus begeben, um
Hilfe geschrien und versucht bei der Nachbarswohnung zu klingeln. Der
Berufungskläger habe sie daran gehindert, indem er sie gepackt, ihr Mund und
Nase zugehalten und in seine Wohnung zurückgezerrt habe. Dort habe er sie
wiederum auf das Bett geworfen, entkleidet und Analverkehr an ihr vollzogen. Nach
dem sie sich wieder angezogen hatte, habe er sie geknebelt und sich mit ihr
über den Lift ins Erdgeschoss begeben. Nach einem Handgemenge habe er sie ins
Freie begleitet und sie schliesslich gehen lassen (Akten S. 368 ff.).

 

Die Vorinstanz erachtete
den Anklagesachverhalt als erstellt (Akten S. 620).  

 

3. 

Der
Berufungskläger hat anlässlich der Berufungsverhandlung vom 30. August
2019 verschiedene Vorfragen aufgeworfen. 

 

3.1

3.1.1   Der
Berufungskläger hat beantragt, es sei B____ als Zeugin respektive
Auskunftsperson an die Berufungsverhandlung vorzuladen. Er begründet seinen
Antrag damit, dass die Privatklägerin als Opfer und Anzeigestellerin
Hauptbelastungszeugin des Berufungsklägers sei. Zwar sei die Privatklägerin
zwei Mal mit dem Berufungskläger konfrontiert worden, der vormalige amtliche
Verteidiger, Advokat C____, habe sein Fragerecht aber „konzeptlos,
unqualifiziert, teilweise sinnfrei, jedenfalls aber nicht lege artis“ wahrgenommen,
sodass die Verteidigung unzureichend gewesen und die Konfrontation zu
wiederholen sei. Wichtige, für die Schuld des Berufungsklägers zentrale
Themenbereiche seien nicht erfragt, geschweige denn die Position der
Privatklägerin auf die Probe gestellt worden. So sei namentlich die zentrale
Frage nach dem Grad ihrer Alkoholisierung, den entsprechenden Auswirkungen auf
Gedanken-, Bewegungs- und Interaktionsabläufe sowie die Gefühlswelt nicht
gestellt worden. Weiter seien eklatante Widersprüche betreffend „Rumknutschen“
mit dem Berufungskläger in der [...]-Bar nicht adressiert worden und
schliesslich sei sie nicht damit konfrontiert worden, weshalb sie dem
Berufungskläger hinauf in dessen Wohnung gefolgt sei (vgl. Akten
S. 694 f.). In Bezug auf die Verteidigungsstrategie beurteilt Advokat
D____ die Empfehlung des früheren amtlichen Verteidigers als unsinnig und
schädlich, im Rahmen eines „Vier-Augen-Delikts“ die Aussage zu verweigern,
nachdem er gegenüber dem Zwangsmassnahmengericht bereits Aussagen zum Vorwurf gemacht
habe. Man könne bei einem Vorwurf wie dem vorliegenden niemandem raten, sich
nur partiell einzulassen. Weil dem Berufungskläger die groben Nachlässigkeiten
seiner früheren Verteidigung nicht anzurechnen seien und er bis zum
Anwaltswechsel ungenügend verteidigt gewesen sei, sei die Privatklägerin erneut
vorzuladen und mit dem Berufungskläger zu konfrontieren (Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 2 f., 17). 

Die
Privatklägerin hat sich dem Antrag auf eine erneute Befragung widersetzt (Akten
S. 699, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5).

 

Das
Appellationsgericht als Dreiergericht wies den Beweisantrag anlässlich der
Berufungsverhandlung vom 5. Juni 2019 ab. Es eröffnete seinen Beschluss den
anwesenden Parteien und begründete ihn kurz mündlich. 

 

3.1.2   Die
Bestimmungen von Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV, SR 101), Art. 32
Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. c der Europäischen Menschenrechtskonvention
(EMRK, SR 0.101) garantieren den Anspruch des Beschuldigten auf
sachkundige, engagierte und effektive Wahrnehmung seiner Parteiinteressen. Das Institut
der notwendigen Verteidigung bedeutet im strafprozessualen Sinn, dass der
Betroffene in Anbetracht der rechtlichen und tatsächlichen Umstände in den
verschiedenen Stadien des Strafverfahrens zwingend und ohne entsprechendes
Ersuchen vertreten sein muss und dass er darauf auch mit einer persönlichen
Verteidigung durch ihn selbst nicht verzichten kann (BGE 143 I 164 E. 2.2; 131
I 350 E. 2.1, m.w.H.).  

 

Nach der in Art.
128 StPO kodifizierten Grundregel ist die Verteidigung in den Schranken von
Gesetz und Standesregeln allein den Interessen der beschuldigten Person
verpflichtet. Die Verteidigung muss die Interessen der Beschuldigten in
ausreichender und wirksamer Weise wahrnehmen und die Notwendigkeit prozessualer
Massnahmen im Interesse der Angeschuldigten sachgerecht und kritisch abwägen.
Die beschuldigte Person hat Anspruch auf eine sachkundige, engagierte und
effektive Wahrnehmung ihrer Parteiinteressen. Die Strafbehörden ihrerseits
haben gemäss den in Art. 3 StPO festgeschriebenen Grundsätzen des
Strafverfahrensrechts für ein faires Strafverfahren zu sorgen und eine
genügende Verteidigung zu gewährleisten. Wird von den Behörden untätig
geduldet, dass der amtliche Verteidiger seine anwaltlichen Berufs- und
Standespflichten zum Nachteil der beschuldigten Person in schwerwiegender Weise
vernachlässigt, kann darin eine Verletzung der von Verfassung und EMRK
gewährleisteten Verteidigungsrechte liegen (BGE 138 IV 161 E. 2.4; 131 I 185 E.
3.2.3; 126 I 194 E. 3d; 120 Ia 48 E. 2b/bb). Die richterliche Fürsorgepflicht
gebietet dem Gericht im Falle einer offenkundig ungenügenden Verteidigung, den
amtlichen Verteidiger zu ersetzen, und bei einer privaten Verteidigung
einzuschreiten sowie nach der Aufklärung der Angeschuldigten über ihre
Verteidigungsrechte das zur Gewährleistung einer genügenden Verteidigung
Erforderliche vorzukehren (BGE 131 I 350 E. 4.1 und 4.2; 124 I 185 E. 3b). Der
Behörde kann indes nicht die Verantwortung für jegliches Versäumnis auferlegt
werden; die Verteidigungsführung obliegt im Wesentlichen der beschuldigten
Person und ihrem Verteidiger. Diesem steht in der Ausgestaltung der
Prozessführung ein erhebliches Ermessen zu (BGE 126 I 194 E. 3d; BGer
6B_307/2016 17. Juni 2016 E. 2.2 und 2.3.4; 6B_89/2014 vom 1. Mai 2014 E.
1.5.3). 

 

Als schwere
Pflichtverletzung der amtlichen Verteidigung fällt nur sachlich nicht
vertretbares bzw. offensichtlich fehlerhaftes Prozessverhalten in Betracht,
sofern die beschuldigte Person dadurch in ihren Verteidigungsrechten
substanziell eingeschränkt wird. Ein solcher eklatanter Verstoss gegen
allgemein anerkannte Verteidigerpflichten liegt etwa vor bei krassen Frist- und
Terminversäumnissen, Fernbleiben an wichtigen Zeugeneinvernahmen, mangelnder
Sorgfalt bei der Vorbereitung von Einvernahmen und anderen Prozesshandlungen
oder fehlender Vorsorge für Stellvertretungen (BGE 143 I 284 E. 2.2.2 f.; 120
Ia 48 E. 2c/d; BGer 6B_307/2016 vom 17. Juni 2016 E. 2.2; 6B_89/2014 vom 1. Mai
2014 E. 1.5, vgl. zum Ganzen: BGer 6B_909/2018 vom 23. Januar 2019
E. 1.2). 

 

3.1.3   Eine
Verletzung der richterlichen Fürsorgepflicht ist nicht ersichtlich. Dies gilt
zunächst hinsichtlich der Ausübung des Fragerechts. Soweit der Berufungskläger
beanstandet, der frühere Verteidiger habe die Privatklägerin nicht mit dem Grad
ihrer Alkoholisierung im Tatzeitpunkt und den Auswirkungen auf ihre Gedanken-,
Bewegungs- und Interaktionsabläufe sowie ihre Gefühlswelt konfrontiert und die
Widersprüchlichkeit ihrer Aussagen betreffend das „Rumknutschen“ mit dem
Berufungskläger in der [...]-Bar übersehen, übergeht er, dass die Thematik im
Vorverfahren mehrfach aufgegriffen wurde. So wurde die Blutalkoholkonzentration
der Privatklägerin durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel
(IRM) abgeklärt (Akten S. 707) und sie wurde mehrfach zu ihrem subjektiven
Erleben und den Auswirkungen des Alkoholkonsums befragt. So erklärte sie beispielsweise,
sie sei „ziemlich däne“ bzw. „schon ziemlich besoffen“ gewesen bzw. habe den
Alkohol schon gespürt, nicht aber so sehr, dass sie auf dem Weg zur Wohnung des
Berufungsklägers beim Gehen beeinträchtigt gewesen wäre (Akten S. 169, 540,
542). Der Berufungskläger sei „besser drauf“ und klarer bzw. „so quasi schon
eher da“ gewesen als sie, was sich darin gezeigt habe, dass ihr seine
Handlungen schnell vorgekommen seien, während sie so hintendrein bzw. ihm
gegenüber langsam gewesen sei (Akten S. 334, 544, 546). Die Vorinstanz
würdigte die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Privatklägerin und
schloss, dass diese den Annäherungsversuchen des Berufungsklägers beim Besuch
des Strassenfestes und der [...]-Bar noch zugetan gewesen sei. Gemäss der Vorinstanz
sei es in der Bar zu einem unübersehbaren Flirt mit eindeutigen
Sympathiebezeugungen (intime Nähe, Berührungen, flüchtige Küsse) gekommen und
die Privatklägerin habe sich – durchaus im Bewusstsein ihrer Wirkung auf den
Beschuldigten – von diesem nicht ungern umwerben lassen. Es sei zu grösserer
Nähe gekommen als die Privatklägerin es sich eingestanden habe (Akten
S. 601). Damit ist die vom Berufungskläger adressierte Thematik in den
Prozessstoff eingeflossen und gewürdigt worden, was sich im Übrigen nicht zu
seinem Nachteil ausgewirkt hat. 

 

Ebenfalls thematisiert
wurde im vorinstanzlichen Urteil die Frage, weshalb die Privatklägerin dem
Berufungskläger überhaupt in seine Wohnung gefolgt ist. Schon der frühere
Verteidiger, Advokat C____, fragte die Privatklägerin zwei Mal nach einer Erklärung.
So in der Konfrontationseinvernahme vom 27. September 2017 („Als Sie vor der
Liegenschaft standen, wo Herr A____ wohnt, weshalb sind Sie mit hinaufgegangen,
der Partyraum befindet sich ja wo anders?“; Akten S. 345) sowie vor
der ersten Instanz – mit entsprechenden Folgefragen („Sie haben vor dieser
Liegenschaft sofort erkennen können: Da ist keine Bar. Warum sind Sie mit ihm
hochgegangen? Sie sahen ja sofort vor dieser Liegenschaft: Hier kann niemals
eine Bar sein, oder?“; Akten S. 551). Die Privatklägerin gab dazu an,
das Fest, an dem man nach der [...]-Bar noch habe teilnehmen wollen, hätte
nicht an einem öffentlichen Ort, sondern als „illegale Party“ in einer
Privatwohnung stattfinden sollen. Diese habe sich ganz in der Nähe zur Wohnung
des Berufungsklägers befunden. Es sei von ihm bis zu diesem Zeitpunkt auch keine
Gefahr für sie ausgegangen, zumal sie ihn noch ausdrücklich darauf hingewiesen
habe, dass man ja an das andere Fest und nicht zu ihm habe gehen wollen, worauf
es zum Streit gekommen sei (Akten S. 335 f., 345 f., 551).

 

Die Vorinstanz
griff die Thematik auf. Sie würdigte explizit, dass der Geschehensablauf gemäss
der Schilderung der Privatklägerin eine erklärungsbedürftige Komplikation
enthalte, berücksichtigte verschiedene Umstände (Alkoholisierung, soziale
Interaktion, räumliche Nähe der Wohnung des Berufungsklägers zur „illegalen
Party“) und setzte diese der Darstellung des Berufungsklägers entgegen. Gestützt
darauf erkannte die Vorinstanz als Beweisergebnis zur Vorgeschichte, dass der
Berufungskläger das Opfer ungefragt in seine Wohnung geführt hatte (Akten
S. 602). Der Berufungskläger hat sich mit den vorinstanzlichen
Überlegungen nicht auseinandergesetzt und nicht dargelegt, inwiefern die
Ausübung des Fragerechts durch Advokat C____ und die spätere Würdigung durch
das Strafgericht zu einer ungenügenden Verteidigung bzw. zu einer
substanziellen Einschränkung der Verteidigungsrechte geführt haben sollen.

 

3.1.4   Soweit
Advokat D____ schliesslich die Wahl der Verteidigungsstrategie als solche kritisiert,
legt er nicht dar, inwiefern er daraus einen Anspruch auf eine erneute
Konfrontation mit dem Opfer ableitet. Dass der Berufungskläger bei der
Hafteröffnung die Aussage noch verweigert hatte, schadet seinen
Prozessaussichten jedenfalls nicht. Es mag zutreffen, dass Advokat D____ sodann
von einer Aussage vor dem Zwangsmassnahmengericht abgeraten hätte, es entzieht sich
jedoch dem Appellationsgericht, diese Einschätzung seinerseits zu bewerten. Es
ist auch nicht restlos verständlich, worin die „partielle Einlassung“ des
Berufungsklägers zu sehen ist, denn an der Einvernahme vor dem
Zwangsmassnahmengericht äusserte er sich einlässlich zu den Vorwürfen. Dass die
Aussage später als oberflächlich und detailarm gewürdigt wurde, muss nicht auf
die Verteidigungsstrategie zurückzuführen sein. Im Allgemeinen nicht
ersichtlich ist, inwiefern die beantragte Rechtsfolge, welche in einer erneuten
Befragung der Privatklägerin bestehen soll, mit dem Aussageverhalten des
Berufungsklägers korrespondiert. 

 

3.1.5   Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass die Privatklägerin im Laufe des Verfahrens vier Mal zu
den Ereignissen vom 9. und 10. September 2017 ausgesagt hat. Erstmals gegenüber
der Polizei bei Anzeigeerstattung am 10. September 2017, sodann bei der ersten formellen
Einvernahme am gleichen Tag, weiter im Rahmen einer Konfrontation mittels Videostream
bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme und schliesslich, wiederum mit
Videoaufnahme, anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom
22. Januar 2018, wobei sie ein zweites Mal indirekt mit dem
Berufungskläger konfrontiert wurde. Advokat D____ hat denn auch zu Recht keine
Verletzung von Art. 343 Abs. 2 StPO gerügt und somit die
Beweisabnahme als solche nicht kritisiert. Wie sich den Protokollen entnehmen
lässt, hat Advokat C____ stellvertretend für den Berufungskläger bei beiden
Gelegenheiten zahlreiche offene und geschlossene Fragen an die Privatklägerin
gerichtet. Die Antworten darauf sowie weitere Aspekte, mit denen die
Privatklägerin durch die einvernehmende Person konfrontiert wurde, sind in den
Prozessstoff eingeflossen und ihr Beweiswert wurde im erstinstanzlichen
Verfahren überprüft. Damit erweist sich die Verteidigung von A____ als
genügend. Eine erneute Befragung des Opfers ist rechtlich nicht erforderlich
und sachlich nicht geboten. Sie führte angesichts der Thematik zu einer
unverhältnismässigen Belastung und ist entsprechend abzuweisen. 

 

3.2

3.2.1   Der
Berufungskläger rügt weiter, dass die Verfahrensleitung mit Verfügung vom
29. Mai 2019 verschiedene Auskünfte bei den Migrationsbehörden des Kantons
Basel-Stadt erhältlich gemacht hat. Er befürchtet eine Verletzung des nemo
tenetur-Grundsatzes, wenn im Verwaltungsverfahren edierte Akten im
Strafverfahren beigezogen werden. Diese dürften sich jedenfalls nicht zu Lasten
des Berufungsklägers auswirken. 

 

3.2.2   Gemäss
Verfügung vom 29. Mai 2019 ersuchte die Verfahrensleitung das Amt für
Bevölkerungsdienste und Migration des Kantons Basel-Stadt im Hinblick auf die
Prüfung einer Landesverweisung des Berufungsklägers um verschiedene Angaben.
Dabei handelt es sich um Informationen zu seiner Anwesenheitsdauer und –titel
in der Schweiz, seinen familiären Beziehungen in der Schweiz und im
Herkunftsland, seinem Gesundheitszustand, seiner Arbeits- und finanziellen
Situation, seinen Wiedereingliederungsaussichten im Herkunftsstaat sowie zur Möglichkeit
des Vollzugs einer Wegweisung (Akten S. 730). Vom Schreiben des
Migrationsamt vom 31. Mai 2019 wurde den Parteien gleichentags Kenntnis
gegeben. Das Gericht hat in seinem Editionsbegehren mithin eine Triage in Bezug
auf die für die Beurteilung einer Landesverweisung relevanten Informationen
vorgenommen. Es hat hingegen nicht die vollständigen Migrationsakten beigezogen
und darin enthaltene Informationen mit Blick auf den Schuldpunkt zum Nachteil
des Berufungsklägers gewürdigt. Damit ist nicht ersichtlich, inwiefern der nemo
tenetur-Grundsatz einer Verwertung der eingeholten Auskünfte entgegenstehen
könnte. Damit bilden die vom Migrationsamt übermittelten Informationen Teil des
Prozessstoffs.

 

3.3      Der
Berufungskläger rügt sodann den Beizug der Strafakten aus dem bei der
Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt hängigen Verfahren VT.[...], in
welchem er als Beschuldigter geführt wird. In jenem Verfahren gelte die
Unschuldsvermutung und es stelle sich die Frage, welche Beweiskraft diese Akten
für das vorliegende Verfahren überhaupt entfalten könnten. 

 

Die
Staatsanwaltschaft hat im vorliegenden Verfahren unter anderem einen
Strafregisterauszug aus Spanien, dem Heimatland des Berufungsklägers, edieren
lassen, die Anfrage blieb indes unbeantwortet (Akten S. 9 f.).
Demgegenüber findet sich im ebenfalls gegen ihn geführten Verfahren VT.[...]
ein spanischer Strafregisterauszug vom 6. Februar 2018. Er wurde an der
Berufungsverhandlung in Kopie zu den Akten dieses Verfahrens genommen. Im
Übrigen sind die Akten jenes Verfahrens für das Vorliegende ohne Belang. Dem
Berufungskläger wurde an der Berufungsverhandlung Kenntnis von den Verfahrensakten
VT.[...] gegeben und er wurde insbesondere auf den betreffenden
Strafregisterauszug hingewiesen. Die Verhandlung wurde zur Gewährung der
Akteneinsicht unterbrochen und es wurde ihm Gelegenheit gegeben, sich mit
seinem Rechtsvertreter über den Strafregisterauszug zu besprechen (Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 4 f.). Damit ist der spanische
Strafregisterauszug verwertbar.  

 

4.

Der
Berufungskläger wendet sich gegen die vorinstanzliche Methodik der Aussagewürdigung.

 

4.1      Er
hält dafür, es sei für die urteilenden Personen als psychologische Laien nicht
möglich, eine zuverlässige Realkennzeichenanalyse vorzunehmen. Dies sei ein
hochkomplexer diagnostischer Prozess im Rahmen der
Glaubhaftigkeitsbegutachtung, welche im Allgemeinen eine längere Ausbildung
sowie viel Erfahrung und im Konkreten die Ermittlung eines individuellen
Referenzwertes voraussetze. Vorliegend wisse man nicht, wie die Privatklägerin
einen Sachverhalt bespreche, den sie nachgewiesenermassen erlebt habe. Es lasse
sich daher nicht beurteilen, ob die Aussagen, die sie im vorliegenden Verfahren
gemacht hat, erlebnisbezogen seien oder nicht. Es sei eine Unsitte an den
Strafgerichten, dass gewisse in der psychologischen Diagnostik entwickelte
Realkennzeichen herausgepickt und völlig beliebig angewendet würden. Das
Kriterium der Widersprüchlichkeit einer Aussage werde beispielsweise mal als
glaubhaft gewürdigt, da sich niemand absichtlich eine widersprüchliche
Geschichte ausdenke, und mal als unglaubhaft, gehe man von der Vermutung aus,
dass Erlebtes zumeist konstant geschildert werde. Die pseudopsychologischen
oder pseudowissenschaftlichen Begründungen der Glaubhaftigkeit der Aussagen der
Privatklägerin könnten keine Grundlage für einen Schuldspruch sein (Plädoyer
Berufungskläger S. 4 f., Protokoll der Berufungsverhandlung
S. 18). 

 

4.2      Das
Bundesgericht hat die methodischen Anforderungen an die psychologische
Glaubhaftigkeitsbegutachtung von Aussagen wie folgt festgehalten: Nach dem
empirischen Ausgangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche
Schilderungen unterschiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in
erster Linie die Hypothese, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der
Umstände, der intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche
Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die
Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten
Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, sogenannte
Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage sowie des
Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und
die persönliche Kompetenz der aussagenden Person analysiert werden. Bei der
Glaubhaftigkeitsbegutachtung ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht
realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese Unwahrhypothese
(Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen
kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativhypothese, dass die
Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders auch die Analyse der
Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage (Aussagegenese). Streng
abgegrenzt werden die allgemeine Glaubwürdigkeit, die sich auf die Person
bezieht, und die Glaubhaftigkeit, die nur gerade die spezifische Aussage
betrifft und eigentlicher Gegenstand der aussagepsychologischen Begutachtung
ist. Gegenüber den Realitätskriterien sind auch mögliche Anhaltspunkte für eine
Falschbezichtigung abzuwägen (BGE 129 I 49 E. 4, 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen; Zweidler, Die Würdigung von Aussagen,
in: ZBJV 132/1996, S. 105 ff., 115 ff.; Ludewig/Baumer/Tavor,
Einführung in die Aussagepsychologie – Wie können aussagepsychologische
Erkenntnisse Richtern und Staatsanwälten helfen?, in: Ludewig/Baumer/Tavor
[Hrsg.], Aussagepsychologie für die Rechtspraxis, Zürich 2017, S. 17 ff.; Dittmann, Zur Glaubhaftigkeit von
Zeugenaussagen, in: plädoyer 2/1997 S. 33 ff.).

 

4.3      Nach
der gesetzlichen Konzeption von Art. 10 Abs. 2 StPO obliegt es den
Gerichten, sämtliche subjektiven wie objektiven Beweismittel frei nach der aus
dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung zu würdigen. Darunter fällt auch
die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen. Das Gericht zieht indes eine oder
mehrere sachverständige Personen bei, wenn es nicht über die besonderen
Kenntnisse oder Fähigkeiten verfügt, die zur Feststellung oder Beurteilung
eines Sachverhalts erforderlich sind (Art. 182 StPO). Eine
Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch eine sachverständige Person drängt sich nur
bei Vorliegen besonderer Umstände auf. Dies kann der Fall sein, wenn schwer
interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu beurteilen sind, bei Anzeichen
ernsthafter geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit des Zeugen
beeinträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Zeuge
einer Beeinflussung durch Drittpersonen ausgesetzt war (BGE 129 IV 179 E. 2.4,
129 I 49 E. 4, 128 I 81 E. 2). Das Gericht verfügt bei der Beantwortung der
Frage, ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalles ein Sachverständiger
beigezogen werden muss, über einen Ermessensspielraum (BGer 6B_145/2019 vom
28. August 2019 E. 2.2.1, 6B_738/2018 vom 27. März 2019 E. 1.3.1,
6B_1006/2017 vom 24. Oktober 2018 E. 2.3.1; 6B_23/2017 vom 14. November 2017 E.
1.2; je mit Hinweisen). 

 

4.4      Der
Berufungskläger hat nicht erörtert, weshalb er das Gericht im vorliegenden
Einzelfall der Würdigung der privatklägerischen Schilderungen als nicht
sachkundig erachtet und auch nicht geltend gemacht, dass eine Beurteilung der
privatklägerischen Aussagen durch eine sachverständige Person erforderlich wäre.
Er hat auch nicht ausgeführt, welche Realkriterien unrichtig auf welche
Aussagen angewendet worden seien. Der Berufungskläger kritisiert vielmehr in
allgemeiner Weise die bundesgerichtliche Vorgabe der Anwendung einer Methodik
aus dem Gebiet der Psychologie durch die mit der Strafsache befasste
Justizbehörde als pseudowissenschaftlich. Aus dieser Rüge lassen sich in Bezug
auf die Urteilsfindung keine konkreten Rechtsfolgen ableiten. Insbesondere hat
sie nicht zur Folge, dass das Gericht in der vorliegenden Aussage gegen Aussage
Konstellation die Belastungen des mutmasslichen Opfers nicht in freier
Würdigung zum Nachteil der beschuldigten Person werten dürfte. Der
Berufungskläger ist somit nicht mangels Beweisen freizusprechen. 

 

5.

5.1      Der
Berufungskläger rügt das Ergebnis der vorinstanzlichen Aussagewürdigung als
unrichtig. 

 

Er macht
zunächst geltend, das objektivierte Verletzungsbild passe nicht zu den
Schilderungen brutaler Gewalt. Weiter habe die Privatklägerin nach eigenen
Angaben nachts etwa zwischen 03:00 und 05:00 Uhr laut im Gang eines
Mehrfamilienhauses geschrien, dennoch wolle niemand etwas davon gehört haben. Gemäss
der Verteidigung sei gar die Mutter des Berufungsklägers in der Wohnung
gewesen. Der angebliche Fluchtversuch sei weiter deshalb unglaubhaft, weil der
Hausflur nur 1.5 Meter breit sei. Wenn sich der Sachverhalt der
Anklageschrift entsprechend abgespielt hätte, wäre es ein Leichtes gewesen, bei
den Nachbarn zu klingeln. Sodann habe die Auskunftsperson E____ ausgesagt, dass
sowohl der Berufungs- als auch die Privatklägerin stockbesoffen gewesen seien.
Bei der Privatklägerin sei in dubio pro reo von einer
Blutalkoholkonzentration (BAK) von 2.6 ‰ auszugehen. Bei einer derart
exzessiven Alkoholisierung seien Selbst- und Fremdbild sowie Selbst- und
Fremdwahrnehmung massiv eingeschränkt. Es sei gut möglich, dass nicht alle
Signale von allen Beteiligten richtig gedeutet worden seien. Was passiert ist,
sei wegen einer massiven Alkoholisierung zweier erwachsener Personen passiert
und dann im Nachhinein einseitig bereut worden (Plädoyer Berufungskläger
S. 5 f.).

 

In Bezug auf seine eigenen Aussagen betont der Berufungskläger, die
Einvernahmen aus der Zeit der Vertretung durch Advokat C____ seien als
missglückt zu bezeichnen. Sie könnten keine Grundlage für einen Schuldspruch
sein. Er habe vor dem Appellationsgericht erstmals die Möglichkeit erhalten,
die Geschehnisse in einem freien Bericht darzulegen. Seine Aussagen seien
mindestens so glaubhaft, wie jene der Privatklägerin (Plädoyer Berufungskläger
S. 6).  

 

5.2      Es
liegen folgende objektive Beweismittel im Recht: 

 

5.2.1   Aus
einem rechtsmedizinischen Gutachten betreffend den Berufungskläger vom
25. September 2017 geht hervor, dass er am linken Ohr hinter der
Ohrmuschel zwei frische Kratzer und an der Innenseite des rechten Oberarms
einen blauen Fleck aufwies, zudem Schürfwunden an der Brust, welche durch
Fingernägel entstanden sein könnten und sich jeweils dem Ereigniszeitraum
zuordnen liessen (Akten S. 271, 422 ff.). 

 

Dem
rechtsmedizinischen Gutachten der Privatklägerin ist zu entnehmen, dass sich
Schleimhauteinblutungen an ihrer Oberlippe als Folge stumpfer Gewalt ausmachen
liessen, zudem feinstreifige Hauteinblutungen am Hals und im Dekolleté-Bereich.
Weitere Hauteinblutungen fanden sich im Rückenbereich und an den Armen. Ersteres
lasse sich am ehesten mit der Einwirkung eines stumpfen geformten Gegenstandes
erklären, etwa durch ein Aufliegen auf bzw. ein Gedrücktwerden gegen einen geformten
Gegenstand. Objektiviert wurde zudem eine schräg verlaufende, strichfeine
Hauteinblutung am Rücken, welche am ehesten Folge eines Gekratztwerdens sei.
Daneben wurden kleinere Läsionen festgestellt, welche sich nicht unmittelbar
mit dem Ereignis in Verbindung bringen liessen. Sodann wurde bei der
Untersuchung durch das IRM eine „strichfeine“ Schleimhautläsion in der
Analregion erkannt, für welche unter anderem eine gewaltsame Penetration
ursächlich sein könne. Für das Einbringen von Spermien im Rahmen eines
vaginalen Geschlechtsverkehrs fanden sich keine Hinweise (Akten
S. 481 f.). Das Genital zeigte sich unverletzt, der Sexualkontakt
zwischen dem Berufungs- und der Privatkläger ergebe sich indes aus
verschiedenen DNA-Spuren (Akten S. 282 ff.). 

 

Die forensisch-toxikologischen
Untersuchungen ergaben für den Berufungskläger, dass dieser vor der Tat Cannabis
konsumiert hatte und im Ereigniszeitpunkt unter dessen Wirkung stand. Weiter
wurde objektiviert, dass er in den Stunden vor der Blutentnahme Alkohol
konsumiert hatte. Aufgrund des Zeitpunkts der Blutentnahme, lässt sich
toxikologisch indes nicht belegen, ob bzw. in welchem Mass er zur Tatzeit unter
Alkoholeinfluss stand (Akten S. 462 f.). In Bezug auf die
Privatklägerin zeigte die Untersuchung, dass diese zu Beginn des
Ereigniszeitraums, am 10. September 2017 um 03:00 Uhr, rückgerechnet
eine BAK von 1.4–2.6 ‰ aufgewiesen hatte. Betäubungsmittel hatte sie nicht
konsumiert (Akten S. 706 f.). Eine um 07:10 Uhr abgenommene
Atemalkoholprobe ergab noch eine BAK von 0.57 ‰ (Akten S. 144). 

Die Auswertung
der Mobiltelefone der Beteiligten hat ergeben, dass zwischen diesen keine
telefonischen Kontakte bestanden haben (Akten S. 191 ff.). Indes rief
die Privatklägerin am 10. September 2017 um 04:11 Uhr den Zeugen F____
an, erreichte ihn jedoch nicht. Dieser hatte sich gemeinsam mit ihr und dem
Berufungskläger in der [...]-Bar aufgehalten. Sie erklärte den Anrufversuch
damit, sie habe, bevor sie zur Polizei gegangen sei, die Identität des
Berufungsklägers in Erfahrung bringen wollen (Akten S. 155).

 

Keine
weiterführenden Erkenntnisse haben sich aus der Tatortbegehung mit der
Privatklägerin (Akten S. 226), der Videoüberwachung der [...] Basel (Akten
S. 238) und der Hausdurchsuchung beim Berufungskläger (Akten
S. 98 ff.) ergeben, weshalb auf eine Erläuterung der entsprechenden
Berichte verzichtet werden kann. 

 

5.2.2   Im
Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass eine isolierte Betrachtung
der objektiven Beweismittel keine eindeutigen Schlüsse betreffend die Freiwilligkeit
des Sexualkontakts zwischen dem Berufungs- und der Privatklägerin zulässt. Verworfen
werden kann hingegen die Rüge, das Verletzungsbild passe nicht zu den
Schilderungen der Privatklägerin. Wie nachfolgend dargestellt, macht diese
nicht geltend, Opfer von Brachialgewalt, namentlich von Schlägen, geworden zu
sein. Ihre Schilderungen stehen nicht im Widerspruch zu den medizinischen
Befunden sondern korrespondieren vielmehr damit. 

 

5.3      Es
sind als subjektive Beweismittel die Aussagen der beteiligten Personen zu
würdigen:

 

5.3.1   Die
Privatklägerin begab sich am frühen Morgen des 10. September 2017 um
06:39 Uhr zur Polizeiwache [...]. Ihre erste Aussage ist im Polizeirapport
vom gleichen Tag in direkter Rede wiedergegeben. Sie gab an, am Vorabend in der
[...]strasse ein Strassenfest besucht zu haben, wo sie mit einem Typen, den sie
vom Sehen her gekannt habe, ins Gespräch gekommen sei. Nachdem das Fest um ca.
23:00 Uhr vorbei gewesen sei, habe sie sich mit dem Mann, dessen Namen sie
nicht gekannt habe, mit dem sie sich aber auf Spanisch habe unterhalten können
weil er [...] sei, in die [...]-Bar begeben. Von da aus habe man noch weiter
gewollt, plötzlich habe sie sich dann aber in einer Wohnung befunden. An
welcher Adresse diese gelegen und um wieviel Uhr man sich aufgemacht habe,
wisse sie nicht. Als sie realisiert habe, dass sie alleine mit dem Typen in der
Wohnung war, sei es zum Streit gekommen und sie habe ihm klarzumachen versucht,
dass man in eine weitere Bar habe gehen wollen. Er habe ihr darauf hin Mund und
Nase fest zugehalten, sodass sie fast keine Luft bekommen habe. Anschliessend
seien sie im Bett gelandet und sie sei von dem Typen vaginal vergewaltigt
worden. Danach habe sie zur Eingangstür laufen können und laut geschrien. Er
habe sie daraufhin zurück in die Wohnung gezogen, ihr den Mund zugehalten und
sie anal vergewaltigt, was furchtbar wehgetan habe. Er habe kein Kondom
verwendet, ob er zum Samenerguss gekommen sei, wisse sie nicht. Sie habe ihn
gefragt, warum er ihr dies antun würde, worauf er erwiderte, sie habe dies
freiwillig mitgemacht. Anschliessend habe er ihr den Mund erneut zugehalten,
diesmal mit einem T-Shirt, zudem habe er ihr die Augen verbunden und man habe
die Wohnung verlassen. Sie sei fast umgefallen, weil sie nichts habe sehen
können. Als sie die Augenbinde habe entfernen können, habe sie festgestellt,
dass sie im Keller gewesen sei, worauf sie Todesangst bekommen und gefürchtet
habe, umgebracht zu werden. Erneut seien ihr Mund und Nase zugedrückt worden,
bis sie keine Luft mehr bekommen und gedacht habe, sie sterbe. Anschliessend
habe man die Liegenschaft verlassen. Auf Höhe einer Kreuzung, bei der sie den
ersten Passanten begegnet seien, habe sie ihm gesagt, er solle sofort verschwinden.
Darauf habe sie sich zur Polizei begeben (Akten S. 143 ff.). 

 

5.3.2   Die
Berufungsklägerin wurde am 10. September 2017 ein zweites Mal einvernommen
(Akten S. 152 ff.). 

 

In freier Rede
schilderte sie, am Abend des 9. September 2017 mit ihren Kindern an ein
Strassenfest eingeladen worden zu sein. Gegen 21:30 Uhr sei ihre Cousine mit
dem Sohn der Privatklägerin nach Hause gegangen und eine Freundin mit ihrer
Tochter. Sie sei dann gemeinsam mit dem Typen sowie einem Bekannten namens F____
in die [...]-Bar weitergezogen. Eigentlich habe man geplant, an ein anderes
Fest zugehen. Man sei gelaufen, gelaufen und gelaufen. Sie habe sich nie
gefragt wo sie gewesen seien, sie habe es auch nicht genau gewusst. Sie habe
die Orientierung verloren. Plötzlich sei sie bei ihm zu Hause gewesen. Bei ihm
angekommen, habe sie ihn noch gefragt, warum zu ihm, man habe doch woanders hin
gewollt, er habe sie irgendwie überredet. Wie sie mit dem Typen in die Wohnung
gekommen sei, wisse sie nicht. Als sie oben gewesen seien, wisse sie nicht mehr
genau wie es angefangen habe, er habe halt gewollt. Sie habe ihm gesagt: Nein,
er sei zu jung für sie. Man habe diskutiert. Er habe ihr den Mund zugehalten
und was er dann gesagt habe, wisse sie nicht. Danach habe er sie vergewaltigt.
Sie habe zuerst gedacht, es sei ein Witz. Sie habe fast nicht mehr atmen
können. Er sei sehr ernst gewesen. Sie habe dann gemerkt dass es nichts bringt,
sich zu wehren. Kaum sei sie aus der Wohnung draussen gewesen, habe sie
geschrien. Er sei dann noch brutaler geworden. Er habe sie wieder in die
Wohnung gezogen und sie dann anal vergewaltigt, was nicht so lange gedauert
habe. Währenddessen habe er ihr den Mund zugehalten. Sie habe extrem Angst
bekommen und sich extrem gewehrt. Sie habe gedacht, dass sie dort sterben müsse
und ihm gesagt sie habe zwei Kinder, er könne ihr das nicht antun. Er habe ihr
dann die Augen mit einem T-Shirt verbunden und man sei dann gemeinsam mit dem
Lift nach unten gefahren. Irgendwo habe es eine Treppe gehabt. Sie habe ihm mit
einer Anzeige gedroht, worauf er erwidert habe sie würde alles so schlimm
machen. Im Keller angekommen, habe er ihr erneut Mund und Nase zugehalten, wodurch
sie kaum mehr Luft bekommen habe. Sie habe gebettelt, dass er sie nicht
umbringen solle, ihre Hände gefaltet und ihn angefleht, dass sie zwei Kinder
habe. Er habe sie nach draussen begleitet, man sei auf unbekannte Menschen
getroffen und sie habe ihm gesagt, er solle verschwinden. Dann sei sie zur
Polizei (Akten S. 152 f.). 

 

Auf weitere
Nachfragen der einvernehmenden Person machte die Privatklägerin detaillierte
Ausführungen zu den vorgeworfenen sexuellen Handlungen. Sie führte aus, der Typ
habe sie glaublich direkt in die Hose gefasst, zwischen die Beine und manchmal
an die Brust. Sie habe nein gesagt, aber er habe trotzdem weiter gemacht. Er
habe sich am Anfang noch entschuldigt, dass er ihr an die Brust gekommen sei,
er sei am Anfang noch höflich gewesen. Danach sei es immer extremer geworden,
er sei nicht mehr feinfühlig gewesen und es sei ihm egal gewesen, was sie
gesagt habe. Sie habe dann etwas nachgegeben. Er habe ihr die Hose und die
Unterhose einfach so runtergezogen, ohne einen Knopf zu öffnen. Danach habe er
sie vergewaltigt. Passiert sei es in dem einen Zimmer in der Wohnung auf dem
Bett. Ihre Oberbekleidung habe er ihr nicht ausgezogen, aber als sie gegangen
war, sei ihr BH offen gewesen. Der Typ selber habe plötzlich unten auch nichts
mehr angehabt. Sie wisse nicht genau, wann er sich ausgezogen habe. Während der
Vergewaltigung habe sie ihn gefragt warum er das mache. Er habe gemeint, sie
würde sich nicht beruhigen, so würde er sie nicht gehen lassen können. Sie sei
dann auch manchmal durchgedreht und habe versucht, an ihm vorbeizugehen, aber
das habe nicht geklappt. Er habe sie umgedreht und ihre Hände gehalten. Sie
habe auf dem Bauch gelegen, den Kopf gegen unten. Im Protokoll ist verbalisiert,
wie die Privatklägerin eine Art Polizeigriff vorzeigt. Sie habe immer versucht
zu kratzen, abzuweisen, an den Haaren zu ziehen. Das habe sie auch geschafft.
Aber wenn sie sich gewehrt habe, sei es ihr nachher schlechter gegangen, weil
er noch heftiger geworden sei. Er habe ihr noch mehr den Mund zugehalten und
sie an den Haaren gerissen. Einmal sei er sogar noch mit den Knien auf sie darauf
und habe ihr die Hand verdreht. Einmal, als sie noch gestanden seien, habe sie
ihm in die Eier treten wollen. Was dann genau passiert sei, wisse sie nicht.
Bei der Vergewaltigung sei er vaginal mit seinem Penis in sie eingedrungen ohne
ein Kondom zu benutzen und ohne zum Samenerguss gekommen zu sein (Akten
S. 154 ff.). 

 

Nachdem er
aufgehört hatte, habe sie sich wieder angezogen und sei aus der Wohnung in den
Hausflur gegangen. Er habe sie nicht daran gehindert, sei aber mit ihr
rausgegangen. Sie habe sogleich angefangen laut „Hilfe“ zu schreien. Sie habe
auch bei den Nachbarn läuten wollen, aber dann habe er sie gepackt und es sei
nicht mehr gegangen. Sie habe gewollt, dass jemand auf die Situation aufmerksam
werde und er sich nicht mehr getraue, etwas zu machen. Von da an habe er ihr
immer den Mund zugehalten sogar auch die Nase und ihr die Hand verdreht. Beim
zweiten Mal sei er richtig wütend geworden und das Ganze sei richtig schlimm
geworden. Er habe sie hinter ihr stehend am Bauch gepackt und wieder in die
Wohnung hereingezerrt, sie habe versucht sich loszumachen und ihn zu kratzen.
Mit welcher Hand er ihr den Mund zu gehalten habe, wisse sie nicht mehr. Sie
habe nur sehr wenig Luft bekommen. Er habe ihr gesagt, sie solle doch nicht so
ein Dings machen, es sei nicht so schlimm, sie sei schliesslich freiwillig
mitgekommen. Dann habe er sie wieder ins Bett getan. Sie wisse nicht genau, wie
er ihr die Hose ausgezogen habe. Dann habe er sie anal vergewaltigt, wobei sie
geschrien und er ihr den Mund zugehalten habe. Dies sei praktisch die ganze
Zeit so gewesen, denn wenn sie gekonnt habe, habe sie immer „Hilfeeeee“
geschrien. Sie habe wiederum auf dem Bauch gelegen, er habe bei der Tat nichts
gesagt. Er habe erneut kein Kondom benutzt und sei nicht zum Orgasmus gekommen
(Akten S. 160 ff.). 

 

Danach habe er
gesagt, er werde sie raus lassen, aber nicht wenn sie so schreie. Sie habe sich
anziehen dürfen und als sie zwischen Bett und Tür gestanden sei, habe er ihr
ein T-Shirt ziemlich fest um den Mund geschnürt und ihr mit einem zweiten die
Augen verbunden. Sie ergänzte, dass sie zuvor einen Fluchtversuch unternommen
habe. Sie habe ihm einen in die Eier gekickt, darauf habe er sie auf das Bett
geworfen und sei auf ihren Rücken gehockt. Nach dem zweitem Übergriff seien sie
also aus der Wohnung raus und mit dem Lift in den Keller gefahren. Die
Privatklägerin beschreibt, er habe ihr nochmals den Mund ganz fest zugedrückt,
er habe sie „fast umgebracht“. Sie habe gedacht, dass er sie in ein Kämmerli
bringen wird, wo sie keiner mehr findet. Sie habe dann ganz stark angefangen zu
schreien, er habe sie zu Boden geworfen und sei auf sie drauf. Sie habe ihn
glaublich an den Haaren gezogen und noch mehr um ihr Leben gekämpft und um ihre
Kinder (Akten S. 164 ff.).

 

Im Keller habe
sie es geschafft, sich des T-Shirts über ihren Augen zu entledigen. Als sie
gesehen habe, wo sie war, habe sie auch das andere T-Shirt weggezogen und
gleich angefangen zu schreien. Er habe sie zu Boden gezogen und ganz fest ihren
Mund und Nase zugehalten, wobei sie nach eigenen Angaben fast erstickt wäre. Als
sie gemerkt habe, dass sie keine Luft bekomme, habe sie mit den Händen gebetet.
Im Protokoll ist verbalisiert, wie die Privatklägerin eine entsprechende Geste
vorzeigt. Danach habe man das Gebäude verlassen. Die Privatklägerin beschrieb
ihre Empfindungen im Keller dahingehend, als dass sie dort nicht gedacht habe,
dass sie noch einmal rauskommen würde. Deshalb habe sie geschrien und worauf er
sie gepackt, auf den Boden gezerrt und „richtig zugemacht“ habe. Draussen auf
der Strasse seien sie normal gelaufen, denn sie habe kein Drama mehr machen und
schreien wollen. Wo sie durchgelaufen sind, wisse sie nicht (Akten
S. 166 ff.).

 

Zu ihrem Zustand
am Abend des 9. September 2017 zwischen 16:00 Uhr und 23:00 Uhr sagte die
Privatklägerin aus, sie habe zwei Bier und zwei Cognac-Rum getrunken und nichts
gegessen. Auf die zwei Bier komme sie deswegen, weil sie diese von zu Hause
mitgenommen habe und sich nicht daran erinnern könne, weitere bestellt zu
haben. Danach habe sie nichts mehr konsumiert, ebenso wenig beim
Berufungskläger zu Hause. Ihre BAK könne sie sich nicht erklären. Vielleicht
haben sie schon noch getrunken, sie möge sich einfach nicht erinnern. Sie sei
ziemlich „däne“ gewesen. Es könne sein dass noch ein paar Schlücke von anderen
genommen habe. In der [...]-Bar sei sie etwa zwischen 00:00 Uhr und 03:00 Uhr
gewesen. Sie habe den Berufungskläger bereits ein halbes Jahr zuvor schon
einmal dort gesehen. Er habe schon so Andeutungen gemacht, aber sie habe ihn
nicht beachtet. Sie vermute, dass sie vor der Tat zwischen 03:00 Uhr und 04:00 Uhr
bei ihm zu Hause eingetroffen sei. Sie denke, die Vorfälle hätten sich über
etwa eine Stunde hingezogen. Dennoch sei sie erst gegen 6:00 Uhr draussen
gewesen (Akten S. 168 ff.).

 

Die
Privatklägerin erwähnte weiter, dass der ebenfalls anwesende F____ und der
Berufungskläger in der [...]-Bar ihretwegen aneinandergeraten seien (Akten
S. 169).

 

5.3.3   Am
27. September 2017 fand eine Konfrontationseinvernahme zwischen dem Berufungs-
und der Privatklägerin statt (Akten S. 328 ff.). 

 

Sie gab zunächst
zu Protokoll, am 13. September 2017, drei Tage nach der Tat, sei die Tante des
Berufungsklägers, G____, bei ihr vorbeigekommen. Beim Besuch habe ihr diese
erzählt, dass sich ihr Neffe der Polizei gestellt habe. Dies, obschon er
angeblich von nichts wisse. G____ habe geweint und gewollt dass die
Privatklägerin die Anzeige zurückziehe. Ihr Neffe bekäme trotzdem seine Strafe,
zwar nicht durch die Polizei, aber man könne ihn beispielsweise schlagen bzw.
„es unter uns klären“. Andernfalls wolle man eine Gegenanzeige machen sodass es
ein riesen Ding werde (Akten S. 333). 

 

Zur Sache
befragt, antwortete die Privatklägerin auf den Vorhalt, sie habe mit dem
Berufungskläger in der [...]-Bar getanzt und herumgeknutscht, sie sei schon
sehr besoffen gewesen. Er sei jedoch nicht so Einer, den sie öffentlich küssen
würde. Sie wisse, er habe schon ein paar Mal versucht, sie zu küssen, sie habe
jedoch nicht gewollt. Sie habe ihm auch einige Male gesagt, dass er zu jung für
sie sei. Irgendwann habe er sie geküsst, sie glaube jedoch erst in der Wohnung
(Akten S. 334). 

 

Zur
Alkoholisierung des Berufungsklägers gab sie an, er sei er besser drauf gewesen
als sie. Sie sei alleinerziehend und habe zwei Kinder. Wenn sie mal weggehe,
dann nutze sie dies aus. Insgesamt sei es ihr so vorgekommen, wie wenn er
„ziemlich klar“ gewesen sei. Sie sei „hintendrein“ gewesen (Akten
S. 334 f.). Nach der [...]-Bar habe man an ein „Festli“ bei der [...]brücke
gehen wollen. Mit diesem Gedanken sei sie losgelaufen. Plötzlich sei sie bei
ihm gewesen. Sie habe es nicht abgelehnt, das Mehrfamilienhaus zu betreten,
weil das Fest, zu dem sie hätten gehen wollen, auch in einer Wohnung
stattgefunden hätte. Es sei eine „illegale Party“ gewesen, bei der sie schon
einmal gewesen sei. Dies wäre nahe von ihrem Wohnort gewesen. Bei ihm
angelangt, habe sie ihm vorgehalten, dass man an das andere Fest habe gehen
wollen. Er habe darauf geantwortet, sie solle noch ein wenig warten, dann habe
er sie geküsst. Weshalb sie dann nicht gegangen sei, wisse sie nicht mehr. Bis
dahin sei er keinerlei Gefahr für sie gewesen. In der Wohnung sei es dann eskaliert.
Sie sei während des gesamten Vorfalls immer „hintendrein“ gewesen. Sie habe
sich nicht richtig wehren können, sei plötzlich in einer Situation gewesen
(Akten S. 335 ff.).

 

In freier Rede
schilderte sie den Ablauf sodann erneut: Nach dem Betreten der Wohnung habe sie
ihm gesagt, dass sie doch an das Fest hätten gehen wollen, worauf er erwidert
habe, sie solle noch ein wenig warten. Er habe sie geküsst, dann seien sie ins
Bett gefallen bzw. sie. Dann habe er ihr in die Hose gefasst, sie habe seine
Hand wegnehmen wollen aber es sei nicht gegangen, weil er plötzlich angefangen
habe, Kraft anzuwenden. Dann sei sie plötzlich auf dem Bauch gelegen.
Zwischenzeitlich habe er ihre Hände hochgehalten und ihr Gesicht in die
Matratze gedrückt, sie habe sich währenddessen gewehrt und gekratzt. Danach,
als sie ihre Hose wieder anzog, habe sie ihm gesagt, dass es Konsequenzen vor
allen Latinos haben werde und sie Anzeige erstatten werde. Sie habe die Wohnung
verlassen und im Hausflur zu schreien begonnen und habe bei den Nachbarn
klingen wollen. Er habe sie zurückgezerrt und der zweite Teil habe begonnen: Er
habe sie erneut aufs Bett gestossen und sei mit seinen Knien, mit seinem
Körper, auf ihren Rücken. Er habe ihr die Hand fest herumgebogen. Die
Privatklägerin ergänzte, dass als sie dem Berufungskläger vor dem Verlassen der
Wohnung, zwischen die Beine gekickt habe. Erst dann sei sie rausgegangen und
habe geschrien. Beim zweiten Übergriff habe er ihr den Mund und halbwegs auch
die Nase fest zugehalten, sodass sie Mühe mit Atmen gehabt habe. Sie habe
geschrien. Als es vorbei war, habe sie sich wieder anziehen können, er habe
jedoch Angst gehabt, dass sie wieder schreie, weshalb er ihr ein T-Shirt, sie
glaube ein weisses, um den Mund gebunden habe. Dann habe er ihr auch die Augen
zugebunden, man sei gemeinsam hinausgegangen und sie sei gestolpert. Mit dem
Lift seien sie nach unten gefahren wo sie nach kürzester Zeit die Augenbinde
weggenommen habe. Sie habe gedacht, im Keller zu sein und nochmals eine Attacke
bekommen. Sie habe geschrien so fest wie sie konnte und man sei dann zu Boden gegangen.
Dabei habe er ihr erneut den Mund und die Nase zugedrückt. Im Protokoll ist
verbalisiert, dass die Privatklägerin weint. Sie habe fast keine Luft mehr
bekommen, habe nichts mehr gemacht und gebettelt, er solle sie nicht umbringen.
Er habe gesagt: „Nein, sicher nicht.“: Anschliessend habe man das
Mehrfamilienhaus verlassen. Nach kurzer Zeit habe sie mit lauter Stimme gesagt,
er solle verschwinden („lárgate“). Sie sei dann ohne ihn weitergelaufen und habe
sich zur Polizei begeben (Akten S. 337 f.).

 

Die
Privatklägerin wurde näher zu den Einzelheiten der beiden Übergriffe befragt.
Hierzu gab sie an, der Berufungskläger habe kein Gleitmittel verwendet, als er
anal in sie eingedrungen sei. Zum Knebeln gab sie an, dies sei im Zimmer,
zwischen Bett und Tür passiert. Eines der T-Shirts sei weiss gewesen, beim
anderen wisse sie nicht. Gegen das Verbinden der Augen und das Knebeln habe sie
sich nicht gewehrt, weil er ihr gesagt habe, nur so würde er sie gehen lassen.
Sie habe dies „ok“ gefunden, nur weshalb er ihr die Augen verband, habe sie
sich gefragt. Die Frage, ob sie während der gesamten Zeit in der Wohnung zu
irgendeinem Zeitpunkt einvernehmlich sexuelle Handlungen/Zärtlichkeiten mit dem
Berufungskläger vorgenommen habe, verneinte sie (Akten S. 338 ff.).

 

In der Folge
wurde die Privatklägerin mit den Aussagen des Berufungsklägers, welche dieser vor
dem Zwangsmassnahmengericht gemacht hatte, konfrontiert (Akten S. 340 ff.).
Ihr wurde vorgehalten, gemäss seiner Aussage habe sie nach dem Sex im Bett
einen Nervenanfall gehabt, wobei sie geweint und ihn gekratzt habe. Im
Protokoll ist verbalisiert, dass die Privatklägerin darauf lachen musste. Sie sagte,
dass sie schon einen Nervenzusammenbruch gehabt habe, aber aufgrund dessen was
gemäss ihrer Aussage passiert ist. Ihr wurde weiter vorgehalten, er habe
ausgesagt, ihr den Mund zugehalten zu haben, damit sie sich beruhige, denn sie
hätte stets angefangen, ihn zu kratzen. Das einzige was er habe machen können,
sei sie mit seinen Händen festzuhalten. Die Privatklägerin antwortete darauf
mit der Gegenfrage, wann dies gewesen sein solle. Er habe ihr nicht nur den
Mund zugehalten sondern auch die Nase. Sie habe auch geblutet, weil er so fest
zugedrückt habe. Weiter habe der Berufungskläger ausgesagt, beim Verlassen der
Liegenschaft habe sie ihn bedroht, bzw. ihm angekündigt, sie würde jemanden
beauftragen, der ihm Leid zufügen. Die Privatklägerin bestritt dies (Akten
S.340 f.).

 

Der damalige
Rechtsvertreter des Berufungsklägers, C____, stellte der Privatklägerin weitere
Fragen: Zur Frage, wo die illegale Party hätte stattfinden sollen, gab sie an,
die Party wäre in der Strasse gewesen, wo auch das Café [...] ist. Dieses
befindet sich in der [...]strasse, d.h. in der gleichen Strasse, wie die
Wohnung des Berufungsklägers. Vor dessen Wohnung habe sie jedoch überhaupt
nicht überlegt, bevor sie mit ihm hinaufgegangen ist (Akten S. 345). 

 

5.3.4   Anlässlich
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 22. Januar 2018 wurde die
Privatklägerin erneut befragt (Akten S. 538) Die Einvernahme liegt auch als
Videoaufnahme vor. Sie wiederholte zunächst ihre Aussagen zur Vorgeschichte. Gegen
23:30 Uhr sei sie als Teil einer Gruppe von fünf bis sechs Personen, die
sie mit Ausnahme von F____ nur vom Sehen her gekannt habe, in die [...]-Bar gegangen.
Am Strassenfest habe sie Rum, gemischt mit Eistee, und zwei Bier konsumiert,
die sie von zuhause mitgenommen habe. Vermutlich habe sie noch ein weiteres
Bier in der [...]-Bar getrunken. Schlussendlich sei sie „eigentlich schon
ziemlich besoffen“ gewesen. Sie habe es erst gemerkt, als sie bei ihm daheim
war, wo sie sich habe wehren müssen. Vorher sei sie einfach relaxed gewesen,
ihr sei auch nie schlecht gewesen (Akten S. 538 ff.). 

 

In der Bar sei
der Berufungskläger jeweils „sehr in der Nähe“ von ihr gewesen. Sie hätten
einfach getanzt, sie könne sich nicht erinnern, dass sie sich geküsst hätten,
allenfalls habe er sie auf die Wange geküsst. Sie habe jedoch nicht geglaubt,
dass er sich speziell für sie interessiert bzw. etwas von ihr gewollt habe. Sie
selber habe dies auch nicht gewollt. In der Gruppe habe man sich dann
entschieden, noch ein weiteres Festlein, die „illegale Party“ in der Nähe der
Kirche bei der [...] aufzusuchen, welches in Richtung ihres Zuhauses gelegen
wäre. Sie habe sich den Verlauf des Abends so vorgestellt, dass man dort
vorbeigeschaut hätte und sie dann alleine zu sich nach Hause gegangen wäre. Wie
sie dann von der [...]-Bar aus in diese Richtung gegangen seien, daran könne
sie sich nicht mehr erinnern. Sie sei einfach gelaufen und habe ihm vertraut,
wo es lang gehe. Sie kenne sich nicht sehr gut in Basel aus, sie kenne ihre
normalen Routen und achte sich sonst nicht so auf die Strassennamen. Hinzu sei
die Wirkung des Alkohols gekommen, die sie gespürt habe. Beim Gehen sei sie
jedoch nicht beeinträchtigt gewesen. Sie habe gemeint, sie seien auf dem Weg
zum Festlein gewesen, als sie plötzlich vor einem Haus gestanden seien.
Eigentlich habe sie erst beim Lift und dann bei ihm daheim realisiert, wo sie
sei und dann direkt gesagt: „He, wir wollten doch an dieses Festli.“ bzw. „Was
soll das?“. Er habe dann etwas gesagt, wie „tranquila, espera“, also „warte,
beruhige dich“. Dies habe sie ein wenig beunruhigt, jedoch nicht in dem Sinne,
dass sie gefürchtet habe, er werde ihr etwas antun, sondern weil sie ans Fest
und dann nach Hause gewollt habe. Dem Vorhalt, der Berufungskläger habe
ausgesagt, er habe ihr, weil es schon so spät und er müde gewesen sei,
vorgeschlagen, anstatt zur illegalen Party zu ihm nach Hause zu gehen und dort
etwas zu trinken, widersprach die Privatklägerin. Dies habe er nie gesagt. Auf
dem Weg zu ihm seien sie auch nicht Arm in Arm gegangen, sondern jeder für
sich. Kaum seien sie zur Wohnungstüre reingekommen, habe er direkt ein
bestimmtes Zimmer angesteuert und sie im Türrahmen zum Zimmer geküsst. Ganz
genau könne sie sich an diesen zeitlichen Abschnitt jedoch nicht mehr erinnern,
sie hätten aber nach ihrer Meinung nichts mehr zusammen getrunken in der
Wohnung (Akten S. 541 ff.). 

 

Danach seien sie
rücklings ins Bett gefallen, es sei ein Doppelbett mit rotem Bezug gewesen. Der
Berufungskläger habe begonnen, die Privatklägerin zwischen den Beinen
anzufassen. Sie habe ihm darauf gesagt, er solle aufhören, sie wolle das nicht,
was er jedoch ignoriert bzw. mit Beschwichtigungsversuchen („tranquila“)
beantwortet habe. Dabei habe er so halb auf und halb neben ihr gelegen. Sie sei
zu diesem Zeitpunkt noch bekleidet gewesen, auch die Schuhe habe sie noch
angehabt und habe versucht, seine Hand wegzunehmen. Dann sei sie plötzlich auf
dem Bauch gelegen und er habe sie gehalten, die Arme bzw. Hände über den Kopf,
was die Privatklägerin auch mit einer entsprechender Gebärde demonstrierte. Ausserdem
habe er ihr den Kopf in die Matratze hinein gestossen. Wie es dazu gekommen
sei, dass sie nun auf dem Bauch gelegen habe, wisse sie nicht mehr genau. Es
sei plötzlich geschehen. Sie habe das Gefühl, er habe sie schnell umgedreht. Zu
diesem Zeitpunkt sei er dann auf ihr gewesen. Er habe ihr die Hosen ausgezogen
und sie habe versucht, ihn zu kratzen und ihm gesagt, er solle aufhören. Der
Berufungskläger habe dann auch seine eigenen Hosen abgestreift. Er habe ihr die
Hände über ihrem Kopf festgehalten und sie habe versucht sich zu lösen, wobei
die Privatklägerin eine Art „Crawlbewegung“ darstellte. Dann sei er vaginal in sie
eingedrungen. Sie habe sich immer noch losmachen wollen, empfand sich aber als
sehr langsam, sie habe das Gefühl gehabt, plötzlich schon in einer Situation
drin zu sein. Sie habe ihm währenddessen gesagt: „Lass mich doch, warum tust du
das?“. Sie habe keine Möglichkeit gehabt, sich ihrer Lage zu entziehen. Es sei
nicht lange gegangen, geschätzt etwa eine Minute lang und sei nicht schmerzhaft
gewesen. Der Berufungskläger habe kein Kondom verwendet. Als er von ihr
abgelassen hatte, habe sie sich angekleidet. Sie sei hässig gewesen und
– kaum, dass sie angezogen gewesen sei – habe ihm eins mit dem Knie
zwischen die Beine gegeben und sei „abgsegglet“. Er sei ihr direkt hintendrein.
Sie sei in den Hausflur, habe laut geschrien und bei den Nachbarn läuten
wollen, aber es wegen zehn Zentimetern nicht mehr geschafft (Akten
S. 544 ff.). 

 

Der
Berufungskläger habe sie im Hausflur eingeholt, von Hinten um den Bauch
gepackt, was die Privatklägerin mit einer entsprechenden Geste vorzeigte und
zurück in die Wohnung gezogen. Dass ihre Schreie im Gang niemanden alarmierten,
quittierte die Privatklägerin bei der Einvernahme mit einem leisen Seufzen. Als
er sie in die Wohnung zurückgezogen hatte, sei er hässig auf sie gewesen. Sie
habe sich als ihm gegenüber sehr langsam empfunden, er sei „so quasi schon eher
da“ gewesen als sie. Als sie ihn gefragt habe, wieso er ihr das antue, habe er
geantwortet, sie sei doch alleine zu ihm gekommen. Danach habe der
Berufungskläger ihr ganz stark die Hand verdreht, was sie bei der Befragung
ebenfalls gestisch darstellte. Dann habe er ihr wieder die Hose
heruntergezogen. Es sei wieder in seinem Zimmer auf dem Bett passiert. Er sei
anal in sie eingedrungen, worauf sie sehr stark angefangen habe zu schreien,
weil es sehr fest weh gemacht und sie gehofft habe, dass es jemand hört. Er
habe sie mit Gewalt niedergedrückt und ihr die Hand vor den Mund und die Nase
gehalten, was sie mehrfach mit den entsprechenden Gesten darstellte. Sie habe
wieder auf dem Bauch gelegen und er sei mit den Knien auf ihrem Rücken gewesen.
Auch der Analverkehr habe nicht sehr lange gedauert. Er habe wie beim ersten
Mal von sich aus aufgehört. Dass er einen Orgasmus gehabt habe, glaube sie
nicht (Akten S. 546 f.). 

 

Nach dem
Übergriff habe der Berufungskläger ihr eröffnet, er könne sie nicht rauslassen,
wenn sie so schreie. Er habe ihr darum mit einem T-Shirt den Mund zugebunden,
danach auch die Augen und dann habe er sie rausgebracht. Im Gang sei sie noch
gestolpert, was die Privatklägerin andeutungsweise mit dem Oberkörper
vorführte. Sie habe das Gefühl gehabt, er bringe sie in den Keller und
befürchtet, er wolle sie umbringen oder einsperren. Es sei ihr gelungen, die
Augenbinde zu lösen und sie sei plötzlich zu Boden gefallen. Er habe ihr wieder
ganz fest Mund und Nase zugehalten, was die Privatklägerin ebenfalls mit einer Gebärde
darstellte. Dann habe sie wieder fest geschrien. Er habe sie fest zu Boden
gedrückt, während sie versucht habe, ihn an den Haaren zu ziehen. Die
Privatklägerin veranschaulichte ihre Ausführungen mit zahlreichen Gesten,
namentlich mit dynamischen Bewegungen beider Arme und Hände. Sie habe ihn
angefleht, sie am Leben zu lassen. Er habe ihr darauf versichert, sie sicher
nicht umzubringen. Gemeinsam hätten sie das Gebäude verlassen und als sie die
ersten Passanten erblickt hätten, habe sie ihm gesagt, er solle sie sofort
lassen. Es sei noch etwas dunkel gewesen zu jener Zeit. Sie sei hässig und
traurig gewesen, dass ihr so etwas passiert sei (Akten S. 547 f.).

 

Die
Privatklägerin gab weitere Auskünfte auf die Fragen des früheren
Rechtsvertreters des Berufungsklägers: Als nach der Tat die Tante des
Berufungsklägers bei ihr zu Besuch gewesen sei, habe diese ihr Gipfeli und
weitere Dinge mitgebracht, was sie sonst nie tue. Sie habe geweint und ihr
erklärt, es werde ganz schlimm kommen für ihren Neffen, sie wisse ja wie es für
Ausländer in der Schweiz sei. Die Privatklägerin habe sich dabei schlecht
gefühlt, aber schon damals gefunden, was der Berufungskläger gemacht habe, das
könne man einfach nicht machen, so leid es ihr tue. Sie habe deswegen auch nie
gesagt, dass sie die Anzeige zurückziehen wolle. Sie habe ausserdem ihren
getrennt von ihr lebenden Mann erwähnt, der nichts vom Vorfall erfahren solle,
weil er dem Berufungskläger ansonsten Gewalt antun würde. Dadurch würde die
Sache noch mehr an die grosse Glocke gehängt, was sie nicht wolle. Auf weitere
Fragen des Rechtsvertreters des Berufungsklägers präzisierte sie, sie sei
diesem nicht in seine Wohnung gefolgt, obschon sie er aufdringlich
gewesen sei, sondern er sei in der [...]-Bar eben noch nicht aufdringlich
gewesen. Warum sie ihm gegen ihren Willen in seine Wohnung gefolgt sei, obschon
sie habe erkennen müssen, dass sie nicht am Zielort angekommen seien,
beantwortete sie damit, dass die illegale Party an einem nicht-öffentlichen Ort
in einem Mehrfamilienhaus stattfand. Sie habe den Berufungskläger ausserdem zur
Rede gestellt habe, als sie merkte, dass sie bei ihm waren. Vorher habe sie gar
nicht überlegt. Sie seien einfach gelaufen und gelaufen. Er habe ihr dann
gesagt „tranquila, tranquila“, dann habe er sie geküsst und sie habe sich im
Bett wiedergefunden. Auf Frage, weshalb sie es nicht geschafft habe, nach dem
ersten Übergriff und ihrer „Flucht“ ins Treppenhaus bei den Nachbarn zu läuten,
obschon die Tür so nahe sei, man müsse nur den Arm ausstrecken, wiederholte
sie, vom Berufungskläger gerade noch gepackt und wieder in die Wohnung gezogen
worden zu sein. Zwar habe er sie nicht direkt daran gehindert, die Wohnung zu
verlassen, sie habe ihm jedoch den Tritt zwischen die Beine gegeben und sei
dann rausgerannt. Er sei ihr hintendrein, sie habe angefangen zu schreien und
er habe sie dann wieder reingezogen. Auf weitere Frage, weshalb sie sich zwar
beim zweiten sexuellen Übergriff gewehrt habe, nicht jedoch, als er ihr danach
Mund und Augen mit je einem T-Shirt verband, gab sie an, er habe ihr dies damit
begründet, dass er sie nicht rauslassen könne, wenn sie schreie. Sie habe dann
gefunden „ja, okay, wenn das sein muss, damit ich rausgehen kann, dann mach das
halt“. Dass er ihr auch die Augen verbunden habe, habe sie nicht lustig
gefunden und das habe er auch nicht angekündigt (Akten S. 549 f.). 

 

5.4      Der
Berufungskläger meldete sich am 11. September 2017 um 16:15 Uhr in
Begleitung seines Onkels, H____, bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt und gab
an, er glaube im Zusammenhang mit der Vergewaltigung vom 10. September
2017 gesucht zu werden. Daraufhin wurde er festgenommen (Akten S. 59,
246). 

 

5.4.1   In
der Hafteröffnungseinvernahme vom 12. September 2017 machte der
Berufungskläger keine Angaben zur Sache (Akten S. 62 ff.). 

 

In der
Verhandlung vor dem Zwangsmassnahmengericht liess er sich auf die Vorwürfe ein
und schilderte den Ablauf des fraglichen Abends wie folgt: Er habe die
Privatklägerin auf einem Fest in der Nähe vom [...] getroffen und habe danach mit
ihr zu einem weiteren Fest gehen wollen. Er sei ein bisschen, aber nicht sehr
betrunken gewesen und die Frau gleich wie er, etwas angetrunken. Am Fest habe
man sich nicht wie „stark verliebte“ verhalten, sondern eher wie Freunde mit
gewissen Vorzügen, obschon sie vorgängig noch nie Sex gehabt hätten. Am Schluss
seien sie bei ihm zu Hause an der [...]strasse gewesen, wo er mit seinen Eltern
wohne. Diese seien beide nicht zu Hause gewesen, was er jedoch nicht gewusst
habe. Es sei nicht vorgesehen gewesen, mit der Privatklägerin Sex zu haben,
dennoch sei es soweit gekommen. Er habe nicht bemerkt, dass sie es nicht
gewollt habe. Es sei zu einem Geschlechtsverkehr mit jeweils vaginaler und
analer Penetration gekommen, ohne dass ein Kondom benützt worden sei. Wie lange
sie bei ihm zu Hause gewesen seien, wisse er nicht. Nach dem Sex habe die
Privatklägerin noch im Bett einen Nervenanfall bekommen und angefangen zu
weinen. Sie habe ihm gesagt, er solle aufhören, was er auch getan habe. Sie
habe geschrien und ihn gekratzt. Weshalb, wisse er nicht. Er sei schockiert
gewesen, ihm sei Solches zum ersten Mal passiert. Er habe ihr gesagt, dass sie
darüber sprechen und analysieren können, was passiert sei. Er habe ihr auch den
Mund zugehalten. Dies weil er in einen Schockzustand geraten sei. Es sei nicht
so, dass er nicht gewollt habe, dass sie um Hilfe schreit, er habe sie
lediglich beruhigen wollen. Dies habe für einen Moment funktioniert. Dann habe
sie wieder angefangen, ihn zu kratzen. Das einzige, was er habe tun können, war
sie mit seinen Händen festzuhalten. Um welche Uhrzeit sie gegangen sei, wisse
er nicht mehr, er habe sie zwar bis zur [...]strasse begleitet, verneinte
jedoch, ihr etwas um die Augen gelegt zu haben. Danach habe die Privatklägerin
ihm gesagt, dass er sie alleine lassen solle und ihn bedroht, indem sie ihm in
Aussicht stellte, jemanden zu beauftragen, der ihm Leid zufügen werde (Akten
S. 73 ff.). 

 

5.4.2   Am
12. September 2017 wurde der Berufungskläger staatsanwaltschaftlich
einvernommen. Dabei verweigerte er zu den strittigen Punkten des Kerngeschehens
die Aussage (Akten S. 259 ff.). 

 

5.4.3   An
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte der Berufungskläger seine
Ausführungen zur Vorgeschichte: Gegen Mitternacht habe er sich mit einer Gruppe,
der auch die Privatklägerin angehörte, zur [...]-Bar begeben. Man habe sich
unterhalten, zusammen etwas getrunken und getanzt. Es sei irgendwann soweit
gekommen, dass sie sich auf den Mund geküsst haben, wobei die Privatklägerin
den Kuss auch erwidert habe. Weil die Stimmung am Ort nachgelassen habe, habe
man entschieden, zu einem anderen Fest in der Bar „[...]“ weiterzuziehen. Sie
sei damit einverstanden gewesen. Auf dem Weg dahin habe er bemerkt, dass es
sehr spät war und so habe er der Privatklägerin gesagt, dass er müde sei. Er
habe ihr vorgeschlagen, zu ihm nach Hause zu gehen, um dort etwas zu trinken
und zusammen zu sein. Es sei ihr bewusst gewesen, dass man zu ihm gehe. Sie
habe auch gesehen, wie er die Schlüssel hervorgenommen habe, um die Haustür zu
öffnen. Sie hätten bei ihm dann ein paar Gläser getrunken und sich unterhalten.
Er habe sie gefragt, ob sie liiert sei, was sie verneint habe. Sie hätten sich
dann erneut geküsst, seien in ein anderes Zimmer gegangen, hätten sich dort
gegenseitig ausgezogen und weitergemacht, bis es zum Geschlechtsverkehr
gekommen sei. Es sei ihm und der Privatklägerin egal gewesen, dass sie kein
Kondom benützt haben und die Privatklägerin sei auch mit analem Verkehr ohne
Gleitmittel einverstanden gewesen. Nach etwa 20 Minuten habe die
Privatklägerin gesagt, er solle aufhören, sie fühle sich nicht wohl. Sie habe
angefangen zu weinen und sich den Kopf gehalten. Dass sie auch geschrien habe,
verneinte der Berufungskläger. Er wurde vom Gericht damit konfrontiert, dass er
vor dem Zwangsmassnahmengericht noch ausgesagt habe, sie habe geschrien, weil
er ihr deswegen den Mund zugehalten habe. Er erwiderte, er habe sich zuvor
möglicherweise falsch ausgedrückt. Er habe nicht gesagt, dass die
Privatklägerin laut geschrien habe im Sinn von „laut schreien“. Aber sie habe
ihn angeschrien und ihn angreifen wollen. Sie habe auch angefangen, ihn zu
beissen, weshalb er ihr den Mund zugehalten habe. Er habe sich wehren wollen
und darum ihre beiden Hände gepackt, es sei eine Art Selbstverteidigung
gewesen. Er habe sie gefragt was los sei und sie habe ihn dann aus Versehen auf
der Höhe der linken Brust verletzt. Auf seine Frage, was los sei, habe sie
geantwortet: „Warum haben wir das getan?“, worauf er gesagt habe: „Weil wir
beide wollten“. Er habe ihr vorgeschlagen, sich wieder anzuziehen und sich
ruhig zu unterhalten. Sie hätten dann gemeinsam das Haus verlassen und er habe
sie bis zur [...]strasse begleitet. Er habe sie auf dem Weg erneut gefragt, was
los sei, sie habe dies jedoch ignoriert bzw. ihm bei der [...]strasse gesagt,
sie wolle alleine sein (Akten S. 532 ff.). 

 

Zu seinem
Zustand gab er an, er habe während des Konzertes am ersten (Strassen-) Fest
zwei Bier getrunken und einen Joint geraucht. In der [...]-Bar hätten er und
die Privatklägerin ein weiteres Bier getrunken. Er sei in einer guten Stimmung
gewesen, aber nicht wegen des Alkohols, sondern in genereller Hinsicht. Die
Privatklägerin sei ebenfalls normal bzw. gut drauf gewesen. Bei ihm in der
Wohnung habe man dann noch ein kleines Glas Averna zum Apero genommen (Akten
S. 534 f.). 

 

Dass er der
Privatklägerin die Augen verbunden habe, verneinte der Berufungskläger. Weshalb
sie ausgesagt habe, im Hausflur gestolpert zu sein, wisse er nicht. Seiner
Meinung nach sei sie nie gestolpert. Weshalb die Privatklägerin
Schleimhauteinblutungen an der Oberlippe gehabt habe, könne er sich nicht
erklären, er habe sie nie geschlagen (Akten S. 536 f.).  

 

5.4.4   Der
Berufungskläger erbat sich vor dem Appellationsgericht die Möglichkeit, zu den
Vorwürfen einen vollständigen Bericht in freier Rede zu erstatten. Dieser entspricht
folgender Darstellung: Der Berufungskläger sei der Privatklägerin zufällig auf
einem Strassenfest in der Nähe vom [...] begegnet. Nach einem Konzert habe sie
sich ihm und seinen Freunden angeschlossen und man habe getanzt und zusammen
etwas getrunken. Im Anschluss sei man in die Bar „[...]“ gegangen, wo man
ebenfalls getanzt und etwas getrunken habe. Man habe ein gutes Feeling gehabt
und nach einer gewissen Zeit, haben er und die Privatklägerin angefangen,
physischen Kontakt zu haben. Sie hätten sich geküsst und seien sehr zärtlich
zueinander gewesen. Die Privatklägerin habe ihn nach einer gewissen Zeit
gefragt, ob er noch einen weiteren Ort kenne, um weiterzuziehen und er habe ihr
dann ein Fest vorgeschlagen, wohin man dann auch aufgebrochen sei. Auf dem Weg
habe man geredet und sich umarmt. Die Privatklägerin habe gesagt, sie sei müde,
weshalb man sich hingesetzt habe, um sich auszuruhen. Dabei habe man sich
erneut umarmt und geküsst. Es sei kühl geworden, weshalb er der Privatklägerin
angeboten habe, ob sie mit nach zu Hause kommen, um eine Jacke zu holen. Dort
habe man sich in die Stube begeben und weiter unterhalten, jeder habe erzählt,
was er so mache, dann habe man erneut und längere Zeit physischen Kontakt
gehabt. Die Privatklägerin habe ihm gesagt, dass sie grosse Lust auf ihn und
auf Sex mit ihm habe. Man sei dann ins Zimmer gegangen, habe sich gegenseitig
ausgezogen und habe Sex in zwei verschiedenen Stellungen gehabt. Nach einer
gewissen Zeit habe die Privatklägerin gesagt, er solle aufhören, sie fühle sich
schlecht. Er habe sie nach dem Grund gefragt und sei in die Küche gegangen, um
ihr ein Glas Wasser zu holen. Sie habe lediglich erwidert, dass sie gehen
wolle. Er habe da den Eindruck erhalten, die Privatklägerin fühle sich
schuldig. Sie habe auch angefangen, ein wenig zu weinen. Er habe ihr dann
angeboten, über das Geschehene zu sprechen und sie nach Hause zu begleiten. Man
habe sich dann angezogen, das Haus verlassen und sich auf der Strasse noch
umarmt, bis die Privatklägerin bei der [...]strasse gesagt habe, dass sie
alleine gelassen werden möchte. Der Berufungskläger habe sich sodann
freundschaftlich von ihr verabschiedet. Am nächsten Tag habe er erfahren, dass
er der Vergewaltigung beschuldigt werde. Er habe erst an einen Scherz gedacht, habe
sich dann aber doch zur der Polizeiwache [...] und später zur
Staatsanwaltschaft begeben (Protokoll der Berufungsverhandlung
S. 10 ff.).  

 

In der ergänzenden
Befragung durch das Gericht gab der Privatkläger zu seinem Alkoholkonsum am
fraglichen Abend an, er habe beim Strassenfest zwei oder drei Stangen getrunken
und bei „[...]“ noch einige. Was die Privatklägerin am Strassenfest getrunken
habe, wisse er nicht, weil er nicht die ganze Zeit bei ihr gewesen sei.
Insgesamt habe sie am fraglichen Abend in seiner Gegenwart drei oder vier Bier
getrunken. Ihren Zustand bei ihm Zuhause beschrieb er für beide gleichermassen
als „ziemlich angetrunken“, aber es „wussten beide noch ganz genau, was [sie]
machten“. Die Privatklägerin habe sich jedenfalls auf den Beinen halten können.
Das dritte Fest, wo man nach dem „[...]“ hingewollt habe, sei das Lokal bei den
[...] gewesen. Dies sei in Richtung [...], erst bei der Kirche [...] habe man
sich dann anders entschieden. Bei dieser Kirche sei es auch gewesen, wo man
sich hingesetzt und während zumindest zehn Minuten ausgeruht habe. Der
Privatklägerin sei es gut gegangen, sie habe sich noch nicht vom
Berufungskläger trennen wollen. Sie hätten sich zusammen gefühlt, wie ein
Pärchen. Der Vorschlag, direkt zu ihm zu gehen, sei vom Berufungskläger aus
gekommen. Die Privatklägerin sei jedoch damit einverstanden gewesen, sie habe
es eine gute Idee gefunden. Zuhause habe man dann noch ein Getränk genommen,
nämlich Aperol. Beim Geschlechtsverkehr habe es sich um gewaltlosen Sex
gehandelt. Dabei habe die Privatklägerin geäussert, sie habe grosse Lust auf
Analsex, nach einem kurzen Moment aber gesagt, sie wolle mit vaginalem Sex
weiterfahren, was auch geschehen sei, bis sie den Berufungskläger schliesslich angewiesen
habe, ganz aufzuhören, was dieser sofort getan habe (Protokoll der
Berufungsverhandlung S. 13 ff.).

 

Weshalb die
Privatklägerin sich nach dem Sex hätte schuldig fühlen sollen, wisse er ebenso
wenig wie den Grund dafür, dass sie eine abweichende Schilderung der Ereignisse
zu Protokoll gebe. Er könne auch keine Auskunft darüber geben, woher ihre
Verletzungen rühren, die sie mit den Geschehnissen in Verbindung bringt, ihm
seien ihre Verletzungen jedenfalls während dem Sex nicht aufgefallen. Die
Schürfungen bzw. Kratzer, welche an seinem Oberkörper festgestellt worden
seien, rührten vom Fussballspielen und daher, dass er eine sensible Haut habe.
Weiter habe er nie die Absicht gehabt, der Privatklägerin den Mund zuzuhalten,
es sei darum gegangen, dass sie sich beruhige. Konkret habe er sie umarmt und
ihr gesagt, dass sie sich beruhigen müsse. Er habe ihr darum den Mund nicht
zugehalten und diesen auch nie berührt, sondern er habe ihr das Gesicht
gestreichelt (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 16 ff.). 

 

5.5      Es
liegen weitere Aussagen im Recht: 

 

5.5.1   Die
Auskunftsperson F____ ist primär mit der Privatklägerin befreundet und gab an,
den Berufungskläger nur vom Sehen her zu kennen. Er sagte aus, am fraglichen
Abend als Teil der Gruppe mit dem Berufungs- und der Privatklägerin in der [...]-Bar
gewesen zu sein. Die Privatklägerin habe dort mit dem Berufungskläger geredet,
mit ihm getanzt und „rumgeknutscht“. Später seien die beiden weg gewesen. Zuvor
habe er ihr noch gesagt, sie solle auf sich aufpassen. Dem Berufungskläger habe
er gesagt, er solle vorsichtig sein, sie sei seine Kollegin. Die Privatklägerin
sei leicht angetrunken gewesen, sie habe auch mit dem Berufungskläger noch
Getränke getrunken. Soweit er es wahrgenommen habe, sei es ihr aber gut
gegangen. Wenn sie vollständig betrunken gewesen wäre, dann hätte er sich um
sie gekümmert (Akten S. 199 ff.). 

 

5.5.2   I____
ist eine Bezugsperson des Berufungsklägers und kennt die Privatklägerin nur vom
Sehen her. Er gab als Auskunftsperson befragt an, er habe vor der Einvernahme
bereits mit dem Berufungskläger über die Vorwürfe gesprochen. Dieser habe ihm
davon erzählt, dass die Privatklägerin mit ihm nach Hause gekommen sei.
„Nachdem das passiert war, was passiert ist“, habe sie angefangen zu schreien
und alles in der Wohnung kaputt zu schlagen. Der Berufungskläger habe sie
darauf aus der Wohnung geschickt und sie noch bis zum Tram begleitet. Aus
eigener Wahrnehmung habe I____ den Eindruck erhalten, der Kontakt zwischen dem
Berufungs- und der Privatklägerin am fraglichen Abend sei „ziemlich zärtlich“
gewesen. Sie haben viel zusammen geredet, gelacht, getanzt und getrunken. Er habe
auch gesehen, wie sie sich geküsst haben, wobei der Berufungskläger die
Privatklägerin auf die Wange geküsst habe, sie gelacht und sich beide umarmt
haben (Akten S. 321 ff.). 

 

5.5.3   Eine
weitere Einvernahme fand mit H____, dem Mann von G____ bzw. dem Onkel des
Berufungsklägers, statt. Auch er gab an, sich mit ihm über den Vorfall
unterhalten zu haben. Der Berufungskläger habe ihm erzählt, wie die Frau den
Sex bereut und dann angefangen habe zu toben und zu schreien (Akten
S. 249). 

 

5.5.4   Im
Weiteren liegt ein Polizeirapport im Recht, gemäss welchem sich aufgrund der
verbreiteten Medienmitteilung (vgl. Akten S. 254) die Auskunftsperson J____
telefonisch an die Polizei gewandt habe. Er habe Meldung darüber gemacht, dass er
am Sonntag, den 10. September 2017, zwischen 00:10 Uhr und 00:15 Uhr, aus
der Richtung des [...]platzes, beim Eingang des Parkplatzes des [...] zwei
Personen gekreuzt habe. Der Mann sei 1.75m gross und total besoffen gewesen. Er
habe eine Bier- oder Weinflasche in der Hand gehalten und sei fast in die
Auskunftsperson hineingelaufen. Er sei dunkelhäutig gewesen und habe Spanisch
mit der Frau gesprochen. Es habe danach geklungen, als habe er die Frau zu
etwas überredet, was sie nicht gewollt habe. Sie sei schwarz angezogen und sehr
freizügig gekleidet gewesen. Ob es sich um die Personen aus der
Medienmitteilung handle, wisse er nicht (Akten S. 195). 

 

In Bezug auf die
Meldung von J____ kann im Sinne einer Würdigung bereits vorweg genommen werden,
dass diese keine Beweiskraft für das vorliegende Verfahren entfaltet. Zum einen
ist nicht erstellt, dass der Berufungs- und die Privatklägerin überhaupt beim [...]platz
vorbeigekommen sind, zum anderen lässt sich die Begegnung zeitlich nicht mit
den übrigen Schilderungen in Übereinstimmung bringen, gemäss welchen man kurz
nach Mitternacht noch für einige Zeit in der [...]-Bar war. Schliesslich ist
die Personenbeschreibung derart vage, dass insgesamt nicht davon auszugehen ist,
dass J____ den Parteien begegnet ist. 

 

6.

Die vorstehenden
Aussagen sind im Hinblick auf die Ermittlung des rechtserheblichen
Sachverhaltes zu würdigen. 

 

6.1      Was
das Aufeinandertreffen des Berufungs- und der Privatklägerin am Strassenfest,
den Besuch der [...]-Bar und den anschliessenden Marsch zur Wohnung des
Berufungsklägers, d.h. die Vorgeschichte, betrifft, so hat schon die Vorinstanz
die abweichenden Darstellungen der Privatklägerin einerseits und des
Berufungsklägers sowie der Auskunftspersonen andererseits zum Anlass genommen,
die Darstellung des Opfers in Zweifel zu ziehen, wonach der Kontakt rein
freundschaftlicher Natur gewesen sei. Dass man sich zu zweit aus einer
grösseren Gruppe löste, um ohne die anderen ein weiteres Fest aufzusuchen, lässt
zwar nicht zwingend auf das Anbahnen eines Sexualkontakts schliessen. Auffällig
ist jedoch die Schilderung von F____, der zum Bekanntenkreis der Privatklägerin
gehört und der aussagte, sowohl sie, als auch den Berufungskläger vor den
Folgen des Abends gewarnt zu haben. Eine solche Anspielung wäre bei einem rein
freundschaftlichen Umgang unangemessen gewesen und erhellt, welche Aussenwahrnehmung
die Parteien verursachten. Auch die Aussagen der weiteren Auskunftspersonen
gehen eindeutig in die Richtung, dass die Privatklägerin die körperliche Annäherung
zumindest in der [...]-Bar erwiderte. Zudem verbirgt sich auch in den Aussagen der
Privatklägerin eine Ambivalenz gegenüber den Sympathiebekundungen des
Berufungsklägers. So beschrieb sie, wie der Berufungskläger mehrmals versucht
habe, sie zu küssen, was sie angeblich verweigert habe. Wenn sie trotzdem angibt,
sie habe gedacht, dass er nichts von ihr gewollt habe, so erscheint dies mit
Blick auf den gesamten Kontext als wenig wahrscheinlich. Damit ist
festzuhalten, dass die Annäherung der Parteien während der Vorgeschichte
einvernehmlich erfolgt ist. 

 

6.2      Auch
die Aussagen des Berufungsklägers zu den Geschehnissen beim Strassenfest und in
der [...]-Bar erweisen sich als wenig konstant. In seinem freien Bericht vor
dem Berufungsgericht ergänzte er seine Darstellung um zahlreiche Details,
welche zu seinen früheren Depositionen teilweise im Widerspruch stehen. 

 

Ohne Belang ist
zunächst, dass der Berufungskläger an der Berufungsverhandlung die [...]-Bar
offenbar mit dem Lokal [...] verwechselte. Bedeutsam ist hingegen, dass er den
Kontakt zur Privatklägerin in der Bar als enger darstellte, als zuvor. So gab
er an, man sei sehr zärtlich zueinander gewesen, während er in der tatnächsten
Befragung noch ausgesagt hatte, man habe sich nicht wie ein stark verliebtes
Paar verhalten. Weitere Inkonsistenzen ergeben sich aus seiner Schilderung des
Heimwegs. Gemäss einer früheren Aussage sei der Berufungskläger müde gewesen
und habe der Privatklägerin spontan vorgeschlagen, zu ihm nach Hause zu gehen,
womit sie prompt einverstanden gewesen sei. Vor dem Berufungsgericht sei sie
hingegen diejenige gewesen, welche unterwegs ermüdet sei. Ihretwegen habe man
sich vor einer Kirche auf eine Bank gesetzt, ausgeruht und schliesslich habe er
ihr angeboten, zu ihm nach Hause zu gehen, um eine Jacke zu holen. Selbst wenn
die Privatklägerin dem zugestimmt hätte, wäre – im Gegensatz zur früheren
Darstellung – daraus noch kein Entschluss ersichtlich, auch die Nacht bei ihm
zu verbringen, denn das Holen einer Jacke impliziert die Fortsetzung des Weges
im Freien. Bei der eingelegten Pause handelt es sich zudem um eine Ergänzung,
die zuvor in der Darstellung des Berufungsklägers nicht aufscheint, obschon dort
der Entschluss gefallen sein soll zu ihm gehen. Laut dem Berufungskläger sei
die Stimmung vor der Kirche gewesen, wie bei einem Pärchen. Man habe sich
umarmt und geküsst. Auch diese Beschreibung deutet sowohl in affektiver als
auch in physischer Hinsicht eine grössere Nähe zwischen den Beteiligten an, als
die ersten Aussagen. Die Aussage vor dem Berufungsgericht scheint darauf
gerichtet zu sein, die Anbahnung des Sexualkontakts bereits zu einem frühen
Zeitpunkt zu plausibilisieren. Dabei sind es die ersten Aussagen des Berufungsklägers,
welche der Schilderung der Privatklägerin am Nächsten kommen. Nach ihr sei man
ohne Pause und ohne Planänderung, bzw. mit ihren Worten gesprochen, einfach
„gelaufen und gelaufen“, bis man die [...]strasse erreicht habe. Dies
entspricht im Wesentlichen der Beschreibung des Berufungsklägers vor dem
Zwangsmassnahmengericht. Dass dort nicht nur die illegale Party stattfinden
sollte, sondern auch der Berufungskläger wohnte, wusste die Privatklägerin
unbestrittenermassen nicht. Ihre Ausführungen, wonach man nicht gemeinsam
beschlossen hatte, bei ihm Halt zu machen, sondern aufgrund der Lage dort
vorbeikam, erscheinen daher glaubhaft. 

 

Erst vor dem
Haus, bzw. in der Wohnung realisierte die Privatklägerin, dass man nicht am
vereinbarten Ort war, wobei sie dem Berufungskläger aufgrund des
Überraschungsmoments, ihrer Alkoholisierung und der Tatsache, dass sie sich von
ihm zuvor nicht bedroht gefühlt hatte, in die Wohnung folgte. Die Vorinstanz
hat zu Recht unterstrichen, dass kein Grund dafür ersichtlich ist, weshalb sie
das Betreten der Wohnung fälschlicherweise als ungewollt darstellen sollte. Erstens
hat sie mehrfach ausgesagt, den Berufungskläger damit konfrontiert zu haben,
dass man bei ihm zu Hause am falschen Ort sei. Sie unterstellt ihm diesbezüglich
indes keinen Zwang und auch keine raffinierte List, was erklärungsbedürftig ist
und gegen eine konstruierte Geschichte spricht. Es bedarf der Umstände, um die Diskrepanz
zwischen ihrem erklärten Willen und ihrem Verhalten zu erklären. Zweitens wäre auch
aus einem gewollten Besuch beim Berufungskläger noch keine Zustimmung zum
Geschlechtsverkehr abzuleiten, geschweige denn, dass eine solche nicht noch
hätte widerrufen werden können. Die Privatklägerin zieht somit keinen Vorteil
aus der Darstellung, sie sei überrumpelt gewesen, als sie dem Berufungskläger
in seine Wohnung folgte. 

 

6.3      Die
Darstellungen der Parteien weichen in Bezug auf die Anbahnung des
Geschlechtsverkehrs in der Wohnung ebenfalls voneinander ab.

 

Die
Privatklägerin gab zwar an, sich nicht im Detail an die Zeit zwischen dem
Betreten der Wohnung und dem Beginn des ersten Übergriffs erinnern zu können,
machte indes doch konkrete Aussagen in Bezug darauf, sich erstmals in einer
Zwangslage befunden zu haben. Die Stimmung sei schon getrübt gewesen, weil sie
sich gegen ihren Willen beim Berufungskläger wiederfand und dies ansprach. Zudem
erinnerte sie sich daran, dass er „halt gewollt“ habe, was sie ablehnte, weil
er zu jung für sie sei. Man habe diskutiert und er habe ihr dann den Mund zu gehalten.
Sie habe sich auf dem Bett wiedergefunden und der Berufungskläger habe sie entkleidet.
Diese Darstellung ist insoweit konsistent, als dass nicht davon auszugehen ist,
dass die Privatklägerin, nachdem sie realisiert hatte, im falschen Haus zu
sein, den Austausch von Zärtlichkeiten mit dem Berufungskläger fortgesetzt
hätte. Aus ihrer Aussage geht auch hervor, dass der Berufungskläger sie nach
dem Betreten der Wohnung erstmals offen mit seinen Absichten konfrontierte, die
sie ablehnte. Darauf begann er, noch kurz zu diskutieren, was angesichts der
Vorgeschichte in der [...]-Bar noch nachvollziehbar erscheint. Als besonderes
Detail sticht sodann hervor, dass die Privatklägerin wegen der heftigen
Reaktion, dem Zuhalten des Mundes und dem Verbringen in das Schlafzimmer, erst
dachte, dies sei ein Witz. Sie konnte den Bruch in seinem Umgang mit ihr zunächst
nicht vollumfänglich erfassen. Insgesamt spricht in diesem Handlungsabschnitt
nichts gegen die Schilderung der Privatklägerin. 

  

Der
Berufungskläger zeichnet ein einträchtiges Bild. Er brachte vor der ersten
Instanz vor, man habe zunächst im Wohnzimmer einen Apero genommen, bevor man
sich zum Sex in sein Zimmer begeben habe. Die Apero-Situation steht beispielhaft
für sein Aussageverhalten, denn es fällt auf, dass er sie in der Befragung vor
dem Zwangsmassnahmengericht noch nicht erwähnt hatte. Auf die Würdigung des
Strafgerichts, es gehe aus der Erzählung nicht hervor, worüber man geplaudert
habe und es sei keine individuelle Note erkennbar, die nachvollziehen liesse,
welche Worte, Gesten, Gedanken und Empfindungen die gegenseitige Anziehung
ausgemacht hätten, folgten vor dem Berufungsgericht Bemühungen des
Berufungsklägers, eine möglichst detaillierte Beschreibung abzugeben. Indes
stimmt diese in gewissen Punkten nicht mehr mit früheren Darstellungen überein.
So hatte der Berufungskläger schon vor dem Strafgericht einmal von einem
kleinen Glas und einmal von ein paar Gläsern gesprochen, die man zusammen
genommen habe. An der Berufungsverhandlung will er statt mit „Averna“ mit einem
anderen Getränk mit dem gleichen Anfangsbuchstaben, nämlich mit „Aperol“,
angestossen haben. Jeder habe dabei erzählt, was er so mache, dann habe man
physischen Kontakt gehabt, worauf die Privatklägerin ihm gesagt habe, dass sie
grosse Lust auf Sex mit ihm habe. Diese Darstellung erscheint vor dem
Hintergrund seiner Beschreibung der Annäherung in der [...]-Bar nicht minder
oberflächlich, als die tatnähere. Auf das Beweisthema ausgerichtet und
widersprüchlich erscheint zudem die Aussage, der Wunsch nach Geschlechtsverkehr
sei von der Privatklägerin ausdrücklich geäussert worden. Gemäss seiner
früheren Aussage, war nämlich er es gewesen, der sich erkundigt habe, ob sie
liiert sei, worauf man in seinem Zimmer verschwunden sei. Dies impliziert eine
umgekehrte Rollenverteilung bezüglich wer den ersten Schritt gemacht habe. 

 

Freilich können
aus der widersprüchlichen Benennung eines Getränks und dem Fehlen von
Interaktionsschilderungen keine direkten Schlüsse auf den späteren Sachverhalt
gezogen werden. Die Darstellung des Berufungsklägers erweist sich für die Zeit
zwischen dem Betreten der Wohnung und dem Beginn des Sexualkontakts indes nicht
als schlüssig. Sein Aussageverhalten legt den Schluss nahe, dass die
Apero-Situation nicht stattgefunden hat. 

 

6.4      Unbestritten
ist sodann, dass es auf dem Bett des Berufungsklägers zu vaginalem
Geschlechtsverkehr gekommen ist, welchen er nach einer gewissen Zeit von sich
aus beendet hat.

 

Die
Privatklägerin gab an, geschrien und sich gewehrt zu haben. Sie habe dem
Berufungskläger physisch jedoch nichts entgegensetzen können. Weshalb er auf
einmal aufgehört habe, wisse sie nicht. Jener sagte zunächst aus, seine
Partnerin habe ihm gesagt, er solle aufhören, habe dann noch im Bett einen
Nervenanfall bekommen, geweint, geschrien und ihn gekratzt. Er sei in einen
Schockzustand geraten und habe ihr den Mund zu- und sie festgehalten, um sie zu
beruhigen. Später erklärte er hingegen, die Privatklägerin habe den Sex noch
während dem Akt bereut und gesagt „Warum haben wir das getan?“, sich ihm
gegenüber aber friedlich verhalten. Dass sie auch geschrien habe, wiederholte
er erst auf Vorhalt der früheren Aussage und erklärte diese mit einem
Missverständnis, worauf er ergänzte, dass sie ihn angegriffen und er sich habe
wehren müssen. Ein Kratzer, den sie ihm auf Brusthöhe zugefügt habe, sei aus
Zufall entstanden. Vor dem Berufungsgericht sagte er, die Privatklägerin habe
ihm gesagt, er solle aufhören, weil sie sich schlecht fühle, habe ihm jedoch
keine Auskunft zu den Gründen gegeben. Er habe aufgrund ihres Verhaltens den
Eindruck gehabt, sie bereue den Sex. Dass die Privatklägerin dies gemäss einer
früheren Aussage verbal zum Ausdruck gebracht hatte, nahm er nicht mehr auf.
Der Privatkläger schilderte in der letzten Einvernahme auch keinen Angriff der
Privatklägerin mehr, sondern lediglich, dass sie geweint habe und er in die
Küche gegangen sei, um ihr ein Glas Wasser zu holen. Die Schürfungen stammten
dementsprechend nicht von ihr, sondern rührten von einem Fussballspiel, er habe
ihr auch nicht den Mund zugehalten, sondern ihr Gesicht gestreichelt. 

 

Das vom
Berufungskläger gezeichnete Bild zeigt sich erneut widersprüchlich. Erneut
fällt auf, dass seine tatnächsten Aussagen nicht eklatant von jenen der
Privatklägerin abweichen, lediglich die Elemente, in denen ihm die Ausübung von
Zwang vorgeworfen wird und mit denen er sich selbst belasten würde, scheinen
bei seiner Darstellung nicht auf. Demgegenüber sind seine späteren Aussagen
gekennzeichnet von einer Betonung der Intimität und der Umsorgung der
Privatklägerin, namentlich was die Zeit nach dem Geschlechtsverkehr betrifft.
Dabei fällt auf, dass hauptsächlich die vor dem Berufungsgericht ergänzten
Angaben nicht immer mit der ersten Einlassung korrespondieren und mit den
früheren Aussagen nicht widerspruchsfrei in Einklang zu bringen sind. 

  

Soweit der
Berufungskläger zunächst angab, dass der Sex nicht in Minne geendet hat, stimmt
dies mit der Aussage der Privatklägerin überein, wenn auch die Parteien andere
Ursachen dafür geltend machen. Beim Berufungskläger reduziert sich das abrupte
Ende des Geschlechtsverkehrs mit einer Krise und eruptiver Gewaltanwendung im
Laufe seiner Aussagen jedoch auf ein offen geäussertes Bedauern und
schliesslich in die Darstellung einer stillen und in sich zurückgezogenen Privatklägerin,
welcher er noch feinfühlig übers Gesicht gestreichelt habe. Entsprechend
rechtfertigt er den Vorgang des Mund-Zuhaltens zunächst mit dem Gefühlsausbruch
der Privatklägerin, stellt ihn anschliessend aber ganz in Abrede. Dass nicht
diese Version zutrifft, sondern vielmehr die tatnäheren Depositionen, scheint
offenkundig und ergibt sich auch daraus, dass der Berufungskläger noch vor
seiner Verhaftung mit H____ und I____ über die Nacht mit der Privatklägerin sprach.
Gegenüber beiden Auskunftspersonen erwähnte er einen regelrechten
Gefühlsausbruch der Privatklägerin nach dem Sex (schreien, toben, Dinge
kaputtschlagen). Hierzu stehen die Aussagen an der Berufungsverhandlung völlig im
Widerspruch. Sie scheinen primär auf die eigene Entlastung gerichtet zu sein. Entsprechend
musste der Berufungskläger auch für die Kratzer an seiner Brust eine neue Ursache
heranziehen, da er diese nicht mehr mit dem Verhalten der Privatklägerin erklärte.
Seine Aussagen an der Berufungsverhandlung sind als unglaubhaft zu würdigen und
es ist davon auszugehen, dass sich die Berufungsklägerin während dem Sex gegen
ihn zur Wehr setzte. Dies ergibt sich im Übrigen nicht nur aus dem Kratzer an
der Brust sondern auch aus den Fingernagelspuren hinter dem Ohr, die daher
rühren, dass die Privatklägerin ihn an den Haaren gezogen hat. Das Gesagte
deutet stark auf die Unfreiwilligkeit des Geschlechtsverkehrs hin. 

 

6.5      Was
den weiteren Geschehensablauf betrifft (Verlassen der Wohnung, Zurückhalten und
sexuelle Nötigung durch Analverkehr sowie zwangsweises Verbringen in das
Erdgeschoss der Liegenschaft), so liegen aufgrund der weitgehenden Bestreitung
durch den Berufungskläger hauptsächlich die Aussagen der Privatklägerin im
Recht. Der Berufungskläger hat einzig angegeben, der ungeschützte, spontane
Analverkehr sei im Zuge des (einmaligen) Geschlechtsverkehrs erfolgt, wobei je
nach Aussage die Privatklägerin damit einverstanden gewesen sei oder sie ihn von
sich aus erbeten haben soll. Auch in diesem Punkt ist seine Aussage nicht
konstant. Nach dem Ende des Sexualkontakts habe er die Privatklägerin einvernehmlich
nach draussen begleitet, wobei seine Aussage auch hier inkonstant ist. Gab er
zunächst noch an, die Privatklägerin habe ihn beim Abschied bedroht, so hat man
sich gemäss der jüngsten Aussage auf der Strasse noch umarmt.

 

Die
Privatklägerin hat das Geschehen nach dem ersten Übergriff über mehrere
Befragungen hinweg gleichbleibend geschildert. Ihre Darstellungen sind in sich
schlüssig und zeichnen ein konsistentes Bild der Geschehnisse. Sie enthalten
zahlreiche Details, die nicht direkt auf das Beweisthema ausgerichtet sind und
den Berufungskläger nicht direkt belasten, aber zur Anschaulichkeit der
gesamten Schilderung beitragen. So konnte sie beispielsweise die Farbe des
Bettes oder der T-Shirts benennen, mit denen ihr Mund und Augen zugebunden
wurden, sowie dass sie im Treppenhaus die Klingel der Nachbarn nur ganz knapp
nicht erreicht, sie später gestolpert und im Erdgeschoss ganz hingefallen sei,
worauf der Berufungskläger sie erneut am Schreien gehindert habe. Hinsichtlich
der Übergriffe beschrieb Privatklägerin präzise, in welcher Position sie auf
das Bett gedrückt und ihre Arme festgehalten wurden, wo sich der Privatkläger
befand, an welchen Stellen ihr Schmerz zugefügt wurde („Polizeigriff“, auf
ihrem Rücken gekniet, beim Analverkehr, Atemnot durch zugehaltene Mund und Nase).
Ihre Aussagen weisen beidseitige Interaktionsschilderungen auf. Dies umfasst
Gesprächsfetzen in direkter Rede („tranquil