# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e910b9a-bc19-5f31-aee3-7b6e2593d79f
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-06-12
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 12.06.2008 P1 07 88
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-07-88_2008-06-12.pdf

## Full Text

KGE (Strafgericht I) vom 12. Juni 2008 i.S. X. c. Y. (Berufung).

Anforderungen an die Berufung in Strafsachen bei Mehrfachbegründung des
angefochtenen Entscheids (Art. 185 Ziff. 2 StPO).

Beruht der vorinstanzliche Entscheid auf zwei selbstständigen Begründungen und
wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung nicht gehörig begründet und
das Kantonsgericht tritt folglich darauf nicht ein.

Exigences de contenu de l’appel pénal en cas de motivation multiple de la déci-
sion attaquée (art. 185 ch. 2 CPP).

Dans la mesure où la décision de l’instance précédente repose sur deux motifs indé-
pendants et que seul l’un d’eux est contesté, l’appel n’est pas motivé en bonne et
due forme et, par conséquent, le Tribunal cantonal n’entre pas en matière.

Aus den Erwägungen

(...)

c) Die prozessuale Verpflichtung nach Art. 185 Ziff. 2 StPO, das
Rechtsmittel zu begründen, verlangt, dass der Berufungskläger bei einer
Mehrfachbegründung des angefochtenen Urteils jede einzelne Begrün-
dung anficht. Beruht der vorinstanzliche Entscheid also auf zwei selbst-
ständigen Begründungen, die je für sich den Ausgang des Rechtsstreits
besiegeln, und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung
nicht gehörig begründet. Diesfalls tritt das Kantonsgericht auf die Beru-
fung nicht ein; das erstinstanzliche Urteil bleibt der Überprüfung durch
die Rechtsmittelinstanz entzogen, weil es aufgrund der nicht kritisierten
Begründung Bestand hat (BGE 133 IV 119; 121 IV 94, 121 III 46, 131 III 595
E. 2.2, Bundesgerichtsurteil 1C_77/2007 vom 27. August 2007 E. 4.1; ZWR
2003 S. 315 f., 2002 S. 193 f., 2001 S. 169 f.; Piquerez, Traité de procédure
pénale suisse, 2. A., Genf/Zürich/Basel 2006, § 167 N. 1353/4; Merz, Bas-
ler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, N. 73 zu Art. 42 BGG).

Der Bezirksrichter erwog, der Beschuldigte habe bloss fahrlässig
gehandelt, womit die Sachbeschädigung straflos bleibe. Aber selbst bei
Annahme einer eventualvorsätzlichen Sachbeschädigung bleibe sein
Verhalten gemäss Art. 14 StGB i.V.m. Art. 240 SchKG rechtmässig. Mithin
beruht der Freispruch auf einer doppelten, alternativen Begründung. In
seiner Berufung beanstandet der Strafkläger ausschliesslich die dem
Beschuldigten zugestandene Fahrlässigkeit, wobei er zumindest Eventu-
alvorsatz als gegeben erachtet. Die Alternativbegründung, wonach die
Handlung des Betreibungs- und Konkursbeamten gemäss Art. 14 StGB
aufgrund seiner Pflichten laut SchKG gesetzlich erlaubt gewesen sei,
ficht er demgegenüber mit keinem Wort an. Im Sinne der obigen Erwä-
gungen ist demzufolge auf die Berufung nicht einzutreten.

324 RVJ/ZWR 2008

ceg
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KGVS P1 07 88

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