# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9df31721-cdc9-52f1-ba6f-4a2b6df05f4d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-17
**Language:** de
**Title:** Psychiatrisches Gutachten nach Rückweisung. Somatoforme Schmerzstörung und Anpassungsstörung, Überwindbarkeit. Verneinung eines Rentenanspruchs. (BGE 8C_398/2014)
**Docket/Reference:** IV.2013.00771
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00771.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00771
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Naef
Urteil
vom
17.
April 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Volker Pribnow
DFP & Z, Advokatur
Stadtturmstrasse 10, Postfach 1644, 5401 Baden
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1969, war als Primarlehrerin tätig
(vgl. zum Sachverhalt im Folgenden: Urteil des Sozialversicherungsgerichts
vom 25. Juni 2012 (
IV.2010.01167
)
, Urk.
10/47)
. Am 13.
Juli 2001 rutschte sie auf einer noch leicht nassen Treppe vor dem Schulhaus aus und fiel nach hinten auf Gesäss, Rüc
ken und Ell
bogen
. Dabei
stürzte sie auf die Wirbelsäule und zog sich an den
Ellbo
gen schwere Stauchungen und Prellungen zu. Am 16. Juli 2002 wurde
n
ein chronisches Zervikalsyndrom bei Status nach Halswirbelsäulendistorsion sowie eine Brustwirbelsäulenkontusion diagnostiziert
(Unfallmeldungen; Urk. 10/13/221, Urk. 10/13/223). In der Folge war die Versicherte in Teilzeit
pensen erwerbstätig
(Urk. 10/55)
. Per 31.
Mai 2007 hatte die AXA Versicherun
gen AG
, welche als
ob
ligatorischer Unfallversicherer die gesetzlichen Leistungen erbracht hatte,
die Taggeldleistungen eingestellt
(Urk.
10/13/75-87
, Urk. 10/45/15)
. Am 14.
Dezember 2007 meldete die Versicherte sich zum Bezug von Leistungen
bei
der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung an und bean
trag
t
e Berufsberatung, Wiedereinschulung in die bisherige Tätigkeit, Arbeits
vermittlung, besondere medizinische Eingliederungsmassnahmen sowie eine Rente (Urk.
10/1).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab und zog die
Akten
der AXA bei (Urk.
10/13). Mit Verfügung vom 1.
November 2010 verneinte die IV-Stelle
den Anspruch
der Versicherten
auf berufliche Massnahmen und eine Rente
(Urk.
10/44). Die von der Versicherten am 2.
Dezember 2010 dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungsgericht mit dem unange
fochten in Rechtskraft erwachsenen Urteil IV.2010.01167
vom 25. Juni 2012
in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese ab
kläre, ob und in welchem Umfang die psychische Problematik einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe
,
und hernach über das Gesuch der Beschwerdeführerin neu entscheide (Urk.
10/47).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle von Dr.
med.
Y.___
,
Fachärztin für Psychiat
rie und Psychotherapie, ein Gutachten vom 8.
März 2013 mitsamt Ergänzung vom 18.
Mär
z
2013 (Urk.
10/56
, Urk.
10/59
)
sowie zwei Stellungnahmen von Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt für Anästhesiologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 13. und 25.
März 2013
ein
(Urk.
10/61). Gestützt darauf wies die IV-Stelle das
R
ent
en
begehren der Versicherten nach durchgeführtem Vor
bescheid
verfahren mit Verfügung vom 16.
Juli 2013 ab (Urk.
10/63, Urk.
10/68, Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 10.
September 2013, vertreten durch Rechtsan
walt
Dr.
iur. Volker Pribnow, Beschwerde erheben mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Entscheides sei ihr mit Wirkung ab Juli 2002 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (Urk.
1).
Mit Schreiben vom 16. September 2013 ergänzte sie diese Beschwerde (Urk.
6). In ihrer Vernehm
lassung vom 16.
Oktober 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
9).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und Unterlagen wird, soweit erfor
derlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2008 und am 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allge
meine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen füh
rende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die ursprünglich angefochtene Verfügung ist am 1. Novem
ber 2010 – und somit nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision, aber vor Inkraft
treten der Revision 6a – ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechen
d den allgemeinen intertemporal
rechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1). Die am 1. Januar 2012 revidierten Bestimmungen gel
angen noch nicht zur Anwendung.
Da die 5.
IV-Revision hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzesbe
stimmungen – soweit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit
dem 1. Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art.
4 Abs.
1
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinweisen).
2
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2 IVG).
2
.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E.
4b/cc).
2.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der Verfügung vom 16.
Juli 2013 aus, die psychiatrische Begutachtung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit zu 60
% und in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig sei.
Die Beschwerdeführerin sei als teilerwerbstätig einzustufen, doch es werde ein Einkommensvergleich für Vollerwerbstätige durchgeführt,
da
der Invaliditätsgrad
bei Anwendung
der gemischten Methode
ohnehin
tiefer ausfallen würde. Es ergebe sich mittels Einkommensvergleich
s
ein Invaliditäts
grad von 20
%, weshalb kein Rentenanspruch bestehe (Urk.
2). In der Ver
nehmlassung vom 16. Oktober 2013 führte die Beschwerdegegnerin aus, bei der Beschwerdeführerin sei
en
eine anhaltende somat
oforme Schmerzstörung
(ICD-10 F
45.4) sowie eine nicht näher bezeichnete Anpassungsstörung (ICD-10 F43.29) diagnostiziert worden. Es fehle an einer psychischen Komorbidität, da eine Anpassungsstörung nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht als in
validisierend gelte und auch die übrigen Kriterien einer ausnahmsweise anzu
nehmenden Unzumutbarkeit der Leistungsüberwindung nicht erfüllt
seien, wes
halb keine Arbeitsunfähigkeit vorliege
(Urk.
9).
3
.2
Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Beschwerde sowie ihrer Ergänzung zur Beschwerde vom 10. respektive 16. September 2013 insbesondere ausführen, dass sie ihr Arbeitspensum nicht freiwillig, sondern aus gesundheitlichen Grün
den r
eduziert habe, weshalb sie als v
ollzeiterwerbstätig einzuschätzen sei. Es ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 52 % und
somit
ein Anspruch auf eine halbe Rente (Urk.
1, Urk.
6). In der Replik vom 3.
Dezember 2013 liess die Beschwerdeführerin ausführen, die Gutachterin habe zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die Systematik des Mini-ICF beigezogen. Dessen Anwendung habe zur ausdrücklichen Aussage geführt, dass die Leistungsfähigkeit auch bei zumutbarer Willensanstrengung eingeschränkt sei. Es habe sich aus versiche
rungsmedizinischer Sicht aus dem Gutachten von Dr.
Y.___
und den damit übereinstimmenden Einschätzungen des RAD ergeben, dass eine Einbusse in der Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bestehe, welche zu überwinden ihr nicht zumutbar sei (
Urk.
15).
4
.
4
.1
Gemäss dem Gutachten der
A.___
vom 16. Mai 2007 ist die Versi
cherte in ihrer Tätigkeit als Lehrerin aus rein somatischer Sicht von Seiten der Halswirbelsäule nicht eingeschränkt
(
Urk.
10/13/3-31)
. Diese überzeugende Be
urteilung wurde im Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 25. Juni 2012 übernommen
, so dass sich im vorliegenden Urteil Ausführungen zu den soma
tischen Beschwerden erübrigen. D
as Verfahren
wurde
zurückgewiesen, damit die IV-Stelle abkläre, ob und in welchem Umfang die psychische Problematik einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe
,
und an
schliessend neu verfüge
(Urk. 10/47).
In Nachachtung
dieses Urteils
holte die Beschwerdegegnerin bei
Dr.
Y.___
ein psychiatrisches Gutachten ein (
Urk.
10/53).
Im Gutachten von
Dr.
Y.___
vom 8.
März 2013, welches auf einer Untersuchung vom 21.
Februar 2012 beruht,
wurde ausgeführt, die Versicherte klage über somatische Schmerzen links an Kopf, Schulter und Nacken, welche weniger häufig und ausgeprägt seien als zu Beginn der Beschwerden, jedoch immer noch vorhanden. Weiter
habe
die Versicherte aus
geführt
, sie ermüde schnell, habe weniger Zeit für soziale Kontakte und treibe viel weniger Sport als früher
, wobei ihre
Hobbies Tai Chi und Yoga
seien
. Sie leide unter Ein- und Durch
schlafstörungen und frühem Erwachen, entsprechend sei sie häufig nicht aus
geruht.
F
ür alles
brauche sie
mehr Zeit, ihr Antrieb sei generell reduziert und sie
sei viel weniger leistungsfähig als früher, wobei sie dennoch kaum
noch Energie für die Frei
zeit habe.
Durch
Dr.
Y.___
wurde
die Diagnose
einer anhaltenden somato
formen Schmerz
störung (ICD-10 F
45.4)
gestellt. Diese
Diagnose
wurde damit begründet, dass bei der Versicherten Beschwerden vorhanden seien, welche nicht vollständig durch eine körperliche Störung erklärt würden. Die weitere diagnostische Vorausset
zung
eines emotionalen Konfliktes oder einer psychosozialen Belastung könnten durch die jahrelangen Belastungen durch Versicherungsstreitigkeiten, das Nichtanerkennen der Beschwerden, Existenzsorgen
sowie eine Arbeitsbelastung über die gesundheitlich zumutbaren Grenzen
hinaus
gesehen werden. Im Zu
sammenhang mit dieser Diagnose stelle sich die Frage nach der zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung der Beschwerde
n
. D
as Vorliegen der
Foerster-
Kriterien sei bei der Versicherten zu verneinen. Es bestehe weder eine psychische Komorbidität noch eine chronische körperliche Begleiterkrankung. Auch ein Verlust der sozialen Integration sei nur teilweise vorhanden und ein ausgeprägter Krankheitsgewinn könne nicht ausgemacht werden.
Hingegen
be
stehe ein mehrjähriger Verlauf ohne längerfristige oder vollständige Remission und auch die Behandlungsergebnisse seien nur teilweise befriedigend.
Weiter wurde die Diagnose
einer nicht näher bezeichne
ten An
passungs
störung (ICD-10 F
43.29) gestellt.
Dazu wurde ausgeführt
, dass es sich bei einer Anpas
sungsstörung um einen Zustand von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtig
ung handle, welche
soziale Funktionen und Leistungen behindere. Dieser Zustand trete während des Anpassungsprozesses nach einer entscheiden
den Lebensveränderung, einem belastenden Lebensereignis oder
einer
schwere
n
körperliche
n
Erkrankung auf. Bei der Versicherten könn
t
e
n
das Unfallgesche
hen beziehungsweise die unbefriedigenden Behandlungsergebnisse im Verlaufe der letzten zehn Jahre sowie die gesundheitlichen und beruflichen Einschrän
kungen, die sich daraus ergeben
hätten, durchaus als auslösende
Ereignis
se
verstanden werden.
Zudem bestünden die Symptome
-
vor allem das Gefühl der ständigen Überforderung, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurecht zu kommen und diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können
-
bereits län
gere Zeit.
Prognostisch sei eine Anpassungsstörung prinzipiell nicht ungünstig. Angesichts des sehr langen protrahierten Verlaufs, weiterhin bestehender chro
nischer Schmerzen, kompliziert und protrahiert auch durch Auseinandersetzun
gen mit verschiedenen Versicherungen, sei die Prognose bezüglich einer weite
ren Besserung unsicher.
Im Übrigen
wurde festgehalten, nach wie vor
befinde sich
die gesamte psychi
sche Belastung nicht im pathologischen Bereich und es seien keine Hinweise auf eine klinisch relevante depressive Störung gefunden worden
(Urk.
10/56)
.
4
.2
Zum Auftreten der Versicherten wurde ausgeführt, sie wirke angespannt und sehr stark bemüht um eine normale „tapfere“ Fassade, welche jedoch immer wieder zusammenbreche, wenn sie über ihre Beschwerden beziehungsweise ihre Einschränkungen berichte. Im psychopathologischen Befund sei sie weitgehend unauffällig. Sie sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Aufmerksamkeit und Gedächtnis seien unauffällig, wobei jedoch ein diskretes Nachlassen der Kon
zentration
-
ein gelegentliches Verlieren des roten Fadens
-
zu beobachten sei. Das formale Denken sei etwas umständlich, jedoch von normalem Tempo und kohärent. Ein affektiver Rapport komme problemlos zustande. Im
Affekt wirke die Versicherte oberflächlich ausgeglichen, leicht angespannt, dahinter jedoch eher niedergeschlagen und ratlos. Es bestünden eine Störung der Vitalität, Insuffizienzgefühle und eine verminderte affektive Schwingungsfähigkeit. Der Antrieb sei verarmt und
es
gebe keine typischen Tagesschwankungen. Weiter seien Schlafstörungen im Sinne von Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie eine Verkürzung der Schlafdauer durch frühzeitiges Erwachen vorhanden. Ein sozialer Rückzug bestehe eigentlich nicht, doch es bestünden verminderte sozi
ale Kontakte und Aktivitäten
(
Urk.
10/56)
.
4
.
3
Zur Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit
zog
Dr.
Y.___
die Systematik
der Mini-ICF-APP bei (Kurzinstrument zur Fremdbeurteilung von Aktivitäts- und Partizipati
onsstörungen bei psychischen Erkrankungen in Anlehnung an die Internatio
nale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit [ICF] der Weltgesundheitsorganisation, Michael Linden, Stefanie Baron, Beate Muschalla, Huber Verlag, Bern 2009)
, welche zur Beurteilung von Fähigkeits
störungen bei psychischen Erkrankungen dient
.
Sie führte aus,
in Phasen, in welchen die Versicherte unter starken Schmerzen leide sowie durch die alltägli
chen Anforderungen übermässig erschöpft und müde sei, bestehe eine Ein
schränkung in der Fähigkeit
,
Termine und Absprachen einzuhalten, in der Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Anwendung fachlicher Kom
petenzen sowie der Flexibilität und Durchhaltefähigkeit. Auch die Selbstbe
hauptungsfähigkeit und Kontaktfähigkeit sei
en
in Krisenzeiten mit Schmerzen eingeschränkt, ebenso wie die Fähigkeit zu spontanen Aktivitäten.
Mit der jetzi
gen Belastung
von
insgesamt 70
% (60
%
als
Mitarbeiterin
der
B.___
, ein Tag als Primarlehrerin) überschreite die Versicherte aus psychi
atrischer Sicht auf Dauer das zumutbare Belastbarkeitsniveau. Die jetzige Belastung, vor allem zusammen mit unregelmässigen Arbeitszeiten, kurzfristiger Planung und häufig nic
ht ausreichenden Erholungsphase
n
,
führe auf Dauer zu einer Gefährdung der
Gesundheit, das heisse zu einer drohenden Verschlechte
rung des Zustands. Die Versicherte sei in ihrer derzeit ausgeübten Tätigkeit im Weiterbildungsbereich mit unregelmässigen Arbeitszeiten, sehr kurzfristiger Planung und Belastungsspitzen aus psychiatrischer Sicht zu circa 40
%
einge
schränkt. In einer behinderungsadaptierten Tätigkeit mit regelmässigem und planbarem Pensum, der Möglichkeit sich zwischenzeitlich auszuruhen und zu entspannen, wie dies zum Beispiel in einer Tätigkeit im regulären Unterrichts
bereich der
B.___
möglich wäre, bestehe aus psychiatri
scher Sicht höchstens eine 20%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Für die Tätigkeit als Primarlehrerin bestehe eine Einschränkung von circa 40
%.
5
.
5
.1
Dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y.___
kommt voller Beweiswert zu, denn es ist schlüssig und umfassend.
Wie dargestellt (vgl.
Erwägung
4) wurde die
Beschwerdeführerin gründlich untersucht und die Vorakten sowie persönli
chen Aussagen der Beschwerdeführerin wurden umfassend berücksichtigt und gewürdigt. Auch die medizinischen Beurteilungen sind einleuchtend
sowie
widerspruchsfrei dargestellt und die gezogenen Schlussfolgerungen sind nach
vollziehbar. Damit sind die von der Rechtsprechung entwickelten Anforderun
gen
an ein ärztliches Gutachten
(vgl.
Erwägung
2.4) erfüllt
, weshalb auf die im Gutachten gestellten Diagnosen abzustellen ist
.
5
.2
Die Beschwerdeführerin liess insbesondere vorbringen,
die Anwendung des Mini-ICF habe zur ausdrücklichen Aussage geführt, dass ihre Leistungsfähigkeit auch bei zumutbarer Willensanstrengung eingeschränkt sei.
D
as Ergebnis nach Anwendung der
Mini-ICF-App äussert sich
jedoch
nicht zur Zumutbarkeit, bei welcher es sich um einen Rechtsbegriff handelt, weshalb nicht davon ausgegan
gen werden
darf
, dass die Überwindbarkeit durch
Dr.
Y.___
bereits im Rahmen dieses Tests geprüft wurde.
Dr.
Y.___
prüfte im Zusammenhang mit der soma
toformen Schmerzstörung
das Vorliegen von Unüberwindbarkeitskriterien
denn auch korrekterweise unabhängig von der Anwendung der Mini-ICF-APP.
Weiter ist anzumerken, dass sich zur Zeit ein PhD-
Forschungsp
rojekt des
C.___
mit der Rolle der Internationalen Klassifikation der Funktionsfä
higkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) in der Begutachtung befasst
. Das Ziel dieses Projekts besteht darin,
herauszufinden, welchen zusätzlichen Nutzen die ICF für die Begutachtung bringen und wie eine mögliche Umsetzung
ausse
hen kann
.
Dies zeigt, dass sich diese Kriterien in der Schweiz noch nicht durchgesetzt haben und sie
bislang
noch nicht
hinreichend
wissenschaft
lich evaluiert wurden. Was die Überwindbarkeit von somatoformen Schmerz
störungen
und
ähnlichen pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
anbelangt, ist die im Folgenden darzustellende bundesgerichtliche Rechtsprechung massgebend.
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraus
-
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352;
vgl. auch
BGE 1
3
9 V 547
,
E. 3 ff.).
Diese im Bereich der somatofor
men Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsge
mäss bei der Beurteilung der invalidisierenden Wirkung pathogenetisch-ätiolo
gisch unklarer synd
r
omaler Beschwerdebilder grundsätzlich analog angewendet, namentlich auch für Anpassungsstörungen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_408/2010 vom 2
2.
November 2010
,
E. 5.2 mit weiteren Hinweisen).
5
.3
Die für die Annahme eines weitergehenden invalidisierenden Charakters der somatoformen Schmerzstörung und
d
er Anpassungsstörung erforderlichen Voraussetzungen sind nicht oder nicht in genügendem Mass erfüllt.
Bei der Versicherten liegt keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Aus
prägung und Dauer vor
, wobei insbesondere die Anpassungsstörung keine sol
che psychische Komorbidität darstellt. Davon ging auch
Dr.
Y.___
zu Recht aus
(
Urk.
10/56/8)
.
Gemäss Rechtsprechung kommt einer
Anpassungsstörung wohl Krankheitswert zu,
doch
handelt
es
sich um ein vorübergehendes und damit nicht invalidisierendes
psychisches Leiden
(Urteil
des Bundesgerichts
8C_322/2010 vom 9.
August 2010
,
E.
5.2 mit weiteren Hinweisen).
Ausserdem ist festzuhalten, dass
Dr.
Y.___
ausdrücklich ausführte, die gesamte psychische Belastung
befinde sich
nicht im pathologischen Bereich
(Urk.
10/56/7)
.
Die Be
schwerdeführerin arbeitet in anspruchsvollen Tätigkeiten in einem Pensum von insgesamt 70
%, nimmt
abgesehen von der gelegentlichen Einnahme des Schmerzmittels Dafalgan
keine Medikamente ein und befand sich nie in psychi
atrischer oder psychotherapeutischer Behandlung
(Urk.
10/56
/6-7
)
, was eben
falls gegen
das Vorhandensein
eine
r
schwerwiegende
n
psychische
n
Erkrankung spricht.
Weiter fehlt es an einer
chronischen körperliche
n
Begleiterkrankung
und ist
bei der Beschwerdeführerin nur
ein
leichter sozialer Rückzug
in der Frei
zeit vorhanden. Für einen ausgeprägten Krankheitsgewinn bestehen keine Hin
weise.
D
er mehrjährige Verlauf ohne längerfristige oder vollständige Remission und die nur teilweise befriedigenden
Behandlungsergebnisse
genügen nicht, um
davon auszugehen, dass die Erkrankungen und ihre Folgen mit einer zumutba
ren Willensanstrengung
un
überwindbar wären
.
5.4
Dr.
Y.___
prüfte diese
Kriterien zur Unüberwindbarkeit
in ihrem Gutachten in Bezug auf die somatoforme Schmerzstörung in zutreffender Weise
(Urk. 10/56/8)
.
D
a sie sich
bereits
zu den betreffenden Kriterien geäussert hatte
, besteht keine Notwendigkeit einer Ergänzung des Gutachtens
, bloss weil die Prüfung der identischen Kriterien bei der Anpassungsstörung unterblieb
.
Im Übrigen
handelt es sich bei der
Frage der zumutbaren Willensanstrengung mit der Erheblichkeit der psychischen Komorbidität und der Intensität der weiteren Kriterien um eine ausserhalb des Kompetenzbereichs des Arztes liegende Rechtsfrage, weshalb Konstellationen möglich sind, bei denen von einer ande
ren Arbeitsfähigkeit auszugehen ist
,
als im Gutachten festgehalten wurde, ohne dass am Beweiswert des Gutachtens Einschränkungen bestehen (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_285/2009
vom
7.
August 2009
, E
.
3.3.2, unter Hinweis auf BGE 130 V 352).
Im Übrigen bestehen keine Hinweise dafür
, dass
die
psychische Erkrankung
der Beschwerdeführerin
seit Dezember 2006 jemals erheblich gra
vierender gewesen wäre und
in der Vergangenheit zu im Sinne des IVG mass
geblicher
Arbeitsunfähigkeit geführt hätte.
6
.
Da
die
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
nicht eingeschränkt
ist, erübri
gen
sich Ausführungen zur Qualifikation
als Voll- oder Teilzeiterwerbstätige sowie zum Beginn einer Rentenberechtigung.
Die
Beschwerde
gegen die Verfü
gung der IV-Stelle vom 16. Juli 2013 ist
abzuweisen
.
7
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwer
deführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
8
00.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft
zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an
-
Rechtsanwalt
Dr.
Volker Pribnow
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an
:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender
Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom
15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem
2.
Januar
(
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern,
zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters
zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie di
e als Beweismittel angerufenen
Unterlagen sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigNaef