# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c4182b0-0c88-5fb9-9ec9-166ff6fa236d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-09-23
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung; Angaben für die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 fehlen, Rückweisung zur weiteren Abklärung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sowie Auseinandersetzung namentlich mit den Ressourcen
**Docket/Reference:** IV.2021.00604
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00604.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00604
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Langone
Urteil
vom
2
3.
September 2022
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1959,
war
ab 1. August 2003
als Reisezugbegleiterin bei der Y.___
angestellt und
meldete sich am
7.
Juli 2014 unter Hinweis auf depressive Symptome bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte
die medizinische und erwerbliche Situation ab
und verneinte
mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2017 einen Rentenanspruch (
Urk.
6
/44).
Die Versicherte meldete sich am 1
9.
Dezember 2019 (
Urk.
6
/48)
wegen einer Verschlechterung
ihres Gesundheitszustandes erneut
zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an. Diese
tätigte wiederum
medizinische und erwerbliche
Abklärungen
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6
/83
,
Urk.
6
/8
9, Urk. 6/91
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
3.
September 2021 einen
Leistungs
anspruch
der Versicherten
(
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
7.
Oktober 2021 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung vom 2
3.
September 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
;
es sei
die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen und
ihr ab
1.
Mai 2020 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
November 2021 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin
am
2
4.
November 2021
(
Urk.
7)
zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Replik vom 2
2.
Dezember 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihre
m
Rechtsbegehren fest (
Urk.
8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
10)
, wovon der Beschwer
deführerin am 20. Januar 2022 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 11)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung
des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG). Der Untersuchungs
grundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Parteien beschränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller
dings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Unter
suchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungs
massnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die B
eschwerdegegnerin
hielt in der
angefochtenen Verfügung vom 23.
Septem
ber 2021 (
Urk.
2) fest, dass die Beschwerdeführerin am
5.
Februar 2020 bei der IV-
S
telle für ein persönliches Gespräch
vorbeigekommen sei
. Die Eingliederung sei im Zentrum gestanden. Da die Beschwerdeführerin die Wiedereingliederung auch in absehbarer Zukunft als nicht realistisch eingeschätzt habe, seien die Eingliederungsbemühungen per Juni 2020 abgeschlossen
und der weitere gesundheitliche Verlauf abgewartet
worden. Am Telefongespräch vom 3
0.
September 2020 habe die Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass es ihr schlechter gehe, worauf
hin
die Rentenprüfung eingeleitet worden sei. In der bisherigen
Tä
tigkeit als Kundenbegleiterin/
Reisezugbegleiterin National sei die
Beschwerde
führerin seit August 2019 zu 100 % arbeitsunfähig
. Es handle sich um IV-fremde Faktoren, die zur Überlastung geführt hätten
(S. 1
f.
). Die Beschwerdeführerin biete selbständig therapeutisch orientierte Reitstunden an
und
entwickle daraus ein angepasstes berufliches Standbein. Diese Ausgangslage zeige, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei. Es sei anhand einer detaillierten Ressourcenprüfung geprüft worden, inwiefern die gesundheit
lichen Einschränkungen Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit hätten
. Dabei seien die Einschränkungen nicht in allen Lebensbereichen sichtbar, unter anderem seien die Hobbies weiter ausgebaut worden.
Es
liege keine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit vor, weshalb sich ein Einkommensvergleich erübrige. Es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 2).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) erwog die Beschwerdegegnerin ergänzend, dass ihrem Entscheid ein strukturiertes Beweisverfahren zugrunde
liege
(S. 2). Die Prüfung der Standardindikatoren habe ergeben, dass eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit nicht nachvollziehbar sei. Die Beschwerdeführerin habe erkennbare
Ressourcen
, welche mobilisiert werden könnten. Diese seien beispielsweise ihre gute Ausbil
dung, die Sprachkenntnisse sowie ihr Pferd, mit welchem sie gesundheitlich eingeschränkten Kindern Therapiestunden anbiete. Sie gehe zudem regelmässig an die frische Luft, habe einen
geregelten Tagesablauf und sei
in der Lage, ihre Hobbies
wieder aufzubauen
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend (
Urk.
1), sie sei seit
dem
1
7.
August 2019 erneut zu 100 % arbeitsunfähig (S. 3). Der Case Manager der
Y.___
habe mit dem behandelnden Psychiater Möglichkeiten für eine Rückkehr in die Arbeitswelt besprochen, leider sei keine
solche
möglich gewesen (S. 3). Für
Tätigkeiten
ausserhalb des angestammten Berufes fehlten der Beschwerdeführerin die nötigen Ressourcen. Die seitens der
Y.___
vorgeschlagene angepasste Tätigkeit (administrati
v
/archivarisch orientiert) an zwei Halbtagen
habe
bei der Beschwer
deführerin
massive Stressreaktion
en aus
gelöst und
sei nicht zu bewältigen
. Die Möglichkeit,
Therapiestunden
an gesundheitlich eingeschränkte Kinder anbieten zu können, sei ein Wunschberuf (nach der Pensionierung) und ei
n
e Tätigkeit, welche sich die
Beschwerdeführerin
in Zukunft vorstellen könnte. Diese Tätigkeit
sei
aus finanziellen
Gründen nicht
weiterverfolgt worden
.
Gemäss
dem behan
delnden Psychiater
sei
maximal
eine angepasst
e
Tätigkeit
von 50 % möglich (S.
6).
Weiter sei zu berücksichtigen, dass im
Rahmen der Arbeitsversuche
selbst in angepasster Funktion
keine volle Präsenzzeit
habe
erreicht werden können. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin
auch nach
dem krankheitsbedingten Austritt aus dem Arbeitsverhältnis
massiv eingeschränkt sei und sich dies in vielen Lebensbereichen auswirke, sei von
d
er Beschwerdegegnerin nicht gewürdigt worden (S. 7). Des Weiteren sei von der Beschwerdegegnerin keine
Berech
nung
des IV-Grades vorgenommen worden. Zum Zeitpunkt des Renten
beginns
sei die Beschwerdeführerin 60 Jahre alt
gewesen und
habe
über
16 Dienstjahre bei der
Y.___
verfügt
. Beim Einkommensvergleich resultiere e
in Invalidenein
kommen von Fr.
0.00, weshalb Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente bestehe
(S. 10)
. Selbst bei einer vollen Arbeitsfähigkeit
in einer Verweisungstätigkeit
würde ein IV-Grad von 66.06 % resultieren.
Ergänzend dazu führte sie in der Replik (
Urk.
8) aus, die Depression in
Wechsel
wirkung
mit ihrer Persönlichkeitsprägung
in einem Umfeld wie der letzten Arbeitstätigkeit
,
führe zwangsläufig zu einer hohen Stressbelastung und
Symptomexacerbation
mit massiven funktionellen Defiziten (S. 3). Problematisch sei die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, wonach sie mit ihren Therapiestunden für Kinder
mit dem Pferd eine selbständige Tätigkeit aufbaue. Die wenigen Reitstunden dienten rein dem
Unterhaltungsbeitrag
des
Pferd
s
. Zudem sei von der Beschwerdegegnerin nie geprüft worden, ob die Beschwerde
führerin überhaupt eine selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen habe (S. 4).
Auch
sei das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin zu würdigen. Die von der Beschwerdegegnerin medizinisch-theoretisch festgestellte Arbeitsfähigkeit von 100
%
weiche von der praktischen Umsetzung an einem Arbeitsplatz stark ab (S. 5
f.
).
3.
S
treitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 23. September 2021 (Urk. 2)
im Sinne eines Revisionsgrundes verschlechtert hat.
Vergleichszeitpunkt im
vorliegenden Neuanmeldeverfahren
(Neuanmeldung vom 1
9.
Dezember 2019,
Urk.
6/48)
bildet die rechtskräftige Verfügung vom
1
3.
Feb
ruar 2017 (
Urk.
6/44)
, welche sich in medizinischer Hinsicht auf die Beurteilung des
regionalen ärztlichen Dienstes (
RAD
)
vom
1
6.
November 2016
(
Urk.
6
/
42/
5-6
) stützt, wonach folgende Diagnosen bestanden:
-
F32.1 mittelg
r
adige depressive Episode
-
Z73.0 Erschöpfungssyndrom
Die Arbeitsunfähigkeit betrug
gemäss
RAD
von Dezember 2013 bis 3
1.
August 2014 100
%
, vo
m
1.
bis 3
0.
September 2014 80
%
, vo
m
1.
bis 3
1.
Oktober 2014 70
%
, vo
m
1.
November bis 3
1.
Dezember 2014 60
%
, vo
m
1.
bis 3
1.
Januar 2015
50
%
und vo
m
1.
Februar bis 30.
September 2015 40
%
. Ab Oktober 2015
sei
die Beschwerdeführerin
wieder
zu 80
%
arbeitsfähig, wobei die Prognose als positiv bewertet w
e
rde
.
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Verfügung vom 13. Februar 2017 (Urk. 6/44) fest, seit 1. Oktober 2015 arbeite die Beschwerdeführerin mit leichter Einschränkung wieder zu 80 % als Zugbegleiterin. Die
bei ihr festgestellten
Diagnosen würden als nicht langdauernd und nicht invalidisierend im Sinne des Gesetzes gelten, was auch durch den günstigen Verlauf der Krankheitsgeschichte bestätigt werde. Demgemäss bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
4
.
4
.
1
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Anästhesiologi
e, und Psychotherapeutin A.___
,
B.___
,
stellten in ihrem Bericht vom 14. November 2019 (
Urk.
6/63/9-10) über die
stationäre Behan
dlung der Beschwerdeführerin vo
m
1.
Oktober bis
7.
November 2019 folgende Diagnosen (
Urk.
6/63/9):
-
F33.1 rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Z73.1 Akzentuierung von Persönlichkeitszügen, Typ A Verhalten (starkes Erfolgs-/Anerkennungsstreben)
Bei Aufnahme seien im formalen Denken Grübeln sowie Gedankendrä
n
gen angegeben worden. Ängste beständen bei grösseren Menschenmengen an Bahn
höfen. Im A
ffekt sei sie flach, betreffend Zwischenfälle bei der
Y.___
hingegen labil und in der Grundstimmung
würden
ein starkes Gefühl von Gefühllosigkeit, Störung der Vitalgefühle, Gereiztheit, innere Unruhe und rasche Schuldgefühle angegeben. Im Antrieb sei sie reduziert und gehemmt. Der Schlaf sei nicht erhol
sam. Ein sozialer Rückzug werde berichtet (
Urk.
6/63/9).
Zum Entlassungszeitpunkt sei die Eintrittssymptomatik teilremittiert gewesen mit
insgesamter
Stimmungsstabilisierung, Antriebssteigerung und Zunahme von Freude. Bei Austritt noch vorhanden
gewesen
seien Konzentrations- und Merk
fähigkeitsstörungen sowie
eine
häufige Müdigkeit. Belastungen, besonders in Bezug auf die Arbeit
,
lösten bei der Patientin immer noch rasch eine hohe Anspannung und Unruhe sowie eine starke emotionale Reaktion aus. Es sei die Fortführung der ambulanten Psychotherapie sowie die Fortführung der anti
depressi
ven Medikation empfohlen worden
(
Urk.
6/63/10)
.
4
.2
Im
B
ericht vom
9.
März 2020
(
Urk.
6/63/1-
8
)
führte
der seit März 2015 behan
delnde
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
aus, dass es der Beschwerdeführerin bis Anfang 2019
weitgehend
gelungen sei, das erneut erreichte 80
%
-
Pensum zu leisten. Es sei ihr jedoch nur «grenzkompensiert» gelungen. Eine grenzwertige Überforderung habe schon seit 2018 eher zugenom
men. Die leicht veränderten Anforderungsprofile
im Arbeitsalltag
stellten die Beschwerdeführerin gerade vor dem Hintergrund ihrer Persönlichkeit (in vielen Belangen zwanghaft-perfektionistisch) vor besonders komplexe Lern- und Adaptionsprozesse, die nur zögerlich umgesetzt worden seien. Zuletzt
hätten
die Über
be
lastung, d
as mangelnde Selbstbewusstsein und
die fehlende innere Ruhe in zwei akuten Arbeitsplatzvorfällen
gegipfelt
, welche die Beschwerdeführerin stark belasteten. Seither habe sie eine mittelschwere bis teilweise
schwergradige
depressive Episode
entwickelt
. Die Belastbarkeit sei komplett eingebrochen, im Job genauso wie in der Partnerschaft oder in der Pflege ihrer Hobbies. Daran
hätten
auch der stationäre Aufenthalt in
B.___
und die weitere ambulante Therapie nichts ändern können (S. 3). Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 4):
-
Depressive Episode, gegenwärtig
mittelgradig bis
schwergradig
(F32.2), ED 2015
-
Akzentuierung von
Persönlichkeits
zügen Typ A Verhalten (starkes Erfolgs-/Anerkennungsstreben), ED 2015
Es beständen mittelschwere Beeinträchtigungen in der Planung und Strukturie
rung von Aufgaben,
der
Flexibilität und der Umstellungsfähigkeit, der Selbst
behauptungsfähigkeit, der Fähigkeit zu familiären bzw. intimen Beziehungen und zu ausserberuflichen Aktivitäten. Die Durchhaltefähigkeit sei mittelschwer bis schwer beeinträchtigt (S. 5). Vo
m
8.
Mai bis 1
3.
August 2019 sei die Beschwer
deführerin
als Zugbegleiterin
Y.___
zu 20
%
arbeitsunfähig
gewesen (60 % Arbeit)
, seit 1
8.
August 2019 liege die attestierte Arbeitsunfähigkeit bei 100
%
(S. 2).
Seitens
Y.___
sei der Beschwerdeführerin vorgeschlagen worden, an zwei Halb
tagen in einer angepassten Tätigkeit (administrativ/archivarisch orientiert) den Wiedereinstieg zu versuchen. Dies löse massive Stressreaktionen aus und scheine aktuell nicht zu bewältigen zu sein (S. 7).
Mit nachgereichtem
Bericht vom
1
7.
April 2020 (
Urk.
6/64) ergänzte
Dr.
C.___
den
p
sychopathologischen Befund der Beschwerdeführerin. Demnach leide sie in schwankender Ausprägung an leichten bis mittelschweren Konzentrationsstörun
gen über längere Zeitspannen, im formalen Denken zeige s
i
e sich grüblerisch, gelegentlich eingeengt. Im Affekt bestehe eine gedrückte, verflachte A
ffe
ktlage
mit gelegentlichen Affektdurchbrüchen. Der Antrieb sei gemindert und gehemmt (
Urk.
6/64/4).
4
.3
Im Verlaufsbericht vom 1
1.
November 2020
(
Urk.
6/73)
führte
Dr.
C.___
aus, dass sich die B
efunde im
V
ergleich zu seinem Bericht vom März 2020 nicht wesentlich verändert hätten.
Der Entscheid des Vertrauensarztes der
Y.___
vom Juni 2020, dass die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter in der angestammten Stelle eingesetzt werden könne
(vgl. dazu Urk. 6/76
)
, habe sie ein wenig entlastet. Seither baue d
ie Beschwerdeführerin ihre Hobbies wieder schrittweise auf. Dies vor
allem im Bereich Reiten, auch im Sinne therapeutischer Stunden für Kinder. Sie entwickle daraus ein
angepasstes, selbständi
ges berufliches Standbein
, erlebe aber auch in diesem Kontext eine massiv erhöhte Erschöpfbarkeit, dies trotz des hochangepassten Charakters dieser «Tätig
keit», in welcher sie Struktur/Rhythmus selbst vorgebe, ihre «Kunden» selektiere und sich kaum sozial anpassen müsse
. Bezüglich
zeitlichen Umfangs einer angepassten Tätigkeit führte er aus, es komme auf den «Anpassungsgrad» an. Soweit die Tätigkeit hochgradig eine eigene Entfaltung und daher
ein
Erleben persönlicher Anerkennung ermögliche, flexibel
strukturierbar
sei und kein/kau
m soziales Anpassungsvermögen/
Selbstbehauptungsfähigkeit erfordere, liege der zeitliche Um
fang bei maximal 50
% (S. 1).
Zur Prognose wurde erwähnt, dass weiterhin kleine Zeichen von mangelndem Respekt und Verständnis sofort Einbrüche der Stimmung auslösten. Im aktuellen, hochangepassten Struktur
rahmen (selbständig, therapeutisch orientierte Reitstunden) könne die Beschwer
deführerin einigermassen mit diesen automatisierten Reaktionen umgehen
und
Erfolgserfahrungen sammeln (S. 2).
5
.
5
.1
Medizinische Grundlage
im zu beurteilenden Neuanmeldeverfahren
bilde
n
im Wesentlichen die Arztberichte des behandelnden Psychiaters D
r.
C.___
(
E. 4.2 und E. 4.3
).
Es ist zu prüfen, ob diese Berichte eine abschliessende Beurteilung einer
leistungsrelevanten Veränderung des Gesundheitszustands für den
entscheidrelevanten
Zeitraum zulassen.
5
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer
Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5
.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5
.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferen
zen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
5
.5
5
.5.1
Streitig und zu prüfen ist
, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse, namentlich der Gesundheitszustand und
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
,
im
entscheidrelevanten
Zeitraum
anspruchsrelevant verändert haben
.
Dr.
C.___
, welcher sich in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als Zugbegleiterin am 4. November 2016 noch für eine 80%ige Arbeitsfähigkeit ausgesprochen hatte (Urk. 6/40 S. 1 und 4 f.),
schätzte die
se
im jüngsten Verlaufsbericht vom 1
1.
November 2020 (
Urk.
6/73 S. 1) auf «nahe
0
%» und hinsichtlich
einer ange
passten Tätigkeit
auf 50 %
seit Juni 2020
, wobei es auf den «Anpassungsgrad» ankomme. Soweit die Tätigkeit hochgradig eine eigene Entfaltung und daher Erleben persönlicher Anerkennung ermögliche, flexibel
strukturierbar
sei und kein/kaum soziales Anpassungsvermögen/Selbstbehauptungsfähigkeit erfordere, sei eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
% möglich (
E. 4.3
).
R
echtsprechungsgemäss
ist
in Bezug auf Berichte
von behandelnden Arztper
sonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Aus diesen Gründen wird im Streitfall eine direkte
Leistungszusprache
einzig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärztinnen und Ärzte denn auch kaum je in Frage kommen (BGE 135 V 465
E. 4.5).
Vorliegend wurde die Einschätzung von
Dr.
C.___
auch nicht dem
RAD
vorgelegt.
Es gilt somit im Nachfolgenden anhand eines
strukturierten
Beweisverfahren
s zu prüfen, ob sich
Dr.
C.___
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit an den normativen Vorgaben gemäss BGE 141 V 281 orientierte, mithin ob der Bericht eine schlüssige Beurteilung der massgebenden Indikatoren erlaubt und ob bei der Bemessung der Erwerbsunfähigkeit in rechtlicher Hinsicht auf die von ihm festgestellte Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgestellt werden kann (BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418).
5
.
5
.2
Die B
eschwerdegegnerin führte am
22. Februar
2021 (
Urk.
6/82)
eine
entspre
chende
Indikatorenprüfung
(vgl. vorstehende E. 4.3)
durch
. Sie
kam zum Schluss, dass die Einschränkungen
der Beschwerdeführerin
nicht in allen Lebensbereichen sichtbar seien, unter anderem baue die Beschwerdeführerin ihre Hobbies weiter auf. Es liege
somit
keine dauerhafte Einschrä
nkung der Arbeitsfähigkeit vor
(
Urk.
2 S. 2
, vgl. auch Beschwerdeantwort, Urk. 5
)
.
D
ieser
Auffassung
kann nicht gefolgt werden
, da die
Aktenlage für eine korrekte
Indikatoren
prüfung
unvoll
ständig
ist
, wie
sich aus nachfolgenden Ausführungen ergibt
:
5
.5
.3
Bezüglich de
s
Indikator
s
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-
resistenz muss festgehalten werden, dass dieser von der Beschwerdegegnerin nicht
hinreichend
geprüft wurde. Die Beschwerdeführerin befindet sich bereits seit 3
1.
März 2015 in psychotherapeutischer Behandlung
bei Dr.
C.___
,
die ca. 14täglich (
Urk.
6/6
4/2) beziehungsweise monatlich
(
Urk.
6/73 S. 2)
stattfindet
. Vo
m
1.
Oktober bis
7.
November 2019 fand
zusätzlich
ein stationärer Aufenthalt
in der
B.___
statt (
E. 4.1
; Seite 2 des Berichts fehlt in den Akten
).
Diese Umstände fanden keinen Ein
lass in die
Indikatorenprüfung
der Beschwerdegeg
nerin
, deuten aber auf einen ausgeprägten Leidensdruck der Beschwerdeführerin hin
, welche zudem auch eine medikamentöse Therapie in Anspruch nimmt (Urk. 6/63/3, Urk. 6/63/10, Urk. 6/73/2)
.
5
.5
.4
Der Komplex
«
Persönlichkeit
»
, welcher die Persönlichkeitsdiagnostik und die persönliche
n
Ressourcen der Beschwerdeführerin umfasst, wurde
von der Beschwerdegegnerin
nur ungenügend
abgeklärt und
gewürdigt.
Es wurde bei der Beschwerdeführerin zwar keine Persönli
chkeitsstörung diagnostiziert, d
ennoch leidet die Beschwerdeführerin an einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen, Typ A Verhalten (starkes Erfolgs-/Anerkennungsstreben
; ICD-10 Z73.1
)
,
seit 2015 (
E. 4.1 und E. 4.2
),
welche sich negativ auf
ihr
Leistungsvermögen auswirkt
(
zu Z-Kodierungen in diesem Kontext
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2017
vom 1. Februar 2018 E. 5.3 mit Hinweis)
.
Dies
wurde
von der Beschwerdegegne
rin
ebenfalls
ausser Acht gelassen.
Hinsichtlich persönliche
r
Ressourcen führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Beschwerdeführerin ein eigenes Pferd habe und eine
m gesundheitlich einge
schränkten
Kind Therapiestunden anbiete (
Urk.
6/82 S. 1).
Diese Inf
ormation s
tü
t
zt sich wohl auf
das Erstgespräch
in der Eingliederungsberatung
vom
5.
Februar 2020 (
Urk.
6/67
S. 2 ff.
). Demnach wäre die
Beschwerdeführerin gerne
s
elbständigerwerbend
und würde gerne als Therapeutin mit ihrem Pferd arbeiten. Sie habe seit über drei Jahren ein
en
autistischen Jungen
,
der regelmässig zum Reiten zu ihr komme
, und auch ein gehörloses Mädchen
(S. 3). Sie verfüge über keine Ausbildung
dafür
. Das wäre für die Beschwerdeführerin aber sicher ein Wunschberuf und eine Tätigkeit, welche sie sich in Zukunft vorstellen könnte
(S. 2). Sie habe bereits vor Jahren entschieden, dass sie nach ihrer Pensionierung solche Pferde-Therapiestunden anbieten möchte. Aus finanziellen Gründe habe sie die selbständige Tätigkeit
aber
nicht verfolgen können (S. 3).
Zudem findet sich im Arztbericht von
Dr.
C.___
vom 11. November 2020
(
Urk.
6/73) de
r
Hinweis, dass die Beschwerdeführerin ihre Hobbies wieder schrittweise aufbauen würde, dies
vor allem
im Bereich Reiten, auch im Sinne therapeutischer Stunden für Kinder. Sie entwickle ein angepasstes, selbständiges berufliches Standbein
(S. 1)
.
Weiter
e
Angaben über diese Tätigkeit finden sich in den Akten
nicht
.
Als weitere persönliche Ressource
wird
aufgeführt, dass die Beschwerdeführerin gemäss Telefongespräch vom 3
0.
September 2020 regelmässig an die frische Luft gehe und einen geregelten Tagesablauf habe (
Urk.
6/82/1). Dies ist
jedoch
eine unvollständige
Wiedergabe des Telefongesprächs. Gemäss
Notiz über das
T
elefon
gespräch
vom 30.
September 2020
geht
es der Beschwerdeführerin wieder schlechter. Sie sei se
hr erschöpft, könne kaum die
öffentlichen Verkehr
smittel
benutzen
, da sie aufgrund ihres Alters Bedenken habe wegen Covid-1
9.
Sie sei froh darüber, dass sie ein Pferd habe, da sie daher viel mit ihm rausgehen könne. Zudem sei sie oft an der frischen Luft (
Urk.
6/71)
. Aufgrund dieser
Angaben
greift die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, sie habe
«
einen geregelten Tages
ablauf
» (
Urk.
6/82 S. 1)
, zu kurz. Es finden sich keine Angaben in den Akten dazu, wie der Tagesablauf der Beschwerdeführerin konkret aussieht, wie oft sie an der frischen Luft
ist
oder
wie oft sie mit ihrem Pferd
beschäftigt ist
beziehungsweise was sie sonst noch unternimmt
(persönliche, familiäre [Kontakt zu ihrer erwach
senen Tochter, Beziehung zu ihrem Partner] und soziale Aktivitäten)
.
5
.
5
.5
Betreffe
nd der Kategorie der Konsistenz, welche die gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveau
s
in allen vergleichbaren Lebensbereichen sowie den
behand
lungs
- und eingliederungsanamne
s
tisch ausgewiesenen Leidensdruck
umfasst
,
führte die Beschwerdegegnerin aus, die Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig, habe aber Ressourcen, um sich ein angepasstes, selbständiges berufliches Standbein im Bereich Therapie
reit
stunden aufzubauen. Dass sie ihre Hobbies schrittweise wiederaufbaue, widerspreche der Tatsache, dass sie sich subjektiv nicht arbeitsfähig fühle (
Urk.
6/82 S. 2).
Wenn die Beschwerdegegnerin ausführt, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit nicht nach
vollzogen werden könne (
Urk.
5 S. 2), verkennt sie, dass
Dr.
C.___
für eine leidensangepasste Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
ab Juni 2020
attestierte.
Im
März 2020
wurde der Beschwerdeführerin
vom behandelnden Psychiater
für die Tätigkeit als Zugbegleiterin
zwar
noch eine vollständige Arbeitsunfähig
keit
attestiert (
Urk.
6/63/2)
und ein von der
Y.___
vorgeschlagener Arbeitsversuch in einer angepassten Tätigkeit (administrativ/archivarisch orientiert) an zwei Halbtagen als aktuell nicht zu bewältigen beurteilt (Urk. 6/63/7)
.
Jedoch
beschrieb
Dr.
C.___
im Verlaufsbericht vom 1
1.
November 2020 (
Urk.
6/73)
– nunmehr ausgehend von einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1; vormals mittel- bis
schwergradig
, ICD-10 F32.2, vgl. Urk. 6/63/4) –
eine Besse
rung der Symptomatik
seit Juni 2020
(Datum des Entscheids des Vertrauensarztes der
Y.___
)
,
ein
en
schrittweise
n
Wiederaufbau der Hobbies und
die Entwicklung
einer
angepassten,
selbständigen Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig attestiert
e
er in einer leidensangepassten Tätigkeit
mit dem von ihm beschriebe
nen «Anpassungs
grad»
eine Arbeit
sfähigkeit von maximal 50 % (S.
1).
In diesem Sinne ist zu prüfen,
wie das Aktivitätsniveau
der Beschwerdeführerin
im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit
von 50 %
aussieht (BGE 141 V 281 E. 4.4.1). Dazu fehlen in den Akten jedoch die nötigen Angaben.
Bezüglich Hobbies ist nicht ersichtlich, welche – abgesehen vom Reiten – gemeint sind.
Hinsichtlich
Reiten ist sodann auch nicht abgeklärt, in welchem Ausmass das stattfindet.
Was
die
Therapiestunden mit dem Pferd
betrifft,
fehlen ebenfalls gewichtige Angaben dazu, so insbesondere, in welchem
zeitlichen
Umfang diese von der Beschwerdeführerin durchgeführt werden. Diesbezü
glich führte
sie
in ihrer Beschwerdeschrift
aus, dass die wenigen Reitstunden rein
dem
Unterhalts
beitrag des Pferdes dien
t
en (
Urk.
1 S. 7)
, was darauf schliessen lässt, dass diese wohl nur in geringem Umfang stattfinden
.
Letztendlich kann
aufgrund der Aktenlage aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
geschlossen
werden
, in
welchem
effektiven
Umfang die Beschwerdeführerin R
eitstunden
erteilt
, seit wann
sie diese anbietet
und
ob es sich dabei um eine Erwerbstätigkeit handelt.
Jedenfalls
würde
mit Blick auf die attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 %
ab Juni
2020
das gelegentliche Reiten bzw. das Anbieten von Therapie
reit
stunden nicht für eine Inkonsistenz
sprechen
.
5
.5
.6
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage keine abschlies
sende
Beurteilung der Standardin
d
ikatoren
für den
entscheidrelevanten
Zeitraum
vorgenommen
und somit das tatsächliche Leistungsvermögen der Beschwerde
führerin nicht abschliessend beurteilt werden kann
. Die dafür benötigten Angaben
, insbesondere
zur Ressourcenseite der Beschwerdeführerin
,
fehlen.
Die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von
Dr.
C.___
kann somit aus rechtlicher Sicht
nicht
über
prüft werden.
Die Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin, es liege keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor
beziehungsweise die Beschwerdeführerin sei in einer angepassten Tätigkeit in rentenausschliessendem Umfang arbeitsfähig
(
Urk.
2 S. 2)
, ist aufgrund der fehlenden Angaben nicht
erstellt
, weshalb sich weitere Abklärungen aufdrängen
.
5
.6
Nach dem Gesagten
ergibt sich
somit
, dass aufgrund der vorliegenden Akten die nötigen A
ngaben für
die
Durchführung eines strukturierten Beweisverfahren
nach Massgabe von BGE 141 V 281
für den
entscheidrelevanten
Zeitraum
fehlen.
Die Beschwerdegegnerin wird in Nachachtung des geltenden Untersuchungs
grundsatzes (
Art.
43
Abs.
2 ATSG)
den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin näher abklären und sich dabei
namentlich
auch mit deren
Ressourcen
ab dem frühestmöglichen Rentenbeginn
auseinandersetzen
müssen,
darunter insbesondere de
r
T
agesablauf,
das Ausmass der
Hobbies
,
d
a
s Reiten
und
die
Therapie
reit
stunde
n
mit dem Pferd. Bei
L
etztere
n
ist neben dem zeitlichen Umfang ebenfalls zu prüfen, ob es sich dabei um eine (leidensange
passte)
Erwerbst
ätigkeit handelt.
Je nach Ausgang der ergänzenden Angaben
ist die Verwertbarkeit einer allfälligen Arbeitsfähigkeit zu prüfen
.
In diesem Sinne ist unklar, ob im massgebenden Beurteilungszeitraum eine anspruchsrelevante Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse vorliegt.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung
vom 23.
September 2021 (
Urk.
2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzende
n
Abklärungen im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsanspruch
der Beschwerdeführerin
im Kontext der Neuanmeldung vom 19. Dezember 2019
neu verfüge.
6
.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind
sie ermessensweise auf Fr. 7
00.--
anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in
dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 2
3.
September 2021 aufgeho
ben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägu
n
gen,
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLangone