# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e9a31eed-4fa2-587d-98c4-1614459cb1ab
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-10-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.10.2023 F-5368/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5368-2023_2023-10-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  O k t o b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richterin Aileen Truttmann;   

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, geboren am (…),   

2. B._______, geboren am (…),   

3. C._______, geboren am (…), 

alle Türkei, 

Beschwerdeführerinnen,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügungen des SEM vom 25. September 2023. 

 

 

 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerinnen, drei volljährige Schwestern, reichten am 

12. Dezember 2022 in der Schweiz ein erstes Mal Asylgesuche ein. Im 

Rahmen der anschliessenden Dublin-Verfahren erliess die Vorinstanz am 

1. Februar 2023 entsprechende Nichteintretensentscheide und ordnete 

ihre Wegweisung nach Deutschland an. Diese Entscheide erwuchsen un-

angefochten in Rechtskraft. Am 29. März 2023 wurden die Betroffenen da-

raufhin nach Deutschland überstellt. 

B.  

Am 17. August 2023 reisten die Beschwerdeführerinnen wiederum in die 

Schweiz ein und ersuchten mit Schreiben vom 20. August 2023 (beim SEM 

eingegangen am 21. August 2023) erneut um Asyl. Die Vorinstanz nahm 

die Eingaben als Mehrfachgesuche gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG (SR 

142.31) entgegen. 

C.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, 

dass die Beschwerdeführerinnen am 11. Mai 2022 in Deutschland als Asyl-

suchende registriert worden waren und am 29. März 2023 dort erneut Asyl-

gesuche gestellt hatten. 

D.  

Am 31. August 2023 ersuchte das SEM die deutschen Behörden um Über-

nahme der Beschwerdeführerinnen gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

E.  

Die deutschen Behörden stimmten den drei Übernahmeersuchen am 

4. September 2023 gestützt auf die genannte Bestimmung zu.  

F.  

Von der ihnen vom SEM am 31. August 2023 gewährten Möglichkeit, sich 

schriftlich zur Zuständigkeit Deutschlands für die Durchführung der Asyl- 

und Wegweisungsverfahren gemäss Dublin-III-VO zu äussern, machten 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

Seite 3 

die Beschwerdeführerinnen mit Eingaben vom 7. September 2023 Ge-

brauch. 

G.  

Mit drei separaten Verfügungen vom 25. September 2023 (alle eröffnet am 

Folgetag) trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

auf die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen nicht ein, verfügte ihre 

Überstellung nach Deutschland und forderte sie – unter Androhung von 

Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach 

Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM 

den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisungen, händigte den Be-

schwerdeführerinnen die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeich-

nis aus und stellte fest, dass allfälligen Beschwerden gegen die Entscheide 

keine aufschiebende Wirkung zukomme.  

H.  

Mit separaten, inhaltlich weitgehend identischen Beschwerden vom 2. Ok-

tober 2023 gelangten die Beschwerdeführerinnen an das Bundesverwal-

tungsgericht und ersuchten sinngemäss um Aufhebung der angefochtenen 

Verfügungen. 

Die Beschwerden wurden unter den Referenzen F-5368/2023 (A.______), 

F-5369/2023 (B.______) und F-5370/2023 (C._______) erfasst. 

I.  

Am 4. Oktober 2023 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 

VwVG den Vollzug der Überstellungen per sofort einstweilen aus.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhangs recht-

fertigt es sich vorliegend aus prozessökonomischen Gründen, die Verfah-

ren F-5368/2023, F-5369/2023 und F-5370/2023 zu vereinigen und in ei-

nem Urteil darüber zu befinden. 

2.  

2.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

Seite 4 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

2.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.3 Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sind durch die angefochtenen Verfügungen berührt und ha-

ben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Rechtsmittel legitimiert 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichten Beschwerden ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Die Beschwerden erweisen sich als offensichtlich unbegründet und sind im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

5.  

Die Beschwerdeführerinnen monieren in formeller Hinsicht, sie hätten kei-

ne Möglichkeit zu einem «Vorstellungsgespräch» erhalten, um ihre Asyl-

gründe in allen Einzelheiten darzulegen. Wie sich dem Sachverhalt ent-

nehmen lässt (siehe Bst. B und F weiter vorne), hat das SEM die schriftli-

chen Asylgesuche der Geschwister vom 20. August 2023 als Mehrfachge-

suche entgegengenommen und ihnen am 31. August 2023 das rechtliche 

Gehör zur beabsichtigten Wegweisung nach Deutschland gewährt. Dieses 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

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Vorgehen entspricht den gesetzesmässigen Vorgaben (vgl. Art. 111c 

Abs. 1 AsylG). 

6.  

6.1 Auf ein Asylgesuch wird in der Regel nicht eingetreten, wenn der oder 

die Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kann, der für die Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der 

Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein 

Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

6.3 Im Rahmen des – hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens 

(Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits-

prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit bezie-

hungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme 

ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 

Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 

2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; 

BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Die Dublin-III-

VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag prüfen-

den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

7.  

7.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerinnen mit der 

«Eurodac»-Datenbank ergab, dass sie am 11. Mai 2022 sowie am 29. März 

2023 in Deutschland Asyl beantragt hatten. Das SEM ersuchte deshalb die 

deutschen Behörden am 31. August 2023 um ihre Wiederaufnahme. Die 

deutschen Behörden stimmten den Ersuchen am 4. September 2023 zu. 

Die Zustimmungen stützten sich auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO. Die 

grundsätzliche Zuständigkeit Deutschland ist somit gegeben und wird auf 

Beschwerdeebene auch nicht bestritten. 

7.2 Nachfolgend ist demnach im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu 

prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren 

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Seite 6 

und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Deutschland würden 

systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-

lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-

Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.   

8.  

8.1 Deutschland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

8.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

9.  

9.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in 

einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer 

anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die 

Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der 

Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2). 

9.2 In ihren Rechtsmitteleingaben vom 2. Oktober 2023 führten die Be-

schwerdeführerinnen hierzu aus, von den deutschen Behörden negative 

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Asylentscheide erhalten zu haben. Im Falle einer Überstellung werde 

Deutschland sie an die Türkei ausliefern. Dort drohe ihnen staatliche Ge-

walt und sie gerieten in grosse Lebensgefahr. Die türkische Regierung 

werde sie mit Sicherheit im Gefängnis einsperren und sie foltern. Deshalb 

hätten sie grosse Angst vor einer Wegweisung in ihr Heimatland.  

9.3 Dazu ist festzuhalten, dass negative Asylentscheide der deutschen Be-

hörden genauso wenig ein Überstellungshindernis darstellen wie von die-

sem Land ausgesprochene Wegweisungen. Nach rechtskräftigem Ab-

schluss des Asylverfahrens bleibt Deutschland gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. d Dublin-III-VO bis zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug aus dem 

Dublin-Raum oder einer Regelung des Aufenthaltsstatus zuständig. Es gilt 

das Prinzip, dass ein Asylgesuch lediglich von einem einzigen Dublin-Mit-

gliedstaat zu prüfen ist (Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO; BVGE 2017 

VI/5 E. 8.5.3.3). Anzumerken gilt es an dieser Stelle, dass die Beschwer-

deführerinnen im vorinstanzlichen Verfahren wohl die entsprechenden ne-

gativen erstinstanzlichen Bescheide des deutschen Bundesamtes für Mig-

ration und Flüchtlinge vom 21. Juni 2023 ins Recht legten. Dagegen ergrif-

fen sie, soweit ersichtlich, allerdings kein Rechtsmittel. Stattdessen bega-

ben sie sich eigener Darstellung zufolge im Anschluss daran via Serbien 

(dortige Anwesenheit drei bis vier Tage) in die Schweiz. Unabhängig davon 

bestehen keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die deutschen Behör-

den die Anträge der Beschwerdeführerinnen auf internationalen Schutz 

nicht unter Einhaltung der Verfahrensrichtlinie geprüft oder das Asylverfah-

ren mangelhaft durchgeführt hätten. Als unbegründet erweist sich unter 

den konkreten Begebenheiten insbesondere die Befürchtung, die deut-

schen Behörden könnten sie in Missachtung des Grundsatzes des Non-

Refoulement zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben 

oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist 

oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land 

gezwungen zu werden. Gemäss den eingereichten Bescheiden gaben sie 

nämlich gegenüber den deutschen Asylbehörden unisono an, in der Türkei 

weder bedroht noch verfolgt zu werden (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM 

act.] 2/pag. 23 f. [A.______], 2/17 f. [B.______] bzw. 2/17 f. [C._______]).  

9.4 Die Beschwerdeführerinnen hoben in ihren Eingaben vom 7. Septem-

ber 2023 betreffend rechtliches Gehör sodann hervor, dass ihre Eltern in 

der Schweiz lebten. Im deutschen Asylverfahren erklärten die Geschwister, 

die zuvor bei einem Onkel in der Türkei gelebt hatten, denn auch ausdrück-

lich, dass sie beabsichtigten, wieder mit ihren hierzulande ansässigen El-

tern zusammenzuleben (siehe wiederum SEM act. 2). Deren Aufenthalt in 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5
http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5

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der Schweiz steht der Zuständigkeit Deutschlands für die volljährigen Be-

schwerdeführerinnen indes nicht entgegen. Bei den Eltern handelt es sich 

weder um Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO, 

noch ist von einem Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 

Dublin-III-VO auszugehen. Über die angestrebte Familienzusammenfüh-

rung wäre in dem dafür vorgesehenen Verfahren zu befinden; sie kann vor-

liegend nicht über die Bestimmungen der Dublin-III-VO erreicht bzw. um-

gangen werden. Dem engen Verhältnis der Geschwister untereinander ist 

derweil mittels Koordination bzw. Vereinigung der Rechtsmittelverfahren 

sowie dem gemeinsamen Vollzug der angefochtenen Verfügungen Rech-

nung zu tragen. 

9.5 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein 

solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person 

durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer 

ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden  

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).  

9.6 Eine solche Situation liegt aufgrund der aktenkundigen und geschilder-

ten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht vor. Die Beschwerdeführe-

rin 1 führte in ihrer Eingabe vom 7. September 2023 aus, an einer beidsei-

tigen Schwerhörigkeit zu leiden und auf die Hilfe ihrer Schwestern ange-

wiesen zu sein. Die Diagnose der Schwerhörigkeit wird in einem sich in 

den Akten befindlichen Patientenbericht vom 5. September 2023 bestätigt 

(SEM act. 9/ 56). Die Beschwerdeführerin 3 ihrerseits erklärte in einer Ein-

gabe gleichen Datums, Epileptikerin zu sein und ebenfalls die Hilfe ihrer 

Schwestern zu benötigen. In einer ärztlichen Bestätigung vom 5. Septem-

ber 2023 ist hierzu festgehalten, dass die Patientin an einer Grand-mal 

Epilepsie leide und eine medikamentöse Therapie mache (SEM act. 9/57). 

Die Beschwerdeführerin 2 ist gesund. Auf Beschwerdeebene wird in die-

sem Zusammenhang nurmehr erwähnt, dass die Beschwerdeführerin 3 

während des kurzen Aufenthalts in Serbien schwer erkrankt sei. Näheres 

ist hierzu nicht bekannt und die Betroffene hat sich gemäss Akten deswe-

gen in der Schweiz danach nicht in ärztliche Behandlung begeben. Auf-

grund dessen ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerinnen nicht zwin-

gend in der Schweiz aufhalten müssen, sondern eine adäquate 

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

Seite 9 

Behandlung der genannten Leiden in Deutschland ebenfalls möglich ist. 

Dementsprechend gelingt es ihnen nicht, nachzuweisen, dass sie nicht rei-

sefähig seien oder eine Überstellung nach Deutschland sie gesundheitlich 

ernsthaft gefährden würde. Ihr Gesundheitszustand vermag eine Unzuläs-

sigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der restriktiven Rechtspre-

chung nicht zu rechtfertigen. 

9.7 Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforder-

liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die 

unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-

chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-

nahmerichtlinie); Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die er-

forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls ei-

ner geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 

Aufnahmerichtlinie). Es ist allgemein bekannt, dass Deutschland über eine 

ausreichende, auch abgewiesenen Asylsuchenden offenstehende medizi-

nische Infrastruktur verfügt, weshalb sich die Beschwerdeführerinnen im 

Bedarfsfall an das dafür zuständige medizinische Fachpersonal wenden 

können. Wie erwähnt, werden die Überstellungen im Übrigen gleichzeitig 

und koordiniert erfolgen, weshalb sie sich in Deutschland nötigenfalls ge-

genseitig unterstützen können. 

9.8 Nach dem Ausgeführten konnten die Beschwerdeführerinnen kein kon-

kretes und ernsthaftes Risiko dartun, dass ihre Überstellung nach Deutsch-

land die Verletzung völkerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. Ein 

notwendiger Selbsteintritt gebietet sich daher nicht. 

10.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der 

Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem 

Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-

weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-

schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

11.  

Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-

sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Deutschland der für die 

Behandlung der Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen zuständige Mit-

gliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

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Seite 10 

12.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen nicht eingetreten. 

13.  

Die Beschwerden sind abzuweisen und die Verfügungen des SEM zu be-

stätigen. 

14.  

Die am 4. Oktober 2023 angeordneten Vollzugsstopps fallen mit vorliegen-

dem Urteil dahin. 

15.  

Entsprechend dem Ausgang der vereinigten Verfahren sind die Kosten den 

Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf ins-

gesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerdeverfahren F-5368/2023, F-5369/2023 und F-5370/2023 

werden vereinigt. 

2.  

Die Beschwerden werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des Urteils zu-

gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

  

F-5368/2023, F-5369/2023, F-5370/2023 

Seite 12 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführerinnen (Einschreiben: Beilage: Einzahlungs-

schein) 

– die Vorinstanz (ad Ref-Nr. […], […] und […]) 

– den Migrationsdienst des Kantons Bern (in Kopie)