# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 354397b8-c6a0-532a-bd8f-9936285ae90d
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 07.12.2022 BZ 2022 108
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BZ-2022-108_2022-12-07.pdf

## Full Text

20221121_120208_ANOM.docx

II. Beschwerdeabteilung BZ 2022 108

Oberrichter lic.iur. St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter lic.iur. M. Siegwart
Oberrichter Dr.iur. A. Sidler
Gerichtsschreiberin lic.iur. D. Huber Stüdli

Beschluss vom 7. Dezember 2022 [rechtskräftig]

in Sachen

A.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

B.________,
vertreten durch RA lic.iur. C.________,
Beschwerdegegnerin,

betreffend

Ordnungsbusse / Wiederherstellung der Beschwerdefrist
(Beschwerde gegen den Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 11. Oktober 
2022)

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Sachverhalt

1. Mit Entscheid vom 29. August 2022 verpflichtete der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug die 
A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), der B.________ (nachfolgend: 
Beschwerdegegnerin) innerhalb von fünf Tagen nach Empfang des Entscheids diverse, 
namentlich genannte Geschäftsunterlagen herauszugeben. Für den Fall der Missachtung des 
Entscheids wurde die Beschwerdeführerin verpflichtet, dem Kanton Zug eine Ordnungsbusse 
im Sinne von Art. 343 Abs. 1 lit. c ZPO in Höhe von CHF 750.00 für jeden Tag der 
Nichterfüllung zu bezahlen (Disp.-Ziff. 1). Dieser Entscheid blieb unangefochten. 

2. Am 23. September 2022 informierte die Beschwerdegegnerin den Einzelrichter am 
Kantonsgericht Zug, dass die Beschwerdeführerin dem Entscheid vom 29. August 2022 nicht 
nachgekommen sei. 

3. In der Stellungnahme vom 7. Oktober 2022 stellte sich die Beschwerdeführerin auf den 
Standpunkt, die Unterlagen würden seit Herbst 2021 bereitstehen. Es bestehe keine 
Verpflichtung der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegnerin die Unterlagen anzuliefern, 
und seit dem 29. August 2022 habe sich die Beschwerdegegnerin weder bei der 
Beschwerdeführerin gemeldet noch Anstalten unternommen, um die herausverlangten 
Unterlagen bei ihr abzuholen. 

4. Mit Entscheid vom 11. Oktober 2022 verpflichtete der Einzelrichter am Kantonsgericht Zug 
die Beschwerdeführerin, dem Kanton Zug eine Ordnungsbusse von CHF 27'000.00 zu 
bezahlen. Zur Begründung hielt er fest, die Beschwerdeführerin sei mit Entscheid vom 29. 
August 2022 verpflichtet worden, der Beschwerdegegnerin innerhalb von fünf Tagen nach 
Empfang dieses Entscheids diverse Unterlagen herauszugeben, was ein aktives Tun der 
Beschwerdeführerin impliziere und keine weitere Fristansetzung mehr erforderlich mache. 
Demnach habe die Beschwerdeführerin Ziff. 1 des Entscheids vom 29. August 2022 
missachtet. Folglich habe sie für jeden Tag der Nichterfüllung, d.h. vom 6. September 2022 
(Inempfangnahme des Entscheids vom 29. August 2022 am 30. August 2022) bis zum 11. 
Oktober 2022 eine Ordnungsbusse in Höhe von CHF 27'000.00 (= 36 Tage x CHF 750.00) 
zu bezahlen (Verfahren ES 2022 553). 

5. Gegen diesen Entscheid reichte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 27. Oktober 2022 
Beschwerde beim Obergericht des Kantons Zug ein und stellte folgende Anträge: 

1. Zufolge Ferienabwesenheit des Geschäftsführers, einzigen Verwaltungsrates und einzigen 
Zeichnungsberechtigten der Beschwerdeführerin in der Zeit vom 8.-23. Oktober 2022 sei die Frist 
von 10 Tagen zur Einreichung der Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Zug 
vom 11. Oktober 2022, ausgehend vom 24. Oktober 2022, wiederherzustellen, d.h. neu 
anzusetzen. 

2. Der Entscheid des Kantonsgerichts Zug vom 11. Oktober 2022, wonach "Die Gesuchsgegnerin 
[Beschwerdeführerin] verpflichtet wird, dem Kanton Zug eine Ordnungsbusse von CHF 27'000.00 
zu bezahlen", sei auf der Basis der nachfolgenden Darlegungen der Beschwerdeführerin zu 
widerrufen und ersatzlos zu streichen. 

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6. Am 31. Oktober 2022, 4. November 2022 und 30. November 2022 reichte die 
Beschwerdeführerin Ergänzungen zur Beschwerde ein. 

7. Auf die Einholung von Vernehmlassungen wurde verzichtet. 

Erwägungen

1. Die Beschwerdeführerin beantragt die Wiederherstellung der Beschwerdefrist. Zur 
Begründung führt sie aus, der Entscheid des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 11. 
Oktober 2022 sei bei ihr am 12. Oktober 2022 eingegangen. Die zehntätige Beschwerdefrist 
sei "formal" am 22. Oktober 2022 abgelaufen, ohne dass D.________, ihr Geschäftsführer, 
einziger Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigter, vom Entscheid habe Kenntnis erlangen 
und darauf reagieren können. D.________ sei als einzige Person im vierköpfigen 
Mitarbeiterteam mit der Sache rund um die Beschwerdegegnerin vertraut. Vom 8.-23. 
Oktober 2022 sei er ferienabwesend gewesen und habe erst am 24. Oktober 2022, dem 
ersten Arbeitstag nach seinen Ferien, Kenntnis vom Entscheid erlangt (vgl. act. 1).  

1.1 Gemäss Art. 128 Abs. 4 ZPO i.V.m. Art. 321 Abs. 2 ZPO kann ein im summarischen 
Verfahren ergangener Ordnungsbussenentscheid innert zehn Tagen mit Beschwerde 
angefochten werden. Schriftliche Eingaben müssen am letzten Tag der Frist beim Gericht 
eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen 
diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 143 Abs. 1 ZPO). 
Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausgelöst werden, 
beginnen am folgenden Tag zu laufen. Fällt der letzte Tag einer Frist auf einen Samstag, 
einen Sonntag oder einen am Gerichtsort vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht 
anerkannten Feiertag, so endet sie am nächsten Werktag (Art. 142 Abs. 1 und 3 ZPO). 

Mit dem Zugang des angefochtenen Entscheids am 12. Oktober 2022 begann im 
vorliegenden Fall die Beschwerdefrist am 13. Oktober 2022 zu laufen und endete am 
Montag, 24. Oktober 2022. Demnach erfolgte die Beschwerde vom 28. Oktober 2022 
(Postaufgabe) verspätet. 

1.2 Wird ein Rechtsmittel nicht rechtzeitig erhoben, ist darauf nicht einzutreten. Unter 
bestimmten Voraussetzungen kann eine Frist wiederhergestellt werden. Für die 
Wiederherstellung der Frist zur Erhebung einer Beschwerde gegen einen 
Ordnungsbussenentscheid ist Art. 148 ZPO massgebend. Nach dieser Bestimmung kann das 
Gericht auf Ersuchen einer säumigen Partei eine Nachfrist gewähren oder zu einem Termin 
erneut vorladen, wenn die Partei glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes 
Verschulden trifft (Abs. 1). Das Gesuch ist innert zehn Tagen seit Wegfall des 
Säumnisgrundes einzureichen (Abs. 2). Eine Wiederherstellung ist nur möglich, wenn die 
Wahrung einer Frist oder eines gerichtlichen Termins der säumigen Partei unmöglich war. 
Die säumige Partei darf überdies kein oder nur ein leichtes Verschulden treffen. Bei der 
Beurteilung des Verschuldens der säumigen Partei ist von einem objektivierten 
Sorgfaltsmassstab auszugehen. Massgebend ist, ob die Säumnis auch bei der von der 
säumigen Partei zu erwartenden Sorgfalt unter den gegebenen Umständen nicht hätte 
abgewendet werden können. Als Wiederherstellungsgründe gelten insbesondere plötzliche 

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Erkrankung oder Unfall, sofern sie die Partei tatsächlich an der Vornahme der 
Prozesshandlung hinderten, unvorhergesehener Spitalaufenthalt, Tod eines nahen 
Angehörigen, Ortsabwesenheit im Zeitpunkt der Fristansetzung, sofern die Partei nicht mit 
der Zustellung rechnen musste, sowie eine sachlich unrichtige Rechtsmittelbelehrung, wenn 
der Fehler nicht erkennbar war (vgl. Frei, Berner Kommentar, 2012, Art. 148 ZPO N 8 ff.; 
Gozzi, Basler Kommentar, 3. A. 2017, Art. 148 ZPO N 9 ff.; Merz, in: 
Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. A. 2016, 
Art. 148 ZPO N 12 ff.). 

1.3 Im vorliegenden Fall wusste die Beschwerdeführerin um die drohende Vollstreckung des 
Herausgabeentscheids des Einzelrichters am Kantonsgericht Zug vom 29. August 2022. 
Noch am 7. Oktober 2022 hatte sie zum Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 23. Sep-
tember 2022 Stellung genommen. Darin hatte die Beschwerdegegnerin dem Einzelrichter 
mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin dem Entscheid vom 29. August 2022 nicht 
nachgekommen sei. Folglich musste die Beschwerdeführerin mit einer gewissen 
Wahrscheinlichkeit mit einer Zustellung eines Entscheides rechnen und sich nach Treu und 
Glauben so organisieren, dass sie während der zweiwöchigen Ferienabwesenheit ihres 
Geschäftsführers, einzigen Verwaltungsrats und Zeichnungsberechtigen Fristen wahren 
kann. Beispielsweise hätte sie eine andere Person beauftragen können, sich um die Post zu 
kümmern. Nachdem sie dies nicht getan hat, kann nicht mehr von einem leichten 
Verschulden an der Säumnis gesprochen werden. Abgesehen davon liegen auch keine 
Belege dafür vor, dass der einzige Zeichnungsberechtigte der Beschwerdeführerin in der 
fraglichen Zeit tatsächlich ferienabwesend war. Aus all diesen Gründen ist dem Gesuch um 
Wiederherstellung der Beschwerdefrist kein Erfolg beschieden. 

2. Nach dem Gesagten ist das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist abzuweisen 
und auf die Beschwerde wegen Verspätung nicht einzutreten. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin die Kosten des 
Beschwerdeverfahrens aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Zusprechung einer 
Parteientschädigung an die Beschwerdegegnerin fällt dagegen ausser Betracht, da diese 
nicht zur Stellungnahme eingeladen wurde.  

Beschluss

1. Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist wird abgewiesen.

2. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

3. Die Entscheidgebühr für das vorliegende Verfahren von CHF 600.00 wird der 
Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 600.00 
verrechnet. 

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4. Gegen diesen Entscheid mit einem Streitwert von unter CHF 30'000.00 ist die Beschwerde in 
Zivilsachen nach den Art. 72 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) nur zulässig, wenn sich 
eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt. Andernfalls ist die subsidiäre 
Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG gegeben. Die Beschwerdegründe richten sich 
nach den Art. 95 ff. bzw. Art. 116 BGG. Eine allfällige Beschwerde ist innert 30 Tagen seit 
Zustellung des Entscheids schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter 
Beilage des Entscheids und der Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Wird gleichzeitig ordentliche Beschwerde 
und Verfassungsbeschwerde geführt, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift 
einzureichen. Die Beschwerde hat nach Art. 103 Abs. 1 BGG in der Regel keine 
aufschiebende Wirkung. 

5. Mitteilung an:
- Parteien (an die Beschwerdegegnerin unter Beilage der Eingabe der 

Beschwerdeführerin vom 30. November 2022)
- Kantonsgericht Zug, Einzelrichter (ES 2022 553)
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
II. Beschwerdeabteilung

lic.iur. St. Scherer lic.iur. D. Huber Stüdli
Abteilungspräsident Gerichtsschreiberin

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