# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90a11c28-8d4b-5ae1-bd64-44d38bdb23fa
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 23.02.2021 IV 2019/86
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2019-86_2021-02-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/86

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 19.08.2021

Entscheiddatum: 23.02.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 23.02.2021
Art. 7, 8 und 16 ATSG. Art. 28 IVG. Qualifikation als Vollerwerbstätige. 
Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens. Rückweisung zur Ergänzung 
des Gutachtens und zur Durchführung bzw. Veranlassung von Massnahmen 
zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2021, IV 2019/86).

Entscheid vom 23. Februar 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Viviane Kull

Geschäftsnr.

IV 2019/86

Parteien

A.___

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im August 2015 zur Früherfassung bei der 

Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Sie gab an, seit März 2013 (bis September 

2015) bei der B.___, einem Alters- und Pflegeheim, im Hausdienst/in der Reinigung in 

einem 70%-Pensum erwerbstätig zu sein. Am 11. September 2015 fand ein Gespräch 

mit einer Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 4). Die Versicherte gab an, dass sie keine 

Lehre absolviert und verschiedene Hilfsarbeiterinnentätigkeiten ausgeübt habe. Die 

Stelle bei B.___ sei per 30. September 2015 gekündigt worden. Das Wunschpensum 

bei guter Gesundheit liege bei 100%. Im September 2015 reichte die Versicherte das 

Anmeldeformular zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung ein (IV-act. 6). 

Sie gab an, an Panikattacken, Angstzuständen und einer posttraumatischen 

Belastungsstörung zu leiden.

A.a. 

Die Stiftung B.___ teilte am 8. Oktober 2015 mit (IV-act. 12), die Versicherte sei 

von März 2013 bis September 2015 als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft angestellt 

gewesen. Der letzte Arbeitstag sei der 19. Juli 2015 gewesen. Das Pensum habe 

zunächst 50% und ab September 2013 70% betragen. Der AHV-beitragspflichtige 

Lohn habe Fr. 2'660.-- pro Monat (x13) + Zulagen von durchschnittlich Fr. 155.-- pro 

Monat betragen. Die Kündigung sei aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Die Arbeit 

verlange von den Mitarbeitenden einen stabilen psychischen Gesundheitszustand.

A.b. 

Fachärzte des C.___ hatten am 25. Juni 2015 berichtet (Fremdakten-act. 1-13), sie 

hätten die Diagnose einer Anpassungsstörung: Längere depressive Reaktion (ICD-10 

F43.21) erhoben. Die Versicherte habe angegeben, dass sich ihre Tochter vor ca. sechs 

Wochen versucht habe zu suizidieren. Die Versicherte sei deshalb vom 1. bis 14. April 

2015 auf der Kriseninterventionsstation in Behandlung gewesen. Mit einer Besserung 

der Beschwerden sei zu rechnen. Die genaue Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei schwer 

zu prognostizieren. Vorerst gingen sie weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% 

A.c. 

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aus, d.h. bei einer Tätigkeit im Reinigungsdienst von 70% sollte die Versicherte 35% 

arbeiten gehen. Seit dem 1. Juni 2015 arbeite die Versicherte wieder in der Reinigung 

zu 35%. Im Austrittsbericht der Krisenintervention des C.___ vom 15. April 2015 war 

die Diagnose Anpassungsstörungen: Kurze depressive Reaktion (ICD-10 F43.20) 

angegeben und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Fremdakten-

act. 1-17). Am 6. Oktober 2015 hatten Fachärzte des C.___ mitgeteilt (IV-act. 13), bei 

der Versicherten seien die Diagnosen einer Panikstörung (ICD-10 F41.0) und einer 

rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode: ohne somatisches 

Syndrom (ICD-10 F33.0), erhoben worden. Die Versicherte werde seit dem 7. Mai 2015 

ambulant psychiatrisch behandelt. Zurzeit klage sie über Panikattacken, 

Zukunftsängste, innere Unruhe und Stimmungsschwankungen. Vorerst sei weiterhin 

von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab November/Dezember 2015 

komme voraussichtlich eine Arbeitsfähigkeit von 20% in Frage. Durch die ambulante 

psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung sowie die medikamentöse 

Behandlung habe sich der Allgemeinzustand der Versicherten etwas gebessert. Am 

13. Januar 2016 attestierte Dr. med. D.___ vom C.___ eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar 2016 bis 29. Februar 2016 (IV-act. 26). Dr. D.___ und 

Dr. med. E.___ teilten am 29. März 2016 dieselben Diagnosen wie im Bericht vom 

6. Oktober 2015 mit (IV-act. 28). Sie hielten fest, es bestünden weiterhin Panikattacken 

sowie eine innere Unruhe. Die Versicherte fühle sich jedoch etwas besser, sei aktiver 

und etwas ausgeglichener. Es bestünden eine starke Unsicherheit, eine Reizbarkeit und 

eine Leistungsminderung. Aufgrund des aktuellen Krankheitsbildes würden sie die 

Arbeitsfähigkeit ab Mai rein theoretisch auf 20% mit einer schrittweisen Steigerung 

einschätzen. Eine berufliche Integrationsmassnahme hielten sie für sinnvoll.

Am 19. April 2016 wurde die Versicherte von Dr. F.___, Fachärztin Psychiatrie/

Psychotherapie, im Auftrag der Krankentaggeldversicherung psychiatrisch abgeklärt 

(Fremdakten-act. 2-18). Im Gutachten vom 27. April 2016 nannte Dr. F.___ die 

Diagnosen einer Panikstörung (ICD-10 F41.0), einer rezidivierenden depressiven 

Störung, gegenwärtig weitestgehend remittiert (ICD-10 F33.4), und einer nicht näher 

bezeichneten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.9). Die Versicherte gab zur 

Berufsanamnese an, das Arbeitspensum bei der B.___ sei von der Arbeitgeberseite auf 

70% limitiert gewesen, von sich aus hätte sie auch mehr gearbeitet. Dr. F.___ führte 

A.d. 

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aus, im Anschluss an den Suizidversuch der Tochter im März 2015 sei es bei der 

Versicherten reaktiv zum Auftreten einer depressiven Episode und einer völligen 

Überlastung mit dem Gefühl eines totalen Blackouts gekommen. Unter 

Berücksichtigung der Anamnese und auch in früheren Zeiten (wahrscheinlich 

spätestens ab 1992) immer wieder aufgetretenen depressiven Episoden könne die 

Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt werden. Die depressive 

Symptomatik habe sich unter der Behandlung inzwischen soweit zurückgebildet, dass 

von einer Remission gesprochen werden könne. Ebenfalls im Anschluss an den 

Suizidversuch der Tochter sei es wahrscheinlich erstmals auftretend zu 

Panikzuständen mit Hyperventilation gekommen. Auch diese Symptomatik habe sich 

inzwischen deutlich zurückgebildet, wobei Angstsymptome in abgeschwächter Form 

unter erhöhter psychischer Belastung immer noch aufträten. Die Exploration unter 

Berücksichtigung der Biographie und der Lebensgeschichte der Versicherten zeige 

darüber hinaus klare Hinweise darauf, dass bereits in der Kindheit und Jugend gewisse 

Symptome und Einschränkungen bestanden hätten. So scheine es im Leben der 

Versicherte immer eine gewisse Grundängstlichkeit, Schwierigkeiten in der 

Beziehungsgestaltung, affektive Schwankungen, möglicherweise auch eine gewisse 

Entwicklungsverzögerung und Lernschwierigkeiten, immer wieder destruktive und 

selbstschädigende Verhaltensweisen etc. gegeben zu haben. Darüber hinaus würden 

gewisse flashbackartige Erinnerungen und grosse Verlustängste beschrieben. Das 

Spektrum der Symptome sei bunt und die diagnostische Einschätzung ohne 

zusätzliche Untersuchungen und ohne fremdanamnestische Angaben schwierig. Im 

Mindesten scheine aber eine klare Persönlichkeitsakzentuierung und eine fragliche 

Persönlichkeitsstörung vorzuliegen. Darüber hinaus sei das Vorliegen eines ADHS und/

oder einer posttraumatischen Symptomatik wahrscheinlich. Aufgrund der Symptomatik 

bestehe eine deutlich verminderte Belastbarkeit sowie eine verminderte Stresstoleranz. 

Im Rahmen der Grundpersönlichkeit bestehe einerseits eine gewisse Extrovertiertheit 

und dadurch auch eine gewisse Sozialkompetenz. Gleichzeitig bestehe durch die 

Logorrhoe, die teilweise leichte Distanzlosigkeit und die Schwierigkeit, einen 

Gedankengang und damit vermutlich auch eine Aufgabe zielgerichtet zu verfolgen, eine 

Einschränkung der sozialen Interaktionsfähigkeit. Unter Berücksichtigung des 

bisherigen Verlaufs erscheine eine langsame Erhöhung der Arbeitsfähigkeit und der 

Belastung gerechtfertigt. Wie vom behandelnden Psychiater beurteilt, sei davon 

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auszugehen, dass die Versicherte ab dem 1. Mai 2016 zu 20% arbeitsfähig sei und das 

Pensum vermutlich in Monatsschritten um 10% gesteigert werden könne. Es sollte sich 

in jedem Fall um eher einfache und repetitive Tätigkeiten handeln ohne allzu hohe 

intellektuelle Ansprüche. Eine Tätigkeit in der Hauswirtschaft/Reinigung wie bis anhin 

sei grundsätzlich denkbar.

Am 13. Juli 2016 teilten Fachärzte des C.___ eine Änderung der Diagnosen mit, 

nämlich eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Boderline-Typ (ICD-10 

F60.32), und einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 

F43.1, Fremdakten-act. 2-16). Sie gaben an, die depressive und ängstliche 

Symptomatik habe sich zurückgebildet. Sie attestierten eine 80%ige 

Arbeitsunfähigkeit.

A.e. 

Gleichentags unterzeichnete die Versicherte einen Eingliederungsplan für ein 

Belastbarkeitstraining bei der G.___ vom 15. August 2016 bis 13. November 2016 (IV-

act. 36). Am 15. Juli 2016 erteilte die IV-Stelle die entsprechende Kostengutsprache 

(IV-act. 40). Die Versicherte absolvierte das Belastbarkeitstraining und konnte das 

Arbeitspensum kontinuierlich von anfänglich 20% auf 40% steigern (vgl. den 

Abschlussbericht der G.___ vom 27. November 2016, IV-act. 60). Am 7. November 

2017 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining bei der G.___ 

vom 14. November 2016 bis 13. Mai 2017 (IV-act. 56) mit dem Ziel, die Arbeitsfähigkeit 

zu stabilisieren und auf 50% zu steigern (vgl. IV-act. 54). Die IV-Stelle brach das 

Aufbautraining per 25. Januar 2017 aufgrund von gehäuften krankheitsbedingten 

Absenzen und eines instabilen Gesundheitszustands der Versicherten ab. Die G.___ 

hielt im Schlussbericht vom 16. Februar 2017 fest (IV-act. 77), sobald die Versicherte 

unter einer Mehrfachbelastung gestanden sei (finanzielle Situation, Privates, Druck der 

Rahmenbedingungen des Aufbautrainings), sei sie sowohl im Arbeitsbereich als auch in 

den Coachinggesprächen psychisch instabil erschienen. Dies habe sich daran gezeigt, 

dass nicht mehr das Aufbautraining im Vordergrund gestanden sei, sondern ihre 

privaten Probleme. Die Versicherte habe angegeben, dass es ihr schwergefallen sei, 

sich auf das Aufbautraining zu fokussieren. Ihr sei alles zu viel geworden und das 

Aufbautraining habe für sie eine grosse Belastung dargestellt. Das Arbeitspensum habe 

rund 40% betragen. Mit einer Mitteilung vom 31. März 2017 wies die IV-Stelle das 

Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 82).

A.f. 

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Am 26. Juni 2017 berichtete Dr. D.___ (IV-act. 85), zwischenzeitlich als 

niedergelassener Arzt tätig, die Versicherte leide an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Er gab folgende Befunde an: Wach, klar, zu allen 

Qualitäten orientiert, im Kontakt freundlich und kooperativ, Stimmungslage etwas 

gedrückt, affektlabil, Antrieb etwas reduziert, formalgedanklich geordnet, inhaltlich 

dominiere Ambivalenz und Überforderung, Leistungseinbussen, verminderte 

Konzentration und Aufmerksamkeit, Gedächtnis unauffällig, kein Hinweis auf Wahn, 

Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen, Halluzinationen würden verneint, wiederkehrende 

Flashbacks von Gewalterlebnissen in der zweiten Ehe, zeitweise auftretende 

Albträume, Existenz- und Zukunftsängste, intermittierende Angst/Panikattacken 

(sekundenweises Auftreten), unter psychiatrisch-psycho-therapeutischer Behandlung 

deutlich besser, Besserung der Schlafstörung. Er hielt fest, aufgrund des aktuellen 

Krankheitsbilds schätze er die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aufgrund einer 

Leistungsminderung und einer verminderten Belastbarkeit rein theoretisch auf 30-50% 

ein.

A.g. 

Dr. med. H.___ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 

21. September 2017 (IV-act. 86), zur abschliessenden Einschätzung des 

Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit seien weitere medizinische Abklärungen 

erforderlich. Falls eine Haushaltsabklärung vorgesehen sei, bitte sie um deren 

Durchführung, bevor eine psychiatrische Begutachtung in Auftrag gegeben werde.

A.h. 

Die Versicherte gab am 25. Oktober 2017 im Fragebogen zur Rentenabklärung 

betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt an (IV-act. 90), ohne eine gesundheitliche 

Beeinträchtigung würde sie heute in einem 100%-Pensum im Detailhandel oder in der 

Produktion arbeiten. Sie sei früher in unterschiedlichen Pensen erwerbstätig gewesen, 

unter anderem auch zu 100%. Daher wäre dies ohne eine Beeinträchtigung auch heute 

das Ziel. Die Kinder seien volljährig. Die Erledigung des Haushalts sei ihr in ihrem 

Tempo selbstständig möglich.

A.i. 

Die Arbeitslosenkasse teilte am 7. Dezember 2017 mit (IV-act. 91), die Versicherte 

sei seit 1. Oktober 2015 als arbeitslos gemeldet. Sie suche eine 70%-Stelle. Die 

Vermittlungsfähigkeit sei auf 70% festgelegt worden. Sie legte diverse 

Arbeitsunfähigkeitszeugnisse bei.

A.j. 

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Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 19. Dezember 2017 zuhanden des 

RAD (IV-act. 92), bezüglich der Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt sei der 

Haushaltfragebogen eingeholt worden. Als Hauptgrund für den Haushaltanteil von 30% 

könnten die Hunde angenommen werden. Gemäss dem Haushaltfragebogen benötige 

die Versicherte täglich zwei bis drei Stunden für die Haustierhaltung. Ausserdem habe 

die Versicherte angegeben, dass sie sämtliche Haushaltstätigkeiten in ihrem Tempo 

selbstständig erledigen könne. Die Versicherte lebe mit ihrer Tochter zusammen, womit 

im Rahmen der Schadenminderung von der Tochter eine Mithilfe im Haushalt verlangt 

werden könne. Auf eine Haushaltabklärung werde deshalb verzichtet. Die Versicherte 

habe angegeben, dass sie mit einem 100%-Pensum arbeiten würde. Bei der IV-

Anmeldung im Jahr 2015 sei sie zu 70% erwerbstätig gewesen. Die Tochter sei zu 

diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt gewesen. Die im Haushaltfragebogen erwähnte Tätigkeit 

mit einem 100%-Pensum sei gemäss dem Lebenslauf der Versicherten (vgl. IV-act. 23) 

lediglich während vier Monaten im Jahr 2011 ausgeübt worden. Bei der 

Arbeitslosenversicherung habe sich die Versicherte ab dem 1. Oktober 2015 mit einem 

gesuchten Arbeitspensum von 70% angemeldet. Die IV-Stelle halte an der Qualifikation 

von 70% Erwerbstätigkeit und 30% Haushalttätigkeit fest.

A.k. 

Die RAD-Ärztin Dr. H.___ notierte am 16. Februar 2018 (IV-act. 92), aus 

psychiatrischer Sicht seien unterschiedliche Diagnosen gestellt worden, welche zu 

klären seien. Eine psychiatrische Begutachtung sei notwendig. Am 22. Juni 2018 wurde 

die Versicherte durch Dr. med. I.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 

psychiatrisch abgeklärt. Im Gutachten vom 29. Juni 2018 (IV-act. 103) gab Dr. I.___ als 

Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), und eine kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und narzisstisch-dysthymen und 

unreifen Anteilen (ICD-10 F61.0) an. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit nannte sie eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) und eine psychische und 

Verhaltensstörung durch Sedativa und Hypnotika, schädlicher Gebrauch (ICD-10 

F13.1). Dr. I.___ führte aus, die Versicherte habe angegeben, dass sie bis zur 

Schwangerschaft im Jahr Z.___ immer 100% gearbeitet habe. Danach sei sie zu 

maximal 70% erwerbstätig gewesen. Aufgrund der Untersuchungsbefunde, den 

Angaben der Versicherten und der Aktenlage müsse eine rezidivierende depressive 

A.l. 

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Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, diagnostiziert werden. Die 

Versicherte sei in ihrer affektiven Schwingungsfähigkeit nicht eingeschränkt. Die 

Stimmung sei wechselhaft bedrückt, traurig, melancholisch. Die Versicherte zeige 

keinen Interessenverlust an Aktivitäten im Alltag. Sie sei auch nicht freudlos und 

resigniert; gelegentlich träten Hoffnungs- und Ratlosigkeit auf, jedoch kein 

Pessimismus. Der Antrieb sei reduziert. Es hätten sich Konzentrations- und 

Aufmerksamkeitsstörung gefunden. Das Selbstwerterleben sei eingeschränkt. Die 

Versicherte zeige Insuffizienzgefühle und ein Gefühl der Wertlosigkeit, ebenfalls zeige 

sie Schuldgefühle. Die Versicherte habe angeblich anhaltende Schlafstörungen. Durch 

ihre beiden Kinder und zwei Freundinnen fühle sie sich unterstützt. In der 

Vergangenheit sei es zu immer wieder auftretenden depressiven Episoden gekommen. 

Die depressive Symptomatik habe sich unter der Behandlung mit Antidepressiva so 

weit zurückgebildet, dass von einer leichten depressiven Episode gesprochen werden 

könne. Wahrscheinlich ausgelöst durch den Schock, den die Versicherte im Anschluss 

an den Suizidversuch ihrer Tochter im März 2015 erlitten habe, sei es erstmals 

auftretend zu Panikzuständen mit Hyperventilation gekommen. Auch diese 

Symptomatik habe sich inzwischen weitgehend zurückgebildet, wobei diese bei 

Belastung und Überforderung wieder auftrete, vor allem nachts ausgelöst durch 

Albträume. Die Angstsymptome seien in abgeschwächter Form immer noch vorhanden 

und träten vor allem in Stresssituationen und bei Überforderungsgefühlen auf. Die 

ICD-10-Kriterien für eine Panikstörung würden erfüllt. Darüber hinaus sei eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, narzisstisch-dysthymen, 

unreifen Anteilen festzustellen. Die Versicherte sei in den ersten Lebensjahren in 

dysfunktionalen familiären Verhältnissen aufgewachsen, die ihren 

entwicklungsbedingten psychischen Bedürfnissen nicht stützend genug 

entgegengekommen seien. Die Versicherte habe in den ersten vier Lebensjahren 

psychische und physische Vernachlässigungen durch ihre alkoholkranken Eltern erlebt. 

Sie habe bereits in ihrer Kindheit Jähzorn, Ängste, Schlafstörungen und Bettnässen bis 

ins Erwachsenenalter gezeigt. Dies seien Hinweise für die Entwicklung einer 

Persönlichkeitsstörung. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte ihre 

psychischen Ressourcen nicht gut genug habe ausbauen und ihr Selbstwertgefühl und 

ihr Ich sich nicht gesund hätten entwickeln können. Die Beziehungen seien insgesamt 

instabil, von Affekten geprägt und wenig Geborgenheit und Sicherheit bietend 

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geblieben. So habe es im Leben der Versicherten schon immer eine gewisse 

Grundängstlichkeit gegeben. Eine zu vermutende Vernachlässigung habe auch zu einer 

gewissen Entwicklungsverzögerung und zu Lernschwierigkeiten geführt. Die 

Versicherte habe auch im Erwachsenenalter destruktive und selbstschädigende 

Verhaltensweisen wiederholt. Sie sei Beziehungen zu gewalttätigen Männern 

eingegangen, meist hätten diese auch ein Alkohol- oder eine sonstige 

Drogenproblematik gehabt. Laut den Angaben der Versicherten habe sie zu 

männlichen Partnern kein freundschaftliches, väterliches oder partnerschaftliches 

Verhältnis entwickeln können, sondern sehe die Männer bis heute als sexuelle Partner. 

Der Kern der Angstsymptomatik, der depressiven Symptomatik, aber auch der 

Persönlichkeitsstörung liege in den Kindheits- und Jugenderlebnissen. Die Versicherte 

erfülle die ICD-10-Kriterien der Persönlichkeitsstörung. Es bestehe eine deutliche 

Unausgeglichenheit in den Einstellungen im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen 

wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Denken sowie in den 

Beziehungen zu anderen. Diese auffälligen Verhaltensmuster seien andauernd und 

gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt. Das auffällige 

Verhaltensmuster sei tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen 

eindeutig unpassend. Die Versicherte zeige Anteile einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung mit der Tendenz, impulsiv zu handeln, mit einer wechselnden 

instabilen Stimmung und einer eingeschränkten Fähigkeit vorauszuplanen. Die innere 

Präferenz sei unklar und gestört, es bestehe ein Gefühl der inneren Leere. Die Neigung 

zu intensiven unbeständigen Beziehungen habe in der Vorgeschichte zu emotionalen 

Krisen geführt. Die Versicherte zeige auch die dysthym-narzisstischen Anteile sowie 

unreife Anteile. Sie wirke insgesamt kindlich, unsicher, zeige Insuffizienzgefühle und ein 

Gefühl der Wertlosigkeit, zeige eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Familie, was 

grundsätzlich nicht pathologisch sei. Aufgrund der Angst und Panikstörung bestehe 

eine iatrogen herbeigeführte psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa und 

Hypnotika, schädlicher Gebrauch (Gebrauch von Temesta bei Bedarf). Bezüglich der 

bisherigen Einschätzungen gemäss Aktenlage werde in den Berichten eine 

Anpassungsstörung, kurze depressive Reaktion (ICD-10 F43.20) erhoben. Angesichts 

der Dauer und der Vorgeschichte der Versicherten sei diese Diagnose nicht haltbar, 

denn nach ICD-10 klinge eine Anpassungsstörung nach sechs Monaten ab. 

Rückblickend müsse festgestellt werden, dass die Versicherte wahrscheinlich schon 

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seit Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung mit unterschiedlich 

ausgeprägten depressiven Episoden, gegenwärtig leichte depressive Episode, leide. 

Die Diagnose der Panikstörung sei nicht divergent zu diskutieren. Dr. F.___ habe im 

Gutachten vom 27. April 2016 eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10 F60.9) diagnostiziert. Im Bericht des C.___ sei von einer emotional-instabilen 

Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10 F60.32) ausgegangen worden. Die 

Diagnosekriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung, insbesondere was das 

selbstverletzende Verhalten und die Suizidneigung betreffe, seien nicht erfüllt. Die 

Diagnosestellung der unspezifischen Persönlichkeitsstörung durch Dr. F.___ sei 

nachvollziehbar. Dr. D.___ gehe von einer posttraumatischen Belastungsstörung 

(ICD-10 F43.1) aus. Die Versicherte habe im Verlauf ihres Lebens multiple 

Traumatisierungen erlitten. Die ICD-10-Kriterien der posttraumatischen 

Belastungsstörung seien nicht erfüllt. Die dafür erforderlichen Symptome würden nicht 

erfüllt. Es fänden sich zwar Schlafstörungen und Ängste, aber Nachhallerinnerungen, 

Flashbacks, ein dauerhaftes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, 

Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung 

gegenüber, Anhedonie sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die 

Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten, könnten nicht festgestellt werden. 

Aufgrund der multiplen Traumatisierungen bestehe allerdings 

entwicklungsgeschichtlich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, bei welcher es 

durch die wiederholten Traumata im Erwachsenenalter zu einer zunehmenden 

Destabilisierung gekommen sei. Die Ressourcen der Versicherten seien als reduziert 

anzusehen. Aufgrund der verminderten psychischen Ressourcen falle es der 

Versicherten schwer, die vorhandenen sozialen Ressourcen zu mobilisieren und zu 

nutzen. Das Ressourcendefizit sei Ausdruck der Persönlichkeitsstörung. Ausserdem sei 

die Resilienz der Versicherten als vermindert anzusehen. Die Versicherte verfüge nicht 

über eine psychische Stabilität. Die Versicherte akzeptiere Unterstützung im sozialen 

Umfeld. Der Verlauf der Behandlung zeige insgesamt eher eine Chronifizierung der 

Angst- und Panikstörung. Trotz der regelmässigen psychiatrisch-

psychotherapeutischen Behandlung sei der Versicherten eine Verarbeitung ihrer 

traumatisierenden Vergangenheit bisher nicht gelungen. Die Verarbeitung sei ihr 

aufgrund der Persönlichkeitsproblematik erschwert. Die aktuelle, eher chronifizierte 

Panikstörung und rezidivierende depressive Störung ohne vollständige Remission sei 

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einerseits durch den Suizidversuch der Tochter, aber auch durch die belastenden 

Arbeitsumstände, wo die Versicherte viel mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert 

gewesen sei, ausgelöst worden. Der Abbruch des Aufbautrainings aufgrund einer 

psychischen Instabilität könne aufgrund der anamnestischen Angaben und des 

aktuellen Befundes vollumfänglich nachvollzogen werden. Die Prognose sei ungünstig, 

da das Leiden trotz der leichten Verbesserung des psychischen Zustandes im 

Gegensatz zur Dekompensation im Jahr 2015 die Tendenz zur Chronifizierung habe, 

was wiederum mit der kombinierten Persönlichkeitsstörung zu tun habe. Die 

Darstellung der Symptomatik sei kohärent, plausibel und konsistent. Anhaltspunkte für 

eine Aggravation oder eine Verdeutlichungstendenz bestünden nicht. Eine negative 

Wechselwirkung bestehe insofern, als die Symptomatik der affektiven Störung und der 

Panikstörung die jeweiligen Coping-Mechanismen negativ beeinflussten. Insbesondere 

seien die Coping-Mechanismen im Rahmen der Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt. 

Es sei davon auszugehen, dass aufgrund der kombinierten Persönlichkeitsstörung 

auch in Zukunft bei Stress- und Überforderungssituationen erneute affektive 

Dekompensationen zu erwarten seien. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im 

Reinigungsdienst, wo die Versicherte angeblich auch in der Hilfsbetreuung von 

betagten Menschen eingesetzt worden sei, sei sie vollständig arbeitsunfähig. In einer 

adaptierten Tätigkeit könne von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. 

Eine 20%ige Leistungseinbusse sei dabei bereits mitberücksichtigt. Die Versicherte 

könne sich nicht an stark schwankende Arbeitsbedingungen, Leistungsdruck, 

Überzeitanforderungen und Stress anpassen. Eine Schichtarbeit müsse vermieden 

werden. Sie benötige vermehrt Pausen und einen wohlwollenden Arbeitgeber, der mit 

ihren Einschränkungen und Leistungsschwankungen tolerant umgehe. Es werde 

empfohlen, der Versicherten erneut die Möglichkeit einer beruflichen Massnahme zu 

gewähren. Es werde hier empfohlen, mit einer Präsenzzeit von 20% zu beginnen und 

der Versicherten genügend Zeit zu geben, um die Präsenzzeit langsam erhöhen zu 

können. Empfohlen würden hierfür sechs Monate. Nach einer erreichten Präsenzzeit 

von 50% könnte in einem Arbeitstraining an einer stabileren Leistungsfähigkeit 

gearbeitet werden. Insgesamt könne jedoch davon ausgegangen werden, dass die 

Versicherte mittelfristig nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% werde erreichen können. 

Eine Tätigkeit mit freier Zeiteinteilung stelle für die Versicherte momentan eine 

Überforderung dar. Einfache repetitive Tätigkeiten mit einer klar umrissenen Aufgabe 

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erschienen am erfolgversprechendsten zu sein. Empfohlen werde, der Versicherten 

"einen Zeitraum von 24 Monaten Eingliederungszeit zu geben". Der Erfolg sei offen. 

Aus heutiger Sicht könnte jedoch durchaus eine stabile 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erreicht werden. Der bisherigen 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der behandelnden Ärzte könne bis zum Zeitpunkt der 

Begutachtung Folge geleistet werden. Die Einschätzung der neuen Arbeitsfähigkeit 

gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.

Die RAD-Ärztin Dr. H.___ notierte am 3. August 2018 (IV-act. 104), das 

psychiatrische Gutachten sei ausführlich und umfassend. In der angestammten 

Tätigkeit bestehe seit Beginn der von den behandelnden Ärzten attestierten 

Arbeitsunfähigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Tätigkeit 

bestehe ab dem Zeitpunkt der Begutachtung eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.

A.m. 

Mit einem Vorbescheid vom 16. Januar 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten 

die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 108). Zur 

Begründung gab sie an, in einer adaptierten, einfachen repetitiven Tätigkeit mit klar 

umrissenen Aufgaben und der Möglichkeit Pausen einzulegen, ohne schwankende 

Arbeitsbedingungen, ohne Leistungsdruck und ohne Schichtarbeit bestehe eine 

50%ige Arbeitsfähigkeit. Die Versicherte habe in einem 70%-Pensum gearbeitet. Beim 

Einkommensvergleich seien beim Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung die 

Lohnangaben des früheren Arbeitgebers verwendet worden. Beim Einkommen mit 

gesundheitlichen Einschränkungen sei auf den Durchschnittslohn einer Hilfsarbeiterin 

gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abgestellt worden. 

Gemäss den Angaben im Haushaltfragebogen könne die Versicherte den Haushalt 

selbstständig erledigen. Von ihrer Tochter könne zudem die Mithilfe im Haushalt 

verlangt werden. In der Haushalttätigkeit bestehe keine Einschränkung. Nach der 

gemischten Methode (Erwerbstätigkeit 70%, Haushalttätigkeit 30%) betrage der 

Invaliditätsgrad 33.3% (Valideneinkommen Fr. 36'595.--, Invalideneinkommen 

Fr. 19'212.--) bzw. ab dem 1. Januar 2018 33.8% (Valideneinkommen Fr. 52'278.--, 

Invalideneinkommen Fr. 27'028.--). Die Versicherte erhob dagegen am 21. Februar 

2019 einen Einwand (IV-act. 112). Sie machte geltend, die gemischte Methode sei zu 

Unrecht angewendet worden; es sei von der Qualifikation als Vollerwerbstätige 

auszugehen. Aufgrund der nichtadäquaten Persönlichkeitsentwicklung habe sie nie 

A.n. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/21

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B.  

eine erstmalige berufliche Ausbildung abschliessen können. Das Valideneinkommen sei 

deshalb gemäss Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, 

SR 831.201) festzusetzen. Beim Invalideneinkommen sei ein Abzug zu gewähren, da 

sie aufgrund des gutachterlich festgestellten Arbeitsprofils gegenüber gesunden 

Mitbewerberinnen benachteiligt sei. Sie habe Anspruch auf mindestens eine halbe 

Invalidenrente.

Mit einer Verfügung vom 4. März 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um eine 

Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 33.3% bzw. ab dem 1. Januar 2018 von 

33.8% ab (IV-act. 114). Zum Einwand hielt sie fest, gemäss dem 

Arbeitgeberfragebogen habe die Versicherte als Hauswirtschaftsmitarbeiterin von März 

2013 bis 31. August 2013 zu 50% gearbeitet. Per 1. September 2013 sei das Pensum 

auf 70% angepasst worden. Die Tochter sei zu diesem Zeitpunkt Y.___ Jahre alt 

gewesen, womit die Möglichkeit bestanden hätte, eine Tätigkeit mit einem höheren 

Pensum auszuüben. Aus dem Fragebogen der Arbeitslosenkasse gehe zudem hervor, 

dass ab dem 1. Oktober 2015 wiederum eine Arbeitsstelle mit einem 70%-Pensum 

gesucht worden sei. Eine niedrige berufliche Qualifikation rechtfertige keinen Abzug 

vom Invalideneinkommen.

A.o. 

Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 5. April 2019 eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. März 2019 (act. G 1). Sie beantragte die 

Zusprache einer Invalidenrente und die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung. Zur Begründung machte sie geltend, aufgrund äusserst schwieriger 

Bedingungen in der Kindheit und Jugend habe sie keine adäquate 

Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen können. Sie habe deshalb keine Ausbildung 

abschliessen können. Insofern habe sie nach dem Schulabschluss schon immer 

Nachteile gehabt und sie habe in unterdurchschnittlich bezahlten Tätigkeiten arbeiten 

müssen. Sie sei nicht damit einverstanden, dass ihr die IV-Stelle (nachfolgend: 

Beschwerdegegnerin) keine Rente zuspreche, obwohl das psychiatrische Gutachten 

nur eine Restarbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten von 50% ergeben habe. Beim 

Haushaltfragebogen habe sie klar geäussert, dass sie heute einer 100%igen Arbeit 

nachgehen würde. Auch aus wirtschaftlicher Sicht müsste sie heute einer vollen 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/21

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Arbeitstätigkeit nachgehen. Seit längerer Zeit sei ihre Tochter gesundheitlich wieder 

stabiler, sodass es ihr nun möglich wäre, einer 100%igen Arbeit nachzugehen. Nach 

dem Suizidversuch ihrer Tochter im Jahr 2015 habe sie sich sehr um sie gekümmert.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. Juni 2019 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung gab sie an, im Gesamtbild sei eine 50%ige 

Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar. Die Versicherte habe vorgebracht, dass sie sich nach 

dem Suizidversuch ihrer Tochter sehr um sie gekümmert habe. Im Gutachten habe sie 

aber angeführt, dass sie sich jahrelang um die Tochter gekümmert habe. Damit sei im 

Verfügungszeitpunkt festgestanden, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum 

auch bei voller Gesundheit soweit reduziert hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte 

betreuen können. Die Tochter lebe derzeit noch zu Hause und nehme weiterhin 

heilpädagogische Hilfe zu sich. Die Beschwerdeführerin stelle somit die Betreuung ihrer 

volljährigen Tochter vor eine Arbeitstätigkeit. Finanzielle Interessen könnten keine Rolle 

spielen. Die wirtschaftliche Existenz sei bis anhin durch das Sozialamt gesichert 

gewesen. Ferner werde die Beschwerdeführerin aufgrund ihres geringen 

Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen, als sie vom Sozialamt erhalten 

würde. So habe sich der Lohn jeweils knapp auf dem durchschnittlichen Lohn einer 

Hilfsarbeiterin bewegt. Die gemischte Methode sei zu Recht angewendet worden.

B.b. 

Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 6. August 2019 die 

unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das 

Beschwerdeverfahren (act. G 9).

B.c. 

In der Replik vom 28. Januar 2020 machte die Beschwerdeführerin ergänzend 

geltend (act. G 16), sie halte daran fest, dass sie im Gesundheitsfall einer vollen 

Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Müssig sei darauf hinzuweisen, dass sie sich um 

ihre kranke Tochter gekümmert habe. Hypothetisch wäre ihre Tochter wahrscheinlich 

gar nicht krank geworden, hätte sie (die Beschwerdeführerin) sich in ihrer 

Persönlichkeit normal entwickeln können. Als alleinstehende gesunde Frau spreche 

nichts dagegen, dass sie einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen würde.

B.d. 

Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 17).B.e. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/21

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Erwägungen

1.

Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 4. März 2019 

einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 33.3% 

bzw. ab dem 1. Januar 2018 von 33.8% verneint. Strittig ist somit, ob die 

Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende 

oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, 

SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten 

auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

1.1. 

Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich 

durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, 

das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen 

Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer 

Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität 

in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, 

sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich). 

Bei Versicherten, die teilweise erwerbstätig und teilweise im Aufgabenbereich tätig 

sind, wird der Invaliditätsgrad für beide Bereiche nach der jeweiligen Methode 

berechnet; die Teilinvaliditätsgrade werden nach den Anteilen der Bereiche "gewichtet" 

und dann addiert (sog. gemischte Methode; Art. 28a Abs. 3 IVG).

1.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/21

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2.  

Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode 

berechnet und die Beschwerdeführerin als zu 70% erwerbstätig und zu 30% im 

Haushalt tätig qualifiziert. Sie hat dies in der angefochtenen Verfügung mit dem 70%-

Pensum an der letzten Arbeitsstelle bei der B.___ begründet (IV-act. 114). Im Weiteren 

hat eine Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin nach dem Erhalt des Fragebogens 

zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt notiert (IV-act. 92), als 

Hauptgrund für den Haushaltanteil von 30% könnten die Hunde angenommen werden. 

Die Beschwerdeführerin benötige nämlich täglich zwei bis drei Stunden für die 

Haustierhaltung. Ausserdem habe sich die Beschwerdeführerin bei der 

Arbeitslosenversicherung ab dem 1. Oktober 2015 mit einem gesuchten 

Arbeitspensum von 70% angemeldet. Ein Rechtsdienstmitarbeiter hat geltend gemacht 

(act. G 5), die Beschwerdeführerin habe sich gemäss Angabe im Gutachten (IV-

act. 103-18) jahrelang um ihre Tochter gekümmert. Damit sei im Verfügungszeitpunkt 

festgestanden, dass sie ihr Arbeitspensum auch bei voller Gesundheit soweit reduziert 

hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte betreuen können. Sie stelle damit die 

Betreuung ihrer volljährigen Tochter vor eine Arbeitstätigkeit. Finanzielle Interessen 

könnten keine Rolle spielen. Die wirtschaftliche Existenz sei bis anhin durch das 

Sozialamt gesichert gewesen. Ferner werde die Beschwerdeführerin aufgrund ihres 

geringen Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen, als sie vom Sozialamt 

erhalten würde. So habe sich der Lohn jeweils knapp auf dem durchschnittlichen Lohn 

einer Hilfsarbeiterin bewegt.

2.1. 

Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist die Beschwerdeführerin als 

Vollerwerbstätige einzustufen. Dies ist wie folgt zu begründen: Die Beschwerdeführerin 

hat mehrmals angegeben, dass sie ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung in 

einem Vollzeitpensum arbeiten würde (IV-act. 6, 90, Fremdakten-act. 2-18). Sie hat 

zudem mitgeteilt, dass das Arbeitspensum bei der B.___ von der Arbeitgeberseite auf 

70% limitiert gewesen sei; von sich aus hätte sie auch mehr gearbeitet (Fremdakten-

act. 2-18). Die Beschwerdeführerin hätte also, wenn sich ihr eine entsprechende 

Gelegenheit geboten hätte, eine Arbeitsstelle mit einem höheren Arbeitspensum 

angetreten. Die Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung ab dem 1. Oktober 2015 

mit einem gesuchten Arbeitspensum von 70% ist in Bezug auf eine Erwerbstätigkeit im 

fiktiven "Gesundheitsfall" irrelevant, da diese Anmeldung nach dem Eintritt des 

Gesundheitsschadens im März 2015 erfolgt ist. Die Kinder der Beschwerdeführerin 

sind im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung W.___ und X.___ Jahre alt 

gewesen. Der Sohn hat nicht mehr bei der Beschwerdeführerin gewohnt und ist 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/21

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3.  

wirtschaftlich selbstständig gewesen. Die Tochter hat eine von der IV unterstützte 

Anlehre gemacht (IV-act. 103-18); ihr Gesundheitszustand hat sich gemäss den 

Angaben der Beschwerdeführerin seit längerer Zeit stabilisiert (act. G 1). Die 

Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass sich die Beschwerdeführerin gemäss 

Angabe im Gutachten jahrelang um ihre Tochter gekümmert habe, womit im 

Verfügungszeitpunkt festgestanden sei, dass sie ihr Arbeitspensum auch bei voller 

Gesundheit soweit reduziert hätte, dass sie ihre instabile Tochter hätte betreuen 

können, vermag nicht zu überzeugen. Die Beschwerdeführerin hat der Gutachterin 

gegenüber nämlich lediglich mitgeteilt, dass sie sich in den letzten Jahren sehr viele 

Sorgen um ihre Tochter habe machen müssen (IV-act. 103-18). Im Weiteren ist zu 

berücksichtigen, dass die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin desolat 

gewesen ist. Sie hat von der Sozialhilfe gelebt; zudem hat sie aus der Scheidung vom 

zweiten Ehemann Schulden übernommen (IV-act. 103-18). Sie hätte also zwingend 

eine Vollerwerbstätigkeit ausüben müssen; daran ändert auch der Umstand nichts, 

dass sie zwei Hunde hat. Das Vorbringen der Beschwerdegegnerin, finanzielle 

Interessen könnten keine Rolle spielen, da die wirtschaftliche Existenz bis anhin durch 

das Sozialamt gesichert gewesen sei und da die Beschwerdeführerin aufgrund ihres 

geringen Bildungsstands im Ergebnis nicht mehr verdienen würde, als sie vom 

Sozialamt erhalten würde, ist nicht nachvollziehbar. Weder ist davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" Sozialhilfeleistungen beziehen 

würde, noch ist ersichtlich, inwiefern dieses Argument eine Teilerwerbstätigkeit der 

Beschwerdeführerin zu untermauern vermöchte. Zusammenfassend ist unter Verweis 

auf Art. 56 Abs. 2 Satz 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 

951.1) festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der mehrfachen Angabe, 

ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung eine Vollerwerbstätigkeit auszuüben, der 

fehlenden familiären Betreuungspflichten und der desolaten finanziellen Situation als 

Vollerwerbstätige einzustufen ist.

Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der 

verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu Dr. 

I.___ mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt. Strittig und im 

Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten vom 29. Juni 2018 voller Beweiswert 

zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/21

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Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen 

Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 

125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrische Gutachterin die vom 

Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und 

vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen 

Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen, 

anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143 

V 409 und 143 V 418).

3.2. 

Die psychiatrische Gutachterin Dr. I.___ hat umfassende Kenntnis von den 

Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Sie hat die Beschwerdeführerin persönlich 

untersucht, die subjektiven Klagen aufgenommen und die erhobenen objektiven 

Befunde im Gutachten wiedergegeben. Sie hat insbesondere erklärt, dass die 

Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte 

Episode, leidet. Sie hat diese Diagnose unter Würdigung der in der Untersuchung 

erhobenen Befunde und der Aktenlage nachvollziehbar hergeleitet. Im Weiteren hat 

Dr. I.___ dargelegt, dass sich die nach dem Suizidversuch der Tochter im März 2015 

erstmals aufgetretenen Panikzustände mit Hyperventilation weitgehend zurückgebildet 

hätten. Die Angstsymptome seien in abgeschwächter Form immer noch vorhanden. 

Gestützt darauf hat Dr. I.___ eine Panikstörung diagnostiziert. Sodann hat Dr. I.___ 

ausgeführt, dass bei der Beschwerdeführerin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung 

mit emotional instabilen, narzisstisch-dysthymen, unreifen Anteilen festzustellen sei. 

Sie hat diese Diagnose anhand der erhobenen Befunde ausführlich begründet. Zu den 

von den behandelnden Ärzten abweichenden Diagnosestellungen (Anpassungsstörung, 

kurze depressive Reaktion [ICD-10 F43.20], emotional instabile Persönlichkeitsstörung 

vom Borderline-Typ [ICD-10 F60.32], posttraumatische Belastungsstörung [ICD-10 

F43.1]) hat sie ebenfalls ausführlich Stellung genommen und erklärt, weshalb sie diese 

Diagnosen nicht hat bestätigen können. Im Weiteren hat sich Dr. I.___ zu den 

Standardindikatoren, insbesondere zur Konsistenz und zu den Ressourcen, geäussert. 

In Bezug auf die Ressourcen hat Dr. I.___ aufgezeigt, dass diese als reduziert 

anzusehen seien und dass das Ressourcendefizit Ausdruck der Persönlichkeitsstörung 

sei. Die Beschwerdeführerin verfüge über keine psychische Stabilität. Inkonsistenzen 

hat Dr. I.___ keine festgestellt; Hinweise auf eine Aggravation oder eine 

Verdeutlichungstendenz hat sie verneint. Das Bestehen von negativen 

Wechselwirkungen hat Dr. I.___ insofern bejaht, als die Symptomatik der affektiven 

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/21

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Störung und der Panikstörung die jeweiligen Coping-Mechanismen negativ 

beeinflussten; insbesondere seien die Coping-Mechanismen im Rahmen der 

Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt. Es sei davon auszugehen, dass aufgrund der 

kombinierten Persönlichkeitsstörung auch in Zukunft bei Stress- und 

Überforderungssituationen affektive Dekompensationen zu erwarten seien. Die 

Erhebung der Befunde und Symptome und die gestützt darauf gestellten Diagnosen 

überzeugen. Ebenso überzeugt die von Dr. I.___ attestierte vollständige 

Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Hausdienst eines Alters- und 

Pflegeheims. Die Stiftung B.___ hat nämlich angegeben, die Arbeit verlange von den 

Mitarbeitenden einen stabilen psychischen Gesundheitszustand (IV-act. 12); einen 

solchen hat Dr. I.___ bei der Beschwerdeführerin im Begutachtungszeitpunkt klar 

verneint. Die Einschätzung der 50%igen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten ist 

demgegenüber höchst unsicher. Sie basiert nämlich auf einer Prognose über die 

Entwicklung des Gesundheitszustands und damit der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin unter der Bedingung, dass bestimmte Massnahmen durchgeführt 

würden. Dr. I.___ hat dazu angegeben, sie empfehle, der Beschwerdeführerin erneut 

die Möglichkeit einer beruflichen Massnahme zu gewähren, eine solche Massnahme 

mit einer Präsenzzeit von 20% zu beginnen und langsam zu steigern, bis eine 

Präsenzzeit von 50% erreicht sei. Anschliessend könne an einer stabileren 

Leistungsfähigkeit gearbeitet werden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass 

mittelfristig nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden könne. Sie empfahl für 

die erste Phase (Steigerung des Pensums von 20% auf 50%) eine Dauer von sechs 

Monaten und für die gesamte Eingliederungszeit zwei Jahre. Den Erfolg betrachtete 

Dr. I.___ als offen; sie hielt aber fest, dass durchaus eine stabile 50%ige 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt erreicht 

werden könne. Die 50%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin stellt also ein Ziel 

dar, das gemäss einer objektiven medizinischen Betrachtungsweise erreicht werden 

kann. Prognosen zur Arbeitsfähigkeit in der Zukunft können aber natürlich nicht mit 

dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen 

werden; sie sind höchstens plausibel. Das schliesst eine Invaliditätsbemessung auf der 

Grundlage der Prognose, dass die Beschwerdeführerin mittelfristig in einer adaptierten 

Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig sein werde, aus. Im Zeitpunkt der Begutachtung hat 

gemäss der Einschätzung von Dr. I.___ nur eine 20%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. 

Die gesamte Dauer, um das Ziel einer 50%igen Arbeitsfähigkeit zu erreichen, ist offen. 

Im Vergleich zu einer von Gutachtern häufig empfohlenen Eingliederungszeit von bis zu 

drei Monaten handelt es sich vorliegend um eine erheblich längere, sich 

möglicherweise über mehrere Jahre erstreckende Phase der Steigerung der 

Arbeitsfähigkeit. Möglicherweise liegt also bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 20% 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/21

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bereits eine einen Anspruch auf eine Rente begründende Invalidität in der Form einer 

längerdauernden Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) vor. Sollte es zu einer 

Rentenzusprache kommen, wird die Beschwerdegegnerin die Rente laufend der 

Steigerung der Arbeitsfähigkeit anpassen. Wie die Beschwerdegegnerin die jeweilige 

Arbeitsfähigkeit ermitteln wird, bleibt ihr überlassen. In Bezug auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von 20% im Begutachtungszeitpunkt ist festzuhalten, dass 

Dr. I.___ nicht ausreichend begründet hat, aufgrund welcher durch die psychische 

Erkrankung verursachten Befunde und Symptome eine so hohe Arbeitsunfähigkeit 

resultieren soll. Die Aussage, die Beschwerdeführerin könne sich aufgrund ihrer 

Gesundheitsschädigung nicht an stark schwankende Arbeitsbedingungen, 

Leistungsdruck, Überzeitanforderungen und Stress anpassen, sind Kriterien, welche 

die Arbeitsfähigkeit aus der Sicht medizinischer Laien nur qualitativ einschränken, in 

einer entsprechend adaptierten Tätigkeit also keine Arbeitsunfähigkeit bewirken 

können. Einzig die Angabe, die Beschwerdeführerin benötige vermehrte Pausen, stellt 

eine Begründung für eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar. Eine 

überzeugende Begründung dafür, dass diese Einschränkung so stark sein soll, dass 

daraus eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit resultiert, fehlt im Gutachten von Dr. I.___. Sie 

hat also in ihrem Gutachten den Bogen zwischen den erhobenen Befunden und deren 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht geschlagen (vgl. BGE 145 V 367 f., E. 4.3). Die 

Sache ist deshalb zur Ergänzung des Gutachtens vom 29. Juni 2018 an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird bei Dr. I.___ eine Begründung für die 

80%ige Arbeitsunfähigkeit im Begutachtungszeitpunkt einholen. Im Weiteren ist die 

Sache zur Durchführung bzw. zur Veranlassung der von Dr. I.___ als unerlässlich 

qualifizierten Massnahmen zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

Betreffend die Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit vor der Begutachtung hat 

Dr. I.___ auf die von den behandelnden Ärzten attestierten Arbeitsfähigkeiten 

verwiesen. Die behandelnden Ärzte haben sich jedoch nur zur Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit geäussert (vgl. die von der Krankentaggeldversicherung und 

der Arbeitslosenkasse eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse, Fremdakten und IV-

act. 91). Für die Zeit von Juni 2017 (vgl. dazu den Bericht von Dr. D.___, IV-act. 85) bis 

zur Begutachtung durch Dr. I.___ im Juni 2018 findet sich in den Akten gar keine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung eines behandelnden Arztes. Eine durchgehende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung für adaptierte Tätigkeiten bis zum Begutachtungszeitpunkt 

fehlt also. Aus diesem Grund kann die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I.___ für die 

Zeit bis zur Begutachtung nicht überzeugen. Die Sache ist deshalb zur ergänzenden 

medizinischen Abklärung betreffend die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in 

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/21

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist 

sich als angemessen. Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur 

ergänzenden bzw. weiteren Abklärung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu 

werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von 

Fr. 600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Verfügung vom 4. März 2019 wird aufgehoben und die Sache wird zur weiteren 

Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

einer adaptierten Tätigkeit für die Zeit bis zur Begutachtung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

Der potentielle Rentenbeginn ist der 1. März 2016 gewesen, da seit dem 29. März 

2015 eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit 

bestanden hat (vgl. Fremdakten-act. 1-5, 1-6, 1-12, IV-act. 91-17 bis 91-21, 91-11 bis 

91-13, 91-8, IV-act. 26) und damit das Wartejahr per Ende Februar 2016 erfüllt 

gewesen ist und da sich die Beschwerdeführerin im August 2015 zum Leistungsbezug 

angemeldet hat, die sechsmonatige Frist seit der Anmeldung also Ende Januar 2016 

abgelaufen gewesen ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b und 29 IVG). Die Beschwerdegegnerin 

wird nach den ergänzenden Abklärungen betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit in der Zeit ab dem 1. März 2016 bis zum Begutachtungszeitpunkt 

sowie nach der Ergänzung des Gutachtens betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit ab dem Begutachtungszeitpunkt (vgl. E. 3.3 und 3.4) über den 

Rentenanspruch verfügen.

3.5. 

bis

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	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 23.02.2021
	Art. 7, 8 und 16 ATSG. Art. 28 IVG. Qualifikation als Vollerwerbstätige. Würdigung eines psychiatrischen Gutachtens. Rückweisung zur Ergänzung des Gutachtens und zur Durchführung bzw. Veranlassung von Massnahmen zur Steigerung der Arbeitsfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2021, IV 2019/86).

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		2024-05-26T23:11:44+0200
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