# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4957bf44-501d-56e1-8620-793f7a8b8968
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-08-29
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 29.08.2017 200 2016 1260
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2016-1260_2017-08-29.pdf

## Full Text

200 16 1260 IV
GRD/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 29. August 2017

Verwaltungsrichter Grütter, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch Dr. med. B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 24. November 2016

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Aug. 2017, IV/16/1260, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1978 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 18. Juli 2016 bei der Invalidenversicherung 
zum Leistungsbezug an. Zur Begründung des Gesuches verwies sie auf 
seit Jahren zunehmende Verhaltensstörungen wegen ungenügender 
Fähigkeit, sich an das familiäre, erwerbliche und soziale Umfeld adäquat 
anzupassen, wobei diese Beeinträchtigung vermutlich seit der Geburt bzw. 
der früheren Kindheit bestehe (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 1). Die IVB nahm in der 
Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (AB 8, 12) und stellte 
der Versicherten mit Vorbescheid vom 8. September 2016 (AB 14) die Ab-
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, da kein invalidenversiche-
rungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliege. Nachdem dagegen 
Einwand erhoben worden war (AB 16, 20), holte die IVB eine Stellungnah-
me ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (AB 22) und verfügte 
am 24. November 2016 (AB 23) wie im Vorbescheid angekündigt.

B.

Am 20. Dezember 2016 leitete die IVB eine von der Versicherten, vertreten 
durch Dr. med. B.________, am 15. Dezember 2016 gegen die Verfügung 
vom 24. November 2016 bei der IVB erhobene Beschwerde zuständig-
keitshalber an das Verwaltungsgericht zur Bearbeitung weiter. Die Be-
schwerdeführerin beantragt die vorläufige Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung, bis die fehlende fachärztliche psychiatrische Diagnose eintreffe, 
was Ende Januar 2017 der Fall sein werde. 

Mit Beschwerdeantwort vom 9. Februar 2017 beantragt die Beschwerde-
gegnerin, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, da sowohl die gehörige 
Bevollmächtigung von Dr. med. B.________ für das vorliegende Be-
schwerdeverfahren als auch die Einhaltung der formellen Anforderungen 
an eine Beschwerde gemäss Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes vom 6. Ok-

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tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) fraglich seien. Eventualiter sei die Beschwerde abzu-
weisen. 

Mit Eingabe vom 29. Juni 2017 reichte die Beschwerdeführerin weitere 
Unterlagen ein und machte zusätzliche Ausführungen.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 54 Abs. 1 
lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Be-
schwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vor-
instanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch 
den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse 
an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 
ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 
SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie 
Form (vgl. zusätzlich zur Beschwerde die Eingabe der Beschwerdeführerin 
vom 29. Juni 2017 [im Gerichtsdossier]; Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21] inklusive rechtsgenügliche Bevoll-
mächtigung [Akten der Beschwerdeführerin, Beschwerdebeilagen {BB} 5]) 
eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 24. November 2016 (AB 23). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis-
tungen der Invalidenversicherung.

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1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen 
offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier-
besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht 
klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können 
solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen 
im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invali-
ditätsbegriff klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versi-

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cherte Person leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit 
unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch 
soziale Umstände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder 
verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fach-
gerecht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Cha-
rakter nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale 
Belastungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale 
und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und 
das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine 
fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden 
sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur 
wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart 
verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – 
unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen 
verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken 
(BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). 

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b 
IVG ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen 
Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Es muss arbeitsrechtlich in Er-
scheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungsvermögen ein-
gebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender 

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Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, 
aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine 
erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeits-
unfähigkeit, ohne dass der frühere Arbeitgeber die Leistungseinbusse be-
merkt hätte, genügt nicht (SVR 2008 IV Nr. 11 S. 33 E. 5.1). Umgekehrt ist 
eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person 
tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller 
Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit 
im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich 
einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die ordentlicherweise 
echtzeitlicher Natur ist (SVR 2010 IV Nr. 17 S. 54 E. 5).

3.

Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ist den Akten im We-
sentlichen das Folgende zu entnehmen:

3.1 Im Abschlussbericht AMM EAF des Regionalen Arbeitsvermitt-
lungszentrums (RAV) vom 14. Dezember 2015 (AB 2) gab der Psychologe 
C.________ an, bei der Arbeitsausführung in der Werkstatt habe sich 
schnell gezeigt, dass die Beschwerdeführerin mit den Aufgaben überfordert 
gewesen sei. Eine mündliche Anleitung habe sie zwar verstanden, habe 
aber jeweils kurz darauf wieder vergessen, wie etwas gemacht werde. Die 
Resultate hätten sich deshalb fast ausschliesslich im stark unterdurch-
schnittlichen Bereich gefunden. Eine angemessene Bearbeitung der Auf-
gaben sei nur dann möglich gewesen, wenn die Beschwerdeführerin sehr 
engmaschig begleitet worden sei. Weiter seien während der Abklärung 
Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden. Sie habe unaufgefordert zu 
einem anderen Arbeitsplatz gewechselt, der nicht für sie vorgesehen ge-
wesen sei. Im Verlauf der zweiwöchigen Anwesenheit habe sie zudem ih-
ren Arbeitsplatz immer häufiger verlassen, um mit anderen Teilnehmenden 
Kontakt aufzunehmen. Während der Arbeitsausführung sei beobachtet 
worden, dass die Beschwerdeführerin versucht habe, durch laute Kommen-
tare auf sich aufmerksam zu machen. Diese Kommentare seien teilweise 
als deplatziert erschienen und hätten die anderen Teilnehmenden in der 

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Werkstatt gestört. Die testpsychologische Abklärung habe auf eine kogniti-
ve Leistungseinschränkung im weit unterdurchschnittlichen Bereich hinge-
wiesen. Eine Integration der Beschwerdeführerin im ersten Arbeitsmarkt sei 
aufgrund der Abklärungsergebnisse unrealistisch. Es bestünden vor allem 
im kognitiven Bereich (Auffassung, Lernen/Merken, Selbstständigkeit) zu 
grosse Einschränkungen. Auch im Verhalten bestünden Stolpersteine, die 
zu einem geringen Teil vermutlich zwar sprachlich bzw. kulturell bedingt 
seien, überwiegend jedoch auf Defizite im zwischenmenschlichen Umgang 
deuteten. Die Beschwerdeführerin benötige eine strukturierte und eine 
engmaschig begleitete Tätigkeit im geschützten Rahmen. Eine solche wür-
de ihr auch im Sinne einer Tagesstruktur entgegenkommen. Jedoch sei 
auch in einem geschützten Setting fraglich, ob die Beschwerdeführerin mit 
den beschriebenen Verhaltensauffälligkeiten für eine Institution tragbar sei.

3.2 Der Hausarzt Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin, gab am 26. August 2016 (AB 12) an, er habe von der Beschwer-
deführerin keinerlei psychiatrische Diagnose. Offensichtlich bestünden er-
hebliche soziale Schwierigkeiten und Integrationsprobleme. Da er keine 
psychische Diagnose habe, lasse sich nicht entscheiden, ob es sich um 
Krankheit oder lediglich um Probleme sozialer Natur handle. Allenfalls 
könnte eine Arbeitsstelle in geschützter Umgebung helfen. 

3.3 Am 7. November 2016 hielt Dr. med. D.________ fest (AB 20/6), die 
Beschwerdeführerin sei seit Jahren schwer psychotisch erkrankt. Seit der 
Geburt ihres Kindes habe sie sich nie adäquat um ihr Kind kümmern kön-
nen, dieses sei deshalb bei seiner Grossmutter aufgewachsen. 

3.4 Dr. phil. E.________, Fachpsychologin FSP für Psychotherapie und 
Kinder- und Jugendpsychologie, Supervisorin SKJP, hielt in der Bestäti-
gung vom 11. November 2016 (AB 20/7) fest, die Tochter der Beschwerde-
führerin sei seit längerer Zeit bei ihr in Behandlung. Sie leide unter ihrer 
schwierigen psychosozialen Situation. Seit ihren ersten Lebensmonaten 
lebe sie bei ihren Grosseltern, weil ihre Mutter aus psychischen und kogni-
tiven Gründen nicht in der Lage sei, selbstständig für ihre Tochter zu sor-
gen. Die Beschwerdeführerin sei trotz ihrer Bemühungen und der 
Unterstützung ihrer Familie noch nicht in der Lage, mit ihrer Tochter eine 
tragfähige klare Mutter-Tochter-Beziehung aufzubauen. Die psychodia-

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gnostischen Abklärungen, welche im F.________ von ... durchgeführt wor-
den seien, zeigten unter anderem, dass die Beschwerdeführerin über ein 
reduziertes geistiges Potential verfüge. 

3.5 Dr. med. B.________ führte im Bericht vom 14. November 2016 (AB 
20/4 f.) aus, die Beschwerdeführerin sei in einer ...familie geboren und sei 
das letzte unerwünschte Kind von vier Kindern (zwei Brüder, eine Schwes-
ter) gewesen. Im Alter von 18 Jahren habe sei ein Schädelhirntrauma erlit-
ten, sie sei von einem ... überfahren worden. Sehr häufig sei sie bis ins 
Erwachsenenalter misshandelt worden, vorwiegend von der Mutter und den 
Brüdern. Die Familie unterschätze und verheimliche die posttraumatische 
psychische Entwicklungsstörung der Beschwerdeführerin und verstehe 
diese nicht. Die Beschwerdeführerin sei eingeschult worden und es sei ein 
regulärer Abschluss der Pflichtschule mit Stützunterricht erfolgt. Die Geburt 
ihrer Tochter habe die Beschwerdeführerin traumatisch erlebt, sie habe 
nicht gewusst, wie eine Geburt vor sich gehe. Danach seien Panikattacken 
entstanden, die Beschwerdeführerin sei nie im Stande gewesen, das eige-
ne Kind zu betreuen. In der Schweiz habe die Beschwerdeführerin Wahn-
vorstellungen entwickelt (man habe ihr das Kind entfernt). Die 
psychotischen Entgleisungen hätten zugenommen, was ihr Familien- und 
Arbeitsleben beträchtlich erschwere. Solange sie mit ihrem Mann am glei-
chen Arbeitsplatz tätig gewesen sei, sei die Arbeitsqualität genügend gut 
geblieben, sie arbeite nur in einer eins zu eins Beziehung. Die Beschwer-
deführerin habe zum Teil Schweizerdeutsch gelernt, sie verstehe sowohl 
Schweizerdeutsch als auch ... auf ihrem IQ-Niveau von etwa 50 – 60 (redu-
ziertes abstraktes Denken). Sobald sie als Hilfskraft tätig sei, jedoch nicht 
mehr in Anwesenheit ihres Ehemannes, werde sie lückenlos von jedem 
Arbeitgeber sofort entlassen. Ab und zu neige sie zu chronischen Rücken-
schmerzen. Sie sei von 2014 bis Juni 2016 vom RAV unterstützt worden. 
Im Grossen und Ganzen handle es sich um eine gesunde 38jährige Frau, 
sie erhalte Medikation und Gesprächstherapie. Die Beschwerdeführerin 
neige zu psychotischen Entgleisungen, bei unangenehmen Zwischenfällen 
vor allem mit der Schwiegermutter und der Tochter, ab und zu mit dem 
Ehemann. Ein Millau-Test auf ... im Jahr 2015 habe ergeben, dass sie un-
ter verschiedenen Symptomen leide, die oft zu psychotischen Entgleisun-
gen führten: schizoide Persönlichkeit mit aggressiv-sadistischer sowie 

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histrionischer, narzisstischer, aggressiv-passiver, antisozialer und depres-
siver Neigung. 

3.6 Der RAD-Arzt Dr. med. G.________, Facharzt für Psychosomatik 
und Psychotherapie (D), hielt in der Stellungnahme vom 20. November 
2016 (AB 22) fest, Berichte eines Facharztes für Psychiatrie lägen nicht 
vor. Die Beschwerdeführerin werde auch nicht ambulant psychiatrisch be-
treut. Psychiatrische Gesundheitsstörungen würden daher auch nicht 
nachvollziehbar in den vorgelegten Befundberichten benannt. Aus diesen 
würden im Besonderen psychosoziale Beeinträchtigungen deutlich. Auf-
grund des vorliegenden Abklärungsberichtes des RAV aus dem Jahr 2015 
sei annehmbar, dass kognitive Beeinträchtigungen im Rahmen einer mögli-
cherweise vorliegenden Intelligenzminderung mit einhergehenden Verhal-
tensauffälligkeiten vorlägen. Darüber hinausgehende Hinweise auf 
psychische Störungen könnten nicht objektiviert werden. Wie bereits im 
Bericht des RAV festgestellt worden sei, handle es sich bei einer mögli-
cherweise vorliegenden Intelligenzminderung und den hierdurch bedingten 
kognitiven Beeinträchtigungen als auch den Verhaltensbeeinträchtigungen 
um insgesamt geistige Beeinträchtigungen, die bereits seit der Geburt der 
Beschwerdeführerin vorlägen (hierauf verwiesen auch die biografischen 
Angaben in den Akten). Es sei daher feststellbar, dass die genannten geis-
tigen Beeinträchtigungen im Rahmen einer geminderten Intelligenz mit den 
daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten bereits bei Einreise in die 
Schweiz vorgelegen hätten. Diese Feststellungen führten dazu, dass aus 
medizinischen Gründen am Vorbescheid vom 8. September 2016 festzu-
halten sei.

3.7 Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
vom I.________, wo sich die Beschwerdeführerin sei dem 3. Januar 2017 
in ambulanter Behandlung befindet, diagnostizierte in dem im vorliegenden 
Verfahren eingereichten Bericht vom 12. Mai 2017 (BB 2) Folgendes:

1. Leichte Intelligenzminderung ICD-10: F70.1, mit/bei:
 Verhaltensstörung, die Beobachtung oder Behandlung erfordert

2. Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode, ICD-10: 
F33.1

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Dr. med. H.________ hielt fest, die Zuweisung sei zur Beurteilung und mit 
der Frage nach Übernahme/Koordination der Therapie bei rezidivierenden 
Episoden mit impulsiven, verbal und tätlich-aggressiven Ausbrüchen sowie 
wiederholten Angst- und Panikattacken nachts oder wenn länger alleine im 
häuslichen Umfeld sowie zunehmender depressiver Entwicklung erfolgt. In 
der Vorgeschichte (eigenanamnestisch erstmals depressiv nach der Geburt 
der Tochter) seien depressive Phasen zu dokumentieren, teils korrelierend 
mit psychosozialen Belastungsfaktoren (Finanzen, familiäre Konflikte, Pro-
bleme in der Erziehung der Tochter). Die Beschwerdeführerin sei seit der 
Geburt der Tochter stets überfordert gewesen, so dass die Tochter bei den 
Schwiegereltern aufwachse und zuletzt auch bei diesen übernachte. Die 
impulsiven Ausbrüche seien mehr und mehr aufgetreten, so dass die Toch-
ter auch leidtragend gewesen sei, die Beschwerdeführerin habe aber seit 
jeher impulsive Ausbrüche gezeigt. Beruflich habe die Beschwerdeführerin 
in der … des Ehemannes mitgewirkt, laut Ehemann sei sie nur unter steti-
ger Supervision in der Lage gewesen, die Arbeit auszuführen, in seiner 
Abwesenheit sei es jeweils schwieriger geworden. Gegenüber dem Ehe-
mann hätten sich Ausbrüche häufig mit Eifersuchtsszenen präsentiert, ba-
sierend auf unreif wirkenden Motiven seitens der Beschwerdeführerin. Sie 
sei häufig aufgrund ihrer kognitiven Leistungen in einfachen sozialen Situa-
tionen und auch in ... Muttersprache überfordert und wirke verlegen, mür-
risch und im Verlauf einer längeren Besprechung unkonzentriert und 
phasenweise vorbeiredend. Familiär führe dies bei fehlender Impulskontrol-
le zu häufigen Konflikten vor allem in der schwierigen Konstellation zu den 
zwar unterstützenden, gleichwohl aber konkurrenzierenden Schwiegerel-
tern. Zudem werde fremd- und eigenanamnestisch bestätigt, dass es eine 
Phase gegeben habe, in welcher die Beschwerdeführerin nachts halluzi-
niert und häufig das Gefühl gehabt habe, jemand sei in die Wohnung ein-
gedrungen (Schatten, schwarze Figur) und könne sie bedrohen. Zum 
aktuellen Zeitpunkt bestehe diese Symptomatik nicht, sei aber gut als oli-
gophrene Psychose zu postulieren. Soziale Beziehungen ausserhalb der 
Familie und des therapeutisch gestalteten Raumes seien kaum tragend 
und die Beschwerdeführerin sei häufig durch einfache Anforderungen von 
Drittpersonen überfragt, worauf sie Ablehnung erlebe und mit sozialem 
Rückzug reagiere. In der klinisch orientierenden kognitiven Untersuchung 
liessen sich die kognitiven Einbussen in allen Domänen und auch in Mut-

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tersprache bestätigen. Die Beschwerdeführerin sei zudem als funktional 
analphabet zu objektivieren, da es ihr nicht gelinge, mittelgradig komplexe-
re, alltagswichtige Satzkonstruktionen in der Muttersprache flüssig zu lesen 
und zu entziffern und sie Schwierigkeiten beim Schreiben einfacher Satz-
konstruktionen aufweise. Somit müsse diagnostisch und auch ohne objekti-
ve Testung mittels Standarduntersuchungen zur Ermittlung des IQ-Wertes 
(die Beschwerdeführerin wäre in der Testsituation auch rasch überfordert) 
von einer Intelligenzminderung mindestens leichten Ausmasses ausgegan-
gen werden, welche klinisch relevante Auswirkungen auf Verhaltens- und 
Impulskontrolle sowie Emotionsmodulation habe und die Beschwerdeführe-
rin immer wieder täglich in Krisensituationen bringe, wobei sie teils ängst-
lich-depressiv, teils mit aggressiven Ausbrüchen reagiere. 

4.

4.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor (Eingabe vom 29. Juni 2017 [im 
Gerichtsdossier]), es bestehe die dringende Notwendigkeit einer regelmäs-
sigen sowie kompetenten Strukturierung des Tagesablaufes ausserhalb zu 
Hause. Aufgrund der komplexen Verhaltensstörungen mit verminderter 
Intelligenz bestehe – trotz medikamentöser Behandlung –die Tendenz zu 
täglichen emotional unkontrollierten Aggressionen gegen sich selbst und 
gegen Dritte. Eine geschützte Arbeitsmöglichkeit, die seit Jahren notwendig 
gewesen wäre, sei nun unabdingbar geworden und sollte dringend von der 
IV geprüft und unterstützt werden. 

4.2 In den medizinischen Unterlagen, die bis zum Erlass der Verfügung 
am 24. November 2016 (AB 23) – dem für das Gericht massgebenden 
Überprüfungszeitpunkt (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 
140) – erstellt wurden, gibt es zwar Hinweise auf eine Intelligenzminderung 
der Beschwerdeführerin und es werden Schwierigkeiten im Arbeitsumfeld 
erwähnt (vgl. AB 2, 20/4 f., 20/7); diese Berichte belegen jedoch keinerlei 
(fach-)ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit. Hinsichtlich eines allfälligen 
Rentenanspruchs ist folglich die zwölfmonatige Wartefrist gemäss Art. 28 
Abs. 1 IVG (vgl. E. 2.3 und 2.4 hiervor) nicht erfüllt. Ferner finden sich in 
den Akten Dokumente, die auf invaliditätsfremde Faktoren als Ursache der 

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Arbeitslosigkeit hinweisen. So hat die Beschwerdeführerin keine Berufs-
ausbildung absolviert (AB 1/5) und ihre Deutschkenntnisse sind mangelhaft 
(AB 2/3 f.) bzw. Dr. med. H.________ stuft die Beschwerdeführerin gar als 
funktional analphabet – bezogen auf ihre Muttersprache ... – ein (BB 2). 
Schliesslich bestehen verschiedene psychosoziale Belastungen (zu deren 
grundsätzlichen Unbeachtlichkeit im Rahmen der invalidenversicherungs-
rechtlichen Leistungsbeurteilung vgl. E. 2.2 hiervor), insbesondere familiäre 
Konflikte, eine problembehaftete Erziehung der Tochter (vgl. 20/4 f., 20/7) 
und finanzielle Probleme (BB 2). In somatischer Hinsicht werden Rücken-
beschwerden erwähnt (AB 2/1, 20/5); der Hausarzt Dr. med. D.________ 
bestätigt jedoch keine Arbeitsunfähigkeit gestützt auf somatische Ursachen 
(AB 12, 20/6). In psychiatrischer Hinsicht gibt der RAD-Arzt Dr. med. 
G.________ an (AB 22), in den (bis zum Erlass der Verfügung) vorhande-
nen Befundberichten würden keine psychiatrischen Gesundheitsstörungen 
nachvollziehbar benannt. Folglich ist bis zum Zeitpunkt des Erlasses der 
angefochtenen Verfügung vom 24. November 2016 (AB 23) kein invalidisie-
render Gesundheitsschaden ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin hat 
denn auch erst am 3. Januar 2017 eine psychiatrische Behandlung aufge-
nommen, was sich aus dem im vorliegenden Verfahren eingereichten Be-
richt des Psychiaters Dr. med. H.________ vom 12. Mai 2017 (BB 2) ergibt, 
in welchem eine leichte Intelligenzminderung und eine rezidivierende de-
pressive Störung, aktuell mittelgradige Episode, diagnostiziert wurde. So-
weit sich dieser Bericht auf Sachverhalte nach dem Erlass der 
angefochtenen Verfügung bezieht, ist er im vorliegenden Verfahren von 
vornherein unbeachtlich (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4). 

Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin als ... 
Staatsangehörige die versicherungsmässigen Voraussetzungen gemäss 
Art. 6 Abs. 2 IVG erfüllt oder nicht (vgl. die entsprechenden Ausführungen 
des RAD-Arztes Dr. med. G.________ vom 20. November 2016 [AB 22]).

4.3 Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch 
der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung (inkl. 
Vermittlung eines geschützten Arbeitsplatzes) mit Verfügung vom 24. No-
vember 2016 (AB 23) zu Recht verneint. Die Beschwerde ist offensichtlich 
unbegründet und somit abzuweisen.

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5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss 
gleicher Höhe entnommen.

5.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Dr. med. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Aug. 2017, IV/16/1260, Seite 14

- IV-Stelle (samt Eingabe der Beschwerdeführerin vom 29. Juni 2017 
inklusive Beilagen)

- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.