# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7e39d22-7fa5-526c-8cb7-f8e21ccd2003
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.04.2022 D-4379/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4379-2021_2022-04-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4379/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______,  

geboren am (…), Angola,   

vertreten durch MLaw Joana Mösch,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Feststellung Opfer von Menschenhandel;  

Verfügung des SEM vom 1. September 2021 / N (…). 

 

 

 

D-4379/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 2. Juni 2020 in der Schweiz um Asyl 

nach. Auf dem gleichentags im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ aus-

gefüllten Personalienblatt gab er an, er sei angolanischer Staatsangehöri-

ger, heisse C._______ und sei am (…) geboren. Er habe Angola 2019 ver-

lassen und sei im selben Jahr in die Schweiz gelangt. Identitätspapiere 

reichte er keine ein. 

B.  

Am 5. Juni 2020 mandatierte der Beschwerdeführer die ihm zugewiesene 

Rechtsvertretung. Diese teilte dem SEM mit Schreiben vom 9. Juni 2020 

mit, dass Hinweise auf eine Menschenhandelsproblematik vorliegen wür-

den, und beantragte, dem Beschwerdeführer eine Ruhe- und Bedenkfrist 

einzuräumen. Am 12. Juni 2020 gewährte das SEM dem Beschwerdefüh-

rer eine Ruhe- und Bedenkfrist von dreissig Tagen. Am 18. Juni 2020 

wurde durch die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde eine 

Beistandschaft gemäss Art. 306 Abs. 2 des Zivilgesetzbuches (ZGB, 

SR 210) für den Beschwerdeführer errichtet. Am 10. Juli 2020 ersuchte die 

Rechtsvertretung um Verlängerung der Ruhe- und Bedenkfrist und am 

27. Juli 2020 um Sistierung des Asylverfahrens bis zum Abschluss des bei 

den Strafbehörden des Kantons D._______ hängigen Strafverfahrens be-

treffend Menschenhandel. Am 31. Juli 2020 verwies das SEM das Asylge-

such ins erweiterte Verfahren und teilte den Beschwerdeführer dem Kanton 

D._______ zu. Im Hinblick auf die Prüfung des Fristverlängerungsgesuchs 

vom 10. Juli 2020 respektive des Sistierungsantrags vom 27. Juli 2020 for-

derte das SEM die Rechtsvertretung am 5. August 2020 auf, einen Arztbe-

richt oder einen Bericht der Institution, in welcher der Beschwerdeführer 

untergebracht sei, einzureichen. Mit Schreiben vom 7. August 2020 teilte 

die Rechtsvertretung mit, dass die zwischenzeitlich erfolgte Zuweisung ins 

erweiterte Verfahren im Sinn des Beschwerdeführers sei. 

C.  

C.a Anlässlich der Erstbefragung als unbegleiteter, minderjähriger Asylsu-

chender (EB UMA) vom 4. Mai 2021 gab der Beschwerdeführer im We-

sentlichen zu Protokoll, er stamme aus E._______. Seinen Vater kenne er 

nicht und seine Mutter sei gestorben, als er (…) Jahre alt gewesen sei. Er 

habe seither bei seinem (…) und dessen Frau gelebt. Mangels finanzieller 

Mittel sei er nie zur Schule gegangen. Seine Mutter habe (…) und er habe 

mit (…) zum Lebensunterhalt beigetragen. Sein (…) habe ihm Lesen und 

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Seite 3 

Schreiben beigebracht. Er habe eine (…), wisse aber nicht, wo sie lebe; 

sie seien nach dem Tod der Mutter getrennt worden. Die Mutter habe noch 

(…) weitere Kinder zur Welt gebracht. Er habe diese aber nie gesehen. Er 

habe nie einen Pass oder eine Identitätskarte gehabt und wisse nicht, ob 

ein Geburtsschein existiere. Die fehlenden finanziellen Mittel seien der 

Grund gewesen, weshalb er keine Identitätskarte habe. (Respektive) er 

hätte eigentlich gratis Identitätspapiere bekommen sollen, aber dafür hätte 

er beide Elternteile gebraucht. Es sei nicht seine Entscheidung gewesen, 

Angola zu verlassen. Er habe dort keine Probleme gehabt und seine Mutter 

habe ihm von Problemen, die sie betroffen hätten, nichts erzählt. Er habe 

keine Ahnung, wie er in die Schweiz gelangt sei. Er könne sich nur daran 

erinnern, dass er eines Tages eingeschlafen sei, als er mit seinem (…) zu-

sammen gewesen sei. Als er aufgewacht sei, habe er sich in einem Haus 

an einem ihm unbekannten Ort in der Schweiz befunden. Dort hätten ein 

Mann und eine jüngere Frau gelebt und diese hätten verlangt, dass er das 

Haus putze, und ihn geschlagen, wenn er sich geweigert habe. Das Paar 

habe sich mittels Zeichen mit ihm verständigt, da die beiden weder Portu-

giesisch noch Spanisch gekonnt hätten. Er habe das Haus nicht verlassen 

dürfen. Nach zwei oder drei Jahren habe er von dort fliehen können, als 

die Haustür einmal nicht richtig verschlossen gewesen sei. Er sei davon-

gerannt, dann in ein Tram oder einen Bus gestiegen und nach dem Aus-

steigen von einer Frau, die ihn angesprochen und Portugiesisch gekonnt 

habe, ins BAZ gebracht worden. Er schätze, dass er bei der Einreise in die 

Schweiz etwa (…) oder (…) Jahre alt gewesen sei. Es gehe ihm gesund-

heitlich gut, er sei aber bei einem Jugendpsychiater und seinem Hausarzt 

in Behandlung.  

Dem Beschwerdeführer wurde mitgeteilt, dass eine Überprüfung seiner 

Fingerabdrücke ergeben habe, dass für ihn unter den Personalien 

A._______, geboren am (…), von Angola, ein Schengen-Visum beantragt 

und auch ausgestellt worden sei. Der Beschwerdeführer gab an, dass er 

darüber nichts wisse und ihm der besagte Name nichts sage. 

C.b Im Rahmen der Anhörung zu den Asylgründen vom 15. Juni 2021 

machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe bisher 

keinen Kontakt zu seinem (…) in Angola aufgenommen und gedenke auch 

nicht, dies zu tun. Dieser habe ihm zwar das Lesen beigebracht, ihn aber 

nicht zur Schule geschickt, obwohl er selbst (…) gewesen sei. Auch zu sei-

ner (…) habe er keinen Kontakt; er wisse nach wie vor nicht, wo sie lebe. 

Seine Mutter sei gestorben, als sie (…). Sein (…) sei Alkoholiker gewesen 

und habe seine Mutter und manchmal auch ihn geschlagen. Er würde es 

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Seite 4 

dem (…) und dessen Frau zutrauen, dass sie ihn in die Schweiz geschickt 

hätten, um hier illegal zu arbeiten. Bei einer Rückkehr nach Angola fürchte 

er sich davor, dass sich das Ganze wiederholen und er in ein anderes Land 

zu anderen Leuten geschickt werden könnte. 

D.  

Mit Schreiben vom 5. Juli 2021 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, 

dass es beabsichtige, die Personalien im ZEMIS auf A._______, geboren 

am (…), anzupassen. Sofern er mit der Datenanpassung nicht einverstan-

den sei, würde der Eintrag mit einem Bestreitungsvermerk versehen, und 

die von ihm genannten Angaben als Zweitidentität aufgeführt.  

Es führte aus, Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer 

sich unter Vorlage eines auf die Personalien A._______, geboren am (…), 

ausgestellten Reisepasses auf der (…) Botschaft in Luanda (Angola) aus-

gewiesen und ein Schengen-Visum beantragt habe, das ihm am (…) 2020 

ausgestellt worden sei. Die ihm auf der (…) Botschaft am (…) 2020 abge-

nommenen Fingerabdrücke seien mit den ihm in der Schweiz abgenom-

menen Fingerabdrücken identisch. Er habe sich folglich im (…) 2020 nicht 

wie vorgebracht in der Schweiz, sondern in Angola befunden. Zudem hät-

ten die von den kantonalen Strafverfolgungsbehörden getätigten Ermittlun-

gen keinen konkreten Hinweis auf eine mutmassliche Täterschaft ergeben, 

und der von ihm angegebene Sachverhalt habe nicht bestätigt werden kön-

nen. Aufgrund der erkennungsdienstlichen Behandlung gehe das SEM von 

einer Identitätstäuschung aus, zumal kein Grund ersichtlich sei, weshalb er 

mittels eines nicht ihm zustehenden respektive gefälschten Passes einen 

Visumsantrag hätte stellen sollen, und er keine rechtsgenüglichen Identi-

tätspapiere eingereicht habe, die seine Angaben bestätigen würden.  

Es gewährte dem Beschwerdeführer hierzu das rechtliche Gehör. 

E.  

Mit Schreiben vom 29. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Alters-

schätzung des (…) vom (…) 2021 zu den Akten und erklärte sich in seiner 

Stellungnahme vom 12. August 2021 mit der beabsichtigten Datenände-

rung nicht einverstanden. Er sei sich seiner Identität sicher und könne sich 

nicht erklären, wie sein Fingerabdruck für eine andere Identität Verwen-

dung gefunden habe. Das SEM lasse ausser Acht, dass er eine schwer 

traumatisierte, minderjährige Person sei, die als Opfer von Menschenhan-

del klassifiziert worden sei. Zudem sei die Ausreise aus Angola nicht seine 

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Seite 5 

Idee gewesen. Es sei daher nachvollziehbar, dass er über den Ausreise-

prozess keine Informationen geben könne. 

F.  

Am 17. August 2021 änderte das SEM die Personalien des Beschwerde-

führers im ZEMIS auf A._______, geboren am (…). Es versah den Eintrag 

mit einem Bestreitungsvermerk. 

G.  

Mit Verfügung vom 1. September 2021 – gleichentags eröffnet – stellte das 

SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

fülle (Dispositivziffer 1). Es lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) 

und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an 

(Dispositivziffer 3), wobei es den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar 

erachtete und den Beschwerdeführer vorläufig aufnahm (Dispositivzif-

fern 4-6). Des Weiteren stellte es fest, dass die den Beschwerdeführer be-

treffenden Personendaten im ZEMIS wie folgt lauten würden: "A._______, 

geboren am (…), alias F._______, geboren am (…), alias C._______, ge-

boren am (…), Angola" (Dispositivziffer 7). Zudem verfügte es die Aushän-

digung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-

schwerdeführer (Dispositivziffer 8). 

H.  

Mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 erhob der Beschwerdeführer durch die 

rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, 

worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Anweisung 

an das SEM, die Personalien im ZEMIS auf F._______, geboren am (…), 

abzuändern, sowie um Feststellung, dass er Opfer von Menschenhandel 

sei, eventualiter um Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an das 

SEM ersucht wurde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses ersucht. 

I.  

Das Beschwerdeverfahren wurde mit der Verfahrensnummer D-4379/2021 

eröffnet und das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 4. Oktober 2021 

den Eingang der Beschwerde. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2021 stellte die Instruktionsrich-

terin hinsichtlich des Gegenstands des Beschwerdeverfahrens fest, dass 

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Seite 6 

sich die Beschwerde vom 1. Oktober 2021 gegen die vom SEM verfügte 

Datenerfassung im ZEMIS richte (Dispositivziffer 7), und darüber hinaus 

um Feststellung der Menschenhandelsopfereigenschaft des Beschwerde-

führers ersucht werde. Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ab-

lehnung des Asylgesuchs, die Anordnung der Wegweisung und die Ge-

währung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (Dispositivziffern 1-6) 

seien hingegen unangefochten geblieben und damit in Rechtskraft erwach-

sen. Des Weiteren stellte sie fest, dass die Beschwerdeanträge separat zu 

behandeln seien (Feststellung Menschenhandelsopfereigenschaft: Verfah-

ren D-4379/2021; Datenänderung im ZEMIS: Verfahren D-4414/2021).  

K.  

Die Staatsanwaltschaft des Kantons D._______ übermittelte dem Bundes-

verwaltungsgericht am 4. Februar 2022 antragsgemäss die Akten des 

Strafverfahrens mit dem Beschwerdeführer als Geschädigtem. 

L.  

Nach Durchführung eines Schriftenwechsels im Verfahren D-4414/2021 

wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde betreffend Datenän-

derung im ZEMIS mit Urteil D-4414/2021 vom 28. Februar 2022 ab. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen 

Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.Vm. Art. 31-33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Der Beschwerdeführer war am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und 

hat als Adressat der angefochtenen Verfügung grundsätzlich ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher insofern zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

Ob grundsätzlich überhaupt ein Anspruch auf formelle Feststellung durch 

das SEM, eine asylsuchende Person sei ein Opfer von Menschenhandel, 

besteht – mithin dem Beschwerdeführer diesbezüglich ein schutzwürdiges 

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Seite 7 

Interesse zukommt –, kann angesichts der nachfolgenden Ausführungen 

offenbleiben. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet, zumal sich die Parteien in dem im Verfahren 

D-4414/021 betreffend Datenänderung im ZEMIS durchgeführten Schrif-

tenwechsel auch zum Beschwerdeantrag betreffend Feststellung der Men-

schenhandelsopfereigenschaft des Beschwerdeführers geäussert haben. 

4.  

Hinsichtlich des Gegenstands des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist 

Folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer ersuchte – handelnd durch 

seine Rechtsvertreterin – in seiner Rechtsmitteleingabe vom 1. Oktober 

2021 um Datenänderung im ZEMIS und um Feststellung, dass er Opfer 

von Menschenhandel sei. Der Datenänderungsantrag wurde vom Bundes-

verwaltungsgericht im Verfahren D-4414/2021 behandelt (Urteil vom 

28. Februar 2022 [Abweisung der Beschwerde]). Im vorliegenden Be-

schwerdeverfahren ist nunmehr der Antrag des Beschwerdeführers um 

Feststellung der Menschenhandelsopfereigenschaft zu prüfen. Wie bereits 

mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2021 festgestellt, blieben die Ver-

neinung der Flüchtlingseigenschaft, die Ablehnung des Asylgesuchs, die 

Anordnung der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Auf-

nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs (Dispositivziffern 1-6 der Verfügung des SEM vom 

1. September 2021) in der Beschwerde vom 1. Oktober 2021 unangefoch-

ten und sind damit in Rechtskraft erwachsen. An dieser Einschätzung ver-

mögen die Ausführungen des Beschwerdeführers in seiner (Replik-)Ein-

gabe im Verfahren D-4414/2021 vom 15. November 2021, wonach er (im-

plizit) auch die Gewährung des Asyls habe beantragen wollen, nichts zu 

ändern. Massgeblich sind die in der Beschwerde vom 1. Oktober 2021 for-

mulierten Rechtsbegehren. Die Rechtsmitteleingabe vom 1. Oktober 2021 

bezeichnete den Beschwerdebetreff mit "Datenänderung im ZEMIS" (vgl. 

Beschwerde S. 1 unten) und enthält Ausführungen zu "Identität und 

ZEMIS" (vgl. Beschwerde S. 7 ff.) und "Opfer von Menschenhandel" (vgl. 

D-4379/2021 

Seite 8 

Beschwerde S. 10 ff.), mithin zu den beiden gestellten Beschwerdeanträ-

gen (Datenänderung im ZEMIS und Feststellung der Menschenhandelsop-

fereigenschaft). Auf eine (implizite) Beantragung der Asylgewährung kann 

daraus nicht geschlossen werden. Gegenstand des vorliegenden Be-

schwerdeverfahrens bildet damit einzig die Frage, ob das SEM verpflichtet 

gewesen wäre, in seiner Verfügung, mit der es die Flüchtlingseigenschaft 

verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat, festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer ein Opfer von Menschenhandel sei. 

5.  

5.1 Das SEM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er 

nach der Ankunft in der Schweiz für ein Paar zwei oder drei Jahre habe 

arbeiten müssen, bis er aus deren Haus habe entkommen können, und 

nicht sagen könne, wie er von Angola hierher gelangt sei, als den Anforde-

rungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht genügend. Laut 

Auskunft der kantonalen Strafverfolgungsbehörden, die aufgrund der Aus-

sage des Beschwerdeführers, vor der Asylgesuchstellung in der Schweiz 

festgehalten worden zu sein, ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen 

des Anfangsverdachts von Menschenhandel eingeleitet hätten, hätten die 

Ermittlungen keinen konkreten Hinweis auf eine mutmassliche Täterschaft 

ergeben, und der vom Beschwerdeführer angegebene Sachverhalt habe 

nicht bestätigt werden können, weshalb das Strafverfahren nicht weiterbe-

arbeitet werde. Der Beschwerdeführer sei folglich nicht als Menschenhan-

delsopfer klassifiziert worden. Durch polizeiliche Ermittlungen und Abklä-

rungen des SEM habe festgestellt werden können, dass der Beschwerde-

führer sich im (…) 2020 nachweislich nicht in der Schweiz, sondern in An-

gola aufgehalten habe, und aufgrund der erkennungsdienstlichen Behand-

lung sei davon auszugehen, dass er die Schweizer Behörden über seine 

Identität getäuscht habe. Es werde nicht in Abrede gestellt, dass es dem 

Beschwerdeführer bei der Ankunft im BAZ gesundheitlich nicht gut gegan-

gen sei, und dass er auf schwierige Ereignisse zurückblicken dürfte, aber 

das SEM gehe wie die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sich das Ganze 

nicht so zugetragen habe, wie von ihm geltend gemacht. 

5.2 Der Beschwerdeführer machte in Bezug auf den Beschwerdeantrag 

um Feststellung der Menschenhandelsopfereigenschaft in der Beschwerde 

vom 1. Oktober 2021 im Wesentlichen geltend, er sei als Opfer von Men-

schenhandel anerkannt worden und dies sei in Verfügungsform festzuhal-

ten. Ihm sei eine Erholungs- und Bedenkfrist gewährt worden und er sei 

von der Organisation G._______ über Monate als Menschenhandelsopfer 

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Seite 9 

behandelt worden. Zwar habe das SEM mit ihm keine Befragung zur Iden-

tifikation als Opfer von Menschenhandel (OMH-Befragung) durchgeführt, 

aber dies sei angesichts der besagten Behandlung durch G._______ plau-

sibel. Das Strafverfahren, in dem er ausgesagt habe, sei mangels Bewei-

sen eingestellt worden, könne aber bei neuen Erkenntnissen zur bislang 

unbekannten Täterschaft wiederaufgenommen werden. Aus der Einstel-

lung des Strafverfahrens könne daher nicht geschlossen werden, dass er 

nicht als Opfer von Menschenhandel zu klassifizieren sei. 

5.3 In seiner Vernehmlassung vom 26. Oktober 2021 im Verfahren  

D-4414/2021 führte das SEM betreffend den Beschwerdeantrag um Fest-

stellung der Menschenhandelsopfereigenschaft des Beschwerdeführers 

im Wesentlichen aus, dass es zum gleichen Schluss wie die Strafverfol-

gungsbehörde gelangt sei, nämlich, dass davon ausgegangen werden 

müsse, dass sich der Sachverhalt nicht so zugetragen habe, wie vom Be-

schwerdeführer vorgebracht. Bei den Befragungen im Asylverfahren seien 

dem Beschwerdeführer OMH-spezifische Fragen gestellt worden und das 

SEM habe festgestellt, dass dessen Aussagen insgesamt und insbeson-

dere betreffend die Umstände der Ausreise aus Angola äusserst dürftig und 

nicht überzeugend seien. Zudem habe sich der Beschwerdeführer nach-

weislich in Luanda aufgehalten, als er laut seinen Angaben in der Schweiz 

Zwangsarbeit verrichtet habe. Aufgrund dieser Ungereimtheiten komme 

das SEM nicht umhin, in Zweifel zu ziehen, dass es sich beim Beschwer-

deführer um ein Opfer von Menschenhandel handle. Allein aus der Gewäh-

rung einer Erholungs- und Bedenkzeit sowie der Behandlung als Men-

schenhandelsopfer durch die Organisation G._______ könne nicht der 

Schluss gezogen werden, dass die betreffende Person tatsächlich als ein 

Opfer von Menschenhandel zu klassifizieren sei.  

5.4 Der Beschwerdeführer entgegnete diesbezüglich in seiner Replik im 

Verfahren D-4414/2021 vom 15. November 2021 im Wesentlichen, dass er 

die Ausreise aus Angola nicht selbst beschlossen und organisiert habe, 

womit der Sachverhalt, unabhängig von der Frage, wie sich die Ausreise 

tatsächlich gestaltet habe, OMH-Tatbestandselemente aufweise. Es könne 

im Übrigen von ihm als UMA nicht erwartet werden, dass er seine Ansprü-

che wie ein Erwachsener geltend mache. 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, dass er als Opfer von Men-

schenhandel klassifiziert worden sei (vgl. Beschwerde vom 1. Oktober 

D-4379/2021 

Seite 10 

2021 S. 10). Aus den Akten ergibt sich diesbezüglich, dass der Beschwer-

deführer als potentielles Opfer von Menschenhandel identifiziert wurde, die 

Abklärungen des SEM und der Strafverfolgungsbehörden aber nicht zur 

Erkenntnis geführt haben, dass der Beschwerdeführer tatsächlich ein Men-

schenhandlungsopfer sei. Das SEM und die Strafverfolgungsbehörden 

sind vorliegend der Identifizierungspflicht gegenüber einem möglicher-

weise Menschenhandelsbetroffenen und den sich aus dem für die Schweiz 

am 1. April 2013 in Kraft getretenen Übereinkommen zur Bekämpfung des 

Menschenhandels vom 16. Mai 2005 (EKM, SR 0.311.543) ergebenden 

Verpflichtungen nachgekommen (vgl. dazu BVGE 2016/27). Die Vorinstanz 

räumte dem Beschwerdeführer eine Ruhe- und Bedenkzeit ein und verwies 

das Asylgesuch ins erweiterte Verfahren, nachdem die Rechtsvertretung 

sie informiert hatte, dass der Beschwerdeführer möglicherweise Opfer ei-

ner Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel geworden sein 

könnte und die Strafverfolgungsbehörden ein entsprechendes Verfahren 

eingeleitet hätten. Der Beschwerdeführer wurde mithin durch die Schwei-

zer Behörden als potentielles Opfer von Menschenhandel identifiziert und 

ihm wurden die vorgesehenen Schutz- und Unterstützungsmassnahmen 

gewährt sowie die Zusammenarbeit mit den ermittelnden Strafverfolgungs-

behörden ermöglicht. Die von den Strafverfolgungsbehörden getätigten 

Abklärungen ergaben jedoch keinen konkreten Hinweis auf eine mutmass-

liche Täterschaft und der vom Beschwerdeführer im Strafverfahren darge-

legte Sachverhalt konnte nicht bestätigt werden, weshalb das Strafverfah-

ren betreffend Menschenhandel eingestellt wurde. Seitens der Strafverfol-

gungsbehörden wurde der Beschwerdeführer somit nicht als tatsächliches 

Menschenhandelsopfer identifiziert. Auch im Asylverfahren wurde dem Be-

schwerdeführer als potentiellem Opfer von Menschenhandel umfassend 

Gelegenheit zur Darlegung seiner entsprechenden Vorbringen gegeben 

(vgl. EB UMA vom 4. Mai 2021, Anhörung vom 15. Juni 2021, schriftliche 

Stellungnahme vom 12. August 2021), es wurden Abklärungen zu seiner 

physischen und psychischen Gesundheit vorgenommen (vgl. vorinstanzli-

che Akten A46, A47, A53; hierzu auch BVGE 2016/27 E. 9.2) und das SEM 

hat die besagten Vorbringen des Beschwerdeführers in seinem Entscheid 

vom 1. September 2021 geprüft. Weder das Asyl- noch das Strafverfahren 

haben ergeben, dass der Beschwerdeführer, der als potentielles Men-

schenhandelsopfer identifiziert wurde, tatsächlich ein Opfer von Men-

schenhandel sei. Entgegen der in der Beschwerde vom 1. Oktober 2021 

geäusserten Auffassung wurde das Bestehen der Opfereigenschaft somit 

nicht festgestellt. Solches lässt sich aufgrund der Aktenlage auch im vor-

liegenden Beschwerdeverfahren nicht feststellen, zumal angesichts der er-

D-4379/2021 

Seite 11 

kennungsdienstlichen Abklärungen davon auszugehen ist, dass der Be-

schwerdeführer im (…) 2020 nicht wie angegeben zur Verrichtung von 

Zwangsarbeit in der Schweiz, sondern in Angola war. 

6.2 Aufgrund des Gesagten ist das Rechtsbegehren in der Beschwerde-

schrift vom 1. Oktober 2021 betreffend Feststellung, dass der Beschwer-

deführer ein Opfer von Menschenhandel sei, abzuweisen. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung – 

sowie sie Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet – 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49 

VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

8.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses als gegenstandslos erweist. 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Es ist ihm je-

doch antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 

Abs. 1 VwVG zu gewähren und folglich ist von der Kostenerhebung abzu-

sehen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4379/2021 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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