# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 86fa8be9-29ff-556b-9297-8a25b75f18ed
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-10
**Language:** de
**Title:** Lichtimmissionen. Uetliberg. Anordnung von vorsorglichen Massnahmen im Bewilligungsverfahren.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0172/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_ii_nr._0172-2015_vom_10._november_2015.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
2. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE II Nr. 

R2.2015.00078 
0172/2015 

Entscheid vom 10. November 2015 

Mitwirkende 

Abteilungsvizepräsident  Emil  Seliner,  Baurichter  Peter  Rütimann,  Baurich-
ter Stefano Terzi, Gerichtsschreiber Robert Durisch     

in Sachen 

Rekurrierende 

1.  Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Schwarzenburgstrasse 11, 

3007 Bern  

2.  WWF Zürich, Hohlstrasse 110, Postfach, 8010 Zürich  

gegen 

Rekursgegnerinnen 

1.  Bau- und Planungskommission Stallikon, 8143 Stallikon  

2.  Uto Kulm AG, 8143 Uetliberg  

Mitbeteiligte 

3.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

betreffend 

Bau- und Planungskommissionsbeschluss vom 25. März 2015; vorsorgliche 
Massnahmen zur Umgebungsbeleuchtung auf dem Uetliberg 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Die  Beleuchtung  um  das  Hotel  Uto  Kulm  und  den  Aussichtsturm  auf  dem 

Gipfel  des  Uetlibergs  bildet  seit  dem  Jahr  2006  Gegenstand  eines  nach-

träglichen  Baubewilligungsverfahrens.  Als  Folge  der  langen  Verfahrens-

dauer lud die Baudirektion Kanton Zürich die Baubehörde von Stallikon am 

14. Januar  2015  ein,  auf  dem  Uto  Kulm  Einschränkungen  der  Aussenbe-

leuchtung  zu  prüfen  und  gegebenenfalls  Anordnungen  zu  treffen.  Mit 

Schreiben  vom  19. Januar  2015  verlangten  der  Verein  Pro  Uetliberg  und 

der  Zürcher  Heimatschutz  ZVH  von  der  Baubehörde  die  Anordnung  von 

vorsorglichen Massnahmen zur Eindämmung dieser Beleuchtung.  

Die  Bau-  und  Planungskommission  der  Gemeinde  Stallikon  beschloss  am 

25. März 2015 auf die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen zur Ein-

schränkung  der  Aussen-  und  Turmbeleuchtung  auf  dem  Uto  Kulm  zu  ver-

zichten. 

B.  

Gegen  diesen  Entscheid  erhoben  die  Stiftung  Landschaftsschutz  Schweiz 

und  der  WWF  Zürich  mit  gemeinsamer  Eingabe  vom  27. April  2015  beim 

Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  Rekurs.  Die  Rekurrierenden  bean-

tragten  die  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids  und  die  Anordnung 

von  vorsorglichen  Massnahmen  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen 

zulasten  der  Vorinstanz.  Sie  beantragten  im  Einzelnen,  es  sei  auf  die 

Turmbeleuchtung  und  auf  die  Beleuchtung  von  Bäumen  gänzlich  zu  ver-

zichten, weiter sei die Beleuchtung der Fassaden dezent zu gestalten und 

diese zusammen mit der Beleuchtung der Wege auf die Betriebszeiten der 

Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU zu beschränken, sofern letztere nicht aus 

Gründen der Sicherheit erforderlich sei. Sodann beantragten die Rekurrie-

renden,  es  seien  für  die  Dauer  des  Rekursverfahrens  superprovisorische 

Massnahmen  anzuordnen,  falls  der  Endentscheid  nicht  sofort  getroffen 

werden könne. 

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Seite 2 

 
 
C.  

Mit  Präsidialverfügung  vom  7. Mai  2015  wurde  der  Antrag  auf  Anordnung 

von  superprovisorischen  Massnahmen  abgewiesen  und  das  Vernehmlas-

sungsverfahren eröffnet.  

Die  Vorinstanz  beantragte  mit  Vernehmlassung  vom  26. Mai 2015  die  Ab-

weisung  des  Rekurses,  soweit  darauf  einzutreten  sei,  unter  Kostenfolgen 

zulasten  der  Rekurrierenden.  Demgegenüber  beantragte  die  Baudirektion 

in  ihrer  Stellungnahme  vom  26. Mai  2015  die  Gutheissung  des  Rekurses, 

sofern  sich  die  Uto  Kulm  AG  (im  Folgenden private  Rekursgegnerin) nicht 

an die mit ihr abgesprochenen Betriebseinschränkungen halte. Die private 

Rekursgegnerin reichte keine Stellungnahme ein.  

Hierauf  liessen  sich die  Rekurrierenden mit Replik  vom  15. Juni 2015  und 

die  Vorinstanz  mit  Duplik  vom  7. Juli  2015  vernehmen.  Die  Baudirektion 
sah von einer weiteren Stellungnahme ab. 

D.  

Am  1. September  2015  führte  der  zuständige  Referent  des  Baurekursge-

richts  ohne  Beisein  der  Parteien  einen  nächtlichen  Augenschein  auf  dem 

Lokal durch. Zum Protokoll des Augenscheins nahmen die Rekurrierenden 

und die Baudirektion jeweils mit Eingabe vom 8. Oktober 2015 Stellung.  

Sodann  führte  die  2. Abteilung  des  Baurekursgerichts  am  3. November 

2015  wiederum  unangekündigt  einen  nächtlichen  Augenschein  auf  dem 

Lokal durch.  

E.  

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten  Feststellungen  wird,  soweit  für  den  Rekursentscheid  erforderlich, 

in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.  

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Es kommt in Betracht: 

1.  

Gegenstand des laufenden Bewilligungsverfahrens bildet die auf den Bau-

parzellen Kat.-Nrn. 1031 und 1032 bestehende Beleuchtung im Freien. Die 

Vorinstanz hat es im angefochtenen Beschluss abgelehnt, hierzu vorsorgli-

che  Massnahmen  anzuordnen.  Gemäss  § 19a  Abs. 2  des  Verwaltungs-

rechtspflegegesetzes  (VRG)  richtet  sich  die  Anfechtbarkeit  dieses  Zwi-

schenentscheides  nach  Art. 91-93  des  Bundesgerichtsgesetzes  (BGG). 

Diesen  Bestimmungen  zufolge  ist  ein  Rekurs  zulässig,  sofern  ein  Zwi-

schenentscheid  einen  nicht  wiedergutzumachenden  Nachteil  bewirken 

kann (vgl. Art. 93 Abs. 1 BGG). Der geltend gemachte Nachteil ist von den 

Rekurrierenden zu substanziieren, sofern er nicht ohne Weiteres erkennbar 
ist.  Einen  offenkundigen  Nachteil,  der  nicht  rückgängig  gemacht  werden 

könnte, ergäbe sich aus dem umstrittenen Verzicht auf vorsorgliche Mass-

nahmen  insbesondere  dann,  wenn  die  nachgesuchte  Baubewilligung  der-

einst verweigert und bis dahin unnötiges Licht auf der Kuppe des Uetlibergs 

emittiert würde (vgl. VB.2015.00324 vom 16. Juli 2015, E. 1.2).  

Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind  (vgl.  § 338b 

Abs. 1  des  Planungs-  und  Baugesetzes  [PBG]),  ist  auf  den  Rekurs  einzu-

treten. 

2. 

Der  Aussichtsturm  verfügt  auf  den  drei  Eckmasten  über  jeweils  15 LED-

Leuchten  und  am  Mittelpfosten  über  eine  Sicherheitsbeleuchtung,  die  den 

Treppenaufgang zur Aussichtsplattform ausleuchtet. Auf den Bauparzellen 

befinden sich noch zahlreiche weitere Leuchten, die Bestandteil des ersten 

Baugesuches aus dem Jahr 2006 bilden. Unter anderem sind neun Boden-

leuchten  mit  jeweils  70 Watt  in  den  Sporn  zwischen  Aussichtsturm  und 

Känzeli (Aussichtsplateau) und fünf Bodenleuchten mit jeweils 26 Watt vor 

der Nordostfassade des Hotels in den Zufahrtsweg eingelassen. Das revi-

dierte  Baugesuch  der  privaten  Rekursgegnerin  vom  9. Dezember  2014 

sieht  eine  schlankere  Umgebungsbeleuchtung  mit  weniger  Leuchten  vor, 

die jedoch an der bestehenden Turmbeleuchtung festhält. 

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3.  

Die  Vorinstanz  hat  im angefochtenen Beschluss  entschieden,  von der An-

ordnung von vorsorglichen Massnahmen abzusehen. Zur Begründung führ-

te sie aus, dass sich den Besuchern auf dem Aussichtsturm des Uto Kulm 

ein Rundblick eröffne; in der Nacht erfordere die Begehung des Turms aus 

Sicherheitsgründen  eine  Beleuchtung;  der  Turm  bilde  Wahrzeichen  des 

Uetlibergs  und  diene  zugleich  als  Werbeträger;  seine  Wahrnehmung 

nachtsüber liege deshalb sowohl im öffentlichen Interesse als auch im Inte-

resse  der  privaten  Rekursgegnerin.  Die  Anstrahlung  der  Bäume  ermögli-

che, wie die Vorinstanz weiter erwog, die sichere Begehung des Aussichts-

plateaus,  ebenso  dienten  die  Beleuchtung  der  Fassaden  des  Hotels  und 

der  Wege  der  Sicherheit  der  Besucher.  Ausserdem  habe  die  private  Re-

kursgegnerin  von  sich  aus  Betriebseinschränkungen  getroffen  und  die  ur-

sprüngliche Beleuchtung stark reduziert; so würden die Leuchten des Aus-

sichtsturms und die übrige Illumination im Freien zwischen Mitternacht und 

00.30 Uhr ausgeschaltet. Bei dieser Sachlage rechtfertigten es die Anliegen 

des Umwelt- und Landschaftsschutzes nicht, vorsorgliche Massnahmen zu 

verfügen.  

4.  

Die  Rekurrierenden  machen  insbesondere  geltend,  die  am  Aussichtsturm 

angebrachten 45 Kugelleuchten und die neun Leuchten, welche die Bäume 

auf  dem  Sporn  anstrahlten,  verursachten  eine  stark  störende  Lichtver-

schmutzung. Unnötige Lichtemissionen resultierten auch aus der Beleuch-

tung der Fassaden des Hotels und der zum Kulm führenden Wege, soweit 

die  Strassenlampen  nicht  aus  Sicherheitsgründen  unerlässlich  seien. Weil 

die Dauer des Bewilligungsverfahrens offen sei, seien die beantragten vor-

sorglichen Massnahmen erforderlich, um Tiere und Pflanzen vor unnötigem 

künstlichem  Licht  zu  schützen.  Die  Anordnung  der  nachgesuchten  Mass-

nahmen sei dringlich. Es sei zu berücksichtigen, dass die umstrittene Licht-

verschmutzung auf der Kuppe des Uetlibergs ausserhalb des Siedlungsge-

biets, jedoch innerhalb eines Schutzgebiets und inmitten von Wald erfolge. 

Der  streitbetroffene  Turm  sei der  einzige  Aussichtsturm  im  Kanton  Zürich, 

der nachts beleuchtet sei. Die Beleuchtung des Turms diene allein der Be-

werbung der privaten Rekursgegnerin. Nach den von ihr abgegebenen Zu-

sicherungen  würden  die  Kugelleuchten  stets  zwischen  Mitternacht  und 
00.30 Uhr ausgeschaltet, was einer Illumination von zwei bis drei Stunden 

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im  Sommer  und  von  sieben  bis  acht  Stunden  im  Winter  gleichkäme.  Die 

Turmbeleuchtung  richte  sich  allerdings  nicht  nach  diesem  fixen  Schema, 

sondern nach den betrieblichen Bedürfnissen der privaten Rekursgegnerin; 

mitunter sei der Turm die ganze Nacht hindurch beleuchtet. Die Vorinstanz 

gehe  deshalb  zu  Unrecht  davon  aus,  dass  die  Beleuchtung  auf  dem  Uto 

Kulm bereits stark reduziert worden sei. Es bestehe ein gewichtiges öffent-

liches Interesse an der vorsorglichen Begrenzung der beträchtlichen Licht-

emissionen  auf  dem  Uto  Kulm.  Die  beantragten  Massnahmen  seien  ohne 

Aufwand umsetzbar und verursachten keine Kosten. Ein Einschreiten wäh-

rend des laufenden Verfahrens sei umso mehr geboten, als nach der Ein-

schätzung  der  Baudirektion  eine  Bewilligung  der  bestehenden  Illumination 

ausser Betracht falle.  

Dem hält die Vorinstanz entgegen, es lägen keine besonderen Gründe für 

die  Anordnung  von  vorsorglichen  Massnahmen  vor.  Es  sei  insbesondere 

nicht ersichtlich, inwiefern eine Verringerung der umstrittenen Beleuchtung 

während  des  Bewilligungsverfahrens  zu  einer  Verminderung  von  Umwelt-

schäden beitrage. Wie sich aus dem kantonalen Richtplan ergebe, liege die 

Beleuchtung des Aussichtsturms auch im öffentlichen Interesse. Die Turm-

beleuchtung gehe gegenwärtig nicht erheblich über dasjenige Mass hinaus, 

das  für  einen  sicheren  Betrieb  erforderlich  sei.  Im  Gegensatz  zu  den  an-

dern  Aussichtstürmen  auf  Kantonsgebiet  generiere  der  Turm  auf  dem  Uto 

Kulm  einen  Besucherstrom,  was  entsprechend  höhere  Anforderungen  an 

die  Sicherheit  und  Beleuchtung  des  Turms  und  der  weiteren  Anlagen  zur 

Folge  habe.  Nach  Einführung  der  freiwilligen  Betriebsbeschränkungen,  an 

die  sich  die  private  Rekursgegnerin  halte,  sei  die  umstrittene  Beleuchtung 

lediglich während der Fahrzeiten der SZU eingeschaltet. 

5.  

Wegen  der  Dringlichkeit  vorsorglicher  Massnahmen  und  des  vorläufigen 

Charakters  solcher  Anordnungen  ergehen  diesbezügliche  Entscheide  auf-

grund einer reduzierten und summarischen Prüfung der Sach- und Rechts-

lage.  Dasselbe  gilt  für  die  Überprüfung  von  solchen  Entscheiden  im 

Rechtsmittelverfahren. 

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6.1.  

Die  Anordnung  vorsorglicher  Massnahmen  nach  § 6  VRG  setzt  zunächst 

Dringlichkeit voraus; diese ist gegeben, wenn der Endentscheid nicht sofort 

getroffen  werden  kann,  aber  gleichwohl  bestimmte  Vorkehren  nötig  sind, 

um  andernfalls  gefährdete  Interessen  zu  schützen.  Weiter  hat  die  Mass-

nahme  der  Erreichung  eines  legitimen  Ziels  zu  dienen.  Sie  ist  darauf  ge-

richtet,  wichtige  öffentliche  oder  private  Interessen  vor  schweren,  nicht 

wiedergutzumachenden Nachteilen zu schützen. Ferner müssen die Mass-

nahmen  geeignet  und  erforderlich  sein,  um  diese  Interessen  zu  schützen. 

Erscheinen wichtige öffentliche oder private Interessen als gefährdet, ist ei-

ne Interessenabwägung vorzunehmen. Dabei müssen die Nachteile, die mit 

dem  Erlass  der  Massnahme  abgewendet  werden  sollen,  gewichtiger  sein 

als  die  infolge  einer  solchen  Massnahme  zu  befürchtenden  Nachteile 

(VB.2015.00324 vom 16. Juli 2015, E. 2.2).  

6.2. 

Den  Akten  zufolge  hatte  die  Bauherrschaft  erstmals  im  August  2006  um 

Bewilligung der damaligen Aussenbeleuchtung ersucht (vgl. act. 9.21). Das 

Bewilligungsverfahren  kam  indes  nie  zu  einem  Abschluss.  In  den  Ausfüh-

rungen zu einer überarbeiteten Beleuchtung vom 26. September 2014 und 

vom  14. Januar  2015  hat  die  Baudirektion  auf  die  lange  Verfahrensdauer 

hingewiesen.  Nachdem  die  Eidgenössische  Natur-  und  Heimatschutzkom-

mission  ENHK  am  9. April  2015  um  Begutachtung  des  angepassten  Be-

leuchtungsprojekts ersucht wurde, ist auch weiterhin nicht mit einem baldi-

gen Endentscheid zu rechnen.  

In  der  Schweiz  haben  die  gegen  oben  gerichteten  Lichtemissionen  in  den 

letzten 20 Jahren um rund 70 % zugenommen. Dadurch nimmt die Nacht-

dunkelheit ab und grosse, natürlich dunkle Gebiete werden immer seltener. 

Der hohe Zersiedlungsgrad und die coupierte Topografie tragen hierzulan-

de dazu bei, dass künstliches Licht weit in die nächtliche Landschaft hinaus 

wirkt.  Die  Lebensräume  nachtaktiver  Tiere  können  durch  künstliches  Licht 

erheblich  gestört  werden,  wodurch  die  Überlebensfähigkeit  lichtempfindli-

cher Arten reduziert und ihr Sterberisiko erhöht wird. Der Lebensraum von 

Tieren  kann  durch  Lichtemissionen  zerschnitten,  ihr  Aktionsradius  einge-

schränkt  und  das  Nahrungsangebot  reduziert  werden.  Nachtaktive  Tiere 

erwachen  wegen  der  Beleuchtung  später  und  haben  weniger  Zeit  für  die 
Nahrungssuche.  In  Lebensgemeinschaften  kann  es  zur Verschiebung  und 

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Verarmung  der  Artenzusammensetzung  kommen.  Bei  bedrohten  Arten 

muss ein Rückgang oder gar das Aussterben von kleinen, isolierten Popu-

lationen  besonders  dort  befürchtet  werden,  wo  Lebensräume  durch  die 

städtische  Entwicklung  zerschnitten  werden.  Einflüsse  von  künstlichem 

Licht auf Tiere und Pflanzen sind in zahlreichen Fällen nachgewiesen wor-

den;  eine  systematische  Erforschung  der  Beeinträchtigung  von  Arten, 

Gruppen von Organismen oder Lebensgemeinschaften fehlt jedoch. Nach-

gewiesen ist immerhin, dass eine hohe Zahl von Insekten und Vögeln durch 

Lichtquellen zugrunde geht (vgl. den Bericht des Bundesamtes für Umwelt 

BAFU  über  die  Auswirkungen  von  künstlichem  Licht  auf  die  Artenvielfalt 

und  den  Menschen  vom  29. November  2012,  S. 3 ff.,  und  die  Empfehlun-

gen des [früheren] Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL 

zur  Vermeidung  von  Lichtemissionen,  Bern  2005,  S. 18 f.,  sowie  act. 4.6). 

Aus  diesen  Erkenntnissen  hat  das  Bundesgericht  in  einem  Leitentscheid 

vom  12. Dezember  2013  (BGE  140 II 33 ff.)  abgeleitet,  dass  ein  gewichti-

ges  öffentliches  Interesse  daran  bestehe,  zumindest  unnötige  Lichtemissi-

onen im Rahmen der Vorsorge zu begrenzen.  

Weiter steht ausser Zweifel, dass die von den Rekurrierenden beantragten 

Massnahmen helfen würden, das künstliche Licht auf dem Uto Kulm einzu-

dämmen.  Durchsetzen  liesse  sich  eine  Begrenzung  von  Lichtemissionen 

nur aufgrund einer verbindlichen, mithin  behördlich  verfügten  Regulierung. 

Die verlangten Massnahmen sind daher sowohl geeignet als auch erforder-

lich,  um  auf  dem  Kulm  inskünftig  überflüssige  Lichtemissionen  zu  verhin-

dern. Ob solche Massnahmen nunmehr anzuordnen sind, hängt somit vom 

Ausgang der nachfolgenden Interessenabwägung ab.  

6.3.  

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat mit Beschluss vom 25. Septem-

ber 2013 (RRB 1056/2013) die Verfügung der Baudirektion vom 6. Februar 

2012  betreffend  Festsetzung  des  Kantonalen  Gestaltungsplans  Uto  Kulm 

aufgehoben und die Sache an die Baudirektion zur Überarbeitung im Sinne 

der Erwägungen zurückgewiesen. Hinsichtlich der geplanten Turmbeleuch-

tung mit Fernwirkung hat der Regierungsrat erwogen, "dass das 'Wahrzei-

chen'  Uetliberg  bereits  durch  die  hohe  Fernsehantenne  und  durch  die 

Lichtemissionen  des  Hotel-  und  Restaurantbetriebs  gut  kenntlich  gemacht 

und eine zusätzliche 'Markierung' nicht notwendig ist. Allenfalls könnte eine 
solche  Turmbeleuchtung  unter  einschränkenden  Bedingungen  zulässig 

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sein. Zu denken wäre beispielsweise an eine nur dezente Fernwirkung so-

wie  an  eine  tages-  und  jahreszeitliche  oder  witterungsabhängige  Ein-

schränkung  der  Beleuchtung  zum  Schutz  der  Tierwelt,  insbesondere  der 

Zugvögel" (E. 11.e).  

Die  Beleuchtung  des  privaten  Aussichtsturms  dient  folglich  in  erster  Linie 

der Bewerbung des Restaurant- und Hotelbetriebs auf dem Uto Kulm. Die-

sem  wirtschaftlichen  Interesse  der  privaten  Rekursgegnerin  stehen  indes 

gewichtige Anliegen des Umweltschutzes entgegen. Dabei fällt in Betracht, 

dass  die  grossen  runden  LED-Leuchten  ab  einer  Höhe  von  9 m  in  regel-

mässigen  Abständen  an  den  Eckmasten  des  Turms  montiert  sind;  sie 

leuchten  bis  rund  50 m  über  dem  Kulm  in  den  Nachthimmel.  Demgegen-

über haben diese Leuchten keinen Einfluss auf die Ausleuchtung der Trep-

pe  des  Turms;  die  Beleuchtung  der  Treppe  erfolgt  denn  auch  durch  eine 

separate  Anlage  im  Innern  des  Turms.  Zusammen  treten  die  45 Leuchten 

an  den  Eckmasten  wie  drei  übergrosse,  an  der  Spitze  des  Turms  zusam-

menlaufende  gerade  Lichtgirlanden  in  Erscheinung,  die  auffällig  in  den 

Nachthimmel  strahlen.  Die  Baudirektion  hielt  deshalb  im  Juli  2011,  als  sie 

die  heute  noch  weitgehend  bestehende  Aussenbeleuchtung  auf  dem  Uto 

Kulm abschlägig beurteilt hatte, durchaus zutreffend fest, dass die Turmbe-

leuchtung  bei  Nacht  aus  der  Ferne  das  Bild  einer  Festtagsbeleuchtung 

vermittle.  Wie  sich  an  den  Augenscheinen  des  Baurekursgerichts  gezeigt 

hat, löst die starke Lichtemission der Turmbeleuchtung eine Aufhellung des 

Nachthimmels aus (vgl. die anlässlich des Augenscheins erstellten Fotogra-

fien  Nrn. 1  und  2).  Zufolge  der  erläuterten  Erkenntnisse  ist  auch  davon 

auszugehen,  dass  die  Beleuchtung  zahlreiche  Insekten  anzieht  und  die 

Tierwelt im umliegenden Wald beeinträchtigt.  

Seit  1. März  2013  gilt  die  SIA-Norm 491  zur  Vermeidung  von  unnötigen 

Lichtemissionen  im  Aussenraum.  Sie  widmet  sich  unter  anderem  der  Be-

leuchtung  privater  Gebäude  und  Anlagen.  Zu  den  vermeidbaren  Lichtim-

missionen dieser Kategorie zählen beispielsweise das Anleuchten von nicht 

zu beleuchtenden Umgebungsflächen und das ungenaue Anleuchten oder 

das  unnötige  ganznächtliche  Anleuchten  von  Objekten.  Als  emissionsmin-

dernde Massnahme empfiehlt die Norm insbesondere die Minimierung und 

Begrenzung  von  Betriebszeiten;  zum  Schutz  der  Nachtruhe  wird  in  Ent-

sprechung  zum  Lärmschutz  empfohlen,  im  Zeitraum  von  22.00  bis 

06.00 Uhr auf Garten- und Dekorbeleuchtung sowie auf das Anstrahlen von 
Objekten  zu  verzichten.  Nach  dem  Gesagten  drängt  sich  für  die  Turmbe-

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leuchtung  bis  zum  Vorliegen  eines  Endentscheides  ein  entsprechendes 

Regime  auf.  Durch die  Begrenzung  der Betriebszeit  bis 22.00 Uhr  wird  ei-

nerseits  eine  spürbare  Verringerung  der  unnötigen  Lichtimmissionen  er-

reicht  und  anderseits  die  Weiterführung  der  bestehenden  Bewerbung  er-

möglicht.  Die  Beleuchtungsdauer  ab  Einsetzen  der  Dämmerung  bis 

22.00 Uhr fällt im Sommer zwar eher kurz aus, in den übrigen Jahreszeiten 

dauert sie hingegen mehrere Stunden. Zudem ist die Einhaltung dieser Re-

gelung betrieblich einfach zu handhaben und für die Vollzugsbehörde leicht 

zu  kontrollieren.  Daraus  ergibt  sich,  dass  die  äussere  Beleuchtung  des 

Aussichtsturms  um  22 Uhr  einzustellen  ist.  Die  Leuchten  am  Mittelpfosten 

gewährleisten auch danach eine sichere Benutzung des Aussichtsturms.  

6.4.  

Die Beleuchtung der Bäume auf dem Sporn dient entgegen der Auffassung 
der Vorinstanz nicht der Sicherheit. Die neun Bodenleuchten strahlen allein 

auf  die  Bäume  und  lassen  das  Aussichtsplateau  im  Dunkeln.  Auch  ohne 

diese  Leuchten  emittieren  der  Aussichtsturm  und  der  Gebäudekomplex 

ausreichend  Licht,  um  sich  bei  Dunkelheit  auf  dem  Plateau  sicher  fortzu-

bewegen.  Soweit  der  Uto  Kulm  dem  Publikum  zugänglich  ist,  ist  das  Ge-

lände  durchweg  mit  Hecken,  Geländer  und  Steinmauern  eingefasst.  So-

dann  ist  zweifelhaft,  ob  die  fraglichen  Stimmungslichter  unmittelbar  neben 

der dominanten Turmbeleuchtung  tatsächlich  eine Werbewirkung  erzielen. 

Wie bei zahlreichen andern Leuchten auf dem Uto Kulm erfolgt die Ausrich-

tung dieser Lichter von unten nach oben, was der genannten SIA-Norm wi-

derspricht.  Die  unnötige  Beleuchtung  der  Bäume  zeitigt  störende  Lichtim-

missionen,  die  auch  in  der  Stadt  Zürich  wahrgenommen  werden  können. 

Entsprechend  hat  die  Baudirektion  in  ihrem  Bescheid  vom  26. September 

2014 festgehalten, dass wegen der Lage ausserhalb der Bauzone und der 

Schutzziele  des  BLN-Objektes  (Silhouettenschutz)  die  Beleuchtung  der 

Bäume  zwischen  der  Kanzel  und  dem  Aussichtsturm  nicht  zulässig  sei. 

Diese Beleuchtung ist daher einzustellen.  

Von  unten  nach  oben  strahlen  auch  die  fünf  Bodenleuchten  auf  dem  Zu-

fahrtsweg unterhalb der Böschung vor der Nordostfassade des Hotels. Die-

se auffallend grellen Leuchten illuminieren in erster Linie die dortige Stütz-

mauer  und  nur  mittelbar  die  Hotelfassade,  die  zusätzlich  von  verschiede-

nen Leuchten  direkt unter der Fassade  angestrahlt  wird.  Ausserdem  blen-
den die in den Weg eingelassenen Leuchten die Fussgänger und Velofah-

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Seite 10 

 
 
rer (vgl. die Fotografien Nrn. 4-6). Diese störenden Bodenleuchten sind da-

her ebenfalls ausser Betrieb zu nehmen. Hingegen ist die übrige Beleuch-

tung  der  Hotelfassaden  um  00.15 Uhr  abzuschalten,  nachdem  die  SZU 

kurz nach Mitternacht ihren Betrieb auf dem Uetliberg eingestellt hat.  

Dieselbe  Regelung  erscheint  auch  für  die  Strassenlaternen  angebracht, 
zumal  die  – vom  Künstler  Bruno  Weber  als  leuchtende  Hirsche  gestalte-
ten – Lampen ein dezentes Licht aufweisen. 

7. 

Der  Rekurs  ist  somit  teilweise  gutzuheissen.  Der  angefochtene  Entscheid 

ist demnach aufzuheben und es sind folgende vorsorglichen Massnahmen 

anzuordnen:  

-  Die äussere Beleuchtung des Aussichtsturms ist um 22 Uhr einzustellen. 
Die insgesamt 45 Leuchten an den drei Eckmasten sind dann abzuschal-
ten.  

-  Die Beleuchtung der Bäume auf dem Sporn zwischen Aussichtsturm und 
Kanzel  ist  einzustellen.  Auf  den  Einsatz  der  entsprechenden  neun  Bo-
denleuchten ist zu verzichten.  

-  Die  Beleuchtung  der  Nordostfassaden  des  Hotels  durch  fünf  Boden-
leuchten  auf  dem  Zufahrtsweg  ist  einzustellen.  Die  übrige  Beleuchtung 
der Hotelfassaden ist um 00.15 Uhr abzuschalten.  

-  Die Beleuchtung auf der Zufahrt zum Hotel ist um 00.15 Uhr abzuschal-

ten.  

Im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen. 

8.  

Um  den  vorsorglichen  Massnahmen  möglichst  rasch  zum  Durchbruch  zu 

verhelfen, ist einer allfälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid die auf-

schiebende  Wirkung  zu  entziehen  (§ 55  in  Verbindung  mit  § 25  Abs. 3 

VRG,  vgl.  Regina  Kiener, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz 

des Kantons Zürich, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 6 Rz. 35). 

[….] 

R2.2015.00078 

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