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**Case Identifier:** 0b604a4a-5c6e-540a-aa7a-7767221ad484
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-26
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 26.04.2024 VBE.2023.409
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-409_2024-04-26.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.409 / mg / ks       
Art. 57 

 

 

Urteil vom 26. April 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichter Roth  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiber Güntert          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Willy Bolliger, Rechtsanwalt,  

Bahnhofplatz 1, Postfach, 5400 Baden    

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 AXA Versicherungen AG, General-Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 

8400 Winterthur   

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 21. August 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1966 geborene Beschwerdeführerin war seit dem 5. November 2019 

bei B._____, Q._____, als Hauswirtschafterin angestellt und in dieser Ei-

genschaft bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen von Unfällen ver-

sichert, als sie am 24. Februar 2021 einen ersten und am 28. März 2021 

einen weiteren Autounfall erlitt. Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre 

Leistungspflicht im Zusammenhang mit den fraglichen Ereignissen und 

richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in Form von Taggeld 

und Heilbehandlung aus. Weiter führte sie medizinische Abklärungen durch 

und holte in deren Rahmen eine Stellungnahme ihres beratenden Arztes 

ein. Mit Verfügung vom 31. März 2022 stellte die Beschwerdegegnerin die 

Versicherungsleistungen mangels natürlicher und adäquater Kausalität der 

noch geklagten Beschwerden mit einem der beiden Unfallereignisse per 

31. März 2022 ein. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Beschwer-

degegnerin, nach Eingang eines von der SVA Aargau, IV-Stelle, veranlass-

ten Gutachtens, dem Beizug weiterer medizinischer Akten und einer Stel-

lungnahme ihres beratenden Arztes, mit Einspracheentscheid vom 21. Au-

gust 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid erhob die Beschwerdeführerin am 

22. September 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechts-

begehren: 

 

" 1. Es sei der Einsprache-Entscheid der AXA vom 21.08.2023 aufzuheben.  
 

2. a) Es seien der Versicherten A._____ von der AXA Versicherungen AG 
weiterhin die ordentlichen Versicherungsleistungen gemäss UVG (Tag-
gelder, Heilungskosten etc.) auszurichten auch über den Zeitpunkt 
01.04.2022 hinaus. 

 
b) Die Leistungseinstellung gemäss Verfügung der AXA per 31.03.2022 
sei aufzuheben. 

 
3. Es sei die AXA zu verpflichten, ein externes Gutachten in Auftrag zu 

geben betr. aktuelle gesundheitliche Situation der Versicherten 
A._____ im Konnex zu den beiden Verkehrsunfällen vom 24.02.2021 
und vom 28.03.2021 und dem Treppensturz vom 08.04.2021. 

 
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen." 

 

2.2. 

Mit Eingaben vom 4. Oktober, 20. Oktober und 23. November 2023 reichte 

die Beschwerdeführerin weitere Beilagen ein. 

 

 - 3 - 

 

 

2.3. 

Mit Vernehmlassung vom 19. Dezember 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.4. 

Am 14. Dezember 2023 und 26. März 2024 reichte die Beschwerdeführerin 

weitere Unterlagen ein. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Vorab ist auf die formellen Rügen der Beschwerdeführerin einzugehen:  

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin rügt, im Einspracheentscheid vom 21. August 

2023 sei das Unfallereignis vom 8. April 2021 nicht berücksichtigt worden, 

was zur Aufhebung des Entscheides führen müsse (Beschwerde S. 5).  

 

Hinsichtlich des Ereignisses vom 8. April 2021 ist auf Folgendes hinzuwei-

sen: Gegenstand der Verfügung vom 31. März 2022 waren die Unfallereig-

nisse vom 24. Februar und 28. März 2021 (VB I A139; II A41). Anfechtungs-

objekt des Einspracheentscheids ist ausschliesslich eine formelle Verfü-

gung i.S.v. Art. 49 Abs. 1 ATSG (RIEMER-KAFKA, Schweizerisches Sozial-

versicherungsrecht, 9. Aufl. 2019, Bern, Rz. 7.56). Insoweit der Versiche-

rungsträger sich nicht an diese Begrenzung seiner Entscheidungskompe-

tenz hält, liegt ein formellrechtlich unzulässiger Einspracheentscheid vor, 

der im nachfolgenden Rechtsmittelverfahren zufolge Fehlens der Sachur-

teilsvoraussetzung des Anfechtungsgegenstandes von Amtes wegen auf-

zuheben ist (Urteil des EVG U 308 vom 30. April 1998 E. 2c, publiziert in: 

RKUV 1998 S. 455). Dem Einspracheentscheid vom 21. August 2023 lag 

als Anfechtungsobjekt die Verfügung vom 31. März 2022 zugrunde und war 

damit auf die beiden Unfälle vom 24. Februar und 28. März 2021 be-

schränkt. Das Ereignis vom 8. April 2021 war nicht Gegenstand der Verfü-

gung vom 31. März 2022, weshalb sich der Einspracheentscheid zu Recht 

nicht dazu äussert. Der Einspracheentscheid ist somit aus diesem Grund 

nicht aufzuheben.  

 

1.3. 

Weiter rügt die Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin in ih-

rem Einspracheentscheid zahlreiche Berichte behandelnder Ärzte nicht ge-

würdigt bzw. diese ignoriert habe (Beschwerde S. 14 f.). Soweit die die Be-

schwerdeführerin damit sinngemäss geltend macht, der Einspracheent-

scheid sei ungenügend begründet und folglich der Anspruch auf rechtliches 

Gehör sei verletzt worden, ist auf Folgendes hinzuweisen: Der ver-

 - 4 - 

 

 

fassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) ver-

langt von der Behörde und im Beschwerdefall vom Gericht, dass sie die 

Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hören, ernsthaft prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, dass 

sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt; vielmehr ge-

nügt es, wenn der Entscheid gegebenenfalls sachgerecht angefochten 

werden kann (BGE 149 V 156 E. 6.1 S. 162 mit Hinweisen). Vorliegend hat 

sich die Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung der Beschwerde-

führerin in ihrem Einspracheentscheid vom 21. August 2023 ausführlich mit 

den Berichten der behandelnden Ärzte auseinandergesetzt (vgl. Vernehm-

lassungsbeilage [VB] I A199 E. 1.3-1.4; E. 2.3.1.6; E. 2.3.1.17). Zudem hat 

die Beschwerdegegnerin ausführlich und nachvollziehbar dargelegt, wes-

halb aus ihrer Sicht auf die Beurteilung ihrer beratenden Ärzte abgestellt 

werden könne. Diese Begründung ist im Sinne der vorstehenden Grunds-

ätze ausreichend. Die Beschwerdeführerin hatte jedenfalls hinreichende 

Kenntnis von den Beweggründen und Überlegungen der Beschwerdegeg-

nerin und war deshalb auch in der Lage, deren Einspracheentscheid vom 

18. August 2023 sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht bzw. des rechtlichen Gehörs ist daher nicht ersichtlich. 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-

scheid vom 21. August 2023 (VB I A199; II A60) zu Recht die vorüberge-

henden Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit den Unfällen vom 

24. Februar und 28. März 2021 per 31. März 2022 eingestellt hat. 

 

3. 

3.1. 

Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, werden die Versicherungs-

leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten 

gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG). 

 

3.2. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst 

voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden 

(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. 

Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-

stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-

treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-

getreten gedacht werden kann (BGE 147 V 161 E. 3.2 S. 163; 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 

129 V 402 E. 4.3.1 S. 406). 

 

 - 5 - 

 

 

3.3. 

Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in 

rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-

derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-

kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht 

die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, 

wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-

chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-

heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo 

ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-

gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder 

später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (Urteil des Bundesge-

richts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2). Ebenso wie der leistungs-

begründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen je-

der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits-

schadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweis-

grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (BGE 146 

V 51 E. 5.1 S. 56). 

 

4. 

4.1. 

Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 21. Au-

gust 2023 im Wesentlichen gestützt auf die Aktenbeurteilungen der bera-

tenden Ärzte Dr. med. C._____ vom 23. März 2022, Facharzt für Orthopä-

dische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie Phy-

sikalische Medizin und Rehabilitation (VB I M33; II M14) und Dr. med. 

D._____, Facharzt für Neurologie, vom 10. Juni 2023 (VB I M53) davon 

aus, dass die Unfälle keine strukturellen Schäden verursacht, sondern le-

diglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt hätten und der 

status quo sine gemäss Dr. med. C._____ vier bis sechs Wochen, gemäss 

Dr. med. D._____ sechs Monate nach dem zweiten Unfallereignis erreicht 

gewesen sei (VB I A199 E. 2.3.1.15). Der Fallabschluss per 31. März 2022 

– ein Jahr nach dem zweiten Ereignis – sei deshalb nicht zu beanstanden 

(VB I A199 E. 2.3.1.15).  

 

4.2. 

Aus dem unfallanalytischen Gutachten vom 15. Juli 2021 ergibt sich zum 

Ereignis vom 24. Februar 2021 im Wesentlichen Folgendes: Die Beschwer-

deführerin stand mit ihrem Fahrzeug an einem Lichtsignal, als ein anderer 

Verkehrsteilnehmer auf das Heck ihres Fahrzeuges auffuhr. Durch diese 

erste Kollision wurde ihr Fahrzeug auf ein vor ihr stehendes Fahrzeug auf-

geschoben, wodurch es zu einer zweiten Kollision kam. Das Fahrzeug der 

Beschwerdeführerin erfuhr bei der ersten Kollision eine kollisionsbedingte 

Geschwindigkeitsänderung zwischen 12.6 und 17.3 km/h und bei der zwei-

ten Kollision eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung zwischen 

5 und 9.5 km/h (VB I A62). 

 - 6 - 

 

 

 
 

4.3. 

Am Unfalltag begab sich die Beschwerdeführerin aufgrund aufgetretener 

Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel und Übelkeit ohne Erbre-

chen in die Notaufnahme des Spitals E._____ in ambulante Behandlung 

(VB I M1). Die am selben Tag durchgeführte CT-Untersuchung des Schä-

dels ergab keinen Hinweis auf Traumafolgen (VB I M4). 

 

4.4. 

Aus dem unfallanalytischen Gutachten vom 26. Juli 2021 ergibt sich zum 

Ereignis vom 28. März 2021 im Wesentlichen Folgendes: Die Beschwerde-

führerin musste mit ihrem Fahrzeug an einem Lichtsignal verkehrsbedingt 

halten. Ein hinter ihr fahrendes Fahrzeug bemerkte dies zu spät und fuhr 

auf das Heck des Fahrzeuges der Beschwerdeführerin auf. Das Fahrzeug 

der Beschwerdeführerin erfuhr dadurch eine kollisionsbedingte Geschwin-

digkeitsänderung zwischen 2.6 und 5.9 km/h (VB II A20). 

 

4.5. 

Am Tag des zweiten Unfalles begab sich die Beschwerdeführerin aufgrund 

von Schmerzen in der Halswirbelsäule (HWS), Kopfschmerzen, Übelkeit, 

Schwindel und Kribbeln in den Fingern der rechten und linken Hand in die 

Notaufnahme des Spitals F._____ in ambulante Behandlung. Im Austritt-

bericht vom 28. März 2021 wurde eine HWS-Distorsion Grad III diagnosti-

ziert. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wurde eine Klopf- und 

Druckdolenz über der HWS und Brustwirbelsäule (BWS) festgestellt (VB II 

M2). Eine am selben Tag durchgeführte CT-Untersuchung der Wirbelsäu-

lenabschnitte ergab keinen Hinweis auf eine knöcherne Verletzung 

(VB II M9).  

 

4.6. 

Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin Dr. med. C._____ führte in 

seiner Aktenbeurteilung vom 23. März 2022 aus, es liege ein zervikospon-

dylogenes Schmerzsyndrom mit myofaszialen Komponenten vor. Zudem 

werde, gemäss dem aktuellsten Bericht betreffend Kopfschmerzsymtoma-

tik, welche vom Neurologen als Migräne ohne Aura klassifiziert werde, wei-

terhin eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die beklagten Beschwer-

den stünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in natürlichem Kausal-

zusammenhang zum gemeldeten Ereignis. Die Gesundheit der Beschwer-

deführerin sei schon vor dem Ereignis beeinträchtigt gewesen. Einerseits 

sei ein Status nach HWS-Distorsion vom 13. Februar 2019 mit anschlies-

senden Nackenbeschwerden aktenkundig. Darüber hinaus bestünden de-

generative Veränderungen der HWS, welche wahrscheinlich symptomaus-

lösend seien, aber nicht in natürlichem Kausalzusammenhang mit dem Un-

fallereignis stünden. Des Weiteren würden zahlreiche weitere unfallunab-

hängige somatische und nicht-somatische Diagnose bestehen, welche ei-

nen Einfluss auf das Gesamtbefinden der Beschwerdeführerin hätten. Der 

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Status quo sine vel ante sei wahrscheinlich 4-6 Wochen nach dem zweitem 

Unfallereignis vom 28. März 2021 erreicht, d.h. spätestens am 9. Mai 2021. 

Die darüberhinausgehende Symptomatik sei überwiegend wahrscheinlich 

den Vorzuständen geschuldet. Strukturelle Veränderungen, welche mit den 

Unfallereignissen vom 24. Februar 2021 und 28. März 2021 in natürlichen 

Kausalzusammenhang gebracht werden könnten, seien nicht nachgewie-

sen (VB I M33 / II M14).  

 

4.7. 

Die IV-Stelle des Kantons Aargau erteilte im Juni 2022 dem Institut 

G._____ (G._____) den Auftrag zur bidisziplinären Begutachtung der Be-

schwerdeführerin (VB I A153). Das Gutachten wurde am 10. Oktober 2022 

erstattet und der Beschwerdegegnerin am 20. Dezember 2022 elektronisch 

zugestellt (VB I A184; I M52). Es vereint eine psychiatrische Beurteilung 

durch Prof. Dr. med. H._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera-

pie, und eine orthopädische Beurteilung durch Dr. med. I._____, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates. 

Aus psychiatrischer Sicht wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit gestellt. Aus orthopädischer Sicht wurde als Diagnose mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein "Belastungsanhängig vermehrtes 

cervicocephales Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie" (ICD-10: M35.0) 

sowie eine Belastungseinschränkung im Bereich des rechten Kniegelenks 

bei initialer medialer und retorpatellarer Gonarthrose beschrieben (vgl. Ziff. 

4.2.1. der bidisziplinären Gesamtbeurteilung des G._____-Gutachtens 

VB I M52). Die Gutachter hielten in ihrer Konsensbeurteilung zusammen-

fassend fest, aus rein psychiatrischer Sicht bestehe derzeit keiner Ein-

schränkung in der bisherigen Tätigkeit. Aus orthopädischer Sicht schätze 

man die verbliebene Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der zuletzt 

ausgeführten Tätigkeit mit 80 % ein entsprechend einer ganztätigen Anwe-

senheit mit einer zusätzlichen Leistungseinbusse von 20 % aufgrund der 

Notwendigkeit häufiger kurzer Arbeitsunterbrechungen und Positionswech-

sel, sodass eine maximale Leistungsfähigkeit von 80 % resultiere. In einer 

leidensadaptierten, körperlich leichten wechselbelastenden, optimal ange-

passten, überwiegend sitzenden Tätigkeit bestehe aus orthopädisch-versi-

cherungsmedizinscher Sicht bezogen auf ein volles Arbeitspensum eine 

quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % (Ziff. 4.7/4.8 der bidiszip-

linären Gesamtbeurteilung VB I M52).  

 

4.8. 

Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin, Dr. med. D._____, hielt in 

seiner Aktenbeurteilung vom 10. Juni 2023 fest, aus neurologischer Sicht 

sei in erster Linie die vorbestehende Migräne zu diskutieren (VB I M53 

S. 8). Seit 2010 stehe die Beschwerdeführerin deshalb in Behandlung bei 

einem auf Kopfschmerzen spezialisierten Neurologen. An der Diagnose 

des behandelnden Neurologen, der die Migräne anhand der formellen Kri-

terien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft diagnostiziert habe, 

 - 8 - 

 

 

bestünden keine Zweifel. Die Migräne müsse aufgrund des Verlaufs als 

sehr schwer bezeichnet werden. Bezüglich der Migräne vor den Unfällen 

2021 sei bekannt, dass ihre Ausprägungen grossen Schwankungen unter-

legen seien; es habe immer wieder längere Zeiten gegeben, in denen keine 

spezifische Therapie erfolgt sei und Zeiten, in denen die Migräne schwer 

bis sehr schwer gewesen sei. In den schweren Zeiten seien Behandlungen 

erforderlich gewesen, die betreffend Dosis die zugelassene und empfoh-

lene Menge überstiegen hätten und gar Behandlungen, die als verzweifelte 

Versuche angesehen werden müssten, die Situation noch zu kontrollieren 

(VB I M53 S. 8). Die Migräne nach den Unfällen 2021 unterscheide sich 

nicht von derjenigen vor diesen Unfällen, wie sich aus der Gegenüberstel-

lung der beiden Situationen ohne weiteres ergäbe. Zusätzlich gegen eine 

Auswirkung der Unfälle 2021 auf die Migräne spräche, dass es bei keinem 

der beiden Unfälle zu einer Verletzung des Hirns gekommen sei, beispiels-

weise einer leichten traumatischen Hirnverletzung. Die Unfälle könnten 

deshalb nicht als überwiegend wahrscheinliche (Mit-)Ursache der seither 

bestehenden Migräne angesehen werden(VB I M53 S. 9).  

 

Bezüglich der HWS-Distorsion führte Dr. med. D._____ aus, beim ersten 

Ereignis habe die Verletzung einem Grad 2 nach Quebec Task Force (QTF) 

entsprochen (VB I M53 S. 10). Beim zweiten Ereignis habe der Befund for-

mal ebenfalls einem QTF Grad 2 entsprochen. Die Beurteilung sei hier aber 

eingeschränkt, weil die Beschwerdeführerin schon vor dem zweiten Ereig-

nis muskuloskelettale HWS-Befunde aufgewiesen habe, nämlich vom ers-

ten Ereignis her. Sicher sei auf jeden Fall, dass der QTF-Grad des zweiten 

Ereignisses nicht höher als 2 gewesen sei. Sicher sei ferner, dass bei kei-

nem der Unfälle eine strukturelle Schädigung der HWS aufgetreten sei. 

Mehrere radiologische Untersuchungen seien im Verlauf durchgeführt wor-

den und hätten identische Befunde ergeben. Der behandelnde Neurologe 

habe die neurologisch nachgewiesenen Bandscheibenvorfälle auf Höhe 

HWK5/6 und HWK6/7 als potentiell unfallbedingt angesehen. Diese Ver-

mutung könne nicht nachvollzogen und nicht bestätigt werden. Erstens 

spreche der ganze Ablauf dagegen. Damit eine Bandscheibe traumatisch 

herniere, seien gewaltige Krafteinwirkungen auf die Wirbelsäule nötig. Ty-

pische Unfallhergänge seien Stürze aus grosser Höhe und Verkehrsunfälle 

mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Solche Unfallmechanismen führten 

dann aber nicht zu isolierten Bandscheibenhernierungen, sondern gleich-

zeitig zu weiteren, ausgedehnten Verletzungen der Wirbelsäule wie Wirbel-

brüche, Bandzerreissungen etc. Ein solche Mechanismus habe hier nicht 

vorgelegen. Ausserdem werde bei einer traumatisch bedingten Diskusher-

nie erwartet, dass sofort Symptome aufträten und Befunde, in Form von 

neurologischen Ausfällen, vorhanden seien, was hier nicht der Fall gewe-

sen sei. Zweitens seien die entsprechenden Befunde bereits vor dem Unfall 

mehrfach in identischer Weise dokumentiert, in den hier vorliegenden Ak-

ten seit 2005. Dieser Umstand hätte auch dem behandelnden Neurologen 

bekannt sein müssen, zeige doch das von ihm selbst veranlasste HWS-

 - 9 - 

 

 

MRI vom 29. März 2019 den gleichen Befund wie die Bildgebung nach den 

Unfällen 2021. Bei beiden Unfällen sei somit jeweils eine HWS-Distorsion 

mit tiefem Schweregrad aufgetreten, bei dem regelmässig eine vollständige 

Erholung innert Wochen bis wenigen Monaten eintrete. Dass der zweite 

Unfall in der Rekonvaleszenzzeit vom ersten Unfall aufgetreten sei, sei ein 

erschwerender Faktor; die Auswirkungen eines zweiten Unfalls seien er-

fahrungsgemäss schwerwiegender, wenn der Unfall auf eine nicht be-

schwerdefreie Situation einwirke. Erwartet werde entsprechend eine Erho-

lung innert einiger Monate. Darüber hinaus anhaltende Symptome und Be-

funde könnten sicher nicht mit einer unfallbedingten strukturellen Schädi-

gung der HWS erklärt werden (VB I M53 S. 10). 

 

Bezüglich der kognitiven Störung der Beschwerdeführerin verwies Dr. med. 

D._____ auf die verhaltensneurologische-neuropsychologische Untersu-

chung vom November 2021, in welcher eine formal leichte bis mittelgradige 

neurokognitive Funktionsstörung festgestellt worden sei. Eine Symptomva-

lidierung sei nicht durchgeführt worden. Die dokumentierte kognitive Stö-

rung sei zu Recht nicht als Folge einer unfallbedingten strukturellen Schä-

digung des Körpers betrachtet worden, da eine solche nicht aufgetreten sei 

(VB I M53 S. 10).  

 

Dr. med. D._____ kam zum Ergebnis, dass aufgrund allgemeinen ärztli-

chen Erfahrungen auch ohne Nachweis struktureller Schäden nach zwei 

kurz hintereinander auftretenden HWS-Distorsionen Beschwerden wäh-

rend einiger Monate erklärbar seien. Arbiträr werde dieser Zeitraum auf 6 

Monate nach dem zweiten Unfall definiert. Diese Einschätzung stütze sich 

nicht auf wissenschaftliche Daten, da solche nicht existieren würden, son-

dern ausschliesslich auf die persönliche ärztliche Erfahrung. Wie lange die 

Beschwerden durch den Unfall miterklärt werden könnten und ab welchem 

Zeitpunkt die Unfälle jegliche Bedeutung verloren hätten, sprich der Status 

quo sine erreicht sei, könne nur mit einem gewissen spekulativen Element 

beantwortet werden (VB I M53 S. 11 f.). Dr. med. C._____ setzte diesen 

Zeitraum auf 4-6 Wochen nach dem zweiten Unfall fest. In der neurologi-

schen Stellungnahme werde dieser Zeitpunkt auf 6 Monate festgelegt. Die 

beiden unterschiedlichen Einschätzungen würden sich nicht durch bessere 

wissenschaftliche Evidenz unterscheiden, vielmehr handle es sich um eine 

unterschiedliche persönliche Würdigung des gleichen Sachverhalts, der in 

unterschiedlichen persönlichen ärztlichen Erfahrungen begründet sei 

(VB I M53 S. 12).  

 

5. 

5.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizi-

 - 10 - 

 

 

nischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und 

ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 

E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

5.2. 

Beratende Ärzte eines Versicherungsträgers sind, was den Beweiswert ih-

rer ärztlichen Beurteilungen anbelangt, versicherungsinternen Ärzten 

gleichzusetzen (Urteile des Bundesgerichts 8C_355/2021 vom 25. Novem-

ber 2021 E. 3.2; 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweis). 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee S. 353 

ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

5.3. 

Auch einer reinen Aktenbeurteilung kann Beweiswert zukommen, sofern 

ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche 

Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht. 

Aktenbeurteilungen sind insbesondere dann von Belang, wenn die relevan-

ten Befunde mehrfach und ohne wesentlichen Widerspruch bereits erho-

ben worden sind, aber die Zuordnung zu einer Diagnose oder die Frage 

der Unfallkausalität der Befunde und das Ausmass der Behinderung ver-

schieden bewertet werden. In diesen Fällen kann in einer Aktenbeurteilung 

das Für und Wider der verschiedenen Meinungen erwogen und die über-

wiegende Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Beurteilung deutlich ge-

macht werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_540/2007 vom 27. März 

2008 E. 3.2 mit Hinweisen). 

 

6. 

6.1. 

Die Dres. med. D._____ und C._____ sind beratende Ärzte der Beschwer-

degegnerin. In beweismässiger Hinsicht sind ihre Berichte denjenigen ver-

sicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (vgl. E. 5.2. hiervor). Die Akten-

beurteilungen der beratenden Ärzte sind in sich schlüssig und plausibel be-

gründet, beruhen auf verschiedenen fachärztlichen Untersuchungen sowie 

Bildgebungen und ergeben ein vollständiges Bild betreffend den vorliegend 

 - 11 - 

 

 

relevanten medizinischen Sachverhalt (vgl. E. 5.3. hiervor). Die beratenden 

Ärzte berücksichtigten die relevanten Vorakten, die bildgebenden Befunde 

sowie die angegebenen Beschwerden umfassend (vgl. E. 5.1. hiervor).  

 

6.2. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei vor den Unfällen eine ge-

sunde Person gewesen (Beschwerde S. 15; S. 18) bzw. die von dem ver-

sicherungsinternen Gutachter beschriebenen Vorzustände seien nicht be-

legt (Beschwerde S. 17).  

 

Bezüglich der Migräne geht aus den Akten hervor, dass sich die Beschwer-

deführerin bereits seit dem Jahr 2015 aufgrund Migräne-Beschwerden bei 

Dr. med. J._____ in Behandlung befindet (vgl. Berichte Dr. med. J._____ 

vom 8. Januar 2015 [VB I M40]; vom 12. August 2015 [M40]; vom 28. Feb-

ruar 2017 [M42]; vom 6. April 2017 [M44]; vom 13. Juni 2017 [M50]; vom 

24. Juli 2017 [M50]; vom 27. März 2018 [M48]; vom 22. März 2019 [M41]; 

21. Februar 2020 [M49]). Im Bericht von Dr. med. K._____, Fachärztin für 

Neurologie, vom 15. Februar 2019 wurden die Diagnosen Akuter Kopf-

schmerz nach HWS-Distorsion am 13. Februar 2019, Migräne ohne Aura, 

Migräne mit Aura, Status nach Medikamentenübergebrauchskopfschmerz 

gestellt (VB I M38). Bezüglich der HWS-Beschwerden ergab die MRI-Un-

tersuchung der HWS durch die L._____ AG vom 29. März 2019 mehrseg-

mentale degenerative Veränderungen mit Segmentaldegeneration von 

HWK 3/4 bis HWK 6/7 am ausgeprägtesten HWK5/6 und HWK6/7 aus einer 

Kombination von Diskuspathologien und Spondylarthrosen (VB I M35). Im 

G._____-Gutachten vom 10. Oktober 2022 werden schliesslich vom ortho-

pädischen Gutachter eine HWS-Distorsion im Rahmen eines als PW-Insas-

sin erlittenen Heckaufpralls im Jahr 1995 und am 7. März 1998 erwähnt 

(VB I M52 S. 20; 51).  

 

Angesichts der seit 2015 dokumentierten Migräne-Beschwerden kann der 

in der Beschwerde aufgestellten Behauptung, diese bestünden erst seit 

den beiden Unfällen vom 24. Februar und vom 28. März 2021, nicht gefolgt 

werden. Auch der in der Beschwerde aufgestellten Behauptung, wonach 

die von den versicherungsinternen Ärzten berichteten Vorzuständen nicht 

dokumentiert seien, kann mit Blick auf die hiervor zitierten Berichte nicht 

gefolgt werden. Ohnehin würde die Behauptung der Beschwerdeführerin, 

sie sei vor den Unfällen gesund gewesen, auf eine unzulässige "post hoc 

ergo propter hoc"-Argumentation hinauslaufen, welche beweisrechtlich 

nicht zulässig ist (vgl. BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.; Urteil des Bun-

desgerichts 8C_355/2018 vom 29. Juni 2018 E. 3.2). 

 

6.3. 

Die Beschwerdeführerin beruft sich auf die Berichte ihres behandelnden 

Arztes Dr. med. J._____ vom 4. August (BB 5), vom 1. September (VB I 

M11) und vom 1. Oktober 2021 (VB I M17) (Beschwerde S. 7-9; S. 15 f.). 

 - 12 - 

 

 

Die Berichte vom 1. September und 1. Oktober 2021 lagen Dr. med. 

D._____ vor, der sich mit der darin beschriebenen Beschwerden ausführ-

lich auseinandergesetzt hat. Dr. med. D._____ stimmte den von Dr. med. 

J._____ gestellten Diagnosen grundsätzlich zu, begründete aber ausführ-

lich und nachvollziehbar, weshalb die dort beschriebene Migräne dem Zu-

stand vor den Unfällen im Jahr 2021 entsprach und nicht als überwiegend 

wahrscheinliche (Mit-)Ursache für die seither bestehende Migräne angese-

hen werden könne. Die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereich-

ten Berichte von Dr. med. J._____ vom 30. Mai 2023 (BB 8) sowie vom 

4. August 2023 (BB 12) stimmen im Wesentlichen mit dessen bisherigen 

Berichten überein. Dr. med. J._____ führte in seinem Bericht vom 30. Mai 

2023 aus, die Beschwerdeführerin habe zuletzt wieder gehäuft Beschwer-

den erlitten, welche durchaus im Rahmen der damaligen HWS-Distorsion 

entstanden sein könnten (BB 8 S. 2). Dabei handelt es sich aufgrund der 

Formulierung aber um eine blosse Vermutung (vgl. dazu etwa Urteile des 

Bundesgerichts 8C_701/2018 vom 28. Februar 2019 E. 6.1.2, 

8C_733/2017 vom 29. März 2018 E. 4.3.1), welche im Bericht auch nicht 

näher begründet wird. Auch dem Bericht von Dr. med. J._____ vom 4. Au-

gust 2023 können keine neuen Aspekte entnommen werden. So wird die-

sem ein unauffälliger Neurostatus B beschrieben. Zudem führt Dr. med. 

J._____ aus, die von der Beschwerdeführerin beschriebene Notfallsitua-

tion, wonach bei der Beschwerdeführerin starker Redefluss mit Speichel-

sekretion, Pelzigkeit im Bereich des Gesichts mit ausgeprägter Schmerz-

haftigkeit aufgetreten sei, könne ursächlich nicht eindeutig neurologisch 

eingeordnet werden. Hier könnte ebenfalls eine affektive Grundproblematik 

Auslöser gewesen sein, im Sinne einer möglichen Panikstörung (BB 12 

S. 3). Alternativ könne es sich auch um eine passagere Durchblutungsstö-

rung im Sinne einer TIA gehandelt haben (BB 12 S. 4). Ein Zusammenhang 

mit den Unfallereignissen vom 24. Februar bzw. vom 28. März 2021 ist nicht 

ersichtlich. Die Berichte stehen damit in keinem Widerspruch zu den Aus-

führungen von Dr. med. D._____ und sind deshalb nicht geeignet, Zweifel 

an dessen Beurteilung zu begründen. 

 

6.4. 

Die Beschwerdeführerin reichte im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ei-

nen Bericht von Dr. phil. M._____ von der Praxis N._____ vom 20. Juli 2023 

ein. Darin wird festgehalten, dass die in der neuropsychologischen Unter-

suchung erhobenen Befunde den Befunden aus der Voruntersuchung vom 

November 2021 entsprächen und mehrheitlich unverändert seien (BB 11 

S. 7). Aus dem Bericht von Dr. med. O._____, Fachärztin für Nervenkrank-

heiten (Neurologie) und lic. phil. P._____ vom 2. November 2021 geht her-

vor, dass eine leichte bis mittelgradige neurokognitive Funktionsstörung 

vorliege, welche ätiologisch multifaktoriell sei. Diese Defizite seien am 

ehesten im Rahmen der affektpathologischen Symptomatik mit dafür typi-

schen Hypofunktion der sprachdominanten Hemisphäre bei multipler Be-

lastungssituation seit ca. 1.5 Jahren (Tod der Mutter, Verlust des 

 - 13 - 

 

 

Lebenspartners kurz vor Auffahrunfällen) zu erklären. Der prolongierte Ver-

lauf nach den Unfällen vom Februar und März 2021 sei dadurch hinrei-

chend zu erklären. Als Differentialdiagnose wurde eine Aggravation durch 

vorbestehende mikroangiopathische Veränderungen (Befund Schädel-MRI 

2019) aufgeführt (VB I M23). Dr. med. D._____ setzte sich in seiner Akten-

beurteilung vom 10. Juni 2023 ausführlich mit der verhaltensneurologi-

schen-neuropsychologischen Untersuchung vom 2. November 2021 aus-

einander und hielt schlüssig fest, dass sämtliche für die kognitive Störung 

als ursächlich erachteten Faktoren unfallfremd seien. Der Bericht vom 20. 

Juli 2023, welcher eine seit November 2021 unveränderte Situation be-

schreibt, ist deshalb nicht geeignet Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. 

D._____ zu begründen. 

 

6.5. 

Während des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin zwei 

Verlaufsberichte von Dr. med. J._____ vom 21. September und vom 

19. Oktober 2023 sowie drei Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vom 19. Okto-

ber und vom 22. November 2023 sowie vom 26. März 2024 ein. Die einge-

reichten Berichte datieren nach dem Einspracheentscheid vom 21. August 

2023 (VB I A199). Massgebend für die Beurteilung der Streitsache in zeit-

licher Hinsicht ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass des Ein-

spracheentscheids verwirklicht hat (Urteile des Bundesgerichts 

8C_644/2017 vom 20. Februar 2018 E. 4 und 8C_847/2015 vom 2. Sep-

tember 2016 E. 1.3 je mit Hinweisen). Den Verlaufsberichten können keine 

Aspekte entnommen werden, welche sich auf den Zeitraum vor dem Ein-

spracheentscheid beziehen und nicht bereits in der vorherigen Beurteilung 

von Dr. med. J._____ vom 4. August 2023 (BB 12) enthalten sind. Auch 

aus den Arbeitsunfähigkeitszeugnissen vom 19. Oktober und vom 22. No-

vember 2023 können keine für das Verfahren wesentliche Aspekte entnom-

men werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_692/2011 vom 7. Februar 

2012 E. 3.2). Auch aus den übrigen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens 

eingereichten Berichten kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren 

Gunsten ableiten. Aus dem Bericht von Dr. med. AA._____, Fachärztin für 

Augenkrankheiten (Ophthalmologie), vom 12. Juni 2023 geht hervor, dass 

die durchgeführten Untersuchungen unauffällig waren (BB 9). Zu dem nicht 

unterzeichneten Bericht des Zentrums AB._____ vom 21. Juni 2023 

(BB 10) ist anzumerken, dass sich aus den Akten kein Anhaltspunkt für die 

vom Optiker angeführten Commotiofolgen ergibt. Diesbezüglich erübrigen 

sich weitere Ausführungen. 

 

6.6. 

Nach dem Dargelegten sind weder den Ausführungen des Beschwerdefüh-

rers (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f. mit Hinweis auf BGE 110 V 48 

E. 4a S. 53) noch den Akten konkrete Hinweise zu entnehmen, welche an 

den Ausführungen der beratende Ärzte Zweifel zu begründen vermöchten 

(Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109 

 - 14 - 

 

 

E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1). Der medizinische Sachver-

halt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt. Weitere 

Abklärungen sind nicht angezeigt, da der entscheidwesentliche Sachver-

halt aus den Akten mit genügender Klarheit hervorgeht und hiervon keine 

zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; 

vgl. BGE 137 V 64 E. 5.2 S. 69, 136 I 229 E. 5.3 S. 236). Es ist deshalb auf 

die Beurteilung von Dr. med. D._____ vom 10. Juni 2023 abzustellen, wo-

nach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur die HWS-Beschwerden 

unfallkausal waren, nicht hingegen die Migräne und die kognitiven Störun-

gen. Zudem war der status quo sine vel ante bezüglich der HWS-Be-

schwerden spätestens sechs Monate nach dem zweiten Unfallereignis vom 

28. März 2021 und damit am 28. September 2021 wieder erreicht. Dies 

entspricht auch der Rechtsprechung, wonach bei solchen posttraumati-

schen Lumbalgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden, dass der 

Status quo sine erreicht ist; auch eine traumatische Verschlimmerung eines 

klinisch stummen degenerativen Vorzustands an der Wirbelsäule ist in der 

Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr als 

abgeschlossen zu betrachten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_13/2018 

vom 9. Mai 2018 E. 3.3 mit Hinweisen). Die per 31. März 2022 verfügte 

Einstellung der entsprechenden Leistungen ist demnach nicht zu beanstan-

den.  

 

7. 

7.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

7.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

7.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

 - 15 - 

 

 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 26. April 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Güntert