# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 02c658d7-10d0-5693-8eea-63508518d4ea
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-13
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 13.06.2021 B 2020/258
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2020-258_2021-06-13.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2020/258

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 17.08.2021

Entscheiddatum: 13.06.2021

Entscheid Verwaltungsgericht, 13.06.2021
Baurecht, Art. 65 Abs. 1 BauG, Sonderbauvorschriften, Grenzabstand. Die 
besondere Vorschrift des anwendbaren Überbauungsplans aus dem Jahr 
1955 zum Grenzabstand widerspricht dem übergeordneten Recht nicht und 
ist einer autonomen Auslegung und Anwendung zugänglich. Der 
längenbezogene Begriff der Gebäudefassade in dieser Bestimmung ist vom 
Begriff der Fassade, wie ihn die kantonalen Regeln zur Messung des 
Grenzabstandes von Gebäuden verwenden, zu unterscheiden. Insoweit ist 
die Rechtsprechung zum Begriff der Fassade – Umhüllungslinie, statisch 
tragende Funktion, Wärmedämmung – für die Auslegung des Begriffs der 
Gebäudefassade unbehelflich. Aus dem Umstand, dass ein Bauteil – wie eine 
Sonnenstore, eine Anbaute oder eine Vorbaute – den minimalen 
Grenzabstand nicht einhalten muss, kann noch nicht geschlossen werden, 
dass er bei der Ermittlung der Gebäudelänge nicht zu berücksichtigen ist. 
Abzustellen ist auf den nach aussen in Erscheinung tretenden, oberirdischen 
Gebäudekörper (Verwaltungsgericht, B 2020/258).

Entscheid vom 13. Juni 2021

Besetzung

Abteilungspräsident Zürn; Verwaltungsrichterin Zindel, Verwaltungsrichter Steiner; 

Gerichtsschreiber Scherrer

Verfahrensbeteiligte

C.__ und D.__,

Beschwerdeführer,

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vertreten durch Rechtsanwalt M.A. HSG in Law Franz-Xaver Ulrich, Baurecht Ulrich, 

Alte Steinhauserstrasse 1, 6330 Cham,

gegen

Baudepartement des Kantons St. Gallen, Lämmlisbrunnenstrasse 54, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

und

A.__,

Beschwerdegegner,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. David Brunner, Advokaturbureau Brunner & Dudli, 

Hinterlauben 12, 9000 St. Gallen,

sowie

Politische Gemeinde X.__,

Beschwerdebeteiligte,

Gegenstand

Baubewilligung (Wohnraumerweiterung)

 

Das Verwaltungsgericht stellt fest:

A.

C.__ und D.__ sind je zur Hälfte Miteigentümer des Grundstücks Nr. F0001, 

Grundbuchkreis X.__, an der B.__strasse. Es liegt gemäss gültigem Zonenplan der 

Stadt X.__ vom 6. November 2001 in der Wohnzone für zweigeschossige Bauten (W2a) 

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und im Perimeter des Überbauungsplans mit besonderen Vorschriften für das Gebiet 

beidseits des oberen Abschnittes der B.__strasse aus dem Jahr 1955. Es ist mit einem 

zweigeschossigen Wohnhaus (Vers.-Nr. F0003) und einem freistehenden Pavillon 

(Vers.-Nr. F0004) überbaut.

B.

Mit Baugesuch vom 12. August 2019 beantragten die Grundeigentümer beim Amt für 

Baubewilligung der Stadt X.__ den Abbruch des Pavillons sowie die Erstellung eines 

zweigeschossigen Erweiterungsbaus an der Ostseite des Wohnhauses samt 

Umgebungsanpassungen (act. 8/7/22). Das Gesuch lag vom 21. August bis 

4. September 2019 öffentlich auf. Gegen das Bauvorhaben erhob A.__, Eigentümer des 

nordöstlich angrenzenden Grundstücks Nr. F0002 am 29. August 2019 Einsprache 

(act. 8/7/20). Am 6. Dezember 2019 erteilte die Baubewilligungskommission der Stadt 

X.__ die Baubewilligung mit der Verpflichtung, das Dach nicht mit Kupferblech, sondern 

mit engobierten Ziegeln in dunkler Farbe einzudecken. Die öffentlich-rechtliche 

Einsprache von A.__ wurde dementsprechend teilweise gutgeheissen. Die 

Baubewilligungskommission kam zudem unter anderem zum Schluss, das Projekt mit 

einem minimalen Abstand von 6.8 Metern zur Grenze des Grundstücks des 

Einsprechers verletze den gemäss den besonderen Vorschriften des 

Überbauungsplans mindestens erforderlichen Grenzabstand nicht, weil die 

massgebende Fassadenlänge des Wohnhauses Vers.-Nr. F0003 14.34 Meter und der 

erforderliche Mindestabstand deshalb 6.78 Meter – 6 zuzüglich 0.78 Meter (ein Drittel 

der 12 Meter übersteigenden Fassadenlänge) – betrage.

C.

Gegen den am 6. Januar 2020 versandten Entscheid erhob A.__ am 20. Januar 2020 

Rekurs beim Baudepartement des Kantons St. Gallen. Das Baudepartement hiess den 

Rekurs am 10. Dezember 2020 gut und hob Baubewilligung und Einspracheentscheid 

vom 6. Dezember 2019 auf mit der Begründung, das Projekt halte den mindestens 

erforderlichen Grenzabstand nicht ein. Die massgebende ostseitige Fassadenlänge des 

Wohnhauses betrage 16.06 Meter und der gemäss den besonderen Vorschriften des 

Überbauungsplans geltende minimale Grenzabstand deshalb 7.35 Meter.

D.

C.__ und D.__ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Entscheid des 

Baudepartements (Vorinstanz) vom 10. Dezember 2020 mit Eingabe ihres 

Rechtsvertreters vom 28. Dezember 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit 

den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) sei 

der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Baubewilligung zu erteilen. 

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Eventualiter sei die Sache zum neuen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2021 verwies die Vorinstanz auf den 

angefochtenen Rekursentscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die 

Politische Gemeinde X.__ (Beschwerdebeteiligte) verzichtete am 25. Januar 2021 auf 

eine Vernehmlassung. A.__ (Beschwerdegegner) beantragte durch seinen 

Rechtsvertreter mit Vernehmlassung vom 5. März 2021, die Beschwerde sei unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) abzuweisen. Die 

Beschwerdeführer nahmen am 24. März 2021 Stellung, hielten an ihren Anträgen fest 

und reichten zusätzliche Beweismittel ein. Der Beschwerdegegner äusserte sich dazu 

mit Schreiben vom 16. April 2021. Die Beschwerdeführer verzichteten am 26. April 

2021 ausdrücklich auf eine weitere Stellungnahme.

Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Vorbringen der 

Beschwerdeführer und des Beschwerdegegners zur Begründung ihrer Anträge sowie 

die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

1.

Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer 

sind als Baugesuchsteller und Adressaten des angefochtenen Entscheids, mit welchem 

die ihnen von der Beschwerdebeteiligten erteilte Baubewilligung aufgehoben wurde, 

zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). 

Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 10. Dezember 2020 wurde mit 

Eingabe vom 28. Dezember 2020 unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes über 

Weihnachten und Neujahr rechtzeitig erhoben und erfüllt formal und inhaltlich die 

gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 

Abs. 1 VRP sowie Art. 145 Abs. 1 Ingress und lit. c der Schweizerischen 

Zivilprozessordnung, SR 272, und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.

2.

Die Vorinstanz hat das Baugesuch der Beschwerdeführer mit der Begründung, die 

geplante Erweiterung halte den gemäss den besonderen Vorschriften des 

Überbauungsplans erforderlichen minimalen Grenzabstand gegenüber dem 

Grundstück der Beschwerdegegner nicht ein, als materiell baurechtswidrig beurteilt. 

Die Beteiligten gehen übereinstimmend davon aus, dass der Überbauungsplan mit den 

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besonderen Vorschriften für das Gebiet beidseits des oberen Abschnittes der 

B.__strasse aus dem Jahr 1955 (interne Registernummer …), in dessen Perimeter die 

Grundstücke Nrn. F0001 und F0002 liegen, nach wie vor gilt. Er erscheint zwar in der in 

der Rechtssammlung der Stadt veröffentlichten Liste nicht. Gemäss Auskunft der 

Beschwerdebeteiligten vom 27. Mai 2021 wurde dessen Aufhebung "zurückgestellt", 

so dass er weiterhin in Kraft ist. Er ist zudem auch im Geoportal in der Rubrik 

"Sondernutzungspläne, Aufarbeitung Gde X.__" mit der entsprechenden 

Registernummer erfasst.

Dass die besondere Vorschrift des Überbauungsplan zum Grenzabstand im 

Widerspruch zum geltenden Bundesrecht steht, wird von keiner Seite vorgebracht und 

ist auch nicht ersichtlich. Da er nicht an das am 1. Oktober 2017 in Kraft getretene 

Planungs- und Baugesetz angepasst wurde, können dem Überbauungsplan auch die 

kantonalrechtlich gemäss Art. 73 ff. PBG vereinheitlichten baurechtlichen Begriffe und 

Vorschriften nicht entgegengehalten werden (vgl. Art. 175a Ingress und lit. c PBG). Das 

bis 30. September 2017 gültig gewesene Baugesetz aus dem Jahr 1972 (nGS 32-47, 

BauG) verlangte zwar eine Anpassung der genehmigten Überbauungspläne mit den 

dazugehörenden Vorschriften (Art. 141 Abs. 2 BauG). Es überliess allerdings die 

Festlegung minimaler Grenzabstände den Gemeinden (vgl. Art. 56 Abs. 2 Satz 1 BauG) 

und enthielt einzig technische Regelungen darüber, wie Grenzabstände zu messen 

(Art. 56 Abs. 1 BauG) und allfällige Mehrlängenzuschläge zu berechnen sind (Art. 65 

Abs. 1 BauG). Es räumte den Gemeinden zudem die Möglichkeit ein, bei versetzten 

Bauteilen Unterschreitungen des Zuschlags bei entsprechendem Flächenausgleich 

zuzulassen; eine Verpflichtung zu einer solchen Regelung bestand aber nicht (vgl. 

Art. 65 Abs. 2 BauG).

Die Grenzabstandsvorschrift gemäss Art. 5 besV ist deshalb einer autonomen 

Auslegung und Anwendung zugänglich. Soweit sich die umstrittenen Rechtsfragen 

anhand dieser Bestimmung entscheiden lassen, kann offenbleiben, ob der Verweis in 

Art. 1 Abs. 2 besV auf die ergänzend anwendbare "geltende städtische Bauordnung" – 

im Zeitpunkt des Erlasses war jene aus dem Jahr 1923 in Kraft – statischer – so die 

Auffassung der Vorinstanz – oder dynamischer – so die Auffassung der 

Beschwerdebeteiligten – Natur ist.

3.

3.1.

Da das Grundstück Nr. F0001 an einem gegen Süden leicht abfallenden Hang liegt, 

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erscheint das obere Geschoss des zweigeschossigen Wohnhauses Vers.-Nr. F0003 auf 

der Ebene der nördlich verlaufenden B.__strasse als Erdgeschoss. Das 

darunterliegende, von Süden her als unteres wahrgenommene Geschoss liegt gegen 

Norden teilweise unter dem Terrain. In Übereinstimmung mit den Plänen wird 

nachfolgend das obere als Erdgeschoss, das darunterliegende als Untergeschoss 

bezeichnet.

Die nordöstliche Grundrisslinie des Gebäudes unter Berücksichtigung der geplanten 

Erweiterung verläuft – mit versetzten Bauteilen und grob vereinfacht beschrieben – 

ungefähr parallel zur Grenze zum Grundstück Nr. F0002 des Beschwerdegegners. Im 

Aufriss setzt sich die Nordostfassade des Erdgeschosses optisch von Süden gegen 

Norden entsprechend den Versetzungen aus drei Teilen zusammen, nämlich 6.60 

Meter des Erweiterungsbaus, wovon 1.72 Meter gegen Süden über das Untergeschoss 

hinausführend, 5.82 Meter des bestehenden Wohnhauses sowie 3.64 Meter der im 

Übrigen in das Wohnhaus integrierten Garage, insgesamt 16.06 Meter. Das 

Untergeschoss liegt – wie dargelegt – teilweise unterhalb des Terrains und erscheint 

gegen Nordosten deshalb lediglich mit zwei Teilen, nämlich 4.88 Meter des 

Erweiterungsbaus und 2.7 (unterkant) bis 5.82 Meter (oberkant) des bestehenden 

Wohnhauses, zusammen 7.58 bis 10.70 Meter (vgl. dazu act. 8/7/26 und 27).

3.2.

Die Beschwerdebeteiligte hat ohne weitere Begründung (vgl. Ziffer 6 des Beschlusses 

der Baubewilligungskommission vom 6. Dezember 2019) für die Ermittlung der Länge 

des Gebäudes gegen Osten auf das Erdgeschoss des "Hauptgebäudes" (10.70 Meter, 

optisch umfassend 4.88 Meter Erweiterungsbau und 5.82 Meter bestehendes 

Wohnhaus) und den nordseitigen "Anbau" (3.64 Meter, Teil der im Übrigen in den 

Wohnbereich integrierten Garage) abgestellt. Der das Untergeschoss überragende Teil 

des Erdgeschosses des Erweiterungsbaus (1.72 Meter) wurde – ohne weitere 

Begründung – nicht berücksichtigt. Die Vorinstanz hat letztere Teillänge ebenfalls 

einbezogen mit der Begründung, die Vorbaute im Obergeschoss des geplanten 

Erweiterungsbaus im Sinn eines Erkers beinhalte die Wärmedämmung und müsse 

deshalb miteingerechnet werden.

Die Beschwerdeführer beanstanden die Ermittlung der Länge der Gebäudefassade in 

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verschiedener Hinsicht. Zum einen möchten sie auf den effektiven – und nicht auf einen 

projizierten – Verlauf der Fassade abstellen. Deshalb sei von der abgestuften Fassade – 

Erweiterungsbau, bestehendes Wohnhaus, überragender Teil der integrierten Garage – 

für die Ermittlung des Grenzabstandes die Länge des längsten Abschnittes von 10.70 

Meter massgebend. Zum andern machen sie geltend, die Teillänge der nach aussen 

führenden Seitenwände von 3.64 Meter der im Übrigen in den Wohnbereich des 

Erdgeschosses integrierten Garage sei nicht hinzuzurechnen, weil sie über keinerlei 

wärmedämmenden Eigenschaften verfüge. Werde der Begriff der Gebäudefassade 

synonym mit jenem der Länge des Gebäudes verwendet, dürften – anders als die 

Vorinstanz dies getan habe – Vorbauten, Erker und kleine An- und Nebenbauten nicht 

mitberücksichtigt werden. Der 1.72 Meter über das Untergeschoss hinausreichende 

Teil des Erdgeschosses sei als Erker des Erweiterungsbaus privilegiert und falle für die 

Bemessung der Länge des Gebäudes nicht in Betracht.

3.3.

Nach Art. 5 besV ist – soweit im Überbauungsplan nicht Abstände festgelegt sind – ein 

Grenzabstand von sechs Metern zu wahren (Satz 1); ist die Gebäudefassade länger als 

zwölf Meter, wobei eingeschossige Anbauten eingerechnet werden, so erhöht sich der 

einzuhaltende Grenzabstand um ein Drittel der Mehrlänge; er muss jedoch nicht mehr 

als zehn Meter betragen (Satz 2). Der Begriff der "Gebäudefassade" steht im 

Zusammenhang mit dem mindestens einzuhaltenden Grenzabstand. Der Grenzabstand 

steht in Relation zur Höhe und Länge eines Gebäudes (vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau- 

und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 626). Art. 65 Abs. 1 BauG, welcher den Begriff des 

"Mehrlängenzuschlags" definierte, knüpfte denn auch am Begriff der "Gebäudelänge" 

an. Von einem längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" gehen auch die 

Beschwerdeführer aus (vgl. Ziffer 4 der Beschwerde).

Von diesem längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" in Art. 5 besV und dem 

Begriff der "Gebäudelänge" in Art. 65 Abs. 1 BauG ist der Begriff der "Fassade", wie 

ihn die kantonalen Regeln zur Messung des Grenzabstandes von Gebäuden 

verwenden, zu unterscheiden. Nach kantonalem Recht gilt als Grenzabstand von 

Gebäuden die kürzeste im Grundriss gemessene Entfernung zwischen Grenze und

Fassade (vgl. Art. 56 Abs. 1 BauG und Art. 92 Abs. 1 PBG). Der Begriff der Fassade 

wird hier nicht in seiner längenbezogenen Bedeutung verwendet, sondern legt den 

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Anknüpfungspunkt für die Messung der Entfernung der Gebäudefassade zur Grenze 

fest. Insoweit ist die Rechtsprechung zum Begriff der Fassade – Umhüllungslinie, 

statisch tragende Funktion, Wärmedämmung (vgl. VerwGE B 2020/86 vom 6. 

November 2020 E. 3.2 und 4.1 mit Hinweisen) – für die Auslegung der Begriffe der 

"Gebäudefassade" und "Gebäudelänge" unbehelflich. Von Bedeutung kann der Begriff 

der "Fassade" allenfalls insoweit sein, als Teile, welche nicht als Fassade im Sinn von 

Art. 56 Abs. 1 BauG und der dargelegten Rechtsprechung gelten, innerhalb des 

minimalen Grenzabstandes liegen dürfen, mithin ein Abstandsprivileg gilt. Aus dem 

Umstand, dass ein Bauteil – wie eine Sonnenstore, eine Anbaute oder eine Vorbaute – 

den minimalen Grenzabstand allenfalls nicht einhalten muss, kann aber noch nicht 

geschlossen werden, dass er bei der Ermittlung der Gebäudelänge im Sinn von Art. 5 

besV und Art. 56 Abs. 1 BauG nicht zu berücksichtigen ist.

3.4.

Bei der Auslegung und Anwendung des Begriffs der "Gebäudefassade" im Sinne der 

Länge des Gebäudes sind Sinn und Zweck sowohl des Erlasses eines 

Überbauungsplans als auch der Festlegung minimaler Grenzabstände zu 

berücksichtigen. Ein Überbauungsplan soll eine architektonisch und wohnhygienisch 

gute, der baulichen und landschaftlichen Umgebung angepasste Überbauung, 

Gestaltung und Erschliessung zusammenhängender Flächen ermöglichen (vgl. VerwGE 

B 2005/99 vom 6. Dezember 2005 E. 3a mit Hinweis). Der minimale Grenzabstand soll 

einerseits die Einflüsse von Bauten auf Nachbargrundstücke mindern, wie Entzug von 

Licht und Sonne, Beeinträchtigung der Aussicht und anderseits im öffentlichen 

Interesse die Ästhetik sowie gesundheits- und feuerpolizeiliche Anliegen fördern (vgl. 

BGer 1C_396/2007 vom 5. Mai 2008 E. 4.5.3). Er liegt also nicht nur in einem 

allgemeinen öffentlichen Interesse, sondern hat regelmässig auch eine 

nachbarschützende Funktion und umschreibt insoweit auch die rechtlich geschützte 

Sphäre der Nachbarn (vgl. BGer 1C_93/2020 vom 19. Juni 2020 E. 4.3.3 mit Hinweis 

auf BGE 127 I 44 E. 2d). Im Vergleich zur Regelbauweise grosszügigere Grenz- und 

Gebäudeabstände dienen der weiterreichenden Gewährleistung der Aussicht und der 

Sichtbezüge für die benachbarten Grundstücke (vgl. dazu BGer 1C_108/2018 vom 

26. Oktober 2018 E. 6.4.2).

Bei den für die Ermittlung der Gebäudelänge im Zusammenhang mit der Bestimmung 

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des minimalen Grenzabstandes zu berücksichtigenden Gebäudeteilen rechtfertigt es 

sich deshalb, auf den nach aussen in Erscheinung tretenden, oberirdischen 

Gebäudekörper abzustellen (vgl. dazu BGer 1C_76/2014 vom 1. September 2014 

E. 2.3). Lediglich – wie es den Beschwerdeführern vorschwebt – auf eine Teillänge 

eines gegenüber der Grenze aus versetzten Baukörpern bestehenden Gebäudes 

abzustellen, fällt deshalb von vornherein ausser Betracht. Da die äussere Erscheinung 

massgebend ist, rechtfertigt es sich, für die Ermittlung der Länge der Gebäudefassade 

die Fassaden der einzelnen abgesetzten Baukörper senkrecht auf eine Gerade zu 

projizieren (vgl. VerwGE 2013/50 und 51 vom 8. Juli 2014 E. 3.2.2). Art. 5 besV selbst 

sieht sodann vor, dass für die Länge der massgebenden Gebäudefassade auch 

eingeschossige Anbauten mitzuberücksichtigen sind. Da ein Überbauungsplan nach 

der Rechtsprechung Abweichungen von der Grundordnung nicht nur hinsichtlich 

Massen und Ziffern, sondern unter Beibehaltung der Zweckbestimmung der Zone auch 

hinsichtlich der Handhabung von Begriffen zulässt (vgl. VerwGE B 2005/99 vom 

6. Dezember 2005 E. 3b/bb und 3e/dd), ist der Einwand der Beschwerdeführer, bei der 

Auslegung und Anwendung des Begriffes der Gebäudefassade müsse auf jenen der 

Länge des Gebäudes wie ihn die städtische Bauordnung verwende, abgestellt werden, 

unbehelflich. Dass für die Ermittlung von Gebäudelänge und Gebäudetiefe nach der 

Grundordnung allenfalls andere Regeln gelten, also beispielsweise Anbauten oder 

Vorbauten nicht berücksichtigt werden, ist deshalb für die Auslegung und Anwendung 

des Begriffs der "Gebäudefassade" in Art. 5 besV nicht von Bedeutung. Der gegen 

Süden 1.72 Meter über das Untergeschoss hinausführende Teil des Erweiterungsbaus 

auf der Ebene des Erdgeschosses erscheint abgesehen davon nicht als Vorbaute und 

insbesondere nicht als Erker, sondern macht den wesentlichen Teil dieses 

Wohngeschosses aus. Die Fläche des Zimmers von 10 Quadratmetern würde sich 

ohne diesen Teil auf rund die Hälfte verringern (vgl. act. 8/7/26). Ob der auf die Garage 

entfallende Abschnitt von 3.74 Metern als "wärmegedämmt" zu bezeichnen ist, ist – 

wie dargelegt – für den längenbezogenen Begriff der "Gebäudefassade" nicht von 

Belang. Damit erübrigt es sich auch, ein Gutachten zur Isolation dieses Abschnitts 

einzuholen.

3.5.

Art. 5 besV stellt darauf ab, in welcher Länge ein Gebäude von aussen wahrgenommen 

wird. Das Wohnhaus der Beschwerdeführer erscheint von Osten her nur teilweise als 

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zweigeschossig, da der nördliche Teil des Untergeschosses unter Terrain verläuft. 

Prägend ist die Länge, in welcher die Baukörper des Erdgeschosses aus der Sicht des 

Nachbargrundstücks wahrgenommen wird. In ihrer Erscheinung hebt sich weder der 

auf die Garage entfallende Abschnitt von der weiteren Fassade des bestehenden 

Wohnhauses noch der über das Untergeschoss hinausreichende Abschnitt von der 

Fassade des Erweiterungsbaus ab. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht auf die von 

Osten wahrgenommene Länge des Erdgeschosses von insgesamt 16.06 Metern 

abgestellt. Die Beschwerdebeteiligte hat im Beschwerdeverfahren auf eine 

Vernehmlassung und auch auf die Stellung eines Antrags verzichtet. Sie macht 

insbesondere nicht geltend, der Entscheid ihrer Baubewilligungskommission, die von 

einer massgebenden Länge des Gebäudes von 14.34 Metern ausging, geniesse den 

Schutz ihrer Gemeindeautonomie.

Die Beschwerdeführer bringen – zu Recht – nicht vor, die Berechnung des mindestens 

einzuhaltenden Grenzabstands von 7.35 Metern stimme nicht mit der Vorgabe von 

Art. 5 besV überein oder widerspreche der kantonalen Regelung zur Ermittlung des 

Mehrlängenzuschlags gemäss Art. 65 Abs. 1 aBauG. Sie gehen mittlerweile auch nicht 

mehr davon aus, der Grenzabstand sei eingehalten, weil der Abstand parallel zum 

Bauvorhaben 7.35 Meter betrage (vgl. Plan zum Baugesuch, act.  8/7/25) und nicht 

senkrecht zur Grenze (vgl. Art. 56 Abs. 1 aBauG) zu messen sei. Die Vorinstanz hat 

deshalb zu Recht festgestellt, der von den Beschwerdeführern projektierte 

Erweiterungsbau halte den erforderlichen minimalen Grenzabstand – zumindest 

teilweise – nicht ein. Die Beschwerdeführer machen schliesslich – ebenfalls zu Recht – 

weder für den projektierten Erweiterungsbau insgesamt noch insbesondere für die den 

erforderlichen minimalen Grenzabstand nicht einhaltenden Teile davon ein 

Abstandsprivileg geltend. Die Beschwerde erweist sich damit insgesamt als 

unbegründet. Sie ist abzuweisen.

4.

Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des 

Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine 

Entscheidgebühr von CHF 3'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der 

Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem von den Beschwerdeführern 

in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

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Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführer den 

Beschwerdegegner für deren ausseramtliche Kosten zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 

und Art. 98  VRP). Dessen Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Ein 

pauschales Honorar von CHF 4'000 erscheint angemessen (vgl. Art. 19 und Art. 22 

Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO). Hinzu kommen 

Barauslagen von CHF 160 (vier Prozent von CHF 4'000; Art. 28  HonO) und die 

Mehrwertsteuer von CHF 320.30 (7,7 Prozent von CHF 4'160; Art. 29 HonO).

 

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht auf dem Zirkulationsweg zu Recht:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführer bezahlen die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von 

CHF 3'500 unter Verrechnung mit ihrem Kostenvorschuss von CHF 3'500.

3.

Die Beschwerdeführer entschädigen den Beschwerdegegner für das 

Beschwerdeverfahren mit CHF 4'160 zuzüglich Mehrwertsteuer.

 

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