# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab5ab931-0815-5a18-ba11-b65468ac3875
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2025 D-6521/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6521-2023_2025-10-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6521/2023 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  O k t o b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 24. Oktober 2023. 

 

 

 

D-6521/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 22. Februar 2023 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 29. Juni 2023 wurde er zu seinen Asylgründen angehört. 

Am 4. Juli 2023 verfügte das SEM, das Asylgesuch werde im erweiterten 

Verfahren behandelt. 

A.b Anlässlich der Anhörung erklärte er zu seiner Person, er sei afghani-

scher Staatsangehöriger, ethnischer Paschtune und im Dorf B._______ 

(Distrikt C._______, Provinz Laghman) geboren und aufgewachsen. Nach 

Beendigung der Schule habe er an der Universität in (…) studiert und sei 

als (…) ausgezeichnet worden. 

Zur Begründung seines Asylgesuches machte er geltend, er sei von 2013 

bis 2015 für die Nichtregierungsorganisation (NGO) D._______ tätig gewe-

sen, wo er für die Weiterbildung von weiblichen Lehrkräften zuständig ge-

wesen sei. Von 2017 bis 2019 habe er für die E._______, welche für den 

Bau von Polizeidienststellen verantwortlich gewesen sei, im Bereich Finan-

zen und Verwaltung gearbeitet. Von 2019 bis 2020 sei er für die NGO 

F._______, welche (…) verteilt habe, tätig gewesen. Während all dieser 

Zeit habe er mehrere Male Telefonanrufe und Drohbriefe der Taliban erhal-

ten, dass er seine Arbeit für die genannten NGO’s einstellen solle. 

Im Jahr 2020 habe er einen neuen Job für eine Niederlassung der (…), die 

NGO G._______, angenommen. Seine Aufgabe habe darin bestanden, 

von der (…) finanzierte (…)projekte zu beobachten. Hierfür habe er mit 

Dorfvorstehern gesprochen, Fotos gemacht und seine Berichte über das 

System der (…) weitergeleitet, wobei seine Tätigkeiten GPS überwacht 

worden seien. Während dieser Zeit, ungefähr im Jahr 2020, habe das ame-

rikanische Militär immer wieder Razzien durchgeführt. Dabei sei der Fi-

nanzchef der Taliban getötet worden. Hierbei habe man ihm (dem Be-

schwerdeführer) vorgeworfen, dass er die GPS-Daten des Wohnorts eben-

dieses Finanzchefs an die amerikanischen Behörden weitergeleitet habe. 

Auch hätten die Taliban dem Schwiegervater seiner Schwester mitgeteilt, 

dass er an dem Vorfall beteiligt gewesen sei und man ihn dafür töten 

würde. 

Sein Vater und sein Bruder H._______ seien für einen amerikanischen (…) 

tätig gewesen. Einmal sei sein Vater diesbezüglich von den Taliban festge-

nommen, kurze Zeit später jedoch wieder freigelassen worden. Wegen ih-

rer Tätigkeit für diese Organisation seien sein Vater und sein Bruder nach 

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Kabul umgezogen. Weil sie für amerikanische Organisationen tätig gewe-

sen seien, hätten die Verwandten seines Vaters ihre Felder zerstört und die 

Leute im Dorf über ihn, seinen Vater und seinen Bruder gespottet. Unge-

fähr eineinhalb Monate vor der Machtübernahme der Taliban sei er (der 

Beschwerdeführer) nach Kabul umgezogen. Mitte Oktober 2021 habe er 

Afghanistan verlassen und am 22. Februar 2023 sei er illegal zusammen 

mit seinem minderjährigen Bruder I._______ (N […]) in die Schweiz einge-

reist. 

A.c Der Beschwerdeführer reichte zum Nachweis seiner Identität eine Ko-

pie seiner Tazkira und e-Tazkira ein. Als Beweismittel legte er folgende Do-

kumente zu den Akten: 

– Arbeitsbestätigung der D._______.; 

– Arbeitsbestätigung der E._______; 

– Universitätsdiplom als (…); 

– e-Tazkira seines Vaters; 

– e-Tazkira seines Bruders H._______; 

– Tazkira sowie e-Tazkira seines Bruders I._______; 

– Arbeitsvertrag des Bruders H._______ mit der L._______; 

– Dienstausweis des Bruders H._______; 

– Kündigungsschreiben der M._______ an seinen Bruder H._______; 

– Dienstausweis des Vaters; 

– Nachweis betreffend Lehrgang des Vaters über Minenentfernung; 

– Schulzeugnis des Bruders I._______; 

– Quittung betreffend Bezahlung der Steuern; 

– Fotos von einem getöteten Arbeitskollegen des Beschwerdeführers. 

B.  

Mit Verfügung vom 24. Oktober 2023 – eröffnet am 30. Oktober 2023 – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch vom 22. Februar 2023 ab. Es ver-

fügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob den Vollzug der Wegwei-

sung jedoch wegen Unzumutbarkeit desselben zugunsten einer vorläufi-

gen Aufnahme auf. 

C.  

Mit Eingabe vom 23. November 2023 erhob der Beschwerdeführer gegen 

die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In 

dieser wurde beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, er 

sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. In 

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verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem beantragt, es sei ihm die un-

entgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. 

D.  

Am 27. November 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dem Be-

schwerdeführer den Eingang der Beschwerde. 

E.  

Mit Verfügung vom 29. November 2023 hiess der Instruktionsrichter das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Eine Anfrage des Beschwerdeführers zum Stand des Verfahrens vom 

28. März 2025 beantwortete der Instruktionsrichter mit Schreiben vom 

1. April 2025. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

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2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Auf die Durchführungen eines Schriftenwechsels wurde verzichtet 

(Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

4.  

Die Akten seines minderjährigen Bruders I._______ (N […]) wurden beige-

zogen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf-

grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden 

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kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-

gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-

gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-

ten und zulasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Gei-

ser/Vetterli [Hrsg.], Ausländerrecht, 3. Aufl., Basel 2022, Rz. 14.38). 

6.  

6.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen aus, 

die vom Beschwerdeführer geltend gemachten persönlichen Drohungen 

seitens der Taliban bezögen sich hauptsächlich auf seine Tätigkeiten bei 

unterschiedlichen NGO (vgl. SEM-act. […]-31/11 [nachfolgend A31/11] 

F12, F31), wobei es festzuhalten gelte, dass er seit 2013 bis 2021 für sol-

che tätig gewesen sei und die Drohungen sich abgesehen von Drohbriefen 

und Telefonanrufen über all die Jahre nicht intensiviert hätten. Auch weise 

er zwar bei der Anhörung des Öfteren darauf hin, dass man ihn für den Tod 

des Finanzchefs verantwortlich mache, jedoch habe er nur einen Vorfall 

erwähnt, bei welchem er seitens der Taliban persönlich bedroht worden sei 

(vgl. A31/11 F28). Die Taliban hätten dem Schwiegervater seiner Schwes-

ter mitgeteilt, dass man ihn töten wolle. Dabei handle es sich jedoch um 

ein Vorbringen, welches sich lediglich auf Informationen Dritter stütze und 

somit den Anforderungen an eine Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen 

Sinne nicht genüge beziehungsweise nicht geeignet sei, eine Furcht vor 

künftiger Verfolgung zu begründen (vgl. Urteile BVGer D-6056/2016 vom 

19. Januar 2018 E. 5.2, E-801/2015 vom 6. Oktober 2017 E. 3.7,  

E-4329/2006 vom 17. Oktober 2011 E. 4.4). Zudem habe er bei der Anhö-

rung auch auf Nachfrage keine schlüssigen Gründe nennen können, wes-

halb ausgerechnet er bezüglich dem Tod des Finanzchefs hätte in den Fo-

kus der Taliban geraten sollen (vgl. A31/11 F28, F32). Insbesondere da er 

Daten von (…) weitergeleitet habe und keine sicherheitsrelevanten Inhalte. 

Auch habe das amerikanische Militär zu der Zeit öfters Razzien durchge-

führt (vgl. A31/11 F14) und es könne nicht nachvollzogen werden, weshalb 

man ausgerechnet ihn für diese spezifische Razzia verantwortlich gemacht 

habe. Zudem hätten sich seine Tätigkeiten darauf beschränkt, Dialoge zu 

führen, Fotos zu machen und seine Berichte weiterzuleiten, weswegen da-

rauf geschlossen werden könne, dass er keine hohe Funktion ausgeübt 

habe. Schliesslich sei auch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass er 

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bereits seit zwei Jahren nicht mehr für die genannten NGO's tätig sei und 

ein aktuelles oder zukünftiges Verfolgungsinteresse nicht erkennbar sei. 

Weiter zweifle das SEM nicht an den Tätigkeiten seines Vaters und seines 

Bruders für die genannten Unternehmen und Organisationen, welche auch 

durch die eingereichten Beweismittel belegt seien, erkenne jedoch kein ak-

tuelles Verfolgungsinteresse seitens der Taliban an seinem Bruder und sei-

nem Vater. Die Beweismittel würden belegen, dass sein Bruder zuletzt bis 

im Jahr 2018 bei einer amerikanischen Organisation angestellt gewesen 

sei und sein Vater bis im Jahr 2012. Somit sei sein Bruder seit zirka drei 

Jahren und sein Vater seit zirka neun Jahren vor der Machtübernahme der 

Taliban nicht mehr für ein solches Unternehmen tätig gewesen, weswegen 

an der Aktualität des Verfolgungsinteresses der Taliban an seinem Vater 

und seinem Bruder gezweifelt werden könne. Zudem sei sein Vater zwar 

wegen seiner Anstellung bei dem genannten (…) von den Taliban festge-

nommen, jedoch gleich wieder freigelassen worden. Daraufhin seien sein 

Vater und sein Bruder nach Kabul umgezogen. Woraufhin er keine weite-

ren schwerwiegende Vorfälle diesbezüglich zu Protokoll gegeben habe. Im 

Lichte obiger Erwägungen sei nicht von einem konkreten Verfolgungsinte-

resse der Taliban an seiner Person auszugehen. Es sei zwar nachvollzieh-

bar, dass er befürchte, wegen seinem familiären Umfeld Opfer von Re-

flexverfolgungsmassnahmen zu werden. Die zur Begründung der Flücht-

lingseigenschaft notwendige objektive Furcht in Bezug auf eine in der Zu-

kunft liegende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung sei nach dem Ge-

sagten jedoch nicht begründet. 

Des Weiteren habe er eine Bedrohung seitens der Brüder seines Vaters 

gegenüber ihm geltend gemacht. Verwandte seines Vaters hätten die Fel-

der und Obstplantagen sowie die Reisernte der Familie zerstört. Wie er 

selber ausdrücklich zu Protokoll gegeben habe (vgl. A31/11 F40), habe er 

aufgrund der Bedrohung durch die Taliban sein Heimatland verlassen. 

Dennoch sei festzuhalten, dass es sich um einen Familienzwist handle. 

Somit vermöchten diese Ereignisse keine flüchtlingsrechtliche Relevanz zu 

entfalten. 

6.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, es seien nach der Macht-

übernahme durch die Taliban Personengruppen definiert worden, die ei-

nem erhöhten Risiko der Verfolgung in Afghanistan ausgesetzt seien. Er 

könne sich definitiv als Teil einer dieser gefährdeten Gruppen betrachten. 

Zudem sei die Argumentation des SEM nicht nachvollziehbar, wonach die 

Bedrohung ihm gegenüber nicht ernst zu nehmen sei. Tatsächlich sei er 

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aufgrund seiner Aktivitäten für die oben genannten NGO’s persönlich von 

den Taliban bedroht und auch für die Tötung des Finanzchefs der Taliban 

durch die Amerikaner verantwortlich gemacht worden, weil seine GPS-Kar-

tierung es den Amerikanern ermöglicht habe, den Aufenthaltsort des Fi-

nanzchefs zu ermitteln. Es bestehe kein Zweifel, dass diese Umstände von 

der neuen Regierung Afghanistans als oppositionelle Aktivitäten angese-

hen würden. Wenn er bereits zuvor ins Visier genommen und bedroht wor-

den sei, so dass er nach Kabul habe umziehen müssen, so wären sein 

Leben und seine persönliche Unversehrtheit nach der Machtübernahme im 

August 2021 sicherlich noch stärker gefährdet. Darüber hinaus hätten auch 

seine Familienangehörigen für die amerikanischen Streitkräfte gearbeitet, 

was nicht für sich allein betrachtet werden dürfe, wie es das SEM gemacht 

habe, sondern zusammen mit den übrigen entscheidenden Vorwürfen. 

Die Taliban-Milizen hätten am 15. August 2021 die Macht in Afghanistan 

übernommen: Daher seien die Verfolgungen, denen er ausgesetzt gewe-

sen sei, als von einem staatlichen Akteur ausgehend zu betrachten. Er er-

innere ausserdem daran, dass er seine Tätigkeit bei einer ausländischen 

Einrichtung in Projekten ausgeübt habe, an denen Männer und Frauen 

gleichermassen beteiligt gewesen seien. Daher sei seine Lage heute noch 

gravierender als zum Zeitpunkt seiner Ausreise. 

7.  

7.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts haben Per-

sonen mit einem bestimmten, exponierten Profil ein erhöhtes Risiko asyl-

beachtlicher Verfolgung ausgesetzt zu werden. Dazu gehören unter ande-

rem Personen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenom-

men werden sowie westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaft 

aus anderen Gründen nicht entsprechenden Personen (vgl. etwa die Ur-

teile des BVGer D-3312/2024 vom 8. Januar 2025 E. 6.1, E-4180/2020 

vom 20. Dezember 2024 E. 7.3 und E-4332/2024 vom 9. Dezember 2024 

E. 6.2). Dies gilt insbesondere in Bezug auf Angehörige der Polizei und der 

Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte oder der Regierung nahestehende 

Personen (vgl. Update der Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] – Län-

deranalyse vom 2. November 2022, Afghanistan: Gefährdungsprofile 

S. 15 f. sowie Human Rights Watch [HRW], «No Forgiveness for People 

Like You»: Executions and Enforced Disappearances in Afghanistan under 

the Taliban, 30. November 2021, European Union Agency for Asylum, 

«Country Guidance: Afghanistan», 23. Mai 2024). Das Bundesverwal-

tungsgericht geht davon aus, dass auch die familiäre Zugehörigkeit zu 

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einer Person, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko im Sinne der obigen 

Ausführungen ausgesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen kann (vgl. 

etwa die Urteile des BVGer D-6978/2024 5. Juni 2025 E. 5.1, E-6278/2020 

vom 22. April 2025 E. 8.5.2, D-3312/2024 vom 6. Januar 2025 E. 6.1 und 

D-331/2024 vom 11. März 2024 E. 7.1). Für die Erfüllung der Flüchtlings-

eigenschaft ist jedoch erforderlich, dass sich die abstrakte Gefährdung auf-

grund eines erhöhten Risikoprofils im Einzelfall individuell konkretisiert (vgl. 

unter anderen die Urteile des BVGer D-3312/2024 vom 8. Januar 2025 

E. 6.1 und E-4180/2020 vom 20. Dezember 2024 E. 7.3). 

7.2 Die Glaubhaftigkeit der Tätigkeiten des Beschwerdeführers, seines 

Bruders H._______ und seines Vaters für verschiedene NGO wurden vom 

SEM nicht in Frage gestellt. Auch das Bundesverwaltungsgericht sieht auf-

grund der eingereichten Beweismittel keine Gründe, weshalb diese nicht 

glaubhaft sein sollen. Es ist sodann auch glaubhaft, dass der Beschwerde-

führer, sein Vater und sein Bruder im Dorf einen schlechten Ruf hatten, weil 

sie für internationale Organisationen tätig gewesen waren. Das SEM hat 

jedoch zutreffend festgestellt, dass aufgrund dieser Tätigkeit kein asylrele-

vantes Verfolgungsinteresse erkennbar sei. Der Beschwerdeführer ist zwar 

während seiner Arbeit für die NGO ab dem Jahr 2013 bis zu seiner Aus-

reise Mitte Oktober 2021 von den Taliban immer wieder mittels Telefonan-

rufen und Drohbriefen zur Aufgabe seiner Tätigkeiten aufgefordert worden. 

Diesen Aufforderungen kommt mangels hinlänglicher Intensität jedoch 

keine flüchtlingsrechtlich erhebliche Relevanz zu. Es ist dem Beschwerde-

führer während all dieser Jahre nie etwas zugestossen, obwohl er keine 

spezielle Schutzvorkehrungen getroffen hatte. Es ist deshalb nicht davon 

auszugehen, dass ihn die Taliban als ernstzunehmenden Gegner ihrer Ide-

ologie angesehen haben. Es spricht auch nichts dafür, dass die Taliban ihn 

mit der Tötung des Taliban-Finanzchefs in Verbindung gebracht haben. 

Zwar seien die Taliban immer wieder ins Nachbarsdorf N._______ vorge-

rückt, wovor der Beschwerdeführer von seinem Onkel gewarnt worden sei. 

Daraufhin sei er manchmal mehrmals pro Woche mit seiner Familie aus 

seinem Heimatdorf B._______ zu seinem Schwiegervater nach O._______ 

geflüchtet. Gemäss seinen Ausführungen handelte es sich bei den Opera-

tionen der Taliban jedoch um Gebietsvorstösse (vgl. SEM-act. A31/11 

F16 ff.) und nicht um gezielt gegen ihn gerichtete Verfolgungsaktionen. Da-

für spricht auch, dass sich der Beschwerdeführer noch ein halbes Jahr 

nach der Tötung des Finanzchefs in dieser Region aufgehalten hat, bevor 

er zu seinem Vater und seinem Bruder und dem Rest der Familie nach 

Kabul umgezogen ist. Es bestehen insofern keine Anhaltspunkte, dass er 

aufgrund seiner Tätigkeiten im Zeitpunkt der Ausreise von den Taliban 

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Seite 10 

verfolgt worden ist oder ernsthaft befürchten müsste, inskünftig verfolgt zu 

werden. Der Beschwerdeführer machte sodann geltend, dass auch sein 

Bruder und Vater für ein amerikanischen (…) in Afghanistan tätig gewesen 

seien. Das SEM hat diesbezüglich zutreffend ausgeführt, dass sowohl der 

Vater wie auch der Bruder neun respektive drei Jahre vor der Machtüber-

nahme der Taliban nicht mehr für eine amerikanische Organisation tätig 

gewesen waren und nach dem Umzug nach Kabul keine Schwierigkeiten 

mit den Taliban gehabt haben. Der Vater des Beschwerdeführers ist wäh-

rend seiner Tätigkeit als (…) von den Taliban zwar einmal festgenommen, 

allerdings auch gleich wieder freigelassen worden. Vor diesem Hintergrund 

ist nicht von einem anhaltenden Verfolgungsinteresse der Taliban an sei-

nen Angehörigen auszugehen. Es erscheint deshalb unwahrscheinlich, 

dass die Taliban – zum heutigen Zeitpunkt und somit viele Jahre nach Ein-

stellung der Aktivitäten der Angehörigen für den (…) – ein Verfolgungsinte-

resse an der Person des Beschwerdeführers haben und er mit der notwen-

digen Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft Opfer einer Reflexverfolgung 

werden könnte. 

8.  

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht 

gelingt, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise gegen ihn gerichtete flücht-

lingsrechtlich relevante Verfolgung beziehungsweise – für den (hypotheti-

schen) Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat – eine entsprechende 

Furcht vor Verfolgung durch die Taliban glaubhaft zu machen. Das SEM 

hat daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ver-

neint und dessen Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.2 Da das SEM in seiner Verfügung vom 24. Oktober 2023 die vorläufige 

Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit 

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Seite 11 

des Wegweisungsvollzugs angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss 

Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht im Lichte von Art. 106 Abs. 1 AsylG nicht zu beanstanden ist. 

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Mit Instruktionsverfügung 

vom 29. November 2023 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführungen gutgeheissen. Aus dem Zentralen Migrations-

informationssystem (ZEMIS) geht zwar hervor, dass der Beschwerdeführer 

über eine befristete Anstellung vom 3. April 2025 bis am 31. Oktober 2025 

als (…) verfügt. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass er damit ein 

Erwerbseinkommen generiert, das den prozessualen Notbedarf übersteigt. 

Es besteht deshalb kein Anlass, die Instruktionsverfügung vom 29. Novem-

ber 2023 in Wiedererwägung zu ziehen. Bei dieser Sachlage sind dem Be-

schwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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