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**Case Identifier:** 2bb89211-738b-56dc-b4c3-a312ebcef381
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-04-18
**Language:** de
**Title:** Grundstückgewinnsteuer (Revision)
**Docket/Reference:** GR.2010.39
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_GR_2010_39_gl.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 GR.2010.39 

Entscheid 

18. April 2011 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Christian Mäder, Steuerrichterin Micheline Roth, Steuerrichter 
Walter Balsiger und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

A   A G ,    

vertreten durch B,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin,  

C ,    

vertreten durch den Ausschuss für Grundsteuern 

Rekursgegnerin,  

betreffend 

Grundstückgewinnsteuer (Revision) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Die A AG mit Sitz in D (seit dem 11. Januar 2006 E) und Nebensteuerdo-

mizilen in den Kantonen Zürich, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn und Thurgau ver-

äusserte am 22. Dezember 2005 das Grundstück Grundbuch Blatt …, ein übertragba-
res  Baurecht  bis  14.  Mai  2077  zu  Lasten  Kat.Nr.  …  (1'452  m2  Land),  zum  Preis  von 

Fr. 1'550'000.-  an  die  F  AG.  Zufolge  dieser  Baurechtsübertragung,  die  dem  Verkauf 

des  auf  dem  baurechtsbelasteten  Grundstück  befindlichen  Wohnhauses  in  C  gleich-

kam, auferlegte der Ausschuss für Grundsteuern der C der Pflichtigen mit rechtskräfti-

ger Veranlagung vom 8. März 2007 eine Grundstückgewinnsteuer von Fr. 107'760.- bei 

einem steuerbaren Gewinn von (abgerundet) Fr. 206'100.-. 

B. Mit Eingabe vom 14. Mai 2009 ersuchte die Pflichtige die Steuerverwaltung 

C  um  Stellungnahme  zu  einem  Schreiben  der  kantonalen  Steuerverwaltung  Luzern 

(damals  Hauptsteuerdomizil  der  Pflichtigen)  vom  6. Mai  2009,  in  welchem  diese  eine 

"Doppelbesteuerungsklage" der Pflichtigen hinsichtlich der Steuerperiode 2005 abwies. 

Gemäss der Pflichtigen resultierte die gerügte Doppelbesteuerung daraus, dass ein im 

Jahr 2004 im Kanton Zürich aktivierter Verlust nicht mit den Gewinnen der Steuerperi-

ode  2005,  insbesondere  dem  Grundstückgewinn  der  C,  verrechnet  worden  war.  Die 

Steuerverwaltung C nahm dieses Schreiben als Revisionsbegehren gegen den Veran-

lagungsentscheid  vom  8. März  2007  entgegen.  Mit  Beweisauflage  vom  5. Juni  2009 

nahm sie provisorisch zur Sache Stellung und forderte die Pflichtige auf, die Einschät-

zungsentscheide  für  die  Steuerperiode  2005  aller  beteiligten  Kantone  einzureichen. 

Nachdem die Pflichtige diese Auflage mit Eingabe vom 26. Juni 2009 erfüllt hatte, un-

terbreitete ihr die Steuerverwaltung C einen Einschätzungsvorschlag im Revisionsver-

fahren, in welchem sie sich bereit erklärte, in der Grundstückgewinnsteuerveranlagung 

einen Anteil an den Verlustvorträgen der Kantone Zürich und St. Gallen aus dem Jahr 

2004  zu  übernehmen.  Gleichzeitig  strich  sie  dafür  die  Pauschale  des  interkantonalen 

Liegenschaftenhändlers  (vorher  1.5%).  Die  Pflichtige  lehnte  diesen  Vorschlag  mit 

Schreiben  vom  21. Oktober  2009  sinngemäss  ab,  worauf  der  Ausschuss  für  Grund-

steuern der C das Revisionsgesuch mit Entscheid vom 3. Dezember 2009 abwies. 

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C.  Mit  Einsprache  vom  7. Januar  2010  liess  die  Pflichtige  beantragen,  die 

Doppelbesteuerung pro 2005 sei zu eliminieren, und zwar insbesondere dadurch, dass 

der  bestehende  Verlustvortrag  aus  dem  Kanton  Zürich  in  der  Höhe  von  Fr. 302'415.- 

mit  dem  in  der  C  realisierten  Grundstückgewinn  von  Fr. 206'100.-  verrechnet  werde. 

Mit Beschluss vom 3. Juni 2010  wies der Ausschuss für Grundsteuern der C die Ein-

sprache ab. 

D. Am 8. Juli 2010 liess die Pflichtige hiergegen Rekurs erheben und beantra-

gen, es sei einerseits der im Jahr 2004 aktivierte Verlustvortrag aus dem Kanton Zürich 

im Umfang von Fr. 302'415.- durch die C (bzw. die Gemeinde G) zu übernehmen und 

andererseits  die  bereits  mehrmals  erwähnte  zusätzliche  Über-  bzw.  Doppelbesteue-

rung  im  Umfang  von  Fr. 131'456.-,  welche  aus  nicht  akzeptierten  Aufwendungen  bei 

der Grundstückgewinnsteuer resultiere, zu eliminieren. 

Der  Ausschuss  für  Grundsteuern  der  C  schloss  mit  Rekursantwort  vom 

9. August 2010 auf kostenfällige Abweisung des Rekurses und beantragte eine ange-

messene Parteientschädigung. 

Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in 

den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1.  Die  bisherigen  Steuerrekurskommissionen  sind  per  1.  Januar  2011  zum 

Steuerrekursgericht  mutiert  (vgl.  §§  112  -  153  des  Steuergesetzes  in  der  alten  und 

neuen  Fassung  vom  8.  Juni  1997  bzw.  13.  September  2010,  StG).  Das  vorliegende, 

noch  bei  der  Steuerrekurskommission  III  eingegangene  Geschäft  ist  als  Folge  dieser 

Änderung  der  2.  Abteilung  des  Steuerrekursgerichts  zugeteilt  worden  und  wird  unter 

der Geschäftsnummer 2 GR.2010.39 weitergeführt. 

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2.  Gemäss  §  155  StG,  welche  Bestimmung  laut  §  206  StG  auch  bei  den 

Grundsteuern  anwendbar  ist,  können  rechtskräftige  Entscheide  auf  Antrag  oder  von 

Amtes wegen zugunsten des Steuerpflichtigen revidiert werden, wenn erhebliche Tat-

sachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden (lit. a), wenn die erkennen-

de  Behörde  erhebliche  Tatsachen  oder  entscheidende  Beweismittel,  die  ihr  bekannt 

waren  oder  bekannt  sein  mussten,  ausser  Acht  gelassen  oder  in  anderer  Weise  we-

sentliche  Verfahrensgrundsätze  verletzt  (lit.  b)  sowie  wenn  ein  Verbrechen  oder  ein 

Vergehen  den  Entscheid  beeinflusst  hat.  Darüber  hinaus  können  nach  zürcherischer 

Rechtsprechung rechtskräftige Entscheide auch gestützt auf das verfassungsrechtliche 

Doppelbesteuerungsverbot im interkantonalen Verhältnis (Art. 127 Abs. 3 der Bundes-

verfassung vom 18. April 1999; BV) geändert werden, sofern der Entscheid des zweit-

veranlagenden Kantons, mit dem der Steuerpflichtige einverstanden ist, zu einer bun-

desrechtlich  untersagten  Doppelbesteuerung 

führt  (VGr,  19.  November  1997, 

SR.97.00047).  Seit  Inkrafttreten  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das 

Bundesgericht  (Bundesgerichtsgesetz,  BGG  [SR  173.110])  per  1.  Januar  2007  muss 

dieses ausserordentliche Rechtsmittel erst Recht zur Verfügung stehen, um dem Dop-

pelbesteuerungsverbot zum Durchbruch zu verhelfen. Denn im Unterschied zum früher 

geltenden  Verfahrensrecht  können kantonale  Entscheide  gemäss  Art.  86  Abs.  1  lit.  d 

und  Abs.  2  BGG  nicht  mehr  direkt,  d.h.  ohne  wenigstens  bezüglich  einer  kantonalen 

Entscheidung den vorgesehenen Instanzenzug durchlaufen zu haben, beim Bundesge-

richt angefochten werden (BGE 133 I 300). 

3. a) Im Kanton Zürich wird die Grundstückgewinnsteuer – losgelöst von den 

übrigen Einkommensverhältnissen – von den Gewinnen erhoben, die sich bei Handän-

derungen  an  Grundstücken  oder  Anteilen  von  solchen  ergeben  (§ 216  Abs. 1  StG). 

Diese  Besteuerung  gilt  sowohl  für  Grundstücke  des  Privat-  als  auch  des  Geschäfts-

vermögens. Grundstückgewinn ist laut § 219 Abs. 1 StG der Betrag, um welchen der 

Erlös die Anlagekosten (Erwerbspreis und Aufwendungen) übersteigt. Die anrechenba-

ren  Aufwendungen  sind  in  § 221  Abs. 1  StG  abschliessend  aufgezählt  (RB  1990  Nr. 

51,  1982  Nr. 105;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  harmonisierten 

Zürcher  Steuergesetz,  2.  A.,  2006,  § 221  N 3).  Dazu  gehören  wertvermehrende  Auf-

wendungen,  Grundeigentümerbeiträge,  übliche  Mäklerprovisionen  und  Insertionskos-

ten,  mit  der  Handänderung  verbundene  Abgaben  sowie  Baukreditzinsen  bei  Liegen-

schaften  im  Geschäftsvermögen.  Liegenschaftenhändler  können  weitere  mit  der 

Liegenschaft zusammenhängende Aufwendungen geltend machen, soweit sie auf de-

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ren Berücksichtigung bei der Einkommens- oder Gewinnsteuer ausdrücklich verzichtet 

haben  (§  221  Abs.  2  StG).  Ausserdem  sind  –  nach  vollständiger  Veräusserung  des 

Gesamtgrundstücks  –  Verluste  aus  Teilveräusserungen  verrechenbar  (§ 224  Abs.  3 

StG).  Alle  übrigen  Einkommensbestandteile  und  Unkosten  einschliesslich  die  sog. 

wieder eingebrachten Abschreibungen (= Differenz zwischen Buchwert und Anlagekos-

ten)  werden  mit  der  Einkommens-  resp.  mit  der  Gewinnsteuer  erfasst  (Richner/Frei/ 

Kaufmann/Meuter, VG zu §§ 216-226a, N 6). Diese Regelung bringt es mit sich, dass 

Verluste  aus  dem  Einkommens-  bzw.  Gewinnsteuerbereich  nach  kantonalem  Recht 

nicht mit Grundstückgewinnen verrechnet werden können. 

b)  Aus  dem  Verbot  der  interkantonalen  Doppelbesteuerung  gemäss  Art.  127 

Abs. 3 BV folgt, dass ein Steuerpflichtiger, der in mehreren Kantonen steuerpflichtig ist, 

nicht  mehr  als  sein gesamtes  Reineinkommen  bzw.  seinen  gesamten  Reingewinn  zu 

versteuern  hat  (BGE  107  Ia  41  E.  1a).  Diese  Regel  trat  gemäss  jahrzehntelanger 

Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  vor  dem  Grundsatz  zurück,  dass  das  Grund-

eigentum  ausschliesslich  und  in  vollem  Umfang  dem  Liegenschaftenkanton  zur  

Besteuerung  vorbehalten  blieb.  Der  Liegenschaftenkanton  musste  deshalb  Verluste, 

die  am  (Wohn-)Sitz  oder  in  anderen  Kantonen  angefallen  waren,  nicht  übernehmen. 

Seit  dem  Jahr  2004  änderte  das  Bundesgericht  seine  Rechtsprechung  zur  Nichtbe-

rücksichtigung  von  Ausscheidungsverlusten  stufenweise.  Mit  Entscheid  vom  19.  No-

vember  2004  erkannte  es  bezüglich  einer  Betriebsliegenschaft  einer  Liegenschaften-

händlerin  und  Generalunternehmerin 

in  einem  Betriebsstättekanton,  dass  der 

Liegenschaftenkanton  zwar  den  Wertzuwachs  (=  Differenz  zwischen  Erlös  und  Anla-

gekosten)  ausschliesslich  besteuern  dürfe;  doch  sei  der  Liegenschaftenkanton  ver-

pflichtet,  den  Verlustüberschuss,  den  die  Unternehmung  im  Sitzkanton  und  weiteren 

Kantonen mit Betriebsstätten erlitten habe, mit dem Grundstückgewinn zu verrechnen 

(BGE 131 I 249). Am 18. April 2005 wandte das Bundesgericht diese neue Regel zur 

Vermeidung von Ausscheidungsverlusten auch auf Liegenschaften im Privatvermögen 

an  und  wies  den  Liegenschaftenkanton  an,  den  Gewinnungskostenüberschuss  aus 

einer im Privatvermögen gehaltenen Liegenschaft am Hauptsteuerdomizil zu überneh-

men  (BGE  131  I  285).  Am  8.  Mai  2006  verpflichtete  das  Bundesgericht  den  Liegen-

schaftenkanton,  in  welchem  ein  Handelsunternehmen  eine  reine  Kapitalanlageliegen-

schaft  (ohne  Betriebsstätte)  besass,  den  Betriebsverlust  am  ausserkantonalen 

Hauptsitz  mit  dem  Liegenschaftenertrag  im  Liegenschaftenkanton  zu  verrechnen 

(BGE 132 I 220). Am 3. November 2006 änderte das Bundesgericht schliesslich seine 

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bisherige Praxis zur Ausscheidung von Aufwandüberschüssen bei (gewerbsmässigen) 

Liegenschaftenhändlern  im  interkantonalen  Verhältnis  und  erkannte,  dass  Schuldzin-

sen von interkantonalen Liegenschaftenhändlern proportional zu den Aktiven zu verle-

gen  seien.  Soweit  der  nach  Lage  der  Aktiven  zu  übernehmende  Schuldzinsenanteil 

den  Vermögensertrag  im  Liegenschaftskanton  übersteigt,  ist  der  Schuldzinsenüber-

schuss fortan in erster Linie mit Netto-Vermögenserträgen der übrigen Kantone und in 

zweiter Linie mit dem übrigen Einkommen des Liegenschaftenhändlers zu verrechnen 

(BGE  133 I  19).  Diese  neue  Ausscheidungsregel  ermöglicht,  dass  im  interkantonalen 

Verhältnis – soweit als möglich – sämtliche Schuldzinsen abgezogen werden können. 

Demgegenüber  wurden  nach  bisheriger  Praxis  die  nicht  aktivierungsfähigen  liegen-

schaftsbezogenen  Aufwendungen,  u.a.  auch  die  Schuldzinsen,  objektmässig  ausge-

schieden  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 221  N 162).  Dadurch  im  Liegenschaften-

kanton  resultierende  Aufwandüberschüsse  mussten  der  Sitzkanton  und  andere 

Liegenschaftskantone  nicht  übernehmen.  Diese  waren  vielmehr  zu  "aktivieren"  und 

konnten  im  Liegenschaftenkanton  erst  in  einem  späteren  Zeitpunkt  entweder  mit  lau-

fenden  Liegenschaftserträgen  oder  einem  Veräusserungsgewinn  verrechnet  werden 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 221 N 165). 

c) Die neue bundesgerichtliche Rechtsprechung zeigt auf, dass im interkanto-

nalen  Verhältnis  Verluste  möglichst  rasch  verrechnet  werden  sollen  und  Ausschei-

dungsverluste  möglichst  zu  vermeiden  sind.  Dabei  kommt  es  im  interkantonalen  

Verhältnis  nicht  darauf  an,  ob  Kapitalgewinne  auf  Liegenschaften  des  Geschäftsver-

mögens  nach  dem  dualistischen  System  mit  der  allgemeinen  Einkommens-  oder  Ge-

winnsteuer erfasst werden oder ob sie nach dem im Kanton Zürich geltenden monisti-

schen System einer besonderen Grundstückgewinnsteuer unterliegen (BGE 131 Ia 249 

E. 6.5 S. 262). Die neue bundesgerichtliche Praxis zur Verlustverrechnung im interkan-

tonalen  Verhältnis  wurde  mittlerweile  sowohl  im  Kanton  Zürich  (vgl.  Weisung  der  

Finanzdirektion  über  die  Koordination  von  Einkommens-  bzw.  Gewinnsteuereinschät-

zungen und Grundsteuereinschätzungen für Liegenschaften des Geschäftsvermögens 

und  von  juristischen  Personen  vom  13.  Dezember  2005  inkl.  Änderung  vom  28.  No-

vember  2006  [ZStB  I  Nr. 37/553],  Rz  55  a  -  f)  als  auch  gesamtschweizerisch 

(vgl. Kreisschreiben Nr. 27  der  Schweizerischen  Steuerkonferenz  vom  15.  März  2002 

über die Vermeidung von Ausscheidungsverlusten) mit Wirkung ab 1. Januar 2006 für 

alle rechtsanwendenden Behörden für verbindlich erklärt.  

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4. a) Die im vorliegenden Verfahren in erster Linie geltend gemachte Doppel-

besteuerung  ist  die  direkte  Folge  der  alten  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zur 

Nichtberücksichtigung  von  Ausscheidungsverlusten.  So  wurde  der  Verlust  von 

Fr. 302'415.-,  den  die  Pflichtige  im  Jahr  2004  im  Kanton  Zürich  erwirtschaftet  hatte, 

damals nicht mit in anderen Kantonen erzielten Gewinnen verrechnet, sondern praxis-

gemäss  im  Kanton  Zürich  aktiviert  und  auf  das  Jahr  2005  vorgetragen.  Da  aber  die 

Pflichtige im Jahr 2005 im Kanton Zürich erneut einen Verlust verzeichnete, konnte sie 

den Vorjahresverlust auch in dieser Steuerperiode nicht verrechnen, obwohl sie in an-

deren Kantonen der Gewinnsteuer unterliegende Gewinne erwirtschaftet und überdies 

in den Gemeinden G und C je einen Grundstückgewinn zu versteuern hatte. Die Pflich-

tige vertritt nun die Ansicht, dass diese Doppelbesteuerung in der Steuerperiode 2005 

unzulässig und durch Verrechnung des besagten Verlustvortrags aus dem Kanton Zü-

rich  mit  den  Gewinnen  der  andern  Kantone  sowie  mit  den  Grundstückgewinnen  der 

Gemeinden G und C zu beseitigen sei. Mithin geht es vorliegend letztlich um die Frage, 

ob der Verlustvortrag aus dem Kanton Zürich im Rahmen der Einschätzung bzw. Ver-

anlagung der Pflichtigen für die Steuerperiode 2005 entsprechend der neuen bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung von den anderen beteiligten Kantonen und/oder von den 

eine Grundstückgewinnsteuer erhebenden Zürcher Gemeinden zu übernehmen war, in 

welchem  Fall  eine  die  betroffenen  Einschätzungs-  bzw.  Veranlagungsentscheide  mit-

tels Revision zu korrigieren wären. 

b)  Im  vorliegenden  Verfahren  ist  grundsätzlich  nur  die  Möglichkeit  der  Ver-

rechnung  des  Vorjahresverlustes  mit  dem  Grundstückgewinn  der  C  im  Jahr  2005  zu 

beurteilen, während eine allfällige Verlustübernahme durch andere Kantone nicht Ge-

genstand  dieses  Verfahrens  bildet.  Da  aber  der  betroffene  Vorjahresverlust  ebenfalls 

aus dem Kanton Zürich stammt, handelt es sich insofern um eine rein innerkantonale 

Verlustverrechnung,  womit  sich  grundsätzlich  die  Frage  stellt,  ob  die  bundesgerichtli-

che  Rechtsprechung  zum  Verbot  der  interkantonalen  Doppelbesteuerung  überhaupt 

zum Tragen kommt. Indes steht bei der interkantonal tätigen Pflichtigen im Sinne einer 

Gesamtbetrachtung nicht nur die  Verlustübernahme durch die C, sondern auch durch 

andere Kantone zur Debatte, weshalb ein Entscheid mit Bezug auf die Verlustverrech-

nung  innerhalb  des  Kantons  Zürich  im  Ergebnis  auch  die  interkantonale  Steueraus-

scheidung betrifft. Überdies hat das Bundesgericht im Rahmen der oben geschilderten 

Praxisänderung  festgehalten,  dass  die  Kantone  verpflichtet  seien,  im  Einzelfall  oder 

durch  generell-abstrakte  Regeln  dafür  zu  sorgen,  dass  innerkantonale  Unternehmen 

nicht  schlechter  gestellt  werden  als  interkantonale  (BGE  131  I  249,  E.  6.4),  weshalb 

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zumindest nicht auszuschliessen ist, dass die Grundsätze zur interkantonalen Verlust-

verrechnung unter gewissen Umständen auch innerkantonal zum Tragen kommen (vgl. 

dazu  VGr,  25.  August  2010,  SB.2009.00079,  www.vgrzh.ch).  Aus  diesen  Gründen 

rechtfertigt  es  sich,  den  vorliegenden  Fall  unter  dem  Blickwinkel  der  interkantonalen 

Doppelbesteuerung zu beurteilen.  

c) Wie gesehen änderte das Bundesgericht seine langjährige Rechtsprechung 

zur Nichtberücksichtigung von Ausscheidungsverlusten ab dem Jahr 2004 stufenweise, 

mit  dem  Ergebnis,  dass  Verluste  im  interkantonalen  Verhältnis  nunmehr  möglichst 

rasch zu verrechnen und Ausscheidungsverluste tunlichst zu vermeiden sind. Aufgrund 

der kontinuierlichen Entwicklung der Rechtsprechung war nicht ohne Weiteres klar, ab 

welchem  Zeitpunkt  diese  neue  Praxis  zur  Anwendung gelangen  soll  und welche  kon-

kreten Regeln für die Steuereinschätzung bzw. -veranlagung sich daraus ergeben. Um 

diese Unsicherheiten zu beseitigen, hat zunächst die Finanzdirektion des Kantons Zü-

rich  die  neu  geltenden  Grundsätze  am  28. November  2006  in  ihre  Weisung  über  die 

Koordination  von  Einkommens-  bzw.  Gewinnsteuereinschätzungen  und  Grundsteuer-

einschätzungen für Liegenschaften des Geschäftsvermögens und von juristischen Per-

sonen  vom  13.  Dezember  2005  aufgenommen  (Ziff. 55a  -  f)  und  ab  dem  1. Januar 

2006  für  verbindlich  erklärt  (Ziff. 56).  Auf  gesamtschweizerischer  Ebene  hat  die 

Schweizerische  Steuerkonferenz  am  15. März  2007  das  Kreisschreiben  Nr. 27  zur 

Vermeidung  von  Ausscheidungsverlusten  (nachfolgend  Kreisschreiben)  erlassen,  in 

dem  die  neue  Praxis  ebenfalls  verankert  und  ab  Steuerperiode  2006  für  anwendbar 

erklärt  wird.  Überdies  soll  sie  auch  für  frühere  pendente  Steuerperioden  angewendet 

werden  können,  jedoch  nur  auf  Antrag  der  Steuerpflichtigen  (siehe  Ziff.  4  des  Kreis-

schreibens).  

Demnach sind sämtliche Kantone verpflichtet, die neue Praxis ab Steuerperi-

ode  2006  anzuwenden,  während  frühere  Steuerperioden  im  Allgemeinen  noch  nach 

alter Praxis zu beurteilen sind. Mithin steht aber fest, dass sich die Pflichtige grundsätz-

lich nicht auf die neue Praxis berufen kann, da es vorliegend um die Einschätzung bzw. 

Veranlagung der Steuerperiode 2005 geht, für welche die neue Praxis noch nicht gilt. 

Zwar  kann  die  neue  Praxis  gemäss  Kreisschreiben  auf  Antrag  der  Steuerpflichtigen 

auch auf frühere Steuerperioden angewendet werden, indes gilt dies ausdrücklich nur 

für pendente Steuerperioden. Da es sich aber hier um ein Revisionsverfahren handelt 

und  die  Pflichtige  für  die  Steuerperiode  2005  bereits  rechtskräftig  eingeschätzt  bzw. 

veranlagt wurde, kann sie die ausserordentliche Anwendung der neuen Praxis auf die 

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Steuerperiode 2005 im jetzigen Zeitpunkt nicht mehr beantragen. Dazu ist jedoch an-

zumerken,  dass  die  Pflichtige  im  Zeitpunkt  der  Veröffentlichung  des  Kreisschreibens 

(15. März  2007)  für  die  Steuerperiode  2005  noch  in  keinem  der  beteiligten  Kantone 

rechtskräftig  eingeschätzt  bzw.  veranlagt  worden  war,  ebenso  wenig  wie  in der  C  mit 

Bezug auf die Grundstückgewinnsteuer (die Veranlagung vom 8. März 2007 war noch 

nicht in Rechtskraft erwachsen). Mithin hätte es der Pflichtigen freigestanden, zum da-

maligen Zeitpunkt die Anwendung der bereits bekannten neuen Praxis zur interkanto-

nalen Verlustverrechnung für die (noch pendente) Steuerperiode 2005 zu beantragen. 

Dies  hat  sie  jedoch  nicht  getan,  weshalb  die  zuständigen  Steuerbehörden  die  Ein-

schätzungen bzw. Veranlagungen zu Recht in Anwendung der alten, für die Steuerpe-

riode 2005 nach wie vor geltenden Praxis vornahmen. 

d) Nach dem Gesagten kann sich die Pflichtige nicht auf die neue bundesge-

richtliche Praxis zur interkantonalen Verlustverrechnung berufen, da deren Anwendung 

für  die  vorliegend  streitige  Steuerperiode  2005  nicht  verbindlich  ist.  Mithin  ist  die  C 

nicht  verpflichtet,  den Grundstückgewinn  pro  2005  von  Fr. 206'100.- mit dem  Verlust-

vortrag aus dem Kanton Zürich von Fr. 302'415.- zu verrechnen. Vielmehr bleibt dieser 

Verlustvortrag im Kanton Zürich aktiviert und wird mit allfälligen Gewinnen pro 2006 zu 

verrechnen  sein,  wobei  die  Verrechnung  dann  –  in  Anwendung  der  neuen  Praxis  – 

gegebenenfalls auch interkantonal zu erfolgen hat. 

e) Auf das Vorbringen der Pflichtigen mit Bezug auf eine von der Verlustver-

rechnungsproblematik  losgelöste  "isolierte"  Doppelbesteuerung  im  Jahr  2005  ist  an 

dieser  Stelle  nicht  näher  einzugehen.  Denn  die Pflichtige führt  dazu  im  Wesentlichen 

aus, in den Grundstückgewinnsteuerveranlagungen der C und der Gemeinde G seien 

diverse Anlagekosten nicht akzeptiert worden, was im Endeffekt eine Überbesteuerung 

zur  Folge  gehabt  habe.  Hierbei  handelt  es  sich  jedoch  um  Beanstandungen,  welche 

die Pflichtige  mit  einer  Einsprache gegen die  entsprechenden Veranlagungsverfügun-

gen  hätte  geltend  machen  müssen  und  die  im  vorliegenden  Revisionsverfahren  nicht 

mehr zu hören sind. 

f) Abschliessend sei noch angemerkt, dass die Vorinstanz unter den gegebe-

nen Umständen auf das Revisionsgesuch der Pflichtigen gar nicht hätte eintreten dür-

fen.  Wie  erwähnt  ist  die  Abänderung  eines  Einschätzungs-  bzw.  Veranlagungsent-

scheids im Revisionsverfahren zulässig, wenn der Entscheid eines zweitveranlagenden 

Kantons, mit  dem  der  Steuerpflichtige einverstanden  ist,  zu  einer  bundesrechtlich  un-

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tersagten  Doppelbesteuerung  führt.  Indes  resultiert  die  vorliegend  geltend  gemachte 

Doppelbesteuerung  aus  der  korrekten  Anwendung  einer  bundesgerichtlichen  Praxis, 

die zwar mittlerweile geändert wurde, mit Bezug auf die streitige Steuerperiode jedoch 

nach wie vor Gültigkeit hat. Mithin kann von einer bundesrechtlich untersagten Doppel-

besteuerung nicht die Rede sein, sodass es von vornherein an einem Revisionsgrund 

fehlte. 

5.  a)  Nach  alldem  ist  der  Rekurs  abzuweisen  und  der  Einspracheentscheid 

des Ausschusses für Grundsteuern der C vom 3. Juni 2010 zu bestätigen.  

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Rekursverfahrens 

der Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG). Weil sich der im Rekursverfahren be-

triebene Aufwand der C im Wesentlichen auf eine Wiederholung der bereits im frühe-

ren  Verfahren  gemachten  Ausführungen  beschränkt  hat,  ist  ihr  für  dieses  Verfahren 

keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (§  152  StG  in  Verbindung  mit  §  17  Abs. 2 

des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

2 GR.2010.39