# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e38fb8a-e5b6-5219-b846-608a5f6e80a5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.11.2023 E-6252/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6252-2023_2023-11-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6252/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und deren Kinder, 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Bosnien und Herzegowina,  

BAZ (…),   

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (Art. 40 i.V.m. Art. 6a Abs. 2 AsylG);  

Verfügung des SEM vom 7. November 2023 / N (…). 

 

 

 

E-6252/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden suchten am 4. September 2023 in der Schweiz 

um Asyl nach und wurden dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region 

E._______ zugewiesen.  

Anlässlich ihrer Anhörung vom 27. Oktober 2023 brachten die Beschwer-

deführenden im Wesentlichen vor, sie seien bosnische Staatsangehörige 

und ethnische Bosniaken und hätten zuletzt in F._______ gewohnt. 

A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erklärte, sie habe als Jour-

nalistin beim (…) gearbeitet und sich zusätzlich freiwillig für ein (…) sowie 

(…) engagiert. Sie habe während des Genozids 1995 mehrere Angehörige 

verloren und sei im Krieg als Kind verwundet worden. Aufgrund des Erleb-

ten leide sie an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), we-

gen der sie sich in Behandlung befinde. Im Rahmen ihrer journalistischen 

Arbeit habe sie zuletzt zum jährlichen Gedenken an den Genozid einen 

Artikel verfasst. Der (…) habe ihre Texte einer Zensur unterzogen und der 

von ihr verwendete Begriff «Genozid» sei ersetzt worden. Ihr sei zudem 

verboten worden, den Begriff künftig zu verwenden. Der (…) habe sodann 

gedroht, ihre Stelle mit einem Serben zu besetzen; sie werde verschwin-

den. Der sie behandelnde Therapeut habe deswegen die Polizei verstän-

digt, welche jedoch nicht reagiert habe. Sie selbst habe Unterstützung und 

Zuspruch von Dritten, unter anderem von der Vertreterin für (…), erhalten. 

Ihre Geschichte sei publik geworden und sogar G._______, der (…) und 

(…), habe ihre Probleme in einer Fernsehsendung erwähnt und sie unter-

stützt. Sie habe sich aber in ihrer Heimat trotzdem nicht mehr sicher ge-

fühlt. Bereits in der Vergangenheit sei sie von Dritten, namentlich von ser-

bischen Veteranen, behelligt worden, unter anderem mittels Drohungen 

von einem gefälschten Facebook-Konto aus. Ihren Heimatstaat habe sie 

mit ihrer Familie auf legalem Wege verlassen. Nach ihrer Ausreise sei ihr 

ferner die Stelle gekündigt worden. Bei einer Rückkehr nach Bosnien und 

Herzegowina fürchte sie sich vor (…), der im Übrigen von einer serbischen 

Partei unterstützt werde und Alkoholiker sei, sowie um ihre Sicherheit.  

B._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer) brachte vor, er sei aufgrund 

der Probleme seiner Ehefrau ausgereist. Seine Familie habe in der Öffent-

lichkeit gestanden, unter anderem auch, weil (…). Die Drohung des (…) 

gegen seine Ehefrau sei als Morddrohung zu verstehen. Weitere Drohun-

gen seien auch gegenüber Mitarbeitenden des (…) ausgesprochen wor-

den. Die Polizei habe in ihrem Fall keine weiteren Untersuchungen 

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Seite 3 

vorgenommen. Auch in allgemeiner Hinsicht sei der Schutz in ihrer Heimat 

gering, was das Beispiel von mehreren ihm bekannten Fällen zeige, in de-

nen Personen aufgrund ihrer Ethnie Schaden erlitten hätten. 

Zur Untermauerung ihrer Vorbringen und ihrer Identität reichten die Be-

schwerdeführenden ihre Reisepässe im Original, einen Arztbericht die Be-

schwerdeführerin betreffend, Geburtsurkunden, Arbeitsverträge, Wohn-

ortsbestätigungen, Ausweise sowie Berichte und Schreiben der Beschwer-

deführerin, Facebook-Auszüge sowie einen USB-Stick, welcher die Auf-

zeichnung der Fernsehsendung von G._______ enthält, zu den Akten. 

B.  

Die Vorinstanz unterbreitete der zugewiesenen Rechtsvertretung den Be-

schwerdeführenden am 3. November 2023 den Entwurf des ablehnenden 

Asylentscheids zur Stellungnahme. 

C.  

Die Beschwerdeführenden liessen mit Schreiben vom 6. November 2023 

Stellung zum Entscheidentwurf nehmen und erklärten sich mit diesem nicht 

einverstanden.  

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 7. November 2023 verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, wies ihre 

Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den 

Wegweisungsvollzug an. 

E.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung der Beschwerdeführenden legte das 

Mandat am 7. November 2023 nieder. 

F.  

Mit Eingabe vom 14. November 2023 erhoben die Beschwerdeführenden 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und 

beantragten dabei, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, ihnen sei 

die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventua-

liter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzu-

mutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme sei anzuordnen. 

Subeventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und die An-

gelegenheit sei zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In formeller Hinsicht sei auf die Erhebung eines 

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Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Prozessführung 

sei zu gewähren.  

G.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

15. November 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG 

[SR 142.31]). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

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nachstehend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Gemäss Art. 40 AsylG wird ein Asylgesuch ohne weitere Abklärungen 

abgelehnt, wenn aufgrund der Anhörung offenkundig wird, dass Asylsu-

chende ihre Flüchtlingseigenschaft weder beweisen noch glaubhaft ma-

chen können und ihrer Wegweisung keine Gründe entgegenstehen. Nach 

Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet der Bundesrat – neben den EU/ 

EFTA-Staaten – weitere Staaten, in denen nach seinen Feststellungen Si-

cherheit vor Verfolgung herrscht, als sichere Heimat- oder Herkunftsstaa-

ten.  

5.2 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen damit, dass Bosnien und Herzegowina seit 25. Juni 2003 ein soge-

nanntes «Safe Country» im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG sei und 

sich aus den vorgetragenen Asylgründen keine objektiven Anhaltspunkte 

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ergeben würden, welche eine Verfolgung der Beschwerdeführenden im 

Heimatstaat erkennen lassen würden.  

Den Angaben der Beschwerdeführenden seien keine konkreten Hinweise 

darauf zu entnehmen, dass ihr Leben in Gefahr gewesen sei. Insbesondere 

sei nicht ersichtlich, dass in Bezug auf die Beschwerdeführerin mehr als 

die blosse Androhung einer Kündigung vorgelegen hätte. Aus dem Hinweis 

auf andere verfolgte Personen lasse sich ebenso wenig etwas zu Gunsten 

der Beschwerdeführenden ableiten, da ein direkter Zusammenhang zu ih-

ren Vorbringen fehle. Des Weiteren sei nicht ersichtlich, welches Interesse 

der (…) noch an der Beschwerdeführerin haben sollte, nachdem ihr die 

Stelle gekündigt worden sei. Auch aus dem Mitschnitt der Sendung, in der 

sich G._______ zum Fall der Beschwerdeführerin äussere, ergebe sich le-

diglich, dass die Beschwerdeführerin mit einer drohenden Kündigung unter 

Druck gesetzt worden sei, was den Anforderungen an eine massgebliche 

Intensität im flüchtlingsrechtlichen Sinne nicht genüge. Eine ernsthafte Ge-

fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sei auch nicht mit Blick auf die von der 

Beschwerdeführerin geltend gemachten Behelligungen im Zusammen-

hang mit Berichterstattungen für das (…) oder «(…)» ersichtlich.  

In Bezug auf Angriffe beziehungsweise eine drohende Verfolgung seitens 

Drittpersonen sei festzuhalten, dass Bosnien und Herzegowina grundsätz-

lich über schutzwillige und schutzfähige Strafverfolgungsbehörden ver-

füge. Den Ausführungen der Beschwerdeführenden sei lediglich zu entneh-

men, dass die Polizei «kaltblütig» gewesen sei und das System nicht funk-

tioniere. Auch auf konkrete Fragen des Sachbearbeiters das Verhalten der 

Polizei bei der Anzeigeerstattung betreffend hätten die Beschwerdeführen-

den lediglich in pauschaler Weise auf das mangelhafte System verwiesen. 

Ob sich die Beschwerdeführenden beispielsweise nach dem Stand der Er-

mittlungen erkundigt hätten, sei hingegen offengeblieben. Aus den allge-

mein gehaltenen Aussagen der Beschwerdeführenden erschliesse sich je-

denfalls nicht, dass die Polizei aus flüchtlingsrechtlich relevanten bezie-

hungsweise parteipolitischen Gründen die Hilfe verweigert hätte oder nicht 

schutzfähig gewesen sei, weswegen auch die Regelvermutung nach 

Art. 6a Abs. 2 AsylG nicht umgestossen werden könne. Den Beschwerde-

führenden sei es daher zuzumuten, sich bei allfälligen zukünftigen Proble-

men an die dafür zuständigen Stellen in ihrer Heimat zu wenden. Die Be-

schwerdeführerin sei ausserdem als Journalistin gut vernetzt und habe Zu-

spruch, von öffentlicher Seite durch G._______, erhalten. Weder das Pub-

likmachen ihrer Geschichte, noch der Fernsehauftritt des (…) noch die ein-

gereichten Beweismittel würden an dieser Einschätzung etwas zu ändern 

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vermögen. Es werde nicht in Frage gestellt, dass die Beschwerdeführerin 

sich mit einem Schreiben vom 17. Juli beziehungsweise 19. Juli 2023 an 

verschiedene Stellen gewandt habe, um das Verhalten der (…) anzuzeigen 

(etwa bei Strafverfolgungsbehörden, bei der Gemeinde F._______ oder 

beim Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina [OHR]). 

Ebenso wenig werde in Frage gestellt, dass ihre Geschichte an die Öffent-

lichkeit gelangt sei. Auch das (…)-Magazin «(…)» habe davon berichtet, 

dass ein Artikel der Beschwerdeführerin zensuriert worden sei. Eine flücht-

lingsrechtlich relevante Verfolgungssituation könne daraus jedoch in Ver-

bindung mit den vorangegangenen Erwägungen nicht abgeleitet werden. 

5.3 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Be-

schwerdeführerin habe die von ihrem (…) ausgesprochene Drohung auf-

grund ihres Beitrags zum 28. Gedenktag des Genozids sehr ernst genom-

men. Als Journalistin und aufgrund der Freiwilligenarbeit bei (…) und dem 

(…) sei sie zu einer Person des öffentlichen Lebens geworden und habe 

Nachrichten von anonymen Facebook-Profilen sowie Drohungen von ser-

bischen Veteranen erhalten. Sie hätte ständig Angst um die Sicherheit ihrer 

Familie gehabt und sich vor tätlichen Übergriffen gefürchtet. Dabei wurde 

in der Beschwerde auf verschiedene von der Beschwerdeführerin ver-

fasste Zeitungsartikel verwiesen. Des Weiteren gäbe es in Bosnien unge-

löste Fälle von Personen, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder 

ihrer Einstellung zum Genozid verschwunden oder tätlich angegriffen wor-

den seien. Den Beschwerdeführenden sei ein solches Gewaltopfer be-

kannt. Die Beschwerdeführerin habe aufgrund ihres öffentlichen Profils und 

der genannten Vorfälle eine begründete Angst, das nächste Ziel eines sol-

che Übergriffs zu werden. Medienschaffende in Bosnien und Herzegowina 

seien ohnehin einer grossen Unsicherheit ausgesetzt, wie auch aus einem 

Bericht der Nichtregierungsorganisation «Reporters without Borders» her-

vorgehe: Morddrohungen und tätliche Angriffe gegen Medienschaffende 

hätten in den letzten Jahren stark zugenommen. Die bosnischen Behörden 

hätten nichts für die Sicherheit der Beschwerde-führenden unternommen 

und seien im Falle der Beschwerdeführerin nicht tätig geworden. Die Un-

tätigkeit der Behörden werde auch in einem Bericht von Amnesty Interna-

tional bestätigt. Die Beschwerdeführenden würden sich in einer aktuellen 

Bedrohungslage befinden, ihr Leben sei gefährdet und sie seien durch die 

dauernde Angst einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt. Sie 

würden sich nicht auf die bosnischen Behörden verlassen können, weswe-

gen sie geflüchtet seien.  

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Seite 8 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten – in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz – zum Schluss, dass die Vorbringen 

der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft nicht standzuhalten vermögen.  

6.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, hat der Bundesrat Bosnien 

und Herzegowina als verfolgungssicheren Staat im Sinne von Art. 6a 

Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung eines Staa-

tes als «Safe Country» beinhaltet die Regelvermutung, dass eine flücht-

lingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und der 

behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es 

handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicherheit. Im Einzelfall 

kann die besagte Regelvermutung somit aufgrund konkreter und substan-

ziierter Hinweise umgestossen werden, wobei die Beweislast des Gegen-

teils der asylsuchenden Person obliegt (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.4.3).  

6.3 Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihren Vorbringen die vorge-

nannte Regelvermutung (Fehlen staatlicher Verfolgung und Gewährleis-

tung von Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung in Bosnien und Herzego-

wina) offensichtlich nicht umzustossen. Konkrete Anhaltspunkte für eine 

Verfolgung zum Zeitpunkt der Ausreise oder eine objektiv begründete 

Furcht vor einer Verfolgung der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 3 

AsylG liegen aufgrund der Aktenlage nicht vor. So ist die Auseinanderset-

zung der Beschwerdeführerin mit ihrem (…), namentlich der Umstand, 

dass er ihren Artikel redigiert und das Wort «Genozid» ersetzt hat, nicht als 

Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren. Einerseits 

fehlt es an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv, andererseits ist das 

geschilderte Verhalten des (…) nicht genügend intensiv, um überhaupt be-

achtlich zu sein. Daran ändert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin 

offenbar nunmehr in ihrer Anstellung gekündigt ist, was darin begründet 

liegen dürfte, dass sie aus dem Heimatstaat ausge-reist ist. Unbestimmte 

Drohungen durch Dritte, welche die Beschwerdeführerin aufgrund ihres 

Engagements für die Aufarbeitung des Genozids via Facebook erhalten 

haben soll, sind ebenfalls nicht geeignet, eine drohende Verfolgungsgefahr 

im flüchtlingsrechtlich relevanten Mass darzutun, zumal hierzu keine Kon-

kretisierung erfolgte. Praxisgemäss müssen die erlittenen oder drohenden 

Benachteiligungen eine Intensität aufweisen, die ein menschenwürdiges 

Leben als nicht mehr möglich erscheinen lassen, so dass die verfolgte Per-

son sich dieser Zwangslage nur durch Flucht ins Ausland entziehen kann 

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(vgl. BVGE 2010/28, E. 3.3.1.1, Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 10.3.1; 

2000 Nr. 17 E. 11b; 1996 Nr. 30 E. 4d). Das subjektive Empfinden der Be-

schwerdeführerin, die offensichtlich im Kindesalter anlässlich der schwer-

wiegenden Ereignisse im Juli 1995 in F._______ traumatisiert wurde, ist 

nachvollziehbar; aus objektiver Sicht ist die Flüchtlingseigenschaft jedoch 

nicht erfüllt. Mithin ist der vorinstanzliche Schluss nicht zu beanstanden. 

Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, zu einer anderen 

Beurteilung zu gelangen. So legen die Beschwerdeführenden mit dem 

Wiederholen des aktenkundigen Sachverhalts nicht dar, inwiefern die Vor-

instanz sie zu Unrecht nicht als Flüchtlinge anerkannt hat. Solches ist auch 

nicht ersichtlich. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vollumfänglich 

auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwie-

sen werden (angefochtene Verfügung S. 3 ff.; s.o. E. 5.2).  

6.4 Die Vorinstanz hat demzufolge zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführenden verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

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Seite 10 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 

Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Ihre Rückkehr nach Bosnien und Herze-

gowina ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der 

Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie 

für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 

Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Europä-

ischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-

Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete 

Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall 

einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse 

Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschen-

rechtssituation in Bosnien und Herzegowina lässt den Wegweisungsvoll-

zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.  

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Seite 11 

8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Mit Beschluss vom 25. Oktober 2017 hat der Bundesrat Bosnien und 

Herzegowina per 1. Januar 2018 als Heimat- oder Herkunftsstaat bezeich-

net, in den eine Rückkehr gemäss Art. 83 Abs. 5 AIG und Art. 18 VVWAL 

(SR 142.281) in der Regel zumutbar ist. Es gelingt den Beschwerdeführen-

den – auch in individueller Hinsicht – nicht, diese Regelvermutung umzu-

stossen. Um Wiederholungen zu vermeiden kann – insbesondere betref-

fend die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin – auf die 

vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (s. angefochtene Verfü-

gung S. 7 f.). Auch in der Beschwerde wird dem nichts Gegenteiliges ent-

gegengehalten, zumal sich die Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer gel-

tend gemachte PTBS bereits im Heimatstaat in Behandlung befand und 

davon auszugehen ist, dass sie diese auch weiterführen beanspruchen 

kann. Auch unter dem Aspekt des Kindeswohls erweist sich der Wegwei-

sungsvollzug als zumutbar, da die Beschwerdeführenden sich erst seit kur-

zem in der Schweiz aufhalten und ihre beiden Kinder noch jung sind. 

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung ge-

samthaft als zumutbar. 

8.4 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Bosnien 

und Herzegowina ist schliesslich möglich, da keine Vollzugshindernisse 

bestehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), und die Beschwerdeführenden über gültige 

Reisepapiere verfügen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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Seite 12 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. Ange-

sichts der vorangegangenen Erwägungen kommt eine Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz zwecks weiterer Sachverhaltsabklärungen und 

anschliessender Neubeurteilung nicht in Betracht, weshalb das entspre-

chende Subeventualbegehren abzuweisen ist. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]), zumal das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wegen der 

Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen ist. 

10.2 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6252/2023 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

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