# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ca5f1c53-250c-523a-845e-3144a3104066
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.04.2015 SB140533
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140533_2015-04-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB140533-O/U/eh 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, und lic. iur. M. Langmeier, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. I. Erb sowie die Gerichtsschreiberin  

lic. iur. S. Bussmann 

 
Urteil vom 23. April 2015 

 

in Sachen 

A._____,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

vertreten durch Beiständin Amtsvormundschaft B._____,  

Herr C._____,  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____ 

 

gegen 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. F. Stadelmann,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend  

versuchte vorsätzliche Tötung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen vom 15. Juli 2014  
(DG130015) 

-   2   - 

Anklage:  
(Urk. 21) 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 15. Oktober 

2013 ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil und Beschluss der Vorinstanz: 
(Urk. 78 S. 85 ff.) 

"Das Gericht beschliesst: 

1. Das Verfahren wird eingestellt betreffend den Vorwurf des Hausfriedensbruchs  

im Sinne von Art. 186 StGB durch Betreten der Liegenschaft D._____-strasse ... in 

... [Ortschaft] (ND 16). 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung zusammen mit nachfolgendem  

Erkenntnis. 

3. Gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Ober-

gericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Postfach 2401, 8021 Zürich, schriftlich 

und begründet Beschwerde eingereicht werden. 

Sodann erkennt das Gericht: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

a) der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB; 

b) des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB; 

c) des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB; 

d) des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB 

i.V.m. Art. 172ter StGB; 

e) der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB; 

-   3   - 

f) der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Abs. 1 SVG 

und Art. 94 Abs. 3 SVG; 

g) des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 

Abs. 2 SVG, 

h) des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 

lit. a SVG; 

i) der mehrfachen fahrlässigen Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes im 

Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 32 Abs. 2 SVG; 

j) der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 7.5 Jahren, wovon 

467 Tage durch Polizeihaft, Untersuchungshaft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug 

(24. Dezember 2012 bis und mit 26. Dezember 2012 sowie 7. April 2013 bis und 

mit 15. Juli 2014) erstanden sind, sowie mit einer Busse von CHF 500.–, teilweise 

als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts Zürich vom 4. März 2014.  

3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so 

tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

4. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet.  

5. Der Vollzug der Strafe wird nicht zugunsten der ambulanten Massnahme auf-

geschoben. 

6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 9. Oktober 2013 beschlagnahm-

te Bajonett mit Holster wird eingezogen und vernichtet. 

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 1 aus dem 

eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach vollumfänglich schadenersatzpflichtig 

ist. Im Übrigen wird das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 den Betrag von CHF 4'000.– 

zuzüglich 5 % Zins seit 24. Dezember 2012 als Genugtuung zu bezahlen. 

-   4   - 

9. Die Schadenersatzbegehren der Privatkläger 5 und 6 werden auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

10. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 wird abgewiesen. 

11. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Privatkläger 3, 4 und 7 auf Zivil-

ansprüche verzichtet haben. 

12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

CHF 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

CHF 35'544.–  Auslagen Vorverfahren 

CHF 918.–  Kosten der Kantonspolizei Zürich 

CHF 11'500.–  Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung 

CHF 52'462.–   Total 

13. Rechtsanwalt MLaw X._____ wird für seine Bemühungen als  

amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit total CHF 17'111.15 (inkl. MwSt.) ent-

schädigt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an 

Rechtsanwalt MLaw X._____ auszubezahlen. 

14. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Bemühungen als unentgeltlicher 

Rechtsbeistand des Privatklägers 1 mit total CHF 6'960.40 (inkl. MwSt.) entschä-

digt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an 

Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ auszubezahlen. 

15. Die Kosten und Auslagen der Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens, 

ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen 

Rechtsbeistandes des Privatklägers 1, werden dem Beschuldigten auferlegt, aber 

abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen 

Rechtsbeistandes des Privatklägers 1 werden einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen. Die Rückzahlungspflicht bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vor- 

behalten. 

16. (Mitteilungen) 

17. (Rechtsmittel)" 

-   5   - 

Schlussanträge im Berufungsverfahren:  

a) Des Verteidigers des Beschuldigten (Prot. II S. 6): 

1. Ziffer 1 lit. a und Ziffer 2 (1. Zeile) des Urteils vom 15. Juli 2014 des Bezirks-

gerichts Meilen seien aufzuheben; 

2. der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten Tötung freizusprechen;  

3. der Beschuldigte sei (stattdessen) der versuchten schweren Körperver-

letzung schuldig zu sprechen;  

4. der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen; 

5. die Kosten der amtlichen Verteidigung seien gemäss Honorarnote vom 

13. April 2015 zuzüglich CHF 220/h für die Dauer der Verhandlung, der  

Urteilseröffnung und den Reiseweg festzusetzen; 

6. die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu 

nehmen. 

b) Der Staatsanwaltschaft (sinngemäss): 

1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

2. Abweisung des Beweisantrages. 

Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenen Beschluss und Urteil vom 15. Juli 2014 

wurde der Beschuldigte wie folgt schuldig gesprochen:  

a) der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB; 

b) des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB; 

-   6   - 

c) des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB; 

d) des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB 

i.V.m. Art. 172ter StGB; 

e) der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB; 

f) der mehrfachen Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Abs. 1 

SVG und Art. 94 Abs. 3 SVG [recte: Art. 94 Abs. 4 SVG]; 

g) des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 

Abs. 2 SVG, 

h) des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Abs. 1 

lit. a SVG; 

i) der mehrfachen fahrlässigen Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes im 

Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 32 Abs. 2 SVG; 

j) der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

Betreffend den Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB 

durch Betreten der Liegenschaft D._____-strasse in... [Ortschaft] (ND 16) wurde 

das Verfahren eingestellt. 

Der Beschuldigte wurde bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 7.5 Jahren, wovon 

467 Tage durch Polizeihaft, Untersuchungshaft sowie durch vorzeitigen Strafvoll-

zug (24. Dezember 2012 bis und mit 26. Dezember 2012 sowie 7. April 2013 bis 

und mit 15. Juli 2014) erstanden waren, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–, teil-

weise als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts Zürich vom 4. März 2014. 

Ferner wurde eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde nicht zugunsten der ambulanten Mass-

nahme aufgeschoben. Im Weiteren wurde über beschlagnahmtes Gut ent-

schieden (Bajonett mit Holster) und über die Zivilansprüche der Privatkläger  

befunden. Es wurde festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber E._____ 

-   7   - 

(nachfolgend Privatkläger 1 genannt) aus dem eingeklagten  

Ereignis dem Grundsatze nach vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist. Im Übri-

gen wurde das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 auf den Weg des  

Zivilprozesses verwiesen. Überdies wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem  

Privatkläger 1 den Betrag von Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 24. Dezember 

2012 als Genugtuung zu bezahlen. Die Schadenersatzbegehren der Privat- 

kläger 5 und 6 wurden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Das Genug-

tuungsbegehren des Privatklägers 2 wurde abgewiesen. Ferner wurde davon 

Vormerk genommen, dass die Privatkläger 3, 4 und 7 auf Zivilansprüche ver-

zichteten. Schliesslich wurden die Kosten und Auslagen der Untersuchung und 

des gerichtlichen Verfahrens dem Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben, 

mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen 

Rechtsbeistandes des Privatklägers 1, welche unter Vorbehalt der Rückzahlungs-

pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse genommen  

wurden (Urk. 78 S. 85 ff.).  

1.2. Der Beschluss und das Urteil wurden den Parteien am 22. Juli 2014 münd-

lich eröffnet und begründet (Prot. I S. 92 f.). Am Folgetag liess der Beschuldigte 

seinen amtlichen Verteidiger Berufung gegen das Urteil anmelden (Urk. 68). Nach 

Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 77/1-2) reichte der amtliche Verteidiger 

am 24. November 2014, eingegangen am 25. November 2014, dem Obergericht 

fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 82). Darin wird auch ein Beweis-

antrag gestellt: Der Beschuldigte beantragt die Erstellung eines Gutachtens, um 

gestützt auf die Arztberichte und das forensische Kurzgutachten sowie aufgrund 

möglicher Bewegungsabläufe zu analysieren, wie wahrscheinlich es sei, dass der 

Beschuldigte eine Stichbewegung gegen den Brustbereich des Privatklägers 1 

ausgeführt habe, die dann vom Privatkläger 1 abgewehrt worden sei und zu den 

festgestellten Verletzungen am Handgelenk geführt habe. Mit Präsidialverfügung 

vom 27. November 2014 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von 

Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern  

zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten 

auf die Berufung zu beantragen. Der Staatanwaltschaft sowie dem Privatkläger 1 

-   8   - 

wurden ferner Frist angesetzt, um zum Beweisantrag des Beschuldigten Stellung 

zu nehmen (Urk. 84).  

1.3. Am 18. Dezember 2014 erklärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung 

und beantragte, es sei der Beweisantrag des Beschuldigten abzuweisen 

(Urk. 86). Der Privatkläger 1 liess mitteilen, keine Anschlussberufung zu erheben 

und beantragte ebenfalls die Abweisung des Beweisantrags des Beschuldigten 

(Urk. 90). Hierauf hielt die amtliche Verteidigung am gestellten Beweisantrag fest 

(Urk. 94). Seitens der übrigen Privatkläger wurde ebenfalls keine Anschluss-

berufung erhoben. Die Privatklägerin 4 liess mit Eingabe vom 16. Dezember 2014 

ihren Rücktritt als Zivilklägerin mitteilen (Urk. 88). Mit Eingabe vom 21. April 2015 

teilte die Staatsanwaltschaft den Rücktritt ihrer Anschlussberufung mit (Urk. 106), 

was sinngemäss als Antrag auf Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu  

verstehen ist. 

1.4. Die amtliche Verteidigung hält die Beweislage, namentlich die Aussagen des 

Privatklägers 1, aufgrund derer die Vorinstanz zum Schluss gekommen ist, der 

Beschuldigte hätte gegen die Brustgegend des Privatklägers gestochen, für äus-

serst bescheiden, weshalb sie die Einholung eines Gutachtens als notwendig  

erachtet (Urk. 82 und 94). Demgegenüber erachtet die Staatsanwaltschaft die 

Beweislage als hinreichend und erklärt, es sei überdies fraglich, ob sich ein Gut-

achten überhaupt zur Frage der Wahrscheinlichkeit einer Stichbewegung äussern 

könnte (Urk. 86 S. 2). Der Privatkläger 1 stellt sich auf den Standpunkt, dass das 

beantragte Gutachten nichts am Beweisergebnis ändern würde (Urk. 90). Mit  

Präsidialverfügung vom 23. Februar 2015 wurde der Beweisantrag des Beschul-

digten auf Einholung eines Gutachtens zur Art und Weise des Messereinsatzes 

einstweilen abgewiesen, mit der Begründung, dass ein solches aufgrund der  

weiteren vorhandenen Beweismittel als nicht notwendig eingestuft werde.  

Vielmehr sei zur Erstellung des Sachverhaltes vorläufig auf die vorhandenen  

Beweismittel, namentlich die Aussagen der Beteiligten sowie die Arztberichte,  

abzustellen, da davon auszugehen sei, dass diese wohl ein zuverlässigeres Bild 

des Tathergangs ergäben, als bloss abstrakte Ausführungen zu theoretisch  

möglichen Abläufen (Urk. 98). 

-   9   - 

1.5. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte 

und sein amtlicher Verteidiger erschienen sind, waren keine Vorfragen zu ent-

scheiden (Prot. II S. 6 f.). Der amtliche Verteidiger hielt an seinem Beweisantrag 

betreffend die Einholung eines Gutachtens über die Art und Weise des Messer-

einsatzes vollumfänglich fest und verwies zur Begründung auf den ursprünglich 

gestellten Beweisantrag vom 24. November 2014 (Prot. II S. 11 f.). Auf entspre-

chende Frage der Verfahrensleitung erklärte sich die amtliche Verteidigung damit 

einverstanden, dass über den gestellten Beweisantrag nicht vorab, sondern im 

Rahmen der Beweiswürdigung entschieden werde (Prot. II S. 12). Das vorliegen-

de Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 13 ff.). 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Der Beschuldigte beschränkt seine Berufung auf den Schuldspruch bezüg-

lich der versuchten vorsätzlichen Tötung samt der damit einhergehenden Strafe 

(inkl. Strafzumessung) und beantragt einen diesbezüglichen Freispruch. Statt-

dessen sei der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung schuldig 

zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen (Urk. 82 

S. 2 f.; Urk. 109 S. 2).  

2.2. Die Berufung betrifft mithin ausschliesslich die Dispositivziffern 1 lit. a und 2 

des vorinstanzlichen Urteils, letztere soweit die Freiheitsstrafe betreffend. Zufolge 

Konnexität ist ferner auch die Anordnung der strafvollzugsbegleitenden ambulan-

ten Massnahme (Dispositivziffern 4 und 5) Gegenstand des vorliegenden  

Berufungsverfahrens. Hingegen sind die nicht angefochtenen Punkte (Dispositiv-

ziffern 1 lit. b - lit. j, 2 [soweit die Busse betreffend], 3 und 6 ff.) in Rechtskraft  

erwachsen (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Das ist 

vorab vorzumerken.  

2.3. In Bezug auf Dispositivziffer 1 lit. f, wonach sich der Beschuldigte sowohl der 

Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch (ND 5) als auch der mehr-

fachen Entwendung von Fahrrädern schuldig gemacht habe (ND 12 - 15), ist  

der Vorinstanz offensichtlich ein Schreibfehler unterlaufen. Der Vorwurf der Ent-

-   10   - 

wendung von Fahrrädern ist in Art. 94 Abs. 4 SVG geregelt und nicht in dessen  

Absatz 3, was entsprechend zu korrigieren ist. 

3. Prozessuales 

3.1. Auch berufungsweise stellt sich der Verteidiger wie bereits vor Vorinstanz 

(Urk. 50 S. 4) auf den Standpunkt, dass sowohl die Aussagen des Privatklägers 1 

anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 25. Dezember 2012 (Urk. 4/1) als 

auch die Aussagen von F._____ vom 24. Dezember 2012 aufgrund der  

Verletzung der Teilnahmerechte des Beschuldigten sowie seiner amtlichen  

Verteidigung mangels eingehender Bestätigung an den staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahmen nicht verwertbar seien (Urk. 82 S. 3 f., Urk. 109 S. 2 f.).  

Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, gilt die Parteiöffentlichkeit nur in 

Bezug auf Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und Gerichte, nicht 

aber im polizeilichen Ermittlungsverfahren (Urk. 78 S. 15). Es ist demnach nicht 

zu beanstanden, dass die amtliche Verteidigung sowie der Beschuldigte den poli-

zeilichen Einvernahmen des Privatklägers 1 (Urk. 4/1) sowie von F._____ 

(Urk. 5/1) nicht beiwohnen konnten. Mit der Verteidigung ist festzuhalten, dass  

eine belastende Zeugenaussage grundsätzlich nur verwertbar ist, soweit die Ver-

teidigungsrechte ausreichend gewahrt blieben. Davon ist auszugehen, wenn der 

Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hin-

reichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den 

Belastungszeugen zu stellen. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des recht-

lichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet  

(Urteile des Bundesgerichts 6B_518/2014 vom 4.12.2014, E. 4.2. und 

6B_369/2013 vom 31.10.2013, E.2.3.1; BGE 131 I 476 E. 2.2; BGE 129 I 151  

E. 3.1 mit Hinweisen). Vorliegend hatte der Beschuldigte sowie sein amtlicher  

Verteidiger anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen des Privat-

klägers 1 (Urk. 4/2) sowie von F._____ (Urk. 5/2) ausreichend Gelegenheit, Er-

gänzungsfragen zu stellen und den Einvernahmen beizuwohnen bzw. in Bezug 

auf erstere diese per Videoübertragung mitzuverfolgen (Urk. 3/2 und 3/3). Anläss-

lich dieser Einvernahmen haben sich sowohl der Privatkläger 1 sowie F._____ 

nochmals ausführlich zur Sache geäussert. Es handelte sich mithin nicht um eine 

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bloss formale Bestätigung der früheren Aussagen. Entgegen der Vorbringen der 

Verteidigung steht damit nichts entgegen, im Rahmen einer Gesamtwürdigung 

auch die Ergebnisse der früheren Beweiserhebungen ergänzend zu berücksich-

tigten. Dabei ist unter Verweis auf die seitens der Verteidigung angerufene bun-

desgerichtliche Rechtsprechung darauf hinzuweisen, dass allfällig auftretende Er-

innerungslücken bei einer nachträglichen Konfrontation nicht per se Verwertungs-

hindernisse darstellen. Ob bei widersprüchlichen Aussagen oder  

späteren Erinnerungslücken auf die ersten, in Abwesenheit des Beschuldigten  

erfolgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die Verwertbarkeit,  

sondern die Würdigung der Beweise (BGE 140 IV 196, E. 4; Urteile des Bundes-

gerichts 6B_369/2013 vom 31.10.2013, E.2.3.3; bestätigt in 6B_364/2014 vom 

30.6.2014, E. 1.4), worauf nachfolgend einzugehen sein wird. 

3.2. Es ist unbestritten, dass ein erkennbarer Fall notwendiger Verteidigung vor-

liegt und der Beschuldigte anlässlich der Hafteinvernahme dennoch ohne Beisein 

seines amtlichen Verteidigers befragt wurde (Urk. 3/1). Mit der Vorinstanz kann 

festgehalten werden, dass die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der ersten 

Einvernahme zu seinen Lasten nur soweit verwertbar sind, als er diese in  

Anwesenheit seines Verteidigers in den späteren Einvernahmen ausdrücklich  

bestätigte (Urk. 3/2 S. 2 ff. und Urk. 3/4; Urk. 78 S. 14 f.). 

4. Sachverhalt 

4.1. Im Rahmen der – einzig noch strittigen – Thematik betreffend die versuchte 

eventualvorsätzliche Tötung wird dem Beschuldigten gemäss Anklagesachverhalt 

im Wesentlichen und zusammengefasst vorgeworfen, am 24. Dezember 2012 um 

ca. 01:30 Uhr mit einem Bajonettmesser (zweischneidig geschliffene Klinge,  

ca. 25 cm) bewaffnet beim Wohnort des Privatklägers 1 erschienen zu sein, wo er 

seine Partnerin F._____ vermutet habe. Mit einem Küchenmesser bewaffnet habe 

der Privatkläger 1 (in den folgenden Abschnitten "Sachverhalt" und "rechtliche 

Würdigung" nur noch Privatkläger) die Balkontüre geöffnet, als er den  

bewaffneten Beschuldigten davor erkannt habe. In der Folge seien die beiden 

Männer aufeinander losgegangen, wobei dem Privatkläger im Verlaufe des  

Streites das Messer entglitten sei. Hierauf habe der Beschuldigte dem Privat-

-   12   - 

kläger einen K.O.- Schlag erteilt, worauf dieser rücklings zu Boden gefallen sei. 

Daraufhin habe der Beschuldigte dem Privatkläger mehrere Faustschläge gegen 

dessen Kopfbereich verpasst. Sodann sei es dem Privatkläger gelungen, sich von 

der Bauchlage, in der er sich in der Zwischenzeit befunden habe, in eine auf-

rechte Knieposition zu stemmen. Da habe der Beschuldigte mit seinem Messer 

gegen den Brustbereich des Privatklägers eingestochen. Reflexartig habe der  

Privatkläger seine rechte Hand schützend davor gehalten, weshalb das Messer 

"lediglich" in sein Handgelenk und nicht in die Herzregion gedrungen sei (Urk. 21 

S. 2 f.).  

Im Rahmen der Aussagewürdigung präzisierte die Vorinstanz den Sachverhalt 

dahingehend, dass mit dem K.O-Schlag kein eigentlicher K.O-Schlag im  

herkömmlichen Sinne zu verstehen sei. Vielmehr sei – davon gehen sowohl der 

Beschuldigte als auch der Privatkläger übereinstimmend aus (Urk. 3/1 S. 7,  

Urk. 4/1 S. 4, Urk. 4/2 S. 9) – von einem heftigen Faustschlag seitens des  

Beschuldigten auszugehen, woraufhin der Privatkläger zurückgetaumelt und ohne 

Bewusstseinsverlust rücklings auf das Terrassen-Mäuerchen gefallen sei. Dies, 

nachdem der Beschuldigte dem Privatkläger bereits mehrere kräftige Faust-

schläge gegen den Kopf verpasst habe (Urk. 78 S. 23).  

Während die Anklageschrift dem Beschuldigten noch vorwarf, hernach gesagt zu 

haben: "Jetzt hani di umbracht, jetzt langets. Gömmer" (Urk. 21 S. 3), ging die  

Vorinstanz davon aus, dass dies als nicht erstellt erachtet werden könne, worauf-

hin sie den Anklagesachverhalt dahingehend korrigierte (Urk. 78 S. 37). Ab- 

gesehen von diesen zugunsten des Beschuldigten vorgenommenen Anpassun-

gen erachtete die Vorinstanz den objektiven Teil der Sachverhaltsdarstellung als  

erstellt und mit dem objektiven Anklagesachverhalt übereinstimmend (Urk. 78  

S. 37 f.). 

4.2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte bereits von Beginn 

der Untersuchung an auch bezüglich des vorliegend strittigen Sachverhalts-

abschnitts betreffend den äusseren Geschehensablauf ein Teilgeständnis ablegte 

(Urk. 78 S. 16). Insbesondere anerkennt der Beschuldigte das in der Anklage  

umschriebene Verletzungsbild des Privatklägers (Urk. 3/2 S. 5, Urk. 3/4 S. 8 f., 

-   13   - 

Prot. I S. 53, Urk. 108 S. 13): Nichtdislozierte Fraktur der 4. Rippe lateral rechts, 

tiefe Schnittverletzung distaler ventraler Unterarm rechts mit Durchtrennung des 

Musculus carpi radialis, Schnittverletzung von zirka 2.5 cm palmarseitig rechts mit 

V.d.a. Läsion des Nervus medianus rechts, oberflächliche Schnittverletzung  

distaler ventraler Unterarm links, multiple Prellmarken an Thorax, Abdomen, Arme 

beidseits, Gesicht und Knie (Urk. 21 S. 3). Unbestritten ist ferner, dass der  

Beschuldigte dem Privatkläger mehrere Faustschläge gegen dessen Kopfbereich 

verpasste. So erklärte er anlässlich der Hauptverhandlung, es könne schon sein, 

dass es – wie vom Privatkläger dargestellt – 20 bis 30 Schläge gegen den Kopf 

gewesen seien, wobei er aber nicht mitgezählt habe (Urk. 3/2 S. 3; Prot. I S. 40 

ff., 45; Urk. 78 S. 22). Auch an der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschul-

digte, den Privatkläger mit mehreren Faustschlägen gegen den Kopf traktiert zu 

haben, wobei auch er zahlreiche Faustschläge habe einstecken müssen (Urk. 108 

S. 18 f.). Der Beschuldigte wehrt sich hingegen ganz entschieden gegen den 

Vorwurf, dass er auf den Privatkläger im Brustbereich eingestochen haben soll. 

Während dem der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfron-

tationseinvernahme mit dem Privatkläger zunächst noch ausgeführt hatte:  

"Eigentlich stimmt alles was er gesagt hat, ausser etwas, dass er von Anfang an 

mit einem Messer auf mich los kam und ich habe das Gefühl, dies sei etwas  

untergegangen in seinen Aussagen und irgendwie war es etwas schlimmer wie er 

auf mich loskam, wie er das hier geschildert hat" (Urk. 3/2 S. 2), stellte er sich im 

Verlaufe der Einvernahme und hernach durchwegs und mit zunehmender  

Deutlichkeit gegen den Vorwurf, auf den Privatkläger eingestochen zu haben 

(Urk. 3/2 S. 4; Urk. 3/4 S. 8; Prot. I S. 37 ff., 52 und 60; Urk. 108 S. 18 ff.). So 

bringt auch die amtliche Verteidigung berufungsweise vor, dass von einer Schnitt- 

und eben nicht von einer Stichbewegung auszugehen sei (Urk. 82 S. 3 f.; 

Urk. 109 S. 8). Strittig ist demnach, wie die tiefe Schnittverletzung am rechten  

distalen ventralen Unterarm des Privatklägers (vgl. Urk. 10/3 inkl. Bild) entstanden 

ist bzw. ob der Beschuldigte gegen den Brustbereich des Privatklägers einge-

stochen hat. 

4.3. Damit ist nachstehend der massgebliche Sachverhalt in Bezug auf den 

Messereinsatz des Beschuldigten zu erstellen. Insbesondere ist zu klären, ob die 

-   14   - 

Verletzung am rechten Unterarm des Privatklägers – wie von der Vorinstanz  

angenommen – entstanden ist, als der Beschuldigte gegen den Brustbereich des 

Privatklägers zustach, während dieser reflexartig den rechten Arm vor seine Brust 

gehalten hat. Wie dabei in theoretischer Hinsicht vorzugehen ist, hat die Vor- 

instanz zutreffend dargelegt (Urk. 78 S. 13, 17 ff.). Darauf kann verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO). 

4.4. Weiter hat die Vorinstanz ausführlich, sorgfältig und zutreffend die mass-

geblichen Aussagen all jener Personen zusammengefasst, die zur Sache aus-

sagen konnten (Urk. 78 S. 24 ff.). Sie stützt sich bei der Sachverhaltserstellung 

neben den Aussagen des Beschuldigten in erster Linie auf die Aussagen des  

Privatklägers ab. Demgegenüber sieht sie die Zeugenaussagen von F._____ im 

Hinblick auf die Aufklärung des Tatgeschehens als wenig zielführend (Urk. 78 

S. 13, 24, 29). Hierauf ist – mit nachstehenden Ergänzungen – voll-umfänglich zu 

verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

Vorab ist mit der Vorinstanz darauf hinzuweisen, dass sich der Beschuldigte, der 

Privatkläger sowie die Zeugin F._____ bereits vor der Tat kannten und nicht mit 

letzter Sicherheit festgestellt werden kann, in welcher Beziehung diese im  

Ereigniszeitpunkt zueinander standen. Aufgrund übereinstimmender Aussagen 

von F._____ und dem Beschuldigten steht fest, dass diese eine sieben- bis acht-

jährige Beziehung mit diversen Unterbrüchen führten bzw. bis heute führen. Wäh-

rend eines solchen Unterbruchs war F._____ gemäss den Aussagen der Beteilig-

ten ca. 3 Monate mit dem Privatkläger liiert. In der Zeit vor dem Tatzeitpunkt er-

folgte dann offenbar wieder eine (körperliche) Annäherung zwischen F._____ und 

dem Privatkläger, was zu erheblichen Spannungen zwischen diesem und dem 

Beschuldigten geführt haben muss (Urk. 78 S. 19 mit Verweis auf Urk. 3/1 S. 2 f., 

4/2 S. 11 und 5/1 S. 2 f.; Prot. I S. 24 ff.; Urk. 108 S. 3 ff.). In der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme im März 2013 erklärte der Privatkläger, keinen Kontakt 

mehr zu F._____ zu pflegen (Urk. 4/2 S. 14). Auch diese  

erklärte im Mai 2013, den Kontakt zum Privatkläger zu meiden (Urk. 5/2 S. 3).  

Jedenfalls war das Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 

im Tatzeitpunkt und im Nachgang schwierig. Kurz nach der Tat hielt der Privat-

-   15   - 

kläger in Bezug auf seine Einstellung zum Beschuldigten fest: "Dass der hinter 

Gitter muss für eine Zeitlang! Weil der spinnt, der Siech", ohne aber Rachegefühle 

zu hegen (Urk. 4/1 S. 10). Folgerichtig hat die Vorinstanz diese persönlichen Ver-

strickungen im Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt. Ebenso hat sie  

zutreffenderweise auf ein gewisses Eigeninteresse des Privatklägers aufgrund der 

gestellten Zivilansprüche hingewiesen. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass 

diese Umstände die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers allerdings 

nicht grundsätzlich zu erschüttern vermögen (Urk. 78 S. 19). Demgegenüber  

ist offensichtlich, dass sich F._____ bei ihren Aussagen aufgrund der  

Beziehungskonstellation in einem enormen Loyalitätskonflikt befunden haben 

muss. Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 109 S. 5 f.) machte sie  

anlässlich der Einvernahmen auch keine konkreten Aussagen, die zur Erstellung 

des Tatherganges und insbesondere betreffend den Messereinsatz durch den 

Beschuldigten sachdienlich wären. So erklärte sie anlässlich der polizeilichen Ein-

vernahme noch, gar nicht mitbekommen zu haben, dass der Privatkläger verletzt 

worden sei. Sie habe auch kein Blut gesehen (Urk. 5/1 S. 4). Anlässlich der  

Zeugeneinvernahme zum Tatgeschehen befragt, hielt sie fest: "Dann habe ich nur 

noch gesehen, wie sie gegeneinander fechteten und dann plötzlich habe ich  

gesehen, wie Herr A._____ zurückschreckte, ich glaube er hatte Blut  

gesehen" (Urk. 5/2 S. 3 f). Entweder hatte F._____ weite Teile des Kampfes nicht 

mitbekommen oder sie wollte über das tatsächlich Wahrgenommene nicht berich-

ten. Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und des Pri-

vatklägers steht nämlich fest, dass der Beschuldigte das Messer des  

Privatklägers diesem ganz zu Beginn aus der Hand geschlagen hatte (Urk. 3/2 

S. 3; Urk. 4/1 S. 2 f.; Prot. I S. 43, 50; Urk. 108 S. 16, 18, 21). Mithin kann die  

Verletzung am rechten Unterarm des Privatklägers gar nicht während des Fecht-

kampfes entstanden sein. Es ist damit zutreffend, wenn die Vorinstanz die Aus-

sagen von F._____ als "äussert vage, rudimentär und unpräzise" und damit als 

wenig zielführend einstuft (Urk. 78 S. 13, 29). 

Neben den Aussagen der Tatbeteiligten liegt bei den Akten ein Kurzbericht des 

Forensischen Instituts Zürich vom 14. Januar 2013 betreffend Spurensicherung 

(Urk. 13). Sodann liegen diverse Arztberichte betreffend die Verletzungen des 

-   16   - 

Privatklägers vor: Der Eintrittsbericht der Klinik für Unfallchirurgie des Universi-

tätsspitals Zürich vom 24. Dezember 2012 (Urk. 10/2), der Operationsbericht der 

Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des Universitätsspitals Zürich 

(Urk. 10/3), sowie der Notfallbericht des Spitals Männedorf vom 31. Dezember 

2012 (Urk. 10/5). Überdies wurde am Institut für Rechtsmedizin der Universität 

Zürich ein pharmakologisch-toxikologisches Gutachten über die Blut- und Urin-

untersuchungen des Beschuldigten und Privatklägers erstellt (Urk. 6/3 und  

Urk. 7/2). Schliesslich finden sich bei den Akten Unterlagen betreffend die  

psychiatrische Begutachtung des Beschuldigten (Urk. 8/1-5), insbesondere das 

psychiatrische Gutachten von Dr. med. G._____ vom 11. September 2013 

(Urk. 8/4-5).  

Es kann vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem  

Beweismaterial gezogenen Schlüssen zum äusseren Handlungsablauf bezüglich 

des Messereinsatzes durch den Beschuldigten vollumfänglich zu folgen ist. Die 

folgenden Erwägungen sollen dies verdeutlichen.  

4.5. Mit der Vorinstanz hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte die Aussagen 

des Privatklägers anlässlich der Konfrontationseinvernahme zunächst vollumfäng-

lich bestätigte und lediglich anfügte, dass auch der Privatkläger mit dem Messer 

auf ihn losgegangen sei, was wohl etwas untergegangen sei (Urk. 3/2 S. 2, 

Urk. 78 S. 26). Auf Vorhalt der Aussage des Privatklägers, wonach ihm – dem 

Privatkläger – das Messer in den Brustkasten gerammt worden wäre, wenn er 

seinen Arm nicht schützend davor gehalten hätte, erklärte er dann aber noch in 

der gleichen Einvernahme: "Ich habe mit dem Messer nicht gezielt auf seine Brust 

zugestochen. Ich wollte ihn am Arm treffen. Ich habe ja seinen Arm gesehen, 

wenn ich gewollt hätte, hätte ich tiefer unten zustechen können." Er habe mit dem 

Messer eigentlich von unten zugestossen, um den Arm des Privatklägers weg-

zudrücken. Auf die Frage, was wohl passiert wäre, wenn der Privatkläger seinen 

Arm nicht schützend vor seinen Oberkörper gehalten hätte, entgegnete der  

Beschuldigte: "Hätte ich die Fäuste gebraucht und nicht das Messer. Ich weiss 

nicht genau was passiert wäre, ich glaube nicht, dass ich einfach auf einen mit  

offener Brust zugestochen hätte. Ich bin sonst nicht so" (Urk. 3/2 S. 4 ff., Urk. 78 

-   17   - 

S. 26). Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 19. September 2013 betonte der 

Beschuldigte, dass entgegen den Behauptungen des Privatklägers eben keine 

Stich-, sondern eine Schnittverletzung resultiert und er das bewusst so gemacht 

habe. Nun behauptete der Beschuldigte, dem Privatkläger die Verletzung am 

rechten Handgelenk gezielt durch einen "fest angedrückten Schnitt" zugefügt zu 

haben. Er habe die Klinge seitlich gegen den Privatkläger gestossen, so dass 

höchstens ein Schnitt am Oberkörper hätte resultieren können (Urk. 3/4 S. 8 f., 

Urk. 78 S. 27).  

Wie bereits von der Vorinstanz dargelegt, präsentierte der Beschuldigte an der 

Hauptverhandlung eine völlig andere Version des Messereinsatzes (Urk. 78 S. 27 

ff.). Er habe den Privatkläger mit dem Messer nicht verletzen und ihn auch nicht 

schneiden wollen. Er hätte höchstens mit der Faust abkippen können und dann 

wäre das Messer flach auf dem Privatkläger aufgeprallt, wobei ja aber noch seine 

Faust dazwischen gewesen wäre (Prot. I S. 38). Er habe mit den Fäusten auf den 

Brustkorb des Privatklägers eingeschlagen und das Messer lediglich in der Faust 

gehalten. Der Privatkläger habe dabei aber "so blöd abgewehrt", dass dieser 

sozusagen ins Messer gefasst habe (Prot. I. S. 50). Dabei zitiert die Vorinstanz 

den Beschuldigten wie folgt: "Ich habe mit der linken Faust zugeschlagen. Mit 

dieser Faust habe ich auch das Bajonett umklammert. Die Klinge des Bajonetts 

zeigte (von mir aus gesehen) gegen rechts. Ich wollte ihn – den Privatkläger 1 – 

nur mit der Faust schlagen. Ich habe das Bajonett bewusst so gehalten, dass ich 

ihn nicht verletze. Ich habe das Bajonett zwar in der Hand gehalten, wollte ihn 

aber nur mit der Faust schlagen […]. Ich habe das Bajonett in der Faust gehalten, 

damit ich besser zuschlagen kann. Ähnlich, wie wenn man ein Feuerzeug in der 

Faust hält, damit man besser "drii schlaa" kann. Den Griff des Bajonetts habe ich 

eigentlich für das benutzt" (Prot. I S. 65). Zur Armhaltung des Privatklägers  

befragt, erklärte der Beschuldigte: "Ich habe hundertprozentig nicht zugestochen. 

Ich habe sein blödes Handgelenk überhaupt nur treffen können, weil er es so 

dumm hingehalten hat" (Prot. I S. 52). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung 

folgte der Beschuldigte der Sachdarstellung, wie er sie bereits vor Vorinstanz  

präsentiert hatte. Allerdings konnte er sich nicht mehr so recht an die Variante 

"Schlagverstärker" erinnern. Vielmehr erklärte er, dass Messer "einfach" noch in 

-   18   - 

der Hand gehabt zu haben, was eher unbewusst geschehen sei, wobei er aber 

anmerkte, dass er sein Messer während einer Schlägerei natürlich nicht herum-

liegen lasse. Wiederum stellte er sich damit auf den Standpunkt, "nur" mit den 

Fäusten zugeschlagen zu haben. Auf das variantenreiche Aussageverhalten an-

gesprochen, erklärte der Privatkläger, zunächst sehr emotional und aufgewühlt 

gewesen zu sein. Er habe zuerst seine Gedanken ordnen müssen und habe Zeit 

gebraucht, den Abend zu rekapitulieren. An der Hauptverhandlung sei er erstmals 

klarer im Kopf gewesen. Letztlich wisse er aber einfach nicht im Detail, wie es 

passiert sei, schliesslich habe er die Tat ja nicht geplant. Es sei einfach "dumm 

gelaufen" (Urk. 108 S. 21 ff.).  

Die erstmals an der Hauptverhandlung vorgebrachte Variante des Messerein-

satzes als Schlagverstärker ist völlig unglaubhaft. Gleiches gilt für die Variante, 

wonach er lediglich zugeschlagen und das Messer nur mehr oder weniger zufälli-

gerweise noch in der Hand gehalten habe. Zu Recht weist die Vorinstanz auf die 

Unverträglichkeit mit der früheren Antwort des Beschuldigten hin, wonach er die 

Fäuste und nicht das Messer verwendet hätte, wenn der Privatkläger den Arm 

nicht davor gehalten hätte. Überdies muss unter Verweis auf die überzeugenden 

Erwägungen der Vorinstanz angefügt werden, dass ein Bajonett mit einer Klingen-

länge von rund 25 cm als "Schlagverstärker" nicht praktikabel und der geltend 

gemachte Verwendungszweck damit als nicht plausibel erscheint (Urk. 78 S. 31). 

Der Vorinstanz kann sodann uneingeschränkt gefolgt werden, wenn sie auf die 

"geradezu groteske Rollenverteilung" durch den Beschuldigten hinweist (Urk. 78 

S. 31). Während der Beschuldigte anfänglich noch einen gezielten Einsatz des 

Messers und damit ein aktives Tun einräumte und später immerhin noch erklärte, 

die Verletzung am Handgelenk mit einem "fest angedrückten Schnitt" zugefügt zu 

haben, geht er in der aktuellen Version davon aus, dass eine Verletzung der ein-

getretenen Art ohne Zutun des Privatklägers nicht erfolgt wäre und er das Messer 

gar nicht als Messer habe verwenden wollen. Vielmehr habe er das Messer in  

einer Weise gehalten, damit der Privatkläger gerade nicht damit verletzt werde. 

Dies zeigt eben auch die sich bei jeder Einvernahme steigernde Tendenz des  

Beschuldigten, sein Verhalten zu bagatellisieren und von sich abzulenken, wie 

dies die Vorinstanz zutreffend erwogen und als Indiz für eine Falschaussage  

-   19   - 

erkannt hat (Urk. 78 S. 30, 32). Dazu passen auch die folgenden Aussagen: 

Nachdem der Beschuldigte ursprünglich noch erklärt hatte, dem Privatkläger das 

Messer an den Hals gehalten zu haben, um diesem Angst zu machen be-

ziehungsweise ihm zu drohen (Urk. 3/2 S. 4), und dies anlässlich der Haupt-

verhandlung anfänglich noch bestätigte (Prot. I S. 51), nahm er im Verlauf der  

Befragung Abstand von dieser Sachdarstellung und erklärte: "Nein, ich habe ihm 

das Messer nicht an den Hals gehalten. Ich habe seinen Hals nicht berührt. Ich 

habe das Bajonett vor seine Brust gehalten und mich mit der Faust auf ihn abge-

stützt" (Prot. I S. 66). Demgegenüber fällt auf, dass er umgekehrt seinen Stand-

punkt, wonach er eben nicht auf den Beschuldigten eingestochen habe, im Ver-

laufe des Verfahrens mit zunehmender Intensität vertritt. Konnte er anfänglich die 

Ausführungen des Privatklägers noch uneingeschränkt bestätigen, stellte er  

anlässlich der Hauptverhandlung fest: "Stimmt nicht, stimmt nicht, stimmt nicht" 

(Prot. I S. 60). Auch an der Berufungsverhandlung betonte der Beschuldigte, dass 

er den Privatkläger nie habe mit dem Messer verletzen wollen (Urk. 108 S. 24). 

Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass jemand, der fälschlicherweise  

bezichtigt wird, auf jemanden eingestochen zu haben, dies von Anfang an in  

dezidierter Weise in Abrede stellt. Dies war vorliegend aber gerade nicht der Fall. 

Vielmehr bestätigte der Beschuldigte in den verwertbaren tatnäheren Einver-

nahmen die Sachdarstellung des Privatklägers. In diesem Zusammenhang ist 

auch die von der Vorinstanz aufgegriffene Wortwahl des Beschuldigten bemer-

kenswert: "[…] wenn ich gewollt hätte, hätte ich tiefer unten zustechen können 

und "ich weiss nicht genau was passiert wäre, ich glaube nicht, dass ich einfach 

auf einen mit offener Brust zugestochen hätte" (Urk. 78 S. 32 mit Verweis auf 

Urk. 3/2 S. 4 und 6). Diese Aussage lässt nicht auf eine Person schliessen, die 

ein Messer "nur" als "Schlagverstärker" verwendete bzw. es zufälligerweise noch 

in der Hand gehalten hat, sondern impliziert vielmehr, dass eben doch zuge-

stochen worden ist.  

Im Sinne einer Gesamtwürdigung müssen die Aussagen des Beschuldigten  

infolge seines widersprüchlichen und offensichtlich absichtsgesteuerten Aussage-

verhaltens – mit der Vorinstanz – als unglaubhaft angesehen werden. Das nicht 

konsistente Aussageverhalten des Beschuldigten erscheint konstruiert und im 

-   20   - 

Hinblick auf das von ihm gewünschte Beweisergebnis abgestimmt (Urk. 78 S. 30 

und 32). 

4.6. Demgegenüber stuft die Vorinstanz die Aussagen des Privatklägers als 

plausibel und plastisch ein. Sie verweist auf das Fehlen von Phantasiesignalen 

und das Vorhandensein zahlreicher Realitätskriterien. Ferner beschreibt sie das 

Aussageverhalten des Privatklägers im Kern gleich bleibend und konstant. Eben-

so unterlasse es der Privatkläger, die Geschehnisse zu dramatisieren. Es bestün-

den keinerlei Anhaltspunkte, die Richtigkeit der Schilderungen in Zweifel zu  

ziehen. Dabei würdigte die Vorinstanz die Aussagen des Privatklägers ausführlich 

und sorgfältig, weshalb wiederum darauf verwiesen werden kann (Urk. 78 S. 24 f., 

32–35; Art. 82 Abs. 4 StPO). Nachfolgend ist das Augenmerk auf Ungereimt-

heiten in den Aussagen zu richten.  

Es fällt auf, dass der Privatkläger an der polizeilichen Einvernahme noch erklärte, 

dass der Beschuldigte sein Herz habe treffen wollen, als dieser auf ihn einge-

stochen habe (Urk. 4/1 S. 3). Vor der Staatsanwaltschaft erklärte er dann, nicht zu 

wissen, ob es ein gewollter Stich gewesen sei oder ob der Beschuldigte bloss  

habe rumfuchteln wollen und räumte ein, im Moment, als der Beschuldigte zuge-

stochen habe, das Messer gar nicht gesehen zu haben (Urk. 4/2 S. 7 f.). Darauf 

verweist sowohl die Vorinstanz (Urk. 78 S. 25) als auch die Verteidigung (Urk. 50 

S. 5, Urk. 82 S. 4, Urk. 109 S. 7).  

Dem ist beizufügen, dass die letztere Aussage – im Kontext gesehen – keines-

wegs etwas an dem vom Privatkläger eingenommenen Standpunkt ändert,  

wonach der Beschuldigte in Richtung Herzregion zugestochen habe und er – der 

Privatkläger – diesen Stich reflexartig habe abwehren können. Diese Äusserung 

erfolgte denn auch unmittelbar auf die Aussage, wonach der Beschuldigte auf die 

Brust bzw. seinen vorgehaltenen Arm zugestochen habe und erging als Antwort 

auf die Frage, ob er etwas zum Kraftaufwand des Stiches sagen könne, woraufhin 

der Privatkläger ausführte: "Nein. Ich habe es nur gespürt. Ob es jetzt ein ge-

wollter Stich war oder ob er einfach rumfuchteln wollte, das weiss ich nicht. Ich 

spürte ihn einfach in der Hand" (Urk. 4/2 S. 8). Mit "ihn" muss offensichtlich "der 

Stich" gemeint sein. Es stimmt also keineswegs, dass der Privatkläger sich an der 

-   21   - 

zweiten Einvernahme nicht mehr habe an die Stichbewegung des Beschuldigten 

erinnern können, wie dies die Verteidigung berufungsweise glauben machen will 

(Urk. 82 S. 3 f., Urk. 109 S. 7). Anzufügen ist, dass der Privatkläger in der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme zur Tathandlung des Beschuldigten befragt, 

ganze sechs Mal das Wort "Stechen" erwähnte und zwar von sich aus (Urk. 4/2 

S. 7, 8, 9). Zudem entgegnete er auf die Frage, was vermutungsweise passiert 

wäre, wenn er den Arm nicht so vor seine Brust gehalten hätte: "Dann wäre der 

Stich in das Herz. Irgendwo im Brustbereich hätte er rein gestochen… (Urk. 4/2 

S. 8 f.). Dazu befragt, was ihm in diesem Moment durch den Kopf gegangen sei, 

erklärte er: "Ciao, tschüss. Es hätte schief gehen können […]. Dass er mich im 

Herz trifft" (Urk. 4/2 S. 10). Der Privatkläger vertrat demnach auch anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme eindeutig den Standpunkt, dass der  

Beschuldigte in Richtung des Oberkörpers zugestochen habe.  

Es mag zutreffen, dass der Privatkläger am Folgetag des Angriffes noch verärgert 

gewesen sein könnte und sich im Verlaufe der Zeit beruhigte, wie dies die Ver-

teidigung vorbringt (Urk. 50 S. 8). Es ist naheliegend, dass man in einem emotio-

nal aufgewühlten Zustand die Tendenz dazu hat, gewisse Erlebnisse zu dramati-

sieren. Auch ist es nachvollziehbar, dass man einem Nebenbuhler – wie der Pri-

vatkläger selbst erklärte, waren beide in F._____ verliebt und es sei ein Hin und 

Her gewesen (Urk. 4/1 S. 7; Urk. 4/2 S. 12) – nicht gerade wohlgesinnt ist. Es ist 

wohl so, dass es einem sogar dienlich wäre, wenn der Konkurrent für eine gewis-

se Zeit – etwa durch einen längeren Gefängnisaufenthalt – aus dem Weg ge-

schafft werden könnte. Allerdings hat die Vorinstanz unter Verweis auf das Aus-

sageverhalten des Privatklägers und die Offenheit, sich auch selbst zu belasten, 

ein Rachemotiv bereits mit einleuchtender Begründung verneint (Urk. 78 S. 34). 

Dazu passt auch, dass der Privatkläger angab, die seitens des Beschuldigten frü-

her geäusserte Drohung nicht ernst genommen zu haben (Urk. 4/2 S. 12). Zudem 

hat der Privatkläger in der zweiten Einvernahme gewisse Aussagen relativiert, 

was auch die Verteidigung des Beschuldigten vorbringt (Urk. 50 S. 8). Dies spricht 

aber gerade für die Glaubhaftigkeit der Aussagen, blieben sie betreffend den 

Messereinsatz doch im Kern gleich, ohne dass der Privatkläger die Sachdarstel-

lung im Verlaufe der Einvernahmen unnötig ausschmückte oder dramatisierte.  

-   22   - 

Die Vorinstanz verweist ferner auf den Umstand, dass der Beschuldigte hinsicht-

lich der Stichbewegung und -richtung kaum detaillierte Angaben zu machen ver-

möge (Urk. 78 S. 33), was die Verteidigung berufungsweise zugunsten des  

Beschuldigten auszulegen versucht (Urk. 109 S. 7). Anlässlich der polizeilichen 

Einvernahme erklärte der Privatkläger, dass er zunächst bäuchlings auf dem  

Boden gelegen sei, während der Beschuldigte auf ihm drauf gesessen sei und 

viele Male auf ihn eingeschlagen habe. Da habe er – der Privatkläger – sich  

umdrehen können, wobei das Bajonettmesser, welches der Beschuldigte in der 

linken Hand gehalten habe, weggerutscht sei. Er habe sich über die rechte Schul-

ter drehen können. Da habe er gesehen, wie der Beschuldigte den Arm gehoben 

und auf ihn habe einstechen wollen, weshalb er reflexartig seinen rechten Arm 

gehoben habe, um sein Herz zu schützen. Dann habe der Beschuldigte zuge-

stochen (Urk. 4/1 S. 4). Dazu befragt, erklärte der Privatkläger, der Beschuldigte 

habe mit der rechten Hand zugestochen (Urk. 4/1 S. 3). Demgegenüber führte er 

anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme aus, der Beschuldigte habe 

mit der linken Hand zugestochen. Er habe sich kniend auf dem Boden befunden, 

mit dem Körper aber aufrecht. Der Beschuldigte sei hinter ihm gewesen, weshalb 

er ihn und das Messer nicht habe sehen können. Aus der Reaktion heraus habe 

er dann die Hand vor die Brust gehalten. Dazu befragt, wie er sich von der 

Bauchposition in die Knieposition habe bringen können, erklärte der Privatkläger, 

dass er sich kurz befreien und nach oben habe drücken können (Urk. 4/2 S. 7 f.). 

Es bestehen also auch beim Privatkläger gewisse Ungereimtheiten in den Aus-

sagen zum Geschehensablauf. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die 

vom Privatkläger geschilderten unterschiedlichen Positionen der Tatbeteiligten 

nicht vereinbaren lassen. Mit der Vorinstanz ist allerdings festzuhalten, dass die 

Aussagen des Privatklägers nicht alleine aufgrund des Umstandes, wonach er 

sich nicht an alle Details zu erinnern vermag, per se als unglaubhaft einzustufen 

sind (Urk. 78 S. 33). Vielmehr erscheint es nachvollziehbar, wenn der Privatkläger 

unter Berücksichtigung der begrenzten menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit, 

der schlechten Sichtverhältnisse zur Tatzeit in der Nacht und dem äusserst  

dynamischen Geschehensablauf nicht sämtliche Details wahrgenommen hat bzw. 

diese nicht mehr genau wiedergeben kann. Dies umso mehr, wenn man sich die 

-   23   - 

stetige Bedrohungssituation vergegenwärtigt, in der sich der Privatkläger befun-

den haben muss. Der vom Privatkläger geschilderte Geschehensablauf fand dann 

entsprechend Eingang in den Anklagesachverhalt, ohne in einschränkender  

Weise festzulegen, in welcher Position sich der Beschuldigte im Moment des  

Zustechens genau befunden hat (Urk. 21 S. 3). Dies hat zu keinen Beanstandun-

gen geführt und ist letztlich nicht von grosser Bedeutung. Entscheidend für die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers ist die damit übereinstimmende 

und konstante Darstellung des Beschuldigten, wonach die Verletzung entstanden 

sei, weil der Privatkläger reflexartig seinen Arm hoch gehalten habe, um sich zu 

schützen (Urk. 3/2 S. 4, 6; Urk. 3/4 S. 8; Prot. I S. 39, 50, 52, 60; Urk. 108 S. 20 f., 

24). Dabei ist unbestritten, dass der Privatkläger den Arm auf Höhe des Ober-

körpers / Kinn gehalten hat (Urk. 3/2 S. 6; Urk. 3/4 S. 8 f.; Prot. I S. 38 f., 50, 52; 

Urk. 108 S. 20). Dies erklärt auch, weshalb der Privatkläger angab, dass das 

Messer ohne Abwehrbewegung "irgendwo im Brustbereich" eingedrungen wäre, 

selbst wenn er dieses nicht kommen sah (Urk. 4/2 S. 8 f.). Das drohende, darauf-

folgende vermutete Einstechen ist denn auch die entscheidende Bedrohungs-

situation, die sich der Privatkläger eingeprägt hat und gegen die er sich mit Erfolg 

wehren konnte. Ferner steht fest, dass der Beschuldigte das Messer mit erhebli-

cher Wucht gegen den Oberkörper des Beschuldigten geführt haben muss.  

Anders lässt sich das eingetretene Verletzungsbild der doch tiefen Wunde mit 

Durchtrennung einer Sehne sowie eines Muskels nicht erklären (Urk. 10/3, 

Urk. 10/5 S. 2).  

4.7. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass der so erstellte Sach-

verhalt vom Ablauf her plausibel ist und sich zwanglos mit den objektiven Um-

ständen, insbesondere mit dem Verletzungsbild, in Einklang bringen lässt (Urk. 78 

S. 34 f.). An diesem Beweisergebnis könnte auch das seitens der Verteidigung 

beantragte Gutachten (Urk. 82, Prot. II S. 11 f.) nichts ändern, selbst wenn ein 

Solches Raum bieten würde für die Annahme einer bloss theoretisch vorhande-

nen Möglichkeit eines doch anderen Geschehensablaufes. Überdies ist für den 

Ausgang des Verfahrens nicht entscheidend, ob es sich bei der tatsächlich ein-

getretenen Handverletzung, wie im Sinne der Anklage zugunsten des Beschuldig-

ten anzunehmen, um eine Schnitt- oder eben doch um eine Stichverletzung  

-   24   - 

handelte. Ziel der Messerführung war schliesslich nicht das Handgelenk. Lediglich 

der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass es nicht zutrifft, wenn die Verteidi-

gung vorbringt, dass nur an den Kanten, nicht aber an der Messerspitze Blut-

spuren gefunden worden seien (Urk. 82 S. 3; Urk. 109 S. 8). Vielmehr kann dem 

seitens der Verteidigung genannten Spurenbericht entnommen werden, dass 

auch latente Blutanhaftungen an der Klingenspitze des Bajonetts festgestellt  

worden sind (Urk. 13 S. 7).  

Relevant für den Geschehensablauf ist, dass der Beschuldigte – gemäss hinläng-

lich erstelltem Sachverhalt – das Messer mit erheblicher Wucht in Richtung Brust-

bereich des Privatklägers geführt hat und das Messer in der Folge nur dank der 

Abwehrreaktion des Privatklägers nicht in dessen Brustbereich eingedrungen ist, 

sondern eine tiefe Verletzung am Handgelenk verursachte. Eine solche Messer-

führung als Stich zu bezeichnen, ist sicher nicht falsch. In diesem Sinne kann der 

Argumentation der Verteidigung nicht gefolgt werden, wonach – in Anbetracht 

dessen, dass Deutsch nicht die Muttersprache des Privatklägers sei – dem Wort 

"Stechen" nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden dürfe, wenn es von  

diesem verwendet werde (Urk. 50 S. 5, Urk. 82 S. 4, Urk. 109 S. 7). Den Akten 

sind sodann keinerlei Hinweise zu entnehmen, dass der Privatkläger Deutsch  

oder Schweizerdeutsch nicht beherrschen sollte, zumal er bei den Einvernahmen 

als erste Sprache Schweizerdeutsch angab bzw. die Frage, ob er eine Über-

setzung bedürfe, verneinte (Urk. 4/1 S. 1 und Urk. 4/2 S. 1). Schon alleine der 

Umstand, dass er das Wort "rumfuchteln" in seinem aktiven Wortschatz ver-

zeichnet, zeugt von soliden Sprachkenntnissen, die es ihm durchaus ermöglichen 

dürften, "Stechen" von "Schneiden" zu unterscheiden. 

Es kann damit ohne weiteres auf die überzeugende und durchwegs plausible 

Sachdarstellung des Privatklägers abgestützt werden, welche sich – wie gesehen 

– zwanglos mit den objektiven Umständen in Einklang bringen lässt.   

4.8. Der Sachverhalt erscheint mithin im schon von der Vorinstanz umschriebe-

nen Umfang als erstellt (Urk. 78 S. 37 f., Art. 82 Abs. 4 StPO).  

-   25   - 

5. Rechtliche Würdigung 

5.1. Die Vorinstanz hat das Handeln des Beschuldigten als eventualvorsätzlichen 

Tötungsversuch im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB gewürdigt (Urk. 78 S. 40 ff.) und ist damit den Anträgen der Staatsanwalt-

schaft sowie des Privatklägers gefolgt (Urk. 21, 48 und 49).  

5.2. Demgegenüber beantragte die Verteidigung bereits vor Vorinstanz, der  

Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten Tötung freizusprechen und statt-

dessen der versuchten schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen (Urk. 50 

S. 2 f. und 9 ff.), was er auch im Berufungsverfahren tut (Urk. 82 S. 3; Urk. 109 

S. 2, 8). Die Argumente der Verteidigung, weshalb nicht von einem Tötungs-

vorsatz ausgegangen werden könne, hat die Vorinstanz konzis zusammen-

gefasst, worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 78 S. 39, Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch 

berufungsweise bringt die Verteidigung vor, es habe sich beim Messereinsatz des  

Beschuldigten um eine "Schnittverletzung" und nicht, wie dies vom Privatkläger 

behauptet, um eine "Stichverletzung" gehandelt. Eine Schnittbewegung führe 

aber höchstens zu einer Körperverletzung, während eine Stichbewegung gegen 

die Brustgegend ein Indiz für einen (Eventual-)Tötungsvorsatz darstelle. Indem 

die Vorinstanz trotzdem angenommen habe, der Beschuldigte hätte gegen die 

Brustgegend des Privatklägers gestochen, verletze sie den Grundsatz "in dubio 

pro reo" (Urk. 82 S. 3 f., Urk. 109 S. 8). Soweit man dennoch von einem Eventu-

alvorsatz ausgehen wollte, läge versuchter Totschlag im Sinne von Art. 113 StGB 

vor (Urk. 50 S. 3).  

5.3. Nach Art. 111 StGB macht sich schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen 

tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen gemäss Art. 112 ff. StGB 

zutrifft.  

5.4. In subjektiver Hinsicht setzt Art. 111 StGB Vorsatz voraus, wobei Eventual-

vorsatz genügt.  

5.5. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätz-

lich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Satz 1, direkter Vorsatz). Vor-

sätzlich handelt aber bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und 

-   26   - 

in Kauf nimmt (Satz 2; Eventualvorsatz). Wann gemäss Lehre und Recht-

sprechung von einem Eventualvorsatz auszugehen ist, hat die Vorinstanz um-

fassend und zutreffend dargelegt (Urk. 78 S. 42). Darauf kann verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO).  

5.6. Ein Versuch liegt vor, wenn der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines 

Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende 

führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser 

nicht eintreten kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Beim Versuch erfüllt der Täter sämtli-

che subjektiven Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine Tatentschlossen-

heit, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 

IV 113 E. 1.4.2).  

5.7. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass sich der Privatkläger  

keine lebensgefährlichen Verletzungen zugezogen hat und er sich auch ohne 

zeitnahe ärztliche Versorgung nicht in unmittelbarer Lebensgefahr befunden hätte 

(Urk. 78 S. 40). Das zeigt sich schon daran, dass der Privatkläger sich selbst  

einer Erstversorgung unterziehen konnte und in der Lage war, selbständig die 

Sanität zu alarmieren. Zudem war er bereits am Folgetag wieder vernehmungs-

fähig (Urk. 4/1 S. 1 f., 7; Urk. 15/1 S. 2). Die seitens des Beschuldigten anerkann-

te (Prot. I S. 40, Urk. 108 S. 13) tiefe Schnittverletzung am rechten Handgelenk 

konnte noch gleichentags innert einer 35-minütigen Operation behandelt werden, 

wobei eine funktionelle Nachbehandlung mit Ruhigstellung in der Schiene für 

4 Wochen und anschliessendem Belastungsaufbau nach 8 Wochen angeordnet 

wurde (Urk. 10/3).  

5.8. Ein direkter Tötungsvorsatz kann dem Beschuldigten – mit der Verteidigung 

(Urk. 109 S. 6) – nicht nachgewiesen werden. Zweifelsfrei steht aber fest, dass 

der Beschuldigte mit Eventualvorsatz – und damit gleichwohl vorsätzlich – gehan-

delt hat, auch wenn der Tod des Privatklägers nicht das eigentliche Handlungsziel 

darstellte bzw. ihm dieser sogar unerwünscht gewesen wäre. Es kann wiederum 

auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 78 S. 41 

ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).  

-   27   - 

Wie die Vorinstanz unter Verweis auf die einschlägige bundesgerichtliche Recht-

sprechung einleuchtend darlegte, musste dem Beschuldigten – zumindest im  

Sinne eines Begleitwissens – bewusst gewesen sein, dass sein Messereinsatz im 

Brustbereich des Privatklägers durchaus hätte tödlich enden können. Ebenso 

muss der Vorinstanz uneingeschränkt gefolgt werden, wenn sie angesichts der 

Art und Beschaffenheit der Tatwaffe (beidseits geschliffene Klinge von ca. 25 cm; 

vgl. Urk. 13), des dynamischen Geschehensablaufs in der Dunkelheit, des  

Drogeneinflusses sowie der Gemütsbewegung des Beschuldigten zum Schluss 

kam, dass es für den Beschuldigten unmöglich war, die Kontrolle über seine  

Bewegungen mit dem Messer aufrechtzuerhalten, zumal der Beschuldigte selbst 

eingestand, zeitweise davon ausgegangen zu sein, dass er "die Adern doch 

durchtrennt habe" (Urk. 78 S. 43 ff. mit Verweis auf Urk. 3/4 S. 9). Auch beru-

fungsweise erklärte der Beschuldigte, dass ein gezieltes Einsetzen des Bajonetts 

unter den konkreten Umständen nicht möglich gewesen sei (Urk. 109 S. 25) 

Ob das Opfer letztlich stirbt, "nur" schwer verletzt wird oder glücklicherweise eben 

nicht, beschlägt einzig den Erfolg, der vorliegend vom Beschuldigten bei seiner 

Handlungsweise in keiner Weise willentlich gesteuert werden konnte. Das Risiko 

der Tatbestandsverwirklichung muss – mit der Vorinstanz – demnach als hoch 

eingestuft werden (Urk. 78 S. 43). Dass der Privatkläger nur relativ leichte Verlet-

zungen erlitt, sagt deshalb keineswegs etwas darüber aus, ob und allenfalls mit 

welcher Absicht der Beschuldigte zugestochen hat. Gleiches gilt in Bezug auf die 

tatsächlich eingetretene Verletzung am Handgelenk. Es lag keinesfalls im  

Belieben des Beschuldigten, welche Verletzungen der Privatkläger von der Aus-

einandersetzung tragen würde. Vielmehr oblag es dem Zufall und insbesondere 

der glücklichen Fügung, dass dem Privatkläger aufgrund seiner Abwehrbewegung 

keine schlimmeren Verletzungen zugefügt wurden, wie dies auch die Vorinstanz 

zutreffend feststellte (Urk. 78 S. 40, 45). Bei einem solchen Vorgehen liegt eine 

Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen des Kausalverlaufs (Bundesge-

richtsentscheide 6B_475/2012 vom 27. November 2012, E. 4.2; und 6B_808/2013 

vom 19. Mai 2014, E. 2.2.3 und E. 2.3). 

-   28   - 

Dass die Art und Weise der Messerführung des Beschuldigten als Stichbewegung 

und nicht etwa als Schneidebewegung einzustufen ist, wurde im Rahmen der  

Beweiswürdigung rechtsgenüglich erstellt (vgl. Ziff. 4.5 bis 4.7). Es kann damit der 

Argumentation der Verteidigung keineswegs gefolgt werden, wenn sie vorbringt, 

die Annahme einer Stichverletzung verletze den Grundsatz in dubio pro reo 

(Urk. 82 S. 4,Urk. 109 S. 7 f.). Es mag zutreffen, wenn die Verteidigung dafür hält, 

dass das Verletzungsbild des Privatklägers der Version des Beschuldigten 

("Schnittverletzung") nicht zum Vornherein widerspricht. Wie gesehen ist aber für 

die Bejahung des Eventualvorsatzes nicht das tatsächlich eingetretene Ver-

letzungsbild entscheidend, sondern vielmehr die erkannte Möglichkeit der Tat-

bestandsverwirklichung und dessen Inkaufnahme. Zudem ist das Verletzungsbild 

nur ein Element der sich aus der Gesamtwürdigung der Beweismittel ergebenden 

Gesamtschau. Wie im Rahmen der Aussagewürdigung festgestellt, kann jeden-

falls nicht auf die widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten abgestellt  

werden (vgl. Ziff. 4.5 bis 4.7), weshalb das Argument der Verteidigung, der  

Beschuldigte habe schlagen, jedoch nicht stechen wollen (Urk. 50 S. 5 f.; Urk. 109 

S. 8), nicht verfängt.  

Das Mass der Sorgfaltspflichtverletzung wiegt schwer. Der Beschuldigte hat im 

Rahmen des für ihn letztlich unkontrollierbaren Geschehensablaufes mit erhebli-

cher Wucht in Richtung Oberkörper des Privatklägers zugestochen. Das Risiko 

einer tödlichen Verletzung ist bei einem solchen Vorgehen generell als hoch ein-

zustufen (Bundesgerichtsentscheide 6B_475/2012 vom 27. November 2012, 

E. 4.2 und 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014, E. 2.2.3 und E. 2.3), was bei einer 

Klingenlänge von 25 cm umso mehr gelten muss.  

Indem der Beschuldigte im Rahmen der von ihm und dem Privatkläger geführten 

tätlichen Auseinandersetzung trotz des ihm bekannten hohen Todesrisikos mittels 

seines Bajonettmessers mit einer Klingenlänge von ca. 25 cm mit einiger Wucht 

gegen den Brustbereich des Geschädigten stach, nahm er den Tod des Privat-

klägers in Kauf und hat den subjektiven Tatbestand von Art. 111 StGB eventual-

vorsätzlich erfüllt.  

-   29   - 

5.9. Fehlt es wie vorliegend an der Erfüllung des objektiven Elements des  

Todeseintritts im Sinne von Art. 111 StGB, ist mithin der zum Tatbestand ge-

hörende Erfolg nicht eingetreten, ist von einem Versuch im Sinne von Art. 22 

Abs. 1 StGB auszugehen, wie dies bereits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat 

(Urk. 78 S. 49 ff.). Die Verteidigung hält dafür, dass von einem unvollendeten 

Versuch auszugehen sei, da der Beschuldigte aus freien Stücken den Tatort ver-

lassen habe, obwohl er ohne weiteres die Gelegenheit gehabt hätte, dem Privat-

kläger eine schwere Körperverletzung zuzufügen oder ihn zu töten. Den Stand-

punkt der Vorinstanz, wonach von einem vollendendeten Versuch auszugehen sei 

(Urk. 78 S. 49 f.), erachtet die Verteidigung als lebensfremd (Urk. 109 S. 9). Dem 

kann nicht gefolgt werden. Ein unvollendeter Versuch läge gemäss den zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz nur vor, wenn der Täter mit der Ausführung des 

Deliktes zwar begonnen, jedoch noch nicht alles vorgekehrt hat, was nach seinen 

Vorstellungen zur Vollendung der Tat erforderlich war und diese Vollendung auch 

nicht eingetreten ist (Urk. 78 S. 50; Trechsel/Geth, 2. Auflage, StGB PK, Art. 22 N 

2). Eine solche Konstellation ist vorliegend nicht gegeben. Es trifft zwar zu, dass 

der Beschuldigte nur einmal zugestochen hat. Mit der Vorinstanz ist aber darauf 

hinzuweisen, dass keine Anhaltspunkte vorliegen, dass der Beschuldigte dem 

Privatkläger gemäss seinem ursprünglich gefassten Tatplan weitere Verletzungen 

hätte zufügen wollen und erst während der Tatausführung von diesem Tatplan 

abgewichen ist (Urk. 78 S. 50). Insbesondere wird dem Beschuldigten kein direkt-

vorsätzliches Handeln vorgeworfen. Der Beschuldigte betont denn auch immer 

wieder, dass er zu keiner Zeit den Tod des Privatklägers angestrebt hätte (vgl. 

etwa Prot. II S. 13). Vielmehr hat er den Tatbestand der versuchten Tötung  

bekanntlich eventualvorsätzlich erfüllt. Dabei lag es nicht im Wirkungsbereich des 

Beschuldigten, ob der tatbestandsmässige Erfolg bei diesem konkreten einen 

Stich eintrat oder nicht. Die Vorinstanz ist damit zutreffenderweise von einem 

vollendeten Versuch ausgegangen. Von einem Rücktritt im Sinne von Art. 23  

Abs. 1 StGB kann daher nicht gesprochen werden. 

5.10. Schliesslich ist mit der Vorinstanz (Urk. 78 S. 47 ff.) auch die Eventual-

argumentation der Verteidigung zu verwerfen, wonach der Beschuldigte des  

(versuchten) Totschlags im Sinne von Art. 113 StGB schuldig zu sprechen sei 

-   30   - 

(Urk. 50 S. 10 f.). Die Anwendung dieses privilegierten Tatbestandes erforderte, 

dass der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemüts-

bewegung oder unter grosser seelischer Belastung gehandelt haben müsste. Von 

der ersten – hier zur Diskussion stehenden – Tatbestandsvariante werden alle 

Emotionszustände der Trauer, der Furcht, der Wut, des Glücks, des Abscheus 

usw. erfasst, wobei in quantitativer Hinsicht einschränkend eine heftige Gemüts-

bewegung vorausgesetzt wird, d.h. ein Gefühl von besonderer Stärke. Der Affekt 

muss sodann nach den Umständen entschuldbar sein und die Reaktion des  

Täters hat mehr oder weniger unmittelbar auf den plötzlich auftretenden  

Emotionszustand zu folgen. Mit anderen Worten muss also eine Kurzschluss-

handlung vorliegen (BSK StGB-II-Niggli/Schwarzenegger Art. 113 N 6 und N 8 mit 

Verweisen). 

Mit der Verteidigung ist festzuhalten, dass Eifersucht durchaus ein Gefühl beson-

derer Stärke, wie es der Tatbestand des Totschlages verlangt, hervorrufen kann 

(Urk. 50 S. 11, Prot. I S. 76). Allerdings muss vorliegend bezweifelt werden, dass 

von einer heftigen Gemütsbewegung ausreichender Intensität die Rede sein 

könnte, war es doch für die Beteiligten offenbar nicht völlig unüblich, auch aus-

serhalb ihrer Beziehung intime Kontakte zu pflegen. So erklärte der Beschuldigte 

auf die Frage, ob er Wut auf den Privatkläger verspürte: "Nein, ich wusste, dass 

er ohnehin keine Chance gegen mich hat, bei der Frage, ob sich F._____ für ihn 

oder mich entscheidet. Das habe ich gewusst. Ich bin schon so lange mit ihr  

zusammen. Sie hat mich schon oft betrogen und ich sie auch. Aber wir haben 

immer wieder zusammengefunden" (Prot. I S. 56; vgl. auch Urk. 108 S. 15).  

Die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kurz zusammengefasst kann dem 

Beschuldigten aber schon deshalb keine Totschlagsituation zugebilligt werden, 

weil es jedenfalls am Element der Entschuldbarkeit mangelt (Urk. 78 S. 48 f.). Die 

Reaktion des Beschuldigten kann aus der Sicht eines objektiv wertenden Betrach-

ters keinesfalls als menschlich begreiflich bzw. verständlich eingestuft werden und 

erscheint nach ethischen Gesichtspunkten ebenso wenig in einem wesentlich  

milderen Licht, wie dies für die Bejahung der Entschuldbarkeit verlangt würde 

(Bundesgerichtsentscheid 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011, E. 4.3.1). Wie die 

-   31   - 

Vorinstanz richtig feststellte, muss davon ausgegangen werden, dass der  

Beschuldigte aus Eifersucht gegenüber seinem Nebenbuhler gehandelt hat, weil 

ihm die Beziehung bzw. das Verhältnis zwischen seiner langjährigen Partnerin 

und dem Privatkläger offenbar ein Dorn im Auge war (Urk. 3/1 S. 2 - 5, S. 9; 

Urk. 3/2 S. 4; Prot. I S. 40, S. 55 f.; Urk. 78 S. 48 f.). Anlässlich der Hauptverhand-

lung erklärte der Beschuldigte: "Ja, den Tod habe ich ihm bereits gewünscht, als 

ich das erste Mal von ihm gehört habe, weil er meine Frau gefickt hat. Das ist klar. 

Ich hatte aber nie vor, ihn umzubringen" (Prot. I S. 40). Der Beschuldigte war sich 

demnach bewusst, dass seine Freundin vermehrt körperlichen Kontakt zum  

Privatkläger gepflegt hatte. So gab er zu Protokoll: "Sie hat mir gesagt, sie mache 

mit E._____ Schluss und komme wieder zurück zu mir. Das hat sie dann auch ge-

tan. Das Spiel ging noch etwa sechs Mal so weiter […]. Es war halt ein hin und 

her, bis sie es endlich geschafft hat, sich von ihm zu lösen" (Prot. I S. 25). Unter 

diesen Umständen war die vom Beschuldigten aufgefundene Situation, als er 

durch das Fenster schaute und F._____ und den Privatkläger auf dem Sofa er-

blickte, nicht geeignet, eine Ausnahmesituation zu begründen, die eine plötzliche 

Wut und ein Explodieren des Beschuldigten im Sinne von Art. 113 StGB als ver-

ständlich erscheinen liessen, selbst wenn er mit F._____ und dem  

Privatkläger abgemacht haben mag, dass F._____ nur die Kleider hätte  

holen gehen sollen und spätestens in einer Stunde wieder zurück sein wollte 

(Prot. I S. 53; Urk. 108 S. 14). Von einer plötzlichen Demütigung bzw. von einer 

Kurzschlusshandlung kann – mit der Vorinstanz – unter Berücksichtigung der 

Vorgeschichte nicht die Rede sein (Urk. 78 S. 49). Auch der Gutachter Dr. med. 

G._____ verneint das Vorliegen einer reflexähnlichen Reaktion des  

Beschuldigten. Eine Solche sei ausgeschlossen, da zwischen Tatbereitschaft und 

Tathandlung ein längerer Zeitraum gelegen habe. Dies lasse sich aus dem  

Umstand erkennen, dass der Beschuldigte selbst regelmässig die Bereitschaft  

bejaht habe, sich auf eine gewaltsame Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 

einzulassen, und dies nötigenfalls unter Einsatz seines Bajonetts, und diese Tat-

bereitschaft bereits bei Verlassen seines Wohnorts bestanden habe (Urk. 8/5 

S. 157 f. unter Hinweis auf Urk. 3/1 S. 5, bestätigt in Urk. 3/2 S. 2, Prot. I S. 58). 

Indem der Beschuldigte zum Wohnort des Privatklägers ging und vor dessen  

-   32   - 

Balkontüre erschien, hat er auch weitgehend dazu beigetragen, dass es über-

haupt zur Gemütsbewegung gekommen ist, auch wenn der Gutachter attestiert, 

dass auch vonseiten des Privatklägers Provokationen ausgegangen seien 

(Urk. 8/5 S. 158). Wie dies die Vorinstanz sodann richtig erkannte, liegen keinerlei 

Hinweise vor, dass Anlass zur Befürchtung bestanden hätte, der Privatkläger  

hätte F._____ etwas antun bzw. sie missbrauchen können. Vielmehr ist  

davon auszugehen, dass andernfalls der Privatkläger entsprechende Mut-

massungen nicht erst an der Hauptverhandlung vorgebracht hätte (Urk. 78 S. 49, 

Prot. I S. 43 f., 53 f.).  

Eine Anwendung von Art. 113 StGB fällt damit ausser Betracht. 

5.11. Es bleibt mithin beim Schuldspruch wegen versuchter eventualvorsätzlicher 

Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.  

5.12. Der Beschuldigte ist geständig, durch die Einwirkung (unter anderem) auf 

den Kopfbereich des Privatklägers eine versuchte schwere Körperverletzung in 

Kauf genommen zu haben (Urk. 50 S. 9 f.; Prot. I S. 77; Urk. 108 S. 23; Urk. 109 

S. 2, 8). Aufgrund des einheitlichen Tatgeschehens wird die seitens des Beschul-

digten vollendete einfache Körperverletzung und die versuchte schwere Körper-

verletzung durch die versuchte Tötung konsumiert. Auf die diesbezüglichen  

Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 78  

S. 51–54).   

6. Strafzumessung 

6.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen 

ist, richtig zusammengefasst (Urk. 78 S. 56 ff.). Darauf und auf die aktuelle 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 

BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Bundes-

gerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und 6B_274/2013 

vom 5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden. 

6.2. Neben dem im vorliegenden Berufungsverfahren zu beurteilenden Haupt-

delikt der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung hat die Vorinstanz den  

-   33   - 

Beschuldigten wegen diverser weiterer Nebendelikte schuldig gesprochen,  

namentlich des mehrfachen Hausfriedensbruchs (Dispositivziffer 1 lit. b), des 

mehrfachen Diebstahls (lit. c), des mehrfachen geringfügigen Diebstahls (lit. d), 

der mehrfachen Sachbeschädigung (lit. e), der mehrfachen Entwendung eines 

Fahrzeugs zum Gebrauch (lit. f), des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem  

Zustand (lit. g), des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis (lit. h), der mehr-

fachen fahr-lässigen Übertretung des Strassenverkehrsgesetzes (lit. i) sowie der 

mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (lit. j) [Urk. 78 S. 85,  

Dispositivziffer 1]. Damit hatte die Vorinstanz neben dem als Verbrechen ausge-

stalteten Hauptdelikt sowohl Vergehen (Dispositivziffer 1 lit. b, c, e, f [1. Satzteil], 

g, h) als auch Übertretungen (Dispositivziffer 1 lit. d, f [2. Satzteil], i, j) zu beurtei-

len. Die Parteien haben den Schuldspruch bezüglich dieser Delikte nicht ange-

fochten, weshalb die Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils in vorgenann-

tem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Ziff. 2.2). Der Beschuldigte beging  

diese Delikte zwischen dem 1. November 2011 bis zum 3. April 2013.  

6.3. In der Zwischenzeit wurde der Beschuldigte mit Urteil des Einzelgerichts in 

Strafsachen des Bezirksgerichts Meilen vom 19. Dezember 2012 wegen einfacher 

Körperverletzung (Dispositivziffer 1 lit. a), mehrfachem teilweise geringfügigem 

Diebstahl (lit. b), mehrfacher Sachbeschädigung (lit. c) und mehrfachem Haus-

friedensbruch (lit. d) zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 9 Monaten und einer 

Busse von Fr. 200.– verurteilt. Gleichzeitig wurde die mit Urteil vom 30. November 

2010 wegen sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit einem Kind ausge-

fällte bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen widerrufen (Dispositivziffer 5 des 

Urteils vom 19. Dezember 2012; GG120026). Der Beschuldigte erhob Berufung 

und beantragte einen Freispruch vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung, 

des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung zum Nachteil des Privat-

klägers 3. Im Umfang der nicht angefochtenen Punkte, insbesondere bezüglich 

des Widerrufs der bedingt ausgesprochenen Geldstrafe, erwuchs das erstinstanz-

liche Urteil in Rechtskraft. Das obergerichtliche Urteil vom 4. März 2014 sprach 

den Beschuldigten bezüglich des Hausfriedensbruchs zum Nachteil des Privat-

klägers 3 frei, sprach ihn zusätzlich der einfachen Körperverletzung sowie der 

-   34   - 

Sachbeschädigung schuldig und bestrafte ihn mit einer ebenfalls bedingt aus-

gesprochenen Freiheitstrafe von wiederum 9 Monaten (Urk. 56 und Urk. 81).  

6.4. Die im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Nebendelikte und insbe-

sondere das Hauptdelikt beging der Beschuldigte grossmehrheitlich nach dem 

19. Dezember 2012. Nur gerade die am 29. September 2012 begangenen Haus-

friedensbrüche in einer Coop- sowie Migros-Filiale und der in letzterer begangene 

geringfügige Diebstahl (ND 1 und ND 2) sowie die Entwendung zweier Fahrräder 

zum Gebrauch (ND 13 und 14) erfolgten vor dem erstinstanzlichen Urteil (Urk. 78 

S. 67, Urk. 21). Zu betonen ist, dass es sich nur in Bezug auf die beiden Haus-

friedensbrüche um Vergehen und im Übrigen um Übertretungen handelt.   

6.5. Die Vorinstanz hat bei dieser Ausganslage eine Gesamtfreiheitstrafe von  

71/2 Jahren sowie eine Busse von Fr. 500.– ausgefällt, teilweise als Zusatzstrafe 

zum Urteil des Obergerichts Zürich vom 4. März 2014 (Urk. 78 S. 54–74 und 

S. 85 f.). 

6.6. Der Beschuldigte verlangt einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten 

eventualvorsätzlichen Tötung und damit unter dem Titel der versuchten schweren 

Körperverletzung eine wesentlich tiefere Freiheitsstrafe von 30 Monaten (Urk. 82 

S. 2 f.; Urk. 109 S. 2).  

6.7. Wie bereits gesehen (Erw. 2.2 und 6.2 vorstehend), ist die Festsetzung der 

Busse in Höhe von Fr. 500.– nicht angefochten und damit die Strafzumessung im 

Zusammenhang mit den Übertretungen nicht Gegenstand des vorliegenden  

Berufungsverfahrens.  

6.8. Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, kommt das Asperationsprinzip nur 

bei mehreren gleichartigen Strafarten zum Zug (Urk. 78 S. 58 und Art. 49 Abs. 1 

StGB). Die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen im Sinne von 

Art. 49 Abs. 1 StGB sind erfüllt, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden  

einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass die anzuwendenden 

Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht 

(BGE 138 IV 120, E. 5.2 mit Hinweisen). Das Gericht kann somit nur auf eine  

-   35   - 

Gesamtfreiheitsstrafe erkennen, wenn es für jede einzelne Tat eine Freiheitsstrafe 

ausfällen würde. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen. Diese Vor-

aussetzungen gelten auch für die Bildung der Zusatzstrafe bei der retrospektiven 

Konkurrenz. Der Zweitrichter ist dabei in Bezug auf die Strafart an den rechtskräf-

tigen ersten Entscheid gebunden (vgl. BGE 137 IV 57 mit Hinweisen; BSK StGB I 

- Ackermann, a.a.O., N. 36 zu Art. 49 StGB). Wie nachfolgend aufzuzeigen sein 

wird, hat die Vorinstanz in Beachtung der vorgenannten Grundsätze und in Über-

einstimmung mit den Anträgen der Verteidigung zutreffenderweise eine Gesamt-

freiheitsstrafe ausgesprochen (Urk. 50 S. 2, Urk. 82 S. 3, Urk. 109 S. 2).  

Der Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches sieht für Strafen im Bereich von sechs 

Monaten bis zu einem Jahr als Sanktionen Geld- (Art. 34 StGB) oder Freiheits-

strafe (Art. 40 StGB) vor. Wichtigste Kriterien für die Wahl der Sanktion bilden ihre 

Zweckmässigkeit, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld  

sowie ihre präventive Effizienz. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll 

bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs 

äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark 

in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. ihn am wenigsten hart 

trifft. Im Vordergrund steht daher bei Strafen von sechs Monaten bis zu einem 

Jahr die Geldstrafe als gegenüber der Freiheitsstrafe mildere Sanktion (BGE 134 

IV 97 E. 4.2.2; 134 IV 82 E. 4.1; je mit Hinweisen). Die Geldstrafe als Vermögens-

sanktion wiegt prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die persönliche Frei-

heit. Sie ist unabhängig von der Dauer der Freiheitsstrafe bzw. der Höhe des 

Geldstrafenbetrages stets milder als eine freiheitsentziehende Strafe (BGE 134 IV 

82, E. 7.2.2).  

Für die vorliegend als Hauptdelikt zu beurteilende versuchte eventualvorsätzliche 

Tötung als schwerste Straftat kommt nur eine Freiheitsstrafe in Frage (Art. 111 

StGB). Die im vorliegenden Berufungsverfahren im Rahmen der Strafzumessung 

relevanten Nebendelikte hingegen sind allesamt als Vergehen ausgestaltet,  

weshalb sie alternativ mit Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe bedroht sind (Art. 10 

Abs. 2 StGB, vgl. Erw. 6.2 und 6.4).  

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-   36   - 

Bezüglich der im Rahmen der retrospektiven Konkurrenz zu beurteilenden Haus-

friedensbrüche vom 29. September 2012 (ND 1 und ND 2) kann der Anklage-

schrift vom 15. Oktober 2013 entnommen werden, dass es sich um das Betreten 

einer Coop- sowie einer Migros-Filiale trotz zuvor verhängtem Hausverbot handel-

te (Urk. 21 S. 3 und 4). Das die Vorinstanz bei der Bildung der teilweisen Zusatz-

strafe auf eine (Gesamt-)Freiheitsstrafe erkannte und nicht kumulativ eine Geld-

strafe ausfällte (Urk. 78 S. 67 und 73), ist nicht zu beanstanden. Auch wenn Geld-

strafen auch bei mittellosen Tätern nicht zum Vornherein ausgeschlossen sind 

(BGE 134 IV 97 E. 5.2.3), musste infolge der Delinquenz während laufender  

Probezeit bereits im Zeitpunkt des Ersturteils vom 19. Dezember 2012 aufgrund 

der Uneinsichtigkeit des Beschuldigten die präventive Effizienz einer weiteren 

Geldstrafe verneint werden (GG160026). Auch das Obergericht erkannte am 

4. März 2014 aufgrund der Umstände die Freiheitsstrafe als zweckmässigere 

Strafe (SB130485 S. 12 f.). Im Übrigen lassen sich die zwei vorerwähnten Haus-

friedensbrüche nahtlos in eine Deliktserie der indirekten Beschaffungskriminalität 

(mehrfache Sachbeschädigungen, Hausfriedensbrüche und Diebstähle) ein-

reihen. Eine einheitliche Taxierung und damit die Verhängung gleichartiger  

Strafen drängt sich bei dieser Konstellation geradezu auf (Bundesgerichtsurteil 

6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 1.8).  

Auch in Bezug auf die nach dem 19. Dezember 2012 erfolgten Nebendelikte kann 

nur eine Freiheitsstrafe als zweckmässige Sanktion erachtet werden. Der  

Beschuldigte setzte seine Deliktserie nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung 

vom 19. Dezember 2012 unbeirrt fort und liess sich vom laufenden Strafverfahren 

in keiner Weise beeindrucken. Weder der mit Urteil vom 19. Dezember 2012  

erfolgte Widerruf der mit Urteil vom 30. November 2010 bedingten Geldstrafe 

noch die erstinstanzliche – wenn auch damals noch nicht rechtskräftig – ange-

ordnete bedingte Freiheitsstrafe hielten den Beschuldigten davon ab, in geradezu 

regelmässiger Weise grossmehrheitlich einschlägig weiter zu delinquieren. So 

beging er neben dem vorliegend zu beurteilenden Hauptdelikt in einem Zeitraum 

vom 20. Dezember 2012 bis zu seiner Verhaftung am 3. April 2013 vier Haus-

friedensbrüche (ND 7, 8, 9 und 10), zwei Sachbeschädigungen (ND 5 und 6) und 

drei Diebstähle (ND 3, 5 und 6; ohne die geringfügigen). Hinzu kommen die nicht 

-   37   - 

einschlägigen SVG-Delikte (ND 4 und 5; ohne Übertretungen). Wie die Vorinstanz 

sodann zutreffend feststellte, wurde der Beschuldigte bereits vor den Schranken 

des Jugendgerichts in einschlägiger Weise bestraft (Urk. 78 S. 70).  

6.9. Nachdem weder die Verhängung bedingter Geldstrafen noch der Druck  

einer bedingten Freiheitsstrafe ausreichend waren, den Beschuldigten von weite-

rer Delinquenz abzuhalten, ist eine gewisse Härte auch in Bezug auf die  

Nebendelikte unumgänglich, um dem Beschuldigten die Konsequenzen seines 

Handelns aufzuzeigen und ihn von weiteren Straftaten abzuhalten. Eine Geld-

strafe ist somit für die vorliegend zu beurteilenden Nebendelikte als Sanktion nicht 

geeignet. Auch mit Blick auf die Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschul-

digten und sein soziales Umfeld ist vorliegend auf eine Freiheitsstrafe zu  

erkennen. Die Vorinstanz hat demnach zutreffenderweise auf eine Gesamt-

freiheitsstrafe, teilweise als Zusatzstrafe zum obergerichtlichen Urteil vom 4. März 

2014, erkannt.   

6.10. Bei der Bildung der Gesamtstrafe betreffend die nach dem 19. Dezember 

2012 begangenen Delikte ging die Vorinstanz bei der Festsetzung der Einsatz-

strafe zutreffenderweise vom schwersten Delikt der versuchten eventualvorsätzli-

chen Tötung und damit von einem Strafrahmen zwischen 5 und 20 Jahren Frei-

heitsstrafe aus (Art. 111 StGB). Da mit den 20 Jahren bereits die gesetzliche 

Höchstdauer einer Freiheitsstrafe erreicht ist (Art. 40 StGB), wird der Strafrahmen 

durch die zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Nebendelikte nicht – auch 

nicht theoretisch – nach oben geöffnet. Entgegen den Vorbringen der Verteidi-

gung kann der Vorinstanz auch gefolgt werden, wenn sie trotz Vorliegen von 

Strafmilderungsgründen (Art. 19 Abs. 2 StGB und Art. 22 StGB) keine ausser-

gewöhnlichen Umstände annimmt, die es rechtfertigen würden, den ordentlichen 

Strafrahmen von vornherein nach unten zu öffnen (Urk. 78 S. 56 f.). Es trifft zu, 

wenn die Verteidigung vorbringt, dass die Strafe zufolge Versuchs und verminder-

ter Schuldfähigkeit den ordentlichen Strafrahmen unterschreiten könnte (Urk. 109 

S. 8), aber eben nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände. Davon geht 

auch die Vorinstanz aus. Wenn sie eingangs der Strafzumessung klarstellend 

festhält, dass – im konkreten Fall und im Sinne einer groben Einschätzung –  

-   38   - 

keine Anhaltspunkte bestünden, den ordentlichen Strafrahmen a priori zu ver-

lassen, ist das nicht zu beanstanden und mit der seitens der Vorinstanz und der 

Verteidigung zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar (Urk. 78 

S. 57 mit Verweis auf BGE 136 IV 55 E. 5.8).  

6.11. Zunächst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-

schuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Wie von der Vorinstanz zu-

treffend erwogen, ist beim Ausmass des Erfolges bei der objektiven Tatschwere 

grundsätzlich vom mutmasslich vollendeten Delikt auszugehen. Die Vorinstanz 

verweist zu Recht auf das gesteigerte Aggressionspotential des Beschuldigten, 

die doch brutale Vorgehensweise sowie auf das durch den Messereinsatz ge-

schaffene erhebliche Gefahrenpotential (Urk. 78 S. 61). Ebenso ist der Vorinstanz 

zu folgen, wenn sie darauf hinweist, dass der Beschuldigte nicht irgendein  

Gegenstand, sondern sein – für alle Fälle immer griffbereites – Bajonett mit einer 

Klingenlänge von ca. 25 cm verwendete (Urk. 78 S. 62). Auch wenn der Privat-

kläger 1 dank glücklicher Fügung in der Lage war, zum Schutz vor dem Angriff 

seinen Oberarm reflexartig zu heben, kann daraus nicht geschlossen werden, 

dass der Beschuldigte dem Privatkläger Abwehrchancen eingeräumt hätte. Viel-

mehr erfolgte der Messereinsatz unvermittelt und unter einigem Krafteinsatz, was 

schon aus dem bereits mehrfach zitierten Verletzungsbild ersichtlich ist. Bei einer 

solchen Vorgehensweise ist von einer nicht unbedeutenden kriminellen Energie 

des Beschuldigten auszugehen. Zu beachten ist ferner, dass der Beschuldigte 

den Privatkläger zuvor noch mit Faustschlägen im Kopfbereich traktierte, was 

selbstredend für sich alleine einen Körperverletzungstatbestand erfüllen würde, 

indessen vom Tötungsdelikt konsumiert wird. Unter dem Hinweis, dass durchaus 

auch noch gefährlichere Tatmittel zum Einsatz hätten kommen können und  

sicherere und brutalere Tötungsmethoden denkbar sind, geht die Vorinstanz für 

das mutmasslich vollendete Delikt von einem mittelschweren objektiven Tat-

verschulden aus (Urk. 78 S. 62 f.). Ein solches kann als knapp erreicht erachtet 

werden. 

6.12.  Was das subjektive Verschulden anbelangt, erwog die Vorinstanz zutref-

fend, dass die eventualvorsätzliche Tatbegehung das Verschulden des Beschul-

-   39   - 

digten bzw. den Schuldvorwurf geringer erscheinen lässt (Urk. 78 S. 63, BGE 136 

IV 55 E. 5.6). Ferner ist mit der Vorinstanz zugunsten des Beschuldigten davon 

auszugehen, dass die Tat nicht bzw. zumindest nicht lange im Voraus geplant 

war. Während die Vorinstanz von einer Impulshandlung ausgeht, da der Tatent-

schluss wohl erst vor der Wohnung des Privatklägers 1 entstanden sei (Urk. 78 

S. 63), kam der Gutachter – wie bereits vorstehend erwogen (vgl. Erw. 5.10) – 

zum Schluss, dass nicht von einer reflexähnlichen Situation gesprochen werden 

könne. Jedenfalls ist von einem eher spontanen Tatentschluss auszugehen. Das 

Verschulden des Beschuldigten wiegt damit weniger schwer, als wenn er die Tat 

von langer Hand geplant hätte. Auf der anderen Seite ist mit der Vorinstanz  

darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte dennoch egoistisch und verwerflich 

handelte, indem er, in der Absicht, einen Nebenbuhler aus dem Weg zu räumen, 

seine eigenen Wertvorstellungen höher gewichtete als den Respekt vor dem  

Leben anderer (Urk. 78 S. 63 f.).  

Relativierend ist dann aber festzuhalten, dass auch wenn der Beschuldigte die 

Auseinandersetzung mit dem Privatkläger gesucht haben mag und dafür eigens 

dessen Wohnort aufgesucht hatte, der Privatkläger nicht von jeglichem Vorwurf 

der Provokation befreit werden kann. So öffnete dieser ohne Not die Balkontüre, 

behändigte selbst ebenfalls ein Messer, lieferte sich mit dem Beschuldigten einen 

Fechtkampf und trug damit massgeblich zur Eskalation bei. So erklärte der Privat-

kläger: "Ich öffnete die Balkontüre […]. Dann habe ich selber ein Messer in die 

Hand genommen […]. Ich ging auf den Balkon und dann gingen wir aufeinander 

los". Dabei gestand der Privatkläger ein, dass er die Balkontüre nicht notwendi-

gerweise hätte öffnen müssen, vielmehr hätte F._____ seine Wohnung auch 

durch die Haustüre verlassen können (Urk. 4/2 S. 3 f.). Weiter hielt er dafür, 

schon geahnt zu haben, was passieren würde, als er den Beschuldigten vor der 

Balkontüre gesehen habe. Auch wenn er in der Folge erklärte, dass nicht er,  

sondern F._____ die Balkontüre geöffnet habe, antwortete er auf die Frage, was 

wohl passiert wäre, wenn F._____ die Wohnung durch die Wohnungstüre verlas-

sen hätte: "Sehr wahrscheinlich nichts" (Urk. 4/2 S. 13). Ferner fügte er an: "Es ist 

halt… Ich weiss es auch nicht, wegen einer Frau dies zu tun. Ich hätte sie damals 

schon gehen lassen sollen. Storen runter lassen und weg (Urk. 4/2 S. 14). Der 

-   40   - 

Privatkläger hat sich mithin keineswegs mehr oder weniger notwehrmässig nur 

verteidigt, sondern er hat die implizite Aufforderung des Beschuldigten zum 

Kampf angenommen und sich so richtiggehend einem Duell gestellt. Damit kann 

mit der Verteidigung festgehalten werden, dass der Privatkläger doch  

einiges zum Tatgeschehen beigetragen hat (Urk. 50 S. 14 f., Urk. 109 S. 4 f.). 

Auch wenn das schweizerische Strafrecht keine Schuldkompensation kennt,  

mindern diese Umstände die subjektive Vorwerfbarkeit beim Beschuldigten schon 

in gewissem Masse. 

6.13. Der Beschuldigte wurde von Dr. med. G._____ ausführlich begutachtet (Urk. 

8/4-5). Der Gutachter kam dabei zum Schluss, dass der Beschuldigte an einer 

kombinierten Persönlichkeitsstörung – namentlich an einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31) sowie an einer dis-

sozialen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.2) – leide. Ebenso ist auf die diag-

nostizierte schwer ausgeprägte und auf multiple Substanzen bezogene Abhän-

gigkeitserkrankung (ICD-10: F19.2), insbesondere in Bezug auf Alkohol, Canna-

bis, Stimulanzien, Benzodiazepine, Kokain, Opiaten sowie Inhalantien hinzuwei-

sen, was zu einer leichten Verminderung der Steuerungsfähigkeit führe (Urk. 8/5 

S. 142-162). Unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-instanz und 

mangels konkreter Einwände gegen die gutachterlichen Schlussfolgerungen kann 

den überzeugenden und klaren Aussagen des Gutachters gefolgt und auf diese 

abgestellt werden. Beim Beschuldigten ist damit von einer in leichtem Grade ver-

minderten Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB auszugehen (Urk. 78 S. 64 

f.), was strafmindernd zu berücksichtigen ist.  

6.14. Wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, dass das subjektive Tatverschul-

den gesamthaft betrachtet als nicht mehr leicht einzustufen sei (Urk. 78 S. 65), 

kann dem im Sinne des soeben Ausgeführten gefolgt werden. Die subjektiven 

Umstände (Eventualvorsatz, leicht verminderte Schuldfähigkeit, Verhalten des 

Privatklägers) wirken sich insgesamt gegenüber dem objektiven Tatverschulden 

merklich verschuldensmindernd aus.   

6.15. Als hypothetische Einsatzstrafe für das mutmasslich vollendete Tötungs-

delikt rechtfertigt sich mithin eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren. Die von der Vor-

-   41   - 

instanz angesetzte hypothetische Einsatzstrafe von 10 Jahren (Urk. 78 S. 65)  

erscheint demgegenüber als zu hoch. 

6.16. Schliesslich hat die Vorinstanz zutreffend in Betracht gezogen, dass es beim 

(vollendeten) Versuch geblieben ist, was sich im Sinne einer Reduzierung der 

(hypothetischen) Einsatzstrafe auszuwirken habe (Urk. 78 S. 66, Art. 82 Abs. 4 

StPO). Wie die Vorinstanz richtig erkannte, ist hierbei zu berücksichtigen, dass es 

– wie bereits mehrfach erwähnt – nur dem Zufall und der Abwehr durch den  

Privatkläger und nicht dem Verhalten des Beschuldigten zuzuschreiben ist, dass 

dieser keine lebenswichtigen Organe des Privatklägers getroffen hat. Dabei ist 

aber immerhin zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte "lediglich" einmal zuge-

stochen hat. Da die tatsächlichen Folgen der Tat weit vom tatbestandsmässigen 

Erfolg entfernt geblieben sind, führt der Versuch – mit der Vorinstanz – doch zu 

einer erheblichen Reduktion der hypothetischen Einsatzstrafe. Aufgrund der  

konkreten Umstände erscheint die von der Vorinstanz vorgenommene quantitati-

ve Reduktion der hypothetischen Einsatzstrafe von rund einem Drittel gerecht-

fertigt.  

Ergänzend ist anzufügen, dass dem Einwand der Verteidigung, wonach ein Rück-

tritt im Sinne von Art. 23 Abs. 1 StGB vorliege, da der Beschuldigte die Tat nicht 

zu Ende geführt habe (Urk. 50 S. 15, Urk. 109 S. 9), offensichtlich nicht gefolgt 

werden kann. Da es nicht im Wirkungsbereich des Beschuldigten lag, ob der  

Erfolg eintrat oder nicht, handelt es sich vorliegend – wie bereits aufgezeigt und 

von der Vorinstanz zutreffend erwogen – vielmehr um einen vollendeten Versuch 

(Erw. 5.9 vorstehend; Urk. 78 S. 58). Da ein Rücktritt vom Versuch im Sinne von 

Art. 23 Abs. 1 StGB nur bei einem unvollendeten Versuch möglich ist (Art. 23  

Abs. 1 1. Satzteil; Trechsel/Geth, StGB PK, 2. Aufl., N 1 zu Art. 23), scheidet vor-

liegend die Annahme eines Solchen aus. Anzufügen bleibt, dass bei einem even-

tualvorsätzlich verübten Delikt nur wenige Konstellationen denkbar sind, bei  

welchen ein unvollendeter Versuch und ein Rücktritt überhaupt vorliegen können 

(vgl. z.B. Urteil des Bundesstrafgerichts vom 17. Dezember 2010 SK.2010.17,  

E. 2.2, wo es um ein Anschlag mit Sprengstoff ging, bei welchem sich der Täter 

nach erfolgter Vorbereitung entschied, den Sprengstoff nicht zu zünden). Grund-

-   42   - 

sätzlich kann der Täter, welcher den Erfolg seines Handels nicht gezielt anstrebt, 

sondern "bloss" in Kauf nimmt, nicht von der Tatbegehung zurücktreten, da er den 

Eintritt des Erfolges nicht in den Händen hat. Mit anderen Worten kann der Täter 

von der Erfolgsverwirklichung nur beschränkt Abstand nehmen, da er diese nicht 

wissentlich und willentlich anstrebt, sondern als Folge seines Handelns in Kauf 

nimmt.  

6.17. Wegen den zusätzlich begangenen Delikte ist die hypothetische Einsatz-

strafe in Anwendung des Asperationsprinzips im Sinne einer Gesamtwürdigung 

angemessen zu erhöhen. Die Vorinstanz hat die dabei zu berücksichtigenden 

Grundsätze unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zutreffend 

dargelegt und ihre Vorgehensweise einlässlich begründet (Urk. 78 S. 59 und  

66 ff., vgl. auch Bundesgerichtsentscheid 6B_274/2013 vom 5. September 2013 

E. 1.3.1), worauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

Bezüglich der im Rahmen der retrospektiven Konkurrenz zu beurteilenden Haus-

friedensbrüche vom 29. September 2012 (Urk. 21 ND 1 und ND 2) kann der Vor-

instanz und auch der Verteidigung gefolgt werden, wenn sie diese als geringfügig 

taxieren und im Verhältnis zu der mit obergerichtlichem Urteil vom 4. März 2014 

festgesetzten Gesamtfreiheitsstrafe als nicht ins Gewicht fallend betrachten 

(Urk. 50 S. 14, Urk. 78 S. 67). Gemäss Anklageschrift vom 15. Oktober 2013 

handelte es sich bei den beiden Hausfriedensbrüchen um das Betreten einer 

Coop- sowie einer Migros-Filiale trotz zuvor verhängtem Hausverbot (Urk. 21 S. 3 

und 4). In Anwendung des Gebotes, wonach der Täter durch die Aufteilung der 

Strafverfolgung nicht besser, aber auch nicht schlechter gestellt werden sollte, als 

jener Täter, dessen Taten gleichzeitig beurteilt wurden (BGE 132 IV 102 E. 8.2), 

ist dem Schluss der Vorinstanz, wonach die mit obergerichtlichem Urteil vom 

4. März 2014 festgesetzte Gesamtfreiheitstrafe von 9 Monaten (Urk. 56) auch bei 

gleichzeitiger Berücksichtigung dieser weiteren Hausfriedensbrüche nicht höher 

ausgefallen wäre, zu folgen (Urk. 78 S. 59). 

Auch in Bezug auf die nach dem 19. Dezember 2012 begangenen Vergehen, 

namentlich die in einem Zeitraum vom 20. Dezember 2012 bis zu seiner Ver-

haftung am 3. April 2013 erfolgten vier Hausfriedensbrüche (ND 7, 8, 9 und 10), 

-   43   - 

zwei Sachbeschädigungen (ND 5 und 6) und drei Diebstähle (ND 3, 5 und 6; ohne 

die geringfügigen) sowie die SVG-Delikte (ND 4 und 5; ohne Übertretungen) kann 

vollumfänglich auf die sorgfältige Würdigung durch die Vorinstanz verwiesen  

werden (Urk. 78 S. 68 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Unter Verweis auf den nicht ganz 

unbedeutenden aber immer noch relativ tiefen Deliktsbetrag von Fr. 12'390.–  

sowie einem verhältnismässig noch geringen Sachschaden von Fr. 3400.– 

(Urk. 21 und Urk. 78 S. 68) kann noch von einem leichten objektiven Verschulden 

ausgegangen werden, obwohl aufgrund der Häufigkeit der Einzelakte und dem 

geradezu gewohnheitsmässigen Vorgehen innerhalb eines Zeitraumes von  

gerade nur etwas mehr als drei Monaten doch von einer gewissen kriminellen 

Energie auszugehen ist. Allerdings ist aufgrund der Gleichheit der verletzten 

Rechtsgüter, der ähnlichen Begehungsweise und des zeitlich, sachlich und  

situativ engen Zusammenhangs von einem geringeren Gesamtschuldbeitrag des 

einzelnen Delikts auszugehen (Urk. 78 S. 67 f., Bundesgerichtsentscheide 

6B_274/2013 vom 5. September 2013 E. 1.3.1 und 6B_323/2010 vom 23. Juni 

2010 E.3.2). Subjektiv wird dem Beschuldigten aufgrund seiner Suchterkrankung 

und Persönlichkeitsstörung gutachterlich eine mittelgradig verminderte  

Steuerungsfähigkeit in Bezug auf die Eigentums- und Vermögensdelikte, nicht  

jedoch in Bezug auf die SVG-Delikte (Urk. 8/5 S. 159) zugestanden, was in einer 

deutlichen Reduktion der Strafe seinen Niederschlag finden muss. Negativ zu 

gewichten sind das direktvorsätzliche Handeln und die egoistischen Bewegründe. 

Hingegen muss – wiederum mit der Vorinstanz – in Bezug auf die Vergehen  

gegen das Strassenverkehrsgesetz aufgrund des Drogeneinflusses und der nicht 

unerheblich zurückgelegten Distanzen über eine Zeitspanne von mehreren Tagen 

im Gesamtkontext von einem nicht mehr leichten Verschulden ausgegangen  

werden (Urk. 78 S. 69).  

Mit der Vorinstanz ist aufgrund der seitens des Beschuldigten nach dem 

19. Dezember 2012 begangenen Delikte von einer moderaten Erhöhung der  

Einsatzstrafe auszugehen.  

6.18. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ergeben sich aus der  

zusammenfassenden Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 78 S. 69 f.). Zur 

-   44   - 

Vermeidung von unnötigen Wiederholungen und nachdem der sich seither in Haft 

befindliche Beschuldigte auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung 

nichts Neues vorgebracht hat, kann auf diese Ausführungen und auch auf die-

jenigen im Gutachten verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 8/5 S. 100 f.; 

Urk. 108 S. 1 ff.). Kurz zusammengefasst war das Leben des Beschuldigten nach 

dessen Angaben insbesondere durch die vielen Heim- bzw. Ortswechsel sowie 

durch die schwierige Beziehung zur Mutter und die fehlende Beziehung zum  

Vater von Instabilität geprägt. Die Vorinstanz hat das Vorleben des Beschuldigten 

in geringem Masse strafmindernd berücksichtigt. Dem kann beigepflichtet werden. 

Eine weitergehende Berücksichtigung ist nicht angezeigt, stellt doch eine  

schwierige Kindheit keinen Freipass für Delinquenz dar, selbst wenn diese vor-

liegend mit den Worten der Verteidigung in seltener Evidenz vorliegen mag 

(Urk. 50 S. 17). Auch Personen, die in widrigen Verhältnissen aufwuchsen, haben 

sich an die Rechtsordnung zu halten und tun dies in aller Regel auch. Soweit sich 

die schwierige Jugend des Beschuldigten auf seine Persönlichkeitsstörung aus-

gewirkt haben sollte, ist dies bereits im Rahmen der verminderten Schuldfähigkeit 

berücksichtigt worden. 

6.19. Entgegen der Auffassung der Verteidigung berücksichtigt die Vorinstanz die 

Vorstrafen des Beschuldigten sowie das Delinquieren während laufendem Beru-

fungsverfahren insgesamt deutlich straferhöhend (Urk. 78 S. 70 f.; Urk. 109 S. 9). 

Wie bereits vorstehend erwogen, muss mit der Vorinstanz festgehalten werden, 

dass den Beschuldigten Interventionen durch die Behörden komplett unbe-

eindruckt lassen. Zumindest hat sich der Beschuldigte die Konsequenzen  

erneuter Verfehlungen nicht verinnerlicht (vgl. Erw. 6.8 und 6.9) und das vor-

liegend zu beurteilende versuchte Tötungsdelikt nur ger