# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2105063b-018c-5b75-b5a7-795df3725d6c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-780/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-780-2012_2012-02-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­780/2012

U r t e i l   v om   2 3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichterin Contessina Theis,
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli,  
Gerichtsschreiberin Eva Hostettler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Irak,  
vertreten durch C. S. Karakas, Zürcher Beratungsstelle 
für Asylsuchende (ZBA),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Aufschiebende Wirkung im Wiedererwägungsverfahren; 
Zwischenverfügung des BFM vom 3. Februar 2012 / 
N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  seines  Rechtvertreters  vom  6. 
Januar 2012 an das BFM um Wiedererwägung der Verfügung des BFM 
vom  3.  Juni  2009  ersuchte  und  beantragte,  die Undurchführbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  (wegen  Unzumutbarkeit)  sei 
wiedererwägungsweise  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen, da mit der Verschlechterung des Gesundheitszustands des 
Beschwerdeführers  eine  massgebliche  Änderung  der  Sachlage 
eingetreten sei, 

dass  gleichzeitig  um  vorsorgliche  Massnahmen,  namentlich  um 
Aussetzung  des  Wegweisungsvollzugs,  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht wurde,

dass das BFM mit Zwischenverfügung vom 3. Februar 2012 mit Hinweis 
auf  Art.  112  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) 
festhielt,  dass  ausserordentliche  Rechtsmittel  und  Rechtsbehelfe  den 
Vollzug  nicht  hemmen,  es  sei  denn  die  für  den  Entscheid  zuständige 
Behörde entscheide anders,

dass  das  BFM  das  Gesuch  um  Anordnung  einer  vollzugshemmenden 
vorsorglichen Massnahme mit der erwähnten Zwischenverfügung abwies,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  10.  Februar  2012 
(Poststempel)  durch  seinen  Rechtsvertreter  unter  Kosten­  und 
Entschädigungsfolge Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen 
die  Zwischenverfügung  des  BFM  betreffend  Aussetzung  des  Vollzugs 
einreichte,

dass  dabei  die  Aufhebung  der  entsprechenden  Zwischenverfügung  und 
die  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  des 
Wiedererwägungsgesuches beantragt wurde,

dass  darüber  hinaus  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von 
Vollzugsmassnahmen  abzusehen,  auf  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  zu  verzichten  und  schliesslich  die  unentgeltliche 
Prozessführung zu gewähren sei, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Telefax  vom  10.  Februar  2012 
den  Vollzug  der  Wegweisung  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen 

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einstweilen  aussetzte  (Art.  56  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]),

dass  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  Wiedererwägungsentscheide 
grundsätzlich  wie  ursprüngliche  Verfügungen  auf  dem  ordentlichen 
Rechtsweg  angefochten  werden  können,  weshalb  das 
Bundesverwaltungsgericht  auch  –  unter  dem  Vorbehalt  ihrer 
Anfechtbarkeit  –  für  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  im 
Wiedererwägungsverfahren  getroffene  Zwischenverfügungen  zuständig 
ist,

dass  Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  eine  im 
Wiedererwägungsverfahren  ergangene  Zwischenverfügung  ist,  die 
gemäss Art. 107 Abs. 2 lit. a AsylG selbstständig anfechtbar ist,

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 
111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  es  gemäss  Art.  112  AsylG  der  für  die  Behandlung  des 
Wiedererwägungsgesuches  zuständigen  Behörde  obliegt,  über  die 
Aussetzung  des  Vollzugs  zu  entscheiden,  eine  entsprechende 
vorsorgliche  Massnahme  indes  nur  angeordnet  werden  soll,  wenn  die 

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Begründetheit  des  Begehrens  klar  vorliegt  und  der  Vollzug  der 
Wegweisung  einen  erheblichen  und  nicht  wieder  gutzumachenden 
Schaden mit sich bringen würde, 

dass der Behörde, die über die Anordnung der aufschiebenden Wirkung 
einer Beschwerde beziehungsweise über den Erlass einer vorsorglichen 
Massnahme  zu  befinden  hat,  bei  der  Interessenabwägung  ein  gewisser 
Beurteilungsspielraum zusteht, 

dass  vorsorgliche  Massnahmen  auf  einer  bloss  summarischen  Prüfung 
der Sach­ und Rechtslage beruhen (vgl. BGE 130 II 149 E. 2.2 S. 155),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Verfügungen  und  Zwischenverfügungen 
des  BFM  im  Wiedererwägungsverfahren  grundsätzlich  ein  hohes 
öffentliches  Interesse  am  sofortigen  Vollzug  des  rechtskräftigen 
Asylentscheides besteht, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  somit  vorliegend  zu  prüfen  hat,  ob 
ein das öffentliche Interesse überwiegendes privates Interesse vorhanden 
ist, wobei namentlich die Erfolgsaussichten des Rechtsmittels und in casu 
des Wiedererwägungsgesuchs summarisch zu prüfen sind, 

dass das Bundesverwaltungsgericht – wie nachfolgend aufgezeigt – nach 
summarischer  Prüfung  der  im Wiedererwägungsverfahren  eingereichten 
Beweismittel zum Schluss kommt, dass die Abweisung des Gesuchs um 
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung zu Recht erfolgte, 

dass  die  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  eingereichten 
Beweismittel  (Arztzeugnisse  vom  6.  September  2010,  vom  11. 
September 2010, vom 10. November 2010, vom 3. Januar 2011, vom 24. 
Januar  2011)  die  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers 
vom 26. August 2010 bis zum 15. Februar 2011 belegen, 

dass  diese  ärztlichen  Berichte  bereits  im  damals  noch  hängigen 
Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht (D­4131/2009), 
das  mit  Urteil  vom  31.  Oktober  2011  abgewiesen  wurde,  hätten 
eingereicht werden müssen, 

dass  dem  Beschwerdeführer  im  Arztzeugnis  vom  2.  Dezember  2011 
neben den erwähnten,  im vorliegenden Verfahren nicht mehr geltend zu 
machenden,  physischen  Probleme  neue  psychische  Probleme  attestiert 
werden,

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dass  die  erwähnten  psychischen  Probleme  erst  nach  rechtskräftigem 
Asylentscheid vom 31. Oktober 2011 aufgetreten sind, 

dass  die  im  Zusammenhang  mit  der  Eröffnung  des 
Wegweisungsentscheides  geltend  gemachte  psychische  Krise  des 
Beschwerdeführers offensichtlich verfahrensbedingt ist, 

dass es für das Bundesverwaltungsgericht zwar verständlich ist, dass die 
mit  einem  Wegweisungsentscheid  verbundenen  Unsicherheiten  zu 
innerer  Anspannung und Unruhe führen können,

dass verfahrensbedingte psychische Probleme jedoch praxisgemäss kein 
Wegweisungshindernis  darstellen  dürften  und  demnach  die  im 
Wiedererwägungsgesuch  formulierten  Begehren  von  vornherein  als 
aussichtslos zu qualifizieren sein dürften,

dass bei dieser Sachlage das Interesse des Beschwerdeführers an einem 
Weiterverbleib  in  der  Schweiz  bis  zum  Abschluss  des 
Wiedererwägungsverfahrens  hinter  dem  öffentlichen  Interesse  am 
Vollzug der Wegweisung zurückzustehen hat, 

dass  demnach  das  BFM  dem  Wiedererwägungsgesuch  des 
Beschwerdeführers zu Recht die aufschiebende Wirkung nicht erteilt hat, 

dass mit dem Entscheid  in der Sache die Gesuche um Aussetzung des 
Vollzugs und Erlass eines Kostenvorschusses hinfällig werden, 

dass  die  Beschwerde  aufgrund  obiger  Erwägungen  als  aussichtslos  zu 
qualifizieren  ist  und  daher  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist,

dass  demzufolge  der  mit  Telefax  vom  10.  Februar  2012  angeordnete 
Vollzugsstop aufzuheben ist, 

dass  der  rechtskräftig  angeordnete  Wegweisungsvollzug  somit 
vollstreckbar  ist  und  der  Beschwerdeführer  den  Ausgang  des 
Wiedererwägungsverfahrens im Ausland abzuwarten hat,

dass bei  diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten  von Fr.  200.­ 
(Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 

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173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 
5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Der  mit  Telefax  vom  10.  Februar  2012  verfügte  Vollzugsstop  wird 
aufgehoben.  Der  Beschwerdeführer  hat  den  Ausgang  des 
Wiedererwägungsverfahrens im Ausland abzuwarten.

3. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG wird abgelehnt.

4. 
Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr.  200.­  werden  dem 
Beschwerdeführer auferlegt.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Contessina Theis Eva Hostettler

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