# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0fa330c0-f698-52e1-9113-7f816296a0b9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-05
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 05.01.2015 110 2014 109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2014-109_2015-01-05.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION

RA Nr. 110/2014/109 Bern, 5. Januar 2015

in der Beschwerdesache zwischen

Herrn A.________
Beschwerdeführer 1

Frau B.________
Beschwerdeführerin 2

Herrn C.________
Beschwerdeführer 3

Frau D.________
Beschwerdeführerin 4

und

Herrn E.________
Beschwerdegegner

sowie

Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wiedlisbach, Gemeindeverwaltung, Hinterstädtli 
13, 4537 Wiedlisbach

betreffend die Verfügung der Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wiedlisbach vom 
3. September 2014 (Baugesuch Nr. 2849; Erweiterung Dachgeschoss, Anpassung 
Parkplätze)

2

I. Sachverhalt

1. Der Beschwerdegegner ist Miteigentümer des Grundstücks Wiedlisbach 

Grundbuchblatt Nr. F.________. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2 klein (W2k). 

Darauf steht ein Mehrfamilienhaus mit vier Vierzimmerwohnungen. Im Untergeschoss 

befinden sich drei Garagen. Für die Garagenzufahrt wurde die Südfassade praktisch auf 

der ganzen Fassadenbreite abgegraben und das Untergeschoss freigelegt. Das 

Mehrfamilienhaus weist ein relativ flaches Satteldach auf, der vorhandene Dachraum kann 

gegenwärtig nicht zu Wohnzwecken verwendet werden. Der Beschwerdegegner plant, das 

Gebäude aufzustocken, mit einem steileren Satteldach zu versehen und im 

volumenmässig deutlich vergrösserten Dachgeschoss zwei Dreieinhalbzimmerwohnungen 

einzubauen. Zu diesem Zweck reichte er am 12. März 2014 bei der Gemeinde Wiedlisbach 

ein Baugesuch ein für die Erweiterung des Dachgeschosses, die Anbringung einer 

Aussenisolation, den Ersatz der Fenster sowie der Anpassung der Parkplätze. Gegen das 

Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Entscheid vom 

3. September 2014 erteilte die Gemeinde Wiedlisbach die Baubewilligung.

2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 29. September 2014 Beschwerde 

bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen 

sinngemäss die Aufhebung des Entscheids vom 3. September 2014 und die Erteilung des 

Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, dass die maximal zulässige 

Gebäudehöhe überschritten werde, die Parkplatzsituation ungenügend sei, das Grundstück 

baulich übernutzt werde, genügende Spiel- und Aufenthaltsfläche fehle und die 

Verkehrssicherheit bei der Ausfahrt sowie auf der Zufahrtsstrasse ungenügend sei.

3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die 

Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für 

den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)

3

II. Erwägungen

1. Sachurteilsvoraussetzungen

a) Bauentscheide können mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 

Abs. 1 BauG2). Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. 

b) Die Beschwerdeführenden sind direkte Nachbarn. Sie haben sich zulässigerweise als 

Einsprechende am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie 

sind deshalb zur Beschwerde im Rahmen ihrer Einsprachegründe befugt (Art. 40 Abs. 2 

BauG).

c) Die Beschwerde ist nur im Rahmen des Streitgegenstands zulässig. Dieser wird 

durch den Gegenstand der angefochtenen Verfügung und durch die Parteibegehren 

bestimmt. Streitgegenstand ist das in der Beschwerde enthaltene Begehren auf Änderung 

oder Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Er braucht sich nicht mit dem 

Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses hinausgehen. 

Rechtsbegehren, die ausserhalb des in der Verfügung geregelten Rechtsverhältnisses 

liegen, sind deshalb grundsätzlich unzulässig.3 Zudem ist die BVE in Baubewilligungs- und 

Baupolizeisachen einzig Beschwerdeinstanz (Art. 40 und 49 BauG). Ihr kommt weder die 

Funktion einer Baupolizeibehörde zu, noch ist sie Aufsichtsbehörde über die Gemeinden. 

Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann daher einzig die Frage sein, ob die 

Vorinstanz die Baubewilligung zu Recht erteilt hat. Soweit die Beschwerdeführenden in 

genereller Hinsicht die Amtsführung der Vorinstanz bemängeln oder die Verkehrssicherheit 

auf der G.________ Gasse als Industriezubringer und die Parkplatzsituation im Bereich der 

Liegenschaft G.________ Gasse beanstanden, kann nicht auf die Beschwerde eingetreten 

werden.

d) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 

BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Soweit sie 

sich innerhalb des Streitgegenstands bewegt, tritt die BVE daher auf die Beschwerde ein.

2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6-8; Fritz Gygi, 
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, 44 ff.; BGE 133 II 181 E.3.3
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)

4

2. Gebäudehöhe

a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Grundstück werde baulich 

übernutzt. Insbesondere sei der Bau zu hoch. Die Ausnahmebewilligung könne nicht erteilt 

werden. Der Beschwerdegegner ist demgegenüber der Auffassung, ausgehend vom 

gewachsenen Terrain werde die Gebäudehöhe eingehalten. Die Vorinstanz hält fest, 

ausser bei der Garageneinfahrt werde die Gebäudehöhe eingehalten. Da die 

Garageneinfahrt breiter als 6 m sei, müsse diese Abgrabung bei der Bemessung der 

Gebäudehöhe angerechnet werden.

b) In der Wohnzone W2k beträgt die maximal zulässige Gebäudehöhe 7.00 m (Art. 52 

GBR5). Gemäss Art. 25 Abs. 1 GBR ist die Gebäudehöhe in den Fassadenmitten zu 

messen und zwar vom gewachsenen Boden bis zur Schnittlinie der Fassadenflucht mit der 

Oberkante der Dachkonstruktion. Massgebend ist somit die Fassadenhöhe.6 Die zulässige 

Gebäudehöhe darf auf keiner Gebäudeseite überschritten werden, auch nicht durch 

nachträgliche Abgrabungen. Giebelfelder sowie Abgrabungen für Hauseingänge und 

Garageneinfahrten, die höchstens einen Sechstel des Gebäudeumfangs und höchstens 

6.00 m pro Fassadenbreite betragen, werden nicht angerechnet (Art. 25 Abs. 2 GBR). Das 

bestehende Gebäude weist auf der Südfassade eine gut 8.5 m breite Abgrabung für die 

Garageneinfahrt auf. Das Untergeschoss ist daher auf dieser Seite praktisch auf der 

gesamten Fassadenbreite freigelegt. Da die Abgrabung breiter als 6.0 m ist, muss die 

Gebäudehöhe auf dieser Seite vom neuen (abgegrabenen) Terrain und nicht vom 

ursprünglich gewachsenen Terrain aus gemessen werden. Bereits das bestehende 

Gebäude überschreitet deshalb die zulässige Gebäudehöhe von 7.00 m deutlich. Soweit 

es sich dabei um einen bewilligten Zustand handelt, fällt das Gebäude grundsätzlich unter 

die Besitzstandsgarantie von Art. 3 BauG. Es darf unterhalten, zeitgemäss erneuert und, 

soweit dadurch seine Rechtswidrigkeit nicht verstärkt wird, auch umgebaut oder erweitert 

werden (Art. 3 Abs. 2 BauG). 

Mit der geplanten Aufstockung würde die Gebäudehöhe künftig 8.28 m betragen. Die 

bereits heute überschrittene Gebäudehöhe würde noch vergrössert, so dass die zulässige 

Höhe künftig insgesamt um 1.28 m überschritten würde. Das Bauvorhaben verletzt daher 

5 Baureglement der Einwohnergemeinde Wiedlisbach vom 30. Juli 2013
6 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art.13 N. 5 Bst. a

5

die Vorschriften über die Gebäudehöhe zusätzlich. Die Vorinstanz ist deshalb zutreffend 

davon ausgegangen, dass für die Überschreitung der reglementarischen Gebäudehöhe 

eine Ausnahmebewilligung erforderlich ist.7 Selbst wenn die Gebäudehöhe unverändert 

bliebe, würde dies im Ergebnis nichts ändern. Die Rechtswidrigkeit würde durch den 

Dachausbau und die damit verbundene Volumenvergrösserung verstärkt. Das steilere 

Dach würde zu einer deutlich höheren First führen. Das bereits heute zu hohe 

Mehrfamilienhaus würde daher optisch zusätzlich deutlich höher.8 Auch bei unveränderter 

Gebäudehöhe wäre deshalb eine Ausnahmebewilligung erforderlich.

c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt 

werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen 

Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen 

nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch 

Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Die Ausnahmebewilligung erlaubt aus 

besonderen Gründen des Einzelfalls, dass von einer allgemeinverbindlichen Vorschrift 

abgewichen werden darf. Sie soll die gesetzliche Regelung einzelfallgerecht verfeinern. Die 

Durchbrechung der bau- und planungsrechtlichen Ordnung darf mit Rücksicht auf deren 

Wirksamkeit, die Rechtssicherheit und die nachbarlichen Interessen nur in begründeten 

Fällen zugelassen werden.9 Ausnahmegründe beziehen sich auf Zweck, Umfang oder 

Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den geltenden Vorschriften nicht genügend 

berücksichtigt sind. Sie müssen mit den Besonderheiten des Baugrundstücks oder des 

Bauvorhabens zusammenhängen. Es sollen nur ausgesprochene Härten und 

Unzweckmässigkeiten vermieden werden.10 Eine Ausnahme ist zulässig, wenn objektive 

Besonderheiten wie beispielsweise Lage und Form der Parzelle, Art des Bauvorhabens 

oder technische Besonderheiten der Nutzung vorliegen. Es müssen spezielle, vom 

Normalfall abweichende Umstände vorliegen. Rein wirtschaftliche Gründe, der Wunsch 

nach einer optimalen Nutzung, oder intensives Ausnützungsstreben stellen keine 

besonderen Verhältnisse dar.11 

7 Vgl. BVR 1997 S. 223 E. 7 c/cc
8 Vgl. BVR 1997 S. 223 E. 5 b/cc
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Vorbemerkungen zu den Art. 26-31, N. 1 ff.
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art. 26-27 N. 4
11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, 
Art. 26-27 N. 5

6

d) Im Ausnahmegesuch vom 14. April 2014 führte der Architekt des 

Beschwerdegegners aus, die Ausnahme sei erforderlich, weil die bestehenden Garagen im 

Untergeschoss eine Abfahrt benötigen würden. Wenn vom gewachsenen Terrain aus 

gemessen würde, müsste keine Ausnahme gemacht werden. Er macht somit keine 

objektiven Besonderheiten der Bauparzelle oder des Bauvorhabens geltend. Die 

Vorinstanz hat die Ausnahmebewilligung mit der Begründung erteilt, dass es sich um eine 

bestehende Baute handle und die Garageneinfahrt lediglich 2.5 m breiter sei. Es wäre 

deshalb unverhältnismässig, die Ausnahme nicht zu gewähren. 

Das bestehende Gebäude ist wegen der über 6.0 m breiten Abgrabung zu hoch. Es trifft 

deshalb zu, dass es ohne Ausnahmebewilligung nicht aufgestockt werden kann. Dass ein 

Bauvorhaben ohne Ausnahme nicht realisiert werden kann, stellt jedoch von vornherein 

kein besonderes Verhältnis dar. Daran ändert auch das Gebot der haushälterischen 

Bodennutzung nichts, da dieses als allgemeiner Grundsatz immer vorgebracht werden 

kann und deshalb keinen Ausnahmegrund darstellt. Die Abgrabung ist zudem nicht bloss 

geringfügig breiter als 6.0 m, sondern sie übersteigt dieses maximal zulässige Mass um 

über 40 %. Zudem wird die maximal zulässige Gebäudehöhe von 7.0 m nicht nur 

geringfügig, sondern um 1.28 m und damit deutlich überschritten. Die Bauparzelle ist 

bereits überbaut und weist keine topografischen Besonderheiten auf, die eine 

Überschreitung der Gebäudehöhe rechtfertigen könnten. Der Beschwerdeführer bezweckt 

mit der geplanten Aufstockung eine gewinnbringendere, über das zulässige Mass 

hinausgehende Nutzung. Der Umstand, dass er daran interessiert ist, das Dachgeschoss 

zu vergrössern und zwei Wohnungen einzubauen, stellt ein wirtschaftliches Interesse dar, 

dass praktisch in jedem Fall gegeben ist. Die beanspruchte Ausnahme kann nicht durch 

besondere Verhältnisse begründet werden, die in den geltenden Vorschriften der 

Gemeinde nicht genügend berücksichtig würden. Sie entspringt vielmehr dem Wunsch 

nach einer zusätzlichen Nutzung bei einem Gebäude, das das reglementarisch Zulässige 

bereits jetzt deutlich überschreitet. Das rechtfertigt keine Ausnahmebewilligung. Die 

Beschwerde ist daher bereits aus diesem Grund gutzuheissen.

3. Weitere Rügen

a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, es habe zu wenig Parkplätze für die 

Bewohnerinnen und Bewohner der G.________ Gasse. Mit den zwei zusätzlichen 

7

Wohnungen werde die Parkplatzsituation noch schlimmer. Besucherparkplätze seien keine 

mehr vorhanden.

Wird durch die Erstellung, die Erweiterung, den Umbau oder die Zweckänderung von 

Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf dem Baugrundstück 

oder in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen zu errichten (Art. 16 Abs. 

1 BauG). Die Bemessung der ausreichenden Parkflächen ist in Art. 49 ff. BauV12 geregelt. 

Die Anzahl der Abstellplätze wird durch eine Bandbreite begrenzt. Diese umfasst auch die 

Abstellplätze für Besucher. Innerhalb der Bandbreite legt die gesuchstellende Person die 

Anzahl fest (Art. 50 Abs. 1 und 2 BauV). Wie die Vorinstanz richtigerweise ausführt, beträgt 

die Bandbreite aufgrund der für das vorliegende Bauprojekt massgebenden Fassung von 

Art. 51 Abs. 2 BauV vom 22. Dezember 1999 (vgl. Art. 36 Abs. 1 BauG) mindestens fünf 

und maximal acht Parkplätze. In der seit dem 1. August 2014 geltenden Fassung von Art. 

51 Abs. 2 BauV beträgt die Bandbreite mindestens drei und maximal 12 Parkplätze. Die 

Baugesuchsunterlagen sind zwar widersprüchlich: im Baugesuchsformular wird die Anzahl 

Autoabstellplätze mit sechs, davon drei in Garagen oder Einstellhallen, angegeben, in den 

Projektplänen sind demgegenüber sechs Aussenparkplätze und drei Innenparkplätze 

ausgewiesen. Wie die Vorinstanz jedoch zutreffend ausführt, werden genügend Parkplätze 

ausgewiesen, selbst wenn die drei Parkplätze auf der Garagenzufahrt und eventuell auch 

der Parkplatz Nr. 1 auf der Ostseite des Gebäudes nicht angerechnet werden können. Die 

Rüge ist daher unbegründet. Wie in Erwägung 1 ausgeführt, können die übrigen Rügen zur 

Parkplatzsituation im vorliegenden Verfahren nicht gehört werden. Gegen unerlaubtes 

Parkieren, das das Wegrecht der Beschwerdeführenden verletzt, steht der zivilprozessuale 

Weg offen. Allfälliges vorschriftswidriges Parkieren auf öffentlichen Strassen oder 

Gehwegen wäre mit strassenverkehrspolizeilichen Mitteln zu unterbinden. Bei einer 

unbewilligten dauerhaften Nutzung einer Fläche als Autoabstellplatz hätte die zuständige 

Behörde baupolizeiliche Massnahmen zu prüfen.

b) Die Beschwerdeführenden beanstanden die Grösse des Kinderspielplatzes. Die 

Liegenschaft werde zum Teil von Familien mit Kindern bewohnt.

Beim Bau von Mehrfamilienhäusern hat der Bauherr unter anderem im Freien genügend 

grosse Aufenthaltsbereiche für die Bewohner, insbesondere Kinderspielplätze, zu schaffen 

(vgl. Art. 15 Abs. 1 BauG). Solange genügende Aufenthaltsbereiche und Spielplätze fehlen, 

12 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 

8

dürfen auf den betreffenden Grundstücken als solche dienende Flächen dieser 

Verwendung nicht durch Umgestaltung oder Überbauung entzogen werden (Art. 15 Abs. 3 

BauG). Art. 42 ff. BauV enthält die Ausführungsbestimmungen. Kinderspielplätze sind für 

Kleinkinder und schulpflichtige Kinder eingerichtete Spielflächen (Art. 43 Abs. 2 BauV). 

Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze sollen an möglichst sonnigen, dem Verkehr 

abgewandten Arealstellen angelegt werden. Es sind genügend Schattenplätze vorzusehen 

(Art. 44 Abs. 1 BauV). Kinderspielplätze müssen für Kleinkinder gut und gefahrlos 

erreichbar sein (Art. 44 Abs. 3 Satz 1 BauV). Sie sind ihrem Zweck entsprechend 

einzurichten. Dabei sind die Empfehlungen der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion 

(JGK) zu beachten (Art. 44 Abs. 4 BauV), die in der AHOP Nr. 92.213 publiziert sind. Nahe 

gelegene Spielmöglichkeiten ausserhalb der Überbauung sind zwar bei der Ausgestaltung 

zu berücksichtigen, haben aber keinen Einfluss auf die Erstellungspflicht und die 

erforderliche Gesamtfläche der Spiel- und Aufenthaltsbereiche.14 

Das Gebäude des Beschwerdegegners ist bereits heute ein Mehrfamilienhaus, da es vier 

Vierzimmerwohnungen aufweist (vgl. Art. 43 Abs. 3 BauV). Es soll um zwei anrechenbare 

Wohnungen erweitert werden. Es stellt sich daher die Frage, ob genügend 

Aufenthaltsbereiche und Spielplätze ausgewiesen werden. In den Baugesuchsunterlagen 

fehlen sowohl die Flächenangaben zu den neuen und bestehenden Wohnungen, 

Kinderspielplätzen und Aufenthaltsbereichen als auch die entsprechenden Berechnungen. 

Aufgrund einer überschlagsmässigen Berechnung anhand der Pläne dürften etwa 70 m2 

Kinderspielfläche sowie mindestens 20 m2 Aufenthaltsfläche erforderlich sein (vgl. Art. 45 

BauV). Im Plan Grundriss EG wird eine Spielzone von ungefähr 70 m2 ausgewiesen. Diese 

Fläche kann jedoch nicht (vollumfänglich) angerechnet werden. Ein Spielplatz soll einen 

gewissen Freiraum und eine attraktive Spielumgebung bieten. Er ist daher so anzulegen, 

dass mögliche Nutzungskonflikte vermieden oder zumindest minimiert werden und die 

Privatsphäre der Wohnungen gewahrt bleibt.15 Gegenüber Wohngebäuden ist deshalb in 

der Regel ein Streifen von 3 m nicht anrechenbar. Zudem müssen Spielflächen aus 

funktionellen Gründen eine minimale nutzbare Breite von 5 m aufweisen.16 Diese 

Mindestbreite kann nicht eingehalten werden. Es werden daher nicht genügend Spiel- und 

Aufenthaltsbereiche ausgewiesen. Die Rüge ist deshalb begründet.

13 Arbeitshilfe für die Ortsplanung (AHOP) Nr. 92.2 Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von 
benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen, (nachfolgend AHOP Nr. 92.2), einsehbar unter 
<http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/direktion/organisation/agr.html>, Rubrik «Publikationen/Bauen»
14 AHOP Nr. 92.2, S. 13
15 AHOP Nr. 92.2, S. 15
16 Vgl. AHOP Nr. 92.2, S. 19 

9

c) Die Beschwerdeführenden bemängeln die Profilierung. Die Dachausschnitte auf der 

Ostseite seien bewusst um ungefähr 2 m kleiner ausgesteckt worden. Zudem seien einige 

Profile schon entfernt worden, obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. 

Nach Art. 16 Abs. 1 BewD17 sind die äusseren Umrisse des Bauvorhabens durch Profile 

kenntlich zu machen. Diese haben namentlich in den Gebäudeecken die Höhen der 

Fassaden und die Neigung der Dachlinien, bei Flachdächern die Höhe der Dachbrüstung, 

anzugeben. Sie sind stehenzulassen, bis über das Bauvorhaben endgültig entschieden ist 

(Art. 16 Abs. 2 BewD). Zweck der Profilierung von Bauten und Anlagen auf dem 

Baugrundstück ist es, das Bauvorhaben in Ergänzung der Projektpläne zu 

veranschaulichen. Daraus müssen die für das Erscheinungsbild wesentlichen 

Abmessungen im Gelände, nicht aber sämtliche Einzelheiten der geplanten Baute 

ersichtlich sein18. Um Details über das Projekt zu erfahren, müssen die interessierten 

Personen die Baugesuchsakten einsehen. Die Beschwerdeführenden legen nicht dar, 

inwieweit ihnen durch die bemängelte Profilierung ein Nachteil entstanden ist. Wie die 

Beschwerde zeigt, konnten sie ihre Rechte wahren.

d) Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie hätten in der Einsprache die Vor-

instanz darauf aufmerksam machen müssen, wie die Besitzverhältnisse der Liegenschaft 

G.________ Gasse seien. Den Vorakten kann dazu entnommen werden, dass die 

Gemeindeverwaltung bereits im Rahmen der vorläufigen formellen Prüfung prüfte, ob das 

Baugesuch korrekt unterzeichnet war, abklärte, wer die Grundeigentümer der Liegenschaft 

sind, und die entsprechenden Mängel beheben liess.19 Die Rüge ist daher unbegründet.

4. Kosten

a) Zusammenfassend steht fest, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf 

eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der 

Beschwerdegegner überwiegend. Er hat deshalb die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 

Abs. 1 VRPG). Dass auf die von Laien verfasste Beschwerde nicht vollumfänglich 

17 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
18 BVR 1993 S. 314 E. 7
19 Vgl. dazu Formular 1.0.2, Vorläufige formelle Prüfung, Vorakten pag. 18 ff. sowie Kurzbrief vom 16. April 
2014, Vorakten pag. 4

10

eingetreten werden kann, rechtfertigt keine andere Kostenverteilung. Die Verfahrenskosten 

werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.00 (Art. 103 VRPG in Verbindung 

mit Art. 19 GebV20).

b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von 

Fr. 2'949.35 hat der Beschwerdegegner als Baugesuchsteller unabhängig vom Ausgang 

des Verfahrens zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD).

c) Die Beschwerdeführenden werden nicht berufsmässig vertreten (Art. 104 Abs. 1 

VRPG). Das Verfahren war nicht aufwändig (Art. 104 Abs. 2 VRPG). Den 

Beschwerdeführenden sind deshalb weder Parteikosten noch eine Parteientschädigung 

noch Auslagenersatz zuzuerkennen.

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten werden kann. 

Der Bauentscheid der Gemeinde Wiedlisbach vom 3. September 2014 wird 

aufgehoben. Dem Baugesuch vom 12. März 2014 wird der Bauabschlag erteilt.

2. Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens von Fr. 2'949.35 bleiben 

dem Beschwerdegegner zur Bezahlung auferlegt. Für das Inkasso dieser Kosten ist 

die Gemeinde Wiedlisbach zuständig.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'400.00 werden dem Beschwerdegegner zur 

Bezahlung auferlegt. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald dieser Entscheid 

in Rechtskraft erwachsen ist.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, 
BSG 154.21) 

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IV. Eröffnung

- Frau B.________ und Herrn A.________, eingeschrieben

- Frau D.________ und Herrn C.________, eingeschrieben

- Herrn E.________, mit Gerichtsurkunde

- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Wiedlisbach, Gemeindeverwaltung, 

eingeschrieben

- Regierungsstatthalter von Oberaargau, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

B. Egger-Jenzer,

Regierungspräsidentin

Rechtsmittelbelehrung

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung mit Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, angefochten werden. Eine 

allfällige Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die mindestens in fünf Exemplaren einzureichen ist, muss 

einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine 

Unterschrift enthalten; der angefochtene Entscheid und andere greifbare Beweismittel sind 

beizulegen.

Beilage: Kopien des Situationsplanes vom 6. März 2014 und des Projektplans Fassade Süd vom 

2. Mai 2013

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