# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de65e1e7-73da-5b68-81dc-baa7901f1795
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.02.2024 SB230025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230025_2024-02-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230025-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. C. Maira und lic. iur. 

B. Amacker sowie die Gerichtsschreiberin MLaw A. Blaser

Urteil vom 5. Februar 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter und Berufungskläger

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. G. Krayenbühl,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 22. Dezember 2021 (GG210090)

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Anklage:

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 2. März 2021 (Urk. 40) ist diesem 

Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 68 S. 51 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 in 

Verbindung mit Abs. 2 StGB sowie

 der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im 

Sinne von Art. 229 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 160.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-

setzt. 

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger B._____ aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach zur Leistung von Schadenersatz 

und Genugtuung verpflichtet ist. Zur genauen Feststellung seiner Zivilansprüche wird 

der Privatkläger B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'500.00   Gebühr für das Vorverfahren sowie

Fr. 1'895.40   ½ Auslagen Gutachten FOR.

Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt.

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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das gesamte Straf-

verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 9'651.20 (inkl. Mehrwertsteuer) zu be-

zahlen.

8. [Mitteilungen]

9. [Rechtsmittel]"

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 90 S. 1 in SB230025-O)

"1. In vollständiger Aufhebung des angefochtenen Urteils sei der A._____ von Schuld 

und Strafe freizusprechen.

 2. Die Zivilklage des Privatklägers sei abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu 

verweisen.

 3. Es seien die Untersuchungs- sowie Gerichtskosten des erstinstanzlichen Verfahrens 

auf die Staatskasse zu nehmen, und es sei A._____ eine angemessene Parteient-

schädigung (zzgl. MWST) für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren zuzusprechen.

 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) für das Berufungsver-

fahren zulasten der Staatskasse."

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 74 in SB230025-O bzw. Urk. 77 in SB230026-O schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c) Der Vertretung des Privatklägers:

(Urk. 92 S. 1 in SB230025-O bzw. Urk. 99 S. 1 in SB230026-O)

"1. Es seien die vorinstanzlichen Urteile in Bezug auf die Schuldsprüche von A._____ 

sowie C._____ wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie Gefährdung 

wegen fahrlässiger Verletzung der Regeln der Baukunde zu bestätigen. 

 2. Es seien die vorinstanzlichen Urteile ein Bezug auf die Gutheissung der Schadener-

satz- und Genugtuungsansprüche des Privatklägers zu Lasten der Beschuldigten 

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A._____ und C._____ zu bestätigen. Es seien Genugtuungs- und Schadenersatzfor-

derungen im Grundsatz gutzuheissen und auf den Zivilweg zu verweisen.

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge des erst- sowie zweitinstanzlichen Verfah-

rens zu Lasten der Beschuldigten A._____ und C._____."

Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Berufungsumfang

1. Verfahrensgang

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden 

(Urk. 68 S. 4).

1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung Einzelgericht, vom 

22. Dezember 2021 wurde der Beschuldigte der fahrlässigen schweren Körper-

verletzung sowie der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde schuldig gesprochen. Gegen das Urteil liess der Beschuldigte mit 

Eingabe vom 26. Dezember 2021 (Datum Poststempel) Berufung anmelden 

(Urk. 62). Über ein Jahr später, am 9. Januar 2023, ging beim Beschuldigten das 

begründete Urteil ein (Urk. 67/2). Am 25. Januar 2023 ging die Berufungserklärung 

des Beschuldigten ein (Urk. 70). Mit Präsidialverfügung vom 27. Januar 2023 wurde 

der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger Frist angesetzt, um bezüglich der 

Berufung des Beschuldigten Anschlussberufung zu erklären, oder begründet ein 

Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 72). Mit Eingabe vom 

31. Januar 2023 liess die Staatsanwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung 

erklären und teilte gleichzeitig mit, dass sie am Berufungsverfahren nicht aktiv 

teilnehmen werde und deshalb um Dispensation von der Hauptverhandlung er-

suche (Urk. 74). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen. Am 27. Oktober 2023 

wurde zur heutigen Hauptverhandlung vorgeladen (Urk. 77). 

1.3. Am 5. Februar 2024 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der 

Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. 

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X._____, der Mitbeschuldigte C._____ in Begleitung seines erbetenen Verteidigers, 

Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, sowie die Vertreterin des Privatklägers B._____, Ad-

vokatin Dr. iur. des. Z1._____, erschienen sind (Prot. II S. 4). Es war weder über 

Vorfragen noch über Beweisanträge zu befinden (Prot. II S. 6). Das Verfahren ist 

spruchreif. Daher erging das Urteil im Anschluss an die Berufungsverhandlung 

(Prot. II S. 18 ff. i.V.m. Urk. 94). 

2. Berufungsumfang

Der Beschuldigte focht mit Ausnahme der Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 5) 

das gesamte Urteil an (Urk. 90 S. 1 i.V.m. Prot. II S. 6). Dementsprechend ist das 

vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffer 5 (Kostenfestsetzung) in 

Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404 

Abs. 1 StPO). Im Übrigen steht das vorinstanzliche Urteil zur Disposition.

II. Sachverhalt

1. Einleitung A

Soweit dieser in der Anklage umschriebene Sachverhaltsteil für die Beurteilung 

überhaupt von Bedeutung ist, lässt sich die Funktion des Beschuldigten als Bau-

leiter auf seine eigenen Angaben stützen (Urk. 6/1 S. 1; Urk. 6/2 S. 2; Urk. 89 S. 2). 

Die Verteidigung wendet in diesem Zusammenhang ein, dass der Einsatz von Sub-

unternehmern vorliegend weder angezeigt noch bewilligt worden sei und demnach 

die Bauleitung nicht um den Beizug des Privatklägers und dessen Unternehmen 

gewusst habe (Urk. 56 S. 2 i.V.m. Urk. 90 S. 11 Rz. 15). Dieser Umstand ist indes 

für die rechtliche Beurteilung eben so wenig entscheidend wie die übrigen Angaben 

dieses Sachverhaltsteils, weshalb auf die entsprechenden Einwendungen (vgl. ins-

besondere Urk. 90 S. 11 Rz. 15) nicht weiter einzugehen ist. 

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2. Sachverhalt B

2.1. Absatz 1

Der Beschuldigte anerkannte ausdrücklich den bei den Akten liegenden Mailver-

kehr zwischen ihm und dem Bauführer der ebenfalls am Bau beteiligten D._____ 

AG, aus welcher hervorgeht, dass die E._____ AG von einer Dachtraglast von 

100 kg/m2 ausgeht und es daher gemäss dieser fraglich ist, ob das Dach für eine 

erhöhte Last wie einen Kleinbagger tragend ist (Urk. 14; Urk. 6/1 S. 4 f.; Urk. 6/2 

S. 4; Urk. 56 S. 3; Urk. 89 S. 3). Der Sachverhalt ist somit auch in diesem Punkt 

erstellt. Der Beschuldigte wusste von der eingeschränkten Tragfähigkeit des 

Daches. 

2.2. Absatz 2

Der Beschuldigte bestreitet nicht, an der fraglichen Sitzung vom 17. Oktober 2017 

mit F._____, an der die auszuführenden Dacharbeiten besprochen wurden, anwe-

send gewesen zu sein. Er bestreitet jedoch, dass hierbei auch der Privatkläger so-

wie der Mitbeschuldigte C._____ (nachfolgend: Mitbeschuldigter) teilgenommen 

hätten. Er bestreitet weiter, an der vorgängigen Baustellenbegehung anwesend ge-

wesen zu sein, während derer der Privatkläger den Vorschlag des Einsatzes eines 

ca. 950 kg schweren Kompaktladers gemacht haben soll (Urk. 6/1 S. 3 f. i.V.m. 

Urk. 6/2 S. 7 und Urk. 89 S. 7). Die nachgängige telefonische Mitteilung seitens des 

Mitbeschuldigten, dass die Arbeiten auf dem Dach mit dem Kompaktlader durch-

geführt werden könnten und die Arbeiten am 23. Oktober 2017 beginnen müssten, 

ist für die Erstellung des Sachverhalts hinsichtlich den Beschuldigten irrelevant, 

weshalb vorliegend offen bleiben kann, ob dem so war oder nicht. 

2.3. Absatz 3

Den Anklagevorwurf, wonach der Beschuldigte am 23. Oktober 2017 die Baustelle 

besichtigt und dabei den Privatkläger mit dem Kompaktlader am Arbeiten ange-

troffen – was die Anklage zumindest impliziert – und mit diesem die durchzuführen-

den Arbeiten besprochen habe, bestreitet der Beschuldigte nicht vollumfänglich. Er 

gibt abweichend von der Anklage lediglich an, er sei davon ausgegangen, dass es 

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sich beim Privatkläger um einen Angestellten der Firma des Mitbeschuldigten 

gehandelt habe. Auch habe er nicht erkannt oder erkennen können, dass auf dem 

Dach eine Arbeitsmaschine eingesetzt worden sei (Urk. 6/1 S. 4; Urk. 6/2 S. 14; 

Urk. 6/5 S. 10; Urk. 56 S. 5; Urk. 89 S. 5 i.V.m. S. 9 f.). Er sei nur auf einem 

benachbarten Dach gewesen und nicht auf jenem, auf welchem der Privatkläger 

gearbeitet habe (Urk. 89 S. 5).

2.4. Absatz 4

Der Durchbruch des Hallendachs und der dadurch verursachte Absturz des Privat-

klägers samt Maschine und die daraus resultierenden Folgen werden vom Beschul-

digten nicht bestritten (Urk. 90 S. 2 Rz. 2). Dies ergibt sich sodann ohne weiteres 

aus den Akten (Urk. 13/1-2 i.V.m. Urk. 26/1-17). Der Sachverhalt ist in diesem 

Punkt erstellt. 

3. Vorwurf C

3.1. Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass ihm die unter Absatz 1 näher 

umschriebene Koordination und Überwachung der gesamten Bauarbeiten oblag, 

worunter insbesondere die Unfallverhütung und die zu ergreifenden Sicherheits-

massnahmen fallen (Urk. 6/1 F/A 10-12 i.V.m. Urk. 6/2 F/A 9 und Urk. 89 S. 2 f.). 

3.2. Hinsichtlich Absatz 2 äusserte sich der Beschuldigte dahingehend, dass er 

die Dachtraglast abgeklärt habe, weil die D._____ AG mit einem kleinen Bagger 

auf das Dach gewollt habe. Für weitere Arbeiten, wie die Entfernung der Dach-

pappe, habe er das nicht als notwendig erachtet. Es sei klar gewesen, dass man 

diese mit einem Handgerät schneide und danach zusammenrolle. Daher habe er 

auch die Information nicht weitergegeben (Urk. 89 S. 3 i.V.m. S. 8). Es habe für ihn 

keinen Grund zur Annahme gegeben, dass die Dachtraglast für die Entfernung der 

Bitume irgendeine Gefahr darstellen könnte. Es habe keinerlei Hinweise gegeben, 

dass die Arbeiten diesbezüglich problematisch gewesen wären, wäre nicht völlig 

unvorhergesehen der eine Tonne schwere Kompaktlader zum Einsatz gekommen 

(Urk. 90 S. 4 Rz. 6). Es ist somit nachfolgend auch in diesem Punkt zu überprüfen, 

ob sich der Sachverhalt wie in der Anklage umschrieben zugetragen hat. 

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3.3. Der Beschuldigte bestätigte hinsichtlich Absatz 3 sodann weder die G._____ 

AG noch die H._____ GmbH über die zulässige Dachtraglast von 100 kg/m2 des 

Hallendaches informiert zu haben, wobei er erklärte, vom Einsatz der H._____ 

GmbH überhaupt nichts gewusst zu haben (Urk. 89 S. 3 i.V.m. Urk. 6/1 S. 3 f.). Die 

weiteren Ausführungen unter diesem Titel sind rechtlicher Natur. Auf diese ist daher 

im Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen.  

4. Bestrittener Sachverhalt

4.1. Sitzungen vom 13./17. Oktober 2017

4.1.1. Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte sagte in seinen diversen Einvernahmen übereinstimmend aus, 

dass es am 13. Oktober 2017 eine kurze Besichtigung der Baustelle ohne Bestei-

gung des Dachs gegeben habe. Die eigentliche Besprechung habe am 17. Oktober 

2017 stattgefunden. Der Privatkläger sei nicht dabei gewesen und um dessen bzw. 

dessen Firma Einsatz habe er nicht gewusst (Urk. 6/1 S. 3 f.). An der Sitzung seien 

Vertreter der Firmen G._____ und D._____ sowie der Elektroplaner, der Haustech-

nikplaner, der Ingenieur, der Bauleiter und I._____ dabei gewesen (Urk. 6/2 S. 6 f.). 

Mit Bezug auf die zu erledigenden Arbeiten auf dem Dach sei die Rede davon ge-

wesen, dass diese mit einem Skyworker erledigt würden. Die Tragfähigkeit des 

Dachs sei kein Thema gewesen (Urk. 6/2 S. 9). In der Konfrontationseinvernahme 

mit dem Mitbeschuldigten gab er erneut an, dass keine Begehung des Daches statt-

gefunden habe und die Traglast kein Thema gewesen sei (Urk. 6/5 S. 5). Hierbei 

blieb er auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, wobei er angab, sich 

nicht mehr sicher zu sein, ob der Haustechnikplaner auch anwesend gewesen sei 

(Urk. 89 S. 4 ff.). Diese Aussagen sind übereinstimmend, konstant und frei von in-

neren Widersprüchen. Dass er sich nicht mehr sicher ist, ob der Haustechnikplaner 

auch an der Sitzung vom 17. Oktober 2017 teilgenommen hat, lässt sich ohne wei-

teres dadurch erklären, dass zwischen den Aussagen über sechs Jahre vergangen 

sind. Solche Details verblassen mit der Zeit.

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4.1.2. Aussagen des Mitbeschuldigten 

4.1.2.1. Demgegenüber machte der Mitbeschuldigte von Anfang an geltend, dass 

vor der eigentlichen Sitzung am 17. Oktober 2017 eine Besprechung mit dem 

Beschuldigten, dem Privatkläger sowie F._____ stattgefunden habe. Dabei habe 

der Beschuldigte gesagt, dass der Einsatz des ca. eine Tonne wiegenden Kom-

paktladers kein Problem sei. Bei dieser Aussage fällt auf, dass diese – im 

Gegensatz zur ersten Befragung des Beschuldigten, welche erst am 13. April 2018 

stattfand – unmittelbar nach dem Unfall gemacht wurde (Urk. 5/1 S. 3). Dies gilt es 

bei der Würdigung besonders zu berücksichtigen, ist doch davon auszugehen, 

dass diese Aussagen "sur place" und unter dem Eindruck des Vorgefallenen 

besonders authentisch und damit unverfälscht ausfallen. Die Wahrscheinlichkeit 

von Absprachen und anderen Beeinflussungen, beispielsweise auf Grund von 

Kenntnissen weiterer Beweismittel, ist sehr klein. Als entsprechend glaubhaft ist 

damit die Aussage zur Sitzung vom 17. Oktober 2017 zu werten, zumal der Mitbe-

schuldigte alles aus freien Stücken erwähnte und die Frage nach den Abklärungen 

bezüglich der Statik des Daches ebenso frei und präzise beantwortete, bevor sich 

konkrete Fragen nach den Ursachen und der Schuld am Unfall stellten. So gilt es 

auch zu berücksichtigen, dass er diese Aussage nicht als Beschuldigter, sondern 

als Auskunftsperson machte und deshalb auf Grund dieser prozessualen Stellung 

noch kein besonderes Interesse erkennbar ist. Der Aussage kommt somit eine sehr 

hohe Glaubhaftigkeit zu. 

4.1.2.2. In der ausführlichen polizeilichen Befragung vom 16. April 2018 gab der 

Mitbeschuldigte erneut und in Übereinstimmung mit der ersten Befragung zu 

Protokoll, dass vor der eigentlichen Bausitzung vom 17. Oktober 2017 eine Bespre-

chung mit dem Beschuldigten, dem Privatkläger und F._____ stattgefunden habe, 

an der die Vorgehensweise mit dem Kompaktlader besprochen und in diesem Zu-

sammenhang auch die Dachtraglast thematisiert worden sei. Der Beschuldigte 

habe vom Einsatz der Arbeitsmaschine gewusst und eine zulässige Dachtraglast 

von ca. 900 kg/m2 bestätigt (Urk. 5/2 S. 2). Auch diese Schilderung erweist sich als 

in sich schlüssig und in völliger Übereinstimmung mit der vorangehenden, weshalb 

auch diese als glaubhaft zu qualifizieren ist. 

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4.1.2.3. Dies gilt auch für die staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 29. Okto-

ber 2019 und die Konfrontationseinvernahme vom 24. November 2020, an welchen 

der Mitbeschuldigte erneut gleichlautende und gleich detaillierte Sachverhaltsschil-

derungen tätigte (Urk. 5/3 S. 4 ff.; Urk. 6/5 S. 3 ff.). 

4.1.2.4. Die Verteidigung machte zur Glaubhaftigkeit der Aussagen geltend, der 

Mitbeschuldigte habe als Projektleiter ein klares Motiv gehabt, zu behaupten, dass 

sie nach der Traglast des Dachs gefragt und vom Beschuldigten das Okay erhalten 

hätten, um damit die Schuld am Unfall ihres Subunternehmers von sich zu weisen 

und den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten (Urk. 90 S. 6 Rz. 6). Dies ist nicht 

relevant. Auch ein mündliches Okay des Beschuldigten sorgt nicht dafür, dass 

weitere Personen mit der entsprechenden Verantwortung nicht auch strafrechtlich 

verfolgt werden könnten. Bester Beleg hierfür ist das gegen den Mitbeschuldigten 

geführte Strafverfahren. Als Fachperson musste er dies wissen. 

4.1.2.5. Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass die Aussagen des 

Mitbeschuldigten insgesamt besonders glaubhaft sind. Die Aussagen erweisen sich 

als in sich schlüssig und im Kernbereich detailliert und stets übereinstimmend. 

Dabei fällt auf, dass es in den Angaben Nuancen gibt, beispielsweise wurde die 

Dachtraglast einmal mit ca. 900 kg und einmal mit rund einer Tonne angegeben, 

was materiell dasselbe ist aber gegen eine einstudierte stereotype Aussage spricht. 

Dies gilt auch für Punkte, welche er in seinen Antworten bewusst offen liess, wie 

etwa die Frage, ob der Beschuldigte am 17. Oktober 2017 bei der Dachbegehung 

dabei war oder nicht (Urk. 5/1 S. 3 i.V.m. Urk. 5/2 S. 2 und Urk. 5/3 S. 6).  

4.1.3. Aussagen von F._____

4.1.3.1. F._____, Bauführer der G'._____ AG, ist ein Arbeitskollege des Mitbeschul-

digten und war anfänglich in das Projekt des Abbruchs des Hallendaches involviert. 

Er wurde am 19. März 2018 als Auskunftsperson zur Vorbesprechung vom 17. Ok-

tober 2017 befragt und bestätigte, an dieser zusammen mit dem Beschuldigten, 

dem Privatkläger und dem Mitbeschuldigten teilgenommen zu haben. Der Privat-

kläger habe sich dabei nach der Dachtraglast erkundigt und das Gewicht des Kom-

paktladers mit ca. 500 kg angegeben, worauf dieser vom Beschuldigten zur Antwort 

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erhalten habe, dass 800-900 kg kein Problem seien (Urk. 10/1 S. 3 i.V.m. Urk. 10/2 

S. 3). Dies bestätigte er auch anlässlich seiner Einvernahme vom 18. Februar 2020 

vor der Staatsanwaltschaft (Urk. 10/2 S. 3 f.). Diese Aussagen geben keinen An-

lass zu Zweifeln. Sie sind in sich schlüssig und übereinstimmend. Dass die Ge-

wichtsangaben nicht ganz genau denjenigen des Mitbeschuldigten entsprechen, tut 

der Glaubhaftigkeit keinen Abbruch, es spricht vielmehr gegen Absprachen und ist 

mit dem Verblassen der Erinnerung aufgrund der vergangenen Zeit zwischen dem 

Ereignis und den Einvernahmen ohne weiteres zu erklären. Im Kern – nämlich wer 

anwesend war und ob über die Traglast gesprochen wurde – verbleiben keine Zwei-

fel. Diese Aussagen sind glaubhaft. 

4.1.3.2. Die Verteidigung machte hierzu geltend, F._____ habe als ehemaliger Pro-

jektleiter ein klares Motiv gehabt, zu behaupten, dass sie nach der Traglast des 

Dachs gefragt hätten und vom Beschuldigten das Okay erhalten hätten, um damit 

die Schuld am Unfall ihres Subunternehmers von sich zu weisen und den Beschul-

digten zu Unrecht zu belasten (Urk. 90 S. 6 Rz. 6 i.V.m. S. 10 Rz. 14). Dies ist zwar 

gut denkbar rechtlich aber nicht relevant. Wie bereits ausgeführt, sorgt auch ein 

mündliches Okay des Beschuldigten nicht dafür, dass weitere Personen mit der 

entsprechenden Verantwortung nicht auch strafrechtlich verfolgt werden können. 

Bester Beleg hierfür ist das gegen den Mitbeschuldigten geführte Strafverfahren. 

Als Fachperson musste auch er dies wissen. Offenbar wurde er hierüber sogar von 

J._____ informiert (Urk. 8/2 S. 2), worauf die Verteidigung gar selbst hinwies (vgl. 

Urk. 90 S. 10 Rz. 14). Es erscheint denn auch – entgegen den Ausführungen der 

Verteidigung (vgl. Urk. 90 S. 10 Rz. 14) – nicht weiter merkwürdig, dass dieser sich 

eine Handnotiz der Besprechung im Zuge der Projektübergabe an den Mitbeschul-

digten gemacht hat, ohne diese der Bauleitung oder jemand anderem zuhanden 

des Protokolls weiterzuleiten. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass er sich diese 

gemacht hat, um sich bei allfälligen Rückfragen seines Nachfolgers an die Bespre-

chung und deren Inhalt zurückerinnern und entsprechend Auskunft erteilen zu kön-

nen. Der Notiz kommt aber ohnehin keine wichtige Bedeutung zu (vgl. hierzu 

Urk. 68 S. 23 E. III.4.3.5.5.). 

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4.1.4. Aussagen des Privatklägers

4.1.4.1. Schliesslich wurde auch der Privatkläger dazu befragt. Bei ihm gilt es zu 

berücksichtigen, dass er das Unfallopfer ist und sich sehr schwere Verletzungen 

mit bis heute andauernden Problemen und bleibenden Schäden zugezogen hat. Er 

macht sodann sowohl Schadenersatz als auch Genugtuung geltend und hat damit 

ein finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens. Gegen ihn wurde zwar kein 

Verfahren eröffnet. Wie später unter den Ausführungen zum Verschulden noch 

aufzuzeigen sein wird, trifft ihn jedoch ein sehr grosses Mitverschulden am Unfall, 

indem auch er elementarste Sicherheitsvorkehrungen unterlassen hat. In seiner 

Doppelfunktion als Arbeitender und Arbeitgeber – als Geschäftsführer der Firma 

H._____ GmbH, welche als Subunternehmerin mit Teilen des Rückbaus des Dachs 

beauftragt wurde – war er auch für die Baustellensicherheit verantwortlich, nament-

lich gegenüber seinen Mitarbeitern. Entscheidend ist indes nicht seine prozessuale 

Stellung und allgemeine Interessenlage am Verfahrensausgang sondern der mate-

rielle Gehalt seiner Aussagen. Dieser war bei seiner ersten Befragung noch am 

Spitalbett nicht sehr hoch, konnte er doch nur rudimentär zu den Geschehnissen 

befragt werden. Demnach habe er den Auftrag mit Arbeitsbeginn am 23. Oktober 

2017 einige Wochen vorher erhalten. Auf eine E-Mail der Auftraggeberin hin sei er 

dann zur Baustellenbesichtigung gefahren, wo unter anderem auch das Dach be-

treten worden sei. Er habe mitgeteilt, dass er die Arbeiten mit einem Kompaktlader 

ausführen werde und daraufhin das Okay dafür erhalten (Urk. 8/1 S. 2 f.). Auf 

Grund des sehr tiefen Detaillierungsgrades ist diese Aussage wenig ergiebig, im-

merhin lässt sich ihr aber zweifelsfrei entnehmen, dass vorgängig eine Bespre-

chung samt Begehung vor Ort stattgefunden hat und die Baustelle vorab für den 

Kompaktlader freigegeben wurde. 

4.1.4.2. In einer weiteren Befragung in der Rehaklinik K._____ gab er weiter zu 

Protokoll, dass er sich zwischenzeitlich mit J._____ von der G'._____ AG unterhal-

ten habe. Dieser habe ihm erklärt, dass der Mitbeschuldigte ihm mitgeteilt habe, 

dass der Mitarbeiter der Bauleitung die Freigabe für die Dacharbeiten mit dem Kom-

paktlader gegeben habe (Urk. 8/2 S  2). Dabei gilt es – wie die Verteidigung zu 

recht einbringt (vgl. Urk. 90 S. 10 Rz. 13) – zu berücksichtigen, dass es sich nicht 

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um eine direkte Wahrnehmung des Privatklägers handelt, sondern um eine Aus-

sage vom Hörensagen, welche mit entsprechender Vorsicht zu würdigen ist. Im-

merhin steht diese inhaltlich mit den übrigen Aussagen – mit Ausnahme derjenigen 

des Beschuldigten – in Einklang und ergibt keine Hinweise auf einen anderen als 

den angeklagten Sachverhaltsablauf. 

4.1.4.3. Die erste einlässliche Einvernahme mit dem Privatkläger fand am 20. Ja-

nuar 2020 statt. Dort berichtete er von einer Besprechung vor Ort, am 17. Oktober 

2017, morgens um 07.00 Uhr, mit dem Mitbeschuldigten, wobei sich dann noch 

eine dritte Person mit spanischem Namen als Vertreter der Bauherrschaft dazu 

gesellt habe. Schon anlässlich der Besprechung sei die Rede von der Traglast 

gewesen und davon, dass der Kompaktlader etwa eine Tonne wiegen würde. Die 

Traglast sei ebenfalls besprochen worden, wobei ihm erst später – nach ein bis 

zwei Tagen – telefonisch vom Mitbeschuldigten eine definitive Freigabe erteilt 

worden sei. An eine vierte Person, welche an der Besprechung anwesend gewesen 

sein soll, vermochte sich der Privatkläger nicht zu erinnern, was die Verteidigung 

richtigerweise vorbrachte (vgl. Urk. 90 S. 8 Rz. 11). Ganz sicher war er sich jedoch, 

dass die Dachtraglast ein Thema bei der Besprechung gewesen sei (Urk. 8/3 

S. 7 ff.). Diese Aussage ergibt – erst recht mit den ersten beiden Kurzeinvernahmen 

in Zusammenhang gebracht – ein wenig klares Bild. Der Privatkläger konnte sich 

einzig hinsichtlich C._____ genau an einen Namen erinnern, bezüglich einer ande-

ren Person sprach er von einem spanischen Namen, was bei A._____ – zumindest 

bei mündlichem Gebrauch – der Fall ist, wobei auch der Name F._____ nicht ohne 

weiteres als italienischer sondern als spanischer Name verstanden werden kann. 

Sodann decken sich seine Aussagen weder mit der Version des Beschuldigten 

noch mit jener des Mitbeschuldigten, weshalb seine Aussagen auch auf Grund der 

Ungenauigkeiten als insgesamt wenig glaubhaft zu qualifizieren sind. Überzeugend 

und klar geht aus ihnen einzig hervor, dass bereits vor den Arbeiten die Dachtrag-

last Thema war und er vor Beginn der Arbeiten die Arbeitsfreigabe erhalten hat.

4.1.5. Schlussfolgerungen

4.1.5.1. Bringt man diese Aussagen und die weiteren Beweismittel zueinander in 

Bezug so verdichten sich diese zu folgendem Bild: Am 17. Oktober 2017 hat vor 

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der eigentlichen offiziellen Bausitzung eine informelle Zusammenkunft zwischen 

den beiden Beschuldigten, dem Privatkläger und F._____ stattgefunden. Wenn der 

Beschuldigte dem widerspricht, so ist das nicht zu hören und im Lichte der klaren 

und glaubhaften Ausführungen der weiteren Beteiligten als Schutzbehauptung zu 

qualifizieren. Zumal es auch lebensfremd wäre, wenn der Beschuldigte als vor Ort 

anwesender Bauführer nicht an dieser Besprechung teilgenommen hätte, gehört 

doch die Baurealisation, Koordination und Überwachung zu seinen Kernaufgaben. 

Dies gilt auch für den Inhalt der Sitzung, namentlich die Diskussion der Dachtrag-

last. Es ist plausibel, dass diese thematisiert wurde, ist sie doch bei Arbeiten auf 

Dächern die zentrale Frage und die Abklärung der Durchbruchsicherheit und damit 

der Tragfähigkeit zudem gesetzlich vorgeschrieben (Art. 33 Abs. 1 

Bauarbeitenverordnung [aBauAV]). 

4.1.5.2. Die Verteidigung bringt vor, dass der Beschuldigte in der E-Mail des Mit-

beschuldigten an den Privatkläger vom 16. Oktober 2017 nicht als Empfänger 

figuriere, was der Fall gewesen wäre, wenn die Vor-Sitzung tatsächlich stattgefun-

den hätte (Urk. 90 S. 7 Rz. 11). Die fragliche E-Mail war jedoch keine Einladung zu 

einer Sitzung sondern führte einzig – unter Bezugnahme auf ein vorangehendes 

Telefonat – den Treffpunkt für die Begehung auf. Den Beschuldigten darüber zu 

orientieren war nicht notwendig, wusste er doch über die örtlichen Verhältnisse 

Bescheid, ebenso wie F._____, welcher ebenfalls an der Begehung teilnahm und 

auch nicht in der Empfängerliste figuriert (Urk. 18/3 S. 1). Dass diese Besprechung 

an der anschliessenden Bausitzung keinen Eingang ins Protokoll fand, lässt – ent-

gegen den Ausführungen der Verteidigung (vgl. Urk. 90 S. 7 Rz. 11) – keine Zweifel 

daran aufkommen, dass diese tatsächlich stattfand. An jener Sitzung ging es ge-

mäss dem Beschuldigten um die Etappierung und die benötigte Zeit für die einzel-

nen Arbeiten und nicht die Art der Ausführung der einzelnen Schritte (Urk. 89 S. 6). 

Die vorgängige Besprechung war nicht Teil der nachfolgenden Sitzung. An dieser 

nahmen sodann – ebenfalls gemäss Aussagen des Beschuldigten – auch gar nicht 

dieselben Personen teil, wie an der vorgängigen Baustellenbegehung (Urk. 89 

S. 7). Damit erscheint es auch nicht ungewöhnlich, dass der Inhalt dieser Bespre-

chung nicht Eingang in jenes Protokoll fand. Die Verteidigung wendete hierzu weiter 

ein, es mache generell keinen Sinn, eine so wichtige Frage, wie diejenige, ob das 

- 15 -

Dach einen Kompaktlader mit einem Gewicht von einer Tonne tragen könne, nir-

gends schriftlich festzuhalten und zu protokollieren und sich angeblich auf eine re-

lativ lockere Aussage des Bauleiters zu verlassen, ohne zu wissen oder nachzufra-

gen, von welcher Quelle diese Auskunft stamme (Urk. 90 S. 8 Rz. 11). Dem ist zu 

entgegnen, dass das zwar so sein mag, dies jedoch noch lange nicht heisst, dass 

dem nicht so war. Angesichts der diversen erfolgten Versäumnisse der Verantwort-

lichen dieser Baustelle – u.a. der Nichtweitergabe der Information über eine äus-

serst geringe Dachtraglast von lediglich 100 kg/m2 – verwundert es jedenfalls nicht. 

4.1.5.3. Das Vorbringen der Verteidigung, dass der Beschuldigte über die 

beschränkte Dachtraglast orientiert bzw. sofort reagiert hätte, wäre er an der 

Sitzung dabei gewesen, bzw. hätte er den Kompaktlader auf dem Dach gesehen 

oder um das Vorhaben dessen Einsatzes gewusst, ist letztlich eine Hypothese 

(Urk. 90 S. 3 Rz. 5). Im Lichte der klaren Ausführungen der weiteren Beteiligten 

mangelt es dieser Hypothese aber bereits am Fundament. Abgesehen davon sind 

zahlreiche Gründe denkbar, weshalb in diesem Punkt nicht pflichtgemäss vorge-

gangen wurde. Da die Baustellensicherungspflichten – wie später noch aufzu-

zeigen sein wird – in mehrfacher Hinsicht und auf krasse Weise missachtet wurden, 

reiht sich dieses Verhalten denn auch nahtlos in die Reihe der übrigen Unter-

lassungen ein und steht damit nicht im Widerspruch zum übrigen Verhalten des 

Beschuldigten. Auf die Einwendungen der Verteidigung, welche aufzeigen sollen, 

dass der Beschuldigte keine Zusagen bezüglich der Dachtraglast gemacht haben 

soll (vgl. Urk. 90 S. 8 Rz. 11), ist nicht weiter einzugehen, da ihm dieser Umstand 

in der Anklage überhaupt nicht zum Vorwurf gemacht wird.  

4.1.6. Fazit

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass der relevante Anklagesachver-

haltsteil mit Bezug auf die Besprechung vom 17. Oktober 2017 erstellt ist. 

4.2. Besichtigung vom 23. Oktober 2017

4.2.1. Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, dass er am 23. Oktober 2017 

das Hallendach bestiegen und dabei den Privatkläger mit dem Kompaktlader an 

- 16 -

der Arbeit gesehen habe. Er habe sich mit ihm unterhalten, Anweisungen zur Arbeit 

erteilt und diesen weder über die zulässige Dachtraglast orientiert noch das Arbei-

ten verboten (Urk. 40 S. 4). 

4.2.2. Aussagen des Beschuldigten

4.2.2.1. Der Beschuldigte anerkennt den Sachverhalt grundsätzlich, schränkt 

jedoch ein, dass er den Kompaktlader nicht gesehen habe und die vier bis fünf 

Arbeiter der H._____ GmbH nicht als solche erkannt, sondern als der G'._____ AG 

zugehörig erachtet habe (Urk. 6/1 S. 4). In der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme bestätigte er diese Darstellung und präzisierte, dass er mit dem Privatkläger 

einige Details der Bauausführung besprochen habe. Weiter habe er sich vergewis-

sern wollen, dass sie am richtigen Ort arbeiten würden. Er habe dort ca. vier Män-

ner beim Arbeiten gesehen, nicht jedoch den Kompaktlader, wobei er nicht das 

ganze Dach überblickt habe, da dieses teilweise durch die Dachfenster verdeckt 

gewesen sei (Urk. 6/2 S. 14 f.). 

4.2.2.2. Im Rahmen seiner Befragung anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung gab er demgegenüber an, dass er nach dem Besteigen des Dachs ledig-

lich zwei Mitarbeiter gesehen habe. Auf die Bitte den Chef zu holen, hätten sie dann 

den Privatkläger herbeigeholt, welcher hinter den Oberlichtern gearbeitet habe 

(Prot. I S. 36). 

4.2.2.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er sodann an, es habe sich um 

zwei oder drei Mitarbeiter gehandelt, welche Dachpappe mit einer Handfräse 

geschnitten und zusammengerollt hätten, wobei überall gearbeitet worden sei. Es 

sei sodann nicht üblich, dass man während der Schadstoffsanierung die Baustelle 

besichtige, da niemand gerne auf die Baustelle gehe, wenn eine Schadstoffsanie-

rung stattfinde. Nur Fachleute, die dementsprechend ausgerüstet seien, würden 

dann die Baustelle besichtigen (Urk. 89 S. 10). Der Privatkläger habe sich bei 

seiner Besichtigung hinter den Oberlichtern befunden und sei von einem der Arbei-

- 17 -

ter hergeholt worden. Sie hätten dann besprochen, wo er schon arbeiten dürfe und 

wo noch nicht (Urk. 89 S. 5). 

4.2.2.4. Diese Aussage würde zwar erklären, weshalb er den Kompaktlader nicht 

gesehen haben könnte. Abgesehen davon, dass sie jedoch in eklatantem und nicht 

erklärbarem Widerspruch zu seinen früheren Aussagen stehen, wofür keine 

Gründe erkennbar sind, wirkt sie auch inhaltlich lebensfremd: Dass ein Bauleiter 

auf das Dach steigt, um die Arbeit zu kontrollieren und sicherzustellen, dass am 

richtigen Ort gearbeitet wird, dort angelangt, sich aber nicht zur eigentlichen 

Baustelle begibt und tatsächlich kontrolliert, wo gearbeitet wird, sondern hinter 

einer unübersichtlichen Stelle bzw. gar auf einem anderen Dach stehen bleibt, ohne 

sich die eigentliche Baustelle überhaupt anzuschauen, ist völlig unglaubhaft. 

Ebenso unglaubhaft erscheint es, dass überall gleichzeitig gearbeitet worden sei. 

Zur Verhinderung einer Exposition mit den Schadstoffen der Bitumen hätte denn 

auch das Tragen einer FFP3-Maske sowie ein Schutzanzug ausgereicht (SUVA 

Factsheet Asbesthaltige Wand- und Bodenbeläge aus Kunststoff 2 – Entfernen von 

Belägen mit festgebundenem Asbest und bituminösem Kleber, März 2022, S. 1; 

EKAS Richtlinie Nr. 6503 Asbest, Ausgabe Dezember 2008, S. 18 i.V.m. S. 21; 

beides abrufbar unter: www.suva.ch Home  Prävention  Nach Gefahren  Ge-

fährliche Materialien, Strahlungen & Situationen  Asbest  Downloads). Beides 

ist weder schwierig erhältlich zu machen noch besonders teuer und dürfte zur 

Grundausstattung eines Bauleiters einer Baustelle, auf der eine Schadstoffsanie-

rung durchgeführt wird, gehören. Unglaubhaft ist auch die Behauptung, wonach er 

an einem Ort, an welchem gar nicht gearbeitet wurde, zwei Bauarbeiter mit Arbeits-

geräten angetroffen habe. Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb anstatt wie in 

seinen früheren Aussagen von vier bis fünf nunmehr lediglich von zwei bzw. zwei 

bis drei Arbeitern die Rede war. Bringt man diese zweifelhafte Schilderung mit 

seinen früheren Aussagen in Bezug, so erweisen sich seine Aussagen als sehr 

unglaubhaft. 

4.2.3. Aussagen des Privatklägers

Der Privatkläger bestätigte, am 23. Oktober 2017 mit Personen auf dem Dach Kon-

takt gehabt zu haben, welche die Baustelle besichtigt hätten, konnte die Personen 

- 18 -

aber nicht genau identifizieren. Er konnte jedoch bestätigen, dass der Kompakt-

lader von Anfang an eingesetzt wurde (Urk. 8/3 S. 12 f.). In diesem Zusammenhang 

hielt er fest, dass es nicht möglich gewesen sei, die Mitarbeiter an der Arbeit, nicht 

aber den Kompaktlader gesehen zu haben. Dies sei unmöglich, da der Kompakt-

lader dort gestanden sei wo die Mitarbeiter gearbeitet hätten (Urk. 8/3 S. 22). Seine 

Aussagen sind, wie schon diejenigen zur Besprechung vom 17. Oktober 2017, 

wenig präzise und teilweise lückenhaft. Die Gründe dafür mögen dieselben sein. In 

Anbetracht des anschliessend Vorgefallenen und der Tatsache, dass kurze Zeit 

zuvor ein gleichartiger Auftrag mit dem Mitbeschuldigten ausgeführt wurde, 

erscheint es auch möglich, dass es teilweise zu Verwechslungen kam. Umso glaub-

hafter sind diejenigen Punkte, welcher sich der Privatkläger trotzdem ganz sicher 

war, nämlich dass er und seine Mitarbeiter stets mit dem Kompaktlader gearbeitet 

hätten und dieser somit in ihrer unmittelbaren Nähe gestanden sei. Diese Schilde-

rung ist darüber hinaus auch sehr plausibel. Der Arbeitsablauf war dergestalt, dass 

die Mitarbeiter des Privatklägers den bituminösen Belag zerschnitten und abtrugen 

und der Privatkläger das angefallene Material fortlaufend abtrug und auf dem Dach 

bleibend an dessen Rand zum Aushub transportierte (Urk. 8/3 S. 22 i.V.m. Urk. 8/1 

S. 2). Dieses Vorgehen zeigt sich denn auch auf einem durch den Privatkläger 

einen Tag vor dem Unfall erstellten Foto, auf welchem erkennbar ist, dass sich die 

Arbeiter der H._____ GmbH von einem Ende des Daches zum anderen vorarbei-

teten, wobei jeweils abschnittsweise Bitumen und Kork entfernt wurden und der 

Kompaktlader in unmittelbarer Nähe dazu stand (Urk. 13/4 S. 7 Foto vom 23. Ok-

tober 2017, 09.49 Uhr).

4.2.4. Zwischenfazit

Es ist somit davon auszugehen, dass der Kompaktlader stets im Einsatz war und 

sich in unmittelbarer Nähe des Privatklägers sowie dessen Mitarbeitern befand. Un-

ter diesen Umständen muss der Beschuldigte aber den Kompaktlader gesehen ha-

- 19 -

ben und ist seine Behauptung, wonach dies nicht der Fall gewesen sei, als 

offensichtliche Schutzbehauptung zu qualifizieren. 

4.2.5. Aussagen L._____

Dafür spricht auch die Aussage von L._____, dem Vorgesetzten des 

Beschuldigten. Dieser gab in seiner ersten polizeilichen Einvernahme, welche 

unmittelbar nach dem Unfall durchgeführt wurde, an, dass ihm der Beschuldigte 

kurz nach dem Unfall am Telefon gesagt habe, dass dieser den Kompaktlader am 

23. Oktober 2017 auf der Baustelle gesehen habe (Urk. 9/1 S. 2 i.V.m. S. 4). Dieser 

Aussage kommt auf Grund ihrer zeitlichen Nähe zum Unfallgeschehen – nur 

wenige Stunden danach – eine grosse Glaubhaftigkeit zu. Es ist nicht einzusehen, 

weshalb er in diesem Punkt nicht die Wahrheit erzählen sollte, ebensowenig sind 

Gründe erkennbar, welche auf eine Verwechslung schliessen lassen. Schliesslich 

wusste er zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, ob es ein Verfahren geben wird 

bzw. dass es ein solches gegen den Beschuldigten geben würde und welche 

Fragen sich dort genau stellen würden. Wohl machte er in den darauf folgenden 

Einvernahmen gegenteilige Aussagen, nämlich dass ihm der Beschuldigte gesagt 

habe, dass er den Kompaktlader nicht gesehen habe (Urk. 9/2 S. 3). Auf diesen 

eklatanten Widerspruch angesprochen gab er an, dass dies zwar so im Protokoll 

stehe, er aber erst später ausführliche Gespräche mit dem Beschuldigten geführt 

habe und er danach der Polizei ausführliche Texte und Unterlagen geschickt habe. 

Der Beschuldigte habe ihm nicht gesagt, dass er den Bagger gesehen habe 

(Urk. 9/3 S. 6). Im Lichte der klaren und widerspruchsfreien ersten Aussage wirkt 

diese Aussage jedoch gesucht. Die Vermutung, dass er gemerkt hat, dass er 

seinem Mitarbeiter mit dieser Aussage Schwierigkeiten bereitet hat und diese des-

halb zurückgenommen hat, liegt nahe. Es ist – aufgrund des zu den Aussagen des 

Privatklägers Gesagten – davon auszugehen, dass der Kompaktlader stets beim 

Privatkläger und seinen Mitarbeitern stand und dadurch für den Beschuldigten klar 

sichtbar war. Die Auskunftsperson L._____ wies denn auch selbst darauf hin, dass 

es im Protokoll noch Streichungen gegeben habe (Urk. 9/3 S. 6). Dies ist richtig. Er 

nahm handschriftliche Änderungen im Protokoll vor, auch im fraglichen Absatz. Er 

hat damit offensichtlich das Protokoll und insbesondere auch die Beantwortung 

- 20 -

dieser Frage gut durchgelesen und eine Korrektur daran für nötig befunden und 

daher vorgenommen. Er veränderte jedoch nichts an seiner Aussage, dass der 

Beschuldigte ihm gesagt habe, dass dieser den Kompaktlader bzw. Bagger am Tag 

vor dem Unfall erstmals auf dem Dach gesehen habe (Urk. 9/1 S. 4 A 28). Dies 

verleiht der Aussage weitere Glaubhaftigkeit. Er machte denn im Übrigen auch nie 

geltend, dass dies falsch protokolliert worden sei. Es handelt sich auch nicht um 

eine missverständliche Antwort, erklärte er doch im selben Absatz weiter, der 

Beschuldigte habe aber nicht die Alarmglocken geschlagen, wobei er mutmasste, 

dass dieser das eventuell nicht getan habe, weil dort auch noch andere Maschinen 

gestanden hätten. Dieser sei aber natürlich davon ausgegangen, dass es im 

Rahmen der zumutbaren Last sei (Urk. 9/1 S. 4 A 28). Das allenfalls notwendige 

Verhalten des Beschuldigten thematisierte L._____ ohne Not von sich aus. Er dop-

pelte sodann nach und erklärte auch auf Frage 31 nochmals, der Beschuldigte habe 

den Bagger einen Tag vor dem Unfall, am 23. Oktober 2017, erstmals auf dem 

Dach gesehen (Urk. 9/1 S. 4 A 31). 

4.2.6. Fazit

Der Sachverhalt ist somit auch mit Bezug auf die Dachbesichtigung des Beschul-

digten am 23. Oktober 2017 erstellt. Es ist davon auszugehen, dass dieser den 

Privatkläger und seine Mitarbeiter mitsamt dem Kompaktlader auf dem Dach arbei-

ten sah.

III. Rechtliche Würdigung

1. Vorwurf

Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, eine fahrlässige schwere Körperver-

letzung sowie eine Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde begangen zu haben, indem er weder die G._____ AG noch die H._____ 

GmbH über die niedrige Dachtraglast orientiert und die von ihm auf dem Dach an-

getroffenen Arbeiter nicht vom Arbeiten abgehalten hat (Urk. 40). 

- 21 -

2. Unterlassungsdelikt

Auch wenn dies in der Anklage nicht explizit erwähnt wird, wirft die Staatsanwalt-

schaft dem Beschuldigten faktisch eine Tatbegehung durch Unterlassung im Sinne 

von Art. 11 StGB vor, zumal nicht etwa geltend gemacht wird, der Beschuldigte 

habe den Privatkläger oder die Regeln der Baukunde durch aktives Handeln ver-

letzt, sondern vielmehr durch sein Schweigen und seine Untätigkeit. Gemäss 

Art. 11 Abs. 1 StGB kann ein Verbrechen oder Vergehen auch durch pflichtwidrige 

Untätigkeit begangen werden. Pflichtwidrig untätig bleibt, wer die Gefährdung oder 

Verletzung eines strafrechtlich geschützten Rechtsguts nicht verhindert, obwohl er 

aufgrund seiner Rechtsstellung dazu verpflichtet ist, u.a. aufgrund des Gesetzes 

(Art. 11 Abs. 2 lit. a StGB). Die gesetzliche Pflicht muss eine gesteigerte Verant-

wortlichkeit begründen, wobei nicht nur ein Gesetz im formellen Sinn in Frage 

kommt. Denkbar ist z.B. auch eine Pflicht, die in einer Verordnung statuiert wird. 

Die Pflicht muss aber bestimmt sein und zu den wesentlichen Pflichten zählen, die 

von Gesetzes wegen in der konkreten Situation beachtet werden müssen 

(BSK StGB-NIGGLI/MUSKENS, Art. 11 N. 76 f. mit Verweisen). 

3. Sorgfaltswidrigkeit 

3.1. Allgemeines

Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat – aufgrund 

der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten – die damit bewirkte 

Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und 

wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo beson-

dere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu 

beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Dies schliesst nicht 

aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze, 

wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz, gestützt werden kann (BGE 121 IV 10 

E. 3. mit Verweisen). Denn einerseits begründet nicht jeder Verstoss gegen eine 

gesetzliche oder für bestimmte Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm 

den Vorwurf der Fahrlässigkeit, und andererseits kann ein Verhalten sorgfaltswidrig 

sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte Verhaltensnorm verstossen wurde 

- 22 -

(BGer. 6B_1058/2022 und BGer. 6B_107/2022 vom 29. Januar 2024 E. 3.1.). Die 

Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, wird letztlich durch die konkreten Um-

stände und seine persönlichen Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle 

tatsächlichen Gegebenheiten in Vorschriften gefasst werden können (BGE 140 II 7 

E. 3.4.).

3.2. Vorschriften des Bauwesens

3.2.1. Vorliegend ergab sich die Pflicht zum Handeln aus den zahlreichen und 

einschlägigen Vorschriften aus dem Bereich des Bauwesens. Der Beschuldigte war 

– gemäss erstelltem Sachverhalt und auch gemäss Angaben seiner Verteidigung – 

als Bauleiter und damit als beauftragter Vertreter der Bauherrschaft für die gesamte 

Koordination und Überwachung der Baustelle zuständig (Urk. 56 S. 6). Die Pflich-

ten und Verantwortungen des Bauleiters ergeben sich aus SIA Norm 118 Art. 34 

Abs. 1, wonach der Bauleitung – soweit der Werkvertrag nichts anderes bestimmt – 

insbesondere die Beschaffung der Pläne, die Aufsicht über die Ausführung der 

Arbeiten sowie die Prüfung der Rechnungen und des Werkes obliegt. Diese allge-

meine Pflicht wird in weiteren Erlassen konkretisiert. So in Art. 1.2.1 Ordnung SIA 

102, wonach zur Sorgfaltspflicht die Erbringung der vertraglich vereinbarten 

Leistungen und die Beachtung der allgemein anerkannten Regeln seines Fachge-

biets zählen. Dazu zählt insbesondere auch die Einhaltung der Bauarbeitenverord-

nung (BauAV). Diese Pflicht ergibt sich aus Art. 1.2.5 Ordnung SIA 102. Demnach 

gewährleistet der Beauftragte die Sicherheit der am Bauwerk Beschäftigten, indem 

er als Arbeitgeber die einschlägigen Sicherheitsvorschriften (insbesondere VUV 

und BauAV) einhält und mit den Arbeitgebern anderer Betriebe, deren Arbeitneh-

mer auf der Baustelle tätig sind, die erforderlichen Absprachen trifft (Art. 9 Abs. 1 

VUV). 

3.2.2. Wer bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerks mitwirkt, ist dafür ver-

antwortlich, dass in seinem Bereich die Regeln der Baukunde eingehalten werden. 

Soweit es um Massnahmen der Unfallverhütung geht, hat sodann nicht nur der-

jenige, der die spezifische Unfallgefahr geschaffen hat, für die vorschriftsgemässe 

Verminderung der Ausschaltung des Risikos besorgt zu sein, sondern jeder Arbeit-

geber hat erkennbare Mängel, welche eine vermeidbare Gefährdung bilden, zu 

- 23 -

beheben oder durch zweckmässige Intervention die Einhaltung der Unfallverhü-

tungsvorschriften zu veranlassen (BGE 109 IV 15 E. 2a.). Die Bauleitung kann sich 

nicht blind darauf verlassen, dass der Auftragnehmer die vorgeschriebenen Sicher-

heitsmassnahmen ergreift. Er hat selbst darauf zu achten (BGE 104 IV 96 E. 4). 

Nach der Rechtsprechung ist es zwar zulässig, die Verantwortung für die Ein-

haltung von Regeln der Baukunde zu delegieren. Der Vorgesetzte bleibt aber auch 

in diesem Fall für die Auswahl, die Instruktion und die Überwachung verantwortlich 

(BGE 104 IV 96 E. 5). 

3.2.3. Bauarbeitenverordnung

3.2.3.1. Mit Bezug auf Abbrucharbeiten auf Dächern kennt die einschlägige Bau-

arbeitenverordnung darüber hinaus präzise und detaillierte Pflichten, welche der 

Bauleiter einzuhalten hat und demnach vorliegend auch der Beschuldigte einzuhal-

ten hatte. In casu kommt die zum Unfallzeitpunkt gültige Fassung vom 1. November 

2011 zur Anwendung. Unter diese fallen auch Abbrucharbeiten (Art. 2 Abs. 1 lit. a 

aBauAV).

3.2.3.2. Im Sinne einer allgemeinen Norm sind im Sinne von Art. 8 aBauAV die 

Arbeitsplätze sicher zu gestalten. Mit Bezug auf Dacharbeiten enthält die aBauAV 

zahlreiche detaillierte Bestimmungen und auferlegt namentlich dem Bauleiter 

konkrete Pflichten. Demgemäss ist vor Beginn der Arbeiten abzuklären, ob die 

Dachflächen durchbruchsicher sind oder nicht (Art. 33 Abs. 1 aBauAV). Dabei ist 

es nicht im Belieben des Bauführers, worin diese Abklärungen bestehen. Vielmehr 

muss ein Nachweis der Durchbruchsicherheit erbracht werden, ansonsten die 

Massnahmen nach Art. 35 aBauAV getroffen werden müssen. Bei nur beschränkt 

durchbruchsicheren Dachflächen wäre sodann Massnahmen nach Art. 34 aBauAV 

zu ergreifen. Der Nachweis der Belastbarkeit im Sinne von Art. 12 VUV ist sodann 

ingenieurmässig nach den anerkannten Regeln der Baustatik und Festigkeitslehre, 

die dem Stand der Technik entsprechen, zu führen. Er umfasst in der Regel den 

Tragfähigkeitsnachweis (inbegriffen Stabilitätsnachweis) und den Gebrauchsfähig-

keitsnachweis (Ziff. 309.3 Wegleitung der Eidgenössischen Kommission für Arbeit-

nehmersicherheit [EKAS] durch die Arbeitssicherheit, abrufbar unter: www.weglei-

tung.ekas.ch  Übersicht Wegleitung  Gebäude und andere Konstruktionen  

- 24 -

Belastbarkeit von Gebäuden und anderen Konstruktionen  Nachweis der Trag-

fähigkeit). 

3.3. Vorbringen der Verteidigung

3.3.1. Die Verteidigung machte geltend, für den Beschuldigten habe es gar keinen 

Grund gegeben, die Ausführung des Auftrages zu diskutieren. Für ihn sei dies klar 

gewesen. Im Leistungsbeschrieb des Werkvertrages der Firma G._____ sei unter 

Hilfsmaterial denn auch kein Kompaktlader aufgeführt. Sodann habe es für ein 

solch schweres Gerät auch gar keinen Zugang auf das Dach gegeben. Es sei zu-

dem zu bezweifeln, dass es zulässig gewesen sei, den Radbagger in der Schaufel 

des Teleskopladers auf das Dach zu hieven. Dass die Arbeit mit einem Kompakt-

lader durchgeführt würde, sei für den Beschuldigten unvorstellbar gewesen. Des-

sen Einsatz würde auch keinen Sinn ergeben, da keine Eile bestanden habe. Daher 

sei dem Beschuldigten nicht vorzuwerfen, dass er mit der Firma G._____ die Aus-

führung des von Anfang an klaren Auftrages nicht nochmals im Detail vorbespro-

chen habe (Urk. 90 S. 6 Rz. 10). 

3.3.2. Die Tatsache, dass ein Arbeitsgerät auf einer Baustelle nicht durchs 

Treppenhaus passt, ist nicht ungewöhnlich und sorgt auch nicht dafür, dass ein 

solches auf keinen Fall zum Einsatz kommt. Nicht selten werden Gerätschaften 

etwa mittels Hebebühne oder Kran durch Fenster in Häuser bzw. auf Dächer 

gehievt. Gegenteiliges anzunehmen wäre schlicht lebensfremd. Gerade der 

Beschuldigte als erfahrener Bauleiter konnte daher hiervon keineswegs ausgehen. 

Ob es zulässig war, den Kompaktlader mittels Teleskoplader auf das Dach zu 

befördern und ob dessen Einsatz unbedingt notwendig war, ist für die Beurteilung 

der Strafbarkeit des Beschuldigten irrelevant. Nur weil der Kompaktlader im 

Leistungsbeschrieb des Werkvertrags nicht auftaucht, heisst dies auch noch lange 

nicht, dass dieser nicht zum Einsatz kommt, sondern lediglich, dass dies nicht von 

Anfang an vorgesehen war. Dort ist schliesslich auch nicht vom Einsatz der 

H._____ GmbH die Rede. Dennoch kamen unbestrittenermassen sowohl diese als 

auch der Kompaktlader zum Einsatz. Die Arbeit der H._____ GmbH dürfte sich so-

dann aufgrund des Gewichts der abzutragenden Schichten durch den Einsatz des 

Kompaktladers wortwörtlich einiges leichter ausgestaltet haben. Dessen Einsatz 

- 25 -

hat damit – unabhängig von allenfalls bestehendem Zeitdruck – zumindest aus de-

ren Sicht Sinn ergeben. Aus all dem lässt sich jedenfalls nicht schliessen, dass die 

Dachtraglast sowie der Einsatz des Kompaktladers anlässlich der Besprechung mit 

dem Beschuldigten nicht diskutiert wurden bzw. der Beschuldigte nicht die Pflicht 

gehabt hätte, über die niedrige Dachtraglast zu informieren und die Arbeiter bei 

deren Antreffen auf dem Dach nicht zu warnen. Dem Beschuldigten wird in der 

Anklageschrift sodann nicht generell vorgeworfen, die Arbeiten nicht noch einmal 

en Detail vorbesprochen zu haben, weshalb vorliegend offenbleiben kann, ob eine 

solche Pflicht bestanden hätte, bzw. er dieser allfälligen Pflicht an den Besprechun-

gen vollends nachgekommen wäre. Klar ist jedenfalls, dass er seiner Pflicht über 

die fehlende Durchbruchsicherheit und die bestehende Dachtraglast von lediglich 

100 kg/m2 zu informieren nicht nachgekommen ist. Wie im Rahmen der rechtlichen 

Würdigung aufzuzeigen sein wird, ist vorliegend einzig entscheidend, dass der Be-

schuldigte weder über die beschränkte Tragfähigkeit orientiert noch den Privatklä-

ger und seine Mitarbeiter von der Arbeit abgehalten hat. 

3.3.3. Die Verteidigung brachte sodann vor, jedes Dach habe eine eingeschränkte 

Traglast und sei nicht per se dazu konstruiert, um mit einem ein Tonnen schweren 

Gerät darauf herumfahren zu können. Eine Traglastabklärung im Zusammenhang 

mit den Arbeiten zur Entfernung der Bitumen-Schicht existiere nicht und sei auch 

nicht in Auftrag gegeben worden. Es mache jedoch keinen Sinn, ein Flachdach mit 

einem Treppenaufgang zu konstruieren, welches keine Personen trage. Das Dach 

müsse im Zuge von Konstruktions-, Reparatur- und Unterhaltsarbeiten von Arbei-

tern inkl. Handgeräten und Material begehbar sein. Wäre dies nicht der Fall, hätte 

die Stadt Zürich als Werkeigentümerin bereits von Anfang an entsprechende Warn-

hinweise anbringen müssen, dass das Dach von Personen nicht betreten werden 

dürfe. Wären aber Arbeiten auf dem Dach generell problematisch gewesen, hätte 

der Bauingenieur darauf hingewiesen bzw. hinweisen müssen. Für den Beschul-

digten habe es keinen Grund gegeben, anzunehmen, dass die Dachtraglast für die 

Entfernung der Bitume irgendeine Gefahr darstellen könnte. Ohne den Beizug des 

Kompaktladers wäre es nicht zu dem Unfall gekommen, weshalb keine Notwendig-

keit bestanden habe, auf die Traglast des Dachs hinzuweisen (Urk. 90 S. 3 f. Rz. 6).

- 26 -

3.3.4. Wenngleich der Verteidigung sicherlich zuzustimmen ist, dass Dächer nicht 

per se für eine Dachtraglast von einer Tonne und mehr ausgelegt sind und bei einer 

Dachtraglast, welche normale Unterhaltsarbeiten auf dem Dach nicht zulässt, wohl 

bereits von Anfang an Warnungen anzubringen gewesen wären, vermag dies vor-

liegend an der Sachlage nichts zu ändern. Es war die Pflicht des Beschuldigten als 

Bauleiter einen Durchbruchsicherheitsnachweis einzuholen, welcher – wie die Ver-

teidigung zu recht selbst ausführte – in casu eben gerade nicht vorlag. Aus diesem 

Grund wäre es denn auch die Pflicht des Beschuldigten gewesen, dafür zu sorgen, 

dass die Schutzmassnahmen nach Art. 35 aBauAV ergriffen werden, wozu als 

erste Massnahme gehört hätte, sämtliche involvierte Stellen über den fehlenden 

Nachweis und die niedrige Dachtraglast zu informieren. Eine allfällige Pflicht des 

Bauingenieurs spezifisch darauf hinzuweisen, dass bei einer Dachtraglast von 

100kg/m2 Arbeiten auf dem Dach generell problematisch sind, vermag ihn von 

seiner eigenen Pflicht, aus einem fehlenden Durchbruchsicherheitsnachweis die 

entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, nicht zu entbinden. Als Profi musste ihm 

denn auch ohne entsprechenden Hinweis klar sein, dass eine Last von 100 kg/m2 

bei derartigen Arbeiten auch ohne den Einsatz eines Kompaktladers – etwa beim 

Anhäufen abgetragener Bitumen und Korkschichten oder dem engen Zusammen-

stehen mehrerer Mitarbeiter – ohne weiteres überschritten werden könnte. Entge-

gen der Ausführungen der Verteidigung ist aufgrund dieses Schlusses das Erstel-

len eines Gutachtens über die effektive Dachtraglast nicht notwendig (Urk. 90 S. 12 

Rz. 17), bleibt schliesslich unabhängig einer allenfalls auch etwas höheren effekti-

ven Dachtraglast der Fakt bestehen, dass der Beschuldigte seine Informationen 

nicht weiterleitete und deswegen die Dachtraglast mit den entsprechenden ver-

heerenden Folgen überschritten wurde. Sodann führt bereits das in den Akten 

liegende Gutachten des FOR zur Dachkonstruktion aus, es handle sich um einen 

Stahlbau mit quer zur Halle verlaufenden Stahlbindern und in Längsrichtung der 

Halle verlaufenden Doppel-T-Trägern, wobei über diesen Trägern Trapezblech-

Elemente verlegt seien. Bei diesen Elementen handle es sich um statische Bau-

teile, welche vor allem Wind- und Schneelasten aufnehmen müssten (Urk. 21/1 

S. 5). Das Dach war also auch gemäss diesem Gutachten nicht für höhere Lasten 

konstruiert, wobei bereits ein Blick von der Halle unters Dach eine geringe Dach-

- 27 -

traglast nahelegt (vgl. Urk. 13/2). Es stimmt sodann zwar, dass das Gutachten zum 

Schluss gelangt, dass aufgrund des Gewichts des Kompaktladers und dem zusätz-

lichen Eigengewicht des Privatklägers eine zu grosse Punktbelastung auf die Dach-

konstruktion gewirkt hat und letztlich dazu führte, dass sich die Trapezblech-

Elemente unter dem grossen Druck derart verformten und schliesslich vom Träger 

abglitten, dass in der Folge das Hallendach eingebrochen und der Kompaktlader 

mit dem Privatkläger zu Boden gestürzt ist (Urk. 21/1 S. 6). Dies schliesst jedoch 

– entgegen der Ausführung der Verteidigung (vgl. Urk. 90 S. 13 Rz. 17) – nicht aus, 

dass das Dach nicht auch unter einer anderen schweren Punktbelastung im Rah-

men der Bauarbeiten hätte einstürzen können. Hierzu äussert sich das Gutachten 

nicht explizit, wobei dies – im Hinblick auf die eben gemachten Erwägungen zu den 

Trapezblech-Elementen – naheliegt. Dass gemäss Verteidigung weder das FOR 

noch die Suva die Arbeiten auf dem Dach gerügt hätten (vgl. Urk. 90 S. 13 Rz. 17), 

vermag daran ebenfalls nichts zu ändern, wobei eine derartige Feststellung ohne-

hin nicht vom Auftrag an das FOR erfasst war (Urk. 21/1 S. 2). Die Tatsache, dass 

es allenfalls keinen Sinn ergeben mag, einen Treppenaufgang auf ein Dach zu 

bauen, welches keine Personen trägt, entbindet den Beschuldigten ebenfalls nicht 

von seiner Verantwortung. Ein solcher macht aber wohl zur Ermöglichung sich über 

die Lage auf dem Dach einen Überblick verschaffen zu können und im Falle not-

wendiger Arbeiten Sicherheitsvorkehrungen wie Laufstege erleichtert anbringen zu 

können dennoch Sinn. 

3.3.5. Obgenannte Pflicht hatte der Beschuldigte unabhängig von der Kenntnis des 

Einsatzes eines Kompaktladers, weshalb die Frage, ob er davon wusste, letztlich 

gar nicht entscheidend ist. An der in Art. 33 Abs. 1 aBauAV i.V.m. 34 aBauAV bzw. 

Art. 35aBauAV statuierten Pflicht des Beschuldigten, vermag die allfällige Unkennt-

nis nichts zu ändern. Bei einer Dachtraglast von lediglich 100kg/m2 wäre es grund-

sätzlich seine Pflicht gewesen, auf diese hinzuweisen und entsprechende Mass-

nahmen zu ergreifen. Eine solche Dachtraglast kann, wie bereits ausgeführt, auch 

bei Arbeitsausführung ohne besonders schweres Gerät ohne weiteres überschrit-

ten werden. 

- 28 -

3.4. Schlussfolgerungen

3.4.1. Da weder ein Tragfähigkeitsnachweis noch ein Gebrauchsfähigkeitsnach-

weis vorlagen wären folglich, da nicht nachgewiesen werden konnte, dass die 

Dachfläche durchbruchsicher oder beschränkt durchbruchsicher war, die Mass-

nahmen nach Art. 35 aBauAV zu treffen gewesen (Art. 33 Abs. 2 aBauAV). 

Demnach hätte vorliegend nur von Laufstegen aus gearbeitet werden dürfen, aus-

nahmsweise auch mit Auffangnetzen oder Fanggerüsten (Art. 35 Abs. 1 aBauAV). 

Dies hat der Beschuldigte vorliegend unterlassen. Auf keinen Fall hätte auf dem 

Dach selbst gearbeitet werden dürfen, erst recht nicht mit einem Kompaktlader. 

3.4.2. Darüber hinaus hätte vorliegend am Gebäude auch ein Seitenschutz oder 

ein Spenglergang angebracht werden müssen, da die Absturzhöhe mehr als zwei 

Meter betrug (Art. 15 Abs. 1 aBauAV, Art. 29 Abs. 1 aBauAV). Das vorliegend zur 

"Sicherung" angebrachte Seil (vgl. Urk. 5/2 S. 20 ff.) bzw. Band (vgl. Urk. 52/2.6) 

entsprach den gesetzlichen Anforderungen (festes Geländer bestehend aus 

Geländeholm, Zwischenholm und Bordbrett) noch nicht einmal im Ansatz (Art. 16 

aBauAV). Der Beschuldigte machte hierzu geltend, sie hätten Absturzsicherungen 

angebracht (Urk. 89 S. 4). Es sei eine Latte vorhanden gewesen. Er wisse jedoch 

nicht, wie die Sicherung gemacht worden sei, da er nicht auf dem Dach gewesen 

sei (Urk. 89 S. 9). Die Fotos des Privatklägers, welche die laufenden Arbeiten auf 

dem Dach einen Tag vor dem Unfall dokumentieren, zeigen jedoch keinerlei Siche-

rungen (Urk. 13/4 S. 6 f., 2 Fotos vom 23. Oktober 2017, 09.49 Uhr). 

3.4.3. Zudem hätten – da mangels entsprechendem Nachweis von einem nicht 

durchbruchsicheren Dach hätte ausgegangen werden müssen – Abschrankungen 

angebracht werden müssen und wären andere Massnahmen zu ergreifen gewe-

sen, welche ein Begehen der Dachfläche verhindert hätten (Art. 8 Abs. 2 lit. b 

aBauAV). Zusätzlich wären an den Zugängen Anschlagtafeln anzubringen gewe-

sen, auf denen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihnen verständlichen 

Sprachen oder Symbolen darauf hinzuweisen gewesen wären, dass das Betreten 

der Fläche verboten ist (Art. 8 Abs. 2 lit. d. aBauAV). Der Beschuldigte machte 

hierzu geltend, sie hätten für die Sicherheit das ganze Dach mit Hinweisen auf die 

Asbestsanierung abgesperrt, damit während der Sanierung keine anderen Hand-

- 29 -

werker auf das Dach gehen (Urk. 89 S. 4). Diese Signalisation wies mit anderen 

Worten – gemäss den Aussagen des Beschuldigten – lediglich auf die Asbest-

sanierungen und nicht auf die äusserst niedrige Dachtraglast hin. Damit hätte diese, 

sofern denn vorhanden, den gesetzlichen Anforderungen nicht genügt. 

3.4.4. Der Beschuldigte – bei welchem als Bauführer die Kenntnis der einschlägi-

gen Bestimmungen vorausgesetzt werden durfte und welcher angab, diese zu 

kennen (Urk. 89 S. 2 f.) – hat keine dieser Sicherheitsbestimmungen befolgt und 

folglich alles unterlassen, was zur Sicherung der Baustelle notwendig gewesen 

wäre. Und dies obwohl er wusste, dass auf dem Dach gearbeitet wird und zwar 

auch mit schweren Arbeitsmaschinen. Der Beschuldigte hat damit seine Sorgfalts-

pflichten aufs Gröbste vernachlässigt und damit pflichtwidrig gehandelt. Da keine 

diesbezüglichen Vorwürfe Eingang in die Anklage fanden, ist ihm dies vorliegend 

rechtlich gesehen jedoch nicht vorzuwerfen. 

3.4.5. Vorzuwerfen ist ihm hingegen, dass er trotz Kenntnis der einschlägigen 

Bestimmungen und im Wissen um seine Pflichten, weder die G._____ AG noch die 

H._____ GmbH über die Traglast von 100kg/m2 – mithin das Fehlen des Durch-

bruchsicherheitsnachweises und damit die Notwendigkeit des Ergreifens von 

Massnahmen nach Art. 35 aBauAV – informierte. Am 23. Oktober 2017 sah er 

sodann, dass auf dem Dach mit einem Kompaktlader gearbeitet wird und hätte 

daher spätestens dann umgehend reagieren und die Arbeiter vor Ort informieren 

müssen. Diese Pflicht hätte er sodann auch ohne das Wissen um den Einsatz eines 

Kompaktladers sowie Subunternehmers gehabt. Damit hat der Beschuldigte seine 

Sorgfaltspflichten jedenfalls aufs Gröbste vernachlässigt und blieb damit pflichtwid-

rig untätig. 

4. Fahrlässige Körperverletzung 

4.1. Allgemeines

4.1.1. Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt, 

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 125 Abs. 1 

- 30 -

StGB). Die fahrlässige Körperverletzung knüpft im objektiven Tatbestand an die 

Voraussetzungen der vorsätzlichen Körperverletzung nach Art. 122 und 123 StGB 

an. Es ist jedoch subjektiv nicht Vorsatz gefordert, sondern Fahrlässigkeit genügt 

(BSK StGB-ROTH/KESHELAVA, Art. 125 N. 1). Schwer ist die Körperverletzung dann, 

wenn ein Mensch lebensgefährlich verletzt wird, der Körper ein wichtiges Organ 

oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied un-

brauchbar gemacht, ein Mensch bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geistes-

krank gemacht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt wird oder 

eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen 

Gesundheit eines Menschen verursacht wird (Art. 122 StGB).

4.1.2. In subjektiver Hinsicht müssen bei der fahrlässigen Körperverletzung die 

regulären Voraussetzungen der Fahrlässigkeit gegeben sein (BSK StGB-

ROTH/KESHELAVA, Art. 125 N. 6). Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen 

sodann, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht 

bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, 

wenn der Täter nicht die Vorsicht beachtet, zu der er nach den Umständen und 

nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ins-

besondere muss der Täter mit seinem Verhalten eine Sorgfaltspflicht verletzt haben 

(PK StGB-TRECHSEL/FATEH-MOGHADAM, 4. Aufl. 2021, Art. 12 N. 29). Mithin muss 

der Täter den eingetretenen Erfolg verursacht oder mitverursacht haben, wobei 

sein Handeln pflichtwidrig unvorsichtig gewesen sein muss und der Erfolg sich als 

Auswirkung gerade der durch den Sorgfaltsmangel geschaffenen Gefahr darstellt 

(BSK StGB-NIGGLI/MAEDER, Art. 12 N. 88). 

4.2. Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs

Die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen sind zweifellos als schwer im Sinne 

von Art. 122 StGB zu qualifizieren. Er erlitt mehrere Rippenfrakturen, eine Scham-

beinastfraktur, Lungenquetschung, Beschädigung von Milz und Niere, Wirbelsäu-

- 31 -

lenverletzungen, Schädelhirntraumata, offene Oberarmfrakturen, einen Schien-

beinbruch und mehrere Brüche am linken Fuss, welcher in der Folge amputiert 

werden musste (vgl. Urk. 26/1-17). 

4.3. Verursachung des Erfolges durch ein Unterlassen

4.3.1. Der Beschuldigte hat es unterlassen, die physisch real möglichen Abwen-

dungshandlungen vorzunehmen, obwohl er dies gekonnt hätte und damit die 

Tatmacht inne gehabt hätte. Namentlich hat er es unterlassen, die erhaltenen 

Informationen betreffend die Traglast des Hallendaches den auf der Baustelle 

tätigen Unternehmen korrekt weiter zu leiten und diese darüber zu informieren, 

dass beim Hallendach lediglich von einer Traglast von 100kg/m2 ausgegangen 

werde und insbesondere bei einer erhöhten und konzentrierten Last, wie bei derje-

nigen eines Kleinbaggers, die Traglast des Daches aufgrund dessen Konstruktion 

fraglich sei. Spätestens als er am 23. Oktober 2017 das Hallendach besichtigte und 

den Privatkläger und seine Mitarbeiter auf dem Hallendach bei der Verrichtung der 

Arbeiten antraf, hätte er sodann die Arbeiter über die Traglast des Hallendaches 

orientieren müssen. Er hätte die Arbeiter zumindest auch darauf hinweisen 

müssen, dass mit Gerätschaften, die eine erhöhte und konzentrierte Last auf das 

Hallendach verursachen, auf dem Hallendach nicht gearbeitet werden dürfe. 

4.3.2. Diese Unterlassungen waren für den Unfall ("Erfolg") kausal, wäre dieser 

doch mit der Vornahme der gebotenen Handlungen ausgeblieben, indem der 

Privatkläger im Wissen um die niedrige Dachtraglast seine Arbeiten eingestellt bzw. 

gar nicht erst mit einem Kompaktlader und ohne entsprechende Sicherheitsmass-

nahmen begonnen hätte.

4.4. Garantenstellung des Täters

Diese ergibt sich für den Beschuldigten als Bauführer, wie bereits vorstehend unter 

E. III.3. ausgeführt, aus Gesetz. 

- 32 -

4.5. Gleichwertigkeit des Unterlassens gegenüber dem aktiven Tun

Nachdem die Sicherung der Baustelle und das Abhalten von Arbeitenden von 

gefährlichen Tätigkeiten zur Vermeidung von Unfällen und zum Schutz von Leib 

und Leben zu den Kernaufgaben des Beschuldigten zählte, ist die Unterlassung 

ebenso strafwürdig wie die Verletzung von Leib und Leben durch ein direktes Tun. 

4.6. Sorgfaltswidrigkeit des Verhaltens

Wie bereits unter vorstehender Erwägung III. 3. festgehalten, ergibt sich die Pflicht 

zum Handeln vorliegend aus zahlreichen einschlägigen Vorschriften. Er durfte sich 

nicht darauf verlassen, dass die anderen Beteiligten die notwendigen Massnahmen 

ergreifen. Daher verhielt er sich sorgfaltswidrig, indem er weder die G._____ AG 

noch die H._____ GmbH über die mangelnde Dachtraglast von 100 kg/m2 infor-

mierte und nicht erklärte, dass bei einer erhöhten und konzentrierten Last, wie bei 

derjenigen eines Kleinbaggers, die Traglast des Daches aufgrund der Konstruktion 

des Daches fraglich sei. 

4.7. Zurechnungszusammenhang zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Deliktserfolg

4.7.1. Vorhersehbarkeit des Erfolgs

4.7.1.1. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die 

zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter 

mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu 

fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraus-

sehen bzw. erkennen können und müssen. Hierbei gilt der Massstab der Adäquanz. 

Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizufüh-

ren oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn 

ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines 

Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit 

denen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, 

dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen 

- 33 -

und so alle anderen mitverursachenden Faktoren in den Hintergrund drängen 

(BGE 135 IV 56 E. 2.1. mit Verweisen). 

4.7.1.2. In diesem Zusammenhang kann auf die obigen Ausführungen unter E. III.3. 

verwiesen werden. Mit Blick darauf war für den Beschuldigten aufgrund der 

konkreten Umstände und der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten erkennbar, dass 

ohne Weiterleitung der Information über die geringe Dachtraglast von lediglich 

100 kg/m2 beim Arbeiten auf dem Dach, insbesondere aber nicht nur mit schwerem 

Arbeitsgerät, mit einem Durchbruch des Daches samt entsprechenden Folgen zu 

rechnen war. 

4.7.1.3. Die Verteidigung bringt diesbezüglich vor, dass es zu einem Unterbruch 

des Kausalzusammenhangs komme, da der Privatkläger gewisse Verformungen 

und Einbuchtungen des Hallendachs ignoriert habe. Dies seien deutliche Anzei-

chen gewesen, welche bei den involvierten Personen eine gewisse Skepsis betref-

fend die Tragfähigkeit des Hallendachs hätten hervorrufen müssen. Dies umso 

mehr als dass es sich beim Privatkläger um einen Profi gehandelt habe (Urk. 90 

S. 13 Rz. 18). 

4.7.1.4. Wie bereits ausgeführt, hatte der Privatkläger als Arbeitgeber seiner Mit-

arbeiter die gleichen Pflichten wie der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte. Damit 

trifft ihn, aufgrund der ungenügenden bzw. nicht vorhandenen Abklärungen ein 

hohes Selbstverschulden. Dies vermag an der Pflichtverletzung des Beschuldigten 

jedoch nichts zu ändern. Diese Pflichten bestehen nebeneinander. Ein Bauleiter 

kann sich nicht der strafrechtlichen Verantwortung entziehen, nur weil ein anderer 

seine Sorgfaltspflicht in gleichem Masse verletzt hat. Es kommt damit nicht zu 

einem Unterbruch des Kausalzusammenhangs. Dem Beschuldigten musste als 

erfahrener Bauleiter sodann klar sein, dass bei einer Dachtraglast von gerade ein-

mal 100 kg/m2 verschiedene Szenarien denkbar sind, welche dazu hätten führen 

können, dass die geringe Dachtraglast überschritten wird und es zu einem Einsturz 

des Daches mitsamt den darauf arbeitenden Personen kommt. Es bestand mit 

anderen Worten – entgegen den Ausführungen der Verteidigung (vgl. Urk. 90 S. 14 

Rz. 20) – auch für Arbeiten mit den üblichen Geräten ein Risiko hinsichtlich der 

Tragfähigkeit des Dachs. Er musste auch bei korrekter, vertragsgemässer Ausfüh-

- 34 -

rung der Arbeiten damit rechnen, dass die Traglast überschritten werden könnte 

und es damit zu einem Durchbruch des Daches kommt. Daher lag vorliegend die 

Folge seiner unterlassenen Information nicht so weit ausserhalb der normalen 

Lebenserfahrung, dass diese nicht zu erwarten gewesen wäre. Den Privatkläger 

trifft zwar ein erhebliches Selbst- und den Mitbeschuldigten ein erhebliches Mitver-

schulden. Sowohl der Privatkläger als auch der Mitbeschuldigte verletzten jeweils 

ihre Pflichten, genauso wie dies der Beschuldigte tat. Alle drei waren gleichermas-

sen der Bauarbeitenverordnung und den darin statuierten Pflichten unterworfen. 

Damit hatten sie auch dieselben Sicherungspflichten, denen sie gleichermassen 

nicht nachkamen. Insofern erscheinen die jeweiligen Tatbeiträge gleichwertig und 

vermögen nicht eine der Pflichtverletzungen – somit auch nicht jene des Beschul-

digten – in den Hintergrund zu rücken. Das Mitverschulden des Privatklägers und 

des Mitbeschuldigten waren zwar sehr schwer aber nicht dergestalt, dass diese als 

wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache die anderen mitverursachenden 

Faktoren, so insbesondere das Verschulden des Beschuldigten, in den Hintergrund 

zu drängen vermögen würden. Damit führt dies auch nicht zum Unterbruch des 

Kausalzusammenhangs.

4.7.2. Pflichtwidrigkeitszusammenhang (Vermeidbarkeit) 

Eine weitere Voraussetzung ist schliesslich, dass der Erfolg auch vermeidbar 

gewesen wäre, dass also bei pflichtgemässem Verhalten des Täters der Erfolg 

ausgeblieben wäre (BGE 135 IV 56 E. 2.1 m.w.H.). Auch diese Voraussetzung ist 

ohne weiteres erfüllt: Bei pflichtgemässem Verhalten, u.a. dem Informieren der 

G._____ AG sowie der H._____ GmbH bzw. der auf dem Dach angetroffenen Ar-

beiter über die Dachtraglast von 100 kg/m2, wäre der Unfall vermieden worden. Bei 

Beachtung der gesetzlichen Pflichten hätte der Privatkläger das Dach nicht mit ei-

nem Kompaktlader und ohne das Ergreifen entsprechender Sicherungsmass-

nahmen betreten. Daher wären sowohl der Unfall als auch die durch ihn erlittenen 

Verletzungen vermeidbar gewesen.

4.7.3. Schutzzweck der Norm 

- 35 -

Die Zurechnung setzt weiter voraus, dass der eingetretene Erfolg zu der Klasse 

von Erfolgen gehört, die durch die vom Täter verletzte Sorgfaltsnorm gerade 

verhindert werden sollen. Die mehrfach missachtete BauAV legt fest, welche 

Massnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen 

und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten getroffen werden müssen und hat damit den 

Schutz von Leib und Leben zum Schutzzweck (Art. 1 Abs. 1 aBauAV). 

4.8. Fazit

Nachdem sowohl der objektive Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt 

ist als auch die Voraussetzungen der Fahrlässigkeit zu bejahen sind und weder 

Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe erkennbar sind, ist der Beschul-

digte anklagegemäss der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

5. Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

5.1. Wer vorsätzlich bei der Leitung oder Ausführung eines Bauwerks oder eines 

Abbruchs die anerkannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt und dadurch 

wissentlich Leib und Leben von Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 

fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Lässt der Täter die anerkannten Regeln der 

Baukunde fahrlässig ausser Acht, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe (Art. 229 StGB).

5.2. Eintritt des tatbestandlichen Erfolgs

Erfasst sind die Fälle, in denen Leib und Leben von Mitmenschen – eine Selbstge-

fährdung reicht nicht aus – durch eine bautypische Gefahr konkret gefährdet 

werden (BSK StGB-ROELLI, Art. 229 N. 6 i.V.m. N. 41 mit Verweisen). Diese 

Voraussetzung ist vorliegend durch die akute Gefährdung der Mitarbeitenden des 

Privatklägers, welche sich zum Zeitpunkt des Dachdurchbruchs auf diesem befan-

den, ohne weiteres erfüllt.  

- 36 -

5.3. Verursachung des Erfolges durch ein Unterlassen

5.3.1. Das tatbestandsmässige Verhalten besteht darin, dass der Täter die aner-

kannten Regeln der Baukunde ausser Acht lässt, entweder durch aktives Tun oder 

durch Unterlassen gebotener Sicherungsmassnahmen (BGE 101 IV 28 E. 2a; 

BGE 109 IV 15 E. 2a; BGer. 6B_516/2009 vom 3. November 2009 E. 3.3.1; 

BGer. 6B_543/2012 vom 11. April 2013 E. 1.3.3). Welche Regeln einzuhalten sind, 

ergibt sich aus gesetzlichen Erlassen sowie geschriebenen und ungeschriebenen 

Vorschriften, die der Unfallverhütung dienen und den gesicherten Erkenntnissen 

der Baukunde entsprechen, ausgeübten Funktionen, konkreten Umständen sowie 

vertraglichen Abmachungen (BGer. 6B_516/2009 vom 3. November 2009 E. 3.3.1; 

BGer. 6B_566/2011 vom 13. März 2012 E. 2.3.3.). Hierzu kann auf die obigen Aus-

führungen unter E. III.3. verwiesen werden. 

5.3.2. Der Beschuldigte hat es vorliegend u.a. unterlassen, die physisch real mög-

liche Abwendungshandlung – in Form des Warnens, der auf dem Dach arbeitenden 

Personen vor der nicht feststehenden Durchbruchsicherheit sowie des generellen 

Informierens der G._____ AG sowie der H._____ GmbH über die Dachtraglast von 

lediglich 100 kg/m2 – vorzunehmen, obwohl er dies gekonnt hätte und damit Tat-

macht inne hatte.

5.4. Garantenstellung des Täters

Die Garantenstellung des Beschuldigten als Bauführer ergibt sich, wie bereits aus-

geführt, aus Gesetz (vgl. vorstehend E. III.3.). 

5.5. Gleichwertigkeit des Unterlassens gegenüber dem aktiven Tun

Nachdem die Sicherung der Baustelle und das Abhalten von Arbeitenden von 

gefährlichen Tätigkeiten zur Vermeidung von Unfällen und dem Schutz von Leib 

und Leben zu den Kernaufgaben des Beschuldigten zählte, ist die Unterlassung 

gleich strafwürdig wie die Verletzung von Leib und Leben durch ein direktes Tun. 

- 37 -

5.6. Sorgfaltswidrigkeit des Verhaltens  

Wie bereits vorstehend unter E. III.3. ausgeführt, ergibt sich die Pflicht zum Handeln 

vorliegend aus zahlreichen einschlägigen Vorschriften. Der Beschuldigte durfte 

sich nicht darauf verlassen, dass die anderen Beteiligten die notwendigen Mass-

nahmen ergreifen. Daher verhielt er sich sorgfaltswidrig, indem er trotz fehlendem 

Durchbruchsicherheitsnachweis bzw. in Kenntnis der Dachtraglast von lediglich 

100 kg/m2 weder die G._____ AG noch die H._____ GmbH und insbesondere auch 

nicht die auf dem Dach angetroffenen Arbeiter über die niedrige Dachtraglast infor-

mierte.

5.7. Zurechnungszusammenhang zwischen Sorgfaltswidrigkeit und Deliktserfolg

5.7.1. Vorhersehbarkeit des Erfolgs 

5.7.1.1. Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und 

mithin für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die 

zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter 

mindestens in den wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu 

fragen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte vorausse-

hen bzw. erkennen können und müssen. Hierbei gilt der Massstab der Adäquanz. 

Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizufüh-

ren oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn 

ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines 

Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit de-

nen schlechthin nicht gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass 

sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und 

so alle anderen mitverursachenden Faktoren in den Hintergrund drängen. 

5.7.1.2. In diesem Zusammenhang kann auf das oben unter E. III.3. Ausgeführte 

verwiesen werden. Mit Blick darauf war für den Beschuldigten aufgrund der 

konkreten Umstände und der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten erkennbar, dass 

bei einem Betreten des Dachs, insbesondere mit schwerem Arbeitsgerät, mit einem 

- 38 -

Durchbruch samt der damit verbundenen Gefährdung der sich auf dem Dach 

befindenden Mitarbeitenden des Privatklägers zu rechnen war. 

5.7.1.3. Hinsichtlich das Mit- bzw. Selbstverschulden des Mitbeschuldigten und des 

Privatklägers kann auf die vorstehenden Ausführungen unter E. III.4.7.1.4. ver-

wiesen werden. Zu einem Unterbruch des Kausalzusammenhangs kommt es 

deswegen vorliegend nicht. Bei einer festgestellten Verletzung von Regeln der 

Baukunde trifft die strafrechtliche Verantwortung nach Art. 229 StGB denn auch oft 

mehrere Personen gleichzeitig (Urteil des Kassationshofs 6P.58/2003 vom 

3. August 2004 E. 6.1. mit Verweisen).

5.7.2. Pflichtwidrigkeitszusammenhang (Vermeidbarkeit) 

Weitere Voraussetzung ist schliesslich, dass der Erfolg auch vermeidbar gewesen 

wäre, dass also bei pflichtgemässem Verhalten des Täters der Erfolg ausgeblieben 

wäre (BGE 135 IV 56 E. 2.1 m.w.H.). Auch diese Voraussetzung ist ohne weiteres 

erfüllt: Bei pflichtgemässem Verhalten – mithin dem Informieren der G._____ AG 

bzw. der H._____ GmbH sowie der auf dem Dach angetroffenen Arbeiter über die 

Dachtraglast von 100 kg/m2 – wäre die Gefährdung der Mitarbeitenden des Privat-

klägers vermieden worden. Bei Beachtung der gesetzlichen Pflichten hätten die 

Mitarbeitenden des Privatklägers das Dach nicht oder zumindest nicht ohne Ergrei-

fen entsprechender Schutzmassnahmen betreten. Deren Gefährdung wäre bei 

Vornahme der gebotenen Handlungen ausgeblieben.  

5.7.3. Schutzzweck der Norm 

Die Zurechnung setzt weiter voraus, dass der eingetretene Erfolg zu der Klasse 

von Erfolgen gehört, die durch die vom Täter verletzte Sorgfaltsnorm gerade 

verhindert werden sollen. Die mehrfach missachtete BauAV legt fest, welche 

Massnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen 

und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten getroffen werden müssen und hat damit den 

Schutz von Leib und Leben zum Schutzzweck (Art. 1 Abs. 1 aBauAV). 

- 39 -

5.8. Fazit

Nachdem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und weder Rechtfertigungs- noch 

Schuldausschlussgründe erkennbar sind, ist der Beschuldigte anklagegemäss der 

Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde im Sinne von 

Art. 229 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

IV. Sanktion 

1. Hinsichtlich des anzuwendenden Rechts, der Strafrahmen sowie der Strafzu-

messungsregeln kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 68 S. 39-42).

2. Hinsichtlich der Strafart gilt es vorliegend zu berücksichtigen, dass auf Grund 

der jeweiligen Verschuldenshöhen eine Sanktion auszufällen ist, welche weder im 

alten noch im neuen Recht die Ausfällung einer Geldstrafe zulässt. 

3. Beide Delikte weisen denselben Strafrahmen auf. Da bei der fahrlässigen 

Körperverletzung das Verschulden höher zu gewichten ist als bei der Gefährdung 

durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde, ist vorab die Einsatzstrafe 

für Erstere festzusetzen und diese hernach um das Zweitdelikt zu asperieren. 

4. Fahrlässige Körperverletzung

4.1. Die erlittenen Verletzungen des Privatklägers sind sehr schwer. Sie erfor-

derten wochenlange stationäre Behandlungen mit dutzenden von Operationen und 

bleibenden sehr schweren Verletzungen, namentlich die Amputation des linken 

Fusses (Urk. 26/1-17). Dabei haftet diesen Verletzungen durchaus etwas zufälliges 

an, bei einer Absturzhöhe von über sechs Metern mit einer mehrere hundert Kilo 

schweren Maschine wäre ohne weiteres auch mit noch schwereren Verletzungen 

oder dem Tod zu rechnen gewesen. Bei einem derartigen Sturz sind leichtere Ver-

letzungen nur sehr schwer vorstellbar. 

4.2. Die vom Beschuldigten verletzten Pflichten sind elementar. Es handelt sich 

nicht nur um Ordnungsvorschriften oder blosse Empfehlungen von Berufsverbän-

- 40 -

den. Vielmehr handelt es sich um elementare und zentrale Bestimmungen nicht nur 

im Sinne von Empfehlungen, sondern um materielles eidgenössisches Recht auf 

Verordnungsstufe. Zudem gehörten die Einhaltung und Durchsetzung dieser 

Vorschriften zu den zentralen Aufgaben seiner Tätigkeit. Schliesslich wiegt die Ver-

letzung dieser Verpflichtungen besonders krass, indem er diese nicht nur teilweise 

oder unvollständig sondern überhaupt nicht befolgt hat. 

4.3. Auf der anderen Seite gilt es das sehr hohe Selbstverschulden des Privat-

klägers zu berücksichtigen. Als Organ des Subunternehmers und Arbeitgebers von 

seinen ebenfalls am Bau beschäftigten Mitarbeitern trafen ihn mit Bezug auf die 

Sicherheitsvorkehrungen dieselben Pflichten wie den Beschuldigten und den 

Mitbeschuldigten. Gemäss Art. 3 Abs. 2 aBauAV hat der Arbeitgeber, der sich im 

Rahmen eines Werkvertrags als Unternehmer zur Ausführung von Bauarbeiten ver-

pflichten will, vor dem Vertragsabschluss zu prüfen, welche Massnahmen notwen-

dig sind, um die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Ausführung 

seiner Arbeiten zu gewährleisten. Zudem hat der Arbeitgeber, der Bauarbeiten 

ausführt dafür zu sorgen, dass geeignete Materialien, Installationen und Geräte in 

genügender Menge und rechtzeitig zur Verfügung stehen. Sie müssen sich in 

betriebssicherem Zustand befinden und den Anforderungen der Arbeitssicherheit 

und des Gesundheitsschutzes entsprechen (Art. 3 Abs. 5 aBauAV). Diesen 

Verpflichtungen ist der Privatkläger nicht nachgekommen, er hat vielmehr auf bloss 

mündliche, nicht verifizierte Auskünfte vertraut. Gleiches gilt betreffend den 

Mitbeschuldigten.

4.4. Im Lichte dieser Strafzumessungskriterien ist eine Sanktion von 8 Monaten 

Freiheitsstrafe angemessen. 

4.5. In subjektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zwar 

nicht direktvorsätzlich gehandelt hat, die Pflichtverletzung indes derart grob war, 

dass sich sein Verhalten in Richtung Inkaufnahme des eingetretenen Erfolgs 

bewegt. Da der Beschuldigte nicht geständig ist, müssen die subjektiven Elemente 

und die Motivation naturgemäss im Dunkeln bleiben. Einzig wenn auf Grund äus-

serlich wahrnehmbarer Umstände zwingend auf innere Vorgänge geschlossen wer-

den kann, dürfen entsprechende Annahmen getroffen werden. Alles andere, wie 

- 41 -

beispielsweise das Unterstellen von Zeitdruck, Kosteneinsparungen oder pure Be-

quemlichkeit, welche bei dieser Deliktsart die typischen Ursachen und Motive sind, 

wäre eine reine und unzulässige Spekulation. Auf der subjektiven Seite sind somit 

keine Elemente erkennbar, welche für eine Erhöhung oder Senkung der Strafe 

sprechen würden, womit es bei einer Einsatzstrafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe 

bleibt. 

5. Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

Hinsichtlich der geschaffenen Gefahr kann auf das oben zur Körperverletzung 

Ausgeführte verwiesen werden. Zusätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass die 

geschaffene Gefahr sich über eine sehr lange Zeit hinzog, indem die Dachbaustelle 

während Wochen überhaupt nicht gesichert wurde. Bringt man die vorliegend 

geschaffene Gefahr beispielsweise mit derjenigen eines schweren Raserdelikts in 

Bezug, so ist die Anzahl der gefährdeten Personen und die Schwere der zu erwar-

tenden Verletzungen durchaus vergleichbar. Auf der anderen Seite gilt es auch hier 

das oben erwähnte grosse Selbstverschulden des Privatklägers und des Mitbe-

schuldigten zu berücksichtigen. In subjektiver Hinsicht gilt das zur Körperverletzung 

gesagte, weshalb auch hierfür eine Einzelstrafe von 8 Monaten Freiheitsstrafe an-

gemessen ist. 

6. Asperation 

Wie bereits vorstehend unter E. IV.3. ausgeführt, wäre nun die Asperation vorzu-

nehmen. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius kann diese vorliegend 

unterbleiben, da es ohnehin bei der durch die Vorinstanz ausgesprochenen Gelds-

trafe sein Bewenden haben muss. 

7. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

7.1. Die Täterkomponente fällt mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 45 f.) strafzu-

messungsneutral aus. Der Beschuldigte ist in Portugal geboren und in geordneten 

Verhältnissen aufgewachsen. Nach einer Schreinerlehre ist er 1988 als 18-jähriger 

- 42 -

in die Schweiz ausgewandert. Von 1988-1991 war er im Baugewerbe tätig, um sich 

nach einer Umschulung im Detailhandel zu betätigen, teilweise auch auf selbstän-

diger Basis. Seit 2007 arbeitet er wieder im Baugewerbe, wobei er dies ab 2010 bei 

der M._____ GmbH (inzwischen: M._____ AG) als Bauleiter tat. Seit dem 1. Januar 

2024 ist er neu bei der N._____ GmbH tätig. Er ist geschieden, lebt alleine und hat 

zwei erwachsene Kinder (Prot. I S. 11 ff. i.V.m. Urk. 89 S. 1 f.). 

7.2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 69). Dies wirkt sich strafzu-

messungsneutral aus. Dies gilt auch für sein Nachtatverhalten, welches unter 

anderem das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren, wie zum Beispiel 

Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit oder ein Geständnis umfasst (BSK StGB-

WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N. 167 ff.). Diesbezüglich lässt sich nichts zu seinen 

Gunsten oder Ungunsten ableiten. 

8. Fazit

Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanten Strafzumessungsgründe wäre somit 

eine höhere Strafe als die von der Vorinstanz ausgesprochene auszufällen. Auf-

grund des Verbots der reformatio in peius muss es indessen bei den vorinstanzlich 

ausgefällten 90 Tagessätzen sein Bewenden haben. Da der Beschuldigte mittler-

weile nur noch Fr. 6'500.– netto im Monat verdient, wobei er einen 13. Monatslohn 

erhält (Urk. 89 S. 1), ist sodann die Tagessatzhöhe neu auf Fr. 100.– festzusetzen. 

V. Strafvollzug 

Mit der Vorinstanz ist vorliegend der Vollzug aufzuschieben und die Probezeit auf 

2 Jahre anzusetzen (Urk. 68 S. 47). 

VI. Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz hat den Privatkläger mit seinen Zivilansprüchen auf den Weg 

des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen. Dies mit der Begründung, dass die An-

sprüche weder beziffert noch belegt seien (Urk. 68 S. 48-50). Der Beschuldigte 

liess unter Verweis auf die beantragten Freisprüche die Abweisung der gestellten 

- 43 -

Zivilansprüche und eventualiter deren Verweis auf den Zivilweg beantragen 

(Urk. 90 S. 1 i.V.m. S. 14 f. Rz. 23). Der Privatkläger liess hingegen die Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich der Zivilansprüche beantragen (Urk. 92 

S. 1). 

2. Die Ausführungen der Vorinstanz erweisen sich als grundsätzlich zutreffend, 

weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 68 S. 48). Einzig der adäquate 

Kausalzusammenhang ist nicht ohne weiteres zu bejahen. Wie bereits ausgeführt, 

trifft den Privatkläger ein erhebliches Selbstverschulden und den Mitbeschuldigten 

ein erhebliches Mitverschulden. Es stellt sich somit in zivilrechtlicher Hinsicht die 

Frage, ob unter diesen Umständen die grundsätzliche Schadenersatzpflicht zu 

bejahen ist, denn eine der Voraussetzungen der Haftung nach Art. 41 OR ist der 

adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und der schädigenden 

Handlung. Der adäquate Kausalzusammenhang wird unterbrochen, wenn zu einer 

an sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen 

Wirkungsgrad aufweist, dass Erstere nach wertender Betrachtungsweise als recht-

lich nicht mehr beachtlich erscheint (BGE 116 II 519 E. 4b). Die hinzutretende 

andere Ursache kann dabei in einem schweren Selbstverschulden oder in einem 

schweren Drittverschulden bestehen. Selbst wenn der Geschädigte den Unfall 

eventuell hätte vermeiden können, führt dies für sich allein nicht zu einer Unterbre-

chung des Kausalzusammenhangs, sondern es steht allenfalls ein Mitverschulden 

zur Debatte. Eine vom Geschädigten gesetzte Ursache unterbricht den adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen der vom Schädiger gesetzten Ursache und dem 

Schaden nur, wenn sie einen derart hohen Wirkungsgrad aufweist, dass die vom 

Schädiger gesetzte Ursache als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Entschei-

dend ist die Intensität der beiden Ursachen. Erscheint die eine bei wertender 

Betrachtung als derart intensiv, dass sie die andere gleichsam verdrängt und als 

unbedeutend erscheinen lässt, wird eine Unterbrechung des Kausalzusammen-

hangs angenommen (BGE 130 III 182 E. 5.4 mit Verweisen). 

3. Letzteres ist vorliegend nicht der Fall. Wohl ist die Pflichtverletzung des 

Privatklägers stark. Sie erscheint gegenüber jener des Mitbeschuldigten und des 

Beschuldigten jedoch als gleichwertig. Alle drei waren gleichermassen der BauAV 

- 44 -

unterworfen und hatten dieselben Sicherungspflichten. Insofern erscheinen die 

jeweiligen Beiträge an den Unfall und den Schaden gleich gross. Damit ist auch 

gesagt, dass die durch den Beschuldigten bzw. den Mitbeschuldigten gesetzten 

jeweiligen Ursachen jedenfalls nicht unbedeutend erscheinen und damit der zivil-

rechtliche Kausalzusammenhang nicht unterbrochen ist.

4. Haben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, so haften sie dem 

Geschädigten sodann solidarisch (Art. 50 Abs. 1 OR), was auch auf die Genugtu-

ung Anwendung findet (OFK OR-FISCHER/BÖHME/GÄHWILER, Art 50 N. 3 mit 

Verweis).

5. Es ist somit die grundsätzliche Schadenersatz- und Genugtuungspflicht des 

Beschuldigten – unter solidarischer Haftung – zu bejahen und der Privatkläger im 

Übrigen auf den Zivilweg zu verweisen.

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die erstinstanzlichen Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Reduktion der 

Tagessatzhöhe aufgrund der zwischenzeitlich eingetretenen Änderung in den 

Einkommensverhältnissen des Beschuldigten vermag daran nichts zu ändern. 

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG). Die Kostenauflage erfolgt 

im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der 

Beschuldigte vollumfänglich unterliegt, sind ihm die zweitinstanzlichen Kosten 

vollumfänglich aufzuerlegen. Die Reduktion der Tagessatzhöhe aufgrund der 

zwischenzeitlich veränderten Einkommensverhältnisse des Beschuldigten vermag 

eine anderweitige Auferlegung der Verfahrenskosten nicht zu rechtfertigen (vgl. 

Art. 428 Abs. 2 StPO). Damit hat der Beschuldigte auch die Kosten der erbetenen 

Verteidigung selbst zu tragen. 

3. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf 

angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn 

- 45 -

sie obsiegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Entschädigungsforderung ist bei der 

Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser Pflicht 

nicht nach, so tritt die Strafbehörde auf den Antrag nicht ein (Art. 433 Abs. 2 StPO). 

Die Vertretung des Privatklägers reichte eine Honorarnote ein, in welcher ihr Auf-

wand ausgewiesen wird (Urk. 93). Dieser erscheint angemessen. Der Beschuldigte 

ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger für das zweitinstanzliche Verfahren eine 

Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– (unter solidarischer Haftung mit dem Mitbe-

schuldigten) zu bezahlen.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung 

– Einzelgericht – vom 22. Dezember 2021 wie folgt in Rechtskraft erwachsen 

ist: 

"1. (…)

 2. (…)

 3. (…)

 4. (…)

 5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 1'500.00   Gebühr für das Vorverfahren sowie

Fr. 1'895.40   ½ Auslagen Gutachten FOR
Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

 6. (…)

 7. (…)

 8. (Mitteilungen)

 9. (Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

- 46 -

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 i.V.m. 

Abs. 2 StGB sowie

 der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

im Sinne von Art. 229 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 

Fr. 100.–.

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt.

4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 

B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach solidarisch 

schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen.

5. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6-7) wird 

bestätigt.

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'600.–. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ für das zweitin-

stanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'000.– unter solida-

rischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten C._____ zu bezahlen. 

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)

- 47 -

 die Vertretung des Privatklägers, Advokat Z2._____, substituiert durch 
Advokatin Dr. des. Z1._____, im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (versandt)

 die Verteidigung des Mitbeschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ im 
Doppel für sich und zuhanden des Mitbeschuldigten C._____ (überge-
ben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
 die Vertretung des Privatklägers, Advokat Z2._____, substituiert durch 

Advokatin Dr. des. Z1._____, im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft 

 die Verteidigung des Mitbeschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ im 
Doppel für sich und zuhanden des Mitbeschuldigten C._____

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 das Migrationsamt des Kantons Zürich 
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 
 die O._____AG, … [Adresse] (Referenz 1, Dossier-Nr. 2).

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

- 48 -

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 5. Februar 2024

Der Präsident:

lic. iur. B. Gut

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw A. Blaser

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe 

definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 bzw. 

Abs. 4 StGB),

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.