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**Case Identifier:** 2590c079-053d-522b-92fa-c6e366e59ca8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-10-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.10.2014 BVGE 2014/26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2014-26_2014-10-08.pdf

## Full Text

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 385 

 

LANDESRECHT — DROIT NATIONAL —  

DIRITTO NAZIONALE 

1 Staat – Volk – Behörden 
 Etat – Peuple – Autorités 
 Stato – Popolo – Autorità 

26 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i.S. A. gegen Bundesamt für Migration (BFM) 

D‒3622/2011 vom 8. Oktober 2014 

Asylverfahren. Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

Kognition des Bundesverwaltungsgerichts (Grundsatzurteil). Lage-

analyse Angola. 

Art. 44 und Art. 106 Abs. 1 AsylG. Art. 83 Abs. 1 und Abs. 4 AuG. 

1. Die Kognitionsbeschränkung (Ausschluss der Angemessenheits-
kontrolle), die sich aus der Aufhebung von Art. 106 Abs. 1 Bst. c 

AsylG ergibt, bezieht sich ausschliesslich auf Regelungen im 

Asylgesetz. Soweit Normen des Ausländergesetzes zur Anwen-

dung gelangen, überprüft das Bundesverwaltungsgericht die vor-

instanzliche Verfügung gestützt auf Art. 112 AuG in Verbindung 

mit Art. 49 VwVG mit voller Kognition (E. 5). 

2. Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung. Überblick über 
die Rechtsprechung (E. 7.3‒7.7). 

3. Art. 83 Abs. 4 AuG räumt dem BFM bei der Beurteilung der 
Frage, ob der Vollzug unzumutbar ist, kein Ermessen ein. Wird 

eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist der Vollzug der Weg- 

oder Ausweisung unzumutbar, und es ist ‒ unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AuG ‒ die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Prä-

zisierung der Rechtsprechung (E. 7.9‒7.10). 

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4. Vorgehensweise bei der Analyse der Lage in Herkunftsländern 
von Asylsuchenden und bei der Koordination der Rechtspre-

chung im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AuG (E. 8). 

5. Auf dem Staatsgebiet Angolas (ohne Berücksichtigung der Ex-
klave Cabinda) herrscht kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situ-

ation allgemeiner Gewalt. Aufgrund der in humanitärer, sozialer 

und wirtschaftlicher Hinsicht nach wie vor fragilen Lage ist im 

Rahmen einer Einzelfallprüfung zu beurteilen, ob die betroffene 

Person im Fall einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage ge-

raten würde. Der besonderen Verletzlichkeit von Kleinkindern 

und schwer kranken Menschen ist Rechnung zu tragen. Ände-

rung der Rechtsprechung (E. 9). 

Procédure d'asile. Examen de l'exigibilité de l'exécution du renvoi. 

Pouvoir de cognition du Tribunal administratif fédéral (arrêt de 

principe). Analyse de la situation en Angola. 

Art. 44 et art. 106 al. 1 LAsi. Art. 83 al. 1 et al. 4 LEtr. 

1. La limitation du pouvoir de cognition (exclusion du contrôle de 
l'opportunité) consécutive à l'abrogation de l'art. 106 al. 1 let. c 

LAsi ne vise que la loi sur l'asile. Pour ce qui a trait aux normes 

de la loi sur les étrangers, le Tribunal administratif fédéral, 

conformément à l'art. 112 LEtr en lien avec l'art. 49 PA, dispose 

du plein pouvoir de cognition (consid. 5). 

2. Inexigibilité de l'exécution du renvoi. Rappel de la jurisprudence 
(consid. 7.3‒7.7). 

3. L'art. 83 al. 4 LEtr ne confère aucun pouvoir d'appréciation à 
l'ODM quant au caractère exigible ou non de l'exécution du 

renvoi. En présence d'une mise en danger concrète, l'exécution 

du renvoi ou de l'expulsion est inexigible et ‒ sous réserve de 

l'art. 83 al. 7 LEtr ‒ l'admission provisoire doit être accordée. 

Précision de la jurisprudence (consid. 7.9‒7.10). 

4. Processus d'analyse de la situation dans les pays de provenance 
des requérants d'asile et de coordination de la jurisprudence 

dans le champ d'application de l'art. 83 al. 4 LEtr (consid. 8). 

5. Le territoire de l'Angola (hormis l'exclave de Cabinda) ne se 
trouve pas en situation de guerre, de guerre civile ou de violence 

généralisée. En raison de la situation encore précaire des points 

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de vue humanitaire, social et économique, il convient de 

déterminer individuellement, dans chaque cas, si la personne 

concernée serait, en cas de retour, exposée à une situation de 

nécessité existentielle. La vulnérabilité particulière des enfants en 

bas âge ainsi que des personnes gravement malades doit être 

prise en compte. Changement de jurisprudence (consid. 9). 

Procedura d'asilo. Esame dell'esigibilità dell'esecuzione dell'allonta-

namento. Potere di cognizione del Tribunale amministrativo federale 

(sentenza di principio). Analisi della situazione in Angola. 

Art. 44 e art. 106 cpv. 1 LAsi. Art. 83 cpv. 1 e cpv. 4 LStr. 

1. La restrizione del potere di cognizione (esclusione del controllo 
dell'adeguatezza) conseguente all'abrogazione dell'art. 106 cpv. 1 

lett. c LAsi si riferisce esclusivamente alle materie disciplinate 

nella legge sull'asilo. Se si applicano disposizioni della legge sugli 

stranieri, l'art. 112 LStr in combinato disposto con l'art. 49 PA 

impone al Tribunale amministrativo federale di riesaminare la 

decisione della giurisdizione inferiore con piena cognizione 

(consid. 5). 

2. Inesigibilità dell'esecuzione dell'allontanamento. Richiamo della 
giurisprudenza (consid. 7.3‒7.7). 

3. L'art. 83 cpv. 4 LStr non conferisce all'UFM alcun potere 
d'apprezzamento nell'esaminare se l'esecuzione dell'allontana-

mento sia o non sia esigibile. In presenza di un pericolo concreto 

in caso di allontanamento o di espulsione, l'esecuzione è inesi-

gibile e – fatto salvo l'art. 83 cpv. 7 LStr – deve essere ordinata 

l'ammissione provvisoria. Precisazione della giurisprudenza 

(consid. 7.9‒7.10). 

4. Approccio seguito per l'analisi della situazione nei Paesi di 
provenienza dei richiedenti l'asilo e per il coordinamento della 

giurisprudenza nel campo d'applicazione dell'art. 83 cpv. 4 LStr 

(consid. 8). 

5. Nel territorio angolano (fatta eccezione per l'exclave di Cabinda) 
non vi è né guerra, né guerra civile, né una situazione di violenza 

generalizzata. A causa della persistente situazione di precarietà 

che regna sul piano umanitario, sociale ed economico, occorre 

valutare se nella singola fattispecie la persona interessata ver-

rebbe a trovarsi, in caso di rimpatrio, in una situazione di minac-

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cia esistenziale. Nell'ambito di tale valutazione occorre tener 

conto della particolare vulnerabilità dei bambini in tenera età e 

delle persone gravemente malate. Modifica della giurisprudenza 

(consid. 9). 

 

Der angolanische Staatsangehörige A. suchte am 9. Januar 2008 in der 

Schweiz um Asyl nach. 

Das Bundesamt für Migration (BFM) stellte mit Verfügung vom 26. Mai 

2011 fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte dessen Asylgesuch gestützt auf Art. 3 und Art. 7 AsylG (SR 

142.31) ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung des Beschwerde-

führers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. 

Mit Beschwerde vom 24. Juni 2011 beantragt der Beschwerdeführer die 

Anerkennung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl; eventualiter 

sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nach Angola unzu-

lässig beziehungsweise unzumutbar sei und deshalb sei eine vorläufige 

Aufnahme anzuordnen. 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

1.3 Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

des Asylgesetzes vom 14. Dezember 2012 gilt für die im Zeitpunkt des 

Inkrafttretens der Rechtsänderung (am 1. Februar 2014) hängigen Ver-

fahren mit Ausnahme der Absätze 2‒4 das neue Recht. « Hängige Ver-

fahren » im Sinne von Absatz 1 der Übergangsbestimmungen sind auch 

beim Bundesverwaltungsgericht hängige Beschwerdeverfahren (vgl. 

dazu das Urteil des BVGer E‒662/2014 vom 17. März 2014 E. 2.3 und 

2.4.1‒2.4.3 m.w.H.). Auf diese ist somit neues Recht anzuwenden, sofern 

keine der in den Absätzen 2‒4 der Übergangsbestimmungen genannten 

Ausnahmen greift. Da hier keine Ausnahme zur Anwendung gelangt, ist 

auf das vorliegende Beschwerdeverfahren neues Recht anzuwenden. 

1.4‒4. (…) 

5.  
5.1 Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

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Familie. Im Übrigen finden für die Anordnung des Vollzugs der Wegwei-

sung die Art. 83 und 84 AuG (SR 142.20) Anwendung (Art. 44 AsylG).  

5.2 Ist der Vollzug der Weg- oder Ausweisung nicht möglich, nicht 
zulässig oder nicht zumutbar, so verfügt das BFM die vorläufige Auf-

nahme (Art. 83 Abs. 1 AuG). Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat 

entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Der Vollzug kann für Ausländerin-

nen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, 

Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- 

oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG). Der 

Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer 

weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat 

ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG).  

5.3 Die Kompetenz, gleichzeitig mit dem Asylentscheid über die 
Wegweisung aus der Schweiz zu befinden, wurde dem Bundesamt (für 

Polizeiwesen) erst in (a)Art. 21a Abs. 1 AsylG im Rahmen der Teilrevi-

sionen des Asylgesetzes vom 16. Dezember 1983 beziehungsweise vom 

2. Dezember 1985 übertragen ‒ zuvor entschieden im Anschluss an das 

Asylverfahren die kantonalen beziehungsweise die eidgenössischen 

Fremdenpolizeibehörden in einem separaten Verfahren über die Weg-

weisung aus der Schweiz. Zur Begründung wurde damals zum einen die 

Fachkompetenz des Bundesamtes bei der Prüfung der sich im Zusam-

menhang mit der Wegweisung stellenden Fragen angeführt; zum anderen 

wollte der Gesetzgeber unter dem Aspekt der Verfahrensbeschleunigung 

Doppelspurigkeiten in den Verfahrenswegen vermeiden, indem für den 

Asyl- und den Wegweisungsentscheid das gleiche Rechtsmittel vorzu-

sehen sei (vgl. zum Ganzen: Botschaft vom 6. Juli 1983 zur Änderung 

des Asylgesetzes, BBl 1983 III 779 Ziff. 2.24 S. 794 f.; Botschaft vom 

2. Dezember 1985 zur Änderung des Asylgesetzes, des Bundesgesetzes 

über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer und des Bundes-

gesetzes über Massnahmen zur Verbesserung des Bundeshaushaltes, BBl 

1986 I 1 Ziff. 2 21.11). In einer weiteren Teilrevision vom 22. Juni 1990 

wurde in Art. 17 Abs. 1 AsylG schliesslich aus Gründen der Rechts-

sicherheit klargestellt, dass das Bundesamt nicht nur die Wegweisung 

verfügt, sondern auch deren Vollzug anordnet (vgl. Botschaft vom 

25. April 1990 zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren [AVB] und 

zu einem Bundesgesetz über die Schaffung eines Bundesamtes für 

Flüchtlinge, BBl 1990 II 573 Ziff. 2 21.06 S. 642). Das ursprünglich im 

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Anschluss an einen negativen Asylentscheid durch die Fremdenpolizei-

behörden separat durchgeführte Wegweisungsverfahren wurde dergestalt 

Bestandteil des vom Bundesamt durchzuführenden Verfahrens ‒ des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens. Das BFM befindet heute im Asyl- 

und Wegweisungsverfahren nicht nur über die Gewährung oder Ver-

weigerung des Asyls (Art. 6a Abs. 1 AsylG), sondern ‒ wenn das Asyl-

gesuch abgelehnt oder auf dieses nicht eingetreten wird ‒ auch über die 

Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug (Art. 44 AsylG) sowie 

über die Anordnung der vorläufigen Aufnahme (Art. 44 AsylG i.V.m. 

Art. 83 Abs. 1 AuG). Die Prüfung, ob gestützt auf Art. 83 Abs. 1 AuG die 

vorläufige Aufnahme anzuordnen ist, erfolgt allerdings nicht nur im 

Asyl- und Wegweisungsverfahren, sondern auch in weiteren Verfahren, 

in denen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern Entfernungs- oder 

Fernhaltemassnahmen anzuordnen sind (vgl. BVGE 2010/42 E. 9 und 

10). Die vorläufige Aufnahme ist als solche kein Institut des Asylrechts, 

sondern des Ausländerrechts (vgl. PETER BOLZLI, in: Migrationsrecht, 

3. Aufl. 2012, Art. 83 AuG N. 5 S. 230). Die Anordnung und die Beendi-

gung der vorläufigen Aufnahme sind dementsprechend im Ausländer-

gesetz (Art. 83 und 84 AuG) geregelt. 

5.4 Die Beschwerdegründe im Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht ergeben sich ‒ vorbehältlich spezialgesetzlicher Rege-

lungen ‒ aus Art. 37 VGG in Verbindung mit Art. 49 VwVG. Aus den 

Beschwerdegründen ergibt sich als prozessuales Spiegelbild die Kogni-

tion, mit welcher das Bundesverwaltungsgericht die angefochtene Verfü-

gung zu überprüfen hat (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessie-

ren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 88 Rz. 2.149). 

Gemäss Art. 49 VwVG kommt dem Bundesverwaltungsgericht eine um-

fassende Kognition zu ‒ es überprüft die Verletzung von Bundesrecht 

einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens (Bst. a), 

die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts (Bst. b) und die Angemessenheit (Bst. c). Mit dieser umfas-

senden Überprüfungsbefugnis korrelierte die in Art. 106 Abs. 1 Bst. a‒c 

AsylG spezialgesetzlich geregelte Kognition des Bundesverwaltungs-

gerichts im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren (vgl. Verordnung der 

Bundesversammlung vom 20. Dezember 2006 über die Anpassung von 

Erlassen an die Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes und Verwal-

tungsgerichtsgesetzes, AS 2006 5599; BBl 2006 7759). Die Rüge der 

Unangemessenheit (Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) wurde indessen im 

Rahmen der von der Bundesversammlung am 14. Dezember 2012 be-

schlossenen und am 1. Februar 2014 in Kraft getretenen Asylgesetzre-

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vision gestrichen (AS 2013 4375, 4383). Die Aufhebung von Art. 106 

Abs. 1 Bst. c AsylG war weder in der Botschaft vom 26. Mai 2010 zur 

Änderung des Asylgesetzes (BBl 2010 4455 ff.) vorgesehen noch in der 

Zusatzbotschaft vom 23. September 2011 zur Änderung des Asylgesetzes 

(Kurzfristige Massnahmen) (BBl 2011 7325 ff.). Sie erfolgte vielmehr 

erst auf Vorschlag der Staatspolitischen Kommission des Nationalrates. 

Die Streichung dieser Norm hat zur Folge, dass das Bundesverwaltungs-

gericht im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren die Ermessensausübung 

durch die Vorinstanz nicht mehr uneingeschränkt überprüfen kann, 

sondern nur noch auf qualifizierte Fehler (Missbrauch und Überschrei-

tung des Ermessens, vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG), während es auf 

dem Gebiet des Ausländerrechts gemäss Art. 112 AuG in Verbindung mit 

Art. 49 VwVG weiterhin über eine umfassende Kognition verfügt. Vor 

diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob im asylrechtlichen Be-

schwerdeverfahren der Ausschluss der Angemessenheitsprüfung auch 

diejenigen Materien betrifft, die im Ausländergesetz geregelt sind, ins-

besondere in Art. 83 und 84 AuG, oder ob sich die Kognition des 

Bundesverwaltungsgerichts im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren im 

Anwendungsbereich von Art. 83 und 84 AuG nach Art. 49 VwVG richtet. 

5.5 Den parlamentarischen Beratungen über die Aufhebung von 
Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG ist zu entnehmen, dass man sich von der 

Streichung des Beschwerdegrundes der Unangemessenheit beziehungs-

weise von der damit einhergehenden Kognitionsbeschränkung im Asyl-

beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Verfah-

rensbeschleunigung erhoffte. Allerdings wurde auch die gegenteilige 

Ansicht vertreten, wonach eine Kognitionsbeschränkung das Beschwer-

deverfahren nicht verkürzen, sondern eher verlängern würde (vgl. Votum 

SR Hans Stöckli, Amtliches Bulletin der Bundesversammlung [AB] 2012 

S 707). Bundesrätin Simonetta Sommaruga äusserte sich dahingehend, 

dass die Streichung der Bestimmung kaum zu einer grundlegenden Ent-

lastung des Bundesverwaltungsgerichts führen dürfte und daher eher 

symbolischen Charakter habe (AB 2012 S 707; vgl. dazu auch BENJAMIN 

SCHINDLER, Die Bundesrechtspflege als Spielball tagespolitischer Lau-

nen, ZBl 11/2012 S. 565 f.). Eine Einschränkung der richterlichen Prü-

fungsbefugnis auch bezüglich Fragen, die materiell nicht im Asylgesetz 

geregelt sind, sondern im Ausländergesetz, stand weder im Nationalrat 

(AB 2012 N 1131 f., N 1170‒1174) noch im Ständerat (AB 2012 S 707) 

zur Debatte. Die Ausführungen von Ständerat Hans Stöckli (AB 2012 

S 707), wonach sich die Kognitionsbeschränkung nur auf das Asylrecht 

beziehe, nicht aber auf Materien des Ausländerrechts wie insbesondere 

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den Wegweisungsvollzug, blieben unwidersprochen (AB 2012 S 707, be-

sonders das Votum SR Christine Egerszegi-Obrist). Dass die Kognitions-

beschränkung aufgrund des Verweises in Art. 44 AsylG auch für Fragen 

im Zusammenhang mit der Anordnung (Art. 83 AuG) und der Been-

digung der vorläufigen Aufnahme (Art. 84 AuG) gelten soll, lässt sich 

den Voten in den parlamentarischen Beratungen nicht entnehmen. Diese 

deuten im Gegenteil darauf hin, dass sich die aus Art. 106 AsylG resul-

tierende Einschränkung der Überprüfungsbefugnis im Beschwerde-

verfahren ausschliesslich auf im Asylgesetz geregelte Materien bezieht. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat demzufolge vorinstanzliche Verfü-

gungen, die in Anwendung des Ausländergesetzes ergehen, weiterhin 

gestützt auf Art. 112 AuG in Verbindung mit Art. 49 VwVG mit voller 

Kognition zu überprüfen. Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit des Voll-

zugs der Weg- oder Ausweisung kommt dem BFM indessen ohnehin kein 

Ermessen zu (vgl. dazu E. 7), weshalb im Beschwerdeverfahren in Bezug 

auf Art. 83 Abs. 4 AuG von vornherein kein Anlass für eine Überprüfung 

der Angemessenheit (« opportunité ») besteht.  

5.6 Der revidierte Art. 106 Abs. 1 AsylG gelangt gemäss dem Wort-
laut von Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asyl-

gesetzes vom 14. Dezember 2012 mit dem Inkrafttreten der neuen 

Bestimmungen per 1. Februar 2014 auf « hängige Verfahren » zur An-

wendung, also auch auf Beschwerdeverfahren, die im Zeitpunkt der 

Rechtsänderung bereits hängig waren (vgl. E. 1.3). Dies hätte zur Folge, 

dass das Bundesverwaltungsgericht die allenfalls bei Einreichung einer 

Beschwerde (noch zulässig) erhobene Rüge der Unangemessenheit auf-

grund der während des hängigen Beschwerdeverfahrens erfolgten Strei-

chung von Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG nicht mehr überprüfen könnte. 

Angesichts der verfassungsrechtlichen Grundsätze, wie sie insbesondere 

in den Art. 5, 8 und 9 BV festgelegt sind, stellt sich in diesem Zusam-

menhang grundsätzlich die Frage, ob ein übergangsrechtlich erfolgender 

nachträglicher Ausschluss der Überprüfung einer ursprünglich zulässigen 

Rüge während eines hängigen Beschwerdeverfahrens der ratio legis ent-

spricht. Die Anwendung von Art. 83 Abs. 4 AuG betreffend kann die 

Frage jedoch offen gelassen werden, nachdem sich ergeben hat (vgl. 

E. 5.5), dass die aus der Streichung von Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG re-

sultierende Einschränkung der Überprüfungsbefugnis im Beschwerdever-

fahren ausschliesslich auf im Asylgesetz, nicht aber auf im Ausländer-

gesetz geregelte Materien zur Anwendung gelangt. 

6. (…) 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 393 

 

7.  
7.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerin-
nen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen wie Krieg, 

Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im Heimat- 

oder Herkunftsstaat konkret gefährdet sind. Diese Bestimmung geht auf 

Art. 14a Abs. 4 ANAG (BS 1 121) zurück, welcher mit dem Bundesbe-

schluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990 (AS 1990 938) in das 

ANAG eingeführt wurde und wie folgt lautete: « Der Vollzug kann ins-

besondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer eine konkrete 

Gefährdung darstellt. » In Art. 83 Abs. 4 AuG hat der Gesetzgeber in der 

Praxis zu Art. 14a Abs. 4 ANAG entwickelte Beispiele möglicher Ge-

fährdungssituationen in den Gesetzestext aufgenommen, um damit die 

Grenzen der Bestimmung aufzuzeigen und Unsicherheiten hinsichtlich 

des Anwendungsbereichs zu beseitigen. Die Praxis zu Art. 14a Abs. 4 

ANAG sollte dadurch weder erweitert noch enger gefasst werden (vgl. 

SR Trix Heberlein, AB 2005 S 1095).  

7.2 Aus dem Wortlaut von Art. 83 Abs. 1 AuG ergibt sich, dass das 
BFM ‒ sofern keine Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 Bst. a 

und b AuG vorliegen ‒ eine vorläufige Aufnahme anordnen muss, wenn 

der Vollzug unzumutbar ist (vgl. RUEDI ILLES, in: Handkommentar zum 

Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Art. 83 

N. 8 S. 792, nachfolgend: Handkommentar AuG; WALTER KÄLIN, Grund-

riss des Asylverfahrens, 1990, S. 201; BOLZLI, a.a.O., Art. 83 AuG N. 14 

S. 233; ZÜND/ARQUINT HILL, Beendigung der Anwesenheit, Entfernung 

und Fernhaltung, in: Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, S. 365 Rz. 8.102 ).  

7.3 Wird gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AuG die Unzumutbarkeit des 
Vollzugs festgestellt, weil die ausländische Person im Heimat- oder 

Herkunftsstaat konkret gefährdet und daher schutzbedürftig ist, wird vom 

Vollzug abgesehen. Der Verzicht auf den Wegweisungsvollzug erfolgt im 

Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AuG ‒ im Unterschied zum Un-

zulässigkeitstatbestand von Art. 83 Abs. 3 AuG ‒ nicht wegen völker-

rechtlicher Verpflichtungen, sondern aus humanitären Gründen. Gemäss 

der bundesrätlichen Botschaft vom 25. April 1990 zum AVB und zu 

einem Bundesgesetz über die Schaffung eines Bundesamtes für Flücht-

linge wird dies durch die « Kann-Bestimmung » in Art. 14a Abs. 4 

ANAG (respektive heute in Art. 83 Abs. 4 AuG) verdeutlicht (BBl 1990 

II 573 Ziff. 22 S. 668).  

7.4 Der in Art. 83 Abs. 1 AuG verwendete Begriff « nicht zumut-
bar » wird in Art. 83 Abs. 4 AuG dahingehend präzisiert, dass der Voll-

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zug « unzumutbar » sein kann, wenn die ausländische Person dadurch 

« konkret gefährdet » ist. Das Gesetz verleiht dieser allgemeinen Um-

schreibung Konturen, indem es Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, 

allgemeine Gewalt und medizinische Notlage nennt, die zu einer 

konkreten Gefährdung führen können. Der Tatbestand von Art. 83 Abs. 4 

AuG, an welchen die Rechtsfolge der vorläufigen Aufnahme anknüpft, 

ist somit in mehrfacher Hinsicht offen normiert. Umschreibt ein Rechts-

satz die Tatbestandsvoraussetzungen oder Rechtsfolgen in offener, unbe-

stimmter Weise, spricht die traditionelle Lehre von unbestimmten 

Rechtsbegriffen (« notion juridique indéterminée ») (vgl. dazu und zur 

Abgrenzung von der Rechtsfigur des Ermessens [« pouvoir d'appré-

ciation »] HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

6. Aufl. 2010, S. 98 Rz. 427 ff.; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, All-

gemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl. 2009, § 26 S. 201 ff.; THIERRY 

TANQUEREL, Manuel de droit administratif, 2011, S. 137 Rz. 425 ff., 

S. 166 Rz. 500 ff.; MOOR/FLÜCKIGER/MARTENET, Droit administratif, 

Bd. I, 3. Aufl. 2012, § 4.3 S. 734 ff.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, 

S. 370 Rz 1047 ff.; BENJAMIN SCHINDLER, Verwaltungsermessen, 2010, 

S. 99 Rz. 134 ff., S. 168 Rz. 213 ff. und zur Kritik an der herrschenden 

Dogmatik § 4 S. 189 ff., nachfolgend: Verwaltungsermessen).  

7.5 Die Aufzählung von Gefährdungskonstellationen in Art. 83 
Abs. 4 AuG ist nicht abschliessend, sondern beispielhaft. Dies ergibt sich 

einerseits aus dem Wortlaut (« wie ») und andererseits aus dem Umstand, 

dass der Gesetzgeber den Anwendungsbereich der Bestimmung nicht 

einschränken wollte (vgl. ILLES, Handkommentar AuG, Art. 83 N. 29 f. 

S. 797 f.; RUEDI ILLES et. al., Handbuch zum Asyl- und Wegweisungs-

verfahren, 2009, S. 225; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Ausländerrecht, 

2. Aufl. 2009, S. 547 f. Rz. 11.68; PATRICIA PETERMANN LOEWE, 

Materiell-rechtliche Aspekte der vorläufigen Aufnahme unter Einbezug 

des subsidiären Schutzes der EU, 2010, S. 87; ZÜND/ARQUINT HILL, 

a.a.O., S. 365 Rz. 8.102). Eine konkrete Gefährdung kann sich für eine 

ausländische Person somit nicht nur als Folge exzessiver Gewalt (Krieg, 

Bürgerkrieg, allgemeine Gewaltsituation) ergeben, sondern etwa auch 

deshalb, weil ihr aufgrund einer desolaten humanitären Lage im Heimat- 

oder Herkunftsstaat (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.2, Vanni-Gebiet in Sri 

Lanka) die materiellen Lebensgrundlagen entzogen sind (vgl. BVGE 

2011/7 E. 9.9.1, weite Teile Afghanistans; PETERMANN LOEWE, a.a.O., 

S. 93 f.). Eine solche Situation liegt insbesondere vor, wenn die aus-

ländische Person bei einer Rückkehr « wegen der vorherrschenden Ver-

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 395 

 

hältnisse mit grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige 

Armut gestossen würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften Ver-

schlechterung ihres Gesundheitszustands, der Invalidität oder sogar dem 

Tod ausgeliefert wäre » (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1; 2009/52 E. 10.1; 

2009/51 E. 5.5; 2009/28 E. 9.3.1). Der Hinweis auf eine medizinische 

Notlage in Art. 83 Abs. 4 AuG verdeutlicht überdies, dass eine konkrete 

Gefährdung nicht zwingend in der allgemeinen Situation im Heimat- 

oder Herkunftsstaat begründet sein muss. Eine ausländische Person kann 

demnach auch aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder 

gesundheitlicher Natur konkret gefährdet sein (vgl. BVGE 2011/25 

E. 8.5, zur Situation alleinstehender Frauen in Äthiopien, die, sofern sie 

ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdienen, Gewalt sowie gesund-

heitlichen Risiken ausgesetzt sein können). 

7.6 Aus den im Gesetz genannten Gefährdungssituationen ergibt 
sich, dass nicht beliebige Nachteile oder Schwierigkeiten die Annahme 

einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG recht-

fertigen, sondern ausschliesslich Gefahren für Leib oder Leben. Die von 

der Weg- oder Ausweisung betroffene Person muss demnach im Falle 

einer Rückkehr in den Heimat- oder Herkunftsstaat dort in eine exis-

tenzielle Notlage geraten (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.2.2 und 14.2; 2011/7 

E. 9.9; 2012/31 E. 7.3; 2010/8 E. 9.5). Eine konkrete Gefährdung liegt 

folglich im Allgemeinen nicht schon deshalb vor, weil die wirtschaftliche 

Situation und damit die allgemeinen Lebensbedingungen im Heimat- 

oder Herkunftsstaat schwierig sind und dort beispielsweise Wohnungsnot 

oder hohe Arbeitslosigkeit herrschen (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.2; 

2010/41 E. 8.3.6; 2007/10 E. 5.4, ethnische Minderheiten in Kosovo), 

oder weil eine im Vergleich zur Schweiz weniger entwickelte medizi-

nische Infrastruktur besteht (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3; 2009/2 E. 9.3.2). 

Weniger hohe Anforderungen an die Annahme einer konkreten Ge-

fährdung gelten hingegen, wenn das Kindeswohl gemäss Art. 3 Abs. 1 

des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des 

Kindes (SR 0.107, nachfolgend: KRK) mit zu berücksichtigen ist (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.6; 2009/28 E. 9.3.2), da das Kindeswohl nicht erst 

gefährdet ist, wenn das Kind in eine existenzielle Notlage gerät (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.8; 2009/28 E. 9.3.4 und 9.3.5).  

7.7  
7.7.1 Nicht jede Person ist von den in ihrem Heimat- oder Herkunfts-
staat herrschenden Verhältnissen gleichermassen betroffen. Der Vollzug 

der Weg- oder Ausweisung ist jedoch nur unzumutbar, wenn die Auslän-

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

396 BVGE / ATAF / DTAF 

 

derin oder der Ausländer dort « konkret » gefährdet ist. Unzumutbar ist 

der Vollzug folglich nicht schon dann, wenn im Heimat- oder Herkunfts-

staat eine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, sondern erst wenn die 

weg- oder ausgewiesene Person durch die allgemeine Gewaltsituation 

auch tatsächlich individuell betroffen ist (vgl. ILLES, Handkommentar 

AuG, Art. 84 N. 33 S. 799).  

7.7.2 Ist die Gewalt vor Ort flächendeckend und derart gravierend 
(vgl. BVGE 2013/1 E. 6.3.3.2, Stadt Mosul, Irak; 2013/2 E. 9.6.1, 

Provinzen Hakkari und Sirnak, Türkei) oder sind die Sicherheitslage und 

die humanitäre Situation so schlecht (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.1, weite 

Teile Afghanistans), dass angenommen werden muss, jede dorthin zu-

rückkehrende Person sei mit erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret 

gefährdet, geht die Praxis von einer generellen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs aus. Indessen können begünstigende individuelle 

Umstände vorliegen, aufgrund welcher eine bestimmte Person ‒ im 

Gegensatz zu zurückkehrenden Personen im Allgemeinen ‒ auch in 

Anbetracht der schwierigen humanitären Situation oder der Sicher-

heitslage vor Ort nicht konkret gefährdet ist (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.2, 

Kabul; 2011/49 E. 7.3.5‒7.3.8, Mazar-i-Sharif, Afghanistan; 2011/38 

E. 4.3.1‒4.3.3, Herat, Afghanistan; 2011/25 E. 8.5‒8.6, Äthiopien; 

2011/24 E. 13.2.1.2, Nordprovinz, Sri Lanka; 2008/5 E. 7.5.8, kurdische 

Provinzen im Nordirak), oder es kann eventuell in einem anderen 

Landesteil ‒ allenfalls unter bestimmten Bedingungen ‒ eine zumutbare 

innerstaatliche Aufenthaltsalternative zur Verfügung stehen (vgl. BVGE 

2011/24 E. 13.3, innerstaatliche Aufenthaltsalternative für Tamilen im 

Grossraum Colombo; 2013/1 E. 6.3.5, innerstaatliche Aufenthaltsalterna-

tive im kurdischen Nordirak für Kurden aus Mosul; 2008/5 E. 7.5, insb. 

7.5.8, innerstaatliche Aufenthaltsalternative im Nordirak für Kurden aus 

Kirkuk und Mosul sowie für Araber und andere Nicht-Kurden aus dem 

Zentral- und Südirak).  

7.7.3 Die für die Annahme einer konkreten Gefährdung erforderliche 
individuelle Betroffenheit kann sich überdies auch aus der Zugehörigkeit 

zu einem Personenkreis mit einem besonderen Schutzbedürfnis (sog. 

« vulnerable group ») ergeben. Besonders verletzliche Personen können 

über das übliche Mass hinaus von bestimmten Verhältnissen betroffen 

und gerade deshalb konkret gefährdet sein, sofern keine begünstigenden 

individuellen Umstände vorliegen (vgl. BVGE 2011/25 E. 8.5‒8.6, 

alleinstehende Frauen in Äthiopien; 2008/5 E. 7.5.8, alleinstehende 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 397 

 

Frauen, Familien mit Kindern, Kranke und Betagte in den kurdischen 

Provinzen im Nordirak; vgl. auch PETERMANN LOEWE, a.a.O., S. 94 f.).  

7.7.4 Die Beantwortung der Frage, ob die Ausländerin oder der 
Ausländer im Falle des Vollzugs der Weg- oder Ausweisung im Heimat- 

oder Herkunftsstaat konkret gefährdet wäre, erfordert eine Prognose, 

welche vor dem länderspezifischen Hintergrund im Rahmen einer Einzel-

fallbeurteilung unter Berücksichtigung der Verhältnisse vor Ort und der 

individuellen Lebensumstände der betroffenen Person vorzunehmen ist 

(vgl. RUEDI ILLES, Die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Asyl- 

und Ausländerrecht, in: Jahrbuch für Migrationsrecht 2006/2007, S. 48, 

nachfolgend: Jahrbuch; BVGE 2011/49 E. 7.3.6; 2011/38 E. 4.3.3.1). Ob 

die konkrete Gefährdung tatsächlich eintreten wird, lässt sich aufgrund 

der Natur der Sache nicht strikt beweisen. Übereinstimmend mit der 

Lehre (vgl. ILLES, Handkommentar AuG, Art. 83 N. 44 S. 802; derselbe, 

Jahrbuch, S. 46 ff.; BOLZLI, a.a.O., Art. 83 AuG N. 2 S. 229; STÖCKLI, 

a.a.O., S. 567 f. Rz. 11.148) und im Einklang mit der bundesgericht-

lichen Rechtsprechung (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2) genügt es deshalb 

gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, wenn die kon-

krete Gefährdung dem für die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 7 

Abs. 2 AsylG angewandten Beweismass entsprechend (vgl. BVGE 

2013/11 E. 5.1) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eintreten wird 

(vgl. BVGE 2012/31 E. 7.1; 2011/50 E. 3.2; 2011/24 E. 10.2).  

7.8 Die Auslegung und Anwendung unbestimmter Rechtsbegriffe, 
wie sie Art. 83 Abs. 4 AuG zugrunde liegen (vgl. E. 7.4), ist eine Rechts-

frage, die grundsätzlich ohne Beschränkung der richterlichen Kognition 

zu überprüfen ist (vgl. BVGE 2011/53 E. 8.1). Das Bundesverwaltungs-

gericht schränkt seine Kognition zuweilen gleichwohl ein, soweit dies 

aufgrund der Natur der Streitsache sachlich geboten ist. So übt es bei der 

Überprüfung der Auslegung und Anwendung unbestimmter Rechtsbe-

griffe eine gewisse Zurückhaltung und gesteht der Verwaltungsbehörde 

einen Beurteilungsspielraum (« latitude de jugement ») zu, wenn sich 

Auslegungsfragen stellen, welche die Behörde aufgrund ihrer örtlichen, 

sachlichen oder persönlichen Nähe sachgerechter zu beurteilen vermag 

als das Bundesverwaltungsgericht, oder wenn die Rechtsanwendung Be-

urteilungen und Einschätzungen auf spezifischen Fachgebieten erfordert, 

für welche die verfügende Behörde aufgrund ihres Spezialwissens besser 

geeignet ist (sog. « technisches Ermessen »; vgl. BGE 139 II 185 E. 9.3; 

135 II 356 E. 3.1 in fine; BVGE 2011/47 E. 5.1, öffentliches Über-

nahmeangebot; 2009/35 E. 4, Fernmeldeverkehr, Zugang zum schnellen 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

398 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Bitstrom, Marktbeherrschung; vgl. zum Ganzen MOSER/BEUSCH/ 

KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 90 ff. Rz. 2.154 ff.). Auf dem Gebiet des Asyls 

erledigt das Bundesverwaltungsgericht allerdings jährlich tausende von 

Entscheiden (im Jahr 2013 beispielsweise 4 253 Verfahren; vgl. Ge-

schäftsbericht 2013, Bundesverwaltungsgericht, S. 76). Aufgrund der 

hohen Fallzahlen, eines vergleichsweise eng definierten Sachgebietes so-

wie aus historischen und organisatorischen Gründen verfügt das Bundes-

verwaltungsgericht im Asylbereich mithin über eine mit derjenigen des 

BFM vergleichbare Fachkompetenz und grundsätzlich auch über die 

gleichen Entscheidungsgrundlagen. Deshalb besteht auch bei der Beur-

teilung von Fragen, welche sich namentlich bei der Analyse der Lage in 

Herkunftsländern von Asylsuchenden stellen, kein Anlass, die Kognition 

einzuschränken (vgl. BVGE 2010/54 E. 7.5; vgl. auch SCHINDLER, 

Verwaltungsermessen, S. 358 f. Rz. 473; derselbe, in: Kommentar zum 

Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Art. 49 N. 21 

S. 669; THOMAS SEGESSENMANN, Wegfall der Angemessenheitskontrolle 

im Asylbereich, ASYL 2/13 S. 14). Das Bundesverwaltungsgericht über-

prüft demzufolge ohne Einschränkung, ob die Vorinstanz Art. 83 Abs. 4 

AuG richtig auslegt, und es überprüft im Einzelfall ebenfalls uneinge-

schränkt, ob die ausländische Person vor dem länderspezifischen Hinter-

grund wegen der Verhältnisse vor Ort und der individuellen Lebensum-

stände im Falle des Vollzugs im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret 

gefährdet ist.  

7.9  
7.9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in verschiedenen publizier-
ten Urteilen festgehalten, die vorläufige Aufnahme sei ‒ unter Vorbehalt 

von Art. 83 Abs. 7 AuG ‒ zu gewähren, wenn eine konkrete Gefährdung 

festgestellt wird (vgl. BVGE 2013/2 E. 9.1; 2013/1 E. 6.3.1; 2012/31 

E. 7.3; 2010/54 E. 5.1; 2010/8 E. 9.4; 2009/2 E. 9.2.1; 2008/5 E. 7.3.1). 

In einem weiteren publizierten Urteil heisst es hingegen, die Asylbe-

hörden hätten im Einzelfall « in Ausübung des ihnen nach Art. 83 Abs. 4 

AuG zukommenden Ermessens » humanitäre Überlegungen « anderen 

öffentlichen Interessen » gegenüberzustellen, die für einen Vollzug 

sprechen würden, und gestützt darauf zu bestimmen, welches Interesse 

bei einer Gesamtbetrachtung überwiege (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.1; 

ähnlich: BVGE 2011/50 E. 8.2; 2009/52 E. 10.1; 2009/41 E. 7.1; 2007/10 

E. 5.1, zum ANAG). Das Bundesverwaltungsgericht hat in diesen Urtei-

len eine Rechtsprechung fortgesetzt, welche die (ehemalige) Schweize-

rische Asylrekurskommission (ARK) unter Bezugnahme auf die Auf-

fassung KÄLINS sowie auf Ausführungen in der Botschaft vom 25. April 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 399 

 

1990 zum AVB etabliert hatte (vgl. erstmals Entscheidungen und Mit-

teilungen der ARK [EMARK] 1993 Nr. 38 E. 6a S. 277; ferner statt 

vieler EMARK 1994 Nr. 18 E. 4d S. 140 ff.; 1994 Nr. 19 E. 6a S. 147 f.). 

KÄLIN hatte zum einen argumentiert, da die « Kann »-Bestimmung in 

Art. 14a Abs. 4 ANAG gemäss Botschaft (BBl 1990 II 668) deutlich 

mache, dass die Schweiz hier aus humanitären Gründen handle, käme 

den Behörden bei der Frage, ob die Unzumutbarkeit des Vollzugs zu 

bejahen sei, « Ermessen » beziehungsweise ein « Ermessensspielraum » 

zu; unter Bezugnahme auf die Formulierung in der Botschaft, wonach die 

Behörden « humanitäre Überlegungen » im Einzelfall gegen « andere 

öffentliche Interessen » abzuwägen hätten, die allenfalls für einen Voll-

zug sprechen würden (BBl 1990 669), hatte er zum anderen festgehalten, 

Art. 14a Abs. 4 ANAG konkretisiere im Grunde genommen das Verhält-

nismässigkeitsprinzip (vgl. KÄLIN, a.a.O., S. 201, 203). Angesichts der 

divergierenden Praxis ist nachfolgend zu klären, ob der Vollzug der Weg-

weisung bereits als unzumutbar zu gelten hat, wenn bei der Einzelfall-

prüfung eine konkrete Gefährdung festgestellt wird, oder erst dann, wenn 

der Vollzug im Rahmen einer Interessenabwägung als unzumutbar be-

urteilt wird.  

7.9.2 Die Frage, welche öffentlichen Interessen im Rahmen der in den 
oben erwähnten Urteilen angesprochenen Interessenabwägung zu be-

rücksichtigen seien, wurde in der publizierten Rechtsprechung der ARK 

und des Bundesverwaltungsgerichts zu Art. 14a Abs. 4 ANAG bezie-

hungsweise zu Art. 83 Abs. 4 AuG nie beantwortet. Es findet sich auch 

kein Urteil, in dem festgestellt worden wäre, die Vorinstanz habe das ihr 

« zukommende Ermessen » in Bezug auf die Beurteilung der Zumutbar-

keit des Vollzugs rechtswidrig oder nicht sachgemäss respektive recht-

mässig und sachgerecht ausgeübt.  

7.9.3 Welche « anderen öffentlichen Interessen » in eine Interessenab-
wägung einfliessen sollen, lässt sich den Materialien zu Art. 14a Abs. 4 

ANAG beziehungsweise zu Art. 83 Abs. 4 AuG nicht entnehmen. Aus 

der Literatur ergeben sich diesbezüglich ebenfalls keine verwertbaren 

Aufschlüsse. Es wird zwar regelmässig festgehalten, Art. 83 Abs. 4 AuG 

(respektive Art. 14a Abs. 4 ANAG) räume den Behörden « Ermessen » 

ein und betont, dieses beziehe sich nicht auf die Rechtsfolge (die vor-

läufige Aufnahme), sondern « nur auf den in Frage stehenden Sachver-

halt » (vgl. ILLES, Jahrbuch, S. 37; derselbe, Handkommentar AuG, 

Art. 83 N. 8 S. 792), beziehungsweise « auf die Würdigung des in Frage 

stehenden Sachverhalts » (vgl. PETERMANN LOEWE, a.a.O., S. 86; ILLES 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

400 BVGE / ATAF / DTAF 

 

et. al., a.a.O., S. 225; MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungs-

verfahren, 3. Aufl. 1999, S. 93), oder auf die « Beurteilung der Tat-

bestandsvoraussetzungen (sog. Tatbestandsermessen) » (vgl. ZÜND/ 

ARQUINT/HILL, a.a.O., S. 365 Rz. 8.102). Gemäss BOLZLI (a.a.O., 

Art. 83 AuG N. 14 S. 233) besteht « Spielraum (…) höchstens bei der 

Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs der Unzumutbarkeit ». Auf-

grund der verwendeten Terminologie und mangels einlässlicher 

Ausführungen ergibt sich allerdings aus der Lehre kein einheitliches Bild 

zur zentralen Frage, worauf sich « das eingeräumte Ermessen » beziehen 

und in welchem Umfang es bestehen soll. Insbesondere geht die Lehre 

der Frage nicht nach, welche bereits in der Botschaft zum AVB 

erwähnten, jedoch dort nicht näher definierten « anderen öffentlichen 

Interessen » (BBl 1990 II 669) im Rahmen einer Interessenabwägung zu 

berücksichtigen wären.  

7.9.4 Bei der Beantwortung der Frage, welche öffentlichen Interessen 
im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Vollzugs zu berück-

sichtigen sind, ist zunächst die humanitäre Ausrichtung von Art. 83 

Abs. 4 AuG (vgl. E. 7.3) zu beachten. Diese legt nahe, dass gewichtige 

ordnungs- oder sicherheitspolizeiliche Gründe vorliegen müssen, um die 

Anordnung des Weg- oder Ausweisungsvollzugs gegenüber einer im 

Heimat- oder Herkunftsstaat an Leib und Leben gefährdeten Person zu 

rechtfertigen. Welche öffentlichen Interessen für den Vollzug und gegen 

einen Verbleib von Ausländern und Ausländerinnen in der Schweiz 

sprechen, ergibt sich insofern bereits aus Art. 83 Abs. 7 AuG. Diese 

Bestimmung besagt, dass die vorläufige Aufnahme nach den Abs. 2 und 

4 nicht verfügt wird, wenn die weg- oder ausgewiesene Person zu einer 

längerfristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt oder gegen 

sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne von Art. 64 oder 61 des 

Strafgesetzbuches angeordnet wurde (Bst. a), oder wenn sie erheblich 

oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der 

Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die 

innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Aus den dergestalt 

normierten Tatbeständen wird deutlich, dass die Schweiz nicht bereit ist, 

unabhängig vom Verhalten der Ausländerin oder des Ausländers aus 

humanitären Gründen auf den Vollzug der Weg- oder Ausweisung zu 

verzichten; ferner wird klargestellt, in welchen qualifizierten Fällen das 

öffentliche Interesse am Vollzug höher zu gewichten ist, als das Interesse 

der im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdeten Person am 

weiteren Verbleib in der Schweiz. Art. 83 Abs. 4 AuG bietet demnach 

keinen absoluten Schutz vor einer Weg- oder Ausweisung aus der 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 401 

 

Schweiz. Erfüllt die ausländische Person durch ihr Verhalten einen der 

Tatbestände gemäss Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG, ist die Anwendung 

von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgeschlossen, und die Weg- oder Ausweisung 

ist selbst dann zu vollziehen, wenn die betroffene Person im Heimat- 

oder Herkunftsstaat konkret gefährdet ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 23 

E. 7.7.1 zu Art. 14a Abs. 4 ANAG). Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG 

nimmt damit in Bezug auf das Verhalten von Ausländern und Aus-

länderinnen eine Interessenabwägung vor und legt die Grenzen fest, bei 

deren Überschreitung die vorläufige Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 4 

AuG ausgeschlossen ist.  

7.9.5 Aus der Tatsache, dass Art. 83 Abs. 4 AuG nicht zur Anwendung 
gelangt, wenn die Grenze von Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG über-

schritten wird, ergibt sich umgekehrt, dass das Verhalten von Ausländern 

und Ausländerinnen oder in deren Person begründete Eigenschaften, 

welche strafrechtlich, ordnungs- oder sicherheitspolitisch nicht relevant 

sind beziehungsweise die in Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG gezogene 

Grenze nicht überschreiten, kein öffentliches Interesse begründen, das 

gewichtig genug und daher geeignet wäre, das Interesse einer im Heimat- 

oder Herkunftsstaat im Falle des Vollzugs der Weg- oder Ausweisung 

konkret gefährdeten Person zu überwiegen. In Bezug auf das Verhalten 

von Ausländern und Ausländerinnen nimmt das Gesetz in Art. 83 Abs. 7 

AuG eine Interessenabwägung vor, welche den Spielraum des BFM bei 

der Beurteilung der Zumutbarkeit des Vollzugs von vornherein ein-

schränkt.  

7.9.6 Der Vollzug der Weg- oder Ausweisung hat für eine Person, die 
im Heimat- oder Herkunftsstaat an Leib oder Leben konkret gefährdet 

ist, weitreichende Folgen. Neben den bereits den Ausschlusstatbeständen 

von Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG zugrunde liegenden ordnungs- oder 

sicherheitspolizeilichen Interessen, die an das Verhalten der ausländi-

schen Person oder an in ihrer Person begründeten Eigenschaften an-

knüpfen, sind daher andere öffentliche Interessen, welche im Rahmen 

einer Interessenabwägung für den Vollzug der Weg- oder Ausweisung 

den Ausschlag geben könnten, nicht ohne Weiteres ersichtlich. Bereits 

ACHERMANN/HAUSAMMANN (Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl. 1991, 

S. 189) haben in diesem Sinne darauf hingewiesen, dass « kein Ermes-

sen » bestehe beziehungsweise in der Regel die vorläufige Aufnahme 

angeordnet werden müsse, falls « die Gefahr ernster gesundheitlicher 

Schäden » oder « eine Gefahr für Leib und Leben » gegeben sei. Ähnlich 

stellt auch SEGESSENMANN (a.a.O., S. 17) fest, « das behördliche Ermes-

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

402 BVGE / ATAF / DTAF 

 

sen » sei bei Vorliegen einer konkreten Gefährdung « regelmässig stark 

eingeschränkt ». Bestehe die Gefahr, dass die weggewiesene Person in 

ihrem Heimatland aufgrund mangelnder medizinischer Behandlungs-

möglichkeiten ernste gesundheitliche Schäden zu befürchten hätte oder 

wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen einem hohen Sicherheits-

risiko ausgesetzt wäre, habe das BFM keine freie Wahl, die vorläufige 

Aufnahme wegen Unzumutbarkeit anzuordnen oder zu verweigern. Dem 

ist beizupflichten. Die humanitäre Ausrichtung von Art. 83 Abs. 4 AuG 

einerseits und die den Ausschlusstatbeständen von Art. 83 Abs. 7 Bst. a 

und b AuG zugrunde liegenden ordnungs- oder sicherheitspolizeilichen 

Interessen andererseits verengen den Spielraum bei der Beurteilung der 

Zumutbarkeit des Vollzugs der Weg- oder Ausweisung derart, dass für 

eine Interessenabwägung, wie sie in diversen Urteilen der ARK und des 

Bundesverwaltungsgerichts zwar angesprochen, bezeichnenderweise im 

Einzelfall aber nie vorgenommen wurde, kein Raum verbleibt. Die in 

Art. 83 Abs. 4 AuG verwendete « Kann »-Formulierung eröffnet in Be-

zug auf die Beurteilung der Frage, ob der Vollzug unzumutbar ist, keinen 

Ermessensspielraum, welcher es der rechtsanwendenden Behörde bei-

spielsweise ermöglichen würde, im Einzelfall allfällige migrationspoli-

tische Anliegen wie etwa die Begrenzung der Zuwanderung höher zu 

gewichten als die Interessen der im Heimat- oder Herkunftsstaat an Leib 

oder Leben konkret gefährdeten Person. Art. 83 Abs. 4 AuG erweist sich 

mithin nicht als « echte » Kann-Vorschrift, die der rechtsanwendenden 

Behörde Ermessen einräumen würde. Vielmehr handelt es sich um eine 

« unechte » Kann-Vorschrift (vgl. SCHINDLER, Verwaltungsermessen, 

S. 172 f. Rz. 220), denn sie belässt dem BFM, sobald eine konkrete 

Gefährdung der ausländischen Person im Falle der Rückkehr in den 

Heimat- oder Herkunftsstaat festgestellt wird, keinen Raum, der es ihm 

ermöglichen würde, den Vollzug der Wegweisung dennoch als zumutbar 

zu beurteilen. Die Bedeutung der in Art. 83 Abs. 4 AuG verwendeten 

« Kann »-Formulierung beschränkt sich somit allein darauf, zu verdeut-

lichen, dass im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AuG ‒ im Unter-

schied zu Art. 83 Abs. 3 AuG ‒ nicht wegen völkerrechtlicher Verpflich-

tungen, sondern aus humanitären Gründen auf den Vollzug der Weg- oder 

Ausweisung verzichtet wird (vgl. E. 7.3).  

7.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem BFM bei der Beurtei-
lung der Zumutbarkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs 

der Weg- oder Ausweisung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG kein 

Ermessen zukommt. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist der 

Vollzug der Weg- oder Ausweisung daher unzumutbar, und es ist ‒ unter 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 403 

 

Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG ‒ die vorläufige Aufnahme zu ge-

währen.  

8. Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinen Zuständigkeitsbe-
reichen für die Einheit der Rechtsprechung und die Rechtsfortbildung zu 

sorgen (vgl. Art. 21 und 25 VGG; Botschaft vom 28. Februar 2001 zur 

Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4202 Ziff. 4.3.1.3 

S. 4384 f.). Im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AuG legt es zu 

diesem Zweck aufgrund einer umfassenden Lageanalyse insbesondere zu 

wichtigen Herkunftsländern von Asylsuchenden die Praxis fest oder passt 

eine bestehende Praxis veränderten Entwicklungen an (vgl. E. 9.2‒9.14 

zu Angola). Es wendet dabei ein Prüfungsschema an, das sich wie folgt 

skizzieren lässt:  

- Zunächst werden auf der Grundlage der « Gemeinsamen EU-Leit-

linien für die Bearbeitung von Informationen über Herkunftsländer 

(COI) » vom April 2008 insbesondere die Sicherheitslage, die huma-

nitäre, politische und sozioökonomische Situation sowie die Men-

schenrechtslage analysiert. Die Analyse kann die allgemeine Situa-

tion im ganzen Land oder in bestimmten Landesteilen oder Städten 

erfassen (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.1 [Ostprovinz von Sri Lanka], 

E. 13.2.1 [Nordprovinz ohne Vanni-Gebiet], E. 13.2.2 [Vanni] und 

E. 13.3 [Grossraum Colombo und übriges Staatsgebiet]; 2008/5, 

kurdische Provinzen Dohuk, Erbil und Suleimaniya, Nordirak).  

- Gestützt auf diese allgemeine Lageanalyse wird anschliessend unter-

sucht, ob die Bevölkerung im Allgemeinen (vgl. BVGE 2011/7 E. 9, 

Afghanistan) oder eine spezifische Bevölkerungsgruppe im Be-

sonderen, namentlich ethnische, sprachliche und religiöse Min-

derheiten, generell konkret gefährdet sind (vgl. BVGE 2011/24 

E. 13.2.2.3, Tamilen aus dem Vanni-Gebiet; 2011/50 E. 8.6, Gorani 

in Kosovo; 2010/41 E. 8.3.3, aus Kosovo stammende ethnische Ser-

ben, Serbien; 2007/10 E. 5.3‒5.4, albanischsprachige Roma, Ashkali 

und « Ägypter », Kosovo).  

- Ist generell von einer konkreten Gefährdung auszugehen, wird in 

einem nächsten Schritt untersucht, ob allenfalls aufgrund günstiger 

persönlicher Umstände eine konkrete Gefährdung dennoch ausge-

schlossen werden kann (vgl. BVGE 2011/7 E. 9.9.2, Afghanistan; 

2013/1 E. 6.3.5), oder ob in einem anderen Landesteil ‒ allenfalls 

unter bestimmten Bedingungen ‒ eine zumutbare innerstaatliche 

Aufenthaltsalternative zur Verfügung steht (vgl. BVGE 2011/24 

E. 13.3, Grossraum Colombo; 2013/1 E. 6.3.5 und 2008/5 E. 7.5, 

insb. 7.5.8, beide kurdische Provinzen im Nordirak).  

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

404 BVGE / ATAF / DTAF 

 

- Ergibt die allgemeine Analyse, dass nicht generell von einer konkre-

ten Gefährdung auszugehen ist, wird der Vollzug der Wegweisung 

als « nicht generell unzumutbar » respektive als « grundsätzlich 

zumutbar » beziehungsweise als « generell zumutbar » bezeichnet. 

Diese vom Bundesverwaltungsgericht nicht einheitlich verwendeten 

Formulierungen besagen, dass sich aufgrund der allgemeinen Ver-

hältnisse an einem bestimmten Ort nicht generell auf eine konkrete 

Gefährdung der Bevölkerung schliessen lässt. Ist dies der Fall, wird 

in einem weiteren Schritt untersucht, ob gegebenenfalls bestimmte 

Personen gleichwohl konkret gefährdet sein können, weil sie auf-

grund ihrer Verletzlichkeit besonders schutzbedürftig sind (vgl. 

BVGE 2011/25 E. 8.5, alleinstehende Frauen in Äthiopien; 2008/5 

E. 7.5.8, alleinstehende Frauen, Familien, Kranke und Betagte in 

den kurdischen Provinzen des Nordiraks).  

Gestützt auf die in solcher Weise koordinierte Praxis wird alsdann im 

Einzelfall geprüft, ob die weggewiesene Person zu einer der beschriebe-

nen Gruppen gehört, beziehungsweise ob sie aufgrund spezifischer per-

sönlicher Umstände wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Art 

im Heimat- oder Herkunftsstaat mit grosser Wahrscheinlichkeit konkret 

gefährdet ist, oder ob sie wegen bestimmter begünstigender individueller 

Umstände nicht konkret gefährdet ist.  

9.  
9.1 Zur allgemeinen Situation in Angola hielt die Vorinstanz in der 
angefochtenen Verfügung fest, nach der Verkündung eines Amnestie-

gesetzes und der Unterzeichnung eines Friedensvertrages im April 2002 

sei nach 27 Jahren Bürgerkrieg Frieden eingekehrt. Die soziale und 

humanitäre Situation bleibe in einigen ‒ nicht namentlich bezeichneten ‒ 

Provinzen trotz dem Einsatz der Regierung und diverser Organisationen 

besorgniserregend.  

9.2 Während des Bürgerkrieges setzte sich die ARK in ihrer Recht-
sprechung wiederholt mit der Lage in Angola auseinander, wobei sie sich 

zur Situation in verschiedenen Regionen äusserte (vgl. EMARK 1996 

Nr. 20; EMARK 1998 Nr. 11). In EMARK 2004 Nr. 32 nahm die Be-

schwerdeinstanz eine Neubeurteilung der allgemeinen Situation im Land 

vor und äusserte sich letztmals in einem publizierten Entscheid zur 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs von abgewiesenen Asylsuchen-

den nach Angola. Dabei erkannte die ARK eine Rückkehr in die zen-

tralen und östlichen Provinzen Malanje, Lunda Norte, Lunda Sul, Bié, 

Moxico und Kuando Kubango sowie in die nördlichen Provinzen Uíge 

und Cabinda für sämtliche angolanischen Staatsangehörigen als unzu-

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 405 

 

mutbar. Für junge, unverheiratete Männer sowie kinderlose Paare ohne 

schwerwiegende gesundheitliche Probleme erachtete die ARK den Weg-

weisungsvollzug nach Luanda und in die leicht zugänglichen Städte der 

westlichen Provinzen Cunene, Huíla, Namibe, Benguela, Huambo, 

Kuanza Sul, Kuanza Norte, Bengo und Zaïre als zumutbar, sofern sie 

dort ihren letzten Wohnsitz oder ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz 

hatten. Für besonders verletzliche Personen (abgewiesene Asylsuchende 

mit gesundheitlichen Problemen, unbegleitete Minderjährige, Personen 

mit Kleinkindern, alleinstehende Frauen und Betagte) galt der Vollzug 

grundsätzlich als unzumutbar; ausnahmsweise wurde diesen Personen 

eine Rückkehr nach Angola zugemutet, wenn sie ihren letzten Wohnsitz 

in Luanda oder einer leicht zugänglichen Stadt der genannten westlichen 

Provinzen hatten und dort über ein Beziehungsnetz beziehungsweise 

über finanzielle Möglichkeiten zur Existenzsicherung verfügten. Für 

Familien mit kleinen Kindern und Personen mit schwerwiegenden ge-

sundheitlichen Problemen erkannte die ARK den Wegweisungsvollzug 

nach Angola als unzumutbar (vgl. zum Ganzen EMARK 2004 Nr. 32 

E. 7.3). Das Bundesverwaltungsgericht hat in seiner Rechtsprechung die 

von der ARK vorgegebene Praxis bisher weitergeführt (vgl. etwa die Ur-

teile des BVGer D‒3690/2006 vom 16. März 2007; E‒6319/2009 vom 

23. März 2012; D‒3025/2010 vom 5. Juli 2012 und E‒2653/2011 vom 

6. Dezember 2012).  

9.3 Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge 
(UNHCR) hat im Januar 2012 gestützt auf die Entwicklungen in Angola 

seit Kriegsende die Anwendung der « Wegfall der Umstände »-Klauseln 

gemäss Art. 1 C Ziff. 5 des Abkommens über die Rechte der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) auf Angola als gerechtfertigt erachtet und den Flücht-

lingsstatus von angolanischen Staatsangehörigen, welche während des 

Unabhängigkeitskrieges (1961‒1975) oder des anschliessenden Bürger-

krieges (1975‒2002) ihre Heimat verlassen hatten, per 30. Juni 2012 für 

beendet erklärt. Für Flüchtlinge aus der Provinz Cabinda, einer zwischen 

der DR Kongo und der Republik Kongo gelegenen Exklave, empfiehlt 

das UNHCR den Aufnahmestaaten die Anwendung vereinfachter Aus-

nahmeregelungen (vgl. UNHCR, Implementation of the Comprehensive 

Strategy for the Angolan Refugee Situation, including UNHCR's recom-

mendations on the applicability of the « ceased circumstances » cessation 

clauses, 15.01.2012).  

9.4 Im Rahmen des vorliegenden Urteils ist eine Neubeurteilung der 
allgemeinen Lage in Angola und der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

406 BVGE / ATAF / DTAF 

 

vollzugs für abgewiesene angolanische Asylsuchende angezeigt. Die 

Situation in der Provinz Cabinda ist nicht Gegenstand der vorliegenden 

Analyse. Die Lagebeurteilung basiert im Wesentlichen auf den nachfol-

gend aufgeführten Quellen. Weitere konsultierte Quellen, insbesondere 

Medienberichte, werden in den Erwägungen fortlaufend zitiert.  

- African Development Bank (AfDB) et al., African Economic Outlook 

2014: Angola, < http://www.africaneconomicoutlook.org/fileadmin/ 

uploads/aeo/2014/PDF/CN_Long_EN/Angola_ENG.pdf >, abgerufen 

am 30.07.2014 (nachfolgend: AEO 2014);  

- AfDB et al., African Economic Outlook 2013: Angola (nachfolgend: 

AEO 2013);  

- AfDB et al., African Economic Outlook 2012, Southern African 

Countries, Regional Edition, S. 7‒21 (nachfolgend: AEO 2012);  

- Amnesty International (AI), Annual Report 2013: Angola, S. 23‒25 

(nachfolgend: AI 2013);  

- AMUNDSEN INGE, Angola Party Politics: Into the African Trend, 

Angola Brief Vol. 1 No. 9, Christian Michelsen Institute (CMI)/ 

Centro de Estudos e Investigação Científica (CEIC) (Hrsg.), Bergen, 

Mai 2011, < http://www.cmi.no > countries > Angola > publications, 

abgerufen am 27.06.2013 (nachfolgend: CMI 2011a);  

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Space and Accountability, CMI Report R 2006:14, Bergen 2006, 

< http://www.cmi.no/publications/publication/?2411=civil-society-in-

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2006);  

- Bertelsmann Stiftung, BTI 2014 ‒ Angola Country Report, Gütersloh 

2014 (nachfolgend: BTI 2014);  

- Centro de Estudos e Investigação Científica da Universidade Católica 

de Angola (UCAN), Relatório Económico de Angola 2013, Luanda 

2014, < http://www.ceic-ucan.org/wp-content/uploads/2014/07/ 

relatorio_Economico_Angola_2013_FINAL.pdf > abgerufen am 

17.09.2014 (nachfolgend: CEIC/UCAN 2014);  

- Comissão Nacional Intersectorial de Desminagem e Assistência Hu-

manitária (CNIDAH), Angola ‒ Ottawa Convention Article 5 Ex-

tension Request, 2012, < http://www.apminebanconvention.org/ 

fileadmin/pdf/mbc/clearing-minedareas/art5_extensions/countries/ 

Angola-ExtRequest-Received-30Mar2012.pdf >, abgerufen am 

16.07.2013 (nachfolgend: CNIDAH 2012);  

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

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abgerufen am 21.08.2013 (nachfolgend: FES 2013);  

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forderungen, FES, Berlin, Juni 2011, < http://library.fes.de/pdf-

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2011);  

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Dezember 2012, < http://www.cmi.no > countries > Angola > pub-

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gend: DW 2009);  

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Lobito Corridor: From reconstruction to development, Angola Brief 

Vol. 4 No. 5, CMI/CEIC (Hrsg.), April 2014, < http://www.cmi.no/ 

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17.09.2014 (nachfolgend: CMI 2014);  

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2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

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Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 409 

 

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folgend: UNICEF 2011);  

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Angola_EEPCT_report.pdf >, abgerufen am 02.08.2013 (nachfol-

gend: UNICEF Angola 2012);  

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

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gerufen am 17. September 2014 (nachfolgend: USAID 2014);  

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pdf >, abgerufen am 07.10.2013 (nachfolgend: USDOS 2013); 

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D.C., Juni 2011, < http://csis.org/files/publication/110623_Vines_ 

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Update, < http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/81245/1/ 

9789241505390_eng.pdf >, abgerufen am 26.08.2014 (nachfolgend: 

WHO/UNICEF 2013).  

9.5  
9.5.1 Nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges gegen die portugie-
sische Kolonialmacht (1961‒1975) entbrannte in Angola ein Bürgerkrieg 

zwischen den drei ehemaligen Befreiungsbewegungen, des regierenden 

marxistischen Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), der 

União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA) und der 

Frente Nacional de Libertação de Angola (FNLA). Nach zahlreichen 

gescheiterten Bemühungen um Beendigung des Konfliktes endete der 

Bürgerkrieg nach dem Tod von Jonas Savimbi, dem Führer der UNITA, 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 411 

 

mit der Unterzeichnung des Luena Memorandum of Understanding zwi-

schen der angolanischen Regierung und der UNITA nach 27 Jahren im 

April 2002. Das Amnestiegesetz vom April 2002, das Kämpfern der 

UNITA Immunität für während des Krieges begangene Taten gewährt, 

wurde in der Praxis erfolgreich umgesetzt. Seit der Demobilisierung der 

ehemaligen Rebellen der UNITA zwischen 2002 und 2003 sind in Angola 

‒ mit Ausnahme der Provinz Cabinda ‒ keine bewaffneten Gruppen mehr 

aktiv (vgl. UNHCR 2012 Rz. 23; UNHCR 2004 S. 2 f.; Jane's Informa-

tion Group, Non-state armed groups [Angola] 21.05.2012). Allerdings 

kommt es immer wieder zu teilweise bewaffneten Auseinandersetzungen 

zwischen Anhängern der MPLA und der UNITA, wobei eine Zunahme 

der Gewalt und von Einschüchterungen letztmals vor den Parlaments-

wahlen vom 31. August 2012 zu verzeichnen war (vgl. USDOS 2013 

S. 2). Im Vorfeld der Wahlen herrschte insbesondere in den Provinzen 

Benguela und Kuanza Sul ein Klima der Angst (Voz da América, 

Instalase no interior de Angola o medo do retorno à guerra, 26.07.2012). 

Das Antikorruptions- und Menschenrechtsportal Maka Angola berichtete 

von mindestens sechs Toten und zahlreichen Verletzten bei bewaffneten 

Zusammenstössen zwischen Anhängern der MPLA und der UNITA in 

den Provinzen Benguela, Bengo und Huambo (vgl. Maka Angola, Fatal 

Victims in Clashes Between UNITA and MPLA, 21.07.2012). Fälle von 

politisch motivierter Gewalt werden seit 2011 nicht mehr nur in länd-

lichen Gegenden registriert, sondern vermehrt auch in Städten, insbeson-

dere in der dichtbevölkerten Peripherie Luandas (vgl. HRW 2012 S. 6). 

Diese Auseinandersetzungen erreichten allerdings nie eine derartige 

Intensität, dass eine Situation allgemeiner Gewalt, welche angolanische 

Staatsangehörige generell als Gewalt- oder de-facto-Flüchtlinge qualifi-

zieren würde, zu bejahen wäre.  

9.5.2 Im angolanischen Bürgerkrieg haben gemäss Schätzungen 
500 000 bis 1,2 Millionen Menschen ihr Leben verloren (vgl. MANNING 

2011). Zirka 10 % der Kinder bis 17 Jahre sind Waisen, grösstenteils als 

Folge des Krieges (vgl. UNICEF Angola 2012 S. 3). 600 000 Flüchtlinge 

suchten im Ausland Zuflucht (vgl. UNHCR 2012 S. 1 f.), und über 

4,1 Millionen Personen ‒ beinahe ein Drittel der bei Kriegsende 2002 auf 

14,2 Millionen geschätzten Bevölkerung ‒ wurden insbesondere in den 

letzten Kriegsjahren durch UNITA-Rebellen und die angolanische Armee 

intern vertrieben (vgl. UN 2002 S. i, 8 f. und 106). Das Internal Displace-

ment Monitoring Centre hat in einer Untersuchung in den Provinzen 

Huíla und Huambo sowie in Luanda im Oktober 2007 festgestellt, dass 

zahlreiche intern Vertriebene (IDP) nach Kriegsende an ihren Zufluchts-

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

412 BVGE / ATAF / DTAF 

 

orten in den Städten blieben oder wieder dorthin zurückkehrten, nachdem 

sie in ihren ländlichen Herkunftsregionen zerstörte Häuser und keine 

öffentliche Infrastruktur vorfanden, bei der Reintegration ungenügende 

Unterstützung erhielten oder wegen Landminen keine Landwirtschaft 

betreiben konnten. Zahlreiche IDP leben daher bis heute in städtischen 

Slums und gehören zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen im Land (vgl. 

IDMC 2007 S. 7 ff.; USDOS 2014 S. 20). Von den 600 000 Flüchtlingen 

kehrten bis Ende 2011 zirka 470 000 nach Angola zurück (vgl. UNHCR 

2012 S. 2 und 5); derzeit leben noch zirka 73 000 angolanische Flücht-

linge in den afrikanischen Nachbarstaaten (UNHCR, Angolans head 

homewards by train from Democratic Republic of Congo, 19.08.2014). 

Beim Zugang zu Infrastruktur und staatlichen Institutionen beziehungs-

weise Dienstleistungen sind zurückgekehrte Flüchtlinge und IDP mit 

ähnlichen Problemen konfrontiert wie die übrige angolanische Bevöl-

kerung (vgl. IDMC 2007 S. 9; USDOS 2014 S. 20; UNHCR 2012 S. 2; 

vgl. auch E. 9.11‒9.13).  

9.6 Angolas Bevölkerung ist seit Kriegsende um mehr als 6,5 Mil-
lionen auf schätzungsweise fast 21,5 Millionen Menschen (2013) 

gewachsen (vgl. Weltbank, < http://data.worldbank.org/ > Data by 

Country > Angola, abgerufen am 25.08.2014). Die Geburtenrate ist 

innerhalb von zehn Jahren von 6,8 auf 5,9 Kinder pro Frau gesunken 

(vgl. UNDP 2014 S. 218). Gemäss Prognosen werden im Jahr 2030 in 

Angola 34,8 Millionen Menschen leben (vgl. UNDP 2014 S. 218). 

60‒70 % der Bevölkerung leben in Städten (vgl. CSIS 2011 S. 11). Der 

hohe Urbanisierungsgrad ist zum einen eine Folge des Krieges, während 

dem viele Angolanerinnen und Angolaner aus den von der UNITA do-

minierten ländlichen Gebieten, insbesondere dem zentralen Hochland, 

flohen und Schutz in den von der MPLA kontrollierten und versorgten 

Städten an der Küste suchten (vgl. CSIS 2011 S. 5; GRASSI 2010 S. 11). 

Zum anderen ziehen zahlreiche Menschen in der Hoffnung auf Arbeit, 

funktionierende öffentliche Dienstleistungen und einen höheren Lebens-

standard in die Städte (vgl. CSIS 2011 S. 5 und 11). Zwar hat sich die 

zuvor auf Luanda und die Küstenstädte konzentrierte Migration seit 

Kriegsende auf die Städte im Landesinneren ausgedehnt (vgl. GRASSI 

2010 S. 11), doch bleibt Luanda, wo die meisten Investitionen getätigt 

und 75 % des Wirtschaftswachstums des Landes generiert werden (vgl. 

AEO 2012 S. 18), der Hauptanziehungspunkt für Migrierende aus länd-

lichen Regionen und Provinzstädten (vgl. HRW 2013b S. 10). Im Bal-

lungsgebiet Luanda wächst die Bevölkerung (durch Geburten und Migra-

tion) jährlich um 12‒20 % (vgl. CSIS 2011 S. 11), sodass mittlerweile 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 413 

 

sechs bis sieben Millionen Menschen ‒ rund ein Drittel der Gesamt-

bevölkerung ‒ in der Hauptstadt leben. Zirka 75 % dieser Menschen 

wohnen in informellen Siedlungen unter slumähnlichen Bedingungen 

(vgl. FES 2013 S. 4; HRW 2013b S. 12; Homeless International, 

undatiert, < http://www. homeless-international.org/ > Our work > Where 

we work: Angola, letztmals abgerufen am 21.08.2014).  

9.7  
9.7.1 Die ersten Parlamentswahlen nach Kriegsende fanden erst im 
Jahr 2008 statt. Die MPLA, welche seit der Erlangung der Unabhängig-

keit von Portugal 1975 ununterbrochen an der Macht ist, gewann die 

Wahlen mit 82 % der Stimmen viel deutlicher als noch im Jahr 1992 

(54 %). Die ehemalige Rebellenorganisation und grösste Oppositions-

partei UNITA erzielte lediglich 10 % der Stimmen (1992: 34 %) (vgl. 

FES 2013 S. 3; Le Monde, Angola: de Marx aux pétrodollars, 

31.08.2012). Auch aus den ‒ nicht nach internationalen Standards durch-

geführten (vgl. BTI 2014 S. 8 f.) ‒ jüngsten Parlamentswahlen vom 

31. August 2012 ging die MPLA siegreich hervor. Mit 71,8 % der 

Wählerstimmen gewann sie die Wahlen zwar weniger deutlich als 2008, 

doch verfügt sie mit 175 der insgesamt 220 Sitze in der National-

versammlung nach wie vor über eine solide Zweidrittelmehrheit. Die 

UNITA vergrösserte ihren Stimmenanteil auf 18,7 % beziehungsweise 32 

Sitze. Die erst im Frühjahr 2012 entstandene politische Partei CASA-CE 

(Convergência Ampla de Salvação de Angola ‒ Coligação Eleitoral) 

erzielte auf Anhieb 6 % der Wählerstimmen und acht Sitze; drei Sitze 

gingen an den im Nordosten des Landes verankerten PRS (Partido da 

Renovação Social) und zwei an den FNLA. In der bisherigen MPLA-

Hochburg Luanda kamen die UNITA und CASA-CE zusammen auf 

einen Wähleranteil von fast 40 % (vgl. FES 2013 S. 3). Die Wahlbetei-

ligung sank von 87 % im Jahr 2008 auf 63 %. Zahlreiche Wahlberech-

tigte konnten ihre Stimme nicht abgeben, weil sie entweder gar nicht 

oder an einem anderen Ort als ihrem Wohnort registriert worden waren. 

Das Verfassungsgericht wies Beschwerden der drei grössten Oppositions-

parteien wegen Wahlfälschung mangels Beweisen ab (vgl. USDOS 2014 

S. 22; HRW 2013a S. 76; AI 2013 S. 23; Freedom House 2013a). Der 

Frauenanteil im Parlament beträgt 33,6 % (vgl. USDOS 2014 S. 23). 

Bisher fanden in Angola weder auf Provinz- noch auf Kommunalebene 

Wahlen statt (vgl. CMI 2011a S. 3; USDOS 2014 S. 22).  

9.7.2 Im ausgeprägten Präsidialsystem Angolas dienen Wahlen in 
erster Linie der Legitimierung der Herrschaft des Präsidenten und der 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

414 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Regierungspartei; sowohl das Parlament als auch die Opposition spielen 

nur marginale Rollen (vgl. USDOS 2014 S. 21 f.; CMI 2011a S. 2 ff.; 

BTI 2014 S. 9 f.). Der Präsident der Republik Angola ist gleichzeitig 

Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte 

(Art. 108 Verfassung der Republik Angola, nachfolgend: Verfassung) und 

hat in diesen Funktionen sehr weitreichende (auch legislative) Kompe-

tenzen (vgl. Art. 117‒126 Verfassung). Er ernennt die Mitglieder der 

Regierung, sämtliche Mitglieder des Verfassungsgerichts, des obersten 

Gerichtshofs, des Rechnungshofs, des Obersten Militärgerichts, den 

Generalstaatsanwalt, den Direktor der Zentralbank, sämtliche Provinz-

gouverneure (Art. 119 Verfassung), ferner die Führung und sämtliche 

Generäle der Streitkräfte, die Führung und alle Kommissare der Nationa-

len Polizei sowie die Leitung der Nachrichtendienste und des Staats-

schutzes (Art. 122 Verfassung). Mit der neuen, 2010 in Kraft getretenen 

Verfassung wurden direkte Präsidentschaftswahlen zugunsten einer 

indirekten Wahl abgeschafft (vgl. CMI 2011a S. 2). Da gemäss Art. 109 

der Verfassung die stärkste Partei in der Nationalversammlung den 

Präsidenten stellt, wurde der 72-jährige José Eduardo dos Santos ‒ seit 

1979 Staatsoberhaupt ‒ mit dem Sieg der MPLA bei den Wahlen 2012 

ohne direkte Volkswahl für weitere fünf Jahre im Präsidentenamt be-

stätigt (vgl. FES 2013 S. 3).  

9.8 Die angolanische Justiz ist gekennzeichnet durch einen Mangel 
an juristisch ausgebildeten Fachkräften, eine ungenügende Infrastruktur, 

lange Verfahren, Korruption, Interessenkonflikte und fehlende Unabhän-

gigkeit von Politik und Regierung. Für die 163 Bezirke (municípios) 

existieren lediglich 19 Gerichte, weshalb manche Fälle von den Provinz-

gerichten behandelt werden. Die meisten Bezirke verfügen über keine 

Staatsanwälte und Staatsanwältinnen sowie Richter und Richterinnen, 

sodass die lokale Polizei häufig gleichzeitig als Ermittlerin, Staatsan-

wältin und Richterin fungiert. Insbesondere ausserhalb der Provinzhaupt-

städte herrscht ein Mangel an Richtern und Richterinnen sowie Anwälten 

und Anwältinnen. 95 % aller Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen sind 

in Luanda tätig; ausserhalb der Hauptstadt sind amtliche Verteidiger und 

Verteidigerinnen meistens Personen ohne juristische Ausbildung. Im Jahr 

2011 verfügten die Provinzen Lunda Norte, Lunda Sul, Moxico und 

Kuando Kubango über keine ausgebildeten Anwälte und Anwältinnen, 

die Provinz Bié über einen einzigen (vgl. Freedom House 2013a; 

USDOS 2014 S. 10 ff.). Zwischen 2002 und 2011 bildete der angolani-

sche Staat insgesamt 120 Richter und Richterinnen sowie Staatsanwälte 

und Staatsanwältinnen aus (O País [Angola], Escrivão já não serve para 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 415 

 

juiz, 07.11.2011). Strafgerichte sind notorisch überlastet, weshalb viele 

Untersuchungshäftlinge jahrelang auf ihren Prozess warten. Mangels 

funktionierender staatlicher Gerichte werden Konflikte in ländlichen 

Gebieten nach wie vor hauptsächlich durch informelle « Gerichte » nach 

je eigenen lokalen Regeln beigelegt. Traditionelle Führungspersönlich-

keiten (« sobas »), denen teilweise staatliche Autorität zukommt, lösen 

Streitfälle und verhängen Strafen. Gemäss Art. 119 der Verfassung 

ernennt der Präsident sämtliche Richter und Richterinnen der obersten 

Gerichte des Landes, diejenigen des Obersten Gerichtshofs auf Lebens-

zeit und ohne Genehmigung durch das Parlament (vgl. USDOS 2014 

S. 13). Trotz starker politischer Einflussnahme auf die Justiz insbeson-

dere von Seiten des Präsidenten, der Regierung und anderer Personen im 

Umfeld der MPLA, fällen Gerichte bisweilen auch unabhängige Ent-

scheide, und zivilgesellschaftliche Organisationen nutzen die Justiz zu-

nehmend, um sich gegen Einschränkungen von Freiheitsrechten zur Wehr 

zu setzen. Die Nationalpolizei und die Armee verfügen über eigene 

Gerichtsbarkeiten (vgl. Freedom House 2013a; USDOS 2014 S. 10 ff.).  

9.9 Hinsichtlich der Menschenrechtslage in Angola sind einerseits 
grausame und exzessive Strafen und Behandlungen einschliesslich Fol-

ter, Misshandlungen und ungesetzliche Tötungen und andererseits Ein-

schränkungen der Versammlungs-, Vereinigungs-, Rede- und Medienfrei-

heit hervorzuheben. Angolanische Medien, politische Parteien und 

Menschenrechtsgruppen berichten alljährlich von Tötungen von Perso-

nen durch Sicherheitskräfte, insbesondere durch die Polizei, wobei die 

Täter in der Regel straffrei bleiben; interne Untersuchungsergebnisse zu 

Übergriffen der Sicherheitskräfte werden selten veröffentlicht (vgl. 

USDOS 2014 S. 1 ff.).  

9.9.1 Seit März 2011 hat sich in Angola eine vom Arabischen Früh-
ling inspirierte, zahlenmässig jedoch kleine, parteiunabhängige Jugend-

bewegung gebildet, die regelmässig Demonstrationen vor allem in den 

Städten Luanda und Benguela durchführt und dabei das Recht auf freie 

Meinungsäusserung, soziale Gerechtigkeit sowie den Rücktritt des Präsi-

denten fordert (vgl. HRW 2013a S. 78 f.; CSIS 2011 S. 13). Seit Mai 

2012 demonstrieren sodann regelmässig Kriegsveteranen aus allen mili-

tärischen Lagern in Luanda und anderen Städten für die Bezahlung ihrer 

Renten und anderer Unterstützungsleistungen (vgl. HRW 2013a S. 78). 

Obwohl die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit in Art. 47 der 

Verfassung garantiert ist und friedliche Demonstrationen keiner Bewilli-

gungspflicht, sondern nur einer Meldepflicht unterstehen, hat die Regie-

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

416 BVGE / ATAF / DTAF 

 

rung in den letzten Jahren etliche Kundgebungen verboten, und die Po-

lizei hat zahlreiche friedliche Demonstrationen entweder unter Gewalt-

anwendung aufgelöst oder mit präventiven Festnahmen und Einschüch-

terungen von Aktivisten und Aktivistinnen bereits im Keim erstickt (vgl. 

HRW 2013a S. 78 f.; HRW 2014 S. 79 f.; USDOS 2013 S. 8, 14 und 

16 ff.; USDOS 2014 S. 8, 15 und 18; vgl. die Berichterstattung zu den 

Demonstrationen auf Maka Angola). Die Polizei und bewaffnete Sicher-

heitsbeamte in Zivil gehen gegen friedlich Demonstrierende sowie gegen 

Journalisten und Journalistinnen, die darüber berichten, mit exzessiver 

Gewalt, willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen vor (vgl. HRW 

2013a S. 78 f.; HRW 2014 S. 79 f.; USDOS 2013 S. 8 und 14 ff.; 

USDOS 2014 S. 16). Mit der Behauptung, die Proteste könnten in einen 

erneuten Bürgerkrieg münden, schürt die MPLA gezielt weitverbreitete 

Ängste in der kriegsmüden Bevölkerung (vgl. HRW 2013a S. 78 f.). 

Insbesondere im Vorfeld der Wahlen 2012 nahmen Drohungen gegen und 

Angriffe auf Anführer der Jugendproteste und Oppositionelle durch be-

waffnete Sicherheitsbeamte in Zivilkleidung zu, und es kam auch zu Ent-

führungen und zum Verschwindenlassen von Personen. Zwei Organi-

satoren einer Protestveranstaltung von ehemaligen Präsidialgardisten und 

Kriegsveteranen, welche die Zahlung ausstehender Renten forderten, 

bleiben seit ihrer Entführung im Mai 2012 verschwunden (vgl. HRW 

2013a S. 79; HRW 2014 S. 80; AI 2013 S. 24; USDOS 2014 S. 3 f.). In 

der Regel ignoriert die Polizei die seit Beginn der Demonstrationen 2011 

zahlreich eingegangenen Beschwerden und Anzeigen oder behandelt sie 

in internen Disziplinarverfahren; Strafverfahren werden selten eingeleitet 

(vgl. HRW 2013a S. 79; USDOS 2014 S. 9). In den letzten Jahren ist 

kein einziger Fall bekannt geworden, in dem ein Gericht eine Klage 

wegen Menschenrechtsverletzungen gutgeheissen hätte (vgl. USDOS 

2013 S. 13; USDOS 2014 S. 13).  

9.9.2 Im Gegensatz zu parteiunabhängigen regierungskritischen Grup-
pierungen können Oppositionsparteien in der Regel ungehindert Ver-

sammlungen abhalten; gelegentlich kommt es zu Drohungen von Lokal-

behörden gegen Parteianhänger, die solche Treffen besuchen (vgl. 

USDOS 2013 S. 17 f.). Oppositionsparteien berichten von Einschüch-

terungen von und Übergriffen auf Parteimitglieder durch MPLA-An-

hänger sowie von willkürlichen Festnahmen und Inhaftierungen während 

einiger Stunden bis zu mehreren Tagen. Ehemalige Kämpfer der UNITA 

beklagen sich über ungenügende Unterstützung durch die Regierung bei 

der gesellschaftlichen Reintegration (vgl. USDOS 2013 S. 8 und 22; 

USDOS 2014 S. 23). Gemäss zahlreichen Quellen sehen viele Angola-

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 417 

 

nerinnen und Angolaner von einer Unterstützung von Oppositions-

parteien ab, aus Angst vor Repressalien durch MPLA-Anhänger (vgl. 

USDOS 2014 S. 15). Oppositionsparteien haben nur limitierten Zugang 

zu Staatsmedien und müssen (ausser während Wahlkämpfen) für die 

Berichterstattung über ihre Aktivitäten bezahlen (vgl. USDOS 2013 

S. 13 ff.).  

9.9.3 Alle Medien mit landesweiter Verbreitung sind staatlich. Ausser-
halb von Luanda existieren nur wenige private Medien, und der Zugang 

zu Fernsehen und Internet ist dort stark eingeschränkt (vgl. BBC News 

Africa, Angola Profile: Media, 14.08.2012; Freedom House 2013b S. 3). 

Die meisten privaten Medien gehören regierungsnahen Gruppierungen 

oder Personen. Mit technischen und gesetzlichen Vorschriften verhindert 

die Regierung, dass unabhängige Radiostationen ihre Programme ausser-

halb von Luanda senden können. Angolanische Nachrichtenformate be-

vorzugen die Regierungspartei MPLA (vgl. USDOS 2014 S. 16). Musik 

mit sozial- oder regierungskritischen Texten wird von Radio und 

Fernsehen meist nicht gesendet (Deutsche Welle, Em Angola, mulheres 

também fazem músicas de intervenção e pedem melhorias para o país, 

15.08.2012). Angolanische Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen 

sowie Journalisten und Journalistinnen sind immer wieder Zielscheibe 

von Drohungen, Einschüchterungen, Vereinnahmungsversuchen, Fest-

nahmen, Inhaftierungen und Verleumdungsklagen; viele praktizieren 

Selbstzensur. Kritische Stimmen werden durch subtile Repression und 

ökonomische Sanktionen wie dem Entzug von Geschäfts- und Arbeits-

möglichkeiten zum Schweigen gebracht (vgl. HRW 2013a S. 79 f.; HRW 

2014 S. 78 ff.; USDOS 2013 S. 13 ff.; USDOS 2014 S. 15). Trotz Kon-

trollen, Schikanen und Vereinnahmungsversuchen sind in Angola mittler-

weile zahlreiche NGO aktiv, auch solche, die sich für politische Refor-

men und den Schutz der Menschenrechte einsetzen (vgl. Freedom House 

2013a).  

9.9.4 Angestellte privater Sicherheitsfirmen von Unternehmen, die im 
Diamantenbergbau tätig sind, sowie Angehörige der angolanischen 

Armee werden bezichtigt, irreguläre einheimische Diamantenschürfer in 

den Provinzen Lunda Norte und Lunda Sul misshandelt und exekutiert zu 

haben (vgl. Maka Angola, < http://makaangola.org > Blood Diamonds, 

abgerufen am 14.10.2013; USDOS 2013 S. 4 f.; USDOS 2014 S. 4 f.). 

Tausende kongolesischer Migrantinnen und Migranten berichten von 

Misshandlungen, Folter und sexueller Gewalt ‒ häufig Gruppenverge-

waltigungen ‒, welche sie vor ihrer Abschiebung in die DR Kongo durch 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

418 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Angehörige angolanischer Sicherheitskräfte, Gefängniswärter und Ein-

wanderungsbeamte erlitten hätten. Die angolanische Regierung bestreitet 

das Ausmass dieser Menschenrechtsverletzungen und hat es bisher 

unterlassen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen (vgl. Médecins du 

Monde, Migrations frontalières, expulsions, violences sexuelles faites 

aux femmes: la tragédie des Congolais expulsés d'Angola, Brüssel, 

25.06.2014; USDOS 2014 S. 5).  

9.10  
9.10.1 Angola hat seit Kriegsende vor allem aufgrund des Exports von 
Erdöl ein markantes Wirtschaftswachstum erfahren und ist zu einer 

regionalen Wirtschaftsmacht aufgestiegen (vgl. AEO 2012 S. 17). Zwi-

schen 2002 und 2008 betrug die durchschnittliche jährliche Steigerung 

des Bruttoinlandproduktes (BIP) beinahe 15 %, und das BIP wuchs von 

USD 635.‒ pro Kopf im Jahr 2000 auf USD 4 671.‒ im Jahr 2008 (vgl. 

CMI 2012 S. 4). Nach der globalen Finanzkrise und dem Zerfall des 

Erdölpreises brach das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2009 bis 2011 

um 2,4 % bis 3,9 % ein (vgl. AEO 2012 S. 4; AEO 2013). In den Jahren 

2012 und 2013 wuchs das BIP um gut 5 %; für 2014 und 2015 werden 

Wachstumsraten von zirka 8‒9 % erwartet (vgl. AEO 2014 S. 2 f.). Ange-

sichts der Unzuverlässigkeit von Daten zur Wirtschaftsentwicklung in 

afrikanischen Staaten sind diese Angaben allerdings mit Vorsicht zu ge-

niessen (vgl. JERVEN 2013, insb. S. 8‒32). Die angolanische Wirtschaft 

basiert einseitig auf dem Erdölsektor, welcher 95 % der Exporte aus-

macht und 80 % der Staatseinnahmen sowie 46 % des BIP generiert, 

jedoch nur 1 % der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt (vgl. AEO 

2014 S. 2). Erdöl wird vor allem in den Provinzen Cabinda und Zaïre ge-

fördert, und Diamanten werden in den Provinzen Lunda Norte und Lunda 

Sul abgebaut (vgl. MARQUES 2013 S. 4).  

Wegen des grossen Mangels an qualifizierten Arbeitskräften werden 

zahlreiche Fachleute im Ausland rekrutiert. Mittlerweile leben min-

destens 200 000 portugiesische Staatsangehörige in Angola (vgl. Tages-

Anzeiger, Das Glück liegt in Angola, 06.09.2012; El País, The new 

Portuguese immigrants, 28.11.2011). Chinesische Unternehmen, die im 

Wiederaufbau der Infrastruktur engagiert sind, beschäftigen trotz eines 

grossen Reservoirs an einheimischen Arbeitskräften auch für unqualifi-

zierte Tätigkeiten chinesische Arbeiter, was zunehmend zu Konflikten 

mit der angolanischen Bevölkerung führt (vgl. Diplomatic Courier, 

Angola and the Paradox of Chinese Power, 17.08.2011). MARQUES (2013 

S. 4) schätzt die Zahl chinesischer Staatsangehöriger in Angola auf an-

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 419 

 

nähernd eine halbe Million. Wirtschaftsbereiche, in denen bisher vor 

allem ausländische Arbeitskräfte tätig waren, wie der Erdölsektor und 

das Bankenwesen, sollen in Zukunft « angolanisiert » werden, das heisst, 

es sollen vermehrt einheimische Arbeitskräfte eingestellt werden (vgl. 

CSIS 2011 S. 11).  

Als wichtigster Arbeitgeber gilt der öffentliche Sektor mit knapp 

340 000 Arbeitsplätzen (vgl. FES 2011 S. 4). Verlässliche Daten zum 

Arbeitsmarkt existieren nicht. Die Afrikanische Entwicklungsbank 

schätzt die Arbeitslosigkeit seit 2007 auf 26 % (vgl. AEO 2012 S. 18; 

AEO 2014 S. 2). Die Regierung hat offenbar die Notwendigkeit erkannt, 

die schlechten Rahmenbedingungen für Unternehmen der Privatwirt-

schaft (ungenügende Infrastruktur und Energieversorgung, beschränkter 

Zugang zu Krediten und Rechtsschutz, Mangel an qualifiziertem Per-

sonal, Bürokratie) zu verbessern (vgl. AEO 2014 S. 7 ff.). Die Schaffung 

von neuen Unternehmen und Arbeitsplätzen bildet einen Schwerpunkt in 

ihrem Nationalen Entwicklungsplan 2013‒2017 (vgl. Angola Press, 

Angola: Minister Wants More Companies to Reduce Unemployment, 

26.07.2013).  

In Luanda waren (bei kontinuierlich steigender Tendenz seit den neunzi-

ger Jahren) im Jahr 2005 84 % der Familien für ihren Lebensunterhalt 

vollständig oder teilweise auf eine Tätigkeit im informellen Sektor ange-

wiesen (vgl. DW 2009 S. 19). Der informelle Sektor entzieht sich staat-

licher Kontrolle und Regulierung und beinhaltet häufig Tätigkeiten mit 

geringem Kapitalaufwand, sehr kleinen Gewinnmargen und fehlender 

sozialer Sicherheit. In Luanda beschäftigt er überproportional viele 

Frauen und umfasst grösstenteils Handelstätigkeiten wie den Verkauf von 

Getränken, Nahrungsmitteln, Kleidung und Schuhen in Märkten, auf der 

Strasse, im eigenen Hof oder Haus sowie in geringerem Ausmass die 

Produktion von Waren (Herstellung von Möbeln, Zubereitung von Mahl-

zeiten und Süssigkeiten) und kleinere Dienstleistungen wie Coiffure und 

Kosmetik (vgl. DW 2009; HRW 2013b).  

Seit Kriegsende versucht die Regierung, nicht regulierte Handelstätig-

keiten in Märkten und auf Strassen vor allem im Stadtzentrum von 

Luanda zu unterbinden, indem sie zentral gelegene Märkte schliesst, die 

Handelstätigkeit einer Registrierungs- und Bewilligungspflicht unterstellt 

und den Händlerinnen und Händlern feste Plätze in erst teilweise 

existierenden und abgelegenen Märkten in Aussicht stellt. Dass der 

Strassenhandel in Luanda seither zugenommen hat, illustriert nicht nur 

das Scheitern dieser Strategie, sondern auch das Versagen der Regierung, 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

420 BVGE / ATAF / DTAF 

 

reguläre Arbeitsplätze zu schaffen, die es den Menschen erleichtern 

würden, den Lebensunterhalt für ihre Familien zu verdienen (vgl. HRW 

2013b S. 8 ff.). Seit Oktober 2012 gehen die Polizei und staatliche In-

spektoren systematisch gegen den Strassenhandel in Luanda vor, indem 

sie die überwiegend weiblichen Strassenhändler unter Gewaltanwendung 

vertreiben, sie zu Geldzahlungen zwingen und ihre Ware beschlagnah-

men oder vernichten (vgl. HRW 2013b S. 12 und 18 ff.).  

9.10.2 Um Raum für moderne Wohnkomplexe mit Luxuswohnungen 
sowie für Einkaufszentren, Hotels, Bürogebäude und Infrastrukturprojek-

te zu schaffen, hat die Regierung seit 2002 im von Landknappheit und 

Wohnungsnot geprägten Grossraum Luanda, aber auch in anderen 

Städten, Zehntausende aus ihren Siedlungen vertreiben und letztere ab-

reissen lassen (vgl. Freedom House 2013a; HRW 2013b S. 12; The 

Economist, Boom boom: The oil money may start to trickle down, 

30.06.2012). Da die Eigentumsverhältnisse in der Hauptstadt häufig 

unklar sind und viele der Siedlungen nie bewilligt wurden, erhalten die 

von Zwangsräumungen Betroffenen häufig weder eine angemessene 

Entschädigung noch eine valable Ersatzlösung. Zahlreiche Familien wur-

den in Gebiete umgesiedelt, in denen keine hinreichende Infrastruktur 

zur Verfügung steht; manche hausen seit Jahren in Lagern (vgl. HRW 

2013b S. 12; HRW 2007 S. 22 ff.; USDOS 2013 S. 13; USDOS 2014 

S. 13 f.; MANNING 2011; BTI 2014 S. 22 f.).  

Derweil finanziert die Regierung mit den Einnahmen aus dem Erdölver-

kauf den Bau von Satellitenstädten durch chinesische Unternehmen. Die 

grösste dieser Städte, Nova Cidade de Kilamba, liegt 30 km ausserhalb 

des Zentrums von Luanda, ist mit einer hochstehenden Infrastruktur für 

mindestens 200 000 Personen aus dem Mittelstand konzipiert und gilt als 

eines der teuersten Projekte auf dem afrikanischen Kontinent. Da die 

Apartments mit Preisen von USD 125 000.‒ bis 200 000.‒ für den Gross-

teil der angolanischen Bevölkerung unerschwinglich sind, stehen sie 

offenbar mehrheitlich leer (vgl. FES 2013 S. 5; BBC News Africa, 

Angola's Chinese-built ghost town, 02.07.2012). Der Bau- und Wirt-

schaftsboom in Luanda hat die Lebenshaltungskosten in der Kapitale in 

die Höhe getrieben (vgl. HRW 2013b S. 7; MERCER, « 2014 Cost of 

Living City Rankings ‒ Luanda Still No. 1 », 10.07.2014, < http://www. 

imercer.com/content/cost-of-living.aspx >, abgerufen am 31.07.2014).  

9.10.3 In ländlichen Gebieten stellt die Landwirtschaft für den Gross-
teil der Bevölkerung die einzige Arbeitsmöglichkeit und Existenzgrund-

lage dar. Die landwirtschaftliche Produktion macht in Angola nur einen 

Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 2014/26 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 421 

 

kleinen Teil des BIP aus, wurde bisher von der Regierung eher vernach-

lässigt und ist mangels Bewässerungssystemen stark von Regenfällen 

abhängig. Nach mehreren regenreichen Jahren mit Überschwemmungen 

werden seit 2012 unterschiedliche Regionen des Landes von Dürren 

heimgesucht. 2012 litten schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen, 

darunter mehr als eine halbe Million schwer unterernährter Kinder ins-

besondere in den nördlichen und zentralen Provinzen Huambo, Bié, 

Benguela und Zaïre, aufgrund von Ernteausfällen nach einer langen 

Trockenperiode an Nahrungsmittelknappheit. Von der Dürre im Jahr 

2013 sind bis 800 000 Personen vor allem in den südlichen Provinzen 

Cunene, Namibe, Huíla, Benguela und Kuando Kubango betroffen, wo-

bei gemäss lokalen Quellen und internationalen Hilfsorganisationen in 

diesen Regionen Menschen an den Folgen von Nahrungsmittel- und 

Wassermangel gestorben sind. Oppositionspolitiker werfen der Re-

gierung vor, bei der Lieferung von Nahrungsmitteln und Wasser MPLA-

treue Gemeinden zu begünstigen (vgl. Inter Press Service 2012, 2013).  

9.10.4 Die Regierung kontrolliert die wirtschaftlichen Ressourcen des 
Landes entweder direkt ‒ über die Staatsfirmen Sonangol (Erdöl) und 

Endiama (Diamanten) ‒ oder indirekt über Familienangehörige und an-

dere Personen aus dem engsten Umfeld des Präsidenten und der MPLA, 

Generäle sowie hohe Regierungsbeamte. Das Ausmass von Miss-

wirtschaft und Korruption in der angolanischen Elite ist immens (vgl. 

USDOS 2014 S. 23 ff.; MARQUES 2013; MANNING 2011; HRW 2010 

S. 1; HRW, Angola: Explain Missing Government Funds, 21.12.2011). 

Die älteste Tochter des Präsidenten ist unter anderem an Banken in 

Angola und Portugal sowie an einem portugiesischen Telekommunika-

tionsunternehmen beteiligt (vgl. Forbes, Isabel Dos Santos, Daughter Of 

Angola's President, Is Africa's First Woman Billionaire, 23.01.2013; 

Diplomatic Courier, Africa's Leading Ladies, 18.03.2012). Auf dem 

Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegte 

Angola im Jahr 2013 von 176 untersuchten Staaten den 153. Rang (vgl. 

< http://cpi.transparency.org/cpi2013 > Results, abgerufen am 

12.12.2013).  

Präsident dos Santos und seine Entourage nutzen ihre Kontrolle über 

wirtschaftliche Ressourcen systematisch zur Vergabe von materiellen 

Vorteilen an politische und militärische Akteure im Austausch gegen 

politische Loyalität und Unterstützung (vgl. CMI 2006 S. 4). So erhielten 

Generäle beispielsweise privilegierte Positionen in Joint Ventures mit 

ausländischen Investoren, Land und andere Güter, und Mitglieder der 

2014/26 Asyl/Beschwerdeverfahren und Wegweisung 

 

 

422 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Präsidialgarde wurden ebenfalls an Wirtschaftsunternehmen beteiligt 

(vgl. MANNING 2011). Zu Unternehmern gewordene hohe Militärs und 

Staatsbeamte sichern ihre Investitionen mit einer Parteimitgliedschaft in 

der MPLA und Spenden an diese ab (vgl. CMI 2011a S. 4). Von Privati-

sierungen profitierte bisher in erster Linie die herrschende Elite (vgl. 

CMI 2006 S. 4 f.). Die Regierung kontrolliert auch die Importe des 

Landes und schränkt privates Unternehmertum ein. Einträgliche Ge-

schäftsmöglichkeiten wie Importlizenzen, öffentliche Aufträge und Mo-

nopole werden meist an Angehörige der Präsidentenfamilie oder loyale 

Parteimitglieder vergeben (vgl. CMI 2011a S. 4).  

9.10.5 Die hierarchisch organisierte und im ganzen Land präsente 
MPLA dominiert sämtliche politischen Institutionen und das öffentliche 

Leben in Angola (vgl. USDOS 2014 S. 23; CMI 2011a S. 3; FES 2011 

S. 2). Zwar hat die MPLA ihre marxistisch-leninistische Ideologie 1990 

offiziell abgelegt, doch lebt diese in den Parteistrukturen und den Köpfen 

der Parteikader und einer breiten Öffentlichkeit fort. Die früheren partei-

eigenen Massenorganisationen sind bis heute mit der MPLA affiliiert; 

über diese sogenannten GONGO (government controlled or initiated 

NGO) ‒ unter anderem Frauen- und Jugendorganisationen, Gewerkschaf-

ten und Fonds des Präsidenten und seiner Ehefrau ‒ kontrolliert die 

MPLA weite Teile der angolanischen Zivilgesellschaft einschliesslich der 

Arbeiterbewegung (vgl. CMI 2006 S. 3). Es existieren nur wenige unab-

hängige Gewerkschaften (vgl. Freedom House 2013a; BTI 2014 S. 14). 

Die Zellstruktur der Partei reicht bis in Gemeinwesen und Arbeitsstätten 

hinein, und die Mitgliedschaft in der MPLA ist meist erforderlich, um 

eine einflussreiche Position besetzen und halten zu können (vgl. CMI 

2006 S. 3). Die Günstlingswirtschaft behindert politischen und wirt-

schaftlichen Wettbewerb. Wer nicht über Verbindungen zur MPLA ver-

fügt, ist bei der Unternehmensgründung oder der Stellensuche benach-

teiligt (vgl. MANNING 2011).  

Das ausgeklügelte System von Patronage und Klientelismus widerspie-

gelt sich auch in der hohen Anzahl Staatsangestellter (vgl. CMI 2006 

S. 4). Staatliche Ressource