# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd863a56-2464-5366-bab4-d11f9b6d4e73
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.09.2023 F-5/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5-2023_2023-09-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richter Gregor Chatton,  

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,    

Gerichtsschreiberin Youlo Wujohktsang. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

vertreten durch Sarah Eichenberger Caballero,  

Rechtsanwältin, DFP & Z,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zugunsten von  

B._______ und C._______. 

 

 

 

F-5/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 12. September 2022 ersuchten die beiden eritreischen Staatsangehö-

rigen C._______ (geb. […]; Gesuchsteller 1) und B._______ (geb. […]; Ge-

suchstellerin 2) bei der Schweizerischen Auslandsvertretung in Khartum 

um Ausstellung je eines Schengen-Visums für einen 90-tägigen Besuchs-

aufenthalt bei ihrem im Kanton D._______ lebenden Sohn A._______ 

(Gastgeber bzw. Beschwerdeführer). 

B.  

Mit Formularverfügungen vom 14. September 2022 wies die Schweizeri-

sche Vertretung in Khartum die Gesuche ab. 

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 18. Oktober 

2022 Einsprache beim SEM, worauf dieses die Gesuchsunterlagen zwecks 

Durchführung ergänzender Abklärungen und Stellungnahme an das Amt 

für Migration und Integration des Kantons D._______ übermittelte. 

D.  

Am 18. November 2022 (eröffnet am 22. November 2022) wies das SEM 

die Einsprache ab.  

E.  

Gegen den Einspracheentscheid erhob der Beschwerdeführer am 

30. Dezember 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und 

ersuchte um die Aufhebung der Verfügung und die Erteilung der 

beantragten Visa; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen.  

F.  

Mit Vernehmlassung vom 15. Februar 2023 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde.  

G.  

Mit Replik vom 21. März 2023 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Begehren und deren Begründung fest.  

  

F-5/2023 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs.1 AIG 

i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem 

VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  

1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren 

teilgenommen und ist als Gastgeber der Gesuchstellenden durch den an-

gefochtenen Entscheid besonders berührt. Obwohl der ursprünglich ange-

strebte Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, kann auf ein fortbe-

stehendes Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Der Beschwerde-

führer ist daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-

desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-

verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 

Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann 

die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen 

gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage 

zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

Dem angefochtenen Entscheid liegen die Gesuche eritreischer Staatsan-

gehöriger um Erteilung von Visa zu Besuchszwecken in der Schweiz zu-

grunde. Da sich die Gesuchstellenden nicht auf die EU/EFTA-Personen-

freizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Aufent-

haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in 

den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-As-

soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand 

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Seite 4 

und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom-

men hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrati-

onsgesetz (AIG, SR 142.20) und dessen Ausführungsbestimmungen ge-

langen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkom-

men keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2-5 AIG). 

4.  

4.1 Die Schweiz ist – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht ver-

pflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten und entschei-

det darüber, vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen, autonom (vgl. 

BVGE 2009/27 E. 3). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatli-

chen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Ein-

reise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise 

bzw. das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt 

sind. Einen Anspruch auf Einreise vermittelt auch das Schengen-Recht 

nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).  

4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-

Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-

raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-

mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein 

Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro-

päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel-

lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten 

der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste 

der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind 

(ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt-

staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf-

enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. 

Sie dürfen nicht im Schengener Informationssystem (SIS II) zur Einreise-

verweigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche 

Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die inter-

nationalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: 

Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 

über die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 

Abs. 1 und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Ge-

meinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen 

[nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 

23.03.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 

810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 

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über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, VK, Abl. 

L 243 vom 15.9.2009]).  

4.3 Eine drittstaatsangehörige Person muss für die fristgerechte Wieder-

ausreise Gewähr bieten (Art. 5 Abs. 2 AIG). Wenn sie nicht bereit ist, das 

Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist 

eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e 

SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 in fine; 2011/48 E. 4.5). Die Be-

hörden haben daher unter Mitwirkung der drittstaatsangehörigen Person 

zu prüfen, ob diese für die gesicherte Wiederausreise Gewähr bietet (vgl. 

Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21 Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Das Vi-

sum wird verweigert, wenn begründete Zweifel an der Echtheit der von dem 

Antragsteller vorgelegten Belege oder am Wahrheitsgehalt ihres Inhalts, 

an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen oder der von ihm bekundeten Ab-

sicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der Gül-

tigkeit des beantragten Visums zu verlassen (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK). 

4.4 Sind die erwähnten Voraussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahme-

fällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das 

nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser 

Möglichkeit kann der betreffende Mitgliedstaat unter anderem Gebrauch 

machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus solchen des nationa-

len Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für erforder-

lich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und 5 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; Art. 

6 Abs. 5 Bst. c SGK). 

5.  

Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit unterliegen die Gesuchstellenden der 

Visumspflicht. Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 

Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. 

5.1 Die Vorinstanz zweifelt die anstandslose Wiederausreise der Gesuch-

stellenden an und begründet dies zum einen mit den wirtschaftlichen Ver-

hältnissen in ihrer Heimatregion, zum anderen damit, dass ihnen dort keine 

über das übliche Mass hinausgehenden Verpflichtungen obliegen würden 

und sie keine genügenden finanziellen Mittel vorweisen könnten. Im Hin-

blick auf die persönlichen Lebensumstände der Gesuchstellenden sei le-

diglich bekannt, dass sie 65 bzw. 73 Jahre alt seien und acht Kinder hätten, 

wovon vier in der Schweiz und vier in Eritrea lebten. Aufgrund ihres Alters 

sei davon auszugehen, dass alle Kinder erwachsen seien. Weitere Infor-

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mationen zu den Kindern oder allfälligen Enkelkindern seien nicht akten-

kundig. Es seien folglich keine besonderen Verpflichtungen erkennbar, wel-

che die Gesuchstellenden von einer potentiellen Emigration abhielten. In 

Bezug auf ihre wirtschaftlichen Verhältnisse sei anzunehmen, dass ihre 

landwirtschaftliche Tätigkeit keine finanziellen Erträge generiere, sondern 

einzig der persönlichen Grundversorgung der Gesuchstellenden diene. Es 

könne insgesamt nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstel-

lenden in Eritrea in privilegierten Verhältnissen lebten oder starke Bindun-

gen an den Heimatstaat hätten, die sie nachhaltig von einer Emigration 

abhielten. Die wirtschaftlichen und beruflichen Verhältnisse der Gesuch-

stellenden böten keine genügende Gewähr für eine anstandslose Wieder-

ausreise. Zwar bestehe keinerlei Anlass, an der Integrität des Beschwer-

deführers und dessen Garantiefähigkeit für gewisse finanzielle Risiken im 

Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt zu zweifeln, dennoch könne 

er letztlich mangels rechtlicher und faktischer Durchsetzbarkeit keine aus-

reichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederausreise bieten. 

5.2 Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, seine Eltern hät-

ten sehr wohl eine familiäre Verpflichtung im Heimatland. Ihre zwei jüngs-

ten Kinder (18- und 25-jährig) wohnten bei ihnen, seien noch unverheiratet 

und besuchten die «reguläre Schule» bzw. hätten erst gerade eine Ausbil-

dung begonnen. Es sei «angesichts der kulturellen Gegebenheiten un-

denkbar», dass die Gesuchstellenden insbesondere ihre 18-jährige Toch-

ter unverheiratet zurückliessen. Auch erzielten die Gesuchstellenden mit 

ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit ein Einkommen, das u.a. die Schulge-

bühren decke. Sie seien Hauseigentümer und das von ihnen bewirtschaf-

tete Land gehöre ebenfalls ihnen. Sie könnten folglich auch nicht für län-

gere Zeit ins Ausland reisen, da sie ihre Liegenschaft sowie ihr Land nicht 

so lange durch Drittpersonen bewirtschaften lassen könnten. Die Gesuch-

stellenden hätten in Eritrea vier Kinder und Enkelkinder und seien dort stark 

verwurzelt. Sie hätten ihr ganzes Leben dort verbracht und wollten nicht im 

hohen Alter ihr Leben in Eritrea aufgeben, um nach Europa auswandern, 

wo sie weder die Sprache sprächen noch über ein Bekanntennetzwerk ver-

fügten. Der Emigrationsdruck in ihrer Altersgruppe sei statistisch betrachtet 

auch viel tiefer. Sie hätten denn auch nie versucht, auszuwandern, 

obschon mehrere Kinder in Europa lebten, namentlich er – der (mittlerweile 

eingebürgerte) Beschwerdeführer – , der seit ca. 15 Jahren in der Schweiz 

lebe. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Gesuchstellenden ihn seither 

nicht mehr gesehen hätten und ihre Enkelkinder in der Schweiz nie hätten 

kennenlernen können. Ihm – dem Beschwerdeführer – sei eine Reise nach 

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Eritrea aufgrund der ungewissen Sanktionen, die ihm drohten, nicht mög-

lich. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, der Beschwerdefüh-

rer habe keine Unterlagen oder Belege eingereicht, die die wirtschaftliche 

Situation der Gesuchstellenden im Heimatland aufzeigten. Grundeigentum 

alleine stelle keinen zwingenden Grund für eine gesicherte Rückkehr nach 

Eritrea dar, zumal dieses im Falle einer Migration nicht verloren gehe. So-

mit könne nicht von guten wirtschaftlichen Verhältnissen ausgegangen 

werden, die für eine fristgerechte Wiederausreise Gewähr böten. Die ge-

genteiligen Zusicherungen des Beschwerdeführers reichten dafür nicht 

aus. Die Beschwerde enthalte weiter keine neuen Tatsachen oder Beweis-

mittel, die eine Änderung ihrer Einschätzung rechtfertigen könnten.  

5.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Replik vor, die Gesuchstellen-

den hätten entgegen der Ansicht der Vorinstanz eine Fürsorgepflicht für 

ihre zwei Kinder in Eritrea. Die Tochter stehe gemäss ihrem Kulturkreis so-

lange unter der Fürsorge der Eltern, bis sie verheiratet sei. Dies treffe im 

vorliegenden Fall umso mehr zu, als die Tochter noch keine Erstausbildung 

abgeschlossen habe. Dank des Grundbesitzes und der Landwirtschaft 

könnten sich die Gesuchstellenden problemlos selbst versorgen und hät-

ten daher auch in wirtschaftlicher Hinsicht keinerlei Motivation zu emigrie-

ren. 

6.  

6.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-

fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab-

lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine 

Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalls zu wür-

digen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen 

Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 5 

Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). 

Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wieder-

ausreise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunfts-

land der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreise-

gesuchen von Personen aus Staaten bzw. Regionen mit politisch, wirt-

schaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine 

strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen erfah-

rungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten 

Einreisebewilligung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1). 

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Seite 8 

6.2 Die eritreische Politik ist nach wie vor stark geprägt vom langjährigen 

Grenzkrieg mit Äthiopien. Nach dem Friedensschluss mit Äthiopien im Jahr 

2018 entsandte Eritrea ab November 2020 zur Unterstützung der äthiopi-

schen Armee im Bürgerkrieg gegen die Tigray-Volksbefreiungsfront Trup-

pen in die Tigray-Region. Eritrea nimmt dabei eine destruktive Rolle ein 

und gefährdet aktiv den Friedensprozess im Nachbarland. Verschiedenen 

Berichten zufolge hat Eritrea trotz des im November 2022 zustande ge-

kommenen Friedensabkommens zwischen der äthiopischen Regierung 

und der Tigray-Volksbefreiungsfront seine Streitkräfte – zum Leidwesen 

der Lokalbevölkerung – noch immer nicht vollständig abgezogen (vgl. Pro-

testers in Ethiopia’s Tigray demand Eritrean troops withdraw, 23.05.2023, 

< https://www.aljazeera.com/news/2023/5/23/protesters-in-ethiopias-ti-

gray-demand-eritrean-troops-withdraw >, abgerufen am 22.08.2023). In-

nenpolitisch halten die politischen und sozialen Spannungen im Land an. 

Die autokratische Regierung geht u.a. mit Zwangsrekrutierungen, Verhaf-

tungen von Medienschaffenden, Aktivistinnen und Aktivisten gewaltsam 

gegen kritische Stimmen in der Bevölkerung vor. Die weitere Entwicklung 

der politischen Lage ist ungewiss. Es wird daher von Reisen in die Grenz-

regionen Eritreas abgeraten (< https://www.eda.admin.ch > Reisehinweise 

und Vertretungen > Reisehinweise für Eritrea, abgerufen am 22.08.2023). 

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht präsentiert sich die Situation in Eritrea als 

äusserst ungünstig: Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwick-

lung, der durch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen im 

Sinne eines Wohlstandsindikators erstellt wird, belegt Eritrea Platz 176 von 

191 gelisteten Staaten (vgl. < https://hdr.undp.org > Data Center ˃  Country 

Insights > Eritrea, abgerufen am 22.08.2023). Dabei ist anzumerken, dass 

infolge der repressiven Abschottungspolitik der Regierung fast keine sozio-

ökonomischen Daten über die eritreische Wirtschaft und Gesellschaft ver-

fügbar sind. Der Migrationsdruck aus Eritrea ist dementsprechend – nicht 

zuletzt auch aufgrund der grossen Diaspora – sehr hoch (vgl. Asylstatistik 

2022 des Staatssekretariats für Migration SEM vom 13. Februar 2023, 

S. 14, < https://sem.admin.ch > Publikationen & Service > Statistiken > 

Asylstatistik > Archiv ab 1994 > 2022>, abgerufen am 22.08.2023). 

6.3 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz 

das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen 

und Besuchern aus Eritrea allgemein als hoch einschätzt.  

  

https://www.aljazeera.com/news/2023/5/23/protesters-in-ethiopias-tigray-demand-eritrean-troops-withdraw
https://www.aljazeera.com/news/2023/5/23/protesters-in-ethiopias-tigray-demand-eritrean-troops-withdraw

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Seite 9 

7.  

7.1 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um-

stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon-

kreten Einzelfalls zu berücksichtigen. Dabei sind in die Prognose über die 

Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen-Raum fristgerecht 

zu verlassen, deren persönliche, familiäre und berufliche bzw. wirtschaftli-

che Situation sowie deren Interessenlage miteinzubeziehen (BVGE 2014/1 

E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Heimatland beispiels-

weise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verant-

wortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose Wiederausreise 

begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine be-

sonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines ausländerrechtlich nicht 

regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Einreise als hoch einge-

schätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1; 2009/27 E. 8). Zudem ist ein im 

Zielland Schweiz bestehendes, minimales soziales Beziehungsnetz aus 

Verwandten oder Freunden ein wichtiges Element, das den Entscheid, 

dorthin auszuwandern, begünstigen kann. Angesichts der restriktiven Zu-

lassungsregelung führt dies nicht selten zur Umgehung von ausländer-

rechtlichen Bestimmungen, indem die Gesuchstellenden – einmal einge-

reist – versuchen, den Aufenthalt auf eine andere rechtliche Basis abzu-

stützen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2). 

7.2 Bei den Gesuchstellenden handelt es sich den Akten zufolge um die 

73- bzw. 66-jährigen Eltern des Beschwerdeführers. Gemäss Abklärungen 

der Schweizerischen Vertretung in Khartum leben vier Kinder in der 

Schweiz und weitere vier in Eritrea. Die zwei jüngsten – volljährigen – Kin-

der wohnen mit den Gesuchstellenden im selben Haushalt. Dass ihnen in 

Eritrea besondere gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen obliegen 

würden, ist nicht ersichtlich. Vielmehr ist aufgrund der beantragten Visums-

dauer von drei Monaten von einer weitgehenden Ungebundenheit auszu-

gehen. Die Tatsache, dass eine Tochter noch nicht verheiratet ist, vermag 

diese Vermutung nicht zu erschüttern. Zudem verfügen sie in der Schweiz 

durch ihre hier lebenden Kinder, namentlich den Beschwerdeführer und 

dessen Familie, über ein vorbestehendes familiäres Beziehungsnetz, was 

das Emigrationsrisiko erhöht (vgl. E. 7.1 am Ende).  

7.3 Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gesuchstellenden ist ledig-

lich bekannt, dass sie Grund- und Hauseigentümer sind und Landwirtschaft 

betreiben. Allerdings liegen hierfür keine Beweise vor. Einen hinreichenden 

Beleg einer sicheren wirtschaftlichen Existenz in Eritrea, welche sie von 

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Seite 10 

einer Emigration abhalten könnte, bleiben die Gesuchstellenden jedenfalls 

schuldig.  

7.4 Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Herkunftsland 

und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz 

davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte 

und anstandslose Wiederausreise der Gesuchstellenden nach einem Be-

suchsaufenthalt besteht.  

7.5 An dieser Einschätzung vermag weder das Alter der Gesuchstellenden, 

noch die vom Beschwerdeführer unterzeichnete Verpflichtungserklärung 

etwas zu ändern. Demnach wurden die Visa für den gesamten Schengen-

Raum zu Recht verweigert. Gründe humanitärer oder anderer Art, welche 

die Erteilung eines Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit rechtferti-

gen würden, wurden nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 

7.6 Der Eventualantrag des Beschwerdeführers, die Sache sei zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist aus denselben Gründen 

abzuweisen. 

8.  

Die angefochtene Verfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG 

als rechtmässig und die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den am 

13. Januar 2023 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt. 

Ausgangsgemäss ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 

Abs. 1 VwVG e contrario). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Sie sind durch den am 13. Januar 2023 in gleicher Höhe geleisteten 

Kostenvorschuss gedeckt. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Youlo Wujohktsang 

 

 

 

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