# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae389950-639f-5ad5-9d15-dc2869261d37
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.05.2024 D-6153/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6153-2023_2024-05-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6153/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli,  

Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Albanien,   

vertreten durch MLaw Sonja Comte, Rechtsanwältin, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2023 / N (…). 

 

 

 

D-6153/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 5. Mai 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach, ebenso sein Vater, B._______, seine Mutter, C._______ (beide 

ebenfalls N […]), seine Geschwister D._______ (N […]) und E._______ 

(N […]) sowie seine Grossmutter, F._______ (N […]). Am 10. Mai 2022 

fand die Personalienaufnahme (PA) statt. Am 31. Mai 2022 wurde er zu 

den Asylgründen angehört. Am 27. Juni 2022 wurde er in das erweiterte 

Verfahren zugeteilt. 

A.b Er brachte im Wesentlichen vor, er sei albanischer Staatsangehöriger, 

in G._______ wohnhaft gewesen und habe das (…) besucht. Im Jahr 2019 

habe sein Vater, welcher im (…)handel tätig gewesen sei, einen Vertrag mit 

einer (…) Firma abgeschlossen. Eine Woche nach Eintreffen der ersten 

Lieferung habe der Vater ein anonymes Drohschreiben erhalten. Darin sei 

ihm mitgeteilt worden, es sei ein Fehler gewesen, in das (…)geschäft ein-

zusteigen. Kurze Zeit später habe sein Vater einen Anruf erhalten, bei dem 

die ganze Familie bedroht worden sei. Sein Vater sei auch persönlich be-

droht und aufgefordert worden, den Handel mit (…) einzustellen, ansons-

ten seine Familie umgebracht würde. Aufgrund der Drohungen habe sich 

die Familie mehrmals an die Polizei gewandt, diese habe jedoch nichts un-

ternommen. Eines Tages sei sein Bruder, von den Männern, die ihren Vater 

bedroht hätten, zusammengeschlagen worden. Anfang 2022 hätten diese 

Männer ihm selbst nach dem Sporttraining auf der Strasse abgepasst und 

ihn zusammengeschlagen. Die Männer hätten ihm einen Gruss an den Va-

ter aufgegeben. Auch seine Schwester sei vor ihrer Schule von diesen 

Männern angehalten worden. Sie sei aufgefordert worden, ihrem Vater zu 

sagen, dass er mit seinen Tätigkeiten im (…)handel aufhören solle. Sein 

Vater habe dann die Zusammenarbeit mit der (…) Firma eingestellt. Trotz-

dem hätten die Drohungen angehalten. Deshalb habe der Vater bei der 

Polizei Anzeige erstattet. Die Polizei habe aber nicht alles aufgenommen 

und zwei Polizisten hätten ihm geraten, das Land zu verlassen. Wegen der 

eingereichten Anzeige sei der Vater erneut von den Männern bedroht wor-

den. Die Tatsache, dass diese Männer von der Anzeige und den Kontakten 

mit der Polizei gewusst hätten, habe seine Familie vermuten lassen, dass 

die Männer einflussreiche Beziehungen hätten. Infolgedessen habe sich 

die Familie zur Ausreise entschieden. Da nach der albanischen Tradition 

nur männliche Familienmitglieder bedroht würden, sei er zusammen mit 

seinem Vater und seinem Bruder auf dem Landweg in die Schweiz gereist, 

während seine Mutter, seine Schwester und seine Grossmutter geplant 

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Seite 3 

hätten, später auszureisen. In der Nacht nach der Ausreise seien die Män-

ner am Wohnsitz der Familie in G._______ erschienen und hätten die drei 

Frauen attackiert und geschlagen. Der Onkel seines Vaters habe diese drei 

Familienmitglieder am selben Tag zum Flughafen gebracht, von wo aus sie 

in die Schweiz gereist seien. Bei einer Rückkehr nach Albanien befürchte 

er, dass die Drohungen gegenüber der Familie wahrgemacht werden könn-

ten.  

B.  

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2023 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers, wies sein Asylgesuch ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

Mit separaten Verfügungen vom selben Datum verneinte das SEM die 

Flüchtlingseigenschaft der Eltern, Geschwister und Grossmutter des Be-

schwerdeführers, wies deren Asylgesuche ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Der Beschwerdeführer und seine vorerwähnten Familienmitglieder erho-

ben mit jeweils separaten Eingaben vom 9. November 2023 an das Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde gegen die vorinstanzlichen Verfügun-

gen. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Fest-

stellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl, eventualiter 

die Feststellung der Unzulässigkeit respektive Unzumutbarkeit des Voll-

zugs der Wegweisung und die Gewährung der vorläufigen Aufnahme so-

wie subeventualiter die Rückweisung der Sache zur vollständigen Feststel-

lung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Koordinierung des Beschwer-

deverfahrens mit denjenigen seiner fünf Familienmitglieder. Zudem er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vor-

instanzliche Verfahren und das Beschwerdeverfahren, Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung der rubrizierten 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2023 wies der Instruktionsrich-

ter die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für 

das Beschwerdeverfahren und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsbei-

ständin ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis zum 1. Dezember 

2023 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu leisten. Zudem 

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wurde ihm mitgeteilt, dass das Verfahren mit denjenigen seiner fünf Fami-

lienmitglieder koordiniert und durch den gleichen Spruchkörper behandelt 

werde. Der Kostenvorschuss wurde am 23. November 2023 bezahlt. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 28. November 2023 hielt das SEM an sei-

nem Standpunkt fest. 

F.  

Nach gewährter Fristerstreckung nahm der Beschwerdeführer mit Replik 

vom 11. Januar 2024 zur Vernehmlassung des SEM Stellung. Der Replik 

lag eine Kopie einer Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft des Ge-

richtskreises G._______ vom 7. Mai 2022 betreffend B._______ samt 

Übersetzung bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – nach der 

fristgerechten Leistung des Kostenvorschusses einzutreten. 

1.3 Soweit die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das vor-

instanzliche Verfahren beantragt wird, ist darauf mangels Vorliegens eines 

Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, zumal dem Beschwerdeführer 

im besagten Verfahren keine Verfahrenskosten auferlegt wurden.  

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Seite 5 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht koordiniert das vorliegende Verfahren 

mit den gleichzeitig vom Bundesverwaltungsgericht beurteilten Beschwer-

den der vorerwähnten Familienmitglieder des Beschwerdeführers (vgl. 

Sachverhalt Bstn. C. und D.). Die Akten aller sechs Asylverfahren werden 

jeweils auch für das konnexe Verfahren berücksichtigt. Zudem werden alle 

sechs Fälle durch denselben Spruchkörper beurteilt und gleichzeitig ent-

schieden.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung 

besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. 

Der Beschwerdeführer beantragt zwar die Rückweisung der Sache zur voll-

ständigen Feststellung des Sachverhalts, begründet indessen diese for-

melle Rüge nicht. Der Subeventualantrag auf Rückweisung der Sache an 

das SEM ist daher abzuweisen.  

4.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung im Wesentlichen aus, bei Alba-

nien handle es sich um einen verfolgungssicheren Staat. Aus den Akten 

seien keine Hinweise ersichtlich, die geeignet wären, die diesbezügliche 

gesetzliche Regelvermutung umzustossen, wonach asylrelevante Verfol-

gung nicht stattfinde und Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewähr-

leistet sei. Die Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlings-

eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

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Aufgrund der Akten lägen keinerlei Hinweise vor, dass er und seine Familie 

aus politischen Gründen verfolgt worden seien. Bei den geltend gemachten 

Verfolgungsgründen handle es sich um kriminelle Machenschaften von 

Personen, die aus rein finanziellen Motiven heraus handeln würden, und 

somit nicht um Verfolgungsgründe und Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG. 

Deshalb seien die Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant. 

Aus den Vorbringen im Zusammenhang mit seinem Vater, namentlich be-

züglich der geltend gemachten Untätigkeit der Polizei und deren Verhal-

tens bei der Erstattung der Anzeige, könne nicht geschlossen werden, dass 

der albanische Staat grundsätzlich nicht schutzfähig oder schutzwillig sei. 

Seine vage Aussage, seine Familie habe vermutet, dass die Verfolger ein-

flussreiche Beziehungen gehabt hätten, vermöge den Schutzwillen der al-

banischen Behörden ebenfalls nicht in Frage zu stellen. Gestützt auf seine 

Angaben seien keine Hinweise vorhanden, dass es sich bei der Täterschaft 

um einflussreiche Personen handle, aufgrund derer ihm der albanische 

Staat nicht helfen würde. Es lägen somit auch keine Hinweise vor, dass die 

Behörden in Albanien nicht willens und in der Lage gewesen wären, ihm 

und der Familie Schutz vor Übergriffen durch diese unbekannten Personen 

zu gewähren. Sein Vater habe die ihm zur Verfügung stehenden rechts-

staatlichen Mittel in Albanien nicht ausgeschöpft. Es wäre für ihn jedoch 

möglich und zumutbar gewesen, alle Schutzmöglichkeiten im eigenen 

Land auszuschöpfen und sich an eine höhere Instanz zu wenden. Sodann 

gebe es keinen Grund anzunehmen, der Beschwerdeführer und seine Fa-

milie könnten nach ihrer Rückkehr in ihren Heimatstaat den Schutz der al-

banischen Behörden nicht in Anspruch nehmen. Ferner sei von einem 

Staat nicht eine faktische Garantie für einen langfristigen individuellen 

Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu verlan-

gen, weil es keinem Staat gelingen könne, die absolute Sicherheit seiner 

Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Auch deshalb 

seien diese Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant.  

Auch aus den Akten und Aussagen der Familienmitglieder ergäben sich 

keine Hinweise auf eine flüchtlingsrechtliche Verfolgung. 

5.2 In der Beschwerdeschrift hielt der Beschwerdeführer unter Wiederho-

lung seiner bisherigen Vorbringen an deren Asylrelevanz fest. Tatsächlich 

sei ihm das Verfolgungsmotiv nicht bekannt. Er vermute einen gewissen 

politischen Hintergrund, aber gehe in erster Linie von einem Motiv finanzi-

eller Natur aus. In diesem Fall wäre diese – durchaus stattfindende und 

intensive – Verfolgung von der Flüchtlingskonvention nicht geschützt. 

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Sollte bei einem anderen Familienmitglied ein flüchtlingsrelevantes Verfol-

gungsmotiv vorliegen, so wäre aufgrund der bestehenden Reflexverfol-

gung – die Verfolgungshandlungen richteten sich ausnahmslos gegen alle 

Familienmitglieder – auch er als Flüchtling anzuerkennen. Er und seine Fa-

milie seien in Albanien einer Verfolgung von immenser Intensität unterle-

gen, wobei die erlittenen sowie die angedrohten, Leib und Leben betreffen-

den Nachteile ernsthaft seien. Er selbst sei als damals 17-Jähriger auf of-

fener Strasse von zwei erwachsenen Männern zusammengeschlagen wor-

den. Damit liege eine Verfolgungssituation vor, die einer unmenschlichen 

und erniedrigenden Behandlung gemäss Art. 3 EMRK und Art. 3 des Über-

einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) gleichkomme. Vorliegend könne nicht von der Schutzfähigkeit 

und vom Schutzwillen der albanischen Polizei ausgegangen werden. Ge-

mäss verschiedenen Quellen bestünden im Zusammenhang mit einfluss-

reichen, mit der Politik verbandelten (kriminellen) Organisationen diverse 

Einschränkungen. Zudem sei Korruption bei der albanischen Polizei weit 

verbreitet und führe oft zu deren Untätigkeit.  

5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest. 

Wie in der Beschwerde ausgeführt, könne die geltend gemachte Verfol-

gung mangels eines flüchtlingsrechtlichen Verfolgungsmotivs keine flücht-

lingsrechtliche Intensität erreichen. Des Weiteren verwies das SEM auf sei-

nen Entscheid, wonach es für den Beschwerdeführer möglich und zumut-

bar sei, alle Schutzmöglichkeiten im eigenen Land auszuschöpfen und sich 

an eine höhere Instanz als die Polizei zu wenden. Zudem wäre es ihm 

möglich, sich mit einer innerstaatlichen Wohnsitzalternative weiteren mög-

lichen lokalen Behelligungen zu entziehen. 

5.4 In der Replik entgegnete der Beschwerdeführer, dem Einwand der Vor-

instanz, dass mangels eines flüchtlingsrechtlichen Motivs keine dem Asyl-

recht entsprechende Intensität vorliegen könne, könne nicht gefolgt wer-

den. Des Weiteren hätte das Beschreiten des Beschwerdewegs ein – ver-

mutlich jahrelange – Verfahren nach sich gezogen, wobei die Familie den 

Übergriffen weiterhin schutzlos ausgesetzt gewesen wäre. Vor diesem Hin-

tergrund stelle das Ausschöpfen aller Schutzmöglichkeiten im Herkunfts-

land keine zumutbare Alternative dar. 

Gemäss der zu den Akten gereichten Einstellungsverfügung der Staatsan-

waltschaft vom 7. Mai 2022 bezüglich der von seinem Vater eingereichten 

Anzeige vom 29. April 2022 liege weder eine Einschüchterung im Sinne 

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Seite 8 

von Art. 84 des albanischen Strafgesetzbuches noch eine andere Straftat 

vor, weil aufgrund der Drohung nicht davon ausgegangen werden könne, 

dass das Leben oder die Gesundheit des Geschädigten ernsthaft in Gefahr 

seien. Indes sei das von der Polizei bewusst weggelassene Element – die 

vorgehaltene Waffe – elementar für den Tatbestand der Einschüchterung. 

Dies hinterlasse den Eindruck, dass die konstitutiven Elemente absichtlich 

unerwähnt geblieben seien, damit es an der Tatbestandsmässigkeit fehle. 

Weiter falle auf, dass von der Staatsanwaltschaft weitere einschlägige 

Bestimmungen des albanischen Strafgesetzbuches nicht geprüft worden 

seien. Im Übrigen vermöge die Begründung der Staatsanwaltschaft in kei-

ner Weise zu überzeugen. Ihr Schluss, die Drohung sei nicht ernsthaft, 

lasse unberücksichtigt, dass er und seine Familie unzählige Bedrohungen 

über sich hätten ergehen lassen müssen, die sich immer weiter intensiviert 

hätten. Vor diesem Hintergrund vermöge die Annahme der Staatsanwalt-

schaft, die Drohung sei nicht ernsthaft genug beziehungsweise würde nicht 

ausgeführt, nicht zu überzeugen. Die sowohl ungenaue als auch verfäl-

schende Entgegennahme respektive Redaktion der Strafanzeige sowie 

auch die scheinbar äusserst oberflächliche Prüfung der Anzeige durch die 

Staatsanwaltschaft zeigten, dass es den Strafverfolgungsbehörden im vor-

liegenden Fall am Schutzwillen fehlen würde beziehungsweise gefehlt 

habe. 

6.  

6.1 Bei Albanien handelt es sich um einen verfolgungssicheren Staat im 

Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. dazu Anhang 2 der Asyl-

verordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeich-

nung eines Landes als sogenanntes «Safe Country» beinhaltet die Regel-

vermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfol-

gung nicht stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Ver-

folgung gewährleistet ist. Es handelt sich dabei um eine relative Verfol-

gungssicherheit, weshalb diese Regelvermutung im Einzelfall aufgrund 

konkreter und substanziierter Hinweise umgestossen werden kann (vgl. 

etwa Urteil des BVGer E-4982/2020 vom 15. Januar 2021 E. 5). 

6.2 Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Vorbringen im vorinstanzli-

chen Verfahren und den Ausführungen auf Beschwerdestufe die vorge-

nannte Regelvermutung nicht umzustossen. Die Vorinstanz hat zutreffend 

festgehalten, dass es ihm möglich und zumutbar sei, alle Schutzmöglich-

keiten im eigenen Land auszuschöpfen und sich an eine höhere Instanz 

als die Polizei zu wenden (vgl. auch Urteil des BVGer E-4445/2021 vom 

14. Oktober 2021 E. 7.3). Daran vermögen weder die geltend gemachte 

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Untätigkeit der Polizei noch deren Verhalten bei der Erstattung der Anzeige 

durch den Vater des Beschwerdeführers noch die Einstellungsverfügung 

der Staatsanwaltschaft vom 7. Mai 2022 und die diesbezüglichen Ausfüh-

rungen etwas zu ändern. 

Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist vorliegend von der 

Schutzfähigkeit und vom Schutzwillen der albanischen Behörden auszuge-

hen. Diesbezüglich ist auf die entsprechenden Erwägungen im Urteil des 

Vaters des Beschwerdeführers (Urteil des BVGer D-6151/2023 E. 6.2 ff.) 

zu verweisen. Namentlich vermag der Beschwerdeführer aus seinen Ein-

wänden betreffend Korruption bei der albanischen Polizei, deren Untätig-

keit und Schutz von Privatpersonen bei Bedrohung durch das organisierte 

Verbrechen, wozu er auf eine Auskunft der Länderanalyse der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 14. Dezember 2021 («Albanien: Organi-

siertes Verbrechen, Justiz und Korruption») und den Human Rights Report 

Albanien 2022 des Aussenministeriums der Vereinigten Staaten hinweist, 

nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. 

6.3 Der Beschwerdeführer macht zudem eine Reflexverfolgung geltend. Er 

unterlässt es indessen überzeugend darzulegen, inwiefern eine solche vor-

liegen könnte. Eine Reflexverfolgung fällt vorliegend ausser Betracht, weil 

– wie den gleichzeitig mit dem vorliegenden Urteil ergehenden Urteilen be-

treffend die Eltern, die Geschwister und die Grossmutter zu entnehmen 

ist –, auch die weiteren Familienmitglieder die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllen. 

6.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach dem Gesagten zum 

Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen 

an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen. Die Vorinstanz hat daher zu 

Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein 

Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

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Seite 10 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.3  

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 FoK und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf 

niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder 

Behandlung unterworfen werden. 

8.3.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur 

Personen, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-

führer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nach-

zuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte 

Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-

wendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimat-

staat Albanien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.3.4 Sodann sind keine Anhaltspunkte für eine in Albanien drohende men-

schenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV und von 

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Seite 11 

Art. 3 FoK ersichtlich. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Al-

banien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-

zulässig erscheinen. Namentlich ist entgegen den Ausführungen in der Be-

schwerde – insbesondere allein aufgrund des Umstands, dass er einmal 

von den Verfolgern auf der Strasse abgepasst und zusammengeschlagen 

worden sei – nicht von einem realen Risiko einer verbotenen unmensch-

lichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK oder 

Art. 3 FoK auszugehen. 

8.3.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich sowohl im Sinn der asyl- 

als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig. 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Mit der vom Bundesrat als bezeichnetes «Safe Country» im Sinne 

von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG gilt eine Rückkehr abgewiesener Asylsu-

chender nach Albanien grundsätzlich als zumutbar (Art. 83 Abs. 5 AIG). Es 

herrscht dort keine Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allgemeiner Ge-

walt, weshalb in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs nach Albanien ausgegangen wird. Es obliegt der be-

troffenen Person, diese Regelvermutung gegebenenfalls mit substanziier-

ten Gegenargumenten umzustossen. 

8.4.3 Schliesslich lassen auch individuelle Gründe wirtschaftlicher und so-

zialer Natur nicht auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers in 

seiner Heimat schliessen. Es handelt sich bei ihm um einen jungen und 

gesunden Mann. Er kann nach Rückkehr nach Albanien die Schule fortset-

zen oder eine Arbeit suchen. Zudem verfügt er über ein tragfähiges Bezie-

hungsnetz, da die gesamte Familie mit ihm nach Albanien zurückkehren 

wird.  

8.4.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten so-

wohl in genereller als auch individueller Hinsicht als zumutbar. Der Be-

schwerdeführer kann die Rückreise in sein Heimatland gemeinsam mit sei-

nen Eltern, seinen beiden Geschwistern und seiner Grossmutter antreten, 

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Seite 12 

deren Beschwerden mit Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts gleichen 

Datums abgewiesen werden.  

8.5 Der Beschwerdeführer verfügt über einen bis zum (…) gültigen heimat-

lichen Reisepass, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch möglich ist 

(Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-

rauf einzutreten ist. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der in 

gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfah-

renskosten zu verwenden.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der in der gleichen Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

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