# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9c2c91be-7bdd-5352-9ad3-7d9345237090
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-07-21
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 21.07.2014 IV 2012/442
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-442_2014-07-21.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/442

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.06.2020

Entscheiddatum: 21.07.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 21.07.2014
Beginn der massgeblichen Arbeitsunfähigkeit im Hinblick auf die 
Festsetzung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG. Gestützt 
darauf Feststellung des massgeblichen Zeitpunktes des Rentenbeginns 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Juli 
2014, IV 2012/442).

Entscheid Versicherungsgericht, 21.07.2014

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Ralph Jöhl und Christian 

Zingg; Gerichtsschreiberin Evelyn Heiniger

Entscheid vom 21. Juli 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin Karin Herzog, M.A. HSG in Law, GN Rechtsanwälte, 

St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 9001 St. Gallen

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

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Rente (Beginn)

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 22. Oktober 2009 bei der IV-Stelle St. Gallen zum Bezug 

von IV-Leistungen bzw. Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (IV-act. 1). 

Nachdem sich die Versicherte zwischen 1990 und 2008 diversen Operationen zu 

unterziehen hatte, häuften sich ihre Rückenbeschwerden, so dass sie ab April 2009 

wiederholt der Arbeit fern bleiben musste. Den Auszügen der Taggeldversicherung 

lässt sich entnehmen, dass die Versicherte bereits am 29. April 2009 zu 100% 

arbeitsunfähig geschrieben wurde (IV-act. 3-2). Es folgten Unterbrechungen durch 

einige Tage, an denen sie offenbar erneut arbeitete. Nach Angaben ihres damaligen 

Arbeitgebers, hat die Versicherte am 8. Juni 2009 letztmals gearbeitet, danach war sie 

nicht mehr arbeitsfähig (IV-act. 15-2).

A.b  Am 8. September 2009 besuchte die Versicherte die viszeralchirurgische Sprech­

stunde des Kantonsspitals St. Gallen. Die dortigen Ärzte hielten fest, im Juni 2009 sei 

eine Narbenrevision der Pfannenstielnarbe mit Resektion, eine Neurektomie und eine 

Leistenhernienoperation (beidseitig) durchgeführt worden. Weiter stellten sie folgende 

Diagnose:

"- Unklare Leistenschmerzen rechts

- St. n. Hysterektomie 1990

- St. n. Blasenoperation 2007

- St. n. Adhäsiolyse 2008"

Sie rieten der Versicherten, eine Untersuchung der Lendenwirbelsäule (LWS) in der 

Orthopädie vornehmen zu lassen (IV-act. 16-5). Die Ärzte der orthopädischen Abteilung 

stellten, zusätzlich zur bereits gestellten Diagnose, Lumboischialgien unklarer Ätiologie 

fest. Da sich deutliche Abnützungserscheinungen in den Segmenten L4/5 und L5/S1 

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zeigten, empfahlen sie zur weiteren Abklärung des Schmerzursprungs, Infiltrationen der 

Facettengelenke L4/5 und L5/S1 (IV-act. 16-3).

A.c  Am 1. Dezember 2009 nahm der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD) 

Kontakt zum Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B.___, Facharzt für Innere Medizin 

FMH, auf. Dieser bestätigte, dass die Versicherte seit April 2009 100%ig arbeitsunfähig 

sei und aktuell keine Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme bestehe. Die Versicherte leide an 

einem Schmerzsyndrom, das in Chronifizierung begriffen sei. Weiter bestehe ein Status 

nach komplexer gynäkologischer operativer Vorgeschichte mit Verwachsungsbauch 

und bei der LWS sei allenfalls ein neurochirurgischer Eingriff indiziert. Bei instabilem 

Verlauf sei die Prognose noch offen (IV-act. 14).

A.d  In seinem Verlaufsbericht vom 31. März 2010 hielt ihr Hausarzt fest, die 

Versicherte befände sich aktuell zu einer Fusionsoperation im LWS-Bereich im Spital 

(IV-act. 21). Dr. med. C.___ hielt in seinem Bericht vom 18. August 2010 zum Aufenthalt 

der Versicherten in der Klinik vom 24. März bis 6. April 2010 fest, nach der Operation 

hätte in der klinisch/radiologischen 6-Wochen-Kontrolle eine korrekte Stellung der 

Implantate dokumentiert werden können. Die Versicherte habe über Lumbalgien und 

Hypästhesie im gesamten Unterschenkelbereich links berichtet. Da bereits 

postoperativ eine Computertomographie durchgeführt worden sei, die keine 

Restkompression gezeigt habe, sei die durch die Versicherte beschriebene 

neurologische Situation klinisch nicht eindeutig zuordenbar. Der Versicherten sei eine 

neurologische Untersuchung empfohlen worden und zusätzlich hätten sie aufgrund der 

Gefahr einer Schmerzchronifizierung die Kollegen der Schmerzsprechstunde 

beigezogen. Weiter sei der Verdacht einer tiefen Venenthrombose aufgekommen, 

welcher sich in der Folge bestätigt habe. Diese Thrombose sei mit einer 

Antikoagulationstherapie behandelt worden. Er könne keine klare Prognose abgeben. 

Seiner Ansicht nach sollte es aber sechs Monate postoperativ möglich sein, für 50%, 

d.h. zwei Stunden morgens und zwei Stunden nachmittags, einen Arbeitsversuch zu 

beginnen. Er attestierte der Versicherten ab dem 24. März 2010 eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 25).

A.e  Am 14. Oktober 2010 wurde die Versicherte im Auftrag der Krankentaggeldver­

sicherung durch Dr. med. D.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, 

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psychiatrisch begutachtet. Er diagnostizierte bei der Versicherten eine mittelgradig 

depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) im Rahmen einer 

depressiven Entwicklung sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Aus psychiatrischer Sicht sei im Unter­

suchungszeitpunkt von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Fähigkeiten und 

körperlichen Möglichkeiten der Versicherten entsprechenden Arbeitstätigkeit auszu­

gehen (IV-act. 36).

A.f   Daraufhin entschied der RAD am 25. Januar 2011, im Rahmen ihrer Schaden­

minderungspflicht sei der Versicherten eine psychiatrische Therapie zumutbar (IV-

act. 40, 41). Die Versicherte teilte am 2. März 2011 mit, sie befände sich aktuell zu einer 

stationären Behandlung in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik E.___ (IV-act. 42). 

Nachdem die Versicherte vom 14. Februar bis am 2. Juni 2011 in der Psychiatrischen 

Klinik hospitalisiert gewesen war, besuchte sie in der Folge jeweils montags und 

dienstags die Tagesklinik (IV-act. 51). Anschliessend war die Versicherte vom 11. Juli 

bis zum 29. Juli 2011 in teilstationärer Behandlung in der Psychiatrischen Tagesklinik 

F.___. Danach wurde sie in die Ambulanz des psychiatrischen Zentrums überwiesen 

(IV-act. 54).

A.g  Am 12. August 2011 empfahl der RAD eine polydisziplinäre Begutachtung der 

Versicherten (IV-act. 55). Die rheumatologische und psychiatrische Untersuchung fand 

am 19. Dezember 2011 statt. Die Gutachter kamen zum Schluss, bei der Versicherten 

habe aus rheumatologischer Sicht ab März 2010 bis September 2010 eine volle 

Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Ab Oktober 2010 bis Januar 2011 dürfte mit an 

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit 

vorgelegen haben. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100% Arbeitsunfähigkeit 

begründet durch folgende Diagnosen:

"1. Histrionische Persönlichkeitsstörung bei begrenzten intellektuellen Ressourcen 

(ICD-10: F60.4)

2. Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)

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3. Posttraumatische Belastungsstörung, nach jahrelanger Kompensation jetzt 

depressiv

dekompensiert (ICD-10: F43.1)

4. Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.2)"

Es sei davon auszugehen, dass der ungünstige Befund bereits bei Eintritt der Ver­

sicherten in die Klinik E.___ am 14. Februar 2011 vorgelegen habe, so dass dieses 

Datum als massgeblicher Zeitpunkt für den Beginn der 100%igen Arbeitsunfähigkeit 

aus psychiatrischer Sicht anzusehen sei (IV-act. 67-15).

A.h  Mit Vorbescheid vom 21. März 2012 gab die IV-Stelle bekannt, die Versicherte 

habe ab dem 1. März 2011 Anspruch auf eine ganze Rente (IV-act. 72). Dagegen erhob 

die Beiständin der Versicherten am 2. Mai 2011 Einwand und verlangte, den 

Rentenbeginn auf Juni 2010 festzulegen (IV-act. 75). Die IV-Stelle hielt in der Folge an 

ihrem Entscheid fest und erliess am 29. Oktober 2012 die definitive Rentenverfügung 

(IV-act. 81).

B.    

B.a  Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihre Beiständin am 

19. November 2012 Beschwerde erheben, mit dem Antrag auf Festlegung des 

Rentenbeginns per 1. Juni 2010. Zur Begründung führte sie an, sie sei im April 2009 

aus psychischen Gründen aus der Arbeit ausgestiegen, bis Juni 2009 hätten sich ihre 

körperlichen Beschwerden massiv verschlimmert, woraufhin sie im Juli 2009 zu einer 

Operation angemeldet worden sei. Es sei ihr daher ab Juni 2009 angesichts ihrer 

körperlichen Beschwerden nicht mehr möglich gewesen, eine Arbeit aufzunehmen 

(act. G 1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2013 hielt die Beschwerdegegnerin an 

ihrem Entscheid fest und beantragte, die Beschwerde abzuweisen. Gemäss Gutachten 

sei die Versicherte aus somatischer Sicht ab Datum der Rückenoperation vom 24. März 

2010 100%ig arbeitsunfähig gewesen. Massgebend für den Beginn der langdauernden 

Arbeitsunfähigkeit sei somit der März 2010 (act. G 6).

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B.c  Die in der Zwischenzeit anwaltlich vertretene Versicherte, liess am 9. April 2013 

eine Replik einreichen. Ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener, 

führte zur Begründung an, es sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin ab Juni 2009 auszugehen. Dies habe auch die 

Taggeldversicherung anerkannt und dementsprechend Leistungen erbracht. Es sei 

durch die Arbeitsunfähigkeitsatteste ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin seit 

dem 9. Juni 2009 durchgehend zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. In der Verfügung 

der Beschwerdegegnerin fehle eine Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass ihr 

Hausarzt der Beschwerdeführerin ab April 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit 

attestiert habe. Indem die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung nicht auf die am 

2. Mai 2011 vorgebrachte Einwände eingegangen sei, habe sie den Gehörsanspruch 

der Beschwerdeführerin in schwerwiegender Weise verletzt. Gleichzeitig ersucht der 

Rechtsvertreter um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung (act. G 12).

B.d  Mit Duplik vom 15. April 2013 liess die Beschwerdegegnerin verlauten, sie halte an 

ihrem Antrag fest und fügt hinzu, sie habe der Beschwerdeführerin die Gründe für ihr 

Festhalten am Entscheid bereits mit Stellungnahme vom 24. Mai 2012 mitgeteilt 

(act. G 14). 

B.e  Nachdem der Beschwerdeführerin am 24. April 2013 die unentgeltliche Rechts­

pflege und Rechtsverbeiständung gewährt wurde, konnte der Schriftenwechsel abge­

schlossen werden (act. G 15, 16).

B.f   Mit Datum vom 18. Dezember 2013 wurde dem Gericht mitgeteilt, die Versicherte 

werde neu durch Rechtsanwältin K. Herzog, M.A. HSG in Law, vertreten (zufolge 

kanzleiinternen Wechsels, act. G 17).

Erwägungen:

1.

Angefochten ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 29. Oktober 2012, mit 

welcher der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente ab 1. März 2011 

festgelegt wurde. Während sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt, 

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eine massgebliche dauernde Arbeitsunfähigkeit sei erst ab März 2010 gegeben, macht 

die Beschwerdeführerin geltend, sie sei bereits seit April, spätestens ab Juni 2009, 

arbeitsunfähig. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist daher der Beginn des 

Rentenanspruchs.

2.     

2.1   Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Anspruch auf eine Invalidenrente frühes­

tens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. 

Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausgerichtet, in dem der Anspruch entsteht 

(Art. 29 Abs. 3 IVG).

2.2   Nachdem sich die Versicherte am 22. Oktober 2009 zum Leistungsbezug an­

meldete, kann ihr Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nach einer Wartefrist von 

sechs Monaten, frühestens am 1. April 2010 entstanden sein.

3.     

3.1   Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, 

SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im 

Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 

wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a), 

wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min­

destens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% 

besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine 

Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze 

Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

3.2   Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente ab 

März 2011 unbestritten. Bestritten ist demgegenüber, ob der Beginn des Wartejahres 

und damit der Rentenanspruch allenfalls bereits auf einen früheren Zeitpunkt festzu­

setzen ist. Zu prüfen ist mithin, ab welchem Zeitpunkt die dauernde Arbeitsunfähigkeit 

der Beschwerdeführerin als erstellt gelten kann.

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3.3   Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad 

bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf 

Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur 

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den 

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang 

und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 

261 E. 4). Aufgabe des Gerichtes ist es zu würdigen, ob die ärztlichen Aussagen und 

Einschätzungen eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben. 

Vorliegend ist zu klären, ob der Sachverhalt aufgrund der verfügbaren medizinischen 

Grundlagen rechtsgenüglich erstellt ist. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist 

hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der 

Vorakten abgegeben worden ist, ob die Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352, E. 3a). Der Richter 

sollte nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten 

abweichen, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zu 

Verfügung zu stellen (BGE 125 V 352, E. 3b/aa).

3.4   Die einjährige Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt als eröffnet, sobald 

eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% vorliegt (AHI 1998, S. 124, E.3c; Meyer, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 279). Dabei sind auch 

vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit zu beachten. Ein 

wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt gemäss Art. 29  IVV vor, wenn 

die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig 

war.

3.5   Die Beschwerdegegnerin setzte den Beginn des Wartejahres auf März 2010 

fest und stützte sich dabei auf das polydisziplinäre Gutachten des Ärztlichen Begut­

achtungsinstitutes Basel (ABI) vom 1. Februar 2012 (IV-act. 67).

3.5.1         Die Gutachter fixierten den Beginn der körperlichen Arbeitsunfähigkeit der 

Beschwerdeführerin, unter Bezugnahme auf das Datum der Rückenoperation, auf 

März 2010. Aus rheumatologischer Sicht könne in Bezug auf das Wirbelsäulenleiden 

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von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Datum der Operation (25. März 2010) bis 

Ende September 2010 ausgegangen werden. Ab Oktober 2010 dürfte, ihrer Ansicht 

nach, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsfähigkeit von min­

destens 50% vorgelegen haben. Auch hätte nach ihrer Einschätzung, theoretisch eine 

Steigerung auf ein 100%iges Arbeitspensum im Rahmen einer adaptierten beruflichen 

Tätigkeit ab Januar 2011 möglich sein sollen (IV-act. 67-21).

3.5.2         Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100% Arbeitsunfähigkeit, begründet 

durch folgende Diagnosen:

"1. Histrionische Persönlichkeitsstörung bei begrenzten intellektuellen Ressourcen 

(ICD-10: F60.4)

2. Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)

3. Posttraumatische Belastungsstörung, nach jahrelanger Kompensation jetzt 

depressiv dekompensiert (ICD-10: F43.1)

4. Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.2)"

Es sei davon auszugehen, dass bei Eintritt in die Klinik E.___ am 14. Februar 2011 

bereits von diesem ungünstigen psychopathologischen Befund auszugehen sei (IV-

act. 67-14f.).

3.5.3         Die ABI-Gutachter hielten weiter fest, ihre Einschätzung stimme mit der 

Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin – sie sei aktuell nicht einsatz- und 

arbeitsfähig – überein. Obwohl differentialdiagnostisch anders betrachtet, bestehe auch 

keine wesentliche Diskrepanz zur Einschätzung im Gutachten von Dr. D.___ vom 

26. Oktober 2010 (IV-act. 67-15).

3.6   Das ABI-Gutachten ist hinsichtlich der medizinischen Beurteilung zum Zeitraum 

der Untersuchung nachvollziehbar und schlüssig und es bestehen grundsätzlich keine 

Zweifel an seinem Beweiswert. Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 

erhebt keinerlei Einwände dagegen. Auf das Gutachten ist daher abzustellen.

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3.7   Was den Beginn der Arbeitsunfähigkeit betrifft, haben sich die ABI-Gutachter nicht 

genau festgelegt. Sie äussern sich insbesondere nicht zur Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin vor März 2010, sondern halten schlicht fest, ab Datum der 

Operation (25. März 2010) sei in Bezug auf das Wirbelsäulenleiden von einer 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Bereits im Dezember 2009 hatte allerdings der 

Hausarzt der Versicherten dem RAD-Arzt mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin seit 

April 2009 100%ig arbeitsunfähig sei (IV-act. 14 und 16). Diese Arbeitsunfähigkeit 

bescheinigte er auch zu Handen der Taggeldversicherung (IV-act. 3-2). Damit liegen 

über die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ab April 2009 echtzeitliche 

Bescheinigungen vor, was nicht einfach unberücksichtigt bleiben darf. Es bestehen 

keinerlei Hinweise darauf, dass diese Bescheinigungen vorliegend nicht massgebend 

sein sollten und nicht darauf abgestützt werden dürfte. Überdies war die 

Beschwerdeführerin ab Juni 2009 wiederholt – wenn auch kurzfristig – hospitalisiert. So 

wurde im Juli 2009 eine Narbenrevision der Pfannenstielnarbe mit Resektomie, 

Neurektomie und Leistenhernienoperation durchgeführt (IV-act. 16-5). Für die 

Wirbelsäule folgten Facetteninfiltrationen (IV-act. 16-4 und 21) und am 24. März 2010 

schliesslich eine Fusionsoperation (Spondylodese) im LWS-Bereich (IV-act. 25).

3.8   Es zeigte sich schrittweise eine zunehmende Verschlechterung des Gesundheits­

zustandes der Beschwerdeführerin, weshalb rückblickend eine bereits im April 2009 

beginnende Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20% überwiegend wahrscheinlich ist. Auf 

die echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitsatteste zu Handen der Taggeldversicherung ist 

dementsprechend abzustellen. Nach den ersten Krankentagen war die 

Beschwerdeführerin im Mai und Juni erneut an mehreren Tagen arbeitstätig. Aus den 

Attesten zu Handen der Taggeldversicherung ergibt sich aber, dass die 

Beschwerdeführerin insgesamt nicht mehr an 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll 

arbeitsfähig war. Der Beginn des Wartejahres ist folglich auf April 2009 festzulegen, 

womit die Versicherte ab 1. April 2010 Anspruch auf eine Rente hat.

4.     

4.1   Nachdem der Rentenbeginn auf April 2010 festgelegt wird, bleibt die Höhe der 

Rente nach Ablauf des Wartejahres zu prüfen. Im Zeitpunkt des Rentenbeginns war die 

Beschwerdeführerin infolge ihrer Rückenoperation 100%ig arbeitsunfähig. Bis Ende 

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September 2010 ist daher durchgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit 

auszugehen. Damit begründet die Beschwerdeführerin in dieser Zeit einen Anspruch 

auf eine ganze Rente.

4.2   Nach Einschätzung des behandelnden Arztes der Orthopädischen Klinik des 

Kantonsspitals St. Gallen hätte die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht sechs 

Monate postoperativ ihre Arbeitstätigkeit erneut in einem 50%-Pensum aufnehmen 

können (IV-act. 25-3). Diese Einschätzung wurde von den ABI-Gutachtern über­

nommen. Es ist daher zu prüfen, ob aus diesen Gründen ab Oktober 2010 die Leis­

tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zugenommen hat und daher ihre Rente herab­

zusetzen ist.

4.2.1         Dr. D.___ bescheinigte der Beschwerdeführerin ab dem Untersuchungszeit­

punkt (14. Oktober 2010, IV-act. 36) eine 80% Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer 

Sicht. – Die ABI-Gutachter gelangten zur Einschätzung, mit Eintritt in die psychiatrische 

Klinik E.___ am 14. Februar 2011 sei aus psychiatrischer Sicht bei der 

Beschwerdeführerin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche berufliche 

Tätigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen (IV-act. 67-24).

4.2.2         Zusätzlich hielten die ABI-Gutachter fest, ihre Einschätzung einer 100%igen 

Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2011 weiche nicht massgeblich von der Einschätzung 

von Dr. D.___ ab. Gestützt auf das Gutachten von Dr. D.___ ist davon auszugehen, 

dass zur bestehenden 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen spätes­

tens ab Oktober 2010 die psychische Beeinträchtigung hinzukam. Die 80%ige 

Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen, ab Oktober 2010, anerkannte schliesslich 

auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort (act. G 6).

4.3   Abschliessend ist daher festzuhalten, dass nach Oktober 2010 keine länger­

dauernde Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu verzeichnen ist. Die Be­

schwerdeführerin hat daher ab April 2010 durchgehend einen Anspruch auf eine ganze 

Rente.

5.     

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5.1   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er­

scheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen und ist von der 

unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen.

5.2   Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei An­

spruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungs­

gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und 

nach der Schwierigkeit des Prozesses festgesetzt. Die Honorarpauschale beträgt in der 

Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 

Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75). 

Im vorliegenden Fall erscheint eine Pauschalentschädigung von Fr. 2'500.-- (inkl. 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen, welche die Beschwerdegegnerin zu 

bezahlen hat.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.      Die Verfügung vom 29. Oktober 2012 wird aufgehoben und der 

Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. April 2010 eine ganze Rente zugesprochen.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

4.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

bis

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		2025-07-19T09:45:43+0200
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