# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2b5df7a-b507-5a1a-9d3a-515faf798506
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-03-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 16.03.2005 SB 2005 5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2005-5_2005-03-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 16. März 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 05 5 (nicht/mündlich eröffnet)

(Auf die gegen diese Entscheidung erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wurde 
beim Bundesgericht mit Urteil vom 05. Juli 2005 (6S.237/2005) nicht eingetre-
ten.)

Urteil 
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Vital und Möhr
Aktuarin ad hoc Nüssle

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In der strafrechtlichen Berufung

der X., Berufungsklägerin,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 25. November 
2004, mitgeteilt am 3. Januar 2005, in Sachen der privatstrafklagerechtlichen Ange-
legenheit der Z., Berufungsbeklagte, gegen die Berufungsklägerin,

betreffend Ehrverletzung,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 18. April 1957 in E. als zweites von vier Kindern geboren. 
Sie wohnte zunächst in F. und anschliessend auf dem G.. Nach zwei Jahren zog 
die Familie nach H. um, wo X.  ihre Kinder- und Jugendzeit verbrachte und die 
Schulen besuchte. Nach dem Schulabschluss absolvierte sie eine Lehre als 
Zahnarztgehilfin. Da X. seit ihrer Kindheit erblich bedingt unter Ekzemen leidet, 
musste sie ihre Arbeit als Zahnarztgehilfin aufgeben. Es war ihr auch nicht möglich, 
einer anderen beruflichen Beschäftigung nachzugehen. Gemäss ihren Angaben 
betreute sie während einigen Jahren hilfsbedürftige Personen. Seit 1988 wohnt X. 
auf dem Hof I. in J.. Sie ist Mutter eines Sohnes, für dessen Unterhalt sie sorgt. Sie 
bezieht eine monatliche IV- und Zusatzrente von insgesamt Fr. 3'757.-. 

Gemäss Auskunft des Steueramts der Stadt H. vom 7. Juni 2001 versteuerte 
X. im Jahre 2000 ein Einkommen von Fr. 12'900.-. Steuerbares Vermögen lag nicht 
vor.

Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet. Mit 
Strafmandat vom 10. März 2003 verurteilte der Kreispräsident Küblis X. wegen 
Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung mit einer Busse von Fr. 500.-. Am 19. 
November 2003 verurteilte der Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden in 
Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos vom 12. 
Juni 2003, mitgeteilt am 13. August 2003, X. mittlerweile rechtskräftig wegen 
mehrfacher Nötigung gemäss Art. 181 StGB sowie wegen mehrfachen 
Nötigungsversuchs gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 
und bestrafte sie mit zehn Tagen Gefängnis bedingt unter Ansetzung einer 
Probezeit von zwei Jahren (SB 03 47). Diese strafbaren Handlungen richteten sich 
unter anderem auch gegen das Ehepaar Z.-B.

Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 10. Februar 
2002 sei der Ruf von X. als getrübt zu bezeichnen. X. sei in J. und Umgebung öfters 
als aufgebrachte und aggressive Persönlichkeit in Erscheinung getreten. Vor allem 
in Kontakt mit Behörden sei sie immer wieder negativ aufgefallen. 

B. Am 16. August 2002 reichte Z. gegen X. eine Ehrverletzungsklage ein. 
Die durchgeführten Sühneverhandlungen führten zu keiner Einigung. Mit 
Anklageverfügung vom 5. November 2002 setzte der Kreispräsident Küblis X. 
betreffend Ehrverletzung in Anklagezustand und überwies den Fall der Strafkammer 
des Bezirksgerichts Prättigau/Davos zur Beurteilung. Eine von X. hiergegen 
gerichtete Beschwerde wies der Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden mit 

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unangefochten gebliebenem Entscheid vom 13. Januar 2003, mitgeteilt am 15. 
Januar 2003, kostenfällig ab. Der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos legte 
den Erwägungen des ersten Urteils vom 12. Juni 2003, mitgeteilt am 13. August 
2003, folgenden Sachverhalt zugrunde: 

„Am Nachmittag des 12. August 2002 war die Privatstrafklägerin Z. 
damit beschäftigt, ihrem Mann beim Ausgraben des westlichen 
Schopfes zur Hand zu gehen. Während dieser den Aushub abladen 
ging, stellten sich C. und D. zu einem Schwatz bei ihr ein. Alsdann trat 
X. vor den Stall. Sie beschuldigte dabei die Privatstrafklägerin, ihr 
Blumen ausgerissen zu haben. Überdies sagte sie zu den beiden 
Besucherinnen, sie sollen nach Chur weiterfahren. Um hierher fahren 
zu dürfen, brauche es eine Bewilligung und sie würden doch nicht mit 
einer “Kindsmörderin“ reden wollen. Dabei deutete die 
Privatstrafbeklagte auf Z..“ 

C. Mit Urteil vom 12. Juni 2003, mitgeteilt am 13. August 2003, welches 
auch den hier nicht mehr interessierenden Nötigungsvorfall umfasste, erkannte der 
Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos, was folgt:

„1.X. ist schuldig der üblen Nachrede gemäss Art. 173 StGB.

2. X. ist schuldig der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB so-
wie des mehrfachen vollendeten Nötigungsversuchs gemäss Art. 
181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

3. Dafür wird X. mit 14 Tagen Gefängnis sowie Fr. 250.00 Busse be-
straft. 

4. Der Vollzug der Gefängnisstrafe wird unter Ansetzung einer Probe-
zeit von zwei Jahren aufgeschoben. Bei Wohlverhalten wird die 
Busse nach Ablauf einer Probezeit von einem Jahr gelöscht. 

5. Die Adhäsionsklagen der Z. und des B. sowie des Y. werden abge-
wiesen.

6.  Die Kosten des Verfahrens bestehend aus: 

- zwei Aussöhnungsverfahren vor Kreispräsident von Fr. 400.00

- Untersuchungsgebühren des Kreispräsidenten von Fr. 200.00

- Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft von 

          Fr. 2'085.00

- Barauslagen der Staatsanwaltschaft von Fr.    168.20

- der Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00

Total somit von Fr. 5'053.20
gehen zulasten der X.. Nach Verrechnung mit den von ihr erlegten 
Kostenvorschüssen (Fr. 60.00 an die Kreiskasse Küblis und Fr. 
1'500.- an die Bezirksgerichtskasse) hat X. den Restbetrag von Fr. 

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3'493.20 innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Urteils mittels 
beigeschlossenem Einzahlungsschein der Bezirksgerichtskasse, 
PC 70-3922-1, zu überweisen. Der von Z. geleistete Kostenvor-
schuss von insgesamt Fr. 1'560.00 (Fr. 60.00 an die Kreiskasse 
Küblis und Fr. 1'500.- an die Bezirksgerichtskasse) wird ihr nach 
Rechtskraft dieses Urteils erstattet.

7. (Rechtsmittelbelehrung)

8. (Mitteilung)“.

D. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Da--
vos erhob X. mit Eingabe vom 2. September 2003 Berufung beim Kantonsgerichts-
ausschuss von Graubünden mit folgenden Rechtsbegehren:

„1. Ziff. 1, 2, 3, 4 und 6 des Urteils des Bezirksgerichtsausschusses 
Prättigau/Davos vom 12.6.2003 seien aufzuheben und die Beru-
fungsklägerin sei vom Vorwurf der üblen Nachrede, der mehrfa-
chen Nötigung sowie des mehrfachen vollendeten Nötigungsver-
suchs freizusprechen.

2. Die Adhäsionskläger B. und Z. sowie Y. sind zu verpflichten, der 
Berufungsklägerin eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.- zu 
bezahlen.

3. Der Unterzeichnete sei als amtlicher Verteidiger der Berufungs-
klägerin zu bestellen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.6% MWSt.“

E. Der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden erkannte mit Urteil vom 
19. November 2003 (SB 03 47), mitgeteilt am 25. Mai 2004, was folgt: 

„1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und das angefochtene 
Urteil wird aufgehoben.

2. Das Verfahren betreffend üble Nachrede im Sinne von Art. 173 
StGB wird im Sinne der Erwägungen zur Ergänzung des Beweis-
verfahrens und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück-
gewiesen.

3. X. ist schuldig der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB so-
wie des mehrfachen vollendeten Nötigungsversuchs gemäss Art. 
181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

4. Dafür wird sie mit 10 Tagen Gefängnis bestraft.

5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben unter Anset-
zung einer Probezeit von zwei Jahren.

6. Die Adhäsionsklagen der Z. und des B. sowie des Y. werden ab-
gewiesen.

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Z. und B. haben X. mit Fr. 400.- zu entschädigen und Y. hat X. mit 
Fr. 200.- zu entschädigen.

7. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens, bestehend aus der 
Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft von Fr. 2'085.-, den 
Barauslagen der Staatsanwaltschaft von Fr. 168.20 und der Ge-
richtsgebühr von Fr. 1'500.-, somit total Fr. 3'753.20, gehen zu Las-
ten von X.. 

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 2'000.- gehen zu ¾ 
zu Lasten von X. und zu ¼ zu Lasten des Kantons Graubünden.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'000.- werden vor-
schussweise vom Kanton Graubünden übernommen. Sie gehen zu 
¾ zu Lasten von X. und zu ¼ zu Lasten des Kantons Graubünden. 

9. (Rechtsmittelbelehrung)

10.(Mitteilung)“.

F. Nachdem das Urteil des Kantonsgerichtsausschuss vom 19. Novem-
ber 2003 bezüglich der Verurteilung von X. zu zehn Tagen Gefängnis bedingt unter 
Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren wegen mehrfacher Nötigung gemäss 
Art. 181 StGB sowie wegen mehrfachen Nötigungsversuchs gemäss Art. 181 StGB 
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB mittlerweile in Rechtskraft erwachsen ist, 
erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos nach Ergänzung der 
Untersuchung mit Urteil vom 25. November 2004, mitgeteilt am 3. Januar 2005, 
betreffend der Anklage wegen übler Nachrede im zweiten Rechtsgang, was folgt:

„1. X. ist schuldig der üblen Nachrede gemäss Art. 173 StGB.

2. Dafür wird X. mit einer Busse in der Höhe von Fr. 250.00 bestraft.

3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- zwei Aussöhnungsverfahren vor Kreispräsident von  Fr.400.00

- Untersuchungsgebühren des Kreispräsident von Fr. 200.00

- der Gerichtsgebühr von Fr. 700.00

total somit von Fr. 1'300.-

gehen zulasten von X.. Die Forderung von insgesamt Fr. 1'550.- 
(Fr. 250.- Busse + Fr. 1'300.- Verfahrenskosten) wird mit dem von 
ihr erlegten Kostenvorschuss von total Fr. 1'560.00 (Fr. 60.00 an 
die Kreiskasse Küblis und Fr. 1'500.- an die Bezirksgerichtskasse) 
verrechnet. Der von Z. geleistete Kostenvorschuss von insgesamt 
Fr. 1'560.00 (Fr. 60.00 an die Kreiskasse Küblis und Fr. 1'500.- an 
die Bezirksgerichtskasse) wird ihr nach Rechtskraft dieses Urteils 
erstattet.

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4. (Rechtsmittelbelehrung)

5. (Mitteilung)“.

G. Mit Eingabe vom 20. Januar 2005 erhob X. gegen dieses Urteil Beru-
fung beim Kantonsgerichtsausschuss Graubünden. X. bestreitet die ihr zur Last ge-
legte Tat. Sie macht sinngemäss geltend, dass dem angefochtenen Urteil eine fal-
sche Sachverhaltsdarstellung zugrunde liege und rügt eine willkürliche Beweiswür-
digung durch die Vorinstanz. Sie sei für unschuldig zu erklären.

Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 27. Januar 2005 auf eine Stel-
lungnahme und reichte die Akten ein. Z. reichte keine Vernehmlassung ein.

Mit Schreiben vom 23. Februar 2005 beziehungsweise 23. März 2005 (ver-
besserte Version) reichte X. ein Gesuch um Gewährung von unentgeltlicher Rechts-
pflege und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ein. 

Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen:

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. a) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Aus-
schüsse, sowie gegen Verfügungen der Bezirksgerichts- und Kreispräsidenten 
(ausgenommen Untersuchungshandlungen, prozessleitende Verfügungen und 
Strafmandate) können der Verurteilte und der Staatsanwalt beim Kantonsgerichts-
ausschuss Berufung einreichen. Auch Urteile der Bezirksgerichtsausschüsse in 
Ehrverletzungssachen sind von den Parteien mit Berufung an den Kantonsgerichts-
ausschuss von Graubünden anfechtbar (Art. 168 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Forma-
litäten richten sich dabei nach den allgemeinen Bestimmungen über das Berufungs-
verfahren gemäss Art. 141 ff. StPO (W. Patrutt, Kommentar zur Strafprozessord-
nung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, Ziff. 8.1 zu Art. 162-168 StPO, 
S. 423). Die Berufung ist innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des ange-
fochtenen Entscheides einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder Gerichtsverfahrens gerügt werden 
und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden (Art. 141 ff. 
StPO). 

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b) Diesen Anforderungen vermag die im übrigen form- sowie fristgerecht ein-
gereichte Berufung der X. vom 20. Januar 2005 zu genügen, weshalb auf sie ein-
zutreten ist.

2. a) Das Ehrverletzungsverfahren ist ein besonderes Verfahren und 
richtet sich nach den Bestimmungen der Art. 162 ff. StPO. Ergänzend finden die 
Bestimmungen über das ordentliche Verfahren und subsidiär jene der ZPO Anwen-
dung (W. Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 
2. Aufl., Chur 1996, S. 418 Ziff. 2). Den Vergehen gegen die Ehre ist eigen, dass 
sie nur auf Antrag des Verletzten verfolgt werden, und dass der Prozess grundsätz-
lich in einem dem zivilprozessualen Zweiparteienverfahren angenäherten Verfahren 
geführt wird. Wesentliche Elemente im Sinne des Privatstrafklageverfahrens sind 
etwa die Einleitung des Verfahrens durch schriftliche Klage des Verletzten, der Ab-
lauf der Hauptverhandlung, an welcher die Parteien ihre Sache selbst beziehungs-
weise durch ihre privat bestellten Anwälte zu vertreten haben, sowie die Möglichkeit 
beider Parteien, gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung beim Kantonsgerichts-
ausschuss einzulegen. Ein Parteivortritt findet gemäss Art. 168 Abs. 2 StPO im Be-
rufungsverfahren nicht statt. Davon abgesehen kann von einer mündlichen 
Verhandlung vor der Rechtsmittelinstanz abgesehen werden, soweit die erste 
Instanz tatsächlich mündlich verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder Tatfragen 
zur Diskussion stehen, die sich leicht nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn 
eine reformatio in peius ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist 
und sich keine Fragen zur Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 
E. 2b; PKG 2001 Nr. 19; ZGRG 2/99, S. 46). Zudem darf einem nichtöffentlichen 
Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse entgegenstehen. Der Betroffene 
kann aber auch von sich aus auf eine mündliche Verhandlung verzichten. 
Voraussetzung eines wirksamen Verzichts ist, dass er ausdrücklich erklärt wird oder 
sich aus dem Stillschweigen des Betroffenen eindeutig ergibt. Vorliegend hat die 
Berufungsklägerin stillschweigend auf eine mündliche Berufungsverhandlung 
verzichtet, indem sie deren Durchführung zu keinem Zeitpunkt beantragte. Das 
angefochtene Urteil des Bezirksgerichtsausschusses Prättigau/Davos wurde am 
25. November 2004 im Anschluss an eine mündliche Hauptverhandlung, an welcher 
die Berufungsklägerin anwesend war, erlassen. Die Frage der reformatio in peius 
(Art. 146 Abs. 1 StPO) stellt sich vorliegend nicht, da lediglich die Berufungsklägerin 
gegen das vorinstanzliche Urteil Berufung erhoben hat und der 
Kantonsgerichtsausschuss mithin die Strafe nicht verschärfen darf. Im Weiteren 
stellen sich keinerlei Fragen zur Person und zum Charakter der Berufungsklägerin, 
die sich nicht auch aufgrund der Akten beantworten liessen. Die Tat- und 

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Rechtsfragen lassen sich leicht nach den Akten beurteilen und die Angelegenheit 
ist von geringer Tragweite. Im vorliegenden Fall steht einem nichtöffentlichen 
Verfahren auch kein wichtiges öffentliches Interesse entgegen. Auch unter diesen 
Aspekten kann auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung verzichtet 
werden (vgl. BGE 119 Ia 318 f.; PKG 2001 Nr. 19). Die streitige Strafsache kann 
gestützt auf die vorliegenden Akten ohne mündliche Verhandlung sachgerecht 
entschieden werden. Ein persönliches Vortreten von X. vor Schranken ist nicht 
notwendig.

3. a) Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kantonsge-
richtsausschuss als Berufungsinstanz zwar eine umfassende, uneingeschränkte 
Kognition zukommt (Art. 146 Abs. 1 StPO), er jedoch das vorinstanzliche Urteil 
grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung gestellten Anträge überprüft. Es 
gilt dabei aber zu berücksichtigen, dass der Kantonsgerichtsausschuss auch wei-
tere Urteilspunkte abändern oder ergänzen kann und muss, wenn sonst der Würdi-
gung aller Umstände unzureichend Rechnung getragen würde beziehungsweise 
einzelne Fragen aus dem Sachzusammenhang gerissen würden und damit Bun-
desrecht verletzt würde (vgl. BGE 117 IV 104 ff.). 

b) Vorliegend bestritten sind gemäss Berufungsschrift der von der Vorinstanz 
relevierte Sachverhalt beziehungsweise die von dieser vorgenommene Beweiswür-
digung und der Schuldspruch. Es geht im vorliegenden Verfahren daher in erster 
Linie um die Frage, ob der der Berufungsklägerin zur Last gelegte Sachverhalt 
rechtsgenüglich erstellt ist. Massgeblich ist dabei, ob X. Z. als “Kindsmörderin“ be-
zichtigt hat oder nicht.

4. Wer jemanden bei einem andern eines unehrenhaften Verhaltens oder 
anderer Tatsachen, die geeignet sind, seinen Ruf zu schädigen, beschuldigt oder 
verdächtigt, wird gestützt auf Art. 173 Ziff. 1 StGB auf Antrag mit Gefängnis bis zu 
sechs Monaten oder mit Busse bestraft. Nach Art. 174 Ziff. 1 StGB wird bestraft, 
wer solches wider besseres Wissen tut. Gegenstand dieser Bestimmung bilden eh-
renrührige Tatsachenbehauptungen über eine Person, die gegenüber einem Dritten 
erhoben werden. Die Tatsachenbehauptung muss ehrrührig sein, das heisst geeig-
net, den Ruf des Betroffenen zu schädigen. Dabei ist gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung Ehre der Anspruch einer Person auf Geltung (BGE 114 IV 16). 
Geschützt wird der Ruf ein ehrbarer Mensch zu sein, also sich so zu benehmen, 
wie ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt (BGE 117 IV 28 
f.; BGE 116 IV 206; BGE 103 IV 158). Entscheidend dafür, ob die eingeklagte Äus-

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serung ehrverletzend sein kann, ist der Sinn, welchen ihr der unbefangene Hörer 
nach den Umständen beilegen musste (BGE 119 IV 47). Die Ehre ist unter anderem 
beim Vorwurf betroffen, vorsätzlich eine strafbare Handlung begangen zu haben (F. 
Riklin, Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 2003, N 18 vor Art. 173 StGB). 

Der Beschuldigte macht sich gemäss Art. 173 Ziff. 2 StGB nicht strafbar, 
wenn er zu beweisen vermag, dass die von ihm vorgebrachte oder weiterverbreitete 
Äusserung der Wahrheit entspricht (Wahrheitsbeweis), oder dass er ernsthafte 
Gründe hatte, sie in guten Treuen für wahr zu halten (Gutglaubensbeweis). In Um-
kehr der üblichen Beweislast ist somit der Verletzer beweispflichtig. Gemäss Art. 
173 Ziff. 3 StGB wird der Beschuldigte von diesen sogenannten Entlastungsbewei-
sen ausgeschlossen, wenn kumulativ einerseits eine Wahrung öffentlicher Interes-
sen oder sonst eine begründete Veranlassung für die Äusserung fehlte und ander-
seits der Täter in der überwiegenden Absicht, jemandem Übles vorzuwerfen, ge-
handelt hat, insbesondere wenn sich die Äusserungen auf das Privat- oder Famili-
enleben beziehen (Art. 173 Ziff. 3 StGB):

5. a) Der Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos sprach X. der üblen 
Nachrede gemäss Art. 173 StGB schuldig. Dafür bestrafte er sie mit einer Busse in 
der Höhe von Fr. 250.-. Denn er erachtete es als erwiesen an, dass sich der Sach-
verhalt am 12. August 2002 tatsächlich so zugetragen hat, wie er von den Zeugin-
nen C. und D. dargelegt worden ist. Die Aussagen dieser beiden Zeuginnen seien 
schlüssig, deckungsgleich und detailgetreu. Ihnen könne deshalb ein hoher Wahr-
heitsgehalt attestiert werden. Auch seien für eine Falschaussage keine Motive er-
sichtlich, welche die Überzeugungskraft der beiden Zeugenaussagen erschüttern 
könnten. Der Bezirksgerichtsausschuss kam demnach zum Schluss, dass es hin-
länglich bewiesen sei, dass X. Z. eine “Kindsmörderin“ nannte, womit sie den Tat-
bestand der üblen Nachrede erfüllt habe.

b) Die Berufungsklägerin hält in ihrer Berufung daran fest, dass sie das Wort 
“Kindsmörderin“ nicht ausgesprochen habe. Sie bezichtigt die beiden Zeuginnen 
der Falschaussage. C. habe als Schwägerin von Z. ein Interesse daran, die Un-
wahrheit zu sagen. Weiter macht X. sinngemäss geltend, dass aufgrund einer Erb-
schaftsstreitigkeit zwischen ihrem Sohn und Z. ein Motiv für Falschaussagen vor-
liege. Sodann richtet X. verschiedene Vorwürfe sowohl an Z. als auch an ihren Mann 
B.. Schliesslich räumt sie ein, dass die Blumen in ihrem Garten nicht von Z. ausge-
rissen worden seien, sondern verdächtigt neuerdings den Briefträger dieser Taten. 

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6. Die Berufungsklägerin bestreitet die üble Nachrede und macht eine 
falsche Sachverhaltsdarstellung und willkürliche Beweiswürdigung geltend, 
weshalb vorweg zu prüfen ist, ob der objektive Tatbestand aufgrund der von der 
Anklage vorgelegten Akten und Unterlagen rechtsgenüglich nachgewiesen werden 
kann.

a) Gemäss Art. 125 Abs. 2 StPO entscheidet das Gericht bei der Würdigung 
der Beweismittel nach freier Überzeugung. Dieser Grundsatz der freien 
Beweiswürdigung ergibt sich bereits aus Art. 249 des Bundesgesetzes über die 
Bundesstrafrechtspflege (BStP). Der Richter hat danach von Bundesrechts wegen 
frei von gesetzlichen Beweisregeln und nur nach seiner persönlichen Überzeugung 
aufgrund gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu 
entscheiden, ob er eine Tatsache für bewiesen hält oder nicht (vgl. BGE 115 IV 268 
f.). Ist für die Urteilsfindung wie im vorliegenden Fall die materielle Wahrheit 
wegleitend, so kann für diese Beurteilung nur die freie Meinung des Richters 
massgebend sein (vgl. R. Hauser/ E. Schweri/K. Hartmann, Schweizerisches 
Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 2, S. 244). Allein auf diese Weise 
kann der Richter ein für jeden Einzelfall zutreffendes Urteil fällen. Neben der 
Würdigung der Beweise stellt sich dem Richter die Frage, wann er eine bestimmte 
Tatsache als erwiesen betrachten darf und wann nicht. Lehre und Rechtsprechung 
gehen zutreffend davon aus, blosse Wahrscheinlichkeit dürfe für eine Verurteilung 
nicht genügen, absolute Sicherheit sei für eine solche aber auch nicht erforderlich 
und eine theoretisch entfernte Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein 
könnte, rechtfertige keinen Freispruch (vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 
N 11, S. 247). 

Trotzdem sind an den Beweis der zur Last gelegten Tat hohe Anforderungen 
zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein 
absoluter Beweis. Nach der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) und Art. 
6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel “in dubio pro reo“ darf sich der 
Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen 
Sachverhalts überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel 
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat, oder mit anderen Worten 
Zweifel an den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis 
bestehen (BGE 124 IV 87 f.). Bloss theoretische Zweifel sind indessen nicht 
massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht 
verlangt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu 
unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven 

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Sachlage aufdrängen (BGE 120 la 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung 
an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des 
Beschuldigten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die 
vernünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 
1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307). Diese allgemeine Regel kommt im Übrigen 
nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist 
vielmehr anhand sämtlicher sich aus den Akten ergebenden Umstände zu 
untersuchen, ob die Darstellungen der Anklage oder jene des Angeklagten den 
Richter zu überzeugen vermögen. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der 
einen noch in der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz 
“in dubio pro reo“ der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen 
werden (PKG 1978 Nr. 31; Padrutt, a.a.O., S. 307).

Zu den verschiedenen Beweismitteln ist anzuführen, dass der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Insbesondere sind die 
Aussagen von Zeugen und Angeschuldigten voll gültige Beweismittel mit derselben 
Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise ist weniger die Form, sondern 
vielmehr der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung sowie 
die Überzeugungskraft massgebend. Entscheidend ist mit anderen Worten allein 
die Beweiskraft der konkreten Beweismittel im Einzelfall (Hauser/Schwe-
ri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 5, S. 246).

Im Rahmen des Gerichtsverfahrens interessiert nicht in erster Linie die 
persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen, sondern vielmehr die sachliche 
Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage (vgl. R. Hauser, Der Zeugenbeweis im 
Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 311 ff.). Als 
Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit 
und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und 
anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses zu werten. Die Schilderung des Vorfalles 
in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den 
Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit der Deposition. Für 
die Korrektheit einer Aussage sprechen im weiteren die Kenntlichmachung der 
psychischen Situation von Täter und Zeuge, die Selbstbelastung oder unvorteilhafte 
Darstellung der eigenen Rolle, Entlastungsbemerkungen zu Gunsten des 
Beschuldigten und die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragungen. 
Bei wahrheitswidrigen Bekundungen fehlen diese Kennzeichen regelmässig. 

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Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen sind Unstimmigkeiten oder 
grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche 
Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, 
unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, 
eingeübt wirkende Aussagen. Die Richtigkeit einer Deposition muss alsdann auf 
ihre Übereinstimmung mit den Lebenserfahrungen und dem Ergebnis der übrigen 
Beweiserhebungen geprüft werden. Auch im System der Glaubwürdigkeitskriterien 
von Arntzen (F. Arntzen/E. Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, 
System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993) steht an erster 
Stelle die Aussage selbst. Sie ist vor dem Hintergrund allgemein bekannter oder im 
Einzelfall zu erkundender psychischer Eigenarten zu betrachten, wobei bestimmte 
Aussageeigenarten als Glaubwürdigkeitsmerkmale anzusehen sind. Unterschieden 
wird dabei zwischen Glaubwürdigkeitskriterien, die sich aus dem Aussageinhalt, der 
Aussageentwicklung, der Aussageweise sowie dem Motivationsumfeld der 
Aussage ergeben. Kriterien des glaubhaften Aussageinhalts sind der Grad der 
Detaillierung und der inhaltlichen Besonderheit sowie die Homogenität der 
Aussage. Die Glaubhaftigkeit aus dem Verlauf der Aussageentwicklung ergibt sich 
aus der relativen Konstanz einer Aussage in zeitlich auseinanderliegenden 
Befragungen sowie der Ergänzbarkeit der Deposition bei nachfolgenden 
Befragungen. Nacherlebende Gefühlsbeteiligung und ungesteuerte Aussageweise 
sprechen im Bereich der Aussageweise für einen hohen Wahrheitsgehalt. Der Grad 
der Objektivität ist schliesslich massgebend für den Grad der Glaubwürdigkeit, der 
sich aus dem Motivationsumfeld ergibt (vgl. Arntzen/Michaelis-Arntzen, a.a.O., S. 
15 ff.).

b) aa) Die Vorinstanz stützt ihre Angaben auf die Aussagen der Zeugin-
nen C. und D., welche übereinstimmend aussagten, X. habe Z. der “Kindsmörderin“ 
bezichtigt. Die Angeschuldigte bestreitet nicht, C., D. und Z. am 12. August 2002 
getroffen zu haben, behauptet hingegen, das Wort “Kindsmörderin“ nicht 
ausgesprochen zu haben. Vielmehr hätte D. sie bei der Begegnung am besagten 
Tag beschimpft und ihr vorgeworfen, dass sie die Mietzinse an A. sel. über Jahre 
nicht bezahlt habe und dass sie und ihre Familie böse Leute seien, weil sie nicht in 
die Kirche gehen würden. Sie habe sich daraufhin verteidigt, diese Anschuldigungen 
zurückgewiesen und sodann wissen wollen, weshalb Z. ihre Blumen ausgerissen 
habe. Woraufhin D. sie “von neuem ohne Grund herunter geputzt“ habe. Sodann 
hätte sie bloss noch gesagt, dass sie nach Chur fahren sollen und sei ins Haus 
zurückgekehrt. 

13

bb) D. hat die Ehrverletzungsklage der Z. signiert unter dem Vermerk: “Ich 
bestätige, dass die vorerwähnten Aussagen in allen Teilen der Wahrheit 
entsprechen“ (act. 4/1.1). Wie der Kantonsgerichtausschuss in seinem Urteil vom 
19. November 2003 (SB 03 47) festgehalten hat, kann diese bloss schriftliche 
Erklärung eine Zeugeneinvernehmung nicht ersetzen. Denn bei derartigen 
Zeugenbefragungen auf privater Basis kann eine Beeinflussung der Zeugen und 
damit eine Verfälschung des Ergebnisses einer späteren, korrekten Einvernahme 
durch die Strafverfolgungsbehörden nicht ausgeschlossen werden. Indes führt eine 
vorausgehende schriftliche Bestätigung nicht zur völligen Unbeachtlichkeit einer 
späteren Aussage als Zeuge. Das Gericht hat aber bei der Würdigung der 
Glaubhaftigkeit einer Zeugenaussage den Umstand, dass eine Partei bei einem 
Zeugen im Voraus eine schriftliche Bestätigung eingeholt hat, nach den konkreten 
Verhältnissen des Einzelfalls zu gewichten; es steht ihm auch in dieser Situation 
das oben umschriebene Recht der freien Beweiswürdigung zu (PKG 1988 Nr. 22; 
PKG 1977 Nr. 10; Padrutt, a.a.O., Ziff. 2.1, S. 212).

cc) C. ist die Schwägerin der Berufungsbeklagten. Sie schilderte den Ablauf 
der hier interessierenden Ereignisse anlässlich ihrer Einvernahme als Zeugin am 
27. September 2004 (act. 4/1.22) wie folgt: Immer in den zwei mittleren Wochen des 
Monats August halte sie sich in ihrem Maiensäss in J. auf. Im Jahre 2002 sei sie mit 
D. dort gewesen. Sie hätten zum Einkaufen nach Küblis gewollt und hätten dabei 
ihre Schwägerin getroffen. Sie hätten angehalten und ein paar Worte mit ihr 
gewechselt. Dann sei plötzlich Frau X. aufgetaucht, die ihr Haus etwas weiter hinten 
habe. Sie habe ihre Schwägerin beschuldigt, ihr Blumen gestohlen zu haben. 
Daraufhin habe D. geantwortet, sie glaube nicht, dass Frau Z. so etwas mache. Frau 
X. indes habe auf ihrer Anschuldigung bestanden und wörtlich gesagt: “Diese 
Kindsmörderin hat mir Blumen gestohlen.“ Sie seien damals im Auto gesessen. Die 
beiden vorderen Seitenfenster seien offen gewesen. Sie selber sei im Auto sitzen 
geblieben. D. sei ausgestiegen, nachdem das Wort “Kindsmörderin“ gefallen sei. 
Frau X. hätte sehr laut gesprochen und habe sich ereifert, so dass nichts zu 
überhören gewesen sei. Da sie Distanzen schlecht einschätzen könne, könne sie 
die Entfernung zwischen Auto und X. nicht angeben.

C. sagte ferner aus, ihre Schwägerin, d.h. die Privatstrafklägerin, habe sie 
über den Prozessgegenstand orientiert. Zwei Tage vor der Einvernahme habe sie 
sich mit ihrer Schwägerin über Gegenstand und Inhalt der Zeugenbefragung 
unterhalten. Indes treffe es nicht zu, dass sie den ganzen Vorfall noch einmal 

14

durchgegangen wären. Es sei für sie aber klar gewesen, dass sie einfach aussagen 
würde, was passiert sei. 

dd) Nach den Aussagen der Zeugin D. vom 27. September 2004 (act. 4/1.23) 
haben sich die hier interessierenden Ereignisse wie folgt zugetragen: Sie könne sich 
an das Gespräch zwischen ihr, C. und Z. im Sommer 2002 erinnern. Sie und C. 
seien damals im Auto gefahren. Z. sei in I. gewesen. Sie seien dorthin gefahren. Sie 
hätten Z., die Schwägerin von C., begrüssen wollen. Dann sei X. gekommen. Sie 
habe damals nicht gewusst, wie diese heisse. X. habe sofort gesagt, Z. habe ihr 
Blumen gestohlen oder abgerupft. Die Zeugin habe dann gesagt, dass sie nicht 
glauben würde, dass Z. so etwas machen würde. X. habe daraufhin gesagt, doch 
sie (Z.) sei auch eine Kindsmörderin. Das habe die Zeugin aus dem Auto aussteigen 
lassen. Sie kenne die Geschichte, weshalb Z. keine Kinder habe. Das habe ihr sehr 
weh getan. So etwas sage man nicht. X. sei sehr frech und arrogant aufgetreten. 
Ob X. auf Z. gezeigt habe, während sie sagte, sie sei eine Kindsmörderin, könne 
sie nicht mehr sagen. Sie sei so erregt gewesen, dass sie dies nicht gesehen habe. 
X. habe “Kindsmörderin“ gesagt und habe damit Z. gemeint. Für sie sei klar, dass 
sie damit Z. meinte. X. habe ja zuerst von den Blumen gesprochen und dann von 
der Kindsmörderin. Es sei ganz klar. C. sei ja im Auto gesessen. Diese könne X. 
nicht gemeint haben. Nachdem X. “Kindsmörderin“ gesagt habe, sei die Zeugin aus 
dem Auto gestiegen und vor X. hingestanden. Dann habe X. gesagt, sie sollen weg 
gehen. 

D. gab weiter zu Protokoll, sie sei von C. telefonisch kontaktiert worden. Sie 
sei gefragt worden, ob sie bereits eine Vorladung erhalten habe. Über die Sache 
hätten sie indes nicht gesprochen. Als sie sich im Sommer 2004 getroffen hätten, 
hätten sie “die Sache schon noch einmal durch besprochen“. Sie hätten “beide die 
Geschichte noch gleich im Kopf“ gehabt. 

c) Vergleicht man die Aussagen der beiden Zeuginnen miteinander, fällt auf, 
dass sie sich in den wesentlichen Punkten decken. Beide Schilderungen weisen 
einen hohen Grad an Detaillierung auf und sind in sich geschlossen. Sie vermögen 
sich beide nicht nur unvollständig, verschwommen oder vage an die streitigen 
Vorkommnisse erinnern, das heisst, dass die Berufungsklägerin die 
Berufungsbeklagte eine “Kindsmörderin“ geschimpft habe und wie es dazu 
gekommen sei. Beide sind felsenfest überzeugt, dass X. Z. damals eine “Kindsmör-
derin“ genannt hat. Zwar ist zu beachten, dass C. ihr Zeugnis vor den 
Strafverfolgungsbehörden nicht unbeeinflusst zu Protokoll gegeben hat, sondern 

15

erst nachdem sie den Vorfall mit D. besprochen hatte. Doch trotz Übereinstimmung 
in wesentlichen Punkten gleichen sich die beiden Aussagen indessen nicht wie ein 
Ei dem andern, was ein Glaubhaftigkeitsmerkmal darstellt. Die Zeugin D. äusserte 
sich ausführlicher als C.. Hätten die beiden Zeuginnen – mit oder ohne Zutun von 
Z. – ihre Aussagen im Vorfeld abgesprochen, wären sie wohl in etwa gleich 
ausführlich ausgefallen und weniger detailliert gewesen. Der Vorfall am 12. August 
2002 hat bei D. offenbar einen starken Eindruck hinterlassen. So antwortete sie auf 
die Zeugenfrage Nr. 4, ob sie Interesse am Ausgang des Verfahrens habe, sie finde, 
dass die Aussage von X. eine Ehrverletzung sei. Diese Aussage tue weh. Auf die 
Frage hin, ob sie noch weitere sachdienliche Hinweise machen wolle, gab sie zur 
Antwort, der Ausdruck “Kindsmörderin“ habe sie sehr getroffen “bei einer Frau, die 
keine Kinder haben könne“. Sie kenne die Geschichte der Z.. Diese Antworten 
machen deutlich, dass das Ereignis vom 12. August 2002 D. tief berührt hat. Dies 
wiederum macht plausibel, weshalb sich die Zeugin detailliert an den Vorgang 
erinnern konnte und sie diesen im Sommer 2004 zusammen mit C. erörterte. 

Aus dem Umstand, dass das Verhältnis zwischen der Familie der 
Berufungsklägerin und der Familie Z.-B. aufgrund von Erbrechts- und 
Mietrechtsstreitigkeiten getrübt ist, kann nicht abgeleitet werden, dass Z. X. deshalb 
zu Unrecht und absichtlich einer derartigen Ehrverletzung beschuldigt, wenn es sich 
nicht tatsächlich so zugetragen hätte. Vor allem ist kein vernünftiger Grund 
ersichtlich, wieso Z. X. gerade vorhalten sollte, dass sie sie “Kindsmörderin“ 
genannt habe. Hätte Z. X. wirklich zu Unrecht einer Ehrverletzung bezichtigen 
wollen, hätte sie nach allgemeiner Lebenserfahrung X. nicht der Äusserung eines 
für sie sehr verletzenden Ausdrucks, welcher an ein für sie sehr trauriges Ereignis 
in der Vergangenheit erinnert, bezichtigt, sondern ein anderes ehrrühriges Wort 
gewählt. Vielmehr erscheint es auch unter diesen Umständen einleuchtend, dass 
die Angeschuldigte diesen Ausdruck bewusst gewählt hat, um Z. zu kränken. X. 
kannte die Geschichte von Z.. Selbst in ihrer Berufungsschrift nimmt X. Bezug 
darauf, indem sie Z. vorhält, dass sie “es selber zu verantworten habe, dass sie zwei 
Kinder verloren habe“. Z. habe kein Leben in Harmonie. Und wörtlich: “und wenn 
man halt kein Leben schenken kann, dass muss man es zumindest zerstören, ...“. 
Aus diesen Vorbringen wird ersichtlich, dass X. es offenbar darauf abgesehen hat, 
Z. durch das Aufrollen dieser “alten Geschichte“ zu treffen. Indem X. in ihrer 
Berufungsschrift die Berufungsbeklagte zu diskreditieren versucht, liefert sie 
zugleich das Motiv für die Beschimpfung der Z. als “Kindsmörderin“ 
beziehungsweise veranschaulicht sie dem Gericht, dass zwischen den 
Äusserungen in ihrer Rechtsschrift bis zur Aussprache des Wortes “Kindsmörderin“ 

16

lediglich ein kleiner Schritt liegt. Zudem war derselbe Vorhalt bereits im Jahre 1999 
Gegenstand eines Ehrverletzungsverfahrens von Z. gegen X. (vgl. act. 4/1.1). 
Jedoch konnte damals in der Sühneverhandlung eine Einigung erzielt werden, weil 
X. ihre ehrrührigen Äusserungen zurückgenommen hat (vgl. dazu Pr. Nr. SA 26/02, 
Akten Kreisamt, act.1). 

Schliesslich fällt auf, dass die Angaben der Parteien im wesentlichen einzig 
bezüglich des Vorhalts divergieren, wonach X. Z. in Anwesenheit von Dritten eine 
“Kindsmörderin“ gescholten haben soll. Zwar trifft es zu, dass C. zur 
Berufungsbeklagten in einer verwandtschaftlichen Beziehung steht. Aus der 
Verbundenheit durch die Familie können sich zwar spezifische Befangenheiten 
ergeben, die geeignet sein können, eine Aussage in eine bestimmte Richtung zu 
lenken. Doch ist bei nahen Verwandten oder Geschädigten hinsichtlich der 
Annahme von Befangenheit Zurückhaltung geboten, weil bei weitem nicht alle diese 
Personen ernsthaft befangen sind und in der Einvernahme als Zeuge eine gewisse 
Garantie für die Wahrheit der Aussage liegt (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 
63 N 7, S. 306). Vor dem oben dargelegten Hintergrund unter E. 6 c/2. Abschnitt 
vermögen diese Vorbehalte genauso wenig wie der Umstand, dass die 
Geschehnisse im Vorfeld der Zeugeneinvernahme besprochen wurden, vorliegend 
die Glaubhaftigkeit der Depositionen der beiden Zeuginnen zu erschüttern. Ihre 
Aussagen wirken – wie oben dargelegt - glaubhaft. Sie sind nachvollziehbar, 
übereinstimmend und in sich geschlossen. Sie wurden unter Hinweis auf Art. 307 
StGB, welcher die Straffolgen für wissentlich falsche Zeugenaussagen normiert, 
gemacht. Im Gegensatz zu den Zeuginnen ist die Angeschuldigte nicht zur 
wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet. Die Aussagen einer Angeschuldigten 
sind deshalb von vorneherein nur mit Zurückhaltung zu würdigen, da diese ein 
eigenes Interesse am Ausgang des Verfahrens hat. 

In Würdigung der gesamten Sachlage gibt es demnach für das Gericht keine 
erheblichen Zweifel, dass sich der Sachverhalt nach Darstellungen der Zeuginnen 
und der Berufungsbeklagten zugetragen hat. Der Aussageinhalt spricht nach 
allgemeiner Lebenserfahrung der Deposition der Berufungsklägerin die Richtigkeit 
ab. Denn es erscheint nicht glaubhaft, dass X. das Wort “Kindsmörderin“ nicht 
ausgesprochen hat beziehungsweise, dass Z. X. trotz der Anwesenheit von zwei 
Zeuginnen wahrheitswidrig beschuldigt haben soll, sie als “Kindsmörderin“ tituliert 
zu haben.

17

7. Nach Ansicht des Gerichts ist somit rechtsgenüglich erstellt, dass X. 
am 12. August 2002 Z. vor zwei Zeuginnen als “Kindsmörderin“ betitelt hat. X. hat 
damit den Tatbestand der üblen Nachrede nach Art. 173 StGB erfüllt. Denn die 
Bezeichnung einer Person als “Kindsmörderin“ ist geeignet, den Ruf dieser Person, 
ein ehrbarer Mensch zu sein, herabzusetzen. Deshalb und weil die 
Berufungsklägerin diese Subsumption nicht in Zweifel zieht, bedarf es keiner 
weiteren Worte um darzutun, dass eine solche Titulierung die Ehre der 
Berufungsbeklagten verletzte, zumal die Berufungsklägerin keine Anstalten traf, 
den Beweis zu erbringen, dass Z. dies sei. Abgesehen davon, erscheint es 
überhaupt als fraglich, ob X. zum Entlastungsbeweis zuzulassen wäre. Zumal eine 
begründete Veranlassung für die Äusserung fehlte und sich die Äusserung auf das 
Privat- und Familienleben der Berufungsbeklagten bezieht beziehungsweise X. Z. 
Übles vorwerfen wollte. Ihre Ausführungen, die Berufungsbeklagte habe sich 
entgegen den Weisungen ihres Arztes nicht geschont, weshalb sie damals Zwillinge 
“verloren“ habe, vermögen jedenfalls ihren Vorwurf, die Berufungsbeklagte sei eine 
Kindsmörderin, keineswegs zu entschuldigen. Im vorliegenden Fall sind keine 
Umstände ersichtlich, die nahe legen würden, dass die Berufungsklägerin die 
vorerwogene ehrverletzende Äusserung nicht allein deshalb gemacht hat, um die 
Berufungsbeklagte in ihrem subjektiven Ehrgefühl tief zu kränken und zu verletzen, 
und dies bewusst gegenüber Dritten. Der Kantonsgerichtsausschuss von 
Graubünden kommt demnach zum Schluss, dass X. der üblen Nachrede im Sinne 
von Art. 173 StGB schuldig zu sprechen sei.

8. a) Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der 
Kantonsgerichtsausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und 
wendet die Regeln über die Strafzumessung selbständig an. Gemäss Art. 63 StGB 
bemisst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters. Er berücksichtigt 
dabei die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schul-
digen. Der Betrag der Busse ist im Weiteren so zu bemessen, dass der Schuldige 
die seinem Verschulden angemessene Einbusse erleidet. Es müssen insbesondere 
das Einkommen, das Vermögen und die Familienpflichten berücksichtigt werden 
(Art. 48 Ziff. 2 StGB).

Grundlage für die Bemessung der Schuld ist immer die Schwere der Tat. Bei 
der Beurteilung der Tatkomponente werden insbesondere das Ausmass des ver-
schuldeten Erfolges, die Art und Weise seiner Herbeiführung, die Willensrichtung, 
mit welcher der Täter gehandelt hat und die Beweggründe des Schuldigen berück-
sichtigt. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse 

18

sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, 
Einsicht oder Strafempfindlichkeit. Das Mass des Verschuldens variiert unter ande-
rem mit der Schwere des deliktischen Erfolges, den unterschiedlich gravierenden 
Modalitäten der Tatbegehung und dem Mass an Entscheidungsfreiheit, das dem 
Täter zugeschrieben werden muss. Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechts-
gutverletzung zu vermeiden, je grösser also sein Handlungsspielraum war, desto 
grösser wiegt das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 113 f.; 118 IV 14 f.; 124 IV 44 ff.).

b) X. muss sich den Vorwurf der erheblichen Verletzung der Ehre der Z. gefal-
len lassen. Durch ihr Verhalten hat sie die Berufungsbeklagte in ihrem subjektiven 
Ehrgefühl tief gekränkt. Strafminderungsgründe liegen keine vor. Straferhöhend 
wirkt sich jedoch das Delinquieren während hängigem Strafverfahren aus. Im Rah-
men der Täterkomponente muss der Berufungsklägerin auch ihr getrübter Leumund 
gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 10. Februar 2002 
straferhöhend angerechnet werden. X. sei in J. und Umgebung öfters als aufge-
brachte und aggressive Persönlichkeit in Erscheinung getreten. Vor allem im Kon-
takt mit Behörden sei sie immer wieder negativ aufgefallen. Dabei ist jedoch zu 
berücksichtigen, dass X. die Aussagen im Leumundsbericht der Kantonspolizei 
Graubünden vom 10. Februar 2002 stets bestritten hat beziehungsweise ihr 
soziales Engagement als zu wenig berücksichtigt rügt. Das Gericht lässt deshalb 
hierbei die von der Berufungsklägerin im ersten Rechtsgang vor erster Instanz 
eingelegten Bestätigungen, die X. ein hohes soziales Engagement attestieren, was 
positiv zu werten ist, nicht unberücksichtigt. Diese vermögen die negativen Feststel-
lungen im Leumundsbericht indessen nicht aufzuwiegen, insbesondere da ihr Ver-
halten in der vorliegend zu beurteilenden Sache in dieses Bild passt. Auch hiernach 
fehlt es der Berufungsklägerin offensichtlich an Reue und Einsicht. Dies kann zwar 
nicht straferhöhend berücksichtigt werden; gleichwohl kann X. aufgrund dieses Ver-
haltens nicht mit besonderer Milde rechnen. In Abwägung sämtlicher Strafzumes-
sungsgründe und in Anbetracht ihres monatlichen Einkommens von rund Fr. 4’000.- 
brutto erscheint die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von Fr. 250.-, die im vor-
liegenden Berufungsverfahren nicht erhöht werden darf, als dem Verschulden der 
Berufungsklägerin angemessen. 

c) Diese Busse ist als Zusatz zu der im Urteil des Kantongerichtsausschusses 
Graubünden vom 19. November 2003 (SB 03 47) ausgesprochenen Strafe auszu-
fällen, da es sich vorliegend um einen Fall von sogenannter retrospektiver Konkur-
renz handelt. Retrospektive Konkurrenz liegt gemäss Art. 68 Ziff. 2 StGB vor, wenn 
der Richter eine mit Freiheitsstrafe bedrohte Tat zu beurteilen hat, die der Täter 

19

begangen hat, bevor er wegen einer andern Tat zu einer Freiheitsstrafe verurteilt 
worden ist. Die Richter hat dann eine Zusatzstrafe zur Erststrafe auszusprechen 
(vgl. S. Trechsel, Kurzkommentar zum schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Aufl., 
Zürich 1997, N 18 zu Art. 68). Vorliegend wurde X. mit Urteil des Kantongerichts-
ausschusses Graubünden vom 19. November 2003 zu 10 Tagen Gefängnis bedingt 
bestraft. Am 12. August 2002 hat sie die vorliegend beurteilte üble Nachrede 
gemäss Art. 173 StGB begangen. Art. 173 StGB sieht als Strafdrohung Gefängnis 
bis zu sechs Monate oder eine Busse vor. Somit ist die vorliegend ausgesprochene 
Busse entgegen der Ansicht der Vorinstanz als Zusatzstrafe auszufällen. Die Ziffer 
2 des angefochtenen Urteils ist deshalb von Amtes wegen aufzuheben und wie folgt 
neu zu formulieren: X. wird als Zusatz zu der im Urteil des Kantongerichtsausschus-
ses Graubünden vom 19. November 2003 ausgefällten Strafe mit einer Busse von 
Fr. 250.- bestraft.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beru-
fungsverfahrens von Fr. 1'000.- zu Lasten von X. (Art. 160 StPO).

10. Mit Schreiben vom 23. Februar 2005 beziehungsweise 23. März 2005 
(verbesserte Version) reichte X. ein Gesuch um Gewährung von unentgeltlicher 
Rechtspflege und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ein (Art. 167 
Abs. 4 ZPO). Da das Gesuch erst nach Bezahlung der Kostenvorschüsse und Ein-
reichung der Berufungsschrift gestellt worden ist, stellt sich vorliegend zunächst die 
Frage, ob das Gesuch die formellen Voraussetzungen für die Gewährung von un-
entgeltlicher Rechtspflege zu erfüllen vermag (Art. 42 ff. ZPO).

a) Der Anspruch einer Prozesspartei auf unentgeltliche Rechtspflege beur-
teilt sich in erster Linie nach den Vorschriften des kantonalen Prozessrechts. Unab-
hängig davon besteht jedoch ein Anspruch unmittelbar aufgrund von Art. 29 Abs. 3 
BV. Gestützt auf Art. 29 Abs. 3 BV im Sinne einer Mindestgarantie hat jede Person, 
welche nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche 
Rechtspflege, sofern ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur 
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem einen Anspruch auf einen 
unentgeltlichen Rechtsvertreter. Der Sinn und Zweck des Instituts der unentgeltliche 
Rechtspflege ist, dass der Zugang zum Recht nicht an den fehlenden Mitteln einer 
Partei zur Bezahlung von Gerichtskosten und eines Rechtsvertreters scheitern soll. 
Die unentgeltliche Rechtspflege steht damit im Dienste des Gebots der Chancen- 
und Waffengleichheit aller Menschen vor dem Recht. Beim Entscheid über ein Ge-
such für unentgeltliche Rechtspflege handelt es sich um eine verfahrensleitende 

20

Verfügung, da sie der Fortführung des Verfahrens dient (vgl. N. Brunner, Die unent-
geltliche Rechtspflege nach bündnerischer Zivilprozessordnung – unter besonderer 
Berücksichtigung der neueren Praxis des Kantonsgerichtsausschusses von 
Graubünden, ZGRG 4/03, S. 159). 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann die unentgeltliche 
Rechtspflege jederzeit während des Verfahrens beantragt werden. Sie ist, wenn die 
Voraussetzungen gegeben sind, mit Wirkung ab dem Zeitpunkt an zu bewilligen, in 
welchem das Gesuch gestellt worden ist, wobei auch die anwaltschaftlichen 
Bemühungen im Zusammenhang mit einer gleichzeitig eingereichten Rechtsschrift 
eingeschlossen sind (BGE 120 Ia 14 ff.; BGE 122 I 203 ff). Da die Norm nach stän-
diger Rechtsprechung lediglich einen minimalen Schutz bieten soll, ist zur Bestim-
mung der Grenzen des unmittelbar auf die Bundesverfassung gestützten Anspruchs 
von der Kernfunktion auszugehen. Diese besteht darin, auch der bedürftigen Partei 
den Zugang zum Gericht und die zweckdienliche Wahrung ihrer Parteirechte zu er-
möglichen (BGE 120 Ia 14 E. 3d, S. 16). Der Schutz der unbemittelten Partei vor 
ihrer eigenen Unwissenheit oder Unvorsichtigkeit oder vor mangelnder Beratung 
seitens des Anwalts gehört dagegen nicht mehr zu den eigentlichen Aufgaben der 
unentgeltliche Rechtspflege. Der verfassungsrechtliche Anspruch der bedürftigen 
Person auf unentgeltliche Rechtspflege bezieht sich deshalb grundsätzlich nur auf 
die Zukunft; auf bereits entstandene Kosten erstreckt er sich nur, soweit sie sich 
aus anwaltschaftlichen Leistungen ergeben, die im Hinblick auf den Verfahrens-
schritt erbracht worden sind, bei dessen Anlass das Gesuch um unentgeltliche 
Rechtspflege gestellt wird. Eine darüber hinaus gehende Rückwirkung kommt 
höchstens dann ausnahmsweise in Betracht, wenn es wegen der zeitlichen Dring-
lichkeit einer sachlich zwingend gebotenen Prozesshandlung nicht möglich war, 
gleichzeitig auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu stellen. Den Kan-
tonen, welche eine Rückwirkung über den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung eben-
falls mehrheitlich ablehnen, bleibt es überlassen, zu bestimmen, ob und wieweit sie 
es im Hinblick auf Härtefälle den Gerichten überlassen wollen, die unentgeltliche 
Rechtspflege im Einzelfall aus Gründen der Billigkeit rückwirkend zu gewähren 
(BGE 122 I 206 ff.). In der geltenden Rechtsordnung von Graubünden ist die Frage, 
ab welchem Zeitpunkt die unentgeltliche Rechtspflege Wirkungen entfalten soll, 
nicht geregelt. Die Rechtsprechung lehnt eine rückwirkende Gewährung jedoch ab 
und schliesst sich damit der Auffassung des Bundesgerichts an (PKG 2002 Nr. 14; 
PVG 1987 Nr. 11). 

21

b) Vorliegend hat X. das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und einen 
unentgeltlichen Rechtsvertreter erst gestellt, nachdem sie den Kostenvorschuss im 
Umfang von Fr. 1000.- bereits bezahlt und die Berufungsschrift eingereicht hatte 
(vgl. act. 6). Vor dem Hintergrund der vorstehend angeführten Rechtsprechung zur 
unentgeltlichen Rechtspflege, wonach ein Anspruch auf unentgeltliche Rechts-
pflege nur für die Zukunft besteht und zur Bestimmung der Grenzen des unmittelbar 
auf die Bundesverfassung gestützten Anspruchs von der Kernfunktion auszugehen 
ist, ist das Gesuch von X. aus formellen Gründen abzuweisen, soweit es sich nicht 
als gegenstandlos erweist. Denn indem die Gesuchstellerin den Kostenvorschuss 
bezahlt hat, ist der Zweck der unentgeltlichen Rechtspflege bereits anderweitig er-
reicht worden, da die Gesuchstellerin Zugang zur Rechtspflege erhalten hat. Soweit 
ein Gesuch erst nach Bezahlung des Gerichtskostenvorschusses gestellt wird, kann 
deshalb sowohl im Lichte des Sinns und Zwecks der unentgeltlichen Rechtspflege 
als auch wegen der Nichtgewährung für die Vergangenheit kein Anspruch auf Rück-
erstattung desselben bestehen (vgl. auch Frank/Sträuli/Messmer, ZPO, Kommentar 
zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Zürich 1997, N 2 zu § 90). Beson-
dere Umstände, welche die rückwirkende Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege zu rechtfertigen vermöchten, macht X. nicht geltend und sind auch nicht er-
sichtlich. 

c) Dass die rückwirkende Gewährung von unentgeltlicher Rechtspflege 
und unentgeltlicher Rechtsverbeiständung vorliegend abgelehnt wird, bedeutet je-
doch nicht zwingend, dass die Voraussetzungen für die Gewährung von unentgelt-
licher Rechtspflege auch ab dem Zeitpunkt der Gesuchseinreichung nicht geben 
sind. Es ist deshalb weiter zu prüfen, ob die materiellen Voraussetzungen für unent-
geltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zum Zeitpunkt der Gesuchsein-
reichung erfüllt waren. Vorliegend kann indessen offengelassen werden, ob die ma-
teriellen Voraussetzungen der unentgeltliche Rechtspflege, das heisst Mittellosig-
keit und keine Aussichtslosigkeit des Rechtsbegehrens gegeben wären, denn das 
Gesuch erweist sich insofern für die Zukunft als gegenstandslos, als die Gerichts-
kosten des vorliegenden Verfahrens Fr. 1000.- betragen und diese bereits durch 
den – wie oben erläutert - nicht rückerstattbaren Kostenvorschuss von Fr. 1000.- 
gedeckt sind. Der Gesuchstellerin sind somit seit der Gesuchseinreichung keine 
über den Kostenvorschuss hinausgehende Kosten entstanden.

Aus ähnlichen Überlegungen erweist sich das Gesuch über die Bestellung 
eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ebenfalls als gegenstandslos. Auch ein un-
entgeltlicher Rechtsbeistand wird nur für die Zukunft ab Gesuchstellung bewilligt. 

22

Seit der Gesuchseinreichung sind X. indes gar keine anwaltlichen Kosten für das 
vorliegende Verfahren entstanden. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung erweist sich deshalb zum vorneherein als gegenstandslos.

d) Somit ist vorliegend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuwei-
sen, soweit es sich nicht als gegenstandslos erweist. 

23

Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen. 

2. Die Ziffer 2 des angefochtenen Urteils wird von Amtes wegen aufgehoben 
und wie folgt neu formuliert: X. wird als Zusatz zu der im Urteil des Kanton-
gerichtsausschusses Graubünden vom 19. November 2003 ausgefällten 
Strafe mit einer Busse von Fr. 250.- bestraft. 

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'000.- gehen zu Lasten von X.. 

4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen, soweit es sich 
nicht als gegenstandslos erweist. 

5. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

6. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident:  Die Aktuarin ad hoc: