# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 908bfc71-0252-5e7b-bb1d-7398e8d5faea
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-09-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.09.2009 OH 2008/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2008-4_2009-09-09.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2008/4

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 26.03.2020

Entscheiddatum: 09.09.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 09.09.2009
Art. 3 Abs. 3 und 4 OHG (in der bis 31. Dezember 2008 gültig gewesenen 
Fassung). Internatsbeschulung (Sekundarschule) bis zum Ende der 
obligatorischen Schulpflicht als notwendig für die Überwindung der Folgen 
der Straftat angesehen. Die obligatorische Schulpflicht endet im Kanton St. 
Gallen nicht automatisch nach neun Schuljahren, sondern nach Abschluss 
der dritten Oberstufenklasse (Art. 48 Abs. 1 Volksschulgesetz) (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. September 2009, 
OH 2008/4).

Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Jürg Schutzbach

Entscheid vom 9. September 2009

in Sachen

A.___ H.___

Rekurrentin,

vertreten durch B.__ H.___,

zusätzlich vertreten durch Soziale Dienste Y.___,

gegen

Stiftung Opferhilfe der Kantone SG/AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. 

Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Vorinstanz,

betreffend

weitergehende Hilfe (Kostengutsprache für Internatsaufenthalt)

Sachverhalt:

A.           

A.a Am 28. September 2005 stellte B.___ H.___ für ihre Tochter A.___ H.___ ein Gesuch 

um finanzielle Unterstützung an die Lebensunterhaltskosten (Übernahme oder 

Beteiligung an den nicht durch die EL gedeckten Kosten der Unterbringung im 

Kollegium Z.___). Aus dem beigelegten Urteil des Kassationshofes des Bundesgerichts 

vom 21. Dezember 2000 geht hervor, dass A.___ H.___ von ihrem Vater, C.___ H.___, 

im Alter von vier bis fünf Jahren massiv sexuell missbraucht und der Vater deswegen 

vom Kantonsgericht St. Gallen zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden war (act. 

G 6.1/1 und 1b). Mit Begleitschreiben gleichen Datums führten zudem die Sozialen 

Dienste Y.___ gestützt auf eine Empfehlung des Schulpsychologischen Dienstes des 

Kantons St. Gallen aus, der geregelte und klar strukturierte Rahmen einer 

Internatsschule sei aus entwicklungs- und schulpsychologischer Sicht die optimale 

Beschulungsform (act. G 6.1/2 und 2e). Mit Schreiben vom 9. November 2005 führte 

die Stiftung Opferhilfe aus, die Kausalität der Straftat zur gewählten Massnahme sei 

nicht ersichtlich und gab den Sozialen Diensten der Gemeinde Y.___ Gelegenheit zur 

Stellungnahme (act. G 6.1/3).

A.b Mit Stellungnahme vom 18. November 2005 führten die Sozialen Dienste Y.___ 

aus, Mutter und Tochter hätten Angst gehabt, dass der Vater und Täter nach seiner 

Haftentlassung die von ihm geäusserten Rachegedanken in die Tat umsetzen könne. 

A.___ H.___ habe deshalb ungefähr im Mai 2004 den Wunsch geäussert, an einem 

anderen Ort einen Neuanfang zu machen. Gemäss Angaben der Psychologin sei dafür 

der strukturierte Rahmen einer Internatsschule am besten geeignet. Zudem wäre 

schade, wenn die durch den grossen Einsatz der Mutter und anderer Personen 

eingeleitete positive Entwicklung in der jetzigen schwierigen Phase der Entwicklung 

gefährdet würde (act. G 6.1/4).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Mit Schreiben vom 5. Dezember 2005 stellte die Stiftung Opferhilfe fest, dass in dieser 

speziellen Situation eine besondere Massnahme angebracht sei und erklärte sich 

bereit, an die "Sonderbeschulung" von A.___ H.___ im Kollegium Z.___, unter 

Berücksichtigung der Unterhaltspflicht der Eltern bzw. der Sozialhilfe, einen maximalen 

monatlichen Beitrag von Fr. 1'000.--, längstens bis zum Abschluss der obligatorischen 

Schulpflicht zu bezahlen (act. G 6.1/5).

A.c Am 21. August 2006 informierten die Sozialen Dienste Y.___ die Stiftung Opferhilfe 

darüber, dass A.___ H.___ das Schuljahr 2005/06 im Kollegium Z.___ abgeschlossen 

habe und per 20. August 2006 in die 1. Sekundarklasse der Schule D.___ übertreten 

werde. Dort würden nur Mädchen beschult und sie werde sich dort noch wohler fühlen. 

Durch diesen Wechsel werde sich die Sekundarschulausbildung um ein Jahr 

verlängern (act. G 6.1/6).

Mit Schreiben vom 26. September 2006 änderte die Stiftung Opferhilfe ihre 

Kostengutsprache vom 5. Dezember 2005 dahin gehend, dass sie nun die Hälfte der 

(reduzierten) Kosten in D.___ bis zum Abschluss der obligatorischen Schulzeit (d.h. 

noch zwei Jahre) im Umfang von maximal Fr. 600.-- pro Monat, also Fr. 7'200.-- 

jährlich zu übernehmen bereit war (act. G 6.1/7). Am 23. Januar 2008 erhöhte die 

Stiftung den Betrag "abschliessend" um Fr. 750.--, da das Schulgeld für das Schuljahr 

2007/08 um Fr. 1'500.-- erhöht worden war (act. G 6.1/9).

A.d Am 29. Mai 2008 informierte die Gemeinde Y.___ die Stiftung erneut über den 

Verlauf und die Finanzierung der Ausbildung. Gleichzeitig beantragte sie, die 

bestehende Kostengutsprache für drei Jahre (bis Schuljahr 2007/08) auf das durch den 

Schulwechsel erforderliche vierte Schuljahr (Schuljahr 2008/09) auszudehnen, damit 

A.___ H.___ die Sekundarschule in D.___ ordnungsgemäss abschliessen könne (act. G 

6.1/11).

Mit Schreiben vom 29. Juli 2008 hielt die Stiftung Opferhilfe daran fest, dass nur bis 

zum Ende der obligatorischen Schulpflicht Beiträge geleistet werden könnten, nicht 

jedoch für das zusätzliche Schuljahr, das durch den freiwilligen Schulwechsel 

notwendig geworden sei. Gleichzeitig räumte sie den Sozialen Diensten Y.___ 

Gelegenheit zur Stellungnahme ein (act. G 6.1/12).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Mit Stellungnahme vom 28. August 2008 führte die Gemeinde Y.___ aus, dass A.___ 

H.___ in der Schule D.___ am richtigen Ort sei. Gemäss Dr. med. L.___, FMH Kinder- 

und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, könne sich A.___ H.___ erst in D.___ und 

mit der Psychotherapie so entwickeln, dass sie erwachsen und unabhängiger von den 

Ideen der Mutter werde. Auch die ehemalige Schulleiterin und Bezugsperson gehe 

davon aus, dass sich der Missbrauch nach wie vor auf A.___ H.___ auswirke. Sie 

erachte es deshalb als sehr wichtig, dass A.___ H.___  sich noch ein weiteres Jahr in 

der Schule D.___  entwickeln und festigen könne (act. G 6.1/14).

Mit Verfügung vom 11. September 2008 lehnte die Stiftung Opferhilfe die Ausrichtung 

von Beiträgen über die obligatorische Schulpflicht hinaus ab (act. G 6.1/15).

B.      

B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der vorliegende Rekurs vom 22. September 

2008 mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und 

Ausrichtung von Beiträgen für das Schuljahr 2008/09 im bisherigen Umfang. Entgegen 

der Ansicht der Vorinstanz handle es sich bei der Sonderbeschulung weder in Z.___ 

noch in D.___ um eine behördlich organisierte und finanzierte Unterbringung. Die 

Erziehungsbeistandschaft sei am 29. Oktober 2001 aufgehoben worden. Vielmehr 

hätten sich die Mutter von A.___ H.___ und diese selber in Absprache mit dem 

Schulpsychologischen Dienst entschlossen, dass sie in ein Internat eintreten solle. 

Auch wenn sie die Mindestjahre der obligatorischen Schulpflicht erfüllt habe, sei 

unbestritten, dass sie sich bis Juli 2009 weiterhin in der Oberstufe befinde, und sie 

einen korrekten Oberstufenabschluss brauche, um auf dem Lehrstellenmarkt eine 

Chance zu haben (act. G 1).

B.b Mit Vernehmlassung vom 27. November 2008 beantragt die Vorinstanz Abweisung 

des Rekurses. In formeller Hinsicht wird vorgebracht, über die Gewährung von 

Leistungen sei bereits mit den Kostengutsprachen vom 5. Dezember 2005, 26. 

September 2006 und 23. Januar 2008 abschliessend und rechtskräftig entschieden 

worden, insbesondere auch darüber, dass die Opferhilfe nicht für die freiwillige 

Verlängerung von drei auf vier Jahre aufkomme. Beim Gesuch (vom 29. Mai 2008) 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

handle es sich demzufolge um ein Wiedererwägungsgesuch, auf das mit der 

angefochtenen Verfügung nicht eingetreten worden sei.

In materieller Hinsicht wird im Wesentlichen vorgebracht, bei der "Sonderbeschulung" 

handle es sich um eine Luxusvariante, welche zwar sinnvoll erschienen sei, nicht aber 

im Sinn der adäquaten Kausalität zwingend erforderlich gewesen sei. Vor allem aber 

sei der Wechsel vom Kollegium Z.___ in die Schule D.___ und die damit verbundene 

Verlängerung der Schulzeit nicht kausal auf eine Straftat zurückzuführen (act. G 6).

B.c Mit Replik vom 19. Januar 2009 macht die Vertreterin der Rekurrentin in formeller 

Hinsicht geltend, es sei in der angefochtenen Verfügung nie die Rede von einem 

Wiedererwägungsgesuch gewesen, auf das nicht eingetreten werden könne. Auch sei 

in zeitlicher Hinsicht davon auszugehen, dass die Opferhilfe das Opfer so lange zu 

begleiten habe, bis dieses nicht mehr auf die Unterstützung angewiesen sei, weshalb 

die entsprechenden Hinweise in den Kostengutsprachen nur informativen Charakter 

gehabt hätten. Materiell wird ausgeführt, dass der Besuch der Schule D.___ von der 

Vorinstanz als sinnvoll und angemessen bezeichnet worden sei und diese deshalb 

Kostengutsprache geleistet habe. Die eingetretene Entwicklung hätte mit einem 

blossen Schulwechsel nicht erreicht werden können. Im Weiteren verursache der 

Schulwechsel trotz längerer Schulzeit keine höheren Kosten (act. G 8).

B.d Mit Duplik vom 10. März 2009 führt die Vorinstanz aus, dass in den 

Kostengutsprachen vom 5. Dezember 2005 und vom 26. September 2006 das Ende 

der Unterstützung ausdrücklich bis zum Abschluss der obligatorischen Schulzeit 

limitiert worden sei. Diese Verfügungen seien unangefochten in Rechtskraft erwachsen. 

In materieller Hinsicht sei fraglich, ob ein mehrjähriger Internatsaufenthalt tatsächlich 

kausal auf eine Straftat zurückgeführt werden könne oder ob dafür noch andere 

Gründe verantwortlich gewesen seien. Weiter liege das Interesse für die Finanzierung 

der Internatskosten heute allein bei der Gemeinde, da sie dadurch ihr 

Sozialhilfeausgaben senken könne (act. G 12). Mit einer weiteren Eingabe vom 9. April 

2009 weist die Vorinstanz darauf hin, dass gemäss der Rechtsprechung der 

Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen die von der Gemeinde 

übernommenen Fremdplatzierungskosten keine rückerstattungspflichtigen 

Sozialhilfeleistungen darstellten (act. G 14).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen:

1.       

Die angefochtene Verfügung stützt sich auf das Bundesgesetz über die Hilfe an Opfern 

von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG [SR 312.5] in der bis 31. Dezember 2008 

geltenden, im vorliegenden Fall anwendbaren Fassung). Verfügungen der 

Beratungsstelle über Sofort- oder weitere Hilfe gemäss Art. 3 aOHG können beim 

Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49  des Kantonalen 

Strafprozessgesetzes [sGS 962.1]). Auf den vorliegenden Rekurs ist daher einzutreten.

2.       

In formeller Hinsicht macht die Vorinstanz zunächst geltend, der fragliche Anspruch auf 

Leistungen der Opferhilfe für das Schuljahr 2008/09 sei mit den Kostengutsprachen 

vom 5. Dezember 2005 und 26. September 2006 rechtskräftig auf das Ende der 

obligatorischen Schulpflicht begrenzt worden (d.h. auf das Schuljahr 2007/08), weshalb 

mit der nun angefochtenen Verfügung auf das Wiedererwägungsgesuch vom 29. Mai 

2008 nicht eingetreten worden sei. Dem ist jedoch mit der Vertreterin der Rekurrentin 

entgegen zu halten, dass die genannten Schreiben (Kostengutsprachen) weder als 

Verfügungen gekennzeichnet noch mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen waren 

(vgl. act. G 6.1/5 und 7). Dass die Vorinstanz selber nicht von einer rechtskräftig 

erledigten Angelegenheit ausging, zeigt deren Reaktion auf das Verlängerungsgesuch 

vom 29. Mai 2008. Diese bestand nicht darin, auf das Gesuch mangels 

Voraussetzungen der Wiedererwägung (verfügungsweise) nicht einzutreten. Vielmehr 

legte die Vorinstanz der Vertreterin der Rekurrentin nochmals ihren Standpunkt dar und 

forderte diese zur (materiellen) Stellungnahme auf. Das Schreiben war mit dem Hinweis 

versehen, dass mangels Eingangs einer Stellungnahme innert 14 Tagen in dieser Sache 

verfügt werde (act. G 6.1/12). Nachdem die Vertreterin am 28. August 2008 eine 

Stellungnahme eingereicht hatte, erliess die Vorinstanz am 11. September 2008 eine 

auch als solche bezeichnete Verfügung, die nun auch mit einer Rechtsmittelbelehrung 

versehen war (act. G 6.1/15). Mit der Rekurrentin ist sodann davon auszugehen, dass 

das Ende des Leistungsanspruchs nicht zum Voraus exakt festgelegt werden kann, 

sondern laufend überprüft werden muss. Dies ergibt sich auch aus der Formulierung in 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

den Kostengutsprachen vom 5. Dezember 2005 und 26. September 2006, wonach die 

Kostengutsprache "längstens" bis zum Abschluss der obligatorischen Schulpflicht 

(bzw. für "maximal" zwei Jahre) erteilt werde und letztlich auch aus dem Instrument der 

Kostengutsprache selber, wo eben gerade nicht Leistungen umfangmässig genau 

festgelegt werden, sondern ohne nähere Prüfung des Sachverhalts einstweilen eine 

Zahlungsgarantie abgegeben wird. Die Vertreterin der Rekurrentin musste somit nicht 

davon ausgehen, dass die Frage des zeitlichen Umfangs der Leistungen mit den 

Kostengutsprachen vom 5. Dezember 2005 und vom 26. September 2006 bereits 

rechtskräftig festgelegt war. Vielmehr legte die Vorinstanz den Umfang der Leistungen 

erstmals in der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 11. September 2008 

verfügungsmässig fest. Der materielle Leistungsumfang bildet demnach Gegenstand 

des vorliegenden Verfahrens.

3.       

Gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a aOHG (in der bis 31. Dezember 2008 gültig gewesenen 

Fassung) leisten und vermitteln die Beratungsstellen der Opferhilfe dem Opfer 

medizinische, psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe. Die 

Beratungsstellen leisten ihre Hilfen sofort und wenn nötig während längerer Zeit (Art. 3 

Abs. 3 aOHG). Die Leistungen der Beratungsstellen und die Soforthilfe Dritter sind nach 

Art. 3 Abs. 4 aOHG unentgeltlich. Die Beratungsstellen übernehmen weitere Kosten, 

wie Arzt-, Anwalts- und Verfahrenskosten, soweit dies auf Grund der persönlichen 

Verhältnisse des Opfers angezeigt ist (Art. 3 Abs. 4 aOHG). Die Opferhilfe unterscheidet 

zwei Phasen: Die Soforthilfe soll so schnell wie möglich wirksam werden und dem 

Opfer die zur Bewältigung der unmittelbaren Folgen der Straftat notwendige Hilfe 

verschaffen (Art. 3 Abs. 2 und 3 aOHG). Die längerfristigen Massnahmen dienen 

demgegenüber insbesondere der Verarbeitung der Erlebnisse durch das Opfer. Die 

Beratungsstellen haben sich um eine umfassende Sanierung der Lage des Opfers zu 

bemühen sowie Lebenshilfe und Laufbahnberatung anzubieten. Damit kann die 

Persönlichkeit des Opfers gestützt und gefestigt werden (BBl 1990 II 978 f.; Gomm/

Zehntner, Opferhilfegesetz, 2. Aufl., Bern 2005, Art. 3 N 50 ff.).

4.       

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.1   Im Sinn der vorstehenden E. 3 bezweckt die Opferhilfe eine umfassende 

Sanierung der Lage des Opfers und möglichst die Wiederherstellung des status quo 

ante bzw. des status quo sine, hier also die Schaffung eines Zustandes, der möglichst 

nah an die Situation kommen soll, wie sie ohne die belastenden Erlebnisse vorliegen 

würde (vgl. Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 3 N 55). Wie sich aus dem Urteil des 

Kassationshofs des Schweizerischen Bundesgerichts vom 21. Dezember 2000 ergibt, 

wurde die Rekurrentin von ihrem Vater im Alter von vier bis fünf Jahren auf schwerste 

Weise missbraucht. Der Vater habe damit die geistig-seelische Entwicklung des Kindes 

erheblich gefährdet und beschädigt. Das Kind sei schwerst traumatisiert (act. G 

4.1/1b). In ihrer Stellungnahme vom 12. Juli 2005 führte der Schulpsychologische 

Dienst des Kantons St. Gallen, dipl. Psychologin FH M.___, aus, dass diese äusserst 

beeinträchtigenden und stark verunsichernden Ereignisse die Rekurrentin bis heute 

nachhaltig belasteten und die ganze Familiensituation völlig verändert hätten. Die 

Rekurrentin sei während mehreren Jahren psychologisch betreut worden. Es sei für sie 

nie einfach gewesen, sich mit der allgemein bekannten Lebens- und 

Familiengeschichte zu arrangieren und sich im schulischen Umfeld angemessen zu 

behaupten. Seit dem Übertritt in die Oberstufe fühle sie sich je länger je mehr unwohl 

im Umfeld der öffentlichen Schule und werde von den Mitschülerinnen und Mitschülern 

angepöbelt und direkt sowie indirekt ausgeschlossen. Im Weiteren erachtete die 

Psychologin aus entwicklungs- und schulpsychologischer Sicht den geregelten und 

klar strukturierten Rahmen einer Internatsschule als optimale Beschulungsform. Zudem 

sei der Wunsch, einen Neuanfang machen zu können, ohne dass "alle" ihre 

Vergangenheit kennen, verständlich und in der aktuellen Lebensphase der Pubertät 

auch absolut wichtig (act. G 4.1/2e). Dies anerkannte - nach einem weiteren Schreiben 

der Sozialen Dienste Y.___ vom 18. November 2005 (act. G 4.1/4) - schliesslich auch 

die Vorinstanz und gewährte der Rekurrentin Kostengutsprache für eine 

Internatsbeschulung im Kollegium Z.___ (act. G 4.1/5). Dass die Internatsbeschulung - 

nunmehr in der Schule D.___, welcher Wechsel von der Vorinstanz nicht beanstandet 

wurde - der weiteren Entwicklung der Rekurrentin förderlich und notwendig war, ergibt 

sich sodann aus dem Bericht von Dr. L.___ vom 27. August 2008. So führte Dr. L.___ 

aus, dass sich die Rekurrentin erst jetzt in D.___ und mit der Psychotherapie so 

entwickeln könne, dass sie erwachsen und unabhängiger von den Ideen der Mutter 

werden könne. Die Bemutterung habe sie vorher eingeschränkt und gehemmt in der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entwicklung. Dies könne sowohl genetisch oder loyalitätsbedingt sein, wobei diese Art 

von Loyalität klar als Folge des Missbrauchs anzusehen sei (act. G 4.1/14a). Nachdem 

somit das Institut D.___ als das richtige Internat bezeichnet wird, kann der 

Schulwechsel nicht als rein freiwillige und damit unnötige Massnahme bezeichnet 

werden. Dies umso weniger, als die Rekurrentin das Internat D.___ von Anfang an 

bevorzugt hatte, zunächst jedoch aus Kapazitätsgründen abgewiesen wurde 

(Schreiben vom 4. Mai 2005 [nicht bei den Akten], vgl. jedoch act. G 4.1/6). Sie war 

somit darauf angewiesen, vor dem erst per August 2006 möglichen Eintritt in D.___ (vgl. 

act. G 4.1/6 und 6e) ein Zwischenjahr einzulegen. Es liegt auch nahe, dass das reine 

Mädcheninternat einen besonderen Schonraum darstellt, der für die Rekurrentin 

angesichts ihrer belasteten Vergangenheit von erheblicher Bedeutung ist. Dass die 

Rekurrentin weiterhin auf eine gewisse "Schonung" angewiesen ist, zeigt sodann der 

unbestrittene Umstand, dass sie sich für die Lehre im Spital E.___ noch nicht zutraut, 

selbstständig zu wohnen, weshalb eine Pflegefamilie für sie gesucht wird (vgl. Replik S. 

2). Wenn nun das Institut in D.___ als adäquate Schule bezeichnet werden muss, 

erscheint die Beteiligung der Opferhilfe an den Beschulungskosten bis zum Abschluss 

der obligatorischen Schulpflicht als sachgerecht. Davon geht grundsätzlich auch die 

Vorinstanz aus. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz dauert die Schulpflicht im Kanton 

St. Gallen jedoch bis zum Abschluss der dritten Oberstufenklasse (Art. 48 Abs. 1 des 

Volksschulgesetzes, sGS 231.1), sodass es sich rechtfertigt, die Internatskosten im 

bisherigen Umfang (hälftig) auch für das Schuljahr 2008/2009 der Vorinstanz 

aufzuerlegen. Dies umso mehr, als die gewählte Lösung insgesamt keine höheren 

Kosten verursacht, als die bereits von der Vorinstanz zugesprochene Beschulung im 

Kollegium Z.___ (Fr. 35'100.-- [inkl. 1 Jahr Z.___], gegenüber Fr. Fr. 36'000.-- [Fr. 

12'000.-- X 3] im Z.___).

5.       

5.1   Nach dem Gesagten ist der Rekurs gutzuheissen und die Vorinstanz zu 

verpflichten, die Beschulungskosten der Rekurrentin im Internat D.___ für das Schuljahr 

2008/2009 im Umfang von Fr. 7'950.-- zu übernehmen.

5.2   Das Verfahren vor Versicherungsgericht ist in Streitigkeiten im 

Anwendungsbereich von Art. 3 OHG grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 95 des 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1], vgl. BGE 125 II 265 Erw. 

3). In sinngemässer Anwendung von Art. 95 Abs. 3 und Art. 97 VRP sind der Vorinstanz 

jedoch keine Gerichtskosten aufzuerlegen, da sie nicht überwiegend finanzielle 

Interessen verfolgt, sondern in Anwendung des Opferhilfegesetzes hoheitlich tätig ist.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.      In Gutheissung des Rekurses wird die Verfügung vom 11. September 2008 

aufgehoben und die Vorinstanz verpflichtet, der Rekurrentin anteilige Schulkosten für 

das Schuljahr 2008/2009 in Höhe von Fr. 7'950.-- zu bezahlen.

2.      Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 09.09.2009
	Art. 3 Abs. 3 und 4 OHG (in der bis 31. Dezember 2008 gültig gewesenen Fassung). Internatsbeschulung (Sekundarschule) bis zum Ende der obligatorischen Schulpflicht als notwendig für die Überwindung der Folgen der Straftat angesehen. Die obligatorische Schulpflicht endet im Kanton St. Gallen nicht automatisch nach neun Schuljahren, sondern nach Abschluss der dritten Oberstufenklasse (Art. 48 Abs. 1 Volksschulgesetz) (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. September 2009, OH 2008/4).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T14:30:58+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen