# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 62ba1253-c931-5c90-b2c0-f4abc6071707
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-25
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 25.04.2022 A1 21 255
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_A1-21-255_2022-04-25.pdf

## Full Text

A1 21 255 

 

URTEIL VOM 25. APRIL 2022 

 

Kantonsgericht Wallis 

Öffentlichrechtliche Abteilung 

 

Es wirken mit: Christophe Joris, Präsident, Jean-Bernard Fournier und Thomas Brunner, 

Richter, sowie Vanessa Brigger, Gerichtsschreiberin, 

 

in Sachen 

 

X _________, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Peter Volken, Eng-

lischgruss-Strasse 6, Postfach 395, 3900 Brig-Glis, 

 

gegen 

 

DEPARTEMENT FÜR SICHERHEIT, INSTITUTIONEN UND SPORT, Avenue Ritz 1, 

1950 Sitten, Vorinstanz,  

 

(Opferhilfe) 

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid vom 21. Oktober 2021. 

  

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Sachverhalt 

 

A. X _________, geboren 2004, wurde am 19. Dezember 2018 in Zermatt Opfer einer 

Straftat. Den strafrechtlichen Urteilen des Kreisgerichts Oberwallis für den Bezirk Visp 

vom 2. Oktober 2019 und des Kantonsgerichts Wallis vom 22. April 2020 ist zusammen-

gefasst folgender Tathergang zu entnehmen: Die damals 14-Jährige britische Staatsan-

gehörige X _________ verbrachte mit ihrer Familie Ferien im Hotel "A _________" in 

Zermatt und begab sich am 19. Dezember 2018 zwischen 22:00 und 22:30 Uhr alleine 

an die Hotelbar, wo sie ein alkoholisches Getränk bestellte. Der Barmann B _________, 

geboren 1964, servierte ihr das Getränk und füllte zwei Mal Wodka nach, obwohl er da-

mit rechnen musste, dass X _________ noch nicht 16 Jahre alt war. Als sich das Opfer 

ins Fumoir begab, folgte der Täter ihr und küsste sie gegen ihren Willen. Sie wollte da-

raufhin zurück in ihr Zimmer und er begleitete sie zum Lift, brachte sie aber statt zu ihrem 

Zimmer in einen Aufenthaltsraum im zweiten Untergeschoss. Dort kam es gegen den 

Willen des überraschten und erheblich betrunkenen Opfers zu weiteren Küssen und Be-

rührungen sowie zu Oralsex, wobei sie versuchte, den Täter, welcher ihren Kopf festhielt 

und sie zu Boden drückte, wegzustossen. Der Täter stiess das Opfer anschliessend 

bäuchlings auf ein Sofa und zog ihre Hose und Unterhose herunter. Er versuchte, sie 

vaginal zu penetrieren, bemerkte aber, dass sie einen Tampon benutzte und penetrierte 

sie anal. Der Täter benutze dabei kein Kondom. Nachdem sich das Opfer übergeben 

hatte, zog ihr der Täter die Hose wieder hoch und brachte sie zurück zu ihrem Hotelzim-

mer. Das Kantonsgericht erkannte den Täter mit Urteil vom 22. April 2020 der sexuellen 

Handlung mit Kindern i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 

21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0), der sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 Abs. 1 

StGB und der versuchten Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldig, bestrafte ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 48 Monaten und 

verwies ihn für fünf Jahre der Schweiz. Zudem erkannte das Kantonsgericht in Ziffer 6 

des Urteilsdispositivs, dass der Täter X _________ eine Genugtuung in der Höhe von 

Fr. 25 000.-- zuzüglich Zins von 5 Prozent seit dem 19. Dezember 2018 bezahlen muss.  

B. Am 28. Mai 2021 liess X _________ durch ihren Rechtsanwalt ein Gesuch um Ge-

nugtuung nach Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 23. März 2007 

(OHG; SR 312.5) beim Rechtsdienst für Sicherheit und Justiz einreichen. Der Rechtsan-

walt verwies auf die eingereichten Arztberichte und führte aus, dass seine Mandantin 

seit der Tat an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide, suizidgefährdet sei und 

sich selbst verletze. Ihr Leben sei geprägt von andauernden psychischen Störungen wie 

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Flashbacks, Albträumen sowie Schlaf- und Beziehungsstörungen. Das Departement für 

Sicherheit, Institutionen und Sport (DSIS) entschied am 21. Oktober 2021, dass der 

Staat Wallis X _________ den Betrag von Fr. 10 000.-- als Genugtuung im Sinne des 

OHG auf das Bankkonto ihres Rechtsanwalts bezahle.  

C. Gegen diesen Entscheid liess X _________ (Beschwerdeführerin) am 26. Novem-

ber 2021 Verwaltungsgerichtsbeschwerde bei der öffentlichrechtlichen Abteilung des 

Kantonsgerichts einreichen und folgende Rechtsbegehren stellen: 

"1. Die Strafakten P1 19 82 sind beizuziehen 

 2. In Aufhebung des angefochtenen Entscheids bezahlt der Staat Wallis X _________ den Betrag von 
Fr. 20'000.- als Genugtuung im Sinne des OHG auf das Bankkonto gemäss Angaben im Judikatum 
des angefochtenen Entscheides. 

 3. Der Beschwerdeführerin wird eine angemessene Parteientschädigung zugesprochen. 

 4. Die Kosten von Verfahren und Entscheid dem Fiskus auferlegt." 

 

Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin legte dar, die Folgen des Verbrechens an der 

damals 14-Jährigen seien erschütternd. Die physischen und psychischen Verletzungen 

und Schmerzen seiner Mandantin seien niederschmetternd. Ihre Therapeutin habe ihr 

von einer Teilnahme an den Gerichtsverhandlungen abgeraten, da es ihr so schlecht 

gegangen sei. Sie verletze sich selbst und habe mehrere Suizidversuche   unternom-

men, den Letzen im November 2021: Sie habe sich die Adern aufgeschnitten und eine 

Überdosis Schlaftabletten genommen, weil sie die Kopfschmerzen und die Flashbacks 

der Vergewaltigung nicht mehr aushalte. Seit drei Jahren mache sie     Therapien, habe 

aber immer wieder schlimme Rückfälle. Sie habe viel Schulzeit und ihre wichtigsten Ju-

gendjahre verpasst. Sie verbringe viel Zeit in ihrem Zimmer, habe enorme Konzentrati-

onsprobleme und ständig Kopfschmerzen. Die Leiden der Beschwerdeführerin seien 

durch mehrere ärztliche Berichte und die Akten belegt. Ihr Leiden und die Auswirkungen 

der Tat seien enorm. Der zugesprochene Betrag von Fr. 10 000.-- erscheine als zu ge-

ring und sei längst für Therapien verbraucht worden. Die Familie habe bereits beträcht-

liche finanzielle Auslagen gehabt. Das Kantonsgericht habe eine Genugtuung von 

Fr. 25 000.-- als gerechtfertigt angesehen. Die Familie fühle sich in ihrem Leid nicht 

ernstgenommen.  

D. Das DSIS beantragte am 13. Januar 2022 die Abweisung der Beschwerde. Es 

führte aus, die Genugtuung im Sinne des OHG beruhe auf dem Gedanken der Hilfeleis-

tung und nicht auf dem der staatlichen Verantwortung. Der Gesetzgeber habe mit dem 

im OHG vorgesehenen Vergütungssystem keine vollständige, umfassende und bedin-

gungslose Wiedergutmachung der erlittenen Beeinträchtigung sicherstellen wollen. Die 

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vom Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin zitierte Rechtssprechungs-sammlung aus 

dem Jahr 2005 entspreche nicht mehr der Rechtsanwendung gemäss dem am 1. Januar 

2009 in Kraft getretenen revidierten OHG. Die Plafonierung der Genugtuungszahlungen 

hätten zur Folge, dass die im Rahmen des OHG gewährten Beträge deutlich niedriger 

seien als die zivilrechtlichen. Die höchsten Beträge blieben den schwerwiegendsten Fäl-

len wie z.B. eine 100-prozentige Invalidität vorbehalten. Das DSIS habe sich an den in 

ähnlichen Fällen festgelegten Beträgen gemäss der Entscheidsammlung der Konferenz 

der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren sowie den Empfehlungen des 

Leitfadens zur Bemessung der Genugtuung nach OHG des Bundesamtes für Justiz BJ 

orientiert. Für sehr schwere Beeinträchtigungen der sexuellen Integrität sei eine Genug-

tuung zwischen Fr. 8 000.-- und Fr. 20 000.-- empfohlen. Der Gesetzgeber habe be-

wusst klar tiefere Genugtuungssummen vorgesehen als die gestützt auf das Zivilrecht 

zugesprochen Beträge, wenn die Forderung nicht beim Täter eingeholt werden könne. 

Dass die Lebensführung des jungen Opfers seit der Tat vom 19. Dezember 2018 massiv 

beeinträchtig sei, sei im angefochtenen Entscheid berücksichtigt worden.  

E. Am 17. Februar 2022 reichte der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin eine Stel-

lungnahme ein und führte aus, seine Mandantin sei physisch und psychisch gravierend 

geschädigt worden. Die Reduktion der vom Kantonsgericht zugesprochenen Genugtu-

ung von Fr. 25 000.-- auf Fr. 10 000.-- werde als Verharmlosung des Verbrechens wahr-

genommen und habe alte Wunden wieder aufgerissen.  

Die Stellungnahme vom 17. Februar 2022 wurde am 18. Februar 2022 dem DSIS zur 

Kenntnisnahme zugestellt. Es wurden keine weiteren Rechtsschriften eingereicht. 

 

Erwägungen 

 

1. Der angefochtene Entscheid des DSIS stellt eine letztinstanzliche Verfügung im 

Sinne von Art. 72 des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-

rechtspflege vom 6. Oktober 1976 (VVRG; SGS/VS 172.6) dar, die mangels Ausschlus-

ses in den Art. 74 bis Art. 77 VVRG und gemäss Art. 12 Abs. 3 des Ausführungsgesetzes 

zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 10. April 2008 (AGOHG; 

SGS/VS 312.5) der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unterliegt. Die Beschwerdeführerin 

ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids und als Opfer einer Straftat durch die-

sen berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung, 

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so dass sie gemäss Art. 80 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a VVRG zur Beschwer-

deführung legitimiert ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-

schwerde ist deshalb einzutreten (Art. 80 Abs. 1 lit. b und c i.V.m. Art. 46 und Art. 48 

VVRG). 

2. Das Kantonsgericht hat volle Kognitionsbefugnis, so dass es Sachverhalt und Be-

weiswürdigung sowie Rechtsfragen frei prüft (vgl. Art. 29 Abs. 3 OHG; Art. 12 Abs. 3 

AGOHG). In Ermessensfragen kann es sein eigenes Ermessen an dasjenige der ersten 

Instanz setzen. Diese freie Überprüfungsbefugnis schliesst jedoch nicht aus, dass das 

Kantonsgericht in Ermessensfragen einen Entscheidungsspielraum der Verwaltung res-

pektiert (BGE 127 II 238 E. 3b/aa; 123 II 210 E. 2c; Urteil Bundesgerichts 1A.25/2006 

und 1P.69/2006 vom 13. März 2007 E. 4.2; Peter Gomm, Opferhilferecht, Peter 

Gomm/Dominik Zehntner [Hrsg.], 4. A., 2020, Art. 29 OHG N. 21 mit Hinweisen). 

3. Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin beantragt als Beweismittel den Beizug 

der Strafakten P1 19 82.  

3.1 Das Recht, Beweise zu beantragen, ist ein Teilgehalt des rechtlichen Gehörs und 

die Parteien haben das Recht, die Abnahme relevanter Beweise zu verlangen (BGE 146 

IV 218 E. 3.1.1; 145 I 167 E. 4.1). Das Beweisverfahren kann nach der Rechtsprechung 

und der herrschenden Lehre geschlossen werden, ohne damit das rechtliche Gehör zu 

verletzen, wenn die entscheidende Instanz sich ihre Überzeugung gebildet hat und ohne 

Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, der rechtsrelevante 

Sachverhalt würde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 144 V 361 E. 

6.5; 136 I 229 E. 5.3; 134 I 140 E. 5.3; 131 I 153 E. 3; ZWR 2009 S. 46 E. 3b; Alfred 

Kölz/Isabelle Häner/Martin Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. A., 2013, N. 153 und N. 537). Dies trifft u. a. zu, wenn eine Be-

weisführung über einen nicht rechtlich relevanten Sachverhalt verlangt wird (Art. 80 Abs. 

1 lit. d, Art. 56 und Art. 17 Abs. 2 VVRG; BGE 131 I 153 E. 3; 130 II 425 E. 2.1). Führen 

die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder den Richter 

bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei 

als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnah-

men an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, ist auf die Abnahme weite-

rer Beweise zu verzichten (BGE 144 V 361 E. 6.5; 136 I 229 E. 5.3; 131 I 153 E. 3; Alfred 

Kölz/Isabelle Häner/Martin Bertschi, a.a.O., N. 153, 154 und 537). 

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3.2 Das Kantonsgericht hat die mit der Beschwerde eingereichten Beilagen zu den Ak-

ten genommen. Am 13. Januar 2022 hat das DSIS die Akten des OHG-Verfahrens ein-

gereicht. Diese enthalten unter anderem das Urteil des Kreisgerichts vom 2. Oktober 

2019 und das Urteil des Kantonsgerichts vom 22. April 2020 sowie mehrere Arztberichte. 

Es ist nicht ersichtlich, was die Akten des Strafverfahrens P1 19 82 noch zusätzlich zum 

rechtlich relevanten Sachverhalt beitragen sollen, zumal nicht bestritten ist, dass die Be-

schwerdeführerin ein Opfer im Sinne des OHG ist (siehe unten E. 4). Die vorhandenen 

Akten enthalten mithin die entscheidrelevanten Sachverhaltselemente und genügen, wie 

die nachfolgenden Erwägungen zeigen, zur Beurteilung der rechtserheblichen Fragen. 

Deshalb wird auf zusätzliche Beweisabnahmen - insbesondere die Edition der Akten des 

Strafverfahrens - verzichtet (vgl. auch das Urteil des Kantonsgerichts A1 20 175 vom 

16. Juni 2021 E. 2).  

4. Die Beschwerdeführerin ist unbestritten ein Opfer im Sinne von Art. 1 OHG und hat 

rechtzeitig ein Gesuch um Genugtuung bei der dafür zuständigen kantonalen Behörde 

gestellt (Art. 24 ff. OHG; vgl. E. 1a ff. des angefochtenen Entscheids). Umstritten ist vor-

liegend einzig die Bemessung der Genugtuung.  

4.1 Das Opfer und seine Angehörigen haben Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die 

Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Artikel 47 und 49 des Obligationen-

rechts sind sinngemäss anwendbar (Art. 22 Abs. 1 OHG). Art. 23 OHG sieht vor, dass 

die Genugtuung nach der Schwere der Beeinträchtigung bemessen wird und für das 

Opfer höchstens Fr. 70 000.-- und für Angehörige höchstens Fr. 35 000.-- beträgt. 

4.2 Die Rechtsnatur der Genugtuung im Sinne des OHG unterscheidet sich von der-

jenigen nach Zivilrecht: Die Genugtuung nach OHG stützt sich auf das öffentliche Recht 

und ist eine vom Staat entrichtete, plafonierte und symbolische Hilfeleistung. Sie wird 

nicht von der Täterschaft aus Verantwortlichkeit, sondern subsidiär als Akt der Solidarität 

von der Allgemeinheit bezahlt (Art. 4 Abs. 1 OHG; BGE 128 II 49 E. 4.1; Leitfaden zur 

Bemessung der Genugtuung nach OHG vom 3. Oktober 2019 des Bundesamtes für 

Justiz BJ, S. 3; fortan: Leitfaden BJ). Das Bundesgericht hat wiederholt in Erinnerung 

gerufen, dass der Gesetzgeber mit dem im OHG vorgesehenen Vergütungssystem keine 

vollständige, umfassende und bedingungslose Wiedergutmachung der erlittenen Beein-

trächtigung gewährleisten wollte (BGE 129 II 312 E. 2.3; 125 II 169 E. 2b; Urteil des 

Bundesgerichts 1C_583/2016 vom 11. April 2017 E. 4.2). Dieser unvollständige Charak-

ter ist besonders ausgeprägt in Bezug auf die Leistung einer Genugtuungszahlung, die 

einer Entschädigung "ex aequo et bono" nahekommt (Urteil des Bundesgerichts 

1C_184/2021 vom 23. September 2021 E. 3.2; Urteile des Kantonsgerichts A1 20 175 

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vom 16. Juni 2021 E. 3.1.1 und A1 13 312 vom 10. Oktober 2013 E. 2.2 mit Hinweisen; 

Stéphanie Converset, Aide aux victimes d'infractions et réparation du dommage - De 

l'action civile jointe à l'indemnisation par l'Etat sous l'angle du nouveau droit, Diss. Genf, 

2009, S. 262). 

4.3 Die Festsetzung der Genugtuung im Einzelfall richtet sich laut der Botschaft vom  

9. November 2005 zur Totalrevision des OHG nach einer degressiven Skala, die von 

den im Privatrecht üblicherweise gewährten Beträgen unabhängig ist. Von Bedeutung 

ist gemäss der Botschaft zudem, dass der Spielraum angesichts der Höchstbeträge 

deutlich geringer ist als im Privatrecht. In diesem Sinn müssen die kantonalen Behörden 

die Höchstsummen für die schwersten Verletzungen vorbehalten. Andernfalls können 

unterschiedliche Situationen nicht unterschiedlich behandelt werden, was dem Grund-

satz der Rechtsgleichheit widersprechen würde (BBl 2005 7165 S. 7226). Die Festle-

gung von Höchstbeträgen im revidierten, am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Opfer-

hilfegesetz hat folglich zu einer Abkoppelung der opferhilferechtlichen von der zivilrecht-

lichen Genugtuung geführt und bringt den gesetzgeberischen Willen zum Ausdruck, bei 

der Bemessung klar tiefer anzusetzen als die zivilrechtliche Praxis (Urteile des Bundes-

gerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E. 4.3; 1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E. 

3.2). Die Plafonierung der opferhilferechtlichen Genugtuung führt zwangsläufig zu einer 

allgemeinen Senkung der Beträge im Vergleich zum Haftpflichtrecht (Luzius Mader/ 

Hanni Nahmias-Ehrenzeller, Das revidierte Opferhilfegesetz: Blick auf ein paar wichtige 

Neuerungen, in: Das revidierte Opferhilfegesetz, Bernhard Ehrenzeller/ Christine Guy-

Ecabert/ André Kuhn [Hrsg.], Zürich/St. Gallen, 2009, S. 7). Die nach dem Zivilrecht üb-

licherweise geltenden Genugtuungssummen sind insofern noch massgebend, als dass 

sie Hinweise darauf geben, welche Beeinträchtigungen höhere oder niedrigere Beträge 

rechtfertigen (Eva Weishaupt, Finanzielle Leistungen gemäss Opferhilfegesetz, in: Das 

revidierte Opferhilfegesetz, Bernhard Ehrenzeller/ Christine Guy-Ecabert/ André Kuhn 

[Hrsg.], Zürich/St. Gallen, 2009, S. 71; BBl 2005 7165 S. 7226). 

4.4 Die Festsetzung der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit, bei der den 

kantonalen Behörden ein weiter Ermessensspielraum zusteht (BGE 132 II 117 E. 2.2.3 

und 2.2.5). Die Behörde hat bei der Frage nach Bestand und Umfang der opferrechtli-

chen Genugtuung das Legalitätsprinzip und auch das Gleichbehandlungsgebot zu be-

achten (Eva Weishaupt, a.a.O., S. 70). Bei der Bemessung der Genugtuung können sich 

die Opferhilfebehörden an Präjudizien orientieren und die im Leitfaden BJ empfohlenen 

Beträge als Referenz beiziehen (Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N. 16; Urteil des 

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Bundesgerichts 1C_184/2021 vom 23. September 2021 E. 3.3). Die subjektiven, täter-

bezogenen Faktoren wie die Art der Tatbegehung (Brutalität, Rücksichtslosigkeit), das 

Motiv, welches den Täter zur Begehung der Straftat bewogen hat und das Verschulden 

des Täters sind bei der Festsetzung einer Genugtuung nach OHG hingegen nicht zu 

berücksichtigen (BGE 132 II 117 E. 2.4.3; Empfehlungen der Schweizerischen Verbin-

dungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz [SVK-OHG] zur Anwendung des OHG vom 

21. Januar 2010 Ziffer 4.7.2). Bei der Prüfung der Frage, ob die Genugtuung angemes-

sen ist, sollten die Gerichte nur korrigierend einschreiten, wenn grundlos von den in der 

Praxis entwickelten Bemessungskriterien abgewichen wird, wenn Tatsachen berück-

sichtigt wurden, die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen dürfen oder wenn 

umgekehrt Umstände ausser Betracht geblieben sind, die hätten beachtet werden müs-

sen (BGE 132 II 117 E. 2.2.5; Klaus Hütte/ Hardy Landolt, Genugtuungsrecht, Band 1, 

Zürich/ St. Gallen, 2013, S. 40).  

4.5 Im Gegensatz zu physischen Verletzungen und daraus entstehende Narben oder 

bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen ist der seelische Schmerz, welchen Opfer 

von Sexualdelikten empfinden, nicht objektiv nachweisbar. Deshalb wird für die Bestim-

mung der Genugtuungshöhe als Ausgangspunkt von der Schwere der Straftaten ausge-

gangen und von dieser auch auf notorisch auftretende Auswirkungen geschlossen. So-

fern vorhanden können auch Arzt- und Therapieberichte beigezogen werden (Meret 

Baumann/ Blanca Anabitarte/ Sandra Müller Gmünder, Genugtuungspraxis Op-ferhilfe, 

Jusletter 1. Juni 2015). Gemäss dem Leitfaden BJ wird versuchte Vergewaltigung, (ver-

suchte) sexuelle Nötigung, massive sexuelle Belästigung oder sexuelle Handlung mit 

einem Kind als schwere Beeinträchtigung der sexuellen Integrität eingestuft, wofür eine 

Genugtuung bis Fr. 8 000.-- vorgesehen ist. Vergewaltigung, schwere sexuelle Nöti-

gung, schwere Schändung oder schwere oder mehrfache sexuelle Handlung mit einem 

Kind qualifiziert der Leitfaden BJ als sehr schwere Beeinträchtigung der sexuellen Integ-

rität; die Genugtuung liegt in einer Bandbreite von Fr. 8 000.-- bis Fr. 20 000.--. Als aus-

serordentlich schwere Beeinträchtigung werden mehrfache, besonders grausam erfolgte 

Übergriffe und massive sexuelle Handlungen mit einem Kind über längere Zeit qualifi-

ziert; die Bandbreite der Genugtuung beträgt Fr. 20 000.-- bis Fr. 70 000.--.  

5. Das DSIS hat in seinem Entscheid den Tathergang geschildert und auf die Urteile 

des Kreisgerichts und des Kantonsgerichts verwiesen. Es hat festgehalten, dass die Be-

schwerdeführerin Opfer im Sinne des OHG ist und das Gesuch um Genugtuung gemäss 

Art. 25 Abs. 1 OHG rechtzeitig gestellt worden ist. Es führt sodann aus, dass gemäss 

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Arztberichten bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung vor-

liege und dass sie unter Albträumen, Flashbacks und starken emotionalen Schwankun-

gen leide. Sie sei nach über zwei Jahren immer noch in psychologischer Behandlung. 

Gemäss Aussagen der Eltern sei die Beschwerdeführerin suizidal und habe die Schule 

verlassen müssen. Es zitiert weiter aus dem Urteil des Kantonsgerichts vom 22. April 

2020, wonach bei der ärztlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin in Genf am 

22. Dezember 2018 ältere und neuere durch "Ritzen" entstandene Narben festgestellt 

worden seien. Die Ärzte hätten zudem die Einnahme von Antidepressiva bestätigt. Die 

Beschwerdeführerin habe demnach bereits zum Tatzeitpunkt mit psychischen Proble-

men zu kämpfen gehabt. Der Bericht vom 28. Mai 2019 würde aber bestätigen, dass die 

Tat Flashbacks und emotionale Ausbrüche ausgelöst habe, die behandelt würden. Das 

Verhalten des Täters habe erhebliche Folgen auf das weitere Leben des Opfers. Das 

DSIS führt sodann drei vergleichbare Fälle an: Eine 14-jährige erlitt nach der durch einen 

Bekannten begangenen Tat massive psychische Beeinträchtigungen (posttraumatische 

Belastungsstörung, Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, chronische 

Kopfschmerzen) und blieb der Schule fern, so dass ihre schulischen Leistungen massiv 

nachliessen; sie erhielt eine Genugtuung von Fr. 8 000.--. Eine 14-jährige, die in ihrer 

Wohnung und auf dem Schulweg von einem Bekannten vergewaltigt wurde, musste sich 

aufgrund der Tat in therapeutische Behandlung begeben, davon einige Monate stationär; 

sie erhielt eine Genugtuung von Fr. 10 000.--. Eine 20-jährige wurde in einer Bahnhofs-

unterführung von einem Fremden vergewaltigt, sie zeigte Symptome einer posttrauma-

tischen Belastungsstörung und litt auch ein Jahr nach der Tat unter anhaltenden psychi-

schen Beeinträchtigungen; sie erhielt eine Genugtuung von Fr. 10 000.--. Das DSIS hat 

ausgeführt, die vom Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin geforderte Genugtuungs-

summe von Fr. 60 000.-- sowie die vom Kantonsgericht festgelegte Genugtuung von 

Fr. 25 000.-- würde den vom Gesetzgeber vorgesehenen Rahmen massiv überschrei-

ten. Der Gesetzgeber habe nach OHG klar tiefere Genugtuungssummen vorgesehen als 

die gestützt auf das Zivilrecht zugesprochenen Beträge. Die Fallbeispiele würden auf-

zeigen, dass Beträge von Fr. 15 000.-- nur bei mehrfacher Tatbegehung gewährt worden 

seien. Es handle sich um eine einmalige Tatbegehung, eine Genugtuung von 

Fr. 8 000.-- sei angemessen. Da die Tat die Lebensführungen des Opfers nach über 

zwei Jahren immer noch stark beeinträchtige, werde eine Genugtuung von Fr. 10 000.-- 

zugesprochen.  

  

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5.1 Aus dem Arztbericht vom 28. Mai 2019 geht hervor, dass bei der Beschwerdefüh-

rerin eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden ist. Gemäss den 

Ausführungen der Ärztin leidet sie unter Albträumen und Flashbacks der Tat, starken 

Stimmungsschwankungen sowie Wut und sie versuche, die Erinnerung an den Vorfall 

zu verdrängen (S. 10). Zudem wird im Bericht festgehalten, dass sie bereits früher Ge-

fühle starker Niedergeschlagenheit verspürt habe. In einem Brief vom September 2019 

beschreibt die Beschwerdeführerin, dass die Tat Gefühle der Wut, Scham und Leere 

sowie fehlendes Selbstwertgefühl, Depressionen, Flashbacks und Albträume verursacht 

hat (S. 11 ff.).  

5.1.1  Der Vater der Beschwerdeführerin führt in einer E-Mail-Nachricht vom 5. Februar 

2019 aus, seine Tochter habe vor einigen Wochen versucht, sich das Leben zu nehmen 

und gehe seitdem nicht mehr zur Schule, weshalb sie die für den Besuch einer Univer-

sität erforderlichen Qualifikationen nicht werde erwerben können (S. 61). In einer E-Mail-

Nachricht vom 5. September 2019 schildert die Mutter der Beschwerdeführerin, dass 

sich ihre Tochter seit der Tat fünf oder sechs Mal mit einer Rasierkringe Verletzungen 

an Armen und Beinen zugefügt habe (S. 58 ff.). Da sich ihre Tochter auch in der Schule 

selbst verletzt habe und mit ihrem Blut "help" an die Wand der Schulgarderobe geschrie-

ben habe, habe sie die Schule verlassen müssen; Letztere habe sich ausserstande ge-

sehen, sich um ein traumatisiertes Kind zu kümmern. Die Trennung von ihren Freunden 

und die fehlende Unterstützung ihrer Schule habe sie in grosse Verzweiflung gestürzt. 

Sie habe so viel Schulstoff verpasst, dass unklar sei, ob sie ihre Examina erfolgreich 

werde ablegen können. Sie sei aufgrund ihrer posttraumatischen Belastungsstörung 

nach wie vor in therapeutischer Behandlung. Am 5. Februar 2020 beschreibt die Mutter 

der Beschwerdeführerin in einer E-Mail-Nachricht, dass ihre Tochter am 15. Januar 2020 

in der Schule eine Überdosis Codein eingenommen habe; glücklicherweise habe sie 

keine bleibenden Schäden erlitten. Da sie während des Tages unter Flashbacks leide 

und der emotionale Stress zu gross sei, habe sie die Schule wieder verlassen müssen. 

Sie habe jede Nacht Albträume und wolle sich in stationäre psychiatrische Behandlung 

begeben, doch die Familie denke es sei besser für sie, zu Hause bei ihren Liebsten zu 

bleiben. In einer weiteren E-Mail-Nachricht vom 28. Februar 2020 führt die Mutter aus, 

die Beschwerdeführerin werde seit ihrem Suizid-versuch in der Schule zu Hause unter-

richtet. Da sie seit der Tat so viel Schulstoff verpasst habe, bestehe keine grosse Hoff-

nung darauf, dass sie ihre Prüfungen im Mai bestehen werde. 

5.1.2  Dem Arztbericht vom 26. April 2021 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh-

rerin immer noch unter Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet 

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(Albträume und Schlafprobleme) und Schwierigkeiten hat, anderen Menschen zu ver-

trauen und Beziehungen einzugehen (S. 116 f.).  

5.1.3  Die Mutter der Beschwerdeführerin schildert in einer E-Mail-Nachricht vom 25. No-

vember 2021, dass es ihrer Tochter schlecht gehe: Sie befinde sich immer noch in The-

rapie und habe vor zwei Wochen erneut versucht, sich das Leben zu nehmen, indem sie 

sich die Handgelenke aufgeschnitten habe und eine Überdosis Schlaftabletten genom-

men habe. Sie lebe nicht das Leben einer normalen 17-Jährigen. Sie gehe momentan 

nicht zur Schule und es sei unsicher, ob sie dieses Jahr ihr Abschlussexamen bestehen 

werde. Sie würde gern zur Universität gehen, doch dazu gehe es ihr nicht gut genug. 

Die meiste Zeit verbringe sie in ihrem Zimmer. Im Juni wolle sie sich in einer psychiatri-

schen Klinik in den Vereinigten Staaten behandeln lassen.  

5.2 Das Kantonsgericht hat in der Erwägung 6 seines Urteils vom 22. April 2020 (S. 105 

ff.) zur Genugtuung ausgeführt, dass bei Vergewaltigung oder Schändung mit Penetra-

tion an besonders schutzwürdigen Personen unter Missbrauch eines Abhängigkeits- 

oder Vertrauensverhältnisses eine Genugtuung von Fr. 20 000.-- bis 30 000.-- vorgese-

hen sei. Der Täter sei deutlich älter und dem Opfer körperlich überlegen gewesen und 

das Opfer habe ihm - einem Hotelmitarbeiter mit einem Hauptschlüssel - vertraut. Sie 

habe in Genf teils intime medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen müs-

sen und der Täter habe kein Kondom benutzt. Der Täter habe nicht gestanden und werfe 

dem Opfer vor, selbst aktiv geworden zu sein; sein Verhalten sei egoistisch motiviert 

gewesen. Eine solche Tat könne gerichtsnotorisch psychische Probleme verursachen 

und Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung gefährden und beeinträchtigen. Psychi-

sche Probleme hätten jedoch bereits vorbestanden; die Beschwerdeführerin habe be-

reits 2018 Antidepressiva eingenommen. Das Schreiben vom 28. Mai 2019 bestätige 

jedoch die psychischen Probleme, die von der Tat herrühren würden und die Beschwer-

deführerin habe im September 2019 die Folgen der Tat beschrieben. Das Verhalten des 

Täters habe erhebliche Folgen auf das Leben des Opfers. Die von der Vorinstanz fixierte 

Genugtuung von Fr. 25 000.-- sei daher angemessen. Das Kantonsgericht hat schliess-

lich in der Erwägung 3.4 festgehalten (S. 78), dass bei der medizinischen Untersuchung 

der Beschwerdeführerin am 22. Dezember 2018 ältere und neuere Narben, die durch 

"Ritzen" entstanden sind, festgestellt worden sind und die Einnahme von Antidepressiva 

von den Ärzten bestätigt worden ist.  

5.3 Das DSIS hat im angefochtenen Entscheid den Tathergang und die Situation der 

Beschwerdeführerin beschrieben und ist gemäss den Empfehlungen des Leitfadens BJ 

von einer sehr schweren Beeinträchtigung ihrer sexuellen Integrität ausgegangen. Es 

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hat die unbestritten gravierenden, immer noch andauernden Folgen der Tat dargelegt, 

wobei es jedoch auch auf die zum Tatzeitpunkt bereits bestehenden psychischen Prob-

leme der Beschwerdeführerin verwiesen hat. Es hat sich bei der Festlegung der Genug-

tuung zudem an den in vergleichbaren Fällen zugesprochen Beträgen orientiert.  

5.3.1  Den Entscheidsammlungen können, neben den bereits von der Vorinstanz ange-

führten Beispielen, weitere vergleichbare Fälle entnommen werden: Eine Genugtuung 

von Fr. 9 000.-- wurde einer 15-jährigen Geschädigten zugesprochen: Sie trank mit einer 

neuen Bekanntschaft Alkohol und tauschte Zungenküsse. Der Täter versuchte die Ge-

schädigte zum Geschlechtsverkehr zu zwingen und es gelang ihm, trotz Gegenwehr anal 

einzudringen (sexuellen Handlungen mit Kindern und sexuelle Nötigung). Die Geschä-

digte litt unter schweren Essstörungen sowie Depressionen und unternahm einen Sui-

zidversuch. Sie war mehrmals in Spitalpflege und während sechs Monaten in einer Ju-

gendpsychotherapiestation. Ihre Leistungsfähigkeit in Schule und Berufsausbildung war 

vermindert (Meret Baumann/ Blanca Anabitarte/ Sandra Müller Gmünder, Genugtuungs-

praxis Opferhilfe, Jusletter 1. Juni 2015; S. 15 Fall Nr. 66). Ein 16-jähriges Opfer eines 

Sexualdelikts erhielt eine Genugtuung von Fr. 10 000.--: Der Täter war ein 19-jähriger 

Bekannter des Opfers und nutzte es aus, dass sie alkoholisiert war; er wurde zu einer 

Freiheitsstrafe verurteilt. Das Opfer erlitt diverse Hämatome und musste sich in psycho-

logische Behandlung begeben; es wurde eine posttraumatische Belastungsstörung di-

agnostiziert (Stéphanie Converset, a.a.O., S. 413 Fall Nr. 3). Eine Genugtuung von 

Fr. 9 500.-- wurde nach einer Vergewaltigung mit anschliessender posttraumatischen 

Belastungsstörung bei Vorbelastung des Opfers zugesprochen und eine Genugtuung 

von Fr. 10 000.-- wurde nach einer Vergewaltigung durch einen Mitbewohner in der psy-

chiatrischen Klinik zugesprochen, welche beim Opfer eine posttraumatische Belastungs-

störung mit Suizidversuchen zur Folge hatte, bei bereits psychisch belasteter Persön-

lichkeit (Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N. 36).  

5.3.2  Die genannten Entscheidsammlungen zeigen auf, dass Beträge über 

Fr. 10 000.-- zugesprochen worden sind bei qualifizierter Tatbegehung (z.B. Verwen-

dung von Waffen, bildliches Festhalten der Tat, grausame Tatbegehung), bei Anwen-

dung massiver physischer Gewalt, bei Gefährdung des Lebens, bei mehrfacher Tatbe-

gehung oder bei Tatbegehung durch mehrere Täter (vgl. Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 

OHG N. 36; Meret Baumann/Blanca Anabitarte/Sandra Müller Gmünder, a.a.O., S. 16 ff. 

Fälle Nr. 70 ff.; Stéphanie Converset, a.a.O., S. 413 Fälle Nrn. 1 und 2).  

5.3.3  Das DSIS hat bei der Bemessung der Genugtuung die Empfehlungen des Leitfa-

dens BJ berücksichtigt und sich an Präjudizen orientiert, was nicht zu beanstanden ist 

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(siehe oben E. 4.4). Es ist nicht ersichtlich, dass das DSIS von den in der Praxis entwi-

ckelten Bemessungskriterien abgewichen wäre oder dass Tatsachen berücksichtigt wor-

den sind, die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen dürfen oder Umstände 

ausser Betracht geblieben sind, die hätten beachtet werden müssen. Soweit der Rechts-

anwalt der Beschwerdeführerin auf die durch das Kantonsgericht festgelegte Genugtu-

ung von Fr. 25 000.-- verweist und die "Reduktion" der vom Kantonsgericht zugespro-

chen Genugtuung bemängelt, so rechtfertigt dies keine Abänderung des angefochtenen 

Entscheids: Wie oben dargelegt unterscheidet sich die Rechtsnatur der Genugtuung im 

Sinne des OHG von derjenigen nach Zivilrecht; die opferhilferechtliche Genugtuung wird 

unabhängig von den im Privatrecht üblicherweise gewährten Beträgen festgesetzt und 

die Beträge sind klar tiefer (siehe oben E. 4.2 ff.). Zudem hat das Kantonsgericht bei der 

Festsetzung der Genugtuung in der Höhe von Fr. 25 000.-- auch dem egoistisch moti-

vierten Vorgehen des Täters sowie seinem Verschulden Rechnung getragen; diese sub-

jektiven, täterbezogenen Faktoren dürfen bei der Bemessung der opferhilferechtlichen 

Genugtuung nicht berücksichtigt werden (siehe oben E. 4.4 und 5.2). Auch der Einwand, 

gestützt auf die Rechtsprechungssammlung von Hütte/Ducksch/Guerrero sei eine Ge-

nugtuung von Fr. 60 000.-- beantragt worden, ändert daran nichts: Die in dieser Fall-

sammlung aus dem Jahr 2005 zitierte Rechtsprechung bezieht sich auf das alte Opfer-

hilferecht, welches keine Plafonierung der Genugtuung vorgesehen hat, worauf die DSIS 

in ihrer Stellungnahme vom 13. Januar 2022 mit Recht hingewiesen hat (vgl. S. 17 ff. 

und S. 214).  

6. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird nach dem Gesagten abgewiesen. Es wer-

den keine Kosten erhoben und keine Parteientschädigungen zugesprochen (Art. 12 Abs. 

4 AGOHG; Art. 30 Abs. 1 OHG).  

  

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Demnach erkennt das Kantonsgericht: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

4. Das Urteil wird X _________ und dem Departement für Sicherheit, Institutionen und 

Sport schriftlich mitgeteilt. 

 

Sitten, 25. April 2022