# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69e073e5-155b-549d-ba1a-2eaf85e7e10b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.11.2008 D-5521/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5521-2008_2008-11-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5521/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Bruno Huber, 
Richter Pietro Angeli-Busi, 
Gerichtsschreiber Gert Winter.

A._______, geboren (...),
alias A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
23. Juli 2008 / N .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5521/2008

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge gelangte der Beschwerdeführer im August 
2006 in die Schweiz und ersuchte am 10. August 2006 im Empfangs- 
und Verfahrenszentrum (EVZ) (...) um Asyl. Anlässlich der Befragung 
vom  31. August  2006  im  EVZ  (...)  sowie  der  Anhörung  vom 
21. Februar  2007  durch  (...)  machte  der  Beschwerdeführer  zur  Be-
gründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  geltend,  er  stamme 
aus der Provinz Oruzgan und gehöre der Ethnie der Hazara an. Seine 
Familie  habe  in  (...)  ein  Haus  und  Land  besessen.  Als  sie  aus 
R._______, wo sie sich seit dem Jahre 2001 aufgehalten hätten, in ihr 
Heimatdorf  hätten  zurückkehren  wollen,  sei  ihnen  ihr  Eigentum von 
Paschtunen  streitig  gemacht  worden,  weshalb  sein  Vater  das  Land 
nicht  habe  verkaufen  können.  Zu  dieser  Zeit  sei  seine  Mutter 
erschossen  aufgefunden  worden.  Vom  Jahre  2003  an  habe  er  bei 
seinem Vater im Grossraum Kabul gelebt. Dieser habe sich des Hau-
ses wegen immer wieder ins Heimatdorf begeben und sei wiederholt 
von  Paschtunen  geschlagen  worden.  Die  Behörden  hätten  nicht 
adäquat auf die Anzeigen seines Vaters reagiert  und ihn stattdessen 
für  zehn  Tage  ins  Gefängnis  gesteckt.  Der  Beschwerdeführer  sei 
schliesslich mehrmals in Kabul von Unbekannten in einem Auto ver-
folgt und einmal geschlagen worden. In der Folge habe er sich dazu 
entschlossen, den Heimatstaat zu verlassen.

B.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2008 – eröffnet am 28. Juli 2008 – stellte 
das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Weg-
weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und den Vollzug an. 
Auf die Begründung wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

C.
Mit Beschwerde vom 27. August 2008 liess der Beschwerdeführer die 
Aufhebung der Dispositivziffern 4 (Verlassen der Schweiz) und 5 (Voll-
zug  der  Wegweisung)  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz  wegen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  beantragen.  In 
prozessualer  Hinsicht  beantragte  der  Beschwerdeführer  die  Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhe-

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bung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung wird, soweit we-
sentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D.

D.a Mit Zwischenverfügung vom 2. September 2008 wies der Instruk-
tionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG, SR 172.021)  sowie um Verzicht  auf  die Erhebung eines 
Kostenvorschusses  ab  und  forderte  den  Beschwerdeführer  auf,  bis 
zum  17.  September  2008  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.–  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

D.b Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvor-
schuss am 8. September 2008.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört  zu den Behörden nach  Art. 33 VGG und ist  daher eine Vorin-
stanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffen-
de Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundes-
verwaltungsgericht ist  daher zuständig für die Beurteilung der vorlie-
genden  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 50 und 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Vorliegend wurde auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels 
verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die vorliegende Beschwerde richtet  sich  nur  gegen den Vollzug der 
von der Vorinstanz verfügten Wegweisung. Die Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft,  die Ablehnung des Asylgesuchs sowie die Wegwei-
sung  (vgl.  Ziffern  1  -  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom 23.  Juli 
2008) blieben unangefochten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist 
in Rechtskraft erwachsen. Im Folgenden ist daher lediglich zu untersu-
chen, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet 
hat.

4.
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der  Familie  (Art.  44  Abs. 1  AsylG). Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

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same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

4.2 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-
foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe 
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen 
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hin-
weisen; Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil  vom 6. Februar 2001, 
Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.).  In diesem Zusam-
menhang ist anzufügen, dass das BFM die vom Beschwerdeführer zur 
Begründung seines Asylgesuches geltend gemachte Furcht vor Unbe-
kannten, die ihn verfolgt und misshandelt hätten, in der Verfügung vom 
23. Juni 2008 gewürdigt und als unglaubhaft beurteilt hat. Diese Verfü-
gung ist punkto Verweigerung der Flüchtlingseigenschaft unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsen. Der rechtskräftig (als unglaubhaft) beur-
teilte Sachverhalt kann somit nicht Gegenstand einer erneuten Beur-
teilung im Rahmen des vorliegenden Verfahrens bilden (res iudicata; 
FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 322 
f.;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege  des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  S. 252,  Rz.  715). 

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Schliesslich  lässt  auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in 
Afghanistan  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt 
klarerweise nicht  als  unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist 
der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl-  als auch der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

4.3.1 Auch  in  Anbetracht  der  jüngeren  Entwicklung  besteht  für  das 
Bundesverwaltungsgericht kein Anlass, von seiner bisherigen, in Über-
einstimmung  mit  jener  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK)  stehenden Praxis abzuweichen,  gemäss welcher die Situation 
in  Afghanistan  differenziert  zu  beurteilen  ist  (EMARK  2006  Nr.  9; 
EMARK  2003  Nr.  10  und  Nr.  30).  Demnach  ist  davon  auszugehen, 
dass in Kabul, in der Umgebung und in verschiedenen im Norden der 
Hauptstadt gelegenen Städten dank der Bemühungen der Regierung 
und der internationalen Truppen ein genügendes Sicherheitsniveau ge-
schaffen werden konnte. In  ihrem in EMARK 2006 Nr. 9 publizierten 
Entscheid präzisierte die ARK, dass der Vollzug der Wegweisung nur 
in Regionen als zumutbar zu bezeichnen ist, in denen seit 2004 keine 
bedeutenden militärischen Aktivitäten mehr zu verzeichnen sind oder 
keine dauernde Instabilität besteht. Darunter fallen die Provinz Kabul 
(vgl. bereits EMARK 2003 Nr. 10), die nördlich der Hauptstadt gelege-
nen Provinzen Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, 
Sari Pul und die Gebiete um Samangan, die nicht zum Hazarajat ge-
hören  (traditionelles  Siedlungsgebiet  der  Hazara,  vgl.  EMARK  2003 
Nr. 30 E. 7a S. 193) sowie die Provinz Herat im Westen des Landes 
(vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102). Der Vollzug der Wegweisung 
ist nur für Personen als zumutbar zu erachten, die aus diesen Regio-
nen stammen oder dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügen, 
und  wenn  konkrete  Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzmini-
mums und der Wohnsituation bestehen (vgl. dazu EMARK 2003 Nr. 10 
E. 10b.cc S. 68; EMARK Nr. 30 E. 7b S. 193 f.). Zudem ist die Rück-

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kehr in diese Provinzen nur zumutbar bei jungen, unverheirateten Per-
sonen oder kinderlosen Paaren ohne schwere gesundheitliche Proble-
me (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102).

4.3.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er stam-
me ursprünglich nicht aus einer der sicheren Provinzen Afghanistans, 
sondern  aus dem Dorf  (...)  in  der  Provinz Oruzgan. Der Vollzug der 
Wegweisung in diese Provinz sei gemäss der Praxis des Bundesver-
waltungsgerichts  als  unzumutbar  einzustufen,  zumal  die  dortige  Si-
cherheitslage angesichts unzähliger Kampfhandlungen zwischen den 
Taliban  und  den  afghanischen  und  ausländischen  Truppen  sehr 
schlecht sei. Was den Aufenthalt in Kabul anbelange, so habe der Be-
schwerdeführer seine beiden letzten Jahre vor der Ausreise in dieser 
Stadt verbracht und mit seinem Vater in einer Mietwohnung gelebt. In-
dessen sei es unwahrscheinlich, dass sein Vater immer noch in Kabul 
lebe. Im Übrigen hätte die Vorinstanz das Vorliegen von Wegweisungs-
hindernissen von Amtes wegen prüfen müssen. Dies sei  unterlassen 
und stattdessen der  Wegweisungsvollzug angeordnet  worden. Ange-
sichts der allgemeinen Entwicklungen in Afghanistan seien an der Zu-
mutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grundsätzliche  Zweifel  ange-
bracht. Die Menschenrechtssituation habe sich nämlich durchgehend 
und in nahezu allen Teilen des Landes drastisch verschlechtert. Auf-
grund  der  gesteigerten  Aktivitäten  der  Taliban  drohe  das  Land  ins 
Chaos zu stürzen. Mittlerweile seien 35 % der Haushalte nicht  mehr 
imstande, sich ausreichend zu ernähren. Der Arbeitsmarkt sei ausge-
trocknet. Eine Arbeit, die die Existenz sichern könne, sei kaum zu fin-
den. Zudem liege ein im Internet einsehbares Gutachten vor, das sich 
zu den Möglichkeiten für einen alleinstehenden jungen Mann äussere, 
im Falle seiner Rückkehr eine Existenz in Afghanistan, zum Beispiel in 
Kabul, aufzubauen. Der Gutachter verneine die Möglichkeit, eine ver-
tretbare Existenz aufzubauen oder auch nur zu überleben, solange ein 
Rückkehrer  nicht  auf  die  Unterstützung  seiner  Grossfamilie  zählen 
könne. Die Versorgung durch Hilfswerke sei  zudem nicht  überall  ge-
währleistet  und meistens  unzulänglich  sowie  für  die  Zukunft  keines-
wegs verlässlich. Der Beschwerdeführer habe zu keinem seiner Fami-
lienangehörigen in Afghanistan Kontakt. Seine Mutter sei getötet wor-
den, und mit dem Vater habe er vor circa drei Jahren zuletzt gespro-
chen. So wisse er auch nicht, wo sich sein Vater momentan aufhalte 
und ob er überhaupt noch am Leben sei. Es sei somit von einem feh-
lenden Beziehungsnetz in Kabul oder mangelhafter Sicherheitslage in 
jenen  Provinzen  auszugehen,  in  welchen  ferne  Familienangehörige 

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lebten, weshalb aus diesem Grund derzeit eine Rückkehr nicht zumut-
bar sei.

4.3.3 Wie sich  aus  den  Akten ergibt,  stammt der  Beschwerdeführer 
aus der Provinz Uruzgan, wo er seine ersten elf Lebensjahre verbrach-
te (A18/18 S. 6). Aufgrund der  oben erwähnten Praxis  der ARK wie 
auch des Bundesverwaltungsgerichts  gilt  der  Wegweisungsvollzug in 
diese Provinz als unzumutbar, weshalb sich diesbezüglich weitere Er-
örterungen erübrigen. Indessen stellt  sich die weitere Frage, ob sich 
der Beschwerdeführer nicht ausserhalb seiner Herkunftsprovinz in ei-
ner Region niederlassen kann, in der die Sicherheitskräfte ein praxis-
gemäss  genügendes  Sicherheitsniveau  gewährleisten.  Aufgrund  der 
Schilderungen  des  Beschwerdeführers  steht  in  diesem  Zusammen-
hang die Hauptstadt Kabul zur Debatte, wo er sich zusammen mit sei-
nem Vater während zweier Jahre vor seiner Ausreise aus dem Heimat-
staat in einer Mietwohnung aufgehalten haben will. Sein Vater blieb of-
fenbar an dieser Adresse wohnhaft, zumal der Beschwerdeführer an-
lässlich der Befragung vom 31. August 2006 im EVZ (...) erklärte, sein 
Vater  lebe  in  Kabul  (A1/9  S. 3).  Wie  sich  aus  einem  späteren  Vor-
bringen ergibt (A18/18 S. 4), war der Beschwerdeführer anlässlich die-
ser  Befragung  im  EVZ  (...)  bezüglich  der  Adressangabe  auf  dem 
allerneusten Stand, führte er doch als letzten Kontakt mit seinem Vater 
ein Telefongespräch an, das er deutlich mehr als ein halbes Jahr vor 
der  Befragung  im  EVZ  (...)  geführt  haben  will.  Dementsprechend 
vermögen spätere Vorbringen des Inhalts, er wisse nicht, wo sein Vater 
geblieben sei  und ob er  überhaupt  noch lebe,  nicht  zu  überzeugen. 
Denn zum einen bestünde wohl nicht nur von Pakistan, sondern auch 
von der  Schweiz aus  die  Möglichkeit,  telefonischen Kontakt  mit  Ver-
wandten im Heimatstaat zu halten. Zum anderen ergibt sich aufgrund 
der Schilderungen des Beschwerdeführers, dass sich sein Vater ohne-
hin definitiv  in Kabul niederlassen und sogar ein Haus kaufen wollte 
(A18/18 S. 9). Bei dieser Sachlage erscheint die nachträglich und ohne 
stichhaltige Begründung auftretende Unkenntnis des Beschwerdefüh-
rers über den Aufenthaltsort und das Schicksal seines Vaters lediglich 
als eine Schutzbehauptung, mit der der Wegweisungsvollzug nach Ka-
bul vereitelt werden soll. Es ist demnach entgegen den nachgeschobe-
nen Behauptungen des Beschwerdeführers von einem in Wirklichkeit 
bestehenden Beziehungsnetz in Kabul auszugehen, weshalb der Be-
schwerdeführer zunächst wieder - sofern nötig - bei seinem Vater Un-
terschlupf  finden  dürfte.  Aufgrund  seiner  Erwerbstätigkeit  in  der 
Schweiz  dürfte  der  Beschwerdeführer  zumindest  in  der  ersten  Zeit 

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nach  der  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  kaum  auf  anderweitige 
materielle  Unterstützung  durch  seinen  Vater  angewiesen  sein  (vgl. 
Beschwerde S. 9). Aufgrund seiner bisherigen beruflichen Erfahrungen 
in Afghanistan, Pakistan und der Schweiz darf man davon ausgehen, 
es werde ihm auch nach der Rückkehr wieder gelingen, beruflich Fuss 
zu fassen. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Vollzug 
der  Wegweisung  nach  Kabul  dem Beschwerdeführer  zuzumuten  ist, 
wo  er  inskünftig  unter  den  ihm  bereits  von  früher  bekannten 
Verhältnissen  leben  würde.  Immerhin  war  es  ihm  als  jungem 
Erwachsenen  möglich,  während  zweier  Jahre  in  Kabul  ohne 
nennenswerte Schwierigkeiten zu leben. Bei dieser Sachlage hat die 
Vorinstanz  das  Fehlen  von Wegweisungshindernissen  zu  Recht  und 
mit zutreffender Begründung festgestellt.

4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als 
zumutbar.

4.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen; er wurde von der Vorinstanz zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG).

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt 
Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  -  3  des  Reglements  vom  21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  und mit  dem am 8. September 

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2008 geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt und mit dem am 8. September 2008 geleisteten Kostenvor-
schuss von Fr. 600.– verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand: 

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