# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 584ebb0c-b9d4-5a38-96ee-36bb1f6891a3
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-05
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 05.09.2019 460 18 388
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-18-388_2019-09-05.pdf

## Full Text

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

5. September 2019 (460 18 388)  

____________________________________________________________________ 

 

Strafrecht 

 

 

Versuchter Mord etc. / Obligatorische Landesverweisung 

 

 

Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.),  

Richter Stephan Gass, Richterin Helena Hess,  

Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Olivia Reber 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Allgemeine Hauptabteilung,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde und Anschlussberufungsklägerin 

 

A.____,  

vertreten durch Opferhilfe beider Basel,  

Steinenring 53, 4051 Basel,  

Privatkläger 

  

gegen 

 

 B.____,  

vertreten durch Advokat Gabriel Giess,  

Oberwilerstrasse 3, Postfach, 4123 Allschwil,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

Gegenstand Versuchter Mord etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

17. September 2018 

 
 
 

 
 
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A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend Strafgericht) vom 

17. September 2018 wurde B.____ der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig erklärt und zu 

einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt (Ziff. 1). Hingegen wurde er von der 

Anklage der Tätlichkeiten, der versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter der versuch-

ten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der versuchten Nötigung 

sowie der Drohung freigesprochen (Ziff. 2). B.____ wurde ausserdem für die Dauer von 8 Jah-

ren des Landes verwiesen. Die Landesverweisung wurde im Schengener Informationssystem 

eingetragen (Ziff. 3). Ferner wurden dem Beschuldigten die gesamten Verfahrenskosten aufer-

legt (Ziff. 5).  

 

B. Mit Eingabe vom 20. September 2018 meldete B.____ (nachfolgend Berufungskläger), 

vertreten durch Advokat Gabriel Giess, beim Strafgericht Berufung an. Am 8. Januar 2019 

reichte der Berufungskläger seine Berufungserklärung beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, 

Abteilung Strafrecht (nachfolgend Kantonsgericht), ein und focht das Urteil des Strafgerichts 

vom 17. September 2018 in Teilen an (Ziff. 1). Das Urteil sei wie folgt abzuändern: Es sei der 

Berufungskläger vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung freizusprechen und wegen 

versuchter einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand und Drohung zu 

verurteilen. Mitangefochten sei auch die Strafzumessung. Es sei eine bedingt vollziehbare 

Geldstrafe von 360 Tagessätzen à Fr. 10.-- auszusprechen. Des Weiteren sei von einer Lan-

desverweisung abzusehen. Die Freisprüche betreffend Tätlichkeiten, versuchter schwerer Kör-

perverletzung, versuchter Nötigung sowie Drohung würden nicht angefochten. Angefochten 

werde ferner die Kostenverteilung: Aufgrund der erstinstanzlichen Freisprüche sei ein Teil der 

Verfahrens- und Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Ebenso sei die Rückzah-

lungsverpflichtung der Kosten der amtlichen Verteidigung anzupassen (Ziff. 2).  

 

C. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft (nachfolgend Staatsanwaltschaft) erklärte mit 

Eingabe vom 28. Januar 2019 beim Kantonsgericht die Anschlussberufung und beantragte, es 

sei der Schuldspruch in Ziff. 1 Abs. 1 des Urteils des Strafgerichts vom 17. September 2018 

teilweise aufzuheben und der Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung, der Tätlichkei-

ten, der versuchten schweren Körperverletzung (eventualiter der versuchten einfachen Körper-

verletzung mit einem gefährlichen Gegenstand), der versuchten Nötigung sowie der Drohung 

schuldig zu sprechen (Ziff. 1). Ausserdem sei der Beschuldigte in Abänderung von Ziff. 1 Abs. 2 

des Urteils des Strafgerichts vom 17. September 2018 zu einer gegenüber der vom Strafgericht 

 
 
 

 
 
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ausgefällten Freiheitsstrafe erhöhten sowie schuldangemessenen Freiheitsstrafe zu verurteilen 

(Ziff. 2). Dementsprechend sei Ziff. 2 des genannten Urteils aufzuheben (Ziff. 3). Schliesslich 

sei der Beschuldigte in Abänderung von Ziff. 3 des Urteils des Strafgerichts vom 17. September 

2018 für die Dauer von 15 Jahren anstatt für eine Dauer von 8 Jahren des Landes zu verweisen 

(Ziff. 4). Im Übrigen sei das Urteil des Strafgerichts in Abweisung der Berufung vollumfänglich 

zu bestätigen (Ziff. 5). 

 

D. Mit Verfügung vom 30. Januar 2019 setzte das verfahrensleitende Präsidium des Kan-

tonsgerichts für das Berufungsverfahren Advokat Gabriel Giess als amtlichen Verteidiger des 

Berufungsklägers ein. In Bezug auf den Antrag des Berufungsklägers um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege (im Falle des Unterliegens) stellte die Verfahrensleitung fest, dass 

sich die Kostentragung im Rechtsmittelverfahren ausschliesslich nach Art. 428 StPO richtet.  

 

E. Die Staatsanwaltschaft reichte am 20. Februar 2019 ihre Anschlussberufungsbegrün-

dung ein und hielt an ihren eingangs gestellten Anträgen fest.  

 

F. Mit Berufungsbegründung vom 26. März 2019 beantragte der Berufungskläger, die An-

schlussberufung der Staatsanwaltschaft vom 28. Januar 2019 sei vollumfänglich abzuweisen; 

dies unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsgegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

beantragte er, es sei Advokat Gabriel Giess das Protokoll der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung zuzustellen. Ferner stellte der Berufungskläger die folgenden Beweisanträge: Es seien die 

Videos des Vorfalls (Empfang) im Einzelbildmodus an der Berufungsverhandlung vorzuführen. 

Vorsorglich werde ausserdem beantragt, dass – falls die Fotoaufnahmen dem Gericht resp. der 

Staatsanwaltschaft zu wenig klar sein sollten – eine professionelle forensische Sicherung des 

Videos inkl. Auswertung, z.B. beim forensischen Institut Zürich, durchgeführt werde. 

 

G. Am 10. April 2019 nahm die Staatsanwaltschaft Stellung zu den Beweisanträgen vom 

26. März 2019 und beantragte deren Abweisung.  

 

H. Mit Verfügung vom 11. April 2019 wies das verfahrensleitende Präsidium des Kantons-

gerichts den Beweisantrag des Beschuldigten, wonach die Videos des Vorfalls (Empfang) im 

Einzelbildmodus an der Berufungsverhandlung vorzuführen seien – unter Vorbehalt eines an-

derslautenden Entscheids des Gerichts an der Berufungsverhandlung – gestützt auf Art. 139 

 
 
 

 
 
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Abs. 2 StPO ab. Den vorsorglichen Antrag des Beschuldigten, eine forensische Sicherung des 

Videos inkl. Auswertung in Auftrag zu geben, wies die Verfahrensleitung als für die Urteilsfin-

dung nicht erforderlich ab. Schliesslich schloss das verfahrensleitende Präsidium des Kantons-

gerichts mit derselben Verfügung vom 11. April 2019 den Schriftenwechsel.  

 

I. Anlässlich der Berufungsverhandlung vor Kantonsgericht vom 3. September 2019 er-

scheinen der Berufungskläger und sein amtlicher Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft. Die 

Parteien halten an ihren bisherigen Anträgen fest.  

 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Die Berufung ist gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung 

(StPO, SR 312.0) zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren 

ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Es können Rechtsverletzungen, die unvollstän-

dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden, 

wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen 

kann (Art. 398 Abs. 2 und Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 399 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist zunächst 

die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich 

oder mündlich anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustel-

lung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Die Anschluss-

berufung richtet sich gemäss Art. 401 Abs. 1 StPO sinngemäss nach Art. 399 Abs. 3 und 4 

StPO. Somit ist die schriftliche Anschlussberufung innert 20 Tagen seit Zustellung der Beru-

fungserklärung der Gegenpartei bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen.  

 

2. Vorliegend wird das Urteil des Strafgerichts vom 17. September 2018 angefochten, wel-

ches ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Mit Eingaben vom 20. September 2018 (Beru-

fungsanmeldung) resp. vom 8. Januar 2019 (Berufungserklärung) hat der Berufungskläger die 

Rechtsmittelfrist gewahrt und ist seiner Erklärungspflicht nachgekommen. Die Staatsanwalt-

schaft hat mit Eingabe vom 28. Januar 2019 frist- und formgerecht Anschlussberufung erhoben. 

Die Zuständigkeit der Fünferkammer des Kantonsgerichts als Berufungsgericht zur Beurteilung 

der vorliegenden Berufung und Anschlussberufung ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO 

sowie aus § 15 Abs. 1 lit. b des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung 

(EG StPO, SGS 250). 

 
 
 

 
 
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Es zeigt sich somit, dass die Berufung des Beschuldigten sowie die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft sämtliche Formalien erfüllen, weshalb auf diese einzutreten ist.  

 

II. Materielles 

1. Allgemeines 

1.1 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen 

Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Aufgrund der seitens der Parteien eingereichten Rechtsschrif-

ten sowie der anlässlich der Berufungsverhandlung gehaltenen Parteivorträge zeigt sich, dass 

die Schuldsprüche wegen versuchter vorsätzlicher Tötung gemäss Ziffer 1 des vorinstanzlichen 

Urteils, die Freisprüche von der Anklage der Tätlichkeiten, der versuchten schweren Körperver-

letzung, eventualiter der versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegen-

stand, der versuchten Nötigung sowie der Drohung gemäss Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils, 

die Strafzumessung, die Landesverweisung sowie die Auferlegung der Verfahrenskosten Ge-

genstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden. Demgegenüber sind die Entscheide 

des Strafgerichts in Bezug auf das Beschlagnahmegut und das Honorar der amtlichen Verteidi-

gung unangefochten geblieben, weshalb diese Punkte nicht Gegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens sind. Diese Punkte des vorinstanzlichen Urteils sind in Rechtskraft erwachsen (vgl. Art. 

437 Abs. 1 lit. a und Art. 437 Abs. 2 StPO).  

 

1.2 Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO) hat das urtei-

lende Gericht frei von Beweisregeln und nur nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewon-

nenen persönlichen Überzeugung aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber zu entscheiden, ob 

es eine Tatsache für bewiesen hält. Das Gericht trifft sein Urteil unabhängig von der Anzahl der 

Beweismittel, welche für eine bestimmte Tatsache sprechen, und ohne Rücksicht auf die Art 

des Beweismittels. Auch besteht keine Rangfolge der Beweise. Massgebend ist allein deren 

Stichhaltigkeit (CHRISTOF RIEDO/GERHARD FIOLKA/MARCEL ALEXANDER NIGGLI, Strafprozess-

recht, 2011, Rz. 234; THOMAS HOFER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 10 N 41 ff.). 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist gemäss der aus Art. 32 Abs. 1 der Bundes-

verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV, SR 101) fliessenden und in Art. 6 

Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, 

SR 0.101) verankerten Maxime "in dubio pro reo" bis zum gesetzlichen Nachweis der Schuld zu 

vermuten, dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist. Als Beweis-

würdigungsregel besagt dieser Grundsatz, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz ei-

 
 
 

 
 
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nes für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei objekti-

ver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Die Beweiswür-

digungsregel ist verletzt, wenn der Strafrichter an der Schuld des Beschuldigten hätte zweifeln 

müssen. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche 

immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um er-

hebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der 

objektiven Sachlage aufdrängen (BGE 124 IV 87, E. 2a; mit Verweis auf BGE 120 Ia 31). Dem 

Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher Ermessensspielraum zu 

(BGE 134 IV 132, E. 4.2; BGE 129 IV 6, E. 6.1).  

 

1.3 Im Rahmen der Beweiswürdigung sind Aussagen auf Glaubhaftigkeitsmerkmale bzw. 

Lügensignale hin zu analysieren. Aussagen sind gestützt auf eine Vielzahl von inhaltlichen Re-

alkennzeichen zu beurteilen, wobei zwischen inhaltlichen Merkmalen (Aussagedetails, Individu-

alität, Verflechtung), strukturellen Merkmalen (Strukturgleichheit, Nichtsteuerung, Widerspruchs-

freiheit bzw. Homogenität) sowie Wiederholungsmerkmalen (Konstanz, Erweiterung) unter-

schieden wird. Das Vorliegen von Realitätskriterien bedeutet, dass die betreffende Person mit 

hoher Wahrscheinlichkeit über erlebnisfundierte Geschehnisse berichtet. Zwar besitzt jedes 

Realitätskriterium für sich allein betrachtet meist nur eine geringe Validität, die Gesamtschau 

aller Indikatoren kann jedoch einen wesentlich höheren Indizwert für die Glaubhaftigkeit der 

Aussage haben, wobei sie in der Regel in solchen mit realem Erlebnishintergrund signifikanter 

und ausgeprägter vorkommen als in solchen ohne (MARTIN HUSSELS, Von Wahrheiten und Lü-

gen – Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 

6/2012, S. 369 f.; ANDREAS DONATSCH, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 162 N 15). 

 

2. Vorbringen der Parteien 

2.1 Die Staatsanwaltschaft begründet ihre Anschlussberufung mit Eingabe vom 20. Februar 

2019 dahingehend, dass in Bezug auf die Anklage der Tätlichkeiten, der versuchten schweren 

Körperverletzung, eventualiter der versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährli-

chen Gegenstand, der versuchten Nötigung sowie der Drohung ein Schuldspruch hätte erfolgen 

sollen. Entgegen der Meinung des Strafgerichts seien die Aussagen des Privatklägers in sich 

schlüssig und konsistent und würden keinerlei Widersprüche aufweisen. Der Privatkläger habe 

in den staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen und anlässlich der Hauptverhandlung vor Straf-

gericht beständig und übereinstimmend ausgesagt, dass das laute Telefonieren des Beschul-

 
 
 

 
 
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digten der Grund für den Streit gewesen sei. Dass das Thema Fasten der Auslöser der Ausei-

nandersetzung gewesen sei, habe der Privatkläger anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahmen nie erwähnt und auch auf Nachfrage des Strafgerichtspräsidenten hin verneint. Die 

Aussagen des Privatklägers seien hinsichtlich der Entstehung des Streits als auch hinsichtlich 

der weiteren Ausführungen konsistent, in sich schlüssig und würden keinerlei gröbere Wider-

sprüche aufweisen. Den beständigen und schlüssigen Aussagen des Privatklägers stünden die 

– zumindest teilweise – unwahren Aussagen des Beschuldigten gegenüber. So stelle auch das 

Strafgericht zutreffend fest, dass der Beschuldigte jede Verantwortung für die Entstehung des 

Streits von sich weise und zumindest teilweise offensichtlich nicht die Wahrheit sage. Insgesamt 

sei nicht ersichtlich, aus welchem Grund die Aussagen des Privatklägers im Hinblick auf das 

Geschehen in der Küche weniger glaubhaft erscheinen sollten als seine – durch die Videoauf-

zeichnungen objektivierten – Aussagen in Bezug auf das Geschehen ausserhalb der Küche.  

 

2.2 In seiner Berufungsbegründung vom 26. März 2019 führt der Beschuldigte aus, dass der 

Freispruch in Bezug auf das Geschehen in der Küche aufgrund des Grundsatzes "in dubio pro 

reo" korrekt und daher zu bestätigen sei. Bezüglich des Geschehens ausserhalb der Küche 

werde die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte auf den Privatklä-

ger "eingestochen" haben soll, bestritten. "Einstiche" seien auch rechtsmedizinisch nicht erstellt. 

Aus der Videosequenz sei zudem klar ersichtlich, dass der Beschuldigte das Messer vom Kopf 

abgewandt geführt habe. Von einem "Einstechen" könne bei diesem Beweisergebnis keine Re-

de sein. Der Beschuldigte habe den Privatkläger nicht töten, sondern diesem nur Angst machen 

wollen. Hätte der Beschuldigte tatsächlich mehrfach auf den Privatkläger eingestochen und das 

Messer gegen dessen Kopf- und Halsbereich geführt, wäre zu erwarten gewesen, dass der Pri-

vatkläger an verschiedenen Stellen massive Stichverletzungen aufgewiesen hätte. 

 

3. Tatsächliches 

3.1 Geschehen in der Küche (Anklageschrift Ziff. 1 – 4) 

Für das Geschehen in der Küche liegen keine objektiven Beweismittel, insbesondere keine Vi-

deoaufzeichnungen, vor. Als Beweismittel stehen im Wesentlichen die Aussagen des Privatklä-

gers sowie diejenigen des Beschuldigten zur Verfügung.  
 
Der Privatkläger hat in der Einvernahme vom 14. Juni 2017 zum Geschehen in der Küche im 

Wesentlichen ausgeführt, dass der Beschuldigte laut telefonierend in die Küche gekommen sei. 

Der Privatkläger habe ihn daher gebeten, leiser zu sein. Der Beschuldigte habe ihm daraufhin 

 
 
 

 
 
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an dessen Kinn gegriffen und ihn mit seiner rechten Faust auf die linke Gesichtsseite geschla-

gen. Dies so fest, dass er zu Boden gefallen sei. Er sei aufgestanden, und der Beschuldigte sei 

schon mit einer Schaufel bereit gestanden. Als der Privatkläger den "Chef" (Betreuer des Asyl-

heims) habe holen wollen, habe der Beschuldigte ihm mit der Schaufel nachgeschlagen. Er 

habe sich ducken können, und die Schaufel habe die Wand getroffen. Plötzlich habe der Be-

schuldigte ein Messer in der Hand gehabt und ihn damit geschlagen. Das Messer habe er aus 

dem Spint in der Küche genommen. Als er dem Beschuldigten das Messer habe wegnehmen 

wollen, habe dieser ihm in den rechten Oberschenkel gebissen. Daraufhin habe der Privatklä-

ger dem Beschuldigten in die Schulter gebissen. Der Privatkläger hat im weiteren Verlauf der 

Einvernahme präzisiert, dass der Beschuldigte ihn nicht mit der Schaufel geschlagen, sondern 

diese nach ihm geworfen habe (staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 14. Juni 2017, Akten 

S. 857 ff.).  
 
Demgegenüber hat der Beschuldigte in der Hafteröffnungseinvernahme vom 15. Juni 2017 im 

Wesentlichen ausgeführt, der Privatkläger habe in der Küche die Absicht gehabt, ihm sein Es-

sen mit Gewalt zu entreissen und dieses fortzuwerfen. Deshalb habe er sein Essen auf die Sei-

te und sich vor dieses gestellt. Als der Privatkläger dies bemerkt habe, habe dieser ihn geohr-

feigt. Der Beschuldigte habe diesen dann auch geohrfeigt, und es sei zu einem Zweikampf zwi-

schen ihnen gekommen. Nachdem sie sich getrennt hätten, habe der Privatkläger eine kleine 

Pfanne genommen und diese nach dem Beschuldigten geworfen. Die Pfanne habe ihn im rech-

ten Rippenbereich getroffen. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung habe der Privatkläger 

einen Besen genommen und ihn damit schlagen wollen. Daraufhin habe der Beschuldigte eine 

Schaufel genommen, um sich zu verteidigen. Der Privatkläger sei gerannt und habe aus seinem 

geöffneten Schrank ein Messer herausgenommen. Dann habe der Beschuldigte den Privatklä-

ger an der Hand gepackt, und es sei zu einem Gerangel gekommen. Er habe dessen Handge-

lenk gepackt, und zwar an der Hand, in der er das Messer gehalten habe. Das Messer sei aus-

einandergebrochen, dies sei noch in der Küche geschehen. Dabei habe der Privatkläger sich 

geschnitten resp. am Messer verletzt. Beide Messerteile seien auf den Boden gefallen (Einver-

nahme vom 15. Juni 2017, Akten S. 331). 
 
In der Einvernahme vom 27. Juli 2017 hat der Beschuldigte angegeben, als er in die Küche ge-

kommen sei, habe ihm der Privatkläger gesagt, er solle sein Telefon ausschalten. Als der Be-

schuldigte sich sodann etwas zu Essen habe machen wollen, habe der Privatkläger angefan-

gen, ihn zu kritisieren. Der Privatkläger habe gesagt, dass der Beschuldigte seine Ruhe laufend 

 
 
 

 
 
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mit Telefonaten stören würde. Ausserdem habe der Privatkläger ihn gefragt, weshalb er essen 

wolle, und ob er denn kein Muslim sei. Er habe gesagt, sie seien Muslime und sollten fasten 

resp. Ramadan halten, und der Beschuldigte habe nicht das Recht, vor seinen Augen zu essen. 

Wenn er essen würde, sei das "Haram" (Sünde). Der Privatkläger habe ihm das Essen weg-

nehmen wollen und ihn geohrfeigt. Dann sei die Auseinandersetzung losgegangen. Sie hätten 

gekämpft, bis der Privatkläger auf einmal eine Pfanne in der Hand gehalten habe. Damit habe 

er ihn geschlagen. Der Privatkläger habe ihn auf die rechte Rückenseite im Rippenbereich ge-

troffen. Im weiteren Verlauf habe der Privatkläger ein Messer in der Hand gehalten und gesagt, 

der Beschuldigte sei gottlos, weshalb man gegen ihn einen "Dschihad" (Heiliger Krieg) führen 

solle. Daraufhin habe der Beschuldigte eine Schaufel und der Privatkläger einen Stuhl zur Hand 

genommen (Einvernahme vom 27. Juli 2017, Akten S. 1039 f.).  
 
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 13. September 2017 hat der Privatkläger aus-

gesagt, der Beschuldigte sei laut telefonierend in die Küche gekommen. Er habe ihm deswegen 

gesagt, er solle leise sein. Der Beschuldigte habe ihn daraufhin beleidigt. Der Privatkläger habe 

darauf hingewiesen, wegen des Fastens nicht so kräftig zu sein und nicht streiten zu wollen. 

Der Beschuldigte habe sodann mit der Faust auf dessen rechte Stirnseite geschlagen. Der 

Schlag sei so stark gewesen, dass der Privatkläger auf das Sofa gestürzt sei, wobei er das Be-

wusstsein aber nicht verloren habe. Nach dem Schlag habe er sich zum Aufstehen an einem 

Stuhl festgehalten. Ansonsten sei nichts mit einem Stuhl vorgefallen. Sobald er aufgestanden 

sei, habe der Beschuldigte ihn wieder geschlagen und gekratzt. Dann habe der Beschuldigte 

eine Schaufel nach ihm geworfen. Die Schaufel habe am Türrahmen aufgeschlagen. Wenn die 

Schaufel den Privatkläger getroffen hätte, hätte sie ihn geköpft. Das Messer habe der Beschul-

digte aus seinem Spint in der Küche herausgenommen. Es sei nichts mit dem Thema Essen 

gewesen. Der Beschuldigte habe überhaupt kein Essen herausgenommen. Er habe mit der 

Schaufel nach ihm geschlagen (Konfrontationseinvernahme Beschuldigter/Geschädigter vom 

13. September 2017, Akten S. 1061 ff.). Der Beschuldigte hat im Rahmen der Konfrontations-

einvernahme vom 13. September 2017 hingegen ausgeführt, dass der Auslöser des Streits das 

Thema Fasten gewesen sei. Der Privatkläger habe ihm eine Ohrfeige verpasst. Danach hätten 

sie gekämpft. Sie seien auf den Boden gestürzt und hätten sich an den Haaren gerissen. Der 

Privatkläger habe ihn in die rechte Schulter gebissen. Als er nach dem Kampf die Küche habe 

verlassen wollen, habe der Privatkläger eine Pfanne nach ihm geworfen. Daraufhin hätten sie 

weitergekämpft. Der Privatkläger habe einen Stuhl, und er deswegen eine Schaufel zur Hilfe 

 
 
 

 
 
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genommen. Bei der Auseinandersetzung sei auch ein Messer im Spiel gewesen (Akten 

S. 1067).  
 
Vor Strafgericht hat der Privatkläger ausgesagt, der Beschuldigte habe in der Küche laut telefo-

niert. Er habe ihn daher gebeten, leiser zu sein. Der Beschuldigte habe deswegen angefangen, 

mit ihm zu streiten. Das Thema Ramadan sei nicht der Grund für den Streit gewesen. Der Be-

schuldigte habe ihn auf die linke Stirnseite geschlagen, woraufhin er zu Boden gefallen sei. Er 

sei vom Schlag benommen gewesen. Der Beschuldigte habe gedacht, der Privatkläger werfe 

ihm den Stuhl an oder schlage ihn mit diesem, weshalb er die Schaufel genommen und sie dem 

Privatkläger angeworfen habe (Verhandlung vor Strafgericht vom 17. September 2018, Akten 

S. 125 ff.). 
 
C.____, der Betreuer des Asylheims in X.____, hat in seiner Einvernahme vom 3. Juli 2017 

ausgeführt, so wie er den Beschuldigten kenne, ticke dieser nicht ohne Grund derart aus. In der 

Vergangenheit sei der Beschuldigte immer zu ihm gekommen, wenn ihn etwas belastet habe. 

Er müsse stark provoziert worden sein (Akten S. 955). C.____ hat ausserdem ausgesagt, der 

Privatkläger sei schwer durchschaubar. Er sei der "Typ 1001 Nacht". Man könne ihm nicht im-

mer alles glauben (Einvernahme von C.____ vom 3. Juli 2017, Akten S. 957).  
 
Wie bereits erwähnt, stehen für das Geschehen in der Küche keinerlei Videoaufnahmen zur 

Verfügung. Es liegt eine typische "Aussage-gegen-Aussage" Konstellation vor. Der Beschuldig-

te und der Privatkläger widersprechen sich stark. Dies beginnt bereits mit dem Grund für den 

Streit, wobei der Beschuldigte angibt, dass sie sich wegen des Themas Ramadan gestritten 

hätten. Der Privatkläger hingegen behauptet konstant, dass das laute Telefonieren des Be-

schuldigten der Auslöser für den Streit gewesen sei. 
 
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht glaubhaft wir-

ken. Er weist jede Verantwortung für die Entstehung des Streits von sich und sagt – zumindest 

teilweise – offensichtlich nicht die Wahrheit. Namentlich hat er zunächst ausgesagt, der Privat-

kläger habe ihn in der Küche mit dem Messer attackiert, und dabei sei die Messerklinge abge-

brochen. Daraufhin sei der Privatkläger mit den beiden Messerteilen zum Büro des Betreuers 

gegangen und habe die Teile dort deponiert. Aufgrund der Videoaufnahmen ist aber erstellt, 

dass das besagte Messer erst vor dem Büro des Betreuers kaputtgegangen ist.  
 
Weiter hat die Vorinstanz zu Recht festgehalten, dass auch die Aussagen des Privatklägers 

gesamthaft betrachtet im Detail nicht glaubhaft wirken. In den Aussagen des Privatklägers sind 

 
 
 

 
 
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einige Widersprüche erkennbar. In seiner Einvernahme vom 14. Juni 2017 hat der Privatkläger 

ausgesagt, der Beschuldigte habe ihn mit seiner rechten Faust auf die linke Gesichtsseite ge-

schlagen, dies so fest, dass er zu Boden gefallen sei. Im Rahmen der Konfrontationseinver-

nahme vom 13. September 2017 hat er hingegen ausgeführt, der Beschuldigte habe mit der 

Faust auf seine rechte Stirnseite geschlagen. Der Schlag sei so stark gewesen, dass er auf das 

Sofa gestürzt sei. Vor Strafgericht hat der Privatkläger schliesslich gesagt, der Beschuldigte 

habe ihn auf die linke Stirnseite geschlagen, woraufhin er zu Boden gefallen sei. Er sei vom 

Schlag benommen gewesen. Zum einen sind die Aussagen des Privatklägers in Bezug auf den 

Schlag an sich nicht konstant (linke Gesichtsseite, rechte Stirnseite, linke Stirnseite). Zum ande-

ren scheint der Privatkläger auch dessen Auswirkungen von Einvernahme zu Einvernahme 

dramatischer darzustellen (zu Boden gefallen, auf das Sofa gestürzt, benommen zu Boden ge-

fallen). Zudem ist davon auszugehen, dass der Privatkläger nicht völlig unschuldig an der Aus-

einandersetzung gewesen ist.  
 
Alles in allem reicht die Aussagequalität keiner Partei aus, um darauf abstellen zu können. Der 

Privatkläger ist wohl insgesamt mit seinen Ausführungen näher an den tatsächlichen Gescheh-

nissen als der Beschuldigte. Dennoch ist es nicht möglich, das Geschehen in der Küche mit der 

erforderlichen Sicherheit sachverhaltsmässig zu rekonstruieren, zumal nach wie vor Vieles un-

klar bleibt. So ist in keinster Weise erstellt, wer mit welchem Gegenstand wann auf den anderen 

losgegangen ist oder wer den anderen wann geschlagen hat. Von beiden Parteien zugestanden 

ist lediglich, dass sie ein Gerangel gehabt und gegenseitige Tätlichkeiten und Bisse ausgeteilt 

haben. Der dem Beschuldigten in Ziff. 1 bis Ziff. 4 der Anklageschrift vorgeworfene Sachverhalt 

ist nicht rechtsgenüglich nachgewiesen, weshalb die Vorinstanz den Beschuldigten zu Recht "in 

dubio pro reo" in Bezug auf das Geschehen in der Küche freigesprochen hat. Demzufolge ist 

Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils, wonach der Beschuldigte von der Anklage der Tätlichkeiten, 

der versuchten schweren Körperverletzung, eventualiter der versuchten einfachen Körperver-

letzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der versuchten Nötigung sowie der Drohung frei-

gesprochen wird, zu bestätigen.  

 

3.2 Mehrfache Drohung (Anklageschrift Ziff. 10) 

Ebenfalls nicht rechtsgenüglich nachgewiesen ist die mehrfache Drohung gemäss Ziff. 10 der 

Anklageschrift. Auch hier besteht eine "Aussage-gegen-Aussage" Situation, wobei weder auf 

die Aussagen des Privatklägers noch auf diejenigen des Beschuldigten abgestellt werden kann. 
 

 
 
 

 
 
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Der Privatkläger hat in seiner Einvernahme vom 14. Juni 2017 ausgeführt, dass der Beschuldig-

te während des Vorfalls mehr als zehn Mal zu ihm gesagt habe: "Ich lass dich nicht. Ich bringe 

dich um." Am Schluss (nach der Polizeikontrolle) habe der Beschuldigte ihm mit dem Finger 

angezeigt, dass er ihm die Kehle durchschneiden werde (Akten S. 865). In seiner Einvernahme 

vom 15. Juni 2017 hat der Beschuldigte hingegen vorgebracht, der Privatkläger habe ihm einige 

Male mit den Worten gedroht: "Ich schlachte dich!". Er selber habe aber nichts Dergleichen ge-

sagt. Er habe auch keine solche Geste gemacht. Er habe am Kinn eine kleine Verletzung ge-

habt. Diese Verletzung habe er wohl öfters angefasst. Es könne sein, dass der Privatkläger das 

missverstanden habe (Akten S. 905). Im Übrigen sei es seine Gewohnheit, dass er mit der 

Hand über den Bart an seinem Hals streiche. Diese Bewegung habe der Privatkläger falsch 

interpretiert (Akten S. 1053). Der Privatkläger stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass der 

Beschuldigte mit der beschriebenen Geste gedroht habe, ihm mit dem Messer die Kehle durch-

zuschneiden. Der Zeigefinger stelle das Messer dar. Er sei Muslim. Wenn man mit der Hand 

von oben über den Bart fahre, sei das eine Warnung. Die Geste mit dem Finger bedeute "now i 

kill you" (Konfrontationseinvernahme vom 13. September 2017, Akten S. 1085).  
 
Die anderen vor Ort anwesenden Personen, insbesondere der Betreuer des Asylheims und die 

Polizeibeamten, haben indes nicht gesehen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger mit einer 

Geste gedroht hätte (Einvernahme von C.____ vom 3. Juli 2017, Akten S. 953). Im Zweifel ist 

somit der Beschuldigte auch diesbezüglich "in dubio pro reo" freizusprechen und demzufolge 

Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils zu bestätigen.  

 

3.3 Geschehen ausserhalb der Küche (Anklageschrift Ziff. 5 – 9)  

3.3.1 Geschehen vor dem Haus 

Zur Beurteilung des Geschehens vor dem Haus steht die Videoaufnahme der Überwachungs-

kamera des Asylheims in X.____ (BL) als zentrales Beweismittel zur Verfügung. Auf dieser Vi-

deoaufzeichnung der Überwachungskamera beim Haupteingang ist ab 15:37:28 Uhr resp. ab 

Sekunde 70 der Aufzeichnung zu sehen, wie der Privatkläger um das Haus herumrennt und 

beim Haupteingang zur Türe hinein möchte, während der Beschuldigte ihm mit dem Messer 

hinterherrennt und bei der Treppe vor der Eingangstüre einmal mit dem Messer auf den Privat-

kläger einschlägt. Der Privatkläger kommt offenbar nicht in das Haus hinein und rennt deshalb 

wieder um das Haus herum, um bei einer anderen Türe (Küchentüre) in das Haus zu flüchten. 

Der Beschuldigte rennt dem Privatkläger wiederum hinterher und schlägt zweimal mit dem 

Messer auf diesen ein. Der Privatkläger scheint sodann in das Haus gelangt zu sein und die 

 
 
 

 
 
Seite 13   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Türe von innen verschlossen zu haben, weshalb der Beschuldigte um das Haus herumrennt 

(CD 2, Ordner 2017-06-15, Video Nummer 00000003617001501).  
 
Zum Geschehen vor dem Haus befragt, hat der Privatkläger vor Strafgericht ausgeführt, als er 

geflohen sei, habe der Beschuldigte das Messer aus dem Spint genommen und sei ihm hinter-

hergelaufen. Er habe ihn mit dem Messer geschlagen. Der Privatkläger habe den "Chef" darauf 

aufmerksam machen wollen, die Türe sei aber verschlossen gewesen. Daher sei er wieder in 

die Küche gegangen (Verhandlung vor Strafgericht vom 17. September 2018, Akten S. 125 ff.). 
 
Zu den Videoaufzeichnungen befragt, hat der Beschuldigte gesagt, er habe versucht, dem Pri-

vatkläger Angst zu machen. Er habe aber nicht die Absicht gehabt, dessen Körper zu treffen. 

Damit er ihn nicht treffe, habe er seine Hand abgedreht (Einvernahme vom 27. Juli 2017, Akten 

S. 1043).  

 

3.3.2 Geschehen im Eingangsbereich resp. vor dem Büro des Betreuers 

Auch zur Beurteilung des Geschehens im Eingangsbereich resp. vor dem Büro des Betreuers 

stehen die Videoaufzeichnungen des Asylheims als Beweismittel im Zentrum. Auf der Video-

aufzeichnung der Überwachungskamera im Treppenhaus ist ab 15:37:52 Uhr resp. ab Sekunde 

23 der Aufzeichnung zu sehen, wie der Privatkläger in die Richtung des Büros des Betreuers 

läuft und an die Empfangs-Scheibe klopft. Daraufhin stürmt der Beschuldigte ihm nach und geht 

wiederum mit dem Messer auf ihn los. Der Beschuldigte schlägt insgesamt sechsmal mit dem 

Messer auf den Privatkläger ein, bis das Messer nach dem sechsten Schlag auseinanderbricht. 

Daraufhin entfernt sich der Beschuldigte vom Büro, der Privatkläger sammelt die beiden Teile 

des zerbrochenen Messers am Boden ein und zeigt diese dem Betreuer. Während der Privat-

kläger mit dem Betreuer über den Vorfall spricht, kommt der Beschuldigte noch einmal zurück, 

deutet mit dem Zeigefinger auf den Privatkläger, sagt etwas zu diesem und geht wieder fort. 

Danach spricht der Privatkläger weiter mit dem Betreuer am Empfangsschalter, bis der Betreuer 

aus seinem Büro zum Privatkläger herauskommt (CD 2, Video Nummer 00000003608019701). 
 
Dieselbe Situation ist von einer weiteren Überwachungskamera aus einer anderen Perspektive 

auf Video aufgezeichnet worden. Auf der Videoaufzeichnung der Überwachungskamera beim 

Empfang des Asylheims in X.____ ist ab 15:37:54 Uhr resp. ab Sekunde 5 der Aufzeichnung 

zusätzlich eindrücklich zu sehen, wie der Privatkläger die Schläge des Beschuldigten abwehrt. 

Ausserdem ist während des Angriffs in den Augen des Privatklägers grosse Angst zu erkennen. 

 
 
 

 
 
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Darüber hinaus ist ihm Entsetzen und Verzweiflung anzusehen, während er dem Betreuer nach 

der Tat über das Geschehene berichtet (CD 2, Video Nummer 00000003618002701).  
 
Zum Geschehen im Eingangsbereich befragt, hat der Privatkläger anlässlich der Einvernahme 

vom 14. Juni 2017 ausgeführt, der Beschuldigte habe ihn mit dem Messer geschlagen. Das 

Messer sei dann kaputtgegangen. Dies sei bei der Türe des "Chefs" beim Eingang resp. Emp-

fang des Asylheims geschehen. Der Beschuldigte habe mit der Klinge voran auf ihn einge-

schlagen. Er habe versucht, sich zu wehren, dabei habe er sich an der Hand verletzt. Dann ha-

be der Beschuldigte ihn am Bauch treffen wollen. Er habe meistens in Richtung des Kopfes 

geschlagen. Mit "Schlagen" meine der Privatkläger die Stechbewegungen. Der Beschuldigte 

habe ihn umbringen wollen (staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 14. Juni 2017, Akten 

S. 857 ff.).  
 
Neben den Videoaufzeichnungen ist diese erste Einvernahme des Privatklägers vom 14. Juni 

2017 als wichtiges Beweismittel zu würdigen. Immer wieder hat der Privatkläger davon gespro-

chen, dass der Beschuldigte ihn mit dem Messer "geschlagen" habe. Er habe versucht, sich mit 

der Hand zu wehren. Der Beschuldigte habe ihn trotzdem an der linken Seite des Gesichts ge-

troffen. Der Privatkläger habe ihn mit der Hand abwehren können. Dabei habe er sich an seiner 

Hand verletzt. Er sei mehrfach vom Beschuldigten "geschlagen" worden (Einvernahme vom 

14. Juni 2017, Akten S. 859). Auch im weiteren Verlauf der Einvernahme hat der Privatkläger 

gesagt, der Beschuldigte habe plötzlich ein Messer in der Hand gehabt. Er habe ihn mit dem 

Messer in der Hand "geschlagen". Auf die Frage hin, was der Beschuldigte mit dem Messer 

gemacht habe, hat der Privatkläger wiederum ausgeführt, er habe ihn mit dem Messer "ge-

schlagen". Das Messer sei dann kaputtgegangen. Der Beschuldigte habe ihn mit dem Messer 

bei der Türe des "Chefs" beim Eingang resp. Empfangsschalter "geschlagen". Der Beschuldigte 

habe das Messer am Griff gehalten. Er habe ihn damit "geschlagen". Er habe mit der Klinge 

voran auf ihn "geschlagen". Der Privatkläger habe dann dessen Hand ergreifen können (Akten 

S. 863). Der Beschuldigte habe ihn meistens in Richtung des Kopfes "geschlagen". Als er den 

Beschuldigten festgehalten habe, habe dieser ihn mit der anderen Hand "geschlagen". Der Be-

schuldigte habe auch versucht, in Richtung des Bauches zu "schlagen". Das sei aber nicht er-

folgreich gewesen. Dann habe er in Richtung des Kopfes "geschlagen". Erst auf Frage der ein-

vernehmenden Person hin hat der Privatkläger schliesslich ausgeführt, dass er mit "Schlagen" 

die Stechbewegungen meine. Der Beschuldigte habe ihn umbringen wollen (Akten S. 865).  
 

 
 
 

 
 
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Vor Strafgericht hat der Privatkläger ausgesagt, dass der Beschuldigte ihn bei der Türe des 

"Chefs" wieder eingeholt habe. Dort habe er ihn mit dem Messer attackiert (Verhandlung vor 

Strafgericht vom 17. September 2018, Akten S. 125 ff.). 
 
Der Beschuldigte hat anlässlich seiner Einvernahme vom 27. Juli 2017 ausgeführt, er habe in 

seinem früheren Leben nie ein Messer zum Kämpfen in die Hand genommen. Er habe auch nie 

den Gedanken gehabt, jemanden zu töten. Bei diesem Vorfall habe es Probleme gegeben und 

zwar in seinem Kopf. Er sei ausser Kontrolle gewesen (besagte Einvernahme, Akten S. 1045). 

Sie hätten gekämpft. Im Kampf sei alles möglich. Wenn man wütend sei und ausser Kontrolle 

gerate, sei alles möglich (Akten S. 1051). Im Rahmen der Verhandlung vor Strafgericht vom 

17. September 2018 hat der Beschuldigte sich die Videoaufzeichnungen nicht ansehen wollen, 

da diese ihn erschrecken würden. Weinend hat der Beschuldigte ausgeführt, er habe sich nicht 

mehr unter Kontrolle und Glück gehabt, dass nicht mehr passiert sei (Protokoll der Sitzung des 

Strafgerichts vom 17. September 2018, Akten S. 137).  
 
Das Berufungsgericht erachtet es aufgrund der Videoaufzeichnungen der Überwachungskame-

ras sowie aufgrund der ersten Einvernahme des Privatklägers vom 14. Juni 2017 als erstellt, 

dass der Beschuldigte insgesamt neunmal – dreimal vor dem Haus beim Haupteingang des 

Asylheims und sechsmal beim Empfangsschalter im Hausinnern – in natürlicher Handlungsein-

heit "Schlagbewegungen" mit dem Messer gegen den Bauch-, Brust-, Arm-, Hals- und Kopfbe-

reich des Privatklägers ausgeführt hat. Aus den Videoaufnahmen wird ersichtlich, dass der Be-

schuldigte die Schlagbewegungen mit ziemlich heftiger Aggressivität ausgeführt hat. Als nicht 

erstellt erachtet das Kantonsgericht hingegen, dass der Beschuldigte auch Stichbewegungen 

gegen den Privatkläger ausgeführt hat. Auf den Videoaufzeichnungen erkennt man, dass es 

sich um eine dynamische Auseinandersetzung gehandelt hat, wobei der Beschuldigte aber da-

rauf bedacht gewesen zu sein scheint, den Privatkläger nicht zu stechen. Dies kann daraus 

abgeleitet werden, dass der Beschuldigte jeweils mit seiner Hand resp. dem roten Griff des 

Messers und nicht mit der Messerklinge voran auf den Privatkläger eingeschlagen hat. Wenn 

man die Videoaufnahmen verlangsamt abspielt, ist darauf gut zu erkennen, dass der Beschul-

digte die Messerklinge stets nach aussen resp. in die Luft und nicht gegen den Körper des Pri-

vatklägers gerichtet hat. Ein "Stechen" im engeren Sinne ist nicht ersichtlich; Dessen ungeach-

tet musste der Beschuldigte zumindest in Betracht ziehen, dass er dem Privatkläger im Rahmen 

der dynamischen Auseinandersetzung Schnittverletzungen im Bauch-, Brust-, Arm-, Hals- und 

Kopfbereich zufügen könnte. Der Privatkläger war in Bewegung und hat die Schläge mit dem 

 
 
 

 
 
Seite 16   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Messer abgewehrt, wobei der Beschuldigte dessen exakte Bewegungen nicht vorhersehen 

konnte.  

 

4. Rechtliches 

4.1 Zu prüfen ist, wie das erstellte Tatgeschehen ausserhalb der Küche gemäss Anklage-

schrift Ziff. 5-9 rechtlich zu würdigen ist. Das Strafgericht hat den Beschuldigten mit Urteil vom 

17. September 2018 der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig erklärt. Die Staatsanwalt-

schaft beantragt die Bestätigung dieses Schuldspruchs. Demgegenüber beantragt der Beschul-

digte eine Verurteilung wegen versuchter einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen 

Gegenstand.  

 

4.2 Den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB erfüllt, wer vor-

sätzlich einen Menschen tötet. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualdo-

lus ausreicht. Der Vorsatz muss sich auf die Herbeiführung des Todes beziehen. Vorsätzlich 

begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt oder wer die 

Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB), aber dennoch 

handelt, weil er sich mit dem Erfolg abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1, 

E. 4.2.3 mit Hinweis). Der Eventualvorsatz auf Tötung unterscheidet sich vom Gefährdungsvor-

satz dadurch, dass der Täter bei der Lebensgefährdung darauf vertraut, der Tod des Opfers 

werde nicht eintreten. Bleibt dem Zufall überlassen, ob die Gefahr sich verwirklicht oder nicht, 

liegt (versuchte) eventualvorsätzliche Tötung vor (BGer 6B_655/2012 vom 15. Februar 2013, E. 

3.5 mit Hinweisen). Für den Nachweis des Vorsatzes darf der Richter vom Wissen des Täters 

auf den Willen schliessen, wenn sich diesem die Verwirklichung der Gefahr als so wahrschein-

lich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als 

Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1, E. 4.2.3 mit Hinweis). Je grös-

ser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsguts-

verletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsver-

wirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12, E. 2.3.2; 133 IV 222, E. 5.3). Allerdings kann 

nicht unbesehen vom Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen In-

kaufnahme geschlossen werden. Sicheres Wissen um die unmittelbare Lebensgefahr, also um 

die Möglichkeit des Todes, ist nicht identisch mit sicherem Wissen um den Erfolgseintritt und 

kann sowohl mit (eventuellem) Tötungsvorsatz als auch bewusster Fahrlässigkeit bezüglich der 

Todesfolge einhergehen. Ein Tötungsvorsatz ist zu verneinen, wenn der Täter trotz der erkann-

 
 
 

 
 
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ten möglichen Lebensgefahr handelt, aber darauf vertraut, die Todesgefahr werde sich nicht 

realisieren. Zur Annahme eines Tötungsvorsatzes müssen zum Wissenselement weitere Um-

stände hinzukommen (BGE 133 IV 9, E. 4.1; zur Verneinung des Eventualvorsatzes vgl. BGer 

6B_775/2011 vom 4. Juni 2012, E. 2.4). Solche Umstände liegen gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung namentlich vor, wenn der Täter das ihm bekannte Risiko in keiner Weise kal-

kulieren und dosieren kann und der Geschädigte keinerlei Abwehrchancen hat (vgl. BGer 

6B_754/2012 vom 18. Juli 2013, E. 3.2.3. f.; BGE 133 IV 1, E. 4.5). 

 

4.3 Bestimmt es das Gesetz nicht ausdrücklich anders, so ist nur strafbar, wer ein Verbre-

chen oder Vergehen vorsätzlich begeht (Art. 12 Abs. 1 StGB). Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB 

begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt, 

wobei bereits vorsätzlich handelt, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf 

nimmt (Eventualvorsatz). Nach ständiger Rechtsprechung ist von eventualvorsätzlichem Han-

deln auszugehen, wenn der Täter die Verwirklichung eines Tatbestands zwar nicht mit Gewiss-

heit voraussieht, aber doch ernsthaft für möglich hält, und die Erfüllung des Tatbestands für den 

Fall, dass sie eintreten sollte, in Kauf nimmt, sich damit abfindet, mag sie ihm auch uner-

wünscht sein (STEFAN TRECHSEL/MARC JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, Praxiskommentar StGB, 2. 

Aufl. 2013, Art. 12 N 13). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen hat, 

muss das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses der beschuldigten Person – aufgrund der 

Umstände entscheiden. Dazu gehören namentlich die Grösse des dem Täter bekannten Risikos 

der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe 

des Täters und die Art der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsver-

wirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die 

Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGer 

6B_475/2012 vom 27. November 2012, E. 2.1). Mithin stimmen der Eventualvorsatz und die 

bewusste Fahrlässigkeit, von der er abzugrenzen ist, auf der Wissensseite überein: Im einen 

wie im anderen Falle muss sich der Täter der Möglichkeit des Erfolgseintritts bewusst sein. Der 

Unterschied liegt allein darin, wie er sich zu dieser Möglichkeit einstellt, also auf der Willenssei-

te. Auch wer den Erfolg als möglich ansieht, kann sich innerlich darauf verlassen, dass schon 

nichts passieren werde, und wer sich so verhält, wer leichtfertig oder gar frivol auf den Nichtein-

tritt selbst eines für wahrscheinlich gehaltenen Erfolges vertraut, handelt nicht mit Eventualvor-

satz. Hier bleibt es bei bewusster Fahrlässigkeit. Wer dagegen den Eintritt des Erfolges ernst-

lich in Rechnung stellt, wer beispielsweise Vorkehrungen trifft, um einer eventuellen Strafverfol-

 
 
 

 
 
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gung zu entgehen, ist offenbar bereit, die Tatbestandserfüllung um des von ihm verfolgten Zie-

les willen hinzunehmen und handelt demnach mit Eventualvorsatz ("Es mag so oder anders 

werden, auf jeden Fall handle ich"; GÜNTER STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, All-

gemeiner Teil I, 4. Aufl. 2011, § 9 Rz. 105). Von einer Inkaufnahme ist somit auszugehen, wenn 

sich die Tatbestandsverwirklichung aufgrund der konkreten Sachlage als derart wahrscheinlich 

aufdrängt, dass das Verhalten der beschuldigten Person vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 

der Tatbestandserfüllung gewertet werden kann (BGer 6B_477/2009 vom 24. September 2009, 

E. 1.6; STRATENWERTH, a.a.O., § 9 Rz. 103). Der Eventualvorsatz ist nicht leichthin anzuneh-

men; vielmehr beansprucht die Regel "in dubio pro reo" hier eine erhöhte Beachtung (MARCEL 

ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MAEDER, Basler Kommentar StGB, 3. Aufl. 2013, Art. 12 N 62). Fol-

gerichtig darf der Eventualdolus nur mit Zurückhaltung unterstellt werden und zwar aus materi-

ellen Erwägungen (Begriff des Eventualvorsatzes) sowie infolge der Maxime "in dubio pro reo" 

aus prozessualen Gründen (MARTIN SCHUBARTH, Dolus eventualis – positive und negative Indi-

katoren; Analyse der Rechtsprechung des Bundesgerichts von 1943-2007, AJP 2008 S. 526). 

Dementsprechend muss in Beachtung aller Umstände aus dem Verhalten des Täters geschlos-

sen werden können, dieser habe sich gegen das geschützte Rechtsgut entschieden (BGE 133 

IV 9 E. 4.3).  

 

4.4 Ein Versuch liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor, wenn der Täter, nachdem er mit der 

Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu 

Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht ein-

treten kann. Subjektiv wird verlangt, dass der Täter einen auf die Begehung der Tat gerichteten 

Entschluss gefasst hat. Die objektive Seite hingegen setzt voraus, dass der Täter mit der Aus-

führung der Tat begonnen hat. Der Versuch erfordert somit, dass der Täter sämtliche subjekti-

ven Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht wären. Die subjektiven Tatbestandsmerkmale 

müssen vollständig erfüllt sein, in erster Linie der Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt 

(STEFAN TRECHSEL/CHRISTOPHER GETH, Praxiskommentar StGB, 2. Aufl. 2013, Art. 22 N 1 f.). 

 

4.5 Wie bereits erwähnt, erachtet es das Berufungsgericht als erwiesen, dass der Beschul-

digte insgesamt neunmal "Schlagbewegungen" mit dem Messer gegen den Privatkläger ausge-

führt hat. Die Angriffe hat der Beschuldigte mit vollem Körpereinsatz und ziemlich heftiger Ag-

gressivität ausgeübt. Als nicht erstellt erachtet das Kantonsgericht hingegen, dass der Beschul-

 
 
 

 
 
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digte Stichbewegungen, mit der Messerklinge gegen den Privatkläger gerichtet, ausgeführt hat. 

Aus den Videoaufzeichnungen wird ersichtlich, dass es sich um eine dynamische Auseinander-

setzung gehandelt hat. Der Beschuldigte war darauf bedacht, den Privatkläger nicht zu stechen, 

indem er jeweils klar ausschliesslich mit der Hand resp. Faust und nicht mit der Klinge des 

Messers voran auf den Privatkläger einschlug. Die Messerklinge war stets nach aussen resp. in 

die Luft und nicht gegen den Privatkläger gerichtet. Ein eindeutiges "Stechen" im engeren Sinne 

ist auf dem Videomaterial nicht ersichtlich; Nichtsdestotrotz hat der Beschuldigte damit rechnen 

müssen, dass er den Privatkläger mit dem Messer schneiden und verletzen könnte. Das Risiko, 

dass sich der Privatkläger dadurch tödliche Verletzungen zuzieht, ist hingegen als nicht genü-

gend gross zu bewerten. Der Beschuldigte konnte das ihm bekannte Risiko kalkulieren und do-

sieren, indem er die Messerklinge vom Körper des Privatklägers abwendete. Zudem hatte der 

Privatkläger relativ gute Abwehrchancen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass der 

Beschuldigte eine tödliche Verletzung des Privatklägers in Kauf genommen hat, zumal sich die 

Tatbestandsverwirklichung aufgrund der konkreten Sachlage nicht als derart wahrscheinlich 

aufdrängt, dass das Verhalten des Beschuldigten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme der 

Tatbestandserfüllung gewertet werden kann. Dies auch insbesondere vor dem Hintergrund, 

dass der Eventualvorsatz nicht leichthin anzunehmen ist; vielmehr beansprucht die Regel "in 

dubio pro reo" hier eine erhöhte Beachtung. Aus dem Gesagten erhellt, dass der Beschuldigte 

den Privatkläger direkt vorsätzlich mit dem Messer in der Hand geschlagen und zudem eventu-

alvorsätzlich in Kauf genommen hat, dem Privatkläger Schnittverletzungen zuzufügen. Aus der 

Art und Weise wie der Beschuldigte das Messer geführt hat, ist hingegen keine Tötungsabsicht 

erkennbar. Der Beschuldigte hat sich demnach nicht der versuchten vorsätzlichen Tötung 

schuldig gemacht.  

 

4.6 Im Weiteren ist zu prüfen, ob sich der Beschuldigte der versuchten schweren Körperver-

letzung schuldig gemacht hat. Gemäss Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverlet-

zung strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder 

Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geistes-

krank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2) oder eine andere 

schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Men-

schen verursacht (Abs. 3).  

 

 
 
 

 
 
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4.7 Durch die gegen den Bauch-, Brust-, Arm-, Hals- und Kopfbereich des Privatklägers ge-

führten Schlagbewegungen mit dem Messer hat der Beschuldigte in Kauf genommen, diesen 

schwer am Körper zu schädigen. Aufgrund des Messereinsatzes im Rahmen der dynamischen 

Auseinandersetzung hätten durchaus schwere Schnittverletzungen am Hals (z.B. an der Hals-

schlagader), an der Brust, am Oberarm, am Bauch, am Kopf oder im Gesicht (arge und blei-

bende Entstellungen) des Privatklägers resultieren können. Die Tatbestandsverwirklichung 

drängt sich aufgrund der konkreten Sachlage als derart wahrscheinlich auf, dass das Verhalten 

des Beschuldigten vernünftigerweise einzig als Inkaufnahme der Tatbestandserfüllung gewertet 

werden kann. Ein Eventualvorsatz bezüglich schwerer Körperverletzungen ist in casu anzu-

nehmen.  
 
Zumal der Privatkläger infolge der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten lediglich leichte 

Verletzungen, insbesondere Hautschürfungen und –rötungen (vgl. Anklageschrift der Staatsan-

waltschaft vom 7. Februar 2018, Ziff. 9, Akten S. S13), davongetragen hat, ist die schwere Kör-

perverletzung im Versuchsstadium stecken geblieben. Der Beschuldigte hat nach dem neunten 

Schlag mit dem Messer vom Privatkläger abgelassen, nachdem das Messer in zwei Teile zer-

brochen war. Der Beschuldigte hat die strafbare Tätigkeit demnach nicht aus eigenem Antrieb 

nicht zu Ende geführt, weshalb er im Ergebnis der versuchten schweren Körperverletzung 

schuldig zu sprechen ist.  

 

4.8 Aus dem bisher Ausgeführten folgt zusammenfassend, dass das Urteil des Strafgerichts 

vom 17. September 2018 in der Dispositiv-Ziff. 1 abzuändern, und der Beschuldigte in teilweiser 

Gutheissung seiner Berufung und in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft 

der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen ist.  

 

5. Strafzumessung 

5.1  Hinsichtlich der konkreten Strafzumessung macht die Staatsanwaltschaft in ihrer An-

schlussberufungsbegründung vom 20. Februar 2019 geltend, das Strafgericht stufe das Ver-

schulden des Beschuldigten in Berücksichtigung der Tat- und Täterkomponenten im Rahmen 

des versuchten Tötungsdelikts als noch leicht ein. Dieser Auffassung sei jedoch nicht zu folgen. 

Demgegenüber macht der Beschuldigte in seiner Berufungsbegründung vom 26. März 2019 

geltend, die Vorinstanz qualifiziere zwar das Verschulden zutreffend als noch leicht, begründe 

aber die ausgefällte Strafe von 3 Jahren und 6 Monaten nicht näher, was die Begründungs-

 
 
 

 
 
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pflicht verletze. Selbst bei gleichbleibendem Schuldspruch sei eine (teil-)bedingte Strafe auszu-

sprechen. Werde – wie beantragt – von einem Tötungsvorsatz abgesehen, so sei bereits aus 

diesem Grund die Strafzumessung anzupassen. 

 

5.2 Nach Art. 47 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. 

Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe 

auf das Leben des Täters (Abs. 1). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung 

oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Be-

weggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inne-

ren und äusseren Umständen in der Lage gewesen ist, die Gefährdung oder Verletzung zu 

vermeiden (Abs. 2). 
 
Praxisgemäss hat das Gericht ausgehend von der objektiven Tatschwere das Verschulden zu 

bewerten. Es hat gestützt auf Art. 50 StGB – wonach das Gericht die für die Zumessung der 

Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung festzuhalten hat – im Urteil darzutun, wel-

che verschuldensmindernde und welche verschuldenserhöhende Gründe im konkreten Fall ge-

geben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 136 

IV 55 E. 5.5). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es die verschiede-

nen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Es muss nicht auf Umstände ausdrücklich einge-

hen, die es – ohne dass dies ermessensverletzend wäre – bei der Strafzumessung als nicht 

massgebend oder nur von geringem Gewicht erachtet (BGer 6P.66/2006 vom 16. Februar 2007 

E. 4). Auch ist das Gericht nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die ein-

zelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6). Allerdings hat das Ge-

richt das Gesamtverschulden zu qualifizieren und die Gesamteinschätzung des Tatverschul-

dens im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach 

Schweregrad auszugehen ist (leicht, mittelschwer, schwer, sehr schwer). In einem zweiten 

Schritt ist die (hypothetische) Strafe, die diesem Verschulden entspricht, innerhalb des zur Ver-

fügung stehenden Strafrahmens zu bestimmen. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenen-

falls in einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten verändert werden (BGE 

136 IV 55 E. 5.7).  
 
Gemäss Art. 408 StPO fällt die Berufungsinstanz ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche 

ersetzt. Dabei hat sie die Strafe nach ihrem eigenen Ermessen festzusetzen und muss sich 

nicht daran orientieren, wie die erste Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet 

 
 
 

 
 
Seite 22   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

hat (vgl. BGer 6B_298/2013 vom 16. Januar 2014 E. 6.2). In casu ist der Beschuldigte gestützt 

auf das vorliegende Urteil der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu erklären. Der Strafrahmen dieses Delikts umfasst Frei-

heitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren.  

 

5.3.1 Bei der objektiven Tatschwere ist zu prüfen, wie stark das strafrechtlich geschützte 

Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Die Feststellung der objektiven Tatschwere be-

schreibt die Tat, wie sie nach aussen in Erscheinung tritt, und sie bewertet diese objektiv fest-

gestellten Tatsachen nach strafrechtlichen Kriterien. Im vorliegenden Fall ist erheblich verschul-

denserhöhend zu bewerten, dass der Beschuldigte in seiner Wut hemmungslos und mit vollem 

Körpereinsatz auf den Privatkläger losgegangen ist. Der Beschuldigte hat den Privatkläger re-

gelrecht von der Küche aus dem Haus und wieder ins Haus gejagt. Ebenso verschuldenserhö-

hend ist zu würdigen, dass der Beschuldigte insgesamt neunmal mit dem Messer auf den Pri-

vatkläger eingeschlagen hat. In Übereinstimmung mit dem Strafgericht ist demnach die Art und 

Weise des Tatvorgehens resp. die Hartnäckigkeit während des Angriffs stark zu Lasten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen. Neben der Art und Weise des Tatvorgehens spielt der vom 

Täter verschuldete strafrechtliche Erfolg eine wichtige Rolle. Neben dem Ausmass der Verlet-

zung des Rechtsgutes ist jedoch auch das Ausmass der Gefährdung zu berücksichtigen. Wie 

bereits erwähnt, hat der Privatkläger aufgrund der Tat des Beschuldigten lediglich leichte Ver-

letzungen, insbesondere Hautschürfungen und –rötungen, davongetragen. Dennoch ist auf der 

Seite der objektiven Tatkomponenten zu würdigen, dass für die Höhe des Verschuldens unter 

anderem entscheidend ist, was der Privatkläger für Verletzungen hätte davontragen können. 

Insgesamt hat der Beschuldigte neunmal mit dem Messer auf den Privatkläger eingeschlagen, 

davon mindestens zweimal mit erheblichem Körpereinsatz. Der Privatkläger ist in casu zwar 

nicht ernsthaft verletzt worden, dies ist allerdings auch seinen geschickten Abwehrbewegungen 

zu verdanken.  

 

5.3.2 In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschuldens vorzuneh-

men. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzu-

rechnen ist. Die Vorwerfbarkeit einer Tat richtet sich massgeblich danach, welche Absicht und 

welches Ziel der Beschuldigte verfolgte. Der Beweggrund des Beschuldigten spielt somit eine 

entscheidende Rolle. Im vorliegenden Fall ist bei der Bewertung der subjektiven Tatschwere 

verschuldenserhöhend festzustellen, dass der Beschuldigte in keinem Fall eine nachvollziehba-

 
 
 

 
 
Seite 23   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

re Reaktion gezeigt hat. Dies unabhängig davon, ob der Streit aufgrund eines lauten Telefonats, 

aufgrund des Themas Fasten resp. Ramadan oder aus irgendeinem anderen Grund entstanden 

ist. Leicht zu Gunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass er aufgrund einer Zu-

rechtweisung des Privatklägers und folglich in Aufregung gehandelt hat. So hat auch der Be-

treuer des Asylheims in X.____ zu Protokoll gegeben, der Beschuldigte habe nicht ohne Grund 

so reagiert. Er müsse stark provoziert worden sein (Einvernahme von C.____ vom 3. Juli 2017, 

Akten S. 955). Festzuhalten ist aber, dass (angebliche) Provokationen durch den Privatkläger 

höchstens bis zur 1. Videoaufzeichnung vorgelegen haben könnten, danach liegen mit Sicher-

heit keine Provokationen durch den Privatkläger vor. Strafmildernd zu berücksichtigen ist, dass 

der Tatbestand der schweren Körperverletzung im Stadium des Versuchs stecken geblieben ist. 

Zu erwähnen ist jedoch, dass der Beschuldigte nicht von sich aus aufgehört hat, auf den Privat-

kläger einzuschlagen, sondern erst, als das Messer zerbrochen ist. Schliesslich ist verschul-

densmindernd zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt hat.  

 

5.4  In Würdigung aller tatbezogenen Umstände erachtet das Kantonsgericht im Ergebnis 

das Verschulden in Bezug auf den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung als 

mittelschwer. Dies hat in Anbetracht des abstrakten Strafrahmens zur Folge, dass dem vorgän-

gig definierten Verschulden entsprechend im Sinne eines Zwischenergebnisses eine angemes-

sene Strafe von vier Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen ist. Diese Strafe ist um ein Jahr, mithin 

auf drei Jahre zu reduzieren, zumal das Ausmass der Verletzung des Privatklägers sehr gering 

war, der Beschuldigte lediglich eventualvorsätzlich gehandelt hat und die Tat im Versuchsstadi-

um geblieben ist.  

 

5.5  Diese Strafe von drei Jahren Freiheitsstrafe ist grundsätzlich in einem letzten Schritt 

aufgrund der besonderen Täterkomponenten anzupassen. Vorliegend ist festzustellen, dass 

sich der Beschuldigte zwar anlässlich der Hauptverhandlung vor Strafgericht das erste Mal 

beim Privatkläger entschuldigt, gleichzeitig jedoch zu Protokoll gegeben hat, der Privatkläger 

habe ihm Unrecht angetan. Der Beschuldigte bagatellisiert somit sein eigenes Verhalten und 

sieht sich selbst als Opfer, weshalb nicht von aufrichtiger Reue auszugehen ist. Vorstrafen 

weist der Beschuldigte keine auf, was jedoch als neutral zu werten ist. Eine leichte Reduktion 

der Strafe kann immerhin aufgrund der schwierigen Jugend resp. der Vergangenheit des Be-

schuldigten, insbesondere der Flucht aus Y.____, erfolgen. Im Ergebnis ist eine tat- und täter-

angemessene Strafe von zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe festzusetzen.  

 
 
 

 
 
Seite 24   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

5.6  Bei dieser Strafhöhe ist der vollständig bedingte Vollzug ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1 

StGB), nicht aber der teilbedingte Vollzug (Art. 43 StGB). Da der Beschuldigte nicht vorbestraft 

ist und sich seit der Tatbegehung, die zwischenzeitlich gut zwei Jahre zurückliegt, wohlverhal-

ten hat, ist diese rückblickend als einmalige Verfehlung zu betrachten. Die Kriminalprognose ist 

daher ungetrübt. Somit ist der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren, bei einer minimalen Pro-

bezeit von zwei Jahren für den bedingten Teil der Strafe (Art. 44 Abs. 1 StGB). Der unbedingt 

vollziehbare Teil der Strafe ist auf mindestens sechs Monate und höchstens auf die Hälfte der 

Strafe festzulegen (Art. 43 Abs. 2 und Abs. 3 StGB). Das Verhältnis der Strafteile ist so festzu-

setzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und des-

sen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen (vgl. BGE 134 IV 1 E. 5.6). 

Im Übrigen liegt es im richterlichen Ermessen, die genaue Höhe der zu vollziehenden Strafe 

festzusetzen, wobei das Verhältnis der Strafteile so festzulegen ist, dass darin die Wahrschein-

lichkeit der Legalbewährung des Beschuldigten einerseits und dessen Tatschuld andererseits 

hinreichend zum Ausdruck kommen (SCHNEIDER/GARRÉ, a.a.O., N 17 ff. zu Art. 43 StGB, mit 

Hinweisen; BGE 134 IV 1 E. 5.6). Gemessen an diesen Grundsätzen erachtet es das Kantons-

gericht in Einschätzung der Relation zwischen der relativ günstigen Prognose und dem ge-

samthaft gesehen mittelschweren Verschulden als angemessen, den unbedingt zu vollziehen-

den Anteil der Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren auf ein Jahr festzusetzen.  
 
Einer Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft steht nach Art. 51 StGB nichts im 

Wege. Danach ist die ausgestandene Untersuchungshaft im vollen Umfang von 61 Tagen anzu-

rechnen.  

 

6. Ergebnis 

Demzufolge ist der Beschuldigte in teilweiser Gutheissung seiner Berufung sowie in Abweisung 

der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in Abänderung des erstinstanzlichen Urteils der 

versuchten schweren Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig zu erklä-

ren und zu verurteilen zu einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, 

mit einem unbedingten Strafanteil von einem Jahr und einer Probezeit von zwei Jahren für den 

bedingten Strafanteil von eineinhalb Jahren; dies unter Anrechnung der vom 14. Juni 2017 bis 

zum 17. August 2017 ausgestandenen Untersuchungshaft von insgesamt 61 Tagen.  

 

 

 

 
 
 

 
 
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7. Obligatorische Landesverweisung 

7.1 Die Vorinstanz führt zusammenfassend aus, der Beschuldigte lebe seit dem 17. Dezem-

ber 2015 in der Schweiz. Sein Asylgesuch sei abgelehnt worden. Weil eine Rückkehr nach 

Y.____ nicht zumutbar sei, habe der Beschuldigte den Status "vorläufig aufgenommen" und 

eine F-Bewilligung erhalten. Er habe die deutsche Sprache gut erlernt, erfolgreich die Schule 

besucht und sei dabei, eine Ausbildung als Koch zu absolvieren. Auch wenn der Beschuldigte 

zurzeit seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz und sich durchaus gut integriert habe, ver-

möchten diese Umstände keinen Härtefall nach Art. 66a Abs. 2 StGB und somit keine Ausnah-

me von der obligatorisch vorgesehenen Landesverweisung zu begründen. Folglich sei eine 

Landesverweisung auszusprechen. Der Beschuldigte habe mit der versuchten vorsätzlichen 

Tötung eine schwere Gewalttat begangen. Allerdings sei von keinem erhöhten Rückfallrisiko 

auszugehen. Demnach erscheine es angemessen, die Dauer der Landesverweisung auf acht 

Jahre festzulegen.  
 
Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Anschlussberufungsbegründung vom 20. Februar 2019 

aus, der Beschuldigte sei aufgrund seines Verhaltens wegen eines sehr schweren Delikts verur-

teilt worden, weshalb von ihm eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung 

ausgehe und eine Landesverweisung von 15 Jahren angezeigt sei.  
 
Demgegenüber macht der Beschuldigte anlässlich seines Parteivortrages an der Berufungsver-

handlung geltend, dass auf die von ihm beantragte Verurteilung wegen einfacher Körperverlet-

zung oder Drohung keine obligatorische Landesverweisung folgen würde. Falls aber dennoch 

ein Landesverweis angeordnet würde, sei die Härtefallklausel zu prüfen. Die Rückführung nach 

Y.____ sei ohnehin nicht möglich. Dies sei zwar eine Vollzugsfrage, dennoch müsse dieser As-

pekt berücksichtigt werden.  
 
Bei der Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte angegeben, zu 

80% einer Erwerbstätigkeit in einem Restaurant in Z.____ nachzugehen. Er arbeite dort 

manchmal in der Küche und manchmal in der Reinigung. Er sei dort seit Februar 2019 ange-

stellt. Er verdiene monatlich durchschnittlich zwischen Fr. 2‘500.-- und Fr. 2‘700.-- netto. Er be-

zahle seine Kosten, insbesondere die Wohnungsmiete und die Krankenkasse, selber und be-

ziehe keine Fürsorgegelder des Staates. Er habe einen grossen Freundeskreis in der Schweiz. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte ausserdem ausgeführt, eine Freun-

din in Q.____ zu haben. Sie hätten religiös, aber nicht zivil geheiratet und die Frau verfüge über 

 
 
 

 
 
Seite 26   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

eine C-Bewilligung in Q.____. Zudem sei sie schwanger und erwarte das gemeinsame Kind 

Ende Dezember 2019 (Protokoll der Berufungsverhandlung vom 3. September 2019). 

 

7.2 Gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der wegen 

schwerer Körperverletzung (Art. 122 StGB) verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Strafe 

für 5 bis 15 Jahre des Landes (sog. obligatorische Landesverweisung). Die Verweisung ist 

zwingend, es sei denn, besondere Umstände erlaubten, ausnahmsweise darauf zu verzichten. 

Die Landesverweisung muss entsprechend den allgemeinen Regeln des StGB grundsätzlich 

bei sämtlichen Täterschafts- und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen 

werden, ob es beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 

ausfällt. Art. 66a Abs. 2 StGB sieht vor, dass das Gericht ausnahmsweise von der Landesver-

weisung absehen kann, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall 

bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den priva-

ten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der be-

sonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder auf-

gewachsen sind. Als konkrete Härtefallgründe fallen insbesondere die Anwesenheitsdauer, die 

familiären Verhältnisse, die Arbeits- und Ausbildungssituation, die Persönlichkeitsentwicklung, 

der Grad der Integration sowie die Resozialisierungschancen des Beschuldigten in Betracht. Ist 

bei einer Gesamtbetrachtung dieser Kriterien von einem Härtefall auszugehen, so ist in einem 

zweiten Schritt das private Interesse des Beschuldigten am weiteren Verbleib in der Schweiz 

dem konkreten öffentlichen (Sicherheits-) Interesse an seiner Landesverweisung gegenüberzu-

stellen. Nur wenn dabei das private das öffentliche Interesse überwiegt, ist ausnahmsweise von 

der Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung abzusehen. Mithin bildet die Härtefall-

klausel den Ausnahmefall und ist deshalb restriktiv anzuwenden (BGer 6B_1286/2017 vom 

11. April 2018, E. 1.2; 6B_659/2018 vom 20. September 2018, E. 3.3.1; 6B_1152/2017 vom 28. 

November 2018, E. 2.4; KGer 460 17 61 vom 16. Oktober 2017, E. 4.4; MATTHIAS 

ZURBRÜGG/CONSTANTIN HRUSCHKA, Basler Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, Art. 66a N 101).  

 

7.3 In casu wurde der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung schuldig 

gesprochen, womit eine Anlasstat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB gegeben ist. Folge-

richtig ist zu prüfen, ob ein Härtefall gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt. In Beachtung der 

Akten ist festzustellen, dass der Beschuldigte seit dem 17. Dezember 2015 und somit seit vier 

Jahren in der Schweiz lebt. Sein Asylgesuch ist abgelehnt worden. Weil eine Rückkehr nach 

 
 
 

 
 
Seite 27   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Y.____ für ihn jedoch nicht zumutbar sein soll, hat der Beschuldigte den Status "vorläufig auf-

genommen" und eine F-Bewilligung erhalten. Er hat sich bemüht, die deutsche Sprache zu er-

lernen, hierfür eine Schule besucht und wollte eine Ausbildung zum Koch absolvieren. Seinen 

eigenen Angaben zufolge ist er aktuell als Küchenbursche in einem Restaurant in Z.____ ange-

stellt und dadurch in der Lage, seinen Lebensunterhalt ohne staatliche Unterstützung zu finan-

zieren. Insofern scheint sich der Beschuldigte in der Schweiz integrieren zu wollen.  
 
Der Beschuldigte verfügt jedoch über keine familiären Anknüpfungspunkte in der Schweiz, zu-

mal seine Mutter und seine Geschwister weiterhin in Y.____ leben. Er ist ausserdem weder in 

der Schweiz geboren noch aufgewachsen. Seine (angebliche) Frau lebt seinen Angaben zufol-

ge in Q.____ und verfügt dort über eine C-Niederlassungsbewilligung. Unter diesen Umständen 

kann nicht von einer besonderen Bindung zur Schweiz die Rede sein. Anzumerken ist an dieser 

Stelle auch, dass der Beschuldigte als abgewiesener Asylbewerber mit dem Status der vorläufi-

gen Aufnahme kein gefestigtes Anwesenheitsrecht besitzt und ausländerrechtlich jederzeit un-

ter der Voraussetzung der Zumutbarkeit (Art. 83 Abs. 4 AIG) ausgewiesen werden kann. Die 

vorläufige Aufnahme fällt mit der Landesverweisung dahin (Art. 83 Abs. 9 AIG). 
 
Der Beschuldigte weist zwar keine Vorstrafen auf, in den Akten sind jedoch weitere Vorfälle 

ersichtlich, wonach der Beschuldigte bereits in anderen Streitsituationen die Kontrolle über sich 

verloren haben soll. Der Beschuldigte soll namentlich in einem Asylheim im Kanton Aargau mit 

einem anderen Heimbewohner und während der Schulzeit im Kanton Basel-Landschaft mit ei-

nem Mitschüler jeweils eine tätliche Auseinandersetzung gehabt haben (Polizeilicher Ermitt-

lungsbericht vom 11. Oktober 2017, Akten S. 721). Der Beschuldigte bestreitet diese Vorfälle.  
 
Auch wenn der Beschuldigte seinen Lebensmittelpunkt zurzeit in der Schweiz hat und sich 

durchaus integrationswillig zeigt, vermögen diese Umstände keinen Härtefall nach Art. 66a 

Abs. 2 StGB und somit keine Ausnahme von der obligatorisch vorgesehenen Landesverwei-

sung zu begründen. Demzufolge ist eine Landesverweisung auszusprechen.  

 

7.4 Der Beschuldigte beruft sich sodann auf das Non-Refoulement-Gebot, wonach die Aus-

lieferung, Ausweisung oder Rückschiebung einer Person in ein Land verboten ist, in welchem 

Leib und Leben oder die Freiheit wegen ihrer Rasse, Religion, Staatszugehörigkeit, Zugehörig-

keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen politischen Anschauungen gefährdet 

wäre. Diesbezüglich ist zu konstatieren, dass entsprechend der im Gesetz festgelegten Kompe-

tenzaufteilung zwischen dem Sachgericht und den Vollzugsbehörden das Gericht nur Gründe 

 
 
 

 
 
Seite 28   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

beachtet, die der Anordnung einer Landesverweisung entgegenstehen können. Demgegenüber 

hindert der Grundsatz des Non-Refoulement allein die Vollstreckung einer Landesverweisung, 

weshalb die Prüfung des nämlichen Hinderungsgrunds einzig in der Kompetenz der Vollzugs-

behörde liegt (vgl. Art. 66d Abs. 1 StGB). Mit der entsprechenden Regelung soll sichergestellt 

werden, dass der Entscheid über den Vollzug der Landesverweisung auf den aktuellen Sach-

verhalt abstellt. Namentlich ist an persönliche oder familiäre Gründe zu denken, die sich erst 

nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils, aber vor dem Vollzug der Landesverweisung ergeben. 

Ebenso könnte, weil das Urteil des Strafrichters nach seiner Ausfällung nicht mehr abänderbar 

ist, etwa eine spätere Veränderung der Verhältnisse im Ausreiseland, die keine schweren Men-

schenrechtsverletzungen mehr befürchten liesse, nicht mehr Rechnung getragen werden. Dies 

ist nicht der Sinn des Rückschiebeverbots (vgl. Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs 

und des Militärstrafgesetzes [Umsetzung von Art. 121 Abs. 3-6 BV über die Ausschaffung kri-

mineller Ausländerinnen und Ausländer] vom 26. Juni 2013, BBl 2013 5975, S. 6006 ff.; 

BGE 116 IV 105, E. 4f.). Demzufolge bestimmt sich nach dem Schweizer Recht, ob eine Lan-

desverweisung anzuordnen ist. Ist nach dem massgebenden Recht eine Landesverweisung zu 

verfügen, stellt sich gegebenenfalls die weitere Frage, ob sie im Sinne von Art. 66d StGB auf-

zuschieben ist oder ob ein völkerrechtlicher Vertrag wie das Freizügigkeitsabkommen (FZA, 

SR 0.142.112.681) einen Hinderungsgrund für die Landesverweisung bildet 

(BGer 6B_907/2018 vom 23. November 2018, E. 2.4.2). Daraus folgt für den vorliegenden Fall, 

dass der Anordnung der Landesverweisung die Rüge der Verletzung des Non-Refoulement-

Gebots nicht entgegensteht, zumal es sich bei dem vom Beschuldigten angerufenen Hinde-

rungsgrund keineswegs um einen andauernden, gefestigten Grund handelt, bei welchem be-

reits im heutigen Zeitpunkt offenkundig wäre, dass er auch im Zeitpunkt der Ausschaffung noch 

vorliegen wird. Vielmehr ist der Gesichtspunkt des Non-Refoulement-Gebots allenfalls in einem 

späteren Stadium durch die sachlich zuständige Vollzugsbehörde unter Berücksichtigung der im 

Zeitpunkt des Vollzugs aktuellen und konkreten Verhältnisse zu prüfen. Ausserdem ist hinsicht-

lich einer Landesverweisung eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. Der Beschuldigte bringt ledig-

lich vor, dass die Rückführung nach Y.____ ohnehin nicht möglich sei. Irgendwelche individuell 

konkret gefährdenden Umstände macht er hingegen nicht geltend. Der Beschuldigte äussert 

sich vor Berufungsgericht zur allgemeinen Lage in Y.____ und begründet damit keine individu-

ell-persönliche Gefährdung, d.h. keine "konkrete" Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG. 

 

 
 
 

 
 
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7.5 In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen erhellt, dass in Anwendung von Art. 66a 

StGB die obligatorische Landesverweisung zu Recht angeordnet wurde. In Bezug auf die Dauer 

der Landesverweisung ist sodann festzustellen, dass aufgrund der Tatschwere, die in der aus-

gesprochenen Strafhöhe Ausdruck findet, der erheblichen Beeinträchtigung der Rechtsordnung 

durch die Delinquenz des Beschuldigten sowie der mit der Tat zusammenhängenden erhebli-

chen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit klarerweise eine gegenüber dem Minimum von 

fünf Jahren deutlich erhöhte Dauer der Landesverweisung auszusprechen ist. Das Kantonsge-

richt erachtet daher die Dauer von 8 Jahren in Anbetracht sämtlicher konkreter Umstände als 

angemessen. Ziff. 3 Abs. 1 des vorinstanzlichen Urteils ist insofern in Abweisung der Berufung 

des Beschuldigten und in Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zu bestäti-

gen.  

 

8. Eintragung der Landesverweisung in das Schengener Informationssystem 

8.1 Art. 20 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener Informationssystems 

und das SIRENE-Büro (N-SIS Verordnung vom 8. März 2013; SR 362.0) verpflichtet die Gerich-

te, im Falle der Anordnung einer Landesverweisung gegenüber sogenannten "Drittstaatengehö-

rigen" über die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem zu 

entscheiden. Gemäss Art. 96 des Schengener Durchführungsübereinkommens (SDÜ) wird eine 

Ausschreibung dann in das Schengener Informationssystem eingetragen, wenn der Drittstaa-

tenangehörige eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die nationale Si-

cherheit darstellt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Ausländer einer Straftat wegen ver-

urteilt wurde, welche mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist (Abs. 2 lit. a), 

oder wenn gegen den Drittstaatenangehörigen ein begründeter Verdacht besteht, dass er eine 

schwere Straftat begangen hat oder konkrete Hinweise vorliegen, dass er solche Taten im Ho-

heitsgebiet eines Mitgliedstaates plant (lit. b). Diese sachlichen Voraussetzungen, welche für 

eine SIS-Ausschreibung erforderlich sind, werden in der SIS-II-Verordnung übereinstimmend 

festgehalten (Art. 24 Ziffer 2 SIS-II-Verordnung). In Bezug auf die Frage, wann eine Freiheits-

strafe von mindestens einem Jahr im Sinne von Art. 96 SDÜ respektive Art. 24 Ziffer 2 lit. a SIS-

II-Verordnung vorliegt, erscheint das Abstellen auf eine abstrakte Höchststrafe nicht als zweck-

gerecht, da sonst fast alle Straftatbestände von Art. 24 Ziffer 2 lit. a SIS-II-Verordnung erfasst 

wären. Obwohl dem Wortlaut nach zwar eine abstrakte Mindeststrafe von einem Jahr gefordert 

wird, sollte eine Ausschreibung nach Art. 24 Ziffer 2 SIS-II-Verordnung nur bei schweren Straf-

taten erfolgen (vgl. NICOLE SCHNEIDER/DIEGO R. GFELLER, Landesverweisung und das Schen-

 
 
 

 
 
Seite 30   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

gener Informationssystem, Sicherheit & Recht 1/2019, S.11; mit Hinweis auf den Entscheid 

SB170246 des Zürcher Obergerichts vom 6. Dezember 2017). 

 

8.2 Die Ausschreibung in das Schengener Informationssystem hat sodann auch einer Ver-

hältnismässigkeitsprüfung standzuhalten. Der ausschreibende Staat hat zu beurteilen, ob "An-

gemessenheit, Relevanz und Bedeutung des Falles eine Aufnahme" in das Schengener Infor-

mationssystem rechtfertigen (Art. 21 SIS-II-Verordnung). Das Strafgericht muss bei der Ent-

scheidung über die Ausschreibung in das Schengener Informationssystem eine individuelle 

Bewertung vornehmen (Art. 24 Ziffer 1 SIS-II-Verordnung), öffentliche und private Interessen 

gegeneinander abwägen und darf sich nicht von "generalpräventiven Überlegungen" leiten las-

sen. Die entscheidrelevanten Kriterien hat das urteilende Gericht explizit darzulegen 

(SCHNEIDER/GFELLER, a. a. O., S.11).  
 
Zusammengefasst ist somit bei Vorliegen von schweren Straftaten im Sinne von Art. 96 SDÜ 

respektive Art. 24 Ziffer 2 lit. a SIS-II-Verordnung grundsätzlich von einer Ausschreibungspflicht 

auszugehen, welche aber aufgrund des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes wieder relativiert 

wird. 

 

8.3 Bei der vom Beschuldigten begangenen versuchten schweren Körperverletzung handelt 

es sich klarerweise um eine "schwere Straftat" im Sinne von Art. 96 SDÜ respektive Art. 24 Zif-

fer 2 lit. a SIS-II-Verordnung. Eine Eintragung in das Schengener Informationssystem ist daher 

gemäss Art. 24 Ziffer 2 SIS-II-Verordnung grundsätzlich angezeigt. Zu prüfen gilt es die Ver-

hältnismässigkeit einer solchen Eintragung, wobei in diesem Zusammenhang zu beachten ist, 

dass der Beschuldigte gemäss seinen eigenen Angaben erst seit kurzem eine Beziehung mit 

einer in Q.____ niedergelassenen D.____ pflegt. Diese habe er religiös, nicht aber zivil geheira-

tet, ausserdem sie diese schwanger und erwarte das gemeinsame Kind im Dezember 2019. 

Diese Angaben hat der Beschuldigte erst im Rahmen der Berufungsverhandlung vorgebracht, 

ohne diese zu belegen. Im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung erweist sich das Inte-

resse des Beschuldigten an der Weiterführung dieser (angeblichen) Beziehung als weitaus ge-

ringer als das öffentliche Sicherheitsinteresse der Staatengemeinschaft. Nicht zuletzt aufgrund 

des Tatverhaltens im vorliegenden Verfahren ist von einer öffentlichen Gefährdung auch in an-

deren Schengen-Staaten auszugehen. Dies einbeziehend erscheint eine Eintragung ins Schen-

gener Informationssystem im vorliegenden Fall als verhältnismässig, weshalb diese in Bestäti-

gung des Urteils der Vorinstanz vorzunehmen ist.  

 
 
 

 
 
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8.4 Demnach ist Ziff. 3 Abs. 2 des vorinstanzlichen Urteils in Abweisung der Berufung des 

Beschuldigten in diesem Punkt zu bestätigen.  

 

9. Kosten der Vorinstanz 

Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 

StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch 

über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Im vorliegenden 

Fall wurde der Beschuldigte von der Vorinstanz wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verur-

teilt. Der Beschuldigte ist zwar im Berufungsverfahren nurmehr wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung verurteilt worden, der Schuldspruch wurde jedoch nicht aufgehoben. Daher 

rechtfertigt es sich nicht, die Kostenregelung des erstinstanzlichen Verfahrens zu ändern; sie ist 

vielmehr zu bestätigen (vgl. Dispositiv-Ziffer 5). Entgegen der Auffassung des Beschuldigten 

erscheint es sodann nicht angezeigt, die Kosten aufgrund des Freispruchs in Ziff. 2 (Vorfälle in 

der Küche) zu teilen, da die angeklagten Taten zusammenhängend und die Untersuchungs-

handlungen insgesamt durch die ursprüngliche Anklage wegen versuchten Mordes motiviert 

gewesen sind.  

 

III. Kosten vor Kantonsgericht 

1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah-

rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Entsprechend dem Ausgang des vor-

liegenden Verfahrens, mithin der teilweisen Gutheissung der Berufung des Beschuldigten und 

der Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, werden die Verfahrenskosten 

des Kantonsgerichts in der Höhe von Fr. 21‘500.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr. 

21‘250.-- sowie Auslagen von Fr. 250.--, je zur Hälfte dem Beschuldigten (Fr. 10‘750.--) und 

dem Staat (Fr. 10‘750.--) auferlegt. 

 

2. Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Gabriel Giess, ist für das Berufungsverfahren ein 

Honorar in der Höhe von Fr. 6‘617.70 (inkl. Auslagen) zuzüglich 7,7 % Mehrwertsteuer 

(Fr. 493.60), somit insgesamt Fr. 7‘111.30, aus der Gerichtskasse auszurichten.  
 
Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung an den 

Kanton im Umfang von 50 % (Fr. 3‘555.65) sowie zur Erstattung der Differenz zwischen der 

 
 
 

 
 
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amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar an die Verteidigung verpflichtet, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO).  

 

3. Die Dolmetscherkosten in der Höhe von Fr. 810.-- werden auf die Staatskasse genom-

men. 

 

Demnach wird erkannt: 

 

://: I. Das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 17. September 2018, aus-

zugsweise lautend:  

   "1.   B.____ wird der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig erklärt 

und zu  

 
einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt, unter 

Anrechnung der vom 14. Juni 2017 bis zum 17. August 2017 aus-

gestandenen Untersuchungshaft von 61 Tagen, 

 
in Anwendung von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 48a StGB sowie Art. 51 StGB. 

      
   2.   Der Beurteilte wird von der Anklage der Tätlichkeiten, der versuch-

ten schweren Körperverletzung eventualiter versuchten einfachen 

Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, der ver-

suchten Nötigung sowie der Drohung freigesprochen. 

      
   3.   Der Beurteilte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer 

von 8 Jahren des Landes verwiesen. 

 
Die Landesverweisung wird im Schengener lnformationssystem 

eingetragen. 

      
   4.   Das beschlagnahmte Rüstmesser wird in Anwendung von Art. 69 

Abs. 1 und Abs. 2 StGB zur Vernichtung eingezogen. 

 
Die beschlagnahmte Schaufel wird dem Wohnheim für Asylbewer-

ber, in X.____, nach Rechtskraft des Urteils zurückgegeben. 

 
 
 

 
 
Seite 33   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 
Folgende beschlagnahmten Gegenstände (ein Paar Schuhe Nike, 

eine Jeans, ein Pullover weiss, ein T-Shirt violett, eine Hose beige, 

ein Paar Hausschuhe schwarz) werden dem Beurteilten zurückge-

geben. Dem Beurteilten wird - unter Androhung der Verwertung 

oder Vernichtung der Gegenstände im Unterlassungsfalle - nach 

der Rechtskraft des Urteils vom Fund- und Verwertungsdienst, 

Oristalstrasse 100, 4410 Liestal eine Frist gesetzt, um die Gegen-

stände abzuholen. 

      
   5.   Der Beurteilte trägt in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 und Abs. 2 

StPO die Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vor-

verfahrens von Fr. 23'654.10, den Kosten des Zwangsmassnah-

mengerichts von Fr. 1'150.--, den Expertisekosten des gerichtli-

chen Verfahrens von Fr. 1'333.- und der Gerichtsgebühr von 

Fr. 10'000.--. 

      
   6.   Das Honorar des amtlichen Verteidigers in Höhe von insgesamt 

Fr. 21'021.85 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) wird - unter 

Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung des Beurteilten nach 

Art. 135 Abs. 4 StPO - aus der Gerichtskasse entrichtet.“ 

     
   

wird in teilweiser Gutheissung der Berufung des Beschuldigten und in 

Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in der Disposi-

tiv-Ziffer 1 wie folgt geändert:  

 

   1.   B.____ wird der versuchten schweren  

Körperverletzung schuldig erklärt und verurteilt zu  
 
einer teilbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 2 Jahren 

und 6 Monaten, davon 12 Monate unbedingt, unter Anrechnung 

der vom 14. Juni 2017 bis zum 17. August 2017 ausgestandenen 

Untersuchungshaft von 61 Tagen,  
 

 
 
 

 
 
Seite 34   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

bei einer Probezeit von 2 Jahren für den bedingten Teil der Strafe,  

in Anwendung von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 

Art. 43 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB sowie Art. 51 StGB. 

   

Im Übrigen wird das Urteil des Strafgerichts bestätigt. 

 

 II. Die ordentlichen Kosten des Berufungsverfahrens in der Höhe von 

Fr. 21‘500.--, beinhaltend eine Urteilsgebühr von Fr. 21‘250.-- sowie Ausla-

gen von Fr. 250.--, gehen je zur Hälfte zu Lasten des Beschuldigten 

(Fr. 10‘750.--) und des Staates (Fr. 10‘750.--). 

 

Die Dolmetscherkosten von Fr. 810.-- werden auf die Staatskasse genom-

men.  

 

Dem amtlichen Verteidiger, Advokat Gabriel Giess, wird für das Berufungs-

verfahren ein Honorar in der Höhe von Fr. 6‘617.70 (inkl. Auslagen) zuzüg-

lich 7,7 % Mehrwertsteuer (Fr. 493.60), somit insgesamt Fr. 7‘111.30, aus 

der Gerichtskasse ausgerichtet.  

 

Der Beschuldigte ist zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen 

Verteidigung an den Kanton im Umfang von 50 % (Fr. 3‘555.65) sowie zur 

Erstattung der Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem 

vollen Honorar an die Verteidigung verpflichtet, sobald es seine wirtschaftli-

chen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO). 

 

   

Präsident 
 
 
 
Enrico Rosa 

Gerichtsschreiberin 
 
 
 
Olivia Reber 

 

Dieser Entscheid ist rechtskräftig.