# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fbed9a9a-22d3-58c1-8993-3663cf04c168
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-06-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 04.06.2015 SB150070
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150070_2015-06-04.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB150070-O/U/jv 
 

Mitwirkend: Der Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, Ersatzoberrichterin 

Dr. iur. S. Bachmann und Ersatzoberrichter lic. iur. T. Vesely sowie 

die Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Maurer 

 

Urteil vom 4. Juni 2015 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  

vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger,  

Anklägerin und Berufungsklägerin 

 

gegen 

 
A._____,  

Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

 

betreffend  

fahrlässige Tötung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht,  

vom 18. November 2014 (GG140040) 

 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. August 

2014 (HD Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 47 S. 14 f.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB  

in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1, Art. 33 und Art. 100 Ziff. 1 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 

VRV nicht schuldig und wird von diesem Vorwurf freigesprochen.  

2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. August 2014  

beschlagnahmten Kleider und das beschlagnahmte Klebbandasservat (Geschäfts-Nr. ... des 

Forensischen Instituts Zürich) werden eingezogen und vernichtet.  

3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 7'118.15   Auslagen Vorverfahren 

Fr. 2'000.–   Gebühr Führung Strafuntersuchung 

 Fr. 9'118.15   Total  

 

 

 

 
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten. 

4. Die Kosten des Vorverfahrens sowie die Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 10'726.90 (inkl. MwSt. und 

Barauslagen) für die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

6. Dem Beschuldigten wird keine persönliche Umtriebsentschädigung zugesprochen.  

7. (Mitteilungen) 

8. (Rechtsmittel)" 

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Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 4 f.) 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

 (Urk. 49 S. 2; Urk. 72 S. 1) 

1. Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift vom 

27. August 2014: 

• der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB in Verbindung mit 

Art. 31 Abs. 1 und Art. 33 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV. 

2. Bestrafung mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 40.– sowie  

einer Busse von Fr. 1'200.–. 

3. Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter Ansetzung einer 

Probezeit von 2 Jahren.  

4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen bei schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse.  

5. Kostenauflage an den Beschuldigten.  

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:  

(Urk. 73 S. 2) 

1. In Bestätigung des vorinstanzlichen Freispruchs sei die Berufung der 

Staatsanwaltschaft abzuweisen.  

2. Die Verfahrens- und Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen 

und dem Beschuldigten und Berufungsbeklagten sei eine Anwaltskosten-

entschädigung nach Massgabe der aufgelegten Kostennoten zuzusprechen.  

- 4 - 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 

18. November 2014 wurde der Beschuldigte A._____ vom Vorwurf der fahrlässi-

gen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1, Art. 33 

und Art. 100 Ziff. 1 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV freigesprochen. Im Wei-

teren wurden die mit Verfügung vom 27. August 2014 beschlagnahmten Kleider 

und das beschlagnahmte Klebbandasservat eingezogen und vernichtet. Eine Ent-

scheidgebühr wurde nicht festgesetzt. Die übrigen Kosten wurden auf die Ge-

richtskasse genommen und dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung von 

Fr. 10'726.90 (inkl. MwSt und Barauslagen) für die anwaltliche Verteidigung aus 

der Gerichtskasse zugesprochen. Eine persönliche Umtriebsentschädigung wurde 

dem Beschuldigten nicht zugesprochen (Urk. 47 S. 14). 

2. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Winterthur meldete die Staatsan-

waltschaft Winterthur/Unterland mit Eingabe vom 24. November 2014 innert Frist 

Berufung an (Urk. 38). Am 6. Februar 2015 reichte die Staatsanwaltschaft, nach-

dem ihr das begründete Urteil am 2. Februar 2015 zugestellt wurde (Urk. 45), 

fristgerecht die Berufungserklärung ein (Art. 399 Abs. 3 StPO) und stellte ob-

erwähnte Anträge (Urk. 49). In der Folge wurde dem Beschuldigten und der Pri-

vatklägerschaft mit Verfügung vom 19. Februar 2015 Frist angesetzt, um zu erklä-

ren, ob sie Anschlussberufung erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung  

beantragen würden. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um 

das Datenerfassungsblatt sowie Kopien der unterschriebenen Steuererklärungen 

der beiden letzten Jahre und Unterlagen über seine Einkünfte und Wohnkosten 

einzureichen (Urk. 54). Innert Frist teilten der Beschuldigte und die Privatkläger-

schaft mit, auf eine Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 56 und 58). Zudem 

reichte der Beschuldigte die eingeforderten Unterlagen ein (Urk. 60). 

3. Die Staatsanwaltschaft erklärte zwar, das Urteil vollumfänglich anzufechten 

(Urk. 49). Bei den nachfolgend gestellten Berufungsanträgen findet sich  

- 5 - 

betreffend die beschlagnahmten Gegenstände indes kein Antrag. Es ist daher  

davon auszugehen – und wurde anlässlich der Berufungsverhandlung auch so 

bestätigt (Prot. II S. 5 f.) –, dass Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts  

Winterthur vom 18. November 2014 nicht angefochten und damit in Rechtskraft 

erwachsen ist. Davon ist vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 Abs. 1 in Verbin-

dung mit Art. 402 StPO). 

4. Beweisanträge wurden im Berufungsverfahren keine gestellt (Urk. 49; 

Urk. 56; Urk. 58; Prot. II S. 6). Allerdings wurde anlässlich der Berufungsverhand-

lung auf Anweisung des Gerichts der Sachverständige B._____ vom FOR befragt 

(Urk. 70 + 71). 

II.  Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe unwissentlich an einer deutlichen 

Blendempfindlichkeit in Kombination mit einem bei Dämmerung oder Dunkelheit 

eingeschränkten Kontrastsehvermögen gelitten. Er habe am 18. September 2012, 

um ca. 20.55 Uhr, in Winterthur auf der Frauenfelderstrasse stadteinwärts ein 

Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 45 km/h gelenkt. Dies bei ta-

geszeitbedingter Dunkelheit und einsetzendem Nieselregen. Auf Höhe des Sport-

platzes Talwiese habe er sich für einen Augenblick vom gleissend hellen Weiss-

licht der Sportplatzbeleuchtung ablenken lassen. Dadurch habe er den von der 

Mittelinsel herkommenden, dunkel gekleideten Fussgänger, den Geschädigten 

C._____, erst wahrgenommen, als dieser den Fussgängerstreifen bereits betreten 

habe, um die an der fraglichen Stelle nur mässig durch eine orangerote Lampe 

ausgeleuchtete Fahrbahn mit normaler Gehgeschwindigkeit (ca. 1.25 m/s) zu 

überqueren. Wegen der bereits dargelegten Unaufmerksamkeit habe der  

Beschuldigte nicht rechtzeitig abbremsen können, um dem Geschädigten den  

gebührenden Vortritt zu gewähren. So sei es auf dem Fussgängerstreifen zu einer 

Kollision zwischen der Frontpartie des vom Beschuldigten gelenkten Personen-

wagens und dem Geschädigten gekommen. Durch dieses Unfallereignis, in deren 

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Folge der Geschädigte zunächst durch den Frontstossfänger des Unfallfahrzeu-

ges auf Beinhöhe erfasst worden, sodann beifahrerseitig auf die Windschutz-

scheibe aufgeschlagen und danach mehrere Meter in Richtung Bushaltestelle 

Hohlandweg weggeschleudert worden sei, habe dieser schwere Verletzungen am 

ganzen Körper erlitten, so unter anderem Knochenbrüche der Schädelbasis, des 

Felsenbeins, des Mittelgesichts, des Brustbeins (Sternum), der ersten Rippe links, 

der 1. bis 8. Rippe rechts, des rechten Schulterblattes (Scapula), des oberen  

und unteren Schambeinastes links, des rechten Oberschenkels (proximaler 

Femurschaft) und des rechten Unterschenkels (proximaler Unterschenkelschaft). 

Diese Verletzungen hätten in der Folge trotz breiter antibiotischer Behandlung zu 

einer schweren Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung in Kombination mit einer 

schweren Lungenentzündung geführt, an deren Folgen der Geschädigte am 

13. November 2012 nach einem akuten Herzversagen als kausale Folge des Un-

fallgeschehens vom 18. September 2012 verstorben sei. Hätte sich der Beschul-

digte nicht von der Flutlichtanlage des Sportplatzes Talwiese ablenken lassen, 

sondern pflichtgemäss seine volle Aufmerksamkeit dem Geschehen auf der 

Strasse und insbesondere dem vor ihm liegenden Fussgängerstreifen gewidmet, 

hätte er den Geschädigten trotz der objektiv wie auch subjektiv schlechten Sicht-

verhältnisse rechtzeitig wahrnehmen und sein Fahrzeug ohne Hast bis zum  

Stillstand abbremsen können, zumal der Beschuldigte im Zeitpunkt, als sich der 

Geschädigte angeschickt habe, den Fussgängerstreifen von der Mittelinsel her zu 

betreten, mit seinem Fahrzeug noch 32 Meter vom späteren Unfallopfer entfernt 

gewesen sei. Der für den Geschädigten tödlich verlaufende Verkehrsunfall hätte 

so ohne weiteres vermieden werden können (HD Urk. 20 S. 2 f.). 

Unbestritten und gemäss Untersuchung erstellt ist, dass der Beschuldigte am 

18. September 2012, um ca. 20.55 Uhr, bei tageszeitbedingter Dunkelheit und 

einsetzendem Nieselregen seinen Personenwagen auf der Frauenfelderstrasse  

in Winterthur stadteinwärts lenkte und es bei der Bushaltestelle Hohlandweg zur 

Kollision mit dem dunkel gekleideten als Fussgänger unterwegs gewesenen Ge-

schädigten, der den Fussgängerstreifen von links nach rechts überqueren wollte, 

kam, in deren Folge der Geschädigte auf der rechten Seite der Frontscheibe des 

Personenwagens aufschlug (vgl. dazu auch Urk. 69 S. 4). Unbestritten ist auch, 

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dass von links ein grelles Licht schien, dass die Fahrbahn bei der Kollisionsstelle 

nur mässig durch eine orangerot leuchtende Strassenlampe ausgeleuchtet war 

und dass der Beschuldigte im Zeitpunkt des Unfallereignisses unwissentlich an 

einer deutlichen Blendempfindlichkeit in Kombination mit einem bei Dämmerung 

oder Dunkelheit eingeschränkten Kontrastsehvermögen litt. Der Beschuldigte 

macht jedoch geltend, den Zusammenstoss mit dem Geschädigten nicht aus  

Unaufmerksamkeit bzw. Pflichtwidrigkeit verursacht zu haben. Es sei unklar, wo 

und wie sich der Unfall genau zugetragen habe (Urk. 69 S. 4 ff.). Nachfolgend ist 

daher aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob sich der restliche 

massgebliche Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellen lässt. 

2. Beweismittel und deren Verwertbarkeit 

Die Anklagebehörde stützt sich zum Beweis des von ihr behaupteten Sach-

verhalts im Wesentlichen auf die Aussagen des Beschuldigten (HD Urk. 3-5),  

die Zeugeneinvernahmen von D._____ (HD Urk. 6) und von E._____  

(HD Urk. 7), eine Fotodokumentation der Stadtpolizei Winterthur (HD Urk. 8/1), 

sämtliche Unfallfotos in elektronischer Form (HD Urk. 8/3), einen Situationsplan 

der Stadtpolizei Zürich (HD Urk. 11/7), eine unfallanalytische Vorbeurteilung  

des Forensischen Instituts Zürich (HD Urk. 11/8), verkehrsmedizinische Akten 

über den Beschuldigten (HD Urk. 13/1-2), ein pharmakologisch-toxikologisches 

Gutachten über den Geschädigten (HD Urk. 12/10) und ein rechtsmedizinisches 

Gutachten zum Todesfall des Geschädigten (ND 1 Urk. 5/4). Anlässlich der  

heutigen Berufungsverhandlung wurde – wie erwähnt – zudem B._____, Unfall-

analytiker beim Forensischen Institut Zürich, als sachverständiger Zeuge einver-

nommen (Urk. 70). 

Zur Verwertbarkeit der genannten Beweismittel gilt es lediglich anzumerken, dass 

die unfallanalytische Vorbeurteilung des Forensischen Instituts Zürich kein  

Gutachten im Sinne von Art. 184 StPO darstellt (vgl. HD Urk. 11/8 S. 1). Nachdem 

der Beschuldigte jedoch ausdrücklich auf die Erstellung eines förmlichen Gutach-

tens verzichtet hat (HD Urk. 16/16; HD Urk. 5 S. 1 f.), hat er die Vorbeurteilung 

anerkannt, weshalb sie grundsätzlich verwertbar ist. 

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3. Aussagen des Beschuldigten 

Der Beschuldigte führte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 18. Sep-

tember 2012 aus, er sei mit der Umgebung relativ gut vertraut. Zum Unfallzeit-

punkt sei die Strasse nass gewesen, es habe leicht geregnet und von links habe 

extrem helles Licht von der Beleuchtung des Fussballplatzes geschienen. Der 

Fussgängerstreifen sei aus seiner Sicht extrem schlecht beleuchtet gewesen. Wie 

schnell er gefahren sei, könne er nicht sagen. Es sei jedenfalls unter 50 km/h ge-

wesen. Er sei auf der Frauenfelderstrasse stadteinwärts eher auf der linken Hälfte 

seiner Fahrbahnseite gefahren. Plötzlich habe er einen Fussgänger links vor  

seinem Fahrzeug auftauchen sehen. Dieser sei von links nach rechts gelaufen.  

Er habe ihn mit seinem Fahrzeug erfasst und es habe ihn auf die Frontscheibe 

geworfen. Sofort habe er, der Beschuldigte, eine Vollbremsung eingeleitet. Er 

könne nicht sagen, zu welchem Zeitpunkt er den Fussgänger erkannt habe. Es 

sei extrem knapp gewesen. Er könne auch nicht sagen, wo sich sein Fahrzeug zu 

diesem Zeitpunkt befunden habe. Es sei sehr kurz gewesen. Er habe lediglich ei-

nen schwarzen Schatten erkannt. Die Kollision könne er nicht genau schildern. Er 

denke, dass der Fussgänger von der vorderen linken Ecke seines Fahrzeugs  

erfasst worden sei. Er könne lediglich noch sagen, dass der Fussgänger  

anschliessend gegen die Windschutzscheibe geprallt sei. Mit welchem Körperteil 

dies erfolgt sei, habe er nicht erkennen können. Verrichtungen im Fahrzeug habe 

er keine vorgenommen. Lediglich das grelle Flutlicht des sich links befindlichen 

Fussballplatzes habe ihn irritiert. Er sei Diabetiker und nehme Insulin. Dies  

beeinträchtige seine Fahrtauglichkeit nicht. Er habe auch sonst nichts genommen, 

was die Fahrtauglichkeit beeinträchtige (HD Urk. 3) 

Am 11. Juli 2013 wurde der Beschuldigte erstmals durch die Staatsanwaltschaft 

einvernommen. Dabei gab der Beschuldigte zu Protokoll, der Fussgänger sei für 

ihn im Gefahrenbereich nicht sichtbar gewesen. Zudem habe es dahinter eine 

schwarze Häuserfassade, sodass er wohl nur schwarz auf schwarz gesehen  

habe. Er habe bei der Polizei ausgeführt, das grelle Fluchtlicht habe ihn irritiert. 

Das Wort irritiert würde er heute nicht mehr verwenden (HD Urk. 4 S. 3). 

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Am 26. August 2014 wurde der Beschuldigte durch die Staatsanwaltschaft erneut 

einvernommen. Mit den Ergebnissen der unfallanalytischen Voruntersuchung  

konfrontiert führte der Beschuldigte aus, er habe es so in Erinnerung, dass ihm 

der Fussgänger seitlich ins Auto gelaufen sei. Er habe keine Erinnerung daran, 

wo die Kollision genau stattgefunden habe. Die gemäss Unterlagen des IRM be-

stehende leichte diabetische Netzhauterkrankung mit sogenanntem diabetischem 

Makulaödem sei ihm bekannt gewesen. Er sei deswegen auch in Behandlung 

gewesen, damit die Aneurysmen nicht grösser würden. Der Erfolg der Behand-

lung sei so gut gewesen, dass er keine Veranlassung gesehen habe, auf das  

Autofahren bei Dunkelheit und Dämmerung zu verzichten (HD Urk. 5). 

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, er 

habe in dem Moment, als er den Geschädigten gesehen habe, eine Vollbremsung 

eingeleitet. Es habe jedoch nicht gereicht, um die Kollision zu verhindern. Der 

Geschädigte sei ihm von links ins Auto gelaufen. Er kenne die Örtlichkeit gut. Er 

habe, als er auf den Fussgängerstreifen zugefahren sei, die Umgebung beobach-

tet, habe allerdings nichts gesehen. Bei der Mittelinsel und weiter hinten sei alles 

schwarz gewesen. Es habe dort eine dunkle Stelle eines Hauses. Wenn dort eine 

dunkel gekleidete Person zu laufen komme, sehe man sie nicht, ausser man  

würde mit Fernlicht fahren. Er wisse nicht mehr, ob er Bremsbereitschaft erstellt 

habe. Er sei jedoch grundsätzlich langsam gefahren, etwas über 40 km/h. Wie viel 

Abstand er zum Geschädigten gehabt habe, als er diesen zum ersten Mal  

wahrgenommen habe, könne er nicht mehr sagen. Durch das Flutlicht habe er 

sich nicht ablenken lassen. Er habe das auch in der ersten Einvernahme nicht so 

formuliert. Er habe nur gesagt, dass ihm das Flutlicht aufgefallen sei, dass er es 

bemerkt habe. Dass er irritiert gewesen sein soll, habe er nicht gesagt. Das sei so 

interpretiert worden. Von der Tankstelle an befinde sich eine Baumpartie. Dort, wo 

diese aufhöre, falle auf, dass das Licht auf die Strasse flute. Hingeschaut habe  

er nicht. Vor dem Unfall habe er nicht gewusst, dass er an einer deutlichen  

Blendempfindlichkeit mit einem bei Dämmerung oder Dunkelheit eingeschränkten 

Kontrastsehvermögen leide. Er sei zwar wegen eines Aneurysma auf der  

Netzhaut in Behandlung gewesen. Dies habe aber seine Sehfähigkeit nicht einge-

schränkt. Seine Sehfähigkeit werde laufend überprüft. Diese betrage auch mit 

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dem Aneurysma 100%. Ihm sei nicht bekannt gewesen, dass sich das auf seine 

Fahrfähigkeit in der Nacht ausgewirkt hätte (Prot. I S. 8 ff.). 

Im Rahmen der heutigen Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, er 

könne weder sagen, wer schuld an der Kollision sei, noch ob der Geschädigte auf 

der rechten Seite vom Auto erfasst worden sei. Er habe den Geschädigten mit 

dem linken Kotflügel seines Wagens erfasst, was durch die Spurensicherung der 

Polizei gestützt werde. Er könne sich nicht mehr erinnern, ob er C._____ auf dem 

linken Fussgängerabschnitt gesehen habe; auch auf der Mittelinsel nicht, es sei 

alles schwarz in schwarz bzw. dunkel in dunkel gewesen. Als der Geschädigte 

von der Mittelinsel auf den zweiten Fussgängerabschnitt getreten sei, habe er ihn 

dann gesehen, da er sonst ja keine Vollbremsung eingeleitet hätte. Seine  

Aufmerksamkeit habe er auf auf die Strasse und den Fussgängerstreifen gerichtet 

gehabt. Das "Nichtsehen" des Fussgängers sei nicht auf seine damals bestehen-

den Augenprobleme zurückzuführen, da diese nicht stark seien (Urk. 69 S. 4 ff.).  

4. Aussagen von D._____ 

D._____ wurde am 14. April 2014 durch die Staatsanwaltschaft als Zeuge  

einvernommen. Dabei führte er aus, bei besagtem Fussgängerstreifen habe es 

ein Bushäuschen. Oberhalb dieses Bushäuschens seien sie daran gewesen, die 

Schäden eines Einbruchdiebstahls zu reparieren. Er habe nur gesehen, wie eine 

Person über den Fussgängerstreifen gegangen sei. Dann habe er gehört, wie  

es "geklöpft" habe. Der Fussgänger sei von der Seite des Fussballplatzes ge-

kommen und in Richtung Bushäuschen gegangen. Mit welcher Geschwindigkeit 

der Fussgänger unterwegs gewesen sei, wisse er nicht. Dieser sei normal  

gegangen. Er habe die Kollision nicht gesehen. Er habe nur gesehen, wie ein  

Auto nach dem Fussgängerstreifen gestanden und weiter vorne eine Person ge-

legen sei. Das spätere Unfallfahrzeug habe er nicht wahrgenommen. Wie lange er 

den Fussgänger gesehen habe, könne er nicht sagen. Er habe nur gesehen, dass 

der Fussgänger die stadtauswärtsführende Fahrbahn der Frauenfelderstrasse  

betreten und auf die Mittelinsel zugegangen ist. Er habe nicht mehr gesehen, 

dass der Fussgänger die Mittelinsel betreten habe, da er sich schon abgewendet 

habe (HD Urk. 6). 

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5. Rechtsmedizinisches Gutachten zum Todesfall 

Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 

10. April 2013 hält fest, dass die Knochenbrüche des Geschädigten, unter  

Betonung der rechten Seite, für einen Anprall von rechts sprechen würden. Diese 

Verletzungen seien vereinbar mit den Angaben, dass der Geschädigte auf einem 

Fussgängerstreifen von rechts erfasst und weggeschleudert worden sein soll. Die 

Blutung unter der weichen Hirnhaut sowie die Einblutung im Hirngewebe müsse 

ebenfalls als Folgen einer höhergradigen stumpfen Gewalteinwirkung gegen die-

se Region angesehen werden und könnten z.B. durch einen Anprall des Kopfes 

auf dem Fahrzeug oder auf dem Asphalt entstanden sein. Todesursächlich werde 

ein akutes Herzversagen infolge einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung in 

Kombination mit einer akuten Lungenentzündung, als Komplikation der beim  

Ereignis vom 18. September 2012 erlittenen Verletzungen angesehen. Die todes-

ursächliche Entzündung des Herzens und des Herzbeutels sei als Komplikation 

der am 18. August (recte: September) 2012 erlittenen Verletzungen anzusehen 

und stehe im kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis (ND 1 Urk. 5/4). 

6. Unfallanalytische Vorbeurteilung des Forensischen Instituts Zürich 

Die unfallanalytische Vorbeurteilung des Forensischen Instituts Zürich vom 

28. Januar 2014 hält zunächst fest, dass sich verschiedene Fragen zur lückenhaf-

ten Unfallaufnahme, Spurensicherung und Unfalldokumentation durch die Stadt-

polizei Winterthur aufdrängen würden (HD Urk. 11/8 S. 2 f.). Zur Beantwortung 

dieser Fragen wurde E._____, welcher seinerzeit seitens der Stadtpolizei  

Winterthur bei der Spurensicherung mitwirkte, durch die Staatsanwaltschaft  

am 14. April 2014 als Zeuge einvernommen. E._____ führte aus, dass eine Beur-

teilung als ältere Beschädigungen höchstens deshalb erfolgt sein könne, wenn es 

bereits Dreck oder Rost gehabt habe. Es wisse jedoch nicht, weshalb an den bei-

den Frontecken keine Spuren entnommen bzw. dort nicht nach Textilfasern des 

Geschädigten gesucht worden sei. Wischspuren an einem abgetrockneten Fahr-

zeug erkenne man sofort als frisch. Die Fingerabdruck- und Wischspuren am lin-

ken Kotflügel seien frisch gewesen, weshalb nicht ausgeschlossen werden konn-

te, sie würden vom Unfall stammen. Im Übrigen konnte E._____ die  

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vom Forensischen Institut Zürich aufgeworfenen Fragen nicht beantworten 

(HD Urk. 7). 

Trotz der mangelhaften spurenkundlichen Unfallaufnahme konnte das Forensi-

sche Institut Zürich unfallanalytisch-physikalische Überlegungen zum Unfallher-

gang machen. Danach würden die Beschädigungen rechts in der Frontscheibe 

des Personenwagens und am Dachholm im Zusammenhang mit dem Bericht über 

die bezirksärztliche Legalinspektion auf einen Anprall des Fussgängers mit der 

rechten Körperseite und dem Kopf gegen die Frontscheibe und dem Dachholm 

hindeuten. Die Unterschenkelfraktur des Fussgängers sei typisch für einen  

Anprall des Stossfängers des Personenwagens. Einzelne Beschädigungen resp. 

Kontaktspuren im rechten Frontbereich des Personenwagens seien damit verein-

bar. Die Endlagen des Personenwagens und des Fussgängers sowie dessen 

Utensilien seien ebenfalls mit einem Anprall des rechten Frontbereiches des  

Personenwagens gegen die rechte Seite des Fussgängers vereinbar. Die Angabe 

im Polizeirapport (Seite 6), die rechte Fahrzeugfront sei mit dem Fussgänger  

kollidiert, sei aufgrund des Gesamtspurenbildes nachvollziehbar. Die Abdruck-

spuren links auf der Motorhaube und die Wischspuren am linken Kotflügel seien 

vermutlich ereignisfremd. Die Kollisionsgeschwindigkeit könne bei etwa 40 bis 

50 km/h eingegrenzt werden. Damit kompatibel seien auch die schweren  

multiplen Körperverletzungen des Fussgängers. Auf der Motorhaube seien keine 

Wischspuren des Fussgängers dokumentiert und auf den digitalen Fotografien 

seien keine derartigen Spuren ersichtlich. Der Primärkontakt mit dem Fussgänger 

habe nicht bei der linken Frontecke des Personenwagens stattfinden können, da 

der Fussgänger mit ca. 40 km/h von links nach rechts knapp über die Motorhaube 

hätte fliegen und zuvor entsprechend in die Höhe hätte springen müssen.  

Utensilien und insbesondere Mützen von angestossenen Fussgängern würden  

erfahrungsgemäss nahe der Kollisionsstelle zu Boden fallen und würden  

kaum entgegen die Fahrtrichtung des Personenwagens geworfen. Aufgrund der 

Endlage der Utensilien sei davon auszugehen, dass die Kollision auf dem  

Fussgängerstreifen stattgefunden habe. Der Personenwagen habe sich auf der 

kurzen nachkollisionären Auslaufstrecke kaum nach links oder rechts bewegt. 

Gemäss Situationsplan sei der Personenwagen mit der Front ca. 7 m nach dem 

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Fussgängerstreifen zum Stillstand gekommen. Weder die Stellung der Vorder-

räder noch die Richtung der Fahrzeuglängsachse würden auf ein Ausweich-

manöver hindeuten. Für die Eingrenzung der Kollisionsstelle könne somit das 

Fahrzeug in der Richtung seiner Längsachse zurückversetzt werden und zwar 

mindestens bis auf die Höhe der Endlage der Utensilien des Fussgängers. Unter 

der Annahme, der Fussgänger sei vom rechten Frontbereich des Personenwa-

gens getroffen worden, hätte der Personenwagen nach der Kollision eine Strecke 

von 9.5 Meter zurückgelegt. Bei Annahme einer Kollisionsgeschwindigkeit von  

ca. 45 km/h, einer Bremsverzögerung auf der feuchten Asphaltfahrbahn von 

7.5 m/s2, einer geringfügigen kollisionsbedingten Geschwindigkeitsverminderung 

des Personenwagens von 2 km/h, einer Bremsschwelldauer von 0.2 Sekunden, 

einer Reaktionsdauer von 1 Sekunde und einer Fussgängergeschwindigkeit von 

4.5 km/h (1.25 m/s), hätte der Fussgänger von der Schutzinsel bis zur Kollisions-

stelle eine Distanz von 3 Meter zurückgelegt und dafür 2.4 Sekunden benötigt. 

Unter diesen Annahmen hätte die Ausgangsgeschwindigkeit des Personen-

wagens 48 km/h betragen und sei, als der Fussgänger die Schutzinsel verlassen  

habe, 31.8 Meter von der Kollisionsstelle entfernt gewesen. Bei sofortiger  

Reaktion hätte der Beschuldigte vor der Kollisionsstelle anhalten können. Ab einer 

Fussgängergeschwindigkeit von 2.5 m/s hätte der Beschuldigte, unter sonst  

gleichen Bedingungen, reagiert, bevor der Fussgänger von der Schutzinsel auf 

die Fahrbahn getreten sei (HD Urk. 11/8). 

7. Weitere Beweismittel 

Als weitere Beweismittel finden sich in den Akten diverse Fotos (HD Urk. 8/1 und 

3, ein Situationsplan der Stadtpolizei Zürich (HD Urk. 11/7), verkehrsmedizinische 

Akten über den Beschuldigten (HD Urk. 13) sowie ein pharmakologisch-

toxikologisches Gutachten über den Geschädigten (HD Urk. 12/10). Hinzu kommt 

die Einvernahme des sachverständigen Zeugen B._____ anlässlich  

der heutigen Berufungsverhandlung (Urk. 70). Auf diese Beweismittel ist im  

Folgenden – soweit für die Urteilsfindung relevant – einzugehen. 

- 14 - 

III. Beweiswürdigung 

1. Bei der Beantwortung der Frage, ob sich der dem Beschuldigten in der  

Anklageschrift vorgeworfene Sachverhalt verwirklicht hat, ist das Gericht keinen 

Beweisregeln verpflichtet. Vielmehr gilt der Grundsatz der freien richterlichen  

Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO), wonach das Gericht das Urteil nach  

seiner freien, aus den vorliegenden Beweismitteln geschöpften Überzeugung fällt. 

Muss sich die Beweisführung auch auf Aussagen der Beteiligten stützen, ist  

anhand sämtlicher Umstände, die aus den Akten ersichtlich sind, zu prüfen,  

welche Darstellung überzeugend ist. Liegen widersprüchliche Aussagen vor, so 

ist der Beschuldigte nicht schon aus diesem Grund freizusprechen; vielmehr ist 

der innere Gehalt der Aussagen zu prüfen. Nur wenn sich auf diese Weise eine 

Überzeugung weder in die eine noch in die andere Richtung gewinnen lässt, ist 

der Beschuldigte freizusprechen (BGE 120 Ia 31 E. 2b und c). 

Beim Abwägen von Aussagen ist im Besonderen zwischen der Glaubwürdigkeit 

einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Während 

die erste Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden kann, ist die 

letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, ob sich 

der Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht. Die allgemeine 

Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer prozessualen Stellung vor  

allem aus den persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen  

Prozessbeteiligten. In erster Linie massgebend ist jedoch nicht die prozessuale 

Stellung der Aussagenden bzw. ihre allgemeine Glaubwürdigkeit im Sinne einer 

dauerhaften personalen Eigenschaft. Es geht vielmehr um die Beurteilung, ob auf 

ein bestimmtes Geschehen bezogene Angaben zutreffen, d.h. einem tatsächli-

chen Erleben der untersuchten Person entsprechen. Dabei ist vor allem auf das 

Vorhandensein von Realitätskriterien, aber auch auf Widersprüche und Erweite-

rungen zu achten (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 

3. Aufl., München 2007, S. 68 ff.). 

2. D._____ und E._____ stehen in keinerlei Beziehung zum Beschuldigten, 

Geschädigten, dessen Ehefrau bzw. dessen Nachkommen (HD Urk. 6 S. 2; HD 

- 15 - 

Urk. 7 S. 2). Beide sind demzufolge als glaubwürdig anzusehen. E._____ könnte 

theoretisch ein eigenes Interesse am Strafverfahren haben. Dies nämlich dann, 

wenn er die bei der Spurenaufnahme erfolgten Versäumnisse korrigieren bzw. 

sich in einem besseren Licht darzustellen versuchte. Vorliegend sind jedoch keine 

Eigeninteressen auszumachen. D._____ sagte zurückhaltend aus und räumte 

auch ein, wenn er etwas nicht wusste. In den Aussagen von E._____ und 

D._____ sind keine Lügensignale erkennbar. Ihre Aussagen sind daher als glaub-

haft anzusehen und es kann auf sie abgestellt werden. 

3. Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzu-

halten, dass er im vorliegenden Verfahren nicht unter Strafandrohung zu  

wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet war und als direkt vom vorliegenden 

Strafverfahren Betroffener ein – insoweit legitimes – Interesse daran haben dürfte, 

die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Entsprechend 

sind seine Aussagen mit der gebotenen Zurückhaltung zu würdigen. Dies darf  

jedoch nicht zur Folge haben, dass der generelle Schluss gezogen wird, die  

Aussagen des Beschuldigten seien deshalb stets mit grosser oder grösster  

Zurückhaltung zu würdigen. Dies liefe auf eine rechtsstaatlich unhaltbare Benach-

teiligung des Beschuldigten hinaus, indem zumindest der Anschein oder Eindruck 

erweckt würde, man glaube ihm von vornherein weniger als etwa einem  

Belastungszeugen. Die besondere Motivationslage ist dennoch insofern von Be-

lang, als der Beschuldigte bei einzelnen Sachverhaltsbereichen ein zusätzliches 

und offenkundiges Interesse haben kann, nicht die Wahrheit zu sagen, was bei 

einem blossen Zeugen in der Regel nicht der Fall ist. Allerdings liegen keine An-

haltspunkte vor, die von vornherein gegen die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

sprechen würden. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des  

Beschuldigten ist sowohl auf ihren jeweiligen Inhalt als auch auf das Aussage-

verhalten in seiner Gesamtheit abzustellen. 

Der Beschuldigte sagte eher vorsichtig und zurückhaltend aus und machte  

teilweise auch nur zögerlich Angaben. Dies wäre damit erklärbar, dass der  

Beschuldigte ausführte, er habe den Geschädigten erst kurz vor der Kollision als 

Schatten wahrgenommen und könne sich den Unfallhergang nicht erklären. 

- 16 - 

Trotzdem wirkt seine Schilderung lebensnah. Zur gefahrenen Geschwindigkeit 

macht der Beschuldigte divergierende Angaben. So führte er anlässlich der  

polizeilichen Einvernahme aus, er könne nicht genau sagen, mit welcher  

Geschwindigkeit er gefahren sei. Es sei unter 50 km/h gewesen (HD Urk. 3 S. 2). 

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung machte der Beschuldigte  

geltend, er sei mit etwas über 40 km/h gefahren (Prot. I S. 9); heute gab er an, er 

könne nicht sagen, ob seine Geschwindigkeit näher bei 40 km/h oder 50 km/h 

gewesen sei. Realistisch sei zwischen 40 km/h und 50 km/h. Er sei vorsichtig und 

langsam in die Stadt gefahren (Urk. 69 S. 6). Zur vom Beschuldigten gefahrenen 

Geschwindigkeit äussert sich auch die Vorbeurteilung des Forensischen Instituts 

Zürich. Danach könne anhand des Schadenbildes die Kollisionsgeschwindigkeit 

des Personenwagens bei etwa 40 km/h bis 50 km/h eingegrenzt werden. Damit 

kompatibel seien auch die schweren und multiplen Körperverletzungen des  

Fussgängers (HD Urk. 11/8 S. 4). Nichts anderes führte der Zeuge B._____  

anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung aus (Urk. 70 S. 9 f. und S. 15 f.).  

Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Kollision mit einer  

Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h aber weniger als 50 km/h erfolgte. 

Ebenfalls nicht konstante Ausführungen machte der Beschuldigte in Bezug auf 

das Licht der Flutlichtanlage. In der polizeilichen Einvernahme führte er aus, das 

grelle Flutlicht des sich links befindlichen Fussballplatzes habe ihn irritiert (HD 

Urk. 3 S. 3). Anlässlich der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme führte er 

aus, er habe bei der Polizei ausgeführt, das grelle Fluchtlicht habe ihn irritiert.  

Das Wort irritiert würde er heute nicht mehr verwenden (HD Urk. 4 S. 3). In der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte der Beschuldigte schliesslich dazu aus, 

er habe sich durch das Flutlicht nicht ablenken lassen. Er habe das auch in der  

ersten Einvernahme nicht so formuliert. Er habe nur gesagt, dass ihm das Flutlicht 

aufgefallen sei, dass er es bemerkt habe. Dass er irritiert gewesen sein soll, habe 

er nicht gesagt. Das sei so interpretiert worden (Prot. I S. 10). Es fällt auf, dass 

sich der Beschuldigte im Laufe der Untersuchung immer mehr von seiner in der 

polizeilichen Einvernahme gemachten Aussage, wonach ihn das grelle Licht der 

Flutlichtanlage des angrenzenden Fussballplatzes irritiert habe, distanziert, um 

schliesslich festzuhalten, er habe dies gar nicht gesagt, dies sei so interpretiert 

- 17 - 

worden. Dieses Zurücknehmen der Aussage, welches darin gipfelt, dass er dies 

gar nicht so gesagt habe, sondern vom Polizeibeamten so interpretiert worden 

sei, spricht gegen die subjektive Wahrheit und damit gegen die Glaubhaftigkeit 

dieser Aussage. Daran ändern auch seine heutigen Depositionen nichts. Er  

erläuterte heute, er habe seine Aussage im Laufe des Verfahrens immer mehr 

abgeschwächt, weil ihm klar gewesen sei, dass er sich von diesem Licht nicht  

habe ablenken lassen. Er habe das Licht zwar festgestellt, aber er sei nicht irritiert 

gewesen. Diese Überlegungen habe er nachträglich angestellt (Urk. 69 S. 12).  

In der vom Beschuldigten unterzeichneten polizeilichen Einvernahme findet  

sich nirgends ein Hinweis, dass dies nicht so gesagt worden ist. Auch erfolgt der 

Vorwurf der Interpretation erst lange Zeit nach dieser Einvernahme. Es ist daher 

davon auszugehen, dass die Erinnerung des Beschuldigten bei der der Kollision 

am zeitnächsten liegenden Einvernahme noch frisch war, weshalb auf diese  

abzustellen ist. Es ist daher davon auszugehen, dass das grelle Flutlicht den  

Beschuldigten irritiert hat. 

Die Tatsache, dass allenfalls einige Aussagen des Beschuldigten unglaubhaft 

sind und nicht auf sie abgestellt werden kann, bedeutet nicht, dass seine gesam-

ten Aussagen unglaubhaft sind. Auf die übrigen Aussagen des Beschuldigten 

kann daher mit der entsprechenden Vorsicht abgestellt werden. Es sind insge-

samt keine Anhaltspunkte ersichtlich, die an der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit 

des Beschuldigten zweifeln lassen. 

4. Weiter ist zu klären, ob sich die Kollision auf dem Fussgängerstreifen zuge-

tragen hat. Der Verteidiger des Beschuldigten anerkennt, dass sich die Kollision 

auf dem Fussgängerstreifen zugetragen hat (HD Urk. 34 S. 7; vgl. auch Urk. 73 

S. 3 ff. und Prot. II S. 8 ff.). Auch die unfallanalytische Vorbeurteilung des  

Forensischen Instituts Zürich kommt zu diesem Schluss. Dies deshalb, weil die 

Utensilien (Mütze, Portemonnaie, div. Ausweise) des Geschädigten nach dem 

Unfall auf dem Fussgängerstreifen sichergestellt wurden. Gemäss Vorbeurteilung 

würden Utensilien und insbesondere Mützen von angestossenen Fussgängern  

erfahrungsgemäss nahe der Kollisionsstelle zu Boden fallen und kaum entgegen 

die Fahrtrichtung des Personenwagens geworfen (HD Urk. 11/8 S. 5). Der Zeuge 

- 18 - 

B._____ führte dazu heute ergänzend aus, auch aufgrund der Endlage des  

BMW des Beschuldigten sowie einer Reifenabriebspur gelange man zu einem 

Kollisionsort im Bereich (des dritten Streifens von links) des Fussgängerstreifens 

(Urk. 70 S. 6 f.; vgl. auch Urk. 71/8). Der Zeuge D._____ konnte beobachten, wie 

der Geschädigte den Fussgängerstreifen auf der anderen Fahrbahn betrat und 

Richtung Mittelinsel ging (HD Urk. 6 S. 3 ff.). Zwar darf aus der Aussage von 

D._____ allein nicht geschlossen werden, dass der Geschädigte auch auf der 

stadteinwärts führenden Fahrbahn den Fussgängerstreifen benutzt hat. Jedoch ist 

davon mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auszugehen, da der Geschädigte 

wohl die Mittelinsel betreten und sich dann nicht von dort in Längsrichtung der 

Strasse über die Erhöhungen und die Signale der Mittelinsel hinweg bewegt  

hat (vgl. Fotodokumentation in HD Urk. 8/1 S. 1 und S. 2 oben). Sämtliche  

Beweismittel zusammen lassen nur den Schluss zu, dass der Geschädigte über 

den Fussgängerstreifen ging, und es ist somit davon auszugehen, dass sich die 

Kollision auf dem Fussgängerstreifen ereignete. 

5. Zusätzlich gilt es zu klären, mit welchem Teil des Personenwagens der  

Geschädigte erfasst worden ist, um feststellen zu können, wie weit der Kollisions-

punkt von der Mittelinsel entfernt war. Als Beweismittel zur Klärung dieser Frage 

stehen das Verletzungsbild des Geschädigten (Obduktionsbericht), die unfall-

analytische Vorbeurteilung des FOR sowie die Angaben des Zeugen B._____, die 

Beschädigungen am Personenwagen und die Aussagen des Beschuldigten zur 

Verfügung.  

Gemäss Obduktionsbericht sprechen die vom Geschädigten beim Unfall erlittenen 

Verletzungen, welche hauptsächlich seine rechte Körperhälfte betreffen, dafür, 

dass der Geschädigte von rechts erfasst und weggeschleudert worden sei (ND 1 

Urk. 5/4 S. 7).  

Die unfallanalytische Vorbeurteilung hält fest, die Unterschenkelfraktur (rechts) 

des Geschädigten sei typisch für einen Anprall mit dem Stossfänger. Einzelne 

Beschädigungen resp. Kontaktspuren im rechten Frontbereich des Personen-

wagens seien damit vereinbar. Die Endlage des Personenwagens, des Geschä-

digten und dessen Utensilien seien ebenfalls mit einem Anprall des rechten 

- 19 - 

Frontbereiches vereinbar. Utensilien und insbesondere Mützen von angestosse-

nen Fussgängern würden erfahrungsgemäss nahe der Kollisionsstelle zu Boden 

fallen und kaum entgegen die Fahrtrichtung geworfen werden. Mangels  

Vergleichsmaterials habe nicht geklärt werden können, ob die Fingerabdruck- und 

Wischspuren auf dem linken Kotflügel vom Geschädigten stammten. Es sei  

jedoch nicht plausibel, dass der Geschädigte mit der linken Frontecke erfasst 

worden ist. Da auf der Motorhaube keine Wischspuren des Geschädigten  

dokumentiert worden seien und auf den digitalen Fotografien auch keine solchen 

ersichtlich seien, hätte der Geschädigte mit ca. 40 km/h von links nach rechts 

knapp über die Motorhaube fliegen und zuvor entsprechend in die Höhe springen 

müssen. Weiter hält die Vorbeurteilung fest, dass sich der Personenwagen  

des Beschuldigten auf der kurzen Strecke nach der Kollision kaum nach links  

oder rechts habe bewegen können. Weder die Stellung der Vorderräder noch die 

Richtung der Fahrzeuglängsachse deute auf ein Ausweichmanöver hin. Demzu-

folge könne das Fahrzeug in der Richtung seiner Längsachse zurückversetzt 

werden und zwar mindestens bis auf die Höhe der Endlage der Utensilien des 

Geschädigten. Dies bedeute, dass der Geschädigte von der Schutzinsel bis zur 

Kollisionsstelle eine Distanz von 3 Metern zurückgelegt habe (HD Urk. 11/8 

S. 4 ff.). Die Zeugeneinvernahme des Sachverständigen B._____ ergab diesbe-

züglich nichts Neues, sondern er bestätigte die bereits in der Vorbeurteilung vor-

genommenen Einschätzungen und Schlussfolgerungen (Urk. 70 S. 4 ff.). Ergän-

zend ist an dieser Stelle noch anzuführen, dass der Zeuge angab, nicht daran zu 

zweifeln, dass der Primärkontakt zwischen dem Fahrzeug und dem Fussgänger 

mit dem rechten Frontbereich geschehen sei. So weise die Zierrippe an der linken 

Ecke am rechten vorderen Eckteil des Wagens eine Bruchstelle im unteren Teil 

auf, was ein Indiz (für einen Anprall an diesem Ort) darstelle, da solche Bruch-

stellen typischerweise bei einem Anprall an Beine entstehe (vgl. Urk. 71/3-4).  

Zudem habe es Verletzungen der Scheinwerferabdeckungen, was ein Indiz  

darstelle, dass es den Geschädigten dort hinüber geschleift habe (vgl. Urk. 71/5). 

Der Personenwagen des Beschuldigten wies Beschädigungen im linken und  

rechten Frontbereich und rechts in der Frontscheibe und am Dachholm auf.  

- 20 - 

Zudem sind Fingerabdruck- und Wischspuren auf dem linken Kotflügel vorhanden 

(HD Urk. 8/1 S. 8). 

Der Beschuldigte führte aus, er denke, dass der Geschädigte mit der linken  

vorderen Ecke seines Personenwagens erfasst worden sei (HD Urk. 3 S. 3; 

Urk. 69 S. 7) bzw. der Geschädigte ihm seitlich ins Auto gelaufen sei (HD Urk. 5 

S. 2). Auch der Beschuldigte spricht nicht davon, dass er ein Ausweichmanöver 

begangen habe. Er will, nachdem er einen Schatten gesehen habe, eine  

Vollbremsung durchgeführt haben (HD Urk. 3 S. 2; Urk. 69 S. 6). 

Angesichts dieser Beweismittel kann kein Zweifel bestehen und muss davon aus-

gegangen werden, dass der Geschädigte aufgrund seines Verletzungsbildes von 

rechts angefahren und mit dem Stossfänger erfasst wurde, wie dies – entgegen 

der Ansicht des Beschuldigten sowie seiner Verteidigung (Urk. 73 S. 3 f.; Prot. II 

S. 9 f.) – sowohl der Obduktionsbericht als auch die Vorbeurteilung sowie der 

Zeuge B._____ festhalten. Eine Kollision mit der linken Fahrzeugseite fällt ausser 

Betracht. Aufgrund der vorhandenen Spuren und von Plausibilitätsüberlegungen 

muss auch eine Kollision mit der linken Frontecke ausgeschlossen werden, wie 

dies die Vorbeurteilung sowie der Zeuge B._____ mit überzeugender Begründung 

(Urk. 70 S. 5) festhalten. Für eine Kollision mit der rechten Frontecke sprechen 

die Beschädigungen im rechten Frontbereich und in der Frontscheibe rechts,  

am rechten Dachholm und an der Zierrippe sowie die Schleifspur auf der Schein-

werferabdeckung, ebenso die Plausibilitätsberechnungen des Sachverständigen. 

Kommt hinzu, dass erfahrungsgemäss Utensilien und insbesondere Mützen von 

angestossenen Fussgängern nahe der Kollisionsstelle zu Boden fallen und diese 

in casu auf dem vierten Streifen des Fussgängerstreifens von links in Fahrtrich-

tung des Beschuldigten gesehen, sichergestellt wurden (vgl. Fotos in HD Urk. 8/1 

S. 2 oben und S. 4 oben). Weiter muss davon ausgegangen werden, dass kein 

Ausweichmanöver seitens des Beschuldigten stattgefunden hat und die nach-

kollisionäre Strecke kurz war. Das Fahrzeug kann daher in der Richtung seiner 

Längsachse zurückversetzt werden und zwar mindestens bis auf die Höhe der 

Endlage der Utensilien. Dies ergibt eine Kollisionsstelle auf dem dritten Streifen 

des Fussgängerstreifens. Alles in allem bestehen keine Zweifel und ist rechtsge-

- 21 - 

nügend erstellt, dass die Kollision mit der rechten Frontecke geschah. Dies  

bedeutet, dass der Geschädigte im Zeitpunkt der Kollision von der Schutzinsel  

eine Distanz von 3 Metern zurückgelegt hatte. 

Daran ändert auch nichts, dass bei der Unfallaufnahme Beschädigungen im  

linken und rechten Frontbereich als ältere Beschädigungen angesehen wurden 

(HD Urk. 8/1 S. 9). Als Zeuge führte E._____ dazu aus, dass eine Beurteilung als 

ältere Beschädigungen höchstens deshalb erfolgt sein könne, wenn es bereits 

Dreck oder Rost gehabt habe. Er wisse jedoch nicht, weshalb an den beiden 

Frontecken keine Spuren entnommen bzw. dort nicht nach Textilfasern des  

Geschädigten gesucht worden sei. Auf dem linken Kotflügel seien frische Finger-

abdruck- und Wischspuren festgestellt worden. Es sei nicht auszuschliessen  

gewesen, dass sie mit dem Unfall zusammenhängen könnten (HD Urk. 7 S. 4 f.). 

Damit konnte nicht eruiert werden, ob die Beschädigungen im linken und rechten 

Frontbereich tatsächlich älteren Datums waren. Die Feststellung der Vorbeurtei-

lung, wonach einzelne Beschädigungen resp. Kontaktspuren im rechten Front-

bereich mit einer Kollision mit dem rechten Frontbereich damit vereinbar seien, 

konnte damit nicht umgestossen werden.  

Aus den frischen Fingerabdruck- und Wischspuren auf dem linken Kotflügel  

können ebenfalls keine Schlüsse gezogen werden, die gegen eine Kollision mit 

dem rechten Frontbereich sprechen. Zum einen wurden diese nicht zugeordnet; 

zum anderen führte der Zeuge B._____ dazu nachvollziehbar aus, dass der  

Geschädigte sich in der Zeit vom Erstkontakt bis zum Aufschlag an der  

Frontscheibe etwas mehr als einen Meter bewegt haben müsste, was eine  

unrealistische Geschwindigkeit ergebe. Der Zeuge kam daher – überzeugend – 

zum Ergebnis, dass aufgrund dieser Spuren nicht auf einen Erstkontakt im  

Bereich der Fingerabdrücke geschlossen werden könne (Urk. 70 S. 5).  

6. Zur Geschwindigkeit, mit welcher der Geschädigte unterwegs war, führte 

D._____ aus, er wisse nicht, mit welcher Geschwindigkeit dieser unterwegs ge-

wesen sei. Auf die Frage, ob der Geschädigte rannte, schlenderte, normal ging 

oder torkelte, führte D._____ aus, dieser sei normal gegangen. Diese Aussage 

bezieht sich allerdings auf den Zeitpunkt, als der Geschädigte den Fussgänger-

- 22 - 

streifen auf der anderen Seite der Mittelinsel betrat und Richtung Mittelinsel ging 

(HD Urk. 6). Ob der Geschädigte im Zeitpunkt, als er von der Mittelinsel den 

stadteinwärts führenden Teil des Fussgängerstreifens betrat, immer noch normal 

ging, ist nicht bekannt – insofern ist der Argumentation der Verteidigung (Urk. 73 

S. 4) beizupflichten. Es sind jedoch auch keine Anhaltspunkte vorhanden, die  

darauf hindeuten, dass der Geschädigte sich nicht (mehr) mit normaler  

Geschwindigkeit weiterbewegte bzw. seine Geschwindigkeit änderte. Es ist daher 

davon auszugehen, dass der Geschädigte sich weiterhin mit normaler Geschwin-

digkeit fortbewegte. 

Das FOR legte seinen Berechnungen in ihrer Vorbeurteilung eine Fussgänger-

geschwindigkeit von 1.25 m/s zugrunde (HD Urk. 11/8 S. 6; Urk. 70 S. 10). Bei 

dieser Geschwindigkeit handelt es sich um einen Erfahrungs- bzw. statistisch  

erhärteten Wert für einen 70-jährigen Mann, der "normal" geht (vgl. Beilage 3 zur 

HD Urk. 11/8 und Urk. 71/12). Der Zeuge B._____ führte in Ergänzung der Vor-

beurteilung heute dazu gar aus, eine Geschwindigkeit von 1.25 m/s sei eher an 

der oberen Grenze für einen 70-Jährigen und korrespondiere mit seinen Erfah-

rungen (Urk. 70 S. 11). Gemäss der Schweizer Norm "Fussgängerverkehr" des 

Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute kann die Geh-

geschwindigkeit je nach Alter des Gehenden und in Abhängigkeit von Topogra-

phie und Verkehrszweck zwischen etwa 2.5 und 5.5 km/h (0.7 bis 1.5 m/s) betra-

gen (Urk. 77 S. 13). Auch die Schweizer Norm "Lichtsignalanlagen" der Vereini-

gung Schweizerischer Strassenfachleute geht von einer Fussgängergeschwindig-

keit von 1.2 m/s aus (Urk. 78 S. 3). Zu keinem anderen Schluss kommen Kramer/ 

Raddatz (KRAMER/RADATZ in: Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik, Dezember 

2010, S. 385). Die Argumentation der Verteidigung, wonach die Gehgeschwindig-

keit von 1.25 m/s und das dem Fussgänger zugeordnete Verhalten keine belegte 

Stütze finden würde (Urk. 73 S. 4), ist infolgedessen nicht zu hören.  

Im Zeitpunkt des Unfalls war der Geschädigte alkoholisiert. Um 21.45 Uhr wies er 

einen Mittelwert von 0.81 Gewichtspromillen auf. Da das Trinkende nicht bekannt 

ist, konnte eine Rückrechnung des Alkoholgehaltes auf den Zeitpunkt des  

Ereignisses nicht erfolgen (HD Urk. 12/10 S. 2). Aufgrund der Zeugenaussage 

- 23 - 

von D._____ ist jedoch nicht davon auszugehen, dass der Geschädigte so  

betrunken war, als dass er nicht mehr normal gehen konnte, zumal bis vor  

wenigen Jahren noch ein Personenwagen gelenkt werden durfte, wer minim we-

niger als 0,8 Gewichtspromille Alkohol im Blut hatte.  

Es ist somit dem Urteil zugrunde zu legen, dass der Geschädigte mit einer  

Geschwindigkeit von 1.25 m/s unterwegs war. 

7. Der Beschuldigte äussert sich zur Frage, ob er den Tod des Geschädigten 

als kausale Folge des Unfallgeschehens vom 18. September 2012 anerkenne, 

dahingehend, dass er nicht in der Lage sei, ja oder nein zu sagen (HD Urk. 4 

S. 4). Das rechtsmedizinische Gutachten zum Todesfall hält fest, dass der  

Geschädigte an einem akuten Herzversagen infolge einer Herzmuskel- und  

Herzbeutelentzündung in Kombination mit einer akuten Lungenentzündung, als 

Komplikation der beim Ereignis vom 18. September 2012 erlittenen Verletzungen 

verstorben sei. Die todesursächliche Entzündung des Herzens und des Herz-

beutels sei als Komplikation der am 18. September 2012 erlittenen Verletzungen 

anzusehen und stehe im kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis (ND 1 

Urk. 5/4). Damit ist der Tod des Geschädigten als kausale Folge der beim  

inkrinimierten Ereignis erlittenen Verletzungen anzusehen. 

8. Zusammenfassend ist von folgendem erstellten Sachverhalt auszugehen: 

Der Beschuldigte (der unwissentlich an einer deutlichen Blendempfindlichkeit  

in Kombination mit einem bei Dämmerung oder Dunkelheit eingeschränkten  

Kontrastsehvermögen leidet, aber überzeugt ist, dass ihn dies im Unfallzeitpunkt 

in keiner Weise behinderte oder einschränkte) war zum Zeitpunkt der inkriminier-

ten Handlung bei tageszeitbedingter Dunkelheit und einsetzendem Nieselregen 

auf der Frauenfelderstrasse in Winterthur stadteinwärts mit seinem Personen-

wagen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 40 km/h und weniger als 50 km/h 

stadteinwärts unterwegs. Auf der Höhe des Sportplatzes Talwiese irritierte ihn das 

grelle Flutlicht der Sportplatzbeleuchtung. Vor der Bushaltestelle Hohlandweg  

betrat der dunkel gekleidete Geschädigte von der Mittelinsel her den Fussgänger-

streifen mit einer Gehgeschwindigkeit von 1.25 m/s, um an dieser Stelle, die  

nur mässig durch eine orangerot leuchtende Strassenlampe ausgeleuchtete 

- 24 - 

Fahrbahn zu überqueren. Es kam dann auf dem Fussgängerstreifen, drei Meter 

von der Mittelinsel entfernt, zur Kollision mit dem vom Beschuldigten gelenkten 

Personenwagen. Der Geschädigte wurde zunächst vom Stossfänger bei der rech-

ten Frontecke erfasst, schlug beifahrerseitig auf die Windschutzscheibe auf und 

wurde mehrere Meter weggeschleudert. Dabei erlitt er die in der Anklageschrift 

aufgeführten schweren Verletzungen, an deren Folgen er als kausale Folge des 

Unfallgeschehens verstarb.  

IV. Rechtliche Würdigung 

1. Wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (Art. 117 StGB). Voraussetzung ist 

zunächst eine Tathandlung, ein Taterfolg und die natürliche Kausalität zwischen 

Tathandlung und Taterfolg. 

Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung setzt nach Art. 12 Abs. 3 StGB  

weiter voraus, dass der Täter den Taterfolg durch die Verletzung einer Sorgfalts-

pflicht verursacht hat. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeit-

punkt der Tat aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten 

die damit bewirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen  

können und müssen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos 

überschritten hat. Wo besondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten,  

bestimmt sich das Mass der zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen 

Vorschriften (BGE 135 IV 56 E. 2.1). Dies schliesst nicht aus, dass der Vorwurf 

der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie etwa den allgemei-

nen Gefahrensatz gestützt werden kann. Denn einerseits begründet nicht jeder 

Verstoss gegen eine gesetzliche oder für bestimmte Tätigkeiten allgemein  

anerkannte Verhaltensnorm den Vorwurf der Fahrlässigkeit, und andererseits 

kann ein Verhalten sorgfaltswidrig sein, auch wenn nicht gegen eine bestimmte 

Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter verpflichtet ist, 

wird letztlich durch die konkreten Umstände und seine persönlichen Verhältnisse 

bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen Gegebenheiten in Vorschrif-

ten gefasst werden können (BGE 135 IV 56 E. 2.1).  

- 25 - 

Grundvoraussetzung für das Bestehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin 

der Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbarkeit des Taterfolgs. Die zum 

Taterfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten Täter mindes-

tens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Daher ist zu fragen, ob der 

Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw.  

erkennen können und müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Mass-

stab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem ge-

wöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den 

eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen (BGE 135 IV 56 

E. 2.1). Das Verhalten des Täters braucht daher nicht die einzige oder unmittel-

bare Ursache der Schädigung zu sein. Unerheblich ist dagegen, ob der Täter  

bedacht hat oder hätte bedenken können und sollen, dass sich die Ereignisse  

gerade so zutragen werden, wie sie sich konkret abgespielt haben (BGE 130 IV 7 

E. 3.2 und Urteil des Bundesgerichts 6B_604/2012 vom 16. Januar 2014, 

E. 4.3.2). Die Adäquanz und damit die Vorhersehbarkeit ist nur zu verneinen, 

wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des  

Opfers beziehungsweise eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, als 

Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden musste 

und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmittelbarste 

Ursache des Taterfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden  

Faktoren – namentlich das Verhalten des Beschuldigten – in den Hintergrund 

drängen (BGE 135 IV 56 E. 2.1). 

Damit der Eintritt des Taterfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten des Täters  

zurückzuführen ist, genügt seine blosse Vorhersehbarkeit aber nicht. Weitere  

Voraussetzung ist vielmehr, dass der Taterfolg auch vermeidbar war. Dabei wird 

ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und – aufgrund aller im Zeitpunkt ex 

post bekannten Umstände – geprüft, ob der Taterfolg bei pflichtgemässem Ver-

halten des Täters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Taterfolgs genügt 

es, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahr-

scheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1 und 2.2). 

Wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein be-

stimmtes Verhalten gebieten, richtet sich das Mass der im Einzelfall zu beachten-

- 26 - 

den Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 135 IV 56 E. 2.1  

und Urteil des Bundesgerichts 6B_509/2010 vom 14. März 2011 E. 3.3.2). Im zu 

beurteilenden Fall sind die Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes und der 

dazugehörenden Verkehrsregelverordnungen massgebend.  

Konkret sind vorliegend Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG und Art. 6 Abs. 1 VRV als  

Massstab für eine mögliche Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldigten heran-

zuziehen. Diese beiden Bestimmungen regeln das Verhalten bzw. die Pflichten 

der Fahrzeugführer an Fussgängerstreifen. Gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung sind diese untrennbar verknüpft mit den Sorgfaltspflichten, welche die 

Fussgänger gegenüber den andern Verkehrsteilnehmern zu beachten haben. 

Deshalb sind die Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG und Art. 6 Abs. 1 VRV stets unter  

Berücksichtigung der in Art. 49 Abs. 2 SVG und Art. 47 Abs. 2 VRV aufgestellten 

Normen auszulegen, welche das Vortrittsrecht der Fussgänger auf den Fuss-

gängerstreifen umschreiben (BGE 91 IV 78 E. 1.b). 

Gemäss Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 VRV muss der 

Fahrzeugführer Fussgängern das Überqueren der Fahrbahn auf Fussgängerstrei-

fen in angemessener Weise ermöglichen. Vor Fussgängerstreifen hat er beson-

ders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den 

Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, 

ihn zu betreten, d.h. vor dem Streifen warten und ersichtlich die Fahrbahn über-

queren wollen. Im wechselseitigen Zusammenspiel mit den Art. 49 Abs. 2 SVG  

in Verbindung mit Art. 47 Abs. 2 VRV ergibt sich allerdings eine Ausnahme von 

dieser Regel für den Fall, dass sich der Fahrzeugführer bereits so nahe am  

Fussgängerstreifen befindet, dass er ohne brüskes Bremsmanöver nicht mehr 

rechtzeitig anhalten könnte. Befindet sich der Fahrzeugführer demnach zu nahe 

am Fussgängerstreifen, als dass er rechtzeitig anhalten könnte, so muss er  

den Fussgängern den Vortritt nicht gewähren (BGE 129 IV 39 E. 2.1). Ist der 

Fussgängerstreifen durch eine Verkehrsinsel unterteilt, dann gilt jeder Teil des 

Übergangs als selbständiger Streifen (Art. 47 Abs. 3 VRV). Der Fussgänger muss 

daher spätestens auf der Insel erneut nach rechts beobachten, und er muss  

warten, wenn ein herannahendes Fahrzeug bereits so nahe ist, dass es nicht 

mehr rechtzeitig anhalten könnte. 

- 27 - 

2. Der Taterfolg ist mit dem Tod des Geschädigten eingetreten. Ein Schuld-

spruch setzt voraus, dass der Beschuldigte unter Berücksichtigung des erstellten 

Sachverhalts den Tod des Geschädigten durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht 

verursacht hat. 

3. Vorliegend hat der Beschuldigte den Geschädigten erst kurz vor der  

Kollision als Schatten erkannt und sofort eine Vollbremsung eingeleitet. Die Kolli-

sion konnte er jedoch nicht mehr verhindern. Unabhängig davon hätte der Be-

schuldigte dem Geschädigten den Vortritt zu gewähren gehabt, sofern sich dieser 

auf dem Streifen befand oder im Begriffe war, den Streifen von der Mittelinsel aus 

zu betreten. Aufgrund des Vertrauensgrundsatzes (Art. 26 Abs. 1 SVG) durfte  

er aber auch davon ausgehen, dass der Geschädigte seiner Beobachtungs- und 

allfälligen Wartepflicht nachkommt.  

3.1 Aufgrund des erstellten Sachverhalts ist der Beschuldigte mit einer Ge-

schwindigkeit von mehr als 40 km/h aber weniger als 50 km/h unterwegs gewe-

sen. Die Anklageschrift hält dem Beschuldigten nicht vor, er hätte den Geschädig-

ten wahrnehmen können, bevor dieser sich anschickte, von der Mittelinsel her 

den Fussgängerstreifen zu betreten. Auch wirft die Anklage dem Beschuldigten 

nicht vor, er hätte aufgrund der objektiv und subjektiv schlechten Sichtverhältnisse 

besonders aufmerksam sein müssen. Dies bedeutet, dass der Beschuldigte nicht 

gehalten war, eine erhöhte Aufmerksamkeit aufzuwenden. Der Beschuldigte war 

daher nicht verpflichtet, seine Geschwindigkeit zu mässigen und Bremsbereit-

schaft zu erstellen. Es ist daher nicht von einer auf 0.6 bis 0.7 Sekunden reduzier-

ten Reaktionszeit auszugehen (BGE 115 II 283 E. 1a). Seine Reaktionszeit  

bewegt sich somit in den von der Rechtsprechung gesetzten Grenzen, wonach 

eine halbe Sekunde Unaufmerksamkeit noch nicht als Fahrlässigkeit qualifiziert 

werden darf (BGE 115 II 283 E. 1b; so auch die Verteidigung, Urk. 73 S. 6). Vor-

liegend ist daher von einer üblichen Reaktionszeit von einer Sekunde auszugehen 

(WEISSENBERGER, Kommentar SVG, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2015, Art. 31 

N 14). Allerdings verlangt schon Art. 33 Abs. 2 SVG eine "besondere Vorsicht". 

Wenn vorliegend dennoch von einer Reaktionszeit von einer Sekunde ausge-

gangen wird, ist dies zugunsten des Beschuldigten. 

- 28 - 

3.2 Bei einer Gehgeschwindigkeit von 1.25 m/s benötigte der Geschädigte  

für die Strecke von 3 Metern (von der Mittelschutzinsel bis zum Kollisionsort) 

2.4 Sekunden. Im Zeitpunkt, in dem der Geschädigte den Fussgängerstreifen 

nach der Mittelschutzinsel verliess, befand sich der Beschuldigte, ausgehend von 

einer Geschwindigkeit von 48 km/h bzw. 13.33 m/s, in einem Abstand von 

31.8 Metern (vgl. dazu Beilage 1 zu HD Urk. 11/8; Urk. 70 S. 8; Urk. 71/11). Hätte 

der Beschuldigte in diesem Zeitpunkt (als der Geschädigte die Mittelschutzinsel 

verliess) sofort reagiert, d.h. wie soeben erwogen mit einer Reaktionszeit von  

einer Sekunde, hätte der Anhalteweg, welcher sich aus dem Reaktionsweg,  

dem Schwellweg (0.2 Sekunden; Urteil des Bundesgerichts 6B_493/2011 vom 

12. Dezember 2011 E. 4.3) und dem Vollverzögerungsweg bzw. den entspre-

chenden Zeiten ergibt, 26.5 Meter betragen. Der Beschuldigte hätte also ohne 

Probleme sein Fahrzeug vor dem Fussgängerstreifen zum Stillstand bringen  

können (Stillstand 5.3 Meter vor der Kollisionsstelle; Urk. 71/11) – ausgehend von 

einer Bremsverzögerung von 7.5 m/s2. Eine solche Bremsverzögerung erreichen 

heutige Fahrzeuge auch bei nasser Fahrbahn, wovon aufgrund des einsetzenden 

Nieselregens vorliegend auszugehen ist, problemlos (SCHAFFHAUSER/PETER, 

Strassenverkehr: Wie das Bundesgericht Anhaltewege berechnet, in: Jusletter 

10. Juni 2013; so auch der Zeuge B._____, Urk. 73 S. 7 f. und S. 15 f.). Dies gilt 

auch für das vom Beschuldigten gefahrene Fahrzeug (vgl. ADAC Autotest BMW 

530d Steptronic, August 2003; Urk. 71/10 S. 2). Insoweit die Verteidigung etwas 

anderes geltend macht (vgl. Prot. II S. 10), ist sie somit nicht zu hören. Berechne-

te man ferner die Bremsverzögerung, die nötig wäre, damit der Beschuldigte  

genau beim Kollisionsort still gestanden wäre, ergäbe sich ein (Bremsverzöge-

rungs-)Wert von lediglich 5.2 bzw. 5.1 m/s2 (vgl. HD Urk. 11/8 S. 6; Urk. 71/11), 

was gemäss Aussagen des Zeugen B._____ noch keine übermässig starke  

Bremsung sei (Urk. 70 S. 8). Der Taterfolg wäre bei pflichtgemässem Verhalten 

des Beschuldigten (sofortige Reaktion mit einer Reaktionszeit von einer Sekunde) 

somit ausgeblieben und wäre vermeidbar gewesen. 

3.3 Vorliegend hat der Beschuldigte indes nicht 31.8 Meter vor dem Fuss-

gängerstreifen reagiert – ansonsten es nicht zur Kollision gekommen wäre –, 

sondern später. Ausgehend von einer Vollbrems-/Auslaufstrecke von 9.5 Metern, 

- 29 - 

einer Bremsverzögerung von 7.5 m/s2 (welcher Wert, wie soeben dargelegt wur-

de, mühelos erreichbar ist und zugrunde gelegt werden kann), einer geringfügigen 

kollisionsbedingten Geschwindigkeitsverminderung des Personenwagens von 

2 km/h, einer Bremsenschwelldauer von 0.2 Sekunden sowie einer Reaktions-

dauer von einer Sekunde ergibt, dass der Beschuldigte 15.8 Meter vor dem Fuss-

gängerstreifen mit dem Bremsvorgang begonnen hat (Beilage 2 zu HD Urk. 11/8; 

Urk. 70 S. 8 und S. 12 f.; Urk. 71/11). Das bedeutet, dass der Beschuldigte  

während 1.2 Sekunden (31.8 Meter abzüglich 15.8 Meter [= 16 Meter], gefahren  

mit einer Geschwindigkeit von 48 km/h) nicht reagierte (HD Urk. 11/8 S. 6  

und Beilage 2 dazu; der Geschädigte legte in dieser Zeit eine Strecke bereits von 

1.5 Metern auf dem Fussgängerstreifen zurück, vgl. auch Urk. 70 S. 14).  

Insofern die Verteidigung geltend macht, man bewege sich in einem "sehr engen 

Bereich" (Prot. II S. 10 f.), ist sie darauf hinzuweisen, dass die Kollision – bei 

rechtzeitiger Reaktion – selbst bei einer Geschwindigkeit des Geschädigten von 

1.5 m/s noch räumlich vermeidbar gewesen wäre (bei tieferen Geschwindigkeiten 

ohnehin); bei einer Fussgängergeschwindigkeit von 1.75 m/s (was immerhin  

bereits 6.3 km/h entspricht!) war sie zwar nicht mehr räumlich, aber immer noch 

zeitlich knapp vermeidbar (vgl. dazu Urk. 71/11). 

3.4 Das Nicht-Reagieren während 1.2 Sekunden (bzw. 16 Metern) ist dem Be-

schuldigten als Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen. Er hätte dem Geschädig-

ten das Überqueren der Fahrbahn auf dem Fussgängerstreifen in angemessener 

Weise ermöglichen und sein Fahrzeug entsprechend abbremsen müssen  

(vgl. Art. 33 Abs. 1 und 2 SVG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 VRV). Bei dieser 

Ausgangslage kann auch keine Rede davon sein, dass der Geschädigte seinen 

Vortritt erzwungen hätte. 

3.5 Der Vorwurf der zu späten Reaktion basiert – entgegen der Verteidigung, die 

moniert, die Kollision sei beim errechneten Szenario nur gerade dann vermeidbar 

gewesen, wenn alle Parameter genau stimmen würden (Prot. II S. 10) – auf  

Werten und Parametern, die bei den relevanten Berechnungen jeweils zu  

Gunsten des Beschuldigten wirken. So wird zu Gunsten des Beschuldigten mit  

einer Fussgängergehgeschwindigkeit von 1.25 m/s gerechnet, was für einen  

- 30 - 

70-jährigen "eher an der oberen Grenze" sei, es wird von einer "Regelfall"-

Reaktionszeit von einer Sekunde (und nicht von einer auf 0.6 bis 0.7 Sekunden 

reduzierten wie sonst vor Fussgängerstreifen üblich; vgl. vorne Ziff. IV.3.)  

Reaktionszeit ausgegangen und als Ausgangsgeschwindigkeit des Beschuldigten 

wird ein (relativ hohes) Tempo von 48 km/h angenommen. Ausserdem werden 

den obenstehenden Berechnungen eine für heutige Fahrzeuge realistische und 

mühelos erreichbare Bremsverzögerung von 7.5 m/s2 zugrunde gelegt.  

Wenn die Verteidigung darauf hinweist, dass eine Unaufmerksamkeit bzw. eine 

verspätete Reaktion von 0.5 Sekunden gemäss höchstrichterlicher Rechtspre-

chung noch nicht als Fahrlässigkeit zu qualifizieren sei (Urk. 73 S. 6), ist dazu 

festzuhalten, dass der Beschuldigte vorliegend nicht "nur" 0.5 Sekunden, sondern 

1.2 Sekunden zu spät reagierte. Aus dieser Rechtsprechung des Bundesgerichts 

kann der Beschuldigten daher nicht für sich ableiten, nicht fahrlässig gehandelt zu 

haben. 

4. Der Beschuldigte führte aus, er habe den Geschädigten auf der Mittelinsel 

nicht sehen können, alles sei schwarz in schwarz gewesen (Urk. 69 S. 10),  

und auch seitens der Verteidigung wurde geltend gemacht, die Vermeidbarkeit 

der Kollision setze das Erkennen des Fussgängers durch den Beschuldigten  

als Fussgänger in der Absicht, die stadteinwärts führende Fahrbahn über den 

Fussgängerstreifen zu betreten, voraus (Urk. 73 S. 5; vgl. auch Prot. II S. 10 f.). 

Der Beschuldigte mutmasste auch, der Geschädigte könnte allenfalls hinter einem 

Pfosten gestanden sein (Urk. 69 S. 11). Dies ist auszuschliessen. Aus der Foto-

dokumentation wird ersichtlich, dass es in Fahrtrichtung stadteinwärts keinen 

Pfosten hat, sondern der Pfosten mit der Signalisation "Standort eines Fuss-

gängerstreifens" (SSV Anhang 2 Abb. 4.11) befindet sich auf der anderen Seite 

der Mittelschutzinsel (HD Urk. 8/1 S. 1 f.). Ferner ist in Anbetracht des Umstan-

des, dass der Beschuldigte eine Vollbremsung eingeleitet hat, davon auszugehen, 

dass er den Geschädigten durchaus erkannt hat. Nichts anderes führte er auch 

heute aus (Urk. 69 S. 10). Zusätzlich beteuerte der Beschuldigte heute, seine 

Aufmerksamkeit auf die Strasse und den Fussgängerstreifen gerichtet zu haben 

(Urk. 69 S. 11). Dies – in Kombination mit dem Umstand, dass Abblendlichter  

auf der Fahrerseite einen Bereich von sicher rund 50 Metern ausleuchten – lässt 

- 31 - 

keinen anderen Schluss zu, als dass der Geschädigte – trotz dunkler Kleidung – 

für den Beschuldigten erkennbar gewesen sein musste, zumal der Beschuldigte 

mit der Unfallörtlichkeit vertraut war und wusste, dass es dort einen Fussgänger-

streifen hatte (HD Urk. 3 S. 2), weshalb er jederzeit mit Fussgängern rechnen 

musste. 

5. Daran ändert auch die Berücksichtigung der Sichtverhältnisse nichts (vgl. 

Argumentation der Verteidigung: Prot. II S. 8). Gemäss erstelltem Sachverhalt 

herrschte zum Zeitpunkt des Unfalles zwar tageszeitbedingte Dunkelheit sowie 

einsetzender Nieselregen. Man kann also mit Fug behaupten, dass die Sichtver-

hältnisse nicht optimal waren. Sie waren indes auch nicht derart schlecht,  

als dass dem Beschuldigten keine Sorgfaltspflichtverletzung mehr vorgeworfen 

werden müsste, zumal es sich bei der Frauenfelderstrasse in Winterthur um eine 

– zwar nur mässig mit einer orangerot leuchtenden Strassenlampe ausgeleuchte-

te, aber doch ausgeleuchtete – breite Einfallstrasse in die Stadt handelt (vgl. HD 

Urk. 8/1 S. 1-4).  

6. Der Beschuldigte litt zur Zeit der Kollision an einer deutlichen Blendempfind-

lichkeit in Kombination mit einem bei Dämmerung oder Dunkelheit eingeschränk-

ten Kontrastsehvermögen. Hierzu erklärte der Beschuldigte indes, nicht der  

Meinung zu sein, dass das "Nichtsehen" des Geschädigten auf seine damals  

bestehenden Augenprobleme zurückzuführen gewesen sei; diese seien nicht 

stark gewesen, wie man nachher festgestellt habe. Er habe keine Probleme  

gehabt, die er festgestellt hätte (Urk. 69 S. 11 f.). Auch die Verteidigung machte 

nichts anderes geltend (vgl. Urk. 73 und Prot. II S. 8 ff.). Die beim Beschuldigten 

vorliegende Blendempfindlichkeit in Kombination mit einem bei Dämmerung oder 

Dunkelheit eingeschränkten Kontrastsehvermögen vermag den Beschuldigten 

vorliegend somit nicht zu entlasten.  

7. Dem Beschuldigten ist zusammengefasst eine Sorgfaltspflichtverletzung im 

Sinne von Art. 12 Abs. 3 StGB dahingehend vorzuwerfen, als dass er bei rechtzei-

tiger (und nicht 1.2 Sekunden zu später) Reaktion, als der Geschädigte sich an-

schickte, von der Mittelschutzinsel her den Fussgängerstreifen zu betreten, sein 

Fahrzeug bis zum Stillstand hätte abbremsen und so den tödlich verlaufenden 

- 32 - 

Unfall hätte vermeiden können und müssen. Diese Folgen waren für den  

Beschuldigten sowohl voraussehbar als auch vermeidbar. Der Tod des Geschä-

digten ist dem Beschuldigten daher strafrechtlich anzurechnen.  

8. Damit sind sämtliche Tatbestandsmerkmale der fahrlässigen Tötung gemäss 

Art. 117 StGB erfüllt. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe sind keine 

gegeben. Der Beschuldigte ist entsprechend dem soeben Ausgeführten somit der 

fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 

und Art. 33 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV schuldig zu sprechen. 

V. Sanktion 

1. Strafrahmen und Strafart 

Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB sieht  

eine Bestrafung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bis zu  

360 Tagessätzen vor, wobei ein Tagessatz maximal Fr. 3'000.– beträgt (Art. 34 

Abs. 1 und 2 StGB).  

Die Geldstrafe stellt im Vergleich zur Freiheitsstrafe einen weniger schweren  

Eingriff dar. Aufgrund des Verschuldens und der persönlichen Verhältnisse (vgl. 

die nachfolgenden Erwägungen) kann vorliegend eine Strafe ausgefällt werden, 

die noch im unteren Bereich des Strafrahmens liegt. Gemäss dem Prinzip  

der Verhältnismässigkeit ist somit eine Geldstrafe auszusprechen, zumal eine 

Geldstrafe auch von der Staatsanwaltschaft beantragt wurde (Prot. II S. 4).  

Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe liegen keine vor. 

2. Strafzumessung 

2.1 Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB 

die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben 

und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben 

des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefähr-

dung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den 

Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter 

nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder 

- 33 - 

Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Nach Art. 50 StGB hat das  

Gericht die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren  

Gewichtung festzuhalten. 

Der Begriff des Verschuldens muss sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts- 

und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen 

der Tat- und Täterkomponente (HUG in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 

19. Aufl., Zürich 2013, N 6 zu Art. 47). Bei der Tatkomponente sind das Ausmass 

des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, 

die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe  

des Schuldigen zu beachten. Sodann sind für das Verschulden auch das  

"Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die so genannte Intensität  

des deliktischen Willens bedeutsam (HUG in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 

a.a.O., N 11 zu Art. 47). 

2.2 Tatkomponente 

2.2.1  Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die  

Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Es ist zu prüfen, wie stark 

das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt wurde. Darunter 

fallen etwa das Ausmass des Erfolges, wie insbesondere der Deliktsbetrag, die 

Gefährdung, das Risiko und der Sachschaden etc. sowie die Art und Weise des 

Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat 

und die Tatausführung offenbart wird, ebenso die Grösse des Tatbeitrages bei 

mehreren Tätern und die hierarchische Stellung (WIPRÄCHTIGER, BSK StGB I, 

3. Aufl., Basel 2013, N 84 ff. zu Art. 47). Ausgehend von der objektiven Tatschwe-

re hat der Richter dieses Verschulden zu bewerten. Er hat im Urteil darzutun,  

welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhenden Gründe  

im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des  

Tatverschuldens zu gelangen. 

Zum objektiven Tatverschulden ist im vorliegenden Fall anzuführen, dass der  

Beschuldigte durch eine einmalige Verletzung einer Sorgfaltspflicht – durch eine 

kurze Unaufmerksamkeit bzw. eine verspätete Reaktion im Strassenverkehr – 

den Tod des Geschädigten verursacht hat. Die relativ geringe Pflichtwidrigkeit des 

- 34 - 

Beschuldigten zeitigte somit eine äusserst schwere – wenn nicht schwerstmögli-

che – Folge. Verschuldensrelativierend wirkt indes, dass der Geschädigte nicht  

infolge der kollisionsbedingten Verletzungen, sondern aufgrund von aufgetretenen 

Komplikationen (akutes Herzversagen infolge einer Herzmuskel- und Herzbeutel-

entzündung in Kombination mit einer akuten Lungenentzündung) der beim Unfall 

im September 2012 erlittenen Verletzungen verstarb. Relativiert wird das Ver-

schulden des Beschuldigten zudem durch den Umstand, dass der Geschädigte 

dunkel gekleidet war und sich der Unfall bei tageszeitbedingter Dämmerung und 

einsetzendem Nieselregen ereignete, was das Erkennen des Geschädigten er-

schwerte. Dennoch darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Beschuldig-

te in zeitlicher Hinsicht klar zu spät reagierte. Verschuldenserhöhend wirkt auch, 

dass der Beschuldigte mit der Unfallörtlichkeit vertraut war und den betreffenden 

Fussgängerstreifen kannte, weshalb er umso mehr mit Fussgängern rechnen 

musste. Das objektive Tatverschulden ist gesamthaft als leicht einzustufen.  

2.2.2  Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage,  

wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu  

gehören etwa die Frage der Schuldfähigkeit sowie das Motiv. Auch ist in diesem 

Zusammenhang entscheidend, über welches Mass an Entscheidungsfreiheit der 

Täter verfügte. Ferner sind die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten, 

wie beispielsweise einige der in Art. 48 StGB aufgeführten Gründe, zu berücksich-

tigen. 

Einschränkungen in der Schuldfähigkeit sind beim Beschuldigten nicht auszu-

machen. Zudem ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte über die 

schwerwiegenden Konsequenzen seiner Handlung im Moment der Pflichtwidrig-

keit im Einzelnen nicht bewusst war; er handelte unbewusst fahrlässig und war 

nicht genügend aufmerksam. Insgesamt vermögen die subjektiven Komponenten 

die objektive Tatschwere weder zu reduzieren noch zu erhöhen. 

2.2.3  Das Tatverschulden ist insgesamt als leicht zu qualifizieren. Demzufolge 

erscheint eine Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe aufgrund der  

Tatkomponente als angemessen, wobei hier bereits berücksichtigt ist, dass noch 

eine Verbindungsbusse auszufällen sein wird.  

- 35 - 

2.3 Täterkomponente 

Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die 

persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfah-

ren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlverhalten, 

andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht. Unter dem 

Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichtigen, ob sich 

der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und Einsicht zeigte, ob 

er mehr oder weniger strafempfindlich ist. 

2.3.1  Zu seiner Person führte der Beschuldigte aus, eine Lehre als Elektromon-

teur gemacht zu haben. Anschliessend habe er eine Ausbildung zum technischen 

Kaufmann sowie zum Betriebsökonom mit Fachrichtung Marketing gemacht.  

Zurzeit sei er Inhaber der F._____ GmbH, wobei er als Unternehmensberater an-

gestellt sei. Zudem habe er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule … und sei 

Prüfungsexperte für technische Kaufleute. Daraus resultiere ein durchschnittliches 

monatliches Einkommen von ca. Fr. 4'100.–. Betreffend Auslagen erklärte der 

Beschuldigte, ihm würden Mietkosten von Fr. 870.– (inklusive Nebenkosten und 

Parkplatz) und Krankenkassenprämien von ca. Fr. 400.– anfallen;  

Unterhaltsverpflichtungen bestünden keine. Er verfüge über ein Vermögen von 

ca. Fr. 1'000.– und habe Schulden in einem Betrag von ca. Fr. 3'000.– bei seiner 

Schwester. Zu seinen familiären Verhältnissen gab der Beschuldigte an, von  

seiner Ehefrau geschieden zu sein und nun alleine zu leben; zudem sei er Vater 

zweier Töchter und eines Sohnes, welche bereits volljährig seien (HD Urk. 4 

S. 6 f.; HD Urk. 5 S. 6 f.; Prot. I S. 7 f.; Urk. 69 S. 1 f.). Den persönlichen Verhält-

nissen des Beschuldigten sind keine für die Strafzumessung relevanten Kriterien 

zu entnehmen.  

2.3.2  Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 52), was sich neutral auswirkt. 

Zwar ist nicht ausgeschlossen, Vorstrafenlosigkeit ausnahmsweise und im Einzel-

fall in die Gesamtbeurteilung der Täterpersönlichkeit einzubeziehen, was sich  

allenfalls strafmindernd auswirken kann. Vorausgesetzt ist jedoch, dass die  

Straffreiheit auf eine aussergewöhnliche Gesetzestreue hinweist. Eine solche darf 

wegen der Gefahr ungleicher Behandlung jedoch nicht leichthin angenommen 

- 36 - 

werden, sondern hat sich auf besondere Umstände zu beschränken. Zu denken 

ist beispielsweise an den Berufschauffeur, der sich als Ersttäter wegen eines 

Strassenverkehrsdeliktes strafrechtlich zu verantworten hat, obschon er seit  

vielen Jahren täglich mit seinem Fahrzeug unterwegs ist (BGE 134 IV 1 E. 2.6.4). 

Derartige Umstände liegen im vorliegenden Fall offensichtlich jedoch nicht vor. 

2.3.3  Bei der Strafzumessung ist, wie erwähnt, auch das Nachtatverhalten eines 

Täters zu beachten. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im  

Strafverfahren. Insbesondere wirken ein Geständnis, das kooperative Verhalten 

eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und aufrichtige  

Reue strafmindernd (HUG in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N 15 f. zu 

Art. 47). 

Der Beschuldigte kann keine Reue oder Einsicht für sich reklamieren. Auch zeigte 

er sich im Strafverfahren nicht ausgesprochen kooperativ. Das Nachtatverhalten 

wirkt sich somit nicht zu Gunsten des Beschuldigten – aber auch nicht zu seinen 

Lasten – aus.  

2.3.4  Aufgrund der Täterkomponente ergibt sich keine Veränderung der im  

Rahmen der Tatkomponente festgesetzten Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen 

Geldstrafe. Somit resultiert – auch unter Einbezug der Täterkomponenten – eine 

Geldstrafe von 40 Tagessätzen. 

2.4 Bei der Berechnung der Tagessatzhöhe bildet das Einkommen, das dem  

Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst, ganz gleich, aus welcher Quelle die 

Einkünfte stammen, den Ausgangspunkt. Denn massgebend ist die tatsächliche 

wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (vgl. BGE 116 IV 4 E. 3a). Zum Einkommen 

zählen ausser den Einkünften aus selbständiger und unselbständiger Arbeit na-

mentlich die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb, aus der Land- und Forstwirt-

schaft und aus dem Vermögen (Miet- und Pachtzinsen, Kapitalzinsen, Dividenden 

usw.), ferner privat- und öffentlich-rechtliche Unterhalts- und Unterstützungs-

beiträge, Renten, Sozialversicherungs- und Sozialhilfeleistungen sowie Natural-

einkünfte (Botschaft 1998 S. 2019). Was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter 

wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die laufenden Steuern, die Beiträ-

ge an die obligatorische Kranken- und Unfallversicherung sowie die notwendigen 

- 37 - 

Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerbenden die branchenüblichen  

Geschäftsunkosten (Botschaft 1998 S. 2019). Das Nettoprinzip verlangt, dass bei 

den ermittelten Einkünften – innerhalb der Grenzen des Rechtsmissbrauchs – nur 

der Überschuss der Einnahmen über die damit verbundenen Aufwendungen zu 

berücksichtigen sind (BGE 134 IV 60 E. 6.1 und 6.2). 

Die Tagessatzhöhe ist unter Berücksichtigung des monatlichen Nettoeinkommens 

von Fr. 4'100.– und der relevanten Abzüge (Krankenkassenprämien ca. Fr. 400.– 

[Urk. 69 S. 2], Steuerbelastung geschätzt ca. Fr. 400.–) sowie der Tatsache,  

dass der Beschuldigte keinen Unterstützungspflichten nachzukommen hat, auf 

Fr. 100.– festzusetzen. 

2.5 Somit erweist sich eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.– als  

dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ange-

messen. 

2.6 Um der Warnwirkung der auszusprechenden Strafe Nachdruck zu verleihen, 

kann die bedingte Geldstrafe gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer Busse nach 

Art. 106 StGB verbunden werden. Da im vorliegenden Fall der Vollzug der Geld-

strafe aufzuschieben sein wird (siehe nachfolgend unter Ziff. 3), kann dem Be-

schuldigten zusätzlich eine Busse auferlegt werden. Fällt das Gericht eine Busse 

aus, so bemisst es diese und die Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhältnissen 

des Täters so, dass dieser die seinem Verschulden angemessene Strafe erleidet 

(Art. 106 Abs. 3 StGB). Spricht das Gericht mehrere Sanktionen aus (z.B. eine 

bedingte Geldstrafe und eine Busse), so haben sie in ihrer Summe schuldange-

messen zu sein (BGE 134 IV 53 E. 5.2). Vorliegend erscheint es dem Verschul-

den des Beschuldigten angemessen, die Busse auf Fr. 600.– festzusetzen.  

2.7 Somit erweist sich unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Straf-

zumessungsgründe eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.– sowie eine 

Busse von Fr. 600.– als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen 

des Beschuldigten angemessen. 

2.8 Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB spricht das Gericht im Urteil für den Fall, dass 

die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens 

einem Tag und höchstens drei Monaten aus. In ständiger Praxis erscheint ein 

- 38 - 

Umwandlungssatz von 1 Tag Ersatzfreiheitsstrafe pro Fr. 100.– Busse als  

angemessen. Es ist daher eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen Freiheitsstrafe 

auszufällen. 

3. Vollzug 

3.1 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit 

oder einer Freiheitsstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht 

notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). 

Da der Beschuldigte heute mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu bestrafen 

ist, sind die objektiven Voraussetzungen erfüllt. 

3.2 In subjektiver Hinsicht ist das Fehlen einer ungünstigen Prognose voraus-

gesetzt. Bei der Prognosestellung sind die Tatumstände, das Vorleben, der  

Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter 

des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zulassen, zu beachten (HUG in: 

Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., N 6 ff. zu Art. 42). 

Der Beschuldigte ist strafrechtlich nicht vorbelastet (Urk. 52), zum ersten Mal in 

ein Strafverfahren involviert und im Arbeitsleben integriert. Es besteht deswegen 

kein Anlass, dem Beschuldigten die günstige Prognose für sein künftiges  

Wohlverhalten abzusprechen.  

3.3 Der Vollzug der Geldstrafe ist daher aufzuschieben; die Busse ist zu bezah-

len. 

3.4 Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-

stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 

StGB). Vorliegend sind keinerlei Gründe ersichtlich, die für eine besonders lange 

Probezeit sprechen würden. Es erscheint vielmehr aufgrund der obigen Er-

wägungen angemessen, eine (minimale) Probezeit von zwei Jahren anzusetzen.  

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Ausgangsgemäss wird der Beschuldigte für das Vorverfahren und das  

erstinstanzliche Gerichtsverfahren kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 426 

- 39 - 

Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren ist 

auf Fr. 1'500.– festzusetzen und die erstinstanzliche Kostenaufstellung (Disposi-

tiv-Ziffer 3) ist zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte unterliegt auch im Berufungsverfahren, weshalb ihm  

ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind 

(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf 

Fr. 3'000.– festzusetzen. 

Zufolge des Schuldspruches hat der Beschuldigte – entgegen seinen Anträgen – 

keinen Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für die Ausübung  

seiner Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

18. November 2014 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. August 2014 
beschlagnahmten Kleider und das beschlagnahmte Klebbandasservat (Geschäfts-Nr. 

... des Forensischen Instituts Zürich) werden eingezogen und vernichtet." 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Tötung im Sinne von 

Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 und Art. 33 SVG sowie Art. 3 

Abs. 1 Satz 1 VRV. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 

Fr. 100.– sowie mit einer Busse von Fr. 600.–.  

- 40 - 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.  

5. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 7'118.15   Auslagen Vorverfahren 

Fr. 2'000.–   Gebühr Führung Strafuntersuchung 

6. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens werden 

dem Beschuldigten auferlegt. 

7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'280.–   Entschädigung Sachverständiger FOR  

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.  

9. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv (vorab per Fax) an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  
− Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ dreifach für sich und zuhanden der  

Privatkläger C1._____ 
− Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ im Doppel für sich und zuhanden der  

Privatklägerin C2._____ 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  
− Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ im Doppel für sich und zuhanden der 

Privatklägerin C2._____ 

− Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ dreifach für sich und zuhanden der 
Privatkläger C1._____ 

- 41 - 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung  

Administrativmassnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich  
(PIN-Nr. ...) 

− die ... AG, ... [Adresse] (Dossier Nr. ...) 

− die ... AG, ... [Adresse] (Referenz: ...) 
− das Forensische Institut Zürich, Zeughausstr. 11, Postfach,  

8021 Zürich 

− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A. 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 4. Juni 2015 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. P. Marti 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. S. Maurer 
 

 

- 42 - 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie  

vorerst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

	Urteil vom 4. Juni 2015
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 47 S. 14 f.)
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB  in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1, Art. 33 und Art. 100 Ziff. 1 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV nicht schuldig und wird von diesem Vorwurf freigesprochen.
	2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. August 2014  beschlagnahmten Kleider und das beschlagnahmte Klebbandasservat (Geschäfts-Nr. ... des Forensischen Instituts Zürich) werden eingezogen und vernichtet.
	3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
	4. Die Kosten des Vorverfahrens sowie die Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung werden auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 10'726.90 (inkl. MwSt. und Barauslagen) für die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
	6. Dem Beschuldigten wird keine persönliche Umtriebsentschädigung zugesprochen.
	7. (Mitteilungen)
	8. (Rechtsmittel)"
	Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
	1. Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift vom 27. August 2014:

	• der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 und Art. 33 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV.
	2. Bestrafung mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 40.– sowie  einer Busse von Fr. 1'200.–.
	3. Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
	4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse.
	5. Kostenauflage an den Beschuldigten.
	1. In Bestätigung des vorinstanzlichen Freispruchs sei die Berufung der Staatsanwaltschaft abzuweisen.
	2. Die Verfahrens- und Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und dem Beschuldigten und Berufungsbeklagten sei eine Anwaltskostenentschädigung nach Massgabe der aufgelegten Kostennoten zuzusprechen.
	Erwägungen:
	I.  Prozessuales
	II.  Sachverhalt
	III.  Beweiswürdigung
	IV.  Rechtliche Würdigung
	V.  Sanktion

	1. Strafrahmen und Strafart
	Der Tatbestand der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB sieht  eine Bestrafung mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bis zu  360 Tagessätzen vor, wobei ein Tagessatz maximal Fr. 3'000.– beträgt (Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB).
	Die Geldstrafe stellt im Vergleich zur Freiheitsstrafe einen weniger schweren  Eingriff dar. Aufgrund des Verschuldens und der persönlichen Verhältnisse (vgl. die nachfolgenden Erwägungen) kann vorliegend eine Strafe ausgefällt werden, die noch im unt...
	Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe liegen keine vor.

	2. Strafzumessung
	2.1 Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Vers...
	Der Begriff des Verschuldens muss sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und Täterkomponente (Hug in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 19. Aufl., Zürich 2013, N...
	2.2 Tatkomponente
	2.2.1  Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die  Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Es ist zu prüfen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt wurde. Darunter fallen etwa das ...
	2.3 Täterkomponente
	Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlverhalten, andererseits ...
	2.3.1  Zu seiner Person führte der Beschuldigte aus, eine Lehre als Elektromonteur gemacht zu haben. Anschliessend habe er eine Ausbildung zum technischen Kaufmann sowie zum Betriebsökonom mit Fachrichtung Marketing gemacht.  Zurzeit sei er Inhaber de...
	2.3.3  Bei der Strafzumessung ist, wie erwähnt, auch das Nachtatverhalten eines Täters zu beachten. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im  Strafverfahren. Insbesondere wirken ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der ...
	Der Beschuldigte kann keine Reue oder Einsicht für sich reklamieren. Auch zeigte er sich im Strafverfahren nicht ausgesprochen kooperativ. Das Nachtatverhalten wirkt sich somit nicht zu Gunsten des Beschuldigten – aber auch nicht zu seinen Lasten – aus.
	2.3.4  Aufgrund der Täterkomponente ergibt sich keine Veränderung der im  Rahmen der Tatkomponente festgesetzten Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe. Somit resultiert – auch unter Einbezug der Täterkomponenten – eine Geldstrafe von 40 Tagessät...
	2.4 Bei der Berechnung der Tagessatzhöhe bildet das Einkommen, das dem  Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst, ganz gleich, aus welcher Quelle die Einkünfte stammen, den Ausgangspunkt. Denn massgebend ist die tatsächliche wirtschaftliche Leist...
	Die Tagessatzhöhe ist unter Berücksichtigung des monatlichen Nettoeinkommens von Fr. 4'100.– und der relevanten Abzüge (Krankenkassenprämien ca. Fr. 400.– [Urk. 69 S. 2], Steuerbelastung geschätzt ca. Fr. 400.–) sowie der Tatsache,  dass der Beschuldi...
	2.5 Somit erweist sich eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.– als  dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
	2.6 Um der Warnwirkung der auszusprechenden Strafe Nachdruck zu verleihen, kann die bedingte Geldstrafe gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Da im vorliegenden Fall der Vollzug der Geldstrafe aufzuschieben se...
	2.7 Somit erweist sich unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.– sowie eine Busse von Fr. 600.– als dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemes...
	2.8 Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB spricht das Gericht im Urteil für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten aus. In ständiger Praxis erscheint ein Umwandlungs...
	3. Vollzug
	3.1 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhal...
	Da der Beschuldigte heute mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu bestrafen ist, sind die objektiven Voraussetzungen erfüllt.
	3.2 In subjektiver Hinsicht ist das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt. Bei der Prognosestellung sind die Tatumstände, das Vorleben, der  Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Au...
	Der Beschuldigte ist strafrechtlich nicht vorbelastet (Urk. 52), zum ersten Mal in ein Strafverfahren involviert und im Arbeitsleben integriert. Es besteht deswegen kein Anlass, dem Beschuldigten die günstige Prognose für sein künftiges  Wohlverhalten...
	3.3 Der Vollzug der Geldstrafe ist daher aufzuschieben; die Busse ist zu bezahlen.
	3.4 Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). Vorliegend sind keinerlei Gründe ersichtlich, die für eine besonders lange Probeze...
	VI.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

	1. Ausgangsgemäss wird der Beschuldigte für das Vorverfahren und das  erstinstanzliche Gerichtsverfahren kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren ist auf Fr. 1'500.– fest...
	2. Der Beschuldigte unterliegt auch im Berufungsverfahren, weshalb ihm  ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 18. November 2014 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 27. August 2014 beschlagnahmten Kleider und das beschlagnahmte Klebbandasservat (Geschäfts-Nr. ... des Forensischen Instituts Zürich) werden eingezogen und vernichtet."
	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 und Art. 33 SVG sowie Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.– sowie mit einer Busse von Fr. 600.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
	5. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.
	7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	8. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.
	9. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv (vorab per Fax) an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ dreifach für sich und zuhanden der  Privatkläger C1._____
	 Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ im Doppel für sich und zuhanden der  Privatklägerin C2._____
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____ im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin C2._____
	 Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ dreifach für sich und zuhanden der Privatk