# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d392b19-8b99-5ff2-8391-21315a754307
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.02.2021 D-4062/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4062-2020_2021-02-10.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4062/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Mia Fuchs,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Marokko,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 10. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

D-4062/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 10. Oktober 2019 in der Schweiz um 

Asyl nach.  

B.  

Bei der Personalienaufnahme vom 15. Oktober 2019 gab der Beschwer-

deführer an, er sei marokkanischer Staatsangehöriger mit letztem Wohnort 

B._______. Identitätsdokumente könne er nicht einreichen. Die Identitäts-

karte habe er nicht mehr und sein Pass sei abgelaufen. Er habe Marokko 

1991 verlassen und sei mit einem Visum nach C._______ gereist. Nach-

dem er 1997 aus C._______ ausgewiesen worden sei, habe er sich zwan-

zig Tage in Marokko aufgehalten, sei dann nach C._______ zurück und 

später nach D._______ gereist. 1999 habe er sich nochmals einige Tage 

in Marokko aufgehalten. Nach Erhalt eines Visums sei er wieder nach 

D._______ und von dort schliesslich am 10. Oktober 2019 in die Schweiz 

gelangt.  

C.  

Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 18. Oktober 2019 bestätigte der Be-

schwerdeführer, dass er am (…) 2019 in D._______ ein Asylgesuch gestellt 

habe. Nachdem er dort einen negativen Asylentscheid erhalten habe, habe 

er befürchtet, nach Marokko zurückgeschickt zu werden.  

Die (…) Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen des SEM vom 18. 

Oktober 2019 am 25. Oktober 2019 zu. 

D.  

Mit Verfügung vom 8. Januar 2020 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein und 

ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers nach D._______ sowie 

den Vollzug der Überstellung an.  

E.  

Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde wies das Bun-

desverwaltungsgericht mit Urteil F-324/2020 vom 24. Januar 2020 ab.  

F.  

Nach Ablauf der Frist zur Überstellung des Beschwerdeführers nach 

D._______ hob das SEM den Nichteintretensentscheid vom 8. Januar 

2020 am 18. Mai 2020 auf und nahm das nationale Asylverfahren auf. 

D-4062/2020 

Seite 3 

G.  

Am 16. Juni 2020 erklärte der Beschwerdeführer den Verzicht auf eine kos-

tenlose Rechtsvertretung im Asylverfahren.  

H.  

Am 26. Juni 2020 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen Asyl-

gründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, seine Familie gehöre zur 

Ethnie der Berber. Er sei in E._______ geboren, dann mit seiner Familie 

nach F._______ und im Alter von etwa vier Jahren nach G._______ im 

Norden von B._______ umgezogen. Er habe seinen Pass und die Identi-

tätskarte in D._______ zurückgelassen. Sein Vater, der in der (…) und spä-

ter auf dem (…) gearbeitet habe, sei im Jahr (…) gestorben. Er habe (…) 

Schwestern und (…) Brüder, wobei ein Bruder (…) gestorben sei. Seine 

ältere Schwester habe in der (…) eine Ausbildung gemacht und dadurch 

die Familie finanziell unterstützen können. Er habe in G._______ die 

Schule bis zur Matura besucht, wobei er drei oder vier Klassen wiederholt 

habe. (…) habe er die Schule beendet, ohne die Matura bestanden zu ha-

ben. Danach habe er während drei Monaten in einer (…) gearbeitet. Als 

Kind sei er drei Mal vergewaltigt worden. Das erste Mal in F._______ im 

Alter von (…) oder (…) Jahren durch einen ihm nicht namentlich bekannten 

Dorfbewohner, der ihn mit einem Stein zu Boden gestossen und von hinten 

vergewaltigt habe. Als er (…) oder (…) Jahre alt gewesen sei, hätten Ar-

meeangehörige, die in der Nähe von G._______ stationiert gewesen seien, 

ihn zwei Mal vergewaltigt. Abgesehen von einem Psychiater habe er nie 

jemandem von diesen Vergewaltigungen erzählt. 1980 oder 1981 habe er 

in G._______ an einer Demonstration gegen die Erhöhung des Brotpreises 

teilgenommen. Kundgebungsteilnehmer hätten Polizisten mit Backsteinen 

beworfen und in Metzgereien an Fleischerhaken aufgehängt. 72 Polizisten 

seien dabei ums Leben gekommen. Das Militär habe daraufhin die De-

monstrierenden aus der Luft beschossen. Er sei geflohen, als er Helikopter 

gehört habe. Es sei zu Verhaftungen gekommen. Er wisse nicht, was mit 

den Festgenommenen geschehen sei. Ihm persönlich sei nichts passiert. 

Er sei danach wieder zur Schule gegangen. Es habe keine anderen De-

monstrationen gegeben und er sei nicht politisch aktiv gewesen. Er habe 

Marokko verlassen, weil er nach Beendigung der Schule keine Arbeit ge-

funden habe. Zudem habe es viele Ungerechtigkeiten gegeben. Die Le-

bensbedingungen seiner Familie seien schwierig gewesen. Berber seien 

vom Staat ungerecht behandelt, von der Gesellschaft marginalisiert und 

von den Arabern in sprachlicher Hinsicht diskriminiert worden. Zudem sei 

er nach dem Tod seines Bruders, der ihn immer unterstützt habe, destabi-

lisiert gewesen. Er sei danach oft dem Unterricht ferngeblieben. Nachdem 

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Seite 4 

er die Matura nicht bestanden habe, hätten seine Mutter und seine 

Schwester ihm gesagt, dass dies eine Schande sei, und er habe das Ge-

fühl gehabt, dass er nicht mehr kostenlos zu Hause essen und wohnen 

könne. All diese Umstände hätten ihn zur Ausreise bewogen. Ohne jeman-

dem etwas zu sagen, sei er im Jahr 1990 nach H._______ gereist. Nach 

sechs Monaten sei er nach Marokko zurückgekehrt. Im September 1991 

sei er dann mit einem Visum nach C._______ gelangt. Seine Schwester 

und befreundete Nachbarn hätten ihn dabei finanziell unterstützt. Zwei o-

der drei Jahre später sei er in C._______ verhaftet und nach I._______ 

(Marokko) zurückgeschickt worden. Nach zwanzig Tagen sei er erneut 

nach C._______ gereist und habe dann dort bis 1997 gelebt. Danach sei 

er nach D._______ gegangen. Im Jahr 1999 sei er für rund zwanzig Tage 

zu seiner Familie nach Marokko zurückgekehrt und anschliessend mit ei-

nem Visum legal wieder nach D._______ gereist. Dort habe er sich dann 

bis zum 10. Oktober 2019 aufgehalten. Nachdem er in D._______ nach 

Erhalt des negativen Asylentscheids aufgefordert worden sei, das Land zu 

verlassen, habe er sich vor einer Rückschaffung nach Marokko gefürchtet. 

Er habe in C._______ in der (…) gearbeitet und (…) verkauft. In D._______ 

habe er (…) unterrichtet und sich zur Fachperson im Bereich der (…) aus-

bilden lassen. Bei einem Unfall in D._______ im Jahr 2007 habe er sich 

(…) gebrochen und eine (…) erlitten. Er sei damals von einem Neurologen 

behandelt worden, wobei zwei MRI keine Beeinträchtigungen gezeigt hät-

ten. Derzeit habe er leichte (…), weil er Fussball gespielt habe, und manch-

mal das Gefühl, dass die (…) auf der rechten Seite die (…) touchieren wür-

den, was vielleicht daher rühre, dass er immer auf der gleichen Seite 

schlafe. Zudem sei er (…) gewesen. Seit vier oder fünf Jahren sei er (…) 

und habe seither Schlafstörungen. Nachdem er sich vier oder fünf Jahre 

nach dem Unfall in D._______ beinahe das Leben habe nehmen wollen, 

habe ihm ein Freund geraten, einen Psychiater aufzusuchen. Er habe 

manchmal das Gefühl, dass das Leben für ihn bedeutungslos sei, nachdem 

er in seinem Alter noch keine Frau und keine Kinder habe. Nach der An-

kunft in der Schweiz habe er sich in psychiatrische Behandlung begeben. 

Er erhalte Medikamente. Vor drei Monaten habe er angefangen, wieder 

Kontakt zu seinen Angehörigen in Marokko aufzunehmen. Seine Ge-

schwister hätten in G._______ mit staatlicher Unterstützung Häuser ge-

baut und Familien gegründet. Er habe in Marokko nie Probleme mit den 

Behörden gehabt, aber er sehe dort für sich keine Zukunft. Wenn er zu-

rückkehre, würde er die Stabilität seiner Familie zerstören. Anders als seine 

Geschwister würde er vom Staat nichts bekommen, da er im Ausland ge-

wesen sei. Er wisse nicht, was er in Marokko machen sollte. Er habe dort 

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Seite 5 

kein Haus, keine Frau und keine Freunde und seine Mentalität sei mittler-

weile verwestlicht. 

I.  

Infolge Ablaufs der gesetzlichen Höchstdauer des Aufenthalts des Be-

schwerdeführers in einem Zentrum des Bundes verwies das SEM das Asyl-

gesuch mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2020 in das erweiterte Verfah-

ren und teilte den Beschwerdeführer dem Kanton J._______ zu. 

J.  

J.a Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 – eröffnet am 14. Juli 2020 – stellte 

das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Be-

schwerdeführers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Des 

Weiteren entzog es einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wir-

kung und händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten ge-

mäss Aktenverzeichnis aus.  

J.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingsei-

genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standzuhalten. Obschon die Lebens-

umstände, in denen er aufgewachsen sei, und die wirtschaftlichen Schwie-

rigkeiten bedauerlich seien, vermöchten die Vorbringen betreffend die Ar-

beits- und Perspektivenlosigkeit und schwierigen Lebensbedingungen der 

Berber keine Asylrelevanz zu entfalten. Eine gezielte Verfolgung von An-

gehörigen der Berber in Marokko sei dem SEM nicht bekannt. Die marok-

kanische Bevölkerung sei in gleichem Mass von den wirtschaftlichen Le-

bensbedingungen betroffen und wirtschaftliche Schwierigkeiten vermöch-

ten keine asylrelevante Verfolgung darzustellen. Der Beschwerdeführer 

mache zudem ausschliesslich private Probleme mit der Mutter respektive 

der Schwester und den Wunsch nach besseren Chancen geltend. Mit den 

marokkanischen Behörden habe er eigenen Aussagen zufolge nie Prob-

leme gehabt. Auch die Teilnahme an einer Demonstration 1980/1981 ver-

möge keine Asylrelevanz zu entfalten. Dieses Ereignis stehe in keinem 

zeitlichen und sachlichen Kausalzusammenhang zur erst 1990 respektive 

1991 erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers aus Marokko. Zudem 

liege auch diesbezüglich keine gezielte Verfolgung des Beschwerdeführers 

gemäss Art. 3 AsylG vor, und es bestünden in diesem Zusammenhang 

keine Hinweise für eine begründete Furcht vor zukünftiger asylrelevanter 

Verfolgung. Schliesslich vermöge auch das Vorbringen, als Kind drei Mal 

vergewaltigt worden zu sein, keine Asylrelevanz zu entfalten. Obschon es 

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sehr bedauerlich sei, dass dem Beschwerdeführer als Kind Unrecht ange-

tan worden sei, bestehe zwischen den Vergewaltigungen und der Ausreise 

1990/1991 kein genügend enger Kausalzusammenhang. Es seien auch 

keine Hinweise vorhanden, wonach der Beschwerdeführer aufgrund dieser 

Vorfälle im Kindesalter begründete Furcht vor asylrelevanten Verfolgungs-

massnahmen zu befürchten hätte oder deswegen 1990/1991 aufgrund ei-

nes unerträglichen psychischen Drucks zur Ausreise aus Marokko gezwun-

gen gewesen wäre. Vielmehr habe er im Wesentlichen ökonomische 

Gründe angeführt, die zur Ausreise geführt hätten. Der Wegweisungsvoll-

zug sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. Der Beschwerde-

führer verfüge über eine Schulbildung sowie mehrjährige Berufserfahrung 

in Europa und es sei davon auszugehen, dass er sich damit eine Existenz-

grundlage aufbauen könne. Zudem bestehe in Marokko ein familiäres Be-

ziehungsnetz. Insbesondere die Schwester habe den Beschwerdeführer 

bei der Ausreise finanziell unterstützt, und die Mutter und Geschwister wür-

den immer noch in G._______ leben und mittlerweile eigene Grundstücke 

und Häuser besitzen. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer bei 

der Anhörung gut Auskunft über die aktuellen Lebensbedingungen der An-

gehörigen habe geben können, sei davon auszugehen, dass der Kontakt 

soweit intakt sei. Zudem handle es sich bei ihm um einen volljährigen 

Mann, der es immer wieder geschafft habe, in unbekannten Ländern und 

Kulturen neu anzufangen und sich einen Lebensunterhalt zu sichern. Er 

sei in Marokko aufgewachsen und sozialisiert worden, kenne sich mit den 

dortigen Begebenheiten gut aus und spreche die Landessprache fliessend. 

Es könne ihm deshalb trotz mehrjähriger Landesabwesenheit zugemutet 

werden, seinen Lebensunterhalt im Heimatland zu bestreiten. Soziale und 

wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im 

Allgemeinen betroffen sei, genügten nicht, um eine konkrete Gefährdung 

darzustellen. Laut den medizinischen Unterlagen vom 23. Oktober 2019 

und 31. Dezember 2019 leide der Beschwerdeführer an einer (…) und ei-

nem (…). Ihm seien die Medikamente (…) und (…) verschrieben und eine 

psychologisch-psychiatrische Behandlung empfohlen worden. Marokko 

verfüge über zahlreiche psychiatrische und medizinische Institutionen 

(bspw. das […] in B._______ mit praktizierenden Psychiatern) und die 

Wirkstoffe der verschriebenen Medikamente seien dort ohne Weiteres zu-

gänglich. Im Weiteren habe Marokko mit dem Régime d'Assistance Médi-

cale (RAMED) ein Mittel zur Sicherung der medizinischen Grundversor-

gung geschaffen, mit dem auch wirtschaftlich bedürftige Personen Zugang 

zum Gesundheitssystem hätten. Eine allfällig benötigte psychiatrische Be-

handlung und Medikation sei somit für den Beschwerdeführer in Marokko 

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– und insbesondere in B._______ – verfügbar und zugänglich. Da die psy-

chischen Beschwerden somit nicht geeignet seien, eine medizinische Not-

lage zu begründen, erübrige es sich im Sinne einer antizipierten Beweis-

würdigung, ein aktuelles Arztzeugnis einzufordern. Die vorliegenden Arzt-

berichte würden auch nicht darauf schliessen lassen, dass die gesundheit-

lichen Beschwerden derart schwerwiegend seien, als dass der Beschwer-

deführer nicht in der Lage wäre, sich um die Sicherung seiner wirtschaftli-

chen Existenz zu kümmern. Betreffend die geltend gemachten Beschwer-

den am (…) und im (…) sei nicht davon auszugehen, dass diese den Be-

schwerdeführer in eine existenzielle Notlage bringen würden. Die Proble-

matik der Suizidalität könne medikamentös behandelt werden, und ihr sei 

im Rahmen des Vollzugs Rechnung zu tragen. Schliesslich vermöge auch 

die blosse Möglichkeit einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 dem Vollzug 

nicht entgegenzustehen.  

K.  

K.a Mit Eingabe vom 13. August 2020 (Datum Poststempel; Schreiben da-

tiert vom 12. August 2020) erhob der Beschwerdeführer beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde. Er ersuchte um Aufhebung der vorinstanzli-

chen Verfügung vom 10. Juli 2020 und um Gewährung des Asyls, eventu-

aliter um Gewährung der vorläufigen Aufnahme und subeventualiter um 

Rückweisung der Sache an das SEM zwecks Neubeurteilung. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er – unter Verweis auf eine Fürsorgeab-

hängigkeitsbestätigung vom 11. August 2020 – um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung.  

K.b Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er habe Marokko vor 

dreissig Jahren verlassen, nachdem er dort schweres Leid wie die sexuel-

len Misshandlungen im Kindesalter habe erleben müssen. Er habe immer 

wieder unter staatlicher Repression und Verfolgung gelitten, weil er das 

Regime des damaligen Königs kritisiert und an Demonstrationen wie der-

jenigen im Jahr 1981 teilgenommen habe. Sein Unmut gegen die damalige 

Regierung sei stetig gewachsen. Das Recht auf freie Meinungsäusserung 

sei nicht gewährleistet gewesen und er habe sich in seiner Freiheit erheb-

lich eingeschränkt gefühlt. Heutzutage übe beispielsweise der Aktivist 

K._______, der ebenfalls der in Marokko seit jeher marginalisierten Ethnie 

der Berber angehöre, Kritik am marokkanischen Regime und sei deswegen 

(…) zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Bei einer Rückkehr 

nach Marokko würde es ihm wohl nicht anders ergehen. Zudem drohe ihm 

dort strafrechtliche Verfolgung, weil er homosexuell sei, und es könne nicht 

von ihm verlangt werden, seine sexuelle Ausrichtung nicht offen zu leben. 

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Nach einem Zusammenbruch sei er immer noch psychisch erschöpft. Die 

Aussicht auf eine Rückschaffung nach Marokko wecke bei ihm Verzweif-

lung bis hin zu Suizidgedanken. Er werde zeitnah einen entsprechenden 

Bericht nachreichen. Eine Wiedervereinigung mit seiner Familie, die weder 

seine politischen Überzeugungen noch seine sexuelle Orientierung tole-

riere, wäre nicht möglich, da seine Angehörigen wohl mit Repressionen zu 

rechnen hätten; beispielsweise sei davon auszugehen, dass sein Bruder 

wegen ihm verhaftet würde. Das marokkanische Gesundheitssystem habe 

zwar keinen schlechten Ruf, weise aber doch gravierende Probleme auf, 

aufgrund derer davon auszugehen sei, dass ihm die benötigte medizini-

sche Versorgung nicht zur Verfügung stehen würde. Er verweise hierzu auf 

diverse, im Internet einsehbare Berichte zum Fachkräfte- und Medizinalbe-

darfmangel. Hinsichtlich der allgemeinen Menschenrechtslage in Marokko 

verweise er auf einen Bericht von Human Rights Watch. Als Regimegegner 

und Freidenker wäre es für ihn gefährlich, sich in Marokko zu bewegen. 

Zudem hänge er seit (…) der (…) an, die in Marokko nicht akzeptiert werde. 

Das SEM habe den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erhoben. Er hätte 

ausführlicher zur Verfolgungsgefahr in Marokko befragt werden müssen. 

Zudem habe er vor den bei der Anhörung anwesenden Frauen nicht offen 

über seine sexuelle Ausrichtung und die damit zusammenhängenden 

Probleme sprechen können. Auch sei er damals aus psychischen Gründen 

nicht in der Lage gewesen, über all seine Befürchtungen zu sprechen. Des 

Weiteren sei das SEM zu Unrecht von der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs ausgegangen. Nach dem langen Aufenthalt im Ausland ver-

füge er in Marokko über keine sozialen Kontakte mehr und er wäre dort 

gänzlich auf sich allein gestellt. 

L.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 14. August 2020 den Ein-

gang der Beschwerde. 

M.  

Mit Verfügung vom 17. August 2020 stellte die Instruktionsrichterin fest, 

dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz 

abwarten dürfe (Art. 42 AsylG). 

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2020 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 

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Seite 9 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur 

Beschwerde ein. 

O.  

In seiner Vernehmlassung vom 2. September 2020 beantragte das SEM 

die Abweisung der Beschwerde. Anlässlich der Anhörung habe der Be-

schwerdeführer angegeben, ausschliesslich an einer Demonstration teilge-

nommen, deswegen persönlich keine Probleme gehabt und keine weiteren 

politischen Aktivitäten ausgeübt zu haben. Die in der Beschwerde neu vor-

gebrachte Verfolgung wegen regierungskritischer Aktivitäten, wonach er an 

mehreren Demonstrationen teilgenommen habe und wegen Kritikäusse-

rung am damaligen König und Regime verfolgt worden sei, sei unsubstan-

ziiert und als nachgeschoben zu qualifizieren, zumal der Beschwerdeführer 

keine konkreten Vorfälle dargelegt habe. Die erst nachträglich vorge-

brachte Verfolgung wegen Homosexualität und Zugehörigkeit zur (…) sei 

ebenfalls als nachgeschoben zu erachten. Der Beschwerdeführer sei bei 

der Anhörung ausdrücklich zur Nennung weiterer Gründe aufgefordert wor-

den und er habe explizit verneint, dass ihm Weiteres widerfahren sei. Da 

ein gemischtgeschlechtliches Befragungsteam im Einsatz gewesen sei, sei 

dem Beschwerdeführer bei der Anhörung auch das rechtliche Gehör ge-

mäss Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) gewährt worden, und er habe sich mit der Fortsetzung des 

Gesprächs in Anwesenheit von Personen unterschiedlichen Geschlechts 

einverstanden erklärt. Es sei nicht ersichtlich, weshalb er sich bei der An-

hörung nicht zu dem neu geltend gemachten Vorbringen hätte äussern 

können. Auch der Vorwurf einer zu wenig ausführlichen Befragung sei un-

begründet. Der Beschwerdeführer sei von 10 Uhr bis 14:10 Uhr (abzüglich 

einer halbstündigen Mittagspause) befragt worden und habe die Möglich-

keit gehabt, sich zu seinen Asylgründen frei zu äussern. Zudem habe er 

anlässlich der Rückübersetzung die Gelegenheit erhalten und genutzt, um 

Anmerkungen zum Protokoll anzubringen. Im Übrigen seien die neuen Vor-

bringen durch keinerlei Beweismittel belegt. 

P.  

Am 7. September 2020 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerde-

führer die Vernehmlassung zu und räumte ihm die Gelegenheit zur Einrei-

chung einer Replik ein. 

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Seite 10 

Q.  

In seiner Replik vom 23. September 2020 (Datum Poststempel) entgeg-

nete der Beschwerdeführer im Wesentlichen, es sei ihm bei der Anhörung 

nicht gelungen, die Situation von 1981 und bis zur Ausreise detailliert und 

anschaulich zu schildern. Er habe damals viele Demonstrationen miterlebt, 

auch wenn er nicht mehr aktiv daran teilgenommen habe. Er habe erlebt, 

wie Freunde und Bekannte nach Kundgebungen spurlos verschwunden 

seien. Auch wenn er persönlich nicht Opfer von Verfolgungshandlungen 

geworden sei, habe ein Klima der Angst und Repression geherrscht, das 

ihn zur Emigration bewegt habe. Der Verbleib bei seiner Familie sei damals 

nicht mehr möglich gewesen und dies sei auch heute noch so. Seine Fa-

milie wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben, weil er so sei, wie er sei. Bei 

der Anhörung sei ihm alles zu schnell gegangen. Zudem sei er durch die 

Präsenz von Frauen gehemmt gewesen. Er habe sich nicht getraut, etwas 

zu sagen, da er nicht als Macho habe gelten wollen. Als er gefragt worden 

sei, ob er in einem Männerteam angehört werden möchte, sei die Anhörung 

schon weit fortgeschritten gewesen und er habe diese nur schnell beenden 

wollen. Er hätte niemals vor Frauen über seine sexuelle Orientierung spre-

chen können. Die Probleme, die er in Marokko haben könnte, seien 

zwangsläufig hypothetischer Natur. Vor der Ausreise habe er keine Prob-

leme gehabt. Erst bei einer Rückkehr würden wegen seiner religiösen 

Überzeugung oder seiner sexuellen Orientierung Probleme auf ihn zukom-

men. Auch das Problem, mit über (…) Jahren alleinstehend und kinderlos 

in die Heimat zurückkehren zu müssen und als gescheiterte Existenz von 

der Familie und der Gesellschaft geächtet zu werden, habe im Ausreise-

zeitpunkt noch nicht bestanden. Er habe sich im Exil immer wieder politisch 

eingemischt und in sozialen Medien geäussert, was in Marokko nicht ge-

fahrlos möglich wäre. Es sei ihm nicht bekannt, was der marokkanische 

Staat von ihm wisse, es wäre ihm aber nicht möglich, dort ein menschen-

würdiges Leben zu führen. Er wäre ohne soziales Netz auf sich allein ge-

stellt, würde als Verlierer gelten und wohl kaum eine Arbeit finden. Auch 

könnte er dort seine sexuelle Orientierung und die religiöse Überzeugung 

nicht offen leben. Ihm drohe daher bei einer Rückkehr nach Marokko eine 

existenzielle Notlage. Lieber würde er seinem Leben ein Ende setzen, als 

dies erleben zu müssen. Er sei wegen Entkräftung in psychiatrischer Be-

handlung. Seine Schlafprobleme würden medikamentös behandelt. 

 

 

D-4062/2020 

Seite 11 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereich-

te Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Vorab ist die formelle Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe 

den Sachverhalt unvollständig abgeklärt und damit sein rechtliches Gehör 

verletzt, zu prüfen.  

3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26 - 33 VwVG kon-

kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst alle Befugnisse, die 

einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). 

Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu 

äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachauf-

klärung und stellt andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungs-

recht der Partei dar. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich zu hören, sorgfältig und 

D-4062/2020 

Seite 12 

ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung angemessen zu berück-

sichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu 

den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens 

(Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes 

wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen 

zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ord-

nungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unvollständig ist die Sachver-

haltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sa-

chumstände berücksichtigt wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein fal-

scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird. Der Untersu-

chungsgrundsatz gilt nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korrelat in 

der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person.  

3.3 Der Beschwerdeführer monierte, die Anhörung sei ihm zu schnell ge-

gangen, er hätte ausführlicher befragt werden müssen. Auch sei er damals 

aus psychischen Gründen nicht in der Lage gewesen, über all seine Prob-

leme zu sprechen. Des Weiteren habe er vor den anwesenden Frauen 

nicht offen über seine sexuelle Ausrichtung sprechen können. 

3.3.1 Die Rüge, das SEM habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt, in-

dem der Beschwerdeführer nicht ausführlich genug befragt worden sei, fin-

det in den Akten keine Stütze. Das SEM hat dem Beschwerdeführer im 

Rahmen der Anhörung vom 26. Juni 2020 umfassend Gelegenheit einge-

räumt, seine Asylgründe vorzubringen. Die gesuchstellende Person trägt 

die Substanziierungslast und aus dem Anhörungsprotokoll ergeben sich 

keine Anhaltspunkte für die Annahme, die Befragungsleitung hätte dem Be-

schwerdeführer nicht genügend Raum gegeben, sich zu äussern. Im Be-

fragungsprotokoll finden sich auch keine Anhaltspunkte für die Annahme, 

der Beschwerdeführer wäre aufgrund seiner damaligen psychischen Ver-

fassung nicht in der Lage gewesen, die Fluchtgründe sowie die Gründe, 

die aus seiner Sicht gegen eine heutige Rückkehr nach Marokko sprechen 

würden, darzulegen. Zwar gab er zu Beginn der Anhörung an, er sei psy-

chisch angeschlagen (vgl. vorinstanzliche Akte 1053455-A45 S. 2 F5), 

aber konkrete Hinweise, dass er aufgrund seines Befindens nicht einnah-

mefähig gewesen wäre, lassen sich der ausführlichen Befragung zu sei-

nem Gesundheitszustand nicht entnehmen (vgl. A45 S. 12 f. F85-101).  

3.3.2 Dem Anhörungsprotokoll sind auch keine Anhaltspunkte für die An-

nahme zu entnehmen, das Geschlecht der Mitwirkenden hätte einen Ein-

fluss auf das Aussageverhalten des Beschwerdeführers gehabt. Gemäss 

D-4062/2020 

Seite 13 

Art. 17 Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 6 AsylV 1 wird die asylsuchende 

Person von einer Person gleichen Geschlechts befragt, wenn konkrete Hin-

weise auf geschlechtsspezifische Verfolgung vorliegen. Geschlechtsspezi-

fisch ist die Verfolgung dann, wenn sie in der Form sexueller Gewalt statt-

findet oder die sexuelle Identität des Opfers treffen soll (vgl. hierzu BVGE 

2015/42 E. 5.2). Das Geschlecht soll auch bei der Auswahl der weiteren 

anwesenden Personen berücksichtigt werden. Art. 6 AsylV 1 ist eine Aus-

gestaltung des rechtlichen Gehörs, mithin eine Schutzvorschrift, deren 

Zweck es ist, dass asylsuchende Personen ihre Vorbringen angemessen 

vortragen, das heisst, erlittene Übergriffe möglichst frei und unbeeinträch-

tigt von Schamgefühlen schildern können. Gleichzeitig dient sie dazu, die 

Richtigkeit der Sachverhaltsabklärung zu gewährleisten. Da diese Schutz-

vorschrift nicht bloss ein Recht der asylsuchenden Person beinhaltet, eine 

solche Befragung zu verlangen, sondern die Behörde dazu verpflichtet, in 

der vorgesehenen Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise 

vorliegen, ist sie von Amtes wegen anzuwenden. Ein Verzicht der betroffe-

nen asylsuchenden Person auf die Befragung durch eine Person gleichen 

Geschlechts respektive im Rahmen eines gleichgeschlechtlichen Teams 

kann nur dann angenommen werden, wenn er ausdrücklich erklärt wird 

(vgl. BVGE 2015/42; vgl. auch etwa Urteil des BVGer D-6857/2016 vom 

15. Februar 2018 E. 4.1 m.w.H.). Aus den vorliegenden Verfahrensakten 

geht hervor, dass der Beschwerdeführer bei der Anhörung, in deren Rah-

men er Vergewaltigungen im Kindesalter vorbrachte, gefragt wurde, ob er 

sich ausschliesslich in Gegenwart von Männern äussern möchte. Er ver-

neinte dies respektive erklärte sich mit der Fortsetzung der Befragung in 

Anwesenheit von Personen des andern Geschlechts ausdrücklich einver-

standen (vgl. A45 S. 12 F83-84). Es bestand somit für das SEM keine Ver-

anlassung zum Abbruch der Anhörung und zur Durchführung einer erneu-

ten Anhörung in einem reinen Männerteam.  

3.3.3 Die Anhörung vom 26. Juni 2020 ist aufgrund des Gesagten nicht zu 

beanstanden. Sie ist mit der notwendigen Ausführlichkeit ausgefallen. Der 

Beschwerdeführer hatte ausreichend Gelegenheit, sich zu seinen Asyl-

gründen frei zu äussern und es wurden ihm seitens der Befragungsleitung 

zahlreiche spezifische Nachfragen gestellt, auf die er Auskunft geben 

konnte. Das SEM fragte abschliessend mehrmals nach, ob der Beschwer-

deführer alle Probleme, die ihn zur Flucht bewogen hätten und alle Gründe, 

die seines Erachtens gegen eine heutige Rückkehr nach Marokko spre-

chen würden, habe vorbringen können, was dieser bejahte (vgl. A45 S. 14f. 

F103-105). Der Beschwerdeführer vermengt die Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts mit der materiellen Würdigung der Sache. Das 

D-4062/2020 

Seite 14 

SEM hielt in der angefochtenen Verfügung alle wesentlichen Sachverhalts- 

elemente – soweit es ihm möglich war – fest und würdigte die Ausführun-

gen des Beschwerdeführers. Hinsichtlich der erst auf Beschwerdeebene 

vorgebrachten Homosexualität und Zugehörigkeit des Beschwerdeführers 

zur (…) kann dem SEM kein Vorwurf einer unvollständigen Sachverhalts-

abklärung gemacht werden. Es wäre aufgrund der Mitwirkungspflicht nach 

Art. 8 AsylG Sache des Beschwerdeführers gewesen, dies darzulegen. 

Das SEM erachtete im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung den damals 

bekannten Sachverhalt als rechtsgenüglich erstellt. Diese Einschätzung ist 

nicht zu beanstanden. Die Würdigung bildet nunmehr Gegenstand des Be-

schwerdeverfahrens. 

3.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-

instanz zurückzuweisen. Der entsprechende (Eventual-)Antrag um Rück-

weisung an das SEM ist daher abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen 

konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Mass-

geblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im 

Zeitpunkt des Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu 

dienen, einen Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern be-

zweckt, Schutz vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 

E. 5.4). 

D-4062/2020 

Seite 15 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine 

Gesamtwürdigung der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Rich-

tigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Gesuchstellenden sprechen, bei ei-

ner objektivierten Sichtweise überwiegen oder nicht (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1, 2012/5 E. 2.2). 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerde-

führer die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht zu begründen 

vermag. 

5.2 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten drei Vergewaltigungen im 

Kleinkindalter seitens eines damaligen Nachbarn respektive von damals in 

der Nähe seines Wohnorts stationierten Soldaten vermögen infolge fehlen-

den zeitlichen und sachlichen Kausalzusammenhangs zur erst im Jahr 

1990/1991 erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers aus Marokko keine 

asylrechtliche Relevanz zu entfalten. Zudem dient das Asyl, wie zuvor aus-

geführt (vgl. E. 4.1), nicht dem Ausgleich für vergangenes Unrecht, son-

dern der Gewährung von Schutz vor künftiger Verfolgung (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.4). Auch in Bezug auf die Teilnahme des Beschwerdeführers 

an einer Demonstration gegen die Erhöhung des Brotpreises im Jahr 1980 

oder 1981 fehlt es am notwendigen zeitlichen Kausalzusammenhang zur 

erst zehn Jahre später erfolgten Ausreise aus Marokko. Im Übrigen sei der 

Beschwerdeführer deswegen persönlich nicht im Visier der Behörden ge-

standen und nicht wie andere Teilnehmer im Nachgang der besagten 

Kundgebung verfolgt worden. Die in der Rechtsmitteleingabe vom 13. Au-

gust 2020 angetönte Teilnahme an weiteren Demonstrationen steht in kla-

rem Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers bei der Anhö-

rung vom 26. Juni 2020, wonach es nebst der Kundgebung von 1980/1981 

keine anderen politischen Aktivitäten seinerseits gegeben habe. In der 

Replik vom 23. September 2020 nahm er die Aussage in der Beschwerde 

denn auch zurück und erklärte, es habe zwar noch weitere Demonstratio-

nen gegeben, er habe aber nicht (mehr) daran teilgenommen, sei persön-

D-4062/2020 

Seite 16 

lich nie Opfer von Verfolgungshandlungen geworden und habe im Zeit-

punkt der Ausreise aus Marokko keine Probleme mit den heimatlichen Be-

hörden gehabt. Entgegen der vom Beschwerdeführer geäusserten Be-

fürchtung lassen sich den Akten denn auch keine konkreten Anhaltspunkte 

für die Annahme entnehmen, er hätte bei einer heutigen Rückkehr wegen 

der einmaligen Teilnahme an einer Demonstration im Kindesalter Verfol-

gungsmassnahmen flüchtlingsrechtlicher Intensität im Sinne von Art. 3 

AsylG seitens der heimatlichen Behörden zu befürchten. Der Verweis auf 

einen Aktivisten, der in Marokko zu einer Haftstrafe verurteilt worden sei, 

vermag an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer, 

der die Substanziierungslast für seine Vorbringen trägt, hat keine konkre-

ten Aktivitäten dargelegt, aufgrund derer er heutzutage in den Augen der 

heimatlichen Behörden als unliebsamer Politaktivist wahrgenommen wer-

den könnte. 

5.3 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, ethnische Berber würden in 

Marokko generell diskriminiert, ist festzustellen, dass die Zugehörigkeit zu 

den Berbern für sich allein keinen Asylgrund im Sinne von Art. 3 AsylG dar-

zustellen vermag. Gezielt gegen ihn gerichtete, flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG hat der Be-

schwerdeführer in diesem Zusammenhang nicht vorgebracht. Im Übrigen 

ist beispielsweise die Sprache Tamazight (Berberisch) seit einer Verfas-

sungsänderung im Jahr 2011 wie Arabisch offizielle Amtssprache Marok-

kos.  

5.4 Die vorgebrachten ökonomischen Schwierigkeiten des Beschwerde-

führers vermögen ebenfalls keine Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG 

zu entfalten. 

5.5 In Bezug auf die vom Beschwerdeführer erst auf Beschwerdeebene 

vorgebrachte Befürchtung, wegen Homosexualität oder der Zugehörigkeit 

zur (…) von den heimatlichen Behörden verfolgt zu werden, ist darauf hin-

zuweisen, dass Asylsuchende verpflichtet sind, an der Feststellung des 

Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 AsylG), und klare asylrelevante Aussa-

gen, die von späteren Aussagen diametral abweichen oder bestimmte Er-

eignisse oder Befürchtungen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, Wi-

dersprüche sind, die im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen 

sind (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schweizeri-

schen Asylrekurskommission [EMARK] 1993/3 E. 3 S. 13). Die besagten, 

vom Beschwerdeführer erst in der Beschwerde vorgetragenen Befürchtun-

gen, die er im vorinstanzlichen Verfahren mit keinem Wort erwähnt hatte, 

D-4062/2020 

Seite 17 

müssen als nachgeschoben und damit unglaubhaft bezeichnet werden. 

Der Beschwerdeführer wurde zu Beginn der Anhörung vom 26. Juni 2020 

ausdrücklich auf seine Mitwirkungspflicht hingewiesen (vgl. A45 S. 2) und 

er bestätigte am Ende der Befragung, keine weiteren, nicht erwähnten 

Gründe zu haben, die gegen die Rückkehr in seinen Heimatstaat sprechen 

würden (vgl. A45 S. 14 f. F103-105). Auch wurde er explizit gefragt, ob er 

das Geschlecht betreffend eine andere Zusammensetzung des Befra-

gungsteams wünsche, was er verneinte (vgl. A45 S. 12 F83-84). Es ist da-

her auch nicht verständlich respektive mit Schamgefühlen erklärbar, dass 

er die Homosexualität mit keinem Wort erwähnte, war er doch demgegen-

über in der Lage, über den sexuellen Missbrauch zu berichten. Im Übrigen 

ist in Marokko grundsätzlich nicht mit asylrelevanter Verfolgung aufgrund 

des Bekanntwerdens einer homosexuellen Orientierung zu rechnen und 

auch der soziale Druck, welchem homosexuelle Personen dort unter Um-

ständen ausgesetzt sind, vermag grundsätzlich nicht die von Art. 3 Abs. 2 

AsylG geforderte Intensität zu erreichen (vgl. die Urteile des BVGer E-

2647/2020 vom 2. September 2020 E. 7.3, D-5585/2017 vom 19. Septem-

ber 2019 E. 7.3 und 8.2.2, D-3969/2018 vom 26. August 2019 E. 5.2).  

5.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, im Zeitpunkt der Aus-

reise aus Marokko asylrechtlich relevanter Verfolgung seitens der marok-

kanischen Behörden gemäss Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen zu sein. 

Konkrete Anhaltspunkte für eine objektiv begründete Furcht vor künftiger 

gezielter, asyl- respektive flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung des Be-

schwerdeführers durch die heimatlichen Behörden oder Drittpersonen im 

Sinne von Art. 3 AsylG liegen aufgrund der Aktenlage ebenso wenig vor. 

Das SEM hat demnach die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers zutreffend abgelehnt. 

6.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

D-4062/2020 

Seite 18 

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-

ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss Praxis der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigen-

schaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich 

ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen. 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

7.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur 

Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-

führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

D-4062/2020 

Seite 19 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer unter Hinweis auf die vorste-

henden Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Auch die allgemeine 

Menschenrechtssituation in Marokko lässt den Wegweisungsvollzug zum 

heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

7.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.3.1 In Marokko herrscht kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation all-

gemeiner Gewalt, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefähr-

det bezeichnet werden müsste. Der Wegweisungsvollzug dorthin ist daher 

grundsätzlich zumutbar (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2647/2020 

vom 2. September 2020 E. 9.3.2).  

7.3.2 Vorliegend sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer lebte seit 

Kindesalter mit seiner Familie in B._______. Die Geschwister und die Mut-

ter seien nach wie vor dort wohnhaft und würden zwischenzeitlich über ei-

gene Grundstücke und Häuser verfügen. Der Kontakt bestehe wieder. So-

ziale Anknüpfungspunkte sind somit erkennbar. Zudem handelt es sich 

beim Beschwerdeführer um einen alleinstehenden Mann, der grundsätzlich 

nur für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen hat. Seinen Angaben zu-

folge kann er eine Schulbildung sowie in Europa erworbene Arbeitserfah-

rung in verschiedenen Bereichen vorweisen. Es kann somit erwartet wer-

den, dass er sich in wirtschaftlicher Hinsicht wird eingliedern können. Seine 

Einwände, in Marokko in ärmlichen Verhältnissen gelebt zu haben, vermö-

gen nicht gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs zu sprechen. Allfällige wirt-

schaftliche Reintegrationsschwierigkeiten vermögen dem Vollzug nicht ent-

gegenzustehen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, 

D-4062/2020 

Seite 20 

von denen die ansässige Bevölkerung betroffen ist (bspw. Mangel an Ar-

beitsplätzen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen vermö-

gen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). Weder das nicht mehr ganz junge Alter 

des Beschwerdeführers noch seine lange Landesabwesenheit führen vor 

dem Hintergrund des vorstehend Gesagten zur Annahme der Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs. In Bezug auf die dokumentierten gesund-

heitlichen Beschwerden (vgl. aktenkundige Arztberichte vom 18. Oktober 

2019 [Diagnose: (…)] und 20. Dezember 2019 [Diagnosen: (…); Suizidri-

siko aktuell gering; Medikation anschlagend]) ist darauf hinzuweisen, dass 

aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG geschlossen werden kann, 

wenn eine dringend notwendige medizinische Behandlung im Heimatland 

schlicht nicht zur Verfügung steht und die fehlende Möglichkeit der (Weiter-

)Behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-

den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur Invalidität oder gar 

zum Tod der betroffenen Person führt, wobei Unzumutbarkeit jedenfalls 

nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem schweizerischen Stan-

dard entsprechende Behandlung grundsätzlich möglich ist (vgl. BVGE 

2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 

E. 9.3.2). Von einer solchen, den Wegweisungsvollzug unzumutbar ma-

chenden existenziellen medizinischen Notlage ist vorliegend aufgrund der 

Aktenlage nicht auszugehen. Der Beschwerdeführer fand laut den akten-

kundigen medizinischen Unterlagen in der Schweiz fachärztliche Betreu-

ung. Der EGMR anerkennt grundsätzlich keinen Anspruch auf Verbleib in 

einem Konventionsstaat, um weiterhin in den Genuss medizinischer Unter-

stützung zu kommen (vgl. Urteil vom 2. Mai 1997 i.S. D. gegen Vereinigtes 

Königreich) und es ist nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer 

wäre auf eine Behandlung angewiesen, die zwingend nur in der Schweiz 

gewährleistet werden könnte. Marokko verfügt über ein gut entwickeltes 

Gesundheitssystem und es darf davon ausgegangen werden, dass – so-

fern notwendig – eine adäquate medizinische (Weiter-)Behandlung der ge-

sundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers dort gewährleistet ist. 

Die in der Rechtsmitteleingabe angeführten Berichte zu einem Fachkräfte- 

und Medizinalbedarfmangel in ländlichen Gebieten Marokkos vermögen an 

dieser Einschätzung nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer lebte vor sei-

ner Ausreise in der Grossstadt B._______ und Marokko verfügt insbeson-

dere in urbanen Zentren über eine genügende Anzahl von Einrichtungen, 

die psychiatrische oder psychologische Therapien anbieten. Überdies ist 

mit dem RAMED ein Mittel zur Sicherung der medizinischen Grundversor-

gung gegeben, mit dem auch wirtschaftlich bedürftigen Personen der Zu-

gang zum Gesundheitssystem gewährt wird (vgl. hierzu Urteile des BVGer 

D-4062/2020 

Seite 21 

E-285/2020 vom 29. Januar 2020 S. 15 und E-3778/2016 vom 30. April 

2018 E. 7.3.5). Bezüglich der Befürchtung einer Selbstgefährdung bei ei-

nem zwangsweisen Wegweisungsvollzug ist festzuhalten, dass vom Voll-

zug der Wegweisung gemäss konstanter Rechtsprechung nicht Abstand 

genommen wird, solange Massnahmen zwecks Verhütung der Umsetzung 

einer Suiziddrohung getroffen werden können. Dies scheint vorliegend bei 

allenfalls auftretenden suizidalen Tendenzen möglich. Dem Gesundheits-

zustand des Beschwerdeführers ist bei der Vollzugsorganisation mit einer 

angemessenen Vorbereitung Rechnung zu tragen. Es ist zwar nachvoll-

ziehbar, dass der negative Ausgang des Asylverfahrens und die damit ver-

bundene Zukunftsangst eine grosse Belastung für den Beschwerdeführer 

darstellen, aber dies vermag nicht zu rechtfertigen, den Wegweisungsvoll-

zug wegen Vorliegens einer medizinischen Notlage, die im Heimatland 

schlicht nicht behandelbar wäre, als unzumutbar zu bezeichnen. Ohne die 

Schwierigkeiten bei einer Rückkehr nach dem langjährigen Auslandsauf-

enthalt zu verkennen, ist somit insgesamt nicht davon auszugehen, der 

Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Marokko aus individuel-

len Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine 

existenzielle Notlage geraten, die als konkrete Gefährdung im Sinne der zu 

beachtenden Bestimmung zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AIG). 

Bei dieser Sachlage ist im Übrigen gleichzeitig klar, dass in den gesund-

heitlichen Umständen kein völkerrechtliches Wegweisungsvollzugshinder-

nis liegen kann. 

7.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

7.4 Des Weiteren obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-

Pandemie dem Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn über-

haupt, um ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Voll-

zugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist. 

7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

D-4062/2020 

Seite 22 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihm 

aber die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ge-

währt wurde, ist von der Kostenerhebung abzusehen, zumal nicht ersicht-

lich ist, dass der Beschwerdeführer nicht mehr bedürftig wäre. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4062/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

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