# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9af2abe-d947-5115-b591-43361333312b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-25
**Language:** de
**Title:** Befristete Rentenzusprache, Gutheissung und Rückweisung zur Einholung eines Gutachtens.
**Docket/Reference:** IV.2019.00305
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00305.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00305
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
2
5.
September 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1963, reiste im Jahr 1974 aus Italien in die Schweiz ein (Urk. 6/1/1, Urk. 6/1/4). Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte er keine Berufsausbildung (Urk. 6/83/3). Zuletzt war er ab dem 30. Juni 2008 als Lieferwagenchauffeur und Betriebsmitarbeiter Montage im Bereich Feinblech
technik tätig (Urk. 6/6/90, Urk. 6/6/66, Urk. 6/46/1, Urk. 6/83/4). Am 30. Oktober 2014 (Eingang) meldete sich
X.___
unter Hinweis auf seit einem am 6. Mai 2014 erlittenen Berufsunfall bestehende gesundheitliche Beeinträchti
gungen der Lenden
wirbel
säule (LWS) und des rechten Beins bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/1/6, Aktenverzeichnis zu Urk. 6/1-136; vgl. Urk. 6/6/90). Im Zuge ihrer Abklärungen in beruflich-erwerblicher und medizinischer Hinsicht holte die IV
Stelle unter anderem die Akten der Unfallversicherung ein (Urk. 6/6, Urk. 6/15, Urk. 6/26-27, Urk. 6/35). Sie gewährte dem Versicherten sodann am 12. Dezember 2014 respektive 5. Februar und 8. Mai 2015 Frühinterventions
massnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt und Anpassungen des Arbeitsplatzes (Urk. 6/11, Urk. 6/16 Urk. 6/22, Urk. 6/33-34). Die Massnahmen zum Arbeits
platzerhalt wurden am 14. Juli 2015 abgeschlossen (Urk. 6/38). In der Folge löste seine Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 30. September 2015 auf (Urk. 6/46). Nach weiteren Abklärungen kündigte die IV-Stelle
X.___
mit Vorbe
scheid vom 11. März 2016 die Abweisung seines Rentenbegehrens an (Urk. 6/55). Dagegen erhob der Versicherte am 26. April 2016 Einwand (Urk. 6/63, mit ergän
zender
Einwandbegründung
vom 31. August 2016, Urk. 6/70). Aufgrund dieses Einwandes zog die IV-Stelle weitere Arztberichte (Urk. 6/72-73) bei. Am 22. Dezember 2016 stellte der Versicherte einen Antrag auf berufliche Mass
nahmen (Urk. 6/76). Daraufhin gewährte ihm die IV-Stelle am 1. Februar 2017 Arbeitsvermittlung (Urk. 6/80, Urk. 6/91). Die Arbeitsvermittlung wurde per 2. August 2017 abgebrochen, weil sich der Versicherte eine weitere Teilnahme aus psychischen Gründen nicht mehr zutraute (Urk. 6/95-96). Hernach prüfte die IV-Stelle erneut den Rentenanspruch des Versicherten. Zu diesem Zweck holte sie zunächst aktuelle Arztberichte ein (Urk. 6/101, Urk. 6/104, Urk. 6/107-108). Alsdann untersuchten Dr. med.
Y.___
, Fachärztin Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, zertifizierte medizinische Gutachterin, und Dr. med.
Z.___
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle den Versicherten am 8. August 2018 (Urk. 6/112-113). Gestützt auf die Beurteilung des RAD kündigte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 16. August 2018 die Ausrichtung einer vom 1. Juli 2015 bis 30. November 2018 befristeten ganzen Rente an (Urk. 6/119), wogegen dieser keinen Einwand erhob.
In der Folge sprach die IV-Stelle
X.___
mit Verfügung vom 13. März 2019 wie vorbeschieden für die Zeitperiode vom 1. Juli 2015 bis 30. November 2018 eine ganze Rente zu (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X.___
mit einer am 29. April 2019 der Post
über
ge
benen Eingabe Beschwerde
.
Sinngemäss beantragte er die Weiteraus
richtung einer Invalidenrente über Ende November 2018 hinaus (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2019 Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der IV-Akten, Urk. 6/1-136), was dem Beschwerdeführer am 3. Juni 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Daraufhin reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Juni 2019 (Urk. 8) das Ärztliche Attest von Dr. med.
A.___
, FMH für Innere Medizin, vom 28. April 2019 (Urk. 9) ein. Die Beschwerdegegnerin erhielt eine Kopie dieser Eingabe (Urk. 10).
Mit Beschluss vom
2
8.
Mai 2020 wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt, um zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen
(
Urk.
11)
.
Der Beschwerdeführer liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist der
Rentenanspruch des
Beschwerdeführer
s
.
1.2
In der angefochtenen Verfügung vom 13. März 2019 führte die Beschwerde
gegnerin aus, dass der Beschwerdeführer gestützt auf ihre Abklärungen bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab 1. Juli 2015 Anspruch auf eine ganze Rente habe (Urk. 2, Begründung S. 1). Alsdann habe der RAD den Beschwerdeführer am 8. August 2018 untersucht. Diese Untersuchung habe ergeben, dass spätestens ab
dem Untersuchungs
datum wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwer
de
führers bestanden habe. Ab diesem Datum resultiere beim Einkommensver
gleich ein Invaliditätsgrad von 0 %. Gestützt auf Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) sei diese Verbesserung der Erwerbsfähigkeit nach drei Monaten zu berücksichtigen. Damit habe der Beschwerdeführer ab dem 1. Dezember 2018 keinen Anspruch auf eine Invalidenrente mehr (Urk. 2, Begründung S. 2).
1.3
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, dass sich seine gesundheitliche Situation sei
t
Anfang des Jahres 2019 verschlechtert habe. Er sei nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 1). Diesbezüglich sei auf das Arbeitsunfähigkeits-
z
eugnis von Dr.
A.___
vom 16. April 2019 (Urk. 3/2) und dessen
ä
rztliches Attest vom 28. April 2019 (Urk. 9) zu verweisen (Urk. 1). Zusätzlich sei er in Behandlung bei einem Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seine Rückenbeschwerden hätten sich massiv verschlechtert und das letzte MRI vom 12. April 2019 habe ergeben, dass wieder eine Bandscheibenoperation durchge
führt werden müsse (Urk. 1).
2.
2.1
2.1.1
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflag
e 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder
Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.1.2
Zu
berücksichtigen ist sodann, dass
das Sozialversicherungsgericht
n
ach ständi
ger Rechtsprechung die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen beziehungsweise der
Einspracheentscheide
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war
,
beurteilt. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b)
.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwen
den (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Ren
tenbeginns mit dem
jenigen im -
nach Massgabe des analog anwendbaren Art.
88a Abs. 1 IVV fest
zusetzenden -
Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
2.5
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Ein
gliederungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizi
nisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenan
strengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Per
son in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungs
potenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE
145 V 209 E. 5.1).
Die Rechtsprechung, wonach es bei der
wieder
erwägungs
- oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invaliden
rente bei zurückgelegtem 55. Alters
jahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Renten
bezug grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durchzuführen gilt, findet auch dann Anwendung, wenn zeitgleich mit der
Rentenzusprache
über deren Befristung und/oder Abstufung befunden wird (BGE 145 V 209 E. 5.4). Denn die rückwirkende
Zusprache
einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich befristeten Invaliden
rente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Rentenanspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG. Auch in dieser Konstellation sind Versicherte betroffen, die zufolge invalidisierender Beein
trächtigung ihrer Gesundheit (d.h. invaliditätsbedingt) über einen mehr oder
weniger langen Zeitraum überhaupt nicht mehr oder nur noch beschränkt einge
gliedert waren (E. 5.3).
2.6
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE
125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
3.
3.1
In den Akten finden sich die folgenden
entscheidrelevanten
medizinischen Berichte zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers:
3.2
Nach einem am 6. Mai 2014 erlittenen Unfall (vgl. Urk. 6/6/90) begab sich der Beschwerdeführer wegen heftigsten Lumbalgien am 11. Mai 2014 ins
Spital
B.___
(Urk. 6/6/42). Nachdem Cortison appliziert worden war, konnte der Beschwerdeführer am 12. Mai 2014 wieder entlassen werden (Urk. 6/6/41).
3.3
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr.
A.___
, welcher den Beschwerde
führer seit November 2010 behandelt (vgl. Urk. 6/42/1), attestierte ihm ab dem 7. Mai 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Dieses Arbeitsunfähigkeitsattest wurde nach weiteren Untersuchungen jeweils verlängert. Auch nach der Unter
suchung vom 5. September 2014 attestierte Dr.
A.___
dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/6/38, Urk. 6/6/58, Urk. 6/6/65, Urk. 6/6/74, Urk. 6/6/78, Urk. 6/6/82-86).
3.4
In seinem Bericht zur kreisärztlichen Untersuchung vom 5. September 2014 hielt Dr. med.
C.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, unter anderem fest, dass sich der Beschwerdeführer am 6. Mai 2014 bei der Arbeit zuerst eine Kontusion und anschliessend eine axiale Stauchung mit
Schmerz
exazerbation
lumbal zugezogen habe. Eine stationäre Behandlung am
Spital
B.___
sei aufgrund der
invalidisierenden Schmerzsymptomatik notwendig ge
worden. Im Verlauf sei es zu einer Besserung gekommen. Eine CT-gesteuerte Infiltration sei geplant wor
den, worauf eine
radikuläre
Symptomatik manifest geworden sei. Mittlerweile sei die Behandlung von Dr.
D.___
am Spital
E.___
übernommen worden. Eine Besserung habe erreicht werden können. Es bestünden Rest
beschwerden im
Dermatom
S1, wobei elektromyografische Veränderungen nach
weisbar gewesen seien. Eine Diskographie sei gemäss Aus
sagen des Beschwerde
führers geplant, welche er aber nicht durchführen lassen möchte. Aufgrund der Erfahrungen am
Spital
B.___
könne er seine Skepsis nachvollziehen. Er werde den Beschwer
deführer zur weiteren Beurteilung der lumbalen Verände
rungen für eine MRI
Unter
suchung am offenen MRI an der
Klinik
F.___
anmelden. Die Reduktion der wöchentlichen Physio
therapiesitzungen sei nicht nachvoll
ziehbar. Aufgrund der subjektiven Beschwerdebesserung, sollte schrittweise ein Muskelaufbau durchgeführt werden. Ein Heimprogramm sei notwendig. Aber eine kontinuierliche, therapeutische Führung sollte gewähr
leistet werden. Aufgrund der Motivation des Beschwerde
führers sowie der aktuel
len klinischen Befunde habe er ihm einen Aufenthalt in
G.___
vorge
schlagen (Urk. 6/6/34).
3.5
Der Beschwerdeführer befand sich vom 7. Oktober bis 25. November 2014 zur stationären Rehabilitation in der Rehaklinik
G.___
(Urk. 6/15/4). Deren Ärzte stellten im Austrittsbericht vom 26. November 2014 die Diagnosen direkte Kontu
sion sowie axiales Stauchungstrauma der Brustwirbelsäule (BWS)/Lendenwirbel
säule (LWS) und
Radikulopathie
im S1-Dermatom im Anschluss an die Infiltra
tion am 12. Mai 2014 (Urk. 6/15/4). Sie hielten im Bericht
zusammenfassend
fest, dass während des Aufenthalts keine wesentliche Verbesserung der Schmerz
problematik habe erreicht werden können. Die körperliche Leistungs
fähigkeit und Belastbarkeit hätten beim Training auf einem guten Niveau nur leicht gesteigert werden können. Bezüglich der Stabilisierungsfähigkeit der Wirbelsäule habe eine gewisse Verbesserung erzielt werden können (Urk. 6/15/6).
Die Ärzte der Rehaklinik
G.___
führten sodann aus, dass die arbeitsrelevanten Probleme die von der Lendenwirbelsäule in den rechten Ober- und Unterschenkel bis in die Ferse und den vierten und fünften Strahl des Fusses rechts aus
strahlende Schmerzen umfassen würden. Der Beschwerdeführer habe zuletzt in der körper
lich sehr schweren Tätigkeit als LKW-Chauffeur gearbeitet. Diese Tätigkeit sei bei wiederholtem Hantieren mit schweren Lasten nicht mehr zumutbar (Urk. 6/15/6).
Es werde beim bisherigen Arbeitgeber ein Arbeitsversuch (in einer leichteren Tätigkeit als Chauffeur und im internen Postdienst) durchgeführt, beginnend mit einer reduzierten Leitungsanforderung von 50 % ab dem 1. Januar 2015 (aus betriebsorganisatorischen Gründen sei ein Wiedereinstieg im bisherigen Betrieb
zu einem früheren Zeitpunkt nicht möglich), bis zum 12. Februar 2015 sollte die Arbeitsunfähigkeit auf 0 % reduziert werden können (Urk. 6/15/7).
3.6
Suva-Kreisarzt Dr. med.
H.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, stellte nach seiner Unter
su
chung des Beschwerdeführers vom 2. März 2015 die Diagnose
radiku
läres
Schmerzsyndrom S1 rechts (Urk. 6/27/4).
Dazu hielt er unter anderem fest, dass eine erneute neurologische Standort
be
stimmung mittels EMG mit der Frage nach allfälliger Besserung der im Juli 2014 elektromyographisch beschriebenen Hinweise auf eine leichte
Denervierung
des
Musculus
gastrognemius
rechts nötig sei (Urk. 6/27/4). Bis dahin solle die bishe
rige 50%ige Arbeitsfähigkeit beibehalten werden (Urk. 6/27/4-5).
3.7
Dr. med.
I.___
,
leitender Arzt Neurologie, S
pital
E.___
, führte in seinem Bericht vom 20. April 2015 zur ambulanten Untersuchung vom 15. April 2015 unter anderem aus, dass im Vergleich zur Voruntersuchung vom Juli 2014 keine pathologische Spontanaktivität mehr nachweisbar sei. Es bestünde eine leichte chronisch neurogene Veränderung im M.
gastrocnemius
rechts (Urk. 6/31/3).
3.8
Dr. med.
J.___
, FMH Rheumatologie und Innere Medizin, hielt nach der Untersuchung des Beschwerdeführers vom 3. Juni 2015 fest, dass insgesamt die aktuelle Schmerzanamnese mit intermittierend einschiessenden brennenden Schmerzen von kurzer Dauer sehr suggestiv für ein neuropathisches Schmerz
syndrom sei. Passend dazu sei die
Druckallodynie
der Ferse. Die vom Beschwerde
führer empfundene gestörte
Sudomotorik
im rechten Fuss wäre zudem ein Hin
weis auf eine
Algodystrophie
(CRPS), wobei die Behaarung und die Haut lokal unauffällig erscheinen würden. Die Anamnese und die Klinik würden zur Diagnose e
ines begleitenden
lumbovert
ebralen
Syndroms bei symptomatischem Facettengelenk L5/S1 rechts führen. Wegen des längerdauernden schmerz
be
dingten Meidungsverhaltens sei es sicherlich zu einer Haltungsschwäche der LWS gekommen. Klinisch bestehe der Verdacht einer beginnenden
Coxarthrose
rechts bei inguinalen Schmerzen bei der
Innenroation
der Hüfte (Urk. 6/42/7).
3.9
In seinem Bericht vom 28. Juli 2015 stellte Dr.
A.___
die folgenden Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/42/1):
-
LWS-Syndrom,
mediolateraler
Bandscheibenprolaps (BPS) L5/S1 rechts (Juni 2014),
radikuläres
S1-Symptom
-
Neuropathisches Schmerzsyndrom bei Zustand nach
lumboradikulärem
Syndrom S1 (Dr.
J.___
Juni/2015)
-
Lumbale Facett
en
gelenksarthrose
-
Depressive Störung
Er attestierte dem Beschwerdeführer sodann die folgende Arbeitsunfähigkeit als LKW-Chauffeur: 100% vom 7. Mai bis 31. Dezember 2014, 50% vom 1. Januar bis 30. Juni 2015 sowie 100 % vom 1. bis 8. Juli 2015 (Urk. 6/42/2). Dazu führte er aus, dass dem Beschwerdeführer eine wechselbelastende Tätigkeit während maximal vier Stunden pro Tag zumutbar sei (Urk. 6/42/5).
Am 20. Juni 2016 beantwortete Dr.
A.___
eine Anfrage der damaligen Rechts
vertreterin des Beschwerdeführers dahingehend, dass er eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit als nicht gegeben erachte. Rein körperlich erscheine ihm eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit den von ihr angesprochenen Einschränkungen gegeben zu sein (Urk. 6/69/1).
3.10
Dem Versicherungsbericht des
Rehazentrums
K.___
vom 7. November 2016 zum dortigen Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 13. Mai bis 2. Juni 2016 ist zu entnehmen, dass eine berufliche Reintegration am ehesten in einer angepassten leichten, wechselbelastenden Tätigkeit im Pensum von 40 bis 50 % realistisch
erscheine. Dies anhand der beobachteten wechselhaften Schmerz
phasen und der Selbstwirksamkeit des Beschwerdeführers im Stationsalltag (Urk. 6/72/3).
3.11
Im Formularbericht vom 10. November 2016 hielt Dr.
J.___
namentlich fest, dass er den Beschwerdeführer vom 3. Juni 2015 bis zum 6. April 2016 behandelt habe, und legte seine an den Hausarzt Dr.
A.___
gerichteten Berichte vom 3. Juni und 3. Dezember 2015 sowie vom 6. April 2016 bei (Urk. 6/73). Die Frage nach der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers beantwortete
er
dahingehend, dass aus rheumatologischer Sicht schwere körperliche Arbeiten zurzeit eher nicht durchführbar seien, mittelschwere körperliche Tätigkeiten in einem zeitlich limi
tierten Umfang während zwei bis drei Stunden am Tag und leichte körperliche Arbeiten zu 50 % (Urk. 6/73/1). Auch längeres Stehen und Laufen sowie wieder
holtes Bücken sei
en
nur beschränkt möglich (Urk. 6/73/2).
3.12
Am 21. November 2017 wurde der Beschwerdeführer wegen einer kleinen
transligamentär
sequestrierten Diskushernie L5/S1 rechtsseitig mit Affektion de
r Nervenwurzel S1 rechts im
Spital
E.___
operiert (Urk. 6/103/3).
3.13
3.13.1
RAD-Arzt Dr.
Z.___
stellte in seinem Bericht vom 10. August 2018 die fol
genden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/113/7-8):
-
Belastungsschmerz der LWS, LWS-Syndrom mit/bei
-
ausstrahlender Schmerzsymptomatik in das rechte Bein
-
Fussheberschwäche
rechts
-
rezidivierende
n
Wurzelreizungen S1 rechts
-
Status nach
Interlaminotomie
L4/5 rechts,
Flavektomie
,
Rezessotomie
,
Mikrodisektomie
L5/S11 rechts und Teildisk
ek
tomie am 21. November 2017 bei kleiner
transligamentär
sequestrierter Diskushernie
L
5/S1 rechts mit Affektion der Nervenwurzel S1 rechts
-
Facettengelenkarthrosen der LWS
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (Urk. 6/113/8):
-
Unklare Oberbauchschmerzen rechts
-
Status nach Ulcus
ventriculi
-
Endgradiger
Bewegungsschmerz bei Abduktion und Anteversion rechte Schulter mit/bei Verdacht auf beginnendes
Impingement
-Syndrom rechts
-
Beginnende
Koxarhrose
rechts
3.13.2
In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung führte Dr.
Z.___
aus, dass beim 55-jährigen Beschwerdeführer in Kenntnis der
Vorakten
und der Ergebnisse der körperlichen Untersuchung vom 8. August 2018 ein somatischer Gesund
heits
schaden, der seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, ausgewiesen sei. In seiner bisherigen Tätigkeit als Chauffeur und für sämtliche schweren bis mittel
schweren dauerhaften Tätigkeiten bestehe folgender Verlauf der Arbeitsunfähig
keit: 7. Mai bis 31. Dezember 2014: 100 %, 1. Januar bis 30. Juni 2015: 50 % sowie 1. Juli 2015 bis auf Weiteres: 100 % (Urk. 6/113/8). Aus versicherungs
medizinischer Sicht bestehe nach Operation der Lendenwirbelsäule eine vermin
derte Belastbar
keit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transpor
tieren von Lasten, für Arbeiten mit Überstreckbelastung der Wirbel
säule über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken und Arbeiten in vorgeneigter Körperposition sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Rein sitzende Tätig
keiten seien nicht möglich. Aus somatischer Sicht seien schwere bis dauerhaft mittel
schwere Tätigkeiten auf Dauer nicht mehr zumutbar (Urk. 6/113/8).
Alsdann hielt Dr.
Z.___
fest, dass sich im Bereich des rechten Schulter
ge
lenks eine
Impinge
ment-Symptomatik
entwickle. Der Befund sei bei den klini
schen Untersuchungen positiv gewesen, insbesondere habe eine deutliche Druck
schmerzhaftigkeit über dem rechten AC-Gelenk bestanden. Sollte es zu einer weiteren Zunahme der Sympto
matik kommen, würde das nachstehende Belastungsprofil auch für das rechte Schultergelenk gelten: Leichte (angepasste) Tätigkeiten in Wechsel
belas
tung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten bis 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvor
haltebelastungen und Überkopf
arbeiten seien dem Beschwerdeführer medizinisch
theoretisch weiterhin gegebe
nenfalls zumutbar. Aufgrund der langen Arbeitsun
fähigkeit seien aus medizinischer Sicht begleit
ende Eingliederungs
mass
nahmen
zu empfehlen. In einer angepassten Tätigkeit sei der Beschwerde
führer vom 7. Mai bis 31. Dezember 2014 zu 100 %, von 1. Januar bis 30. Juni 2015 zu 0 % und vom 1. Juli 2015 bis 7. August 2018 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 8. August 2018 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, die aber im Laufe eines halben Jahres auf eine 80 bis 100%ige Arbeits
fähigkeit gesteigert werden könne (Urk. 6/113/9).
Am 15. August 2018 hielt RAD-Arzt Dr.
Z.___
ergänzend fest, dass er den berufliche
n
Wiedereinstieg des Beschwerdeführers in einem 50%-Pensum mit langsamer Steigerung des Pensums wegen dessen
Dekonditionierung
empfohlen habe (Urk. 6/116/8).
3.
14
3.
14
.1
Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung untersuchte Dr. med.
L.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, den Beschwerdeführer am 11. September und erstattete am 15. September 2015 sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/51/4). Er stellte die Diagnosen Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) sowie schädlicher Alkoholkonsum, die in den vorliegenden Berichten angeführte Diagnose einer reaktiven Depression könne nicht nachvollzogen werden (Urk. 6/51/11-15). Er attestierte dem Beschwerdeführer keine Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (Urk. 6/51/14).
3.
14
.2
Dipl. Arzt
M.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der Krankentaggeldversicherung am 22. März 2016 über die am 2. Sep
tember 2015 begonnene Behandlung (stützende Psychotherapie mit wöchentli
chen Sitzungen). Der Arzt diagnostizierte eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.1) bei Problemen mit Bezug auf die Lebensbe
wältigung (ICD-10: Z73.9) vor dem Hintergrund von Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Derzeit bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 0 %; eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei nicht absehbar (Urk. 6/69/2-3).
3.
14
.3
Gemäss dem Bericht der RAD-Psychiaterin Dr.
Y.___
vom 9. August 2018 war der psychopathologische Befund bei der Unter
suchung vom Vortag absolut unauf
fällig (Urk. 6/112/6). Laut Dr.
Y.___
bestanden damals keine psychiatrischen Diagnosen mit langanhaltender/dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Eine leichte, schon lange bestehende
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10: F40.01) sei ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/112/6-7). Sie attestierte dem Beschwerdeführer rückwirkend folgende Arbeitsunfähigkeit sowohl in der bisherigen wie auch in angepasster Tätigkeit:
100 % vom 7. Mai bis 31. Dezember 2014, 50 % vom 1. Januar bis 30. Juni 2015, 100 % vom 1. Juli 2015 bis 2. Juni 2016, 50 % vom 3. Juni 2016 (ab Austritt aus dem
Rehazentrum
K.___
) bis 8. August 2018 (Urk. 6/112/7).
4.
4.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass bei einer rückwirkend befristeten
Rentenzu
sprache
gleichzeitig eine Rente zugesprochen und diese revisionsweise aufgeho
ben wird, was stets einen Vergleich der zeitlich massgebenden Sachverhalte sowie eine erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse zwischen Rentenbeginn und revisionsweiser Aufhebung erfordert (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d). Es muss sowohl der Sachverhalt, welcher der
Rentenzusprache
zugrunde liegt, wie auch derjenige, welcher Grundlage für die revisionsweise Aufhebung der Rente bildet, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein.
4.2
Dies ist auch bei der im vorliegenden Verfahren angefochtenen Verfügung
der Beschwerdegegnerin
vom 13. März 2019 zu beachten
. Laut dieser Verfügung hat
der
Beschwerdeführer rückwirkend für die Zeitperiode vom 1. Juli 2015 bis 30. November 2018
An
spruch auf
eine ganze Invalidenrente
(Urk. 2)
. Hierbei stellte d
ie Beschwerde
gegnerin
in medizinischer Hinsicht im
Wesentlichen auf die RAD-Unter
suchungsberichte
vo
n Dr.
Y.___
und Dr.
Z.___
vom
9.
und
10. August 2018
(
Urk.
6/112, Urk. 6/113
)
und
der
Besprechung
ihrer Fach
expertin und ihrer Kundenberaterin mit
den
Dres
.
Y.___
und
Z.___
vom 1
5.
August 2018
ab
(Urk. 6/116/8-9).
4
.3
4.3.1
Aus den RAD-Untersuchungsberichten ergibt sich, dass s
owohl Dr.
Y.___
als auch Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeit
attestieren (
Urk.
6/112/7,
Urk.
6/113/8-9)
. Es lässt sich jedoch nicht nachvoll
ziehen, worauf sie ihre jeweiligen Feststellungen stützen. Da in beiden RAD
Unter
suchungsberichten keine Aktenzusammenfassung gemacht wurde, ist zunächst unklar, welche Berichte von Dr.
Y.___
und Dr.
Z.___
berück
sichtigt wurden.
4.3.2
Ferner wird nicht begründet, weshalb Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit vom 1. Januar bis 30. Juni 2015 nur noch eine 50 % Arbeitsunfähigkeit attestiert hat (Urk. 6/113/8). Dies lässt sich so nicht auf die Akten stützen. Jedenfalls lässt sich dies nicht daraus herleiten, dass der Beschwer
deführer im Januar 2015 wieder in einem 50%-Pensum bei seiner bishe
rigen Arbeitgeberin gearbeitet hat (Urk. 6/39/1). Dem Verlaufsprotokoll Einglie
de
rungsberatung vom 14. Juli 2015 und dem Austrittsbericht der Rehaklinik
G.___
vom 26. November 2014 ist zu entnehmen, dass zur Tätigkeit ab Januar 2015 eine leichtere Chauffeur-Tätigkeit (ohne die vom Beschwerdeführer vor dem Unfall vom 6. Mai 2014 verrichteten Montagearbeiten) und die Arbeit im internen Postdienst gehörten (Urk. 6/15/6, Urk. 6/39/1). Es handelte sich somit nicht um die angestammte Tätigkeit. Der Beschwerdeführer war vor dem Unfall vom 6. Mai 2014 seit dem 30. Juni 2008 als Lieferwagenchauffeur und Betriebsmitarbeiter Montage im Bereich Feinblech
technik tätig (Urk. 6/6/90, Urk. 6/6/66, Urk. 6/46/1, Urk. 6/83/4). Alsdann führte Dr.
Z.___
aus, dass sich in den medizinischen Akten keine Angaben zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angepasster Tätigkeit finden lassen würden (Urk. 6/113/8). Dies trifft jedoch nicht zu. Gemäss den Berichten von Dr.
A.___
vom 28. Juli 2015 und 20. Juni 2016 hatte die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidensan
gepassten Tätigkeit jeweils 50 % betragen (Urk. 6/42/5, Urk. 6/69/1). Im Formularbericht vom 10. November 2016 hielt
Dr.
J.___
namentlich fest, dass für den Beschwer
deführer aus rheumatolo
gischer Sicht schwere körperliche Arbeiten zurzeit eher nicht durchführbar seien. Mittelschwere körperliche Tätigkeiten seien ihm aber in einem zeitlich limitierten Umfang während zwei bis drei Stunden am Tag und leichte körperliche Arbeiten zu 50 % zumutbar (Urk. 6/73/1). Es ist daher unklar, weshalb gemäss Dr.
Z.___
ab 1. Juli 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % auch in angepasster Tätigkeit bestanden haben soll, widerspricht dies doch den Angaben der behan
delnden Ärzte Dr.
A.___
und Dr.
J.___
.
4.3.3
Bei der Beurteilung von
Dr.
Y.___
erscheint fraglich, ob sie alle Akten gewürdigt hat, da sie nicht
auf das Gutachten von Dr.
L.___
eingeht und die Arbeitsunfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters diskussionslos über
nimmt. Im Auftrag der Kranken
taggeldversicherung untersuchte Dr.
L.___
den Beschwerdeführer am 11. September und erstattete am 15. September 2015 sein psychiatrisches Gut
achten (Urk. 6/51/4). Er stellte die Diagnosen Anpas
sungsstörung (ICD-10: F43.2) sowie schädlicher Alkoholkonsum, die in den vorliegenden Berichten angeführte Diagnose einer reaktiven Depression könne nicht nachvollzogen werden (Urk. 6/51/11-15). Er attestierte dem Beschwerde
führer jedoch keine Arbeitsun
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (Urk. 6/51/14). Im Gegensatz dazu attestierte die RAD-Psychiaterin Dr.
Y.___
dem Beschwerde
führer vom 1. Juli 2015 bis 2. Juni 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 6/112/7), ohne die Abwei
chung vom Gutachten von Dr.
L.___
vom
15. September 2015 (Urk. 6/51/4
14) zu begründen.
4
.4
Weil die Beschwerdegegnerin bezüglich des bisherigen Verlaufs der Arbeitsun
fä
higkeit des Beschwerdeführers auf diese nicht nachvollziehbaren Einschätzun
gen von
Dr.
Y.___
und Dr.
Z.___
abgestellt hat, beruht ihre
rückwirkende
Rentenzusprache
für den Zeitraum ab
1. Juli 2015
auf einem unrichtig und unvollständig ermittelten Sachverhalt.
Die von der Beschwerdegegnerin bislang beigezogenen Arztberichte lassen keine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers zu.
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig
sei
und sich seine Rücken
beschwer
den und seine psychischen Beschwerden sei
t
An
fang des Jahres 2019 gar noch verschlechtert hätten (Urk. 1).
Er
macht somit geltend, dass die ganze Invaliden
rente zu Unrecht bis
30. November 2018 befristet wurde (vgl. Urk. 2 S. 1).
Dazu ist festzuhalten, dass nicht beurteilt werden
kann
, ob eine revisions
rechtlich erhebliche Verbesserung eingetreten ist und die Rente zu Recht befristet worden ist, wenn sich
der medizinische Sachverhalt, auf dem die (befristete)
Rentenzu
sprache
beruht, nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit feststellen
lässt.
Zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts sowie des Verlaufs der Arbeits
fä
higkeit des Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin daher ein Gutachten einzuholen, bei welchem zumindest Ärztinnen und/oder Ärzte der Fachrich
tun
gen
Rheumatologie
und Psychiatrie beteiligt sind.
Je nach dem Ergebnis dieser Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin beim 1963 geborenen Beschwerdeführer zudem
er
neut Eingliederungsmassnahmen zu prüfen und durchzuführen, bis der Beschwerde
führer in der Lage ist, das medizi
nisch-theoretisch wieder ausgewiesene Leis
tungspotenzial mittels Eigen
an
strengung auszuschöpfen und erwerblich zu ver
werten (vgl. BGE 145 V 209 E. 5.1 und 5.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2020
vom 1
9.
Mai 2020
E. 2.3.3
).
5.
Die angefochtene Verfügung vom 1
3.
März 2019 (
Urk.
2) ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Sie hat die
Abklärungen im Sinne der Erwägungen
durchzuführen und hernach bezüglich des Renten
an
spruchs des Beschwerdeführers eine neue V
erfügung
zu erlassen
. Die Beschwerde ist in
diesem
Sinne gutzuheissen,
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig
(Art. 69 Abs. 1
b
is
IVG)
.
Nach stän
diger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden
Partei (vgl. BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
Gerichts
kosten
in der Höhe von Fr. 700.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
sind.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 1
3.
März 2019 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen neu
über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
ver
füge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher