# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e64525fb-5953-521a-bd14-8f4fbf2333e7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2020 D-3915/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3915-2020_2020-09-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3915/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

mit Zustimmung von Richter Markus König; 

Gerichtsschreiberin Teresia Gordzielik. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik),  

vertreten durch MLaw Michèle Künzi,  

Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,   

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Wegweisung und Wegweisungsvollzug  

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  

Verfügung des SEM vom 23. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

D-3915/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 17. Dezember 2014 in der Schweiz 

um Asyl nach. Mit Verfügung vom 28. Januar 2015 lehnte das SEM das 

Asylgesuch ab. Eine gegen diese Verfügung betreffend die Flüchtlingsei-

genschaft und den Wegweisungsvollzug erhobene Beschwerde hiess das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-892/2015 vom 6. November 2015 

gut und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. 

A.b Mit Schreiben vom 25. August 2017 teilte Herr B._______ (N […]), ein 

chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie, welcher am 23. Mai 

2014 als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde, dem 

SEM mit, dass er beabsichtige, die Beschwerdeführerin zu heiraten, und 

sie ein Kind von ihm erwarte. 

A.c Mit Verfügung vom 31. August 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch 

der Beschwerdeführerin abermals ab. Im Rahmen der Wegweisung hielt 

es fest, da sie mit ihrem Partner nicht verheiratet und ihr gemeinsames 

Kind noch nicht geboren sei, könne sie sich nicht auf Art. 8 EMRK berufen. 

Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesverwaltungsge-

richt mit Urteil D-5676/2017 vom 17. Oktober 2017 wegen Verspätung nicht 

ein. 

B.  

Am 11. Oktober 2017 heiratete die Beschwerdeführerin Herrn B._______.  

C.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 23. Oktober 2017 ersuchte Herr 

B._______ um Einbezug der Beschwerdeführerin in seine Flüchtlingsei-

genschaft. Zugleich wies er darauf hin, dass die Beschwerdeführerin im 

(…) Monat schwanger sei. 

D.  

Am (…) wurde ihr erstes gemeinsames Kind, C._______, geboren. 

E.  

E.a Mit Verfügung vom 19. Juni 2018 – eröffnet am 20. Juni 2018 – lehnte 

das SEM das Gesuch des Ehemannes um Einbezug der Beschwerdefüh-

rerin in seine Flüchtlingseigenschaft ab. 

D-3915/2020 

Seite 3 

E.b Mit gesonderter Verfügung vom selben Tag wurde das Kind C._______ 

in die Flüchtlingseigenschaft des Vaters einbezogen und vorläufig aufge-

nommen. 

E.c Gegen die Verfügung vom 19. Juni 2018 betreffend die Beschwerde-

führerin liess der Ehemann mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 

19. Juli 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Das 

Beschwerdeverfahren wird unter dem Aktenzeichen D-4189/2018 geführt. 

F.  

Mit gesonderter Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 19. Juli 2018 stellte 

die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Einbezug in die vorläufige Auf-

nahme ihres Ehemannes und ihrer Tochter gestützt auf Art. 44 AsylG (SR 

142.31). In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um den Erlass vorsorglicher 

Massnahmen und um Verzicht auf die Erhebung eines Gebührenvorschus-

ses.  

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, seit der Rechtskraft 

des ablehnenden Asylentscheids vom 31. August 2017 sei angesichts der 

Eheschliessung mit Herrn B._______ und der Geburt ihres gemeinsamen 

Kindes C._______ ein neuer Sachverhalt eingetreten. Beide seien als 

Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Im Hinblick auf ihr Recht auf Einheit 

der Familie gemäss Art. 8 EMRK sei der Vollzug ihrer Wegweisung aus der 

Schweiz als unzulässig zu erachten. Die ursprüngliche Verfügung sei da-

nach aufzuheben und sie sei gemäss Art. 44 AsylG in die vorläufige Auf-

nahme ihrer Tochter respektive ihres Ehemannes einzuschliessen. 

G.  

Im Rahmen der Vernehmlassung vom 15. August 2018 im Beschwerdever-

fahren D-4189/2018 informierte das SEM das Gericht über den Eingang 

des Gesuchs vom 19. Juli 2018 und hielt fest, dass Letzteres als Wieder-

erwägungsgesuch registriert und das Verfahren bis zum Abschluss des Be-

schwerdeverfahrens D-4189/2018 sistiert werde.  

H.  

Am 15. Juli 2020 kam das zweite gemeinsame Kind, D._______, zur Welt. 

I.  

Mit Verfügung vom 23. Juli 2020 – eröffnet am 27. Juli 2020 – trat das SEM 

auf das Wiedererwägungsgesuch vom 19. Juli 2018 in Anwendung von 

Art. 9 Abs. 2 VwVG nicht ein.  

D-3915/2020 

Seite 4 

J.  

Gegen diese Verfügung liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer 

Rechtsvertretung vom 3. August 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde erheben und beantragen, der angefochtene Entscheid des SEM 

sei aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Gesuch einzutre-

ten. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege einschliesslich Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses sowie um Rechtsverbeiständung. 

Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung, einer Post-

information über ihre Zustellung und einer Vollmacht – in Kopie ein Ge-

burtsregisterauszug betreffend das zweite Kind, D._______, sowie eine 

Honorarnote bei.  

K.  

Am 7. August 2020 wurde der Rechtsvertretung der Eingang der Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht bestätigt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen 

Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so 

auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das 

bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

des AsylG vom 25. September 2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die 

Beschwerdeführerin ist beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

D-3915/2020 

Seite 5 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Das vorliegende Verfahren wird koordiniert mit dem Beschwerdeverfahren  

D-4189/2019 betreffend die Ablehnung des Einbezugs der Beschwerde-

führerin in die Flüchtlingseigenschaft und vorläufige Aufnahme ihres Ehe-

mannes gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG behandelt. 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).  

 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

Verfahrensgegenstand ist der Nichteintretensentscheid des SEM gemäss 

Art. 9 Abs. 2 VwVG. 

6.  

6.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen das 

SEM es ablehnt, auf eine Eingabe mangels funktioneller Zuständigkeit ein-

zutreten, ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grund-

sätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz ihre Zuständigkeit zu 

Recht oder zu Unrecht verneint hat. Die funktionelle Zuständigkeit be-

schlägt die Frage, welche (örtlich und sachlich zuständige) Instanz für die 

Behandlung eines Rechtsmittels zuständig ist (vgl. zur funktionellen Zu-

ständigkeit THOMAS FLÜCKIGER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Pra-

xiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, N 14 ff. zu Art. 7 VwVG).  

6.2 Erachtet eine Behörde ihre Zuständigkeit als eindeutig nicht gegeben 

oder als zweifelhaft, gelangt gemäss Art. 8 VwVG grundsätzlich ein verwal-

tungsinternes Verfahren – ohne Erlass einer Verfügung – zur Anwendung 

mit dem Ziel, die zuständige Behörde zu ermitteln. Art. 9 Abs. 2 VwVG 

durchbricht dieses Prinzip für den Fall, dass eine Partei die Zuständigkeit 

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Seite 6 

der Behörde – entgegen deren eigener Beurteilung – behauptet. In dieser 

Situation schreibt das Gesetz der Behörde vor, mittels Verfügung über ihre 

Zuständigkeit zu befinden. Dadurch wird der betroffenen Partei die Mög-

lichkeit eröffnet, ihren Standpunkt auf dem Rechtsmittelweg geltend zu ma-

chen (vgl. FLÜCKIGER, a.a.O., N 8 ff. zu Art. 9 VwVG).  

6.3 Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe ihrer im Asylrecht ausgewie-

senen Rechtsvertretung ein Gesuch um Einbezug in die vorläufige Auf-

nahme ihrer Tochter respektive ihres Ehemannes gemäss Art. 44 AsylG 

zum Ausdruck bringen, dass sie das SEM für die Beurteilung des Gesuchs 

als zuständig erachtete. Das SEM war danach gehalten, mittels Verfügung 

über seine Zuständigkeit zu befinden. Soweit die Beschwerdeführerin in 

ihrer Beschwerde rügt, ein Nichteintreten mangels Zuständigkeit nach zwei 

Jahren sei treuwidrig und verstosse gegen Art. 8 Abs. 1 VwVG, ist sie auf 

ihr eigenes Begehren zu verweisen, namentlich die Beurteilung des Ge-

suchs durch das SEM sowie nunmehr – auf Beschwerdeebene – die Beur-

teilung der Zuständigkeit durch das Gericht.  

7.  

7.1 Das SEM führte zur Begründung seines Nichteintretensentscheids aus, 

nachdem es das Gesuch vom 19. Juli 2018 als Wiedererwägungsgesuch 

gegen die ablehnende Einbezugsverfügung vom 19. Juni 2018 entgegen-

genommen habe, sei es nach nochmaliger Prüfung des Gesuchs zum 

Schluss gekommen, dass es für eine Koordination mit dem Beschwerde-

verfahren D-4189/2018 keinen Anlass gäbe. Für die fälschliche Sistierung 

des Verfahrens entschuldigte es sich. Nach der Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts seien bei einer Berufung auf Art. 8 EMRK in Ver-

bindung mit Art. 44 AsylG nach rechtskräftigem Abschluss des Asylverfah-

rens die kantonalen Behörden für die Behandlung des Gesuchs zuständig 

(mit Hinweis auf BVGE 2013/37 E. 4.5 f.). Dies sei vorliegend der Fall, zu-

mal das Asylgesuch mit Verfügung vom 31. August 2017 unter Anordnung 

der Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug abgewiesen wor-

den und das Gericht auf die dagegen erhobene Beschwerde nicht einge-

treten sei. Folglich wären die kantonalen Behörden zuständig für die Be-

handlung des Gesuchs gewesen. Der Vollständigkeit wegen hielt es fest, 

dass der Ehemann als vorläufig aufgenommener Flüchtling über ein fakti-

sches Aufenthaltsrecht verfüge und die Beschwerdeführerin damit einen 

potenzielle Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung habe, welcher bei den 

kantonalen Behörden geltend zu machen sei. 

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Seite 7 

7.2 Die Beschwerdeführerin hielt dem in ihrer Beschwerde entgegen, 

Streitgegenstand sei der ablehnende Asylentscheid vom 31. August 2017 

und nicht die Verfügung vom 19. Juni 2018 (Familienasyl). Die Verfahren 

seien nicht gleichzusetzen; die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 und 

Art. 44 AsylG unterschieden sich klar. Vorliegend gehe es um die vorläufige 

Aufnahme als Folge der Anerkennung (des Ehemannes und der Tochter) 

als Flüchtling und die Wahrung der Familiengemeinschaft unter Beachtung 

von Art. 8 EMRK, nicht jedoch um die Frage der Zuerkennung der Flücht-

lingseigenschaft an die Beschwerdeführerin. Es werde mit dem neuen 

Sachverhalt (Eheschliessung und Geburt der Tochter) um Neubeurteilung 

des Asylentscheids im Wegweisungspunkt ersucht, für welche die Vor- 

instanz zuständig sei. Dem von ihr zitierten Urteil BVGE 2013/37 liege ein 

anderer Sachverhalt zugrunde, weshalb eine Analogie nicht per se ange-

bracht sei. Ein Nichteintreten mangels Zuständigkeit nach zwei Jahren sei 

schwer zu akzeptieren, zumal die Rechtslage unklar erscheine und der 

kantonale Migrationsdienst die vorläufige Aufnahme auch nur beantragen 

könnte. Die Frage der Zuständigkeit sei gerichtlich zu beurteilen; bei Zu-

ständigkeit der kantonalen Behörden sei das SEM anzuweisen, das Ge-

such an diese zu überweisen. 

8.  

8.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das SEM hätte seinen abwei-

senden und mittlerweile in Rechtskraft erwachsenen Asylentscheid vom 

31. August 2017 im Wegweisungspunkt in Wiedererwägung ziehen müs-

sen, nachdem sie einen vorläufig aufgenommenen Flüchtling geheiratet 

und mit diesem ein Kind bekommen habe, das in die Flüchtlingseigenschaft 

des Vaters einbezogen und ebenfalls als vorläufig aufgenommen wurde. 

Ihr Gesuch stützt sie dabei auf Art. 44 AsylG.  

8.2 Gemäss Art. 44 AsylG berücksichtigt das SEM, wenn es ein Asylge-

such ablehnt oder darauf nicht eintritt und in der Folge die Wegweisung 

aus der Schweiz und deren Vollzug anordnet, den Grundsatz der Einheit 

der Familie (Art. 44 AsylG). Eine Wegweisung wird durch das SEM dann 

nicht verfügt, wenn ein grundsätzlicher Anspruch auf Erteilung einer Auf-

enthaltsbewilligung besteht (vgl. EMARK 2006 Nr. 23 E. 3.2, EMARK 2001 

Nr. 21 E. 9). Ein solcher kann sich unter anderem aus Art. 8 EMRK ergeben 

(vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9 m.w.H.). Die konkrete 

Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit auch der Ent-

scheid über die Wegweisung fällt dagegen in die Zuständigkeit der Migra-

tionsbehörden. Unter Beachtung des sogenannten Grundsatzes des Vor-

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Seite 8 

rangs des Asylverfahrens (vgl. Art. 14 Abs. 1 AsylG) prüft das SEM ledig-

lich, ob (1) ein potenzieller Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK vorfrage-

weise bejaht wird, (2) die betroffene Person an die zuständige kantonale 

Migrationsbehörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

gerichtet hat sowie (3) dieses Gesuch noch hängig ist (vgl. (BVGE 2013/37 

E. 4.4, insbesondere E. 4.4.2.2; EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d). Ergibt die vor-

frageweise Prüfung, dass sich die asylsuchende Person auf einen grund-

sätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen 

kann, ist sie im Asyl- und Wegweisungsverfahren darauf hinzuweisen, dass 

sie ein entsprechendes Bewilligungsgesuch bei der zuständigen kantona-

len Ausländerbehörde einzureichen hat.  

Nach rechtskräftigem Asyl- und Wegweisungsverfahren, nach einem Rück-

zug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzmassnahme bei 

nicht durchführbarem Vollzug kann eine asylsuchende Person bis zur Aus-

reise ein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbe-

willigung nur einleiten, wenn ein Anspruch auf deren Erteilung besteht (vgl. 

Art. 14 Abs. 1 AsylG). Die Zuständigkeit, die Wegweisung aus der Schweiz 

zu verfügen, geht in diesen Fällen gleichermassen von den Asylbehörden 

auf die kantonale Migrationsbehörde über, welche über die Erteilung einer 

Aufenthaltsbewilligung zu befinden hat (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und  

EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d). Entsteht ein Anspruch auf Erteilung eines Auf-

enthaltstitels erst nach rechtskräftigem Abschluss des Asylverfahrens, so 

stellt dies praxisgemäss keinen Grund für ein Rückkommen auf die asyl-

rechtliche Wegweisung dar (vgl. EMARK 2000 Nr. 30). Das Bundesverwal-

tungsgericht verfolgt insoweit eine klare und seit langem gefestigte Praxis. 

8.3 Das SEM hat sich nach dem zuvor Gesagten in seinem Nichteintreten-

sentscheid zutreffend auf die einschlägige Rechtsprechung des Gerichts 

hinsichtlich der Frage der Zuständigkeit für die Behandlung des Wiederer-

wägungsgesuchs vom 19. Juli 2018 berufen. Dabei hat es sich nach sei-

nem anfänglichen Irrtum auf den Asylentscheid vom 31. August 2017 als in 

Wiedererwägung zu ziehende Verfügung gestützt. Auf die diesbezüglichen 

Beschwerdevorbringen ist demnach nicht weiter einzugehen. Im Asylent-

scheid vom 31. August 2017 hatte sich das SEM vorfrageweise zum Vor-

liegen eines Anspruchs nach Art. 8 EMRK geäussert und diesen verneint, 

weshalb es im Weiteren die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der 

Schweiz verfügte und nach abschlägiger Prüfung der Wegweisungsvoll-

zugshindernisse auch deren Vollzug anordnete. Die Verfügung ist mit Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-5676/2017 vom 17. Oktober 2017 in 

Rechtskraft erwachsen. Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrem Gesuch 

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Seite 9 

vom 19. Juli 2018 den Einbezug in die vorläufige Aufnahme ihres Eheman-

nes und ihrer Tochter begehrt, hielt das SEM unter Bezug auf die Praxis 

des Gerichts berechtigterweise fest, dass zwar aufgrund des faktisch ge-

festigten Anwesenheitsrechts von vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen 

(wie dem Ehemann und der Tochter) ein potenzieller Anspruch auf Ertei-

lung einer Bewilligung bestehe (vgl. BVGE 2017 VII/4 E. 5 und E. 6), dass 

dieser aber praxisgemäss bei den kantonalen Migrationsbehörden geltend 

zu machen sei. Dem steht auch nicht entgegen, dass die kantonale Be-

hörde die vorläufige Aufnahme dem SEM allenfalls beantragen würde. Da-

bei geht es lediglich um die Zustimmung im Rahmen des Aufenthaltsbewil-

ligungsverfahrens, nicht aber um die Frage der funktionalen Zuständigkeit 

für die Prüfung sämtlicher Erteilungsvoraussetzungen. Diese liegt wie er-

wähnt bei den kantonalen Behörden. Der Nichteintretensentscheid gestützt 

auf Art. 9 Abs. 2 VwVG ist demnach nicht zu beanstanden. 

9.  

Nach dem Gesagten ist das SEM zu Recht mangels funktionaler Zustän-

digkeit nicht auf das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin 

eingetreten. Das Gericht ist nicht gehalten, das SEM in diesem Fall zur 

Überweisung des Gesuchs an die zuständige kantonale Behörde anzuwei-

sen. Vielmehr ist es Sache der Beschwerdeführerin und bleibt es ihr unbe-

nommen, ein Gesuch um Einbezug in die vorläufige Aufnahme ihres Ehe-

mannes sowie ihres ersten Kindes gestützt auf Art. 8 EMRK bei den kan-

tonalen Behörden einzureichen.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses wird mit 

dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos. Ange-

sichts der vorliegenden Aussichtslosigkeit der Beschwerde ist sodann das 

Gesuch um vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen. Bei 

diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest- 

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]).  

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3915/2020 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen und die Ver-

fahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. 

Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der 

Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Teresia Gordzielik