# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af772792-231b-572c-ad43-c565141a78ee
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR cap_2006_13_13_12_06.pdf
**Docket/Reference:** cap_2006_13_13_12_06.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/cap_2006_13_13_12_06.pdf

## Full Text

CAP 2006-13 

STRAFAPPELLATIONSHOF 

13. Dezember 2006 

__________________ 

Der Strafappellationshof hat in Sachen 

X, Berufungsführer, 
vertreten durch Rechtsanwalt A,  

gegen 

Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg, Berufungsgegnerin; 

Berufung vom 22. Februar 2006 gegen  
das Urteil des Bezirksstrafgerichts ____ vom 22. August 2005 

________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
-  2  -

nachdem sich ergeben hat: 

A.  

Im  September  2004  häuften  sich  im  Kanton  Freiburg  Einbruchdiebstähle  in 
Personenwagen.  Die  Kantonspolizei  Bern  vermeldete  anfangs  Oktober  2004  einen  Diebstahl 
aus einem Personenwagen, wobei zwei Männer beobachtet wurden, die mit dem Personenwa-
gen FR ____ wegfuhren. Die Observationsgruppe der Kantonspolizei montierte kurz darauf an 
diesem Fahrzeug ein GPS-Überwachungsgerät.  

Im  Rahmen  der  Observierung  beobachtete  die  Kriminalpolizei  am  2.  Dezember  2004  in 
____,  wie  Y  aus  einem  geparkten  neutralen  Dienstwagen  der  Polizei  Gegenstände  entwen-
dete, nachdem er die Scheibe eingeschlagen hatte. Daraufhin bestieg er das von seinem Bru-
der X gelenkte Fahrzeug. Kurz darauf wurden X und Y von der Polizei angehalten und in der 
Folge  in  Untersuchungshaft  gesetzt,  da  im  Fahrzeug  von  X  die  zuvor  entwendeten  Gegens-
tände (Rucksack, Aktenkoffer, Jacke, Taschenlampe) und in seiner Wohnung in Düdingen di-
verse  andere  als  gestohlen  gemeldete  Gegenstände  (mehrere  Natels,  Minidisk,  Uhr,  Laptop) 
vorgefunden wurden (act. 2004 f.). Gegen die Gebrüder wurde ein Strafverfahren eröffnet. Ih-
nen wurden aufgrund der bei X beschlagnahmten Gegenstände 10 Diebstähle aus Personen-
wagen zur Last gelegt, die zwischen dem 4. Oktober 2004 und dem 2. Dezember 2004 began-
gen wurden. Zudem werden ihnen im gleichen Zeitraum 29 weitere Diebstähle aus Personen-
wagen zur Last gelegt, da sich das Fahrzeug von X gemäss Auswertung der GPS-Daten zur in 
Frage kommenden Zeit in der Nähe der mutmasslichen Tatorte (verschiedene öffentliche Park-
plätze im ganzen Kanton) befunden hatte. Die Gebrüder bestritten die Tatvorwürfe; sie wollen 
die beschlagnahmten Gegenstände von Unbekannten gekauft haben.  

B.  

 Mit Verfügung vom 24. März 2005 wurden X und Y wegen gewerbsmässigen und 
bandenmässigen Diebstahls und Sachbeschädigung, X zusätzlich wegen Fälschung von Aus-
weisen und Fahrens ohne Führerausweis, dem Bezirksstrafgericht ____ überwiesen. 

Das Strafgericht verurteilte X zu 30  Monaten Gefängnis wegen gewerbsmässigen Dieb-
stahls sowie Sachbeschädigung begangen in der Zeit vom 4. Oktober 2004 bis 30. November 
2004,  wegen  banden-  und  gewerbsmässigen  Diebstahls  sowie  Sachbeschädigung  begangen 
am 1. und 2. Dezember 2004, wegen Fahrens ohne Führerausweis sowie Fälschens von Aus-
weisen.  In  einzelnen  Punkten  wurde  X  vom  Vorwurf  des  Diebstahls freigesprochen.  Die  Zivil-
begehren wurden gutgeheissen. 

Y  wurde  wegen  bandenmässigen  Diebstahls  sowie  mehrfacher  Sachbeschädigung,  be-
gangen am 1. und 2. Dezember 2004, zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 8 Monaten ver-
urteilt. 

C.   Gegen dieses Urteil reichte X am 22. Februar 2006 Berufung ein. Er beantragt, das 
Urteil  des  Strafgerichts vom  22.  August  2005  abzuändern  und  ihn  von  weiteren Tatvorwürfen 
freizusprechen;  die  Strafe  sei  auf  höchstens  12  Monate  Gefängnis  bedingt  festzusetzen.  Die 
Zivilbegehren seien, bis auf einen Betrag an die Versicherung A, abzuweisen. Die Verfahrens-
kosten seien ihm nur im Umfang von 1/3 und im Übrigen Y und dem Staat Freiburg aufzuerle-
gen.  

 
 
 
 
 
 
 
 
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Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 9. Mai 2006, die Berufung 

abzuweisen. 

1.  

(…) 

e r w o g e n : 

2.   Der  Berufungsführer  rügt  vorab,  das  Protokoll  der  GPS-Überwachung  hätte  nicht 
als  Beweismittel  verwendet  werden  dürfen.  Für  die  Überwachung  sei  keine  richterliche  Ge-
nehmigung  eingeholt  worden  und  es  bestehe  keine  gesetzliche  Grundlage  für  einen  solchen 
Eingriff (Berufung Ziff. I).  

a)  

In  tatsächlicher  Hinsicht  ist  unbestritten,  dass  die  Observationsgruppe  der 
Kantonspolizei am 6. Oktober 2004 um 22.54 Uhr am Personenwagen von Z, der Ehefrau von 
X, ein GPS-Überwachungsgerät montierte. Dieses blieb bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung in 
Betrieb, wobei es zwischen dem 18. und 25. November 2004 wegen technischer Störung – die 
Batterie musste gewechselt werden – ausfiel (act. 2176 ff.). Die Auswertung der so erhaltenen 
Daten wurde im vorliegenden Verfahren als Beweismittel verwendet. 

b)   Das Installieren eines GPS-Ortungssystems am Privatwagen und die Auswer-
tung  der  Fahrzeugbewegungen  in  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  ist  zweifellos  eine  Überwa-
chungsmassnahme mit einem technischen Überwachungsgerät und dürfte daher von Art. 134 
Abs. 4 StPO in der heute geltenden Fassung vom 12. Oktober 2005 (ASF 2005_104) erfasst 
sein.  Zuständig  für  deren  Anordnung  ist  der  Untersuchungsrichter.  Die  Verfügung  muss  dem 
Präsidenten  der  Strafkammer  zur  Genehmigung  unterbreitet  werden.  Die  Strafkammer  ist  zu-
ständig, um über die Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit der Überwachung zu befinden. 
Diese  Bestimmung  war  jedoch  im  Dezember  2004  noch  nicht  in  Kraft  und  es  wurden  keine 
speziellen  Übergangsbestimmungen  erlassen,  so  dass  das  Gesetz  vom  18.  September  1997 
zur  Anpassung  der  kantonalen  Gesetzgebung  an  die  Strafprozessordnung  (Übergangsrecht) 
zur Anwendung kommen könnte. Diese Frage kann jedoch offen gelassen werden. Die Zuläs-
sigkeit  von  Grundrechtseingriffen  beurteilt  sich  anhand  der  zum  Zeitpunkt  ihrer  Anordnung 
massgebenden  gesetzlichen  Grundlagen.  Die  Verwertbarkeit  der  nach  altem  Recht  angeord-
neten  und  abgeschlossenen  GPS-Überwachungsmassnahmen  hängt  daher  davon  ab,  ob  sie 
bereits  unter  Geltung  des  alten  Rechts  den  Voraussetzungen  von  Art.  134-136  aStPO  unter-
standen oder von der Kantonspolizei angeordnet werden konnten.  

Heute  wird  die  Überwachung  des  Post-  und  Fernmeldeverkehrs  durch  das 
Bundesgesetz  und  die  Verordnung  über  die  Überwachung  des  Post-  und  Fernmeldeverkehrs 
(SR  780.1)  geregelt.  Bis  zum  31.  Dezember  2005  waren  Umfang  und  Voraussetzungen  von 
Überwachungsmassnahmen  in  Art.  134  aStPO  geregelt.  Danach  konnte,  auf  Anordnung  des 
Untersuchungsrichters, der Post- und Fernmeldeverkehr des Beschuldigten überwacht werden 
oder  technische  Überwachungsgeräte  nach  den  Artikeln  179bis  ff.  StGB  eingesetzt  werden: 
a) wenn ein Verbrechen oder ein Vergehen, dessen Schwere oder Eigenart den Eingriff recht-
fertigt, oder eine mit Hilfe des Telefons begangene Straftat verfolgt wird; b) und wenn die not-
wendigen Ermittlungen ohne Überwachung wesentlich erschwert würden oder andere Untersu-
chungshandlungen erfolglos geblieben sind.  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Unter denselben Voraussetzungen konnten auch Drittpersonen überwacht werden, 
wenn der dringende Verdacht bestand, dass sie für den Beschuldigten bestimmte oder von ihm 
herrührende Mitteilungen entgegennehmen oder weitergeben oder dass der Beschuldigte ihren 
Anschluss benutzt. Die Verfügung des Richters war kurz zu begründen und sofort vollstreckbar. 
Sie musste spätestens innert 24 Stunden dem Präsidenten der Strafkammer zur Genehmigung 
eingereicht  werden,  der spätestens  innert  48  Stunden  einen  schriftlichen und  begründen  Ent-
scheid  zu  fällen  hatte.  Der  Entscheid  war  endgültig.  Die  Genehmigung  wurde  längstens  für 
einen  Monat  erteilt  und  konnte  auf  schriftlich  begründetes  Gesuch  um  jeweils  einen  Monat 
verlängert werden (Art. 135 aStPO). Die Überwachung musste sofort eingestellt werden, wenn 
ihre  Voraussetzungen  entfallen  oder  wenn  die  Genehmigung  nicht  oder  nicht  mehr  erteilt 
wurde. Dem Überwachten musste spätestens bei Abschluss des Strafverfahrens von der Dauer 
und  den  Gründen  der  Massnahme,  von  der  er  betroffen  war,  Kenntnis  gegeben  werden.  Mit 
Zustimmung  des  Präsidenten  der  Strafkammer  konnte  die  Bekanntgabe  ausnahmsweise  un-
terbleiben, wenn diese den Zweck der Überwachungsmassnahme oder ein anderes wichtiges 
öffentliches Interesse gefährdet hätte (Art. 136 aStPO). Wurde die Genehmigung von Überwa-
chungsmassnahmen verweigert, so waren die bis dahin gemachten Aufzeichnungen unverzüg-
lich zu vernichten. Sie durften in keinem Strafverfahren verwendet werden, und eine Beschlag-
nahme war ausgeschlossen (Art. 137 Abs. 4 aStPO).  

Unter den Begriff "technische Überwachungsgeräte nach den Artikeln 179bis ff. des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches" gemäss Art. 135 aStPO fielen Geräte zur Bild- und Ton-
aufzeichnung.  Während  Art.  179bis  und  179ter  StGB  das  private  Gespräch  schützen,  stellt 
Art. 179quater StGB allgemein Verletzungen des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahme-
geräte unter Strafe. So wird nach Art. 179quater StGB derjenige bestraft, der eine Tatsache aus 
dem Geheimbereich eines anderen oder eine nicht jedermann ohne weiteres zugängliche Tat-
sache aus dem Privatbereich eines anderen ohne dessen Einwilligung mit einem Aufnahmege-
rät beobachtet oder auf einen Bildträger aufnimmt. Geschützt werden soll nur ein enger Bereich 
des  Privaten,  d.  h.  jener  Bereich,  der  nur  durch  vorgängiges  Überwinden  eines  physischen 
Hindernisses oder einer "rechtlich-moralischen" Schranke zugänglich ist, und dieser nur gegen 
"visuelle Bespitzelung". Nach einhelliger Lehre stellen "Funkpillen", die, vom Opfer verschluckt, 
stets seinen Aufenthaltsort verraten, Peilsender und Thermaldetektoren keine Aufnahmegeräte 
dar;  der  Tatbestand  von  Art.  179quater  ist  eng  auszulegen  und  auf  das  visuelle  Bespitzeln  mit 
Hilfe  technischer  Geräte  zu  beschränken.  Die  Entstehungsgeschichte  und  die  französischen 
und  italienischen  Gesetzestexte  sprechen  ebenfalls  für  diese  Auslegung  (SCHUBARTH,  Kom-
mentar  zum  Schweizerischen  Strafrecht,  StGB  Besonderer  Teil,  Band  3,  N.  3  ff.  zu 
Art. 179quater, INS/WYDER, Basler Kommentar zum StGB II, N. 14 zu Art. 179quater). 

Der  Strafappellationshof  kommt  daher  zum  Schluss,  dass  kein  Verstoss  gegen 

Art. 134 ff. aStPO vorliegt, da der Sachverhalt nicht davon erfasst ist. 

c) 

Der Berufungsführer rügt, es fehle an einer gesetzlichen Grundlage für diese 
Überwachungsmassnahme.  Das  Gesetz  über  die  Kantonspolizei  (SGF  551.1)  ermächtigt  die 
Polizei,  Daten  auf  nicht  erkennbare  Weise  zu  beschaffen,  namentlich  indem  sie  eine  Person 
beobachtet oder beschattet, wenn ein Ermittlungsverfahren dies erfordert (Art. 38b Abs. 1). In 
der  Botschaft  zum  Datenschutzgesetz  (DSchG;  SGF  17.1)  wird  hierzu  dargelegt,  bei  dieser 
Bestimmung handle es sich um eine in der Natur der polizeilichen Aufgaben begründete Aus-

 
 
 
 
 
 
 
 
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nahmebestimmung zu Art. 9 Abs. 2 DSchG, die sich nur auf das gewöhnliche Beobachten be-
ziehe, ohne Einsatz von besonderen Mitteln. Für die Verwendung technischer Überwachungs-
mittel, die langfristige Beobachtung oder den Einsatz von V-Leuten sei eine spezifische gesetz-
liche  Grundlage  erforderlich  (Botschaft  Nr.  194  in  TGR  1994  S.  3114).  Das  Gesetz  über  die 
Kantonspolizei bildet demnach keine genügende gesetzliche Grundlage für derartige Überwa-
chungsmassnahmen.  

Auf  die  Aufgaben  der  Gerichtspolizei  findet  an  sich  die  Strafprozessordnung 
Anwendung.  Bei  der  praktischen  Arbeit  der  Polizei  kann  jedoch  die  präventive  Tätigkeit  nicht 
immer klar  von  der gerichtspolizeilichen  Tätigkeit  unterschieden  werden.  Im  vorliegenden  Fall 
führte die Kantonspolizei die GPS-Überwachung aus eigener Initiative durch, jedenfalls ist den 
Akten  kein  entsprechender  Auftrag  eines  Untersuchungsrichters  zu  entnehmen.  Wie  gezeigt, 
fehlte  ihr  jedoch  hierzu  die  gesetzliche  Ermächtigung;  die  mit  dem  GPS-Überwachungsgerät 
beschafften Beweise wurden folglich vorschriftswidrig beschafft. 

d)  Nicht jedes vorschriftswidrig beschaffte Beweismittel führt indessen zu einem 
Verbot  der  Verwertung.  Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  ist  die  Verwertbarkeit 
rechtswidrig  erlangter  Beweismittel  verfassungsrechtlich  nicht  in  jedem  Fall  ausgeschlossen, 
sondern  lediglich  dem  Grundsatz  nach  (vgl.  BGE  130  I  126  E.  3.2  mit  Hinweisen).  Die  ältere 
Rechtsprechung hat ein rechtswidrig erhobenes Beweismittel nur dann für unverwertbar erklärt, 
wenn es an sich unzulässig bzw. auf gesetzmässigem Weg nicht erreichbar sei (BGE 96 I 437 
E. 3b, 103 Ia 206 E. 9b). Der Einsatz technischer Überwachungsgeräte (z. B. von Videokame-
ras)  als  Methode  der  Wahrheitsermittlung  ist  gegenüber  dem  Beschuldigten  an  sich  bewilli-
gungsfähig, soweit damit lediglich Wissens- und Willensäusserungen sowie Handlungen regist-
riert werden, die er aus freiem Willen tatsächlich ausgeführt hat, wenn auch nicht in der Absicht 
und im Bewusstsein, sie den Überwachungsorganen zur Kenntnis kommen zu lassen. Wesent-
lich ist, dass mit dem technischen Überwachungsgerät nicht in den seelischen Eigenraum des 
Beschuldigten  eingebrochen  wird  (vgl.  zum  Ganzen  BGE  109  Ia  273  E. 7;  FZR  1994  S.  332; 
PIQUEREZ, Traité de procédure pénale suisse, Genf/Zürich/Basel 2006, N. 721 ff.).  

Mit Entscheid vom 18. Mai 2004 präzisierte das Bundesgericht seine Rechtsprechung 
und liess den Umstand allein, dass der rechtswidrig beschaffte Beweis nicht an sich verboten 
ist, nicht mehr genügen, um dessen Verwertbarkeit zuzulassen. Vielmehr sei auf folgende Inte-
ressenabwägung  anzustellen:  Je  schwerer  die  zu  beurteilende  Straftat  sei,  um  so  eher  über-
wiege das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse des Angeklagten 
daran, dass der fragliche Beweis unverwertet bleibe (BGE 130 I 126 E. 3.2 mit Hinweisen). Aus 
zwei  Entscheiden  des  EGMR  leitete  das  Bundesgericht  in  BGE  131  I  272  E. 4.2.  zudem  fol-
gende Präzisierung ab: Eine Abhörung oder Videoaufnahme durch die Polizei  zu strafprozes-
sualen Zwecken als Beweismittel sei, trotz allfälliger Verletzung von Art. 8 EMRK bei der Be-
schaffung,  mit  dem  Gebot  eines  fairen  Verfahrens  grundsätzlich  vereinbar,  solange  Handlun-
gen bzw. Äusserungen des Beschuldigten aufgezeichnet  werden, die er  aus eigenem Antrieb 
und  ohne  äussere  Beeinflussung  macht  und  ihm  dabei  keine  Falle  gestellt  worden  sei  (mit 
Verweisen  auf  Urteil  i.  S.  Khan  gegen  Grossbritannien  vom  12.  Mai  2000,  Recueil  CourEDH 
2000-V S. 303, Ziff. 42 ff.; Urteil i. S. Allan gegen Grossbritannien vom 5. November 2002, Re-
cueil CourEDH 2002-IX S. 63, Ziff. 50 ff.).  

 
 
 
 
 
 
 
 
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Der Einsatz von technischen Überwachungsgeräten ist grundsätzlich zulässig, und 
ein  entsprechender  Auftrag  –  bzw.  soweit  nötig  die  Bewilligung  des  Untersuchungsrichters  – 
hätte ohne weiteres eingeholt werden können.  

Um  die  Frage  zu  beantworten,  ob  im  vorliegenden  Fall  die  Ergebnisse  der  GPS-
Überwachung  als  Beweismittel  berücksichtigt  werden  können,  ist  eine  Interessenabwägung 
vorzunehmen.  Dabei  ist  das  öffentliche  Interesse  an  der  Strafverfolgung  gegen  die  rechtlich 
geschützten Interessen des Berufungsführers abzuwägen. Es geht darum, die Aufklärung bzw. 
Verfolgung einer Serie von Einbruchdiebstählen gegenüber den Interessen des Berufungsfüh-
rers, dass die Bewegungen des von ihm benutzen Fahrzeuges nicht systematisch erfasst wer-
den, abzuwägen. Bei dieser Ausgangslage überwiegen die Interessen der Öffentlichkeit an der 
Verbrechensaufklärung diejenigen des Berufungsführers.  

Diebstahl weist bereits im Grundtatbestand einen Strafrahmen von bis zu 5 Jahren 
Zuchthaus auf. Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl stellt ein Verbrechen dar. Dem Beru-
fungsführer wurden 39 Einbrüche vorgeworfen. Demgegenüber ist der Eingriff in seine Persön-
lichkeitssphäre als nicht all zu schwer zu werten. Bereits der Umstand, dass die Aufzeichnun-
gen  nur  Bewegungen  im  öffentlichen  Raum  wiedergeben,  zeigt,  dass  von  einem  erheblichen 
Eingriff in die Persönlichkeitssphäre des Betroffenen nicht die Rede sein kann. Wohl fand die 
Überwachung rund um die Uhr und während insgesamt 50 Tagen statt, doch wurden einzig die 
Fahrten  mit  dem  Personenwagen  aufgenommen  und  nicht  sämtliche  Bewegungen  des  Beru-
fungsführers (act. 2176 ff.). Unter Gesamtbetrachtung aller Umstände überwiegt somit das öf-
fentliche Interesse an der Strafverfolgung die rechtlich geschützten Interessen des Berufungs-
führers,  so  dass  die  Protokolle  der  GPS-Überwachung  verwertet  werden  können.  Zudem  ist 
festzuhalten,  dass  die  Verurteilung  nicht  allein  aufgrund  dieses  Indizes  erfolgte.  Auch  wenn 
nicht  in  Abrede  gestellt  wird,  dass  die  GPS-Überwachungen  das  Hauptindiz  bilden,  sind  sie 
jedoch  nicht  die  einzigen.  Ausgangspunkt  waren  die  Beobachtungen  der  Zeugen,  die  am 
4. Oktober  2004  den  Einbruchdiebstahl  in  einen  Personenwagen  in  ____  gesehen  hatten 
(act. 2066),  das  sichergestellte  Diebesgut  und  schliesslich  der  Diebstahl  aus  dem  neutralen 
Polizeifahrzeug, der von der Observationsgruppe der Polizei beobachtet wurde (act. 2067). 

3.-8.  (…) 

e r k a n n t : 

I. 

Die  Berufung  wird  teilweise  gutgeheissen  und  das  Urteil  des  Bezirksstrafgerichts  ____ 
vom 22. August 2005 in Ziffer I abgeändert. Dieses lautet neu wie folgt: 

1. 

2. 

3. 

X  wird  freigesprochen  vom  Vorwurf  des  Diebstahls  und  der  Sachbeschädigung 
betreffend Ziffer I B 11 der Überweisungsverfügung des Untersuchungsrichters vom 
24. März 2005. 

X wird freigesprochen vom Vorwurf des Fälschens von Ausweisen (Art. 252 StGB) 
betreffend  Ziffer  II  der  Überweisungsverfügung  des  Untersuchungsrichters  vom 
24. März 2005 (ÜV-Nr. B 15). 
X ist schuldig: 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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a)   des gewerbsmässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 2 StGB) sowie der mehrfachen 
Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB) betreffend Ziffer I A 1 bis A 6 und B 
1  bis  B  29  (ausgenommen  des  Falles  B  11)  der  Überweisungsverfügung  des 
Untersuchungsrichters vom 24. März 2005, begangen in der Zeit vom 4. Okto-
ber 2004 bis 30. November 2004. 

b)  des  banden-  und  gewerbsmässigen  Diebstahls  (Art.  139  Ziff.  2  und 
Ziff. 3 Abs. 2 StGB) 
Sachbeschädigung 
der 
(Art. 144 Abs. 1 StGB) betreffend Ziffer I A 7 bis A 10 der Überweisungsverfü-
gung  des  Untersuchungsrichters  vom  24.  März  2005,  begangen  am  01. und 
02. Dezember 2004. 

mehrfachen 

sowie 

c)  des  Fahrens  ohne  Führerausweis  (Art.  95  Ziff.  1  SVG)  betreffend  Ziffer  II  der 
Überweisungsverfügung  des  Untersuchungsrichters  vom  24.  März  2005,  be-
gangen am 30. Juli 2004 (ÜV-Nr. B 15). 

4. 

Er  wird  verurteilt  zu  einer  Gefängnisstrafe  von  30  Monaten  (Art.  63,  67, 
68 Ziff. 1 StGB). 

5. 

Die Untersuchungshaft von 92 Tagen wird angerechnet (Art. 69 StGB). 

6. 

(…) 

7. 

(…) 

II. 

In  den  übrigen  Punkten  (II  und  III)  bleibt  das  Urteil  des  Bezirksstrafgerichts  ____  vom 
22. August 2005 unverändert. 

III.  Die  Kosten  des  Berufungsverfahrens,  bestehend  aus  einer  reduzierten  Gebühr  von 

Fr. 1'000.– und den Auslagen von Fr. 279.–, werden X auferlegt. 

Freiburg, 13. Dezember 2006