# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6afb4f05-b863-5a25-b5ce-94cf585b481f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-28
**Language:** de
**Title:** Keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin mangels natürlicher und adqäuater Kausalität der elf Jahre nach dem mittelschweren Unfallereignis geklagten Beschwerden. (BGE 8C_358/2014)
**Docket/Reference:** UV.2012.00092
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00092.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00092
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Slavik
Urteil
vom
28. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson
HFS Rechtsanwälte
Bahnhofstrasse 24, 8001 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1964, war als Spengler bei der
Y.___
sowie bei der
Z.___
als Reiniger angestellt und in dieser Eigen
schaft
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
gegen die
Fol
gen von Unfällen obligatorisch versichert, als er am 30. Oktober 2001 auf dem
Fussgängerstreifen von
einem Auto angefahren wurde
(Urk.
9
/1-2)
. Die
Erstbe
handlung
im
A.___
(31. Oktober bis 5. November 2001) ergab eine
Commotio cerebri, multiple Gesichtsschädelfraktur
en mit Kieferklemme, eine
nicht
dislozierte
mediale
Tibiaplateaufraktur
sowie eine Kontusion
des
rechten Daumens (Austrittsbericht vom 5. November 2001, Urk.
9
/3.1)
. Am 6. November
2001
erfolgte im
B.___
,
Klinik und Poli
klinik für Kiefer-
und Gesichtschirurgie,
eine operative Versorgung der
Joch
bein-Jochbogen
frak
tur
links (Urk.
9
/7).
In der Folge nahm der Versicherte seine Erwerbstätigkeit nicht mehr auf.
Am 16. August 2006
(Urk. 9/114)
teilte die SUVA mit, dass der Zeitpunkt für den
Fallab
schluss
gekommen sei. Der Rentenbeginn werde auf den 1. September 2006
festgelegt und die Taggelder auf dieses Datum eingestellt. Bis zum Vorliegen der Rentenverfügung würden Vorschüsse auf die Rente ausgerichtet. Die SUVA machte dem Versicherten mit ihrem Schreiben einen Vergleichsvorschlag mit im Wesentlichen folgendem Inhalt
(Urk.
9
/113)
:
1.
Der Rentensatz für die Invalidenrente wird auf 40 % festgelegt
. […]
3.
D
ie Integritätseinbuss
e beträgt 10 %.
4.
Eine Leistungspflicht der SUVA für
Beschwerden psychischer
Ursache wird über den 31.8.2006 abgelehnt
. […]
Da sich der Versicherte
in den nachfolgenden Jahren
trotz mehrmaliger Auffor
de
rung nicht zum Vergleichsvorschlag vernehmen liess (Urk.
9
/124; Urk.
9
/127
;
Urk.
9
/134; Urk.
9
/135
),
nahm
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt FMH für Chirur
gie, am
4. Februar 2011 eine ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten vor (Urk.
9
/142). Nachdem der Versicherte gegen diese Beurteilung am 22. April 2011 Einwen
dungen erhoben hatte (Urk.
9
/152), teilte ihm die SUVA mit Verfü
gung vom 6. August 2011 mit, dass sie ihm eine Integritätsentschädigung ba
sierend auf einer Integritätseinbusse von 5 % ausrichten werde. Ein Rentenan
spruch bestehe
nicht, weil die heute noch geklagten Beschwerden organisch nicht nachweisbar seien
und die Adäquanzprüfung der psychischen Beschwer
den negativ aus
ge
fallen sei. Die Versicherungsleistungen würden deshalb rück
wirkend per 30. Au
gust
2006 eingestellt und die von September 2006 bis Sep
tember 2010 ausge
rich
teten Rentenvorschussle
istungen zurückgefordert (Urk. 9
/154).
1.2
Die dagegen durch den Versicherten erhobene Einsprache vom
8.
September 2011
(
Urk.
9/157) wies die SUVA mit
Einspracheentscheid
vom 1
6.
März 2012 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
1.
Mai 2012 Beschwerde und beantragte, der
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegeg
nerin
zurückzuweisen, damit diese ein polydisziplinäres Gutachten einhole (
Urk.
1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
August 2012 schloss die
Beschwerde
geg
nerin
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was dem Beschwerdeführer am
2
3.
August 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf
die
Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten ist, soweit für die
Ent
scheid
findung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat die zur Beurteilung der Streitsache massgeblichen rechtlichen Grundlagen zutreffend wiedergegeben (
Urk.
2). Es betrifft dies ins
besondere die Bestimmungen über den Anspruch auf Leistungen der Unfallver
sicherung im Allgemeinen (
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes ü
ber die Unfall
versicherung [UVG])
, den nebst anderem vorausgesetzten natürlichen Kausal
zu
sammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden (BGE 129 V 177 E
.
3.1),
die vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs im All
ge
mei
nen (BGE 129 V 177 E.
3.2), bei psychischen Unfallfolgen (BGE 134 V 109 E.
6.1,
115 V 133) und
bei
Folgen eines Unfalls mit HWS-Schleudertrauma oder
äquivalenter Verletzung (BGE 117 V 359, BGE 134 V 109) ohne organisch nach
weisbare Funktionsausfälle. Korrekt wiedergegeben hat die
Beschwerde
gegnerin
auch die Rechtsprechung zur antizipierten Beweiswürdigung.
Darauf wird ver
wie
sen.
2.
2.1
Die medizinische Aktenlage seit dem Unfallereignis vom 3
0.
Oktober 2001 prä
sen
tiert sich wie folgt:
2.2
Nachdem der Beschwerdeführer in der Nacht vom
3
0.
Oktober 2001 auf dem Fussgängerstreifen von einem Auto angefahren worden war, erfolgte die
Erst
behandlung
im
A.___
,
wo er vom 3
1.
Oktober bis
5.
November 2001 hospitalisiert war. Aufgrund der Gesichtsschädelfrakturen erhielt der Beschwer
deführer eine antibiotische Behandlung und wurde in die kieferchirurgische
Abteilung des
B.___
überwiesen. Zur
Tibiaplat
e
aufraktur
wurde vermerkt, dass sich
in der Computertomographie (CT) nur eine sehr geringe Dislokation gezeigt habe,
so dass diese konservativ
mittels Ruhigstellung in einer Klettschiene be
handelt werden könne. Am
1.
November 2001 könne mit der Mobilisierung an Stöcken
begonnen werden. Für die Läsion am Daumen wurde eine Ruhigstel
lung in ei
nem
Daumenke
nnel für zwei Wochen empfohlen. Zu den weiteren nach dem Unfall
untersuchten Körperbereichen wie Respirationstrakt, Gastroin
testinal, Urogenital,
Nervensystem sowie Wirbelsäule wurden keine Auffällig
keiten oder Schmerzen notiert. (
Urk.
9/3).
2.3
Vom
5.
bis
9.
November 200
1 war der Beschwerdeführer
im
B.___
hospitalisiert
, wo die Jochbeinfraktur mit einer Osteosynthese versorgt wurde. Laut
Austritts
be
richt
vom
5.
Dezember 2001 sei der intra- und postoperative Verlauf prob
lemlos gewesen. Neu sei eine
Fussheberparese
aufgetreten, weshalb eine dorsale Gipsschiene angepasst worden und der Beschwerdeführer auf die
traumatologi
sche
Abteilung verlegt worden sei (
Urk.
9/8).
2.4
2.4.1
Vom
9.
bis 1
7.
November 2001 wurde der Beschwerdeführer in der Klinik für Un
fallchirurgie
des
B.___
behandelt
. Der postoperativ
e Verlauf der
Jochbeinver
sor
gung
wurde als
komplikationslos
beschrieben
. Bei
Peronaeus
-Parese links sei zur
Spitzfuss-Prophylaxe eine Unterschenkel-Gipsschiene angelegt worden. Neuro
lo
gisch habe eine normale Nervenleit-Geschwindigkeit im Bereich des
Nervus
pe
ronaeus
festgestellt werden können. Im Sinne einer leichten
Pe
ronaeus-Druck
parese
sei es im Verlaufe der
Hospitalisation
zum vollständigen Rückgang der Lähmungserscheinungen gekommen. Im MRI des linken Knies habe sich eine Lä
sion des medialen Meniskus im Bereich der Pars
intermedia
des
Hinterhorns
gezeigt bei im Übrigen unauffälligen Gelenksverhältnissen. Bei schmerzfreier Be
weglichkeit des rechten Daumens, sei der Daumenkennel ent
fernt worden. Bei Austritt sei der Beschwerdeführer in einem guten
Allgemein
zustand
gewesen und es hätten sich reizlose Wundverhältnisse gezeigt. Links werde eine
Teil
be
lastung
mit 15 kg für sechs Wochen empfohlen
(
Urk.
9/5)
.
2.4.2
Von der
Nachkontrolle
im
B.___
am
1
3.
Dezember 2001
wurde berichtet
, dass der Beschwerdeführer an Gehstöcken problemlos und beschwerdefrei mobil
sei. D
ie
Kniegelenksbeweglichkeit
sei
im Vergleich zur rechten Seite nicht einge
schrä
nkt
. Die Bildgebung habe im Vergleich zur Voruntersuchung am
3
1.
Oktober 2001 eine progrediente Konsolidierung ergeben. Das Knie könne wieder voll belastet werden (
Urk.
9/9).
2.5
Am 1
7.
Dezember 2001 wurde der Beschwerdeführer durch
Dr.
med
.
D.___
,
Facharzt FMH für Neurologie, untersucht. Er stellte die Diagnose eines post
trau
matischen Schmerzsyndroms
zerviko-zephal
bei Status nach Unfall mit Commo
tio cerebri und wahrscheinlich Überdehnungstrauma der
Halswirbel
säule
. Der Be
schwerdeführer befinde sich in gutem Allgemeinzustand. Die
Kopf
beweglichkeit
sei schmerzbedingt zu allen Richtungen insgesamt zu ca. 30
%
eingeschränkt ge
wesen.
Palpatorisch
habe sich auf beiden Seiten eine deutlich verdickte und
druck
dolente
Nacken- und Schultermuskulatur gezeigt. Bei Prü
fung der
Ober
flächensensibilität
habe der Beschwerdeführer eine Hypästhesie an der gesamten
linken Kopfhälfte mit insbesondere der linken Gesichtshälfte an
gegeben. Weitere
neurologische Ausfälle hätten sich keine gefunden. Die übri
gen Hirnnerven seien intakt und auch der übrige neurologische Status sei un
auffällig. Die Be
funde der
zerebro
-vaskulären
Doppleruntersuchung, wie auch den EEG-Befund und
die visuell evozierten Potentiale beschrieb
Dr.
D.___
als normal. Er emp
fahl, gelegentlich eine Physiotherapie aufzunehmen (
Urk.
9/10).
2.6
Am 1
8.
Februar 2002 wurde der Beschwerdeführer im
B.___
neuropsychologisch untersucht. Es habe sich vor allem eine Störung der Aufmerksamkeit gezeigt,
was Minderleistungen in weiteren neuropsychologischen Funktionsbereichen nach sich ziehen könne. Es handle sich dabei um einen ätiologisch unspezifi
schen
Befund, der zum Beispiel auch durch psychisch-emotionelle Faktoren oder Schmerzen mitbeeinflusst werden könne und somit auch potentiell reversi
bel
sei. Das Ausmass der neuropsychologischen Funktionsstörung sei als "leicht“ ein
zustufen (
Urk.
9/13).
2.7
Vom
8.
Mai bis 1
2.
Juni 2002 befand sich der Beschwerdeführer in der
E.___
zur stationären Rehabilitation verschiedener gesundheitlicher Be
schwerden sowie zur Klärung beruflicher Perspektiven unter Beurteilung der Be
lastbarkeit und Zumutbarkeit. In ihrer Beurteilung gaben die Ärzte an, dass ak
tuell unfallbedingt folgende Beschwerden bestünden:
-
eine leichte ätiologisch unspezifische neuropsychologische Funktionsstörung,
-
ein
zervikothorakales
Schmerzsyndrom linksbetont,
-
ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links ohne funktionelle Ein
schrän
kungen,
-
eine mässige Insuffizienz des Ligamentum
collaterale
ulnare
IP I rechts,
-
eine Rest-Schmerzsymptomatik im medialen Kniekompartiment links mit leich
ter indolenter Schwellung in der Kniekehle und einem leichtem
Flexi
onsdefizit
nach medialer
Tibiaplateaufraktur
sowie
-
eine
Quadrizepsinsuffizienz
und -atrophie link
s
.
Im MRI sei zusätzlich eine degenerativ bedingte mediale Meniskusläsion links festgestellt worden. Aus psychosomatischer Sicht würden beschrieben:
unfallre
aktive
Ängste mit phobischen Erlebnisweisen und Schreckhaftigkeit im S
tras
senverkehr sowie
erhöhte psychovegetative Anspannung mit innerer Unruhe, Handschweiss,
Tremorgefühl
des Kopfes
und
Atembeklemmung.
Es bestehe eine verminderte Gesamtbelastbarkeit. Heben und Tragen von Lasten
(über 10 kg) speziell repetitiv oder über Schulterhöhe sowie Ausführen von Tä
tig
keiten mit Zwangspositionen des Rumpfes seien beschwerlich und einge
schränkt.
Das Besteigen von Leitern oder Gerüsten sei ebenfalls beschwerlich, vereinzelt jedoch möglich. Unfallbedingt seien dem Beschwerdeführer zurzeit
wechsel
be
las
tende
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit den genannten Einschrän
kung
en ganztags zumutbar. Es werde empfohlen, den Fall abzu
schliessen und die Rentenfrage zu prüfen
(
Urk.
9/20)
.
2.8
Am 1
9.
September 2002 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung bei
Dr.
med.
F.___
,
FMH
orthopädische
Chirurgie. Dieser berichtete, dass eine Arbeits
aufnahme bis jetzt nicht zustande gekommen sei. Auf die ultimative Aufforde
rung, die Arbeit zu beginnen, habe der Beschwerdeführer kürzlich mit dem Wechsel des Hausarztes reagiert.
Heute würden diffuse, linksbetonte
thorako
zer
vi
ko
ze
phale
Schmerzen angegeben sowie auch Schmerzen ausstrahlend von der
Len
denwirbelsäule
ins linke Bein, insbesondere ins linke Knie. Die klinische Un
ter
suchung ergebe wenig Handfestes. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule sei un
auf
fällig. Am linken Knie sei die Fraktur abgeheilt. Eine Ergussbildung be
stehe ebenso wenig wie eine Bandinstabilität oder Hinweise auf eine
Meniskus
läsion
. Der rechte Daumen zeige eine
Auftreibung
im IP-Gelenk mit leichter
Bewe
gungs
einschränkung
. Auch wenn dies die dominante rechte Seite betreffe, habe dies keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Geplant sei in der nächsten Zeit
die Restmetallentfernung in Lokalanästhesie ambulant am Gesichtsschädel sowie
ein MRI der Lendenwirbelsäule. Hierzu seien keine Befunde (insbesondere keine
Diskushernie) zu erwarten, welche die Beschwerden im linken Bein erklä
ren wür
den. Der Beschwerdeführer sei in den Arbeitsprozess einzugliedern, weshalb ihm
ab
7.
Oktober 2002 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bescheinigt werde. Ab
4.
No
vem
ber 2002 sei eine volle Arbeitsaufnahme möglich. Davon könne nur ab
ge
wichen werden, wenn sich wider Erwarten im MRI eine handfeste Pathologie er
kennen liesse (
Urk.
9/31).
2.9
Am 2
0.
Januar 2003 berichtete
Dr.
med
.
G.___
,
FMH Physikalische Medizin
und Rehabilitation, dass der Beschwerdeführer seit dem 1
3.
September 2002 we
gen
seiner Unfallfolgen in ihrer Behandlung stehe. Es liege ein sehr komple
xes und
vielfältiges Beschwerdebild vor, wobei die Nacken- und Gesichts
schmerzen im Vordergrund stünden. Der Beschwerdeführer
klage
über perma
nente Schmer
zen im Nacken-Schultergürtelbereich sowie über sehr unange
nehme
Dysästhe
sien
über der linken Gesichtshälfte sowie über andauernde Kopfschmerzen, ins
besondere über elektrisierende Schmerzen im Bereich des linken Ohrs.
Es bestünden
lumbosakrale
Schmerzen mit Ausstrahlungen ins linke Bein über
Dermatom
S1, zurzeit eher
spondylogener
Genese bei stark hinkendem Gang nach
Tibiafraktur
mit noch vorhandener muskulärer Atrophie bei
Umfangsdefi
zit
des Oberschenkels von minus 1,8 cm.
Der Beschwerdeführer sei seit dem Unfallereignis vollständig arbeitsunfähig. Die Arbeitsunfähigkeit
sei
nach wie vor voll und eindeutig als unfallkausal zu be
trachten. Der Beschwerdeführer habe vor dem Unfall nie Rückenschmerzen ge
habt, womit die Diskushernien
, die
sowohl im
zervikozephalen
wie auch im lum
balen Bereich
radiologisch
klar
verifiziert werden könnten und mit der Kli
nik zu vereinbaren seien, als eindeutig unfallbedingt zu betrachten
seien
. Die neuro
ge
nen Schmerzen und Gefühlsstörungen an der linken Gesichtshälfte seien zwar diagnostisch noch schwierig einzuordnen, jedoch dürften sie in Zusammenhang
mit der Jochbeinfraktur und der Osteosynthese stehen. Trotz der zahlreichen und
schwerwiegenden Verletzungen bestehe keine depressive Entwicklung oder
Chro
ni
fizierung
der Schmerzen,
welche
die
Genesung verlängern könnten.
Un
fall
fremd
e
Faktoren könnten nach wie vor keine festgestellt werden. Die lang
fris
tige Prognose sei offen; sie hänge vor allem von den
Zervikal
gien
/
Zervi
ko
brachialgien
ab. Insbesondere aber die Gefühlsstörung am Gesicht habe bis jetzt therapeutisch nicht beeinflusst werden könne
n
, womit eine blei
bende Störung anzunehmen sei (
Urk.
9/36).
2.10
Am 16.
April 2003 wurde der Beschwerdeführer durch SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, untersucht. Er berichtete, dass einein
halb
Jahre
nach dem Unfall heute vor allem folgende Diagnosen verblieben seien:
-
ein Schmerzsyndrom in der linksseitigen oberen Gesichtshälfte und im
Aus
breitungsgebiet
des
Nervus
supraorbitalis
sowie Kopfschmerzen und Schwin
del;
-
ein
zervikovertebrales
und -brachiales Syndrom bei vorbestehenden degene
rativen Veränderungen und Diskushernien sowie ein
lumbovertebrales
und
lumboradikuläres
Syndrom linksseitig betont mit vorbestehenden degenerati
ven Veränderungen und Diskushernien sowie
-
leichte Belastungsintoleranz des linken Kniegelenkes bei Meniskus-Läsion und
Tibiakopffraktur
sowie leichten subjektiven Beschwerden.
Trotz adäquater Behandlung konservativ im Bereich Halswirbelsäule,
Lenden
wirbelsäule
, im linken Kniegelenk, rechten Daumen-Endgelenk und operativer Versorgung der Gesichtsschädelfrakturen und nachfolgender
Osteosynthese-Ma
terialentfernung
sowie stationärem Rehabilitationsaufenthalt respektive am
bulanter physiotherapeutischer Massnahmen habe keine effektive Verbesserung
der Situation und keine Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit erreicht wer
de
n können.
Die heutige Leistungsfähigkeit sei aufgrund der heutigen klinischen Untersu
chung
schwierig einzuschätzen. Insbesondere die zeitliche und gewichtsmässige Belas
tung sei aufgrund einer einmaligen Untersuchung bei diesem komplexen Bild nicht
festzulegen.
Insgesamt gehe es bei der Zumutbarkeitsbeurteilung um eine leichte wechselbe
lastende Tätigkeit stehend-gehend, vorwiegend sitzend mit der Möglichkeit auf
zustehen und herumzugehen mit zusätzlichen Gewichtsbelastungen nicht über 10 kg und reduzierter Gehstrecke auf
einige 100 Meter. Um eine möglichst ge
naue Leistungsfähigkeit festzustellen, sei eine Ergonomie-Abklärung stationär notwendig. Der Beschwerdeführer werde in der
E.___
angemeldet (
Urk.
9/46).
2.11
Zur weiteren Abklärung befand sich der Beschw
erdeführer in der Folge vom 14. Mai bis 25.
Juli 2003 in der
E.___
. Hier wurde ein Ergonomie-Trainingsprogramm durchgeführt (
Urk.
9/55) un
d ein psychosomatisches Konsi
lium abgehalten. Im Austrittsbericht wurden die folgenden aktuellen Probleme genannt:
-
a
n
haltende, belastungsverstärkte Kreuzschmerzen mit Schmerzausstrahlung ins
linke Bein und ge
legentlich in den Oberschenkel;
-
anhaltende Nacken- und Schulterschmerzen mit belastungsverstärkter
Schmerz
ausstrahlung
in den linken Arm;
-
intermittierende krampfartige Gesichts- und Kopfschmerzen links;
-
erhebliche allgemeine
Dekonditionierung
;
-
psychische Problematik mit Ängsten und phobischen Erlebensweisen;
-
vermehrte innere Unruhe mit Handschweiss, Kopfzittern;
-
Konzentrationsprobleme;
-
belastungsabhängige Knieschmerzen links;
-
belastungsabhängige Schmerzen im Daumen-Endgelenk rechts
-
gelegentliche Durchschlafstörungen;
-
Nikotinabusus
;
-
Arbeitsstelle unsicher;
-
erhöhte diastolische Blutdruckwerte.
Für die bisherige Tätigkeit als
Bauspengler
und Reinigungsarbeiter sei der Be
schwerdeführer aufgrund der zu hohen Anforderungen arbeitsunfähig. Andere, leichte berufliche Tätigkeiten seien halbtags möglich. Aus rein unfallkausaler funktionell-somatischer Sicht sei die Zumutbarkeit wie folgt zu beurteilen: Bei
guter Leistungsbereitschaft und Motivation im Trainingsprogramm wäre mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit die Belastbarkeit für mindestens eine leichte Arbeit ganztags mit zusätzlichen Pausen von zwei Stunden (
Beschwerdekumu
la
tion
im Tagesverlauf, durch kognitive Defizite bedingt verlangsamtes
Ar
beits
tempo
) erreichbar gewesen. Die berufliche Eingliederung sollte vorerst in einem ge
schützten Rahmen an die Hand genommen werden, um in einem spä
teren Zeitpunkt bei günstigem Verlauf die Eingliederung im allgemeinen Ar
beitsmarkt zu überprüfen (
Urk.
9/56).
2.12
Am
4.
März 2004 führte
Dr
.
H.___
eine kreisärztliche Untersuchung zur Beur
teilung des Integritätsschadens durch und gab an, dass
dieser
für Hals- und Lendenwirbels
äule je 5 % netto, insgesamt 10
% netto betrage (
Urk.
9/71-72).
2.13
Am 1
4.
März 2005 gab
Dr.
G.___
an, dass beim Beschwerdeführer in letzter Zeit keine weiteren Abklärungen durchgeführt worden seien, da er mit seiner ganzen IV-Rente nicht mehr berufstätig sei und unter limitierter Belastung die Schmerzen erträglich seien. Gelegentlich benötige er eine Serie physikalischer Therapie und Analgetika, ansonsten seien keine speziellen Massnahmen geplant (
Urk.
9/85).
2.14
Am 2
7.
Februar 2006 wurde in
der
E.___
eine
ambulante neu
ropsychologische Verlaufskontrolle durchgeführt. Die Testergebnisse zu den kognitiven Funktionen seien zum Teil besser, zum Teil schlechter ausgefallen
als bei der letzten Untersuchung vom 3
0.
Mai 200
3.
Dies widerspiegle wohl auch
die Tatsache, dass die Testleistungen nicht vollständig das
Leistungspo
tential
de
s
Beschwerdeführers abbildeten, sondern abhängig von seiner Verfas
sung schwan
ken würden. Der Beschwerdeführer habe generell bemüht mitgear
beitet, es sei ihm
aber bald zu viel geworden. Unter erhöhter Anforderung seien dann viele
Flüchtigkeitsfehler, eine erhöhte Verlangsamung sowie
Leistungsein
brüche
auf
gefallen. Seine Auffassungsgabe sei weiterhin etwas verlangsamt, die
Ideen
flüssig
keit
reduziert und die geistige Umstellfähigkeit stark vermindert. Länger
dauernde Konzentration ermüde ihn sehr.
Die Untersuchungsbefunde wiesen auf eine mittelschwere neuropsychologische
Störung hin. Als Ursache für die Beeinträchtigung stünden im Vordergrund die jetzt
chronifizierte
Schmerzproblematik, die unfallreaktiv-resignative Entwick
lung und die als Folge des Unfalles allgemein nur sehr geringe psycho-physi
sche
Belastbarkeit. Eine hirnorganische Mitbeteiligung aufgrund der leichten trauma
tischen Hirnverletzung sei wahrscheinlich, habe aber im Gesamtbild eine un
ter
geordnete Bedeutung. Die beim letzten Untersuch im Konsilium festgehal
tene
Diagnose (unfallreaktive Ängste, ICD-10: F40.2, sowie psychovegetative
Auslen
kung
mit innerer Unruhe, ICD-10: F45.3) sei weiterhin gültig und decke sich mit den heutigen Beobachtungen sowie den Schilderungen des Beschwer
deführers (
Urk.
9/102).
2.15
Am
9.
März 2006 berichtete
Dr.
D.___
, dass der Befund aus neurologischer Sicht
unauffällig sei. Insbesondere seien keine
fokalen Ausfälle an den oberen Extremitäten
eruierbar
. Am rechten Arm und an der rechten Hand sei eine nor
male Sensibilität angegeben worden, die Muskeleigenreflexe seien mittellebhaft und seitengleich auslösbar. Im Rahmen des Unfalles vom 3
0.
Oktober 2001 habe der Beschwerdeführer neben diversen anderen Verletzungen ein
Überdehnungs
trauma
der Halswirbelsäule erlitten, woraus ein bis heute anhaltendes
zerviko
zephales
Schmerzsyndrom resultiere. Die
Zervikalgie
habe sich in den letzten Wochen sukzessive verschlechtert mit vermehrten Schmerzausstrahlungen in den Schulter-Armbereich rechts. Korrelat zu dieser Verschlechterung dürfte die radiologisch nachgewiesene Diskushernie C6/7 sein, welche zudem zu einer Kompression der Wurzel C7 rechts führe. Trotz dieses eindeutigen Befundes sei
die klinische Untersuchung wenig ergiebig gewesen; der Status der oberen Ext
re
mitäten sei unauffällig. Es hätten sich einzig neurogene Veränderungen in den Leitmuskeln C7 rechts gefunden, welche für eine durchgemachte Schädi
gung dieser Wurzel sprechen würden. Hinweise auf eine frische Wurzelläsion hätten sich keine gefunden. Die Leitmuskeln der benachbarten Segmente seien unauf
fällig gewesen. Angesichts dieser Untersuchungsbefunde sollten konser
vative
Be
handlungsmassnahmen
weiterhin ausreichen (
Urk.
9/103).
2.16
Nachdem sich der Beschwerdeführer in den nachfolgenden Jahren zum
Ver
gleichs
vorschlag
der Beschwerdegegnerin vom 1
6.
August 2006 (
Urk.
9/113)
nicht hatte vernehmen lassen, nahm am
4.
Februar 2011
Dr.
med.
C.___
, Fach
arzt FMH für Chirurgie, eine ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten vor. Er
führte aus, dass auf die ganzheitlichen psychosomatischen
Beschwerdediag
no
sen
und rein zeitlichen
Kausalattributionen
von
Dr.
G.___
nicht abgestellt werden
könne, da die Beschwerdegegnerin die Adäquanz der psychiatrischen Problematik
verneint habe. Dies gelte teilweise auch für die pauschale
kreisärzt
liche
Beurtei
lung des Integritätsschade
ns
, weil an Hals- und Lendenwirbelsäule keine struk
turellen Läsionen hätten nachgewiesen werden können. Echtzeitlich bestünden keine Anhaltspunkte für eine Verletzung der Wirbelsäule. So sei im
Austritts
be
richt
des
A.___
ausdrücklich notiert worden:
Halswir
belsäule
indo
lent; Wirbelsäule nicht klopfschmerzhaft. Auch der
Neurologe
Dr.
D.___
habe keine
radikulären
Ausfäl
le an den Extremitäten gefunden
. Einzig aufgrund von
subjektiven Schmerzangaben und
Druckdolenzen
a
n Na
cken und Schulter
nach
träglich
auf ein „Überdehnungs- oder
Peitschenhieb
trauma
der Halswirbelsäule“
zu schliessen, sei unseriös. Von der
Lendenwirbel
säule
sei damals überhaupt nicht
die Rede gewesen. Die in den späteren MRI-Untersuchungen dargestellten
Osteo
chondrosen
und
Diskopathien
seien dege
nerativer Natur. Sie seien durch den
Un
fall weder verursacht noch verschlim
mert worden. Zudem könnten sie die
an
gegebenen diffusen Schmerzen gar nicht erklären. Auch bei der Ko
ntrolle bei
Dr.
D.___
hätten weder klinisch noch elektrophysiologisch Ausfälle objek
tiviert werden können. Bezüglich Hals- und Lendenwirbelsäule bestünden somit unfallbedingt weder Einschränkungen der Leistungsfähigkeit noch ein
Integri
täts
schaden
.
Dies gelte ebenfalls für die einfache Commotio. Echtzeitlich sei der Beschwerde
führer nicht bewusstlos gewesen. Auch hätte er nur eine kurze
retrogradige
Amnesie gehabt. Auch klinisch seien in den ersten 24 Stunden nach dem Unfall keine Komplikationen wie Erbrechen oder Übelkeit aufgetreten. Das Kontroll-CT
des Gehirns vom 3
0.
Oktober 2002 habe keine weiteren Läsionen gezeigt. Die Resul
tate der neuropsyc
hologischen Test-Untersuchungen
würden sich zwang
los allein psychoreaktiv erklären. Ein dauernder hirnorganischer Schaden sei damit unwahrscheinlich.
Einzig die Sensibilitätsstörung im Bereich des linken Auges bei Status nach Ope
ration einer Jochbeinfraktur (
ossär
gut geheilt) sei eine wahrscheinliche
Un
fall
folge
. Diese rechtfertige eine Integritätsentschädigung von 5
%
analog ei
nem
Ausfall des
Nervus
infraorbitalis
nach Tabelle 1
7.
Eine Einschränkung der Ar
beits
fähigkeit ergebe sich daraus nicht.
Bezüglich der
undislozierten
, korrekt konservativ behandelten
Tibiaplateau
-
Fra
k
tur medial links sei der Verlauf sehr günstig gewesen. Hinweise auf den un
auffälligen Status gebe auch der Bericht der Kreisärztliche
n Untersuchung vom
4.
März 200
4.
Auch hier bestehe weder ein erheblicher Integritätsschaden noch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die im MRI vom 1
3.
November 2001 be
schriebene
Meniskopathie
medial
sei degenerativer Natur und ohne klinische Relevanz. Die Bänder seien intakt. Eine zukünftige Verschlimmerung sei
unfall
bedingt
nicht wahrscheinlich (
Urk.
9/142).
3.
3.1
Wie die Berichte der erstbehandelnden
Ärzte im
A.___
und im
B.___
nac
h dem Unfall vom 3
0.
Oktober 2001 zeigen, hat der Beschwerdeführer, nach
dem er
beim Überqueren der Strasse auf einem Fussgängerstreifen
von ei
nem
Auto angefahren worden war, aus somatischer Sicht Verletzungen am lin
ken Knie
, am rechten Daumen sowie multiple Gesichtsschädelfrakturen erlitten.
Die - nur gering dislozierte -
Tibiaplateaufraktur
am linken Knie wurde konser
va
tiv mittels Ruhigstellung
in einer Klettschiene behandelt
.
Am 13.
Dezember
2001
, e
ineinhalb Monate
nach dem Unfall,
wurde berichtet, dass die klinische und
bildgebende Nachkontrolle
einen gut verheilten Bruch
gezeigt
habe
und das Knie wi
eder voll belastet werden könne
. Dies wurde ein knappes Jahr nach dem Unfall anlässlich der kreis
ärztlichen Untersuchung vom 19.
Se
ptember 2002 nochmals bestätigt
.
So
waren frakturbedingte Schmerzen oder Beschwerden am
linken Knie auch nicht Gegenstand
der Behandlung bei
Dr.
G.___
.
Da der Bruch
gut abgeheilt war, bestanden am linken Knie somit
im Zeitpunkt der
Leistungs
einstellung
per 3
0.
August 2006
keine unfallbedingten Beschwerden mehr.
Die im MRI festgestellte beginnende mediale
Meniskuläsion
links wurde von den involvierten Ärzten als degenerativ bedingt qualifiziert;
dieses
Beschwerdebild
hat
für die vorliegend zu beantwortende Streitfrage daher
keine Bedeutung
.
Auch der B
ruch am rechten Daumenendgelenk
war
erwartungsgemäss
kompli
kati
onslos
verheilt
, so dass der zur Ruhigstellung
angebrachte
Daumen
kennel
be
i schmerzfreier Beweglichkeit anlässlich der
Hospitalisation
im
B.___
im
Novem
ber
2001 entfernt werden worden war
.
Dem erfolgreichen
Heilungsver
lauf
ent
spre
ch
end wurde in der kreisärztlichen Untersuchung
vom
19.
September 2002
fest
gehalten, dass am Daumen keine unfallbedingten Be
einträchtigungen mehr vorlägen.
Schliesslich hat
te
der Beschwerde
führer durch den Unfall vom 30.
Oktober 2001 Gesichtsschädelfrakturen erlitten. Die Jochbeinfraktur wurde anlässlich des Auf
enthaltes vom
5.
bis
9.
November 2001 im
B.___
mit einer Osteosynthese ver
sorgt,
wobei der Verlauf als kom
plikationslos beschrieben wurde
.
Am 17.
Dezember 2001 beklagte der Beschwerdeführer eine Hypästhesie
der ge
samten linken Kopf
hälfte
. Während des Aufenthaltes in
der
E.___
vom 8. Mai bis 12.
Juni
2002 standen die Beschwerden am Kopf bei der Beur
teilung der Belast
barkeit und Leistungsfähigkeit nicht zur Diskussion. Es wur
den aber Schm
erzen in diesem Bereich notiert
. Im Rahmen der kreisärztlichen Untersuchung
vom
19.
September 2002 gab Dr.
F.___
an, dass der Beschwer
deführer über diffuse,
linksbetonte
thorakozervikozephale
Schmerz
en klage. Eine
Restmetallent
fernun
g
am Ges
ichtsschädel sei
geplant
. Dr.
G.___
berich
tete ebenfalls, dass der Be
schwerdeführer Schmerzen im Gesichtsbereich sowie Kopfschmerzen angegeben
habe, ferner beklage er unangenehme
Dysästhesien
über der linken
Gesichts
häl
f
te
.
Anlässlich der kreis
ärztlichen Untersuchung vom 16.
April 2003 führte
Dr.
H.___
an, dass eineinhalb Jahre nach dem Unfall ein Schmerzsyndrom in de
r linksseitigen oberen Gesichtshälfte sowie Kopfschmer
zen
und Schwindel ver
blie
ben seien –
dies trotz adäqu
ater Behandlung und operativer Versorgung der
Gesichtsschädelfrakturen
sowie
nachfolgender O
ste
osynthese-Materialentfernung
.
Bei der Abklärung der
Leistungsfähigkeit in
der
E.___
vom 14.
Mai
bis 2
5.
Juli 2003 wurden neben anderen Be
schwerden ebenfalls Gesichts- und Kopfschmerzen links notiert. Die Ärzte schätzten den Beschwerdeführer (unter Berücksichtigung der verschiedenartigen Probleme) in angepasster Tätig
keit als ganztags arbeitsfähig
.
Am
9.
März 2006 berichtete Dr.
D.___
, dass der neu
ro
lo
gische Befund trotz der angege
benen Schmerzen unauffällig sei
.
So
hielt
Dr.
C.___
nachvoll
ziehbarerweise
in seiner ärztlichen Beurteilung vom
4.
Febru
ar
2011 fest, dass die
ossär
gutgeheilte Jochbeinfraktur aufgrund der
Sensibilitäts
störung
eine Integritätsentschädigung von 5
%
rechtfertige, sich hieraus aber keine Arbeitsunfähigkeit ergebe.
Der Beschwerdeführer macht verschiedentlich auch Beschwerden an der Wirbel
säule geltend. Wie die Beschwerdegegnerin aber zu Recht festgestellt hat, beste
hen
gemäss den
echtzeitlichen
Arztberichten
weder aufgrund der bildgebenden
noch der klinischen Untersuchungen
unfallkausale
Verletzungen der Lenden- oder
Halswirbelsäule
und sind auch keine vorbestehenden Leiden dokumentiert, welche durch das Unfallereignis hätten aktiviert werden können
(Urk. 2 S.
17)
.
Schon
anlässlich der
Erstbehandlung im
A.___
wurde
die Wirbelsäule untersucht. Im Austrittsbericht wurde explizit festgehalten, dass die
Halswir
bel
säule
indolent und die Wirbel
nicht klopfschmerzhaft
sei
.
Es fehlt an einer struk
turellen Läsion, welche die in der Folgezeit nach dem Unfall beklagten Na
cken-, Schulter-, Rückenschmerzen erklären
könnte
.
Zusammenfassend
sind
di
e aufgrund des Unfalles vom 30.
Oktober 2001 erlitte
nen Verletzungen an Knie, Daumen und Gesichtsschädel abgeheilt. Es bestehen diesbezüglich keine Beeinträchtigungen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Eine dauerhafte Beeinträchtigung, die zwar im Hinblick auf die Ar
beitsfähigkeit ohne Bedeutung ist, besteht in der Sensibilitätsstörung in der lin
ken Gesichtshälfte. Die Beschwerdegegnerin hat für diesen Gesundheitsschaden zu Recht eine Integritätsentschädigung von 5 % zugesprochen.
Darüber hinaus
be
standen im Zeitpunkt d
er Leistungseinstellung per 30.
August 2006 knapp fünf
Jahre nach dem Unfallereignis keine unfallkausalen
organisch
nachweis
bare
n
Be
einträchtigungen mehr.
3.2
3.2.1
Eine unfallbedingte psychiatrische Erkrankung wird weder geltend gemacht, noch
von den
involvierten Ärzten
diagnostizie
rt. So hielt
Dr.
G.___
am 20.
Ja
nuar 2003 fest, dass beim Beschwerdeführer keine depressive Entwicklung be
stehe. In der
E.___
wurde zwar verschiedentlich ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer unter Ängsten
und phobischen Erlebensweisen (beim Über
queren der Strasse) leide, indessen w
urde nie eine
eigentliche
psychiatri
sche
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Beim Beschwerde
führer bestand aber zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung offensichtlich eine
chroni
fizierte
Schmerzproblematik, welche nach den Angaben des Beschwerde
führers neben Kopfschmerzen auch nicht klar lokalisierbare Schmerzen in fast allen Körperbereichen betrifft.
Wie bereits ausgeführt,
können
diese Schmerzen weder
durch bildgebende Befunde noch durch klinische Untersuchungen erklärt werden
.
Auch die neurologischen Untersuchungen blieben ohne Befund.
Damit eine
Leis
tungspflicht
der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf die bestehende
diffuse
Schmerzproblematik in Frage kommt, muss dieses Beschwerdebild, da es wie ge
sehen nicht durch organische Befunde objektivierbar ist, in einem adä
quaten Zusammenhang zum Unfallereignis vom 3
0.
Oktober 2001 stehen. Wie die
Be
schwerdegegnerin
zutreffend ausgeführt hat, kommen
bei diesem als mittel
schwer
zu qualifizierenden Unfallereignis
vorliegend für die Prüfung der Adä
quanz die
Kriterien be
i psychischen Fehlentwicklungen
zur Anwendung (so ge
nannte Psy
cho-
Praxis, BGE 115 V 133) und nicht die so genannte
Schleuder
trauma-Praxis
(BGE 134 V 109, 117 V 359), da beim Beschwerdeführer die ge
nerelle
Schmerz
problematik
im Vergleich zu allfälligen
für ein Schleudertrauma
bzw.
äquiva
len
ter Verletzung
typischen Beschwerden mit Sicherheit im Vorder
grund steht (BGE 123 V 98 E. 2a).
3.2.2
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samt
würdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Ar
beitsunfähigkeit (BGE 115 V 133
E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu
den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu
einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S.
207 ff.; 1999 Nr. U 330 S.
122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). An
derseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen,
wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lang
e Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen
Heilungs
verlaufes
. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlag
gebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herange
zo
gen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich bei
spielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem
Grenz
bereich
zu
den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksich
ti
gen
de
n Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz
bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objekti
ve
n Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die
Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen, die möglicherweise die psy
chisch
bedingte Erwerbsunfähigkeit
mitbe
günstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Der Beschwerdeführer wurde auf dem Fussgängerstreifen von einem Auto ange
fahren.
Ein solches Ereignis ist zwar f
ür den Betroffenen eindrücklich,
es
kann
aber,
so wie es sich vorliegend zugetragen hatte, nicht als besonders dramatisch oder eindrücklich im Sinne dieses Kriteriums
bezeichnet werden
. Zudem hat der Beschwerdeführer angegeben, dass er sich an das Unfallereignis nicht erinnern könne und er danach bewusstlos gewesen sei. Sollte dies zutreffen, hätte er eine besondere Dramatik oder Eindrücklichkeit, wenn sie denn vorhanden gewesen
wären, nicht wahrnehmen können bzw. hätte er sich an diese nicht mehr erin
nern
können. Das erste Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls ist daher auf jeden Fall zu ver
neinen.
Ferner hat
der Beschwerdeführer
durch den Unfall keine Verletzungen erlitten,
welche erfahrungsgemäss eine psychische Fehlentwicklung auslösen. Er zog sich
bei diesem Unfall zwar Brüche an Knie, Daumen und Gesichtsschädel zu. Wie ausgeführt verheilten diese Frakturen innert kurzer Zeit komplikationslos. Damit bestand weder eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behand
lung, noch eine ärztliche Fehlbehandlung noch ein schwieriger Heilungsverlauf
mit erheb
lichen Komplikationen.
Aus
physischer Sicht war der Beschwerdefüh
rer
zudem ge
mäss der Beurteilung der Ärzte der
E.___
bereits ein knappes Jahr nach dem Unfall zumindest in leidensangepassten Tätigkeiten vollzeitlich ar
beitsfähig
.
Obwohl der Beschwerdeführer als vorherrschende Be
einträchtigung
über Schmerzen klagt, welche verschiedenste Körperteile betref
fen, kann das Kri
te
rium der körperlichen Dauerschmerzen jedenfalls nicht als besonders ausge
prägt gelten, berichtete doch
Dr.
G.___
im Mai
2005, dass die Schmerzen er
träglich seien und nur noch gelegentlich Physiotherapie und Analgesie nötig seie
n. Somit ist höchstens ein Adäquanzkriterium
–
in nicht ausgeprägter Weise
–
erfüllt, weshalb der adäquate Zusammenhang zwischen den über den 3
0.
Au
gust 2006 hinaus bestehenden, nicht aufgrund eines objek
tivierbaren organi
schen
Substrats erklärbaren Beschwerden
und dem
Unfaller
eignis
vom 30.
Oktober 2001
zu verneinen ist
.
3.3
Zusammengefasst bestehen über den 3
0.
August 2006
hinaus
unter Berück
sichtigung
nicht nur des
Aktengutachtens von
Dr.
C.___
, sondern
auch
der
üb
rigen umfangreichen
medizinischen Akten
weder aus somatischer noch aus psy
chischer Sicht unfallkausale gesu
ndheitliche
, die Arbeitsfähigkeit beschlagende
Beeinträchtigungen.
Zum Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers liegen
schlüssi
ge
ärztliche Berichte aus den relevanten Fachgebieten vor, so
unter an
de
rem
aus der
orthopädischen
Chirur
gie, Ne
urologie und Psychosomatik.
Da die vorhandenen medizinischen Akten eine abschliessende,
unfallversicherungs
rele
vante
Beurteilung des Gesundheits
zustands
erlauben
, besteht entgegen der An
sich
t des Beschwerdeführers kein Anlass für eine polydisziplinäre Begutachtung.
4.
Der
Einspracheentscheid
vom 1
6.
März 2012 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still:
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSlavik