# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f0037c68-8b61-56be-8744-12cbd619315c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-09
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Zivilkammern 09.09.2020 ZK 2020 336
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_001_ZK-2020-336_2020-09-09.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Zivilkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre civile

Entscheid
ZK 20 336

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 02
Fax +41 31 634 50 53
obergericht-zivil.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 9. September 2020

Besetzung Oberrichterin Grütter (Referentin), Oberrichter Niklaus und Ober-
richter Schlup
Gerichtsschreiberin Brütsch

Verfahrensbeteiligte A.________
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. B.________

Berufungskläger

gegen

C.________

Mitbeteiligte

D.________
vertreten durch Rechtsanwalt E.________

Mitbeteiligter

Gegenstand vorsorgliche Massnahmen ZPO 276

Berufung gegen die Verfügung des Regionalgerichts Bern-
Mittelland vom 16. Juli 2020 (CIV 19 1706)

2

Regeste:

Vorsorglicher Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts zum Zwecke der Begut-
achtung (Art. 310 Abs. 1 ZGB); Anhebung der Berufung durch das platzierte Kind

Einreichen der Berufung durch das fremdplatzierte Kind, vertreten durch seinen 
Kindesvertreter (E. 5 und E. 11.2).

Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts zum Zwecke der Begutachtung (E. 13).

Erwägungen:

I.

1.

1.1 A.________ (nachfolgend: A.________/Kind), geb. am .________, ist der Sohn von 
D.________ (nachfolgend: Kindsvater/Mitbeteiligter) und C.________ (nachfol-
gend: Kindsmutter/Mitbeteiligte). 

1.2 Die Kindseltern leben seit dem Jahr 2015 getrennt und sind seither stark zerstritten. 

1.3 Am 31. März 2016 leitete die Kindsmutter beim Regionalgericht Bern-Mittelland 
(nachfolgend: Vorinstanz) ein Eheschutzverfahren ein (Verfahren CIV 16 1702). 
Gemäss Eheschutzentscheid vom 22. November 2018 steht das Kind unter der 
Obhut der Mutter und soll regelmässig Kontakt mit dem Vater haben. Über das 
Kind besteht zudem eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 des Schweize-
rischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210). Den von der Mutter angehobenen 
Rechtsmittelverfahren gegen Entscheide des Gerichts und der Kindes- und Er-
wachsenenschutzbehörde war kein Erfolg beschieden. 

1.4 Noch vor Abschluss des Eheschutzverfahrens leitete der Kindsvater am 8. August 
2018 bei der Vorinstanz mit einer Scheidungsklage das Scheidungsverfahren ein 
(CIV 18 4681).

1.5 Am 27. März 2019 stellte der Kindsvater ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen 
für die Dauer des Scheidungsverfahrens. Er beantragte die Abänderung der im 
Eheschutzverfahren geregelten Kinderbelange. Insbesondere verlangte er die al-
leinige Obhut für das gemeinsame Kind (Verfahren CIV 19 1706, pag. 1 ff.). 

1.6 Die Beiständin des Kindes reichte im August 2019 eine Gefährdungsmeldung bei 
der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ein, die in der Folge Abklärungen 
durch das Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz (nachfolgend: EKS) 
K.________ veranlasste (pag. 403 ff.). 

3

1.7 Mit Verfügung vom 28. November 2019 ordnete die Vorinstanz von Amtes wegen 
ein Gutachten über die Frage der Regelung der elterlichen Sorge, Obhut sowie der 
Ausgestaltung der persönlichen Kontakte betreffend das Kind an (pag. 227). Das 
gegen diese Anordnung erhobene Rechtsmittel der Kindsmutter blieb wiederum er-
folglos (Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern vom 24. Februar 2020, 
ZK 19 628 und ZK 19 629).

1.8 Mit Entscheid vom 16. Juni 2020 entzog die Vorinstanz der Kindsmutter zwecks 
Erstellung des Gutachtens und allfälliger weiterer Abklärungen superprovisorisch 
die Obhut über ihren Sohn. Sie platzierte das Kind bis auf weiteres in der Stiftung 
F.________ in G.________ und verbot den Kindseltern, sich dem Kind näher als 
100 Meter anzunähern (wobei Kontakte anlässlich der Besuche sowie allfällige Be-
gegnungen anlässlich der Begutachtung ausgenommen wurden; pag. 625 f.). 

1.9 Am 24. Juni 2020 setzte die Vorinstanz Herrn Rechtsanwalt Dr. B.________ als 
Kindesvertreter ein (pag. 721). 

1.10 Mit Verfügung vom 16. Juli 2020 hielt die Vorinstanz am superprovisorischen Ent-
zug des Aufenthaltsbestimmungsrechts, der Fremdplatzierung sowie am verfügten 
Annäherungsverbot vom 16. Juni 2020 bis auf weiteres fest (Dispositivziffer 10). 
Der persönliche Kontakt wurde teilweise ausgeweitet, mit der Möglichkeit einer wei-
teren Ausweitung, sofern dies dem Kindeswohl entspricht (Dispositivziffer 11). 
Zusätzlich stellte das Gericht fest, dass sich die Ausweispapiere des Kindes weder 
im Besitz des Kindesvertreters noch im Besitz der Heimleitung der Stiftung 
F.________ befinden würden. Der Kindsmutter wurde – unter Androhung polizeili-
chen Einschreitens sowie der Androhung einer Busse – eine letztmalige nicht er-
streckbare Nachfrist angesetzt, um sämtliche Ausweispapiere des Kindes abzuge-
ben (Dispositivziffer 13). 
Schliesslich zog die Vorinstanz in Erwägung, den Gutachtens-Fragekatalog dahin-
gehend zu erweitern, ob allenfalls Indikatoren vorliegen, welche für eine erwachse-
nenpsychiatrische Abklärung der Eltern sprechen. Den Parteien wurde eine nicht 
erstreckbare Frist angesetzt, um sich dazu zu äussern (Dispositivziffer 14; vgl. im 
Einzelnen pag. 833 ff.).

1.11 Am 23. Juli 2020 gab das Kind seine Ausweispapiere der Stiftung F.________ ab. 
Gleichentags hielt die Vorinstanz mit Verfügung fest, dass sich das Kind mit seinen 
Eltern während der Besuche ab sofort auch ausserhalb der Stiftung aufhalten kön-
ne (pag. 869).

2.

2.1 Mit Schreiben vom 24. Juli 2020 (Postaufgabe gleichentags) reichte das Kind, ver-
treten durch seinen Kindesvertreter, eine «Beschwerde» gegen die Verfügung vom 
16. Juli 2020 ein und beantragte, wieder zurück nach Hause kehren zu können 
(pag. 885 ff.).

2.2 Mit Schreiben vom 29. Juli 2020 stellte die Kindsmutter dem Obergericht ihre Be-
merkungen «zur Kenntnisnahme» zu (pag. 911 ff.).

4

2.3 Mit Schreiben vom 6. August 2020 reichte die Kindsmutter eine Vernehmlassung 
ein. Sie beantragte die Aufhebung der Ziffern 10, 13 und 14 der vorinstanzlichen 
Verfügung vom 16. Juli 2020 (pag. 837 f.). Eventualiter beantragte sie eine Aus-
dehnung des Besuchsrechts sowie eine «Abschluss-Begutachtung» durch Prof. 
em. Dr. med. H.________ (pag. 935 ff.). 

2.4 Mit Schreiben vom 7. August 2020 reichte auch der Kindsvater eine Vernehmlas-
sung ein. Er legte den Entscheid ins gerichtliche Ermessen und schloss eventuali-
ter auf kostenfällige Abweisung der «Beschwerde» (pag. 955 ff.).

2.5 Mit Schreiben vom 17. August 2020 reichte die Kindsmutter eine als «Noveneinga-
be» betitelte Eingabe ein. Sie hielt an ihren bisherigen Begehren fest und stellte 
zusätzliche Beweisanträge (pag. 981 ff.). 

2.6 Mit Schreiben vom 18. August 2020 replizierte der Mitbeteiligte und hielt sinn-
gemäss an seinen Anträgen fest (pag. 993 f.).

2.7 Mit Schreiben vom 24. August 2020 reichte die Kindsmutter eine (weitere) Replik 
ein. Ihre Anträge blieben unverändert (pag. 1007 ff.).

2.8 Am 28. August 2020 ging beim Obergericht eine zusätzliche Eingabe der Kinds-
mutter mit weiteren Bemerkungen ein (pag. 1025 ff.). 

II.

3.

3.1 In der Verfügung vom 16. Juli 2020 hat die Vorinstanz ihre am 16. Juni 2020 su-
perprovisorisch verfügten Massnahmen (Obhutsentzug, Platzierung und Kontaktre-
gelung) bestätigt. Beim Anfechtungsobjekt handelt sich daher grundsätzlich um ei-
nen Entscheid über vorsorgliche Massnahmen, der mit Berufung anfechtbar ist 
(Art. 308 Abs. 1 Bst. b der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). 
Soweit die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung neue Anordnungen pro-
zessleitender Natur getroffen hat (Dispositivziffern 1-9 und 12-15), sind diese unter 
den Voraussetzungen von Art. 319 Bst. b ZPO mit Beschwerde anfechtbar (in den 
vom Gesetz bestimmten Fällen oder wenn durch sie ein nicht leicht wiedergutzu-
machender Nachteil droht). 

3.2 Im summarischen Verfahren beträgt die Frist zur Einreichung der Berufung zehn 
Tage (Art. 314 Abs. 1 ZPO). Die Berufung gegen vorsorgliche Massnahmen hat 
keine aufschiebende Wirkung (Art. 315 Abs. 5 Bst. b ZPO). 
Bei der Beschwerde gilt Analoges (vgl. Art. 321 Abs. 2 und Art. 325 Abs. 1 ZPO).

3.3 Die Zivilkammern des Obergerichts des Kantons Bern sind für die Beurteilung des 
Rechtsmittels zuständig (Art. 4 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 6 Abs. 1 des Einführungsge-
setzes zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafpro-
zessordnung [EG ZSJ; BSG 271.1] und Art. 28 Abs. 1 Bst. a des Organisationsre-
glements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Die Entscheidfindung erfolgt in 
Dreierbesetzung (Art. 3 ZPO i.V.m. Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die Organisa-
tion der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

5

3.4 A.________ wendet sich gegen den vorsorglichen Entscheid in Ziff. 10 des Verfü-
gungsdispositivs, wogegen Berufung zu erheben ist (oben, Ziff. II.3.1). Das 
Rechtsmittel des Kindes ist jedoch als «Beschwerde» betitelt (pag. 885).

3.5 Die angefochtene Verfügung enthält keine Rechtsmittelbelehrung. Gleich wie bei 
einer falschen Rechtsmittelbelehrung (BGE 135 III 374 E. 1.2.2.1 f. S. 376 f.) darf 
einer Partei auch aus einer fehlenden Rechtsmittelbelehrung kein Nachteil erwach-
sen. Obwohl die Eingabe vom 24. Juli 2020 falsch betitelt ist, ist sie dennoch als 
Berufung entgegenzunehmen. Das Rechtsmittel alleine wegen der falschen Be-
zeichnung zurückzuweisen, käme nämlich einem überspitzten Formalismus gleich 
und wäre auch im Hinblick auf die hier betroffenen Kindesinteressen nicht gerecht-
fertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_221/2018 vom 4. Juni 2018 E. 3.3.1). 
Dies gilt umso mehr, als die Eingabe des Kindes auch den Anforderungen an eine 
Berufung genügt. 

3.6 Soweit A.________ Anträge im Zusammenhang mit dem Kontaktrecht stellt bzw. 
verlangt, die Sommerferien (teilweise) bei seiner Mutter zu verbringen (pag. 893), 
sind diese zufolge Zeitablaufs unterdessen gegenstandslos geworden.

Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Be-
rufung gegen die Verfügung vom 16. Juli 2020 ist einzutreten. 

3.7 Die Mitbeteiligte hat beim Obergericht innert den Rechtsmittelfristen kein Rechts-
mittel gegen die Verfügung vom 16. Juli 2020 eingereicht. In ihrer Vernehmlassung 
macht sie aber geltend, nur deshalb auf die Anfechtung verzichtet zu haben, weil 
sie zufolge der fehlenden Rechtsmittelbelehrung davon ausgegangen sei, dass es 
sich noch nicht um den Endentscheid handle (pag. 937). 

3.8 Da ihr Hauptantrag demjenigen des Kindes entspricht und das Gericht den Sach-
verhalt in Kinderbelangen von Amtes wegen erforscht und ohne Bindung an die 
Parteianträge entscheidet (Art. 296 ZPO), erwächst der Mitbeteiligten aus der ver-
säumten Anfechtung kein Nachteil. Sie konnte dem Gericht ihre Sicht der Dinge 
darlegen (und hat diese Möglichkeit auch mehrfach wahrgenommen). Ihre Aus-
führungen fliessen somit ungeachtet der fehlenden Anfechtung in die gerichtliche 
Beurteilung ein.

3.9 Soweit sich die Kindsmutter jedoch gegen die Anordnungen in den Dispositivziffern 
13 und 14 der streitigen Verfügung wendet, wäre die Beschwerde jedoch weder 
fristgerecht erfolgt noch hätte für eine Anfechtung ein hinreichendes Rechtsschut-
zinteresse (mehr) bestanden. Es handelt sich um prozessleitende Verfügungen, 
denen praxisgemäss keine Rechtsmittelbelehrung angefügt wird und die nur unter 
den Voraussetzungen von Art. 319 Bst. b ZPO anfechtbar sind. Dies ist der Mitbe-
teiligten bereits aus früheren Verfahren bekannt. Die Ausweispapiere des Kindes 
wurden mittlerweile sichergestellt und aus der Fristansetzung zur Äusserung zur 
beabsichtigten Erweiterung des Gutachtens-Fragekatalogs erwächst der Mitbetei-
ligten ohnehin kein nicht wiedergutzumachender Nachteil (darüber wurde noch 

6

nicht befunden). Im Übrigen äussert sich die Mitbeteiligte in ihren Eingaben nicht 
näher dazu. 

3.10 Letztlich besteht kein Anlass, weitere Beweismassnahmen zu treffen. Dass die 
Mitbeteiligte die Termine bei den Gutachterinnen vom 12. und 26. August 2020 
wahrgenommen hat, wird von keiner Seite bestritten und ergibt sich ohne weiteres 
aus den Akten. Es braucht daher keine Bestätigung eingeholt zu werden. Zudem 
verspricht sich das Gericht aus der Einholung eines Arztberichtes keine neuen Er-
kenntnisse (vgl. die Anträge der Mitbeteiligten auf pag. 1027).

3.11 Auf die Anträge der Mitbeteiligten betreffend die Dispositivziffern 13 und 14 der 
Verfügung vom 16. Juni 2020 wird daher nicht eingetreten, soweit sie nicht ohnehin 
bereits gegenstandslos geworden sind. Die gestellten Beweisanträge werden ab-
gewiesen.

III.

4. In materieller Hinsicht ist die Frage zu klären, ob die Vorinstanz ihren am 16. Juni 
2020 superprovisorisch verfügten Obhutsentzug und die Fremdplatzierung des 
Kindes am 16. Juli 2020 zu Recht bestätigt hat.

4.1 Die Vorinstanz verweist in Ziff. 10 des angefochtenen Entscheids auf ihre Begrün-
dung des superprovisorischen Entscheids (pag. 835). Dort hatte sie folgendes fest-
gehalten (pag. 621 ff.): 

Gemäss der Beiständin (Bericht vom 30. August 2019) sei das Wohl des Kindes 
gefährdet, weil der Gesundheitszustand der Mutter unklar sei. Deren Verhalten 
deute darauf hin, dass sie sich in einer psychischen Krise, allenfalls mit paranoiden 
Zügen, befinden könnte. Die Mutter verweigere jegliche Zusammenarbeit und es 
müsse geprüft werden, ob ein Obhutswechsel zum Vater angezeigt sei und dem 
Wohl von A.________ entsprechen würde. Die Kindes- und Erwachsenenschutz-
behörde habe das Kindeswohl aufgrund des unkooperativen Verhaltens der Mutter 
nicht abklären können. 
An der Gesuchsverhandlung sei die Mutter trotz telefonischer Ermahnung nicht er-
schienen (pag. 617). 
Vor dem Hintergrund, dass keine der involvierten Behörden Auskunft über das 
Wohlergehen von A.________ erteilen konnte, habe das Gericht ein Gutachten 
über die elterliche Sorge, Obhut sowie die Ausgestaltung der persönlichen Kontak-
te betreffen A.________ bei der Erziehungsberatungsstelle des Kantons Bern, 
I.________, angeordnet. Trotz wiederholter Weisungen und einer Strafandrohung 
habe die Mutter nicht kooperiert, so dass das Gutachten nicht wie geplant habe 
durchgeführt werden können. Das Verhalten der Mutter lasse den Schluss zu, dass 
sie nicht mehr das Wohl des Kindes vor Augen habe. Durch ihr abwehrendes Ver-
halten gegenüber dem Gericht, der Gutachtensstelle, der Kindes- und Erwachse-
nenschutzbehörde, der Beistandsperson sowie jeglicher sonst involvierten Behörde 
verunmögliche die Mutter die Abklärung der Situation und bewirke, dass die Obhut 

7

des gemeinsamen Sohnes ohne gutachterliche Abklärung bei ihr verbleibe. Um 
den Zugang zum Kind überhaupt zu ermöglichen und sein Wohlergehen beurteilen 
zu können, hätten die Gutachterinnen empfohlen, dass es in einer neutralen Institu-
tion fremdplatziert und dort durch eine Betreuungsperson eng zu begleiten sei. 
Nach erfolgter Eingewöhnung von ca. drei Monaten könne die Begutachtung fort-
gesetzt werden. Der Vorrichter erachtete gestützt auf die aktuelle Beweislage ein 
weiteres Zuwarten mit Blick auf die möglicherweise bestehende Gefährdung des 
Kindswohls als nicht angebracht. In neutraler Umgebung seien die erforderlichen 
Abklärungen vorzunehmen und zu beurteilen, welche Lösung dem Wohl des Kin-
des in Zukunft am besten entspricht bzw. die grössten Erfolgschancen bietet.

4.2 Das Kind beauftragte seinen Kindesvertreter, gegen diesen Entscheid ein Rechts-
mittel einzulegen. Der Kindesvertreter führte am 2. Juli 2020 ein erstes Gespräch 
mit dem Kind. Es gab gegenüber seinem Vertreter an, dass es ihm den Umständen 
entsprechend gut gehe, es aber gern wieder nach Hause zur Mutter gehen wolle. 
In den Vater habe es kein Vertrauen, weil dieser sich nicht getraut habe, ihm von 
der Geburt der beiden 2 Monate alten Halbgeschwister zu erzählen. Das Besuchs-
recht der Mutter wünschte es sich viel grosszügiger (pag. 893).
Anlässlich weiterer Gespräche mit der Kindesvertretung berichtete der Bub, dass 
es ihm weniger gut gehe, da er nach wie vor keine Sommerferien bei seiner Mutter 
und mit seinen Freunden verbringen dürfe. Er könne nicht gut schlafen, wache in 
der Nacht mehrmals auf. Er wolle nicht im Jugendheim bleiben, sondern unbedingt 
nach Hause gehen. Er habe bisher sein ganzes Leben bei seiner Mutter verbracht 
und dort sei sein Zuhause. Er fühle sich dort und im Quartier sehr wohl und habe 
dort auch sehr viele gute Freunde, die er vermisse. Seine Mutter sei in schwierigen 
und in guten Zeiten für ihn da. Es bestehe bei der Mutter keine Bedrohungsgefahr. 
Er sei von seiner Mutter nicht völlig abgeschirmt worden, sondern sei immer in die 
Schule und Tagesschule gegangen, sei ein sehr guter Schüler und habe viele gute 
Schulkameraden. Die Ungewissheit, wie lange er im Jugendheim bleiben müsse, 
sei sehr belastend. Bisher habe er weder Gespräche mit der Erziehungsberatung 
noch der Beiständin gehabt; sie hätten ihn nicht besucht. Es sei für ihn schlimm 
und ein grosser Schock gewesen, als er plötzlich bei der Schule durch die Polizei 
abgeholt und in das Jugendheim gebracht worden sei. Er habe sich damals ge-
wünscht, jugendpsychologische Unterstützung zu erhalten (pag. 893 f.). 
Der Kindesvertreter ergänzt in seiner Rechtsschrift, es sei seltsam, dass mit der 
Begutachtung drei ganze Monate zugewartet werden solle, obwohl die Fremdplat-
zierung gerade den Zweck habe, das Gutachten zu ermöglichen und die Fremd-
platzierung einen grossen Eingriff in die Grundrechte des Kindes darstelle. Für die 
Eingewöhnung hätten drei bis vier Wochen genügt. Seit der Platzierung habe sich 
die Stiftung F.________ ein Bild des Kindes und seinem Wohlbefinden machen 
können; ein «Blick hinter die Fassaden» sei nun möglich gewesen. Auch die Schu-
le hätte sich erkenntnisgewinnbringend äussern können. Es sei fraglich, ob die 
strengen Voraussetzungen von Art. 310 Abs. 1 ZGB tatsächlich gegeben seien 
(pag. 895 f.). 

4.3 Die mitbeteiligte Kindsmutter äusserte sich mehrfach und ausführlich zur vorliegen-
den Problematik. Sie schliesst sich den Ausführungen ihres Sohnes an und macht 

8

im Wesentlichen geltend, dass ihr Sohn am Ort seiner Platzierung leide (vgl. bspw. 
pag. 985) und zu ihr zurückkehren müsse. Sie könne sich adäquat um ihn küm-
mern und es gebe keine Hinweise auf eine von ihr ausgehende Kindswohlgefähr-
dung (pag. 939). Es stimme nicht, dass sie nicht kooperiere (pag. 985, pag. 1013 
und pag. 1031). Die Ausführungen der Beiständin würden nicht stimmen und deren 
Bericht sei veraltet (pag. 947 und pag. 1015). Im Gutachten vom November 2018 
sei die Obhutszuteilung an sie empfohlen worden (pag. 1011 und pag. 1017). Die 
Beiständin, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und die Gutachter hätten 
in der letzten Zeit keinen Kontakt zum Kind gehabt und die Begutachtung erfolge 
nicht effizient (pag. 939 und 945 f.). Die Fremdplatzierung sei rechtswidrig (pag. 
945). Zudem unterlasse es der Kindsvater, die Besuchstage wahrzunehmen (pag. 
989 und pag. 1013 f.).

4.4 Der Kindsvater enthielt sich eines Antrags, beantragte jedoch eventualiter die 
Bestätigung der vorinstanzlichen Regelung (pag. 955 ff.). Er bringt vor, dass das 
unkooperative Verhalten der Kindsmutter zur Fremdplatzierung geführt habe. Die 
Durchführung der Begutachtung sei mit milderen Massnahmen nicht möglich ge-
wesen. 

5.

5.1 Aus den Akten lässt sich unter anderem folgendes entnehmen:

5.2 Die Kontakte zwischen Vater und Kind konnten bereits in einem frühen Verfahrens-
stadium und trotz vieler behördlicher Massnahmen (Beistandschaft, behördliche 
Weisungen etc.) aufgrund des Widerstands der Mutter nicht mehr stattfinden (vgl. 
die Berichte der Besuchsbegleitung J.________ vom 13. Januar 2019 [keine Besu-
che seit dem 4. August 2018; pag. 129 ff.] sowie den Bericht des EKS K.________ 
vom 11. Juli 2019, wonach die Kindsmutter zu den vereinbarten Besuchstagen 
zwischen April bis Juni 2019 nicht erschienen sei [pag. 59]). 

5.3 Ins Rollen brachte das Massnahmeverfahren vor der Vorinstanz die Gefährdungs-
meldung der Beiständin des Kindes im August 2019 (pag. 121 ff.). Dem Bericht 
kann entnommen werden, dass die Beiständin weder mit der Mutter noch mit dem 
Kind Kontakt aufnehmen konnte. Das einzige Signal, das sie noch habe, seien die 
langen Einsprachen der Mutter, die die Mutter an die Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde oder die Beiständin schicke. Deren Inhalt sei zunehmend verwir-
rend und die Vorwürfe realitätsfern. Die involvierten Fachpersonen seien um das 
Wohl des Kindes besorgt. Dies nicht nur, weil die Mutter das Kind mittlerweile vom 
Vater entfremdet habe, obwohl deren Beziehung vertrauensvoll und gut gewesen 
sei. Es stehe aufgrund des Verhaltens der Mutter auch im Raum, dass sie paranoi-
de Züge entwickle. Sie schreibe auch dem Bundesgericht ohne anwaltliche Vertre-
tung. In ihren Schilderungen komme die Kinderperspektive nicht mehr vor. Der 
Kontakt der Beiständin zur Mutter sei gänzlich abgebrochen, ihre Schreiben häuf-
ten sich, würden länger und verlören zunehmend an Realitätsbezug. 

5.4 Die gestützt auf diese Gefährdungsmeldung in Auftrag gegebenen Abklärungen 
durch das EKS K.________ liefen mangels Kooperation der Kindsmutter ins Leere 
(Bericht des EKS K.________ vom 10. Dezember 2019, pag. 403 ff.).

9

5.5 Die Schulleitung der Tagesschule vermeldete im November 2019, dass sich der 
Bub wohl zu fühlen scheine. Er werde als stiller eher zurückgezogener Junge 
wahrgenommen, wirke manchmal etwas verunsichert, ängstlich und orientierungs-
los. Er sei bei den anderen Kindern gut integriert. Die Kindsmutter gebe sich viel 
Mühe in der Erziehungsarbeit, scheine aber mit der Doppelbelastung Beruf und Er-
ziehung sehr gefordert zu sein. Wenn die Tagesschule auf die Ansprüche der Mut-
ter nicht eingegangen sei, habe sie dies schlecht goutiert. Von der Klassenlehrper-
son sei bekannt, dass die Zusammenarbeit mit der Mutter sehr schwierig sei 
(pag. 423). 
Die Primarschule äusserte sich sehr positiv zu A.________ und beschrieb den 
Jungen unter anderem als angenehm, interessiert, motiviert und intelligent. Die Zu-
sammenarbeit mit der Kindsmutter sei gut. Das Kind sei sehr auf sie fixiert und es 
sei eine eher «symbiotische» Beziehung (pag. 419).

5.6 Die vorinstanzliche Anordnung eines Gutachtens zur Frage der elterlichen Sorge 
und Obhut wurde von der Kindsmutter vor Obergericht angefochten (pag. 241 ff.). 
Im Nachgang an die (rechtskräftige) Abweisung des Rechtsmittels nahm die 
Kindsmutter die Termine bei den Gutachterinnen trotz Weisungen und Androhun-
gen nicht wahr und schickte das Kind auch nicht zu den angekündigten Terminen 
(pag. 477 und pag. 570). Die Begutachtung konnte schliesslich nicht fortgesetzt 
werden (pag. 575 ff.). Die Gutachterinnen gaben daraufhin die Empfehlung ab, das 
Kind fremdzuplatzieren (pag. 577).

6.

6.1 Nach Würdigung obenstehender Ausführungen erweist sich die angefochtene Ver-
fügung als korrekt. Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind durchwegs nach-
vollziehbar und es kann vollumfänglich auf die Erwägungen im Entscheid vom 
16. Juni 2020 (auf welche in der angefochtenen Verfügung ausdrücklich Bezug ge-
nommen wird) verwiesen werden (E. 10 der Verfügung vom 16. Juli 2020 i.V.m. 
E. II.24 ff. des Entscheids vom 16. Juni 2020 [pag. 835 und pag. 619 ff.]). 

6.2 Vorab ist sich die Natur der angefochtenen Verfügung und der darin getroffenen 
Regelungen als vorsorgliche vor Augen zu halten. Die Vorinstanz hat keine definiti-
ve Regelung erlassen und der Obhutsentzug soll nur vorübergehend bzw. zunächst 
vor allem während der Begutachtungsphase bestehen. Die Vorinstanz hat die 
Fremdplatzierung gestützt auf die fachliche Einschätzung der Gutachterinnen ver-
fügt (pag. 575 f). Es gibt keinen Grund, von den schlüssigen Überlegungen der 
beiden Psychologinnen abzuweichen. 

6.3 Zwar ist den Beteiligten darin Recht zu geben, dass die vorliegende Situation eines 
Obhutsentzugs keine klassische ist. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die 
Fremdplatzierung gerechtfertigt war bzw. ist. Es lagen und liegen einige Hinweise 
auf eine Kindeswohlgefährdung vor, deren Ausmass sich aber zufolge der konstan-
ten Verweigerungshaltung der Kindsmutter bisher nicht beurteilen liess. 

6.4 Zum einen – und dies wurde bereits durch den von der Mitbeteiligten oft zitierten 
Gutachter Prof. em. Dr. med. H.________ bestätigt (S. 4 der Gesuchsbeilage 4 des 
Mitbeteiligten) – ist das Kontaktrecht zwischen Kindesvater und Sohn unbedingt 

10

aufrecht zu erhalten. Es dient nicht dem Kindeswohl bzw. ist diesem abträglich, 
wenn die Kontakte zwischen Vater und Sohn konstant unterbunden werden. Den-
noch und im Wissen darum verhinderte die Kindsmutter grundlos, äusserst hartnä-
ckig und über lange Zeit den Kontakt zwischen Vater und Sohn und stürzte den 
Sohn damit in einen Loyalitätskonflikt. Behördlichen Weisungen leistete sie selbst 
unter Androhung einer Strafe keine Folge. Sie gewährte den Behörden keinen Ein-
blick in ihr Familienleben und verweigerte sich jedem Gespräch. Sie versuchte 
vielmehr auf schriftlichem Wege (und dies beharrlich), die Fachleute und Behörden 
von ihrer Darstellung der Dinge zu überzeugen. Dabei scheint sie zu verkennen, 
dass grundsätzlich alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und nur das Beste 
für das Kind wollen. Mit den Anschuldigungen an die Adressen der Beiständin, der 
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde oder an den Kindsvater (vgl. bspw. 
pag. 989) ist niemandem geholfen und sich jeglichen Hilfeleistungen von Personen, 
die einzig dem Kindeswohl verpflichtet sind, zu verschliessen, geht unter diesen 
Umständen ebenfalls fehl. Insbesondere erweist die Kindsmutter ihrem Sohn da-
durch keinen Dienst und verhärtet nur die Fronten. Dem Widerstand der Kindsmut-
ter konnte nur durch die vorübergehende Fremdplatzierung vorerst begegnet wer-
den. 

6.5 Zum anderen umsorgt die Kindsmutter ihren Sohn rundum so eng, dass Beobach-
ter dieses Verhältnis als «symbiotisch» beschrieben (vgl. den Bericht der Schule 
vom 25. November 2019, pag. 419). Dem Kind verbleibt unter diesen Umständen 
höchstwahrscheinlich wenig Spielraum für eigene Entwicklung. Zudem bestehen 
Hinweise auf eine Überforderung der Kindsmutter (pag. 423) und darauf, dass sie 
zunehmend mit gesundheitlichen/psychischen Problemen zu kämpfen hat. Jeden-
falls ist die grosse Verzweiflung aus den zahlreichen Eingaben der Kindsmutter 
deutlich spürbar. Ihre Schreiben sind zunehmend weitschweifig, redundant und wirr 
und setzen den Fokus auf Dinge, die in den jeweiligen Verfahren nichts zur Sache 
tun (bspw. ihre beharrliche Behauptung der fehlenden Zuständigkeit der Vor-
instanz). Entgegen den Vorbringen der Kindsmutter beanspruchen die Ausführun-
gen der Beiständin gemäss ihrem Bericht vom 30. August 2019 somit nach wie vor 
Gültigkeit (pag. 125, wo die Beiständin diese besorgniserregende Entwicklung be-
reits vor rund einem Jahr festgestellt hat).

6.6 Unter diesen Umständen muss fachlich abgeklärt werden, ob und inwiefern 
tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und gegebenenfalls, mit welchen 
Massnahmen der Gefährdung begegnet werden kann. Da die Mutter das Kind bis-
her unter hermetischem Verschluss hielt, war eine kurzfristige Fremdplatzierung 
notwendig. Mildere Massnahmen haben bisher nicht zum Ziel geführt und eine po-
lizeiliche Vorführung läge nicht im Kindeswohl. Dieses Vorgehen entspricht auch 
den gutachterlichen Empfehlungen, auf die es abzustellen gilt (pag. 575 ff.).

6.7 Sinn der Fremdplatzierung ist somit ein doppelter: Einerseits geht es darum, der 
latenten Kindswohlgefährdung zu begegnen. Andererseits soll damit die Verfügbar-
keit der Beteiligten während der Begutachtungsphase sichergestellt werden. Die 
Vorinstanz ist darauf angewiesen, dass die Begutachtung stattfinden kann, damit 
sie die notwendigen Erkenntnisse für ihren Endentscheid erheben kann. Auch das 

11

Kind hat ein Recht darauf, dass die Situation von Fachpersonen abgeklärt wird. Für 
die Kindsmutter muss dies nichts Schlechtes bedeuten. 

6.8 Zwar ist verständlich, dass das Kind nach Hause in sein gewohntes Umfeld 
zurückkehren möchte. Dass der Junge besonders seine Freunde und Kameraden 
vermisst, geht aus seiner Beschwerde deutlich hervor (pag. 893 f.). Verständlich ist 
auch, dass er zur Kindsmutter zurückkehren möchte. Sie ist seine hauptsächliche 
Beziehungsperson, zu ihr hat er eine starke Bindung. Sie vermittelt ihm viel Wär-
me, Zuwendung und Sicherheit. Das alles fehlt ihm nun. Er nimmt auch wahr, dass 
seine Mutter unter der Trennung leidet. Dies verstärkt seinen eignen Schmerz. 
Nicht nur muss sich A.________ selber in der neuen Situation und mit der eigenen 
Trauer zurechtfinden, sondern er muss sich auch grosse Sorgen über seine trauri-
ge und an allen Fronten kämpfende Mutter machen (vgl. auch die Schilderung der 
Mutter der verstohlenen Wink-Kontakte auf dem Schulweg in ihrer Eingabe vom 
24. August 2020, pag. 1017). Jeder Besuch bei der Mutter ist dem Kind willkom-
men, verstärkt aber den Trennungsschmerz und den Loyalitätskonflikt zwischen El-
ternhaus und Institution. 

6.9 All dies vermag aber die Argumente für eine Fremdplatzierung nicht aufzuwiegen. 
Trotz allem ist nämlich zu berücksichtigen, dass das Kind mit seinen zwölf Jahren 
die vielschichtigen und komplizierten Familienverhältnisse und die mehrheitlich 
subtilen Formen seiner Gefährdung sicherlich noch nicht in ihrer Ganzheit erfassen 
kann.

6.10 Die Situation ist zweifellos für alle Beteiligten schwierig. Es ist daher wichtig, dass 
die Begutachtung rasch vonstattengeht. Die Unsicherheit soll für das Kind mög-
lichst kurz dauern. Deshalb war es richtig, dass sich der Kindesvertreter gegen den 
Aufschub der weiteren Gutachtensarbeiten gewandt hat. Die Begutachtung wurde 
mittlerweile fortgesetzt. Offensichtlich haben die Gutachterinnen auch bereits Kon-
takt mit der Mutter aufgenommen und mit ihr im August erste Gespräche geführt 
(pag. 1019 und 1031). Gemäss ihren eigenen Angaben gedenkt die Kindsmutter 
bei den Begutachtungsterminen auch weiterhin zur Verfügung zu stehen 
(pag. 1015). Sie scheint nun kooperieren und mitwirken zu wollen, was als positive 
Entwicklung zu werten ist. Mit ihrer Kooperation kann die Kindsmutter einiges errei-
chen (beispielsweise hatte die Abgabe der Ausweispapiere ihres Sohnes bereits 
am darauffolgenden Tag eine Ausdehnung des Besuchsrechts zur Folge [vgl. die 
Verfügung vom 23. Juli 2020, pag. 869]). Dies ist unbedingt beizubehalten. Nur so 
kann die Begutachtungsphase effizient voranschreiten und nur so ist dem Kind ge-
holfen.

6.11 Im Ergebnis ist der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen. Es wäre weder sinnvoll 
noch zielführend, im jetzigen Zeitpunkt eine erneute Umteilung der Obhut vorzu-
nehmen. Das Kind verbleibt bis auf weiteres im F.________. Anhaltspunkte, wo-
nach das Kind dort – abgesehen vom Trennungsschmerz – leidet, gibt es keine. 
Jedenfalls haben sich weder die Heimleitung noch die Schulen entsprechend 
geäussert (pag. 733 f.) und die gegenteilige Behauptung der Kindsmutter bleibt un-
belegt. Die Zeit ist absehbar, zumal das in Arbeit stehende Fachgutachten die Fra-
gestellung der Obhut behandelt. Je nach Ergebnis des Gutachtens werden sich 
mittel- oder langfristig neue Massnahmen aufdrängen. 

12

6.12 Soweit sich das Kind und die Mitbeteiligten auf die Besuchs- und Ferienregelung 
beziehen, ist darauf hinzuweisen, dass das Regime gemäss Verfügung vom 16. Ju-
li 2020 bereits überholt ist und teilweise gelockert werden konnte. Das Obergericht 
verzichtet daher auf eine entsprechende Regelung.

Im Ergebnis ist die Berufung abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos abzuschrei-
ben ist.

IV.

6.1 Die oberinstanzlichen Prozesskosten werden grundsätzlich der unterliegenden Par-
tei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden 
die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 
ZPO). Das Gericht kann von diesen Verteilungsgrundsätzen abweichen und die 
Prozesskosten in familienrechtlichen Verfahren oder beim Vorliegen besonderer 
Umstände, die eine Verteilung nach dem Ausgang des Verfahrens als unbillig er-
scheinen lassen, nach Ermessen verteilen (Art. 107 Abs. 1 Bst. c und f ZPO). 

6.2 Auch wenn die Prozesskostenverteilung nach Art. 107 Abs. 1 Bst. c ZPO für das 
obergerichtliche Verfahren grundsätzlich nicht angewendet wird, erachtet es das 
Obergericht gestützt auf Art. 107 Abs. 1 Bst. f ZPO im Rahmen seiner Ermessens-
ausübung als sachgerecht, die Gerichtskosten den Kindeseltern/Mitbeteiligten je 
hälftig aufzuerlegen und die Kindseltern ihre Parteikosten selbst tragen zu lassen. 
Dieses Resultat erscheint dem Obergericht auch in der Sache und als Signal an die 
Parteien richtig, da vorliegend betreffend Aufenthaltsbestimmungsrecht und Obhut 
nicht von einem obsiegenden und einem unterliegenden Elternteil zu sprechen ist. 
Die Kosten der Kindesvertretung bilden Gerichtskosten (dazu sogleich, Ziff. IV.6.3).

6.3 Die oberinstanzlichen Gerichtskosten setzen sich aus der Entscheidgebühr und 
aus den Kosten für die Kindsvertretung zusammen (Art. 95 Abs. 2 Bst. b und e 
ZPO).

6.4 Die Entscheidgebühr wird auf CHF 1‘500.00 bestimmt (Art. 45 i.V.m. Art. 5 des 
Verfahrenskostendekrets [VKD; BSG 161.12]). 

6.5 Die Höhe der Kindesvertretungskosten bzw. die Kriterien für deren Festlegung sind 
Sache des kantonalen Rechts. Bei Anwälten als Kindesvertreter ist das Honorar 
nach dem Anwaltstarif festzusetzen; die Aufwendungen sind aber nur so weit zu 
entschädigen, als sie im konkreten Einzelfall erforderlich waren (BGE 142 III 
153 E.6.2 S. 169). 

6.6 Der Kindesvertreter macht in seiner Honorarnote vom 14. August 2020 (pag. 973 f.) 
Kosten von insgesamt CHF 1'869.15 geltend (eigener Aufwand von 8h und 35 Mi-
nuten à CHF 200.00 und Aufwand der juristischen Mitarbeiterin/Anwaltspraktikantin 
von 10 Minuten à CHF 100.00, zzgl. Auslagen von CHF 2.20 und MWST von 
CHF 133.65). Die geltend gemachten Kosten erscheinen angemessen und werden 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgqzf62ljnfptcnjt
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=mjtwkxzrgqzf62ljnfptcnjt

13

so bestätigt. Um eine hälftige Teilung zu ermöglichen, wird der Betrag von 
CHF 1'869.15 auf CHF 1'869.20 aufgerundet.

6.7 Die Gerichtskosten für das oberinstanzliche Verfahren werden somit auf (gerundet) 
CHF 3‘369.20 bestimmt (Entscheidgebühr: CHF 1‘500.00, Kosten Kindsvertretung: 
[gerundet] CHF 1'869.20) und den Kindseltern/Mitbeteiligten je hälftig zur Bezah-
lung auferlegt (ausmachend je CHF 1'684.60). Die Gebühren werden den Kindsel-
tern/Mitbeteiligten separat in Rechnung gestellt werden. 

Parteientschädigungen werden keine gesprochen. Die Kindseltern/Mitbeteiligten tragen 
ihre eigenen Parteikosten des obergerichtlichen Verfahrens selbst. 

14

Die Kammer entscheidet:

1. Die Berufung wird abgewiesen, soweit sie nicht als gegenstandslos abzuschreiben ist.

2. Die oberinstanzlichen Gerichtskosten, bestimmt auf CHF 3‘369.20 (Entscheidgebühr: 
CHF 1‘500.00, Kosten Kindsvertretung: CHF 1'869.20), werden den Kindsel-
tern/Mitbeteiligten je zur Hälfte – ausmachend je CHF 1'684.60 – auferlegt. Die Beträ-
ge werden ihnen separat in Rechnung gestellt werden. 

3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4. Zu eröffnen:
- dem Kind 
- der Kindsmutter/Mitbeteiligten
- dem Kindsvater/Mitbeteiligten

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Bern
- der Beiständin des Kindes L.________
- der Sachverständigen M.________
- der Stiftung F.________ 

Bern, 9. September 2020 Im Namen der 2. Zivilkammer

Die Referentin:

Oberrichterin Grütter

Die Gerichtsschreiberin:

Brütsch

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid über vorsorgliche Massnahmen kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundes-
gericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 39 ff., 72 ff. und 
90 ff. BGG geführt werden. Dabei kann nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden, wobei 
die Rüge zu begründen ist (Art. 98 BGG, Art. 106 Abs. 2 BGG). Die Art. 95, 97 und 105 Abs. 2 BGG gelangen 
nicht zur Anwendung. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

Hinweis: Der Entscheid ist rechtskräftig.