# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dda44308-7184-5eb2-b060-31df0e0e77e8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-10-31
**Language:** de
**Title:** Rentenrevision, Anspruch auf Rentenerhöhung wegen wesentlicher Verschlechterung des Gesundheitszustandes.
**Docket/Reference:** IV.2012.00307
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00307.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00307
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Gasser Küffer
Urteil
vom
31. Oktober 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Hans R. Grendelmeier
Grendelmeier Jenny & Partner
Zollikerstrasse 141, 8008 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1951,
Fabrikationsmitarbeiter bei der
Y.___
, Blechstoffe und Aromen (vgl. Urk. 9/38)
,
meldete sich erstmals am
19. Oktober 1993 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an
(Urk. 9/6). Da der Versicherte er
st
am 8. Dezember 1984 in die Sc
hweiz einge
reist
war, wurden seine
Lei
stungsbegehren mangels Erfüllung
der versiche
rungsmässigen Voraussetzungen in der Folge wiederholt abgewiesen (Urk. 9/14, 9/18, 9/24).
Auf
neuerliche Anmeldung vom
2.
Mai 1997 hin (Urk. 9/36) sprach ihm die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nach Abklärung der medizinischen und beruflichen Verhältnisse (Urk. 9/38-39, 9/44) mit Verfügung vom 4. August 1998 rückwirkend ab 1. Januar 1997 eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 52
%
aufgrund lumbaler Beschwerden zu
(Urk. 9/66-67)
.
Die Arbeitgeberin löste das Arbeitsverhältnis am 1
2.
September 2002 fristlos auf (Urk. 9/92/6-7)
.
1.2
In den Folgejahren bestätigte die IV-Stelle im Rahmen diverser Revisio
nsverfah
ren mit Verfügung vom 18
. Januar 2001 (Urk. 9/73), mit
Einspr
acheentscheid vom 7. August 2003
(Urk. 9/116)
un
d
mit
Verfügung
vom
9. Februar 2009 (Urk. 8/183)
den Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bei unverändertem Invali
ditätsgrad
. Der Versicherte, welcher seit einer Kataraktoperation am 29. Jun
i 2004 unter Augenproblemen litt
(vgl
. Urk. 9/130, 9/136, 9/140-141)
,
arbeitete
vom
1. Januar 2007
bis Mai 2010
zu 50
%
im Schmuckverkauf
bei der
Z.___
, Zürich (Urk. 9/
269/3, 9/
181)
.
Am 11. September 2009 stellte der Versicherte ein weiteres Revisionsgesuch (vg
l
. Notiz auf Urk. 9/190)
. Die IV-Stelle klärte
die medizinischen und berufli
chen Verhältnisse
wiederum
ab und nahm diverse ärztliche Berichte, unter an
derem
zwei
Bericht
e
des Zentrums für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen des
A.___
vom 4. März 2010
und 20. April 2010
(Urk. 9/190-196, 9/209/10-13, 9/212
-213
)
, zu den Akten
. Mit
unangefochten
in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom
2.
Juni 2010 lehnte sie eine Rentener
höhung wiederum ab (Urk. 9/216).
1.3
A
m 26. Oktober 2010 gelangte
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Innere Medizin, seit vielen Jahren behandelnder Arzt des Versicherten, an die
IV-Stelle und er
klärte
, der Versicherte leide unter einer progredienten zerebellären Erkrankung; eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit sei begründet (Urk. 9/228-229). Di
e IV-Stel
le nahm
neuerlich diverse ärztliche Berichte zu den Akten (Urk. 9/234-
236, 9/243
) und teilte dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 4. Januar 2011
mit, dass sie voraussichtlich nicht auf das Revisionsbegehren eintreten werde (Urk. 9/246). Mit dem Einwand vom 4. Februar 2011 dagegen liess der Versicherte aktuelle ärztliche Berichte einreichen (Urk. 9/248-
255). Sein
em Even
t
ualantrag auf Ein
holung eines Gutachtens folg
te die IV-Stelle und beauftragte
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Neurologie FMH, Zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, mit der Begutachtung des Versicherten
. Gestützt auf dessen Gutachten
vom 21. Juni 2011 (Urk. 9/274) teilte die IV-Stelle mit
neuerlichem
Vorbescheid vom 2
2.
Juli 2011 mit, das Rentenerhöhungsgesuch werde
voraussichtlich
abgewiesen
(Urk. 9/276)
. Nachdem der Versicherte im Einwandverfahren weitere ärztliche Be
richt
e
, unter anderem von Prof.
Dr.
med.
D.___
,
L
eitender Arzt des Inter
di
s
zip
linären Zentrums für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen des
A.___
, vom 21. August 2011 (Urk. 9/280)
eingereicht hatte
, holte die IV-Stelle eine er
gänzende Stellungnahme von
Dr.
C.___
vom 19. Oktober 2011 ein
(Urk. 9/289) und wies das Erhöhungsgesuch mit Verfügung
vom 9. Februar 2012 ab (Urk. 2)
.
2.
Dagegen liess
X.___
am 1
2.
März 2012 Beschwerde erheben mit dem Antrag auf Erhöhung der Invalidenrente. Eventualiter sei das Gu
t
ach
ten vom 21. Juni 2011 zu ergänzen; subeventualiter
sei
ein
weiteres Gutachten zu erstellen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der
Beschwerde
antwort
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 12, 15).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich geblie
bener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in sei
nen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundes
gerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdefüh
rer aufgrund einer wesentlichen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes Anspruch auf eine höhere als die seit 1. Januar 1997 ausgerichtete halbe Invalidenrente hat. Zeitliche Vergleichs
basis bildet dabei die rechtskräftige Verfügung vom
2.
Juni 2010 (Urk. 9/216),
lag derselben doch eine materielle Prüfung des Sachverhalts mit entsprechender rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung zugrunde.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte eine relevante Verschlechterung des Gesund
heitszustandes gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C.___
vom 21. Juni 2011, aus welchem hervorgehe, dass aus neurologischer Sicht keine relevante Arbeitsun
fähigkeit resultiere. Die übrigen Gesundheitsschäden seien unverändert; die ge
ringfügige Verschlechterung der Sehkraft am rechten Auge wirke sich versi
cherungsmedizinisch nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der Beschwerdeführer
sei in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit wie derjenigen eines Telefo
nisten oder Mitarbeiters in einem Call-Center weiterhin zu 50
%
arbeitsfähig (Urk. 2).
2.3
Der Beschwerdeführer lässt dagegen im Wesentlichen vorbringen, dass die von der Beschwerdegegnerin beigezogene Beurteilung von
Dr.
C.___
in keiner Weise überzeuge. Weder berücksichtige
Dr.
C.___
, dass es sich beim Beschwerdeführer um eine polymorbide Person handle und insbesondere die stark verminderte Sehkraft im Verbund mit den übrigen gesundheitlichen Beschwerden zu werten sei
. Auch habe sich weder
Dr.
C.___
noch die Beschwerdegegnerin mit den deut
lich abweichenden Meinungen
von
Dr.
B.___
und Prof.
D.___
auseinander
gesetzt; auch seien die neu hinzugekommenen Besch
werden wie das Restless-legs-s
ynd
rom, das Zervikobrachialsyndrom, die zunehmende Kataraktbildung im rechten Auge und die neurologische Beeinträchtigung nicht oder ungenü
gend berücksichtigt worden (Urk.1).
3.
3.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache mit Verfügung vom 4. August 1998 erfolgte aufgrund der Diagnose eines schweren lumbospondylogenen Syndromes, in
folge dessen der Beschwerdeführer gemäss Einschätzung von
Dr.
B.___
vom
7. Juni 1997 seit zirka 1990 nur noch zu 50
%
leistungsfähig sei (Urk. 9/39/1-2; vgl. Feststellungsblatt vom 13. Januar 1998, Urk. 9/51).
In den folgenden Jahren unterzog sich der Beschwerdeführer am 29. Juni 2004 einer Kataraktoperation links; am 6. Juli 2004 wurde er aufgrund von Kompli
kationen nachoperiert (Urk. 9/136/3, 9/140-141). Im April 2005 mus
ste er sich bei zunehmenden
Glaskörperinfiltrationen einer neu
e
rlichen Operation des lin
ken Auges unterziehen (Urk. 9/151
). Aufgrund einer Blutung im Makulabereich mit plötzlicher Visusverschlechterung links im Juli 2008 unterzog sich der Be
schwerdeführer am 24. Juli 2008 einer intravitrealen anti-VEGF-Behandlung in der Augenklinik des
A.___
(Urk. 9/175/4-6). Gemäss Ber
icht
des
A.___
vom
14. Januar 2009 verblieb
auf dem linken Auge ein
e
deutlich reduzierte Sehleis
tung
mit Einschränkungen im
Stereosehen (
Urk. 9/178
, 9/185)
.
3
.2
Der als Vergleichsbasis beizuziehenden Verfügung vom
2.
Juni 2010 (Urk. 9/216) lag in
medizinischer Hinsicht
unter anderem ein Bericht der Augenklinik des
A.___
vom 30. Juli 2009 zugrunde. PD
Dr.
med.
E.___
hielt fest, dass mit der Avastin-Injektion 2008 der linksseitige Befund bei zentraler Münzblutung im Rahmen einer pathologischen Myopie habe stabilisiert werden können; der Beschwerdeführer berichte aktuell über vermehrte Schwindelattacken und zu
nehmende Rückenbeschwerden. Aus seiner Sicht sei eine Reduktion der Ar
beitsfähigkeit auf 30
%
auch im Hinblick auf die zunehmenden nicht-ophta
l
molo
gischen Beschwerden adäquat
.
Dr.
E.___
empfahl
eine
HNO- und eine 0
rthopädische Abklärung (Urk. 9/185).
Dr.
B.___
stellte in seinem Bericht vom 26. Oktober 2009 folgende Diagnosen:
-
Lumboradikuläres Syndrom
-
Visusverlust bei Status nach retinaler Blutung 2/08
-
Meralgia paraesthetic
a links 2/09
-
Peptide Magenbeschwerden
-
Hyperthyreose mit Tachykardien
.
Er erachtete den Beschwerdeführer seit Ende Juli 2009 als zu 7
0
%
arbeitsunfä
hig in der
bisherigen
Tätigkeit (Urk. 9/194/2-5).
Die Beschwerdegegnerin holte zusätzlich einen Bericht des behandelnden Chiro
praktoren
Dr.
F.___
vom 24. Oktober 2009 ein (Urk. 9/195/1-4). In seinem er
gänzenden Bericht vom 27. Oktober 2009 lauteten die Diagnosen auf ein chro
nifiziertes lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei zirkulärer Diskusprotrusion L4/L5 bei lumbosakraler Übergangsanomalie, einen Status nach Blutung im Makulabereich und einen chronifizierten Lagerungsschwindel. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ergänzte er diejenigen eines zervi
kospondylogenen Schmerzsyndroms bei degenerativen Veränderungen der mittleren Halswirbelsäule (HWS) und einen Verdacht auf eine Meralgia paraest
hetica. Anamnestisch hielt
Dr.
F.___
fest, dass sich der Allgemeinzustand auf
grund der ophta
l
mologischen Beschwerden und einem neu aufget
retenen be
nignen paroxy
smalen Lagerungsschwindel recht
s verschlechtert habe. Der Be
schwerdeführer berichte über v
ermehrte Schwindelattacken und
über vermehrte LWS-Beschwerden nach Über- und Fehlbelastung sowie seit Oktober 2009 über Oberschenkeldysästhesien, welche vermutlich auf eine Meralgia paraesthetica zurückzuführen seien. Die Prognose habe sich seines Erachtens verschlechtert, ab sofort bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/195/5-7).
Am 10. und 1
2.
Februar
2010 unterzog sich der Beschwerdeführer auf Veranlas
sung von
Dr.
B.___
einer neurologischen Untersuchung bei PD
Dr.
med.
G.___
, Facharzt FMH für Neurologie.
Dessen
Beurteilung lautete dahinge
hend, dass der Beschwerdeführer seit Jahren lumbale und lumbo-ischialgie
forme Schmerzen beklage, welche in den letzten Monaten offenbar deutlich zu
genommen hätten und eine Ausstrahlung am ehesten der Wurzel L5 links ent
sprechend zeigten. Trotz konsequenter Physiotherapie, chiropraktischer Mass
nahmen und schliesslich auch einigen stationären Aufenthalten habe bisher keine anhaltende Besserung der Symptomatik erzielt werden können. Aus neu
rologischer Sicht
finde sich zwar eine leichte Fussheberschwäche links, welche
er
jedoch weder in der Bildgebung aus dem Jahr 2006 noch in der Elektromyo
graphie
finde. Aufgrund der etwas verfahrenen Situation wolle er eine Zweit
me
inung einholen; ausserdem werde
er den Beschwerdeführer Prof
.
D.___
zur Abklärung de
s
benignen paroxy
smalen Lagerungsschwindel
s
zuweisen
(Urk. 9/209/10-11).
Dr.
D.___
beurteilte die vom Beschwerdeführer geklagten
Drehschwindel
-
atta
cken, aktuell
alle 2 bis 3 Wochen, in seinem Bericht vom 20. April 2010 am ehesten als rezidivierende Attacken mit Chronifizierung eines benignen paro
xysmalen Lagerungsschwindels, welcher wahrscheinlich ver
schiedene Bogen
gänge betreffe. Damit
würde auch der „Sturm im Kopf“ gut er
klärbar, nicht aber der Downbeatnystagmus, welcher nur in der Endstellposition beim Blick auf die Seite auftrete. D
ieser Befund könnte auf eine seh
r milde ze
rebelläre Instabilität hinweisen, welche möglicherweise nicht nur okulomotori
scher, sondern auch postularer Form (leichte Gangataxie) sei. Inwieweit diese Befunde mit der im MRI berichteten und sehr, sehr diskreten zerebellären Atro
phie in Verbindung stünden und vor allem, wie deren Prognose sei, müsse zur
zeit offen gelassen werden (Urk. 9/213/1-3).
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Allgemeinmedizin, des Regionalen ärztlichen Diens
tes (RAD) der Beschwerdegegnerin stellte sich in seiner Einschätzung vom 31. Mai 2010 au
f
den Standpunkt, dass der von Prof
.
D.___
bestätigte La
gerungsschwindel einer Behandlung gut zugänglich sei und keinerlei weitere Arbeit
sunfähigkeit in der Tätigkeit im Schmuckhandel
begründe
. Im W
eiteren hielt er an seiner Einschätzung vom 15. April 2010 fest, gemäss welcher keine neuen medizinischen Befunde ausgewiesen seien, welche eine höhere als die 50%ige Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermöchten (Urk. 9/215/2-3; vgl. da
rauf gestützte Begründung in der Verfügung vom
2.
Juni 2010, Urk. 9/216).
3
.3
3
.3.1
Im Rahmen des hier im Streite stehenden Revisionsverfahrens
reichte
Dr.
B.___
mit seinem Schreiben vom 26. Okto
ber 2010 eine Bestätigung von Prof
.
D.___
vom 23. Juni 2010, wonach
am 26. Mai 2010 beim Beschwerdefüh
rer ein zerebelläres Syndrom mit Gangataxie und Downbeatnys
tagmus diag
nostiziert worden sei
, ein
. Dieses Krankheitsbild habe keinen ätiologischen Zu
sammenhang mit den rezidivierenden Episoden eines benignen paroxysmalen La
gerungsschwindels, unter welche
m
der Beschwerdeführer aktuell nicht mehr leide (Urk. 7/228
/3
).
Im ebenfalls beigel
e
gten Ku
rzbericht zur Sprechstunde des I
nterdi
s
ziplinären Zentrums für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen des
A.___
vom 1.
Oktober 2010
lauteten die Hauptdiagnosen auf ein zerebelläres Syndrom mit/bei klinisch leichtgradiger Gangataxie, intermittierend nachweis
barem Downbeatnystagmus und gemä
ss cMRI 11/09 frontaler und
z
er
ebellärer Hirnvolumenminderung mit Kleinhirnoberwurm und Lobus flocculo-nodularis sowie auf eine Meralgia paresthetica li
nks.
I
n der Zwischenanamnese seit 21. Juli 2010
(vgl. Bericht vom 21. Juli 2010, Urk. 9/236/4 und 9/236/6)
wurde
festgehalten, dass die Be
schwerden weiterhin einen stark fluktuierenden Verlauf mit tageszeitlicher Ab
hängigkeit zeigten. Am Morgen nach dem Aufstehen sei der Beschwerdeführer „wie unter Narkose“, leide unter Fatique, Verschwommensehen, Gangunsicher
heit, alles sei verlangsamt, benötige mehr Konzentration und Anstrengung.
Zwischenanamnestisch und klinisch hätten sich keine neuen Aspekte ergeben. Bei grossem subjektivem Leidensdruck seien verschiedene medikamentöse The
rapieoptionen diskutiert worden; es sei ein Behandlungsversuch mit Meman
tine/Axura gestartet worden (Urk.
9/228/1-2).
Am 19. November 2010 folgte
eine weitere Verlaufskontrolle
im
A.___
. Seit
1
9
. Oktober 2010 hätte Memantine wegen Nebenwirkungen abgesetzt werden müssen. Seither habe sich ein stabiler Verlauf eingestellt, die Sehstörungen seien seit rund einer Woche akzentuiert. Der neuro-otologische wie auch der allg
e
mein-neurologische Status präsentierte
n
sich im Vergleich zum Vorun
ter
such leicht verschlechtert (U
rk. 9/236/9-10).
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Rheumatologie, Sport und Innere Medizin, er
stellte am 23. November 2010 einen Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer stehe seit Herbst 2010 wegen rezidivierenden lumbal lo
kalisierten Schmerzen sowie Schulterschmerzen in seiner Behandlung. Unter re
gelmässiger Physiotherapie habe die Schmerzsituation stabilisiert werden kön
nen. Gesamthaft zeige sich jedoch ein reduzierter Patient. Dies sei nicht nur Folge der belastungsabhängigen, rezidivierenden Schmerzen, sondern stehe auch in Zusammenhang mit der zerebellären leicht progredienten Problematik. Entsprechend seien die Voraussetzungen für eine Erhöhung der Invalidenrente von 50 auf 70
%
sicher gegeben (Urk. 9/235).
Dr.
F.___
erklärte am 1
9. November 2010, dass nunmehr eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit angebracht sei (Urk. 9/234).
Am selben Tag hielt
Dr.
B.___
gestützt auf obige Berichte fest, dass mittlerweile eine weitgehend vollständige Invalidisierung vorliege, einerseits bedingt durch die bekannten Rückenbe
schwerden und andererseits durch eine progrediente zerebelläre Erkrankung. Hinzu komme die täg
lichen physikalischen Therapien
(Urk. 9/237)
.
Dr.
med.
J.___
, Facharzt für Urologie, erklärte mit Schreiben vom 20. Dezember 2010, dass der Beschwerdeführer seit 30. Juli 2010 wegen einer progredienten
nahezu vollständigen erektilen Dysfunktion, welche ihn zunehmend psychisch belaste, in seiner Behandlung stehe. Aufgrund der schweren Erkrankung des zentralen Nervensystems respektive des Kleinhirns aber auch des Rückenmarks müsse von einer neurologischen möglicherweise nicht therapierbaren Ursache der Störung ausgegangen werden. Die damit einhergehende psychische Belas
tung müsse seines Erachtens bei der Berentung ebenfalls mitberücksichtigt wer
den (Urk. 9/243).
Dr.
H.___
stellte sich am 3. Januar 2011 auf den Standpunkt, in den Berichten des
A.___
würde bei zwar geänderter Diagnose weiterhin lediglich eine leichte Gangstörung festgestellt, eine tiefere als
eine
50%ige Arbeitsfähigkeit würde aus neurologischer Sicht nicht bestätigt. Die Potenzstörung vermöge für sich alleine ebenfalls keine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit zu begründen (Urk. 9/244/3).
Prof.
D.___
erklärte
am
2.
Februar 2011, dass aufgrund des progredienten zerebellären Syndroms eine Arbeitsunfähigkeit vorlie
ge, die zusammen mit den übrigen
chronifizierten
gesundheitlichen
Einschränkungen (rheumatologisch, ophtamologisch, urologisch) deutlich über 70
%
liege. Die genaue Arbeitsunfä
higkeit müsse seines Erachtens in Rahmen eines neuen Gutachtens neu einge
schätzt werden (Urk. 9/248).
Vom 30. bis 31. März 2011 unterzog sich der Beschwerdeführer wegen Durch
schlafstörungen einer Schlafanalyse im Zentrum für Schlafmedizin,
K.___
. Aufgrund der näch
tlichen Schlafstudie
n
wurde
n
ein R
estless-legs-syndrom (PLM-Syndrom) mit einem Weckungsindex von 19/h, häufige Sauer
stoffdesaturationen, eine Schlafzeitunterschätzung und eine Insomnie
festge
stellt (Urk. 9/274/17-18).
3
.3.2
Der von der Beschwerdegegnerin beauftragte Gutachter
Dr.
C.___
unterzog den Beschwerdeführer am 21. Juni 2011 einer klinischen neurologischen Untersu
chung. Eigenanamnestisch erklärte der Beschwerdeführer, seit Jahren unter ständigen lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung
in
die linke Gesäss
hälfte zu leiden
.
Seit Mitte 2009 leide er zusätzlich unter frühmorgendlichem Schwindel, anfänglich mit lageabhängigem Drehschwindel. Er fühle sich mor
gens immer benommen. Die Schwindelbeschwerden im Zusammenhang mit ei
nem haubenartigen Kopfdruck und Ohrensausen würden sich meist im Verlauf des Vormittags zurückziehen. Aufgrund dieser Beschwerden sei er häufig gang
unsicher und habe das Gefühl zu schwanken. Er leide zusätzlich unter Miss
empfindungen im Bereich des linken äusseren Oberschenkels im Liegen sowie unter unruhigen Beinen. Unter der aktuellen Therapie mit Sifrol und Stilnox könne er wieder besser schlafen.
Gestützt auf seine klinischen Untersuchungsbefunde und die Akten kam
Dr.
C.___
in der zusammenfassenden Beurteilung zum Schluss, dass b
ei der ak
tuellen
Untersuchung keine Fussheberschwäche mehr nachweisbar gewesen sei und sich auch sonst keine radikulären Befunde gezeigt hätten. Die vom Haus
arzt
Dr.
B.___
gestellten Diagnosen einer Meralgia paraesthetica
links, peptischer Magenbeschwerden und einer Hyperthyreose mit Tachykardien würden aus versicherungsmedizinischer Sicht keinen Anspruch auf eine Rentenerhöhung begründen und seien ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Auch rechtfer
tige die Visusminderung links bei nahezu vollem Visus auf der Gegenseite keine höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Die oto
-
neurologischen Untersu
chungen im
A.___
vom 4. März und 20. April 2010 hätten auf leichte Residuen eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels, möglicherweise im Rahmen einer infratentoriell betonten Hirnatrophie hingewiesen. Die Verlaufsdokumen
tation einschliesslich zerebralem MRI vom 13. Januar 2011 hätten jedoch bis
lang keinen Hinweis für eine prozesshaft verlaufende/progrediente neurodege
nerative Erk
r
ankung ergeben, sodass die pathologische Relevanz der blanden klinischen und bildgebenden Befunde eher fraglich erscheine. Bei der aktuellen neurologischen Untersuchung seien lediglich diskrete und versicherungsneuro
logisch nicht relevante Unsicherheiten im Blindstrichgang nachweisbar gewe
sen. Das jüngst schlafmedizinisch diagnostizierte PLM-Syndrom werde inzwi
schen effektiv medikamentös behandelt.
Gemäss
Dr.
C.___
ist
aus rein neurologischer Sicht keine relevante Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (Urk. 9/274/1-15)
3
.3.3
Mit Bericht vom 21. August 2011 zur Sprech
stunde vom selben Tag stellte Prof
.
D.___
folgende Diagnosen:
-
langsam progredientes zerebelläres Syndrom mit/bei
- Dow
nbeatnystagmus bei Lateralblick und Kopfhängenlassen
- posturaler Ataxie
- leichter beinbetonter Extremitätenataxie
-
cMRI vom 13. Januar 2011: linksbetonte deutliche Atrophie des Lobus
flocculo-nodularis, Erweiterung der äusseren Liquorräume frontal, über
den oberen zerebellären Hemisphären und des Oberwurms
-
Visuseinschränkung
- Visus links 0,1 cc nach Netzhautblutung im Gefolge einer
Kataraktoperation
- Katarakt rechts (Operation bisher abgelehnt wegen Gefahr der
Netzhautblutung
-
Status nach Canalolithiasis
-
Restless-legs-syndrom mit chronischer Einschlaf- und Durchschlaf
-
insomnie
-
chronisches Lumbovertrebralsyndrom mit radikulärer
Schmerzausst
r
ah
-
lung L5 links mit Fussheberschwäche M4
-
chronisches Zervikoverte
bralsyndrom mit radikulärem Reiz
- und
sensiblem Ausfallsyndrom C7 links bei HWS-Provokation
-
Meralgia par
a
esthetica links
-
Nierenstein Unterkelch rechts, Stosswellenlithotripsie am 20. April 2011
.
Neben den zahlreichen Diagnosen bestehe aus neuro-otologischer Sicht ein lang
sam progredientes zerebelläres Syndrom mit Downbeatnystagmus. Obwohl dieser in der aufrechten Kopfposition nur bei Lateralblick auftrete, führe er zu
sammen mit dem massiv reduzierten Visus links und dem Katarakt rechts zu ei
ner wesentlichen Behinderung, könne der Beschwerdeführer seine zusätzlich bestehende posturale Ataxie doch nur ungenügend visuell kompensieren, ins
besondere bei Kopf- und Augenbewegungen
. Den im Gutachten von
Dr.
C.___
gezogenen Schluss könne er aufgrund seiner klinischen Befunde nicht nach
vollziehen (Urk. 9/280).
Auch
Dr.
B.___
sprach sich am 26. August 2011 neuerlich für eine über 70%ige respektive
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführer
s
aus. Wegen der zerebel
lären degenerativen Erkrankung
, die zu zunehmende
n Gleichge
wichtsstörungen führe,
sowie wegen der Medikation mit Sifrol und Xanax be
nötige der Beschwerdeführer zur Erlangung seiner Gehfähigkeit morgens einige Stunden und sei bis mittags nicht in der Lage, einer geregelten Tätigkeit nach
zugehen oder sich zu konzentrieren. Vier Nachmittage seien
zudem
durch The
rapien besetzt (Urk. 9/283).
Ein MRI der HWS inklusive
des
zervikothorakalen Überganges vom 6. Oktober 2011 im
L.___
liess eine diskrete Unkoarthrose C5/C6 rechts mit leichter Einengung des Neuroforamens in diesem Bewegungs
segment erkennen (Urk. 9/287).
Am 19. Oktober 2011 nahm
Dr.
C.___
auf Bitte der Beschwerdegegnerin zum Bericht des
A.___
vom 21. Augu
st 2011 Stellung. Er hielt
fest, dass das Ausmass der primär nicht neurologisch bedingten Visusminderung zum Zeitpunkt seiner Untersuchung nicht bekannt gewesen sei. In heutiger Kenntnis der nur 10%igen Sehfähigkeit auf dem linken Auge erscheine die diesbezügliche Beurteilung von Prof.
D.___
nachvollziehbar. Aus seiner Sicht würden diese Befunde jedoch keine vollständige Arbeitsunfähigkeit begründen. Da die nystagmusasoziierten Beschwerden nur bei Blickwendung nach rechts aufträten und sich die posturale Instabilität im Stehen manifestiere, könnten zumindest
angepasste, sitzende Tätigkeiten, die keine besonderen Anforderungen an die Blickmotorik stellten, wie als Telefonist oder Mitarbeiter eines Call-Centers, uneingeschränkt ausgeübt werden (Urk. 9/289).
Hierzu äusserte sich sodann Prof.
D.___
mit Schreiben vom 4. November 2011 und verneinte die Zumutbarkeit der vorgeschlagenen Verweisungstätig
keiten. Bei einer Tätigkeit in einem Call-Center handle es sich im Regelfall um Bildschirmarbeit, wobei es unweigerlich zu Blickbewegungen in alle Richtungen komme und der Beschwerdeführer die rechte
Bildschirmseite wegen Oszillopsien ni
cht lesen könne. Eine theoretisch
mögliche Kompensation mit schnellen Kopf
bewegungen sei aufgrund des chronischen Zervikovertebralsyndroms nicht möglich. Das chronische Lumbovertebralsyndrom sei kaum vereinbar mit einer sitzenden Tätigkeit, auch verhindere das Restless-legs-syndrom län
g
eres Sitzen. Zusammengefasst pflichte er
Dr.
B.___
,
Dr.
E.___
,
Dr.
I.___
und
Dr.
F.___
, dass beim Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70
%
, seines Erachtens 100
%
vorliege
, bei
(Urk. 9/293/1).
3
.4
In einem weitern in diesem Verfahren eingereichten Bericht vom 27. Februar 2012 setzte sich Prof.
D.___
mit der Begründung in der angefochtenen
Verfügung auseinander und erklä
rte, dass die neurologische Beeinträchtigung ungenügend berücksichtigt worden sei. Wie bereits mehrfach geschrieben, be
stehe beim Beschwe
rdeführer ein Downbeat-Nystagmus
bei exzentrischer Augenposition, was bedeute, das
s vertikale Oszillopsien aufträt
en, sobald er nicht strikt geradeaus schaue. Zusammen mit der visuellen Beeinträchtigung (ein Auge sei praktisch blind, das andere mit progredient abnehmendem Visus bei zunehmendem nicht-operablem Katarakt) sei eine Arbeit am Bildschirm illusorisch. Diese Beeinträchtigung sei seines Erachtens erst nach der letzten Festlegung der Invalidität aufgetreten und
ein Zeichen für das Fortschreite
n der zeberellären Degeneration. Ungenügend berücksichtigt worden seien weitere neu hinzugetretene gesundheitliche Beeinträchtigungen wie das Restless-legs-syndrom, die Insomnie, rheumatologische Diagnosen inklusive HWS-Verände
rungen mit radikulären Symptomen
(Urk. 3/2; vgl. zudem mit der Replik einge
reichte Stellungnahme von Prof.
D.___
vom 3. August 2012, Urk. 13/4).
Auch
Dr.
B.___
nahm am 27. Februar 2012 Stellung und äusserte sein Erstaunen über den Entscheid der Beschwerdegegnerin. Ergänzend zu seinen bereits am 26. August 2011 gemachten Ausführungen erklärte er, dass die ausgeprägten Nebenwirkungen der Medikation wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen es dem Beschwerdeführer verunmögliche
n würden
, regelmässig eine zuverläs
sige Leistung zu erbringen. Auch habe die Beschwerdegegnerin nicht berück
sichti
gt, dass neue Beschwerden
hinzu
gekommen un
d alte sich verstärkt hätten (Ur
k. 3/1; vgl. dazu ebenfalls im zweiten Schriftenwechsel eingereichte Stel
lungnahme von
Dr.
B.___
vom 18. Juli 2012, Urk. 13/2
).
4.
4
.1
Vorweg zur Würdigung der medizinischen
Akten ist der Beschwerdeführer da
rauf hinzuweisen, dass es keine Pflicht zur Veröffentlichung der Zertifizierung
als medizinischer Gutachter SIM gibt und der RAD-Arzt
Dr.
med.
H.___
gemäss
telefonischer
Auskunft der Geschäftsstelle
SIM vom 4
.
Oktober 2013 über das entsprechende
Zertifikat seit 2009 verfügt (vgl. Urk. 17
; vgl. Vorbringen des Beschwerdeführers in Urk. 12 S. 2 und 3
).
Was die vom Beschwerdeführer be
mängelte Gutachterbestellung ohne Zufallsgenerator anbelangt (vgl. Urk. 12
S. 3), ist der Beschwerdegegnerin
darin zuzustimmen, dass diese in Nachach
tung von BGE 137 V 210 mit
Art.
72
bis
der Verordnung über die Invalidenversi
che
rung (IVV) auf Verordnungsebene per 1. März 2012 umgesetzten Anforderun
gen nur für polydisziplinäre Gutachten Geltung beanspruchen und daher die Beweiskraft des Gutachtens von
Dr.
C.___
nicht beschlagen.
4
.2
Was aber die materiellen Einwände des Beschwerdeführers gegen
das Gutachten von
Dr.
C.___
anbelangt,
lassen
der Vergleich oben zitierter ärztlicher Berichte und deren Würdigung tatsächlich Zweifel an seiner Beurteilung, auf welche sich der RAD-Arzt
Dr.
H.___
und die Beschwerdegegnerin massgeblich abstützte, aufkommen.
Abgesehen von
Dr.
C.___
und
Dr.
H.___
sprachen sich
nunmehr
sämtliche ärztli
chen Fachpersonen
, soweit sie dazu Stellung nahmen,
in den im hier zu beur
teilenden Revisionsverfahren eingegangenen Berichten für eine erhebliche bis gänzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von
zumindest
70
%
bis 100 %
in jeder Tätigkeit
aus. Dabei massen nicht nur Prof
.
D.___
und
Dr.
B.___
, son
dern auch
Dr.
I.___
und
Dr.
F.___
der Polymorbidität des Beschwerdefüh
rers massgebliche Bedeutu
ng zu und bezeichneten das nunmehr diagnostizierte zerebelläre Syndrom mit Downbeatnystagmus und Gangataxie als leicht pro
gredient. Nicht mehr aktuell sei dagegen der paroxysmale Lagerungsschwindel (vgl. unter anderem Urk.
9/236/5, 9/234, 9/236/9-10, 9/235, 9/237, 9/248, 9/280, 9/283, 9/293).
Dr.
C.___
beschränkte sich in seiner Beurteilung dagegen auf eine
singulär
e Ausei
nandersetzung mit den Beschwerden und sprach letztlich sämtlichen Be
schwerden, wenn auch beschränkt auf eine rein neurologische Sichtweise, eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende Wirkung gänzlich ab
. Auch schloss er eine prozesshafte progrediente Entwicklung der zerebellären Problematik aus (vgl. Urk. 9/274/12
-
13). Dabei setzte er sich weder mit den gänzlich abweichenden
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit der
übrigen Ärzte
auseinander, noch
mit deren
Vorbefunden
oder deren Einschätzung der Prognose und Entwicklung des z
erebellären Syndroms
.
Weiter fehlt es an einer Auseinandersetzung mit den vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden und dem tageszeitlich fluktuie
renden
Verlauf
. Abgesehen vom Umstand, dass
Dr.
C.___
seine Einschätzung ausdrücklich auf eine rein neurologische Sichtweise beschränkte, was der Poly
morbidität des Beschwerdeführers nicht gerecht wird,
ist auf sein
Gutachten im Lichte der bundesgerichtlichen Anforderungen an den Beweiswert einer ärztli
chen Beurteilung (vgl. obige E. 1.4)
angesichts obiger Schwächen nicht abzu
stellen.
Hieran ändert auch seine nachträgliche Stellungnahme vom 19. Oktober 2011
(Urk. 9/289) zum Bericht von Prof
.
D.___
vom 21. August 2011 (Urk. 9/280/1-4) nichts
.
Dr.
C.___
beschränkte sich darin auf eine Stellungnahme zur von
Dr.
D.___
gestellten Diagnose eines Visus links von 0,1 cc nach Netz
hautblutung
und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Abgesehen da
von, dass seine Aussage, er habe vom Ausmass der Visusminderung bis anhin keine Kenntnis gehabt (Urk. 9/289/1), obwohl zum Beispiel bereits im Bericht von
Dr.
I.___
vom 23. November 2010 ein Vi
sus links von lediglich noch 30
% diagnostiziert worden war (Urk. 9/236/12), seine Aktenkenntni
s insgesamt
fraglich erscheinen lässt, fehlt es seiner
Beurteilung
erneut
an einer
umfassen
den
Sichtweise:
Angesichts der erheblich abweichend
en neurologischen Befunde von Prof
.
D.___
vom 21. August 2011 zu seinen Befunden vom 21. Juni 2011 insbesondere im Bereich Gangbild, Romberg
, aber auch
in den Kategorien Reflexe und HWS-Parästhesien (vgl. Urk. 9/274/10-11 mit Urk. 9/280/2-3) wäre eine Stellungnahme dazu wie auch zur Frage der Progredienz der zerebellären Erkrankung und deren Bedeutung unabdingbar gewesen.
4.3
Im Gegensatz dazu erweisen sich die Berichte
von
Prof
.
D.___
nicht nur hinsichtlich der Diagnosestellung und
neurologischen
Befunderhebung als voll
ständig
; sie
überzeugen
auch in Bezug auf die Einschätzung des
Auftretens und
Verlaufs der Beschwerden un
d deren gesamthafte Auswirkung
auf die Leis
tungs
fähigkeit
(vgl. unter anderem Urk.
9
/293)
. Die
sich
bereits
im Bericht
des
Interdi
s
ziplinären Zentrums für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen des
A.___
vom 19. November 2010
abzeichnende Verschlechterung in Bezug auf den neuro-otologischen wie auch den allgemein-neurologischen Status (vgl.
Urk. 9/236/7-8 mit Urk. 9/236/
9-10) findet im Bericht vom 21. August 2011 (Urk.
9
/280/1
, vgl. auch Urk. 9/297/18-19
) seine
logische
Fortsetzung.
Auch wenn die Breite der gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführer
s
eigentlich nach einer polydisziplinären Abklärung verlangt, kann a
ngesichts der
Überzeugungskraft der Berichte und Beurteilungen von Prof.
D.___
und deren Übereinstimmung mit den Einschätzungen von
Dr.
F.___
,
Dr.
I.___
und
Dr.
B.___
(vgl. ausserdem
Bericht von PD.
Dr.
E.___
vom 23. August 2011
zur Kataraktproblematik auf dem rechten Auge
, Urk. 9/284)
, welche allesamt von einer über 70%igen Arbeitsunfähigkeit
ausgehen,
auf weitere Abklärungen verzichte
t werden.
4.4
Gestützt auf deren Beurteilungen ist als erstellt zu betrachten, dass
sich
der
Ge
sundheitszustand des
Beschwerdeführer
s seit der Verfügung vom
2.
Juni 2010
insbesondere insofern verändert
hat, als der paroxysmale Lagerungsschwindel weggefallen ist, nunmehr aber das erstmals am 26. Mai 2010 diagnostizi
erte zerebelläre Syndrom (Urk. 9
/228/3)
als Hauptdiagnose neben die ursprünglichen Beschwerden sowie das ebenfalls neu diagnostizierte Restless-legs-syndrom, die Insom
nie und
HWS-Veränderungen mit radikulären
Auswirkungen getreten ist. Keine Zweifel rechtfertigen sich auch daran, dass das zerebelläre Syndrom
einen – wenn auch langsamen – so doch progredienten Verlauf nahm. Noch am 20. Ap
ril 2010 beurteilte Prof.
D.___
die Befunde, welche auf zerebelläre In
stabil
ität hin
wiesen, als minimster Ausprägung (Urk.
9/213/2). Die zerebelläre Thematik fand
in
der
Beurteilung des Gesundheitszustandes, welche
r
der Verfü
gung vom
2.
Juni 2010 zugrunde lag
,
denn auch noch
keinen Eingang
(vgl. Stellungnahme von
Dr.
H.___
vom 31. Mai 2010, Urk. 9/215/3)
.
Gestützt auf die Akten
rechtfertigt es sich
jedoch,
ab
November
2010 von einer für die Leistungsfähigkeit
massgeblichen
Verschlechterung des Gesundheitszu
standes
im Vergleich zum Zustand, welcher der Verfügung vom
2.
Juni 2010 zugrunde lag,
auszugehen, präsentierte sich doch
g
emäss Bericht von Prof
.
D.___
vom 19. November 2010
nicht nur der neurologische und der neuro-otologische Befund verschlechtert im Vergleich zu den noch nahezu blanden Befunden vom 21. Juli 2010 und vom 1. Oktober 2010 (Urk. 9/236/4 und 6, 9/236/7 f.)
. Anamnestisch findet sich zudem der Hinweis auf akzentu
ierte Sehstörungen im Sinne von verstärktem Verschwommensehen und Schwierigkeiten beim Lesen (Urk. 9/236/9-10).
Auch
sprachen sich im Novem
ber 2010
Dr.
F.___
nunmehr für
eine 100%ige (Urk. 9/236/11),
Dr.
I.___
sinngemäss für eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/236/13)
und
Dr.
B.___
für eine mittlerweile vollständige Invalidisierung (Urk. 9/237)
aus
. Di
e erstmalige Stellungnahme von Prof
.
D.___
zur Arbeitsfähigkeit datiert vom
2.
Februar 2011, wobei er dannzumal bereits von einer deutlich über 70
%
liegenden Ein
schränkung ausging.
Entsprechend ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Be
schwerdeführer seit November 2010 in jeder Tätigkeit
zu mindestens 70
%
ein
geschränkt ist, was zu einem Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab
1. Februar 2011 führt (
Art.
28
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
88a
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
).
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann auf weitere Ausführungen zu formel
len Vorbringen des Beschwerdeführers (Urk. 12 S. 4) verzichtet werden.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
Art.
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (GSVGer) hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Parteientschädigung, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen ist. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung einer
Prozess
entschädigung von
Fr.
3‘1
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Das
Gericht
erkennt
:
1.
In Gutheissung der Beschwe
rde wird die Verfügung
der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
9.
Februar 2012 aufgehoben mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Februar 2011 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
-
schä
digung von
Fr.
3‘100
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Hans R. Grendelmeier
unter Beilage einer Kopie von Urk. 17
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 17
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigGasser Küffer