# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f79318d4-c491-548b-bc0d-0803dbf7b2c6
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.12.2018 SK 2018 99
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-99_2018-12-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 18 99
SK 18 100

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Dezember 2018 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Obergerichtssuppleantin Gysi, 
Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter 1

C.________
a.v.d. Rechtsanwalt D.________
(Mandat eingestellt per 12. März 2018)
v.d. Rechtsanwalt E.________

Beschuldigter 2 / Berufungsführer 1

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Berufungsführerin 2

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 22. November 2017 (PEN 17 92+93)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 22. November 2017 erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht in Dreierbesetzung) was folgt (pag. 888 ff.; Hervorhebungen im 
Original): 

A. A.________

I.

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen

1. missbräuchlichen Verwendens der Lichthupe, angeblich begangen am 11.10.2014 auf der 
Autobahn A6 Nord, Richtung Lyss, Höhe Ausfahrt Lyss-Süd (AS Ziff. I./A./3.4);

2. ungenügenden Rechtsfahrens mit Personenwagen und eventualiter Überschreitens der 
signalisierten Höchstgeschwindigkeit, angeblich begangen am 24.10.2014 in Bern, F._____-
strasse (AS Ziff. I.A./4.3 [recte 4.2] und 4.4 [recte 4.3]);

3. Vornehmens einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges erschwert, angeb-
lich mehrfach begangen (AS Ziff. I./A./5.1.1 bis. 5.1.11)

3.1 am 28.05.2014 um ca. 19:08 Uhr in G.____ (Ortschaft), Hauptstrasse;

3.2 am 30.05.2014 um ca. 10:17 Uhr in H.____ (Ortschaft);

3.3 am 30.05.2014 um ca. 20:23 Uhr in I.____ (Ortschaft), Autobahnraststätte;

3.4 am 30.05.2014 um ca. 20:32 Uhr in J.____ (Ortschaft);

3.5 am 06.06.2014 um ca. 10:47 Uhr in H.____ (Ortschaft);

3.6 am 26.09.2014 um ca. 20:15 Uhr in H.____ (Ortschaft);

3.7 am 26.09.2014 um ca. 20:36 Uhr auf der Autobahn A6 Nord L, zwischen Kappelen und der 
Ausfahrt Lyss-Süd;

3.8 am 01.10.2014 um ca. 17:48 Uhr in H.________;

3.9 am 11.10.2014 um ca. 21:24 Uhr auf der Autobahn A6 Nord, Richtung Schüpfen, zwischen 
Schönbühl und Lyss;

3.10 am 13.10.2014 um ca. 08:49 Uhr in H.________;

3.11 am 19.10.2014 um ca. 12:19 Uhr in K.____ (Ortschaft), Hauptstrasse;

4. Kurvenschneidens auf Strassenverzweigung beim Abbiegen nach links mit Fahrrad, sich 
ziehen lassen mit Fahrrad, Fahrens ohne Licht nachts bei beleuchteter Strasse mit Fahr-
rad sowie Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassen- und Sicherverhältnisse als 
Fahrradlenker, alles angeblich begangen am 06.08.2014 in H.________ (AS Ziff. I./A./5.2.1 bis 
5.2.4);

5. unnötigen Laufenlassens des Motors eines stillstehenden Fahrzeuges und Verursachen 
von vermeidbarem Lärm durch hohe Motordrehzahlen im Leerlauf, beides angeblich be-
gangen am 01.10.2014 in H.________ (AS Ziff. I./A./5.3);

3

6. Nichttragens der Sicherheitsgurte, angeblich begangen am 19.10.2014 in K.____ (Ortschaft) 
(AS Ziff. I./A./5.4);

wird infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (Anteil Gebühren Untersuchung), bestimmt 
auf CHF 800.00, an den Kanton Bern.

Für die amtliche Verteidigung von A.________ wird Fürsprecher B.________ eine Entschädigung 
von CHF 1'756.20 ausgerichtet (1/10 der gesamten amtlichen Verteidigungskosten, Bestimmung der 
amtlichen Verteidigungskosten siehe Ziff. A./IV.).

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung durch Teilnahme 
an einem nicht bewilligten Rennen, angeblich begangen am 30.05.2014 auf der Autobahn A5 
L Pieterlen, Richtung Biel (AS Ziff. I./A./1.1);

2. von der Anschuldigung der groben Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren eines aus-
reichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren mit einem zeitlichen Abstand von we-
niger als 0.5 Sekunden, angeblich begangen am 30.05.2014 auf der Autobahn A5 L Pieterlen, 
Richtung Biel (AS Ziff. I./A./1.3);

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird hingegen schuldig erklärt:

1. der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen

1.1 durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit mit einem Personen-
wagen innerorts um mindestens 50 km/h am 26.09.2014 in L.____ (Ortschaft) (AS Ziff. 
I./A./2.1);

1.2 durch Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit mit einem Personen-
wagen auf Autobahn um mindestens 80 km/h am 11.10.2014 auf der Autobahn A6 
Nord, Richtung Lyss (AS Ziff. I./A./3.1);

2. der groben Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen

2.1 durch Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit mit einem Personen-
wagen auf Autobahn um 75 km/h am 30.05.2014 auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Fahrt-
richtung Biel, (AS Ziff. I./A./1.2);

2.2 durch Vornehmen einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges er-
schwert am 30.05.2014 auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel, (AS Ziff. I./A./1.4);

2.3 durch Vornehmen einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges er-
schwert am 26.09.2014 in L.____ (Ortschaft), (AS Ziff. I./A./2.2);

2.4 durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit auf Autobahn um 73 
km/h am 11.10.2014 auf der Autobahn A6 Nord, Richtung Lyss (AS Ziff. I./A./3.2);

2.5 durch Vornehmen einer Verrichtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges er-
schwert am 11.10.2014 auf der Autobahn A6 Nord, Richtung Lyss (AS Ziff. I./A./3.3);

4

2.6 durch Nichtbeherrschen des Fahrzeuges zufolge Nichtanpassens der Geschwindigkeit 
an die Sicht- und Strassenverhältnisse mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer bei 
Fahren mit Personenwagen am 24.10.2014 in Bern, F._____-strasse (AS Ziff. I./A./4.1);

und in Anwendung der Art. 34, 40, 42 Abs. 1 und 4, 44, 47, 49 Abs. 1, 51 und 106 StGB; Art. 27 Abs. 
1, 31 Abs. 1, 32 Abs. 2, 34 Abs. 4, 90 Abs. 2, 90 Abs. 3 i.V.m. 90 Abs. 4 lit. b und d SVG; Art. 3 Abs. 
1, Art. 4a Abs. 1 lit. d und Abs. 5 VRV; Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Die Polizeihaft vom 31.10.2014 wird im Umfang von einem Tag auf die Freiheitsstrafe ange-
rechnet.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf vier Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Geldstrafe von 185 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 5'550.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf vier Jahre festgesetzt.

3. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 1'350.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 45 Tage festgesetzt.

4. Zu den anteilmässigen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von 
CHF 17'000.00 und Auslagen von CHF 4'682.00, insgesamt bestimmt auf CHF 21'682.00 (De-
tails siehe separate Tabelle).

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die anteilmässige Gebühr um 
CHF 1'200.00. Die reduzierten anteilmässigen Verfahrenskosten betragen damit CHF 20'482.00.

IV.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Fürsprecher B.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 78.75 200.00 CHF 15'750.00

CHF 511.00
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 16'261.00 CHF 1'300.90
Total CHF 17'561.90

volles Honorar CHF 26'000.00
CHF 511.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 26'511.00 CHF 2'120.90
Total CHF 28'631.90

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecher B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit 9/10 des obigen Betrages, ausmachend CHF 15'805.70 (1/10 bereits bei Verfah-
renseinstellungen berücksichtigt, vgl. Ziff. A./I.).

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung von CHF 15'805.70 
zurückzuzahlen und Fürsprecher B.________ die Differenz von CHF 11'070.00 zwischen der amtli-
chen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-
nisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

5

V.

Weiter wird verfügt:

1. Die Beschlagnahme wird aufgehoben und der Laptop inkl. Ladekabel wird A.________ nach 
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückgegeben.

2. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. .________) erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).

3. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt 
(Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erken-
nungsdienstlicher Daten).

B. C.________

I.

C.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung durch Teilnahme an ei-
nem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahrzeugen, angeblich begangen am 30.05.2014 auf der 
Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel (AS Ziff. I./B./1.);

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

C.________ wird hingegen schuldig erklärt:

der groben Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindig-
keit mit einem Personenwagen auf Autobahn um mehr als 35 km/h, begangen am 30.05.2014 auf 
der Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel (AS Ziff. I./B./2.);

und in Anwendung der Art. 34, 42 Abs. 1 und 4, 44, 47 und 106 StGB; Art. 32 Abs. 2, 90 Abs. 2 SVG; 
Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV; Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 110.00, ausmachend total CHF 13'200.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 3'300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 30 Tage festgesetzt.

3. Zu den abteilmässigen [recte: anteilsmässigen] Verfahrenskosten, sich zusammensetzend 
aus Gebühren von CHF 4'350.00 und Auslagen von CHF 2'200.00, insgesamt bestimmt auf 
CHF 6'550.00 (Details siehe separate Tabelle).

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die anteilmässige Gebühr um CHF 300.00. 
Die reduzierten anteilmässigen Verfahrenskosten betragen damit CHF 6'250.00.

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III.

Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von C.________ 
durch Rechtsanwalt D.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung Anwalt 35.17 200.00 CHF 7'033.35
amtliche Entschädigung MLaw 1.50 100.00 CHF 150.00

CHF 423.10
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 7'606.45 CHF 608.50
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8'214.95

volles Honorar CHF 10'775.00
CHF 423.10

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 11'198.10 CHF 895.85
Total CHF 12'093.95

nachforderbarer Betrag CHF 3'879.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die amtliche Verteidigung von 
C.________ mit CHF 8'214.95. 

C.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwalt D.________ die Differenz von CHF 3'879.00 zwischen der amtlichen Entschädigung 
und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 StPO).

Schriftlich mitzuteilen (nach Eintritt der Rechtskraft):
- der Koordinationsstelle Strafregister und DNA (Art. 366 Abs. 2 lit. a StGB; Art. 14 Abs. 1 lit. a VO-

STRA-Verordnung)
- dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern, Abteilung Administrative Verkehrs-

sicherheit

Das vorliegende Urteil wird den anwesenden Parteien unter Hinweis auf die nachstehende Rechtsmit-
telbelehrung mündlich eröffnet und begründet sowie das Dispositiv gegen Empfangsbestätigung aus-
gehändigt.

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten C.________ (nachfolgend Beschuldigter 2), neu pri-
vat verteidigt durch Rechtsanwalt E.________, und die Staatsanwaltschaft je frist-
gerecht die Berufung an (Schreiben vom 29. November 2017 [pag. 898] bzw. 
1. Dezember 2017 [pag. 900]). 

Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 12. März 2018 (pag. 909 ff.). 

In der form- und fristgerecht eingereichten Berufungserklärung vom 3. April 2018 
(pag. 971 ff.) focht die Generalstaatsanwaltschaft das erstinstanzliche Urteil in Be-
zug auf A.________ (nachfolgend Beschuldigter 1) an, soweit

- den Freispruch von der Anschuldigung der groben Verkehrsregelverletzung 
durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Hintereinanderfahren 

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mit einem zeitlichen Abstand von weniger als 0.5 Sekunden, angeblich began-
gen am 30. Mai 2014 (Dispositiv lit. A Ziff. II.2);

- die Verurteilung wegen grober Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der 
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen um 75 km/h, begangen am 
30. Mai 2014 (Dispositiv lit. A Ziff. III.2.1);

- und die Bemessung der Strafe betreffend.

Hinsichtlich des Beschuldigten 2 beschränkte die Generalstaatsanwaltschaft ihre 
Berufung auf den Schuldspruch wegen grober Verkehrsregelverletzung (Dispositiv 
lit. B Ziff. II) und die dafür ausgefällte Strafe. 

Der Beschuldigte 2 führte in seiner ebenfalls form- und fristgereicht eingereichten 
Berufungserklärung vom 3. April 2018 (pag. 976 f.) aus, er fechte «das gesamte 
Urteil an, soweit nicht ein Freispruch erfolgt» sei. Präzisierend beschränkte er die 
Berufung auf den Schuldspruch, die Sanktion und die Kostenauflage. 

Der Beschuldigte 1 erklärte weder Anschlussberufung, noch machte er Gründe für 
ein Nichteintreten auf die Berufung geltend (Eingabe vom 23. April 2018, pag. 983 
f.). Auch der Beschuldigte 2 und die Generalstaatsanwaltschaft (diese mit Eingabe 
vom 25. April 2018, pag. 986) stellten hinsichtlich der Berufung der jeweils anderen 
Partei innert Frist keinen Nichteintretensantrag.

Auf ein begründetes Gesuch des Beschuldigten 1 hin (pag. 1074 ff.), wurde die ur-
sprünglich auf den 30./31. Oktober 2018 angesetzte Berufungsverhandlung abge-
setzt und auf den 6./7. Dezember 2018 verschoben (Verfügung vom 26. Juli 2018, 
pag. 1086 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

3.1 Beweisantrag der Generalstaatsanwaltschaft und Stellungnahmen der Parteien

Im Rahmen ihrer Berufungserklärung stellte die Generalstaatsanwaltschaft den 
Beweisantrag, es sei im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung ein ver-
kehrstechnisches Gutachten zur Feststellung der im konkreten Fall vorliegenden 
Tachogenauigkeit bei dem im Tatzeitpunkt vom 30. Mai 2014 vom Beschuldigten 1 
gefahrenen Personenwagen Mercedes O.____ (Typus) und zum Abstand der am 
30. Mai 2014 hintereinander fahrenden Personenwagen Mercedes O.____ (Typus) 
und Mercedes V.________ einzuholen. Begründend führte sie aus, die Vorinstanz 
habe die dem Beschuldigten 1 auf seiner Fahrt vom 30. Mai 2014 anrechenbare 
Geschwindigkeit nach falschen Prinzipien berechnet. Im Unterschied zur Anklage-
schrift, welche sich auf die Formel des Zürcher Verkehrsrechtsspezialisten Dr. Jürg 
Boll gestützt habe, habe die Vorinstanz den Toleranzabzug bei Nachfahrmessun-
gen gemäss der Verordnung des ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung 
(VSKV-ASTRA; SR 741.013.1) zur Anwendung gebracht. Es biete sich daher an, 
die Tachogenauigkeit und damit die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit mittels 
eines verkehrstechnischen Gutachtens und damit unabhängig vom «Methoden-
streit» zu ermitteln. Ein solches Gutachten könne alleine auf der Grundlage des 
vorhandenen Videomaterials der besagten Fahrt erstellt werden; technische Unter-
suchungen seien dafür nicht erforderlich. Im Zuge dieses Gutachtens könne gleich-

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zeitig auch rechtsgenüglich abgeklärt werden, mit welcher Geschwindigkeit der Be-
schuldigte 2 unterwegs gewesen sei und in welchem Abstand die Fahrzeuge der 
beiden Beschuldigten tatsächlich hintereinander gefahren seien (pag. 974 f.). 

Mit Eingabe vom 23. April 2018 (pag. 983 f.) beantragte Fürsprecher B.________ 
für den Beschuldigten 1 die Abweisung des Beweisantrags. Er führte zusammen-
gefasst aus, die beantragten Beweismassnahmen seien unnötig; es sei nicht er-
sichtlich, wie die genaue Geschwindigkeit unabhängig von einer Untersuchung der 
beteiligten Fahrzeuge, lediglich  gestützt auf das aufgenommene Video festgestellt 
werden solle, ohne dass dabei Berechnungen anzustellen wären, wie sie bereits 
von der Vorinstanz angestellt worden seien. 

Der Beschuldigte 2 liess am 9. Mai 2018 über seinen Verteidiger ausführen, der 
von der Generalstaatsanwaltschaft gestellte Beweisantrag sei weder zulässig noch 
tauglich und sei somit vollumfänglich abzuweisen (pag. 993). Das Berufungsverfah-
ren beruhe auf den im Vorverfahren und der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
erhobenen Beweisen. Die Vorinstanz habe die massgebliche Geschwindigkeits-
überschreitung und den massgeblichen Nachfahrabstand bereits anhand der 
VSKV-Astra-Methode ermittelt. Der Beweisantrag der Generalstaatsanwaltschaft 
sei als Antrag auf Wiederholung einer Beweismassnahme zu qualifizieren. Da vor-
liegend weder Verletzungen von Beweisvorschriften, noch eine unvollständige oder 
unzuverlässige Feststellung der massgebenden Geschwindigkeit und des relevan-
ten Abstands auszumachen seien, sei eine Beweiswiederholung nicht zulässig. Es 
obliege dem Gericht zu entscheiden, nach welcher Methode die Geschwindigkeit 
im zu beurteilenden Fall berechnet werden müsse. 

3.2 Erwägungen der Kammer und getroffene Beweismassnahmen

3.2.1 Allgemeines

Nach Art. 389 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 
(StPO; SR 312.0) beruht das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen, die im Vor-
verfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Abs. 1). 
Beweismassnahmen der erstinstanzlichen Gerichte werden nur wiederholt, wenn 
Beweisvorschriften verletzt worden sind, die Beweiserhebungen unvollständig wa-
ren oder die Akten über die Beweiserhebungen unzuverlässig erscheinen (Abs. 2). 
Nach Abs. 3 der nämlichen Bestimmung erhebt die Rechtsmittelinstanz von Amtes 
wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen Beweise. 

Der bereits im erstinstanzlichen Verfahren beschränkte Unmittelbarkeitsgrundsatz 
(Art. 343 StPO) gilt zweitinstanzlich grundsätzlich nicht mehr (ZIEGLER/KELLER, in: 
Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N 1 zu Art. 389 StPO). Auch im 
Rechtsmittelverfahren gilt allerdings der Wahrheits- bzw. Untersuchungsgrundsatz, 
was in Art. 389 Abs. 3 StPO zum Ausdruck kommt (SCHMID, Praxiskommentar 
StPO, 3. Aufl. 2018 N 1 zu Art. 389 StPO). Vor diesem Hintergrund kann es unter 
Umständen geboten erscheinen, einen Beweis oberinstanzlich erneut abzuneh-
men, wenn dessen unmittelbare Kenntnisnahme für die Entscheidung relevant er-
scheint. Dem entscheidenden Gericht kommt bei dieser Frage ein grosser Ermes-
senspielraum zu (Urteil des Bundesgerichts 6B_1251/2014 vom 1. Juni 2015 
E. 1.3). Zusätzliche Beweise können ungeachtet einer allfälligen Beweisführungs-

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last auch ohne Beweisantrag der Parteien erhoben werden (ZIEGLER/KELLER, 
a.a.O., N 3 zu Art. 389 StPO). 

Auch wenn die massgeblichen Beweise grundsätzlich im Vorverfahren bzw. dem 
erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben werden, ist die Kammer aufgrund des (in 
Art. 389 Abs. 3 StPO konkretisierten) Untersuchungsgrundsatzes ohne Weiteres 
dazu berechtigt bzw. gar verpflichtet, ergänzende Beweismassnahmen zu veran-
lassen oder Beweise abzunehmen, wenn sie sich daraus einen für die Entscheid-
findung massgeblichen Erkenntniszuwachs verspricht. Die von der Staatsanwalt-
schaft und der Vorinstanz zur Bestimmung der genauen Geschwindigkeit unter-
nommenen Beweismassnahmen beschränkten sich bis anhin auf die Sichtung des 
Videos bzw. das Ablesen der darin auf dem Tacho angezeigten Höchstgeschwin-
digkeit. Um einer allfälligen Ungenauigkeit der Tachoanzeige Rechnung zu tragen, 
ermittelte die Vorinstanz Sicherheitsmargen aus anderen Bereichen und wendete 
den ihr für die vorliegende Situation angemessen erscheinende Abzug für Nach-
fahrten analog an. Beweismassnahmen, welche direkt auf die Ermittlung der 
tatsächlichen Geschwindigkeit ausgerichtet waren, veranlasste sie indessen nicht. 

Ausgehend vom Beweisantrag der Generalstaatsanwaltschaft nahm die Verfah-
rensleitung mit dem Unfalltechnischen Dienst der Kantonspolizei Bern (nachfolgend 
UTD) Kontakt auf (pag. 997). Nach einer Sichtung des zur Verfügung stehenden 
Videomaterials informierte Herr M.________ des UTD, eine Auswertung sei auf-
grund der schlechten Aufnahmequalität resp. der unscharfen Einzelbilder nach ei-
ner Rücksprache mit dem Vermessungsspezialisten nicht möglich. Nach wie vor 
bestehe aber die Möglichkeit, mit dem Fahrzeug eine Tachoeichung durchzu-
führen, da sich die Toleranz der Anzeigeinstrumente mit dem Alter nicht massge-
blich verschlechtere. Entscheidend sei einzig, dass die Prüfung mit korrespondie-
renden Rädern und Reifen (und damit mit gleichem Radumfang) durchgeführt wer-
de; soweit aus dem Prüfbericht ersichtlich, seien beim fraglichen Fahrzeug die glei-
chen Felgen montiert wie zur Tatzeit (pag. 1010). Aus den weiteren von Herr 
M.________ zur Verfügung gestellten Unterlagen ging sodann hervor, dass auch 
die Haltereigenschaft seit dem zu beurteilenden Vorfall nicht gewechselt hatte und 
das Fahrzeug weiterhin auf N.________, den Sohn des Beschuldigten 2, eingelöst 
war (pag. 1021 ff.). 

3.2.2 Beschlagnahme und Tachoeichung

Gestützt auf die Auskunft des UTD erschien eine Analyse des vorhandenen Vi-
deomaterials nicht mehr geeignet, massgebliche Erkenntnisse zur Frage nach der 
am 30. Mai 2014 tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit zu liefern, weshalb der 
entsprechende Beweisantrag der Generalstaatsanwaltschaft abgewiesen wurde 
(Ziff. 1 des Beschlusses  vom 11. Juni 2018, pag. 1031). Da aber die Durchführung 
einer technischen Überprüfung der Geschwindigkeitsanzeige des nach wie vor 
greifbaren Mercedes O.____ (Typus) solche Erkenntnisse versprach, wurde das 
besagte Fahrzeug in Anwendung von Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO beschlagnahmt 
(Ziff. 2 des erwähnten Beschlusses pag. 1030 ff.). Über die noch gleichentags er-
folge Sicherstellung durch die Kantonspolizei Bern wurden die Parteien umgehend 
informiert (Verfügung vom 11. Juni 2018, pag. 1034). Ihnen wurde weiter die Mög-
lichkeit eingeräumt, sich zur expertisierenden Stelle zu äussern und Ergänzungs-

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fragen zu stellen. Nachdem sich keine der Parteien gegen den von der Kammer 
benannten Experten wandte oder Ergänzungsfragen stellte, wurde P.________ mit 
der Durchführung der Tachoeichung und der Beantwortung der vorgesehenen Fra-
gen beauftragt (pag. 1065). 

Die Tachoprüfung wurde am 23. Juli 2018 durchgeführt (pag. 1079 ff.) und das 
Fahrzeug unverzüglich an N.________ zurückgegeben. 

3.2.3 Ergänzungsfragen zum Resultat der Tachoeichung

Gestützt auf die Antworten des Experten vom 24. Juli 2018 (pag. 1079) stellten so-
wohl die Generalstaatsanwaltschaft (Eingabe vom 10. August 2018, pag. 1091 f.) 
als auch der Beschuldigte 1 (Eingabe vom 17. August 2018, pag. 1093 f.) insge-
samt vier Zusatzfragen. Diese Fragen wurden dem Experten – in leicht modifizier-
ter Form – unterbreitet (Verfügung vom 6. September 2018, pag. 1103 f.) und von 
diesem mit Schreiben vom 13. September 2018 (pag. 1119 f.) beantwortet. 

Das Antwortschreiben des Experten veranlasste die Generalstaatsanwaltschaft zur 
Stellung einer weiteren Ergänzungsfrage (Eingabe vom 24. September 2018, 
pag. 1127 f.), deren Beantwortung allerdings nähere Kenntnis über die genaue Be-
reifung zum Zeitpunkt des Vorfalls einerseits und zum Zeitpunkt der Tachoeichung 
andererseits voraussetzte. Gemäss einer Voranfrage an den Experten (Email vom 
24. Oktober 2018, pag. 1145) liessen sich diese Informationen im Hinblick auf die 
zum Zeitpunkt des Verkaufs montierten Reifen weder dem Kaufvertrag, noch den 
sich bei den Akten befindlichen Bildern entnehmen (pag. 1146). Zur genaueren Ab-
klärung der relevanten Parameter wurden beim Verkehrsamt Q.________, welches 
am 23. Mai 2014 – also kurz vor dem Vorfall am 30. Mai 2014 – vom Original ab-
weichende Felgen prüfte und genehmigte, Prüfungsunterlagen eingeholt 
(pag. 1149 ff.). Gleichzeitig wurden auch beim Verkehrsprüfzentrum R.________ 
die Unterlagen der letzten Prüfung vom 1. Februar 2018 eingeholt (pag. 1155 ff.). 
Die Parteien wurden mit entsprechenden Kopien bedient.

Aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse wurde die Frage der Generalstaats-
anwaltschaft von Amtes wegen um weitere Fragen der Verfahrensleitung ergänzt, 
welche dem Experten mit Verfügung vom 5. November 2018 zu Beantwortung un-
terbreitet wurden. Gleichzeitig wurde der Halter des Mercedes O.____ (Typus) auf-
gefordert, sämtliche Unterlagen einzureichen, aus welchen sich Hinweise auf Rei-
fen- oder Felgenwechsel zwischen dem 30. Mai 2014 und dem 11. Juli 2018 erge-
ben. Der Verkäufer des Fahrzeugs wurde sodann aufgefordert Unterlagen einzu-
reichen, aus welchen sich Hinweise auf die beim Verkauf des Fahrzeugs am 
30. Mai 2014 angebrachten und mitgelieferten Felgen und Reifen ergeben könnten 
(pag. 1159 ff.). 

Das Antwortschreiben des Experten datiert vom 8. November 2018 (pag. 1186 ff.). 
Eine Kopie wurde den Parteien samt Beilagen zugestellt. Mit Email-Eingabe vom 
23. November 2018 reichte S.________ – der Verkäufer des Mercedes O.____ 
(Typus) – die greifbaren Kaufbelege und Fotos zum abgewickelten Verkauf ein 
(pag. 1191 ff.). 

Der Halter des Mercedes O.____ (Typus), N.________, reichte keine Unterlagen 
zu allfälligen Reifen- oder Felgenwechseln ein.

11

3.2.4 Berufungsverhandlung

Von Amtes wegen wurden in oberer Instanz aktuelle Strafregisterauszüge, datie-
rend vom 6. November 2018 (Beschuldigter 1, pag. 1184; Beschuldigter 2, 
pag. 1183), sowie Leumundsberichte, datierend vom 30. Oktober 2018 (Beschul-
digter 1, pag. 1177 ff.) bzw. vom 1. November 2018 (Beschuldigter 2, pag. 1171 
ff.), über die Beschuldigten eingeholt.

Die Berufungsverhandlung fand am 6. und 7. Dezember 2018 statt (pag. 1207 ff.). 
Beide Beschuldigten wurden sowohl zu ihrer persönlichen Situation als auch zur 
Sache befragt (pag. 1209 ff.). Nach seiner Befragung reichte der Beschuldigte 2 
der Kammer ein als Leumundszeugnis betiteltes Schreiben der T.________ AG 
vom 5. Dezember 2018 ein (pag. 1226). Dieses wurde nach einer kurzen offenen 
Beratung zu den Akten erkannt (pag. 1214).

4. Anträge der Parteien

Für die Generalstaatsanwaltschaft beantragte Staatsanwalt U.________ anläss-
lich der Berufungsverhandlung (pag. 1227 ff.; Hervorhebungen im Original): 

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. November 
2017 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als 

1.1 das Strafverfahren gegen A.________ wegen Widerhandlungen gegen das SVG gemäss 
Urteilsdispositiv A. I., Ziff. 1. bis 6., unter Kostenausscheidung und Ausrichtung einer Ent-
schädigung infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt worden ist;

1.2 A.________ von der Anschuldigung der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung 
durch Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen, angeblich begangen am 30.05.2014 
auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und 
ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten freigesprochen worden ist;

1.3 A.________ schuldig gesprochen worden ist wegen 

1.3.1 qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen durch Über-
schreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit mit einem Personenwagen in-
nerorts um mindestens 50 km/h am 26.09.2014 in L.____ (Ortschaft), und durch 
Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit mit einem Personenwagen 
auf Autobahn um mindestens 80 km/h am 11.10.2014 auf der Autobahn A6 Nord, 
Richtung Lyss;

1.3.2 grober Verkehrsregelverletzung, mehrfach begangen durch Vornehmen einer Ver-
richtung, welche die Bedienung des Fahrzeuges erschwert, am 30.05.2014 auf der 
Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel, und am 26.09.2014 in L.____ (Ortschaft), 
sowie am 11.10.2014 auf der Autobahn A6 Nord, Richtung Lyss, durch Überschrei-
ten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit auf Autobahn um 73 km/h am 
11.10.2014 auf der Autobahn A6 Nord, Richtung Lyss, und durch Nichtbeherrschen 
des Fahrzeugs zufolge Nichtanpassens der Geschwindigkeit an die Sicht- und 
Strassenverhältnisse mit Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer bei Fahren mit 
Personenwagen am 24.10.2014 in Bern, F._____-strasse;

12

1.4 C.________ von der Anschuldigung der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung 
durch Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen, angeblich begangen am 30.05.2014 
auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Richtung Biel, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und 
ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten freigesprochen worden ist.

2. A.________ sei zusätzlich zu den rechtskräftigen Schuldsprüchen schuldig zu sprechen wegen

2.1 qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der allgemeinen Höchstge-
schwindigkeit mit einem Personenwagen auf der Autobahn um mindestens 80 km/h, be-
gangen am 30. Mai 2014, ca. 21:11 Uhr, auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Fahrtrichtung 
Biel;

2.2 grober Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim 
Hintereinanderfahren mit einem zeitlichen Abstand von weniger als 0.5 Sekunden, began-
gen am 30. Mai 2014, ca. 21:11 Uhr, auf der Autobahn A5 L Pieterlen, Fahrtrichtung Biel.

3. A.________ sei zu verurteilen zu

3.1 einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten; davon seien 12 Monate zu vollziehen; 
die ausgestandene Polizeihaft sei auf die zu vollziehende Freiheitsstrafe anzurechnen; für 
den bedingten Teil der Freiheitsstrafe sei eine Probezeit von 2 Jahren anzusetzen; 

3.2. einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 70.00 (Probezeit 2 Jahre); 

3.3. zur Bezahlung der auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

4. C.________ sei schuldig zu sprechen wegen qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung durch 
Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit mit einem Personenwagen auf der Auto-
bahn um mindestens 80 km/h, begangen am 30. Mai 2014, ca. 21:11 Uhr, auf der Autobahn A5 
L Pieterlen, Fahrtrichtung Biel.

5. C.________ sei zu verurteilen zu 

5.1 einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten; der Vollzug sei unter Ansetzung einer Probezeit von 
2 Jahren aufzuschieben; 

5.2 den auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

6. Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen, Honorar der amtlichen 
Verteidigung).

Beantragte Gebühr gemäss Art. 21 VKD: CHF 500.00

Für den Beschuldigten 2 stellte Rechtsanwalt E.________ folgende Anträge 
(pag. 1230):

1. Es sei festzustellen, dass das angefochtene Urteil vom 22. November 2017 in Bezug auf den 
Freispruch wegen qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung (Dispositiv lit. B Ziffer I) in Rechts-
kraft erwachsen ist. 

2. Der Beschuldigte sei freizusprechen: 

von der Beschuldigung der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG), angeblich be-
gangen am 30.05.2014 in Pieterlen (Autobahn A5) 

eventuell: 

13

von der Beschuldigung der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 4 SVG), an-
geblich begangen am 30.05.2014 in Pieterlen (Autobahn A5) durch Abweisung der Berufung 
Staatsanwaltschaft.

jeweils unter Auferlage der erst- und / oder oberinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton 
Bern und unter Zuerkennung einer Entschädigung für Verteidigungskosten erster- und / oder 
oberer Instanz (gemäss Kostennoten). 

3. Weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen, soweit nötig.

Der Beschuldigte 1 liess über seinen amtlichen Verteidiger beantragen (pag. 1231 
f.; Hervorhebungen im Original): 

1. Die Berufung sei abzuweisen 

2. Das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 22. November 2017 sei zu bestätigen. 

3. Die Kosten des oberinstanzlichen Verfahrens seien dem Staat aufzuerlegen. 

4. Dem Beschuldigten sei eine gerichtlich festzulegende Parteientschädigung auszurichten.

Eventualiter: 

5. Der Beschuldigte sei zusätzlich zu den rechtskräftigen Schuldsprüchen schuldig zu sprechen 
wegen 

5.1 qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung durch überschreiten der allgemeinen Höchstge-
schwindigkeit mit einem Personenwagen auf der Autobahn um mindestens 80 km/h, be-
gangen am 30. Mai 2014 auf der Autobahn A5 Pieterlen, Fahrtrichtung Biel 

5.2 grober Verkehrsregelverletzung durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim 
Hintereinanderfahren mit einem zeitlichen Abstand von weniger als 0.5 Sekunden, began-
gen am 30. Mai 2014 auf der Autobahn A5 Pieterlen Fahrtrichtung Biel. 

6. Der Beschuldigte sei zu verurteilen 

6.1 zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter Anrechnung der Polizeihaft von einem Tag 
vom 31.10.2014 und unter Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe mit einer Probezeit 
von 4 Jahren.

6.2 zur Bezahlung der auf ihn entfallenden erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil wurde von den Parteien nur in Teilen angefochten. 

Die Generalstaatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung mit Blick auf den Be-
schuldigten 1 auf den erfolgten Freispruch von der Anschuldigung der groben Ver-
kehrsregelverletzung wegen Nichtwahrens eines ausreichenden Abstandes 
(Ziff. A.II.2), den Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln durch 
Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen 
(Ziff. A.III.2.1) sowie die Bemessung der Strafe (pag. 972). Nicht angefochten und 
damit in Rechtskraft erwachsen sind dagegen die erfolgten Verfahrenseinstellun-
gen (Ziff. A.I.1-6), der Freispruch von der Anschuldigung der qualifiziert groben 
Verletzung der Verkehrsregeln wegen der Teilnahme an einem nicht bewilligten 

14

Rennen (Ziff. A.II.1) sowie die Schuldsprüche wegen qualifiziert groben (Ziff. A.III.1) 
und – soweit nicht Ziff. A.III.2.1 betreffend – groben Verkehrsregelverletzungen 
(Ziff. A.III.2.2-2.6). Bezüglich der getroffenen Verfügungen wird lediglich über das 
erstellte DNA-Profil und die erkennungsdienstlichen Daten (Ziff. A.V.2-3) des Be-
schuldigten 1, nicht aber über die Beschlagnahme (Ziff. A.V.1) neu zu verfügen 
sein. 

Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte 2 beschränkten 
ihre Berufung – sofern letzteren betreffend – auf den erstinstanzlichen Schuld-
spruch wegen grober Verkehrsregelverletzung (Ziff. B.II) und die Bemessung der 
Strafe. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen ist dagegen der vor-
instanzlich erfolgte Freispruch wegen qualifiziert grober Verletzung der Verkehrsre-
geln (Ziff. B.I). 

Über die zu beurteilenden Punkte befindet die Kammer mit voller Kognition 
(Art. 398 StPO). Angesichts der Berufung der Generalstaatsanwaltschaft ist sie da-
bei nicht an das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden; eine 
strengere Bestrafung der Beschuldigten bleibt möglich. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung betreffend Vorfall «Pieterlen»

6. Vorbemerkung

Die oberinstanzliche Überprüfung des Sachverhalts, der Beweiswürdigung sowie 
der rechtlichen Würdigung beschränkt sich auf den Vorfall vom 30. Mai 2014, der 
sich auf der Autobahn A5 L Pieterlen in Fahrtrichtung Biel abspielte; genauer auf 
die den Beschuldigten vorgeworfenen Geschwindigkeitsüberschreitungen 
(Ziff. I.A.1.2 und I.B.2 der Anklageschrift) bzw. das dem Beschuldigten 2 zusätzlich 
vorgeworfene Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes beim Hinterherfahren 
(Ziff. I.A.1.3 der Anklageschrift). Sämtliche anderen Vorfälle sind bezüglich Be-
weiswürdigung und rechtlicher Würdigung rechtskräftig beurteilt, wobei die Straf-
zumessung auch diesen Teil des vorinstanzlichen Urteils umfassen wird.

7. Zu beurteilende Vorwürfe gemäss Anklageschrift

7.1 Beschuldigter 1

In der Anklageschrift vom 3. Februar 2017 wird dem Beschuldigten 1 im Zusam-
menhang mit dem Vorfall «Pieterlen» unter anderem vorgeworfen, sich (1) einer 
qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht zu haben, indem er 
die allgemeine Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen um «mindestens 80 km/h» 
überschritten habe (Ziff. I.A.1.2 der Anklageschrift, pag. 728); weiter habe er die 
geltenden Verkehrsregeln in grober Weise verletzt, indem er (2) beim Hintereinan-
derfahren einen ungenügenden zeitlichen Abstand von weniger als 0.5 Sekunden 
eingehalten habe (Ziff. I.A.1.3 der Anklageschrift, pag. 729). Im Einzelnen be-
schreibt die Anklageschrift den folgenden Geschehensablauf (pag. 729): 

15

A.________ führte als Lenker eines Personenwagens Mercedes O.____ (Typus) auf der Autobahn 
mit dem Lenker eines Mercedes V.____ (Typus) mit dem Kontrollschild .________, C.________, ein 
unbewilligtes Rennen durch, indem sich A.________, unmittelbar nachdem er auf einer mit seinem 
Mobiltelefon erstellten Videoaufnahme sinngemäss ein Rennen zwischen „A.____ (Rufname) versus 
C.____ (Nachname)" angekündigt hatte, von C.________ zuerst überholen liess, um ihm kurz darauf 
mit stark übersetzter Geschwindigkeit auf der Überholspur dicht zu folgen. Dabei überschritt 
A.________ die allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 83 km/h (gefahrene Höchstge-
schwindigkeit gemäss Tachoanzeige 230 km/h, massgebende Höchstgeschwindigkeit nach Abzug 
der gesetzlichen Toleranz: 203 km/h). Beim Hintereinanderfahren betrug der zeitliche Abstand des 
Fahrzeugs des Beschuldigten zu dem ihm vorausfahrenden Mercedes zeitweise weniger als 0,5 Se-
kunden. Während der Fahrt filmte A.________ permanent die Geschwindigkeitsanzeige seines Fahr-
zeuges sowie den anderen Mercedes mit seinem Mobiltelefon. Durch das vorsätzliche Verletzen ele-
mentarer Verkehrsregeln ging der Beschuldigte wissentlich das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwer-
verletzten oder Todesopfern ein.

7.2 Beschuldigter 2

Auch dem Beschuldigten 2 wird in der Anklageschrift vom 3. Februar 2017 eine 
qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln vorgeworfen, indem er die allge-
meine Höchstgeschwindigkeit mit seinem Personenwagen um «mindestens 
80 km/h» überschritten habe (Ziff. I.B.2 der Anklageschrift, pag. 734). Dies gestützt 
auf den folgenden Sachverhalt (pag. 734 f.):

C.________ führte auf der Autobahn als Lenker eines Mercedes V.____ (Typus) mit dem Kontroll-
schild .________ mit dem Lenker eines Mercedes O.____ (Typus), A.________, ein unbewilligtes 
Rennen durch, indem er den Mercedes O.____ (Typus) zunächst überholte und unmittelbar danach 
sein Fahrzeug auf mindestens 200 km/h beschleunigte, wobei er die allgemeine Höchstgeschwindig-
keit von 120 km/h um mindestens 80 km/h überschritt, während dicht hinter ihm der andere Mercedes 
aufschloss und ihn auf der Überholspur mit einem zeitlichen Abstand von weniger als 0,5 Sekunden 
verfolgte.

Durch das vorsätzliche Verletzen elementarer Verkehrsregeln ging der Beschuldigte wissentlich das 
hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern ein.

8. Das Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt den Anklagesachverhalt bezüglich der überschrittenen Ge-
schwindigkeiten und des fehlenden Abstandes grundsätzlich für gegeben. Mit Blick 
auf den Beschuldigten 1 ging sie davon aus, dass dieser sein Fahrzeug auf eine 
Maximalgeschwindigkeit gemäss Tachoanzeige von mindestens 230 km/h be-
schleunigt habe. Weiter sei er bei einer Geschwindigkeit von mindestens 200 km/h 
bis auf einen Abstand von maximal 24 Metern (dies unter Berücksichtigung einer 
Toleranz von 6 Metern) auf den Beschuldigten 2 aufgefahren, welcher bei dieser 
Geschwindigkeit mit etwa gleichbleibendem Abstand vor dem Beschuldigten gefah-
ren sei (S. 18 f. i.V.m. S. 36 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 926 f. 
i.V.m. pag. 944). Dabei stützte sie sich schwergewichtig auf die beim Beschuldig-
ten 1 sichergestellten und von der Polizei ausgewerteten Filmsequenzen. Die Vor-
instanz nahm jedoch von den in den Videoaufnahmen erkennbaren Tachoge-
schwindigkeiten Sicherheitsabzüge vor. Diese berechnete sie in analoger Anwen-
dung der Vorschriften bei Nachfahrmessungen mit einem nicht kalibrierten System 

16

mit 15% der angezeigten Tachogeschwindigkeiten (Art. 8 Abs. 1 lit. i VSKV-
ASTRA; S. 33 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 941 ff.).

Damit hielt es die Vorinstanz beweismässig als erwiesen, dass der Beschuldigte 1 
einerseits mit einer Geschwindigkeit von mindestens 195,5 km/h (230 km/h abzüg-
lich 15% = 195,5 km) und damit 75,5 km/h über der auf diesem Teilstück der A5 
geltenden Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h gefahren sei. Rechtlich qualifizierte 
sie diesen Sachverhalt als grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 
Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01; 
S. 35 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 943 f.). Anderseits kam sie 
zum Schluss, dass der in der Videosequenz 14 festgestellte Nachfahrabstand von 
24 Metern mit einer korrigierten Geschwindigkeit von mindestens 170 km/h in Be-
ziehung zu setzen sei (200 km/h abzüglich 15% = 170 km/h), womit sie einen zeitli-
chen Nachfahrabstand von 0,51 Sekunden errechnete. Rechtlich qualifizierte sie 
diesen Vorgang als einfache Verkehrsregelverletzung (S. 36 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 944). Die nämliche Geschwindigkeit legte sie auch der 
Widerhandlung des Beschuldigten 2 zu Grunde und sprach ihn deshalb der groben 
Verletzung der Verkehrsregeln schuldig (S. 36 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 944). 

9. Die Argumente der Berufungsführer

9.1 Die Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft verwies vorab auf die in weiten Teilen als zutreffend 
erachtete Beweiswürdigung der Vorinstanz. Nicht gefolgt werden könne dieser in-
dessen bezüglich der ermittelten Geschwindigkeiten, dem massgeblichen Nach-
fahrabstand sowie der rechtlichen Würdigung.

Nicht zu beanstanden seien die von der Vorinstanz angestellten Überlegungen in-
soweit, als sie anhand der Strassenmarkierungen einen Abstand von max. 24 Me-
tern zwischen den beiden Fahrzeugen ermittelt habe. Unzutreffend sei dagegen, 
dass sie die massgelbliche Geschwindigkeit des Beschuldigten 1 bei der Berech-
nung des zeitlichen Nachfahrabstandes auf lediglich 200 km/h beschränkt habe. 
Anhand der permanent aufleuchtenden Abstandwarnleuchte sei ersichtlich, dass 
der bereits anfänglich sehr geringe Abstand auch bei einem Tempo von 230 km/h 
nach wie vor klein gewesen sei; bei einer derart hohen Geschwindigkeit müsse er 
wesentlich weniger als 0.5 Sekunden betragen haben. 

Selbst wenn von einem Nachfahrabstand von 0.51 Sekunden ausgegangen werde, 
so die Generalstaatsanwaltschaft weiter, stehe diese Annahme einem Schuld-
spruch wegen Art. 90 Abs. 2 SVG nicht entgegen. So handle es sich bei den von 
der Vorinstanz als massgeblich erachteten 0.5 Sekunden nicht um einen fixen 
Grenzwert; in Lehre und Rechtsprechung tendiere man sogar eher zu einem mass-
geblichen Wert von 0.6 Sekunden. Im vorliegend zu beurteilenden Fall müsse er-
schwerend berücksichtigt werden, dass der Beschuldigte 1 das Fahrzeug bei hoher 
Geschwindigkeit mit einer Hand gelenkt und die Fahrt zudem noch gefilmt habe. 

Bezüglich Geschwindigkeitsüberschreitungen seien sich die Staatsanwaltschaft 
und die Vorinstanz nicht einig gewesen, nach welcher Methode der Abzug zu be-

17

rechnen sei, der auf eine Geschwindigkeit anzuwenden sei, wie sie auf der Ge-
schwindigkeitsanzeige abgelesen werden könne. Mit den oberinstanzlich getroffe-
nen Beweisergänzungen habe sich dieser Streit indessen erledigt. In der Videose-
quenz 14 sei der Beschuldigte 1 mit einer Geschwindigkeit gemäss Anzeige von 
230 km/h unterwegs gewesen sei. Zu seinen Gunsten seien die aus dem Gutach-
ten ersichtlichen Abzüge von insgesamt 15.2 km/h vorzunehmen. Damit komme die 
ihm anzurechnende Geschwindigkeit bei rund 215 km/h zu liegen. 

Soweit die Vorinstanz mit Blick auf den Beschuldigten 2 ausgeführt habe, dessen  
Geschwindigkeit lasse sich nicht mit genügender Genauigkeit erstellen, könne ihr 
nicht gefolgt werden. Auf der erwähnten Videosequenz 14 sei ersichtlich, wie die 
Autos der beiden Beschuldigten mit in etwa gleich bleibendem Abstand und damit 
gleicher Geschwindigkeit hintereinanderfahren würden. Bei Zeitindex 00:30 leuchte 
im Wagen des Beschuldigten 1 die Abstandswarnleuchte auf. Auch wenn danach 
das vordere Auto auf dem Video nicht mehr sichtbar sei, bleibe die Warnleuchte bis 
zum Zeitindex 00:47 an. Zu diesem Zeitpunkt sei der Beschuldigte 1 mit einer Ge-
schwindigkeit von 230 km/h unterwegs. Aus dem permanenten Leuchten der Ab-
standsleuchte könne abgeleitet werden, dass das vor dem Beschuldigten 1 fahren-
de Auto währenddessen mindestens die gleiche Geschwindigkeit gehabt haben 
müsse, wie der kurz dahinter zirkulierende Beschuldigte 1. 

9.2 Der Beschuldigte 2

Der Beschuldigte 2 liess über Rechtsanwalt E.________ ausführen, er bestreite 
seine Täterschaft nach wie vor. Es gebe lediglich gewisse Indizien, die dafür 
sprächen, dass er das vor dem Beschuldigten 1 fahrende Fahrzeug gelenkt habe. 
Es lasse sich aber weder rechtsgenüglich nachweisen, dass es sich beim involvier-
ten Mercedes um den auf ihn zugelassenen Wagen handle, noch dass er es gewe-
sen sei, der das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung ge-
lenkt habe. Die Vorinstanz habe ihre Zuordnung einzig auf die Abklärungen der Po-
lizei gestützt (pag. 919), welche für sich alleine aber nicht genügend Sicherheit bie-
ten würden. Richtig sei zwar, dass am besagten Tag in W.____ (Ortschaft) ein Auto 
gekauft und Richtung Biel geführt worden sei; dieses sei aber vom Beschuldigten 1 
und nicht von ihm gelenkt worden. Es sei nicht erwiesen, mit wem der Beschuldig-
te 1 dieses Fahrzeug in W.____ (Ortschaft) abgeholt habe. Weder die dokumentier-
ten Geldflüsse noch die Unterschriften auf den Dokumenten würden diesbezüglich 
Klarheit bringen. Es sei ferner möglich, dass sich eine Gruppe von Personen nach 
W.____ (Ortschaft) begeben habe. Soweit sich der Beschuldigte 1 in gewissen Vi-
deosequenzen auf «N.________‘s Père» beziehe, betreffe dies nie den Strecken-
abschnitt, in welchem die Geschwindigkeitsüberschreitung begangen worden sei-
en. Der auf den Videosequenzen ersichtliche Kilometerstand des Mercedes O.____ 
(Typus) lege sodann nahe, dass man die Autobahn zwischenzeitlich verlassen ha-
be. Der von ihm (dem Beschuldigten 2) vorgebrachte Lenkerwechsel in J.____ 
(Ortschaft) sei damit ohne Weiteres möglich. Schliesslich habe ihm die Vorinstanz 
angelastet, er habe karg ausgesagt. Er habe aber lediglich konstant ausgesagt, 
das Fahrzeug nicht gelenkt zu haben. Detailliertere Aussagen könne und müsse er 
in dieser Situation nicht machen. Soweit kleinere Widersprüche in seinen Aus-

18

führungen auszumachen seien, deute dies lediglich darauf hin, dass das Gesagte 
nicht auswendig gelernt und darum realitätsbasiert sei. 

Im Rahmen einer Eventualbegründung wies Rechtsanwalt E.________ weiter dar-
auf hin, die Vorinstanz habe die massgebende Geschwindigkeit korrekt ermittelt, 
indem sie sich bei der Berechnung auf die VSKV-ASTRA-Methode gestützt und so 
die lex specialis zur Anwendung gebracht habe. 

Soweit die Generalstaatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang mit dem Auf-
leuchten der Abstandswarnleuchte argumentiere, sei dies höchst spekulativ und 
nicht gangbar. Es sei weder klar ersichtlich, ab wann diese aufleuchte und wieder 
ausgehe, noch könne mit Sicherheit gesagt werden, dass es nicht andere Gründe 
für ihr Aufleuchten (wie z.B. andere Verkehrsteilnehmer) gebe. Es gebe zu viele 
Unsicherheiten und Eventualitäten, als dass sich für den Beschuldigten 2 eine Ver-
urteilung rechtfertigen könne. 

Auch im oberinstanzlich eingeholten Gutachten bleibe vieles unklar; es sei teilweise 
spekulativ und widersprüchlich. Es stütze sich ferner verschiedentlich auf nicht ab-
geklärte oder nicht bewiesene Umstände (wie Reifenart, Reifendruck, Felgen). Es 
sei sodann nicht ersichtlich, wie sich die diesbezüglich ermittelten Unsicherheiten 
zueinander verhalten würden bzw. wie diese zu kumulieren wären. Dies sei für die 
Berechnung des massgebenden Abzuges aber entscheidend. Das Gutachten sei 
weiter nicht «aus einem Guss» erstellt, sondern gewissermassen «zusammenges-
tiefelt» worden, was weiter zu seiner Fehlerhaftigkeit beitrage. Ferner könne und 
dürfe es nicht sein, dass ein Tacho eine tiefere, als die tatsächlich gefahrene Ge-
schwindigkeit anzeige. Sonst würde es sich um ein Fahrzeug handeln, das nicht 
den gesetzlichen Bestimmungen entspreche. Es sei nicht davon auszugehen, dass 
ein solches von einer Garage verkauft worden wäre, welche das Fahrzeug zuvor ja 
auch noch habe prüfen lassen. 

10. Argumente des Beschuldigten 1

Fürsprecher B.________ führte anlässlich der oberinstanzlichen Berufungsver-
handlung aus, der Beschuldigte 1 anerkenne grundsätzlich, zu schnell gefahren zu 
sein; er bestreite aber das Ausmass seiner Geschwindigkeitsüberschreitung. Das 
von der Kammer eingeholte Gutachten weise in verschiedenerlei Hinsicht Mängel 
auf. 

Der gravierendste Mangel im Gutachten sei, dass es bei der Tachoeichung ab ei-
ner Messgeschwindigkeit von 100 km/h effektiv höhere Geschwindigkeiten auswei-
se, als auf dem Tacho angezeigt würden. Gemäss Art. 55 der Verordnung über die 
technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS; SR 741.41) dürfe eine 
Geschwindigkeitsanzeige unter keinen Umständen ein Tempo anzeigen, welches 
unter der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit liege. Es sei davon auszugehen, 
dass das Messgerät geeicht und die von ihm ermittelten Geschwindigkeiten zutref-
fend seien. Wenig wahrscheinlich sei dagegen, dass Mercedes Autos in Verkehr 
bringe, die den technischen Vorgaben nicht entsprechen würden. Der Experte habe 
auf eine entsprechende Frage des Gerichts nur ungenügend ausgeführt, wie es 
praktisch zu solchen Abweichungen kommen könne. Es liege daher eine Fehlfunk-
tion des Tachos nahe. Im Ergebnis könne nicht darauf geschlossen werden, dass 

19

bei der aktuellen Messung zutreffende Geschwindigkeiten ermittelt worden seien. 
Rückschlüsse auf Geschwindigkeiten aus dem Jahr 2014 dürfen vor diesem Hin-
tergrund erst recht nicht gezogen werden. 

Weiter habe der Experte nur ungenügend erörtert, welchen Einfluss die seit dem 
Vorfall vergangene Zeit und die vollzogene Umbereifung auf die Genauigkeit des 
Messergebnisses zeitigen würden. Auch die übrigen Parameter, auf welchen die 
Berechnung gründe, seien teilweise ungenau oder widersprüchlich, so dass das 
Gutachten insgesamt für die Bestimmung der massgebenden Geschwindigkeit 
nicht beigezogen werden dürfe. 

11. Beweiswürdigung durch die Kammer

11.1 Allgemeines und Beweisfragen

Die Vorinstanz hat die bis zum oberinstanzlichen Verfahren erhobenen Beweise 
zum Vorfall vom 30. Mai 2014 in Pieterlen vollständig aufgelistet und korrekt zu-
sammengefasst. Es sind dies in objektiver Hinsicht die auf dem Laptop des Be-
schuldigten sichergestellten Videosequenzen Nr. 11-14 (pag. 350), ein von 
Dr. X.________ erstellter forensisch-phonetischer Sprechvergleich (pag. 812 ff.), 
Abklärungen der Kantonspolizei Bern zum Mercedes O.____ (Typus) (pag. 270 ff.) 
sowie Abklärungen der Kantonspolizei Bern zum zweiten involvierten Fahrzeug 
(pag. 281 f.). In subjektiver Hinsicht sind es die Aussagen des Beschuldigten 1, des 
Beschuldigten 2 und von S.________, dem Verkäufer des Mercedes O.____ (Ty-
pus). Auf ihre zutreffenden Erwägungen diesbezüglich ist vorab zu verweisen (S. 9 
ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 917 ff.). Die Kammer würdigt die 
erwähnten sowie die oberinstanzlich zusätzlich erhobenen (vgl. dazu Ziff. 3 hiervor) 
Beweise im Rahmen der nachfolgenden Beweisfragen, wobei direkt auf die einzel-
nen Beweismittel eingegangen wird: 

1. Welches war das Auto, aus dem die sichergestellten Videosequenzen Nr. 12-
14 erstellt wurden?

2. Wer fuhr dieses Auto in diesen Sequenzen und wer filmte?

3. Mit welcher Geschwindigkeit fuhr das Auto in Sequenz Nr. 14? 

4. Wer fuhr in Sequenz Nr. 14 das Auto, das dem «filmenden» Wagen voraus-
fuhr?

5. Welche Geschwindigkeit fuhr dieses vorausfahrende Auto?

6. Welchen Abstand hatten die beiden Fahrzeuge zueinander bei welcher Ge-
schwindigkeit? 

11.2 Aus welchem Auto heraus wurden die Videosequenzen Nr. 12-14 erstellt?

Aus den Videosequenzen Nr. 12-13 ergibt sich, dass der Beschuldigte 1 «nun» (al-
so am Abend des 30. Mai 2014) in einem Mercedes O.____ (Typus) sitzt, der of-
fenbar «N.____ (Vorname)» gehört («I fahre jitz dis Outo», Sequenz Nr. 13). Dass 
er einen solchen Wagen am Abend abholen gehen würde, hatte er schon am Vor-
mittag dieses Tages um 10:17 Uhr (Sequenz Nr. 11) angekündigt, wobei er damals 
noch in einem anderen Fahrzeug sass. 

20

Aus den polizeilichen Nachforschungen zur Haltergeschichte des Mercedes 
O.____ (Typus) ergab sich, dass ein solches Fahrzeug tatsächlich auf N.________ 
als Halter eingelöst war (pag. 271). Weitere Abklärungen beim Voreigentümer, der 
Y.________ GmbH, zeigten, dass ein solches Fahrzeug am 30. Mai 2014 an 
C.________, den Vater von N.________, verkauft worden war. Der Vertrag stammt 
vom 24. Mai 2014, die Quittung über die Bezahlung des Restkaufpreises vom 
30. Mai 2014 und die voraussichtliche Lieferfrist ist ebenfalls auf den 30. Mai 2014 
datiert (pag. 278). Die auf dem Vertrag ersichtliche Unterschrift ist derjenigen von 
C.________ sehr ähnlich (Vergleich von pag. 278 zu bspw. pag. 301). 

Aus der Befragung von S.________ (pag. 315 ff.) ergibt sich, dass sich dieser noch 
am 11. Mai 2016 an den zwei Jahre vorher stattgefundenen Verkauf erinnern konn-
te. Es habe bei der Abholung längere Diskussionen gegeben, weil der Käufer un-
freundlich gewesen sei und weniger habe zahlen wollen. Schliesslich habe der 
Käufer gesagt, wenn das Auto für ihn wäre, würde er die Anzahlung zurückneh-
men, aber das Auto sei für seinen Sohn und der wolle es unbedingt (pag. 317 Z. 69 
ff. i.V.m. Z. 64 ff. und pag. 271). 

Schliesslich zeigen die nachträglich von Herrn S.________ eingereichten Unterla-
gen, dass die Fahrzeugidentifikationsnummer des verkauften Mercedes O.____ 
(Typus) mit den von der Polizei oberinstanzlich beigebrachten Unterlagen überein-
stimmt (pag. 273 i.V.m. pag. 1022). 

Fazit

Nach dem Gesagten steht für die Kammer fest, dass die Filmaufnahmen aus dem 
Auto heraus gemacht worden sind, das am 30. Mai 2014 von der Y.________ 
GmbH an C.________ verkauft wurde und seither auf dessen Sohn N.________ 
als Halter eingelöst ist. 

11.3 Wer fuhr und wer filmte auf den Videosequenzen Nr. 11-14?

Der Beschuldigte 1 gab anlässlich seiner Befragung vom 18. Februar 2015 zu Pro-
tokoll, er sei in den Sequenzen Nr. 11 und 12 gefahren und habe gefilmt (pag. 44 
Z. 218-223 und pag. 44 f. Z. 233-239). Dies ergibt sich auch ohne Weiteres aus 
den entsprechenden Videosequenzen, da der Beschuldigte 1 meistens selber im 
Bild erscheint. Dies mochte er dann zu Sequenz Nr. 13 nicht sagen, obwohl er 
auch hier wiederum im Bild erscheint (pag. 45 Z. 254-275). Auf Vorhalt der Se-
quenz Nr. 14 wollte sich der Beschuldigte 1 wiederum nicht zur Person des Fahrers 
und des Erstellers des Videos äussern. Von der Polizei darauf angesprochen, dass 
er anhand der Stimme zu erkennen sei, gab er an, dies habe keinen Zusammen-
hang; im besagten Auto habe es Platz für vier bis fünf Personen (pag. 45 f. Z. 276-
302). 

Aus der Sequenz Nr. 13 ergibt sich klar, dass sich der Beschuldigte 1 kurz nach 
der Raststätte I.____ (Ortschaft) auf der Autobahn alleine im besagten Wagen be-
findet. Auch in Sequenz Nr. 12 sind keine anderen Insassen auszumachen, wobei 
hier nicht das gesamte Wageninterieur filmisch erfasst ist. Keine Hinweise auf wei-
tere Personen im Fahrzeug finden sich auch in der Sequenz Nr. 14, als eine Stim-
me ankündigt: «Jungs, machetnech ufenes Video gfasst, woder niäme wärdet ver-
gässä – A.____ (Rufname) versus C.____ (Nachname), now in Biel». Nach dem fo-

21

rensisch-phonetischen Gutachten von Prof. X.________ vom 8. November 2017 
liegt eine starke Unterstützung der Hypothese vor, dass in der Sequenz Nr. 14 die 
gleiche Person spricht wie in der vorangehenden Sequenz Nr. 12 (pag. 812 ff., 
insb. pag. 822). Dafür sprechen auch die in den Videosequenzen auszumachenden 
zeitlichen und örtlichen Rahmenbedingungen (zurückgelegte Kilometer gemäss 
Tacho und Distanz zwischen dem Verkaufsort und der Raststätte I.____ (Ortschaft) 
bzw. dem Tatort) sowie die in der Sequenz Nr. 14 kurz sichtbaren Kleider des Fah-
rers (Uhr und Jacke), als er sich nach unten beugt, um das zu Boden gefallene 
Mobiltelefon aufzuheben (Sequenz Nr. 14 ab Zeitindex 00:51 bzw. 01:25). Es kann 
diesbezüglich vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz auf 
S. 17 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung (pag. 925 f.) verwiesen werden. 
Fazit

Die Kammer erachtet es als erstellt, dass es der Beschuldigte 1 war, der den vom 
Beschuldigten 2 unmittelbar vorher bei der Y.________ GmbH gekauften Mercedes 
O.____ (Typus) am 30. Mai 2014 von 20:23 bis ca. 21:15 Uhr führte und die Film-
aufnahmen Nr. 12-14 erstellte. Der Beschuldigte 1 hat dies mit seiner Nichtberu-
fung gegen das erstinstanzliche Urteil auch de facto anerkannt. Die Filmaufnahmen 
erstellte der Beschuldigte 1 dabei während der Fahrt mit seinem Mobiltelefon, das 
er in einer Hand hielt.

11.4 Mit welcher Geschwindigkeit fuhr der Beschuldigte 1 mit dem Mercedes O.____ 
(Typus) in der Sequenz Nr. 14? 

11.4.1 Auf dem Tacho ablesbare Geschwindigkeit

Für die auf dem Tacho ersichtliche Geschwindigkeit kann auf S. 9 f. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung (pag. 917 f.) bzw. auf das dort abgebildete Standbild 
aus der Sequenz Nr. 14 verwiesen werden, zumal diese vom Beschuldigten 1 nicht 
angefochten wurde. Bei Zeitindex 0:46, 0:48 und 0:49 der Sequenz Nr. 14 kann auf 
dem Tacho eine Geschwindigkeit von mindestens 230 km/h abgelesen werden. 
Weiter ist zu erkennen, dass die Abstandswarnleuchte ab Zeitindex 0:31 bei einer 
auf dem Tacho ersichtlichen Geschwindigkeit von 200 km/h aufleuchtet und ansch-
liessend auch in den höheren Geschwindigkeiten eingeschaltet bleibt, bis sie ab 
Zeitindex 0:46 bei einer Geschwindigkeit von mehr als 230 km/h wieder erlöscht.

11.4.2 In Wirklichkeit gefahrene Geschwindigkeit
a.  Methodendiskussion der Vorinstanz

Die Vorinstanz führte nebst der Analyse der erwähnten Videosequenz Nr. 14 keine 
Beweismassnahmen durch, um die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten zu 
ermitteln. Dafür setzte sie sich in ihren schriftlichen Erwägungen ausführlich mit 
den Methoden zur Berechnung möglicher Abweichungen der Tachoanzeige von 
den effektiv gefahrenen Geschwindigkeiten auseinander. Neben der «VTS-
Methode», die auf JÜRG BOLL zurück geht (BOLL, Grobe Verkehrsregelverletzung, 
Eine eingehende Darstellung der Praxis des Bundesgerichts, 1999) und sich an 
den in der VTS statuierten technischen Vorgaben für Geschwindigkeitsmesser in 
Fahrzeugen orientiert, ging sie insbesondere auf die in der VSKV-ASTRA vorgese-
henen Sicherheitsabzüge bei Geschwindigkeitsmessungen ein (S. 33 ff. der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung, pag. 941 ff.). Die Vorinstanz kam zum Schluss, 

22

auch wenn keines der in der VSKV-ASTRA geregelten Szenarien genau passe, 
komme die «Nachfahrmessung mit nicht kalibriertem Messsystem» dem vorliegend 
zu beurteilenden Fall am nächsten. Sie erblickte in Art. 8 Abs. 1 lit. 1 VSKV-ASTRA 
zudem eine Spezialbestimmung zur VTS und brachte den dort vorgesehenen Ab-
zug von 15% «in dubio pro reo» zur Anwendung.

Die beiden von der Vorinstanz diskutierten Methoden unterscheiden sich im Ergeb-
nis nicht wesentlich; ergeben sich aus ihnen doch jeweils vergleichbare Sicher-
heitsabzüge von den abgelesenen Geschwindigkeiten von 34,5 km/h («VSKV-
ASTRA-Methode») bzw. 27 km/h («Methode Boll»). Dennoch erweist sich die Wahl 
für den vorliegend zu beurteilenden Fall als relevant, da sich daraus effektive Ge-
schwindigkeiten ergeben, die entweder knapp unter (195,5 km/h) oder knapp über 
(203 km/h) der Grenze zur qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 
Abs. 4 lit. d SVG liegen. 

b. Gutachten des TCS

Eine Anfrage des Verfahrensleiters beim UTD brachte die Erkenntnis, dass nach 
wie vor geeignete Beweismassnahmen vorhanden waren, die zur Feststellung der 
effektiv gefahrenen Geschwindigkeit getroffen werden konnten (vgl. dazu Ziff. 3 
hiervor). Diese wurden von der Kammer an die Hand genommen und machen im 
Ergebnis eine Diskussion zur Frage nach der passenden Methode überflüssig. An-
zumerken bleibt, dass sich das Operieren mit vorbestimmten Abzügen primär für 
das Massengeschäft eignet, da es zu aufwändig wäre, in jedem Fall einer Ge-
schwindigkeitsmessung anschliessend eine Tachokontrolle durchzuführen, obwohl 
diese in einem konkreten Fall zu genaueren Resultaten führen könnte. Vorliegend 
rechtfertigt sich eine konkrete Tachokontrolle schon deshalb, weil bei beiden Be-
schuldigten relativ hohe Strafen auf dem Spiel stehen. Weiter geht es im vorliegend 
zu beurteilenden Fall um Geschwindigkeiten, die ausserhalb der üblichen Über-
schreitungen liegen und auch von der Formel in Art. 55 Abs. 2 VTS nicht erfasst 
sind. Schliesslich vermag die Begründung der Vorinstanz, weshalb sie der «VSKV-
ASTRA-Methode» gegenüber der «Methode Boll» den Vorzug gab, nicht zu über-
zeugen. So steht die VTS als Verordnung des Bundesrates höher in der Normenhi-
erarchie, als eine Verordnung des ASTRA. Auch die Anwendung des Grundsatzes 
«in dubio pro reo» ist bei der Methodenwahl verfehlt – dies zumindest solange, als 
die möglichen Beweismassnahmen nicht ausgeschöpft sind.

Die Kammer beauftragte deshalb am 20. Juli 2018 P.________ vom TCS Center in 
Biel als Sachverständigen, am sich nach wie vor im Besitze von N.________ be-
findlichen Mercedes O.____ (Typus) (vgl. dazu die Unterlagen des UTD ab 
pag. 1022) eine Tachoeichung für Geschwindigkeiten zwischen 50 und 260 km/h 
durchzuführen (Expertiseauftrag vom 20. Juli 2018, pag. 1067 f.). Die entsprechen-
de Messung wurde vom TCS Center in Biel über einen Rollenprüfstand der Marke 
Bosch 206 durchgeführt, der nach den Vorgaben der Firma Bosch und der ISO-
Norm gewartet und kalibriert wird. Der Prüfstand ist sowohl von den schweizeri-
schen Strassenverkehrsämtern für Motorleistungsmessungen und Tachokontrollen 
als auch vom Dynamic Test Center in Vauffelin zugelassen und akzeptiert (Ant-
wortschreiben vom 24. Juli 2018, Fragen 1 und 4, pag. 1079). Auch bei dieser 
Messmethode können allerdings Ungenauigkeiten auftreten. Nach den Angaben 

23

des Experten P.________ liegen die Abweichungen im Bereich von +/-4%. Der 
Umstand, dass die massgeblichen Vorfälle vier Jahre zurückliegen, könne eine 
weitere Abweichung von maximal +/-1% zur Folge haben, da die Geschwindig-
keitswerte über Sensoren elektronisch erfasst und ausgewertet würden (Antworts-
chreiben vom 24. Juli 2018, Fragen 2 und 3, pag. 1079). Soweit die Verteidigung in 
diesem Zusammenhang einwandte, aus den Ausführungen des Experten ergebe 
sich nicht, auf welche Sensoren (Fahrzeug oder Messgerät) er sich bei diesem Ab-
zug beziehe, ist ihr Vorbringen nicht nachvollziehbar. So kann sich die seit dem 
Vorfall vergangene Zeit klarerweise nur auf die Sensoren des Fahrzeugs, nicht 
aber auf jene des Messgerätes – welches ja regelmässig gewartet und kalibriert 
wird – beziehen. 

Die am 23. Juli 2018 durchgeführte Tachokontrolle ergab für sämtliche Geschwin-
digkeiten über 80 km/h knapp höhere Werte, als sie auf dem Tacho ablesbar sind 
(pag. 1080). Bei diesem Resultat würde der Tacho des Mercedes O.____ (Typus), 
wie von der Verteidigung zutreffend ausgeführt, den Anforderungen von Art. 55 
Abs. 2 VTS – wonach die am Geschwindigkeitsmesser angezeigte Fahrgeschwin-
digkeit nie unter der tatsächlichen Geschwindigkeit liegen darf – nicht entsprechen. 
Anders als von der Verteidigung vorgebracht, lässt sich aus dem Resultat aber 
nicht ohne Weiteres auf eine Fehlfunktion der Geschwindigkeitsanzeige schliessen. 
Zunächst bewegen sich die Abweichungen allesamt innerhalb der vom Hersteller 
anerkannten Fehlermarge von +/-4%. Weiter führte der Experte im Rahmen der an 
ihn gestellten Ergänzungsfragen nachvollziehbar aus, dass mit Umbereifungen – 
wie sie am besagten Fahrzeug kurz vor dem Verkauf am 30. Mai 2014 vorgenom-
men wurden (vgl. dazu lit. c sogleich) – regelmässig der Radumfang verändert 
werde, was zu einer Tachoabweichung führen könne. Diese Abweichungen könn-
ten über das jeweilige Übersetzungsverhältnis berechnet werden und würden – so-
lange die gesetzlichen Vorgaben eingehalten seien und die Rad-Umfangswerte in-
nerhalb der gesetzlichen Toleranzen lägen – keine Nachprüfungspflicht nach sich 
ziehen. Auch bei den regelmässigen Prüfungen durch das Strassenverkehrsamt 
würde der Tacho nicht geprüft (Antwortschreiben vom 19. September 2018, Fragen 
1-3, pag. 1119). Unter Berücksichtigung der Geringfügigkeit der (sich innerhalb der 
Fehlertoleranz des Messgerätes befindlichen) Abweichung und der kurz vor dem 
Verkauf vorgenommenen Umbereifung erblickt die Kammer nach dem Gesagten 
keine Hinweise auf eine mögliche Fehlfunktion der Geschwindigkeitsanzeige. 

Nach den ergänzenden Angaben des Experten vom 13. September 2018 und vom 
8. November 2018 (pag. 1119 ff. bzw. 1186 ff.) sind auch Veränderungen der Pro-
filtiefe von einem neuen zu einem abgefahrenen Reifen sowie Abweichungen vom 
Normalluftdruck geeignet, den Radumfang zu beeinflussen und sich damit auf die 
Tachogenauigkeit auszuwirken. Daraus resultierende Abweichungen könnten ins-
gesamt 2-3 km/h erreichen (Antwortschreiben vom 13. September 2018, Frage 4, 
pag. 1120 i.V.m. Antwortschreiben vom 8. November 2018, Frage 5 a und b, 
pag. 1187). Während das Auswuchten keinen Einfluss auf die Geschwindigkeitsan-
zeige habe, könnten die Umbereifung von Sommer- auf Winterreifen je nach Di-
mension Abweichungen im Bereich von 2-4 km/h bewirken (Antwortschreiben vom 
13. September 2018, Frage 4, pag. 1120). 

24

c. Konkrete Unterschiede beim Mercedes O.____ (Typus) zwischen dem 30. Mai 
2014 (Vorfall gemäss Anklage) und dem 23. Juli 2018 (Tachoüberprüfung TCS)

Wie bereits erwähnt, identifizierte der Gutachter die Umbereifung als häufigste Ur-
sache von Tachoabweichungen. Diesbezüglich ist beim untersuchten Mercedes 
O.____ (Typus) festzustellen, dass zum Verkaufszeitpunkt im Mai 2014 Reifen der 
Dimension 245/30 ZR22 92Y (vorne) und 285/25 ZR22 95Y (hinten, Antriebsachse) 
montiert waren (Unterlagen Verkehrsamt Q.________ [pag. 1149 ff.] und Verkaufs-
belege von S.________ [pag. 1192 f.]). Als das TCS Center am 23. Juli 2018 die 
Tachoeichung durchführte, waren hinten auf der Antriebsachse Reifen der Dimen-
sion 295/25 ZR22 97Y montiert (pag. 1080). Die gleichen Reifen prüfte am 1. Fe-
bruar 2018 auch das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern 
(SVSA; pag. 1157). Aus dem Testbericht des SVSA ist zudem ersichtlich, dass es 
bei der Vorderachse keine Veränderungen gab und auch im Februar 2018 – wie 
bereits zum Verkaufszeitpunkt im Mai 2014 – nach wie vor die gleichen Reifen mit 
den Werten 245/30 ZR22 92Y montiert waren. 

Zum Pneuabrieb gibt es keine genauen Angaben. Bei der Tachoüberprüfung im Ju-
li 2018 wurde aber zumindest festgestellt, dass die montierten Reifen zum Test-
zeitpunkt die gesetzlichen Mindestanforderungen (1.6mm) erfüllten (Antwortschrei-
ben vom 8. November 2018, Frage 5 d, pag. 1187). Die von Herrn S.________ 
eingereichten Kaufbelege lassen zudem darauf schliessen, dass die anlässlich des 
Verkaufs neu montierten Reifen erst im April 2014 (und damit im Vormonat des 
Verkaufs) gekauft wurden (pag. 1192 f.). Es kann unter diesen Umständen davon 
ausgegangen werden, dass die Reifen zum Zeitpunkt des Vorfalls relativ neu und 
gegenüber dem Zustand zum Testzeitpunkt am 23. Juli 2018 weniger abgefahren 
waren. Das mit neueren Reifen einhergehende dickere Profil trägt zu einem grös-
seren Radumfang bei, wodurch sich gleichsam der für die Berechnung der Ge-
schwindigkeit entscheidende Abrollumfang vergrössert. Bildlich gesprochen ist die 
mit einer Radumdrehung zurückgelegte Distanz bei einem neuen Pneu grösser und 
damit die effektive Geschwindigkeit höher, als wenn der Reifen bereits abgefahren 
wäre. Das Verhältnis zwischen der effektiven und der auf dem Tacho angezeigten 
Geschwindigkeit wirkte sich somit zu Gunsten des Beschuldigten aus (vgl. dazu 
auch das Pneurechnerbeispiel im Antwortschreiben vom 8. November 2018, 
pag. 1189). Vor diesem Hintergrund besteht kein Anlass zur Annahme, dass den 
Unsicherheiten bezüglich Luftdruck und Profiltiefe, welche vom Gutachter mit einer 
Abweichung von 2-3 km/h berücksichtigt wurden, ungebührend Rechnung getragen 
worden wäre, wie dies vom Beschuldigten 1 anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung vorgebracht wurde. 

d. Einschätzung der konkret möglichen Ungenauigkeiten

Aus der Veränderung der Bereifung auf der Hinterachse zwischen dem Vorfall am 
30. Mai 2014 und der Tachoüberprüfung am 28. Juli 2018 kann sich gemäss Anga-
ben des Experten vom 8. November 2018 eine Abweichung auf der Tachoanzeige 
nach unten um 0,7 km/h ergeben (Antwortschreiben vom 8. November 2018, Fra-
ge 4, pag. 1186 i.V.m. Berechnungsblatt pag. 1189). Wie von der Verteidigung zu-
treffend ausgeführt, hat der Experte im Feld «gewünscht» des erwähnten Berech-
nungsblattes die Reifendimensionen aus dem Jahr 2018 eingegeben, obwohl dort 

25

die 2014 montierten Reifen hätten eingetragen werden müssen. Dieses Versehen 
verfälscht das ermittelte Resultat aber nicht, sondern führt lediglich dazu, dass die 
errechnete Abweichung nicht nach unten, sondern nach oben zu veranschlagen ist. 
Dem Experten darf sodann zugemutet werden, dass er seine Berechnungen auf 
akkurate Grundlagen stützt. Hinweise darauf, dass es sich beim verwendeten On-
line-Rechner nicht um ein solches Instrument handeln könnte, sind für die Kammer 
nicht ersichtlich. 

Nach dem Gesagten ergeben sich zusammengefasst die folgenden Unsicherhei-
ten, die bei der Berechnung der massgebenden Geschwindigkeit zu berücksichti-
gen sind: 
- Ungenauigkeiten der der Messanlage Bosch: bis 4%
- Messung ca. 50 Monate nach Vorfall: bis 1%
- Unterschiedlicher Luftdruck und Profiltiefe: 2-3 km/h

Bei der im gefahrenen Mercedes O.____ (Typus) angezeigten Geschwindigkeit von 
mindestens 230 km/h muss daher im Ergebnis zu Gunsten des Beschuldigten 1 
zunächst ein Abzug von 5% (11.5 km/h) gemacht werden, um den Messungenau-
igkeiten des Messgerätes und der seit dem Vorfall vergangenen Zeitdauer Rech-
nung zu tragen. Weitere 3 km/h sind für die mit dem unbekannten Luftdruck und 
der nicht ermittelten Profiltiefe verbundenen Unsicherheiten abzuziehen. Diese Ab-
züge von insgesamt 14,5 km/h sind der soeben erwähnten Erhöhung von 0.7 km/h 
gegenüberzustellen, was zu einer effektiv gefahrenen Geschwindigkeit von mindes-
tens 216 km/h führt. 

Fazit

Der Beschuldigte 1 war am 30. Mai 2014 in Sequenz Nr. 14 der sichergestellten 
Videos mit einer Geschwindigkeit von mindestens 216 km/h unterwegs. 

11.5 Wer fuhr in Sequenz Nr. 14 das Auto, das dem Mercedes O.____ (Typus) voraus-
fuhr?

In der Sequenz Nr. 14 kündigt der Beschuldigte 1 seinen «Jungs» ein Video an, 
dass sie niemals vergessen würden: «A.____ (Rufname) versus C.____ (Nachna-
me) – now in Biel». Kurz darauf wird er von einem grauen Mercedes überholt und 
folgt diesem auf die Überholspur. Aus dem Videomaterial konnte die Polizei vom 
vorausfahrenden Wagen zwei Standbilder der Nummernschilder extrahieren, wor-
aus sich mehrere mögliche Nummernkombinationen ergaben. Eine, nämlich die 
Nummer BE ________, fiel auf einen grauen Mercedes V.____ (Typus), der auf die 
T.________ AG (Wechselkontrollschild mit einem VW Z.____ (Typus)), mithin die 
Arbeitgeberin des Beschuldigten 2, eingelöst war (Berichtsrapport vom 2. März 
2015, pag. 282).

Der Beschuldigte 2 bestätigte in seiner Einvernahme vom 8. September 2015, er 
fahre normalerweise einen VW Z.____ (Typus) und seltener einen Mercedes. Bei-
de Fahrzeuge seien mit dem Wechselkontrollschild BE ________ auf seinen Ar-
beitgeber eingelöst. Sein Sohn N.________ nutze gelegentlich den Mercedes; 
sonst fahre niemand die beiden Fahrzeuge (pag. 295 Z. 30-51). Er präzisierte, 
auch seine Tochter habe das Fahrzeug schon benutzt (pag. 296 Z67 f.). Nachdem 

26

ihm die Sequenz Nr. 14 vorgespielt worden war, gab der Beschuldigte 2 an, er be-
zweifle, dass es sich bei dem Fahrzeug im Video um seinen Wagen handle. Die 
Autoschlüssel seien aber immer zuhause und könnten von jedem genommen wer-
den. Er sei es sicherlich nicht gewesen (pag. 298 Z. 183-187). Er führte weiter aus, 
sich nicht daran zu erinnern, wo er den Abend des 30. Mai 2014 verbracht habe 
(pag. 298 Z. 198). Auch zum Vorhalt, wonach der Beschuldigte 1 in den Sequen-
zen Nr. 12 und 13 verschiedentlich den «Père von N.____ (Vorname)» (mithin ihn, 
Beschuldigten 2 persönlich) erwähne, der schon gefahren sei und dem er nun auf 
die Autobahn folge, konnte er nichts sagen (pag. 299 Z. 221 ff.). Darauf angespro-
chen, weshalb der Beschuldigte 1 kurz vor der Geschwindigkeitsüberschreitung mit 
der Ansage «A.____ (Rufname) versus C.____ (Nachname)» direkt auf ihn Bezug 
nehme, gab er an, er könne die Frage nicht beantworten, er sei aber nicht der ein-
zige C.____ (Nachname) in der Schweiz. Er habe einen Doppelgänger in H.____ 
(Ortschaft), der allerdings keinen Schlüssel zu seinem Wagen habe (pag. 297 
Z. 144-155). Schliesslich regte der Beschuldigte 2 an, es sei möglich, dass das Vi-
deo manipuliert worden sei; die Jungen könnten heute alles manipulieren (pag. 301 
Z. 339 ff.). Auch anlässlich der Einvernahme vom 21. März 2016 gab der Beschul-
digte 2 an, er könne nicht beantworten, wer das Fahrzeug zum Zeitpunkt des Vor-
falls gelenkt habe. Er habe versucht, diesbezüglich zu recherchieren, habe aber 
nichts herausgefunden. Es stelle sich für ihn nach wie vor die Frage, ob es sich 
tatsächlich um sein Fahrzeug handle. Dies sei zwar möglich; es wäre diesfalls aber 
ohne sein Wissen geführt worden (pag. 309 Z. 131-135). Er selber habe am 
30. Mai 2014 gemäss dem Wochenrapport frei gehabt, da er die «Brücke» gemacht 
habe (pag. 309 Z. 150 f.). Zur Abwicklung des Kaufs des Mercedes O.____ (Typus) 
führte der Beschuldigte 2 weiter aus, er habe zwar irgendwann einmal an einem 
Abend dem Anbieter in W.____ (Ortschaft) eine Anzahlung vorbeigebracht und ei-
ne Quittung unterzeichnet, einen Kaufvertrag habe er aber nie unterschrieben 
(pag. 311 f. Z. 210-256). Das Auto in W.____ (Ortschaft) abgeholt habe nicht er, 
sondern sein Sohn (pag. 312 Z. 242). Diese Aussagen bestätigte der Beschuldigte 
2 auch anlässlich der erstinstanzlichen (pag. 858 ff.) und der oberinstanzlichen 
(pag. 1212 f.). Hauptverhandlung. 

Der Verkäufer des Mercedes O.____ (Typus) führte anlässlich seiner Befragung 
vom 11. Mai 2016 aus, er könne sich aufgrund des speziellen Ablaufs noch an den 
besagten Verkauf erinnern. Sein Cousin habe Vater und Sohn das Auto gezeigt. 
Als er selber aus den Ferien zurückgekommen sei, habe der die Sache übernom-
men und es sei zu Verkaufsgesprächen, der Anzahlung und dem Verkauf gekom-
men. Der Käufer sei derart unfreundlich gewesen, dass er ihm gesagt habe, er ge-
be ihm die Anzahlung zurück und verkaufe das Auto anderweitig. Dieser habe dar-
aufhin geantwortet, wenn das Auto für ihn selber wäre, würde er das Geld nehmen 
und gehen; das Auto sei aber für seinen Sohn und der wolle es unbedingt. Deshalb 
habe der Käufer schliesslich bezahlt und das Auto mitgenommen (pag. 317 Z. 70-
79). Herr S.________ gab weiter an, sowohl die Anzahlung, als auch der Restpreis 
seien bar in seinem Verkaufskontainer in W.________ durch C.________, also den 
Beschuldigten 2, übergeben worden (pag. 318 Z. 99 i.V.m. Z. 102 und Z. 129). Den 
Sohn habe er, soweit er es im Kopf habe, nie gesehen (pag. 318 Z. 122 f.). Anläss-
lich der Übergabe des Kaufpreises habe der Beschuldigte 2 bemerkt, dass das 

27

Fahrzeug für seinen Sohn sei, welcher eben gerade nicht anwesend gewesen sei 
(pag. 318 Z. 129 f.). 

Wie bereits die Vorinstanz, auf deren zutreffende Beweiswürdigung diesbezüglich 
ergänzend zu verweisen ist (S. 16 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 924 ff.), erachtet es auch die Kammer gestützt auf die zugänglichen Beweis-
mittel als erstellt, dass es der Beschuldigte 2 war, der in W.________ den Rest-
kaufpreis für den Mercedes O.____ (Typus) übergab und anschliessend in seinem 
Mercedes V.____ (Typus) zusammen mit dem Beschuldigten 1, welcher seinerseits 
den neu erstandenen Mercedes O.____ (Typus) führte, von W.____ (Ortschaft) in 
Richtung Bern fuhr. Dafür sprechen zunächst die glaubhaften Aussagen des Ver-
käufers, welcher die Abwicklung des Verkaufs anhand von ausgefallenen Details 
nachvollziehbar schilderte. Hinweise darauf, dass dieser den Beschuldigten 2 zu 
Unrecht belastet haben könnte, sind für die Kammer nicht ersichtlich. Passend zur 
Version des Verkäufers findet sich in den Akten ein Kaufvertrag, welcher den Be-
schuldigten  2 als Käufer ausweist und dokumentiert, dass der Restkaufpreis von 
CHF 61‘000.00 am 30. Mai 2014 in W.________ übergeben worden war. Eine No-
tiz auf dem Kaufvertrag deutet weiter daraufhin, dass das entsprechende Datum 
bereits vorgängig als Liefertermin vereinbart wurde (pag. 278). 

In der auf dem Rastplatz I.____ (Ortschaft) aufgenommenen Sequenz Nr. 12 wen-
det sich der Beschuldigte 1 direkt an den Sohn des Beschuldigten 2 («N.____ 
(Vorname)») und verleiht zunächst seiner Aufregung Ausdruck, nun in einem Mer-
cedes O.____ (Typus) unterwegs zu sein. Kurz darauf kündet er an, den Wagen 
nun auf die Autobahn zu führen und schiebt nach «du gsehsch, di Père isch scho 
gfahrä» wobei im Hintergrund des Videos ersichtlich ist, wie ein grauer Mercedes 
im Begriff ist, sich auf die Autobahn einzugliedern. Nur wenig später auf der Auto-
bahn Richtung Bern ist die Sequenz Nr. 13 aufgenommen, in welcher der Beschul-
digte 1 wiederum hinter dem grauen Mercedes unterwegs ist und seinem Kollegen 
N.________ zunächst mitteilt, dass er nun in seinem Auto (also in jenem von 
N.________) unterwegs sei. Als er weiter ausführt, dass sie nun in J.____ (Orts-
chaft) seien, hält er plötzlich inne, blickt zunächst nach vorne und dann mit den 
Worten «di Père wot in J.____ (Ortschaft) usä, was wot dä dert?» wieder direkt in 
die Kamera. Die Angaben des Beschuldigten 2, wonach nicht er, sondern sein 
Sohn N.____ (Vorname) den Mercedes O.____ (Typus) in W.____ (Ortschaft) ab-
geholt habe und er den Mercedes V.____ (Typus) am besagten Tag nicht von 
W.____ (Ortschaft) nach H.____ (Ortschaft) geführt habe, erscheinen vor diesem 
Hintergrund als reine Schutzbehauptungen. Wäre – wie es vom Beschuldigten 2 
geltend gemacht wird – sein Sohn das neu erstandene Auto abholen gegangen, 
wäre zu erwarten gewesen, dass er dieses auch selber gelenkt hätte und nicht mit 
dem Geschäftsauto seines Vaters von W.____ (Ortschaft) nach Biel gefahren wäre. 
Weiter hätte für den Beschuldigten 1 auch kein Anlass bestanden, die Fahrt von 
W.____ (Ortschaft) nach Bern – welche er, wie in den Videos verschiedentlich er-
wähnte, mit dessen «Père» zurücklegte – für N.________ zu dokumentieren. 

Unter diesen Umständen liegt bereits nahe, dass der Beschuldigte 2 den Mercedes 
V.____ (Typus) auch noch führte, als er den Beschuldigten 1 in der Sequenz Nr. 14 
überholte; dies umso mehr, als der Beschuldigte 1 nur Sekunden zuvor implizit ein 

28

Kräftemessen zwischen sich («A.____ (Rufname)») und «C.____ (Nachname)» al-
so dem Beschuldigten 2 angekündigt hatte. Dass es sich beim angesprochenen 
«C.____ (Nachname)» um eine andere Person gehandelt haben könnte, erscheint 
mit Blick auf den kurz zuvor abgewickelten Verkauf, den auf den Beschuldigten 2 
eingelösten Mercedes V.____ (Typus) und die Verbindung zum Beschuldigten 1 
praktisch ausgeschlossen. Bloss theoretische Zweifel vermag auch der oberin-
stanzlich vorgebrachte Einwand des Beschuldigten 2 zu begründen, dass es in 
J.____ (Ortschaft) zu einem Fahrerwechsel gekommen sei. Zwar lässt die Aussage 
des Beschuldigten 1 in der Sequenz Nr. 13 vermuten, dass die Beschuldigten die 
Autobahn in J.____ (Ortschaft) tatsächlich zwischenzeitlich verliessen («Di Père 
wot in J.____ (Ortschaft) usä, was wot dä dert?»). Hinweise darauf, dass dort ein 
Fahrerwechsel vollzogen worden wäre, bestehen aber nicht. Zunächst wäre ein 
solcher auch vom Beschuldigten 1 wahrgenommen worden und er hätte nicht kurz 
darauf mit der Ansage «A.____ (Rufname) versus C.____ (Nachname)» das Über-
holmanöver des Beschuldigten 2 angekündigt. Weiter ist zu beachten, dass für den 
Beschuldigten 2 unter diesen Umständen kein Anlass bestanden hätte, seine Betei-
ligung an der Verkaufsabwicklung komplett zu bestreiten. Das nachträgliche Vor-
bringen erscheint unter diesen Umständen in erster Linie darauf ausgerichtet, mög-
liche Alternativszenarien aufzuzeigen und so die eigene Täterschaft in Zweifel zu 
ziehen. Dies wirkt nicht überzeugend. 

Gestützt auf die erwähnten Umstände erachtet es die Kammer als erstellt, dass es 
sich beim vorausfahrenden Fahrzeug um den auf den Arbeitgeber des Beschuldig-
ten 2 eingelösten grauen Mercedes V.____ (Typus) mit den Kontrollschildern 
BE ________ gehandelt hat und dass dieser in der Sequenz Nr. 14 vom Beschul-
digten 2 gelenkt wurde. 

11.6 Welche Geschwindigkeit fuhr der Mercedes V.____ (Typus)?

Aus der Sequenz Nr. 14 ergibt sich, dass der Beschuldigte 2 den vom Beschuldig-
ten 1 gefahrenen Mercedes O.____ (Typus) nach einem Tunnel überholt, worauf 
der Beschuldigte 1 offensichtlich beschleunigt und dem Beschuldigten 2 wiederum 
auf die Überholspur nachfolgt. Dabei erhöht sich die auf dem Tacho des Mercedes 
O.____ (Typus) ersichtliche Geschwindigkeit von anfänglich 120 km/h (Zeitindex 
0:19) über ca. 210 km/h (Zeitindex 0:38/39) bis auf 237 km/h (Zeitindex 0:48). 

Bei Zeitindex 0:38 wird sichtbar, dass die beiden Fahrzeuge ungefähr gleich 
schnell hintereinander fahren, wobei die Abstandswarnlampe leuchtet. Zu diesem 
Zeitpunkt fährt der Beschuldigte 1 mit rund 210 km/h. Bei der darauf folgenden Ge-
schwindigkeitserhöhung kommt der Beschuldigte 2 nicht mehr ins Bild der Kamera. 
Wie von der Generalstaatsanwaltschaft zutreffend ausgeführt, deutet zwar die wei-
terhin leuchtende Abstandsleuchte darauf hin, dass der Beschuldigte 2 nach wie 
vor in ähnlichem Tempo vor dem Beschuldigten 1 herfuhr, bis die Abstandsleuchte 
bei Zeitindex 0:48 und einem auf dem Tacho ersichtlichen Tempo von rund 
235 km/h wieder erlöscht; wie genau er sein Tempo aber gestaltete, lässt sich auf-
grund des auf die Geschwindigkeitsanzeige beschränkten Sichtfelds nicht sagen. 
So ist zwar durchaus denkbar, dass auch der Beschuldigte 2 seinen Wagen gleich-
sam bis auf eine Geschwindigkeit von ca. 235 km/h beschleunigte, bevor er die 
Fahrbahn wieder für den Beschuldigten 1 frei gab. Möglich wäre aber auch, dass 

29

sich der Beschuldigte 1 nach einer anfänglichen Beschleunigungsphase wieder 
zurückfallen liess und sich dabei stets im Perimeter der Abstandswarnleuchte be-
fand. Nicht auszuschliessen ist schliesslich, dass die Abstandsleuchte den Be-
schuldigten 2 bis zum Abschluss eines vom Beschuldigten 1 eingeleiteten Über-
holmanövers erfasste. Unter diesen Umständen ist «in dubio pro reo» von dieser 
letzten, für den Beschuldigten 2 günstigsten Sachverhaltsvariante auszugehen. 
Auch so erachtet es die Kammer aber als erstellt, dass der Beschuldigte 2 mindes-
tens mit der gleichen Geschwindigkeit unterwegs war, als ihm der Beschuldigte 1 
bei Zeitindex 0:38/0:39 der Sequenz Nr. 14 mit rund 210 km/h folgte. 

Unter Berücksichtigung der auch hier vorzunehmenden Sicherheitsabzüge gemäss 
Ziff. 11.4 lit. d hiervor in der Höhe von hier 14,5 km/h lässt sich daraus eine effektiv 
vom Beschuldigten 2 gefahrene Geschwindigkeit von ca. 195 km/h errechnen. 

11.7 Welchen Abstand hatten die beiden Fahrzeuge zueinander bei welcher Geschwin-
digkeit?

Zum Abstand zwischen den Fahrzeugen kann vorab wiederum auf die Sequenz 
Nr. 14 verwiesen werden, wo die Distanz letztmals bei Zeitindex 0:38 erkennbar ist. 
Die Polizei hat für die Ermittlung des Abstandes insgesamt drei Standbilder aus 
dem Videomaterial extrahiert (pag. 236). Anhand der Bodenmarkierungen errech-
nete sie einen Nachfahrabstand von 18 Metern, dem sie einen Ungenauigkeitszu-
schlag von 6 Metern hinzufügte und so zu einem relevanten Abstand von 24 Me-
tern gelangte. Auf ihre nachvollziehbare Berechnungen kann verwiesen werden 
(Deliktsblatt vom 22. Januar 2015, pag. 234-236). 

Bei der unter Ziff. 11.6 hiervor berechneten Geschwindigkeit von ca. 195 km/h er-
gibt sich bei einer Distanz von 24 Metern zwischen den Fahrzeugen der beiden 
Beschuldigten ein zeitlicher Nachfahrabstand von ca. 0,443 Sekunden (Formel: 
Abstand * 3,6 / Geschwindigkeit in km). 

11.8 Beweisergebnis 

Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass der Beschuldigte 1 am 30 Mai 2014 von 
der Raststätte I.____ (Ortschaft) mit dem vom Beschuldigten 2 unmittelbar vorher 
in W.________ gekauften Mercedes O.____ (Typus) auf der Autobahn A5 Richtung 
Biel fuhr und verschiedene Sequenzen mit seinem Mobiltelefon filmte. Ungefähr um 
21:11 Uhr filmte der Beschuldigte 1 eine Phase, in der er den Wagen bis auf eine 
Geschwindigkeit von 237 km/h, der Anklage folgend auf 230 km/h, beschleunigte 
und dabei eine effektive Geschwindigkeit von mindestens 216 km/h erreichte. Der 
Beschuldigte 2 fuhr dabei zumindest in der Anfangsphase dem Beschuldigten 1 
voraus und bis zu einer Geschwindigkeit von mindestens 210 km/h gleich schnell 
wie der Beschuldigte 1 im Mercedes O.____ (Typus). Dabei betrug der zeitliche 
Nachfahrabstand zwischen den beiden Wagen bei Tempo 210 km/h unter Beob-
achtung der Sicherheitsabzüge ca. 0,443 Sekunden. 

Abgesehen von der Berechnung der effektiv gefahrenen Geschwindigkeiten ge-
langt die Kammer damit zum gleichen Beweisergebnis, wie vor ihr bereits die Vor-
instanz. 

30

III. Rechtliche Würdigung

12. Geschwindigkeitsüberschreitung des Beschuldigten 1

12.1 Theoretische Grundlagen

12.1.1 Die Geschwindigkeit ist im Strassenverkehr stets den Umständen anzupassen, 
namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, 
Verkehrs- und Sichtverhältnissen. Wo das Fahrzeug den Verkehr stören könnte, ist 
langsam zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, namentlich vor unübersichtlichen 
Stellen, vor nicht frei überblickbaren Strassenverzweigungen sowie vor Bahnüber-
gängen (Art. 32 Abs. 1 SVG).

Nach Art. 90 Abs. 3 SVG wird mit Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren be-
straft, wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Ri-
siko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich 
durch besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, wag-
halsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motor-
fahrzeugen. 

12.1.2 Wie dem Wortlaut des Gesetzes ("namentlich") zu entnehmen ist, zählt Art. 90 
Abs. 3 SVG die verbotenen Verhaltensweisen beispielhaft auf (BGE 142 IV 137 [= 
Pra 106 (2017) Nr. 42] E. 6.1 und E. 9.1). Das geforderte Risiko muss sich auf ei-
nen Unfall mit Todesopfern oder Schwerverletzten beziehen und somit ein qualifi-
ziertes Ausmass erreichen. Der Erfolgseintritt muss zudem vergleichsweise nahe 
liegen. Da bereits die erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG 
die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraussetzt, ist für die 
Erfüllung von Art. 90 Abs. 3 SVG die besonders naheliegende Möglichkeit einer 
konkreten Gefährdung, sozusagen eine qualifiziert erhöhte abstrakte Gefahr, zu 
verlangen. Diese muss mithin unmittelbar sein (Urteil des Bundesgerichts 
6B_486/2018 vom 5. September 2018 E. 2.1). Die allgemeine Möglichkeit der Ver-
wirklichung einer Gefahr genügt in Anlehnung an Art. 90 Abs. 2 SVG nur, wenn 
aufgrund besonderer Umstände, wie Tageszeit, Verkehrsdichte, Sichtverhältnisse 
usw. der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar einer Verletzung besonders nahe 
lag und es letztlich nur vom Zufall abhing, dass sie sich nicht verwirklicht hat. Eine 
konkrete Gefährdung von Leib und Leben ist hingegen auch nach Art. 90 Abs. 3 
SVG nicht voraussetzt (Urteil des Bundesgerichts 6B_486/2018 vom 5. September 
2018 E. 2.1; 6B_1349/2017 vom 2. Oktober 2018 mit Hinweisen). Der subjektive 
Tatbestand erfordert Vorsatz bezüglich der Verletzung einer elementaren Verkehrs-
regel und der Risikoverwirklichung, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 142 IV 137 
E. 3.3; HANS MAURER, in: Donatsch [Hrsg], Kommentar StGB/JStGB, 20. Aufl. 
2018, N 31 zu Art. 90 SVG). Ein Gefährdungsvorsatz oder der Vorsatz, einen be-
stimmten Erfolg herbeizuführen, ist nicht erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 
6B_486/2018 vom 5. September 2018 E. 2.1mit Hinweisen).

12.1.3 Eine besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegt 
nach Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG unter anderem vor, wo eine zulässige Höchstge-
schwindigkeit von mehr als 80 km/h um mindestens 80 km/h überschritten wird. 
Diesfalls soll laut Gesetz in jedem Fall eine qualifiziert grobe Verkehrsregelverlet-
zung vorliegen (Art. 90 Abs. 4 SVG). Nach der Rechtsprechung des Bundesge-

31

richts führt das Überschreiten der in Art. 90 Abs. 4 SVG vorgesehenen Geschwin-
digkeitslimiten lediglich zu einer (nicht unwiderlegbaren) Vermutung der subjektiven 
Erfüllung des Tatbestandes (BGE 142 IV 137 E. 11.2.). Dem Richter soll aber ein 
Ermessenspielraum nicht genommen werden, um gewisse Verhaltensweisen zu 
beurteilen, die den objektiven Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelver-
letzung erfüllen, ohne indessen den Vorsatz zu beinhalten. Gedacht wird dabei an 
technische Defekte des Fahrzeugs, äusserliche Drucksituationen, eine Notfallfahrt 
oder Situationen, in denen eine Geschwindigkeitsbeschränkung unwahrscheinlich 
oder nur schwer erkennbar war (BGE 142 IV 137 E. 10.1.).

12.2 Subsumtion 

Gestützt auf das Beweisergebnis fuhr der Beschuldigte 1 am 30. Mai 2014 mit ei-
ner effektiven Geschwindigkeit von mindestens 216 km/h und überschritt damit die 
in Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG vorgesehene Grenze klar. Der objektive Tatbestand der 
qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung ist damit erfüllt. Er wäre wohl ebenfalls 
erfüllt, wenn der Beschuldigte 1 bei seiner Geschwindigkeitsüberschreitung die 
Grenze von 80 km/h knapp nicht überschritten hätte. So lenkte er sein Fahrzeug 
während dem gesamten Manöver mit einer Hand und verwendete seine andere 
Hand dazu, die Fahrt mit dem Mobiltelefon aufzuzeichnen. Als ihm das Mobiltelefon 
entglitt, hob er es noch während der Fahrt wieder auf und schuf damit ein weiteres 
Risiko für sich und die übrigen auf dem Streckenabschnitt fahrenden Verkehrsteil-
nehmer. Erschwerend ist schliesslich auch zu werten, dass der Beschuldigte 1 bei 
einem Tempo von rund 210 km/h bis auf wenige Meter auf den Beschuldigten 2 
aufschloss und so nicht mehr in der Lage gewesen wäre, angemessen auf plötzli-
che Manöver desselben zu reagieren. 

Ferner sind für die Kammer keine Umstände ersichtlich, die ausnahmsweise dazu 
führen könnten, dass der subjektive Tatbestand nicht erfüllt wäre. Der Beschuldigte 
wusste um die geltende Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Indem er seine 
Fahrt filmte und ankündigte, nun würden alle ein Video zu sehen bekommen, das 
sie nie vergessen würden und beim Filmen dabei immer wieder zwischen Fahrbahn 
und Geschwindigkeitsanzeige hin und zurück wechselte, dokumentierte er auf ein-
drückliche Weise, dass es ihm gerade darum ging, die Tempolimiten zu überschrei-
ten. Damit liegt direkter Vorsatz vor. 

12.3 Fazit

Der Beschuldigte 1 ist damit wegen qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung, be-
gangen am 30. Mai 2014, schuldig zu sprechen. 

13. Nachfahrabstand des Beschuldigten 1

13.1 Theoretische Grundlagen

Nach Art. 34 Abs. 4 SVG ist gegenüber allen Strassenbenützern ausreichender 
Abstand zu halten, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- 
und Hintereinanderfahren. Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung vom 
13. November 1962 (VRV; SR 741.11) konkretisiert, der Nachfahrabstand sei stets 
so zu wählen, dass auch bei einem überraschenden Bremsen des voranfahrenden 
Fahrzeugs rechtzeitig gehalten werden könne. 

32

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird nach Art. 90 Abs. 2 SVG 
bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für 
die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.

Bezüglich der theoretischen Grundlagen zu Art. 90 Abs. 2 SVG kann auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz (S. 32 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 940) verwiesen werden. 

13.2 Objektiver Tatbestand

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei Art. 34 Abs. 4 SVG um eine Be-
stimmung von grundlegender Bedeutung handelt, sind doch eine Vielzahl von Un-
fällen auf einen ungenügenden Abstand zurückzuführen (PHILIPPE WEISSENBER-
GER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 
2015, N 45 zu Art. 34 SVG mit Verweis auf BGE 131 IV 133 E. 3.2.1: 115 IV 248 
E. 3a). 

Die Rechtsprechung hat grundsätzlich keine starren Grundsätze zur Frage entwi-
ckelt, bei welchem Abstand in jedem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen, 
eine einfache oder eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Als Faust-
regel für die Annahme einer einfachen Verkehrsregelverletzung nahm das Bundes-
gericht aber verschiedentlich auf den Richtwert «halber Tacho» oder die Zwei-
Sekunden-Regel Bezug (BGE 131 IV 133 E. 3.1; WEISSENBERGER, a.a.O., N 97 zu 
Art. 90 SVG). Als Richtschnur für die Beurteilung einer Widerhandlung als grobe 
Verkehrsregelverletzung, scheint sich in der Rechtsprechung eine Grenze von 0.6 
Sekunden bzw. die Regel «1/6 Tacho» zu etablieren (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1090/2017 E. 3.5 mit Hinweisen; STEFAN MAEDER, in: Basler Kommentar Stras-
senverkehrsgesetz, 1. Aufl. 2014, N 69 zu Art. 34; Maurer, a.a.O. N 24 zu Art. 90 
SVG; WEISSENBERGER, a.a.O., N 98 zu Art. 90 SVG). Angesichts der komplexen 
Faktoren, die für die Bestimmung des genügenden Abstandes relevant sind, kann 
auch diese Zeitangabe keine absolute Geltung beanspruchen (MAEDER, a.a.O. 
N 69 zu Art. 90 SVG). 

Vorliegend fuhr der Beschuldigte 1 bei einer Geschwindigkeit von rund 210 km/h 
mit einem Abstand von 24 Metern hinter dem Beschuldigten 2 her und hielt so ei-
nen Abstand von praktisch «1/9 Tacho» ein. Nach den oberinstanzlichen Bewei-
sergänzungen ist bei einer derartigen Tachoanzeige von einer tatsächlichen Ge-
schwindigkeit von ca. 195 km/h auszugehen, was zu einem zeitlichen Nachfahrab-
stand von 0.443 Sekunden führt. Der Beschuldigte 1 bewegte sich damit deutlich 
unter der Grenze von 0.5 Sekunden, welche die Vorinstanz als Massstab für die 
Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung vorsah und die auch nach den 
Richtlinien des Verbands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen 
und Staatsanwälte (VBRS-Richtlinien) als Vergehen nach Art. 90 Abs. 2 SVG zu 
ahnden ist (Ziff.1.VIII. 2.3 und 3.4 der VBRS-Richtlinien; vgl. dazu auch den Be-
schluss des Plenums der Strafabteilungen des Obergerichts vom 09./31.12.2002). 
Weiter liegen mit der hohen gefahrenen Geschwindigkeit, dem einhändigen Lenken 
und dem Filmen mit dem Mobiltelefon mit der anderen Hand zusätzliche Umstände 
vor, die es dem Beschuldigten 1 erschwerten, angemessen auf ein unvorhergese-

33

henes Manöver des Beschuldigten 2 zu reagieren. Der objektive Tatbestand damit 
nach Ansicht der Kammer klar erfüllt. 

13.3 Subjektiver Tatbestand

Nicht zuletzt aufgrund des Aufleuchten der Abstandswarnlampe beim Mercedes 
O.____ (Typus) musste dem Beschuldigten 1 bewusst sein, dass er zu nahe auf 
den Beschuldigten 2 aufgeschlossen war. Wenn man zusätzlich berücksichtigt, 
dass er kurz vor dem Überholmanöver des Beschuldigten 2 noch ein unvergessli-
ches Video «A.____ (Rufname) versus C.____ (Nachname)» ankündigte und sich 
letzterem umgehend auf die Überholspur anschloss, schien das nahe Aufschlies-
sen – gleich wie die Geschwindigkeitsüberschreitung – ein bewusster Teil des 
waghalsigen Manövers gewesen zu sein, welches der Beschuldigte 1 auf Video 
aufzeichnete. Er handelte damit direktvorsätzlich.

13.4 Fazit

Der Beschuldigte ist damit im Ergebnis auch für den mangelnden Nachfahrabstand 
vom 30. Mai 2014 wegen grober Verkehrsregelverletzung schuldig zu sprechen.

14. Geschwindigkeitsüberschreitung des Beschuldigten 2 

Für die theoretischen Grundlagen zur groben bzw. qualifiziert groben Verkehrsre-
gelverletzung kann auf die Ausführungen in Ziff. 12 f. hiervor verwiesen werden. 

Die vom Beschuldigten 2 gemäss Beweisergebnis gefahrene Geschwindigkeit er-
reichte den in Art. 90 Abs. 4 lit. d SVG statuierten Grenzwert nicht. Dies steht einer 
Subsumtion unter Art. 90 Abs. 3 SVG noch nicht grundsätzlich entgegen. Da aber 
vorliegend keine besonderen Umstände ersichtlich sind, welche die vom Beschul-
digten 2 begangene Geschwindigkeitsüberschreitung als überdurchschnittlich ge-
fährlich erscheinen liessen, fällt ein Schuldspruch wegen qualifiziert grober Ver-
kehrsregelverletzung ausser Betracht. 

Dennoch überschritt der Beschuldigte 2 die ihm bekannte Höchstgeschwindigkeit 
um ca. 75 km/h. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesberichts sind die ob-
jektiven Voraussetzungen der groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 
Abs. 2 SVG ungeachtet der konkreten Umstände erfüllt, wenn die zulässige 
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen um 35 km/h oder mehr, auf nicht rich-
tungsgetrennten Autostrassen sowie Autobahnausfahrten um 30 km/h oder mehr 
und innerorts um 25 km/h oder mehr überschritten wird (BGE 132 II 234 E. 3.1; 124 
II 259 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 6B_521/2016 vom 15. September 2016 
E. 3). Bei derartigen Geschwindigkeiten und unter Berücksichtigung der bekannten 
Vorgeschichte kann ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte 2 es verse-
hentlich unterliess, die gefahrene Geschwindigkeit mit der Anzeige auf dem Tacho 
abzugleichen – auch der subjektive Tatbestand ist damit ohne Weiteres erfüllt. 

Im Ergebnis ist der Beschuldigte 2 damit der groben Verkehrsregelverletzung durch 
Überschreiten der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit mit einem Personenwagen 
auf der Autobahn um 75 km/h schuldig zu sprechen. 

34

IV. Strafzumessung

15. Allgemeines

15.1 Grundlagen der Strafzumessung und Vorbemerkung zum anwendbaren Recht

Für die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung kann vorab auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz (S. 39 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 947 f.) verwiesen werden. 

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende 
Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzu-
stellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das 
alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist aus-
geschlossen (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, nach wel-
chem der beiden Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser weg-
kommt (vgl. zum Ganzen TRECHSEL/VEST, in: Trechsel/Pi