# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e3b3223-f529-5eb9-9bd7-3fe9e8b3895e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2010 A-3269/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-3269-2010_2010-10-18.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-3443/2010 
{T 1/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richter André Moser (Vorsitz), Richterin Kathrin Dietrich, 
Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot, 
Gerichtsschreiberin Anita Schwegler. 

Evalotta Samuelsson, Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 
8026 Zürich,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christos Antoniadis, 
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich,
Beschwerdeführerin 1,

Peter Kaufmann, Münzgraben 2, 3011 Bern,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Olivier Zigerli, 
Münzgraben 2, 3011 Bern,
Beschwerdeführer 2,

gegen

Bundesamt für Sozialversicherungen BSV,
Effingerstrasse 20, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Öffentlichkeitsprinzip.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-3443/2010

Sachverhalt:

A.
Fürsprecher  Peter  Kaufmann und  Rechtsanwältin  Evalotta  Samuels-
son beantragten beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) am 
11.  bzw. 29. September 2008  je  den  Zugang  zur  sog.  IV-Checkliste. 
Evalotta  Samuelsson  verlangte  ausserdem  die  Nennung  der  statis-
tischen  Quellen,  die  zur  Aufnahme  des  Kriteriums  Migrationshinter-
grund  geführt  haben.  Mit  Schreiben  vom  29. September 2008  ver-
weigerte das BSV den Gesuchstellern den Zugang zur Checkliste, weil 
das Dokument seiner Ansicht nach unter eine im Bundesgesetz vom 
17. Dezember 2004  über  das  Öffentlichkeitsprinzip  der  Verwaltung 
(Öffentlichkeitsgesetz,  BGÖ,  SR 152.3)  vorgesehene  Ausnahme-
bestimmung (Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ) falle.

B.
Am  7.  bzw.  8. Oktober 2008  reichten  Peter  Kaufmann  und  Evalotta 
Samuelsson beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeits-
beauftragten  (EDÖB)  je  einen  Schlichtungsantrag  gemäss  Art. 13 
BGÖ ein. Am 15. bzw. 16. März 2009  schliesslich  erliess  der  EDÖB 
eine Empfehlung im Sinne von Art. 14 BGÖ. Diese ging im Wesent-
lichen  dahin,  dass  das  BSV  den  Zugang  zur  IV-Checkliste  zu  ge-
währen habe; für den Fall, dass es den Zugang nicht gewähren wolle, 
sei  dies  entsprechend  zu  verfügen.  Das  BSV  erliess  gestützt  auf 
Art. 15 BGÖ am 6. April 2010 eine Verfügung, in der es festhielt, dass 
der Zugang verweigert werde; Gebühren wurden keine erhoben.

C.
Mit Eingabe vom 6. bzw. 11. Mai 2010 erheben Peter Kaufmann und 
Evalotta Samuelsson (Beschwerdeführer 2 und Beschwerdeführerin 1 
bzw.  Beschwerdeführende)  gegen  die  Verfügung  des  BSV  je  Be-
schwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragen,  die  an-
gefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  das  BSV anzuweisen,  ihnen 
Einsicht  in  die  sog.  IV-Checkliste  zu  gewähren,  unter  Kosten-  und 
Entschädigungsfolgen.

D.
Im  Anschluss  an  die  Vereinigung  der  beiden  Beschwerdeverfahren 
durch den Instruktionsrichter beantragt das BSV (Vorinstanz) mit Ver-
nehmlassung vom 30. Juni 2010 die Abweisung der Beschwerden und 
die Bestätigung der Verfügung vom 6. April 2010.

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E.
In ihren Schlussbemerkungen vom 19. bzw. 25. August 2010 halten die 
Beschwerdeführenden an ihren Anträgen fest und weisen darauf hin, 
dass seit  der Einreichung ihrer Beschwerden die gesamte IV-Check-
liste  an  die  Medien  gelangt  und  am  26. Juli 2010  in  der  Aargauer 
Zeitung veröffentlicht worden sei.

F.
Auf weitergehende Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten 
befindlichen  Schriftstücke  wird,  soweit  erforderlich,  im  Rahmen  der 
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Weil keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt und das 
BSV eine Vorinstanz nach Art. 33 Bst. d VGG ist, ist das Bundesver-
waltungsgericht  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden  zu-
ständig (vgl. auch Art. 16 Abs. 1 BGÖ).

1.2 Zur  Beschwerde  ist  berechtigt,  wer  vor  der  Vorinstanz  am Ver-
fahren  teilgenommen  oder  keine  Möglichkeit  zur  Teilnahme erhalten 
hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung  hat 
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführenden sind im vorinstanz-
lichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen und waren 
durch den angefochtenen Entscheid zumindest solange auch materiell 
beschwert,  als  sie  keinen  Zugang  zur  vollständigen  IV-Checkliste 
hatten. Inzwischen ist  die  Liste  offenbar  an die  Medien gelangt  und 
wurde am 26. Juli 2010 in der Aargauer Zeitung ungekürzt veröffent-
licht und so auch den Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht. Es 
fragt sich daher, ob ihr Interesse im Sinne von Art.  48 VwVG nach wie 
vor aktuell ist. Die Frage kann indes offen gelassen werden, kann doch 
ausnahmsweise auf das Erfordernis des aktuellen praktischen Interes-
ses verzichtet  und eine Beschwerde ungeachtet  des Umstandes ge-
prüft  werden,  dass  das  aktuelle  Interesse  weggefallen  ist.  Dies  ist 

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praxisgemäss  dann  der  Fall,  wenn  die  aufgeworfenen  Fragen  sich 
jederzeit  unter  gleichen  oder  ähnlichen  Umständen  wieder  stellen 
können  und  wenn  an  deren  Beantwortung  ein  hinreichendes 
öffentliches  Interesse  besteht  (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ 
KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel 
2008,  Rz. 2.72  mit  Hinweisen).  In  diesem Sinne  besteht  vorliegend 
auch ein grundsätzliches Interesse an einem richterlichen Entscheid 
darüber, ob sich die Vorinstanz zu Recht auf die Ausnahme von Art.  7 
Abs. 1  Bst. b  BGÖ  berufen  hat  oder  nicht.  Überdies  gewährt  Art.  6 
Abs. 1  BGÖ  ein  allgemeines  Einsichtsrecht,  unabhängig  von  den 
bereits  verfügbaren  Informationen  (Urteil  des  Bundesgerichts 
1C_522/2009 vom 19. Mai 2010 E. 1.1).

1.3 Auf die frist- und formgerecht eingereichten Beschwerden (Art.  50 
und 52 VwVG) ist daher einzutreten.

2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann die angefochtene Verfügung 
grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Der  Beschwerdeführer 
kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und 
der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheb-
lichen Sachverhalts  (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der  Unan-
gemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, 
a.a.O.,  Rz. 2.149 ff.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allge-
meines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1758 ff.).

2.2 Im  Beschwerdeverfahren  ist  grundsätzlich  die  Sprache  des  an-
gefochtenen  Entscheids  massgebend  (Art. 33a Abs. 2  VwVG).  Die 
Vorinstanzen  des  Bundesverwaltungsgerichts  sind  entsprechend  ge-
halten, ihre Vernehmlassungen in der Sprache zu verfassen, in der das 
Beschwerdeverfahren geführt wird. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die 
Sprache  der  angefochtenen  Verfügung  mit  jener  der  Beschwerde 
übereinstimmt  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz. 3.38  mit  Hin-
weisen;  BERNARD MAÎTRE/VANESSA THALMANN,  Praxiskommentar  zum 
Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2009, 
Rz. 15 in fine zu Art. 33a). Zu Recht verweist der Beschwerdeführer in 
diesem Zusammenhang auch auf  Art. 6  Abs. 2 des Bundesgesetzes 
vom 5. Oktober 2007 über die Landessprachen und die Verständigung 
zwischen  den  Sprachgemeinschaften  (Sprachengesetz,  SR 441.1), 
wonach  die  Bundesbehörden  grundsätzlich  in  der  Amtssprache  zu 
antworten haben, in der sie angegangen werden. Vorliegend ergingen 

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sowohl  die  angefochtenen  Verfügungen  als  auch  die  beiden  Be-
schwerden in deutscher Sprache. Die Vorinstanz hätte ihre Vernehm-
lassung daher  ebenfalls  auf  Deutsch und nicht  auf  Französisch ein-
reichen sollen. Da es sich freilich nicht  um ein komplexes Verfahren 
handelt  und  von  den  beschwerdeführenden  Rechtsanwälten  aus-
reichende  Französischkenntnisse  erwartet  werden  kann  (vgl.  YVES 
DONZALLAZ, Loi sur le Tribunal fédéral, Commentaire, Bern 2008, S. 629, 
Rz. 1528  mit  Hinweisen),  konnte  ausnahmsweise  davon  abgesehen 
werden, die Vorinstanz anzuweisen, ein auf Deutsch verfasstes Exem-
plar ihrer Vernehmlassung nachzureichen.

3.
3.1 Das  Öffentlichkeitsgesetz,  in  Kraft  getreten  am 1. Juli 2006,  will 
die Transparenz über den Auftrag, die Organisation und die Tätigkeit 
der  Verwaltung  fördern  (Art. 1  BGÖ).  Es  stellt  einen  Paradigmen-
wechsel  dar,  indem  es  den  früheren  Grundsatz  der  Geheimhaltung 
zum Öffentlichkeitsprinzip kehrt, und es verankert ein subjektives und 
durchsetzbares Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten (STEPHAN 
C. BRUNNER/LUZIUS MADER in: Stephan C. Brunner/Luzius Mader [Hrsg.], 
Öffentlichkeitsgesetz,  Bern  2008  [Öffentlichkeitsgesetz],  Einleitung 
Rz. 8  ff.;  RAINER J.  SCHWEIZER/NINA WIDMER,  in:  Öffentlichkeitsgesetz, 
Art. 3 Rz. 66; LUZIUS MADER, La nouvelle loi fédérale sur le principe de la 
transparence dans l'administration, in: Alexandre Flückiger [Hrsg.], La 
mise  en  oeuvre  du  principe  de  transparence  dans  l'administration, 
Genf/Zürich/Basel,  S. 16 f.)  und  vorab  auch  zur  Kontrolle  der  Ver-
waltung  (THIERRY TANQUEREL,  in:  François  Bellanger/Thierry  Tanquerel 
[Hrsg.],  Surveillance  et  contrôle  de  l'administration,  Zürich  2008, 
S. 198  mit  Hinweisen).  Jeder  Person  wird  ein  generelles  Recht  ge-
währt  auf  Zugang  zu  amtlichen  Dokumenten,  über  welche  die  Ver-
waltung verfügt,  ohne dass ein  besonderes  Interesse nachgewiesen 
werden  müsste  (BGE  133 II  209  E. 2.1;  Urteil  des  Bundesgerichts 
1C_522/2009 vom 19. Mai 2010 E. 2.1; Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts  A-4049/2009  vom  3. Mai 2010  E. 4;  SCHWEIZER/WIDMER,  in: 
Öffentlichkeitsgesetz,  Art.  3  Rz.  5  f.). Es  obliegt  entsprechend  nicht 
mehr dem freien Ermessen der Behörden, ob sie Informationen oder 
Dokumente zugänglich machen wollen oder nicht. Wird der Zugang zu 
amtlichen Dokumenten verweigert, so obliegt der Behörde die Beweis-
last zur Widerlegung der Vermutung des freien Zugangs zu amtlichen 
Dokumenten, die durch das Öffentlichkeitsgesetz aufgestellt wird, d.h. 
sie  muss beweisen,  dass  die  Ausnahmebedingungen  gegeben sind, 
die in den Art. 7 und 8 BGÖ festgelegt sind (Botschaft zum Bundes-

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gesetz  über  die  Öffentlichkeit  der  Verwaltung vom 12. Februar 2003, 
BBl 2003 1963 f.; PASCAL MAHON/OLIVIER GONIN, in: Öffentlichkeitsgesetz, 
Art. 6,  Rz. 11). Das Prinzip soll  Transparenz schaffen,  damit  Bürger-
innen und Bürger politische Abläufe erkennen und beurteilen können. 
Nebst Vertrauen soll dadurch das Verständnis für die Verwaltung und 
ihr Funktionieren gefördert sowie die Akzeptanz staatlichen Handelns 
erhöht  werden  (BGE  133 II  209  E. 2.3.1;  Urteil  des  Verwaltungs-
gerichts  des  Kantons  Bern  vom  15. Januar 2010,  veröffentlicht  in 
Bernische Veraltungsrechtsprechung [BVR] 2010, S. 244 E. 3.1). Das 
Gesetz  gilt  für  die  gesamte  Bundesverwaltung  (Art. 2  Abs. 1  Bst. a 
BGÖ). Ein amtliches Dokument ist jede Information, die auf einem be-
liebigen Informationsträger aufgezeichnet ist, sich im Besitz einer Be-
hörde befindet, von der sie stammt oder der sie mitgeteilt worden ist 
und  die  Erfüllung  einer  öffentlichen  Aufgabe  betrifft  (Art. 5  Abs. 1 
BGÖ). Das Öffentlichkeitsgesetz kennt keine Kategorie interner Doku-
mente, die generell nicht zugänglich wären (KURT NUSPLIGER, in: Öffen-
tlichkeitsgesetz,  Art. 5  Rz. 8).  Das  Öffentlichkeitsprinzip  gilt  gemäss 
Art. 6 Abs. 1 BGÖ umfassend für alle amtlichen Dokumente (Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-3631/2009  vom  15. September 2009, 
E. 2.1).

3.2 Der  Zugang  zu  amtlichen  Dokumenten  wird  in  den  Fällen  des 
Art. 7 BGÖ eingeschränkt, aufgeschoben oder verweigert. Die privaten 
oder öffentlichen Interessen, welche eine Geheimhaltung rechtfertigen 
können,  müssen das (öffentliche)  Interesse am Zugang bzw. an der 
Transparenz überwiegen. Das Gesetz nimmt die entsprechende Inte-
ressenabwägung selber  vorweg,  indem es in  abschliessender Weise 
die verschiedenen Fälle überwiegender öffentlicher oder privater Inte-
ressen  aufzählt  (BERTIL COTTIER/RAINER J.  SCHWEIZER/NINA WIDMER,  in: 
Öffentlichkeitsgesetz,  Art. 7  Rz. 3). Der  im Gesetz  vorgesehene Me-
chanismus ist dual: Ein bestimmtes Dokument ist entweder öffentlich – 
d.h.,  dass  Zugang  besteht  –  oder  es  ist  nach  dem  Öffentlichkeits-
gesetz nicht zugänglich (BBl 2003 2006).

Ausnahmen vom Prinzip der Öffentlichkeit gelten einmal, wenn durch 
den Zugang die freie Meinungs- und Willensbildung einer diesem Ge-
setz unterstellten Behörde, eines anderen legislativen oder administra-
tiven Organs oder einer gerichtlichen Instanz wesentlich beeinträchtigt 
werden  kann  (Art. 7  Abs. 1  Bst. a  BGÖ),  da  es  legitim  ist  dafür  zu 
sorgen,  dass  die  Behörden  ihre  Entscheidungen  vorbereiten,  ihre 
Arbeit  planen,  ihre  Strategie  festlegen,  Alternativen  prüfen  und  Ver-

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einbarungen aushandeln  können,  ohne dem Druck der  Medien oder 
der  öffentlichen  Meinung  ausgesetzt  zu  sein  (COTTIER/SCHWEIZER/ 
WIDMER,  in:  Öffentlichkeitsgesetz,  Art. 7  Rz. 13).  Die  Verwaltung  soll 
nicht  durch  eine  verfrühte  Bekanntgabe  von  Informationen  während 
eines  Entscheidungsprozesses  unter  allzu  starken  Druck  der  Öffen-
tlichkeit  geraten  (BBl  2003 2007). Ebenso soll  durch die  Einschrän-
kung, den Aufschub oder die Verweigerung des Zugangs die zielkon-
forme Durchführung konkreter behördlicher Massnahmen nicht beein-
trächtigt  werden (Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ). Dazu gehören zum Bei-
spiel  Aufsichtsmassnahmen  oder  Inspektionen  der  Steuerbehörden. 
Die Ausnahme kann dann angerufen werden, wenn durch die Zugäng-
lichmachung  bestimmter  Informationen,  die  eine  Massnahme  vor-
bereiten, diese ihr Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr – bzw. 
nicht  vollumfänglich  –  erreichen  würde  (BBl  2003  2009;  COTTIER/ 
SCHWEIZER/WIDMER,  in: Öffentlichkeitsgesetz,  Art. 7  Rz. 23 ff.). Ausser-
dem kann der Zugang zu amtlichen Dokumenten eingeschränkt, auf-
geschoben oder verweigert werden, wenn durch seine Gewährung die 
innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  gefährdet  werden  kann 
(Art. 7 Abs. 1 Bst. c BGÖ). Der Zugang zu amtlichen Dokumenten wird 
sodann gemäss Art. 7 Abs. 2 BGÖ eingeschränkt, aufgeschoben oder 
verweigert, wenn durch seine Gewährung die Privatsphäre Dritter be-
einträchtigt werden kann; ausnahmsweise kann jedoch das öffentliche 
Interesse am Zugang überwiegen. Im Einzelnen sind die Vorschriften 
der Datenschutzgesetzgebung massgebend (COTTIER/SCHWEIZER/WIDMER, 
in: Öffentlichkeitsgesetz, Art. 7 Rz. 77 ff.).

4.
Staatliches  Handeln  muss  verhältnismässig  sein  (Art.  5  Abs.  2  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999  [BV,  SR  101]).  Das  Gebot  der  Verhältnismässigkeit 
verlangt, dass die vom Gesetzgeber oder von der Behörde gewählten 
Verwaltungsmassnahmen  für  das  Erreichen  des  gesetzten  Zieles 
geeignet,  notwendig und für den Betroffenen zumutbar sind. Der an-
gestrebte  Zweck  muss  in  einem  vernünftigen  Verhältnis  zu  den 
eingesetzten  Mitteln  bzw. zu  den  zu  seiner  Verfolgung  notwendigen 
Beschränkungen stehen, die den Privaten auferlegt werden. Die Ver-
waltungsmassnahme darf in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und per -
soneller Hinsicht nicht einschneidender sein als erforderlich und hat zu 
unterbleiben,  wenn  eine  gleich  geeignete,  aber  mildere  Massnahme 
für  den  angestrebten  Erfolg  ausreichen  würde  (BGE  130 I 16  E. 5, 

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128 II 292  E. 5.1  mit  Hinweisen;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., 
Rz. 581 ff., 591).

5.
5.1 Bei der sog. IV-Checkliste handelt es sich um einen standardisier-
ten Fragenkatalog, in dem einzelne Risikofaktoren und deren Gewich-
tung aufgeführt sind. Zu Recht unbestritten ist, dass es sich dabei um 
ein amtliches Dokument im Sinne von Art. 5 BGÖ handelt. Es enthält 
keine Personendaten (Art. 3 Bst. a DSG), so dass deren Herausgabe 
die  Privatsphäre  eines  Dritten  nicht  beeinträchtigt  und  Art. 7  Abs. 2 
BGÖ nicht anwendbar ist. Umstritten ist dagegen, ob der Ausnahme-
tatbestand von Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ vorliegt oder nicht. Die Vorins-
tanz bejaht dies mit der Begründung, die Liste sei ein Instrument, mit  
dem aus der Masse der Dossiers diejenigen Fälle herausgefiltert wer-
den könnten, bei denen ein Risiko auf Versicherungsbetrug bestehen 
könnte und bei denen eine genauere Überprüfung angezeigt erschei-
ne.

5.2 In vielen Ländern und Kantonen, die das Öffentlichkeitsprinzip ein-
geführt haben, besteht keine Art. 7 Abs. 1 Bst. b BGÖ entsprechende 
Bestimmung. Wird sie wörtlich genommen, lässt sich damit die Nicht-
zugänglichkeit  unzähliger  Informationen  rechtfertigen. Deshalb  ist  es 
wichtig, dass die Ausnahmebestimmung nur eingesetzt wird, wenn die 
Offenlegung der  durchzuführenden Massnahmen deren  Erfolg  ernst-
haft gefährdet. Mit anderen Worten, die Geheimhaltung dieser Vorkeh-
rungen  muss  der  Schlüssel  zu  ihrem Erfolg  darstellen.  Die  Bestim-
mung  schützt  insbesondere  jene  Massnahmen,  mit  denen  sicher-
gestellt  werden  soll,  dass  sich  die  Bürgerinnen  und  Bürger  an  das 
Gesetz halten. Eine Offenlegung der Quellen der erhaltenen Auskünfte 
oder der Methoden, die von den Kontrollpersonen zur Überführung von 
Betrügerinnen und Betrügern eingesetzt werden, würde die Wirksam-
keit  der  Kontrollen  völlig  zunichte  machen,  da  die  Betroffenen  ihr  
Verhalten  ändern  würden,  um  sich  den  Kontrollen  zu  entziehen 
(COTTIER/SCHWEIZER/ WIDMER, in: Öffentlichkeitsgesetz, Art. 7 Rz. 24 f.).

5.3 Die  Vorinstanz  gibt  zu  bedenken,  dass  sich  Personen,  die  sich 
missbräuchlich  gegenüber  der  Invalidenversicherung  verhielten  oder 
dies zu tun gedächten, bei Veröffentlichung der IV-Checkliste bewusst 
so benähmen, dass sie die erste Triage der IV-Stellen umgehen und 
dadurch  das  Risiko  mindern,  entdeckt  zu  werden. Die  Betrügenden 
schädigten die Beitragszahlenden und die ehrlichen Bezüger, die auf 

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die Leistungen der IV existenziell  angewiesen und einem ungerecht-
fertigten Generalverdacht  ausgesetzt  seien. Die Liste enthalte mass-
gebende  Kriterien  für  die  Auslösung  eines  speziellen  Kontrollver-
fahrens hinsichtlich Versicherungsbetruges in der IV und stelle damit 
sicher, dass sich die Bürgerinnen und Bürger ans Gesetz hielten. Die  
Einsicht  würde  dazu  führen,  dass  sich  Versicherte  in  berechnender 
Weise so verhalten könnten, dass sie gar nicht erst in der Checkliste  
bzw.  als  mögliche  Verdachtsfälle  in  den  IV-Dossiers  zu  erkennen 
wären.

5.4 Die Beschwerdeführenden bringen demgegenüber vor, indem die 
Vorinstanz ihnen die Einsicht  verweigere,  entziehe sich die allenfalls 
widerrechtliche Praxis zur Filterung der möglichen Betrugsfälle jeglich-
er Kontrolle. Es sei zudem fragwürdig, warum die Vorinstanz einen Teil 
der Informationen zur sog. Checkliste, wie z.B. den Migrationshinter-
grund und gewisse Gruppen oder die Art der Behinderung einer ver -
sicherten Person, über die Medien bekannt gebe, aber andere verwei-
gere. Selbst wenn sich jemand anders zu verhalten versuchte, könne 
ein Sachbearbeiter mit einer rhetorisch geschickten Fragestellung den-
noch Lügen erkennen. Insofern könnte der Fragenkatalog auch nach 
einer Veröffentlichung noch genutzt  werden. Weiter  gehe es hier  um 
einen  standardisierten  Fragebogen im  Sinne  eines  blossen  Hilfsmit-
tels, den der Sachbearbeiter zum Zeitpunkt der Vorausscheidung von 
mutmasslichen  Missbrauchsfällen  einsetze.  Davon  zu  unterscheiden 
sei  die konkrete Vorbereitung einer Massnahme im Einzelfall. Erst in 
dieser  konkreten  Phase  wäre  die  Überführung  einer  Person  wegen 
Verdachts auf Versicherungsbetrug gefährdet.

5.5 Das  Anliegen  der  Beschwerdeführenden,  als  Bürger,  aber  auch 
als für Versicherungsrecht spezialisierte Anwälte zu erfahren, welche 
Kriterien die sog. Checkliste beinhaltet, um überprüfen zu können, ob 
diese sachlich gerechtfertigt sind oder nicht, hat gegenüber dem gel-
tend gemachten Geheimhaltungsinteresse der Vorinstanz vorzugehen. 
Nach der inzwischen durch die Medien erfolgten Veröffentlichung der 
Liste kann auch festgehalten werden, dass den Beschwerdeführenden 
ein Interesse an der geltend gemachten Kontrolle der Kriterien nicht 
abgesprochen werden kann. Dies gilt namentlich mit Bezug auf Kriteri -
en  wie  jene des Migrationshintergrundes oder  der  Behandlung  bzw. 
Vertretung durch hinreichend bekannte Ärzte bzw. Rechtsanwälte, die 
u.a. als  Verdachtskriterien gegen IV-Antragsteller  in  der Liste erfasst 
sind. Wie der EDÖB zu Recht hervorgehoben hat, ist vom standardi -

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sierten Fragebogen, den der Sachbearbeiter zum Zeitpunkt der Triage, 
d.h. der Vorausscheidung von mutmasslichen Missbrauchsfällen,  ein-
setzt, die Vorbereitung einer Massnahme im Einzelfall  zu unterschei -
den,  wie  beispielsweise  die  Bekanntgabe  von  Ermittlungsmethoden 
oder die Tatsache einer laufenden Ermittlung. Hier wäre die Überfüh-
rung einer Person wegen Verdachts auf Versicherungsbetrug durchaus 
gefährdet. Bei einem standardisierten Fragebogen ist  demgegenüber 
nicht  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  davon auszugehen,  dass er nach 
der Veröffentlichung nicht mehr als Arbeitsinstrument einsetzbar wäre. 
Der  Vorinstanz  ist  jedenfalls  der  Beweis  nicht  gelungen,  durch  die 
Offenlegung der einzelnen Risikofaktoren und deren Gewichtung wür-
de  der  mit  der  Liste  angestrebte  Erfolg,  sofern  sich  dieser  sachlich 
überhaupt rechtfertigen lässt, ernsthaft gefährdet. Eine Ausnahme vom 
Prinzip der Öffentlichkeit ist bei diesem Stand der Dinge zu verneinen.

5.6 Die Beschwerden sind daher gutzuheissen und die angefochtene 
Verfügung  ist  aufzuheben. Da  die  Beschwerdeführenden  inzwischen 
durch  die  Presse  vom  vollständigen  Inhalt  der  sog.  IV-Checkliste 
Kenntnis erhalten haben (vgl. E. 1.2),  ist  festzustellen,  dass die Vor-
instanz verpflichtet gewesen wäre, den Beschwerdeführenden Einsicht 
in die Liste zu gewähren.

6.
Die  Verfahrenskosten  sind  der  unterliegenden  Partei  aufzuerlegen. 
Keine  Verfahrenskosten  trägt  die  Vorinstanz  (Art. 63  Abs. 1  und  2 
VwVG). Vorliegend sind entsprechend keine Verfahrenskosten zu er-
heben. Die Kostenvorschüsse von je Fr. 750.-- sind den obsiegenden 
Beschwerdeführenden zurückzuerstatten.

7.
Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder  
auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und 
verhältnismässig  hohe  Kosten  zuzusprechen  (Art. 64  Abs. 1  VwVG 
i.V.m. Art. 7  des Reglements  vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Die  Tatsache,  dass  sich  die  beschwerdeführenden 
Anwälte je durch einen  Bürokollegen vertreten liessen, vermag deren 
Anspruch auf eine Parteientschädigung nicht zu schmälern, kann doch 
deswegen nicht  gesagt werden, sie hätten in  eigener Sache prozes-
siert. Die Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden haben keine Ho-
norarnote eingereicht, so dass die Entschädigung auf Grund der Akten 

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festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu 
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 8-11 und 13 VGKE) und des auf-
grund der Akten als angemessen erscheinenden zeitlichen Aufwands 
der anwaltlichen Vertretung der  Beschwerdeführenden ist  die Partei-
entschädigung auf je Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) 
festzusetzen. Diese ist ihnen durch die Vorinstanz zu entrichten.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerden werden gutgeheissen,  die  Verfügung  des Bundes-
amtes  für  Sozialversicherungen  vom 6. April 2010  wird  aufgehoben, 
und es wird festgestellt,  dass dieses verpflichtet gewesen wäre, den 
Beschwerdeführenden Einsicht in die sog. IV-Checkliste zu gewähren.

2.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Die  Kostenvorschüsse 
von je  Fr. 750.--  werden den Beschwerdeführenden nach Eintritt  der 
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. Hierzu haben sie 
dem Bundesverwaltungsgericht ihre Kontonummern anzugeben.

3.
Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädi-
gung von je Fr. 1'500.-- zu entrichten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin 1 (Gerichtsurkunde)
- den Beschwerdeführer 2 (Gerichtsurkunde)
- die  Vorinstanz (Ref-Nr. 113.7/2007/04152 29.03.2010 Dok Nr: 95; 

Einschreiben)
- das  Generalsekretariat  des  Eidgenössischen  Departements  des 

Innern EDI (Gerichtsurkunde)
- den EDÖB (z.K.; B-Post)

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

André Moser Anita Schwegler

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Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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