# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1803f116-6eed-5bd0-ba9a-770939bdeafd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.06.2016 E-3815/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3815-2015_2016-06-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3815/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u n i  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter François Badoud, Richter Daniel Willisegger,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Patricia Müller,  

Rechtsberatungsstelle (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 18. Mai 2015 / N (…). 

 

 

 

E-3815/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer 

Ethnie – verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 20. De-

zember 2012 und gelangte auf dem Landweg über [einen Ort] im Sudan 

nach Khartum, von wo aus er nach zwei Tagen in den Südsudan weiterge-

reist sein will. Im Südsudan habe er sich ungefähr ein Jahr lang aufgehal-

ten und sei dann, als dort der bewaffnete Konflikt ausgebrochen sei, nach 

Khartum zurückgekehrt. Nach ungefähr einem Monat in Khartum sei er 

über die Sahara nach Libyen weitergereist. Am 22. August 2014 sei er von 

Tripolis aus mit dem Schiff nach Italien gelangt und einige Tage später auf 

dem Landweg in die Schweiz weitergereist, wo er am 8. September 2014 

angekommen sei. Am 9. September 2014 stellte der Beschwerdeführer im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch, wo er am 

19. September 2014 summarisch zu seinen Gesuchsgründen und zu sei-

ner Person befragt wurde. Am 12. Mai 2015 fand die einlässliche Bundes-

anhörung zu seinen Asylgründen statt. 

A.b Anlässlich dieser beiden Befragungen machte der Beschwerdeführer 

im Wesentlichen folgendes geltend:  

Er habe im Jahr 1995 die Schule in B._______ abgeschlossen und sei im 

Jahr 1996 respektive 1997 in der „(…) Runde“ in den eritreischen Militär-

dienst eingezogen worden. Während seiner [über 10-jährigen] Dienstzeit – 

er sei immer ein einfacher Soldat geblieben – habe er bei drei Kriegen mit-

gekämpft und sei dabei auch verwundet worden. Weil er nicht ewig als Sol-

dat habe dienen wollen und keine Möglichkeit bestanden habe, aus dem 

Militärdienst entlassen zu werden und ein geregeltes Familienleben mit sei-

ner Frau und seinen Kinder zu führen, sei er im Jahr 2012 desertiert. Er 

habe aber schon davor Probleme mit seinen Vorgesetzten gehabt. So hät-

ten diese seine Einheit im Jahr 2009 darüber informiert, dass ein Kollege, 

der bei der Flucht erwischt werde, nicht mehr wie früher zum Einheitsleiter 

geschickt, sondern gleich erschossen werden müsse. Leiste man diesem 

Befehl keine Folge, werde man selbst erschossen. Der Beschwerdeführer 

habe sich daraufhin zu Wort gemeldet und angebracht, dass die Soldaten 

doch nicht ihre Brüder, Söhne, Freunde und Nachbarn erschiessen könn-

ten und dass er sich weigere, diesen Befehl auszuführen. Während er für 

diesen Beitrag von seinen Kollegen grossen Applaus geerntet habe, sei er 

nach der Versammlung von seinem Vorgesetzten in dessen Büro zitiert und 

zur Rede gestellt worden. Konkret zur Desertion veranlasst habe ihn 

E-3815/2015 

Seite 3 

schliesslich, dass während eines Einsatzes seiner Einheit zwecks Sam-

meln von Holz in [einem Ort], nahe der äthiopischen Grenze, [mehrere] 

Soldaten nach Äthiopien geflohen seien. Einer dieser Soldaten sei gefasst 

und verprügelt worden. Der Beschwerdeführer habe im Zeitpunkt der 

Flucht Wache schieben müssen. Als er gesehen habe, wie der gefasste 

Soldat verprügelt worden sei, habe er aus Wut seine Waffe weggeworfen, 

sei aufgestanden und habe dagegen protestiert. Daraufhin sei er von zwei 

anderen Soldaten festgehalten und für eine Nacht und einen Tag gefesselt 

worden. Danach sei er mit einem Lastwagen zurück in die Kaserne in 

C._______, wo er stationiert gewesen sei, gebracht worden. Im Lastwagen 

habe man ihm die Handfesseln, die ihm zuvor angelegt worden seien, ab-

genommen. In der Kaserne in C._______ angekommen, sei er an seinen 

üblichen Platz gebracht worden und habe, bevor er erneut habe gefesselt 

werden können, darum gebeten, nach draussen auf die Toilette gehen zu 

können. Dies sei ihm gestattet worden, so dass er die Kaserne ohne Auf-

sicht habe verlassen können. Da er gewusst habe, dass am nächsten Tag 

über ihn geurteilt würde, habe er die Gelegenheit genutzt und die Flucht 

ergriffen. Er sei zu Fuss über [einen Ort] nach B._______ gelangt. Dort sei 

er zwei Nächte geblieben, habe seine Familie getroffen und sich von dieser 

verabschiedet. Am frühen Morgen des (…) Dezember 2012 sei er schliess-

lich von B._______ aufgebrochen und über [verschiedene Orte] in den Su-

dan geflohen.  

A.c Zur Untermauerung seiner Verfolgungsvorbringen legte der Beschwer-

deführer eine Kopie eines Nachweises des eritreischen Verteidigungsmi-

nisteriums, wonach er vom [genaues Datum] 1997 bis am [genaues Datum] 

1998 am Nationalen Dienst teilgenommen hat, eine Kopie eines Nachwei-

ses [einer bestimmten Abteilung] des eritreischen Verteidigungsministeri-

ums, wonach er vom [genaues Datum] 2003 bis am [genaues Datum] 2003 

die Ausbildung als [Aufgabe] ordentlich beendet hat, die Kopie eines ihn 

betreffenden Identitätsausweises vom (…) Juli 2011 sowie Kopien der 

Taufscheine seiner Kinder ins Recht.  

B.  

Mit Verfügung vom 18. Mai 2015 – eröffnet am 19. Mai 2015 – anerkannte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein 

Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz, nahm ihn 

jedoch wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der 

Schweiz auf. 

E-3815/2015 

Seite 4 

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers bezüglich seiner Vorfluchtgründe den An-

forderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht 

Stand hielten. Zwar sei plausibel, dass er jahrelang in der eritreischen Ar-

mee gedient habe. Die von ihm geschilderten Umstände seiner Desertion 

könnten jedoch aufgrund seiner ungereimten und realitätsfremden Aussa-

gen nicht geglaubt werden. So habe er sich bezüglich seiner Rolle, welche 

er im Rahmen des Einsatzes im Wald zwecks Sammeln von Holz einge-

nommen habe, widersprüchlich geäussert. Anlässlich der summarischen 

Befragung habe er wörtlich vorgetragen, mit seiner Mannschaft zum Holz-

sammeln geschickt worden zu sein. Dies impliziere zumindest zeitweilig 

eine Vorgesetztenfunktion mit entsprechenden Verantwortlichkeiten und 

würde erklären, weshalb er im Rahmen der summarischen Befragung an-

gegeben habe, für das Verschwinden der Soldaten verantwortlich gemacht 

worden zu sein. In der einlässlichen Anhörung habe er dann jedoch im Wi-

derspruch dazu angeführt, nie eine Vorgesetztenfunktion in der Armee in-

negehabt zu haben. Beim Holzsammeln sei er dabei gewesen, weil er be-

sondere Ortskenntnisse gehabt habe. Zudem sei er zusammen mit ande-

ren Personen [für verschiedene Aufgaben] zuständig gewesen. Vor dem 

Hintergrund dieser Vorbringen stelle sich die Frage, weshalb der Be-

schwerdeführer für [diese verschiedenen Aufgaben] und angesichts seiner 

Ortskenntnisse nicht fürs Holzsammeln selbst eingesetzt worden sei. Fer-

ner habe sich der Beschwerdeführer auch bezüglich seiner Festnahmen in 

Eritrea widersprüchlich geäussert. Während er anlässlich der summari-

schen Befragung noch erklärt habe, in Eritrea nie festgenommen worden 

zu sein, habe er anlässlich der eingehenden Anhörung vorgebracht, wegen 

der Desertion [mehrerer] Soldaten ins Gefängnis gesteckt worden zu sein. 

Seine diesbezüglichen Ausführungen, er sei im Wald lediglich gefesselt 

worden, weil es dort gar kein Gefängnis gegeben habe, überzeugten als 

Erklärungsversuch nicht. Des Weiteren habe er in der einlässlichen Anhö-

rung verlauten lassen, einer der (…) geflüchteten Soldaten sei erwischt und 

dann vor seinen Augen verprügelt worden. In der summarischen Befragung 

habe er diesen Vorfall demgegenüber mit keinem Wort erwähnt. Dies sei 

insofern nicht nachvollziehbar, als ihn die Behandlung des erwischten Sol-

daten beeindruckt haben müsse, habe er seinen Aussagen in der einläss-

lichen Anhörung zufolge doch mit grossem Risiko dagegen protestiert. 

Folglich erscheine dieses Vorbringen nachgeschoben und unglaubhaft. 

Schliesslich sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer keine 

wahrheitsgetreuen Angaben über den Verbleib seiner Familie gemacht 

habe. So habe er anlässlich der Anhörung zunächst angeführt, keinerlei 

E-3815/2015 

Seite 5 

Kontakte zu seiner Ehefrau und seinen Kindern zu haben und nicht zu wis-

sen, wo sich diese aufhielten, um später vorzubringen, dass sich seine Fa-

milie in der Wüste verstecke. Auf die Frage, wie er denn nach der summa-

rischen Befragung die Taufscheine seiner Kinder habe beschaffen können, 

habe er vorgebracht, diese über einen früheren Nachbarn organisiert zu 

haben. Wie dieser Nachbar mit seiner Ehefrau Kontakt aufgenommen 

habe, habe er indes nicht erklären können. Ebenso wenig sei er in der Lage 

gewesen, anzugeben, wo sich diese Taufscheine konkret befunden hätten.  

Da aufgrund der Aktenlagen indes nicht auszuschliessen sei, dass der Be-

schwerdeführer Eritrea illegal verlassen habe, habe er aufgrund subjektiver 

Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG begründete Furcht, bei einer 

Rückkehr in sein Heimatland ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgesetzt zu werden. Folglich sei er angesichts der Unglaubhaf-

tigkeit seiner Vorfluchtgründe zwar von der Asylgewährung auszuschlies-

sen, jedoch als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. 

C.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 17. Juni 2015 (Poststempel) liess 

der Beschwerdeführer gegen den SEM-Entscheid Beschwerde erheben 

und beantragen, die Dispositivziffern 2 und 3 der angefochtene Verfügung 

seien aufzuheben und es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege inklusive 

Verbeiständung beantragt und um Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses ersucht.  

Mit Bezug zum Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe seine Rolle 

im Rahmen seines Einsatzes im Wald zwecks Sammeln von Holz wider-

sprüchlich dargestellt, wurde ausgeführt, dass es nicht einfach darum ge-

gangen sei, [an diesen bestimmten Ort] zu fahren, sondern dass die Sol-

daten die Holzhäuser hätten finden müssen, in denen sie während ihres 

Aufenthaltes im Wald hätten übernachten können. Da der Beschwerdefüh-

rer als einziger der beauftragten Soldaten bereits dort gewesen sei, habe 

er den Auftrag erhalten, die Soldaten an die richtige Stelle zu führen. Dass 

er diese Verantwortung nicht als Vorgesetztenrolle betrachtet habe, sei ver-

ständlich, habe er doch, einmal im Wald angekommen, nur die Pflicht ge-

habt, die Soldaten wieder zurückzuführen. Dieser Pflicht habe er aber 

durch die Flucht der (…) Soldaten nicht nachkommen können. Da nur der 

Beschwerdeführer sich für den erwischten Soldaten eingesetzt habe, sei 

nicht verwunderlich, dass nur er verhaftet worden sei. Ob er auch in seiner 

Rolle als "Pfadfinder" wegen der Flucht der (…) Soldaten Schwierigkeiten 

E-3815/2015 

Seite 6 

erhalten hätte, könne offenbleiben. Bezüglich des Vorhalts des SEM, der 

Beschwerdeführer habe sich widersprüchlich zu seinen Verhaftungen in 

Eritrea geäussert, wurde vorgetragen, er habe anlässlich der summari-

schen Befragung verstanden, dass er danach gefragt worden sei, ob er 

bereits einmal in einem Gefängnis im Sinne eines festen Gebäudes inhaf-

tiert gewesen sei. Da er nach seinem Protest gegen die Behandlung des 

erwischten Soldaten nicht in ein eigentliches Gefängnis gesperrt, sondern 

gefesselt und liegengelassen worden sei, habe er die Frage, ob er in Erit-

rea jemals festgenommen worden sei, verneint. Das SEM übersehe bei 

seiner Beurteilung, dass der Beschwerdeführer sich im Zeitpunkt seiner 

Verhaftung im Wald und nicht in einer Siedlung befunden habe. Im Übrigen 

habe der Beschwerdeführer den fluchtauslösenden Vorfall glaubwürdig ge-

schildert. So habe ihn denn auch das SEM – mit Ausnahme der Umstände, 

die unmittelbar zu seiner Flucht geführt hätten – als durchwegs glaubwür-

dig eingestuft. Der Beschwerdeführer hätte die Fragen zudem detaillierter 

beantworten können, wenn er mehr Zeit und eine geduldigere Befragerin 

gehabt hätte. So habe sich die Sachbearbeiterin bereits zu Beginn der ein-

gehenden Anhörung ungeduldig gezeigt, was den Beschwerdeführer ener-

viert habe. Ferner sei der Beschwerdeführer dadurch verunsichert gewe-

sen, dass ihm vorgeworfen worden sei, er sei desertiert und habe seine 

Familie in der Wüste zurückgelassen.   

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. Juni 2015 stellte das Bundesverwaltungs-

gericht fest, dass der Beschwerdeführer gestützt auf seine Anerkennung 

als Flüchtling und die vom SEM angeordnete vorläufige Aufnahme über 

einen gültigen Aufenthaltstitel zum Verbleib in der Schweiz verfüge. Ferner 

hiess das Gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege, inklusive Verbeiständung, gut, verzichtete auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses und setzte die vom Beschwerdeführer mandatierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Beiständin ein. Zudem wies es diese darauf 

hin, dass sie unaufgefordert eine Kostennote einzureichen habe, da das 

Gericht, sollte im Zeitpunkt des Entscheids keine solche vorliegen, die Ent-

schädigung aufgrund der Akten einschätzen würde. Schliesslich lud es das 

SEM dazu ein, eine Stellungnahme zur Beschwerde einzureichen. 

  

E-3815/2015 

Seite 7 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2015 nahm das SEM zum in der 

Beschwerdeschrift geäusserten Einwand, die Sachbearbeiterin sei anläss-

lich der eingehenden Anhörung ungeduldig gewesen, was den Beschwer-

deführer enerviert habe, Stellung. Es führte dazu aus, dass anhand des 

Protokolls ersichtlich werde, dass der Beschwerdeführer zu Beginn der An-

hörung mehrfach dazu habe aufgefordert werden müssen, seine Asyl-

gründe im üblichen und notwendigen Sinn darzulegen. Daraus könne nicht 

auf ein ungeduldiges Verhalten der Sachbearbeiterin geschlossen werden. 

Die protokollierte Bemerkung des Beschwerdeführers, er habe sich nicht 

aufgeregt, das sei sein Charakter, dass er so laut rede, sei keine Antwort 

auf eine Frage oder Bemerkung der Sachbearbeiterin. So habe die Sach-

bearbeiterin denn auch persönlich gar nicht den Eindruck gehabt, dass der 

Beschwerdeführer sich aufgeregt oder besonders laut gesprochen habe. 

Des Weiteren sei es nicht ungebührlich und unzulässig, den Beschwerde-

führer in seinen Ausführungen zu unterbrechen, da die Sachbearbeitenden 

des SEM die Anhörung steuern müssten, um die für die Beurteilung der 

Gefährdungslage der Beschwerdeführenden nötigen Informationen zu er-

halten. Schliesslich sei zu erwähnen, dass wenn das Vorgehen der Sach-

bearbeiterin in der Anhörung unfair oder nicht angemessen gewesen wäre, 

dies mit grösster Wahrscheinlichkeit vom Hilfswerkvertreter angemahnt 

worden wäre, was jedoch nicht der Fall gewesen sei.  

F.  

In der Replik vom 27. Juli 2015 wurde mit Bezug zur Vernehmlassung des 

SEM ausgeführt, dass der Beschwerdeführer die Frage, warum er in die 

Schweiz gekommen sei und hier ein Asylgesuch gestellt habe, offensicht-

lich anders verstanden habe, als die Sachbearbeiterin. So habe er ange-

nommen, dass die Sachbearbeiterin von ihm wissen wollte, wieso er ge-

rade in der Schweiz und nicht beispielsweise in Italien ein Gesuch einge-

reicht habe. Dass sie die Frage mit Blick auf seine Fluchtgründe gestellt 

habe, sei ihm nicht bewusst gewesen. Ferner habe er die Erkundigung da-

nach, was geschehen würde, wenn er nach Eritrea zurückkehren müsse, 

so verstanden, dass er Auskunft darüber geben müsse, auf welche Weise 

er in seinem Heimatland getötet werden könnte. Daraufhin habe die Sach-

bearbeiterin ihn gefragt, wieso er die Gründe nicht so darlege wie im EVZ. 

Da er im EVZ nach seinen Personalien befragt worden sei, habe er von 

seinem Geburtsdatum zu berichten begonnen. Bereits diese Ausführungen 

zeigten, dass es in der Anhörung zu Verständigungsschwierigkeiten ge-

kommen sei. So neige der Beschwerdeführer dazu, in seiner Schilderung 

weit zurückzugreifen. Dies hänge wohl damit zusammen, dass er [mehr als 

E-3815/2015 

Seite 8 

10 Jahre] lang im eritreischen Militär gedient habe und mithin einige 

Schwierigkeiten mit der Regierung seines Heimatlandes aufzuzählen 

habe. Es sei indes auch verständlich, dass sich die Sachbearbeiterin nicht 

mit lange zurückliegenden Geschichten, die für die Asylgewährung nicht 

mehr von Bedeutung seien, verweilen wolle. Der Beschwerdeführer halte 

indes auch diese Ereignisse für wichtig, weshalb er irritiert gewesen sei, 

als er unterbrochen worden sei. So habe er jahrelang vergeblich gehofft, 

endlich aus dem Militärdienst entlassen zu werden. Auch habe er auf eine 

allgemeine Veränderung der politischen Lage und eine Öffnung des Lands 

gehofft. Er habe sich in Geduld geübt, doch als er im Wald gesehen habe, 

wie der Flüchtige geschlagen worden sei, habe er seine Selbstbeherr-

schung und jegliche Hoffnung auf eine Änderung zum Guten verloren. Die 

Verantwortung seinen Mitmenschen gegenüber und die eigene Ohnmacht 

und Verzweiflung angesichts eines völlig fremdbestimmten Lebens hätten 

dazu geführt, dass er spontan zugunsten des erwischten Soldaten einge-

griffen habe. Schliesslich sei einzuräumen, dass aus den Akten hervor-

gehe, dass sich die Sachbearbeiterin ernsthaft um eine gute Anhörung be-

müht habe. Selbst ihr Hinweis, dass sie sich vorstellen könne, dass der 

Beschwerdeführer eine vom Schlepper vorgegebene Geschichte vorgetra-

gen habe, sei offenkundig nicht aus einem generellen Misstrauen gegen-

über dem Beschwerdeführer hervorgegangen.  

G.  

Mit Eingabe vom 10. Mai 2016 liess der Beschwerdeführer mitteilen, wie er 

von seinen Eltern erfahren habe, habe seine Frau mit den Kindern ver-

sucht, Eritrea zu verlassen, sei aber an der Grenze angehalten worden; die 

Frau sei für eine Woche im Gefängnis gewesen; der älteste Sohn befinde 

sich weiterhin in Haft. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

E-3815/2015 

Seite 9 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken.  

Personen, die erst wegen ihrer Ausreise oder ihrem Verhalten danach sol-

chen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind respektive begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, sind nach Art. 54 AsylG 

zwar als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, indes wegen sogenannter 

subjektiver Nachfluchtründe von der Asylgewährung auszuschliessen. An-

spruch auf Asyl nach Schweizerischem Recht hat demnach nur, wer im 

Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG 

ausgesetzt war (sogenannte Vorfluchtgründe) oder aufgrund von äusse-

ren, nach der Ausreise eingetreten Umständen, auf die er keinen Einfluss 

nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimatland solche ernsthaften 

Nachteile befürchten müsste (sogenannte objektive Nachfluchtgründe). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss das Vorliegen von Vorfluchtgründen 

nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Vorfluchtgründe sind dann 

E-3815/2015 

Seite 10 

glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere 

Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich 

widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 

(Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 In seiner Verfügung vom 18. Mai 2015 bejahte das SEM aufgrund der 

nicht auszuschliessenden illegalen Ausreise des Beschwerdeführers aus 

Eritrea das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe, weshalb es gestützt 

auf Art. 54 AsylG dessen Flüchtlingseigenschaft anerkannte. Indes erach-

tete es die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Vorfluchtgründe als un-

glaubhaft, weshalb es sein Asylgesuch ablehnte. Nach Durchsicht der Ak-

ten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das SEM zu-

treffenderweise von der Unglaubhaftigkeit der Vorfluchtgründe des Be-

schwerdeführers ausgegangen ist.  

4.2  

4.2.1 Zwar erscheint es durchaus plausibel, dass der Beschwerdeführer im 

Jahr 1996 respektive 1997 in den eritreischen Militärdienst eingezogen 

wurde. So lässt sich denn auch dem bei der Vorinstanz ins Recht gelegten 

Nachweis des eritreischen Verteidigungsministeriums entnehmen, dass er 

vom [genaues Datum] 1997 bis am [genaues Datum] 1998 am Nationalen 

Dienst teilgenommen hat. Vor dem Hintergrund des ferner eingereichten 

Nachweises [einer bestimmten Abteilung] des eritreischen Verteidigungs-

ministeriums, wonach er vom [genaues Datum] 2003 bis am [genaues Da-

tum] 2003 die Ausbildung als [Aufgabe] abgeschlossen hat, erscheint es 

auch nicht unwahrscheinlich, dass er in dieser Zeit noch im eritreischen 

Militär diente. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das 

Gericht davon ausgeht, dass die Daten auf den beiden eingereichten Nach-

weisen des eritreischen Verteidigungsministeriums nach dem gregoriani-

schen und nicht nach dem äthiopischen Kalender zu lesen sind. So kommt 

in Eritrea gemäss dem Ministry of Information in offiziellen Belangen der 

gregorianische Kalender zur Anwendung, während der äthiopische Kalen-

der insbesondere für traditionelle und religiöse Feiertage verwendet wird 

(vgl. Shabait.com [Eritrean Ministry of Information], Eritrea's Second New 

Year, 09.09.2011, http://www.shabait.com/about-eritrea/art-a-sport/6883-

eritreas-second-new-year , abgerufen am 10. Juni 2016).  

E-3815/2015 

Seite 11 

4.2.2 Während jedweden Ereignissen in der Zeit zwischen 1996 und 2003 

bereits deshalb die Asylrelevanz abzusprechen ist, weil sie sich Jahre vor 

der Ausreise des Beschwerdeführers zugetragen haben und für diese mit-

hin nicht kausal gewesen sein können, lassen sich den eingereichten Be-

weismitteln keinerlei Hinweise dafür entnehmen, dass der Beschwerdefüh-

rer nach 2003 noch Militärdienst leistete. Seine Vorbringen bezüglich der 

von ihm geltend gemachten Desertion im Jahr 2012 sind denn auch un-

glaubhaft. So erscheint es wenig plausibel, dass die im Wald anwesenden 

Vorgesetzten des Beschwerdeführers diesen eine Nacht und einen Tag 

lang vor Ort gefesselt haben sollen, um ihn bei der Ankunft in der Kaserne 

schliesslich in dilettantischer Weise entkommen zu lassen.  

Auch ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass das Vorbringen des Beschwer-

deführers anlässlich der eingehenden Anhörung, er habe sich für den er-

wischten Soldaten eingesetzt, weshalb er festgenommen worden sei, 

nachgeschoben wirkt. So war der Protest gegen die Bestrafung des er-

wischten Soldaten gemäss den Schilderungen des Beschwerdeführers bei 

der Bundesanhörung gerade die Kernursache für seine Festnahme und 

somit mittelbar auch für seine Flucht (vgl. A18/12, F28). Folglich wäre zu 

erwarten gewesen, dass er diesen zentralen Punkt seines Verfolgungsvor-

bringens bereits anlässlich der Kurzbefragung geltend gemacht hätte. 

Stattdessen kennzeichnete sich seine damalige Verfolgungsgeschichte 

durch eine andere Logik, nämlich, dass er für das Verschwinden der (…) 

geflüchteten Soldaten verantwortlich gemacht worden wäre, weshalb er 

selbst habe fliehen müssen (vgl. A3/12, Rz. 7.01). Angesichts dieser Un-

gereimtheit bezüglich eines äusserst wesentlichen Aspekts seiner Ge-

schichte erscheint diese wenig glaubhaft.  

Ebenfalls nachgeschoben wirkt das Vorbringen des Beschwerdeführers 

anlässlich der eingehenden Anhörung, Soldaten hätten bei ihm zu Hause 

nach ihm gesucht, nachdem er aus der Kaserne geflüchtet sei (vgl. A18/12, 

F44). So wäre zu erwarten gewesen, dass er dies bereits im Zusammen-

hang mit der Frage anlässlich der Kurzbefragung, ob nach seiner Ausreise 

irgendetwas bei ihm zu Hause passiert sei (vgl. A3/12, Rz. 7.01), vorgetra-

gen hätte, scheint dies doch ein nicht unwesentlicher, jedenfalls aber ein-

schneidender Aspekt seiner Verfolgungsgeschichte gewesen zu sein, zu-

mal er bei der Bundesanhörung davon berichtete, dass gar sein Bruder bei 

jener Gelegenheit vom Militär mitgenommen worden sei und er nicht wisse, 

wo sich dieser aufhalte (vgl. A18/12, F44). Vor diesem Hintergrund ist auch 

schwer nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der 

E-3815/2015 

Seite 12 

eingehenden Anhörung zur Suche nach ihm erst auf ausdrückliche Nach-

frage hin äusserte (vgl. A18/12, F44). Dies umso mehr, als er in diesem 

Zusammenhang weiter ausführte, dass er nach seiner Ausreise immer wie-

der bei ihm zu Hause gesucht worden sei (vgl. A18/12, F48). Auch das 

Vorbringen, dass er dies von seinem ehemaligen Nachbarn erfahren habe 

(vgl. A18/12, F48 ff.), weil seine Familie in die Wüste habe fliehen müssen 

und er seit seiner Ausreise keinen Kontakt zu seiner Ehefrau mehr gehabt 

habe (vgl. A18/12, F45 ff.), erscheint wenig glaubhaft. Es widerspricht ei-

nerseits seinen Ausführungen anlässlich der Kurzbefragung, er habe, als 

er sich im Südsudan aufgehalten habe, einmal telefonischen Kontakt zu 

seiner Familie gehabt (vgl. A3/12, Rz. 7.01). Andererseits erscheint es 

merkwürdig, dass der Beschwerdeführer anlässlich der eingehenden An-

hörung zunächst geltend machte, dass er seit seiner Ausreise nichts mehr 

von seiner Familie wisse und diese verschollen sei (vgl. A18/12, F45 f.), 

um kurz darauf zu Protokoll zu geben, dass seine Familie in der Wüste 

weile und sein ehemaliger Nachbar – zwecks Übergabe der Taufscheine 

der Kinder – gar mit seiner Ehefrau in Kontakt gestanden habe (vgl. 

A18/12, F48 ff.).  

Schliesslich entsteht anhand des Protokolls der einlässlichen Anhörung der 

Eindruck, der Beschwerdeführer habe den Fragen der Sachbearbeiterin zu 

seinen Asylgründen ausweichen wollen. So ist es zwar noch verständlich, 

dass der Beschwerdeführer die Frage, warum er in die Schweiz gekommen 

sei und hier ein Asylgesuch stellen wolle, so verstanden habe, dass die 

Sachbearbeiterin von ihm habe wissen wollen, weshalb er in der Schweiz 

und nicht beispielsweise in Italien ein Gesuch gestellt habe (vgl. A18/12, 

F7-F9). Weshalb er auf ausdrücklichen Hinweis des SEM, er solle die 

Gründe nennen, weshalb er um politisches Asyl nachsuche, und er doch 

im EVZ konkrete Sachen erzählt habe, weshalb er hierhergekommen sei, 

Ausführungen zu seiner Kindheit und seinem Geburtsdatum gemacht hat, 

leuchtet indes auch vor dem Hintergrund der Erklärungsversuche in der 

Replik nicht ein (vgl. A18/12, F10 ff.). Auch die wiederholten Versuche des 

Beschwerdeführers, über die Ereignisse im Jahr 2009 zu sprechen (vgl. 

A18/12, F28 ff., F41 ff.), erwecken den Eindruck, er weiche den Fragen 

zum eigentlichen fluchtauslösenden Ereignis aus. In diesem Zusammen-

hang ist festzustellen, dass der vom Beschwerdeführer geschilderte Vorfall 

im Jahr 2009 bereits deshalb nicht asylrelevant ist, weil er sich drei Jahre 

vor der Ausreise des Beschwerdeführers zugetragen hat und für diese folg-

lich kaum kausal war. Ferner fehlt es dem Vorfall wohl auch an der für die 

Bejahung der Asylrelevanz nötigen Intensität. So beschränkten sich die 

Konsequenzen der Wortmeldung des Beschwerdeführers seinen eigenen 

E-3815/2015 

Seite 13 

Angaben zufolge darauf, dass er von seinem Vorgesetzten in dessen Büro 

zitiert und zur Rede gestellt wurde (vgl. A18/12, F41). Schliesslich fällt auf, 

dass die Antworten des Beschwerdeführers dort, wo sie seine Asylgründe 

betreffen, durch zahlreiche Unklarheiten gekennzeichnet sind. Während er 

in der Antwort zu Frage 31 ausführte, er sei, nachdem sie zurückgekom-

men seien, entlassen worden und sei dann von der Einheit fortgegangen, 

trug er auf Nachfrage, was er unter entlassen worden verstehe, in den Ant-

worten zu Frage 32 und 33 vor, er sei nur für die Fahrt zur Kaserne entfes-

selt worden respektive er sei nur kurzzeitig aus der Gefangenschaft – im 

Wald – entlassen worden. Weiter trug er in der Antwort zur Frage 32 vor, 

er habe den Umstand, dass er während der Fahrt entfesselt worden sei – 

wohl zur Flucht – ausgenutzt, um später in der Antwort zur Frage 35 und 

36 auszuführen, er habe die Gelegenheit, dass man ihn unbeaufsichtigt zur 

Toilette habe gehen lassen, für seine Flucht genutzt.  

4.3 Nach dem Gesagten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers im Zusammenhang 

mit seiner Desertion im Jahr 2012 unglaubhaft sind. Es ist mithin nicht da-

von auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise 

ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war. 

5.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Da der Beschwerdeführer weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen verfügt, wurde die Wegweisung zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 sowie BVGE 2009/50 E. 9). 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

6.2 Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführenden in der angefochtenen 

Verfügung vom 18. Mai 2015 als Flüchtling anerkannt und ihn wegen Un-

zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen. Praxisge-

mäss stellen sich in diesem Zusammenhang keine weiteren Fragen mehr, 

E-3815/2015 

Seite 14 

zumal die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind und bei 

Vorliegen eines dieser Hindernisse der Vollzug als nicht durchführbar gilt. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist nach 

dem Gesagten abzuweisen. 

8.  

8.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem ihm mit Zwischen-

verfügung vom 24. Juni 2015 indes die unentgeltliche Rechtspflege im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und gemäss den Akten auch 

weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist, 

sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

8.2 Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist keine Parteientschädigung 

zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (vgl. Art. 64 VwVG.). Hingegen ist 

die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers im Beschwerdeverfahren ge-

stützt auf Art. 110a AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG als unentgeltliche 

Rechtsbeiständin eingesetzt worden, weshalb ihr eine Entschädigung zu 

Lasten des Gerichts auszurichten ist.  

Der von der Rechtsvertreterin in ihrer aktuellen Kostennote vom 14. April 

2016 ausgewiesene Gesamtaufwand von 9.5 Stunden zu einem Stundena-

nasatz von Fr. 150. im Fall des Unterliegens ist als angemessen zu er-

achten (vgl. Art. 8 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Auslagen beläuft 

sich der zu entschädigende Gesamtaufwand mithin auf Fr. 1'456.-. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3815/2015 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Der als unentgeltlichen Rechtsbeiständin eingesetzten Rechtsvertreterin 

wird zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von Fr. 1'456.- zuge-

sprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer