# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a52e9ce0-87cc-57e7-8f62-aaa65e74f75c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.03.2010 D-1995/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1995-2010_2010-03-31.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1995/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  M ä r z  2 0 1 0  

Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 
mit Zustimmung von Richter Gerald Bovier;
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

A._______, geboren ...,
Afghanistan,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 1. März 2010 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1995/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Afghanistan, 
welcher  eigenen  Angaben  zufolge  aus  X._______  stammt  –  am 
28. Oktober 2009 in der Schweiz ein Asylgesuch einreichte, 

dass das BFM am folgenden Tag aufgrund einer Abfrage der Eurodac-
Datenbank feststellte, dass er sich vor seiner Einreise in die Schweiz 
bereits als Asylsuchender in Österreich aufgehalten hatte (Gesuch in 
Österreich verzeichnet per 22. Februar 2007), 

dass der Beschwerdeführer am 4. November 2009 vom BFM summa-
risch zu seinem Reiseweg und seinen Gesuchsgründen befragt wurde, 

dass er auf die Frage nach den Gründen für sein Asylgesuch im We-
sentlichen auf persönliche Probleme in Zusammenhang mit einer von 
ihm beabsichtigten Heirat verwies, welche zu einer Verfeindung mit der 
Familie seiner Verlobten und in der Folge zum Tod eines seiner Brüder 
geführt hätten (vgl. für die Vorbringen im Einzelnen die Akten), 

dass er zu seinem Reiseweg angab, er habe seine Heimat im Spät-
herbst  2006 verlassen und sei  über  den  Iran,  die  Türkei  und Italien 
nach Österreich gelangt, wo er nach seiner Einreise im Januar 2007 
ein Asylgesuch eingereicht habe, 

dass er im Folgenden über die Umstände seines Aufenthalts in Öster-
reich  und  über  den  Gang  seines  dortigen  Asylverfahrens  berichtete 
(vgl. für die Ausführungen im Einzelnen die Akten), 

dass er in diesem Zusammenhang namentlich vorbrachte, sein Asyl-
gesuch sei bereits ganz am Anfang abgewiesen worden, er habe sich 
aber weiterhin mit seinem Asylausweis in Österreich aufhalten können, 
im Oktober 2009 habe er diesen aber nicht wieder verlängern wollen, 
da er nicht mehr in Österreich bleiben wolle, wo er in jeder Hinsicht 
vernachlässigt worden sei, 

dass das BFM dem Beschwerdeführer im Nachgang zu diesen Schil-
derungen und unter Verweis auf seine Verzeichnung in der Eurodac-
Datenbank eröffnete, mutmasslich sei Österreich für die Durchführung 
seines  Asylverfahrens  zuständig,  weshalb  gegebenenfalls  auf  sein 
Asylgesuch nicht eingetreten werde, 

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dass der Beschwerdeführer in der Folge auf die Frage nach Gründen 
gegen einen allfälligen Wegweisungsvollzug nach Österreich vorbrach-
te, er sei mit einer Rückkehr nach Österreich nicht einverstanden, da 
dies nicht seine Heimat sei und er in die Schweiz gekommen sei, um 
hier Asyl zu beantragen, und nicht um nach Österreich zurückzukeh-
ren, wobei er sinngemäss anführte, er sei in Österreich schlecht be-
handelt worden, 

dass das BFM am 8. Dezember 2009 – gestützt auf die Verzeichnung 
des Beschwerdeführers in  der  Eurodac-Datenbank und dessen Aus-
führungen  zu  seinem  Aufenthalt  in  Österreich  –  ein  Ersuchen  um 
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers an die zuständige österrei-
chische Behörde sandte, 

dass diesem Ersuchen am 14. Dezember 2009 von der zuständigen 
österreichischen Behörde entsprochen wurde, 

dass das BFM mit Verfügung vom 1. März 2010 – in Anwendung von 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG, 
SR 142.31) – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, 
dessen Wegweisung nach Österreich  anordnete und ihn  aufforderte, 
die Schweiz sofort zu verlassen, wobei es festhielt, einer allfälligen Be-
schwerde  gegen  diese  Verfügung  komme  keine  aufschiebende  Wir-
kung zu, 

dass das BFM in seinem Entscheid – unter Verweis auf die einschlä-
gigen Bestimmungen zum Dublin-Verfahren, den langjährigen Aufent-
halt  des Beschwerdeführers in Österreich und die eingelangte Erklä-
rung betreffend die Wiederaufnahme des Beschwerdeführers – auf die 
Zuständigkeit  von  Österreich  für  die  Behandlung  des  Asylgesuches 
des  Beschwerdeführers  verwies  und  daran  anschliessend  festhielt, 
vom  Beschwerdeführer  seien  keine  relevanten  Gründe  gegen  eine 
Überstellung nach Österreich vorgebracht worden, 

dass das BFM abschliessend den Vollzug der Wegweisung nach Ös-
terreich als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass die Verfügung des BFM vom 1. März 2009 dem Beschwerdefüh-
rer – durch Vermittlung des Ausländeramts des Kantons St. Gallen – 
am 9. März 2010 eröffnet wurde, 

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dass das BFM am 9. März 2010 zusätzlich ein Einreiseverbot gegen 
den Beschwerdeführer aussprach (in Anwendung von Art. 67 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),  wobei auch dieser Entscheid 
durch das Ausländeramt des Kantons St. Gallen eröffnet wurde, 

dass der Beschwerdeführer am 16. März 2010 mit einer als Beschwer-
de bezeichneten Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht gelangte,

dass sich seine Eingabe zum einen ausdrücklich gegen das vom BFM 
am 9. März  2010 verfügte  Einreiseverbot  richtete,  zum andern  aber 
auch – dem wesentlichen Sinngehalt  nach – gegen den Nichteintre-
tensentscheid des BFM vom 1. März 2010, mithin er in seiner Eingabe 
um  eine  nochmalige  Prüfung  seines  Asylgesuches  und  namentlich 
einen Verzicht auf seine Ausschaffung ersuchte, 

dass er zur Begründung vorab geltend machte, er sei in Afghanistan 
gefährdet,  und in  der Folge vorbrachte,  er  sei  zudem gesundheitlich 
sehr  angeschlagen,  mithin  in  Österreich  psychologische  Gutachten 
über ihn erstellt worden seien, 

dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gegen das vom 
BFM am 9. März 2010 ausgesprochene Einreiseverbot im Rahmen des 
Verfahrens C-1701/2010 behandelt,  wogegen die Beschwerde gegen 
den Nichteintretensentscheid des BFM vom 1. März 2010 im Rahmen 
des vorliegenden Verfahrens behandelt wird, 

dass  von  Seiten  des  Bundesverwaltungsgerichts  auf  die  Anordnung 
vollzugshemmender Massnahmen verzichtet wurde, 

dass  der  Beschwerdeführer  am 23. März  2010 von der  zuständigen 
kantonalen Behörde nach Österreich überstellt worden ist, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 und 33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

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dass sich das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  richtet, 
soweit das VGG oder das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 6 und 
105 AsylG sowie Art. 37 VGG), 

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass auf die frist- und formgerechte Beschwerde des legitimierten Be-
schwerdeführers  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art.  52 
VwVG sowie Art. 48. Abs. 1 VwVG), 

dass in diesem Zusammenhang anzumerken bleibt, dass trotz des be-
reits erfolgten Wegweisungsvollzuges nach Österreich von einem ak-
tuellen Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers auszugehen ist 
(vgl. dazu BVGE E-5841/2009 vom 2. Februar 2010 E 1.2.3 [zweiter 
Absatz]), 

dass die vorliegende Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – of-
fensichtlich unbegründet ist, weshalb darüber in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG), 

dass auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Entscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG), 

dass  die  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretensent-
scheide gemäss Art. 32 - 35 AsylG, mit  denen es das BFM ablehnt, 
ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen, grundsätz-
lich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 
Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist, 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-

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führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  aufgrund  der  Akten  zweifelsfrei  erstellt  ist,  dass  sich  der  Be-
schwerdeführer vor seiner Einreise in die Schweiz während Jahren als 
Asylsuchender in Österreich aufgehalten hat, 

dass bei dieser Sachlage – entsprechend den vom BFM angerufenen 
Bestimmungen zum Dublin-Verfahren, auf welche anstelle  einer Wie-
derholung zu verweisen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) –  Österreich für 
die Prüfung seines Asylantrages zuständig ist, was von Österreich mit 
der  Abgabe  einer  Übernahmeerklärung  denn  auch  ausdrücklich  ak-
zeptiert wurde, 

dass vom Beschwerdeführer – wie vom BFM zu Recht erkannt – keine 
relevanten Gründe vorgebracht wurden, welche die Überstellung nach 
Österreich in Frage stellen würden, 

dass der Beschwerdeführer zwar sinngemäss geltend machte, er sei in 
Österreich  schlecht  behandelt  respektive  nicht  hinreichend  betreut 
worden,  wobei  er  in  seiner  Beschwerdeeingabe  zusätzlich  auf  das 
Vorliegen einer psychischen Erkrankungslage verwies, 

dass indes keinerlei Hinweise darauf bestehen, Österreich – welches 
sowohl  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der  Flüchtlinge (FK,  SR 0.142.30)  als  auch der  Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  ist – würde sich im Falle des Be-
schwerdeführers nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen hal-
ten, 

dass namentlich kein Anlass zur Annahme besteht, der Beschwerde-
führer  habe in  Österreich eine existenzgefährdende Situation zu ge-
wärtigen oder es würde ihm dort eine allenfalls von ihm benötigte Be-
handlung vorenthalten, mithin aufgrund seiner Angaben und Schilde-
rungen davon auszugehen ist, er kehre in durchaus geregelte Aufent-
haltsverhältnisse zurück, 

dass  die  vom  Beschwerdeführer  gegenüber  Österreich  geltend  ge-
machten Vorbehalte allgemeiner Natur, respektive sein Wunsch nach 
einem  neuen  Asylverfahren  in  der  Schweiz,  in  keiner  Weise  gegen 
eine Rückführung in sein Erstasylland sprechen, 

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dass nach vorstehenden Erwägungen zu Recht auf das Asylgesuch in 
Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht eingetreten wurde,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
keine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde  und 
auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die 
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 
steht und demnach zu bestätigen ist, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Behandlung des Asylgesuches 
zuständigen Staat  handelt  –  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Er-
satzmassnahmen  im  Sinne  von  Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V.m. Art.  83 
Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. vor-
stehende Erwägungen),

dass in diesem Sinne das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Ös-
terreich zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erklärte,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens grundsätzlich Kosten aufzu-
erlegen wären (vgl. dazu Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1-3 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]),  jedoch 
von einer Kostenauflage aufgrund der Akten respektive aus prozess-
ökonomischen  Gründen,  mithin  zufolge  voraussichtlicher  Uneinbring-
lichkeit, abzusehen ist (Art. 6 Bst. b VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Dem Beschwerdeführer werden keine Kosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  bei  Bekanntwerden  seiner  Adresse  (Ein-
schreiben)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie; Beilage: nicht zustellbares Originalurteil)

- ... 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

Versand: 

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