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**Case Identifier:** 1ca4838e-a7c4-5b7a-a70a-0addb4004a1c
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Handelsgericht 15.12.2023 HOR.2022.21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_009_HOR-2022-21_2023-12-15.pdf

## Full Text

Handelsgericht 
1. Kammer 

 
HOR.2022.21 / SB  
 
 
 
Entscheid vom 15. Dezember 2023 
 
 
Besetzung  Oberrichter Dubs, Präsident  

Ersatzrichterin Steiner 
Handelsrichterin Baumann 
Handelsrichter Bäumlin 
Handelsrichter Meyer 
Gerichtsschreiber Bisegger 

 
 
   

Klägerin   A._____ AG,  
[…]   
vertreten durch Rechtsanwalt B._____,  
[…] 

 
 

   

Beklagte   C._____ AG Q._____,  
[…] 
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christoph D. Studer und  
Rechtsanwältin lic. iur. Claudia Marti,  
[…] 

 
 
 

Gegenstand  Ordentliches Verfahren betreffend Verantwortlichkeit der Revisionsstelle; 
gemäss Art. 260 SchKG abgetretene Ansprüche der Masse 

 

 
  

 - 2 - 
 

 

   

Das Handelsgericht entnimmt den Akten: 
 
1. 
1.1. 
Die Klägerin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in U._____. Sie bezweckt 
gemäss Handelsregister insbesondere […]. Rechtsanwalt B._____ ist ihr 
Verwaltungsratspräsident (und ihr Parteivertreter im vorliegenden Verfah-
ren). Mitglied ihres Verwaltungsrates ist sodann unter anderem auch 
D._____. E._____ war bis zum 6. Mai 2022 (Publikation im SHAB) Mitglied 
des Verwaltungsrats der Klägerin. 
 
1.2. 
Die Beklagte (ehemals als F._____ AG bzw. G._____ AG firmierend) ist 
eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Q._____. Sie bezweckt gemäss Handels-
register […es handelt sich um eine Revisionsgesellschaft…] (Klagebeilage 
[KB] 9).  
 
2. 
2.1. 
Die H._____ AG war eine Aktiengesellschaft mit Sitz in V._____. Sie be-
zweckte gemäss Handelsregister insbesondere […]. Die Beklagte war vom 
2. August 1994 (Publikation im SHAB) bis zum 8. Oktober 2015 (Publika-
tion im SHAB) ihre Revisionsstelle. Anschliessend hatte die I._____ AG das 
Revisionsmandat inne. Die H._____ AG unterstand der eingeschränkten 
Revision (Klage Rz. II.4.1).  
 
2.2. 
Die Klägerin hatte der H._____ AG mit Vertrag vom 30. Januar 2015 ein 
Darlehen in Höhe von Fr. 350'000.00 gewährt und 50 Namenaktien (10% 
des Aktienkapitals) der H._____ AG vom damaligen Mehrheitsaktionär 
J._____ für Fr. 350'000.00 erworben (KB 16; Antwortbeilage [AB] 3).  
 
2.3. 
Am 13. Februar 2015 erteilte die Beklagte der H._____ AG gestützt auf die 
von ihr durchgeführte eingeschränkte Revision für das Geschäftsjahr 2014 
ein uneingeschränktes Testat (Klage Rz. 4.2.3.1; Beilage 4 zu KB 11).  
 
2.4. 
Trotz des Darlehens der Klägerin (oben, Ziff. 2.2) wies die H._____ AG ge-
mäss einem Sanierungskonzept vom 11. März 2015 (KB 16) einen dringen-
den Liquiditätsbedarf von Fr. 1.5 Mio. auf, wovon sie Fr. 0.5 Mio. innerhalb 
weniger Tage benötigte. Laut Sanierungskonzept drohte die Gefahr, dass 
beauftragte Unternehmen ihre Aufträge nicht mehr ausführen würden und 
Werkverträge nicht mehr erfüllt werden könnten, wenn die Gesellschaft die 
notwendigen Zahlungen nicht binnen Wochenfrist leisten sollte (Klage 
Rz. II.7).  

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2.5. 
Gemäss Vertrag betreffend die Sanierung der H._____ AG vom 31. März 
2015 (Antwort Rz. 41 ff.; Antwortbeilage [AB] 3) übernahm die Klägerin von 
J._____ weitere 285 Namenaktien (57% des Aktienkapitals) zu einem Preis 
von Fr. 1.00 pro Aktie und löste das Aktionärsdarlehen von J._____ ab. 
Überdies gewährte die Klägerin der H._____ AG ein weiteres Darlehen in 
Höhe von Fr. 2 Mio. Weiter erklärten mehrere Gläubiger (einige Darlehens-
geber und ein Leistungserbringer) auf Forderungen in Höhe von total 
Fr. 2.8 Mio. zu verzichten. Gemäss vertraglicher Vereinbarung setzte sich 
der Verwaltungsrat der H._____ AG neu wie folgt zusammen: J._____ (bis-
her), K._____ (bisher), D._____ (neu), E._____ (neu), Rechtsanwalt 
B._____ (neu; Verwaltungsratspräsident). 
 
2.6. 
Mit Wirkung ab dem 28. September 2016, 09.30 Uhr, wurde über die 
H._____ AG der Konkurs eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am 31. Ja-
nuar 2022 geschlossen und die H._____ AG in Liquidation am 8. Februar 
2022 von Amtes wegen im Handelsregister gelöscht (Beilage 2 zu KB 11). 
 
2.7. 
Im Konkursverfahren der H._____ AG in Liquidation wurden die Klägerin 
(mit Fr. 3'609'586.15 [nachrangig], Fr. 124'416.00 und Fr. 130'286.40), die 
L._____ Bank AG (mit Fr. 2'204'313.61), die M._____ AG (mit Fr. 90.20) 
und die N._____ AG (mit Fr. 70.50) als Gläubigerinnen kolloziert (Klage 
Rz. I.4 f.; Antwort Rz. 43; KB 3). Die ausseramtliche Konkursverwaltung 
der H._____ AG in Liquidation, die O._____ AG, trat diesen Gläubigerinnen 
am 22. April 2021 i.S.v. Art. 260 SchKG die Verantwortlichkeitsansprüche 
gegen die C._____ AG und die I._____ AG ab und setzte ihnen eine Frist 
zur gerichtlichen Geltendmachung der Ansprüche bis zum 30. April 2022. 
Gleichzeitig wurden die Gläubigerinnen darauf hingewiesen, dass sie in ei-
nem allfälligen Prozess als Streitgenossinnen aufzutreten hätten (Klage 
Rz. I.4; beschränkte Klageantwort Rz. 18 ff.; KB 3). 
 
2.8. 
Die Beklagte verzichtete am 16. Juli 2021 auf die Einrede der Verjährung 
bis zum 30. April 2022 im Zusammenhang mit den Ansprüchen der Kläge-
rin gemäss Abtretungserklärung der O._____ AG vom 22. April 2021, so-
weit die Verjährung nicht bereits eingetreten ist (Klage Rz. I.8; KB 7).  
 
3. 
3.1. 
Mit Klage vom 28. April 2022 beantragte die Klägerin: 
 
 
 

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"  1.  
Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von CHF 300'000.00 nebst 
Zins zu 5% seit dem 29.09.2020 zu bezahlen. 
 
2. 
Alles unter dem Nachklagevorbehalt der Klägerin gegenüber der Beklagten. 
 
3. 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten." 

 
Die Klägerin macht als Abtretungsgläubigerin gemäss Art. 260 SchKG Ver-
antwortlichkeitsansprüche der Masse der H._____ AG in Liquidation ge-
genüber der Beklagten als ehemalige Revisionsstelle gestützt auf Art. 755 
Abs. 1 OR geltend. Sie macht im Wesentlichen geltend, die Beklagte habe 
im Rahmen der eingeschränkten Revision der Jahresrechnung 2014 der 
H._____ AG zahlreiche Unregelmässigkeiten pflichtwidrig nicht festgestellt, 
so namentlich, dass bezüglich des Grossprojekts […] ("AD") keine ausrei-
chenden Rückstellungen für Verluste vorgenommen worden seien. Tat-
sächlich sei die H._____ AG per 31. Dezember 2014 bereits überschuldet 
gewesen. Hätte die Beklagte dies im Rahmen der eingeschränkten Revi-
sion festgestellt, wäre spätestens am 31. März 2015 der Konkurs über die 
H._____ AG eröffnet worden. Aufgrund der Konkursverschleppung zwi-
schen diesem hypothetischen und dem tatsächlichen Konkurszeitpunkt 
(28. September 2016) sei ein Fortführungsschaden entstanden. 
 
3.2. 
Mit Verfügung vom 2. Mai 2022 setzte der Präsident des Handelsgerichts 
der Klägerin Frist an bis zum 13. Mai 2022 zur Leistung eines Gerichtskos-
tenvorschusses in Höhe von Fr. 13'470.00. Die Klägerin leistete den Vor-
schuss am 9. Mai 2022. 
 
3.3. 
Innert Nachfrist reichte die Beklagte am 15. Juli 2022 eine "(beschränkte) 
Klageantwort" ein und beantragte: 
 
 

"  1.  
Auf die Klage sei nicht einzutreten; 
 
2. 
Eventualiter sei die Klage vollumfänglich abzuweisen; 
 
3. 
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin." 

 
Im Weiteren stellte sie in prozessualer Hinsicht die folgenden Anträge: 
 

"  1.  
Das Verfahren sei auf die Frage der Aktivlegitimation (Prozessführungsrecht) zu beschrän-
ken; 

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2. 
der Beklagten sei die Frist zur Einreichung einer vollständigen Klageantwort abzunehmen 
und für den Fall einer Bejahung der Aktivlegitimation (Prozessführungsrecht) neu anzuset-
zen; 
 
3. 
eventualiter, sofern der Antrag auf Beschränkung des Verfahrens gemäss Ziff. 1 abgewie-
sen wird, sei der Beklagten die Frist zur Einreichung einer umfassenden Klageantwort neu 
anzusetzen." 

 
3.4. 
Mit Verfügung vom 18. Juli 2022 wies der Präsident den Antrag der Beklag-
ten auf Beschränkung des Verfahrens auf die Frage der "Aktivlegitimation 
(Prozessführungsrecht)" ab und setzte ihr eine Frist an bis zum 30. August 
2022 zur Einreichung einer vollständigen Klageantwort. 
 
3.5. 
Mit Klageantwort vom 30. August 2022 hielt die Beklagte an ihren Rechts-
begehren gemäss Klageantwort fest (verlangte nunmehr allerdings eine 
Parteientschädigung zzgl. MWST) und beantragte überdies: 
 

"  Es sei von der Streitverkündung der Beklagten an folgende Personen Vormerk zu nehmen 
und diese seien über die Streitverkündung zu informieren: 

- B._____, […], 
- D._____, […], 
- E._____, […], 
- J._____, […], 
- P._____, […], 
- AA._____, […], 
- AB._____, […], 
- I._____ AG in Liquidation, […]" 

 
Die Beklagte bestritt sowohl, pflichtwidrig gehandelt zu haben, als auch, 
dass die H._____ AG per 31. Dezember 2014 überschuldet gewesen sei, 
ein Fortführungsschaden entstanden sei und zwischen der angeblichen 
Pflichtwidrigkeit und dem angeblichen Fortführungsschaden ein natürlicher 
und adäquater Kausalzusammenhang bestehe.  
 
3.6. 
In der Folge stellte sich heraus, dass es bei den Streitverkündungen teil-
weise zu Personenverwechslungen (Verwechslung mit Personen mit glei-
chem Vor- und Nachnamen) kam oder die von der Beklagten angegebenen 
Adressen teilweise falsch waren:  

- Verwechslung betreffend P._____, richtig: […] 

- Verwechslung betreffend D._____, richtig (anscheinend): […] 

- Adresskorrektur betreffend AB._____, richtig: […] 
 

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Sämtliche Streitberufenen haben entweder durch Erklärung oder Still-
schweigen erklärt, dem Verfahren weder beizutreten, noch dieses für die 
Beklagte zu führen. Mit Verfügung vom 3. Oktober 2022 wurde deshalb 
entschieden, das Verfahren ohne Rücksicht auf die Streitberufenen fortzu-
setzen. 
 
3.7. 
Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (Replik vom 22. November 
2022 sowie Duplik vom 30. Januar 2023) hielten die Parteien an ihren 
Rechtsbegehren fest und führten ihre jeweiligen Positionen in tatsächlicher 
und rechtlicher Hinsicht weiter aus. 
 
3.8. 
Am 10. August 2023 erliess der Präsident eine Beweisverfügung. Gleich-
zeitig forderte er die Parteien auf, dem Handelsgericht mitzuteilen, ob sie 
auf eine Hauptverhandlung sowie auf die Schlussvorträge verzichten. Die 
Parteien wurden darauf hingewiesen, dass Stillschweigen innert Frist als 
Antrag auf Durchführung einer Hauptverhandlung gelte. 
 
3.9. 
Während die Beklagte mit Eingabe vom 25. August 2023 auf eine Haupt-
verhandlung und einen schriftlichen Schlussvortrag verzichtete, liess sich 
die Klägerin nicht vernehmen.  
 
3.10. 
Mit Verfügung vom 6. September 2023 überwies der Präsident die Streit-
sache an das Handelsgericht und gab den Parteien die Zusammensetzung 
des Spruchkörpers bekannt. 
 
3.11. 
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2023 lud der Präsident die Parteien zur 
Hauptverhandlung am 15. Dezember 2023 vor. 
 
3.12. 
Am 15. Dezember 2023 fand die Hauptverhandlung statt, anlässlich wel-
cher die Parteien die Schlussvorträge hielten. Im Anschluss an die Haupt-
verhandlung fällte das Handelsgericht das vorliegende Urteil. 

 
 
   

Das Handelsgericht zieht in Erwägung: 
 
1. Prozessvoraussetzungen 
Gemäss Art. 60 ZPO prüft das Gericht von Amtes wegen, ob die Prozess-
voraussetzungen erfüllt sind. Zu den Prozessvoraussetzungen gehören na-
mentlich die örtliche und die sachliche (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO) sowie die 
funktionelle Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Im Weiteren handelt 

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es sich auch bei der Prozessführungsbefugnis um eine Prozessvorausset-
zung.1  
 
1.1. Zuständigkeit 
1.1.1. Örtliche Zuständigkeit 
Soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, wird das angerufene Gericht 
zuständig, wenn sich die beklagte Partei ohne Einrede der fehlenden Zu-
ständigkeit zur Sache äussert (Art. 18 ZPO; sog. Einlassung). Die Beklagte 
führte in der Klageantwort (Antwort Rz. 50) aus, die Zuständigkeit des Han-
delsgerichts des Kantons Aargau sei unbestritten. Sie hat sich demgemäss 
vorbehaltlos auf das Verfahren vor dem angerufenen Handelsgericht ein-
gelassen.  
 
Das angerufene Handelsgericht wäre aber auch unabhängig von einer Ein-
lassung örtlich zuständig. Nach Art. 40 Abs. 1 ZPO ist für Klagen aus ge-
sellschaftsrechtlicher Verantwortlichkeit das Gericht am Wohnsitz oder Sitz 
der beklagten Partei oder am Sitz der Gesellschaft zuständig. Die Beklagte 
hat ihren Sitz im Kanton Aargau. Ebenfalls hatte die H._____ AG ihren Sitz 
im Kanton Aargau. 
 
1.1.2. Sachliche Zuständigkeit 
Der Kanton Aargau hat nach § 12 Abs. 1 lit. a EG ZPO von der Möglichkeit 
gemäss Art. 6 Abs. 1 ZPO Gebrauch gemacht, ein Fachgericht zu bezeich-
nen, welches als einzige kantonale Instanz für handelsrechtliche Streitig-
keiten zuständig ist (Handelsgericht). Nach Art. 6 Abs. 2 ZPO gilt eine Strei-
tigkeit als handelsrechtlich, wenn (a) die geschäftliche Tätigkeit mindestens 
einer Partei betroffen ist, (b) gegen den Entscheid die Beschwerde in Zivil-
sachen an das Bundesgericht offen steht und (c) die Parteien im schweize-
rischen Handelsregister oder in einem vergleichbaren ausländischen Re-
gister eingetragen sind. Nach Art. 6 Abs. 4 ZPO können die Kantone das 
Handelsgericht ausserdem zuständig erklären für (a) Streitigkeiten nach 
Art. 5 Abs. 1 ZPO und (b) Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesell-
schaften und Genossenschaften. Der Kanton Aargau hat in § 12 Abs. 1 
lit. a EG ZPO von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Handelsgericht 
auch für Streitigkeiten gemäss Art. 6 Abs. 4 ZPO zuständig zu erklären. 
Unter Streitigkeiten aus dem Recht der Handelsgesellschaften und Genos-
senschaften i.S.v. Art. 6 Abs. 4 lit. b ZPO fallen insbesondere Streitigkeiten 
aus gesellschaftsrechtlicher Verantwortlichkeit.2 Folglich handelt es sich 
vorliegend um eine Streitigkeit aus dem Recht der Handelsgesellschaften. 
Das angerufene Handelsgericht ist sachlich zuständig. 
 

 
1  BSK SchKG-BACHOFNER, 3. Aufl. 2021, Art. 260 N. 93 m.w.N. 
2  KUKO ZPO-HAAS/SCHLUMPF, 3. Aufl. 2021, Art. 6 N. 13; BGer 4A_358/2020 vom 25. August 2020 

E. 2.2.2. 

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1.1.3. Funktionelle Zuständigkeit 
Nach Art. 198 lit. f ZPO entfällt bei Streitigkeiten, für die nach den Art. 5 
und  6 ZPO eine einzige kantonale Instanz zuständig ist, das Schlichtungs-
verfahren. Damit ist das angerufene Handelsgericht auch funktionell zu-
ständig. 
 
1.2. Prozessführungsbefugnis der Klägerin 
1.2.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin stützt ihre Befugnis, Verantwortlichkeitsansprüche der Masse 
der H._____ AG gegenüber der Beklagten (als ehemalige Revisionsstelle 
der H._____ AG) einzuklagen, darauf, dass ihr diese Ansprüche von der 
ausseramtlichen Konkursverwaltung abgetreten worden seien (Klage 
Rz. I.4; KB 2 und 3). Zwar seien diese Ansprüche nicht nur ihr, sondern 
auch drei weiteren Gläubigerinnen abgetreten worden. Indessen sei nicht 
davon auszugehen, dass die M._____ AG wegen eines Verlusts von 
Fr. 90.20 und die N._____ AG wegen eines Verlusts von Fr. 70.50 eine 
Verantwortlichkeitsklage einreichten. Die L._____ Bank AG habe sodann 
zwar erklärt, dass sie ebenfalls eine Verantwortlichkeitsklage einreichen 
wolle (KB 4-5). Ob und wann die L._____ Bank AG dies mache, entziehe 
sich jedoch der Kenntnis der Klägerin. Vorprozessual sei eine Anfrage der 
Klägerin an die L._____ Bank AG gestellt worden (KB 6). Trotz wiederholter 
Nachfrage sei es jedoch nicht möglich gewesen, die Klagen zu koordinie-
ren. Es sei Sache des Gerichts, eine allfällige Klage einer anderen Gläubi-
gerin mit der vorliegenden Klage zu koordinieren (Klage Rz. I.5). Alle Gläu-
bigerinnen hätten ihre Klage beim Handelsgericht des Kantons Aargau ein-
zureichen. Allerdings sei bis zum Ablauf der von der ausseramtlichen Kon-
kursverwaltung angesetzten Frist zur gerichtlichen Geltendmachung der 
Ansprüche (30. April 2022) keine andere Klage als jene der Klägerin ein-
gereicht worden (Replik Rz. II.2). Auch habe keine der anderen Abtretungs-
gläubigerinnen bei der ausseramtlichen Konkursverwaltung oder beim 
Konkursamt eine Verlängerung der Klagefrist beantragt (Replik Rz. II.3). 
Die anderen Gläubigerinnen seien folglich nicht prozesswillig. Eine Koordi-
nationspflicht mit Abtretungsgläubigerinnen, welche von ihrem Recht zur 
Klage keinen Gebrauch machten, erübrige sich. Zudem führte eine Koordi-
nationspflicht vor Einleitung des Klageverfahrens dazu, dass die klagewil-
lige Abtretungsgläubigerin sich einer Abhängigkeit zu denjenigen Abtre-
tungsgläubigerinnen auszusetzen hätte, welche sich die Massaansprüche 
nur pro forma hätten abtreten lassen (Replik, Rz. II.4). 
 
1.2.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte macht in ihrer beschränkten Klageantwort geltend, der Kläge-
rin fehle es an der Prozessführungsbefugnis, um Verantwortlichkeitsan-
sprüche der Masse der H._____ AG in Liquidation geltend zu machen. Die 
Klägerin führe selbst aus, dass die Ansprüche nicht nur ihr, sondern auch 
drei anderen Gläubigerinnen abgetreten worden seien (beschränkte Ant-
wort Rz. 18). Die Abtretungsgläubigerinnen seien von der ausseramtlichen 

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Konkursverwaltung explizit darauf hingewiesen worden, dass bei Abtretun-
gen der gleichen Massarechte an mehrere Gläubiger diese in einem allfäl-
ligen Prozessverfahren als Streitgenossen aufzutreten hätten (beschränkte 
Klageantwort Rz. 19). Die drei anderen Gläubigerinnen hätten immer noch 
die Möglichkeit, Klage zu erheben. Es sei nichts von einem Widerruf der 
Abtretungen bekannt. Zudem sei ihnen die Frist zur gerichtlichen Geltend-
machung allenfalls erstreckt worden. Es stehe somit nicht fest, dass die 
anderen Gläubigerinnen nicht mehr klagen könnten. Im Gegenteil: Nach 
den Angaben der Klägerin habe die L._____ Bank AG gegenüber der Klä-
gerin explizit bestätigt, dass sie prozesswillig sei. Trotz der geringen For-
derungen sei eine Klage auch bei den anderen Abtretungsgläubigerinnen 
nicht ausgeschlossen, könnten sie sich doch aus dem Erlös vorab befriedi-
gen (beschränkte Klageantwort Rz. 22).  
 
Unter diesen Umständen dürfe das Gericht auf die Klage nicht eintreten. 
Es sei der Beklagten nicht zuzumuten, sich auf den Prozess einer einzel-
nen Abtretungsgläubigerin einzulassen, zumal die Klägerin lediglich eine 
Teilklage erhebe (beschränkte Klageantwort Rz. 23 f.).  
 
1.2.3. Rechtliches 
Jeder Gläubiger ist berechtigt, die Abtretung derjenigen Rechtsansprüche 
der Masse zu verlangen, auf deren Geltendmachung die Gesamtheit der 
Gläubiger verzichtet (Art. 260 Abs. 1 SchKG). Das Ergebnis dient nach Ab-
zug der Kosten zur Deckung der Forderungen derjenigen Gläubiger, an 
welche die Abtretung stattgefunden hat, nach dem unter ihnen bestehen-
den Range. Der Überschuss ist an die Masse abzuliefern (Art. 260 Abs. 2 
SchKG). Verzichtet die Gesamtheit der Gläubiger auf die Geltendmachung 
und verlangt auch kein Gläubiger die Abtretung, so können solche Ansprü-
che nach Art. 256 SchKG verwertet werden (Art. 260 Abs. 3 SchKG). 
 
Bei der "Abtretung" nach Art. 260 SchKG handelt es sich nicht um eine Ab-
tretung im zivilrechtlichen Sinne (d.h. eine Zession i.S.v. Art. 164 ff. OR), 
sondern vielmehr um ein betreibungs- und prozessrechtliches Institut sui 
generis, mit dem die Prozessführungsbefugnis übertragen wird, prozess-
rechtlich eine Art der Prozessstandschaft.3 Die Abtretungsgläubiger han-
deln zwar im Prozess in eigenem Namen, auf eigene Rechnung und auf 
eigenes Risiko, werden durch die Abtretung indes nicht Träger des abge-
tretenen Anspruchs, sondern erwerben bloss das Recht, dieses geltend zu 
machen, respektive das Prozessführungsrecht.4 Die Konkursmasse bezie-
hungsweise die konkursite Gesellschaft ist aber nicht Prozesspartei. Die 
Abtretungsgläubiger können Leistung direkt an sie selbst verlangen.5 Unter 

 
3  BGE 146 III 441 E. 2.5.1; 145 III 101 E. 4.1.1; 144 III 552 E. 4.1.1; 109 III 27 E. 1a; BSK SchKG-

BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 1 m.w.N. 
4  BGE 146 III 441 E. 2.5.1; 139 III 391 E. 5.1; 121 III 488 E. 2b, BSK SchKG-BACHOFNER, BSK 

SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 1 m.w.N. 
5  BGE 146 III 441 E. 2.5.1; 139 III 391 E. 5.1; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 1 m.w.N. 

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diesen Gesichtspunkten ist es für den Prozess der Abtretungsgläubiger 
auch nicht notwendig, dass die Gesellschaft (nach Abschluss des Konkurs-
verfahrens, vgl. Art. 159a Abs. 1 lit. b HRegV) im Handelsregister eingetra-
gen bleibt.6 Die Konkursverwaltung verliert aber (zumindest vorüberge-
hend) die Verfügungsmacht über die abgetretenen Rechte. Namentlich 
kann sie die nach Art. 260 SchKG abgetretenen Ansprüche nicht mehr 
selbst geltend machen oder (anders) verwerten, z.B. durch Freihandver-
kauf.7  
 
Der Abtretungsgläubiger ist nicht verpflichtet, eine Klage einzuleiten und 
den Prozess bis zu einem Entscheid weiterzuführen.8 Der Abtretungsgläu-
biger ist den Interessen der übrigen Konkursgläubiger respektive der 
Masse gegenüber nicht verpflichtet und kann frei entscheiden, in welchem 
Umfang er den abgetretenen Anspruch geltend machen will. Er kann die 
ganze Forderung einklagen oder sich (insbesondere zur Reduktion seines 
Kostenrisikos) auf die Höhe seiner Konkursforderung – oder einen noch 
tieferen Betrag – beschränken. Dem Abtretungsgläubiger steht es frei, mit 
dem Forderungsschuldner einen gerichtlichen oder aussergerichtlichen 
Vergleich zu schliessen. Er benötigt hierfür keine Zustimmung der Konkurs-
verwaltung.9 
 
Die Konkursverwaltung kann dem Abtretungsgläubiger aber eine Frist set-
zen, innert welcher er den Anspruch gerichtlich geltend machen muss, wid-
rigenfalls die Abtretung von der Konkursverwaltung widerrufen werden 
kann. Es besteht keine Pflicht, eine Frist zu setzen. Sie bietet sich aber 
insbesondere bei Vorliegen mehrerer Abtretungsgläubiger über den glei-
chen Anspruch zwecks Koordination der Klageeinreichung (die vom Kon-
kursamt auf Begehren eines Abtretungsgläubigers durch Erteilen der erfor-
derlichen Weisungen vorzunehmen ist, wenn sich diese nicht einigen kön-
nen) an, da die Abtretung so den handlungsunwilligen Abtretungsgläubi-
gern gegenüber widerrufen werden kann.10 Ein Widerruf ist indessen nur 
solange möglich, bis der Abtretungsgläubiger Klage erhoben hat 11 Haben 
sich mehrere Abtretungsgläubiger den Anspruch abtreten lassen, so ist al-
len dieselbe Frist zur Klageeinreichung anzusetzen. Auch eine allfällige 
Fristerstreckung muss allen Abtretungsgläubigern erteilt werden.12 Der Ab-

 
6  BGE 146 III 441 E. 2.5.1. 
7  BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 67 m.w.N. 
8  BGE 144 III 552 E. 4.1.1; 138 III 628 E. 5.3.2; 121 III 291 E. 3a; 138 III 628 E. 5.3.2 i.f.; BSK 

SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 77 m.w.N. 
9  BGE 102 III 29; 138 III 628 E. 5.3.2 i.f.; 121 III 488 E. 2c; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 

N. 79 m.w.N. 
10  BGE 145 III 101 E. 4.12; 121 III 488 E. 2d; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 81 m.w.N. 
11  BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 81 m.w.N.; BGE 65 III 61. 
12  BGE 121 III 291 E. 3b; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 85. 

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lauf der Frist lässt die Abtretung nicht automatisch dahinfallen. Das Pro-
zessführungsrecht entfällt erst, wenn die Konkursverwaltung die Abtretung 
tatsächlich widerruft.13  
 
Wird der abgetretene Anspruch einer Mehrzahl von Abtretungsgläubigern 
abgetreten, so darf er dennoch nur einmal materiell gerichtlich beurteilt wer-
den. Er kann nicht Gegenstand von mehreren Prozessen einzelner Abtre-
tungsgläubiger sein. Haben sich mehrere Abtretungsgläubiger denselben 
Anspruch abtreten lassen, so haben sie in einem allfälligen Prozessverfah-
ren als (uneigentliche) notwendige Streitgenossen aufzutreten.14 An der 
Prozessführungsbefugnis fehlt es, wenn nicht alle Abtretungsgläubiger ge-
meinsam klagen.15 Es ist jedoch kein Abtretungsgläubiger verpflichtet, ge-
richtlich gegen den Anspruchsgegner vorzugehen.16 Wenn der Abtretungs-
anspruch mehreren Gläubigern abgetreten wurde, muss das Gericht sich 
versichern, dass das Prozessführungsrecht (nur noch) allen auftretenden 
Gläubigern zusteht. Die auftretenden Gläubiger haben dem Gericht nach-
zuweisen, dass die Verfügung den übrigen Gläubigern gegenüber widerru-
fen worden ist oder dass diese auf eine Klage verzichtet haben.17 Haben 
mehrere Abtretungsgläubiger beim selben Gericht selbstständige Klagen 
eingereicht, so hat das Gericht diese gemäss Art. 125 lit. c ZPO zu vereini-
gen. Sieht das Gericht aufgrund der Nennung der Abtretungsgläubiger in 
der Abtretungsurkunde, dass nicht alle Abtretungsgläubiger bei ihm Klage 
eingereicht haben, so hat es den klagenden Gläubigern Frist anzusetzen, 
den entsprechenden Nachweis zu erbringen.18 In einem Fall liess es das 
Bundesgericht indessen als Nachweis des Verzichts der übrigen Abtre-
tungsgläubiger genügen, dass diese bis zu der von der Konkursverwaltung 
angesetzten Frist keine Klage eingereicht hatten.19 
 
1.2.4. Beurteilung 
1.2.4.1.  Abtretung von Ansprüchen gegen die C._____ AG 
 (nicht gegen die C._____ AG Q._____) 
Laut der von der Klägerin eingereichten Abtretungsverfügung vom 22. April 
2021 trat die ausseramtliche Konkursverwaltung Verantwortlichkeitsan-
sprüche (unter anderem) betreffend die C._____ AG ab (KB 3). Es handelt 

 
13  BGE 138 III 628 E. 5.3.2; 121 III 291 E. 3c; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 86 m.w.N. 
14  BGE 144 III 552 E. 4.1.1; 121 III 488 E. 2; 138 III 628 E. 5.3.2; 136 III 534 E: 2.1; 121 III 488 E. 2b; 

BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 98 m.w.N. 
15  BGE 145 III 101 E. 4.1.3; 144 III 552 E. 4.1.2; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 99 

m.w.N. 
16  BGE 144 III 552 E. 4.1.1; 138 III 628 E. 5.3.2; BSK SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 98 

m.w.N. 
17  BGE 144 III 552 E. 4.1.1; BGer 5P.204/2004 vom 11. August 2004 E. 5.4; BSK SchKG-BACHOFNER 

(Fn. 1), Art. 260 N. 95 m.w.N. 
18  BGE 145 III 101 E. 4.1.3; 144 III 552 E. 4.1.1; BGer 5P.204/2004 vom 11. August 2004 E. 5.4; BSK 

SchKG-BACHOFNER (Fn. 1), Art. 260 N. 99 m.w.N. 
19  BGer 4A_77/2014 vom 21. Mai 2014 E. 5. 

 - 12 - 
 

 

sich hierbei um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in R._____ (CHE-aaa). Ein-
geklagt hat die Klägerin indessen die Beklagte, die C._____ AG Q._____ 
mit Sitz in Q._____ (CHE-bbb). Beide Parteien scheinen aber – ohne die 
Frage freilich anzusprechen – davon auszugehen, dass die ausseramtliche 
Konkursverwaltung die Beklagte und nicht die C._____ AG meinte, es sich 
mithin um eine "falsa demonstratio" (vgl. Art. 18 Abs. 1 OR) bzw. einen Ver-
schrieb der ausseramtlichen Konkursverwaltung handelt. Dies erscheint in 
der Tat auch plausibel, war doch die Beklagte (damals noch als F._____ 
AG firmierend) die Revisionsstelle der H._____ AG. Die C._____ AG hat 
demgegenüber – soweit ersichtlich – keine Berührungspunkte mit der 
H._____ AG. Wie es sich hier genau verhält, mag indessen offenbleiben, 
wie sich aus den materiell-rechtlichen Erwägungen ergeben wird. 
 
1.2.4.2. Verzicht der übrigen Gläubigerinnen auf eine Klage 
Die Klägerin macht Schwierigkeiten betreffend die Koordination mit den an-
deren Gläubigerinnen geltend. Entgegen der Auffassung der Klägerin ist es 
jedoch nicht Aufgabe des Handelsgerichts, in diesem Fall für eine genü-
gende Koordination zu sorgen (einmal davon abgesehen, dass es von ver-
schiedenen Gläubigerinnen eingereichte Klagen gestützt auf Art. 125 lit. c 
ZPO in einem Verfahren zu vereinigen hat). Sollte eine Koordination unter 
den Gläubigerinnen nicht gelingen, hat vielmehr die Konkursverwaltung auf 
Antrag einer Gläubigerin die für die Koordination notwendigen Weisungen 
zu erteilen bzw. gegenüber einzelnen Abtretungsgläubigerinnen – die ein 
koordiniertes Vorgehen torpedieren oder sonst verunmöglichen – die Ab-
tretung zu widerrufen.  
 
Vorliegend ist die Klägerin hinsichtlich der M._____ AG sowie der N._____ 
AG ohne Weiteres davon ausgegangen, diese würden aufgrund der Ge-
ringfügigkeit ihrer kollozierten Forderungen keine Klage einreichen. Mit der 
L._____ Bank AG nahm sie Kontakt auf (KB 4), worauf deren Vertreter ihr 
mitteilte, dass die L._____ Bank AG ebenfalls prozesswillig sei (KB 5). Ein 
weiteres Schreiben betreffend Koordination der Klagen beantwortete die 
L._____ Bank AG aber nicht mehr (KB 6), worauf die Klägerin die L._____ 
Bank AG nicht mehr kontaktierte. Damit ist an sich nicht bewiesen, dass 
die anderen drei Abtretungsgläubigerinnen keine Klage einreichen werden. 
Auch wenn die Höhe der Forderungen der M._____ AG und der N._____ 
AG nahelegen, dass diese Gläubigerinnen nicht klagen werden, hätte die 
Klägerin sie auch kontaktieren müssen. Betreffend die mangelnde Koope-
ration der L._____ Bank AG hätte sich die Klägerin an die ausseramtliche 
Konkursverwaltung wenden müssen, welche auf ihren Antrag hin die not-
wendigen Weisungen betreffend Koordination hätte erteilen können. Da die 
Klägerin im vorliegenden Prozess weder Verzichtserklärungen der anderen 
drei Gläubigerinnen vorlegen kann, noch diesen gegenüber die Abtretung 
von der Konkursverwaltung widerrufen wurde, könnten die anderen drei 
Gläubigerinnen nach wie vor Klage anheben. Die Tatsache, dass die von 

 - 13 - 
 

 

der ausseramtlichen Konkursverwaltung angesetzte Klagefrist (30. April 
2022; KB 3) abgelaufen ist, steht dem nicht entgegen. 
 
Das Bundesgericht liess als Nachweis dafür, dass die übrigen Gläubiger 
nicht prozesswillig sind, allerdings genügen, dass bis zum Ablauf der Kla-
gefrist von diesen keine Klage angehoben wurde.20 Vorliegend gingen je-
denfalls beim Handelsgericht des Kantons Aargau keine Klagen von ande-
ren Gläubigerinnen ein. Ebenfalls macht die Beklagte nicht geltend, sie sei 
vor einem anderen Gericht durch eine oder mehrere der anderen drei Ab-
tretungsgläubigerinnen eingeklagt worden. Weiter macht die Beklagte nicht 
konkret geltend, den drei anderen Gläubigerinnen sei die Frist zur gericht-
lichen Geltendmachung erstreckt worden. Jedenfalls wäre eine solche Er-
streckung der Klägerin bekannt, hätte die Klagefrist in diesem Fall doch 
auch ihr erstreckt werden müssen. Die Klägerin versicherte hingegen, die 
Klagefrist sei nicht erstreckt worden. Ob der Ablauf der Klagefrist vorlie-
gend als genügender Nachweis für die Prozessunwilligkeit der übrigen Ab-
tretungsgläubigerinnen genügt, kann angesichts der nachfolgenden Erwä-
gungen indessen ohnehin offenbleiben. 
 
2. Verhandlungsmaxime 
Das vorliegende Verfahren unterliegt der Verhandlungsmaxime gemäss 
Art. 55 Abs. 1 ZPO. 
 
2.1. Behauptungslast 
Gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO haben die Parteien dem Gericht die Tatsa-
chen, auf die sie ihre Begehren stützen, darzulegen und die Beweismittel 
anzugeben. Den Prozessparteien obliegt die Behauptungslast.21 Die Auf-
teilung der Behauptungslast zwischen den Parteien folgt der Beweislast-
verteilung nach Art. 8 ZGB.22 Somit trägt die Behauptungslast für rechtser-
zeugende Tatsachen, wer ein Recht oder Rechtsverhältnis behauptet; für 
rechtsaufhebende Tatsachen, wer die Aufhebung oder den Untergang ei-
nes Rechts behauptet (z.B. Verwirkung, Erlass etc.) und für rechtshin-
dernde Tatsachen, wer sich darauf beruft (z.B. Verjährung, Stundung 
etc.).23 Dementsprechend hat etwa das Bestehen einer vertraglichen Ver-
pflichtung zu behaupten, wer einen vertraglichen Anspruch erhebt.24 
 
Eine Tatsachenbehauptung hat nicht alle Einzelheiten zu enthalten; es ge-
nügt, wenn die Tatsachen, die unter die das Begehren stützenden rechtli-
chen Normen zu subsumieren sind, in einer den Gewohnheiten des Lebens 

 
20  BGer 4A_77/2014 vom 21. Mai 2014 E. 5. 
21  Vgl. BGer 5A_83/2019 vom 23. Juli 2019 E. 4, 4A_264/2015 vom 10. August 2015 E. 4.2.2; 

SCHNEUWLY, Lange Rechtsschriften – Wieso? Und was tun?, Anwaltsrevue 2019, S. 444. 
22  BGE 132 III 186 E. 4; BGer 5A_808/2018 vom 15. Juli 2019 E. 4.2. 
23  SUTTER-SOMM/SCHRANK, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur 

Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 55 N. 18. 
24  BGE 128 III 271 E. 2.a.aa; weitergehend ZK ZGB-JUNGO, 3. Aufl. 2018, Art. 8 N. 387. 

 - 14 - 
 

 

entsprechenden Weise in ihren wesentlichen Zügen oder Umrissen be-
hauptet werden.25 Was offensichtlich in anderen, ausdrücklich vorgebrach-
ten Parteibehauptungen enthalten ist, muss nicht explizit behauptet werden 
(sog. implizite bzw. mitbehauptete Tatsachen).26 Blosse Mutmassungen 
stellen jedoch keine rechtsgenüglichen Tatsachenbehauptungen dar.27 Ist 
ein Tatsachenvortrag im erwähnten Sinne vollständig, so wird er als schlüs-
sig bezeichnet, da er bei Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die 
anbegehrte Rechtsfolge zulässt.28 
 
Tatsachenbehauptungen sind grundsätzlich in den Rechtsschriften aufzu-
stellen (Art. 221 Abs. 1 lit. d und Art. 222 Abs. 2 Satz 1 ZPO).29 Der bloss 
pauschale Verweis auf Beilagen genügt in aller Regel nicht.30 Zweck dieses 
Erfordernisses ist, dass einerseits das Gericht erkennen kann, auf welche 
Tatsachen sich der Kläger (bzw. der Beklagte hinsichtlich einer Gegenfor-
derung) stützt und womit er diese beweisen will, und dass andererseits die 
Gegenpartei weiss, gegen welche konkreten Behauptungen sie sich vertei-
digen muss (Art. 222 ZPO).31 Durch einen Verweis auf Urkunden können 
Sachverhaltselemente jedoch ausnahmsweise als behauptet gelten, wenn 
es als blossen Leerlauf erscheinen würde, eine Übernahme des Urkunden-
inhalts in die Rechtsschrift zu verlangen.32 An einen rechtsgenüglichen Ver-
weis auf die Beilage werden im Wesentlichen drei Anforderungen gestellt: 
Erstens müssen in der Rechtsschrift die Tatsachen in ihren wesentlichen 
Zügen oder Umrissen behauptet sein.33 Zweitens hat der entsprechende 
Verweis in der Rechtsschrift spezifisch ein bestimmtes Aktenstück zu nen-
nen und aus dem Verweis selbst muss klar werden, welche Teile des Ak-
tenstücks als Parteibehauptung gelten sollen.34 Drittens muss die Beilage 
selbsterklärend sein. Sie hat genau die verlangten (beziehungsweise in der 
Rechtsschrift bezeichneten) Informationen zu enthalten und es darf kein 
Interpretationsspielraum bestehen. Sind diese Voraussetzungen nicht ge-
geben, kann der Verweis nur genügen, wenn zusätzlich in der Rechtsschrift 

 
25  BGE 136 III 322 E. 3.4.2; BGer 4A_280/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 4.1. 
26  BGE 144 III 519 E. 5.3; BGer 4A_243/2018 vom 17. Dezember 2018 E. 4.2.1 m.w.N.; JOSI, Behaup-

ten, Bestreiten und Beweisen – praktische Fragen im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung, in: Markus/Eichel/Rodriguez (Hrsg.), Der handelsgerichtliche Prozess, Chancen und Gefah-
ren – national und international, 2019, S. 80. 

27  BGer 4A_667/2014 vom 12. März 2015 E. 3.2.2. 
28  BGer 4A_9/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 2.1 m.w.N., 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.1; 

SCHNEUWLY (Fn. 21), S. 445. 
29  BGE 144 III 519 E. 5.2.1, 144 II 67 E. 2.1; BRUGGER, Der Verweis auf Beilagen in Rechtsschriften, 

SJZ 2019, S. 534; JOSI (Fn. 26), S. 60. 
30  BGer 4A_496/2019 vom 1. Februar 2021 E. 4.3.1, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.1 

m.w.N.; JOSI (Fn. 26), S. 61. 
31  BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.1 m.w.N. 
32  BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.2. 
33  BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_398/2018 vom 25. Februar 2019 E. 10.4.1, 

4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2; BRUGGER (Fn. 29), S. 535 f. 
34  BGE 144 III 519 E. 5.2.1.2; 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_535/2018 vom 3. Juni 

2019 E. 4.2.1, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2; eingehend BRUGGER (Fn. 29), S. 536 ff. 

 - 15 - 
 

 

die Beilage derart konkretisiert und erläutert wird, dass die in der Beilage 
enthaltenen Informationen ohne weiteres zugänglich werden und nicht in-
terpretiert und zusammengesucht werden müssen. Es genügt nicht, dass 
in den Beilagen die verlangten Informationen in irgendeiner Form vorhan-
den sind. Ein Verweis auf Akten darf nicht dazu führen, dass die Gegen-
partei und das Gericht die relevanten Tatsachen aus der Beilage selbst zu-
sammensuchen müssen.35 Die in der Praxis beliebten Pauschalverweise 
auf eingereichte Akten bzw. die allgemeine Erklärung, diese würden "integ-
rierenden Bestandteil" der Rechtsschrift bilden, stellen deshalb keine hin-
reichenden Behauptungen dar bzw. können fehlende Behauptungen nicht 
ersetzen.36 
 
2.2. Bestreitungslast 
Die Kehrseite der Behauptungslast ist die sog. Bestreitungslast: Bestreitet 
eine Partei eine Tatsachenbehauptung ihres Gegners nicht, gilt diese als 
unbestritten und die betreffende Tatsache kann dem Entscheid ohne wei-
teres zugrunde gelegt werden, da über nicht bestrittene Tatsachen kein 
Beweis geführt zu werden braucht (vgl. Art. 150 Abs. 1 ZPO).37 Art. 222 
Abs. 2 ZPO verlangt von der beklagten Partei, darzulegen, welche Tatsa-
chenbehauptungen der klagenden Partei im Einzelnen anerkannt oder be-
stritten werden. Es ist deshalb empfehlenswert, die Tatsachenbehauptun-
gen der Klägerin detailliert, d.h. Punkt für Punkt zu bestreiten.38 Bestreitun-
gen sind dabei so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt, welche 
einzelnen Behauptungen damit bestritten werden; die Bestreitung muss ih-
rem Zweck entsprechend so bestimmt sein, dass die Gegenpartei weiss, 
welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss. Pauschale Be-
streitungen reichen indessen selbst dann nicht aus, wenn sie explizit erfol-
gen. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass der Wahrheitsgehalt einer 
bestimmten gegnerischen Behauptung infrage gestellt wird.39 Auch ein im-
plizites Bestreiten genügt unter diesen Voraussetzungen den Anforderun-
gen der rechtsgenügenden Bestreitung.40 
 
2.3. Substantiierungslast 
Bestreitet aber der Prozessgegner den schlüssigen Tatsachenvortrag der 
behauptungsbelasteten Partei in rechtsgenüglicher Weise, so greift eine 

 
35  BGer 4A_415/2021 vom 18. März 2022 E. 5.4.3, 4A_496/2019 vom 1. Februar 2021 E. 4.3.1, 

4A_535/2018 vom 3. Juni 2019 E. 4.4.2, 4A_443/2017 vom 30. April 2018 E. 2.2.2, 4A_281/2017 
vom 22. Januar 2018 E. 5.2 f.; eingehend BRUGGER (Fn. 29), S. 538 ff. 

36  BK ZPO I-HURNI, 2012, Art. 55 N. 21 m.w.N.; BRUGGER (Fn. 29), S. 540 Fn. 50 m.w.N. 
37  BK ZPO I-HURNI (Fn. 36), Art. 55 N. 37 mit Verweis auf Art. 150 Abs. 1 ZPO; JOSI (Fn. 26), S. 57. 
38  Ähnlich DROESE, Bestreitungsbedürftige Beilagen – ein Hinweis zur bundesgerichtlichen Speise-

karte, Note zu Urteil 4A_11/2018, SZZP 2019, S. 19. 
39  BGE 141 III 433 E. 2.6; BGer 4A_9/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 2.3; SCHNEUWLY (Fn. 21), 

S. 445 f. 
40  SCHMID/HOFER, Bestreitung von neuen Tatsachenbehauptungen in der schriftlichen Duplik, ZZZ 

2016, S. 285 m.w.N. 

 - 16 - 
 

 

über die Behauptungslast hinausgehende Substantiierungslast. Die Vor-
bringen sind diesfalls nicht nur in den Grundzügen, sondern in Einzeltatsa-
chen zergliedert so umfassend und klar darzulegen, dass darüber Beweis 
abgenommen oder dagegen der Gegenbeweis angetreten werden kann.41 
Das Beweisverfahren darf nicht dazu dienen, ein ungenügendes Parteivor-
bringen zu vervollständigen.42 Dies gilt auch für allfällige Gutachten. Solche 
können nur aufgrund substantiierter Behauptungen in Auftrag gegeben 
werden. Der nicht oder nicht substantiiert vorgebrachte Sachverhalt ist im 
Geltungsbereich der Verhandlungsmaxime dem nicht bewiesenen Sach-
verhalt gleichzusetzen.43 
 
2.4. Bezeichnung der Beweismittel 
Die Parteien haben im Rahmen der Verhandlungsmaxime die einzelnen 
Beweismittel zu bezeichnen (vgl. Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO, wonach die 
Klage die Tatsachenbehauptungen sowie die Bezeichnung der einzelnen 
Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen zu enthalten hat). Dazu gehört 
auch, dass aus dem Zusammenhang klar wird, inwiefern die angerufenen 
Beweismittel den angestrebten Beweis erbringen sollen. Es genügt nicht, 
in der Klage Behauptungen aufzustellen und pauschal auf die Klagebeila-
gen zu verweisen.44 Ein Beweismittel ist nur dann formgerecht angeboten, 
wenn sich die Beweisofferte eindeutig der damit zu beweisenden Tatsa-
chenbehauptung zuordnen lässt und umgekehrt.45 Deshalb sind die einzel-
nen Beweisofferten unmittelbar im Anschluss an die entsprechenden Tat-
sachenbehauptungen aufzuführen, welche durch sie bewiesen werden sol-
len ("Prinzip der sog. Beweismittelverbindung").46 Es ist hingegen unzu-
reichend, einen ganzen Sachverhaltskomplex zu behaupten und lediglich 
pauschal auf eine Vielzahl von Urkunden oder eine Anzahl Zeugen zu ver-
weisen.47 Bei umfangreichen Urkunden ist zudem die für die Beweisführung 
erhebliche Stelle zu bezeichnen (Art. 180 Abs. 2 ZPO).48 
 
2.5. Aktenschluss und Noven 
In welchem Prozessstadium die Parteien Tatsachen zu behaupten und zu 
bestreiten sowie ihre Beweismittel einzureichen haben, ergibt sich aus 

 
41  BGE 144 III 519 E. 5.2.1.1; BGer 4A_280/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 4.1. 
42  DOLGE, Anforderungen an die Substanzierung, in: Dolge (Hrsg.), Substantiieren und Beweisen, 

2013, S. 21; JOSI (Fn. 26), S. 86; vgl. auch BGE 108 II 337 E. 3. 
43  BGer 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.2; KUKO ZPO-OBERHAMMER/WEBER, 3. Aufl. 2021, 

Art. 55 N. 12; ähnlich JOSI (Fn. 26), S. 62. 
44  BGer 4A_195/2014 und 4A_197/2014 vom 27. November 2014 E. 7.3.3 m.w.N. (nicht publ. in BGE 

140 III 602). 
45  BGer 4A_291/2018 vom 10. Januar 2019 E. 4.4.2, 4A_370/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 3.3 

m.w.N. 
46  BK ZPO II-KILLIAS, 2012, Art. 221 N. 29; PAHUD, in: Brunner/Gasser/Schwander (Hrsg.), Schweize-

rische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2016, Art. 221 N. 16 ff.; BRUGGER (Fn. 29), S. 537. 
47  BK ZPO II-KILLIAS (Fn. 46), Art. 221 N. 29; JOSI (Fn. 26), S. 86; ähnlich BGer 4A_360/2017 vom 

30. November 2017 E. 4. 
48  BK ZPO II-RÜETSCHI, 2012, Art. 180 N. 17 ff.; WEIBEL, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger 

(Fn. 23), Art. 180 N. 10 ff., je m.w.N. 

 - 17 - 
 

 

Art. 221 bis 226 ZPO sowie Art. 229 Abs. 2 ZPO und in Bezug auf neue 
Tatsachen und Beweismittel aus Art. 229 Abs. 1 ZPO (erstinstanzliches 
Verfahren) bzw. Art. 317 Abs. 1 ZPO (Berufungsverfahren). Nach der 
Rechtsprechung kann sich jede Partei in einem ordentlichen Verfahren 
zweimal unbeschränkt äussern: Ein erstes Mal im Rahmen des ersten 
Schriftenwechsels; ein zweites Mal entweder im Rahmen eines zweiten 
Schriftenwechsels oder – wenn kein solcher durchgeführt wird – an einer 
Instruktionsverhandlung (Art. 226 Abs. 2 ZPO) oder, sofern auch keine sol-
che durchgeführt wird (oder die Parteien an der Instruktionsverhandlung 
nicht zum Vortrag zugelassen werden), "zu Beginn der Hauptverhandlung" 
vor den ersten Parteivorträgen (Art. 229 Abs. 2 ZPO).49 Danach haben die 
Parteien nur noch unter den eingeschränkten Voraussetzungen von 
Art. 229 Abs. 1 ZPO das Recht, neue Tatsachen und Beweismittel vorzu-
bringen.50 Dies bedeutet, dass neue Tatsachen und Beweismittel nur noch 
berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und erst 
nach Abschluss des Schriftenwechsels oder nach der letzten Instruktions-
verhandlung entstanden sind (echte Noven) oder bereits vor Abschluss des 
Schriftenwechsels oder vor der letzten Instruktionsverhandlung vorhanden 
waren, aber trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorher vorgebracht werden 
konnten (unechte Noven). Das gilt insbesondere auch für die Entgegnung 
auf sog. Dupliknoven, d.h. neue Tatsachen oder Beweismittel, die von der 
beklagten Partei (erst) in der Duplik vorgetragen werden. Ist die klagende 
Partei zur Entgegnung von Behauptungen, die in der Duplik vorgetragen 
wurden und sich auf neue Tatsachen und Beweismittel stützen, auf echte 
Noven angewiesen, dürfen diese gemäss Art. 229 Abs. 1 lit. a ZPO ohne 
Weiteres vorgebracht werden. Bei unechten Noven ist gemäss Art. 229 
Abs. 1 lit. b ZPO hingegen erforderlich, dass diese trotz zumutbarer Sorg-
falt nicht vorher vorgebracht werden konnten.51 Grundsätzlich ist indes da-
von auszugehen, dass es der klagenden Partei weder möglich noch zumut-
bar ist, auf Vorrat in ihrer Replik sämtliche denkbaren Noven zu entkräften, 
mit denen der Prozessstoff in der Duplik noch ausgedehnt werden kann. 
Wenn daher in der Duplik Noven vorgebracht werden, welche die Klägerin 
ihrerseits mit unechten Noven entkräften will, so ist diesbezüglich die Vo-
raussetzung von Art. 229 Abs. 1 lit. b ZPO, dass diese Noven vor Akten-
schluss trotz zumutbarer Sorgfalt nicht vorgebracht werden konnten, erfüllt. 
Damit der klagenden Partei dieser Sorgfaltsnachweis gelingt, ist immerhin 
unabdingbar, dass die Dupliknoven für diese Noveneingabe kausal sind. 
Erforderlich ist einerseits, dass (erst) die Dupliknoven das Vorbringen der 
unechten Noven veranlasst haben, und andererseits, dass die unechten 
Noven in technischer bzw. thematischer Hinsicht als Reaktion auf die Dup-

 
49  BGE 144 III 67 E. 2.1. 
50  BGE 146 III 55 E. 2.3.1. 
51  BGE 146 III 55 E. 2.5.2. 

 - 18 - 
 

 

liknoven aufzufassen sind. Für die Prüfung dieses Kausalzusammenhan-
ges ist folglich eine genaue Betrachtung der zur Diskussion stehenden 
neuen Tatsachen und Beweismittel unumgänglich.52 
 
2.6. Beurteilung 
Die Klägerin hat im Rahmen ihres Schlussvortrags zahlreiche neue Tatsa-
chen vorgetragen und Beweisanträge gestellt. Insbesondere hat sie einlei-
tend ausführliche Bemerkungen zum "Rahmengeschenen" des im vorlie-
genden Verfahren zu diskutierenden Konkurses der H._____ AG gemacht. 
Die Beklagte beanstandete dieses Vorgehen zu Recht. In der Tat hätte die 
Klägerin diese Tatsachen und Beweisanträge – bei welchen es sich unbe-
strittenermassen um keine Noven handelt – in ihren Schriftsätzen vor Ein-
tritt des Aktenschlusses in den Prozess einbringen müssen. Die entspre-
chenden Vorbringen der Klägerin können daher nicht berücksichtigt wer-
den.  
 
Nicht berücksichtigt werden können auch die von der Klägerin im Rahmen 
des Schlussvortrages in Entgegnung auf die Duplik der Beklagten vorge-
tragenen neuen Tatsachenbehauptungen und Beweisofferten. Die Be-
klagte unterliess es, darzulegen, inwieweit sie erst aufgrund der Duplik ver-
anlasst war, diese Noven und Beweisofferten in den Prozess einzubringen.  
 
3. Verantwortlichkeit der Revisionsstelle 
3.1. Einleitung 
Alle mit der Prüfung der Jahres- und Konzernrechnung, der Gründung, der 
Kapitalerhöhung oder Kapitalherabsetzung befassten Personen sind so-
wohl der Gesellschaft als auch den einzelnen Aktionären und Gesell-
schaftsgläubigern für den Schaden verantwortlich, den sie durch absichtli-
che oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verursachen (Art. 755 
Abs. 1 OR). Die vier Voraussetzungen für eine Haftung sind demnach 
(1) Schaden, (2) Pflichtverletzung, (3) Verschulden sowie (4) (natürlicher 
und adäquater) Kausalzusammenhang zwischen der Pflichtverletzung und 
dem Schaden.53  
 
3.2. Pflichtverletzung 
3.2.1.Rechtliches  
3.2.1.1. Intertemporal-rechtliche Vorbemerkung 
Die für die Beurteilung des vorliegenden Streitfalls massgebenden Bestim-
mungen (insbesondere betreffend Pflichten der Organe im Falle einer 
Überschuldung) wurden im Rahmen der per 1. Januar 2023 in Kraft getre-
tenen Aktienrechtsrevision teilweise geändert. Da sich die Umstände, die 

 
52  BGE 146 III E. 2.5.2. 
53  Vgl. BÖCKLI, Schweizer Aktienrecht, 5. Aufl. 2022, § 16 N. 84 und N. 195 ff., N. 242 ff., N. 344 ff. 

und N. 358 ff. 

 - 19 - 
 

 

Gegenstand der vorliegend zu beurteilenden Klage bilden, noch unter al-
tem Recht abgespielt haben, ist vorliegend das vormalige Aktienrecht an-
wendbar (Art. 1 Abs. 1 der Übergangsbestimmungen des Bundesgesetzes 
vom 19. Juni 2020 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 und 2 SchlT ZGB).  
 
3.2.1.2. Pflichten bei einer Überschuldung 
Wenn begründete Besorgnis einer Überschuldung besteht, muss eine Zwi-
schenbilanz erstellt und diese einem zugelassenen Revisor zur Prüfung 
vorgelegt werden. Ergibt sich aus der Zwischenbilanz, dass die Forderun-
gen der Gesellschaftsgläubiger weder zu Fortführungs- noch zu Veräusse-
rungswerten gedeckt sind, so hat der Verwaltungsrat das Gericht zu be-
nachrichtigen, sofern nicht Gesellschaftsgläubiger im Ausmass dieser Un-
terdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktre-
ten (Art. 725 Abs. 2 aOR; zum neuen Recht vgl. nunmehr Art. 725b OR). 
Ist die Gesellschaft offensichtlich überschuldet und unterlässt der Verwal-
tungsrat die Anzeige, so benachrichtigt die Revisionsstelle das Gericht 
(Art. 728c Abs. 3 [bei ordentlicher Revision] bzw. Art. 729c OR [bei einge-
schränkter Revision]54).  
 
Eine offensichtliche Überschuldung liegt dann vor, wenn jeder verständige 
Mensch ohne weitere Abklärungen sofort sieht, dass die Aktiven die Schul-
den und notwendigen Rückstellungen nicht zu decken vermögen und wenn 
die eventuell vorhandenen Rangrücktritte nicht gültig oder zu kurz befristet 
sind oder im Ausmass nicht ausreichen. "Offensichtlich" meint jedoch nicht, 
dass eine besonders grosse Überschuldung vorliegen müsste. In der Pra-
xis ist häufig streitig, ob wegen mangelnder Liquidität überhaupt noch zu 
Fortführungswerten bilanziert werden kann. Eine Umstellung auf Veräusse-
rungswerte führt oft zu einer Überschuldung.55 Zu berücksichtigen ist im 
Weiteren, dass der Revisionsstelle bei einer lediglich eingeschränkten Re-
vision viel weniger Informationen zur Verfügung stehen als bei einer or-
dentlichen Revision. Nach Art. 729a Abs. 2 OR beschränkt sich die einge-
schränkte Prüfung nämlich auf Befragungen, analytische Prüfungshandlun-
gen und angemessene Detailprüfungen, was eine sehr kurze und (bewusst 
gewollte) summarische Prüfung zur Folge hat. Angesichts dessen stellt sich 
die Frage, inwieweit die Revisionsstelle überhaupt in der Lage ist, eine of-
fensichtliche Überschuldung festzustellen, zumal bereits im Rahmen der 
ordentlichen Revisionspflicht Probleme im Zusammenhang mit der Fest-
stellung der offensichtlichen Überschuldung bestehen.56 Der Revisions-
stelle wird man nur dann eine Verletzung ihrer Anzeigepflicht vorwerfen 
können, wenn sie eine offensichtliche Überschuldung nicht festgestellt hat, 
diese aber unter Berücksichtigung ihres beschränkten Prüfungsauftrages 

 
54  Sowohl 725b wie auch Art. 725c OR wurden mit der Revision nicht geändert. 
55  BSK OR II-WATTER/MAIZAR, 5. Aufl. 2016, Art. 728c N. 34; vgl. auch CAMPONOVO, Wann ist die of-

fensichtliche Überschuldung offensichtlich, Schweizer Treuhänder 8/2005 S. 544. 
56  BSK OR II-WATTER/MAIZAR (Fn. 55), Art. 729 N. 10. 

 - 20 - 
 

 

und der stark reduzierten Informationslage hätte feststellen müssen. Dem-
entsprechend ist es durchaus denkbar, dass eine eingeschränkt prüfende 
Revisionsstelle eine offensichtliche Überschuldung nicht feststellt, obwohl 
eine ordentlich prüfende Revisionsstelle zum gegenteiligen Schluss kom-
men würde.57 
 
3.2.2. Bedarf nach weiteren Rückstellungen aufgrund der Betriebs-
 datenerfassung 
3.2.2.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin macht in Klage Rz. II.4.2.3.2. unter Bezugnahme auf die Be-
triebsdatenerfassung für die Projekte 11-016, 11-017 und 11-018 (Beilage 
6 zu KB 11) sowie die Daten der entsprechenden Projekte aus der Aufstel-
lung der angefangenen Arbeiten per 31. Dezember 2014 (Beilage 7 zu 
KB 11) geltend, es hätten zwingend weitere Rückstellungen im Betrag von 
rund Fr. 1.3 Millionen gebildet werden müssen. Da damals nur Eigenkapital 
im Betrag von rund Fr. 0.6 Millionen vorhanden gewesen sei,58 habe ent-
sprechend bereits Ende 2014 eine Überschuldung im Umfang von rund 
Fr. 0.7 Millionen vorgelegen (Klage Rz. II.4.2.4). Die Klägerin bezieht sich 
bezüglich der weiteren notwendigen Rückstellungen auf die nachfolgend 
abgebildete Tabelle (in welcher sie die relevanten Daten aus der Betriebs-
datenerfassung sowie der Aufstellung der angefangenen Arbeiten per 
31. Dezember 2014 zusammenfasste [Klage S. 14 oben]): 
 

 
 
Sie liest aus der Tabelle, dass für diese Projekte im Jahr 2014 insgesamt 
ein Verlust von Fr. 3'169'958.00 (Spalte 4) erwartet worden sei (werkver-
traglich geschuldete Summe von total Fr. 16'872'743.00 [Spalte 2] abzüg-
lich insgesamt erwarteter Kosten von Fr. 19'770'811.00 [Spalte 3]). Im Ab-
schluss seien jedoch lediglich die bereits realisierten Verluste von 
Fr. 1'877'634.00 (Spalte 9) berücksichtigt worden, welche wie folgt zu be-
rechnen seien: Fakturierte Leistungen von Fr. 6'599'096.00 (Spalte 5) plus 
angefangene Arbeiten von Fr. 1'456'382.00 (Spalte 6)59 ergeben das Total 
der Erträge in Höhe von Fr. 8'055'478.00 (Spalte 7)60, von welchen dann 
die Kosten (Fr. 9'711'650.00) abzuziehen sind (Spalte 8).  
 

 
57  BSK OR II-WATTER/MAIZAR (Fn. 55), Art. 729 N. 11. 
58  Die Beklagte dürfte sich auf Beilage 4 zu KB 11 – der ein Eigenkapital von Fr. 551'252.70 entnom-

men werden kann – beziehen, obwohl an entsprechender Stelle nicht auf diese Urkunde verwiesen 
wird.  

59 Tatsächlich ergibt der Zusammenzug der Beträge in Spalte 6 allerdings ein Total von Fr. 1'456'381. 
60 Tatsächlich beträgt das Total in Spalte 7 allerdings Fr. 8'055'477. 

 - 21 - 
 

 

3.2.2.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte erklärt, ihr sei das Projekt AD bekannt gewesen und sie habe 
diesem die erforderliche Beachtung geschenkt. Der Status per 31. Dezem-
ber 2014 sei aufgrund der damaligen Informationen und nach bestem Wis-
sen und Gewissen erstellt worden. Insbesondere sei die Geschäftsleitung 
damals davon ausgegangen, der zweite Teil des Teilauftrages AD könne 
kostendeckend bewerkstelligt werden, sodass 2015 keine Verluste mehr 
anfielen (Antwort Rz. 35). Sowohl der damalige Verwaltungsratspräsident 
J._____ wie auch der Geschäftsführer AB._____ seien im Januar 2015 ex-
plizit der Ansicht gewesen, dass der Auftrag AD "mit dem Verlust im Ab-
schluss 2014 als Worst-Case-Szenarium" abgebildet sei (Antwort Rz. 36; 
AB 5). Hinsichtlich einer im Dezember 2014 von der H._____ AG verschick-
ten Nachtragsrechnung über Fr. 1'253'063 exkl. MwSt. (AB 6) habe die Be-
klagte – gegen erheblichen Widerstand seitens des Verwaltungsrates – so-
dann mit Unterstützung der für die Buchhaltung zuständigen AC._____ AG 
eine Rückstellung in Höhe von Fr. 1.2 Millionen durchgesetzt (verbucht als 
Delkredere; Antwort Rz. 37)  
 
Überdies habe die Beklagte sich nicht nur auf die Ausführungen und Ab-
klärungen der Gesellschaft beschränkt, sondern einen Bericht des direkt 
involvierten Personals (Baustellenleiter AD._____ und Bauingenieur 
AE._____) eingeholt (Antwort Rz. 38; AB 7). Dieser Bericht enthalte einen 
Rückblick auf das Jahr 2014 sowie einen Ausblick auf den künftigen Ver-
lauf. Es werde festgehalten, dass umfangreiche Massnahmen getroffen 
worden seien, um Qualität und Leistung künftig zu steigern und die Gesell-
schaft aus den gewonnenen Erfahrungen nun wisse, wie ein solches Pro-
jekt angepackt und erfolgreich zu Ende geführt werden könne (Antwort 
Rz. 39). Diese Ausführungen seien plausibel gewesen und stammten von 
den Personen, welche aufgrund ihrer Stellung die nötige Kompetenz aus-
gewiesen hätten. Die Beklagte habe folglich von deren Richtigkeit ausge-
hen können (Antwort Rz. 40). 
 
3.2.2.3. Beurteilung 
Es ist unverständlich, weshalb in der Tabelle der Klägerin auch das Teil-
projekt 11-015 abgebildet ist, die dieses Projekt betreffenden Zahlen aber 
nur selektiv nachgetragen bzw. in der Berechnung berücksichtigt worden 
sind. So erklärt die Klägerin nicht, weshalb sie dieses Teilprojekt bei der 
Ermittlung der Vertragssummen (Spalte 2) sowie der insgesamt erwarteten 
Kosten (Spalte 3) berücksichtigt, dann aber nicht bei der Ermittlung des 
Verlustes (Spalte 4). Würde das Teilprojekt 11-015 auch dort miteinbezo-
gen, wäre dafür ein zu erwartender Gewinn von Fr. 271'890 (Fr. 1'613'914 
[Spalte 2] – Fr. 1'342'024 [Spalte 3]) einzusetzen und das Total der voraus-
sichtlichen Verluste (Spalte 4) würde sich um diesen Betrag auf 
Fr. 2'898'068 verringern. Auch bei der Ermittlung der bereits angefallenen 
Verluste wird das Teilprojekt 11-015 lediglich selektiv miteinberechnet. So 
wird es zwar zur Ermittlung der Gesamterträge (Spalten 5-7) und bei den 

 - 22 - 
 

 

bereits angefallenen Kosten (Spalte 8) einbezogen, nicht aber, um die ge-
samten bereits verbuchten Verluste (Spalte 9) zu berechnen. Berücksich-
tigt man das Teilprojekt 11-015 auch in Spalte 9, wird der Verlust von 
Fr. 1'877'634 (richtig: Fr. 1'877'635) um Fr. 221'462 (Fr. 1'318'226 – 
Fr. 1'096'764) auf Fr. 1'656'173 vermindert. Entsprechend wären – nach 
der Logik der Klägerin – leicht weniger hohe zusätzliche Rückstellungen 
von Fr. 1'241'895 (Fr. 2'898'068 – Fr. 1'656'173) zu bilden gewesen (also 
Fr. 50'429 weniger). Die Differenz ist nicht gross, aber auch nicht unerheb-
lich. 
 
Entscheidender ist aber, dass unbestritten ist, dass im Jahresabschluss 
2014 eine Nachtragsrechnung vom 16. Dezember 2014 (AB 6) im Teilpro-
jekt 11-017 im Betrag von Fr. 1'253'063 exkl. MwSt. über das Delkredere 
im Umfang von Fr. 1'200'000 (Betrag ebenfalls exkl. MwSt., vgl. die Be-
rechnung in Antwort Rz. 70 ff., wo stets ohne MwSt. gerechnet wurde) wie-
der ausgerechnet wurde (Antwort Rz. 72 f.; Replik Rz. III.17). In der obigen 
Tabelle in Spalte 5 beim Teilprojekt 11-017 versteht sich der Betrag von 
Fr. 3'415'273 inklusive die gesamte Nachtragsrechnung (d.h. ohne Berück-
sichtigung des Delkredere; so die Berechnung in Antwort Rz. 70). Die 
Fr. 3'415'273 (ebenfalls exkl. MwSt., vgl. Beilage 7 zu KB 11) sind folglich 
rechnerisch um Fr. 1'200'000 auf Fr. 2'215'273 zu korrigieren. Somit be-
trägt der Ertrag des Teilprojekts 11-017 neu total Fr. 3'670'486 
(Fr. 2'215'273 + Fr. 1'455'213) und der bereits verbuchte Verlust beläuft 
sich abzüglich der Kosten von Fr. 6'550'804 auf Fr. 2'880'318. Über alle 
Projekte ergeben sich somit bereits verbuchte Verluste von Fr. -2'856'173 
(Fr. 221'462 – Fr. 56'948 – Fr. 2'880'318 – Fr. 140'369). Da sich an der 
werkvertraglich vereinbarten Vertragssumme im Teilprojekt 11-017 
(Fr. 6'314'749) durch eine Nachtragsrechnung nichts ändert, bleiben die 
Zahlen in den Spalten "Stand Ende 2014" (Spalten 2-4) gleich. Dass die 
Nachtragsrechnung in dieser Spalte nicht berücksichtigt wurde, ergibt sich 
im Weiteren auch daraus, dass die Geschäftsleitung anlässlich des Ban-
kengesprächs X._____ vom 19. Februar 2015 erklärte (Antwort Rz. 36; 
AB 5), dass es sich bei dem im Abschluss 2014 abgebildeten Verlust im 
Projekt AD um das Worst-Case-Szenario handle. Die nun folgenden Arbei-
ten würden mit berechtigten Mehrforderungen (angemeldet und in Ver-
handlung) ausgeführt (oder nicht ausgeführt). Das Projekt könne entspre-
chend voraussichtlich mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen werden 
(AB 5). Diese Ausführungen würden keinen Sinn ergeben, wenn bei den 
Zahlen "Stand Ende 2014" die Nachtragsforderung bereits berücksichtigt 
wäre, weist doch das Gesamtprojekt gemäss Tabelle einen massiven Ver-
lust aus und nicht – wie von der Geschäftsleitung damals behauptet – einen 
kleinen Gewinn.  
 
Das Projekt weist zwar auch unter Berücksichtigung der Nachtragsforde-
rung noch einen Verlust aus. Diese Nachtragsforderung bezieht sich aber 

 - 23 - 
 

 

nur auf das Teilprojekt 11-017. Gemäss Darstellung anlässlich des Ban-
kengesprächs hätten aber mehrere Nachtragsforderungen gestellt werden 
sollen (AB 5 S. 2). Überdies behauptet auch die Klägerin nicht, die Nach-
tragsrechnung sei in den Zahlen "Stand Ende 2014" bereits berücksichtigt 
worden (vgl. Replik Rz. III.17 ff. sowie Klage Rz. II.5, wo die Fr. 16.9 Milli-
onen [genau: Fr. 16'872'743] als Vertragssumme bezeichnet werden, was 
nicht darauf schliessen lässt, dass Nachtragsforderungen bereits berück-
sichtigt wurden). 
 
Es ergibt sich somit die nachfolgende korrigierte Tabelle: 
 

 
 
Damit vermindert sich der Bedarf für zusätzliche Rückstellungen auf 
Fr. 41'895 (Fr. 2'898'068 – Fr. 2'856'173).  
 

 
Nach der von der Klägerin propagierten Berechnung war die Gesellschaft 
angesichts eines Eigenkapitals von Fr. 551'252.70 per Ende 2014 folglich 
nicht überschuldet. Auf die weiteren Einwendungen der Beklagten gegen 
diese Berechnungsweise braucht folglich nicht mehr eingegangen zu wer-
den. 
 
3.2.3. Bedarf nach weiteren Rückstellungen aufgrund zu positiver 
 Einschätzung des Kostenverlaufs 
3.2.3.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin macht weiter geltend, die per Ende 2014 erwarteten Kosten 
seien überdies viel zu tief eingeschätzt worden. Wie der weitere Verlauf 
gezeigt habe, seien insgesamt Kosten von rund Fr. 28.4 Millionen (Kosten 
bei Konkurseröffnung sowie während des Konkursverfahrens geltend ge-
machte Fertigstellungskosten) angefallen, mithin also rund Fr. 8.6 Millionen 
mehr als per Ende 2014 erwartet (Klage Rz. II.4.2.3): 
 

Teilprojekt Kosten
Δ Leistung / 
Kosten

Vertrag Erwartet Verlust Fakturiert Angef. Arb. Total
11-015 1'613'914 1'342'024 271'890 1'291'247 26'979 1'318'226 1'096'764 221'462
11-016 7'002'437 7'794'102 -791'665 603'835 -99'871 503'964 560'912 -56'948
11-017 6'314'749 8'493'060 -2'178'311 2'215'273 1'455'213 3'670'486 6'550'804 -2'880'318
11-018 1'941'643 2'141'625 -199'982 1'288'741 74'060 1'362'801 1'503'170 -140'369
Total Aufträge 16'872'743 19'770'811 -2'898'068 5'399'096 1'456'381 6'855'477 9'711'650 -2'856'173

rot = korrigierte Zahlen

Stand Ende 2014 Verbuchte Leistungen Erträge

erwarterter Verlust 2'898'068

bereits verbuchter Verlust -2'856'173
zusätzliche Rückstellungen 41'895

 - 24 - 
 

 

 
 
Wenn die Beklagte die Zahlen der H._____ AG (unter anderem bezüglich 
Arbeitsfortschritt) kritisch hinterfragt hätte, hätte sie weitergehender Rück-
stellungsbedarf für Verluste erkennen müssen (Klage Rz. II.4.2.3.2 und 
4.2.4). Die Kosten seien während des gesamten Projekts mehr oder weni-
ger parallel zum Fertigstellungsgrad angefallen. Das Projekt habe Ende 
2014 einen Fertigstellungsgrad von 34.5% ausgewiesen, es seien aber 
schon Kosten von Fr. 8.05 Millionen angefallen, also die Hälfte der Ver-
tragssumme von Fr. 16.9 Millionen. Man habe mit der Vertragssumme also 
lediglich 70% des Projekts realisieren können und es sei somit ein Verlust 
von 30% bzw. von Fr. 5 Millionen zu erwarten gewesen (Klage Rz. II.5).  
 
3.2.3.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte ist demgegenüber der Ansicht, dass im Zeitpunkt der Revision 
gerade nicht habe vorausgesehen werden können, dass sich die Kosten 
weiterhin wie in der Vergangenheit weiterentwickeln würden (Antwort 
Rz. 90 ff.).  
 
3.2.3.3. Beurteilung 
In der Tat kann der Beklagten nicht zum Vorwurf gemacht werden, damals 
nicht erkannt zu haben, dass sich die Kosten zukünftig so wie in der Ver-
gangenheit weiterentwickeln werden. Die Klägerin legt denn auch lediglich 
dar, dass es sich rückblickend so verhalten habe, nicht jedoch weshalb dies 
im Zeitpunkt der Revision schon hätte erkennbar sein sollen. Zudem kann 
von der Beklagten als Revisionsstelle kein Fachwissen hinsichtlich der in 
einem Metallbauprojekt auflaufenden Kosten erwartet werden. Von einer 
Revisionsstelle kann Sachverstand im Bereich Rechnungslegung erwartet 
werden. Hingegen ist sie nicht Fachspezialistin in der Brache, in welcher 
die revidierte Unternehmung tätig war (hier Metallbau). Diesbezüglich war 
sie daher auf akkurate Information der revidierten Unternehmung angewie-
sen. Von der H._____ AG erhielt sie die Auskunft, dass Massnahmen ge-
troffen worden seien, damit der zweite Teil des Projekts mit einem kleinen 
Gewinn abgeschlossen werden könne (AB 5) und der abgebildete erwar-
tete Verlust das Worst-Case-Szenario darstelle. Eine Pflichtverletzung der 
Beklagten wird von der Klägerin folglich weder dargelegt, noch ist eine sol-
che erkennbar. 
 

 - 25 - 
 

 

3.2.4.  Sanierungskonzept / Überschuldungsanzeige 
3.2.4.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin behauptet, die Beklagte sei nicht nur Revisionsstelle gewesen. 
Sie sei auch federführend bei der Sanierung der H._____ AG gewesen. Sie 
habe das Sanierungskonzept vom 11. März 2015 erarbeitet. In diesem 
werde auf S. 4 festgehalten, dass die Umsetzungsschritte des Sanierungs-
konzepts miteinander verkettet seien, und falls diese nicht vollzogen wür-
den, das Kartenhaus zusammenfalle. Die Beklagte habe daher gewusst, 
dass die H._____ AG eigentlich die Bilanz hinterlegen müsste (Klage 
Rz. II.7).  
 
3.2.4.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte bestreitet, federführend bei der Sanierung gewesen zu sein. 
Im Weiteren habe sich die Finanzlage kurz nach Abgabe des Revisionsbe-
richts weiter verschlechtert. Insbesondere habe sich gezeigt, dass der Li-
quiditätsbedarf der Gesellschaft bedeutend höher sei. So habe die 
AF._____ AG (Auftraggeberin im Projekt AD) ihre Werklohnzahlungen im-
mer mehr verzögert. Der Fokus bei der Sanierung habe auf der Beschaf-
fung von Liquidität gelegen. Die einzelnen Schritte des Sanierungskon-
zepts seien voneinander abhängig gewesen. Bei Nichtvollzug eines 
Schritts wären die anderen hinfällig geworden (Antwort Rz. 95 ff.). 
 
3.2.4.3. Beurteilung 
Aus dem Sanierungskonzept vom 11. März 2015 (KB 16) geht hervor, dass 
die H._____ AG im damaligen Zeitpunkt einen dringenden Liquiditätsbedarf 
von Fr. 1.5 Millionen (davon Fr. 0.5 Millionen innert weniger Tage) hatte. 
Die Tatsache, dass die H._____ AG sich damals in einem Liquiditätseng-
pass befunden hat, bedeutet nicht (zwingend), dass sie auch überschuldet 
war und die Bilanz i.S.v. Art. 725 Abs. 2 aOR hätte hinterlegen müssen. Im 
Fokus stand offenbar vielmehr die Abwendung eines Konkurses aus ande-
ren Gründen (etwa zufolge Einstellung der Zahlungen gemäss Art. 190 
Abs. 1 Ziff. 2 SchKG oder zufolge ordentlicher Konkursbetreibung gemäss 
Art. 159 ff. OR). Was die Ausdrucksweise angeht, das Kartenhaus falle zu-
sammen, ist auf den genauen Wortlaut im Sanierungskonzept (KB 16, S. 4) 
zu verweisen: "Die obigen Schritte sind verkettet. Falls ein Schritt nicht voll-
zogen werden kann, 'fällt das Kartenhaus zusammen'." Demgemäss wird 
im Sanierungskonzept lediglich zum Ausdruck gebracht, dass die einzelnen 
Sanierungsschritte sich gegenseitig bedingen. Entgegen der Klägerin kann 
aus dem Sanierungskonzept somit nicht abgeleitet werden, dass der Revi-
sionsstelle damals bewusst gewesen wäre, dass die H._____ AG über-
schuldet war. 
 
3.2.5. Abklärungen von CEO AB._____ 
3.2.5.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin trägt vor, im Verlauf des Jahres 2015 sei dann auch vom CEO 
der H._____ AG (AB._____) festgestellt worden, dass der Jahresabschluss 

 - 26 - 
 

 

2014 falsch sei und insbesondere die angefangenen Arbeiten zu hoch be-
wertet worden seien. AB._____ habe den Verwaltungsrat entsprechend in-
formiert (KB 21). Man habe sich daher geweigert, die ausstehende Hono-
rarforderung der Beklagten zu begleichen, was der Beklagten mit Schrei-
ben vom 23. Juli 2015 (KB 22) mitgeteilt worden sei. 
 
Gemäss Berechnungen des CEO der H._____ AG, welche er in einer Ak-
tennotiz vom 2. Juni 2015 (KB 23) zusammengefasst habe, habe zwischen 
den bilanzierten Arbeiten für 2013 einerseits und dem effektiven Wert die-
ser Arbeiten eine Differenz von Fr. 1'387'702.00 bestanden. Für 2014 habe 
das Delta sogar Fr. 3'184'803.00 betragen.  
 
Diese Aktennotiz habe einerseits auf den angefangenen Arbeiten gemäss 
den Abschlüssen 2013 und 2014 sowie andererseits der Überprüfung die-
ser Bewertungen für die Arbeiten 2013 im Jahr 2014 und für die Arbeiten 
2014 in der ersten Hälfte 2015 beruht. 
 
Im Jahresabschluss 2013 seien die angefangenen Arbeiten mit 
Fr. 2'088'000.00 bilanziert worden. Dem stünden Vorauszahlungen von 
Kunden in Höhe von Fr. 2'513'000.00 (Konto-Nr. 2011) gegenüber. Diese 
Bilanzierung stütze sich auf die Betriebsdatenerfassung 2013 (KB 24). Ob-
wohl 2013 bereits klar ersichtlich gewesen sei, dass der Auftrag AD schwer 
negativ ausfallen werde, seien die Grossaufträge 11-017 und 11-018 bei-
spielsweise mit einer Gewinnmarge von Fr. 9.8% (11-017) oder gar 15% 
(11-018) bilanziert worden.  
 
Bei der Überprüfung der angefangenen Arbeiten im Juni 2015 habe 
AB._____ diese Bewertung aufgrund der effektiven Ergebnisse überprüft 
und dabei einerseits grosse Differenzen zwischen der Bewertung und den 
effektiven Erlösen festgestellt (KB 25). Es habe sich eine Differenz von 
Fr. 1'387'702.00 ergeben. Es werde die Edition der Excel-Dateien (ge-
meint: Betriebsdatenerfassung für das Jahr 2014 [Replik Rz. III.11]) bei 
AB._____ sowie dessen Befragung als Zeuge beantragt. 
 
Neben der Überprüfung der Werte habe AB._____ in allen Sparten auch 
bezüglich der angefangenen Arbeiten Unstimmigkeiten festgestellt. So 
seien Positionen in den angefangenen Arbeiten aufgeführt worden, für wel-
che bereits Schlussrechnung gestellt worden sei. Für den Beweis dieser 
Unstimmigkeiten werde die Edition der Buchhaltungsunterlagen für 2013 
bei der O._____ AG bzw. beim Konkursamt S._____ (recte: T._____) be-
antragt. 
 
Die genau gleiche Überprüfung habe AB._____ auch für das Jahr 2014 bei 
den angefangenen Arbeiten gemacht. Die angefangenen Arbeiten seien 
mit Fr. 3'162'000.00 bilanziert worden. Diesen angefangenen Arbeiten 

 - 27 - 
 

 

stünden Vorauszahlungen von nur Fr. 660'000.00 gegenüber (KB 15 [ge-
meint wohl: Beilage 5 zu KB 11], Jahresrechnung 2014, Konto-Nr. 1080 
und 2011). 
 
Das Vorgehen sei das Gleiche gewesen: Grundlage seien die angefange-
nen Arbeiten per 31. Dezember 2014 gewesen, wie sie aufgrund der Be-
triebsdatenerfassung (KB 26) in die Bilanz eingeflossen seien. 
 
Auch hier sei der Wert der angefangenen Arbeiten im Juni 2015 aufgrund 
der Abrechnungen und der Ergebnisse berücksichtigt worden. Der Auftrag 
(Teilprojekt) 11-017 sei im Jahresabschluss mit Fr. 1'455'213.00 bilanziert 
worden, resultiert habe aber ein negatives Ergebnis von Fr. 21'236.00, das 
als Vorauszahlung verbucht worden sei. Allein aus diesem Auftrag ergebe 
sich eine Differenz von Fr. 1'476'449.00.  
 
Ebenso gravierend sei der Auftrag (Teilprojekt) 11-018, der zwar nur mit 
Fr. 74'000.00 in die Rechnung eingeflossen sei, aber ein negatives Ergeb-
nis in Höhe von Fr. 291'216.00 zur Folge gehabt habe, woraus sich allein 
aus diesem Auftrag eine Differenz von Fr. 365'276.00 ergebe.  
 
Im Weiteren seien wiederum unzählige Unstimmigkeiten bei der Bewertung 
der angefangenen Arbeiten festgestellt worden. 
 
Wäre die Beklagte ihren Prüfungspflichten nachgekommen, hätte sie die 
bilanzierten Arbeiten überprüfen müssen. Sie hätte niemals angefangene 
Arbeiten für AD im Wert von rund Fr. 1.5 Millionen genehmigen dürfen. 
 
Wären die angefangenen Arbeiten richtig berücksichtigt worden, so hätte 
sich 2013 anstatt eines Unternehmenserfolgs ein Unternehmensverlust 
von Fr. 1'240'412.43 ergeben (ausgewiesener Unternehmenserfolg von 
Fr. 147'289.57 abzüglich Überbewertung angefangener Arbeiten von 
Fr. 1'387'702.00). 
 
2014 hätte sich ein Betriebsverlust von Fr. 4'638'397.64 (Betriebsverlust 
von Fr. 1'453'594.64 zuzüglich Überbewertung angefangener Arbeiten 
Fr. 3'184'803.00) ergeben. 
 
Indem es die Beklagte unterlassen habe, die angefangenen Arbeiten ge-
setzeskonform zu überprüfen, habe sie die Überschuldung der Gesellschaft 
nicht festgestellt (Klage Rz. II.4.2.5 und II.8 ff.).  
 
3.2.5.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte führte aus, es werde bestritten, dass der neue Verwaltungsrat 
der H._____ AG im Juli 2015 darauf aufmerksam gemacht worden sei, 
dass grosse Unregelmässigkeiten im Abschluss 2014 festgestellt worden 

 - 28 - 
 

 

seien. Die in der handschriftlichen Notiz von AB._____ dargestellten Zah-
len (KB 23) seien nicht nachvollziehbar und würden in der Klage auch nicht 
hergeleitet. Die Zahlen würden bestritten. 
 
AB._____ habe sich im Sommer 2015 offenbar fast einen Monat lang einzig 
um die Aufarbeitung des Projekts AD gekümmert. Er sei aufgrund von In-
formationen, die im ersten Halbjahr 2015 neu dazugekommen seien, zu 
einer anderen Ansicht gelangt. Im Zeitraum Jahreswechsel 2014/2015 
seien sowohl er wie auch die übrigen Gesellschafter noch anderer Ansicht 
gewesen. Damals habe er bestätigt, dass "der Auftrag AD (…) mit dem Verlust 
im Abschluss 2014 als Worst-Case-Szenarium abgebildet sei". Weiter habe er 
bestätigt, dass die "nun folgenden Arbeiten (…) mit berechtigten Mehrforderun-
gen ausgeführt" und "voraussichtlich mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen" 
würden. Die Fehler der ersten Etappe seien erkannt und die entsprechen-
den Korrekturen eingeleitet (AB 5). AB._____ habe natürlich ein Interesse 
daran gehabt, die Gründe für gegenwärtiges Ungemach in die Vergangen-
heit zu rücken, in einen Zeitraum, für welchen er die Gesamtverantwortung 
noch nicht getragen habe. 
 
Inwiefern sich aus den Ausführungen der Klägerin (respektive den Berech-
nungen von AB._____ im Sommer 2015) eine Pflichtverletzung der ledig-
lich für Prüfungshandlungen zuständigen Beklagten ableiten lasse, werde 
nicht ansatzweise dargelegt. Bezeichnend sei auch, dass AB._____ die da-
maligen Bewertungen mit den effektiven Ergebnissen verglichen habe (die 
aber erst im zweiten Halbjahr 2015 eingetroffen seien). Die Klägerin versu-
che aus der Rückschau eine Pflichtverletzung zu konstruieren. Es werde 
bestritten, dass bereits im Jahr 2013 ersichtlich gewesen sei, dass der Auf-
trag AD schwer negativ ausfallen würde.  
 
Es werde auch bestritten, dass angefangene Arbeiten aufgeführt worden 
seien, für welche bereits Schlussrechnung gestellt worden sei. Ohnehin sei 
unklar, inwiefern sich das Betriebsergebnis ändere, wenn aufgrund einer 
Fehlbuchung dieselben Beträge im Konto angefangene Arbeiten anstatt im 
Konto Debitoren aufgeführt würden. Die von der Klägerin gestellten Editi-
onsbegehren, mit welchen sie die Herausgabe von Excel-Dateien im Besitz 
von AB._____ verlange, seien ungenügend. 
 
Es werde bestritten, dass bereits Ende 2014 eine Überschuldung vorgele-
gen habe. Doch selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, so sei sie 
durch die Sanierung im März 2015 behoben worden. Weiter werde bestrit-
ten, dass die Beklagte hinsichtlich der bilanzierten Höhe der angefangenen 
Arbeiten pflichtwidrig gehandelt habe (Antwort Rz. 106 ff.).  
 
3.2.5.3. Beurteilung 
Die Beklagte weist zu Recht daraufhin (Antwort Rz. 106 ff.), dass die Klä-
gerin sich im Wesentlichen damit begnügt, auf Berechnungen des CEO zu 

 - 29 - 
 

 

verweisen und geltend zu machen, die Beklagte hätte diese Unstimmigkei-
ten erkennen müssen. Diese Berechnungen sind aber nur teilweise nach-
vollziehbar.  
 
Zwar kann der Klägerin noch gefolgt werden, wenn sie sich auf die Konten 
angefangene Arbeiten (Konto-Nr. 1080; 2013: Fr. 2'088'000.00; 2014: 
Fr. 3'162'000.00) und Vorauszahlungen (Konto-Nr. 2011; 2013: 
Fr. 2'513'000.00; 2014: Fr. 660'0000.00) der Jahresrechnung (Beilage 5 zu 
KB 11) bezieht und in KB 23 die Differenz zwischen den angefangenen Ar-
beiten und den Vorauszahlungen (2013; Fr. -425'000.00; 2014: 
Fr. 2'502'000.00) berechnet. Auch kann nachvollzogen werden, wenn die 
Klägerin dann die Differenz zu diesem Betrag und den "effektiv" angefan-
genen Arbeiten, welche sie aus KB 25 und 27 herausliest, ermittelt (vgl. 
hierzu KB 25 für 2013: effektiv Fr. -1'812'702.00; ergibt eine Differenz zu 
Fr. -425'000.00 von Fr. -1'387'702.00; KB 27 für 2014: effektiv                    
Fr. -682'803.00; ergibt eine Differenz zu Fr. 2'502'000.00 von                      
Fr. -3'184'803.00).  
 
Allerdings handelt es sich bei diesen effektiven Werten um Zahlen, die im 
Zeitpunkt der Revision des Abschlusses 2014 noch gar nicht vorlagen. Die 
Berechnungen sind folglich von vornherein nicht geeignet, eine Pflichtver-
letzung der Beklagten zu begründen. Bei dieser Sachlage kann auf die be-
antragte Edition der Betriebsdatenerfassung 2014 sowie aller Protokolle 
des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung bis April 2015 bei 
AB._____ bzw. dessen Einvernahme als Zeuge verzichtet werden (Antwort 
Rz. II.9; Replik Rz. III.11). 
 
Nicht nachvollzogen werden kann die Behauptung, es seien Unstimmigkei-
ten bei der Bewertung der angefangenen Arbeiten festgestellt worden, da 
Positionen in den angefangenen Arbeiten aufgeführt worden seien, für wel-
che bereits Schlussrechnungen erstellt worden seien. Denn die Klägerin 
legt nicht dar, wie diese Unstimmigkeiten festgestellt werden können. Im 
Weiteren wurde diese Behauptung von der Beklagten auch bestritten. Den 
Beweis für ihre Behauptungen tritt die Klägerin nicht an. Zwar beantragt sie 
die Edition von Buchhaltungsunterlagen beim Konkursamt (Klage Rz. 9a). 
Ein solch unspezifisches Editionsbegehren ist indessen unzulässig, weil 
nicht klar wird, welche Dokumente genau gemeint sind. Die Klägerin unter-
liess es auch in der Replik, das Editionsbegehren trotz entsprechender Hin-
weise der Beklagten (Antwort Rz. 112) zu spezifizieren (Replik Rz. III.11). 
Ebenfalls reagierte sie nicht auf den berechtigten Einwand der Beklagten 
(vgl. Antwort Rz. 111), das Gesamtergebnis werde nicht beeinträchtigt, 
wenn Leistungen als angefangene Arbeiten bilanziert seien, obwohl sie (zu-
folge Stellung der Schlussrechnung) als Debitoren bilanziert werden müss-
ten. Anders verhielte es sich nur, wenn diese Arbeiten doppelt (also sowohl 
bei den angefangenen Arbeiten wie auch bei den Debitoren) verbucht wor-
den wären. Solches behauptete die Klägerin allerdings erst im Rahmen des 

 - 30 - 
 

 

Schlussvortrages und damit verspätet (vgl. die anderslautende Behaup-
tung der Beklagten in Antwort Rz. 111, die von der Klägerin in Replik 
Rz. III.31 nicht bestritten wurde, sondern erst in Schlussvortrag Rz. 14; zum 
Rechtlichen vgl. oben E. 2.5 f.).  
 
3.2.6. Falsche Mehrwertsteuerabrechnung 
3.2.6.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin beruft sich weiter darauf, dass sie gemeinsam mit der H._____ 
AG für das Los Stahlwasserbau Kraftwerk AG._____ eine Arbeitsgemein-
schaft (ARGE) gebildet habe und für die ARGE eine eigene Mehrwertsteu-
ernummer eröffnet worden sei, wobei die H._____ AG für die Gesamtpro-
jektleitung und die Administration verantwortlich gewesen sei. Die Revision 
der Mehrwertsteuer zeige, dass die H._____ AG über diese Mehrwertsteu-
ernummer in den Jahren 2012 bis 2014 viel zu hohe Umsätze abgerechnet 
habe und damit viel zu hohe Vorsteuerabzüge erhalten habe. Gemäss die-
ser Revision betrage die Steuerkorrektur zugunsten der Steuerverwaltung 
Fr. 226'506.00. Weil die Klägerin mit der H._____ AG eine ARGE gebildet 
habe, habe die Klägerin den gesamten zu Unrecht bezogenen Vorsteuer-
abzug zurückerstatten müssen. Die Klägerin erachte die Rückerstattung le-
diglich im Umfang von Fr. 45'000.00 für gerechtfertigt, da sie diesen Betrag 
selbst von der konkursiten Gesellschaft im Jahre 2013 unter dem Titel 
Rückerstattung Mehrwertsteuer erhalten habe. Die konkursite Gesellschaft 
habe dann aber zusätzlich am 18. Juni 2014 über die fingierte Rechnung 
12-028 vom 28. Mai 2014 den Betrag von Fr. 216'000.00 bezogen. Dieser 
Betrag sei dem ARGE-Konto am 18. Juni 2014 belastet worden. Wenn die 
Beklagte ihrer Prüfungspflicht nachgekommen wäre, hätte sie feststellen 
müssen, dass die H._____ AG in den Jahren 2013 und 2014 zu hohe Um-
sätze betreffend die ARGE abgerechnet habe. Der im Jahre 2013 dekla-
rierte Vorsteuerabzug entspreche einem Umsatz von Fr. 2 Millionen. Eine 
solche Grössenordnung habe der Beklagten auffallen müssen, dies insbe-
sondere deshalb, weil der Jahresumsatz der Sparte Stahlwasserbau im 
Jahr 2013 lediglich Fr. 7.2 Millionen betragen habe (Klage Rz. II.11). 
 
3.2.6.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte macht geltend, die Ausführungen der Klägerin seien für einen 
unabhängigen Dritten konfus. Es bleibe unklar, welchen direkten Schaden 
die Klägerin hier beziffere. Was die Pflichtwidrigkeit angehe, so enthalte die 
Klage nicht genügend substantiierte Ausführungen, um überhaupt bestrei-
ten zu können. Es bleibe unklar, inwiefern die H._____ AG in den Jahren 
2013 und 2014 zu hohe Umsätze im Rahmen der ARGE abgerechnet habe. 
Weiter werde auch nicht klar, weshalb die Beklagte hätte wissen sollen, 
dass die Rechnung 12-208 fingiert gewesen sei (Antwort Rz. 114 ff.).  
 
3.2.6.3. Beurteilung 
Das Handelsgericht versteht die Ausführungen der Klägerin nicht so, dass 
sie einen direkten Schaden geltend machen würde. Vielmehr scheint sie 

 - 31 - 
 

 

davon auszugehen, dass die gemeldeten zu hohen Umsätze ebenfalls 
dazu geführt hätten, dass der Jahresabschluss 2014 nicht korrekt gewesen 
sei und der Beklagten dies hätte auffallen müssen. Indessen ist der Beklag-
ten zuzustimmen, dass es im Einzelnen nicht möglich ist, den Ausführun-
gen der Klägerin zu folgen. So wird weder dargelegt, weshalb die H._____ 
AG aufgrund dieser falschen Mehrwertsteuerabrechnung überschuldet ge-
wesen wäre, noch wird dargelegt, wie die Beklagte im Rahmen einer ein-
geschränkten Revision hätte feststellen können, dass die Rechnung 12-
208 fingiert und die Mehrwertsteuerabrechnung falsch war. Auch bei die-
sem Vorbringen der Klägerin erübrigt sich eine weitere Prüfung der Pflicht-
verletzung bereits deshalb, weil es schon an einem schlüssigen Vortrag 
fehlt.  
 
3.2.7. Bewertung der Aktiven 
3.2.7.1. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin macht unter Bezugnahme auf ihre Behauptung, der Beklagten 
sei aufgrund der Erstellung des Sanierungskonzeptes klar gewesen, dass 
bei Scheitern der Sanierung über die H._____ AG der Konkurs hätte eröff-
net werden müssen, geltend, die Beklagte hätte auch die übrigen Aktiven 
einer genaueren Prüfung unterziehen müssen. Weiter behauptet sie, wenn 
die Klägerin dies getan hätte, hätte sie feststellen müssen, dass die in den 
Sachanlagen prognostizierten stillen Reserven gleich null gewesen seien. 
Bei einer Bilanz zu Liquidationswerten seien die Positionen 1110 bis 1121 
praktisch mit null einzusetzen. Im Rahmen der konkursamtlichen Verwer-
tung seien für die Vorräte und das gesamte Anlagevermögen exklusive Lie-
genschaft Fr. 1'164'000.00 erzielt worden. Die Liegenschaft werde inklu-
sive Aussenlagerplatz Kran mit Fr. 4.4 Millionen bilanziert. Die Liegenschaft 
der H._____ AG sei für Fr. 4.5 Millionen noch vor Konkurseröffnung zu-
nächst an die Rechtsanwalt B._____ gehörende AH._____ AG verkauft 
worden und hernach an die (ursprünglich als Auffanggesellschaft gegrün-
dete) AI._____ AG zum selben Preis weiterübertragen worden. Die Liegen-
schaft habe schliesslich zum geschätzten Verkehrswert von Fr. 4.45 Millio-
nen (also mit einem Verlust von Fr. 50'000.00) an die AJ._____ AG verkauft 
werden können (Klage Rz. II.12). 
 
3.2.7.2. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte führt aus, es sei unklar, was die Klägerin mit diesen Ausfüh-
rungen bezwecke. Fest stehe, dass die Liegenschaft bereits im Jahr 2002 
mit Fr. 5'515'000.00 bewertet worden sei. Es sei gerichtsnotorisch, dass die 
Preise von Schweizer Liegenschaften im Verlauf der letzten Jahre und 
Jahrzehnte zumindest stabil geblieben, meist sogar stark gestiegen seien. 
Einer Revisionsstelle könne folglich nicht vorgeworfen werden, dass sie 
mangels gegenteiliger objektiver Anhaltspunkte eine professionelle Immo-
bilienschätzung nicht hinterfrage (Antwort Rz. 118 ff.). 
 

 - 32 - 
 

 

3.2.7.3. Beurteilung 
Die Klägerin erwähnt in ihren Ausführungen Zahlen, ohne aufzuzeigen, auf 
welche Dokumente sie sich bezieht. Es scheint jedoch, sie beziehe sich auf 
die Bilanz per 31. Dezember 2014 (vgl. Beilage 5 zu KB 11). Verständlicher 
werden die Ausführungen allerdings auch dann nicht, wenn – entgegen der 
Verhandlungsmaxime – Beilage 5 zu KB 11 von Amtes wegen konsultiert 
wird. So macht die Klägerin geltend, dass die Liegenschaft zu einem Wert 
von Fr. 4'450'000.00 auf dem Markt habe verkauft werden können und die 
Vorräte (gemeint ist offenbar Position 1070; bilanziert zu Fr. 919'000.00) 
und das übrige Anlagevermögen (gemeint sind wohl die Positionen 1110 
bis 1121, bilanziert zu Fr. 658'000.00) für Fr. 1'164'000.00 konkursamtlich 
hätten verwertet werden können. Die genannten Positionen (1070 und 
1101 bis 1121) wurden per 31. Dezember 2014 mit Fr. 5'972'000.00 bilan-
ziert und konnten gemäss Darstellung der Klägerin für Fr. 5'614'000.00 ver-
kauft bzw. verwertet werden (Fr. 1'164'000.00 + Fr. 4'500'000.00). Die Dif-
ferenz von Fr. 308'000.00 entspricht rund 5.2 % des bilanzierten Wertes 
und erscheint damit nicht als derart gross, dass eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung der Revisionsstelle erkennbar wäre, zumal es sich bei Beilage 5 zu 
KB 11 um eine Bilanz zu Fortführungswerten handelt, während die Verwer-
tung letztlich natürlich zu Liquidationswerten erfolgte.  
 
Überdies ist auch nicht klar, ob der Bestand der Vorräte im hypothetischen 
Konkurszeitpunkt dem Bestand der Vorräte im Zeitpunkt der Konkurseröff-
nung entsprach. Die Vergleichbarkeit der Zahlen ist mit anderen Worten 
ebenfalls fraglich. Die Liegenschaft (Positionen 1101 bis 1104) schliesslich 
war nicht über- sondern unterbewertet (bilanziert zu Fr. 4'395'000.00, ver-
kauft auf dem freien Markt für Fr. 4'450'000.00). Mit dem Verkauf wurden 
folglich stille Reserven aufgelöst. Was die Klägerin im Übrigen mit ihrem 
Hinweis auf stille Reserven meint, legt sie nicht dar. Beilage 5 zu KB 11 
kann zwar entnommen werden, dass per Ende 2014 stille Reserven von 
netto Fr. 266'000.00 aufgelöst worden seien. Indessen ist nicht klar, auf 
welchen Aktiven stille Reserven aufgelöst wurden. Auf diese Thematik 
kann daher nicht weiter eingegangen werden.  
 
3.2.8. Fazit betreffend Pflichtverletzungen 
Zusammenfassend fehlt es folglich bereits an einer für eine Haftung der 
Beklagten notwendigen Pflichtverletzung. 
 
3.3. Schaden 
3.3.1. Vorbemerkung 
Da es schon an einer Pflichtverletzung fehlt, braucht auf den Schaden an 
sich nicht mehr eingegangen werden. Im Sinne einer Alternativbegründung 
soll nachfolgend aber dennoch dargelegt werden, dass es für eine Haftung 
der Beklagten auch an einem Fortführungsschaden fehlt.  
 

 - 33 - 
 

 

3.3.2. Rechtliches 
Wird durch die Pflichtverletzung der Revisionsstelle der Wert der Gesell-
schaft vermindert und diese dadurch geschädigt, erleiden – mittelbar – 
auch die Aktionäre einen Schaden (indem der Wert ihrer Beteiligung sinkt) 
und für den Fall des Konkurses der Gesellschaft auch deren Gläubiger, 
wenn bzw. soweit durch das Konkursergebnis ihre Forderungen nicht ge-
deckt werden. Die Klägerin macht gestützt auf eine Abtretung der ausser-
amtlichen Konkursverwaltung nach Art. 260 SchKG vorliegend einzig den 
Schaden der Gesellschaft geltend, durch welchen sie als Konkursgläubige-
rin mittelbar geschädigt ist. Ein unmittelbarer Schaden der Klägerin (unab-
hängig vom Schaden der Gesellschaft) ist nicht Verfahrensgegenstand.  

 
Der Begriff der Konkursverschleppung bezeichnet die Vermögensminde-
rung, die durch ein Weiterwirtschaften trotz eindeutig eingetretener Über-
schuldung zustande kommt (sog. Fortführungsschaden).61 Der Fortfüh-
rungsschaden zufolge Konkursverschleppung besteht in der Differenz zwi-
schen der tatsächlich eingetretenen Überschuldung und jener, die bei ei-
nem Konkurs zum früheren Zeitpunkt bestanden hätte.62 Der Schaden, der 
durch eine verzögerte Konkurseröffnung entstanden ist, kann bundes-
rechtskonform in der Weise festgestellt werden, dass der aus den Buchhal-
tungsunterlagen ersichtliche Saldo im Zeitpunkt der Verletzung der Be-
nachrichtigungspflichten mit dem (höheren) Verlust zum Zeitpunkt der tat-
sächlich erfolgten Konkurseröffnung verglichen wird.63 Es gilt also, den Ver-
mögensstand der Gesellschaft bei Konkurseröffnung mit dem Vermögen 
zu jenem Zeitpunkt zu vergleichen, auf welchen die eingeklagten Organe 
bzw. die Revisionsgesellschaft nach klägerischer Behauptung die Kon-
kurseröffnung bei pflichtgemässem Handeln hätten herbeiführen müssen 
(hypothetischer Zeitpunkt der Konkurseröffnung). Zu diesem Zweck kann 
die Überschuldung einzig gestützt auf Liquidationswerte ermittelt werden, 
denn die Konkurseröffnung zieht die Auflösung der Gesellschaft (Art. 736 
Ziff. 3 OR) und deren Liquidation nach den Regeln des Konkursrechts 
(Art. 740 Abs. 5 OR) nach sich. In diesem Stadium hat der Fortführungs-
wert, da der gewöhnliche Geschäftsbetrieb eingestellt wird, seine Bedeu-
tung verloren.64 
 
Der Vermögensstand der Gesellschaft im Zeitpunkt der tatsächlichen Kon-
kurseröffnung errechnet sich aus der Differenz zwischen den Aktiven und 
den Passiven, d.h. aus dem Wert der Massaaktiven abzüglich der Summe 
aller kollozierten Forderungen.65 Der Nachweis dieses Vermögensstandes 

 
61  BÖCKLI (Fn. 53), § 16 N. 220. 
62  BGer 4A_324/2011 vom 16. Januar 2012 E. 2.1; BGE 136 III 322 E. 3.2. 
63  BGE 136 III 322 E. 3.2.1; BGer 4C.263/2004 vom 23. Mai 2005 E. 3 (nicht abgedruckt in: BGE 132 

III 222); 4A_84/2013 vom 7. August 2013, E. 2.1; BGer 4A_251/2013 vom 11. November 2013 
E. 2.3. 

64  BGE 136 III 322 E. 3.2.1. 
65  GLASL, Die kollozierte Forderung im Verantwortlichkeitsprozess, SZW/RSDA 2005, S. 164. 

 - 34 - 
 

 

erfolgt aufgrund des Konkursinventars und des Kollokationsplans.66 Fehlen 
die für die Feststellung des Vermögens im hypothetischen Zeitpunkt erfor-
derlichen Unterlagen – für diesen Zeitpunkt liegen aufgrund der Pflichtver-
letzung in den wenigsten Fällen die von Art. 725 OR geforderten Zwischen-
bilanzen zu Fortführungs- und Liquidationswerten vor – kann sich ein zif-
fernmässiger Nachweis des Schadens als unmöglich erweisen. In diesem 
Fall ist der Richter zwar nach Art. 42 Abs. 2 OR grundsätzlich gehalten, auf 
eine Schätzung abzustellen; dies entlastet den Kläger jedoch nicht von der 
Darlegungslast und der Obliegenheit, im Rahmen des Zumutbaren Beweis-
anträge zu stellen. Der Kläger muss alles Zumutbare tun, um die Schätzung 
zu erleichtern bzw. rational nachvollziehbar zu machen (vgl. auch das oben 
in E. 2 Gesagte.).67  
 
3.3.3. Darstellung der Klägerin 
Die Klägerin erklärt, sie berechne den Fortführungsschaden zwischen dem 
Zeitpunkt, in welchem der Konkurs über die H._____ AG hätte eröffnet wer-
den müssen (31. März 2015), und dem effektiven Konkurszeitpunkt 
(28. September 2016) einzig gestützt auf die Kostenentwicklung des Pro-
jektes AD (abzüglich der gewährten Rangrücktritte), weil dieses Projekt für 
die Überschuldung verantwortlich sei (Klage Rz. II.4.3).  
 

 
 
In der Replik bezifferte die Klägerin den Schaden gar auf Fr. 8.6 Millionen 
(Replik Rz. III.12) bzw. auf Fr. 8 Millionen (Replik Rz. III.23).  
 
3.3.4. Darstellung der Beklagten 
Die Beklagte macht geltend, eine konkrete Herleitung der angeblichen 
Überschuldungszunahme fehle in den Eingaben der Klägerin. Angesichts 
der unbestrittenen Sanierung der H._____ AG im März 2015 sei es offen-
sichtlich, dass sich die Situation der Gesellschaft durch die Sanierung ver-
bessert habe und eine allfällige, aber bestrittene Überschuldung beseitigt 
worden sei (Duplik Rz. 23). Die Klägerin behaupte ohne nachvollziehbare 
Begründung, der Schaden betrage Fr. 3'777'336.00 (Klage Rz. II.44), min-
destens Fr. 8 Millionen (Replik Rz. III.23) bzw. Fr. 8.6 Millionen (Replik 

 
66  vgl. BGE 136 III 322 E. 4.2. 
67  BGE 95 II 501 E. 12; 98 II 37 E. 2; 122 III 219 E. 3a. 

 - 35 - 
 

 

Rz. III.12). Die Differenz zwischen den verschiedenen erwähnten angebli-
chen Schadensbeträgen werde nicht erläutert (Duplik Rz. 25) und sei nicht 
nachvollziehbar (Duplik Rz. 26). Mit keinem Wort werde zudem auf die ge-
mäss konstanter Rechtsprechung massgeblichen Liquidationswerte einge-
gangen (Duplik Rz. 27). 
 
Der tatsächliche Konkurszeitpunkt sei rund zwei Jahre nach dem angebli-
chen hypothetischen Konkurszeitpunkt. In dieser Periode seien unbestrit-
tenermassen insbesondere Forderungsverzichte gewährt und Barmittel 
eingeschossen worden sowie Erträge angefallen, die bei der Schadensbe-
rechnung zu berücksichtigen gewesen wären (Duplik Rz. 30). 
 
Im vorliegenden Fall habe die Klägerin (gemeint wohl die ausseramtliche 
Konkursverwaltung) offenbar bereits mit anderen potentiell haftpflichtigen 
Personen bzw. Parteien Kontakt aufgenommen, wobei zumindest gewisse 
Personen das Prozessrisiko mit einem relativ geringen Betrag ausgekauft 
hätten. Diese Vergleichszahlungen beliefen sich auf rund Fr. 200'000.00 
und seien an einen allfälligen Schaden anzurechnen. Die Klägerin hätte 
diese Beträge erwähnen müssen (Duplik Rz. 32).  
 
3.3.5. Beurteilung 
Soweit die Klägerin in der Replik von einem Schaden in der Höhe von 
Fr. 8.6 Millionen bzw. mindestens Fr. 8 Millionen ausgeht, ist von vornhe-
rein nicht weiter darauf einzugehen, weil die Klägerin nicht darlegt, wie sie 
auf diese Summe kommt.  
 
Die von der Klägerin vorgenommene Berechnung eines Schadens von 
Fr. 3'777'336.00 scheitert sodann daran, dass sie diesen Schaden nicht in 
bundesrechtskonformer Weise ermittelt hat.  
 
Zunächst ist zu beanstanden, dass die Klägerin nicht die Verhältnisse im 
hypothetischen Konkurszeitpunkt (31. März 2015) mit den Verhältnissen im 
tatsächlichen Konkurszeitpunkt (28. September 2016) vergleicht. Vielmehr 
geht sie vom Jahresabschluss per 31. Dezember 2014 aus und vergleicht 
diesen Status mit demjenigen im Zeitpunkt des tatsächlichen Konkurszeit-
punkts (28. September 2016, mithin rund 21 Monate nach dem 31. Dezem-
ber 2014). In der Folge kürzt sie den Schaden proportional um drei Monate 
(errechneter Schaden / 21 x 18). Zwar ist einzugestehen, dass es der Klä-
gerin kaum zumutbar sein dürfte, den Schaden genau zu berechnen, da für 
den Zeitpunkt des hypothetischen Konkurszeitpunkts keine Bilanz vorliegt. 
Indessen hätte die Klägerin wenigstens darlegen müssen, weshalb es sich 
rechtfertigen soll, davon auszugehen, der Schaden habe sich monatlich je-
weils um den gleichen Betrag erhöht.  
 

 - 36 - 
 

 

Im Weiteren kann der Schadensberechnung der Klägerin aber auch des-
halb nicht gefolgt werden, weil sie den Schaden einzig gestützt auf die Kos-
tenentwicklung im Projekt AD berechnete. Damit ignoriert sie die anderen 
Änderungen in den Bilanzpositionen der H._____ AG, welche zwischen 
dem 31. März 2015 und dem 28. September 2016 eingetreten sind.  
 
Von der Klägerin wird einzig berücksichtigt, dass Gesellschaftsgläubiger im 
Rang hinter alle anderen Gläubiger zurückgetreten sind, indem sie diese 
Rangrücktritte vom Schaden in Abzug bringt (vgl. Klage Rz. II.4.3; gemäss 
KB 3 bestanden im Konkurszeitpunkt nachrangige Forderungen im Betrag 
von Fr. 3'609'586.15, die Klägerin geht sogar von Fr. 3'622'500.00 aus). 
Diesen Abzug nimmt die Klägerin zu Recht vor. Zwar ist Art. 757 Abs. 4 
nOR, der vorsieht, dass die Rangrücktritte vom Schaden in Abzug zu brin-
gen sind, auf den vorliegenden Fall noch nicht anwendbar, da diese Be-
stimmung erst per 1. Januar 2023 in Kraft getreten ist. Auch unter altem 
Recht kann aber nichts anderes gelten. Denn soweit Rangrücktritte im Aus-
mass der Überschuldung vorliegen, besteht keine Pflicht zur Hinterlegung 
der Bilanz. Folglich liegt im Umfang der Rangrücktritte auch keine Pflicht-
verletzung vor, welche zu Schadenersatz berechtigen würde.68  
 
Zu Recht weist die Beklagte aber daraufhin, dass bei der Schadensberech-
nung auch die Sanierung der Gesellschaft, welche im März 2015 durchge-
führt wurde, hätte berücksichtigt werden müssen. Im Zuge der Sanierung 
verzichteten Gläubiger auf Forderungen im Umfang von Fr. 2.8 Millionen. 
 
Zu berücksichtigen gewesen wäre überdies, dass die H._____ AG aus-
weislich Beilage 6 zu KB 11 neben AD auch noch weitere Aufträge hatte, 
die Erträge generierten. Auch diese hätten in die Berechnung des Fortfüh-
rungsschadens einfliessen müssen. Da die Klägerin diese Erträge nicht 
darlegt, verunmöglicht sie eine Schadensberechnung. Sodann hätten auch 
alle weiteren Änderungen der Bilanzpositionen zwischen hypothetischem 
und tatsächlichem Konkurszeitpunkt berücksichtigt werden müssen; so bei-
spielsweise, dass die H._____ AG mit Kaufvertrag vom 21. September 
2016 (Klage Rz. II.12; KB 33) die Liegenschaft mit einem Buchwert von 
Fr. 4'395'000.00 zu einem Preis von Fr. 4.5 Millionen verkaufen konnte und 
so einen Buchgewinn von Fr. 105'000.00 realisierte. 
 
3.3.6. Fazit 
Zusammengefasst ist nicht erstellt, dass zwischen dem von der Klägerin 
angenommenen hypothetischen Konkurszeitpunkt (31. März 2015) und 
dem tatsächlichen Konkurszeitpunkt (28. September 2016) ein Fortfüh-
rungsschaden entstanden ist. 
 

 
68  BÖCKLI (Fn. 53), § 16 N. 239. 

 - 37 - 
 

 

3.4. Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Pflichtverletzung 
Weil sowohl eine Pflichtverletzung als auch ein Schaden verneint werden, 
braucht auf das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs nicht mehr einge-
gangen zu werden. Immerhin sei darauf hingewiesen, dass der Beklagten 
der Fortführungsschaden, der entstanden sei, nachdem sie als Revisions-
stelle im zweiten Halbjahr 2015 von der I._____ abgelöst wurde, nicht mehr 
zugerechnet werden könnte (die Klägerin scheint gemäss ihrem Schluss-
vortrag [Rz. 30] sogar davon auszugehen, dass die Beklagte nur für Fehl-
verhalten bis zum 31. März 2015 verantwortlich ist: "Sie hat für ihr Fehlver-
halten bis zum 31.03.2015, beinhaltend den falschen Revisionsbericht und das un-

haltbare Sanierungskonzept einzustehen […]"). Die Konkursverschleppung 
durch unterlassende Benachrichtigung des Gerichts stellt eine dauernde 
Pflichtverletzung dar. Solange die Überschuldung anhält, sind die Gesell-
schaftsorgane zu jedem Zeitpunkt verpflichtet, das Konkursgericht zu be-
nachrichtigen. Es handelt sich folglich um eine Haftung für Unterlassen. 
Nachdem die Beklagte als Revisionsstelle der H._____ AG abgelöst und 
damit ihrer Organstellung enthoben worden war, endete ihre Pflicht, das 
Konkursgericht zu benachrichtigen. Diese Pflicht oblag fortan der neuen 
Revisionsstelle. Die Klägerin hätte im Rahmen der Schadensberechnung 
daher den (angeblichen) Schaden auf das Datum des Ausscheidens der 
Beklagten abgrenzen müssen, d.h. darzustellen gehabt, welcher (angebli-
che) Schaden vor und welcher nach dem Wechsel der Revisionsstelle ent-
standen ist. Auch das unterliess die Klägerin indessen. 
 
3.5. Ergebnis 
Dem Gesagten zufolge ist die Klage unbegründet. Sie ist abzuweisen, so-
weit überhaupt darauf einzutreten ist. 
 
4. Prozesskosten 
4.1. Allgemeines 
Die Prozesskosten bestehen aus den Gerichtskosten und der Parteient-
schädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Sie werden der unterliegenden Partei 
auferlegt. Bei Nichteintreten und bei Klagerückzug gilt die klagende Partei, 
bei Anerkennung der Klage die beklagte Partei als unterliegend (Art. 106 
Abs. 1 ZPO).  
 
Die Klage ist, soweit überhaupt darauf einzutreten ist, abzuweisen. Dem-
gemäss sind die Prozesskosten der Klägerin aufzuerlegen. 
 
4.2. Gerichtskosten 
Die Gerichtskosten bestehen vorliegend einzig aus der Entscheidgebühr 
(Art. 95 Abs. 2 lit. b ZPO). Der Grundansatz der Entscheidgebühr bestimmt 
sich nach Art. 96 ZPO i.V.m. § 7 Abs. 1 VKD in Abhängigkeit des gemäss 
§ 4 Abs. 1 VKD nach Art. 91 ff. ZPO zu bestimmenden Streitwerts.  
 

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Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt. Zinsen und Kos-
ten des laufenden Verfahrens oder einer allfälligen Publikation des Ent-
scheids sowie allfällige Eventualbegehren werden nicht hinzugerechnet 
(Art. 91 Abs. 1 ZPO). Demgemäss beträgt der Streitwert Fr. 300'000.00. 
 
Der Grundansatz gemäss § 7 Abs. 1 VKD beträgt demgemäss 
Fr. 13'470.00 (Fr. 6'870.00 + 2.2% des Streitwertes [Fr. 6'600.00]). Eine Er-
höhung bzw. Reduktion des Grundansatzes gemäss § 7 Abs. 3 VKD ist 
vorliegend nicht angezeigt. Die Gerichtskosten werden gestützt auf Art. 111 
Abs. 1 Satz 1 ZPO mit dem Gerichtskostenvorschuss der Klägerin in glei-
cher Höhe verrechnet.  
 
4.3. Parteientschädigung 
Die Parteientschädigung bemisst sich gemäss Art. 96 ZPO i.V.m. § 3 
Abs. 1 lit. a Ziff. 7 sowie § 4 Abs. 1 AnwT i.V.m. Art. 91 Abs. 1 ZPO ausge-
hend von einer gestützt auf den Streitwert (Fr. 300'000.00) zu bestimmen-
den Grundentschädigung in Höhe von Fr. 23'430.00 (Fr. 10'230.00 + 4.4% 
des Streitwertes [Fr. 13'200.00]). Durch die Grundentschädigung sind In-
struktion, Aktenstudium, rechtliche Abklärungen, Korrespondenz und Tele-
fongespräche sowie eine Rechtsschrift und die Teilnahme an einer behörd-
lichen Verhandlung abgegolten (vgl. § 6 Abs. 1 AnwT). Vorliegend wurde 
ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt, der zu einem ordentlichen Zu-
schlag gemäss § 6 Abs. 3 AnwT berechtigt. Entsprechend erhöht sich die 
Parteientschädigung auf Fr. 28'116.00. 
 
Ausserordentliche Zu- oder Abschläge nach § 7 AnwT sind entgegen der 
Beklagten (vgl. Duplik Rz. 159) keine vorzunehmen. Die Behauptung der 
Beklagten, dass der vorliegende Prozess aufwändig gewesen sei und nicht 
mit einem gewöhnlichen Forderungsprozess zu vergleichen sei, ist nicht 
nachvollziehbar. Der Aufwand – der sich insbesondere auch aus der Länge