# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dfc9d945-96ff-5ddd-b857-42d53382b278
**Source:** Bundespatentgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-03-21
**Language:** de
**Title:** Entscheid S2019_006
**Docket/Reference:** S2019_006
**URL:** https://www.bundespatentgericht.ch/rechtsprechung/entscheidanzeige/133/

## Full Text

B u n d e s p a t e n t g e r i c h t

T r i b u n a l   f é d é r a l   d e s   b r e v e t s

T r i b u n a l e   f e d e r a l e   d e i   b r e v e t t i

T r i b u n a l   f e d e r a l   d a   p a t e n t a s

F e d e r a l   P a t e n t   C o u r t

S2019_006

U r t e i l   v o m 2 1 . M ä r z   2 0 1 9

Besetzung

Präsident Dr. iur. Mark Schweizer als Einzelrichter,
Erste Gerichtsschreiberin lic. iur. Susanne Anderhalden

Verfahrensbeteiligte

1. ICOS Corporation, 505 Union Avenue SE, Suite 120, 

Olympia, US-98501 Washington, 

2. Eli Lilly (Suisse) SA, chemin des Coquelicots 16,

1214 Vernier, 

beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Hilti
und/oder Rechtsanwalt Dr. iur. Demian Stauber, Rentsch 
Partner AG, Bellerivestrasse 203, Postfach, 8034 Zürich,
beide patentanwaltlich beraten durch Dr. Andrea Carreira, 
Rentsch Partner AG, Bellerivestrasse 203, Postfach,
8034 Zürich,

Klägerinnen

gegen

Sandoz Pharmaceuticals AG, Suurstoffi 14, 6343 Rotkreuz,  

Beklagte

Gegenstand

Gesuch um Erlass einer superprovisorischen vorsorglichen 
Massnahme

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Der Präsident zieht in Erwägung:

1.
Mit Eingabe vom 15. März 2019 reichten die Klägerinnen ein Gesuch um 
Erlass  vorsorglicher  (superprovisorischer)  Massnahmen  ein  und  stellten
folgende Rechtsbegehren:

„1)  Defendant  is  to be  enjoined  until  3rd  May  2019  - ex  parte ("superproviso-

risch") - from offering, on the product databases pharmlNDEX and the med-

lNDEX, the medication TADALAFIL Sandoz Filmtabl 10 mg, 2.5 mg, 20 mg 

or 5 mg.

2)  Defendant is to be ordered, ex parte and with immediate effect, to have HC 

solution remove the listings of the products in accordance with request no. 1

from the medlNDEX and pharmlNDEX databases until 3rd May 2019.

3)  Defendant is to be ordered not to offer the products in accordance with re-

quest no. 1, orally, electronically, visually and/or in any other way through its 

sales and marketing personnel before May 3rd, 2019.

4)  Prayers 1) to 3) are to be granted by the Court under threat of criminal pen-

alty  under  Article  292  Swiss  Criminal  Code  and  a  disciplinary  fine  of  min. 

CHF  1,000  for  each  day  of  non-compliance  but  at  a  min.  of  CHF  5,000  in 

accordance with art. 343 para. 1 lit. b Swiss Code of Civil Procedure.

5)  Alternatively (eventualiter), injunctive relief in accordance with prayers 1) to

4)  be  granted  by  way  of  ordinary  preliminary  injunctive  relief  proceedings, 

but Defendant is to be given a very short deadline of a couple of days, only, 

to respond to this request.

6) Defendant shall bear all procedural costs, including necessary patent attor-

ney's cost.”

2.
Die Klägerin 1 hat ihren Sitz in den USA, die Klägerin 2 in der Schweiz. 
Die Beklagte hat ihren Sitz in der Schweiz. Die örtliche Zuständigkeit des 
Bundespatentgerichts ergibt sich aus Art. 109 Abs. 2 IPRG (für die Kläge-
rin  1)  und Art. 26 Abs. 1  PatGG  (für  die  Klägerin 2).  Da  sich  das  Mass-
nahmebegehren auf die angebliche Verletzung eines schweizerischen er-
gänzenden  Schutzzertifikats  stützt,  ist  auch  die  sachliche  Zuständigkeit 
des Bundespatentgerichts gegeben (Art. 26 lit a i.V.m. lit. b PatGG).

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Gemäss Art. 110 Abs. 1 IPRG ist schweizerisches Recht anwendbar.

3.
In Anwendung  von Art.  23 Abs. 1  lit. b  PatGG  entscheidet  der  Präsident 
als Einzelrichter.

4.
Die Verfahrenssprache ist Deutsch (Art. 36 PatGG).

5.
Das Gericht trifft gemäss Art. 77 PatG i.V.m. Art. 261 Abs. 1 ZPO die not-
wendigen  vorsorglichen  Massnahmen,  wenn  die  gesuchstellende  Partei 
glaubhaft macht, dass ein ihr zustehender Anspruch verletzt ist oder eine 
Verletzung  zu  befürchten  ist  (lit.  a)  und  ihr  aus  der  Verletzung  ein  nicht 
leicht wiedergutzumachender Nachteil droht (lit. b).

Glaubhaft  gemacht  ist  eine  Tatsachenbehauptung,  wenn  für  deren  Vor-
handensein  gewisse  Elemente  sprechen,  selbst  wenn  das  Gericht  noch 
mit  der  Möglichkeit  rechnet,  dass  sie  sich  nicht  verwirklicht  haben  könn-
te.1 Die Anforderungen an die Glaubhaftmachung hängen von der Schwe-
re des verlangten vorsorglichen Eingriffs in die Handlungssphäre des Be-
klagten  ab.  Wenn  die  beantragten  vorsorglichen  Massnahmen  die  Be-
klagte  schwer  beeinträchtigen,  sind  die  Anforderungen  höher  als  wenn 
die  Beklagte  nur  gering  beeinträchtigt  wird,  was  namentlich  bei  blossen 
Sicherungsmassnahmen der Fall ist.2

Eine  vorsorgliche  Massnahme  kann  sofort  und  ohne  Anhörung  der  Ge-
genpartei (superprovisorisch) verfügt werden, wenn besondere Dringlich-
keit  besteht  (Art.  265 Abs.  1  ZPO).  Der  superprovisorische  Erlass  einer 
Massnahme widerspricht dem Prinzip des rechtlichen Gehörs, weshalb er 
Ausnahmecharakter besitzt.3

Besondere  Dringlichkeit  ist  gegeben,  wenn  durch  die  vorgängige  Anhö-
rung der Zweck der vorsorglichen Massnahme vereitelt würde. Dies kann 
der  Fall  sein,  wenn  die  Gefahr  besteht,  dass  die  Gegenpartei  einen  be-
stehenden Zustand verändert, wenn sie vom Massnahmegesuch erfährt, 
oder wenn die Dauer eines vorsorglichen Massnahmeverfahrens mit An-

1 BGE 130 III 321 E. 3.3 (st. Rsp.).
2 BPatGer, Urteil S2018_006 vom 8. Februar 2019, E. 12 – „Spiralfeder“.
3 BSK ZPO-Sprecher, Art. 265 N 1 und 2.

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hörung der Gegenpartei dazu führt, dass die beantragte Massnahme un-
nütz wird.

Die  Klägerin darf  weiter  mit  dem  Einreichen  des  Gesuchs,  nachdem  sie 
dazu in der Lage war oder bei pflichtgemässer Sorgfalt in der Lage hätte 
sein können, nicht so lange zuwarten, dass bei sofortiger Einreichung des 
Gesuchs ein Abschluss des vorsorglichen Massnahmeverfahrens mit An-
hörung der Gegenpartei möglich gewesen wäre, ehe das verspätete Ge-
such ohne Anhörung gewährt werden kann (prozessuale Verwirkung des 
Anspruchs auf eine superprovisorische Massnahme).4

6.
Die  Klägerin 1  macht  glaubhaft,  dass  sie  Inhaberin  des  ergänzenden 
Schutzzertifikats  C00740668/01  ist,  das  am  30.  Juni  2006  erteilt  wurde 
und  unter  anderem  die  Verwendung  des  Wirkstoffs  „Tadalafil“  in  Hu-
manarzneimitteln  schützt  („Ergänzendes  Schutzzertifikat“).  Das  Ergän-
zende  Schutzzertifikat  basiert  auf  dem  Grundpatent  EP 0  740  668, das 
am 19. Januar 1995 angemeldet wurde und ebenfalls der Klägerin 1 ge-
hört.  Die  Klägerin 2 
Inhaberin  der  Swissmedic-Marktzulassung 
Nr. 56018  für  das  Arzneimittel  „Cialis“  und  vertreibt  dieses  auf  dem 
schweizerischen Markt. 

ist 

Gemäss  dem  Vortrag  der  Klägerin  wurden das  Grundpatent  und  korres-
pondierende ausländische Patente während ihrer Schutzdauer nie ange-
griffen.  Auch  das  Ergänzende  Schutzzertifikat  und  korrespondierende 
ausländische Schutzzertifikate seien nie angegriffen worden. 

Schwestergesellschaften der Beklagten hätten der Klägerin 1, respektive 
Konzerngesellschaften der Klägerin 1, schriftlich versichert, das Grundpa-
tent  EP 0  740  668  und  darauf  basierende  ergänzende  Schutzzertifikate 
zu  respektieren.  Die  Klägerinnen  verweisen  dazu  auf  Schreiben  der 
Sandoz A/S,  Dänemark,  vom  11. Januar,  5. und 26. Oktober  2017,  einer 
spanischen Tochter der Sandoz vom 9. März 2017, der Sandoz B.V., Nie-
derlande,  vom  19. Oktober  2017,  der  Sandoz  S.p.a.,  Italien,  vom 
10. November  2017  und  der  Sandoz  NV  SA,  Belgien,  vom  18. Oktober 
2017. Eine entsprechende Bestätigung der Beklagten legen die Klägerin-
nen hingegen nicht vor.

Das Grundpatent umfasst Erzeugnisansprüche, die eine Klasse von Stof-
fen  (tetracyklische  Derivate) beanspruchen,  darunter  (6R,  12aR)-2,3,6,7, 

4 Urteil S2019_003 vom 6. Februar 2019, E. 5.

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12,12a-hexahydro-2-methyl-6-(3,4-methylenedioxyphenyl)-pyrazino
[2',1':6,  1]pyrido[3,4-b]indole-1,4-dione (Tadalafil,  Anspruch  10),  Verfah-
rensansprüche zu deren Herstellung und Verwendungsansprüche zu de-
ren Verwendung als Arzneimittel.

Es  ist  gerichtsnotorisch,  dass  die  Rechtsbeständigkeit  von  Erzeugnisan-
sprüchen auf einen neuen, bisher nie synthetisierten, Stoff in der pharma-
zeutischen  Industrie  selten  gerichtlich  angefochten  wird,  weil  solche An-
sprüche  meist  rechtsbeständig  sind.  Ist  ein  Patentanspruch  nach  Ein-
schätzung  der  Marktteilnehmer  nicht  rechtsbeständig,  wird  ein  Gerichts-
verfahren zur Feststellung seiner Nichtigkeit andererseits meist lange vor 
Ablauf  der  Schutzdauer  eingeleitet,  respektive  es  wird  ein  verletzendes 
Produkt lange vor Ablauf der Schutzdauer lanciert.

Im  vorliegenden  Fall  wurde  das  Grundpatent  gemäss  dem  Vortrag  der 
Klägerinnen während seiner Laufzeit nie angegriffen, und es wurden auch 
keine  Produkte  lanciert,  die  in  seinen  Schutzbereich  fielen.  Das  gleiche 
gilt für das Ergänzende Schutzzertifikat. Es ist daher glaubhaft gemacht, 
dass  das  Grundpatent  und  das  basierend  auf  ihm  erteilte  Ergänzende 
Schutzzertifikat voraussichtlich rechtsbeständig sind.

Gemäss  dem  Vortrag  der  Klägerinnen  ist  die  Beklagte  Inhaberin  der 
Swissmedic-Marktzulassung  Nr. 66582 für  „Tadalafil  Sandoz Filmtablet-
ten“ in diversen Dosierungsstärken, die am 7. November 2017 erteilt wur-
de. Dieses Arzneimittel enthält Tadalafil. Es ist für die gleiche Anwendung
zugelassen wie das Originalpräparat Cialis. 

Es gibt keinen ernsthaften Zweifel, dass der Vertrieb von Taladafil Sandoz
Filmtabletten zu  den  ausschliesslichen  Rechten des  Patentinhabers  ge-
mäss Art. 8 PatG gehören würde.

7.
Die  Klägerinnen  machen  glaubhaft,  dass  sich  seit  mindestens  dem 
7. März  2019  in  den  Datenbanken  „pharmINDEX“  und  „medINDEX“,  die 
von der HCI Solutions AG, Bern, betrieben werden, ein Eintrag für „Tada-
lafil  Sandoz Filmtabletten“ in  verschiedenen  Dosierungsstärken findet. 
HCI  Solutions  AG  gehört  zur  Galenica  Gruppe,  einem  Arzneimittel-
Grossisten.  Die  Datenbanken  enthalten  Informationen  zu  allen  in  der 
Schweiz  lieferbaren  Arzneimitteln.  Sie  werden  von  Marktteilnehmern  in 
der  Gesundheitsbranche  wie  Ärzten,  Apothekern  oder  Spitälern  dazu 
verwendet, über kompatible Software Arzneimittel zu bestellen.

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Aus  den  von  den  Klägerinnen  eingereichten  Unterlagen  ist  nicht  ersicht-
lich,  dass  es  bereits  möglich  wäre,  Tadalafil  Sandoz  zu bestellen.  Die 
Klägerinnen behaupten dies auch nicht. Sie behaupten, Kunden könnten 
die Beklagte kontaktieren, um eine Vorbestellung aufzugeben und würden 
auf die baldige Erhältlichkeit von Tadalafil Sandoz aufmerksam gemacht. 
Dies  stelle  eine  Verletzung  der  ausschliesslichen  Rechte  der Patent-, 
bzw. Schutzzertifikatsinhaberin dar.

Gemäss Art. 8 Abs. 2 PatG ist unter anderem das Anbieten patentgemäs-
ser Produkte dem Patentinhaber vorbehalten. Unter den Begriff des „An-
bietens“  i.S.v.  Art. 8  Abs. 2  PatG  fällt nicht  nur  ein  Antrag  i.S.v.  Art. 3 ff.
OR, der durch die blosse Annahme zu einem rechtsgültigen Vertrag führt. 
Es  genügt,  dass  der Adressat  die  Erklärung nach  Treu  und  Glauben  so 
verstehen  muss,  dass  der  Anbietende  zur  Lieferung  des  Erzeugnisses 
bereit ist, das Angebot also ernst gemeint ist.5 Nach der Rechtsprechung 
des  Bundespatentgerichts  ist  eine  Bedarfsanfrage,  mit  der  sich  der  an-
gebliche  Verletzer  bei  potenziellen  Kunden  erkundigt,  ob  sie  Bedarf  für 
das  patentgeschützte  Erzeugnis  hätten,  während  der  Laufzeit  des 
Schutzrechts  dem  Patent- bzw.  Schutzzertifikatsinhaber  vorbehalten, 
selbst wenn die Lieferung erst für die Zeit nach Ablauf des Schutzrechts 
in Aussicht gestellt wird.6

Der Eintrag für Taladafil Sandoz in den Datenbanken „pharmINDEX“ und 
„medINDEX“ hat  eine  vergleichbare  Werbewirkung  wie  eine  Bedarfsan-
frage.  Obwohl  keine  Lieferung  vor Ablauf  der  Schutzdauer  erfolgen  soll, 
werden  die  potenziellen  Kunden darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  die 
Markteinführung  eines  Generikums  kurz  bevorsteht.  Dies  kann  sie  dazu 
verleiten,  Bestellungen  des Originalpräparats  aufzuschieben,  um  das 
günstigere Generikum zu bestellen, sobald dieses erhältlich geworden ist. 
Von  dieser Werbewirkung  profitiert  der Generikahersteller  zu  Lasten  des 
Anbieters  des  Originalpräparts.  Während  der  Laufzeit  des  Schutzrechts
stellt eine derartige Werbung eine Verletzung der ausschliesslichen Rech-
te des Schutzrechtsinhabers dar.

Zusammenfassend  ist  daher  glaubhaft  gemacht,  dass  der  Eintrag  von 
Taladafil  Sandoz  in  den  Datenbanken  „pharmINDEX“  und  „medINDEX“ 
vor Ablauf der Schutzdauer des Ergänzenden Schutzzertifikats die Rech-
te der Klägerin 1 verletzt.

5 Stieger,  in:  Bertschinger/Münch/Geiser  (Hrsg.),  Patentrecht,  Basel  u.a.  2002, 
Rz. 11.62.
6 BPatGer, Urteil S2014_003 vom 31. März 2014, E. 4.

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8.
Die  Klägerinnen  müssen  weiter  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  ohne  Er-
lass einer vorsorglichen Massnahme ohne vorgängige Anhörung der Be-
klagten ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil entsteht (Art. 261 
Abs. 1 lit. b ZPO).

Wie in E. 7 dargelegt, begründet der Eintrag von Taladafil Sandoz in den 
Datenbanken  „pharmINDEX“  und  „medINDEX“ die  Gefahr,  dass  potenzi-
elle Kunden ihre Bestellungen für das Originalpräparat Cialis aufschieben 
und warten, bis das Generikum erhältlich ist. Der Schutzrechtsinhaberin, 
bzw. ihrer ausschliesslichen Lizenznehmerin für die Schweiz, entgeht da-
her  Umsatz.  In  welchem  Umfang  Bestellungen  aufgeschoben  wurden, 
wird  die  Schutzrechtsinhaberin kaum  rechtsgenügend  beweisen  können. 
Der Schaden kann daher durch finanzielle Forderungen nicht (vollständig) 
kompensiert werden.

Ein  nicht  leicht  wiedergutzumachender  Nachteil  ist  daher  glaubhaft  ge-
macht.

9.
Schliesslich  muss  eine  besondere  Dringlichkeit  gegeben sein,  um  eine 
Massnahme ohne Anhörung der Gegenpartei zu erlassen (Art. 265 Abs. 1 
ZPO).

Im  vorliegenden  Fall  läuft  das  Ergänzende  Schutzzertifikat  am  3.  Mai 
2019  ab.  Bis  ein  vorsorgliches  Massnahmeverfahren  mit  Anhörung  der 
Gegenpartei  abgeschlossen  wäre,  dauert  es  selbst  im  besten  Fall  min-
destens sechs Wochen. Da das Gesuch am 15. März 2019 eingegangen 
ist, wäre somit mehr als die Hälfte der (geringen) Restlaufzeit des Ergän-
zenden  Schutzzertifikats  bereits  abgelaufen,  bis  eine  Massnahme  erlas-
sen  werden  könnte.  Die  Massnahme  wäre  daher  bei  vorgängiger Anhö-
rung der Gegenpartei unnütz oder zumindest weitgehend unnütz. Beson-
dere Dringlichkeit ist daher gegeben.

10.
Es  gibt  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die  Klägerinnen mit  dem 
Einreichen  des  Gesuchs  ungebührlich  lange  zugewartet  hätten.  Nach 
glaubhafter Darstellung erfuhren sie am 7. März 2019 von einer Drittpartei 
vom  Eintrag  in  den  Datenbanken “pharmINDEX“  und  „medINDEX“.  Das 
Gesuch  wurde  am  15.  März  2019  eingereicht  und  ging  gleichentags  per 

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Kurier  am  Gericht  ein.  Die  Klägerinnen haben ihren  Anspruch  auf  eine 
superprovisorische Massnahme daher nicht prozessual verwirkt.

Demnach  ist  das  Begehren  um  Erlass superprovisorischer  Massnahmen 
gemäss Rechtsbegehren Ziff. 1 und 2 gutzuheissen.

11.
Die  Klägerinnen  beantragen  weiter,  der  Beklagten  sei  zu  verbieten,  das 
Arzneimittel Taladafil  Sandoz  Filmtabletten  vor  dem  3.  Mai  2019  auf  be-
liebige Weise anzubieten (Rechtsbegehren Ziff. 3).

Die  Klägerinnen  haben  nicht  glaubhaft  gemacht,  dass  die  Beklagte
Taladafil  Sandoz  Filmtabletten  auf  andere  Art  als  in  den  Datenbanken
“pharmINDEX“  und  „medINDEX“ bewirbt.  Es  gibt  auch  keine  konkreten 
Anzeichen,  dass  die  Beklagte  dies  vor  dem  3. Mai  2019  tun  wird.  Man-
gels Erstbegehungs- oder Wiederholungsgefahr ist das Gesuch daher in 
dem Umfang, dass es Rechtsbegehren Ziff. 1 und 2 übersteigt, abzuwei-
sen, weil eine Gefährdung der Rechte der Klägerin 1 durch andere Hand-
lungen  als  denjenigen,  die  von  Rechtsbegehren  Ziff. 1  erfasst  werden, 
nicht glaubhaft gemacht ist.

12.
Da  die  Klägerinnen  das  Gesuch  ohne  Zustimmung  der  Beklagten  auf 
Englisch  eingereicht  haben,  ist  der  Beklagten  Frist  zu  setzen,  um  zu  er-
klären,  ob  sie  der  Verwendung  von  Englisch  als  Parteisprache  zustimmt 
(vgl. Art. 36  Abs. 3  PatGG).  Erteilt  die  Beklagte  ihre Zustimmung  nicht, 
werden  die  Klägerinnen  eine  Übersetzung  des  Gesuchs  in  eine  Amts-
sprache einreichen müssen.

13.
Da die beantragten Massnahmen einstweilen ohne vorgängige Anhörung 
der Beklagten gutzuheissen sind, ist ihr nachträglich das rechtliche Gehör 
zu  gewähren,  weshalb  ihr  eine  Frist  zur  schriftlichen  Stellungnahme  an-
zusetzen ist. Danach hat das Gericht definitiv über die beantragten Mass-
nahmen zu entscheiden (Art. 265 Abs. 2 ZPO).

14.
Den Klägerinnen ist Frist anzusetzen, um gestützt auf Art. 98 ZPO einen 
Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 30‘000 (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 
Abs. 1 KR-PatGer) zu bezahlen.

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15.
Über die Prozesskosten ist im Endentscheid betreffend vorsorgliche Mas-
snahmen zu befinden (Art. 104 Abs. 1 ZPO).

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Der Präsident erkennt:

1.

In Gutheissung des Gesuchs vom 15. März 2019 wird der Beklagten 
bis  am  3. Mai  2019  unter  Androhung  einer  Ordnungsbusse  von 
CHF 1‘000 für jeden Tag der Nichterfüllung nach Art. 343 Abs. 1 lit. c 
ZPO, mindestens aber CHF 5‘000 gemäss Art. 343 Abs. 1 lit. b ZPO, 
sowie der Bestrafung ihrer Organe nach Art. 292 StGB mit Busse im 
Widerhandlungsfall verboten,  das  Arzneimittel  TADALAFIL  Sandoz 
Filmtabletten 2,5 mg, 5 mg, 10 mg und/oder 20 mg in den Datenban-
ken  „pharmINDEX“  und/oder  „medINDEX“  der  HCI  Solutions  AG, 
Bern, einzutragen.

2. Die  Beklagte  wird  unter  Androhung  einer  Ordnungsbusse  von 
CHF 1‘000 für jeden Tag der Nichterfüllung nach Art. 343 Abs. 1 lit. c 
ZPO, mindestens aber CHF 5‘000 gemäss Art. 343 Abs. 1 lit. b ZPO, 
sowie der Bestrafung ihrer Organe nach Art. 292 StGB mit Busse im 
Widerhandlungsfall verpflichtet,  die  HCI  Solutions  AG,  Bern,  unver-
züglich  aufzufordern,  die  Einträge  von  TADALAFIL  Sandoz  Filmtab-
letten  2,5 mg,  5 mg, 10 mg  und/oder  20 mg in  den  Datenbanken 
„pharmINDEX“ und „medINDEX sofort zu löschen.

3.

Im weiteren Umfang wird das Gesuch abgewiesen.

4. Der Beklagten wird eine Frist bis 29. März 2019 zur Zustimmung zu 

Englisch als Parteisprache angesetzt.

5. Der  Beklagten  wird  eine  Frist  bis  5.  April  2019 zur  Erstattung  der 

Massnahmeantwort angesetzt.

6. Den Klägerinnen wird eine Frist bis 1. April 2019 angesetzt, um ei-
nen Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 30‘000 zu bezahlen.

7. Über die Gerichtskosten wird im Endentscheid befunden.

8. Schriftliche Mitteilung gegen Empfangsbestätigung an:

– die Klägerinnen unter Beilage der Rechnung Nr. 1185001216, 

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– die Beklagte unter Beilage des Massnahmegesuchs inkl. 

Beilagen

– das Institut für Geistiges Eigentum.

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Die Gerichtsferien gelten in diesem Verfahren nicht (Art. 145 Abs. 2 lit. b 
ZPO).

St. Gallen, 21. März 2019

Im Namen des Bundespatentgerichts

Präsident

Erste Gerichtsschreiberin

Mark Schweizer

Susanne Anderhalden

Versand: 21.03.2019

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