# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f55db0a-e631-5013-b885-5f018eba4978
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.10.2010 D-6997/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6997-2010_2010-10-01.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6997/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Martin Zoller, 
mit Zustimmung von Richter François Badoud;
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

A._______, geboren (...),
Sri Lanka,
vertreten durch B._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Zuweisung an den Kanton; Verfügung des BFM vom 
14. September 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6997/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  am  9. Juni 
2010  in  die  Schweiz  einreiste,  wo  sie  am  folgenden  Tag  um  Asyl  
nachsuchte, 

dass  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  mit  Entscheid  vom 
14. September  2010  –  eröffnet  am  15. September  2010  –  für  die 
Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  C._______  zuteilte,  wobei 
dieser Entscheid die am 6. Juli 2010 durch das BFM unmotiviert ver-
fügte  Zuweisung der  Beschwerdeführerin  an den Kanton C._______ 
ersetzte, 

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom 27. September  2010 
beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob,  worin  um  Auf-
hebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 14. September 2010 und 
um Zuweisung an den Kanton D._______ ersucht wurde, 

dass zudem in formeller Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65  Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021)  und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersucht wurde, 

dass  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  geltend  machte,  sie 
verfüge im Kanton D._______ über Verwandte – einen „Onkel“ (sie sei 
die  Tochter  des  Sohnes  der  Tante  des  Vaters  dieses  „Onkels“)  und 
dessen Eltern  und Geschwister  sowie  eine Tante mütterlicherseits  – 
und ersuche deshalb um Unterbringung in diesem Kanton, damit sie 
bei  ihren  Angehörigen,  von  denen  sie  persönlich  betreut  und 
unterstützt werde, leben könne,

dass  auf  die  weitere  Begründung  der  Beschwerde  –  soweit  ent-
scheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,

und zieht in Erwägung,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Bereich  des  Asyls  endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen (Art. 5  VwVG) des  BFM ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR 

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142.31] i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass es sich beim Entscheid über die Zuweisung einer asylsuchenden 
Person an einen Kanton gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG um eine selb-
ständig  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechtbare  Zwischenver-
fügung handelt (Art. 107 Abs. 1 AsylG), 

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Zwischenver-
fügung besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung 
der Beschwerde legitimiert ist, weshalb auf die frist- und formgerecht 
eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie 
Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52 
VwVG), 

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  kann  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),  wobei  vorliegend  gemäss  Art. 106  Abs. 2  AsylG  die  lex 
specialis von Art. 27 Abs. 3 AsylG vorbehalten bleibt  (vgl. hierzu die 
nachstehenden Ausführungen), 

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art.  111 
Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie nachstehend aufgezeigt, um 
eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde, 

dass das BFM die Asylsuchenden gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG den 
Kantonen  zuweist  und  dabei  den  schützenswerten  Interessen  der 
Kantone und der Asylsuchenden Rechnung trägt, 

dass  die  Verteilung nach einem Schlüssel  gemäss Art.  21  der  Asyl-
verordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1, 
SR 142.311) erfolgt, wobei das BFM bei der Verteilung bereits in der 

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Schweiz  lebende  Familienangehörige,  die  Staatsangehörigkeit  der 
Asylsuchenden  und  besonders  betreuungsintensive  Fälle 
berücksichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1), 

dass  ein  Zuweisungsentscheid  des  Bundesamts  gemäss  Art. 27 
Abs. 3 letzter Satz AsylG – der als lex specialis der allgemeinen Regel 
von  Art. 106  Abs. 1  AsylG  vorgeht  (vgl.  Art. 106  Abs. 2  AsylG)  –  in 
materieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden kann, 
er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie, 

dass sich der Begriff der Familieneinheit gemäss Art.  27 Abs. 3 AsylG 
grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne 
von Art. 1  Bst. e  AsylV 1 orientiert,  und mithin die  Kernfamilie  (Ehe-
gatten und deren minderjährige Kinder) umfasst, 

dass  der  über  die  Kernfamilie  hinausgehende  Familienbegriff  von 
Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  auch  die 
Beziehungen zwischen allen nahen Verwandten (Grosseltern und ihre 
Enkel/Enkelinnen,  Onkel/Tanten  und  ihre  Nichten/Neffen, 
Geschwister),  die  in  der  Familie  eine  wesentliche  Rolle  spielen 
können, erfasst, sofern eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Be-
ziehung zwischen den betreffenden Angehörigen besteht, 

dass die Berufung auf den Grundsatz der Familieneinheit im Sinne von 
Art. 27  Abs. 3  AsylG  bei  Verwandten  ausserhalb  der  Kernfamilie 
darüber hinaus – nebst einer nahen, echten und tatsächlich gelebten 
Beziehung  –  praxisgemäss  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis 
voraussetzt  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesver-
waltungsgerichts [BVGE] 2008/47 E. 4.1 S. 677 ff.), 

dass ein solches Abhängigkeitsverhältnis besteht,  wenn eine Person 
behindert  ist  oder  aus  einem  anderen  Grund  auf  die  Hilfe  einer 
Person, die in der Schweiz lebt, besonders angewiesen ist, 

dass dabei ein besonderes Engagement des in der Schweiz lebenden 
Angehörigen gegeben sein muss, indem dieser die verwandte Person 
nicht nur finanziell oder moralisch unterstützt, sondern sich persönlich 
um  sie  kümmert  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2000  Nr. 21  E. 6c 
S. 200 f., EMARK 2001 Nr. 24 E. 3 S. 191 f.), 

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dass  sich  die  Beschwerdeführerin  auf  den  Schutz  der  Einheit  der 
Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG beruft, 

dass  unbestritten  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  die  gemäss 
ihren  Angaben  im  Kanton  D._______  wohnhaften  Verwandten  keine 
Kernfamilie bilden, weshalb zu prüfen ist, ob die geschilderten Voraus-
setzungen, die für eine schützenswerte verwandtschaftliche Beziehung 
ausserhalb der Kernfamilie sprechen würden, erfüllt sind, 

dass  hinsichtlich  des  von  der  Beschwerdeführerin  als  „Onkel“  be-
zeichneten Verwandten vorab festzuhalten ist,  dass es sich nicht um 
einen Onkel im Sinne der schweizerischen Rechtsauffassung – Bruder 
eines  Elternteils  –  und  somit  nicht  um  einen  nahen  Verwandten 
handeln dürfte (vgl.  [Angaben zum Verwandtschaftsverhältnis gemäss 
den Befragungen und der Beschwerdeschrift]),

dass indes der effektive Verwandtschaftsgrad offen bleiben kann,  da 
angesichts  der  Angaben  der  Beschwerdeführerin,  wonach  sie  den 
„Onkel“  vor  der  Einreise  in  die  Schweiz  lediglich  einmal  anlässlich 
einer Ferienreise desselben im Jahr (...) in Sri Lanka getroffen habe, 
und  dieser  über  ihre  Reise  in  die  Schweiz  vorgängig  auch  nicht 
informiert gewesen sei (vgl. A13 S. 8), von vornherein nicht von einer 
nahen, bereits vor der Einreise tatsächlich gelebten, engen Beziehung 
gesprochen werden kann,

dass an dieser Einschätzung auch der zeitweilige Aufenthalt  der Be-
schwerdeführerin  bei  dem „Onkel“  nach der  Einreise  in  die  Schweiz 
nichts zu ändern vermag, 

dass  bezüglich  der  erst  auf  Beschwerdeebene  erwähnten  Tante 
mütterlicherseits ebenfalls nicht von einer tatsächlich gelebten, engen 
Beziehung auszugehen ist, zumal die Beschwerdeführerin diese Ver-
wandte im Rahmen der Erstbefragung vom 15. Juni 2010 mit keinem 
Wort  erwähnte  beziehungsweise  ausführte,  sie  wisse  nicht,  ob  ihre 
Eltern Geschwister hätten (vgl. A1 S. 4), 

dass  es  sich  damit  erübrigt,  die  angekündigte  Nachreichung  des 
Namens und der Adresse der Tante abzuwarten,  wobei anzumerken 
bleibt, dass es erstaunt, dass die Beschwerdeführerin zur spontanen 
Namensnennung offenbar  nicht  in  der  Lage  war,  obwohl  sie  zu  der 
Tante angeblich Kontakt habe (vgl. Beschwerdeschrift S. 10), 

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dass  hinsichtlich  des  Vorbringens  der  Beschwerdeführerin,  sie  be-
nötige  als  (...)  in  einem fremden  Land  die  Unterstützung  ihrer  hier 
wohnhaften  Verwandten,  davon  auszugehen  ist,  sie  sei  nicht 
notwendigerweise darauf angewiesen, bei ihren Angehörigen zu leben, 
um  sich  in  der  Schweiz  zurechtzufinden,  zumal  es  ihr  auch  ohne 
Kantonswechsel  möglich  ist,  weiterhin  per  Telefon  oder  mittels  Be-
suchen Kontakt  zu ihren Verwandten zu pflegen und in dieser  Form 
Unterstützung zu erhalten, 

dass  die  Beschwerdeführerin  überdies  auch  von  der  zuständigen 
(Behörde)  des  Kantons  C._______  Betreuung  und  Unterstützung 
erhält, 

dass aufgrund des Gesagten weder von einer nahen und tatsächlich 
gelebten  Beziehung  zu  den  ausserhalb  der  Kernfamilie  stehenden 
Verwandten  in  der  Schweiz  noch  von einem besonderen  Abhängig-
keitsverhältnis auszugehen ist, 

dass  mithin  festzustellen  ist,  dass  die  Kantonszuweisung  der  Be-
schwerdeführerin den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von 
Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt und die Beschwerde demnach ab-
zuweisen ist,

dass mit vorliegendem Urteil ohne vorgängige Instruktion das Gesuch 
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstands-
los geworden ist, 

dass  die  Beschwerde  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aus-
sichtslos  zu  qualifizieren  und  daher  das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der all-
fälligen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin – abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten grundsätzlich der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  es 
sich  aufgrund der  (...)  der  Beschwerdeführerin  indessen rechtfertigt, 
auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten (Art.  6 Bst. b des 
Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

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