# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8cd4c1eb-ee3f-5271-bb62-52ad2dee240c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-29
**Language:** de
**Title:** Rückweisung. Es kann nicht auf das polydisziplinäre Gutachten abgestellt werden.
**Docket/Reference:** IV.2014.00434
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00434.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00434
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
29. Mai 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1973, arbeitete in der Reinigung für den
Y.___
in einem Pensum von 80
%
,
bei
Z.___
in einem P
ensum von 20 – 25
%
(
Urk.
14/2) sowie für Privatpersonen (
Urk.
14/8)
, als sie sich am
15.
August 2012 (Eingangsdatum,
Urk.
14/2) unter Hinweis auf „Aktive Arthrose an diversen Stellen am Körper“ bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
meldete
. Nach Abklärung der erwerblichen sowie medizinischen Verhältnisse
verneinte
die IV
Stelle
mit
Vorbescheid vom
2
0.
November 2012 (
Urk.
14/19)
einen Anspruch auf
eine
Invalidenrente, da der
V
ersicherten eine behinderungsangepasste Tätig
keit, wie z.B. Kontrolltätigkeiten, zu 100
%
zumutbar seien und bei ent
sprechen
dem Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 2
4
%
resultiere
.
Die
V
ersicherte erhob daraufhin am 12.
Dezember 2012 Einwand (Urk.
14/23, ergän
zende Eingabe
n
vom 20.
Dezember 2012 [
Urk.
14/27]
und vom
6.
Februar 2013
[
Urk.
14/32
]
)
.
In der Folge
holte
die IV-Stelle das polydisziplinäre Gutach
ten (
Allg
e
meinmedizin, Rheumatologie und Innere Medizin, Gynäkologie und Psychiatrie und Psychotherapie
)
des
A.___
vom
2
3.
Dezember 2013
ein
(
Urk.
14/64)
.
Die
V
ersicherte nahm
dazu am 7. März 2014
Ste
llung und ersuchte um Zusprechung einer gan
zen Rente
(Urk.
14/75)
.
Mit Verfügung vom 1
7.
März 2014
verneinte
d
ie IV
Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
am
1
7.
April 2014
(
Urk.
1)
Beschwerde und bean
tragte
, es sei die
Verfügung vom 1
7.
März 2014
aufzuheben und es
sei
ihr
mit Wirkung ab
1.
Februar 2013 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zuzusprechen.
In f
ormell
er Hinsicht
beantragte sie, dass ein zweiter
Schriften
wechsel
anzuordnen
sowie das Verfahren prioritär zu behandeln sei.
Die IV
Stelle
schloss
am
1
2.
Juni 2014 (
Urk.
13)
auf
Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom
5.
März 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest
. Die Beschwerdegegnerin verzichtete
mit Schreiben vom 1
7.
März 2015
auf eine Duplik (
Urk.
22).
3.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge
gangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwer
deführerin auf
eine Invalidenrente
zu Recht verneinte.
1.
1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
7.
März 2014 (
Urk.
2) erwog die
Beschwer
degegnerin
, dass der Beschwerdeführerin ihre Arbeit als
Reinigungs
mitarbeiterin
nicht mehr zumutbar sei.
Aus rein somatischer Sicht sei eine leichte bis intermittierend mittelschwere
,
wechselbelastende Tätigkeit ohne
Zwangs
haltungen
,
unter Ausschluss von Tätigkeiten über der Horizontalen, ohne
G
ehen auf unebene
m
Grund und ohne Arbeiten auf Leitern und mit Treppenstei
gen zu 80
%
zumutbar. Der
Einkommensvergleich
ergebe
ein
en
Invaliditätsgrad von 31
%
, so dass kein Rentenanspruch bestehe.
1.
2
Die Beschwerdeführerin
brachte
in der Beschwerde vom 1
7.
April 2014
(
Urk.
1)
vor, die Verfügung der IV-Stelle vom 1
7.
März 2014 sei aufzuheben und es sei der Versicherten mit Wirkung ab
1.
Februar 2013 eine ganze Rente der Invali
denversicherung zuzusprechen.
Sie begründete
dies
im Wesentlichen
damit, dass auf das Gutachten der
A.___
abzustellen sei
, das eine 80%ige Arbeitsfä
higkeit für behinderungsangepasste Tätigkeiten aufgrund der somatischen und eine 20%ige Arbeitsfähigkeit aufgrund psychiatrischer Beschwerden ergeben habe. Eine
„
Überwindbarkeitsprüfung
“
in Bezug auf die psychiatrischen Beschwerden dürfe
nicht erfolgen
.
1.3
I
n ihrer Vernehmlassung vom
1
2.
Juni 2014 (
Urk.
13)
hielt die
Beschwerde
gegne
rin
z
usammenfassend fest, dass eine Erwerbsunfähigkeit im Sinne
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
nur vorliege, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar sei (
Art.
7
Abs.
2
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Die Frage der
Über
windbarkeit
stelle sich daher in jedem Fall, um eine Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 ATSG zu begründen. Die Beschwerdegegnerin erblicke genü
gend Ressourcen, um eine Überwindbarkeit der psychischen Ein
schränkungen im konkreten Fall zu bejahen.
1.4
Mit Replik vom
5.
März 2015 (
Urk.
18)
führte
die Beschwerdeführerin
aus, dass die Beschwerden durch die generalisierte Angststörung
(ICD-10 F41.1) mit
Ver
meidungshaltung
und Rückzugstendenz sowie die mittelgradige depressive Episode mit Suizidalität (ICD-10 F32.1) durch klinisch
e
psychiatrische Untersu
chungen klar diagnostiziert und damit objektivierbar seien. Sollte eine
Über
windbarkeitsprüfung
zulässig sein – was bestritten werde – so w
ä
ren vorliegend die von der Beschwerdegegnerin erwähnten Ressourcen und die
Überwindbar
keit
nicht gegeben (
Urk.
18 S. 5).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I
169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
3
.
Im Folgenden ist zunächst die medizinische Aktenlage darzustellen.
3
.
1
Dr.
med.
B.___
, Rheumatologie und Innere Medizin FMH, diagnostizierte im von der Beschwerdege
g
nerin eingeholten Arztbericht vom 2
0.
September 2012 (
Urk.
14/10 S. 1
ff.) als Ursache der Arbeitsunfähigke
it eine a
ktivierte
Lisfranc
-Arthrose li
nks
sowie
Insertions
tendinopathie
am
P
es
anserinus
Knie li
nks
sei
t
Februar 2012 sowie
ein rezidi
vierendes
lumbospondylogenes
Syndrom li
nks
bei Segmentdegenerationen mittleren Grades L2-5 seit 200
7.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 3
0.
Juni 2012 bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig. Bei mehrheitlich im Sitzen ausgeübter Tätigkeit bestehe keine Beeinträchtigung
.
3
.
2
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
hielt
in seiner Begutachtung vom
3.
Oktober 2012 zuhanden der BVK
Personal
vorsorge
des Kantons Zürich
(
Urk.
14/40 S.
6
f.)
als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
ein intermittierendes
lumbospondylogenes
Syndrom beid
seitig
(ICD-10 M54.4) sowie anamnestisch Polyarthrosen lt. Skelettszintigraphie 03/2012 (
ICD-10 M15.9) fest
.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit läge
ein Verdacht auf eine
Symptomausweitung vor
.
Eine
psychosozi
ale Überlastungssituation
sei möglich,
Symptombeginn/
-
exazerbation
sei nach Umzug ins neu gekaufte Haus erfolgt
.
E
s bestehe nur ein geringes organisches Korrelat der invalidisierenden Symptome.
Unter Annahme einer erfolgreichen Implementierung der empfohlenen Massnahmen (insbesondere geeignetes Schuh
werk, Beinlängenausgleich rechts, allenfalls stabilisierende Knieorthese links) sei medizinisch theoretisch
von einer
80%ige
n
Arbeitsfähigkeit
auszuge
hen
(Urk.
14/40 S. 20 f.).
3
.
3
Dr.
D.___
, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin,
erhob
in ihrem Arztbericht vom 2
7.
Oktober 2012 (
Urk.
14/16 S.
1
ff.)
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
chronische Mittel- bis
Vorfusschmerzen
links,
eine
aktivierte A
rthrose des
Lisfranc
Gelenkes,
eine
g
eringere Arthrose des
unteren
Sprunggelenks (
USG
)
,
eine
Valgus
fehlstellung
der Kniegelenke beidsei
tig
,
ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit Schmerzausstrahlung ins linke Bein mit aktivierten
Spondylarthrosen
L2-L5
und einen Status nach
SIG Arthri
ti
s links 2008 (HLA B 27 negativ)
. Daneben hätten auch die chronischen
Unter
bauchschmerzen
und Menstruationsstörungen bei
Endometriose
rAFS
Stadium I
(
Dg
: 18.01.2010), Status nach
Ov
aralzystenexcision
(8/2011),
ein
Status nach
rezidivierenden
Aminkolipi
tiden
,
ein
Status nach
Hysteroskop
ie und fraktio
nierter
Curettage,
eine
rezidivierende
Harnwegsinfektion (
HWI
)
und chronischer Eisenmangel eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge.
Di
e Befunde des Bewegungsapparates, vor allem des Fus
ses und der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
mit Verdacht
auf
seronegative
Spondylarthritis
würden
zu einer Ein
schränkung als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst führen. Zusätzliche
Leistungs
einbussen
seien auf die
Endometriose
zurückzuführen.
Die ständige Müdigkeit aufgrund des chronischen Eisenmangels infolge
Menometrorrhagien
und die chronischen Un
terbauchschmerzen
aufgrund der Verwachsungsherde, die jeweils operativ entfernt werden müssten, würde
n
ebenfalls zur Arbeitsun
fähigkeit infolge schmerz-,
operationsbedinger
Arbeitsausfälle
und des bei
Endometriose
bekannten chronischen Krankheitsverlaufes
führen
.
Psychisch sei die Patientin aktuell gut kompensiert und zeige genügend Ressourcen zur Ver
arbeitung der durch die Erkrankung entstandenen sozialen und psychischen Belastungen. Sie
soll
t
e durch Berentung entlastet werden, da sich die Prognose aus hausärztliche
r
Sicht verbessern würde.
Na
ch Eintritt der Menopause dürfte
sich die
Endometriosesituation
deutlich verbessern, was zu einer Erhöhung de
r Arbeitsfähigkeit führen könn
t
e
(40 – 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Menopause,
Urk.
14/16 S. 3).
3.
4
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
hielt
in ihrem Arztbericht
vom 1
3.
Dezember 2012
fest, dass die Beschwerdeführerin an einer Anpassungsstörung sowie einer längeren
depressiven Reaktion (ICD-10 F43
.21)
leide (
Urk.
14/22 S. 3
f.).
D
ie Beschwerdeführerin sei aufgrund der star
ken Schmerzen extrem erschöpft, fühle sich mit dem Alltag überfordert. Sie versuche, unter Einnahme von Schmerzmitteln mit ihrem Ehemann die 20%ige Arbeitstätigkeit bei
Z.___
zu leisten, sei aber eigentlich auch für diese Arbeit arbeitsunfähig oder leiste die Tätigkeit nur mit Unterstützung ihres Ehe
mannes (Arbeit in geschütztem Rahmen).
Ihr psychopathologische
r
Status
sei bewusstseinsklar, allseits orientiert. Die Auffassung, Aufmerksamkeit und Kon
zentration sei
en
leicht herabgesetzt bei durchschnittlicher Intelligenz. Im for
malen Denken sei sie verlangsamt, auf ihre Schmerzen und Probleme eingeengt. Es lägen keine Hinweise für hypochondrische Überlagerung oder
Zwangsgedan
ken
sowie auf inhaltliche Denkstörungen oder Sinnestäuschungen vor. Sie sei in
der Stimmung ängstlich, depressiv, stimmungslabil bis
stimmungsinkontinent
und antriebsarm.
Psychomotorisch sei sie eher ruhig. Eine Selbst- oder
Fremd
gefährdung
liege nicht vor. Sozial sei sie zurückgezogen.
Die ausgeprägte dep
ressive A
ntriebs- und Stimmungslage habe
mit Antidepressiva behandelt werden müssen (
Zoloft
50mg). Trotz langsamem Einsti
e
g mit nur einer halb
en Tablette über vier Tage habe
die Beschwerdeführerin
diese Therapie
wegen gastrointestinalen Nebenwirkungen nicht länger in Anspruch nehmen können. Die Medikation sei entsprechend auf
Saroten
ret
. 25mg 1x1 abends umgestellt worden. Die Patientin sei aus rein psychiatrischer Sicht 50
%
arbeitsunfähig für alle Tätigkeiten. Eine weitere Erhöhung der
Saroten
-Medikation sei vorgesehen.
3.
5
Dr.
D.___
führte in ihrem von der Beschwerdeführerin eingeholten
Arztbe
richt
vom 2
6.
März 2013 aus, dass das Leiden der Beschwerdeführerin aus mehreren schwerwiegenden und ihren Alltag stark in Anspruch nehmenden Erkrankungen bestehe. Es bestünden chronische Schmerzen in mindestens 3
Organen
. Die schlimme Sit
uation am linken Fussgelenk führe mindestens monatlich zu entzündlichen (Arth
r
itis-)Schüben, währenddessen sich die Beschwerdeführerin nur auf den Fuss und die Einnahme von schmerzlindernden Substanzen konzentrieren könne und oft auf spezialärztliche Termin
e
warten müsse, um durch Injektionen ins Gelenk wieder schmerzfrei zu werden. Während
dessen sei sie auch in einer angepassten Tätigkeit (meist 2-3 Wochen) nicht arbeitsfähig. Hinzu käme eine degenerative Veränderung der
Lendenwir
belsäule
mit Arthrosen auf mehreren Ebenen, L2-L
5.
Des Weiteren leide die Beschwerdeführerin an
Endometriose
, wodurch immer wieder akute
Unter
bauch
schmerzen
auftreten könnten. Nebst dem leide sie auch an einer
Anpassungs
störung
, welche zu einer depressiven Reaktion geführt habe, wobei es zu Antriebslosigkeit und Unruhe gekommen sei, die auch medikamentös h
ab
e therapiert werden müssen
(
Urk.
14/40)
.
3.
6
Dr.
E.___
stellte
im von der IV-Stelle eingeholten Arztbericht vom 2
1.
Mai 2013 (
Urk.
14/45)
abweichend vom
Bericht vom 1
3.
Dezember 2012 (
Urk.
14/22
S. 3 f.
)
nebst der Anpassungsstörung, längeren depressiven Reaktion, zusätzli
che
Diagnosen mit Auswirk
ungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
- Merkmale einer Persönlichkeitsstörung Cluster-Gruppe C (ICD-10 F60.6)
- Panikstörung (ICD-10 F41.0)
- Aktivierte TMT I-Arthrose links mit
/
bei
- genereller
Hyperlaxizität
- Beinlänge
n
differenz -1cm
re
Der
Beschwerdeführerin sei
eine behinderungsangepasste
Tätigkeit seit Anfang der Behandlung am 1
6.
November 2012
zwei Stunden täglich, bzw. ca. 20
%
mit einem 50%igen Belastungsprofil möglich.
3.
7
Dr.
med.
F.___
des
Y.___
, Facharzt für Innere Medizin (
G.___
), Facharzt für Rheumatologie FMH
,
berichtete am 2
3.
August 2013 (
Urk.
14/56)
, dass die Beschwerdesymptomatik der Beschwerdeführerin ähnlich wie im März 2012 als invalidisierende, chronische Mittel- /
Vorfusschmerzen
links auf dem Boden der degenerativen Veränderung im Bereich des
Lisfranc
-Gelenks, respek
tive der
Ossa
cuneiforma
(insbesondere Arthrose zwischen MT I und Os
cuneiforme
I) zu beurteilen sei. Aktuell zeige sich nur noch ein
residueller
Befund der vormals aktivierten Arthrose zwischen MT I und Os
cuneiforme
.
Die Beschwerdeführerin verzichte offenbar wegen Atemnot, Angstgefühlen und anderweitigen Schmerzsensationen auf die bisherigen Steroidinfiltrationen. Die von ihr getragenen Schuheinlagen seien zu weich und er stelle ein neues Rezept aus für eine orthopädietechnische Schuhzurich
tung. Zudem hielt
er fest, dass gezielte physiotherapeutische Massnahmen zur Unterstützung des Fussquer- und –
längsgewölbes
, in
s
besondere mittels Traini
n
g der kleinen Fussmuskulatur durchgeführt werden sollten.
Aufgrund der belastungsabhängigen
Schmerz
symptomatik
bestehe aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von maximal 20
%
(verteilt auf drei Tage) in der Tätigkeit als
Reinigungsfach
frau
, wobei sie bei
Z.___
indiv
iduelle Pausen zur Entlastung des linken Fusses einlegen könne. Die Arbeitsfähigkeit solle erneut nach drei Monaten und ausreichendem Tragen der neuen Schuhzurichtung durch
Dr.
B.___
beurteilt werden.
3.
8
Dr.
C.___
beurteilte
in seiner
zweiten
Begutachtung vom 1
7.
Septemb
er 2013 (
Urk.
14/58)
die medizinische Situation dahingehend, dass sich die
pri
mären Reintegrationshindernisse aus den initial beklagten somatischen Symp
tome
n
zunehmend in die nicht organisch-psychiatrische Richtung zu verlagern
schienen
, die ausserhalb des Bewegungsapparates zu beurteilen seien.
Aus rein rheumatologischer Sicht halte er die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit, ohne schwere Hebe- und Tragbelastungen, sowie ohne repetiti
ves Treppensteigen oder Gehen in unebenem Gelände bezogen auf ein 100%iges Pensum für zu 80
%
arbeitsfähig, zu Reintegrationsbeginn sei das Zugeständnis vermehrter Erholungspausen von etwa 10
%
für Ausgleichspositionen vertretbar (
Urk.
14/58 S. 19 ff.).
Die Erwerbsfähigkeit könne insbesondere durch bereits im Vorgutachten empfohlene versteifende Einlagenversorgung, respektive
Schuh
zurichtung
, nebst
konditionierender
Bewegungstherapien zum Abbau von
Hal
tungsdefiziten
verbessert werden. Sie habe entsprechend nicht
sämtliche
zumut
baren Massnahmen zur Schadensminderung ergriffen.
3.9
3.
9
.1
Im Gutachten des
A.___
vom 2
3.
Dezember 2013
(
Urk.
14/64) hielt
Dr.
med.
H.___
, FMH Innere Medizin und Rheumatologie,
fest
, dass die Beschwerdeführer
i
n aus rheumatologischer Sicht durch die Veränderungen am lumbalen Achsenskelett sowie den Veränderungen des linken Fussskelettes in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Da die linksseitige Schulterproblematik offenbar rezidiviere
,
scheine es sinnvoll, auch betreffend Belastung des Schultergelenkes Einschränkungen zu machen. Aus rheumatologischer Sicht könn
t
e
n
ihr
lediglich noch leichte bis maximal inter
mittierend mittelschwere, wechselbelastende und rückenadaptierte Tätigkeiten unter Ausschluss sämtlicher Zwangshaltungen mit dem Oberkörper und/oder repetitive Arbeiten mit den Armen in und über der Horizontalen sowie unter Ausschluss sämtlicher Arbeiten, welche Gehen auf unebenem Grund, Steigen auf Treppen oder Leitern sowie Arbeiten in der Höhe bedingen, zugemutet wer
den. Zudem müsse die ununterbrochene
Gehdauer
auf eine halbe Stunde begrenzt werden. Entsprechend angepasste Tätigkeiten seien ihr aus rheumato
logischer Sicht zu 80
%
zumutbar. Die Reduktion von 20
%
erg
e
be sich aus der Notwendigkeit, dass die Versicherte häufig Entlastungsstellungen einnehmen müsse. Aufgrund der langen Arbeitskarenz bestehe eine
Dekonditionierung
, es scheine daher sinnvoll, den Arbeitseinstieg zu staffeln. Ausge
hend von einem 40
%-Pensum
s
oll
te
bei begleitend durchgeführtem muskulären Aufbautraining theoretisch eine Steigerung alle vier
Wochen um 10
– 20
%
möglich
sein (
Urk.
14/64 S. 93 f.)
.
3.
9.
2
Aus fachärztlicher gynäkologischer Sicht
stellte
Dr.
med.
I.___
, Fach
arzt für Gynäkologie & Geburtshilfe FMH,
keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
14/64 S. 60)
.
3.
9
.3
Dr.
med.
J.___
, FMH für Psychiatrie und Psychoth
erapie,
führte aus, dass die Beschwerdeführerin gut kollaboriere, es aber trotzdem auffalle, dass es ihr ausgesprochen schwerfalle, exakt und strukturiert Fragen zu beantworten. Sie zittere ununterbrochen mit der rechten Hand, sei angespannt. Sie sei allseits orientiert und bei vollem Bewusstsein. Auf der Antriebsebene zeige sie nicht eine mittelgradige bis schwere Depressivität (
Urk.
14/64 S. 68). Sie sei mehrfach affektlabil, oft affektstarr. Sie sei ambivalent und deutlich ängstlich, mittelgra
dig bis schwer zeitweilig. Sie wirke angespannt, zittere dauernd mit der rechten Hand, manchmal auch mit den Beinen. Sie wirke angstvoll, ohne dass sie über
haupt ein Gefühl dafür habe, dass sie eigentlich an wesentlichen Ängsten leide. Sie sei auch leicht depressiv, wobei klinisch die Ängste deutlich überwiegen würden. Sie sei mässig verzweifelt, allerdings ratlos pessimistisch, wirke
über
sensitiv
und vulnerabel (
Urk.
14/64 S. 69).
Dr.
J.___
führte aus,
Dr.
E.___
habe in ihrem Arztbericht vom 1
3.
Dezember 2012 (
Urk.
14/22 S. 3) eine Anpassungsstörung, eine depressive Reaktion diag
nostiziert. Sie sei von einer ausgeprägten depressiven Antriebs- und
Stim
mungslage
mit Regressionstendenz und Rückzugsverhalten ausgegangen. Seines Erachtens werde die Diagnostik einer Anpassungsstörung der schweren psychi
atrischen Erkrankung nicht gerecht. Es habe sich gesichert eine schwere
Angst
störung
etabliert, die vermutlich schon früher bestanden habe, wenn man den begleitenden Text von
Dr.
E.___
lese (
Urk.
14/64 S. 43 f.).
Es müsse eine generalisierte Angststörung angenommen werden, die zeitweilig auch in Form eines gewissen panikartigen
Anfallsyndroms
daherkomme. Die Beschwerdeführerin leide immer wieder unter multiplen Befürchtungen in diversesten Bereichen. Sie habe Angst vor Unfällen, vor
katastrophisierenden
Gedanken, Hiobsbotschaften, vor Verlusten und multiple Ängste mehr. Sie wisse nicht, dass sie an einer Angststörung leide, sei gemäss seiner Untersuchung noch nie darüber orientiert worden. Die Ängste seien seines Erachtens klar im Vordergrund. Sie sei mittelgradig depressiv. Er habe ihr und ihrem Gatten mit
geteilt, dass aufgrund der Angststörung dringend eine Hospitalisierung notwen
dig sei.
Er führte aus, dass davon ausgegangen werden könne, dass die körperlichen Beeinträchtigungen 2011 und 2012 zu einem zunehmend
en Funktionsverlust geführt hätten
, indem sie unterdessen auch Angst vor einer Krankheit oder
ganz invalid zu werden habe und
viele Ängste mehr. Vermutlich seien die diversen körperlichen
Abklärungen,
Hospitalisationen
und
Therapieversuche geeignet gewesen, eine bereits bestehende grundängstliche Persönlichkeit zum
Dekom
pensieren
zu bringen. Aktuell müsse von einer
dekompensierten
Angststörung ausgegangen werden, welche seines Erachtens völlig ungenügend therapiert sei, wenn sie nur alle drei Wochen in psychiatrische Behandlung u
nd zwar nur zu Gesprächen gehe
(
Urk.
14/64 S. 44).
Als Diagnosen stellte er eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) mit Vermeidungsverhalten und Rückzugstendenz sowie eine mittelgradige depres
sive Episode mit Suizidalität (ICD-10 F32.1).
Aus psychiatrischer Sicht sei sie weitgehend arbeitsunfähig, wobei therapeutische Massnahmen durchaus geeig
net sein könnte
n
, die Arbeitsfähigkeit wieder zu verbessern. Ihr aktuelles Pen
sum von 20
%
könne sie nur unter Beihilfe des Gatten bewältigen. Sie müsse dringend in eine tagesklinische Behandlung mit Schwerpunkt Angststörungen oder in eine Klinik eintreten, wo sie stationär behandelt werden
könnte.
Die Prognose sei ungewiss. Die Versicherte zeige Hinweise darauf, dass die
Angst
störung
schon länger zurückgehe und vermutlich 2011 nach ihren beiden
Ver
lusterlebnissen
, dieser Tochter der Nachbarin und einer Freundin, auf dem Boden des Verlustes des Grossvaters im 1
5.
Lebensjahr zu einer Dekompensa
tion der Angststörung g
eführt habe (
Urk.
14/64 S. 46).
4
.
4.
1
4.
1
.1
Um den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin beurteilen zu können, muss ein neues Gutachten erstellt werden. Es kann weder a
uf das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
J.___
noch
auf die Arztberichte von
Dr.
E.___
abgestellt werden.
4.
1
.2
Dr.
E.___
diagnostizierte in ihrem Arztbericht vom 1
3.
Dezember 2012 (
Urk.
14/22
S. 3 f.
) eine Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion
(ICD
10 F43
.21)
sowie eine aktivierte TMT I-Arthrose links mit bei genereller
Hyper
laxizität
und Beinlängendifferenz -1cm rechts.
Die Beschwerdeführerin sei aus rein psychiatrischer Sicht zu 50
%
arbeitsunfähig für alle Tätigkeiten.
Die Diagnose
n
ergänzte sie in ihrem Bericht vom 2
1.
Mai 2013 (
Urk.
14/45) dahin
gehend, dass die Beschwerdeführerin auch Merkmale einer
Persönlich
keitsstörung
Cluster-Gruppe C (ICD-10 F60.6) aufweise sowie an einer
Panik
störung
(ICD-10 F41.0) leide.
Es sei ihr seit Anfang der psychiatrischen Behandlung ab dem 1
6.
November 2012 zuzumuten, eine
behinderungsange
passte
Tätigkeit während zwei Stunden täglich, beziehungsweise ca. 20
%
mit einem 50%igen Belastungsprofil auszuüben.
Unklar bleibt, warum
Dr.
E.___
trotz gleicher Anamnese und identisch festge
haltenem psychopathologischem Status
(vgl.
Urk.
14/22 S. 4 und
Urk.
14/45 S.
2)
zu unterschiedlichen Diagnose
n
kam. Auch warum die Arbeitsfähigkeit abweichend beurteilt wurde, bleibt ohne weitere Begründung
nicht nachvoll
ziehbar
.
I
nsbesondere kann nicht beurteilt werden, ob sie in ihrem zweiten Bericht vom 2
1.
Mai 2013 auch die somatische Diagnose berücksichtigte und entsprechend eine
höhere Arbeitsunfähigkeit annahm
oder nicht
.
Es kann ent
sprechend nicht auf ihre Arztberichte abgestellt werden. Daran ändert auch das
Schreiben vom
5.
Mai 2014
(
Urk.
19/1)
von
Dr.
E.___
an die Vertreteri
n der Beschwerdeführerin nichts. D
a
rin setzte sie sich
doch
lediglich mit dem Gut
a
chten von
Dr.
J.___
auseinander. E
ine Erklärung
,
wie es zu den unterschiedli
chen Diagnosen sowie Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit kam, fehlt.
4.
1
.3
Dr.
J.___
beurteilte die
Beschwerdeführerin als aus psychiatrischer Sicht
als
weitgehend arbeitsunfähig. Die aktuelle Leistung von 20
%
könne sie nur mit Hilfe des Ehemannes leisten (
Urk.
14/64 S. 46).
In seinem Gutachten setzte er
sich dabei mit dem Arztbericht von
Dr.
E.___
vom 1
3.
Dezember 2012 (Urk.
14/22 S. 3) auseinander, nicht hingegen mit ihrem Arztbericht vom 2
1.
Mai 201
3.
So hielt er fest, dass
Dr.
E.___
eine Anpassungsstörung, eine depressive Reaktion diagnostiziert habe – nicht allerdings, dass sie diese Diag
nose im Arztbericht vom 2
1.
Mai 2013 um die Diagnose Panikstörung (ICD-10 F41.0) ergänzte sowie festhielt, dass Merkmale einer Persönlichkeitsstörung Cluster-Gruppe C (ICD-10 F60.6) vorlägen (
Urk.
14/45).
Er führte aus
, eine Anpassungsstörung sei normalerweise eine Störung, die sich wieder bessern sollte oder zumindest gehe man von einer Besserung aus, nach dem normalen Verlauf der Dinge. Bei der Beschwerdeführerin habe sich gesi
chert eine schwere Angststörung etabliert, die vermutlich schon früher bestan
den habe, wenn man den begleitenden Text von
Dr.
E.___
lese. Angesichts seiner Untersuchung müsse eine generalisierte Angststörung angenommen wer
den, die zeitweilig auch in Form eines gewissen panikartigen
Anfallsyndroms
daherkomme. Sie leide unter multiplen Befürchtungen in diversesten Bereichen – habe Angst vor Unfällen,
katastrophisierenden
Gedanken, Hiobsbotschaften, Verlusten und multiple Ängste mehr.  (
Urk.
14/64 S. 43
f.
).
Da der Arztbericht von
Dr.
E.___
vom 2
1.
Mai 2013 unbeachtet blieb, kann nicht nachvollzogen werden, was ihn trotz panikartigen Anfällen zur Annahme einer generalisierten Angststörung und nicht – wie von Dr.
E.___
diagnostiziert – zur Diagnose einer Panikstörung führte.
Au
ch unklar bleibt, was genau zur Dekompensation geführt hat.
Einerseits schrieb
Dr.
J.___
,
es
sei davon auszugehen, das
s
die körperlichen Beeinträchti
gungen 2011 und 2012 zu einem zunehmenden Funktionsverlust geführt hätten, indem sie unterde
ssen auch Angst vo
r einer Krankheit oder ganz invalid zu werden habe. Die körperlichen Abklärungen,
Hospitalisationen
und
Thera
pieversuche
seien vermutlich geeignet gewesen, sie zum
Dekompensieren
zu bringen (
Urk.
14/64 S. 44). Andernorts führt
e
er aus, dass Hinweise bestünden, dass die Angststörung schon länger zurückgehe und vermutlich 2011 nach zwei Verlusterlebnissen (Tochter der Nachbarin und Freundin) auf dem Boden des Verlustes des Grossvaters im 1
5.
Lebens
j
ahr zu einer Dekompensation gefüh
rt hätten
(
Urk.
14/64 S. 46).
Zur Begründung eines Rentenanspruchs müssen die subjektiven
Beschwerde
anga
ben
durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststell
bare Befunde entweder hinreichend erklärbar sein oder – wie bei den unklaren
Beschwerde
bildern
– ist in Anwendung der sogenannten Foerster-Kriterien zu prüfen, ob das Leiden grundsätzlich invalidisierend ist. Bei objektivierbaren wie auch bei unklaren Beschwerdebildern setzt eine Anspruchsberechtigung gleich
ermassen
eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der Auswirkungen des
Gesundheits
schadens
auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit voraus.
Abklä
rungs
- und
Beweis
schwierigkeiten
können die Berücksichtigung von - allenfalls durch fremdanamnestische Angaben zu erhebende - Lebensbereichen wie
Frei
zeitverhalten
oder familiäres Engagement erfordern (BGE 140 V 290). Diesen Anforderungen genügt das psychiatrische Teilgutachten in keiner Weise.
Dr.
J.___
liess einerseits eine objektivierbare Auseinandersetzung mit den – oft auf Nachfrage hin – geschilderten Ängsten vermissen, andererseits vermag die Begründung und Ursache der Angsterkrankung (lange zurückliegender Todesfall des Grossvaters und der Tochter einer Nachbarin, deren Beziehung zur Beschwerdeführer gänzlich offen blieb) sowie Entwicklung bzw. Verschlimme
rung ohne Darlegung weiterer objektivierbarer und nachvollziehbarer Kriterien (Entwicklung hinsichtlich Auswirkungen des alltägliche Lebens, der Freizeitge
staltung und der sozialen und familiären Beziehungen)
nicht
zu überzeugen. Dies gilt insbesondere auch hinsichtlich seiner Einschätzung der Auswirkungen der von ihm diagnostizierten Angsterkrankung auf die zumutbare Leistungs- und Arbeitsfähigkeit.
Dr.
J.___
schilderte eine allseits orientierte Beschwerdeführerin, bei vollem Bewusstsein, psychomotorisch mässig vermindert. Aufmerksamkeit, Merkfähig
keit und Konzentrationsfähigkeit bezeichnete er als „recht gut“. Die
Gedächt
nisleistungen
seien ebenfalls vorhanden. Die Beschwerdeführerin wirke auch nicht antriebslos und zeige keine wesentliche Motivationsmängel, sondern sei einfach überfordert und ratlos (Urk. 14/64 S. 68 f.). Angesichts dieser für die Ausübung einer Arbeitstätigkeit im Wesentlichen intakten Ressourcen hätte es einer eingehenden Begründung bedurft, weshalb die Beschwerdeführerin wegen ihrer Angststörung auch in einer angepassten Tätigkeit als vollständig arbeits
unfähig zu betrachten ist, insbesondere nachdem
Dr.
E.___
als behandelnde Ärztin den Schweregrad der Angststörung bislang offenbar nicht als derart gra
vierend eingestuft hatte, dass sie auf eine intensivere Behandlung insistiert hätte, und noch im Dezember 2012 aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestierte (vgl. Urk. 14/22).
Insgesamt erweist sich das psychiatrische Teilgutachten als
nicht
schlüssig und daher nicht beweiskräftig, so dass hierauf nicht abgestellt werden kann.
4.
2
Die rheumatischen Beschwerden führen gemäss Gutachten der
A.___
zu einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit (E
. 3.
9.
1).
Diese
Ein
schätzung deckt sich im Wesentlichen mit derjenigen der behandelnden Ärzte und blieb denn auch unbestritten.
4.
3
Bezüglich de
r
gynäkologischen Begutachtung im Rahmen des polydisziplinären Gutachtens hielt
en
die
Ärzte der
A.___
fest, dass aus fachärztlicher gynäkolo
gischer Sicht keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wer
den könne
. A
us gynäkologischer Sicht sei der Beschwerdeführerin jegliche Tätigkeit vollschichtig möglich (
Urk.
14/64 S. 52).
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde vom 1
7.
April 2014 vor, dass die gynäkologischen Beschwerden für die Zeit vor der Begutachtung zu berücksichtigen seien
. Sie verweise auf die Eingaben im
Vorbescheidverfahren
und de
n
von der behan
delnden Gynäkologin beschriebenen damaligen ausserordentlichen Blutverlust mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit
(
Urk.
1 S. 10 f.).
Im Rahmen des
Einwandverfahren
machte sie geltend, dass aus dem Arztbericht von
Dr.
D.___
vom 2
7.
Oktober 2012, S. 3
Ziff.
1.6
e
contrario
hervorgehe, dass allein die Fol
gen der
Endometriose
eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
bewirken würden, da die Ärztin davon ausgehe, dass sich die Erkrankung nach der Menopause deut
lich verbessere. Der Arztbericht von
Dr.
D.___
vom 2
7.
Okto
ber 2012 ist aller
dings unklar. So hielt sie fest
, dass ab der Menopause mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit bzw. Erhöhung der Einsatzfähigkeit um 40
50
%
gerechnet werden könne
(
Urk.
14/16 S. 3). Gleichzeitig führte sie aus, dass die Beschwerdeführerin eine sitzende, leichtere Arbeit bis zu 4h pro Tag aus
führen könne und die Arbeitsunfähigkeit aus hausärztlicher Sicht bei 60
%
liege, wobei die rheumatologische Einschätzung durch die Spezialärzte definiert werden müsse. Die
Endometriose
könne sich ab Erreichen des 5
0.
Altersjahres zunehmend verbesser
n
, sofern keine neuen Komplikationen hinzukämen. Die Arbeitsfähigkeit könne sich dann um 20
%
senken (
Urk.
14/16 S. 6 f.). Der Arztbericht von
Dr.
D.___
ist
unklar und
widersprüchlich und es kann entspre
chend nicht darauf abgestellt werden.
4.
4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder auf das Gutachten der
A.___
noch auf die Arztberichte der behandelnden Psychiat
erin
Dr.
E.___
noch auf den Arztbericht von
Dr.
D.___
bezüglich der Einschränkung durch die
Endo
metriose
abgestellt werden kann.
Auf der anderen Seite kann auch nicht der Beurteilung der Beschwerdegegnerin zugestimmt werden, wonach die Beschwer
deführerin in psychiatrischer Hinsicht in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. Diese Beurteilung wird von keiner ärztlichen Fachperson unter
stützt. Im Gegenteil folgte der RAD-Arzt
Dr.
med.
K.___
, FMH Anästhesiologie, in seiner Stellungnahme vom 1
3.
Januar 2014 der Ein
schätzung des
A.___
-Gutachtens (
Urk.
14/78/6).
Die Beschwerdegegnerin hat
daher
die entsprechenden Abklärungen vorzunehmen und nach getätigten Abklärungen erneut über den Anspruch auf eine Rente zu entscheiden. Die angefochtene Verfügung ist folglich aufzuheben und die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und neuer Verfügung zurück
zuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
.
g ATSG in Ver
bindung mit
§
34
Abs.
1 und 3
des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
)
unter Berück
sichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘7
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen
) festzusetzen.
Das Gericht erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung
vom 1
7.
März 2014
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch de
r Beschwerde
führerin
neu verfüge.
2
.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600.
--
werden der IV-Stelle auferlegt
.
Rechnung und Ein
zahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt
.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2
‘
700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 24 und Urk. 25
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an
-
Gerichtskasse (
im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler