# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1ba48cde-b946-5d69-98bd-8a5aa55f59f1
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 07.09.2018 OG.2018.00022 (OGS.2020.64)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2018-00022_2018-09-07.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 7. September 2018

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2018.00022

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
    

  
	
  Beschwerdeführerin

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch B._____

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des
  Kantons Glarus

  
	
   

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Nichtanhandnahme
  eines Strafverfahrens

  
	
   

  
	
  Anträge der Beschwerdeführerin (gemäss
  Eingabe vom 1. Mai 2018 [act. 2 S. 2], sinngemäss):

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus
    vom 19. April 2018 im Verfahren SA.2017.00286 aufzuheben.

    
	
    2.

    	
    Die
    Sache sei zur Durchführung einer Strafuntersuchung gegen unbekannte
    Täterschaft an die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus zurückzuweisen.

    
	
    3.

    	
    Unter
    Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

     

    

  

  
	
  Antrag
  der
  Beschwerdegegnerin   (gemäss Eingabe vom 31. Mai 2018, [act. 8], sinngemäss):

  
	
         Es sei die Beschwerde
  abzuweisen.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  (Prozessgeschichte)

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Am 21. Juni 2017 erstattete
  A.______ (Beschwerdeführerin) bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus
  Strafanzeige gegen Unbekannt wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von
  Art. 123 StGB (Untersuchungsakten [nachfolgend: „U-act.“]
  act. 3.1.01).

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  Die Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus (Staatsanwaltschaft) entschied mit Verfügung vom 19. April
  2018, dass in Bezug auf die genannte Strafanzeige keine Strafuntersuchung an
  die Hand genommen wird (U-act. 0.1.01).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gegen diese
  Nichtanhandnahmeverfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1. Mai
  2018 (act. 2) innert Frist (U-act. 0.1.02 i.V.m. act. 2) beim
  Obergericht Beschwerde mit den eingangs sinngemäss aufgeführten Anträgen. Am
  31. Mai 2018 teilte die Staatsanwaltschaft dem Obergericht mit, dass sie auf
  eine Beschwerdeantwort verzichte, äusserte in ihrer Eingabe indes eine
  Nebenbemerkung betreffend einer weiteren Strafanzeige (act. 8). Zu
  dieser Eingabe reichte die Tochter der Beschwerdeführerin dem Obergericht
  unaufgefordert eine vom 19. Juni 2018 datierende Stellungnahme ein
  (act. 10). Die Staatsanwaltschaft erhielt diese zur Kenntnisnahme
  zugestellt (act. 11).

  
	
   

  
	
   

  
	
  II.

  (Rechtsmittelvoraussetzungen)

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Zur Beschwerde legitimiert ist
  jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder
  Änderung eines Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Partei ist unter
  anderem die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als
  Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt,
  sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118
  Abs. 1 StPO), wobei der Strafantrag dieser Erklärung gleichgestellt ist
  (Art. 118 Abs. 2 StPO). Als geschädigte Person gilt die Person, die
  durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115
  Abs. 1 StPO). Für die Zulassung einer Person als Privatkläger ist somit
  entscheidend, ob diese durch die der beschuldigten Person vorgeworfene(n)
  Handlung(en) unmittelbar in ihren Rechten verletzt worden ist, unterstellt,
  der von ihr erhobene Vorwurf treffe zu. Nach der Rechtsprechung geht die
  Umschreibung der unmittelbaren Verletzung in eigenen Rechten vom Begriff des
  Rechtsguts aus. Unmittelbar verletzt und damit Geschädigter im Sinne von Art.
  115 StPO ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm geschützten oder
  zumindest mitgeschützten Rechtsguts ist (BGE 143 IV 77, E. 2.1 f.).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Beschwerdeführerin wirft
  einer unbekannten Täterschaft sinngemäss vor, sie habe verschiedene im
  Zeitraum vom 15. Januar 2017 bis 29. April 2017 an Rücken, Oberarm, Knie
  und Oberschenkel erlittene Verletzungen zu verantworten (U-act. 3.1.01,
  v.a. Rz. 6; vgl. sogleich, E. III.1.). Demnach liegt in Bezug auf
  den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB
  bzw. der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB zweifelsohne eine
  unmittelbare Betroffenheit in den Rechten der Beschwerdeführerin vor. Ihre
  als "Strafanzeige gegen Unbekannt wegen einfacher Körperverletzung von Art. 123
  StGB" bezeichnete Eingabe vom 21. Juni 2017 an die
  Staatsanwaltschaft stellt materiell einen Strafantrag betreffend einfache
  Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB und Tätlichkeit im Sinne von
  Art. 126 StGB dar (vgl. im Detail hinten, E. III.6.2.). Damit liegt
  auch die erforderliche Erklärung zur Konstituierung als Privatklägerin vor
  (Art. 118 Abs. 2 StPO). Sodann ist die Beschwerdeführerin durch die
  Nichtanhandnahme des Verfahrens offensichtlich beschwert. Sie ist somit zur
  Beschwerdeerhebung legitimiert. Da auch die übrigen
  Rechtsmittelvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
   

  
	
  III.

  (Beurteilung)

  
	
   

  
	
  1.

  
	
  Der Rechtsvertreter der
  Beschwerdeführerin erklärte in seiner "Anzeige gegen Unbekannt" vom
  21. Juni 2017 an die Staatsanwaltschaft, deren Tochter habe im Frühling
  2017 bei der damals im Alters- und Pflegeheim [...] wohnenden
  Beschwerdeführerin verschiedene Verletzungen (Striemen, Rötungen, blaue
  Flecken, Wunden, Stiche) an Rücken, Oberarm links, Knie links und Oberschenkel
  erkannt. Das Heim habe diese Verletzungen nicht protokolliert und es sei
  unklar, wie es zu diesen Schädigungen gekommen sei. Die diese Verletzungen
  dokumentierenden Fotoaufnahmen seien durch das Institut für Rechtsmedizin der
  Universität Zürich zu prüfen, um festzustellen, auf welche Ursachen die
  genannten Verletzungsspuren zurückzuführen sind. Die Beschwerdeführerin
  selbst sei dement und könne hierzu keine Angaben machen (U-act. 3.1.01).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die Staatsanwaltschaft erwog in
  der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 19. April 2018, auf den
  von der Beschwerdeführerin eingereichten Fotoaufnahmen seien lediglich
  Schürfungen, Kratzer oder leichte Verfärbungen der Haut zu erkennen. Diese
  erfüllten den objektiven Tatbestand von Art. 123 StGB offensichtlich
  nicht. Daher sei das Verfahren gestützt auf Art. 310 Abs. 1
  lit. a StPO nicht an die Hand zu nehmen (U-act. 0.1.01 =
  act. 1).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die Beschwerdeführerin
  beanstandet in ihrer Beschwerdeschrift vom 1. Mai 2018 im Wesentlichen,
  die staatsanwaltliche Begründung der Nichtanhandnahme verletze die
  Art. 6, 7 und 310 StPO. Selbst wenn die Voraussetzungen einer einfachen
  Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB nicht gegeben
  sein sollten, wäre gestützt auf die eingereichten Fotoaufnahmen zumindest das
  Delikt der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB in Betracht zu ziehen
  gewesen. Dabei sei aufgrund der verschiedenen, über eine Zeitperiode von
  zirka einem Monat dokumentierten Verletzungen von einer wiederholten
  Tatbegehung an ihr als unter der Obhut des Alters- und Pflegeheims [...]
  stehender Person auszugehen. Damit wären diese Tätlichkeiten gar von Amtes
  wegen zu verfolgen gewesen (Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB).
  Selbst wenn man dies verneinen würde, liege jedenfalls mit der Strafanzeige
  vom 21. Juni 2017 auch der in Bezug auf Art. 126 Abs. 1 StGB
  erforderliche Strafantrag vor. Aufgrund der Fotoaufnahmen bestehe ein
  genügender Anfangsverdacht zumindest für eine Tätlichkeit. Folglich seien die
  Voraussetzungen für den Erlass einer Nichtanhandnahmeverfügung nicht erfüllt
  (act. 2).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Die Staatsanwaltschaft
  verzichtete mit Schreiben vom 31. Mai 2018 auf eine Stellungnahme zur
  Beschwerde im Einzelnen. "Im Sinne einer Nebenbemerkung" brachte
  sie vor, anfangs Mai 2018 sei bei ihr eine weitere, ähnliche Strafanzeige
  gegen Unbekannt wegen Nötigung, Körperverletzung und möglichen weiteren
  Delikten zum Nachteil der Beschwerdeführerin eingegangen. Aus den Beilagen zu
  dieser Strafanzeige (insbesondere Pflegeberichte) sei klar erkennbar, dass
  die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Gesundheitszustandes zu aggressivem
  Verhalten neige und des Öftern um sich schlage. Selbst wenn ein
  Rechtsmediziner die bei den Akten liegenden Fotoaufnahmen begutachten würde,
  sei aussichtslos, dass dieser feststellen könnte, ob die Schürfungen, Kratzer
  oder leichten Verletzungen der Haut durch Dritteinwirkung oder aufgrund des
  Um-Sich-Schlagens der Beschwerdeführerin entstanden seien (act. 8).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1. Die
  Staatsanwaltschaft verfügt gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO die Nichtanhandnahme,
  sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die
  fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht
  erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder aus den
  in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist
  (lit. c). 

  
	
   

  
	
  5.2. Die Frage, ob ein
  Strafverfahren über eine Nichtanhandnahme erledigt werden kann, beurteilt
  sich nach dem aus dem Legalitätsprinzip abgeleiteten Grundsatz "in dubio
  pro duriore" (Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 2 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 319
  Abs. 1 und Art. 324 Abs. 1 StPO; BGE 138 IV 86 E. 4.2). Eine Nichtanhandnahme
  durch die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO darf
  nach der Rechtsprechung nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen
  ergehen. Die fraglichen Tatbestände können z.B. als eindeutig nicht erfüllt
  erachtet werden, wenn gar nie ein Verdacht hätte geschöpft werden dürfen oder
  der zu Beginn der Strafverfolgung vorhandene Anfangsverdacht sich vollständig
  entkräftet hat. Dies ist beispielsweise der Fall bei einer unglaubhaften
  Strafanzeige, wenn sich keine deliktsrelevanten Anhaltspunkte feststellen
  liessen oder wenn das Opfer seine belastende Aussage im Laufe des
  Ermittlungsverfahrens glaubhaft widerrief. Die Staatsanwaltschaft eröffnet
  hingegen eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Berichten der
  Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein
  hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die zur Eröffnung
  einer Strafuntersuchung erforderlichen tatsächlichen Hinweise auf eine
  strafbare Handlung müssen erheblich und konkreter Natur sein. Blosse Gerüchte
  oder Vermutungen genügen nicht. Der Anfangsverdacht soll eine plausible
  Tatsachengrundlage haben, aus der sich die konkrete Möglichkeit der Begehung
  einer Straftat ergibt. Im Zweifelsfall, wenn die Gründe der Nichtanhandnahme
  nicht mit absoluter Sicherheit gegeben sind, muss das Verfahren eröffnet
  werden (vgl. statt vieler z.B. BGer 6B_1104/2017 vom 13. April 2018,
  E. 2.3.1. und BGer 6B_560/2014 vom 3. November 2014,
  E. 2.4.1., je m.w.H.). Der Staatsanwaltschaft steht ein gewisser
  Spielraum zu bei der Beurteilung, ob ein sachverhaltsmässig und rechtlich
  klarer Fall vorliegt, der nicht an die Hand zu nehmen ist (BGer 6B_897/2015
  vom 7. März 2016, E. 2.4. m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1.

  
	
  6.1.1. Der einfachen
  Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
  macht sich schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen „in anderer Weise“ an
  Körper oder Gesundheit schädigt. Dieser Straftatbestand erfasst diejenigen
  Schädigungen am menschlichen Körper, die einerseits nicht als schwer im Sinne
  von Art. 122 StGB zu qualifizieren sind, andererseits aber die
  Voraussetzungen des Art. 126 StGB (Tätlichkeit) nicht erfüllen (Donatsch,
  OFK-StGB, Art. 123 N 1). Die körperliche Integrität ist dann im
  Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere
  Verletzungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und
  Heilungszeit erfordern. Demgegenüber handelt es sich um blosse Tätlichkeiten,
  wenn Schürfungen, Kratzwunden oder bloss blaue Flecken offensichtlich so
  harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen oder ausheilen
  (Roth/Berkemeier, BSK-StGB II, Art. 123 N 4).

  
	
   

  
	
  6.1.2. Bei den
  Tatbeständen der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB sowie der
  einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB handelt es sich in
  ihren Grundformen um Antragsdelikte. Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar,
  kann jede Person, die durch sie verletzt worden ist bzw. behauptet, durch sie
  verletzt worden zu sein, bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder der
  Übertretungsstrafbehörde schriftlich oder mündlich zu Protokoll die
  Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1 StGB; Art. 110 Abs. 1 und 2
  StPO; Art. 304 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist die Willenserklärung des
  Verletzten, dass der Täter strafrechtlich zu verfolgen sei (BGE 122 IV 207
  E. 3a). Ein Strafantrag muss nicht als solcher benannt sein und auch
  eine falsche Bezeichnung schadet nicht (Riedo, BSK-StGB I, Art. 30 N 53).
  Erforderlich ist lediglich eine Umschreibung des zu verfolgenden
  Sachverhalts, nicht aber dessen rechtliche Qualifizierung (Urteil des
  Bundesgerichts 6B_65/2015 vom 25. März 2015 E. 2.4; Riedo, Der Strafantrag,
  Diss. Freiburg, Basel/Genf/München 2004, S. 400). Letztere obliegt den
  Strafbehörden. Nennt der Antragsteller dennoch einen Straftatbestand, der
  seines Erachtens erfüllt worden ist, so ist die Behörde an diese rechtliche
  Qualifikation nicht gebunden (BGE 131 IV 98 E. 3.1). Eine falsche rechtliche
  Qualifikation macht den Strafantrag somit nicht ungültig (Riedo, BSK-StGB I,
  Art. 30 N 54). Der auf die Strafverfolgung gerichtete Wille ergibt sich
  zumeist schon aus der blossen Strafanzeige. Wer sich an eine Behörde wendet
  und diese über eine begangene Straftat in Kenntnis setzt, wird üblicherweise
  auch wollen, dass die angezeigte Person strafrechtlich belangt wird (BGer
  6B_972/2009 vom 16. Februar 2010 E. 3.5.1; Riedo, a.a.O., S. 399; OG ZH
  SB150172 vom 31. August 2015, E. 5.2.1.3.).

  
	
   

  
	
  6.1.3. Von Amtes wegen
  verfolgt werden die Delikte der Tätlichkeit und der einfachen Köperverletzung
  unter anderem, wenn ein Täter die Tat an einer Person begeht, die unter
  seiner Obhut steht oder für die er zu sorgen hat (Art. 123 Ziff. 2
  und Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB).

  
	
   

  
	
  6.2. Ob vorliegend
  aufgrund des Umstands, dass die Beschwerdeführerin zur Zeit der behaupteten
  Delikte im Alters- und Pflegeheim [...] lebte, eine derartige Konstellation
  der Strafverfolgung von Amtes wegen gegeben ist, kann offen bleiben. Denn
  seitens der Beschwerdeführerin liegt in Bezug auf beide Tatbestände (einfache
  Körperverletzung und Tätlichkeiten) ein gültiger und rechtzeitig gestellter
  Strafantrag nach Art. 30 StGB vor. Mit ihrer Strafanzeige vom
  21. Juni 2017 brachte sie nämlich gegenüber der Staatsanwaltschaft
  innert der Antragsfrist von Art. 31 StGB (vgl. U-act. 3.1.01, v.a.
  Rz. 3 und 6 sowie BGE 142 IV 129 E. 4.3) ihren klaren Willen zum
  Ausdruck, dass sie die strafrechtliche Verfolgung einer unbekannten Täterschaft
  für die ihr gemäss ihrer Darstellung zugefügten Verletzungen verlangt
  respektive eine Bestrafung derselben wegen einfacher Körperverletzung – bzw.
  a maiore minus eventualiter wegen Tätlichkeiten – will. Von einem gültigen
  Strafantrag bezüglich Körperverletzung (und somit a maiore minus eventualiter
  bezüglich Tätlichkeiten) scheint im Übrigen auch die Staatsanwaltschaft
  auszugehen, da sie ihre Nichtanhandnahmeverfügung nicht mit dem Fehlen eines
  Strafantrags begründete (vgl. act. 1). Nach dem Gesagten beschränkte sich
  die Staatsanwaltschaft in der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung zu
  Unrecht darauf, den Tatbestand der einfachen Körperverletzung (Art. 123
  StGB) zu prüfen. Der angezeigte Sachverhalt ist vielmehr auch unter dem
  Tatbestand der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB zu beurteilen.

  
	
   

  
	
  6.3.

  
	
  6.3.1. Die
  Beschwerdeführerin dokumentierte ihre Strafanzeige mit mehreren
  Fotoaufnahmen. Diese zeigen Striemen, gerötete sowie blaue Hautstellen und
  kleinere Wunden (U-act. 3.1.01, 3.1.11). Gemäss ihrer Darstellung –
  welche die Staatsanwaltschaft in der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung
  insoweit nicht als unzutreffend bezeichnet (act. 1) – sind diese
  Verletzungen durch das Alters- und Pflegeheim [...] nicht protokolliert bzw.
  anderweitig dokumentiert worden (U-act. 3.1.01 Rz. 6).

  
	
   

  
	
  6.3.2. Allein aufgrund
  dieser Vorbringen liegen indes entgegen ihrer Auffassung (act. 2
  Rz. 10) keine erheblichen und konkreten Hinweise dafür vor, dass eine
  andere Person physisch auf sie in einer Weise einwirkte, die zumindest die Intensität
  von Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB erreicht. Die
  Beschwerdeführerin befand sich zum Zeitpunkt der behaupteten deliktischen
  Handlungen im 81. Lebensjahr (act. 2 S. 1 i.V.m.
  U-act. 3.1.01 Rz. 6) und war pflegebedürftig (act. 2 Rz. 8).
  Es ist notorisch, dass bei Personen in diesem Alter die Haut besonders
  sensibel ist sowie bereits im alltäglichen Pflegeumgang (z.B. bei der
  Mobilisation) – auch grossflächige – Striemen, gerötete und blaue Hautstellen
  sowie kleinere Wunden verbreitet auftreten, zumal wenn sie – wie dies gemäss
  Pflegebericht bei der Beschwerdeführerin im hier relevanten Zeitraum der Fall
  war (vgl. U-act. 3.1.13 f., u.a. Pflegebericht-Einträge vom
  18.03.2017 18:41 Uhr, 22.03.17 08:37 Uhr, 23.03.17 08:30 Uhr,
  28.03.2017 09:30 und 20:17 Uhr, 30.03.17 18:30 und 18:35 Uhr,
  19.04.2017 18:57 Uhr, 23.04.2017 18:00 Uhr, 24.04.2017 18:31 Uhr) – zu
  verbaler und körperlicher Aggressivität neigen.

  
	
   

  
	
  6.3.3. Nach dem Gesagten
  ergibt sich aus der Strafanzeige und deren Beilagen wie auch aus den weiteren
  Akten kein hinreichender Tatverdacht zumindest bezüglich Tätlichkeiten
  (Art, 126 StGB) bzw. allenfalls bezüglich einfacher Körperverletzung
  (Art. 123 StGB), sondern es bestehen seitens der Beschwerdeführerin
  diesbezüglich blosse Vermutungen. Zu beachten ist sodann, dass die
  Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben an Demenz leidet und daher zu den
  von ihr erhobenen Vorwürfen auch nicht befragt werden kann (act. 3.1.01
  Rz. 9). Ferner behauptet weder die Beschwerdeführerin noch ist sonst ersichtlich,
  dass in Bezug auf die beanzeigten Vorfälle Zeugen existieren.

  
	
   

  
	
  6.3.4. Aus alldem folgt,
  dass die Staatsanwaltschaft im Ergebnis zu Recht von der Eröffnung einer
  Strafuntersuchung absah. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV.

  (Kosten- und Entschädigungsfolgen; Rechtsmittel)

  
	
   

  
	
  Da die Beschwerdeführerin
  unterliegt, sind ihr die Kosten des Beschwerdeverfahrens aufzuerlegen (Art.
  428 Abs. 1 StPO). Entschädigungen für das Beschwerdeverfahren sind
  ausgangsgemäss keine zuzusprechen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m.
  Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). Die Beschwerdeführerin ist zur
  Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht nur berechtigt, wenn sich der
  vorliegende Entscheid auf die Beurteilung ihrer Zivilansprüche auswirken kann,
  was in der Beschwerdeschrift im Einzelnen darzulegen ist (vgl. z.B. BGer
  6B_897/2015 vom 7. März 2016, E. 1.).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren wird auf CHF 500.–

    festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Die
    Kosten des Beschwerdeverfahrens werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Für
    das Beschwerdeverfahren werden keine Entschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    5.

    	
    Schriftliche
    Mitteilung an die Parteien 

    [...]