# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d7cdfb6c-799a-5440-a634-3db146758c8c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2023 F-6649/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6649-2023_2023-12-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6649/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, 

Richterin Aileen Truttmann, 

Gerichtsschreiberin Aisha Luisoni. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch Dr. iur. Eylem Copur, Rechtsschutz für Asyl-

suchende, Bundesasylzentrum Region Zürich, 

Beschwerdeführer, 

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Vorinstanz. 

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); 

Verfügung des SEM vom 13. November 2023. 

 

 

 

F-6649/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der aus Afghanistan stammende Beschwerdeführer ersuchte am 27. April 

2023 zusammen mit seiner minderjährigen Schwester (N […], geb. 2006) 

in der Schweiz um Asyl. 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit EURODAC) vom 2. Mai 2023 ergab, dass er am 17. August 2020 in 

Österreich und am 14. September 2020 in Frankreich ein Asylgesuch ge-

stellt hatte. Bis zu seiner Einreise in die Schweiz hatte er sich gemäss ei-

genen Angaben in Frankreich aufgehalten. 

C.  

Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 8. Mai 2023 gewährte die Vorinstanz 

dem Beschwerdeführer in Anwesenheit seiner Rechtsvertretung das recht-

liche Gehör, unter anderem zur Zuständigkeit Österreichs beziehungs-

weise Frankreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Wegweisung in 

einen dieser Dublin-Mitgliedstaaten sowie zu seinem Gesundheitszustand. 

D.  

Am 9. Mai 2023 ersuchte die Vorinstanz die französischen Behörden um 

Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rats vom 26. Juni 2023 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Die französischen Behörden hiessen das Gesuch um Wiederaufnahme 

des Beschwerdeführers am 19. Mai 2023 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d 

Dublin-III-VO gut. 

E.  

Am 26. Mai 2023 wurde der Beschwerdeführer mit seiner minderjährigen 

Schwester ins Bundesasylzentrum Bern verlegt. Die Vorinstanz verfügte 

mit Zuweisungsentscheid vom 6. Oktober 2023 formell den Transfer der 

Geschwister von Zürich nach Bern und sie traten am 17. Oktober 2023 in 

ein Familienzimmer in einer Kollektivunterkunft in Bern aus. 

F-6649/2023 

Seite 3 

F.  

Mit Verfügung vom 13. November 2023, eröffnet am 23. November 2023, 

trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

seine Wegweisung aus der Schweiz nach Frankreich an und forderte ihn 

auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Be-

schwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und 

beauftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung.  

G.  

Mit Beschwerde vom 30. November 2023 gelangte der Beschwerdeführer 

gegen die Verfügung vom 13. November 2023 an das Bundesverwaltungs-

gericht. Er beantragt, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. Eventualiter 

sei die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts an die Vor-

instanz zurückzuweisen. Zudem beantragt er den Beizug der Asylakten 

seiner Schwester.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt er die Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Weiter sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu 

gewähren und die Vorinstanz und die Vollzugsbehörden im Rahmen einer 

vorsorglichen Massnahme anzuweisen, bis zum Entscheid über die vorlie-

gende Beschwerde von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen. 

H.  

Am 1. Dezember 2023 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in 

elektronischer Form vor und der Instruktionsrichter setze den Vollzug der 

Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. 

I.  

Mit Eingabe vom 12. Dezember 2023 reichte der Beschwerdeführer eine 

Stellungnahme des die Schwester behandelnden Psychologen vom 

28. November 2023 zu den Akten. 

 

 

 

F-6649/2023 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden 

auf dem Gebiet des Asyls zuständig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Es 

entscheidet in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde 

legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). 

2.3 Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wird gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet. 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM die Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8-15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des 

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Seite 5 

zuständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

4.  

Ist eine antragstellende Person wegen Schwangerschaft, eines neugebo-

renen Kindes, schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder hohen Al-

ters auf die Unterstützung ihres Kindes, eines ihrer Geschwister oder eines 

Elternteils, das/der sich rechtmässig in einem Mitgliedstaat aufhält, ange-

wiesen, so entscheiden die Mitgliedstaaten in der Regel, die Beteiligten 

nicht zu trennen beziehungsweise sie zusammenzuführen, sofern die fa-

miliäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat, der nahe Angehö-

rige in der Lage ist, die abhängige Person zu unterstützen, und die Be-

troffenen ihren Wunsch schriftlich kundgetan haben (Art. 16 Abs. 1 Dublin-

III-VO). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, das SEM habe 

den Untersuchungsgrundsatz sowie die Begründungspflicht verletzt und 

sei insbesondere seiner Pflicht nicht nachgekommen, das Vorliegen eines 

Abhängigkeitsverhältnisses zwischen ihm und seiner minderjährigen 

Schwester rechtsgenüglich abzuklären und in seiner Verfügung zu behan-

deln. 

5.2 Diese formellen Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls ge-

eignet sein können, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu be-

wirken (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.2). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen 

Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-

haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-

verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; 

unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen 

Sachumstände berücksichtigt werden (BVGE 2014/2 E. 5.1). 

F-6649/2023 

Seite 6 

6.2 Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) folgt unter 

anderem die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. 

Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten 

einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich 

widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen 

Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich 

die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft ge-

ben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterzie-

hen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge-

nannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die 

sich ihr Entscheid stützt (BGE 143 III 65 E. 5.2).  

7.  

7.1 Bereits vor Erlass der angefochtenen Verfügung machte der Beschwer-

deführer mit Eingaben seiner Rechtsvertretung vom 20. Juni 2023 (Vorak-

ten [SEM-act.] 21) explizit ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 

Dublin-III-VO zwischen ihm und seiner minderjährigen Schwester geltend. 

Sie seien zusammen geflüchtet und am 26. Mai 2023 aus Sicherheitsgrün-

den vom Bundesasylzentrum Zürich ins Bundesasylzentrum Bern verlegt 

worden, da der in Frankreich lebende Ehemann seiner Schwester, mit wel-

chem sie in Afghanistan zwangsverheiratet worden sei, sie bedroht und in 

Zürich gesucht habe. Eine Trennung der Geschwister würde bei der 

Schwester zu gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und zu 

einem vollständigen psychischen Zusammenbruch führen und mithin das 

Kindeswohl gefährden. 

7.2 Aus dem Bericht zum Triage-Gespräch der Kinder- und Jugendpsychi-

atrie (KJP) Bern vom 31. Juli 2023 (Akten im Beschwerdeverfahren 

[BVGer-act.] 1, Beilage 7) geht hervor, dass die Schwester an einer mittel-

gradigen depressiven Episode und Suizidgedanken leide und ihren Bruder, 

den Beschwerdeführer, als wichtige Ressource nenne.  

Gemäss den Ausführungen in der Beschwerdeschrift befinde sie sich seit-

her in regelmässiger Behandlung und ein ausführlicher Bericht des Psychi-

aters sei noch ausstehend. 

7.3 Dem Abklärungsbericht der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 

(KESB) Emmental, Fachstelle UMA, vom 17. August 2023 (BVGer-act. 1, 

Beilage 5) ist zu entnehmen, dass aufgrund der Gefährdungsmeldung vom 

4. August 2023 am 10. August 2023 ein Erstgespräch und am 16. August 

2023 ein Abklärungsgespräch in Anwesenheit des Beschwerdeführers 

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Seite 7 

stattgefunden habe und gestützt auf Art. 306 Abs. 2 ZGB eine Beistand-

schaft für die Schwester errichtet worden sei. Der Beschwerdeführer sei für 

seine Schwester eine wichtige Bezugsperson, welche ihr Sicherheit ver-

mittle. Die Unterbringung zusammen mit dem Beschwerdeführer in einer 

Kollektivunterkunft im Kanton Bern wurde von der Fachstelle dringend 

empfohlen. 

7.4 Am 6. Oktober 2023 verfügte die Vorinstanz formell die Zuweisung der 

Geschwister an den Kanton Bern (SEM-act. 24). Der Aktennotiz des SEM 

vom 13. November 2023 betreffend die Koordination der Verfahren der bei-

den Geschwister (SEM-act. 27) ist zu entnehmen, dass diese bislang pa-

rallel verlaufen und koordiniert worden seien, jedoch aufgrund der auslau-

fenden Überstellungsfrist im Verfahren des Beschwerdeführers mit dem 

Entscheid nicht länger zugewartet werden könne. Gleichentags erging der 

Nichteintretensentscheid. 

7.5 Gemäss dem Bericht der Fachverantwortung des UMA-Teams des 

Rechtsschutzes Bern vom 23. November 2023 (BVGer-act. 1, Beilage 4) 

sei der Beschwerdeführer mehr als ein älterer Bruder für seine Schwester. 

Bereits in Afghanistan habe er während Abwesenheiten des Vaters die 

Rolle des Erziehungsberechtigten wahrgenommen. Seine Schwester sei 

durch die Zwangsverheiratung und das Zusammenleben mit ihrem gewalt-

tätigen Ehemann in Frankreich traumatisiert und leide unter Angstzustän-

den und Albträumen, weshalb sie sich ohne ihn, den Beschwerdeführer, 

kaum frei bewege. Die Schwester werde psychologisch begleitet und eine 

Trennung der Geschwister würde eine erhebliche Gefährdung des Kinds-

wohls darstellen. 

7.6 Die zuständige stellvertretende Beiständin der minderjährigen Schwes-

ter hielt in ihrem Bericht vom 24. November 2023 (BVGer-act. 1, Beilage 6) 

fest, dass der Beschwerdeführer bei jedem Gespräch mit seiner Schwester 

anwesend sei und sie sich bei ihm sicher fühle. Die Geschwister würden 

seit dem 17. Oktober 2023 in einem Familienzimmer der Kollektivunterkunft 

der Heilsarmee in Zollikofen wohnen. Aus Sicht des Kindswohls würde eine 

Wegweisung des Beschwerdeführers zu einer massiven psychischen Be-

lastung sowie zu einer Isolierung der Schwester führen und sich negativ 

auf ihre weitere Entwicklung auswirken. Zudem habe am 14. November 

2023 ein Gespräch bei der Opferschutzstelle der Kantonspolizei (KAPO) in 

Bern stattgefunden im Zusammenhang mit der Zwangsheirat. 

F-6649/2023 

Seite 8 

7.7 In ihrer Stellungnahme vom 28. November 2023 hält die KJP Bern fest, 

dass im Behandlungsverlauf die Beziehung zum Beschwerdeführer immer 

wieder als grosse Ressource für die Schwester habe herausgearbeitet wer-

den können. Nach deren eigenen Aussagen gebe ihr der Bruder Stabilität 

und Sicherheit, animiere sie zum Ausüben positiver Aktivitäten und sei eine 

emotionale Stütze für sie. Der Beschwerdeführer trage somit massgeblich 

zur zuletzt verbesserten psychischen Gesundheit seiner Schwester bei. 

Ein allfälliger Wegfall der Beziehung zu ihm infolge «Ausschaffung» stelle 

einen schweren Risikofaktor für deren psychisches Wohlbefinden dar. 

7.8 Gleichzeitig ist anzumerken, dass ein weiterer Bruder des Beschwer-

deführers und seiner Schwester, seinerseits 18 Jahre alt (N […], 

geb. 2005), in der Schweiz beziehungsweise im Asylzentrum Altstetten 

lebt. Mit Verfügung des SEM vom 16. März 2022 wurde sein Asylgesuch 

abgelehnt und infolge Unzumutbarkeit der Wegweisung die vorläufige Auf-

nahme verfügt. Der Bruder besuche seine Geschwister so oft wie möglich 

in Bern und eine Unterbringung aller drei Geschwister in Bern werde ange-

strebt (BVGer-act. 1, Beilage 5).  

8.  

8.1 In Würdigung sämtlicher Umstände und nach Beizug der Asylakten der 

minderjährigen Schwester stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass 

deutliche Hinweise auf das Bestehen eines Abhängigkeitsverhältnisses im 

Sinne von Art. 16 Dublin-III-VO zwischen dem Beschwerdeführer und sei-

ner minderjährigen Schwester vorliegen und bei Erlass des angefochtenen 

Nichteintretensentscheids vorlagen. Trotz dieser Hinweise hat die Vor-

instanz das allfällige Abhängigkeitsverhältnis vor Erlass des Nichteintreten-

sentscheids vom 13. November 2023 offenbar nicht näher abgeklärt und in 

der angefochtenen Verfügung mit lediglich einem Satz verneint. Zudem ist 

das Asylgesuch der minderjährigen Schwester zum Zeitpunkt der Ausferti-

gung dieses Urteils noch hängig. 

8.2 Indem die Vorinstanz am 13. November 2023 die angefochtene Verfü-

gung erliess, ohne das allfällige Abhängigkeitsverhältnis – welches im vor-

liegenden Fall insbesondere mit Blick auf Art. 16 Dublin-III-VO rechtswe-

sentlich ist – genauer abzuklären, verletzte sie ihre Untersuchungspflicht. 

Aufgrund des in Frage stehenden Abhängigkeitsverhältnisses wäre zudem 

diesbezüglich eine angemessene Begründung angezeigt gewesen. Das 

SEM ist damit auch seiner Begründungspflicht nicht rechtsgenüglich nach-

gekommen. 

F-6649/2023 

Seite 9 

9.  

Die angefochtene Verfügung ist daher aus formellen Gründen aufzuheben 

und die Vorinstanz aufzufordern, den Sachverhalt vollständig festzustellen 

und – unter Beachtung der Begründungspflicht – neu zu beurteilen.  

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als die Auf-

hebung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sache 

beantragt wird. Die Verfügung vom 13. November 2023 ist aufzuheben und 

die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung 

im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Angesichts des Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren Be-

schwerdevorbringen näher einzugehen. 

11.  

Mit diesem Urteil werden das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden 

Wirkung sowie der am 1. Dezember 2023 angeordnete Vollzugsstopp ge-

genstandslos.  

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer 

keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit gegenstandslos. 

12.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, 

da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertre-

tung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund 

nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch 

Art. 111ater AsylG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-6649/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und die Sache zur vollstän-

digen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägun-

gen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Aisha Luisoni 

 

 

 

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