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**Case Identifier:** d6e091bc-a0af-5706-b8af-28f257b24cfa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2020 BVGE 2020 VI/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2020-VI-4_2020-06-30.pdf

## Full Text

2020 VI/4 Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

 

 

40 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2020 VI/4 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i. S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

E–2188/2019 vom 30. Juni 2020 

Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. Abgrenzung legitimer 

Strafverfolgung von illegitimer Verfolgung bei Bestrafung von Dienst-

verweigerung. Politmalus. Darstellung und Bestätigung der Praxis. 

Art. 3 Abs. 2 und 3 AsylG. Art. 3 EMRK. Art. 3 Abs. 1 FoK. 

1. Einem syrischen Dienstverweigerer, der sich in der Vergangenheit 
politisch exponiert hat, droht aus politischen Gründen eine unver-

hältnismässig strenge Bestrafung. Diese führt zur Anerkennung 

als Flüchtling; Bestätigung der Praxis seit BVGE 2015/3 (E. 5.1.1 

und 5.1.2). 

2. Bestehen keine zusätzlichen exponierenden Faktoren, droht einem 
Dienstverweigerer keine Strafe, die mit genügender Wahrschein-

lichkeit die Schwelle der Asylrelevanz erreicht (E. 6.2.4). 

3. Sofern der Betroffene in Syrien wegen seiner glaubhaft gemachten 
Dienstverweigerung mit erheblicher Wahrscheinlichkeit (im Sinne 

eines « real risk ») eine Behandlung gewärtigen müsste, die der 

Folter gleichkommt, ist diese Strafe mit einem Politmalus behaftet. 

Es liegt dann eine asylrelevante Verfolgung vor und nicht nur ein 

völkerrechtliches Vollzugshindernis im Sinne des Art. 3 EMRK 

oder des Art. 3 Abs. 1 FoK; Bestätigung der Praxis von BVGE 

2014/28 und 2015/3 (E. 6). 

Refus de servir dans la guerre civile syrienne. Délimitation entre la 

poursuite pénale légitime et la persécution illégitime en cas de sanction 

du refus de servir. Malus politique. Exposé et confirmation de la pra-

tique. 

Art. 3 al. 2 et 3 LAsi. Art. 3 CEDH. Art. 3 al. 1 Convention contre la 

torture. 

1. Un objecteur de conscience syrien qui s’est déjà exposé politique-
ment par le passé risque une peine d’une sévérité dispropor-

Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

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tionnée, pour des raisons politiques, ce qui conduit à la reconnais-

sance de la qualité de réfugié. Confirmation de la pratique depuis 

l'ATAF 2015/3 (consid. 5.1.1 et 5.1.2). 

2. En l'absence de facteurs d'exposition autres que le refus de servir, 
l'objecteur de conscience ne risque pas une peine qui atteigne, avec 

une vraisemblance suffisante, le seuil de pertinence pour l'octroi 

de l'asile (consid. 6.2.4). 

3. Si l'intéressé a rendu crédible son refus de servir et doit s'attendre 
selon une haute probabilité (au sens d'un « real risk ») à subir pour 

cette raison en Syrie un traitement qui s'apparente à de la torture, 

cette peine est affectée d'un malus politique. Il s'agit alors d'une 

persécution déterminante en matière d'asile et non pas unique-

ment d'un obstacle à l'exécution du renvoi relevant du droit inter-

national au sens de l'art. 3 CEDH ou de l'art. 3 al. 1 Convention 

contre la torture; confirmation de la pratique des ATAF 2014/28 et 

2015/3 (consid. 6). 

Rifiuto del servizio nella guerra civile siriana. Distinzione tra perse-

guimento penale legittimo e persecuzione illegittima in caso di san-

zione del rifiuto di servire. Malus politico. Illustrazione e conferma 

della prassi. 

Art. 3 cpv. 2 e 3 LAsi. Art. 3 CEDU. Art. 3 cpv. 1 Convenzione contro 

la tortura. 

1. Un obiettore di coscienza siriano, già espostosi politicamente nel 
passato, rischia una pena sproporzionata motivata politicamente, 

ciò che giustifica il riconoscimento della qualità di rifugiato; 

conferma della prassi applicata a partire dalla DTAF 2015/3 

(consid. 5.1.1 e 5.1.2). 

2. In assenza di elementi di rischio supplementari un obiettore di 
coscienza non rischia una pena tale da rendere sufficientemente 

verosimile il raggiungimento della soglia di rilevanza prevista per 

la concessione dell'asilo (consid. 6.2.4). 

3. Se l'interessato a causa della sua renitenza resa verosimile deve 
aspettarsi con notevole probabilità (nel senso di un « real risk ») di 

subire un trattamento equiparabile a una tortura in Siria, v'è da 

considerare che la pena sia assortita da un malus politico. Essa 

configura così una persecuzione rilevante in materia d'asilo e non 

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solo una violazione dell'art. 3 CEDU o dell'art. 3 cpv. 1 Conven-

zione contro la tortura ostativa all'esecuzione dell'allontana-

mento; conferma della prassi definita nelle DTAF 2014/28 e 2015/3 

(consid. 6). 

 

Der syrische Beschwerdeführer ersuchte am 13. Juni 2018 in der Schweiz 

um Asyl. Zur Begründung seines Gesuchs brachte er vor, er sei ethnischer 

Kurde und stamme aus einem Dorf in der Region Qamishli. Syrien habe 

er verlassen, weil er als Reservist ein Aufgebot für die Syrische Armee 

erhalten habe, dem er nicht habe Folge leisten wollen. 

Bereits während des ordentlichen Militärdienstes von 2004–2006 sei er 

den Behörden aufgefallen. Während des Grundwehrdienstes 2004 habe 

man einen Rapport erstellt, weil er einen Vorgesetzten wegen dessen ein-

seitiger Schuldzuweisung gegen die Kurden hinterfragt habe. Im Jahr 2005 

habe er während des Fastenmonats einen arabischen Soldaten geschlagen, 

weil dieser vorher einen anderen Kurden geschlagen habe. Dieser Vorfall 

habe zu einem Verfahren vor dem Militärgericht in Damaskus geführt. Vor 

der Verhandlung habe er zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Der 

Richter habe den Vorfall nicht als gravierend erachtet und ihn nach zehn 

Tagen aus der Haft entlassen. Bei der Entlassung aus dem Militärdienst 

habe man ihm jedoch mitgeteilt, dass er nur vorläufig entlassen werde und 

noch drei Monate nachdienen müsse. In der Folge habe er jeglichen Behör-

denkontakt zu vermeiden versucht und danach keine weiteren Probleme 

mit den syrischen Behörden gehabt. 

Im Jahr 2014 habe er ein Aufgebot für den Militär-Reservedienst in der 

Syrischen Armee erhalten, dem er nicht habe Folge leisten wollen. Darauf-

hin habe er Damaskus verlassen und sich in seinem Heimatdorf versteckt. 

Nach rund einem Jahr habe er Syrien endgültig verlassen, im Januar 2016 

sei er über Irak, die Türkei und Griechenland in die Schweiz gereist. 

Am 8. April 2019 lehnte das Staatssekretariat für Migration (SEM) das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und verfügte die Wegweisung. Da 

es die Rückkehr in den Heimatstaat Syrien jedoch nicht für zulässig 

erachtete, ordnete es eine vorläufige Aufnahme an. Unter Verweis auf 

BVGE 2015/3 argumentierte das SEM, dass eine Wehrdienstverweigerung 

oder Desertion die Flüchtlingseigenschaft nicht per se begründe, sondern 

nur, wenn damit eine Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG (SR 142.31) 

einhergehe. Laut Länderinformationen zur Situation in Syrien unterstelle 

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das Regime nicht allen Deserteuren oder Wehrdienstverweigerern eine 

regierungsfeindliche Haltung, sondern nur solchen, die zusätzlich noch ein 

politisches Profil aufwiesen. Eine Bestrafung der Desertion oder Wehr-

dienstverweigerung erfolge demnach nur dann aus Gründen im Sinne des 

Art. 3 AsylG, wenn zusätzliche einzelfallspezifische Faktoren vorlägen. 

Im Fall des Beschwerdeführers seien keine einzelfallspezifischen Risiko-

faktoren ersichtlich, welche ein politisches Profil zu begründen vermöch-

ten. Die von einem Gericht damals als unerheblich eingestuften Vorfälle 

während des Militärdienstes vermöchten kein politisches Profil zu begrün-

den, zumal der Beschwerdeführer selbst geltend gemacht habe, nie weitere 

Probleme mit den syrischen Behörden gehabt zu haben. Auch aus dem 

eingereichten Haftbefehl gehe lediglich hervor, dass man ihn habe festneh-

men wollen, um sicherzustellen, dass er den Reservedienst antrete. Auf-

grund der Sicherheitslage in Syrien sei der Vollzug aber als unzulässig zu 

erachten. Es sei nicht auszuschliessen, dass dem Beschwerdeführer Straf-

massnahmen drohen könnten, die gegen Art. 3 EMRK verstossen würden. 

Am 6. Mai 2019 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde und ersuchte 

um die Aufhebung des angefochtenen Entscheids; es sei ihm Asyl zu ge-

währen, eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Die 

heimischen Behörden hätten ihn als politischen Gegner und Dienstver-

weigerer registriert. 

In seiner Stellungnahme vom 20. Mai 2019 beantragte das SEM die 

Abweisung der Beschwerde. Das Regime unterstelle Wehrdienstver-

weigerern oder Deserteuren nur dann eine regierungsfeindliche Haltung, 

wenn zusätzliche einzelfallspezifische Faktoren vorlägen. Der dem Be-

schwerdeführer möglicherweise drohenden Bestrafung aufgrund der 

Wehrdienstverweigerung sei bereits durch die Feststellung der Unzuläs-

sigkeit des Vollzugs Rechnung getragen worden. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

4.  
4.1 Die Vorinstanz verweigerte die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers im Wesentlichen mit dem Argument, dass 

nicht allen wehrdienstfähigen syrischen Männern, die den Reservedienst 

verweigerten, im Fall einer Rückkehr nach Syrien eine asylrelevante Ver-

folgung durch das Regime drohe, sondern nur jenen, bei denen davon 

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ausgegangen werden müsse, dass ihnen aufgrund zusätzlicher, einzelfall-

spezifischer Faktoren vom syrischen Regime eine regierungsfeindliche 

Haltung unterstellt werde. Diese Einschätzung entspreche der in BVGE 

2015/3 formulierten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und decke sich 

auch mit den Ländererkenntnissen des SEM aus dem Oktober 2018. Der 

Beschwerdeführer falle nicht in diese Kategorie, in seinem Fall seien keine 

Anhaltspunkte für das Vorliegen von besonderen Faktoren ersichtlich. Der 

ihm möglicherweise drohenden Bestrafung aufgrund der Wehrdienst-

verweigerung, bei der ein « real risk » bestehe, wonach die vom syrischen 

Regime gegen Refraktäre angewandten Massnahmen gegen Art. 3 EMRK 

und Art. 25 Abs. 3 BV verstossen könnten, werde vorliegend durch die 

Feststellung der Unzulässigkeit des Vollzugs Rechnung getragen. 

In seiner Vernehmlassung unterstreicht das SEM noch einmal, es könne 

im syrischen Kontext nicht geschlossen werden, dass die syrischen Behör-

den allen Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren eine regierungsfeind-

liche Haltung unterstellen würden. Dies lasse sich erst dann bejahen, wenn 

neben der Wehrdienstverweigerung oder Desertion zusätzliche einzelfall-

spezifische Risikofaktoren gegeben seien. Beim Beschwerdeführer sei 

dies nicht zu bejahen und es sei nicht davon auszugehen, die syrischen 

Behörden würden ihm eine regierungsfeindliche Haltung unterstellen. 

Hingegen bestehe das « real risk », dass ihm eine gegen Art. 3 EMRK ver-

stossende, mithin foltergleiche Strafe drohe. 

4.2 Der Beschwerdeführer warf der Vorinstanz vor, sie stütze ihren 
Entscheid nicht auf konkrete Tatsachen ab, sondern auf Mutmassungen 

und Spekulationen. Er habe glaubhaft machen können, in Syrien bereits 

während seines regulären Militärdienstes im Gefängnis gewesen zu sein, 

da er einen Kurden verteidigt habe. Deshalb sei er in der Folge nur proviso-

risch vom Dienst entlassen worden und habe nach Ausbruch des Bürger-

kriegs einen Einberufungsbefehl erhalten. Diese Vorgänge seien dokumen-

tiert, in seinem Militärbüchlein sei die provisorische Entlassung vermerkt. 

Aufgrund seiner Wehrdienstverweigerung werde er in Syrien bis heute 

gesucht; in den Augen des Regimes sei er ein politischer Gegner und 

Dienstverweigerer. Es sei bekannt, mit welcher Härte das Regime gegen 

Dienstverweigerer, politische Gegner und andere als Verräter eingestufte 

Personen vorgehe, in Haft komme es zu Folterungen und Exekutionen. 

Zudem begehe das syrische Militär im Bürgerkrieg schwerste Menschen-

rechtsverletzungen. Aus Sicht des Hochkommissariats der Vereinten 

Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) gälten Wehrdienstverweigerer und 

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Deserteure im syrischen Konflikt deshalb als relevante Risikogruppe. Er 

sei daher unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet. 

5. Der Beschwerdeführer macht zur Hauptsache eine drohende Ver-
folgung aufgrund seiner Weigerung, dem Einberufungsbefehl in den 

Reservedienst Folge zu leisten, geltend. Ausserdem bringt er vor, bereits 

während des regulären Militärdienstes in Konflikt mit den Vorgesetzten 

geraten zu sein und dadurch als oppositionell eingestellt aufgefallen zu 

sein. 

Das Bundesverwaltungsgericht erachtet dieses Vorbringen aus den folgen-

den Erwägungen für begründet. 

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich mit der Frage der flücht-
lingsrechtlichen Relevanz der Bestrafung von Wehrdienstverweigerern 

und Refraktären im syrischen Kontext in BVGE 2015/3 befasst. 

5.1.1 Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. Sep-
tember 2012 wurde die Bestimmung zum Flüchtlingsbegriff (Art. 3 

AsylG) um einen Abs. 3 ergänzt, mit dem die Praxis betreffend die Flücht-

lingsanerkennung im Fall von Wehrdienstverweigerung und Desertion 

präzisiert werden sollte. Gemäss dieser Bestimmung sind keine Flücht-

linge Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion ernst-

haften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen 

Nachteilen ausgesetzt zu werden; vorbehalten bleibt die Einhaltung des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30). Die Tragweite und Bedeutung dieser Bestimmung hielt 

das Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil BVGE 2015/3 

fest (vgl. dazu auch CONSTANTIN HRUSCHKA, in: Kommentar Migra-

tionsrecht, 5. Aufl. 2019, N. 23 ff. zu Art. 3 AsylG; POSSE-OUSMANE/ 

PROGIN-THEUERKAUF, in: Code annoté de droit des migrations, Bd. IV, 

2015, N. 115 ff. zu Art. 3 AsylG). Das Urteil BVGE 2015/3 äussert sich in 

grundsätzlicher Weise zur Asylrelevanz von Wehrdienstverweigerung und 

Desertion im Lichte der neuen Gesetzesbestimmung. Nach ausführlicher 

Darstellung der Entstehungsgeschichte der Norm, der parlamentarischen 

Debatte um Art. 3 Abs. 3 AsylG sowie der Erörterung der massgeblichen 

Rechtsprechung der Asylrekurskommission (ARK) und unter Berücksich-

tigung der auch für das Bundesverwaltungsgericht gültigen höchstrich-

terlichen Auslegungsmethodik (vgl. BVGE 2009/8 E. 7.1; BVGE 2012/2 

E. 3.1) wurden in BVGE 2015/3 folgende grundsätzliche Feststellungen 

getroffen: 

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Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

 

 

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Die bestehende Praxis des Bundesamtes für Migration (BFM, heute SEM) 

und des Bundesverwaltungsgerichts gibt keinen Anlass zu inhaltlichen 

Korrekturen, mit der Einführung der neuen Bestimmung wird lediglich 

eine Verdeutlichung der geltenden Rechtslage angestrebt. Art. 3 Abs. 3 

AsylG verdeutlicht demnach die geltende Praxis, die insbesondere im pu-

blizierten Entscheid der ARK (Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3) nieder-

gelegt wurde. Dieser Praxis zufolge stellt eine Bestrafung von Dienstver-

weigerung und Desertion zur Durchsetzung grundsätzlich legitimer 

Dienstpflichten eine legitime Strafverfolgung, nicht eine flüchtlings-

relevante Verfolgung dar. Asylrelevanz ergibt sich dann, wenn die wegen 

Verletzung der Dienstpflicht drohende Strafe entweder aus Gründen nach 

Art. 3 AsylG diskriminierend höher ausfällt (relativer Malus) oder an sich 

unverhältnismässig hoch ist, sodass auf eine politische Verfolgungsmoti-

vation geschlossen werden muss (absoluter Malus; vgl. BVGE 2015/3 

E. 5.7.2). 

Die in E. 5.8 des Urteils vorgenommene Auslegung kommt zum Ergebnis, 

dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3 AsylG die bisherige 

Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylgesuch mit einer Wehr-

dienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat begründen, weiterhin 

gültig ist. Demnach vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion 

nicht allein die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, sondern nur dann, 

wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden 

ist, mit anderen Worten die betroffene Person aus den in dieser Norm ge-

nannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer 

Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen 

hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt 

(vgl. BVGE 2015/3 E. 5.9). 

5.1.2 In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien kam das Bundes-
verwaltungsgericht vor dem Hintergrund der analysierten Lageberichte in 

BVGE 2015/3 zum Schluss, dass eine drohende asylbeachtliche Verfol-

gung dann anzunehmen sei, wenn die Dienstverweigerung als Ausdruck 

der Regimefeindlichkeit aufgefasst werde, wenn also die drohende Strafe 

nicht allein der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen würde, sondern 

damit zu rechnen sei, dass der Beschwerdeführer als politischer Gegner 

qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde 

Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

2020 VI/4 

 

 

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(BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Das Gericht erachtete die genannten Voraus-

setzungen im Falle eines syrischen Refraktärs als erfüllt, der der kurdi-

schen Ethnie angehörte, einer oppositionell aktiven Familie entstammte 

und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syri-

schen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hatte, indem er sich politisch ex-

poniert hatte (BVGE 2015/3 E. 6.7.3). 

Das Gericht geht demnach davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung 

im syrischen Kontext jedenfalls dann eine asylrelevante Strafe in begrün-

deter Weise zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren 

gegeben sind, welche darauf schliessen lassen, dass eine Person als Re-

gimegegner angesehen wird und somit aus politischen Gründen eine un-

verhältnismässige Strafe zu befürchten hätte. Hingegen geht das Gericht 

in ständiger Praxis nicht davon aus, dass « herkömmlichen Wehrdienstver-

weigerern », das heisst solchen, die nicht zusätzlich politisch exponiert 

sind, mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrele-

vanz erreichende Strafe droht. 

In zahlreichen, in der Folge des Entscheids BVGE 2015/3 ergangenen, 

nicht publizierten Urteilen hat das Bundesverwaltungsgericht diese Praxis 

betreffend Dienstverweigerer und Deserteure aus Syrien gefestigt (vgl. 

statt vieler die Urteile des BVGer E–5262/2018 vom 19. Dezember 2018 

E. 6.1; E–3366/2018 vom 4. Juni 2019 E. 6.3.1; D–3914/2018 vom 

19. August 2019 E. 4.2.4; D–2391/2019 vom 9. März 2020 E. 7.1). 

5.2 Im vorliegend zu beurteilenden Fall geht das Bundesverwal-
tungsgericht – anders als die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid – 

davon aus, dass der Beschwerdeführer neben der glaubhaft gemachten Re-

fraktion mit seinen Vorbringen betreffend die Ereignisse während seines 

regulären Militärdienstes in den Jahren 2004–2006 weitere einzelfallspezi-

fische Risikofaktoren aufzuzeigen vermochte. Zusätzlich zur blossen Wei-

gerung, der Aufforderung zum Einrücken in den Reservedienst nachzu-

kommen, konnte er glaubhaft darlegen, den syrischen Behörden bereits 

früher und in anderem Kontext als kritische Person mit allenfalls opposi-

tioneller Haltung gegenüber dem Regime aufgefallen zu sein. Das Gericht 

teilt die Einschätzung des SEM nicht, wonach der Umstand, dass sein Ver-

gehen während des ordentlichen Militärdienstes im Jahr 2005 als geringfü-

gig eingeschätzt und das Verfahren damals eingestellt worden sei, darauf 

hinweise, dass er den syrischen Behörden keine Anhaltspunkte für eine 

oppositionelle Haltung geliefert habe. Unter den aktuellen Vorzeichen des 

andauernden Bürgerkriegs erscheint vielmehr ausschlaggebend, dass der 

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48 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Beschwerdeführer schon einmal als Verfechter der kurdischen Sache auf-

fällig geworden ist. Die damaligen Probleme resultierten in einem for-

mellen Verfahren vor dem Militärgericht und in einer zweimonatigen 

Untersuchungshaft; sie fanden Niederschlag im Militärbüchlein des Be-

schwerdeführers. Es ist somit davon auszugehen, dass die damaligen Vor-

fälle weiterhin aktenkundig sind und dass der Beschwerdeführer in den 

Augen des syrischen Geheimdienstes im Fall der Rückkehr als politischer 

Gegner gelten würde. 

5.3 Zwar ist die allgemeine Konfliktlage in Syrien nach wie vor sehr 
dynamisch und kann sich je nach Region innert kurzer Zeit grundlegend 

verändern, dennoch ist die in BVGE 2015/3 getroffene Einschätzung 

betreffend die Gefährdung von Wehrdienstverweigerern und Deserteu- 

ren nach Konsultation der aktuellen Berichterstattung über den Konflikt in 

Syrien weiterhin zutreffend. Militärdienstverweigerer und Deserteure wer-

den durch die syrischen Behörden gesucht und zum Teil gezielt verfolgt 

(vgl. die vertraulichen Quellen des niederländischen Aussenministeriums, 

Ministerie van Buitenlandse Zaken, Thematisch ambtsbericht dienstplicht 

in Syrië, 23.12.2016, < www.rijksoverheid.nl/binaries/rijksoverheid/docu 

menten/ambtsbericht-en-/2016/12/23/-thematischambtsbericht-dienstpli 

cht-in-syrie/Syri%C3-%AB+-dienstplicht+-2016+-+definitief.pdf >, ab-

gerufen am 13.12.2019; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH] Syrien: 

Vorgehen der syrischen Armee bei der Rekrutierung, 18.01.2018, Ziff. 4, 

S. 7 f., < www.fluechtlingshilfe.ch/assets/herkunftslaender/mittlererosten 

zentral-asien/syrien/-180118-syr-rekrutierung.pdf >, abgerufen am 

12.12.2019). 

Gemäss der unter E. 5.1.2 skizzierten Praxis des Gerichts liegen damit 

beim Beschwerdeführer genügend zusätzliche exponierende Faktoren vor, 

die den Schluss zulassen, dass er in den Augen des syrischen Regimes 

nicht als einfacher Dienstverweigerer, sondern vielmehr als politischer 

Gegner gilt. 

Aus diesen Gründen erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft. Sein Vorbringen ist daher nicht nur im Rahmen eines völkerrecht-

lichen Vollzugshindernisses zu berücksichtigen, sondern es ist asyler-

heblich, da es eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung und 

ernsthaften Nachteilen aufgrund eines asylrelevanten Verfolgungsmotivs 

im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen vermag. Da der Beschwerde-

führer nach heutiger Konfliktlage auch in keinem anderen Landesteil 

Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
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BVGE / ATAF / DTAF VI 49 

 

Syriens vor der Verfolgung durch das Regime sicher wäre und sein Vor-

bringen keine Hinweise auf einen Sachverhalt gemäss Art. 53 AsylG auf-

weist, ist er als Flüchtling anzuerkennen und es ist ihm Asyl zu gewähren. 

6.  
Das Bundesverwaltungsgericht kann sich auch aus den folgenden Erwä-

gungen, die über den Einzelfall des Beschwerdeführers hinausgehen, der 

Argumentation der Vorinstanz nicht anschliessen. 

6.1 Wie aus der im vorliegenden Verfahren getroffenen Verfügung 
hervorgeht, folgt das SEM der Auffassung, dass eine Bestrafung wegen 

« einfacher » Dienstverweigerung im syrischen Kontext nicht asylrelevant 

sei, wenn sie nicht auch auf einem der in Art. 3 AsylG genannten Verfol-

gungsmotive beruhe, was nur bejaht werden könne, wenn darüber hinaus 

zusätzliche weitere Risikofaktoren vorliegen. Dies entspricht soweit der 

unter E. 5.1.2 dargestellten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts. 

Des Weiteren argumentiert das SEM im angefochtenen Entscheid, es 

drohe Wehrdienstverweigerern und Deserteuren ein « real risk », men-

schenrechtswidrig bestraft und im Rahmen ihrer Bestrafung gefoltert zu 

werden. Aus diesem Grund erachtet die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug angesichts der drohenden Strafe und des hohen Folterrisikos als 

unzulässig im Sinne von Art. 3 EMRK. Gestützt auf diese Argumentation 

lehnte sie das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, stellte jedoch die 

Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs fest. 

Diese Einschätzung des SEM basiert auf der Annahme, dass im Fall einer 

Rückkehr die einem Dienstverweigerer drohende Strafe nur dann asyl-

rechtlich relevant ist, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorhanden sind. 

Ohne zusätzliche Risikofaktoren fehle es der drohenden Strafe an einem 

flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotiv. Gleichzeitig geht das 

SEM davon aus, dass für einen rückkehrenden Wehrdienstverweigerer, 

auch wenn er keine weiteren Anknüpfungspunkte in Hinblick auf Asyl und 

Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht hat, eine hohe Wahrscheinlich-

keit im Sinne eines « real risk » bestehe, einer Strafe ausgesetzt zu werden, 

die als Folter und unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, 

Art. 25 Abs. 3 BV oder Art. 1 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (SR 0.105, FoK) zu charakterisieren wäre. 

Diese Sichtweise vermag dogmatisch nicht zu überzeugen, und sie ist auch 

nicht kohärent mit der rechtlichen Würdigung der Dienstverweigerung im 

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Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

 

 

50 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

syrischen Kontext, wie sie das Bundesverwaltungsgericht im Urteil BVGE 

2015/3 niedergelegt hat und wie sie unter E. 5.1.2 erläutert wird. 

6.2 Lehre und Rechtsprechung anerkennen, dass eine grundsätzlich 
legitime Strafverfolgung für ein gemeinrechtliches Delikt unter gewissen 

Bedingungen flüchtlingsrelevante Verfolgung darstellt. Dies ist insbeson-

dere dann der Fall, wenn die Strafe malusbehaftet ist (vgl. grundsätzlich 

zur Abgrenzung rechtsstaatlich legitimer Strafverfolgung von Verfolgung 

im asylrechtlichen Sinn BVGE 2014/28 E. 8.3.1 m.w.H.). 

6.2.1 Ein Malus im relativen Sinn ist gegeben, wenn eine Person mit 
bestimmten politischen Anschauungen oder rassischen, religiösen oder so-

zialen Merkmalen strenger und mit einem höheren Strafmass bestraft wird 

als Straffällige ohne dieses spezielle Merkmal. Der auf einem asylrele-

vanten Motiv beruhende Malus bei der Bestrafung stellt den Anknüpfungs-

punkt für eine asylbeachtliche Verfolgung dar (so bereits WALTER KÄLIN, 

Grundriss des Asylverfahrens, 1990, S. 114 f., sowie auch ACHERMANN/ 

HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl. 1991, Ziff. 5.7.2, 

S. 102 f.). Im absoluten Sinn ist ein Malus in der Strafverfolgung zu beja-

hen, wenn die Sanktionierung gänzlich unverhältnismässig ausfällt und in 

ihrer exzessiven Strenge dem zu bestrafenden kriminellen Unrecht in 

keiner Weise mehr angemessen ist oder einen krassen Verstoss gegen die 

Menschenrechte darstellt (vgl. NULA FREI, in: Handbuch zum Asyl- und 

Wegweisungsverfahren, 2. Aufl. 2015, S. 197 f.). Die mit einem absoluten 

Malus behaftete Strafe begründet dann die Flüchtlingseigenschaft, wenn 

sie auf einer relevanten Verfolgungsmotivation beruht; die Praxis geht 

davon aus, dass bei gewissen Delikten – zu denen insbesondere Desertion 

und Refraktion zählen, die sich in ihrem Kern gegen eine staatliche Ver-

pflichtung zur Wehrdienstleistung richten – in der exzessiven Bestrafung 

ein Indiz dafür zu erkennen ist, dass der Verfolger neben der Ahndung der 

Straftat auch oder besonders die vermutete oppositionelle Einstellung des 

Täters treffen will. Die krasse Unverhältnismässigkeit der Strafe lässt hier 

darauf schliessen, dass neben der Sanktionierung der Straftat auch eine 

vermutete oppositionelle Gesinnung bestraft werden soll (vgl. BVGE 

2014/28 E. 8.3.1 mit Verweis auf BVGE 2013/25 E. 5.1 und EMARK 

2006 Nr. 3 E. 4; CHRISTA LUTERBACHER, Die flüchtlingsrechtliche Be-

handlung von Dienstverweigerung und Desertion, 2004, S. 44 ff.; ZIM-

MERMANN/MAHLER, in: The 1951 Convention Relating to the Status of 

Refugees and its 1967 Protocol: A Commentary, Oxford 2011, Art. 1 A 

Par. 2 N. 536 ff.). 

Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

2020 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 51 

 

6.2.2 Im Zusammenhang mit Desertion und Wehrdienstverweigerung 
entspricht es der gefestigten Praxis der Schweizer Asylbehörden, dass eine 

Bestrafung wegen Militärdienstverweigerung dann nicht zum Asyl führt, 

wenn sie eine direkte Folge der Verletzung einer staatsbürgerlichen Pflicht 

ist und daher grundsätzlich legitim erfolgt (vgl. LUTERBACHER, a.a.O., 

S. 36 ff.; KÄLIN, a.a.O., S. 115 ff.; EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.2 m.w.H.). 

Es gelten jedoch Ausnahmen. Nach denselben Kriterien wie bei der Beur-

teilung von gemeinrechtlichen Straftätern geht die Schweizer Praxis auch 

bei der Bestrafung von Wehrdienstverweigerern oder Deserteuren dann 

vom Vorliegen einer asylrelevanten Verfolgung aus, wenn der geflohene 

Wehrdienstverweigerer oder Deserteur aus asylrelevanten Motiven (i.S.v. 

Art. 3 Abs. 1 AsylG) mit einer unverhältnismässig schweren Bestrafung 

im Sinne eines absoluten Malus zu rechnen hat oder wenn das Strafmass 

für ihn im Sinne eines relativen Malus aufgrund eines asylrelevanten 

Motivs höher ausfällt als für Deserteure oder Dienstverweigerer ohne 

diesen spezifischen Hintergrund. Ebenfalls als illegitim und daher flücht-

lingsrechtlich relevant gilt eine Einberufung zum Wehrdienst, wenn sie 

darauf abzielt, einen Wehrpflichtigen in völkerrechtlich verpönte Hand-

lungen zu verstricken (vgl. EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.2; 2004 Nr. 2 

E. 6b.aa; LUTERBACHER, a.a.O., S. 173 ff.). Das Bundesverwaltungs-

gericht hat sich dieser von der vormaligen ARK und der Lehre entwickel-

ten Doktrin angeschlossen und folgt ihr in seiner Rechtsprechung (vgl. 

BVGE 2015/3, der in E. 5.7.1 auf die Rechtsprechung der ARK verweist). 

Wie bereits unter E 5.1.1 dargelegt, kam das Gericht in BVGE 2015/3 zum 

Schluss, dass auch durch den mit Beschluss vom 28. September 2012 in 

Art. 3 AsylG eingefügten Abs. 3 keine Abweichung vom Flüchtlings-

begriff der FK beabsichtigt wurde und auch keine Änderung der Praxis 

hinsichtlich der Rolle, die eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion 

für die Flüchtlingseigenschaft spielt, erfolgte (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.3; 

HRUSCHKA, a.a.O., N. 23 zu Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

6.2.3 Bei der Prüfung der asylrechtlichen Relevanz der Bestrafung von 
Refraktion und Desertion ist demnach zu unterscheiden, ob die drohende 

Strafe als malusbehaftet im absoluten Sinn gelten muss oder nicht. Wird 

ein Dienstverweigerer oder Deserteur in einer unverhältnismässig strengen 

und exzessiven Art bestraft, die weit darüber hinausgeht, das Unrecht einer 

Missachtung militärrechtlicher Pflichten zu ahnden, so muss davon ausge-

gangen werden, mit der Bestrafung der Dienstverweigerung oder Deser-

2020 VI/4 Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

 

 

52 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

tion solle zusätzlich auch der Ausdruck einer staatsfeindlichen und oppo-

sitionellen Haltung getroffen und bekämpft werden; damit liegt einer 

solchen Bestrafung ein asylrelevantes Motiv, die Verfolgung einer (zumin-

dest unterstellten) politischen Gesinnung, zugrunde. 

Sofern das SEM davon ausgeht, dass für eine Person aufgrund der Deser-

tion oder Dienstverweigerung ein hohes Risiko besteht, deshalb gefoltert 

zu werden oder in anderer Weise grausam bestraft zu werden, so muss dies 

im oben skizzierten Rahmen ausreichen, um das Vorliegen einer absolut 

malusbehafteten Bestrafung bejahen zu können. Die Argumentation, wo-

nach eine solche Bestrafung « nur » im Rahmen der Unzulässigkeit des 

Vollzugs der Wegweisung zu berücksichtigen sei, vernachlässigt den 

Aspekt, dass die einem Dienstverweigerer drohende Folterstrafe dem Un-

recht, die Dienstpflicht zu verletzen, offenkundig nicht angemessen ist, 

sondern krass unverhältnismässig erscheinen muss. Von einer legitimen 

Bestrafung der Verletzung militärrechtlicher Verpflichtungen kann in 

einem solchen Fall nicht mehr die Rede sein. 

6.2.4 Es ist ausserdem mit der vom Bundesverwaltungsgericht ent-
wickelten Praxis zur Asylbeachtlichkeit von Desertion und Dienstver-

weigerung im syrischen Kontext nicht zu vereinbaren, wenn das SEM 

davon ausgeht, dass Dienstverweigerern, für die nicht zusätzliche einzel-

fallspezifische Risikofaktoren gegeben sind, keine flüchtlingsrechtlich 

relevanten Strafen drohten, obwohl es gleichzeitig feststellt, diese Perso-

nen hätten drohende Folterstrafen im Sinne eines « real risk » begründet 

zu befürchten. 

Das Bundesverwaltungsgericht geht – wie in E. 5.1.2 dargelegt – vielmehr 

davon aus, dass « einfachen », « herkömmlichen » syrischen Wehrdienst-

verweigerern, also solchen, bei denen keine Anknüpfungspunkte für die 

Annahme des Vorliegens eines Verfolgungsmotivs im Sinne des Art. 3 

AsylG ausgemacht werden können, keine derart schwere Bestrafung im 

Fall der Rückkehr droht, als dass die Schwelle des Art. 3 Abs. 2 AsylG – 

beziehungsweise des Art. 3 EMRK oder des Art. 1 FoK – überschritten 

wäre. Derartige niedrigere Strafen sind also nicht als mit einem Malus be-

haftet zu erachten, sondern gelten als Ahndung des gemeinrechtlichen 

Delikts der Refraktion; die Bestrafung beruht dann nicht auf einer zusätz-

lichen Verfolgungsmotivation. Demnach geht das Gericht in seiner Praxis 

für die « nicht weiter exponierten Wehrdienstverweigerer » davon aus, 

dass diesen nicht mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine zur Bejahung 

der Asylrelevanz genügend intensive Strafe drohe. Diese Einschätzung 

Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

2020 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 53 

 

lässt jedoch die Schlussfolgerung, wonach einer den Wehrdienst verwei-

gernden Person zwar Folter und grausame Bestrafung drohe, diese aber 

nicht asylrelevant sei, nicht zu. Vielmehr besagt die länderspezifische 

Einschätzung des Gerichts, dass bei « einfachen Wehrdienstverwei-

gerern » eine die Schwelle der Asylrelevanz erreichende Strafe nicht mit 

genügender Wahrscheinlichkeit drohe. 

Wird dagegen festgestellt, dass für den Betroffenen das « real risk » einer 

überproportional grausamen Bestrafung und drohender Folter tatsächlich 

besteht, so muss dieser Umstand – die besonders grausame Bestrafung – 

richtigerweise unter dem Gesichtspunkt eines « absoluten Malus » auch 

weiterhin als asylrelevant gewürdigt werden. Eine solch grausame Bestra-

fung beruht dann nicht nur auf der Ahndung des « Unrechts » der Wehr-

dienstverweigerung, sondern sie drückt in ihrer Grausamkeit vielmehr aus, 

dass der Bestrafte vom syrischen Regime auch als politischer Feind be-

trachtet wird (vgl. E. 5.1.2). Die unverhältnismässige Strenge der Sank-

tion, die dem Unrecht der Dienstverweigerung in keiner Weise mehr ange-

messen ist, kann nicht mehr einzig dem Zweck dienen, eine legitimerweise 

bestehende Dienstpflicht durchzusetzen, sondern muss vielmehr darüber 

hinaus auf einer Absicht des Verfolgerstaats gründen, im Dienstverwei-

gerer auch den politisch Oppositionellen auszuschalten. 

6.2.5 Abgesehen davon, dass beim Beschwerdeführer, wie unter E. 5.2 
dargelegt, ohnehin zusätzliche Anknüpfungspunkte vorliegen, weshalb er 

in den Augen des Regimes als oppositionell eingestellt gelten muss, 

müsste ihn das SEM als Flüchtling anerkennen, sofern es davon ausgeht, 

dass er im Fall einer Rückkehr nach Syrien mit hoher Wahrscheinlichkeit 

von den dortigen Behörden behelligt, inhaftiert und bestraft werden würde 

und dabei ein hohes Risiko bestehe, dass er Opfer von Verfolgungs-

handlungen im Sinne des Art. 3 EMRK werde. Falls der Beschwerdeführer 

im Fall der Rückkehr von einer solch exzessiven Strafe (Folter) bedroht 

wäre, würde dies bedeuten, dass er nicht bloss als eine Person wahrgenom-

men und sanktioniert würde, die ihrer Dienstpflicht nicht nachkommt, 

sondern dass er von den syrischen Behörden als oppositionell eingestellter 

Gegner des Assad-Regimes und als Verräter wahrgenommen würde. 

Damit liegt der drohenden Folterstrafe die Verdächtigung der politischen 

Opposition und damit das Verfolgungsmotiv der (unterstellten) politischen 

Überzeugung zugrunde. 

Wäre es andererseits – was vorliegend nach Auffassung des Gerichts nicht 

der Fall ist – zutreffend, dass der Beschwerdeführer nur ein « einfacher 

2020 VI/4 Asyl. Dienstverweigerung im syrischen Bürgerkrieg. 
Asylrelevanz der Bestrafung bei Politmalus 

 

 

54 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Wehrdienstverweigerer » ohne weitere einzelfallspezifischen Risikofak-

toren sei, so würde ihm gemäss Einschätzung, die der Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts zugrunde liegt, nicht eine derart drakonische Strafe 

drohen, als dass die Schwelle des Art. 3 EMRK erreicht würde. Seine 

Wehrdienstverweigerung wäre dann nur im Rahmen der Unzumutbarkeit 

des Vollzugs der Wegweisung aufgrund der derzeitigen allgemeinen Situa-

tion in Syrien zu berücksichtigen. 

7.  
Abschliessend ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Unrecht die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch ab-

gewiesen hat. Sie hat damit Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist gut-

zuheissen. Der Entscheid der Vorinstanz ist aufzuheben und das SEM ist 

anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm 

Asyl zu gewähren.