# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fd557252-a728-57fb-b72b-266016c9abc3
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.02.2014 IV 2012/144
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-144_2014-02-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/144

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 03.06.2020

Entscheiddatum: 27.02.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 27.02.2014
Art. 15 ff. und 28 IVG. Anspruch auf berufliche Massnahmen und Rente. 
Würdigung Gerichtsgutachten (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2014, IV 2012/144).v

Entscheid Versicherungsgericht, 27.02.2014

Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer 

und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Entscheid vom 27. Februar 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

IV-Leistungen

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Sachverhalt:

A.    

A.a  Die 19__ geborene A.___ meldete sich am 26. Juni 2007 bei der IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen an, wies dabei auf ein seit ihrem 13. Lebensjahr bestehendes 

psychisches Leiden hin und ersuchte um Umschulung auf eine neue Tätigkeit (IV-

act. 1). Dr.med. B.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welche die 

Versicherte seit Januar 2006 behandelte, diagnostizierte im Bericht vom 25. Juni 2007 

eine seit 1987 bestehende emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD: F60.31). Die 

Versicherte habe wegen der psychischen Beeinträchtigung eine Berufsausbildung als 

Krankenpflegerin abgebrochen. Sie sei nie lang krankgeschrieben worden, jedenfalls 

nicht aus psychischen Gründen, sei aber immer wieder über längere Zeit arbeitslos 

gewesen. Zuletzt habe sie als Hilfskraft im Service gearbeitet und sei anschliessend 

gesundheitsbedingt nur noch als Buffetangestellte einsetzbar gewesen (IV-act. 5; vgl. 

IV-act. 12).

A.b  Am 15. Juli 2008 gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Ausbildung zur 

Kauffrau ab 6. Juli 2008 bis 9. Juli 2011 (IV-act. 45). Gemäss Bericht des 

Eingliederungsverantwortlichen vom 11. Mai 2010 habe die Versicherte zwar gute 

Schulleistungen erbracht, die Ausbildung aber wegen psychischer Überforderung per 

10. Mai 2010 abbrechen müssen (IV-act. 58 f.).

A.c  Im Bericht vom 13. Juni 2010 führte Dr. B.___ aus, die schulischen und 

persönlichen Probleme ihrer beiden Söhne hätten die alleinerziehende Versicherte 

äusserst beunruhigt und beängstigt, und sie sei infolgedessen zusammengebrochen 

und in einen depressiven Rückzug gefallen. Dann habe sie nur noch das unbedingt 

Notwendige erledigt, insbesondere das, was die Kinder betreffe. Der Versuch, die 

Ausbildung mit einem reduzierten Pensum von 50% weiterzuführen, habe keine 

Besserung gebracht. Die Versicherte habe in einem innerlich verzweifelten, äusserlich 

müden, antriebslosen Zustand verharrt. Je höher der Druck gewesen sei, desto mehr 

hätten sich psychopathologische Symptome der (emotional instabilen) 

Persönlichkeitsstörung - Borderline-Typ - verstärkt, namentlich Identitätsdiffusion, 

zeitweise dissoziatives Erleben und neu eine Kaufsucht. Nach längerer 

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Auseinandersetzung und Klärung habe sich die Versicherte entschlossen, die 

Ausbildung abzubrechen. Die Arbeitsunfähigkeit betrage aktuell - ab Mai 2010 - 100% 

und voraussichtlich ab Mitte August 2010 50% (IV-act.63-1 f.). Im Verlaufsbericht vom 

7. Oktober 2010 hielt Dr. B.___ fest, der Gesundheitszustand der Versicherten habe 

sich nur teilweise gebessert. Es sei im August und bis Ende Oktober 2010 von einer 

Arbeitsunfähigkeit von 100% auszugehen. Die Prognose falle - im Gegensatz zu 

früheren Berichten - deutlich schlechter aus. Es sei offen zu lassen, wann die 

Versicherte arbeitsfähig werden könne (IV-act. 71).

A.d  Mit Verfügung vom 23. Dezember 2010 hob die IV-Stelle die Mitteilung vom 

15. Juli 2008 betreffend Gewährung der beruflichen Massnahmen auf und stellte die 

Taggeldzahlungen per 10. Mai 2010 ein (IV-act. 77).

A.e   Im Verlaufsbericht vom 7. Januar 2011 empfahl Dr. B.___, die Versicherte solle für 

die nächsten Jahre vom ständigen Druck entlastet werden, Erwerbsarbeit zu leisten. So 

könnte sie selber wahrnehmen, welchen Weg sie einschlagen könne, ohne sich zu 

verlieren oder sich zu zerstören (IV-act. 78-3). Dr. med. C.___, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, RAD Ostschweiz, hielt in der Stellungnahme vom 21. Februar 

2011 fest, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der Psychopathologie nicht 

nachvollziehbar und eine monodisziplinäre psychiatrische Begutachtung erscheine 

deshalb angezeigt, weil sich invaliditätsfremde psychosoziale Gründe auswirkten, 

namentlich die Versorgung der Kinder (IV-act. 80). Am 30. Juni 2011 erstellte Dr. med. 

D.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, das psychiatrische 

Gutachten. Er stellte keine Befunde fest, die auf eine affektive Erkrankung hinwiesen, 

und nannte die Diagnose akzentuierte (selbstunsichere) Persönlichkeitszüge (ICD-10: 

Z73.1) - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Es sei davon auszugehen, dass das 

(selbstunsichere) Verhaltensmuster weder sehr tiefgreifend noch in vielen Situationen 

eindeutig unpassend sei. Die behandelnde Psychiaterin erwähne beispielsweise, die 

Versicherte habe immer wieder für beschränkte Zeit eine Leistung erbringen können, 

die sie von aussen als fast gesund habe erscheinen lassen. Dr. B.___ beschreibe zwar 

die Selbstunsicherheit der Versicherten, komme aber nicht zum Schluss, dass eine 

selbstunsichere (ängstlich vermeidende) Persönlichkeitsstörung vorliege. Der 

psychiatrische Gutachter fuhr fort, die Symptomatik sei überwindbar, wie die 

Versicherte berichtet habe und wie insbesondere auch aus dem Schlussbericht des 

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Berufsförderungskurses hervorgehe. Eine Persönlichkeitsstörung liege nicht vor, weil 

die diagnostischen Leitlinien einer spezifischen Persönlichkeitsstörung (im Sinn von 

ICD-10: F60) als Eingangskriterien nicht erfüllt seien. Die Versicherte habe nach 

eigenen Angaben gelernt, vor den Kindern ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten, was 

zu einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10: F60.3 nicht 

passe, bei der die betroffene Person deutlich dazu neige, impulsiv zu handeln, und die 

Konsequenzen nicht berücksichtige. Es deute nichts in der Anamnese darauf hin, wie 

bei dieser Diagnose zu erwarten wäre, dass die Fähigkeit, vorauszuplanen, gering sei 

und dass Ausbrüche intensiven Ärgers zu gewalttätigem und explosivem Verhalten 

geführt hätten, insbesondere wenn Dritte impulsive Handlungen kritisiert oder behindert 

hätten. Zudem führe die behandelnde Psychiaterin Symptome an, die nicht zur von ihr 

gestellten Diagnose passen würden. Überdies attestiere sie eine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit, die auf psychosozialen Belastungsfaktoren beruhe und nicht auf 

einem psychischen Leiden mit Krankheitswert: Überforderung als alleinerziehende 

Mutter und Hausfrau bzw. schulische und persönliche Probleme der beiden Söhne. 

Abgesehen von diesen Umständen sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht 

nicht eingeschränkt (IV-act. 87-39 ff.).

A.f    Mit Vorbescheid vom 28. September 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, 

dass sie von einer Arbeitsfähigkeit von 100% ausgehe und das Leistungsbegehren 

abweisen werde (IV-act. 93). Gegen den Vorbescheid erhob die Versicherte am 

10. November 2011 Einwand (IV-act. 98).

A.g  Am 30. November 2011 liess die Versicherte mit einer Stellungnahme von 

Dr. B.___ vom 4. November 2011 zum Gutachten von Dr. D.___ den Einwand ergänzen. 

Die behandelnde Psychiaterin führte an, zwar biete die Versicherte nicht das Bild einer 

typischen Borderline-Persönlichkeit mit all den impulsiven Durchbrüchen, 

Selbstverletzungen und stimmungsmässigen "Auf und Abs"; entgegen der Auffassung 

des Gutachters bestehe aber eine tiefreichende, strukturelle Persönlichkeitsstörung mit 

dem Hauptleiden einer Identitätsstörung (zum Spektrum der Borderline-PD gehörig), 

die das Leben der Versicherten präge (IV-act. 101).

A.h  Dem hielt der Gutachter mit Eingabe vom 8. Februar 2012 entgegen, bei einer 

arbeitsmedizinischen Einschätzung müsse zuerst eine Diagnose nach ICD-10 gestellt 

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werden und gestützt darauf könne auf Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit 

geschlossen werden. Die behandelnde Psychiaterin schliesse aus der Tatsache, dass 

die Versicherte nicht arbeite, und über den Umweg einer psychologischen Hypothese 

auf eine Beeinträchtigung der Gesundheit und auf eine Diagnose. Dieses Vorgehen sei 

nach ICD-10 aber nicht korrekt. Da die behandelnde Psychiaterin mit dem Gutachter 

einverstanden sei, dass die Kriterien für das Vorliegen einer Borderline-

Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien, könne sie mit einer Hypothese auch keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (IV-act. 106-2 f.).

A.i    Mit Eingabe vom 29. Februar 2012 nahm Dr. med. E.___, Facharzt FMH für 

Psychiatrie und Psychotherapie, zum Gutachten Stellung, nachdem er am 5. und 

18. Januar 2012 die Versicherte untersucht hatte: Es sei schleierhaft, wie der Gutachter 

festhalte, dass keine neurotische Störung vorliege, nachdem er selbst anamnestisch 

eine schwere Anorexie, Kontaktstörungen und Kaufsucht festgestellt habe. Die 

Versicherte dürfte aufgrund der Persönlichkeitsstörung allenfalls bei einem Teilpensum 

und nur mit periodischen Einbrüchen von bis zu mehrwöchiger Dauer fähig sein, eine 

ansprechende Leistung zu erbringen. Wegen der mangelnden Belastungs- und 

Beziehungsfähigkeit dürfte sie Dritten in der freien Wirtschaft mittelfristig nicht 

zumutbar sein (IV-act. 108-4 f.).

A.j   In der Stellungnahme vom 8. März 2012 hielt der RAD-Arzt Dr. C.___ fest, Dr. E.___ 

beurteile den gleichen Sachverhalt anders als der Gutachter. Die Erläuterungen von 

Dr. E.___ seien nicht geeignet, die gutachterlichen Untersuchungs- und 

Beurteilungsergebnisse grundsätzlich infrage zu stellen (IV-act. 109).

A.k  In der Verfügung vom 9. März 2012 stützte sich die IV-Stelle weiterhin auf das 

psychiatrische Gutachten vom 30. Juni 2011, ging von einer Arbeitsfähigkeit von 100% 

in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit aus und wies die Ansprüche auf 

berufliche Massnahmen und Rente ab (IV-act. 110).

B.    

B.a  Gegen die Verfügung vom 9. März 2012 richtet sich die vorliegende Beschwerde 

vom 24. April 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und 

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Entschädigungsfolgen deren Aufhebung und die Rückweisung der Angelegenheit an 

die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines psychiatrischen Obergutachtens sowie 

zur anschliessenden Neuverfügung über den Anspruch auf Rentenleistungen und 

berufliche Massnahmen. Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen aus, dem Gutachten vom 30. Juni 2011 könne kein Beweiswert 

zukommen, denn die behandelnde Psychiaterin und Dr. E.___ hegten Zweifel an der 

Richtigkeit der gutachterlichen Diagnose und wiesen darauf hin, dass das Gutachten 

weder umfassend bzw. allseitig noch nachvollziehbar sei. Mit diesen anderslautenden 

medizinischen Auffassungen habe sich die Beschwerdegegnerin nicht gehörig 

auseinandergesetzt. Aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes sei sie gehalten, ein 

psychiatrisches Obergutachten einzuholen (act. G 1).

B.b  In der Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Das Gutachten von Dr. D.___ erfülle die 

rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Beweistauglichkeit, und die 

anderslautenden psychiatrischen Einschätzungen enthielten keine objektiven 

Gesichtspunkte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben seien und zu 

einer abweichenden Beurteilung führen könnten (act. G 3).

B.c  Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hat am 13. Juni 2012 dem 

Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den 

Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) 

entsprochen (act. G 4).

B.d  Mit Replik vom 16. August 2012 hält die Beschwerdeführerin an ihren materiellen 

Anträgen fest und stellt die Unbefangenheit des Gutachters infrage (act. G 9).

B.e  Auf eine Duplik hat die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 24. August 2012 

verzichtet (act. G 11).

B.f   Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. act. G 14; die Parteien erhoben 

keine Einwände gegen das in Aussicht gestellte Gerichtsgutachten, G 15 und G 16) 

beauftragte das Gericht am 9. Juli 2013 Dr. med. F.___ (nachfolgend: 

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Gerichtsgutachterin), Fachärztin u.a. für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der 

Erstellung des psychiatrischen Gerichtsgutachtens (act. G 17).

B.g  Die Beschwerdeführerin wurde am 20. August 2013 von der Gerichtsgutachterin 

psychiatrisch untersucht. Im psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 4. Dezember 

2013 diagnostizierte die Expertin eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 

selbstunsicheren, ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen (ICD-10: F61.0). Eine 

Persönlichkeitsstörung vom emotional-instabilen / Borderline-Typ bestehe nicht. Für 

die angestammte Tätigkeit als Serviceangestellte bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. 

In einer Tätigkeit im Service, bei der kein direkter Kundenkontakt notwendig sei, z.B. 

als Buffetangestellte, bestehe keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Für 

leidensangepasste Tätigkeiten verfüge die Beschwerdeführerin über eine vollständige 

Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv stellte die Gerichtsgutachterin fest, die bei der 

Beschwerdeführerin vorliegende psychische Störung bestehe beginnend mit der 

Jugend seit Eintritt in das Erwerbsleben. Es handle sich dabei um eine durchgehende 

und im Wesentlichen stabile Beeinträchtigung. Hinsichtlich der retrospektiv 

bestehenden Arbeitsfähigkeit verwies sie auf die im Zeitpunkt der Begutachtung 

bescheinigte Arbeitsfähigkeit (act. G 18).

B.h  Die Parteien haben auf eine Stellungnahme zum Gerichtsgutachten verzichtet (vgl. 

act. G 19 sowie act. G 22).

Erwägungen:

1.     

Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf 

Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnahmen gemäss Art. 15 ff. des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] und Rente gemäss 

Art. 28 IVG) hat.

2.     

Zu prüfen ist vorab die Frage, ob das Gerichtsgutachten vom 4. Dezember 2013 (act. 

G 18) eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

erlaubt.

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2.1   Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das 

Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche 

Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Bezüglich Gerichtsgutachten hat 

die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe" 

von den Einschätzungen des medizinischen Experten ab. Auch der Europäische 

Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von 

einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise 

hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).

2.2   Zunächst ist festzustellen, dass die Parteien keine Einwände gegen das 

Gerichtsgutachten erhoben haben.

2.3   Bei der Würdigung der gerichtsgutachterlichen Beurteilung fällt ins Gewicht, dass 

sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend 

ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Abweichungen von 

den Vorakten wurden eingehend und nachvollziehbar begründet. Die von der 

Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden wurden umfassend berücksichtigt und 

gewürdigt. Die Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für Buffettätigkeiten und 

für weitere leidensadaptierte Tätigkeiten leuchtet in der Darlegung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter 

bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht 

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berücksichtigt worden wären. Eine den Beeinträchtigungen optimal angepasste 

Arbeitstätigkeit besteht nach der Umschreibung der Gerichtsgutachterin in einer 

Tätigkeit in einem festen Team oder z.B. im hauswirtschaftlichen Bereich, dabei auch in 

einer überwiegend eigenständig auszuführenden Tätigkeit. Dabei sei ein Umfeld 

günstig, das als wohlwollend und unterstützend erlebt werde, in dem "verstärkend" 

und nicht entwertend mit der Beschwerdeführerin umgegangen werde, kein hoher 

Konkurrenzkampf zwischen den Mitarbeitenden bestehe und die Bezugspartner eher 

stabil bleiben würden (act. G 18, S. 34).

2.4   Gestützt auf das unbestritten gebliebene Gerichtsgutachten ist mit überwiegender

Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für 

leidensangepasste Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig ist (act. G 18, S. 33 f.), was auch 

retrospektiv gilt (act. G 18, S. 34 f.).

3.     

Aufgrund der langjährigen Arbeitslosigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. IV-act. 1-5 

und 6) sowie der schwankenden Verdienste in der Vergangenheit (IV-act. 6) fehlt es an 

einer repräsentativen Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens, weshalb 

es sich rechtfertigt, den Invaliditätsgrad im Rahmen eines Prozentvergleichs zu 

bestimmen, zumal keine Anhaltspunkte für ein überdurchschnittliches 

Valideneinkommen (vgl. IV-act. 6) ersichtlich sind. Mit Blick darauf, dass die 

Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige 

Arbeitsfähigkeit verfügt, besteht kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 

mindestens 40%. Daran würde die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs (maximal 

25%; BGE 126 V 75) jedenfalls nichts ändern.

4.     

Zwar ergibt sich aus dem Gerichtsgutachten, dass die Beschwerdeführerin in ihrer 

angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte erheblich eingeschränkt ist (50%ige 

Arbeitsunfähigkeit; act. G 18, S. 32 f.), und dass sich eine Eingliederungsberatung 

empfiehlt (act. G 18, S. 38). Allerdings ist hinsichtlich eines Anspruchs auf berufliche 

Massnahmen festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin offenbar an der 

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Eingliederungsbereitschaft fehlt. So gab sie im Rahmen der Begutachtung bei der 

Gerichtsgutachterin an, sie könne sich das erneute Angehen einer Ausbildung oder 

einer Arbeitsstelle nicht vorstellen. Sie fühle sich aktuell voll ausgelastet und könne sich 

keine zusätzlichen Belastungen vorstellen (act. G 18, S. 21). Bereits bei der Exploration 

durch Dr. D.___ vom 11. April 2011 äusserte die Beschwerdeführerin, sie möchte im 

Moment nichts ändern, weshalb der damalige Gutachter Zweifel an deren Motivation 

zur beruflichen Wiedereingliederung hatte (IV-act. 87-42). Vor diesem Hintergrund und 

da sich aus den Stellungnahmen von Dr. B.___ vom 4. November 2011 (IV-act. 101-2 f.) 

und von Dr. E.___ vom 29. Februar 2012 (IV-act. 108) sowie der Beschwerde (act. G 1) 

keine Anhaltspunkte für einen ernsthaften Eingliederungswillen ergeben, ist das 

Bestehen einer Eingliederungsbereitschaft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 

verneinen, weshalb die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu Recht 

einen Anspruch auf berufliche Massnahmen abgewiesen hat. Es steht der 

Beschwerdeführerin indessen frei, einen Anspruch auf berufliche Massnahmen geltend 

zu machen, sobald sie sich eingliederungsbereit fühlt.

5.     

5.1   Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 24. April 2012 abzuweisen.

5.2   Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 13. Juni 2012 

bewilligt (act. G 4). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin es 

gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der 

Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272]).

5.3   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Mit Blick auf die Einholung eines 

Gerichtsgutachtens erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- in der vorliegend zu 

beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin 

sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen. Zufolge 

unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.

bis

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5.4   In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die 

Beschwerdegegnerin die für das Gerichtsgutachten angefallenen Kosten von 

Fr. 5'790.-- (act. G 18.1) zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).

5.5   Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die 

Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die 

Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht 

auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt 

das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal 

Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine 

Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit 

Blick auf vergleichbare Fälle eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der 

Staat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin pauschal (BGE 125 V 201) mit 

Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    Die Beschwerdeführerin wird im Sinn der Erwägungen von der Bezahlung der 

Gerichtskosten von Fr. 800.-- befreit.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 5'790.-- 

zu bezahlen.

4.    Der Staat entschädigt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit Fr. 

2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).

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