# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc352e22-95ed-52a6-9469-043c0316a24e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.12.2008 D-5794/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5794-2008_2008-12-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5794/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Bruno Huber, 
Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiber Gert Winter.

A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
5. August 2008 / N .

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5794/2008

Sachverhalt:

A.

A.a Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am 
20. September  2006  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die 
Schweiz und ersuchte am gleichen Tag im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum (...) um Asyl. Anlässlich der Befragung vom 6. Oktober 2006 
im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum (...)  sowie  der  Anhörung  vom 
21.  Februar  2007  durch  (...)  machte  der  Beschwerdeführer  zur 
Begründung seines Asylgesuchs im Wesentlichen geltend, er stamme 
aus Mazar-e-Sharif (Provinz Balkh) und gehöre der Ethnie der Hazara 
an. Im Jahre  1999 sei  er  mit  seiner  Familie  in  die  Provinz  Oruzgan 
umgezogen. Als es dort zu Kämpfen gekommen sei, habe er sich nach 
Kabul begeben und dort ungefähr während zweier Jahre als Schneider 
gearbeitet. Seit Mai 2004 habe er Militärdienst geleistet. Anfang 2005 
sei  er  in  die  Militärbasis  von  B._______  verlegt  worden.  Auf  der 
Nachtwache  habe  er  mit  seinem  Kollegen  eine  Haschischzigarette 
geraucht. Unter dem Einfluss der Droge habe er versehentlich einen 
Schuss  aus  seiner  Waffe  abgegeben  und  seinen  Kollegen  tödlich 
verletzt. In der Folge sei er aus dem Militärgelände getürmt und habe 
sich zunächst zwei Wochen bei seinem Onkel aufgehalten, weil er eine 
hohe Gefängnisstrafe oder gar den Tod vor Augen gehabt habe, falls 
er  von  der  Armee  oder  der  Familie  des  Getöteten  gefasst  worden 
wäre. Aufgrund dieser Situation habe er sich ins Ausland begeben. Im 
Iran habe  er  während  fünf  Monaten  und in  der  Türkei  ungefähr  ein 
Jahr lang gearbeitet, ehe er in die Schweiz gereist sei.

A.b Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdefüh-
rer einen Militärausweis und einige Fotos zu den Akten.

B.
Mit  Verfügung vom 5. August  2008 – eröffnet  am 12. August  2008 - 
stellte  das BFM fest,  der  Beschwerdeführer erfülle  die  Flüchtlingsei-
genschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es 
die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Zur Begründung 
hielt  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  fest,  die  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers seien in wesentlichen Punkten zu wenig konkret, de-
tailarm  und  undifferenziert  dargelegt  worden,  enthielten  doch  die 
Schilderungen des Beschwerdeführers bezüglich der versehentlichen 
Tötung eines Militärdienstkollegen keinerlei  Realkennzeichen. Zudem 

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habe sich der Beschwerdeführer über das Datum dieses Vorfalls wi-
dersprüchlich geäussert, indem er zwei unterschiedliche Daten ange-
geben habe, einerseits den 10. November 1383 und andererseits den 
13. Oktober 1383 (afghanische Zeitrechnung). Auch der eingereichte 
Militärausweis vermöge nicht zu einer veränderten Betrachtungsweise 
zu führen. Angesichts der Aktenlage könne er nicht als taugliches Be-
weismittel angesehen werden. Zudem handle es sich offensichtlich um 
eine  plastifizierte  Farbkopie,  die  weder  mit  einem Datum noch  dem 
Ausstellungsort versehen sei.

C.
Mit Beschwerde vom 11. September 2008 liess der Beschwerdeführer 
die Aufhebung der Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfü-
gung und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerde-
führers in der Schweiz wegen Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit be-
antragen. In  prozessualer  Hinsicht  beantragte  der  Beschwerdeführer 
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf die Begründung wird, so-
weit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D.

D.a Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2008 wies der Instruk-
tionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 
2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis 
zum 1. Oktober 2008 einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu Gunsten 
der Gerichtskasse zu überweisen.

D.b Der  Beschwerdeführer  leistete  den  einverlangten  Kostenvor-
schuss am 25. September 2008.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-

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richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 50 und 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Vorliegend wurde auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels 
verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
Die vorliegende Beschwerde richtet sich einzig gegen den Vollzug der 
von der Vorinstanz verfügten Wegweisung. Die Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft,  die Ablehnung des Asylgesuchs sowie die Wegwei-
sung (vgl. Ziffern 1 - 3 des Dispositivs der Verfügung vom 6. August 
2008) blieben unangefochten und sind mit Ablauf der Beschwerdefrist 
in Rechtskraft erwachsen. Im Folgenden ist daher lediglich zu untersu-
chen, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet 
hat.

4.
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der  Familie  (Art.  44  Abs. 1  AsylG). Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-

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mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

4.2 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-
foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Afghanistan dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe 
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen 

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Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Ge-
fahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 
einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung drohen 
würde  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hin-
weisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 
2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). In diesem Zu-
sammenhang ist anzufügen, dass das BFM die vom Beschwerdeführer 
zur Begründung seines Asylgesuches geltend gemachte Befürchtung, 
wegen eines Wachvergehens beziehungsweise einer fahrlässigen Tö-
tung an Leib und Leben gefährdet zu sein, in der Verfügung vom 5. Au-
gust  2008  gewürdigt  und  als  unglaubhaft  beurteilt  hat.  Diese  Verfü-
gung ist punkto Verweigerung der Flüchtlingseigenschaft unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsen. Der rechtskräftig (als unglaubhaft) beur-
teilte Sachverhalt kann somit nicht Gegenstand einer erneuten Beur-
teilung im Rahmen des vorliegenden Verfahrens bilden (res iudicata; 
FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2. Aufl.,  Bern  1983, 
S. 322 f.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwal-
tungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 252 Rz. 715). 
Schliesslich lässt auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Af-
ghanistan den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 
unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Be-
stimmungen zulässig.

4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

4.3.1 Auch  in  Anbetracht  der  jüngeren  Entwicklung  besteht  für  das 
Bundesverwaltungsgericht kein Anlass, von seiner bisherigen, in Über-
einstimmung  mit  jener  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission  (ARK)  stehenden  Praxis  abzuweichen,  gemäss  welcher 
die  Situation  in  Afghanistan  differenziert  zu  beurteilen  ist  (EMARK 
2006 Nr. 9; 2003 Nr. 10 und Nr. 30). Demnach ist davon auszugehen, 

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dass in Kabul, in der Umgebung und in verschiedenen im Norden der 
Hauptstadt gelegenen Städten dank der Bemühungen der Regierung 
und der internationalen Truppen ein genügendes Sicherheitsniveau ge-
schaffen werden konnte. In  ihrem in EMARK 2006 Nr. 9 publizierten 
Entscheid präzisierte die ARK, dass der Vollzug der Wegweisung nur 
in Regionen als zumutbar zu bezeichnen ist, in denen seit 2004 keine 
bedeutenden militärischen Aktivitäten mehr zu verzeichnen sind oder 
keine dauernde Instabilität besteht. Darunter fallen die Provinz Kabul 
(vgl. bereits EMARK 2003 Nr. 10), die nördlich der Hauptstadt gelege-
nen Provinzen Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, 
Sari Pul und die Gebiete um Samangan, die nicht zum Hazarajat ge-
hören  (traditionelles  Siedlungsgebiet  der  Hazara,  vgl.  EMARK  2003 
Nr. 30 E. 7a S. 193) sowie die Provinz Herat im Westen des Landes 
(vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102). Der Vollzug der Wegweisung 
ist nur für Personen als zumutbar zu erachten, die aus diesen Regio-
nen stammen oder dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügen, 
und  wenn  konkrete  Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzmini-
mums und der Wohnsituation bestehen (vgl. dazu EMARK 2003 Nr. 10 
E. 10b.cc S. 68, EMARK Nr. 30 E. 7b S. 193 f.). Zudem ist  die Rück-
kehr in diese Provinzen nur zumutbar bei jungen, unverheirateten Per-
sonen oder kinderlosen Paaren ohne schwere gesundheitliche Proble-
me (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102).

4.3.2 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er habe 
zwar  mehrere  Verwandte  in  verschiedenen  Provinzen  Afghanistans, 
doch  könne  nirgends  von  einem  tragfähigen  familiären  Beziehungs-
netz ausgegangen werden. Das Beziehungsnetz in Mazar-e-Sharif be-
stehe lediglich aus dem dort lebenden Bruder. Dieser sei 30 Jahre alt, 
verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von neun und sieben 
Jahren. Er habe keine feste Arbeit und bringe sich und seine Familie 
mit Tagesjobs und Gelegenheitsarbeit über die Runden. Unter diesen 
Umständen sei bezüglich Mazar-e-Sharif nicht von einem tragfähigen 
Familiennetz  auszugehen.  Auch  eine  Rückkehr  nach  Kabul,  wo  die 
Schwester  des  Beschwerdeführers  wohne,  sei  unzumutbar.  Sie  sei 
verheiratet und Mutter von fünf Kindern. Ihr Ehemann habe keine feste 
Arbeitsstelle  und  die  Familie  kein  geregeltes  Einkommen. Durch  die 
Heirat gehöre die Schwester der Familie des Ehemanns an, und eine 
Unterstützung oder Aufnahme ihres Bruders sei  schon deshalb nicht 
möglich. Zudem liege ein im Internet einsehbares Gutachten vor, das 
sich  zu  den  Möglichkeiten  für  einen  alleinstehenden  jungen  Mann 
äussere, im Falle seiner Rückkehr eine Existenz in Afghanistan, zum 

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Beispiel in Kabul, aufzubauen. Der Gutachter verneine die Möglichkeit, 
eine vertretbare Existenz aufzubauen oder auch nur zu überleben, so-
lange ein Rückkehrer nicht auf die Unterstützung seiner Grossfamilie 
zählen könne. Die Versorgung durch Hilfswerke sei zudem nicht über-
all gewährleistet und meistens unzulänglich sowie für die Zukunft kei-
neswegs verlässlich. Diese Einschätzung werde im Übrigen durch ein 
jüngst ergangenes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bestätigt.

4.3.3 Wie sich  aus  den  Akten ergibt,  stammt der  Beschwerdeführer 
aus  Mazar-e-Sharif,  wo  er  seine  ersten  fünfzehn  Lebensjahre  ver-
brachte und das Schneiderhandwerk erlernte (A12/16 S. 7). Nach wie 
vor verfügt er dort über ein Beziehungsnetz. Umstritten ist lediglich, ob 
es  tragfähig sei. In  der  Beschwerde wird  in  diesem Zusammenhang 
festgehalten, sein Bruder habe keine feste Anstellung und bringe seine 
Familie  mit  Gelegenheitsarbeiten über  die  Runden. Diese Umstände 
sprechen jedoch nicht gegen die Tragfähigkeit des Beziehungsnetzes. 
Aufgrund seiner Erwerbstätigkeit in der Schweiz dürfte der Beschwer-
deführer zumindest in der ersten Zeit nach der Rückkehr in den Hei-
matstaat nicht auf anderweitige materielle Unterstützung durch die Fa-
milie angewiesen sein. Aufgrund seiner bisherigen beruflichen Erfah-
rungen in Afghanistan darf man davon ausgehen, es werde ihm auch 
nach der Rückkehr wieder gelingen, beruflich Fuss zu fassen. Dabei 
kann er seinen beruflichen Aktivitäten wie schon in der Vergangenheit 
als Selbständigerwerbender nachgehen, weshalb der Hinweis auf die 
Arbeitslosenquote - nicht zuletzt auch angesichts der Wirtschaftsstruk-
tur  Afghanistans  -  nicht  zu  einer  veränderten  Betrachtungsweise  zu 
führen  vermag.  Dementsprechend  ist  davon  auszugehen,  dass  der 
Vollzug der Wegweisung nach Mazar-e-Sharif dem Beschwerdeführer 
zuzumuten ist. Im Übrigen gilt  dasselbe auch für  einen Aufenthalt  in 
Kabul.  Es  ist  nicht  einzusehen,  weshalb  es  dem  Beschwerdeführer 
nicht zuzumuten sein soll, dort inskünftig unter Verhältnissen zu leben, 
die  weniger  problematisch  sind  als  diejenigen  in  der  Vergangenheit. 
Immerhin war es ihm als jungem Erwachsenen möglich, sich während 
zweier Jahre in Kabul aufzuhalten und einer selbständigen Erwerbstä-
tigkeit  nachzugehen. Sein soziales Beziehungsnetz in Kabul ist nach 
wie vor vorhanden, zumal eine verheiratete Schwester nach wie vor in 
Kabul lebt. Eine vorübergehende Unterstützung darf der Beschwerde-
führer seitens der Schwester wie auch des Schwagers erwarten, so-
fern er überhaupt in die Lage kommt, einer solchen zu bedürfen. Das 
gegenteilige Vorbringen in der Beschwerdeschrift erscheint demgegen-
über lediglich als Schutzbehauptung.

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4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als 
zumutbar.

4.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen; er wurde von der Vorinstanz zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  in  der 
Schweiz ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 - 4 AuG).

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt 
Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  -  3  des  Reglements  vom  21. Februar 
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem am 25. September 
2008 geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt und mit dem am 25. September 2008 in gleicher Höhe geleis-
teten Kostenvorschuss verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N  (per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Fulvio Haefeli Gert Winter

Versand:

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