# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e9ed5e1d-d88b-5b71-90ac-37272ec5e7a3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.08.2020 E-1635/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1635-2020_2020-08-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1635/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch MLaw Aileen Kreyden, Rechtsanwältin, 

Advokatur Kanonengasse, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 12. Februar 2020 / N (…). 

 

 

 

E-1635/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der minderjährige Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss 

eigenen Angaben Ende Juni 2018 und reiste am 8. Februar 2019 in die 

Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 5. März 2019 

fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Aufgrund seiner Minderjährig-

keit wurde ihm für das weitere Asylverfahren eine Vertrauensperson zuge-

ordnet. Die Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer in Anwesenheit seiner 

Vertrauensperson am 28. Juni 2019 einlässlich zu seinen Asylgründen an. 

Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei 

paschtunischer Ethnie und stamme aus B._______, Pakistan. Er habe die 

Schule bis zur neunten Klasse im Juni 2018 besucht. Sein Vater sei Imam 

in einer Moschee in B._______ gewesen und von verschiedenen Familien-

stämmen respektive nicht-sunnitischen Mitgliedern der mächtigen 

C._______-Familie wegen seiner Predigten in der Moschee kritisiert wor-

den. Es habe immer wieder Streit zwischen seinem Vater und seinen Geg-

nern gegeben. Als er mit seinem Vater und Bruder einmal nach dem Nacht-

gebet auf dem Weg von der Moschee nach Hause gewesen sei, sei auf sie 

geschossen worden. Sein Bruder sei dabei getötet worden, sein Vater und 

er hätten fliehen können. Die Feinde seines Vaters hätten gedroht, auch 

ihn zu töten. Zudem habe es eine Fatwa gegen seinen Vater gegeben. Am 

28. Juni 2018, einen Monat respektive einige Tage nachdem sein Bruder 

umgekommen sei, habe er B._______ verlassen und sei über Lahore und 

Quetta aus Pakistan ausgereist. 

Sein Vater, seine Stiefmutter und seine Halbgeschwister hätten B._______ 

verlassen, würden aber noch immer in Pakistan leben.  

Der Beschwerdeführer reichte seinen Nationalitätenausweis, seinen Schü-

lerausweis, ein Schulzeugnis sowie einen Stundenplan (alles im Original) 

dem SEM zu den Akten.  

B.  

Mit Schreiben vom 19. November 2019 tätigte die Vorinstanz bei der 

Schweizer Vertretung in Islamabad eine Anfrage zwecks Abklärung, ob der 

Beschwerdeführer nach einer Ankunft am Flughafen Islamabad empfan-

gen und betreut würde und seine sichere Weiterreise nach B._______ or-

ganisiert werden könnte, sowie ob Informationen zu seinem Vater und sei-

ner Familie vorlägen. Am 20. Januar 2020 erfolgte die Antwort der Schwei-

zer Vertretung in Islamabad. 

E-1635/2020 

Seite 3 

C.  

Mit Verfügung vom 12. Februar 2020 – am 27. Februar 2020 dem Be-

schwerdeführer eröffnet – verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.  

D.  

Mit Eingabe vom 20. März 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diese 

Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und teilte mit, 

dass er wegen der Coronakrise Probleme gehabt habe, Unterstützung zu 

finden, weshalb er sinngemäss um Nachfrist zur Beschwerdeverbesserung 

ersuchte. Er reichte zudem eine Kopie eines amtlich beglaubigten Schrei-

bens seines Vaters sowie dessen Identitätsausweises zu den Akten.  

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 25. März 2020 hielt die Instruktionsrichterin 

fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten und forderte ihn auf, eine Beschwerdeverbesserung in-

nert Frist einzureichen.  

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 3. April 2020 beantwortete die Instruktions-

richterin das gleichentags gestellte Akteneinsichts- und Fristverlänge-

rungsgesuch der neu mandatierten Rechtsvertretung des Beschwerdefüh-

rers, verwies die Rechtsvertreterin zwecks Erhalts der vorinstanzlichen Ak-

ten an den Beschwerdeführer oder seine Vertrauensperson, stellte ihr die 

Kopien der Beschwerdeverfahrensakten zu und hiess das Gesuch um Ver-

längerung der Frist zur Beschwerdeverbesserung gut.  

G.  

Die Beschwerdeverbesserung wurde fristgerecht am 9. April 2020 durch 

seine Rechtsvertretung eingereicht. Der Beschwerdeführer beantragte da-

rin, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sache zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur Neuentscheidung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen und seine Flüchtlingseigenschaft sei festzu-

stellen; eventualiter sei ihm Asyl zu gewähren; subeventualiter sei die vor-

läufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung einer 

amtlichen Rechtsverbeiständung in der Person der Rechtsvertreterin und 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Auf die 

E-1635/2020 

Seite 4 

Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 

den Erwägungen eingegangen. 

H.  

Mit Instruktionsverfügung vom 22. April 2020 wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutgeheissen. Zudem wurde der Antrag auf Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 

AsylG gutgeheissen und die Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Aileen 

Kreyden, als Rechtsbeiständin eingesetzt. Des Weiteren wurde auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vor- 

instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist eingeladen.  

I.  

In seiner Vernehmlassung vom 27. April 2020 hielt das SEM an seinem 

Standpunkt fest.  

J.  

Mit Replik vom 13. Mai 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-

sung Stellung und reichte eine Übersetzung des mit Beschwerde einge-

reichten Schreibens seines Vaters sowie eine aktualisierte Honorarnote 

ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

E-1635/2020 

Seite 5 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht (Art. 53a AsylV1) eingereicht 

worden. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

im Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen vermöchten. Er habe kaum et-

was zu den Inhalten der Aussagen seines Vaters als Imam, die seine Geg-

ner gegen ihn aufgebracht hätten, sowie zu den vorhergehenden Schwie-

rigkeiten angeben können. Auch zur Glaubensrichtung der Gegner habe er 

nur unsichere Angaben machen können und zuerst gemeint, es seien viel-

leicht Christen gewesen, später ausgeführt, es seien keine Sunniten gewe-

sen, und schliesslich Schiiten erwähnt. Die vorgebrachte Tötung seines 

Bruders habe er nur oberflächlich und stereotyp geschildert, obwohl er sie 

miterlebt habe. Auch auf die Frage, weshalb sein Vater keine Hilfe bei der 

Polizei oder anderen Institutionen habe erhalten können, habe er keine 

überzeugenden Antworten gegeben. Ebenso habe er kaum etwas über die 

Fatwa gegen seinen Vater sagen können. Weiter seien einige seiner Schil-

derungen widersprüchlich ausgefallen. Anlässlich der BzP habe er ange-

geben, nach dem Tod seines Bruders einen Monat zuhause geblieben und 

von B._______ ausgereist zu sein. Bei der Anhörung habe er ausgeführt, 

er sei nach diesem Ereignis fünf bis sieben Tage bei einem Onkel in 

D._______ versteckt gewesen und sei von dort aus ausgereist. Er habe 

diese widersprüchlichen Angaben nicht erklären können. Weiter habe er 

die Drohung gegenüber seinem Vater, dass man ihn als zweiten Sohn auch 

E-1635/2020 

Seite 6 

töten würde, sowie die gegen seinen Vater ausgestellte Fatwa bei der BzP 

nicht genannt. Es sei schliesslich schwer vorstellbar, dass im überwiegend 

sunnitischen Pakistan ein sunnitischer Imam wegen religiöser Aussagen 

Probleme mit Angehörigen anderer Glaubensrichtungen, insbesondere 

Christen, bekomme und er keine Möglichkeit haben sollte, diesbezüglich 

von Behörden oder anderen Stellen Hilfe zu erhalten. Trotz des jugendli-

chen Alters des Beschwerdeführers wäre zu erwarten gewesen, dass er 

das Erlebte zumindest einigermassen substantiiert und detailliert hätte be-

schreiben und über die Hintergründe der angeblichen Probleme einige In-

formationen hätte wiedergeben können.  

Der Weggang der Familie des Beschwerdeführers aus B._______ sei, we-

gen der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Probleme, auch nicht 

glaubhaft. Er habe trotz regelmässigen Kontaktes mit seiner Familie nichts 

Genaueres dazu sagen können, wo diese jetzt sei und wie es ihr gehe. Im 

Rahmen einer Anfrage des SEM an die Schweizer Botschaft in Pakistan 

habe sein Vater per Telefon angegeben, der Beschwerdeführer könne 

selbstverständlich wieder bei seiner Familie leben und werde bei der Rück-

reise auch am Flughafen in Islamabad von ihm abgeholt und nach Hause 

gebracht. Seine Familie werde zudem von seinem Bruder in Dubai unter-

stützt. Somit verfüge er in Pakistan über eine gesicherte Wohnsituation und 

ein breites Beziehungsnetz, das ihm bei der Reintegration helfen könne. 

Es sei ferner davon auszugehen, dass er den Schulbesuch fortsetzen und 

seine Ausbildung abschliessen könne. 

3.2 Auf Beschwerdeebene führt der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

aus, die Erkenntnis der Vorinstanz, wonach seine Aussagen in wesentli-

chen Punkten unglaubhaft seien, gründe auf einer zu restriktiven Handha-

bung der Beweisregel von Art. 7 AsylG. An die Schilderungen eines unbe-

gleiteten minderjährigen Asylsuchenden dürften nicht die gleichen Anfor-

derungen wie an diejenigen eines Erwachsenen gestellt werden. Auch be-

rücksichtige sie nicht, dass das von ihm Erlebte, insbesondere der Tod sei-

nes Bruders, vor allem in seinem jungen Alter schwer traumatisierend wirke 

und bei ihm deshalb auch nicht die gleichen Anforderungen an das Erinne-

rungsvermögen gestellt werden dürften wie bei einem psychisch gesunden 

Menschen. Jegliche Substanzarmut sei auf sein junges Alter und seine 

Traumatisierung zurückzuführen.  

Der Beschwerdeführer habe in der BzP seine Fluchtgeschichte zusam-

mengefasst dargelegt und in der Bundesanhörung ausgeführt. Es könne 

E-1635/2020 

Seite 7 

ihm nicht vorgehalten werden, er habe die ihm angedrohte Tötung nach-

geschoben. Der angebliche Widerspruch in Bezug auf den Reiseweg be-

treffe zudem nicht den Kern seiner Vorbringen. Seine Fluchtgründe – dass 

sein Bruder aufgrund der Predigten seines Vaters als Imam erschossen 

und ihm selber mit dem Tod gedroht worden sei – habe er widerspruchsfrei 

dargelegt. Es könne nicht von einem Widerspruch auf die Unglaubhaf-

tigkeit seiner Vorbringen geschlossen werden. Insgesamt habe er sich so-

mit glaubhaft zu seinen Asylgründen geäussert.  

Sein Vater habe die ihm im Rahmen der Botschaftsabklärung per Telefon 

gestellten Fragen nicht richtig verstanden. Es sei für ihn unverständlich, 

dass sein Sohn nach Pakistan zurückgeschickt würde, wo ihm Gefahr 

drohe. Der Beschwerdeführer wäre in Pakistan nicht in Sicherheit. Sein Va-

ter müsse sich nach wie vor verstecken. Seine Geschwister würden die 

Schule nicht besuchen können, aus Angst, entdeckt und getötet zu werden. 

Die Sache sei zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung, insbesondere zur 

erneuten Botschaftsabklärung, an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

Seine Familie werde von einer mächtigen Familie wegen der Predigten sei-

nes Vaters bedroht und verfolgt. Diese gegnerische Familie sei sehr ein-

flussreich und zu schlimmen Taten fähig, zumal sie bereits seinen Bruder 

getötet und damit gedroht hätten, auch ihn umzubringen. Aufgrund der 

Wichtigkeit dieser Familie könne seine Familie von staatlicher Seite keinen 

Schutz erwarten. Er sei wegen seiner Religion verfolgt, da sein Vater als 

Imam den Koran in einer Art und Weise ausgelegt habe, mit welcher die 

Familie C._______ nicht einverstanden sei. Somit erfülle er die Flüchtlings-

eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, weshalb ihm Asyl zu gewähren sei.  

Sein Vater und seine Geschwister könnten wegen der drohenden Verfol-

gung ihr neues Heim nicht verlassen. Sein Vater könne nicht mehr arbeiten 

und deshalb nur noch beschränkt für seine Kinder aufkommen. Die Ge-

schwister könnten die Schule nicht besuchen, aus Angst, getötet zu wer-

den. Auch er würde die Schule nicht besuchen können und müsste mit nur 

einem Elternteil, der aufgrund der Vorfälle nicht mehr arbeiten könne, auf-

wachsen. Finanziell wäre die Lage in Pakistan für ihn somit äusserst pre-

kär. Als ältestes Kind wäre er besonders im Visier der Feinde seines Vaters. 

Er stamme aus dem stärksten umkämpften Gebiet Pakistans, der 

Mohmand Agency in der Region FATA (Federally Administered Tribal 

Areas), welche eine Hochburg der Taliban sei. Es gebe in dieser Region 

viele Terroranschläge und der Staat sei nicht in der Lage wirksamen Schutz 

E-1635/2020 

Seite 8 

in den von den Taliban kontrollierten Gebieten zu gewähren. Die allge-

meine Lage sei prekär. Die Rückkehr nach Pakistan sei damit für ihn unzu-

mutbar. 

3.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest 

und bekräftigt, dass trotz des jugendlichen Alters des Beschwerdeführers 

zu erwarten gewesen wäre, dass er erlebte Ereignisse wie auch die Hin-

tergründe seiner geltend gemachten Probleme zumindest einigermassen 

substantiiert hätte wiedergeben können. Die vorgebrachte Traumatisierung 

bleibe vollständig unbelegt. Sowohl bei der BzP als auch in der Anhörung 

habe er keine gesundheitlichen Probleme erwähnt und es seien dem An-

hörungsprotokoll und den Akten keine Hinweise auf solche zu entnehmen. 

Auch im Rahmen der Beschwerde seien keine Belege für eine Traumati-

sierung vorgelegt worden.  

Es gebe ferner keinen Grund, am Inhalt der Botschaftsabklärung zu zwei-

feln. Es sei dieser kein Hinweis auf sprachliche Probleme oder sonstige 

Verständigungsschwierigkeiten zu entnehmen. Die Bestreitung des Inhalts 

müsse als Schutzbehauptung eingestuft werden. An dieser Einschätzung 

könne auch das mit der Beschwerdeschrift eingereichte Dokument des Va-

ters, das amtlich beglaubigt worden sei, nichts ändern. Es handle sich um 

ein Schreiben in Kopie; auch ein Original wäre zudem nicht fälschungssi-

cher. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern ein solches Schreiben belegen 

könne, dass es beim Telefongespräch Verständigungsprobleme gegeben 

habe beziehungsweise dass die Aussagen des Vaters falsch wiedergege-

ben worden seien. Das Schreiben werde in der Beschwerdeverbesserung 

auch nicht mehr erwähnt. Auf eine Übersetzung des Schreibens könne 

deshalb verzichtet werden.  

3.4 In seiner Replik konkretisiert der Beschwerdeführer, es liege auf der 

Hand, dass die Ausreise aus seinem Heimatland, ohne seine Eltern, in dem 

noch sehr jungen Alter, ihn psychisch belaste und traumatisiere. Es könne 

daraus, dass er in der BzP seinen Gesundheitszustand als gut bezeichnet 

habe, nicht geschlossen werden, das Erlebte habe ihn nicht psychisch mit-

genommen. Er habe damit gemeint, dass er im Zeitpunkt seiner Ankunft 

keine grösseren körperlichen Beschwerden gehabt habe.  

Der Übersetzung des mit Beschwerdeschrift eingereichten Dokuments sei 

zu entnehmen, dass sein Vater die Verständigungsprobleme im Rahmen 

der Botschaftsabklärung bestätige und bekräftige, sein Sohn werde ver-

folgt. Das Original des Dokuments habe er bislang noch nicht erhalten, da 

E-1635/2020 

Seite 9 

die Versendung aufgrund seiner Verfolgung mit grossen Gefahren verbun-

den sei.  

4.  

4.1 Der Einwand auf Beschwerdeebene, das SEM habe bei der Würdigung 

der Vorbringen das junge Alter und die psychische Verfassung des Be-

schwerdeführers nicht berücksichtigt, erscheint nicht vollständig unbegrün-

det. In den Erwägungen der angefochtenen Verfügung wird nur kurz auf 

sein jugendliches Alter verwiesen (vgl. S. 3 der angefochtenen Verfügung). 

Zudem wurden in den Befragungsprotokollen keine Gefühlsregungen des 

Beschwerdeführers protokolliert. Jedoch vermag er damit nichts zu seinen 

Gunsten zu bewirken, zumal aus den Befragungsprotokollen nicht hervor-

geht, dass ihm daraus Nachteile entstanden wären. Den Akten sind keine 

Hinweise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Fragen 

anlässlich der BzP und Anhörung nicht verstanden hätte beziehungsweise 

sich – trotz einer möglichen psychischen Belastung wegen des Erlebten – 

nicht hätte verständlich ausdrücken können, insbesondere sind diesbezüg-

lich keinerlei Anmerkungen im Rahmen der Rückübersetzung festgehalten, 

auch nicht seitens der ihn begleitenden Vertrauensperson.  

4.2 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe in formeller 

Hinsicht eine Verletzung der Untersuchungspflicht, weil sein Vater die ihm 

im Rahmen der Botschaftsabklärung gestellten Fragen nicht verstanden 

habe und dadurch nicht richtig habe beantworten können. Dieser Antrag 

wird vorab behandelt, da eine Verletzung der Untersuchungspflicht zur Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz zur Neubeurteilung führen könnte.  

4.3 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsdarstellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

4.4 Die Rüge der mangelhaften Darstellung des Sachverhalts vermag nicht 

zu überzeugen. Der Botschaftsantwort sind keine Hinweise dafür zu ent-

nehmen, dass der Vater des Beschwerdeführers nicht in der Lage gewesen 

E-1635/2020 

Seite 10 

wäre, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Sein Vater zeigte sich an-

lässlich des Telefonats mit der Schweizerischen Botschaft in Pakistan ent-

täuscht, dass der Beschwerdeführer zurückgeschickt werde, und führte 

weiter aus, er habe für dessen Reise in die Schweiz 1.5 Millionen Rupien 

bezahlt und dafür das Haus verkaufen müssen. Vor dem Hintergrund die-

ser weiterführenden Aussagen des Vaters kann davon ausgegangen wer-

den, dass er dem Gespräch folgen und wahrheitsgetreu Auskunft geben 

konnte. Soweit der Beschwerdeführer seine Sicherheit bei einer Rückkehr 

betreffend zu einem anderen Schluss gelangt, liegt darin keine Verletzung 

der Abklärungspflicht. Vielmehr betrifft dies eine Frage der rechtlichen Wür-

digung des Sachverhaltes, auf welche im Rahmen der materiellen Prüfung 

näher einzugehen ist.  

4.5 Die formelle Rüge erweist sich damit als unbegründet. Der rechtser-

hebliche Sachverhalt wurde von der Vorinstanz vollständig erstellt und in 

der angefochtenen Verfügung korrekt und ausreichend wiedergegeben. 

Das Begehren, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sa-

che zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung, insbesondere zur erneuten 

Botschaftsabklärung, an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Begründete Furcht vor 

Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine 

Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht bezie-

hungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-

scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss entfernte 

E-1635/2020 

Seite 11 

Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien 

vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Ge-

setz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahrschein-

lich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvoll-

ziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 m.w.H.). 

6.  

6.1 Unabhängig davon, ob die Vorfluchtvorbringen des Beschwerdeführers 

glaubhaft sind, ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ein-

reise in die Schweiz seitens der heimatlichen Behörden keinen ernsthaften 

Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war und mithin keine Vor-

fluchtgründe vorliegen. 

6.2 Geht die Verfolgung von nicht-staatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, 

ob die Beschwerdeführenden staatlichen Schutz beanspruchen können 

(vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Dabei kann 

nicht eine faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen indivi-

duellen Schutz des von nichtstaatlicher Verfolgung Bedrohten verlangt 

werden, da es keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit aller seiner 

Bürger jederzeit und überall zu garantieren (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 

E. 10.3.1 f.). Hingegen muss der Staat eine funktionierende und effiziente 

Schutzinfrastruktur zur Verfügung stellen. Zudem muss die Inanspruch-

nahme des Schutzsystems der betroffenen Person objektiv zugänglich und 

individuell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung 

unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist 

(vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3 f. m.w.H. und Urteil des BVGer E-4446/2018 

vom 23. Januar 2018 E. 6.2.1). Die Flüchtlingseigenschaft setzt sodann 

auch bei einer Verfolgung durch Dritte voraus, dass der geltend gemachten 

Verfolgung oder der staatlichen Schutzverweigerung ein flüchtlingsrecht-

lich relevantes Motiv gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Natio-

nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politische An-

schauungen) zugrunde liegt.  

6.3 Es ist nicht zu verneinen, dass in Pakistan ein insgesamt hohes Mass 

an religiös motivierter Gewalt herrscht. Die Angriffe, welche meist von sun-

nitischen Extremisten ausgehen, bleiben weitgehend straflos, und es be-

steht kein oder nur gänzlich ungenügender staatlicher Schutz gegen die 

sunnitischen Gewaltübergriffe (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2), wobei sich die 

Effizienz der Sicherheitsbehörden von Distrikt zu Distrikt unterscheiden 

und von einigermassen guter Effizienz bis zur gänzlichen Unwirksamkeit 

E-1635/2020 

Seite 12 

reiche (U.S. Department of State: Country Report on Human Rights Prac-

tices for 2013 – Pakistan, 27. Februar 2014). In weiteren Urteilen des Bun-

desverwaltungsgerichts wird festgestellt, dass der Staat Pakistan im Rah-

men der lokalen Gegebenheiten fähig und willens ist, Schutz vor Verfol-

gung Dritter zu bieten und die effektiv bestehende Schutzinfrastruktur zur 

Verfügung zu stellen (vgl. hierzu etwa die Urteile des BVGer E-2517/2018 

vom 11. Mai 2018 E. 6; E-1266/2016 vom 25. April 2017 E. 5.3).  

6.4 Des Weiteren ist nicht auszuschliessen, dass der Vater des Beschwer-

deführers aufgrund seiner Tätigkeit als Imam in B._______ allenfalls auf 

Widerstand seitens Dritter gestossen ist. Indes lässt sich das konkrete Mo-

tiv hinter dem geltend gemachten Vorfall, als sein Bruder durch Schüsse 

getötet worden sei, nicht eruieren. So ist den Aussagen des Beschwerde-

führers insbesondere nicht zu entnehmen, wieso und von wem auf ihn und 

seine Familie geschossen wurde (vgl. A6 S. 8 und A19 F67). Auch die Dro-

hungen gegen ihn und seine Familie seit seiner Ausreise schildert er nur 

wenig konkret (A19 F48 f. und F108 ff.). Er vermag somit seine subjektiven 

Befürchtungen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von Drittpersonen 

gezielt verfolgt zu werden, nicht substanziell zu konkretisieren. Es ist nicht 

nachvollziehbar, weshalb die Feinde seines Vaters nach dem Beschwer-

deführer und nicht nach seinen jüngeren Geschwistern vor Ort oder seinem 

älteren Bruder in Dubai verlangen würden (vgl. A6 S. 8 und A19 F49, F100 

und F111). Bei einem reellen Interesse der Feinde an seinem Vater wäre 

zu erwarten, dass auch dieser – trotz seines fortgeschrittenen Alters – be-

droht würde (vgl. A19 F77). Zwar gibt die Botschaftsantwort lediglich eine 

Zusammenfassung des Telefonats mit seinem Vater wieder. Wäre eine 

Rückkehr für den Beschwerdeführer aber derart gefährlich, wäre zu erwar-

ten gewesen, dass sein Vater nicht so einfach eingewilligt hätte, ihn abzu-

holen, sondern allfällige Risiken einer Rückkehr bereits anlässlich des Te-

lefonats mindestens erwähnt hätte. Auch dürfte er sich nicht auf Aussagen 

zu den Auslagen, die ihm die Ausreise des Sohnes beschert habe, be-

schränkt haben, wenn konkrete Gefahren vorgelegen hätten. Ginge die Be-

drohung, wie vom Beschwerdeführer geschildert, von schiitischen respek-

tive christlichen Personen aus (vgl. A19 F54 f., F61 und F66), wäre es der 

Familie zudem zuzumuten, sich an den mehrheitlich sunnitischen pakista-

nischen Staat zu wenden. Der Beschwerdeführer kann nicht überzeugend 

darlegen, dass er wegen fehlender Schutzfähigkeit der pakistanischen Be-

hörden einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr durch Dritte ausgesetzt ge-

wesen und aus diesem Grund eine Gefährdung seiner Person im Falle ei-

ner Rückkehr nach Pakistan anzunehmen wäre (vgl. A19 F80 ff.). Die der 

Familie des Beschwerdeführers durch eine lokal mächtige Familie (vgl. A19 

E-1635/2020 

Seite 13 

F64 f.) zugefügten Nachteile beschränken sich zudem auf seine Heimatre-

gion und weisen somit nur einen lokalen Charakter auf. Folglich wäre es 

dem Beschwerdeführer möglich, sich an einem anderen Ort auf dem 

Staatsgebiet Pakistans niederzulassen, zumal er nicht vorbringt, dass es, 

auch wenn seine Familie versteckt lebe, seit seiner Ausreise zu weiteren 

Vorfällen mit der gegnerischen Familie gekommen wäre (vgl. A19 F108 ff.). 

Dies schliesst einen notwendigen Schutz seitens eines Drittstaates aus. Es 

sind seinen Aussagen insgesamt keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass 

es aus objektiver Sicht erforderlich gewesen wäre, im Jahr 2018 aus asyl-

relevanten Gründen auszureisen. Seine Befürchtungen vermögen dem-

nach auch aus objektiver Sicht keine begründete Furcht vor zukünftiger 

asylrelevanter Verfolgung zu begründen. An dieser Einschätzung ändert 

auch der mit Beschwerde eingereichte Brief seines Vaters nichts, zumal 

diesem kein asylrechtliches Motiv zu entnehmen ist.  

6.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht 

gelungen ist, darzulegen, asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen 

zu sein oder solche künftig befürchten zu müssen. Das SEM hat sein Asyl-

gesuch im Ergebnis zu Recht abgewiesen.  

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

E-1635/2020 

Seite 14 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan 

E-1635/2020 

Seite 15 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.  

Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bildet 

im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Gesichts-

punkt von gewichtiger Bedeutung. Das Kindeswohl gemäss Art. 3 Abs. 1 

des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kin-

des (KRK, SR 0.107) und die aus der KRK fliessenden Rechte sind als 

gewichtiger Aspekt zu berücksichtigen. Namentlich können dabei folgende 

Kriterien im Rahmen einer Gesamtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter 

des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) sei-

ner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere 

Unterstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 

Entwicklung beziehungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten In-

tegration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2014/20 

E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.). Ferner hat die zuständige Behörde ge-

mäss Art. 69 Abs. 4 AIG vor einer Ausschaffung von unbegleiteten minder-

jährigen Personen sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Fa-

milienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung überge-

ben werden, welche den Schutz des Kindes gewährleisten (vgl. BVGE 

2015/30 E. 7.3 m.w.H.). Die Rückreisemodalitäten (Begleitung der UMA, 

Ort und Zeit der Übergabe nach der Ankunft im Heimatland etc.) können 

allerdings erst im unmittelbaren Vorfeld der Rückkehr geregelt werden (vgl. 

EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.bb S. 100). 

Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

8.4.1 In Pakistan herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situa-

tion allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumut-

bar wäre.  

8.4.2 Es sind – mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-

instanz – keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen einen Wegwei-

sungsvollzug sprechen. Weder in der BzP noch in der Anhörung erwähnte 

E-1635/2020 

Seite 16 

der Beschwerdeführer, dass seine Familie finanzielle Schwierigkeiten 

habe, zumal er bei beiden Befragungen angab, sie würde von seinem in 

Dubai lebenden Bruder finanziell unterstützt (vgl. A6 S. 5 und A19 F33 f.). 

Wäre die Lage für ihn bei einer Rückkehr nach Pakistan tatsächlich äus-

serst prekär, wäre zu erwarten gewesen, dass sein Vater anlässlich des 

Telefonats mit der Schweizerischen Botschaft die finanziellen Schwierig-

keiten erwähnt hätte. Indes ist auch der nachträglich eingereichten schrift-

lichen Stellungnahme seines Vaters nicht zu entnehmen, dass die Familie 

sich in einer finanziellen Notlage befinde. Überdies ist der Botschaftsaus-

kunft nicht zu entnehmen, dass der Vater schwierig zu erreichen gewesen 

wäre oder angab, im Versteckten zu leben, weshalb Zweifel an dieser Be-

hauptung anzubringen sind. Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte, ver-

fügt der Beschwerdeführer mit seinen übrigen Familienmitgliedern sowie 

weiteren Verwandten in seiner Heimat über eine gesicherte Wohnsituation 

und ein umfassendes soziales Beziehungsnetz, welches ihn bei seiner 

Rückkehr unterstützen kann. Aufgrund seines jungen Alters ist davon aus-

zugehen, dass er den Schulbesuch in Pakistan fortsetzen kann. 

8.4.3  Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem die In-

E-1635/2020 

Seite 17 

struktionsrichterin sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 

22. April 2020 gutgeheissen hat und den Akten keine Hinweise auf eine 

Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, sind 

keine Verfahrenskosten zu erheben. 

Mit derselben Zwischenverfügung wurde ausserdem das Gesuch um amt-

liche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und dem Be-

schwerdeführer seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeiständin bestellt. 

Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwendigen Aufwen-

dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit Eingabe vom 13. Mai 

2020 wurde eine Kostennote ins Recht gelegt. Darin wird ein als angemes-

sen zu erachtender Aufwand von 9 Stunden und Auslagen von 16.60 gel-

tend gemacht. Mit Instruktionsverfügung vom 22. April 2020 wurde bereits 

festgestellt, dass gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der Stun-

denansatz für das Honorar von amtlich bestellten Rechtsbeiständen, die 

Rechtsanwälte sind, in der Regel Fr. 200.– bis 220.– beträgt. Das amtliche 

Honorar für die Rechtsvertreterin ist somit auf insgesamt aufgerundet  

Fr. 2’150.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1635/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho-

norar von Fr. 2’150.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Janine Sert 

 

 

Versand: