# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0af438f0-e2a5-53b5-af5a-4294cf47d461
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-11-06
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 06.11.2018 S 2017 69
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2017-69_2018-11-06.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 17 69

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Meisser
RichterIn von Salis, Racioppi

Aktuar Paganini

URTEIL

vom 6. November 2018

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Vedat Erduran,

Beschwerdeführer

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG (IV-Rente)

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1. A._____ ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Von Beruf ist er Auto-

mechaniker. Er hält sich seit 2004 in der Schweiz auf und war bei einer 

Tunnelbaufirma als Bauarbeiter angestellt. Am 15. März 2011 erlitt er einen 

Arbeitsunfall in Form eines Sturzes von einem Gerüst auf dem Bau. Das 

Spitalzentrum B._____ diagnostizierte im Austrittsbericht vom 16. März 

2011 eine Commotio cerebri und einen Verdacht auf traumatische Band-

scheibenprotrusion L4/5 DD: LWS-Kontusion. Die Schweizerische Unfall-

versicherungsanstalt (Suva) erbrachte hierfür die gesetzlichen Leistungen. 

Vom 21. Juni bis zum 3. August 2011 und vom 2. November 2011 bis zum 

8. Februar 2012 hielt er sich in der Rehaklinik C._____ auf. Mit Verfügung 

vom 3. Dezember 2012 stellte die Suva ihre Leistungen per 31. Dezember 

2012 ein. 

2. A._____ hatte sich bereits am 12. Juli 2011 bei der Invalidenversicherung 

zum Leistungsbezug angemeldet. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden 

(nachfolgend: IV-Stelle) liess vom 18. März bis 12. April 2013 eine Ab-

klärung bei der beruflichen Abklärungsstelle (BEFAS) Appisberg in Männe-

dorf vornehmen. Auf deren Empfehlung gewährte die IV-Stelle Kostengut-

sprachen für Arbeitstrainings bei der D._____ vom 22. April 2013 bis zum 

31. Januar 2014 und vom 1. Februar bis zum 31. Juli 2014. Mit Verfügung 

vom 24. September 2014 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnah-

men mangels Erfolgsaussicht ab. Am 27. und 29. April 2015 erfolgte eine 

polydisziplinäre medizinische Begutachtung (Internistik, Psychiatrie, Neu-

rologie und Orthopädie) durch das Aerztliche Begutachtungsinstitut (ABI) 

in Basel. Im Gutachten vom 28. Mai 2015 attestierte das ABI A._____ auf-

grund des chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndroms eine 70%ige 

Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten adaptierten Tätigkeiten und verneinte 

eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. 

3. Nach Vorbescheid vom 2. November 2015 und dagegen erhobenem Ein-

wand vom 27. November 2015 bzw. 16. März 2016 unter Einreichung eines 

Berichtes des behandelnden Psychiaters, Dr. med. E._____, vom 12. April 

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2016, gewährte die IV-Stelle A._____ mit Verfügung vom 27. März 2017 

gestützt auf das ABI-Gutachten ab dem 1. März 2012 bis zum 31. März 

2013 (Unterbruch infolge erfolgter beruflicher Massnahmen mit Taggeld-

leistungen) und ab dem 1. August 2014 eine Viertelsrente auf Grund eines 

IV-Grades von 41 %. 

4. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 12. Mai 

2017 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit 
den Anträgen auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung, Zusprechung 

einer ganzen Invalidenrente ab 1. März 2012 und Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege und Rechtsvertretung. Der Beschwerdeführer 

rügte vor allem das psychiatrische ABI-Teilgutachten von Dr. med. F._____ 

vom 28. Mai 2015, das auf Grund der Ausführungen des ihn langjährig be-

handelnden Psychiaters Dr. med. E._____ im Bericht vom 12. April 2016 

als mangelhaft, widersprüchlich und nicht schlüssig zu betrachten sei. Er 

beantrage deshalb die Einholung eines Gerichtsgutachtens bei einem re-

nommierten Psychiater. Dabei seien auch die sich aus den übrigen medi-

zinischen Berichten ergebenden, psychiatrischen Diagnosen und Schluss-

folgerungen zu berücksichtigen. Seit dem Unfall vom 15. März 2011 sei er 

schwer traumatisiert und depressiv, lebe völlig zurückgezogen und seine 

Frau leide an einer schweren multiplen Sklerose. Auch trage das Vorgehen 

der Vorinstanz nicht der neuen Praxis nach BGE 141 V 281 Rechnung.

5. In ihrer Vernehmlassung vom 19. Mai 2017 beantragte die IV-Stelle (nach-

folgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie legte 

insbesondere dar, wie Dr. med. F._____ im ABI-Gutachten vom 28. Mai 

2015 die in den früheren Arztberichten gestellten Diagnosen richtig wieder-

gegeben habe. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lasse 

sich ferner ein ausgeprägter sozialer Rückzug gestützt auf die von Dr. med. 

F._____ erhobene Anamnese nicht feststellen. Somit sei ohne Vornahme 

weiterer Abklärungen davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer trotz 

seiner gesundheitlichen Beschwerden in einer behinderungsgeeigneten 

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(d.h. körperlich leichten, wechselbelastenden) Tätigkeit im hier relevanten 

Zeitraum ab 1. März 2012 zu 70 % arbeitsfähig sei (ganztags verwertbar). 

6. In der weiteren Stellungnahme vom 30. Juni 2017 bestritt der Beschwerde-
führer die Vorbringen der Beschwerdegegnerin unter Verweis auf seine 

Ausführungen in der Beschwerdeschrift. Das Gesuch um Gewährung der 

URP wurde zurückgezogen, da er zwischenzeitlich von der IV-Stelle und 

von der Pensionskasse SBV IV-Rentennachzahlungen von insgesamt ca. 

Fr. 32'000.-- erhalten habe. 

7. Aufgrund der Diskrepanz zwischen dem psychiatrischen ABI-Teilgutach-

ten vom 28. Mai 2015 und den übrigen, medizinischen Akten beauftragte 

das Gericht, nachdem es den Parteien mit prozessleitender Verfügung vom 

27. März 2018 das rechtliche Gehör gewährt hatte, am 15. Mai 2018 Dr. 

med. G._____, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH mit der 

Durchführung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens. Dieses lag dem 

Gericht am 6. September 2018 vor. Darin attestierte Dr. med. G._____ dem 

Beschwerdeführer bei diagnostizierter posttraumatischer Belastungs-

störung und chronischer Schmerzstörung mit somatischen und psychi-

schen Faktoren seit mindestens August 2011 eine 30%ige bis maximal 

40%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit.

8. Am 26. September 2018 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht mit, auf 

eine Stellungnahme zum Gerichtsgutachten von Dr. med. G._____ vom 6. 

September 2018 zu verzichten. Gleichentags nahm die Beschwerdegeg-

nerin zum Gerichtsgutachten Stellung. Sie wies darauf hin, dass das Ge-

richtsgutachten vom 6. September 2018 und das ABI-Gutachten vom 28. 

Mai 2015 die gleiche Beweiskraft hätten. Insofern halte sie gestützt auf das 

ABI-Gutachten daran fest, dass der Beschwerdeführer in adaptierter Tätig-

keit zu 70 % arbeitsfähig sei.

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 27. März 2017. Eine solche Anordnung, die 

laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der 

verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des Kan-

tons Graubünden als örtlich und sachlich zuständigem Versicherungsge-

richt angefochten werden (vgl. Art.  49 Abs.  2 lit. a des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie 

Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-

rungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und materieller Verfügungs-

adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfügung über-

dies unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Beschwerdeerhebung legiti-

miert (Art. 1 Abs. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde 

wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. 

Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b ATSG). 

Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

2. Der Anspruch auf eine Invalidenrente setzt bei erwerbstätigen Versicherten 

Arbeitsunfähigkeit (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 6 ATSG) und Invalidität (Art. 

8 ATSG) voraus (Art. 28 Abs. 1 IVG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 

6 ATSG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-

ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), wel-

che die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann 

(Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und 

nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder 

teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen-

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den ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die Beurteilung des Vorliegens einer 

Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich Folgen der gesundheitlichen Be-

einträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur 

vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 ATSG). Der 

Invaliditätsgrad hinsichtlich eines Rentenanspruches ist bei erwerbstätigen 

Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen 

(Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Ein rentenbegründender Invali-

ditätsgrad liegt vor, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit 

nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, er-

halten oder verbessern kann, während mindestens eines Jahres ohne we-

sentlichen Unterbruch durchschnittlich zu mindestens 40 % im bisherigen 

Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28 Abs. 1 IVG). Sind 

diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person nach Ab-

lauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Anspruchs, frühestens 

im Monat der Vollendung des 18. Altersjahrs (Art. 29 Abs. 1 IVG), bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem Invali-

ditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem Invaliditäts-

grad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditäts-

grad von 70 % eine ganze Rente zu (Art. 28 Abs. 2 IVG).

3.1. Mit der angefochtenen Verfügung sprach die Beschwerdegegnerin dem 

Beschwerdeführer aufgrund eines Invaliditätsgrads von 41 % eine Viertels-

rente zu. Sie stützte sich auf das nach dem Zufallsprinzip beim ABI Basel 

eingeholte, polydisziplinäre Gutachten vom 28. Mai 2015, das dem Be-

schwerdeführer infolge eines chronischen lumbovertebralen Schmerz-syn-

droms in der angestammten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit und in 

körperlich leichten, adaptierten Tätigkeiten eine 70%ige Arbeitsfähigkeit at-

testiere, wobei das Pensum ganztags mit erhöhtem Pausenbedarf und 

leicht reduziertem Rendement umgesetzt werden könne (vgl. Akten der Be-

schwerdegegnerin [Bg-act.] 134/31). 

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3.2. Der Beschwerdeführer bestreitet in der Beschwerde lediglich das psy-chia-

trische Teilgutachten des ABI. Er beantragt deshalb die Einholung eines 

Gerichtsgutachtens. Die vom ABI bestätigte Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit im Umfang von 30 % aus somatischer Sicht ist dagegen unbestrit-

ten. 

Aufgrund aktenkundiger, vom psychiatrischen ABI-Teilgutachten divergie-

render, ärztlicher Auffassungen, sah sich das Gericht, trotz Vorliegens ei-

nes externen, unabhängigen Gutachtens des ABI, veranlasst, ein psychia-

trisches Gerichtsgutachten anzuordnen. Damit wurde im Einverständnis 

mit den Parteien Dr. med. G._____ beauftragt. Abweichend zum ABI-Teil-

gutachten kommt Dr. med. G._____ in seinem Gerichtsgutachten vom 6. 

September 2018 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer infolge einer 

posttraumatischen Belastungsstörung und chronischer Schmerzstörung 

mit somatischen und psychischen Faktoren seit mindestens August 2011 

nur zu 30 % bis maximal 40 % leidensangepasst arbeitsfähig sei. Die Be-

schwerdegegnerin stellt sich nun auf den Standpunkt, dass dem Gerichts-

gutachten von Dr. med. G._____ und dem ABI-Teilgutachten von Dr. med. 

F._____ gleiche Beweiskraft zukomme. Da das Sozialversicherungsrecht 

keinen Grundsatz kenne, wonach im Zweifel zu Gunsten des Versicherten 

zu entscheiden sei, halte die Beschwerdegegnerin an der Schlussfolgerung 

im ABI-Teilgutachten fest, wonach der Beschwerdeführer zu 70 % arbeits-

fähig sei. Nachfolgend ist somit zu prüfen, auf welche psychiatrischen 

Schlussfolgerungen abzustellen ist. 

4. Sämtliche Beweismittel, somit auch medizinische Berichte und Sachver-

ständigengutachten, unterliegen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c 

ATSG). Das Gericht hat alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie 

stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügba-

ren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsan-

spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden 

medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte 

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Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die 

eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 

E.3a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, 

ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-

tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den 

Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels 

noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stel-

lungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a m.H.). Den-

noch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswür-

digung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizini-

scher Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu-

stellen (BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a m.H.). So 

weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwin-

gende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, des-

sen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfü-

gung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas-

sen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise 

widersprüchlich ist oder, wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten 

in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abwei-

chende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche 

Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug 

erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, 

sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt 

hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutach-

tens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E.3b/aa). 

Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von 

externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Un-

tersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 

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der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei 

der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon-

krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 

V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). 

5. Der Beschwerdegegnerin ist darin zuzustimmen, dass sowohl dem ABI-

Gutachten vom 28. Mai 2015 als auch dem psychiatrischen Gerichtsgut-

achten vom 6. September 2018 als externe, unabhängige Gutachten, bei 

Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen, grundsätzlich gleiche Be-

weiskraft zukommt. Beide genannten Gutachten beruhen auf einer persön-

lichen Untersuchung des Beschwerdeführers und berücksichtigen sämtli-

che Vorakten. Zu klären ist, inwieweit das ABI-Gutachten und das Gerichts-

gutachten auch in der Begründung und in den Schlussfolgerungen nach-

vollziehbar und schlüssig sind.

6.1. Laut dem ABI-Gutachter, Dr. med. F._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, ist der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht 

nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. In seinem psychiatrischen 

ABI-Teilgutachten (Bg-act. 134 S.14 ff.) diagnostizierte er, ohne Einfluss 

auf die Arbeitsfähigkeit, eine chronische Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Zur Begründung führte er ins-

besondere aus, das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjek-

tive Krankheitsüberzeugung, praktisch nicht mehr arbeiten zu können, 

könnten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert wer-

den, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. 

Der Beschwerdeführer habe Mühe zu akzeptieren, dass er nicht mehr auf 

dem Bau arbeiten könne, und könne sich kaum vorstellen, einer anderen 

beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Auf diesem Hintergrund dieser psycho-

sozialen Belastungen könne die psychische Überlagerung der geklagten 

Beschwerden gesehen werden. Es handle sich um eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Eine weitere 

psychiatrische Diagnose könne nicht gestellt werden. Insbesondere fänden 

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sich keine Hinweise für eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine 

Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung. Der Beschwerdeführer sei 

zwar als Kind zum Kriegsdienst einbezogen worden, habe aber anschlies-

send während Jahren ohne Schwierigkeiten leben, arbeiten und das Leben 

geniessen können. Erst in den ersten Wochen und Monaten nach dem 

Sturz im 2011, wo er auch mit Psychopharmaka behandelt worden sei, 

habe er sich vermehrt an die Kriegserlebnisse erinnert; diese seien aber in 

der Zwischenzeit wieder praktisch vollständig in den Hintergrund getreten. 

Der Beschwerdeführer habe auch keinen schweren Unfall erlitten, könne 

sich nur noch daran erinnern, wie er vom Gerüst geflogen sei, habe an den 

Aufprall und die nachfolgenden Minuten keine Erinnerung. Er habe dabei 

auch keine schweren Verletzungen erlitten. Jetzt erinnere er sich kaum 

mehr an den Unfall, würde auch sofort wieder auf den Bau zurückkehren, 

wenn ihm dies aus somatischen Gründen möglich wäre. Weder die Vor-

aussetzungen noch die Symptome einer posttraumatischen Belastungs-

störung oder einer andauernden Persönlichkeitsänderung seien somit vor-

handen (vgl. Bg-act. 134 S. 18). Hinsichtlich der Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit hielt Dr. med. F._____ fest, es bestehe keine ausgeprägte, psych-

iatrische Komorbidität, keine schwere, chronische körperliche Begleiter-

krankung und kein ausgeprägter sozialer Rückzug. Alle therapeutischen 

Bemühungen seien aufgrund der ausgeprägten, subjektiven Krankheits-

überzeugung an der wenigen Motivation, sich um die Genesung zu 

bemühen und den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen, ge-

scheitert. Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten. Ein primärer Krank-

heitsgewinn sei nicht vorhanden. Die geklagten Schmerzen seien weder 

durch eine somatische noch eine psychiatrische Störung hinreichend er-

klärbar; dass sich der Beschwerdeführer subjektiv überhaupt nicht mehr 

arbeitsfähig sehe, lasse sich weder aus somatischer noch aus psychiatri-

scher Sicht hinreichend objektivieren. Es sei nicht zu erwarten, dass sich 

die subjektive Krankheitsüberzeugung durch somatische oder psychiatri-

sche Therapien wesentlich beeinflussen lasse. Dem Beschwerdeführer 

könne es zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die nötige 

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Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit 

nachgehen zu können. Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er so-

gleich wieder auf dem Bau arbeiten würde, wenn er keine Schmerzen mehr 

hätte. Im Alltag sei er durch psychopathologische Symptome somit nicht 

eingeschränkt. Dass er sich Sorgen um seine Zukunft mache, deswegen 

gelegentlich Mühe beim Einschlafen habe, sei nachvollziehbar, begründe 

aber weder eine psychiatrische Störung noch eine Arbeitsunfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht (Bg-act. 134 S. 18 f.). 

Zu den früheren psychiatrischen Einschätzungen hielt Dr. med. F._____ 

fest, dass die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung und 

einer andauernden Persönlichkeitsänderung nicht bestätigt werden könn-

ten. Der Beschwerdeführer habe keinen schweren Unfall erlitten, habe an 

das Unfallereignis kaum Erinnerungen. Vom Unfall träume er ein bis zwei 

Mal pro Woche, gelegentlich auch während Wochen gar nicht, und er 

träume von einem Sturz. Tagsüber erinnere er sich nicht ans Unfallgesche-

hen. Er habe auch wiederholt berichtet, dass er sofort in den Tunnelbau 

zurückkehren würde, wenn ihm dies die Schmerzen erlauben würden. Er 

habe nach wie vor eine sehr gute Beziehung mit seiner Ehefrau und seinen 

Kindern. Er zeige keinen Rückzug von der Welt, keine chronische Leere 

und Hoffnungslosigkeit. Er mache sich einzig Sorgen wegen seiner berufli-

chen und wirtschaftlichen Zukunft. Er sei auch nicht depressiv. Er habe be-

richtet, dass er das Zusammensein mit seiner Familie sehr schätze, insbe-

sondere, dass er sich freue, mit den Kindern zusammen zu sein. Er habe 

sich von den früheren Kollegen zwar etwas zurückgezogen, habe aber bei-

spielsweise bei der Arbeit im geschützten Rahmen keinerlei Schwierigkei-

ten im Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten. Bei der psychiatrischen Un-

tersuchung hätten keinerlei psychopathologische Symptome festgestellt 

werden können. Beim Beschwerdeführer könne also einzig die Diagnose 

einer chronischen Schmerzstörung gestellt werden, eine Arbeitsunfähigkeit 

aus psychiatrischer Sicht bestehe nicht (Bg-act. 134 S. 19 f.). 

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Laut Dr. med. F._____ sei es schliesslich nicht zu erwarten, dass die aus-

geprägte subjektive Krankheitsüberzeugung, die keinen Krankheitswert 

habe, durch eine psychiatrische Behandlung wesentlich beeinflusst werden 

könne. Medizinische und berufliche Massnahmen könnten daher nicht 

empfohlen werden (Bg-act. 134 S. 20). 

6.2.1. Entgegen Dr. med. F._____s Auffassung, dass die Voraussetzungen und 

Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vorlägen, be-

jaht Dr. med. G._____ im Gerichtsgutachten vom 6. September 2018 eine 

posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit. Im Weiteren diagnostiziert er auch eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 

F45.41), welcher er – im Gegensatz zu Dr. med. F._____ – ebenfalls eine 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumisst (vgl. Gerichtsgutachten S. 33 

ff. und S. 46). Die Schlussfolgerungen im psychiatrischen ABI-Teilgutach-

ten von Dr. med. F._____, worin einzig eine chronische Schmerzstörung 

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert wurde, liessen sich 

gemäss Dr. med. G._____ angesichts der Angaben des Beschwerdefüh-

rers aber auch der verschiedenen Vorberichte nicht nachvollziehen (vgl. 

Gerichtsgutachten S. 47).  

6.2.2. Dr. med. G._____ kommt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in 

früher Kindheit zweifelsohne schwere Traumatisierungen erlebt habe. Er 

habe in der Folge versucht, dieses Kapitel zu verdrängen, indem er sich 

darum gekümmert habe, arbeiten zu können, um so für seine eigene und 

die weitere im Ausland zurückgebliebene Familie sorgen zu können. Er 

habe seine Daseinsberechtigung über seine Arbeitsleistung und damit die 

Fähigkeit, andere zu versorgen, definiert. Er sei mit den früheren Erlebnis-

sen nicht mehr konfrontiert worden bzw. er habe allfällige Erinnerungen an 

die Kindheitserlebnisse beiseiteschieben können, weil er mit seinem „Erle-

ben“ zufrieden gewesen sei. Somit habe er sein Leben erfolgreich gemeis-

tert und einen Weg gefunden, mit seiner Vergangenheit umzugehen. Auf 

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der anderen Seite habe dieses Verhalten aber auch dazu beigetragen, 

dass die Hauptquelle, aus der er sein Selbstvertrauen und seinen Selbst-

wert geschöpft habe, die Arbeit und der daraus resultierende gute Lohn 

gewesen sei. Durch den Unfall im März 2011 sei es zu einer Erschütterung 

dieses Gebildes gekommen. Zum einen habe er sich als verwundbar erle-

ben müssen, zum anderen sei ein früher Wiedereingliederungsversuch am 

Arbeitsplatz schmerzbedingt gescheitert. Als ihm schlussendlich mitgeteilt 

worden sei, dass er zwar vermutlich wieder werde arbeiten können, dies 

aber nicht in einer schweren Tätigkeit, wie sie auf dem Bau oder gar im 

Tunnelbau der Fall sei, habe dies zunächst zu einer normalpsychologisch 

nachvollziehbaren Anpassungsreaktion und im weiteren Verlauf dann zu 

einer zunehmenden Dekompensation seines fragilen psychischen Ich-Er-

lebens geführt (vgl. Gerichtsgutachten S. 34 f.). Für die Weiterentwicklung 

(der psychischen Krankheit) stellt Dr. med. G._____ sodann zwei Hypothe-

sen auf: Zum einen die eine, wonach der Unfall als lebensbedrohend wahr-

genommen worden sei und dieser dann Erinnerungen an die früheren Kind-

heitstraumata reaktiviert habe. Da der Beschwerdeführer nicht mehr in der 

Lage gewesen sei, über Arbeit oder andere ablenkende Aktivitäten diese 

Traumata zu verdrängen, hätten sie zunehmend Einfluss auf sein Erleben 

gewonnen. Hinzu seien die chronischen Schmerzen gekommen, die eben-

falls einen ausgeprägten negativen Einfluss auf das psychische Befinden 

gehabt und damit die aufkommenden Erinnerungen ebenfalls weiter ver-

stärkt hätten. Als weitere Hypothese nennt Dr. med. G._____ die Arznei-

mittelwirkung von Mirtazapin, die zu einer Reaktivierung der Erinnerungen 

an die erlebten Traumata geführt habe, da in den Träumen über einen län-

geren Zeitraum hinweg immer wieder starke Erinnerungen an die Zeit im 

Krieg wachgerufen worden seien. Da Träume vom emotionalen Erleben 

her genau gleich stark erlebt würden wie eine konkrete Situation selber, sei 

es nicht verwunderlich, dass diese Erinnerungen somit massiv wieder 

wachgerufen worden seien. Laut Dr. med. G._____ werde es sich schluss-

endlich vermutlich um eine Mischung von beiden Mechanismen gehandelt 

haben (vgl. Gerichtsgutachten S. 35). 

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6.3. Die von Dr. med. G._____ soeben dargestellte Einschätzung erscheint 

schlüssig und nachvollziehbar. Die Diagnose einer posttraumatischen Be-

lastungsstörung wurde bereits im Austrittsbericht der Rehaklinik C._____ 

vom 4. August 2011 (Bg-act. 52 S. 4) und in der psychiatrischen Beurtei-

lung der Suva vom 27. September 2011 (Bg-act. 36) festgehalten, wenn 

auch damals nur subsyndromal, also nicht in ihrer Vollform ausgeprägt. 

Nach einem erfolgten, weiteren stationären Aufenthalt wurde im Austritts-

bericht der Rehaklinik C._____ vom 15. Februar 2012 (Bg-act. 52 S. 20 f. 

bzw. Bg-act. 47) sodann eine (komplexe) posttraumatische Belastungs-

störung (in ihrer Vollform) diagnostiziert. Die Psychologin Dipl. Psych. 

H._____ und Dr. med. I._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe-

rapie FMH, berichteten im Austrittsbericht der Rehaklinik C._____ vom 15. 

Februar 2012, dass der Unfall vom 15. März 2011 in Form eines Sturzes 

als Schreckereignis zu werten sei, das die bereits vorbestehende Sympto-

matik einer chronischen Belastung, verursacht durch den Kriegseinsatz als 

Kind zur Dekompensation gebracht habe. Die Beschwerden seien unmit-

telbar nach dem Unfallereignis aufgetaucht, vorbestehende ängstlich-de-

pressive Beschwerden seien dadurch zur Exazerbation gebracht worden. 

Des Weiteren bestehe eine chronische Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Faktoren in Form von seit über 6 Monaten bestehenden 

Schmerzen in der LWS und im linken Bein, die ihren Ausgangspunkt im 

Unfallgeschehen vom 15. März 2011 genommen hätten. Für die Aufrecht-

erhaltung und den Schweregrad der Schmerzen müsse jedoch psychi-

schen Faktoren eine wichtige Rolle beigemessen werden. Insgesamt be-

einflussten sich beide Störungsbilder negativ, was eine Behandlung zu-

sätzlich erschwere (vgl. Bg-act. 52 S. 22). Diese Einschätzung wurde im 

späteren psychiatrischen Bericht der Rehaklinik C._____ vom 9. Juli 2012 

bestätigt (Bg-act. 52 S. 27). Am 9. Dezember 2014 berichtete sodann der 

behandelnde Psychiater, Dr. med. E._____, Facharzt für Psychiatrie und 

Psychotherapie FMH, über eine Chronifizierung der posttraumatischen Be-

lastungsstörung, wobei er neu von einer andauernden Persönlichkeitsän-

- 15 -

derung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) als Folge davon sprach (vgl. 

Bg-act. 117 S. 3 ff.). Letztere Diagnose konnte von Dr. med. G._____ im 

Gerichtsgutachten vom 6. September 2018 aber nicht bestätigt werden 

(vgl. Gerichtsgutachten S. 40). Schliesslich bestätigte Dr. med. E._____ in 

seinem, im Rahmen des Einwandverfahrens vom Beschwerdeführer ein-

gereichten Bericht vom 12. April 2016 (Bg-act. 148 S. 3 ff.) seine früheren 

Ausführungen und wies auf eine Verschlechterung des Gesundheitszu-

standes des Beschwerdeführers hin. 

6.4. Gestützt auf die oben wiedergegebenen Beurteilungen des Gerichtsgut-

achters Dr. med. G._____ sowie der Fachärzte ist davon auszugehen, dass 

die Folgen des Unfalls vom 15. März 2011 beim Beschwerdeführer die Er-

innerungen an seine Kindheitstraumata reaktivierten und dass diese auf-

kommenden Erinnerungen durch die chronischen Schmerzen weiter ver-

stärkt wurden. Bezüglich Dr. med. F._____s Feststellungen im ABI-Teilgut-

achten, die Kriegserlebnisse seien zwischenzeitlich wieder vollständig in 

den Hintergrund getreten (vgl. Bg-act. 134 S. 18), der Beschwerdeführer 

habe keinen schweren Unfall erlitten, er habe kaum mehr Erinnerungen 

daran und träume auch nicht davon (vgl. Bg-act. 134 S. 19), kann zunächst 

auf die Beurteilung von Dr. med. E._____ hingewiesen werden, wonach bei 

der Feststellung der posttraumatischen Belastungsstörung nicht strikt auf 

die Anzahl der Träume oder die Ausprägung der Erinnerungen an den Un-

fall Bezug zu nehmen sei (vgl. Bericht vom 12. April 2016 [Bg-act. 148 S. 

5]). Mit Dr. med. G._____ ist nämlich weiter festzuhalten, dass nicht etwa 

der Unfall vom 15. März 2011 selbst die Kriterien der Diagnose einer post-

traumatischen Belastungsstörung erfüllt. Entscheidend ist dabei vielmehr 

die Reaktivierung der Kindheitstraumata (vgl. Gerichtsgutachten S. 39).  

6.5. Dr. med. G._____ hat im Gerichtsgutachten die Kriterien für eine posttrau-

matische Belastungsstörung in nachvollziehbarer, schlüssiger und wider-

spruchsfreier Weise bejaht. Darauf ist mangels fundierter, ärztlicher Ge-

genmeinungen abzustellen. Überdies ist die Diagnose der anhaltenden 

- 16 -

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren medizinisch 

unbestritten (zur Auswirkung derselben auf die Arbeitsfähigkeit siehe nach-

stehende Erwägung 7). 

6.6. Als Zwischenfazit ist somit festzuhalten, dass die Beurteilungen des Ge-

richtsgutachters Dr. med. G._____ auch von früheren fachärztlichen Ein-

schätzungen bestätigt werden und im Gegensatz zu den Einschätzungen 

von Dr. med. F._____ im ABI-Teilgutachten vom 28. Mai 2015 insgesamt 

nachvollziehbar, schlüssig und widerspruchsfrei erscheinen. Demnach 

kommt dem Gerichtsgutachten von Dr. med. G._____ vom 6. September 

2018 voller Beweiswert zu, weshalb darauf abzustellen ist.

7. Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist aber noch nicht gesagt, 

dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt 

sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Ge-

sundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend 

ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr 

zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 

Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Fol-

gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung, wobei von der grundsätzlichen 

Validität auszugehen ist und die materielle Beweislast für Invalidität bei der 

versicherten Person (vgl. zum Ganzen BGE 142 V 106 E.4.4). 

7.1. Mit BGE 141 V 281 wurde bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit die 

Überwindbarkeitsvermutung aufgegeben und das bisherige Regel/Aus-

nahme-Modell durch einen strukturierten normativen Prüfungsraster er-

setzt. Seit BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Er-

krankungen diesem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 

zu unterziehen. Dieser Indikatorenkatalog gliedert sich wie folgt (vgl. dazu 

BGE 141 V 281 E.4.1.3 ff.):

• Kategorie "funktioneller Schweregrad"

- 17 -

o Komplex "Gesundheitsschädigung"

▪ Indikator "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde"

▪ Indikator "Behandlungs- bzw. Eingliederungserfolg oder -re-
sistenz"

▪ Indikator "Komorbiditäten"

o Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res-
sourcen)

o Komplex "Sozialer Kontext" (Abgrenzung psychosozialer und sozio-
kultureller Faktoren; Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen 
Umfeldes)

• Kategorie "Konsistenz"

o Indikator "Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen 
vergleichbaren Lebensbereichen"

o Indikator "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewie-
sener Leidensdruck"

Zu diesem Prüfraster ist zu bemerken, dass das Bundesgericht bewusst 

nicht mehr von Kriterien, sondern von Indikatoren spricht. Damit bringt es 

zum Ausdruck, dass der soeben dargestellte Katalog nicht im Sinne einer 

Checkliste "abzuhaken" ist, sondern dass im Rahmen einer ergebnisoffe-

nen Beurteilung sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen 

sind, mithin eine Gesamtschau realisiert werden soll, wobei jeder einzelne 

Indikator anhand seiner im Einzelfall vorhandenen Ausprägung zu gewich-

ten ist (vgl. BGE 141 V 281 E.4.1.1 m.w.H. sowie GÄCHTER/MEIER, 

Schmerzrechtsprechung 2.0, in: Jusletter vom 29. Juni 2015).

7.2. Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die me-

dizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung 

bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorga-

ben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend for-

mulierten Fragestellung. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen 

Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgeben-

den normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in wel-

chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen 

Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Im Rahmen der Be-

weiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in con-

- 18 -

creto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschät-

zung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer 

objektivierten Grundlage erfolgte. Es soll keine losgelöste juristische Paral-

lelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens statt-

finden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die 

funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig 

und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorga-

ben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der 

funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozial-

versicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet 

werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang 

andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur 

dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen 

Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges 

Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für 

die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis 

nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die 

(materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person 

auswirkt (BGE 144 V 50 E.4.3 m.H.).

7.3. Gemäss dem Gerichtsgutachter Dr. med. G._____ fänden sich Beeinträch-

tigungen im Bereich der Umstellfähigkeit, der Kompetenz- und Wissensan-

wendung, der Spontanaktivität, vor allem aber der Widerstands- und Durch-

haltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit und auch der Gruppenfähig-

keit. Darüber hinaus hätten sich im Verlauf der Untersuchung nach etwa 

zwei bis zweieinhalb Stunden, ein deutlicher Rückgang der Konzentrations- 

und Aufmerksamkeitsleistung und eine zunehmende motorische Unruhe 

gezeigt (vgl. Gerichtsgutachten S. 47). Deshalb sei auch eine leichte, repe-

titive Tätigkeit störungsbedingt limitiert. Hinzu komme, dass der Beschwer-

deführer Möglichkeiten haben müsste, sich zwischendurch zu bewegen, im 

Stehen und Sitzen zu arbeiten, und gegebenenfalls auch längere Pausen 

einzulegen. Sodann könne er zwei Mal zwei Stunden pro Tag mit einer da-

- 19 -

zwischen länger dauernden Pause regelmässig arbeiten, wobei je nach 

konkreter Tätigkeit 10 bis 20 Minuten Pause pro zwei Stundenblock einge-

plant werden müsste. Dem Beschwerdeführer wäre somit eine (ange-

passte) Tätigkeit im Rahmen von rund 30 % bis maximal 40 % zumutbar, 

wobei diese nicht am Stück möglich wäre, sondern eine längere Pause be-

dürfte (Gerichtsgutachten S. 49 f.). Trotz tiefem Bildungsniveau und man-

gelnder Sprachkompetenz fänden sich keine invaliditätsfremden Faktoren 

(Gerichtsgutachten S. 48). Auch fänden sich keine Anzeichen auf Aggra-

vation oder ähnliche Erscheinungen (Gerichtsgutachten S. 48). Die post-

traumatischen Erinnerungen führten zu einer Verstärkung des Schmerzer-

lebens, d.h. der Schmerz sei somatischer Ausdruck seines psychischen Er-

lebens. Dies führe dann dazu, dass er sich als wertlos erlebe, da er nicht 

mehr für seine Familie sorgen könne, was dann wieder die Erinnerungen 

an frühere Traumata auslösen könne. Seit dem Unfall im 2011 sei es trotz 

verschiedener therapeutischer Bemühungen nicht gelungen, diesen Teu-

felskreis zu durchbrechen. Es zeige sich eine ausgeprägte Hilfslosigkeit, 

dysphorische bis depressive Stimmungslagen, ein sozialer Rückzug und 

damit verbunden auch ein sozialer Kompetenzverlust. In sozialer Hinsicht 

habe sich der Beschwerdeführer im Laufe der Jahre vor allen Dingen auf 

seine Kernfamilie zurückgezogen und habe darüber hinaus fast nur noch 

Kontakt zu seinem behandelnden Psychiater. Es fänden sich keine Hin-

weise darauf, dass er bei den Eingliederungsbemühungen ein selbstlimitie-

rendes Verhalten an den Tag gelegt hätte. Hingegen werde auch beschrie-

ben, dass ihm die regelmässige Tätigkeit und Aufgaben grundsätzlich gut 

getan hätten. Nichtsdestotrotz sei es nicht zu einer Verbesserung des Ge-

samtzustandes gekommen, so dass ihm sowohl in der Abklärung in Appis-

berg, als auch in der D._____ zwar ein Arbeitswille attestiert worden sei, 

gleichzeitig aber eine Reintegration auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgrund 

seiner psychischen Instabilität weitgehend abgesprochen worden sei (vgl. 

Gerichtsgutachten S. 41, 47 und 49). Überdies wäre die durch die MS-Er-

krankung der Ehefrau hinzugekommene Belastung bezüglich eines Einglie-

derungsversuchs sicherlich stark limitierend. Die grundsätzlich vorhandene 

- 20 -

Ressource des Beschwerdeführers, viel und schwer arbeiten zu wollen, sei 

durch die chronische Schmerzsymptomatik nicht mehr aktivierbar. In einem 

kleinen Ausmass durchaus ressourcenförderlich sei dagegen die seit Som-

mer 2017 neu begonnene Tätigkeit als Schulbusfahrer (Gerichtsgutachten 

S. 48). Dr. med. G._____ sieht aufgrund der langjährigen Chronifizierung 

kein Verbesserungspotenzial durch therapeutische Massnahmen oder me-

dikamentöse Behandlungen, zumal der Beschwerdeführer diese bereits er-

folglos ausprobiert habe (vgl. Gerichtsgutachten S. 51).

7.4. Dr. med. G._____ hat nach dem Geschilderten namentlich die konkreten 

Erscheinungsformen der Gesundheitsschädigung aufgezeigt und Aggrava-

tionshinweise ausgeschlossen (Indikator Ausprägung der diagnoserele-

vanten Befunde). Er hat auch die bisher gescheiterten Behandlungen und 

Eingliederungsmassnahmen angeführt und demnach auf eine negative 

Prognose hingewiesen (Indikatoren Behandlungs- und Eingliederungsre-

sistenz). Gemäss Dr. med. G._____ bedingten und verstärkten sich die 

posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und die anhaltende 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 

F.45.41) gegenseitig, so dass beide eine Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit hätten (Indikator Komorbiditäten; vgl. dazu Gerichtsgutachten S. 40 f.). 

Seinen Beurteilungen ist zudem zu entnehmen, dass der Beschwerdefüh-

rer zurückgezogen lebt und ausserdem für die kranke Ehefrau sorgen muss 

(Indikatoren Sozialer Kontext und persönliche Ressourcen sowie Kategorie 

Konsistenz). Da Dr. med. G._____ keine nennenswerte Verbesserung des 

Gesundheitszustands durch die eingenommenen Medikamente feststellen 

konnte, kann dem Beschwerdeführer im Übrigen nicht schaden, dass er – 

wie schon von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung 

festgestellt (vgl. S. 5 derselben) – im Rahmen der ABI-Untersuchung eine 

Blutentnahme zur Prüfung der Compliance bei der Medikamentenein-

nahme verweigerte (vgl. Bg-act. 134 S. 19). 

- 21 -

Die Subsumtion der dargelegten Einschätzungen des Gerichtsgutachters 

Dr. med. G._____ unter die Indikatoren gemäss der neuen Schmerzrecht-

sprechung (BGE 141 V 281) lässt somit den Schluss zu, dass eine Über-

windung der sich auf das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers res-

sourcenberaubend auswirkenden, psychischen Belastung nicht zumutbar 

erscheint. Mangels Kompensationspotenzial resultiert somit eine erhebli-

che funktionelle Einschränkung. 

7.5. Die von Dr. med. G._____ attestierte Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätig-

keit von 35 % (Mittelwert aus der 30 bis 40%igen Arbeitsfähigkeit gemäss 

Gerichtsgutachten, vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 

I 822/04 vom 21. April 2005 E.4.4 m.H.) erweist sich nach dem Gesagten 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. 

7.6. Ob die im ABI-Gutachten vom 28. Mai 2015 festgestellte Einschränkung 

der Arbeitsfähigkeit von 30 % in adaptierter Tätigkeit infolge des chroni-

schen lumbovertebralen Schmerzsyndroms (ICD-10 M54.5) bei der Ermitt-

lung der gesamten Arbeitsfähigkeitseinschränkung hinzuzuzählen ist oder 

vielmehr bereits von der anhaltenden Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Faktoren (ICD-10 F.45.41) mit umfasst wird, kann hier 

offen bleiben, zumal bereits aufgrund der vom Gerichtsgutachter festge-

stellten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht eine 

ganze Invalidenrente resultiert (vgl. nachstehende Erwägung 8). 

8. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades von erwerbstätigen Versicher-

ten wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt 

der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 

allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit 

bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invali-

deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie 

erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes Vali-

- 22 -

deneinkommen; allgemeine Methode des Einkommensvergleichs, vgl. 

Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). 

8.1. Nachdem das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Valideneinkommen 

vorliegend nicht umstritten ist, ist das Invalideneinkommen zu ermitteln. 

Die Berechnung des IV-Grads in der angefochtenen Verfügung fusst fäl-

schlicherweise auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 

anstatt auf der im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (27. März 2017) 

bereits publizierten LSE 2014 (zur Rechtsprechung, wonach im Verfü-

gungszeitpunkt jeweils die aktuellsten veröffentlichten Tabellen zu verwen-

den sind, vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_414/2017 vom 21. Sep-

tember 2017 E.4.2). Die Berechnung der Beschwerdegegnerin ist deshalb 

zu aktualisieren. Gemäss Tabelle TA 1 der LSE 2014 belief sich der mo-

natliche Bruttolohn (Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 

Stunden) für Tätigkeiten auf dem Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten 

körperlicher oder handwerklicher Art) im privaten Sektor bei Männern im 

Jahr 2014 auf Fr. 5'312.--. Auf der Basis der üblichen durchschnittlichen 

Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden und bei der 35%igen Arbeitsfähigkeit 

des Beschwerdeführers ergibt dies in Berücksichtigung der Lohnentwick-

lung im Jahr 2015 von 1 % (analog der Indexierung des Valideneinkom-

mens [vgl. Bg-act. 156 S. 1]) ein Invalideneinkommen von Fr. 23'491.17 

(5'312 : 40 x 41.7 x 12 x 0.35 x 1.01). Der Vergleich dieses Invalidenein-

kommens mit dem unbestrittenen Valideneinkommen im Jahr 2015 von 

Fr. 80'113.-- führt somit zu einem IV-Grad von 71 % (70.67 %, zur Rundung 

vgl. BGE 130 V 121 E.3). 

8.2. Der Beschwerdeführer hat somit Anspruch auf eine ganze Invalidenrente 

ab 1. März 2012 befristet bis 31. März 2013, da danach berufliche Mass-

nahmen mit Taggeldleistungen erfolgten und während dieser Zeit kein Ren-

tenanspruch besteht (vgl. Art. 29 Abs. 2 IVG). Weiter steht dem Beschwer-

deführer ab 1. August 2014 wieder eine ganze Invalidenrente zu. Die Be-

- 23 -

schwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 27. 

März 2017 aufzuheben. 

9. Zu befinden ist noch über die Kosten- und Entschädigungsfolge.

9.1. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung 

von Art. 61 Abs. 1 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantona-

len Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 

Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs des Verfah-

rens sind die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- gestützt auf Art. 73 Abs. 1 

VRG der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu überbinden.

9.2.1. Hinsichtlich der Kosten für das psychiatrische Gerichtsgutachten ist zu be-

achten, dass gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG der Versicherungsträger die 

Kosten der Abklärung des Sachverhalts durch einen unabhängigen Sach-

verständigen übernimmt, wenn er die Massnahme angeordnet hat oder 

wenn diese für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich war. Dazu 

zählen nach Lehre und Rechtsprechung auch Gerichtsgutachten, die das 

Gericht einholen musste, weil die Abklärungen des Versicherers nicht aus-

reichend für die sachgerechte Beurteilung waren (vgl. KIESER, ATSG-Kom-

mentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 45 Rz. 16 ff.; BGE 143 V 269 E.6.2.1, 

139 V 496 [= Pra 3/2014 Nr. 32] E.4.4 und 137 V 210 E.4.4.2). Vorausset-

zung für die Auferlegung der Kosten an die Verwaltung ist, dass ein Zu-

sammenhang besteht zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der 

Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen 

(BGE 143 V 269 E.3.3). Dies trifft namentlich zu bei einem manifesten Wi-

derspruch zwischen den verschiedenen ärztlichen Beurteilungen, ohne 

dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente entkräf-

tet hat, wenn zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte 

unbeantwortet geblieben sind oder auf eine Expertise abgestellt wurde, 

- 24 -

welche den Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Gutachten nicht 

genügte (siehe Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden 

S 14 139 vom 5. Juli 2018 E.16.1 mit Hinweis auf BGE 140 V 70 E.6.1).

9.2.2. Der Beschwerdegegnerin ist gemäss ihren Ausführungen in der angefoch-

tenen Verfügung vom 27. März 2017 darin beizupflichten, dass sie nament-

lich die Arztberichte des behandelnden Psychiaters, Dr. med. E._____, in-

folge der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung kritisch zu würdigen hatte. 

Auch trifft es zu, dass versicherungsexterne Gutachter wie der ABI-Psych-

iater, Dr. med. F._____, darauf spezialisiert sind, die IV-rechtliche Arbeits-

fähigkeit objektiv zu beurteilen. Doch vorliegend verwarf Dr. med. F._____ 

ohne ersichtliche Begründung die vorgängig der ABI-Begutachtung ärztli-

cherseits mehrfach erwähnte Reaktivierung der Kindheitstraumata und 

ebenfalls wiederholt diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung. 

Mit diesem Widerspruch setzte sich der RAD nicht auseinander, sondern 

er schloss auf die Nachvollziehbarkeit der Feststellungen von Dr. med. 

F._____ (vgl. Bg-act. 154 S. 12). Auch in der angefochtenen Verfügung 

vom 27. März 2017 ging die Beschwerdegegnerin auf diese Unstimmigkeit 

nicht näher ein und begnügte sich mit der Feststellung, dass Dr. med. 

F._____ nachvollziehbar begründet habe, warum den divergierenden Ein-

schätzungen nicht beigepflichtet werden könne. Damit hat die Beschwer-

degegnerin den genannten Widerspruch nicht hinreichend entkräftet. Unter 

diesen Umständen rechtfertigt es sich somit, die Kosten des Gerichtsgut-

achtens vom 6. September 2018 von Fr. 4'990.-- einschliesslich der Dol-

metscherkosten von Fr. 263.90 der Beschwerdegegnerin zu überbinden. 

9.3. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat den anwaltlich vertretenen Be-

schwerdeführer nach Art. 61 lit. g ATSG aussergerichtlich angemessen zu 

entschädigen. Der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend 

gemachte Stundenaufwand gemäss Honorarnote vom 26. September 2018 

über insgesamt Fr. 6'780.-- (23.5 Stunden à Fr. 250.-- zzgl. Barauslagen 

und MWST) erscheint nicht angemessen, dies einerseits angesichts der 

- 25 -

Tatsache, dass der Rechtsvertreter den Beschwerdeführer bereits seit sie-

ben Jahren vertritt, die Aktenlage damit bestens kennt und er somit von 

seinem Vorwissen profitieren konnte (vgl. 9C_178/2011 E.3.4.3) sowie an-

dererseits angesichts der mittleren Komplexität der vorliegenden Angele-

genheit (Art. 61 lit. g ATSG). Das Gericht setzt die Parteientschädigung zu 

Gunsten des Beschwerdeführers deshalb ermessensweise auf pauschal 

Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und MWST) fest.

9.4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertretung ist da-

mit gegenstandslos geworden.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung der 

IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 27. März 2017 wird aufgehoben.

Es wird festgestellt, dass A._____ ab 1. März 2012 bis 31. März 2013 An-

spruch auf eine befristete ganze Invalidenrente und ab 1. August 2014 An-

spruch auf eine unbefristete ganze Invalidenrente hat.

2. Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kan-

tons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entschei-

des an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat die Kosten für das Gerichtsgut-

achten vom 6. September 2018 in der Höhe von Fr. 4'990.-- zuzüglich der 

Dolmetscherkosten von Fr. 263.90 zu übernehmen.

 4. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ aussergerichtlich mit 

Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu entschädigen. 

- 26 -

5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilungen]