# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34811229-0eb6-58ef-a7dc-511ba2a35fbe
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2001-11-05
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission für die Staatshaftung 05.11.2001 JAAC 66.51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_020_JAAC-66-51--_2001-11-05.pdf

## Full Text

JAAC 66.51

Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für
die Staatshaftung vom 5. November 2001 i.S. X [HRK

2001-002]

Art. 3 LRCF. Responsabilité de l’Etat pour des dommages subis par des
lignes à haute tension suite au déclenchement d’avalanches. Illicéité.
Lien de causalité.

- Responsabilité pour l’activité exercée par des employés civils du
Département fédéral de la défense, de la protection de la population et
des sports qui ne sont pas membres de l’armée (consid. 2).

- La notion de l’illicéité de l’art. 3 al. 1 LRCF correspond à celle
de l’art. 41 CO. La Commission fédérale de recours en matière de
responsabilité de l’Etat applique la théorie de l’illicéité objective selon
la jurisprudence du Tribunal fédéral (consid. 3a et 3b).

- Un dommage survenu suite à un acte de l’autorité n’est justifié que
lorsqu’il constitue le sens et le but, prévu par la loi, de l’acte en question
ou bien lorsqu’il est impérativement lié à la mise en oeuvre de la loi.
Si, lors de l’exercice d’une activité licite en soi, un dommage advient
de manière inattendue, qu’il n’est pas voulu par la loi et qu’il apparaît
comme un effet accessoire inutile à la réalisation des objectifs fixés par
la loi, alors ce dommage n’est pas justifié (consid. 4a et 4b).

- Aucun motif justificatif en l’espèce (consid. 5-7).

- Notion de la cause au sens juridique du terme, ainsi que notion
du lien de causalité naturelle et adéquate en matière de droit
sur la responsabilité de l’Etat. Nul n’est autorisé à provoquer
intentionnellement des avalanches sur un terrain appartenant à
autrui; il est notoire que des avalanches déclenchées de manière
artificielle peuvent avoir des conséquences imprévues qui sont difficiles
à estimer (consid. 9b et 9c).

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- Pour l’examen de l’adéquation du lien de causalité, un point de
vue objectif est déterminant. Dans ce contexte, il suffit qu’une cause
soit de manière générale, et non concrète, de nature à produire
le résultat obtenu. La faute propre de la personne intéressée ne
conduit à une rupture du lien de causalité que si elle atteint, dans les
circonstances concrètes, un tel degré d’intensité que le comportement
du fonctionnaire passe complètement à l’arrière-plan (consid. 9d).

- Renvoi de la cause à l’autorité inférieure pour la détermination
de l’ampleur du dommage et pour le calcul du dédommagement
(consid. 11a et 11b).

Art. 3 VG. Staatshaftung für Schäden an Hochspannungsleitungen
infolge Lawinenauslösung. Widerrechtlichkeit. Kausalzusammenhang.

- Haftung für die amtliche Tätigkeit von zivilen Angestellten des
Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz
und Sport, die nicht Angehörige der Armee sind (E. 2).

- Der Begriff der Widerrechtlichkeit nach Art. 3 Abs. 1 VG stimmt
mit demjenigen nach Art. 41 OR überein; die Eidgenössische
Rekurskommission für die Staatshaftung wendet die objektive
Widerrechtlichkeitstheorie gemäss der Rechtsprechung des
Bundesgerichts an (E. 3a und 3b).

- Die Schädigung durch eine Amtshandlung ist nur dann gerechtfertigt,
wenn sie der gesetzlich vorgesehene Sinn und Zweck der Handlung
ist oder wenn sie zwangsläufig mit der Durchführung des Gesetzes
verbunden ist. Erfolgt eine Schädigung als unbeabsichtigte, vom Gesetz
nicht gewollte und zur Erreichung der gesetzlich festgelegten Ziele nicht
notwendige Nebenfolge bei der Ausübung einer an sich rechtmässigen
Tätigkeit, ist sie nicht gerechtfertigt (E. 4a und 4b).

- Keine Rechtfertigung im vorliegenden Fall (E. 5-7).

- Begriffe der Ursache im Rechtssinn sowie des natürlichen und
adäquaten Kausalzusammenhangs im Staatshaftungsrecht. Niemand
ist berechtigt, über fremdes Grundeigentum hinweggehende Lawinen
vorsätzlich auszulösen; es ist eine Erfahrungstatsache, dass künstlich
ausgelöste Lawinen unberechenbare Auswirkungen haben können, die
schwierig abzuschätzen sind (E. 9b und 9c).

- Für die Prüfung der Adäquanz ist eine objektive Betrachtungsweise
massgebend. Dabei muss sich eine Ursache lediglich generell,
nicht konkret, eignen, den eingetretenen Erfolg herbeizuführen.
Selbstverschulden der ansprechenden Person führt nur dann zu einer
Unterbrechung des Kausalzusammenhangs, wenn es aufgrund der
konkreten Umstände einen so hohen Intensitätsgrad aufweist, dass das
Verhalten des Beamten ganz in den Hintergrund tritt (E. 9d).

- Rückweisung an die Vorinstanz zur Bestimmung des
Schadensausmasses und zur Schadenersatzbemessung (E. 11a und
11b).

2

Art. 3 LResp. Responsabilità dello Stato per danni a linee di alta
tensione provocati da valanghe create artificialmente. Illiceità. Nesso
causale.

- Responsabilità per l’attività esercitata da impiegati civili del
Dipartimento federale della difesa, della protezione della popolazione
e dello sport, che non appartengono all’esercito (consid. 2).

- La nozione di illiceità secondo l’art. 3 cpv. 1 LResp corrisponde a
quella dell’art. 41 CO; la Commissione federale di ricorso in materia
di responsabilità dello Stato applica la teoria dell’illiceità oggettiva
secondo la giurisprudenza del Tribunale federale (consid. 3a e 3b).

- Il danno provocato da un atto dell’autorità è giustificato solo quando
costituisce il senso e l’obiettivo, previsto dalla legge, di tale atto oppure
quando è forzatamente legato all’esecuzione della legge. Il danno
non è giustificato se, in occasione dell’esercizio di un’attività di per sé
lecita, esso si verifica in modo inatteso, se non è voluto dalla legge e se
costituisce un effetto accessorio inutile ai fini della realizzazione degli
obiettivi della legge (consid. 4a e 4b).

- Nessuna giustificazione nella fattispecie (consid. 5-7).

- Nozione della causa nel senso giuridico del termine e nozione del nesso
causale naturale e adeguato in materia di diritto sulla responsabilità
dello Stato. Nessuno ha il diritto di provocare intenzionalmente
valanghe sui fondi di proprietà altrui; l’esperienza mostra che le
valanghe provocate artificialmente possono avere effetti imprevedibili
e difficilmente valutabili (consid. 9b e 9c).

- Per l’esame dell’adeguatezza del nesso di causalità è determinante un
punto di vista oggettivo. In questo contesto è sufficiente che una causa
sia adatta in modo generale, e non concreto, a produrre il risultato
ottenuto. La colpa propria della persona interessata interrompe
il nesso di causalità unicamente se, sulla base delle circostanze
concrete, raggiunge un grado di intensità tale che il comportamento dei
funzionari passa completamente in secondo piano (consid. 9d).

- Rinvio all’autorità inferiore per la determinazione dell’entità del
danno e il calcolo del risarcimento (consid. 11a e 11b).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Das Bundesamt für Betriebe der Luftwaffe (BABLW) betreibt auf
dem Scopi eine für die Luftwaffe bedeutende Anlage; der Zugang
führt über die Passstrasse des Lukmaniers und eine Seilbahn. Die
Hochspannungsleitung der X über den Lukmanierpass verläuft am Fuss
von teils stark lawinengefährdeten Hängen. Zur Sicherung der Strasse
lösten Mitarbeiter des BABLW am 25. Februar 1999 sowie am 5. März 1999 je
eine künstliche Lawine aus, welche zwei Masten beschädigte bzw. umriss.
Diese Lawinenauslösungen waren im Kanton Graubünden Gegenstand

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einer Strafuntersuchung gegen die beteiligten Mitarbeiter des BABLW. Das
Strafverfahren wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom
11. Juli 2000 eingestellt.

B. Mit Schreiben vom 2. März 1999 bzw. 8. März 1999 reichte die X beim
Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) eine Schadensanzeige ein. Ihre
Schadenersatzansprüche präzisierte sie mit Eingabe vom 2. Juli 1999.

Das EFD erliess am 5. Februar 2001 eine Verfügung, worin es das
Schadenersatzbegehren vom 2. Juli 1999 abwies.

C. Gegen diese Verfügung des EFD erhebt die X (Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 8. März 2001 Beschwerde an die Eidgenössische
Rekurskommission für die Staatshaftung (HRK).

Mit Vernehmlassung vom 30. April 2001 beantragt das EFD die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde.

Am 10. September 2001 findet vor der HRK eine mündliche und öffentliche
Verhandlung statt.

Aus den Erwägungen:

1.a.-b. (…)

2. Rechtsgrundlage einer allfälligen Schadenersatzpflicht des Bundes ist Art. 3
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit
des Bundes (Verantwortlichkeitsgesetz, [VG], SR 170.32), wonach der Bund
für den Schaden, den ein Beamter in Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit
Dritten widerrechtlich zufügt, ohne Rücksicht auf das Verschulden des
Beamten haftet. Unbestritten ist, dass es im vorliegenden Fall um die
amtliche Tätigkeit von zivil angestellten Mitarbeitern des Eidgenössischen
Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS),
mithin des BABLW, geht. Für diese gilt die Ausnahme von Art. 1 Abs. 2
VG nicht, gemäss welcher die Angehörigen der Armee mit Bezug auf ihre
militärische Stellung und ihre dienstlichen Pflichten dem Geltungsbereich
des Verantwortlichkeitsgesetzes nicht unterstehen (vgl. Tobias Jaag, Staats-
und Beamtenhaftung, in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli, Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Basel 1996, § 6, N. 73 mit Hinweisen). Ebenso
unbestritten ist, dass der Beschwerdeführerin ein Schaden erwachsen ist.
Umstritten ist indes die Frage, ob die Schädigung widerrechtlich zugefügt
worden ist und ob - wird die erste Frage bejaht - zwischen dem Verhalten der
Beamten und dem Schaden ein Kausalzusammenhang besteht.

3.a. Der Begriff der Widerrechtlichkeit nach Art. 3 Abs. 1 VG stimmt
mit demjenigen nach Art. 41 des Bundesgesetzes vom 30. März 1911
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter
Teil: Obligationenrecht [OR], SR 220) überein (BGE 123 II 582 E. 4d/bb
mit Hinweisen). Nach der objektiven Widerrechtlichkeitstheorie ergibt
sich die Widerrechtlichkeit einer schädigenden Handlung daraus, dass
entweder ein absolutes Recht des Geschädigten beeinträchtigt wird, ohne
dass ein Rechtfertigungsgrund vorliegt (Erfolgsunrecht), oder eine reine
Vermögensschädigung durch Verstoss gegen eine Norm bewirkt wird, die nach
ihrem Zweck vor derartigen Schäden schützen soll (Handlungsunrecht; BGE
123 II 581 E. 4c mit Hinweisen; Jost Gross, Schweizerisches Staatshaftungsrecht,
2. Aufl., Bern 2001, S. 188).

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_582&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_581&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_581&resolve=1

Die HRK sieht keinen Grund, vom Begriff der Widerrechtlichkeit abzuweichen,
wie ihn das Bundesgericht in BGE 123 II 581 E. 4d umschrieben hat und von
dem auch die Vorinstanz ausgegangen ist.

b. Sämtliche von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Schadensposten
(Kosten der Notmasten, Reparatur benachbarter Masten, Kosten der
definitiven Instandstellung, entgangene Einnahmen aus dem Stromverkauf)
sind Schäden infolge der Beschädigung der Hochspannungsleitungsmasten
durch die beiden Lawinen, das heisst Sachschäden im Rechtssinne
(zum Begriff des Sachschadens: Oftinger/Stark, Schweizerisches
Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, Band I, Zürich 1995, § 6 N. 354; Heinz
Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 2. Aufl., Zürich 1998, N. 306;
Heinrich Honsell, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 3. Aufl., Zürich 2000, § 4
N. 19; BGE 118 II 179 E. 4b und dort zitierte Autoren). Nach der eingangs
genannten Rechtsprechung ist die Beschädigung der Leitungsmasten per se
widerrechtlich, weil ein absolutes Recht verletzt wurde, nämlich das Eigentum
der Beschwerdeführerin. Einer zusätzlichen Verletzung einer Schutznorm
bedarf es nicht.

4.a. Die Vorinstanz hat folgerichtig geprüft, ob allenfalls der
Rechtfertigungsgrund der rechtmässigen Ausübung öffentlicher Gewalt
vorliegt. Dabei hat sie auf BGE 123 II 586 E. 4i hingewiesen, in dem das
Bundesgericht bei der Beurteilung eines Zusammenstosses zwischen einem
Militär- und einem Zivilflugzeug diesen Rechtfertigungsgrund dahingehend
präzisiert hat, dass nicht jede Schädigung durch eine Amtshandlung
bereits dadurch gerechtfertigt sei, dass keine konkreten Dienstvorschriften
oder Amtspflichten verletzt wurden. Vielmehr sei zu unterscheiden: Die
Schädigung durch eine Amtshandlung sei nur dann gerechtfertigt, wenn
sie der gesetzlich vorgesehene Sinn und Zweck der Handlung sei (wie zum
Beispiel bei einer Verhaftung oder Freiheitsstrafe) oder wenn sie zwangsläufig
mit der Durchführung des Gesetzes verbunden sei, wenn also der Staat
schädigend handeln müsse, um die gesetzlich vorgesehenen Aufgaben erfüllen
zu können. Erfolge jedoch eine Schädigung als unbeabsichtigte, vom Gesetz
nicht gewollte und zur Erreichung der gesetzlich festgelegten Ziele nicht
notwendige Nebenfolge bei der Ausübung einer an sich rechtmässigen
Tätigkeit, so sei sie nicht gerechtfertigt. Das Bundesgericht weist weiter
darauf hin, dass sich auch das staatliche Handeln nicht im reinen Vollzug von
Vorschriften erschöpfe und dies insbesondere für die Tätigkeit der Armee gelte,
welche zur Erfüllung ihrer Aufgaben einen gewissen Handlungsspielraum
haben müsse, der nicht abschliessend durch Vorschriften geregelt sei.
Trotzdem dürfe der Staat auch in diesem relativ unbestimmt normierten
Bereich nicht in die Rechte der Bürger eingreifen. Der blosse Umstand, dass
keine spezifischen Vorschriften verletzt bzw. Ordnungswidrigkeiten begangen
worden seien, könne daher noch keinen Rechtfertigungsgrund darstellen.

b. Zweifelsohne war die Beschädigung der Hochspannungsleitung nicht
Sinn und Zweck der künstlichen Lawinenauslösung. Nach der zitierten
Rechtsprechung des Bundesgerichtes muss deshalb weiter der Frage
nachgegangen werden, ob die Beschädigung bei der Erfüllung einer gesetzlich
vorgesehenen Aufgabe erfolgte (vgl. unten, E. 5) und ob sie «zwangsläufig
mit der Durchführung des Gesetzes verbunden war» (vgl. unten, E. 6)
oder ob es sich um eine unbeabsichtigte, vom Gesetz nicht gewollte
und zur Erreichung der gesetzlich festgelegten Ziele nicht notwendige

5

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_581&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_118_II_179&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_586&resolve=1

Nebenfolge handelt. Mit dem letzteren Kriterium erfolgt eine Überprüfung der
schädigenden Amtshandlung auf deren Verhältnismässigkeit (zum Kriterium
der Verhältnismässigkeit: vgl. Gross, a.a.O., S. 165, 191 und 234; Rey, a.a.O., N.
758a und Jaag, a.a.O., § 7 N. 131).

Die Beschwerdeführerin bestreitet sowohl einen gesetzlichen Auftrag als
auch eine Amtspflicht zur täglichen Offenhaltung des Lukmanierpasses oder
gar zur künstlichen Auslösung von Lawinen; die Vorinstanz bejaht in der
angefochtenen Verfügung eine solche Pflicht.

5. Vorab gilt es abzuklären, ob und gegebenenfalls welcher gesetzlichen Pflicht
die Angestellten des BABLWmit der künstlichen Auslösung der Lawinen
nachgekommen sind.

a. Die Anlage auf dem Scopi ist eine Anlage der Luftwaffe. Nach Auskunft des
BABLW handelt es sich dabei um einen sehr bedeutenden Standort, da am
Betrieb des dortigen Radars und der Funksysteme letztlich der Einsatz der
Mittel der Luftwaffe hänge. Dass der Standort der Anlage mit Koordinaten
angegeben wird, tut der Bedeutung der Anlage keinen Abbruch. Sie dient
somit der militärischen Landesverteidigung, zu der sich die Schweizerische
Eidgenossenschaft in Art. 58 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR
101) bekennt. Diese ist aufgrund der Verfassung lediglich zur militärischen
Landesverteidigung verpflichtet, nicht jedoch ausdrücklich zum Betrieb der
Anlage auf dem Scopi. Eine solche Pflicht ergibt sich auch nicht aufgrund des
Militärgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes. Damit kann nicht gesagt
werden, dass der Betrieb der Anlage auf dem Scopi gesetzlich vorgesehen sei.

b. ImWeiteren weist die Beschwerdeführerin zutreffend darauf hin, dass
sich aus der Vereinbarung zwischen dem Kanton Graubünden und der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 30. März/17. April 1984 keine Pflicht
des VBS zur Offenhaltung der Passstrasse ergibt, sondern lediglich das Recht
dazu.

Zudem können die «Weisungen für den Winterdienst auf der
Lukmanierstrasse zwischen Fuorns und Stgegia» vom 20. Oktober 1975
(nachfolgend: Weisungen) nicht als gesetzliche Grundlage für eine
rechtfertigende Amtspflicht dienen, weil es sich nicht um Rechtssätze,
sondern um Regeln für das verwaltungsinterne Verhalten von Beamten
handelt (Imboden/Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Band I, Basel 1976, S. 53; André Moser, in: Moser/Uebersax, Prozessieren vor
eidgenössischen Rekurskommissionen, Basel und Frankfurt a.M. 1998, N. 2.67
mit Hinweisen). Als Rechtsgrundlage käme nur eine Gesetzesverordnung in
Frage, und diese müsste sich erst noch im vom Gesetz gesteckten Rahmen
bewegen. Dazu kommt, dass die Weisungen keine unbedingte Pflicht zur
Räumung der Strasse enthalten. Ziff. 1.1 - im Abschnitt Ziel und Zweck der
Weisungen - bestimmt, dass die Passstrasse zwischen Fuorns und Stgegia
sowie die Verbindungsstrasse zur Seilbahnstation, sofern die Schnee- und
Witterungsverhältnisse sowie die Lawinengefahr dies gestatten,während der
Winterperiode für den erforderlichen Werkverkehr zwischen Fuorns und
Stgegia fahrbereit zu halten sind. Die Pflicht zur Offenhaltung ist somit keine
unbedingte, sondern kann durch die Schnee- und Witterungsverhältnisse und
die Lawinengefahr eingeschränkt werden. Die Weisungen anerkennen, dass
es Umstände gibt, bei deren Vorliegen die Strasse nicht fahrbereit gehalten
werden muss. So steht insbesondere die künstliche Auslösung von Lawinen,

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mit welcher sich die Ziff. 2.3 und 3 befassen, unter diesem Vorbehalt. Die
Weisungen können somit nicht als Rechtsgrundlage für eine unbedingte
Amtspflicht, die Strasse zu räumen, beigezogen werden. Mit der gleichen
Begründung können die Weisungen auch nicht Rechtsgrundlage für eine
Amtspflicht zur künstlichen Auslösung der Lawinen selber bilden.

c. Damit fehlt es an einer gesetzlichen Grundlage sowohl für eine Amtspflicht
zum Betrieb der Anlage auf dem Scopi als auch zur Offenhaltung der Strasse
wie auch zur künstlichen Auslösung von Lawinen. Mangels einer solchen
gesetzlichen Grundlage kann nicht davon gesprochen werden, dass die
Schädigung im Sinne der zitierten Rechtsprechung bei der Erfüllung einer
gesetzlich vorgesehenen Aufgabe erfolgte.

Es bleibt anzumerken, dass die HRK, selbst wenn das Vorliegen einer
gesetzlichen Grundlage bejaht würde - Zweifel daran hegt, ob die Angestellten
des BABLW - wie in Ziff. 2.3 der Weisungen verlangt - beim Einsatz der
Minenwerfer den längs den Hängen des Medelsertales verlaufenden
Hochspannungsleitungen «spezielle Beachtung» geschenkt haben,
insbesondere bei der am 5. März 1999 ausgelösten Lawine. Es ist der
Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass sich diese Bestimmung entgegen
der Auffassung der Vorinstanz nicht auf die Schneeräumung bezieht. Jene ist
in Ziff. 4.10 geregelt und hat den Schutz der Räumungsequipen und nicht der
Leitungen zum Zweck.

6.a. Ferner kann festgehalten werden, dass die Auslösung der künstlichen
Lawine, selbst wenn man davon ausgehen würde, es habe ein gesetzlicher
Auftrag zum Betrieb der Anlage auf dem Scopi bestanden, nicht zwingend
mit der Durchführung dieses Auftrages verbunden gewesen wäre. Aus den
vom EFD und vom VBS eingereichten Unterlagen ergibt sich nämlich, dass die
Anlage für den Betrieb nicht durchgehend bemannt sein muss, sondern dass
sie grundsätzlich nur von Montag bis Freitag durch Personen bedient wird.
Die Anlage auf dem Scopi kann notfalls auch ohne dort anwesendes Personal
betrieben werden. Muss kein Personal zur Anlage fahren, entfällt auch die
Notwendigkeit der Räumung der Strasse und damit auch jene der Auslösung
künstlicher Lawinen. Gegen diese Notwendigkeit spricht auch, dass, wie aus
der Stellungnahme des VBS hervorgeht, der Einsatz der Luftwaffe während ein
paar Tagen auch ohne den Betrieb der Anlage auf dem Scopi sichergestellt ist,
wenn auch nur mit bedeutenden Einschränkungen. Es wurde weder dargetan,
dass solche Einschränkungen im damaligen Zeitpunkt nicht zumutbar waren,
noch dass überhaupt Einschränkungen erfolgten.

b. Nachdem die Anlage regelmässig über das Wochenende unbemannt
betrieben wurde, allenfalls sogar Leute dort waren und die Luftwaffe erst
noch vorübergehend auf den Betrieb der Anlage ganz verzichten konnte,
ist nicht dargetan, dass die Strasse zwingend offen gehalten und damit die
Lawinen zwingend ausgelöst werden mussten. Mit anderen Worten wären
die Weisungen, wenn sie selbst für den Fall heikler Lawinensituationen die
Lawinensprengung zur Offenhaltung der Passstrasse ohne Einschränkung
verlangt hätten, nicht verhältnismässig gewesen. Dies hätte sich unter solchen
Umständen allenfalls dann gerechtfertigt, wenn im gegebenen Zeitpunkt

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der Zugang zur Anlage zur Sicherstellung des Betriebes konkret erforderlich
gewesen wäre, und es keine andere Möglichkeit des Zugangs gegeben hätte.
Hier fehlt es an einem solchen Nachweis.

7. Damit erweist sich die Beschädigung der Hochspannungsleitung als
unbeabsichtigte, vom Gesetz nicht gewollte und zur Erreichung der gesetzlich
festgelegten Ziele nicht notwendige Nebenfolge und ist auch durch ein
allfälliges amtspflichtgemässes Handeln der Angestellten des BABLW nicht
gerechtfertigt. Die Beschädigung der Hochspannungsleitung ist daher
rechtswidrig erfolgt.

8. Nachdem die HRK die Rechtswidrigkeit der Schädigung bejaht, erübrigt
es sich, darauf einzugehen, ob die Weisungen alt und nie den gängigen
Usanzen und im Laufe der Zeit erworbenen Erkenntnissen angepasst worden
seien. Es kann auch offen bleiben, ob die Chefs des Winterdienstes oder
andere Angehörige des VBS die Beschwerdeführerin vor der künstlichen
Auslösung der Lawinen hätten benachrichtigen müssen. Ebenso wenig ist
auf die Einwände näher einzugehen, wonach die Räumung der Strasse nicht
gerechtfertigt gewesen sei, weil die Anlage auch per Helikopter hätte erreicht
werden können, dass die Schäden durch Staub- und nicht durch Fliesslawinen
verursacht worden seien und die Rechtswidrigkeit aus dem Gefahrensatz folge.
Dies gilt auch für den Einwand, ob die Masten der Hochspannungsleitung
teilweise zu wenig geschützt gewesen seien. Im Zusammenhang mit der
Frage nach Rechtswidrigkeit und Rechtfertigungsgründen spielt dies keine
Rolle. Dieser Einwand muss erst beim Kausalzusammenhang bzw. bei
der Schadenersatzbemessung geprüft werden. Diesfalls wäre allenfalls zu
untersuchen, ob der Kausalzusammenhang durch ein Selbstverschulden
der Beschwerdeführerin unterbrochen wurde, weil sie ihre Masten in
Lawinenzügen errichtet hat. Bei der Schadenersatzbemessung ginge
es schliesslich darum, ob aus demselben Grund eine Reduktion des
Schadenersatzes wegen eines allfälligen Selbstverschuldens zu erfolgen hat.

9.a. Nach der Bejahung der Rechtswidrigkeit ist weiter zu prüfen, ob zwischen
der schädigenden Handlung - dem Auslösen der künstlichen Lawinen
durch die Angestellten des BABLW - und dem eingetretenen Erfolg - der
Beschädigung von Masten und der Leitung der Beschwerdeführerin - ein
Kausalzusammenhang gegeben ist.

Die Beschwerdeführerin bejaht sowohl den natürlichen wie auch
den adäquaten Kausalzusammenhang, während die Vorinstanz in
der angefochtenen Verfügung nicht auf diese Frage eingeht. Der
Vertreter des EFD hat denn auch in der mündlichen und öffentlichen
Verhandlung mehrmals ausgeführt, es hätte für das EFD kein Anlass
bestanden, die Frage des Kausalzusammenhangs zu prüfen, nachdem ein
Schadenersatzanspruch bereits daran scheitere, dass ein die Rechtswidrigkeit
ausschliessender Rechtfertigungsgrund vorgelegen habe; die Frage nach der
Adäquanz stehe im Hintergrund. Im Schreiben vom 9. August 2000 an die
Beschwerdeführerin hatte das EFD das Vorliegen eines adäquat-kausalen
Zusammenhangs zwischen dem Verhalten der Bundesbediensteten und dem
der Beschwerdeführerin entstandenen Schaden verneint. Hingegen geht
das VBS offensichtlich in seinem Schreiben an die Beschwerdeführerin vom
29. März 1999 davon aus, dass die Schäden an den beiden Masten durch die
von den Mitarbeitern des BABLW ausgelösten Lawinen entstanden sind. In

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seiner Vernehmlassung vom 22. November 2000 bejaht es dann ausdrücklich
sowohl den natürlichen wie auch den adäquaten Kausalzusammenhang. Auch
die Schweizerische Bundesanwaltschaft geht in ihrer Ermächtigungsverfügung
davon aus, dass die künstlich ausgelösten Lawinen Ursachen des zur
Diskussion stehenden Schadens sind, ebenso die Staatsanwaltschaft des
Kantons Graubünden in der Einstellungsverfügung vom 11. Juli 2000.

b. Zuerst ist zu klären, ob zwischen der Beschiessung der beiden
Hänge und den Schäden an Masten und der Leitung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursache im Rechtssinne ist jede Bedingung,
«die nicht hinweg gedacht werden kann, ohne dass auch der Erfolg entfiele»,
die also conditio sine qua nonwar (Roland Brehm, in: Berner Kommentar,
N. 106 zu Art. 41 OR; Gross, a.a.O., S. 193; Ernst Kramer, Die Kausalität im
Haftpflichtrecht, in Zeitschrift des Bernischen Juristenvereins [ZBJV] 123/1987
S. 291; Rey, a.a.O., N. 518 und dort zitierte Autoren).

Das Gutachten 2 führt aus, dass im Einzugsgebiet der Lawine vom 25. Februar
1999 bis zu vier Meter Schnee gelegen hat und die Schneedeckenstabilität
gering bis mässig gewesen ist. Als eigentliche auslösende Ursache der
Schadenlawine bezeichnet es die Beschiessung des Hanges mit drei Schüssen
aus einem 12 cm-Minenwerfer, wobei sich die Lawine nach der Abgabe
des dritten Schusses löste, jene auf das zweite Ziel, welches im Val Aulta
liegt. Auch das Gutachten 1 spricht davon, dass sich «beim insgesamt
dritten Schuss im Val Aulta und Val Sparsa eine sehr grosse Lawine löste».
Nachdem das Gutachten 2 die Beschiessung durch Minenwerfer als
eigentliche auslösende Ursache bezeichnet, ist das Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen Beschiessung und Lawine zu bejahen.

Für das Ereignis vom 5. März 1999 geht das Gutachten 1 davon aus, dass
am Vortag und amMorgen ein grösserer Neuschneezuwachs erfolgte und
sich die Lawine beim zweiten Schuss des Lawinenschiessens löste. Nicht
gegen das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs spricht nach
Meinung des Verfassers des Gutachtens 2 wohl, dass sich die Lawine erst drei
Minuten nach der Beschiessung vom sechsten Ziel löste. Es gebe sogar Fälle,
wo zwischen Detonation und Lawinenniedergang eine Stunde verstrichen und
die Auslösung der Lawine immer noch auf die Sprengung zurückzuführen sei.
Auch hier ist somit im Sinne der conditio sine qua non-Formel die natürliche
Kausalität zu bejahen.

c. Der natürliche Kausalzusammenhang bildet noch nicht das rechtlich
relevante Zurechnungskriterium für einen Schaden. Vielmehr muss ein
adäquater Kausalzusammenhang vorliegen, das heisst es ist danach zu
fragen, ob die betreffende Ursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet gewesen ist, den
eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Eintritt dieses Erfolgs als durch
die fragliche Tatsache allgemein begünstigt erscheint (BGE 123 III 112 E. 3a mit
Hinweisen; Brehm, a.a.O., N. 121; Rey, a.a.O., N. 525; Jaag, a.a.O., N. 134;). Dieser
Adäquanzbegriff gilt auch für das Staatshaftungsrecht (Gross, a.a.O., S. 212).

Das Gutachten 2 hält fest, dass das Auslösen von kleineren oder grösseren und
insbesondere schadlosen Lawinen ein sehr schwieriges Unterfangen sei, dass
je nach Aufbau und Mächtigkeit der Schneedecke keine Auslösung gelinge oder
dann sich die gesamten Hänge entladen würden, die bezüglich Schichtung
und Schneestruktur eine zusammenhängende und ähnliche Schneedecke

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_III_112&resolve=1

aufweisen würden. Weiter äussert es sich dahingehend, dass aufgrund
der grossen Schneemengen eine latente Gefahr von grösseren Lawinen
vorhanden gewesen sei und es für einen erfahrenen und gut ausgebildeten
Sicherheitschef erkennbare Anhaltspunkte gegeben habe, dass die Lawine -
jene vom 25. Februar 1999 - ein derartiges Ausmass annehmen könnte.

Das Bundesgericht hat sich in zwei Entscheidungen mit künstlich ausgelösten
Lawinen befasst: In BGE 96 II 177 führte es aus, niemand sei berechtigt,
über fremdes Grundeigentum hinweggehende Lawinen vorsätzlich
auszulösen; die Beklagte hätte wissen müssen und gewusst, dass Lawinen
unberechenbare Auswirkungen haben können. In BGE 100 II 124 wiederholte
das Bundesgericht diesen Grundsatz und präzisierte bezüglich des adäquaten
Kausalzusammenhangs, dass es eine Erfahrungstatsache sei, dass die Wirkung
künstlich ausgelöster Lawinen schwierig abzuschätzen sei, namentlich bei
einer erstmaligen Sprengung.

Diese Überlegungen gelten auch im vorliegenden Fall. Es muss die
Folgerung gezogen werden, dass die Auslösung einer künstlichen Lawine
generell geeignet ist, durch ihren schwer kontrollierbaren Verlauf
Schäden der eingetretenen Art zu verursachen. Damit ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen der künstlichen Auslösung beider Lawinen
und dem jeweils eingetretenen Schaden gegeben.

d. Nicht gegen das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs
spricht die Auffassung der beteiligten Mitarbeiter des BABLW, es sei
nicht voraussehbar gewesen, dass die beiden Lawinen einen solchen
Verlauf nehmen würden. Denn bei der Prüfung der Adäquanz geht es
nicht um die subjektive Voraussehbarkeit des Erfolgs, sondern um eine
objektive Betrachtungsweise (Brehm, a.a.O., N. 122a; Rey, a.a.O., N. 533).
ImWeiteren verfängt auch der Einwand nicht, dass die Val Aulta- und die
Val Sparsa-Lawine noch nie gemeinsam zu Tale gegangen seien. Nach der
Rechtsprechung ist lediglich erforderlich, dass sich eine Ursache generell,
«an sich», eignet, den eingetretenen Erfolg herbeizuführen (Brehm, a.a.O.,
N. 125; Rey, a.a.O., N. 527); es scheiden lediglich völlig untypische, ganz selten
vorkommende Kausalverläufe aus (Brehm, a.a.O., N. 123; Gross, a.a.O., S. 195;
Rey, a.a.O., N. 534 und dort zitierte Autoren). Das Gutachten 1 hält jedoch klar
fest, dass eine Auslösung der Val Aulta-Lawine auch dazu führen kann, dass
sich die Val Sparsa-Lawine löst, da dort die Gefahr einer Sekundärauslösung
des Val Sparsa bestehe. Dass sich beide Lawinen gleichzeitig lösen, ist somit
kein völlig atypischer Kausalverlauf.

Ebenso wenig spricht gegen das Vorliegen eines adäquaten
Kausalzusammenhangs, dass im Januar/Februar 1999 mehrere
Sicherungsaktionen durchgeführt worden waren, die nicht zu
Lawinenniedergängen geführt hatten. Auch hier spielt die konkrete Eignung
einer Tatsache, den eingetretenen Erfolg herbeizuführen, keine Rolle. Es
geht also nicht darum, ob unter Berücksichtigung der Schneemenge und
-beschaffenheit im Anrissgebiet am 25. Februar bzw. am 5. März 1999 mit
solchen Lawinen zu rechnen gewesen ist, sondern darum, ob generell damit
zu rechnen ist, dass die künstliche Auslösung von Lawinen nach einem
grösseren bzw. sehr grossen Neuschneezuwachs zu deren unkontrolliertem
Niedergang und zu Schäden der eingetretenen Art führen kann. Diese
Frage ist zu bejahen. Darüber hinaus ist es in diesem Zusammenhang nicht

10

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_100_II_124&resolve=1

relevant, dass der Schaden durch Staublawinen und nicht durch Fliesslawinen
verursacht worden ist. Für das Vorliegen eines Kausalzusammenhanges spielt
es keine Rolle, ob die Masten und damit die Leitung durch Fliesslawinen
beschädigt wurden oder die Lawine als Staublawine auf die Leiterseile
einwirkte und damit die Masten umwarf; wichtig ist einzig, dass die
schädigende Lawine - sei sie nun eine Fliess- oder eine Staublawine gewesen -,
durch das Minenwerferschiessen ausgelöst worden war. Das Gutachten 1
hält für beide Masten eine Gefährdung sowohl durch Staub- als durch
Fliesslawinen fest.

Zudem kann es an sich nicht darauf ankommen, ob die Beschwerdeführerin
eine allenfalls ungenügende Dimensionierung der Masten und
Lawinenschutzkeile und die Leitungsführung durch stark lawinengefährdete
Hänge selber zu vertreten habe. Diese als Selbstverschulden der
Beschwerdeführerin zu qualifizierenden Umstände würden nur dann zu einer
Unterbrechung des Kausalzusammenhanges führen, wenn sie aufgrund der
konkreten Umstände einen so hohen Intensitätsgrad aufweisen würden, dass
das Verhalten der Angestellten des BABLW ganz in den Hintergrund treten
würde (Honsell, a.a.O., § 3 N. 41; Rey, a.a.O., N. 560 f.). Davon kann nicht die
Rede sein. Schliesslich liesse sich noch fragen, ob die Kausalität zu verneinen
sei, weil die Leitung ohne die Sperrungen durch natürliche Lawinenabgänge
zerstört worden wäre. Diese Frage ist aber bereits deshalb zu verneinen, weil
nicht mit genügender Gewissheit davon ausgegangen werden kann, dass es zu
entsprechenden natürlichen Lawinenabgängen und entsprechenden Schäden
gekommen wäre.

10. Die HRK gelangt daher in grundsätzlicher Hinsicht zum Schluss, dass die
Voraussetzungen eines Schadenersatzanspruchs der Beschwerdeführerin
gestützt auf Art. 3 VG gegeben sind. Der angefochtene Entscheid verletzt
demnach Bundesrecht.

Bei diesem Stand der Dinge nicht mehr geprüft werden muss, ob der
Beschwerdeführerin allenfalls gestützt auf die Sonderopfertheorie, auf
Billigkeitserwägungen bzw. auf die analoge Anwendung von Art. 52 Abs. 2
OR eine Entschädigung zusteht, ebenso wenig, ob sie aufgrund der Praxis zur
Gleichbehandlung im Unrecht einen betreffenden Anspruch hat.

11.a. Nachdem die HRK zur Auffassung gelangt ist, die Voraussetzungen
eines Schadenersatzanspruches nach Art. 3 Abs. 1 VG seien gegeben, müsste
folgerichtig weiter das Ausmass des Schadens bestimmt und anschliessend
der Schadenersatz bemessen werden. Dazu ist die HRK im jetzigen Zeitpunkt
aufgrund der bisherigen Ausführungen und Abklärungen der Parteien jedoch
nicht in der Lage.

Zum Quantitativen finden sich wohl Ausführungen in der Beschwerdeschrift
sowie im Schreiben der Beschwerdeführerin an das EFD vom 2. Juli 1999.
Bei den Beilagen zu diesem Schreiben handelt es sich indes entweder
um blosse Aufstellungen der Beschwerdeführerin bzw. sogar lediglich
um eine grobe Kostenschätzung; Belege jeglicher Art über effektiv im
Zusammenhang mit den Reparaturen getätigte Ausgaben bzw. von Dritten
erhaltene Rechnungen fehlen ganz, ebenso Belege zum entgangenen
Gewinn, insbesondere Erläuterungen zu den eingesetzten Energiepreisen.
Im Schreiben der Beschwerdeführerin vom 27. September 2000 findet
sich lediglich ein weiteres Beweisanerbieten, jedoch kein Hinweis auf

11

weitere Beweismittel. Die Vorinstanz hat sich weder zur Schadenhöhe
noch zur Schadenersatzbemessung vernehmen lassen, weil sie einen
Schadenersatzanspruch aus grundsätzlichen Erwägungen verneint hat, was
sie auch in der Verhandlung vor der HRK wiederholt hat. Sie ging davon
aus, dass das Schadenquantitativ nicht zur Diskussion stehe und nach einer
allfälligen Rückweisung wieder an die Hand zu nehmen wäre. Weiter findet
sich in den Akten ein Schreiben des Bundesamtes für Energie an das EFD,
in dem die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Schadenhöhe in
verschiedener Hinsicht in Frage gestellt werden.

Damit ist der Sachverhalt für die Feststellung von Schadenausmass und
Schadenersatz ungenügend abgeklärt. Weil eine umfassende Beweiserhebung
notwendig ist, erweist sich eine Rückweisung an die Vorinstanz als
gerechtfertigt (Moser, a.a.O., N. 2.73 und 3.87 f.; vgl. auch BGE 127 III 365
E. 5b, BGE 127 III 410 E. 4d).

b. Bei der Schadensberechnung wird die Vorinstanz zu berücksichtigen
haben, dass kaum die gesamten Kosten für die neuen Masten als Schaden
einzusetzen sind, weil bei den alten Masten - ungeachtet des technisch
einwandfreien Zustandes - ein beträchtlicher Teil der Nutzungsdauer
verstrichen war. Insoweit wird die Vornahme eines Abzugs «neu für alt»
zu prüfen sein. Gleiches gilt mit Bezug auf die Kosten für die Verstärkung der
neuen Masten bzw. Lawinenkeile. Die Vorinstanz wird weiter im Rahmen
der Schadenersatzbemessung darauf zu achten haben, ob die Ersatzpflicht
unter dem Blickwinkel von Art. 4 VG allenfalls insofern zu ermässigen wäre,
als die Hochspannungsleitung unbestrittenermassen durch lawinengefährdete
Hänge führt, und der Beschwerdeführerin bekannt sein musste, dass die
Dimensionierung der alten Masten den Anforderungen grosser Lawinen
nicht genügte. Aus den Akten geht hervor, dass der Mast Nr. 63 bereits nach
dem früheren Lawinenniedergang vom 20. Januar 1981 verstärkt aufgebaut
wurde. Das Gutachten 1 empfahl nach den Ereignissen im Februar/März 1999
eine weitere Verstärkung. Die Vorinstanz wird schliesslich zu prüfen haben,
ob eine Reduktion der Ersatzpflicht mit Blick darauf vorzunehmen sei, dass
sowohl Strasse als auch Leitung im gleichen Gefahrengebiet lagen und die
während langer Zeit vorgenommenen regelmässigen Lawinensprengungen
dazu führten, Gefährdungen nicht nur von der Strasse, sondern auch von der
Leitung abzuwenden.

12. Die Beschwerdeführerin hat nicht bloss die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung verlangt, sondern die Zusprechung von Schadenersatz im Betrag
von Fr. 2’393’657.- zuzüglich Zins zu 5% per annum ab 5. März 1999 oder in
einer Höhe nach richterlichem Ermessen, zuzüglich des gleichen Zinses. In
der Verhandlung vor der HRK hat der Vertreter der Beschwerdeführerin
ausdrücklich daran festgehalten, dass die Beschwerdeführerin klare
Begehren für alle Voraussetzungen der Haftung gestellt habe, dass somit das
Prozessthema nicht auf die Frage der Widerrechtlichkeit der Schadenzufügung
eingeschränkt sei. Indem die HRK die Sache zur Schadensberechnung
und Schadenersatzbemessung an die Vorinstanz zurückweist, gelangt
die Beschwerdeführerin somit nur zu einer teilweisen Gutheissung der
Beschwerde.

13.-14. (…)

12

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_127_III_365&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_127_III_410&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 66.51 - Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für die Staatshaftung vom

5. November 2001 i.S. X [HRK 2001-002]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2002
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Anno

Band 66
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für die Staatshaftung vom 5. November 2001 i.S. X [HRK 2001-002]