# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09e97fb0-3154-5957-bf27-61b1f2d47999
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 14.12.2023 SB230094
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230094_2023-12-14.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230094-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, Ersatzoberrichterin lic. iur. 

S. Nabholz und Ersatzoberrichter lic. iur. R. Amsler sowie die 

Gerichtsschreiberin MLaw A. Blaser

Urteil vom 14. Dezember 2023

in Sachen

A._____, 
Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. T. Moder,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend versuchte Nötigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 
vom 29. September 2022 (DG220125)

-   2   -

Antrag:

Der Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person der Staats-

anwaltschaft Zürich - Sihl vom 1. Juli 2022 (Urk. 31) sowie dessen Ergänzung vom 19. Juli 

2022 (Urk. 42) sind diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 94 S. 74 ff.)

"Es wird erkannt: 

1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte A._____ die folgenden Tatbestände im 

Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt hat:

 versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB

 Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB

 Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB

2. Aufgrund der Schuldunfähigkeit der Beschuldigten im Zeitpunkt der Tathandlungen 

wird von einer Strafe abgesehen.

3. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB (ambulante 

Behandlung mit vorübergehender stationärer Einleitung) angeordnet.

4. Es wird festgestellt, dass sich die Beschuldigte bis und mit heute 294 Tage in Unter-

suchungs- und Sicherheitshaft befand. Über die Anrechnung der Haft wird nach 

Abschluss der ambulanten therapeutischen Massnahme entschieden.

5. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:

CHF 3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

CHF 13'367.00   Auslagen (Gutachten)

CHF 67.15   Auslagen (Untersuchung)

CHF 1'200.00   Gerichtsgebühr für das Haftbeschwerdeverfahren vor dem   OGZ, Geschäfts-Nr. UB220031-O

CHF 1'200.00   Gerichtsgebühr für das Haftbeschwerdeverfahren vor dem   OGZ, Geschäfts-Nr. UB220102-O

CHF 1'000.00   Gerichtsgebühr für das Haftbeschwerdeverfahren vor dem   OGZ, Geschäfts-Nr. UB220130-O

CHF 26'779.30   Entschädigung amtliche Verteidigung RAin X2._____

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

-   3   -

7. Die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren, einschliesslich dieje-

nigen der amtlichen Verteidigung, werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

8. Die amtliche Verteidigerin lic. iur. X2._____ wird mit CHF 26'779.30 (inkl. MwSt.) aus 

der Gerichtskasse entschädigt. Von einer Nachforderung wird abgesehen.

9. (Mitteilungen)

10.-11. (Rechtsmittel)"

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 110 S. 1)

"1. Es sei festzustellen, dass die Dispositivziffern 5. sowie 7.-10. des Urteils des Bezirks-

gerichts Zürich vom 29. September 2022 (Geschäfts-Nr. DG220125-L) in Rechtskraft 

erwachsen sind. 

 2. Die Beschuldigte sei von allen Vorwürfen freizusprechen.

 3. Eventualiter seien die Dispositivziffern 1 und 2 des angefochtenen Urteils zu bestäti-

gen und von der Anordnung einer Massnahme abzusehen. 

 4. Subeventualiter seien die Dispositivziffern 1 und 2 des angefochtenen Urteils zu 

bestätigen und eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB 

(ambulante Behandlung ohne stationäre Einleitung) anzuordnen.

 5. Der Beschuldigten sei für die erstandene Haft von 294 Tagen eine angemessene 

Genugtuung zu entrichten.

 6. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Vertei-

digung, seien auf die Staatskasse zu nehmen."

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 102, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

-   4   -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte/Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Am 1. Juli 2022 (Datum Eingang: 5. Juli 2022) stellte die Staatsanwaltschaft 

Zürich - Sihl (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) bei der Vorinstanz Antrag auf 

Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person (Urk. 31). Am 19. Juli 

2022 (Datum Eingang: 20. Juli 2022) reichte die Staatsanwaltschaft eine Ergän-

zung zum Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person 

vom 1. Juli 2022 bei der Vorinstanz ein (Urk. 42). Die Hauptverhandlung vor 

Vorinstanz fand am 29. September 2022 statt (Prot. I S. 8 ff.). Gleichentags erfolgte 

die Urteilsberatung und das Urteil wurde der Beschuldigten, ihrer amtlichen Ver-

teidigung sowie der Staatsanwaltschaft mündlich eröffnet und begründet sowie das 

schriftliche Urteilsdispositiv ausgehändigt, wodurch die Frist zur Anmeldung der 

Berufung für diese zu laufen begann (Prot. I S. 38 ff.). Das Urteilsdispositiv konnte 

dem Privatkläger nicht zugestellt werden und galt zufolge Zustellfiktion als am 

10. Oktober 2022 zugestellt (Urk. 87), wodurch die Frist zur Anmeldung der 

Berufung für diesen zu laufen begann. 

1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene Urteil meldete die amtliche Vertei-

digung namens der Beschuldigten am 4. Oktober 2022 innert Frist Berufung an 

(Urk. 89). Nachdem den Parteien am 6. Februar 2023 (Staatsanwaltschaft und 

Beschuldigte) bzw. 14. Februar 2023 (Privatkläger) das begründete Urteil zugestellt 

worden war (Urk. 93/1-3), ging bei der hiesigen Berufungsinstanz mit Eingabe vom 

24. Februar 2023 (Datum Eingang: 27. Februar 2023) fristgerecht die Berufungser-

klärung der amtlichen Verteidigung ein, wobei keine Beweisanträge gestellt wurden 

(Urk. 96). Gleichentags beantragte die amtliche Verteidigung, Rechtsanwältin 

lic. iur. X2._____, aufgrund eines seit einiger Zeit nachhaltig gestörten und eine 

vernünftige und effektive Verteidigung verhindernden Vertrauensverhältnisses 

zwischen ihr und der Beschuldigten als solche entlassen zu werden und an ihrer 

Stelle Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ einzusetzen (Urk. 97). Mit Präsidialverfügung 

vom 28. Februar 2023 wurde Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ als amtliche Vertei-

-   5   -

digerin der Beschuldigten entlassen und ihr Frist angesetzt, um ihre Honorarrech-

nung für das Berufungsverfahren einzureichen. Neu wurde als amtlicher Verteidiger 

für die Beschuldigte Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ bestellt. Dem Privatkläger so-

wie der Staatsanwaltschaft wurde sodann Frist angesetzt, um Anschlussberufung 

zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen 

(Urk. 98). Die ebengenannte Präsidialverfügung wurde vom Privatkläger nicht 

abgeholt (Urk. 99), gilt jedoch aufgrund von Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO als zugestellt. 

Rechtsanwältin lic. iur. X2._____ reichte fristgerecht ihre Honorarnote ins Recht 

und wurde dieser entsprechend aus der Gerichtskasse entschädigt (Urk. 98 i.V.m. 

Urk. 100-101 A). Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 7. März 2023 

die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, verzichtete auf Anschlussberufung 

und ersuchte um Dispensation ihres Vertreters von der Berufungsverhandlung 

(Urk. 102). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen.

1.3. Die Parteien wurden am 25. August 2023 zur Berufungsverhandlung auf den 

14. Dezember 2023, 13.30 Uhr, vorgeladen, wobei der Staatsanwaltschaft das 

Erscheinen freigestellt und dem Privatkläger die Berufungsverhandlung lediglich 

angezeigt wurde (Urk. 105). 

1.4. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien die Beschuldigte A._____ in 

Begleitung ihrer amtlichen Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ (Prot. II 

S. 4). Es waren keine Vorfragen und keine Beweisanträge zu entscheiden. In der 

Sache selbst stellten die Parteien die eingangs wiedergegebenen Anträge (Prot. II 

S. 4-6; Urk. 102; Urk. 110 S. 1). Das Verfahren erweist sich heute als spruchreif. 

2. Umfang der Berufung

2.1. Die Berufungserklärung der Beschuldigten richtet sich gegen den vor-

instanzlichen Schuldspruch wegen versuchter Nötigung, Tätlichkeiten und 

Beschimpfung (Dispositivziffer 1), den Strafpunkt, insofern bei der Beschuldigten 

aufgrund von Schuldunfähigkeit im Zeitpunkt der Tatbegehung von einer Strafe 

abgesehen wird (Dispositivziffer 2), die Anordnung einer ambulanten Massnahme 

im Sinne von Art. 63 Abs. 3 StGB (Dispositivziffer 3) und die Anrechnung der 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft, insofern über die Anrechnung der Haft erst 

-   6   -

nach Abschluss der ambulanten therapeutischen Massnahme entschieden wird 

(Dispositivziffer 4). Die amtliche Verteidigung beantragte einen vollumfänglichen 

Freispruch, unter Zusprechung einer Haftentschädigung sowie Genugtuung 

(Urk. 96). Bei diesen Anträgen blieb es auch im Rahmen der Berufungsbe-

gründung, wobei eventualiter beantragt wurde, die Dispositivziffern 1 und 2 des 

angefochtenen Urteils zu bestätigen und von der Anordnung einer Massnahme 

abzusehen und subeventualiter beantragt wurde, die Dispositivziffern 1 und 2 des 

angefochtenen Urteils seien zu bestätigen und eine ambulante Massnahme im 

Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB anzuordnen (Urk. 110 S. 1). 

2.2. Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind somit die Dispositiv-

ziffern 5, 7 und 8 (Kostenfestsetzung, Kostenauferlegung und Entschädigung der 

amtlichen Verteidigung), was vorab festzustellen ist. An dieser Stelle gilt es anzu-

merken, dass es im vorinstanzlichen Urteil keine Dispositivziffer 6 gibt (vgl. Urk. 94 

S. 74 f.). 

3. Formelles

3.1. Es ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen 

ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2; BGer. 6B_1130/2014 

vom 8. Juni 2015, E. 4). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.

3.2. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen 

Entscheid verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO 

(vgl. dazu etwa BGer. 6B_570/2019 vom 23. September 2019, E. 4.2, m.w.H., 

sowie NYDEGGER, Der Verweis auf die Entscheidbegründung der Vorinstanz 

gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO, recht 2021, S. 15 ff.), auch ohne dass dies jeweils 

explizit Erwähnung findet.

3.3. Nachdem einzig die Beschuldigte Berufung führt, steht die Überprüfung des 

vorinstanzlichen Urteils sodann unter dem Vorbehalt des Verschlechterungsver-

bots (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

-   7   -

4. Ungenauigkeit der Dossierbezeichnung

Bezüglich der Ungenauigkeit der Dossierbezeichnung kann auf die Ausführungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 4 E. I. 1.). Beim im Antrag auf Anord-

nung einer Massnahme der Staatsanwaltschaft vom 1. Juli 2022 unter Dossier 2 

aufgeführten Sachverhalt, handelt es sich um den Sachverhalt von Dossier 3, 

woraus der Beschuldigten kein Nachteil erwächst. Insbesondere weiss und wusste 

sie, wogegen sie sich zu verteidigen hat. Es handelt sich um einen offensichtlichen 

Flüchtigkeitsfehler der Staatsanwaltschaft, welcher nicht weiter von Belang ist. 

Nachfolgend wird daher – wie schon im vorinstanzlichen Urteil – die richtige 

Bezeichnung, Dossier 3, verwendet.

5. Anklageprinzip 

5.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum Anklageprinzip kann voll-

umfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 5 f. 

E. I. 2.2.1.-E. I. 2.2.2.).

5.2. Die amtliche Verteidigung rügte anlässlich der Berufungsverhandlung, die 

Vorinstanz habe in unzulässiger Weise den angeklagten Sachverhalt korrigiert und 

diesen als erstellt erachtet. So werde der Beschuldigten in der Anklage nicht vor-

geworfen, sie habe dem Geschädigten ernsthafte Konsequenzen angedroht, wenn 

er sich der Zeugin B._____ oder seinen Kindern nähere. Ihr würde in der Anklage-

schrift lediglich vorgeworfen, sie habe ihm angedroht ihn zu killen, falls er seiner 

Ex-Partnerin bzw. seinen Kindern nochmals etwas antun würde. Ihr werde in der 

Anklage nur vorgeworfen, sie habe den Privatkläger in der zweiten Nachricht 

gefragt, ob er die erste Nachricht erhalten habe und habe ihm mitgeteilt, dass sie 

die erste Nachricht ernst meine und er mit gewaltigen Problemen rechnen müsse. 

Gemäss Anklageschrift habe die Beschuldigte nie damit gedroht, dass der Privat-

kläger ernsthafte Konsequenzen befürchten müsse, etwa für den Fall, dass er sich 

seiner Ex-Partnerin oder den Kindern annähert und dass der Privatkläger gewaltige 

Probleme mit ihr bekomme bzw. ohnehin schon am Hals habe, weshalb sie ihm 

rate, jetzt mal etwas cleverer zu werden und die Probleme nicht noch zu vergrös-

sern. Gemäss Anklageschrift sei dem Privatkläger lediglich mitgeteilt worden, dass 

-   8   -

sie die erste Nachricht ernst meine und er mit gewaltigen Problemen rechnen 

müsse (Urk. 110 S. 6). Die Anklage schweige sich sodann auch dazu aus, auf wel-

che Nachricht sich die Beschuldigte bezogen habe (Urk. 110 S. 8). Die verkürzte 

Darstellung der tatsächlichen Nachricht der Beschuldigten an den Privatkläger in 

der Anklageschrift lasse dieser sodann eine tatsachenwidrige allgemeine Bedeu-

tung zukommen (Urk. 110 S. 7). Eine Verletzung des Anklageprinzips wurde zwar 

nicht geltend gemacht. Die Rüge ist dennoch unter diesem Titel abzuhandeln.

5.3. Aus dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung einer Massnahme 

für eine schuldunfähige Person gehen die ungefähre Tatzeit, die Örtlichkeit, sowie 

der Tatablauf hervor. Die Beschuldigte weiss aufgrund des umschriebenen Sach-

verhalts, worum es geht bzw. was ihr im Einzelnen vorgeworfen wird. Ihr wird vor-

geworfen, dem Privatkläger – in ihrer Nachricht vom 26. November 2021 an dessen 

Ex-Partnerin – gedroht zu haben, dass sie ihn killen werde, falls er an Weihnachten 

auftauche oder aber falls er seiner Ex-Partnerin bzw. seinen Kindern nochmals et-

was antun würde. Weiter wird ihr vorgeworfen, den Privatkläger am 28. November 

2023 via Instagram direkt kontaktiert zu haben und ihn gefragt zu haben, ob er die 

erste Nachricht erhalten habe und ihm mitgeteilt zu haben, dass sie die erste Nach-

richt – wenn auch konkludent so doch klarerweise diejenige vom 26. November 

2021 – ernst meine und er mit gewaltigen Problemen rechnen müsse. Auch die von 

der Staatsanwaltschaft vorgenommene rechtliche Qualifikation des Sachverhalts 

als versuchte Nötigung geht ohne Weiteres aus der Angabe beim Straftatbestand 

und damit dem Antrag hervor (vgl. Urk. 31 S. 2). Aus dem Antrag der Staatsanwalt-

schaft geht mit anderen Worten klar hervor, dass der Beschuldigten vorgeworfen 

wird, versucht zu haben, den Privatkläger dazu zu nötigen, einerseits nicht an die 

Weihnachtsfeier zu kommen und andererseits seiner Ex-Partnerin bzw. seinen 

Kindern nicht nochmals etwas anzutun, indem sie ihm damit drohte ihn ansonsten 

zu killen bzw. für gewaltige Probleme zu sorgen. Den zwar in der Tat verkürzt 

wiedergegebenen Nachrichten der Beschuldigten kommt damit keine tatsachen-

widrige allgemeine Bedeutung zu. Der Sachverhalt ist zwar eher kurz und knapp 

gehalten, jedoch vorliegend ausreichend. Die Beschuldigte kann und konnte sich 

ohne Weiteres gegen die Vorwürfe von Dossier 1 verteidigen. 

-   9   -

5.4. Bei den Ausführungen der Vorinstanz, die Beschuldigte habe mit gewaltigen 

Problemen mit ihr gedroht, handelt es sich nicht um eine Erweiterung der Anklage. 

Die Beschuldigte machte geltend, sie habe gewaltige Probleme mit den Behörden 

angedroht, womit sich die Vorinstanz auseinander zu setzen hatte. Hierbei hielt sie 

lediglich fest, dass es der Beschuldigten nicht um gewaltige Probleme mit den 

Behörden, sondern mit ihr gegangen sei. Es handelt sich also um eine Auseinan-

dersetzung mit den Argumenten der Beschuldigten sowie den Akten. Auf welche 

Nachricht sich die zweite Nachricht bezog ist sodann, wie bereits ausgeführt, ohne 

weiteres – wenn auch implizit – aus dem Antrag ersichtlich. Die diesbezügliche 

Klarstellung der Vorinstanz, dass es sich um jene vom 26. November 2021 handelt, 

stellt damit ebenfalls keine Ergänzung der Anklage dar. Die von der amtlichen 

Verteidigung darüber hinausgehend geltend gemachten Erweiterungen in der 

Sachverhaltserstellung der Vorinstanz, so dass die Beschuldigte dem Geschädig-

ten geraten habe, jetzt mal etwas cleverer zu werden und die Probleme nicht noch 

zu vergrössern und die Ausführungen, sie habe dem Geschädigten ernsthafte 

Konsequenzen angedroht, wenn er sich der Zeugin B._____ oder seinen Kindern 

nähere, sind keine Erweiterungen. Diese Ausführungen der Vorinstanz zeigen 

lediglich ein Gesamtbild auf und entstammen der Auseinandersetzung mit den Aus-

sagen der Beschuldigten bzw. den von ihr versandten Nachrichten. Der eingeklagte 

Sachverhalt wurde durch die Vorinstanz sehr wohl wortgetreu erstellt (Urk. 94 S. 31 

f. E. II.2.5.). Eine Verletzung des Anklageprinzips ist nicht ersichtlich. 

6. Strafantrag

Hinsichtlich des Vorliegens aller notwendigen Strafanträge kann vollumfänglich auf 

die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 6 E. I. 3.). Diese 

liegen mithin alle vor. 

7. Konstituierung als Privatklägerschaft

Bezüglich der Konstituierung als Privatklägerschaft von C._____ sowie den Ver-

zicht der Zeugin D._____ darauf kann auf die diesbezüglichen Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 7 E. I. 4.). 

-   10   -

II. Schuldpunkt

A. Sachverhalt

1. Grundlagen der Beweiswürdigung

Hinsichtlich der Grundlagen der Beweiswürdigung kann auf die Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 14 f. E. II. 1.2.).

2. Glaubwürdigkeit der Beteiligten

Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Beteiligten C._____, B._____, D._____ sowie 

der Beschuldigten A._____ kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 94 S. 15-17 E. II. 1.3.). Bezüglich der Glaubwürdigkeit des Privatklä-

gers C._____ sowie der Zeugin B._____ gilt es zusätzlich anzumerken, dass ihr 

Verhältnis zur Beschuldigten zumindest nach dem Unfall ihrer Tochter kein einfa-

ches gewesen sein dürfte, da diese sich um das Wohl ihrer Kinder in Gegenwart 

des Privatklägers sorgte, was sie auch gegenüber Dritten kundtat (vgl. Urk. 1/4 

F/A 6, F/A 20-22; Urk. 1/16 F/A 10-11; Urk. 1/17). Sodann kann hinsichtlich der 

Glaubwürdigkeit der Zeugin D._____ ergänzend angemerkt werden, dass diese in 

keiner Beziehung zur Beschuldigten steht (Urk. 3/5 F/A 8). 

3. Anklagevorwurf gemäss Dossier 1

3.1. Beweismittel

3.1.1. Textnachrichten vom 26. November 2021

Bei den Akten befinden sich zwei Textnachrichten vom 26. November 2021, welche 

die Beschuldigte der Zeugin B._____ geschickt haben soll (Urk. 1/17 S. 1). 

-   11   -

Bezüglich deren Wortlaut kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 94 S. 17 f. E. II. 2.1.1.). 

3.1.2. Textnachrichten vom 28. November 2021

Bei den Akten befinden sich zwei Textnachrichten vom 28. November 2021, welche 

die Beschuldigte dem Privatkläger geschickt und anschliessend öffentlich auf 

Instagram gepostet haben soll (Urk. 1/17 S. 2). Bezüglich deren Wortlaut kann auf 

die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 18 E. II. 2.1.2.).

3.1.3. Aussagen der Zeugin B._____

Hinsichtlich der Aussagen der Zeugin B._____ (nachfolgend: Zeugin) kann auf die 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 18 f. E. II. 2.2.). 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Zeugin ausführte, die Text-

nachrichten gemäss Urk. 1/17 S. 1 am 26. November 2021 von der Beschuldigten 

erhalten zu haben (Urk. 1/16 F/A 12-13). Nachdem die Beschuldigte die Textnach-

richten vom 28. November 2021 auf Instagram gepostet habe (vgl. Urk. 1/17 S. 2), 

und ihr eine Sprachnachricht gesandt habe, habe sie, auch aufgrund weiterer 

Vorkommnisse, begonnen sich Sorgen zu machen (Urk. 1/16 F/A 14) und den 

Privatkläger über die Drohungen informiert (Urk. 1/16 F/A 16 f.). Die Beschuldigte 

gehe davon aus, dass der Privatkläger die gemeinsamen Kinder von ihr (der 

Zeugin) und dem Privatkläger misshandle, was nicht stimme. Sie denke, dies sei 

der Grund für ihre Drohungen (Urk. 1/16 F/A 10). 

3.1.4. Aussagen des Privatklägers

Hinsichtlich der Aussagen des Privatklägers kann vorab vollumfänglich auf die 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 19-22 E. II. 2.3.). Der 

Privatkläger führte zusammengefasst aus, er habe zunächst von seiner Ex-Partne-

rin – der Zeugin – von der Drohung erfahren (Urk. 1/14 F/A 11; Urk. 1/15 F/A 14). 

Als die Beschuldigte ihm zwei Tage später die Nachricht geschrieben habe, habe 

er es der Zeugin gezeigt (Urk. 1/14 F/A 11) und die Beschuldigte gleichentags 

blockiert, worauf diese begonnen habe, die Drohung öffentlich auf Instagram zu 

verbreiten (Urk. 1/14 F/A 12 i.V.m. Urk. 1/14 F/A 15). Er nehme die Drohung ernst 

-   12   -

(Urk. 1/14 F/A 28) und habe schon Schiss bekommen (Urk. 1/15 F/A 36). Die 

Beschuldigte habe ihn bedroht, da seine Tochter umgefallen sei und sich verletzt 

gehabt habe, was die Beschuldigte gesehen habe (Urk. 1/14 F/A 23; Urk. 1/15 

F/A 18). 

3.1.5. Aussagen der Beschuldigten

3.1.5.1. Bezüglich der getätigten Aussagen der Beschuldigten kann zunächst 

vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 

S. 22-31 E. II. 2.4.). Die Beschuldigte führte zusammengefasst aus, der Privatklä-

ger habe ihre Grossnichte halb umgebracht, psychisch tot, übergeben. Der Anblick 

habe Todesängste in ihr ausgelöst. Sie sei in Sorge um ihre Familienmitglieder und 

sich selbst gewesen (Urk. 1/4 F/A 5-6). Mit den Nachrichten konfrontiert, führte sie 

aus, Panik bekommen zu haben, als sie gelesen habe, dass der Privatkläger an 

Weihnachten eingeladen sei. Sie habe sich massiv in Gefahr gefühlt und Todes-

angst um ihre Grossnichte gehabt (Urk. 1/4 F/A 16). Sie habe dadurch ihre ganze 

Familie in akuter Lebensgefahr gesehen. Als Notwehrreaktion habe sie ihn von die-

sem Fest vertreiben und den Kontakt zu ihm verhindern wollen (Urk. 1/4 F/A 20). 

Sie habe ihm ausrichten wollen, dass er sich vor ihr und ihrer Familie fernhalten 

solle (Urk. 1/4 F/A 21). Mit dem Instagram-Post konfrontiert, bestätigte die Beschul-

digte, dass es sich dabei um ihr Statement handle (Urk. 1/4 F/A 22). 

3.1.5.2. In der Nachricht habe sie den Privatkläger aufgefordert, ihre Familie in 

Frieden zu lassen und sich fern zu halten, da es sonst Konsequenzen mit sich 

ziehen würde (Urk. 1/7 2. Teil S. 4). Sie habe gegenüber dem Privatkläger keine 

Morddrohung ausgesprochen, da er das – im Gegensatz zu ihrer Nichte (der 

Zeugin), die gewusst habe, dass das nicht ernst gemeint sei – hätte missverstehen 

können (Urk. 1/11 F/A 14). Killen sei im übertragenen Sinne (Urk. 1/7 2. Teil S. 10 

unten) und nicht ernst gemeint gewesen (Urk. 1/7 1. Teil S. 9 unten). Die ihr zur 

Last gelegte Äusserung sei keine Morddrohung. Damit habe sie lediglich gemeint, 

dass sie den Privatkläger ausser Gefecht setzen werde (Urk. 1/11 F/A 14). Sie 

habe ihrer Nichte geschrieben, dass es ihr Ziel sei, ihn ins Gefängnis zu bringen. 

Damit sei nicht gemeint gewesen, dass sie mit einem Messer dort stehen oder mit 

einer Waffe dort auftauchen würde. Die Message sei gewesen, dass er aufpassen 

-   13   -

müsse, was er tue, da sie sich ansonsten dafür einsetzen würde, dass er gewaltige 

Probleme mit den Behörden bekomme, d.h. polizeiliche Anzeige bzw. Einschaltung 

der KESB (Prot. I S. 23). Ihre Nichte hätte dem Privatkläger ausrichten sollen, dass 

er diese und die Kinder in Ruhe lassen solle, weil sie ihn beobachte und dies 

andernfalls den Behörden melden würde (Prot. I S. 25). 

3.1.5.3. Mit der Nachricht an den Privatkläger habe sie gemeint, dass er strafrecht-

liche, polizeiliche Konsequenzen erwarten müsse (Urk. 1/11 F/A 20). Mit "gewaltige 

Probleme" sei gemeint gewesen, dass er solche mit den Behörden bekommen 

würde. Sie habe ihm das mit den Behörden nicht so geschrieben. Das habe einen 

gewissen Interpretationsspielraum offengelassen. Sie hätte aber nie gedacht, dass 

er dies so interpretieren würde, sonst hätte sie die Nachrichten nicht versendet 

(Prot. I S. 24).

3.1.5.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschuldigte erneut, 

die Nachrichten geschrieben zu haben (Urk. 109 S. 23 f.). Mit killen habe sie aber 

nie umbringen gemeint. Sie habe einfach nicht gewollt, dass der Privatkläger an 

Weihnachten komme und dass er ihrer Nichte oder deren Kindern Gewalt antue. 

"To kill" könne bedeuten, jemanden umbringen. Es könne aber auch einfach 

bedeuten, jemanden ausser Gefecht zu setzen (Urk. 109 S. 21 f.). Mit gewaltigen 

Problemen sei sodann gemeint gewesen, dass er sonst Probleme mit den Behör-

den bekommen werde (Urk. 109 S. 24). Nach langem Überlegen erklärte sie, für 

sie sei klar gewesen, dass er für die Verletzung ihrer Grossnichte verantwortlich 

sei, weil er sie aus seiner Obhut zurück gebracht habe. Er habe das Aufsichtsrecht 

bzw. die Aufsichtspflicht für sie gehabt in dieser Zeit (Urk. 109 S. 22 f.). Ob die 

Verletzung vom Privatkläger oder anderen Personen stamme, könne sie nicht 

beurteilen (Urk. 109 S. 30). Sie sei in einem emotionalen Schockzustand gewesen 

vom Anblick der Verletzung ihrer Grossnichte (Urk. 109 S. 24). Sie sei nach wie vor 

der Auffassung, die Situation richtig eingeschätzt zu haben (Urk. 109 S. 28). Die 

Verletzungen, die sie gesehen haben, könnten nicht von einem Unfall stammen wie 

ihn der Privatkläger geschildert habe (Urk. 109 S. 30). Würde sie sich heute in der 

gleichen Situation wiederfinden, würde sie ihn weiterhin nicht mit diesem Verhalten 

-   14   -

davonkommen lassen. Sie würde sich jedoch nicht mehr so ausdrücken (Urk. 109 

S. 30 f.). 

3.2. Würdigung

3.2.1. Die Beschuldigte gab in ihren Einvernahmen und den diversen Stellungnah-

men mehrfach zu, die in der Anklage umschriebenen und bei den Akten liegenden 

Nachrichten geschrieben und an die Zeugin bzw. den Privatkläger gesandt zu 

haben. Dies deckt sich auch mit den Aussagen der Zeugin sowie des Privatklägers 

hierzu. Aus den Akten ergibt sich sodann, dass der Privatkläger Angst bekommen 

hat, sich jedoch nicht einschüchtern liess und den Kontakt zu seiner Familie nicht 

abbrach, sondern sich an die Polizei wandte. 

3.2.2. In der ersten Nachricht an die Zeugin vom 26. November 2021 war unter 

anderem wörtlich zu lesen: "[…] und chasch ihm usrichte, wenn er a wiehnachte 

uftaucht kill ich ihn persönlich. [Küchenmesser-Emoji] und wenn er dä chind nomal 

öpis atuet oder dir. […]". Aus den Nachrichten vom 28. November 2021 an den 

Privatkläger ging sodann wörtlich hervor: "hoff, d'B._____ het dir usgrichtet, was 

ich ihre gschribä han. meins würkli ernscht C._____. [Totenkopf-Emoji, Küchen-

messer-Emoji, Blutstropfen-Emoji]" "Du lasch ab sofort d'chind, d'B._____, und mini 

ganzi familie plus aghörige in friede süscht chunsch gwaltigi problem mit mir über 

bzw. die hesch scho am hals. […]". Damit erklärte die Beschuldigte gegenüber der 

Zeugin unmissverständlich, dass sie den Privatkläger darüber informieren solle, 

dass sie ihn "killen", d.h. umbringen werde, sollte er an Weihnachten auftauchen 

oder der Zeugin und/oder deren gemeinsamen Kinder nochmals etwas antun. Das 

Wort "killen" betonte sie zusätzlich durch ein Küchenmesser-Emoji. Sie erklärte 

sodann in ihrer zweiten Nachricht an die Zeugin bereits unmissverständlich "das 

meini ernscht.". Die Beschuldigte konnte damit nicht davon ausgehen, dass die 

Zeugin sie – bzw. das Wort "killen" – nicht ernst nehmen würde. Diese Aussage 

bekräftigte sie zwei Tage später mit zwei Nachrichten an den Privatkläger persön-

lich, indem sie erklärte, die Nachricht an die Zeugin – und damit die darin enthaltene 

Todesdrohung – ernst gemeint zu haben und zu hoffen, dass ihm diese ausgerich-

tet worden sei. Damit spielt es auch keine Rolle, dass sie das Wort "killen" lediglich 

in der Nachricht an die Zeugin benutzte, wollte sie doch, dass dies dem Privatkläger 

-   15   -

ausgerichtet wird. Aus den Aussagen der Zeugin und des Privatklägers ergibt sich 

sodann, dass diese den Privatkläger über die an ihn gerichtete Nachricht infor-

mierte. Auch die Nachricht an den Privatkläger betonte sie mittels zur Nachricht 

bzw. Drohung passender Emojis, nämlich einem Totenkopf, einem Küchenmesser 

und einem Blutstropfen. Wenn die Beschuldigte davon spricht, "killen" sei im 

übertragenen Sinne gemeint gewesen, so handelt es sich dabei um eine reine 

Schutzbehauptung. Für eine solche Interpretation besteht keinerlei Spielraum. 

Sodann drohte sie ihm gewaltige Probleme mit ihr – d.h. mit der Beschuldigten – 

an, sollte er seine Kinder, die Zeugin sowie ihre Familie nicht in Frieden lassen. Die 

Beschuldigte drohte somit nicht, wie von ihr behauptet, mit dem Einschalten von 

Behörden wie der Polizei oder der KESB. Auch in der Nachricht gegenüber der 

Zeugin erwähnte sie keine Behörden. Sie liess diesbezüglich, entgegen ihren Aus-

führungen, keinen Interpretationsspielraum offen. Dafür, dass sie die Drohung ernst 

meinte, spricht auch die Tatsache, dass sie selbst geltend machte, Todesängste 

um ihre Familie, sich selbst und insbesondere die Kinder gehabt zu haben. Sie 

habe unbedingt verhindern wollen, dass diesen weiteres Leid zustösst und in 

Notwehr bzw. Notwehrhilfe gehandelt. Die Beschuldigte sah offensichtlich keinen 

anderen Ausweg mehr, als dem Privatkläger mit dem Tode zu drohen, um das aus 

ihrer Sicht drohende Übel zu verhindern. Sie nutzte gar verschiedene Kanäle um 

sicherzustellen, dass die Nachricht ankommt. Damit ist klar, dass die Beschuldigte 

die Drohung absichtlich versandte, um ihr Ziel zu erreichen und den Beschuldigten 

ihrem Willen zu beugen. Sie wollte diesen dazu bewegen, sich von der Familie fern 

zu halten und dieser nichts anzutun. Genauer gesagt, wollte sie dafür sorgen, dass 

er an Weihnachten nicht auftaucht oder seiner Ex-Partnerin bzw. seinen Kindern 

etwas antut, was sie im Übrigen anlässlich der Berufungsverhandlung auch explizit 

so zu Protokoll gab (Urk. 109 S. 21). Der Anklagesachverhalt bezüglich Dossier 1 

ist damit erstellt. 

-   16   -

4. Anklagevorwurf gemäss Dossier 3

4.1. Beweismittel

4.1.1. Aussagen der Zeugin D._____

Hinsichtlich der Aussagen der Zeugin D._____ (nachfolgend: Zeugin) kann vorab 

vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 

S. 32-35 E. II. 3.1.). Die Zeugin führte zusammengefasst aus, sie sei mit ihrer 

Mutter und ihren beiden Kindern im Tram Nr. … auf dem Weg zum E._____ gewe-

sen. Als sie an der Tramhaltestelle E._____ mit ihrem Sohn im Türbereich gestan-

den habe, habe sie die Beschuldigte in der Ecke des Viererabteils wahrgenommen. 

Diese habe etwas zu ihr gesagt, was sie nicht verstanden habe. Daher sei sie ste-

hengeblieben. Die Beschuldigte habe dann vehement "Abstand" gesagt. Sie habe 

nicht begriffen, was diese damit meine und sich daher danach erkundigt. In diesem 

Moment sei die Beschuldigte auf sie zugegangen, habe gesagt "Abstand oder 

Spray" und ihr direkt ins Gesicht gespritzt. Sie habe gesagt, man müsse die Polizei 

rufen, worauf die Beschuldigte sie mit "Fotze" und weiteren Wörtern, die sie nicht 

mehr genau wisse, beschimpft habe. Sie habe dieser danach "Du dommi Moore" 

gesagt (Urk. 3/4 F/A 6 i.V.m. Urk. 3/4 F/A 16, Urk. 3/5 F/A 14 und Urk. 3/5 F/A 21). 

Die Beschuldigte habe sie aus einer Entfernung von weniger als einem Meter 

angesprüht, wobei sie den Sprühknopf ca. zwei Sekunden lang gedrückt gehalten 

habe. Sie habe sie zunächst ins Gesicht getroffen und danach den Oberkörper 

(Urk. 3/4 F/A 11). Sie habe bei dem Vorfall eine Verätzung ersten Grades am Auge 

erlitten, wobei die Schmerzen nach etwa zehn Minuten zunächst etwas nachgelas-

sen hätten, dann jedoch wieder stärker geworden seien, so dass sie sich in ärztliche 

Behandlung begeben habe. Der Arzt habe gemeint, sie habe Glück gehabt. Ihre 

Kontaktlinsen und ihr sofortiges Auswaschen der Augen vor Ort hätten geholfen 

und Schlimmeres verhindert (Urk. 3/4 F/A 9). 

4.1.2. Aussagen der Beschuldigten

4.1.2.1. Bezüglich der getätigten Aussagen der Beschuldigten kann zunächst voll-

umfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 35-

40 E. II. 3.2.). Zusammengefasst erklärte die Beschuldigte, dass die Zeugin im 

-   17   -

Tram ständig Blickkontakt mit ihr aufgenommen habe, obwohl diese in ein 

Gespräch mit ihrer Mutter verwickelt gewesen sei, was ihr seltsam erschienen und 

unangenehm gewesen sei. Sie habe die Gefahr da bereits gewittert (Urk. 1/10 

S. 2). Die Mutter der Zeugin habe sich kurz vor der Endhaltestelle erhoben, sich 

von dieser verabschiedet – was ein Alarmzeichen gewesen sei – und sei mit dem 

Kinderwagen im fahrenden Tram nach vorne zum Chauffeur gegangen, wo sie sich 

vor die vorderste Ausgangstür zum Aussteigen bereitgestellt habe. Die Zeugin sei 

zunächst sitzen geblieben, habe sie im Blick behalten, beim Aussteigen zugewartet 

und sich etwa zeitgleich mit ihr Richtung Ausgang bewegt. Dass die Zeugin und 

ihre Mutter unterschiedliche Ausgänge benutzten, sei ein konkreter Hinweis auf 

einen drohenden Angriff gewesen. Die Zeugin sei dann mitten im Türbereich in 

ca. ein bis drei Meter Abstand zu ihr stehen geblieben und habe damit die Tür 

blockiert. Diese habe dabei nach draussen und wieder nach drinnen geschaut, was 

ein weiteres Anzeichen für ihre Bedrohung gewesen sei. Die Zeugin habe sodann 

die Fahrplantafel innerhalb des Trams studiert. Ihr sei da definitiv klar gewesen, 

dass diese ihr mit Absicht rechtswidrig den Weg versperre und ihre kostbare Zeit 

verschwende. Sie habe diese daraufhin ca. drei Mal laut und bestimmt, aber freund-

lich aufgefordert, Abstand zu nehmen, Platz zu machen, den Türbereich frei zu ge-

ben und sie aussteigen zu lassen (Urk. 1/10 S. 3 unten bis S. 4). Bei der allerletzten 

Ermahnung, habe sie ihr gesagt, dass sie mit dem Pfefferspray sprayen würde, 

wenn diese nicht endlich Platz machen würde. Die Zeugin habe sich sofort – wild 

und aggressiv gestikulierend – zu ihr umgedreht. Schliesslich habe die Zeugin sie 

angegriffen, indem sie zurück ins Tram gekommen und wütend direkt noch zwei, 

drei Schritte näher auf sie zugekommen sei, sodass sie Panik bekommen habe. 

Daher sei sie gezwungen gewesen, kurz in Richtung ihres Oberkörpers zu sprühen 

(Urk. 1/10 S. 4 unten bis S. 5). Sie habe dieser nicht ins Gesicht gespritzt. Diese 

habe das Pfefferspray nur indirekt über die Kleidung abbekommen (Urk. 1/10 S. 5; 

Urk. 1/11 F/A 22; Urk. 1/12 S. 3 unten; Prot. I S. 28). Die Zeugin habe sie dann als 

"dommi Moore" bezeichnet (Urk. 1/10 S. 5) bzw. sei sie von dieser sehr derbe in 

Du-Form mit "Du dumme Chue", "Dumme Moore" und "der spinnts doch" beleidigt 

worden (Urk. 1/11 F/A 22 i.V.m. Urk. 1/12 S. 3 unten und Prot. I S. 30). Sie wie-

-   18   -

derum habe dieser gegenüber keine Beleidigung ausgesprochen (Urk. 1/10 S. 5 

unten; Urk. 1/11 F/A 22; Urk. 1/12 S. 3 unten; Prot. I S. 30). 

4.1.2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte aus, die 

Zeugin habe die Türe blockiert. Sie habe diese mehrmals aufgefordert, Platz zu 

machen, worauf diese sich jedoch nicht entfernt habe sondern auf sie zugekommen 

sei. Nach dreimaliger Warnung mit "Abstand oder Spray" habe sie dann ganz kurz 

in Richtung ihres Oberkörpers gesprayt. Sie habe sich damit wehren und die Zeugin 

abwehren wollen (Urk. 109 S. 25). Diese sei sehr angriffig rüber gekommen, was 

sie an ihrer Gestik, ihrem Gesichtsausdruck und der verbalen Ausdrucksweise fest-

gemacht habe. Was sie konkret von dieser befürchtet habe, könne sie nicht sagen. 

Sie habe nicht abwarten wollen, dass etwas passiere. Heute trage sie kein Tränen-

gasspray mehr mit sich. Die Zeugin habe sie beleidigt. Sie habe dann beim Weg-

laufen zurückgegeben und diese u.a. mit dem Wort Fotze betitelt. Sie habe sich 

nicht gefallen lassen wollen, was diese zu ihr gesagt habe und wie sie sich ver-

halten habe (Urk. 109 S. 26 f.). Sie glaube nicht, dass sie die Situation falsch 

eingeschätzt habe (Urk. 109 S. 28). Darauf angesprochen, ob sie sich erneut so 

verhalten würde, wenn sie im Tram das Gefühl habe, jemand lasse sie nicht 

aussteigen, erklärte sie, sie trage kein Pfefferspray mehr bei sich (Urk. 109 S. 30). 

4.1.3. Ärztlicher Notfallbefund

Bei den Akten befindet sich sodann der ärztliche Notfallbefund der Augenklinik des 

Universitätsspitals Zürich vom 25. Oktober 2021, aus welchem hervorgeht, dass 

die Zeugin ca. eineinhalb Stunden nach dem Zwischenfall mit dem Pfefferspray 

untersucht wurde, wobei eine Verätzung ersten Grades in ihrem linken Auge 

diagnostiziert wurde. Die Anamnese ergab, dass der Zeugin das Auge zu diesem 

Zeitpunkt nicht mehr weh tat, jedoch die umliegenden Hautpartikel (Urk. 3/6). 

4.2. Würdigung

4.2.1. Sowohl die Zeugin als auch die Beschuldigte sagten übereinstimmend aus, 

dass die Beschuldigte diese im Tram Nr. 6 bei der Endhaltestelle mit Pfefferspray 

besprühte, nachdem die Beschuldigte zuvor "Abstand" und auf Nachfrage seitens 

-   19   -

der Zeugin "Abstand oder Spray" ausgerufen hatte. Dieser Teil des Sachverhalts 

wird also von der Beschuldigten anerkannt und ist aufgrund der übereinstimmen-

den Aussagen der Zeugin als erstellt zu betrachten. 

4.2.2. Die Beschuldigte führte jedoch aus, der Zeugin mit dem Pfefferspray nicht 

ins Gesicht, sondern lediglich ganz kurz Richtung Oberkörper gespritzt zu haben, 

wobei dieses von deren Kleidung wohl über die Luft in deren Augen gelangt sein 

müsse. Aus den mehrfachen, ausführlichen Schilderungen des Tatablaufs seitens 

der Beschuldigten wird klar, dass diese zunächst mehrere Warnzeichen seitens der 

Zeugin und deren Mutter auf einen drohenden Angriff wahrgenommen hat, was in 

ihr die Angst vor einem solchen wachsen liess, ehe sie keinen anderen Ausweg 

mehr sah, als sich mittels Einsatzes des Pfeffersprays gegen diesen zu wehren. 

Die Beschuldigte befand sich, wie die Vorinstanz richtigerweise ausführte, – aus 

ihrer Sicht – in einer ernsthaften und akuten Bedrohungslage und war entsprechend 

in Panik. Sie hatte das Gefühl angegriffen zu werden. Pfeffersprays sind denn auch 

dazu da, Angreifer sofort ausser Gefecht zu setzen ohne diese dabei dauerhaft zu 

schädigen, wobei sich die Wirkung innert Sekunden auf die Augen, die Haut und 

die Atemwege entfaltet (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-le-

ben/umwelt-und-gesundheit/chemikalien/chemikalien-a-z/abwehrspray.html). Die 

Symptome verschwinden in der Regel innerhalb von 30 Minuten. Nur bei hohen 

Konzentrationen können die Effekte länger anhalten und selten auch bleibend sein 

(Factsheet Abwehrspray, Bundesamt für Gesundheit BAG, Februar 2023, S. 2, 

abrufbar unter https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-

gesundheit/chemikalien/chemikalien-a-z/abwehrspray.html). 

4.2.3. Aus dem ärztlichen Notfallbefund und den Ausführungen der Zeugin geht 

hervor, dass diese auch noch eineinhalb Stunden nach dem Einsatz des Pfeffer-

sprays Schmerzen an den umliegenden Hautpartikeln der Augen hatte und eine 

Verätzung ersten Grades im linken Auge davongetragen hat, was unbestritten blieb 

und dafür spricht, dass das Pfefferspray eben nicht nur ganz kurz eingesetzt wurde 

und lediglich auf die Kleider der Zeugin gelangte, sondern zumindest unter 

anderem auch direkt ins Auge und damit ihr Gesicht. In Anbetracht der akuten 

Bedrohungslage, welche die Beschuldigte verspürte, erscheint es denn auch 

-   20   -

nahezu lebensfremd davon auszugehen, dass sie der Zeugin nur ganz kurz an den 

Oberkörper gespritzt haben will. 

4.2.4. Die Verteidigung machte diverse (vermeintliche) Widersprüche in den 

Aussagen der Zeugin geltend, welche sich jedoch ohne Weiteres auflösen lassen. 

So wandte diese etwa ein, die Aussage der Zeugin, dass die Beschuldigte ihr aus 

einer Distanz von ca. einem Meter gegenübergestanden sei und ihren Arm beim 

Sprayen nicht ausgestreckt, sondern angezogen gehabt habe, womit die Distanz 

des Sprays zu ihrem Gesicht weniger als einen Meter betragen habe, ergebe 

keinen Sinn. Wenngleich die Bemerkung der amtlichen Verteidigung, ein aus-

gestreckter Arm mache den Abstand kürzer und nicht ein angewinkelter, zutrifft 

(Urk. 110 S. 14), so ist die Schilderung der Zeugin dennoch korrekt und wider-

spruchsfrei. Stehen sich zwei Menschen im Abstand von einem Meter gegenüber, 

sorgt auch ein nicht ganz ausgestreckter sondern leicht angewinkelter Arm dafür, 

dass der Abstand verringert wird und damit weniger als einen Meter beträgt. 

Auch die Tatsache, dass die Geschädigte einerseits aussagte, der Beschuldigten 

nicht den Weg versperrt zu haben, denn sie habe diese gar nicht gesehen und 

andererseits erklärte, die Beschuldigte habe in diesem Moment schon warten 

müssen (vgl. Urk. D3/3/5 F/A 17 i.V.m. F/A 19), stellt – entgegen der Behauptung 

der amtlichen Verteidigung (vgl. Urk. 110 S. 14) – keinen Widerspruch dar. Die 

Zeugin war im Türbereich des Trams stehen geblieben, zunächst ohne die Beschul-

digte wahrgenommen zu haben. Damit konnte sie ihr auch nicht aktiv den Weg 

versperren. In der Konsequenz hat ihr Stehenbleiben jedoch dazu geführt, dass die 

Beschuldigte einen Moment warten musste. Die Zeugin nahm die Beschuldigte 

einfach erst später wahr. 

Die Zeugin sagte sodann bei beiden Befragungen konstant aus, dass sie mit ihrer 

Mutter und ihren beiden Kindern im Tram gewesen sei, wobei sie mit ihrem Sohn 

bei einer Tür gewesen und diesen auf ein Zirkusplakat ausserhalb des Trams auf-

merksam gemacht habe. Ihre Mutter hingegen habe sich mit ihrer Tochter einen 

Ausgang weiter weg befunden (Urk. D3/3/4 F/A 6 i.V.m. F/A 7 und D3/3/5 F/A 14). 

Entgegen den Ausführungen der amtlichen Verteidigung war nie von vier Kindern, 

sondern konstant von zwei Kindern die Rede (vgl. Urk. 110 S. 14). 

-   21   -

4.2.5. Die Ausführungen der Zeugin sind lebensnahe und stimmig. Es entsteht der 

Eindruck, dass sie tatsächlich Erlebtes wiedergibt, zumal sie ihre Emotionen und 

Reaktionen auf die Pfeffersprayattacke authentisch und detailliert zum Ausdruck 

brachte. Die Zeugin gab sodann von Anfang an zu, die Beschuldigte als "dommi 

Moore" beschimpft zu haben. Sie sagte somit ohne Not zu ihren eigenen Lasten 

aus und versuchte nicht, sich selber in ein besseres Licht zu stellen. Gleichzeitig 

äusserte sie sich in ihren für die Beschuldigte belastenden Aussagen zurückhaltend 

und machte diese nicht unnötig schlecht. Sie gab sodann zu, wenn sie etwas nicht 

mehr wusste, und erklärte, sich nur noch an das Wort "Fotze" erinnern zu können. 

Ihre Darstellung ist daher glaubhaft und vermag zu überzeugen. 

4.2.6. Die Beschuldigte erklärte – in Übereinstimmung mit den Aussagen der 

Zeugin – von dieser nach dem Pfeffersprayeinsatz beschimpft worden zu sein. Ent-

gegen den Ausführungen der Verteidigung führte sie bis und mit Hauptverhandlung 

jedoch aus, diese selbst nicht beschimpft zu haben. Erst anlässlich der Berufungs-

verhandlung gestand sie dies ein. In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschul-

digte wenige Augenblicke zuvor noch davon ausgegangen ist, sich in einer 

beträchtlichen Bedrohungslage zu befinden, weshalb sie die Zeugin mit Pfeffer-

spray bespritzte, worauf diese – verständlicherweise – wenig erfreut reagierte und 

die anwesenden Personen bat, die Polizei zu rufen, wäre es denn auch nicht nach-

vollziehbar erschienen, dass sie gegenüber der Zeugin höflich geblieben sein will. 

Sodann versuchte sie, die Zeugin schlechter darzustellen als nötig und betonte, 

dass die Beschimpfungen seitens der Zeugin sehr derbe und in "Du-Form" gewe-

sen seien. Zunächst sprach sie zwar lediglich von einer Beschimpfung. In ihrer 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. April 2022 war dann jedoch von 

drei Beschimpfungen die Rede. Das Geständnis bezüglich der ausgesprochenen 

Beschimpfung erfolgte nicht nur sehr spät, sondern auch erst nachdem die 

Vorinstanz (fälschlicherweise) davon ausgegangen war, dass die Beschimpfung 

der Zeugin zuerst erfolgt sei. Ihre Aussagen – mit Ausnahme des Geständnisses 

bezüglich der Beschimpfung an sich – erscheinen daher unglaubhaft und sind nicht 

geeignet, die glaubhafte Darstellung der Zeugin ernsthaft in Frage zu stellen. 

Wenngleich es suboptimal ist, dass die Videoaufzeichnung aus dem Tram nicht 

vorhanden ist, gereicht dies der Beschuldigten – entgegen den Ausführungen der 

-   22   -

Verteidigung (vgl. Urk. 110 S. 12 f.) – nicht zum Nachteil. Dass die Aufzeichnung 

entlastend gewesen wäre, ist reine Spekulation und stellt keinen Grund dar, an den 

äusserst glaubhaften Aussagen der Zeugin zu zweifeln. Wie die amtliche Verteidi-

gung richtig ausführte (vgl. Urk. 110 S. 12) wäre die Videoaufnahme mangels 

Tonaufnahme in Bezug auf die Beschimpfung ohnehin nicht von Belang gewesen. 

Bezüglich den Einsatz des Pfeffersprays gilt es sodann zu bemerken, dass sich die 

Beschuldigte selbst dann nicht in einer Bedrohungslage befunden hätte, die den 

Einsatz von Pfefferspray zu rechtfertigen vermocht hätte, wenn die von ihr getätig-

ten Schilderungen zutreffen würden (siehe hierzu E. II.C.2.3. und E. II.C.3.). Eine 

entsprechende Videoaufzeichnung würde sie also auch diesbezüglich nicht entlas-

ten. 

4.3. Fazit

Es ist erstellt, dass die Beschuldigte die Zeugin zunächst ansprach, ihr "Abstand" 

und "Abstand oder Spray" zurief und ihr schliesslich Pfefferspray ins Gesicht 

sprühte, so dass diese Verätzungen ersten Grades am linken Auge davontrug. 

Sodann betitelte die Beschuldigte diese als "Fotze" und mit nicht näher bekannten 

weiteren derben Ausdrücken. 

B. Rechtliche Würdigung

1. Versuchte Nötigung gemäss Dossier 1

1.1. Objektiver Tatbestand

1.1.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum objektiven Tatbestand der 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB kann auf die Ausführungen der Vorinstanz hierzu 

verwiesen werden (Urk. 94 S. 43 f. E. III. 1.2.1.). Ergänzend kann festgehalten wer-

den, dass die Drohung der Verübung eines Vergehens oder Verbrechens gegen 

Leib und Leben regelmässig geeignet ist, einem Opfer seinen Willen aufzuzwingen. 

Die Androhung eines solchen Nachteils ist geeignet, dem Betroffenen eine Hand-

lungsweise, ein Dulden oder Unterlassen aufzuzwingen, auf welche der Drohende 

keinen Anspruch hat (BSK StGB, DELNON/RÜDY, Art. 181 N. 40). Die Erzeugung 

-   23   -

eines psychischen Ausnahmezustandes beim Opfer wie etwa Panik oder Angstläh-

mung ist hingegen nicht vorausgesetzt (BSK StGB, DELNON/RÜDY, Art. 181 N. 26).

1.1.2. Die Beschuldigte drohte dem Privatkläger vorliegend ihn zu "killen", d.h. sie 

stiess eine Todesdrohung aus, und drohte ihm zudem gewaltige Probleme (mit ihr) 

an. Solche Drohungen – insbesondere die mit Nachdruck ausgesprochene Todes-

drohung – sind ohne Weiteres und entgegen den Ausführungen der amtlichen 

Verteidigung (vgl. Urk. 110 S. 11) geeignet auch eine besonnene Person in der 

Lage der betroffenen Person, sprich des Privatklägers, gefügig zu machen. Eine 

Androhung ernstlicher Nachteile liegt somit vor. Die Beschuldigte verlangte vom 

Privatkläger, dass dieser sich an Weihnachten von der Familie fern hält und der 

Zeugin und deren Kindern nichts antut. Sie forderte also ein Unterlassen seitens 

des Privatklägers. Die Todesdrohung, um den Privatkläger davon abzuhalten, an 

Weihnachten vorbei zu kommen, stellt eine klare Nötigungshandlung dar. Bezüg-

lich der erfolgten Drohung, um ihn davon abzuhalten der Mutter seiner Kinder und 

diesen erneut etwas anzutun, gilt es sodann festzuhalten, dass nicht erstellt ist, 

dass eine strafbare Handlung des Privatklägers im Raum gestanden hätte, die sie 

hätte abwenden wollen. Es ist davon auszugehen, dass das Teil ihrer wahnhaften 

Vorstellungen war. Auf diese ist nicht abzustellen. Entgegen den Ausführungen der 

amtlichen Verteidigung, stellt die in der Nachricht enthaltene Aufforderung der 

Beschuldigten an den Privatkläger – er solle etwas cleverer werden und die 

Probleme nicht noch vergrössern – keinen Beweis dafür dar, dass ihrer Aussage 

keine Drohung inhärent sei, da es keine Probleme gegeben hätte, die noch grösser 

hätten werden können, wenn dem Privatkläger nichts zu unterstellen gewesen wäre 

(Urk. 110 S. 7 und S. 10). Der Androhung gewaltiger Probleme kommt im Lichte 

des Gesamtzusammenhangs vorliegend ohne Weiteres Drohcharakter zu. Der 

Privatkläger hatte vorliegend jedoch tatsächlich – unabhängig vom Wahrheitsgehalt 

der Behauptungen der Beschuldigten – bereits Probleme, unterstellte die Beschul-

digte ihm doch zumindest vor der Mutter seiner Kinder, diesen etwas angetan zu 

haben. Sodann hatte sie bereits damit gedroht, ihn zu "killen". Diese Probleme 

hätten in Anbetracht der Drohungen der Beschuldigten durchaus noch grösser wer-

den können. Die Beschuldigte hatte sodann direkten Einfluss auf das Eintreten des 

ernstlichen Nachteils bzw. gab zumindest vor, diesen zu haben. Der Privatkläger 

-   24   -

nahm die Drohungen zwar ernst, liess sich den Willen der Beschuldigten jedoch 

nicht aufzwingen, sondern wendete sich hilfesuchend an die Polizei. Der zur 

Vollendung der Tat gehörende Erfolg ist somit nicht eingetreten. Selbst wenn man 

– der amtlichen Verteidigung folgend (vgl. Urk. 110 S. 8 f.) – davon ausginge, dass 

der Privatkläger nicht in Angst und Schrecken versetzt worden sei, würde dies 

vorliegend keinen Unterschied machen, da lediglich eine versuchte Nötigung ein-

geklagt wurde, weshalb sich eine vertiefte Auseinandersetzung hiermit erübrigt. 

Der objektive Tatbestand der Nötigung ist damit ohnehin nicht vollständig erfüllt. 

1.2. Subjektiver Tatbestand

1.2.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum subjektiven Tatbestand der 

Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und der Tatsache, dass die Frage des 

Vorsatzes von einer allfälligen Schuldunfähigkeit zu unterscheiden ist, kann voll-

umfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 45 

E. III. 1.3.1. und S. 45 f. E. III. 1.3.4.). 

1.2.2. Die Beschuldigte begründete den Versand ihrer Nachrichten mehrfach damit, 

dass sie mit diesen habe erreichen wollen, dass der Privatkläger nicht an der 

Familienweihnachtsfeier teilnimmt, er die Familie – insbesondere die Zeugin und 

deren Kinder – in Ruhe lässt und diesen nichts antut. Entgegen den Ausführungen 

der amtlichen Verteidigung ging es der Beschuldigten offensichtlich nicht lediglich 

darum, den Betroffenen in ihnen verständlicher Sprache klarzumachen, dass der 

Privatkläger nicht mehr davonkomme und darauf hinzuweisen, was sie mittels 

Anzeigen bei der Polizei und der KESB auszulösen in der Lage sei, womit sie ihn 

im übertragenen Sinne killen könne (Urk. 110 S. 10). Die Beschuldigte wusste sich 

– gemäss ihrer eigenen Darstellung – in ihrer Panik nicht anders zu helfen, als dem 

Privatkläger mit dem Tode und gewaltigen Problemen zu drohen, erklärte sie doch 

selbst, Todesangst gehabt zu haben. Sie handelte wissentlich und willentlich in 

Bezug auf die Androhung ernstlicher Nachteile in Form des Todes bzw. gewaltiger 

Probleme. Ebenso wissentlich und willentlich handelte sie in Bezug auf das abzu-

nötigende Verhalten. Sie wollte, dass der Privatkläger nicht an die Weihnachtsfeier 

kommt und sich von der Familie fernhält. Er sollte ausserdem der Zeugin B._____ 

und deren Kindern nichts antun. Mit ihren Nachrichten bezweckte die Beschuldigte, 

-   25   -

den freien Willen des Privatklägers zu beeinflussen bzw. zu beugen. Damit 

handelte sie vorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Der subjektive Tatbe-

stand der Nötigung ist mithin erfüllt. 

1.3. Rechtswidrigkeit

1.3.1. Wie die Vorinstanz richtig ausführte, muss die Rechtswidrigkeit beim Tatbe-

stand der Nötigung positiv begründet werden. Eine Nötigung ist unrechtmässig, 

wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum angestreb-

ten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen 

einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich 

oder sittenwidrig ist (BGE 141 IV 437 E. 3.2.1. m.w.H.).

1.3.2. Vorliegend sind sowohl die Androhung mit dem Tod ("killen") als auch die 

Drohung mit gewaltigen Problemen – d.h. das verwendete Mittel – rechtswidrig. Die 

Rechtswidrigkeit ist damit positiv begründet. Die Beschuldigte bediente sich mit 

anderen Worten unzulässiger Mittel, woran auch das von der amtlichen Verteidi-

gung vorgebrachte Argument, dass es der Zustimmung des Hausherrn bedurft 

hätte, damit der Beschuldigte ans Weihnachtsfest überhaupt hätte kommen dürfen 

(vgl. Urk. 110 S. 11), nichts zu ändern vermag, zumal er hierzu gemäss Aussagen 

der Beschuldigten eingeladen war (vgl. Urk. 1/4 F/A 16). 

1.4. Versuch

Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 

StGB kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 94 S. 46 E. III. 1.4.). Ein solcher ist vorliegend ohne weiteres gegeben. 

1.5. Fazit

Die Beschuldigte hat den Tatbestand der versuchten Nötigung im Sinne von 

Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt. 

-   26   -

2. Einfache Körperverletzung bzw. Tätlichkeiten gemäss Dossier 3

2.1. Objektiver Tatbestand

2.1.1. Vorliegend kann vorab vollumfänglich auf die theoretischen Ausführungen 

bezüglich den objektiven Tatbestand der einfachen Körperverletzung und der 

Abgrenzung zur Tätlichkeit der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 47 f. 

E. III. 2.2.1.). 

2.1.2. Wie bereits ausgeführt entfalten die Reizwirkstoffe von Abwehrsprays ihre 

Wirkung in den Augen, auf der Haut und im Atemtrakt innerhalb weniger Sekunden, 

wobei die Symptome in der Regel innerhalb von 30 Minuten wieder verschwinden. 

Bei hohen Konzentrationen können die Effekte jedoch länger anhalten und selten 

gar bleibend sein. Sämtliche Wirkstoffe verursachen ein intensives Stechen in den 

Augen und bewirken Tränenfluss, was zu einer vorübergehenden Kampfunfähigkeit 

führt. Auf der Haut führen die Stoffe sodann zu Kribbeln, Brennen und Rötungen. 

Bei hohen Konzentrationen können unter anderem auch Augenschädigungen auf-

treten, die von reversiblen Wassereinlagerungen in der Hornhaut und Bindehaut-

entzündungen bis zu bleibenden Veränderungen der Hornhaut wie Geschwüren 

mit Narbenbildung, Trübung oder Gefässneubildung reichen. Sodann können 

Lidkrämpfe oder vorübergehender Verlust des Lidschlussreflexes auftreten. Die 

Folgen können je nach Wirkstoff variieren (Factsheet Abwehrspray, Bundesamt für 

Gesundheit BAG, Februar 2023, S. 2, abrufbar unter https://www.bag.admin.ch/ 

bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesunheit/chemikalien/chemikalien-a-

z/ab wehrspray.html.). Da die Auswirkungen somit je nach Dauer des Pfefferspray-

einsatzes bzw. dessen Konzentration, Wirkstoff des Sprays und wohl auch Art des 

besprühten Körperteils unterschiedlich sein können, lässt sich der Einsatz von Pfef-

ferspray nicht pauschal als einfache Körperverletzung oder Tätlichkeit qualifizieren. 

Die Auswirkungen des Einzelfalles sind in jedem Fall massgebend. 

2.1.3. Die Zeugin erlitt vorliegend eine Verätzung ersten Grades am linken Auge 

aufgrund des von der Beschuldigten gegen sie eingesetzten Pfeffersprays. Dass 

sich die Zeugin lediglich eine Verätzung ersten Grades zuzog, dürfte sicherlich dem 

glücklichen Umstand geschuldet sein, dass sich vor Ort ein Brunnen befand, an 

-   27   -

welchem sich die Zeugin die Augen auswaschen konnte und ihr ihre Kontaktlinsen 

einen gewissen zusätzlichen Schutz boten, was der Zeugin von ärztlicher Seite 

offenbar so mitgeteilt wurde. Aus der bei den Akten liegenden ärztlichen Anamnese 

ergibt sich sodann, dass die Zeugin eineinhalb Stunden nach dem Vorfall zwar 

keine Schmerzen am Auge mehr hatte, ihr jedoch die umliegenden Hautpartikel 

immer noch weh taten, wobei die Schmerzen an den Augen zuvor offenbar so stark 

waren, dass sich die Zeugin deshalb in ärztliche Behandlung begab. Sodann 

musste diese einen Kontrolltermin wahrnehmen. 

2.1.4. Die Zeugin erlitt mit der Verätzung ersten Grades an ihrem linken Auge und 

den damit einhergehenden doch immerhin so erheblichen Schmerzen, dass sie 

sich in ärztliche Behandlung begab, eine zwar nur vorübergehende Störung physi-

scher Natur, welche jedoch einem krankhaften Zustand gleichkommt. Damit liegt 

entgegen der Ausführungen der Vorinstanz eine einfache Körperverletzung vor. 

Sowohl die Intensität des Schmerzes als auch die Verätzung des Auges wären je 

für sich gesehen zur Annahme einer einfachen Körperverletzung ausreichend. Die 

Intensität des Schmerzes ist vorliegend jedoch nicht von der Anklage umfasst, 

weshalb vorliegend einzig die Verätzung des Auges für die rechtliche Würdigung 

massgebend ist. Der objektive Tatbestand der einfachen Körperverletzung im 

Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB ist damit erfüllt. 

2.2. Subjektiver Tatbestand

2.2.1. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt 

(OFK/StGB-DONATSCH, Art. 123 N. 5 mit weiteren Hinweisen). 

2.2.2. Die Beschuldigte erklärte mehrfach, dass sie sich von der Zeugin bedroht 

gefühlt habe. Sie sei von dieser angegriffen worden, sei von ihr rechtswidrig am 

Verlassen des Trams gehindert worden und habe daher den Pfefferspray einge-

setzt. Es ist somit davon auszugehen, dass diese den Pfefferspray gezielt gegen 

das Gesicht und den Oberkörper der Zeugin einsetzte, um den aus ihrer Sicht 

bestehenden Angriff der Zeugin abzuwehren. Dabei wusste sie oder musste zumin-

dest damit rechnen, dass bei einem Pfeffersprayeinsatz gegen das Gesicht der 

Zeugin Sprayflüssigkeit in deren Augen geraten kann, wobei bei einem längeren 

-   28   -

Sprühvorgang mit Folgen wie den aufgetretenen zu rechnen ist. Die Beschuldigte 

belegte gemäss eigenen Aussagen einen Kurs hierzu und ist daher im Umgang mit 

Pfefferspray geschult. Sie hat die Verletzungen somit zumindest in Kauf genom-

men, womit sie mindestens eventualvorsätzlich handelte. Damit handelte sie 

vorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB und hat den subjektiven Tatbestand 

der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB erfüllt. 

2.3. Fazit

Die Beschuldigte hat den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB erfüllt. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius hat es 

vorliegend jedoch beim vorinstanzlichen Schuldspruch wegen Tätlichkeiten im 

Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sein Bewenden. 

3. Beschimpfung gemäss Dossier 3

3.1. Objektiver Tatbestand

3.1.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zum Tatbestand der Beschimp-

fung kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 94 S. 49 f. E. III. 3.2.1.). 

3.1.2. Die Beschuldigte betitelte die Zeugin als "Fotze" und mit weiteren, nicht näher 

bekannten derben Ausdrücken. Indem die Zeugin mit dem Ausdruck "Fotze" be-

zeichnet wurde, beleidigte die Beschuldigte diese objektiv in herabsetzender, ehr-

verletzender Weise. Bezüglich der nicht näher bekannten derben Ausdrücke lässt 

sich dies hingegen nicht eruieren. Ein Freispruch hat diesbezüglich dennoch nicht 

zu ergehen, handelt es sich doch gemäss Schilderung der Zeugin um eine wohl 

eher schnelle, direkt hintereinander ausgesprochene Abfolge mehrerer derben 

Ausdrücke gegen diese, weshalb von einer natürlichen Handlungseinheit, welche 

auf einem einheitlichen Willensakt beruht, d.h. einer Tateinheit, auszugehen ist. 

Von der Staatsanwaltschaft wurde denn auch – zu Recht – keine mehrfache Be-

schimpfung geltend gemacht. 

-   29   -

3.1.3. Den Aussagen der Zeugin ist zu entnehmen, dass diese gegenüber den 

anwesenden Personen – nach ihrem Ausruf "Hey, geids eigentlich no?" – äusserte, 

man müsse die Polizei rufen, worauf die Beschuldigte sie beschimpfte und sie 

dieser schliesslich "du dommi Moore" sagte (Urk. 3/4 F/A 6). Mit anderen Worten 

stellte die Beschimpfung seitens der Beschuldigten keine Antwort auf diejenige der 

Zeugin dar. Es war genau umgekehrt. Eine Strafbefreiung nach Art. 177 Abs. 2 

StGB ist somit für die Beschuldigte vorliegend ausgeschlossen. Da die Beschimp-

fung der Beschuldigten von der Zeugin ebenfalls mit einer Beschimpfung erwidert 

wurde, käme allenfalls eine fakultative Strafbefreiung nach Art. 177 Abs. 3 StGB in 

Betracht. Diese fällt vorliegend aufgrund der noch aufzuzeigenden Schuldunfähig-

keit der Beschuldigten ohnehin ausser Betracht, da sie nicht strafbar ist. Eine 

solche wäre vorliegend jedoch auch sonst nicht gerechtfertigt, da die Idee hinter 

der Strafbefreiung nach Art. 177 Abs. 3 StGB ist, dass von Strafe abgesehen 

werden kann, wenn die Streitenden sich schon an Ort und Stelle Gerechtigkeit 

verschafft haben und der Streit zu unbedeutend ist, als dass das öffentliche 

Interesse nochmalige Sühne verlangen würde, was aufgrund des unmittelbaren 

Zusammenhangs zum Angriff mit dem Pfefferspray vorliegend nicht der Fall ist. Ein 

öffentliches Interesse an der Strafverfolgung der Beschuldigten ist ohne Weiteres 

zu bejahen. Die Beschuldigte hat damit den objektiven Tatbestand der Beschimp-

fung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB erfüllt. 

3.2. Subjektiver Tatbestand

3.2.1. Der Tatbestand der Beschimpfung setzt vorsätzliches Handeln voraus. Der 

Täter bzw. die Täterin braucht nur zu wissen, dass das Werturteil ehrenrührig ist, 

nicht auch, dass es ungerechtfertigt ist (BGE 79 IV 20 E. 2). 

3.2.2. Die Beschuldigte wusste, dass die Bezeichnung einer Person als "Fotze" 

ehrenrührig ist und sie die Zeugin dadurch in ihrer Ehre angreift und herabsetzt, 

was sie wollte, hatte sie doch das Gefühl von dieser zu Unrecht angegriffen worden 

zu sein. Die Beschuldigte hat damit den subjektiven Tatbestand der Beschimpfung 

im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB erfüllt. 

-   30   -

3.3. Fazit

Die Beschuldigte hat den Tatbestand der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 

Abs. 1 StGB erfüllt. 

C. Rechtfertigungsgründe

1. Vorbemerkungen

1.1. Die Beschuldigte machte bezüglich Dossier 1 mehrfach geltend, in Notwehr 

bzw. im Sinne einer Notwehrhilfe zugunsten ihrer Grossnichte, ihres Grossneffen 

bzw. letztlich ihrer ganzen Familie gehandelt zu haben (u.a. Urk. 1/4 F/A 20; 

Urk. 1/5 F/A 1; Urk. 1/7 S. 3 Mitte i.V.m. S. 4 oben). Bezüglich Dossier 3 machte 

die Beschuldigte ebenfalls geltend, in Notwehr gehandelt zu haben (Urk. 1/10 

S. 4 f.). 

1.2. Die amtliche Verteidigung brachte diesbezüglich vor, die Beschuldigte könne 

sich ohne weiteres auf Notwehr bzw. Putativnotwehr berufen. Es sei zu beachten, 

dass sie diesbezüglich nicht schlechter gestellt werden dürfe als Personen, denen 

die Schuldfähigkeit im Tatzeitpunkt nicht abgesprochen werde. Dies wäre aber das 

Ergebnis, würde man der Beschuldigten einen Freispruch gestützt auf Putativnot-

wehr allein deshalb verwehren, weil diese im Tatzeitpunkt für schuldunfähig einge-

stuft worden sei. Die Beschuldigte sei davon ausgegangen, dass ihre Nichte und 

deren Kinder bzw. sie selbst in Gefahr gewesen seien. Die Verletzungen der Kinder 

und das Gebaren der Geschädigten hätten ihr – unabhängig davon, ob es sich um 

eine Fehlvorstellung über die Wirklichkeit gehandelt habe – bei objektiver Betrach-

tung Anlass zur Notwehr respektive Putativnotwehr gegeben (Urk. 110 S. 16). 

2. Notwehr

2.1. Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zur Notwehr kann voll und ganz 

auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 52 f. E. III. 4.2.). 

Bezüglich der von der Beschuldigten ebenfalls geltend gemachten Notwehrhilfe 

lässt sich sodann ergänzen, dass auch jeder andere berechtigt ist, den Angriff in 

-   31   -

einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren, wenn jemand ohne 

Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht wird (Art. 15 StGB). 

2.2. Aufgrund der Ausführungen der Beteiligten lässt sich bezüglich Dossier 1 

keineswegs erstellen, dass der Privatkläger eine Bedrohung für seine Kinder, die 

Zeugin, die Beschuldigte oder deren weitere Familienangehörige darstellte. So 

führte insbesondere auch die Beschuldigte selbst aus, sie habe nie gesehen, dass 

der Privatkläger seinen Kindern ein Leid angetan habe. Ihr sei nicht bekannt, ob er 

jemals wegen einer Gewalttat zum Nachteil seiner Kinder oder seiner Ex-Partnerin 

verurteilt worden sei. Sie wisse auch nicht, ob jemals die KESB, eine andere Amts-

stelle oder die Polizei beim Privatkläger interveniert habe, weil er seinen Kindern 

Gewalt angetan habe oder es zu einer polizeilichen Intervention gegen diesen 

gekommen sei, weil er seiner Ex-Partnerin Gewalt angetan habe (Urk. 109 S. 21 f.). 

Sie wisse auch nicht, ob er ihrer Grossnichte die Verletzungen überhaupt zugefügt 

habe, sie wisse nur, dass diese Verletzung aufgewiesen habe, nachdem er die 

Aufsichtspflicht über sie gehabt habe (Urk. 109 S. 22 f. i.V.m. S. 30). Damit sind 

auch keinerlei Anhaltspunkte vorhanden, die für die von der amtlichen Verteidigung 

vorgebrachten These der Beschuldigten, der Privatkläger habe seinen Kindern 

bereits früher einmal etwas angetan, spricht (Urk. 110 S. 9), hat sie doch offenbar 

noch nicht einmal selbst irgendwelche Beobachtungen in diese Richtung gemacht. 

Selbst wenn ausschliesslich den Ausführungen der Beschuldigten – bei welchen 

es sich gemäss Gutachten um wahnhafte Realitätsverkennungen handelt – 

Glauben geschenkt würde, läge mangels eines unmittelbaren Angriffs keine 

Notwehrsituation vor, lagen doch dessen angebliche Übergriffe schon einige Zeit 

zurück, d.h. die Angriffe wären bereits beendet gewesen. Eine Notwehrlage war 

mithin nicht gegeben, womit weder Notwehr noch Notwehrhilfe nach Art. 15 StGB 

hinsichtlich Dossier 1 vorliegt. 

2.3. Auch hinsichtlich Dossier 3 lässt sich aufgrund der Ausführungen der Betei-

ligten nicht erstellen, dass die Zeugin eine Bedrohung für die Beschuldigte 

darstellte und diese angriff bzw. ein Angriff unmittelbar bevorstand. Selbst wenn die 

Ausführungen der Beschuldigten zutreffen sollten und die Zeugin diese beobachtet 

bzw. mehrfach angeschaut hätte, über längere Zeit im Türrahmen stehen geblieben 

-   32   -

wäre und diese damit an einem ungehinderten Ausstieg an jener Tür über einen 

gewissen Zeitraum hin gehindert hätte und sich – als Reaktion auf die Aufforderung 

der Beschuldigten, Abstand zu halten – umgekehrt und zwei, drei Schritte auf sie 

zugemacht und – wenn auch allenfalls in aggressivem Ton – gefragt haben sollte, 

was die Beschuldigte von ihr wolle, stellt dies noch keinen Angriff dar und lässt 

auch nicht auf einen unmittelbar drohenden Angriff schliessen. Die Beschuldigte 

führte gar selbst aus, sie hätte einfach eine andere Tür benutzen können. Eine 

Notwehrlage war mithin auch bezüglich des Angriffs mit dem Pfefferspray nicht 

gegeben. Hinsichtlich der Beschimpfung gilt es sodann zu sagen, dass die Beschul-

digte – ihren Schilderungen folgend – zu diesem Zeitpunkt den (bevorstehenden) 

Angriff der Zeugin bereits abgewehrt hatte, die Notwehrlage mithin beendet war 

und sie sich von dieser, ohne daran gehindert zu werden, entfernen und aus dem 

Tram aussteigen konnte (vgl. Urk. 1/10 S. 5). Damit lag auch hinsichtlich der 

Beschimpfung keine Notwehrlage vor. Die Beschuldigte handelte bezüglich Dossier 

3 mithin nicht in Notwehr nach Art. 15 StGB. 

3. Putativnotwehr

3.1. Wie die Vorinstanz richtig erkannte, stellt sich vorliegend grundsätzlich die 

Frage nach einer Putativnotwehrsituation. Wenn der Täter über das Vorliegen eines 

(bevorstehenden) rechtswidrigen Angriffes irrt, was sich nach Art. 13 StGB beur-

teilt, liegt Putativnotwehr vor (BGE 147 IV 193 E. 1.1. mit Verweisen). An dieser 

Stelle kann auf die Ausführungen der Vorinstanz hinsichtlich der Putativnotwehr bei 

Schuldunfähigen verwiesen werden (Urk. 94 S. 53 f. E. III. 4.4.). Zusammenfas-

send kann festgehalten werden, dass die irrige Annahme einer schuldunfähigen 

Person, die bei einem geistig gesunden Täter einen Sachverhaltsirrtum darstellen 

würde, unbeachtlich ist, wenn sie auf die zur Schuldunfähigkeit führende Erkran-

kung der Beschuldigten zurückgeht (BGE 147 IV 193 E. 1.4.6.). 

3.2. Da die Beschuldigte – wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird – im Tatzeit-

punkt schuldunfähig war und ihre irrige Vorstellung auf die dieser Schuldunfähigkeit 

zugrunde liegende Erkrankung zurückgeht (Urk. 1/19/20 S. 52 oben), kann sie sich 

vorliegend weder bezüglich Dossier 1 noch bezüglich Dossier 3 auf eine Putativ-

notwehrsituation berufen. 

-   33   -

4. Fazit

Nach dem Gesagten liegt kein Rechtfertigungsgrund vor. Die Beschuldigte hat 

sowohl die versuchte Nötigung (Dossier 1) als auch die Tätlichkeiten und die 

Beschimpfung (Dossier 3) rechtswidrig begangen.

D. Schuldfähigkeit

1. Gesetzliche Grundlage

Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist nicht strafbar, wer zur Zeit der Tat nicht fähig war, 

das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss seiner Einsicht in das Unrecht der 

Tat zu handeln.

2. Vorbringen der amtlichen Verteidigung

Die amtliche Verteidigung führte zur Diagnose aus, die Beschuldigte anerkenne die 

Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung (nachfolgend: PTBS), diese 

bestätigten sowohl ihre frühere Ärztin als auch der aktuelle Arzt. Der Gutachter äus-

sere sich jedoch nicht dazu, weshalb die Diagnose der Schizophrenie entscheidend 

sei und behaupte einfach, die schizophrene Erkrankung führe in sämtlichen Le-

bensbereichen zu massiven Leistungseinbussen oder Beeinträchtigungen, was 

nachweislich falsch sei. Es sei sodann unklar, welche augenfälligen psychosozialen 

und rechtlichen Schwierigkeiten die Beschuldigte seit 2019 deswegen haben solle. 

Die Beschuldigte habe vor ihrer Inhaftierung ihr eigenes Leben als Erwerbstätige 

geführt und seit ihrer Haftentlassung ihr Leben wieder neu aufgebaut. Die massiven 

Leistungseinbussen oder Beeinträchtigungen rührten von der Inhaftierung, durch 

welche sie alles verloren habe, was sie sich erarbeitet habe und nicht von der 

angeblichen Schizophrenie. Die Beurteilung der früheren Therapeuten lasse der 

Gutachter völlig ausser Acht. Die Diagnose des Gutachters verfange nur soweit 

eine PTBS attestiert werde. Von einer paranoiden Schizophrenie könne nicht die 

Rede sein (Urk. 110 S. 17 f.). Die herrschende Lehre sei sodann der Meinung, dass 

eine PTBS kaum je zu einer Aufhebung der Einsichtsfähigkeit und nur selten zu 

einer Aufhebung der Steuerungsfähigkeit führe, wobei vorliegend ohnehin kein 

Deliktszusammenhang zur PTBS festgestellt worden sei (Urk. 110 S. 24). 

-   34   -

3. Aussagen der Beschuldigten

3.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung äusserte sich die Beschuldigte dahin-

gehend, dass sie an mehreren Erkrankungen leide, so an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung und dem Restless-Legs-Syndrom, hiervon habe sie Schmerzen 

(Urk. 109 S. 2). Bezüglich der posttraumatischen Belastungsstörung könne es 

Flashbacks geben, wobei sie nicht sagen könne, wie oft sie diese habe. Sie nehme 

bereits seit ihrem 23. Altersjahr wahr, dass sie erkrankt sei. Bei der Diagnose der 

paranoiden Schizophrenie handle es sich hingegen um eine Fehldiagnose 

(Urk. 109 S. 3). Sie akzeptiere diese Diagnose nicht, weil sie Situationen selber 

sehr gut richtig einschätzen könne und die Prognose zur Rückfallgefahr nicht ein-

getreten sei (Urk. 109 S. 29). Sie befinde sich derzeit bei Dr. F._____ in einer Ge-

sprächstherapie. Dieser verschreibe ihr auch Medikamente, ein Antidepressiva, ein 

Medikament gegen ADHS und eines gegen das Restless-Legs-Syndrom. 

Sitzungen fänden alle paar Wochen statt, mehrmals wöchentlich oder sicher 

monatlich – mithin nicht wie von der amtlichen Verteidigung geltend gemacht zwei 

bis vier Mal pro Woche (vgl. Urk. 110 S. 23) –, wobei sie in der Regel bestimme, 

wann die Sitzungen stattfänden (Urk. 109 S. 4). Sie befinde sich bereits seit Ende 

letzten Jahres bei ihm in Behandlung. Seither gehe es ihr besser (Urk. 109 S. 20). 

Seit der Haftentlassung sei es sodann zu keinen neuen Vorfällen oder Auseinan-

dersetzungen mit Personen gekommen. Sie habe sich nicht mehr bedroht gefühlt 

und auch Familienangehörige oder sich selbst nicht mehr in Gefahr gewähnt. Sie 

trage auch den Pfefferspray nicht mehr auf sich (Urk. 109 S. 6 f. i.V.m. S. 20).

3.2. Die Beschuldigte führte sodann aus, das Gutachten mit ihrem derzeitigen 

Therapeuten, Dr. F._____, besprochen zu haben, wobei sie darauf angesprochen, 

was dieser zum Gutachten bzw. der Diagnose der paranoiden Schizophrenie sage, 

nur sehr ausweichend antwortete. Schliesslich erklärte sie, er sei irritiert gewesen. 

Dies habe an der Behandlung jedoch nichts geändert (Urk. 109 S. 15-17). Auch auf 

die Frage, welche Symptome dazu führen würden, dass sie krankheitsbedingt nicht 

mehr arbeiten könne, antwortete sie mehrfach sehr ausweichend und erklärte 

schliesslich, sie wisse nicht, wie sie das beschreiben könne (Urk. 109 S. 18 f.). 

-   35   -

4. Gutachten

4.1. Der Gutachter Prof. G._____ diagnostizierte bei der Beschuldigten eine pa-

ranoide Schizophrenie (Urk. 1/19/20 S. 39 oben und S. 44 Mitte bis S. 45 oben) 

sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (Urk. 1/19/20 S. 39 oben und S. 47 

Mitte), führte hierzu jeweils die zur Diagnosestellung zu erfüllenden Kriterien auf 

und erläuterte, inwiefern diese von der Beschuldigten tatsächlich erfüllt werden 

(Urk. 1/19/20 S. 44-47). Das Vorliegen einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksam-

keitsstörung des Erwachsenenalters (ADS/ADHS) konnte angesichts der akuten 

psychotischen Symptomatik nicht verifiziert werden, wobei die Diagnose für die 

gutachterliche Fragestellung von untergeordneter Relevanz sei (Urk. 1/19/20 S. 47 

unten). Sodann konnte für die Vergangenheit das Vorliegen eines schädlichen 

Gebrauchs von Stimulanzien (ICD-10 F 15.1) diagnostiziert werden (Urk. 1/19/20 

S. 47 unten bis S. 48 oben). Bei der Begutachtung flossen – entgegen der Ausfüh-

rungen der amtlichen Verteidigung – unter anderem diverse Berichte früherer The-

rapeuten der Beschuldigten ein (Urk. 1/19/20 S. 7-9 i.V.m. S. 12 f., S. 15-17 und 

S. 33 f.). 

4.2. Das Gutachten hält sodann fest, dass das komorbide Vorliegen einer PTBS 

und einer Schizophrenie häufig sei und sich die Diagnosen nicht gegenseitig 

ausschliessen würden (Urk. 1/19/20 S. 44 oben). Bei komplexer PTBS könnten 

zudem das Hören von Stimmen und dissoziative Zustände auftreten. Die Beschul-

digte beschreibe Erinnerungslücken für einen Teil der traumatischen Ereignisse 

und im Alltag, die in ihrer Ausgeprägtheit einem dissoziativen Zustand zuzuordnen 

seien und sich mit dem psychotischen Erleben alleine nicht erklären liessen 

(Urk. 1/19/20 S. 47 oben). Die Symptome der PTBS und der Schizophrenie würden 

sich sodann teilweise überschneiden, was beispielsweise auf Schlafstörungen und 

Gereiztheit zutreffe (Urk. 1/19/20 S. 45 unten). 

4.3. Hinsichtlich der Schuldfähigkeit der Beschuldigten führte der Gutachter 

sodann aus, die vorgeworfenen Anlassdelikte stünden in einem engen Zusammen-

hang zur paranoiden Schizophrenie. Die Tatmotive würden der wahnhaften Reali-

tätsverkennung, dass fremde Menschen ihr nach dem Leben trachten, indem sie 

sie vergiften wollen, entspringen. Die Beschuldigte empfand demnach den Einsatz 

-   36   -

von Pfefferspray bezüglich Dossier 3 als Notwehr in einer lebensbedrohlichen 

Situation. Bei der Zeugin und ihrer Begleiterin sei für sie durch deren Verhalten klar 

gewesen, dass sie sie angreifen oder vergiften wollten, so wie dies schon vorher 

fremde Menschen im Tram versucht hätten (Urk. 1/19/20 S. 49 oben). Bezüglich 

Dossier 1 habe die Beschuldigte aus massiver, wahnhaft übersteigerter Angst um 

das Leben ihrer Grossnichte und um das Leben weiterer Familienangehöriger 

gehandelt. Die Beschuldigte habe die Verletzungen, die sie an ihrer Grossnichte 

gesehen habe, als so gravierend empfunden, dass sie "halb ermordet" gewesen 

sei. Es sei für sie nicht nachvollziehbar, dass die Familie von einem Unfall gespro-

chen habe. Sie habe Angst gehabt, dass ihre Grossnichte in Anwesenheit des 

Privatklägers in Lebensgefahr schwebe und habe durch die Textnachrichten 

verhindern wollen, dass dieser der Familie gefährlich werden könne. Aufgrund ihrer 

wahnhaften Verkennung der Situation seien ihre Handlungen für sie gerechtfertigte 

Notwehr und ein Unrechtsbewusstsein bestehe nicht. Aufgrund des psychotisch 

bedingten Verlusts des Realitätsbezugs sei die Einsichtsfähigkeit der Beschuldig-

ten für die zur Last gelegten Taten gemäss Dossier 1 und 3 vollständig aufgehoben, 

was zu einer aufgehobenen Schuldfähigkeit führe (Urk. 1/19/20 S. 49 Mitte). 

4.4. Die vorliegende akute psychotische Symptomatik bei paranoider Schizo-

phrenie sei derart ausgeprägt, dass sie erhebliche Beeinträchtigungen in der 

Lebensbewältigung der Beschuldigten zur Folge habe und deren Erleben und 

Handeln bestimme. Für die hiesige Fragestellung und das deliktische Verhalten der 

Beschuldigten sei diese Diagnose zentral. Die weiteren seien hingegen als Neben-

diagnosen zu werten, die für die Legalprognose von untergeordneter Bedeutung 

seien (Urk. 1/19/20 S. 45 Mitte).

4.5. Gewisse der von der Beschuldigten geschilderten traumatischen Ereignisse 

seien sodann als Wahnerinnerungen einzustufen, so z.B. die Erinnerung über 

Monate und unter Mitwirkung ihrer Nachbarin von fremden Männern in ihrer eige-

nen Wohnung täglich aufgesucht und vergewaltigt worden zu sein, während sie ein 

"Black-out" gehabt habe und durch Schmerzzufügung fremdgesteuert worden sei. 

Hingegen könnten andere Schilderungen als realitätsnah oder auf ihren Realitäts-

gehalt nicht überprüfbar eingestuft werden. Da für die Diagnosestellung der PTBS 

-   37   -

lediglich ein reales, durch seine Intensität potentiell traumatisierendes Ereignis 

gefordert werde und nicht ein Nachweis oder Beweis eines solchen Ereignisses, 

sei das Kriterium derzeit erfüllt (Urk. 1/19/20 S. 46). Das Gutachten hält in diesem 

Zusammenhang sodann fest, es bestehe die Möglichkeit, dass eine ausreichende 

Behandlung der Schizophrenie dazu führe, dass sich die Beschuldigte von den 

durch sie geschilderten Ereignissen distanziere und daher die diagnostischen 

Kriterien einer PTBS nach erfolgreicher Behandlung der Psychose nicht mehr 

vorliegen würden, womit die entsprechende Diagnose revidiert werden müsste 

(Urk. 1/19/20 S. 47 Mitte). 

5. Ärztliche Stellungnahmen

Der ärztlichen Stellungnahme vom 7. Februar 2022 von Dr. med. H._____ und Dr. 

med. I._____ der universitären psychiatrischen Dienste Bern lässt sich sodann ent-

nehmen, dass diese ebenfalls eine paranoide Schizophrenie diagnostizierten 

(Urk. 1/19/15 S. 36). Die Beschuldigte gab zudem gegenüber den universitären 

psychiatrischen Diensten Bern selbst an, sie habe immer wieder Medikamente ge-

gen Schizophrenie einnehmen müssen. Sie habe jedoch nur eine richtige Ärztin, 

welche sie richtig diagnostiziert habe (Urk. 1/19/15 S. 31). Der aktuelle Therapeut 

der Beschuldigten, Dr. F._____, führte in seiner ärztlichen Stellungnahme vom 

7. Dezember 2023 sodann aus, er teile nach Einsichtnahme in das Gutachten die 

Einschätzung des Gutachters, dass auch der Verdacht namentlich auf eine (kom-

plexe) posttraumatische Belastungsstörung bestehe (Urk. 111 S. 1).

6. Würdigung

6.1. Das Gutachten zeigt auf, welche Kriterien für die Diagnosestellung der 

paranoiden Schizophrenie bzw. der PTBS erfüllt sein müssen und wodurch die 

Beschuldigte diese jeweils erfüllt (vgl. Urk. 1/19/20 S. 44-47). Einerseits werden 

sodann die Überschneidungen der Symptome der beiden Diagnosen aufgezeigt 

und andererseits führt das Gutachten auch aus, bezüglich welcher Symptome bzw. 

Auswirkungen auf das Leben und Verhaltensweisen der Beschuldigten die 

Diagnose der PTBS bzw. jene der paranoiden Schizophrenie massgebend ist. Es 

zeigt damit – entgegen den Ausführungen der amtlichen Verteidigung – schlüssig 

-   38   -

und nachvollziehbar auf, dass die Diagnose der paranoiden Schizophrenie für die 

hiesige Fragestellung der Schuldfähigkeit und das deliktische Verhalten der 

Beschuldigten zentral ist (vgl. E. II.C.4.3.), ohne dabei die Diagnose einer PTBS in 

den Hintergrund zu rücken oder gar grundlos in Frage zu stellen. Die Ausführungen 

des Gutachters zur möglichen Notwendigkeit der Revidierung der Diagnose der 

PTBS in einem späteren Zeitpunkt, zeugt von einer kritischen Auseinandersetzung 

mit den Diagnoseinstrumenten und den Aussagen der Beschuldigten, was für die 

Qualität des Gutachtens spricht. 

6.2. Die Diagnose der paranoiden Schizophrenie bzw. einer schizoaffektiven 

Störung (durch das Sanatorium Kilchberg im Oktober 2019; Urk. 1/19/20 S. 41) 

wurde gemäss den aktenkundigen Berichten und den Aussagen der Beschuldigten 

bereits mehrfach anderweitig gestellt. Dies stützt die Diagnose des Gutachters, 

auch wenn die Beschuldigte dies bereits in der Vergangenheit jeweils nicht akzep-

tierte. In seiner ärztlichen Stellungnahme stellte sodann auch der aktuelle Thera-

peut der Beschuldigten – zumindest implizit – in den Raum, dass nebst der PTBS 

auch weitere Diagnosen bestünden, wobei er sich nicht zur paranoiden Schizophre-

nie äusserte. Damit steht seine Stellungnahme nicht im Widerspruch zum Gutach-

ten. 

6.3. Es ist denn auch keineswegs so, dass es der Beschuldigten – wie es die 

amtliche Verteidigung andeutete – allein aufgrund ihrer Inhaftierung so schlecht 

geht bzw. ging. Ihr wurde im Oktober 2020 mithin ein Jahr vor Tatbegehung gekün-

digt, womit sie bereits weit vor ihrer Inhaftierung nicht mehr erwerbstätig war. Sie 

war denn auch bereits seit ungefähr März 2021 arbeitsunfähig (Urk. 1/19/20 S. 28). 

Sodann führte sie anlässlich der Berufungsverhandlung aus, seit dem 23. Altersjahr 

– mithin seit über zehn Jahren – selbst wahrzunehmen, dass sie erkrankt sei 

(Urk. 109 S. 3). Entgegen den Ausführungen der amtlichen Verteidigung äusserte 

sich der Gutachter auch konkret zu den psychosozialen und rechtlichen Schwierig-

keiten seit 2019 und setzte sich hierbei unter anderem mit den Beobachtungen des 

Sanatoriums Kilchberg im Oktober 2019 sowie dem Polizeirapport vom Oktober 

2019 auseinander (Urk. 14/19/20 S. 13 i.V.m. S. 41). Im Leben der Beschuldigten 

kam es damit bereits weit vor ihrer Verhaftung zu psychosozialen Auffälligkeiten, 

-   39   -

wiederholten Behandlungen sowie Schwierigkeiten verschiedener Art in der 

Lebensbewältigung. Der auf der Beschuldigten lastende enorme Leidensdruck war 

denn auch anlässlich der Berufungsverhandlung deutlich zu spüren. Sie war offen-

sichtlich bestrebt darum, nichts Falsches zu sagen, zögerte jeweils oft und lange 

ehe sie Antworten gab, teilweise waren gar keine brauchbaren Aussagen von ihr 

abrufbar. So konnte sie u.a. auch nicht erklären, welche Symptome dazu führen 

würden, dass sie krankheitsbedingt arbeitsunfähig ist. Sie erklärte einfach mehr 

oder weniger pauschal, seither sei nichts mehr passiert und sie habe sich auch nie 

mehr bedroht gefühlt, was nicht zu überzeugen vermag (Urk. 109 S. 2 ff.). Ihr 

Leidensdruck wiederspiegelt sich überdies in ihrer Arbeitsunfähigkeit sowie der 

bevorstehenden Berentung durch die IV.

6.4. Damit vermochten weder die amtliche Verteidigung noch die Beschuldigte 

etwas vorzubringen, was die detaillierten und nachvollziehbaren Erwägungen des 

Gutachtens in Zweifel zu ziehen vermag. Hinsichtlich der Rückfallprognose, welche 

sich – soweit aktenkundig – nicht bewahrheitet hat, kann auf die nachfolgenden 

Erwägungen verwiesen werden (vgl. E. III.3.), da dies an der Diagnose und der 

damit zusammenhängenden Schuldunfähigkeit der Beschuldigten nichts zu ändern 

vermag. 

7. Fazit 

Gestützt auf das überzeugende Gutachten ist folglich davon auszugehen, dass die 

Beschuldigte aufgrund einer psychischen Störung – und damit in nicht selbst ver-

schuldeter Weise – zum Zeitpunkt der Taten nicht in der Lage war, das Unrecht 

ihrer Taten einzusehen. Mangels Einsichtsfähigkeit war die Beschuldigte somit 

nicht schuldfähig. Die Beschuldigte beging mithin die versuchte Nötigung im Sinne 

von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, die Tätlichkeiten im Sinne von 

Art. 126 Abs. 1 StGB und die Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB im 

Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit. Damit ist die Beschul-

digte gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB nicht strafbar, weswegen sich Ausführungen zur 

Strafzumessung erübrigen. 

-   40   -

III. Massnahme

1. Rechtliche Grundlagen / Anlasstat / Gutachten

1.1. Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer Massnahme 

kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 94 S. 59 f. E. IV. 1.). Es kann sodann auch bezüglich Vorliegen der Anlasstat 

bzw. Anlasstaten sowie Vorliegen einer sachverständigen Begutachtung auf die 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 60 E. IV. 2; Urk. 94 

S. 60 E. IV. 3). Beide Voraussetzungen sind ohne weiteres erfüllt, was sodann 

auch von der amtlichen Verteidigung anerkannt wird (Urk. 110 S. 17), wenngleich 

diese geltend macht, im Lichte der seit der Erstellung des Gutachtens vergangenen 

Zeit und der entsprechend veränderten Verhältnisse könne das Gutachten nicht 

dazu dienen, eine Massnahme anzuordnen (Urk. 110 S. 24). Das Gutachten datiert 

vom 1. Juni 2022 – was im heutigen Zeitpunkt rund eineinhalb Jahre zurückliegt – 

und ist damit neueren Datums. Dessen Alter ist damit nicht zu beanstanden. Der 

amtlichen Verteidigung ist sodann zwar beizupflichten, dass sich gewisse Verhält-

nisse in der Zwischenzeit verändert haben. Hierauf wird nachfolgend einzugehen 

sein. Wie sich zeigen wird, vermögen die veränderten Umstände an der Gültigkeit 

und Aussagekraft des Gutachtens nichts zu ändern. 

1.2. Zu den Anlasstaten ist ergänzend zu erwähnen, dass im Rahmen der Nöti-

gung eine Todesdrohung ausgesprochen wurde. Dies stellt einen der schwersten 

ernstlichen Nachteile dar, die angedroht werden können. Es gilt sodann zu beach-

ten, dass die von der Zeugin erlittene Verletzung im Rahmen aller vorstellbaren 

Tätlichkeiten schwer wiegt, wobei aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht 

von einer einfachen Körperverletzung auszugehen ist. Es gilt dennoch zu beachten, 

dass die im Umgang mit Pfefferspray geschulte Beschuldigte der Zeugin solange 

aus nächster Nähe ohne jeden (objektiven) Anlass Pfefferspray unter anderem 

direkt ins Gesicht sprayte, dass diese sich trotz sofortigen Auswaschens am 

Brunnen in ärztliche Behandlung begeben musste und eine Verätzung am Auge 

davontrug. Es ist wohl einzig der schnellen Reaktion der Zeugin und dem Umstand, 

dass diese Kontaktlinsen trug, zu verdanken, dass keine schwerwiegenderen 

-   41   -

Verletzungen eingetreten sind. Es handelt sich also nicht um völlig harmlose 

Anlasstaten.

1.3. An dieser Stelle sei sodann erwähnt, dass – dem Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung entsprechend – das Gericht nicht an die Schlussfolgerungen im 

Gutachten gebunden ist. Es darf in Fachfragen jedoch nicht ohne triftige Gründe 

vom Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen. Das Abstellen auf 

nicht schlüssige Gutachten kann gegen Art. 9 BV verstossen, wenn gewichtige, 

zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft des Gut-

achtens ernstlich erschüttern (BGE 129 I 49 E. 4). 

2. Diagnose und Deliktszusammenhang

Gemäss Gutachten leidet die Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie 

(ICD-10 F 20.0) mit akuter psychotischer Symptomatik (Urk. 1/19/20 S. 39 oben, 

S. 45 Mitte, S. 47 Mitte, S. 51 unten). Ausserdem liegt eine posttraumatische 

Belastungsstörung mit dissoziativen Zuständen (ICD-10 F 43.12) vor (Urk. 1/19/20 

S. 39 oben, S. 47 Mitte, S. 51 unten). Die Schizophrenie bestimmt dabei die Sym-

ptomatik und ist für die seit 2019 augenfälligen psychosozialen und auch rechtli-

chen Schwierigkeiten der Beschuldigten entscheidend (Urk. 1/19/20 S. 47 Mitte). 

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der bestehenden schweren psychischen 

Störung der Beschuldigten und der durch diese begangenen Taten (Urk. 1/19/20 

S. 53 oben). Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann für die vertiefte Aus-

einandersetzung mit der Diagnose und dem Deliktszusammenhang auf die obigen 

Ausführungen zur Schuldunfähigkeit verwiesen werden (vgl. E. II.C.).

3. Rückfallgefahr

3.1. Die amtliche Verteidigung machte geltend, das Gutachten attestiere der 

Beschuldigten eine hohe Rückfallgefahr, wobei Daten des Bundesamtes für Statis-

tik zur Rückfallwahrscheinlichkeit für Straftäterinnen nach Verurteilung verwendet 

worden seien. Es sei schleierhaft, wie dies eine seriöse Rückfallprognose dar-

stellen könne, zumal die Beschuldigte gar nicht verurteilt worden sei. Zudem sei die 

gutachterliche Vorhersage durch die Realität widerlegt worden (Urk. 110 S. 19 f.).

-   42   -

3.2. Hinsichtlich der Rückfallgefahr kann zunächst auf die Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 61 f. E. IV. 5.). Zusammenfassend kann 

festgehalten werden, dass gemäss Gutachten erneute Straftaten im Umfang der 

bisher zur Last gelegten Taten bereits kurz- und mittelfristig, d.h. im Verlauf von 

Wochen und Monaten und innerhalb eines Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 

erwarten sind. Bei fehlender Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft 

seitens der Beschuldigten ist sodann eine zunehmende Verzweiflung mit einer 

Eskalation zu schweren Gewaltdelikten möglich (Urk. 1/19/20 S. 52 unten). Das 

Gutachten äussert sich jedoch nicht dazu, welchen Schweregrad die zu erwarten-

den Delikte aufweisen und mit welcher Wahrscheinlichkeit diese zu erwarten sind, 

was jedoch vorliegend aufgrund der rechtlich weniger erheblichen Anlasstaten von 

erhöhter Relevanz ist. 

3.3. Wie die amtliche Verteidigung zu recht einwendete, hat sich zumindest die 

vom Gutachter kurz- und mittelfristig prognostizierte Rückfallgefahr nicht bewahr-

heitet. Soweit aktenkundig blieb die Beschuldigte in der Zwischenzeit straffrei. 

Hierbei gilt es zu beachten, dass es sich bei der Rückfallgefahr lediglich um eine 

Prognose handelt. Deren Eintreten ist einerseits von deren Grundlagen aber auch 

von diversen externen Faktoren abhängig, welche per se nicht mit absoluter Sicher-

heit vorausgesagt werden können. 

3.4. Bezüglich der Grundlagen der vorliegenden Risikoprognose gilt es anzumer-

ken, dass der Gutachter offenlegte, dass die aktuarischen Prognoseinstrumente an 

männlichen Gefangenenpopulationen validiert worden seien und daher keine Aus-

sagekraft für die Wiederholungsgefahr bei Täterinnen hätten. Daher zog er u.a. eine 

Statistik über die allgemeine Rückfallwahrscheinlichkeit verurteilter Straftäterinnen 

hinzu, wobei er anmerkte, dass vorliegend die klinische Diagnose entscheidend 

und die bisherige Legalbewährung weniger bedeutsam sei (Urk. 1/19/20 S. 49 

unten). Dieses Vorgehen ist nicht zu bemängeln, zumal begründet wurde, warum 

so vorgegangen wurde und welchen Stellenwert die einzelnen Grundlagen hatten. 

3.5. Der Gutachter hält sodann fest, dass eine Behandlung der Beschuldigten 

das Risiko erneuter Straftaten deutlich senken könne. Aufgrund der bisherigen 

fehlenden Behandlungsbereitschaft sei jedoch davon auszugehen, dass diese sich 

-   43   -

nicht freiwillig in eine angemessene Behandlung begeben und keiner ausreichen-

den antipsychotischen Medikation zustimmen werde, weshalb ein ambulantes 

Vorgehen als wenig erfolgsversprechend angesehen werde (Urk. 1/19/20 S. 50). 

Genau dieser Umstand, dem der Gutachter deutlichen Einfluss auf die Rückfallpro-

gnose zumisst, hat sich gegenüber der Gutachtenssituation in der Zwischenzeit zu-

mindest teilweise geändert. Erfreulicherweise gelang es der Beschuldigten 

selbständig sich in Therapie zu begeben und auf eine medikamentöse Behandlung 

einzulassen (Urk. 109 S. 3 f.). Auch die amtliche Verteidigung führte hierzu aus, die 

bald einjährige Behandlung sei ein Erfolg. Die Beschuldigte habe sich nichts mehr 

zuschulden kommen lassen (Urk. 110 S. 20). Die derzeitige Behandlung scheint 

also zumindest insofern zu fruchten, als dass es der Beschuldigten bisher gelungen 

ist, nicht wieder rückfällig zu werden. Ein weiterer konstellativer Faktor dürfte sein, 

dass sie mittlerweile – wohl auf Anraten – keinen Pfefferspray mehr auf sich trägt 

(Urk. 109 S. 6). 

3.6. Damit sind die Ausführungen des Gutachters zur Rückfallgefahr nicht zu 

beanstanden. Diese haben für den Fall des Fehlens einer genügenden Behandlung 

der Beschuldigten bzw. Massnahme weiterhin Gültigkeit. 

4. Massnahmebedürftigkeit

4.1. Die amtliche Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung 

geltend, dem Gutachten lasse sich nicht entnehmen, dass die PTBS eine Mass-

nahmebedürftigkeit begründe. Die Beschuldigte habe diesbezüglich das Notwen-

dige veranlasst. Mangels schizophrener Erkrankung bedürfe es keiner Behandlung 

(Urk. 110 S. 20).

4.2. Hinsichtlich der Massnahmebedürftigkeit kann – da, wie bereits ausgeführt, 

entgegen den Ausführungen der amtlichen Verteidigung eine schizophrene Erkran-

kung vorliegt – vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (Urk. 94 S. 62 E. IV. 6.), wobei an dieser Stelle zu betonen ist, dass das 

Gutachten aufgrund der schweren Beeinträchtigungen einen dringenden Behand-

lungsbedarf und gar eine Eigengefährdung der Beschuldigten sieht (Urk. 1/19/20 

S. 48). Die Beschuldigte hat sich zwar in Therapie begeben, welche zumindest fürs 

-   44   -

Erste zu einer Stabilisierung geführt haben mag, so dass sie bisher nicht rückfällig 

geworden ist. In Anbetracht der Schwere ihrer psychischen Beeinträchtigung ist 

jedoch zu erwarten, dass diese Therapie, welche von der Beschuldigten freiwillig 

und damit künftig nicht garantiert durchgeführt wird, und überdies die paranoide 

Schizophrenie bisher – soweit ersichtlich – nicht miteinbezieht, alleine nicht genü-

gen wird, um der bestehenden Rückfallgefahr auf Dauer zu begegnen. Die Mass-

nahmebedürftigkeit ist daher gegeben. 

5. Massnahmefähigkeit

Bezüglich der Massnahmefähigkeit kann ebenfalls auf die Ausführungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 62 f. E. IV. 7.). Zusammenfassend kann 

festgehalten werden, dass gemäss Gutachten eine geeignete Behandlung zur 

Verfügung steht, wobei lediglich eine stationäre Massnahme umsetzbar sei. Eine 

ambulante Behandlung sei nicht geeignet, der Gefahr weiterer psychotisch 

motivierter Gewalthandlungen zu begegnen, da es der Beschuldigten an der 

Bereitschaft zu einer ausreichend hoch dosierten antipsychotischen Medikation 

fehle. Auch eine medikamentöse Behandlung gegen den Willen der Beschuldigten 

könne sodann zu einer Zustandsverbesserung führen und sei nicht von vornherein 

zum Scheitern verurteilt (Urk. 1/19/20 S. 53). Gemäss Gutachten könnte eine 

Behandlung das Risiko erneuter Straftaten sodann deutlich senken (Urk. 1/19/20 

S. 50). Die Massnahmefähigkeit ist damit zu bejahen. 

6. Massnahmewilligkeit

6.1. Die amtliche Verteidigung führte hierzu aus, bezüglich der PTBS liege eine 

Behandlungsbereitschaft vor. Die Beschuldigte wisse, dass ihre Erkrankung einer 

professionellen Unterstützung bedürfe (Urk. 110 S. 20). Eine fehlende Mass-

nahmewilligkeit sei jedoch insofern zu bejahen, als dass die Beschuldigte das jet-

zige Setup um keinen Preis unterbrechen wolle. Ihr Arzt rate denn auch von einer 

anderweitigen Anordnung ab. Sodann kritisierte die amtliche Verteidigung, der 

Gutachter würde ihr die Tatsache, dass diese sich beim Berner Obergericht gegen 

eine zwangsweise Behandlung gewehrt habe als fehlende Behandlungsbereit-

schaft anlasten, was unseriös sei (Urk. 110 S. 21). 

-   45   -

6.2. Hinsichtlich der Massnahmewilligkeit kann vorab auf die Ausführungen der 

Vorinstanz hierzu verwiesen werden (Urk. 94 S. 63-65 E. IV. 8.). Zusammen-

fassend kann festgehalten werden, dass zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutach-

tens bei der Beschuldigten keine Krankheitseinsicht und auch keine Bereitschaft, 

sich auf eine Behandlung einzulassen, bestand (Urk. 1/19/20 S. 53), wobei diese 

bezüglich der Behandlungsbedürftigkeit ihrer Erkrankung gemäss Gutachten nicht 

urteilsfähig war (Urk. 1/19/20 S. 51). Dass der Gutachter in diesem Zusammen-

hang ausführte, die Beschuldigte habe in der Vergangenheit trotz ausgeprägtem 

Leidensdruck gegen Zwangseinweisungen oder -behandlungen Einsprache erho-

ben und dies als Zeichen ihrer fehlenden Behandlungsbereitschaft hinsichtlich der 

paranoiden Schizophrenie deutete, ist nicht zu beanstanden. Dies umso mehr als 

dass nicht geltend gemacht wird, die Beschuldigte habe sich einer Behandlung ihrer 

paranoiden Schizophrenie unterziehen wollen und der Gutachter hierzu auch auf 

ihm gegenüber geäusserte Bedenken der Beschuldigten abstellte (Urk. 1/19/20 

S. 50). Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz gab die Beschuldigte zu 

Protokoll, ihr sei bewusst, dass sie eine Behandlung oder Medikamente benötige. 

Sie leide jedoch nicht an einer paranoiden Schizophrenie (Prot. I S. 17). Anlässlich 

der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte aus, immer noch der Meinung 

zu sein, nicht an einer paranoiden Schizophrenie, jedoch an einer PTBS zu leiden. 

Sie erklärte sodann, seit Ende 2022 in therapeutischer Behandlung zu sein, wobei 

sie auch Medikamente einnehme (Urk. 109 S. 2-4).

6.3. An die Therapiewilligkeit sind keine allzu grossen Anforderungen zu stellen, 

da es aufgrund der psychischen Erkrankung an der Fähigkeit zur Einsicht in die 

Massnahme fehlen kann und Therapiemotivation sowie Krankheitseinsicht häufig 

erst im Rahmen einer Therapie erarbeitet werden können (Urteil des Bundesge-

richts 6B_493/2017 vom 5. Oktober 2017 E. 2.4.1. mit Verweis). 

6.4. Die Beschuldigte äusserte sowohl anlässlich der Hauptverhandlung als auch 

– zumindest sinngemäss – der Berufungsverhandlung die Einsicht, eine Behand-

lung oder Medikamente zu benötigen, negierte jedoch das Vorliegen einer parano-

iden Schizophrenie. Eine vollständige Einsicht bezüglich des Vorliegens einer 

paranoiden Schizophrenie und komplette Behandlungsbereitschaft sind zum heuti-

-   46   -

gen Zeitpunkt nicht zu erwarten. Die Beschuldigte dürfte bezüglich der Behand-

lungsbedürftigkeit ihrer Erkrankung – mangels erfolgter Behandlung der paranoi-

den Schizophrenie – nach wie vor nicht urteilsfähig sein. Daher ist vorliegend die 

Massnahmewilligkeit – trotz nur teilweiser Einsicht und Bereitschaft, sich behandeln 

zu lassen – zu bejahen. 

7. Verhältnismässigkeit

7.1. Vorbemerkungen

Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zur Verhältnismässigkeit kann auf die 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 65 f. E. IV. 9.1.). Der 

Zweck einer therapeutischen Massnahme liegt in der Verbesserung der Legalpro-

gnose, weswegen die Anordnung einer Massnahme grundsätzlich nicht von einem 

bestimmten Schweregrad der Anlasstat abhängt. Bei weniger schwerwiegenden 

Anlasstaten kann die Anordnung einer Massnahme jedoch unter dem Aspekt der 

Verhältnismässigkeit problematisch sein, weswegen in so einem Fall die Anforde-

rungen an die Begründung einer Massnahme steigen. Aus dem Gutachten hat dies-

falls deutlich hervorzugehen bzw. hat umfassend und sorgfältig begründet zu sein, 

dass und inwiefern die betroffene Person künftig so viel gefährlicher sein soll als 

anlässlich der Anlasstat (BSK StGB-HEER/HABERMEYER, Art. 59 N. 45 mit Verwei-

sen). Es is