# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e1600833-9efe-5afb-b851-da0cf51783a6
**Source:** Freiburg/Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-10-11
**Language:** de
**Title:** Freiburg Kantonsgericht Steuergerichtshof 11.10.2016 604 2015 85
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/FR_Gerichte/FR_TC_010_604-2015-85_2016-10-11.pdf

## Full Text

Tribunal cantonal TC
Kantonsgericht KG

Augustinergasse 3, Postfach 1654, 1701 Freiburg

T +41 26 304 15 00, F +41 26 304 15 01
www.fr.ch/tc

—
Pouvoir Judiciaire PJ
Gerichtsbehörden GB

604 2015 85
604 2015 86

Urteil vom 11. Oktober 2016

Steuergerichtshof

Besetzung Präsident: Marc Sugnaux
Richter: Christian Pfammatter,

Hugo Casanova
Gerichtsschreiberin: Elisabeth Rime Rappo

Parteien A.________, Beschwerdeführer

gegen

KANTONALE STEUERVERWALTUNG, Vorinstanz

Gegenstand Einkommens- und Vermögenssteuer der natürlichen Personen; 
Ermessensveranlagung (Veranlagung nach dem Lebensaufwand und der 
Vermögensentwicklung); gehörige Mahnung als Voraussetzung einer 
Ermessensveranlagung

Beschwerde vom 23. Juli 2015 gegen den Einspracheentscheid vom 
23. Juni 2015; direkte Bundessteuer und Kantonssteuer 2013

Kantonsgericht KG

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Sachverhalt

A. Der Steuerpflichtige und Beschwerdeführer, geboren 1963, ist selbstständiger Unternehmer 
(Einzelfirma B.________) sowie Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der 
C.________ GmbH. In seiner Steuererklärung, welche er am 4. November 2014 für die 
Steuerperiode 2013 einreichte, wies er einen Verlust aus selbstständiger Haupterwerbstätigkeit im 
Betrag von CHF -26'296.- aus. Unter Berücksichtigung der übrigen Elemente ergaben sich ein 
deklariertes reines Einkommen von CHF 3'205.- und ein steuerbares Einkommen von CHF 705.-. 
Im Übrigen wurde ein Schuldenüberschuss von CHF 514'157.- deklariert.

Im Rahmen des Veranlagungsverfahrens teilte die Kantonale Steuerverwaltung dem 
Steuerpflichtigen am 10. März 2015 mit, die Entwicklung seines Vermögens zwischen dem 
1. Januar und dem 31. Dezember 2013 scheine aufgrund der deklarierten Einkommen und der 
üblicherweise nötigen Ausgaben für den Lebensunterhalt (Reduktion für Existenzminimum in Höhe 
von 60 % analog 2012 berücksichtigt) nicht möglich. Der Fehlbetrag belaufe sich auf rund 
CHF 87'000.-, wie sich aus der folgenden Berechnung ergebe:

"Entwicklung des Vermögens zwischen 31.12.2012 31.12.2013 Abnahme des Vermögens
Zunahme des 
Vermögens

Entwicklung der Kapitalien [Code 3210 bis 3240] 97'562 70'396 27'166  
Entwicklung der Vermögenswerte [Code 3510 bis 3570]  10'554
Entwicklung anderer Aktiven   
Entwicklung der Schulden [Code 4210 und 4220] 622'348 584'553  37'795
TOTAL 27'166 48'349
Vermögensentwicklung 21'183  
GLEICHES TOTAL 48'349 48'349

  
Berechnung der jährlichen Ausgaben   
Vermögenszunahme 21'183  
Existenzminimum gemäss untenstehender Berechnung 4'080  
Zum Abzug zugelassene Ausgaben [Code 2110 bis 2140 und 4210 bis 4370] 20'472  
Andere geschätzte Ausgaben:   
- Versicherungsbeiträge [Code 4110 bis 4140] 4'380  
- Bezahlte Steuern (Bund, Kanton, Gemeinde, Pfarrei, usw.) 3'800  
- Miete und Heizung   
- Taschengeld, Ferien, Freizeit, Radio-TV, Telephon, usw. 3'500  
- Autokosten (oder Privatanteil an diesen Kosten) 3'000  
- Kosten für Studium und Ausbildung   
- Andere Kosten [Code 5110, 5120, 6210 ou 4380]   
- Andere bekannte Ausgaben                             Kursverlust C.________ STW 2012: 
64'790

54'682  

  
Berechnung der jährlichen Einnahmen   
Steuerbare Einnahmen [Code 1110 bis 1530 und 3110 bis 3410 (ohne 3230 und 3310)]  27'896
Ausserordentliche Einnahmen   
Andere Einnahmen   

  
TOTAL 115'097 27'896
Fehlende Liquiditäten  87'201

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GLEICHES TOTAL 115'097 115'097

  
EXISTENZMINIMUM   
Erwachsene:   
- Alleinstehende Person x 14'400   
- Alleinerziehende Person x 16'200   
- Ehepaar oder 2 in einer eingetragenen Partnerschaft lebende 
Personen

1 x 20'400  10'200

Kinder:   
TOTAL  10'200
- Ermässigung für bescheidene Verhältnisse 60% 10'200  6'120
Existenzminimum  4'080 "

Demensprechend wurde der Steuerpflichtige um eine schriftliche Stellungnahme zur Herkunft der 
fehlenden flüssigen Mittel (mit detaillierten Angaben und Belegen) gebeten. Zudem wurde er noch 
um Einreichung folgender zusätzlicher Dokumente ersucht: Zins- und Saldobescheinigungen 
sämtlicher Privatkonten und Privatschulden per 31. Dezember 2013, Steuererklärung der 
Erbengemeinschaft in D.________ (Formular 21 Kanton Bern), Bescheinigungen der 
Versicherungsgesellschaft für bezogene Taggelder und Renten in der Steuerperiode 2013 
(gemäss Mitteilung EStV Rente ab dem 1. März 2013 aus der Säule 3a von der Allianz Suisse).

Am 13. März 2015 antwortete der Steuerpflichtige, er habe sich (wie in der Steuererklärung 
vermerkt) im Jahr 2013 mehr als 275 Tage im Ausland befunden. Für den Lebensunterhalt bei 
seiner Lebenspartnerin habe er mit ungefähr € 650.- pro Monat beigetragen. Den privaten 
Aufwand habe er nach seinem Einkommen ausgerichtet. Gleichzeitig reichte er die 
Kontoabschlüsse der Privatkonten sowie die Bescheinigung der Allianz Suisse ein.

In der Folge wurde der Steuerpflichtige am 16. April 2015 ohne Weiteres nach Ermessen 
veranlagt. Dabei setzte die Kantonale Steuerverwaltung das steuerbare Einkommen auf 
CHF 87'533.- (Kantonssteuer; satzbestimmend CHF 96'787.-) bzw. CHF 98'617.- (direkte 
Bundessteuer) und das steuerbare Vermögen auf CHF 23'838.- (satzbestimmend CHF 30'501.-) 
fest. Die Differenz zur Deklaration ergibt sich im Wesentlichen daraus, dass unter Code 1.210 
(selbstständiger Haupterwerb) ein Einkommen von CHF 54'000.- anstatt des deklarierten Verlustes 
berücksichtigt wurde. Zudem wurden neu (unter Code 3.310) Einkommen und Vermögenswert der 
Privatliegenschaft (Anteil Erbengemeinschaft) veranlagt. Zur Begründung wurde vermerkt:
"1.210

Deklarierte Verlust -26'296 + Aufrechnung Manko nach Art. 164 Abs. 2 DStG Fr. 80'000 gemäss unserer 
Berechnung der Vermögensentwicklung in Mail vom 10.3.2015, welches in Ihrer Rückantwort vom 13.3.2015 nicht 
erklärt wurde und unter Berücksichtigung einer Reduktion von 60 % auf das Existenzminimum, gerundet = 
Fr. 54'000."

In der Rechtsmittelbelehrung wurde ausdrücklich auf die besonderen Grundsätze für die 
Anfechtung der Ermessensveranlagung hingewiesen.

B. Am 13. Mai 2015 reichte der Steuerpflichtige gegen diese Veranlagung Einsprache ein. Er 
machte geltend, die Steuererklärung sei vollständig eingereicht und mit den entsprechenden 
Beilagen und Dokumenten ergänzt worden. Seit dem Jahr 2010 habe er mehrere HWS 
Operationen (2010 und 2012) erleiden müssen, die sein "berufliches Wirtschaftsvermögen" zum 
Teil stark eingeschränkt hätten. Als Folge davon basierten seine Einnahmen grösstenteils auf 
Versicherungsleistungen. Nach der zweiten Operation seien Komplikationen aufgetreten, die 

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langwierig gewesen seien und sich bis ins Jahr 2014 hingezogen hätten. Zudem habe er 
"kontinuierlich" seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt, wo er heute den Hauptteil seiner Zeit 
verbringe. Seine Aufenthalte in E.________ seien unterschiedlich und beliefen sich auf 3 bis 4 
Tage pro Monat, also insgesamt 50 bis 60 Tage im Jahr. Der aufgerechnete Betrag entspreche 
keiner Einnahme und sei willkürlich eingesetzt worden. Zudem sei der (gemäss ordentlich 
geführter Buchhaltung) ausgewiesene Verlust seiner Einzelfirma einfach ignoriert worden. 
Schliesslich müsse auch das unter Punkt 3.340 festgesetzte satzbestimmende Einkommen von 
CHF 15'803.- auf CHF 13'903.- korrigiert werden.

Im Rahmen des Einspracheverfahrens teilte die Kantonale Steuerverwaltung dem 
Steuerpflichtigen    unter Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme    mit, im vorliegenden Fall 
müssten (aufgrund des erst mit der Einsprache zugestellten Formulars 21 des Kantons Bern) die 
Codes 3.310, 3.340 und 4.310 der Veranlagung in Bezug auf die Liegenschaft in D.________ wie 
folgt berichtigt werden:

"Veranlagt Berichtigung gemäss Form. 21 BE

Einkommen:

Mietzinseinnahmen, Code 3.340 15'803 17'379

Abzüglich: Unterhaltskosten 20 %, Code 4.310  -3'161  -3'476

Nettoertrag 12'642 13'903

Vermögen: Steuerwert, Code 3.310 174'950 214'200"

In der Folge wurde die Einsprache mit Entscheid vom 23. Juni 2016 bezüglich Code 1.210 
abgewiesen und die Veranlagung bezüglich der Liegenschaft der Miteigentümergemeinschaft wie 
angekündigt zu Ungunsten des Steuerpflichtigen abgeändert. Zur Begründung legte die Kantonale 
Steuerverwaltung namentlich nochmals das "Detail der Berechnung der Vermögensentwicklung 
und des Existenzminimums 2013" dar. Zudem betonte sie, die Tatsache, dass die steuerpflichtige 
Person mehrheitlich im Ausland verweile, genüge nicht als Begründung für die fehlenden liquiden 
Mittel. Des Weiteren sei es nicht möglich mit steuerbaren Einnahmen von CHF 27'896.- einen 
Zuwachs im Vermögen von CHF 21'183.- und zusätzlich noch private Ausgaben von CHF 39'232.- 
zu finanzieren. Bereits schon die in der Steuererklärung deklarierten Abzüge beliefen sich auf 
CHF 24'691.-.

In der Folge wurde dem Steuerpflichtigen am 28. Juli 2015 eine "Definitive Veranlagung" als 
"Berichtigung gemäss Einspracheentscheid" eröffnet, welche aus unerfindlichen Gründen als 
Rechtsmittelbelehrung den Hinweis enthält: "Ihre Veranlagung ist definitiv. Die Elemente können 
nicht bestritten werden."

C. Mit Eingabe vom 23. Juli 2015 reichte der Steuerpflichtige gegen den Einspracheentscheid 
beim Kantonsgericht Beschwerde ein. Er beantragt, diesen für ungültig zu erklären und primär der 
Einsprache stattzugeben, subsidiär eine ordentliche Veranlagung nach den Angaben in der 
Beilage vorzunehmen. Er macht geltend, die Veranlagung entspreche nicht den Tatsachen. Die 
Steuererklärung sei vollständig eingereicht und mit den entsprechenden Belegen ergänzt worden. 
Insbesondere wird die "Nichtberücksichtigung Schenkung aus Darlehen" sowie die Berechnung 
der liquiden Mittel beanstandet.

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Der mit Verfügung vom 28. Juli 2015 festgesetzte Kostenvorschuss von CHF 600.- wurde 
fristgemäss bezahlt.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 2. bzw. 3. September 2015 schliesst die Kantonale 
Steuerverwaltung auf Abweisung. Sie legt ausführlich dar, inwiefern auch im Beschwerdeverfahren 
die fehlenden liquiden Mittel nicht plausibel hätten erklärt werden können. 

Die Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Der Beschwerdeführer reichte am 30. Oktober 2015 seine Replik mit weiteren Unterlagen ein. 
Diese gab Anlass zur Duplik der Vorinstanz vom 23. November 2015, welche dem 
Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt wurde.

Die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten werden, soweit wesentlich und notwendig, in 
den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Erwägungen

I. Direkte Bundessteuer (604 2015 85)

1. a) Gemäss Art. 123 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte 
Bundessteuer (DBG; SR 642.11) stellen die Veranlagungsbehörden zusammen mit dem Steu-
erpflichtigen die für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden tatsächlichen und 
rechtlichen Verhältnisse fest. Zu diesem Zweck auferlegt das Gesetz dem Steuerpflichtigen 
verschiedene Verfahrenspflichten. Einzureichen sind nebst der korrekt ausgefüllten Steuererklä-
rung samt den vorgeschriebenen Beilagen (Art. 124 DBG) insbesondere die unterzeichneten 
Jahresrechnungen (Bilanzen, Erfolgsrechnung) der Steuerperiode oder, wenn eine kaufmännische 
Buchhaltung fehlt, Aufstellungen über Aktiven und Passiven, Einnahmen und Ausgaben sowie 
Privatentnahmen und Privateinlagen (Art. 125 DBG). Zudem muss der Steuerpflichtige auch sonst 
alles tun (Erteilung von Auskünften, Aufbewahrung und Vorlegung von Belegen usw.), um eine 
vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Mitwirkungspflichten gemäss Art. 126 
DBG).

b) Hat der Steuerpflichtige trotz Mahnung seine Verfahrenspflichten nicht erfüllt oder 
können die Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden, 
so nimmt die Veranlagungsbehörde die Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Sie 
kann dabei Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung und Lebensaufwand des Steuerpflichtigen 
berücksichtigen (Art. 130 Abs. 2 DBG). Die allfällige Bemessung des Einkommens nach der 
Vermögensentwicklung und dem Lebensaufwand des Steuerpflichtigen beruht auf der Überlegung, 
dass das Einkommen mindestens so hoch sein muss, dass es zur Bestreitung des Aufwandes 
oder der Lebenshaltung der davon lebenden Personen ausreicht. Zudem gilt die Vermutung, dass 
der Aufwand aus steuerbarem Einkommen bestritten wird. Der Steuerpflichtige kann jedoch diese 
Vermutung widerlegen, indem er nachweist, dass er die in der Berechnungsperiode angefallenen 
Lebenshaltungskosten aus steuerfreien Einkünften bestritten oder dafür sein Vermögen angezehrt 
hat. Umgekehrt ist auf ein den blossen Lebensunterhalt übersteigendes Einkommen zu schliessen, 
wenn der Steuerpflichtige Ersparnisse bilden konnte (vgl. Auszüge KRKE FR 1976/77 Nr. 206). 

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Daher ist bei der Einschätzung nach dem Lebensaufwand immer auch die Vermögensentwicklung 
zu berücksichtigen.

Nicht jede Ungewissheit im Sachverhalt führt zu einer Einschätzung nach pflichtgemässem 
Ermessen. Der Grundtatbestand, etwa dass Einkommen erzielt worden ist, muss gewiss sein. Die 
pflichtgemässe Schätzung kann sich grundsätzlich nur auf das Quantitative beziehen. Nur 
ausnahmsweise, wenn jegliche Anhaltspunkte fehlen, muss eine Ermessenseinschätzung auch 
ohne konkrete Anhaltspunkte zulässig sein. Ansonsten dürfen nur jene Einkommensbestandteile 
ermessensweise eingeschätzt werden, die im Rahmen des Veranlagungsverfahrens ungewiss ge-
blieben sind (siehe dazu sowie zum Nachfolgenden das Bundesgerichtsurteil 2C_554 und 55/2013 
vom 30. Januar 2014 und LOCHER, Kommentar DBG, N 14 zu Art. 130, je mit weiteren Hinweisen).

c) Eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen kann der Steuerpflichtige nur wegen 
offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und muss allfällige Be-
weismittel nennen (Art. 132 Abs. 3 DBG).

Die in dieser Bestimmung vorgesehenen Erfordernisse der Begründung und der Nennung der 
Beweismittel stellen bei Einsprachen, die gegen eine Ermessenseinschätzung erhoben werden, 
Prozessvoraussetzungen dar; bei deren Fehlen wird auf die Einsprache (grundsätzlich ohne An-
setzung einer Nachfrist) nicht eingetreten (BGE 131 II 548 E. 2.3; 123 II 552 / Pra 1998, 807; BGer 
29.3.2005, StE 2005 B 95.1 Nr. 5; 2C_1205 und 1206/2012 vom 25.4.2013 E. 3.1).

Der Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
umfassend zu führen und kann nicht nur einzelne Positionen der Ermessensveranlagung betref-
fen. Dementsprechend muss der Steuerpflichtige – soweit möglich – die bisher versäumten 
Mitwirkungshandlungen auch vollständig nachholen. Der Unrichtigkeitsnachweis muss zudem mit 
der Begründung der Einsprache und damit innert der Einsprachefrist angeboten werden (BGer 
2C_504/2010, StR 2012, 143 E. 2.2; 2C_1205 und 1206/2012 vom 25.4.2013 E. 3.2).

Offensichtlich unrichtig ist eine Schätzung insbesondere dann, wenn ein wesentlicher Ge-
sichtspunkt übergangen oder falsch gewürdigt worden ist (BGer 2C_1205 und 1206/2012 vom 
25.4.2013 E. 3.3).

Sowohl die Einschränkung der Kognition (Anfechtung nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit) als 
auch die besonderen Prozessvoraussetzungen, welche nach Art. 132 Abs. 3 DBG bei der Einspra-
che gegen eine Ermessensveranlagung gelten (Begründung und Nennung der Beweismittel innert 
der dreissigtägigen Frist), wirken sich logischerweise im gleichen Sinne auf ein allfälliges Be-
schwerde- oder Rekursverfahren gegen einen Einspracheentscheid aus. Daher stellen diesfalls die 
Erfordernisse der Begründung sowie des Beweismittelangebots innert der Rechtsmittelfrist – so-
weit neue Vorbringen und Beweismittel überhaupt noch zulässig sind – ebenfalls Prozessvoraus-
setzungen dar (vgl. ZWEIFEL/CASANOVA, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht – Direkte 
Steuern, § 24 Rz. 35, sowie FENNERS/LOOSER, Besonderheiten bei der Anfechtung der 
Ermessensveranlagung, AJP 2013, 33 ff., 42 f.).

d) Die in Art. 132 Abs. 3 DBG vorgesehenen verfahrensrechtlichen Folgen (qualifizierte 
Begründungspflicht und Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit) können nur eintreten, wenn 
eine Ermessensveranlagung zu Recht vorgenommen worden ist. Ob im konkreten Fall die 
Voraussetzungen einer Ermessensveranlagung erfüllt waren, ist von den Rechtsmittelinstanzen 
frei zu prüfen.

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Wie der Steuergerichtshof längst festgehalten hat, stellt namentlich die gehörige Mahnung eine 
wesentliche Voraussetzung einer Ermessensveranlagung dar (siehe insbesondere Urteil KG FR 
604 2008 165/166 E. 4).

2. Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer zwar zur Stellungnahme 
aufgefordert, jedoch weder im Veranlagungs- noch im Einspracheverfahren (ausdrücklich und 
unter Androhung einer Ermessensveranlagung) gemahnt worden ist. Zudem bildete im 
Einspracheverfahren, soweit ersichtlich, ausschliesslich noch die Liegenschaft in D.________, für 
welche der Steuerpflichtige mit seiner Einsprache das Formular 21 des Kantons Bern eingereicht 
hatte, Gegenstand des Schriftenwechsels.

Somit ist davon auszugehen, dass die formellen Anforderungen an eine Ermessensveranlagung 
missachtet wurden. Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides und zur 
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zwecks korrekter Durchführung des Verfahrens 
und neuem Entscheid. Dabei steht es der Kantonalen Steuerverwaltung natürlich frei, allenfalls 
nach gehöriger Mahnung erneut eine Ermessensveranlagung vorzunehmen, falls der 
Beschwerdeführer nicht in der Lage sein sollte, erforderliche Unterlagen einzureichen. Wie dem 
auch sei, erübrigt es sich angesichts dieser Rückweisung, im vorliegenden Beschwerdeverfahren 
noch auf die materiellen Rügen des Beschwerdeführers sowie die von der Vorinstanz erhobenen 
Einwände (nach wie vor ungenügende Erklärung des Mankos, zweifelhafte Beweiskraft der erst im 
Nachhinein vorgebrachten Schenkungsbestätigung, usw.) einzugehen. Dass sich die Parteien 
ausführlich zu den einzelnen Streitpunkten äussern konnten und dies auch getan haben, ändert 
nichts an der Tatsache, dass das Verfahren der Ermessensveranlagung aus den dargelegten 
Gründen minimalen formellen Anforderungen genügen muss.

In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.

3. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend (vgl. Art. 144 Abs. 1 DBG) sowie in Anwendung 
von Art. 133 VRG sind keine Kosten zu erheben.

II. Kantonssteuer (604 2015 86)

4. a) Gemäss Art. 154 Abs. 1 des Gesetzes vom 6. Juni 2000 über die direkten Kantonssteuern 
(DStG; SGF 631.1) stellt die Kantonale Steuerverwaltung zusammen mit der steuerpflichtigen Per-
son die für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden tatsächlichen und rechtli-
chen Verhältnisse fest. Zu diesem Zweck auferlegt das Gesetz dem Steuerpflichtigen verschie-
dene Verfahrenspflichten. Einzureichen sind nebst der korrekt ausgefüllten Steuererklärung samt 
den vorgeschriebenen Beilagen (Art. 157 DStG) insbesondere die unterzeichneten Jahresrech-
nungen (Bilanzen, Erfolgsrechnung) der Steuerperiode oder, wenn eine kaufmännische Buchhal-
tung fehlt, Aufstellungen über Aktiven und Passiven, Einnahmen und Ausgaben sowie Privatent-
nahmen und Privateinlagen (Art. 158 Abs. 2 DStG). Zudem muss der Steuerpflichtige auch sonst 
alles tun (Erteilung von Auskünften, Aufbewahrung und Vorlegung von Belegen usw.), um eine 
vollständige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Mitwirkungspflichten gemäss Art. 159 Abs. 
1 und 2 DStG; Art. 42 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der 
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, StHG, SR 642.14).

Hat die steuerpflichtige Person trotz Mahnung ihre Verfahrenspflichten nicht erfüllt oder können die 
Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden, so nimmt die 
Veranlagungsbehörde die Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Sie kann dabei Er-
fahrungszahlen, Vermögensentwicklung und Lebensaufwand des Steuerpflichtigen berücksichti-

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gen (Art. 164 Abs. 2 DStG; vgl. auch Art. 46 Abs. 3 StHG). Eine Veranlagung nach pflichtgemäs-
sem Ermessen kann die steuerpflichtige Person nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. 
Die Einsprache ist zu begründen und muss allfällige Beweismittel nennen (Art. 176 Abs. 3 DStG; 
Art. 48 Abs. 2 StHG).

b) Die vorne in Erwägung 1 f. dargelegten Ausführungen lassen sich ohne weiteres auch auf 
das kantonale Recht übertragen. Insbesondere gilt das Erfordernis der formellen Mahnung als 
grundlegende Voraussetzung der Ermessensveranlagung infolge einer Verletzung von 
Verfahrenspflichten auch mit Bezug auf die Kantonssteuern.

Demzufolge ist der Rekurs betreffend die Kantonssteuer gleich zu behandeln.

5. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend (Art. 131 VRG) sowie in Anwendung von 
Art. 133 VRG sind keine Kosten zu erheben.

Der Steuergerichtshof erkennt:

I. Direkte Bundessteuer (604 2015 85)

1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen.

Der angefochtene Entscheid wird aufgehoben und die Angelegenheit zwecks neuen 
Entscheids im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

II. Kantonssteuer (604 2015 86)

3. Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen.

Der angefochtene Entscheid wird aufgehoben und die Angelegenheit zwecks neuen 
Entscheids im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

4. Es werden keine Kosten erhoben. Der geleistete Kostenvorschuss von CHF 600.- wird dem 
Beschwerdeführer zurückerstattet.

III. Zustellung

Freiburg, 11. Oktober 2016/hca

Präsident Gerichtsschreiberin