# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6120bd4b-cdc7-50ab-85d7-67cd9e34badd
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 30.08.2023 S 2023 6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S-2023-6_2023-08-30.pdf

## Full Text

20230418_122248_ANOM.docx

Strafabteilung S 2023 6-8

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter St. Dalcher
Oberrichter M. Siegwart
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 30. August 2023

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt/Jugendanwalt A.________, 
Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin,

und

B.________,
unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin C.________
Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt und Berufungsbeklagter,

sowie 

diverse weitere Privatklägerschaften,

gegen

D.________, geb. tt.mm.2002 in E.________, von F.________, zurzeit im vorzeitigen 
Straf- und Massnahmenvollzug in der Justizvollzugsanstalt G.________,
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt H.________,
Beschuldigte, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte,

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sowie gegen 

I.________,
beschwerte Dritte und Berufungsklägerin,

und

J.________,
beschwerter Dritter und Berufungskläger,

betreffend

versuchte vorsätzliche Tötung, schwere und einfache Körperverletzung, Sachbeschädigung, 
Nötigung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Hinderung einer Amtshandlung, 
Widerhandlung gegen das Waffengesetz etc.

(Berufungen der Beschuldigten und der beschwerten Dritten sowie Anschlussberufung der Staats-
anwaltschaft gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug, Jugendgericht, vom 23. Februar 
2023; JG 2022 1)

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Sachverhalt und Überblick über das Verfahren

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) warf D.________ 
(nachfolgend: Beschuldigte) in der Anklageschrift vom 18. Mai 2022 zusammengefasst Fol-
gendes vor:  

1.1 Taten nach Vollendung des 18. Altersjahres

1.1.1 Am 18. August 2021, ca. 14.20 Uhr, habe die Beschuldigte auf dem Bundesplatz in Zug, im 
Hinterhof zur Liegenschaft Bundesplatz .________, B.________ (nachfolgend: Privatkläger) 
aus einer Distanz von ca. zwei Armlängen unvermittelt mit dem mitgeführten Einhandmesser 
(Klingenlänge 9 cm) mit ihrer rechten Hand blitzschnell und kräftig in die linke Halsvordersei-
te gestochen und ihm so eine ca. 4 cm lange Hautdurchtrennung auf der Halsvorderseite mit 
ca. 7 cm tiefem Stichkanal mit Durchtrennung der Muskulatur, des Schilddrüsenunterpols 
und Längseröffnung der linken äusseren Drosselvene zugefügt. Dadurch, sowie durch den 
darauf folgenden Blutverlust und mögliche Luftembolien habe für den Privatkläger unmittel-
bare Lebensgefahr bestanden, was die Beschuldigte in Kauf genommen habe. Kurze Zeit 
später um ca. 14.40 Uhr habe die Beschuldigte bei der Migros-Filiale an der Grabenstrasse 7 
in Zug eine Personenkontrolle der Polizei durch Flucht behindert. 

1.1.2 Zudem habe sie zwischen Anfang August 2021 bis ca. 18. August 2021 unbefugt insgesamt 
drei Mal Marihuana in Zug an unbekannten Orten konsumiert.

1.2 Taten vor Vollendung des 18. Altersjahres

1.2.1 Der Beschuldigten wurde weiter vorgeworfen, am 3. März 2020, zwischen ca. 01.07 Uhr bis 
02.10 Uhr, im Kinder- und Jugendheim L.________ in M.________ die Betreuerin 
N.________ mit einem Klappmesser und einem Schlagring bedroht und mehrfach genötigt zu 
haben. Im Laufe dieses Vorfalls habe die Beschuldigte eine Bürotür, ein Bett und zwei Zahn-
putzgläser beschädigt (Sachschaden: ca. CHF 1'020.00). Weiter habe die Beschuldigte kurze 
Zeit später im Zeitraum ca. 02.23 Uhr bis 02.35 Uhr beim Versuch der zwischenzeitlich ein-
getroffenen Polizisten, sie zu arretieren, dem Polizisten O.________ gezielt und unvermittelt 
einen metallenen Teleskopschlagstock gegen die linke Kopfoberseite geschlagen, wodurch 
dieser ein Schädel-Hirntrauma Grad I sowie anhaltende Probleme beim Fokussieren und an-
haltende Schmerzen im rechten Auge erlitten habe. Dadurch habe sie ihn schwer am Körper 
verletzt, eventualiter dies mindestens versucht. Überdies habe die Beschuldigte gegen das 
Waffengesetz verstossen, da sie den inkriminierten Teleskopschlagstock und Schlagring zu-
vor unberechtigt erworben bzw. geschenkt erhalten und sodann am 3. März 2020 unberech-
tigt getragen habe.

1.2.2 Schliesslich wurde der Beschuldigten zur Last gelegt, am 13. Juni 2020, zwischen ca. 21.15 
Uhr bis 21.21 Uhr, im kantonalen Jugendheim P.________ in Q.________ absichtlich unge-
zielt um sich geschlagen und so versucht zu haben, die Betreuungsperson R.________ zu 
verletzen. Zudem habe sie Tonscherben gegen zwei Polizisten geworfen und überdies die 
Polizistin S.________ und den Polizisten T.________ leicht verletzt.

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2. Die Hauptverhandlung vor dem Strafgericht des Kantons Zug, Jugendgericht (nachfolgend: 
Vorinstanz), an welcher die Beschuldigte zusammen mit ihrem amtlichen Verteidiger und der 
zuständige Staatsanwalt/Jugendanwalt teilnahmen, wurde am 22. Februar 2023 eröffnet 
(JG GD 7/1). Die Beschuldigte wurde zur Person und zur Sache befragt (JG GD 7/2). Nach 
Abschluss des Beweisverfahrens und den Parteivorträgen sowie des Schlusswortes der Be-
schuldigten wurde die Verhandlung zwecks Urteilsberatung unterbrochen. Am 23. Februar 
2023 wurde die Verhandlung fortgeführt und das Urteil mündlich eröffnet sowie begründet. 
Den anwesenden Parteien wurde das Urteilsdispositiv ausgehändigt, den übrigen Parteien 
gleichentags versandt (JG GD 7/1 S. 6-10; JG GD 8/1, 8/1/1-3).

3. Mit je eigenem Schreiben vom 27. Februar 2023 meldeten die Eltern der Beschuldigten, 
I.________ und J.________, Berufung an (JG GD 8/2-3). Am 28. Februar 2023 liess auch 
die Beschuldigte durch ihre Verteidigung schriftlich Berufung anmelden (JG GD 8/4). Die wei-
teren Parteien meldeten keine Berufung an.

4. Die Vorinstanz versandte am 23. März 2023 das begründete Urteil. Dieses wurde der Vertei-
digung und J.________ am 24. März 2023 zugestellt. I.________ nahm das begründete Ur-
teil am 25. März 2023 in Empfang (JG GD 8/5/11). Der Urteilsspruch lautete wie folgt:

"1. Das Strafverfahren gegen die Beschuldigte D.________ wird zufolge Eintritts der Verfolgungs-
verjährung hinsichtlich folgender Tatvorwürfe eingestellt:

1.1 Hinderung einer Amtshandlung gemäss Art. 286 StGB (Ziff. A.2 der Anklageschrift);
1.2 mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG 

(Ziff. A.3 der Anklageschrift);
1.3 mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (betreffend 

unberechtigten Erwerb des Teleskopschlagstocks inkl. Halterung sowie betreffend Erwerb oder Schenkung des Schlag-
rings gemäss Ziff. B.1.4 der Anklageschrift).

2. Die Beschuldigte D.________ wird freigesprochen vom Tatvorwurf der mehrfachen einfachen 
Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB z.N. von T.________ und z.N. von S.________ 
(Ziff. B.2 der Anklageschrift).

3. Die Beschuldigte D.________ wird schuldig gesprochen:
3.1 der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB;
3.2 der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 al. 2 StGB;
3.3 der versuchten einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB;
3.4 der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB;
3.5 der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB;
3.6 der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Abs. 1 

StGB;
3.7 der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG.

4. Sie wird dafür bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten, unter Anrechnung 
der erstandenen Untersuchungshaft von 282 Tagen, der vorsorglichen Unterbringung von 216 
Tagen sowie des vorzeitigen Straf- und Massnahmenvollzugs seit dem 14. April 2022.

5. Der der Beschuldigten mit Strafbefehl vom 30. Januar 2020 gewährte bedingte Vollzug des 
Freiheitsentzugs von 90 Tagen wird widerrufen und der Vollzug dieses Freiheitsentzugs ange-
ordnet, unter Anrechnung der erstandenen Haft von 2 Tagen.

6. Gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB wird eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung der Be-
schuldigten angeordnet.

7.1 Folgende sichergestellten und beschlagnahmten Gegenstände gemäss Beschlagnahmever-
zeichnis der Staatsanwaltschaft vom 18. Mai 2022 (GD 1/4) werden nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils gestützt auf Art. 69 StGB eingezogen und vernichtet:

1. Klappmesser pink (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD);

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2. Schlagring schwarz (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD);
3. Teleskopschlagstock aus Metall (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD);
4. Halterung Schlagstock (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD);
8. Klappmesser Herbertz, Alu, rot-schwarz, (Lager-Nr.: ZG 2021 8 404; Asservat Nr. 09;

Lagerort: KTD);
10. 0.7 g Marihuana (Lager-Nr.: 180 / 2021; Lagerort: DSE).

7.2 Folgende sichergestellten und beschlagnahmten Gegenstände gemäss Beschlagnahmever-
zeichnis der Staatsanwaltschaft vom 18. Mai 2022 (GD 1/4) werden nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteil vernichtet:

5. Klappmesser schwarz (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD);
6. Klappmesser schwarz in Socke (Lager-Nr.: ZG 2020 3 43; Lagerort: KTD).

7.3 Das Skizzenbuch mit Zeichnungen (Position Nr. 7; Lager-Nr.: 393-1; Lagerort: JugD) und die 
Plastikdose schwarz (Position Nr. 9; Lager-Nr.: 484-4; Lagerort: JugD) werden der Beschuldig-
ten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils ausgehändigt. Falls sie nicht innerhalb von 
30 Tagen nach entsprechender Aufforderung durch die Zuger Polizei abgeholt worden sind, 
können sie vernichtet werden.

7.4 Die Datensicherungen der Mobiltelefone der Beschuldigten und des Privatklägers B.________ 
(Fall-Nr. ZG 2020 3 43 und ZG 2021 8 404) sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils 
durch den Kriminaltechnischen Dienst der Zuger Polizei zu löschen.

7.5 Mit dem Vollzug der Ziffern 7.1 - 7.4 wird die Zuger Polizei beauftragt.

8.1 Es wird festgestellt, dass N.________ keine Privatklägerstellung zukommt.

8.2 Die Beschuldigte wird verpflichtet, B.________ eine Genugtuung in Höhe von CHF 10'000.00 
zuzüglich 5 % Zins seit dem 18. August 2021 zu bezahlen.

8.3 Die Beschuldigte wird verpflichtet, O.________ eine Genugtuung in verbleibender Höhe von 
CHF 4'590.00 zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins vom Betrag von CHF 12'000.00 vom 3. März 
2020 bis 31. Oktober 2022 und 5 % Zins auf den Restbetrag von CHF 4'590.00 ab 1. November 
2022 bis 23. Februar 2023.

Im darüber hinausreichenden Betrag wird die Genugtuungsklage von O.________ abgewiesen. 
Die weiteren (Schadenersatz-)Forderungen (insb. allfälliger Erwerbs- und Haushaltsschaden, 
Kosten usw.) von O.________ werden auf den Zivilweg verwiesen.

8.4 Die Beschuldigte wird verpflichtet, der U.________ Versicherung den Betrag von CHF 14'876.85 
als Schadenersatz zu bezahlen.

Im darüber hinausreichenden Betrag wird die Schadenersatzklage der U.________ Versiche-
rung auf den Zivilweg verwiesen.

8.5 Die Zivilklage von T.________ wird abgewiesen.

9.1. Die Verfahrenskosten betragen 

CHF 69'637.85Kosten der Vorverfahren 4A 2020 150 und 4A 2021 501
CHF 2'000.00Entscheidgebühr 
CHF 1'330.00Auslagen
CHF 72'967.85Total

und werden vollumfänglich der Beschuldigten auferlegt.

9.2 Die Eltern der Beschuldigten, I.________ und J.________, werden im reduzierten Umfang von 
CHF 17'500.000 für die der Beschuldigten gemäss vorstehender Ziffer 9.1 auferlegten Verfah-
renskosten solidarisch haftbar erklärt.

9.3 Die ehemalige amtliche Verteidigung der Beschuldigten, Rechtsanwalt lic.iur. V.________, wird 
für ihre Bemühungen mit CHF 15'247.75 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

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Es wird davon Vormerk genommen, dass diese Entschädigung bereits ausgerichtet wurde.

9.4 Die ehemalige amtliche Verteidigung der Beschuldigten, Rechtsanwältin MLaw W.________, 
wird für ihre Bemühungen mit CHF 53'242.78 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

Von den bereits geleisteten Akontozahlungen in Höhe von total CHF 41'500.00 wird Vormerk 
genommen.

9.5 Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten, Rechtsanwalt lic.iur. H.________, wird für ihre 
Bemühungen mit CHF 26'256.71 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

9.6 Die ehemalige unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft B.________, Rechtsanwalt 
lic.iur. V.________, wird für ihre Bemühungen mit CHF 1'393.64 (inkl. MWST) aus der Staats-
kasse entschädigt.

Rechtsanwalt lic.iur. V.________ wird verpflichtet, dem Staat von der ihm bereits ausgerichteten 
Akonto- bzw. Schlusszahlung in Höhe von CHF 2'459.85 den Betrag von CHF 1'066.21 zurück-
zuzahlen.

9.7 Die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft B.________, Rechtsanwältin MLaw 
C.________, wird für ihre Bemühungen mit CHF 24'581.45 (inkl. MWST) aus der Staatskasse 
entschädigt.

Von der bereits geleisteten Akontozahlung in Höhe von CHF 13'000.00 wird Vormerk genom-
men.

9.8 Die Beschuldigte hat dem Staat die Kosten ihrer amtlichen Verteidigungen gemäss vorstehen-
den Ziffern 9.3 - 9.5 zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

Weiter hat die Beschuldigte dem Staat die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständungen der 
Privatklägerschaft B.________ gemäss vorstehenden Ziffern 9.6 - 9.7 zurückzuzahlen, sobald 
sie sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet.

9.9 Die Beschuldigte wird verpflichtet, O.________ für seine notwendigen Aufwendungen im Straf-
verfahren mit CHF 2'150.00 (inkl. MWST) zu entschädigen. Im darüber hinausgehenden Betrag 
wird der Antrag, die Beschuldigte zu einer Parteientschädigung zu verpflichten, abgewiesen.

10.1 [Rechtsmittel Berufung]
10.2 [Rechtsmittel Beschwerde]"

5. Mit Schreiben vom 12. April 2023 (Postaufgabe: gleichentags) reichte die Verteidigung bei 
der Strafabteilung des Obergerichts des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) die Berufungs-
erklärung mit folgenden Anträgen ein (OG GD 3/1):

"1. Die Dispositivziffern 3.1, 4, 8.2 und 9.1 des Urteils des Jugendgerichts des Kantons Zug vom 
23.02.2023, Geschäfts-Nr. JG 2022 1 seien aufzuheben.

2. Die Beschuldigte sei bezüglich Anklageziffer A./1. der schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 
Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

3. Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von insgesamt 3 Jahren und 6 Monaten zu bestra-
fen.

4. Die erstandene Untersuchungshaft wie auch der vorzeitige Strafvollzug und die vorzeitige Mass-
nahme seien auf die Strafe anzurechnen.

5. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, B.________ eine Genugtuung von maximal CHF 5'000.00 
zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 18.08.2021 zu bezahlen; eventualiter sei die Genugtuungsforde-
rung auf den Zivilweg zu verweisen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vor erster und zweiter Instanz zu Lasten des Staates."

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6. Am 13. April 2023 reichte J.________ seine Berufungserklärung ein und stellte folgende An-
träge (OG GD 5/1):

"1. Ziff. 9.1 des Urteilsspruchs sei teilweise aufzuheben. Die der Beschuldigten gemäss Prozess-
ausgang im Berufungsverfahren aufzuerlegenden Verfahrenskosten seien der Beschuldigten un-
ter Berücksichtigung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse teilweise zu erlassen oder herabzuset-
zen.

2. Ziff. 9.2 des Urteilsspruchs sei vollumfänglich aufzuheben. Die Eltern der Beschuldigten, 
I.________ und J.________, seien für die der Beschuldigten (gemäss Ziff. 9.1) auferlegten Ver-
fahrenskosten für nicht solidarisch haftbar zu erklären.

3. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."

7. Am 13. April 2023 reichte auch I.________ ihre Berufungserklärung ein und stellte folgende 
Anträge (OG GD 4/1):

"1. Ziff. 9.1 des Urteilsspruchs sei teilweise aufzuheben. Die der Beschuldigten gemäss Prozess-
ausgang im Berufungsverfahren aufzuerlegenden Verfahrenskosten seien der Beschuldigten un-
ter Berücksichtigung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse teilweise zu erlassen oder herabzuset-
zen.

2. Ziff. 9.2 des Urteilsspruchs sei vollumfänglich aufzuheben. Die Eltern der Beschuldigten, 
I.________ und J.________, seien für die der Beschuldigten (gemäss Ziff. 9.1) auferlegten Ver-
fahrenskosten für nicht solidarisch haftbar zu erklären.

3. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."

8. Mit Präsidialverfügung vom 17. April 2023 stellte die Verfahrensleitung die Berufungser-
klärungen den (jeweils) anderen Parteien zu und setzte diesen Frist, um Anschlussberufung 
zu erheben oder Nichteintreten zu beantragen. Gleichzeitig wurde den Parteien Frist gesetzt, 
um Beweisanträge zu stellen. Der Privatkläger B.________ wurde zudem aufgefordert, das 
Weiterbestehen der Voraussetzungen der unentgeltlichen Verbeiständung gemäss Art. 136 
StPO zu begründen und zu belegen (OG GD 6/1).

9. Die Staatsanwaltschaft erhob mit Eingabe vom 5. Mai 2023 Anschlussberufung und stellte 
folgende Anträge (OG GD 2/1):

"1. Es sei auf Ziffer 1 der Berufungserklärungen von I.________ und J.________ nicht einzutreten.

2. Im Übrigen seien die Berufungen abzuweisen.

3. Das Urteil des Jugendgerichts vom 23.02.2023 sei betreffend Ziffer 1 (1.1 und 1.2) und Ziffer 4 
aufzuheben.

4. Die Beschuldigte sei zusätzlich zum Schuldspruch im Urteil des Jugendgerichts des Kantons 
Zug vom 23.02.2023 (Ziffer 3), welcher zu bestätigen ist, schuldig zu sprechen:
- der Hinderung einer Amtshandlung gemäss Art. 286 StGB
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 2  
  BetmG

5.1 Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 2 Monaten zu bestrafen, unter 
Anrechnung der erstandenen Haft.

5.2 Die Beschuldigte sei überdies mit einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 
CHF 30.00, total CHF 600.00, bei Nichtbezahlen mit einer Ersatzfreiheitstrafe von 20 Tagen, zu 
bestrafen.

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5.3 Sie sei ferner zu bestrafen mit einer Busse von CHF 300.00, im Falle eines schuldhaften Nicht-
bezahlens mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

6. In den übrigen Punkten sei das Urteil des Jugendgerichts des Kantons Zug vom 23.02.2023 zu 
bestätigen, soweit es nicht bereits in Rechtskraft erwachsen ist.

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Beschuldigten bzw. den weiteren Berufungsklä-
gern aufzuerlegen.

10. Der Privatkläger B.________ beantragte mit Eingabe vom 12. Mai 2023, das vorinstanzliche 
Urteil, insbesondere Dispositivziffer 8.2, sei zu bestätigen, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der Beschuldigten. Weiter beantragte er die unentgeltli-
che Prozessführung unter Beigabe von Rechtsanwältin C.________ als unentgeltliche 
Rechtsbeiständin (OG GD 6/1). 

11. Die weiteren Parteien liessen sich innert Frist nicht vernehmen.

12. Die Verfahrensleitung eröffnete mit Präsidialverfügung vom 23. Mai 2023 den Parteien die 
Anschlussberufung und den Nichteintretensantrag der Staatsanwaltschaft. Sie setzte der Be-
schuldigten Frist, um Nichteintreten auf die Anschlussberufung zu beantragen. Mit Zustim-
mung der Staatsanwaltschaft verfügte sie, dass über den Nichteintretensantrag mit dem Ur-
teil entschieden wird. Zudem ordnete sie an, dass Rechtsanwältin C.________ als unentgelt-
liche Rechtsbeiständin des Privatklägers B.________ eingesetzt bleibt (OG GD 7/2).

13. Nach Rücksprache mit den Parteivertretern wurde der Termin für die Berufungsverhandlung 
auf den 20. Juli 2023 festgesetzt (OG GD 7/2). Die Beschuldigte und die beschwerten Dritten 
wurden separat zur Berufungsverhandlung vorgeladen (OG GD 9/1-3). 

14. Praxisgemäss wurden vor der Berufungsverhandlung ein aktueller Strafregisterauszug der 
Beschuldigten (OG GD 9/7) sowie aktuelle Vollzugs- und Therapieberichte (OG GD 9/5-6) 
eingeholt.

15. Mit Schreiben vom 17. Juli 2023 (Posteingang: 19. Juli 2023) stellte die Beschuldigte ein Ge-
such um Wechsel der amtlichen Verteidigung (OG GD 3/2).

16. Am 20. Juli 2023 fand die Berufungsverhandlung statt, an welcher die Beschuldigte, der amt-
liche Verteidiger, der zuständige Staatsanwalt und die beschwerten Dritten teilnahmen. Im 
Rahmen der Vorfragen wurde das Gesuch der Beschuldigten um Wechsel der amtlichen Ver-
teidigung behandelt. Das Gericht wies das Gesuch ab. Die Beschuldigte wurde zur Person 
und zur Sache befragt, wobei sie bei den Fragen zur Sache ihre Aussage verweigerte 
(OG GD 10/1 S. 6-20). Weiter wurden die beschwerten Dritten befragt. Die amtliche Verteidi-
gung hielt namens der Beschuldigten an den in der Berufungserklärung gestellten Anträgen 
fest und beantragte zusätzlich die Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft 
(OG GD 10/4 S. 1-2). Die beschwerten Dritten hielten im Ergebnis an ihren Anträgen gemäss 
ihren jeweiligen Berufungserklärungen fest, da sie keine abweichenden Anträge stellten 
(OG GD 10/5-6). Die Staatsanwaltschaft hielt ebenfalls an ihren Anträgen fest (OG GD 10/7). 
Nach Abschluss der Parteivorträge hielt die Beschuldigte ein Schlusswort (OG GD 10/1 
S. 49). 

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17. Am 30. August 2023 wurde das Urteil mündlich eröffnet, kurz mündlich begründet und den 
anwesenden Parteien das Urteilsdispositiv ausgehändigt (OG GD 10/12-13). 

18. Mit Schreiben vom 31. August 2023 zeigte Rechtsanwalt X.________ dem Gericht an, dass 
er von der Beschuldigten neu bevollmächtigt wurde und ersuchte u.a. um Zustellung sämtli-
cher Verfahrensakten (OG GD 3/3).

Erwägungen

I. Formelles und Prozessuales

1.
1.1 Die in Art. 399 StPO für die Einlegung der Berufung vorgesehenen zwei Parteihandlungen 

(Berufungsanmeldung innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils und Berufungserklärung 
innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils) erfolgten sowohl von der Vertei-
digung als auch den beschwerten Dritten fristgerecht. Auch die Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft erfolgte fristgerecht.

1.2 Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrer Eingabe vom 5. Mai 2023 Nichteintreten auf die 
jeweiligen Anträge der beschwerten Dritten, Disp.-Ziff. 9.1 des vorinstanzlichen Urteils sei 
teilweise aufzuheben (OG GD 2/1). Gemäss Art. 403 Abs. 1 StPO entscheidet das Beru-
fungsgericht in einem schriftlichen Verfahren, ob auf die Berufung einzutreten ist, wenn eine 
Partei einen Nichteintretensantrag stellt. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde auf 
den vorgängigen Entscheid über diesen Nichteintretensantrag verzichtet. Da Disp.-Ziff. 9.1 
des vorinstanzlichen Urteils auch von der Beschuldigten angefochten wurde und überdies 
von Amtes wegen zu überprüfen ist (Art. 428 Abs. 3 StPO), mithin der Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens durch den jeweiligen Antrag der beschwerten Dritten nicht erweitert wurde, 
rechtfertigte es sich, insbesondere auch in Anbetracht des besonderen Beschleunigungsge-
bots in Haftsachen, über den Nichteintretensantrag erst im Urteil zu entscheiden. 

1.3 Legitimiert zur Erhebung eines Rechtsmittels ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes In-
teresse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Ein 
solches Interesse liegt vor, wenn die betreffende Person durch den angefochtenen Entscheid 
unmittelbar in ihren Rechten betroffen ist. Eine blosse (mittelbare oder faktische) Reflexwir-
kung genügt nicht (Lieber, in: Donatsch et al. [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, 3. A. 2020, Art. 382 StPO N 7 m.H.). Gemäss Art. 38 Abs. 1 JStPO sind die 
urteilsfähige Jugendliche und die gesetzliche Vertretung legitimiert, ein Rechtsmittel zu er-
greifen. Die Legitimation der gesetzlichen Vertretung entfällt jedoch mit der Volljährigkeit der 
Jugendlichen (Bürgin/Biaggi, Basler Kommentar, 2. A. 2014, Art. 38 JStPO N 2).

1.4 Die Beschuldigte ist volljährig. Ihre Eltern sind daher nicht mehr gesetzliche Vertreter und 
gestützt auf Art. 38 Abs. 1 lit. b JStPO nicht mehr zur Ergreifung eines Rechtsmittels legiti-
miert. Ihre Rechtsmittelbefugnis ergibt sich allein aus Art. 382 StPO. Die Eltern der Beschul-
digten wurden gestützt auf Art. 44 Abs. 2 JStPO für einen Teil der Verfahrenskosten solida-
risch haftbar erklärt (Disp.-Ziff. 9.2 des vorinstanzlichen Urteils). Sie sind durch die solidari-
sche Haftbarkeit unmittelbar in ihren Rechten betroffen und daher legitimiert, diesen Punkt 
anzufechten. Nebst diesem Punkt haben die Eltern vorliegend auch die Kostenfestsetzung 

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und -auferlegung auf die Beschuldigte (Disp.-Ziff. 9.1 des vorinstanzlichen Urteils) angefoch-
ten und beantragen eine Reduktion. Wie der beschwerte Dritte, J.________, in seinem Par-
teivortrag zutreffend vorbrachte (OG GD 10/6 S. 2), hängen die Kostenauferlegung an die 
Beschuldigte bzw. die Kostenfestsetzung und die solidarische Haftung der Eltern zumindest 
teilweise zusammen (d.h. betreffend die Kosten des Jugendstrafverfahrens; dies bis zur 
Höhe der Solidarhaftung). Vorliegend wurden die beschwerten Dritten zwar nicht für sämtli-
che Kosten (soweit sie die Taten als Jugendliche betreffen), die der Beschuldigten auferlegt 
wurden, für solidarisch haftbar erklärt. Die beschwerten Dritten haben aber ein rechtlich ge-
schütztes Interesse, dass die Kostenauflage bzw. die Höhe der Kosten überprüft wird, da 
sich dies auf ihre Position auswirkt. Die beschwerten Dritten, insbesondere I.________, ma-
chen entsprechend auch geltend, dass nicht klar sei, welche Kosten die als Jugendliche be-
gangenen Delikte betreffen und rügen die von der Vorinstanz vorgenommene Aufteilung auf-
grund einer Schätzung (vgl. OG GD 10/1 S. 27 Ziff. 115; OG GD 10/5 S. 2). Insofern sie die 
Höhe der Kosten rügen, sind sie zur Anfechtung von Disp.-Ziff. 9.1 legitimiert. Der (teilweise) 
Nichteintretensantrag der Staatsanwaltschaft ist daher abzuweisen und auf die Berufung der 
beschwerten Dritten vollumfänglich einzutreten.

1.5 Auf die Berufung der Beschuldigten bzw. ihrer Verteidigung sowie die Anschlussberufung der 
Staatsanwaltschaft ist einzutreten. Es wurden weder Nichteintretensgründe von den anderen 
Parteien vorgebracht noch sind solche ersichtlich.

2.
2.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-

rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen; 
Bemessung der Strafe; etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 
überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der 
Grundsatz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung 
durch das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte wer-
den – unter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – rechtskräftig. Eine spätere Ausdeh-
nung der Berufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu um-
fassend Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2018 vom 13. November 2018 m.H.).

2.2 Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen Disp.-Ziff. 3.1, 4, 8.2 und 9.1 des vor-
instanzlichen Urteils. Die beschwerten Dritten haben Disp.-Ziff. 9.1 und 9.2 angefochten. Die 
Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Anschlussberufung die Aufhebung von Disp.-Ziff. 1.1, 
1.2 und 4. Die anderen Dispositivziffern blieben von den Parteien unangefochten. Über die 
von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Disp.-Ziff. 9.1, 9.2 und 9.8) ist sodann von 
Amtes wegen neu zu entscheiden (Art. 428 Abs. 3 StPO). Folglich sind folgende Dispositiv-
ziffern in Rechtskraft erwachsen, was im Urteilsspruch vorab festzustellen ist: Disp.-Ziff. 1.3, 
2, 3.2-3.7, 5, 6, 7.1-7.5, 8.1, 8.3-8.5, 9.3-9.7 und 9.9. 

Seite 11/89

3. Nachdem die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erklärt hat, darf das vorinstanzliche Ur-
teil auch zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden. Das Verschlechterungsverbot 
gemäss Art. 391 Abs. 2 erster Satz StPO greift somit nicht. Allerdings beseitigt die An-
schlussberufung der Staatsanwaltschaft das Verschlechterungsverbot nicht über die zulasten 
der Beschuldigten gestellten Anträge hinaus. Es ist Sache der zur Anschlussberufung bzw. 
Berufung berechtigten Partei, ihre Dispositionsfreiheit auszuüben und mit Anträgen in der 
Sache den Verfahrens- bzw. Streitgegenstand im Rechtsmittelverfahren zu bestimmen 
(BGE 147 IV 167 E. 1.5.3).

4. Kann ein Urteil definitiv nicht ergehen, ist das Verfahren einzustellen (Art. 329 Abs. 4 i.V.m. 
Art. 379 StPO). Die Verfolgungsverjährung stellt ein Verfahrenshindernis dar. Die Vorinstanz 
stellte das Strafverfahren gegen die Beschuldigte wegen Hinderung einer Amtshandlung am 
18. August 2021 und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Zeit-
raum vom 1. bis 18. August 2021 ein. Die Staatsanwaltschaft ficht diese Verfahrenseinstel-
lung an. 

4.1 Die Vorinstanz begründete die Verfahrenseinstellung zusammengefasst wie folgt: Bei der 
Beschuldigten handle es sich um eine sog. Übergangstäterin. Die Verjährung richte sich bei 
Übergangstätern ausschliesslich nach Art. 36 JStG. Die Ansicht von Riesen-Kupper, dass 
sich bei Übergangstätern die Verfolgungsverjährung der nach Vollendung des 18. Altersjah-
res begangen Taten nach Art. 97 f. StGB richte, sei nicht nachvollziehbar. Das Bundesgericht 
habe diese Frage bislang nicht beantwortet. Art. 3 Abs. 2 JStG spreche klar nur von der An-
wendbarkeit des StGB hinsichtlich der Strafen. Die Strafen (und Massnahmen) würden im 
dritten Titel des StGB, die Verjährung jedoch im sechsten Titel des StGB geregelt. Weiter sei 
bei Übergangstätern das Jugendstrafverfahren anwendbar. Aufgrund des Legalitätsprinzips 
sei bei der echten Lückenfüllung zu Ungunsten der beschuldigten Person sodann besondere 
Zurückhaltung geboten. Das Obergericht des Kantons Uri habe sich der Auffassung von Rie-
sen-Kupper angeschlossen und ausgeführt, dass ein Übergangstäter für Taten, die er als Ju-
gendlicher begangen habe, nicht schlechter gestellt sein solle, als ein Täter, bei dem ledig-
lich Taten vor Vollendung des 18. Altersjahres zu beurteilen seien. Umgekehrt solle der 
Übergangstäter für Taten, die er als Erwachsener begangen habe, nicht besser gestellt wer-
den als ein Täter, bei welchem lediglich Taten nach Vollendung des 18. Altersjahres zu beur-
teilen seien. Diese Überlegungen würden zwar dem Gerechtigkeitsgedanken und -empfinden 
entsprechen. Dennoch erachte das Gericht [die Vorinstanz] eine Lückenfüllung zu Ungunsten 
der Beschuldigten als heikel (OG GD 1 E. I.1.5.1.2 S. 12 f.). 

Die Staatsanwaltschaft bringt vor, die Vorinstanz habe zu Unrecht die Frage der Verjährung 
nach dem JStG beurteilt. Das JStG sei bei Übergangstätern nur anwendbar, wenn eine ju-
gendstrafrechtliche Massnahme angeordnet werde. Die Verjährung von Taten nach Vollen-
dung des 18. Altersjahres beurteile sich nach Erwachsenenstrafrecht (OG GD 2/1 S. 4; 
OG GD 10/7 S. 3). 

4.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, wurde die konkrete Rechtsfrage vom Bundesgericht 
bislang nicht geklärt (vgl. BGE 143 IV 49 E. 1.10 in fine). Entgegen der Ansicht der Vor-
instanz ist jedoch keine (heikle und damit allenfalls unzulässige) Lückenfüllung erforderlich. 
Die Auslegung des Gesetzes ergibt klar, dass die Verjährung der Taten als Erwachsener 
nach Art. 97 f. StGB zu beurteilen und Art. 36 JStG nur hinsichtlich jener vor Vollendung des 

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18. Altersjahres anwendbar ist. Art. 3 Abs. 2 JStG, den die Vorinstanz in ihrer Argumentation 
anführt, lautet wie folgt: "Sind gleichzeitig eine vor und eine nach Vollendung des 18. Alters-
jahres begangene Tat zu beurteilen, so ist hinsichtlich der Strafen nur das StGB anwendbar. 
Dies gilt auch für die Zusatzstrafe (Art. 49 Abs. 2 StGB), die für eine Tat auszusprechen ist, 
welche vor Vollendung des 18. Altersjahres begangen wurde. Bedarf der Täter einer Mass-
nahme, so ist diejenige Massnahme nach dem StGB oder nach diesem Gesetz anzuordnen, 
die nach den Umständen erforderlich ist. Wurde ein Verfahren gegen Jugendliche eingeleitet, 
bevor die nach Vollendung des 18. Altersjahres begangene Tat bekannt wurde, so bleibt die-
ses Verfahren anwendbar. Andernfalls ist das Verfahren gegen Erwachsene anwendbar". 
Diese Norm regelt nur bestimmte Aspekte der Beurteilung von Übergangstätern. So bestimmt 
sie, dass für alle Taten hinsichtlich der Strafen das StGB anwendbar ist. Ohne diese Rege-
lung wären die vor Vollendung des 18. Altersjahres begangenen Taten nach JStG zu bestra-
fen und jene nach Vollendung des 18. Altersjahres nach StGB. Art. 3 Abs. 2 JStG enthält 
somit Ausnahmen vom Grundsatz, dass für Taten vor Vollendung des 18. Altersjahres das 
JStG und für solche nach Vollendung des 18. Altersjahres das StGB gilt. Mit anderen Worten 
modifiziert die Bestimmung den persönlichen Geltungsbereich des Gesetzes hinsichtlich der 
Sanktionen (vgl. die Marginalie von Art. 3 JStG). Betreffend Verjährung besteht keine solche 
Ausnahme, weshalb der erwähnte Grundsatz bzw. der normale persönliche Geltungsbereich 
gilt. Dies bestätigt sich auch in Anbetracht des Gesetzgebungsprozesses. Der Entwurf des 
Bundesrates sah vor, dass bei Übergangstätern nur das StGB zur Anwendung kommt (Bot-
schaft zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches [Allgemeine Bestimmungen, 
Einführung und Anwendung des Gesetzes] und des Militärstrafgesetzes sowie zu einem 
Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht vom 21. September 1998, BBl 1999 II 1979 ff., 
2401; vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1445/2021 vom 14. Juni 2023 E. 2.4.2.3). 
Der Ständerat stimmte diesem Entwurf zunächst zu (AB 2000 S 742). Die Kommission des 
Nationalrates präsentierte aber die heute geltende abgeschwächte Form (AB 2002 N 129). 
Bei der Debatte ging es um die Frage, ob bzw. inwiefern die Taten vor Vollendung des 
18. Altersjahres bei Übergangstätern dem StGB unterliegen. Es sollte eine Verschlechterung 
der Rechtsposition des Jugendlichen gegenüber dem damals geltenden Recht verhindert 
werden, weshalb die Kommission den heute bestehenden Mittelweg vorschlug. Dass der 
Übergangstäter für die Taten als Erwachsener vom Jugendstrafrecht profitieren soll, war kein 
Thema im Parlament. 

Die Auffassung der Vorinstanz würde schliesslich dazu führen, dass ein Täter, der vor und 
nach Vollendung des 18. Altersjahres Delikte begangen hat, gegenüber jenem, der nur als 
Erwachsener straffällig wurde, privilegiert würde. Eine Privilegierung des Übergangstäters ist 
vom Gesetz jedoch nicht vorgesehen. Vielmehr soll ein Täter, ob er nun einzig als Jugendli-
cher oder Erwachsener Delikte begangen hat oder ein Übergangstäter ist, gleich bestraft 
werden. Dies ergibt sich bspw. aus Art. 49 Abs. 3 StGB, wonach ein Übergangstäter nicht 
schwerer bestraft werden darf, als wenn er für die Taten vor und nach Vollendung des 18. Al-
tersjahres alleine beurteilt worden wäre. Zum gleichen Ergebnis kam das Bundesgericht 
auch bei der Frage der Anwendbarkeit der Bestimmungen über die Landesverweisung auf 
einen Übergangstäter. Es führte hierzu aus, dass es nicht die Intention des Gesetzgebers 
gewesen sein könne, einen jungen Straftäter, der im Alter von über 18 Jahren eine Anlasstat 
begeht, hinsichtlich einer allfälligen Landesverweisung bevorzugt zu behandeln, nur bzw. ge-
rade weil er zuvor als Jugendlicher bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten ist und des-

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halb (gleichzeitig) eine vor und eine nach Vollendung seines 18. Altersjahres begangene Tat 
beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1445/2021 vom 14. Juni 2023 E. 2.4.2.5).

Zusammengefasst ist die Frage der Verjährung der Taten nach Vollendung des 18. Altersjah-
res nach Art. 97 f. StGB zu beurteilen (so auch Urteil des Obergerichts des Kantons Uri S 19 
5 vom 31. Dezember 2020 E. 7.2; Riesen-Kupper, in: Donatsch et. al. [Hrsg.], StGB/JStG 
Kommentar, mit weiteren Erlassen und Kommentar zu den Strafbestimmungen des SVG, 
BetmG, AIG und OBG, 21. A. 2022, Art. 36 JStG N 5; Geiger/Redondo/Tirelli, Petit 
Commentaire, Droit pénal des mineurs, 2019, Art. 36 JStG N 33).

4.3 Hinderung einer Amtshandlung gemäss Art. 286 StGB wird mit Geldstrafe bis zu 30 Tages-
sätzen bestraft. Die Verjährungsfrist beträgt somit sieben Jahre (Art. 97 Abs. 1 lit. d StGB). 
Die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG wird 
mit Busse bestraft. Die Strafverfolgung verjährt in drei Jahren (Art. 109 StGB). Die Taten sind 
damit offensichtlich nicht verjährt.

5.
5.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Beweisen, die im 

Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Von Amtes we-
gen oder auf Antrag einer Partei kann die Rechtsmittelinstanz die erforderlichen zusätzlichen 
Beweise erheben (Art. 389 Abs. 3 StPO). Notwendig ist dies aber nur dann, wenn die zusätz-
lich erhobenen Beweise den Ausgang des Verfahrens beeinflussen können (vgl. auch Urteil 
des Bundesgerichts 6B_288/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 1.3.1 m.H.). Eine unmittelbare 
Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren hat gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 
StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen Verfahren unterblieb oder un-
vollständig war und die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung not-
wendig erscheint. Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsge-
richt in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses von den erstin-
stanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1).

5.2 Die Parteien stellten im Berufungsverfahren keine Beweisanträge. Das Gericht sieht auch 
von Amtes wegen keine Veranlassung, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Haupt-
verfahren erhobenen Beweise zu ergänzen. Diese bilden somit, zusammen mit der Befra-
gung der Beschuldigten und den beschwerten Dritten sowie den Parteivorträgen an der Beru-
fungsverhandlung, die Entscheidungsgrundlagen des Gerichts.

6.
6.1 Mit Schreiben vom 17. Juli 2023 (Posteingang: 19. Juli 2023) ersuchte die Beschuldigte um 

Wechsel der amtlichen Verteidigung, da das Vertrauen in ihren Verteidiger zerrüttet sei. Zur 
Begründung führte sie zusammengefasst aus, die Verhandlung und das Urteil der ersten In-
stanz hätten ihr gezeigt, dass niemand sie verstehe. Sie habe Herrn B.________ [Privatklä-
ger B.________] weder töten noch verletzen wollen. Sie habe etwas getan, ohne zu wissen, 
was sie tue. Trotzdem werde ihr versuchte vorsätzliche Tötung vorgeworfen. Ihr Verteidiger 
wolle scheinbar die Strategie nicht wirklich anpassen. Sie wisse nicht genau, was er vorhabe. 
Sie sei nicht auf die Verhandlung vorbereitet, da sie das Plädoyer ihres Verteidigers (noch) 
nicht erhalten habe. Bereits im vorinstanzlichen Verfahren habe sie das Plädoyer ihres Ver-
teidigers erst kurz vor der Verhandlung erhalten und dieses nicht auf sich wirken lassen kön-

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nen. Sie beschäftige auch, dass die Kanzlei ihres Verteidigers gegenüber ihrem Vater er-
wähnt habe, sie würden mit diesem Mandat weniger Geld verdienen als in anderen Fällen. 
Sie fühle sich zweitklassig behandelt. Es gehe um ihre Zukunft und sie habe kein Vertrauen 
mehr in ihre Verteidigung. Abschliessend führte sie an, dass sie eine Person gefunden habe, 
die das Mandat übernehmen würde (OG GD 3/2).

6.2 Da das Gesuch einen Tag vor der Berufungsverhandlung beim Gericht einging, konnte die 
Verfahrensleitung nicht mehr darüber entscheiden, sondern es wurde anlässlich der Ver-
handlung im Rahmen der Vorfragen behandelt. Die Beschuldigte hielt dabei an ihrem Ge-
such fest. In ihren ergänzenden Ausführungen stellte sie die Korrektheit und Widerspruchs-
freiheit des Gutachtens von Prof. Dr. Y.________ in Frage (Erklärt das Gutachten wirklich 
korrekt und widerspruchsfrei, warum ich bei der Tat gegen Herrn B.________ nur mittelgra-
dig bis schwergradig schuldunfähig gewesen sein soll? Darf der Gutachter das Messertra-
gen, den zeitlichen Ablauf bewerten, mit der Dissoziation vermischen und danach die Schuld-
fähigkeit bestimmen?). Sie brauche eine Verteidigung, die sich all dieser Fragen annehme. 
Sie bestätigte auf entsprechende Frage des Gerichts, dass sie mit ihrem amtlichen Verteidi-
ger das vorinstanzliche Urteil besprochen habe. 

Auf Aufforderung durch das Gericht reichte der amtliche Verteidiger seine Honorarnote für 
das Berufungsverfahren ein (OG GD 10/2). In seiner Stellungnahme erklärte dieser, dass er 
einem Wechsel nicht entgegenstehe. Der überraschende Vertrauensentzug der Beschuldig-
ten habe auch sein Vertrauen beeinträchtigt. Die Kommunikation mit der Beschuldigten sei 
zum Schluss nicht mehr möglich gewesen. So habe sie ein Gespräch zur Vorbereitung der 
Verhandlung abgesagt. Er habe aber das erstinstanzliche Urteil und auch die Berufungser-
klärung mit der Beschuldigten besprochen. Aus der Honorarnote sei auch ersichtlich, dass er 
mit der Beschuldigten sowie mit ihrem Vater regelmässig in Kontakt gestanden habe. Bezüg-
lich der Honoraransätze erklärte der amtliche Verteidiger, die von der Beschuldigten vorge-
brachten Aussagen seien aus dem Kontext gerissen. Er habe die Beschuldigte nie als zweit-
klassige Mandantin behandelt, sondern sein Mandat genauso pflichtbewusst geführt wie eine 
erbetene Verteidigung. 

Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung des Gesuchs, da es zur Unzeit erfolgt sei. 
Sie bezweifelte, dass das Vertrauensverhältnis zerrüttet sei. Dazu erklärte die Beschuldigte, 
sie habe oft mit Ambivalenz zu kämpfen und entschuldige sich, dass sie den Antrag erst so 
spät gestellt habe. Sie hätte ihn auch vorher stellen können, stehe aber zu 100 % hinter dem 
Gesuch. Auf die Frage des Gerichts, wann sie sich zum Gesuch entschieden habe, erklärte 
die Beschuldigte, der Gedanke sei schon länger da gewesen. Sie sei teilweise recht ambiva-
lent und habe kein Gesuch stellen wollen, hinter dem sie nicht zu 100 % stehen könne. Am 
14. [Juli 2023] habe sie einen Brief an ihren Anwalt aufgesetzt. Nachher sei ihr bewusst ge-
worden, dass sie beim Gericht ein Gesuch stellen müsse, woraufhin sie dies abgeklärt und 
mit dem Gerichtsschreiber telefoniert habe. Weiter erklärte die Beschuldigte, dass sie keinen 
anderen Anwalt mandatiert habe, jedoch einen Anwalt habe, der bereit wäre, das Mandat zu 
übernehmen (OG GD 10/1 S. 2-5).

6.3
6.3.1 Gemäss Art. 134 Abs. 2 StPO überträgt die Verfahrensleitung die amtliche Verteidigung einer 

anderen Person, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen der beschuldigten Person und ih-
rer amtlichen Verteidigung erheblich gestört oder eine wirksame Verteidigung aus andern 

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Gründen nicht mehr gewährleistet ist. Diese Regelung trägt dem Umstand Rechnung, dass 
eine engagierte und effiziente Verteidigung nicht nur bei objektiver Pflichtverletzung der Ver-
teidigung, sondern bereits bei erheblich gestörtem Vertrauensverhältnis beeinträchtigt sein 
kann. Dahinter steht die Idee, dass eine amtliche Verteidigung in jenen Fällen auszuwech-
seln ist, in denen auch eine privat verteidigte beschuldigte Person einen Wechsel der Vertei-
digung vornehmen würde. Dies bedeutet aber nicht, dass allein das Empfinden der beschul-
digten Person für einen Wechsel der Verteidigung ausreicht, sondern diese Störung mit kon-
kreten Hinweisen, die in nachvollziehbarer Weise für ein fehlendes Vertrauensverhältnis 
sprechen, belegt und objektiviert werden müssen und somit der blosse Wunsch der beschul-
digten Person, nicht mehr durch den beigegebenen Verteidiger vertreten zu werden, für ei-
nen Wechsel nicht ausreicht (BGE 138 IV 161 E. 2.4 m.H.; Urteil des Bundesgerichts 
1B_450/2022 vom 30. Mai 2023 E. 4.2 m.H.). 

6.3.2 In den Grenzen einer sorgfältigen und effizienten Ausübung des Offizialmandates ist die 
Wahl der Verteidigungsstrategie grundsätzlich Aufgabe der amtlichen Verteidigung. Zwar hat 
sie die objektiven Interessen der beschuldigten Person möglichst im gegenseitigen Einver-
nehmen und in Absprache mit dieser zu wahren. Die Offizialverteidigung agiert jedoch im 
Strafprozess nicht als blosses unkritisches "Sprachrohr" ihrer Mandantschaft. Insbesondere 
liegt es im pflichtgemässen Ermessen der amtlichen Verteidigung zu entscheiden, welche 
Prozessvorkehren und juristischen Standpunkte sie (im Zweifelsfall) als sachgerecht und ge-
boten erachtet (Urteil des Bundesgerichts 1B_450/2022 vom 30. Mai 2023 E. 4.2 m.H.). 

6.3.3 Bei umfangreichen oder komplexen Straffällen und nach bereits länger andauernder Ausü-
bung des Mandats ist der Wechsel der amtlichen Verteidigung angesichts des Beschleuni-
gungsgebots nur mit Zurückhaltung zu bewilligen. Eine wirksame Verteidigung muss aber auf 
jeden Fall sichergestellt sein (TPF 2014 43 E. 3.2 m.H.; Beschluss der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts BB.2023.25, BB.2023.26 vom 21. April 2023; Lieber, in: Do-
natsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zu Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 3. A. 2020, Art. 134 StPO N 19a m.H.; Harari/Jakob/Santamaria, Commentaire ro-
mand, 2. A. 2019, Art. 134 StPO N 15a). 

6.3.4 Die beschuldigte Person hat die Gründe für einen Wechsel der amtlichen Verteidigung 
glaubhaft zu machen. Die amtliche Verteidigung ist anzuhören. Aufgrund des Berufsgeheim-
nisses kann die Verteidigung ohne Einwilligung der beschuldigten Person die Gründe nicht 
im Einzelnen offenlegen. Für den Nachweis erachtet die Lehre daher eine gewissenhafte Er-
klärung der amtlichen Verteidigung, sie könne eine wirksame Verteidigung nicht mehr ge-
währleisten, als ausreichend (Lieber, a.a.O., Art. 134 StPO N 20 m.H.; Ruckstuhl, Basler 
Kommentar, 2. A. 2014, Art. 134 StPO N 9).

6.4 Der Umstand, dass der amtliche Verteidiger – gemäss der Schilderung der Beschuldigten – 
anscheinend die Strategie nicht wirklich ändern wolle, stellt keine Verletzung seiner Pflichten 
dar. Es ist – wie dargelegt – die Aufgabe der amtlichen Verteidigung, die Verteidigungsstra-
tegie zu wählen. In der gewählten Strategie vor Vorinstanz sind keine Pflichtverletzungen der 
Verteidigung ersichtlich. In seinem Parteivortrag thematisierte der amtliche Verteidiger ver-
tieft die Frage, ob die Beschuldigte im Tatzeitpunkt schuldfähig war oder nicht. Er argumen-
tierte, sie sei in jenem Moment nicht mehr steuerungs- und einsichtsfähig gewesen (JG GD 
7/4 Ziff. 31 ff.). Mithin problematisierte er den wesentlichen Punkt des Gutachtens, mit wel-

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chem die Beschuldigte nicht einverstanden ist. Dass die Vorinstanz der Argumentation der 
amtlichen Verteidigung nicht gefolgt ist, bedeutet nicht, dass sie falsch war im Sinne einer 
unzureichenden Verteidigung. Wie die Beschuldigte und der amtliche Verteidiger überein-
stimmend bestätigten, fand eine persönliche Besprechung des erstinstanzlichen Urteils statt 
(OG GD 10/1 S. 3). Wie der eingereichten Honorarnote für das Berufungsverfahren zu ent-
nehmen ist und vom amtlichen Verteidiger auch so bestätigt wurde, fanden zwischen dem 
amtlichen Verteidiger und der Beschuldigten verschiedene telefonische Besprechungen statt, 
an denen das gewählte prozessuale Vorgehen erläutert worden sein dürfte (OG GD 10/1 
S. 3-4; OG GD 10/2). Offensichtlich wurde auch der Ablauf der Berufungsverhandlung be-
sprochen, da namentlich die Anwesenheit der Mutter der Beschuldigten und die von der Ver-
fahrensleitung aus diesem Grund in Aussicht gestellte teilweise Dispensation thematisiert 
wurden (vgl. OG GD 8/5-6). Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der amtliche 
Verteidiger die Strategie und insbesondere den wesentlichen Inhalt seines Plädoyers für die 
Berufungsverhandlung mit der Beschuldigten ausreichend besprochen hat, auch wenn die 
abschliessende, für den 18. Juli 2023 geplante Besprechung nicht stattfand (OG GD 10/1 
S. 3; OG GD 10/2). Das gleiche gilt auch für das vorinstanzliche Verfahren. Der amtliche Ver-
teidiger hat gemäss seiner Honorarnote die Beschuldigte am 15. Februar 2023, mithin rund 
eine Woche vor der Hauptverhandlung, in der JVA G.________ zu einer persönlichen Be-
sprechung von 105 Minuten getroffen. In diesem Zeitpunkt war das Plädoyer bereits ausge-
arbeitet (JG GD 4/23). Die Beschuldigte wird mithin gewusst haben, was ihr amtlicher Vertei-
diger an der Verhandlung vortragen wird. Dass die Beschuldigte die ausformulierten Plädoy-
ernotizen des amtlichen Verteidigers nicht schon vor der Verhandlung erhalten hat bzw. er-
halten haben will, vermag objektiv keine erhebliche Störung des Vertrauensverhältnisses zu 
begründen. Der Wunsch der Beschuldigten, die Plädoyernotizen vorab eingehend zu studie-
ren, dürfte auf ihre perfektionistische Persönlichkeit zurückzuführen sein (vgl. z.B. Vollzugs-
bericht vom 7. Februar 2023, worin geschildert wird, dass sich die Beschuldigte auf pedanti-
sche Art über die korrekte Ausführung von Aufgaben versichere [JG GD 4/20 S. 3]). Schliess-
lich ist zu berücksichtigen, dass das Gesuch sehr kurz vor der Berufungsverhandlung beim 
Gericht eingereicht wurde. Da es sich um einen Haftfall handelt, gilt vorliegend das besonde-
re Beschleunigungsgebot. Ein Wechsel der amtlichen Verteidigung würde eine Verzögerung 
des Verfahrens um mehrere Monate bedeuten. Es liegt auch im Interesse der Beschuldigten, 
zeitnah ein definitives Urteil zu erhalten. Vor diesem Hintergrund wäre bei einer Wahlvertei-
digung nicht zu erwarten, so kurz vor der Berufungsverhandlung einen Wechsel der Verteidi-
gung vorzunehmen, zumal aus dem Gesuch hervorgeht, dass die Beschuldigte bereits mit 
der Arbeit des amtlichen Verteidigers vor Vorinstanz nicht zufrieden war. Diesfalls wäre mit 
einem Verteidigerwechsel zu Beginn des Berufungsverfahrens zu rechnen gewesen, wie es 
auch die Staatsanwaltschaft sinngemäss vorbrachte (OG GD 10/1 S. 4). Daran ändert auch 
die von der Beschuldigten betonte Ambivalenz in ihren Beziehungen nichts, denn der allge-
meine Wunsch eines Verteidigerwechsels genügt, insbesondere in einem derart fortgeschrit-
tenen Verfahrensstadium, nicht. 

Zusammengefasst sind keine objektivierten Hinweise auf ein erheblich gestörtes Vertrauens-
verhältnis erkennbar. Auch andere Gründe, die gegen eine wirksame Verteidigung durch den 
aktuellen amtlichen Verteidiger sprechen, sind nicht vorhanden. Das Gesuch um Wechsel 
der amtlichen Verteidigung war daher abzuweisen.

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7. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdi-
gung des Anklagesachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der 
Vorinstanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet. Ein Verweis erscheint bei nicht streitigen 
Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beigepflich-
tet wird (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Der schlichte Verweis auf die Begründung der 
Vorinstanz gemäss dieser Bestimmung ist indes unzulässig, wenn gerade diese Begründung 
als unzutreffend gerügt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2018 vom 31. Oktober 2018 
E 1.). Falls das Gericht nachfolgend in diesem Sinne von der Verweisungsmöglichkeit Ge-
brauch macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

8. Sofern kein anderslautender Vermerk angebracht ist, beziehen sich die Aktenverweise (act.) 
auf die Akten der Untersuchung 4A 2021 501.

II. Tatvorwurf zum Nachteil von B.________

1. Sachverhalt gemäss Anklageschrift

1.1 Die Staatsanwaltschaft legt der Beschuldigten in der Anklageschrift folgenden Sachverhalt 
zur Last (JG GD 1 Ziff. A.1 S. 4 f.): 

"Zeitpunkt: 18.08.2021, ca. 14.20 Uhr 
Ort: Bundesplatz Zug, Hinterhof zur Liegenschaft Bundesplatz .________
Opfer: B.________
Verletzungen: Stichverletzung, ca. 4 cm lange Hautdurchtrennung auf der 

Halsvorderseite mit ca. 7 cm tiefem Stichkanal mit Durchtrennung 
der Muskulatur, des Schilddrüsenunterpols und Längseröffnung 
der linken äusseren Drosselvene

Tatmittel: Einhandmesser, Marke Herbretz (rot-schwarz)

Vorgehen:
Die Beschuldigte lernte das nachmalige Opfer B.________ nach einem Playoff-Eishockeyspiel im März 2021 in Zug 
kennen. In der Folge trafen sich die beiden einige Male zusammen mit weiteren Kollegen und Kolleginnen. Man 
schrieb sich ab und zu oder telefonierte. B.________ zeigte ein gewisses Interesse an der Beschuldigten. Das ver-
unsicherte die Beschuldigte, was sie ihrerseits B.________ zu verstehen gab.

Am Sonntag, 15.08.2021 vereinbarte die Beschuldigte über WhatsApp ein Treffen mit B.________ für Mittwoch, 
18.08.2021, 14.00 Uhr. Ca. 13.45 Uhr verliess die Beschuldigte nach dem Mittagessen die elterliche Wohnung an 
der AN.________, befestigte vorher noch das Messer Marke Herbretz (rot-schwarz) mittels Clip rechts innerhalb ih-
rer Hosen.

Die Beschuldigte traf am Mittwoch, 18.08.2021 kurz vor 14.00 Uhr in Zug beim Treffpunkt auf dem Bundesplatz Sei-
te Baarerstrasse (nordöstlich Bahnviadukt) bei den Sitzbänken nahe den dort befindlichen öffentlichen Toiletten ein. 
B.________ traf nach vorgängigem kurzen WhatsApp-Kontakt ca. 14.05 Uhr ein. Nach einem Gespräch, welches 
durch einen Toilettengang der Beschuldigten unterbrochen wurde, erklärte die Beschuldigte B.________, dass sie 
auf Frauen stehe und nichts mit ihm wolle. Anschliessend gingen die beiden unter den Viaduktbogen in die Gasse 
hinter dem Verkaufsgeschäft Z.________. Dabei machte die Beschuldigte B.________ nochmals klar, dass sie 
nichts von ihm wissen möchte und er auch nicht mehr zu ihr kommen solle, falls sie sich irgendwo sehen würden. 
B.________ zeigte sich erstaunt, enttäuscht und mit Unverständnis. Beide hielten dann kurz nach den Viaduktbo-
gen in der Gasse hinter dem Verkaufsgeschäft Z.________ inne und B.________ drehte sich um. Beide standen in 
einer Distanz von ca. zwei Armlängen. Die Beschuldigte ging in der Folge von einer Bewegung von B.________ in 
ihre Richtung aus und interpretierte eine anbahnende Berührung, ohne dass sie sich bedroht fühlte. In diesem Zeit-
punkt will sie das Wort «Geschlechtsverkehr» gehört haben. Sie nahm das im Hosenbund mitgeführte am Gurtclip 
befestigte Einhandmesser, Marke Herbretz (rot-schwarz, Klingenlänge 9 cm, Gesamtlänge 21 cm) öffnete es und 
stach mit der rechten Hand blitzschnell in die linke Halsvorderseite von B.________. Für B.________ kam dieser 
Stich unerwartet, nicht voraussehbar und wie aus heiterem Himmel. Der Stich drang kräftig durch die Halsvordersei-
te links, durchdrang die gerade Halsmuskulatur und verletzte den Schilddrüsenunterpols und öffnete in Längsrich-
tung die linke Drosselvene. Dadurch, durch den Blutverlust und mögliche Luftembolien bestand für B.________ 
unmittelbare Lebensgefahr.

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Durch diesen kräftigen Messerstich in die linke Halsvorderseite von B.________ nahm die Beschuldigte in Kauf 
oder rechnete zumindest damit und billigte es, dass das Opfer durch den Messerstich direkt oder aufgrund der da-
durch verursachten schweren Verletzungen lebenswichtiger Organe bzw. der durch getroffenen Schlagadern 
oder Venen verursachten hohen Blutverlust bzw. durch Eindringen von Luft in die Halsvene verursachten Luftembo-
lien lebensgefährlich und tödlich hätte getroffen werden können. Es war der Beschuldigten bewusst, dass sich im 
Kopf das Steuerungszentrum für sämtliche Vitalfunktionen befindet und sie mit einem Stich in den Hals die lebens-
erhaltene Versorgung des Kopfes unterbrechen, tödliche Blutungen bewirken bzw. durch Schädigungen von Ner-
venbahnen das Opfer tödlich verletzen bzw. schwer an Gesundheit schädigen oder ihm lebensgefährliche Verlet-
zungen zuführen kann, dies durch schwere Verletzungen lebenswichtiger Strukturen und/oder durch massive tödli-
che Blutungen und Schädigungen des Hirns. Das Opfer musste in der Folge mit bzw. nach grossem Blutverlust 
dringlich mittels Notfalltransport in Spitalpflege verbracht werden, wo die Verletzungen notfalloperiert werden muss-
ten.

Nach dem Messerstich steckte die Beschuldigte das Messer in ihre Hosentasche, ohne sich um den stark blutenden 
und am Hals verletzten B.________ zu kümmern. Sie entfernte sich und rannte über den Bundesplatz zum Coop Ci-
ty, begab sich dort direkt zu den im zweiten Obergeschoss befindlichen Toiletten, wo sie feststellte, dass auf ihrem 
Handy Blutspritzer und an ihrer Hand Blutspuren vorhanden waren. Sie wusch ihre Hände und verliess den Coop 
Richtung Musikschule / See, von wo sie dem See entlang zum Kolinplatz ging."

2. Vorinstanzliches Urteil und Standpunkt der Parteien

2.1 Die Vorinstanz beurteilte den in der Anklageschrift beschriebenen Sachverhalt als erstellt. 
Sie stützte sich dabei namentlich auf das glaubhafte Geständnis und die insgesamt glaubhaf-
ten Aussagen der Beschuldigten, die Aussagen des Privatklägers sowie die sachlichen Be-
weise und Gutachten. Rechtlich qualifizierte die Vorinstanz den Sachverhalt als versuchte 
vorsätzliche Tötung. Der Privatkläger sei von der Beschuldigten schwer verletzt worden und 
habe sich in unmittelbarer Lebensgefahr befunden. Objektiv sei eine versuchte vorsätzliche 
Tötung gegeben. Bezüglich des subjektiven Tatbestands erkannte die Vorinstanz einen 
Eventualvorsatz. Es sei zwar nicht nachzuweisen, dass die Beschuldigte am 18. August 2021 
den Privatkläger traf, um ihn niederzustechen bzw. zu töten oder dass sie anlässlich und im 
Verlauf des Treffens wissentlich entschieden habe, ihn zu töten. Durch den Einsatz des Mes-
sers gegen den Privatkläger habe sie jedoch dessen Tötung für möglich halten und in Kauf 
nehmen müssen. Die Beschuldigte habe das Messer auf sich getragen und so erst dessen 
Einsatz ermöglicht, wo sie doch bereits in der Vergangenheit zwei Mal ein Messer zur Be-
drohung anderer eingesetzt gehabt habe. Sie habe damit das Risiko eines Messereinsatzes 
geschaffen. Mittels einer erzieherischen Weisung im Rahmen der persönlichen Betreuung 
gemäss Art. 13 JStG hätte ihr untersagt werden sollen, Waffen zu besitzen und zu erwerben. 
Mangels ihrer Zustimmung habe das aber nicht umgesetzt werden können. Die Beschuldigte 
habe ihre Eigenverantwortung nicht wahrgenommen und eigenwillig gehandelt. Aufgrund 
dieser Gründe habe die Beschuldigte wissen müssen, dass sie das mitgeführte Messer allen-
falls auch tatsächlich einsetzen würde. Zudem habe sie sich vor dem Treffen mit dem Privat-
kläger bedrängt gefühlt und sei nervös gewesen. Sodann sei von einem gewollten und ge-
zielten Stich gegen den Hals bzw. die Halsgegend des Privatklägers auszugehen. Denn die 
Beschuldigte und der Privatkläger seien praktisch gleich gross, hätten auf einer ebenen 
Fläche auf etwa gleicher Höhe gegenüber gestanden, sich nicht bewegt und die durch ihre 
Fechtausbildung geschulte Beschuldigte habe ihm einen kräftigen Stich in den Hals versetzt. 
Die Position habe den gezielten Stich gegen den Hals bzw. die Halsgegend ermöglicht. Je-
doch hätte die Beschuldigte auch anderswo zustechen können. Der Beschuldigten sei klar 
gewesen, was ein Messerstich in den Hals schlimmstenfalls bewirken könne. Gerade weil sie 
ihr Messer gegen den Hals bzw. die Halsgegend und damit gegen ein sehr verletzbares Kör-
perteil eingesetzt habe, müsse Eventualvorsatz umso mehr bejaht werden. Sie habe den Pri-
vatkläger mit ihrem Stich nicht nur schwer verletzt und eine unmittelbare Lebensgefahr ge-
schaffen, was sie billigend in Kauf genommen habe. Sondern sie habe in Kauf genommen, 

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den Privatkläger direkt durch den Stich in den Hals zu töten. Der Beschuldigten sei bewusst 
gewesen, dass der Privatkläger direkt durch den Messerstich oder die Verletzungen lebens-
gefährlich und tödlich hätte getroffen werden können. Die verminderte Schuldfähigkeit habe 
keinen Einfluss auf den Vorsatz (OG GD 1 E. II.1.2-1.3, S. 34-43). 

2.2 Die Verteidigung führte an der Berufungsverhandlung zusammengefasst Folgendes aus: 

2.2.1 Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die Beschuldigte das Messer bewusst eingepackt 
habe, im Wissen dieses allenfalls beim späteren Zusammentreffen mit dem Privatkläger zu 
gebrauchen, dass die Dissoziation vorhersehbar gewesen sei, und dass sich die Beschuldig-
te rechtzeitig von der Situation hätte entfernen können und müssen, was sie aber bewusst 
nicht gemacht und daher den späteren Messereinsatz mit möglichen fatalen Folgen für einen 
Menschen bewusst in Kauf genommen habe, sei willkürlich. Die Beschuldigte habe immer ein 
Messer dabei gehabt wie das Mobiltelefon, den Schlüsselbund oder das Portemonnaie. Für 
sie sei es ein alltäglicher Gegenstand gewesen. Es könne nicht bewiesen werden, dass die 
Beschuldigte das Messer in der Absicht mitgeführt habe, es später zur Tötung eines Men-
schen einzusetzen bzw. dass sie dies in Kauf genommen habe. Die Vorinstanz gehe selbst 
davon aus, dass die Beschuldigte das Messer nicht mit der Absicht einsteckte, es zu gebrau-
chen. Der weitere Schluss der Vorinstanz, die Beschuldigte hätte wissen müssen, dass sie 
das Messer tatsächlich einsetzen könnte, weil sie in der Vergangenheit bereits zweimal ein 
Messer zur Drohung eingesetzt habe, sei ebenfalls willkürlich. Bei den angesprochenen zwei 
Vorfällen mit Messern handle es sich um Ausreisser. Der letzte habe über ein Jahr zurückge-
legen. Im Unterschied zum Vorfall mit dem Privatkläger habe die Beschuldigte bei jenen be-
reits im Vorfeld gewusst, dass es auf eine Konfrontation hinauslaufen könnte. Der vorliegend 
zu beurteilende Messereinsatz sei zudem in einem dissoziativen Zustand erfolgt. Einen sol-
chen habe die Beschuldigte zuvor jedoch nie erlebt, wie auch der Gutachter festhalte. Bei 
den früheren Vorfällen sei sie geistig präsent gewesen. Es könne daher nicht gesagt werden, 
die Beschuldigte hätte voraussehen können und müssen, dass sie in eine solche Situation 
geraten und gegenüber einem Dritten gewalttätig werden könnte, zumal es in der Vergan-
genheit bei Drohungen geblieben sei. Überdies sei die Beschuldigte – wie der Gutachter 
festgehalten habe – mit ihren psychischen Problemen zeitweise überfordert gewesen und 
habe Vieles nicht richtig einordnen können. Der Gutachter habe der Beschuldigten auch at-
testiert, dass sie Mühe gehabt habe, belastende Situationen als solche wahrzunehmen, ein-
zuordnen und Lösungsstrategien zu entwerfen. Folglich könne von ihr nicht verlangt werden, 
die richtigen Schlüsse zu ziehen und sich aus der Situation rechtzeitig zu entfernen. Zudem 
dürfe nicht ignoriert werden, dass sich ein dissoziativer Zustand von einem Moment auf den 
anderen manifestiere. Er bahne sich nicht wie Panikattacken langsam an. Der Gutachter hal-
te denn auch nur fest, dass die Beschuldigte Panikattacken hätte vermeiden können. Dass 
sie von Gewaltattacken und Dissoziationen habe ausgehen müssen, davon spreche der Gut-
achter zu Recht nicht. Aus den Vollzugs- und Therapieberichten ergebe sich, dass die Be-
schuldigte selbst im geschützten und betreuten Rahmen inkl. laufender Therapie, in denen 
sie Skills lerne, um Triggermomente von dissoziativen Zuständen zu vermeiden 
oder zumindest damit richtig umzugehen, immer wieder enorme Mühe habe, sich entspre-
chend zu verhalten. Wenn die Beschuldigte also selbst heute noch damit Mühe habe, wie 
könne erwartet werden, dass sie dies damals, ohne Behandlung des deliktrelevanten 
Störungskomplexes, hätte erkennen und entsprechend handeln können?

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2.2.2 Der Beschuldigten könne auch kein Vorwurf gemacht werden, sie hätte sich falsch auf das 
Treffen mit dem Privatkläger eingestellt. Die vom Gutachter geschilderte Vorbereitung zeige, 
dass die Beschuldigte versucht habe, sozialadäquat zu handeln, indem sie das Treffen vor 
einen Termin bei ihrer Therapeutin gelegt habe. Sie habe also nicht damit gerechnet, bereits 
beim Treffen mit dem Privatkläger in eine derart prekäre psychische Situation zu kommen, 
sondern erst im Rahmen der Nachverarbeitung. Auch wenn sie nervös gewesen sei, habe 
die Beschuldigte nicht davon ausgehen müssen, während des Treffens in einen dissoziativen 
Zustand zu geraten. Sie habe auch nicht damit rechnen müssen, dass der Privatkläger über 
Geschlechtsverkehr spricht, sich nähert bzw. sie berühren will und sie dadurch "getriggert" 
wird. Denn dass sie diese Kombination "getriggert" habe, habe die Beschuldigte erst im 
Nachgang nach längerer Zeit erkannt.

2.2.3 Nach dem Gesagten sei die Schlussfolgerung der Vorinstanz, die Beschuldigte habe eventu-
alvorsätzlich gehandelt, falsch. Dass die Beschuldigte durch die Mitnahme des Messers be-
wusst erst das Risiko dessen Einsatzes geschaffen habe, stimme nicht. Auch treffe nicht zu, 
dass sie hätte wissen müssen, dass sie das Messer allenfalls einsetzen würde. Wie vom 
Gutachter festgehalten, sei die Beschuldigte mit der Vorbereitung des Treffens mit dem Pri-
vatkläger völlig überfordert gewesen und habe keine adäquate Lösung erarbeiten und um-
setzen können. Sie sei diesbezüglich schwer vermindert schuldfähig gewesen. 

2.2.4 Entgegen der Vorinstanz könne auch nicht von einem bewusst gezielten Stich in eventual-
vorsätzlicher Absicht ausgegangen werden. Die Beschuldigte sei in diesem Zeitpunkt in ei-
nem dissoziativen Zustand gewesen. Der Gutachter anerkenne lediglich keine komplette 
Aufhebung der Schuldfähigkeit, weil die Beschuldigte sich im Vorfeld aus der Situation hätte 
entfernen können. E contrario sei daraus zu schliessen, dass im Moment des tatsächlichen 
Zustechens bzw. bereits kurz zuvor die Schuldfähigkeit der Beschuldigten vollständig aufge-
hoben gewesen sei. Es könne der Beschuldigten daher nicht vorgeworfen werden, zielgerich-
tet auf den Hals eingestochen zu haben und dies überdies im Bewusstsein und in Inkauf-
nahme, den Privatkläger zu töten. Der Beschuldigten könne lediglich vorgehalten werden, sie 
habe das Messer unter Inkaufnahme mitgenommen, es allenfalls für eine Drohung einzuset-
zen. Damit werde aber nicht in Kauf genommen, einen Menschen zu töten. Dass die Vor-
instanz davon ausgehe, die Beschuldigte hätte als geübte Fechterin bei der Messermitnahme 
bewusst eine Tötung in Kauf genommen, sei unzulässig. Erstens habe die Beschuldigte kei-
ne Fechtkünste, sondern habe den Fechtsport lediglich früher einmal ausgeübt, und zweitens 
könne in dubio pro reo gerade so gut argumentiert werden, die Beschuldigte könne aufgrund 
ihrer Fechterfahrung eine möglich tödliche Verletzung bewusst vermeiden. Es könnte ihr in-
sofern höchstens vorgeworfen werden, eine Verletzung einer Drittperson in Kauf genommen 
zu haben, weil davon ausgegangen werden müsste, als geübte Fechterin könne sie das 
Messer so beherrschen, dass kein Risiko des Todes besteht. Die Beschuldigte habe auch 
nicht damit rechnen müssen, in einem dissoziativen Zustand ihre Fechtkünste für eine 
Tötungshandlung einzusetzen. Eine eventualvorsätzliche Tötungsabsicht könne der Be-
schuldigte somit nicht nachgewiesen werden. Die Tat könne maximal als schwere Körperver-
letzung qualifiziert werden, wobei die Schuldfähigkeit der Beschuldigten schwer vermindert 
gewesen sei (OG GD 10/4 Ziff. 3-20). 

2.3 Die Staatsanwaltschaft führte in ihrem Parteivortrag vor Vorinstanz sowie in ihrer Eingabe 
vom 5. Mai 2023 zusammengefasst aus, die Sorgfaltspflichtverletzung der Beschuldigten 
wiege sehr schwer und das Risiko des Todes sei bei einem Messerstich in den Hals hoch. 

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Die Beschuldigte habe den Privatkläger durch ihr Handeln einem Todesrisiko ausgesetzt und 
lebensgefährlich verletzt. Sie habe präzise, blitzschnell und für den Privatkläger nicht vor-
aussehbar gezielt gegen den Hals gestochen. Die Beschuldigte sei daher der versuchten 
vorsätzlichen Tötung schuldig zu sprechen (JG GD 7/3 S. 6; OG GD 2/1 S. 4-5). An der Be-
rufungsverhandlung wiederholte die Staatsanwaltschaft ihre früheren Ausführungen zu die-
sem Punkt (OG GD 10/7). 

3. Feststellung des Sachverhalts/Beweiswürdigung

3.1 Verhältnis zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger

3.1.1 Aufgrund der (insoweit) übereinstimmenden und glaubhaften Aussagen der Beschuldigten 
und des Privatklägers, der Aussagen der als Zeugen einvernommenen Kollegen der Be-
schuldigten sowie der Auswertung der WhatsApp-Nachrichten der Beschuldigten ergibt sich 
Folgendes zum Verhältnis zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger: 

3.1.2 Die Beschuldigte und der Privatkläger lernten sich an einem späteren Abend während der 
Eishockey-Playoff-Zeit im März 2021 (der erste Kontakt auf WhatsApp fand am 26. März 
2021 statt [act. 6/15/2 S. 2; act. 6/15/3 S. 1]) zufällig in der Stadt Zug kennen, als sie je mit 
ihren Kollegen unterwegs waren (act. 2/1 Ziff. 5; act. 2/8 Ziff. 1 ff.; act. 2/17 Ziff. 9; act. 2/11 
Ziff. 13, 80-83). Betreffend den genauen Ort gibt es Widersprüche in den Aussagen der Be-
schuldigten und des Privatklägers. Gemäss Aussagen der Beschuldigten haben sie sich am 
Bahnhof kennengelernt. Der Privatkläger gab hingegen an, sie hätten sich in der Neustadt-
passage getroffen. Von den befragten Kollegen der Beschuldigten sind diesbezüglich keine 
Aussagen vorhanden. Der genaue Ort ist für die weitere Beweiswürdigung jedoch nicht rele-
vant. Die weiteren Aussagen zum Kennenlernen (Zeitraum, je mit Kollegen unterwegs, Aus-
tausch der Mobiltelefonnummern) stimmen jedenfalls überein. Die beiden Gruppen bzw. zu-
mindest die Beschuldigte und der Privatkläger tauschten in der Folge ihre Mobiltelefonnum-
mern aus (act. 2/8 Ziff. 16; act. 2/17 Ziff. 9; act. 2/11 Ziff. 13). Die Beschuldigte hatte einen 
grundsätzlich sympathischen ersten Eindruck vom Privatkläger (act. 2/8 Ziff. 27, 42). 

3.1.3 In der Folge hatten die Beschuldigte und der Privatkläger Kontakt über WhatsApp, teilweise 
fanden auch Telefonanrufe statt, und es kam vor dem 18. August 2021 zu mehreren Treffen 
(act. 2/1 Ziff. 2, 5-8; act. 2/8 Ziff. 30-31; act. 2/11 Ziff. 1, 13, 20, 84-89; act. 6/15/2; 
act. 6/15/3; act. 6/18/3). Bei diesen Treffen wurde über den Tag gesprochen und zusammen 
angestossen, wobei die Treffen meist spontan und kurz waren (act. 2/8 Ziff. 9, 47, 63-64). 
Die Beschuldigte wusste nicht viel über den Privatkläger. Einzig seinen Vornamen, dass er 
29 Jahre alt ist, aus Zug kommt und EVZ-Fan ist. Sie kannte ihn mehr vom Sehen (act. 2/1 
Ziff. 7). Er war ein Bekannter, den man im Ausgang sieht und mit dem man ein Bier trinkt 
(act. 2/8 Ziff. 65; vgl. JG GD 7/2 S. 9). Die Kollegen der Beschuldigten kannten den Privat-
kläger auch nicht näher (act. 2/18 Ziff. 15, act. 2/19 Ziff. 47, 50; act. 2/20 Ziff. 42, 44). Dass 
die Beschuldigte und der Privatkläger keine enge Beziehung hatten, ergibt sich auch aus der 
Aussage des Privatklägers, wonach er ebenfalls nichts über die Beschuldigte wisse (act. 2/11 
Ziff. 100, 107). Dieses Bild wird weiter durch die WhatsApp-Nachrichten bestätigt. Denn in 
diesen ging es primär darum, ob sie sich treffen, um gemeinsam zu "chillen". Ein tieferge-
hender Austausch fand nicht statt (act. 6/15/2; act. 6/15/3). 

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3.1.4 Trotzdem sah der Privatkläger in der Beschuldigten mehr als eine Bekannte. Er wünschte 
sich eine Beziehung mit ihr, auch wenn er dies in der Einvernahme verneinte (act. 2/11 
Ziff. 90). Die Nachrichten, welche er an die Beschuldigte sandte, zeigen eindeutig, dass er an 
einer Beziehung interessiert war (act. 6/15/2 insb. S. 14 f., 36; act. 6/15/3 insb. S. 2, 5, 6, 8 
f.). Dies wird auch durch die Aussagen der Beschuldigten und ihrer Kollegen bestätigt. Als ihr 
der Privatkläger schrieb, dass er mit ihr zusammen sein wolle, dachte sich die Beschuldigte 
gemäss eigenen Aussagen zunächst nichts dabei (act. 2/1 Ziff. 12), war aber überrascht und 
auch irritiert, da er sie bereits kurz nach dem ersten Treffen begann, als "Schwösterli" (bzw. 
einmal als "Schwesterherz") zu bezeichnen (act. 2/8 Ziff. 45-46, 105; act. 6/15/2; act. 6/15/3). 
Diese nachvollziehbare Irritation hielt auch Prof. Dr. Y.________ in seinem Gutachten fest 
(act. 10/15 S. 99, 132). 

3.1.5 Am 7. Mai 2021 teilte die Beschuldigte dem Privatkläger via WhatsApp mit, dass sie auf 
Frauen stehe, worauf er mit "ok" antwortete (act. 6/15/2 S. 15; act. 6/15/3 S. 2). Die Beschul-
digte schilderte, er habe ihr immer wieder mitgeteilt, dass er sich eine Zukunft mit ihr vorstel-
len könne, obwohl sie ihm klar gesagt habe, sie stehe auf Frauen bzw. keine Beziehung wol-
le (act. 2/1 Ziff. 12; act. 2/8 Ziff. 50; vgl. act. 2/17 Ziff. 10; JG GD 7/2 S. 9). Entsprechendes 
geht aus den WhatsApp-Nachrichten zwar so nicht direkt hervor. Er hat ihr aber weiterhin 
geschrieben und sie regelmässig nach Treffen gefragt, welche von der Beschuldigten jeweils 
mit unterschiedlichen Gründen abgelehnt wurden (act. 6/15/2; act. 6/15/3). Am Freitag, 
23. Juli 2021 bat der Privatkläger die Beschuldigte um ein Treffen unter vier Augen, welches 
dann auch gleichentags um ca. 23.15 Uhr stattfand (act. 6/15/2 S. 24-32; act. 6/15/3 S. 5). 
Dabei handelte es sich um das von der Beschuldigten und ihren Kollegen AA.________, 
AB.________ und AC.________ beschriebene Treffen beim Postplatz in Zug, welches sie 
auf einen Freitag oder Samstag rund zwei Wochen vor dem 18. August 2021 verorteten 
(act. 2/1 Ziff. 2; act. 2/18 Ziff. 3). Die Beschuldigte versuchte dabei, dem Privatkläger klar zu 
machen, dass er sie in Ruhe lassen solle. Er erklärte ihr jedoch, dass er sie liebe und sie 
seine Frau fürs Leben sei. Als sie sagte, sie stehe auf Frauen, antwortete er verwundert und 
enttäuscht, ob sie sich immer noch nicht geändert habe (act. 2/1 Ziff. 2; vgl. act. 2/8 Ziff. 78, 
84; act. 2/17 Ziff. 10; vgl. act. 2/18 Ziff. 4 ff.; act. 2/20 Ziff. 10, 45 ff.). Weiter erklärte er, er 
gebe nicht auf, das würde schon noch werden (act. 2/8 Ziff. 84). Dies deckt sich mit der Au-
dionachricht, welche der Privatkläger kurz nach dem Treffen um 23.26 Uhr an die Beschul-
digte sandte (act. 6/15/3 S. 5). Darin erklärte er, er akzeptiere, dass sie auf Frauen stehe. 
Dass er die Hoffnung trotzdem noch nicht aufgegeben hatte, ergibt sich sodann klar aus sei-
ner Reaktion auf die Bitte der Beschuldigten für ein Treffen Mitte August 2021. Er fragte um-
gehend und direkt, ob sie doch mit ihm gehen wolle (act. 6/15/2 S. 36). Auch hatte er sie da-
vor weiterhin regelmässig kontaktiert und nach Treffen gefragt. 

3.1.6 Bei diesem kurzen Treffen am 23. Juli 2021 hielt die Beschuldigte eine Telefonverbindung zu 
ihrer Kollegin AC.________ aufrecht, welche mit AA.________ und AB.________ in der 
Nähe beim Regierungsgebäude wartete (act. 2/8 Ziff. 66, 81, 83; act. 2/18 Ziff. 6-7, 55; 
act. 2/19 Ziff. 57-61; act. 2/20 Ziff. 10), da es unangenehm hätte werden können und dann 
jemand hätte kommen können (act. 2/8 Ziff. 86). Nach dem Gespräch ärgerte sich die Be-
schuldigte darüber, dass der Privatkläger immer noch nicht verstand, dass sie nichts von ihm 
wolle (act. 2/18 Ziff. 10-11, 84; act. 2/19 Ziff. 46, 62; vgl. act. 2/20 Ziff. 53). Die Beschuldigte 
war anschliessend mit ihren Kollegen am See, wo sie etwas später auf den Privatkläger tra-
fen. Anschliessend gingen sie zum Bahnhof. Der Privatkläger wollte dabei mit der Beschul-

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digten sprechen, wobei sie nur sehr passiv am Gespräch teilgenommen hat. Am Bahnhof 
wurde der "Körperkontakt" zunehmend näher, d.h. sie standen sich immer näher, aber noch 
ohne Kontakt; der Beschuldigten wurde es zu nahe bzw. unwohl, weshalb sie aufstand und 
wegging. Sie hat den Privatkläger "abgehängt", indem sie auf das andere Perron rannte und 
zunächst in einen Zug einstieg, später diesen aber verliess und zu Fuss nach Hause ging. 
Der Privatkläger, welcher glaubte, die Beschuldigte sei im Zug, suchte sie im Zug, erkundigte 
sich beim Kollegen der Beschuldigten, AB.________, kontaktiere sie via WhatsApp und rief 
sie auch an (act. 2/1 Ziff. 2; act. 2/8 Ziff. 81, 84-85; act. 2/17 Ziff. 10; vgl. 2/18 Ziff. 49, 66; 
act. 6/15/2 S. 32; act. 6/18/3 S. 4).

3.1.7 Zusammengefasst hatte der Privatkläger ein nachhaltiges romantisches Interesse an der Be-
schuldigten, auch wenn sie ihm mitgeteilte hatte, sie stehe auf Frauen. Er kontaktierte sie re-
gelmässig und wollte sie treffen. Die Beschuldigte empfand dies als unangenehm, mühsam 
und stressig (act. 2/8 Ziff. 53; act. 2/17 Ziff. 10) bzw. war "hässig". Einen eigentlichen Streit 
gab es zwischen der Beschuldigten und dem Privatkläger nicht (act. 2/1 Ziff. 12; act. 2/18 
Ziff. 84). Auch hatte er sie nie bedroht, bedrängt oder betatscht (act. 2/17 Ziff. 12-15). Die Si-
tuationen, insbesondere jene vom 23. Juli 2021, führten aber dazu, dass die Beschuldigte 
nichts mehr mit dem Privatkläger zu tun haben wollte (act. 2/17 Ziff. 10).

3.2 Vorbereitung des Treffens vom 18. August 2021/Wahl des Treffpunkts

3.2.1 Nach dem Treffen/Gespräch vom 23. Juli 2021 fragte der Privatkläger am 28. Juli 2021 und 
am 30. Juli 2021, ob sie sich sehen könnten. Beide Male lehnte die Beschuldigte ab; ist dem 
ausgewichen, wie sie es beschrieben hat (act. 2/8 Ziff. 53). Schliesslich sandte er ihr am 
1. August 2021 ein kurzes Video (act. 6/15/2 S. 33-34; act. 6/15/3 S. 5-6). Erst am 14. Au-
gust 2021 schrieb die Beschuldigte dem Privatkläger und bat um ein Treffen unter vier Augen 
(act. 6/15/2 S. 34 ff.). Dazwischen erfolgten keine Nachrichten auf WhatsApp. Auch sind kei-
ne Telefonanrufe in dieser Zeit registriert (act. 6/18/3). Bezüglich Kontakte über andere 
Kommunikationsmittel ergibt sich nichts aus den Akten. Es ist daher davon auszugehen, 
dass der Privatkläger den Kontakt abgebrochen hatte. Da die Beschuldigte nach rund zwei 
Wochen den Kontakt wieder aufnahm und um ein Treffen bat, muss angenommen werden, 
dass sie das Verhalten des Privatklägers weiterhin stark beschäftigte (vgl. E. II.3.2.2). 

Bei der Frage nach dem Treffen wollte die Beschuldigte dem Privatkläger nicht genau be-
kannt geben, um was es geht. Der Privatkläger hatte – wie bereits erwähnt – offenbar die 
Hoffnung, dass sie doch mit ihm gehen wolle. Dies beantwortete die Beschuldigte mit "öppis i 
die richtig". Der Privatkläger versuchte, die Beschuldigte zu einem früheren Treffen als den 
von der Beschuldigten vorgeschlagenen Mittwoch, 18. August 2021, zu überreden. Schliess-
lich verabredeten sie sich für den 18. August 2021, 14.00 Uhr. Im Rahmen der Organisation 
des Treffens fanden auch zwei Telefonanrufe statt. Am 17. August 2021, 22.13 Uhr, sandte 
der Privatkläger der Beschuldigten eine Sprachnachricht, worin er seine Gefühle für sie be-
kundete und ausdrückte, er würde sich sehr über eine Beziehung freuen. Er wisse aber, dass 
sie auf Frauen stehe und wenn sie nicht mit ihm zusammen sein wolle, sei es nicht so 
schlimm. Die Beschuldigte antwortete, sie würden das morgen besprechen (act. 6/15/2 
S. 34-48; act. 6/15/3 S. 6-9). Aus der früheren Sprachnachricht des Privatklägers kann ge-
schlossen werden, dass er gar Hoffnung hatte, es komme zu einem sexuellen Kontakt ("[…] 
wieso meinsch du dass mer eus bi dä öffentliche WC's treffed, wotsch du öpis bestimmts vo 

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mir […]"; act. 6/15/3 S. 8). Die Beschuldigte dachte sich gemäss den glaubhaften Aussagen, 
"nicht schon wieder" und konnte sich diese Liebeserklärung nicht erklären. Sie fühlte sich 
leicht unruhig, unwohl (act. 2/8 Ziff. 96-98).

3.2.2 Grund für das Treffen vom 18. August 2021 war gemäss der Beschuldigten, dem Privatkläger 
zu erklären, dass es mit der Beziehung nichts wird und um zu verstehen, weshalb er darauf 
gekommen sei, dass sie Interesse an einer Beziehung hätte. Sie wollte, dass er sie in Ruhe 
lässt. Sie wollte das aber nicht übers Telefon klären, sondern persönlich, damit es keine 
Missverständnisse gibt. Wenn sie ihn einfach auf WhatsApp blockiert hätte, hätte es unange-
nehm werden können, wenn man sich dann sieht (act. 2/1 Ziff. 3; act. 2/9 Ziff. 3, 17; act. 2/17 
Ziff. 8, 23). Den Mittwoch, 18. August 2021 schlug sie dem Privatkläger vor, weil sie früher 
nicht konnte und am Abend noch Therapie bei Frau AD.________ in Zürich hatte. Zudem 
wollte sie dieses "Problem" vor dem Lehrbeginn klären (act. 2/8 Ziff. 53; act. 2/9 Ziff. 1-2, 12-
13; act. 10/15 S. 101). Den Ort wählte sie aus, weil man dort ungestört ist, es nahe beim 
Bahnhof ist und es eine Toilette in der Nähe hat, damit sie auf die Toilette gehen kann, wenn 
es ihr zu viel würde (act. 2/9 Ziff. 23-25, 90-91; act. 2/17 Ziff. 59; act. 6/15/2 S. 46; act. 6/15/3 
S. 8). Die Beschuldigte bereitete sich eingehend auf das Gespräch mit dem Privatkläger vor, 
indem sie sich überlegte, was sie sagen wollte. Sie war sich aber auch unsicher, wie er re-
agieren würde (act. 2/9 Ziff. 39). 

3.2.3 Die Schwester der Beschuldigten, AE.________, gab zwar an, dass die Beschuldigte am 
Vorabend (17. August 2021) gelassen gewesen sei (act. 2/21 Ziff. 18). Dass das bevorste-
hende Treffen die Beschuldigte dennoch belastet hat, ergibt sich – wie der Gutachter 
Prof. Dr. Y.________ nachvollziehbar schlussfolgerte – aus dem Umstand, dass sie am Vor-
tag eine Panikattacke erlitt, als sie mit der Familie zum Geburtstag der Schwester in einem 
Restaurant war. Dies gilt auch, wenn die Beschuldigte einen Zusammenhang zum Treffen mit 
dem Privatkläger nur "vielleicht unbewusst" sah (act. 10/15 S. 101, 123). Am 17. August 
2021 hatte die Beschuldigte keine Einschlafstörungen, sondern versuchte, das Thema zu 
verdrängen (act. 10/15 S. 102). Der Umstand, dass sie es verdrängen musste, spricht für ei-
ne Belastung. Am Morgen des 18. August 2021 und auch im Vorfeld des Treffens gab es so-
dann keine Besonderheiten (act. 10/15 S. 102). Allerdings war sie ein bisschen nervös, als 
sie am Treffpunkt auf den Privatkläger wartete. Sie ordnete, was sie ihm sagen will (act. 2/9 
Ziff. 97). 

3.2.4 Zusammengefasst ist, wie es der Gutachter Prof. Dr. Y.________ darlegte (act. 10/15 
S. 132), festzuhalten, dass die Beschuldigte durch das geplante Treffen mit dem Privatkläger 
unter Druck stand. Dies ergibt sich namentlich aus der Wahl des Treffpunktes, der Wahl des 
Datums und dem genauen Zurechtlegen, was sie sagen will. Schliesslich zeigt dies auch die 
Panikattacke vom Vortag. 

3.3 Treffen vom 18. August 2021

3.3.1 Der äussere Tathergang, wie er in der Anklageschrift umschrieben wird, ist in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz aufgrund des glaubhaften Geständnisses und der diesbezüglich 
glaubhaften Aussagen der Beschuldigten, der entsprechenden glaubhaften Aussagen des 
Privatklägers sowie der weiteren Beweise erstellt (vgl. die Verweise in OG GD 1 E. II.1.2.1 
S. 34).

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3.3.2 Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, konnte sich der Privatkläger im Wesentlichen nur an 
das Treffen an sich und die eigentliche Tat erinnern. An den genauen Ablauf des Treffens 
und insbesondere den Gesprächsinhalt hatte er keine Erinnerungen mehr. Es wird diesbe-
züglich auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (OG GD 1 E. II.1.2.6 S. 40 f.). Soweit 
der Privatkläger keine Aussagen machen konnte und keine anderen Beweise vorliegen, ist 
daher – zumindest nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" – auf die Aussagen der Beschul-
digten abzustellen. Entsprechend präsentiert sich der Sachverhalt wie folgt:

3.3.3 Die Beschuldigte und der Privatkläger trafen sich auf dem Bundesplatz Seite Baarerstrasse 
(nordöstlich Bahnviadukt) bei den Sitzbänken nahe den dort befindlichen öffentlichen Toilet-
ten. Der Privatkläger erzählte von seiner Arbeit. Die Beschuldigte ging auf die Toilette, um 
das Gespräch zu unterbrechen und sich zu sammeln (dies hatte die Beschuldigte – wie er-
wähnt – bei der Wahl des Ortes berücksichtigt). Danach erklärte sie dem Privatkläger, sie 
stehe auf Frauen und wolle von ihm nichts wissen (act. 2/1 Ziff. 3, 17-18; act. 2/3 Ziff. 10, 17-
24; act. 2/9 Ziff. 26-28; act. 2/11 Ziff. 13-15, 21-25; act. 2/17 Ziff. 60, 96). Gemäss Aussagen 
der Beschuldigten stand der Privatkläger anschliessend auf und ging unter dem Viaduktbo-
gen in die Gasse hinter dem Verkaufsgeschäft Z.________ und sie folgte ihm, wobei sie ver-
setzt mit einem Abstand von ca. zwei Armlängen gingen (act. 2/3 Ziff. 10; act. 2/17 Ziff. 62, 
94-97). Der Privatkläger gab ebenfalls an, sie hätten sich unter dem Viaduktbogen durch be-
wegt. Ob sie nebeneinander gegangen seien oder ob jemand vorausgegangen sei, wusste 
der Privatkläger zunächst nicht. Auf die spätere Frage, wer gesagt oder bestimmt habe, wo-
hin man gehe, antwortete er, dass die Beschuldigte dies bestimmt habe. Seit dort wisse er 
nichts mehr (act. 2/11 Ziff. 26-31). Einen Widerspruch zur Aussage der Beschuldigten stellt 
dies nicht dar. Denn auch wenn der Privatkläger zuerst in jene Richtung ging und die Be-
schuldigte sich umgehend anschloss, kann sie den Weg bestimmt haben. Somit ist davon 
auszugehen, dass der Privatkläger voraus ging und die Beschuldigte ihm leicht versetzt folg-
te. Sie folgte ihm, da sie annahm, er wolle noch etwas sagen (act. 2/17 Ziff. 63). Die Be-
schuldigte machte ihm dabei nochmals klar, dass sie nichts von ihm wissen wolle und er 
auch nicht mehr zur ihr kommen solle, falls sie sich irgendwo sehen würden; sie also nichts 
mehr mit ihm zu tun haben wolle. Der Privatkläger zeigte sich erstaunt, enttäuscht und mit 
Unverständnis. Sie hielten dann inne und der Privatkläger drehte sich zu ihr um. Dabei stan-
den sie in einer Distanz von ca. zwei Armlängen. Der Privatkläger machte eine Bewegung in 
ihre Richtung, was die Beschuldigte als anbahnende Berührung interpretierte (act. 2/1 Ziff. 3, 
11, 17; act. 2/3 Ziff. 10, 19). Sie wurde von ihm nicht bedroht (act. 2/3 Ziff. 20). Auch hat er 
sie gemäss den übereinstimmenden Aussagen nicht tätlich angegriffen (act. 2/3 Ziff. 21; 
act. 2/11 Ziff. 32), was auch dadurch gestützt wird, dass weder bei der Beschuldigten noch 
beim Privatkläger Verletzungen festgestellt wurden, welche auf eine entsprechende körperli-
che Auseinandersetzung hindeuten würden (vgl. E. II.3.4.2 ff.). Und es korrespondiert auch 
mit den Aussagen der Zeugin AF.________, die während ihrer Kaffeepause, die unmittelbar 
vor der Tat begann und die sie auf einer Treppe des Hintereingangs der AG.________ 
draussen gleich neben dem Tatort sitzend verbrachte, nichts bzw. keine Schreie oder Strei-
tigkeiten hörte (act. 2/2 Ziff. 2 f., 9, 15; act. 2/10 Ziff. 3 f.). Als der Privatkläger sich umdrehte 
und eine Bewegung in ihre Richtung machte, sagte er gemäss den Aussagen der Beschul-
digten, dass sie ja keinen Geschlechtsverkehr haben müssten (act. 2/1 Ziff. 3) bzw. sagte 
etwas von Geschlechtsverkehr (act. 2/3 Ziff. 10). Der Privatkläger bestritt dies bzw. konnte 
sich daran nicht erinnern (act. 2/11 Ziff. 40). Zu Gunsten der Beschuldigten ist aber davon 
auszugehen, dass der Privatkläger das Wort "Geschlechtsverkehr" erwähnte und die Be-

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schuldigte dieses Wort hörte, zumal sich die Aussagen des Privatklägers wie dargelegt be-
züglich seiner Beziehung zur Beschuldigten als widersprüchlich und wenig verlässlich erwie-
sen haben. Das Näherkommen, die Bewegung und das Wort "Geschlechtsverkehr" lösten bei 
der Beschuldigten gemäss ihren diesbezüglich konstanten Aussagen einen "Trigger" bzw. 
"Riesen-Trigger" aus (act. 2/1 Ziff. 3, 17; act. 2/3 Ziff. 10; act. 2/16; vgl. zu diesem Thema 
E. II.3.5). Gegenüber dem Gutachter Prof. Dr. Y.________ gab die Beschuldigte hingegen 
erstmalig an, AH.________s Lachen und Gesicht wahrgenommen zu haben. Von Ge-
schlechtsverkehr sprach sie hingegen nicht (act. 10/15 S. 87, 102). Daraufhin nahm sie das 
innen am Hosenbund befestigte Messer, öffnete es und stach mit der rechten Hand blitz-
schnell in die linke Halsvorderseite des Privatklägers. Sowohl der Privatkläger als auch die 
Beschuldigte sagten übereinstimmend aus, es sei schnell gegangen (act. 2/1 Ziff. 17; act. 2/3 
Ziff. 10; act. 2/17 Ziff. 65; act. 2/11 Ziff. 13, 35, 44, 50-55). Dass es unvermittelt kam, ergibt 
sich auch daraus, dass – wie erwähnt – keine Auseinandersetzung vorausging. Der Privat-
kläger war folglich vollkommen überrascht und konnte sich nicht verteidigen (act. 2/11 
Ziff. 13, 35, 44, 50-55). Nach dem Zustechen schloss die Beschuldigte das Messer, steckte 
es in ihre rechte Hosentasche und rannte zum Coop City, wo sie das WC im 3. Stock betrat. 
Auf der Hülle ihres Mobiltelefons sowie ihrer linken Hand entdeckte sie anschliessend Blut-
spuren. 

3.3.4 Wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausführte, sind die Aussagen der Beschuldigten zur ei-
gentlichen Tat und zum Tatablauf – dem Hervorholen des Messers und dem Zustechen – 
zwar grundsätzlich konstant, indes sehr detailarm und vage. Die Beschuldigte gab an, sich 
an weite Teile nicht mehr zu erinnern. Diese Erinnerungslücken sind gestützt auf das Gut-
achten von Prof. Dr. Y.________ nachvollziehbar. Gemäss Gutachter sind bruchstückhafte 
Erinnerungen charakteristisch für affektiv stark unterlegte Gewalthandlungen wie vorliegend 
(act. 10/15 S. 133). In der ersten Einvernahme am 19. August 2021 sagte die Beschuldigte 
aus, sie wisse nur noch, dass sie ihr Messer rausgenommen, geöffnet (aber nicht wie sie es 
öffnete) und mit der rechten Hand gehalten habe. Sie wisse aber nicht, wo und wie fest sie 
ihn getroffen habe. Es sei alles sehr schnell gegangen und sie sei einfach nur noch gerannt 
(act. 2/1 Ziff. 3, 17, 18-19). Diese tatnächsten und damit gewichtigsten Aussagen stimmen im 
Kern mit ihren weiteren Aussagen überein (act. 2/3 Ziff. 10, 22-23; act. 2/17 Ziff. 64-72; 
act. 2/22 Ziff. 19; JG GD 7/2 S. 7; vgl. dazu die vorinstanzlichen Ausführungen [OG GD 1 
E. II.1.2.5.3 S. 37 f.]). Die Beschuldigte hat konstant angegeben, sich zu erinnern, dass sie 
das Messer hervorgenommen und geöffnet habe. Das Messer lässt sich – wie die Vorinstanz 
zutreffend ausgeführt hat und das Gericht selber feststellen konnte – zwar dank des sog. 
Daumenpins (eine Art Noppe an der Klinge) einhändig öffnen, aber nicht so leicht wie ein 
klassisches Klappmesser. Mithin hat sie dabei (Hervornehmen und Öffnen des Messers) be-
wusst gehandelt. Bezüglich des Stichs konnte sie sich an das Geräusch [gemeint ist wohl 
das Geräusch beim Eindringen in den Körper] erinnern (act. 10/15 S. 102; JG GD 7/2 S. 7). 
Gegenüber dem Gutachter sagte sie sodann aus, dass sie sich erinnere, wie der Privatkläger 
seine Hand an den Hals gehalten habe, worauf sie weggelaufen sei (act. 10/15 S. 102). Sie 
hat somit auch dies bewusst wahrgenommen. Schliesslich muss die Beschuldigte das Mes-
ser mit beiden Händen geschlossen haben (vgl. E. II.3.7). Die Beschuldigte hat gemäss ihrer 
glaubhaften Aussage in der Toilette im Coop City Blut an ihrer linken Hand festgestellt 
(act. 2/3 Ziff. 25). Da die rechtshändige Beschuldigte mit der rechten Hand zustach, ist davon 
auszugehen, dass das Blut beim Schliessen des Messers auf die linke Hand übertragen 
wurde.

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3.4 Mitnahme des Messers

3.4.1 Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beschuldigten zur Frage, weshalb sie das Messer auf 
sich getragen hatte, umfassend und zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen werden 
(OG GD 1 E. II.1.2.5.4 S. 38 f.). 

3.4.2 Wie die Vorinstanz zutreffend erkannte, sind die diesbezüglichen Aussagen der Beschuldig-
ten widersprüchlich. Zunächst gab sie an, nicht zu wissen, weshalb sie das Messer mitge-
nommen habe. Später sagte sie aus, das Messer aus Gewohnheit dabeigehabt zu haben. 
Dass die Beschuldigte zumindest ab und zu ein Messer am Hosenbund trug, bestätigte auch 
ihr Kollege AA.________ (act. 2/19 Ziff. 70, 79-82). Die weiteren Kollegen, AB.________ und 
AC.________, gaben an, dass sie das Messer auch schon gesehen hätten bzw. die Be-
schuldigte es ihnen gezeigt habe (act. 2/18 Ziff. 73-78; act. 2/20 Ziff. 64-74). Insgesamt ist 
davon auszugehen, dass sie das Messer aus Gewohnheit mitgenommen hatte, zumal die 
Waffenaffinität der Beschuldigten ausreichend in den Akten belegt ist. Auf jeden Fall ist in 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz der Beschuldigten zu glauben, dass sie das Messer 
nicht in der Absicht mitnahm, es in irgendeiner Art beim Treffen mit dem Privatkläger einzu-
setzen (act. 2/17 Ziff. 22; vgl. JG GD 7/2 S. 7). 

3.4.3 Wie die Vorinstanz überzeugend darlegte, musste der Beschuldigten aber bewusst gewesen 
sein, dass sie das Messer je nach Situation zur Verteidigung oder zum Angriff, und sei es 
auch nur zur Bedrohung, einsetzen könnte. Denn sie hatte es jederzeit griffbereit am Hosen-
bund und nicht beispielsweise in einer Tasche oder einem Rucksack und sie hatte bereits in 
der Vergangenheit zwei Mal ein Messer zur Bedrohung anderer verwendet. Der Argumenta-
tion der Verteidigung, dass die Beschuldigte, nicht damit habe rechnen müssen, das Messer 
zur Verletzung des Privatklägers einzusetzen, kann nicht gefolgt werden. Erstens handelte 
es sich bei den zwei Vorfällen mit Messern nicht um Ausreisser, wie es die Verteidigung dar-
stellt. Denn die Beschuldigte hat auch bei weiteren Vorfällen Waffen (Schlagring, Teleskop-
schlagstock) eingesetzt. Zweitens blieb es zwar bei den beiden Messereinsätzen bei Dro-
hungen, es kam aber entgegen der Verteidigung sehr wohl zu Eskalationen mit Waffen, hat 
die Beschuldigte doch mit einem Teleskopschlagstock einem Polizisten gegen den Kopf ge-
schlagen und diesen schwer verletzt. Dieser Vorfall geschah während einer instabilen Phase. 
Die Beschuldigte kannte damit in subjektiver Hinsicht die Risiken, welche von ihr in einer in-
stabilen Phase ausgingen, deutlich. Insbesondere war ihr bekannt, dass sie nicht nur mit 
Waffen drohte, sondern diese auch einsetzte. Dies ergibt sich anschaulich aus dem Protokoll 
der Einvernahme vom 3. März 2020 betreffend die schwere Körperverletzung zum Nachteil 
von O.________, wie der folgende Auszug zeigt (act. 2/3 [4A 2020 150]): 

Frage 29: "Was geht jetzt in dir vor, wenn du durch uns damit konfrontiert wirst, was hätte passieren 
können?"

Antwort Beschuldigte: "Ich brauche eine Scheiss Zigi, seit ich hier bin bräuchte ich eine Zigi" […] Es 
hätte sehr dumm gehen können […]" 

Frage 30: "Uns stellt sich die Frage, wie du dein Verhalten noch steigern willst. Wenn du das nächs-
te Mal in eine Situation kommst, in welcher du dich dazu entscheidest, Gewalt anzuwenden, wird 
mutmasslich ein Mensch verletzt oder gar getötet. Wie siehst du das?"

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Antwort Beschuldigte: "Es kommt darauf, ob ich geraucht habe, ob ich genervt bin, wer es ist […]"). 

Insofern ist es auch bei dieser Frage irrelevant, ob die Beschuldigte mit einem dissoziativen 
Zustand rechnen musste. Denn sie musste unabhängig davon damit rechnen, das Messer 
gegen den Privatkläger tatsächlich einzusetzen. Denn die Beschuldigte stand – wie oben 
ausgeführt – unter Druck, was das Risiko eines Messereinsatzes gegen andere angesichts 
der bekannten Vorfälle in der Vergangenheit erhöhte. Eine psychisch instabile Phase konnte 
die Beschuldigte beim Treffen mit dem Privatkläger keineswegs ausschliessen, war ihr doch 
bekannt, dass das Gespräch schwierig werden würde, und sie deswegen absichtlich einen 
relativ reizarmen Ort mit wenig Leuten als Treffpunkt aussuchte, wo sie mit einer öffentlichen 
Toilette eine Rückzugsmöglichkeit hatte. Denn dass das – aus ihrer Perspektive ambivalente 
und schwer einzuordnende – Verhalten des Privatklägers die Beschuldigte innerlich stark be-
schäftigte, ergibt sich bereits aus der Tatsache, dass sie nach ca. drei Wochen Kontaktun-
terbruch von sich aus um dieses Treffen bat, um die Lage vor Beginn ihrer Lehre klären zu 
können (vgl. E. II.3.2.1 f.). Akzentuiert werden diese Risiken durch die Waffenaffinität der 
Beschuldigten, welche ihr gegenüber bereits mehrfach als problematisch und als Mitursache 
für mögliche Delinquenz dargelegt wurde. Die Beschuldigte wusste, dass der Privatgutachter 
Prof. Dr. AI.________ insbesondere empfohlen hatte, keine Waffen zu tragen, was auch mit 
einer Weisung hätte umgesetzt werden sollen, aber mangels ihrer Zustimmung scheiterte 
(act. 2/17 Ziff. 45-53). Die Beteuerung der Beschuldigten, sie habe keine Bedenken gehabt, 
dass es [Einsatz des Messers gegen jemanden] wieder passieren könne, da sie in Therapie 
gewesen und diese gut verlaufen sei (JG GD 7/2 S. 8), ist somit nicht überzeugend. Sie zeigt 
vielmehr eine mangelnde Eigenverantwortung, zumal auch die Therapeutin im Verlaufsbe-
richt vom 10. Juli 2021 die Waffenaffinität ansprach (act. 9/32 S. 4 [4A 2020 150]). 

3.5 Tatmotiv bzw. "Trigger"

3.5.1 Warum sie auf den Privatkläger eingestochen hatte, konnte die Beschuldigte nicht wirklich 
erklären. Sie wisse nicht, was ihr durch den Kopf gegangen sei (JG GD 7/2 S. 6). Sie gab 
aber bereits in der ersten Einvernahme an, das Näherkommen, die Bewegung und das Wort 
"Geschlechtsverkehr" habe sie "getriggert" (vgl. E. II.3.3.3). Den Grund für diesen "Trigger" 
wollte sie damals nicht nennen. Die Beschuldigte äusserte sich am 11. November 2021 in ei-
ner auf Antrag der Verteidigung durchgeführten separaten Einvernahme eingehend zum 
"Trigger". Stark zusammengefasst führte sie an, sie sei im Jahr 2018 als 15-jährige von ei-
nem damaligen 21-jährigen Kollegen bzw. ihrem Alibi-Freund mit einem Joint gefügig ge-
macht und vergewaltigt worden. Sie habe es niemandem erzählt. Sie habe sich selbst belo-
gen und es mit Alkohol und anderen Sachen zu verdrängen versucht. Sie habe es nieman-
dem gesagt, da er gedroht habe, ein Video davon zu verbreiten (act. 2/16 insb. S. 5-7). Beim 
Vorfall mit dem Privatkläger wisse sie nicht mehr genau, was dies ausgelöst habe, vielleicht 
weil er ihre Nähe gesucht habe. Sie wisse nicht, weshalb ihr dies bzw. das Ganze plötzlich 
hochgekommen sei; es sei ihr einfach passiert. Sie könne nicht erklären, wieso sie dies ge-
macht habe, was sie dort gemacht habe. Seit diesem Vorfall mit dem Privatkläger habe sie 
immer wieder Situationen, mit welchen sie nicht klarkomme, und seit der Inhaftierung schaffe 
sie es nicht mehr, den Vorfall in der Vergangenheit zu unterdrücken (act. 2/16 S. 6 f.). 

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3.5.2 Gegenüber dem Gutachter Prof. Dr. Y.________ äusserte sie sich diesbezüglich überein-
stimmend mit ihren Aussagen in der Einvernahme (act. 10/15 S. 85-87). Sie nannte dabei 
den Namen AH.________. Weiter gab sie an, Berührungen von Männern und körperliche 
Nähe zu Männern seien danach schwierig gewesen. Es habe einen "Ekel bei Nähe" gege-
ben, was aber nicht ihre Kollegen, sondern Fremde bzw. Personen betroffen habe, die sie 
nicht gekannt oder gar nicht gemocht habe. Zum 18. August 2021 erklärte die Beschuldigte 
gegenüber dem Gutachter, sie habe kurz sein Gesicht, sein Lachen [von AH.________] 
wahrgenommen, es sei wie ein Geistesblitz über sie gekommen (act. 10/15 S. 87). Der be-
schriebene "Ekel bei Nähe" passt zu ihren Schilderungen bezüglich des Vorfalls am Bahnhof 
Zug, wo es ihr "zu nahe" wurde (vgl. E. II.3.1.6). Für die Richtigkeit ihrer Schilderungen spre-
chen auch die diversen Vorkommnisse während der Haft, als sie ihren Vergewaltiger in ihrer 
Zelle zu sehen glaubte (vgl. die Übersicht in act. 10/15 S. 68 ff., act. 4/12, act. 4/54, act. 
16/23, JG GD 4/5). Die Schilderungen der Beschuldigten über den sexuellen Übergriff und 
die dissoziativen Phänomene – wenn auch ohne weitere Sachbeweise unterlegt – erschienen 
dem Gutachter Prof. Dr. Y.________ aus forensisch-psychiatrischer Sicht mit dem erhobe-
nen Beschwerdebild als vereinbar. Nach dem Gutachter würden dies die diversen dissoziati-
ven Phänomene der Beschuldigten, welche primär nach der Tat auftraten, erklären (act. 
10/15 S. 126 ff.). Zumindest sah sich der Gutachter Prof. Dr. Y.________ nicht veranlasst, 
eine Sachverhaltsalternative zu postulieren (vgl. bspw. Urteil des Bundesgerichts 
6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E. 4.9.1 betreffend "grünes Alien"). Weitere Abklärungen 
des Gerichts in diesem Punkt drängen sich nicht auf, zumal die Beschuldigte von Anfang an 
den "Trigger" in ihren Einvernahmen erwähnte und es nachvollziehbar ist, dass sie diesen 
nicht bereits an der ersten Einvernahme einlässlich darlegte. 

3.5.3 Zusammengefasst ist – zumindest in dubio pro reo – davon auszugehen, dass zu einem 
früheren Zeitpunkt ein sexueller Übergriff durch eine unbekannte Täterschaft stattfand und 
die Beschuldigte deshalb beim Vorfall mit dem Privatkläger "getrigg