# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 84beaf33-5798-5c41-ab4a-8de8b4c574d7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.03.2024 D-1366/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1366-2023_2024-03-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1366/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Sonja Nabholz, Anlaufstelle Baselland,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 7. Februar 2023. 

 

 

 

D-1366/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer gelangte am 17. November 2021 in die Schweiz 

und suchte gleichentags zusammen mit seinem Bruder B._______ (N […]) 

um Asyl nach. 

B.  

Am 8. Dezember 2021 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjäh-

rige Asylsuchende (EB) statt. 

C.  

Mit Verfügung vom 30. März 2022 trat das SEM auf das Asylgesuch in An-

wendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) nicht ein und ord-

nete die Wegweisung nach Rumänien sowie den Vollzug an. 

Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid hiess das Bundesverwaltungs-

gericht mit Urteil D-1692/2022 vom 28. April 2022 gut und wies die Sache 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. 

D.  

Am 1. Juli 2022 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, dass das Dub-

lin-Verfahren beendet sei und ein nationales Asylverfahren durchgeführt 

werde. 

E.  

Am 24. Oktober 2022 wurde der Beschwerdeführer eingehend zu seinen 

Fluchtgründen angehört (das entsprechende Protokoll wurde wohl verse-

hentlich auf den 24. August 2021 datiert). Er machte dabei im Wesentlichen 

geltend, dass er afghanischer Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie 

sei und in Kabul gelebt habe. Drei seiner Brüder hätten für die ausländische 

Firma «Ecolog» gearbeitet, die den Auftrag für die Wäschereinigung der 

US-Truppen in Afghanistan innegehabt habe. Aufgrund dieser Tätigkeit 

hätten die Brüder Drohungen seitens der Taliban erhalten. Rund zwei Mo-

nate vor der Machtübernahme der Taliban (ca. im Juni 2021) sei das Fahr-

zeug, in welchem sich sein Bruder B._______ aufgehalten habe, vor dem 

Gebäude von «Ecolog» beschossen worden. Dieser sei dabei verletzt wor-

den. Daraufhin habe sein Vater die Ausreise für ihn und seinen Bruder 

B._______ organisiert. Die zwei anderen Brüder seien mit dem Sturz der 

ehemaligen Regierung von den US-Truppen in die USA evakuiert worden. 

Nach ihrer Ausreise hätten die Taliban die Brüder mehrere Male zuhause 

gesucht.  

D-1366/2023 

Seite 3 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ein Droh-

schreiben der Taliban, ein Foto seiner Brüder mit US-General Scott Miller, 

NATO-HQ-Ausweise seiner Brüder, zwei Empfehlungsschreiben für seine 

Brüder, ein Anstellungszertifikat von «Ecolog» für einen seiner Brüder, ei-

nen US-Lernfahrausweis respektive einen US-Führerschein sowie US-Ar-

beitsbewilligungen seiner Brüder und ein Schreiben des US Citizenship 

and Immigration SVC betreffend einen Bruder, ein. 

F.  

Am 31. Oktober 2022 wurde sein Gesuch dem erweiterten Verfahren zu-

gewiesen. 

G.  

Mit Verfügung vom 7. Februar 2023 (Eröffnung am 8. Februar 2023) stellte 

das SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an. Gleichzeitig verfügte es eine vorläufige Aufnahme wegen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

Das SEM begründete die Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer 

eine Reflexverfolgung aufgrund der beruflichen Tätigkeit seiner Brüder gel-

tend mache. Ein systematisches Vorgehen der Taliban gegen Familienan-

gehörige missliebiger Personen sei nicht erkennbar, weshalb nur dann auf 

eine asylrelevante Reflexverfolgungsgefahr geschlossen werden könne, 

wenn besondere Umstände vorliegen würden. So etwa, wenn die be-

troffene Person bereits schwerwiegende Nachteile erlitten habe oder von 

den Taliban selbst oppositioneller Handlungen verdächtigt werde. Zudem 

müsse seitens der Taliban ein ausgeprägtes und ungebrochenes Interesse 

an der Ergreifung und Festnahme der Person bestehen, die Grund für die 

Reflexverfolgung sei. Gemäss Aussagen des Beschwerdeführers be-

schränke sich das Interesse der Taliban ausschliesslich auf seine drei Brü-

der. Weder der Beschwerdeführer selbst noch seine in Afghanistan verblie-

benen Familienangehörigen hätten – mit Ausnahme, dass nach den Brü-

dern gefragt worden sei – Nachteile erlitten. Nach dem Angriff auf den Bru-

der habe sich der Beschwerdeführer zwei Monate zuhause aufgehalten 

und sei regelmässig zur Schule gegangen, ohne dass ihm etwas zuges-

tossen sei oder er besondere Massnahmen zu seiner Sicherheit ergriffen 

hätte. Es sei somit nicht davon auszugehen, dass die Taliban die ganze 

Familie als Oppositionelle betrachten würden und ihr Interesse scheine 

sich darauf zu beschränken, Erkundigungen zu den Brüdern einzuholen. 

Die zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft notwendige objektive 

D-1366/2023 

Seite 4 

Furcht vor Verfolgung sei daher zu verneinen. Daran vermöge auch das 

eingereichte Drohschreiben nichts zu ändern. Das Schreiben liege lediglich 

in Kopie vor und sei leicht fälschbar, weshalb die Beweiskraft sehr gering 

sei. Zudem habe der Beschwerdeführer keine ergänzenden Angaben zum 

Schreiben machen können, was in Anbetracht der Bedeutung doch über-

rasche. Ferner bestünden in den Aussagen seines Bruders B._______ of-

fensichtliche Unstimmigkeiten betreffend das Schreiben.  

H.  

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechts-

vertreterin vom 9. März 2023 (datiert auf den 10. März 2023) beim Bundes-

verwaltungsgericht an. Er beantragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1 

bis 3, verbunden mit der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der 

Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 102m AsylG. 

Der Beschwerdeführer machte geltend, dass gemäss Berichten der Euro-

pean Union Agency for Asylum (EUAA) und der Schweizerischen Flücht-

lingshilfe (SFH) Personen, die für ausländische militärische Truppen gear-

beitet hätten sowie deren Familienangehörige ein besonderes Gefähr-

dungsprofil aufweisen würden. Drei Brüder des Beschwerdeführers hätten 

für die NATO gearbeitet. Er selbst habe sich mit den US-Amerikanern auf 

einer freundschaftlichen Basis bewegt, indem er von diesen Englischunter-

richt erhalten habe. Er habe sich auf bestem Weg befunden, Dolmetscher 

zu werden und damit einer besonders verfolgten Gruppe anzugehören. Bei 

«Ecolog» handle es sich ferner nicht um irgendeine Firma. Vielmehr sei es 

eine in politischer Hinsicht bedeutende Unternehmung, die in Afghanistan 

unter dem Kommando der NATO gestanden habe und mit dieser eng ver-

bunden gewesen sei. Als solche sei sie den Taliban ein Dorn im Auge ge-

wesen und sie hätten – wie sich aus einem Bericht des Spiegels ergebe – 

schon früher Mitarbeiter von «Ecolog» entführt und umgebracht. Für eine 

Verfolgungsgefahr der ganzen Familie spreche ferner, dass mehrere An-

gehörige für die ehemaligen afghanischen Behörden gearbeitet hätten und 

seit der Machtübernahme durch die Taliban verschwunden seien. Die Tali-

ban könnten nicht sämtliche als Gegner wahrgenommene Personen 

gleichzeitig ausschalten, weshalb missliebige Familien zuerst bedroht wür-

den, bevor dann tatsächlich ein Verschwindenlassen oder eine Exekution 

stattfinde. 

D-1366/2023 

Seite 5 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. März 2023 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

unter der Voraussetzung des Nachreichens einer Fürsorgebestätigung gut.  

J.  

Nachdem der Beschwerdeführer am 27. März 2023 eine Fürsorgebestäti-

gung nachreichte, hiess das Gericht mit Zwischenverfügung vom 30. März 

2023 das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung gut 

und setze die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin 

ein. 

K.  

Mit Vernehmlassung vom 3. April 2023 hielt das SEM an seinen bisherigen 

Erwägungen fest. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 

11. April 2023 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

D-1366/2023 

Seite 6 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.   

4.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts lassen sich 

bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Gruppen von Perso-

nen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die 

der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahe-

stehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie 

westlich orientierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Grün-

den nicht entsprechende Personen (vgl. Urteile des BVGer D-5160/2023 

vom 16. Januar 2024 E. 7.2, D-4268/2022 vom 29. März 2023 E. 7.1, 

D-1350/2022 vom 29. März 2023 E. 7.2, D-2415/2022 vom 24. März 2022 

E. 10.2 je mit weiteren Hinweisen). Die aktuelle Lage in Afghanistan kann 

derzeit nicht abschliessend beurteilt werden, sie hat sich jedoch nach der 

Machtergreifung der Taliban im August 2021 offenbar akzentuiert (vgl. 

D-1366/2023 

Seite 7 

Urteile des BVGer D-5160/2023 vom 16. Januar 2024 E. 7.2, D-1191/2023 

vom 8. Mai 2023 E. 5.2.1, E-4833/2020 vom 9. März 2023 E. 5.4). 

Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass auch die familiäre 

Zugehörigkeit zu einer Person, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko im 

Sinne der obenstehenden Erwägungen ausgesetzt ist, zu einer Reflexver-

folgung führen kann (vgl. Urteile des BVGer D-5160/2023 vom 16. Januar 

2024 E. 7.2, D-4268/2022 vom 29. März 2023 E. 7.1, E-5120/2021 vom 

21. Juli 2022 E. 6.3.4, D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3 und 

D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.4). Dies gilt insbesondere in Bezug 

auf (ehemalige) Angehörige der Polizei und der Sicherheitskräfte, Regie-

rungsbeamte oder der Regierung nahestehende Personen (vgl. Urteil des 

BVGer D-5160/2023 vom 16. Januar 2024 E. 7.2 m.w.H.). Die konkrete 

Einschätzung des Risikoprofils ist im jeweiligen Einzelfall vorzunehmen. Es 

müssen konkrete Indizien und tatsächliche Anhaltspunkte dargelegt wer-

den, die die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar 

erscheinen lassen. Eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung ist mit-

hin zu bejahen, wenn eine Person aufgrund konkreter Indizien mit guten 

Gründen, das heisst objektiv nachvollziehbar, befürchten muss, dass ihr 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung droht, und ihr deshalb eine 

Rückkehr in den Heimatstaat nicht zugemutet werden kann (vgl. Urteil des 

BVGer D-4268/2022 vom 29. März 2023 E. 7.1). 

4.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er aufgrund der Tätigkeit 

seiner Brüder für die Firma «Ecolog» begründete Furcht vor Verfolgung 

habe. Die Tätigkeit von zwei dieser Brüder ist als glaubhaft zu erachten, 

während im Falle des dritten Bruders davon auszugehen ist, dass dieser 

nicht bei «Ecolog» angestellt war, sondern seine Brüder vielmehr als Ge-

fälligkeit jeweils zum Arbeitsort fuhr (vgl. das ebenfalls am heutigen Tag 

ergangene Urteil D-1358/2023 E. 5.3). 

4.3 Aus den Akten ist ersichtlich, dass seine zwei für «Ecolog» tätigen Brü-

der im Rahmen ihrer Arbeit enge Kontakte zu den US/NATO-Truppen un-

terhalten haben. Zu bemerken ist jedoch, dass sie lediglich in der (…) ge-

arbeitet haben und somit keine polizeilichen Funktionen wahrgenommen 

haben oder als Sicherheitskräfte tätig gewesen sind. Obwohl aufgrund die-

ser Funktion keine sonderlich grosse Exponierung anzunehmen ist, ist den-

noch davon auszugehen, dass die Brüder einer Gefährdung ausgesetzt 

waren. Dafür spricht, dass sie offenbar in Anwendung des Afghan Allies 

Protection Act 2009 in den USA Schutz erhalten haben. Dieser Schutz setzt 

gemäss Paragraph 2 Sub-Paragraph A (iv) eine Gefährdung voraus («[the 

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Seite 8 

alien] has experienced or is experiencing an ongoing serious threat as a 

consequence of the alien’s employment»). In diesem Sinne äussern sich 

auch die Empfehlungsschreiben, in welchen ausgeführt wird, dass die Brü-

der wegen ihrer Tätigkeit in Gefahr gewesen seien (vgl. act. […]-Beweis-

mittel 4 und 8).  

Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer seine Brüder offenbar regelmäs-

sig begleitete und dadurch ebenfalls Kontakt insbesondere zu den US-

Truppen pflegte (vgl. act. […]-65/12 F25 und F38). 

4.4 Aus der Gefährdung dieser Brüder sowie seinen eigenen Kontakten zu 

den US-Truppen kann jedoch nicht unbesehen auf eine Gefährdung des 

Beschwerdeführers geschlossen werden. Zwar ist aktuellen Länderinfor-

mationen zu entnehmen, dass nicht nur Ecolog-Mitarbeiter selbst, sondern 

vielmehr auch ihre Familienangehörige im Fokus der Taliban stehen kön-

nen (vgl. Info Migrants, 12 months, four countries, one hope: Afghan refu-

gees settle in Latvia after yearlong odyssey, 31. Dezember 2022, < www.in-

fomigrants.net/en/post/45762/12-months-four-countries-one-hope-afghan-

refugees-settle-in-latvia-after-yearlong-odyssey >, abgerufen am 

15.3.2024). Im vorliegenden Fall mangelt es jedoch an objektiven Anhalts-

punkten für die Annahme einer hinreichenden Gefährdung des Beschwer-

deführers. Zum einen handelt es sich beim Beschwerdeführer um eine min-

derjährige Person, die bis zur Ausreise die Schule besucht und sich in kei-

ner Weise politisch betätigt hat. Zum andern wurde er gemäss eigenen An-

gaben selbst nie von den Taliban behelligt (vgl. act. […]-21/15 S. 13). Auch 

seine in Afghanistan verbliebenen Familienangehörigen sind bisher nicht 

Ziel von ernsthaften Massnahmen der Taliban geworden (vgl. act. […]-

65/12 F9 bis F14 und F57), weshalb die Tätigkeit der Brüder offenbar nicht 

zu Reflexverfolgungshandlungen gegenüber weiteren Familienangehöri-

gen geführt hat. 

Das Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgung ist somit zu vernei-

nen. 

4.5 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und 

das Asylgesuch abgelehnt. 

5.  

5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

D-1366/2023 

Seite 9 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

5.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

5.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-

fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der 

weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da 

diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der 

Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit 

Zwischenverfügung vom 21. März 2023 die unentgeltliche Prozessführung 

nach Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

7.2 Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2023 wurde die rubrizierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Ihr ist folglich 

ein amtliches Honorar zu entrichten. Seitens der Rechtsvertreterin wurde 

keine Honorarnote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann 

indes verzichtet werden, da sich der Aufwand zuverlässig abschätzen lässt 

(vgl. Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  

SR 173.320.2]). Das Honorar ist unter Berücksichtigung der Bemessungs-

faktoren gemäss Art. 12 in Verbindung mit Art. 8 ff. VGKE auf insgesamt 

Fr.  625.– festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-1366/2023 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, Sonja Nabholz, wird zulasten der Ge-

richtskasse ein Honorar von Fr. 625.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Linus Sonderegger 

 

 

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