# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cad788ab-4118-572f-8530-545df3e29cef
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-09
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 09.11.2022 SST.2022.74
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-74_2022-11-09.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.74 
(ST.2021.93; StA.2020.3530) 

 

 

Urteil vom 9. November 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Cotti  

Gerichtsschreiberin Gilgen 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

 
    

Beschuldigter   A.D._____,  

geboren am [tt.mm.1987], von Kosovo, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Thomas Huber,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Raufhandel 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm sprach den Beschuldigten mit 

Strafbefehl vom 6. Juli 2021 wegen Raufhandels schuldig und verurteilte 

ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 80.00, 

Probezeit 2 Jahre, und zu einer Busse von Fr. 1'400.00, ersatzweise 18 

Tage Freiheitsstrafe. 

 

1.2. 

Auf Einsprache des Beschuldigten vom 9. Juli 2021 hin überwies die 

Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm den Strafbefehl am 18. August 2021 als 

Anklageschrift an das Bezirksgericht Zofingen zur Durchführung der 

Hauptverhandlung. 

 

2. 

2.1. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Zofingen fällte am 10. Januar 2022 

folgendes Urteil: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig des Raufhandels gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB. 
 
2. 
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 133 Abs. 1 StGB und gestützt auf Art. 34 und 
47 StGB zu 50 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 50.00 
festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich damit auf Fr. 2'500.00. 
 
2.2. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre 
festgesetzt. 
 
3. 
3.1. 
Die Anklagegebühr (inkl. nicht verrechenbarer Polizeikostenrapporte) wird auf Fr. 700.00 
festgelegt und dem Beschuldigten auferlegt. 
 
3.2. 
Die weiteren Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 1'800.00 
b) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 323.00 
c) den Spesen von Fr. 54.00 
 
Total Fr. 2'177.00 
 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren sowie die Kosten gemäss lit. c im Gesamtbetrag 
von Fr. 1'854.00 auferlegt. Die Kosten gemäss lit. b gehen zu Lasten des Staats. 
 

 - 3 - 

 

 

4. 
Der Beschuldigte trägt seine Kosten selber. 

 

2.2. 

Mit Eingabe vom 12. Januar 2022 meldete der Beschuldigte Berufung 

gegen das ihm gleichentags zugestellte Urteilsdispositiv vom 10. Januar 

2022 an. Das begründete Urteil wurde ihm in der Folge am 22. März 2022 

zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 5. April 2022 beantragte der Beschuldigte, er 

sei vom Vorwurf des Raufhandels freizusprechen. 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 3. Mai 2020 wurde im Einverständnis der Parteien das 

schriftliche Berufungsverfahren angeordnet. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte reichte am 20. Mai 2022 die schriftliche Berufungs-

begründung ein. 

 

3.4. 

Mit Berufungsantwort vom 13. Juni 2022 beantragte die Staats-

anwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen. 

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 8. Juli 2022 liess sich der Beschuldigte erneut vernehmen. 

 

3.6. 

Mit Verfügung vom 8. September wurde das bis dahin in der 2. 

Strafkammer des Obergerichts des Kantons Aargau hängige Berufungs-

verfahren SST.2022.74 an die 1. Strafkammer desselben Gerichts über-

wiesen und die Durchführung einer gemeinsamen Berufungsverhandlung 

und Beurteilung mit dem Verfahren SST.2022.117 i.S. B. angeordnet. 

 

3.7. 

Die Berufungsverhandlung fand am 27. Oktober 2022 zusammen mit dem 

Berufungsverfahren i.S. B. (SST.2022.74) statt. 

 

  

 - 4 - 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Raufhandels gemäss Art. 133 

StGB schuldig gesprochen und ihn dafür zu einer bedingten Geldstrafe von 

50 Tagessätzen verurteilt. Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei 

von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift (Strafbefehl vom 6. Juli 2022, 

vgl. GA act. 3) in tatsächlicher Hinsicht vorgeworfen, er habe B. am 20. Juni 

2020 zwischen ca. 03:00 und 03:30 Uhr von C.D. (Bruder des 

Beschuldigten) weggestossen und ihn getreten, nachdem dieser C.D. ins 

Gesicht geschlagen und ihm dabei mehrere Zahnverletzungen zugefügt 

habe. Danach sei er zusammen mit C.D. auf B. zugegangen und habe 

diesen zurückgedrängt, während C.D. ihn mehrfach gegen den Körper 

getreten habe. Die Vorinstanz erachtete diesen Sachverhalt als erstellt und 

sprach den Beschuldigten gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig. 

 

2.2. 

Wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körper-

verletzung eines Menschen zur Folge hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 

drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 133 Abs. 1 StGB). Nicht strafbar 

ist, wer ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet (Art. 133 

Abs. 2 StGB). Es handelt sich um eine wechselseitige tätliche Auseinander-

setzung von mindestens drei Personen. Ein Streit zwischen zwei Personen 

wird zum Raufhandel, wenn ein Dritter tätlich eingreift. Es muss eine 

körperliche Auseinandersetzung zwischen mindestens drei Personen 

bestehen, die daran aktiv teilnehmen (Urteil des Bundesgerichts 

1B_12/2019 vom 14. Mai 2019). Kein Beteiligter ist, wer ausschliesslich 

passiv bleibt und nicht tätlich wird (BGE 131 IV 150 E. 2 mit Hinweisen). 

Strafbar ist, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am Raufhandel 

teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern bzw. deren 

Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Der Raufhandel ist ein 

abstraktes Gefährdungsdelikt, obschon ein Erfolg eintreten muss. Dieser 

Verletzungserfolg ist objektive Strafbarkeitsbedingung (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1163/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1.1 mit Hinweisen). 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nach Art. 133 StGB auch 

strafbar, wer sich erst nach Eintritt der Strafbarkeitsbedingung beteiligt. 

Erforderlich ist, dass das Verhalten der betreffenden Person in einer zeitlich 

und örtlich einheitlichen Beziehung zu der Auseinandersetzung steht, in 

deren Verlauf die Verletzung verursacht worden ist (vgl. BGE 139 IV 168 

E. 1.1.4). 

 

 - 5 - 

 

 

2.3. 

Der Beschuldigte bestreitet, sich des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB 

schuldig gemacht zu haben. Es habe namentlich zu keinem Zeitpunkt eine 

wechselseitige tätliche Auseinandersetzung zwischen drei Personen statt-

gefunden, weshalb auch die Grundvoraussetzungen eines Raufhandels 

nicht erfüllt seien und sein Handeln straflos zu bleiben habe. Die Vorinstanz 

habe weiter verkannt, dass er anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung 

zwischen B. und C.D. lediglich in Ausübung von Notwehrhilfe gehandelt 

habe und ansonsten passiv geblieben sei (Plädoyer Berufungsverhandlung 

S. 4 ff. und Berufungsbegründung S. 9 f.). 

 

Der angeklagte Sachverhalt an sich wird vom Beschuldigten in den 

wesentlichen Punkten anerkannt. Es ist unbestritten, dass es am 20. Juni 

2020 um ca. 03:30 Uhr vor der Tankstelle auf der Autobahnraststätte der 

Gemeinde U. nach einem längeren verbalen Disput zwischen dem 

Beschuldigten bzw. C.D. und B. zu einer tätlichen Auseinandersetzung 

gekommen ist, anlässlich welcher B. C.D., den Bruder des Beschuldigten, 

mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dadurch mehrere Zahn-

verletzungen zugefügt hat (vgl. Berufungsbegründung S. 2 f.). 

 

Die genauen Handlungen des Beschuldigten, C.D. und B. sind beweis-

mässig zu erstellen, um zu prüfen, ob der Beschuldigte den Tatbestand des 

Raufhandels erfüllt hat. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Aussagen zum Tatgeschehen des Beschuldigten, C.D. und B. decken 

sich weitestgehend. Alle drei gaben an, der Schlag von B. gegen C.D. sei 

der erste körperliche Kontakt gewesen und dieser sei erfolgt, nachdem sich 

B. nach einer längeren Diskussion zunächst wenige Meter von der Gruppe 

entfernt habe und kurz darauf zurückgekehrt sei (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 5 f., 25 und 31). 

 

Der Beschuldigte gab an, dass er, nachdem B. in das Gesicht seines 

Bruders, C.D., geschlagen habe, B. weggestossen habe. Er sei von der 

Motorhaube seines Autos aufgestanden und habe B. sodann mit der Hand 

weggestossen, wobei sein Bruder diesen gleichzeitig auch weggestossen 

habe. Er habe dies gemacht, um seinen Bruder und auch sich selbst zu 

schützen und eine Eskalation zu verhindern. Sein Bruder – und nicht er – 

habe B. mit dem Fuss weggestossen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 

27 ff., UA act. 169). Nachdem er B. weggestossen habe, sei dieser ein paar 

Schritte zurückgewichen und habe die Jacke ausgezogen. In der Folge sei 

er auf B. zugegangen, wobei er eine Hand in der Hosen- bzw. Jacken-

tasche gehabt habe und in der anderen Hand eine Zigarette gehabt und 

geraucht habe (UA act. 169, GA act. 56, Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 27 ff.).  

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C.D. führte aus, er habe nach dem Schlag insgesamt zweimal gegen den 

Körper von B. getreten bzw. habe er ihn mit dem Fuss weggestossen. 

Dabei habe er ihn im Bereich der rechten Hüfte getroffen. Sein Bruder habe 

B. mit der Hand weggestossen bzw. ihn weggezerrt. Er selbst habe B. 

weggestossen, da er gedacht habe, dieser werde nochmals zuschlagen. 

Es habe dann aber aufgehört (UA act. 135 und 146, Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 6 f.). 

 

B. gab an, dass er nicht wisse, ob er von den Brüdern getroffen worden sei. 

Er sei durch diese jedenfalls nicht verletzt worden. C.D. habe jedoch 

versucht, ihn wegzuschubsen. Ob er ihn auch habe angreifen wollen, 

könne er nicht beurteilen. Im Nachhinein habe C.D. versucht, ihn zu kicken. 

Sein Bruder, der Beschuldigte, sei ausgewichen (Protokoll Berufungs-

verhandlung S. 14). Zeitweise hatte er zwar angegeben, der Beschuldigte 

habe ihn an die linke Rippe geschlagen und er habe einen Kratzer 

davongetragen. Sodann hat er einen versuchten Haken gegen den Kopf 

durch den Beschuldigten geschildert (UA act. 87, UA act. 112). Diese 

Punkte können jedoch infolge Inkonsistenz der Aussagen nicht als erstellt 

gelten. Weiter gab er an, seine Jacke ausgezogen zu haben, als die Brüder 

auf ihn zugegangen seien, um einen allfälligen Messerangriff abwehren zu 

können (GA act. 155 f. Verfahren SST.2022.117).  

 

Sämtliche Personen gaben schliesslich an, man habe sich nach diesen 

Geschehnissen voneinander entfernt und auf die Polizei gewartet, ohne 

dass etwas gesprochen worden sei oder es weitere Tätlichkeiten gegeben 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 7, 14 und 29). 

 

Die weiteren zu den Ereignissen befragten Personen (E., F. und G. 

[Letzterer war beim Vorfall nicht anwesend und machte nur Aussagen vom 

Hörensagen]) machten keine sachdienlichen Aussagen zu den 

Beteiligungen am Raufhandel, sondern bestätigten lediglich die Begleit-

umstände der Auseinandersetzung sowie den Faustschlag von B. in das 

Gesicht von C.D.. 

 

Zusammengefasst wurde von allen drei beteiligten Personen ausgesagt, 

dass C.D. nach dem Faustschlag insgesamt zweimal mit dem Fuss in 

Richtung von B. getreten habe, wobei er ihn nicht oder nicht richtig getroffen 

habe. Der Beschuldigte habe B. mit der Hand weggestossen. Die Brüder 

D. seien dann in Richtung von B. gegangen, wobei der Beschuldigte 

zurückgewichen sei. Auf diese übereinstimmenden Aussagen ist abzu-

stellen. Gestützt auf einen Konsiliarbericht des Spital X. sowie diverse Arzt- 

und Krankenkassenabrechnungen (vgl. UA act. 37 ff.) ist ebenfalls das 

Vorliegen diverser Zahnverletzungen bei C.D. erstellt. Gemäss Konsiliar-

bericht des Spital X. hat er eine Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung sowie 

eine Kontusion der Zähne 31, 32, 41, 42 und eine Rissquetschwunde am 

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linken Mundwinkel erlitten (UA act. 37). Nicht erstellt ist aufgrund von 

inkonsistenten Aussagen hingegen, dass der Beschuldigte B. getreten 

haben soll. Unerheblich für den Sachverhalt ist darüber hinaus, ob es 

vorgängig einen handfesten Streit bzw. Beleidigungen und Drohungen 

zwischen den Personen gegeben hat oder nicht.  

 

2.4.2. 

B. verursachte bei C.D. durch seine physische Einwirkung, nämlich den 

Faustschlag, Verletzungen der Zähne, welche ohne Weiteres eine einfache 

Körperverletzung darstellen, womit die objektive Strafbarkeitsbedingung 

gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB erfüllt ist. 

 

Vorliegend fehlt es jedoch an der objektiven Tatbestandsvoraussetzung 

einer tätlichen wechselseitigen Auseinandersetzung zwischen drei 

Personen. So können zumindest die Handlungen des Beschuldigten nicht 

als aktive Teilnahme an einer wechselseitigen Auseinandersetzung 

qualifiziert werden. Er hat B. zwar weggestossen, nachdem dieser seinen 

Bruder C.D. ins Gesicht geschlagen hat. Dies kann jedoch nicht als 

Tätlichwerden im Sinne von Art. 133 StGB qualifiziert werden, zumal das 

Stossen nicht sehr intensiv war. Er hat dies vorgenommen, um seinen 

Bruder C.D. und sich selbst vor weiteren Schlägen zu schützen und um den 

Streit zu schlichten. Danach ging er lediglich noch auf B. zu, wobei er 

zeitweise eine Zigarette in der einen Hand hielt bzw. seine Hände in den 

Hosentaschen hatte, was seine Passivität verdeutlicht. Er teilte keine 

Schläge aus und das Wegstossen hat die Schwelle zu einer Tätlichkeit 

nicht erreicht. Sein Handeln ist insgesamt als passiv zu bezeichnen. Sein 

Verhalten war denn auch nicht geeignet, die Auseinandersetzung zu 

fördern bzw. deren Intensität zu steigern. Eine psychische Mitwirkung ist 

darüber hinaus lediglich eine tatbestandsmässige Beteiligung, wenn 

mindestens drei Personen wechselseitig kämpfen (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 4.1), was vorliegend 

nicht der Fall war. Damit ist der Tatbestand von Art. 133 Abs. 1 StGB nicht 

erfüllt.  

 

Es ist darüber hinaus fraglich, ob überhaupt von einer wechselseitigen 

Auseinandersetzung ausgegangen werden kann, da es lediglich einen 

Faustschlag von B., das Wegstossen durch den Beschuldigten sowie zwei 

versuchte Tritte von C.D. gab und die drei Beteiligten sich danach auch 

ohne äusseren Zwang voneinander entfernten und auf die Polizei warteten, 

wobei es zu keiner weiteren Auseinandersetzung kam. Im Hinblick auf das 

geschützte Rechtsgut, das öffentliche Interesse Schlägereien zu 

verhindern bzw. dem Zweck bei unübersichtlichen Schlägereien Tat-

handlungen strafrechtlich erfassen zu können, kann beim vorliegend 

erstellten Sachverhalt nicht von einer solchen «unübersichtlichen 

Schlägerei» ausgegangen werden, zumal die Tathandlungen klar erkennb-

ar sind.  

 - 8 - 

 

 

 

Selbst wenn vorliegend jedoch von einer wechselseitigen Auseinander-

setzung zwischen drei Personen auszugehen wäre, hätte sich der 

Beschuldigte, dessen Handlungen sich darin erschöpft haben, B. von 

seinem Bruder C.D. zu trennen, gestützt auf Art. 133 Abs. 2 StGB nicht 

strafbar gemacht. 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten als 

begründet und er ist vom Vorwurf des Raufhandels freizusprechen. 

 

3. 

3.1. 

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung 

des Beschuldigten wird vollumfänglich gutgeheissen. Unter diesen 

Umständen sind die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens auf die 

Staatskasse zu nehmen. 

 

3.2. 

Der vom Vorwurf des Raufhandels freigesprochene Beschuldigte hat 

Anspruch auf eine Entschädigung seiner Aufwendungen für die 

angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte im Berufungsverfahren 

(Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO und § 9 Abs. 1 und 2bis 

sowie §13 AnwT). Mit Kostennote vom 8. Juli 2022 hat der Beschuldigte für 

die anwaltliche Vertretung einen Aufwand von 28.39 Stunden und Auslagen 

in der Höhe von Fr. 69.50 geltend gemacht. Mit zweiter Kostennote vom 

27. Oktober 2022 hat der Beschuldigte für die anwaltliche Vertretung ab 

dem 9. Juli 2022 einen Aufwand von 28.39 Stunden und Auslagen in der 

Höhe von Fr. 164.60 geltend gemacht. In der letztgenannten Kostennote 

ist der Posten «Unterhaltsberechnung vornehmen (Aktenstudium und 

E-Mail an Klient und an Rechtsanwalt H.)» von 1.5 Stunden zu streichen, 

da dieser – eine Erklärung dazu fehlt – offensichtlich nicht das Berufungs-

verfahren betrifft. Ausgehend von einem totalen Aufwand von 42.95 

Stunden und vom Regelstundenansatz von Fr. 220.00 (§ 9 Abs. 2bis AnwT) 

ergibt sich mit den Auslagen und der Mehrwertsteuer eine Entschädigung 

von Fr. 10'431.00. Die Obergerichtskasse ist entsprechend anzuweisen, 

dem Beschuldigten eine Entschädigung in dieser Höhe auszubezahlen. 

 

3.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Da der Beschuldigte vorliegend 

freigesprochen wird und er die Einleitung des Verfahrens auch nicht 

rechtswidrig oder schuldhaft bewirkt oder dessen Durchführung erschwert 

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hat (Art. 426 Abs. 2 StPO e contrario), sind die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

3.4. 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte auch Anspruch auf eine 

Entschädigung seiner Aufwendungen für die angemessene Ausübung 

seiner Verfahrensrechte im erstinstanzlichen Verfahren (Art. 429 Abs. 1 

lit. a StPO und § 9 Abs. 1 und 2bis sowie §13 AnwT). Mit Kostennote vom 

7. Januar 2022 hat er einen Aufwand von 19.75 Stunden und Auslagen von 

Fr. 147.90 geltend gemacht. Angepasst an die effektive Dauer der erst-

instanzlichen Hauptverhandlung ist von einem Aufwand von 21 Stunden 

auszugehen, womit sich ausgehend vom Regelstundenansatz von Fr. 

220.00 (§ 9 Abs. 2bis AnwT) inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer eine 

Entschädigung von Fr. 5'135.00 ergibt, die dem Beschuldigten zuzuspre-

chen ist. 

 

4. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf des Raufhandels freigesprochen. 

 

2. 

2.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

2.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 10'431.00 auszubezahlen.  

 

3. 

3.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

3.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 5'135.00 

auszubezahlen. 

 

 - 10 - 

 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 9. November 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six Gilgen