# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab9e3020-3508-55ab-b147-70c2f9fe8829
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.06.2020 SB190300
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB190300_2020-06-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB190300-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. Tschudi sowie die Gerichtsschreibe-

rin MLaw Baechler 

 

Urteil vom 9. Juni 2020 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft See/Oberland,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend Entziehung von Minderjährigen 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in 
Strafsachen, vom 6. Mai 2019 (GG180030) 
 

 

-  2  - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 11. Oktober 2018 

(Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der Entziehung von Minderjährigen 
im Sinne von Art. 220 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 
je CHF 150.– sowie mit einer Busse von CHF 1'000.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei 

Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen. 

4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen. 

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

CHF 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

 CHF 1'500.00   Gebühr für das Vorverfahren 

CHF 6'000.00   Kosten total. 

6. Die Kosten und Auslagen des Vorverfahrens sowie des gerichtlichen Verfah-

rens werden der Beschuldigten auferlegt. 

7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Privatkläger keinen Antrag auf 

Zusprechung einer Parteientschädigung gestellt hat. 

-  3  - 

Berufungsanträge: 

a) Der erbetenen Verteidigung: 

(Urk. 80 S. 1) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 06. Mai 2019 sei vollum-

fänglich aufzuheben und die Berufungsführerin vom Vorwurf der Ent-

ziehung von Minderjährigen freizusprechen. 

2. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST) zu Lasten 

der Berufungsgegnerin. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:  

(Urk. 84, schriftlich, sinngemäss) 

Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-

teils 

_________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Gegenstand des Berufungsverfahrens und Prozessuales 

Mit Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 6. Mai 

2019 wurde die Beschuldigte der Entziehung von Minderjährigen im Sinne von 

Art. 220 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 

50 Tagessätzen zu Fr. 150.–, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, so-

wie einer Busse von Fr. 1'000.– bestraft. Für den Fall des schuldhaften Nichtbe-

zahlens der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen festgelegt. Die 

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Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens wurden der Beschul-

digten auferlegt, und es wurde davon Vormerk genommen, dass der Privatkläger 

keinen Antrag auf Zusprechung einer Parteientschädigung gestellt hat (Urk. 77 

S. 26 f.). 

Gegen das Urteil meldete die Beschuldigte mit Eingabe vom 14. Mai 2019 Beru-

fung an (Urk. 69), und mit Eingabe vom 17. Juni 2019 reichte die erbetene Vertei-

digung fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 80). Die Beschuldigte bean-

tragt einen Freispruch vom Vorwurf der Entziehung von Minderjährigen, eventuali-

ter die Rückweisung an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung (Urk. 80 S. 1). 

Innert der mit Präsidialverfügung vom 19. Juni 2019 angesetzten Frist teilte die 

Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf Anschlussberufung mit und beantragte die 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 82; Urk. 84). Der Privatkläger liess 

sich nicht vernehmen. 

Mit Eingaben vom 16. Juli und 30. August 2019 liess die Beschuldigte das ausge-

füllte Datenerfassungsblatt samt Beilagen einreichen (Urk. 86; Urk. 87/1-7; 

Urk. 89; Urk. 90), und mit Eingabe vom 28. November 2019 liess sie mitteilen, 

dass sie nicht mehr erbeten verteidigt sei (Urk. 91). 

Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des 

angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Beschuldigte be-

antragt einen Freispruch unter entsprechender Regelung der Kostenauflage; die 

erstinstanzliche Kostenfestsetzung und die Feststellung, dass der Privatkläger 

keinen Antrag auf Zusprechung einer Parteientschädigung gestellt hat, blieben 

unangefochten (Urk. 80 S. 1). Vorab ist somit festzustellen, dass das Urteil der 

Vorinstanz bezüglich der Dispositivziffern 5 (Kostenfestsetzung) und 7 (Verzicht 

des Privatklägers auf Parteientschädigung) in Rechtskraft erwachsen ist. 

Mit der Berufungserklärung stellte die Beschuldigte den Beweisantrag auf Zeu-

geneinvernahme von B._____ (Urk. 80 S. 3 ff.). Dieser Beweisantrag wurde mit 

Präsidialverfügung vom 9. Dezember 2019 einstweilen abgewiesen (Urk. 92). Mit 

Schreiben vom 25. Mai 2020 machte die Beschuldigte geltend, sie sei berechtigt 

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gewesen, alleine über den anklagegegenständlichen Auslandaufenthalt ihres 

Sohnes zu entscheiden, da der Privatkläger zu diesem Zeitpunkt aus gesundheit-

lichen Gründen nicht in der Lage gewesen sei, das gemeinsame Sorgerecht aus-

zuüben. Der behandelnde Arzt des Privatklägers, Dr. med. C._____, … [Funktion] 

der … [Abteilung] am Universitätsspital Zürich, könne über die Operation des Pri-

vatklägers im August 2019 sowie dessen gesundheitliche Entwicklung Auskunft 

geben (Urk. 96). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte er-

neut aus, sofern es für einen Freispruch erforderlich sei, sei ihr Sohn zu befragen, 

damit dieser bestätigen könne, dass der Privatkläger sein Sorgerecht nicht aus-

geübt habe (Prot. II S. 6 und S. 19), und hinsichtlich des Gesundheitszustandes 

des Privatklägers seien alle Informationen bei Dr. med. C._____ einzuholen, wel-

cher bestätigen könne, dass der Privatkläger urteilsunfähig gewesen sei (Prot. II 

S. 17 und S. 19). Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, erübrigt sich die Abnahme 

weiterer Beweismittel durch die Berufungsinstanz (Erw. III.4.1. und III.5.). 

Beim eingeklagten Straftatbestand der Entziehung von Minderjährigen im Sinne 

von Art. 220 StGB handelt es sich um ein Antragsdelikt, welches nur auf Antrag 

der verletzten Person (Art. 30 Abs. 1 StGB) verfolgt wird (Art. 303 Abs. 1 StPO). 

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen und Voraussetzungen eines Straf-

antrages und einer Strafanzeige zutreffend aufgeführt (Urk. 77 S. 5 f.). Dies 

braucht nicht wiederholt zu werden. Insbesondere hat sie zutreffend erwogen 

(Urk. 77 S. 6), dass eine Strafanzeige den Anforderungen eines Strafantrages 

nur dann genügt, wenn sich aus ihr der Wille des Täters zur Strafverfolgung 

ergibt, wobei einer Strafanzeige der antragsberechtigten Person auch ohne aus-

drückliche Erklärung die Wirkung eines Strafantrages in Bezug auf den geschil-

derten Sachverhalt zukommt (vgl. TRECHSEL/JEAN-RICHARD-DIT-BRESSEL, in 

TRECHSEL/PIETH, Praxiskommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 3. Aufl., 

Zürich/St. Gallen 2018, Vor Art. 30 N 2). Der Privatkläger war als Mitinhaber der 

elterlichen Sorge gemäss Art. 220 StGB zur Stellung eines Strafantrages legiti-

miert (ECKERT, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht II, 4. Aufl., 

Basel 2019, Art. 220 N 33). Seiner Strafanzeige vom 25. März 2018 (Urk. 1) 

kommt somit die Wirkung eines Strafantrages zu. Diese wurde fristgerecht unter 

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Einhaltung der Formvorschriften eingereicht (Art. 30 f. StGB; Art. 304 StPO; 

Urk. 1). 

II. Sachverhalt  

1. Anklagevorwurf 

In der Anklageschrift vom 11. Oktober 2018 wird zusammengefasst festgehalten, 

dass die Beschuldigte und der von ihr getrennte Ehemann D._____ (nachfolgend 

Privatkläger) das gemeinsame Sorgerecht des noch minderjährigen Sohnes 

B._____, geboren am tt.mm.2003, ausgeübt hätten. Obwohl der Privatkläger eine 

Reise des Sohnes während der obligatorischen Schulzeit abgelehnt habe, habe 

die Beschuldigte diesen wissentlich und willentlich am 23. März 2018 für rund 

zweieinhalb Monate bis und mit 11. Juni 2018 zu einer dem Privatkläger nicht be-

kannten Familie nach San Francisco, USA geschickt. Die Beschuldigte habe den 

Privatkläger mittels E-Mail vom 24. März 2018 vor die vollendete Tatsache ge-

stellt, dass der Sohn sich bereits in Kalifornien befinden würde, was diese auch 

gewollt habe. Weiter sei der Beschuldigten mittels superprovisorischer Verfügung 

des Bezirksgerichtes I._____ vom 6. April 2018 befohlen worden, den gemeinsa-

men Sohn unverzüglich wieder in die Schweiz zu holen, verbunden mit der Aufla-

ge, dass dieser rasch möglichst wieder die Klasse … im E._____ in Zürich besu-

chen müsse. Dieser Aufforderung sei die Beschuldigte bewusst nicht nachge-

kommen, obwohl sie den Sohn vom 29. April 2018 bis 2. Mai 2018 in den USA 

besucht haben wolle. Stattdessen habe sie diesen entgegen dem Willen des Pri-

vatklägers und entgegen der gerichtlichen superprovisorischen Verfügung in den 

USA belassen und damit dem Privatkläger die Mitwirkung bei der Ausübung der 

elterlichen Sorge verunmöglicht, was sie auch gewollt habe. Dies alles habe die 

Beschuldigte willentlich und im Wissen darum getan, dass bei einer gemeinsamen 

elterlichen Sorge die Ausübung derselben beiden elterlichen Parteien zukomme 

und sie deshalb den gemeinsamen Sohn nicht entgegen des Willens des Privat-

klägers für rund zweieinhalb Monate ins Ausland habe schicken können, was sie 

zumindest billigend in Kauf genommen habe (Urk. 23 S. 2 f.). 

 

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2. Sachverhaltserstellung 

Die Beschuldigte hat den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt im 

Vorverfahren und vor Vorinstanz nicht bestritten (Urk. 5 S. 4 ff.; Urk. 6 S. 2 f., ins-

bes. Antw. auf Frage 4, und S. 7 f.; Urk. 7 S. 2; Prot. I S. 18 ff.) und diesen auch 

im Berufungsverfahren anerkannt (Prot. II S. 14 ff.). So stellt sie nicht in Abrede, 

den gemeinsamen Sohn B._____ während der obligatorischen Schulzeit – entge-

gen dem Willen des Privatklägers – für einen Aufenthalt von zweieinhalb Monaten 

zu einer Bekannten nach San Francisco geschickt und diesen entgegen einer ge-

richtlichen superprovisorischen Verfügung des Bezirksgerichtes I._____ nicht un-

verzüglich wieder zurück in die Schweiz geholt zu haben, damit dieser die Klasse 

… im E._____ Zürich hätte besuchen können. Die Beschuldigte macht aber gel-

tend, dass der Auslandaufenthalt der Wunsch ihres Sohnes gewesen sei und sie 

mit ihrem Vorgehen ausschliesslich zu dessen Schutz und damit im Kindeswohl 

gehandelt habe (Urk. 5 S. 4; Urk. 6 S. 2 und S. 8; Urk. 67; Prot. I S. 18 ff.; Prot. II 

S. 15 ff.). Das Ganze sei eine familientherapeutische Intervention gewesen, damit 

sich ihr Sohn psychisch habe erholen können (Urk. 5 S. 6; Prot. I S. 23 und S. 

25). 

Mit der Beschuldigten stellte auch die erbetene Verteidigung den eingeklagten 

Sachverhalt als solchen nicht in Abrede, wendete jedoch ein, es sei auch die 

Zeit vor dem Vorfall im Frühjahr 2018 zu berücksichtigen, da diese Ereignisse in 

massgeblicher Art und Weise Einfluss auf die weiteren Vorfälle genommen hätten 

(Urk. 80 S. 2 ff.). Zudem monierte sie, dass sich der Anklagesachverhalt nicht un-

ter den Tatbestand der Entziehung von Minderjährigen subsumieren lasse, und 

machte geltend, sofern Art. 220 StGB dennoch als erfüllt betrachtet werde, sei der 

Rechtfertigungsgrund des Notstandes gemäss Art. 17 f. StGB zu prüfen (Urk. 80 

S. 7 f.).  

Die Sachverhaltsdarstellung gemäss Anklageschrift ist unbestritten und deckt sich 

sodann mit dem Untersuchungsergebnis. Der Anklagesachverhalt ist somit er-

stellt. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob sich dieser unter den Tatbestand der 

Entziehung von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB subsumieren lässt 

(Erw. III.3. ff.).  

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III. Rechtliche Würdigung 

1. Vorbemerkung 

Die Vorinstanz würdigte das anklagegegenständliche Verhalten der Beschuldigten 

als Entziehung von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB (Urk. 77 S. 9 ff.). 

2. Standpunkt der Beschuldigten 

Die Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der Entziehung von 

Minderjährigen. Die erbetene Verteidigung brachte zur Begründung vor, die Be-

schuldigte habe zu keinem Zeitpunkt geplant, den Sohn zu entziehen respektive 

langfristig räumlich vom Privatkläger zu trennen. Der Auslandaufenthalt sei 

von vornherein auf die Dauer von zweieinhalb Monaten begrenzt und der Rück-

flug nach Zürich am 11. Juni 2018 bereits gebucht gewesen. Sofern der Tatbe-

stand des Art. 220 StGB dennoch als erfüllt betrachtet werde, sei der Rechtferti-

gungsgrund des Notstandes gemäss Art. 17 f. StGB zu prüfen. Die Gesundheit 

des Kindes könne in gewissen Situationen als schützenswertes Rechtsgut Vor-

rang gegenüber dem Aufenthaltsbestimmungsrecht haben. Genau diese Konstel-

lation habe auf den Sohn zugetroffen, welcher sich im Frühjahr 2018 in einer psy-

chisch extrem angespannten Situation befunden habe. Nicht nur die Todesfälle 

in der Familie, sondern auch die Trennung der Eltern sowie die schwierige Bezie-

hung zum Privatkläger sowie der mutmasslich ausgeübte Leistungsdruck hinsicht-

lich des Bestehens der 9. Klasse am E._____ Zürich hätten B._____ zu schaffen 

gemacht. In dieser Lage sei folglich in jedem Fall eine Notstandssituation zu erbli-

cken. Die Beschuldigte habe seit der Trennung vom Privatkläger im Jahr 2015 al-

les versucht, um die Familiensituation und insbesondere die Gesundheit des 

Sohnes zu schützen. Dies nicht zuletzt durch die Inanspruchnahme professionel-

ler Hilfe. Die Vorinstanz habe eine psychologische Betreuung als mildere Mass-

nahme vorgeschlagen und dabei übersehen, dass diese Möglichkeit bereits zur 

Gänze ausgeschöpft worden sei. Für die Beschuldigte sei das Kindeswohl von 

B._____ in jedem Zeitpunkt im Mittelpunkt gestanden. Das Ausbrechen aus dem 

Familiensystem und aus dem Alltag in der Schweiz sei somit die einzige Option 

gewesen, die Gesundheit des Sohnes zu schützen. Gehe man davon aus, dass 

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der Tatbestand des Art. 220 StGB erfüllt sei, seien alle Voraussetzungen – na-

mentlich die Gefahrenlage sowie die Subsidiarität – erfüllt und die rechtfertigende 

Notstandshilfe sei zu bejahen. Die Gesundheit des Kindes als Rechtsgut würde 

dem Aufenthaltsbestimmungsrecht in diesem Fall vorgehen. Subsidiär sei zudem 

darauf abzustellen, dass die Schuld und die Tatfolgen, würde beides bejaht wer-

den, als geringfügig im Sinne von Art. 52 StGB zu qualifizieren seien, da B._____ 

im Endeffekt unzweifelhaft von diesem Auslandaufenthalt profitiert und zu keinem 

Zeitpunkt eine Gefährdung bestanden habe. Auch könne nicht davon ausgegan-

gen werden, dass der Privatkläger sein nicht geregeltes Besuchsrecht mit dem 

Sohn in der Zeit vom 23. März 2018 bis 11. Juni 2018 öfters als bisher in An-

spruch genommen hätte. Aus diesen Gründen sei die Beschuldigte vom Vorwurf 

der Entziehung von Minderjährigen freizusprechen (Urk. 80 S. 7 ff.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Beschuldigte ergänzend zu ih-

ren bisherigen Aussagen vor, sie sei im Recht gewesen, alleine über den Aus-

landaufenthalt ihres Sohnes zu entscheiden, da der Privatkläger zu diesem Zeit-

punkt krank und aufgrund eines Hirntumors nicht urteilsfähig gewesen sei (Prot. II 

S. 17 ff.). 

3. Rechtliches 

Gemäss Art. 220 StGB wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe bestraft, wer eine minderjährige Person dem Inhaber des Rechts zur 

Bestimmung des Aufenthaltsortes entzieht oder sich weigert, sie ihm zurückzuge-

ben. Die Erwägungen der Vorinstanz betreffend das geschützte Rechtsgut und 

die Tatbestandsmerkmale der Entziehung von Minderjährigen (Art. 220 StGB) 

sind zutreffend, sodass darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; 

Urk. 77 S. 9 ff.). 

Ergänzend ist unter anderem auf die Entstehungsgeschichte dieses Tatbestandes 

hinzuweisen. Anlässlich der Revision von 1989 beabsichtigte die Expertenkom-

mission eine Einschränkung dieser Bestimmung, damit diese in Eheschutz- und 

Scheidungsverfahren nach Auflösung des gemeinsamen Haushaltes nicht mehr 

missbräuchlich eingesetzt werden könne. Deshalb sollte die Norm einerseits nur 

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noch Personen erfassen, denen keine elterliche Gewalt zustand, andererseits 

sollte die Tathandlung nur noch den dauernden Entzug der minderjährigen Per-

son umfassen. Der Entwurf des Bundesrates folgte diesen Vorschlägen nicht. Es 

wurde darauf hingewiesen, dass Art. 220 StGB in der Praxis fast ausschliesslich 

auf Fälle anzuwenden sei, in denen Ausländer ihre Kinder in ihr Heimatland ent-

führt oder es jedenfalls versucht hätten und damit einem Erziehungsberechtigten 

in der Schweiz die Möglichkeit zur Ausübung seiner elterlichen Gewalt entzogen 

worden sei. Dies zeige, dass dieser Tatbestand mit seiner vorbeugenden Wirkung 

vor allem im Hinblick auf solche Fälle notwendig sei. Einzugreifen, bevor der Täter 

mit den Kindern die Schweiz verlassen habe, sei entscheidend, da es trotz Aus-

schöpfung der Möglichkeiten internationaler Rechtshilfe äusserst schwierig sei, 

Kinder, die einmal im Ausland seien, wieder zurückzuführen. Die Einschränkung 

des Tatbestandes auf dauerndes Entziehen würde die Wirksamkeit des Tatbe-

standes empfindlich herabsetzen, da im Falle einer mutmasslich bevorstehenden 

Entführung schwierig sei, genügend Verdachtsmomente für auf dauerndes Ent-

ziehen gerichteten Vorsatz zu finden. Weiter gebe es keine Notwendigkeit, das 

Besuchsrecht jenes Elternteils, der keine elterliche Gewalt mehr habe, durch 

Art. 220 StGB besonders zu schützen, da Art. 292 StGB (Ungehorsam gegen 

amtliche Verfügungen) zur Durchsetzung dieser Rechte genügen dürfte. Der Ent-

wurf schlug deshalb als einzige Änderung vor, in einer Tatbestandsvariante an-

stelle des Ausdrucks "vorenthalten" die Wendung "sich weigert, sie ihm zurückzu-

geben" zu gebrauchen. Damit sollte der Tatbestand insofern eingeschränkt wer-

den, als das kurzfristige Beherbergen eines Minderjährigen nicht mehr strafbar 

sein sollte. Die eidgenössischen Räte stimmten dem Antrag des Bundesrates zu 

(Botschaft vom 26. Juni 1985 über die Änderung des Schweizerischen Strafge-

setzbuches und des Militärstrafgesetzes [Strafbare Handlungen gegen Leib und 

Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie], BBl 1985 II 1009, 1058 ff.; 

ECKERT, a.a.O., Art. 220 N 1 ff.). Daraus ist zu schliessen, dass eine gewisse In-

tensität hinsichtlich der Beeinträchtigung des Aufenthaltsbestimmungsrechts er-

forderlich ist und Art. 220 StGB nicht jene Fälle erfasst, in welchen Art. 292 StGB 

zur Durchsetzung des Aufenthaltsbestimmungsrechts ausreicht. 

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Im Zuge der Revision des Zivilgesetzbuches betreffend die elterliche Sorge wurde 

eine Änderung des Art. 220 StGB dahingehend diskutiert, ob diese Bestimmung 

auch zum Schutz des Besuchsrechts herangezogen werden könne. Es wurde 

dann allerdings ausdrücklich darauf verzichtet, jenem Elternteil Strafe anzudro-

hen, der das Besuchsrecht vereitelt, mit der Begründung, dass Besuchsstreitigkei-

ten regelmässig mit hohem emotionalem Aufwand ausgetragen würden, weshalb 

zusätzliche Strafandrohungen in diesen Fällen kaum zur Vermeidung und Vor-

beugung von Konflikten beitragen würden (Botschaft vom 16. November 2011 zu 

einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Elterliche Sorge], 

BBl 2011 9077, 9096). Auch ohne spezifische Strafandrohung mittels Art. 220 

StGB bestehe die Möglichkeit, den Elternteil, der sich weigert, das Kind der be-

suchsberechtigten Person zu übergeben, gestützt auf Art. 292 StGB zu belangen 

(Bericht vom Januar 2009 zum Vorentwurf einer Teilrevision des Schweizerischen 

Zivilgesetzbuches [Elterliche Sorge] und des Schweizerischen Strafgesetzbuches 

[Art. 220], S. 31). Dem Besuchsberechtigten ist es somit unbenommen, sein 

Recht auf zivilprozessualem Weg durchzusetzen (vgl. ECKERT, a.a.O., Art. 220 

N 14 ff.), sodass er auf einen zusätzlichen Schutz durch Art. 220 StGB nicht an-

gewiesen ist. 

Gemäss ECKERT sollte der Anwendungsbereich von Art. 220 StGB bei gemein-

samer elterlicher Sorge im Hinblick auf Art. 301a ZGB auf die in dessen Abs. 2 

beschriebenen Fälle beschränkt werden. Bei gemeinsamer elterlicher Sorge kann 

somit nur Täter sein, wer den Aufenthaltsort wechseln will, dabei aber die erfor-

derliche Zustimmung des anderen Elternteils oder die Entscheidung des Gerich-

tes oder der Kindesschutzbehörde nicht einholt. Eine solche ist gemäss Art. 301a 

Abs. 2 ZGB dann einzuholen, wenn der neue Aufenthaltsort im Ausland liegt oder 

der Wechsel des Aufenthaltsortes erhebliche Auswirkungen auf die Ausübung der 

elterlichen Sorge und den persönlichen Verkehr durch den anderen Elternteil hat 

(vgl. ECKERT, a.a.O., Art. 220 N 11 ff.). Die Botschaft vom 16. November 2011 hält 

dazu fest, dass in Art. 301a Abs. 2 ZGB das Vorgehen geregelt sei, wenn ein El-

ternteil alleine oder zusammen mit dem Kind zügeln wolle. Ein solcher Entscheid 

sei grundsätzlich im Konsens zu treffen, vorbehalten bleibe derjenige Fall, bei 

welchem der Wechsel des Aufenthaltsortes keine erheblichen Auswirkungen auf 

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die Wahrnehmung der elterlichen Sorge durch den anderen Elternteil habe. An-

ders als bei einem Wohnsitzwechsel innerhalb der Schweiz setze ein Wegzug ins 

Ausland immer das Einverständnis des anderen Elternteils voraus. Verlege ein El-

ternteil den Wohnsitz des Kindes eigenmächtig in einen Vertragsstaat des Haager 

Kindesentführungsübereinkommens oder des Europäischen Sorgerechtsüberein-

kommens, könne der andere Elternteil ein Rückführungsverfahren wegen interna-

tionaler Kindesentführung einleiten; im Übrigen finde Art. 220 StGB Anwendung 

(Botschaft vom 16. November 2011, a.a.O., BBl 2011 9077, 9107 f.). 

Die Entstehungsgeschichte zeigt somit, dass als Beweggrund für die geltende 

Fassung des Art. 220 StGB insbesondere diejenigen Fälle herangezogen wurden, 

in welchen es zu einer Kindesentführung durch einen Elternteil gekommen ist, 

beispielsweise weil ein ausländischer Elternteil ein Kind in sein Heimatland ent-

führt hat. Solche Fälle stellen den häufigsten Anwendungsbereich von Art. 220 

StGB dar (Botschaft vom 26. Juni 1985, a.a.O., BBl 1985 II 1009, 1059; HÜPPI, 

Straf- und zivilrechtliche Aspekte der Kindesentziehung gemäss Art. 220 StGB mit 

Schwergewicht auf die Kindesentführungen durch einen Elternteil, Diss. Zürich 

1988, S. 277). 

Die Bestimmung schützt den Inhaber der elterlichen Sorge in der Ausübung sei-

ner Befugnis, den Aufenthaltsort des ihm unterstellten Kindes sowie die Art und 

Weise seiner Unterbringung zu bestimmen (BGE 141 IV 205 E. 5.3.1; WEDER, 

in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, StGB Kommentar, 20. Aufl., Zürich 

2018, Art. 220 N 2). Als tatbestandsmässige Handlungen kommen das Entziehen 

oder die Weigerung der Rückgabe in Frage. Durch das Entziehen hindert der Tä-

ter den (Mit-)Inhaber des Rechts zur Bestimmung des Aufenthaltsortes daran, frei 

über den Aufenthaltsort der minderjährigen Person zu bestimmen. Entscheidend 

ist die räumliche Trennung der minderjährigen Person vom Berechtigten, wobei 

nur ein Handeln gegen den Willen des Inhabers des Aufenthaltsbestimmungs-

rechts tatbestandsmässig ist, und zwar unabhängig von einem allfälligen Einver-

ständnis der minderjährigen Person. Erforderlich ist zudem, dass der Täter die 

minderjährige Person durch eigenes Handeln vom ursprünglichen Ort entfernt. 

Vorausgesetzt ist darüber hinaus, dass die minderjährige Person an einen neuen 

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Aufenthaltsort gebracht wird. Dadurch bringt der Täter zum Ausdruck, dass die 

örtliche Trennung nicht nur etwas Vorübergehendes, sondern mit dem Unterbrin-

gen an einem neuen Ort Definitives hat (ECKERT, a.a.O., Art. 220 N 22 ff.). Wird 

die minderjährige Person bloss auf einen kurzfristigen Ausflug mitgenommen und 

die Trennung hat nur etwas Vorübergehendes und nicht etwas Definitives, ist die 

Tatbestandsvariante nicht erfüllt (ACKERMANN/VOGLER/BAUMANN/EGLI, Strafrecht 

Individualinteressen, Gesetz, System und Lehre im Lichte der Rechtsprechung, 

1. Aufl., Bern 2019, S. 460). Die Tatbestandsvariante des Entziehens erfordert 

somit eine gewisse Intensität auch in zeitlicher Hinsicht. 

Die zweite Tatvariante stellt unter Strafe, wer sich weigert, die minderjährige Per-

son dem Inhaber des Aufenthaltsbestimmungsrechts zurückzugeben respektive 

herauszugeben, wobei der Täter zur Herausgabe des Kindes rechtlich verpflichtet 

sein muss, was der Fall sein kann, wenn das Kind gemäss gerichtlichem Urteil 

oder Vereinbarung vorübergehend übergeben und eine Dauer dafür festgesetzt 

worden ist. Darunter fallen somit insbesondere jene Konstellationen, bei wel-

chen die Dauer des Besuchsrechts abgelaufen ist und das Kind nicht zurückge-

bracht wird. Der Täter muss nach aussen zum Ausdruck bringen, dass er die 

(Wieder-)Herstellung des Rechts zur Bestimmung des Aufenthaltsortes verhin-

dern möchte (Urteil des Bundesgerichtes 6B_248/2017 vom 17. Mai 2017, E. 4; 

ECKERT, a.a.O., Art. 220 N 27 ff.). 

4. Würdigung 

4.1. Objektiver Tatbestand 

Die Beschuldigte und der Privatkläger sind als Eltern von B._____ Inhaber der 

gemeinsamen elterlichen Sorge, wodurch ihnen gemeinsam das Aufenthaltsbe-

stimmungsrecht zukommt (Art. 296 Abs. 2 ZGB und Art. 301a Abs. 1 ZGB). Daran 

änderte auch das im Tatzeitpunkt hängige Scheidungsverfahren zwischen ihnen 

nichts, zumal keine anderslautende Regelung vereinbart oder angeordnet worden 

war (Urk. 6 S. 3 f.; Urk. 8 S. 1 f.; Urk. 9 S. 3). Die Beschuldigte hätte somit ge-

mäss Art. 301a Abs. 2 ZGB für die Verlegung des Wohnsitzes respektive des 

Aufenthaltsortes von B._____ ins Ausland die Zustimmung des Privatklägers oder 

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eine Entscheidung des Gerichtes oder der Kindesschutzbehörde gebraucht. Die 

Beschuldigte schickte den gemeinsamen Sohn entgegen dem ausdrücklichen Wil-

len des Privatklägers und ohne Bewilligung seiner Schule während der obligatori-

schen Schulzeit für einen zweieinhalbmonatigen Aufenthalt nach San Francisco 

(Urk. 1; Urk. 12/1 S. 2), wo er bei einer Gastfamilie wohnte und die Schule be-

suchte. Die Beschuldigte wusste bereits vor Buchung der Flugtickets, dass der 

Privatkläger mit ihrem Vorhaben nicht einverstanden war, sondern sich entschie-

den gegen einen Auslandaufenthalt von B._____ stellte. So bestätigte der Privat-

kläger anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 29. März 2018, dass er im 

Januar 2018 mit B._____ darüber gesprochen habe. Er habe ihm gesagt, dass er 

zurzeit nicht dafür sei und es nicht bewilligen werde. Er habe B._____ gesagt, er 

solle zuerst die Schule fertig machen, die Noten müssten besser werden, und 

mit 15 Jahren sei ihm dies einfach zu früh. Er habe B._____ aber auch gesagt, 

dass er im Grunde schon für einen Auslandaufenthalt sei und sie im nächsten 

Jahr darüber sprechen könnten (Urk. 8 S. 3). Er teilte auch der Beschuldigten mit 

E-Mails vom 26. und 27. Januar 2018 – und damit bereits gut zwei Monate vor 

dem Auslandaufenthalt – mit, dass er einem solchen im Grundsatz positiv gegen-

überstehe, jetzt allerdings nicht der richtige Zeitpunkt sei, und dass er B._____ 

erklärt habe, warum er ausdrücklich nicht wolle, dass dieser im März bis Mai 2018 

in die USA zu einer mit ihr befreundeten Bekannten gehe. Sollte sie sich über sein 

Sorgerecht hinwegsetzen und B._____ den von ihm nicht bewilligten Ausland-

aufenthalt antreten, werde er rechtliche Schritte einleiten (Urk. 2/3). Am 26. Janu-

ar 2018 wandte der Privatkläger sich zudem an den Prorektor des E._____s Zü-

rich und teilte diesem mit, dass er von der Beschuldigten gehört habe, dass sie 

B._____ von ca. März bis Mai für einen Aufenthalt in den USA von der Schule 

abmelden wolle. Er sei dagegen und bitte, dass dies von ihm ebenfalls abgelehnt 

werde (Urk. 2/4). 

Durch ihre Handlung hat die Beschuldigte sich über den anderslautenden Willen 

des Privatklägers als Mitinhaber der elterlichen Sorge hinweggesetzt und den 

Aufenthaltsort von B._____ eigenmächtig für die Dauer von zweieinhalb Monaten 

nach San Francisco verlegt. Der Privatkläger konnte über den Aufenthaltsort von 

B._____ nicht mitbestimmen, sondern wurde einfach vor vollendete Tatsachen 

-  15  - 

gestellt. Die Beschuldigte durfte aufgrund der gemeinsamen elterlichen Sorge 

nicht eigenmächtig über eine Verlegung des Aufenthaltsortes von B._____ nach 

San Francisco entscheiden. Daran ändert auch das Vorbringen der Beschuldig-

ten, wonach der Privatkläger sein Sorgerecht nicht genügend ausgeübt haben soll 

und nur selten Besuche zwischen ihm und B._____ stattgefunden haben sollen 

(vgl. Prot. II S. 18), nichts. Sowohl B._____ als auch die Beschuldigte führten aus, 

dass in den Monaten davor nur selten Besuche mit dem Privatkläger stattgefun-

den hätten (Urk. 4 S. 3; Urk. 80 S. 6; Prot. II S. 18). Zudem machte die Beschul-

digte geltend, der Privatkläger leide an einem Hirntumor und sei aufgrund seines 

Gesundheitszustandes im Tatzeitpunkt urteilsunfähig gewesen. Aus diesem 

Grund beantragt sie die Befragung von Dr. med. C._____ respektive den Beizug 

ärztlicher Unterlagen, welche den Gesundheitszustand des Privatklägers doku-

mentieren und aus welchen hervorgehen soll, dass dieser aufgrund des Hirntu-

mors nicht mehr in der Lage gewesen sei, sein Sorgerecht auszuüben (Prot. II. 

S. 17 ff.; vorstehend, Erw. I.). Damit Dr. med. C._____ zum Gesundheitszustand 

des Privatklägers befragt werden könnte respektive ärztliche Unterlagen beigezo-

gen werden könnten, bräuchte es eine Entbindungserklärung des Privatklägers. 

Ohnehin liegen aber keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass der Privatkläger auf-

grund einer körperlichen Beeinträchtigung nicht in der Lage gewesen sein soll, im 

Tatzeitpunkt sein Sorgerecht angemessen auszuüben, ansonsten im damals 

hängigen Scheidungsverfahren wohl kein gemeinsames Sorgerecht gerichtlich 

festgelegt worden wäre (vgl. Prot. I S. 16). Selbst wenn beim Privatkläger damals 

bereits Symptome aufgetreten sein sollten, liegen keine Hinweise auf eine Beein-

trächtigung vor, die darauf schliessen lassen würden, dass der Privatkläger nicht 

urteilsfähig und damit nicht in der Lage gewesen sein soll, hinsichtlich des Aus-

landaufenthaltes seines Sohnes mitzuentscheiden. Eine Befragung von Dr. 

C._____ sowie der Beizug von ärztlichen Unterlagen ist für die rechtliche Beurtei-

lung des vorliegenden Falls somit nicht weiter von Relevanz, weshalb darauf ver-

zichtet werden kann.  

Die Tatbestandsvariante des Entziehens erfordert auch in zeitlicher Hinsicht eine 

gewisse Intensität. Bei einer Dauer von rund zweieinhalb Monaten handelt es sich 

weder um einen Ausflug noch um kurzzeitige Ferien, die keinen prägenden Cha-

-  16  - 

rakter für den Werdegang des Kindes haben, sondern B._____ hatte während 

zweieinhalb Monaten seinen Aufenthalt im entfernten Ausland und besuchte dort 

auch die Schule und musste dort bei den Behörden und an der F._____ High 

School (Urk. 81/8) angemeldet werden. Sein Auslandaufenthalt war auf eine län-

gere Dauer ausgerichtet. Damit wies die räumliche Trennung zwischen B._____ 

und dem Privatkläger auch in zeitlicher Hinsicht eine Intensität auf, welche erfor-

derlich ist, damit die Handlung unter den Tatbestand des Entziehens von Minder-

jährigen im Sinne von Art. 220 StGB fällt. Dies insbesondere auch unter Hinweis 

auf BGE 118 IV 61, in welchem Entscheid das Bundesgericht einen gerichtlichen 

Entscheid geschützt hat, mit welchem der Mitinhaber der elterlichen Sorge wegen 

Entziehung von Unmündigen im Sinne von Art. 220 StGB verurteilt worden war, 

da dieser mit den gemeinsamen Kindern in die Ferien gereist war und diese erst 

nach einer sechswöchigen Reise wieder der Mutter als Obhutsinhaberin zurück-

gebracht hatte. 

Der anklagegegenständliche Sachverhalt lässt sich folglich unter die Tatbe-

standsvariante des Entziehens subsumieren. Daran ändert auch der Umstand 

nichts, dass der Auslandaufenthalt in San Francisco gemäss den Aussagen der 

Beschuldigten, dem Wunsch von B._____ entsprochen habe (Urk. 5 S. 3 f.; Urk. 6 

S. 2; Urk. 7 S. 2; Port. II S. 15), da gemäss Art. 220 StGB nur der Wille des Inha-

bers des Aufenthaltsbestimmungsrechts von Bedeutung ist, nicht aber derjenige 

des von der Entziehung betroffenen Minderjährigen selbst (vgl. vorstehend, 

Erw. III.3.). Der Wille des Minderjährigen hat keinen Einfluss auf die Strafbarkeit 

des Täters. Zwar ist davon auszugehen, dass B._____ bei einer Befragung als 

Zeuge – wie von der Beschuldigten beantragt (vorstehend, Erw. I.) – bestätigen 

würde, dass der Auslandaufenthalt in San Francisco sein Wunsch gewesen und 

die Beziehung zu seinem Vater belastet sei. Dies ergibt sich aber bereits aus den 

Akten und ist für die rechtliche Beurteilung des vorliegenden Falls nicht weiter re-

levant, weshalb auf eine Befragung von B._____ verzichtet werden kann. 

Durch ihr Verhalten hat die Beschuldigte auch der Anordnung des Bezirksgerich-

tes I._____ keine Folge geleistet, welches ihr mittels superprovisorischer Verfü-

gung vom 6. April 2018 und Verfügung vom 23. Mai 2018 befohlen hatte, B._____ 

-  17  - 

unverzüglich wieder zurück in die Schweiz zu holen, verbunden mit der Auflage, 

dass dieser rasch möglichst die Klasse … im E._____ Zürich besucht (Urk. 13/4; 

Urk. 13/8), weshalb allenfalls auch noch der Tatbestand des Ungehorsams gegen 

eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB zu prüfen wäre. Mangels 

Hinweis in der superprovisorischen Verfügung vom 6. April 2018 und der Verfü-

gung vom 23. Mai 2018 des Bezirksgerichtes I._____ auf die Strafandrohung ge-

mäss Art. 292 StGB (Urk. 13/4 S. 6; Urk. 13/8 S. 7) wäre dieser Tatbestand aber 

ohnehin nicht erfüllt, da gemäss Art. 292 StGB nur mit Busse bestraft wird, wer 

der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hin-

weis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht 

Folge leistet. 

4.2. Subjektiver Tatbestand 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich sämtlicher Tatbestands-

merkmale. Die Beschuldigte schickte B._____ im Wissen darum, dass der Privat-

kläger mit dem Auslandaufenthalt nicht einverstanden war, nach San Francisco 

und setzte sich damit bewusst über den anderslautenden Willen des Privatklägers 

hinweg. Durch ihre Weigerung den Sohn B._____ trotz gerichtlicher Anordnung in 

die Schweiz zurückzuholen (vgl. vorstehend, Erw. III.4.1.), hat sie ihr vorsätzliches 

Handeln weiter manifestiert. 

4.3. Rechtfertigungsgründe 

Die Beschuldigte macht geltend, dass sie nur so gehandelt habe, um B._____ ei-

ne Auszeit zu ermöglichen, da nicht nur seine schulischen Leistungen sehr 

schlecht geworden seien, sondern auch sein psychischer Zustand aufgrund der 

bevorstehenden Scheidung zwischen ihr und dem Privatkläger, mehrerer Todes-

fälle im näheren Familienkreis sowie des angespannten Verhältnisses zwischen 

ihm und dem Privatkläger besorgniserregend gewesen sei. Sie habe ihren Sohn 

schützen wollen und ihn deshalb für einen Aufenthalt nach San Francisco ge-

schickt (Urk. 5 S. 4 ff.; Urk. 6 S. 3, S. 5 und S. 8; Urk. 17/3 S. 1 f.; Urk. 67; Urk. 80 

S. 5 und S. 7; Urk. 81/10; Prot. I S. 23; Prot. II S. 15 ff.). 

-  18  - 

Die Erwägungen der Vorinstanz zur Bedeutung und Art sowie den rechtlichen  

Voraussetzungen der einzelnen Rechtfertigungsgründe sind zutreffend. Es kann 

darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 77 S. 13 ff.). In Übereinstim-

mung mit der Vorinstanz ist weder von einer Notstands- noch einer Notwehrsitua-

tion auszugehen. Für eine Notstandssituation im Sinne von Art. 17 StGB hätte ei-

nem Rechtsgut des Kindes eine unmittelbare und konkrete Gefahr drohen müs-

sen, welche nicht anders abwendbar gewesen wäre. B._____ hatte mehrere To-

desfälle zu verkraften, seine schulischen Leistungen waren gesunken mit der Fol-

ge einer bevorstehenden Versetzung in eine leistungsschwächere Klasse, er fühl-

te sich durch den Privatkläger unter Druck gesetzt, welcher für die Privatschule fi-

nanziell aufkam, und er stand unter dem Druck des Bestehens der Aufnahmeprü-

fung zum Gymnasium, was zweifelsohne Auswirkungen auf sein psychisches 

Wohlbefinden hatte. Eine unmittelbare und konkrete Gefahr für das Kindeswohl, 

welcher nur durch umgehende Verbringung ins Ausland begegnet werden konnte, 

lag jedoch nicht vor. Der Beschuldigten hätte bei Annahme zeitlicher Dringlichkeit 

zudem die Anrufung des Gerichts mit einem Antrag auf Erlass vorsorglicher   

Massnahmen oder gar superprovisorischer Massnahmen offen gestanden. 

Eine Notwehrlage im Sinne von Art. 15 StGB liegt dann vor, wenn ein Angriff im 

Gang ist oder unmittelbar bevorsteht, bei welchem eine rechtswidrige durch 

menschliches Verhalten drohende Verletzung eines beliebigen persönlichen 

Rechtsgutes droht. Die Notwehrhandlung besteht darin, den Angriff in einer den 

Umständen angemessenen Weise abzuwehren. Damit sich die Beschuldigte auf 

Notwehrhilfe berufen könnte, hätte ein Angriff des Privatklägers in die Rechtsgüter 

von B._____ drohen oder stattfinden müssen. Die Beschuldigte machte zwar gel-

tend, B._____ habe sich durch das ausgeprägte Leistungsdenken des Privatklä-

gers sowie dessen Finanzierung der Privatschule unter Druck gesetzt gefühlt 

(Urk. 5 S. 2; Urk. 6 S. 2 f.; Prot. II S. 17), darin kann allerdings kein rechtswidriger 

Angriff auf ein persönliches Rechtsgut von B._____ erblickt werden, welcher ei-

nen Eingriff der Beschuldigten in die Rechtsgüter des Privatklägers gerechtfertigt 

hätte. Weitere Rechtfertigungsgründe sind keine ersichtlich und wurden auch 

nicht geltend gemacht. 

-  19  - 

5. Fazit 

Die Beschuldigte hat sich somit der Entziehung von Minderjährigen strafbar ge-

macht. Da die von der Beschuldigten beantragte Beweisabnahme für die rechtli-

che Beurteilung des vorliegenden Falls nicht von Relevanz ist (vgl. vorstehend, 

Erw. I. und III.4.1.), diese demzufolge auch nicht zu einer anderen rechtlichen 

Würdigung führen würde, erübrigt sich eine weitere Beweisabnahme durch die 

Berufungsinstanz. Die Beschuldigte kann sich auf keinen Rechtfertigungsgrund 

berufen, sodass sie der Entziehung von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 

StGB schuldig zu sprechen ist. 

IV. Strafzumessung 

1. Vorbemerkung 

Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe von 

50 Tagessätzen zu Fr. 150.–, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, so-

wie einer Busse von Fr. 1'000.– (Urk. 77 S. 26). Da einzig die Beschuldigte Beru-

fung gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben hat, fällt aufgrund des Verschlech-

terungsverbotes eine strengere Bestrafung von vornherein ausser Betracht (Ver-

bot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO). Es kann somit nur eine Geld-

strafe von höchstens 50 Tagessätzen ausgefällt werden. 

2. Allgemeine Grundsätze 

Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung und die bei der Ausfäl-

lung von Geldstrafen zu beachtenden Grundsätze wurden im vorinstanzlichen Ur-

teil zutreffend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen für das Entzie-

hen von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB korrekt mit Freiheitsstrafe bis 

zu 3 Jahren oder Geldstrafe abgesteckt (Urk. 77 S. 19 ff.). Dies braucht nicht wie-

derholt zu werden. 

3. Tatkomponenten 

Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte den 

gemeinsamen Sohn B._____ gegen den Willen des Privatklägers ins Ausland ge-

-  20  - 

schickt und diesen trotz zweimaliger Aufforderung durch das Bezirksgericht 

I._____ nicht zurück in die Schweiz geholt hat. Die Beschuldigte schuf mit dem 

Auslandaufenthalt von B._____ allerdings keine definitive Situation, sondern 

B._____ wurde dem Privatkläger für die Dauer von rund zweieinhalb Monaten 

entzogen, wobei der Aufenthalt in San Francisco von Beginn an zeitlich begrenzt 

war und die Beschuldigte den Privatkläger bereits am Tag nach der Abreise dar-

über informiert hat. Bereits am 4. März 2018 war zusammen mit dem Hinflug- 

auch ein Rückflugticket für den 4. Juni 2018 respektive nach erfolgter Umbuchung 

für den 11. Juni 2018 gekauft worden (Urk. 80 S. 5 und S. 7 f.; Urk. 81/5). Einen 

Tag nach der Abreise von B._____ teilte die Beschuldigte dem Privatkläger per E-

Mail mit, dass sich dieser schon in Kalifornien befinde und am 5. Juni wieder zu-

rückkommen werde (Urk. 2/5; Urk. 5 S. 4; Urk. 8 S. 3). Die Beschuldigte hatte 

B._____ somit nicht einfach heimlich irgendwohin ins Ausland verbracht und den 

Privatkläger über die gesamten Umstände völlig im Ungewissen gelassen. Neben 

der Mitteilung des geplanten Rückreisedatums teilte sie ihm auch den Aufent-

haltsort von B._____ mit. Sie informierte ihn mit E-Mail vom 23. Januar 2018 unter 

Angabe der entsprechenden Homepage darüber, welche Schule B._____ in Kali-

fornien besuchen und dass er während dieser Zeit bei ihrer Freundin G._____ 

wohnen würde (Urk. 2/2). Der Privatkläger wusste daher, bei wem sich B._____ 

während seines Auslandaufenthaltes aufhielt. 

Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beschuldigte 

nicht aus egoistischen Beweggründen gehandelt hat. Ihr ging es nicht darum, 

dem Privatkläger den Sohn zu entziehen, sondern sie handelte mit Blick auf das 

Kindeswohl und wollte B._____ durch diesen Auslandaufenthalt eine Auszeit von 

einer schwierigen und belastenden Zeit ermöglichen. 

Insgesamt ist von einem sehr leichten Verschulden auszugehen. Eine hypotheti-

sche Einsatzstrafe von 20 Tagessätzen Geldstrafe erscheint angemessen. 

-  21  - 

4. Täterkomponenten 

4.1. Persönliche Verhältnisse 

Die Beschuldigte ist in Bratislava, Slowakei geboren worden, wo sie zusammen 

mit zwei Schwestern bei ihren Eltern aufgewachsen ist. Sie hat die Matur abge-

schlossen sowie an der Universität Wirtschaft studiert, bevor sie im Jahr 1994 in 

die Schweiz gekommen ist und an der HSG ein Zusatzstudium absolviert hat. Sie 

war zunächst in der Finanzbranche angestellt, hat viele Weiterbildungen in ver-

schiedenen Bereichen absolviert, bevor sie sich als strategische Beraterin im Be-

reich Familienunternehmen selbständig gemacht hat. Sie war mit dem Privatklä-

ger verheiratet und hat mit ihm zwei gemeinsame Kinder. Mit ihrer Tochter zu-

sammen führt sie die H._____ GmbH. Sie ist in keiner Partnerschaft. Der gemein-

same Sohn B._____ wohnt bei ihr (Urk. 6 S. 9 f.; Prot. I S. 10 ff.; Prot. II S. 7 ff.). 

Den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten sind keine strafzumessungsre-

levanten Faktoren zu entnehmen. 

4.2. Vorleben und Nachtatverhalten 

Die Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (Urk. 79), was strafzumessungsneutral 

zu gewichten ist. 

Die Beschuldigte hat den Sachverhalt nie bestritten. Sie war diesbezüglich von 

Beginn an geständig und verhielt sich im Verfahren kooperativ, was zu ihren 

Gunsten zu berücksichtigen ist. Allerdings zeigt sie weder Reue noch Einsicht, in 

das Unrecht der von ihr begangenen Handlung (Prot. I S. 18 ff.; Prot. II S. 18 ff.), 

was ihr Geständnis entsprechend relativiert. Das Nachtatverhalten ist daher ins-

gesamt als strafzumessungsneutral zu bewerten. 

5. Fazit 

Da die Täterkomponenten sich neutral auf die Strafzumessung auswirken, bleibt 

es bei der auf 20 Tagessätze festgesetzten Geldstrafe. Die Beschuldigte ist daher 

mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu bestrafen. 

-  22  - 

6. Tagessatzbemessung 

Die Beschuldigte führte vor Vorinstanz aus, dass sie aufgrund der deutlich besse-

ren Ausgangslage ein monatliches Einkommen von ca. Fr. 20'000.– erziele 

(Prot. I S. 12). Gemäss Datenerfassungsblatt betrug ihr Mietzins Fr. 4'300.–, und 

sie gab an, Vermögen in der Höhe von ca. Fr. 14'768.– und Schulden in der Höhe 

von Fr. 30'000.– zu haben (Urk. 30 S. 6). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschuldigte, dass sie im 

Jahr 2019 einen monatlichen Nettolohn von ca. Fr. 27'782.– erzielt habe und über 

ein Vermögen in der Höhe von Fr. 825'000.– verfüge. Weiter machte sie geltend, 

dass sie aufgrund der "Coronasituation" aktuell monatlich ca. Fr. 20'000.– verdie-

ne. Der Mietzins betrage Fr. 4'100.– und die Krankenkassenprämien für sich und 

ihren Sohn B._____ Fr. 500.–. Schulden habe sie keine (Prot. II S. 11 ff.). 

Die finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten haben sich nicht wesentlich ver-

ändert; so bestätigte sie insbesondere, aktuell ein monatliches Einkommen von 

ca. Fr. 20'000.– zu erzielen. Der von der Vorinstanz angeordnete Tagessatz von 

Fr. 150.– ist somit zu bestätigen. 

7. Fazit 

Insgesamt ist die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 150.– zu bestrafen. 

V. Strafvollzug 

Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Voll-

zugs zutreffend dargelegt (Urk. 77 S. 24). Dies braucht nicht wiederholt zu wer-

den. 

Die Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (vorstehend, Erw. IV.4.2.). Es ist davon 

auszugehen, dass sie sich sowohl durch das Strafverfahren als auch die auszufäl-

lende Geldstrafe genügend beeindrucken lässt, um sich in Zukunft gesetzeskon-

form zu verhalten. Folglich ist der Vollzug der Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

-  23  - 

Fr. 150.– aufzuschieben, und es erscheint angemessen, die Probezeit auf 2 Jahre 

festzusetzen. 

Die Vorinstanz kombinierte die bedingt ausgesprochene Geldstrafe in Anwendung 

von Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer Busse in der Höhe von Fr. 1'000.– (Urk. 77 

S. 25). Mit einer Verbindungsstrafe bzw. -busse im Sinne von Art 42 Abs. 4 StGB 

soll im Rahmen der Massendelinquenz die sogenannte "Schnittstellenproblema-

tik" zwischen einer unbedingten Busse und der bedingten Geldstrafe entschärft 

werden, indem durch Art. 42 Abs. 4 StGB die Möglichkeit geschaffen wird, eine 

spürbare Sanktion zu verhängen. Dabei können gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung auch general- und spezialpräventive Aspekte eine Rolle spielen 

(vgl. BGE 134 IV 1 E. 4.5; BGE 134 IV 60 E. 7.2). 

Beim vorliegenden Fall handelt es sich nicht um ein Massendelikt, bei welchem 

die Schnittstellenproblematik zu berücksichtigen wäre. Auch unter spezialpräven-

tiven Gesichtspunkten drängt sich die Auferlegung einer zusätzlichen Busse nicht 

auf. Es ist anzunehmen, dass die Beschuldigte sich durch die bedingte Strafe ge-

nügend beeindrucken lassen wird, um sich künftig wohl zu verhalten. Auf die Aus-

fällung einer zusätzlichen (Verbindungs-)Busse ist deshalb zu verzichten. 

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 6) zu be-

stätigen. 

Die Beschuldigte unterliegt mit ihrer Berufung vollumfänglich, weshalb ihr die Kos-

ten des Berufungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen sind. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelge-

richt in Strafsachen, vom 6. Mai 2019 bezüglich der Dispositivziffern 5 (Kos-

tenfestsetzung) und 7 (Verzicht des Privatklägers auf Parteientschädigung) 

in Rechtskraft erwachsen ist. 

-  24  - 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der Entziehung von Minderjährigen im 

Sinne von Art. 220 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 150.–.  

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 6) wird bestätigt. 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–. 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt. 

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Beschuldigte (übergeben) 
− die Staatsanwaltschaft See/Oberland 
− die Rechtsvertretung des Privatklägers im Doppel für sich und zuhan-

den des Privatklägers 
 
(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich seiner 
eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird dem Privatkläger nur 
zugestellt, sofern er dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 
verlangt.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Beschuldigte   
− die Staatsanwaltschaft See/Oberland  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A. 

-  25  - 

8. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 9. Juni 2020 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Baechler 
 
 
 
 

-  26  - 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 
 
 

 

	Urteil vom 9. Juni 2020
	 Anklage:
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der Entziehung von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 150.– sowie mit einer Busse von CHF 1'000.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
	4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
	5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten und Auslagen des Vorverfahrens sowie des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Privatkläger keinen Antrag auf Zusprechung einer Parteientschädigung gestellt hat.
	Berufungsanträge:
	1. Das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 06. Mai 2019 sei vollumfänglich aufzuheben und die Berufungsführerin vom Vorwurf der Entziehung von Minderjährigen freizusprechen.
	2. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
	3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST) zu Lasten der Berufungsgegnerin.
	Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
	_________________________
	Erwägungen:
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Einzelgericht in Strafsachen, vom 6. Mai 2019 bezüglich der Dispositivziffern 5 (Kostenfestsetzung) und 7 (Verzicht des Privatklägers auf Parteientschädigung) in Rechtskraft erwachs...
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der Entziehung von Minderjährigen im Sinne von Art. 220 StGB.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 150.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 6) wird bestätigt.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
	6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Beschuldigte (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft See/Oberland
	 die Rechtsvertretung des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers  (Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich seiner eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird dem Privatkläger nur zugestellt, sofern er dies...
	 die Beschuldigte
	 die Staatsanwaltschaft See/Oberland
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A.

	8. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Zur Beachtung:
	- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.