# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7eda17df-b73f-525a-894b-f8386cb05aaa
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-08
**Language:** de
**Title:** Depressives Geschehen ist bei erfolgloser Ausschöpfung der Therapieoptionen versicherungsrechtlich relevant
**Docket/Reference:** IV.2015.00678
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00678.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00678
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Ersatzrichterin Buchter
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
8. Juni 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Karl
Kümin
advokaturbüro
kernstrasse
Kernstrasse 10, Postfach 1149, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Sammelstifung
BVG
der Allianz Suisse
Lebensversicherungs-Gesellschaft
Rechtsdienst O BT IB
Postfach, 8048 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1969, litt in seiner Kindheit an Epilepsie, wes
halb ihm die Eidgenössische Invalidenversicherung medizinische Massnahmen ge
währte (
Urk.
8/1). In der Folge absolvierte er erfolgreich eine Optikerlehre und arbeitete ab 1999 in der Computerbranche, zuletzt
seit April 2008
als
Teamlea
der
und Servicetechniker bei der
Y.___
AG
(
Urk.
8/2
Ziff.
5.2 ff. und
Urk.
8/18
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.7). Ab 1
6.
Juli 2010 wurde der Versicherte
aufgr
u
nd einer depressiven Episode
krank
geschrieben
(
Urk.
8/4/1,
Urk.
8/8/3 und
Urk.
8/18
Ziff.
2.14)
, worauf ihm die Anstellung per 3
1.
Januar 2011 gekündigt wurde (
Urk.
8/18
Ziff.
2.1 und
Urk.
8/18/11).
1.2
Am 2
7.
Mai 2011 meldete sich
der Versicherte
unter Hinweis auf ein Burnout bei der Invalidenversicherung zum Leis
t
ungsbezug an (
Urk.
8/
2
Ziff.
6.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog Akten des
Kran
kentaggeldversicherers
bei und
tätigte
erwerbliche sowie medizinische Abklä
rungen, wobei sie unter anderem den Versicherten durch ihren regionalen ärzt
lichen Dienst (RAD) untersuchen liess (
Urk.
8/28).
Am 2
8.
Juni 2012 (
Urk.
8/37) erteilte sie dem Versicherten Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining vom 1
6.
Juli bis 1
2.
Oktober 2012 und am
4.
Oktober
2012 (
Urk.
8/54) für ein Aufbautraining vom 1
5.
Oktober 2012 bis 1
2.
April 201
3
.
Am 1
1.
April
2013 gewährte sie ihm sodann persönlichen Support am Arbeitsort bei der IT-Abteilung der
Z.___
vom 1
5.
April bis 1
2.
Juli 2013 (
Urk.
8/76)
und am
2.
Juli 2013 (
Urk.
8/85) einen Arbeitsversuch (im
Sinne von
Jobcoaching) vom 1
5.
Juli
2013 bis 1
0.
Januar
2014 am selben Arbeitsort
.
Nach
dem die
Z.___
am 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
8/96) die vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2014 befristete Anstellung des Versicherten mit einem Be
schäfti
gungsgrad von 50
%
angezeigt hatte
(vgl. auch
Urk.
8/128/1-2)
, bestä
tigte die IV-Stelle am 2
9.
Oktober 2013 (
Urk.
8/98) den vorzeitigen Abbruch des
Arbeits
versuches
per 3
1.
Dezember 2013 (zugunsten der Festanstellung) und gewährte ihm gleichzeitig (
Urk.
8/99) ein Jobcoaching zwecks
Arbeitsplatzer
halts
vom
1.
Januar bis 3
1.
Juli 2014 (
Urk.
8/99).
1.3
In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten begutachten (Expertise von PD
Dr.
med.
A.___
, Spezialarzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3
1.
Mai
2014
,
Urk.
8/127) und stellte ihm mit Vorbescheid vom 1
8.
Juli 2014 (
Urk.
8/133
) die Abweisung
des Rentengesuches in Aussicht, wogegen dieser am 1
5.
Septem
ber 2014 (
Urk.
8/163) Einwendungen erhob und einen med
i
zinischen Bericht ein
reichte (
Urk.
8/166)
. Mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2015 (
Urk.
2)
entschied
die IV-Stelle im angekündigten Sinne.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
9.
Juni 2015 Beschwerde mit den folgen
den
Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
9.
Mai
2015 sei
aufzuheben.
2.
Dem Beschwerdeführer sei für die Dauer vom
1.
Oktober 2011
bis am 3
1.
März 2014 eine befristete ganze Invaliden
rente zu
zusprechen.
3.
Dem Beschwerdeführer sei ab dem
1.
April 2014 unbefristet eine Dreiviertelrente, eventualiter eine halbe Rente, der Inva
lidenversicherung zuzusprechen.
4.
Unter Koste
n
- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Be
schwerdegegnerin
.
5.
Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsvertretung durch den unterzeich
nenden Rechtsanwalt zu gewährleisten.
6.
Dem unterzeichnenden Rechtsanwalt seien die
Verfahrens
akten
der Vorinstanz nach deren Einreichung beim
Sozial
versi
cherungsgericht
zur Einsicht und ergänzenden Stellung
nah
me zuzustellen.“
Die IV-Stelle ersuchte am 1
9.
August 2015 (
Urk.
7) um Abweisung der Be
schwer
de. Mit Verfügung vom 2
5.
August 2015 (
Urk.
9) wurde dem Beschwer
de
führer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihm Rechts
anwalt Karl
Kümin
, Zürich, als
unentgeltlicher
Rechtsvertreter
für
das
vorlie
gende
Verfahren bestellt.
Währenddem
der Beschwerdeführer im Rahmen des zweiten
Schriften
wechsels
an den gestellten Anträgen festhielt (
Urk.
11), liess sich die
Beschwer
de
gegnerin
nicht mehr vernehmen (
Urk.
14). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
4.
September 2015 (
Urk.
15) zur Kenntnis gebracht.
Mit Verfügung vom 1
7.
März 2016 (
Urk.
18) wurde die Allianz Suisse,
Sammelstif
tung
BVG
,
zum Pro
zess beigeladen, welche am 3
1.
Mai 2016 (
Urk.
22) um Ab
weisung der Be
schwerde ersuchte.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.
1
RAD-Ärztin
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
berichtete am
3.
Mai
2012 (
Urk.
8/28) über ihre Untersuchung vom 2
6.
April 2012
und diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittel
gradig depressive Episode, sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge vom abhän
gig-ängstlichen Typ (S. 4). Sie führte aus, z
um aktuellen Zeitpunkt
sei
der
Beschwerdeführer
aufgrund seiner Einschränkungen auf psychofunktionellem Leistungsniveau als 50
%
(richtig wohl: 30
%
)
arbeitsfähig zu erachten, wobei die fehlenden 20
%
einer 50
%
igen Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer
Rekon
ditionierungsphase
bei mittlerweile knapp zwei Jahre dauernder Arbeitsunfähig
keit und inbegriffener
Dekonditionierung
zu begreifen s
e
i
e
n. Das Erreichen einer mindestens 50
%
igen
Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie in
angepasster Tätigkeit
sei
im Verlauf eines Jahres zu erwarten. Für die
weitere Arbeitsunfähigkeit
k
ö
nn
e
nur
auf
die
Aktenlage abgestellt werden, so
mit g
e
lt
e
eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit
vom 1
6.
Juli
2010 bis 2
6.
April
2012
(S. 5 f.)
.
Auf psychofunktionellem Leistungsniveau erg
ä
ben sich aktuell folgende Ein
schränkungen: Die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routine
sei
auf
grund der noch schnellen
Ü
berforderungstendenz als mittelgradig eingeschränkt zu erachten. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit s
ei
aufgrund des noch bestehenden Antriebsmangels ebenso wie die Durchhaltefähigkeit als mittelgra
dig eingeschränkt zu erachten. Die Kontaktfähigkeit
zu Drit
ten/
Selbstbe
haup
tungsfähigkeit
sei
-
aufgrund der
soziophoben
Komponente und der depressiven Ängstlichkeit in Gruppen
-
als mittelgradig, im
Zweiperso
nenkontakt
als unein
geschränkt zu erachten. Die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten
sei
auf
grund der depressiven Antriebslosigkeit mittelgradig einge
schränkt. Die
Wege
fähigkeit
sei
aufgrund der
soziophoben
Komponente mittel
gradig eingeschränkt. Die 50
%
Arbeitsfähigkeit bei 30
%
iger Leistungsfähigkeit und zu erwartender mindestens 50
%
iger
Arbeitsfähigkeit g
e
lt
e
ab
Untersu
chungsdatum
. Die
Arbeits
fähigkeit
sei
anzunehmen für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Techniker ohne leitende Funktion wie für jede entsprechende an
gepasste Tätigkeit, zunächst mit der Möglichkeit, in einem überschaubaren
Ar
beitsumfeld
, d.h.
in einem
kleine
n
Team mit der Möglichkeit, vermehrt Pausen einzulegen. Aktuell
seien
keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig
(S. 6)
.
2.2
Die
seit 1
9.
Oktober 2011 ambulant behandelnden
Ärzte des
C.___
diagnostizierten mit Bericht vom 2
5.
November 2013
(
Urk.
8/104/5-7) eine mittelgr
adige depressive Episode (
Burn
O
ut), eine Ago
ra
phobie sowie Panikattacken
(S.
1)
. Sie schilderten ein seit Juli 2010
besteh
endes
Lei
den
(
Burn
Out/Mobbing) mit Erschöpfung, Gedankenkreisen, Energielosig
keit
,
sozialem Rückzug Motivationslosigkeit, depressiver Vers
timmung, Freudlosig
keit
, Antriebslosigkeit, geringem Selbstwert, dauernder Müdigkeit und
Panikat
tacken
.
Sodann bestehe seit 14 Jahren eine Angstsymptomatik, der Beschwer
deführer habe Angst vor Menschenmengen und engen Räumen. Der Beschwer
deführer habe von einer schwierigen Kindheit berichtet, seine Eltern seien nur an Leis
tung interessiert gewesen. Er habe sich in der Folge seinen Selbstwert nur über Leistungsanerkennung aufgebaut. Der Beschwerdeführer habe ein
Burn
O
ut erlitten infolge Überschreitung der psychischen und physischen Belastungs
grenzen und Raubbau an den eigenen Ressourcen
(S. 2)
.
Die Ärzte attestierten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit Mitte April 2013 unter Hinweis auf eine zuvor bestehende vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit seit Herbst 201
1
(S. 3)
.
2.
3
PD
Dr.
A.___
hielt in seinem Gutachten vom 3
1.
Mai 2014 (
Urk.
8/127) fest,
der Beschwerdeführer
wirk
e
äusserlich ruhig und wenig auffällig. Lediglich einen gewissen Mangel an Elan k
ö
nn
e
man vermuten. Es best
ünden
keine Stö
rungen des Bewusstseins oder der Orientierung. Das Denken
sei
formal geord
net. Es be
st
ünden
weder Wahn noch Halluzinationen. Mnestische Störungen l
ä
gen nicht vor, jedenfalls nicht bei kürzer dauernder Anstrengung. Das Gleiche g
e
lt
e
für die Konzentrationsfähigkeit. In der Stimmung wirk
e
der
Beschwer
de
führer
leicht gedrückt. Er berichte, dass es ihm recht unterschiedlich gehe. Dabei mein
e
er vor allem die Verfassung bei längerdauernder Arbeit. Nach getaner Arbeit, die am Vormittag stattfinde, fühle er sich jeweils müde und ausgelaugt. Fast jeden Tag müsse er sich hinlegen und schlafe dann ein bis zwei Stunden.
Ein gene
reller Leistungsabfall, Konzentrationsschwäche und
Gedächtnisprob
leme
würden sich bei längerdauernder Arbeit einstellen oder auch unter Stress. Gene
rell be
richte er von einer gewissen Freudlosigkeit, die alle Lebensbereiche be
tr
e
ff
e
, auch einen Mangel an Initiative und Elan, der u
nter anderem
dazu führe, dass seine Freizeit und sein Privatleben karg seien. Die erhöhte Ermüdbarkeit belaste ihn stark, auch die verminderte Stresstoleranz und die generell vermin
derte psy
chische Belastbarkeit. Der Schlaf
sei
mit der aktuellen Medikation wenig beein
trächtigt. Der Appetit
sei
nicht gestört. Eine innere Unruhe wesent
lichen Aus
masses besteh
e
nicht. Wohl aber erleb
e
sich der Versicherte, beson
ders bei Er
müdung, subjektiv verlangsamt. Negative Gedanken
kämen
in Form von Insuf
fizienzgefühlen vor, auch vereinzelt immer noch ein gewisse
r Lebens
überdruss. Ängste erlebe
der
Beschwerdeführer
derzeit weiterhin, so spontane
Angst
atta
cken
und auch Angstgefühle in bestimmten Situationen. Er erleb
e
diese aber nicht mehr
als wesentlich beeinträchtigend (S. 8).
Der Experte hielt fest,
d
er
Beschwerdeführer habe
wahrscheinlich schon seit dem frühen Erwachsenenalter leichtere Zustände von Depression und Erschöp
fung
gehabt
, die er aber nicht als solche erkannt
habe
. Erstmals einen solchen
Zustand von ausgeprägter Schwere habe er im Jahre 2007 gehabt, als er bei ei
ner
Netzwerkfirma
ge
arbeitet
habe
. Auch damals
habe
er die Veränderung nicht als krankhaft erkannt und sich deshalb auch nicht krankschreiben
lassen
. Er
habe
ein Time out von sechs Monaten ein
ge
legt, das er in
D.___
ver
bracht
habe
. Er
habe gehofft,
sich auf diese Weise wieder zu erholen, was ihm im Wesentlichen gel
u
ng
en sei
. A
l
s er im April 2008 eine Stelle als
Servicetech
niker
für Computerkassen und als
Teamleader
an
ge
tr
e
t
en habe
,
sei er
, wie er sag
e
,
ausserordentlich gefordert gewesen. Auch seien nach seiner Beurteilung
mobbin
g
artige
Zustände auf
getreten
. Er
sei
schliesslich in einen Zustand von schwerer Depression und Erschöpfung
geraten
und
ab 1
6.
Juli
2010 vom Haus
arzt zu 100
%
krankgeschrieben
worden
. Dieses Datum
sei
auch als der Zeit
punkt zu betrachten, zu dem er zu mindestens 20
%
arbeitsunfähig
gewesen sei
. Vier Monate nach der Krankschreibung
sei
auf Ende Januar 2011 die Kündi
gung
erfolgt
. In der Folge
habe
er bis zum Beginn der IV-unterstützten Rein
te
gration im Juli 2012 krankheitsbedingt nicht mehr
gearbeitet
(S. 9)
.
Es
hätten
hausärztliche, psychologische und psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungen statt
gefunden
, die nicht zu einer fundamentalen Zustandsver
besserung
ge
führt
hätten
. Der
Beschwerdeführer
w
e
rd
e
nun im
C.___
behandelt. Die Therapie
sei
intensiv. Neben Psychothera
pie
sei
fast das gesamte Spektrum der Antidepressiva getestet
worden
. Der
Be
schwerdeführer habe
zweimal psy
chia
trisch hospitalisiert werden
müssen (vom
1
4.
September
bis 2
0.
Oktober
2011 in der K
li
nik
E.___
und im Jah
re 2012 in der Klinik F.___.
Auch diese
Hospitalisationen
hätten
nicht zu einer substantiellen Zustandsverbesserung
geführt
. Es
sei
zu gewissen Divergenzen zwischen medi
zinischen Beurteilern bezüglich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeit
gekom
men
. So
habe
Dr.
med.
G.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie für Pharmazeutische Medizin
, die Diag
nose einer depressiven
Anpas
sungs
störung
gestellt
und prognostisch eine bal
dige Wiederherstellung im Sinne voller Arbeitsfähigkeit an
genommen
. Für die Zeitpunkte selbst, zu denen er den
Beschwerdeführer
untersucht
habe
,
habe
aber auch er eine volle Arbeitsun
fähigkeit
attestiert
(Bericht vom 3
1.
Dezember 2010,
Urk.
8/8/6-9)
. Alle anderen Untersucher und Beurteiler
hätten
die Diagnose ei
ner Depression
gestellt
, meist mittelschwer, und eine volle oder 50%ige Arbeits
unfähigkeit
bejaht
. Der
Be
schwerdeführer habe
schliesslich von einer IV-unter
stützten
Integrations
mass
nahme
profitieren
können
, die von Juli 2012 bis De
zember 2013
ge
dauert
habe
. Der
Beschwerdeführer sei
seit
1.
Januar 2014
bei der
Z.___
als Projekt
leiter und im Support im Bereich Fach-IT des Bevöl
kerungsamtes zu 50
%
tätig. Es hand
le
sich um eine nun für ihn gesicherte Po
sition
(S. 9 f.)
.
PD
Dr.
A.___
erachtete eine
über 50
%
hinaus
gehenden
Reintegrierbarkeit
in den Arbeitsmarkt
als nicht möglich und führte aus,
in
den Akten
werde
fest
gehalten, dass
d
er
Beschwerdeführer
durch die jetzige 50
%
Arbeitstätigkeit immer wieder an seine psychischen und physischen Belastungsgrenzen ger
a
t
e
, weshalb sich eine Steigerung der Belastung kontraproduktiv auf die
Rück
fallprophylaxe
aus
wirke
(Bericht der Ärzte des
C.___
vom 2
5.
November
2013
,
Urk.
8/104/5-7 S. 2)
.
Der zuständige Arzt
Dr.
H.___
habe angegeben
, dass man
die Arbeitsfähigkeit während des Reintegrationsprogramms versuchsweise immer
wieder über 50
%
habe
steigern wolle
n
, „was sich aber jedes Mal als totale Über
forderung, akute Rückfallgefahr und als unrealistisch bzw. inadäquat erwiesen
hatte
"
.
Auch bei der Untersuchung im Rahmen der Begutachtung
habe
der
Beschwerdeführer
Symptome
gezeigt be
z
iehungsweise
Angaben
gemacht
, die
klar gegen eine Er
höhung des Pensums spr
ä
chen. Nicht nur best
ünden
weiterhin Zeichen einer Depression, die sich überwiegend in Rest- und
Residualsymp
to
men
manifestier
e
(Freudlosigkeit, Mangel an Initiative und Elan, erhöhte Ermüd
barkeit, vermin
derte Stresstoleranz, generell verminderte psychische Belast
bar
keit), auch be
züglich der Arbeit selbst zeig
t
en sich die Grenzen seiner Möglich
keiten. Nach getaner Arbeit
,
die am Vormittag stattfinde, fühl
e
er sich jeweils müde und aus
gelaugt. Fast jeden Tag müsse er sich hinlegen und schlafe dann ein bis zwei Stunden. Dies schliess
e
eine regelmässige Arbeit am Nachmittag aus. Gut dazu pass
e
, dass sein Freizeitleben karg
sei
. Er
verbringe viel Zeit vor dem TV-Gerät
beziehungsweise
im Bett und es fehle ihm der Elan und die Kraft
,
etwas zu un
ternehmen
(S. 10 f.)
.
Der
Gutachter
stellte
zusammenfassend fest
, der Beschwerdeführer
leide seit gegen 17 Jahren an rezidivierenden Depressionen. Die aktuelle Depression be
steh
e
seit spätestens Juli 201
0.
Gesamthaft
sei
die aktuelle Depression unter Berücksichtigung der Rest
-
und Residualsymptome als mittelschwer zu bezeich
nen (F33.1). Auch best
ünd
en Symptome einer Angstkrankheit mit
Panikat
tacken
und Agoraphobie, die für Fragen der
Arbeitsfähigkeit
aber nicht von wesentlicher Bedeutung s
e
i
en
. Der
Beschwerdeführer sei
von Juli 2010 bis Juli 2012 voll arbeitsunfähig
gewesen
. Durch eine IV-unterstützte
Reintegrations
massnahme
, die von Juli 2012 bis Dezember 2013
ge
dauert
habe
und für die eine 100
%
Arbeitsunfähigkeit anzunehmen
sei
,
sei es gelungen
, dass er heute eine Festanstellung bei der
Z.___
im IT-Bereich inneha
be
, an der er sich gut bewähr
e
. Es
sei
andererseits nicht von der Hand zu weisen, dass der Gene
sungsprozess nur partiell s
ei
. Nach wie vor zeig
e
der
Beschwerdeführer
depres
sive Rest- und Residualsymptome auf. Eine Erhöhung des Arbeitspensums
-
in diesem oder einem
anderen Beruf
- sei
in dieser Situation nicht möglich und entsprechende Versuche wären kontraproduktiv. Der
Beschwerdeführer sei
stark motiviert und bestrebt
,
seine aktuelle Stelle zu halten.
E
r
sei
somit seit
1.
Januar
2014 für unabsehbare Zeit nur zu 50
%
arbeitsfähig. Dies gelte
für den aktu
ellen wie auch jeden anderen Beruf. Die psychiatrisch
-
psy
chotherapeutische Behandlung
sei
adäquat und soll
te
fortgesetzt werden. Suchtprobleme, ausser Rauchen, best
ünden
nicht
(S. 11)
.
2.
4
Mit Bericht vom
1.
August 2014 (
Urk.
8/166) über die stationäre Behandlung des Beschwerdeführers vom 2
4.
bis 3
1.
Juli 2014
(Zuweisung zur
Kri
seninter
vention
aufgrund schwerer depressiver Symptomatik mit Suizidgedanken nach
ablehnendem Vorbescheid)
diagnostizierten die Ärzte de
r
I.___
AG eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Epi
sode, eine Agoraphobie mit Panikstörung, einen Verdacht auf schädlichen Gebrauch von
Benzodiazepinen sowie aktenanamnestisch akzentu
ierte zwang
hafte und selbstunsichere Persönlichkeitszüge
(S. 1).
Die Ärzte führten aus
,
der Beschwerdeführer habe
ein depressives Zustandsbil
d
mit Perspektivlosigkeit, Affektlabilität,
Lebensüberdru
ssgedanken
, jedoch ohne suizidal
e Handlungsabsichten, niedergestimmte
r
Affektlage und
Grübelneigung
beim Einschlafen
geschildert
. Im Vordergrund st
ehe
die Belastung durch die Ab
lehnung des IV-Renten-Antrages
(richtig: ablehnender Vorbescheid)
. Im Rahmen
einer Integrationsmassnahme habe er bereits versucht, sein
Arbeits
pensum
über 50
%
hinaus aufzustocken, was ihm jedoch aufgrund von
Kon
zentrations
störungen
und rascher Erschöpfung nicht gelungen sei. Insgesamt gehe er gerne und wolle auch weiter arbeiten, eine Erhöhung des bisherigen 50
%
-Pensums komme jedoch nicht in Betracht. Die
(
agoraphobische
)
Sympto
matik best
ehe
weiterhin, in grösseren Menschenmengen befürchte er, ohnmäch
tig zu werden und erleide Panikattacken. Auf die etablierte Medikation mit
Wellbutrin
habe er gut angesprochen
.
Die Ärzte hielten weiter fest, i
m Fokus der Behandlung
habe
das Erarbeiten von Strategien im Zusammenhang mit der Beziehungsgestaltung
beziehungsweise
mit Beziehungsabbrüchen
gestanden
.
Der Beschwerdeführer habe
sich initial zunächst ambivalent gegenüber der Behandlung auf der
Kriseninte
rv
entions
station
gezeigt
und nur bedingt am abteilungsinternen Therapieprogramm teil
ge
nommen.
Im Verlauf
habe
sich jedoch eine affektive Stabilisierung
gezeigt
und er
habe angegeben,
von der Behandlung profitieren zu können. Es
sei
eine
Do
sissteigerung
der bereits etablierten Medikation mit
Trittico
erfolgt
, welche er gut toleriert
habe (S. 2). Der Beschwerdeführer habe in stabilisiertem Zustand entlassen werden können (S. 3).
3.
3.1
Aufgrund der medizinischen Akten steht fest, dass der Beschwerdeführer an einer psychischen Beeinträchtigung mit Krankheitswert leidet.
Die Ärzte diag
nostizierten übereinstimmend ein depressives Geschehen
im Sinne einer rezi
divierenden depressiven Störung mittelgradiger Ausprägung
und nannten im Wesent
lichen die identischen einschlägigen Befunde
(
E. 2.1-4).
Sämtliche betei
ligten Fachärzte bescheinigten sodann eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit unter Hinweis auf di
e Arbeitsintegrationsbemühungen,
im Rahmen welcher
sich eine Steigerung des Pensums über 50
%
als unmöglich erwiesen habe.
3.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte - entgegen sämtlichen medizinischen Ein
schät
z
ungen (ausser der Jahre zurückliegenden von
Dr.
G.___
,
Urk.
8/9/8-11) -
eine massgebende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit der Begrün
dung, die vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen seien überwindbar. Es seien genügend psychische Ressourcen zu erheben, welche es dem Beschwer
deführer erlauben würden, einer leidensangepassten Arbeit in vollem Pensum nachzu
gehen. Soziale Belastungsfaktoren seien invaliditätsfremd und könnten nicht berücksichtigt werden. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen lägen schon länger vor, der Beschwerdeführer habe aber immer wieder aus eigenem Antrieb eine neue Arbeitsstelle suchen können. Der Verlust der Arbeitsstelle, welche er im April 2008 angetreten habe, sei durch psychosoziale
Belastungs
faktoren
(hohe berufliche Belastung, Konflikte mit dem Arbeitgeber) ausgelöst worden. Der Gesundheitsschaden sei nicht erheblich und langandauernd (
Urk.
2).
3.3
Zur Argumentation der Beschwerdegegnerin ist zu bemerken, dass diese - so
weit sie von den gutachterlichen Schlussfolgerungen abweichen will - aus drei verschiedene
n
Aspekten besteht, nämlich der (medizinischen) Begründetheit eine
r
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, der Frage der Überwindbarkeit sowie de
r
Relevanz
psychosozialer Belastungsfaktoren.
3.3.1
Zur Abweichung von den übereinstimmenden ärztlichen Einschätzungen (um 50
%
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit) ist festzuhalten, dass
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dess
en
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpre
tationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte
-
wie
vorliegend
-
lege
artis
vorgegangen ist (vgl. Urteil
des
Bun
des
gerichts 8C_694/2008
vom 5. März
2009 E. 5.1 mit Hinweisen). Anders verhält es sich nur, wenn
ärztlicherseits
objektiv feststellbare Gesichtspunkte vor
gebracht wer
den
, welche im Rahmen der (psychiatrischen) Begutachtung unerkannt geblie
ben und die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (vgl. etwa Urteile
des
Bun
des
gerichts 8C_79/2008 vom 19. August 2008 E. 4.1 mit Hinweis und 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend bestehen keine diskrepanten ärztlichen Einschätzungen, schlossen doch sämtliche Ärzte auf eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei im Wesentlichen identischer Befunderhebung. Bei einer solchen Ausgangslage verbietet sich grundsätzlich ein abweichender Schluss des Rechtsanwenders. Vorliegend ging immerhin auch der RAD von einer entsprechenden Einschrän
kung aus (Stellungnahme von
Dr.
med.
J.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, vom
6.
Juni 2014,
Urk.
8/132/6)
.
E
rst die - über keine
medizinischen
Fachkenntnisse verfügende - Sachbearbei
terin der Be
schwerdegegnerin
schätzte
die medizinische Situation abweichend ein (
Urk.
8/132/7-8
). Dies ist - soweit die medizinische Situation
und nicht die ver
sicherungsrechtliche Relevanz
betreffend - unhaltbar.
3.3.2
Die von der Beschwerdegegnerin thematisierte Frage der Überwindbarkeit stellt sich im vorliegenden Zusammenhang nicht, steht doch keine
somatoforme Schmerzstörung oder ein gleichgestelltes Krankheitsbild im Raum. Der von den
C.___
-Ärzten
thematisierten
Burn
O
ut-Problematik kommt angesichts der im
Vordergrund stehenden depressiven Symptomatik keine eigenständige Bedeu
tung
zu.
3.3.3
Zutreffend ist, dass rechtsprechungsgemäss
kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben
ist, wenn
die begutachtende Person im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den
psychosoziale
n und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen
(BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009
E. 2).
Wenn und soweit
psychosoziale
und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie
einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungs
grad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen be
stehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich
dagegen
mittelbar
invalidi
tätsbegründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni
2012 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
Den Akten ist zu entnehmen, dass die psychische Störung im Jahr 2010 wäh
rend der Anstellung als
Teamleader
und Servicetechniker bei der
Y.___
AG manifest wurde
. Hausarzt
Dr.
med.
K.___
, FMH Allgemeine Medizin, bestätigte mit Bericht vom
8.
Juni 2011 (
Urk.
8/9/
1-4) eine vollumfängliche Arbeitsun
fähigkeit ab 1
6.
Juli 2010 aufgrund der bekannten depressiven Episode. Gut
achter
Dr.
G.___
verwies am 3
1.
Dezember 2010 (
Urk.
8/9/8-11) auf ein vom Be
schwerdeführer geschildertes Mobbing durch den neuen Vorgesetzten und erfolglose Klärungsversuche auf der Ebene der Geschäftsleitung. Schliesslich sei dem Beschwerdeführer der Druck
zuviel
geworden (S.
1). Auch die behandeln
den Ärzte des
C.___
erwähnten eine Mobbingsituation als Ausgangspunkt der Beschwerden (E.
2.2)
und Gutachter
PD
Dr.
A.___
schilderte eine ausserordent
lich fordernde Arbeit sowie mobbingartige Zustände
.
Hieraus ist ersichtlich, dass die insoweit durchaus als psychosozial zu fassenden Belastungen ausschlaggebend für das Auftreten der psychischen Beeinträchti
gung war
en
.
Darauf
,
d
ass sich die Pathologie indes in der psychosozialen Belastungs
situation erschöpft, kann vorliegend nicht geschlossen werden. So legte Gut
achter
PD
Dr.
A.___
dar, dass beim Beschwerdeführer seit längerer Zeit leichte Zustände von Depression und Erschöpfung vorlagen und weiter Symptome ei
ner Angstkrankheit mit Panikattacken sowie Agoraph
ob
ie bestehen (E.
2.3). Letzteres wurde durch die Ärzte der
I.___
AG bestä
tigt unter Hinweis auf aktenanamnestisch
akzentuierte
zwanghaft
e
und
selbst
unsichere
Persönlichkeitszüge (E.
2.4). Bei dieser Sachlage liegt es näher, die di
agnostizierten psychischen Pathologien als verantwortlich für die Sympto
matik und die damit einhergehende Arbeitsunfähigkeit zu sehen. Die psycho
soziale Belastungssituation war allenfalls der Auslöser der Symptomatik, nicht aber der Grund für die längerdauernde Arbeitsunfähigkeit.
3.4
3.4.1
Es gilt zu beachten, dass ein Gutachten zwar zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hat und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für die Beurtei
lung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letztlich der rechtsanwendenden Behörde - der Verwaltung oder, im Streitfall, dem Gericht - obliegt, zu beurteilen, ob eine Invalidität im Rechtssinne, bejahendenfalls eine solche rentenbegründender Art
,
eingetreten ist. Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine rein medizinische, sondern letztlich auch eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der in einem medizini
schen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1-2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinwei
sen).
In Bezug auf die gestellte Hauptdiagnose eines depressiven Geschehens ist zu bemerken, dass n
ach der Rechtsprechung leichte bis
mittelgradige
depressive
Episode
n grundsätzlich keine von
depressive
n Verstimmungszuständen klar
unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten
Ge
sund
heitsschadens
darstellen, die es der betroffenen Person verunmöglichte, eine angepasste Tätigkeit auszuüben. Leichte bis höchstens mittelschwere psy
chische Störungen depressiver Natur gelten grundsätzlich als therapeutisch
an
gehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2013 vom 14. Mai
2013 E. 3.5 mit
Hinweisen). Dies hat auch dann Geltung, wenn die
depressive
Episode
vor dem Hintergrund einer rezidivierenden
depressive
n Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_195/2014 vom 12. Juni 2014 E. 4.4 mit Hinwei
sen). Auch wenn eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren
depressi
ve
n Störung nicht schlechthin
auszuschliessen
ist, bedingt deren Annahme jedoch, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidi
sierende Wirkung des Gesundheitsschadens anzunehmen (Urteil des Bundesge
richts 8C_303/2015 vom
8.
Oktober 2015 E. 4.4 mit Hinweisen).
3.4.2
Zur Intensität der Therapie verwies Hausarzt
Dr.
K.___
am
8.
Juni 2011 auf eine Behandlung bei
Psychotherapeut
Dr.
phil.
L.___
(
Urk.
8/9/2). Bereits
Dr.
G.___
hatte am 3
1.
Dezember 2010 auf die laufende Therapie
hinge
wiesen
(
Urk.
8/9/8-11).
Dr.
med.
M.___
, Psychiatrie und Psychotherapie, welcher den Beschwerdeführer seit
3.
Juni 2011 betreut, verwies auf monatliche Kon
trollen im Rahmen der Medikation sowie auf die wöchentliche
n
Sitzungen
bei
Psychotherapeut
Dr.
phil.
L.___
(
Urk.
8/20/2). Vom 1
4.
September bis 2
0.
Oktober 2011 erfolgte eine stationäre Behandlung in der Klinik
E.___
(
Urk.
8/25) und vom 2
8.
Februar bis 2
0.
April 2012 in der Klinik
F.___
(
Urk.
8/104/6 und
Urk.
8/127/9)
.
Im Oktober 2011 hatte er eine ambulante psy
chosomatische Einzel
- und Gruppen
therapie
(einmal wöchentlich)
im
C.___
auf
genommen (
Urk.
8/104/6
und
Urk.
8/110/12)
.
Vom 2
4.
Juli bis 3
1.
Juli 2014 fand eine erneute psychiatrische
Hospitalisation
statt (
Urk.
8/183/22).
3.4.3
Dieser Therapieverlauf zeigt, dass sich der Beschwerdeführer von Beginn weg um medizinische Hilfe bemühte und ein breites Spektrum von
Ther
a
pieange
bo
ten
wahr
nahm. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Beschwerdegegnerin zahl
reiche Eingliederungsbemühungen tätigte, welchen sich der Beschwerde
führer ausnahmslos unterzog und auch stets sein Bemühen zeigte. Dies führte schliesslich zu einem Teilerfolg im Sinne einer (zu bewältigenden) Anstellung bei der
Z.___
.
3.4.4
Bei diesem Ergebnis besteht keine Veranlassung, von der einhelligen ärztlichen Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit abzuweichen und die rezidivieren
den mittelgradigen depressiven Episoden als therapeutisch
angehbar
zu erach
ten. Es erfolgte - soweit ersichtlich - eine
konsequente Depressionstherapie, de
ren
(teilweises)
Scheitern das Leiden als resistent ausweist
.
3.5
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt als in dem Sinne erstellt zu erachten, dass
der Beschwerdeführer im Umfang von 50
%
arbeitsunfähig ist.
4.
4.1
4.1.1
Bei der festgestellten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiert eine
Einkom
menseinbusse
im Bereich zwischen 50
%
und 60
%
. Da der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit eingesetzt werden kann, ist auch ein entspre
chend vergleichbarer Lohn zu erwarten.
4.
1.
2
Dies wird bestätigt durch den Umstand, dass der Beschwerdeführer zuletzt (im
Jahr 2011) ein Einkommen von
Fr.
85‘800.-- erzielte (
Urk.
8/18/2).
Aufge
rech
net auf das Verfügungsjahr 2015 (beziehungsweise das verfügbare
Statistik
jahr
2014) resultiert damit ein hypothetisches Einkommen als Gesunder von
Fr.
87
‘
73
7
.
--
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Männer, Stand 201
1
: 21
71
, Stand 201
4
:
2220
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten
). Verglichen mit dem effektiv erzielten Lohn von
Fr.
43‘420.--
(13 x
Fr.
3‘340.--) bei der
Z.___
ab
1.
Januar 2014
(Urk. 8/128/1)
beziehungsweise
Fr.
44‘200.-- bei der
N.___
AG ab
1.
Juli 2015 (
Urk.
3/6) resultiert ein
e
Einkommens
einbusse
von gerundet 50
%
respektive 51
%
.
Dass die effektiv ausbezahlten Entgelte einen Soziallohnanteil beinhalten, ist nicht ersichtlich und solches wurde auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht.
Auch bestehen keine Hinweise, dass das Arbeitsverhältnis nicht stabil ist oder der Beschwerdeführer seine
verbliebene Arbeitsfähigkeit
nicht
in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft
. Damit
gilt der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b/
aa
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21. August 2006 E. 4.2)
, weshalb es mit den errechneten Invaliditätsgraden sein Bewenden hat. Ein Abzug kann recht
sprechungsgemäss nur bei Tabellenlöhnen vorgenommen werden, nicht bei effek
tiv erzielten Einkommen.
4.1.3
Damit hat der Beschwerdeführer Anrecht auf eine halbe Rente der Invalidenver
sicherung, weshalb die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist.
4.2
4.2.1
Laut Gutachter
PD
Dr.
A.___
gelten die dargelegten Verhältnisse jedenfalls ab
1.
Januar 201
4.
Vor diesem Zeitpunkt bestätigte er eine vollumfängliche Ar
beits
unfähigkeit ab dem Datum der Krankschreibung am 1
6.
Juli 2010 bis zum
Ende der Eingliederungsmassnahmen am 3
1.
Dezember 2013 (
Urk.
8/127/11). Dem
widersprachen die behandelnden Ärzte des
C.___
; sie gingen ab Herbst 2011 (Therapiebeginn) von einer vollumfänglichen
Arbeitsunfähigkeit
und ab Mitte April 2013 vom Wiedererlangen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
8/104/7).
Angesichts der Nähe der
C.___
-Ärzte, welche den Beschwerdeführer wöchentlich betreuen und des Umstands, dass er im Rahmen der beruflichen Eingliederung im Jahr 2013 eine akzeptable Leistung erbringen konnte, welche in eine Anstellung mündete, ist auf die Einschätzung der
C.___
-Ärzte abzustellen.
PD
Dr.
A.___
schloss denn auch lediglich aufgrund der Vorberichte und unter Hinweis auf den Abschluss der Eingliederungsmassnahmen auf eine vollum
fängliche Arbeitsunfähigkeit bis Ende 201
3
.
Massgebend ist aber die medi
zinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit, welche sich offenkundig im Laufe der The
rapie und der Eingliederungsmassnahmen verbessert hatte.
4.2.2
Damit ist ab Ju
l
i 2010 von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auszuge
hen. Das Wartejahr (
Art.
28
Abs.
1 IVG) lief im Ju
l
i 2011 ab. Aufgrund der Anmeldung des Beschwerdeführers im Mai 2011 steht ihm - nach sechs Mona
ten gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG - ab
1.
November 2011 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu. Nach der Verbesserung per
Mitte
April 2013 besteht - nach drei Monaten gemäss
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnun
g über die Inva
liden
versi
cherung
(IVV) - ab
1.
August 2013
nurmehr
Anspruch auf
eine halbe Rente
.
Vorbehalten bleiben selbstredend die Perioden, in welchen der Beschwerdefüh
rer Taggelder bezogen hat (
Art.
43
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
20
ter
IVV).
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem
unentgelt
lichen Rechtsvertreter des
Beschwerdeführer
s, Rechtsanwalt Karl
Kümin
,
eine an
gemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwieri
gkeit des Prozesses und nach Einsicht in dessen Kostennote vom
1
7.
März 2016
(
Urk.
20
)
auf
Fr.
2‘457
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialversiche
rung
s
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
9.
Mai 2015 aufgehoben und es wird fest
gestellt, dass der Beschwerdeführer ab
1.
November 2011 Anspruch auf eine ganze und ab
1.
August 2013 auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung
im Sinne der Erwägung 4.2.2
hat
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Karl Kümin, Zürich,
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘457
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Karl
Kümin
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
22
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
22
-
Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSonderegger