# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 119bab6b-1880-5964-952b-0bcdcf55f19e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-22
**Language:** de
**Title:** Kürzung der Geldleistungen um die Hälfte wegen einer Beteiligung an Raufereien und Schlägereien im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV; Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2019.00263
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00263.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00263
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiber Volz
Urteil
vom
2
2.
Juni 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Britta Keller
Fertig Keller Rechtsanwälte
Lutherstrasse 2, 8004 Zürich
gegen
Helsana Unfall AG
Zürichstrasse
130, 8600 Dübendorf
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Helsana Versicherungen AG
Recht & Compliance
Postfach, 8081 Zürich Helsana
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1981
, war
seit
1.
September 2017 als Lager- und Trans
portlogistiker bei der
Y.___ GmbH
tätig
und über diese bei
der
Helsana Unfall AG
(
Helsana
) gemäss dem Bundesgesetz über die Un
fall
versiche
rung (UVG) gegen Un
fälle, unfallähnliche Körperschä
di
gun
gen und Be
rufs
krank
heiten ver
sichert, als
er sich am 1
3.
Oktober 201
8
an seinem Wohnort im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung Verletzungen
im Bereich seiner
Nase
(
Urk.
11/K1
) im Sinne
eine
r
wenig dislozierte
n
Fraktur des
os
nasale links (Urk.
11/M1) beziehungsweise eine
r
Nase
nbeinfraktur (
Urk.
11/M2) zuzog. Diese Verletzungen wurden
am 2
4.
Oktober 2018 mittels einer Nasenbeinreposition (
Urk.
11/M4) und am 2
5.
September 2019 mittels einer geschlossenen
Revisions
septorhinoplastik
mit Osteotomien (
Urk.
11/M30) behandelt.
1.2
Mit Verfügung vom 1
3.
März 2019 (Urk. 11/K51)
anerkannte die
Helsana
ihre Leistungspflicht
für die Folgen des Unfalls vom
1
3.
Oktober 201
8
und kürzte
sämtliche Geldleistungen um 50
%
wegen
einer
Beteiligung an
einer Rauferei
beziehungsweise
Schlägerei
. Die vom Versicherten am 2
5.
März 2019 dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
11/K57, Urk. 11/K59) wies die Helsana mit Entscheid vom 3
0.
September 2019 (Urk. 11/K103
=
Urk.
2
) ab.
1.
3
Mit Schreiben vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
11/K74) teilte die Helsana dem Versicher
ten mit, dass
in Bezug auf das Ereignis vom
1
3.
Oktober 2018
der Status quo sine
vel
ante
erreicht worden sei, und
stellte
ihm
eine Einstellung der Versicherungs
leistungen per 3
1.
Juli 2019 in Aussicht. Daran hielt die Helsana mit der in Rechtskraft erwachsenen (vgl.
Urk.
12) Verfügung vom
8.
August 2019 (
Urk.
11/K95) fest, verneinte
einen natürlichen Kausalzusammen
hang zwischen dem versicherten
Unfallereignis und den ab dem
1.
August 2019 weiterbestehen
den Beschwerden und stellte die Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt ein. Mit Verfügung vom
5.
September 2019 (Urk.11/K102) verneinte die Helsana einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem versicherten Unfallereig
nis und einem Zahnschaden de
s
Versicherten.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
3
0.
September 2019
(Urk. 2) erhob
der
Ver
si
cherte am
3
0.
Oktober 2019
Be
schwerde (Urk. 1) und beantragte, dieser sei auf
zuhe
ben und es
seien ihm ungekürzte Geldleistungen zuzusprechen
(S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
0.
Januar 2020
(Urk.
10
) beantragte die
Helsana
die Ab
wei
sung
der Beschwerde (S. 2). Mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2020 (
Urk.
13) wurde dem Beschwerdeführer
Kenntnis
der Beschwerdeantwort gegeben und es wurde ihm antragsgemäss
(
Urk.
1 S. 2)
die unent
ge
ltliche Rechtsvertretung gewährt
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Der Bundesrat kann aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistun
gen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1–3
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
ordnen (Art. 39 UVG). Von dieser Kompetenzdelegation hat er in Art. 49 (betreffend aussergewöhnliche Gefahren) und 50
der Verordnung ü
ber die Unfallversicherung (UVV;
betreffend Wagnisse) Gebrauch gemacht.
1.3
Gemäss
Art.
49
Abs.
2 UVV werden die Geldleistungen mindestens um die Hälfte gekürzt für Nichtberufsunfälle, die sich ereignen unter anderem bei
Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, es sei denn, der Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistung für einen Wehrlosen durch die Streitenden verletzt worden
(
lit
. a)
,
und bei
Gefahren, denen sich der Versicherte dadurch aussetzt, dass er andere stark provoziert
(
lit
. b)
.
1.4
Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV ist grundsätzlich verschuldensunabhängig konzipiert und weiter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel gemäss
Art.
133
des Strafgesetzbuches (
StGB
)
. Es genügt, dass das zu sanktionie
rende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten über
zugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen musste (BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2; Urteil
des Bundesgerichts
U 325/05 vom
5.
Januar 2006 E. 1.1). Der Tatbe
stand des Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV ist daher nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Aus
einandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wendung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat ode
r erkennen musste
. Eine Leistungskürzung nach
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV setzt sodann voraus, dass zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adä
quater Kausalzusammenhang besteht. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex notwendig (
Urteile des Bundesgerichts 8C_207/2018 vom 1
8.
April 2018 E. 3.3 und
8C_932/2012
vom 2
2.
März 2013
E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
3
0.
Sep
tember 2019
(Urk. 2) gestützt auf
die Unterlagen der Kantonspolizei und einen Bericht ihres
Aussendienstes davon aus, dass
es anlässlich des Ereignisses vom 1
3.
Oktober 2018 zu einem Gerangel gekommen sei, und dass dabei insbesondere auch der Beschwerdeführer handgreiflich geworden sei (S. 3), weshalb die anläss
lich des versicherten Unfallereignisses erlittenen Verletzungen durch eine Raufe
rei im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV verursacht worden seien (S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt hie
r
gegen vor, dass
er, als sein damaliger Lebens
partner gewalttätig geworden sei, diesen vorerst zu beruhigen versucht habe, indem er
dessen
Angriffe abgewehrt und
indem er ihn fixiert habe. Als
dies nicht mehr
möglich gewesen sei
,
habe er
sich in sein Zimmer zurückgezogen. Obwohl Streitigkeiten im Rahmen der Beziehung zu seinem Lebenspartner zum Alltag gehört hätten,
habe er sich
vor dem versicherten Unfallereignis
dabei
nie Verlet
zungen
zugezogen. Aus diesem Grunde habe
er nicht mit einem Nasenbeinbruch rechnen müssen, weshalb ein Kausalzusammenhang zu verneinen sei (S. 5).
Zudem gelte
es
vorliegend
,
die Besonderheiten eines Beziehungsdelikts
mit
zu
berücksichtigen.
Da sich der Streit in der Wohnung, die er mit dem Täter gemein
sam bewohnt habe, abgespielt habe, sei es
ihm nicht zuzumuten gewesen, die eigene Wohnung
wegen des Streits
zu verlassen (S. 6).
Er habe sich zudem in einem Zustand der
emotionale
n
Abhängigkeit
zum
Täter
befunden
(S. 7).
2.3
Das Ereignis vom
1
3.
Oktober 2018
ist unstreitig als Nichtberufsunfall zu quali
fizieren und begründet
somit
grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung (
Art.
6
Abs.
1 und
Art.
8
Abs.
1 UVG in Verbindung mit
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungsrechts, ATSG
). Streitig und zu prüfen ist
im Folgenden
, ob die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
zu Recht
die
Geldleistungen
gekürzt hat.
3.
3.1
Hinsichtlich des Geschehensablaufs
ist dem Rapport beziehungsweise der Verfü
gung der Kantonspolizei vom 2
0.
November 2018 (
Urk.
11/K13) zu entnehmen, dass es im Verlauf eines verbalen Streits zwischen dem Beschwerdeführer und dem Täter am 1
3.
Oktober 2018 zu gegenseitigen Tätlichkeiten gekommen sei.
Im
Verlauf der verbalen Auseinandersetzung
mit dem Beschwerdeführer
habe der Täter
seine Faust oder
seine
flache Hand zur Gefahrenabwehr gegen den Beschwerdeführer eingesetzt. Sodann habe der Täter, als er am Boden fixiert worden sei, mit seinem Kopf gegen die Nase des Beschwerdeführers geschlagen,
sodass
sich dieser eine Nasenbeinfraktur zugezogen habe (S. 2). Beim Eintreffen der Polizei am Unfallort am 1
3.
Oktober 2018, 23.53 Uhr, seien sowohl beim Beschwerdeführer als auch beim Täter äusserliche Hämatome an den Armen und Kratzspuren festzustellen gewesen. Zusätzlich sei die Nase des Beschwerdeführers geschwollen gewesen. Um die Situation zu beruhigen, sei der Täter anschliessend für 24 Stunden vom gemeinsamen Wohnort weggewiesen worden (S. 4). Die Aus
sagen der Beteilig
t
en anlässlich der Einvernahmen
hätten indes nicht übereinge
stimmt, sondern
stark
voneinander abgewichen, weshalb nicht abschliessend geklärt werden könne, auf welche Art und Weise sich der Beschwerdeführer die Nasenbeinfraktur zugezogen habe. Da der Beschwerdeführer jedoch über eine Ausbildung als Kampfsportler verfüge, sei davon auszugehen, dass er mit grösster Wahrscheinlichkeit einen geraden Faustschlag des Täters hätte abwehren können, weshalb er sich die Nasenbeinfraktur
wohl
bei einem Gerangel oder Ähnlichem zugezogen haben dürfe
(S. 5)
.
3.2
Gemäss dem
Einvernahmeprotokoll
vom 2
2.
Oktober 2018 (
Urk.
3/2) sagte de
r
Beschwerdeführer gegenüber der Kantonspolizei aus
, dass er und
sein
Lebens
partner am Abend des 1
3.
Oktobers 2018 einen massiven Streit ausgetragen hätten. Zunächst
habe es sich
nur
um eine
verbal
e Auseinandersetzung gehandelt, bei der sie
um gemeinsame Projekte und
um
den gemeinsamen Putzplan
zum Putzen der Wohnung
gestritten hätten
. Anschliessend sei der Täter
jedoch
ausge
rastet
. Er habe in er Folge versucht, diesen
zu beruhigen, indem
er
seine Arme
gepackt
habe
und verschiedene Hebel, die er als Kampfsportler beherrsche,
beim Täter
angewand
t habe. Die Situation habe sich auch
dann
nicht beruhigt, als er sich in sein Schlafzimmer zurückgezogen habe. Der Täter habe an die Türe geklopft, bis er diese schliesslich geöffnet habe. Dabei habe
ihn
der Täter mit der geschlossenen Faust auf die Nase geschlagen, so dass diese zu bluten angefangen habe. Es sei zwar zu Gerangel gekommen, er habe den Täter indes trotz all seiner Provokationen nie geschlagen. Anschliessend habe er über einen Freund die Polizei gerufen (S. 2). Der Streit habe von 16.30 Uhr bis
ungefähr
Mitternacht gedauert. Der Täter habe ihn dreimal gegen seine Nase geschlagen, zu
m ersten Mal um 16.30 Uhr, zum
zweite
n
Mal
zwischen dem
Türrahmen der Zimmertüre
(zum Schlafzimmer)
und
zum
dritte
n
Mal ungefähr
30 Minuten bevor
er die Polizei gerufen habe (S. 3). Er habe den Täter
indes nie
geschlagen und
lediglich
mit Hebeltechniken
fixiert
. Denn er habe gewusst, dass er als ausgebildeter Nah
kämpfer den Täter
vermutlich
bereits mit einem Schlag hätte
tödlich verletzen
können (S. 4).
3.3
Der Täter sagte g
emäss
dem
Einvernahmeprotokoll
vom 2
6.
Oktober 2018 (Urk.
11/K9
) gegenüber der Kantonspolizei aus,
dass er am Unfalltag insgesamt
dreimal eine körperliche Auseinandersetzung
mit dem Be
schwerdeführer
bestrit
ten
habe. Diese
Auseinandersetzungen
hätten sich
ungefähr um 21.
30 Uhr
ereignet
, als es schon dunkel gewesen sei
.
O
bwohl er nicht genau auf die Nase
des Beschwerdeführers
gezielt habe
, habe
er
dessen
Nase getroffen
, a
ls er in der Türe eingeklemmt gewesen sei
.
D
enn d
er Beschwerdeführer
, welcher
die Türe zum Schlafzimmer
habe
verschliessen
wollen, habe ihn (zwischen Tür und Türrahmen)
eingeklemmt
.
Als er d
ie Türe zugedrückt
und
Anlauf genommen
habe, um
die Türe
zu
verschliessen
, sei er zwischen die Türe
und
die Türschwelle getreten
.
Alsdann habe er
seine
Hand erhoben
(und den Beschwerdeführer an der Nase getroffen)
. Er wisse
allerdings
nicht
mehr, ob
er den Beschwerdeführer
nur
mit der flachen Hand oder mit der Faust abgewehrt habe.
Er habe
einfach
nicht
(
zwischen der Türe
und dem Türrahmen
)
einklemmt werden wollen. Anschlies
send habe der Beschwerdeführer
aus der Nase geblutet.
Ein wenig später habe der Beschwerdeführer
ihn
auf den Rücken gelegt und
habe
mit den Knien s
eine Arm
kehlen fixiert. Dies
sei
sehr schmerzvoll
gewesen. Zu
sätzlich ha
be
er mit
dem
Daumen
von unten gegen s
ein Kinn gedrückt
(S. 2)
.
Als der Beschwerdeführer den Daumen von seinem Kinn entfernt habe, habe er sich wieder bewegen können
und zu zappeln begonnen
. Dabei habe er mit seinem Kopf erneut die Nase des Beschwerdeführers getroffen, welche erneut zu bluten angefangen habe (S. 3).
4
.
4.1
Die Aussagen des Beschwerdeführers und des Täters zu den Einzelheiten des Geschehensablaufs weichen teilweise voneinander ab.
Während der Beschwerde
führer ausgesagt hat, dass der Täter ihn mit der geschlossenen Faust auf die Nase geschlagen
habe (vorstehend E.
3.2
), sagte der Täter aus, dass er den Beschwer
deführer mit der Hand auf die Nase geschlagen habe, dass er jedoch ni
cht mehr wisse, ob
er
das
mit der geschlossenen oder mit der flachen Hand getan habe. Zudem habe er im Rahmen eines Gerangels am Boden, als er vom Beschwerde
führer fixiert worden sei, mit seinem Kopf
gegen
die Nase des Beschwerdeführers geschlagen (vorstehend E.
3.3
). Der Beschwerdeführer und der Täter sagten indes übereinstimmend aus, dass es im Verlauf der zuerst verbalen und anschliessend tätlichen Auseinandersetzung zu mehreren
Gerangel
n
gekommen sei, und dass der Beschwerdeführer den Täter wiederholt mit Hebeltechniken fixiert habe.
In Würdigung der gesamten Umstände erscheint die Beurteilung durch die Kantons
polizei im Rapport vom 2
0.
November 2018 (vorstehend E.
3.1
), wonach davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer, welcher
nach eigenen Angaben
über eine Ausbildung im Kampfsport beziehungsweise
im
Nahkampf verfüge, und daher
mit grösster Wahrscheinlichkeit einen geraden Faustschlag des Täters hätte abwehren können,
sich
d
ie Nasenbeinfraktur
anlässlich eines
Gerangel
s
zugezo
gen haben dürf
t
e
, als nachvollziehbar
. Demzufolge ist mit dem massgeblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer die Nasenbeinfraktur anlässlich eines Gerangels beziehungsweise eines Handgemenges oder einer Rauferei mit dem Täter zugezo
gen hat, wobei offenbleiben kann, ob der Nasenbeinbruch
des Beschwerdeführers durch einen Schlag
mit
der
Faust
des Täters
, durch einen solchen mit der offenen Hand des Täters oder
durch einen Stoss mit dem Kopf des Täters verursacht wurde.
4.2
Selbst
wenn den Schilderungen des Beschwerdeführers zu folgen wäre, wonach er anlässlich der Auseinandersetzungen und Streitigkeiten mit dem Täter diesen nicht geschlagen habe, steht indes auf Grund der Akten fest, dass der Beschwer
deführer den Täter anlässlich dieser Auseinandersetzungen mehrere Male mittels Nahkampf- beziehungsweise Hebeltechniken fixierte, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird (Urk.1 S. 5). Es
ist
sodann davon auszugehen
, dass
es sowohl
infolge der Anwendung dieser Hebeltechniken
als auch unabhängig solcher Hebeltechniken
verschiedentlich zu
Gerangel
n
beziehungsweise Handgemengen zwischen dem Täter und dem Beschwerdeführer gekommen ist, und dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen eines solchen Gerangels die
streitige Nasenbein
fraktur zugezogen hat
. Entgegen den diesbezüglichen Vorbringen des Beschwer
deführers (
Urk.
1 S. 5) handelte es sich daher nicht um einen ausschliesslich
verbal ausgetragenen Streit, sondern es ist gestützt auf die Beurteilung durch die Kantonspolizei im
Rapport vom 2
0.
November 2018 (
vorstehend E.
3.1
)
davon auszugehen,
dass es im Verlauf eines
vorerst
verbalen Streits
zwischen dem Beschwerdeführer und dem Täter
zu gegenseitigen Tätlichkeiten gekommen
ist.
Dafür spricht auch der Umstand, dass die Kantonspolizei bei ihrem Eintreffen am Unfallort
sowohl beim Beschwerdeführer als auch beim Täter äusserliche Häma
tome an den Armen und Kratzspuren
feststellte (vorstehend E.
3.1
).
4.3
Das Verhalten des Beschwerdeführers, welcher sich wiederholt an
Gerangel
n
beziehungsweise Handgemengen mit dem Täter beteiligt hat und welcher wieder
holt am Täter Hebeltechniken anwandte, um diesen zu fixieren, schliesst
bei objektiver Betrachtung das Risiko ein, in Tätlic
hkeiten überzugehen oder solche sowie allenfalls sogar Körperverletzungen
nach sich zu ziehen.
Dies hätte
der
Beschwerdeführer
zumindest
erkennen müssen.
Dass der Beschwerdeführer, gemäss seinen Angaben schon vor dem versicherten Unfallereignis bei anderer Gelegenheit vom Täter geschlagen worden sei,
ohne sich
dabei Köperverletzun
gen
zugezogen zu haben
(
Urk.
1 S. 5), ändert daran nichts.
Er
musste vielmehr damit rechnen, dass ein Handgemenge mit dem Täter geeignet ist, in Tätlichkeiten oder
allenfalls sogar
in Körperverletzungen auszuarten.
Nach Lage der Akten ist
daher
davon auszugehen, dass ein durchschnittlich sorgfältiger Mensch in der Lage des Beschwerdeführers sich nicht
in ein Gerangel mit dem Täter eingelassen
hätte, und
sich
stattdessen an einen
sicheren Ort
begeben
hätte.
Dies insbeson
dere, da sich vorliegend die Auseinandersetzung über mehrere Stunden hinzog (vgl. vorstehend E. 3.2) und der Beschwerdeführer den Ort des Geschehens ohne Weiteres hätte verlassen können.
Dabei kann die Frage nach einem Mitverschul
den des Beschwerdeführers an den Unfallfolgen vorliegend offengelassen werden, da der
Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV
, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
1.4
),
weder ein Verschulden, noch die
Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinander
setzung
voraussetzt. Vielmehr genügt es,
dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und
dass
die versicherte Person dies erkannt hat oder
hätte
erkennen
müssen
. Diese Voraussetzungen sind beim Beschwerdeführer erfüllt.
Sein
Verhalten ist daher
als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei
im Sinne von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV zu
qualifizieren.
5.
Nach Gesagtem ist an einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen diesem Verhalten des Beschwerdeführers und dem Unfall vom 1
3.
Oktober 2018 beziehungsweise dessen Folgen nicht zu zweifeln, weshalb der
Tatbestand von
Art.
49
Abs.
2
lit
. a UVV vorliegend erfüllt ist.
Es
ist
daher
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
mit der Verfügung vom 1
3.
März 2019 (
Urk.
11/K51) und mit dem diese bestätigenden
Einspracheentscheid
vom 3
0.
September 2019 (
Urk.
2) die Geldleistungen
des Beschwerdeführe
r
s
für die Folgen des Unfalls vom 1
3.
Oktober 2018 wegen
einer Beteiligung an Raufereien und Schlägereien um die
Hälfte gekürzt
hat.
Demzufolge ist d
ie
Beschwerde abzuweisen.
6.
Ausgangsgemäss ist die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in des Beschwerdeführers
,
Rechtsanwältin Britta Keller
, Zürich, nach Einsicht in
den Tätigkeitsnachweis
vom
8.
April 2020 (
Urk.
16
), in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
(
§
34 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
)
bei einem zeitlichen Aufwand von
8.25
Stund
en, Baraus
lagen von
Fr.
20.30
sowie einem gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.--, mit Fr.
1
'977.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Der Beschwerdeführer
ist
auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
aufmerksam
zu machen
, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Britta Keller, Zürich,
wird mit
Fr.
1'977.-- (inklusive
Barauslagen und M
ehrwertsteuer
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Britta Keller
-
Helsana Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannVolz