# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f18754f-db07-5fb2-8c5c-85f3bde8c06d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-05-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 13.05.2003 SF 2003 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2003-11_2003-05-13.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 13. Mai 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 03 11 (mündlich eröffnet)

Urteil 
Strafkammer

Vizepräsident Bochsler, Kantonsrichter Heinz-Bommer, Rehli, Tomaschett-Murer 
und Burtscher, Aktuarin ad hoc Strässler

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In der Strafsache

des A., Angeklagter, privat verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Luis W. Pajarola, 
Aquasanastr. 8, 7000 Chur, 

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 12. März 2003 

wegen versuchter Vergewaltigung etc.

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

A. A. wurde am 25. Juni 1981 in D./Ausland geboren und wuchs dort zusam-
men mit einem älteren Bruder bei den Eltern in geordneten Verhältnissen auf. Nach 
Abschluss der 12-jährigen obligatorischen Schulzeit studierte er während zwei Jah-
ren in E. Hotelmanagement. In der Folge absolvierte er ab Februar 2002 die Hotel-

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fachschule in F.. Den theoretischen Teil dieser Ausbildung schloss er Ende Mai 
2002 ab. In der Zwischenzeit lebt der Angeklagte wieder im Ausland. Zum Zeitpunkt 
der Befragungen erzielte A. kein Einkommen und wurde von seinem Vater finanziell 
unterstützt. Er besitzt etwas Geld im Ausland, welches von seinem Vater verwaltet 
wird, und hat keine Schulden. 

Der Angeklagte ist ledig und kinderlos.

Im Schweizerischen Strafregister ist A. nicht verzeichnet. Gemäss Leu-
mundsbericht der Kantonspolizei Waadt ist über den Angeklagten in der Schweiz 
nichts Nachteiliges bekannt. 

A. wurde am 31. Mai 2002 in F. festgenommen und am 3. Juni 2002 nach 
Chur überführt, wo er schliesslich in Untersuchungshaft genommen wurde. Am 11. 
Juni 2002 wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. 

B. Mit Verfügung des Staatsanwaltes vom 12. März 2003 wurde A. angeklagt 
wegen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, unvollendeten Verge-
waltigungsversuchs im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 21 
Abs. 1 StGB, Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, Freiheitsberau-
bung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, einfacher Körperverletzung im Sinne 
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, mehrfacher Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, 
Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie mehrfacher Nötigung im 
Sinne von Art. 181 StGB. 

Der Anklageschrift gleichen Datums liegt folgender Sachverhalt zugrunde: 

"1. Am 29. Mai 2002 fuhr A. mit G. von F. nach H., um dort auf eine Einladung 
eines Bekannten im Schulhotel an einem Schulabschlussfest teilzunehmen. Bei die-
sem Fest war auch die damals 21-jährige I. bis gegen 5 Uhr anwesend. Mit ihr hatte 
der Angeklagte bis wenige Wochen zuvor eine intime Beziehung. Sie wohnte als 
Schülerin im Schulhotel H. und hatte gerade den theoretischen Teil ihrer Hotelfach-
ausbildung abgeschlossen. 

Um ca. 6.30 Uhr des 30. Mai 2002 ging im Schulhotel der Feueralarm los, 
worauf sich auch I. und A. in den Aufenthaltsraum begaben. Als klar wurde, dass es 
sich um einen Fehlalarm gehandelt hatte, begab sich I. wieder in ihr Zimmer (Nr. 
xxx.) in der dritten Etage. Der Angeklagte folgte ihr unaufgefordert und schloss ihre 
Zimmertüre von innen mit dem Drehknopf ab. I. forderte darauf den Angeklagten 

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mehrfach erfolglos auf, den Raum zu verlassen. Als sie ihn schliesslich aus dem 
Zimmer begleiten wollte, packte er sie an den Schultern, warf sie auf das Bett, hielt 
sie an den Händen fest und forderte sie auf, nun zu schlafen. I. wies den Angeklag-
ten erneut an, den Raum zu verlassen und schlief schlussendlich ein. Als sie einige 
Zeit später erwachte, lag A. neben ihrem Bett auf dem Boden, worauf sie ihn erneut 
aufforderte, aus dem Zimmer zu gehen. Nun setzte sich der Angeklagte auf den 
Bauch der auf dem Rücken liegenden I.. Diese wollte ihn erneut aus dem Raum 
weisen, worauf A. mit seiner Hand gegen ihre Wange schlug und ein Kissen auf ihr 
Gesicht drückte. Der Frau gelang es schliesslich, gegen den Kopf des Angeklagten 
zu schlagen und das Kissen wegzudrücken. Darauf schlug A. mit seiner linken Hand 
I. mindestens drei Mal derart kräftig gegen das Gesicht, so dass sie für einen  kurzen 
Moment bewusstlos wurde. Als sie etwas später den Angeklagten mehrfach an-
flehte, gehen zu dürfen, drückte er ihr das Kissen erneut gegen das Gesicht. Dies 
tat er derart heftig, dass das Opfer in Atemnot geriet und seine Lippe durch die 
Zahnspange verletzt wurde. Gleichzeitig sagte A. zu I., dass er sie umbringen 
werde. In der Folge erlaubte er seiner Ex-Freundin nicht, sich am Lavabo im Zimmer 
das Blut aus dem Mund zu spülen und forderte sie auf, wieder zu schlafen. 

Nach einiger Zeit wurde I. durch das Klingeln des Telefons geweckt, worauf 
sich A. neben sie legte. Obwohl sie ihm ausdrücklich sagte, keinen Sex zu wollen, 
begann der Angeklagte sie zu küssen. Er führte ihre Hände hinter ihren Rücken und 
blockierte diese dort mit seiner Hand. Mit der anderen Hand zog er ihre Jeans und 
ihre Unterhose aus und streifte anschliessend ihr T-Shirt und Top über die Brüste 
nach oben. Nun begann er, sie auf die Brüste und zwischen den Beinen zu küssen. 
In dieser Phase konnte I. ihre Hände kurzzeitig befreien und den Kopf des Ange-
klagten wegdrücken. A. gelang es jedoch erneut, die Hände des Opfers mit einer 
Hand festzuhalten. Mit der anderen Hand zog er seine Jeans und seine Unterhose 
aus. Als I. ihn anflehte "es nicht zu tun", ergriff er einen neben dem Bett auf einem 
Stuhl liegenden Bademantel und drückte ihr einen Teil dieses Bademantels in den 
Mund. Nun führte er sein ungeschütztes erigiertes Glied in ihre Vagina ein und voll-
zog den Geschlechtsverkehr. Danach entfernte der Angeklagte I. das Tuch aus dem 
Mund und reinigte das Opfer mit Papiertüchern. Als er anschliessend die Toilette 
aufsuchte, zog sich I. eine Trainingshose an und versuchte, das Zimmer zu verlas-
sen. In diesem Moment kam A. wieder in den Raum, packte sie und brachte sie ins 
Bett zurück. In der Folge drückte er zumindest noch ein Mal das Kissen gegen das 
Gesicht seines Opfers und drohte ihm, es umzubringen. Als gegen 9.30 Uhr jemand 
an die Zimmertüre klopfte, durfte sich I. nicht melden. 

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Im Verlauf des Vormittags des 30. Mai 2002 rief die Zimmerkollegin von I., J., 
an und wollte wissen, wann sie ins Zimmer kommen könne. Entsprechend der Wei-
sung von A. erklärte das Opfer seiner Gesprächspartnerin, dass sie erst in 30 bis 
45 Minuten erscheinen solle. Als J. nach Ablauf dieser Zeit erneut anrief, packte der 
Angeklagte seine Ex-Freundin und führte sie - wahrscheinlich war es in der Zwi-
schenzeit gegen 11 Uhr - , ins Zimmer Nr. yyy., wo G. schlief. I. schlief in der Folge 
ebenfalls ein und wurde einige Zeit später von A. geweckt. Dieser erklärte ihr, dass 
man nun nach F. fahre, wo er sie und sich selbst umbringen wolle. Nun weckte er 
G. und forderte ihn auf, den Raum zu verlassen und beim Auto zu warten. Um sich 
eine Fluchtmöglichkeit zu verschaffen, hatte I. dem Angeklagten zwischenzeitlich 
zugesichert, freiwillig nach F. mitzukommen. 

Als die beiden nun alleine im Zimmer waren, packte A. seine Ex-Freundin 
und legte sie aufs Bett. Dort blockierte er mit einer Hand die Hände des Opfers und 
zog seine Jeans und die Unterhose über die Knie herunter. Dann machte er das-
selbe mit der Hose und der Unterhose von I.. Zu diesem Zeitpunkt war sein Glied 
erigiert. In der Folge gelang es dem Opfer, sich zu befreien und den Angeklagten 
zurückzustossen. Gleichzeitig erklärte I., dass man jetzt keine Zeit mehr verlieren 
und baldmöglichst abreisen sollte. Unter dem Vorwand, ihre Sachen im Zimmer zu 
holen, durfte sie nach 13 Uhr den Raum schliesslich alleine verlassen. In der Folge 
informierte sie ihren Freund und die Lehrerschaft über das Vorgehen. Noch am glei-
chen Tag erstattete sie Strafanzeige. 

I. wurde am 30. Mai 2002 vom Rechtsmediziner K. untersucht. Dabei konnten 
folgende Verletzungen festgestellt werden:

"Hinter dem rechten Ohr findet sich eine kleine Gruppe (ca. 3-4) von 
nicht wegwischbaren Blutpunkten, die sich klar absetzen von Hautun-
reinigkeiten und kleinen Pickeln. An der Innenseite der Oberlippe links, 
findet sich eine kleine Schleimhautverletzung (ca. 3x4 mm), die pass-
genau zur Zahnspange ist. Daneben finden sich minimal 3, evt. 4 oder 
5 weitere typische punktförmige Blutungen in der Lippenschleimhaut. 

Bei der Untersuchung der Nase mit einem grossen Kaliber eines Ohr-
spiegels finden sich weitere kleinste, feine, punktförmige Blutungen, 
sowohl rechts wie auch links. Wir schätzen, dass es je 3-4 Punktblu-
tungen sind. Eine genaue Anzahl kann nicht angegeben werden, da 
kleinste Befunde nicht sicher zu interpretieren sind. 

Die Trommelfelle sind bds. frei ohne Blutungen. 

Ein Versuch mit Nasenschneuzen in ein weisses Papier zeigt keine 
Blutreste. 

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In der Gesichtshaut finden sich wahrscheinlich keine Blutungspunkte, 
wobei verschiedene frische und ältere Hautunreinigkeiten eine sichere 
Diagnose nicht möglich machen.

Hals: Über dem Kehlkopfbereich keine sichtbaren Spuren. An der lin-
ken Halsseite über der Halsvene eine 3.5 x 1.5 cm grosse Stelle mit 
einer Hautunterblutung, die  zentral recht deutlich ist und gegen peri-
pher ausläuft. Eine bestimmte Form kann nicht erkannt werden. Der 
Befund ist frisch". 

Weiter hält K. in seinem Gutachten vom 8. Juli 2002 unter anderem Folgen-
des fest: 

"Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Bewusstlosigkeit 
und die nachgewiesenen Blutungspunkte an verschiedenen Stellen 
Ausdruck von erheblicher Gewaltanwendung, Blutunterversorgung im 
Gehirn und Stauung in den Gefässen sind und damit die Frage nach 
Lebensgefahr mit ja zu beantworten ist."

I. stellte am 30. Mai 2002 gegen A. wegen Körperverletzung, Drohung und 
Hausfriedensbruchs Strafantrag. 

Der Angeklagte bestreitet den dargelegten Sachverhalt und macht geltend, 
am 30. Mai 2002 im gegenseitigen Einvernehmen mit I. Geschlechtsverkehr gehabt 
zu haben. 

2. Zwischen dem 11. und dem 29. Mai 2002 forderte der Angeklagte I. min-
destens ein Mal telefonisch auf, mit ihm freundlich zu sein, weil er oder eine andere 
Person andernfalls ihrem jetzigen Freund etwas antun könne. I. führte deshalb in 
der Folge täglich etwa zwei Telefongespräche mit A.. 

Bevor der Angeklagte am 30. Mai 2002 I. im Schulhotel H. zwang, vom Zim-
mer xxx. ins Zimmer yyy. zu gehen, musste sie in englischer Sprache eine Erklärung 
verfassen, wonach sie unter anderem für das Vorgefallene selbst verantwortlich sei 
und sie nur freiwillig mit A. Sex gehabt hätte. 

A. wurde ein Depositum in der Höhe von Fr.1'200.-- abgenommen."

C. An der mündlichen Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht Graubün-
den am 13. Mai 2003 war der Verteidiger von A., Rechtsanwalt lic.iur. Luis W. Pa-
jarola anwesend. Die Anklage wurde vom ausserordentlichen Staatsanwalt lic.iur. 
Corsin Capaul vertreten. Der Angeklagte erschien nicht zur Hauptverhandlung. Die 
Anglageverfügung hatte ihm nicht zugestellt werden können, da er von F. mit unbe-

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kanntem Aufenthalt ins Ausland abgereist war. Die Vorladung zur Hauptverhand-
lung wurde daher an den Verteidiger gesandt. Eine Vorführung des Angeklagten 
war nicht möglich, so dass gemäss Art. 123 StPO das Abwesenheitsverfahren zur 
Anwendung gelangte. Sowohl der Staatsanwalt wie auch der Verteidiger erklärten 
sich damit einverstanden. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des 
Gerichtes wurden keine Einwände erhoben. Der Presse wurde eine anonymisierte 
Anklageschrift zur Verfügung gestellt. Pressevertreter wurden zur Urteilseröffnung 
zugelassen. 

Staatsanwalt lic.iur. Corsin Capaul stellte und begründete folgenden Antrag: 

1. A. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 

2. Dafür sei er mit drei Jahren Zuchthaus zu bestrafen, unter Anrech-
nung er erstandenen Untersuchungshaft von 12 Tagen. 

3. A. sei für die Dauer von 7 Jahren des Landes zu verweisen. 

4. Kostenfolge sei die gesetzliche. 

In seinem Plädoyer, welches er auch schriftlich zu den Akten gab, stellte der 
a.o. Staatsanwalt lic.iur. Corsin Capaul in erster Linie auf den Sachverhalt ab, wie 
ihn das Opfer unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht mehrmals und ohne sich in 
Widersprüche zu verstricken, geschildert hatte. Das Verhalten von I. nach der Ver-
gewaltigung - sie war nervös, verängstigt, weinte wiederholt - spreche ebenfalls für 
ihre Darstellung. Die von ihr geschilderten Angriffe würden zudem mit dem von den 
Ärzten festgestellten Verletzungbild übereinstimmen. Die Aussagen des Angeklag-
ten hätten demgegenüber in mehreren Punkten widerlegt werden können. Eine ein-
gehende Beweiswürdigung müsse zum Schluss führen, dass sich der Vorfall nur so 
zugetragen haben könne, wie ihn I. geschildert habe. In rechtlicher Hinsicht qualifi-
zierte der Vertreter der Anklage die Tathandlungen als Vergewaltigung gemäss Art. 
190 Abs. 1 StGB und als Versuch dazu. Indem der Täter mit einem Kissen auf das 
Gesicht des Opfers gedrückt habe, habe er dieses zudem in unmittelbare Lebens-
gefahr gebracht; dies gehe aus dem Gutachten des Gerichtsmediziners klar hervor. 
Zwischen den Tatbeständen der Vergewaltigung gemäss Art. 190 StGB und der 
Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB bestehe echte Konkurrenz. Von 
echter Realkonkurrenz sei auch mit dem Tatbestand der Freiheitsberaubung 
gemäss Art. 183 StGB auszugehen, da das Opfer über viereinhalb Stunden mit ih-
rem Peiniger eingeschlossen war. Die Verletzungen, welche I. erlitten hat, gehen 
über das Ausmass von geringfügigen Kratzern hinaus und stehen grösstenteils nicht 
in direktem Zusammenhang mit der Vergewaltigung, so dass der Angeklagte nach 
der Auffassung des Staatsanwaltes auch wegen einfacher Körperverletzung 

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gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen ist. Ausgewiesen seien auch die 
Tatbestände der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB, der Nötigung im Sinne von 
Art. 181 StGB und des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB. Bei der Strafzu-
messung ging der Anklagevertreter von einem schweren Verschulden aus. Straf-
schärfend würdigte er das Zusammentreffen mehrerer strafbarer Handlungen und 
bezüglich der Tatbestände der Drohung und Nötigung die mehrfache Tatbegehung. 
Leicht strafmildernd wurde berücksichtigt, dass es bei einer Vergewaltigung beim 
Versuch blieb. Straferhöhend wurde berücksichtigt, dass der Angeklagte die Straf-
taten leugnet. Strafmindernd wurde der rechte Leumund und die Vorstrafenlosigkeit 
berücksichtigt. Die beantragte Strafe von drei Jahren Zuchthaus bewege sich im 
Rahmen ähnlich gelagerter Fälle (SF 7/95 und SF 00 17). Unter dem Gesichtspunkt 
des Strafzwecks rechtfertige sich zudem eine Landesverweisung von 7 Jahren. Da 
der Angeklagte kaum persönliche Beziehungen zur Schweiz habe, rechtfertige sich 
ein Aufschub nicht. 

Der private Verteidiger, Rechtsanwalt lic.iur. Luis W. Pajarola, entschuldigte 
vorab die Abwesenheit seines Mandanten. Angesichts der Problematik der Anklage, 
der hohen Strafdrohung und der Tatsache, dass A. kein freies Geleit gewährt wer-
den könne, habe er dem Angeklagten davon abraten müssen, zur Hauptverhand-
lung in die Schweiz zu kommen. Dies sei aber keineswegs als Eingeständnis einer 
Schuld zu werten. Der Verteidiger stellte und begründete folgende Anträge:

1. A. sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

2. Eventuell sei er wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von 
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu verurteilen. 

3. Bei einem solchen Schuldspruch sei eine massive Strafreduktion 
vorzunehmen und es sei dem Verurteilten der bedingte Strafvoll-
zug zu gewähren. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.

Rechtsanwalt lic.iur. Luis W. Pajarola wies ebenfalls darauf hin, dass die An-
klage praktisch allein auf den Aussagen des Opfers beruhe. Dies sei indessen eine 
einseitige Betrachtungsweise, welche mit Blick auf die Unschuldsvermutung kritisch 
zu hinterfragen sei. Es liege ihm fern, das Opfer als Flittchen darzustellen. Immerhin 
sei aber zu beachten, dass I. A. am 9. Mai 2002 das Ende der bereits vorher wie-
derholt beendeten und wieder aufgenommenen Freundschaft eröffnet habe. Am 11. 
Mai 2002 habe sie ihn dennoch erneut besucht. Ihren jetzigen Freund kenne sie 
zwar schon länger. Seit dem 9. März 2002 bestehe ihren eigenen Angaben zufolge 
aber eine sehr enge Freundschaft. Daraus ergibt sich gemäss dem Verteidiger, 

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dass das Opfer über einen gewissen Zeitraum sexuelle Beziehungen zu zwei Män-
nern gehabt habe. Dies sei eine Tatsache und nicht eine moralische Qualifikation, 
welche aber geeignet sei, an der Glaubwürdigkeit der Aussagen von I. zu zweifeln. 
Hinzu komme die Mentalität der Beteiligten. Die Eltern von I. seien gegen die Ver-
bindung mit A. gewesen. Sie habe die Freundschaft zu ihm in der Schweiz gleich-
wohl wieder aufgenommen. Unter diesen Umständen sei es durchaus möglich, dass 
I. nach Streitigkeiten mit A. Angst davor gehabt habe, dass ihre Eltern im Ausland 
und ihr neuer Freund von der Wiederaufnahme der sexuellen Beziehung erfahren 
würden. Der Verteidiger wies sodann darauf hin, dass I. in englischer Sprache ein-
vernommen worden sei. Es sei daher nicht auszuschliessen, dass es ein Überset-
zungsproblem gebe. Im Englischen hätten die Wörter missuse und abuse, welche 
das Opfer gebraucht habe, verschiedene Bedeutungen, namentlich Missbrauch und 
Misshandlung. Für Vergewaltigung gebe es eine andere, eindeutige Bezeichnung, 
nämlich rape, ein Wort, das I. nie verwendet habe. Die Aussagen des Opfers seien 
im übrigen nicht derart widerspruchsfrei und glaubwürdig, wie dies die Staatsan-
waltschaft dargestellt habe. So habe die junge Frau im ersten Protokoll weggelas-
sen, dass sie beim ersten Rückzug vom Fest von zwei Männern, nämlich A. und 
seinem Freund G., begleitet worden sei. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt tatsächlich 
hätte allein sein wollen, hätte sie es somit ohne weiteres sagen können. Im ersten 
Protokoll habe sie zudem angegeben, A. habe sofort begonnen, sie zu beleidigen. 
Dies stehe im Widerspruch zu ihrer späteren Aussage, wonach man auf der Tür-
schwelle miteinander gesprochen habe, dann sei G. ins Zimmer gegangen. Sie sei 
ihm gefolgt. A. habe vor der Türe gewartet. Angesichts der strengen Sitten in ihrem 
Heimatland sei dieses Verhalten, einen Mann ins Zimmer zu lassen und sich vor 
ihm umzuziehen, doch eher ungewöhnlich. Wenn etwas derart Schwerwiegendes 
vorgefallen wäre wie eine Vergewaltigung, wäre zudem nicht nachvollziehbar, wes-
halb das Opfer geschwiegen hätte, als es im Gang M. begegnet sei. G. habe aus-
gesagt, A. sei zweimal in die Lobby gekommen. Dies führe zur berechtigten Frage, 
weshalb I. in dieser Zeit keine Hilfe geholt habe, zumal die Zimmer ja nur von innen 
verschliessbar seien. Auch was die angeblichen Drohungen angehe, seien die Aus-
sagen von I. wenig plausibel. Die "Bedrohung" sei in weiter Ferne gewesen, wes-
halb es für I. ein Leichtes gewesen wäre, ihr Natel zu wechseln, hätte sie sich beläs-
tigt gefühlt. G. habe zudem ausgesagt, I. und A. hätten täglich mehrmals telefoniert. 
Angesichts all dieser Ungereimtheiten seien doch Zweifel angebracht, ob sich die 
fragliche Nacht tatsächlich so zugetragen habe, wie sie das Opfer geschildert habe 
oder ob I. nicht vielmehr mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden gewesen sei, 
wie dies A. aussage. Zusammenfassend gelangte der Verteidiger zum Schluss, 
dass der Beweis dafür, dass es zur Vergewaltigung gekommen sei, nicht rechts-

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genüglich erbracht worden sei. I. sei nicht derart glaubwürdig, dass allein auf ihre 
Aussagen abgestellt werden könne. Zum Rechtlichen führte Rechtsanwalt lic.iur. 
Luis W. Pajarola aus, dass unbestritten sei, dass I. und A. mindestens einmal Ge-
schlechtsverkehr gehabt hätten. Es sei aber gut möglich, dass dies die übliche Ver-
söhnung des Paares nach einem Streit gewesen sei. Dies reiche aus, um den An-
geklagten im Hauptpunkt freizusprechen. Dass tätliche Auseinandersetzungen 
stattgefunden hätten, bestritt der Verteidiger nicht, gewisse Verletzungen seien mit-
tels ärztlichem Zeugnis nachgewiesen. Nicht bewiesen sei aber, dass das Opfer in 
Lebensgefahr gewesen sei. Wie sich die Sache mit dem Kissen abgespielt habe, 
wisse man nicht genau, jedenfalls könne man auch hier nicht - wie Gerichtsmedizi-
ner K. - einfach auf die Aussagen von I. abstellen. Unklar sei auch, was der Ange-
klagte gewollt habe. Bei der eingeklagten Gefährdung des Lebens sei somit weder 
der objektive noch der subjektive Tatbestand gegeben. Auch die Freiheitsberau-
bung, die Drohung und den Hausfriedensbruch erachtete der Verteidiger als nicht 
ausreichend bewiesen. Anerkannt wurde einzig der Tatbestand der einfachen Kör-
perverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Bezüglich der Strafzumessung 
sei eine massive Strafreduktion vorzunehmen, wenn in den Hauptpunkten ein Frei-
spruch erfolge. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. 

In seiner Replik hielt der a.o. Staatsanwalt dafür, dass I. keine Doppelbezie-
hung geführt habe. Der von der Verteidigung erwähnte 9. März 2002 sei wohl ein 
Verschrieb. In allen anderen Protokollen sei vom 9. Mai 2002 die Rede. Wohl habe 
es sprachliche Schwierigkeiten gegeben. Wie die Beteiligten miteinander gespro-
chen hätten, wisse man nicht genau. Das Opfer habe aber nicht nur von Vergewal-
tigung oder eben nicht gesprochen, sondern den Ablauf und die näheren Umstände 
konkret geschildert. Im übrigen gebe es mehrere Erklärungen dafür, dass das Opfer 
nicht mit allen offen über die Vergewaltigung gesprochen habe. Ebenfalls erklärbar 
sei, dass sie nicht geflohen sei: sie sei schlicht und einfach erschöpft gewesen und 
sei eingeschlafen. Schliesslich habe es sich bei ihrem Peiniger nicht um einen Wild-
fremden, sondern um ihren Ex-Freund gehandelt. Dass A. und I. täglich telefoni-
schen Kontakt gehabt hätten, schliesse nicht aus, dass er ihr dabei gedroht habe. 
Im übrigen seien tatsächlich einige Anklagepunkte nicht erfüllt, würde man nicht auf 
die Aussagen des Opfers abstellen. Es liege am Gericht, hierüber zu entscheiden. 

Rechtsanwalt Luis W. Pajarola verwies in der Duplik darauf, dass das Datum 
des 9. März 2002 in einem Protokoll, welches durchgelesen und unterzeichnet wor-
den sei, enthalten sei. Es sei Sache der Staatsanwaltschaft, die dem Angeklagten 

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vorgeworfenen Delikte zu bewiesen. Dies sei in den von ihm erwähnten Punkten 
nicht rechtsgenüglich geschehen. 

Auf die weiteren Ausführungen vor Schranken wird, soweit erforderlich, nach-
folgend eingegangen. 

Die Strafkammer zieht in Erwägung:

1. Nach Art. 123 Abs. 1 StPO fällt das Gericht ein Abwesenheitsurteil, wenn 
ein Angeklagter, ohne dass die Voraussetzungen von Art. 122 StPO erfüllt sind, 
trotz gehöriger Vorladung nicht zur Hauptverhandlung erscheint und er auch nicht 
vorgeführt werden kann. Im konkreten Fall konnten A. bereits die Anklageverfügung 
und die Anklageschrift nicht zugestellt werden, das entsprechende Couvert wurde 
mit dem Vermerk "Student, abgereist ins Ausland, ohne eine Andresse zu hinterlas-
sen" retourniert. Dass sich A. ins Ausland abgesetzt hatte, bestätigte auch sein Ver-
teidiger (Aktennotiz Kantonsgerichtskanzlei vom 25. März 2003, act. 03), an den 
gleichentags die gehörige Vorladung erging (act. 4). Der genaue Aufenthalt des An-
geklagten im Ausland ist nicht bekannt, eine Vorführung im Rahmen der Verhältnis-
mässigkeit nicht möglich. Die Voraussetzungen für die Durchführung des Abwesen-
heitsverfahrens sind erfüllt (vgl. Willy Padrutt, Kommentar zur StPO des Kantons 
Graubünden, 2. Aufl., Chur, 1996, Ziff. 2 zu Art. 123 StPO). Hiervon gehen auch der 
Vertreter der Anklage und der private Verteidiger aus. 

2.a) A. ist angeklagt der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB und 
des unvollendeten Versuchs dazu gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 
Art. 21 Abs. 1 StGB, der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der 
Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der einfachen Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1, der mehrfachen Drohung im 
Sinne von Art. 180 StGB, der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB sowie 
des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB. Ihm wird zusammengefasst 
vorgeworfen, am Morgen des 30. Mai 2002 gegen den Willen von I. in ihr Zimmer 
Nr. xxx. des Schulhotels H. eingedrungen zu sein, sie geschlagen zu haben, ihr mit 
einem Kissen die Luft abgedrückt zu haben, sie unter Anwendung von physischer 
Gewalt vergewaltigt zu haben und später, nach elf Uhr, im Zimmer yyy. einen Ver-
gewaltigungsversuch unternommen zu haben. Die Anklage geht weiter davon aus, 
dass er sein Opfer während mehrerer Stunden in zwei Zimmern festgehalten und 
es wiederholt bedroht und genötigt hat, ein von ihm diktiertes Schreiben aufzuset-
zen. Der Angeklagte gesteht zwar ein, mit I. Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, 

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bestreitet aber, dass dies gegen ihren Willen geschehen sei. Auch alle übrigen Vor-
würfe bestreitet er. Es ist daher vorerst in tatbeständlicher Hinsicht zu entscheiden, 
von welchem Sachverhalt auszugehen ist. 

b) Bei der Würdigung der Beweismittel entscheidet das Gericht gemäss Art. 
125 Abs. 2 StPO nach freier, in der Hauptverhandlung gewonnener Überzeugung 
(vgl. Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl., Zürich, 1997, N. 286). Die Beweis-
last für die dem Angeklagten zur Last gelegten Tat liegt dabei grundsätzlich beim 
Staat (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubün-
den, 2. Aufl., Chur 1996, N. 2 zu Art. 125 StPO, S. 306). An den Beweis sind hohe 
Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse Wahrscheinlichkeit, 
nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der in Art. 32 Abs. 1 BV und 
Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweiswürdigungsregel "in dubio pro reo" darf sich 
das Strafgericht jedoch nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünsti-
gen Sachverhaltes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an 
den tatsächlichen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen 
(BGE 124 IV 87f.). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht 
massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht ver-
langt werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrü-
ckende Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechts-
lage aufdrängen (BGE 120 Ia 37). Aufgabe des Gerichtes ist es, ohne Bindung an 
Beweisregeln anhand der vorgelegten Beweise und Indizien die an sich möglichen 
Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt 
zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung objektivier- und nachvollzieh-
bar sein muss (vgl. PKG 1987 Nr. 12; Padrutt, a.a.O., S. 307, Schmid, a.a.O., N. 
289). Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der freien 
Beweiswürdigung eine Rangordnung (ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aus-
sagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeschuldigten vollgültige Beweismit-
tel mit derselben Beweiseignung. 

c) Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen steht im Ge-
richtsverfahren die inhaltliche Analyse der Aussage im Vordergrund. Es interessiert 
nicht in erster Linie die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Zeugin oder des Zeugen 
als Person, sondern die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen (so bereits Hauser, 
Der Zeugenbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, 
Zürich, 1974, S. 311 mit Hinweisen; Steller/Volbert (Hrsg), Psychologie im Strafver-
fahren, Glaubwürdigkeitsbegutachtung, Bern / Göttingen / Toronto/ Seattle, 1997, 
S. 24 u.a. mit Hinweis auf F. Arntzen (Hrsg)., Psychologie der Zeugenaussage, Sys-

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tem der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993; vgl. Urteil des Kan-
tonsgerichts vom 11. Dezember 2000 in Sachen P.R.V., SF 00 17, S. 13f.). Diese 
sogenannte kriterienorientierte Aussageanalyse basiert auf der in der empirischen 
Forschung bestätigten Hypothese, dass erfundene Handlungsschilderungen - je 
nach gegebener Leistungsfähigkeit des Aussagenden - möglicherweise inhaltlich 
relativ wenig elaboriert ausfallen. Wer lügt, muss ein erhebliches Ausmass der ko-
gnitiven Energie auf kreative Prozesse und auf Kontrollprozesse verwenden. Dar-
aus ergibt sich, dass eine erfundene Handlungsschilderung im intraindividuellen 
Vergleich wahrscheinlich eine geringere inhaltliche Qualität aufweist als eine wahre 
Bekundung über ein Erlebnis (Steller/Volbert, a.a.O, S. 16 mit Hinweis auf Köhnken 
(Hrsg.), Glaubwürdigkeit, Untersuchungen zu einem psychologischen Konstrukt, 
München 1990, S. 17). Der qualitative Unterschied zwischen erfundenen Aussagen 
und Aussagen über selbst erlebte Ereignisse zeigt sich anhand sogenannter Real-
kennzeichen. Um empirische Validitätsprüfungen der Aussageanalyse zu ermögli-
chen, wurden die auf den Inhalt einer Aussage bezogenen Kennzeichen wie folgt 
systematisiert: (Realkennzeichen in der Kategorisierung von Steller und Köhnken 
in: Steller/Volbert, a.a.O., S. 17ff.):

Allgemeine Merkmale
1. Logische Konsistenz
2. Ungeordnet sprunghafte Darstellung
3. Quantitativer Detailreichtum

Spezielle Inhalte
4. Raum-zeitliche Verknüpfungen
5. Interaktionsschilderung
6. Wiedergabe von Gesprächen
7. Schilderung von Komplikationen im Handlungsablauf

Inhaltliche Besonderheiten
8. Schilderung ausgefallener Einzelheiten
9. Schilderung nebensächlicher Einzelheiten
10. Phänomengemässe Schilderung unverstandener Handlungsele-

mente
11. Indirekt handlungsbezogene Schilderungen
12. Schilderung eigener psychologischer Vorgänge
13. Schilderung psychischer Vorgänge des Angeschuldigten

Motivationsbezogene Inhalte

14. Spontane Verbesserung der eigenen Aussage
15. Eingeständnis von Erinnerungslücken
16. Einwände gegen die Richtigkeit der eigenen Aussage
17. Selbstbelastungen
18. Entlastung des Angeschuldigten

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Deliktspezifische Inhalte
19. Deliktspezifische Aussageelemente

Das Vorhandensein von Realkennzeichen (Glaubwürdigkeitskriterien) in ei-
ner Aussage wird als Indikator dafür gewertet, dass die aussagende Person das 
Geschilderte tatsächlich erlebt hat. Die Analyse der inhaltlichen Qualität gewinnt 
ihre Aussagekraft aber nur unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer persönlich-
keits- und einer Motivanalyse sowie des Aussageverhaltens. Bei der Persönlich-
keitsanalyse liegt der Schwerpunkt in der Feststellung der intellektuellen und 
sprachlichen Kompetenz der Zeugin oder des Zeugen (bei Sexualdelikten unter be-
sonderer Berücksichtgigung der sexualbezogenen Erkenntnisse und Erfahrungen). 
Die Motivanalyse soll mögliche Quellen für eine intentionale Falschbezichtigung 
aufdecken. Wesentliche Anhaltspunkte für potentielle Belastungsmotive können die 
Analyse der Beziehung zwischen Zeugin und Beschuldigtem und insbesondere die 
Konsequenzen der Anschuldigung für die Zeugin bzw. den Beschuldigten oder be-
teiligte Drittpersonen sein. Dabei betonen die Fachleute, dass mögliche Belastungs-
motive keine hinreichend eindeutige Schlussfolgerungen für den Realitätsgehalt ei-
ner Aussage zulassen. Auch bei Vorliegen von Belastungsmotiven kann der Aussa-
geinhalt erlebnisbegründet sein. Unabdingbarer Bestandteil der Motivanalyse sei 
daher die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte einer Aussage, besonders die 
Umstände der Erstbekundung, der sogenannten Geburtsstunde der Aussage. Der 
Kontext der Erstbeschuldigung sowie das Verhalten und begleitende Emotionen 
des Zeugen oder der Zeugin zu diesem Zeitpunkt seien möglichst genau zu rekon-
struieren (Steller/Volbert, a.a.O, S. 24). Praktisch hilfreich ist nach Steller/Volbert 
(a.a. O, S. 24f., unter Hinweis auf Volbert, Glaubwürdigkeitsbegutachtung bei Ver-
dacht auf sexuellen Missbrauch, Zeitschrift für Kinder - und Jugendpsychiatrie, 
1995, 23, 20-26) die folgende Leitfrage der Glaubwürdigkeitsbegutachtung: 

Könnte dieser Zeuge mit den gegebenen individuellen Voraussetzun-
gen unter den gegebenen Befragungsumständen und unter Berück-
sichtigung der im konkreten Fall möglichen Einflüsse von Dritten diese 
spezifische Aussage machen, ohne dass sie auf einem realen Erleb-
nishintergrund basiert ? 

Liegen Aussagen einer Person über denselben Sachverhalt von verschiede-
nen Zeitpunkten vor, so sind diese zusätzlich auf ihre Konstanz zu prüfen. Es ist ein 
systematischer Aussagevergleich im Hinblick auf Übereinstimmungen, Wider-
sprüche, Ergänzungen und Auslassungen anzustellen. Diese Feststellungen sind 
zu bewerten. Dabei ist hinsichtlich zentraler und peripherer Detailschilderungen zu 
unterscheiden. Nicht jede Inkonstanz stellt einen Hinweis auf mangelnde Glaubhaf-

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tigkeit dar. Gedächtnisunsicherheiten sind häufig eine hinreichende Erklärung für 
Abweichungen bezüglich des Aussageinhalts (Steller/Volbert, a.a.O., S. 25). Die 
Realkennzeichenanalyse setzt voraus, dass die zu beurteilende Aussage tatsäch-
lich ein originäres "Produkt" des oder der Aussagenden darstellt. Zu berücksichtigen 
sind daher auch die Entstehungsbedingungen einer Aussage und ihrer weiteren 
Entwicklung. Die Befragung muss suggestionsfrei erfolgt sein. Zunächst sollte im-
mer versucht werden, durch eine entsprechende Aufforderung einen zusammen-
hängenden Bericht zu erhalten. Anschliessende Fragen sollen zunächst so offen 
wie möglich sein und erst allmählich spezifischer werden (sog. Trichtertechnik). 
Wird einem Zeugen oder einer Zeugin durch geschlossene Fragen nur die Möglich-
keit gegeben, zu bejahen oder zu verneinen, können die oben beschriebenen Re-
alkennzeichen nicht produziert werden (Steller/Volbert, a.a.O., S. 25f.). 

3. Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass A. und I. während rund 2 ½ 
Jahren eine intime Beziehung hatten, welche wegen Streitereien wiederholt been-
det, danach aber wieder aufgenommen wurde. Einigkeit besteht auch darüber, dass 
I. ihm am 9. Mai 2002 mitgeteilt hatte, dass die Beziehung definitiv beendet sei. 
Zwischen dem 11. und dem 29. Mai 2002 hatten sie nur telefonisch Kontakt. (act. 
5.8., S. 6). Fest steht sodann, dass beide in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2002 
an der Schulabschlussfeier im Schulhotel in H. teilnahmen, wo I. einen Teil ihrer 
Ausbildung absolviert hatte. Nach einem (falschen) Feueralarm um ca. 6.30 Uhr 
begaben sie sich kurz in die Eingangshalle. Danach hielten sich beide zunächst im 
Zimmer xxx. von I. und später, nach ca. 11 Uhr, im Zimmer yyy. in ersten Stock auf. 
Diesen Raum verliess I. gegen 13 Uhr. Was in der Zwischenzeit geschah, ist um-
stritten. Fasst man die Darstellung von I. zusammen, folgte ihr A. gegen ihren Willen 
in ihr Zimmer, schlug sie, drückte ein Kissen auf ihr Gesicht, knebelte sie mit einem 
Bademantel und vergewaltigte sie. Nachdem ihre Zimmerkollegin J. wiederholt Ein-
lass verlangt hatte, wurde I. nach ihren eigenen Aussagen gezwungen, mit A. ins 
Zimmer yyy. zu wechseln, wo er noch einmal einen Vergewaltigungsversuch unter-
nommen habe. Wiederholt habe er ihr auch gedroht, sie umzubringen und habe sie 
genötigt, nach seinen Angaben ein Dokument in englischer Sprache zu verfassen 
und zu unterzeichnen. Der Angeklagte bestreitet sämtliche Vorwürfe. I. habe ihn 
gebeten, in ihr Zimmer zu kommen und ihn aufgefordert, zu ihr ins Bett zu kommen. 
Der Geschlechtsverkehr sei in gegenseitigem Einvernehmen erfolgt. Auch beim 
zweiten Vorfall ging die Initiative nach der Darstellung des Angeklagten von I. aus. 
Er habe sofort aufgehört, als sie dann plötzlich gesagt habe, dass sie keinen Sex 
wolle (act. 5.8, S. 3). Aufgrund der nachfolgenden Beweismittel ist zu prüfen, welche 
Sachverhaltsdarstellung das Gericht zu überzeugen vermag. 

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a) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme am Nachmittag des 30. Mai 2002 
(act. 5.1), also noch am Tag der Ereignisse, sagte I. aus, sie habe sich nach der 
Abschlussfeier gegen fünf Uhr in der Früh auf ihr Zimmer begeben. Da sie Lärm vor 
der Türe gehört habe, sei sie nochmals vor die Tür gegangen, wo A. gestanden 
habe. Er habe sie sofort verbal bedroht. Danach sei sie wieder in ihr Zimmer gegan-
gen. Eine Stunde später habe es einen Feueralarm gegeben, weshalb sie sich kurz 
in die Eingangshalle begeben habe. Von dort sei sie direkt in ihr Zimmer gegangen. 
A. sei ihr gefolgt bis ins Zimmer, obwohl sie ihn aufgefordert habe, draussen zu 
bleiben. Auf eine entsprechende Frage hin verneinte sie, dass sie ihm Einlass ge-
währt habe. Er sei aber dennoch hereingekommen und habe ihr gesagt, er wolle 
unbedingt mit ihr reden. Sie hätten sich unterhalten und sie habe ihn aufgefordert, 
er solle jetzt gehen. Dieser Aufforderung habe er keine Folge geleistet, sondern sie 
von vorn mit beiden Händen an den Schultern gepackt und aufs Bett geworfen. Zwi-
schendurch hätten sie wieder miteinander gesprochen. Als sie versucht habe, auf-
zustehen, habe er ihr mit seiner linken offenen Hand vier Ohrfeigen erteilt. Dann sei 
sie ohnmächtig geworden. Sie sei erst wieder zu sich gekommen, als er ihr Gesicht 
mit Wasser bespritzt habe. Während dieses Ablaufs sei er auf ihr gesessen. Als sie 
zu sich gekommen sei, habe sie versucht, aufzustehen und sich das Gesicht zu 
waschen. Da habe er ihr das Kissen ins Gesicht gedrückt. Dabei habe sie Atemnot 
bekommen. Sie habe ihm zugerufen, er solle das Kissen wegnehmen. Dies habe er 
getan. Das Kissen sei blutbefleckt gewesen von den vorher erteilten Schlägen bzw. 
von den verletzten Lippen. Als sie ihn darauf aufmerksam gemacht habe, habe er 
gesagt, dass es sich um sein Blut handelte. Auf die Frage, ob A. sie geschlagen 
habe, sagte sie aus, dass er ihr etwas später erneut ein Kissen ins Gesicht habe 
drücken wollen. Sie habe sich gewehrt, indem sie versucht habe, das Kissen zu 
entfernen. Als dies nicht gelungen sei, habe sie mit den Armen abgewehrt, ihn mit 
den Fingernägeln im Gesicht gekratzt und gegen seine Schultern geschlagen. Auf 
die Frage, ob sie von A. sexuell missbraucht worden sei, antwortete sie mit ja und 
ergänzte, zuvor habe er ihr einen Teil des Bademantels in den Mund gesteckt, damit 
sie nicht habe schreien könne. Gegen ihren Willen habe er ihre Kleider abgestreift. 
Hose und Slip habe er gänzlich ausgezogen. Das T-Shirt habe er nach oben gezo-
gen. Die Frage, ob sie vergewaltigt worden sei, beantwortete sie mit ja. Sein Glied 
sei erregt gewesen. Er habe es ihr in die Scheide eingeführt. Auf eine entspre-
chende Frage hin bestätigte sie, dass es zum Samenerguss gekommen sei. Sie 
führte weiter aus, dass er sich anschliessend ins Badezimmer begeben habe. Als 
sie habe fliehen wollen, habe er sie ergriffen und zurückgedrängt. Er habe zu ihr 
gesagt, dass sie jetzt schlafen solle. Da sie erschöpft gewesen sei, sei sie einge-
schlafen. Er sei im Zimmer geblieben und wohl auch eingeschlafen. Im Verlaufe des 

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Vormittags habe ihre Zimmerkollegin angerufen. Da er noch im Zimmer gewesen 
sei, habe sie ihr nicht alles sagen können. A. habe zu ihr gesagt, sie solle mitteilen, 
dass sie in 45 Minuten kommen könne. Bevor die Kollegin gekommen sei, habe er 
sie gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, wonach sie erstens für alles ver-
antwortlich sei. Den zweiten Punkt habe sie vergessen. Drittens habe sie unter-
schreiben müssen, dass er mit ihrem Einverständnis Sex mit ihr gehabt habe. Nach 
Ablauf der Zeit habe J. erneut angerufen, dass sie jetzt kommen werde. Darauf habe 
er sie aus dem Zimmer gerissen. Im Gang seien sie einem Schulkollegen namens 
M. begegnet. A. habe sie einen Stock tiefer und in ein Zimmer gezogen, in dem G. 
weiter geschlafen habe. A. habe ihr gedroht, sie umzubringen und sich später selber 
das Leben zu nehmen. Um sie umzubringen, habe er sie nach F. mitnehmen wollen. 
Er habe dann G. aufgeweckt und aus dem Zimmer geschickt. Alls sie beide allein 
ihm Zimmer gewesen seien, habe er erneut versucht, sie zu vergewaltigen. Sie 
habe sich geweigert, den Geschlechtsverkehr auszuüben. Sie habe eine Chance 
gesehen, indem sie ihm plausibel gemacht habe, dass sie nach F. kommen werde. 
Zuerst müsse sie aber auf ihr Zimmer gehen, um ihre Sachen zu holen. Um ihm die 
Gewissheit zu geben, dass sie wieder komme, habe sie auf ihre Mutter schwören 
müssen. Sie sei zunächst auf ihr Zimmer gegangen und habe dann ihrem jetzigen 
Freund, B., gesagt, was geschehen sei. Danach sei die Schulleitung informiert wor-
den. 

Vor dem Untersuchungsrichter beschrieb I. am 1. Juni 2002 als Zeugin (act. 
5.5) auf eine entsprechende Frage hin zunächst die Wohnverhältnisse im Schulho-
tel. Dabei erklärte sie insbesondere, dass sie ihrer Zimmerkollegin J. am Morgen 
des 30. Mai 2002 aus Angst vor ihrem Ex-Freund und auf seine Anweisung hin nicht 
geöffnet und sie am Telefon aufgefordert habe, erst nach 30 bis 45 Minuten ins 
Zimmer zu kommen. Nach der Beantwortung der Fragen zu ihrer Beziehung zu A. 
schilderte sie erneut die Ereignisse in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2002. 
Dabei ging sie ausführlicher auf das Geschehen vor dem Ausbruch des Feuera-
larms um 6.30 ein und schilderte zusammengefasst, wie sie während längerer Zeit 
im Korridor vor ihrer Tür mit A. diskutiert habe, während G., den sie in ihr Zimmer 
eingelassen habe, auf einem Stuhl eingeschlafen sei. Sie habe mit A. gesprochen, 
weil sie Angst davor gehabt habe, er würde ihrem jetzigen Freund etwas antun. Den 
Ablauf nach dem Feueralarm um ca. 6.30 Uhr schilderte I. anlässlich der untersu-
chungsrichterlichen Einvernahme ebenfalls detaillierter. G. sei ihnen bis vor die Zim-
mertüre gefolgt, wo A. ihm gesagt habe, er müsse allein mit ihr sprechen, er solle 
ins Zimmer yyy. gehen. In ihrem Zimmer habe A. die Türe mit dem Drehknopf ab-
geschlossen und mit einer endlosen Diskussion begonnen. Sie habe ihm nicht zu-

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gehört, sondern ihn immer wieder aufgefordert, den Raum zu verlassen. Nach eini-
ger Zeit habe sie sich zur Zimmertüre begeben wollen, um ihn hinauszuweisen. In 
diesem Moment habe er sie an den Schultern gepackt und aufs Bett geworfen. Er 
habe sie an den Händen festgehalten und sie gefragt, weshalb sie so unfreundlich 
zu ihm sei. Sie habe eine Jeanshose, ein Top und ein T-shirt getragen. A. habe ihr 
gesagt, sie solle schlafen. Sie habe erwidert, dass er zuerst den Raum verlassen 
müsse. Er habe sie in der Folge losgelassen, zugedeckt und habe ihre Hand ge-
streichelt. Kurze Zeit später sei sie eingeschlafen. Sie sei sehr müde gewesen und 
habe gedacht, dass er den Raum nun verlassen würde. Als sie nach einiger Zeit 
wieder erwacht sei, habe er wach auf dem Boden neben ihrem Bett gelegen. Als sie 
ihn gefragt habe, wie oft sie ihn noch auffordern müsse, das Zimmer zu verlassen, 
sei er sehr wütend geworden, habe sich auf ihren Bauch gesetzt und ihre Hände 
festgehalten. Sie habe begonnen, ihn zu beschimpfen und ihn erneut aufzufordern, 
den Raum zu verlassen. A. sei nun sehr wütend geworden und habe mit der linken 
Hand gegen ihre Wange geschlagen. Er habe ein Kissen genommen und es auf ihr 
Gesicht gedrückt, damit sie nicht habe schreien oder laut sprechen können. Sie 
habe ihre Hand befreien können, die er mit seinen Beinen festgehalten habe und 
habe das Kissen wegdrücken können. Dabei habe sie auch gegen sein Gesicht und 
seine Schultern geschlagen und ihn möglicherweise mit den Fingernägeln verletzt. 
In der Folge habe er mindestens drei Mal mit der linken Hand gegen ihre rechte 
Gesichtshälfte geschlagen. A. sei Rechtshänder, habe aber eine starke linke Hand, 
welche er beim Streiten regelmässig einsetze. Nach den drei Ohrfeigen sei sie be-
wusstlos geworden. Als sie wieder erwacht sei, habe er ihr Wasser ins Gesicht ge-
tröpfelt. Er habe geweint und gesagt, dass ihm das Ganze sehr leid tue. Er habe sie 
auf die Stirn geküsst und ihr gesagt, dass er nichts tun werde, was ihre Gefühle 
verletzen werde. Als sie aus ihrer vermutlich kurzen Ohnmacht erwacht sei, sei A. 
wieder auf ihrem Bauch gesessen. Sie habe ihn mehrfach angefleht, zu gehen. Weil 
sie nun erneut habe schreien wollen, habe er ihr wieder ein Kissen auf das Gesicht 
gedrückt, bis sie Atemnot bekommen habe. Sie habe ihn aufgefordert, loszulassen, 
was er auch getan habe. Wegen ihrer Zahnspange sei dabei die Lippe gesprungen 
und es habe Blut auf dem Kissen gehabt. A. habe behauptet, es sei sein Blut. Sie 
habe aufstehen wollen, um am Lavabo den Mund zu spülen. Er habe dies nicht 
erlaubt und sie aufgefordert, zu schlafen und unter allen Umständen ruhig zu blei-
ben. Wegen ihres tiefen Blutdrucks sei sie kurz darauf eingeschlafen. Irgendwann 
habe das Telefon geläutet. Es sei die Bekannte ihrer Mutter, welche in der Schweiz 
lebe, gewesen. Aufgrund der Umstände habe sie die Frau gebeten, sich später zu 
melden. Etwas später habe sich A. neben sie gelegt. Aufgrund seines Verhaltens 
sei sie davon ausgegangen, dass er Sex mit ihr wolle, worauf sie gesagt habe, dass 

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sie dies nicht wolle. Er habe erwidert, dass er ebenfalls keinen Sex wolle. Gleich-
zeitig habe er aber begonnen, sie im Gesicht, insbesondere auf den Mund, zu küs-
sen. Zudem habe er ihre Hände hinter ihren Rücken geführt. Mit einer Hand habe 
er nun ihre Hände hinter dem Rücken festgehalten, mit der anderen habe er begon-
nen, ihre Jeans auszuziehen. Er sei zu diesem Zeitpunkt noch vollständig angezo-
gen gewesen. Das Hemd habe er schon vorher ausgezogen, als sie geschlafen 
habe. Nun habe er ihre Jeans ausgezogen und das T-Shirt und das Top über die 
Brüste nach oben gezogen. Die Unterhose habe er ihr zusammen mit den Jeans 
ausgezogen. In der Folge habe er begonnen, sie auf die Brüste und zwischen den 
Beinen zu küssen. Sie habe ihre Hände danach kurz befreien und seinen Kopf 
wegdrücken können. Er habe sie aber erneut gepackt und die Hände mit einer Hand 
festgehalten. Gleichzeitig habe er sich mit der anderen Hand seine Jeans und seine 
Unterhose ausgezogen. Mit der freien Hand habe er einen neben dem Bett auf ei-
nem Stuhl liegenden Bademantel gepackt und ihr einen Teil dieses Bademantels 
als Knebel in den Mund gesteckt. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sie ihn immer wieder 
angefleht, es nicht zu tun. Geschrien habe sie nicht, weil dies unter den konkreten 
Umständen keinen Sinn gemacht habe. Dann habe A. sein erregtes Glied in ihre 
Vagina eingeführt und habe Sex mit ihr gehabt. Die ganze Zeit über habe sie den 
"Knebel" im Mund gehabt. Der Sex habe vielleicht 10 Minuten gedauert. Danach 
habe er ihr noch gesagt, dass "er in ihr gekommen sei". Anschliessend habe er den 
Knebel aus dem Mund genommen und begonnen, sie zwischen den Beinen mit 
einer neben dem Bett liegenden Serviette zu reinigen. In dieser Phase habe sie nur 
noch geweint. Nun habe sich A. in die Toilette begeben, worauf sie eine Trainings-
hose angezogen habe und das Zimmer habe verlassen wollen. A. sei aber bereits 
wieder aus der Toilette zurückgekommen und habe sie zurückgehalten. Konkret 
habe er sie gepackt und auf das Bett zurückgebracht. Auf dem Bett sei sie dann 
zwar nicht eingeschlafen, sie sei aber irgendwie wie "abgetreten" gewesen. Viel-
leicht 15 Minuten später habe ihre Zimmerkollegin angerufen und habe wissen wol-
len, wann sie in den Raum kommen könne. Sie habe ihr erklärt, dass sie in 30 bis 
45 Minuten ins Zimmer kommen könne. In der Folge sei A. teilweise nett mit ihr 
gewesen und habe sich fürsorglich um sie gekümmert. Kurze Zeit später habe er zu 
ihr gesagt, dass er sie töten werde. In diesem Zusammenhang habe er auch gesagt, 
dass er sie ersticken werde. Sie habe erwidert, dass er sie auf eine humanere Weise 
umbringen solle, worauf er gemeint habe, er wolle sie kämpfen und leiden sehen. 
Auch als er in dieser Phase nett mit ihr gewesen sei, habe sie das Bett nicht verlas-
sen dürfen und habe ruhig sein müssen. Einige Zeit später habe ihre Kollegin erneut 
angerufen und gesagt, dass sie nun endlich ins Zimmer wolle und die Schulaufsicht 
holen werde, wenn ihr nicht geöffnet würde. Dies habe A. gehört. Er habe sich in 

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der Zwischenzeit - mit Ausnahme des Hemdes - wieder angezogen. In dieser Phase 
habe er sie aufgefordert, insgesamt drei "Abschnitte" in englischer Sprache zu ver-
fassen. Als erstes habe sie festhalten müssen, dass sie für alles Vorgefallene selbst 
verantwortlich sei. An den zweiten Abschnitt könne sie sich nicht erinnern. Im letzten 
Abschnitt habe sie festhalten müssen, dass sie immer freiwillig mit ihm Sex gehabt 
habe. Weil ihre Schrift "zittrig" gewesen sei, habe A. noch mit ihr geschimpft, weil 
sie nicht genügend schön schreiben würde. Den "Brief" habe A. in die Tasche seiner 
Jeans gesteckt. Darauf habe er sie gepackt und sie um 11 Uhr ins Zimmer yyy. 
gebracht. Auf dem Korridor hätten sie M. getroffen. M. habe sie noch gefragt, was 
passiert sei, worauf sie geantwortet habe, "nichts". In ähnlich präziser Weise schil-
derte I. vor dem Untersuchungsrichter anschliessend den genauen Ablauf der Er-
eignisse im Zimmer yyy.. Ihren Angaben zufolge schickte A. G. aus dem Zimmer. 
Er packte I. erneut und versuchte mit erigiertem Glied, sie zu vergewaltigen. Dies-
mal gelang es ihr aber, sich zu befreien. Unter dem Vorwand, ihre Sachen aus ihrem 
Zimmer holen zu müssen, konnte sie das Zimmer schliesslich verlassen (act. 5.5, 
S. 6f.).

Wie bereits anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 1. 
Juni 2002 (act. 5.5) wurde I. auch in der Konfronteinvernahme vom 4. Juni 2002 
(act. 5.8.) auf die strafrechtlichen Folgen einer wissentlich falschen Zeugenaussage 
aufmerksam gemacht. Sie bestätigte ihre Aussagen in Anwesenheit von A. vollum-
fänglich. 

b) A. gab in der polizeilichen Einvernahme vom 3. Juni 2003 (act. 5.6) zu-
sammengefasst an, von I. zur Abschlussfeier in H. eingeladen worden zu sein. Sie 
sei seine Freundin. Er sei auf ihre Aufforderung hin mit ihr in ihr Zimmer gegangen. 
Er habe sie weder geschlagen noch habe er ihr gegenüber Drohungen ausgespro-
chen. Er habe mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt. Da es ihr nicht gut gegangen sei, 
habe er sich auf den Zimmerboden gelegt. Danach habe sie zu ihm gesagt, er solle 
zu ihr ins Bett kommen. Es sei nicht so, dass er sie vergewaltigt habe. Er habe sie 
auch nicht gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben. Sie habe freiwillig mit ihm 
ins Welschland kommen wollen, weil er mit ihr habe zusammen sein wollen. 

Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 4. Juni 2002 
(act. 5.7) äusserte sich A. ebenfalls ausführlicher. Zunächst schilderte er die Ge-
schehnisse vor dem Feueralarm. Daraus ergibt sich im Wesentlichen, dass I. und 
A. zunächst in Begleitung von N. und G. zu ihrem Zimmer gingen. Weiter beschreibt 
er eine Auseinandersetzung zwischen einem Mitschüler namens O. und I.. Sodann 

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gab er zu Protokoll, dass I. betrunken gewesen sei. Deshalb sei er ihr gefolgt, um 
sie ins Zimmer zu begleiten. Zudem habe sie Probleme mit der Blutzirkulation und 
dem Blutdruck. Das wirke sich so aus, dass sie teilweise hysterisch werde und einen 
fast erwürge. Teilweise weine sie nur. Nach dem Feueralarm seien sie zu zweit 
wieder ins Zimmer von I. gegangen. Sie sei damit einverstanden gewesen. Sie habe 
sich wieder ins Bett gelegt und sie hätten noch einige Zeit miteinander gesprochen. 
Danach sei sie eingeschlafen. Er sei die ganze Zeit neben dem Bett auf dem Boden 
gesessen. In dieser Zeit habe er dann das Hemd ausgezogen und die Brieftasche 
etc. auf den Tisch gelegt. Anschliessend habe er eine Schublade geöffnet, um die 
Tabletten für I. zu suchen. In diesem Moment sei sie erwacht und habe gesagt, dass 
er nichts in ihren Schubladen zu suchen habe. Wütend sei sie aber nicht geworden. 
Er habe sie gefragt, ob sie ihre Hose nicht ausziehen möchte, was sie bejaht habe. 
Er habe daher ihre Pyjamahose gesucht, welche er im Schrank gefunden habe. 
Nachdem sie die Pyjamahose angezogen gehabt habe, sei sie wieder eingeschla-
fen. Einige Zeit später sei er ebenfalls wieder eingeschlafen, wobei er auf dem Bo-
den neben dem Bett gelegen habe. Nach etwa zehn Minuten habe sie ihn geweckt 
und gesagt, er solle doch im Bett weiterschlafen. Er habe sich daher ins Bett gelegt. 
Weil sie sich ständig hin - und hergedreht habe, habe er sich wieder auf den Boden 
gelegt. Einige Minuten später habe sie ihn erneut aufgefordert, ins Bett zu kommen. 
Er könne nicht sagen, wann dies gewesen sei, es sei aber noch dunkel gewesen. 
Er habe sich wieder ins Bett gelegt, worauf sie ihren Arm um ihn und ihren Kopf auf 
seine Brust gelegt habe. In der Folge habe sie begonnen, ihn auf den Mund zu 
küssen. Darauf habe das eine das andre ergeben und es sei zum Geschlechtsver-
kehr gekommen. Er habe kein Kondom angezogen. Der Geschlechtsverkehr sei in 
gegenseitigem Einvernehmen erfolgt. Nach der Darstellung von A. hatte er I. später 
im Zimmer yyy. aufgefordert, sich für die Abfahrt nach F. bereit zu machen. Er habe 
neben ihr auf dem Bett gesessen. Sie habe ihn nun zurück auf das Bett gestossen 
und seinen Penis berührt. Drauf habe sie ihn gebeten, sie zwischen den Beinen zu 
küssen, was er auch getan habe. Er habe sie dann aufgefordert, seinen Penis los-
zulassen, weil er mit ihr habe Geschlechtsverkehr machen wollen. Nun habe sie 
aber gesagt, dass sie das nicht wolle. Während dieses Vorfalles habe sie ihm die 
Hose inklusive Unterhose ausgezogen. Als I. keinen Geschlechtsverkehr gewollt 
habe, sei er sofort damit einverstanden gewesen und habe seine Hose angezogen. 
Sie habe sich ebenfalls wieder angezogen. Sie habe ihn noch gefragt, ob er nun 
wütend sei, was er verneint habe. Auf die Frage, ob er I. in der Nacht vom 29. auf 
den 30. Mai 2002 geschlagen habe, antwortete A. mit nein. Bei der ersten Abwehr 
habe er möglicherweise ihr Gesicht berührt, sie aber nicht geschlagen. Auf die 
Frage, ob in dieser Nacht jemand geblutet habe, antwortete er, er denke, dass I. 

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wegen ihrer Zahnspange am Mund geblutet habe. Vermutlich sei es spontan zu 
dieser Blutung gekommen, weil sie trockene Lippen gehabt habe. Er glaube nicht, 
dass dies beim Küssen oder so passiert sei. 

Anlässlich der Konfronteinvernahme vom 4. Juni 2002, anlässlich welcher A. 
als Angeschuldigter in Gegenwart vom I. befragt wurde (act. 5.8), blieb er dabei, 
dass sie ihn gebeten habe, in ihr Zimmer zu kommen und von ihr nicht aufgefordert 
worden sei, das Zimmer zu verlassen. Er bestritt sämtliche Gewaltanwendung und 
blieb bei seiner Darstellung, er habe sie zu nichts gezwungen. Sie beide hätten den 
Geschlechtsverkehr gewollt, wobei die Initiative von ihr ausgegangen sei. Auf die 
Frage nach ihrer Beziehung bestätigte er, dass ihm I. am 9. Mai 2002 gesagt habe, 
dass sie Schluss mache. Sie sei aber trotzdem am 11. Mai zu seiner Abschlussfeier 
gekommen und sie hätten Sex miteinander gehabt. Danach hätten sie regelmässi-
gen telefonischen Kontakt gehabt. Bedroht habe er sie nicht. Er habe sie auch nie 
gehindert, den Raum zu verlassen. Sie sei ja betrunken gewesen und habe Pro-
bleme mit dem Kopf gehabt. Er wisse nichts vom Dokument, von dem I. spreche.

Angesprochen auf die Verletzungen von I., welche anlässlich der ärztlichen 
Untersuchung vom 30. Mai 2002 festgestellt worden waren, gab A. anlässlich der 
untersuchungsrichterlichen Befragung vom 11. Juni an, dass ihre Verletzung an der 
Lippe von der Zahnspange her rühre. Die anderen Verletzungen könne er sich nicht 
erklären. Wie er schon gesagt habe, habe er nur ihr Haar weggestrichen. Er habe 
am Morgen des 30. Mai 2002 weder ein Kissen gegen das Gesicht gedrückt noch 
habe er sie vergewaltigt oder sexuell missbraucht und auch nicht geschlagen. Sie 
habe das Zimmer jederzeit verlassen können (act. 5.16). 

c) A. und I. waren zum Zeitpunkt der behaupteten Übergriffe jeweils allein im 
Zimmer. Weitere direkte Zeugenaussagen gibt es daher nicht. B., der Freund von 
I., gab zu Protokoll, sie sei am 30. Mai 2002 in sein Zimmer gekommen. Sie habe 
sehr ängstlich gewirkt und habe Tränen in den Augen gehabt. Sie sei schockiert 
gewesen. Sie hätten miteinander gesprochen. Sie habe gesagt, A. warte auf sie und 
sie müsse mit ihm gehen. Sie habe ihm weiter gesagt, er werde sie umbringen. Er 
habe daraufhin die Schulleitung informiert (act. 5.4). Anlässlich einer Konfrontein-
vernahme mit A. am 11. Juni 2002 bestätigte B., dass ihn I. am Nachmittag des 30. 
Mai 2002 in seinem Zimmer aufgesucht habe und ihm gesagt habe, dass A. sie 
mitnehmen und umbringen wolle. Sie habe gesagt, sie habe Angst und habe ge-
schockt gewirkt. Sie habe auch gesagt, dass sie mit dem Schuldirektor sprechen 
müsse. Man müsse die Polizei informieren. In der Folge habe er mit I. in seinem 

22

Zimmer gewartet, während M. den Direktor gesucht habe. In der Folge habe ihm I. 
erzählt, das A. nach dem Feueralarm um ca. 6.30 Uhr in ihrem Zimmer gewartet 
habe. Irgendwann habe er sie dann gezwungen, mit ihm ins Zimmer yyy. zu gehen. 
Dort habe G. geschlafen. Als dieser den Raum verlassen habe, habe A. I. sexuell 
missbraucht und geschlagen. Auf die Frage, ob nach der Darstellung von I. bereits 
in ihrem Zimmer etwas geschehen sei, gab B. an, I. sei zu diesem Zeitpunkt einfach 
geschockt gewesen und habe Hilfe haben wollen. Sie habe nichts über Vorfälle in 
ihrem Zimmer erzählt. Er spreche mit ihr nicht über diese Angelegenheit, weil sie 
sonst sofort sehr aufgewühlt sei, wenn er damit anfange. Am Abend des 30. Mai 
2002, als sie ins Spital gegangen seien, habe sie ihm noch erzählt, dass ihre Wange 
und ein Ohr schmerzen würden, weil A. sie geschlagen habe. Zudem seien ihre 
Lippen verletzt gewesen. Sie habe ihm auch gesagt, dass A. ihr dort das Kissen 
gegen das Gesicht gedrückt habe. Dies habe er zweimal gehört. Das erste Mal, als 
sie es P. erzählt habe, zum zweiten Mal am Abend, als sie zur Polizei gefahren 
seien. Zu diesem Zeitpunkt habe sie dann auch gesagt, dass es weh tue (act. 5.14). 
C., der mit B. das Zimmer teilte, bestätigte zusammengefasst, dass I. am 30. Mai 
2002 zu ihnen ins Zimmer gekommen war. Man habe gesehen, dass sie zuvor ge-
weint habe. Sie habe ihnen in der Folge erzählt, dass A. sie geschlagen habe. Von 
Vergewaltigung sei nicht die Rede gewesen. Seiner Meinung nach sage eine Frau 
aus seiner Heimat in Gegenwart von Männern - ausser dem eigenen Freund - nichts 
über sexuelle Sachen (act. 5.11). M. (act. 5.3) bestätigte, A. und I. zwischen 10 und 
11 Uhr im Korridor begegnet zu sein. I. habe geweint und sei nervös gewesen. Er 
habe versucht, mit ihr zu sprechen. Da A. I. mit den Augen scharf beobachtet habe, 
habe zwischen ihnen kein Gespräch stattgefunden. J., der Zimmerkollegin von I., 
war nichts aussergewöhnliches aufgefallen, als sie um 6.15 Uhr erstmals in ihr ge-
meinsames Zimmer wollte. Die Tür sei verschlossen gewesen und sie habe drinnen 
Musik und eine männliche Stimme gehört, auf ihr Klopfen hin habe aber niemand 
geöffnet. Als sie um 9.30 ins Zimmer angerufen und um Einlass gebeten habe, sei 
I. am Telefon sehr traurig gewesen und habe ihr gesagt, dass sie in etwa dreissig 
Minuten kommen solle, worauf sie den Hörer aufgelegt habe. Um 10.15 habe sie 
erneut telefoniert, worauf I. wieder das Telefon abgenommen habe. Im Hintergrund 
habe sie gehört, wie eine männliche Stimme I. beschimpft habe. Diese habe geweint 
und ihr gesagt, sie solle später kommen. Sie habe jedoch gehört, dass ein Mann 
bei ihrer Zimmerkollegin gewesen sei. Sie habe I. daher gesagt, dass sie den Haus-
wart holen werde, wenn sie ihr nicht öffnen würde. I. habe die Sprechmuschel ab-
gedeckt und ihr ca. zwei Minuten später gesagt, dass sie auf ihr Zimmer kommen 
könne. Sie habe daraufhin ihre Schuhe angezogen und sei drei Minuten später im 
gemeinsamen Zimmer gewesen. Die Zimmertüre sei offen gestanden und es sei 

23

niemand mehr im Zimmer gewesen. Auf dem Zimmer habe sie das Portemonnaie 
und das Hemd von A. gesehen. Auf Befragen hin erklärte J., dass sie beim ersten 
Telefon noch keine Bedenken gehabt habe. Beim zweiten Telefon habe sie gehört, 
wie I. weinte und wie A. sie beschimpfte, worauf sie ihr gesagt habe, sie würde den 
Hauswart rufen. Als sie ins Zimmer gekommen sei, sei niemand mehr dort gewesen. 
Erst als sie das Zimmer um 13.30 habe verlassen wollen, sei I. weinend gekommen 
und habe nach der Polizei verlangt. Sie habe geschwollene Augen gehabt, habe 
immer noch ihr langes Pyjama getragen und habe glaublich links ein Würgemal ge-
habt. Sie habe ihr erklärt, dass ihr A. nach dem Feueralarm aufs Zimmer gefolgt sei 
und sie vergewaltigt habe (act. 5.10). G. schilderte anlässlich der rechtshilfeweisen 
Einvernahme durch die Kantonspolizei Neuenburg (act. 5.12) die Geschehnisse vor 
dem Feueralarm. Danach sei er gleich ins Zimmer yyy. gegangen, wo er geschlafen 
habe. Gegen 10 Uhr habe es geklopft und I. und A. hätten vor der Tür gestanden. 
Beide hätten recht entnervt ausgesehen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt habe ihn 
A. aufgefordert, O. zu suchen. Er sei hinuntergegangen und dort geblieben. Später 
habe er im Auftrag von A. nach I. gesucht und sie im Zimmer von B. gefunden, wo 
auch der Schulverantwortliche gewesen sei. I. sei es schlecht gegangen. Auf der 
Heimfahrt sei A. angerufen worden und habe erfahren, dass I. ihn beschuldige, sie 
vergewaltigt zu haben. Auf eine entsprechende Frage hin verneinte G., am Körper 
oder im Zimmer von I. Spuren von Gewalt gesehen zu haben. Er gab aber an, dass 
ihm A. auf dem Rückweg nach F. anvertraut habe, dass er I. eine Ohrfeige gegeben 
habe, worauf sie geblutet habe (act. 5.12, S. 3). P., Lehrer an der Hotelfachschule, 
gab schliesslich an, er sei am 30. Mai 2002 gegen 13 Uhr zu I. gerufen worden. Sie 
sei nervös gewesen und habe geweint. Sie habe gesagt, das A. von Freunden ein-
geladen worden sei. In der Folge habe sie ihm jeweils bruchstückhaft einzelne Se-
quenzen erzählt. So habe sie gesagt, dass A. ihr ein Kopfkissen aufs Gesicht ge-
drückt habe, bis sie nicht mehr habe atmen können. Sie habe auch etwas von einer 
Notiz erzählt, welche sie auf Druck von A. habe schreiben und unterschreiben müs-
sen. Weiter erklärte sie, dass sie geschlagen worden sei. Sie habe auch geschwol-
lene Lippen und am Hals einen blauen Flecken gehabt. Weiter habe sie angegeben, 
in der Nacht mit A. im Korridor gesprochen zu haben, was der Sicherheitsmanager 
bestätigen könne. Auf der Vorladung könne er sehen, dass es um eine Vergewalti-
gung gehe. Hiervon habe sie ihm nichts gesagt. Sie sei wohl zu aufgeregt gewesen 
und dies sei möglicherweise zu persönlich gewesen. Sie habe etwas von Miss-
brauch gesagt. Intime Sachen habe sie aber nicht erzählt (act. 5.13, S. 2). 

d) Die Assistenzärztin im Frauenspital Fontana in Chur stellte anlässlich ihrer 
Untersuchung vom 30. Mai 2002 Blutungen an der Oberlippe und hinter der rechten 

24

Ohrmuschel (Punktblutung), eine Rötung sowie einen kleinen Blaufleck am Halsbe-
reich links fest. Im Genitalbereich waren keine Verletzungen sichtbar, aber es be-
stand eine verstärkte Tastempfindlichkeit. Die Ärztin hielt fest, dass die Patientin 
Angst vor dem Täter habe, da er ihrem Leben gedroht habe (act. 4.8). Im ausführli-
chen Bericht vom 6. Juni 2002 zur Untersuchung vom 30. Mai 2002 (act. 4.13) fasst 
die Ärztin zunächst den Sachverhalt zusammen, wie er ihr von der Patientin geschil-
dert wurde. Die Darstellung entspricht im Wesentlichen den Angaben, welche I. 
auch gegenüber der Polizei gemacht hat. Die Ärztin erlebte I. beschämt und etwas 
verunsichert, aber durchaus offen im Gespräch. Sie präzisierte das Ergebnis der 
körperlichen Untersuchung und des gynäkologischen Status und gelangte zum 
Schluss, dass die Beschreibung des Übergriffs in sich kohärent sei. Der psychische 
Zustand scheine weniger durch den Übergriff als mehr durch die Lebensbedrohung 
durch den ehemaligen Partner hervorgerufen zu sein. Die Patientin habe grosse 
Angst. 

Der Rechtsmediziner K. stützte sich in seinem Gutachten vom 8. Juli 2002 
(act. 4.16) auf die Untersuchung und den Bericht der Assistenzärztin des Frauen-
spitals vom 30. Mai 2002, auf eine kurze Befragung zur Gewaltanwendung sowie 
auf die polizeilichen und untersuchungsrichterlichen Einvernahmen. Er stellte bei I. 
folgende Verletzungen fest: Hinter dem rechten Ohr wurde eine kleine Gruppe (ca. 
3-4) von nicht wegwischbaren Blutpunkten gefunden, die sich klar absetzte von 
Hautunreinigkeiten und kleinen Pickeln. An der Innenseite der Oberlippe links fand 
sich eine kleine Schleimhautverletzung (ca. 3x4 mm), passgenau zur Zahnspange. 
Daneben fanden sich minimal 3, evt. 4 oder 5 weitere typische punktförmige Blutun-
gen in der Lippenschleimhaut. Bei der Untersuchung der Nase mit einem grossen 
Kaliber eines Ohrspiegels fanden sich weitere kleinste, feine, punktförmige Blutun-
gen, sowohl rechts wie auch links, von denen er schätzte, dass es je 3-4 Punktblu-
tungen waren. Eine genaue Anzahl konnte nicht angegeben werden, da kleinste 
Befunde nicht sicher zu interpretieren sind. Die Trommelfelle waren beidseits frei 
ohne Blutungen. Ein Versuch mit Nasenschneuzen in ein weisses Papier zeigte 
keine Blutreste. In der Gesichtshaut fanden sich wahrscheinlich keine Blutungs-
punkte, wobei verschiedene frische und ältere Hautunreinigkeiten eine sichere Dia-
gnose nicht möglich machten. Über dem Kehlkopfbereich gab es keine sichtbaren 
Spuren. An der linken Halsseite über der Halsvene war eine 3.5 x 1.5 cm grosse 
Stelle mit einer Hautunterblutung, die zentral recht deutlich war und gegen peripher 
auslief. Eine bestimmte Form konnte nicht erkannt werden. Der Befund war frisch. 
Als Ergebnis der medizinischen Untersuchung vom 30. Mai 2002 fasste K. zusam-
men, dass die Bewusstlosigkeit und die nachgewiesenen Blutungspunkte an ver-

25

schiedenen Stellen Ausdruck von erheblicher Gewaltanwendung, Blutunterversor-
gung im Gehirn und Stauung in den Gefässen seien. Er beantwortete die Frage 
nach Lebensgefahr mit ja. Die festgestellten Verletzungen stützen nach Auffassung 
des Gutachters die Aussagen der Geschädigten, sie sei geschlagen worden und 
man habe ihr mit einem Kissen die Luft abgedrückt. Hinweise auf eine Selbstbe-
schädigung fand der Experte nicht. 

Im zusätzlichen Bericht vom 17. Oktober 2002 (act. 4.21) bestätigte K. nach 
erneuter Sichtung des gesamten Aktenmaterials, dass die Aussagen der Anzeige-
erstatterin glaubhaft seien. Da der Angeschuldigte für eine körperliche Untersu-
chung nicht greifbar gewesen sei, liessen sich die von ihm geltend gemachten 
Schläge und Fusstritte durch I. weder nachweisen noch könnten sie ausgeschlos-
sen werden. Die Auswertung der Blutprobe, welche I. am 30. Mai 2002 entnommen 
worden sei, habe keinen Alkohol ergeben (vgl. act. 4.19). Die Frage, ob I. zum Zeit-
punkt der Untersuchung alkoholisiert gewesen sei, könne daher verneint werden. 
Falls die Aussage, dass I. während des Festes Alkohol konsumiert habe, richtig sei, 
könne während des Festes, d.h. 16 Stunden vor Blutentnahme, ein Blutalkoholkon-
sum bis 2.4 ‰ vorgelegen haben, welcher sich dann unter Annahme eines stündli-
chen Abbaues von 0.051 ‰ bis zur medizinischen Untersuchung auf 0 reduziert 
hätte. Isoptin, welches L. verordnet habe, sei ein Betablocker, welcher weder in die 
Alkoholphysiologie eingreife noch die Alkoholwirkung vermindern oder verstärken 
könne. Im übrigen stehe nicht fest, ob das Isoptin an diesem Tag tatsächlich ge-
nommen worden sei.

Der Hausarzt L. teilte dem Untersuchungsrichter am 7. Juni 2002 mit, dass 
ihn I. im Mai 2002 vier Mal aufgesucht habe. Im Vordergrund seien neurovegetative 
Störungen sowie anfallsartige Kopfschmerzen gewesen. Sie habe ihm von ihren 
Beziehungsproblemen mit einem Studenten berichtet, welcher sie mit fast täglichen 
Telefonanrufen und Besuchen belästige. Er habe versucht, die Patientin mit dem 
Medikament Isoptin prophylaktisch zu behandeln, worauf sie scheinbar positiv rea-
giert habe. Bezüglich der Kreislaufstörungen leide I. zwar unter einem relativ tiefen 
Blutdruck, sei diesbezüglich gemäss seinen Erkenntnissen aber beschwerdefrei. 
Hysterische oder hysteriforme Reaktionen seien ihm nicht bekannt. Insgesamt be-
urteile er die Patientin als psychisch nicht auffällige Persönlichkeit mit situationsbe-
dingter emotionaler Reaktion (act. 4.12). 

4.a) Ausgangspunkt für die Würdigung dieser Beweismittel sind die Aussa-
gen der Anzeigeerstatterin. Betrachtet man die erste Aussage von I. bei der Polizei 

26

(act. 5.1) näher, so fällt auf, dass relativ viele geschlossene Fragen gestellt wurden, 
welche von I. jeweils relativ knapp beantwortet wurden. Da offene Schilderungen 
weitgehend fehlen, kann diese Aussage nur schlecht analysiert und auf die in E. 3 
b) beschriebenen Realkennzeichen hin überprüft werden. Immerhin kann gesagt 
werden, dass die Aussagen des Opfers dort, wo es das Geschehen frei wiedergibt, 
logisch konsistent wirken. I. erwähnt von sich aus Details, welche ins Bild passen. 
Auf die Frage, ob sie von A. sexuell missbraucht wurde, antwortet sie beispielsweise 
mit ja und ergänzt dann, er habe ihr zuvor einen Teil des Bademantels in den Mund 
gesteckt, damit sie nicht habe schreien können. Gegen ihren Willen habe er ihre 
Kleider abgestreift. Dann präzisiert sie spontan, dass er ihr die Hose und den Slip 
ganz ausgezogen, das T-shirt nach oben gezogen habe (act. 5.1, S. 2). Konkret und 
anschaulich schildert sie auch die Ereignisse nach der Vergewaltigung. So erwähnt 
sie die Störung im Handlungsablauf, nämlich die von J. bestätigten Telefonanrufe, 
den dadurch notwendigen Zimmerwechsel und die Begegnung mit M. auf dem Kor-
ridor, welche dieser ebenfalls bestätigt. Bereits im ersten Protokoll gesteht sie be-
züglich des Dokumentes, welches sie ihren Aussagen zufolge unterzeichnen 
musste ein, dass sie nicht mehr wisse, was als zweiter Punkt aufgeführt gewesen 
sei. Sie entlastet den Angeklagten insofern, als sie von Anfang an klar sagte, dass 
er im zweiten Zimmer lediglich zu einem Vergewaltigungsversuch gekommen sei 
(S.3). Insgesamt sind in der ersten Darstellung einige Realkennzeichen auszuma-
chen, welche darauf hindeuten, dass sich die Aussagen von I. auf tatsächlich Erleb-
tes beziehen. 

Die Aussagen, welche I. unter Hinweis auf die strafrechtlichen Folgen fal-
scher Zeugenaussage vor dem Untersuchungsrichter machte, sind offener und da-
her einer Analyse besser zugänglich (act. 5.5). Nach der Beantwortung der Fragen 
zu den Wohnverhältnissen im Schulhotel und zur Beziehung zu A. schildert sie - 
offen befragt nach den Ereignissen in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2002- 
zunächst die Geschehnisse nach dem Fest ausführlicher und macht dann - notiert 
auf rund 4 ½ Schreibmaschinenseiten - detaillierte Angaben zum gesamten Tather-
gang bis zum Zeitpunkt, wo sie unter einem Vorwand das zweite Zimmer verlassen 
und Hilfe holen konnte. Unter dem Blickwinkel der allgemeinen Merkmale gemäss 
der Kategorisierung der Realkennzeichen nach Steller und Köhnken (vgl. oben E. 2 
c) kann festgehalten werden, dass die Aussage in ihrer Gesamtheit logisch konsis-
tent wirkt und einen quantitativ hohen Detailreichtum aufweist. Die Darstellung ist 
chronologisch und ergibt ein geschlossenes Bild der Geschehnisse. Betrachtet man 
die einzelnen Aussageinhalte, so erscheinen die Schilderungen konkret und an-
schaulich. I. beschreibt beispielsweise ganz genau und ohne weiteres nachvollzieh-

27

bar, wie A. sie vor der Vergewaltigung festgehalten hatte, um zunächst sie und dann 
sich selbst auszuziehen, wie sie ihn angefleht habe, es nicht zu tun, bis er ihr den 
Bademantel in den Mund gestopft habe und dass sie nicht versucht habe, zu 
schreien, weil dies angesichts der konkreten Umstände keinen Sinn gemacht hätte 
(act. 5.5, S. 5). Was die speziellen Inhalte betrifft, kommen sowohl raum-zeitliche 
Verknüpfungen als auch Interaktionsschilderungen vor. I. sagt aus, dass sie vor 
dem Flur längere Diskussionen darüber hatten, weshalb sie sich neu habe verlieben 
können (act. 5.5, S. 4). Sie erinnert sich daran, dass er ihr nach der Vergewaltigung 
gesagt habe, dass "er in ihr gekommen sei" (a.a.O, S. 5 unten). Bei der Darstellung 
des Handlungsablaufs nach der Vergewaltigung erwähnt sie, wie er ihr sagte, er 
werde sie töten. In diesem Zusammenhang habe er auch gesagt, er werde sie er-
sticken. Sie habe erwidert, dass er sie auf humanere Weise umbringen solle, worauf 
er gemeint habe, dass er sie kämpfen und leiden sehen wollen. Sie gibt damit ein-
zelne Gesprächsinhalte wieder. Was die inhaltlichen Besonderheiten betrifft, fällt die 
Schilderung von Einzelheiten auf. Als Beispiel für eine nebensächliche Einzelheit 
diene die Begegnung mit G. und A. am Fest, wo sie angibt, sie habe zu wenig Münz 
gehabt, weshalb sie sich an G. gewandt habe. Dieser habe 10 Rappen zu wenig 
gehabt, worauf ihr A. dieses Geld in die Hand gedrückt habe. Sie habe dies anfäng-
lich nicht gewollt, habe dann aber angenommen (S. 3 unten). Nebenbei sagte sie 
anlässlich der polizeilichen Einvernahme aus, dass bei der Auseinandersetzung ein 
Hemdknopf abgerissen sein müsse oder das Hemd zerrissen sein müsse (act. 5.1, 
S. 4). Tatsächlich stellte die Polizei fest, dass beim Hemd des Angeklagten, das 
dieser zur Tatzeit trug, von den vier Knöpfen der zweit unterste fehlte (vgl. act. 4.1, 
S. 7). Als eher ausgefallene Einzelheit erwähnt sie, dass sie auf ihre Mutter habe 
schwören müssen, wiederzukommen, als sie schliesslich das Zimmer verlassen 
konnte (act. 5.5, S. 7). Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch ihre Aussa-
gen zum Dokument, welches sie auf seine Aufforderung hin vor dem Verlassen ih-
res Zimmers habe schreiben müssen. I. sagte dazu in der untersuchungsrichterli-
chen Einvernahme (a.a.O., S. 6) aus, dass sie drei Abschnitte in englischer Sprache 
habe verfassen müssen. Als erstes habe sie festhalten müssen, dass sie für alles 
Vorgefallene vollständig selbst verantwortlich sei. An den Inhalt des zweiten Ab-
schnittes könne sie sich nicht mehr erinnern. Im dritten Abschnitt habe sie festhalten 
müssen, dass sie immer freiwillig mit ihm Sex gehabt habe. Weil ihre Schrift "zittrig" 
gewesen sei, habe A. noch mit ihr geschimpft, weil sie nicht genügend schön schrei-
ben würde. Den "Brief" habe er in die Tasche seiner Jeanshose gesteckt. Sie schil-
dert diese inhaltliche Besonderheit detailliert, erinnert sich an den eher nebensäch-
lichen Umstand, dass A. ihre Schrift beanstandete und gesteht alsdann ein, dass 
sie den Inhalt des zweiten Abschnittes vergessen habe. Dass eine solche Schilde-

28

rung nicht auf einem realen Hintergrund beruht, erscheint wenig wahrscheinlich. Es 
ist auch kein Grund ersichtlich, weshalb sie diese Einzelheit hätte erzählen sollen, 
würde sie nicht der Wahrheit entsprechen. I. beschreibt sowohl eigene psychische 
Vorgänge als auch psychische Vorgänge bei A.. So sagt sie, dass dieser wütend 
geworden sei, als sie ihn wiederholt aufgefordert habe, den Raum zu verlassen 
(a.a.O., S. 4 unten). Er habe geweint und ihr gesagt habe, es tue ihm leid, nachdem 
er sie geohrfeigt und das Kissen aufs Gesicht gedrückt habe (a.a.O., S. 5). Nach 
der Vergewaltigung sei er mit ihr teilweise nett gewesen und habe sich fürsorglich 
um sie gekümmert. Kurze Zeit später habe er ihr gesagt, dass er sie töten werde 
(a.a.O, S. 6). Bevor sie das Zimmer habe verlassen können, habe er sie umarmt 
und auf die Stirn geküsst (a.a.O, S.7). Dass sich der Ex-Freund A., der von ihr ver-
lassen wurde, in der geschilderten Weise ambivalent verhalten hat, ist durchaus 
plausibel. Von sich selbst sagt I., dass sie nur noch geweint habe, als A. sie nach 
der Vergewaltigung mit einer neben dem Bett liegenden Serviette gereinigt habe. 
Sie sei danach zwar nicht eingeschlafen, aber wie "abgetreten" gewesen (a.a.O, S. 
6). Diese Gefühle, welche das Opfer zum Ausdruck bringt, sind ohne weiteres nach-
vollziehbar. Phasenweise mögen die Depositionen zu ihrer Situation auf Aussen-
stehende dramatisch erscheinen. Aus Sicht des Opfers, das sich stundenlang in der 
Gewalt seines Ex-Freundes befand, welcher am fraglichen Morgen unberechenbar 
und gewalttätig war, erscheint die Darstellung aber nicht übertrieben. Gegen Über-
treibungen des Opfers sprechen insbesondere die ärztlichen Befunde, auf welche 
noch näher eingegangen wird. Es entsteht auch nicht der Eindruck, I. habe die Er-
eignisse zu ihren eigenen Gunsten auszuschmücken versucht. So belastet sie sich 
einerseits selbst, indem sie aussagt, sie habe gegen sein Gesicht und seine Schul-
tern geschlagen und ihn möglicherweise mit den Fingernägeln verletzt (act. 5.1, S. 
2, act. 5.5, S. 4f.). Solche Aussagen würde eine falsch aussagende Zeugin kaum in 
ihre Deposition aufnehmen. Andererseits erklärte sie auch bei dieser Einvernahme, 
dass sie sich beim späteren Übergriff im zweiten Zimmer erfolgreich habe zur Wehr 
setzen können und es beim Vergewaltigungsversuch geblieben sei (act. 5.5, S. 7, 
vgl. 5.1, S. 3; 5.8, S. 5f.). Sie verzichtet also darauf, die Ereignisse zusätzlich zu 
dramatisieren. Auch dies spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage. Zusammen-
fassend kann festgehalten werden, dass in der untersuchungsrichterlichen Aussage 
eine Vielzahl von Realkennzeichen vorkommen, was als starkes Indiz dafür gewer-
tet werden kann, dass die Aussagen von I. auf einer realen Erlebnisgrundlage be-
ruhen. 

Die Konfronteinvernahme vom 4. Juni 2002 (act. 5.8) besteht weitgehend aus 
konkreten Fragen des Untersuchungsrichters und Antworten von A. und I.. Eine Re-

29

alkennzeichenanalyse ist daher kaum möglich. Immerhin kann auch hier festgehal-
ten werden, dass die Aussage insgesamt folgerichtig wirkt und sich I. zu den einzel-
nen Fragen, die ihr gestellt wurden detailliert und konkret äusserte (vgl. etwa zur 
Frage nach dem Kissen und ihren Verletzungen, a.a.O, S. 2ff.). Dass sie die Verge-
waltigung an sich nicht näher beschrieb, erstaunt nicht. Sie wollte sich zum Ge-
schlechtsverkehr nicht noch einmal äussern (act. 5.8, S. 5) - wohl auch aus Scham 
(vgl. dazu die Einschätzung der untersuchenden Ärztin, act.4.13, S. 2). Zu den Ein-
zelheiten wurde sie auch nicht befragt. Auch in dieser Einvernahme verzichtete sie 
auf eine Mehrbelastung des Angeklagten, indem sie etwa die Frage, ob A. sie ge-
würgt habe, klar verneinte (a.a.O., S. 3), und ergänzte, er habe ihr aber das Kissen 
gegen das Gesicht gedrückt. Sie bestätigte auch in Gegenwart des Angeklagten 
sämtliche früheren Aussagen, war aber durchaus bereit, anzuerkennen, wenn A. 
aus ihrer Sicht zutreffende Einzelheiten ergänzte. So blieb sie klar und bestimmt 
dabei, dass sie wegen der blutenden Lippe zum Lavabo habe gehen wollen, um 
den Mund auszuspülen, was A. nicht zugelassen habe. Er habe sie gepackt und 
aufs Bett geworfen, er sei stärker als sie (a.a.O., S. 4 unten). Sie räumte aber auch 
ein, dass es stimme, dass ihr A. in einem Plastikbehälter etwas Wasser gebracht 
habe, das sie auch getrunken habe (a.a.O., S. 5). Insgesamt sprechen also auch 
die Aussagen und das Verhalten anlässlich der Konfronteinvernahme für die Sach-
verhaltsdarstellung des Opfers. 

b) Vergleicht man die Aussagen vor den Untersuchungsorganen und der Ärz-
tin, so fällt auf, dass I. die Ereignisse am fraglichen Morgen in den wesentlichen 
Zügen immer gleich schildert. Insbesondere kommt in allen Einvernahmen klar zum 
Ausdruck, dass der Geschlechtsverkehr mit A. gegen ihren Willen erfolgte. Die erste 
Einvernahme vor der Polizei fiel zwar wie üblich knapper aus als die spätere unter-
suchungsrichterliche Befragung. Das Protokoll enthält aber bereits den gerafften 
Ablauf des Sachverhaltes, welcher zur Anklage führte. I. beschreibt darin verbale 
Auseinandersetzungen, Ohrfeigen, das Kissen auf ihrem Gesicht und die damit ver-
bundene Atemnot, die Verletzung an der Lippe, welche geblutet hat, die Knebelung 
mit dem Bademantel, die Vergewaltigung, das Dokument, welches sie hat unter-
zeichnen müssen, den Zimmerwechsel, welcher J. mit ihrem Anruf provozierte, die 
versuchte Vergewaltigung im zweiten Zimmer, die Drohungen und schliesslich das 
Verlassen des Zimmers unter dem Vorwand, ihre Sachen holen zu müssen. In der 
untersuchungsrichterlichen Einvernahme schildert sie im Wesentlichen denselben 
Tathergang detaillierter, ohne sich dabei in nennenswerte Widersprüche zu ihrer 
ersten Aussage zu verstricken. Auch in der Konfronteinvernahme mit A. blieb I. bei 
ihrer Darstellung. Schliesslich schilderte sie den Ablauf jenes Morgens gegenüber 

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der Ärztin im Frauenspital Fontana konstant in gleicher Weise (act. 4.13). Insbeson-
dere die untersuchungsrichterliche Einvernahme, aber auch die Konfronteinver-
nahme enthält gegenüber der Aussage bei der Polizei detailreiche, nachvollzieh-
bare Ergänzungen, welche das Bild der Ereignisse vervollständigen. Wohl sind bei 
genauerem Hinsehen gewisse Ungereimtheiten auszumachen. So enthält das Pro-
tokoll der polizeilichen Befragung beispielsweise nur ganz kurze Angaben zum Ab-
lauf bis zum Feueralarm (act. 5.1, S. 1). I. sagte dazu lediglich aus, dass A. vor 
ihrer Tür gestanden sei und sie sofort verbal bedroht habe. G. bleibt unerwähnt. In 
der untersuchungsrichterlichen Einvernahme führte sie dagegen aus, dass sich A. 
mit G. im Flur vor ihrem Zimmer aufgehalten habe. Sie habe A. gefragt, was er hier 
tue. Nach einem kurzen Gespräch habe G. nach einem Stuhl gefragt, worauf sie ihn 
ins Zimmer gelassen habe. A. habe ebenfalls ins Zimmer kommen wollen, um mit 
ihr zu sprechen. Sie habe ihn aber klar aufgefordert, draussen zu bleiben. Er sei 
daher vor der Türe gestanden und habe längere Zeit mit ihr darüber diskutiert, wes-
halb sie sich neu habe verlieben können. Während dieser Diskussion sei G. irgend-
wann auf dem Stuhl eingeschlafen. Schliesslich habe sie die Diskussion mit A. be-
endet und habe die Zimmertüre zugemacht, sich aufs Bett gelegt und sei in den 
Kleidern eingeschlafen. Um 6.30 Uhr habe A. an die Türe geklopft und gesagt, dass 
Feueralarm sei (act. 5.5, S. 4). Solche Differenzen sind bei der Schilderung einer 
Tat indessen unvermeidlich und können sich auch aus der Befragungssituation er-
geben. So ist es durchaus üblich, dass die erste polizeiliche Befragung kürzer aus-
fällt. Die Tatsache, dass I. bei der ersten Einvernahme nicht erwähnte, dass auch 
G. zugegen war, und der Umstand, dass sie im ersten Protokoll von Beschimpfun-
gen, im zweiten von Diskussionen spricht, muss insbesondere auch deshalb kein 
Hinweis auf mangelnde Glaubhaftigkeit sein, weil es sich um eine insgesamt doch 
nebensächliche Detailschilderung handelt. Die Zeit vor dem Feueralarm bleibt denn 
auch in der Konfronteinvernahme (act. 5.8) wieder unerwähnt; danach wurde, da 
nicht relevant, nicht gefragt. G. war für I. kein Unbekannter, sondern ebenfalls ein 
Hotelfachstudent, der seinen eigenen Angaben zufolge mit ihr und mit A. befreundet 
war (act. 5.17, S. 2). Er kam von auswärts, hatte also kein eigenes Zimmer in H., 
wo er sich bis in den Morgen hinein am selben Schulfest aufgehalten hatte. Trotz 
der möglicherweise strengeren Sitten im Heimatland der Beteiligten ist es unter die-
sen Umständen entgegen der Auffassung des Verteidigers auch nicht weiter unge-
wöhnlich, dass I. G. in ihr Zimmer liess, damit er schlafen konnte. Die Staatsanwalt-
schaft erwähnt, dass I. anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme zu 
Protokoll gab, dass ihr A. zweimal ein Kissen auf ihr Gesicht gedrückt hat (act. 5.5, 
S. 4 und 5), während sie in der Konfronteinvernahme von mehrmaligem Drücken 
spricht (act. 5.8, S. 2f.). Gedächtnisunsicherheit bei der Schilderung eines länger-

31

dauernden Ereignisses ist in diesem Fall zweifellos eine ausreichende Erklärung für 
die unterschiedliche Beschreibung. Immerhin bringt I. in allen Protokollen mit aller 
Klarheit zum Ausdruck, dass ihr A. ein Kissen aufs Gesicht drückte, dass sie des-
halb in Atemnot geriet, dass sie sich zur Wehr setzte und er dann von ihr abliess, 
dass sie aber eine Verletzungen an der Lippe erlitten hatte, welche blutete (act. 5.1, 
S. 2; 5.5, S. 5, 5.8, S. 2f.). Zusammenfassend kann somit gesagt werden, dass das 
Opfer zu verschiedenen Zeitpunkten gegenüber verschiedenen Personen konstant 
dieselben Vorwürfe gegen den Angeklagten erhoben hat. Wesentliche Wider-
sprüche zwischen den einzelnen Aussagen sind nicht auszumachen. Es kommen 
sowohl Auslassungen als auch Ergänzungen vor, welche aber keine Zweifel an der 
Glaubhaftigkeit der Aussagen aufkommen lassen. 

c) Rekonstruiert man die Entstehungsgeschichte der Aussagen von I. , so 
ergibt sich aus der Befragung der Zeugen B. (act. 5.4, 5.14, S. 2) und C. (act. 5.11, 
S. 3), dass sich I. nach den von ihr geschilderten Übergriffen durch A. gegen 13.30 
Uhr in deren Zimmer begab und die Geschehnisse zumindest bruchstückhaft er-
zählte. Sie wollte mit dem Schuldirektor sprechen und die Polizei informieren. Dar-
aufhin wurde der Lehrer P. geholt. Auch ihm erzählte I. einzelne Sequenzen. Nach 
einer Besprechung mit dem stellvertretenden Direktor wurde I. auf ihren Wunsch hin 
zur Polizei begleitet (Aussage P., act. 5.13), wo sie am Nachmittag des 30. Mai 2002 
um 17.15 Uhr befragt wurde (act. 5.1). Gleichentags um 21.20 Uhr fand die Unter-
suchung im Frauenspital Fontana statt (act. 4.8, 4.13). Am 1. Juni 2002 wurde sie 
vom Untersuchungsrichter als Zeugin einvernommen (act. 5.5), am 4. Juni fand eine 
Konfronteinvernahme mit I. und A. statt (act. 5.8). Vor diesen Einvernahmen wurde 
sie auf die Wahrheitspflicht und auf die Folgen einer Falschen Zeugenaussage auf-
merksam gemacht. Angaben zum Sachverhalt machte I. am 30. Mai 2002 zudem 
gegenüber der sie untersuchenden Ärztin des Frauenspitals Fontana (act. 4.13) und 
gegenüber mehreren Zeugen. Die ersten belasten Aussagen erfolgten somit unmit-
telbar nach der geschilderten Tat und zwar ohne Beeinflussung durch Drittperso-
nen. 

d) J., welche I. am Morgen des 30. Mai 2002 zweimal, gegen 9.30 Uhr und 
gegen 10.15 Uhr, angerufen und um Einlass ins gemeinsame Zimmer gebeten 
hatte, sagte aus, dass ihre Zimmerkollegin am Telefon sehr traurig gewesen sei. 
Beim zweiten Telefon habe sie geweint, im Hintergrund habe sie gehört, wie I. von 
einer männlichen Stimme beschimpft worden sei. Sie begegnete ihrer Zimmerkolle-
gin erst gegen 13.30 Uhr, als I. weinend ins Zimmer kam. Die Augen seien ge-
schwollen gewesen, sie habe immer noch das Pyjama getragen und habe glaublich 

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links ein Würgemal gehabt (act. 5.10, S. 3f.). M. begegnete I. und A. am 30. Mai 
2002 zwischen 10 und 11 Uhr im Korridor im 1. Stock des Schulhotels. Er gab zu 
Protokoll, dass I. geweint habe und nervös gewirkt habe (act. 5.3). G. hatte den 
Eindruck, dass A. und I. "entnervt" waren, als sie gegen 10 Uhr ins Zimmer yyy. 
kamen. Seiner Aussage zufolge ging es I. schlecht, als er ihr später im Zimmer von 
B. begegnete (act. 5.12, S. 2f.). Auf letzteren wirkte I. sehr ängstlich, sie habe Trä-
nen gehabt, als sie in sein Zimmer gekommen sei. Sie sei schockiert gewesen (act. 
5.4; ebenso im Konfront, act. 5.14, S. 2). C., der Zimmerkollege, bestätigte, dass 
man gesehen habe, dass sie geweint habe (act. 5.11, S. 2). Auch P., der Lehrer, 
welcher zu I. gerufen wurde, erlebte I. als nervös. Sie habe geweint (act. 5.13, S. 
2). Die Ärztin, welche I. am Abend des 30. Mai 2002 untersuchte, erlebte I. be-
schämt und etwas verunsichert, aber durchaus offen im Gespräch. Die Patientin 
habe aufgrund der Lebensbedrohung durch ihren ehemaligen Partner grosse Angst 
(act. 4.13, S. 2). Sämtliche Zeugen, welche I. nach der von ihr geschilderten Verge-
waltigung begegneten, erlebten sie als traurig, verängstigt, geschockt. Eine solche 
Gemütsverfassung passt nach Auffassung des Gerichts wenig zur Darstellung des 
Angeklagten, wonach der Geschlechtsverkehr in gegenseitigem Einvernehmen er-
folgt sein soll und lässt sich auch dann nicht erklären, wenn es lediglich zu einigen 
Ohrfeigen gekommen sein soll, wie die Verteidigung annimmt. 

e) I. erzählte ihrem Freund B. bruchstückhaft von den Übergriffen. Ihm und 
ihrer Zimmerkollegin J. vertraute sie an, dass sie von A. vergewaltigt worden sei 
(act. 5.14 und 5.10, S. 4 unten). Gegenüber Personen, welche ihr weniger nahe 
standen, etwa gegenüber dem Lehrer P. oder gegenüber C., dem Zimmerkollegen 
ihres Freundes, liess sie die Vergewaltigung unerwähnt und sprach nur von Schlä-
gen und Drohungen. Dies lässt sich plausibel damit erklären, dass I. ein solch ein-
schneidendes, intimes Erlebnis nicht jedermann ohne weiteres erzählen wollte (in 
diesem Sinn auch P., act. 5.13, S. 2; vgl. C., act. 5.11, S. 4). Den meisten Frauen 
dürfte es in einer ähnlichen Situation gleich ergehen. Erstaunen mag auf den ersten 
Blick, dass I. A. nach einer ersten Vergewaltigung in ein anderes Zimmer folgte und 
sich bei M., dem sie im Flur begegneten, nicht bemerkbar machte. I. erklärte dazu 
in der Konfronteinvernahme vom 4. Juni 2002 (act. 5.8, S. 8) wörtlich: "Ich hatte 
sehr grosse Angst vor A.. Er kann und konnte mir jederzeit etwas antun. Ich stehe 
zu meiner obigen Aussage". Diese Erklärung ist ohne weiteres nachvollziehbar, 
wenn man sich vor Augen hält, was das Opfer seinen eigenen Aussagen zufolge 
vorher erlebt hatte. 

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Als Zwischenergebnis kann festgehalten werden, dass das Verhalten des 
Opfers nach den ersten Übergriffen und nach der Tat, die Umstände der ersten 
Aussagen und die Gemütsverfassung, in welcher sich I. nach übereinstimmender 
Schilderung der Zeuginnen und Zeugen befand, ihre Sachverhaltsdarstellung als 
wahrscheinlich erscheinen lassen. 

f) Ob I. gleichzeitig mit zwei Männern eine intime Freundschaft hatte, wie die 
Verteidigung annimmt, oder ob sie die Beziehung zu A. am 9. Mai 2002 beendete, 
bevor sie eine neue Freundschaft einging (so act. 5.5, S. 2, und S. 3 oben; act. 5.8, 
S. 6, act. 5.14, S. 1, anders nur act. 5.8, S. 11), kann offenbleiben. Erzwungener 
Geschlechtsverkehr lässt sich auch in einer Beziehung nicht rechtfertigen. Nach der 
Auffassung des Gerichts ist es zudem auch unter Berücksichtigung der anderen 
Mentalität der Beteiligten wenig wahrscheinlich, dass I. ihren früheren Freund allein 
aus Angst davor, dass ihre Eltern oder ihr derzeitiger Freund von der Wiederauf-
nahme der Beziehung erfahren würden, schwerwiegender Verbrechen bezichtigt. 
Selbst wenn die Annahme der Verteidigung zutreffen würde, vermöchte dies die 
Glaubhaftigkeit der Aussagen von I. nicht wesentlich zu erschüttern. 

g) Zu Recht weist die Verteidigung darauf hin, dass die Einvernahmen in eng-
lischer Sprache gemacht wurden und sich somit Übersetzungsprobleme ergeben 
können. Die Tatsache, dass die Aussagen nicht ein "originäres Produkt" der Aussa-
genden sind, sondern übersetzt wurden, erschwert auch die Realkennzeichenana-
lyse, bei der der Wortlaut der Bekundungen tatsächlich von Bedeutung sein kann 
(Steller/Volbert, a.a.O., S. 25; S. 27). Wie oben aber ausführlich dargelegt wurde, 
schilderte das Opfer wiederholt und ohne grössere Widersprüche den gesamten 
Ablauf der Ereignisse. Die detaillierten Darstellungen waren nicht fokussiert auf das 
Wort Vergewaltigung. Selbst wenn I. den englischen Ausdruck "rape" nicht verwen-
det hat, sondern von missuse und abuse sprach, wie dies der Verteidiger ausführt, 
steht aufgrund des gesamten Inhalts der wiederholten Aussagen zweifelsfrei fest, 
dass das Opfer in der Hauptsache eine Vergewaltigung und einen Vergewaltigungs-
versuch beschrieb. 

h) A. wurden in der polizeilichen Einvernahme vom 3. Juni 2002 (act. 5.6) 
ebenfalls weitgehend geschlossene Fragen gestellt. Er sagte aus, auf Einladung 
von I. an der Abschlussfeier in H. teilgenommen zu haben. Sie sei seine Freundin 
(a.a.O., S.1). Er bestätigte, dass er mit I. auf ihr Zimmer ging, seiner Aussage zu-
folge geschah das aber auf ihre Aufforderung hin. Er bestätigte weiter die Anrufe 
der Zimmerkollegin und den Wechsel ins Zimmer im ersten Stock, wo sich G. auf-

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gehalten habe. Er bestritt aber sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe, nament-
lich verneinte er I. geschlagen, ihr gedroht, sie vergewaltigt und sie gezwungen zu 
haben, ein Dokument zu unterschreiben. Sie habe gesagt, dass sie mit ihm ins 
Welschland kommen werde, weil er mit ihr habe zusammensein wollen. 

In der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 4. Juni 2002 (act. 5.7) 
äusserte sich A. ebenfalls ausführlicher zur offenen Frage nach den Ereignissen in 
H. am 29./30. Mai 2002. Nach seiner Darstellung war seine Freundin I. am Morgen 
nach dem Fest betrunken, weshalb er ihr gefolgt sei, um sie ins Zimmer zu beglei-
ten. I. habe Probleme mit der Blutzirkulation und dem Blutdruck, was sich so aus-
wirke, dass sie teilweise hysterisch werde und einen fast erwürge, teilweise weine 
sie nur. Er schildert dann einen Streit zwischen O. und I., welcher Anlass dafür ge-
wesen sein soll, dass sie ihn beschimpft habe, weil er nicht eingeschritten sei. Über 
ihn hätten sie sich auch unterhalten, als sie allein im Zimmer von I. gewesen seien, 
insbesondere darüber, weshalb er ihn sie habe beschimpfen lassen. Bei dieser Dis-
kussion habe ihm I. mit der Hand ins Gesicht geschlagen. Danach habe sie begon-
nen, mit den Füssen gegen ihn zu treten, weshalb er sie mit seinen Händen an den 
Armen oder Händen festgehalten habe. Weil sie geschrien habe, sei er mit seiner 
Hand über ihr Haar gefahren, worauf sie die Hand weggeschlagen habe. Er habe 
sie damit nur beruhigen wollen. Nach dem Feueralarm ging A. nach seinen Aussa-
gen mit ihrem Einverständnis in ihr Zimmer. Auf ihre Aufforderung hin habe er sich 
ins Bett gelegt. Sie habe ihm den Kopf auf die Brust gelegt und begonnen, ihn zu 
küssen, worauf das eine das andere ergeben habe. Auch A. erwähnt die beiden 
Anrufe der Zimmerkollegin, welche habe ins Zimmer kommen wollen, den Zimmer-
wechsel, die Begegnung mit M.. Nach seiner Darstellung machte I. im zweiten Zim-
mer wieder einen Annäherungsversuch, wollte dann aber doch keinen Geschlechts-
verkehr, worauf er sofort einverstanden gewesen sei und seine Hose wieder ange-
zogen habe. 

Betrachtet man die Aussagen von A., weisen auch sie einen gewissen De-
tailreichtum auf. Der äussere Handlungsablauf stimmt - wenn auch mit einer völlig 
anderen Wertung - in etwa mit den Schilderungen von I. überein. Über weite Teile 
wirken die Aussagen aber wenig nachvollziehbar. Zunächst fällt auf, dass A. von I. 
als seiner Freundin spricht, ohne mit einem Wort zu erwähnen, dass diese die 
Freundschaft vorher beendet hatte. Erst in der Konfronteinvernahme vom 4. Juni 
2002 (act. 5.8, S.6) gab er zu, dass sie die Beziehung am 9. Mai 2002 beendet 
hatte, nachdem er mit ihrer Aussage dazu konfrontiert worden war. War die Freund-
schaft zwischen I. und A. aber beendet und war sie eine neue Freundschaft einge-

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gangen, ist es wenig wahrscheinlich, dass sie mit ihm gleichwohl freiwillig Ge-
schlechtsverkehr haben wollte. Ebensowenig plausibel ist unter diesen Umständen, 
dass die beiden in der fraglichen Nacht lange über einen Dritten, O., - also nicht 
etwa über ihren neuen Freund - gesprochen haben sollen und dass dieser Dritte gar 
Anlass für Handgreiflichkeiten von I. gegen A. gewesen sein soll. Die Darstellung 
von I., sie hätten darüber gesprochen, weshalb sie sich neu habe verlieben können, 
erscheint unter diesen Umständen weit wahrscheinlicher. Sie wird auch von G. ge-
stützt, welcher als Zeuge zwar auch angab, dass O. etwa zehn Minuten bei den 
beiden gewesen sei. Er sagt aber insbesondere auch aus, er habe sich auf Wunsch 
von A. und I. auf den Stuhl in ihrem Zimmer gesetzt, während diese auf der Tür-
schwelle diskutiert hätten. Er glaube, verstanden zu haben, dass sich A. mit B. habe 
schlagen wollen (act. 5.12, S. 2). Anders als I., welche in der untersuchungsrichter-
lichen Einvernahme angegeben hatte, dass G. auf dem Stuhl in ihrem Zimmer eing-
schlafen sei (act. 5.5., S. 4), erwähnt A. die Anwesenheit seines Freundes zu die-
sem Zeitpunkt mit keinem Wort. Der Angeklagte sagte weiter aus, I. sei betrunken 
gewesen und habe gesundheitliche Probleme. Der Blutalkoholgehalt zum Zeitpunkt 
des Festes konnte im Nachhinein zwar nicht ermittelt werden; immerhin konnte das 
Rechtsmedizinische Institut des Kantonsspitals St. Gallen aber feststellen, dass die 
Blutprobe von I. gar keinen Alkohol enthielt (act. 4.19). Zum Zeitpunkt der Untersu-
chung befand sich I. somit nicht unter Alkoholeinfluss. Während des Festes könnte 
der Blutalkoholgehalt nach den Berechnungen des Gerichtsmediziners höchstens 
2.4 ‰ betragen haben (act. 4.21, S. 2). Auffallend ist aber, dass keiner der Zeugen 
die von A. behauptete Trunkenheit erwähnt. Die Darstellung der gesundheitlichen 
Probleme wirkt übertrieben, wenn man den Arztbericht von Dr. L. berücksichtigt (act. 
4.12). Er spricht lediglich von neurovegetativen Störungen und Kopfschmerzen, 
welche medikamentös behandelt werden konnten. I. habe einen relativ tiefen Blut-
druck, sei diesbezüglich beschwerdefrei. Hysterische oder hysteriforme Reaktionen 
seien ihm nicht bekannt. A. bestritt in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme 
sodann, I. geschlagen zu haben und sagte auf entsprechendes Nachhaken des Un-
tersuchungsrichters, er denke, I. habe wegen ihrer Zahnspange am Mund geblutet. 
Vermutlich sei es spontan zu dieser Blutung gekommen, weil sie trockene Lippen 
gehabt habe (act. 5.7, S. 5). Diese Erklärung ist wenig überzeugend. Weit nachvoll-
ziehbarer ist die Erklärung von I. dazu im Konfront (act. 5.8, S. 4 und 5), welche 
ausführt, dass die Verletzung durch die Schläge auf ihr Gesicht oder dadurch, dass 
er mit das Kissen gegen ihr Gesicht gedrükt habe, entstanden sei. Dadurch seien 
ihre Lippen gegen die Zahnspange gedrückt worden. Wenn sie spröde Lippen habe, 
so komme es in den Mundecken zu Verletzungen, nicht aber in der Mitte. Konfron-
tiert mit den Ergebnissen der medizinischen Untersuchung spricht auch A. nicht 

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mehr von spröden Lippen, sondern gibt zu Protokoll, dass ihre Verletzung an den 
Lippen von der Zahnspange herrühre, wie er dies schon früher gesagt habe. Die 
übrigen Verletzungen könne er sich nicht erklären. Er habe lediglich ihr Haar weg-
gestrichen (act. 5.16, S. 1). Nach den Aussagen seines Freundes G. vertraute ihm 
A. auf der Rückfahrt nach F. im übrigen an, I. eine Ohrfeige gegeben zu haben und 
dass das dazu geführt habe, dass sie geblutet habe (act. 5.12, S. 3). Die Behaup-
tung, A. habe keinerlei Gewalt angewandt, ist damit klar widerlegt. Anders als bei 
den Aussagen von I. fehlen bei denjenigen des Angeschuldigten ausgefallene oder 
nebensächliche Einzelheiten ebenso wie die Schilderung psychischer Vorgänge. 
Während I. ihre Gefühle nach dem Geschlechtsverkehr nachvollziehbar ausdrückte 
und J. angab, diese habe während des ersten Telefongesprächs traurig gewirkt und 
während des zweiten Telefongesprächs geweint (act. 5.10, S. 2), äussert sich A. 
zum Gemütszustand von I. mit keinem Wort. Grosse Zweifel angebracht sind auch 
bei der Aussage des Angeklagten, wonach I. gesagt habe, sie würde ihn freiwillig 
nach F. begleiten. Hierzu hatte sie keinerlei Veranlassung, nachdem sie die Freund-
schaft mit ihm beendet hatte. Insgeamt ergibt sich aus dem Gesagten, dass die 
Aussage von A. im Vergleich zu den Aussagen von I. deutlich weniger Realkenn-
zeichen enthält. Sie ist über weite Strecken wenig glaubhaft, in den erwähnten 
Punkten sogar aktenmässig widerlegt. 

Anlässlich der Konfronteinvernahme vom 4. Juni 2002 (act. 5.8) blieb A. bei 
seiner Sachverhaltsdarstellung. Erst nachdem I. ausgesagt hatte, sie habe die Be-
ziehung zu A. am 9. Mai 2002 beendet, am 11. Mai 2002 hätten sie sich letztmals 
gesehen und anschliessend hätten sie nur noch telefonisch und per e-mail Kontakt 
gehabt, bestätigte er dies im Wesentlichen. Er ergänzte, dass I. sich regelmässig 
an ihn gewandt habe, weil niemand sie so liebe wie er. Ihren jetzigen Freund habe 
sie nur, weil beide Eltern etwas gegen ihre Beziehung hätten. Übereinstimmung be-
steht darin, dass die beiden nach dem 11. Mai 2002 regelmässig telefonierten. A. 
bestritt aber, ihr gedroht zu haben. Er habe sie als Witz gefragt, ob sie jemanden 
beauftragen würde, ihm etwas anzutun. Darauf habe sie erwidert, dass sie zu allem 
bereit sei, wenn er in die Nähe ihres neuen Freundes gehen würde. Er wolle an 
dieser S