# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21e0d6c1-ebff-5e99-b6cf-408decb2633c
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 31.10.2022 SBE.2021.60
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBE-2021-60_2022-10-31.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBE.2021.60
(STA.2021.476)
Art. 356

Entscheid vom 31. Oktober 2022

Besetzung Oberrichterin Massari, Vizepräsidentin
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führerin

A._____,
[…]
verteidigt durch Rechtsanwalt Alain Lässer,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,
Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 1

Privatklägerin B._____,
[…]
vertreten durch Rechtsanwalt André Kuhn,
[…]

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 26. Oktober 2021
betreffend Parteikostenentschädigung

in der Strafsache gegen A._____

- 2 -

Die Vizepräsidentin entnimmt den Akten:

1.
1.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau nahm die gegen A. (Beschwerde-
führerin) geführten Ermittlungen mit Verfügung vom 13. Oktober 2021 nicht
an die Hand. Die gegen diese Nichtanhandnahmeverfügung von B. (Privat-
klägerin) erhobene Beschwerde wies die Beschwerdekammer in Strafsa-
chen des Obergerichts mit Entscheid vom 22. April 2022 (SBK.2021.333)
ab. Der Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.

1.2.
Mit Eingabe vom 21. Oktober 2021 bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau beantragte die Beschwerdeführerin eine Entschädigung von
Fr. 2'074.40 für die Ausübung ihrer Verfahrensrechte.

2.
Mit Verfügung vom 26. Oktober 2021 wies die Staatsanwaltschaft Lenz-
burg-Aarau dieses Entschädigungsbegehren ab.

3.
3.1.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 8. November
2021 bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts Be-
schwerde mit dem Antrag, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine
Parteikostenentschädigung von Fr. 2'074.40 zuzusprechen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

3.2.
Mit Verfügung vom 16. November 2022 wurde das Beschwerdeverfahren
bis zum rechtskräftigen Abschluss des Beschwerdeverfahrens
SBK.2021.333 sistiert.

3.3.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2022 wurde die Sistierung infolge des rechts-
kräftigen Abschlusses des Beschwerdeverfahrens SBK.2021.333 aufgeho-
ben. Des Weiteren wurde darin festgehalten, dass in Erwägung gezogen
würde, die verlangte Parteientschädigung, sollte sich diese als berechtigt
erweisen, der Privatklägerin aufzuerlegen, weshalb diese in das vorlie-
gende Verfahren miteinzubeziehen sei.

3.4.
Mit Eingabe vom 1. Juli 2022 erstattete die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau die Beschwerdeantwort. Sie beantragte die Abweisung der Be-

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schwerde, eventualiter sei die Beschwerde gutzuheissen und die Parteient-
schädigung gestützt auf Art. 432 StPO vollumfänglich der Privatklägerin
aufzuerlegen.

3.5.
Gestützt auf eine Eingabe der Privatklägerin wurde das Beschwerdever-
fahren mit Verfügung vom 16. August 2022 bis am 31. August 2022 sistiert.
Es wurde weiter verfügt, dass das Verfahren danach ohne Mitteilung der
Parteien automatisch fortgesetzt würde, und die Privatklägerin wurde auf-
gefordert, bis am 12. September 2022 die Beschwerdeantwort zu erstatten.

3.6.
Mit Eingabe vom 26. September 2022 reichte die Beschwerdeführerin die
Kostennote für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren zu den Akten.
Des Weiteren bat sie um eine rasche Entscheidung.

3.7.
Nach letztmaliger Fristerstreckung teilte die Privatklägerin mit Eingabe vom
7. Oktober 2022 mit, auf eine Beschwerdeantwort zu verzichten.

Die Vizepräsidentin zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Verfügungen der Staatsanwaltschaft - wie die vorliegende - sind gemäss
Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit
Beschwerde anfechtbar. Beschwerdeausschlussgründe gemäss Art. 394
StPO liegen hier keine vor. Damit ist die Beschwerde zulässig.

1.2.
Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, was im Kanton Aargau ge-
mäss § 65 Abs. 2 GOG i.V.m. § 10 und Anhang 1 Ziff. 2 Abs. 5 der Ge-
schäftsordnung des Obergerichts des Kantons Aargau vom 21. November
2012 der Fall ist, so beurteilt die Verfahrensleitung die Beschwerde gemäss
Art. 395 StPO allein, wenn diese ausschliesslich Übertretungen (lit. a) oder
die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines Entscheides bei einem strittigen Be-
trag von nicht mehr als Fr. 5'000.00 (lit. b) zum Gegenstand hat. Zu den
wirtschaftlichen Nebenfolgen zählt insbesondere die Entschädigung der
beschuldigten Person.

Gegenstand des Beschwerdeverfahrens ist die Verfügung der Staatsan-
waltschaft Lenzburg-Aarau vom 26. Oktober 2021, mit welcher der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachte Entschädigungsanspruch von

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Fr. 2'074.40 abgewiesen wurde. Demnach entscheidet über die Be-
schwerde nicht die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts
als Kollegialgericht, sondern die Verfahrensleitung allein.

2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte in der angefochtenen Verfü-
gung aus, dass der Beizug eines Verteidigers insbesondere dann keine an-
gemessene Ausübung der Verfahrensrechte [im Sinne von Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO] darstelle, wenn das Verfahren nach einer ersten Einvernahme
nicht an die Hand genommen werde. Bei Ehrverletzungsdelikten bzw. beim
vorliegenden Sachverhalt handle es sich nicht um einen komplexen Fall in
tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht und es liege keine lange Verfahrens-
dauer vor, welche den Beizug eines Rechtsanwaltes gerechtfertigt hätte.
Es seien auch keine schwerwiegenden Auswirkungen auf das persönliche
und berufliche Leben der Beschwerdeführerin ersichtlich, zumal sie auch
nur einmal einvernommen bzw. zur Sache befragt worden sei. Die Ein-
schaltung eines Anwaltes sei daher sachlich nicht geboten gewesen. An-
spruch auf Entschädigung bestehe daher nicht.

2.2.
In der Beschwerde wird vorgebracht, vorliegend sei offensichtlich, dass der
Beizug eines Anwalts notwendig und verhältnismässig gewesen sei. Erst
gestützt auf dessen Eingabe vom 25. Juni 2021 sei bei der Staatsanwalt-
schaft eine Abkehr von der beabsichtigten Verurteilung hin zum Gegenteil,
einer einem Freispruch gleichgesetzten Nichtanhandnahmeverfügung, er-
folgt. In diesem klaren Fall erübrigten sich daher weitergehende Ausfüh-
rungen. Ohne anwaltliche Unterstützung im Vorverfahren wäre die Be-
schwerdeführerin mit diesem speziellen Sachverhalt und den rechtlichen
Finessen eindeutig überfordert gewesen und schliesslich gar ungerechtfer-
tigterweise verurteilt worden.

2.3.
Mit Beschwerdeantwort bringt die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zur
Sache vor, dass das Verfahren im Zusammenhang mit einer langwierigen
Auseinandersetzung zwischen der Beschwerdeführerin und der Privatklä-
gerin stünde, wobei es beiden Parteien ersichtlich nur noch darum gehe,
der jeweils anderen Partei möglichst viel Scherereien zu verursachen. Das
vorliegende Verfahren könne und müsse damit als mutwillig verursacht ein-
gestuft werden, weshalb die Parteientschädigung der Privatklägerin aufzu-
erlegen wäre, sofern eine solche gesprochen würde.

2.4.
Die Privatklägerin verzichtete schlussendlich auf die Erstattung einer Be-
schwerdeantwort.

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3.
3.1.
Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Entschädi-
gung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-
rensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).

Zu den Aufwendungen i.S.v. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO zählen in erster
Linie die Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn der Beistand ange-
sichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten
war. Nicht jeder Aufwand, der im Strafverfahren entstanden ist, ist jedoch
zu entschädigen. Sowohl der Beizug eines Verteidigers als auch der von
diesem betriebene Aufwand müssen sich als angemessen erweisen (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1136/2018 vom 28. Februar 2019 E. 1.1.1). Dabei
darf nicht vergessen werden, dass es im Rahmen von Art. 429 Abs. 1 lit. a
StPO um die Verteidigung einer vom Staat zu Unrecht beschuldigten und
gegen ihren Willen in ein Strafverfahren einbezogenen Person geht (hat die
beschuldigte Person die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und
schuldhaft bewirkt, so kann die Entschädigung gemäss Art. 430 Abs. 1 lit. a
StPO trotz vermuteter Unschuld herabgesetzt oder verweigert werden).
Das materielle Strafrecht und das Strafprozessrecht sind zudem komplex
und stellen insbesondere für Personen, die das Prozessieren nicht gewohnt
sind, eine Belastung und grosse Herausforderung dar. Wer sich selbst ver-
teidigt, dürfte deshalb prinzipiell schlechter gestellt sein. Dies gilt grund-
sätzlich unabhängig von der Schwere des Deliktsvorwurfs. Auch bei blos-
sen Übertretungen darf deshalb nicht generell davon ausgegangen wer-
den, dass die beschuldigte Person ihre Verteidigerkosten als Ausfluss einer
Art von Sozialpflichtigkeit selbst zu tragen hat. Im Übrigen sind beim Ent-
scheid über die Angemessenheit des Beizugs eines Anwalts neben der
Schwere des Tatvorwurfs und der tatsächlichen und rechtlichen Komplexi-
tät des Falls insbesondere auch die Dauer des Verfahrens und dessen Aus-
wirkungen auf die persönlichen und beruflichen Verhältnisse der beschul-
digten Person zu berücksichtigen. Was die Angemessenheit des vom An-
walt betriebenen Aufwands betrifft, so wird sich dieser in aus juristischer
Sicht einfachen Fällen auf ein Minimum beschränken; allenfalls muss es
gar bei einer einfachen Konsultation sein Bewenden haben. Nur in Ausnah-
mefällen wird bei Verbrechen und Vergehen schon der Beizug eines An-
walts an sich als nicht angemessene Ausübung der Verfahrensrechte be-
zeichnet werden können (BGE 138 IV 197 E. 2.3.5, 142 IV 45 E. 2.1).

Das Bundesgericht erachtete (gestützt auf die damalige Literatur) Verfah-
ren wegen Verbrechen und Vergehen, welche bereits nach der ersten Ein-
vernahme eingestellt werden, als mögliche Ausnahmefälle, bei welchen der
Beizug eines Anwalts als nicht angemessen bezeichnet werden könne,
ohne sich jedoch weiter zu den konkreten Umständen einer solchen Aus-
nahme zu äussern (BGE 138 IV 197 E. 2.3.5). In der Lehre wird indessen

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mittlerweile die Auffassung vertreten, dass der beschuldigten Person auch
in diesen Fällen zu ermöglichen sei, einen Verteidiger beizuziehen, da der
Anspruch auf Waffengleichheit auch für die erste Einvernahme gelte und
das Instrument des Anwalts der ersten Stunde andernfalls ad absurdum
geführt würde (STEFAN WEHRENBERG/FRIEDRICH FRANK, in: Basler Kom-
mentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 14 zu
Art. 429 StPO; anders YVONA GRIESSER, in: Kommentar zur Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 4 zu Art. 429 StPO, welche
diesbezüglich auf die erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung ver-
weist).

3.2.
3.2.1.
Wie sich dem Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen vom
22. April 2022 (SBK.2021.333) entnehmen lässt, stehen die Beschwerde-
führerin und ihr Ehemann sowie die Privatklägerin seit Jahren in einem
(Nachbarschafts-)Konflikt. Im Rahmen dieses Konflikts wurden mehrere
Strafverfahren sowie ein Zivilprozess angehoben. Am 19. Januar 2021 er-
stattete die Privatklägerin eine Strafanzeige (mit Strafantrag) gegen die Be-
schwerdeführerin wegen übler Nachrede sowie aller weiterer in Frage kom-
mender Delikte. Die Privatklägerin führte aus, dass sie am 20. Oktober
2020 im Rahmen eines anderen gegen die Beschwerdeführerin geführten
Strafverfahrens erfahren habe, dass die Beschwerdeführerin ihr in einem
Schreiben an die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zu Unrecht angelas-
tet habe, dass sie den Ehemann der Beschwerdeführerin während der
Pause einer Gerichtsverhandlung als Lügner und Betrüger bezeichnet und
ihn beleidigt haben soll.

Am 5. Februar 2021 verfügte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau ge-
stützt auf die Strafanzeige, dass die Kantonspolizei Aargau die Beschwer-
deführerin zur Sache und zur Person zu befragen habe. Des Weiteren in-
teressiere insbesondere auch, ob nebst dem Journalisten die Beschwerde-
führerin Personen angeben könne, die den Vorfall miterlebt hätten. Mit Ein-
gabe vom 17. März 2021 zeigte der Verteidiger der Beschwerdeführerin
seine Vertretung an und bat um Akteneinsicht. Am 19. April 2021 wurde die
Beschwerdeführerin in Anwesenheit der Privatklägerin und deren Anwalts
zur Sache und ihrer Person befragt. Der Verteidiger der Beschwerdeführe-
rin war ebenfalls anwesend.

Am 21. April 2021 zeigte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau an, dass
sie nach Durchsicht der polizeilichen Einvernahme vom 19. April 2021 be-
absichtige, einen Strafbefehl gegen die Beschwerdeführerin zu erlassen.
Sofern die Beschwerdeführerin Interesse habe, vor dem Erlass eines Straf-
befehls einen allfälligen Entlastungsbeweis im Sinne von Art. 173 Ziff. 2
StGB zu führen, sei dieser bis am 6. Mai 2021 zu benennen. Nach verlän-
gerter Frist liess die Beschwerdeführerin (bzw. ihr Verteidiger) mit Eingabe

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vom 25. Juni 2021 ausführen, dass die Sache mit einer Nichtanhandnah-
meverfügung zu erledigen sei. Die Einsprachebegründung diene der Wahr-
nehmung ihrer Verteidigungsrechte. Als damals beschuldigte Person habe
sie sich entsprechend ausdrücken dürfen, da sie sich im damaligen Verfah-
ren zu Unrecht beschuldigt gefühlt habe und sich mit einer Bestrafung kon-
frontiert gesehen habe. Alsdann erging – soweit aus den vorliegenden Ak-
ten ersichtlich – ohne Weiterungen am 13. Oktober 2021 die Nichtanhand-
nahmeverfügung.

3.2.2.
Der Beschwerdeführerin ist in ihrer Auffassung, dass der Beizug eines Ver-
teidigers vorliegend angemessen war, zuzustimmen. Dies zum einen auch
deshalb, weil die Privatklägerin bereits die Strafanzeige durch einen Anwalt
verfassen liess und diese Anzeige nebst dem konkreten Vorwurf der üblen
Nachrede verlangte, sie wegen "aller weiterer infrage kommender Delikte
zu verurteilen und zu bestrafen". Für juristisch geschulte Personen mag
diese Floskel nicht bedrohlich wirken, für eine Laiin hingegen schon. Zum
andern handelt es sich bei Ehrverletzungsdelikten zwar grundsätzlich um
Bagatellen, dennoch sind es Vergehen, was bei einer Verurteilung zu ei-
nem Eintrag ins Strafregister führt. Vorliegend kommt erschwerend und
entscheidend hinzu, dass es nicht nur darum ging, ob die Aussage gemacht
wurde oder nicht, sondern auch darum, ob ein Rechtfertigungsgrund im
Raume stand, weshalb zu klären war, ob die Aussage sachbezogen war,
nicht über das Notwendige hinausging und insbesondere nicht wider bes-
seren Wissens erfolgte. Hier war die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau
anfänglich offenbar der Ansicht, dass keine Rechtfertigung vorliege, wes-
halb sie einen Strafbefehl in Aussicht stellte. Nach Intervenieren des Ver-
teidigers der Beschwerdeführerin erliess sie schliesslich eine Nichtanhand-
nahmeverfügung. Der Sachverhalt erwies sich folglich als rechtlich einiger-
massen komplex. Nachdem die Privatklägerin von Beginn weg anwaltlich
vertreten war, ist nicht zu beanstanden, dass auch die Beschwerdeführerin
gleich einen Verteidiger beauftragt hat und sich von diesem bereits an die
Einvernahme begleiten liess.

Der Beschwerdeführerin ist damit eine angemessene Entschädigung für
den Aufwand ihres Verteidigers zuzusprechen.

3.3.
Die Höhe der Entschädigung ist nicht Gegenstand der angefochtenen Ver-
fügung. In Anbetracht dessen, dass das vorliegende Beschwerdeverfahren
aufgrund von Sistierungen und Fristerstreckungen bereits mehr als ein Jahr
andauert, die Entschädigungsforderung bekannt ist, den Parteien kommu-
niziert wurde und die Privatklägerin in das vorliegende Verfahren miteinbe-
zogen wurde, erscheint es opportun, dem Antrag der Beschwerdeführerin
zu folgen und hier auch über die Höhe der der Beschwerdeführerin auszu-
richtenden Entschädigung zu befinden.

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4.
4.1.
Die Beschwerdeführerin macht für das Strafverfahren einen Aufwand von
8.17 Stunden geltend, was in Anbetracht des Aufwandes für die Aktenein-
sicht, Korrespondenz sowie die Teilnahme ihres Verteidigers an der Ein-
vernahme, welche am 19. April 2021 von 13:37 Uhr bis 14:50 Uhr dauerte,
nicht zu beanstanden ist. Multipliziert mit dem Regelansatz von
Fr. 220.00/Stunde (§ 9 Abs. 2bis AnwT) resultiert ein Honorar von
Fr. 1'797.40. Hinzu kommen Auslagen von insgesamt Fr. 107.45 (Ausla-
genpauschale [3 % von Fr. 1'797.40 = Fr. 53.90] und Wegspesen von
Fr. 53.55) sowie die Mehrwertsteuer von 7.7 % (vgl. die Eingabe der Be-
schwerdeführerin vom 5. August 2022). Damit resultiert ein Entschädi-
gungsanspruch von Fr. 2'051.55.

4.2.
Beim vorliegend gegenständlichen Delikt handelt es sich unbestrittener-
massen um ein Antragsdelikt (Art. 173 StGB). Gestützt auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung (BGE 147 IV 47 Regeste b und E. 4.2.6) geht
die angemessene Entschädigung der beschuldigten Person bei einer Ein-
stellung oder einem Freispruch bei einem Antragsdelikt in Anwendung von
Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO regelmässig zulasten der Pri-
vatklägerschaft. Dies gilt aufgrund Art. 310 Abs. 2 StPO auch im Falle einer
Nichtanhandnahme (vgl. hierzu auch BGE 147 IV 47 E. 4.2.5).

Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 26. Oktober
2021 ist folglich in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Pri-
vatklägerin ist zu verpflichten, der Beschwerdeführerin für die angemes-
sene Ausübung ihrer Verteidigungsrechte im Strafverfahren eine Entschä-
digung von Fr. 2'051.55 zu bezahlen.

5.
5.1.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegt die Beschwerdeführerin. Die
Privatklägerin wurde mit Verfügung vom 24. Juni 2022 in das vorliegende
Beschwerdeverfahren miteinbezogen und hat sich auch daran beteiligt, in-
dem sie eine Sistierung beantragen sowie Fristerstreckungsgesuche ein-
reichen liess und offenbar eine aussergerichtliche Streitbeilegung an-
strebte. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2022 verzichtete sie schliesslich auf
die Erstattung einer Beschwerdeantwort. Einen Antrag, wie vorliegend zu
entscheiden ist, stellte sie nicht. Eine Kosten- und Entschädigungsauflage
wegen Unterliegens fällt damit ausser Betracht (BGE 138 IV 248 E. 5.3).
Die Verlegung der Kosten im Strafprozess richtet sich aber nicht aus-
schliesslich nach dem "Obsiegen-Unterliegen-Prinzip", sondern prinzipiell
nach dem Grundsatz, wonach Kosten zu tragen hat, wer sie verursacht hat
(BGE 138 IV 248 E. 4.4.1 m.w.H.; vgl. auch Art. 417 StPO). Entsprechend

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sehen Art. 427 Abs. 2 StPO und Art. 432 Abs. 2 StPO vor, dass bei An-
tragsdelikten Kosten und Entschädigungen der antragstellenden Person
auferlegt werden können, wenn sie u.a. die Durchführung des Verfahrens
erschwert hat. Weshalb dies in Nachachtung des Verursacherprinzips nicht
auch für die Privatklägerschaft gelten soll, welche gemäss diesen Bestim-
mungen im Grundsatz gar voraussetzungslos kosten- und entschädigungs-
pflichtig ist, ist nicht einsichtig. Die Privatklägerin hat aufgrund ihrer Frister-
streckungsgesuche vom 7. Juli 2022, 12. September 2022 und 23. Sep-
tember 2022 sowie ihres Sistierungsantrags vom 27. Juli 2022 den Ablauf
des Beschwerdeverfahrens nicht nur verzögert, sondern damit auch Auf-
wendungen und folglich Kosten verursacht, für welche sie nach dem Ge-
sagten aufzukommen hat.

5.2.
5.2.1.
Als obsiegende Partei hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Entschä-
digung ihrer im Beschwerdeverfahren entstandenen Aufwendungen für die
angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 StPO).

Die Beschwerdeführerin macht für das Beschwerdeverfahren gestützt auf
die beiden Rechnungen RE-2022-0328 vom 11. April 2022 und
RE-2022-0383 vom 26. September 2022 ihres Verteidigers einen zeitlichen
Aufwand von 6.57 Stunden geltend. Hiervon in Abzug zu bringen ist der
Aufwand vom 2. Mai 2022 für die Sichtung des Entscheids im Verfahren
SBK.2021.333 (0.58 Stunden), welcher vorliegend nichts zur Sache tut, wo-
mit (gerundet) 6 Stunden verbleiben, welche mit den eingereichten Kosten-
noten plausibel begründet sind. Multipliziert mit dem Regelstundenansatz
von Fr. 220.00 und unter Berücksichtigung einer Spesenpauschale von
Fr. 39.60 (= 3 % von Fr. 1'320.00) sowie der Mehrwertsteuer von 7.7 %
resultiert für das Beschwerdeverfahren eine Entschädigung von total
Fr. 1'464.30.

Die Position Nr. 4 in der Rechnung RE-2022-0328 vom 11. April 2022,
d.h. die Aufwendung im Umfang von 0.33 Stunden, sowie die Positionen
Nr. 4 – 12 in der Rechnung RE-2022-0383 vom 26. September 2022, d.h.
die entsprechenden Aufwendungen im Umfang von 2.25 Stunden, standen
(wie den entsprechenden Positionen ohne Weiteres zu entnehmen ist) aus-
schliesslich im Zusammenhang mit den von der Privatklägerin verlangten
Sistierung und Fristerstreckungen. Folglich hat die Privatklägerin für diesen
durch sie verursachten Aufwand aufzukommen und die Beschwerdeführe-
rin für das Beschwerdeverfahren mit Fr. 629.65 (= 2.58 x Fr. 220.00; + Fr.
17.05 [= 3 % Spesenpauschale von Fr. 567.60] + 7.7 % MWSt auf
Fr. 584.65) zu entschädigen. Im Übrigen ist die Entschädigung der Be-
schwerdeführerin aus der Staatskasse zu entrichten.

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5.2.2.
In Anwendung des Grundsatzes, wonach Kosten zu tragen hat, wer sie
verursacht hat, erscheint es zudem gerechtfertigt, die im Zusammenhang
mit den Verfügungen vom 28. Juli 2022 und vom 16. August 2022 sowie
den drei Fristerstreckungsgesuchen entstandenen Verfahrenskosten im
Umfang von ermessensweise Fr. 200.00 der Privatklägerin aufzuerlegen.
Im Übrigen (Fr. 600.00) sind sie auf die Staatskasse zu nehmen.

Die Vizepräsidentin entscheidet:

1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Staatsanwaltschaft
Lenzburg-Aarau vom 26. Oktober 2021 vollständig aufgehoben. Die Privat-
klägerin (B.) wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin für das Strafverfah-
ren eine Entschädigung von Fr. 2'051.55 (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuer) zu bezahlen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 800.00, werden im Umfang von Fr. 200.00 der Privatklägerin
(B.) auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführerin wird für das Beschwerdeverfahren aus der Ober-
gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 834.65 (inkl. Auslagen und
MWSt) ausgerichtet.

3.2.
Die Privatklägerin (B.) wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin für das Be-
schwerdeverfahren eine Entschädigung von Fr. 629.65 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Zustellung an:
[…]

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Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 31. Oktober 2022

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Die Vizepräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Massari Burkhard