# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 829c67d3-7add-584a-bdd1-50238ceb2d7c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.08.2011 D-3831/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3831-2011_2011-08-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­3831/2011

U r t e i l   v om   1 8 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli,
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

Parteien A._______, geboren am (…),
Sri Lanka, 
schweizerische Vertretung in Colombo,  
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 12. Mai 2011 / N _______.

D­3831/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin,  eine  srilankische  Staatsangehörige  tamilischer 
Ethnie  aus  B._______,  C._______,  suchte  mit  Schreiben  vom  13. 
September  2008  sowie  mit  weiteren  Eingaben  bei  der  Schweizer 
Vertretung in Colombo um Asyl nach. 

B. 

B.a. Am 23. September 2008 erkundigte sich die Schweizer Vertretung in 
Colombo  nach  den  Ausreisegründen  und  spezifischen  Problemen  der 
Beschwerdeführerin  sowie  deren  Ursache.  Ebenso  fragten  sie  nach, 
welche  Schritte  die  Beschwerdeführerin  bisher  unternommen  habe,  um 
sich zu schützen und ob ihr eine staatliche Fluchtalternative offen stünde. 
Die  Beschwerdeführerin  wurde  unter  Hinweis  auf  die  Säumnisfolge 
aufgefordert, bis zum 7. November 2008 alle Beweggründe  im Detail zu 
schildern sowie allfällige Beweismittel einzureichen

B.b.  Mit  Schreiben  vom  8.  Oktober  2008  (Eingangsstempel  der 
Schweizer  Vertretung  vom  23.  Oktober  2008)  erteilte  die 
Beschwerdeführerin die gewünschten Auskünfte.

B.c. Am 13. November 2008 erkundigte sich die Schweizer Vertretung in 
Colombo  bei  der  Beschwerdeführerin,  weshalb  ihr  Haus  im  Jahr  2004 
niedergebrannt worden sei und weshalb sie drei Jahr später noch immer 
Probleme habe. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin unter Hinweis 
auf  die  Säumnisfolge  aufgefordert,  bis  zum  15.  Dezember  2008 
darzulegen, weshalb sie glaube, noch  immer Schwierigkeiten zu haben. 
Auch wenn sie nicht sicher sei, solle sie  ihre Meinung beziehungsweise 
ihre Gedanken darlegen und dokumentieren, warum sie Probleme habe. 
Bezüglich der von  ihr geltend gemachten Drohanrufe wurde sie gefragt, 
weshalb diese für sie bedrohlich seien, was die Anrufer von ihr verlangen 
würden  und  seit  wann  sie  diese  erhalte.  Abschliessend  erkundigte  sich 
die Vertretung, ob sie noch andere Probleme habe.

B.d.  Mit  Schreiben  vom  20.  November  2008  (Eingangsstempel  der 
Schweizer  Vertretung  vom  25.  November  2008)  liess  sich  die 
Beschwerdeführerin fristgerecht vernehmen.

C. 
Zur Begründung  ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin  im 

D­3831/2011

Seite 3

Wesentlichen  geltend,  nach  ihrer  Scheidung  habe  sie  mit  ihrem  Sohn 
zusammengelebt.  Am  5.  April  2004  seien  bewaffnete  Unbekannte 
gekommen  und  hätten  sie  bedroht  und  ihr  Haus  und  ihre  Wertsachen 
zerstört. Dies sei Ausfluss eines Streites zwischen den Liberation Tigers 
of Tamil Eelam (LTTE) und der Tamil Peoples Liberation Tigers (TMVP) 
gewesen. Als  sie  das Haus nicht  sofort  habe  verlassen  können,  sei  sie 
von Anhängern der TMVP geschlagen worden. Sie habe einen Schaden 
von  600'000 Rupien  erlitten  und  sie  und  ihr  Sohn  seien  beim Einbruch 
verletzt  worden.  Sie  habe  ein  Refugium  bei  Nachbarn  und  Freunden 
gefunden.  Eine  Anzeige  gegen  die  erlittenen  Gewalt  habe  sie  bei  der 
Polizei  eingereicht.  Seit  dem  Vorfall  leide  ihr  Sohn  an  Schlafstörungen 
und  einem  Trauma  auch  infolge  Brandstiftung  (vgl.  Schreiben  vom  26. 
Dezember 2008). Sie habe sich beim Roten Kreuz in D._______ darüber 
beschwert  und  sei  später  zu  ihrem  Haus  zurückgekehrt,  um  es  wieder 
aufzubauen.  In  den  folgenden  drei  Jahren  sei  sie  abermals  von  diesen 
zwei  Fraktionen  bedroht  worden.  Am  15.  Juli  2009  hätten  Unbekannte 
während einer Stunde ihr Haus belagert, dann seien sie abgezogen (vgl. 
Schreiben  vom  18.  Juli  2009).  Sie  habe  keine  Anzeige  erstattet.  Ihre 
Schwester lebe in E._______ in der Schweiz.

D. 

D.a.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  August  2010  teilte  das  BFM  der 
Beschwerdeführerin mit, es erachte den entscheidrelevanten Sachverhalt 
aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des  Asylgesuches  und  der 
beigelegten Dokumentation als erstellt, weshalb  sich eine Anhörung auf 
der Botschaft nicht als notwendig erweise.  Im Weiteren erwäge es unter 
Berücksichtigung  der  konkreten  Umstände  –  namentlich  Fragen 
bezüglich  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  und  hiesige 
Assimilationsmöglichkeiten,  aktuelle  Gefährdung  im  Heimatstaat, 
Möglichkeit  der  Schutzsuche  in  einem  anderen  Staat,  öffentliches 
Interesse  der  Schweiz  –  und  aufgrund  der  vorliegenden  Akten,  das 
Asylgesuch abzulehnen und die Einreise zu verweigern. Das BFM räumte 
der  Beschwerdeführerin  die  Gelegenheit  ein,  sich  dazu  innert  Frist  zu 
äussern und allfällige neue Gründe, die seit der Einreichung des Einreise­ 
und  Asylgesuchs  eingetreten  seien,  darzulegen,  verbunden  mit  dem 
Hinweis, dass bei ungenutzter Frist aufgrund der bestehenden Aktenlage 
entschieden werde.

D.b. Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.

D­3831/2011

Seite 4

E. 
Mit Verfügung vom 12. Mai 2011 lehnte das BFM das Asylgesuch ab und 
bewilligte die Einreise in die Schweiz nicht.

Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Einzelnen  aus,  gemäss  konstanter 
schweizerischer  Asylpraxis  sei  für  die  Gewährung  der  Einreise  die 
Gefährdung  einer  asylsuchenden  Person  im  Zeitpunkt  der 
Einreisebewilligung massgebend. Vergangene Verfolgung und die damit 
verbundenen  psychischen  Beeinträchtigungen  seien  somit  nur  dann 
beachtlich,  als  sie  noch  andauerten  oder  konkrete  Hinweise  auf  eine 
zukünftige  Verfolgung  bestünden.  Die  Bewilligung  der  Einreise  in  die 
Schweiz  diene  nämlich  nicht  dem  Ausgleich  vergangenen  Unrechts, 
sondern solle demjenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes des 
Zufluchtslandes bedürfe. 

Die  Ereignisse,  die  sich  im  Jahre  2004  ereignet  hätten,  seien  daher 
mangels Kausalzusammenhang nicht einreisebeachtlich. Zudem stünden 
diese a priori in keinem engen Kontext mit denen des Jahres 2009.

Die  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderten  Nachteile  seien  offenbar 
von Dritten verursacht worden. Hierzu sei festzuhalten, dass der Staat in 
Sri  Lanka  als  schutzfähig  gelte  und  für  die  Beschwerdeführerin  die 
Möglichkeit  bestehe,  sich  an  die  Behörden  zu  wenden,  um  Schutz  vor 
Verfolgung seitens Dritter  zu ersuchen. Aus der vorliegenden Aktenlage 
könnten  zudem  keine  Hinweise  entnommen  werden,  welche  auf  eine 
grundsätzliche  Schutzunwilligkeit  des  Staates  hindeuten  würden.  Dies 
werde unter anderem dadurch belegt, dass sie persönlich keine Probleme 
mit den Behörden geltend gemacht habe.

Auch die Furcht der Beschwerdeführerin vor einer zukünftigen Verfolgung 
müsse  bei  einer  objektiven  Betrachtungsweise  im  Sinne  des 
Asylgesetzes  als  nicht  begründet  eingestuft werden. Vorliegend  sei  das 
BFM nämlich zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin bei 
einer  objektivierten  Betrachtungsweise  nicht  akut  gefährdet  sei.  Dies 
gelte  um  so  mehr,  als  sich  seit  der  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  die 
allgemeine Situation in Sri Lanka massgeblich verändert habe. Der Krieg 
zwischen der srilankischen Regierung und den separatistischen LTTE sei 
im Mai  2009 mit  deren  Niederlage  zu  Ende  gegangen.  Seither  befinde 
sich das gesamte Land wieder unter Regierungskontrolle und es  sei  zu 

D­3831/2011

Seite 5

keinen  terroristischen Aktivitäten  der  LTTE gekommen. Die Sicherheits­ 
und Menschenrechtslage sei zwar noch nicht  in allen Teilen des Landes 
zufriedenstellend,  doch  die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  wie 
Entführungen,  Verschleppungen  und  Tötungen  sei  erheblich 
zurückgegangen.  Der  Einfluss  der  bewaffneten  Gruppen  habe  stark 
abgenommen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass die 
Beschwerdeführerin  zum  heutigen  Zeitpunkt  grundsätzlich  keine 
Verfolgungen mehr befürchten müsse.

Schliesslich  komme  hinzu,  dass  sie  die  ihr  mit  Zwischenverfügung  des 
BFM  vom  9.  August  2010  eingeräumte  Möglichkeit,  ihre  aktuellen 
Probleme  darstellen  zu  können,  nicht  genutzt  habe.  Dass  sie  sich 
daraufhin nicht bei der Schweizer Vertretung habe vernehmen lassen, sei 
ein weiteres Indiz dafür, dass sie zum heutigen Zeitpunkt nicht gefährdet 
sei.

An  diesen  Erwägungen  könnten  auch  die  von  ihr  eingereichten 
Dokumente nichts ändern, stützten sie bloss ihre Vorbringen. 

Bei offensichtlich  fehlender Schutzbedürftigkeit  sei darauf  zu verzichten, 
auf  allfällig  vorhandene  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den 
Asylvorbringen einzugehen. Schliesslich sei auch der Umstand, dass die 
Schwester  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  lebe,  nicht 
einreiserelevant.

F. 
Mit  Beschwerde  vom  7.  Juni  2011  (Eingangsstempel  der  Schweizer 
Vertretung  in  Colombo  vom  30.  Juni  2011)  wiederholte  die 
Beschwerdeführerin im Wesentlichen ihre bisherigen Vorbringen und hielt 
an deren Asylrelevanz fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

D­3831/2011

Seite 6

1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung und ist daher zur Einreichung einer Beschwerde legitimiert. Der 
genaue Zeitpunkt  der Eröffnung  des Urteils  ist  zwar weder  durch  einen 
Empfangsschein noch durch eine Empfangsbestätigung belegt, doch liegt 
in  einem  solchen  Fall  die  Beweislast  bei  den  Behörden  (vgl.  ANDRÉ 
MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis,  Band  X, 
Basel  2008,  Rz.  3.  150,  S.  166  f.)  und  es  wird  demnach  von  der 
Rechtzeitigkeit  der  Beschwerdeeinreichung  ausgegangen.  Auf  die 
formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  105 
sowie Art. 108 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 
VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 

D­3831/2011

Seite 7

weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch 
ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden 
kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 
AsylG  bewilligt  das  Bundesamt  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur 
Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zu gemutet werden kann, im 
Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land 
auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische 
Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen 
ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft 
machen, dass eine unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die 
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. Hinsichtlich 
des  Verfahrens  bei  der  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  sieht 
Art. 10 der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  vor,  dass  diese  mit  der 
asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt 
(Art. 10 Abs. 1 AsylV 1).  Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende 
Person  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art. 10 
Abs. 2 AsylV 1;  vgl.  hierzu  auch  Entscheide  des  Schweizerischen 

D­3831/2011

Seite 8

Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE]  2007/30  E.  5.2  –  E. 5.3).  Eine 
Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung kann 
sich  auch  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  des 
eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  scheint.  Bei 
Anhörungsverzicht  ist  jedoch  das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren  (vgl. 
BVGE  2007/30  E.  5.7),  was  vorliegend  erfolgt  ist  (vgl.  Erwägung  D.a 
vorstehend).  Ausserdem hat  das BFM den Verzicht  auf  eine Befragung 
begründet (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6 – E. 5.7).

Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive 
Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die 
Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die 
Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive 
Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen 
Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­g. S. 131 ff., welcher 
angesichts bloss  redaktioneller Änderungen bei der  letzten Totalrevision 
des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat).

5. 

5.1.  Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  7.  Juni  2011 
(Eingangsstempel  der  Schweizer  Vertretung  in  Colombo  vom  30.  Juni 
2011) sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzlichen Verfügung 
zu bewirken. Der Argumentation des BFM werden keine stichhaltigen und 
substanziierten  Gründe  entgegengesetzt.  Eine  diesbezügliche 
Auseinandersetzung  unterbleibt  zwar  nicht  gänzlich.  Die  Ausführungen 
der  Beschwerdeführerin  vermögen  jedoch  die  nachvollziehbaren 
Erwägungen  des  BFM  nicht  umzustossen.  Das  BFM  hat  in  der 
angefochtenen Verfügung  zu Recht  festgestellt,  die Ereignisse,  die  sich 
im Jahre 2004 zugetragen hätten, seien mangels Kausalzusammenhang 
nicht einreisebeachtlich. Das Asylrecht hat auch nicht die Funktion eines 
Ausgleichs  für  allfällig  erlittenes  Unrecht  in  der  Vergangenheit.  Für  das 
Bundesverwaltungsgericht  besteht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine 
Veranlassung,  die  Erwägungen  des  Bundesamtes  zu  beanstanden.  Im 
Übrigen  haben  die  srilankischen  Behörden  am  18.  Mai  2009  den 
endgültigen Sieg  über  die  LTTE  verkündet  und  den Bürgerkrieg  offiziell 
für beendet erklärt.  In den  letzten Tagen des Bürgerkrieges war nahezu 

D­3831/2011

Seite 9

die gesamte Führung der LTTE getötet worden. In einer am 24. Mai 2009 
veröffentlichten  Erklärung  bestätigte  die  LTTE,  dass  ihr  Anführer 
Velupillai  Prabhakaran  eine  Woche  zuvor  bei  Kämpfen  mit 
Regierungstruppen  im Nordosten von Sri Lanka getötet worden sei  (vgl. 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­6328/2006 vom 4. Juni 2009 E. 
5.2). Bei dieser Sachlage kann, um Wiederholungen zu vermeiden auf die 
Ausführungen  in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Nach 
dem  Gesagten  droht  der  Beschwerdeführerin  keine  asylrelevante 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG.

5.2.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren Ausführungen in der Eingabe der Beschwerdeführerin sowie die 
eingereichten Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie am Ergebnis 
der  vorgenommenen Würdigung  nichts  zu  ändern  vermögen. Es  ist  der 
Beschwerdeführerin nicht gelungen, eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 
AsylG  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen.  Die 
Schutzbedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  im Sinne  von Art.  20  i.V.m. 
Art.  3 AsylG  ist mithin als nicht  gegeben zu qualifizieren,  und es  liegen 
auch  keine  anderen  Gründe  vor,  welche  die  Erteilung  einer 
Einreisebewilligung indizieren würden.

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63 
Abs. 1  in  fine VwVG und Art. 2 und 6 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2])  ist  vorliegend auf  die 
Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

D­3831/2011

Seite 10

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
Schweizer Vertretung in Colombo.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand: