# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e4a461bd-d5d8-5188-9ebf-e25db28aac4f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 11.12.2012 S 2012 73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2012-73_2012-12-11.pdf

## Full Text

S 12 73

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 11. Dezember 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. Am 29. Oktober 2007 reichte …, geboren 1978, infolge eines Arbeitsunfalles ein 

Gesuch zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden 

ein. Im Anschluss an die Verfahren S 09 61 und S 09 172 beim 

Verwaltungsgericht Graubünden gewährte die IV-Stelle ihm berufliche 

Massnahmen, wobei er eine Umschulung zum Tontechniker absolvierte und 

Taggelder vom 16. April 2009 bis 27. Januar 2012 erhielt.

2. Mit Verfügung vom 25. Mai 2012 lehnte die IV-Stelle das vom 

Beschwerdeführer am 19. Dezember 2007 eingereichte Gesuch für eine IV-

Rente ab. Seit dem 30. April 2007 sei der Beschwerdeführer in seiner 

Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Ohne Gesundheitsschaden könnte der 

Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Dachdecker in einer 

Jahresanstellung Fr. 63‘672.60 erzielen. In einer leidensadaptierten Tätigkeit 

werde dem Versicherten aus medizinischer Sicht bereits vor Ablauf der 

einjährigen Wartefrist eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zugemutet. Nach 

abgeschlossener Ausbildung als Tontechniker sei es dem Versicherten möglich 

ein Jahreseinkommen von Fr. 58‘500.-- zu erzielen. Daraus resultiere beim 

Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 8 %, welcher zu keinem 

Rentenanspruch führe, da er unter 40 % liege.

3. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 25. Juni 2012 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht Graubünden und beantragte die Aufhebung der Verfügung. 

Dem Beschwerdeführer sei eine halbe IV-Rente, allenfalls eine Viertelsrente 

zuzusprechen und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle 

zurückzuweisen. Das Valideneinkommen von Fr. 63‘672.60 dürfte wohl 

zutreffen. Der Beschwerdeführer sei aber schlicht nicht in der Lage, als 

Tontechniker auf einen Jahreslohn von Fr. 58‘500.-- zu kommen. Zurzeit arbeite 

er zu 40 % im Recording Studio 571. Dabei verdiene er Fr. 1‘500.-- brutto. Bei 

einer 100%igen Arbeitsbeschäftigung ergäbe dies einen Nettolohn von jährlich 

ca. Fr. 30‘000.--. Der Invaliditätsgrad liege somit bei ca. 50 %, weshalb er einen 

Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe.

4. In der Vernehmlassung vom 26. Juli 2012 beantragte die IV-Stelle die 

Abweisung der Beschwerde. Da es sich bei der Ausbildung zum Tontechniker 

um eine höhere Ausbildung mit Eidg. Fachausweis handle, erscheine die 

Berechnung des Berufsberaters, wonach der Beschwerdeführer ein 

Invalideneinkommen von Fr. 58‘500.-- erzielen könne, nachvollziehbar. Aus 

dem aktuellen Verdienst des Beschwerdeführers ergäbe sich bei einer 

Aufrechnung auf 100 % kein rentenbegründendes Invalideneinkommen. Es 

wäre von monatlich Fr. 3‘750.-- bzw. jährlich Fr. 48‘750.-- auszugehen, womit 

im Vergleich mit dem Valideneinkommen ein nicht rentenbegründender 

Invaliditätsgrad von 23,44 % resultiere. Selbst wenn zur Berechnung des 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades die Tabellenlöhne gemäss der vom 

Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen Schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung (LSE) beigezogen würden, beliefe sich der monatliche 

Bruttolohn gemäss Tabelle TA 1 LSE 2010 für einfache und repetitive 

Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) auf monatlich Fr. 4‘901.--. Dies ergäbe ein 

Invalideneinkommen von Fr. 62‘393.90 für das Jahr 2012, welches ebenfalls zu 

keinem Rentenbezug führen würde.

5. In der Replik vom 27. August 2012 führte der Beschwerdeführer aus, dass sein 

Bruttolohn monatlich Fr. 1‘500.-- betrage und ihm netto Fr. 1‘379.25 ausbezahlt 

werde. Somit betrage sein jährlicher Nettolohn ca. Fr. 30’000.--.

6. Mit Schreiben vom 30. August 2012 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie auf den 

angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist die Verfügung der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 25. April 2012. Streitig und zu prüfen ist, ob die 

IV-Stelle zu Recht einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneinte.

2. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall 

verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] in Verbindung mit Art. 8 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

[ATSG; SR 830.1]). Die versicherte Person hat bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % auf eine halbe 

Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente 

(Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der 

Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG in 

Verbindung mit Art. 16 ATSG). Bei dieser Methode wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und 

nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in 

Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). In der Regel erfolgt der 

Einkommensvergleich in der Weise, dass die beiden hypothetischen 

Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau bestimmt und einander 

gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der 

Invaliditätsgrad ermitteln lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2 S. 349, 128 V 29 E. 1 

S. 30). Für die Festsetzung des Invaliditätsgrades kommt es primär auf die 

wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische 

Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11 E. 1a S. 48 f., 1982 Nr. 80 S. 170). 

Ohne verlässliche medizinische Entscheidungsgrundlagen ist es jedoch nicht 

möglich, die Erwerbsunfähigkeit (Invaliditätsgrad) zu bestimmen.

3. a) Es ist unbestritten, dass das Valideneinkommen des Beschwerdeführers Fr. 

63‘672.60 beträgt. Strittig ist die Berechnung des Invalideneinkommens des 

Beschwerdeführers. Die IV-Stelle zeigt in ihrer Vernehmlassung mittels dreier 

Berechnungen auf, dass kein Rentenanspruch bestehe. Der Beschwerdeführer 

macht geltend, bei einer 100%igen Arbeitstätigkeit könne er ca. einen Nettolohn 

von Fr. 30'000.-- erzielen, womit er Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe. Der 

Beschwerdeführer verkennt, dass bei der Berechnung des 

Invalideneinkommens jeweils nicht der Nettolohn, sondern - wie von der IV-

Stelle korrekt ausgeführt - der Bruttolohn massgebend ist. Aus dem 

Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers vom 1. Februar 2012 mit der 571 

Recording Studios GmbH geht hervor, dass er bei einem Arbeitspensum von 40 

% einen Bruttolohn von Fr. 1‘500.-- erhält, was bei einer 100%igen 

Arbeitstätigkeit Fr. 3‘750.-- entspräche. Dem Arbeitsvertrag ist auch zu 

entnehmen, dass bei diesem Lohn der 13. Monatslohn inklusive ist. Demnach 

ist die Berechnung der IV-Stelle zugunsten des Beschwerdeführers 

dahingehend zu korrigieren, dass der Beschwerdeführer bei einer 100%igen 

Arbeitstätigkeit jährlich nicht Fr. 48‘750.--, sondern nur Fr. 45‘000.-- verdienen 

könnte. Dies erhöht zwar den Invaliditätsgrad, welcher von der IV-Stelle auf 

23.44 % berechnet wurde auf 29,36 %, ändert aber nichts daran, dass der 

Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Rente hat, weil der Invaliditätsgrad 

nach wie vor weniger als 40 % beträgt. Der Beschwerdeführer hat somit keinen 

Anspruch auf eine IV-Rente.

b) In der Verfügung vom 25. Mai 2012 geht die IV-Stelle einzig vom erwähnten 

Invalideneinkommen von Fr. 58‘500.-- aus, welches zu keiner Rente berechtigt. 

Aus den Akten der IV-Stelle (act. 160 S. 12) ist lediglich zu entnehmen, dass 

der Berufsberater diese Angabe gemacht hat. Es ist hierzu jedoch weder eine 

Begründung noch irgendeine Quellenangabe angegeben. Die Höhe dieses 

Einkommens ist somit nicht überprüfbar. Weil jedoch sämtliche Berechnungen 

dazu führen, dass der Beschwerdeführer keinen Rentenanspruch hat, kann die 

Plausibilität dieser Angabe offen bleiben. Sollte die Angabe des Berufsberaters 

jedoch später zum Streitthema werden, so wäre dieser Punkt von der 

Verwaltung näher abzuklären. Im vorliegenden Fall liegen jedoch konkrete 

Angaben eines effektiven Invalideneinkommens vor, auf welches deshalb 

insbesondere abzustellen ist (vgl. Erw. 3a).

c) Die IV-Stelle führt in ihrer Vernehmlassung aus, dass der Beschwerdeführer bei 

Anwendung eines Tabellenlohnes gemäss LSE 2010 bei einer einfachen und 

repetitiven Tätigkeit (Anforderungsniveau 4) von 100 % ein Jahresgehalt von Fr. 

62‘393.90 erzielen könnte. Weil dieses Jahreseinkommen nur minim unter dem 

unbestrittenen Valideneinkommen von Fr. 63‘672.60 liegt, hat der 

Beschwerdeführer auch bei diesem Einkommensvergleich keinen Anspruch auf 

eine IV-Rente. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.

4. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von 

Art. 61 lit. a ATSG - bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung 

von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert 

im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen. Vorliegend erscheint ein 

Kostenansatz von Fr. 500.-- angemessen. Entsprechend dem Ausgang des 

Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 500.-- gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.