# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c714700a-839e-57f7-aade-ba21ab5d6bb4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-11
**Language:** de
**Title:** Verzugszinspflicht auf eine Vorschusszahlung für eine Integritätsentschädigung nach der Suva-Praxis bei Asbestfällen bejaht
**Docket/Reference:** UV.2013.00119
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00119.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00119
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
11. Februar 2015
in Sachen
Erben des
X.___
,
gestorben
Dezember 2010
nämlich:
1.
Y.___
2.
Z.___
3.
A.___
Beschwerdeführende
Beschwerdeführende 1 und 2 vertreten durch
A.___
G
egen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Bei
X.___
, geboren 1939, wurde am 6. November 2009 ein malignes
Pleuramesotheliom
links diagnostiziert, das auf seine frühere berufs
bedingte Asbestexposition als
Isoleur
zurückgeführt wurde, was von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) anerkannt wurde. Mit Schreiben vom 15. Juni 2010 kündigte sie dem Versicherten die Auszahlung eines Vorschusses im Hinblick auf eine allfällige Integritätsentschädigung in der Höhe von 40
%
der mutmasslichen Integritätsentschädigung
beziehungsweise von
Fr.
50‘400.--
an (
Urk.
7/14).
Im
Dezember 2010 verstarb der Versi
cherte an den Folgen dieser Berufs
krankheit, ohne dass bis zu diesem Zeitpunkt der Vorschuss an ihn überwiesen worden
war
.
In der Folge gelangte die Suva wiederholt an die
Witwe des Versicherten,
B.___
,
und auch an dessen Sohn,
A.___
, um Angaben zur Leistungsfestsetzung der Witwenrente und zur Ausrichtung des Vorschusses zu erhalten.
Mit Verfügung vom 1. September 2011 setzte
sie
die
Hinterlassenen
rente
für
B.___
fest (
Urk.
7/48).
Es folgten mehrmalige telefonische und auch schriftliche
Kontakte
zwischen der Suva und den Erben zur Bezahlung des Vorschusses.
Am 29. Mai 2012 machte
A.___
Angaben zur massgebenden Kontoverbindung (
Urk.
7/65).
Nach einem weiteren Zahlungs
versuch seitens der Suva am
10. Juni 2012
teilte
A.___
der Suva
am 4. Januar 2013
mit, der Betrag sei bis dato nicht überwiesen worden. Gleichzeitig erkundigte er sich, ob der Erbengemeins
chaft ein Verzugszins auf diesem
Betrag zustehe (
Urk.
7/68). Mit Schreiben vom 8. Januar 2013 lehnte die Suva die Ausrichtung eines Verzugszinses ab (
Urk.
7/70). Am 18. Januar 2013 teilte
A.___
mit, er habe das Geld erhalten (
Urk.
7/71).
Im
Schrei
ben vom 28. Januar 2013 zeigte
er
sich mit der Verweigerung der Auszahlung eines Verzugszinses nicht einverstanden (
Urk.
7/72). Daraufhin erliess die Suva die Verfügung vom 21. Februar 2013 und verneinte
darin
einen Anspruch auf Verzugszinsen (
Urk.
7/73). Daran hielt sie im Einspracheentscheid vom 8. April 2013 fest (
Urk.
7/81 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
A.___
als Vertreter der Erben (vgl.
Urk.
12, 13, 14) des verstorbenen Versicherten mit Eingabe vom 7. Mai 2013 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung eines Verzugszinses für den Zeitraum vom 15. Juni 2010 bis 8. Januar 2013 (
Urk.
1). Die Suva schloss in der Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Das Gericht gelangte mit Fragen an die Beschwerdegegnerin (
Urk.
9), welche diese im Schreiben vom 9. Oktober 2014 beantwortete (
Urk.
15, 16/1-4). Der Vertreter der Erben nahm
dazu am 27. November 2014 Stellung (
Urk.
25), was der Beschwerdegegnerin am 5. Januar 2015 zur Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
26).
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Streitig ist
der Anspruch auf Verzugszins
in der Höhe von 5
%
auf eine
m
Betrag von
Fr.
50‘400.-- für einen Zeitraum von höchstens 2 ½ Jahren, weshalb der Streitwert unter
Fr.
20‘000.-- liegt. Damit fällt die Beurteilung der Beschwerde grundsätzlich in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Da es jedoch um einen Fall von grundsätzlicher Bedeutung geht, wird das Verfahren der Kammer zur Behand
lung in ordentlicher Besetzung überwiesen (
§
11
Abs.
4
GSVGer
).
2.
In Frage steht die Verzugszinspflicht auf de
m
von der Beschwerdegegnerin dem Versicherten im Schreiben vom 15. Juni 2010 angekündigten sogenannten Vorschuss auf die auszurichtende Integritätsentschädigung im Betrag von
Fr.
50‘400.--. Die Beschwerdegegnerin, die nach dem Tod des Versicherten
den Erben
diesen Betrag am 6. Januar 2013 ausbezahlt hat (
Urk.
15), verweigerte die Auszahlung eines Verzugszinses mit der Begründung, dass sie über ein Jahr lang vergeblich versucht habe, eine verbindliche Zahlungsadresse zur Überwei
sung dieses Betrages zu erhalten. Nach dem Tod des Versicherten sei die Aus
zahlung an die Erben lange nicht möglich gewesen, diese hätten ihre
Mitwir
kungspflichten
verletzt. Sodann sei eine Verzugszinspflicht auch deshalb nicht gegeben, weil gar kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung im Sinne von
Art.
24 UVG bestanden habe, wie dies vom Bundesgericht verlangt werde. Die Praxis der Suva zur Auszahlung eines Vorschusses sei viel grosszügiger, ein eigentlicher Anspruch auf eine Integritätsentschädigung sei gar nie entstanden (
Urk.
2,
Urk.
6,
Urk.
15).
3.
3.1
Nach
Art.
26
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts [ATSG] werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung, verzugszinspflichtig, dies, sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist.
Der Gesetzgeber statuierte mit dieser Bestimmung eine allgemeine
Verzugszins
pflicht
für den Leistungsbereich. Er orientierte sich dabei an der Auffassung, dass öffentlich-rechtliche Forderungen grundsätzlich zu verzinsen sind
,
und führte daher den Grundsatz ein, wonach Leistungen bei verspäteter Ausrichtung zu verzinsen sind.
Als Objekt
e
des Verzugszinses sind daher
sämtliche f
ällige
n
Geldschulden der Sozialversicherer
anzusehen
(
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
A.,
Rz
17 und
18 zu
Art.
26).
A
ls Pflichtverletzungen
fallen
neben dem Verhalten der versicherten Person auch solche der Leistungsansprecher in Betracht
. Eine Verletzung der
Mitwir
kungspflicht
lässt die Verzugszinspflicht nicht grundsätzlich entfallen. Vielmehr ist für die Spanne der Verzögerung, die kausal auf die Verletzung der Mitwir
kung zurückzuführen ist, eine Hemmung des Zinsenlaufs anzunehmen
(
Kieser
, a.a.O.,
Rz
28 f.
zu
Art.
26).
3.2
Nach
Art.
24
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädi
gung
, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag gelten
den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (
Art.
25
Abs.
1 UVG). Sie wird auch im Falle einer Berufskrankheit ausbezahlt (
Art.
9
Abs.
3 UVG).
3.3
Gemäss
Art.
25
Abs.
2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in
Art.
36
der Verordnung über die Unfallver
sicherung (
UVV
)
Gebrauch gemacht.
Abs.
1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich
während des gan
zen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entsteht im Falle einer schweren und unheilbaren Berufskrankheit, welche die Lebenserwartung erheblich ver
kürzt, der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, sobald von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes
der versicherten Person
mehr erwartet werden kann. Das Kriterium der Dauerhaftigkeit
nach
Art.
36
Abs.
1 UVV
setzt in diesem Zusammenhang keine längerfristige Stabilisierung des Gesundheitszustandes voraus. Erforderlich ist jedoch, dass ein stationärer Zustand erreicht wird, in welchem
die betroffene Person
voraussichtlich noch längere Zeit leben wird. Aus Gründen der
Rechts
gleichheit
und Rechtsicherheit hat das Bundesgericht entschieden, dass der Anspruch in diesem Fall nach einem Jahr der palliativen Pflege entsteht.
Der Anspruch auf Integritätsentschädigung ist sodann vererbbar. Wenn die Anspruchsvoraussetzungen vor dem Tod einer versicherten Person erfüllt waren, geht er
diesfalls
auf die Erben über (Urteil des Bundesgerichts U 444/06 vom 20. Februar 2007 E. 3).
3.4
Die
Suva
hat
für Arbeitnehmer, die im Zusammenhang mit einer beruflichen Asbestexposition erkrankt sind, ab 1. Juli 2005 eine
grosszügigere
neue Ver
waltungspraxis eingeführt, nach welcher ihnen sechs Monate nach Ausbruch der Berufskrankheit eine Integritätsentschädigung von 40
%
ausbezahlt wird im Sinne eines Vorschusses und unabhängig vom Krankheitsverlauf und der Natur der medizinischen Behandlung (therapeuti
sch oder palliativ). Sofern die
versicher
te Person 18 Monate überlebt, er
hält sie einen zusätzlichen Betrag von 40
%
der Entschädigung. Stirbt sie vor dieser Zeit, verzichtet die Suva auf die Rückersta
ttung des Vorschusses (
Praxis
zitiert in:
BGE 133 V 224 E. 6 =
Pra
2008 Nr. 21 S. 159 E. 6; Urteil des Bundesgerichts U 444/06 vom 20. Februar 2007 E. 5;
Aliotta
/Husmann, Die Zusprechung von Integritätsentschädigung gemäss UVG bei durch Asbeststaub verursachten Berufskrankheiten, in SZS 2008 S. 148 ff.
; vgl. auch
Urk.
16/4/1: Ausdruck der Publikation des „Round-Table-Gesprächs der Suva zum Thema Asbest“ auf ihrer
homepage
).
Das Bundesgericht
erwähnte
zu
dieser Praxis,
diese Entschädigungsregelung beruhe auf dem Gedanken
,
der versicherten Person für die immaterielle Beein
trächtigung eine Entschädigung auszurichten, solange sie noch lebe. Die Suva räume aber nach dem Tod der versicherten Person de
r
en Erben keinen Anspruch auf die erwähnten Zahlungen ein (Urteil des Bundesgerichts U 444/06 von
20. Februar 2007 E. 5 mit Hinweis auf BGE 133 V 224 E. 6).
4.
4.1
Beim
verstorbenen Versicherten
wurde
das maligne
Pleuramesotheliom
links am 6
. November 2009 diagnostiziert
(
Urk.
7/1). Nach einer anfänglich kurativen Behandlung erfolgte ab 23. November 2010 die palliative Behandlung, mithin knapp einen Monat vor seinem Tod (vgl. Bericht der Klinik für Onkologie des Universitätsspitals vom 18. Januar 2011,
Urk.
7/36). Ein Anspruch auf
eine
Integritätsentschädigung
für diese Berufskrankheit
im Sinne von
Art.
24 UVG
ist
somit aufgrund des kurzen Überlebens des Versicherten nach Beginn der palliativen Behandlung mangels einer Dauerhaftigkeit des Schadens, wie sie die bundesgerichtliche
Rechtsprechung
verlangt,
nicht entstanden.
4.2
Die Beschwerdegegnerin hatte jedoch im Sinne ihrer dargestellten
und publik gemachten
Praxis zu den Asbestfällen mit Schreiben an den Versicherten vom 15. Juni 2010 diesem
sechs Monate nach der
Krankheitsdiagnose im Hinblick auf einen allfälligen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung einen Vor
schuss von 40
%
der Integritätsentschädigung (
Fr.
50‘400.--) zugesprochen und die Prüfung der Frage nach einem definitiven Anspruch auf eine
Integritäts
entschädigung
18 Monate nach Ausbruch der Krankheit in Aussicht gestellt. Praxisgemäss wies sie darauf hin, dass auf eine Rückforderung des „jetzt aus
gerichteten Vorschusses“ in jedem Fall verzichtet werde (
Urk.
7/14).
Mit dieser definitiven Zusage des sogenannten Vorschusses entstand beim Versi
cherten ein Anspruch auf Ausrichtung eines solchen.
Gleich wie
bei der gesetzlichen Regelung der Vorschussz
ahlungen in
Art.
19
Abs.
4 ATSG, wo bestimmt ist,
dass Vorschusszahlungen unter bestimmten Voraussetzungen aus
gerichtet werden können, darf unter Beachtung des Rechtsgleichheitsgebotes die Verwaltung nicht willkürlich die Auszahlung verweigern (
Kieser
, a.a.O.,
Rz
42 zu
Art.
19).
Vorliegend
entstand eine Schuld
der Suva
gegenüber dem Versicherten auf
die praxisgemässe
Auszahlung der
Fr.
50‘400.
--
. Dass diese Au
szahlung sofort vorzunehmen war
,
liegt im Sinne dieser von der Suva ins Leben gerufenen Praxis, sollte doch dieser sogenannte Vorschuss den Versi
cherten mit infauster Diagnose noch zu Lebzeiten zur Verfügung stehen. Daraus ist zu folge
r
n, dass entgegen der Ansicht der Besc
hwerdegegnerin diese Forde
rung
grundsätzlich im Sinne von
Art.
26
Abs.
2 ATSG der Verzinsung unter
liegt, wenn die übrigen Voraussetzungen gegeben sind.
Dieser Anspruch ist sodann auf die Erben, die
im Todeszeitpunkt aufgrund der Universal
s
ukzession
in die Position des Versicherten eingetreten sind, überge
gangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 314/05 vom 7. September 2006 E. 6.2).
Die Beschwerdegegnerin zahlte denn auch den Vorschuss am 6. Januar 2013
den
Erben aus
(Buchungsdatum
Postfinance
Clearing:
Urk.
16/2/4)
.
4.3
4.3.1
Zu prüfen ist somit,
ob die übrigen Voraussetzungen von
Art.
26
Abs.
2 ATSG, die für die Bezahlung eines Verzugszinses
auf diesen Betrag
notwendig sind,
gegeben sind, was von der Beschwerdegegnerin verneint wurde. Sie habe zwar die Kontoangaben des Versicherten gehabt, jedoch nach seinem Tod sei eine Auszahlung auf das Konto nicht mehr möglich gewesen, weshalb sie versucht habe, von den Erben Angaben zu einem Erbschaftskonto zu erhalten. Indem diese den unzähligen Aufforderungen der Suva um Bekanntgabe einer gültigen Zahlungsverbindung nicht nachgekommen seien, hätten sie die
Mitwirkungs
pflichten
krass verletzt (
Urk.
2).
4.3.2
Am 7. Juni 2010
noch hatte
der Versicherte der Beschwerdegegnerin Informatio
nen zu seiner Bankverbindung
mitgeteilt
, an welche sie die in Aus
sicht stehenden Zahlungen vorzunehmen hätte. Der Versicherte gab folgende Informationen an: Bankkonto bei der
Bank C.___
,  IBAN
: D.___
, Clearing Nr.
: E.__
, SWIFT Nr.
: F.___
(
Urk.
16/1). Nach Ausführungen der Beschwerdegegnerin sei am 21. Juli 2010 erstmals e
ine Überweisung von
Fr.
50‘400.--
vorgenommen worden, die aber wieder storniert worden sei (
Urk.
15). In der Folge sei ein Zahlungsversuch am 18. September 2010 gemacht worden, der ein „Rückläufer“ gewesen sei. Schliesslich sei die Zahlung am 6. Januar 2013 ausgeführt worden (
Urk.
15).
4.3.3
Aus den von der Beschwerdegegnerin eingereichten Buchungsbelegen geht her
vor, dass vor dem Tod des Versicherten
zwei
Zahlung
sversuche
unternommen worden waren, einer
am
21. Juli 2010 und einer am
18. September 2010
. Die erste Zahlung wurde storniert, die zweite
wieder
als „Rückläufer“ bei ihr ver
bucht (
Urk.
16/2/4). Nach dem Tod des Versicherten gelangte die Suva mit einem Schreiben vom 8. Februar 2011 an die
Witwe
des Verstorbenen und erbat für die Auszahlung ihrer künftigen
Hinterlassenenrente
unter anderem Angaben über ihre eigenen Zahlungsverbindungen (
Urk.
7/29). In Ermangelung einer Antwort wandte sich die Suva mit dem gleichen Anliegen einen Monat später erneut an die Witwe (
Urk.
7/37). Ihr Sohn und
im vorliegenden Fall
Vertreter der Erbengemeinschaft sandte
der Suva
am 18. April 2011 die Rentenverfügung der Ausgleichskasse, wo
die
Kontenangaben
seiner Mutter
enthalten waren, es fehlten jedoch noch immer die übrigen Angaben zur Rentenbestimmung (
Urk.
7/38). Deshalb wandte sich die Suva erneut in einem eingeschriebenen Schreiben vom 29. Juni 2011 an die Witwe und erwähnte gleichzeitig, dass auch noch die Zahlungsverbindungen der Erbengemeinschaft ausstehend seien zur Überweisung der Integritätsentschädigung
,
und setzte
ihr eine
Frist bis zum 15. Juli 2011 an (
Urk.
7/42). Am 24. Juli 2011 und nach einem Telefonat am 21.
Juli 2011 mit der Suva reichte
A.___
zwar weitere Angaben ein
(
Urk.
7/44)
, es fehlten jedoch erneut die Kontoangaben der Erbengemeinschaft, was die Suva am 10. August 2011 nun auf Italienisch
B.___
mitteilte (
Urk.
7/46). Mangels einer Antwort versuchte die Suva am 28. Dezember 2011 über das zuständige Kreisbüro und das Steueramt zu den Angaben über das Erbschaftskonto zu gelangen (
Urk.
7/51). Schliesslich gelangte sie mittels eines Schreibens vom 16. Februar 2012 an
A.___
und verlangte von ihm die Kontoangaben der Erbengemeinschaft (
Urk.
7/58). Am 27. April 2012 teilte die Suva ihm und
B.___
per Einschreiben mit, dass sie den Betrag ab 1. Juni 2012 auf das bekannte Konto von
B.___
auszahlen werde (
Urk.
7/61).
A.___
machte am 29. Mai 2012 die Kontoangaben (
Urk.
7/65). Die Suva teilte
A.___
am 11. Juni 2012 die Überwei
sung des Geldes zu
Handen
der Erbengemeinschaft mit (
Urk.
7/66). Dieses kam jedoch nicht an, was
A.___
der Suva am 4. Januar 2013 mitteilte (
Urk.
7/68). Am 6. Januar 2013 konnte das Geld den Erben überwiesen werden (
Urk.
16/3).
4.3.4
Diese
schlussendlich
erfolgreiche Überweisung des Vorschusses an die Erben des verstorbenen Versicherten erfolgte an die gleiche Bankverbindung,
wie sie
bereits der Versicherte der Suva angegeben hatte und
wie sie
A.___
am 29. Mai 2012 bestätigt
hatte
(vgl.
Urk.
16/3, 16/1). Allerdings lautete das Konto nun auf „Erben von
X.___
“. Etwas anderes geht aus den Akten nicht hervor und wurde von der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend gemacht. Aus welchem Grund die Zahlungsversuche vor dem 6. Januar 2013 erfolglos gewesen waren, ist unklar;
allerdings wurde
bei der Zahlungsanwei
sung vom 11. Juni 2012
seitens der Suva
offensichtlich ein Fehler gemacht, in
dem die Überweisung an eine andere Filiale der
Bank C.___
versucht
worden war
(
Urk.
7/66).
Tatsache ist jedoch, dass die Beschwerdegegnerin über
eine lange Zeit hinweg versucht hatte
, via Kontakt zu den Erben
dem Grund für die Schwierigkeiten bei der Überweisung auf die Spur zu kommen.
Die Anfragen nach den
Kontoanga
ben
war
en
umso berechtigt
er
, als es durchaus im Bereich des Möglichen lag, dass nach dem Tod des Versicherten die Kontoangaben nicht mehr stimmten.
Das lange
Untätigbleiben
der Erben in dieser Sache, das
U
nbeantwortet
l
assen
der zahlreichen Anfrag
en
hat zur verzögerten Auszahlung des Geldes beigetra
gen.
Eine raschere
Aufklärung des
Zuste
llungsproblems und die frühere
Verifi
zierung der Kontoangaben durch die Erben hätten
fraglos
zu einer früheren Auszahlung des Vorschusses geführt. Am
4. Juni 2012 (Eingang des Schreibens vom
29. Mai 2012
)
war die Beschwerdegegnerin
im Besitz der verifizierten und an die Erbschaftssituation angepassten
Kontoangaben (
Urk.
7/65).
Das Verhal
ten der Erben war also bis
am
4. Juni 2012 kausal für die Verspätung (vgl.
Kieser
, a.a.O.,
Rz
29 zu
Art.
26)
; ab jenem Zeitpunkt hätte das Geld
jedoch
von der Beschwerdegegnerin überwiesen werden können.
4.3.5
Die D
iagnose
wurde erstmals
am 6. November 2009
gestellt
(
Urk.
7/23 und 7/36 S. 2). Nach
der
Praxis der Beschwerdegegnerin (v
gl. Urteil des Bundesgerichts
U
444/06 vom 20. Februar 2007 E. 5 und Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 15. Juni 2010 [
Urk.
7/14])
hätte die Zahlung
sechs Monate nach der Erkrankung erfolgen sollen, was der
6. Mai 2010
gewesen wäre. Der Beginn des
Verzugs
zinsenlaufs
24 Monate nach Entstehung des Anspruchs
im Sinne von
Art.
26
Abs.
2 ATSG wäre somit
auf den 6
. Mai 2012 zu l
iegen
gekommen. Indem jedoch die Erben bis zu ihrem Schreiben vom 29. Mai 2012 selber an der Verzö
gerung mitgewirkt haben,
müssen sie die Folgen der
Verzögerung selber tragen (vgl. E. 3.1), weshalb
der
Frist
enlauf
erst nach Zugang dieses Schreibens bei der Beschwerdegegnerin am 4
. Juni 2012
(
Urk.
7/65), somit a
m
5. Juni 2012
beginnt
. Da
die Vorschussleistung
seitens des Versicherers ohne Zutun der ver
sicherten Person
zugesprochen wurde, entfällt
vorliegend
die weitere Vorausset
zung
der Erfüllung der 12-Monatsfrist der Geltendmachung des Anspruchs gemäss
Art.
26
Abs.
2 ATSG
(
Kieser
,
a.a.O.,
N 27 zu
Art.
26).
Zusammenfassend
haben die
Beschwerdeführenden
somit
Anspruch auf Verzugs
zinsen
von 5
%
pro Jahr
(
Art.
7
Abs.
1 der Verordnung über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV)
für den Zeitraum vom
5.
Juni 2012 bis
5.
Januar 2013 auf
Fr.
5
0‘400.--.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
wird der angefochtene Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin
vom
8.
April 2013
aufgehoben
und es wird festgestellt, da
ss die Beschwerdeführenden
Anspruch auf einen
Verzugszins
v
on 5
%
pro Jahr auf
Fr.
50‘400.--
während des Zeitraums vom
5.
Juni 2012 bis
5.
Januar 2013 haben
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
A.___
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigKlemmt