# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64e399da-bb04-5315-bafe-0e1d419f6555
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-20
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Beschwerdeabteilung 20.06.2023 BS 2022 76
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_003_BS-2022-76_2023-06-20.pdf

## Full Text

20230509_114009_ANOM.docx

I. Beschwerdeabteilung BS 2022 76

Oberrichter St. Scherer, Abteilungspräsident
Oberrichter P. Huber
Oberrichter M. Siegwart
Gerichtsschreiberin J. Berweger

Beschluss vom 20. Juni 2023 [rechtskräftig]

in Sachen

1. A.________ AG,
2. B.________ AG
vertreten durch Rechtsanwalt C.________,
Gesuchstellerinnen,

gegen

Staatsanwältin D.________,
Gesuchsgegnerin,

betreffend

Ausstand (Verfahren 2A 2017 168/169, 2A 2019 203/204, 2A 2020 130)

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Sachverhalt

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, II. Abteilung, führt mehrere Strafuntersuchungen 
gegen E.________ und F.________ wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und allenfalls 
weiterer Delikte zum Nachteil der A.________ AG und von deren Tochtergesellschaft 
B.________ AG. 

1.1 Die Strafuntersuchungen wurden aufgrund von zwei Strafanzeigen von G.________ vom 
25. September 2017 (2A 2017 157/158) bzw. 24. Oktober 2017 (2A 2017 168/169) eröffnet. 
E.________ und F.________ sollen im September 2017 als Verwaltungsräte der beiden Ge-
sellschaften drei Liegenschaften in H.________ unterpreisig verkauft haben. 

1.2 Mit E-Mail vom 8. August 2019 teilte Rechtsanwalt I.________ der Staatsanwaltschaft mit, 
die Beschuldigten E.________ und F.________ hätten der J.________ Bank einen Saldie-
rungsauftrag betreffend das Konto der K.________ AG (der Muttergesellschaft der 
A.________ AG) erteilt. Mit Schreiben vom 23. September 2019 machte Rechtsanwalt 
I.________ geltend, die Beschuldigten hätten für jede Holdinggesellschaft einen Escrow- und 
einen Garantievertrag errichtet und mit diesen Verträgen sämtliches Geld der Dispositionsbe-
fugnis der Gesellschaften entzogen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Strafuntersuchung 
gegen dieselben Beschuldigten mit dem Aktenzeichen 2A 2019 203/204 betreffend unge-
treue Geschäftsbesorgung.

1.3 Mit Eingabe vom 19. September 2019 erstattete Rechtsanwalt I.________ namens der 
K.________ AG und der Holdinggesellschaften Strafanzeige gegen Rechtsanwalt 
L.________ betreffend Verdacht auf Teilnahme an einem Erpressungsversuch, eventualiter 
an einer ungetreuen Geschäftsbesorgung (Verfahren 2A 2020 130).

1.4 D.________ (nachfolgend: Gesuchsgegnerin) ist verfahrensleitende Staatsanwältin in diesen 
Verfahren.

2. Im Zusammenhang mit dem Untersuchungsverfahren 2A 2017 168/169 erstatteten die 
A.________ AG und die B.________ AG (nachfolgend: Gesuchstellerinnen) am 30. August 
2022 bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug Strafanzeige unter anderem gegen die 
Gesuchsgegnerin wegen Gehilfenschaft zu qualifizierter Geldwäscherei und wegen Begüns-
tigung (Verfahren 2A 2022 134).

3. Am 1. September 2022 ersuchten die Gesuchstellerinnen die Gesuchsgegnerin, im Verfah-
renskomplex 2A 2017 168/169, 2A 2019 203/204 und 2A 2020 130 in den Ausstand zu tre-
ten.

4. Die Gesuchsgegnerin nahm zum Ausstandsgesuch am 12. September 2022 Stellung mit 
dem Antrag, auf das Ausstandgesuch sei nicht einzutreten, eventualiter sei dieses abzuwei-
sen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchstellerinnen.

5. Am 15. September 2022 leitete Oberstaatsanwältin M.________ das Ausstandsgesuch und 
die Stellungnahme der Gesuchsgegnerin zuständigkeitshalber an die I. Beschwerdeabteilung 
des Obergerichts weiter. 

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6. Die Gesuchstellerinnen replizierten am 20. Oktober 2022 und reichten am 16. Januar 2023 
ein ergänzendes Schreiben ein.

7. Am 19. Januar 2023 nahm der eingesetzte ausserordentliche Staatsanwalt N.________ das 
Strafverfahren gegen die Gesuchsgegnerin betreffend Gehilfenschaft zu Geldwäscherei, Ge-
hilfenschaft zu Hehlerei und Begünstigung nicht an die Hand (Verfahren 2A 2022 134). Die 
dagegen erhobene Beschwerde wies das Obergericht am 15. Mai 2023 ab (BS 2023 16).

Erwägungen

1. Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die Frage des Ausstands der Ge-
suchsgegnerin in den Untersuchungsverfahren 2A 2017 168/169, 2A 2019 203/204 und 
2A 2020 130. Das Ausstandsbegehren gegen die Gesuchsgegnerin im Zusammenhang mit 
dem gegen sie aufgrund der Strafanzeige vom 30. August 2022 allenfalls zu eröffnenden Un-
tersuchungsverfahren sowie die Ausstandsbegehren gegen den O.________ und 
P.________ in jenem Verfahren sind Gegenstand separater Beschwerdeverfahren (Verfah-
ren BS 2022 72, 73 und 75). Ebenfalls separat behandelt wird die Frage, ob die Gesuchs-
gegnerin aufgrund der gegen sie eingereichten Strafanzeige in weiteren Untersuchungsver-
fahren gegen E.________, F.________ und Q.________ in den Ausstand zu treten hat (Ver-
fahren BS 2022 77-81).

2. Die Gesuchstellerinnen machen zur Begründung ihres Ausstandsgesuches zusammenge-
fasst Folgendes geltend:

2.1 Sie hätten der Gesuchsgegnerin in der Strafanzeige vom 30. August 2022 vorgeworfen, 
durch Teilfreigabe der Grundbuchsperre auf den Grundstücken 111, 112 und 803 in 
H.________ mit Schreiben an das Grundbuchamt R.________ vom 3. April 2018 Beilhilfe zur 
Geldwäscherei durch S.________, T.________ und die J.________ Bank geleistet zu haben. 
Die Verfahren, für welche der Ausstand der Gesuchsgegnerin beantragt werde, beträfen un-
ter anderem der Verkauf der Grundstücke in H.________ und somit die Vortat zur mutmass-
lichen Geldwäschereihandlung der Gesuchsgegnerin. Der Ausgang des Untersuchungsver-
fahrens präjudiziere somit die Beurteilung des u.a. gegen die Gesuchsgegnerin neu zur An-
zeige gebrachten Geldwäschereiverdachts. 

2.2 Zudem bestehe bei dieser Sachlage auch begründete Besorgnis feindschaftlicher Ressenti-
ments der Gesuchsgegnerin gegen die Gesuchstellerinnen und deren Rechtsvertretung, zu-
mal diese gegen die Gesuchsgegnerin eine Strafanzeige eingereicht hätten. Es könne daher 
nicht mehr der Anschein aufrechterhalten bleiben, dass die Gesuchsgegnerin das Untersu-
chungsverfahren frei von feindschaftlichen Ressentiments gegen die Gesuchstellerinnen 
führen könne, zumal die Strafanzeige nicht missbräuchlich erfolgt sei, um den Ausstand der 
Gesuchsgegnerin zu provozieren. 

2.3 Im Schreiben vom 16. Januar 2023 machten die Gesuchstellerinnen neu geltend, die Ge-
suchsgegnerin habe den ausserordentlichen Staatsanwalt anlässlich der Einvernahme vom 
11. Januar 2023 nach Strich und Faden bzw. aktenwidrig angelogen. So treffe nachweislich 

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nicht zu, dass die Gesuchsgegnerin die Teilfreigabe der Grundbuchsperre verfügt habe, so-
bald sie Kenntnis von den öffentlich beurkundeten Kaufverträgen erhalten und dort den 
Kaufpreis gesehen habe. Vielmehr habe die Gesuchsgegnerin bereits Kenntnis von densel-
ben gehabt, als sie die Grundbuchsperre verfügt habe. Auch habe sie dem Beschuldigten 
E.________ anlässlich der Einvernahme vorgehalten, dass der Grundstückverkauf für 
CHF xx Mio. tatverdächtig sei, und diese Einschätzung in zwei Dokumenten wiederholt, ob-
wohl sie in der Einvernahme behauptet habe, sie habe zu diesem Zeitpunkt keinen Tatver-
dacht zum unterpreisigen Verkauf mehr gehabt. Wer so dreist lüge, dem sei nicht zuzutrau-
en, entsprechend dem gesetzlichen Auftrag die Wahrheit zu ermitteln. Die systematische 
Aussageverweigerung der Gesuchsgegnerin gegenüber dem Rechtsvertreter der Gesuch-
stellerinnen dokumentiere eine grundlegende Misstrauenshaltung gegenüber den Gesuch-
stellerinnen, welche deren Vertrauen in eine ergebnisoffene Sachverhaltsabklärung durch die 
Gesuchsgegnerin untergrabe. 

2.4 Die Gesuchsgegnerin habe sich zudem bereits zu Beginn des Verfahrens ohne objektivierba-
re Grundlage und ohne Expertenwissen über den Immobilienmarkt auf das Ermittlungser-
gebnis festgelegt, was aufgrund der fehlenden Ergebnisoffenheit ebenfalls einen Ausstands-
grund nach Art. 56 lit. f StPO darstelle. Auch die logisch nicht begründbare, apriorische und 
völlig pauschale Weigerung der Gesuchsgegnerin, die qualifizierte Tatvariante der ungetreu-
en Geschäftsbesorgung mit Fremdbegünstigungsabsicht zur Anklage zu bringen, dokumen-
tiere ihre fehlende Ergebnisoffenheit und begründe den Anschein von Feindschaft.

3. Die Gesuchsgegnerin macht demgegenüber zusammengefasst folgendes geltend:

3.1 Soweit sich die Strafanzeige auf angebliche Vorkommnisse im Jahr 2018 beziehe, sei das 
Ausstandsgesuch verspätet vorgebracht worden. Die Gesuchstellerinnen hätten ab dem 
8. Mai 2018 bis zum 21. Februar 2022 mehrfach Akteneinsicht genommen, weshalb die Ver-
fahrenshandlungen, aufgrund welcher sie nun den Ausstand verlangten, ihnen bereits länger 
bekannt gewesen seien. Auf das Ausstandsgesuch sei deshalb nicht einzutreten.

3.2 Eventualiter sei das Ausstandsgesuch abzuweisen. Als Staatsanwältin mit langjähriger Be-
rufserfahrung sei sie in der Lage, zwischen der Strafanzeige einerseits und der – mithin 
grundsätzlich nahezu abgeschlossenen – Strafuntersuchung andererseits zu unterscheiden. 
Es entbehre sodann jeder Rechtsgrundlage, wenn einer Staatsanwältin allein durch die Er-
stattung einer Strafanzeige und ohne jeden materiellen Ausstandsgrund eine Verfahrenslei-
tung entzogen werden könnte.

4. Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangen, so hat 
sie der Verfahrensleitung unverzüglich ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie 
vom Ausstandsgrund Kenntnis erlangt (Art. 58 Abs. 1 StPO). 

4.1 Der Gesuchsgegnerin ist zuzustimmen, dass die in der Strafanzeige geschilderten Vorgänge 
lange vor der Einreichung des Ausstandsgesuchs stattfanden und somit ein Ausstandsbe-
gehren aufgrund des dort geschilderten Verhaltens der Gesuchsgegnerin klar verspätet wä-
re. Allerdings begründen die Gesuchstellerinnen das Ausstandsgesuch nicht mit dem angeb-
lichen Fehlverhalten der Gesuchsgegnerin, sondern mit der Tatsache der Strafanzeige an 
sich. Auf das Ausstandsgesuch ist daher insoweit einzutreten, als zu prüfen ist, ob die Ge-

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suchsgegnerin aufgrund der gegen sie eingereichten Strafanzeige in den Ausstand treten 
muss. 

4.2 Verspätet ist hingegen die Rüge der angeblich falschen rechtlichen Einordung des Sachver-
halts in der Anklage. Den Gesuchstellerinnen wurde der voraussichtliche Anklagesachverhalt 
bereits mit Parteimitteilung vom 6. April 2022 zugestellt (Verfahren 2A 2017 168/169 
HD 5/56), weshalb ihnen der Tatvorwurf und die dort vorgenommene rechtliche Einordnung 
bereits länger bekannt ist. Die damit zusammenhängenden Rügen im Schreiben vom 16. Ja-
nuar 2023 erfolgten somit offensichtlich verspätet, weshalb darauf nicht einzutreten ist.

5. Nach Art. 56 StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person (wozu nach Art. 12 lit. b StPO 
auch Staatsanwältinnen und Staatsanwälte zählen) unter anderem dann in den Ausstand, 
wenn sie in der Sache ein persönliches Interesse hat (lit. a) oder aus anderen Gründen be-
fangen sein könnte (lit. f).  

5.1 Aus Art. 56 lit. a StPO folgt, dass die in einer Strafbehörde tätige Person weder in eigener 
Sache ermitteln noch entscheiden darf. Erfasst werden sämtliche direkten und indirekten In-
teressen, seien sie tatsächlicher, etwa finanzieller, oder ideeller Natur. Soweit nur eine indi-
rekte bzw. mittelbare Betroffenheit vorliegt, muss die Person jedenfalls so intensiv tangiert 
sein, dass eine ernsthafte Gefahr der Unsachlichkeit besteht. Erforderlich ist eine spürbare 
persönliche Beziehungsnähe zum Streitgegenstand (Urteil des Bundesgerichts 1B_601/2022 
vom 31. Januar 2023 E. 3.2). Unmittelbare bzw. direkte Interessen hat das Mitglied einer 
Strafbehörde, wenn es selbst beschuldigte Person, Privatkläger oder Opfer ist (Keller, in: 
Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung, 3. A. 2020, Art. 56 StPO N 11 m.H.).

Reicht eine Partei des Strafverfahrens erst im Verlaufe desselben eine Strafanzeige gegen 
ein Mitglied einer Strafbehörde ein, so kann dies für sich selbst keinen Ausstandsgrund be-
gründen. Andernfalls hätten es die Parteien in der Hand, einen ihnen missliebigen Staatsan-
walt aus dem Verfahren hinauszudrängen bzw. die Untersuchungsorgane lahmzulegen. Eine 
Ausstandspflicht kann im Anschluss an eine Strafanzeige daher nur bestehen, wenn in Be-
zug auf die dem Staatsanwalt vorgeworfenen Straftaten ein hinreichend verdichteter bzw. 
dringender Tatverdacht besteht (Urteil des Bundesgerichts 1B_465/2012 vom 6. September 
2012 E. 3). Auch heftige Attacken führen nicht dazu, dass zu unterstellen ist, der davon be-
troffene Magistrat hege die gleichen Gefühle gegenüber der Partei. Allerdings können unge-
schickte Reaktionen auf derartige Angriffe zu einer Befangenheit unter Art. 56 lit. f StPO 
führen (Keller, a.a.O., Art. 56 StPO N 11; Urteil des Bundesgerichts 1B_13/2015 vom 1. Mai 
2015 E. 3; BGE 134 I 20 E. 4.3.2).

5.2 Auch voreilige präjudizielle Äusserungen der Untersuchungsleitung können in begründeten 
Einzelfällen geeignet sein, objektive Zweifel an ihrer Unparteilichkeit zu begründen. Dies 
kann zum Beispiel zutreffen, wenn die Untersuchungsleitung nicht gewillt erscheint, ihren un-
zulässigen, vom zuständigen Verfahrensgericht gerügten Standpunkt zu ändern. Sodann 
können sich Verfahrenssituationen ergeben, in denen die Staatsanwaltschaft bereits vor Ab-
schluss der Strafuntersuchung in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht zum Gegenstand der 
Untersuchung Stellung nimmt und dabei unter Umständen auch ihre aufgrund des jeweiligen 
Verfahrensstandes vorläufig gebildete Meinung offenlegt. Dabei darf und muss aber, sofern 

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nicht besondere gegenteilige Anzeichen vorhanden sind, vorausgesetzt werden, dass die 
Untersuchungsleitung in der Lage ist, ihre vorläufige Beurteilung des Prozessstoffes entspre-
chend dem jeweils neusten Stand des Verfahrens ständig zu überprüfen und bei Vorliegen 
neuer Tatsachen und Argumente auch zu revidieren. Ein solches Vorgehen vermag in der 
Regel keine Parteilichkeit oder Befangenheit objektiv zu begründen. "Ungeschickte Äusse-
rungen" eines Staatsanwaltes kommen als Ausstandsgrund nur in Frage, wenn es sich dabei 
um eine schwere Verfehlung gegenüber der betroffenen Partei handelt (Urteil des Bundes-
gerichts 1B_395/2020 vom 21. Januar 2021 E. 7 m.H.).

6. Vorliegend vermag die Strafanzeige vom 30. August 2022 keinen Ausstand der Gesuchs-
gegnerin zu begründen.

6.1 Die Strafanzeige wurde eingereicht, während die Gesuchsgegnerin bereits verfahrensleiten-
de Staatsanwältin in den Strafverfahren gegen E.________, F.________ und L.________ 
war. Der ausserordentliche Staatsanwalt hat die Strafuntersuchung gegen die Gesuchsgeg-
nerin am 19. Januar 2023 nicht an die Hand genommen (Verfahren 2A 2022 134). Das 
Obergericht hat diese Nichtanhandnahme am 15. Mai 2023 bestätigt (Verfahren BS 2023 
16). Die Staatsanwaltschaft und das Obergericht haben in diesen Verfahren ausführlich erör-
tert, dass das Verhalten der Gesuchsgegnerin weder objektiv tatbestandmässig war noch 
Anzeichen bestehen, dass diese vorsätzlich gehandelt hat. Es besteht somit kein hinreichend 
verdichteter bzw. dringender Tatverdacht in Bezug auf die der Gesuchsgegnerin vorgeworfe-
nen Straftatbestände. Die von den Gesuchstellerinnen eingereichte Strafanzeige vermag 
deshalb keinen Ausstand zu begründen.

6.2 Die Gesuchstellerinnen legen sodann nicht dar, inwiefern ihre Strafanzeige zu feindschaftli-
chen Ressentiments der Gesuchsgegnerin geführt haben soll. Die Strafanzeige und die darin 
geäusserte – scharfe – Kritik an der Arbeitsweise der Gesuchsgegnerin sind gemäss der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedenfalls nicht geeignet, den Anschein solcher Res-
sentiments zu erwecken. Ansonsten hätten es die Parteien in der Hand, mit einem konfronta-
tiven Verhalten den Ausstand einer Staatsanwältin zu begründen. Es liegen auch keine Hin-
weise vor, dass die Gesuchsgegnerin auf die Strafanzeige unangemessen reagiert hat. Die 
Gründe, warum eine beschuldigte Person anlässlich einer Einvernahme die Fragen der Pri-
vatklägerschaft nicht beantwortet, sind zudem vielfältig, weshalb auch allein daraus nicht auf 
eine feindselige Haltung der Gesuchsgegnerin gegen die Gesuchstellerinnen oder deren 
Rechtsanwalt geschlossen werden kann.

6.3 Es ist weiter nicht nachvollziehbar, inwiefern die Gesuchsgegnerin den ausserordentlichen 
Staatsanwalt anlässlich der Einvernahme im gegen sie geführten Strafverfahren 2A 2022 134 
angelogen haben soll. Jedenfalls finden sich die angeblich falschen Angaben, wie sie die 
Gesuchstellerinnen im Schreiben vom 16. Januar 2023 geltend machen (act. 9), nicht im 
Einvernahmeprotokoll. Vielmehr sagte die Gesuchsgegnerin Folgendes aus (Verfahren 2A 
2022 134 act. 5/1/1/17): "Als ich vom Grundbuchamt die ungeschwärzten öffentlichen Urkun-
den erhielt und darin den Kaufpreis sah, entkräftete sich der Tatverdacht schon sehr. Es 
blieben dann noch diese Geheimhaltungsvereinbarung unbekannten Inhalts sowie der Um-
gang mit dem Verkaufserlös. Diesbezüglich habe ich dann die angezeigten Zwangsmass-
nahmen erlassen." Die Gesuchsgegnerin hat somit entgegen den Behauptungen der Ge-
suchstellerinnen nicht geltend gemacht, die öffentliche Verkaufsurkunde und somit den be-

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zahlten Kaufpreis erst nach Errichtung der Grundbuchsperre eingesehen zu haben. Die Auf-
hebung der Grundbuchsperre begründete die Gesuchsgegnerin zudem nicht mit dem be-
kannt gewordenen Kaufpreis, sondern weil ihr neu die Geheimhaltungsvereinbarung vorge-
legen habe (Verfahren 2A 2022 134 act. 5/1/1/19 Frage 25). Da in der Strafanzeige zu den 
Verfahren 2A 2017 168/169 von einer offensichtlichen Unterpreisigkeit des Kaufpreises die 
Rede war, ist auch nicht zu beanstanden, wenn die Gesuchsgegnerin diesen Vorwurf trotz 
eigener anderer Überzeugung gegenüber E.________ und anderen Personen wiederholte, 
um deren Stellungnahme zum Vorwurf einzuholen. Es ist somit nicht ersichtlich, inwiefern die 
Gesuchsgegnerin wahrheitswidrig ausgesagt haben soll. Die Schlussfolgerungen der Ge-
suchstellerinnen gehen entsprechend ins Leere.

6.4 Die Gesuchstellerinnen scheinen sodann zu verkennen, dass sich eine Staatsanwältin 
durchaus aufgrund des jeweiligen Verfahrensstandes eine vorläufige Meinung zum Verfahren 
bilden darf. Gerade in der vorliegenden Konstellation, in welcher die Gesuchsgegnerin die 
Strafuntersuchung in den Verfahren 2A 2017 168/169, 2A 2019 203/204 und 2A 2020 130 
abgeschlossen und den Parteien die Anklageerhebung angekündigt hat (Verfahren 2A 2017 
168/169 HD 5/56), ist eine Meinungsbildung gar notwendig. Da die Untersuchung abge-
schlossen ist, musste sich die Gesuchsgegnerin hierzu auch nicht mehr mit derselben 
Zurückhaltung äussern. Die Äusserung einer vorläufig gebildeten Meinung durch die Ge-
suchsgegnerin wäre aber ohnehin nur problematisch, wenn sie nicht in der Lage wäre, diese 
aufgrund des jeweiligen Stands des Verfahrens zu überprüfen und bei Vorliegen neuer Tat-
sachen und Argumente auch zu revidieren. Hierfür liegen jedoch keine Anzeichen vor. 

7. Nach dem Gesagten erweist sich das Ausstandsgesuch als unbegründet und ist abzuweisen, 
soweit darauf eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang sind die Kosten des vorliegen-
den Verfahrens den Gesuchstellerinnen unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerlegen.

Beschluss

1. Das Ausstandsgesuch gegen Staatsanwältin D.________ im Verfahrenskomplex 2A 2017 
168/169, 2A 2019 203/204 und 2A 2020 130 wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

2. Die Kosten dieses Verfahrens betragen

CHF 800.00 Gebühren
CHF 40.00 Auslagen
CHF 840.00 Total

und werden den Gesuchstellerinnen unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt.

3. Gegen diesen Entscheid ist die Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 78 ff. des Bundes-
gerichtsgesetzes (BGG) zulässig; die Beschwerdegründe richten sich nach Art. 95 ff. BGG. 
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich, begründet und 
mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage des Entscheides und der Beweismittel (vgl. 
Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

4. Mitteilung an:

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- Parteien
- Rechtsanwalt U.________ (z.H. von E.________)
- Rechtsanwalt V.________ (z.H. von F.________)
- Rechtsanwalt L.________
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

Obergericht des Kantons Zug 
I. Beschwerdeabteilung

St. Scherer J. Berweger
Abteilungspräsident Gerichtsschreiberin

versandt am: