# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71462272-12e9-5e34-9bd4-6bdde6663c14
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 02.03.2022 VBE.2021.433
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-433_2022-03-02.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2021.433 / aw / ce       
Art. 19 

 

 

Urteil vom 2. März 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Schircks Denzler         

Ersatzrichterin Porchet  

Gerichtsschreiber i.V. Wallimann 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch Eva-Maria Henzi, Rechtsanwältin, CAP Rechtsschutz- 

Versicherungsgesellschaft AG, Habsburgerstrasse 26, Postfach,  

6002 Luzern    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

     
   

Beigeladene   B._____      

 

    
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 2. September 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1985 geborene Beschwerdeführerin, zuletzt als Kassiererin tätig, mel-

dete sich am 26. Juni 2012 wegen unfallbedingter Beschwerden (CRPS 

des linken Armes) bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen 

(berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

(IV) an. Nach Beizug der Akten des UVG-Versicherers veranlasste die Be-

schwerdegegnerin eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung 

durch die medexperts ag, St. Gallen. Das Gutachten wurde am 14. Juli 

2015 erstattet. Nach Konsultation des Regionalen Ärztlichen Dienstes 

(RAD) wurde der Beschwerdeführerin als Massnahme zur Verbesserung 

beziehungsweise zum Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit auferlegt, sich einer Psy-

chotherapie zu unterziehen. Anschliessend führte die Beschwerdegegnerin 

das Vorbescheidverfahren durch und sprach der Beschwerdeführerin mit 

Verfügung vom 7. Dezember 2015 ab dem 1. Januar 2013 eine ganze 

Rente zu.  

 

Im September 2016 leitete die Beschwerdegegnerin ein Revisionsverfah-

ren ein und holte bei den behandelnden Ärzten Verlaufsberichte ein. 

Gestützt auf die Beurteilungen des RAD vom 1. Februar 2018 und vom 

8. März 2018 hob sie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens die 

bisherige ganze Rente mit Verfügung vom 29. Juni 2018 auf das Ende des 

der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Mit Urteil vom 13. Mai 

2019 hiess das Versicherungsgericht des Kantons Aargau die dagegen 

erhobene Beschwerde insoweit gut, als sie die Verfügung vom 29. Juni 

2018 aufhob und die Sache zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung 

an die Beschwerdegegnerin zurückwies. 

 

1.2. 

In der Folge veranlasste die Beschwerdegegnerin beim C., Institut für inter-

disziplinäre medizinische Begutachtung, ein bidisziplinäres Gutachten 

(Fachgebiete: Psychiatrie und Handchirurgie), welches am 20. November 

2020 erstattet wurde. Mit Vorbescheid vom 11. Januar 2021 stellte die Be-

schwerdegegnerin der Beschwerdeführerin in Aussicht, dass es bei der per 

31. Juli 2018 aufgehobenen Invalidenrente bleibe. Nach Prüfung der Ein-

wände der Beschwerdeführerin vom 9. und 18. Februar 2021 durch den 

RAD sowie Vorlage an die Gutachterstelle und erneuter Stellungnahme der 

Beschwerdeführerin vom 23. Juni 2021 hielt die Beschwerdegegnerin mit 

Verfügung vom 2. September 2021 am Vorbescheid bzw. der Aufhebung 

der Invalidenrente per 31. Juli 2018 fest. 

  

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2. 

2.1. 

Mit Beschwerde vom 28. September 2021 stellte die Beschwerdeführerin 

die folgenden Anträge: 

 

"1. 
Es sei die Verfügung vom 2.09.2021 der IV-Stelle Aargau aufzuheben und der 
Beschwerdeführerin weiterhin eine ganze Rente auszurichten. 

 
2. 
Eventualiter ist der Beschwerdeführerin bis am 28.2.2021 eine ganze Rente 
zuzusprechen und bezüglich des Gesundheitszustand ab 20.11.2020 ein poly-
disziplinäres Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben oder das Verfahren zur 
Durchführung der erforderlichen Abklärungen und zum neuen Entscheid an die 
Vorinstanz zurückzuweisen. 

 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 

 

2.2. 

In der Vernehmlassung vom 20. Oktober 2021 beantragte die Beschwer-

degegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 22. Oktober 2021 lud die Instruktionsrichterin die aus 

den Akten erkennbare berufliche Vorsorgeeinrichtung zum Verfahren bei 

und räumte ihr Gelegenheit zur Stellungnahme ein, worauf die Berufsvor-

sorgeeinrichtung mit Eingabe vom 25. Oktober 2021 sinngemäss 

verzichtete. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und vorliegend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der per Ende Juli 

2018 verfügten Aufhebung der ganzen Invalidenrente, welche der 

Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Dezember 2015 rückwirkend ab 

dem 1. Januar 2013 zugesprochen worden war (vgl. Vernehmlassungsbei-

lage [VB] 69; 162). 

 

2. 

2.1. 

Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird 

die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft 

entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 

ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den 

tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, 

den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. 

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Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund-

heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe-

nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- 

oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 

134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung 

eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrecht-

lichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).  

 

Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen 

Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige 

Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit 

rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchfüh-

rung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung 

in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht 

(BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.).  

 
2.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, 

ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, 

in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-

gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der 

Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 

157 E. 1c). 

 

2.3. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-

deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-

den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des 

streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1 

S. 396). 

  

 - 5 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

In revisionsrechtlicher Hinsicht ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der Verfü-

gung vom 7. Dezember 2015 (VB 69) mit demjenigen im Zeitpunkt der an-

gefochtenen Verfügung vom 2. September 2021 zu vergleichen (VB 162). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 7. Dezember 2015 

erging gestützt auf das medexperts-Gutachten der Dres. med. D., Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie, und E., Facharzt für Allgemeine Innere 

Medizin und für Rheumatologie, vom 14. Juli 2015 (VB 59.1). Diese stellten 

als Hauptdiagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit 

ein CRPS l der oberen Extremität links, eine chronische Anpassungsstö-

rung auf einer zugrundeliegenden Schmerzproblematik mit Störung der 

Emotionen und des Sozialverhaltens, gemischt ICD-10 F43.25, sowie psy-

chische und Verhaltensstörungen durch Opioide (ICD-10 F11.25), ständi-

gen Substanzgebrauch, durchaus iatrogen, fest (VB 59.1 S. 38). In der bi-

disziplinären versicherungsmedizinischen Beurteilung führten die Gutach-

ter aus, ausgehend von einem CRPS I des linken Armes, bei Status nach 

Handgelenkstrauma während der Arbeit am 16. Dezember 2011, habe die 

Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht eine Anpassungsstörung mit 

depressiven Symptomen, ängstlichen Erwartungen, Verzweiflung, Störung 

des Verhaltens, nicht zuletzt als Ausdruck der Hoffnungslosigkeit auch Su-

izidgedanken entwickelt. Es bestehe ein grosser Leidensdruck, der den 

Schweregrad und das Beschwerdebild der Symptome deutlich beeinflusse. 

Es bestünden deutliche Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen und 

familiären Bereich. Aufgrund der hohen Dosis an Opiaten, die zur Behand-

lung der als stark empfundenen Schmerzen indiziert seien, könnten die 

psychischen Störungen und die Störungen des Sozialverhaltens unter Um-

ständen auf diese indizierte Behandlung zurückgeführt werden. Beide kli-

nischen Bilder würden sich überlappen und führten ebenso aus psychiatri-

scher Sicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (VB 59.1 S. 40). In 

der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin sei die Beschwerdeführerin so-

wohl aus rheumatologischer als auch aus psychiatrischer Sicht zu 100 % 

arbeitsunfähig. Zur Zumutbarkeit einer adaptierten Tätigkeit führten die 

Gutachter aus, aufgrund der funktionellen Einarmigkeit sei aus rheumato-

logischer Sicht einzig ein beruflicher Einsatz in ausschliesslich oder über-

wiegend intellektuellen beruflichen Tätigkeiten denkbar (z.B. Dolmetsche-

rin). Dies sei aber aufgrund der psychoaktiven Schmerzmedikation mit ei-

ner Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen (eingeschränkte "Konzent-

rations-Aufmerksamkeitsfähigkeit, erhöhte Müdigkeit und rasche Erschöpf-

barkeit) aus psychiatrischer Sicht nicht möglich. Aufgrund der Beeinträchti-

gung der kognitiven und emotionalen Funktionen sei die Beschwerdefüh-

rerin aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht in ihrer Willens-

anstrengung erheblich beeinträchtigt (VB 59.1 S. 41). 

 

 - 6 - 

 

 

 

3.2.2. 

In dem durch die Dres. med. F., Facharzt für Psychiatrie und Psychothera-

pie, und G., Praktischer Arzt, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und 

Ästhetische Chirurgie, für Chirurgie sowie für Handchirurgie, erstellten Gut-

achten des C. wurden als psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.00), eine 

chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

(ICD-10 F45.41) sowie eine Störung durch Opioidanalgetika, iatrogen, 

ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F11.25) und als somatische bzw. 

handchirurgische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein 

chronisches CPRS Arm/Hand mit unvollständigem oberem Quadranten-

syndrom (Allodynie, distal betonte Anästhesia dolorosa, Ödem, Paresen 

und Kontrakturen) nach Distorsion "vom 16.12.2" (ICD 10 M89.09) sowie 

eine STT-Arthrose am Handgelenk (ICD 10 M19.94) gestellt (VB 143.1 

S. 2).  

 

Die Gutachter führten in der interdisziplinären Beurteilung aus (VB 143.1 

S. 2 ff.), in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin/Kassiererin bestehe 

aus handchirurgischer Sicht aufgrund der Funktionseinschränkung der lin-

ken Hand seit 10. März 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer an-

gepassten Tätigkeit, die mit der linken Hand nur leichte, nicht repetitive 

Griffe, mit nur reduzierter Präzision, ohne Heben und Tragen von Gewich-

ten über 3 kg und ohne Abstützen, Drücken und Stossen beinhalte, bestehe 

seit 10. März 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungseinschrän-

kung. Aus psychiatrischer Sicht bestehe angestammt eine 100%ige Ar-

beitsfähigkeit ohne Leistungseinschränkung. Von dieser Arbeitsfähigkeit 

könne seit der Beurteilung durch den RAD vom 8. März 2018 ausgegangen 

werden, worauf die Verfügung vom 29. Juni 2018 abstütze. Zuvor habe die 

Arbeitsunfähigkeit bestanden, aufgrund derer gemäss Verfügung vom 

7. Dezember 2015 die IV-Rentenzusprechung erfolgt sei. Somit bestehe 

aus bidisziplinärer Sicht in der angestammten Tätigkeit als Verkäufe-

rin/Kassierin keine Arbeitsfähigkeit, hingegen bestehe seit 8. März 2018 in 

einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne Leistungs-

einschränkung. Die Frage, ob seit der rentenzusprechenden Verfügung 

vom 7. Dezember 2015 eine wesentliche Verbesserung des Gesundheits-

zustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten sei, bejahten 

die Gutachter. Sie führten aus (VB 143.1 S. 4), es sei aus psychiatrischer 

Sicht zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik gekommen, es 

bestehe eine leichte depressive Episode neben der Schmerzstörung und 

der Störung durch Opioidanalgetika. 

 

3.3. 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Abhängigkeitssyn-

drome bzw. Substanzkonsumstörungen, wie sie bei der Beschwerdeführe-

rin diagnostiziert wurden, – wie sämtliche psychische Erkrankungen – 

grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 

281 zu unterziehen (BGE 145 V 215, E. 5 und 6.2). Die Auswirkungen des 

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bestehenden Gesundheitsschadens auf die funktionelle Leistungsfähigkeit 

sind im Einzelfall nachvollziehbar ärztlich festzustellen (BGE 145V 215 

E. 6.1). Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss 

insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall 

Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeu-

tung zu, weil bei Abhängigkeitserkrankungen – wie auch bei anderen 

psychischen Störungen – oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger 

Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliegt. 

Letztere sind auch bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn 

sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen. Eine krankheitswertige Stö-

rung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale 

oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (BGE 145 V 

115 E. 6.3). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Dr. med. F. führte im psychiatrischen Teilgutachten vom 4. Oktober 2020 

unter anderem aus (VB 143.2 S. 12 ff.), bei der Beschwerdeführerin be-

stehe diagnostisch eine bereits in den Akten dokumentierte Abhängigkeit 

von Opioidanalgetika, iatrogen induziert, bei ständigem Substanzgebrauch. 

Die Störung sei im Rahmen einer unfallbedingten Schmerzproblematik ent-

standen, die sich mittlerweile chronifiziert habe mit einem CRPS am linken 

Arm. Die Symptomatik sei ausgeweitet und deutlich ausgeprägt. Es bestün-

den psychosoziale und emotionale Belastungsfaktoren. Durch die chroni-

sche Beschwerdeproblematik mit Schmerzen, die sich trotz Behandlung bis 

heute nicht gebessert hätten, und die Beziehung zum Ehemann, die nicht 

nur gut, sondern durch Fremdgehen geprägt sei, bestünden emotionale 

Belastungen. Ein deutlicher psychosozialer Faktor sei die angespannte 

finanzielle Situation. Es seien auch die diagnostischen Kriterien einer leich-

ten depressiven Episode erfüllt, gekennzeichnet durch depressive Verstim-

mungen mit verminderter Freude, aggressive Gestimmtheit, Schlafstörun-

gen, erhöhte Ermüdbarkeit, leichte Konzentrationsstörungen und negative 

Zukunftsperspektiven bezüglich der gesundheitlichen und beruflichen Situ-

ation. Ein rezidivierender Verlauf der Depression mit deutlichen Phasen 

von Verschlechterung, Verbesserung und symptomfreien Intervallen sei 

nicht erwiesen. Dass die Depression vorübergehend mittelgradig geprägt 

gewesen sei, sei gut möglich. Eine Depression könne aber behandelt wer-

den und die Beschwerdeführerin erhalte eine antidepressive Medikation. 

Erschwerend wirke sich die Opioidabhängigkeit aus. Dadurch könne nicht 

nur die depressive Symptomatik, sondern auch die Schmerzsymptomatik 

verstärkt werden. Ein beeinträchtigender irreversibler Gesundheitsschaden 

sei nicht erwiesen. Unter den Opioidanalgetika komme es aber zu einer 

verstärkten Müdigkeit am Tag. Trotz deutlicher Opioiddosis funktioniere die 

Beschwerdeführerin in ihrem familiären Kontext. Dies weise auf eine "To-

leranzentwicklung" hin im Rahmen der Abhängigkeit. Die Beschwerdefüh-

rerin könne auf die Opioidanalgetika-Medikation nicht einfach so verzich-

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ten. Für eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit sei eine qualifizierte statio-

näre Entzugsbehandlung notwendig, die aber wegen der fehlenden Moti-

vation gegenwärtig nicht empfohlen werden könne. Die Beschwerdeführe-

rin sei nicht derart schwer psychisch beeinträchtigt, dass ihr keine Tätigkeit 

mehr zugemutet werden könne, insbesondere, wenn davon ausgegangen 

werde, dass ihr eine qualifizierte stationäre Entzugsbehandlung und Absti-

nenz von Opioidanalgetika helfen könne. Sie verfüge durchaus über Res-

sourcen mit einem guten Berufsabschluss als Verkäuferin und mehrjähriger 

Berufserfahrung. Auch habe die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann 

eine Familie gegründet mit einer schulpflichtigen Tochter und einem Sohn 

im Kindergarten. Es bestehe zwar ein sozialer Rückzug in die Familie, 

innerhalb der Familie habe sie aber gute Kontakte. Die Beschwerdeführerin 

beschäftige sich auch mit Haushaltsarbeiten, soweit ihr diese mit ihren 

Beeinträchtigungen wegen der Schmerzen möglich seien, auch fahre sie 

für kürzere Strecken selber mit dem Auto, und Reisen in den Kosovo seien 

ebenfalls möglich (VB 143.2 S. 13 f.). 

 

3.4.2. 

Im Gegensatz zur Beurteilung der medexperts-Gutachter, welche die Aus-

übung einer (leidensangepassten) beruflichen Tätigkeit aufgrund der 

beeinträchtigten kognitiven Funktionen (eingeschränkte Konzentrations-

Aufmerksamkeitsfähigkeit, erhöhte Müdigkeit und rasche Erschöpfbarkeit) 

und der beeinträchtigten Willensanstrengung für nicht möglich hielten, äus-

sert sich Dr. med. F. - ausser dem Hinweis auf die Müdigkeit und der An-

nahme einer "Toleranzentwicklung" - mit keinem Wort zu allfälligen konkre-

ten, aus dem diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom resultierenden Funk-

tionseinschränkungen bei der Beschwerdeführerin. Dr. F. legt im Gutach-

ten weder schlüssig dar, ob aus dem Abhängigkeitssyndrom überhaupt 

Funktionseinschränkungen resultieren und inwieweit diese allenfalls durch 

psychosoziale Faktoren geprägt sind, noch ob und inwieweit sich diesbe-

züglich eine relevante Veränderung im Vergleich zur Beurteilung im medex-

perts-Gutachten ergeben hat. So hält Dr. med. F. bei der Befunderhebung 

lediglich in allgemeiner Hinsicht fest (VB 143.2 S. 11), dass die Anamnese 

gut habe erhoben werden können, nur leichte Konzentrationsstörungen be-

standen hätten, die Beschwerdeführerin Lebensdaten zwar nicht immer ge-

nau habe angeben können, die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das 

Gedächtnis aber intakt gewesen seien. Die Konzentrationsstörungen er-

achtet Dr. med. F. dann aber als eine Folge der festgestellten leichten de-

pressiven Episode (VB 143.2 S. 12 unten). In Bezug auf die Ausklamme-

rung psychosozialer Faktoren weist Dr. med. F. lediglich in allgemeiner Hin-

sicht auf die angespannte finanzielle Situation und die Probleme in der Ehe 

der Beschwerdeführerin hin (VB 143.2 S. 12), ohne aber aufzuzeigen, in-

wieweit psychosoziale Faktoren das Beschwerdebild tatsächlich mitprä-

gen. Ebenso wenig können dem psychiatrischen Teilgutachten – ausser 

der Feststellung, die Symptomatik sei "ausgeweitet und deutlich ausge-

prägt" (VB 143.2 S. 12) – nähere Angaben zum Schweregrad der diagnos-

tizierten Opioidabhängigkeit entnommen werden. Dr. med. F. hält dafür, ein 

 - 9 - 

 

 

 

"beeinträchtigender irreversibler Gesundheitsschaden" sei nicht erwiesen 

und für die Ausübung einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit sei eine qua-

lifizierte stationäre Entzugsbehandlung notwendig, die aber wegen der feh-

lenden Motivation nicht empfohlen werden könne (VB 143.2 S. 13). In Be-

zug auf die Entzugsbehandlung äussert sich Dr. med. F. aber wiederum mit 

keinem Wort dazu, in welchem Rahmen eine Reduktion der Opiateinnahme 

vor dem Hintergrund des diagnostizierten chronischen CPRS medizinisch 

überhaupt zumutbar und inwieweit eine Steigerung der Leistungsfähigkeit 

nach erfolgter Entzugsbehandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

zu erwarten wäre (Behandlungserfolg).  

 

Im Gutachten des C. fehlt denn auch in diesem Zusammenhang jegliche 

Auseinandersetzung mit der (bidisziplinären) Beurteilung im medexperts-

Gutachten, wo die hohe Dosis an Opiaten zur Behandlung der als stark 

empfundenen Schmerzen als indiziert erachtet wurde (VB 59.1 S. 39 f.). 

Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin von der Be-

schwerdegegnerin bisher nie dazu angehalten wurde, im Rahmen ihrer 

Schadenminderungspflicht (Art. 7 und 7b Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 4 

ATSG) eine Entzugsbehandlung durchzuführen. Abgesehen davon, dass 

im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung durch Dr. F. ein von der 

PDAG im Bericht vom 28. Mai 2020 empfohlener stationärer Aufenthalt 

(vgl. VB 126 S. 3 f.), nicht aber explizit eine stationäre Entzugsbehandlung, 

thematisiert wurde (VB 143.2 S. 10 unten), kann der Beschwerdeführerin 

daher nicht mangelnde Behandlungsbereitschaft in Bezug auf zumutbare 

Therapieoptionen vorgeworfen werden, wie dies im psychiatrischen Teil-

gutachten suggeriert wird (VB 143.2 S. 14). Aus den im Rahmen der Be-

gutachtung getätigten Äusserungen der Beschwerdeführerin zu einem all-

fälligen stationären Klinikaufenthalt kann daher kein Rückschluss in Bezug 

auf den Schweregrad ihrer Suchterkrankung gezogen werden. Im psychi-

atrischen Teilgutachten wird sodann ohne nähere Begründung und trotz 

des Hinweises auf eine "Toleranzentwicklung" davon ausgegangen, dass 

die Beschwerdeführerin aufgrund der Opioidabhängigkeit ohne Entzugsbe-

handlung nicht arbeitsfähig ist. Andererseits werden im Teilgutachten aber 

sämtliche psychiatrischen Diagnosen als solche ohne Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit beurteilt und Dr. med. F. geht lediglich unter Hinweis auf 

eine Verbesserung der depressiven Symptomatik davon aus, dass die Be-

schwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht in jeder somatisch angepass-

ten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei (VB 143.2 S. 15). Diese 

Schlussfolgerung ist nicht einleuchtend, nachdem der Beschwerdeführerin 

in Bezug auf zumutbare Therapien keine Verletzung der Schadenminde-

rungspflicht vorgeworfen werden kann. In Bezug auf den Zeitpunkt, seit 

welchem gemäss Dr. med. F. bzw. der angefochtenen Verfügung bei der 

Beschwerdeführerin ein verbesserter psychischer Gesundheitszustand 

vorliegen soll, stellte der psychiatrische Gutachter auf die Aktenbeurteilung 

des RAD vom 8. März 2018 ab (VB 143.2 S. 15). Das Versicherungsgericht 

hatte im rechtskräftigen Urteil vom 13. Mai 2019 diesbezüglich aber ausge-

führt (VB 106 S. 9 f.), die psychiatrische Beurteilung des RAD vom 8. März 

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2018 vermöge nicht zu überzeugen, es finde sich darin keine nachvollzieh-

bare und auf den konkreten Fall bezogene Begründung, dass sich der psy-

chische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitablauf ver-

bessert habe. Auch diesbezüglich ist das psychiatrische Teilgutachten so-

mit nicht schlüssig.  

 

4. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich das von der Beschwerde-

gegnerin in Auftrag gegebene Gutachten des C. als unvollständig erweist. 

Zudem ist es weder aussagekräftig in Bezug auf den aktuellen, psychi-

schen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin (funktionelle Ein-

schränkungen und Schweregrad der diagnostizierten Opioidabhängigkeit) 

noch betreffend die Frage, ob es bezüglich der im medexperts-Gutachten 

(im Zusammenhang mit der Opioidabhängigkeit) festgestellten, leistungs-

einschränkenden kognitiven Beeinträchtigungen seit der rentenzuspre-

chenden Verfügung vom 7. Dezember 2015 mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit zu einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustands 

der Beschwerdeführerin gekommen ist. Die Hinweise von Dr. med. F. auf 

eine "Toleranzentwicklung" im Rahmen der Abhängigkeit sowie auf (durch-

aus) vorhandene Ressourcen (Gründung einer Familie, Kontakte innerhalb 

der Familie, Beschäftigung mit gewissen Haushaltarbeiten, Reisen) sind 

nicht ausreichend, um eine revisionsrechtlich relevante Veränderung auf-

zuzeigen. Ebenso wenig kann aufgrund der Akten beurteilt werden, ob und 

in welchem Rahmen der Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine allfällige 

Leistungssteigerung eine Entzugsbehandlung zumutbar ist bzw. inwieweit 

diesbezüglich Therapieoptionen bestehen.  

 

Die Beurteilung im Gutachten des C., wonach die Beschwerdeführerin seit 

dem 8. März 2018 insbesondere in psychiatrischer Hinsicht uneinge-

schränkt leistungsfähig ist, vermag nach dem Gesagten nicht zu überzeu-

gen; das teilweise unvollständige Gutachten genügt den praxisgemässen 

Beweisanforderungen (vgl. vorstehend E. 1.4.) nicht, weshalb nicht darauf 

abgestellt werden kann. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben 

und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie – in 

Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes – den Gesundheitszustand 

der Beschwerdeführerin umfassend abkläre, insbesondere in psychiatri-

scher Hinsicht und aus interdisziplinärer Perspektive. Danach hat sie über 

den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen. In Überein-

stimmung mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 137 V 210 

E. 4.4.1.4 S. 264) erscheint die Einholung eines Gerichtsgutachtens (ent-

sprechend dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin) angesichts der 

bis anhin unvollständigen medizinischen Abklärungen nicht angezeigt. 

 

5. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, 

dass die angefochtene Verfügung vom 2. September 2021 aufzuheben und 

 - 11 - 

 

 

 

die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neu-

verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.  

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrens-

ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  

 

6.2. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). Vorliegend handelt es sich bei der Ver-

treterin der Beschwerdeführerin um eine angestellte, nicht im Anwaltsregis-

ter eingetragene Rechtsanwältin, womit sich eine Entschädigung von 

Fr. 1'000.00 als angemessen erweist.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 2. Sep-

tember 2021 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne 

der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zu-

rückgewiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 - 12 - 

 

 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin die 

Parteikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 1000.00 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin  (Vertreterin; 2-fach)   

die Beschwerdegegnerin    

die Beigeladene 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

 

Mitteilung nach Rechtskraft an: 

die Obergerichtskasse 

 
 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 
 

 

 - 13 - 

 

 

 

   

Aarau, 2. März 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Roth Wallimann