# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 319bda3f-1541-5f50-8ec9-34a8d9c09045
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.04.2012 OH 2011/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2011-2_2012-04-19.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2011/2

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 19.04.2012

Entscheiddatum: 19.04.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 19.04.2012
Art. 13 Abs. 1 OHG. Soforthilfe. Vorliegend erscheint der Aufenthalt des 
Rekurrenten in der Notunterkunft überwiegend durch die 
Erziehungsprobleme der Eltern und weniger durch die Tätlichkeiten des 
Vaters bedingt. Es fehlt damit an einem adäquaten Kausalzusammenhang 
zwischen einer Straftat und dem Aufenthalt in der Notunterkunft, weshalb 
nicht die Opferhilfe dafür aufzukommen hat (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. April 2012, OH 
2011/2).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, 
Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; 
Gerichtsschreiber Jürg SchutzbachEntscheid vom 19. April 2012in 
SachenA.___Rekurrent,vertreten durch B.___,zusätzlich vertreten durch 
Markus Riz, Rechtsagent, Rechts- und Gemeindeberatung, 
Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau SG,gegenStiftung Opferhilfe der Kantone 
SG/AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. 
Gallen,Vorinstanz,betreffendKostenbeiträge (Schlupfhuus)Sachverhalt:

A.       

Am 20. Dezember 2010 stellten die Eltern bei der Stiftung Opferhilfe der Kantone SG/

AI/AR ein Gesuch um Kostengutsprache für den Aufenthalt ihres Sohnes im 

Schlupfhuus, St. Gallen, wo dieser am 14. Dezember 2010 eingetreten sei (act. G 5.1). 

Zusätzlich stellte das Kinderschutzzentrum St. Gallen am 27. Dezember 2010 ein 

Gesuch um Übernahme eines Betrags von Fr. 1'050.-- (21 Tage à Fr. 50.-- [Kostgeld 

der Eltern]). Vor dem Hintergrund einer sehr konflikthaften familiären Zuspitzung sei es 

zunächst zu Handgreiflichkeiten zwischen A.___ und seiner Mutter gekommen. Gemäss 

Schilderung von A.___ sei er nachfolgend von seinem Vater mit einem Kabel auf den 

Kopf, das Bein und den Unterarm geschlagen worden. Er sei dann von der 

Kantonspolizei ins Schlupfhuus verbracht worden (act. G 5.2). Mit Verfügung vom 15. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Februar 2011 wies die Stiftung Opferhilfe das Gesuch ab, da die 

Vormundschaftsbehörde schon früher einbezogen worden sei. Sie habe den Aufenthalt 

im Schlupfhuus organisiert und finanziert (mit Ausnahme des Kostgeldes der Eltern). 

Damit sei ein hinreichender Schutz bewirkt worden, weshalb keine rein finanzielle Hilfe 

durch die Opferhilfe mehr nötig sei. Grundsätzlich hätten die Eltern für die Kosten von 

Kindesschutzmassnahmen aufzukommen. Zwar hätten Eltern eines Opfers im Sinn von 

Art. 1 Abs. 2 OHG ebenfalls Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe und könnten die 

ihnen durch den Aufenthalt im Schlupfhuus entstanden (Mehr-)Kosten in eigenem 

Namen bei der Opferhilfe geltend machen. Dies gelte jedoch nicht, wenn sie selbst - 

wie vorliegend - schadenverursachende Täter seien (act. G 5.4).

B.       

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich der Rekurs vom 3. März 2011/25. März 2011 

mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Die Vorinstanz sei 

sodann zu verpflichten, die Kosten für den Aufenthalt des Rekurrenten im Schlupfhuus 

St. Gallen vom 14. Dezember 2010 bis 17. Januar 2011 zu übernehmen. Es treffe nicht 

zu, dass die Vormundschaftsbehörde "schon früher einbezogen" worden sei und den 

"Aufenthalt im Schlupfhuus organisiert und finanziert" habe. Ebenso wenig treffe zu, 

dass "von der Vormundschaftsbehörde ein hinreichender Schutz bewirkt" worden sei. 

Im Gegenteil habe die Vormundschaftsbehörde bis zum heutigen Zeitpunkt keine 

einzige Kindesschutzverfügung erlassen. Die Soforthilfe sollte so schnell wie möglich 

wirksam werden und dem Opfer die zur Bewältigung der unmittelbaren Folgen der 

Straftat notwendige Hilfe verschaffen. Trete eine unmündige Person als Opfer eines 

Gewaltdelikts der Eltern oder eines Elternteils in ein Schlupfhuus ein, habe es Anspruch 

auf Opferhilfe. Erkläre sich in der Folge die Vormundschaftsbehörde mit diesem 

Aufenthalt einverstanden, ändere dies nichts an diesem Anspruch. Die Vorinstanz 

könne auch nicht damit argumentieren, der Vater sei der Täter und seine 

Unterhaltspflicht gehe der Opferhilfe vor, weshalb sein unmündiges Kind als Opfer von 

Straftaten keinen Anspruch auf staatliche Hilfe habe. Dies widerspreche der 

Zielsetzung und den Intentionen des Gesetzgebers, der eine rasche und 

unbürokratische Befriedigung der Ansprüche des Opfers verlange. Andernfalls würde in 

diesen Fällen regelmässig ein Anspruch auf Opferhilfe entfallen. Vorliegend sei erstellt, 

dass der Rekurrent von seinem Vater geschlagen worden sei und sich bedroht gefühlt 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

habe. Eine Rückkehr sei für ihn erst in Frage gekommen, als von der 

Vormundschaftsbehörde eine sozialpädagogische Familienbegleitung angeordnet 

worden sei und diese ihre Tätigkeit bereits aufgenommen habe. Der Aufenthalt im 

Schlupfhuus sei durch die Straftat des Vaters bedingt, notwendig und damit 

gerechtfertigt gewesen. Die dadurch entstandenen Kosten seien deshalb als Soforthilfe 

bzw. längerfristige Hilfe im Sinn von Art. 2 OHG von der Opferhilfe zu übernehmen (act. 

G 1 und 3).

B.b   Mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2011 beantragt die Verwaltung Abweisung des 

Rekurses. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung gehe davon aus, dass mit den von 

einer Vormundschaftsbehörde getroffenen Massnahmen ein hinreichender Schutz des 

Kindes bewirkt werde, sodass (trotz grundsätzlicher Subsidiarität der Sozialhilfe) keine 

rein finanzielle Hilfe durch die Opferhilfe mehr nötig sei. Dem Gesuch des 

Kinderschutzzentrums St. Gallen sei zu entnehmen, dass der Rekurrent auf 

Veranlassung der Vormundschaftsbehörde im Schlupfhuus notplatziert und 

Kindesschutzmassnahmen bejaht worden seien. Die Vormundschaftsbehörde sei am 

13. Dezember 2010 durch die Kantonspolizei über den Vorfall informiert worden und 

die Sachbearbeiterin habe dieser gegenüber erklärt, dass der Eintritt ins Schlupfhuus 

sinnvoll und notwendig sei. Später sei eine sozialpädagogische Familienbegleitung 

eingerichtet worden. Die Vormundschaftsbehörde sei auf Grund ihres gesetzlichen 

Auftrages zuständig, umgehend die notwendigen Schritte zum Schutz des Kindes 

vorzunehmen, auch wenn dies nicht immer im Sinn einer formellen 

Kindesschutzmassnahme geschehen möge. Mit dem Tätigwerden der 

Vormundschaftsbehörde und schliesslich mit dem Erteilen einer Kostengutsprache 

durch die Gemeinde sei ein hinreichender Schutz des Rekurrenten bewirkt und die 

Finanzierung geregelt worden. Es bestehe mithin kein Bedürfnis nach einer 

nachträglichen finanziellen Unterstützung durch die Opferhilfe. Mit dem OHG habe man 

nicht in den Aufgabenbereich der Gemeinden und in ein gut funktionierendes System 

im Bereich Kindesschutz/soziale Betreuung und Begleitung eingreifen wollen. Auch sei 

keine Kostenumwälzung von der Gemeinde auf den Kanton gewollt gewesen (act. G 5).

B.c   Mit Replik vom 7. Juni 2011 hält der Rechtsvertreter des Rekurrenten im 

Wesentlichen an seinen Anträgen und Ausführungen fest. Er fügt an, dass die 

Vorinstanz von falschen Voraussetzungen ausgehe, wenn sie annehme, die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Vormundschaftsbehörde habe rechtskräftig Kindesschutzmassnahmen angeordnet und 

die Sozialhilfe habe Unterstützungsleistungen erbracht. Die von der Vorinstanz zitierte 

Rechtsprechung des Bundesgerichts beziehe sich aber genau auf solche Fälle, 

weshalb sie hier nicht einschlägig sei. Vorliegend habe die Vormundschaftsbehörde 

keinerlei Kindesschutzmassnahmen und keine Unterbringung im Schlupfhuus 

angeordnet und habe auch nicht einen Obhutsentzug oder eine Beistandschaft verfügt. 

Ausserdem habe die Sozialhilfebehörde keine finanzielle Hilfe geleistet. Entgegen der 

Darstellung der Vorinstanz sei die Opferhilfe von Anfang an involviert gewesen, 

weshalb sie ihre originäre und vorrangige gesetzliche Pflicht wahrzunehmen habe. Dies 

gelte selbst dann, wenn die Vormundschaftsbehörde zwischenzeitlich den Aufenthalt 

im Schlupfhuus genehmigt und beiden Eltern nachträglich die Obhut im Sinn einer 

Kindesschutzmassnahme entzogen hätte. So handle es sich auch dann um Sofort- und 

längerfristige Hilfe im Sinn von Art. 13 OHG, wenn die Vormundschaftsbehörde (unter 

Einbezug der involvierten Opferhilfe) die Platzierung verfügt habe. Vorliegend habe aber 

bisher keine spezifische kindesrechtliche Gefährdungslage vorgelegen, bei welcher die 

Eltern bis dahin die Kindesinteressen nicht hinreichend hätten wahren können. Die 

Vormundschaftsbehörde habe sich deshalb nicht vorgängig mit dem Rekurrenten 

befasst oder Kindesschutzmassnahmen angeordnet, die einen hinreichenden Schutz 

im Sinn des OHG hätten gewähren können. Es bestehe deshalb ein voller Anspruch auf 

Leistungen durch die Opferhilfe (act. G 7).

B.d   Mit Duplik vom 16. August 2011 betont die Vorinstanz, dass das (vorliegend 

umstrittene) Kostgeld für das Schlupfhuus von den Eltern geschuldet sei. Der Rekurrent 

sei demnach finanziell nicht belastet und deshalb nicht zum vorliegenden Rekurs 

legitimiert. Es stelle sich generell die Frage, ob bei Fremdunterbringungen ein Anspruch 

auf finanzielle Opferhilfe bestehe und selbst wenn ja, ob ein Einbezug der Opferhilfe 

sinnvoll sei. Da die Zuständigkeit zur Anordnung von Massnahmen und auch zu deren 

Finanzierung (über die Vormundschafts- und Sozialhilfebehörden) geregelt sei und für 

diese Leistungen keine Rückerstattungspflicht bestehe, sodass die Kinder keinen 

finanziellen Schaden erleiden würden, sei diese Frage zu verneinen. Die Darlegung des 

Sachverhalts durch den Rechtsvertreter des Rekurrenten sei teilweise widersprüchlich 

und nicht dokumentiert. Im Gesuch des Schlupfhuuses vom 27. Dezember 2010 werde 

jedenfalls die Vormundschaftsbehörde als Vertreterin des Rekurrenten aufgeführt und 

das Bestehen von Kindesschutzmassnahmen bejaht. Ausserdem werde darin erwähnt, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dass es mit der Vormundschaftsbehörde schon mehrere Familiengespräche gegeben 

habe, weil es seit Längerem zu Schlägen des Vaters gekommen sei. Der Rekurrent 

habe ausserdem bei der Polizei angegeben, dass seine Lehrerin das Gemeindeamt 

verständigt und er schon einige Male bei der Vormundschaftsbehörde vorgesprochen 

habe. Im gleichen Befragungsprotokoll werde festgehalten, dass seitens des 

Fürsorgeamtes verfügt worden sei, dass der Rekurrent nach der Befragung ins 

Schlupfhuus St. Gallen gebracht werde. Später sei auch eine sozialpädagogische 

Familienbegleitung angeordnet worden. Somit sei die zuständige Gemeindebehörde 

tätig geworden und habe sich um den Rekurrenten gekümmert, ihn betreut und die 

notwendigen Schritte zu seinem Schutz eingeleitet. Der Rekurrent sei zweifellos Opfer, 

aber nicht finanziell geschädigt. Er habe durch den Schlupfhuus-Aufenthalt bereits die 

notwendige Hilfe erhalten (act. G 9).

Erwägungen:

1.        

1.1    Die angefochtene Verfügung stützt sich auf das Bundesgesetz über die Hilfe an 

Opfern von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG [SR 312.5]). Verfügungen der 

Beratungsstelle über Sofort- oder längerfristige Hilfe gemäss Art. 13 OHG können beim 

Versicherungsgericht innert 14 Tagen angefochten werden (Art. 32 des 

Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung [sGS 

962.1] in Verbindung mit Art. 42 Abs. 1 lit. e und Art. 47 Abs. 1 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1]).

1.2    Insoweit die Vorinstanz geltend macht, der Rekurrent sei durch den Aufenthalt im 

Schlupfhuus finanziell nicht belastet, weshalb ihm (implizit) keine Rekurslegitimation 

zukomme, kann dem nicht gefolgt werden. Der Anspruch auf Opferhilfe steht 

selbstredend dem Opfer zu. Grundsätzlich hat sodann die betroffene Person selbst für 

einen allfälligen Selbstbehalt in einer Notunterkunft aufzukommen. Daran vermag nichts 

zu ändern, dass bei minderjährigen Opfern die Eltern an deren Statt die 

entsprechenden Kosten übernehmen müssen. Es kann somit nicht gesagt werden, der 

Rekurrent werde durch die Auferlegung eines Kostgeldes finanziell nicht belastet. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz hat das Bundesgericht in BGE 125 II 232 E. 1b 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und 1A.249/2000 E. 2 sodann nicht gesagt, die blosse Möglichkeit, empfangene 

Sozialhilfe später zurückerstatten zu müssen, stelle keinen aktuellen Schaden dar, der 

schon zum heutigen Zeitpunkt über die Opferhilfe abzugelten sei. Vielmehr hat das 

Bundesgericht in diesen Urteilen gerade entschieden, es genüge für ein aktuelles 

schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Verfügung, wenn eine spätere 

Rückzahlungspflicht nicht ausgeschlossen werden könne. Beim Bezug unmündige 

oder in Ausbildung befindliche Personen haben im Kanton St. Gallen empfangene 

finanzielle Sozialhilfe zurückzuerstatten, soweit sie aus Erbschaft bereichert sind (Art. 

18 Abs. 3 des Sozialhilfegesetzes [sGS 381.1]). Mithin kann nicht ausgeschlossen 

werden, dass der Rekurrent Sozialhilfe zurückerstatten müsste, weshalb er zum 

vorliegenden Rekurs legitimiert ist. Nachdem der Rekurs rechtzeitig beim 

Versicherungsgericht eingereicht wurde und der Rekurrent ein aktuelles 

schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung hat, ist 

darauf einzutreten.

2.        

2.1    Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für 

die dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe; Art. 13 

Abs. 1 OHG). Sie leisten dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche 

Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und 

bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind 

(längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe 

und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Art. 13 Abs. 3 OHG). Die 

Leistungen der Beratungsstellen umfassen die angemessene medizinische, 

psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge 

der Straftat notwendig geworden ist. Die Beratungsstellen besorgen dem Opfer oder 

seinen Angehörigen bei Bedarf eine Notunterkunft (Art. 14 Abs. 1 OHG). Der Anspruch 

auf Opferhilfe besteht unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin ermittelt 

worden ist, sich schuldhaft verhalten oder vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat 

(Art. 1 Abs. 3 OHG). Die Beratung, die Soforthilfe und die von den Beratungsstellen 

erbrachte längerfristige Hilfe sind sodann für das Opfer und seine Angehörigen 

unentgeltlich (Art. 5 OHG).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.2    Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss die Beeinträchtigung von 

einem gewissen Gewicht sein. Bagatelldelikte wie z.B. Tätlichkeiten, die nur 

unerhebliche Beeinträchtigungen bewirken, sind daher vom Anwendungsbereich des 

Opferhilfegesetzes grundsätzlich ausgenommen. Massgebend für das Vorliegen der 

Opfereigenschaft ist jedoch nicht die Schwere der Tat, sondern der Grad der 

Betroffenheit der geschädigten Person. Danach ist entscheidend, ob die 

Beeinträchtigung der geschädigten Person in ihrer körperlichen, sexuellen oder 

psychischen Integrität das legitime Bedürfnis begründet, die Hilfsangebote und die 

Schutzrechte des Opferhilfegesetzes in Anspruch zu nehmen (Entscheid vom 

15. Dezember 2003 [1P.610/2003 E. 1.2]). Auch im Opferhilfegesetz gilt schliesslich der 

Grundsatz, wonach eine Entschädigung (bzw. Hilfe) nur dann geschuldet ist, wenn ein 

adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem vom Opfer erlittenen Schaden (bzw. 

der Notsituation) und der Straftat besteht. Wie im Haftpflichtrecht handelt es sich dabei 

um eine unabdingbare Voraussetzung für die Leistungspflicht (vgl. AJP 2003 Nr. 12 S. 

1487). Das Erfordernis des adäquaten Kausalzusammenhangs besteht darin, zu 

erfahren, ob das eine Haftung auslösende Element - die Straftat - nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich 

geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des 

Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 123 lll 

112).

3.        

3.1    Vorliegend ist unbestritten, dass der Rekurrent am 13. Dezember 2010 von 

seinem Vater mit einem Kabel auf den Kopf, das Bein und den Unterarm geschlagen 

wurde und dabei eine Beule am Kopf sowie "Striemen" oberhalb des rechten 

Handgelenks erlitten hat (Anmeldung des Kinderschutzzentrums vom 27. Dezember 

2010 und Befragungsprotokoll vom 14. Dezember 2010 [act. G 5.2 und 3.4 S. 3]). Aus 

den Akten ist jedoch nicht ersichtlich, dass der Rekurrent darauf hin ärztliche Hilfe 

hätte in Anspruch nehmen müssen oder sonstige über das Bagatellausmass hinaus 

gehende Verletzungen erlitten hätte. Vielmehr erschien er am nächsten Morgen auf 

dem Polizeiposten, um die Befragung durchzuführen. Ebenso wenig ergibt sich aus 

den Akten eine erhebliche Beeinträchtigung der psychischen Integrität durch die 

inkriminierte Tat. Die in Frage stehende Tat des Vaters erscheint damit an der oberen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Grenze der Tätlichkeit. Ohne die strafrechtliche Qualifikation abschliessend vornehmen 

zu wollen, erscheint somit fraglich, ob unter diesen Umständen überhaupt von einer 

genügenden Betroffenheit und damit einer Opferstellung des Beschwerdeführers im 

oben beschriebenen Sinn (vgl. E. 2.2) ausgegangen werden kann. Die Frage kann 

jedoch offen gelassen werden, da es vorliegend auch an einem adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen der mutmasslichen Tätlichkeit des Vaters und dem 

Aufenthalt im Schlupfhuus fehlt, wie nachfolgend zu zeigen ist.

3.2    Wie aus dem Anmeldeformular ersichtlich, war die Vormundschaftsbehörde 

bereits vor dem Eintritt des Beschwerdeführers in das Schlupfhuus darüber informiert, 

dass es offenbar seit Längerem zu Schlägen durch den Vater gegenüber dem 

Rekurrenten gekommen war und deshalb eine sozialpädagogische Familienbegleitung 

(Familiengespräche) durchgeführt wurde. Wie sich weiter aus dem Anmeldeformular 

ergibt, kam es am 13. Dezember 2010 vor dem Hintergrund einer erneuten sehr 

konfliktbehafteten familiären Zuspitzung zunächst zu Handgreiflichkeiten zwischen dem 

Rekurrenten und seiner Mutter, worauf jener dann vom Vater geschlagen worden sei 

(act. G 5.1/2). Wie sich sodann aus dem vom Gericht nachträglich eingeholten 

Kurzbericht vom 22. Januar 2011 an die Vormundschafsbehörde ergibt, hatte das 

Schlupfhuus zunächst den Auftrag, bis Anfang Januar 2011 eine Standortbestimmung 

vorzunehmen. Danach sollten weiterführende Unterstützungsmassnahmen und 

Anschlussempfehlungen evaluiert werden. Es wird ausgeführt, die Eltern sollten 

dahingehend angeleitet werden, dass die Macht- und Gewaltgrenze wiederhergestellt 

wird, sie wieder die Erziehungsverantwortung übernehmen und dem Sohn Orientierung 

geben können. Mittels konkreter Anleitung im Alltag sollten sie unterstützt werden, wie 

sie Grenzen setzen und bei Regelverstössen adäquate und alternative Konsequenzen 

durchsetzen können. Es sei zudem dringend notwendig, dass die Familienmitglieder so 

bald wie möglich einen neuen Umgang miteinander lernen und in die entsprechenden 

Rollen zurückfinden (act. G 12). Aus diesen Ausführungen erhellt, dass eine mögliche 

Straftat des Vaters (Tätlichkeit, allenfalls leichte Körperverletzung) von Anfang an 

gegenüber den Erziehungsproblemen der Eltern in den Hintergrund trat. So wurde 

denn auch bereits nach einer kurzen Abklärungsphase die Rückkehr des Rekurrenten 

nach Hause vorbereitet und festgestellt, was sich dafür sowohl bei den Eltern als auch 

beim Rekurrenten selber ändern müsste. Es ging sodann um die Frage, wie die Familie 

in Zukunft wieder respektvoll zusammenleben und wohl auch mit den zusätzlichen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/9

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schwierigkeiten umgehen könnte (Vater Frührentner, Mutter arbeitslos [act. G 3.4 S. 1]). 

Soweit aus den Akten ersichtlich, wurde gegen den Vater in der Folge keine 

Strafanzeige erstattet, wäre doch ein solches Vorgehen im Austrittsbericht wohl 

erwähnt worden. Mithin ist davon auszugehen, dass der Aufenthalt des Rekurrenten im 

Schlupfhuus nicht in erster Linie auf eine mögliche Straftat des Vaters, sondern auf die 

Erziehungsprobleme der Eltern zurückzuführen war und damit überwiegend den 

Charakter einer Familienberatung hatte. Nachdem somit ein adäquater 

Kausalzusammenhang zwischen der möglichen Straftat des Vaters und dem Aufenthalt 

des Beschwerdeführers im Schlupfhuus nicht feststeht, hat dafür nicht die Vorinstanz 

einzustehen.

4.        

Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind weder vom 

Rekurrenten noch von der Vorinstanz zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG, Art. 95 Abs. 3 

VRP).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

1.       Der Rekurs wird abgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 19.04.2012
	Art. 13 Abs. 1 OHG. Soforthilfe. Vorliegend erscheint der Aufenthalt des Rekurrenten in der Notunterkunft überwiegend durch die Erziehungsprobleme der Eltern und weniger durch die Tätlichkeiten des Vaters bedingt. Es fehlt damit an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen einer Straftat und dem Aufenthalt in der Notunterkunft, weshalb nicht die Opferhilfe dafür aufzukommen hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. April 2012, OH 2011/2).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Jürg SchutzbachEntscheid vom 19. April 2012in SachenA.___Rekurrent,vertreten durch B.___,zusätzlich vertreten durch Markus Riz, Rechtsagent, Rechts- und Gemeindeberatung, Sonnenbühlstrasse 3, 9200 Gossau SG,gegenStiftung Opferhilfe der Kantone SG/AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,betreffendKostenbeiträge (Schlupfhuus)Sachverhalt:

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T11:44:11+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen