# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 217b76ac-1578-57f7-8bbf-1d3efd2e73c7
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-05
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 05.12.2022 C3 22 61
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_C3-22-61_2022-12-05.pdf

## Full Text

RVJ / ZWR 2023 149

Zivilrecht
Droit civil

Zivilrecht – Zivilprozessrecht – Erbrecht – KGE (Einzelrichter der
Zivilkammer) vom 5. Dezember 2022, X. c. Bezirksgericht B. – TCV
C3 22 61

Erbausschlagung: Kosten bzw. Kostenvorschuss für dessen Protokol-
lierung (Art. 566 und 570 ZGB)
- Mit der Ausschlagung übt der Erbe ein ihm zustehendes materielles Recht aus, wes-

halb deren Protokollierung nicht von der Leistung eines Kostenvorschusses abhängig
gemacht werden darf; hingegen sind die Bezirksgerichte berechtigt, für die Protokol-
lierung einer Ausschlagungserklärung eine Gebühr zu erheben (E. 2).

Répudiation de la succession : frais ou avance de frais en cas de répu-
diation dictée au procès-verbal (art. 566 et 570 CC)
- Par la répudiation, l'héritier exerce un droit matériel qui lui appartient, raison pour la-

quelle sa dictée au procès-verbal ne peut pas être subordonnée au versement d'une
avance de frais ; en revanche, les tribunaux de district sont autorisés à percevoir un
émolument pour l'établissement d'un procès-verbal de répudiation (consid. 2).

Verfahren (gekürzt)

Mit Eingabe vom 6. April 2022 erklärte X. die Ausschlagung der Erb-
schaft ihrer Mutter. Das Bezirksgericht auferlegte ihr daraufhin einen
Kostenvorschuss von Fr. 200.-. Mittels Beschwerde wehrte sich X. da-
gegen, einen Kostenvorschuss zahlen zu müssen.

Aus den Erwägungen

2. Die Ausschlagung ist gegenüber der zuständigen Behörde, im Wallis
dem Bezirksgericht (Art. 4 Abs. 1 EGZPO), schriftlich oder mündlich zu
erklären. Die Behörde hat die Ausschlagung zu protokollieren (Art. 570
ZGB). Es ist in der Lehre und Rechtsprechung allgemein anerkannt,
dass die Behörde für die Protokollierung eine Gebühr erheben darf (Ur-
teile Obergericht Zürich PF220007 vom 23. Februar 2022 E. 4.1
m.w.N.; Obergericht Thurgau vom 10. März 2011 RBOG 2011 Nr. 5,

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E. 3; Kantonsgericht Schwyz ZK2 2018 64 vom 18. Januar 2019 E. 4;
Obergericht Aargau ZBE.2022.6 vom 27. Juni 2022 E. 4.2; Kantonsge-
richt Freiburg 101 2017 91 vom 3. April 2017 E. 3b; Häuptli, in: Abt/Wei-
bel [Hrsg.], Praxiskommentar Erbrecht, 4. A., 2019, N. 11 zu Art. 570
ZGB; Rouiller/Gygax, in: Eigenmann/Rouiller [Hrsg.], Commentaire du
droit des successions, 2012, N. 13 zu Art. 570 ZGB; Tuor/Picenoni,
Berner Kommentar, 2. A., 1964, N. 5a zu Art. 570 ZGB; Escher, Zürcher
Kommentar, 1960, N. 16 zu Art. 570 ZGB). Fraglich ist hingegen, ob die
Behörde die Entgegennahme der Ausschlagungserklärung von der
Leistung eines Kostenvorschusses abhängig machen darf. Die Lehre
spricht sich grundsätzlich dagegen aus (Häuptli, a.a.O., N. 11 zu Art.
570 ZGB; Rouiller/Gygax, a.a.O., FN 35 zu N. 13 zu Art. 570 ZGB;
Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 5a zu Art. 570 ZGB; Escher, a.a.O., N. 16 zu
Art. 570 ZGB), wobei sie alle auf einen Entscheid des Obergerichts Zü-
rich vom 12. September 1935 (ZR 1936 Nr. 140) Bezug nehmen. We-
sentlich erscheint, dass die ausschlagende Person ein ihr vom Gesetz-
geber eingeräumtes materielles sowie fristgebundenes Recht wahr-
nimmt, dessen Ausübung nicht durch formelle Vorgaben vereitelt wer-
den darf.

Selbst wenn die Beschwerdeführerin der Vorinstanz keinen Kostenvor-
schuss leisten sollte, wäre es dieser somit doch verwehrt, die Ausschla-
gungserklärung deswegen zurückzuweisen und die Protokollierung zu
verweigern. Vielmehr hätte sie auch in diesem Fall die Ausschlagung
in das entsprechende Protokoll aufzunehmen und der Ausschlagenden
anschliessend die Kosten in Rechnung zu stellen.