# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36823827-4fe6-5c35-b621-87e92b27c0a5
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.10.2021 UV 2020/35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2020-35_2021-10-11.pdf

## Full Text

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Fall-Nr.: UV 2020/35

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 22.04.2022

Entscheiddatum: 11.10.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 11.10.2021
Rückweisung zur Beantwortung der Kausalitätsfrage einer 
neuropsychologischen Beeinträchtigung (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Oktober 2021, UV 
2020/35).

Entscheid vom 11. Oktober 2021

Besetzung

Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider (Vorsitz), Versicherungsrichter 

Joachim Huber und Versicherungsrichterin Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin 

Karin Kobelt

Geschäftsnr.

UV 2020/35

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, rechtsanwälte.og 42, 

Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,

gegen

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Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 

4358, 6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Versicherungsleistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Mai 2011 als CNC-Operateur bei 

der B.___ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin), tätig und dadurch bei der Schweizerischen 

Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen 

versichert (Suva-act. 3), als er am .___ als Beifahrer in einem PKW Opfer eines 

Verkehrsunfalls wurde (vgl. Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 24. August 

2011, Suva-act. 25). Dabei erlitt er ein Polytrauma mit offenem Schädelhirntrauma, 

Extremitätentrauma, Erosio Auge links, posttraumatischem Strabismus und zeitlicher 

und örtlicher Desorientiertheit (Suva-act. 4 und 19). Er wurde nach dem Unfall ins 

Kantonsspital St. Gallen eingeliefert, wo er bis 27. Juli 2011 auf der chirurgischen 

Intensivstation und anschliessend bis 10. August 2011 in der Klinik für Orthopädische 

Chirurgie und Traumatologie hospitalisiert war (Suva-act. 19). Am 10. August 2011 

erfolgte der Übertritt in die Rehaklinik Bellikon, wo er bis 30. November 2011 stationär 

behandelt wurde (Suva-act. 52). Dem Austrittsbericht vom 30. November 2011 sind als 

Probleme beim Austritt kognitive Defizite mit Verlangsamung und 

Konzentrationsschwierigkeiten, Strabismus convergenz links infolge Abduzensparese, 

Visuseinschränkung und Doppelbilder sowie Dekonditionierung, weitgehend remittiert, 

zu entnehmen. Die zuständigen Ärzte beschrieben gestützt auf eine 

neuropsychologische Untersuchung vom November 2011 (für den entsprechenden 

Bericht vgl. Suva-act. 52 S. 9 ff.) eine leichte kognitive Leistungsminderung infolge 

einer neuropsychologischen Funktionsstörung, die Folge einer primär hirnorganischen 

Schädigung sei. Eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit mit leichten kognitiven 

A.a. 

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Anforderungen erachteten sie als halbtags zumutbar, wobei mit zwei Stunden pro Tag 

begonnen werden sollte im Sinne einer Anpassung und Eingewöhnung (Suva-act. 52 S. 

2). Kurz vor Austritt meldete der Versicherte sich bei der Eidgenössischen 

Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 79).

Am 26. Juli 2011 hatte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem 

Versicherten während noch laufender Probezeit aufgelöst (Suva-act. 11). Sie offerierte 

ihm jedoch die Möglichkeit einer beruflichen Wiedereingliederung ab 9. Januar 2012 

(Suva-act. 69 und 63). Diese wurde von ihr nach kurzer Zeit wieder beendet, weil der 

Versicherte sich nicht an Abmachungen gehalten habe (vgl. Suva-act. 78 und 90).

A.b. 

Am 1. Februar 2012 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sich Fragen zu 

seiner Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht stellten (Suva-act. 80). Der 

damalige Rechtvertreter des Versicherten nahm dazu am 6. Februar 2012 Stellung 

(Suva-act. 82).

A.c. 

Am 26. März 2012 fand eine Reevaluation in der Spezialsprechstunde 

Traumatische Hirnverletzung der Rehaklinik Bellikon mit einer neurologischen (Bericht 

vom 28. März 2012 in Suva-act. 99) und einer neuropsychologischen (Bericht vom 27. 

März 2012 in Suva-act. 100) Untersuchung statt. Die neuropsychologische 

Reevaluation ergab eine leichte Störung mit im Vordergrund stehenden kognitiven 

Einschränkungen in den Bereichen der Aufmerksamkeitsfunktionen und des verbalen 

und figuralen Lernens sowie Verhaltensauffälligkeiten nach einer Schädigung des 

Gehirns und im Rahmen weiterer, vorbestehender psychischer Störungen (Suva-act. 

100 S. 5). Im Vergleich zu den Befunden bei Austritt aus der Rehaklinik Bellikon 

(30. November 2011) zeigte sich eine im Wesentlichen unveränderte Situation mit 

Einstufung als leichte Störung, wobei aber ein Zusammenhang mit vorbestehenden 

Schwierigkeiten nicht ausser Acht gelassen werden dürfe (Suva-act. 99 S. 4). Eine 

Unterstützung bei der Stellensuche sei ratsam. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % 

lasse sich im Moment nicht mehr attestieren, eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen der 

Zumutbarkeit mit ganztägiger Präsenz hingegen schon (Suva-act. 99 S. 4).

A.d. 

Im Rahmen des Abklärungsverfahrens bei der IV begann der Versicherte am 2. Juli 

2012 eine berufliche Abklärung beim C.___. Bereits ab dem 4. Juli 2012 erschien der 

A.e. 

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Versicherte nicht mehr zur Abklärung, woraufhin die beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen wurden (Suva-act. 113, 120, 128 und 137).

Am 15. August 2012 bot die Suva den Versicherten zur kreisärztlichen 

Untersuchung bei Dr. med. D.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 

Traumatologie des Bewegungsapparats, auf (Suva-act. 123). Nachdem der Versicherte 

zu dieser Untersuchung nicht erschienen war, gab Dr. D.___ am 3. September 2012 

eine ärztliche Einschätzung nach Aktenlage ab. Er verwies insbesondere auf den 

Austrittsbericht vom 30. November 2011 und den neuropsychologischen Bericht vom 

27. März 2012 der Rehaklinik Bellikon und notierte, aufgrund der vorliegenden 

Befundberichte sei von einer komplikationslosen Ausheilung der rechtsseitigen 

Femurschaft- und Tibiaschaftfraktur auszugehen. Es bestünden Einschränkungen 

bezüglich Tätigkeiten mit hohen kognitiven Anforderungen. Für Tätigkeiten mit geringen 

kognitiven Anforderungen sei spätestens ab 26. März 2012 von einer 50%igen 

Arbeitsfähigkeit gemäss von der Rehaklinik Bellikon formuliertem Zumutbarkeitsprofil 

auszugehen (Suva-act. 129). 

A.f. 

Am 8. Oktober 2012 unterzog sich der Versicherte in der Augenklinik des KSSG 

einer Schieloperation. Postoperativ zeigte sich ein zufriedenstellendes Ergebnis mit 

deutlicher Schielwinkelverkleinerung (Suva-act. 149 f.).

A.g. 

Am 18. Oktober 2012 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie ab dem 3. 

Dezember 2012 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe. Sie richte deshalb ab 

diesem Zeitpunkt noch ein Taggeld von 50 % aus. Sie empfehle ihm, sich bei der 

Arbeitslosenversicherung anzumelden. Sie biete ihm die Möglichkeit für den Zugang zu 

einer privaten Stellenvermittlung, der E.___ (Suva-act. 155). Dieses Angebot nahm der 

Versicherte an (vgl. Suva-act. 156 und 157). Auch meldete er sich bei der 

Arbeitslosenversicherung an (vgl. Suva-act. 162 und 163). Nachdem er jedoch einzig 

einen von fünf vereinbarten Terminen bei E.___ wahrgenommen hatte, schloss diese 

den Auftrag am 28. Februar 2013 ab (Suva-act. 188). Am 8. März 2013 notierte der 

Case Manager der Suva nach einer telefonischen Besprechung mit der für den 

Versicherten zuständigen Beraterin beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum, der 

Versicherte sei per 30. Januar 2013 wieder von der Arbeitslosenversicherung 

abgemeldet worden (Suva-act. 189).

A.h. 

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Am 26. März 2013 wurde der Versicherte von Dr. D.___ kreisärztlich untersucht. 

Dieser kam zum Schluss, dass dem Versicherten leichte bis mittelschwere Tätigkeiten 

ohne das Einnehmen von Zwangshaltungen bei voller Präsenz zuzumuten seien. 

Bezüglich eines allfälligen Integritätsschadens sei frühestens nach Aktualisierung der 

neuropsychologischen Situation im Juli 2013 eine Stellungnahme möglich (Suva-act. 

199).

A.i. 

Am 9. April 2013 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die Taggeldleistungen 

ab dem 1. Mai 2013 eingestellt würden (Suva-act. 206).

A.j. 

Dr. med. F.___ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vertrat im Rahmen des 

invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens in einer Stellungnahme vom 5. August 

2013 die Auffassung, der Versicherte verfüge für eine Tätigkeit als CNC-Operateur über 

eine volle Arbeitsfähigkeit. Wie der Suva-Kreisarzt im Bericht vom 26. März 2013 (siehe 

hierzu Suva-act. 199) festgehalten habe, seien dem Versicherten leichte bis 

mittelschwere Tätigkeiten bei voller Präsenz, ohne Einnahme von Zwangshaltungen, 

vollumfänglich zumutbar (IV-act. 132-2). Nach Durchführung des 

Vorbescheidverfahrens (vgl. Suva-act. 216) verfügte die IV-Stelle am 30. September 

2013 die Abweisung des Rentengesuchs des Versicherten (Suva-act. 219).

A.k. 

Am 6. März 2014 bat eine Sozialarbeiterin vom G.___, Zentrum für H.___, die IV-

Stelle um Wiederaufnahme der beruflichen Massnahmen (IV-act. 139). Dies unter 

Beilage eines provisorischen Austrittsberichts der Klinik I.___ wo der Versicherte vom 

13. Juni 2013 bis 13. Januar 2014 behandelt worden war (IV-act. 140; der definitive 

Bericht datiert vom 6. Februar 2014 in IV-act. 215). Diesem zufolge sei der Versicherte 

zum wiederholten Male (letzter Aufenthalt: 2010) zum Alkoholentzug aufgenommen 

worden. Der Versicherte habe seit mehreren Monaten vermehrte Gedächtnisprobleme 

bemerkt. Diese sehe er in Zusammenhang mit dem beim Unfall erlittenen 

Schädelhirntrauma. Auch sei er seit dem Unfall unzuverlässiger geworden, deutlich 

reizbarer und aggressiver. Zusätzlich hätte er seither morgens einen verminderten 

Antrieb (IV-act. 215-3). Die durchgeführte Testpsychologie hatte folgende Resultate 

ergeben: "Mit einem IQ von 100 durchschnittliche Intelligenz. Kognitive 

Leistungsfähigkeit im Detail: Die kurzfristige Konzentrationsfähigkeit unter Stress 

(Zeitdruck) ist knapp durchschnittlich, die mittelfristige Konzentrationsfähigkeit bei einer 

A.l. 

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B.  

monotonen Sortierarbeit dagegen weit unterdurchschnittlich, wobei bei diesem 

Ergebnis ein Artefakt vorliegen könnte (siehe unten). Die visuelle Merkfähigkeit ist 

unauffällig, die Gedächtnisleistung für verbales Material (Langzeitgedächtnis) ebenfalls, 

die Lernleistung dagegen ist leicht beeinträchtigt. Deutlich unterdurchschnittlich ist die 

kognitive Leistungsgeschwindigkeit. Die exekutiven Funktionen (Planungsfähigkeit, 

geistige Umstellfähigkeit, Denkflüssigkeit, Wortfindung und Wortflüssigkeit, Kreativität, 

Abstraktionsvermögen, Urteilsfähigkeit und die Fähigkeit zum strategischen Denken) 

sind nicht beeinträchtigt. Es gibt keinen Hinweis auf diffuse Hirnschädigung. Die 

Minderleistungen lassen sich am ehesten erklären durch ein Artefakt, nämlich einerseits 

durch die Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, was dazu führte, dass Herr A.___ sich 

sehr stark anstrengen musste, deshalb erschöpft war und Kopfschmerzen bekam; 

andererseits durch psychische Faktoren (Verlust der Motivation aufgrund der für ihn 

sehr anstrengenden, lange dauernden Untersuchung)" (IV-act. 215-5). Am 13. Mai 2014 

ging die entsprechende Wiederanmeldung des Versicherten bei der IV-Stelle ein (IV-

act. 143).

Vom 26. Januar bis 10. Mai 2017 absolvierte der Versicherte erneut in der Klinik 

I.___ eine Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung (IV-act. 219-1).

A.m. 

Am 7. Januar 2019 gelangte Rechtsanwalt lic. iur. HSG M. Bivetti, St. Gallen, als 

Vertreter des Versicherten an die Suva und ersuchte sie vor dem Hintergrund, dass die 

IV dem Versicherten gemäss Vorbescheid vom 14. November 2018 gestützt auf ein 

polydisziplinäres Gutachten des Zentrums für Medizinische Begutachtung ZMB vom 8. 

August 2018 (vgl. Suva-act. 246) eine ganze Rente ab spätestens 1. November 2014 

ausrichten werde, um Berechnung der Invalidenrente der Suva (Suva-act. 239). Das 

ZMB stellte folgende Diagnosen, welchen es eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

beimass: ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2) in 

Kombination mit einer sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung 

aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: 

F07.8); ein Schädelhirntrauma und einen Verdacht auf einen Basis-nahen Ausriss des 

N. abducens links. Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe u.a. die 

vorbestehende Polytoxikomanie, die «aktuell laut Angabe sistiert» sei. Aufgrund der 

B.a. 

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Einschränkungen, bedingt durch das organische Psychosyndrom, sei eine Tätigkeit in 

der freien Wirtschaft nicht möglich. Der Versicherte sei eingeschränkt in zahlreichen 

Funktionen: Einhalten von Regeln, Durchhaltefähigkeit, Flexibilität, 

Umstellungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Er sei deutlich vermindert belastbar. 

Aus ophthalmologischer Sicht könne der Versicherte nur in Tätigkeiten eingesetzt 

werden, die kein wesentlich gutes Stereosehen benötigten. In einer angepassten 

Tätigkeit, wie sie der Versicherte aktuell als Mitarbeiter Recycling von Elektroartikeln 

ausübe, sei eine Arbeitsfähigkeit sehr wohl möglich. Die jetzige Tätigkeit werde als eine 

Tätigkeit in geschütztem Rahmen erachtet. Sie werde mit einem 50%igen Pensum 

ausgeführt. Ob eine Steigerung möglich sei, werde sich im weiteren Verlauf zeigen 

(Gutachten vom 8. August 2018, Suva-act. 246, insbesondere S. 7 ff.). RAD-Arzt 

Dr. F.___ hielt die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus 

versicherungsmedizinischer Sicht für umfassend und widerspruchsfrei (Stellungnahme 

vom 13. September 2018, IV-act. 263).

Die Suva wies mit Schreiben vom 28. Januar 2019 darauf hin, dass sie den 

Schadenfall Ende 2013 - mangels Nachkommen der Mitwirkungspflicht des 

Versicherten - abgeschlossen habe. Nach Einsicht in die IV-Akten werde sie über das 

weitere Vorgehen informieren (Suva-act. 242).

B.b. 

Mit Verfügung vom 2. Mai 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung 

ab 1. November 2014 eine ganze Rente zu (Suva-act. 249; vgl. auch Urteil des hiesigen 

Gerichts, IV 2019/150, vom 29. Juni 2020).

B.c. 

Dr. med. J.___, Facharzt für Neurologie, nahm am 9. Mai 2019 auf Ersuchen der 

Suva gestützt auf die Akten eine neurologische Beurteilung vor. Er kam zum Schluss, 

dass der Unfall vom 15. Juli 2011 zu einer strukturellen Hirnschädigung geführt habe, 

welche eine leichte neuropsychologische Beeinträchtigung hinterlassen habe. 

Massgeblich für diese Einschätzung sei die neuropsychologische Beurteilung der 

Rehaklinik Bellikon (Suva-act. 250 S. 12). In Anbetracht der reinen Unfallfolgen könne 

der Versicherte vollschichtig einer einfachen Tätigkeit im Wechsel zwischen Sitzen, 

Stehen und Gehen nachgehen ohne Notwendigkeit zum Knieen und ohne Tätigkeiten 

auf Leitern und Gerüsten. Aufgrund der beschriebenen Lärm- und Lichtempfindlichkeit 

sollte die Tätigkeit in ruhiger Umgebung stattfinden. Es sollten keine hohen 

B.d. 

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C.  

D.  

Anforderungen an Arbeitsgeschwindigkeit und kognitive Flexibilität gestellt werden. Die 

Arbeit sollte ein intaktes Stereosehen nicht voraussetzen. Der medizinische Endzustand 

sei zum Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung am 26. März 2013 erreicht 

gewesen (Suva-act. 250 S. 14). Der Integritätsschaden betrage auf neurologisch/

neuropsychologischem Gebiet 40 %. 20 % seien Folge der leichten 

Hirnfunktionsstörung und die anderen 20 % Folge der Augenverletzung (Suva-act. 

251).

Mit Verfügung vom 27. Mai 2019 verneinte die Suva einen Rentenanspruch des 

Versicherten und legte die Integritätsentschädigung basierend auf einem 

Integritätsschaden von 40 % fest (Suva-act. 254).

B.e. 

Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Bivetti am 28. Juni 2019 für den 

Versicherten Einsprache und beantragte eine ganze Rente sowie eine 

Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 100 % (Suva-act. 

268).

C.a. 

Mit Einspracheentscheid vom 4. Mai 2020 bestätigte die Suva ihre Verfügung vom 

27. Mai 2019 (Suva-act. 276).

C.b. 

Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Bivetti für den 

Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 4. Juni 2020 

Beschwerde und beantragte, dem Beschwerdeführer sei eine Rente entsprechend 

einem Invaliditätsgrad von 100 % und eine Integritätsentschädigung nach Massgabe 

eines Integritätsschadens von 100 % auszurichten. Eventuell sei ein Gerichtsgutachten 

zur Frage der Kausalität der neuropsychologischen Beeinträchtigungen einzuholen, 

subeventuell sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Suva 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Alles unter Entschädigungsfolge 

(act. G1). Mit Beschwerdeergänzung vom 31. August 2020 begründete Rechtsanwalt 

Bivetti die Beschwerde vom 4. Juni 2020 ausführlich (act. G7).

D.a. 

Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2020 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G11).

D.b. 

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Erwägungen

1.

Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht im 

Zusammenhang mit dem Unfall vom 15. Juli 2011 und richtete entsprechend 

Versicherungsleistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen) aus der 

Unfallversicherung aus. Streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine 

Am 5. November 2020 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung entsprochen (act. G12).

D.c. 

Auf die Erstattung einer Replik wurde verzichtet (act. G14).D.d. 

Am 9. Juni 2021 zog das Gericht die Akten der IV-Stelle St. Gallen bei (act. G16). 

Mit Schreiben vom 18. Juni 2021 unterrichtete das Gericht die Parteien über den 

Beizug der Akten der IV-Stelle und gewährte ihnen eine Frist zur Einsicht in diese Akten 

und zur allfälligen Stellungnahme (act. G18). Der Beschwerdeführer verzichtete am 8. 

Juli 2021 auf eine Einsichtnahme in die Akten der IV (act. G21) und die 

Beschwerdegegnerin verzichtete am 26. August 2021 nach Einsichtnahme in die Akten 

auf eine Stellungnahme (act. G22).

D.e. 

Das Gericht gewährte Rechtsanwalt Bivetti am 13. September 2021 das rechtliche 

Gehör. Da eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin im Raum stehe, werde ihm 

die Möglichkeit eingeräumt, die Beschwerde betreffend Integritätsentschädigung 

zurückzuziehen (act. G23). Mit Schreiben vom 27. September 2021 teilte Rechtsanwalt 

Bivetti dem Gericht mit, dass der Beschwerdeführer an der Beschwerde festhalte 

(act. G24). Diese beiden Schreiben wurden der Beschwerdegegnerin am 30. 

September 2021 zur Kenntnis gebracht (act. G25).

D.f. 

Am 30. September 2021 ging Rechtsanwalt Bivettis Honorarnote vom 29. 

September 2021 beim Gericht ein (act. G26 und 26.1).

D.g. 

Der Beschwerdegegnerin wurden diese Honorarnote und das Schreiben des 

Beschwerdeführers vom 8. Juli 2021 und dem Beschwerdeführer das Schreiben der 

Beschwerdegegnerin vom 26. August 2021 ebenfalls am 30. September 2021 zur 

Kenntnis zugestellt (act. G27).

D.h. 

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Invalidenrente sowie auf eine höhere als die von der Beschwerdegegnerin basierend 

auf einem Integritätsschaden von 40 % gewährte Integritätsentschädigung.

Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; 

SR 832.20) hat der Unfallversicherer bei Vorliegen eines Unfalls (vgl. dazu Art. 4 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 

830.1]) für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser 

in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis 

steht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, 

ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als 

in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. 

Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal­

zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare 

Ursache gesundheitlicher Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis 

zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der 

versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht 

weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene Störung entfiele (Conditio 

sine qua non; vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181 E. 3.1; André Nabold, N 48 ff. zu 

Art. 6, in: Marc Hürzeler/ Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 

Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: 

KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne 

Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 

[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, 

Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 

53 ff.). Für die Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im 

Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und 

Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist 

demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis 

entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-Nabold, N 53 und 59 zu Art. 6; BSK 

UVG-Hofer, N 66 und 74 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 122 V 

158 f. E. b mit zahlreichen Hinweisen; SZS 2018 S. 357 f.). Bei physischen Unfallfolgen 

spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen 

Kausalzusammenhang ergebenden Haftung praktisch keine selbständige Rolle (BGE 

127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b und 118 V 291 f. E. 3a mit Hinweisen). Sind 

dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige 

Adäquanzbeurteilung durchzuführen, wobei die Rechtsprechung für Fälle mit einem 

erlittenen Schleudertrauma, Schädel-Hirn-Trauma oder einer äquivalenten Verletzung 

1.1. 

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eigene Beurteilungskriterien herausgebildet hat (BGE 127 V 103 E. 5b/bb; zur 

Schleudertraumapraxis vgl. BGE 117 V 359 und 134 V 109; zur Psychopraxis vgl. BGE 

115 V 140).

Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht im Grundfall einmal anerkannt, so 

entfällt sie erst dann wieder, wenn der Unfall nicht (mehr) die natürliche oder adäquate 

Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und 

ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Ebenso wie der 

leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder 

kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit 

dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender 

Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 

8C_101/2008, E. 2.2; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des 

Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58 f.).

1.2. 

Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die 

urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln 

sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die 

verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs 

gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der 

Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und 

ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit 

Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann 

rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Soll ein Versicherungsfall 

jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die 

Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel 

an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 

Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 

4.4 und 4.6; bestätigt etwa in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012, 

8C_592/2012, E. 5.3). Die Rechtsprechung erachtet sodann Aktengutachten als 

zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist 

1.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/18

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2.  

ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die Expertin imstande 

ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen 

(Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar 2002, U 14/2000, E. 3c mit Hinweis).

Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz 

schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im 

Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als 

im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus 

dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 

E. 3b). Während bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals 

gegeben ist, demzufolge die versicherte Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast 

für einen behaupteten Wegfall der Kausalität der Unfallversicherer (Urteil des 

Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweis; zum Ganzen 

Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.).

1.4. 

Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird grundsätzlich eine 

strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares 

Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der 

Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin 

unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen 

Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit - 

wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen, 

Sonographie, Kernspintomographie, Computertomographie, Arthroskopie) bestätigt 

werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des 

Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 

E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).

2.1. 

Die Beschwerdegegnerin anerkannte gestützt auf die neurologische Beurteilung 

von Dr. J.___ vom 9. Mai 2019 strukturelle Traumafolgen am Gehirn des Versicherten 

mit der Folge von leichten neuropsychologischen Beeinträchtigungen und 

Doppelbildern aufgrund der Abduzensparese (vgl. Suva-act. 276 S. 11 i.V.m. Suva-act. 

250 S. 13). Der Beschwerdeführer geht demgegenüber gestützt auf das Gutachten des 

ZMB vom 8. August 2018 davon aus, dass von einer mittelgradigen bis schweren 

Einschränkung bezüglich Aufmerksamkeit, visueller Wahrnehmung sowie bei Aufgaben 

mit visueller Fixation eine geringgradige exekutive Dysfunktion vorliege (act. G1 i.V.m. 

Suva-act. 246 S. 5).

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/18

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Im ZMB wurde der Beschwerdeführer im Juni 2018 internistisch, orthopädisch, 

neurologisch, opthalmologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch abgeklärt (Suva-

act. 246 S. 2 f.). Von neurologischer Seite wurde vom Vorliegen eines organischen 

Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma in Kombination mit einer sonstigen 

organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, 

Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns ausgegangen. Die in der 

neuropsychologischen Untersuchung festgestellten mittelgradigen bis schweren 

Einschränkungen bezüglich Aufmerksamkeit, visueller Wahrnehmung sowie bei 

Aufgaben mit visueller Fixation und eine geringgradige exekutive Dysfunktion seien in 

diesem Rahmen zu beurteilen (Suva-act. 246 S. 5). Psychiatrisch bestünden die für ein 

organisches Psychosyndrom typischen Symptome erhöhte Reizbarkeit und rasche 

Ermüdbarkeit, Merkfähigkeitsstörungen, impulsives Verhalten sowie Defizite im 

abstrakten Denken. Aufgrund dieser neuropsychologischen Einschränkungen sei der 

Beschwerdeführer für eine Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu 100 % 

arbeitsunfähig (Suva-act. 246 S. 7). Dieses Gutachten wurde vom hiesigen Gericht mit 

Urteil vom 29. Juni 2020 im Verfahren IV 2019/150 als beweiskräftig erachtet. Dr. J.___ 

und mit ihm die Beschwerdegegnerin stellen sich auf den Standpunkt, dass die 

gemäss ZMB-Gutachten vermutete Schwere der neuropsychologischen 

Beeinträchtigungen nicht nachvollzogen werden könne. Das Versicherungsgericht 

erachtet sich jedoch analog der Situation bei Rückweisungsentscheiden an die 

Erwägungen im Urteil vom 29. Juni 2020 gebunden (vgl. Ueli Kieser, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 116 zu Art. 61), soweit die Ausführungen Aspekte 

betreffen, welche für die Unfallversicherung und die Invalidenversicherung nach 

denselben Regeln zu beurteilen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 

2011, 8C_543/2011, E. 2.6 und 3). Das Gericht erwog, dass die im ZMB-Gutachten mit 

Blick auf die Diagnose und die Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit gezogenen 

Schlüsse einleuchten (a.a.O., E. 4.1). Folglich ist davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer an einem organischen Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma in 

Kombination mit einer sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung 

aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns und an 

einem Schädelhirntrauma leidet (a.a.O., Sachverhalt A.g sowie E. 4.1). Auch ist davon 

auszugehen, dass die zur Arbeitsunfähigkeit führenden Einschränkungen insbesondere 

durch das organische Psychosyndrom bedingt sind und Einschränkungen in folgenden 

Funktionen bestehen: Einhalten von Regeln, Durchhaltefähigkeit, Flexibilität, 

Umstellungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit, Belastbarkeit (a.a.O., E.4.1). Das 

Gericht erwog sodann, dass die Suchtproblematik früher im Vordergrund gestanden 

habe, währenddem inzwischen deren Spätfolgen sowie die Spätfolgen der 

Schädelverletzung dominierend seien (a.a.O., E. 3.3.3). Dass demgegenüber die 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/18

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3.  

Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung gegenüber dem Unfallversicherer keine 

Bindungswirkung entfaltet (Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2011, 

8C_543/2011, E. 3), ist zwischen den Parteien zu Recht nicht umstritten. Dies gilt 

insbesondere auch für Ausführungen der ZMB-Gutachter zur Kausalitätsfrage, zumal 

die Kausalität für die Invalidenversicherung nicht relevant ist (vgl. hierzu auch E. 2.5). 

Zu beantworten bleibt folglich die Frage, ob die vorgenannte Beeinträchtigung des 

Beschwerdeführers unfallkausal ist oder ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nur von 

einer leichten neuropsychologischen Beeinträchtigung als Unfallfolge ausgegangen ist.

Dr. J.___ kam gemäss Beurteilung vom 9. Mai 2019 gestützt auf die medizinischen 

Akten zum Schluss, dass das am 15. Juli 2011 erlittene offene Schädelhirntrauma mit 

diffusen axonalen Scherverletzungen und einem kleinen temporopolaren 

Kontusionsherd rechts nach den in der Rehaklinik Bellikon erhobenen Befunden zu 

einer leichten neuropsychologischen Beeinträchtigung geführt habe. Diese 

Beeinträchtigung hätte nach damaliger Einschätzung der Rehaklinik Bellikon die 

Wiederaufnahme einer vollschichtigen Tätigkeit erlaubt. Den beiden relativ zeitnah zum 

Unfall durchgeführten neuropsychologischen Untersuchungen komme hinsichtlich der 

Beurteilung der Traumafolgen besondere Bedeutung zu (Suva-act. 250 S. 11). Das 

ZMB-Gutachten setze sich nicht ausreichend mit der Frage auseinander, welche 

Anteile an der fehlenden Vermittelbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt die 

eingeschränkten schulischen Bildungsvoraussetzungen, das Aufmerksamkeitsdefizit-

Hyperaktivitätssyndrom, die Polytoxikomanie und die Folgen des Schädelhirntraumas 

hätten. Eine präzise anteilmässige Zuordnung werde nicht möglich sein (Suva-act. 250 

S. 12). Folge man aber der Lebensgeschichte des Beschwerdeführers bis zum Unfall 

und unter Berücksichtigung des Umstandes, dass nach dem Unfall zwei 

mehrmonatige, stationäre psychiatrische Behandlungen wegen der Polytoxikomanie in 

I.___ und eine mehrmonatige Langzeitsuchtbehandlung im Therapiezentrum G.___ 

notwendig geworden seien, werde deutlich, dass den unfallunabhängigen 

Erkrankungen eine gewichtige sozialmedizinische Bedeutung zukomme. Selbst wenn 

zwischen den neuropsychologischen Beurteilungen der Rehaklinik Bellikon und der 

neuropsychologischen Begutachtung des ZMB eine Verschlechterung eingetreten sein 

sollte, werde man diese nicht den Unfallfolgen zuordnen können. Der normale Verlauf 

neuropsychologischer Beeinträchtigungen nach einem Schädelhirntrauma führe nicht 

zu einer progredienten Befundverschlechterung, sondern zu einer tendenziellen 

Besserung und Anpassung im weiteren Verlauf (Suva-act. 250 S. 12). Letztere Aussage 

belegt oder begründet Dr. J.___ jedoch nicht. Und dass die Rehaklinik Bellikon eine 

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/18

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vollschichtige Tätigkeit wieder erlaubt hätte, ist so aus deren Berichten nicht zu 

entnehmen. Vielmehr wurde von den zuständigen Ärzten aus neurologischer Sicht von 

einer Arbeitsfähigkeit "im Rahmen der Zumutbarkeit mit ganztägiger Präsenz" 

gesprochen. Sollten sich keine konkreten Stellenangebote eröffnen, werde die 

Überprüfung einer Tätigkeit im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms empfohlen. 

Daneben könnten auch fundiertere Aussagen zur körperlichen und kognitiven 

Leistungsfähigkeit gemacht werden (Suva-act. 99 S. 4). Und aus neuropsychologischer 

Sicht wurde festgehalten, es bestünden Minderleistungen einzelner kognitiver 

Funktionen. Bei Berufen mit hohen kognitiven Anforderungen dürfte die 

Funktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Einfachere Arbeitsabläufe sollten jedoch 

ausführbar sein. Negativ dürften sich die Auffälligkeiten im Sozialverhalten auf die 

beruflichen Leistungen und auf Interaktionen mit Vorgesetzten und Mitarbeitenden 

auswirken. Diese Auffälligkeiten dürften angesichts der Vorgeschichte - zumindest in 

Anteilen - schon vor dem Unfall vorgelegen haben (Suva-act. 100 S. 5). Damit machte 

die Rehaklinik Bellikon deutlich, dass sie eine detaillierte Abklärung auch der kognitiven 

Leistungsfähigkeit als angezeigt erachtete. Folglich kann es nicht angehen, ohne 

weitere solche Abklärungen und ohne eigene Untersuchung der Einschätzung der 

Rehaklinik Bellikon solches Gewicht zu verleihen, wie es Dr. J.___ getan hat. Darüber 

hinaus weicht seine Einschätzung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit als CNC-Operateur 

von jener der Rehaklinik Bellikon ab, ohne dass er sich mit dieser Abweichung 

auseinandersetzen würde (Suva-act. 250 S. 13 f. sowie 52 S. 3). Nach dem Gesagten 

bestehen am Bericht von Dr. J.___ vom 9. Mai 2019 (Suva-act. 250) erhebliche Zweifel. 

Es ist nicht nachvollziehbar, wieso der neurologische Facharzt den Beschwerdeführer 

nicht selber untersucht hat. Voraussetzung für die Beweiskraft eines 

versicherungsintern erstellten Aktenberichts ist - nebst den bereits in vorstehender 

E. 1.3 genannten Anforderungen -, dass ein lückenloser Befund vorliegt und es im 

Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden 

medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 

8C_843/2014, E. 5.4). Hiervon kann vorliegend nicht ausgegangen werden, zumal Dr. 

J.___ den vom ZMB erhobenen medizinischen Sachverhalt aufgrund der übrigen Akten 

nicht nur anders beurteilte, sondern einen anderen Sachverhalt erhob. Da seine 

Schlussfolgerungen bezüglich der natürlichen Kausalität der Einschätzung der ZMB-

Gutachter - wie er selber feststellt - teilweise widersprechen (Suva-act. 250 S. 11 

unten), wäre zumindest eine einlässliche und plausible Begründung der abweichenden 

Einschätzung notwendig. Einzig der Hinweis auf eine bereits vor dem Unfall 

bestehende Suchtproblematik vermag jedenfalls keine solche Begründung 

darzustellen. Und auch die fehlende Vornahme einer Fremdanamnese ist nicht 

nachvollziehbar. Eine solche war auch von der Rehaklinik Bellikon nicht vorgenommen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/18

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worden und scheint für die Erfassung von Hirnfunktionsstörungen nach 

Hirnverletzungen für eine neuropsychologische Beurteilung vorausgesetzt zu werden 

(vgl. Suva-Tabelle 8, Integritätsschädigung gemäss UVG). Dies leuchtet ein, zumal 

neuropsychologische Einschränkungen und deren Entwicklung vom Umfeld 

beobachtet werden können.

Auch für die Annahme einer Unfallkausalität der gravierenden Einschränkungen 

gemäss ZMB-Gutachten fehlt es an einer genügenden medizinischen Grundlage, zumal 

dieses Gutachten sich zu dieser Frage nur ungenügend äussert: Der interdisziplinären 

Gesamtbeurteilung ist zu entnehmen, dass die in der neuropsychologischen 

Untersuchung festgestellten mittelgradigen bis schweren Einschränkungen bezüglich 

Aufmerksamkeit, visueller Wahrnehmung sowie bei Aufgaben mit visueller Fixation und 

eine geringgradige exekutive Dysfunktion im Rahmen des organischen 

Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma in Kombination mit einer sonstigen 

organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, 

Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns zu beurteilen seien (Suva-act. 246 S. 

5). Ebenfalls aus der Gesamtbeurteilung geht hervor, dass die genauen Ursachen 

(ADHS, Folgen von Alkoholkonsum, Unfallfolgen) der neuropsychologischen 

Einschränkungen nicht auseinandergenommen werden können (Suva-act. 246 S. 7), 

aber auch, dass durch die Hirnverletzung die neuropsychologischen Fähigkeiten 

erheblich eingeschränkt wurden (Suva-act. 246 S. 9). Das psychiatrische Teilgutachten 

hält ausserdem dafür, dass der Versicherte aufgrund seiner hirnorganischen 

Schädigung nicht in der Lage sei, eine konstante, zuverlässige sowie qualitativ und 

quantitativ ausreichende Leistung im ersten Arbeitsmarkt zu erbringen (S. 75). Dem 

neurologischen Teilgutachten ist hingegen zu entnehmen, dass laut Bericht zum MRI-

Befund vom 2. August 2011 bilateral periventrikuläre konfluierende Gliose-Herde im 

Marklager beidseits nachgewiesen worden seien, welche nicht traumatischer Natur 

seien (Suva-act. 246 S. 57). Da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der ZMB-

Begutachtung laut seinen Angaben seit einigen Monaten abstinent war, gingen die 

ZMB-Gutachter davon aus, dass die Polytoxikomanie ohne Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit sei (vgl. Suva-act. 246 S. 12). Einen möglichen Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit sahen sie jedoch in den möglichen Folgen der Suchterkrankung. So ist 

dem neuropsychologischen Teilgutachten zu entnehmen, dass der zum Zeitpunkt des 

Unfalls laut Explorand bestehende Alkohol- und Drogenabusus sich aus 

neuropsychologischer Sicht ungünstig auf die kognitiven Funktionen des Versicherten 

ausgewirkt habe (Suva-act. 246 S. 82). Und aus der Gesamtbeurteilung geht hervor, 

dass die im Vergleich zur Abklärung 2011 stärker ausgeprägten 

Gedächtnisschwierigkeiten (verbale Lern- und Merkfähigkeit und verbales 

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/18

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4.  

Textgedächtnis) sowie eine geringgradige exekutive Dysfunktion mit dem nach dem 

Unfall persistierenden Alkohol- und Drogenabusus zu erklären seien (Suva-act. 246 S. 

6). Jedenfalls besteht vor diesem Hintergrund durchaus Raum für die - von Dr. J.___ 

vertretene - Annahme, dass sich die Verschlechterung des neuropsychologischen 

Zustandes des Beschwerdeführers unabhängig vom Unfall entwickelt hat.

Angesichts dieser Aktenlage erscheint für die Beurteilung der 

unfallversicherungsrechtlichen Ansprüche eine umfassende, auf persönlichen 

Untersuchungen beruhende Beurteilung der Frage der Kausalität der 

neuropsychologischen Beeinträchtigungen und der daraus resultierenden 

Arbeitsunfähigkeit als unabdingbar. Da bislang noch kein Administrativgutachten 

erstattet wurde, besteht kein Anlass für das vom Beschwerdeführer beantragte 

Gerichtsgutachten (act. G7). Die Sache ist daher zur Vornahme eines zumindest 

neuropsychologischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

3.3. 

Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 4. Mai 2020 

aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.1. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. aATSG in der bis 31. Dezember 

2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch 

anwendbaren Fassung).

4.2. 

Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der Partei­

kosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der 

Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der 

Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 

Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, 

seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30  HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis 

Fr. 15'000.--. Am 29. September 2021 reichte der Rechtsvertreter eine Honorarnote für 

das Beschwerdeverfahren über Fr. 4'004.-- zzgl. Barauslagen von Fr. 154.-- und 

Mehrwertsteuer von Fr. 308.30, total Fr. 4'312.30, ein (act. G26 und 26.1). Die 

Honorarnote erscheint angemessen und enthält keine nicht zu berücksichtigenden 

Positionen. Darüber hinaus bewegt sich die Honorarnote im Rahmen der in 

vergleichbaren Fällen vom Gericht zugesprochenen pauschalen Parteientschädigung. 

Folglich hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 4'312.30 zu bezahlen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt sich die 

4.3. 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/18

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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene 

Einspracheentscheid vom 4. Mai 2020 aufgehoben und die Sache zur weiteren 

Abklärung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 4'312.30 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung.

	Publikationsplattform
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	Entscheid Versicherungsgericht, 11.10.2021
	Rückweisung zur Beantwortung der Kausalitätsfrage einer neuropsychologischen Beeinträchtigung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Oktober 2021, UV 2020/35).

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