# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ebb62d66-1e0a-591b-a6ad-5ad9d9f31b80
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-01-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.01.2011 E-8856/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8856-2010_2011-01-07.pdf

## Full Text

Bundesverwaltungsgericht

Tribunal administratif fédéral

Tribunale amministrativo federale

Tribunal administrativ federal

Abteilung V
E-8856/2010

Urteil vom 7. Januar 2011 

Besetzung Einzelrichter Bruno Huber,
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

Parteien A._______,
Vereinigte Staaten von Amerika (USA) und Kolumbien,
vertreten durch Luis Baeni, Baeni & Co. Consulting,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 23. Dezember 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 22. November 2010 um Asyl respektive 
um Verbleib bei seiner seit dem (…) als anerkannter Flüchtling mit 
Asylstatus in der Schweiz lebenden Mutter (…) nachsuchte,

dass er anlässlich der summarischen Befragung vom 1. Dezember 2010 
und der Anhörung zu seinen Asylgründen vom 13. Dezember 2010 im 
B._______ zur Begründung seines Gesuchs anführte, er sei 
kolumbianischer und seit (…) auch amerikanischer Staatsbürger mit 
letztem Wohnsitz bei seinem Vater in C._______ (USA), wo er (…) zur 
Schule gegangen sei,

dass er nicht mehr bei seinem Vater leben wolle, weil er von seiner Stief-
mutter seit ungefähr (…) schlecht behandelt werde,

dass er bei der Anhörung zu seinen Asylgründen auf die Frage, weshalb 
er in der Schweiz um Asyl nachgesucht habe, antwortete, er wolle bei 
seiner Mutter und (…) in der Schweiz wohnen, er habe nicht um Asyl, 
sondern um Familiennachzug ersucht (Akten BFM C13/15 S. 4),

dass für die weiteren Aussagen auf die Akten verwiesen wird,

dass die Mutter des Beschwerdeführers mit am 3. Dezember 2010 beim 
BFM eingelangter Eingabe unter Verweis auf die gleichzeitig eingereich-
ten Dokumente unter anderem gestützt auf Art. 51 des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) um Einbezug ihres Sohnes in die ihr 
zuerkannte Flüchtlingseigenschaft ersuchte,

dass das BFM mit Verfügung vom 23. Dezember 2010 – eröffnet am 
24. Dezember 2010 – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers in 
Anwendung von Art. 32 Abs. 1 AsylG nicht eintrat und die Wegweisung 
aus der Schweiz in die USA anordnete,

dass das Bundesamt den Beschwerdeführer gleichzeitig unter der An-
drohung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall aufforderte, die Schweiz 
am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, den 
Kanton D._______ mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung 
beauftragte und die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss 
Aktenverzeichnis an ihn anordnete,

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dass der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertretung mit Rechtsmit-
teleingabe vom 29. Dezember 2010 (Poststempel) in materieller Hinsicht 
sinngemäss die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und in 
prozes-sualer Hinsicht nach Gewährung der Akteneinsicht die Ansetzung 
einer Frist zur Ergänzung der Beschwerdebegründung beantragt,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 30. Dezember 2010 den Eingang 
der Rechtsmitteleingabe bestätigte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 3. Januar 2011 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG,   
SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju-
ni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-
gezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass das Prinzip von Treu und Glauben, das gemäss Art. 5 Abs. 3 der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999 (BV, SR 101) als allgemeiner Grundsatz rechtsstaatlichen Handelns 
gilt und dem darüber hinaus nach Art. 9 BV Grundrechtscharakter zu-
kommt, ein loyales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr 
gebietet (BVGE 2007/19 E. 3.3; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX 
UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, N 622; 
RENÉ RHINOW, Grundzüge des Schweizerischen Verfassungsrechts, 
Basel u.a. 2003, N 1788 ff. u. 2397 ff.),

dass in Konkretisierung dieses allgemeinen Verhaltensgebots Eingaben 
von Privaten an die Behörden so auszulegen sind, wie sie nach Treu und 
Glauben verstanden werden durften und mussten (BGE 126 II 97 E. 4b 
S. 104 f., mit weiteren Hinweisen; RHINOW, a.a.O., N 2399; PIERRE MOOR, 
Droit administratif, Bd. I, 2. Aufl., Bern 1994, S. 435 f.),

dass vorliegend festzustellen ist, dass die Mutter des Beschwerdeführers 
mit am 3. Dezember 2010 beim BFM eingelangter Eingabe unter Verweis 
auf die gleichzeitig eingereichten Dokumente unter anderem gestützt auf 
Art. 51 AsylG sinngemäss um Einbezug ihres Sohnes in die ihr am 
27. August 2004 zuerkannte Flüchtlingseigenschaft und in das ihr ge-
währte Asyl ersuchte,

dass zudem der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung zu seinen 
Asylgründen vom 13. Dezember 2010 in Übereinstimmung mit dem Ge-
such seiner Mutter auf die Frage, weshalb er in der Schweiz um Asyl 
nachgesucht habe, antwortete, er wolle bei seiner Mutter und (…) in der 
Schweiz wohnen, er habe nicht um Asyl, sondern um Familiennachzug 
nachgesucht (C13/15 S. 4),

dass sich des Weiteren aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür er-
geben, das BFM habe das Gesuch der Mutter um Einbezug des 
Beschwerdeführers in die ihr zuerkannte Flüchtlingseigenschaft und in 
das ihr gewährte Asyl überhaupt an die Hand genommen,

dass angesichts dieser Sachlage das Bundesamt das Gesuch des Be-
schwerdeführers vom 22. November 2010 offensichtlich zu Unrecht als 
Asylgesuch qualifiziert hat, weshalb die angefochtene Verfügung Bundes-
recht verletzt (Art. 106 AsylG),

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dass sich der festgestellte Verfahrensmangel nicht im Rahmen des 
Rechtsmittelverfahrens heilen lässt, weshalb die Beschwerde im Sinne 
der Erwägungen gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 23. De-
zember 2010 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung als Gesuch 
um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft der Mutter des Beschwerde-
führers und in das ihr gewährte Asyl (Art. 51 Abs. 1 AsylG) an das BFM 
zurückzuweisen ist,

dass der Antrag auf Gewährung der Akteneinsicht und auf Ansetzung 
einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung abgewiesen wird, 
weil dem Beschwerdeführer gleichzeitig mit der Eröffnung der angefoch-
tenen Verfügung die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 
ausgehändigt worden sind,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufzu-
erlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG),

dass dem vertretenen Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine 
Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen und verhält-
nismässig hohen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. 
Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR 173.320.2]),

dass zwar keine Kostennote eingereicht worden ist, aber der zeitliche 
Vertretungsaufwand für das Rechtsmittelverfahren sich aufgrund der Ak-
ten zuverlässig abschätzen lässt,

dass dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der massgebenden 
Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in 
vergleichbaren Fällen eine insgesamt auf Fr. 200.- (inkl. Auslagen und 
allfällige Mehrwertsteuer) festzusetzende, von der Vorinstanz zu ent-
richtende Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 10 und Art. 14 
Abs. 2 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.  
Die Verfügung vom 23. Dezember 2010 wird aufgehoben. Die Sache wird 
zur Neubeurteilung als Gesuch um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft 
der Mutter des Beschwerdeführers und in das ihr gewährte Asyl an das 
BFM zurückgewiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das BFM hat dem Beschwerdeführer für das Rechtsmittelverfahren eine 
Parteientschädigung von Fr. 200.- zu entrichten.

5. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

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