# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a572d20-fac1-5c99-8813-39e4253f21c2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-30
**Language:** de
**Title:** Rente. Erstanmeldung im 2007. 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gemäss Suva-Kreisarzt. Keine Einschränkung aus psychiatrischer Sicht.
**Docket/Reference:** IV.2012.01191
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.01191.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.01191
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil
vom
30. Juni 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 19
66
geborene
X.___
arbeitete
seit 1. Mai 2001 vollzeitlich in der Abwaschküche der
Z.___
(Urk. 6/
11/2-3), als sie am 7.
Dezember 2005
beim Arbeiten in der Küche ausrutschte und hinfiel, wobei sie sich den linken Daumen verdrehte (Urk. 6/4/59).
Am
13. September 2007
meldete sich die Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug einer Rente
sowie besonderer medizinischer Eingliederungsmassnahmen
an
, da sich ihr linker Daumen seit dem Unfall vom 7. Dezember 2005 nur mit grosser Mühe bewegen lasse und der
Finger
nach getaner Arbeit aufschwelle und grosse Schmerzen bereite
(Urk.
6/
2
). In der Folge klärte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die erwerblichen und gesundheitlichen Verhält
nisse ab
, wobei sie unter anderem die Akten der Schweizerischen Unfallver
-
sicherungsanstalt (Suva) beizog.
Daraus sind zwei weitere Unfälle ersichtlich: Am 13. November 2007 fiel der Versicherten ein Holzpferd auf den Kopf (Urk. 6/14) und
am 29. Mai 2008 stolperte sie über einen Absatz bei der Balkontüre
und stürzte
, wobei es zu einer Distorsion des oberen Sprunggelenks kam
(Urk. 6/38/3
und 6/42/3
).
Mit Vorbescheid vom 6.
Juni 2011
stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/45).
Hiergegen erhob die Versicherte am 5. Juli 2011 Einwand (Urk. 6/46
) und machte mit Eingabe vom 14. September 2011 und unter Beilage eines psychiat
rischen Berichts eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands geltend (Urk. 6/50-51).
Daraufhin holte die IV-Stelle das psychiatrisch-psychotherapeu
tische Gutachten von
Dr.
med.
A.___
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 14. Mai 2012 ein (Urk. 6/57). Hernach verneinte sie den Anspruch auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom
11. Oktober 2012 (Urk. 6/62 = Urk. 2
).
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom
9
.
Nov
ember 2012 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung vom
11. Oktober
2012 sei aufzuheben und
es sei ihr
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
(Urk.
1 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
28
.
Dez
ember 2012 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
).
Die
Beschwerdeantwort
wurde der Beschwerdeführerin unter Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels
mit dem Hinweis, dass die Akten am Gericht eingesehen werden können,
zugestellt, wo
raufhin jedoch keine Replik
eingereicht wurde
(Urk.
7 und 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2008
und am 1. Januar 2012
sind die im Zuge der 5. IV-Revision
und der Revision 6a
revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 6. Oktober 2006, der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 28. September 2007, des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie das Bundes
-
gesetz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neu
gestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) vom 6. Oktober 2006 in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des an
gefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfü
gung ist am
11. Oktober 2012
ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 7. Juni 2006 in Sachen M., I 428/04, E. 1). Dies fällt materiellrechtlich je
doch nicht ins Gewicht, weil die 5. IV-Revision hinsichtlich der Invaliditätsbe
messung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bun
desgerichts in Sachen A. vom 19. Mai 2009, 8C_76/2009, E. 2).
Das Gleiche gilt für die IV-Revision 6a.
Im Folgenden werden die massgeblichen Gesetzesbe
stimmungen - soweit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem 1. Januar 2008 geltenden Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE
127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
28
. Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinweisen
).
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht
eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankun
gen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krank
heitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung
insbeson
dere gestützt auf die im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren getätigten Abklärungen
und
das Gutachten von
Dr.
A.___
auf den Standpunkt, d
ie
Beschwerdeführer
in
sei in einer angepassten
Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig, womit sie ein ihr Valideneinkommen übersteigendes Einkommen erzielen könne
(Urk. 2).
2.2
D
ie
Beschwerdeführer
in
macht
sinngemäss
geltend,
die Beurteilung von Dr.
A.___
sei illusorisch. Ihre schwere psychische Erkrankung sei ungenügend berücksichtigt worden. Vielmehr sei sie in den Jahren 2006 bis 2008 nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen und seit April 2008 vollumfänglich arbeitsunfähig (Urk. 1)
.
3.
3.1
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab in seinem Bericht vom 1
8.
Oktober 2007 an, die Beschwerdeführerin sei in der zuletzt aus
geübten
Tätigkeit als Küchenhilfe seit 1
4.
März 2006 zu 50
%
,
zwischenzeitlich auch zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ihre physischen Ressourcen seien im Prinzip nicht eingeschränkt. Als eingeschränkt erachtete er die psychischen Ressourcen der Anpassungsfähigkeit und der Belastbarkeit, wobei noch keine psychiatrisch-spezialärztliche Untersuchung erfolgt sei (Urk. 6/8).
3.
2
Am 1
7.
März 2008 wurde die Beschwerdeführerin durch den Kreisarzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, un
tersucht.
Dr.
C.___
gelangte zum Schluss, es bestehe eine eingeschränkte Belastungstoleranz des linken MP I-Gelenks
nach der Distorsion vom 7. Dezember 2005 mit späterer
Entwicklung einer MP I-Arthrose. Nach dem Unfall mit der Stirnkontusion scheine sich eine depressive Entwicklung einge
stellt zu haben, welche gegenwärtig fragliche somatische Restbeschwerden überlagere. Aus rein somatischer Sicht sehe er bei völlig unauffälligem Schädel-MRI keine Gründe für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auch der Gebrauch der linken adominanten Hand sei nun deutlich besser möglich. Das Gelenk sei stabil und bei der Untersuchung reizlos. Die Beschwerdeführerin setze die linke Hand unauffällig und zügig ein. Mit dem Tragen einer Orthese sei die Tätigkeit als Kassiererin zu 100
%
möglich
. Für den allgemeinen Arbeitsmarkt sei folgende Zumutbarkeit gegeben: Mit der rechten Hand sei die Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt. Mit der linken Hand könnten mit der Orthese alle Tätigkeit
en
ausgeübt
werden
,
welche mit dem Tragen einer Orthese vereinbar seien. Darüber hinaus
sei sie in Tätigkeiten
arbeitsfähig, welche kein Tragen einer Orthese zulassen, sofern kein repetitives kraftvolles Zupacken mit der linken Hand erforderlich sei, kein andauerndes Halten von Gegenständen im Schlüsselgriff und keine repetitiven feinmotorischen Tätigkeiten, bei welchen der Daumen im Feingriff relativ kraftvoll eingesetzt werden müsse. Eine allfäl
lige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei fachärzt
lich zu beurteilen (Urk. 6/35/25).
3.3
Dem Bericht des Konsiliums Psychiatrie des
D.___
, Neurolo
gie, vom
3.
November 2008, ist der Verdacht auf eine schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3) zu entnehmen
. Die Beschwerdeführerin leide subjektiv an mässig ausgeprägten Konzentrations- und Auffassungsstörungen, sei im formalen Denken verlangsamt und inhaltlich auf ihre Probleme eingeengt. Im Affekt hinterlasse sie einen mittelgradigen bis schweren depressiven Eindruck und sei wenig schwingungsfähig
(Urk. 6/32/21).
3.
4
Vom
6.
bis zum 2
7.
November 2008 hielt sich die Beschwerdeführerin zur statio
nären neurologischen Rehabilitation im
E.___
auf. Die Ärzte diagnostizierten
im Bericht vom 1
0.
Dezember 2008
einen Medikamen
tenübergebrauchskopfschmerz (ICD-10: G44.4), eine schwere depressive Episode sowie eine leichte periphere Vestibulopathie links
und attestierten ihr bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezüglich der zukünftigen Arbeitsfä
higkeit seien der weitere Genesungsverlauf beziehungsweise die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin im Rahmen der psychotherapeutischen Mit
betreuung abzuwarten (Urk. 6/27/1-3).
Im psychologischen Bericht
vom 4. Dezember 2008
wurde ein Medikamenten
überge
brauchskopfschmerz mit schwerer depressiver Episode (ICD-10: F32.2) diagnostiziert. Die Psychologin gab an, die Beschwerdeführerin mache einen sehr belasteten Eindruck, sie wirke in der Stimmung sehr gedrückt und besorgt und der Antrieb sei deutlich herab
gesetzt. Das affektive Erleben sei stark auf das Schmerzerleben fixiert. Der Schlaf sei aufgrund der Schmerzen geprägt von Ein- und Durchschlafstörungen. Tagsüber sei eine deutliche Müdigkeit ersichtlich. Die Symptomatik sei beschwerdeabhängig, das heisse abhängig von den Schmerzen. Gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin sowie den klinischen Eindruck liege eine schwere depressive Episode vor (Urk. 6/27/5-6).
3.
5
Am
3.
April 2009 berichtete der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
es lägen eine depressive Episode mittleren Grades, eine Anpassungsstörung,
eine
Migräne ohne Aura,
ein
Medi
kamentenübergebrauchskopfschmerz, ein chronisches Schmerzsyndrom sowie ein Status nach Abhängigkeitssyndrom vor
. Die Beschwerdeführerin sei seit 2007 zu über 75
%
arbeitsunfähig. Es bestünden Einschränkungen beim Kon
zentrationsvermögen, beim Auffassungsvermögen, bei der Anpassungsfähigkeit sowie bei der Belastbarkeit (Urk. 6/30/8-10).
3.
6
Dem Bericht von
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 2
1.
Oktober 2009 ist zu entnehmen, dass keine Arbeitsfähigkeit bestehe. Es sei von einer chronifizierten Schmerzproblematik auszugehen
,
und die psycho
soziale Situation der Beschwerdeführerin habe sich äusserst problematisch ent
wickelt (Urk. 6/37/1-2).
3.
7
Am 2
9.
März 2010 wurde die Beschwerdeführerin erneut kreisärztlich unter
sucht.
Dr.
C.___
hielt an dem nach der kreisärztlichen Untersuchung vom 1
7.
März 2008 formulierten Zumutbarkeitsprofil fest, wobei eine solche Tätig
keit zu 100
%
zumutbar sei. Von der zwischenzeitlich erfolgten Distorsion des oberen Sprunggelenks
seien keine relevanten Folgeerscheinungen mehr fest
stellbar (Urk. 6/38/5).
3.
8
Vom
5.
September bis am 2
8.
Oktober 2011 befand sich die Beschwerdeführerin im tagesklinischen Rehabilitationsprogramm des
H.___
(
H.___
; Urk. 6/51/3).
Die dort tätigen Psychiater und Psychologen hielten die Beschwerdeführerin
in
ihrem Bericht vom 1
9.
Oktober 2011
sowohl in angestammter als auch in
einer anderen
angepasste
n
Tätigkeit für zu 100
%
arbeitsunfähig. Dies sowohl aus somatischen als auch aus psychischen Gründen. Wegen einer Depression, Schmerzen am Kopf und in der linken Hand, man
gelnden Konzentrationsvermögens, Vergesslichkeit, Müdigkeit und Kraftlosig
keit bestünden deutliche Leistungseinbussen
(Urk. 6/51/1-3)
.
Im Bericht vom 8.
November 2011 gaben sie an,
die Depression habe leicht reduziert werden können, die Beschwerdeführerin sei aber weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 3/4 S. 4).
3.9
Dr.
A.___
untersuchte die Beschwerdeführerin am 2
1.
Februar 2012 und
diagnos
tizierte
in seinem psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachten vom 1
4.
Mai 2012
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10: F45.41) nach Unfällen im Dezember 2005 und im November 2007,
und
mit Dysthymia (ICD-10: F34.1) bei anamnestisch depressi
ver Episode,
welche
gegenwärtig remittiert
sei
(ICD-10: F32.4;
Urk.
6/57/11).
Er gab an, d
ie
remittierte depressive Episode habe maximal kurzzeitig angedauert. Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren und die Dysthymia
würden im Fall
e
der Beschwerdeführerin aufgrund der vor allem subjektiv erlebten und willentlich überwindbaren Defizite aus versich
er
ungsme
dizinischer Sicht nicht zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit führen
(Urk. 6/57/20).
Eine relevante
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit könne
somit
aus rein psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
begründet werden.
Dies gelte ab Dezember 2005 und auch weiterhin ab November 2007
(Urk. 6/
57/21).
4.
4
.1
Aus der Gesamtheit der medizinischen Berichte ist erkennbar, dass sich die körper
lichen Einschränkungen nicht quantitativ auswirken, sondern nur - wegen
der Beeinträchtigung
des MP I-Gelenks der linken Hand - zu einer gewissen Einschränkung beim zumutbaren Tätigkeitsprofil führen (vgl. vorste
hende E. 3.2 und 3.7).
Die kreisärztliche Beurteilung
vom 2
9.
März 2010 (
Urk.
6/38)
ist
nachvollziehbar
bei den erhobenen
weitgehend unauffälligen
Befunden
und unter Berücksichtigung der Röntgenbilder
vom
4.
Dezember 2008
, welche eine beginnende MP I-Arthrose links zeigten
(Urk. 6/
35/23), je
doch keine Hinweise auf eine frische Fraktur oder degenerative Veränderungen im Bereich
des
linken Handgelenk
s
sowie
des
linken oberen und unteren Sprunggelenk
s
(Urk. 6/
32/9), sowie beim unauffälligen Schädel-MRI
(Urk. 6/
35/25)
und den gemäss neuro
otologischer Untersuchung fehlenden An
haltspunkten für eine peripher vestibuläre Störung
(Urk. 6/
35/8).
Eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
auch aus somatischer Sicht wurde einzig im
H.___
-Bericht postuliert, dies jedoch ohne Begründung
sowie ohne dass pathologische Befunde erhoben
worden wären
(vgl.
Urk.
3/4 S. 2, somatischer Befund)
,
und von nicht auf körperliche, sondern auf psychische Defizite spezialisierten Ärzten beziehungsweise Psychologen
(Urk. 6/
50), weshalb dieser Bericht keine Zweifel an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen in den kreisärztlichen Berichten zu erwecken vermag. Der Kreis
arzt hatte die vorhandenen Akten, die Angaben der Beschwerdeführerin sowie die durch ihn
anlässlich der Untersuchung
erhobenen Befunde und Anamnesen berücksichtigt
(Urk. 6/
35/22-24, 6/
38/1-4).
Eine lang
fristige
Arbeitsunfähigkeit
aus somatischer Sicht ist auch für die Zeit davor nicht ausgewiesen.
Dr.
I.___
attestierte
am 1
8.
Oktober 2007
wegen einge
schränkter Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit
zwar
eine
seit Mitte März 2006
bestehende
50%ige
Arbeitsunfähigkeit
,
hielt
aber
gleichzeitig fest, die physischen Ressourcen seien im Prinzip nicht eingeschränkt
(Urk. 6/
8/3-5).
Nach der kreis
ärztlichen Untersuchung vom
5.
April 2007
war
lediglich festgehalten
worden
, die Beschwerdeführerin sei nun bereit, ihr Pensum als Mitarbeiterin in der Kan
tine und an der Kasse auf 75
%
zu steigern
(Urk. 6/
4/14).
Dass und weshalb die Beschwerdeführerin auch in einer optimal angepassten Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig sei, wurde nicht dargelegt.
Hingegen ergibt die Zusammenschau d
er medizinischen Berichte, dass
die psychi
sche Beeinträchtigung
, Schmerzen sowie psychosoziale Gegebenheiten im Vordergrund stehen,
respektive deren Ausmass und Auswirkung auf
die er
werbliche Leistungsfähig
keit. Die Frage der Verwertbar
keit des psychiatrischen Gutach
tens von Dr.
A.___
, dessen Beurteilung d
ie Beschwerdegegnerin ihrem Ent
scheid zu Grunde legte, ist daher entscheidend. Bei der Erstellung de
s Gut
ach
tens stützte sich Dr.
A.___
zum einen
auf die vorhandenen Vorakten (Urk.
6/57/2-5
)
, zum anderen auf seine ausführlichen Untersuchungen
.
Dabei
erhob
er
die Anamnese, insbesondere ermittelte er unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden die Krankheitsentwicklung und erhob, unter
Evaluation des Psychostatus nach AMDP-System sowie
in Anwendung des
MADRS-(Montgomery and Asberg Depression Rating Scale)-Beurteilungsverfahren
s
, die Befunde (Urk.
6/57/5-10
). Gestützt auf die Befunde stellte er die Diagnose und beurteilte die erwerblichen Ressourcen
, wobei er sich mit
den
abweichenden ärztlichen Einschätzungen auseinandersetzte
(Urk.
6/57/11
ff.).
4
.2
4.2.1
Die Beschwerdeführerin lässt dagegen im Wesentlichen einwenden,
das
Gutach
ten von Dr.
A.___
stehe
in massivem Widerspruch zu
den
H.___
-Berichten, wo
rin eine ausgeprägte Depression beschrieben sei, welche durch Schmerzen ver
stärkt werde und eine Arbeitstätigkeit illusorisch mache
(Urk.
1 S. 4 f.).
Es trifft zu, dass die Beurteilung des von der IV-Stelle beauftragten Gutachters Dr.
A.___
betreffend die psychiatrischen Diagnosen und die Arbeitsfähigkeit von jener de
r
behandelnden
Ärzte und Psychologen
abweicht. Dr.
A.___
e
r
ör
terte jedoch in Auseinander
setzung mit den
abweichenden
fachärztlichen Ein
schätzungen hinreichend und überzeugend, weshalb er zu anderen Schlüssen kam.
4.2.2
Dr.
A.___
diagnostizierte
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) nach Unfällen im Dezember 2005 und im November 2007
und
mit Dysthymia (ICD-10: F34.1) bei anamnestisch depressiver Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F32.4;
Urk.
6/57/11).
Das
H.___
diagnostizierte hingegen eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und führte weitere, in den Akten gefundene Diagnosen auf
(Urk.
3/4 S. 1,
Urk.
6/51/1).
Das Konsilium Psychiatrie des
D.___
äusserte den Verdacht auf eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symp
to
men (vgl. vorstehende E. 3.3),
die Psychologin des
E.___
diagnostizierte einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz mit schwerer depressiver Episode (vgl. vorstehende E. 3.4)
und der behandelnde Psychiater
Dr.
F.___
diagnostizierte eine depressive Episode mittleren Grades, eine Anpas
sungsstörung, eine Migräne ohne Aura, einen Medikamenten
übergebrauchs
kopfschmerz, ein chronisches Schmerzsyndrom sowie einen Status nach Abhängigkeitssyndrom (vgl. vorstehende E. 3.5).
Dr.
A.___
prüfte bezüg
lich des Vorliegens e
iner Depression die entsprechen
den ICD-Kriterien, welche nicht respektive nicht in genügender Anzahl erfüllt waren
. Die Beschwerdeführerin ha
tt
e zwar über viele der nach ICD erforderlichen Kriterien geklagt, diese
waren
aber während der Untersuchung nicht ausreichend objektivierbar. Die affektive Modulation, der Al
l
gemein
-
und Ernährungszustand sowie der Antrieb und das Gesprächs
verhalten
waren
objektiv nicht beeinträchtigt.
Auch Intelligenz, Auf
fassung, Merkfähigkeit und Konzentration waren bei der Erhebung des Psycho
status
durch
Dr.
A.___
vollständig unauffällig
,
und das Gedächtnis zeigte sich objektiv intakt.
Im Gegenteil
war
eine Verdeutlichungstendenz erkennbar
. Die
Beschwerdeführerin
formulierte
oft dramatisierend und theatralisch
.
Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Symptome
waren gemäss
Dr.
A.___
in Um
fang und Schwere durch die Diagnose einer Dysthymia gemäss ICD-10 F34.1 ausreichend erklärbar
(
Urk. 6/
57/9,
Urk. 6/
57/16-17
)
. Die Dysthymia wurde
nach den Angaben von
Dr.
A.___
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die chronische Schmerzstörung verursacht
(Urk. 6/
57/18)
.
Des Weiteren
führte
D
r.
A.___
das MADRS
-
Beurteilungsverfahren durch, mit welchem
ein maximal
leicht ausgeprägtes depressives Syndrom objektiviert werden k
onnte
.
Hierzu merkte er an, m
it der MADRS alleine könne jedoch keine Diagnose gemäss
ICD-10 F32/F33 begründet werden
(Urk.
6/57/10
).
Dr.
A.___
setzte sich so
mit unter verschiedenen Gesichtspunkten mit der
Frage auseinan
der, ob
- wie von den behandelnden Ärzten diagnostiziert -
eine
mittelschwere oder gar schwere
Depression im Sinne von ICD-10 vorliege, und konnte keine solche feststellen.
Bezugnehmend auf die Vorakten legte er schlüssig dar, dass bei den beschriebe
nen objektiven psychopathologischen Befunden ein unspezifisches depressives Syndrom qualitativ nachvollziehbar
sei
, der genannte Schweregrad hingegen nicht. Im Übrigen führte
Dr.
A.___
aus, dass aufgrund der Berichte unklar bleibe, inwieweit die depressive Episode überhaupt als eigenständige Erkran
kung eingeordnet werden könne, nachdem angegeben worden sei, die schwere depressive Episode sei Folge ei
nes chronischen Schmerzsyndroms und
die Symptomatik sei beschwerdeabhängig
(Urk. 6/
27/6)
, und nachdem auch auf psychosoziale Faktoren und deutlich verminderte Motivation hingewiesen wor
den sei
(Urk. 6/
57/12-13,
Urk.
6/37/1-2).
Dr.
A.___
grenzte
krankheitsfr
emde
Gesichtspunkte (psychosoziale Aspekte wie Herkunft, Migration, geringe Schul
bildung, fehlende
Berufsausbildung, Abstinenz vom
und Lage am Arbeitsmarkt, mangelhafte Deutschkenntnisse, Lebensalter)
ab und gelangte unter Berücksich
tigung nur der krankheitsbedingten, objektivierbaren Befunde
(Urk. 6/
57/19) zum Schluss, eine depressive Episode im Sinne von ICD-10 F32 habe maximal kurzzeitig bestanden
(Urk. 6/
57/20), was überzeugt.
4.2.3
D
as Vorliegen einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen u
nd psychi
schen Faktoren gemäss ICD-10: F45.41
bejahte
Dr.
A.___
, da
die Schmerzen der Beschwerdeführerin ursprünglich durch körperliche Störungen ausgelöst
worden waren
, psychischen Faktoren jedoch eine wichtige Rolle für Schwere
grad, Exazerbation oder Aufrechterhaltu
ng der Beschwerden beizumessen sei
(Urk. 6/
57/14-15).
Dass die Störung bei der Beschwerdeführerin objektiv als leicht einzustufen sei, begründete
Dr.
A.___
damit, dass sie tatsächlich noch zu einigen Alltagsaktivitäten
in der Lage
sei
und einen nicht allzu auffälligen Psy
chostatus aufweis
e
(Urk.
6/57/15-16). Diese Einschätzung überzeugt, denn die Beschwerdeführerin
beteiligte sich
bei der Erhebung des Psychostatus
lebendig am Gespräch, berichtete ausreichend differenziert und gut strukturiert und es waren keine Hinweise auf du
rch dauerhafte schwere quälende
Schmerzen bedingte Beeinträchtigungen der Bewegungen zu objektivieren
(Urk. 6/
57/9)
.
Auch ist es zutreffend, dass die Beschwerdeführerin noch zu gewissen
Aktivitä
ten
in der Lage ist: So hilft sie beim Kochen und Putzen, geht spazieren, sieht fern, reist ein- bis zweimal pro Jahr in ihre Heimat und besucht ab und zu ihren Bruder in
J.___
(Urk. 6/
57/8).
Eine längerfristige relevante Minderung der
Arbeitsfähigkeit lässt sich mit der genannten Schmerzstörung gemäss
Dr.
A.___
nicht begründen
(Urk. 6/
57/16).
Umstände
,
welche
die
Schmerzbe
wältigung behindern
würden, fand Dr.
A.___
keine vor
(Urk. 6/
57/19).
Eine weitere Willensanstrengung zur Überwindung der Defizite sei der Beschwerde
führerin aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht zumutbar
(Urk. 6/
57/20).
Auch aus rechtlicher Sicht
ist in der Dysthymia keine psychische Komorbidität erheblicher Schwere
und Ausprägung
zu sehen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2013 vom
6.
März 2014
,
E. 6.2)
.
Bei der Untersuchung des Psychostatus stellte Dr.
A.___
fest, dass die Beschwer
deführerin im Bewusstsein wach und
allse
its orientiert, im formalen Den
ken logisch und kohärent war. Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen (Wahn, Zwang) stellte Dr.
A.___
keine fest
,
und Intelligenz, Auffassung, Merkfähigkeit und Konzentration erschienen dem Gut
achter unauffällig
(Urk. 6/
57/9). Auch unter Berück
sichtigung dieser Feststel
lungen ist es nachvollziehbar, dass der Gutachter ein psychisches Leiden von erheblicher Schwere verneinte.
Beim nicht kompletten sozialen Rückzug der Beschwerdeführerin und ohne ersichtlichen primären Krankheitsgewinn
liegen die Foerster-Kriterien insgesamt nicht
in genügender Intensität und Konstanz vor, um gesamthaft
von einem invalidisierenden Charakter der
Schmerzstörung
auszugehen.
4.2.4
Eine psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermes
sensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, so
fern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil des Bundesgerichts 9C_15/2013 vom 2
2.
Mai 2013, E. 5.1 mit Hinweis).
Am
3.
April 2009 berichtete der behandelnde Psychiater
Dr.
F.___
, der Beschwer
deführerin sei keinerlei Arbeitstätigkeit zumutbar (Urk. 6/30/2). Er gab an, die Beschwerdeführerin klage seit Jahren über Kopfschmerzen und deren Zunahme seit den Unfällen, ferner über Schlafstörungen, Müdigkeit, Zukunftsangst und Lustlosigkeit. Unter den objektiven Befunden führte er aus, die Beschwerdefüh
rerin sei allseits orientiert, ihr Gedanke
n
gang sei formal geordnet, aber ver
langsamt, es bestünden keine Anhaltspunkte für psychotisches Erleben, inhalt
lich beschäftige sie sich mit ihren Schmerzen, was mässig im Vordergrund stehe, im Antrieb sei sie gehemmt und neu beginne
allenfalls eine Wesensän
derung (Urk. 6/30/1). Bei den genannten objektiven Befunden und sogar den subjektiv geklagten Beschwerden ist eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit nicht nachvollziehbar.
Des Weiteren sind mit den angegebe
nen Zukunftsängsten psychosoziale Umstände erkennbar (vgl. vorstehende
E. 1.2), wobei nicht ersichtlich ist, ob sie für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von den krankheitsbedingten Einschränkungen abgegrenzt wurden.
Die
H.___
-Ärzte unterzogen die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwer
den offensichtlich nicht einer kritischen Würdigung im Hinblick auf deren Objektivierbarkeit, sondern führten in ihrem Bericht vom 1
9.
Oktober 2011 die subjektiven Angaben im gleichen Abschnitt und vermischt mit den objektiven Befunden auf (Urk. 6/51/2).
Was der Beschwerdeführerin sozial-praktisch noch zumutbar ist, ist jedoch objek
tiv zu bestimmen.
Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren sind vom invalidenversicherungsrechtlichen Standpunkt aus grundsätzlich unbeachtlich (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009, E. 2)
Diese
Grundsätze wurden von Dr.
A.___
berücksichtigt
,
und dadurch sind die Differenzen zu den Beurteilungen der behandelnden Psychiater und Psychologen zu erklären.
Auf das
- wie oben dargelegt schlüssige -
Gut
achten von Dr.
A.___
vom
1
4.
Mai 2012
und
die darin festgehaltene Beurtei
lung einer
aus psychiatrischer Sicht
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/
57/20-21)
ist somit abzustellen.
Infolgedessen
ist ohne wesentliche Un
terbrüche von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden an der linken Hand angepassten, wie in vorstehender Erwägung 3.2 beschriebenen Tätigkeit auszugehen.
5.
Die Beschwerdegegnerin verwies auf den Einkommen
svergleich der Suva (Urk. 2 S.
2), welcher per 2010 durchgeführt wurde (Urk. 6/42/18).
Für die Ermittlung des Valideneinkommens, und hernach auch des Invalideneinkommens, ist ent
scheidend, was die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns voraussichtlich verdient hätte respektive in einer angepassten Tätigkeit zumutbarerweise erzielen könnte (BGE 129 V 222).
Nachdem sich die Beschwerdeführerin die Verletzung am l
inken Daumen beim Unfall vom 7.
Dezember 2005 zugezogen hatte, ist der frühestmögliche Rentenbeginn
ein Jahr später am
1.
Dezember 200
6.
Die a
m
1
3.
September 2007 erfolgte Anmel
dung
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
(Urk. 6/2) war nach damals
geltendem
Recht (
Art.
48
Abs.
2
IVG in der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig
gewesenen Fassung
)
nicht verspätet, weshalb der Einkommensvergleich per 2006 durchzuführen ist.
Gemäss der Auskunft der
Z.___
hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2006 ein Bruttoeinkommen von
Fr.
47‘359.--
(13 x
Fr.
3‘643.--) erzielen können
(Urk. 6/35/33).
Mit dem
effektiv ausgeübten 50%-Pensum schöpfte sie ihre Leistungsfähigkeit nicht voll aus.
Daher ist z
ur Festsetzung des Invalidenein
kommens auf die Tabelle TA 1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 2006 abzustellen. Der standardisierte Monats
lohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) für
Frauen
betrug
Fr.
4'
019
.--
pro Monat beziehungsweise
Fr.
48‘228.-- pro Jahr (12 x
Fr.
4‘019.--)
.
Damit hätte die Beschwerdeführerin keine Erwerbseinbusse erlitten bezie
hungsweise
beträgt
der Invaliditätsgrad 0
%
, weshalb ihr keine Rente der Inva
lidenversicherung zusteht. Dementsprechend ist die Beschwerde abzu
-
weisen.
6.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwer
deführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigWidmer