# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8e018c1-303d-5682-9b96-fa38d4eed037
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.05.2020 E-2218/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2218-2020_2020-05-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2218/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 31. März 2020. 

 

 

 

E-2218/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reiste am 7. September 2018 in die Schweiz ein und 

ersuchte am 10. September 2018 im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) B._______ um Asyl. Am 18. September 2018 wurde er summarisch 

zu seiner Person, dem Reiseweg und den Asylgründen befragt (Befragung 

zur Person; BzP). Zudem wurde ihm das rechtliche Gehör zur Zuständig-

keit Griechenlands für die Durchführung seines Asyls- und Wegweisungs-

verfahrens gewährt.  

Aufgrund seiner Erkrankung an einem (…), welche bereits in Griechenland 

diagnostiziert wurde und aufgrund welcher eine entsprechende Operation 

am (…) erfolgte, wurde der Beschwerdeführer zunächst vom 24. Septem-

ber 2018 bis am 3. Oktober 2018 im Spital C._______ behandelt. Nach 

seiner Verlegung in das Kantonsspital D._______ wurde am 10. Oktober 

2018 ein (…) operativ entfernt. Nach der Operation wurde er in die Reha-

bilitationsklinik (…) verlegt und durchlief bis im März 2019 verschiedene 

Nachuntersuchungen im Kantonsspital D._______.  

Nachdem die griechischen Behörden am 21. November 2018 das SEM da-

hingehend informierten, dass der Beschwerdeführer am 8. September 

2017 in Griechenland als Flüchtling anerkannt worden sei, entschied das 

SEM am 17. Juni 2019 aufgrund seiner Erkrankung, sein Asylgesuch aus 

humanitären Gründen in der Schweiz zu behandeln und darauf einzutre-

ten. Am 19. September 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM ein-

lässlich zu seinen Asylgründen angehört. 

Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, afghanischer 

Staatsangehöriger der Ethnie Hazara zu sein und aus E._______, Bezirk 

F._______, Provinz G._______, zu stammen. Er habe seit 1995 im Iran 

gelebt, sei aber insgesamt achtmal nach Afghanistan abgeschoben wor-

den. Er habe in Afghanistan die Schule während sechs Jahren (und im Iran 

während zwei weiteren Jahren) besucht. In Kabul und in verschiedenen 

Städten Irans habe er als (…) und an (…) gearbeitet. Im Jahre 2003 habe 

er im Iran geheiratet; seine Ehefrau lebe mit den gemeinsamen Töchtern 

bis heute ohne Aufenthaltsbewilligung im Iran.  

Zu seinen Asylgründen brachte er vor, dass sich sein Cousin im Jahre 1995 

in seinem Beisein aus Versehen selbst erschossen habe und dessen Fa-

milie ihn, den Beschwerdeführer, für den Tod verantwortlich gemacht habe. 

Er sei aus Angst, als Mörder hingerichtet zu werden, über Pakistan in den 

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Iran geflohen. Von dort sei er im Jahre 1997 nach Afghanistan abgescho-

ben worden und sei mit rund tausend anderen Afghanen während sechs 

Monaten von den Taliban in Haft genommen worden. Durch die Vermittlung 

einer christlichen Organisation habe er befreit werden können. Ungefähr 

im Jahre 2010 sei er wiederum vom Iran nach Afghanistan deportiert wor-

den. Beim Versuch, auf illegalem Weg zurück in den Iran zu gelangen, sei 

er erneut von den Taliban festgenommen worden. Er sei von ihnen nach 

beziehungsweise in die Nähe von Pakistan gebracht, zu seinen Persona-

lien befragt und fotografiert worden. Danach sei er während zehn Tagen 

gefoltert worden, wobei die Taliban von ihm hätten wissen wollen, was er 

im Iran gemacht habe und für wen er arbeite. Da er nichts zu erzählen 

gehabt habe, sei er nach Familienangehörigen gefragt worden. Er habe 

seinen Cousin genannt, der im Iran studiert habe. Die Taliban hätten ein 

Lösegeld verlangt, welches der Cousin schliesslich teilweise geleistet 

habe. Nach etwa zwei Monaten Gefangenschaft sei er freigekommen und 

habe wegen seiner dort erlittenen Verletzungen am (…) beziehungsweise 

an der (…) in Afghanistan ein Spital aufgesucht. Er sei sodann in den Iran 

zurückgekehrt, wo er sich erneut in einem Spital habe untersuchen lassen 

und ihm mitgeteilt worden sei, dass er eine Operation benötige. Im Jahre 

2013/2014 sei er mit seiner Familie in die Türkei gereist, sei jedoch aufge-

griffen worden und wieder nach Afghanistan zurückgeschafft worden. Auf-

grund der anstehenden Operation an seiner (…) habe er schliesslich ein 

Visum für den Iran erhalten, sei mit seiner Familie nach Teheran geflogen 

und habe sich in einem Privatspital in H._______ operieren lassen. Nach 

Ablauf des Visums seien sie nicht nach Afghanistan zurückgekehrt.  

Nebst seiner im Iran durchgeführten Operation macht der Beschwerdefüh-

rer bezüglich seines Gesundheitszustandes geltend, an (…) zu leiden.  

Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine 

Kopie seiner Tazkera, einen afghanischen Führerschein, eine Registrie-

rung des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) 

aus der Türkei vom 11. August 2016 sowie diverse medizinische Unterla-

gen aus dem Iran und Griechenland zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 31. März 2020 – eröffnet am 2. April 2020 – stellte die 

Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllt, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges 

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wurde dem Beschwerdeführer die vorläufige Aufnahme in der Schweiz ge-

währt. 

C.  

Die Verfügung der Vorinstanz focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

24. April 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung, die Gewährung von Asyl unter An-

erkennung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie die Feststellung der Unzu-

lässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs 

und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan-

des sowie eventualiter um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung.  

D.  

Am 28. April 2020 wurde dem Beschwerdeführer der Eingang der Be-

schwerde bestätigt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Der formelle Eventualantrag um Wiederherstellung der aufschieben-

den Wirkung der Beschwerde kann mangels Entziehung derselben als ge-

genstandlos erklärt werden. 

4.2 Was den Antrag des Beschwerdeführers anbelangt, es sei die Unzu-

lässigkeit, die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Wegweisungs-

vollzugs festzustellen und er sei vorläufig aufzunehmen, ist festzuhalten, 

dass er mit Verfügung des SEM vom 31. März 2020 infolge Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen wurde. 

Daher beschränkt sich das vorliegende Beschwerdeverfahren auf die Fra-

gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Auf den 

entsprechenden Antrag ist nicht einzutreten. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität im Heimatstaat erlitten hat, beziehungsweise solche 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten 

muss, sofern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 

Abs. 1 AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, res-

pektive zugefügt zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss zudem 

sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Her-

kunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch 

aktuell sein. 

5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1 m.w.H.). 

6.  

6.1 Das SEM führte in seiner Verfügung aus, dass die Vorbringen des Be-

schwerdeführers die Anforderungen an die Asylrelevanz nicht erfüllen wür-

den. Zum einen habe sich der geschilderte Vorfall seinen Cousin betreffend 

vor rund 25 Jahren ereignet, so dass es unwahrscheinlich sei, dass der 

Beschwerdeführer deswegen bei einer Rückkehr nach Afghanistan mit Ver-

folgungsmassnahmen seitens der Familie seines Cousins zu rechnen 

habe. Ausserdem habe er ausgeführt, dass es keine konkreten Hinweise 

auf eine solche Verfolgung gebe und die Familie seines Cousins nicht mehr 

nach ihm suche. Zudem seien seinen Angaben zufolge die meisten Fami-

lienangehörigen bereits verstorben. Ohnehin sei es fraglich, ob überhaupt 

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je eine Verfolgungssituation bestanden habe, zumal er nach dem Vorfall 

geflüchtet sei, weil die Mutter und die Schwester seines Cousins ihn für 

dessen Tod verantwortlich gemacht hätten und der Schwiegersohn seines 

Onkels ein mächtiger Mann in der Region gewesen sei. Der Beschwerde-

führer habe aber nie versucht, die Sache mit seiner Familie zu klären und 

beispielsweise das Vermittlungsangebot eines Onkels in Anspruch zu neh-

men. Seine Aussagen würden diesbezüglich auch keine Anhaltspunkte auf 

eine Verfolgung aus einem Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG enthalten. Zum 

anderen seien auch den beiden Entführungen durch die Taliban keine asyl-

relevanten Verfolgungsmassnahmen zu entnehmen. Seine ethnische Zu-

gehörigkeit zu den Hazara stelle gemäss geltender Rechtsprechung alleine 

noch keinen Asylgrund dar. Zudem sei bei der zweiten Entführung das In-

teresse der Taliban an seiner Person rein wirtschaftlicher Natur gewesen. 

Auch sei er jeweils nicht alleine, sondern mit zahlreichen anderen afghani-

schen Staatsangehörigen entführt worden, was nicht auf eine gezielte Ver-

folgung hindeute. 

In Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen würden ausserdem ge-

wisse Zweifel bestehen. So habe er sich teilweise widersprochen, bei-

spielsweise als er bei der Erstbefragung vorgebracht habe, in Pakistan in 

Gefangenschaft der Taliban gewesen zu sein, an der Anhörung aber aus-

geführt habe, er sei im Süden Afghanistans festgehalten worden. Auch be-

züglich des Visums, welches er für den Iran erhalten habe, habe er an der 

BzP vorgebracht, dieses wegen einer erforderlichen Operation seiner Frau 

erhalten zu haben, wohingegen er an der Anhörung ausgeführt habe, dass 

seine Operation an der (…) ausschlaggebend gewesen sei. Schliesslich 

habe er geltend gemacht, die gesundheitlichen Probleme an seinem (…) 

seien durch die Folterungen der Taliban verursacht worden. Den medizini-

schen Unterlagen sei aber zu entnehmen, dass er aufgrund eines (…) an 

der (…) operiert worden sei. Hinweise auf eine Verletzung, die auf eine 

Folterung zurückzuführen wäre, seien hingegen nicht ersichtlich.  

6.2 Der Beschwerdeführer hielt dem in seiner Beschwerde entgegen, dass 

er im Jahre 1995 verdächtigt worden sei, seinen Cousin umgebracht zu 

haben, und dass eine solche Tat in seiner Kultur nicht verjähre. Die Nach-

kommen der Familie würden immer noch ihm die Schuld am Tod seines 

Cousins geben, weswegen eine Rückkehr nach Afghanistan für ihn gefähr-

lich wäre. Des Weiteren sei er nicht allein wegen seiner Ethnie als Hazara 

von den Taliban entführt worden, sondern auch, weil er versucht habe, in 

den Iran zu gelangen und damit als Verräter gelte. Anlässlich der zweiten 

Entführung sei er schwer gefoltert worden und er habe in der Folge sein 

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Bein nicht mehr bewegen können. Was den von der Vorinstanz festgestell-

ten Widerspruch bezüglich des Ortes seiner Gefangenschaft anbelange, 

sei klarzustellen, dass er von I._______ in Afghanistan nach Pakistan 

transportiert worden sei. Das Visum für den Iran hätten sie ausserdem we-

gen der Schwangerschaft seiner Ehefrau und der notwendigen Operation 

seiner (…) erhalten. Er leide an erheblichen gesundheitlichen Beschwer-

den.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der vorinstanzlichen Ein-

schätzung an, wonach die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht asyl-

relevant im Sinne von Art. 3 AsylG sind. Auf die entsprechenden Erwägun-

gen der Vorinstanz kann vorab verwiesen werden (vgl. E. 6.1; vorinstanzli-

che Verfügung S. 4 ff.). 

7.2 Das SEM hat zutreffend festgestellt, dass die Ereignisse rund um den 

Tod des Cousins des Beschwerdeführers bereits 25 Jahre zurückliegen. 

Die nahen Angehörigen, namentlich seine Tante und die Cousine, welche 

ihn für den Tod des Cousins verantwortlich gemacht haben sollen, sind zwi-

schenzeitlich gestorben, ebenso der Onkel. Es ist, selbst unter der An-

nahme, dass noch weitere Angehörige des Cousins in Afghanistan leben, 

nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer nach dieser langen 

Zeitspanne noch eine Verfolgung droht, bringt er doch selbst an der Anhö-

rung vor, von der Familie des Cousins nicht mehr gesucht zu werden 

(act. A42/14 F45). Da der Beschwerdeführer ausserdem selbst nie ver-

sucht hat, sich mit der Familie seines Cousins zu einigen, obschon ein an-

derer Onkel eine Vermittlung angeboten habe (act. A13/16 F.01; 

act. A42/14 F42), muss ohnehin bezweifelt werden, ob überhaupt je eine 

Verfolgungssituation bestanden hat. Der Beschwerdeführer ist nie in seine 

Heimatgegend zurückgekehrt und hat seit dem Zwischenfall nichts mehr 

von den Angehörigen des Cousins gehört. Sein Vorbringen, in den Fokus 

der Familie geraten zu sein, beruht alleine darauf, dass die Mutter und die 

Schwester des Cousins ihm vor 25 Jahren die Schuld am Tod des Cousins 

gegeben hatten. Konkrete und aktuelle Drohungen vermochte er jedoch 

keine vorzubringen. Ausserdem lassen sich seinen Aussagen keine An-

haltspunkte auf eine Verfolgung aus einem Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG 

(politische Haltung, religiöser Glaube, Nationalität, Angehöriger einer sozi-

alen Gruppe oder Ethnie) entnehmen. Aufgrund seiner Ausführungen ist 

anzunehmen, dass er aus reiner Willkür im familiären Kontext für den Tod 

seines Cousins verantwortlich gemacht wurde, nämlich, weil sich der Unfall 

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in seinem Beisein zugetragen habe und nur er und sein Cousin diese Waffe 

hätten anfassen dürfen (act. A42/14 F42–43). 

7.3 Auch was die beiden Entführungen durch die Taliban in den Jahren 

1997 und 2010/2011 anbelangt, ist den vorinstanzlichen Ausführungen zu-

zustimmen. Dem Vorbringen des Beschwerdeführers sind keine Hinweise 

darauf zu entnehmen, dass die Vorkommnisse einem asylrelevanten Motiv 

zugrunde liegen. Hierzu kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-

instanz (Verfügung S. 5) verwiesen werden. Zudem ist festzuhalten, dass 

es aufgrund der langen Zeitdauer auch am zeitlichen Kausalzusammen-

hang zur Flucht fehlt.  

Es kann vor diesem Hintergrund darauf verzichtet werden, auf die von der 

Vorinstanz genannten Widersprüche und Zweifel an der Glaubhaftigkeit 

der Vorbringen weiter einzugehen, welche auf Beschwerdeebene nicht auf-

gelöst werden.  

7.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer 

vorgebrachten Asylgründe die Anforderungen an die Asylrelevanz nicht er-

füllen. Die Vorinstanz hat seine Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint 

und das Asylgesuch abgewiesen. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Vorinstanz hat in der Verfügung vom 31. März 2020 mangels Zu-

mutbarkeit die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz 

angeordnet, womit auch den geltend gemachten Gesundheitsbeeinträchti-

gungen des Beschwerdeführers, insbesondere der Erkrankung an (…), 

Rechnung getragen wurde. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Aus-

führungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen. 

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Seite 10 

10.  

Der Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Rechtsbegehren 

nach dem Gesagten als aussichtslos erwiesen haben. Auch der Antrag auf 

Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes ist demnach abzuweisen 

(aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Folglich sind die Kosten des Verfahrens dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch, auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses sei zu verzichten, ist mit dem vorliegenden Entscheid gegen-

standslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Rechtsverbeiständigung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

Versand: