# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecdffd95-81dc-5f88-b0d7-cd6ba37411e0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-12-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 09.12.2010 S 2010 41
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2010-41_2010-12-09.pdf

## Full Text

S 10 41

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 9. Dezember 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. a) Die heute 46-jährige … (geb. 1964) ist am 01.04.1985 als 21-jährige von … 

in die Schweiz eingereist und seit dem Jahr 2002 besitzt sie die Schweizer 

Staatsbürgerschaft. Seit dem 03.03.2003 arbeitete sie als Lagermitarbeiterin 

bei der Firma … in ... Im Dezember 2004 kam ihr Sohn … zur Welt. Nach dem 

Mutterschaftsurlaub reduzierte sie ihr Arbeitspensum auf 80%. Per Ende 

Februar/März 2008 wurde das Arbeitsverhältnis der Versicherten aufgelöst.

b) Am 23.06.2006 wurde eine Kernspintomographie der Halswirbelsäule (HWS) 

bei der Versicherten durchgeführt. Am 19.01.2007 stellte Dr. … bei ihr eine 

postoperative starke psychomotorische Unruhe mit kräftiger Spontanmotorik 

in allen Extremitäten fest. Nach ca. einer Stunde habe sich eine hochgradige 

Schwäche der Extremitäten gezeigt. Am 30.01.2007 diagnostizierte der 

Neurologe Dr. … bei der Versicherten zusätzlich eine dissoziative 

Bewegungsstörung bzw. einen psychogenen Tremor. Am 22.05.2007 hielt Dr. 

… eine subjektive Verschlechterung des Gesundheitszustands bei ihr fest, 

worauf am 30.05.2007 nochmals eine Kernspintomographie der HWS und der 

Lendenwirbelsäule (LWS) durchgeführt wurde.   

c) Gemäss Austrittsbericht vom 23.07.2007 der Rehabilitationsklinik … (nach 

physio- und ergotherapeutischem  Abklärungsaufenthalt vom 18.06.  bis 

14.07.2007) wurde der Versicherten folgende Diagnose gestellt: Degenerativ 

bedingte Spinalkanalstenose zervikal (zervikale Myelopathie, kyphotische 

Hypermobiltät Halswirbelkörper [HWK] 5/6, muskuläre Dysbalance, zervikale 

Spondylodeses/Diskektomie HWS 4-6 am 19.01.2007, postoperativ 

dissoziative Bewegungsstörung und psychogener Tremor, foraminale 

Einengung C4/5 und C5/6 links und C5/6 rechts). Diese Bewegungsdefizite 

schränkten die Patientin insoweit ein, dass lediglich noch eine leichte, 

wechselbelastende Arbeit ohne hohe feinmotorische Anforderungen an die 

linke Hand mit weiteren Einschränkungen der Leistungsfähigkeit möglich sei 

und diese Restleistungsfähigkeit bloss noch in einem geschützten Rahmen 

umsetzbar bzw. verwertbar sei.

d) Am 28.09.2007 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle Graubünden 

zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an, wobei sie auf 

die festgestellte degenerative Spinalkanalstenose und die Operation am 

19.01.2007 hinwies.

e) Im Abklärungsbericht der Klinik … vom 09.11.2007 attestierte Dr. … der 

Versicherten ab dem 18.01.2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit (100% AUF) in 

ihrer bisherigen Tätigkeit (Lagermitarbeiterin). 

f) Am 09.11.2007 wurde auch noch eine interdisziplinäre arbeitsspezifische 

Abklärung in der Klinik … vorgenommen, die bereits im Austrittsbericht vom 

Juli 2007 empfohlen wurde. Zur Diagnose wurde festgehalten:

1. Residuelle zervikale Myelopathie ICD10 M50.0 (Status nach zervikaler 

Spondylodese und Hypermobilität C4/5, C5/6; postoperativ dissoziative 

Bewegungsstörung und psychogener Tremor; foraminale Einengung C4/5 

und C5/6 links und C5/6 rechts; muskuläre Dysbalance. 2. Lumbovertebrales 

bis lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits bei 

Wirbelsäulenfehlhaltung mit Hyperlordose, muskulärer Dysbalance, 

Haltungsinsuffizienz, degenerativen Veränderungen mit Chondrose L4/5 und 

Osteochondrose L4/S1, Spondylathrosen L3/4 bis L5/S1 und mässiggradiger 

degenerative Foraminalstenose L5/S1 beidseits. 3. Regrediente 

Stressinkontinenz. Zur Arbeitsfähigkeit wurde vermerkt, dass der 

Versicherten die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei. Eine leichte, 

wechselbelastende Tätigkeit ganztags aber noch zumutbar sei, wenn 

zusätzliche Pausen à 2 Stunden pro Tag möglich seien, wobei diese 

längerfristig allmählich abgebaut werden könnten.

g) Im Abschlussbericht der Physiotherapie vom 10.04.2008 wurde festgehalten, 

dass keine konstante Verbesserung des Allgemeinzustands habe erzielt 

werden können. 

h) Im Gutachten der SAM … vom 04.12.2008 (mit stationären Untersuchungen 

vom 15.-17.07.2008) wurde zur Diagnose mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit festgehalten: Zustand nach operativer Dekompression-

Stabilisierung des zervikalen Spinalkanals mit ventraler Spondylodese C3-6 

am 19.01.2007 und 05.02.2007 wegen aktuell residueller zervikaler 

Myelopathie mit ausgeprägter funktioneller Überlagerung des klinischen 

Bildes, bekannte degenerative Veränderungen der HWS und LWS sowie 

muskuläre Dekonditionierung. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

wurde ein unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom, eine statische 

Störung der Wirbelsäule mit Hyperkyphose der oberen Brustwirbelsäule 

(BWS) und linkskonvexer Skoliose der BWS sowie Adipositas (Übergewicht) 

diagnostiziert. In der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin und 

Lagermitarbeiterin sei sie noch zu 25% arbeitsfähig, in einer 

leidensangepassten adaptierten Tätigkeit sei sie seit dem 09.11.2007 jedoch 

wieder zu 100% arbeitsfähig. Als Hausfrau betrage die Arbeitsfähigkeit noch 

70%.

i) Auf Veranlassung des Hausarztes Dr. … wurde die Versicherte noch im 

Zentrum für Schmerzmedizin in … untersucht und 

schmerzpsychotherapeutisch behandelt. Gemäss Bericht vom 10.06.2010 

stand die Versicherte wegen progressiver Muskelverspannung in 

Behandlung. Die schmerzpsychotherapeutische Therapie wurde als 

abgeschlossen erklärt. Im Schreiben vom 08.06.2010 bestätigte Dr. phil. … 

zudem, dass die Versicherte in der Zeit ab 11.05.2009 insgesamt 19 

schmerzpsychologische Einzelsitzungen absolvierte habe und die 

Behandlung noch nicht abgeschlossen sei. Aus dem Zwischenbericht 

Physiotherapie vom 08.06.2010 geht schliesslich hervor, dass die Versicherte 

seit 24.07.2007 wegen funktioneller Schmerzverarbeitungsstörungen in 

Behandlung beim Therapeuten … ist.  

j) Ein radiologischer Befund von Dr. … datiert vom 20.10.2009.

k) Gegen den Vorbescheid der Invalidenversicherung (IV) vom 19.02.2009 

erhob die Versicherte „Einwand“.

l) Mit Verfügung vom 08.02.2010 – welche die Verfügung vom 02.04.2009 

ersetzte – lehnte die Vorinstanz (IV) den Anspruch der Versicherten auf eine 

IV-Rente mit der Begründung ab, dass kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad 

(IV-Grad) erreicht werde. Ab dem 17.01.2007 (Beginn Wartejahr) sei die 

Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit wieder zu 75%, ab dem 09.11.2007 

sogar wieder zu 100% arbeitsfähig. Ausgehend von der gemischten Methode 

(Erwerbsanteil 80%; Haushaltsanteil 20%) liege im Erwerbsteil ein Teil-IV-

Grad von 0% und im Haushalt ein solcher von 6% vor, was zusammen nicht 

für einen Rentenanspruch genüge. Werde das Valideneinkommen von Fr. 

38'444.65 (ohne Gesundheitsschaden 80%-Pensum als Verkäuferin bzw. 

Lagermitarbeiterin) dem mutmasslich noch erzielbaren Invalideneinkommen 

von Fr. 40'932.-- (laut Lohnstrukturerhebungen [LSE] für die Schweiz 2006, 

Tabelle 1 [TA], Anforderungsniveau 4 [AFN], 100% arbeitsfähig mit 80% 

Pensum ohne Leidensabzug [LA]) gegenübergestellt, ergebe sich der Teil-IV-

Grad von 0%. Beim Haushaltsanteil von 20% und einer Einschränkung als 

Hausfrau von 30% (laut Gutachten SAM Bellinzona in dieser Funktion noch 

70% arbeitsfähig) resultiere daraus der Teil-IV-Grad von 6% (20% x 0.3), 

womit keine IV-Rente zugesprochen werden könne (Mindest-IV-Grad für IV-

Rente: ab 40%).

2. Dagegen erhob die Versicherte am 08.03.2010 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit den Begehren um 

kostenfällige Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom Februar 2010 

und um Ausrichtung mindestens einer ¼ -Rente ab dem 01.01.2008. 

Eventuell sei die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und zur 

Neuprüfung des Rentenanspruchs bzw. des Anspruchs auf berufliche 

Massnahmen an die Vorinstanz (IV) zurückzuweisen. Die Vorinstanz sei im 

konkreten Fall ohne Rücksprache mit der Beschwerdeführerin von einem 

bloss 80%-igen Pensum als Berufstätige ausgegangen. Diese Annahme sei 

falsch gewesen, weshalb hier nicht die gemischte Methode, sondern die 

Einkommensvergleichsmethode nach Art. 16 ATSG anwendbar gewesen 

wäre. Die Beschwerdeführerin habe ihr Arbeitspensum nämlich ab 

Spätsommer 2006 wieder auf 100% erhöhen wollen, was durch Zeugen 

bestätigt werden könne (Zeugenbeweis offeriert). Die Beschwerdeführerin sei 

bis zur Operation im Januar 2007 trotz Beschwerden zu 100% arbeitsfähig 

gewesen. Die Gesundheitsprobleme seien erst postoperativ aufgetreten. 

Trotz Therapien sei es ihr nicht mehr möglich, eine Arbeitsfähigkeit 

aufzubauen. Ein Arbeitsversuch im November 2007 sei denn auch 

gescheitert. Die Klinik … habe ihr im November 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 

ca. 75% bescheinigt. Das Gutachten der SAM Bellinzona setze sich mit jenem 

Klinikbericht nicht auseinander. Im besagten Gutachten sei der komplexe 

Krankheitsverlauf nicht erkannt und bei der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit 

ungenügend gewürdigt worden. Seit der Operation sei eine regelmässige 

Beschwerdezunahme zu verzeichnen. Heute habe sie eine deutlich reduzierte 

Arbeitsfähigkeit. Nicht berücksichtigt worden seien bisher ihre chronische 

Panalgesie, die Hemihypästhesie und die Schmerzstörung in Verbindung mit 

psychischen Faktoren. Ebenso unberücksichtigt geblieben seien das ventrale 

Gleiten HWK 2 gegenüber 3 respektive HWK 3 gegenüber 4 laut 

Röntgenaufnahmen vom 19./20.01.2007. Die starke Medikation erlaube das 

Bedienen von Lagermaschinen sowie das Führen von Motorfahrzeugen nicht 

mehr. Die Vorinstanz habe sie ab dem 17.01.2007 als zu 75% arbeitsfähig in 

einer adaptierten Tätigkeit eingestuft. Die Vorinstanz habe dabei aber 

verkannt, dass eine aussergewöhnliche und belastende Entwicklung nach der 

Operation entstanden sei. Laut Dr. … habe im Sommer 2007 denn auch bloss 

theoretisch eine Arbeitsfähigkeit in einem geschützten Rahmen bestanden.

3. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerde, soweit darauf überhaupt eingetreten werde. 

Zuerst gelte es festzuhalten, dass Verfügungsgegenstand nur ein 

Rentenanspruch, nicht aber noch berufliche Massnahmen seien. Auf den 

Antrag betreffend berufliche Massnahmen könne daher im vorliegenden 

Beschwerdeverfahren vorab nicht eingetreten werden. In der Sache hätte sich 

zudem nichts geändert, wenn anstelle der gemischten Methode die 

Einkommensvergleichsmethode zum Zuge gekommen wäre. Auch bei einem 

vollzeitlichen Arbeitspensum (100% anstatt 80%) hätte kein IV-Grad resultiert, 

da einem Valideneinkommen von Fr. 48'055.80 ein noch erzielbares 

(höheres) Invalideneinkommen von Fr. 51'165.30 gegenübergestanden wäre. 

Das Gutachten der SAM … sei in Kenntnis aller Akten, inklusive der 

Abklärungen in der Klinik …, erstellt worden. Richtig sei zwar, dass darin eine 

kritische Auseinandersetzung mit der Beurteilung der Klinik … bezüglich 

Arbeitsfähigkeit fehle; dies sei aber nicht weiter zu beanstanden, weil das 

Ergebnis im Vergleich zu … praktisch gleich ausgefallen sei. Laut 

Stellungnahme des RAD vom 23.04. 2010 habe Dr. …, im Gegensatz zu den 

von der Beschwerdeführerin eingereichten medizinischen Unterlagen, keine 

objektive Zunahme der Beschwerden festgestellt. Gemäss Beurteilung von 

Dr. … vom 09.11.2007 (Klinik …) sei die Beschwerdeführerin ausserdem vom 

18.01.-14.07.2007 auch für eine adaptierte Tätigkeit (im nicht geschützten 

Rahmen) zu 100% arbeitsunfähig taxiert worden. Sowohl die Ärzte der Klinik 

… als auch die Gutachter der SAM Bellinzona stimmten aber darin überein, 

dass die Beschwerdeführerin ab dem 09.11.2007 in einer adaptierten 

Tätigkeit wieder 100% arbeitsfähig sei. Die uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit 

sei damit noch vor Ablauf der Wartezeit wieder vorhanden gewesen, womit es 

unerheblich sei, ob die Beschwerdeführerin zwischen dem 18.01.2007 und 

09.11.2007 in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig gewesen sei oder nicht.

4. In der Replik ergänzte die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz anerkenne 

sogar noch selbst, dass sich die Gutachter der SAM Bellinzona gar nicht mit 

der Beurteilung der Klinik … bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit 

auseinandergesetzt habe, was als erhebliche Unterlassung zu qualifizieren 

sei. Eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes sei seit November 

2007 erstellt, zumal auch ein 2-wöchiger Arbeitsversuch gescheitert sei. Auch 

der behandelnde Physiotherapeut habe im April 2008 klar festgestellt, dass 

sich ihr Gesundheitszustand nach 36 Therapien nicht verbessert habe bzw. 

sich insbesondere die Symptome in den Beinen verschlechtert hätten. Die 

Gutachter des SAM Bellinzona hätten sich zwingend mit der 

Zumutbarkeitsbeurteilung betreffend Arbeitsfähigkeit der Ärzte der Klinik … 

auseinandersetzen und eine abweichend Beurteilung begründen müssen. Die 

Stellungnahme des RAD beziehungsweise von Dr. … sei wenig 

aussagekräftig, da sie nicht sämtliche ärztlichen Fachgebiete abdecke. Im 

Falle einer Rückweisung an die Vorinstanz wäre wohl noch eine BEFAS-

Abklärung sinnvoll und angezeigt.

5. In der Duplik räumte die Vorinstanz ein, dass sie zwar den Einwand einer 

fehlenden kritischen Auseinandersetzung (im SAM-Gutachten Bellinzona zur 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Klinik …) anerkenne; trotzdem 

seien ihre Schlussfolgerungen aber nicht falsch, weil beide praktisch zum 

gleichen Ergebnis gelangt seien, nämlich einer medizinisch-theoretischen 

Arbeitsfähigkeit von 100%. Von weiteren Abklärungen wären keine neuen 

Erkenntnisse zu erwarten gewesen, wie sich auch dem Bericht des 

Paraplegiker Zentrums vom 31.01.2008 entnehmen lasse.

6. Am 08./22.06.2010 reichte die Beschwerdeführerin noch zusätzliche 

Arztberichte (so Dr. … vom 26.05.2010; Zentrum für Schmerzmedizin … vom 

10.06.2010; Dr. … vom 08.06.2010 sowie Physiotherapie vom 08.06.2010) 

ein, welche der Vorinstanz (Beschwerdegegnerin) ebenfalls noch zur 

Kenntnis gebracht wurden (vgl. Sachverhalt vorne Ziff. 1i).  

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Vorab gilt es in formeller Hinsicht klarzustellen, dass Anfechtungsobjekt und 

Gegenstand der Beschwerde ausschliesslich der Inhalt der angefochtenen 

Verfügung sein können. Da die beantragten beruflichen Massnahmen (laut 

Art. 15 ff. des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]) nicht 

Thema der strittigen Verfügung vom 08.02.2010 bilden, kann auf den 

entsprechenden Eventualantrag der Beschwerdeführerin auf erneute Prüfung 

beruflicher Massnahmen somit aber zum vornherein durch das Gericht gar 

nicht eingetreten werden.    

2. a) Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG hat die Versicherte Anspruch auf eine ganze 

Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens 50% und auf 

eine Viertelsrente, wenn sie mindestens 40% invalid ist. Bei Erwerbstätigen 

errechnet sich der Invaliditätsgrad (IV-Grad) nach der Methode des 

Einkommensvergleichs vor und nach der Behinderung (Art. 28a Abs. 1 IVG; 

Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechtes [ATSG]). Bei Nichterwerbstätigen oder noch in 

Ausbildung stehenden Versicherten stellen Art. 28a Abs. 2 IVG sowie Art. 27 

Abs. 1 der Verordnung zur Invalidenversicherung [IVV] darauf ab, in welchem 

Ausmass diese Personen eingeschränkt sind, sich im bisherigen 

Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich mit spezifischer 

Methode). Bei Versicherten die teilweise erwerbstätig und teilweise im 

Haushalt tätig sind, kommt die sog. gemischte Methode zur Anwendung (Art. 

28a Abs. 3 IVG; Art. 27bis IVV), wobei die Behinderung im Erwerbsbereich 

nach der Methode des Einkommensvergleichs und die Einschränkung im 

Haushalt nach der spezifischen Methode (Betätigungsvergleich) zu erfolgen 

hat, was zusammen – je nach Gewichtung bzw. Aufteilung in Erwerbs-

/Haushaltsanteil – den IV-Grad ergibt. Für die Festsetzung des IV-Grads 

kommt es dabei in erster Linie auf die wirtschaftliche Erwerbs- bzw. 

Haushaltsunfähigkeit und nicht auf die medizinisch-theoretische 

Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 Erw. 

2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der graduellen 

Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse 

Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (Teil-IV-Grad: Erwerb) bzw. 

Haushaltsunfähigkeit (Teil-IV-Grad: Haushalt) jedoch zum voraus überhaupt 

nicht möglich (BGE 125 V 261 Erw. 4, 122 V 160 f. Erw. 1c, 115 V 134 Erw. 

2).

b) Ausgangspunkt für die Beurteilung der medizinisch-theoretischen 

Arbeitsfähigkeit – sei dies im Erwerbsbereich oder im Haushaltsbereich – sind 

im konkreten Fall drei voneinander divergierende Atteste. Während die Klinik 

… in ihren Berichten vom 23.07.2007 (vgl. Sachverhalt vorne Ziff. 1c) und 

09.11.2007 (vorne Ziff. 1e; inkl. interdisziplinärer arbeitsspezifischer 

Abklärung, vorne Ziff. 1f) verschiedene Bewegungsdefizite an der Halswirbel- 

und Lendenwirbelsäule festhielt und der Versicherten ab dem 18. 01.2007 

eine volle Arbeitsunfähigkeit (100% AUF) in ihrer bisherigen Tätigkeit als 

Lageristin attestierte, ihr aber eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit 

ganztags (bei zusätzlichen Pausen à 2 Std. pro Tag, wobei diese längerfristig 

allmählich reduziert werden könnten) noch zumutbar sei, kamen die Ärzte der 

SAM Bellinzona im Gutachten vom 04.12.2008 zum Schluss, dass die 

bekannten degenerativen Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule 

sowie die muskuläre Dekonditionierung die Ursache für die verminderte 

Arbeitsfähigkeit bei der Versicherten seien. In der bisherigen Tätigkeit als 

Lagermitarbeiterin sei sie noch zu 25% arbeitsfähig, in einer 

leidensangepassten adaptierten Tätigkeit sei sie seit dem 09.11. 2007 

alsdann sogar wieder zu 100% arbeitsfähig (auch ohne geschützten 

Rahmen). Als Hausfrau betrage die Arbeitsfähigkeit indes noch 70%. In der 

Stellungnahme vom 23.04.2010 hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD; Dr. 

…) fest, dass keine objektive Zunahme der Beschwerden feststellbar sei. 

Nach Ansicht des Gerichts vermögen die soeben erwähnten Atteste bzw. 

Gutachten keine einheitliche, nachvollziehbare und zuverlässige Auskunft 

über den Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu erteilen.

c) Die geäusserte Kritik am MEDAS-Gutachten (SAM Bellinzona) ist berechtigt, 

setzten sich die Gutachter der SAM doch nicht mit der erwähnten Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit durch die Klinik … auseinander. Entgegen der Darstellung 

der Vorinstanz trifft es auch nicht zu, dass die Klinik … in ihren 

Abklärungsberichten (2007) und die SAM Bellinzona in ihrem Gutachten 

(2008) praktisch zum gleichen Ergebnis gelangt wären. In der 

Zumutbarkeitsbeurteilung der Klinik … vom 09.11.2007 wird festgehalten, 

dass derzeit eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ganztags mit 

zusätzlichen Arbeitspausen von 2 Stunden pro Tag möglich sei. „Längerfristig“ 

könnten diese Zusatzpausen „eventuell“ allmählich abgebaut werden. 

Angesichts dieser Vorgaben kann aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht von 

einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer auf die Beschwerden und 

Bewegungseinschränkungen der Beschwerdeführerin [Schmerzen 

HWS/LWS] Rücksicht nehmenden Alternativtätigkeit ausgegangen werden. 

Im Gegensatz dazu wird im Gutachten der SAM Bellinzona vom 04.12.2008 

uneingeschränkt und ohne Vorbehalte (rückwirkend) ab dem 09.11.2007 auf 

eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer 

leidensangepassten Ersatztätigkeit erkannt. Diese beiden 

Zumutbarkeitsbeurteilungen enthalten offensichtlich grosse Abweichungen 

voneinander, die durch die involvierten Fachinstanzen näher begründet oder 

sonst zumindest plausibel hätten erklärt werden müssen. Dieser Mangel 

erscheint dem Gericht vorliegend umso gravierender, als die Abklärungen der 

SAM Bellinzona vom 15.07.-17.07.2008 stattfanden und die Gutachter somit 

sogar bloss eine retrospektive Beurteilung abgaben.

d) Die Beschwerdeführerin wendet ferner zu Recht ein, dass die in den Berichten 

der Schmerzklinik … (Schweizerisches Paraplegikerzentrum) vom 

31.10.2008, 20.11.2008, 16.12.2008, 19.12.2008, 29.04.2009 sowie 

17.12.2009 aufgeführten Diagnosen ICD 10-R52.9 (Chronische Panalgesie 

[Schmerzausdehnung auf gesamten Körper, meist in Kombination mit 

Depressionen] cervico-lumbal betont); ICD 10-R20.8 (Hemihypästhesie links 

[nur auf einer Körperseite verminderte Drucksensibilität der Haut] bei 

Verdacht auf funktionelle Schmerzverarbeitungsstörung) und ICD 10-F54 

(Schmerzstörung in Verbindung mit psychischen Faktoren oder 

Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten) allesamt nicht 

berücksichtigt worden sind bzw. die diesbezügliche Facharztbeurteilung des 

RAD Ostschweiz (Dr. …) vom 23.04.2010 eindeutig ungenügend ist. Wenn 

Dr. … darin – nach Vorlage der Berichte der Schmerzklinik … - ausführte, 

dass seines Erachtens weiterhin auf die Beurteilung der SAM Bellinzona 

(04.12.2008) abgestellt werden könne und weitere Untersuchungen 

vermutlich zu keinen anderen als den bisherigen Ergebnissen führen würden, 

so kann aus dieser Bemerkung durchaus eine gewisse Unsicherheit 

herausgelesen werden, zumal er selbst – sollte das Gericht darauf bestehen 

– eine Neubeurteilung der Angelegenheiten nicht ausschloss. Zu klären bleibt 

also noch, ob die aufgeführten Diagnosen laut Schmerzklinik (ICD 10-R52.; 

ICD 10-R20.8; ICD 10-F54) ebenfalls Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

der Versicherten haben; in den erwähnten Klinikberichten wird dazu nichts 

gesagt und der viel zu pauschalen Beurteilung von Dr. … ist dazu nichts 

Aussagekräftiges oder sonst wie Sachdienliches zu entnehmen.

e) Aufgrund einer Gesamtbetrachtung aller bekannten Arzt- und Klinikberichte 

(inkl. Gutachten) und des aktenkundig sehr komplexes Beschwerdebildes der 

Beschwerdeführerin erachtet es das Gericht hier als unerlässlich, ergänzende 

Abklärungen unter Mitberücksichtigung sämtlicher neu eingegangener 

medizinischer Berichte – vgl. dazu Schreiben der Beschwerdeführerin vom 

08.06.2010 mit beigelegtem Arztbericht von Dr. … vom 26.05.2010; 

Schreiben Beschwerdeführerin vom 22.06.2010 mit Bericht Schmerzklinik … 

vom 10.06.2010, mit Bericht Psychotherapie … vom 08.06.2010 und Bericht 

Physiotherapie vom 08.06.2010 – einzuholen, zumal das Gericht selbst 

fachlich nicht in der Lage ist, die abweichenden Zumutbarkeitsbeurteilungen 

betreffend Arbeitsfähigkeit der Klinik … und der SAM Bellinzona vernünftig zu 

klären und so die bestehenden Widersprüche definitiv auszuräumen. Eine 

separate BEFAS-Abklärung, wie von der Beschwerdeführerin verlangt, ist 

nach Ansicht des Gerichts jedoch nicht notwendig, da die Klinik … am 

09.11.2007 bereits einmal eine interdisziplinäre arbeitsspezifische Abklärung 

vorgenommen hat und auf sie diesbezüglich abgestellt werden darf.

f) Im Rahmen der neuerlichen Abklärungen über den Gesundheitszustand und 

die (Rest-)Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz sodann 

auch noch die Frage des Arbeitspensums (80% oder 100%) zu klären, zumal 

davon sowohl die Frage der Anwendbarkeit der sog. gemischten Methode (an 

Stelle der Methode des Einkommensvergleichs) als auch die Frage nach der 

Ermittlung des IV-Grads (Gewichtung bzw. Aufteilung Teil-IV-Grad in 

Erwerbs-/Haushaltsbereich oder IV-Grad bloss aus Vergleich zwischen 

Validen- und Invalideneinkommen) abhängt.

3. a) Die angefochtene Verfügung vom 08.02.2010 ist demnach rechtlich nicht 

haltbar, was zu ihrer Aufhebung im Sinne der Erwägungen (Rückweisung an 

Vorinstanz für weitere medizinische Abklärungen und Beurteilung des 

Rentenanspruchs [IV-Grads]) und zur Gutheissung der Beschwerde vom 

08.03.2010 führt, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. 

b) Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von 

Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung (inkl. Erhöhung) oder 

die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr. 200.-

- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Angesichts des Ausgangs dieses Verfahrens sind 

die Kosten von Fr. 700.-- (doppelter Schriftenwechsel) der unterliegenden 

Vorinstanz (Beschwerdegegnerin) aufzuerlegen. Letztere hat die anwaltlich 

vertretene Beschwerdeführerin nach Art. 61 lit. g ATSG zudem 

aussergerichtlich noch angemessen zu entschädigen, wobei hier auf die dazu 

eingereichte Honorarnote des involvierten Anwalts vom 31.05.2010 abgestellt 

(Arbeitsaufwand total 15.50 h à Fr. 240.-- [Fr. 3'720.--], zzgl. 

Kleinspesenpauschale 3% [Fr. 111.60]; plus 7.6% Mehrwertsteuer [MWST] 

auf Fr. 3'831.60 [Fr. 291.20]; insgesamt demzufolge Fr. 4'122.80) bzw. diese 

unverändert übernommen werden kann. Die Vorinstanz hat an die 

Beschwerdeführerin also noch direkt Fr. 4'122.80 unter dem Titel „Ersatz von 

Parteikosten“ zu bezahlen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden hat … 

aussergerichtlich mit Fr. 4'122.80 (inkl. MWST) zu entschädigen.