# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2398ed6a-a0fe-575f-ba4d-9a82d17b4e2a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-21
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Rückweisung zur psychiatrischen und somatischen Untersuchung der Beschwerdeführerin.
**Docket/Reference:** IV.2018.01011
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.01011.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.01011
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
2
1.
August 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Y.___
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1960 geborene
X.___
, Mutter von drei in den Jahren 1984, 1992 und 1997 geborenen Kindern,
arbeitete ab dem 1. Oktober 2003 als Kom
miss
i
oniererin bei der
Z.___
Genossenschaft in einem
70
%-Pensum,
ab dem Jahr 2008
zusätzlich
als Putzfrau bei einer Privatperson in einem 5
%-Pensum
und im Jahr 2013 sodann noch in einer Kirche, wo sie Aufräumarbeiten nach Gottes
diensten tätigte
.
Seit dem Jahr 2006 übt sie ausserdem eine ehrenamtliche Tätig
keit aus und entwirft Designs und Zeichnungen für diverse Kinderarbeiten in di
versen sozialen Organisationen.
Am
21. März 2014
(Eingangsdatum) meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf eine
ADHS-Problematik, bestehend seit der Kindheit, sowie eine Arthrose der Daumengrundgelenke,
bestehend seit
circa 1-2 Jahren,
bei der Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenver
sicherung an (Urk. 7/5
, Urk. 7/6, Urk. 7/8
,
Urk. 7/10/2,
Urk. 7/14/9 ff.
und Urk. 7/22
)
.
Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerb
liche sowie medizinische Abklärungen und
prüfte Massnahmen der Frühinterven
tion. Nachdem die Versicherte
bei der
Z.___
Genossenschaft in einer angepassten Tätigkeit (Raumpflegerin) weiterbeschäftigt werden konnte
(Urk. 7/16 und Urk. 7/22/7)
, wurden die Massnahmen der Frühintervention
(Arbeitsplatzerhal
tung)
mit Mitteilung vom 26. Jun
i 2014 abgeschlossen (Urk. 7/15
).
1.2
Am 26. Oktober 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte unter Hin
weis auf die
bereits
bekannte
n Beeinträchtigungen sowie unter Hinweis auf Schlafstörungen
und Depressionen
seit dem Jobwechsel
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/22).
Die IV-Stelle tätigte wiederum beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen.
Am 23. Mai 2016 wurde der Ver
sicherten
Kostengutsprache für einen Arbeitsversuch
vom 23. Mai bis 25. Novem
ber 2016
, wiederum
bei der
Z.___
Genossenschaft, zugesprochen
(Urk. 7/46).
Die Massnahme wurde
per 8. November 201
6 abgeschlossen (Urk. 7/53/1)
,
und es wurde Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung
(Potentialabklärung)
vom 3. bis 27. Januar 2017 erteilt (vgl. die Mitteilung vom 30. November 2016 [Urk. 7/55]).
Nach Erstattung des
Abschlussberichts über die Potentialabklärung durch die
A.___
AG vom 30. Januar 2017 (Urk. 7/66) hielt die IV-Stelle in ihrer Mitteilung vom 6. Februar 2017 fest, es seien keine weiteren beruflichen Einglie
derungsmassnahmen angezeigt. Es werde ein Rentenanspruch geprüft (Urk. 7/67).
Am 9. Februar 2017 wurde
bei der Versicherten
eine
Trapeziumresektionsarthro
plastik
(APL) an der rechten Hand (Urk. 7/82) und am 24. August 2017 an der linken Hand durchgeführt (Urk. 7/85/7).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Vorbescheid vom 8. März 2018 [Urk. 7/96] und Einwand vom 12. April 2018 [Urk. 7/103]) holte die IV-Stelle einen weiteren Bericht des Hausarztes
der Versicherten
ein (Urk. 7/108). Die behandelnde Psychotherapeutin teilte telefo
nisch mit, sie werde keinen Bericht ausfüllen, sie arbeite in derselben Praxis wie der Hausarzt, weshalb sie auf dessen Bericht verweise (Urk. 7/115/3). Mit Verfü
gung vom 26. Oktober 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 2 [= Urk. 7/116]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 16. November 2018 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventuell seien weitere medizini
sche Abklärungen zu tätigen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwer
deführerin die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Januar 2019 angezeigt wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141  V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und sei
ner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fach
ärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanam
nestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (erwähntes Urteil 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
1.5
Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialver
sicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
. Gemäss Art. 43 Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum - auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe geltenden - Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfäl
tiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei
als überwiegend wahrscheinlich
zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Ver
letzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnah
men noch neue wesentliche Erkenntnisse erwartet werden können. Welche kon
kreten Abklärungsmassnahmen im Einzelfall geboten sind, lässt sich angesichts der Besonderheiten jedes einzelnen
Falls nicht allgemein sagen.
Der Untersu
chungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache der verf
ügenden Verwaltungsstelle (Art. 43 Abs.
1 ATSG) oder des Sozialversicherungsgerichts
(Art.
61
lit
.
c ATSG) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Die Parteien tragen in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebe
nen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember
2018
E. 3.1).
2.
2.
1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, für eine ange
passte Tätigkeit, welche körperlich leicht, überwiegend sitzend und ohne grob
motorische Beanspruchung sei, betrage die Arbeitsfähigkeit 100 %. Auf die Potentialabklärung sei nicht abzustellen, da diese vor der Operation der beiden Hände durchgeführt worden sei. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne gemäss dem Arztbericht von Dr.
B.___
gerechnet werden.
Die Beschwerdeführerin nehme keine fachpsychiatrische Behandlung wahr, weshalb auch von einem fehlenden Leidensdruck ausgegangen werden könne. Die Beschwerdeführerin sei teilzeitlich erwerbstätig. Die Aufteilung der Tätig
keiten Erwerb und Haushalt sei
im Verhältnis 85 % (Erwerb) zu 15 % (Haushalt) vorzu
nehmen. Aufgrund des Einkommensvergleichs resultiere ein Invaliditätsgrad von 4 % (Urk. 2).
2.
2
Die Beschwerdeführerin führte demgegenüber
in ihrer Beschwerdeschrift aus, die Einschätzung des RAD-Arztes sei unverständlich. Sowohl anlässlich des Arbeits
versuchs als auch der Potentialabklärung seien klar gegenteilige Feststellungen gemacht worden. Auch die behandelnden Ärzte würden die Einschätzung der
A.___
AG vollumfänglich teilen. Es sei nicht nachvollziehbar, wie der RAD-Arzt die vorhandenen Arztberichte als beweiskräftig und schlüssig betrachte, hingegen von einer vollschichtigen Restarbeitsfähigkeit ausgehe, welche in den IV-Akten nirgends dokumentiert sei. Der RAD-Arzt könne aus psychiatrischer Sicht zur Arbeitsfähigkeit sodann keine Einschätzung vornehmen, da er fachfremd sei (Urk. 1)
.
3.
3
.1
Dem Konsiliarbericht vom 25. Januar 2016 von Dr.
med.
C.___
, Fach
arzt FMH für Rheumatologie,
sind die folgenden Diagnosen zu entnehmen (Urk. 7/38/10
-12
):
-
Schwere Rhi
zarthrose beidseits, je
weils mit Subluxationstendenz
-
keine radiologische Prog
redienz zwischen 2013 und 2016
-
Lumbovertebral
e
Rückenschmerzen und Verdacht
auf positions- und b
elastungsabhängige
Femoralgie
links mit/bei
-
Status nach Diskushernie ca.
1987, konservativ behandelt
-
konventionell r
adiologisc
h lumbosakrale Übergangsvariante mit
Sak
ralisation
von LWK5, schwere Segmentdegeneration mit erosiver
Oste
ochondrose
L4/5,
chondrotische
Degeneration L3/4, leichte Retropos
i
tion LWK4 gegenüber LWK5 Grad I
, schwere hypertrophe
Spondylar
throsen l
inksbetont L3/4 und L4/5
-
MRI-LWS 15. Dezember 2015:
Teilsakralisation
LWK5,
eros
.
Osteo
chondrose
L4/5 mit
Rezessus
- und
Foraminalstenosen
bds
. link
sbetont ohne Neurokompression
-
B
el
astungs- und positionsabhängig
provozierbare
Knieschmerzen links ohne arthrogenes Korrelat und ohne
radiologische Degeneration, differen
tialdiagnostisch
radikulär
-
L
eichte mediale Gon
arthrose und
Femoropatellararthrose
rechts
-
Status nach
medialer Meniskusläsion Hinterhorn re
chts, aktuell asymp
tomatisch
-
Verdacht auf
Meralgia
par
aesthetica
mit intermittierendem
Taubheitsge
fühl über dem
ventrol
a
teralen
rechten Oberschenkel, differentialdiagnos
tisch
lumboradikulär
verursacht
-
Rezidivierende
Epicondylopathia
humeri
lateralis
beidseits linksbetont
-
Status nach
plantarer Fasziitis l
inks, aktuell asymptomatisch
-
Verdacht auf
Kribbelparästhesien
Dig
. 2-4 beidseits, differentialdiagnos
tisch
CTS
-
Adultes ADS
-
Beginn in der Kindheit
ohne hyperaktive Symptomatik
-
aktuell depressive Entwicklung und drohender Erschöpfungszustand
-
Ungünstige Belastungssituation am aktuellen Arbeitsplatz im Reinigungs
dienst
Dr.
C.___
hielt dafür, der Beschwerdeführerin sei aktuell ein Arbeitspensum von 50 % zumutbar aufgrund der Einschränkungen des Bewegungsapparates. Durch die Rhizarthrose seien grobmotorische Tätigkeiten mit Greifen und Tragen von schweren Gegenständen zu vermeiden. Andererseits seien Arbeiten in gebückter oder
überstreckter
Körperhaltung und Gewichtsbelastungen repetitiv über 10 kg seitens der Wirbelsäule ungeeignet. Es bestehe eine Verbesserungs
möglichkeit der Arbeitsfähigkeit durch ein entsprechend angepasstes Tätigkeits
profil (Urk. 7/38/11).
3.2
Im Konsiliarbericht vom 30. Januar 2016
(Urk. 7/39/2-3)
an die Psychotherapeu
tin
D.___
hielt
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
die Diagnose Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität
(ICD-10 F98.8), differentialdiagnostisch einfache Aktivitäts- und Aufmerksa
mkeitsstö
rung (ICD-10 F90.0), fest
. Es bestehe sodann der Verdacht auf eine tief selbstun
sichere Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6).
Die Abklärung habe am 20. August 2008 begonnen. Es seien 10 Konsultationen durchgeführt worden bis am 4. Oktober 201
1.
3.3
Dr.
med.
F.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, führte in seinem
undatierten Bericht (Eingang bei der Beschwerdegegnerin am 4. Februar 2016 [vgl. das Aktenverzeichnis; Urk. 7/0])
aus
, dass die Beschwerdeführerin seit min
destens vier Jahren an progredienten Schmerzen in beiden Daumengrundgelen
ken leide. Im Jahr 2014 sei sie deshalb firmenintern von der Logistik in den Rei
nigungsdienst versetzt worden. Aktuell sei diese Arbeit auch ungeeignet, aber weniger wegen der Handbeschwerden
,
als vielmehr wegen der Rücken- und Knie
beschwerden. Die Beschwerdeführerin werde seit Jahren aufgrund ihrer
ADS-Symptomatik intermittierend mit Medikamenten und stützender Psycho
-
therapie behandelt. Die eingeschränkte Konzentration führe dazu, dass die Beschwerde
führerin grosse Mühe habe, sich zu fokussieren
,
und dabei enorme Energien ver
brauche, um auch nur die einfachen Alltagsangelegenheiten zu erledigen. Die Folge davon seien immer wieder auftretende depressive Einbrüche und Erschöp
fungszustände. Aus diesem Grund hätten sich Arbeitsversuche mit Pensen von mehr als 70 % nicht bewährt. Erwähnenswert
sei die Diskrepanz zwischen guter Intelligenz und Kreativität einerseits und der ausgeprägten Unsicherheit und dem mangelnden Selbstvertrauen andererseits. Letzteres führe dazu, dass die Beschwerdeführerin immer in Berufsfeldern beschäftigt sei, die ihrem eigentli
chen Potential nicht entsprächen. Aus rheumatologischer Sicht sei grundsätzlich eine Verschlechterung zu erwarten. Aus psychiatrischer Sicht sei die Situation mit stützender psychotherapeutischer Behandlung und
medika
-
mentöser
Unter
stützung knapp kompensiert. In der Reinigung/im Haus
-
dienst bestehe eine Arbeitsfähigkeit von derzeit 50 %, in einer angepassten Tätigkeit sei eine Steige
rung auf 70 % vorgesehen. Mehr sei aus psychiatrischer Sicht nicht zumutbar (Urk. 7/38/1-6).
3.4
Dr.
med.
B.___
, Leitende Ärztin
der
Handchirurgie am Stadtspital
G.___
, hielt in ihrem Bericht vom 4. Oktober 2016 fest,
seit die Beschwerdeführerin in der Küche arbeite, seien die Schmerzen wieder progredient, wobei das Rüsten deutlich weniger Beschwerden verursache als das Füllen der Abwaschmaschine. Im Alltag seien die Beschwerden sonst erträglich. Zusätzlich zu den Beschwerden an den Händen, die sich nun auch an den Fingergelenken manifestierten, berichte die Beschwerdeführerin über Rückenschmerzen, ausstrahlend ins rechte Bein, zum Teil auch mit Sensibilitätsstörungen. Die Beschwerdeführerin sei auf Dauer für körperlich belastende Tätigkeiten nicht platzierbar. Sie verfüge aber über ein fantastisches zeichnerisches Können. Ihr dringlicher Wunsche sei es, als Gerichts
zeichnerin tätig werden zu können. In dieser Tätigkeit sei sie zweifelsfrei voll
zeitlich arbeitsfähig. Sie verfüge auch über einen entsprechenden beruflichen Ausbildungsabschluss, einziges Hindernis sei wohl die Nebendiagnose ADS (Urk. 7/51).
3.5
Dr.
F.___
hielt in seinem Bericht vom 21. Dezember 2016 fest, es sei keine wesentliche Veränderung seit dem Bericht vom 2. Februar 2016 eingetreten. Die Beschwerdeführerin sei während sechs Monaten angestellt gewesen im Sinn
e
eines supported
employment
, allerdings mit wenig support. Offenbar habe sich betriebsintern kein Platz gefunden, der den körperlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin angepasst gewesen wäre. Eine Wunschtätigkeit an der Kasse sei nicht realisiert worden. Stattdessen habe die Beschwerdeführerin Küchen- und Putzarbeiten verrichten müssen, welche ihre Hände belastet hätten. Der Versuch sei gescheitert und die Beschwerdeführerin habe die Kündigung per 28.
Januar 2017 erhalten. Für das Jahr 2017 sei die operative Sanierung der Rhizarthrosen geplant. Es müsse sich allerdings zeigen, ob sich dies auf die Einsatzfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt positiv auswirken werde, da mehrere Ursachen/Diagnosen zur aktuellen Einschränkung beitrügen (Urk. 7/63).
3.6
Im Abschlussbericht der
A.___
AG vom 30. Januar 2017 über die Potentialab
klärung vom 3. Januar bis 27. Januar 2017
(Urk. 7/66)
wurde festgehalten,
wäh
rend der vier Wochen
sei es
zu keinem Fehltag
gekommen
.
Die Beschwerdefüh
rerin sei
stets pünktlich
gewesen und habe
die vier Stunden pro Tag erbringen
können
.
Sie sei i
n unterschiedliche Trainingsinhalte eingeführt
worden, zum Bei
spiel in der
Holzwerkstatt,
im
Hirnleistungsprogramm
Cogpack
und
in der
Bear
beitung der Datenbankpflege (Vitesse). Sie
habe
jedoch grosse Mühe
gehabt,
selb
ständig zu arbeiten
,
und
habe viele unre
flektierte Fragen
gestellt
. Es
seien
meh
rere Einführungen notwendig
gewesen
und
die Beschwerdeführerin habe Mühe gehabt, sich selber an die Auf
gaben zu wagen. Auffälligkeiten im zwischen
menschlichen Bereich
seien d
eutlich
geworden (Urk. 7/66
/4
). Insbesondere seien folgende Faktoren bei der Beschwerdeführerin aufgefallen:
Unselbständiges Arbeiten (einfache Entsc
heidungen selber treffen; z.B.
eigene Tasche im Büro las
sen oder in Werkstatt nehmen, Befindlichkeit angeben während der
Trainingszeit in der
A.___
), Mühe mit Eigenverant
wo
rtung, Verantwortungsbereitschaft für die übertragenen Aufträge übernehmen, Selbst
reflektion, Selbstbeherrschung/
Self
Monitoring (z
.B.
s
tellen von unreflektierten Fragen, die jeder nur für sich beant
worten sollte). Auch nach mehrmaligem Feedback
sei es für die Beschwerdefüh
rerin
nicht möglich
gewesen, solche Fragen selber zu beantwo
rten. Weiter
habe
sie sich zwar verständlich ausdrücken
können
,
habe
aber Schwierigkeiten
gehabt, während dem Gesprä
ch beim Thema zu bleiben und Struktur bei Gesprächen bei
zubeha
lten. Es habe ein
überdurchschnittlicher Ge
sprächsbedarf (über
aktuelle berufliche Situation)
bestanden
.
Es seien sodann
Einschränkung
en
d
er Konzent
rat
ionsfähigkeit,
der
Aufmerksam
keit, der quantitativ
en Leistungsfähigkeit, der Fähigkeit zur Problemlösung
,
de
s
schlussfolgernden
D
enkens, der kritischen Kon
trolle beziehungsweise der rea
listische
n
Prüfung und Bewe
rtung eigener Verhal
tensweisen
feststellbar gewesen
(Urk. 7/66/3).
In der Werkstatt
sei
klar
geworden
, dass bei längeren handwerklichen Tätigkeiten Handschmerzen aufgrund der
Arthrose auftreten würden
.
Die Beschwerdeführerin habe aber
trotzdem Ausdauer und Motivation
gezeigt
,
habe
Kritik annehmen und leichte Fortschritte erzielen
können
(weniger Fragen und grössere Selbständigkeit). Aktuell
könne
jedoch keine relevante Arbeitsfähigkeit in Bezug auf den ersten Arbeitsmarkt beobachtet werden. Im Standortgespräch mit
der Personalverantwortlichen der IV-Stelle sei
deshalb beschlossen
worden
, dass aktuell keine weiterfüh
rende Massnahme statt
finden werde (Urk. 7/66/4 f.)
.
3.7
Dr.
B.___
hielt in ihrem Bericht vom 12. Juni 2017
an den Hausarzt
fest, nach der APL an der rechten Hand schildere die Beschwerdeführerin nach wie vor belas
tungsabhängige Restbeschwerden im Bereich der Daumenbasis rechts. Leichtere handwerkliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel Zeichnen, Malen oder Nähen, seien wieder möglich. Belastende Tätigkeiten seien nach wie vor nur zeitlich massiv eingeschränkt möglich (Urk. 7/82).
3.8
Im Bericht vom 20. November 2017 hielt Dr.
B.___
fest, vom 9. Februar bis am 20. November 2017 habe aufgrund der durchgeführten Operationen an den Hän
den (APL) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
.
Eine Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit sei wahrscheinlich
(Urk. 7/85/8).
3.9
In seinem Bericht vom 22. Dezember 2017 führte Dr.
F.___
aus, trotz relativ güns
tigem Verlauf bleibe die Beschwerdeführerin gemäss Aussagen der Handchirurgin
Dr.
B.___
für belastende Tätigkeiten mit den Händen weiterhin zu 100 % arbeits
unfähig. An den übrigen Beschwerden und Befunden habe sich nichts geändert. Die Arbeitsunfähigkeit sei zu einem weit überwiegenden Anteil psychisch bedingt und ergebe sich aus der stark eingeschränkten Fähigkeit, sich auf Wesentliches zu fokussieren
. Es bestehe gemäss der Ressourcenabklärung der
A.___
AG keine verwertbare Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
(Urk. 7/92).
3.10
Dr. med.
H.___
, Facharzt FMH für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt in seiner Stellungnahme vom 30. Januar 2018 fest, in einer angepassten Tätigkeit (unter strenger Beachtung des Belastungsprofils mit einer jeweils zweimonatigen Rekonvaleszenz-Phase postoperativ) bestehe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die vorliegenden Arztberichte seien schlüssig,
die
angeführten medizinischen Fakten nachvollziehbar. Auf diese könne somit abgestellt werden (Urk. 7/95/5 f.).
3.11
In der Stellungnahme vom 28. Mai 2018 führte der RAD aus, auf das Ergebnis der Potentialabklärung könne nicht abgestellt werden, da dies vor den Operatio
nen der beiden Handgelenke erfolgt sei. Gemäss Dr.
B.___
könne mit der Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit «grundsätzlich» gerechnet werden. Spätere Arztberichte, welche dies widerlegen würden, existierten nicht (Urk. 7/115/2).
3.12
Im Bericht vom 5. Juli 2018 verwies Dr.
F.___
auf seinen eigenen Bericht vom 22. Dezember 2017 sowie auf den Abschlussbericht der
A.___
AG. Es fänden aktuell seltene hausärztliche Beratungen nach Bedarf statt und regelmässige stüt
zende psychotherapeutische Gespräche bei Frau
D.___
, zuletzt am 27. Juni 2018 (Urk. 7/108).
3.13
In der Stellungnahme vom 22. August 2018 führte der RAD aus, gemäss dem neusten Arztbericht von Dr.
F.___
sei der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin stationär seit seiner letzten Berichterstattung. Bei unverändertem Gesundheitszustand könne an der letzten RAD-Stellungnahme festgehalten wer
den (Urk. 7/115/3).
3.14
Am 2. Oktober 2018 hielt der RAD fest, bei weiterhin stationärem Gesundheits
zustand und nicht vorhandener psychiatrischer Behandlung weder im Rahmen der Mitwirkungspflicht noch bei entsprechendem Leidensdruck müsse trotz der psychiatrischen Diagnosen von einem unveränderten Gesundheitszustand ausge
gangen werden
, weshalb
empfohlen
werde
, an der RAD-Stellungnahme vom 22. August 2018 festzuhalten
(Urk. 7/115/4)
.
4.
4.1
A
ufgrund der vorstehenden Berichte ergibt sich kein schlüssiges Bild
über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
.
Dass
ihr
die bisherige Tätigkeit
aus somatischer Sicht
nicht mehr zumutbar ist
, ist
medizinisch
ausgewiesen und wurde von keiner der Parteien bestritten
.
In welchem Umfang ihr eine angepasste Tätigkeit physisch und psychisch zumutbar ist, lässt sich
aufgrund der Akten
hin
gegen nicht mit
dem erforderlichen Beweismass der
überwiegen
den
Wahrschein
lichkeit feststellen
, was nachfolgend
darzulegen
ist.
4.2
4.2.1
Die
Beschwerdeführerin
gab
zur Auskunft, s
ie habe schon im Alter von 15 Jahren an Depressionen gelitten. Im Alter von 18 bis 20 Jahren sei es aufgrund einer Suchtproblematik zu einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Ein
richtung gekommen. Es sei
dann
eine Besserung eingetreten. Im Jahr 2008 sei die Diagnose ADHS erstmals gestellt worden. Seither sei keine psychiatrische Behandlung mehr erfolgt (Urk. 7/10/3).
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass die Diagnose eines AD(H)S
–
aufgrund von länger zurückliegenden Untersuchungen in den Jahren 2008 bis 2011
–
von einem Facharzt der Psychiatrie und Psychotherapie gestellt
worden
ist
. Derselbe Facharzt äusserte sodann den Verdacht, es könnte eine tief selbstunsichere Per
sönlichkeitsstörung vorliegen
(E.
3.2).
E
ine aktuelle fachärztliche Diagnose
hin
gegen
fehlt
. Der
Hausarzt
der Beschwerdeführerin
bestätigte
indes
, dass
die Beschwerdeführerin
seit Jahren aufgrund ihrer ADS-Symptomatik intermittierend mit Medikamenten und stützender Psychotherapie behandelt
werde
. Die einge
schränkte Konzentration führe dazu, dass
sie
grosse Mühe habe, sich zu fokus
sieren
,
und dabei enorme Energien verbrauche, um auch nur die einfachen All
tagsangelegenheiten zu erledigen. Die Folge davon seien immer wieder auftre
tende depressive Einbrüche und Erschöpfungszustände. Aus psychiatrischer Sicht sei die Situation mit stützender psychotherapeutischer Behandlung und medika
mentöser U
nterstützung knapp kompensiert (E. 3.3).
Die Arbeitsunfähigkeit sei zu einem weit überwiegenden Anteil psychisch bedingt und ergebe sich aus der stark eingeschränkten Fähigkeit, sich auf Wesentliches zu fokussieren (E. 3.9).
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin gab sodann im Februar 2016 an, eine ange
passte Tätigkeit sei aus psychiatrischer Sicht
nicht in einem höheren Pensum als
70
% zumutbar (E. 3.3).
Zuletzt verwies er in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
auf den Abschlussbericht der
A.___
AG
(E. 3.9
und E. 3.12
); e
s bestehe keine ver
wertbare Arbeitsfähigkeit
im ersten Arbeitsmarkt,
zumutbar sei eine Wiederein
gliederung im Umfang von 4 Stunden pro Tag in einem geschützten Rahmen (Urk. 7/92).
4.2.2
Ob die Beurteilung des Hausarztes aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar ist, ist m
angels einer aktuellen fachärztlichen Einschätzung
kaum beurteilbar.
Beim RAD handelt
e
es sich um einen fachfremden Facharzt für Chirurgie, dessen Stel
lungnahmen wenig zu überzeugen vermögen. So erachtete der RAD die vorlie
genden Arztberichte als schlüssig und die angeführten medizinischen Fakten für nachvollziehbar. Im Widerspruch dazu – insbesondere im Widerspruch zur Beur
teilung des Hausarztes, welcher
in
psychiatrischer
Hins
icht von einer Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit ausging – hielt der RAD fest, in einer angepassten Tätigkeit (unter strenger Beachtung des Belastungsprofils mit einer jeweils zwei
monatigen Rekonvaleszenz-Phase postoperativ) bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (E. 3.10); auf eine mögliche psychische Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin ging der RAD
gar
nicht ein. Das nachgeschobene Argument, bei stationärem Gesundheitszustand und nicht vorhandener psychiatrischer Behandlung müsse trotz der psychiatrischen Diagnosen von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werden (E. 3.14), erscheint auch nicht nach
vollziehbar. Aus den Berichten des Hausarztes ergeben sich im Zusammenspiel mit der in der Vergangenheit gestellten Diagnose eines AD(H)S, dem Hinweis auf wiederkehrende depressive Einbrüche, der Verschreibung von Medikamenten zur Behandlung eines AD(H)S (Urk. 7/53/5), der regelmässig durchgeführten Psycho
therapie (E. 3.12) sowie den Rückmeldungen der bisherigen Arbeitgeberin (auch im Zusammenhang mit dem Arbeitsversuch) sowie der
A.___
AG
(vgl. die nach
stehende E. 4.2.3)
deutliche Anhaltspunkte für eine mögliche
psychisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Angesichts der regelmässig durchge
führten Psychotherapie kann
ein gewisser Leidensdruck
sodann
nicht verneint werden.
4.2.3
Das Bild, welches die Beschwerdeführerin hinterlässt,
bleibt
letztlich aber inho
mogen.
Auf der einen Seite
sprechen die Rückmeldungen im Rahmen des Arbeitsversuchs bei
Z.___
und der Abschlussbericht der
A.___
AG vom 30. Januar 2017 über die Potentialabklärung vom 3. Januar bis 27. Januar 2017 (E. 3.6) gegen
eine
im ers
ten Arbeitsmarkt verwertbare höhere
Arbeitsfähigkeit
.
Die Rückmeldungen der Abteilungsleiterin des
Z.___
Restaurants im Rahmen des Arbeitsversuchs vom 23. Mai bis 25. November 2016 waren dergestalt, dass die Beschwerdeführerin sehr langsam arbeite, schnell nervös werde und rasch aus dem Konzept gerate, wenn etwas Unerwartetes passiere. Sie werde als liebe, fröhliche und hilfsbereite Person wahrgenommen. Sie traue sich aber zu wenig zu (Urk. 7/53/7). Eine Erhö
hung des Pensums
(50 %)
sei derzeit nicht realistisch. Die Beschwerdeführerin sei jeweils froh, nach ihren vier Stunden gehen zu können. Vom Tempo her seien keine wesentlichen Fortschritte ersichtlich (Urk. 7/53/10). Der gewünschte Einsatz der Beschwerdeführerin an der Kasse sei nicht realisierbar. Der Grund dafür sei die fehlende Konzentrationsfähigkeit der Beschwerdeführerin, sich alle Preise auswendig zu merken und unter Zeitdruck (Warteschlange) zu arbeiten. Auch benötige
sie
etwas länger Ze
it, bis sie etwas gelernt habe
(Urk. 7/53/12). Die Potentialabklärung ergab
in Übereinstimmung mit diesen Rückmeldungen
, dass die Beschwerdeführerin
unter anderem
unselbständig war,
Mühe mit Eigenver
ant
wo
rtung
, Konzentration, Aufmerksamkeit und Struktur hatte (E. 3.6).
Ange
sichts dessen erscheint fraglich, ob die Beschwerdeführerin
in der Lage ist, eine neue Tätigkeit
, welche eine Einarbeitung in neue Aufgaben erfordert,
in einem hochprozentigen Arbeitspensum (
vgl.
die
nachfolgende E.
4.4
)
aufzunehmen
und auszuüben
. Es gilt zu bedenken, dass die Beschwerdeführerin die bisherige Tätig
keit als Kommissioniererin (im Umfang von 70 %) bereits einige Jahre ausgeübt
hatte und
darin
routiniert war.
Dennoch
benötigte sie
gesundheitsbedingt (ADHS)
gemäss der
am 22. Mai 2014 erteilten
telefonischen Auskunft von
Herr
n
O.___
, Sozialdienst
Z.___
,
viel Geduld vom Arbeitsumfeld. Di
e Beschwerdefüh
rerin
sei
im Arbeitsallta
g teilweise sehr kompliziert
gewesen
. Man habe ihr, wenn es allzu schwierig geworden sei, auch schon gesagt, dass sie Medik
amente (Con
certa) nehmen müsse
(Urk. 7/16/5).
Auf der anderen Seite bestehen aber auch deutliche
Hinweise auf
motivationelle
Schwierigkeiten
der Beschwerdeführerin
bei der Aufnahme einer angepassten Tätigkeit
:
Dr.
C.___
führte in seinem Konsiliarbericht vom 31. Oktober 2014 beispielsweise aus, es bestehe eine starke psychische Belastung am Arbeitsplatz, wo die Beschwerdeführerin vom Lager in den Putzdienst versetzt worden sei. Sie sei dort unterfordert, wobei eine gewisse Kränkung wohl auch eine Rolle spiele (Urk. 7/29). Die Beschwerdeführerin äusserte sich gegenüber der Beschwerdegeg
nerin zudem dahingehend, dass es ihr am neuen Arbeitsplatz überhaupt nicht
gefalle. Sie fühle sich als Putzfrau unterfordert, da sie eine gestalterische Berufs
matura vorweisen könne (Schreiben vom 21. Oktober 2015 [Urk. 7/23]). Sie habe ein Boreout und Schlafstörungen bekommen (Gespräch vom 5. Oktober 2015 [Urk. 7/21/2]). Sie wünsche sich, an einem Ort arbeiten zu können, wo sie sich bestätigt fühle, sie sehr gute Arbeit leisten und ihre Fähigkeiten einsetzen könne. In ihrer Freizeit sei sie im Lernfoyer vom
P.___
und besuche zudem am Mittwoch
abend das Atelier für Druckgestaltung. Sie glaube nach wie vor, dass sie künst
lerisch sehr begabt sei und forciere deshalb in ihrer Freizeit diese Projekte mit den Illustrationen (Gespräch vom 30. Juni 2016 [Urk. 7/53/9]). Sie arbeite täglich auf ihren Traum hin, als
Gerichtszeichnerin zu arbeiten, und erstelle ein
Portfolio. Sie zeichne Portrai
ts (im Zug, in der Kirche usw.) und
denke immer wieder, dass sie nicht eine Matura gemacht habe, um dann bis zur Pensionierung als Reini
gungskraft zu arbeiten. Sie könne sich auch vorstellen, als Pflegeassistentin mit Menschen mit Demenz zu arbeiten (Gespräch vom 14. September 2016 [Urk. 7/53/14]). Angesichts der
deutlich
bekundeten Mühe der Beschwerdeführe
rin, eine Tätigkeit auszuüben, welche nicht ihren Vorstellungen entspricht,
kann
daher
nicht vorbehaltlos auf
die Rückmeldungen im Rahmen des Arbeitsversuchs bei
Z.___
und auf den Abschlussbericht der
A.___
AG abgestellt werden. Insbe
sondere ist nicht klar, ob die Beschwerdeführerin die Medikamente zur Behand
lung des AD
(
H
)
S während des Arbeitsversuchs und der Potentialabklärung
(
korrekt
)
eingenommen hat. Zudem stellt sich die Frage, ob der Arbeitsversuch bei
Z.___
überhaupt repräsentativ ist, setzte die Beschwerdeführerin während dieser
Zeit
doch einige Ressourcen ein, um ein Portfolio für eine Tätigkeit als Gerichts
zeichnerin zu erstellen. Obwohl sie anlässlich des Gesprächs vom 30. Juni 2016 darauf hingewiesen worden war, die Priorität auf den Arbeitsversuch zu richten (Urk. 7/53/9),
setzte sie
diesen Ratschlag nicht
um; gemäss eigenen Angaben arbeitete sie
täglich an ihrem Portfolio (Urk. 7/53/14).
Im Übrigen
stellt sich
auch
die Frage, ob es sich bei der Tätigkeit im Rahmen des Arbeitsversuchs aus soma
tischer Sicht überhaupt um eine angepasste Tätigkeit gehandelt hat.
4.2.4
Aufgrund der unklaren Aktenlage
ist
es daher unabdingbar, eine fachpsychiatri
sche Untersuchung der Beschwerdeführerin zu veranlassen.
4.3
Auch aus
somatischer Sicht
erweist es sich als
notwendig, angesichts der
im Bericht von Dr.
C.___
genannten Diagnosen
(E. 3.1) eine aktuelle fachärztli
che
Beurteilung zu veranlassen
.
Dr.
C.___
äussert
e
sich in seinem Bericht
insbesondere
nicht
dazu
,
in welchem Umfang
der Beschwerdeführerin
eine a
nge
passte Tätigkeit zumutbar wäre
.
4.4
Nicht nachvollziehen lässt sich die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, die Aufteilung der Tätigkeiten Erwerb und Haushalt sei im Verhältnis 85 % (Erwerb) zu 15 % (Haushalt) vorzunehmen (Urk. 2). Die Beschwerdeführerin war effektiv nicht in diesem Umfang erwerbstätig. Sie arbeitete ab dem 1. Oktober 2003 als Kommiss
i
oniererin bei der
Z.___
Genossenschaft in einem 70
%-Pensum, ab dem Jahr 2008 zusätzlich als Putzfrau bei einer Privatperson in einem 5
%-Pensum und im Jahr 2013 sodann noch in einer Kirche, wo sie Aufräumarbeiten nach Gottesdiensten tätigte (vgl. Ziff. 1.1 des Sachverhalts). Da die Beschwerdeführerin
anlässlich des Standortgesprächs vom 6. Mai 2014 selbst angegeben hatte, bei voller Gesundheit wahrscheinlich ein Arbeitspensum von 80 %
auszufüllen
(Urk. 7/10/2)
, ist darauf
abzustellen
. Auf die Durchführung einer Haushaltabklä
rung kann
in antizipierter Beweiswürdigung
verzichtet werden, wenn die medi
zinischen Abklärungen
eindeutig
ergeben, dass eine anspruchserhebliche Behin
derung im Haushalt
auszuschliessen ist (
vgl.
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz üb
er die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
174 zu Art. 28a
mit
Hinweis auf die Rechtsprechung
)
.
Sollte dies für die Rentenprüfung von Bedeutung sein, wäre sodann zu klären, ob und in welchem Umfang
überhaupt
von
einem
Tätig
keitsbereich Haushalt
auszugehen wäre
. Es bleibt unklar, in welchem Umfang
die Beschwerdeführerin
Zeit für ihre Leidenschaft, das Malen und Zeichnen, aufwen
det, und ob es sich dabei
nicht
um ein Hobby handelt. Gemäss ihren eigenen Angaben erzielt sie dadurch keine Einnahmen (Urk. 7/5/1).
5.
Nach dem Gesagten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvollständig abgeklärten medizinischen Sachverhalt.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache zur
psychiatrischen und somatischen Untersuchung der Beschwerdeführerin
und
zum
anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen
ist
.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind
gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auf Fr. 8
00.--
festzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen sind.
Damit erweist
sich das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
26. Oktober 2018
aufge
hoben und die Sache an die
se
zurückgewiesen wird,
damit sie im Sinne der Erwägun
gen verfahre und hernach über den Anspruch de
r Beschwerdeführerin auf eine Invali
den
rente neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelMuraro