# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8c084515-7a6d-569a-84c7-2fde61d937c2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-05-14
**Language:** de
**Title:** Wiedererwägungsweise Aufhebung der rentenzusprechenden Verfügung nicht rechtens. Keine offensichtliche Unrichtigkeit, da Gutachter das Suchtgeschehen des Beschwerdeführers nicht genau spezifizierte, mithin eine sekundäre Erkrankung nicht explizit ausschloss.
**Docket/Reference:** IV.2014.00242
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00242.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00242
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiber Brühwiler
Urteil
vom
14. Mai 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Pro
Infirmis
Zürich
Sozialberatung,
Y.___
Hohlstrasse 560, Postfach, 8048 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1965,
war
vo
n
Oktober 1993 bis 28. Februar 1998 als
Barman
(Urk. 7/8
) und
nach einer Phase der Arbeitslosigkeit (vgl. Urk. 7/18)
bis 29. März 1999 als Maler im
Temporärarbeitsverhältnis
(Urk. 7/10) tätig
. Am 29. Oktober 1999
meldete
er
sich erstmals unter Hinweis auf Depressionen und einen Bandscheibenvorfall bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
den medizi
nischen (Urk.
7/6, Urk. 7/11, Urk. 7/15
) und den beruflich-erwerblichen Sach
verhalt
(Urk. 7/8-10, Urk. 7/20-21)
ab und schloss mit Verfügung vom 23. Februar 2001 (Urk. 7/22) ihre Bemühungen mit der Feststellung ab, dass der Versicherte seine berufliche Tätigkeit als Maler weiterhin vollumfänglich ausüben und dabei ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne.
1.2
Am 29. September 2009 meldete sich der Versicherte erneut unter Hinweis auf Rücken- und Nackenschmerzen
sowie
Depressionen bei der Invalidenversiche
rung zum Leistun
gsbezug an (Urk. 7/28). Nach durchgeführten Abklärungen (Urk. 7/32-86) sprach
ihm
die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 (Urk. 7/87) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab Septem
ber 2010 zu.
1.3
Im Rahmen der im Oktober 2012 veranlassten Rentenrevision (Urk. 7/100/1-2) holte die IV-Stelle medizinische Berichte (Urk. 7/100/3)
sowie
eine
n
aktuellen Auszug des individuellen Kontos des Versicherten (IK-Auszug, Urk. 7/101) ein und veranlasste ein psychiatrisches Gutachten, welches am 1. März 2013 (Urk. 7/109) erstattet wurde.
Mit Vorbescheid vom 11. März 2013 (Urk. 7/111)
stellte sie die Rentenaufhebung auf Ende des folgenden Monats in Aussicht.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/113, Urk. 7/116, Urk. 7/120-122,
Urk. 7/125-130), im Rahmen dessen ein neuer Vorbescheid mit
wiederer
wägungsweiser
Aufhebung der
Verfügung vom 23. Dezember 2011
erging (Urk. 7/123), hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Januar 2014 (Urk. 7/131 = Urk. 2) die Verfügung vom 23. Dezember 201
1
wiedererwä
gungsweise
auf.
2.
Der Versicherte erhob am 27. Januar
2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Januar 2014 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben, und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
31. März 2014 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsver
fügung vom 22. April 2014 wurde
antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 1) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.2
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Renten
verfügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begrün
dung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheb
lichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundes
gerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
1.3
Bei Renten der Invalidenversicherung im Besonderen ist zu beachten, dass die Ermittlung des Invaliditätsgrades verschiedene Ermessenszüge aufweisende Elemente und Schritte umfasst. Zu denken ist namentlich an die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, und
Art.
6 ATSG). Hier bedarf es für die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit einer qualifiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Scheint die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (SVR 2006 IV Nr. 21 S. 75 E. 1.2 [I 545/02]; Urteile des Bundesgerichts I 632/04 vom 2
3.
Februar 2005 E.
3.1; 9C_215/2007 vom
2.
Juli 2007 E. 3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 23. Dezember 2011 damit, dass bei der
damaligen
Rentenzu
sprache
aufgrund der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode, einer iatrogenen
Opioidabhängigkeit
und einem
lumbovertebralen
Syndrom von einer Einschränkung von 100 %
sowohl angestammt wie auch angepasst
ausgegan
gen worden sei.
Das
neu eingeholte Gutachten vom März 2013
begründe die Arbeitsunfähigkeit vorwiegend mit den
Oxycontinnebenwirkungen
. Die iatro
ge
ne
Opioidabhängigkeit
sei aber damals genauso wenig invalidis
i
erend wie heute, weil keine körperliche, geistige oder psychische Gesundheitsstörung mit Krankheitswert zur Sucht geführt habe oder als deren Folge eingetre
ten sei (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) gel
tend, es liege eine eigenständige psychische Grunderkrankung vor, welche zur Sucht geführt habe. Die Sucht stelle deshalb eine Folge der Erkrankung dar und es bestehe heute unabhängig, auch
nach
dem Entzug, eine schwere Depression (S. 1 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die ursprüngliche
Leistungszusprache
zweifellos unrichtig gewesen und damit ihre wiedererwägungsweise Aufhebung zulässig war.
3.
3.1
Basis der ursprünglichen
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 (Urk. 7/
87) bildete
gemäss Feststellungsblatt vom 25. Oktober 2011 (Urk. 7/73)
in medizinischer Hinsicht das
bidisziplinäre
Gutachten
vom 11. August 2011
von Dr. med.
Z.___
, Innere Medizin FMH
,
spez
iell
Rheumaerkrankungen
,
und von Dr. med.
A.___
, Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH
(Urk. 7/71
S. 1-43
; internistisch-rheumatologisches
Teilgut
achten
vom 21. Juli 2011, Urk. 7/70).
3.1.1
Dr.
Z.___
stellte aus rheumatologischer Sicht
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/
70
S. 38
Ziff. 7.1
):
-
l
umbovertebrales
Syndrom
bei
-
kongenitale
r
leichte
r
bilaterale
r
Spondylolyse
L5 und diskrete
r
Retro
listhes
e
L5 gegenüber S1 um 5 mm
-
mä
ssige
n
Spondylarthrosen
L3 bis S1 und
Diskusprotrusionen
L4/L5 und L5/S1 ohne Nervenwurzelkompressionen
-
klinsch
ohne
radikuläre
Zeichen
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie
unter ande
rem
einen Verdacht auf
Oxycontin
-Abusus mit chronischer
Oxycontin
-Überdo
sis
sowie eine Adipositas Grad I
(
S. 38
Ziff. 7.2).
Sie führte aus, der Beschwerdeführer klage
seit vielen Jahren über ausgedehnte Schmerzen am ganzen Körper, die ständig schlimmer würden. In der klinischen Untersuchung sei die Adipositas Grad I der wesentlichste Befund. Wegen kräfti
ger Gegenspannung und mangelnder Compliance habe sie die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule (LWS) und der Brustwirbelsäule (BWS) nicht untersuchen können.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden.
Es seien mässige degenera
tive Veränderungen der LWS
ohne Nervenwurzelkompressionen
vorhanden
. Im
Blut
sei das Schmerzmittel
Oxycontin
fast dreifach oberhalb des obersten thera
peutischen Bereichs vorhanden, was auf eine chronische Überdosierung bei einem
Oxycontin
-Abusus hinweisen könnte. Die vorhandenen Befunde würden das Ausmass
der
Beschwerden nicht erklären
(S. 39)
.
Der Beschwerdeführer könne eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % ausüben (
S. 39
Mitte
). In der zuletzt ausgeübten (angestammten Tätigkeit)
bestehe ein
Belas
tungsprofil
, in welchem dem Beschwerdeführer Tätigkeiten mit Heben und Tragen bis 15 kg zumutbar seien, was einem leichten bis mittelschweren
Belas
tungsniveau
entspreche.
Aufgrund dieses Belastungsprofils könne der Be
schwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Maler nicht mehr ausüben, die Tätigkeit als Barmann hingegen könne er uneingeschränkt ganztags ausüben
(S. 40).
3.
1.2
Dr.
A.___
hielt in seiner
psychiatrischen Beurteilung
(
Urk.
7/71)
fest,
der Be
schwerdeführer stehe
wegen der Verschlechterung
seines
psychischen Zustandes seit dem 10. Juni 2010 in ambulante
r
psychiatrische
r
Behandlung und habe gemäss den behandelnden Ärzten unter einer mittelgradigen bis schweren de
pressiven Symptomatik gelitten. Mittels therapeutische
n
Massnahmen habe sich die depressive Symptomatik aber sowohl subjektiv als auch objektiv gebessert (S. 9).
Dr.
A.___
nannte folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 Ziff. 5.1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11)
-
iatrogene
Opioidabhängigkeit
(ICD-10 F45.4)
In den früheren Arztberichten sei auch eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
diagnostiziert worden, die er
zur Zeit
weder bestätigen noch aus
schlies
sen könne, weil beim Beschwerdeführer gegenwärtig eine
Oxycontinab
hängig
keit
beziehungsweise
Oxycontinnebenwirkungen
im Vordergrund stünden. Der verlangsamte Gedankengang, die testpsychologisch bestätigten Konzentrations
störungen, die deutlichen Antriebsstörungen und
die
Störungen der Psychomo
torik, welche mit
der
sonstige
n
depressive
n
Symptomatik nicht erklärbar seien,
die allgemeine Erschöpfung und die deutlich reduzierte Schwingungsfähigkeit seien auf
die
Oxycontinnebenwirkungen
zurückzuführen und würden die Ar
beitsfähigkeit des Beschwerdeführers vollständig einschränken. Erst nach dem
Oxycontin
-Entzug könne die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und auch die definitive Diagnosestellung festgelegt werden (S. 9).
3.1.3
In der interdisziplinären Zusammenfassung erachteten die Gutachter den Be
schwerdeführer in seiner bisherigen (angestammten) Tätigkeit als Maler seit dem 1. November 2008 für vollständig arbeitsunfähig. In einer seine
n
somatischen Leiden angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit Juni 2010 aus psy
chiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/71 S. 11).
3.2
In dem von der Beschwerdegegnerin anlässlich der Rentenrevision im Oktober 2012 veranlassten und am 1. März 2013 ergangenen psychiatrischen Gutachten (Urk. 7/109) kam Dr. med.
B.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, zum
Schluss, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich in dem Sinne gebessert, dass die rezidivierende depressive Episode gegenwärtig remittiert sei
. Die
Opiatabhängigkeit
daure
unverändert
an
(S. 38
Ziff.
8)
. Wegen dieser Abhängigkeit bestehe eine 100%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle verbindlichen Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt
. Da die Abhäng
ig
keit
bei der letzten Revision beziehungsweise Festlegung des Invaliditätsgrades 2011 den Grad der Arbeitsunfähigkeit bestimmt
habe
, sei der Grad der Arbeitsunfähigkeit seitdem unverändert (S. 38
Ziff.
8, S. 39
Ziff.
9
).
4.
4.1
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkei
t - als Schranke für ein
wieder
er
wägungsweises
Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige
Leistungszuspre
chung
- ist rechtsprechungsgemäss so zu handhaben, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistun
gen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durchführungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können (Urteil I 276/04 vom 2
8.
Juli 2005 E. 5.1).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig an
gewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwen
digerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte
bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
tigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein ver
nünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denk
bar (Urteil 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011 E. 2.5.1).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Eine auf kei
ner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähig
keit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entspre
chende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne (Urteil 9C_1014/2008 vom 1
4.
April 2009 E. 3.2.2).
Nicht entscheidend ist, ob die frühere
Leistungszusprache
unter Berücksichti
gung sämtlicher Teilaspekte richtig und angemessen war, sondern ob sie mit Blick auf die damalige Sach- und Rechtslage insgesamt als vertretbar erscheint (Urteil 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 3.3).
4.2
Im Lichte der massgebenden Rechts
prechung (vgl. vorstehend E. 1.3
und E. 4.1) ist zu prüfen, ob die Annahme einer vollen Arbeitsunfähigkeit und die
Zuspra
che
einer ganzen Rente ab September 2010 als zweifellos unrichtig einzustufen ist. Die Beschwerdegegnerin machte im
Wesentlichen geltend, die Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers sei
schon im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
über
wiegend durch das Suchtgeschehen eingeschränkt
gewesen
. Die iatrogene
Opioidabhängigkeit
sei aber
(als solche)
nicht invalidisierend
(Urk. 2 S. 2 f.).
Für die erfolgte Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG müsste die
Rentenzusprache
im Jahre 2011 zweifellos unrichtig gewesen sein. Dies ist vor
liegend nicht der Fall. Zwar ist der Beschwerdegegnerin insofern Recht zu ge
ben, als dass eine Suchtproblematik im Sinne einer Medikamentenabhängigkeit als solche grundsätzlich nicht invalidisierend ist (Urteil des Bundesgerichts I 504/06 vom 25. Juli 2007 E. 5.1 mit Hinweisen auf AHI 1996 S. 301 E. 2 und BGE 102 V 165).
Ob eine Suchtproblematik primär
, das heisst nicht als Folge eines psychischen Gesundheitsschadens
wie
im Gutachten von Dr.
B.___
(vgl. vorstehend E. 3.2)
postuliert
,
oder sekundär und damit
IV-rechtlich
rele
vant ist
, muss von ärztlicher Seite beantwortet werden. Im Gutachten von Dr.
A.___
und Dr.
Z.___
vom
11. August 2011
(Urk. 7/70-71)
wurde
die
Suchterkrankung nicht näher qualifiziert, also
insbesondere auch nicht
spezifi
ziert
,
ob sie
primär
er
oder sekundär
er Natur
sei
.
Aus den gesamten
Umstände
n
, namentlich d
e
r
Tatsache, dass der Beschwerdeführer, welcher seit
etwa 1985 anfing, über intermittierende belastungsabhängige Kreuzschmerzen zu klagen, seit vielen Jahren in fachärztlicher Behandlung steht
(vgl. die aufgelisteten Arztberichte, Urk. 7/70 S. 3 ff.) und sich weitgehend erfolgslos bemühte, die Schmerzen in den Griff zu bekommen
, dabei
depressive Episoden entwickelte
zuletzt im Verlauf des Jahres 2010 mit mittelgradiger bis schwerer Sympto
matik und zum Zeitpunkt der Begutachtung
eine
mittelgradig
e depressive Epi
sode
mit somatischen Symptomen (vgl. Urk. 7/71 S. 9)
ergibt sich nicht zwangsläufig, dass
der
diagnostizierte
n
Opioidabhängigkeit
keine relevante Erkrankung zugrunde liegt.
Dies gilt umso mehr, als Dr.
A.___
nebst der mit
telgradigen depressiven Episode und der
Oxycontinabhängigkeit
die in den früheren Arztberichten diagnostizierte
somatoforme
Schmerzstörung weder bestätigen noch ausschliessen konnte und diesbezüglich
einzig
feststellte, die
Oxycontinnebenwirkungen
würden im Vordergrund stehen
,
weshalb erst nach der Entzugsbehandlung beziehungsweise Optimierung der Schmerztherapie eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht definitiv erfolgen könn
e
(
vgl. vorstehend E. 3.1.2
).
Damit schloss er
aber
eine eigenständige, dem Suchtgeschehen zugrunde liegende Erkrankung nicht per se aus
, wie dies
Dr.
B.___
in ihrem Gutachten tat
(vgl. vorstehend E. 3.2)
.
Schliesslich erweist sich
das Gutachten von
Dr.
A.___
und
Dr.
Z.___
im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens (BGE 125 V 351 E. 3a; vgl. vorstehend E. 1.4) beweisrechtlich als durchaus verwertbar, was sich darin zeigte, dass auch
Dr. med.
C.___
, Facharzt für Neurologie FMH, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (
RAD
),
am 19. August 2011 die Beurtei
lung
der Gutachter
mit dem
ergänzenden
Hinweis auf die Möglichkeit der Auf
erlegung einer Schadenminderungspflicht
teilte
und von weiteren Abklärungen absah
(Urk. 7/73 S. 6).
Die sich
hierauf abstellende ursprüngliche
Leistungszusprache
erscheint v
or dem massgeblichen Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich zum Zeit
punkt der
Leistungszusprechung am
23. Dezember 2011 darbot,
nicht
als gera
dezu unvertretbar
,
und auch
eine qualifiziert
rechtsfehlerhafte
Sachverhaltsab
klärung
ist zu verneinen
(vgl. vorstehend E.
1.
2
f.).
4.3
Angesichts dieser Umstände ist der Rentenentscheid vom 23. Dezember 2011 nicht zweifellos unrichtig. Damit erweist sich die wiedererwägungsweise Aufhe
bung der
Leistungszusprache
als nicht gerechtfertigt.
Der Beschwerdegegnerin bleibt es unbenommen, für die
in
Art. 17 ATSG
voraus
gesetzte relevante gesundheitliche Verbesserung
aussagekräftige medizi
nische Beurteilungen zu veranlassen
. Mit
Blick auf die
Schmerzmittelabhängig
keit
wäre auch
eine entsprechende Auflage zur Schadenminderung an den Beschwerdeführer (Art. 21 Abs. 4 ATSG in Verbindung mit Art. 7a und b Abs. 1 IVG)
denkbar.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Be
schwerde aufzuheben.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festzusetzender Ersatz der Parteikosten. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist de
m Beschwerdeführer beim
praxisge
mässen
Stundenansatz von
Fr.
135.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
eine
Prozess
entschädigung
von Fr.
1‘
1
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
zusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
29. Januar 2014
aufgehoben
, womit der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘100
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Pro
Infirmis
Zürich
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrühwiler