# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27d87ea7-8b0d-5a74-ae8f-6aa89a8908cb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.05.2007 D-3604/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3604-2006_2007-05-15.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3604/2006
{T 0/2}

Urteil vom 15. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Haefeli, Richter Schürch, Richterin Cotting
Gerichtsschreiberin Freihofer

A._______, Sri Lanka,
vertreten durch Fürsprecher Gabriel Püntener,

Beschwerdeführer

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,

Vorinstanz

betreffend

Verfügung vom 27. November 2003 i.S. Asyl und Wegweisung / N 

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Sachverhalt:

A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Heimatstaat  am 
21. Juni 2003 und gelangte am 23. Juni 2003 in die Schweiz, wo er am gleichen 
Tag  um  Asyl  ersuchte.  Am  26.  Juni  2003  fand  in  Basel  die 
Empfangsstellenbefragung statt, und am 25. August 2003 erfolgte die Anhörung zu 
den Asylgründen durch den (...) des Kantons (...). Der Beschwerdeführer machte 
dabei  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  singhalesischer  Ethnie,  buddistischen 
Glaubens  und habe in  Colombo gewohnt.  Seit  Februar  2000 sei  er  als  privater 
Leibwächter  des  Parlamentsabgeordneten  B._______  von  der  C._______  tätig 
gewesen.  Im  Rahmen  dieser  Arbeit  habe  er  immer  wieder  Personen 
zusammengeschlagen, die politische Gegner seines Arbeitgebers gewesen seien 
oder die Plakate anderer Parteien hätten aufhängen wollen oder die sonst gegen 
die Partei gewesen seien. Er habe anlässlich von Wahlen auch Leute genötigt, für 
den Kanditaten der C._______ zu stimmen. Als seine Eltern und seine Freundin 
von seiner Tätgigkeit erfahren hätten, hätten sie versucht, ihn davon abzubringen, 
was er jedoch nicht habe tun wollen, da er mit dieser Arbeit gutes Geld verdient 
habe. Nachdem ihn jedoch die Freundin verlassen und einen anderen geheiratet 
habe,  habe er  doch beschlossen,  sich eine andere Tätigkeit  zu suchen.  Am 25. 
März 2003 habe er aufgehört, für den Parlamentsabgeordneten zu arbeiten. Am 2. 
Mai 2003 seien zwei Männer in Polizeiuniform zu ihm nach Hause gekommen und 
hätten  ihn  aufgefordert,  mit  ihnen  mitzugehen.  Draussen  hätten  sie  ihm  seine 
Augen verbunden und ihm auch die Hände zusammengebunden. Er sei ins Auto 
gebracht und an einen ihm unbekannten Ort gefahren worden. Dort hätten ihn drei 
bis fünf Personen immer wieder geschlagen und und von ihm wissen wollen, wie 
viele Menschen er in seiner Arbeit für B._______ umgebracht habe, ihm mit dem 
Tod gedroht und ihn am 6. Mai 2003 auf dem Friedhof Maharagama liegen lassen. 
Am  8.  Mai  2003  habe  er  zu  einem  Arzt  gehen  wollen,  um  seine  erlittenen 
Verletzungen behandeln zu lassen. Unterwegs habe ein Auto neben ihm gehalten, 
und die Insassen hätten versucht, ihn in den Wagen zu zerren, was ihnen jedoch 
nicht gelungen sei.  Er habe es mit der Angst zu tun bekommen und habe einen 
Freund  um Hilfe  gebeten.  Dieser  habe  ihn im Tempel  D._______ in  E._______ 
versteckt  und  seine  Ausreise  organisiert.  Auf  dem  Luftweg  sei  er  mit  einem 
gefälschten Pass via Dubai nach Rom gelangt und von dort mit dem Auto in die 
Schweiz gebracht worden.

B. Mit Verfügung vom 27. November 2003 stellte das BFF fest, der Beschwerdeführer 
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug.

C. Mit Beschwerde vom 5. Januar 2004 liess der Beschwerdeführer beantragen, die 
Verfügung des BFF vom 27. November 2003 sei aufzuheben und die Sache sei 
zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und zur Neubeurteilung an das BFF zurückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung 
des  BFF  vom  27.  November  2003  aufzuheben  und  es  sei  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen.  Es  sei  ihm  in  der 
Schweiz  Asyl  zu  gewähren.  Eventuell  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der 

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Wegweisung unzumutbar sei. 

D. Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  Januar  2004  forderte  die  damals  zuständige 
Instruktionsrichterin  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  den 
Beschwerdeführer  auf,  ein  ärztliches  Zeugnis  einzureichen  und  eine  schriftliche 
Stellungnahme  zur  Glaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  abzugeben.  Auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und festgestellt, dass auf die 
übrigen Anträge zu einem späteren Zeitpunkt zurückgekommen werde.

E. Mit  Eingabe  vom  28.  Januar  2004  wurde  vom  Beschwerdeführer  eine 
Stellungnahme zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen eingereicht. 

F. Mit Eingabe vom 17. Februar 2005 (Poststempel) wurde – nach Gewährung einer 
entsprechenden  Fristerstreckung  durch  die  ARK mit  Verfügung  vom 2.  Februar 
2004  –  ein  ärztlicher  Bericht  von  Dr.  med.  F._______,  FMH  für  Psychiatrie  & 
Psychotherapie, G._______ , vom 15. Februar 2005 zu den Akten gereicht. 

G. Das BFF schloss in seiner Vernehmlassung vom 24. Februar 2004 auf Abweisung 
der Beschwerde.

H. Mit  Eingabe  vom 19.  März  2004  liess  der  Beschwerdeführer  –  nach  gewährter 
Fristerstreckung durch die ARK vom 15. März 2004 – replizieren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss Art.  31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 
173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen 
nach  Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 
VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  und  34  VGG  genannten 
Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 
26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31);  das Bundesverwaltungsgericht entscheidet  in 
diesem  Bereich  endgültig  (Art.  105  AsylG;  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG; SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 
2007  die  Beurteilung  der  bei  der  ehemaligen  ARK  hängigen  Rechtsmittel.  Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die 
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. Die Beschwerde ist  form-  und fristgerecht  eingereicht;  der  Beschwerdeführer  ist 
legitimiert  (Art.  6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist 
mithin einzutreten.

4

3.

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. 
Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem 
Heimatstaat  oder  im Land,  wo sie zuletzt  wohnte,  wegen ihrer  Rasse,  Religion, 
Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile 
gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie 
Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder 
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr 
Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält. 
Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig 
begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen 
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

4.

4.1 Das  Bundesamt  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da  seine 
Vorbringen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG 
nicht  standhielten.  Bei  der  geltend  gemachten  Entführung  und  mehrtägigen 
Festhaltung  durch  unbekannte  Personen  handle  es  sich  um  Übergriffe  durch 
unbekannte  Drittpersonen.  Es gebe vorliegend  keine  Hinweise  darauf,  dass  der 
Staat  trotz  bestehender  Schutzpflicht  und  Schutzfähigkeit  den  erforderlichen 
Schutz  nicht  gewähre.  Es  handle  sich  vielmehr  um  kriminelle  Machenschaften 
privater Dritter. Dem Beschwerdeführer sei es möglich und zumutbar, den Schutz 
der srilankischen Behörden respektive Sicherheitskräfte in Anspruch zu nehmen. 
Daran vermöge auch der Einwand, er habe den Vorfall aus Angst vor der Polizei 
nicht gemeldet, nichts zu ändern. Es sei davon auszugehen, dass in Sri Lanka der 
staatliche  Wille  bestehe,  die  Bürger  vor  Übergriffen  durch  Privatpersonen  zu 
schützen. Ausserdem stehe es dem Beschwerdeführer im Falle von unterlassenen 
Schutzmassnahmen  seitens  der  lokalen  Polizei  offen,  sich  –  allenfalls  mit  Hilfe 
eines Anwaltes – an eine übergeordnete Instanz zu wenden. 

4.2

4.2.1 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Rechtsmitteleingabe die unvollständige und 
unrichtige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts.  So  habe  er  seine 
Tätigkeit  als  Leibwächter  für  den  Parlamentsabgeordneten  B._______  zu  einer 
Zeit  aufgenommen,  als  die  C._______  noch  an der  Macht  gewesen  sei.  In  der 
Zwischenzeit  hätten  sich  die  Machtverhältnisse  geändert,  was  für  Personen, 
welche  sich  im  Rahmen  der  C._______  betätigt  hätten,  in  vielfacher  Hinsicht 
Konsequenzen haben könne.  Da die Übergriffe  durch  Dritte  naheliegenderweise 
mit dieser Tätigkeit  zusammenhingen, sei es grundsätzlich undenkbar, dass sich 

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der Beschwerdeführer mit seinen Problemen an die srilankischen Sicherheitskräfte 
hätte  wenden  können.  Denn  dies  hätte  dazu  geführt,  dass  er  von  den 
Sicherheitskräften  entweder  keinen  Schutz  hätte  erhalten  können  oder  gar  mit 
Übergriffen konfrontiert worden wäre. Die srilankischen Sicherheitskräfte wüssten 
zudem, dass sie sich mit den aktuellen Machthabern gut zu stellen hätten. Dies 
habe das Bundesamt zu wenig abgeklärt, beispielsweise im Rahmen einer Anfrage 
an die  schweizerische Botschaft  in  Colombo.  Sodann sei  der  Beschwerdeführer 
vom 2. bis zum 6. Mai 2003 inhaftiert gewesen. Er sei immer wieder geschlagen 
und  mehrmals  in  einen  Wassertank  gelegt  worden.  Schliesslich  sei  bei  der 
Aussetzung auf dem Friedhof  noch geschossen worden.  Er leide heute  deshalb 
unter  grossen  Angstzuständen.  Dies  habe  er  im  Verfahren  auch  erklärt  und 
angegeben,  er  stehe  deswegen  in  der  Schweiz  in  ärztlicher  Behandlung.  Das 
Bundesamt  habe  es  jedoch  unterlassen,  vom  Beschwerdeführer  einen 
entsprechenden Arztbericht einholen zu lassen. 

Die  Rüge der  unrichtigen  und unvollständigen  Sachverhaltsfeststellung  ist  indes 
zurückzuweisen. Es ergeben sich aufgrund einer Prüfung der vorliegenden Akten 
und insbesondere der angefochtenen Verfügung keine Hinweise dafür,  dass das 
Bundesamt  bei  seiner  Entscheidfindung  von  einem  unvollständigen  oder 
unrichtigen  Sachverhalt  ausgegangen  ist.  Weder  die  vorgebrachten  Einwände 
noch die Akten lassen darauf  schliessen,  dass die vorinstanzliche Sachverhalts-
feststellung  eine  rechtswesentliche  Tatsache  trotz  ihrer  Erheblichkeit  nicht  zum 
Gegenstand  des  Beweisverfahrens  gemacht  oder  nicht  alle  für  den  Entscheid 
rechtserheblichen Tatsachen berücksichtigt  hätte (vgl.  A. Kölz/  I.  Häner,  Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 
97 f.).  Der  Vollständigkeit  halber  ist  schliesslich  festzuhalten,  dass die  Behörde 
nicht verpflichtet ist, alles und jedes, was wünschbar erscheint, von Amtes wegen 
abzuklären.  Der  Beschwerdeführer  hätte  zudem  die  Möglichkeit  gehabt,  im 
Rahmen seiner Mitwirkungspflichten von sich aus einen Artzbericht einzureichen. 
Das  Bundesamt  sah  vorliegend  den  Sachverhalt  als  genügend  erstellt  an,  um 
entscheiden zu können. Aufgrund dieser Erwägungen sind sowohl der Hauptantrag 
auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, als auch der verfahrensrechtliche 
Antrag, es sei eine Botschaftsabklärung durchzuführen, abzuweisen.

4.2.2 Des  Weiteren  wird  gerügt,  das  Bundesamt  habe  dem  Beschwerdeführer  zu 
Unrecht kein Asyl gewährt und damit Bundesrecht verletzt. 

Gemäss den Entscheidungen und Mitteilungen der ARK (EMARK) 2005 Nr. 18 E. 
5.7.1.  S.  164,  ist  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  die  Situation  im 
Zeitpunkt  des Asylentscheides massgebend. Dabei  ist  einerseits  die Frage nach 
der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  aktuell  vorhandenen  Furcht  zu  stellen  und 
andererseits  zu  prüfen,  ob  die  Furcht  vor  einer  absehbaren  Verfolgung  (noch) 
begründet  ist.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im Heimatstaat  zwischen 
Ausreise und Asylentscheid  sind zugunsten und zulasten des Gesuchstellers  zu 
berücksichtigen (vgl. EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b. und 1994 Nr. 24 E. 8a; W. Kälin, 
Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 135 ff.). Massgebend 
für den Asylentscheid ist demnach die Situation im gegenwärtigen Zeitpunkt.

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Die ARK hat mit dem Grundsatzentscheid EMARK 2006 Nr. 18 in Bezug auf die 
flüchtlingsrechtliche  Relevanz  nichtstaatlicher  Verfolgung  eine  wesentliche 
Änderung der schweizerischen Asylrechtspraxis eingeleitet. Bis anhin anerkannte 
die schweizerische Praxis eine Verfolgung dann als asylrechtlich relevant,  wenn 
sie vom Staat ausging, sei es unmittelbar durch dessen Organe, sei es mittelbar 
durch Dritte,  deren Handlungen  vom Staat  angeregt,  gebilligt,  unterstützt  oder  - 
obwohl  zur  Schutzgewährung in  der  Lage -  tatenlos  hingenommen wurden (vgl. 
hierzu und zum Folgenden: EMARK 2004 Nr. 14 E. 6 S. 89 ff. m.w.H.; rückblickend 
nunmehr  EMARK  2006  Nr. 18,  Erw. 6.3.1.).  Dabei  wurde  Verfolgung  durch  so 
genannte  Quasi-Staaten  -  Körperschaften,  welche,  ohne  anerkannte  Träger  der 
Staatsordnung  zu  sein,  faktisch  die  Herrschaft  über  bestimmte  Teilgebiete  des 
staatlichen  Territoriums  und  die  dort  lebende  Bevölkerung  ausüben  -  bei  der 
Prüfung der Flüchtlingseigenschaft staatlicher Verfolgung gleichgesetzt. Hingegen 
wurden  Verfolgungshandlungen  nicht  als  flüchtlingsrechtlich  relevant  anerkannt, 
wenn  sie  weder  direkt  noch  indirekt  einem  staatlichen  (oder  quasi-staatlichen) 
Urheber zugerechnet werden konnten (vgl. etwa EMARK 2002 Nr. 16, 1997 Nr. 6, 
1996  Nr.   8,  1995  Nrn. 2  und  25).  Diesen  als  "Zurechenbarkeitstheorie" 
bezeichneten Ansatz hat die ARK mit dem erwähnten Grundsatzentscheid gestützt 
auf eine umfassende Auslegung der für die Definition des Flüchtlingsbegriffs von 
Art. 3  AsylG  massgeblichen  völkerrechtlichen  Vorgabe  des  Art. 1A  Ziff. 2 
Flüchtlingskonvention  (EMARK  2006  Nr. 18  E. 7)  zugunsten  der  so  genannten 
"Schutztheorie"  aufgegeben  (a.a.O.,  Erw. 9).  Danach  ist  nunmehr  bei  der 
Beantwortung der Frage, ob eine Person von Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen 
Sinne  betroffen  ist,  nicht  mehr  das  Kriterium  der  Urheberschaft  massgeblich, 
sondern  das  Vorhandensein  adäquaten  Schutzes  im  Heimatstaat.  Mit  anderen 
Worten  ist  auch  dann  von  einer  asylrelevanten  Verfolgung  auszugehen,  wenn 
deren  Urheber  nichtstaatliche  Akteure  beziehungsweise  Private  sind  und  der 
Heimatstaat der verfolgten Person keinen Schutz zu gewähren imstande ist. Der 
Wechsel zur Schutztheorie bringt bestimmte Folgen mit sich, die im vorliegenden 
Verfahren  von  konkreter  Bedeutung  sein  könnten.  Zunächst  fallen  damit  die 
bisherigen  rechtlichen  Abgrenzungsfragen  zwischen  direkter  und  mittelbarer 
staatlicher  Verfolgung  weg;  ferner  wird  die  oftmals  heikle  Frage  nach  der 
staatlichen  Zurechenbarkeit  konkreten  privaten  Handelns  obsolet;  auch  ist 
nunmehr  die  teilweise  aufwändige  (und  theoretisch  bei  jedem  Verfahren  neu 
vorzunehmende)  Prüfung  entbehrlich,  ob  Bürgerkriegsparteien  oder  andere 
Körperschaften  eine  derart  effektive  Herrschaft  über  das  von  ihnen  eroberte 
Gebiet  ausüben,  dass  sie  als  quasi-staatliche  Verfolger  im  Sinne  der 
Rechtsprechung  zu qualifizieren  sind.  Aufgrund des subsidiären Charakters  des 
asylrechtlichen Schutzes, wonach eine Schutzgewährung durch ein Asylland dann 
nicht (oder nicht mehr) erforderlich ist, wenn ein anderer Staat, insbesondere der 
Heimatstaat,  zur  Schutzgewährung  verpflichtet  ist  und  diese  Verpflichtung  auch 
tatsächlich  wahrnimmt  (s. Art.  1A  Ziff. 2  FK;  vgl.  diesbezüglich  EMARK  2000 
Nr. 15 S. 127 ff.), ist allerdings auch im Falle nichtstaatlicher Verfolgung zu prüfen, 
ob der verfolgten Person in ihrem Herkunftsland ausreichender Schutz zuteil wird 
(EMARK 2006 Nr. 18 E. 10). Verfolgt im Sinne von Art. 3 AsylG ist, wer aus den in 
Abs.  1  der  genannten  Norm  aufgezählten  Gründen  ernsthaften  Nachteilen 
ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 

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werden.  Dabei umfasst  die Furcht vor künftiger  Verfolgung gemäss den von der 
ARK  entwickelten  Kriterien  allgemein  ein  auf  tatsächlichen  Gegebenheiten 
beruhendes objektives Element einerseits sowie die persönliche Furchtempfindung 
der  betroffenen  Person  als  subjektives  Element  andererseits.  Als  Flüchtling  im 
Sinne  von  Art.  3  AsylG  ist  demnach  anzuerkennen,  wer  gute  –  das  heisst  von 
Dritten  nachvollziehbare  -  Gründe  (objektives  Element)  für  seine  Furcht 
(subjektives  Element)  hat,  mit  gewisser  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer 
Zukunft  das  Opfer  von  Verfolgung  zu  werden  (vgl.  zuletzt  EMARK  2000  Nr. 9 
E. 5a).  Dabei  ist  auch  zu  beachten,  dass  eine  Person,  die  bereits  einmal 
staatlichen  beziehungsweise  quasistaatlichen  Verfolgungen  ausgesetzt  war, 
objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat als jemand, der in 
der Vergangenheit  keine entsprechenden Erfahrungen gemacht hat (vgl. EMARK 
1993 Nr. 11 E. 4c, 1994 Nr. 24 E. 8b).

Der  srilankische  Staat  ist  zur  Zeit  im  südlichen  Teil  des  Landes  (der 
Beschwerdeführer  stammt  aus  Colombo)  grundsätzlich  willens  und  fähig, 
Personen,  welche  von  Drittpersonen  bedroht  beziehungsweise  verfolgt  werden, 
den erforderlichen Schutz zu gewähren. Es steht zwar fest, dass aufgrund des seit 
Jahren andauernden  ethnischen  Konfliktes  in  Sri  Lanka eine Tätigkeit  für  einen 
Parlamentsabgeordneten mit einem gewissen Sicherheitsrisiko verbunden ist. Des 
Weiteren  ist  nicht  auszuschliessen,  dass  eine  Person  in  der  Situation  des 
Beschwerdeführers  als  Leibwächter  eines  Parlamentsabgeordneten  der 
C._______ zum Zeitpunkt des politischen Machtwechsels, mithin des Verlusts der 
Mehrheit  der  C._______  im  Parlament,  damals  nicht  gewagt  hätte,  sich  an  die 
staatlichen Behörden zu wenden und um Schutz zu ersuchen. Aber in Anbetracht 
der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Sri  Lanka  der  singhalesischen 
Mehrheit  angehört und er darüber hinaus eigenen Angaben zufolge nie politisch 
aktiv  gewesen  ist,  ist  zum heutigen  Zeitpunkt,  vier  Jahre  nach seiner  Ausreise, 
klarerweise nicht  davon auszugehen, dass er bei Bedarf den nötigen staatlichen 
Schutz nicht erhalten würde, wobei aber nicht in Abrede gestellt werden soll, dass 
es  auch  in  letzter  Zeit  zu  Attentaten  gegenüber  Angehörigen  der  srilankischen 
Sicherheitskräfte beziehungsweise Parlamentsmitgliedern gekommen ist. Somit ist 
die geltend gemachte Verfolgung durch Dritte – unbeachtlich der Frage nach der 
Glaubhaftigkeit  –  asylrechtlich  unerheblich.  Unter  diesen  Umständen  ist  der 
Umstand, dass der Beschwerdeführer wegen der Verfolgung durch Dritte an einem 
Trauma  leidet,  gleichermassen  unmassgeblich,  weshalb  sich  eine 
Botschaftsanfrage erübrigt.  Die erhobene Rüge der Verletzung von Art.  3 AsylG 
erweist sich nach dem Gesagten als unbegründet.

4.3 Bei dieser Sachlage erübrigt es sich, auf die Ausführungen auf Beschwerdeebene 
noch  näher  einzugehen,  da sie  am Ergebnis  auch  nichts  zu  ändern  vermögen. 
Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft machen oder nachweisen und er nicht 
als Flüchtling anerkannt werden kann. Mangels erfüllter Flüchtlingseigenschaft ist 
ihm zu Recht das nachgesuchte Asyl nicht gewährt worden. 

5.  

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5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 
es  in  der  Regel  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet  den Vollzug  an; 
dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 
AsylG).  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  möglich,  nicht  zulässig oder nicht 
zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den 
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 
Abs.  2  AsylG;  Art.  14a  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und 
Niederlassung der Ausländer [ANAG; SR 142.20]). 

5.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in 
den  Heimatstaat  noch  in  einen  Drittstaat  verbracht  werden  kann.  Er  ist  nicht 
zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des 
Ausländers  in  seinen  Heimat-,  Herkunfts-  oder  einen Drittstaat  entgegenstehen. 
Der Vollzug kann insbesondere nicht  zumutbar sein,  wenn er für  den Ausländer 
eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG).

5.3 Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in 
dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 
AsylG gefährdet sind oder in dem die Gefahr besteht, dass er zur Ausreise in ein 
solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG).

5.4 Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 3 des Übereinkommens 
vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder 
erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu Art.  3 
der  Konvention  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  vom  4. 
November 1950 (EMRK; SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher 
oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.5 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen.  Die 
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 
2001 Nr. 21). 

5.6 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass 
der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die 
Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  M.  Gattiker,  Das  Asyl-  und 
Wegweisungsverfahren,  Bern  1999,  S.  89).  Da es  dem Beschwerdeführer  nicht 
gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder 
glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen  Non-refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine 
Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen Heimatstaat 
ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

5.7 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus 
den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in seinen 
Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder 
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis 
des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") 
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

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oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 
m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in seinem Heimatstaat lässt den 
Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig 
erscheinen.

Der Beschwerdeführer macht auf Beschwerdeebene psychische Probleme geltend 
und  reicht  zur  Untermauerung  einen  Bericht  von  Dr.  med.  F._______,  FMH für 
Psychiatrie  & Psychotherapie,  G._______,  vom 15.  Februar  2004 zu den Akten. 
Darin  wird  beim  Beschwerdeführer  eine  augeprägte  posttraumatische 
Belastungsstörung,  bedingt  durch  die  in  Sri  Lanka  erlittene  Gewalterfahrung, 
diagnostiziert.  Des Weiteren leide  er  an diversen psychosomatischen respektive 
körperlichen Beschwerden, welche ihre Ursache in nicht verarbeiteten psychischen 
Traumata  und  der  erlittenen  Gewalt  haben  dürften.  Die  Prognose  sei  ohne 
Behandlung als nicht günstig einzuschätzen. Es sei gar mit einer Verschlechterung 
zu rechnen. Mittels bei einer Behandlung bei einem Facharzt dürfte eine Linderung 
zumindest  der  Depression  und  ihrer  Auswirkungen  zu  erreichen  sein.  Bei  einer 
allfälligen  erzwungenen  Rückkehr  sei  nicht  auszuschliessen,  dass  der 
Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  subjektiv  empfundenen  Ausweglosigkeit  und 
der  Angst,  in  Sri  Lanka  umgebracht  zu  werden,  eine Verzweiflungstat  begehen 
könne.  Die  Reisefähigkeit  sei  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  betrachtet  derzeit 
eher nicht gegeben.

Der  Europäische  Gerichtshof  für  Menschenrechte  {EGMR}  hat  in  seinem  Urteil 
vom  20.  März  1991  2001  i.S.  Cruz  Varas  gegen  Schweden  (Beschwerde  Nr. 
46/1990/237307) entschieden, dass der Vollzug der "Ausweisung" von Personen, 
die  an  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  leiden  beziehungsweise 
suizidgefährdet sind, nicht gegen Art. 3 EMRK verstösst (vgl. a.a.O., E. 44, 45, 46, 
insbesondere  77-86).  Der  Gerichtshof  hat  diese  Praxis  im 
Unzulässigkeitsentscheid  vom  29.  Juni  2004  i.S.  Salkic  in  Bezug  auf  die 
posttraumatische  Belastungsstörung  bestätigt  (vgl.  Unzulässigkeitsentscheid  des 
EGMR vom 29. Juni 2004 i.S. Salkic und andere gegen Schweden, Nr. 7702/04, 3, 
8-11 {englischer Text}). 

Zwar wird geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer  suizidgefährdet sei. Was 
die Frage nach der allfälligen Suizidalität des Beschwerdeführers  betrifft, so kann 
zunächst auf die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung im Falle einer 
zwangsweisen Ausschaffung verwiesen werden,  wo gleichermassen die allfällige 
Verletzung von Art. 3 EMRK geprüft wird (siehe Urteil des Bundesgerichts vom 29. 
August 2001 i.S. S.D. und M.D., 2P.116/2001, Ziff. 4c). Nach der Rechtsprechung 
des Bundesgerichts steht ein Suizidversuch der Ausschaffungshaft nicht entgegen 
(vgl.  Thomas  Hugi  Yar,  Zwangsmassnahmen  im  Ausländerrecht,  in:  Peter 
Uebersax/Peter  Münch/Thomas  Geiser/Martin  Arnold  {Hrsg.},  Ausländerrecht, 
Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Basel u.a. 2002, S. 315 mit Hinweis 
auf das Urteil  des Bundesgerichts vom 1. April  1996 i.S. T., 2A.167/1996,  S. 7). 
Die Anwendung der vorerwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Bezug 
auf eine allfällige Suizidalität des Beschwerdeführers drängt sich auch bei der dem 
Vollzugsstadium  vorangehenden  Beurteilung  der  völkerrechtlichen  Zulässigkeit 
des Wegweisungsvollzugs auf, zumal sich in beiden Fällen die Prüfung unter dem 

10

Blickwinkel von Art. 3 EMRK stellt. 

Drohen Ausländer  für  den  Fall  des  Vollzuges  des  Wegweisungsentscheides  mit 
Suizid,  so  ist  nach  dem  Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte  der 
wegweisende  Staat  nicht  verpflichtet,  vom  Vollzug  der  Ausweisung  Abstand  zu 
nehmen; solange er Massnahmen ergreift,  um die Umsetzung der Suiziddrohung 
zu verhindern, vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen. 
Im Fall  Dragan  gegen Deutschland  hatte  der  Gerichtshof  die Beschwerde  einer 
psychisch  kranken  Frau  zu  beurteilen,  die  von  den  deutschen  Behörden  nach 
Rumänien ausgeschafft werden sollte und ernsthaft gedroht hatte, sie würde sich 
umbringen, wenn sie behördlich gezwungen würde, Deutschland zu verlassen. Der 
Gerichtshof, der davon ausging, dass die Beschwerdeführerin in Rumänien keiner 
hinreichend  konkreten  Gefahr  ausgesetzt  sein  würde,  dass  ihre  Krankheit  nicht 
behandelt  werden  könnte,  kam  zum  Schluss,  dass  nach  Art.  3  EMRK  keine 
Verpflichtung besteht, von einer zu vollziehenden Weg- oder Ausweisung Abstand 
zu  nehmen,  wenn  die  betroffene  Person  mit  Suizid  droht;  die  Zulässigkeit  des 
Vollzugs  der  Weg-  oder  Ausweisung  setzt  dann  allerdings  voraus,  dass  der 
ausschaffende  Staat  geeignete  Massnahmen  ergreift,  um  die  Umsetzung  der 
Suiziddrohung im Zusammenhang mit  der Ausschaffung zu verhindern  (vgl.  den 
Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und andere 
gegen  Deutschland,  Nr.  33743/03,  angeführt  in  EMARK 2005  Nr.  23  E.  5.1  S. 
212). 

In  diesem  Zusammenhang  ist  vorerst  festzuhalten,  dass  die  gesundheitlichen 
Probleme des Beschwerdeführers unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK selbst 
dann kein völkerrechtliches Vollzugshindernis darstellen würden, falls in Sri Lanka 
der medizinische Standard schlechter als in der Schweiz wäre (vgl. EMARK 2004 
Nr.  6  E.  7  S.  40  ff.,  2004  Nr.  7  E.  5  S.  47  ff.,  Bundesgerichtsurteil  vom  30. 
September 2002 i.S. A. und B. gegen Service de la population du canton de Vaud, 
E. 2.3 {SZIER 3/2003, S. 308}). Diese nationale Rechtsprechung steht im Einklang 
mit  derjenigen  der  Strassburger  Organe,  wonach  allein  die  Tatsache,  dass  die 
Umstände  der  medizinischen  Versorgung  im  Heimatland  für  den  Betroffenen 
weniger  vorteilhaft  wären  als  jene,  die  er  im  Aufenthaltsstaat  hat,  für  die 
Beurteilung unter  dem Blickwinkel  von Art.  3  EMRK nicht  entscheidend  ist  (vgl. 
Urteil des EGMR vom 6. Februar 2001 i.S. Bensaid gegen Vereinigtes Königreich 
{Grossbritannien}, E. 38, Beschwerde Nr. 44599/98; Entscheid des EGMR vom 29. 
Juni 2004 über die Zulassung der Beschwerde N. 7702/04 i.S. Salkic und andere 
gegen Schweden, "The Law", Ziff. 1, S. 7). 

Vielmehr  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer,  welcher  in  der  Schweiz 
medizinisch bisher lediglich ambulant betreut wurde, in seinem Heimatland auf die 
dort  bestehenden  und  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  als 
ausreichend  zu  bezeichnenden  psychiatrischen  Behandlungsinstitutionen 
zurückgreifen kann. Vor diesem Hintergrund ist der Vollzug der Wegweisung des 
Beschwerdeführers in Beachtung der massgeblichen völker- und landesrechtlichen 
Bestimmungen als zulässig zu bezeichnen. Nach dem Gesagten bildet selbst eine 
allfällige  Suizidalität  des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens  somit  kein  völkerrechtliches  Vollzugshindernis.  Eine  sich 

11

allfällig  aufdrängende  Dämpfung  der  suizidalen  Tendenzen  des 
Beschwerdeführers,  könnte  in  Anwendung  einer  adäquaten  medizinischen 
Rückkehrhilfe  (Art.  93  Abs.  1  Bst.  c  AsylG i.V.m.  Art.  75  der  Asylverordnung  2 
[AsylV  2;  SR  142.312]),  welche  allenfalls  mit  einer  durch  medizinisches 
Fachpersonal  begleiteten  Ausschaffung  verbunden  sein  müsste,  auch  bei  der 
Rückführung  des  Beschwerdeführers  in  sein  Heimatland  weiterhin  gewährleistet 
werden.  Dieser  Beurteilung steht  auch nicht  entgegen,  dass gemäss Arztbericht 
vom 15. Februar 2004 die Reisefähigkeit  bei  einer allfälligen Ausschaffung nicht 
gegeben sei.  Nach EMARK 2002 Nr. 18 E. 4aa S.  145 f.,  kann der Beweiswert 
eines  ärztlichen  Berichts  nur  verneint  werden,  falls  konkrete  Indizien  vorliegen, 
welche  geeignet  sind,  die  Zuverlässigkeit  des  Berichts  in  Zweifel  zu  ziehen.  In 
casu ist diese Voraussetzung erfüllt, zumal nicht nachvollziehbar ist, weshalb bei 
einer  lediglich  ambulanten  Behandlung  beziehungsweise  Begutachtung  die 
Reisefähigkeit  des Beschwerdeführers  nicht  gegeben  sein  sollte.  Überdies  lässt 
sich  die  Frage der  Reisefähigkeit  im vorliegenden Verfahren letztendlich  nur  im 
Rahmen  des  tatsächlichen  Vollzugs  konkret  überprüfen.  Eine  amtsärztlich 
bescheinigte  Reiseunfähigkeit  des  Beschwerdeführers  liegt  jedenfalls  bis  heute 
nicht vor. Somit bildet auch eine allfällige Suizidalität des Beschwerdeführers kein 
völkerrechtliches  Wegweisungshindernis.  Es  ist  deshalb  entbehrlich,  erneut 
Arztberichte einzuholen.

Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  unter  diesem 
Gesichtspunkt zulässig.

5.8 Aus  humanitären  Gründen,  nicht  in  Erfüllung  völkerrechtlicher  Pflichten  der 
Schweiz,  wird  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  auch  verzichtet,  wenn  die 
Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  den  Betroffenen  eine  konkrete  Gefährdung 
darstellt.  Eine  solche  Gefährdung  kann  angesichts  der  im  Heimatland 
herrschenden allgemeinen politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder 
durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund  anderer 
Gefahrenmomente,  wie  beispielsweise  einer  notwendigen  medizinischen 
Behandlung, angenommen werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das 
Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668).

5.9 Gemäss  Praxis  gilt  ein  Wegweisungsvollzug  in  die  im  Norden  Sri  Lankas 
gelegenen Gebiete Killinochchi, Mannar, Vavuniya, Mallaitivu und Jaffna zwar als 
unzumutbar,  eine  Rückführung  in  die  südlichen  Provinzen,  mithin  auch  nach 
Colombo, wo der Beschwerdeführer herstammt,  aber als grundsätzlich zumutbar 
(vgl. EMARK 2006 Nr. 6).Wohl ist es in den letzten Monaten im Norden und Osten 
Sri Lankas zu zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen und Scharmützeln 
gekommen, denen Soldaten,  LTTE-Kämpfer und Zivilisten zum Opfer fielen (vgl. 
den Artikel "Le Sri Lanka frise la catastrophe humanitaire" aus Le Temps vom 23. 
März  2007).  Zudem  wurden  auch  im  Süden  des  Landes  wieder 
Selbstmordattentate  verübt.  Mit  der  im  Januar  2007  erfolgten  Eroberung  von 
Vakarai  durch  Regierungstruppen  wurde  die  strategische  Stellung  der  LTTE im 
Osten  des  Landes  geschwächt.  Allgemein  wird  davon  ausgegangen,  dass  die 
srilankische Regierung beziehungsweise der Oberbefehlshaber der srilankischen 
Armee  versuchen,  die  Verhandlungsposition  gegenüber  der  LTTE  durch 
Gebietsgewinne  zu  stärken.  Die  Mehrheit  der  singhalesischen  Bevölkerung 

12

begrüsst  zwar  gemäss  Umfragen  diese  Strategie,  bevorzugt  indessen  eine 
Verhandlungslösung.  Die  internationale  Gemeinschaft  drängt  ebenso  auf  die 
Aufnahme  neuer  Verhandlungen  zwischen  den  Konfliktparteien.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  geht  aufgrund  der  derzeitigen  Gegebenheiten  nicht 
davon  aus,  dass  in  Sri  Lanka  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  vorherrscht, 
welche  die  gesamte  Bevölkerung  oder  die  Angehörigen  der  tamilischen  Ethnie 
einer konkreten Gefährdung aussetzt. Dies gilt umso mehr für den singhalesischen 
Beschwerdeführer.

5.10 Es bleibt zu prüfen, ob die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers 
ein  individuelles  Vollzugshindernis  bilden  könnten.  Das  Ermessen,  welches  die 
"Kann-Bestimmung"  von  Art.  14a  Abs.  4  ANAG  den  zuständigen  Behörden 
einräumt,  erfordert  in  jedem  einzelnen  Fall,  die  Situation,  welche  sich  für  die 
betroffene Person nach Vollzug der Wegweisung im Heimatland ergäbe, und die 
damit  verbundenen  humanitären  Aspekte  den  öffentlichen  Interessen 
gegenüberzustellen,  welche  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  sprechen  (vgl. 
EMARK 1994 Nr. 18 E. 4d S. 140 f., 2003 Nr. 17 E. 6a S. 107). Entsprechen die 
Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in 
der  Schweiz,  macht  dies  allein  den  Vollzug  noch  nicht  unzumutbar,  hingegen 
dann,  wenn die ungenügende Möglichkeit  der Weiterbehandlung eine drastische 
und  lebensbedrohende  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich 
zieht (vgl. EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b S. 157 f., EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d). Letztere 
Bedingungen sind für den Beschwerdeführer nicht erfüllt, zumal es ihm zumutbar 
ist,  für  die  Behandlung  seiner  Leiden  auf  die  medizinische  Infrastruktur  seines 
Heimatlandes  zurückzugreifen,  was,  wie  oben  unter  Ziffer  5.7  der  Erwägungen 
angeführt  wurde,  möglich  ist.  Dass  die  psychischen  Probleme  im  Übrigen  den 
Beschwerdeführer  in  seinem  Alltagsleben  nicht  gravierend  einschränken,  ergibt 
sich auch aus der Tatsache, dass er am 3. Dezember 2004 eine Arbeitsstelle als 
Küchengehilfe  antreten  konnte,  die  er  bis  zum  30.  Oktober  2006  ausübte. 
Schliesslich  kann  der  Beschwerdeführer  bei  der  Vorinstanz  unter  Vorlage 
entsprechender ärztlicher Atteste medizinische Rückkehrhilfe beantragen (Art. 93 
Abs. 1 Bst. c AsylG i.V.m. Art. 75 AsylV 2). Es sind vorliegend auch keine anderen, 
in der Person des Beschwerdeführers liegenden Gründe ersichtlich, welche gegen 
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprächen.

5.11 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar zu 
bezeichnen.

5.12 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung 
seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu 
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 
möglich zu bezeichnen ist.

5.13 Insgesamt  ist  die durch die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu bestätigen.  Die 
Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich 
erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme 
ausser Betracht (Art. 14a Abs. 1 - 4 ANAG).

6. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 

13

Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist 
nach dem Gesagten abzuweisen.

7. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer 
aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements über die Kosten 
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006 
[VGKE]).

(Dispositiv nächste Seite)

14

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die  Verfahrenskosten,  bestimmt  auf  Fr.  600.--,  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu 
überweisen.

3. Dieses Urteil geht an:

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, 2 Expl. (eingeschrieben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den  Akten 
(Ref.-Nr. N )

- den (...) des Kantons  (Beilage: Identitätsausweis)

Der Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Gabriela Freihofer

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