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**Case Identifier:** 12ee5c12-58c9-5c89-8375-e951eeca8ee2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-20
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 20.07.2023 VBE.2023.67 / VBE.2023.169
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-67---VBE-20_2023-07-20.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2023.67, VBE.2023.169 / lf / nl 
Art. 73 

 

 

Urteil vom 20. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Fischer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch MLaw Andreas Hübscher, Rechtsanwalt, 

Bruggerstrasse 69, 5400 Baden 

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
   

Beigeladene   B._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügungen vom 6. Januar und 27. Februar 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1985 geborene Beschwerdeführerin meldete sich – nachdem ihr von 

der zu diesem Zeitpunkt zuständigen Invalidenversicherungs-Stelle des 

Kantons Zürich (IV-Stelle Zürich) vom 1. Juni 2004 bis am 31. Mai 2006 

eine halbe Rente zugesprochen worden war und anschliessend die infolge 

Wohnortwechsels neu zuständige Beschwerdegegnerin am 27. April 2007 

auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin nicht eingetreten war – am 

18. November 2020 bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistun-

gen (berufliche Integration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversiche-

rung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin erwerbliche, per-

sönliche und medizinische Abklärungen, in deren Rahmen sie unter ande-

rem das von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene psychi-

atrische Gutachten (Gutachten von Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie sowie für Neurologie, vom 16. August 2021) einholte. 

Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und 

durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die Beschwerdegegnerin 

der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 6. Januar 2023 ab dem 1. Sep-

tember 2021 eine halbe Invalidenrente zu; dies unter gleichzeitiger massli-

cher Festsetzung der Rentenbetreffnisse ab dem 1. Februar 2023 und An-

kündigung des Erlasses einer weiteren Verfügung betreffend die rückwir-

kend zugesprochenen Rentenleistungen. Die entsprechende Verfügung 

erging in der Folge am 27. Februar 2023. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 6. Januar 2023 erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 6. Februar 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte fol-

gende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 6. Januar 2023 sei aufzuheben und die Angelegen-
heit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin 
zurückzuweisen. 

 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzlicher Mehr-

wertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

Das Verfahren wurde am Versicherungsgericht unter der Verfahrensnum-

mer VBE.2023.67 erfasst. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 16. März 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin im Verfahren VBE.2023.67 die Abweisung der Beschwerde. 

 

 - 3 - 

 

 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 21. März 2023 wurde die beruf-

liche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren 

VBE.2023.67 beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. 

Diese liess sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

2.4. 

Gegen die Verfügung vom 27. Februar 2023 erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 29. März 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte fol-

gende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 27. Februar 2023 sei aufzuheben und die Angele-
genheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegne-
rin zurückzuweisen. 

 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzlicher Mehr-

wertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

Zusätzlich stellte sie nachfolgenden Verfahrensantrag: 

 

"1. Das vorliegende Verfahren sei mit dem Verfahren VBE.2023.67 zu ver-
einigen." 

 

Das Verfahren wurde am Versicherungsgericht unter der Verfahrensnum-

mer VBE.2023.169 erfasst. 

 

2.5. 

Mit Vernehmlassung vom 22. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin im Verfahren VBE.2023.169 die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.6. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 30. Mai 2023 wurde die berufli-

che Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren 

VBE.2023.169 beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gege-

ben. Diese liess sich in der Folge nicht vernehmen. 

 

2.7. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 3. Juli 2023 wurden die beiden 
Verfahren VBE.2023.67 und VBE.2023.169 vereinigt. 
 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

 - 4 - 

 

 

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

3. 

3.1. 

In den angefochtenen Verfügungen vom 6. Januar 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 45) und 27. Februar 2023 (VB 54) stützte sich die Be-

schwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Ak-

tenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. D., Fachärztin für Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 6. Oktober 2022 (VB 42), in welcher auf das von der 

Krankentaggeldversicherung eingeholte psychiatrische Gutachten von 

Dr. med. C. vom 16. August 2021 (VB 40.1) abgestellt wurde. 

 

3.2. 

Der psychiatrische Gutachter Dr. med. C. stellte in seinem Gutachten vom 

16. August 2021 die nachfolgenden Diagnosen (VB 40.1 S. 27 f.): 

 

"5.1 Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 

1. Double Depression mit/bei 

- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige de-
pressive Episode (ICD-10: F33.1) 

- Dysthymie (ICD-10: F34.1) 

 

2. Sonstige spezifische Angststörungen (Zukunftsängste, Existenz-
ängste, Panikattacken, generalisierte Ängste, soziophobische 
Ängste, klaustrophobische Ängste und agoraphobische Ängste mit 
Meiden grosser Menschenmassen) (ICD-10: F41.8) 

 

5.2 Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: 

 Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewälti-
gung im Sinne von ausgeprägt akzentuierten, ängstlich-vermei-
denden (=selbstunsicheren) sowie abhängigen Persönlichkeitszü-
gen (ICD-10: Z73.1)" 

 

 - 5 - 

 

 

 

In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit im Verkauf sei die Beschwerde-

führerin bis zur Umsetzung der vorgeschlagenen medizinischen Massnah-

men zu 100 % arbeitsunfähig. In einer optimal angepassten Tätigkeit, ohne 

zu hohen Kundenkontakt, z.B. im Backoffice, mit klar strukturierten Aufga-

ben und der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sei die Beschwerdeführerin 

– ausgenommen den Zeitraum der stationären Behandlung, während der 

eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe – bezogen auf ein 

100 %-Pensum zu 50 % arbeitsfähig (VB 40.1 S. 45). Das aktuell ermittelte 

Belastbarkeitsprofil gelte seit der Begutachtung (VB 40.1 S. 40). 

 

3.3. 

Die RAD-Ärztin Dr. med. D. führte in ihrer Aktenbeurteilung vom 6. Oktober 

2022 aus, Dr. med. C. habe die Diagnose einer Double Depression mit/bei 

rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive 

Episode (ICD-10 F33.1) und Dysthymie (ICD-10 F34.1), gestellt. Leider 

handle es sich dabei aus psychiatrischer Sicht um eine problematische Di-

agnose. Bei dieser Kombination einer Dysthymie und einer Majoren De-

pression handle es sich in keiner Weise um eine ICD-10 Diagnose. Bei der 

Dysthymie handle es sich um eine chronische, wenigstens mehrere Jahre 

andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich 

einzelner Episoden anhaltend genug sei, um die Kriterien einer leichten, 

geschweige denn einer mittelgradigen oder schweren rezidivierenden de-

pressiven Störung zu erfüllen. Genau genommen würden sich die beiden 

Diagnosen also ausschliessen. Entsprechend werde die sogenannte "dou-

ble depression" lange nicht überall akzeptiert, was folgerichtig sei (VB 42 

S. 4). Den Zustand der unvollständig remittierten depressiven Episode als 

Dysthymie zu bezeichnen, sei aus psychiatrischer Sicht zudem nicht kor-

rekt. Es zeige sich hier viel eher ein chronisch schubförmiger Verlauf, also 

eine rezidivierende depressive Erkrankung mit jeweils unvollständiger Re-

mission zwischen den einzelnen Episoden. In Bezug auf die Angstsympto-

matik habe sich Dr. med. C. für die Diagnose der sonstigen spezifischen 

Angststörungen (ICD-10 F41.8) entschieden, was einigermassen verständ-

lich sei. Andererseits mute es doch eher seltsam an, eine so breite Palette 

an ganz unterschiedlichen, zum Teil auch einzeln klassifizierten Ängsten 

und Phobien (Zukunftsängste, Existenzängste, Panikattacken, generali-

sierte Ängste, soziophobische Ängste, klaustrophobische Ängste sowie 

agoraphobische Ängste) unter dieser Diagnose zusammenzufassen. Die 

ICD-10 Kategorien Fxx.8 oder Fxx.9 sollten eigentlich nur zurückhaltend 

verwendet werden (VB 42 S. 5). 

 

Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erkenne der Gut-

achter Probleme verbunden mit Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung, 

im Sinne von ausgeprägt akzentuierten, ängstlich-vermeidenden (=selbst-

unsicheren) sowie abhängigen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), was 

eine mögliche Interpretation der bekannten Problematik darstelle. Deutlich 

ängstlich-vermeidende Persönlichkeitszüge seien klar erkennbar. Sie seien 

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sogar so ausgeprägt, dass die ängstliche Symptomatik grösstenteils dieser 

Pathologie zugeordnet werden könnte. Im Gefolge könnte damit die Diag-

nose spezifischer Angststörungen geändert werden. Zweifel seien entspre-

chend auch an der Diagnose ausgeprägter Persönlichkeitszüge ange-

bracht. Die Differentialdiagnostik zu einer voll ausgebildeten Persönlich-

keitsstörung sei zu wenig vertieft worden. Immerhin würden Schwierigkei-

ten seit der Jugend bestehen mit rezidivierenden depressiven Einbrüchen. 

Der Leidensdruck sei bedeutend. Zudem sei nach Sichtung der vorhande-

nen Unterlagen gut zu erkennen, dass die Persönlichkeitscharakteristika 

der dependenten Persönlichkeitszüge nur sehr rudimentär vorhanden 

seien, respektive dort, wo sie vorhanden seien, eher den ängstlich-vermei-

denden Zügen zuzuschreiben seien. Des Weiteren habe Dr. med. C. nicht 

dargelegt, weshalb er den aus psychiatrischer Sicht gut nachvollziehbaren 

Erklärungen aus dem Bericht der E. vom 27. Oktober 2020 (VB 14 S. 3 ff.) 

zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) nicht folge. 

Eigentlich könne im vorliegenden Fall die allgemeine Diagnose einer Per-

sönlichkeitsstörung in der Gesamtschau nachvollzogen werden. Insbeson-

dere würden Schwierigkeiten seit der Jugend mit rezidivierenden depressi-

ven Einbrüchen bestehen. Eine berufliche Ausbildung sei offenbar nur 

knapp und mit Schwierigkeiten erlangt worden, obwohl keine eigentliche 

Intelligenzminderung festgestellt worden sei. Der Leidensdruck sei spürbar. 

Zudem würden seit langem Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung be-

stehen (VB 42 S. 5 f.). 

 

Weitere wichtige Aspekte seien von Dr. med. C. nicht berücksichtigt wor-

den. So sei anamnestisch seit vielen Jahren eine Tendenz zur Selbstver-

letzung bekannt. Auch mehrere Suizidversuche seien bekannt. Dr. med. C. 

habe selber Selbstverletzungen seit der Pubertät bis vor zwei Jahren und 

Suizidversuche durch Schnitt in die Pulsadern erwähnt. Er übernehme 

diese Punkte allerdings nicht in seine medizinische Evaluation, obwohl sie 

diagnostisch wichtig erscheinen würden (VB 42 S. 5). Verloren gegangen 

seien auch die von Dr. med. F., Facharzt für Psychiatrie und Psychothera-

pie, genannte extreme Stimmungslabilität, die heftigen dissoziativen An-

fälle zum Teil mehrmals pro Monat mit völliger Amnesie, die Depersonali-

sationen und Derealisationen, die Erlebnisweisen dicht an halluzinativer 

Qualität (taktil), die heftigen inneren Spannungszustände (VB 6 S. 38 f.) 

und der mögliche Schutzmechanismus, dass die Beschwerdeführerin im-

mer wieder ohnmächtig geworden sei, als sie sich die Pulsadern aufzu-

schneiden versucht habe. Genauer gewürdigt worden sei von Dr. med. C. 

im Prinzip nur der Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. G., 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Juni 2021 (VB 40.1 

S. 8 f.). Dieser scheine doch einige Diskrepanzen aufzuweisen zum Be-

richt, den Dr. med. G. am 28. Juni 2021 (VB 28 S. 1 ff.) an die Beschwer-

degegnerin geschickt habe (VB 42 S. 6). 

 

 - 7 - 

 

 

 

In der Gesamtschau erfülle das vorliegende psychiatrische Gutachten trotz-

dem die versicherungsmedizinischen Vorgaben. Es sei umfassend und es 

sei in Kenntnis der Vorakten erstellt worden. Die Gliederung sei genügend, 

um die gesuchten Informationen zu finden. Es beruhe auf einer korrekten 

Anamnese und einer gründlichen psychiatrischen Untersuchung. Dabei 

seien die geklagten Beschwerden berücksichtigt worden. Ein Tagesablauf 

sei geschildert worden und es seien testpsychologische Zusatzuntersu-

chungen durchgeführt worden. Die Begutachtung beinhalte auch ein Mini-

ICF-Rating, welches verschiedene Einschränkungen aus versicherungs-

medizinischer Sicht schlüssig dokumentiere. Die Diagnosen und Differenti-

aldiagnosen seien hergeleitet und eingehend diskutiert worden. Die Ar-

beitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit seien aus versicherungsmedizini-

scher Sicht nachvollziehbar beurteilt und begründet worden. Der Gutachter 

habe sich dafür an den zu objektivierenden krankheitsbedingten funktionel-

len Ausfällen orientiert. Die dem Gutachten zugrundeliegenden medizini-

schen Berichte seien teilweise gewürdigt und die Standardindikatoren be-

rücksichtigt worden. Zusammenfassend könne aus versicherungsmedizini-

scher Sicht auf das vorliegende psychiatrische Gutachten abgestellt wer-

den. Die attestierte Arbeitsfähigkeit sei aus versicherungsmedizinischer 

Sicht unter Berücksichtigung der Gesamtsituation nachvollziehbar, selbst 

unter Berücksichtigung der beschriebenen diagnostischen Differenzen 

(VB 42 S. 6). 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.1.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

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4.1.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

4.2. 

Bezüglich der von der Krankentaggeldversicherung eingeholten Beurtei-

lung durch Dr. med. C. vom 16. August 2021 (VB 40.1) ist vorab darauf hin-

zuweisen, dass aus den Akten nicht ersichtlich ist, dass die Krankentag-

geldversicherung die im Rahmen von Art. 44 ATSG geltenden Mitwirkungs- 

und Parteirechte (vgl. hierzu statt vieler BGE 139 V 349) der Beschwerde-

führerin gewahrt hätte. Damit kommt dem besagten Abklärungsbericht 

nicht die gleiche Beweiskraft zu wie einem nach Art. 44 ATSG eingeholten 

Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff. und 122 V 157 E. 1c S. 160 ff.). 

Vielmehr ist ihm die Beweiskraft eines versicherungsinternen Berichtes zu-

kommen zu lassen (vgl. E. 4.1.2. hiervor; Urteil des Bundesgerichts 

9C_580/2018 vom 14. November 2018 E. 4.1 mit Hinweisen). 

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, an der Beurteilung von 

Dr. med. C. würden ganz erhebliche Zweifel bestehen, dies ergebe sich al-

leine schon aus der Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. D. vom 6. Ok-

tober 2022, welche diverse, erhebliche Mängel am Gutachten von 

Dr. med. C. aufgeführt habe (vgl. Beschwerde vom 6. Februar 2023 S. 4 f.; 

Beschwerde vom 29. März 2023 S. 4 f.). Zudem könnten entgegen den 

Ausführungen der RAD-Ärztin auch die Standardindikatoren anhand der 

Ausführungen von Dr. med. C. nicht beurteilt werden (vgl. Beschwerde vom 

6. Februar 2023 S. 5; Beschwerde vom 29. März 2023 S. 6). Dass die 

RAD-Ärztin Dr. med. D. das Gutachten nach Benennung all der schwerwie-

genden Mängel versicherungsmedizinisch trotzdem als genügend erachtet 

habe, sei absolut unverständlich und widersprüchlich. Dass die attestierte 

Arbeitsfähigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar sei, 

sei insofern nicht überzeugend (vgl. Beschwerde vom 6. Februar 2023 

S. 5 f.; Beschwerde vom 29. März 2023 S. 6). Angesichts der damit erzeug-

ten Diskrepanz müsse die Beurteilung von Dr. med. D. ihrerseits als unzu-

verlässig bezeichnet werden und könne weder alleine noch in Kombination 

mit der Beurteilung von Dr. med. C. als beweiskräftig qualifiziert werden. 

 - 9 - 

 

 

 

Der Sachverhalt sei vor diesem Hintergrund unvollständig abgeklärt, womit 

die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vorzunehmen habe (vgl. Be-

schwerde vom 6. Februar 2023 S. 6; Beschwerde vom 29. März 2023 

S. 6 f.). 

 

5.2. 

Auch wenn für die Beurteilung eines Rentenanspruchs letztlich nicht die 

diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend ist, 

sondern dessen konkrete Auswirkung auf die Arbeits- und Leistungsfähig-

keit (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 26. Juni 2013 

E. 4.1.4 mit Hinweis auf BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281), erscheint es vor-

liegend nicht nachvollziehbar, dass die RAD-Ärztin Dr. med. D. festhielt, 

zusammenfassend könne aus versicherungsmedizinischer Sicht auf das 

vorliegende psychiatrische Gutachten abgestellt werden. Die attestierte Ar-

beitsfähigkeit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht unter Berücksichti-

gung der Gesamtsituation nachvollziehbar, selbst unter Berücksichtigung 

der beschriebenen diagnostischen Differenzen (VB 42 S. 6). Denn die 

RAD-Ärztin Dr. med. D. stellte nicht nur die gesamte Diagnosestellung von 

Dr. med. C. in Frage bzw. schätzte diese fachärztlich anders ein, sondern 

zeigte weitere Mängel an dessen Gutachten auf. So führte sie aus, 

Dr. med. C. habe nicht dargelegt, weshalb er den aus psychiatrischer Sicht 

gut nachvollziehbaren Erklärungen aus dem Bericht der E. vom 27. Okto-

ber 2020 (VB 14 S. 3 ff.) zur emotional instabilen Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10 F60.3) nicht folge (VB 42 S. 6). Weitere wichtige Aspekte seien 

von Dr. med. C. nicht berücksichtigt worden. So sei anamnestisch seit vie-

len Jahren eine Tendenz zur Selbstverletzung bekannt. Auch mehrere Su-

izidversuche seien bekannt. Dr. med. C. habe selber Selbstverletzungen 

seit der Pubertät bis vor zwei Jahren und Suizidversuche durch Schnitt in 

die Pulsadern erwähnt. Er übernehme diese Punkte allerdings nicht in 

seine medizinische Evaluation, obwohl sie diagnostisch wichtig erscheinen 

würden (VB 42 S. 5). Verloren gegangen seien auch die von Dr. med. F. 

genannte extreme Stimmungslabilität, die heftigen dissoziativen Anfälle 

zum Teil mehrmals pro Monat mit völliger Amnesie, die Depersonalisatio-

nen und Derealisationen, die Erlebnisweisen dicht an halluzinativer Qualität 

(taktil), die heftigen inneren Spannungszustände (VB 6 S. 38 f.) und der 

mögliche Schutzmechanismus, dass die Beschwerdeführerin immer wieder 

ohnmächtig geworden sei, als sie sich die Pulsadern aufzuschneiden ver-

sucht habe (VB 42 S. 6). Damit bestehen zumindest geringe Zweifel an 

dem von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Gutachten 

von Dr. med. C. (vgl. E. 4.1.2. und 4.2. hiervor). 

 

Die Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. med. D. vom 6. Oktober 2022 er-

weist sich zudem als widersprüchlich. So führte diese einerseits aus, dass 

die Diagnosen und Differentialdiagnosen von Dr. med. C. hergeleitet und 

eingehend diskutiert worden seien (VB 42 S. 6), während sie jedoch zuvor 

am Gutachten bemängelt hatte, dass die Differentialdiagnostik zu einer voll 

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ausgebildeten Persönlichkeitsstörung zu wenig vertieft worden sei (VB 42 

S. 5). Andererseits kam die RAD-Ärztin ohne einlässliche, nachvollzieh-

bare Begründung und ohne den Widerspruch durch eine eigene versiche-

rungsmedizinische Würdigung aufzulösen, zur Einschätzung, dass auf das 

Gutachten von Dr. med. C. abgestellt werden könne (VB 42 S. 6), obwohl 

sie erhebliche Mängel am Gutachten von Dr. med. C. aufgeführt hatte. In 

Anbetracht der strengen Anforderungen an reine Aktenbeurteilungen durch 

versicherungsinterne medizinische Fachpersonen als Beweisgrundlage 

(vgl. E. 4.1.2. hiervor) ist damit auch von zumindest geringen Zweifeln an 

der Beurteilung von RAD-Ärztin Dr. med. D. vom 6. Oktober 2022 auszu-

gehen. 

 

5.3. 

Zusammenfassend bestehen damit zumindest geringe Zweifel an dem von 

der Krankentaggeldversicherung eingeholten Gutachten von Dr. med. C. 

vom 16. August 2021 und der Aktenbeurteilung von RAD-Ärztin 

Dr. med. D. vom 6. Oktober 2022 (vgl. E. 4.1.2. hiervor). Der Rentenan-

spruch der Beschwerdeführerin lässt sich daher gestützt auf deren Ein-

schätzungen nicht abschliessend beurteilen. Der medizinische Sachverhalt 

erweist sich damit als unvollständig und im Lichte der Untersuchungsma-

xime (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 

132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kom-

mentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 ATSG) nicht rechtsgenüglich ab-

geklärt. Die Sache ist dementsprechend zu umfassender fachärztlicher Ab-

klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. BGE 139 V 99 

E. 1.1 S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Dabei sind der Gesundheits-

zustand sowie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, insbesondere 

auch im retrospektiven zeitlichen Verlauf bis zum (neuen) Verfügungszeit-

punkt, zu bestimmen. Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin neu über 

das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu verfügen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten sind die Beschwerden gutzuheissen, die angefoch-

tenen Verfügungen vom 6. Januar und 27. Februar 2023 aufzuheben und 

die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur 

Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

 - 11 - 

 

 

 

6.3. 

Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz ihrer 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 

V 215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerden werden die Verfügungen vom 6. Januar 

und 27. Februar 2023 aufgehoben, und die Sache wird zur weiteren Abklä-

rung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerde-

gegnerin zurückgewiesen. 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin die 

Parteikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 4'400.00 zu bezahlen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

 - 12 - 

 

 

 

Aarau, 20. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker