# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 347cffcf-75a4-5102-86cb-e8cb3ca76555
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.10.2022 E-4587/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4587-2022_2022-10-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4587/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Barbara Balmelli, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;   

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Algerien,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 5. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

E-4587/2022 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 23. August 2022 in der Schweiz um Asyl 

nachsuchte, 

dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-

dac) ergab, dass er am 12. Januar 2021 in Deutschland und am  

7. Juli 2022 in den Niederlanden daktyloskopisch erfasst worden war und 

um Asyl nachgesucht hatte, 

dass der Beschwerdeführer am 26. August 2022 eine Absichtserklärung 

zur freiwilligen Rückkehr nach Algerien unterzeichnete,  

dass am 30. August 2022 die Personalienaufnahme (PA) und am 5. Sep-

tember 2022 das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU)  

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatangehörigen oder 

Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) stattfand, 

dass der Beschwerdeführer dabei ausführte, er habe Algerien ungefähr im 

Oktober 2020 in Richtung Spanien verlassen und sich in der Folge in meh-

reren europäischen Ländern aufgehalten,  

dass er in Deutschland und den Niederlanden keinen Asylentscheid erhal-

ten habe, 

dass er sich anschliessend in Frankreich aufgehalten, wo er keinen Zugang 

zu einer Unterkunft, zum Arbeitsmarkt und zu medizinischer Behandlung 

gehabt habe, 

dass es ihm keine Freude bereite, von einem Land ins nächste zu reisen, 

ihn die Niederlande nicht überzeugt hätten und er lieber in Deutschland 

leben wolle,  

dass er in medizinischer Hinsicht vorbrachte, er habe Schmerzen in der 

(…), am (…), an den (…) sowie am (…) und es habe ihm psychisch zuge-

setzt, auf der Strasse leben zu müssen,  

dass es ihm aufgrund seines Gesundheitszustands nicht möglich sei, in ein 

anderes Land zu reisen,  

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dass er freiwillig nach Algerien zurückkehren wolle und die Vorinstanz er-

suche, mit einem allfälligen Entscheid zuzuwarten, 

dass der Beschwerdeführer am 5. September 2022 die ihm zugewiesene 

Rechtsvertretung bevollmächtigte,  

dass die Vorinstanz die deutschen Behörden gleichentags um Übernahme 

des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO er-

suchte, 

dass die deutschen Behörden am 8. September 2022 das Übernahmege-

such der Vorinstanz mit der Begründung ablehnten, Spanien oder die Nie-

derlande seien für das Asyl- und Wegweisungsverfahren des Beschwerde-

führers zuständig, 

dass die Vorinstanz die spanischen Behörden am 9. September 2022 um 

Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-

lin-III-VO ersuchte, 

dass die spanischen Behörden am 15. September 2022 das Übernahme-

gesuch der Vorinstanz mit der Begründung ablehnten, weder habe der Be-

schwerdeführer nach seiner Überstellung von Deutschland in Spanien um 

Asyl nachgesucht noch sei die Zuständigkeit Spaniens aufgrund von  

Art. 13 Dublin-III-VO gegeben, 

dass die Vorinstanz die niederländischen Behörden gleichentags um Über-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO ersuchte, 

dass die niederländischen Behörden der Übernahme des Beschwerdefüh-

rers am 26. September 2022 gestützt auf die von der Vorinstanz angerufe-

nen Bestimmung zustimmten, 

dass der Beschwerdeführer am 4. Oktober 2022 erklärte, er habe kein In-

teresse mehr an einer freiwilligen Rückkehr nach Algerien,  

dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 5. Oktober 2022 – am folgenden 

Tag eröffnet – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, die 

Wegweisung aus der Schweiz anordnete, den Beschwerdeführer auffor-

derte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung be-

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auftragte, dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten aushän-

digte und feststellte, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschie-

bende Wirkung zu,  

dass die zugewiesene Rechtsvertretung das Mandatsverhältnis am 6. und 

10. Oktober 2022 beendete,  

dass der Beschwerdeführer mit undatierter Eingabe (Poststempel vom  

11. Oktober 2022) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und 

beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Asylge-

such sei vom SEM in der Schweiz zu prüfen,  

dass er in prozessualer Hinsicht beantragt, es sei ihm die unentgeltliche 

Prozessführung zu gewähren, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses, und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung 

zu erteilen, 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR. 142.31] 

i.V.m. Art. 31‒33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist 

(Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet wurde, 

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dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-

sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 

Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 

E. 2.2, je m.w.H.), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass die Zuständigkeit der Niederlande gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO grundsätzlich gegeben ist und vom Beschwerdeführer nicht 

bestritten wird, 

dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Antragsteller in den Niederlanden wiesen systemi-

sche Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-

VO auf, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO), 

dass dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

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konkretisiert wird und das SEM das Asylgesuch gemäss dieser Bestim-

mung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür 

gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass der Beschwerdeführer mit seinem erneuten Vorbringen in der Be-

schwerde, er sei krank und müsse in der Schweiz medizinisch behandelt 

werden, implizit die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 fordert, 

dass die Niederlande Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom  

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) ist und ihren diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt,  

dass auch davon ausgegangen werden darf, die Niederlande anerkenne 

und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-

sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-

geben,  

dass eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen nur ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar-

stellen kann, 

dass die Niederlande ohne jeden Zweifel über eine ausreichende medizi-

nische Infrastruktur verfügen (vgl. anstelle vieler: Urteil des BVGer 

E‑4266/2022 vom 5. Oktober 2022), 

dass der Beschwerdeführer nicht darlegt, inwiefern eine Behandlung sei-

ner allfälligen medizinischen Probleme in den Niederlanden nicht möglich 

sein sollte,  

dass er auch kein konkretes und ernsthaftes Risiko für eine drohende Wei-

gerung der niederländischen Behörden dargetan hat, ihm Zugang zur not-

wendigen medizinischen Versorgung zu gewähren, 

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dass seine persönliche Präferenz für eine medizinische Behandlung in der 

Schweiz unerheblich ist,  

dass sich aus der Überstellung des Beschwerdeführers in die Niederlande 

mithin keine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer völkerrechtlicher 

Verpflichtungen der Schweiz ergibt, 

dass es gestützt auf die vorangegangenen Erwägungen keinen Grund für 

eine Anwendung von Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 gibt 

und an dieser Stelle festzuhalten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutz-

suchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber 

auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass die Vorinstanz demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Besch-

werdeführers nicht eingetreten ist und die Überstellung in die Niederlande 

angeordnet hat, 

dass die Beschwerde abzuweisen ist,  

dass die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung und Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses mit dem vorliegenden Ur-

teil gegenstandslos geworden sind, 

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab-

zuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen sind, weshalb die Vorausset-

zungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind, 

dass die Verfahrenskosten von Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzu-

erlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin 

 

 

Versand: