# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a7a1b2f-cb9f-546e-a738-2149bd10eee7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.08.2021 E-3455/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3455-2020_2021-08-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3455/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley, Richterin Gabriela Freihofer, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kolumbien,   

vertreten durch Dr. iur. Stephanie Motz,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); Verfügung des SEM vom 

29. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3455/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ist gemäss eigenen Angaben am (…) 2018 in die 

USA geflogen, wo sie sich bis zum 30. September 2018 aufgehalten habe. 

Sodann habe sie einige Zeit in Griechenland verbracht und sei am 11. No-

vember 2018 nach Zürich geflogen. Am 19. November 2018 reichte sie bei 

den hiesigen Behörden – damals unter dem Namen B._______ – ein Asyl-

gesuch ein.  

B.  

Zu ihrer persönlichen Situation informierte sie an der Befragung zur Person 

(BzP) vom 27. November 2018 und an der Anhörung vom 14. Dezember 

2018, sie habe an der Universidad C._______ in Bogotá (…) studiert, indes 

habe sie im Februar 2018 das Studium ohne Abschlussprüfung abgebro-

chen. Sie sei ausserdem eine diplomierte (…) und habe seit ihrem 17. Le-

bensjahr – auch neben dem Studium – gearbeitet. Die letzten vier Jahre 

(bis im Dezember 2017) habe sie ihren eigenen (…) in Bogotá geführt. Bis 

zu ihrer Ausreise habe sie mit ihren Eltern und Geschwistern im gleichen 

Haus im Quartier D._______ in Bogotá gelebt. 

Seitdem sie neun Jahre alt gewesen sei, habe sie sich als Frau im Körper 

eines Mannes gefühlt. Im Jahr 2016 habe sie mit der Transition (ohne chi-

rurgische Eingriffe) begonnen; dieser Prozess sei noch nicht beendet. Sie 

habe ihr Heimatland wegen Diskriminierungen und Transphobie verlassen. 

Seit sie mit der Hormonbehandlung begonnen habe, hätten sich die Diskri-

minierungen verstärkt und die Aggressionen gegen sie hätten zugenom-

men (weswegen sie schliesslich auch ihr Studium nicht abgeschlossen 

habe). So hätten Unbekannte – eine Gruppe von Männern – Steine auf ihr 

(…)geschäft geworfen und sie physisch angegriffen (A11 F35 ff. und 41 f.). 

Sie habe aus Angst ihr Geschäft tagsüber nur selten verlassen; um abends 

nach Hause zurückzukehren habe sie jeweils ein Taxi genommen. Diese 

Vorfälle habe sie auch der Polizei (respektive CAI [Comando de Atención 

Immediata]) im Quartier ihres (…) gemeldet, deren Beamte sie jedoch nur 

ausgelacht und beschimpft hätten (A11 F31 ff., 39 und 64 ff.). Gleichzeitig 

habe sie sich vor einer Anzeigeerstattung gefürchtet, weil sie dadurch nur 

Vergeltung erfahren würde (A11 F54). Auch ihre Familienmitglieder, welche 

sie jeweils in den (…) begleitet hätten, seien beschimpft worden (A11 F40). 

Aus Furcht vor weiteren und schlimmeren Übergriffen habe sie sich ent-

schieden, ihre Heimat zu verlassen, denn dort werde alle zwei Wochen ein 

Transmensch umgebracht (A11 F43). 

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Seite 3 

Überdies sei sie auch in der Arbeitswelt diskriminiert worden, weshalb sie 

trotz diverser Vorstellungsgespräche nie eine Anstellung als Lehrerin er-

halten habe. 

C.  

Mit Entscheid vom 29. Mai 2020 lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin ab und wies sie aus der Schweiz weg. Weil der Voll-

zug der Wegweisung indes unzumutbar sei, wurde sie vorläufig aufgenom-

men. Auf Details dieses Entscheides wird – soweit entscheidwesentlich – 

in den Erwägungen eingegangen. 

D.  

Mit Urteil vom 8. Juni 2020 stellte das Bezirksgericht E._______ fest, dass 

die Beschwerdeführerin weiblichen Geschlechts ist, worauf Anpassungen 

im ZEMIS (Zentrales Migrationsinformationssystem) vorgenommen wur-

den. 

E.  

Am 6. Juli 2020 erhob die Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. Mai 2020 beim Bundesverwal-

tungsgericht und beantragte, die Dispositiv-Ziffern 1 bis 3 der angefochte-

nen Verfügung seien aufzuheben und die Beschwerdeführerin sei als 

Flüchtling – unter Asylgewährung – anzuerkennen. Eventualiter sei die Sa-

che zwecks weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtpflege zu ge-

währen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Dem Rechts-

mittel lagen unter anderem Menschenrechtsberichte und Presseartikel bei. 

Auf die Begründung des Rechtsmittels und seine Beilagen wird – soweit 

entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. 

F.  

Am 7. Juli 2020 wurde eine Fürsorgebestätigung mit gleichem Datum zu 

den Akten gereicht. 

G.  

Mit Instruktionsverfügung vom 22. Juli 2020 wurde die unentgeltliche Pro-

zessführung gewährt, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzich-

tet und die mandatierte Rechtsberaterin als amtliche Rechtsbeiständin be-

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Seite 4 

stellt. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, eine Zu-

sammenfassung der zahlreichen auf Spanisch verfassten Beilagen der Be-

schwerde einzureichen. 

H.  

Mit Eingabe vom 6. August 2020 kam die Beschwerdeführerin der gericht-

lichen Aufforderung nach und reichte eine Zusammenfassung der Länder-

berichte ein. Ferner wurden weitere Beweismittel ins Recht gelegt, darun-

ter ein Schreiben der Nichtregierungsorganisation (NGO) La Casa de Lxs 

Locxs vom 31. Juli 2020 und eines von Familienangehörigen vom 1. Au-

gust 2020. 

I.  

Im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 17. März 2021 hielt das SEM fest, 

dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtferti-

gen könnten. 

J.  

Am 3. Mai 2021 nahm die Beschwerdeführerin unter Einreichung verschie-

dener Berichte ihr Replikrecht wahr. 

K.  

Am 31. Mai 2021 reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote zu den 

Akten. 

L.  

In den vorinstanzlichen Akten befinden sich ein annullierter kolumbiani-

scher Reisepass von B._______ (ausgestellt in Bogotá am […] 2011; A2), 

ein kolumbianischer Reisepass von B._______ (ausgestellt in Bogotá am 

[…] 2017; A2) sowie verschiedene Diplome und Zertifikate (A12). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Das SEM hielt in seiner Verfügung fest, dass die Beschwerdeführerin 

als Transmensch Teil einer bestimmten sozialen Gruppe sei (Art. 3 AsylG). 

Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern weise Kolumbien 

sehr progressive Rechte für Transmenschen auf. Indes hätten diese legis-

lativen Fortschritte die Exekutive noch nicht erreicht; so würden entspre-

chende Gesetze nicht genügend umgesetzt und verschiedenste Verbre-

chen würden nicht gesühnt. Transphobie sei in Kolumbien allgegenwärtig; 

die jährliche Rate von Tötungsdelikten liege im zweistelligen Bereich. 

Diese Ambivalenz zeige sich auch im vorliegenden Fall, so dass eine ge-

wisse Schutzunwilligkeit des kolumbianischen Staates zu beobachten sei. 

Demgegenüber sei Kolumbien nicht für eine systematische kollektive Ver-

folgung von Personen mit einer speziellen sexuellen Orientierung respek-

tive Geschlechtsidentität bekannt. Auch könne nicht ausgeschlossen wer-

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Seite 6 

den, dass andere Polizisten vielleicht doch eine Anzeige entgegengenom-

men hätten. Zudem hätte die Möglichkeit bestanden, sich bei einer höhe-

ren Instanz zu beschweren. Somit seien die Mittel, um die Rechte der Be-

schwerdeführerin geltend zu machen, nicht als ausgeschöpft zu betrach-

ten. Eine solche Ausschöpfung des Rechtswegs hätte allenfalls auch zu 

einer Verminderung des psychischen Drucks beigetragen und zu einem et-

was erträglicheren Leben führen können. Ausserdem wies das SEM darauf 

hin, dass es sich bei den Befürchtungen der Beschwerdeführerin (bei einer 

allfälligen Rückkehr wiederum von denselben Männergruppen behelligt zu 

werden) um eine subjektive Furcht handle, welche sich nicht auf objektive 

Kriterien stütze, zumal sich ihre Verfolger nicht mehr in diesem Gebiet auf-

halten dürften. 

Zusammengefasst sei den kolumbianischen Behörden keine generelle 

Schutzunwilligkeit zu unterstellen beziehungsweise seien die der Be-

schwerdeführerin zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausgeschöpft wor-

den. Ferner könne ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG nicht bejaht werden und es seien keine Hinweise zu entneh-

men, dass sie bei ihrer Rückkehr gegen sie gerichtete Nachteile in der er-

forderlichen Intensität zu befürchten habe. 

3.2 In der Beschwerdeschrift wurde bezüglich des Sachverhalts ausge-

führt, dass die Beschwerdeführerin immer wieder behelligt und tätlich an-

gegriffen worden sei, indes nie polizeilichen Schutz erhalten habe. So sei 

ihr einmal auf dem Nachhauseweg ihre Tasche entrissen worden; als sie 

dies zur Anzeige habe bringen wollen, sei sie von den Polizeibeamten als 

Drogensüchtige und Prostituierte beschimpft worden. Eine Strafanzeige 

sei nicht entgegengenommen worden (vgl. Beschwerde N. 9). Ein anderes 

Mal habe sich eine Gruppe von Männern vor ihrem (…)geschäft positioniert 

und die Beschwerdeführerin als «marica», «maricon» oder «loca» be-

schimpft (vgl. Beschwerde N. 11). Schliesslich hätten sie Steine auf ihr Ge-

schäft geworfen und sie verletzt. Als sie die Polizei gerufen habe, sei diese 

nicht erschienen. Erst als ihre Familienmitglieder gekommen seien, hätten 

diese ihre Schnittwunden verbinden können. Auf dem Polizeiposten sei sie 

lediglich gemahnt worden, nicht zu spät – um 20.00 Uhr – nach Hause zu 

gehen (vgl. Beschwerde N. 12). Beim dritten Angriff sei sie von einer wei-

teren Gruppe von Männern mit Steinen angegriffen und verletzt worden; 

eine Anzeige sei von der Polizei nicht entgegengenommen worden (vgl. 

Beschwerde N. 13). Die Lebenssituation sei unerträglich für sie geworden, 

nicht nur sie sei täglich behelligt worden, auch ihre Familie sei bedroht wor-

den. 

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Bezüglich der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz wurde festgehalten, 

dass diese nur oberflächlich geprüft habe, ob vorliegend von einem uner-

träglichen psychischen Druck auszugehen sei. Es sei nicht zu verkennen, 

dass die Beschwerdeführerin unzählige Male Opfer von verbalen sowie 

physischen Attacken gewesen sei. Auch habe sie ihr Studium aufgrund der 

Diskriminierungen aufgeben müssen und sich in Bogotá nur noch in Be-

gleitung eines Familienangehörigen bewegen können. 

Auch wenn in Kolumbien rechtliche Fortschritte für Transmenschen er-

reicht worden seien, seien insbesondere Transfrauen zahlreichen Formen 

der Gewalt ausgesetzt, welche in den vergangenen Jahren zugenommen 

hätten. Zwischen Januar 2014 und Juni 2019 seien in Kolumbien 542 Er-

mordungen an LGBTI-Personen erfasst worden; das Jahr 2020 sei eines 

der Gewaltsamsten gewesen. Es sei ausserdem eine Tatsache, dass 

Transmenschen insbesondere von staatlicher Seite her nicht geschützt 

und Verfahren eingestellt würden, zumal transphobe Motive einer Straftat 

nicht abgeklärt würden. Im Gegenteil trage die Polizei durch Machtmiss-

brauch und Gewaltanwendung wesentlich zur Reproduktion von Diskrimi-

nierung und Marginalisierung von LGBTI-Personen bei. Diese Übergriffe 

kämen meist nur durch zivile Organisationen ans Licht. Folglich sei belegt, 

dass der Beschwerdeführerin auch von höherer Seite kein Schutz zur Ver-

fügung gestanden hätte. Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführerin 

Asyl zu gewähren. 

3.3 Aus der Eingabe vom 6. August 2020 – eine Zusammenfassung spa-

nischsprachiger Länderberichte bezüglich Kolumbien mit Datum vom 

5. August 2020 – lässt sich im Wesentlichen Folgendes entnehmen: 

Der Länderbericht vom 31. Dezember 2013 der Inter-American Commis-

sion on Human Rights (IACHR, vgl. Beilage 17) verweist auf Gewalttaten 

an LGBTI-Personen und die Straflosigkeit, welche diese umgeben, sowie 

auf Fälle von Polizeimissbrauch gegen LGBTI-Personen. Dies sei auf or-

ganisatorische Mängel sowie auf Vorurteile der Ermittler zurückzuführen, 

was Konsequenzen für die Prozessführung nach sich ziehe. 

Die Ombudsstelle Kolumbiens für Menschenrechte (vgl. Beilage 4) stellte 

im Jahr 2020 fest, dass LGBTI-Personen mehreren Formen von Gewalt 

ausgesetzt seien; ihr Zugang zu Grundrechten wie Bildung, Gesundheit, 

Arbeit, freie Meinungsäusserung und ein gewaltfreies Leben sei ferner ein-

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geschränkt. Ausserdem seien Transmenschen – weil sie häufig in die Pros-

titution und informelle Arbeit gedrängt würden – zusätzlichen Risiken in Be-

zug auf Sicherheit und Gesundheit ausgesetzt. 

Ein weiterer Bericht der Ombudsstelle aus dem Jahr 2018 (vgl. Beilage 16) 

verweist auf verschiedene Formen von Polizeigewalt aufgrund der sexuel-

len Orientierung oder der Geschlechtsidentität, welche meist gegen lesbi-

sche und Transfrauen gerichtet sei: symbolische (so seien Transfrauen ge-

zwungen worden, sich die Haare zu schneiden, respektive seien ihnen Pe-

rücken, Make-Up und High Heels abgenommen worden), verbale, körper-

liche und sexuelle Aggressionen, Unterlassung von polizeilichen Schutz-

pflichten sowie willkürliche Belästigungen wie Personenkontrollen oder 

Elektroschock-Attacken durch Polizeibeamte. Die Opfer würden oft keine 

Anzeigen erstatten, weil sie sich vor Repressalien fürchten würden, weil 

sie erniedrigt würden und weil ihnen – aufgrund ihrer Erfahrungen – Hilfe 

so oder so verweigert würde. Ferner würden die Polizeibeamten (während 

eines Einsatzes) ihre Namensschilder meist verdecken, weshalb diese 

nicht identifiziert werden könnten, und die polizeilichen Institutionen wür-

den sich selber decken, um ihre Missstände zu verschleiern. 

3.4 In der Vernehmlassung wies das SEM bezüglich der von der Rechts-

vertretung erwähnten Urteile des Bundesverwaltungsgerichts zu Kolum-

bien (vgl. Urteile BVGer E-3683/2019 und E-3745/2019, beide vom 7. Au-

gust 2019) darauf hin, dass diese sich auf den Schutz vor kriminellen Grup-

pen bezogen hätten, mithin nicht als Grundlage für den vorliegenden Fall 

herangezogen werden könnten. 

3.5 In der Replik rügte die Beschwerdeführerin den Umstand, dass sich die 

Vorinstanz nicht mit dem unerträglichen psychischen Druck von LGBTI-

Personen auseinandergesetzt habe. In diversen Berichten werde festge-

halten, dass Gewalt gegenüber LGBTI-Personen heutzutage eines der 

grössten Menschenrechtsprobleme Kolumbiens darstelle – nach Brasilien 

weise Kolumbien die höchste Mordrate an LGBTI-Personen in Lateiname-

rika auf; es sei indes davon auszugehen, dass die tatsächlichen Zahlen 

weit höher ausfallen würden (unter Hinweis auf Beilagen 26 ff.). Gleichzei-

tig sei festzustellen, dass kolumbianische Schutzmechanismen insbeson-

dere für Transfrauen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität nicht zur Verfü-

gung stehen würden (unter Hinweis auf Beilagen 39 ff.). 

  

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Seite 9 

4.  

4.1 Eventualiter wurde von der Beschwerdeführerin beantragt, die Sache 

sei zwecks weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese 

Rüge ist vorab zu prüfen, da ein Verfahrensmangel allenfalls geeignet 

wäre, eine Kassation des vorinstanzlichen Entscheides zu bewirken (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1156 m.w.H.). 

4.2 Zur Begründung wurde implizit vorgebracht, es obliege dem SEM zu 

prüfen, ob bei einer Verfolgung – ausgehend von privaten Personen – das 

Opfer beim Staat wirksamen Schutz erhalten könne (vgl. Beschwerde 

N. 43 ff.). Das Bundesverwaltungsgericht habe bezüglich Kolumbien schon 

mehrere Fälle zurückgewiesen, weil das SEM seiner diesbezüglichen Un-

tersuchungs- und Begründungspflicht nicht nachgekommen sei. Das Ge-

richt habe insbesondere festgehalten, dass die Möglichkeit, bei den höhe-

ren Behörden Beschwerde einzulegen, in keiner Weise einer wirksamen 

Schutzmassnahme gleichkomme (unter Hinweis auf Urteile des BVGer D-

6271/2018 vom 18. Dezember 2018 E. 5.3.4 sowie D-3831/2019 und D-

3832/2019, beide vom 12. August 2019 E. 7.7 f.). 

4.3 In ihrer Verfügung hat die Vorinstanz erwogen, dass die Beschwerde-

führerin «noch nicht alle möglichen – beispielsweise juristischen – Versu-

che unternommen» habe, welche eventuell zu einer Verminderung des 

psychischen Drucks hätten beitragen und so zu einem etwas erträglicheren 

Leben hätten führen können (vgl. S. 4 der Verfügung). Es könne nicht aus-

geschlossen werden, «dass andere Polizisten vielleicht doch eine Anzeige 

entgegengenommen hätten», zudem hätte die Möglichkeit bestanden, sich 

bei einer höheren Instanz zu beschweren (vgl. S. 4 der Verfügung). Inso-

weit hat das SEM sich zur Schutzfähigkeit und zum Schutzwillen geäus-

sert. Es ist nicht ersichtlich, was es weiter hätte abklären müssen. Es hat 

auch im Rahmen der Begründung seiner ablehnenden Verfügung seine 

wesentlichen Überlegungen genannt, von denen es sich bei seiner Ent-

scheidfindung hat leiten lassen. Der Beschwerdeführer konnte sich über 

die Tragweite der Verfügung des SEM Rechenschaft ablegen und sich im 

Rahmen seiner Rechtsmitteleingabe mit den Argumenten der Vorinstanz 

auseinandersetzen. Soweit der Beschwerdeführer der Auffassung ist, die 

Vorinstanz habe die Möglichkeit, wirksamen Schutz zu erhalten, falsch ein-

geschätzt, ist dies als Würdigung des Sachverhalts nachfolgend zu behan-

deln (vgl. E. 6). 

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Seite 10 

Zusammenfassend ist kein Verfahrensmangel ersichtlich, weshalb das 

Eventualbegehren, die Sache sei zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen, abzuweisen ist. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie 

aufgrund all der Ereignisse – Diskriminierungen, Anfeindungen sowie An-

griffe auf ihre körperliche Integrität – und des Umstandes, dass sie von 

staatlicher Seite her keinen Schutz erhalte, um ihr Leben fürchte und unter 

(asylrechtlich relevantem) psychischen Druck leide. 

Unbestritten ist, dass die sexuelle Orientierung sowie die Geschlechtsiden-

tität wesentliche Teile der menschlichen Identität sind, weshalb diesbezüg-

lich das Verfolgungsmotiv der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe (Art. 3 AsylG) vorliegt. Die Beschwerdeführerin machte mit ihrer 

Asylbegründung eine begründete Furcht vor zukünftigen Nachteilen im 

Zeitpunkt der Ausreise geltend, wobei zu beachten ist, dass die geschilder-

ten gesellschaftlichen Diskriminierungen in der Arbeitswelt (A11 F30) man-

gels Intensität nicht als asylrelevant zu qualifizieren sind. Zu untersuchen 

ist insbesondere, ob der kolumbianische Staat willens war, die Beschwer-

deführerin aufgrund der geschilderten Angriffe seitens Drittpersonen genü-

gend zu schützen. 

E-3455/2020 

Seite 11 

6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt 

der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit 

verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 

bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen 

konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten ernsthaften 

Nachteile als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als 

realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.1; 2010/57 E. 2.5 und 2010/44 E. 3, jeweils m.w.H.). 

Eingriffe in andere menschenrechtlich geschützte Rechtsgüter als Leib, Le-

ben oder Freiheit, unter Umständen auch wiederholte, zu wenig intensive 

Eingriffe in Leib und Freiheit, gelten nach Art. 3 Abs. 2 AsylG dann als Ver-

folgung, wenn daraus ein unerträglicher psychischer Druck entsteht, der 

gemäss der schweizerischen Asylpraxis dann beachtlich ist, wenn die Mas-

snahmen und deren Auswirkungen den weiteren Verbleib im Heimatstaat 

als objektiv unzumutbar erscheinen lassen. Dies ist zu bejahen, wenn ein-

zelne Personen (und Teile der Bevölkerung) systematisch schweren oder 

wiederholten Eingriffen in ihre Menschenrechte durch den Staat ausgesetzt 

sind (oder dieser keinen adäquaten Schutz vor Übergriffen Dritter zu ge-

währen imstande respektive aus asylrechtlich relevanten Gründen gewillt 

ist) und diese Eingriffe eine derartige Intensität erreichen, dass ein men-

schenwürdiges Leben nicht mehr möglich erscheint (vgl. BVGE 2013/11 

E. 5.4.2 und 2010/28 E. 3.3.1.1, jeweils m.w.H.). 

6.3 Die Rechte von LGBTI-Personen in Kolumbien gelten einerseits als 

weit entwickelt. Anderseits ist genauso unbestritten, dass die geschlechts-

spezifische Gewalt, wovon auch LGBTI-Personen betroffen sind, weit ver-

breitet ist; Transfrauen stellen dabei oft die grösste Opfergruppe dar. Ge-

mäss Berichten ist es im Jahr 2019 in ganz Kolumbien zu 106 Tötungen 

von LGBTI-Personen und 83 polizeilichen Gewalttätigkeiten gekommen 

(2018: 109 Tötungen und 78 Gewalttätigkeiten; vgl. Colombia Diversa, Más 

que cifras, Informe de derechos humanos de personas LGBT en Colombia 

2019, Januar 2021, Tabla 1). Eine überregionale Studie einer NGO-Koali-

tion geht von 109 Tötungsfällen im Jahr 2018 (11 Fälle im Jahr 2019) aus, 

wobei diese Zahlen (insgesamt wurden zwischen 2014 und 2019 in Kolum-

bien 542 LGBTI-Personen getötet) im Vergleich zu anderen lateinamerika-

nischen Staaten sehr hoch sind (vgl. SinViolencia LGBTI, El prejuicio no 

conoce fronteras, Homocidos de lesbianas, gay, bisexuales, trans e inter-

sex en países de América Latina y el Caribe 2014 - 2019, August 2019, 

E-3455/2020 

Seite 12 

S. 23). Gemäss einem Bericht des UN High Commissioner for Human 

Rights sind zwischen Januar und November 2019 45 LGBTI-Personen um-

gekommen; im Jahr 2018 sei es auch zu 45 Tötungsfällen und 237 Fällen 

sexueller Gewalt gekommen (vgl. UNHRC, Situation of human rights in Co-

lombia, Mai 2020 [A/HRC/43/3/Add.3], N. 85). Im Jahr 2020 wurden dies-

bezüglich 75 Personen (davon 27 Transfrauen) umgebracht und in seinen 

ersten acht Monaten 388 Gewaltdelikte (in 36 Fällen durch die Polizei) ver-

übt (vgl. Colombia Diversa, Así van las cosas, Balance preliminar de la 

violencia contra personas LGBT en 2020, S. 2 [Beilage 50]; Reuters, More 

than 60 LGBT, intersex people killed in Colombia in first eight months of 

2020, September 2020). Es ist offensichtlich, dass die polizeiliche Gewalt 

gegenüber LGBTI-Personen nicht unterschätzt werden darf (vgl. hierzu 

Defensoría del Pueblo Colombia, Cuando Autoridad es Discriminación, Vi-

olencia policial contra personas con orientación sexual e identidad de 

género diversas en espacios públicos, 2018 [Beilage 18]). Dabei gilt es zu 

beachten, dass öffentliche Stellen keine Daten über Gewalt an LGBTI-Per-

sonen erfassen. Des Weiteren wird ein Gewaltmotiv, zum Beispiel Hass 

gegenüber der sexuellen Orientierung respektive Identität des Opfers, von 

den Behörden nur selten erkannt. Daher ist davon auszugehen, dass die 

Dunkelziffer weit höher ausfallen dürfte. Keine Zahlen sind bezüglich all-

täglicher Gewalt, Stigmatisierungen und Diskriminierungen gegenüber 

LGBTI-Personen erhältlich (vgl. zum Ganzen auch WOLA [Washington 

Office on Latin America], LGBT+ Rights and Peace in Colombia: The Pa-

radox between Law and Practice, Juli 2020). 

Hinsichtlich des Risikos, Opfer physischer oder verbaler Gewalt zu werden, 

gibt es starke regionale Unterschiede: So ist die Situation in kleinen Städ-

ten, auf dem Land und besonders in der Karibikregion Kolumbiens für 

LGBTI-Personen schwieriger als beispielsweise in grösseren Städten wie 

Bogotá (vgl. CEDOCA [Centre de documentation et de recherche], COI-

Focus: Colombia, Seksuele minderheden en transgender, Oktober 2020; 

IRB – Immigration and Refugee Board of Canada, Colombia: Situation and 

treatment of sexual and gender minorities, including treatment by authori-

ties and society; state protection and support services available, Mai 2020, 

Punkt 2.1 m.w.H. [Beilage 29]). Ferner ist vorstellbar, dass ausserhalb der 

Hauptstadt, wo paramilitärische oder andere bewaffnete Gruppen aktiver 

sind, vermehrt Gewaltdelikte gegen «andersartige» Personen vorkommen. 

Bezüglich Bogotá ist auch darauf hinzuweisen, dass mit Claudia López im 

Oktober 2019 eine lesbische Frau als Bürgermeisterin gewählt wurde (vgl. 

WOLA, a.a.O.). 

E-3455/2020 

Seite 13 

6.4 In Kolumbien ist bezüglich Schutzsuche (neben Menschenrechtsan-

wälten) insbesondere auf die NGO’s «Colombia Diversa», «Santamaría 

Fundación» und «Caribe afirmativo» hinzuweisen, welche sich für die 

Rechte von LGBTI-Personen einsetzen und an welche sich Opfer und ihre 

Angehörigen wenden können (vgl. Swedish International Development 

Cooperation Agency [SIDA], The Rights of LGBTI people in Colombia, No-

vember 2014, S. 3). 

Um der Gewalt und Diskriminierungen von LGBTI-Person entgegenzuwir-

ken, hat der kolumbianische Staat 2013 das «National Bureau of Urgent 

Cases» (BNCU) – respektive «La Mesa (Nacional) de Casos Urgentes» / 

«Urgend Cases Desk» – eingerichtet. Diese Institution ist auch für Fälle 

von Aggressionen und Diskriminierungen gegen LGBTI-Personen zustän-

dig und arbeitet mit der Ombudsstelle, der Generalstaatsanwaltschaft, der 

nationalen Polizei, dem Büro des Präsidentenberaters für Menschenrechte 

sowie mit dem Innenministerium zusammen. Das BNCU führt eine Liste 

von dringenden Fällen, die weiter untersucht werden, tauscht sich regel-

mässig mit der Zivilgesellschaft aus und versucht, Massnahmen zu ergrei-

fen (vgl. US Department of State, 2019 Country Reports on Human Rights 

Practices: Colombia, S. 31; IACHR, Advances and challenges towards the 

recognition of the rights of LGBTI persons in the Americas, Dezember 

2018, N. 198). 

«La Mesa (Nacional) de Casos Urgentes» wird auch durch die «National 

Protection Unit» (Unidad Nacional de Protección, UNP) unterstützt (vgl. 

UNP Noticias, UNP en mesa de casos urgentes, la perspectiva LGBTI, Ja-

nuar 2016 [modifiziert am 24. Juli 2018]). Die UNP ist für den Schutz von 

Personen zuständig, welche allgemein starker Bedrohung ausgesetzt sind 

(wobei diese Institution auch kritisiert wird, vgl. Urteil BVGer E-3683/2019 

vom 7. August 2019 E. 5.4.3). So hat die UNP zwischen 2018 und 2019 für 

32 betroffene LGBTI-Personen (von 42 Schutzanfragen; Stand März 2019) 

ein besonderes Risiko erwogen und Schutzmassnahmen – beispielsweise 

ein besonderes Mobiltelefon (um mit den Behörden direkt zu kommunizie-

ren), Begleitschutz oder Geräte mit einem Alarmknopf – ergriffen. Von Ja-

nuar bis Dezember 2019 wurde in 64 Fällen um Schutz ersucht; unklar ist, 

in wie vielen Fällen auch Massnahmen ergriffen wurden. Nichtsdestotrotz 

würde den besonderen Schutzbedürfnissen der LGBTI-Personen immer 

noch zu wenig Rechnung getragen, so Columbia Diversa (vgl. Colombia 

Diversa, Más que cifras, a.a.O., Punkt 4.2). 

E-3455/2020 

Seite 14 

Als weitere wichtige Institution ist die nationale Ombudsstelle («La Defen-

soria del Pueblo») zu nennen, welche unter anderem mit zwei Beauftragten 

zusammenarbeitet («Delegada para los Derechos de las Mujeres y Asun-

tos de Género y el Systema de Alertas Tempranas» [SAT] und «Delegada 

de Prevención de Riesgos de Violencia de Derechos Humanos y DHI»), 

wobei einerseits deren Präventionsarbeit teilweise auch kritisiert wird (vgl. 

Colombia Diversa, Más que cifras, a.a.O., Punkt 4.1), anderseits in löbli-

cher Form auf das Büro in Bogotá hingewiesen wird (vgl. SIDA, a.a.O., 

S. 2). In ihren Empfehlungen gegen polizeiliche Gewalt (vgl. hierzu De-

fensoría del Pueblo Colombia, a.a.O., S. 57 ff.) verweist die Ombudsstelle 

insbesondere auf den Weg der polizeilichen internen Kontrolle («las Un-

idas de Control Interno de la Policía Nacional» respektive «Unidad de De-

rechos Humanos de la Policía» respektive «Procuraduría General de la 

Nación»), wobei sie aber auch auf etliche reale Hindernisse einer internen 

Ermittlung hinweist. Ferner wird bei Opfern («without immediate danger to 

their physical safety») empfohlen, bei der Staatsanwaltschaft («prosecure 

office»), beim BNCU («Immediate Reaction Unit»), beim «House of Jus-

tice» sowie bei der Polizei Anzeige zu erheben (vgl. IRB, a.a.O., Punkt 3 

m.w.H.). 

6.5 Keinem Staat gelingt es, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger je-

derzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist vielmehr, dass eine funk-

tionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in 

erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein 

Rechts- und Justizsystem zu denken ist. Die Inanspruchnahme eines sol-

chen Schutzsystems muss der betroffenen Person objektiv zugänglich und 

individuell zumutbar sein. Letzteres ist zu verneinen, wenn die betroffene 

Person sich mit einer Strafanzeige der konkreten Gefahr weiterer (oder an-

derer) Verfolgungsmassnahmen aussetzen würde. Dies ist jeweils im Rah-

men einer Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen 

Kontextes zu beurteilen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). 

6.5.1 Vorliegend geht das Bundesverwaltungsgericht von folgendem 

glaubhaft gemachten Sachverhalt aus: Nebst alltäglichen Diskriminierun-

gen, Beleidigungen und Beschimpfungen wurde das (…)geschäft der Be-

schwerdeführerin mit Steinen beworfen, wobei auch sie verletzt wurde (A11 

F30, 35 und 41 f.). Daraufhin hat sie in ihrem Quartier in Bogotá die Polizei 

aufgesucht, um Anzeige zu erstatten; doch die Beamten lachten sie nur 

aus (A11 F31 f. und 39; vgl. Beschwerde N. 11 f.). Die Anzeige wurde folg-

lich nicht schriftlich erfasst (A11 F64 ff.). Dies war der Wendepunkt, worauf 

sie ihre Heimat verliess (A11 F37 und 41). 

E-3455/2020 

Seite 15 

6.5.2 Gestützt auf die zuvor geschilderten Erkenntnisse (vgl. E. 6.3 f.) 

kommt das Gericht zum Schluss, dass sich LGBTI-Personen in Kolumbien 

aufgrund ihres Wesens respektive ihrer Identität unbestritten in einer ge-

fährlichen Lage befinden. Bezogen auf den vorliegenden Einzelfall hat die 

Beschwerdeführerin die bestehenden Schutzinfrastrukturen jedoch nicht 

vollumfänglich ausgeschöpft. Wie sich aus den Akten ergibt, hat sie nach 

dem Angriff auf ihr (…)geschäft versucht, eine Anzeige auf einem Polizei-

posten einzureichen. Es wäre ihr jedoch zuzumuten gewesen, sich ausser-

dem an eine der erwähnten NGO zu wenden, um Beihilfe zu erhalten, zu-

mal es scheint, dass sie mit der Organisation «Red Comunitaria Trans» in 

Bogotá in Kontakt stand (A11 F45 f.), welche sich auch für die Rechte von 

Transmenschen insbesondere in Bogotá einsetzt. Ferner wäre es möglich 

gewesen, den Weg der polizeilichen internen Ermittlungen zu beschreiten; 

obwohl dieser Weg aufgrund bekannter Hindernisse beschwerlich ist. Doch 

kann nicht schon im Vorfeld gesagt werden, es sei unwahrscheinlich, auf 

diesem Weg Hilfe zu bekommen, weshalb davon abgesehen werden 

könnte. Wie aus einer neueren Studie herausgeht, haben die zwischen 

2009 und 2017 733 registrierten Fälle folgenden Verfahrensstand: 421 

Fälle befinden sich in der «Etapa de Indagación» (Nachforschungen), in 49 

Fällen wird ein Prozess geführt, es kam zu 75 Verurteilungen und 7 Frei-

sprüchen (vgl. hierzu Colombia Diversa, Promsex, Cattrachas, Informe Tri-

nacional: Litigo estratégico de casos de violencia por prejuicio por orienta-

ción sexual, identidad y expresión de género en Colombia, Perú y Hondu-

res, 2020, S. 46 ff. und 52 [Beilage 23]). Von den im Jahr 2019 gemeldeten 

285 Fällen kam es in 113 Fällen zu einem Verfahren, darunter waren 93 

strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (30 bezüglich Drohun-

gen, 62 bezüglich Tötungen und eine wegen Polizeigewalt); bei den restli-

chen 20 Fällen kam es zu Disziplinaruntersuchungen gegen Polizeiange-

hörige. Für Beschwerden gegen das Verhalten von Beamten und Behör-

den hat die Generalstaatsanwaltschaft 2017 die «Directiva 002» einge-

führt, welche allerdings kaum zur Anwendung komme (vgl. Colombia Di-

versa, Más que cifras, a.a.O., Punkt 4.2). 

Gemäss Schreiben der NGO La Casa de Lxs Locxs vom 31. Juli 2020 hat 

diese Gruppe zwar Anzeigen eingereicht, jedoch habe dies nichts bewirkt. 

Diesbezüglich ist nicht klar, ob die Gruppe auch im Fall der Beschwerde-

führerin aktiv geworden ist. 

6.5.3 Zusammenfassend ist im vorliegenden Fall nicht von einer begrün-

deten Furcht vor einer Verfolgung – auch nicht im Sinne eines unerträgli-

E-3455/2020 

Seite 16 

chen psychischen Drucks – auszugehen. Die Vorinstanz erkannte richtig-

erweise eine «gewisse Schutzunwilligkeit» seitens von Kolumbien. Zu 

Recht hielt sie ferner fest, dass zumindest ein Versuch hätte unternommen 

werden können, auf einem anderen Weg gegen die Gewalttätigkeiten vor-

zugehen. 

6.6 Diese Erwägungen stehen auch im Einklang mit dem kürzlich ergange-

nen Urteil des BVGer F-2233/2019 vom 22. April 2021. Gestützt auf das 

Ausländergesetz kam das Gericht in diesem Urteil zum Schluss, die Trans-

frau aus Mauritius sei ein Härtefall. Eine Rückkehr wurde als unzumutbar 

erachtet, weil unter anderem Geschlechtsanpassungen in diesem Land 

(nicht wie in Kolumbien) verboten sind, entsprechend würden bereits voll-

zogene Anpassungen von den Behörden nicht anerkannt werden. Die 

Transfrau wäre somit gezwungen, im Körper einer Frau zu leben, während 

sie offiziell als Mann gelte. Gleichgeschlechtliche Ehen seien auf Mauritius 

– anders als in Kolumbien – ausserdem verboten. Transmenschen würden 

auf Mauritius zudem regelmässig diskriminiert und von ihren Familien aus-

gestossen. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.3 Da das SEM in der angefochtenen Verfügung die vorläufige Aufnahme 

der Beschwerdeführerin angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss Aus-

führungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs. Die vorläufige Aufnahme tritt mit dem heutigen Urteil formell 

in Kraft. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-

weisen. 

E-3455/2020 

Seite 17 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr jedoch mit Verfü-

gung vom 22. Juli 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gutgeheissen wurde und den Akten nicht zu entnehmen 

ist, dass sie nicht mehr bedürftig wäre, sind keine Verfahrenskosten zu er-

heben. 

9.2 Mit derselben Verfügung wurde die Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin bestellt. Ihr ist deshalb ein amtliches Honorar zu Lasten 

der Gerichtskasse zu entrichten. In ihrer am 31. Mai 2021 eingereichten 

Honorarnote wird ein zeitlicher Aufwand von 39.5 Stunden und Auslagen 

von Fr. 260.20 ausgewiesen; eine Mehrwertsteuerpflicht wird nicht ausge-

wiesen. Dieser Aufwand ist als überhöht zu erachten. Unter Berücksichti-

gung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 bis Art. 13 VGKE) 

und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist der zeitliche Aufwand 

für das Beschwerdeverfahren auf insgesamt 25 Stunden festzusetzen. 

Demnach wird das Honorar (mit einem Stundenansatz von Fr. 220.–) für 

die amtlich eingesetzte Rechtsvertreterin auf Fr. 5'760.20 (inkl. Auslagen 

und ohne Mehrwertsteuerzuschlag) festgesetzt. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3455/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse ein Ho-

norar von Fr. 5'760.20 zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

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