# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 798c8f2a-15ee-5af6-a609-2cc474a7142a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-11-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 13.11.2025 BRGE IV Nrn. 0156-0157/2025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-IV-Nrn--0156-01_2025-11-13.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung

G.-Nrn. R4.2024.00214 und R4.2024.00215
BRGE IV Nrn. 0156/2025 und 0157/2025

Entscheid vom 13. November 2025

Mitwirkende Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichter Roland Keller, Baurichterin
Petra Röthlisberger, Gerichtsschreiber Paul Wegmann

in Sachen Rekurrierende

R4.2024.00214

1. BirdLife Zürich
2. BirdLife Schweiz
3. Pro Natura Zürich
4. Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz

Nr. 4 vertreten durch Pro Natura Zürich
5. WWF Zürich
6. WWF Schweiz

Nr. 6 vertreten durch WWF Zürich
alle vertreten durch Rechtsanwältin […]

R4.2024.00215

Zürcher Heimatschutz ZVH

gegen Rekursgegnerschaft
1. Baudirektion Kanton Zürich

Mitbeteiligte
2. Politische Gemeinde X
3. A AG

Nr. 3 vertreten durch Rechtsanwalt […]

R4.2024.00214 Seite 2

R4.2024.00214

betreffend Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich Nr. ARE 24-0269 vom 15. No-
vember 2024 und Verfügung des Amtes für Landschaft und Natur vom
14. November 2024; Festsetzung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung
Deponie Y" mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Waldrodung bzw. forst-
rechtliche Bewilligung (Rodung), X

R4.2024.00215

Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich Nr. ARE 24-0269 vom 15. No-
vember 2024; Festsetzung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung Depo-
nie Y" mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Waldrodung, X

______________________________________________________

R4.2024.00214 Seite 3

hat sich ergeben:

A.
Mit Verfügung Nr. KS ARE 24-0269 vom 15. November 2024 (gleichentags
publiziert) setzte die Baudirektion Kanton Zürich den kantonalen Gestal-
tungsplan "Erweiterung Deponie Y, X", mit Umweltverträglichkeitsprüfung
und Waldrodung, fest (Dispositivziffer I) und hob den kantonalen Gestal-
tungsplan "Deponie Y", festgesetzt durch die Baudirektion mit Verfügung Nr.
0055/17 vom 20. Januar 2017, auf (Dispositivziffer II). Vorgängig hatte das
Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich (ALN) mit Verfügung vom
14. November 2024 die Rodungsbewilligung erteilt.

B.
Mit gemeinsamer Eingabe vom 16. Dezember 2024 erhoben BirdLife Zürich,
BirdLife Schweiz, Pro Natura Zürich, Pro Natura – Schweizerischer Bund für
Naturschutz, WWF Zürich und WWF Schweiz Rekurs an das Baurekursge-
richt des Kantons Zürich und stellten folgende Anträge:

 " 1. Die Festsetzungsverfügung Kantonaler Gestaltungsplan "Erweiterung
Deponie Y, X" der Baudirektion vom 15. November 2024 sei aufzuhe-
ben.

  2. Die Rodungsbewilligung des Amts für Landschaft und Natur, Abtei-
lung Wald, vom 14. November 2024 sei aufzuheben.

  3. Die Sache sei zur Prüfung einer umweltverträglichen Alternative zu-
rückzuweisen.

  4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegne-
rin."

C.
Mit Präsidialverfügung vom 17. Dezember 2024 wurde vom Rekurseingang
unter der Geschäftsnummer R4.2024.00214 Vormerk genommen und das
Vernehmlassungsverfahren eröffnet.

R4.2024.00214 Seite 4

Mit Eingabe vom 14. Januar 2025 verzichtete die Gemeinde X sinngemäss
auf Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Vernehmlassung vom
15. Januar 2025 – unter Verweis auf die Mitberichte des Amtes für Raum-
entwicklung (ARE) und des ALN je vom 14. Januar 2025 – die Abweisung
des Rekurses. Die A AG (im Folgenden: Mitbeteiligte) beantragte mit Ver-
nehmlassung vom 20. Januar 2025, der Rekurs sei vollumfänglich abzuwei-
sen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (letzteres zzgl. MwSt.) zulas-
ten der Rekurrierenden. Mit Replik vom 18. Februar 2025 hielten die Rekur-
rierenden an ihren Ausführungen fest. Mit Präsidialverfügung vom 19. Feb-
ruar 2025 wurde die Baudirektion zur Einreichung weiterer Unterlagen auf-
gefordert; diese gingen mit Begleitschreiben vom 28. Februar 2025 beim
Baurekursgericht ein, was den anderen Parteien zur Kenntnis gebracht
wurde. Mit Eingabe vom 4. März 2025 verzichtete die Gemeinde X sinnge-
mäss auf Erstattung einer Duplik. Die Baudirektion hielt mit Eingabe vom 10.
März 2025 – unter Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 6. März 2025 –
sinngemäss an ihren Anträgen fest. Auch die Mitbeteiligte hielt mit Duplik
vom 12. März 2025 an ihren Anträgen fest.

D.
Mit Eingabe vom 16. Dezember 2024 erhob auch der Zürcher Heimatschutz
(ZVH) Rekurs gegen die Festsetzungsverfügung vom 15. November 2024
und stellte folgende Anträge:

 " 1. Die Verfügung der Baudirektion vom 15. November 2024 betreffend
die Festsetzung des revidierten kantonalen Gestaltungsplans "Erwei-
terung der Deponie Y X" sei aufzuheben.

  2. Eventuell sei das Verfahren zu sistieren, bis archäologische Sondie-
rungen ein vollständiges Bild über die unter dem Boden liegenden rö-
mischen Ruinen zu vermitteln vermögen.

  3. Eventuell sei ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für
Denkmalpflege zur Bedeutung der zutage geförderten Ruinen einzu-
holen.

  4. Die Verfahrenskosten seien der Rekursgegnerin aufzuerlegen."

R4.2024.00214 Seite 5

E.
Mit Präsidialverfügung vom 18. Dezember 2024 wurde vom Rekurseingang
unter der Geschäftsnummer R4.2024.00215 Vormerk genommen und das
Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die Gemeinde X verzichtete mit Ein-
gabe vom 14. Januar 2025 sinngemäss auf Vernehmlassung. Die Baudirek-
tion beantragte mit Vernehmlassung vom 17. Januar 2025 – unter Verweis
auf den Mitbericht des ARE vom 15. Januar 2025 – die Abweisung des Re-
kurses. Die A AG (im Folgenden: Mitbeteiligte) beantragte mit Vernehmlas-
sung vom 22. Januar 2025, der Rekurs sei vollumfänglich abzuweisen, so-
weit darauf überhaupt eingetreten werden könne, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen (letzteres zzgl. MwSt.) zulasten des Rekurrenten. Mit
Replik vom 14. Februar 2025 und Duplik vom 10. März 2025 hielten der Re-
kurrent und die Mitbeteiligte an ihren Anträgen fest; die Baudirektion verzich-
tete stillschweigend und die Gemeinde X mit Eingabe vom 4. März 2025
sinngemäss auf Erstattung einer Duplik.

F.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:

1.1
Die beiden Rekursverfahren betreffen den gleichen kantonalen Gestaltungs-
plan, weshalb sie aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen sind.

1.2
Bei der in beiden Rekursverfahren angefochtenen Festsetzungsverfügung
handelt es sich um eine Verfügung der Baudirektion (vgl. act. 3.1 S. 6 [hier
und im Folgenden – soweit nicht anders vermerkt – bezogen auf die Akten
des Verfahrens G.-Nr. R4.2024.00214]), weshalb der Betreff in beiden Ver-
fahren entsprechend anzupassen ist.

R4.2024.00214 Seite 6

2.1
Im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 handelt es sich bei den Rekurrierenden
2 (BirdLife Schweiz), 4 (Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz)
und 6 (WWF Schweiz) um schweizweit tätige Natur- und Umweltschutzver-
bände, die sowohl nach Art. 55 des Umweltschutzgesetzes (USG) als auch
nach Art. 12 Abs. 1 lit. b des Natur- und Heimatschutzgesetzes (NHG) zur
Verbandsbeschwerde legitimiert sind (vgl. auch ihre Nennung im Anhang der
Verordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes so-
wie des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten Personen
[VBO]). Dabei umfasst der in beiden Gesetzesbestimmungen verwendete
Verfügungsbegriff auch Sondernutzungspläne, in denen planerische Anord-
nungen getroffen werden, die in Bezug auf Ausmass und konkrete Lage der
zulässigen baulichen Veränderungen bereits entscheidende Elemente einer
Baubewilligung enthalten (vgl. [mit Bezug auf das Vorliegen einer Bundes-
aufgabe] VB.2019.00633 vom 14. Mai 2020, E. 1.2 m.w.H.; vgl. auch Peter
M. Keller, Kommentar NHG, Peter M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Lud-
wig Fahrländer (Hrsg.), 2. Auflage 2019, Art. 12 Rz. 4; Jean-Baptiste Zuffe-
rey, Kommentar NHG [s.o.], Art. 2 Rz. 32 [unter Verweis auch auf Art. 12c
Abs. 3 NHG]; Alain Griffel/Heribert Rausch, Kommentar zum Umweltschutz-
gesetz, Ergänzungsband zur 2. Aufl., Hrsg. Vereinigung für Umweltrecht, Zü-
rich 2011, Art. 55 Rz. 8), was vorliegend der Fall ist (vgl. insb. die Gestal-
tungsplanvorschriften [GPV; act. 17.3]). Hinsichtlich Art. 55 USG ist sodann
entscheidend, dass für die strittige Deponieerweiterung eine Pflicht zur Um-
weltverträglichkeitsprüfung im Sinne von Art. 10a USG besteht (vgl. Ziff. 40.4
des Anhangs zur Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung
[UVPV]), was unabhängig vom genauen Umfang der Erweiterung des Depo-
nievolumens (vgl. dazu E. 5.3.3) gilt, da diese jedenfalls 500'000 m3 über-
schreitet. Hinsichtlich Art. 12 NHG ist auch die Voraussetzung, wonach die
"Verfügung" in Erfüllung einer Bundesaufgabe zu ergehen hat, erfüllt, nach-
dem vorliegend eine solche bereits aufgrund der Erteilung einer Rodungsbe-
willigung nach Art. 5 des Waldgesetzes (WaG) sowie mit Blick auf die The-
matik des Schutzes der Tier- und Pflanzenwelt und ihrer Lebensräume im
Sinne von Art. 18 NHG zu bejahen ist (vgl. BGr 1C_573/2018 vom 24. No-
vember 2021, E. 1.1; 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016, E. 1.3). Zusam-
mengefasst ist somit die Legitimation der Rekurrierenden 2, 4 und 6 zu be-
jahen.

R4.2024.00214 Seite 7

Die Legitimation der Rekurrierenden 1 (BirdLife Zürich), 3 (Pro Natura Zürich)
und 5 (WWF Zürich), mithin der kantonalen Verbände, ergibt sich aus § 338b
Abs. 1 lit. c des Planungs- und Baugesetzes (PBG), wonach die gesamtkan-
tonal tätigen Verbände spezifisch Rekurse gegen die Festsetzung von über-
kommunalen Gestaltungsplänen ausserhalb der Bauzonen erheben können.

Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs
im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 vollumfänglich einzutreten (was seitens
der Gegenparteien zu Recht auch nicht in Frage gestellt wird).

2.2.1
Der im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00215 rekurrierende ZVH kann seine Le-
gitimation grundsätzlich ebenfalls auf § 338b PBG stützen.

Die Mitbeteiligte macht jedoch geltend, die rekurrentischen Vorbringen wür-
den sich ausschliesslich gegen eine allfällige zukünftige Baubewilligung,
nicht aber gegen den Gestaltungsplan selbst richten. Solche Rügen seien
nicht stufengerecht und verfrüht. Es lägen keinerlei substantiierte Rügen vor,
die eine angeblich rechtsfehlerhafte Festsetzung des Gestaltungsplans zum
Inhalt hätten, so dass der Rekurs unsubstantiiert und auf diesen daher nicht
einzutreten sei.

2.2.2
Zwar trifft es zu, dass im Rekurs des ZVH wiederholt auf eine (zukünftige)
Baubewilligung Bezug genommen wird, indem gefordert wird, dass vor Er-
teilung einer Baubewilligung archäologische Funde ermittelt und dokumen-
tiert würden, und zudem dargelegt wird, die üblichen Nebenbestimmungen
bei Baubewilligungen wären vorliegend nicht angemessen und vor der allfäl-
ligen Erteilung einer Baubewilligung müsse die archäologische Situation ge-
klärt sein (act. 2 Rz. 17, 19 f. [im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00215]). Indessen
machen bereits diese Formulierungen deutlich, was sich sodann zumindest
sinngemäss auch aus der gesamten Rekursschrift ergibt: Dem Rekurrenten,
welcher denn auch ausdrücklich die Aufhebung der den Gestaltungsplan be-
treffenden Festsetzungsverfügung beantragt, geht es inhaltlich darum, dass
auf dieser, einer allfälligen Baubewilligung vorgelagerten Ebene, aus seiner
Sicht kein adäquater Umgang mit der innerhalb des Erweiterungsperimeters
gelegenen archäologischen Zone stattgefunden hat. Die Kritik richtet sich
somit sachlogisch gegen das (gemäss rekurrentischer Ansicht) Ungenügen

R4.2024.00214 Seite 8

der im Rahmen des Gestaltungsplans vorgesehenen Massnahmen (vgl.
insb. Art. 4 GPV i.V.m. Ziff. 16.6 des Umweltverträglichkeitsberichts [UVB;
act. 17.4]) und damit gerade nicht gegen eine zukünftige Baubewilligung,
sondern gegen den Gestaltungsplan selbst (was denn auch im Lichte von
Art. 12c Abs. 3 NHG als das zutreffende und zwingend zu wählende Vorge-
hen erscheint).

Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist somit entgegen
dem Dafürhalten der Mitbeteiligten auch auf den Rekurs im Verfahren G.-
Nr. R4.2024.00215 einzutreten.

3.1
Streitgegenstand bildet der kantonale Gestaltungsplan betreffend die Erwei-
terung der bestehenden Deponie Y (Deponietyp B gemäss der Verordnung
über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen [VVEA]). Für die be-
stehende Deponie sah der (nun aufzuhebende) Gestaltungsplan gemäss
Festsetzungsverfügung vom 20. Januar 2017 – entsprechend der ursprüng-
lichen Festlegung eines Deponievolumens von 500'000 m3 im kantonalen
Richtplan – die Ablagerung von rund 535'000 m3 (fest) Inertstoffmaterial vor.
Im Rahmen der Richtplanteilrevision 2017 war mit Festsetzungsbeschluss
des Kantonsrats vom 29. März 2021 (Vorlage 5517b) u.a. der Karteneintrag
für die Deponie Y (Pt. 5.7.2, Nr. 26) angepasst worden, indem die Fläche von
5 ha auf 16 ha und das Deponievolumen von 500'000 m3 auf 3'000'000 m3

erhöht wurde. Entsprechend sieht der nun strittige neue kantonale Gestal-
tungsplan gemäss den Angaben in der angefochtenen Festsetzungsverfü-
gung (vgl. zur Infragestellung dieser Angaben nachstehend E. 5.3.3) eine
gesamthafte Ablagerungsfläche von rund 14,58 ha (bzw. 14,64 ha [vgl. act.
17.2 S. 25 f.]), ein Bruttovolumen von rund 3'200'000 m3 bzw. ein Netto-De-
ponievolumen von 2'911'000 m3 und damit eine Erweiterung um ca. 9,6 ha
bzw. um ca. 2'400'000 m3 vor (act. 3.1 S. 2).

Die geplante Erweiterung der Deponie soll in Etappen erfolgen, wobei die
Etappe 1 der bestehenden Deponie entspricht, während die Etappen 2 und
3 nördlich und nordöstlich (bzw. zu einem kleinen Teil auch nordwestlich)
unmittelbar an diese anschliessen. Die Deponie liegt im südöstlichen Bereich
der Gemeinde X an der Grenze zur Stadt Zürich. Sie grenzt im Südwesten
an die Autobahn; im Südosten verläuft die B-Strasse und im Nordosten ein

R4.2024.00214 Seite 9

Bahntrassee, wobei sich zwischen diesen beiden Verkehrsachsen und dem
vorgesehenen Ablagerungsperimeter Wald befindet; im Nordwesten liegen
einige Gebäude ("Tempelhof") sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Durch den Perimeter der erweiterten Deponie führt derzeit ungefähr in West-
Ost-Richtung die C-Strasse. Unmittelbar nördlich des Perimeters verläuft das
Gewässer Y-Graben; ein kurzer Seitenarm desselben, der seinen Ursprung
in einer natürlichen Quelle hat, wird mit der Deponieerweiterung auf einer
Strecke von ca. 25 m ausgehoben und überdeckt.

Während der südwestliche Teil des Deponieperimeters (der zur Hauptsache
das Gebiet der bestehenden Deponie umfasst) in der kantonalen Landwirt-
schaftszone liegt, befindet sich der nordöstliche Teil im Wald, weshalb eine
Rodungsbewilligung für Rodungen von insgesamt 79'500 m2 (wovon 3'710
m2 definitiv) erforderlich ist. Ein Teil des im Ablagerungsperimeter liegenden
Waldes wird im Waldentwicklungsplan des Kantons Zürich 2010 (WEP) als
multifunktionaler Wald mit Vorrang Holznutzung, ein Teil als multifunktionaler
Wald mit Vorrang biologische Vielfalt ausgewiesen, wobei letzteres zudem
mit dem besonderen Ziel Eichenförderung konkretisiert wird (vgl. die entspre-
chenden Karteneinträge im Geografischen Informationssystem des Kantons
Zürich [GIS-ZH; https://maps.zh.ch/]). Wie im Planungsbericht (act. 17.2)
festgehalten wird, handelt es sich beim von der Deponie betroffenen Wald
um einen schutzwürdigen Lebensraum; speziell hervorgehoben werden im
zu rodenden Bereich 18 als Habitatbäume bezeichnete alte, strukturreiche
Eichen (wobei a.a.O., Anhang A2, für die gerodete Fläche insgesamt 27 Ei-
chen, wovon 13 mit Brusthöhendurchmesser [BHD] > 70 cm bzw. 21 mit BHD
> 50 cm, ausgewiesen werden [bzw. 22 gemäss UVB aufgrund des dort zu-
sätzlich verzeichneten Baums Nr. 248; vgl. act. 17.4 S. 12 und Anhang 13-
5]). Auch wird ausgeführt, dass die alten Eichenbestände einen wichtigen
Teil des Lebensraums von teilweise stark gefährdeten Arten der Gruppen
der xylobionten Käfer, Flechten, Fledermäuse und Nachtfalter bilden würden
(zum Ganzen act. 17.2 S. 21 f.; vgl. im Detail nachstehend E. 3.4.1). Der im
Deponieperimeter befindliche Wald gehört nördlich der C-Strasse zu den
Waldarealen "Y" und (östlich desselben) "G" (z.T. auch gesamthaft als "Y G"
bezeichnet [act. 17.4 Anhang 14-1a]), südlich der C-Strasse primär zum
Waldareal "I", wobei die geplante Etappierung als Etappe 2 die Ablagerung
im nördlichen Bereich und als Etappe 3 die Ablagerung im Bereich I – wo
sich 15 der erwähnten 18 Habitatbäume befinden – vorsieht. Wie der Pla-
nungsbericht darlegt, ist der Eichenbestand im Deponieperimeter Teil eines

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grossen Bestandes alter Eichen im Waldareal zwischen der Deponie Y im
Süden und dem Flughafengelände im Norden. Alte Eichen bzw. solche mit
grossem BHD finden sich dabei zunächst östlich des Deponieperimeters zwi-
schen diesem und der B-Strasse (primär innerhalb des Areals I, aber auch
nördlich desselben im Areal G), in wesentlich geringerem Umfang nördlich
des Perimeters im westlichsten Teil des Areals Y (vgl. insb. act. 17.2 Anhang
A2 und act. 17.4 Anhang 13-5). Sodann sind alte Eichenbestände in den
weiter nördlich gelegenen Arealen zu verzeichnen: Zum einen im lediglich
durch das Bahntrassee von den Arealen Y und G getrennten Waldareal "D",
an das seinerseits im Nordwesten ein grösseres Tanklager angrenzt; zum
andern und vor allem in den jenseits des Tanklagers und ebenfalls nordöst-
lich des Bahntrassees gelegenen Waldarealen "E", "nördlich G" (bzw. "G
Nord") und "F" (bzw. "G Süd") sowie dem südwestlich des Trassees gelege-
nen und durch dieses vom Areal E getrennten Areal "H" (vgl. zum Ganzen
insb. act. 17.2 S. 22 sowie zur Lage der Waldareale neben dem GIS-ZH auch
act. 17.4 Anhang 14-1a).

Das ursprüngliche Projekt einer Deponieerweiterung umfasste zusätzlich
das gesamte Waldareal I bis zur B-Strasse (vgl. act. 17.2 Anhang A1, auch
zum Folgenden). Im Rahmen der ersten Vorprüfung stellte die Fachstelle
Naturschutz fest, dass die vorgesehene Rodung naturschutzrechtlich nicht
als umweltverträglich beurteilt werden könne (vgl. act. 27.6 sowie das von
der Fachstelle eingeholte Gutachten [act. 15.1]). Seitens der Mitbeteiligten
wurden daher neun weitere Varianten entwickelt und zur Findung der opti-
malen Variante ein zweistufiges Workshopverfahren (erster Workshop mit
allen involvierten kantonalen Fachstellen; zweiter Workshop mit Vertreterin-
nen und Vertretern der Umweltverbände, Grundeigentümern, J-Holzkorpo-
ration X, Gemeinde X und ARE [vgl. zu einem vorgängigen ersten Austausch
mit den "Naturverbänden" auch act. 17.2 S. 50]) durchgeführt. Gemäss Dar-
stellung in der angefochtenen Festsetzungsverfügung traf die Baudirektion
am 16. Dezember 2022 den Variantenentscheid zugunsten der Variante "Y
Mitte (optimiert)" (act. 3.1 S. 4; vgl. dazu act. 27.3 sowie zum Ganzen auch
act. 17.2 S. 48 [wonach die Variante "Y, Mitte (angepasst)" gemäss Anhang
A2 als Bestvariante hervorgegangen sei]); zu beachten ist, dass gemäss
dem Planungsbericht zunächst die Variante "Y Mitte" (als eine der neun Va-
rianten gemäss act. 17.2 Anhang A1) als Bestvariante ausgewählt und diese
anschliessend (im Sinne von act. 17.2 Anhang A2) optimiert wurde (act. 17.2
S. 20, 27; vgl. zum Ganzen auch act. 17.4 S. 7 f., 11 sowie zu den sich in

R4.2024.00214 Seite 11

diesem Zusammenhang stellenden Fragen nachstehend E. 5.3.2 f.). Aus
Sicht Naturschutz wurde die Deponie allerdings aufgrund der Zerstörung ei-
nes nicht ersetzbaren Lebensraums weiterhin als nicht umweltverträglich be-
urteilt (vgl. act. 3.1 S. 4; act. 17.2 S. 23; act. 27.4 S. 6). Als Kompensations-
massnahme (mit dem Ziel, den Teilverlust an seltenen Arten und Lebensräu-
men auszugleichen oder diesem zumindest Rechnung zu tragen) ist die Si-
cherung einer Kompensationsfläche von 6,3 ha im Staatswald K in Z vorge-
sehen, der ein sehr hohes Potenzial zur Entwicklung in einen Alteichenle-
bensraum attestiert wird (act. 17.2 S. 24 f.; act. 17.4 S. 86 ff.).

3.2
Die Rügen im Verfahren G.-Nr. R4.2024.00214 beziehen sich primär auf den
Richtplaneintrag (vgl. dazu E. 4), die Interessenabwägung auf Ebene des
Gestaltungsplans (E. 5) und die Rodungsbewilligung (E. 6). Unter dem Titel
"Ausgangslage" erfolgen aber zunächst zwischen den Parteien teilweise um-
strittene Ausführungen im Zusammenhang mit der Bedeutung des von der
Deponieerweiterung betroffenen Lebensraums sowie dem Ausmass des Ein-
griffs, worauf nachfolgend vorab einzugehen ist (E. 3.2 bis 3.4).

3.2.1
Die Rekurrierenden machen geltend, obwohl der grösste Teil der Rodungen
temporär sei, werde damit ein Wald zerstört, der einzigartig, durch den Altei-
chenbestand von 150-250-jährigen Eichen ökologisch von höchster Bedeu-
tung und nicht ersetzbar sei. Das von der Fachstelle Naturschutz eingeholte
Gutachten komme zum Schluss, dass der Wald aufgrund seines Alters, sei-
ner Zusammensetzung und des Vorkommens von schweizweit sehr seltenen
und gefährdeten Arten als von nationaler Bedeutung gelte. Dies sei in der
Interessenabwägung zu berücksichtigen, auch wenn es für Waldlebens-
räume kein Bundesinventar im Sinne von Art. 18a NHG gebe. Zwar beruhe
das Gutachten auf einem alten Projektstand, so dass nicht mehr 43, sondern
noch ungefähr 20 alte Eichen betroffen wären (wobei anzumerken ist, dass
der Zahl von 43 betroffenen Eichen im ursprünglichen Projekt in der nun strit-
tigen Variante an sich die Gesamtzahl von 27 Eichen entspricht [vgl. act. 17.2
Anhänge A1 und A2 sowie bereits E. 3.1], auch wenn im Lichte von act. 20.1
[vgl. E. 3.2.2] für einen BHD > 55 cm tatsächlich von einer Reduktion von 41
auf 18 Bäume auszugehen ist); es gehe jedoch nicht um 18-22 einzelne
Bäume, sondern um das gesamte durch diesen Alteichenbestand geprägte
Wald-Ökosystem. Abgesehen von der Anzahl betroffener Eichen würden die

R4.2024.00214 Seite 12

Aussagen im Gutachten weiterhin gelten, zumal der wertvollste Bereich des
Waldes südlich der C-Strasse weiterhin von der Rodung betroffen sei.

Im Folgenden gibt die Rekursschrift die im Planungsbericht referierten Er-
gebnisse des Gutachtens wieder (vgl. dazu E. 3.4.1) und hebt sodann her-
vor, die Deponieerweiterung greife direkt und indirekt stark in die schützens-
werten Flechtenvorkommen im lichenologisch wertvollen Waldteil I (mit drei
auf Altwald angewiesenen Flechtenarten) ein und führe im Falle der national
stark gefährdeten Caloplaca lucifuga (Lichtscheuer Schönfleck) wohl zum
vollständigen und unwiderruflichen Verschwinden der Art, wobei aufgrund
des markanten Eingriffs in das Klima in den umliegenden Waldabschnitten
auch mit einem deutlichen Bestandes- und Vitalitätsverlust der beiden ande-
ren Flechtenarten zu rechnen sei. Sodann gehe das Habitat für die seltenen
xylobionten Käfer verloren und sei nicht zu ersetzen, wobei der Standort ins-
besondere für die beiden beobachteten Urwaldreliktarten, für die in der
Schweiz lediglich drei bzw. fünf Vorkommen bekannt seien, eine besonders
hohe Bedeutung habe. Weiter bestehe im Perimeter mindestens ein Mit-
telspechtrevier. Schliesslich wird darauf hingewiesen, auch die auszuhe-
bende und zu überdeckende Quelle, die als von regionaler Bedeutung gelte,
stelle angesichts des Vorkommens mindestens einer auf der Roten Liste ver-
zeichneten Köcherfliegen-Art einen seltenen und schutzwürdigen Lebens-
raum dar.

Unter Berufung auf das Gutachten monieren die Rekurrierenden zudem, es
seien mehrere wichtige und artenreiche Gruppen mit einem hohen Anteil an
totholzbewohnenden Arten (wie z.B. Pilze, Zweiflügler, Kleinschmetterlinge
oder Hautflügler), bei denen mit dem Vorkommen seltener und gefährdeter
Arten zu rechnen sei, nicht erfasst worden. Zudem sei die Erfassung von
Fledermäusen absolut ungenügend erfolgt. Zwar könne auf weitere Bestand-
serhebungen verzichtet werden, da schon aufgrund der bereits bekannten
Rote-Liste-Arten und weiterer seltener und gefährdeter Arten offensichtlich
sei, dass ein Eingriff nicht zu rechtfertigen sei; bei abweichender Ansicht des
Gerichts wäre aber die Sache aufzuheben und zur vollständigen Ermittlung
des massgeblichen Sachverhalts zurückzuweisen.

Schliesslich wird in der Rekursschrift argumentiert, aufgrund des Alters des
betroffenen Waldes sei für den Eingriff in den schutzwürdigen Lebensraum
kein angemessener Ersatz im Sinne von Art. 18 Abs. 1ter NHG möglich,

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weshalb denn auch gar keine Ersatzmassnahmen vorgesehen seien. Die
stattdessen geplante Kompensationsmassnahme betreffe zwar ebenfalls ei-
nen – deutlich ausserhalb des Gebiets gelegenen – Alteichenlebensraum,
der sich aber ökologisch unterscheide, da er (im Gegensatz zum feuchten
Untergrund im Perimeter) auf trockenem Boden wachse. Bei einer Beein-
trächtigung schutzwürdiger Lebensräume sei es nicht zulässig, auf die not-
wendigen Massnahmen nach Art. 18 Abs. 1ter NHG zu verzichten. Ob ein
Eingriff in einen schutzwürdigen Lebensraum somit überhaupt zulässig sein
könne, wenn keine angemessenen Ersatzmassnahmen möglich seien,
könne jedoch offengelassen werden, da jedenfalls die fehlende Ersetzbarkeit
mit äusserst hohem Gewicht in die Interessenabwägung einfliessen müsste,
was vorliegend nicht geschehen sei.

3.2.2
Die Baudirektion (bzw. der Mitbericht des ARE) entgegnet, es seien umfas-
sende Untersuchungen zum Vorkommen seltener Arten vorgenommen wor-
den, wobei die Fachstellen – und insbesondere auch die Fachstelle Natur-
schutz – keine weiteren Erhebungen verlangt hätten. Beim von der Deponie-
erweiterung betroffenen schützenswerten Lebensraum handle es sich nicht
um ein Bundesinventar im Sinne von Art. 5 NHG, weshalb auch Art. 6 Abs. 2
NHG keine Anwendung finde. Auch Art. 18 Abs. 1ter NHG und Art. 14 Abs. 6
der Natur- und Heimatschutzverordnung (NHV) würden nicht vorsehen, dass
der Eingriff in einen schutzwürdigen Lebensraum ein überwiegendes Inte-
resse von nationaler Bedeutung erfordere. Nach Art. 18 Abs. 1ter NHG seien
Eingriffe in schutzwürdige Lebensräume zulässig, wenn sie nicht vermeidbar
seien. Die Anordnung von Schutz-, Wiederherstellungs- oder Ersatzmass-
nahmen sei demnach die Folge eines zulässigen Eingriffs, jedoch keine Ein-
griffsvoraussetzung, was sich auch aus der Systematik der NHV ergebe.

Die Mitbeteiligte weist vorab auf einen von ihr eingereichten Situationsplan
(act. 20.1) hin und hält fest, dieser zeige den gesamten schutzwürdigen Le-
bensraum, über welchen von der Baudirektion mit einem waldbaulichen Kon-
zept und einer Kombination aus Schutzverordnung, Verträgen und forstlicher
Ausführungsplanung eine langfristige Sicherung erlassen werden solle (wo-
bei die fragliche Abgrenzung im genannten Plan insbesondere sämtliche in
E. 3.1 erwähnten Waldareale umfasst). Der Plan weist zudem die Standorte
sämtlicher Eichen mit einem BHD > 55 cm aus. Gemäss der Mitbeteiligten
lassen sich aus dem Plan folgende Schlüsse ziehen: Die gesamte Fläche

R4.2024.00214 Seite 14

des schutzwürdigen Lebensraums betrage ca. 50,8 ha, während vom Erwei-
terungsperimeter nur ca. 7,95 ha (15,6 %) betroffen seien; in der gesamten
Fläche befänden sich 341 wertvolle Eichen mit einem BHD > 55 cm (bzw.
insgesamt 393 Eichen), während von der Rodung nur 18 Eichen (5,3 %) be-
troffen seien; die Eichendichte im Rodungsperimeter sei mit 2,2 Eichen pro
Hektare sehr gering im Vergleich zu den übrigen Gebieten mit einem hohen
Eichenbestand, wobei sich die grösste Eichendichte im Waldteil E mit 13,8
Eichen pro ha befinde; durch die Projektanpassung bzw. -optimierung habe
ein grosses Gebiet mit einer beträchtlichen Eichenzahl und einer mehr als
doppelt so hohen Eichendichte (5,4 Eichen pro ha) verschont bleiben kön-
nen; schliesslich sollten die wertvollen Eichen im Erweiterungsperimeter ge-
mäss der Etappierung möglichst lang bestehen bleiben können. In einer Ge-
samtbetrachtung sei der Eingriff in den schützenswerten Lebensraum somit
wesentlich weniger dramatisch als von den Rekurrierenden dargestellt. Wei-
ter bestehe an der Stelle der geplanten Deponieerweiterung eindeutig kein
Biotop von nationaler Bedeutung im Sinne von Art. 18a NHG; das Gutachten
äussere sich zur ökologischen und nicht zur rechtlichen Bedeutung des frag-
lichen Lebensraums; auch handle es sich dabei nicht um eine rechtliche
Festlegung eines Biotops von regionaler oder lokaler Bedeutung im Sinne
von Art. 18b NHG. Die Baudirektion habe sodann das Gutachten abgemildert
würdigen dürfen, da als ein Resultat der Variantenprüfung bzw. nach Opti-
mierung des Vorhabens der Eingriff in die Natur inzwischen deutlich weniger
intensiv sei; auch müsse für die erforderliche kontinuierliche Waldverjüngung
in die Habitate eingegriffen werden. Art. 14 Abs. 3 lit. d NHV sage zudem
nichts darüber aus, ob die Bezeichnung als schützenswert zu Biotopen von
nationaler, regionaler oder lokaler Bedeutung führe bzw. in welcher Form ein
Gebiet überhaupt geschützt werden müsse. Die in dieser Bestimmung er-
wähnten Roten Listen könnten zwar ein Hinweis auf die Notwendigkeit für
den Erlass eines geschützten Biotops sein, aber es bestehe kein zwingender
automatischer Zusammenhang zwischen der Präsenz einer Art der Roten
Liste und der Einstufung als Biotop. Diese beschränkte Aussagekraft gelte
insbesondere für die Totholzkäfer, da der Plattnasen-Holzrüssler (Gas-
terocercus depressirostris) entgegen den im Gutachten erwähnten drei Fun-
den in der Schweiz bereits 2020 und 2021 an drei weiteren Standorten im
Kanton Zürich und seither an acht weiteren Standorten in der Schweiz nach-
gewiesen worden sei (unter Verweis auf das nationale Daten- und Informati-
onszentrum der Schweizer Fauna [https://lepus.infofauna.ch/carto/]); Ähnli-
ches gelte für den Binden-Schwarzkäfer (Corticeus fasciatus), so dass die

R4.2024.00214 Seite 15

gemäss Gutachten besonders hohe Bedeutung des Erweiterungsperimeters
für diese beiden Urwaldreliktarten durch die zahlreichen weiteren Funde ab-
gemildert werde. Die Flechte Lichtscheuer Schönfleck (Caloplaca lucifuga)
existiere im Übrigen auch in den Wäldern in Z, wo die Kompensationsmass-
nahmen umgesetzt würden. Auf nationaler Ebene lägen sodann gemäss
Gutachten und Planungsbericht diverse artenreichere Eichenbestände vor;
überdies gebe es allein im Kanton Zürich mindestens 25 Standorte die hin-
sichtlich Ausdehnung, Dichte und Alter der Eichen mit dem Gebiet Y ver-
gleichbar seien, wobei mangels detaillierter Aufnahme der ökologischen
Werte dieser Standorte nicht automatisch davon ausgegangen werden
könne, dass diese von geringerem ökologischem Wert seien, so dass für die
Untermauerung der Einzigartigkeit und der nationalen Bedeutung des streit-
betroffenen Waldes Feldaufnahmen an weiteren Standorten fehlten. Weiter
handle es sich beim Rodungsperimeter nicht um einen Eichenwald, da
Hauptbaumart heute nicht mehr die Eiche sei; auch fehle der Eichenjung-
wuchs. Im Übrigen könnten die im Gutachten erwähnten besonders bedroh-
ten Arten von Totholzkäfer, Nachtfalter und Flechten, aber auch die übrigen
an Eichen heimischen Lebewesen weiterhin im Perimeter des schutzwürdi-
gen Lebensraumes in den noch vorhandenen 323 Eichen leben. Insgesamt
liege mit Bezug auf die 18 Eichen bzw. den Teilverlust des Waldes zwar un-
bestritten ein Naturschutzinteresse vor, aber keines, welches das Gewicht
eines nationalen Biotops im Sinne von Art. 18a NHG oder einer umfassen-
den nationalen Bedeutung in ökologischer Hinsicht hätte; vielmehr liege ein-
fach ein grundsätzlich schutzwürdiger Lebensraum vor, was insbesondere
bei der Interessenabwägung von Bedeutung sei.

Hinsichtlich der monierten fehlenden Kenntnis über weitere Arten hält die
Mitbeteiligte dafür, die Abklärungen seien äusserst umfangreich gewesen:
Für den UVB seien neun und für das Gutachten mehr als zehn weitere Ex-
perten beauftragt worden; zudem habe die Mitbeteiligte einen "Digital Twin"
des betroffenen Waldstücks erstellt; im Übrigen hätten die in mehreren Work-
shops involvierten Rekurrierenden nie eine ungenügende Sachverhaltsab-
klärung moniert. Den rechtsanwendenden Behörden stehe sodann bezüglich
der Frage, ob Objekte als schutzwürdig erachtet bzw. Eingriffe als verhält-
nismässig gelten würden, ein erhebliches Ermessen zu, in das durch die kan-
tonalen Gerichte nur bei einer klaren Rechtsverletzung eingegriffen werden
dürfe.

R4.2024.00214 Seite 16

Bezüglich der Ersatzmassnahmen macht die Mitbeteiligte geltend, diese
seien nicht die Voraussetzung eines staatlichen Eingriffs. Weiter sei die Kom-
pensationsmassnahme angesichts des nun viel geringfügigeren Eingriffs
mehr als genügend.

3.2.3
In der Replik führen die Rekurrierenden ergänzend insbesondere aus, die
langfristige Sicherung der Alteichenlebensräume im Gebiet sei noch in weiter
Ferne und könne daher in den Abwägungen nicht berücksichtigt werden. Die
von der Mitbeteiligten verwendeten Prozentzahlen – bei denen diese zudem
mit willkürlich gewählten Zahlen arbeite, indem sie erst Eichen ab 55 cm
Durchmesser zähle – seien nicht relevant, ebenso wenig die Eichendichte,
die Hauptbaumart und die Etappierung. Angesichts des im Gutachten aus-
gewiesenen Anteils, wonach Alteichenbestände im Kanton Zürich nur 0,35 %
der Waldbestände des Kantons ausmachen würden, sowie mit Blick auf den
noch viel kleineren Anteil, wenn man nur Alteichenbestände auf feuchtem,
nährstoffreichem Untergrund betrachten würde, sei offensichtlich, dass die
geplante Zerstörung sehr wohl dramatisch sei. Auch stelle das Gutachten für
seine Einschätzung nicht nur auf die Eichen ab. Weiter möge zwar zutreffen,
dass inzwischen weitere Standorte der beiden Urwaldreliktarten gefunden
worden seien, doch gehe es nach wie vor um wenige Standorte in der ge-
samten Schweiz, so dass jeder einzelne von höchster Bedeutung für den
Erhalt der Art in der Schweiz sei, zumal Arten des Totholzes eine sehr
schlechte Ausbreitungsstrategie hätten und etliche Flechten sowieso weitge-
hend standortgebunden seien. Da nebst dem Vorkommen von Eichen auch
das Mikroklima, die übrige Zusammensetzung des Waldes und anderes
stimmen müssten, und eine Ausbreitung sehr schwierig sei, treffe es auch
nicht zu, dass die Arten ohne Weiteres im weiteren Perimeter und den dort
noch vorhandenen Eichen leben könnten. Schliesslich seien die Ersatzmas-
snahmen gemäss Art. 18 Abs. 1ter NHG gesetzlich zwingend vorgesehene
Folgen und daher zwingender Bestandteil des Projekts, so dass es bei Un-
möglichkeit von Ersatzmassnahmen an einem gesetzlich zwingend vorgese-
henen Projektbestandteil fehle. Die vorgesehene Förderung sei zudem mar-
ginal und müsste so oder so vorgenommen werden.

Die Mitbeteiligte entgegnet in ihrer Duplik ergänzend insbesondere, es sei
sehr wohl relevant, den Eingriff aufgrund der effektiv betroffenen Habitat-
bäume zu beurteilen sowie diesen Eingriff in ein Verhältnis zu dem vom

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Gutachten definierten schutzwürdigen Lebensraum zu setzen, während Ver-
gleichszahlen über das gesamte Kantonsgebiet ungeeignet seien. Weiter
seien die verwendeten Zahlen nicht willkürlich, da die 18 Habitatbäume ge-
mäss UVB von einer Fachexpertin definiert worden seien, sämtliche Habitat-
bäume im Deponieperimeter und im verschonten Bereich einen BHD von
> 55 cm aufweisen würden und zudem alle kartierten Bäume aller Durch-
messer in act. 17.4 Anhang 13-5 ersichtlich seien, wobei es sich bei den
Bäumen mit kleinerem BHD gemäss der Expertin auch nicht um künftige Ha-
bitatbäume handle. Klar unzutreffend sei sodann die Behauptung, wonach
es sich in dem vom Erweiterungsperimeter südlich der C-Strasse betroffenen
Wald um den wertvollsten Bereich handeln würde, nachdem das Gutachten
den nördlichen Bereich des gemäss Gutachten definierten schutzwürdigen
Lebensraums (mithin insbesondere die Waldareale H, E und Nördlich G) als
mindestens ebenso wertvoll bezeichne.

3.3
Gemäss Art. 18 NHG ist dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzen-
arten durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und an-
dere geeignete Massnahmen entgegenzuwirken, wobei schutzwürdigen
land- und forstwirtschaftlichen Interessen Rechnung zu tragen ist (Abs. 1).
Besonders zu schützen sind gemäss Abs. 1bis Uferbereiche, Riedgebiete und
Moore, seltene Waldgesellschaften, Hecken, Feldgehölze, Trockenrasen
und weitere Standorte, die eine ausgleichende Funktion im Naturhaushalt
erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für Lebensgemeinschaf-
ten aufweisen. Lässt sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger Lebens-
räume durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht ver-
meiden, so hat der Verursacher für besondere Massnahmen zu deren best-
möglichem Schutz, für Wiederherstellung oder ansonst für angemessenen
Ersatz zu sorgen (Abs. 1ter). Gemäss Art. 14 NHV soll der Biotopschutz ins-
besondere zusammen mit dem ökologischen Ausgleich (Art. 15 NHV) und
den Artenschutzbestimmungen (Art. 20 NHV) den Fortbestand der wildle-
benden einheimischen Pflanzen- und Tierwelt sicherstellen (Abs. 1). Biotope
werden gemäss Abs. 3 als schützenswert bezeichnet aufgrund (lit. a) der ins-
besondere durch Kennarten charakterisierten Lebensraumtypen nach An-
hang 1; (lit. b) der geschützten Pflanzen- und Tierarten nach Art. 20 NHV;
(lit. c) der nach der Fischereigesetzgebung gefährdeten Fische und Krebse;
(lit. d) der gefährdeten und seltenen Pflanzen- und Tierarten, die in den vom
BAFU erlassenen oder anerkannten Roten Listen aufgeführt sind; (lit. e)

R4.2024.00214 Seite 18

weiterer Kriterien, wie Mobilitätsansprüche der Arten oder Vernetzung ihrer
Vorkommen. Abs. 6 hält fest, dass ein technischer Eingriff, der schützens-
werte Biotope beeinträchtigen kann, nur bewilligt werden darf, sofern er
standortgebunden ist und einem überwiegenden Bedürfnis entspricht
(Satz 1); dabei sind gemäss Satz 2 für die Bewertung des Biotops in der In-
teressenabwägung neben seiner Schutzwürdigkeit nach Absatz 3 insbeson-
dere massgebend: (lit. a) seine Bedeutung für die geschützten, gefährdeten
und seltenen Pflanzen- und Tierarten; (lit. b) seine ausgleichende Funktion
für den Naturhaushalt; (lit. c) seine Bedeutung für die Vernetzung schützens-
werter Biotope; (lit. d) seine biologische Eigenart oder sein typischer Charak-
ter. Wer einen Eingriff vornimmt oder verursacht, ist zu bestmöglichen
Schutz-, Wiederherstellungs- oder ansonst angemessenen Ersatzmassnah-
men zu verpflichten (Abs. 7).

Als schutzwürdige Lebensräume im Sinne von Art. 18 Abs. 1ter NHG gelten
– jedenfalls ausserhalb des Baugebiets – nicht nur formelle durch den Bund
oder die Kantone als solche ausgewiesene Schutzgebiete, sondern all dieje-
nigen Lebensräume, die im Sinne dieser Bestimmung als schutzwürdig an-
zusehen sind, wobei die Schutzwürdigkeit nicht davon abhängt, ob für die im
fraglichen Lebensraum vorhandenen Arten bereits konkrete Schutzmass-
nahmen getroffen wurden (Karl Ludwig Fahrländer, Kommentar NHG, Peter
M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Ludwig Fahrländer (Hrsg.), 2. Auflage
2019, Art. 18 Rz. 24). Hinsichtlich des in Art. 14 Abs. 3 lit. d NHV genannten
Kriteriums der Schutzwürdigkeit ist weiter festzuhalten, dass zu den Rote-
Liste-Arten diejenigen Arten gehören, die in den Roten Listen als "ausgestor-
ben" (EX [extinct in the wild] oder RE [regionally extinct]), "vom Aussterben
bedroht" (critically endangered [CR]), "stark gefährdet" (endangered [EN])
oder "verletzlich" (vulnerable [VU]) eingestuft sind; die Kategorie "potenziell
gefährdet" (near threatened [NR] steht zwischen den Rote-Liste-Arten und
den nicht gefährdeten Arten (least concern [LC]), so dass es sich um Arten
handelt, die nahe bei den Limiten für eine Einstufung in eine Gefährdungs-
kategorie liegen oder die Limite wahrscheinlich in naher Zukunft überschrei-
ten (BGE 148 II 36 E. 5.3 m.w.H.). Der in Art. 18 Abs. 1ter NHG und Art. 14
Abs. 7 NHV angesprochene Ersatz für einen beeinträchtigten Lebensraum
soll möglichst in derselben Gegend stattfinden. Zudem ist eine Gleichwertig-
keit des Zerstörten mit dem neu Geschaffenen anzustreben, wobei sich die
Gleichwertigkeit sowohl nach qualitativen als auch nach quantitativen Krite-
rien beurteilt, so dass ein rein flächenmässiger Ersatz nicht genügt, sondern

R4.2024.00214 Seite 19

das Ersatzobjekt auch ähnliche ökologische Funktionen wie das zerstörte
Objekt übernehmen können muss (BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016
E. 4.5.2 m.w.H.).

3.4.1
In dem durch die Fachstelle Naturschutz eingeholten Gutachten zur Schutz-
würdigkeit des Waldlebensraums "Y/I" vom März 2022 (act. 15.1; vgl. bereits
E. 3.1) wird zunächst festgehalten, der UVB (gemäss damaligem Stand) at-
testiere dem alten Eichenbestand einen hohen naturschützerischen Wert, da
die Eichen zahlreichen seltenen und hoch spezialisierten Arten einen Le-
bensraum bieten würden. Bei allen untersuchten Organismengruppen
(Flechten, Totholzkäfer, Nachtfalter, Vögel und Fledermäuse) seien Arten
nachgewiesen worden, die auf den aktuellen Roten Listen als stark gefähr-
det, verletzlich oder potenziell gefährdet aufgeführt seien. Bei den Flechten
und Totholzkäfern seien zudem mehrere Altwaldzeiger festgestellt worden,
die auf eine hohe Kontinuität von Waldstrukturen der Alters- und Zerfallspha-
sen angewiesen seien und entsprechend eine lange Habitatstradition des
Eichenbestandes im Erweiterungsperimeter belegen würden (a.a.O. S. 2).
Spezifisch das Kriterium der Schutzwürdigkeit gemäss Art. 14 Abs. 3 lit. d
NHV betreffend weist das Gutachten darauf hin, unter den im Erweiterungs-
perimeter festgestellten Arten würden laut den aktuellen Roten Listen des
BAFU eine Art als stark gefährdet (EN), drei Arten als verletzlich (VU) und
fünf Arten als potenziell gefährdet (NT) gelten. Allerdings sei unter den Tot-
holzkäfern und Nachtfaltern nur ein sehr geringer Prozentsatz der einheimi-
schen Arten für die schweizerischen Roten Listen evaluiert worden; ziehe
man zusätzlich die Roten Listen des benachbarten Baden-Württemberg bei,
seien von den nachgewiesenen Arten 9 als EN, 13 als VU und 10 als NT
eingestuft, während für zwei weitere die Datengrundlage zu gering (DD) bzw.
eine Gefährdung anzunehmen (G) sei. Im Erweiterungsperimeter seien so-
mit 34 wertgebende Arten festgestellt worden, wobei allerdings nur ein
Bruchteil der gesamten Artenvielfalt analysiert worden sei und insbesondere
mehrere wichtige und artenreiche Gruppen mit einem hohen Anteil an tot-
holzbewohnenden Arten fehlen würden, bei denen mit dem Vorkommen sel-
tener und gefährdeter Arten zu rechnen sei (a.a.O. S. 3 f.).

Zur ökologischen Bedeutung des Erweiterungsperimeters lässt sich dem
Gutachten sodann im Einzelnen Folgendes entnehmen: Ehemalige Mittel-
wälder würden ganz allgemein einen hohen biologischen und

R4.2024.00214 Seite 20

kulturhistorischen Wert besitzen; da sie zudem überaus divers seien, müsse
jeder einzelne Bestand als einzigartig angesehen werden. Die wesentlichen
Eigenschaften, welche den grossen biologischen Wert des Erweiterungspe-
rimeters ausmachten, seien die zahlreichen alten ehemaligen Eichen-Über-
hälter, welche auf frischem bis feuchtem Untergrund stocken, die Reste wei-
terer Gehölzarten aus dem ehemaligen Mittelwaldbetrieb, eine hohe Baum-
und Strauchartenvielfalt, ein kleinräumig wechselndes Mikroklima dank der
engen Verzahnung unterschiedlicher Vegetationseinheiten sowie eine ge-
wisse Reliefstruktur des Untergrundes mit kleinen Senken und Erhebungen,
die zu einer erhöhten Standortsvielfalt beitragen würden. Von zentraler Be-
deutung für die Biodiversität im Erweiterungsperimeter seien die unzähligen
Totholzstrukturen der alten Eichen. Gemäss Einschätzung des Kreisforst-
meisters kämen im Kanton Zürich rund 25 Eichenbestände vor, welche hin-
sichtlich Ausdehnung, Dichte und Alter der Eichen mit dem Eichenbestand
im Erweiterungsperimeter vergleichbar seien. Solche Eichenbestände näh-
men somit eine Fläche von rund 175 ha und damit lediglich rund 0,35 % der
Waldfläche des Kantons ein. Die Mehrheit dieser alten Eichenbestände sto-
cke auf trockenen und mageren Böden, während der Eichenbestand im Er-
weiterungsperimeter auf feuchtem und nährstoffreichem Untergrund wachse
und somit durch ein anderes Mikroklima und wahrscheinlich auch durch eine
unterschiedliche Zusammensetzung der Eichenbegleitfauna und -flora aus-
gezeichnet sei, weshalb ihm eine sehr grosse Bedeutung für den Kanton Zü-
rich zukomme. Auf nationaler Ebene seien weitere Waldbestände mit ver-
gleichbar hoher Dichte alter Eichen bekannt, wobei der gesamte Umfang auf-
grund unterschiedlicher Datenlage nicht genauer abgeschätzt werden könne
und aus Naturschutzsicht jedem dieser alten Eichenbestände eine wesentli-
che Bedeutung zukomme (a.a.O. S. 4 f.). Spezifisch die Flechten betreffend
seien drei Altwaldzeiger nachgewiesen worden, die alle national bedroht
seien: Von der Eichen-Stabflechte (Bactrospora dryina, VU) seien grosse
und vitale Populationen neben dem Erweiterungsperimeter nur von drei wei-
teren Gebieten in der Schweiz bekannt, während es sich bei den übrigen
Fundorten um kleine Restpopulationen handle, wobei die Bestände im Nor-
den der Schweiz als Kernpopulation in Mitteleuropa betrachtet würden und
die Schweiz für die Erhaltung eine grosse Verantwortung trage. Aktuelle Vor-
kommen des Lichtscheuen Schönflecks (Caloplaca lucifuga, EN) seien in der
Schweiz ebenfalls selten und isoliert, so dass für die Erhaltung der Art jedes
einzelne Vorkommen wichtig sei, zumal es sich an den meisten Fundorten
nur um kleine Restbestände handle; zudem nehme das Vorkommen im

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Erweiterungsperimeter eine wichtige Funktion als Trittstein ein. Die Bedeu-
tung des Vorkommens der Feinfaserigen Fleckflechte (Arthonia byssacea
[bzw. Inoderma byssaceum, vgl. act. 17.4 S. 93], VU) sei im Vergleich als
geringer einzuschätzen. Betreffend Totholzkäfer seien im Erweiterungsperi-
meter 139 Arten nachgewiesen worden, von denen 26 wertgebend seien (6
EN, 11 VU, 7 NT, 1 DD, 1G), zwei als Urwaldreliktarten gelten würden und
fünf schweizweit sehr selten seien. Weder in der Region noch im Kanton
gebe es (abgesehen von den Waldarealen H, E und nördlich G, von denen
in act. 15.1 S. 7 nicht nur für Totholzkäfer, sondern generell gesagt wird, dass
sie mindestens ebenso reich an seltenen und gefährdeten Arten seien) un-
tersuchte Eichenstandorte mit einem vergleichbar hohen Wert für Totholzkä-
fer, während auf nationaler Ebene mehrere artenreichere Eichenbestände
mit einer höheren Vielfalt an seltenen und sehr seltenen Arten existierten.
Eine besonders hohe Bedeutung habe der Erweiterungsperimeter für die bei-
den Urwaldreliktarten. Festgehalten wird weiter, es seien 136 Nachtfalterar-
ten nachgewiesen worden, von denen drei wertgebend seien (2 EN, 1 NT),
wobei es in den eichenreichen Gebieten der Nordschweiz weitere Gebiete
mit einer ähnlichen oder bedeutenderen Fauna an typischen Eichenwald-
Nachtfaltern gebe. 2018 sei zudem im Erweiterungsperimeter ein Paar des
Mittelspechtes (Leiopicus medius, NT) festgestellt worden. Schliesslich seien
im Erweiterungsperimeter bzw. am Rand desselben vor 2018 je ein Quartier-
baum der Fledermausarten Grosser Abendsegler (Nyctalus noctula, NT) und
Braunes Langohr (Plecotus auritus, VU) nachgewiesen worden; 2018 seien
keine Fledermausquartiere in Baumhöhlen festgestellt worden, wobei der
Kartieraufwand ausgesprochen gering gewesen sei und die potenziell vor-
kommenden Baumfledermäuse mit Ultraschalldetektoren nur schwer nach-
zuweisen seien, so dass aufgrund der methodischen Mängel eine Beurtei-
lung des Wertes der geplanten Rodungsfläche – die mit grosser Wahrschein-
lichkeit über ein hohes Angebot an geeigneten Quartieren verfüge – nicht
möglich sei (zum Ganzen a.a.O. S. 5 f.).

Das Gutachten weist sodann darauf hin, auch wenn eine Reihe von Eichen
im Erweiterungsperimeter alt, schwächelnd bzw. durch Schadpilze befallen
seien, sei von einer Lebensdauer des Eichenbestandes auf der geplanten
Rodungsfläche von noch mindestens vier bis fünf Jahrzehnten auszugehen.
Da abgestorbene Eichen bis zu einem weit fortgeschrittenen Abbaustadium
eine grosse Wichtigkeit für Totholzinsekten hätten, würde der jetzige Eichen-
bestand auch nach Absterben der letzten Eichen noch über längere Zeit

R4.2024.00214 Seite 22

hinweg ein wertvoller Lebensraum für Totholzkäfer und viele andere xylobi-
onte Organismen bleiben (a.a.O. S. 6 f.). Ausgeführt wird weiter, die seltens-
ten Arten unter den Flechten und den Totholzkäfern seien Habitatstraditions-
anzeiger, die auf eine lang andauernde Kontinuität von Strukturen der Alters-
und Zerfallsphasen angewiesen seien und Eichen ab einem Alter von 100-
200 Jahren benötigten, so dass es Jahrhunderte brauche, bis sich wieder ein
Eichenbestand mit einem entsprechenden Set an seltenen Arten entwickeln
könne. Aufgrund der ausgedünnten Verbreitung, der isolierten Populationen
und des geringen Ausbreitungspotenzials bestehe zudem nur eine geringe
Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Arten in ferner Zukunft wieder in geeig-
nete Lebensräume ausbreiten könnten. Grundsätzlich würden Lebensräume
wie alte Laubwälder aufgrund ihrer extrem langen Entwicklungszeit als uner-
setzbar gelten (a.a.O. S. 7 f.). Im Rahmen der zusammenfassenden Beurtei-
lung wird schliesslich festgehalten, da mehrere Altwaldzeiger unter den
Flechten und Totholzkäfern nach heutigem Kenntnisstand in der Schweiz nur
an einer Handvoll weiterer und weit voneinander isolierter Standorte in über-
lebensfähigen Beständen vorkämen, komme dem Vorkommen dieser Arten
und damit dem Eichenbestand im Erweiterungsperimeter nationale Bedeu-
tung zu (a.a.O. S. 9).

Die referierten Ausführungen werden zusammenfassend auch im Planungs-
bericht wiedergegeben (act. 17.2 S. 21 ff.). Im UVB wird – mit Bezug auf den
reduzierten Erweiterungsperimeter – hinsichtlich der vorstehend erwähnten
Arten präzisierend Folgendes erwähnt: Die Flechtenerhebungen im gesam-
ten Waldgebiet "Y – E" zeigten deutliche Unterschiede bei den vorhandenen
schützenswerten Flechtenpopulationen und Trägerbaumdichten. Der mit Ab-
stand wertvollste und von der Deponieerweiterung direkt und indirekt be-
troffene Waldteil "I" (südlich der C-Strasse) beherberge knapp 40 % der Bact-
rospora- und 16 % der Inoderma-Gesamtpopulation; Caloplaca lucifuga
komme im ganzen Waldgebiet nur hier vor; 71 % der vorhandenen Eichen
mit einem Stammdurchmesser über 50 cm seien im I von mindestens einem
Altwaldzeiger besiedelt, wobei sich eine vergleichbare Trägerbaumdichte nur
im Waldteil "G" (mit allerdings deutlich herabgesetzter Bedeutung für Bact-
rospora dryina und Fehlen von Caloplaca lucifuga) finde (act. 17.4 S. 95 f.
sowie Anhänge 14-1a und 14-1b). Für den als direkter Eingriffsbereich be-
zeichneten Ablagerungsperimeter und den Einflussbereich im Umkreis von
150 m (indirekter Eingriff, der u.a. den gesamten Bereich bis zur B-Strasse
umfasst) wird die Populationsstruktur von Bactrospora dryina und Inoderma

R4.2024.00214 Seite 23

byssaceum als gut bis sehr gut bezeichnet, während Caloplaca lucifuga nur
an fünf Eichen (von denen sich vier im Ablagerungsperimeter befinden) und
mit einer Ausnahme nur in wenigen Exemplaren gefunden wurde (act. 17.4
S. 96 f. und Anhang 14-1a). Die Rodung am Ablagerungsstandort führe zum
vollständigen Verlust der vorhandenen und der potenziellen zukünftigen Trä-
gerbäume. Darüber hinaus bedeuteten die Rodungen im Westen der heuti-
gen Kernvorkommen einen markanten Eingriff in das Bestandesklima, was
sich wegen der windoffenen Lage und dem damit verbundenen erhöhten Ein-
trag von Immissionen negativ auf die Flechtenvegetation im Waldstreifen
zwischen zukünftiger Deponie und B-Strasse auswirken werde. Trotz Trä-
gerbaumerhalt sei in diesem Waldabschnitt mit einem deutlichen Bestandes-
und Vitalitätsverlust bei Bactrospora dryina und Inoderma byssaceum zu
rechnen. Der gesamtschweizerisch stark gefährdete und durch die Rodun-
gen auf ein wenig vitales Kleinstvorkommen reduzierte Lichtscheue Schön-
fleck (Caloplaca lucifuga) sei projektbedingt unmittelbar vom Verschwinden
bedroht (zum Ganzen a.a.O. S. 97 ff.). Die xylobionten Käfer betreffend wird
bezüglich der beiden Urwaldreliktarten erwähnt, für Corticeus fasciatus seien
in der Nordost- und Westschweiz neun weitere Fundorte bekannt; für Gas-
terocercus depressirostris werden insgesamt sechs Standorte angegeben
und die Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass diese Art aufgrund der
Temperaturerhöhungen vermehrt anzutreffen sein werde (a.a.O. S. 104 ff.).
Insgesamt hält der UVB fest, die Nachweise der Urwaldreliktarten und der
weiteren seltenen, gefährdeten und wärmeabhängigen Altholzbewohner
zeigten, dass die Eichen eine Habitatstradition hätten, was diesen ehemali-
gen Mittelwald ökologisch sehr wertvoll und für das Mittelland sehr speziell
mache. Noch lebende Baumruinen und auch die toten Bäume bildeten ein
wichtiges Habitat für viele der gefährdeten und seltenen xylobionten Arten;
diese Lebensräume gehörten zu den gefährdetsten Habitaten in den Wäl-
dern überhaupt. Hinsichtlich der Nachtfalter wird der Nachweis der auf der
Roten Liste Baden-Württembergs stehenden Arten Kleiner Eichenkarmin
(Catocala promissa), Vierpunkt-Flechtenbär (Lithosia quadra) und Rot-
braune Ulmeneule (Cosmia affinis) erwähnt, wobei im Erweiterungsperime-
ter nur erstere als Zielart gilt (a.a.O. S. 112 f.). Weiter sei davon auszugehen,
dass das Mittelspechtrevier auch im Jahr 2022 besetzt gewesen sei; bei Re-
alisierung des strittigen Vorhabens müsse mit der Abwanderung des Mit-
telspechts gerechnet werden (a.a.O. S. 118 ff.).

R4.2024.00214 Seite 24

3.4.2
Was zunächst die Bedeutung des von der Deponieerweiterung betroffenen
Lebensraums anbelangt, ist vorab klarzustellen, dass – entgegen einer sei-
tens der Mitbeteiligten verwendeten Formulierung – durchaus ein unmittel-
barer Zusammenhang zwischen der Qualifikation als schutzwürdiger Le-
bensraum bzw. schützenswertes Biotop im Sinne von Art. 18 NHG bzw.
Art. 14 NHV und der Präsenz von Arten der Roten Listen besteht, nachdem
Art. 14 Abs. 3 lit. d NHV aus letztgenanntem Umstand wie aufgezeigt die
entsprechende Qualifikation herleitet; das Vorliegen eines Lebensraums
bzw. Biotops im Sinne dieser Bestimmungen wird seitens der Rekursgegner-
schaft denn auch nicht ernsthaft in Frage gestellt. Irrelevant ist sodann, dass
bisher im fraglichen Gebiet Schutzmassnahmen fehlen (vgl. bereits E. 3.3),
wobei darauf hinzuweisen ist, dass eine Beurteilung der Unterschutzstellung
bzw. der Anordnung von Schutzmassnahmen ausserhalb des Streitgegen-
stands des vorliegenden Rekursverfahrens liegt (ebenso für eine vergleich-
bare Konstellation VB.2019.00633 vom 14. Mai 2020, E. 1.4; vgl. [im Kontext
der Interessenabwägung] zur Unterscheidung der Beurteilungen einerseits
der Zulässigkeit einer Schutzanordnung und andererseits der Zulässigkeit
eines Eingriffs in ein schützenswertes Biotop auch Fahrländer, a.a.O., Art. 18
Rz. 12 sowie BRGE I Nr. 0145/2023 vom 14. Juli 2023, E. 7.2.1). Die Aus-
wirkungen der zwischen den Parteien umstrittenen Frage, ob dem Lebens-
raum nationale Bedeutung zukommt, sind sodann in dem Sinne beschränkt,
als sich auch bei Zugrundelegung einer entsprechenden Qualifikation weder
aus der – nicht anwendbaren – Bestimmung von Art. 6 Abs. 2 NHG noch –
mangels entsprechenden Bundesinventars gemäss Art. 18a NHG – aus ei-
ner spezialgesetzlichen Bestimmung eines Biotopschutzinventars des Bun-
des (wie z.B. Art. 7 der Amphibienlaichgebiete-Verordnung [AlgV]) ein Erfor-
dernis einer qualifizierten Interessenabwägung ergeben könnte (vgl. zur
Frage einer allein aus der ökologischen Bedeutung abgeleiteten qualifizier-
ten Interessenabwägung E. 5.3.1). Hingegen ist die Einschätzung der Be-
deutung des betroffenen Lebensraums generell im Hinblick auf die erforder-
lichen Interessenabwägungen (vgl. E. 4 und 5) absolut zentral. Diesbezüg-
lich ergibt sich im Lichte von E. 3.4.1 was folgt:

Der sehr grosse Wert des fraglichen Lebensraums ergibt sich zunächst dar-
aus, dass dieser aufgrund seines hohen Alters und der sehr langen Dauer
bis zur allfälligen Herausbildung eines entsprechenden Lebensraums als un-
ersetzbar gilt. In diesem Sinn geht der vom Bundesamt für Umwelt, Wald und

R4.2024.00214 Seite 25

Landschaft (BUWAL, heute BAFU) herausgegebene Leitfaden (Bruno
Kägi/Andreas Stalder/Markus Thommen, Wiederherstellung und Ersatz im
Natur- und Landschaftsschutz, Bern 2002) davon aus, entsprechende Le-
bensräume wie namentlich alte Laubwälder seien aufgrund ihrer extrem lan-
gen Entwicklungszeit unersetzbar und Eingriffe faktisch irreversibel, weshalb
auf solche grundsätzlich verzichtet werden sollte; sehr viele selten gewor-
dene Pflanzen- und Tierarten seien zwingend auf diese alten Lebensräume
angewiesen, weshalb ihr ökologischer Wert besonders hoch einzustufen sei
(a.a.O. S. 30). Wie in E. 3.4.1 aufgezeigt wird der Wert vorliegend auch nicht
durch einen teilweisen – bis anhin von vornherein nur einige wenige Bäume
betreffenden (vgl. act 15.1 S. 9) – Pilzbefall relativiert, da einerseits ein
dadurch herbeigeführtes rasches Absterben aller Eichen innerhalb weniger
Jahre im Gutachten mit detaillierter und nachvollziehbar Begründung als we-
nig wahrscheinlich eingeschätzt wird und andererseits wie erwähnt gerade
auch abgestorbene Eichen einen sehr wertvollen Lebensraum darstellen
(a.a.O. S. 6 f.). Ebenso wenig ergibt sich eine Relativierung aufgrund des
derzeitigen Fehlens junger Eichen bzw. des damit einhergehenden Bedarfs
für eine Eichenverjüngung: Zunächst würde eine solche von vornherein nicht
mit der Beseitigung der wertvollen Habitatbäume einhergehen; zum andern
konstatiert das Gutachten insoweit, dass sich die Verjüngungslücke langfris-
tig negativ auf die Artenvielfalt auswirke, falls nicht eine sofortige gezielte
Eichenverjüngung in die Wege geleitet werde (act. 15.1 S. 10; vgl. auch act.
17.2 S. 22, je auch zum Folgenden), was impliziert, dass entsprechende
Massnahmen gerade als möglich erachtet werden. Zwar wird im Einzelnen
dargelegt, eine sofortige Verjüngung würde zahlreichen xylobionten Organis-
men und vielen anderen Eichenspezialisten einen günstigen Lebensraum
bieten, bevor die letzten alten Eichen voraussichtlich um das Jahr 2080 ab-
gestorben sein würden, käme aber für die besonders anspruchsvollen Alt-
waldzeiger, die auf mindestens 100 Jahre alte Eichen angewiesen seien, zu
spät, doch wird diesbezüglich eine Einwanderung aus unmittelbar benach-
barten alten Eichenbeständen als denkbar bezeichnet (vgl. i.Ü. auch die
Feststellung, wonach aktuell im ursprünglichen Erweiterungsperimeter Ei-
chen im Alter von 50-250 Jahren vorhanden seien [a.a.O. S. 1]). Ein Hinweis
auf eine entsprechende Lösung lässt sich indirekt auch dem UVB entneh-
men, wenn dort – im Zusammenhang mit möglichen Entwicklungen nach Re-
alisierung der Deponie – festgehalten wird, allfällig überlebende Flechtenvor-
kommen im Waldstreifen gegen die B-Strasse könnten als potenzielle Mut-
terpopulationen für die Besiedlung der vereinzelt vorhandenen jüngeren

R4.2024.00214 Seite 26

Eichen in den nördlich angrenzenden Waldflächen des G dienen (was umso
mehr bei umfassendem Erhalt der derzeitigen Populationen gelten muss),
und zugleich konstatiert wird, ohne gesicherten zusätzlichen Trägerbaum-
nachwuchs im unmittelbaren Umfeld hätten die schutzrelevanten Flechten-
arten unabhängig vom Deponieprojekt langfristig wenig Zukunft (was wiede-
rum impliziert, dass mit den fraglichen Massnahmen der gegenteilige Effekt
erreicht werden könnte).

Die Bedeutung des Lebensraums wird sodann durch seine Seltenheit zu-
sätzlich erhöht (wobei der rein begriffliche Einwand der Mitbeteiligten, wo-
nach es sich nicht um einen Eichenwald handle, von vornherein unbehelflich
ist): Wie in E. 3.4.1 aufgezeigt, umfassen schon die hinsichtlich Ausdehnung,
Dichte und Alter der Eichen vergleichbaren Eichenbestände lediglich 0,35 %
der kantonalen Waldfläche, wobei sich aber der vorliegend betroffene Ei-
chenbestand aufgrund des feuchten und nährstoffreichen Untergrundes
selbst innerhalb dieses – geringen – Gesamtbestands von der Mehrheit der
anderen Flächen unterscheidet. Die sehr grosse Bedeutung für den Kanton
Zürich ist damit zweifellos zu bejahen, zumal nicht nachvollziehbar ist, wes-
halb – gemäss der Argumentation der Mitbeteiligten – kantonale Vergleichs-
zahlen diesbezüglich irrelevant sein sollten.

Schliesslich ergibt sich die besondere Bedeutung des Lebensraums auf-
grund des Umstands, dass eine – bereits die Qualifikation als schützenswer-
tes Biotop begründende – Präsenz von gefährdeten und seltenen Arten der
Roten Listen (wobei der Einbezug auch der Roten Listen Baden-Württem-
bergs für die in der Schweiz nicht abgedeckten Gruppen [insbesondere der
Totholzkäfer] plausibel erscheint) in hohem Mass gegeben ist. Dies nicht nur
in quantitativer Hinsicht (mit insbesondere 9 stark gefährdeten und 13 ver-
letzlichen Arten, wobei insoweit den xylobionten Käfern besondere Bedeu-
tung zukommt), sondern auch in qualitativer Hinsicht, was namentlich für die
Flechten augenfällig ist: So handelt es sich bei allen drei nachgewiesenen,
in der Roten Liste (Christoph Scheidegger/Philippe Clerc, Rote Liste der ge-
fährdeten baum- und erdbewohnenden Flechten der Schweiz, Bern 2002)
verzeichneten Flechtenarten (vgl. E. 3.4.1) um National Prioritäre Waldziel-
arten (vgl. die vom BAFU herausgegebene Vollzugshilfe Nicole Imesch et
al., Biodiversität im Wald: Ziele und Massnahmen, Bern 2015, S. 165 f.). Sie
sind überdies in der Liste der National Prioritären Arten der Schweiz erfasst,
wobei sich hinsichtlich der Verantwortung der Schweiz zwischen der (jeweils

R4.2024.00214 Seite 27

vom BAFU herausgegebenen) Liste der National Prioritären Arten und Le-
bensräume von 2019 (abrufbar über https://www.infoflora.ch/de/arten-
schutz/listen.html#prioritäre-arten; zuletzt besucht am 3. Oktober 2025) und
der aktualisierten Digitalen Liste der National Prioritären Arten von 2025
(https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/recht/voll-
zugshilfen-biodiversitaet.html; zuletzt besucht am 3. Oktober 2025) signifi-
kante Verschiebungen ergeben haben: Während für Arthonia byssacea die
Einstufung von "geringe Verantwortung" (2019) auf "Verantwortung" (2025)
wechselte, ergab sich für Bactrospora dryina ein Anstieg von mittlerer zu ho-
her und für Caloplaca lucifuga ein solcher von geringer zu hoher Verantwor-
tung, so dass nun für die beiden von der Deponieerweiterung besonders be-
troffenen Flechtenarten von einer hohen internationalen Verantwortung der
Schweiz auszugehen ist. Dass sodann in den öffentlich zugänglichen Ver-
breitungskarten (für Flechten https://swisslichens.wsl.ch/de/arten-abfragen/;
für die Fauna https://lepus.infofauna.ch/carto/; je zuletzt besucht am 3. Ok-
tober 2025) im Vergleich zum Stand des Gutachtens bzw. zum aktualisierten
Stand des UVB gewisse zusätzliche Nachweise zu verzeichnen sind, fällt
entgegen dem Dafürhalten der Mitbeteiligten nicht ins Gewicht: So handelt
es sich nach wie vor lediglich um vereinzelte Vorkommen, so dass die her-
ausragende Bedeutung des vorliegend betroffenen Lebensraums im Hinblick
auf das übergeordnete Ziel, dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflan-
zenarten entgegenzuwirken, durch die neu hinzugekommenen Beobachtun-
gen nicht geschmälert wird. Es kommt hinzu, dass sich die Populationsgrös-
sen bei den einzelnen Funden erheblich unterscheiden können (vgl. bereits
E. 3.4.1), so dass es auch insoweit verfehlt wäre, aufgrund der blossen Zu-
nahme verzeichneter Fundorte die ökologische Bedeutung des im vorliegen-
den Verfahren interessierenden Lebensraums zu relativieren. Beide genann-
ten Aspekte gelten sodann nicht nur für die nachgewiesenen Flechtenarten,
sondern insbesondere auch für die seltenen Arten der Totholzkäfer, wobei
insoweit mit Blick auf die teilweise starke Gefährdung der fraglichen Käferar-
ten auch der gutachterliche Hinweis auf gewisse artenreichere Eichenbe-
stände auf nationaler Ebene nicht geeignet ist, den hohen Wert auch des
vorliegend betroffenen Lebensraums zu reduzieren. Insgesamt ergibt sich
damit, dass kein Anlass besteht, die Einschätzung des Gutachtens, wonach
dem fraglichen Eichenbestand mit Blick auf die Flechten und Totholzkäfer
nationale Bedeutung zukomme, in Zweifel zu ziehen.

R4.2024.00214 Seite 28

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der Interessenabwä-
gungen grundsätzlich eine umfassende Kenntnis der seltenen und gefährde-
ten Arten im Perimeter erforderlich ist. Zwar erübrigt sich aufgrund des Aus-
gangs des vorliegenden Rekursverfahrens (vgl. zur Aufhebung der ange-
fochtenen Entscheide E. 4 und 5) eine Rückweisung zwecks ergänzender
Sachverhaltsabklärung, doch wäre im Rahmen eines allfälligen erneuten De-
ponievorhabens eine umfassende Klärung unumgänglich. Dies betrifft zum
einen die im Gutachten erwähnten unberücksichtigt gebliebenen Gruppen
mit hohem Anteil an (z.T. seltenen und gefährdeten) totholzbewohnenden
Arten, zum andern die Abklärungen betreffend Fledermäuse, die gemäss
dem im UVB ausgewiesenen Vorgehen (act. 17.4 S. 121) – und in Überein-
stimmung mit der gutachterlichen Einschätzung – als offensichtlich unzu-
reichend erscheinen (vgl. zu beidem bereits E. 3.4.1). Nicht ersichtlich ist,
welche zusätzlichen Erkenntnisse sich in diesem Zusammenhang aus dem
seitens der Mitbeteiligten erwähnten Digital Twin ergeben sollen, wobei es
die Mitbeteiligte auch unterlassen hat, ihre entsprechende Behauptung nä-
her zu substantiieren. Fehl geht sodann der in diesem Kontext erfolgende
Verweis auf eine (angebliche) Kognitionsbeschränkung der Rekursinstanz:
Wenn die Mitbeteiligte in diesem Zusammenhang auf einen denkmalschutz-
rechtlichen Entscheid (VB.2007.00366 vom 20. Dezember 2007) verweist,
missachtet sie zum einen den in dieser Erwägung einleitend erläuterten Un-
terschied zwischen den Überprüfungen der Zulässigkeit einer Schutzanord-
nung und eines Eingriffs in ein schützenswertes Biotop und übergeht zum
andern den Umstand, dass für die Beurteilung des Umfangs der erforderli-
chen Abklärungen erst recht keine Kognitionsbeschränkung gilt. Zu erwäh-
nen ist schliesslich, dass sich vorliegend die Frage stellen könnte, ob nicht
eine Begutachtung durch die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission
erforderlich gewesen wäre, nachdem § 3 Abs. 1 lit. d der Verordnung über
die Sachverständigenkommissionen gemäss § 216 PBG (VSVK) eine solche
Pflicht u.a. für Projekte des Kantons für grössere Anlagen im Bereich von
Schutzobjekten von überkommunaler Bedeutung statuiert und jedenfalls im
Licht von § 1 der kantonalen Natur- und Heimatschutzverordnung (KNHV)
nicht offensichtlich ist, dass lediglich bei inventarisierten oder bereits unter
Schutz gestellten Objekten von einer solchen Konstellation auszugehen
wäre. Nachdem diese Frage seitens der Parteien nicht aufgegriffen wurde
und sie sich aufgrund des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens auch nicht
als entscheidrelevant erweist, erübrigen sich jedoch entsprechende Weite-
rungen.

R4.2024.00214 Seite 29

3.4.3
Wie aufgezeigt relativiert die Mitbeteiligte auch das Ausmass des mit der De-
ponieerweiterung verbundenen Eingriffs. Diesbezüglich ist vorab festzuhal-
ten, dass sich das Ausmass des Eingriffs jedenfalls nicht auf die Schutzwür-
digkeit bzw. die Bedeutung des betroffenen Lebensraums auszuwirken ver-
mag. Selbst bei einem Eingriff, der z.B. flächenmässig als verhältnismässig
geringfügig taxiert würde, bliebe es dabei, dass damit ein Teil eines – wie in
E. 3.4.2 aufgezeigt – hochgradig schützenswerten Lebensraums vernichtet
würde. In diesem Sinn erwachsen der Argumentation der Mitbeteiligten be-
reits in methodischer Hinsicht gewisse Bedenken, erweist es sich doch als
problematisch, wenn bei einem so seltenen Lebensraum, wie er vorliegend
zur Diskussion steht, dem Anteil des zerstörten Bereichs am gesamten Le-
bensraum zu grosses Gewicht beigemessen würde, da nach Massgabe der
gesetzlichen Konzeption grundsätzlich im Gegenteil der – schon an sich sehr
geringe – gesamte schutzwürdige Lebensraum zu erhalten wäre. Auch kann
es bezüglich der spezifischen Aspekte einer Interessenabwägung nach Art.
18 Abs. 1ter NHG (namentlich der Vermeidbarkeit bzw. der Variantenprüfung
[vgl. näher E. 5.2.1]) nicht darauf ankommen, welche (ursprünglich allenfalls
intendierten) weitergehenden Eingriffe unterlassen wurden, sondern ist le-
diglich zu prüfen, ob der konkret in Frage stehende Eingriff die entsprechen-
den Voraussetzungen erfüllt. Zutreffend ist immerhin, dass dem Ausmass
des Eingriffs im Rahmen der Interessenabwägung Bedeutung zukommt,
weshalb auf die entsprechenden Relativierungen nachstehend näher einzu-
gehen ist:

Nicht zu verfangen vermag zunächst der Verweis auf unterschiedliche Ei-
chendichten verschiedener Waldareale, da zum einen dieses Kriterium für
sich allein (mithin ohne Berücksichtigung der vorhandenen Arten) wenig aus-
sagekräftig ist und zum andern die von der Mitbeteiligten in act. 20.1 vorge-
nommene Abgrenzung tendenziös erscheint, da sich bei einer Betrachtung
lediglich des von der Deponieerweiterung betroffenen Teils des Areals I eine
wesentlich grössere Dichte ergäbe, als wenn eine Gesamtbetrachtung unter
Einschluss von Flächen nördlich der C-Strasse erfolgt. Irrelevant ist weiter
die Etappierung, da die fraglichen Zeitspannen jedenfalls bei einem Lebens-
raum mit derart langer Entstehungszeit – für den mithin im entsprechenden
Zeitraum kein Ersatz entstehen kann – nicht ins Gewicht fallen. Hinsichtlich
der prozentualen Anteile der gerodeten Fläche bzw. Eichen ist – über das
vorstehend in methodischer Hinsicht Erwähnte hinausgehend – festzuhalten

R4.2024.00214 Seite 30

was folgt: Zunächst greift eine entsprechende Betrachtung insofern zu kurz,
als mit der geplanten Rodung auch indirekte Auswirkungen auf die angren-
zenden Waldareale und damit insbesondere auch auf den sehr wertvollen
Bereich zwischen Deponieperimeter und B-Strasse verbunden sind. In die-
sem Sinn hält der Planungsbericht fest, durch die Deponieerweiterung werde
ein Teil des Lebensraums für ein hoch spezialisiertes Set von Arten langfris-
tig zerstört; zudem führe die Rodung für die angrenzenden Waldflächen zu
starken mikroklimatischen Veränderungen (Einstrahlung, Temperatur, Wind,
etc.), wodurch auch diese Bereiche indirekt Beeinträchtigungen erfahren
würden; schliesslich werde der Waldbestand aufgrund der Lage der Depo-
nieerweiterung in zwei Teile getrennt, wodurch die Vernetzung für die an-
grenzenden Waldflächen über die Dauer des Deponiebetriebs hinaus beein-
trächtigt werde (act. 17.2 S. 22; vgl. spezifisch zu den Auswirkungen auf die
Flechten im genannten Bereich bis zur B-Strasse auch act. 17.4 S. 97 sowie
zur Lage des Einflussbereichs Anhang 14-1a und dazu bereits E. 3.4.1). Die
Einschätzung ist ohne Weiteres nachvollziehbar, zumal mehrere der an sich
gerade nicht gerodeten Habitatbäume im östlichen Teil des Areals I unmit-
telbar entlang der östlichen Grenze des Deponieperimeters stehen (vgl.
act. 17.2 Anhang A2; act. 17.4 Anhang 14-1a; act. 20.1). Die seitens der Mit-
beteiligten propagierte Beschränkung der Auswirkungen auf den unmittelbar
gerodeten Bereich stimmt mit den ökologischen Gegebenheiten somit nicht
überein. Fragwürdig ist weiter die pauschale Behauptung, wonach die be-
drohten Arten weiterhin in den im Perimeter noch vorhandenen Eichen leben
könnten. Ausser Acht gelassen wird dabei das geringe Ausbreitungspoten-
zial gerade der besonders seltenen Arten (vgl. E. 3.4.1), das sich insbeson-
dere in Kombination mit dem – durch die indirekten Auswirkungen herbeige-
führten – Vitalitätsverlust in den nicht gerodeten östlichen Teilen der Areale
I und G negativ auswirken dürfte, da jedenfalls nicht leichthin von einer Ver-
lagerung in die räumlich abgetrennten, nördlich und nordwestlich gelegenen
Areale H, E, G Nord und G Süd ausgegangen werden kann (während eine
"versuchsweise" Transplantation von Flechten im UVB lediglich als "prüfens-
wert" bezeichnet wird und insofern ebenfalls mit erheblichen Unsicherheiten
behaftet ist [vgl. act. 17.4 S. 99]); insbesondere kann die fragliche abrupte
Verlagerung auch nicht mit der in E. 3.4.2 im Kontext der Verjüngung ange-
sprochenen langfristigen Besiedlung weiterer Trägerbäume gleichgesetzt
werden.

R4.2024.00214 Seite 31

Als entscheidend erweist sich – in Kombination mit den erwähnten indirekten
Auswirkungen – schliesslich der Umstand, dass gerade das Areal I für die
Flechten als der mit Abstand wertvollste Waldteil ausgewiesen wird (vgl.
act. 17.4 S. 95 f. und dazu bereits E. 3.4.1), so dass jedenfalls insoweit die
Berufung der Mitbeteiligten auf die Passage im Gutachten, der zufolge die
Areale H, E und Nördlich G (ursprünglicher "Ersatzperimeter") mindestens
ebenso reich an seltenen und gefährdeten Arten seien, fehlgeht, nachdem
das Gutachten im Gegenteil die seltenen Flechtenarten ausdrücklich von die-
ser Einschätzung ausnimmt (vgl. act. 15.1 S. 8). Dieser besondere Wert ak-
zentuiert sich sodann für die stark gefährdete Flechtenart Caloplaca lucifuga
dadurch, dass diese mit Ausnahme eines Trägerbaums – der aber seiner-
seits im indirekt betroffenen Bereich zwischen Deponie und B-Strasse steht
– ausschliesslich im zur Rodung vorgesehenen Deponieperimeter vor-
kommt, so dass die Realisierung des strittigen Vorhabens voraussichtlich
zum Verschwinden dieser Rote-Listen-Art im gesamten vorliegend betrach-
teten Lebensraum (unter Einschluss aller in E. 3.1 genannten Waldareale)
führen würde (act. 17.4 S. 97 ff. und Anhang 14-1a sowie bereits E. 3.4.1).
Unter diesen Umständen erweist sich die Einschätzung der Mitbeteiligten,
wonach der Eingriff wesentlich weniger dramatisch als von den Rekurrieren-
den dargestellt sei, als unzutreffend.

3.4.4
Die fehlende Ersetzbarkeit des betroffenen Lebensraums (vgl. E. 3.4.2) hat
schliesslich zur Folge, dass Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 18
Abs. 1ter NHG bzw. Art. 14 Abs. 7 NHV von vornherein nicht möglich sind, so
dass vorliegend zu Recht von "Kompensationsmassnahmen" die Rede ist
(wobei eine teilweise abweichende Terminologie im UVB unzutreffend ist).
Dieser Umstand hat jedoch entgegen einer zumindest ansatzweise vertrete-
nen rekurrentischen Position nicht per se die Unzulässigkeit des Vorhabens
zur Folge. Zwar trifft es zu, dass der rechtzeitigen Anordnung ausreichender
Ersatzmassnahmen – soweit solche möglich sind – grosses Gewicht zu-
kommt. Mit der gesetzlichen Konzeption, die entsprechende Massnahmen
ausdrücklich als Folgen eines zulässigen Eingriffs vorsieht und sie nicht als
Eingriffsvoraussetzung behandelt (vgl. auch Fahrländer, a.a.O., Art. 18
Rz. 30), wäre ein Verständnis, das die Zulässigkeit eines Vorhabens von der
Möglichkeit von Ersatzmassnahmen abhängig macht, jedoch nicht vereinbar.
Für die mit letztgenanntem Verständnis einhergehende Eigentumsbeschrän-
kung böte Art. 18 Abs. 1ter NHG denn auch keine genügende gesetzliche

R4.2024.00214 Seite 32

Grundlage. Etwas anderes lässt sich insbesondere auch nicht dem seitens
der Rekurrierenden angeführten Entscheid BGr 1C_346/2014 vom 26. Okto-
ber 2016, E. 4.8, entnehmen. Der vorstehend zitierte Leitfaden "Wiederher-
stellung und Ersatz im Natur- und Landschaftsschutz" legt denn auch bezüg-
lich nicht wiederherstellbarer Lebensräume, bei denen angemessener Ersatz
kaum möglich sei, dar, in diesen Fällen sei der Konflikt mit Art. 18 Abs. 1ter

NHG nur zu beheben, indem der Lebensraum erhalten bleibe, weist aber
zugleich darauf hin, die Entscheidbehörde habe bei der Interessenabwägung
vor allem das übergeordnete Interesse an Arten zu berücksichtigen, für de-
ren Erhaltung die Schweiz eine besondere Verantwortung trage (a.a.O. S. 57
[vgl. auch den Anwendungsfall gemäss Bildunterschrift auf S. 59]), woraus
sich ergibt, dass eine Interessenabwägung gerade als zulässig erachtet, mit-
hin gerade nicht von einer per se bestehenden Unzulässigkeit ausgegangen
wird.

Zuzustimmen ist den Rekurrierenden hingegen insofern, als die fehlende Er-
setzbarkeit mit äusserst hohem Gewicht in die Interessenabwägung einflies-
sen muss (vgl. nachstehend E. 5.3.4 sowie zur Bedeutung dieses Aspekts
bereits im Rahmen der Bestimmung des Werts des betroffenen Lebens-
raums E. 3.4.2). Keine entscheidende Bedeutung kommt demgegenüber der
Qualität der Kompensationsmassnahmen (vgl. zu diesen insb. act. 17.4
S. 86 ff.) zu: Fraglich ist bereits, inwieweit die in E. 3.3 wiedergegebenen
Voraussetzungen des geografischen Bezugs und der qualitativen und quan-
titativen Gleichwertigkeit – die vorliegend alle nicht erfüllt wären – überhaupt
einschlägig sind, nachdem es sich gerade nicht um Ersatzmassnahmen im
technischen Sinn handelt (was zumindest die Unmöglichkeit der qualitativen
Gleichwertigkeit impliziert). Im Gegensatz zu den gesetzlich vorgesehenen
Ersatzmassnahmen ist sodann auch nicht davon auszugehen, dass – im
Sinne eines eigenständigen, nicht die Zulässigkeit des Eingriffs betreffenden
Aufhebungsgrundes – eine als ungenügend taxierte Qualität der Kompensa-
tionsmassnahmen zur Aufhebung der angefochtenen Entscheide führen
könnte (wobei die Frage aufgrund des Ausgangs des Verfahrens offengelas-
sen werden kann). Schliesslich ist zwar bezüglich Ersatzmassnahmen nicht
ausgeschlossen, dass deren Qualität im Rahmen der Interessenabwägung
Berücksichtigung findet (vgl. BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016,
E. 4.4 und 4.8, sowie VB.2023.00521 vom 20. März 2025, E. 5.2.3), was
analog auch für Kompensationsmassnahmen gelten könnte, doch erweist
sich auch dieser Aspekt nicht als entscheidrelevant, nachdem – wie sogleich

R4.2024.00214 Seite 33

aufzuzeigen ist – bereits andere Gründe zur Aufhebung der angefochtenen
Entscheide führen.

4.1.1
Die Rekurrierenden rügen einen fehlerhaften Richtplaneintrag: Das Vorha-
ben bedürfe eines Eintrags im kantonalen Richtplan, wobei die Festsetzung
aufgrund einer Evaluation von Standortvarianten und einer umfassenden In-
teressenabwägung erfolgen müsse. Dem Kantonsrat seien jedoch die vor-
stehend thematisierten Erkenntnisse nicht bekannt gewesen, weshalb sie
weder in die Standortevaluation noch in die Interessenabwägung hätten ein-
fliessen können. Die vorberatende Kommission habe nicht um den ökologi-
schen Wert des Waldes gewusst. Im Zeitpunkt der Beratung im Kantonsrat
habe das vom Amt für Naturschutz eingeholte Gutachten bestanden, sei je-
doch unter Verschluss gewesen. Verschiedene Voten zeigten, wie nachläs-
sig mit der Situation umgegangen worden sei. Es sei bewusst auf die Kennt-
nisnahme relevanter Informationen, eine entsprechende Überprüfung der
Standortevaluation und eine umfassende Interessenabwägung in Kenntnis
der nötigen Grundlagen verzichtet worden, was unzulässig sei. Dem Projekt
fehle es somit am erforderlichen Richtplaneintrag, zumindest soweit der
Richtplaneintrag auch Varianten mit Beteiligung der wertvollen Waldgebiete
zulasse. Entgegen dem Planungsbericht habe die später erstellte Gesamt-
schau Deponien die im Rahmen des Deponieprojekts erfolgten Untersuchun-
gen nicht bestätigt. In der Gesamtschau würden Waldgebiete mit besonde-
rem Schutzstatus ein Ausschlusskriterium darstellen, wobei der Wald Y zwar
keinen solchen Status habe, jedoch gemäss Gutachten klarerweise einen
solchen haben müsste. In der Echoraum-Veranstaltung zur Gesamtschau
habe es geheissen, Y sei nicht mehr nach den Gesamtschau-Kriterien beur-
teilt worden, da der Gestaltungsplanprozess bereits zu weit fortgeschritten
gewesen sei. In den Unterlagen der Gesamtschau seien zwar die neuen Er-
kenntnisse ansatzweise benannt, doch werde nicht erwähnt, dass es um ei-
nen Lebensraum von nationaler Bedeutung und um teilweise höchst seltene
Arten, die definitiv verschwinden würden, gehe, und dass ein Ersatz nicht
möglich sei; dass und wie dies in eine Interessenabwägung eingeflossen
wäre, sei nirgends ersichtlich.

R4.2024.00214 Seite 34

4.1.2
Die Baudirektion (bzw. das ARE) entgegnet vernehmlassungsweise, im Rah-
men der Beantwortung einer kantonsrätlichen Anfrage habe sich der Regie-
rungsrat im Beschluss Nr. 615/2021 vom 9. Juni 2021 (act. 15.2) zum natur-
schützerischen Wert des von der Deponieerweiterung betroffenen Waldes
geäussert. Die Anfrage beinhalte u.a. die Frage zu den ökologischen Grund-
lagen im Zeitpunkt des Richtplaneintrags. Bei der Beantwortung sei auf die
frühere Nutzung als Mittelwald und die zahlreichen alten Eichen als wichtige
Biotopbäume für seltene Flechten und holzbewohnende Insekten verwiesen,
mithin der hohe ökologische Wert des Waldes erkannt und ausgewiesen wor-
den. Dem Regierungsratsbeschluss (RRB) lasse sich weiter entnehmen,
dass sich die Fachstelle Naturschutz und die Abteilung Wald gegen eine De-
ponieerweiterung ausgesprochen hätten; die verlangte und zur Beurteilung
der Bewilligungsfähigkeit notwendige umfassende Interessenabwägung
werde jedoch im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens und der gleichzei-
tig durchzuführenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorzunehmen
sein. Demnach habe bereits im Zeitpunkt der Festsetzung des Richtplanein-
trags Kenntnis über den ökologischen Wert des Waldes bestanden, auf den
auch in der Beratung im Kantonsrat verschiedentlich hingewiesen worden
sei. Bei einer Deponie würden auf Stufe Richtplan der Standort, das Volumen
und der Deponietyp festgelegt; die detaillierteren Planungsschritte, insbe-
sondere der genaue Perimeter, würden hingegen im Gestaltungsplanverfah-
ren festgelegt, wobei ein grosser Handlungsspielraum bestehe. Vorliegend
seien im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens mehrere Varianten geprüft
worden, darunter auch eine, welche den Wald nicht betroffen habe. Damit
habe auf Stufe Richtplan insbesondere nicht festgestanden, dass alle denk-
baren Varianten von vornherein aufgrund schwerwiegender Konflikte mit Na-
turschutzanliegen als nicht realisierbar erschienen. Auf Stufe Richtplan habe
somit eine stufengerechte Interessenabwägung in Kenntnis über den ökolo-
gischen Wert des Waldes stattgefunden, womit der Richtplaneintrag Nr. 26
bundesrechtskonform sei. Schliesslich führt die Baudirektion aus, mit der Ge-
samtschau Deponien sollten neue Deponiestandorte im Kanton Zürich ge-
funden werden, wobei auch die bestehenden Richtplaneinträge nochmals
überprüft worden seien; ein Richtplaneintrag verlange eine stufengerechte
Interessenabwägung, wobei die Standorte ausgewählt würden, welche kein
Ausschlusskriterium erfüllten und insgesamt am besten bewertet würden.
Der Standort der Erweiterung der Deponie Y schneide in der Gesamtschau
insgesamt gut ab; vorliegend seien stufengerecht im Rahmen des

R4.2024.00214 Seite 35

Gestaltungsplanverfahrens umfangreiche Abklärungen vorgenommen und
verschiedene Varianten geprüft worden.

Die Mitbeteiligte argumentiert entsprechend, wobei sie ergänzend insbeson-
dere darauf hinweist, dem Kantonsrat seien bei der Festsetzung in der Sit-
zung vom 29. März 2021 die nötigen grundlegenden Kenntnisse zum streit-
betroffenen Gebiet vorgelegen; die Schutzwürdigkeit des Gebiets sei gerade
Gegenstand der Diskussion gewesen. Weiter sei dem Kantonsrat bei seinen
Richtplanfestsetzungen durchaus bewusst, dass der genaue Perimeter erst
im Gestaltungsplanverfahren festgelegt werde. Hinsichtlich der Gesamt-
schau Deponien hält die Mitbeteiligte fest, der Wald bzw. das entsprechende
Teilgebiet habe keinen rechtlichen Schutzstatus; dass er einen solchen ha-
ben müsste, sei eine Mutmassung der Rekurrierenden; der entsprechende
Ausschlussgrund liege somit nicht vor. Im Übrigen habe auch die Gesamt-
schau Deponien verschiedene Standorte geprüft und sei zum Schluss ge-
kommen, dass die Deponieerweiterung Y am vorgesehenen Standort mach-
bar sei.

4.1.3
In der Replik verweisen die Rekurrierenden auf den Prüfungsbericht des
Bundesamts für Raumentwicklung vom 1. Februar 2023 zur Teilrevision
2017. Sie halten unter Zitierung der einschlägigen Passagen dafür, auch die
Genehmigungsbehörden hätten Vorbehalte zum Eintrag gezeigt und dies
mutmasslich, ohne vom ökologischen Gutachten zu wissen, allein aufgrund
der in den Akten erkennbaren pauschalen Hinweise.

Die Gegenparteien haben zu diesem Vorbringen keine Stellung genommen.

4.2.1
Richtpläne sind behördenverbindlich (Art. 9 Abs. 1 des Raumplanungsgeset-
zes [RPG], § 19 Abs. 1 PBG), können jedoch bei der Nutzungsplanung im
Rechtsmittel- und im Genehmigungsverfahren akzessorisch auf ihre Recht-
und Zweckmässigkeit überprüft werden (§ 19 Abs. 2 PBG). Insbesondere ist
eine akzessorische Prüfung der Richtplaneinträge auch bei der Festsetzung
von überkommunalen Gestaltungsplänen möglich, wovon jedoch die politi-
schen Elemente eines solchen Entscheids nicht umfasst sind
(VB.2016.00605 vom 15. Juni 2017, E. 6.5.1 und 6.5.2; Michael Stei-
ner/Thomas Wipf, in: Zürcher Planungs- und Baurecht, 7. Auflage 2024,

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Hrsg. Christoph Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf/Daniel Kunz, Bd. 1,
S. 236). Wie sich dem entsprechenden Urteil des Verwaltungsgerichts be-
treffend den kantonalen Gestaltungsplan für eine Jagdschiessanlage ent-
nehmen lässt, bezieht sich diese Einschränkung allerdings zum einen auf
den Grundsatzentscheid für die Erstellung einer entsprechenden Anlage
(a.a.O., E. 6.5.2), zum andern auf den Umstand, dass es nach Auffassung
des Verwaltungsgerichts nicht Aufgabe der Rekursinstanz ist, nochmals eine
umfassende Prüfung und Bewertung der evaluierten Standorte oder gar all-
fällig weiterer solcher vorzunehmen, wobei das Verwaltungsgericht zugleich
den im fraglichen Verfahren vorliegenden Bericht zur Standortwahl als nach-
vollziehbar erachtete und die Bevorzugung des letztlich gewählten Standorts
als schlüssig bezeichnete (a.a.O., E. 6.5.4). Daraus erhellt, dass seitens der
Rekursinstanz zwar nicht eine eigenständige Standortevaluation vorzuneh-
men ist, die (vorliegend strittige) Frage, ob die richtplanerische Festsetzung
– insbesondere hinsichtlich Interessenabwägung und Standortevaluation –
überhaupt auf einer rechtsgenügenden Vorgehensweise beruht, jedoch der
gerichtlichen Überprüfung zugänglich ist. Dies entspricht denn auch der in
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verwendeten Umschreibung, wo –
bezogen auf die Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichts im Rahmen der
Anfechtung kantonaler Richtpläne durch eine Gemeinde – ausgeführt wird,
Richtpläne hätten vorwiegend politischen Charakter und stellten einen Akt
planerischen und politischen Abwägens dar, der nur begrenzt justiziabel sei.
Sei der Planungsträger rechtlich korrekt vorgegangen und erschienen das
Vorgehen sowie die verwendeten Methoden zur Entscheidfindung als geeig-
net, so sei es nicht Sache des Bundesgerichts, die daraus hervorgegangene
richtplanerische Vorgabe aufgrund einer anderen Interessengewichtung auf-
zuheben. Seitens der Beschwerdeführerin sei vor diesem Hintergrund dar-
zulegen, dass die umstrittene richtplanerische Standortfestlegung einer stu-
fengerechten Prüfung nicht standhalte (vgl. betreffend richtplanerische Fest-
setzung eines Kiesabbaugebiets BGr 1C_687/2020 vom 13. Januar 2022,
E. 3 [sowie E. 4.6, wo festgehalten wird, zwar greife das Bundesgericht nicht
in die planerische Interessenabwägung des Kantons ein, doch setze dies vo-
raus, dass diese konsistent begründet und transparent gemacht werde, was
im konkreten Fall – in dem die Standortwahl nicht auf einer nachvollziehba-
ren Abstimmung der raumwirksamen Tätigkeit basierte – zur Aufhebung der
richtplanerischen Festsetzung führte]; vgl. auch BGE 146 I 36, E. 3.4 sowie
zum Ganzen auch BRGE III Nrn. 0196-0197/2022 vom 23. November 2022).

R4.2024.00214 Seite 37

4.2.2
Eine Grundlage im Richtplan im Sinn von Art. 8 Abs. 2 RPG setzt nach der
Rechtsprechung eine abgeschlossene Abstimmung auf Richtplanebene vo-
raus, d.h. eine Festsetzung im Sinn von Art. 5 Abs. 2 lit. a der Raumpla-
nungsverordnung (RPV; vgl. BGE 147 II 164 E. 3.3). Die Bestimmung sach-
gerechter Standorte für Anlagen im öffentlichen Interesse hat den Grundsät-
zen von Art. 3 Abs. 4 RPG zu entsprechen, wonach insbesondere regionale
Bedürfnisse berücksichtigt (vgl. lit. a) und nachteilige Auswirkungen auf die
natürlichen Lebensgrundlagen, die Bevölkerung und die Wirtschaft gesamt-
haft gering gehalten werden sollen (vgl. lit. c). Zu beachten ist sodann Art. 2
Abs. 1 RPV, wonach die Behörden im Hinblick auf die anzustrebende räum-
liche Entwicklung bei der Planung raumwirksamer Tätigkeiten insbesondere
zu prüfen haben, wie viel Raum für die Tätigkeit benötigt wird (lit. a), welche
Alternativen und Varianten in Betracht fallen (lit. b), ob die Tätigkeit mit den
Zielen und Grundsätzen der Raumplanung vereinbar ist (lit. c) und welche
Möglichkeiten bestehen, den Boden haushälterisch und umweltschonend zu
nutzen sowie die Siedlungsordnung zu verbessern (lit. d). Die richtplaneri-
sche Festsetzung erfolgt aufgrund einer Evaluation von Standortvarianten
anhand der Standortkriterien und einer Interessenabwägung (vgl. Bundes-
amt für Raumentwicklung, Ergänzung des Leitfadens Richtplanung, März
2014, S. 30 f.). Sie muss stufengerecht begründet und damit transparent ge-
macht werden (BGr 1C_346/2014 vom 26. Oktober 2016, E. 2.8). Stufenge-
recht bedeutet, dass alle für die Standortauswahl relevanten Kriterien in einer
Tiefe einzubeziehen sind, die es erlaubt, die Realisierbarkeit des Projekts am
priorisierten Ort zumindest plausibel erscheinen zu lassen (BGE 148 II 36
E. 2.1). Die Abklärung muss auf Stufe Richtplan in einer Tiefe erfolgen, die
es erlaubt, einerseits Standorte auszuscheiden, die aufgrund schwerwiegen-
der Konflikte mit Naturschutzanliegen von vornherein nicht realisierbar er-
scheinen, und andererseits unter den verbleibenden Standorten den oder die
am besten geeigneten auszuwählen; dabei sind jedenfalls öffentliche Inte-
ressen von nationalem Interesse zu berücksichtigen, wozu auch das Inte-
resse am Schutz gefährdeter und national prioritärer Arten gehört
(BGE 148 II 36 E. 2.5). Namentlich für Vorhaben wie die hier betroffene De-
ponieerweiterung ist in der Regel eine räumliche Festlegung aufgrund einer
Bedarfsabklärung und Standortevaluation in einem kantonalen oder regiona-
len Deponiekonzept zu verlangen (vgl. die erwähnte Ergänzung des Leitfa-
dens Richtplanung, S. 33; zum Ganzen auch VB.2023.00035 vom 16. Mai
2024, E. 4.3).

R4.2024.00214 Seite 38

4.3.1
Die Notwendigkeit einer Grundlage im kantonalen Richtplan ergibt sich für
Deponiestandorte sowohl aus Art. 8 Abs. 2 RPG als auch spezifisch aus
Art. 5 Abs. 2 VVEA. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob die zwingend er-
forderliche richtplanerische Festsetzung den in E. 4.2 umschriebenen Anfor-
derungen zu genügen vermag. Diese Frage stellt sich primär für die im Rah-
men der Teilrevision 2017 erfolgte Festsetzung durch den Kantonsrat mit
Beschluss vom 29. März 2021 (Vorlage 5517b), mit der das im Richtplan
ausgewiesene Volumen der Deponie Y auf 3'000'000 m3 erhöht wurde (vgl.
bereits E. 3.1). Da sich zeigen wird, dass es insoweit an einer rechtsgenü-
genden Standortevaluation und Interessenabwägung fehlt (vgl. E. 4.3.1.1 bis
4.3.1.3), ist weiter zu untersuchen, ob das Projekt der "Gesamtschau Depo-
nien" diesbezüglich zu einer anderen Einschätzung zu führen vermag (vgl.
E. 4.3.2).

4.3.1.1
Wie erwähnt stellt sich die Rekursgegnerschaft auf den Standpunkt, der öko-
logische Wert des Waldes sei bereits im Kantonsrat bekannt gewesen. Zwar
trifft es zu, dass im Rahmen der Beratung seitens der Gegner einer Depo-
nieerweiterung auf entsprechende – der vorberatenden Kommission offen-
bar (unbestritten) noch nicht bekannte – Aspekte hingewiesen wurde und
dabei z.T. auch relativ detaillierte Ausführungen zu bestimmten im Gebiet
vorkommenden Arten erfolgten (vgl. Protokoll der Sitzung vom
29. März 2021 [act. 5.3], insb. S. 54, 56 f., 62). Allerdings wurde gerade im
Rahmen dieser Ausführungen auch dargelegt, dass eine seitens der Betrei-
berfirma zu diesen Fragen in Auftrag gegebene Studie (und nicht – wie in der
Rekursschrift dargestellt – das seitens des Amts für Naturschutz eingeholte
Gutachten [act. 15.1], das erst vom März 2022 datiert) unter Verschluss ge-
halten werde. Schon daraus erhellt, dass im Zeitpunkt der Festsetzung des
Richtplaneintrags dem zuständigen Planungsträger zwar bekannt war, dass
– im Lichte der in E. 4.2 aufgezeigten Anforderungen – Bedarf für weiterge-
hende Abklärungen bestanden hätte, diese jedoch teilweise noch nicht er-
folgt bzw. soweit teilweise bereits erfolgt dem Kantonsrat jedenfalls nicht zu-
gänglich waren. Unabhängig von der Frage des Kenntnisstands lassen sich
sodann der kantonsrätlichen Beratung auch keine Hinweise darauf entneh-
men, dass eine fundierte Auseinandersetzung mit den neu aufgetauchten
Interessen des Naturschutzes und ein Einbezug derselben in eine stufenge-
rechte Interessenabwägung stattgefunden hätten. Soweit die

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entsprechenden Informationen nicht einfach in polemischer Weise als uner-
heblich dargestellt wurden (act. 5.3 S. 55, 59), konzentrierten sich die eine
Erweiterung befürwortenden Voten darauf, die Vorzüge des Standorts (ins-
besondere: bestehende Deponie, Entsorgungssicherheit, [ökologisch vorteil-
hafte] kurze Wege zwischen Deponiestandort und Orten mit hohem Bauauf-
kommen, Erschliessung, hydrologische Verhältnisse, minimierter Kulturland-
verlust) hervorzuheben, während bezüglich der entgegenstehenden Interes-
sen des Naturschutzes pauschal auf die (angeblich ökologisch sogar vorteil-
hafte) Wiederaufforstung verwiesen wurde (a.a.O. S. 57 ff., 60 f., 64). In
Rechnung zu stellen ist immerhin, dass die fraglichen Aussagen Teil einer
politischen Debatte waren. Zu prüfen ist daher, ob bezüglich der Erweiterung
der Deponie Y in anderen – namentlich seitens der Verwaltung erstellten
oder in Auftrag gegebenen – Dokumenten eine stufengerechte Interessen-
abwägung im Rahmen der Teilrevision 2017 dokumentiert ist.

Nichts Entsprechendes lässt sich dem seitens der Baudirektion ins Recht
gelegten RRB 615/2021 vom 9. Juni 2021 (act. 15.2) entnehmen, mit wel-
chem der Regierungsrat eine am 29. März 2021 gestellte Anfrage zweier
Kantonsräte zum naturschützerischen Wert des von der Deponieerweiterung
betroffenen Waldes beantwortet hat. Soweit die Baudirektion aus diesem Do-
kument Rückschlüsse auf den Kenntnisstand des Kantonsrats im Zeitpunkt
der Richtplanfestsetzung ziehen will, ist vorab klarzustellen, dass der RRB
zwar gewisse Ausführungen zum ökologischen Wert des Waldes macht, je-
doch keine positive Aussage zu entsprechenden Kenntnissen des Kantons-
rats im früheren Zeitpunkt der Festsetzung enthält. Hinsichtlich der Verwal-
tung wird zum einen auf die ablehnende Haltung der Fachstelle Naturschutz
und der Abteilung Wald im Rahmen der Ämterkonsultation (mithin vor Fest-
setzung der Teilrevision), zum andern auf bestimmte von der Gesuchstellerin
(also der Mitbeteiligten des vorliegenden Verfahrens) eingereichte Doku-
mente verwiesen (act. 15.2 S. 2 f.; vgl. zu diesen und weiteren Dokumenten
auch act. 17.2 S. 51 und act. 17.4 S. 6), was entsprechende Kenntnisse der
Verwaltung impliziert (die allerdings zwangsläufig lückenhaft gewesen sein
dürften, nachdem einerseits das nachmalige Gutachten [act. 15.1] noch nicht
vorlag und bezüglich der im RRB erwähnten ökologischen Wirkungsstudie
der Gesuchstellerin ausgeführt wird, diese enthalte für die Bereiche Flora,
Fauna und Lebensräume nur sehr summarische Angaben und sei dem Kan-
tonsrat denn auch nicht vorgelegt worden). Auch hinsichtlich der Verwaltung
zeigt sich sodann, dass unabhängig vom Kenntnisstand jedenfalls keine

R4.2024.00214 Seite 40

stufengerechte Interessenabwägung auf Richtplanebene dokumentiert ist.
Aus den seitens der Gesuchstellerin erstellten Dokumenten (die denn auch
bezeichnenderweise weder von der Baudirektion noch von der Mitbeteiligten
ins Recht gelegt wurden) kann sich eine hoheitliche Interessenabwägung
von vornherein nicht ergeben. Dass eine solche seitens der Verwaltung vor-
genommen bzw. der Beschluss des Planungsträgers entsprechend vorberei-
tet worden wäre, wird im zitierten RRB – der sich auf den Hinweis be-
schränkt, die notwendige umfassende Interessenabwägung werde im Rah-
men des Gestaltungsplanverfahrens vorzunehmen sein (act. 15.2 S. 3; vgl.
dazu näher E. 4.3.1.2) – im Übrigen gar nicht behauptet. Damit übereinstim-
mend lassen sich insbesondere weder dem Richtplantext der "Teilrevision
2017, Versorgung, Entsorgung" (Vorlage 5517b) noch dem entsprechenden
"Erläuterungsbericht zu den Einwendungen" Hinweise auf einen Einbezug
der spezifisch für den Deponieperimeter massgeblichen Naturschutzinteres-
sen in eine stufengerechte Interessenabwägung entnehmen. Die daraus re-
sultierenden Vorbehalte lassen sich schliesslich auch am Prüfungsbericht
des Bundesamts für Raumentwicklung vom 1. Februar 2023 zur Teilrevision
2017 (act. 24.1) ablesen: Im Zusammenhang mit der Erweiterung der beste-
henden Deponien L (Nr. 23) und Y (Nr. 26) heisst es, im Rahmen der Vor-
prüfung habe der Bund den Auftrag gegeben, dass im Sinne einer stufenge-
rechten Interessenabwägung der Nachweis für die Standortgebundenheit
der beiden Vorhaben zu erbringen sei, wobei insbesondere Alternativstand-
orte ohne Waldflächenbeanspruchung zu evaluieren seien. Nach Wieder-
gabe der waldrechtlichen Einschätzung des BAFU heisst es sodann wörtlich:
"Allerdings sind, um potentielle Auswirkungen der vorgesehenen Erweiterun-
gen eruieren zu können, stufengerechte Erläuterungen zu den Auswirkungen
der Vorhaben auf Natur und Landschaft nötig" (act. 24.1 S. 6), was zur Auf-
forderung an den Kanton Zürich führt, im Rahmen einer nächsten Richtplan-
anpassung entsprechende Erläuterungen zu machen (act. 24.2, Dispositiv-
ziffer 4). Auch wenn die Teilrevision nichtsdestotrotz genehmigt wurde (was
in Konstellationen einer akzessorischen Überprüfung ohnehin regelmässig
der Fall sein dürfte), zeigen die referierten Dokumente jedenfalls, dass an
sich gerade nicht von einer stufengerechten Klärung ausgegangen wurde,
was (wenngleich nicht zwingend) vorliegend wenig überraschend auch das
Fehlen einer stufengerechten Interessenabwägung (im Sinne einer Ausei-
nandersetzung mit den spezifischen Naturschutzinteressen) nach sich zog.

R4.2024.00214 Seite 41

4.3.1.2
Allerdings wird der vorstehenden Einschätzung seitens der Rekursgegner-
schaft wie aufgezeigt entgegengehalten, dass bei einer Deponie der genaue
Perimeter erst im Gestaltungsplanverfahren und nicht auf Stufe Richtplan
festgelegt werde. Diese Auffassung ist insofern zutreffend, als im Richtplan
für die Deponiestandorte lediglich Punkteinträge erfolgen. Dies hat allerdings
nicht zur Folge, dass auf Richtplanebene eine stufengerechte Interessenab-
wägung, die sich mit den absehbaren räumlichen Konflikten gegensätzlicher
öffentlicher Interessen auseinandersetzt (vgl. zur letztgenannten Einschrän-
kung Pierre Tschannen, Praxiskommentar RPG: Richt- und Sachplanung,
Interessenabwägung, hrsg. von Heinz Aemisegger / Pierre Moor / Alexander
Ruch / Pierre Tschannen, Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 9 Rz. 27), unterblei-
ben könnte. Auch lässt sich die vorliegende Konstellation insofern nicht mit
der in BGE 148 II 36 zu beurteilenden vergleichen, als dort hinsichtlich des
Richtplaneintrags primär gewisse fehlende Abklärungen moniert und dies
seitens des Bundesgerichts v.a. deshalb nicht als Aufhebungsgrund (son-
dern als Anlass für entsprechende Anforderungen an das Nutzungsplanver-
fahren) erachtet wurde, weil – gerade auch aus Sicht der fraglichen Natur-
schutzinteressen – keine besseren Alternativstandorte ersichtlich waren (vgl.
a.a.O. E. 2.6). Demgegenüber ist vorliegend zum einen (wie in E. 4.3.1.1
aufgezeigt) nicht lediglich das Fehlen gewisser Abklärungen, sondern der
ganz generell nicht nachvollziehbare Einbezug der für den Standort spezifi-
schen Naturschutzinteressen in die richtplanerische Interessenabwägung
problematisch, während zum andern auch die Standortevaluation nicht in ei-
ner Weise erfolgt ist, aufgrund derer vom offensichtlichen Fehlen besser ge-
eigneter Alternativstandorte (im Verhältnis zu einer Erweiterung der Deponie
Y als solcher) ausgegangen werden könnte (vgl. dazu E. 4.3.1.3).

Worauf die rekursgegnerische Argumentation konkret abzielt, ist nun aber
die Überlegung, dass mit dem Richtplaneintrag der Deponieerweiterung
noch gar nicht klar sei, dass es zu einer Beanspruchung von Wald bzw. ins-
besondere eines besonders wertvollen Waldareals kommen werde. Dieser
Ansicht –