# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 711a75f8-8a9d-571c-b924-069ecdbe1e44
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.09.2021 F-5845/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5845-2018_2021-09-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5845/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 

Richter Yannick Antoniazza-Hafner,  

Richterin Susanne Genner, 

Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, 

2. B._______, 

3. C._______, 

4. D._______, 

vertreten durch MLaw Cora Dubach, 

(…), 

Beschwerdeführende, 

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz. 

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen. 

 

 

 

F-5845/2018 

Seite 2 

Sachverhalt:  

A.  

A._______ (geb. 1981; nachfolgend: Beschwerdeführerin 1) und ihre drei 

Kinder B._______ (geb. 2004; nachfolgend: Beschwerdeführer 2), 

C._______ (geb. 2007) und D._______ (geb. 2010) – alle sri-lankische 

Staatsangehörige tamilischer Ethnie – beantragten am 6. Juni 2018 bei der 

Schweizerischen Botschaft in Bangkok (nachfolgend: Botschaft) die Ertei-

lung humanitärer Visa. 

B.  

Mit Formularverfügung vom 6. Juni 2018 wies die Botschaft diese Visums-

anträge ab (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 5, S. 120-121, S. 130-131, 

S. 143-144, S. 158-159). Dagegen liessen die Beschwerdeführenden mit 

Eingabe vom 3. Juli 2018 (Eingangsstempel SEM: 5. Juli 2018) gestützt 

auf Art. 6 Abs. 2bis AuG (Ausländergesetz, gültig bis 31. Dezember 2018, 

ab 1. Januar 2019 Ausländer- und Integrationsgesetz [AIG, SR 142.20]) 

Einsprache erheben (SEM-act. 2, S. 20-100). 

C.  

Mit Entscheid vom 7. September 2018 – eröffnet am 11. September 2018 

– wies das SEM die Einsprache der Beschwerdeführenden ab.  

 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, es liege keine besondere 

Notsituation vor, welche im Gegensatz zu anderen Personen ein behördli-

ches Eingreifen zwingend erforderlich mache. Ebenfalls vermöchten die 

erwähnten gesundheitlichen Schwierigkeiten diese Einschätzung nicht zu 

ändern. Damit seien die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums 

aus humanitären Gründen nicht erfüllt. Auch die Bedingungen für die Aus-

stellung eines ordentlichen Schengen-Visums seien nicht gegeben (SEM-

act. 8, S. 231-234). 

D.  

Mit Eingabe vom 11. Oktober 2018 liessen die Beschwerdeführenden 

durch ihre mittlerweile mandatierte Rechtsvertreterin gegen den Ein-

spracheentscheid vom 7. September 2018 beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung der Vorinstanz 

sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihnen 

ein humanitäres Visum zu erteilen. Es sei eventualiter eine Verletzung des 

rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV festzustellen und die Sache an 

die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen, da keine einzelfallbe-

zogene Auseinandersetzung des Gesuchs stattgefunden habe. Es sei 

F-5845/2018 

Seite 3 

ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und insbesondere auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Die Rechtsvertrete-

rin sei als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen.  

Zur Begründung wurde in der Hauptsache geltend gemacht, der vorlie-

gende Fall zeuge in seiner Gesamtheit von einer hinreichenden Schwere, 

um die Erteilung eines Einreisevisums aus humanitären Gründen zu recht-

fertigen. Die Beschwerdeführenden befänden sich grundsätzlich sowie in-

dividuell in einer besonders aussichtslosen Notsituation. In Anbetracht der 

konkreten Gefährdungssituation unter Berücksichtigung der Verfolgungs-

gefahr bei einer Rückschiebung, des Gesundheitszustands der Beschwer-

deführerin 1 und der Inhaftierung ihres Ehemanns sei ein Eingreifen der 

schweizerischen Behörden zwingend nötig (Akten des Bundesverwal-

tungsgerichts [BVGer-act.] 1). 

Auf die beigebrachten Beweismittel wird – soweit entscheidrelevant – in 

den Erwägungen eingegangen. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2018 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. 

Das Gesuch um unentgeltliche Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 

VwVG wies er ab.  

Gleichzeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, vor dem Hintergrund des  

Urteils des BVGer F-6648/2016 vom 16. August 2017 zur Beschwerde Stel-

lung zu nehmen (BVGer-act. 2). 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 19. November 2018 beantragte die  

Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 4). 

G.  

Die Beschwerdeführenden verzichteten auf das ihnen eingeräumte Replik-

recht. 

H.  

Mit Eingabe vom 2. Dezember 2019 wandten sich die Beschwerdeführen-

den an das Bundesverwaltungsgericht und schilderten erneut ihre schwie-

rige Situation (BVGer-act. 8). 

F-5845/2018 

Seite 4 

Auf die Begründung der Eingabe wird – soweit rechtserheblich – in den 

Erwägungen zurückgekommen.  

Als Beweismittel wurden diverse E-Mails des Beschwerdeführers 2 mit an-

gehängten Fotos, welche insbesondere die gesundheitlichen Beschwer-

den seiner Eltern zeigen sollen, zu den Akten gereicht.  

I.  

Mit ergänzender Vernehmlassung vom 13. Januar 2020 schloss die Vor-

instanz nach wie vor auf Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 10). 

J.  

In ihrer Replik vom 17. Februar 2020 hielten die Beschwerdeführenden an 

ihrer Beschwerde fest (BVGer-act. 12). 

Auf die Begründung der Eingabe wird – soweit entscheidrelevant – in den 

Erwägungen eingegangen.  

K.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit rechtserheblich – in den Erwä-

gungen zurückgekommen.  

L.  

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich des 

Ehemannes/Vaters der Beschwerdeführenden ein separates Beschwerde-

verfahren geführt wird (F-915/2019). Deshalb wird auf die ihn betreffenden 

Vorbringen und Beilagen nur soweit eingegangen, als diese mit der vorlie-

genden Beschwerde im Zusammenhang stehen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:  

1.  

1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide betreffend huma-

nitäre Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfecht-

bar (vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG). In diesem Bereich entscheidet 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

F-5845/2018 

Seite 5 

1.3 Die Beschwerdeführenden sind zur Beschwerde legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49 

VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren 

das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG 

an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-

schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-

sen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 

3.  

Vorab ist auf die formelle Rüge einzugehen, wonach das rechtliche Gehör 

der Beschwerdeführenden verletzt worden sei. 

3.1 Diesbezüglich wird geltend gemacht, die Vorinstanz sei ihrer Prüfungs-

pflicht nicht nachgekommen. Sie prüfe die Gefährdungslage der Beschwer-

deführenden nur in einem einzigen Paragraphen, was bei weitem nicht 

ausreiche, um sich mit ihrer komplizierten Situation auseinanderzusetzen. 

Die Vorinstanz habe keine einzelfallbezogene Auseinandersetzung hin-

sichtlich einer allfälligen Gefährdungslage der Beschwerdeführenden vor-

genommen. Dagegen beziehe sie sich auf die Bestimmungen eines or-

dentlichen Schengen-Visums, was nicht nachvollziehbar sei. Dass sie sich 

auf diese nicht einschlägigen Bestimmungen berufe, könne mitunter auch 

daran liegen, dass eine besondere Gefährdungslage im Formblatt zur Un-

terrichtung über die Verweigerung eines Visums fehle. Der angefochtene 

Entscheid komme den Anforderungen an die Begründung nicht nach. Ins-

besondere hätte die Vorinstanz, wie sie das Bundesverwaltungsgericht in 

seinem Urteil D-1395/2016 vom 3. Mai 2016 E. 3.3 in einer vergleichbaren 

Konstellation bereits gerügt habe, ein Bild von der allgemeinen Situation 

von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Thailand machen und die Gefahr 

einer Rückschiebung prüfen müssen. Der Entscheid nehme keinerlei Be-

zug auf die prekären Lebensverhältnisse und den bedenklichen Gesund-

heitszustand der Beschwerdeführenden, und was eine allfällige Inhaft-

nahme unter diesen Umständen bedeuten würde. Ausserdem gehe die 

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Seite 6 

Vorinstanz in keiner Weise auf die Verfolgungsvorbringen im Zusammen-

hang mit der Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin 1 und ihres Ehemanns 

bei der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) ein. 

3.2 Zu den allgemeinen Verfahrensgarantien (Art. 29 BV) gehört der in 

Art. 29 Abs. 2 BV besonders verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör. 

Dieser dient der Sachaufklärung und garantiert den Verfahrensbeteiligten 

ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht. Sie haben unter anderem 

Anspruch auf Äusserungen zur Sache vor Fällung des Entscheids, auf Ab-

nahme erheblicher Beweise und auf Mitwirkung an deren Erhebung (vgl. 

BGE 140 I 99 E. 3.4; BERNHARD WALDMANN, in: Basler Kommentar, Bun-

desverfassung, 2015, Art. 29 N. 40 ff.). Die Behörde muss die Äusserungen 

der Parteien tatsächlich hören, ernsthaft prüfen und in ihrer Entscheidfin-

dung angemessen berücksichtigen (vgl. Art. 29, 30 und 32 VwVG; 

BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

3.3 Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind Verfügungen zu begründen. Die Be-

gründungspflicht folgt überdies aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör in 

Art. 29 Abs. 2 BV. Sie dient der rationalen und transparenten Entscheidfin-

dung der Behörden und soll die Betroffenen in die Lage versetzen, den 

Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die we-

sentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und 

auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der Entscheidungsspielraum, 

je komplexer die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Ein-

griff in die Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhere Anforde-

rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BGE 137 II 

266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, 

Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 

2013, Rz. 629 ff.). 

3.4 Zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids hielt die Vorinstanz un-

ter Bezugnahme auf die ihr zur Verfügung stehenden Gesuchsunterlagen 

hauptsächlich fest, sie nehme zur Kenntnis, dass sich die Beschwerdefüh-

renden in Thailand in einer schwierigen Lage befänden, es herrsche dort 

jedoch weder Krieg noch Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Ge-

walt. Gemäss der Schweizerischen Auslandvertretung in Bangkok könnten 

Personen, die in der Regel ohne gültiges Visum nach Thailand gereist 

seien oder mit einem ausgestellten Visum bei der Ankunft nicht mehr aus-

gereist seien und somit über keinen Aufenthaltstitel verfügten, wegen ille-

galer Einreise und widerrechtlichen Aufenthalts inhaftiert werden. 

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Seite 7 

Trotz dieser schwierigen Lebensumstände sei davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführenden in Thailand nicht unmittelbar, ernsthaft und kon-

kret an Leib und Leben gefährdet seien. Es liege keine besondere Notsitu-

ation vor, welche im Gegensatz zu anderen Personen ein behördliches Ein-

greifen zwingend erforderlich mache. Ebenfalls vermöchten die erwähnten 

gesundheitlichen Schwierigkeiten diese Einschätzung nicht zu ändern. Da-

mit seien die Voraussetzungen für eine Erteilung eines humanitären Vi-

sums nicht erfüllt. Ergänzend sei festzuhalten, dass auch die Bedingungen 

für die Ausstellung eines ordentlichen Schengen-Visums für einen bewilli-

gungsfreien Aufenthalt nicht gegeben seien. Im vorliegenden Fall müsse 

davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführenden die Absicht 

hätten, dauerhaft in der Schweiz zu bleiben. Eine fristgerechte Ausreise 

nach Ablauf der Gültigkeit des Visums sei nicht gewährleistet. Die Einrei-

sevoraussetzungen für ein den gesamten Schengen-Raum geltendes „ein-

heitliches Visum“ seien somit nicht erfüllt. 

Zusammenfassend seien die Kriterien für die Erteilung der Visa nicht ge-

geben. Die Vertretung habe die Ausstellung der Sichtvermerke somit zu 

Recht verweigert. 

3.5 Aus dem Umfang der Begründung lassen sich keine Schlüsse auf ihr 

rechtliches Genügen ziehen. Massgebend ist allein, ob sie ihre Funktion 

erfüllt. Dies kann auch eine knappe Begründung leisten. Es trifft zwar zu, 

dass die Begründung des angefochtenen Entscheids eher kurz ausgefallen 

ist. Für die Beschwerdeführenden dürfte jedoch durchaus erkennbar ge-

wesen sein, aus welchen Gründen die Vorinstanz zum Schluss gelangte, 

die Voraussetzungen für die Erteilung eines humanitären Visums seien 

nicht gegeben. Es war ihnen denn auch möglich, den Entscheid sachge-

recht anzufechten. Dass sich die Vorinstanz zusätzlich auf die Bestimmun-

gen eines ordentlichen Schengen-Visums berufen hat, ist nicht zu bean-

standen, zumal sie dies lediglich im Sinne einer Ergänzung getan hat 

(vgl. angefochtener Entscheid, S. 3). Aus dem Umstand, dass das Bundes-

verwaltungsgericht im Urteil D-2872/2014 vom 10. Februar 2015 (als 

BVGE 2015/5 publiziert), welches in der Beschwerde zitiert wird, die Be-

gründung im für die Ablehnung des Visumsantrags verwendeten Standard-

formular gemäss dem Anhang VI des Visakodexes als sehr rudimentär be-

zeichnete (vgl. a.a.O., E. 6.2), können die Beschwerdeführenden nichts für 

sich ableiten. Denn zum einen hielt das Gericht im selben Urteil fest, aus 

der entsprechenden Begründung gehe in genügender Weise hervor, dass 

die Voraussetzungen für ein Visum als nicht erfüllt zu erachten seien. Zum 

anderen wurde darauf hingewiesen, dass durch die Möglichkeit, eine 

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Seite 8 

(wenn auch kostenpflichtige) Einsprache beim BFM zu erheben und 

dadurch eine detailliertere Begründung zu erhalten, welche wiederum mit 

einem Rechtsmittel anfechtbar sei, der vom Anspruch auf rechtliches Ge-

hör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG geforderten Begründungs-

pflicht jedoch Genüge getan sei (vgl. a.a.O., E. 6.2). Auch aus dem Hinweis 

auf das Urteil D-1395/2016 ergibt sich nichts zugunsten der Beschwerde-

führenden, da der Beschwerdeführer des jenem Urteil zugrunde liegenden 

Verfahrens – im Gegensatz zu ihnen – in Thailand inhaftiert war (vgl. 

a.a.O., E. 3.3) und sich seine Gefährdungslage daher anders dargestellt 

haben dürfte als diejenige der Beschwerdeführenden. Schliesslich war die 

Vorinstanz nicht gehalten, auf die Verfolgungsvorbringen im Zusammen-

hang mit der LTTE-Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin 1 und ihres Ehe-

manns näher einzugehen, stehen doch vorliegend nicht die Begebenheiten 

in Sri Lanka im Vordergrund, sondern ist zu prüfen, ob die Beschwerdefüh-

renden in Thailand, wo sie sich derzeit aufhalten, einer unmittelbaren, 

ernsthaften und konkreten Gefährdung an Leib und Leben ausgesetzt sind. 

3.6 Nach dem Gesagten ist eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu ver-

neinen. 

4.  

4.1 Als Staatsangehörige von Sri Lanka unterliegen die Beschwerdefüh-

renden für die Einreise in die Schweiz der Visumspflicht. Mit ihrem Gesuch 

beabsichtigen sie einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb nicht die Ertei-

lung eines Schengen-Visums, sondern eines humanitären Visums zu prü-

fen ist. Damit gelangt mit Art. 4 der Verordnung vom 15. August 2018 über 

die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204) im Wesentlichen 

nationales Recht zur Anwendung. Der angefochtene Entscheid ist am 

7.  September 2018, mithin vor Inkrafttreten der vorgenannten Verordnung 

am 15. September 2018 ergangen. Gemäss der Übergangsbestimmung 

von Art. 70 VEV e contrario wäre somit die Verordnung vom 22. Oktober 

2008 über die Einreise und die Visumerteilung (aVEV, AS 2008 5441, gültig 

bis am 14. September 2018) anwendbar. Da jedoch das neue Recht nicht 

ungünstiger ist und jederzeit ein neues Gesuch eingereicht werden könnte, 

welches unter dem neuen Recht zu prüfen wäre, kann die Streitsache im 

Lichte des neuen Rechts überprüft werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2020 

VII/5 E. 2.1 und 2.2). Mit der Neufassung von Art. 4 Abs. 2 VEV hat der 

Gesetzgeber die rechtliche Grundlage für den Anwendungsbereich der hu-

manitären Visa für einen längerfristigen Aufenthalt geschaffen, nachdem 

bis anhin diese Gesetzeslücke durch die bundesverwaltungsgerichtliche 

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Seite 9 

Rechtsprechung gefüllt wurde (BVGE 2018 VII/5 E. 3.5; m.H. auch zum 

Folgenden). 

4.2 In Art. 4 Abs. 2 VEV wird nun ausdrücklich die bereits vor dem Erlass 

der neuen Rechtsgrundlage geltende Praxis festgehalten, wonach ein hu-

manitäres Visum insbesondere dann erteilt werden kann, wenn die betref-

fende Person im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib 

und Leben gefährdet ist. Demnach kann ausnahmsweise ein nationales 

Visum aus humanitären Gründen erteilt werden, wenn bei einer Person 

aufgrund des konkreten Einzelfalls offensichtlich davon ausgegangen wer-

den muss, dass sie sich im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonde-

ren Notsituation befindet, die ein behördliches Eingreifen zwingend erfor-

derlich macht und es rechtfertigt, ihr – im Gegensatz zu anderen Personen 

in derselben Lage – ein Einreisevisum zu erteilen. Dies kann etwa bei 

akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individu-

ellen Gefährdung, die sie mehr als alle anderen Personen betrifft, der Fall 

sein. Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat oder ist 

sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder 

Herkunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht (vgl. Urteile des BVGer F-5492/2018 vom 25. Juni 

2019 E. 3.2 m.H.; F-5607/2018 vom 25. September 2019 E. 4.2 und 4.3 

m.H.). 

4.3 Das Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefähr-

dung, der persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im 

Heimat- oder Herkunftsland sorgfältig zu prüfen. Dabei können auch wei-

tere Kriterien, wie das Vorliegen von Bindungen zur Schweiz und die hier 

bestehenden Integrationsaussichten berücksichtigt werden (Urteil 

F-5607/2018 E. 4.3). 

5.  

5.1 In materieller Hinsicht wird in der Beschwerde im Wesentlichen geltend 

gemacht, die Beschwerdeführenden lebten derzeit unter prekärsten Bedin-

gungen illegal in Thailand. Sie lebten in ständiger Angst, festgenommen 

und in einer Haftanstalt für illegale Einwanderer („Immigration Detention 

Centre“ [IDC]) gefangen gehalten zu werden. Bei einer Festnahme drohe 

der Familie ferner noch viel schwerwiegender eine Rückschaffung nach Sri 

Lanka, wo ihnen Folter und Tod drohen würden. Die Beschwerdeführerin 1 

sei körperlich angeschlagen und wegen der belastenden Situation in einem 

fragilen psychischen Zustand, wodurch sie zunehmend nicht mehr in der 

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Seite 10 

Lage sei, für ihre Kinder zu schauen. Der Ehemann und Vater könne der 

Familie nicht beistehen, da er sich seit (…) 2017 in einem thailändischen 

Gefängnis befinde.  

Im Zusammenhang mit der damals in Sri Lanka erlebten Situation wird aus-

geführt, die Beschwerdeführerin 1 und ihr Ehemann seien beide Mitglieder 

der LTTE gewesen und würden deswegen seit dem Ende des Bürgerkrie-

ges im Jahre 2009 in Sri Lanka verfolgt. Aus diesem Grund habe sich die 

Familie noch im gleichen Jahr erstmals nach Thailand abgesetzt. Dort sei 

sie festgenommen und in einem IDC gefangen gehalten worden, wo sie, 

da die Beschwerdeführerin 1 schwanger geworden sei und ihr Ehemann 

an einer Blinddarmentzündung erkrankt sei, schlussendlich eingewilligt 

hätten, nach Sri Lanka zurückzukehren. Im (…) 2011 seien sie deshalb 

nach Sri Lanka zurückgegangen, von wo sie nach drei Monaten abermals 

geflüchtet seien, dieses Mal nach E._______. Weil sie dort immer noch 

nicht vor Verfolgung sicher gewesen seien, hätten sie E._______ im (…) 

2014 Richtung Thailand verlassen. 

Die Situation der Beschwerdeführenden habe sich durch den Gefängnis-

aufenthalt des Ehemanns und Vaters in letzter Zeit nochmals erheblich ver-

schärft. Sie lebten derzeit unter prekären Bedingungen, (…) Kilometer 

nordwestlich von F._______ in G._______, ohne Existenzgrundlage in ei-

nem winzigen Zimmer. Da der Beschwerdeführerin 1 kein rechtmässiger 

Aufenthalt gewährt werde, sei es ihr nicht möglich, auf legalem Wege eine 

sichere Unterkunft zu beschaffen. Die menschenunwürdigen Lebensum-

stände, in denen die Familie zu leben gezwungen sei, sei für sie sehr be-

lastend und habe sie psychisch destabilisiert. Die Beschwerdeführerin 1 

sei darüber hinaus körperlich angeschlagen. Sie habe während der kriege-

rischen Auseinandersetzungen zwischen der LTTE und dem Militär ver-

schiedene Verletzungen erlitten, welche ihren Alltag massgeblich er-

schwerten. Ihr Zustand sei dermassen bedenklich, dass mittlerweile ihr 14-

jähriges erstgeborenes Kind für sie und seine Geschwister schauen 

müsse.  

Die thailändischen Behörden würden routinemässig Asylsuchende und 

Flüchtlinge verhaften, die nicht im Besitz der erforderlichen Papiere seien. 

Dies sei auch vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil  

F-6648/2016 so befunden worden. Da die Beschwerdeführenden bereits 

im Jahre 2010 in ein IDC eingeliefert worden seien, seien sie konkret und 

unmittelbar davon bedroht, verhaftet zu werden. Mit den unmenschlichen 

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Seite 11 

Bedingungen in den IDC-Haftanstalten habe sich das Bundesverwaltungs-

gericht im gleichen Urteil (vgl. a.a.O., E. 6.2.2) auseinandergesetzt und 

diese als unzumutbar empfunden.  

5.2 Auf Vernehmlassungsstufe führt die Vorinstanz aus, die Beschwerde 

enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche 

eine Änderung des angefochtenen Entscheids rechtfertigen könnten. Was 

die geltend gemachte schwierige Alltagssituation illegaler Immigranten in 

Thailand anbelange, so sei diese dem SEM von zahlreichen anderen Fäl-

len bekannt. Da Thailand die Flüchtlingskonvention nicht ratifiziert habe, 

würden Asylsuchende und Flüchtlinge keinen besonderen Status oder 

Rechtsschutz geniessen. Sie würden den allgemeinen ausländerrechtli-

chen Vorschriften unterliegen und, ungeachtet der Tatsache, ob sie als 

Flüchtlinge beim UNHCR registriert seien, bei festgestelltem fehlendem 

Aufenthaltstitel als illegale Immigranten behandelt. 

Obwohl die geschilderten Umstände, in denen sich die Betroffene zusam-

men mit ihren drei Kindern befinde, sicher schwierig seien und die gesund-

heitliche Situation der Beschwerdeführerin 1 die Situation zusätzlich be-

laste, könne nicht von einer gesteigerten unmittelbaren, ernsthaften und 

konkreten Gefährdung an Leib und Leben im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV 

ausgegangen werden. Es bestehe keine offensichtliche und akute Notsitu-

ation, die ein behördliches Eingreifen der Schweiz zwingend notwendig er-

scheinen liesse. Auch die Tatsache, dass sich der Ehemann seit 2017 im 

Gefängnis befinde, vermöge diese Beurteilung nicht zu verändern. Im Wei-

teren weist die Vorinstanz nochmals darauf hin, dass sich die Beschwer-

deführerin 1 mit ihrer Familie nunmehr bereits seit 2014 in Thailand und 

somit in einem sicheren Drittstaat befinde. Es seien weder dem SEM noch 

der mit den Verhältnissen vor Ort bestens vertrauten schweizerischen Aus-

landvertretung Fälle von zwangsweisen Rückschaffungen durch die thai-

ländischen Behörden nach Sri Lanka bekannt. Auch seien gemäss jüngs-

ten Ausführungen der Schweizerischen Botschaft in Colombo trotz der 

neusten politischen Entwicklungen in Sri Lanka keine Konsequenzen be-

treffend die Rückführungspraxis festgestellt worden. 

5.3 Mit Eingabe vom 2. Dezember 2019 liessen die Beschwerdeführenden 

im Wesentlichen vorbringen, die Beschwerdeführerin 1 sorge sich sehr um 

ihren Mann und habe derart starke Bauchschmerzen, dass sie im Spital 

gewesen sei (vgl. E-Mails vom 10. September 2019 und 26. Oktober 2019). 

Sie müsste sich einer Operation unterziehen, aber da dies einen Aufenthalt 

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Seite 12 

im Spital von mindestens 15 Tagen mit sich bringen würde und sie die Kin-

der in dieser Zeit nicht alleine lassen wolle und könne, falle für sie eine 

Operation ausser Betracht. Darüber hinaus wurde auf den Regierungs-

wechsel in Sri Lanka hingewiesen, der durch die Wahlen am 16. November 

2019 ausgelöst worden sei. Neu sei Gotabaya Rajapaksa als Präsident 

gewählt. Dieser gelte als Verantwortlicher der brutalen Zerschlagung der 

Tamil Tigers, die viele zivile Opfer in Kauf genommen hätten. Viele fürchte-

ten nun, dass Hassreden, Mobs und ökonomische Ausgrenzung der religi-

ösen und ethnischen Minderheiten durch den Regierungswechsel unter-

stützt würden. Das dreiste und rechtswidrige Vorgehen des Rajapaksa-

Clans gegen jegliche Gegner lasse vermuten, dass dieses Regime auch 

gegenüber zurückgeschafften, abgewiesenen Asylsuchenden aus dem 

Ausland vermehrt vorgehen werde. Es könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht 

ausgeschlossen werden, dass ihnen Folter, Inhaftierung oder andere un-

menschliche Behandlungen drohten. 

5.4 Demgegenüber führte die Vorinstanz in ihrer ergänzenden Vernehm-

lassung aus, dass, obwohl die Situation der Beschwerdeführenden in Thai-

land sicher nicht einfach sei, die erwähnten gesundheitlichen Beschwer-

den, welche grösstenteils bereits beim Erlass des negativen Entscheids 

des SEM bekannt gewesen seien, die Erteilung humanitärer Visa nicht zu 

rechtfertigen vermöchten. Gemäss Angabe der Rechtsvertreterin sei die 

Beschwerdeführerin 1 im Spital untersucht worden und würde ebenfalls 

operiert.  

5.5 Replikweise liessen die Beschwerdeführenden namentlich entgegnen, 

vorliegend sprächen nicht nur medizinische Gründe für die Erteilung eines 

humanitären Visums, sondern auch die Verfolgungsgeschichte der Be-

schwerdeführenden sowie die drohende Rückschaffung nach Sri Lanka. 

Diese ohnehin schon prekäre Situation werde durch die medizinischen 

Probleme zusätzlich verschärft. Der Vorinstanz könne nicht zugestimmt 

werden, dass nicht mit einer Rückschiebung in den Heimatstaat gerechnet 

werden müsse. Inwiefern der vorliegende Fall vom Urteil F-6648/2016 ab-

weichen solle, führe sie nicht konkret aus. Sie unterlasse eine Erklärung, 

wie sie zum Schluss komme, dass sich die Situation in Thailand seit dem 

Urteil im Jahre 2017 geändert haben sollte. Sie solle darlegen, inwiefern 

sich die beiden Fälle voneinander unterscheiden würden, da es sich nach 

Ansicht der Beschwerdeführenden bei diesen Fällen um zwei identische 

Sachverhalte handle.  

F-5845/2018 

Seite 13 

Zudem habe die neue Regierung in Sri Lanka viele verschiedene Mass-

nahmen ergriffen, welche die Macht des Rajapaksa-Clans verstärkten, die 

Kontrolle über religiöse und ethnische Minderheiten ausbauten und die 

Presse- beziehungsweise Meinungsfreiheit weitgehend einschränkten. 

Gegner des Clans ständen direkt unter Beschuss und würden verfolgt.  

6.  

6.1 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gilt 

Thailand mit Blick auf Asylsuchende und Flüchtlinge nicht als sicherer Dritt-

staat. Das Gericht erwog, diese würden als illegale Immigranten angese-

hen und könnten deshalb inhaftiert werden. Das Land sei nicht Vertrags-

partei des Übereinkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und 

missachte das Non-Refoulement-Gebot gerade auch bei der Ausschaffung 

tamilischer Asylsuchender, selbst wenn sie vom UNHCR als Flüchtlinge re-

gistriert worden seien. Vielmehr seien diese Personen der regulären Im-

migrationsgesetzgebung Thailands unterworfen und müssten sich – wie 

alle anderen ausländischen Personen auch – ein thailändisches Visum be-

schaffen. Gerade bei sri-lankischen Staatsangehörigen würden jedoch oft 

Sicherheitsbedenken geltend gemacht, weshalb eine Verlängerung von 

Visa nicht garantiert sei. Es gebe überdies keine Möglichkeit, in Thailand 

eine Bewilligung für den dauernden Aufenthalt zu erlangen (vgl. Urteil des 

BVGer F-5607/2018 E. 6.1 m.H. auf das Urteil des BVGer F-6882/2018 

vom 27. März 2019 E. 4.3 m.H.). 

6.2 Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Asylsuchende und 

Flüchtlinge in Thailand keinen effektiven und dauerhaften Schutz vor Ver-

folgung geniessen, weshalb die Gefahr einer Rückschiebung durch die 

thailändischen Behörden in den Heimatstaat nicht generell ausgeschlos-

sen werden kann. Zu prüfen ist daher, ob im Einzelfall eine konkrete Gefahr 

der Rückschiebung besteht und ob die betroffene Person der Gefahr einer 

unmittelbaren und individuellen Gefährdung ausgesetzt wäre, würde sie in 

ihren Heimatstaat zurückgeschickt (vgl. Urteil F-5607/2018 E. 6.2 m.H.). 

7.  

Im Urteil F-6648/2016 wurde eine unmittelbare und konkrete Gefährdungs-

lage eines vom UNHCR als Flüchtling anerkannten sri-lankischen Staats-

angehörigen tamilischer Ethnie in Thailand bejaht, da dieser von den thai-

ländischen Einwanderungsbehörden inhaftiert worden war, sich in schlech-

ter gesundheitlicher Verfassung befand und bei einer Rückkehr in sein Hei-

matland mit asylrelevanter Verfolgung rechnen musste (vgl. a.a.O., E. 6.1 

F-5845/2018 

Seite 14 

und 6.3). Die Situation der Beschwerdeführenden stellt sich indessen an-

ders dar: Sie leben seit 2014 in Thailand, und es ist aufgrund der vorlie-

genden Akten nicht erkennbar, dass sie in dieser Zeit ins Visier der örtli-

chen Behörden geraten wären oder konkrete Anzeichen für eine Inhaftie-

rung oder gar Rückschaffung nach Sri Lanka bestünden (vgl. zu Letzterem 

Urteile des BVGer F-6648/2016 E. 6.2 und D-1897/2014 vom 9. Februar 

2015 E. 7.3; je m.H.). Dass sie – wie in der Beschwerde ausgeführt – in 

Thailand in ständiger Angst leben, festgenommen und in einem IDC gefan-

gen gehalten zu werden, deutet ebenso wenig darauf hin, dass eine ent-

sprechende unmittelbare und konkrete Gefahr bestehen würde. Des Wei-

teren werden keine Ausführungen gemacht, wonach die Beschwerdefüh-

renden an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort in Thailand an Leib und Leben 

bedroht wären. 

8.  

Zur Ausstellung eines humanitären Visums müssten konkrete Anhalts-

punkte für das Bestehen einer unmittelbaren, ernsthaften und konkreten 

Gefährdung der Beschwerdeführenden an Leib und Leben vorliegen, wel-

che ein behördliches Eingreifen im Gegensatz zu anderen Personen zwin-

gend erforderlich machen würde. Die Parteien sind sich darin einig, dass 

für die Erteilung humanitärer Visa strenge Voraussetzungen erfüllt sein 

müssen. Uneinig sind sie sich hingegen, ob die geltend gemachte Bedro-

hung, die Lebensumstände in Thailand und insbesondere der Gesund-

heitszustand der Beschwerdeführerin 1 eine Notlage im Sinne der Recht-

sprechung begründen (vgl. E. 4.2). 

8.1 Damit den Beschwerdeführenden ein humanitäres Visum ausgestellt 

werden könnte, hätten sie mittels geeigneter Beweismittel zu belegen, 

dass sie im Falle einer Rückschiebung in ihre Heimat einer unmittelbaren 

und individuellen Gefährdung ausgesetzt wären. 

8.1.1 Der Beschwerde ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden 

und ihr Ehemann/Vater ihr Heimatland im Jahr 2009 nach Thailand verlas-

sen haben, ohne dass die Zugehörigkeit zur LTTE den sri-lankischen Be-

hörden bekannt geworden wäre. Einige Monate später seien sie von den 

thailändischen Behörden festgenommen und in ein IDC gebracht worden, 

bevor man sie am (…) 2010 nach Sri Lanka zurückgeschafft habe. Die Fa-

milie habe dieser Rückschaffung aus gesundheitlichen Gründen zuge-

stimmt. Dank Bestechung des Flughafenpersonals hätten sie unbehelligt 

einreisen können. Anschliessend habe ihnen eine weitere Person gegen 

Bezahlung geholfen, ihren Aufenthalt vor den sri-lankischen Behörden zu 

F-5845/2018 

Seite 15 

verbergen. Da sie sich aufgrund konkreter Anzeichen um ihre Sicherheit 

gefürchtet hätten, seien sie am (…) 2011 erneut aus ihrer Heimat ausge-

reist, dieses Mal nach E._______. Dort sei die ganze Familie am 1. April 

2012 vom UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden. Nachdem der Ehe-

mann/Vater am Telefon mit dem Tod bedroht worden sei, habe die Familie 

E._______ im (…) 2014 illegal Richtung Thailand verlassen. Das UNHCR 

habe ab 2016 seine finanzielle Unterstützung eingestellt und der Familie 

eine Rückkehr nach Sri Lanka angeboten. Seit (…) 2017 sei der Ehe-

mann/Vater in einem regulären thailändischen Gefängnis inhaftiert. Seine 

Haftstrafe sei auf zwei Jahre festgelegt worden. Da er über keinen gültigen 

Aufenthaltsstatus verfüge, müsse davon ausgegangen werden, dass er 

nach Beendigung seiner Haftstrafe entweder das Land verlassen müsse 

oder in ein IDC verlegt werde. 

Wie im Folgenden aufgezeigt wird, können diese Ausführungen nicht ohne 

Weiteres bestätigt werden. Dies vor dem Hintergrund, dass die beigebrach-

ten Akten diverse Ungereimtheiten aufweisen, welche die Glaubwürdigkeit 

der Beschwerdeführenden ernsthaft bezweifeln lassen. 

Ein Arztbericht des H._______ scheint zu belegen, dass sich die Familie 

im Jahr 2009 tatsächlich in F._______ aufgehalten hat (vgl. SEM-act. 2, S. 

58 [Arztbericht enthält beim Datum der Untersuchung das thailändische 

Jahr 2552, was dem gregorianischen Jahr 2009 entspricht]). Hinsichtlich 

des angeblichen Aufenthalts in E._______ wurden nur wenig überzeu-

gende medizinische Dokumente eingereicht (vgl. SEM-act. 2, S. 59, S. 63 

ff.). So beinhaltet namentlich der Bericht des I._______ sich widerspre-

chende Daten ([…] 2011 bzw. […] 2012 als Datum des Spitaleintritts [vgl. 

a.a.O., S. 65]). Abgesehen davon weist der Ehemann/Vater in einem 

Schreiben vom 9. November 2015 auf einen Aufenthalt in E._______ vom 

(…) 2011 bis im (…) 2014 hin (vgl. SEM-act. 13, S. 271 ff.), während er 

diesen Aufenthalt in einem weiteren Schreiben vom 30. Mai 2018 gänzlich 

unerwähnt liess (vgl. SEM-act. 2, S. 79, S. 82). Vielmehr gab er an, die 

Familie habe sich 2009 nach Thailand begeben und ihre Beschwerde 

(appeal) sei 2012 akzeptiert worden (vgl. a.a.O., S. 82; ebenso Schreiben 

des Gastgebers vom 19. Juli 2018 [SEM-act. 3, S. 109]). Auch der Be-

schwerdeführer 2 erwähnt in seinem Schreiben vom Juni 2018 keinen Auf-

enthalt in E._______ (vgl. SEM-act. 2, S. 22). Schliesslich haben die Be-

schwerdeführenden und ihr Ehemann/Vater gemäss einem Schreiben des 

Gastgebers vom 13. April 2016 am 2. April 2012 in E._______ ein Asylge-

such eingereicht (vgl. SEM-act. 1, S. 14), was mit den Schilderungen in der 

Beschwerde (angebliche Anerkennung als Flüchtlinge am 1. April 2012) 

F-5845/2018 

Seite 16 

nicht zu vereinbaren ist.  

 

Gleichzeitig scheint aufgrund der Akten plausibel, dass die Familie im Jahr 

2010 tatsächlich nach Sri Lanka zurückgekehrt ist (vgl. […] [Eintritt: […] 

2011, Austritt: […] 2011], SEM-act. 2, S. 61). Dass die Beschwerdeführen-

den und ihr Ehemann/Vater sich aber angeblich für eine Rückkehr in ihr 

Heimatland entschieden haben wollen (mittels Bestechung des Flughafen-

personals), macht die These, wonach sie von den thailändischen Behörden 

zurückgeschafft worden seien, zunichte. Darüber hinaus ist der Rechtsmit-

teleingabe zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin 1 nach der Heirat 

im Jahr 2003 nicht mehr für die LTTE tätig war, während ihr Ehemann für 

diese Organisation bis Kriegsende als (…) in einer unter seinem Namen 

registrierten (…) arbeitete. Die Behauptung in der Beschwerde, wonach er 

zugleich (…) des (…) der LTTE gewesen sei, findet andernorts keine Be-

stätigung (vgl. namentlich Gefälligkeitsschreiben To Whom It May Concern 

vom 21. November 2015 [SEM-act. 2, S. 33]). 

8.1.2 In Anbetracht der dargelegten Ungereimtheiten kommt das Gericht 

zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, glaub-

haft zu machen, sie wären im Falle einer zwangsweisen Rückführung nach 

Sri Lanka dem Risiko einer unmenschlichen Behandlung ausgesetzt. Zu-

dem erscheint es in casu aufgrund der widersprüchlichen Angaben auch 

als zweifelhaft, dass den Beschwerdeführenden eine Rückführung in ihr 

Heimatland jemals gedroht hat beziehungsweise droht. 

8.2 Hinsichtlich des Gesundheitszustands ist festzuhalten, dass die Be-

schwerdeführenden zurzeit keine Beeinträchtigungen haben, die auf eine 

besondere Notsituation hindeuten würden. Das in der Beschwerde geltend 

gemachte Vorbringen, wonach die Beschwerdeführerin 1 wegen der belas-

tenden Situation in einem fragilen psychischen Zustand sei, ist zwar be-

dauernswert, eine unmittelbare, ernsthafte und konkrete Gefahr für Leib 

und Leben im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV lässt sich daraus jedoch nicht 

ableiten (vgl. E. 4.2). Die geschilderten Bauchschmerzen erreichen ebenso 

wenig die Intensität einer entsprechenden Notlage. Wie sich aus den Akten 

ergibt, wurde die Beschwerdeführerin deswegen bereits im Spital behan-

delt. Aus dem Umstand, dass sie bei einer allfälligen Operation ihre Kinder 

während des mindestens 15-tägigen Spitalaufenthalts nicht alleine lassen 

wolle und könne, vermag sie nichts für sich abzuleiten. Abgesehen davon 

bestehen die während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 

F-5845/2018 

Seite 17 

der LTTE und dem Militär erlittenen Verletzungen schon seit Jahren, so-

dass auch nicht von einer akuten medizinischen Notlage ausgegangen 

werden muss. 

8.3 Die Beschwerdeführenden beklagen, dass sie ohne Existenzgrundlage 

in einem winzigen Zimmer leben würden. Die geltend gemachte fehlende 

Erschwinglichkeit einer angemessenen Unterkunft in Thailand ist nicht ge-

eignet, eine Notlage zu begründen, welche die Ausstellung von humanitä-

ren Visa rechtfertigen würde. Da die Beschwerdeführenden vom UNHCR 

registriert wurden (vgl. SEM-act. 2, S. 87), haben sie die Möglichkeit, sich 

bei allfälligen Schwierigkeiten, sei es in medizinischer oder finanzieller Hin-

sicht, an diese Organisation zu wenden. Dass die von Seiten des UNHCR 

erhaltene finanzielle Unterstützung eingestellt worden sei (BVGer-act. 1, 

Ziff. 17), wird lediglich behauptet.  

8.4 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergeb-

nis, dass die restriktiven Voraussetzungen für die Erteilung humanitärer 

Visa nicht erfüllt sind. Aufgrund der Aktenlage kann nicht auf eine beson-

dere Notsituation geschlossen werden, die ein behördliches Eingreifen 

zwingend erforderlich machen würde (vgl. E. 4.2). Die Beschwerdeführen-

den befinden sich nach dem Gesagten zweifellos in einer schwierigen Si-

tuation. Allerdings ist diese insgesamt mit jener vergleichbar, in der sich 

letztlich zahlreiche illegale Immigranten in Thailand befinden. Eine unmit-

telbare Gefährdung der Beschwerdeführerenden, welche im Gegensatz zu 

anderen Personen in einer vergleichbaren Lage, die Ausstellung humani-

tärer Visa rechtfertigen würde, liegt somit nicht vor. 

Auch aus dem Umstand, dass Angehörige der Beschwerdeführenden in 

der Schweiz leben, können sie nichts zu ihren Gunsten ableiten. Bei diesen 

Angehörigen handelt es sich den Akten zufolge um den Gastgeber, dessen 

Ehefrau und Kinder. Wie der Gastgeber angab, ist der Ehemann der Be-

schwerdeführerin 1 der Sohn seiner Cousine (vgl. SEM-act. 3, S. 111). Von 

einer besonderen Bindung zur Schweiz, welche bei der Prüfung des Vi-

sumsgesuchs berücksichtigt werden müsste (vgl. E. 4.3), ist vor diesem 

Hintergrund nicht auszugehen. 

Bei dieser Sachlage kann darauf verzichtet werden, auf die weiteren Vor-

bringen und Beweismittel näher einzugehen. 

9.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der angefochtene 

F-5845/2018 

Seite 18 

Entscheid Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 49 VwVG). Die 

Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber 

mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2018 das Gesuch um unentgelt-

liche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde, 

ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-5845/2018 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführenden (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. […]+[…]+ 

[…]+[…] zurück) 

 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig 

 

 

Versand: