# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3c8fb281-cda3-5e04-a730-d9ebb00a07d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.09.2011 E-5272/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5272-2006_2011-09-26.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­5272/2006

U r t e i l   v om   2 6 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Kadima Muriel Beck (Vorsitz),
Richter Jean­Pierre Monnet, Richterin Christa Luterbacher, 
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

Parteien A._______, geboren am (…),
Eritrea,   
vertreten durch lic.iur. LL.M. Tarig Hassan, 
Advokatur Kanonengasse, (…) ,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
14.  Juni  2006 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  eigenen  Angaben  zufolge  ein  aus  B._______ 
(Provinz:  Berikh Makelay  Serajake,  heute  Eritrea)  stammender  und  der 
Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas zugehöriger Eritreer, verliess 
seinen  Heimatstaat  am  6.  Juni  2002  in  Richtung  Sudan.  Dort  habe  er 
seine  Frau  kennengelernt  und  sie  nach Brauch  geheiratet.  Nach  einem 
zirka  dreimonatigen  Aufenthalt  als  Flüchtling  im  Sudan  seien  sie 
(gemeinsam mit  ihrem Sohn H.) nach Libyen gegangen, wo sie sich bis 
zum 19. Januar 2004 aufgehalten hätten. Per Schiff und Flugzeug seien 
sie nach Milano gelangt und von dort am 27. Januar 2004 mit dem Zug 
illegal  in die Schweiz eingereist. Am 28. Januar 2004 reichten sie  in der 
Empfangsstelle  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  EVZ) 
C._______  Asylgesuche  ein.  Am  darauffolgenden  Tag  wurden  sie  dort 
einzeln summarisch befragt. Die einlässlichen Bundesanhörungen fanden 
am  26.  März  2004  statt.  In  der  Folge  wurden  sie  für  die  Dauer  des 
Verfahrens dem Kanton Luzern zugeteilt.

A.a Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer 
im Wesentlichen vor, er habe mit seinen Eltern in Äthiopien gelebt, bis ihr 
Familienbesitz,  ein  Hotel  in  Diredawa  und  drei  Lastkraftwagen,  im  Jahr 
1998 von den äthiopischen Behörden konfisziert worden sei und sie nach 
Eritrea  geflohen  seien.  In  Asmara  hätten  sie  sich  dann  niedergelassen. 
Im Oktober beziehungsweise Dezember 1999 sei er gezwungen worden, 
Militärdienst  zu  leisten,  weshalb  er  nach  Sawa  habe  gehen  müssen. 
Entgegen seiner  religiösen Gesinnung (Zeugen Jehovas), die das Töten 
von  Menschen  verbiete,  sei  er  zum  Militärdienst  gezwungen  worden. 
Wegen der Zugehörigkeit zu seiner Religionsgemeinschaft sei er schlecht 
behandelt  worden,  und  als  der  Krieg  im  Jahre  2000  zu  Ende  gewesen 
sei,  habe  er  Zivildienst  leisten  müssen.  Während  einer  Mittagspause 
habe er die Gelegenheit ergriffen, um in den Sudan zu fliehen.

Überdies  sei  sein  Vater  während  des  äthiopischen  DERG­Regimes 
(DERG;  deutsch: Provisorischer  Militärverwaltungsrat  von  1974  –  1987) 
Parteimitglied  der  Serategnoch  Party  of  Ethiopia  (ESP),  die  damals 
gegen  die  Eritreer  gekämpft  habe,  und  erster  Sekretär  in  D._______ 
gewesen.  Im Jahr 1999 sei sein Vater  festgenommen und  im Gefängnis 
von  Asmara  beziehungsweise  in  einem  ihm  unbekannten  Gefängnis 
inhaftiert worden.

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A.b Die nach Brauch verheiratete Ehefrau des Beschwerdeführers gab zu 
Protokoll,  sie  habe  Äthiopien  verlassen,  um  ihre  Mutter  finanziell  zu 
unterstützen.  Weitergehende  eigene  Asylgründe  machte  sie  nicht 
geltend. Nachdem sie sich im April 2005 vom Beschwerdeführer getrennt 
hatte,  ordnete  das  BFM  am  4.  September  2006  für  sie  und  den 
gemeinsamen  Sohn  H.  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  an. 
Daraufhin wurde deren Verfahren mit Beschluss  vom 16. Oktober  2006 
von der ARK als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

A.c  Der  Beschwerdeführer  gab  einen  Flüchtlingsausweis  von  der 
„Commission  for  Eritrean  Refugee  Affairs“  (CERA),  datiert  vom  18.  Juli 
1998, zu den Akten, aus dem unter anderem die Namen sowie das Alter 
der geflohenen Familienmitglieder hervorgehen.

B. 
Das  BFM  stellte  mit  am  9.  August  2004  eröffneter  Verfügung  vom 
4. August  2004  im  Wesentlichen  fest,  die  Verfolgungsvorbringen  des 
Beschwerdeführers  seien  nicht  glaubhaft.  Seine  Schilderungen  seien 
hinsichtlich  des  Handlungsablaufes  widersprüchlich  ausgefallen.  Zudem 
würden  sie  konkrete  Elemente  vermissen  lassen  und  seien  dürftig  und 
ausweichend ausgefallen. Überdies erstaune, weshalb er, der behaupte, 
Probleme  mit  den  Behörden  in  Eritrea  gehabt  zu  haben,  seine 
Identitätsdokumente  einem  Mitarbeiter  der  eritreischen  Botschaft  in 
Libyen  zur Aufbewahrung abgegeben habe. Ebenso  seien die Angaben 
hinsichtlich seiner Glaubenszugehörigkeit  lückenhaft. Er habe  insgesamt 
nicht  glaubhaft  machen  können,  dass  er  in  seinem Heimatland  verfolgt 
werde  und  des  Schutzes  eines  anderen  Landes  bedürfe.  Weder  die 
Ausweisung aus Äthiopien noch die Bestrafung des Beschwerdeführers, 
weil  er  desertiert  sei,  seien  asylrelevant.  Der  Militärdienst  sei  eine 
staatliche Pflicht und Eritrea habe das Recht, den Beschwerdeführer  für 
die  Desertion  zu  bestrafen.  Demzufolge  verneinte  die  Vorinstanz  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  und  lehnte  das 
Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  sie  den  Wegweisungsvollzug  an, 
nachdem sie keine Wegweisungsvollzugshindernisse festgestellt hatte.

C. 
Mit der bei der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) 
eingereichten  Beschwerde  vom  6.  September  2004  beantragte  der 
Beschwerdeführer,  die  vorinstanzliche  in  Französisch  abgefasste 
Verfügung  sei  ins  Deutsche  zu  übersetzen  und  es  sei  eine  Frist 
anzusetzen, um zur übersetzten Verfügung Stellung nehmen zu können. 

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Das  BFM  hob  am  9. März  2006  im  Rahmen  eines  zweiten 
Vernehmlassungsverfahrens  den  ursprünglichen  Entscheid  vom 
4. August 2004 auf und nahm das erstinstanzliche Verfahren wieder auf. 
Daraufhin schrieb die ARK die Beschwerde mit Beschluss vom 14. März 
2006 als gegenstandslos geworden ab.

D. 
Mit am 16. Juni 2006 eröffneter Verfügung vom 14. Juni 2006 wies das 
BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  verneinte  die 
Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  ordnete  dessen 
Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug nach Äthiopien an. Im 
Wesentlichen  begründete  es  seinen  Entscheid  damit,  dass  der 
Beschwerdeführer keine Identitätsausweise zu den Akten gegeben habe 
– der CERA­Ausweis (vgl. A.c oben) sei nicht als solcher zu erachten –, 
weshalb  die  eritreische  Herkunft  des  Beschwerdeführers  grundsätzlich 
bezweifelt werde. Im Weiteren stimme die geschilderte Flucht der Familie 
aus  Eritrea  beziehungsweise  ihre  Ausschaffung  (Deportation)  nicht  mit 
den Erkenntnissen  (der Schweizer Behörden)  über  die Vorgehensweise 
der  äthiopischen  Behörden  überein  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen der ARK [EMARK] 2005 Nr. 12). Die Vorbringen hinsichtlich 
seiner  Glaubenszugehörigkeit  und  die  Angaben  zum  geleisteten 
Militärdienst seien nicht korrekt und unsubstanziiert. Aus diesen Gründen 
sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise in 
Äthiopien  gelebt  habe  und  dessen  Staatsangehörigkeit  besitze.  Auf 
weitere Ausführungen wird – soweit wesentlich für den Entscheid – in den 
Erwägungen eingegangen.

E. 
Der Beschwerdeführer  erhob  am  17.  Juli  2006  durch  seinen  damaligen 
Rechtsvertreter gegen den vorinstanzlichen Entscheid vom 14. Juni 2006 
bei  der  ARK  Beschwerde.  Dabei  beantragte  er,  der  vorinstanzliche 
Entscheid  sei  aufzuheben  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen,  eventualiter  sei  ihm  die  Flüchtlingseigenschaft 
zuzuerkennen  und  sein  Asylgesuch  gutzuheissen,  (sub)eventualiter  sei 
die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege. Auf die nähere Begründung wird –  soweit 
wesentlich für den Entscheid – in den Erwägungen eingegangen.

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F. 
Mit Instruktionsverfügung der ARK vom 19. Juli 2006 wurde das Gesuch 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen.

G. 
Am  4. September  2006  hielt  die  Vorinstanz  im  Rahmen  des 
Vernehmlassungsverfahrens  an  ihrem  bisherigen  Standpunkt  fest  und 
beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

H. 
Mit Eingabe vom 2. Oktober 2006  replizierte der Beschwerdeführer und 
reichte  Kopien  der  eritreischen  Identitätskarten  seiner  Eltern  zu  den 
Akten.

I. 
Am  31. Oktober  2006  hielt  die  Vorinstanz  im  Rahmen  einer  zweiten 
Vernehmlassung an ihren bisherigen Erwägungen fest und beantragte die 
Abweisung der Beschwerde.

J. 
Mit  Replik  vom  17.  November  2006  gab  der  Beschwerdeführer  die 
Originale der eritreischen Identitätskarten seiner Eltern, eine Visitenkarte 
seines  Vaters  und  ein  Zwischenzeugnis  seines  damaligen  Arbeitgebers 
zu den Akten.

K. 
Am  4. Dezember  2006  sah  die  Vorinstanz  im  Rahmen  der  dritten 
Vernehmlassung  weiterhin  keinen  Anlass,  von  ihrem  Standpunkt 
abzuweichen, und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

L. 
Mit Eingabe vom 22. Januar 2007  replizierte der Beschwerdeführer und 
reichte  verschiedene  Fotos  ein,  die  seine  Eltern,  teilweise  mit  ihm 
zusammen, abgebildet zeigen würden.

M. 
Am  12.  Februar  2007  gab  er  den  Namen  eines  Militärkameraden 
bekannt,  welcher  sich  als  Flüchtling  in  der  Schweiz  aufhalte  und  den 
geleisteten Militärdienst des Beschwerdeführers bezeugen könne. Am 21. 
Dezember  2007  reichte  er  einen  durch  die  eritreisch­orthodoxe  Kirche 
ausgestellten Taufschein ein.

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N. 
Mit  Eingabe  vom  28.  Mai  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht  zeigte 
lic.iur.  LL.M.  Tarig  Hassan  die  Mandatsübernahme  an,  worauf 
Rechtsanwalt  Peter  Schilliger  sein  Mandat  am  29.  Dezember  2008 
niederlegte. Gleichzeitig beantragte der neu mandatierte Rechtsvertreter 
eine Vernehmlassung, zumal sich eine neue Praxis etabliert habe, nach 
welcher  wehrdienstpflichtige  Personen,  welche  Eritrea  illegal  verlassen 
hätten,  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  würden.  Als  weitere 
Beweismittel  seiner  Herkunft  reichte  der  Beschwerdeführer  am  10.  Juli 
2008  und  am  24.  Dezember  2008  folgende  Dokumente  ein:  Eine 
eidesstattliche Bestätigung dreier Zeugen einschliesslich einer in Englisch 
verfassten Übersetzung und eine Kopie des Ausweises des in E._______ 
asylsuchenden Vaters. Ferner  reichte er eine Kopie der Geburtsanzeige 
des  am  21. Oktober  2008  in  der  Frauenklinik  in  St. Gallen  zur  Welt 
gekommenen Sohnes F._______ zu den Akten.

O. 
Am 26. Januar 2010 wurden seitens des Beschwerdeführers Kopien des 
(...)  Passes  für  Flüchtlinge  seines  Vaters  und  dessen  norwegischer 
Legitimationskarte  sowie  des  Befragungsprotokolls  der  kantonalen 
Migrationsbehörde  vom  28. Dezember  2009  betreffend  die  Nationalität 
des Beschwerdeführers eingereicht.

P. 
Mit  Schreiben  vom  3.  Februar  2011  teilte  das  BFM  dem 
Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  ein  Gesuch  um  Einbezug  des 
Beschwerdeführers  in  die  Flüchtlingseigenschaft  seiner  (neuen) 
Lebenspartnerin  (…),  welche  als  Flüchtling  in  der  Schweiz  vorläufig 
aufgenommen wurde, eingegangen sei. Daraufhin sistierte die zuständige 
Instruktionsrichterin  am  15.  Februar  2011  das  Beschwerdeverfahren 
zwecks  Vermeidung  von  parallelen  Verfahren  bis  zum  diesbezüglichen 
Entscheid.

Q. 
Das  BFM  hiess  mit  Verfügung  vom  26.  April  2011  das  Gesuch  des 
Beschwerdeführers  um  Einbezug  in  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Lebenspartnerin  gut  und  erteilte  ihm  aufgrund  unzulässigen 
Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme. Am 28. Juni 2011 hob es 
seine  Verfügung  vom  14.  Juni  2006  (implizit  betreffend  die 
Flüchtlingseigenschaft  und  den  Wegweisungsvollzug) 
wiedererwägungsweise auf.

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R. 
Mit Verfügung vom 1. Juli 2011 stellte die zuständige Instruktionsrichterin 
fest,  dass  die  Beschwerde,  soweit  sie  die  (derivative) 
Flüchtlingseigenschaft  und  den  Wegweisungsvollzug  betrifft, 
gegenstandslos  geworden  ist. Gleichzeitig wurde  der  Beschwerdeführer 
aufgefordert mitzuteilen, ob er an der Beschwerde (Begehren betreffend 
die  originäre  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung)  festhalte 
oder diese allenfalls zurückziehe.

S. 
Mit  Schreiben  vom  15.  Juli  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinen 
Begehren  bezüglich  originärer  Flüchtlingseigenschaft  und  Gewährung 
von  Asyl  fest.  Gleichzeitig  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  Kostennote 
ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet des Asyls betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Bereich 
des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die  bei  der 
ARK  am  31.  Dezember  2006  hängigen Rechtsmittel  übernommen. Das 
neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53  Abs.  2  VGG).  Das 
Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit 
das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 

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berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 
und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Durch  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme  als  Flüchtling  ist  die 
Beschwerde,  soweit  sie  die  (derivative)  Flüchtlingseigenschaft  und  den 
Wegweisungsvollzug  betrifft,  gegenstandslos  geworden  und  als  solche 
abzuschreiben. Zu prüfen bleibt vorliegend einzig noch, ob die Vorinstanz 
dem  Beschwerdeführer  die  Zuerkennung  der  originären 
Flüchtlingseigenschaft sowie das Asyl zu Recht verweigert hat. 

4. 

4.1.  Der  Beschwerdeführer  rügte  in  formellrechtlicher  Hinsicht  ohne 
nähere  Begründung,  das  BFM  habe  das  rechtliche  Gehör,  das 
Vertrauensprinzip und das Gebot des Handelns nach Treu und Glauben 
verletzt, weil die Erwägungen dessen ersten Entscheides vom 9. August 
2004  in  keiner  Weise  mit  denjenigen  des  zweiten  vom  14.  Juni  2006 
übereinstimmen würden und nicht eine solche Begründung hätte erwartet 
werden müssen.

4.1.1. Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ist  formeller  Natur,  weshalb 
seine Verletzung grundsätzlich ohne weiteres – das heisst ungeachtet der 
materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen 
Entscheides  führt  (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185; BVGE 2007/30 E. 
8.2  S.  371  mit  weiteren  Hinweisen;  BVGE  2007/27  E.  10.1  S.  332). 
Ausgehend  von  einer  entsprechenden  Praxis  des  Bundesgerichts  hat 
allerdings  die  Rechtsprechung  aus  prozessökonomischen  Gründen 
Leitlinien für eine Heilung von Gehörsverletzungen auf Beschwerdeebene 
entwickelt,  nach  welchen  sich  eine  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz erübrigt, wenn 
das  Versäumte  nachgeholt  wird,  der  Beschwerdeführer  dazu  Stellung 
nehmen  kann  und  der  Beschwerdeinstanz  im  streitigen  Fall  die  freie 
Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung 

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zukommt, sowie die festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur 
ist  –  ausser  die  Rückweisung  würde  zu  einem  formalistischen  Leerlauf 
und  damit  zu  unnötigen  Verzögerungen  führen,  die  mit  dem  (der 
Anhörung  gleichgestellten)  Interesse  der  betroffenen  Partei  an  einer 
beförderlichen  Beurteilung  der  Sache  nicht  zu  vereinbaren  wären  (vgl. 
BGE  2C_694/2009  vom  20.  Mai  2010  E.  2.2.1)  –  und  die  fehlende 
Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand 
hergestellt werden kann; die Heilung soll dabei allerdings die Ausnahme 
bleiben  (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  2010/35  E.  4.3.1  mit  weiteren 
Hinweisen).

4.1.2.  Die  Vorinstanz  würdigte  den  Sachverhalt  in  ihrem  zweiten 
Entscheid  unter  Berücksichtigung  des  in  der  Zwischenzeit  erlassenen 
Urteils der ARK,  in welchem  insbesondere die Deportation von Eritreern 
aus  Äthiopien  abgehandelt  wird  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 12).  Dabei  ist 
festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  den  dem  Entscheid  zugrunde 
liegenden  Sachverhalt  tatsächlich  anders  würdigte,  indem  sie 
insbesondere  die  geschilderte  Deportation  vertiefter  prüfte.  Dabei 
beurteilte sie diese – im Gegenteil zum ersten Entscheid, wo sie als nicht 
asylrelevant  qualifiziert  wurde  –  als  unglaubhaft.  Alleine  die  andere 
rechtliche  Würdigung  durch  die  Vorinstanz  (Motivsubstitution)  verleiht 
dem Beschwerdeführer nicht per se einen Anspruch auf Gewährung des 
rechtlichen  Gehörs.  Mangels  vorgängiger  ausführlicher  Befragung  zur 
Deportation  und  aufgrund  deren  starken  Gewichtung  im  negativen 
Entscheid vom 14. Juni 2006 ist hingegen vorliegend von der Verletzung 
des  rechtlichen  Gehörs  des  Beschwerdeführers  (rechtserheblicher 
Sachverhalt  ungenügend  erstellt)  auszugehen,  auch  wenn  dieser  die 
„Flucht“  aus  Äthiopien  (A1  S.  6)  beziehungsweise  seine 
„Ausweisung/Ausschaffung“  (A18  S.  5)  als  solche  nicht  als  Fluchtgrund 
aus Eritrea, sondern höchstens implizit als Grund, weshalb er nicht nach 
Äthiopien  zurückkehren  könne,  angab.  Vorliegend  kann  dieser 
Verfahrensmangel  angesichts  der  vollen  Kognition  des 
Bundesverwaltungsgerichts  (Art.  106  AsylG)  und  der  dem 
Beschwerdeführer  dazu  gewährten  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  als 
geheilt  gelten,  zumal  –  wie  nachstehend  aufgezeigt  –  die  in  dieser 
Hinsicht  entscheidrelevanten  Vorbringen  nicht  zu  seinen  Ungunsten 
bewertet werden (vgl. unten E. 8.2).

Nach  dem  Gesagten  besteht  kein  Anlass  zur  Aufhebung  der 
angefochtenen  Verfügung  aus  formellen  Gründen.  Es  ist  daher  im 
Folgenden  in  materieller  Hinsicht  zu  prüfen,  ob  das  BFM  den 

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Beschwerdeführer  zu  Recht  nicht  als  (originären)  Flüchtling  anerkannt 
und sein Asylgesuch abgewiesen hat.

5. 

5.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

5.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

6. 

6.1. Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids 
zur Herkunft und Identität des Beschwerdeführers aus, dieser habe seine 
Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG verletzt, indem er während seiner 
zweieinhalbjährigen  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  keine 
entsprechenden Identitätsausweise zu den Akten gegeben habe, obwohl 
er  über  Bekanntschaften  in  Libyen  verfüge.  Seine  Erklärungen  im 
Zusammenhang  mit  den  fehlenden  Ausweispapieren  (Verlassen  des 
Wohnsitzes  in  Asmara  und  Einzug  ins  Militär  im  Oktober  1999 
beziehungsweise im Dezember 1999 [A1 S. 1, A18 S. 4­5]; Verlängerung 
des  eritreischen  Passes  in  Khartum  im  Juni  2002  und  spätere 
Deponierung desselben auf der eritreischen Botschaft in Tripolis [A1 S. 4, 
A18 S .9 und S. 17]) seien widersprüchlich und würden nicht überzeugen. 
Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb er seinen Pass auf der 

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heimatlichen Botschaft  deponiert  haben wolle,  zumal  er  als  angeblicher 
Deserteur  mit  entsprechenden  (nachteiligen)  Massnahmen  zu  rechnen 
gehabt  hätte.  Ebensowenig  einsichtig  sei,  dass  im  Jahre  2002  die 
eritreische Botschaft  in Khartum den Reisepass des Beschwerdeführers 
verlängert  haben  solle,  zumal  für  Mitglieder  der  Zeugen  Jehovas  und 
Deserteure grundsätzlich keine Reisepässe und Ausreisevisa ausgestellt 
würden.

Aufgrund  des  Vorgenannten  bestünden  grundsätzliche  Zweifel  an  der 
persönlichen  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  sowie  an  dessen 
eritreischer  Herkunft.  Diese  Zweifel  würden  verstärkt,  weil  die  vom 
Beschwerdeführer  geschilderte  Flucht  mit  dem  Landcruiser 
beziehungsweise „Deportation“ der Familie nach Eritrea (A1 S. 6 und A18 
S. 5) mit den Erkenntnissen der Asylbehörden betreffend das Vorgehen 
der  äthiopischen  Behörden  nicht  übereinstimmen  würden  (vgl.  EMARK 
2005 Nr. 12). Hinsichtlich der abgegebenen Bescheinigung  (CERA), die 
die Vertreibung aus Äthiopien bestätigen solle, sei zwar eine Person mit 
dem  Namen  G._______  darin  aufgeführt,  doch  eine  solche 
Bescheinigung  vermöge  nicht  rechtsgenüglich  die  Identität  des 
Beschwerdeführers  nachzuweisen.  Zudem  würden  nur  drei  im  Verlaufe 
des  Verfahrens  von  ihm  aufgeführte  Namen  von  Familienangehörigen 
(A1 S. 3) mit der Namensliste im CERA­Ausweis übereinstimmen.

Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Religionsgemeinschaft der 
Zeugen  Jehovas  vermöge  nicht  zu  überzeugen,  weil  diesem  zentrale 
Begriffe  wie  „Harmagedon“  oder  wichtige  Daten  wie  „1914  und  1975“ 
nichts  sagen  würden  und  er  weder  die  alttestamentlichen  Bücher  noch 
aktuelle Zeitschriften der Zeugen Jehovas kenne. Ebensowenig wisse er, 
wie  der  Versammlungsraum  der  Zeugen  Jehovas  heisse  und  welches 
das Schicksal der Aussteiger sei (A18 S. 10 bis S. 12).

Weiter  könne  ihm  nicht  geglaubt  werden,  dass  er  während  zweieinhalb 
Jahren Militärdienst geleistet habe, weil er nicht in der Lage gewesen sei, 
seine  Einteilung  sowie  die militärische  Truppenstruktur  korrekt  angeben 
zu können (A1 S.2 und A18, S. 6). Zudem widerspreche die angebliche 
Militärdienstleistung der Lehre der Zeugen Jehovas.

Gestützt  auf  das  Vorgenannte  schloss  das  BFM,  dass  der 
Beschwerdeführer  zuletzt  in  Äthiopien  gelebt  habe  und  die  äthiopische 
Staatsangehörigkeit  besitze.  Zudem  habe  der  Beschwerdeführer 
aufgrund seiner Heirat mit einer äthiopischen Staatsangehörigen Anrecht 

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auf  deren  Staatsangehörigkeit  (vgl.  Federal  Gazeta  vom  23. Dezember 
2003).

6.2. Diesen Erwägungen  hielt  der Beschwerdeführer  entgegen,  er  habe 
mit  der  Bescheinigung  der  CERA  seine  Identität  rechtsgenüglich 
nachgewiesen.  Die  Vorinstanz  schenke  seinen  Angaben  über  den 
Verbleib  seines  Passes  zu  Unrecht  keinen  Glauben,  denn  in  Khartum 
würden gegen ein entsprechendes Entgelt Pässe verlängert, selbst wenn 
dies gegen die  internen Richtlinien verstosse.  In Afrika würden nicht die 
gleichen  Verhältnisse  wie  in  Mitteleuropa  herrschen;  es  sei  allgemein 
bekannt,  dass  bei  den  afrikanischen  Behörden  eine  grosse  Korruption 
verbreitet  sei.  Er  habe  die  Absicht  gehabt,  seinen  Pass  erst  nach 
sicherem Erreichen europäischen Bodens nachschicken zu  lassen. Herr 
M. A., der zuständige Mitarbeiter der eritreischen Botschaft, habe ihm die 
Zustellung seines Reisepasses nach Europa zugesichert, ihm aber später 
nach  telefonischer  Kontaktaufnahme mitgeteilt,  dass  dieser  eingezogen 
worden sei.

Im Weiteren hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen Vorbringen 
fest,  insbesondere  am  geleisteten  Militärdienst  und  an  der  Desertion. 
Hinsichtlich  der  Zugehörigkeit  zur  Religionsgemeinschaft  der  Zeugen 
Jehovas  führte  er  an,  er  nehme  auch  in  der  Schweiz  regelmässig  an 
Versammlungen  und  am  Bibelstudium  teil,  weshalb  ihm  von  seinen 
Glaubensgenossen ein aufrichtiger Glaube attestiert werde. Wenn er bei 
der Befragung das Wort Harmagedon nicht verstanden habe, sei dies auf 
die schlechte Übersetzung zurückzuführen. 

6.3.  Der  Beschwerdeführer  reichte  während  des  hängigen 
Beschwerdeverfahrens  mehrere  die  Herkunft  und  Identität  belegende 
Beweismittel  zu  den Akten. Demgegenüber  hielt  die Vorinstanz  in  allen 
drei Vernehmlassungen an ihrem bisherigen Standpunkt fest, wonach der 
Beschwerdeführer  Äthiopier  sei  und  die  Asylvorbringen  den 
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhalten würden.

7. 
Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung sind 
von  vornherein  ausgeschlossen,  wenn  eine  Person,  die  in  einem 
Drittstaat  Verfolgung  erlitten  oder  zu  befürchten  hat,  den  Schutz  ihres 
Heimatstaates  in  Anspruch  nehmen  kann,  ist  doch  eine  solche  Person 
nicht  auf  internationalen  Schutz  angewiesen  (vgl.  WALTER  KÄLIN, 
Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a.M.  1999,  S.  34  f.; 

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UNHCR,  Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft, Genf 1979, Neuauflage: UNHCR Österreich 2003, 
Rz. 90).

7.1.   Nachdem die Vorinstanz von der äthiopischen Staatsangehörigkeit 
des  Beschwerdeführers  ausging  –  wobei  sie  auch  die  äthiopische 
Staatsangehörigkeit  seiner  damals  nach  Brauch  verheirateten 
Lebenspartnerin  hinzuzog  –  ist  vorab  zu  prüfen,  ob  zum  heutigen 
Zeitpunkt  aufgrund der  aktuellen Aktenlage  von einer  äthiopischen oder 
eritreischen Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist.

7.1.1.  Mit  der  Verschlechterung  der  bilateralen  Beziehungen  von 
Äthiopien  und  Eritrea  in  den  Jahren  1998  bis  2002  setzte  sich  in 
Äthiopien die Auffassung durch, dass Personen, die sich im Jahr 1993 an 
der  Abstimmung  für  die  Unabhängigkeit  Eritreas  beteiligt  oder  Eritrea 
sonst  irgendwie  unterstützt  hatten,  einen  Akt  der  Entfremdung 
demonstriert  hätten,  der  mit  der  äthiopischen  Staatsangehörigkeit  nicht 
vereinbar  sei.  Gewissen  Äthiopiern  und  Äthiopierinnen  mit  eritreischer 
Abstammung  wurde  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit  entzogen  (vgl. 
(vgl.  EMARK  2005  Nr.  12  mit  weiteren  Hinweisen;  Schweizerische 
Flüchtlingshilfe SFH,  Identitätsdokumente  in ausgewählten afrikanischen 
Flüchtlings­Herkunftsländern, Themenpapier vom 3. März 2005, S. 7). 

7.1.2.  Unbestritten  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  keinen 
Identitätsausweis im Sinne von Art. 1a Bst. c der Asylverordnung (AsylV, 
SR  142.311)  zu  den  Akten  gab.  Überdies  teilt  das 
Bundesverwaltungsgericht die vorinstanzlichen Erwägungen, wonach die 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  eritreischen 
Identitätsausweisen, welche er vor seiner Einreise in die Schweiz gehabt 
haben will,  unglaubhaft  seien,  und  verweist  diesbezüglich  auf  die BFM­
Verfügung,  um  Wiederholungen  zu  vermeiden.  Der  Beschwerdeführer 
reichte  bei  der  Vorinstanz  einen  am  28. Juni  1998  von  der  CERA 
ausgestellten  Flüchtlingsausweis  ein.  Auf  Beschwerdeebene  gab  er 
folgende  Dokumente  im  Original  zu  den  Akten:  Eritreische 
Identitätskarten  seiner  Eltern,  Fotos,  die  seine  Eltern,  teilweise mit  ihm 
abgebildet,  zeigen  sollen,  eine  Taufurkunde  der  eritreisch­orthodoxen 
Kirche,  eine  eidesstattliche  Erklärung  einschliesslich  einer  Englisch­
Übersetzung.  Ferner  stellte  er  folgende  Beweismittel  in  Kopie  zu:  Ein 
Befragungsprotokoll  der  kantonalen  Migrationsbehörde  vom 
28. Dezember  2009,  den  (...)  Immigrationspass  seines  Vaters  sowie 
dessen (...) Legitimationskarte.

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7.1.2.1 Hinsichtlich  des CERA­Ausweises  ist  festzuhalten,  dass  es  sich 
dabei um einen dreiteiligen Ausweis handelt, welcher auf der linken Seite 
das  Foto  der Mutter  des  Beschwerdeführers  und  auf  der  rechten  Seite 
sein  eigenes  Foto  zeigt.  Beide  Fotos  sind  abgestempelt  worden.  Eine 
Urkundenprüfung  beim  Forensischen  Institut  Zürich  ergab,  dass  der 
CERA­Ausweis  die  minimalen  Voraussetzungen,  die  an  ein 
Ausweisdokument  gestellt  werden,  erfülle  und  somit  von  einem 
authentischen Ausweis auszugehen sei. Sowohl die  linke wie die  rechte 
Seite des Ausweises seien nicht manipuliert worden. Im mittleren Teil des 
Ausweises  seien  in  den  Ziffern  3  bis  7  Änderungen  vorgenommen 
worden,  d.h.  bei  den  Namen  des  Beschwerdeführers  und  zweier 
aufgelisteter Geschwister. Wann die Änderungen vorgenommen worden 
seien und ob es sich allenfalls um amtliche Korrekturen handle, entziehe 
sich  der  Kenntnis  des  forensischen  Instituts  Zürich.  Zur  Organisation, 
welche  im  Jahre  1998  einen  CERA­Ausweis  ausstellen  konnte,  lassen 
sich  gestützt  auf  länderspezifische  Quellen  folgende  Gegebenheiten 
konstatieren:  Die  CERA  organisierte  ab  1994  die  Repatriierung  von 
eritreischen Flüchtlingen aus dem Sudan und deren Integration in Eritea. 
Ab  1996  wurde  die  CERA  und  die  „Eritrean  Relief  and  Rehabilitation 
Agency“  (ERRA)  zur  „Eritrean Rehabilitation  and Refugee Commission“ 
(ERREC) zusammengeschlossen, welche für die Versorgung der ab Juni 
1998  aus  Äthiopien  Deportierten  zuständig  war   und  diesen 
Identitätsdokumente  ausstellte  (vgl.  Action  by  Churches  Together 
International,  ACT  appeal  Eritrea:  Shelter  for  IDPs  –  AFER­21  vom 
28. Mai  2002).  Die  Ausstellung  von  Flüchtlingsausweisen,  welche  die 
Beschriftung  der  Vorgängerorganisation  tragen,  ist  nicht  unüblich.  Auch 
heute  werden  noch  eritreische  Identitätskarten  mit  der  Beschriftung 
„PGE“  (Provisional  Government  of  Eritrea),  welche  bis  zur 
Unabhängigkeit von 1993 als noch nicht legitimierte Regierung fungierte, 
ausgestellt. Gestützt  auf  diese Ausführungen  erscheint  der  eingereichte 
Ausweis  authentisch,  auch  wenn  der  Name  der  abgebildeten  Frau, 
H._______, eine kleine Abweichung (im Vornamen: „I._______“) von den 
Angaben,  welche  der  Beschwerdeführer  bei  den  vorinstanzlichen 
Befragungen  (Erstbefragung  und  Anhörungen)  betreffend  die  Mutter 
gemacht hat, aufweist. 

7.1.2.2  Die  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Originale  der 
eritreischen  Identitätskarten  der  beiden  Personen,  welche  gemäss  den 
Angaben des Beschwerdeführers seine Eltern sind, stimmen mit den bei 
der  Vorinstanz  angegebenen  Namen  der  Eltern  überein.  Ein  Vergleich 
des  CERA­Ausweises  mit  der  eritreischen  Identitätskarte  der 

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(angeblichen) Mutter zeigt, dass die auf dem Foto abgebildete Frau des 
CERA­Ausweises  dieselbe  wie  auf  dem  Foto  der  eritreischen 
Identitätskarte  ist.  Die  Ausweise  wurden  am  2. beziehungsweise 
3. Dezember  1992  in  "Dredawa"  (Übersetzung  der  eritreischen 
Identitätskarten)  durch  ein  Aussenministerium  ausgestellt.  Gemäss 
Proclamation  vom April  1992  (No.22/1992) wurden als Vorbereitung zur 
Teilnahme am Referendum 1993  Identitätskarten von dazu berechtigten 
Stellen,  welche  durch  das  Innendepartement  bezeichnet  wurden, 
ausgestellt. Dass sich eine solche Aussenstelle in D._______ befand, ist 
durchaus denkbar. Infolgedessen und aufgrund fehlender offensichtlicher 
Fälschungsmerkmale  ist  davon  auszugehen,  dass  die  eingereichten 
Identitätsausweise  echt  sind  und  die  Herkunft  dieser  beiden  Personen 
beweist. 

Zusammenfassend  ist  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  von  der 
eritreischen  Herkunft  des  Beschwerdeführers  durch  Abstammung 
auszugehen,  da  keine  Hinweise  bestehen,  dass  es  sich  bei  den  oben 
genannten Personen nicht um seine Eltern handle. Diese Annahme wird 
auch  dadurch  gestützt,  dass  der  Beschwerdeführer  am  28. Dezember 
2009  mit  seinem  Vater  bei  der  zuständigen  kantonalen  Behörde 
vorsprach  und  als  Beweis  seiner  Herkunft  und  Blutsverwandtschaft 
anerbot,  einen  Blutstest  durchzuführen.  Der  Beweis  wurde  nicht 
abgenommen.  Es  wurden  lediglich  der  (...)  Immigrationspass  sowie  die 
(...) Legitimationskarte des Vaters kopiert, zu den Akten genommen und 
an  die  Vorinstanz weitergeleitet.  Zudem  zeigen  die  eingereichten  Fotos 
dieselben  Personen,  welche  auch  auf  den  vorgenannten  Ausweisen  zu 
sehen  sind.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  festzuhalten,  dass  kleine 
Abweichungen  in  den  Protokollen  beziehungsweise  eingereichten 
Dokumenten  hinsichtlich  der  Orts­  und  Personennamen 
höchstwahrscheinlich auf die Übersetzungen zurückzuführen sind.

7.1.2.3    Hingegen  handelt  es  sich  sowohl  bei  der  nachgereichten 
Taufurkunde  wie  auch  bei  der  eidesstattlichen  Erklärung  mit 
überwiegender  Wahrscheinlichkeit  um  Gefälligkeitsschreiben.  Hinzu 
kommt,  dass  allgemein  zugänglichen  Quellen  zufolge  die  eritreisch­
orthodoxe  Kirche  als  eigenständige  Institution  erst  im  September  1993 
entstanden  ist.  Vor  der  Unabhängigkeit  Eritreas  waren  Orthodoxe 
Angehörige  der  äthiopisch­orthodoxen  Kirche.  Insoweit  kommt  diesem 
Beweismittel  kein  hoher Beweiswert  zu,  auch wenn es  in  den Akten  im 
Original vorliegt.

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Zur  eidesstattlichen  Erklärung,  einem  amtlichen  Ausweisdokument, 
gemäss  welchem  drei  Zeugen  bestätigen,  dass  der  Beschwerdeführer 
eritreischer  Staatsangehöriger  ist,  gibt  es  Folgendes  zu  bemerken: 
Gemäss forensischem Institut Zürich ist mangels verbürgt authentischem 
Vergleichsmaterial  eine  abschliessende  Beurteilung  nicht  möglich.  Die 
eidesstattliche  Erklärung  sei  ein  Dokument  von  bescheidener  Qualität. 
Manipulationen an diesem Dokument seien keine vorgenommen worden. 
Aufgrund  der  geringen  Beweisqualität  kommt  diesem  Schriftstück  ein 
bescheidener Beweiswert zu.

7.1.3. Gestützt  auf  die  vorgenannten  Ausführungen  gilt  hinsichtlich  der 
Identität  des  Beschwerdeführers  zusammengefasst  folgender 
Sachverhalt  als  erstellt:  H._______  beziehungsweise  I._______  und 
J._______  beziehungsweise  K._______–  beide  eritreische 
Staatsangehörige  –  sind  die  Eltern  des  Beschwerdeführers,  der  infolge 
Abstammung und Geburt  in B._______ (Eritrea) ebenfalls die eritreische 
Nationalität besitzt.

8. 
Im  Folgenden  ist  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer  in  Eritrea  in 
asylrelevanter  Weise  verfolgt  worden  ist,  beziehungsweise  ob  seine 
Vorfluchtgründe  den  Anforderungen  von  Art. 7 AsylG  sowie  von  Art.  3 
AsylG  zu  genügen  vermögen.  Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  die  vorinstanzliche 
Einschätzung – abgesehen von der als unglaubhaft beurteilten Flucht der 
Familie aus Äthiopien – zu teilen ist, weshalb vorab zwecks Vermeidung 
von Wiederholungen auf  diese  zu  verweisen  ist  (vgl.  auch E.  6.1 erster 
Abschnitt samt Aktenverweisen).

8.1. Der  Beschwerdeführer  führte  anlässlich  der  Erstbefragung  spontan 
zu den Gesuchsgründen aus,  im Militär  sei  er wegen der Zugehörigkeit 
zur  Religionsgemeinschaft  der  Zeugen  Jehovas  schlecht  behandelt 
worden. Deshalb sei er aus dem Militärdienst im Jahr 2002 desertiert und 
in den Sudan geflohen. Demgegenüber schilderte er anlässlich der freien 
Erzählung  an  der  kantonalen  Befragung,  er  sei  mit  den 
Regierungsgesetzen  nicht  einverstanden,  in  Eritrea  gebe  es  keine 
Demokratie  und  er  sei  mit  einer  Äthiopierin  verheiratet,  die  von  seiner 
Regierung und der Familie  nicht  akzeptiert werde  (vgl. A1 S.  5, A18 S. 
16).

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Erst  auf  Nachfrage  hin  machte  der  Beschwerdeführer  den  Militärdienst 
betreffende  Ausführungen.  Dabei  ergaben  sich  grobe  Ungereimtheiten, 
beispielsweise  gab  er  seine  Militäreinteilung  nicht  konstant  wieder. 
Gemäss Angaben bei der Befragung hat er in der ersten Brigade und im 
dritten  Batallion  gedient.  Demgegenüber  gab  er  bei  der  kantonalen 
Anhörung als Einteilung die vierte Brigade und das erste Batallion an. Auf 
Vorhalt  korrigierte  er  sich  mit  einer  dritten  Version:  Erste  Brigade  und 
viertes Batallion (vgl. A1 S. 2, A18 S. 5). Die anfangs geltend gemachten 
Schwierigkeiten mit  den Vorgesetzten  des Militärs  und  die  Inhaftierung, 
welche  im  Zusammenhang  mit  der  Zugehörigkeit  zur 
Religionsgemeinschaft  der  Zeugen  Jehovas  gestanden  hätten  (vgl.  A1 
S.6), können nicht geglaubt werden, weil er bei der kantonalen Befragung 
demgegenüber  ausdrücklich  festhielt,  „ausser,  dass  er  gegen  das 
Menschen töten“ gewesen sei, habe er keine konkreten Probleme gehabt 
(vgl. A18 S. 9), und ausser vor seiner Ausschaffung aus Äthiopien sei er 
nie  im  Gefängnis  gewesen.  Aufgrund  seiner  religiösen  Gesinnung 
erstaunt es überdies, dass er während drei Jahren Militärdienst geleistet 
haben  will,  zumal  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  zu  entnehmen  sind, 
wonach  er  sich  dem Einzug  ins Militär widersetzt  habe  (vgl.  A18 S.  9). 
Ferner beantwortete er die Fragen zur Religionsgemeinschaft der Zeugen 
Jehovas nur rudimentär (vgl. A 18 S. 10 – S. 12) und machte hinsichtlich 
der Ausreisedaten aus Eritrea beziehungsweise des Zeitpunkts, wann er 
den  Militärdienst  beendet  und  Zivildienst  geleistet  habe,  unklare 
Angaben.  So  gab  er  anlässlich  der  kantonalen  Befragung  an,  er  habe 
Eritrea  im  zwölften  Monat  des  Jahres  1999  verlassen.  Auf  Vorhalt 
korrigierte  er  dieses  Datum  auf  den  Juni  2002  mit  der  Bemerkung,  er 
habe  es  nicht  richtig  verstanden  (vgl.  A18  S.  5  ff.).  Zu  all  diesen 
Ungereimtheiten kommen unglaubhafte Aussagen zu seinem eritreischen 
Reisepass hinzu.

So  will  er  im  Jahr  1998  im  Besitz  eines  eritreischen  Reisepasses 
gewesen sein und diesen auf der eritreischen Botschaft in Tripoli (Libyen) 
deponiert  haben,  weil  er  dort  auf  eine  vertrauenswürdige  Person  (A.) 
habe  zurückgreifen  können.  Zudem  habe  er  den  Reisepass  auf  der 
Überfahrt  nach  Italien  nicht  verlieren  wollen  (vgl.  A18  S.  9).  Ein  wenig 
später  gab  er  zu  Protokoll,  A.  habe  ihm mitgeteilt,  dass  er  sowohl  den 
Reisepass als auch die Identitätskarte nach Eritrea zurückgeschickt habe 
(vgl.  A18 S.  12). Diese Angaben  vermögen  nicht  zu  überzeugen. Hätte 
der  Beschwerdeführer  den  geltend  gemachten  Militärdienst  tatsächlich 
geleistet und wäre es ihm gelungen, aus dem Militärdienst zu desertieren, 
wäre er – wie es von einer eritreischen militärdienstpflichtigen Person zu 

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erwarten gewesen wäre –  in keiner Weise das Risiko eingegangen, von 
der  eritreischen  Botschaft  in  Libyen  allenfalls  nach  Eritrea 
zurückgeschafft  zu  werden,  um  im  Anschluss  daran  eine  politisch 
motivierte Bestrafung  infolge Republikflucht  gewärtigen  zu müssen  (vgl. 
dazu  U.S.  Department  of  State,  2009  Human  Rights  Report  Eritrea, 
11. März 2010; UK Border Agency, Country of Origin Information Report 
Eritrea,  13.  Oktober  2009).  In  dieser  Hinsicht  vermögen  die  auf 
Beschwerdeebene  geltend  gemachten  Einwände,  der  afrikaspezifische 
Kontext  sei  zu  berücksichtigen,  denn  bei  den  staatlichen  Behörden 
herrsche  eine  grosse  Korruption,  und  A.  habe  sich  nicht  an  die 
Abmachung gehalten, diese groben Ungereimtheiten nicht auszuräumen, 
zumal  einer  Militärdienst  leistenden  Person  kein  eritreischer  Reisepass 
ausgestellt worden wäre.

8.2.  Zur  „Deportation“  aus  Äthiopien,  die  von  der  Vorinstanz  als 
unglaubhaft und mit den Erkenntnissen gemäss EMARK 2005 Nr. 12 als 
unvereinbar  beurteilt  worden  ist,  ist  festzuhalten,  dass  dieser  im 
vorliegenden  Verfahren  keine  entscheidende  Bedeutung  im  Sinne  der 
Asylrelevanz  zukommt,  da  vorliegend  eine  allfällige  Verfolgung  durch 
Eritrea  –  den  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  –  zu  prüfen  ist.  Zu 
bemerken ist dennoch, dass die Angaben des Beschwerdeführers – unter 
Berücksichtigung  des  länderspezifischen  Kontextes  –  durchaus 
realistisch erscheinen. Seine Aussagen, wonach der Besitz seiner Familie 
von  den  äthiopischen  Behörden  konfisziert  worden  sei  und  sie  (er  und 
seine  Familie)  aufgrund  des  Grenzkonflikts  zwischen  Äthiopien  und 
Eritrea  –  wie  viele  Eritreer  –  mit  einem  Landcruiser  bis  zur  Grenze 
gebracht und dort abgesetzt worden seien (vgl. A1 S. 6, A18 S. 5), sind in 
sich  schlüssig.  Human  Rights  Watch  (HRW)  zufolge  wurden  die  zu 
deportierenden  Personen  in  Bussen  an  die  Grenze  gefahren  und  dort 
abgesetzt  (HRW,  The  Horn  of  Africa  War,  Mass  Expulsions  and 
Nationality  Issue,  Vol.  15,  Nr.  3  (A),  Januar  2003,  S.  18  ff.). 
Demgegenüber  erscheint  die  in  diesem  Zusammenhang  geltend 
gemachte Haft  nicht  überzeugend, weil  dazu widersprüchliche Angaben 
(fünf Tage vor der Ausweisung aus Äthiopien beziehungsweise in Eritrea) 
gemacht wurden (vgl. A1 S. 6, A18 S.16).

8.3.  Selbst  wenn  die  Ausweisung  aus  Äthiopien  nach  Eritrea  nicht  zu 
bezweifeln  ist  und  sich  der  Beschwerdeführer  im  Jahr  1998  im 
militärdienstpflichtigen  Alter  befand,  ist  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, dass er sich – wie geltend gemacht 
– bis  im Jahr 2002  in Eritrea aufhielt. Seine spontane Aussage, er habe 

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Eritrea  im  zwölften  Monat  des  Jahres  1999  verlassen,  dürfte  –  falls 
zutreffend – eher darauf hindeuten, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt 
Eritrea  in  Richtung  Sudan  verliess,  zumal  er  angab,  zwei  Brüder  im 
Sudan  zu  haben  (vgl.  A18  S.  4,  A1  S.  3).  Dieser  Umstand  lässt  den 
logischen  Schluss  zu,  dass  er  nach  seiner  Ausweisung  aus  Äthiopien 
direkt mit seinen Brüdern in den Sudan reiste. 

8.4. Zusammengefasst steht fest, dass es ihm nicht gelungen ist, eine im 
Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Eritrea  bestehende  oder  drohende, 
asylrechtlich  relevante  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu 
machen, weshalb keine asylrelevante Vorfluchtgründe vorliegen.

9. Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch seine Ausreise aus 
dem Heimatstaat oder sein seitheriges Verhalten bei einer Rückkehr nach 
Eritrea  –  mithin  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründen  –  befürchten 
müsste, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu 
werden.

9.1.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  insbesondere  illegales 
Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht),  Einreichung 
eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaatlichen 
Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung,  wenn  sie  die  Gefahr 
einer  zukünftigen  Verfolgung  begründen.  Personen  mit  subjektiven 
Nachfluchtgründen  erhalten  zwar  gemäss  Art.  54  AsylG  kein  Asyl, 
werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. EMARK 2006 
Nr.  1  E.  6.1  S.  10,  mit  weiteren  Hinweisen).  Durch  Republikflucht  zum 
Flüchtling  wird,  wer  sich  aufgrund  der  unerlaubten  Ausreise  mit 
Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer 
Intensität und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile 
gemäss  Art.  3  Abs.  2  AsylG  darstellen.  Solche  Tatbestände  der 
Republikflucht  fanden  sich  insbesondere  in  den Strafgesetzbüchern  der 
ehemaligen  Ostblock­Staaten  (WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/ 
Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, 
Rz. 11.56;  Handbuch  zum  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren, 
Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH  [Hrsg.],  Bern/Stuttgart/Wien  2009, 
S. 203),  aber  auch  heute  noch  beispielsweise  in  Art.  322  des 
Strafgesetzbuches  der  Volksrepublik  China,  was  zur  Anerkennung  von 
illegal  ausgereisten  Tibeterinnen  und  Tibetern  als  Flüchtlinge  führt  (vgl. 
BVGE 2009/29).

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9.2. Wie  sich  die  Situation  für  aus Eritrea  illegal  ausreisende Personen 
gestaltet,  ist  im  Folgenden  zu  überprüfen:  Über  Eritrea  im  Allgemeinen 
und  über  die  oftmals  willkürliche  Praxis  bei  der  Anwendung  des 
nationalen  Rechts  in  diesem  Land  im  Speziellen  sind  nur  wenige 
zuverlässige  und  unabhängige  Quellen  verfügbar;  das  Land  selber 
verfolgt  eine  gegen  innen  und  gegen  aussen  äusserst  restriktive 
Informationspolitik. Dennoch ergibt sich aus den vorhandenen Unterlagen 
(vgl.  namentlich  U.S.  Department  of  State,  2009  Human  Rights  Report 
Eritrea, 11. März 2010; UK Border Agency, Country of Origin Information 
Report  Eritrea,  13. Oktober  2009;  SFH,  Eritrea,  Update  vom  Februar 
2010;  UNHCR  Eligibility  guidelines  for  assessing  the  international 
protection needs of asylum­seekers from Eritrea, April 2009; alle Berichte 
jeweils mit Hinweisen auf weitere Quellen) ein schlüssiges Bild in Bezug 
auf  die  von  illegal  ausreisenden  Staatsangehörigen  zu  erwartenden 
staatlichen  Sanktionen.  So  ist  gemäss  Art.  11  der  "Proclamation  No. 
24/1992" – welche die Ein­ und Ausreise nach und von Eritrea regelt – ein 
legales Verlassen des Landes lediglich mit einem gültigen Reisepass und 
einem  zusätzlichen  Ausreisevisum  möglich.  Die  Ausreise  ohne  die 
erforderlichen Dokumente wird gemäss Art. 29 dieses Erlasses mit einer 
Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Busse bis zu 10'000 
Birr – der in Eritrea bis zur Einführung der eigenen Landeswährung Nakfa 
gültigen  äthiopischen  Währung  –  sanktioniert.  In  der  Praxis  werden 
Ausreisevisa  bereits  seit  mehreren  Jahren  nur  noch  unter  sehr 
restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher  Geldbeträge  (im 
Gegenwert  von  rund  $ 10'000)  an wenige,  als  loyal  beurteilte Personen 
ausgestellt,  wobei  Kinder  ab  elf  Jahren,  Männer  bis  zum  Alter  von  54 
Jahren  und  Frauen  bis  47  Jahre  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung 
ausgeschlossen  sind.  Verschiedentlich  gab  es  auch  Zeiten,  in  welchen 
überhaupt keine derartigen Dokumente mehr erhältlich waren, selbst bei 
Vorliegen  eines  gültigen  Reisepasses.  Wer  versucht,  das  Land  ohne 
behördliche  Erlaubnis  zu  verlassen,  riskiert  neben  der  gesetzlich 
angedrohten Bestrafung sein Leben, da die Grenzschutztruppen gemäss 
übereinstimmenden  Quellen  den  Befehl  haben,  Fluchtversuche  mit 
gezielten Schüssen zu verhindern. Das eritreische Regime erachtet das 
illegale Verlassen  des  Landes  als  Zeichen  politischer Opposition  gegen 
den  Staat  und  versucht  die  sinkende  Wehrbereitschaft  und  die 
Massenfluchtbewegung  in  der  Bevölkerung  –  jährlich  kehren  mehrere 
Tausend  Staatsangehörige  dem  Land  wegen  der  zunehmenden 
Militarisierung,  der  unbegrenzten  Dienstdauer  und  der  sich 
verschlechternden  Menschenrechtslage  den  Rücken  –  mit  den 

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drakonischen  Massnahmen  zu  stoppen  (vgl.  D­3892/2008  vom  6.  April 
2010).

9.3.  Wie  in  E.8.1  ausgeführt,  können  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers  hinsichtlich  seiner  Identitätsausweise  nicht  geglaubt 
werden. Dennoch  ist unabhängig davon, ob er  tatsächlich  im Besitz von 
solchen  gewesen  ist,  davon  auszugehen,  dass  der  damals  zirka 
zwanzigjährige  Beschwerdeführer  nicht  legal,  das  heisst  mit  einem 
behördlichen  Ausreisevisum,  aus  Eritrea  auszureisen  vermochte  und 
angesichts der in E. 9.2 genannten Umstände begründete Furcht hat, bei 
einer Rückkehr dorthin erheblichen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Der 
Beschwerdeführer  erfüllt  demnach  die  Anforderungen  an  die  (originäre) 
Flüchtlingseigenschaft. Da die drohende Verfolgung allerdings auf dessen 
illegale  Ausreise  aus  Eritrea  zurückzuführen  ist,  ist  ihm  in  Anwendung 
von  Art.  54  AsylG  kein  Asyl  zu  gewähren,  weshalb  die  vorinstanzliche 
Verfügung insoweit – die Dispositiv­Ziffer 2 betreffend – zu bestätigen ist.

10. 

10.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht 
zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das 
Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 
des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

10.2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet 
(vgl. EMARK 2001 Nr. 21).

10.3. Mit dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft der Lebenspartnerin 
(vgl. Verfügung vom 26. April 2011 und 28. Juni 2011) und der Erteilung 
der  vorläufigen  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  ist  dieser  infolge 
Gegenstandslosigkeit nicht mehr zu prüfen. 

11. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 

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Bundesrecht  verletzt,  soweit  sie  die  Frage  der  (originären) 
Flüchtlingseigenschaft  betrifft.  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten 
insoweit  gutzuheissen  und  das  Bundesamt  anzuweisen,  dem 
Beschwerdeführer  die  (originäre)  Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen. 
Betreffend  die  Gewährung  von  Asyl  und  die  Wegweisung  ist  sie 
abzuweisen.

12. 

12.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  –  und  angesichts  des 
abgewiesenen Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
vom 19. Juli 2006 und einer gewissen Komplexität des Verfahrens – sind 
die Gesamtkosten auf Fr. 900.­ festzulegen, welche nach dem Grad des 
Durchdringens  praxisgemäss  zu  einem  Drittel,  ausmachend  Fr. 300.­, 
dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art.  63 Abs.  1  und 5 VwVG; 
Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]). 

12.2. Dem teils obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer  ist eine 
reduzierte Parteientschädigung  für seine  ihm erwachsenen notwendigen 
Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 VGKE). Der 
zuletzt mandatierte Rechtsvertreter LL.M Tarig Hassan, der mit Vollmacht 
vom  22. Mai  2008  die  Vertretung  übernommen  hat,  reichte  am  15.  Juli 
2011 eine Kostennote in der Höhe von Fr. 1'839.­ (einschliesslich MwSt. 
und  Auslagen)  ein,  welche  angemessen  erscheint.  Dem 
Beschwerdeführer  ist  im  Umfang  seines  Obsiegens  eine 
Parteientschädigung  von  zwei  Dritteln  in  der  Höhe  von  Fr.  1'226.­ 
zuzusprechen.  Auf  die  Nachforderung  einer  Kostennote  des  zuerst 
mandatierten  Rechtsvertreters  wird  verzichtet,  weil  dessen  Aufwand  für 
das vorliegende Verfahren zuverlässig abgeschätzt werden kann (vgl. Art. 
14  Abs.  2  VGKE).  In  Anwendung  der  massgeblichen 
Berechnungsfaktoren  (vgl. Art. 8  f.  VGKE)  ist  für  den  Aufwand  von 
Rechtsanwalt  Peter  Schilliger,  welcher  das  Mandat  am  29. Dezember 
2008  niederlegte,  im  Umfang  des  Obsiegens  eine  Parteientschädigung 
von  zwei  Dritteln  in  der  Höhe  von  Fr.  800.­  (einschliesslich  MwSt  und 
Auslagen)  festzulegen. Dem Beschwerdeführer  ist somit  insgesamt eine 
Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 2'026.­  (Mehrwertsteuer  und 
Auslagen) zu entrichten.

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(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird  –  soweit  die  derivative Flüchtlingseigenschaft  und 
den  Wegweisungsvollzug  betreffend  –  als  gegenstandslos  geworden 
abgeschrieben. 

2. 
Die  Beschwerde  wird  –  soweit  sie  die  Frage  der  (originären) 
Flüchtlingseigenschaft  betrifft  –  gutgeheissen;  im  Übrigen  wird  sie 
abgewiesen.

3. 
Das Bundesamt wird  angewiesen,  den Beschwerdeführer  als  originären 
Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen.

4. 
Dem  Beschwerdeführer  werden  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von 
Fr. 300.­ auferlegt.

5. 
Das  BFM  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  der 
Beschwerdeinstanz  im Sinne der Erwägungen eine Parteientschädigung 
in der Höhe von Fr. 2'026.­ zu entrichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Stella Boleki

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