# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 60ddb770-7826-5814-bd9c-df45ebb6cb2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 E-6288/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6288-2011_2011-12-21.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­6288/2011

U r t e i l   v om   2 1 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima,
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe.

Parteien A._______, geboren am (…),
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 
(…) 8021 Zürich,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung (Flughafenverfahren);
Verfügung des BFM vom 11. November 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  kurdische  Beschwerdeführer  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______ 
verliess  eigenen Angaben  zufolge  die  Türkei  am  17. Oktober  2011,  um 
über Dubai  nach Sao Paulo  zu  reisen. Von  dort  – wo  er  nicht  um Asyl 
nachgesucht  habe  –  sei  er  weiter  nach  Zürich  geflogen,  wo  er  am 
26. Oktober 2011 am Flughafen ein Asylgesuch einreichte. Gleichentags 
verweigerte  das BFM vorläufig  die Einreise  in  die Schweiz  und  ordnete 
an, dass ihm für die Dauer von maximal 60 Tagen der Transitbereich des 
Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zugewiesen werde.

B. 
Am  29. Oktober  2011  sowie  am  7. November  2011  wurde  der 
Beschwerdeführer  zu  seinen  Vorbringen  durch  das  BFM  befragt  bzw. 
angehört.  Dabei  führte  er  aus,  dass  sein  Vater  am  (…)  2004  von 
Anhängern  der  TIKKO  (Türkiye  İşçi  Köylü  Kurtuluş  Ordusu,  Guerilla­
Gruppe  der  TKP/ML  [Türkiye  Komünist  Partisi/Marksist­Leninist]) 
erschossen  worden  sei.  Die  Behörden  hätten  sich  damals  nicht  um 
diesen  Fall  gekümmert;  erst  am  nächsten  Morgen  sei  die  Polizei  am 
Tatort  erschienen  und  habe  mit  ihren  Untersuchungen  begonnen.  Als 
Täter hätten sie einen Mann namens C._______ in Betracht gezogen, der 
später  ermordet  worden  sei.  Erst  sehr  viel  später  habe  der 
Beschwerdeführer  mit  eigenen  Recherchen  begonnen,  indem  er  den 
Bruder von C._______, ein Funktionär der TIKKO, ungefähr im Dezember 
2010 besucht und befragt habe. Daraufhin habe er mehrmals telefonische 
Drohungen und ca. drei bis vier schriftliche telefonische Kurzmitteilungen 
(SMS)  erhalten,  er  solle  sich  nicht  nach  der  Ermordung  seines  Vaters 
erkundigen.  Nachdem  er  sein  Dorf  verlassen  und  das  Haus  dort  leer 
gestanden habe, sei dort ein Zettel deponiert worden, er solle nicht mehr 
zurückkehren.

Die Familie habe wegen des Todes des Vaters den Staat angeklagt, weil 
dieser seine Bürger nicht schütze und sich nicht umgehend um den Fall 
gekümmert  habe.  Die  Familienmitglieder  würden  vermuten,  dass  hinter 
der Tötung des Vaters der Staat stehe, weil Ersterer kurdischer Herkunft 
und Mitglied  der  damaligen  DEHAP  (Demokratik  Halk  Partisi)  gewesen 
sei.  C._______  sei  nach  dieser  Meinung  nur  ein  Strohmann  gewesen, 
weshalb er später habe sterben müssen.

Darüber  hinaus  berichtete  der  Beschwerdeführer,  dass  sein  Bruder  am 
(…) 2004 – 40 Tage nach dem Tod des Vaters – von mehreren Personen 

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angehalten worden sei, die seine Silberkette verlangt hätten. Nach einer 
Auseinandersetzung  sei  er mit Messerstichen  verletzt worden und nach 
anderthalb  Monaten  den  Verletzungen  erlegen.  Einer  der  Täter  sei 
verurteilt, der andere freigesprochen worden.

Als  weiteren  Asylgrund  brachte  der  Beschwerdeführer  vor,  er  habe  ­ 
infolge seiner Recherchen – das Parteilokal der BDP (Barış ve Demokrasi 
Partisi)  besucht  ohne  Mitglied  zu  sein.  Auch  deswegen  habe  er 
Drohanrufe  erhalten.  Zudem  habe  er  keinen  Militärdienst  geleistet  und 
müsse bei einer Rückkehr mit strafrechtlichen Massnahmen rechnen.

Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer 
Kopien  von  diversen  Gerichtsdokumenten  und  Pressemitteilungen 
betreffend seinen Vater ein.

C. 
Mit  Verfügung  vom  11. November  2011  –  eröffnet  am  folgenden  Tag – 
wurde das Asylgesuch vom Bundesamt abgelehnt. Gleichzeitig wurde der 
Beschwerdeführer  aus  dem  Transitbereich  des  Flughafens  Zürich 
weggewiesen;  am  Tag  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  habe  er  diesen  zu 
verlassen.

Als  Begründung  führte  das  BFM  aus,  dass  die  Vorbringen  nicht  den 
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nach Art. 7 des Asylgesetzes vom 
26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  standhalten  würden.  Die  Antworten 
seien  stereotyp  und  realitätsfremd.  Ferner  habe  der  Beschwerdeführer 
keine  Ahnung,  wer  ihn  überhaupt  bedrohen  würde.  Zusammengefasst 
würden sich die Aussagen als ein unvollständiges und  fiktives Konstrukt 
erweisen,  welches  äusserst  unglaubhaft  wirke.  Den  eingereichten 
Unterlagen  käme  ferner  kein  Beweiswert  zu,  da  sie  sich  auf  den  Fall 
seines Vaters beziehen würden.

Ferner seien die Vorbringen, so das Bundesamt, nicht als asylrelevant im 
Sinne  von Art. 3 AsylG  zu qualifizieren,  da der Beschwerdeführer  keine 
exponierte  Stellung  für  die  BDP  inne  gehabt  habe  und  weil  mit  der 
Aufbietung zum Militärdienst keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes 
vorliege.

Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich, zumutbar 
und zulässig.

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D. 
Am  16. November  2011  ging  bei  der  Flughafenpolizei  Zürich  ein 
Schreiben in türkischer Sprache ein. Dabei handelte es sich gemäss dem 
Übersetzungsdienst  des  Bundesverwaltungsgerichts  um  ein  Urteil  der 
2. Kammer des Schwurgerichts B._______ vom (…) 2011.

E. 
Mit Eingabe vom 18. November 2011 reichte der Beschwerdeführer über 
seinen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
gegen  die  Verfügung  vom  11. November  2011  ein.  Dabei  wurde  in 
materieller  Hinsicht  beantragt,  dass  diese  Verfügung  aufzuheben,  die 
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl 
zu  gewähren  sei.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  die 
Unzumutbarkeit festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen.

In  formeller Hinsicht  sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen 
und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  In  der 
Person des Unterzeichnenden sei ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu 
stellen. Ferner wurde das Bundesverwaltungsgericht darum ersucht, das 
beigelegte Urteil amtlich übersetzen zu lassen.

Als  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  festgehalten,  dass  der 
Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  Recherchen  auf  neue  Erkenntnisse 
gestossen  und  es  daher  durchaus  realistisch  sei,  dass  die  für  den  Tod 
des  Vaters  des  Beschwerdeführers  Verantwortlichen  nun  befürchten 
würden,  als  solche  enttarnt  zu werden. Da  es  sich  dabei  um Mitglieder 
der  Behörden  handle,  sei  es  auch  nicht  verwunderlich,  dass  sie  die 
Telefonnummern  des  Beschwerdeführers  ausfindig  gemacht  und  ihn 
belästigt  hätten.  Daher  seien  seine  Aussagen  als  schlüssig  zu 
qualifizieren.  Bezüglich  der  Gefährdung  aufgrund  seiner  Kontakte  zur 
BDP  könne  ein  Urteil  nachgereicht  werden,  das  gegen  den 
Beschwerdeführer  ergangen  sei  und  belegen  dürfte,  dass  er  verfolgt 
werde. Dieses habe er erst von Familienangehörigen erhalten, als er sich 
schon  in  der  Schweiz  aufgehalten  habe.  Ferner  sei,  da  ein  Onkel  des 
Beschwerdeführers  sich  als  Flüchtling  in  England  aufhalte,  eine 
Gefährdung aufgrund einer Reflexverfolgung nicht auszuschliessen.

F. 
Mit  Verfügung  vom  29.  November  2011  forderte  das 
Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführer auf, da sich das mit der 
Beschwerdeschrift  eingereichte  Urteil  als  unvollständig  erwies,  die 

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fehlenden  Seiten  oder  eine  Übersetzung  der  vorliegenden  Fragmente 
einzureichen.  Die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  wurde  auf  einen  späteren  Zeitpunkt 
verschoben.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde 
gleichzeitig verzichtet.

G. 
Am  12. Dezember  2011  informierte  der  Rechtsvertreter  das 
Bundesverwaltungsgericht, dass es sich bei dem erwähnten Urteil um ein 
Missverständnis  handle.  Tatsächlich  sei  das  Urteil  nicht  von 
Familienangehörigen zu Handen des Beschwerdeführers gefaxt worden; 
es sei nicht klar, von wem dieses Faxschreiben stamme. Vermutlich seien 
die  Dokumente  von  türkischen  Sicherheitsbehörden  ausgestellt  und 
versandt worden,  um gegen  den Beschwerdeführer  vorzugehen. Dieser 
bestreite daher die Authentizität der Dokumente und die darin erhobenen 
Vorwürfe.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  –  was  vorliegend  nicht  zutrifft  –  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

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1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken 
(Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 

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widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

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5. 

5.1. Der Beschwerdeführer brachte vor, aufgrund der Recherchen, die er 
zum Tode seines Vaters angestellt habe, bedroht zu werden. Dies auch, 
weil  er  sich  in  BDP­Räumlichkeiten  aufgehalten  und  an  Newroz­
Feierlichkeiten teilgenommen habe.

5.2. Die Vorinstanz führte hingegen in ihrer Verfügung vom 11. November 
2011 aus, dass die Vorbringen weder glaubhaft noch asylrelevant seien 
(vgl. dazu Bst. C).

5.3.  Eine  asylsuchende  Person  erfüllt  die  Flüchtlingseigenschaft,  wenn 
sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, bzw. mit beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  berechtigterweise 
befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter 
Verfolgungsmotive  zugefügt  worden  sind,  bzw.  zugefügt  zu  werden 
drohen,  ohne  adäquaten  Schutz  im  Heimatland  finden  zu  können  (vgl. 
dazu WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 
1990, S. 42 ff.).

5.3.1.  Der  Beschwerdeführer  gab  an,  er  sei  aufgrund  seiner 
Nachforschungen zum Tod seines Vaters mehrmals  telefonisch sowie  in 
Form  von  Kurzmitteilungen  (SMS)  bedroht  worden,  obwohl  er  die 
Telefonnummern  gewechselt  habe.  Ferner  sei  ein  Zettel  nach  seinem 
Auszug aus seinem Dorf in dem Haus angebracht worden, wo er gewohnt 
habe,  der  Anordnungen  enthalten  habe,  dass  er  nie  mehr  dorthin 
zurückzukehren  solle  (vgl.  Protokoll  zur  Befragung  vom  29. Oktober 
2011,  S. 11,  sowie  zur  Anhörung  vom  7. November  2011,  S. 4 ff.). 
Derartige  Verfolgungsmassnahmen  sind  eindeutig  als  nicht  genügend 
intensiv  zu  qualifizieren,  um  als  asylrelevant  zu  gelten.  Hinzu  kommt, 
dass  wohl  zunächst  eine  Anzeigeerhebung  in  der  Türkei  angebracht 
gewesen wäre, bevor um Schutz im Ausland nachgesucht wird.

Da die vorgeschriebene Intensität der Verfolgung vorliegend nicht bejaht 
werden kann,  ist  im Folgenden auch nicht auf die mögliche Ursache der 
Drohungen  –  die  Nachforschungen  und  Kontaktaufnahme  zur  BDP – 
einzugehen.

5.3.2.  Das  am  16. November  2011  bei  der  Flughafenpolizei  Zürich 
eingegangene Urteil der 2. Kammer des Schwurgerichts B._______ vom 
(…) 2011, dessen Kopie vom Rechtsvertreter mit der Beschwerdeschrift 
dem  Bundesverwaltungsgericht  eingereicht  und  später  als  nicht 

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authentisch  eingestuft  wurde,  ist  unvollständig  und  wurde  nicht  im 
Original zu den Akten gelegt. Es ist daher als untauglich zu qualifizieren 
und  kann  keine  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  belegen.  Selbst 
wenn  die  dort  erhobenen  Vorwürfe  gegen  ihn  stimmen  würden  –  es 
wurde soweit  feststellbar dargelegt, dass der Beschwerdeführer am (…) 
2011  an  einer  Veranstaltung  der  BDP  teilgenommen  und  dabei  eine 
verbotene  Fahne  geschwungen  habe –,  wäre  nach  diesem  Urteil  des 
Schwurgerichts  B._______  zunächst  auf  dem  dafür  vorgesehenen 
Rechtsweg  dagegen  zu  rekurrieren,  bevor  es  als  Indiz  einer möglichen 
Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  dienen  könnte.  Indessen  ist 
vielmehr  davon  auszugehen,  dass  in  der  Türkei  kein  Verfahren  gegen 
den  Beschwerdeführer  hängig  ist,  da  er  dies  ansonsten  während  der 
Befragung mit Sicherheit erwähnt hätte.

Hinsichtlich  der  Vermutung  des  Rechtsvertreters,  das  Urteil  stelle  ein 
Komplott  gegen  den  Beschwerdeführer  dar,  namentlich  dass  hinter 
dessen  Versand  ein  türkischer  Sicherheitsdienst  stecken  müsse,  stellt 
sich die Frage, woher dieser Sicherheitsdienst gewusst haben soll, dass 
sich  der  Beschwerdeführer  derzeit  in  der  Transitzone  des  Flughafens 
Zürich  aufhält.  Aus  diesem  Grund  erscheint  diese  Anschauung  nicht 
nachvollziehbar. 

5.4.  In  der  Beschwerdeschrift  wurde  ferner  ausgeführt,  dass  ein  Onkel 
des Beschwerdeführers als Flüchtling in England lebe, weshalb auch eine 
Gefährdung  seines  Lebens  aufgrund  einer  Reflexverfolgung  nicht 
auszuschliessen sei.

5.4.1.  Unter  Reflexverfolgung  versteht  man  behördliche  Belästigungen 
oder Behelligungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes, dass die 
Behörden  einer  gesuchten,  politisch  unbequemen  Person  nicht  habhaft 
werden  oder  schlechthin  von  deren  politischer  Exponiertheit  auf  eine 
solche  auch  bei  Angehörigen  schliessen.  Der  Zweck  einer  solchen 
Reflexverfolgung  kann  insbesondere  darin  liegen,  Informationen  über 
effektiv gesuchte Personen zu erlangen, beziehungsweise Geständnisse 
von  Inhaftierten  zu  erzwingen.  (vgl.  MARIO  GATTIKER,  Das  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren,  3. Aufl.,  Bern  1999,  S. 72 f.  und  77 f.;  WALTER 
KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990, 
S. 137 f. und S. 144 ff.).

5.4.2. Aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  ergibt  sich,  dass  ein 
Onkel väterlicherseits des Beschwerdeführers in England als anerkannter 

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Flüchtling lebt (vgl. Protokoll zur Befragung vom 29. Oktober 2011, S. 8); 
weitere  Aussagen  zu  diesem  Onkel  oder  gar  zu  einer  möglichen 
Reflexverfolgung sind in den Protokollen nicht ersichtlich. Es erübrigt sich 
daher,  sich  mit  den  vorgebrachten  Vermutungen  näher 
auseinanderzusetzen.

5.5. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Asylvorbringen 
nicht  im Sinne von Art. 3 AsylG  relevant sind. Ob die Schilderungen als 
glaubhaft einzustufen sind, kann vorliegend offen gelassen werden.

6.  

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

7. 

7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

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den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in die Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im 

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Heimatstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt 
klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 
Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Dem  BFM  ist  in  seiner  Einschätzung  zuzustimmen,  dass  weder  die 
herrschende politische Situation noch andere  individuelle Gründe gegen 
die Zumutbarkeit  der Rückführung des Beschwerdeführers  in  die Türkei 
sprechen, da er jung und gesund ist und über ein breites familiäres Netz 
verfügt.  In  der Beschwerdeschrift wurde  dem nichts  entgegen gehalten. 
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12),  weshalb  der  Vollzug  der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 

9.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom 

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21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der 
Gesuchseinreichung  nicht  aussichtslos  erscheint.  Da  die 
Gewinnaussichten  im  vorliegenden  Fall  beträchtlich  geringer  waren  als 
die  Verlustgefahren,  muss  die  Beschwerde  als  aussichtslos  bezeichnet 
werden.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Prozessführung  im  Sinne  von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher abzuweisen. 

9.2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung  im Sinne von 
Art. 65  Abs. 2  VwVG  ist  mangels  Erfüllung  der  Voraussetzungen  von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe

Versand: