# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36b645a3-fd7f-5e9e-bc5c-e1c813c64591
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2021 F-5236/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5236-2021_2021-12-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5236/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  D e z e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier;   

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren (…), 

Afghanistan,  

BAZ Brugg, Ländistrasse 47, 5200 Brugg AG,   

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 25. November 2021 / (…). 

 

 

 

F-5236/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 4. November 2021 im Bundesasylzent-

rum Bern ein Asylgesuch ein. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Infor-

mationssystem (CS-VIS) ergab, dass die polnische Vertretung in Ankara 

ihm am 21. September 2021 ein vom 30. September 2021 bis 28. März 

2022 gültiges Schengenvisum ausgestellt hatte (vgl. Akten der Vorinstanz 

[SEM act.] 6). 

B.  

Am 8. November 2021 ersuchte das SEM die polnischen Behörden um 

Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 2 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

C.  

Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-

führer am 19. November 2021 im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertre-

tung das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Polens für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dort-

hin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei erklärte er, über das 

polnische Asylsystem recherchiert zu haben. Die Bedingungen für Asylsu-

chende und Flüchtlinge in diesem Land seien allgemein nicht gut und die 

Verfahren dauerten sehr lange. Die Flüchtlinge würden generell nicht gut 

behandelt und die Polizei gehe nicht anständig und korrekt mit ihnen um. 

Aus diesem Grund habe er in Polen nicht um Asyl nachgesucht. Seine Er-

kenntnisse beruhten auf Angaben von Landsleuten und eigenen Internet-

Recherchen. Ausserdem habe er dort Sachen beobachtet und gesehen, 

zum Beispiel wie die Polizei mit anderen umgehe. Einmal sei auch er selber 

von der Polizei auf unmenschliche Art und Weise angehalten und ange-

schaut worden. Anschliessend habe es eine Kontrolle mit Leibesvisitation 

gegeben. Vermutlich weil er anders aussehe als die Leute in Polen, sei er 

auf diese Art und Weise behandelt worden. Danach habe er kein gutes 

Gefühl mehr verspürt und sich psychisch nicht mehr wohl gefühlt. Zum Ge-

sundheitszustand gab der Beschwerdeführer an, dass es ihm gut gehe und 

an nichts fehle. Auch psychisch gehe es ihm gut (SEM act. 20). 

F-5236/2021 

Seite 3 

D.  

Die polnischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am 24. No-

vember 2021 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO zu (SEM act. 22). 

E.  

Mit Verfügung vom 25. November 2021 (eröffnet am 26. November 2021) 

trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 

142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte 

seine Überstellung nach Polen und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag 

nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das 

SEM den Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem 

Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 

aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid 

keine aufschiebende Wirkung zukomme (SEM act. 24). 

F.  

Mit Rechtsmitteleingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. Dezem-

ber 2021 beantragt der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihre Pflicht oder ihr Recht zum 

Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für zu-

ständig zu erklären; eventualiter sei die angefochtene Verfügung zu kas-

sieren und die Angelegenheit zur erneuten Sachverhaltsabklärung und 

Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht ersucht er um Erlass vorsorglicher Massnahmen, Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses (BVGer act. 1). 

G.  

Am 2. Dezember 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der 

Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus (BVGer 

act. 2). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

F-5236/2021 

Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-

diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und 

Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

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Seite 5 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall 

eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-

tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten 

Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-

punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-

über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

4.3 Gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO ist im Normalfall derjenige Mit-

gliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zustän-

dig, welcher der antragstellenden Person ein Visum erteilt hat, das seit we-

niger als sechs Monaten abgelaufen ist, wobei im betreffenden Staat nicht 

zusätzlich ein Asylgesuch gestellt worden zu sein braucht. Der nach der 

Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, eine asylsuchende 

Person, die in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach 

Massgabe der Artikel 21, 22 und 29 aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a 

Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht 

ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 

2010/45 E. 8.3) 

5.  

5.1 Gemäss einem Abgleich mit dem CS-VIS erhielt der Beschwerdeführer 

von der polnischen Vertretung in Ankara am 21. September 2021 ein 

Schengenvisum ausgestellt, welches vom 30. September 2021 bis 

28. März 2022 gültig ist. Der Betroffene trug seinen afghanischen Reise-

pass mit dem Schengenvisum bei der Ankunft in die Schweiz auf sich. Da-

raus ging hervor, dass er am 30. September 2021 in Polen eingereist war 

(SEM act. 17). Die polnischen Behörden hiessen ein entsprechendes Über-

nahmeersuchen am 8. November 2021 gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-

III-VO gut. Die grundsätzliche Zuständigkeit Polens ist somit gegeben und 

wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten.  

5.2 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu 

prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren 

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Seite 6 

und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Polen würden syste-

mische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen  

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden (E. 6) und ob nach Art. 17 Abs. 1 

Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist (E. 7). 

6.  

6.1 Polen ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie), ergeben. Es gibt keine wesentlichen Gründe für die An-

nahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsu-

chende in Polen würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine 

Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne 

des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden. 

6.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert. Erweist sich die Überstellung einer asylsuchenden Person in 

einen Dublin-Mitgliedstaat als unzulässig im Sinne der EMRK oder einer 

anderen die Schweiz bindenden, völkerrechtlichen Bestimmung, muss die 

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Vorinstanz die Souveränitätsklausel anwenden und das Asylgesuch in der 

Schweiz behandeln (BVGE 2015/9 E. 8.2.1; 2010/45 E. 7.2).  

7.2 In der Rechtsmitteleingabe vom 2. Dezember 2021 macht der Be-

schwerdeführer unter Wiedergabe von Passagen aus einem Bericht von 

AIDA (Asylum Information Database) geltend, dass der Zugang zum Ho-

heitsgebiet Polens für Asylsuchende mittels illegaler Praktiken erschwert 

werde und im dortigen Asylverfahren systematische Unregelmässigkeiten 

vorkämen. In Polen sei ihm kein faires Asylverfahren garantiert und er habe 

in diesem Land alles andere als eine geeignete und würdige Unterbringung 

zu erwarten. Auch er selber habe in Polen eine unwürdige, unmenschliche 

Behandlung erfahren und sei von der Polizei erniedrigt worden. Hierzu gilt 

es vorweg anzumerken, dass es dem Beschwerdeführer nach erfolgter 

Überstellung in Polen offensteht, dort um Asyl nachzusuchen und damit 

Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Der Be-

troffene hat in diesem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaftes Ri-

siko dargetan, die dortigen Behörden würden sich weigern, ihn wiederauf-

zunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung 

der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch 

keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Polen werde in seinem Fall 

den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in 

ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus 

einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr 

laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Die 

Vermutung, Polen halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen ein, kann 

im Einzelfall widerlegt werden. Wie eben erwähnt, bedarf es hierfür aber 

konkreter und ernsthafter Hinweise. Dies gelingt dem Beschwerdeführer, 

der in Polen gar nicht erst um Asyl nachgesucht hat, sondern mit einem 

Schengenvisum ganz legal in besagtes Land eingereist ist, mit seinen Ver-

weisen auf den nicht einzelfallbezogenen Bericht von AIDA indes nicht.  

7.3 Des Weiteren gibt es auch keine Hinweise für die Annahme, Polen 

würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtli-

nie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer 

allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich nötigenfalls an 

die polnischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebe-

dingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung denn davon 

aus, dass das polnische Asylverfahren keine relevanten (strukturellen) De-

fizite aufweist, Asylsuchende die von der Aufnahmerichtlinie garantierten 

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Grundleistungen erhalten und dort keine unmenschliche oder entwürdi-

gende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK bzw. Art. 4 der Grund-

rechtecharta zu befürchten haben (vgl. etwa Urteile des BVGer                      

D-3638/2021 vom 17. August 2021 S. 6 – 8, F-1287/2020 vom 3. Septem-

ber 2020 E. 6.1 oder F-3666/2020 vom 23. Juli 2020 E. 5). Die pauschale 

Kritik des Beschwerdeführers am polnischen Asylsystem vermag daran, 

wie dargetan, nichts zu ändern.       

7.4 Was den medizinischen Sachverhalt angeht, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Ein 

solcher würde voraussetzen, dass eine bereits schwer kranke Person 

durch die Abschiebung mit dem realen Risiko konfrontiert würde, einer 

ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden  

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). 

7.5 Eine solche Situation liegt nicht vor. Der Beschwerdeführer gab anläss-

lich des Dublin-Gesprächs vom 19. November 2021 an, dass es ihm gut 

gehe und an nichts fehle. Einzig in Polen habe er sich psychisch vorüber-

gehend nicht wohl gefühlt (SEM act. 20). Auf Beschwerdeebene schob er 

nach, seit seinem Aufenthalt in Polen bekunde er psychische Probleme. 

Medizinische Betreuung benötigte er in der Schweiz deswegen nicht. Un-

abhängig davon leidet der Beschwerdeführer jedoch nicht an gesundheitli-

chen Beschwerden, die einer Überstellung nach Polen im Sinne der oben 

zitierten Rechtsprechung entgegenstünden. Im Übrigen verfügt dieses 

Land über eine ausreichende medizinische Infrastruktur. Die Mitgliedstaa-

ten sind verpflichtet, den Antragstellenden die erforderliche medizinische 

Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-

liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen 

umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Es lie-

gen keine Hinweise vor, wonach Polen dem Beschwerdeführer eine adä-

quate medizinische Behandlung verweigern würde (vgl. beispielsweise Ur-

teile des BVGer E-4222/2021 vom 29. September 2021 E. 8.1 oder  

D-3638/2021 S. 8). 

8.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei der 

Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum 

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Seite 9 

(vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem 

Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hin-

weise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unter-

schreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb 

in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

9.  

Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermes-

sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Polen der für die Be-

handlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mitglied-

staat gemäss Dublin-III-VO. 

10.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er 

nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung 

ist, wurde die Überstellung nach Polen in Anwendung von Art. 44 AsylG 

ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

11.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

12.  

Der am 2. Dezember 2021 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegen-

dem Urteil dahin. 

13.  

Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Er-

wägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die Vor-

aussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Die Verfahrens-

kosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

 

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Seite 11 

Zustellung erfolgt an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)  

– das SEM, Bundesasylzentrum Brugg    

– das Migrationsamt des Kantons Zürich (in Kopie)