# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ba5eb11-f2f4-5dbb-83a7-68ca5bbd65c8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-21
**Language:** de
**Title:** Abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, da ein invalidisierender Gesundheitsschaden aus rechtlicher Sicht nicht ausgewiesen ist, Abweisung. (BGE 9C_792/2015)
**Docket/Reference:** IV.2014.00271
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00271.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00271
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiber Sager
Urteil
vom
21. August 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
Christe
& Isler Rechtsanwälte
Obergasse 32, Postfach 1663, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1959,
war
von Juni bis Dezember 2011
bei der
Y.___
GmbH
als
Mitarbeiter Fassadenisolation
tätig
(
Urk.
6/21)
.
Unter Hinweis auf
eine nicht näher bezeichnete gesundheitliche Beeinträchtigung meldete sich
der
Versicherte am 2
7.
August 2012 bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
be
zug
an (
Urk.
6/12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten de
s
Kran
ken
taggeldversicher
ers
bei (
Urk.
6/14,
Urk.
6/31) und holte ein psychiatri
sches Gut
achten ein, das am
2
2.
Mai 2013
erstattet wurde (
Urk.
6/26
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/37
;
Urk.
6/42
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
3
0.
Januar 2014
einen Rentenanspruch (
Urk.
6/44
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte
erhob am
5.
März 2014
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
3
0.
Januar 2014
(
Urk.
2) und beantragte, es sei
ihm
eine
Dreiviertelsrente
zu
zu
sprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
3.
April 2014
(
Urk.
5
) die
Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2
0.
Mai 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähig
keit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
ge
n der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen
der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das
Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen
ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätig
keit auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbs
un
fähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, w
elche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das
heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men
,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
ba
ren Un
ter
lagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
ni
sche These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf all
sei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksich
tigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begrün
det sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
gestützt
auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass
beim Beschwerdeführer kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege und verneinte einen An
spruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung.
2.2
Der Beschwerdeführer
machte
beschwerdeweise (
Urk.
1)
im Wesentlichen
geltend,
gestützt auf das Gutachte
n
von
Dr.
Z.___
, welches eine
chronifizierte
depres
sive
Erkrankung bestätige, sei von einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 50
%
auszugehen (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers verhält und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden verneint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in
seiner Stellungnahme vom
7.
Februar 2012 (
Urk.
6/14/16-18) zuhanden des
Kran
ken
taggeldversicher
ers
als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Dazu hielt er fest, dass der Be
schwer
deführer deutliche depressive Symptome mit Niedergeschlagenheit,
An
triebsar
mut
, Freudlosigkeit, allgemeinem Desinteresse und starkem sozialem Rück
zug zeige (S. 17 oben). Ziel der Therapie sei eine Verbesserung der depres
siven Symp
tomatik. Unter medikamentöser Behandlung habe eine leichte Ver
besserung er
reicht werden können. Der Beschwerdeführer sei aktuell nicht ar
beitsfähig.
Innert
Monatsfrist könne jedoch eventuell mit einer Steigerung auf 50
%
gerechnet werden (S. 17 unten).
3.2
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte
in ihrem
Gutachten
vom
8.
Januar 2013
im Auftrag des
Krankentag
geld
ver
sicherers
(
Urk.
6/31/24-34) als Diagnose eine Anpassungsstörung mit längerer
de
pressiver Reaktion (ICD-10 F43.21). Dazu führte sie aus, dass die diagnos
ti
sche
Einschätzung des psychi
schen Leidens des Beschwerdeführers eindeutig möglich sei (S.
7
oben).
Dr.
B.___
führte unter anderem aus, eine Therapiemotivation sei beim Be
schwer
deführer nicht
eruierbar
(S. 6 unten)
, es komme jeweils monatlich zu Ge
sprächen mit dem behandelnden Psychiater. Dr.
A.___
gehe
gemäss
telefonischer Auskunft vom 8. Januar 2013 nach wie vor davon aus, dass das Zustandsbild des Beschwer
de
führers unter adäquater Behandlung,
einschliesslich
Medikation, weiter besse
rungs
fähig sei (S. 5 oben).
Der Beschwerdeführer empfinde es als selbstverständlich und stimmig, dass er
nach einem Bewusstseinsverlust und im Alter von 53 Jahren nicht mehr arbei
ten
müsse und sein Sohn und die Schwiegertochter für ihn sorg
t
en. Diese kultu
rellen
Faktoren
würden
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im fehlenden
degressi
ven Verlauf der Störung
eine Rolle
spielen
. Sie führte weiter aus, dass die
nur leichte Ausprägung der Depressivität, der geringe Leidensdruck und der zeit
liche
und subjektiv erlebte Zusammenhang zwischen dem psychischen Leiden und den
äusseren Faktoren sowie die schlechte Compliance mit der medika
men
tösen Be
handlung gegen die Diagnose einer eigenständigen affektiven Erkran
kung und somit gegen eine depressive Episode spreche (S.
7
Mitte).
Sie hielt ausser
dem fest, dass sich der Beschwerdeführer nur teilweise der psy
chiatrischen Be
handlung unterziehe und die laufende psychiatrische Behand
lung
als
subopti
mal
zu bezeichnen sei. Der Beschwerdeführer nehme das vom be
han
delnden Psychiater verordnete Antidepressivum nicht mehr ein, konsumiere je
doch eine höhere als verordnete Dosis an Benzodiazepinen
(S. 9 unten)
.
In der ange
stammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aktuell zu 50
%
arbeits
fähig (S.
9 Ziff.
9.2
). Aus psychiatrischer Sicht seien dem Beschwerdeführer täg
lich 6 Arbeits
stunden zumutbar
(S.
9 Ziff.
9.3)
.
Abschliessend
führte
Dr.
B.___
aus, dass medizinisch-the
oretisch davon ausgegangen werden könne, dass das Zustandsbild unter adä
quater psychiatrischer Behandlung innerhalb von drei Monaten soweit besse
rungsfähig sei, dass eine 100%ige Arbeitsfähigk
eit erreicht werden könne (S. 10 Ziff. 10.2
).
3.
3
Dr.
A.___
nannte in seinem Bericht vom
9.
Januar 2013 (
Urk.
6/22) als Diagnose
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom seit Frühling 2011
und führte dazu aus, seit Frühling 2011 bestehe eine zunehmende de
pres
sive Entwicklung mit sozialem Rückzug, Grübeln, Freudlosigkeit und
An
triebs
ar
mut
(
Ziff.
1.4). Konsultationen würden alle 2 bis 4 Wochen erfolgen (
Ziff.
1.5). Der Beschwerdeführer sei seit November 2011 und bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Die Prognose sei unsicher, mit einer Wieder
aufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet wer
den (
Ziff.
1.9).
3.
4
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 1
4.
Januar 2013 (
Urk.
6/
23) als Diagnose eine depressive Entwick
lung mit somatischem Syndrom, ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyn
drom
, einen Status nach Unterlappenpneumonie links im Oktober 2012 sowie
einen Verdacht auf erstmaligen epileptischen Anfall am 1
7.
Dezember 2010 (EEG
initial und auch im Verlauf jedoch unauffällig, seither anfallsfreier Ver
lauf, keine
Medikation). Dazu hielt er fest, seit Anfang 2011 sei es zunehmend zu einer depressiven Entwicklung mit Ein- und Durchschlafstörungen und Alb
träumen gekommen
,
und verwies hierzu auf die Behandlung bei
Dr.
A.___
. Aufgrund der psychischen Situation seien zurzeit keinerlei Tätig
keiten zumutbar.
3.
5
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
i
n
seinem
Gutachten
vom 2
2.
Mai 2013
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/26)
als Diagnose eine de
pressive Entwicklung, aktuell
chronifizierte
,
mit
telgradige agitierte depressive Episode (ICD-10 F32.1), ein chronisches
Schmerz
syndrom
sowie den Verdacht auf Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.24). Zu der Diagnose des
chroni
schen
Schmerzsyndroms fügte er an, dass der Haus
arzt ein
lumbovertebrales
Syndrom diagnostiziert habe
,
zu vermuten sei
eine zu
sätz
liche
somatoforme
Schmerzkomponente (S. 9).
Ungünstig sei, dass der Beschwer
deführer die psychiatrische Medikation ohne Rücksprache mit dem behan
deln
den Psychiater selbständig abgesetzt habe. Aufgrund des aktuellen psy
chopa
thologischen Befundes sei der Beschwerdeführer medizinisch-theore
tisch für eine adaptierte Tätigkeit am Boden zu 50
%
arbeitsfähig (S. 10 oben).
3.
6
Dr.
C.___
führte in seiner Stellungnahme vom
7.
Oktober 2013 (
Urk.
6/29) aus, die Diagnose des chronischen
lumbovertebralen
Schmerzsyn
droms
stütze sich auf
die eigene klinische Untersuchung mit
Bewegungsein
schränkungen
der lumbalen
Wirbelsäule (Finger Boden Abstand 20 cm, schmerzhafte
Reklination
und Seiten
bewegungen mit zirka 30%iger
Bewe
gungseinschränkung
,
Klopfdolenz
lumbo
sa
kral
, keine sensomotorischen Aus
fälle). Im MRI vom 1
7.
Februar 2009 seien
degenerative Veränderungen nach
gewiesen worden.
Seither hätten sich keine neu
rologischen Ausfälle gezeigt. Be
züglich der Rückenbeschwerden seien mittel
s
chwere und schwere Tätigkeiten nicht durchführbar, leichte körperliche Arbeit wäre hingegen seiner Ansicht nach möglich.
4.
4.1
S
treitig
und zu prüfen ist, ob es sich bei der psychischen Erkrankung des Be
schwerdeführers um ein dauerhaftes, invalidisierendes Leiden handelt. Dabei ist
vorauszuschicken
, dass die Beurteilung, ob ein invalidisierender
Gesundheits
scha
den
vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärz
ten, sondern den rechtsanwendenden Behörden obliegt (BGE 140 V 193 E.
3.1 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008 E.
3.3.1).
Hierbei ist
zu beachten, dass ärztliche Gutachten und Berichte zwar zur Arbeitsfähigkeit
Stellung zu nehmen haben und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für
die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen bilden, es jedoch letzt
lich der rechtsanwendenden Behörde – der Verwaltung, oder im Streitfall, dem Gericht – obliegt, zu beurteilen, ob
eine Invalidität im Rechtssinne und
beja
hen
denfalls eine solche rentenbegründender Art eingetreten ist.
4.2
Rechtsprechungsgemäss
zählen depressive Störungen nicht zu den unklaren
Be
schwerdebil
dern
. Das Bundesgericht hielt im
Urteil 9C_856/2013 vom 8. Okto
ber
2014 in Erwägung 5.2 fest, dass die Rechtsprechung zu den
patho
genetisch-
ätio
logisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweis
bare orga
ni
sche Grundlage nicht zur Anwendung gelange, sofern davon ausge
gangen werde
, dass
ausschliesslich
eine rezidivierende depressive Störung vor
liege oder zumin
dest dieses Leiden gegenüber einer allfälligen Schmerzstörung klar im Vorder
grund stehe. Die Frage eines invalidisierenden
Gesundheitsscha
den
beurteile sich
dann vielmehr mit Blick auf die depressive Störung.
Der Beschwerdeführer wendet
daher
zu Recht ein, dass vorliegend kein unklares Beschwerdebild vorliegt und die vom Beschwerdeführer geklagte
Schmerzkom
ponente
bezüglich des
Ausmasses
der Arbeitsunfähigkeit
nicht im Vordergrund steht
(Urk.
1 S.
6 Ziff. 4)
.
In diesem Fall ist - ohne dass die Besonderheiten der
Schmerzrechtspre
chung
zum Zuge kämen
- zu prüfen, wie es sich mit der
in
va
lidisieren
de
n Wirkung der
di
agnostizierten depressiven Erkrankung verhält.
4.3
Laut Bundesgericht ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren de
pressiven Störung nicht schlechthin
auszuschliessen
, indessen bedingt deren An
nahme, dass es sich nicht
bloss
um eine Begleiterscheinung einer
Schmerz
krankheit
, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom los
gelöstes depressives Leiden handelt und dass eine konsequente
Depressions
the
ra
pie
befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des
Bundesgerichts 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2). Zumindest bei mittel
schweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht
dies
regelmässig
(Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E.
4.2,
8C_98/2013 vom 4. Juli 2013 E. 3.3.1). Zudem gelten leichte bis höchs
tens mittel
schwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grund
sätzlich als therapeutisch
angehbar
(vgl.
Habermeyer
/
Venzlaff
, Affektive Stö
rungen, in: Psychiatrische Begutachtung, 5. Aufl.
2009, S. 193; SVR 2012 IV Nr.
18 = 9C_418/2010 E. 5.3.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_736/2011 vom 7. Febru
ar 2012 E. 4.2.2.1).
In diesem Zusammenhang ist
festzuhalten, dass es sich bei der von Dr.
A.___
(vor
st
ehend E.
3.
1
und
3.3
) und
Dr.
Z.___
(vor
st
ehend E. 3.
5
) genannten Diagnose ei
ner mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1)
definitionsgemäss
um
ein vorübergehendes Leiden handelt. Solche Episoden dauern im Mittel etwa sechs
Monate, selten länger als ein Jahr. Länger dauernde Störungen sind unter einer anderen Codierung zu subsumieren (Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2011 vom 14. Juni 2011 E. 6.3.2 mit Hinweis auf Urteil I 152/05 vom 23. Mai 2006 E. 3.3).
Vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Selbsteingliederungs- und
Schaden
min
derungspflicht
ist
ebenfalls
zu berücksichtigen, dass ein Rentenan
spruch grund
sätzlich nicht entstehen kann, solange zumutbare therapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine
tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation
bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbesserung des (psychi
schen)
Gesundheitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeits
fähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender
Gesundheits
schaden
im Sinne des Gesetzes vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_947/2012 vom 19. Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis).
4.4
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass
sich beim
Beschwerdeführer
in den Monaten nach
einem
unklaren
Bewusstseinsverlust Ende 2010
psychische
Beschwerden entwickelt haben und
er
seither in psychiatrische
r
Behandlung steht
.
Dem
Bericht von
Dr.
A.___
vom
7.
Februar 2012 (vorstehend E.
3.1
)
kurz nach
Behandlungsbeginn
lässt sich
entnehmen
, dass unter der medikamentösen Behandlung eine leichte Verbesserung der Symptomatik erreicht werden konnte und mit einer weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne.
Daraus ist zu
schliessen
, dass es sich bei der von
Dr.
A.___
diagnostizierten de
pressiven Episode um ein
e
therapeutisch
angehbare
Reaktion a
uf bestimmte belastende Lebensereignisse handelt.
Sodann
wurden
die zumutbaren
Behandlungsmöglich
keiten
in der Folge
nicht
kon
sequent ausgeschöpft.
Dr.
A.___
äusserte
sich
in seinem Bericht vom
9.
Januar
2013 (vorstehend E.
3.
3
)
dahin
gehend
, dass der Beschwerdeführer
alle 2 bis 4 Wochen zu Konsultationen er
scheine.
So stellte auch
Dr.
Z.___
(vorstehend E.
3.
5
)
in seiner Untersuchung
fest, dass der Beschwerdeführer die psychia
tri
sche Medikation ohne Rückspra
che selbständig abgesetzt habe.
Auch
Dr.
B.___
hielt
in
ihrer
abschliessenden
Beurteilung
fest, dass medizinisch-theoretisch da
von ausgegangen werden könne, dass
das Zustandsbild
unter adäquater psy
chia
trischer Behandlung in
nerhalb von drei Monaten soweit besserungsfähig
sei, dass eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit erreicht werden könne
(vorstehend E. 3.2)
.
Der vorliegende
Behandlungsryth
mus
spricht gegen einen erheblichen
Leidens
druck
.
Zumindest
muss davon ausgegangen werden, dass dieser nicht derart aus
geprägt ist, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers davon erheblich und
dauerhaft eingeschränkt wird.
Die
zumutbaren therapeutischen und
scha
den
mindernden
Vorkehren
sind
gestützt auf die medizinischen Akten
nicht aus
ge
schöpft, womit es an einer adäquaten und
konsequenten Depress
ionstherapie fehlt
, deren Scheitern das Leiden im Sinne der Rechtsprechung als resistent
und in diesem Sinne als invalidisierend
ausweisen würde (
vgl.
Urteil des Bundesge
richts 9C_667/2013 vom 2
9.
April 2014 E. 4.3.2).
Entgegen der Ansicht des Be
schwerdeführers kann b
ei einer
unter
adäquater psychiatrischer Behandlung zu erwartenden
deutlichen Besserung des Zustandsbildes kaum von einer
Chronifi
zierung
ausgegangen
werden.
4.5
Für die Annahme einer fehlenden
invalidisierende
n
Wirkung des
psychischen
Gesundheitszustands spricht
ausserdem
, dass
Dr.
B.___
in nachvollziehbarer und
plausibler
Weise ausführt,
dass die leichte Ausprägung der Depressivität, der geringe Leidensdruck und der zeitlich und subjektiv erlebte Zusammenhang
zwi
schen dem psychischen Leiden und den
äusseren
Faktoren, sowie die schlech
te
Compliance mit der medikamentösen Behandlung
,
gegen eine eigen
ständige affek
tive Erkrankung
, mithin
gegen die
Diagnose
einer depressiven Episode
spreche (vorstehend E.
3.
2
).
Selbst
Dr.
A.___
äusserte
sich
gegenüber
Dr.
B.___
am
8.
Januar 2013
dahingehend, dass er den Beschwerdeführer in letzter Zeit nicht mehr wesentlich depressiv erlebe.
Dass
Dr.
A.___
in seinem Be
richt
vom
9.
Januar 2013
(vorstehend E. 3.
3
)
zuhanden
der Beschwerdegegnerin einen Tag nach dieser
telefonischen Aussage
trotzdem
eine
vollständige Ar
beitsunfähig
keit
attestierte
und sich zum besserungsfähigen Zustand
aus
schwieg
,
ist nicht nachvollziehbar und wohl da
hingehend zu werten, dass
er
seine Beurteilung - soweit medizinisch irgendwie vertretbar - mit der Selbstein
schätz
ung des Be
schwerdeführers in Einklang zu bringen versucht
e
und - aus Rück
sicht auf das Vertrauensverhältnis - bei der Bewertung der krankheitsbedingten Einschrän
kung
en dessen subjektiven Angaben folgt
e
.
Das
Bundesgericht
hat
diesbezüglich
i
m zur Publikation vorgesehenen Urteil
9C_492/2014
in Erwägung 3.7.1
festgehalten
, dass medizinisch-psy
chiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -limitierungen, wie sie, gerichts
no
torisch, ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden - wobei erst noch häufig gar keine konsequente Behandlung stattfindet -, auch künftig nicht als invali
di
sie
rende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen
sind
.
4.6
Gegen einen invalidisierenden
psychischen
Gesundheitsschaden spricht
schliess
lich
auch, dass es sich beim Beschwerdebild offenbar um einen auf belastende psychosoziale Faktoren zurückzuführenden Befund handelt.
Dabei gilt es zu be
achten, dass
bei
durch Ärzte oder Gutachter erhobene
n
Befunde
n
, welche in den
psy
chosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung fin
den,
gleichsam in ihnen aufgehen, kein invalidisierender psychischer
Gesund
heitsschaden
gegeben ist (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299).
Der Beschwerdeführer
nannte
im Rahmen der Untersuchung
bei
Dr.
B.___
als Krankheitskonzept sein
Alter, den
erlittenen
Bewusstseinsverlust sowie
den
Verlust der Arbeitsstelle nach
Verkauf der Firma. Dies alles seien seiner Meinung nach genug Gründe, dass es ihm nicht gut gehe und er nicht mehr arbeiten könne
. Er erachte es oh
nehin als selbstverständlich, dass sein Sohn und die Schwiegertochter für ihn sorgen
(
vor
stehend E. 3.2
).
Hierbei handelt es sich um ausgeprägte psychosozi
ale Faktoren,
die das Beschwerdebild
weitgehend
bestimmen. Zu diesen kultu
rellen Faktoren hielt
Dr.
B.___
treffend
fest, dass diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im fehlenden degressiven Verlauf der Störung eine Rolle spielen würden
(
vor
steh
end E.
3.2
)
. Folglich ist die depressive Symptomatik als auch deren
Verlauf
durch diese Faktoren geprägt und lässt sich
ohne weiteres
damit erklären.
Von
einem invalidisierenden Gesundheitsschaden kann unter diesen
Umständen
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
nicht
gesprochen
werden
.
5.
Nach dem Gesagten bleibt kein Raum für die Annahme eines invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich,
dass
dem Beschwerdeführer die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sozial-prak
tisc
h nicht mehr zumutbar sein beziehungswei
se das depressive Beschwerdebild
nicht über
windbar sein soll (vgl.
E.
1.2). Bei objektiver Betrachtung ist vom Be
schwerde
füh
rer
forderbar
, dass er seine Arbeitsfähigkeit vollumfänglich ver
wer
tet.
In diesem Sinne ist auch
die Einschätzung von
Dr.
Z.___
(vorstehend E.
3.5
)
im Rah
men der invalidenversicherungsrechtlichen
Leistungszusprache
nicht zu be
rück
sichtigen
.
I
n somatischer Hinsicht
ist festzuhalten, dass Dr.
C.___
- zumal er dabei sein Fachgebiet der Allgemeinmedizin verliess - seine Einschätzung, wonach dem Beschwerdeführer aufgrund der Rückenbeschwerden nur noch leichte Tätig
kei
ten zumutbar seien, nicht schlüssig begründete, insbesondere da es sich bei dem von ihm festgestellten Finger-Boden-Abstand von 20 cm, der schmerzhaften
Re
kli
nation
und Seitenbewegung mit etwa 30%iger Bewegungseinschränkung
und der
lumbosakralen
Klopfdolenz
nicht um gravierende Einschränkungen han
deln dürfte. Die bildgebende Untersuchung vom 17. Februar 2009 ergab denn auch unauffällige Befunde (Urk. 6/29/2-3). Auch diesbezüglich ist deshalb nicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Die
Beschwerde
gegnerin
hat demnach zu Recht einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
erlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Daniel
Christe
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannSager