# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0564827a-c3b5-5a5c-9c31-c49ff1bd556c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.12.2010 D-5888/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5888-2010_2010-12-14.pdf

## Full Text

Bundesverwaltungsgericht

Tribunal administratif fédéral

Tribunale amministrativo federale

Tribunal administrativ federal

Abteilung IV
D-5888/2010

Urteil vom 14. Dezember 2010

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérald Bovier,   
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

Parteien A._______, geboren (xx.xx.1992), alias,
A._______, geboren (xx.xx.1995), alias,
B._______, geboten (xx.xx.1995),
Afghanistan,   
vertreten durch Christian Hoffs, (…)
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz.

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); Verfügung des BFM vom 11. August 2010 / 
N (…).

D-5888/2010

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der aus Afghanistan stammende Beschwerdeführer verliess seinen 
Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im (...) 2009 und gelangte über 
den Iran, die Türkei, Griechenland und Italien am 7. April 2010 in die 
Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 
G._______ ein Asylgesuch einreichte.

A.a Aufgrund einer Abfrage der EURODAC-Datenbank stellte das BFM 
fest, dass der Beschwerdeführer von den griechischen Behörden am (...) 
2009 daktyloskopisch erfasst worden ist. Angesichts seiner Angabe, 1995 
geboren zu sein, und da er keine Identitäts�papiere einreichte, liess das 
Bundesamt eine Knochenaltersanalyse vornehmen. Die radiologische 
Untersuchung des Handskeletts des Beschwerdeführers vom 15. April 
2010 ergab ein Skelettalter von mindestens 19 Jahren.

A.b Anlässlich der summarischen Befragung im EVZ vom 22. April 2010 
gab der Beschwerdeführer an, er sei zusammen mit seinen Eltern und 
drei Geschwistern aus dem Heimatland bis nach Griechen�land gereist. 
Seine Familienangehörigen seien nach mehrwöchigem Aufenthalt in 
Griechenland wegen beschränkter Platzverhältnisse ohne ihn in die 
Schweiz weitergereist, während ihm die Weiterreise erst nach mehreren 
Monaten gelungen sei. In Bezug auf sein Alter führte der 
Beschwerdeführer aus, er sei im (...) geboren, den Tag wisse er nicht. Er 
sei jünger als seine 18-jährige Schwester C._______. Im Rahmen des 
dem Beschwerdeführer gleichentags gewährten rechtlichen Gehörs zum 
Ergebnis der Knochenaltersanalyse einerseits sowie einer allfälligen 
Wegweisung nach Griechenland anderseits führte er aus, er werde seine 
Taskara einreichen, um sein Alter zu belegen. Griechenland sei kein 
geeignetes Land für Flüchtlinge, er würde auf der Strasse landen. 
Ausserdem sei seine Familie (separates Verfahren N [...]: Anmerkung des 
Gerichts) hier in der Schweiz.

A.c Mit Verfügung vom 6. Mai 2010 wies das BFM den 
Beschwerde�führer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton 
D._______ zu.

A.d Am 20. Mai 2010 stellte das Bundesamt gestützt auf den EURODAC-
Treffer und die Aussagen des Beschwerdeführers an Griechenland ein 
Ersuchen um dessen Übernahme, welches un�beantwortet blieb.

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Seite 3

B. 
Mit Verfügung vom 11. August 2010 – eröffnet am 13. August 2010 – trat 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers 
nicht ein und wies ihn nach Griechenland weg. Der Beschwerdeführer 
wurde aufgefordert, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der 
Beschwerdefrist zu verlassen, und der Kanton D._______ wurde mit dem 
Vollzug der Wegweisung beauftragt. Schliesslich hielt die Vorinstanz fest, 
dass einer allfälligen Beschwerde gegen die Verfügung keine 
aufschiebende Wirkung zukomme.

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dem Be�schwerdeführer sei es nicht 
gelungen, die vorgebrachte Minderjährig�keit glaubhaft darzulegen. Es müsse somit davon ausgegangen 
werden, dass der Beschwerdeführer volljährig sei. Weiter hielt das BFM fest, der Beschwerdeführer habe 
sich nach eigenen Angaben in Griechenland aufgehalten und es liege ein EURODAC-Treffer in 
Griechenland vom (...) vor. Die Zuständigkeit Griechen�lands für die Durchführung des Asylverfahrens sei 
staatsvertraglich gegeben und angesichts dessen, dass Griechenland auf das Über�nahmeersuchen vom 
20. Mai 2010 nicht geantwortet habe, sei von der Zustimmung Griechenlands zum Übernahmeersuchen 
auszugehen. Die vom Beschwerdeführer erwähnte allgemeine Unterbringungs- und Versorgungssituation 
vermöge weder die Zuständigkeit Griechenlands für die Durchführung des Asylverfahrens noch die 
Zulässigkeit und die Zumutbarkeit seiner Rückkehr dorthin in Frage zu stellen. Beim Be�schwerdeführer 
handle es sich sodann um eine volljährige Person, weshalb der Grundsatz der Einheit der Familie keine 
Anwendung finde.

C. 
Gegen diesen Entscheid des Bundesamtes liess der Beschwerde�führer 
mit Eingabe vom 19. August 2010 – vorab per Telefax vom 20. August 
2010 – durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesver�waltungsgericht 
Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei 
aufzuheben, das Bundesamt sei anzu�weisen, das Recht zum 
Selbsteintritt auszuüben und sich für das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers als zuständig zu erachten. In ver�fahrensrechtlicher 
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt�lichen Rechtspflege 
und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor�schusses. Zudem 
beantragte er, der Beschwerde sei die auf�schiebende Wirkung 
zukommen zu lassen und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von 
einer Überstellung nach Griechenland abzu�sehen, bis das Gericht über 
den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe. Auf die 
Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, 
in den nach�folgenden Erwägungen eingegangen.

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Seite 4

D. 
Am 20. August 2010 verfügte das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf 
Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) die sofortige Aussetzung des 
Wegweisungsvollzuges.

E. 
Mit Zwischenverfügung vom 5. Oktober 2010 erteilte der zuständige 
Instruktionsrichter der Beschwerde die aufschiebende Wirkung und hielt 
fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 
Schweiz abwarten, über das Gesuch um Gewährung der 
unent�geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werde 
zu einem späteren Zeitpunkt befunden und auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses sei zu verzichten. Gleichzeitig wurde der Vor�instanz 
Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung ein�geräumt.

F. 
In seiner Stellungnahme vom 12. Oktober 2010 hielt das Bundesamt fest, 
die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen Erkenntnisse, auf�grund 
welcher das BFM den angefochtenen Entscheid zu widerrufen hätte. Die 
Beschwerde sei abzuweisen.

G. 
Mit Replik vom 16. November 2010 hält der Beschwerdeführer innert 
erstreckter Frist an seinen Beschwerdevorbringen fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungs�gericht 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das Bundes�amt 
für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das 
Sachgebiet betreffende Aus�nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht 
vor. Das Bundesver�waltungsgericht ist daher zuständig für die 
Beurteilung der vor�liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem 
Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundes�gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 
Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung besonders 
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 108 Abs. 2 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2. 
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

In einem Dublin-Entscheid werden die Entscheidungen über die Zuständigkeit und über die Überstellung 
verbunden (siehe Art. 19 Abs. 1 und 2 bzw. Art. 20 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO). Der Rechtsbehelf kann sich 
damit neben der Rüge der Zuständigkeitsentscheidung auch gegen alle mit der Entscheidung verbundene 
Modalitäten der Über�stellung richten; er ist dem Wortlaut und der Systematik der Verordnung nach 
umfassend gewährleistet. Im Beschwerdeverfahren können zumindest Verletzungen objektiven Rechts 
gerügt werden, die auch Individualinteressen berühren bzw. in die menschenrechtlichen Positionen der 
Betroffenen eingreifen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin II-Verordnung, 3., überarb. Aufl., 
Wien/Graz 2010, K9 zu Art. 19, mit Verweis auf Erwägungsgrund 15 der Dublin-II-VO).

3. 
Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn 
Asyl�suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die 
Durch�führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).

Gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 des Abkommens vom 26. Oktober 2004 
zwischen der Schweizerischen Eid�genossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien 
und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder 
in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-Assoziierungsabkommen, SR 0.142.392.689) i.V.m. Art. 29a 
Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfra�gen (AsylV 1, SR 142.311) hat die 
Prüfung der staatsvertraglichen Zuständigkeit zur Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der 
Dublin-II-VO zu erfolgen. Sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat gestellt wurde, wird das 
Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates eingeleitet (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO). Dabei 
sind die Kriterien in der in Kapitel III der Dublin-II-VO genannten Rangfolge anzuwenden, und es ist von der 
Situation auszugehen, die zum Zeitpunkt besteht, in dem der Antragsteller erstmals seinen An�trag in 
einem Mitgliedstaat stellt (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO).

4.  

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4.1. In der Beschwerdeschrift wird zunächst festgehalten, es treffe zu, 
dass der Beschwerdeführer bereits volljährig sei. Er habe sein jüngeres 
Alter aus Angst, von der Familie getrennt behandelt zu werden, 
angegeben. Weiter wird eingewendet, die Familie E._______ sei 
gemeinsam aus Afghanistan geflüchtet und die Trennung sei erst in 
Griechenland erfolgt, wo alle Familienmitglieder mit Fingerabdrücken 
registriert worden seien. Auch wenn der volljährige Beschwerdeführer 
kein Familienangehöriger im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO sei, so 
stelle sich doch die Frage, ob die Trennung eines zwar volljährigen, aber 
dennoch heranwachsenden Jugendlichen von seiner Familie vom 
Gesetzgeber gewollt sei. Dies hätte zur Folge, dass die Familie unter 
Umständen in der Schweiz Asyl erhalte oder eine vorläufige Auf�nahme, 
wohingegen der Beschwerdeführer als Einziger nach Griechenland 
ausgeschafft würde. Gerade für solche Härtefälle werde nach Art. 3 
Abs. 2 Dublin-II-VO dem an sich unzuständigen Staat die Möglichkeit 
eröffnet, formaljuristische Grausamkeiten zu vermeiden. Den Eltern und 
Geschwistern des Beschwerdeführers werde nicht zugemutet, nach 
Griechenland zurückgeschickt zu werden, das BFM habe sich in deren 
Asylverfahren für zuständig erklärt. Die Vorinstanz hätte entsprechend 
auch bezüglich des Beschwerdeführers das Selbsteintrittsrecht ausüben 
müssen.

In einem zweiten Schritt verweist der Beschwerdeführer mit ausführ�licher Begründung auf die derzeitige 
Situation in Griechenland, wonach Asylsuchende – auch Dublin-Rückkehrer – in Griechenland keinen 
effektiven Zugang zu einem fairen Asylverfahren hätten. Überdies liefen Flüchtlinge grosse Gefahr, ohne 
Prüfung ihres Asyl�antrages unter erniedrigenden Bedingungen in Ausschaffungshaft festgehalten und in 
ihr Heimatland zurückgeschickt zu werden. Zudem seien die Lebensbedingungen in Griechenland als 
unmenschlich zu bezeichnen. Es stehe fest, dass in Griechenland fundamentale Menschenrechtsgarantien 
verletzt würden.

4.2. Das BFM entgegnet in der seiner Vernehmlassung, Dublin-
Rück�kehrende würden nach der Überstellung von der Flughafenpolizei 
registriert und aufgefordert, nach Verlassen der Flughafenunterkunft 
einen ihnen vergebenen Termin beim Polizeidirektorat einzuhalten, wo 
das Asylverfahren aufgenommen werde. Sie erhielten von der 
Flug�hafenpolizei ein Dokument, das ihren Aufenthalt legalisiere, bis sie 
sich beim Polizeidirektorat registriert hätten. Dort werde ihnen eine rosa 
Karte (Aufenthaltsbewilligung) ausgestellt und ein Termin für die 
Anhörung festgelegt. Falls die gesuchstellenden  Personen zum 
Zeit�punkt der Registrierung beim Polizeidirektorat obdachlos seien, 
werde ein Verfahren zur Vermittlung von Unterkünften aufgenommen. 

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Zudem hätten die griechischen Behörden hinsichtlich ihres 
Asylverfahrens verschiedene Änderungen beschlossen. Vor diesem 
Hintergrund könne das Bundesamt weder davon ausgehen, dass der 
Beschwerde�führer bei Ankunft von den griechischen Behörden inhaftiert 
werde, noch dass er keinen effektiven Zugang zum griechischen 
Asylver�fahren habe. Ebenso wenig sei davon auszugehen, dass er 
ohne Prüfung seines Asylgesuches in sein Heimatland zurückgeführt 
werde.

Zur familiären Konstellation führte das BFM aus, der Begriff des Familienangehörigen im Sinne der Dublin-
VO sei in Art. 2 Bst. i auf die Kernfamilie beschränkt und beinhalte somit den Ehegatten oder den nicht 
verheirateten Partner und die minderjährigen Kinder. Die Kern�familie müsse zudem bereits im 
Herkunftsstaat bestanden haben und die Minderjährigkeit der Kinder zum Zeitpunkt des Asylgesuches 
gegeben sein. Diese Bedingungen seien im vorliegenden Fall nicht erfüllt.

Schliesslich wies die Vorinstanz darauf hin, beim Selbsteintritt beziehungsweise der Souveränitätsklausel 
handle es sich um eine Kann-Bestimmung und somit um einen Ermessensentscheid und die überwiegende 
Literatur sei sich darüber einig, dass die Anwendung der Souveränitätsklausel eine Ausnahme bleiben 
müsse.

4.3. In seiner Replik lässt der Beschwerdeführer darlegen, er halte 
vollumfänglich an den Beschwerdebegehren fest. Die Schweizerische 
Flüchtlingshilfe (SFH) fordere das BFM nach wie vor auf, bis auf Weiteres 
sämtliche Dublin-Überstellungen nach Griechenland zu stoppen. Zudem 
seien die Äusserungen zur besonderen familiären Konstellation stossend. 
Insbesondere sei unerklärlich, wieso im Fall der anscheinend älteren 
Schwester C._______ kein Dublin-Verfahren durchgeführt 
beziehungsweise dieses abgebrochen worden sei, nicht jedoch im Fall 
des jüngeren Beschwerdeführers. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, 
dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Asylantragsstellung noch 
nicht 18 Jahre alt gewesen sei. Das BFM behandle einen gleichen 
Sachverhalt ungleich. Es mute mehr als zynisch an, dass eines der 
Kinder aus formaljuristischen Überlegungen, die den Sinn und Zweck der 
Verordnung und des Gestaltungsmittels Selbsteintrittsklausel verfehlten, 
in ein Land zurückgeschickt werden solle, das elementare Rechte von 
Flüchtlingen missachte.

5. 

5.1. Vom BFM wird nicht in Zweifel gezogen, dass es sich bei den im 
Verfahren N (...) aufgeführten Personen um die Eltern und Geschwister 

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des Beschwerdeführers handelt. Aus den vom Gericht beigezogenen 
Akten ergibt sich im Weiteren, dass hinsichtlich der Eltern und 
Geschwister kein Dublin-Verfahren durchgeführt wird beziehungsweise 
dieses abgebrochen wurde. Wenn das Bundesamt sodann in seiner 
Vernehmlassung ausführte, die Bedingungen für die Anwendung der 
Bestimmungen über Familienangehörige seien nicht erfüllt (S. 2 unten), 
bezieht sich dies wohl auf die fehlende Minder�jährigkeit des 
Beschwerdeführers und nicht – wie in der Replik angenommen – auf die 
Frage, ob die Familie schon im Herkunftsstaat bestanden habe. Dieses 
Kriterium wird jedenfalls vom Bundesver�waltungsgericht angesichts der 
Aussagen sowohl des Beschwerde�führers als auch seiner Eltern als 
erfüllt betrachtet. Die Ausführungen der Vorinstanz zum Alter des 
Beschwerdeführers stehen sodann im Einklang mit der Rechtsprechung 
des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2009/54 Erw. 3 f., mit Hinweis auf 
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30). Das Gericht sieht deshalb 
– und da der Beschwerde�führer diesbezüglich auch keine konkreten 
Einwendungen vortragen lässt – keinen Anlass, von der Annahme der 
Volljährigkeit abzu�weichen. Nach dem Gesagten ist somit mit dem BFM 
davon auszu�gehen, beim Beschwerdeführer handle es sich nicht um ein 
Familienmitglied im Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin-II-VO.

5.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO prüfen die Mitgliedstaaten jeden 
Asylantrag, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im 
Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats stellt. Der Antrag wird von einem 
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (der 
Dublin-II-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Abweichend von 
diesem Abs. 1 kann jeder Mitgliedstaat einen von einem 
Dritt�staatsangehörigen eingereichten Asylantrag prüfen, auch wenn er 
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 
zuständig ist. Der betreffende Mitgliedstaat wird dadurch zum 
zuständigen Mitgliedstaat im Sinn der VO und übernimmt die mit dieser 
Zuständigkeit einhergehenden Verpflichtungen (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 2 
Dublin-II-VO). Das Bundesverwaltungsgericht geht mit der Vorinstanz 
(vgl. Vernehmlassung S. 2) davon aus, dass es sich beim Entscheid über 
die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO um einen 
Ermessensentscheid handelt (vgl. Urteil des 
Bundesver�waltungsgerichts E-466/2010 vom 14. Mai 2010;  
FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K7 ff. zu Art. 3). Auch bei einem 
Ermessensentscheid sind der entscheidenden Behörde jedoch gewisse 
Schranken gesetzt. So ist jedenfalls die qualifiziert fehlerhafte 

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Ermessensausübung – wie der Ermessensmissbrauch (vgl. ULRICH 
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 
5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 473) – als justiziabel zu betrachten 
(FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K9 zu Art. 3). Ermessensmissbrauch liegt 
vor, wenn die im Rechtssatz umschriebenen Voraussetzungen und 
Grenzen des Ermessens zwar beachtet worden sind, aber das Ermessen 
nach unsachlichen, dem Zweck der massgebenden Vorschriften fremden 
Gesichtspunkten betätigt wird oder allgemeine Rechtsprinzipien wie das 
Verbot von Willkür und rechtsungleicher Behandlung, das Gebot von Treu 
und Glauben sowie der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt 
werden (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 463).

Der verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]) gebietet in der Rechtsanwendung 
zwei tatsächlich gleiche Situationen nicht ohne sachlichen Grund unter�schiedlich zu behandeln (vgl. 
PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/REGINA KIENER, Allgemeines Verwaltungsrecht, Bern 2002, S. 120 f.). 
Die glei�che Behörde darf nicht ohne sachlichen Grund zwei rechtlich gleiche Sachverhalte unterschiedlich 
beurteilen. Nicht erforderlich ist, dass die Sachverhalte in all ihren tatsächlichen Elementen identisch sind. 
Dem�gegenüber besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht, selbst wenn eine bisher 
abweichende Praxis bestanden haben sollte. Insbesondere besteht dann kein Anspruch auf 
Gleichbehandlung, wenn ernsthafte und sachliche Gründe für die Praxisänderung spre�chen, die 
Änderung grundsätzlich erfolgt und das Interesse an der richtigen Rechtsanwendung gegenüber der 
Rechtssicherheit über�wiegt.

5.3. Aus dem vom Bundesverwaltungsgericht beigezogenen Akten der 
Familienangehörigen des Beschwerdeführers ergibt sich, dass eine 
Schwester des Beschwerdeführers (F._______ beziehungsweise 
C._______) mit demselben (mangels eingereichter Identitätsdokumente 
fiktiven) Geburtsdatum ([xx.xx.1992]) geführt wird wie der 
Beschwerdeführer selber. Zwar stellte diese Schwester zusammen mit 
Eltern und weiteren Geschwistern bereits am 30. November 2009 – und 
damit vermutungsweise noch als Minderjährige – ihr Asylgesuch in der 
Schweiz. Nachdem allerdings angesichts der gleichzeitigen EURODAC-
Treffer in Griechenland davon auszugehen ist, die gesamte Familie sei 
gemeinsam aus dem Heimatstaat ausgereist, und der Beschwerdeführer 
wie auch seine Mutter ausführten, er sei ungewollt in Griechenland 
zurückgeblieben, erweist sich die ungleiche Behandlung der Schwester 
des Beschwerdeführers und des Be�schwerdeführers einzig gestützt auf 
sein unfreiwilliges späteres Ein�reisedatum als zu formalistisch. Aus 
diesen Gründen ist bei der vorliegenden speziellen Konstellation 

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sachgerecht, vom Selbsteintritt Gebrauch zu machen und das 
Asylverfahren des Beschwerdeführers in der Schweiz durchzuführen.

6.  
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde im Sinne der Erwägungen 
gutzuheissen, die Verfügung vom 11. August 2010 aufzuheben und das 
BFM anzuweisen, das Asylverfahren des Beschwerdeführers in der 
Schweiz durchzuführen.

7. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Entsprechend wird das Gesuch um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
VwVG gegenstandslos.

Der obsiegenden Partei ist für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten von Amtes wegen oder auf 
Begehren eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 des Reglements vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 
173.320.2]). Der Rechtsver�treter weist in seiner Kostennote vom 19. August 2010 einen zeit�lichen 
Aufwand von 5 Stunden (bei einem Stundenansatz von Fr. 180.--) sowie Barauslagen von Fr. 170.-- (Porti, 
Telefon- und Fax�gebühren sowie Dolmetscherkosten) und damit einen Gesamtaufwand von Fr. 1'070.-- 
aus. Dieser erscheint mit Einschluss der Stellung�nahme vom 16. November 2010 angemessen, weshalb 
das BFM anzuweisen ist, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in dieser Höhe auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Die 
Verfügung des BFM vom 11. August 2010 wird aufgehoben.

2. 
Die Akten werden dem BFM zur Durchführung des Asylverfahrens in der 
Schweiz überwiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine 
Parteient�schädigung von Fr. 1'070.-- auszurichten.

5. 
Dieses Urteil geht an:

 den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)

 das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (…) (per Kurier; 
in Kopie)

 das (…) des Kantons D._______ ad (…) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: