# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 73dd1b6a-9d7d-5586-8a08-719a3d1973e4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-03-06
**Language:** de
**Title:** Indikatorengeleitete Prüfung der psychischen Leiden nicht möglich; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2017.00765
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00765.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00765
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil
vom
6. März 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Elda
Bugada
Aebli
Grieder
Bugada
Baumann Lerch, Rechtsanwälte
Badenerstrasse
21, Postfach, 8021 Zürich 1
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X.___
war zuletzt von 2006 bis 2015 im
Y.___
als Abteilungsleiter Zimmerpflanzen tätig (Urk. 7/1/3). Am 8
.
September 2015 meldete er sich unter Hinweis auf eine psychische Beeinträchtigung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizi
nische und erwerbliche Abklärungen und
teilte dem Versicherten am 30. Juni 2016 mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/42).
Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/69, Urk. 7/75, Urk. 7/78
) wies sie das
Leistungs
begehren mit Verfügung vom
2.
Juni 2017
(
Urk.
7/81 =
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
6.
Juli 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2. Juni 2017
(
Urk.
2) und beantragte,
in Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung sei
die IV-Stelle zu verpflichten, ihm ab Mai 2016 die gesetzlichen Leistungen (Rente) auszurichten. Eventuell sei eine psychiatrische Begutachtung anzuordnen und gestützt auf die Expertise neu über die gesetzlichen Leistungen (Rente und/oder berufliche Massnahmen)
zu verfügen (Urk. 1 S. 2).
Am
7.
September 2017 (Urk. 6
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerde
. Mit Replik vom 1
3.
November 201
7
(Urk. 11) und
5.
Dezember 201
7
(Urk. 14
)
hielt der Beschwerdeführer vollumfänglich an seinen Anträgen fest.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am
8.
Januar 2018
auf Duplik (
Urk.
1
7
), was dem Beschwerdeführer am
1
9.
Januar 2018
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
1
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
-
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
-
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
2.
Juni 2017 (
Urk.
2) damit, dass
es
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwar zeitweise nicht zugelassen habe
,
einer Arbeit nachzu
gehen. Die Arbeitsunfähigkeit sei jedoch durch invaliditätsfremde Faktoren (psychische Belastungssituationen in Verbindung mit Konflikten bezüglich der Wohnsituation, Existenzängste aufgrund drohender Einstellung der Krankentag
gelder und Unklarheit betreffend berufliche Zukunft) ausgelöst worden (S. 1). Aus der neurologischen Testung hätten
sich keine Einschränkungen ergeben.
Seit der tagesklinischen Behandlung habe sich der Gesundheitszustand verbessert
(S. 2).
Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, d
ie psychische Symptomatik des Beschwerdeführers bessere sich jeweils wieder unter entsprechender
Behand
-
lung
, weshalb
e
s sich nicht um ein therapieresistentes Leiden
handle
(Urk. 6 S. 1). Die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung sei nicht nach
-
vollziehbar. Insgesamt liege kein invalidisierendes Leiden vor (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
seit mehr als zwei Jahren an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und schwer bis mittelgradig ausgeprägten depressiven Zuständen
zu leiden (Urk. 1 S. 11).
Da keine rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit bestehe, sei ihm gestützt auf die Berichte de
r
Z.___
Unterland
b
eziehungsweise des
A.___
-Ambulatoriums ab
1.
Mai 2016 eine ganze Rente zuzusprechen
(S. 12)
.
Er ergänzte, dass
ein eigenständiges und erhebliches psychiatrisches Leiden vor
liege
, welches die Ar
beitsfähigkeit massiv beeinträchtige (Urk. 11 S. 3).
Am 2
5.
November 2017 sei ihm per Dezember 2017 gekündigt worden.
Die näher dargelegten Gründe (vgl. Urk. 14 S. 2 oben) illustrierten im Praktischen, dass eine die Arbeitsfähigkeit schwer beeinträchtigende psychische Erkrankung vor
liege (Urk. 14 S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers
und
ins
besondere die Arbeitsfähigk
eit in psychiatrischer Hinsicht
.
3.
3.1
Die Ärzte der
Z.___
berichteten am 1
5.
September 2015
(
Urk.
7/8)
über
eine
Hospi
talisation
des Beschwerdeführers vom
1.
Juli bis
7.
September 2015 und nannten folgende Diagnosen (
S. 1):
-
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (
ICD-10
F32.3)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften,
dependenten
und selbstunsicheren Anteilen
(ICD-10 F61.0)
-
Lues II
Beim Beschwerdeführer handle es sich um einen 52-jährigen ledigen und kinderlosen Florist
en
mit im Vordergrund stehender depressiver wie auch zwanghaft
er
und
dependenter
Symptomatik mit aktuell erster
Hospitalisation
aufgrund massiver Ängste und Insuffizienzgefühle nach Jobverlust im Frühjahr 2015 (S. 1 Mitte)
.
W
ährend des Aufenthaltes habe sich eine gänzliche
Regre
dienz
der initial mittelgradig depressiven Symptomatik beobachten lassen
(S. 2
Mitte
)
.
B
ei Austritt
habe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden
(S. 1 unten
)
.
3.2
Die Ärzte der
Z.___
nannten mit
Bericht
vom
5.
Oktober 2015
(
Urk.
7/10)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) seit Mai 2015
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften,
dependenten
und selbstunsicheren Anteilen (ICD-10 F61.0) seit Adoleszenz
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie Lues II.
Bei
Austritt
habe
eine reduzierte psychische und emotionale Belastbarkeit,
eine
Reduktion des Konzentrationsvermögens,
eine
schnel
le Ermüdbarkeit sowie eine
leichtgradige depressive Symptomatik
bestanden
. Zur Frage, ob die bisherige Tätigkeit als
Florist noch zumutbar sei, werde eine erneute Beurteilung in vier bis fünf Monaten nach Abschluss der tagesklinischen Therapie empfohlen. Bei Austritt von der Depressions- und Angststation habe eine 100%ige
Arbeitsun
-
fähigkeit bestanden (Ziff. 1.7).
3.3
Die Fachpersonen des
A.___
Ambulatorium
s
führten mit
undatierte
m
und
am
2. November 2015 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen
Bericht
(Urk. 7/11
, vgl. Aktenverzeichnis
zu Urk. 7
)
aus, sie behandelten den Beschwerdeführer seit August 2015, und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (
ICD-10
F32.3)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften,
dependenten
und selbstunsicheren Anteilen (
ICD-10
F61)
Aufgrund einer reduzierten psychophysischen Belastbarkeit bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Florist eine 1
00%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 1.
Juli
201
5.
Nach vollständiger Genesung könne der
Beschwerdeführer
hoffent
lich beruflich und sozial wieder gut integriert werden und ein Arbeitspensum von 80 bis 100 % bewältigen.
F
ür die Zeit nach Beendigung der Tagesklinik Ende Januar 2016 werde ein Arbeitstraining vorgeschlagen
(Ziff. 1.6 f.).
M
ög
licher
weise könn
e der
Beschwerdeführer
ab Frühjahr 2016 wieder ein reduziertes Pensum aufnehmen (
Ziff.
1.9)
.
3.4
Die Fachpersonen der
Z.___
berichteten am
2
4.
März 2016 (Urk. 7/21
/1-2
)
über eine ambulante Behandlung von November 2015 bis Februar 2016 und nannten
als Diagnosen eine
mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1) und eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit zwanghaften,
dependenten
und selbst
unsic
heren Zügen (ICD-10 F61; S. 1)
.
Der Beschwerdeführer
sei sehr motiviert für ein Belastbarkeitstraining oder eine Potenzialabklärung
. Er sei in gebesser
tem Zustand aus der tagesklinischen Behandlung ausgetreten (S. 2).
3.5
Die Fachpersonen des
A.___
Institut
s nannten mit Bericht vom 2
2.
Juni 2016 (Urk.
7/40)
als
D
iagnose mit Auswirk
ungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften,
dependenten
, ängstlich-vermei
den
den und histrionischen Anteilen (
ICD-10
F61)
. Als
Diagnose ohne Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen
Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen (
ICD-10
F32.3); aktuell remit
tiert
(Ziff. 1.1)
.
Der Beschwerdeführer
befinde sich seit
dem
1
4.
Juni 2016 erneut auf der Akut-Station der
Z.___
(Ziff. 1.3, Ziff. 1.4).
Nach dem aktuellen Aufenthalt in der Akut-
Station solle eine erneute Zuweisung in die Depressions- und Angststation und danach eine Fortführung der ambulanten Therapie inklusive medikamentöser Therapie erfolgen (Ziff. 1.5).
F
ür die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Florist
habe
vom
1.
Juli 2015 bis 31. März 2016 eine 100%ige, vom
1.
bis 3
0.
April 2016 eine 70%ige und vom 1.
bis 3
1.
Mai 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit
1.
Juni 2016 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6)
.
Es bestehe
zurzeit
eine erhebliche, psychophysische Einschränkung
. Der Be
schwerdeführer scheine nicht mehr fähig zu sein, sich den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes stellen zu können. Er fühle sich von den fachspezifischen Anforderungen und der Vorstellung des Kundenkontaktes vollkommen überfor
dert
. Bei einem ersten Versuch der beruflichen Integration auf dem ersten Arbeits
markt (nach fast einem Jahr der Krankschreibung) sei der Beschwer
d
e
führer gescheitert. Schon der Gedanke, sich auf eine Stelle bewerben zu müssen, habe bei ihm panikähnliche Schübe ausgelöst. Anstelle der erhofften Integration in den normalen Arbeitsalltag sei eine erneute Dekompensation mit anschlies
sen
der notfallmässiger Einlieferung in eine Akut-Klinik aufgetreten. Der Patient könne hoffentlich im Verlauf seiner Genesung eines Tages ein Pensum von 50 % mit einer 50%igen Leistungsfähigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt bewältigen (
Ziff.
1.7). Es sei zu hoffen, dass
durch eine nahtlose IV-bezogene Integrationsmassnahme die soziale und berufliche Situation des Beschwerde
führers bestmöglich beeinfluss
t werden könne
(
Ziff.
1.11)
.
3.6
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, R
egionaler Ärztlicher Dienst (R
AD
),
führte mit Stellungnahme vom 15. August
2016 (
Urk.
7/67/5)
aus, d
er Lebenslauf
gebe
eine erfolgreiche Absolvierung von Schule und Lehre wieder, zuletzt fast 9 Jahre als Abteilungsleiter
Zimmerpflan
-
zen
in einem Gartenhaus. Es
sei
gut
verständlich
, dass der Verlust dieses Arbeitsplatzes ihn
treffe
. Zusätzlich
sch
ie
nen
private Probleme mit seinem Partner aufgetreten zu sein, wo es um ein eventuelles Zusammenleben
ge
gangen sei
. Ob eine Persönlichkeitsstörung vorlieg
e
,
könne
so bisher nicht sicher bestätigt werden. Die früher erstellten Fragebögen (SKID)
hätten
auf sub
jektiven Aussagen, nicht auf objektiven Beobachtungen
beruht
. Zudem bedürfte die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung auch einer biografischen Herleitung seit dem frühen
Erwachsenenalter. Die vorgelegte Biografie
enthalte
aber wenig Auffälligkeiten. Die letzte fast 9-jährige Tätigkeit als Abteilungsleiter
spreche
gegen gravierende berufliche Einschränkungen durch eine Persönlichkeitsstörung. Die Persönlichkeitsauffälligkeiten mach
t
en sich wohl eher im privaten Leben bemerkbar. Es
sei
verständlich
, dass
der Beschwerdeführer
nun Angst vo
r einem beruflichen Neustart habe
, aber aus therapeutischer Sicht - wie auch schon die Psychiaterin
Dr.
C.___
im Standortgespräch
dargelegt habe
–
ver
grösser
e
ein Vermeiden die Angst. Daher
sei
die erneute
Hospitalisation
nicht ohne weiteres nachvollziehbar.
3.7
Die Fachpersonen der
Z.___
führten mit Bericht
vom 1
8.
August 2016 (Urk. 7/45) aus, der Beschwerdeführer habe sich vom 1
4.
Juni bis 2
4.
Juli 2016 und vom 2
5.
Juli bis
5.
August 2016 bei ihnen in akut
stationärer psychiatrischer Be
handlung befunden (S. 1). Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit zwanghaften,
dependenten
, ängstlich-vermeidenden und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61)
D
er Beschwerdeführer b
efinde sich seit dem 1
6.
August
2016 erneut in akut
stationärer Behandlung, diesmal in der Klinik
D.___
. S
ie wür
d
en deshalb von einer weiteren Arbeitsunfähigkeit von 100
% ausgehen (Ziff. 2.1).
3.8
Die Ärzte der
Z.___
nannten mit Bericht vom 28. September 2016 (
Urk.
7/50) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epis
ode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3), Erstdiagnose (ED) 2001
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit zwanghaften,
dependenten
, ängstlich-vermeidenden und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61)
Aktuell bestehe Bedarf für eine teilstationäre Weiterbehandlung im Sinne einer Tagesklinik und somit eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6)
.
3.9
Die Fachpersonen der
Z.___
berichteten am
8.
November 2016 über eine neuro
psychologische Abklärung des Beschwerdeführers (
Urk.
7/62/3-6).
Das neuropsy
cho
logische Profil mit leichten Auffälligkeiten beim Lernen und Abrufen einer langen Wortliste und der geteilten Aufmerksamkeit bei ansonsten unauffälligen
Werten könne durch die noch im
mer vorhandene leichte Depression erklärt werden
(S. 2 unten)
.
3.10
Die Fachpersonen der
Z.___
nannten mit
Abschlussbericht
vom 8. Februar 2017 (Urk. 7/62/1-2) über eine ambulante
Behandlung vom 2
6.
September
2016
bis 6. Januar 2017 folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidi
vierende depressive Störung, ge
genwärtig schwere Epis
ode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
kombinierte Persönlichkeitsstö
rung
Gegen Ende
der Behandlung seien die kognitiven Einschränkungen, welche kom
biniert mit der hilfesuchenden, unruhigen Art an ein dementielles Zustands
bild hätten denken lassen, deutlich rückläufig gewesen. Zum jetzigen Zeitpunkt werde von einem pseudodementiellen Zustandsbild zu Beginn ausge
gangen. Auch die
n
europsychologische Abklärung habe gegen die Entwicklung eines dementiellen Prozesses gesprochen (S. 2
Mitte
).
3.11
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte mit
Stellungnahme
vom 22. März
2017 (
Urk.
7/67/
7-8)
aus
, gemäss den neu eingegangenen Unterlagen sei die depressive Symptomatik, die vor allem aufgrund psychosozialer Belastungen entstanden sei, am Abklingen. Nach wie vor könne die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht nach
vollzogen werden (S. 1). E
in langanhaltender Gesundheitsschaden sei nicht aus
gewiesen
(S. 2).
3.12
Nach Verfügungserlass führten d
ie Fachpersonen der
Z.___
mit Schreiben vom 6.
November 2017 (Urk. 12)
zuhanden der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers aus, n
ach
ihrer
Einschätzung und Zusammenschau aller Befunde hand
le
es sich bei der rezidivierenden depressiven Störung
des Beschwerdeführers
um
ein versicherungsmedizinisch relevantes eigenständiges Krankheitsbild. Auf
-
grund
der zugrundeliegenden Persönlichkeitsstörung
zeige der Beschwerde
führer
massiv eingeschränkte Fähigkeiten zur Anpassung an innere wie auch äussere Prozesse. Daher
sei
es ihm kaum möglich, in adäquater Weise auf Ver
änderungen zu reagieren und sich selbst zu regulieren, was im Weiteren depressive Zustandsbilder bis hin zu psychotischem Erleben auslös
e
.
Sie gingen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Störungsbild und die Vulnerabilität für depressive Dekompensationen auch unter Aussparung der psychosozialen Belastungen als eigenständige Entität bestehen würde
(Ziff. 1)
.
Sie sähen beim (unter
Ziff.
2 näher beschriebenen)
Störungsbild die Kriterien einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 erfüllt. Bezüglich der Persönlichkeitsaspekte
sähen sie
ängstliche-unsichere und
dependente
Anteile deutlich vorherrschend und würden nach
ihrem
Dafürhalten die narzisstischen, zwanghaften und histrionischen Züge in der Gesamtheit des Störungsbildes unterordnen. Diese Diskrepanz zur Diagnosestellung der Kollegen aus DAS und ATK stell
e
jedoch die versicherungsmedizinische Konsequenz bei gleichbleibend schwerem psychiatrischem Krankheitsbild nicht in Frage
(Ziff. 2)
.
Der Beschwer
deführer habe
aktuell auf dem ersten Arbeitsmarkt in seinem angestammten Beruf
Fuss
fassen
können
, jedoch unter enormen Anstrengungen mit Anzeichen
für Überforderung und beginnende
r
depressive
r
Entwicklung. Prognostisch müsse
nach
ihrem
Dafürhalten mit überwieg
ender Wahrscheinlichkeit mittel
- länger
fristig mit erneuten Dekompensationen und depressiven Zustandsbildern auf
grund oben beschriebener Einschränkungen gerechnet werden
(Ziff. 3)
.
3.
1
3
Die Fachpersonen der
Z.___
attestierten mit Arbeitsunfähigkeitszeugnis
vom 27. November 2017
(Urk. 15/2)
vom 2
4.
November bis 3
1.
Dezember 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Florist.
4.
4.1
In psychischer Hinsicht
diagnostizierten die behandelnden Fachpersonen immer wieder schwere depressive Episoden,
begleitet von psychotischen Symptomen (vorstehend E. 3.1 - E. 3.3, E. 3.8, E. 3.
10
). Zwischenzeitlich wurden nur noch mittelgradige depressive Episoden diagnostiziert (E. 3.4, E. 3.7).
Zudem wurde eine
kombinierte
Persönl
ichkeitsstörung diagnostiziert (vorstehend E. 3.1 ff., E. 3.7 f., E. 3.10). Die behandelnden Fachpersonen attestierten dem Beschwerdeführer
in psychischer Hinsicht grundsätzlich
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
, unterbrochen von einer kürzeren Phase einer Teilarbeitsfähigkeit
.
4.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psy
chiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
4.3
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweis
belastete versicherte Person zu tragen (BGE 141
V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
4.4
I
m Zeitpunkt
der Leistungsprüfung durch die Beschwerdegegnerin
hat
die nun
mehr geltende Praxis betreffend psychische Leiden noch nicht bestanden
.
D
ie vorhandenen medizinischen Beurteilungen
erweisen sich denn auch
als zu wenig aussagekräftig, um die Auswirkungen der diagnostizierten Leiden auf die Arbeits
fähigkeit de
s Beschwerdeführers
anhand der Standardindikatoren fest
-
legen zu können.
Die IV-Stelle wird daher ein psychiatrisches Gutachten einzuholen haben, das die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Einklang mit der geltenden Rechtslage nach Massgabe der im Regelfall heranzuziehenden Stand
ardindikatoren ermöglicht.
Im Übrigen sind die Akten in erwerblicher Hinsicht unvollständig. So fehlt etwa der Bericht des
Arbeitgebers
,
welcher
den Beschwerdeführer
von 2006 bis 2015 als Abteilungsleiter
beschäftigt hat
(vgl. Urk. 7/1/3).
Ebenso wird die Be
schwerdegegnerin b
ei der
O.___
AG, wo der Beschwerdeführer 2017 für kurze Zeit tätig war (vgl. Urk. 14 S. 2; Urk. 15/1-2), einen Arbeitgeberbericht einzuholen haben.
Mithin ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die
nunmehr erforderlichen zusätzlichen
Entscheidgrundlagen
beschaffe und sodann
neu verfüge.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5
.
5
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit §
34
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht (
GSVGer
)
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache,
nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim praxis
gemässen
Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) ist die Prozessent
schädigung vorliegend auf
Fr.
2‘
0
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
2.
Juni 2017
aufgehoben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie, nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Elda
Bugada
Aebli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters
zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKeller