# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 24bba5a5-285f-5d14-9cfe-9add44630f99
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-11
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 11.07.2023 LE220065
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LE220065_2023-07-11.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Zivilkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: LE220065-O/U 

damit vereinigt Geschäfts-Nr. LE220066-O 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. A. Huizinga, Vorsitzender, Oberrichterin 

Dr. D. Scherrer und Ersatzoberrichterin lic. iur. N. Jeker 

sowie Gerichtsschreiber Dr. Chr. Arnold 

Beschluss und Urteil vom 11. Juli 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und Zweitberufungsbeklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Gesuchsgegner, Erstberufungsbeklagter und Zweitberufungskläger 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Eheschutz 
 
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren 
am Bezirksgericht Bülach vom 31. Oktober 2022 (EE210121-C) 
 

 

- 2 - 

 

Rechtsbegehren: 

der Gesuchstellerin (Urk. 26 S. 2 f.): 
 

"1.  Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen.  
2.  Es sei die eheliche Wohnung am C._____-weg 1, D._____, für 

die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Benützung für sich 
und den gemeinsamen Sohn E._____, geb. tt.mm.2018, zuzuwei-
sen. 

3.  Die elterliche Sorge über den gemeinsamen Sohn E._____, geb. 
tt.mm.2018, sei für die Dauer des Getrenntlebens beiden Parteien 
zu belassen.  

4.  Es sei der gemeinsame Sohn E._____ für die Dauer des Ge-
trenntlebens unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin zu stel-
len.  

5.  Es sei dem Gesuchsgegner ein angemessenes Besuchs- und 
Kontaktrecht zuzugestehen.  

6.  Es sei die Gesuchstellerin für berechtigt zu erklären, mit dem ge-
meinsamen Sohn E._____ die Schweiz zu verlassen und den 
Wohnsitz zusammen mit dem gemeinsamen Sohn E._____ von 
D._____, Schweiz, nach F._____ [Stadt], Mexiko, zu verlegen.  

7.  Es sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuchstellerin ab 
Rechtshängigkeit des vorliegenden Gesuches an den Unterhalt 
des gemeinsamen Sohnes E._____ angemessene Unterhaltsbei-
träge von mindestens Fr. 1'530.00 (davon Fr. 1'405.00 Barunter-
halt, Fr. 125.00 gekürzter Betreuungsunterhalt) zu bezahlen; 
zahlbar jeweils monatlich im Voraus an den Gesuchsteller [recte: 
die Gesuchstellerin]. 

8.  Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Gesuchsgegner 
mangels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist, der Gesuchstel-
lerin persönlichen Unterhalt zu leisten.  

 Für den Fall, dass der Kinderunterhalt nicht in der Höhe gemäss 
Ziffer 7 hiervor festgelegt wird, sei der frei werdende Betrag der 
Gesuchstellerin als Ehegattenunterhalt zuzuweisen, mindestens 
in der Höhe von Fr. 500.00; zahlbar jeweils monatlich im Voraus. 

9. […] 
10. […]  
11.  Es seien die Rechtsbegehren des Gesuchsgegners abzuweisen, 

sofern sie sich nicht mit den Anträgen hiervor decken.  
10.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwert-

steuer zulasten des Gesuchsgegners."  

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des Gesuchsgegners (Urk. 9 S. 2 f.): 
"1.  Es sei dem Gesuchsgegner das Getrenntleben zu bewilligen.  
 2.  Die eheliche Wohnung am C._____-weg 1 in D._____ sei dem 

Gesuchgegner für sich und den gemeinsamen Sohn E._____, 
geb. tt.mm.2018 mitsamt Hausrat zuzuteilen.  

 3.  Die gemeinsame elterliche Sorge sei beiden Parteien zu belas-
sen.  

 4.  Der gemeinsame Sohn, E._____ sei unter der alternierenden Ob-
hut der Parteien zu belassen wobei der Wohnsitz am Wohnort 
des Vaters zu liegen habe, nach folgendem Betreuungsplan:  
-  Betreuung von Montag, 08:00 Uhr bis Mittwoch 12:00 Uhr 

durch den Gesuchsgegner, sowie jedes zweite Wochenende 
von Freitag 18:00 bis Sonntag 18:00  

-  Betreuung von Mittwoch, 12:00 Uhr bis Freitag 18:00 durch 
die Gesuchstellerin, sowie jedes zweite Wochenende von 
Freitag 18:00 bis Sonntag 18:00 

  sowie alternierende Betreuung an Fest und Feiertagen.  
 5.  Es sei der Gesuchstellerin zu verbieten, mit dem gemeinsamen 

Sohn E._____ die Schweiz zu verlassen und Wohnsitz in F._____ 
Mexiko zu nehmen.  

 6.  Es seien keine gegenseitigen Unterhaltsbeiträge festzusetzen. 
Jede Partei habe für die Kosten der Betreuung von E._____ wäh-
rend der eigenen Betreuung aufzukommen, inklusive der in dieser 
Zeit anfallenden allfälligen Fremdbetreuungskosten. Unabhängig 
von der Betreuung anfallende Kosten (Krankenkasse, ausseror-
dentliche Kosten) werden von den Parteien nach Absprache hälf-
tig getragen. 

 7. […] 
 8. […] 
 9.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Ge-

suchstellerin." 

Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren  
am Bezirksgericht Bülach vom 31. Oktober 2022: 

(Urk. 53 S. 23 ff. = Urk. 61 S. 23 ff. = Urk. 78/61 S. 23 ff.) 

1. Es wird festgestellt, dass die Parteien bereits seit dem 23. November 2021 

getrennt leben und das Getrenntleben auf unbestimmte Zeit fortführen.  

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2. Der gemeinsame Sohn E._____, geboren am tt.mm.2018, wird unter der 

gemeinsamen elterlichen Sorge der Parteien belassen.  

3. Die Obhut für den Sohn E._____, geboren am tt.mm.2018 wird beiden Par-

teien mit wechselnder Betreuung mit je hälftigen Anteilen übertragen.  

4. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, rückwirkend ab 1. Juli 2022 Fr. 171.– 

für den Unterhalt des Sohnes E._____, geboren am tt.mm.2018, für die Zeit, 

welche das Kind bei ihr verbringt, aufzuwenden.  

5. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, rückwirkend ab 1. Juli 2022 Fr. 524.– 

für den Unterhalt des Sohnes E._____, geboren am tt.mm.2018, für die Zeit, 

welche das Kind bei ihm verbringt, aufzuwenden.  

6. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, rückwirkend ab 1. Juli 2022 Fr. 288.– 

an den Unterhalt des Sohnes E._____, geboren am tt.mm.2018, für die Zeit, 

welches das Kind bei der Gesuchstellerin verbringt, zu bezahlen. 

Dieser Unterhaltsbeitrag ist jeweils auf den Ersten eines Monats im Voraus 

zu bezahlen an die Gesuchstellerin, solange das Kind in deren Haushalt 

lebt, keine selbständigen Ansprüche gestützt auf Art. 277 Abs. 2 ZGB gegen 

den Gesuchsgegner stellt und keine andere Zahlstelle bezeichnet. 

7. Mit den vorstehenden Unterhaltsbeiträgen ist der gebührende Unterhalt von 

E._____ nicht gedeckt. Zur Deckung des gebührenden Unterhalts fehlen 

monatlich Fr. 280.– bei der Gesuchstellerin und Fr. 280.– beim Gesuchs-

gegner.  

8. Bei der Festsetzung des vorstehenden Unterhaltsbeitrags wurde von folgen-

den finanziellen Verhältnissen der Parteien ausgegangen: 

Einkommen (inkl. Ferien-, Feiertagsentschädigung): 

 Vater Mutter Kind Total 

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erechnung ab 1. Juli 2022: 

9. B

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ilung der ehelichen Wohnung wird das Verfahren zufolge Vergleichs als er-

ledigt abgeschrieben. 

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die Barauslagen betragen: 

Fr. 435.–   Dolmetscherkosten 

Fr. 3'435.–   

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

November 2021 - Januar 2022 Fr. 3'000.– Fr. 2'000.– Fr. 200.– Fr. 5'200.– 

Februar 2022 - Juni 2022 Fr. 3'000.– Fr. 2'570.– Fr. 200.– Fr. 5'770.– 

Juli 2022 - auf Weiteres Fr. 3'423.– Fr. 2'570.– Fr. 200.– Fr. 6'193.– 

 Gesuchsgegner: Gesuchstellerin: Kind beim 
Vater: 

Kind bei der 
Mutter: 

Grundbetrag: Fr. 1'275.– Fr. 1'275.– Fr. 200.– Fr. 200.– 

Wohnkosten: Fr. 800.– Fr. 771.– Fr. 450.– Fr. 385.– 

Krankenkasse 
KVG (unter Be-
rücksichtigung 
IPV): 

Fr. 99.– 
 

Fr. 112.– Fr. 18.– Fr. 18.– 

VVG: Fr. 0.– Fr. 0.– Fr. 11.– Fr. 11.– 

Gesundheitskos-
ten: 

Fr. 209.– Fr. 0.– Fr. 0.– Fr. 0.– 

Arbeitsweg: Fr. 96.– Fr. 65.– Fr. 0.– Fr. 0.– 

Auswärtige Ver-
pflegung: 

Fr. 132.– Fr. 176.– Fr. 0.– Fr. 0.– 

Fremdbetreu-
ungskosten und 
Integrations-
schule: 

Fr. 0.– Fr. 0.– Fr. 170.– Fr. 170.– 

Schulkosten: Fr. 0.– Fr. 0.– Fr. 55.– Fr. 55.– 

Total:  Fr. 2'611.– Fr. 2'399.– Fr. 904.– Fr. 839.– 

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11. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zu-

folge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die 

Staatskasse genommen. Die Parteien werden auf die Nachzahlungspflicht 

gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen. 

12. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

13. [Mitteilung] 

14. [Rechtsmittelbelehrung] 

Berufungsanträge der Erstberufung: 

der Gesuchstellerin und Erstberufungsklägerin (Urk. 60 S. 2 f.): 
 

 "In der Hauptsache 

1. 1.1 Es sei Dispositivziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Bü-
lach vom 31. Oktober 2022, EE210121, aufzuheben und es sei 
der Sohn E._____, geb. tt.mm.2018, unter die alleinige Obhut der 
Berufungsklägerin zu stellen. 

 1.2 Eventualiter sei Dispositivziffer 3 des Urteils des Bezirksge-
richts Bülach vom 31. Oktober 2022, EE210121, aufzuheben und 
es sei der Sohn E._____, geb. tt.mm.2018, unter die alternieren-
de Obhut der Parteien zu stellen und es sei folgende Betreuungs-
regelung festzuhalten: 
Der Kindsvater übernimmt die Betreuungsverantwortung für den 
Sohn E._____ jeweils in der ersten und dritten Woche eines jeden 
Monates von Samstag, 10:00 Uhr, bis am darauffolgenden Sams-
tag, 10:00 Uhr. 
Weiter übernimmt der Vater die Betreuungsverantwortung wäh-
rend der Hälfte der Schulferien und in den Jahren mit ungerader 
Jahreszahl je am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten 
und Silvester/Neujahr sowie von Karfreitag bis Ostermontag und 
in den Jahren mit gerader Jahreszahl je am ersten Tag der Dop-
pelfeiertage Weihnachten und Silvester/Neujahr sowie von 
Pfingstfreitag bis Pfingstmontag, jeweils von 17.00 Uhr bis 
17.00 Uhr. 
In der übrigen Zeit wird E._____ von der Kindsmutter betreut. 

2. 2.1 Es sei die Berufungsklägerin für berechtigt zu erklären, mit 
dem gemeinsamen Sohn E._____ die Schweiz zu verlassen und 

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den Wohnsitz zusammen mit dem gemeinsamen Sohn E._____ 
von D._____, Schweiz, nach F._____, Mexiko, zu verlegen. 

 
2.2 Eventualiter sei die Sache an das Bezirksgericht Bülach zu-
rückzuweisen und es sei das Bezirksgericht Bülach anzuweisen, 
über den Wegzug der Berufungsklägerin zusammen mit dem 
Sohn E._____ nach F._____, Mexiko, zu entscheiden. 

3. Es seien Dispositivziffer 4 bis 8 des Urteils des Bezirksgerichts 
Bülach vom 31. Oktober 2022, EE210121, aufzuheben und es der 
Berufungsbeklagte zu verpflichten, an die Erziehung und den Un-
terhalt des gemeinsamen Sohnes E._____ monatliche Unter-
haltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'194.00 zu bezahlen; zahlbar 
jeweils monatlich im Voraus an die Kindsmutter. 
Hinzutreten allfällige gesetzlich oder vertraglich zustehende Fami-
lienzulagen. 

4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehr-
wertsteuer zulasten des Berufungsbeklagten. 

 
Prozessuale Anträge 
 
1. Es sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, der Berufungsklä-

gerin einen Prozesskostenbeitrag von einstweilen Fr. 5'000.00 zu 
leisten. 

2. Eventualiter sei der Berufungsklägerin für den Fall, dass der Be-
rufungsbeklagte nicht zur Leistung eines Prozesskostenbeitrages 
von einstweilen Fr. 5'000.00 angehalten werden kann die unent-
geltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei ihr in der Person 
von MLaw X._____ ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestel-
len." 

 
 
des Gesuchsgegners und Erstberufungsbeklagten (Urk. 70 S. 2 f.): 
 

"1. Ziff. 4 bis 8 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Bülach 
vom 31. Oktober 2022 seien aufzuheben. 

 2. Es seien keine gegenseitigen Unterhaltsbeiträge festzusetzen. 
Jede Partei habe für die Kosten der Betreuung von E._____ wäh-
rend der eigenen Betreuungszeit aufzukommen, inklusive der in 
dieser Zeit anfallenden allfälligen Fremdbetreuungskosten. Unab-
hängig von der Betreuung anfallende Kosten (Krankenkasse, 
ausserordentliche Kosten) seien von den Parteien nach Abspra-
che hälftig zu tragen. 

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 3. Eventualiter sei die Berufungsklägerin zu verpflichten, dem Beru-
fungsbeklagten für E._____ angemessenen Unterhalt zu bezah-
len. 

 4. Die Berufungsanträge der Berufungsklägerin gemäss Rechts-
schrift vom 30. November 2022 seinen [recte: seien] vollumfäng-
lich abzuweisen. 

 5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beru-
fungsklägerin." 

 
Prozessuale Anträge 
 

"6. Der Antrag der Berufungsklägerin gemäss Rechtsschrift vom 
30. November 2022, der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, 
der Berufungsklägerin einen Prozesskostenbeitrag zu bezahlen, 
sei abzuweisen. 

 7. Die Berufungsklägerin sei zu verpflichten, dem Berufungsbeklag-
ten einen Prozesskostenvorschuss von CHF 5'000.– zu bezahlen. 

 8. Eventualiter sei dem Berufungsbeklagten die unentgeltliche Pro-
zessführung zu bewilligen und ihm in der Person von RA Y._____ 
ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. 

 9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beru-
fungsklägerin." 

Berufungsanträge der Zweitberufung: 

des Gesuchsgegners und Zweitberufungsklägers (Urk. 78/60 S. 2): 
 

"1. Ziff. 4 bis 8 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Bülach 
vom 31. Oktober 2022 seien aufzuheben. 

 2. Es seien keine gegenseitigen Unterhaltsbeiträge festzusetzen. 
Jede Partei habe für die Kosten der Betreuung von E._____ wäh-
rend der eigenen Betreuungszeit aufzukommen, inklusive der in 
dieser Zeit anfallenden allfälligen Fremdbetreuungskosten. Unab-
hängig von der Betreuung anfallende Kosten (Krankenkasse, 
ausserordentliche Kosten) seien von den Parteien nach Abspra-
che hälftig zu tragen. 

 3. Eventualiter sei die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Gesuch-
gegner für E._____ angemessenen Unterhalt zu bezahlen. 

 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Ge-
suchstellerin." 

 
Prozessuale Anträge 
 

- 9 - 

"5. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, dem Gesuchsteller [recte: 
Gesuchsgegner] einen Prozesskostenvorschuss von CHF 5'000.– 
zu bezahlen. 

 6. Eventualiter sei dem Gesuchgegner die unentgeltliche Prozess-
führung zu bewilligen und ihm in der Person von RA Y._____ ein 
unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. 

 7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Ge-
suchstellerin." 

 
 
der Gesuchstellerin und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 78/70 S. 2): 

 
 

"In der Hauptsache 

1. Die Berufung des Berufungsklägers vom 29. November 2022 sei 
vollumfänglich abzuweisen. 

2.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehr-
wertsteuer zulasten des Berufungsklägers. 

 
Prozessuale Anträge 
 
1. Es sei der Berufungskläger zu verpflichten, der Berufungsbeklag-

ten einen Prozesskostenbeitrag von einstweilen Fr. 5'000.00 zu 
leisten. 

2. Eventualiter sei der Berufungsbeklagten für den Fall, dass der Be-
rufungskläger nicht zur Leistung eines Prozesskostenbeitrages 
von einstweilen Fr. 5'000.00 angehalten werden kann die unent-
geltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei ihr in der Person 
von MLaw X._____ ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestel-
len. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwert-
steuer zulasten des Berufungsklägers." 

 

Erwägungen: 

I. Sachverhalt und Prozessgeschichte 

1. Die Parteien sind seit dem tt. April 2018 verheiratet (Urk. 3/4) und die 

Eltern von E._____, geboren am tt.mm.2018 (siehe Urk. 3/1). Die Gesuchstellerin, 

Erstberufungsklägerin und Zweitberufungsbeklagte (nachfolgend: Gesuchstelle-

rin) ist mexikanische Staatsbürgerin (Urk. 3/2) und darüber hinaus die Mutter der 

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vorehelichen Tochter G._____, geboren am tt.mm.2014 (Urk. 1 Rz. 10; siehe 

Urk. 3/6; Urk. 9 Rz. 10). G._____ hat die mexikanische, nicht aber die schweizeri-

sche Staatsbürgerschaft (siehe Urk. 3/6; Urk. 60 Rz. 63; Urk. 70 Rz. 28). Der Ge-

suchsgegner, Erstberufungsbeklagte und Zweitberufungskläger (nachfolgend: 

Gesuchsgegner) ist Schweizer Bürger (Urk. 3/3). E._____ verfügt über die 

schweizerische und die mexikanische Staatsbürgerschaft (Urk. 1 Rz. 3; siehe 

Urk. 3/1; Urk. 9 Rz. 11). 

2. Mit Gesuch vom 22. November 2021 machte die Gesuchstellerin das 

Eheschutzverfahren anhängig (Urk. 1). Betreffend den Verlauf des vorinstanzli-

chen Verfahrens kann auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Ur-

teil (Urk. 61 S. 4 f.) verwiesen werden. Dieses erging am 31. Oktober 2022 

(Urk. 53 = Urk. 61 = Urk. 78/61). 

3. Gegen diesen Entscheid erhoben beide Parteien innert Frist (siehe 

Urk. 54) Berufung mit den eingangs angeführten Anträgen (Urk. 60; Urk. 78/60). 

In beiden Verfahren ging am 13. Dezember 2022 eine Noveneingabe des Ge-

suchsgegners ein (Urk. 66; Urk. 78/66). Mit Verfügungen vom 18. Januar 2023 

wurde der jeweiligen Gegenpartei Frist angesetzt, um die Erst- bzw. Zweitberu-

fung zu beantworten (Urk. 69; Urk. 78/69). Beide Berufungsantworten datieren 

vom 30. Januar 2023 (Urk. 70; Urk. 78/70). Am 1. Februar 2023 erstattete der 

Gesuchsgegner eine weitere Noveneingabe (Urk. 73). Die Berufungsantworten 

wurden der jeweiligen Gegenpartei – der Gesuchstellerin zusammen mit den No-

veneingaben – mit Verfügungen vom 7. Februar 2023 zur Kenntnisnahme zuge-

stellt (Urk. 76; Urk. 78/73). Weitere Eingaben erfolgten nicht. 

4. Die vorinstanzlichen Akten  wurden beigezogen (Urk. 1–59). Die Beru-

fungsverfahren sind spruchreif, was den Parteien mit Verfügungen vom 

27. Februar 2023 bereits mitgeteilt wurde (Urk. 77; Urk. 78/74). Auf ihre Vorbrin-

gen ist insoweit einzugehen, als diese entscheidrelevant sind. 

5. Gerichtsschreiber MLaw T. Gähwiler hat die I. Zivilkammer per 

31. März 2023 verlassen, weshalb der vorliegende Entscheid unter Mitwirkung 

von Gerichtsschreiber Dr. Chr. Arnold ergeht. 

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II. Prozessuales 

1. Für die Berufung des Gesuchsgegners wurde zunächst ein separates 

Verfahren angelegt (Geschäfts-Nr. LE220066-O). Gemäss Art. 125 lit. c ZPO 

kann das Gericht selbständig eingereichte Klagen vereinigen. Dies gilt nach der 

Praxis der hiesigen Kammer auch für Rechtsmittel (statt vieler: OGer ZH 

LE200061 vom 09.04.2021, E. II.1.1.; OGer ZH LE200013 vom 27.04.2020, 

E. II.1.; OGer ZH LE190021 vom 01.11.2019, E. 1.2.). In beiden Berufungsverfah-

ren stehen sich dieselben Parteien in derselben Rechtssache gegenüber und bei-

de Berufungen richten sich gegen denselben Entscheid der Vorinstanz vom 

31. Oktober 2022 (Urk. 61). Das Berufungsverfahren mit der Geschäftsnummer 

LE220066-O ist deshalb mit dem vorliegenden Verfahren zu vereinigen, unter der 

Geschäftsnummer LE220065-O weiterzuführen und als dadurch erledigt abzu-

schreiben. Die Akten des Verfahrens LE220066-O sind als Urk. 78/60–74 zu den 

Akten des vorliegenden Berufungsverfahrens zu nehmen. 

2. Die Berufungen hemmen die Rechtskraft nur im Umfang der Anträge 

(Art. 315 Abs. 1 ZPO). Nicht angefochten sind die Dispositiv-Ziffern 1 (Getrenntle-

ben), 2 (Elterliche Sorge) und 9 (Zuteilung der ehelichen Wohnung) des vo-

rinstanzlichen Urteils (siehe Urk. 60 S. 2 f.; Urk. 61 S. 23 ff.; Urk. 78/60 S. 2). Die-

se Ziffern sind damit in Rechtskraft erwachsen, was vorzumerken ist. 

3. Mit einer Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als 

auch die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden 

(Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition be-

züglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensaus-

übung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). 

4. In der Berufungsschrift ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern 

der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu be-

trachten ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer 

von Amtes wegen zu prüfenden Eintretensvoraussetzung) voraus, dass der Beru-

fungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich ar-

gumentativ mit diesen auseinandersetzt und mittels genügend präziser Verwei-

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sungen auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen, Erklärun-

gen, Bestreitungen und Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen 

sich der geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll. Die pauschale Verwei-

sung auf frühere Vorbringen oder deren blosse Wiederholung genügen nicht 

(BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1; 

BGer 5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013, E. 3.2). Was nicht oder nicht in einer 

den gesetzlichen Begründungsanforderungen entsprechenden Weise bean-

standet wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden; diese 

hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beur-

teilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der schriftlichen Begründung 

formgerecht gegen den erstinstanzlichen Entscheid erhoben werden (BGE 142 III 

413 E. 2.2.4; BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3; 

BGer 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 

1. September 2014, E. 3.1 und 5). Die Anforderungen an die Berufung gelten 

sinngemäss auch für die Berufungsantwort (BGer 4A_496/2016 vom 8. Dezember 

2016, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch im Bereich 

der unbeschränkten Untersuchungsmaxime (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 

5A_800/2019 vom 9. Februar 2021, E. 5.1). 

Der Gesuchsgegner will diverse Ausführungen in anderen Urkunden als in-

tegrierten Bestandteil seiner Erstberufungsantwort verstanden wissen (Urk. 70 

Rz. 4 ff.). Damit ist er nicht zu hören. Es ist nämlich nicht Aufgabe des Gerichts, 

allfällige Argumente zu seinen Gunsten in den Unterlagen zusammenzusuchen. 

In der Berufungsantwort muss man sich konkret mit dem vorinstanzlichen Urteil 

und der Berufungsschrift auseinandersetzen. Die Erstberufungsantwort lässt über 

weite Teile einen konkreten Bezug zum vorinstanzlichen Urteil und zur Erst-

berufungsschrift vermissen. Teilweise wird die Gesuchsantwort wörtlich erneut 

wiedergegeben (Urk. 9 Rz. 8 ff. = Urk. 70 Rz. 51 ff.). 

5. Für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten – wie sie 

vorliegend zu beurteilen sind – statuiert Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO den Untersu-

chungs- und Offizialgrundsatz, weshalb das Gericht in diesem Bereich den Sach-

verhalt von Amtes wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge ent-

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scheidet. In Verfahren, welche der umfassenden Untersuchungsmaxime unter-

stehen, können die Parteien zudem im Berufungsverfahren neue Tatsachen und 

Beweismittel unbeschränkt vorbringen; Art. 317 Abs. 1 ZPO kommt nicht zum 

Tragen (BGE 147 III 301 E. 2.2; BGE 144 III 349 E. 4.2.1). 

III. Wegzug der Gesuchstellerin, Obhut und Besuchsrecht 

1. Anwendbares Recht 

1.1. Die Gesuchstellerin ist mexikanische Staatsangehörige (E. I.1.). Da 

Art. 82 Abs. 2 IPRG an die ausländische Staatsangehörigkeit Rechtswirkungen 

anknüpft, besteht hinsichtlich der Beziehungen zwischen Eltern und Kind ein in-

ternationales Verhältnis im Sinne von Art. 1 Abs. 1 IPRG (zum Begriff des interna-

tionalen Verhältnisses bzw. Sachverhalts ZK IPRG-Müller-Chen, Art. 1 N 7 ff.). 

1.2. Nicht anwendbar ist das Übereinkommen über die Zuständigkeit, das 

anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf 

dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Massnahmen zum Schutz von 

Kindern vom 19. Oktober 1996 (Haager Kindesschutzübereinkommen, HKsÜ; 

SR 0.211.231.011), weil Mexiko kein Vertragsstaat ist (https://assets.hcch.net/ 

docs/0be01db3-5a0d-4400-a0af-8f14c94947f5.pdf, besucht am 23. Mai 2023). 

Dasselbe gilt hinsichtlich des Übereinkommens über die Zuständigkeit der Behör-

den und das anzuwendende Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjäh-

rigen vom 5. Oktober 1961 (MSA; SR 0.211.231.01; https://assets.hcch.net/docs/ 

0be01db3-5a0d-4400-a0af-8f14c94947f5.pdf, besucht am 23. Mai 2023). Es ist 

auch sonst kein einschlägiger Staatsvertrag ersichtlich. 

1.3. Gemäss Art. 82 Abs. 1 IPRG unterstehen die Beziehungen zwischen 

Eltern und Kind dem Recht am gewöhnlichen Aufenthalt des Kindes. Da sich 

E._____ in der Schweiz aufhält, ist hinsichtlich der Frage des Wegzugs, der Ob-

hut und des Besuchsrechts schweizerisches Recht anzuwenden. 

- 14 - 

2. Wille der Gesuchstellerin zum Wegzug 

2.1. Die Vorinstanz erwog, die Rückkehr der Gesuchstellerin in ihr Heimat-

land habe während des Verfahrens wiederholt Anlass zu Diskussionen gegeben. 

Dies würde die alternierende Obhut verunmöglichen. Hierzu gelte es zu berück-

sichtigen, dass die Parteien zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung nach wie vor 

gemeinsam die eheliche Wohnung bewohnt hätten. Abgesehen von der Absichts-

erklärung der Gesuchstellerin, die Schweiz zu verlassen, habe sie schon damals 

keine handfesten Anhaltpunkte in Bezug auf den Zeitpunkt und die Umsetzung ih-

res möglichen Umzugs nach Mexiko dargelegt. Daran würden auch die einge-

reichten Vorverträge nichts ändern, zumal daraus nicht hervorgehe, wie die Ge-

suchstellerin dieses Vorhaben finanzieren könne. Im Juli 2022 sei die eheliche 

Wohnung im Einvernehmen der Parteien der Gesuchstellerin zugeteilt worden. 

Dies spreche dafür, dass die Gesuchstellerin nicht zeitnah nach Mexiko zurück-

kehren werde. Entsprechend seien im vorliegenden Eheschutzverfahren keine 

hypothetischen Regelungen für den Fall, dass die Gesuchstellerin nach Mexiko 

zurückkehre, festzulegen (Urk. 61 S. 9 f.). 

2.2. Die Gesuchstellerin rügt, sie habe im Eheschutzgesuch vom 

22. November 2021 beantragt, sie sei berechtigt zu erklären, zusammen mit 

E._____ die Schweiz zu verlassen und den Wohnsitz von D._____ nach F._____, 

Mexiko, zu verlegen. An diesem Rechtsbegehren habe sie im Parteivortrag vom 

4. März 2022 festgehalten (Urk. 60 Rz. 18 f.). Die Vorinstanz habe die beantragte 

Zustimmung nicht behandelt, sondern lediglich ausgeführt, die Gesuchstellerin 

habe die Ausreise nicht glaubhaft gemacht (Urk. 60 Rz. 23). Auf die Vorbringen 

der Parteien bezüglich Wohnsitzverlegung sei die Vorinstanz mit keinem Wort 

eingegangen. Sie habe sich mit dem zentralen Rechtsbegehren der Gesuchstelle-

rin nicht im Ansatz auseinandergesetzt und lasse Art. 301a ZGB gänzlich unbe-

achtet. Dadurch verweigere sie das Recht und verletze das rechtliche Gehör der 

Gesuchstellerin (Urk. 60 Rz. 24). Zudem habe sie unter anderem zur Wohnsitz-

verlegung keine der offerierten Beweise abgenommen. Eine Parteibefragung ha-

be nicht stattgefunden (Urk. 60 Rz. 25). Der Gesetzgeber habe mit Art. 301a ZGB 

die Niederlassungsfreiheit, die persönliche Freiheit sowie die Gewerbefreiheit des 

- 15 - 

obhutsberechtigten Elternteils nicht einschränken wollen. Es sei folglich davon 

auszugehen, dass der eine Elternteil wegziehe. Die wegzugswillige Partei habe 

den tatsächlichen Willen nicht glaubhaft zu machen, sondern dieser liege der Be-

urteilung nach Art. 301a ZGB als Prämisse zugrunde (Urk. 60 Rz. 27 f.). 

2.3. Der Gesuchsgegner äussert sich soweit ersichtlich nicht zu diesen Rü-

gen. Er bringt lediglich vor, gemäss der Rechtsprechung sei es einem Elternteil 

bei der gemeinsamen elterlichen Sorge untersagt, mit dem Kind an einem Ort zu 

wohnen, wo der andere Elternteil die Beziehung und den Besuch zum Kind nicht 

wahrnehmen könne. Würde E._____ nach F._____ ziehen, so wäre es dem Ge-

suchsgegner wegen der grossen Distanz und der Reisekosten nicht möglich, ihn 

zu besuchen (Urk. 70 Rz. 64). Die Parteien hätten E._____ während des Zusam-

menlebens als auch nach dem Auszug des Gesuchsgegners alternierend betreut. 

Es werde daher eine gemeinsame elterliche Sorge und eine alternierende Obhut 

gelebt. Es sei nicht einzusehen, weshalb von einem solchen funktionierenden 

Modell abzuweichen wäre (Urk. 70 Rz. 67). 

2.4. Die Motive des wegziehenden Elternteils spielen gemäss bundesge-

richtlicher Rechtsprechung bei der Beurteilung, ob ein Aufenthaltswechsel zu be-

willigen ist, keine Rolle. Es ist sodann von der Hypothese auszugehen, dass der 

eine Elternteil wegzieht (BGE 142 III 502 E. 2.5; BGE 142 III 481 E. 2.5 [S. 490]). 

Insofern kann vom wegzugswilligen Elternteil nicht verlangt werden, dass er sei-

nen entsprechenden Willen beweist. Dies wäre ohnehin unmöglich, weil sich zu-

künftige Ereignisse logisch nicht beweisen lassen. Noch weniger ist es ihm mit 

Blick auf die ungewisse Dauer des Verfahrens und dessen unsicherem Ausgang 

zuzumuten, bereits vor Verfahrensabschluss konkrete Anstalten (wie beispiels-

weise Kündigung der Wohnung in der Schweiz und Abschluss eines neuen Miet-

vertrages am Zielort) zu treffen, um wegzuziehen. Treten die getroffenen Annah-

men nicht ein, insbesondere weil der wegzugswillige Elternteil in der Schweiz ver-

bleibt, so kann man ein Abänderungsgesuch (Art. 179 Abs. 1 ZGB; Art. 298d 

Abs. 1 und 2 ZGB) einreichen. Diese Grundsätze gelten unabhängig davon, wie 

weit der Staat entfernt ist, in welchen der eine Elternteil mit dem Kind zu ziehen 

gedenkt (siehe BGer 5A_589/2021 vom 23. Juni 2022, E. 3.7: Wegzug nach Bra-

- 16 - 

silien); Art. 301a Abs. 2 lit. a ZGB differenziert nämlich nicht nach der Distanz. 

Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Aufenthaltsortswechsel der 

Kinder nach Art. 301a Abs. 2 ZGB zu bewilligen ist, bildet die vom Gesetzgeber 

bewusst getroffene Entscheidung, die Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der 

Eltern zu respektieren. Das Gericht hat sich entsprechend nicht mit der Frage 

auseinanderzusetzen, ob es für das Kind vorteilhafter wäre, wenn beide Elterntei-

le am angestammten Ort verbleiben würden; die entscheidende Fragestellung ist 

vielmehr, ob sein Wohl besser gewahrt ist, wenn es mit dem wegzugswilligen El-

ternteil geht oder wenn es sich beim zurückbleibenden Elternteil aufhält, was al-

lenfalls eine Umteilung der Obhut impliziert (BGE 142 III 502 E. 2.5). Die Frage, 

bei wem das Kind besser aufgehoben ist, ist unter Berücksichtigung der gestützt 

auf Art. 301a Abs. 5 ZGB gegebenenfalls vorzunehmenden Anpassungen der 

Kinderbelange (Betreuung, persönlicher Verkehr und Unterhalt) zu beantworten. 

Insofern besteht zwischen der unter dem Aspekt des Kindeswohls zu beantwor-

tenden Frage, ob die Verlegung des Aufenthaltsortes zu bewilligen ist, und der al-

lenfalls darauffolgenden Anpassung der Kinderbelange eine enge Interdependenz 

(BGE 142 III 481 E. 2.6). Die Kriterien, die das Bundesgericht im Zusammenhang 

mit der Obhutszuteilung im Trennungs- oder Scheidungsfall entwickelt hat, kön-

nen auf die Anwendung von Art. 301a ZGB übertragen werden (BGE 142 III 498 

E. 4.4; BGE 142 III 481 E. 2.7). Mit der Abweisung des Begehrens um einen 

Wechsel des Aufenthaltsorts des Kindes muss die Anordnung einhergehen, dass 

das Kind beim Wegzug des einen unter die Obhut des zurückbleibenden andern 

Elternteils gestellt wird; eine Gutheissung des Begehrens ist mit der Regelung zu 

verbinden, dass bei einem Wegzug dem wegziehenden Elternteil die Alleinobhut 

zugeteilt wird (BGer 5A_224/2022 vom 13. Dezember 2022, E. 3.5.2). 

2.5. Mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen hätte die Vorinstanz nicht 

davon ausgehen dürfen, dass die Gesuchstellerin nicht zeitnah nach Mexiko zu-

rückkehren wolle; auch hätte sie keine alternierende Obhut anordnen dürfen 

(Urk. 61 S. 10). Sie hätte vielmehr gestützt auf die Kriterien der Obhutszuteilung 

entscheiden müssen, wem die alleinige Obhut zuzuteilen und dementsprechend 

der Wegzug zu erlauben sei oder nicht. Vorliegend äussert sie sich im Dispositiv 

nicht zur Frage des Wegzugs, obwohl die Gesuchstellerin einen entsprechenden 

- 17 - 

Antrag gestellt hat (Urk. 1 S. 2; Urk. 26 S. 2). Sie hat indessen in den Erwägun-

gen zum Ausdruck gebracht, dass und weshalb sie einen Wegzug nicht geneh-

migt (Urk. 61 S. 9 f.). Insgesamt rechtfertigt es sich, über die Rügen der Gesuch-

stellerin ausnahmsweise reformatorisch zu entscheiden (siehe BK ZPO II-Sterchi, 

Art. 318 N 8). 

3. Bisherige Betreuungssituation und Einsatzbereitschaft 

3.1. Die Vorinstanz erwog, die Parteien seien sich über die jeweiligen Be-

treuungsanteile in der Vergangenheit nicht einig (Urk. 61 S. 8). Die Gesuchstelle-

rin sei nach dem Umzug in die Schweiz in Pensen bis zu 100 % arbeitstätig, eine 

Zeit lang aber auch ohne Erwerbstätigkeit gewesen. Der Beschäftigungsgrad des 

Gesuchsgegners habe in der Vergangenheit ebenso variiert. Aus den Ausführun-

gen der Parteien gehe sodann hervor, dass E._____ in der Vergangenheit wie-

derholt durch Dritte wie Familienangehörige oder eine Tagesmutter betreut wor-

den sei (Urk. 61 S. 9). 

3.2. Die Gesuchstellerin rügt, sie sei die Hauptbetreuungsperson von 

E._____ gewesen. Der Gesuchsgegner habe sich während des Zusammenlebens 

zurückgelehnt und sei lieber feiern gegangen, als für E._____ zu schauen. Es sei 

zwar richtig, dass er den Sohn teilweise auch betreut habe; er habe dies aber 

nicht alleine für mehrere Wochen gemacht (Urk. 60 Rz. 31). 

3.3. Der Gesuchsgegner bestreitet, dass die Gesuchstellerin die engste 

Bezugsperson von E._____ und G._____ gewesen sei. Sie habe vielmehr zu 

100 % gearbeitet. Der Gesuchsgegner habe eine sehr gute und tiefe Beziehung 

zu den Kindern und sei auch deren Bezugsperson (Urk. 70 Rz. 31). 

3.4. Die bestehende Betreuungsregelung ist an eine neue Situation anzu-

passen (siehe Art. 301a Abs. 5 ZGB). Daher bildet das bisher gelebte Betreu-

ungsmodell den Ausgangspunkt der Beurteilung. Ist ein Kind bislang von beiden 

Elternteilen weitgehend zu gleichen Teilen betreut worden (geteilte bzw. alternie-

rende Obhut) und sind beide Teile weiterhin willens und in der Lage, persönlich 

oder im Rahmen eines im Kindeswohl liegenden Betreuungskonzeptes für das 

- 18 - 

Wohl des Kindes zu sorgen, so ist die Ausgangslage gewissermassen neutral. 

Diesfalls ist anhand weiterer Kriterien (wie familiäres und wirtschaftliches Umfeld, 

Stabilität der Verhältnisse, Sprache und Beschulung, gesundheitliche Bedürfnis-

se, Meinungsäusserung älterer Kinder) zu eruieren, welche Lösung im besten In-

teresse des Kindes liegt. War hingegen der wegzugswillige Elternteil nach dem 

bisher tatsächlich gelebten Betreuungskonzept ganz oder überwiegend die Be-

zugsperson (namentlich beim klassischen Besuchsrechtsmodell), wird es tenden-

ziell zum besseren Wohl des Kindes sein, bei diesem Elternteil zu bleiben und 

folglich mit ihm wegzuziehen (BGE 142 III 481 E. 2.7; BGer 5A_224/2022 vom 

13. Dezember 2022, E. 3.1). 

3.5. Die weitgehend übereinstimmenden Angaben der Parteien bzw. die 

Belege lassen folgende Rückschlüsse auf die Arbeitsverhältnisse und die Betreu-

ungssituation zu: 

3.5.1. Die Parteien lebten spätestens ab 2017 zusammen mit G._____ in 

F._____, Mexiko (Urk. 60 Rz. 6 f.; Urk. 70 Rz. 13). Der Gesuchsgegner vermiete-

te dort über das Online-Portal "Airbnb" Unterkünfte. Die Gesuchstellerin unter-

stützte ihn während der Schwangerschaft, um damit einen Verdienst zu erzielen 

(Urk. 60 Rz. 7; Urk. 70 Rz. 16). Da die finanziellen Mittel nicht ausreichten, zog 

die Gesuchstellerin zusammen mit G._____ für einige Monate zu ihrem Vater 

nach H._____ [Stadt], Mexiko. Der Gesuchsgegner reiste zunächst für drei Mona-

te in die Schweiz und folgte ihr dann nach (Urk. 1 Rz. 14; Urk. 70 Rz. 18). Am 

tt.mm.2018 kam E._____ in H._____ zur Welt. Die Parteien zogen nach F._____ 

zurück (Urk. 1 Rz. 14 f.; Urk. 70 Rz. 19). Die Gesuchstellerin arbeitete erneut für 

den Gesuchsgegner bei der Vermietung der Wohnungen (Urk. 1 Rz. 15; siehe 

Urk. 70 Rz. 19). In der Folge lief das Geschäft des Gesuchsgegners schlechter 

und die finanzielle Situation verdüsterte sich. Die Parteien entschieden, für ein 

Jahr in die Schweiz zu reisen und hier Geld zu verdienen (Urk. 60 Rz. 8; Urk. 70 

Rz. 20 f.). 

3.5.2. Im Mai 2018 reiste der Gesuchsgegner in die Schweiz, im Juni oder 

Juli 2018 folgte die Gesuchstellerin mit den beiden Kindern (Urk. 9 Rz. 4; siehe 

Urk. 1 Rz. 18 und 21; Urk. 60 Rz. 8). Es ist unklar, ob der Gesuchsgegner in die-

- 19 - 

ser Zeit erwerbstätig war (siehe Urk. 1 Rz. 23; Urk. 70 Rz. 24). Am 1. Dezember 

2018 begann die Gesuchstellerin als Housekeeping Allrounder im Stundenlohn für 

die I._____ AG zu arbeiten (Urk. 3/12). Nach eigener Darstellung arbeitete sie 

Vollzeit (Urk. 60 Rz. 61). Per 1. April 2019 war sie in einem Pensum von 100 % 

für die I._____ AG als Housekeeping Attendant Public Area tätig (Urk. 3/13). Un-

bestritten ist, dass ab Dezember 2018 diverse Familienangehörige in die Schweiz 

kamen, um E._____ zu betreuen. So war vom 14. Dezember 2018 bis zum 

1. April 2020 fast durchgehend ein Familienmitglied anwesend (Urk. 60 Rz. 32; 

siehe Prot. I, S. 26; Urk. 70 Rz. 24). Die Parallelität zwischen der Arbeit der Ge-

suchstellerin und der Drittbetreuung deutet darauf hin, dass der Gesuchsgegner 

in die Betreuung von E._____ nicht wesentlich involviert war. Dies war offenbar 

auch seine Ansicht. So schrieb er 2019, "I told you from the beginning you should 

stay withr he kids and only i work" (Urk. 14/55.1 S. 4). Im selben Jahr erzielte er 

als Aushilfe im Verkauf ein Jahresnettoeinkommen von Fr. 19'823.– oder monat-

lich Fr. 1'652.– bei der J._____ GmbH (Urk. 10/15). Diese bezweckt gemäss 

Handelsregistereintrag unter anderem den Betrieb von Detailhandelsbetrieben. 

Mit Blick auf den Lohn und die Funktion ist davon auszugehen, dass der Ge-

suchsgegner in einem Pensum von rund 50 % tätig war. 

3.5.3. Die Gesuchstellerin kündigte ihre Stelle bei der I._____ AG per Ende 

März 2020, konnte in der Folge aber die neue Stelle bei der K._____ AG 

coronabedingt nicht antreten (Urk. 3/17–18; siehe Urk. 70 Rz. 26). 2020 erzielte 

der Gesuchsgegner bei der J._____ GmbH ein Jahresnettoeinkommen von 

Fr. 28'343.– oder monatlich Fr. 2'362.– (Urk. 10/14). Es ist davon auszugehen, 

dass er in einem Pensum von ungefähr 70 % arbeitete (siehe E. III.3.5.2.). Die 

Gesuchstellerin war bis August 2021 arbeitslos (Urk. 60 Rz. 34; Urk. 70 Rz. 26). 

Es erscheint daher (und mit Blick auf die fehlende Drittbetreuung in dieser Zeit) 

glaubhaft, dass sie E._____ von April 2020 bis längstens August 2021 hauptsäch-

lich betreut hat. Im April 2021 verbrachte sie mit ihrer Tochter für mindestens vier 

Wochen Ferien in Mexiko; E._____ blieb beim Gesuchsgegner in der Schweiz 

(Urk. 60 Rz. 31; Urk. 70 Rz. 53). Die Gesuchstellerin bringt vor, sie habe für diese 

Zeit eine Drittbetreuung organisiert, geschlafen habe E._____ jedoch beim Vater 

(Urk. 60 Rz. 31). Der Gesuchsgegner behauptet, er habe den Sohn in dieser Zeit 

- 20 - 

alleine betreut (Urk. 70 Rz. 53). Wie es sich im Einzelnen verhielt, ist jedoch nicht 

rechtserheblich, da es sich um einen nicht ausschlaggebenden, kurzen Zeitraum 

handelt. 

3.5.4. Am 17. März 2021 begann der Gesuchsgegner als Kurier bei der 

L._____ AG zu arbeiten (Urk. 19/28). Von Mai 2021 bis September 2021 arbeitete 

er monatlich durchschnittlich während rund 100 Stunden, was einem Pensum von 

rund (100 h / 22 d / 8 h/d) 55 % entspricht; weitere durchschnittlich 27 Stunden 

pro Monat war er auf Abruf bereit (Urk. 10/13). Ähnlich verhielt es sich im Dezem-

ber 2021, während er im Januar 2022 etwas mehr arbeitete (Urk. 28/7). Am 

23. August 2021 schlossen die Parteien einen Betreuungsvertrag mit einer Ta-

gesmutter ab (Urk. 3/23; siehe Urk. 60 Rz. 34). Im September 2021 betreute letz-

tere E._____ an insgesamt 16 Wochentagen in der Regel von morgens (zwischen 

9 Uhr und 10.30 Uhr) bis in den frühen Nachmittag (zwischen 13 Uhr und 14 Uhr; 

Urk. 3/24). Ebenfalls am 23. August 2021 unterschrieb die Gesuchstellerin einen 

Arbeitsvertrag mit der M._____ AG. Danach begann sie am 25. August 2021 

durchschnittlich 25 Stunden pro Woche als Betriebsangestellte Post Rotation zu 

arbeiten (Urk. 3/20). Effektiv arbeitete sie im September 2021 während 37.17 und 

im November 2021 während 93.85 Stunden (Urk. 3/21). Daneben war sie auch für 

die N._____ AG tätig: Im August 2021 arbeitete sie an sechs Tagen durchschnitt-

lich rund fünf Stunden pro Tag, im September 2021 an zwei Tagen und im Okto-

ber 2021 an 15 Tagen, wobei es durchschnittlich wiederum rund fünf Stunden pro 

Tag waren (Urk. 3/22). Etwas mehr, nämlich durchschnittlich 6.5 Stunden pro 

Tag, arbeitete sie an insgesamt neun Tagen auch im November 2021 

(Urk. 14/46). Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die Tagesmutter einen 

Teil der Betreuung übernahm, als die Gesuchstellerin zu arbeiten begann; mit 

Blick auf das ungefähr gleichbleibende Arbeitspensum des Gesuchsgegners ist 

davon auszugehen, dass die Tagesmutter E._____ zu jenen Tageszeiten betreu-

te, an welchen diese Aufgabe der Gesuchstellerin zugekommen war, als sie ar-

beitslos gewesen war. 

3.5.5. Die Gesuchstellerin kündigte ihren Arbeitsvertrag mit der M._____ AG 

per 31. Januar 2022 (siehe Urk. 78/72/5). Am 3. Januar 2022 begann sie im 

- 21 - 

Stundenlohn auf Abruf ohne fixes Pensum für die O._____ AG zu arbeiten. Seit 

dem 1. Februar 2022 ist sie dort in einem Pensum von 80 % tätig, zunächst als 

Agent Check-in & Gate und seit 1. Juli 2022 als Agent CSM Support 

(Urk. 78/72/8). 

3.5.6. Im März 2022 kamen die Mutter und die Cousine der Gesuchstellerin 

in die Schweiz, wobei letztere E._____ zumindest betreute, wenn die Parteien ar-

beiteten (Urk. 60 Rz. 34; Urk. 70 Rz. 38). Es ist unbestritten, dass die Parteien 

nach der Abreise der Verwandten eine aus der Ukraine geflüchtete Person auf-

nahmen, welche E._____ bis im Mai 2022 betreute. Die Gesuchstellerin arbeitete 

am Flughafen P._____ insbesondere am frühen Morgen Schicht, sodass sie die 

Betreuung am Nachmittag übernehmen konnte (Urk. 60 Rz. 34; siehe Urk. 70 

Rz. 68). 

3.5.7. Am 15. Juli 2022 zog der Gesuchsgegner aus der ehelichen Wohnung 

aus; die Parteien sind sich nicht einig, wo E._____ seither wohnt (Urk. 44 f.; 

Urk. 49). Die Gesuchstellerin führt aus, dass er regelmässig beim Vater übernach-

tet habe (Urk. 60 Rz. 34). Nach Ansicht des Gesuchsgegners ist E._____ zu 80 % 

in seiner Obhut gewesen. Im August 2022 sei die Schwester der Gesuchstellerin 

in die Schweiz gekommen, worauf die Parteien E._____ hälftig betreut hätten 

(Urk. 70 Rz. 67 und 74). Der Gesuchsgegner arbeitete in den Monaten Juli 2022 

und August 2022 durchschnittlich 117 Stunden pro Monat (siehe Urk. 78/64/3). 

Dies entspricht einem Pensum von rund 60 %. Bei diesem Pensum erscheint es 

nicht glaubhaft, dass er den Sohn zu 80 % betreut hat. Zu berücksichtigen ist so-

dann, dass E._____ seit August 2022 den Kindergarten besucht (siehe Urk. 70 

Rz. 52 und 54; Urk. 75/1). Insgesamt erscheint glaubhaft, dass er E._____ seit 

Mitte Juli 2022 in erheblichem Umfang betreut. Die Gesuchstellerin leistete im Ju-

ni 2022 68.15, im Juli 2022 93.05 und im August 2022 22.07 Überstunden 

(Urk. 64/8; Urk. 78/72/8). Es ist daher nicht davon auszugehen, dass sie für 

E._____ in diesen drei Monaten in wesentlichem Umfang selbst sorgte. Die 

L._____ AG kündigte das Arbeitsverhältnis mit dem Gesuchsgegner per 

30. Oktober 2022 (Urk. 78/64/4). Spätestens seit dem 1. Dezember 2022 bezieht 

letzterer Sozialhilfe (Urk. 78/68/10–11). 

- 22 - 

3.6. Ein Elternteil, welcher eine Drittbetreuung bloss organisiert, kann ent-

gegen der Gesuchstellerin (Urk. 60 Rz. 31 und 61) nicht als Hauptbetreuungsper-

son gelten. Massgebend ist die effektive Betreuung durch einen Elternteil, weil 

das Kriterium der bisherigen Betreuungssituation in der Bindung zwischen Kind 

und hauptbetreuendem Elternteil begründet ist (siehe auch BGer 5A_589/2021 

vom 23. Juni 2022, E. 3.1.2). Daraus folgt, dass – je nach Ausmass der Drittbe-

treuung – unter Umständen auch der nicht organisierende Elternteil als Hauptbe-

treuungsperson qualifiziert werden kann. Die Gesuchstellerin arbeitete tendenziell 

etwas mehr als der Gesuchsgegner. Allerdings war sie mit Ausnahme des Zeit-

raums von Dezember 2018 bis Ende März 2020 nicht Vollzeit erwerbstätig. In je-

nem Zeitraum war fast durchgehend ein Familienmitglied anwesend und half zu-

mindest bei der Betreuung. Auch der Gesuchsgegner arbeitete Teilzeit. E._____ 

wurde schon sehr früh von diversen Drittpersonen betreut. Damit erscheint keine 

der Parteien als alleinige Hauptbetreuungsperson des Kindes. Aufgrund ihrer An-

wesenheit sind sie jedoch beide als Hauptbezugspersonen zu qualifizieren. Zu-

sammenfassend ist die bisherige Betreuungssituation neutral zu gewichten. 

3.7. Zu berücksichtigen ist indessen, dass die Gesuchstellerin 2018 mit 

zwei Kindern dem Gesuchsgegner in die Schweiz – ein Land fernab ihrer Heimat 

– folgte. In kurzer Zeit gelang es ihr, im hiesigen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und 

eine Drittbetreuung für die Kinder zu organisieren (E. III.3.5.2. f.). Ihr Einkommen 

war 2019 mehr als doppelt so hoch wie jenes des Gesuchsgegners (Urk. 10/15 

S. 2). Letzterer behauptet, E._____ aktuell zu 50 % zu betreuen (Urk. 70 Rz. 74), 

bringt aber nicht vor, eine neue Arbeit zu suchen (siehe Urk. 78/60 Rz. 23; 

Urk. 78/66). Er möchte nicht so viel verdienen, dass er seine Schulden abzahlen 

könnte, sondern lieber ein guter Vater sein (Urk. 78/70 Rz. 17; Urk. 78/72/1). Da-

mit verkennt er, dass ein Elternteil insbesondere im Rahmen einer alternierenden 

Betreuung nicht nur präsent sein, sondern sich auch sich auch um die Erfüllung 

der finanziellen Bedürfnisse des Kindes kümmern sollte. Dazu gehört, dass er 

seine Arbeitskapazität umfassend ausschöpft (BGE 147 III 265 E. 7.4). Dies gilt 

namentlich vorliegend, da E._____ den Kindergarten besucht und in der übrigen 

Zeit bloss hälftig vom Gesuchsgegner betreut wird, wenn man seine Behauptung 

- 23 - 

als glaubhaft erachtet. Insgesamt zeigt die Gesuchstellerin eine erheblich höhere 

Einsatzbereitschaft, wenn es darum geht, für E._____ zu sorgen. 

4. Erziehungsfähigkeit der Parteien 

4.1. Die Vorinstanz erwog, der Gesuchsgegner spreche der Gesuchstellerin 

die Erziehungsfähigkeit nicht ab. Auf der anderen Seite sei es der Gesuchstellerin 

nicht gelungen, die von ihr geltend gemachte Einschränkung in der Erziehungsfä-

higkeit des Gesuchsgegners, namentlich dessen Alkohol- und Drogenkonsum, 

glaubhaft darzulegen. Entsprechend lägen keine Gründe vor, um einer Partei die 

Erziehungsfähigkeit abzusprechen. Anlässlich der Hauptverhandlung hätten beide 

Parteien übereinstimmend ausgeführt, dass sie beide das Kind schon betreut hät-

ten. Beide seien hierzu zweifelsohne in der Lage. Die Gesuchstellerin habe dem 

Gesuchsgegner das Kind gemäss übereinstimmender Parteiaussagen sodann für 

mehrere Wochen allein zur Betreuung überlassen, während sie sich im Ausland 

aufgehalten habe. Entsprechend sei stark davon auszugehen, dass sie ebenfalls 

die Auffassung vertrete, dass er sich gut um das gemeinsame Kind kümmere. Der 

Gesuchsgegner bestreite seinerseits nicht, dass die Gesuchstellerin das Kind 

nicht ordentlich betreut hätte bzw. hierzu nicht in der Lage wäre (Urk. 61 S. 8). 

4.2. Die Gesuchstellerin rügt, der Gesuchsgegner habe in der Vergangen-

heit und nach ihrem Wissen auch heute wieder Drogen konsumiert. Sie habe erst-

instanzlich beantragt, dass man ein toxikologisches Gutachten einhole. Die Vorin-

stanz habe dies nicht gemacht und unberücksichtigt gelassen, dass der Ge-

suchsgegner in zahlreichen verurkundeten Textnachrichten seinen erheblichen 

Alkoholkonsum eingestanden habe. Er habe etwa geschrieben: "And went to the 

talk with a hang over." Aus der Nachricht vom 16. Juni 2020 ergebe sich ferner, 

dass der Alkoholabusus anhaltend gewesen sei. Aus der Konversation vom 

8. September 2020 gehe sodann unmissverständlich hervor, dass er erneut zu 

viel Alkohol konsumiert habe und ausser Gefecht sei. Trotzdem habe er bereits 

am 11. September 2020 wieder übermässig viel getrunken. Ebenso sei er am 

22. September 2020 zu stark verkatert gewesen, um Besuch zu empfangen. Im 

Weiteren gehe aus einem Streit zwischen den Parteien vom 15. Oktober 2021 

hervor, dass der Gesuchsgegner deutlich zu viel trinke und Kokain konsumiere 

- 24 - 

(Urk. 60 Rz. 35). Ein Kollege des Gesuchsgegners namens Q._____ habe ge-

genüber der Gesuchstellerin festgehalten, dass der Gesuchsgegner erhebliche 

Probleme im Leben habe. Auch halte Q._____ fest, dass der Gesuchsgegner mit 

einem Nebengeschäft pro Monat Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.– verdient habe. Die 

Gesuchstellerin vermute, dass es sich hierbei um den Handel mit Kokain handle. 

Er habe ihr auch gesagt, dass er Drogen besitze und damit handle. Damit sei 

glaubhaft, dass er Alkohol und harte Drogen konsumiert habe. Es wäre zwingend 

ein toxikologisches Gutachten einzuholen gewesen. Indem die Vorinstanz nicht 

darüber befunden habe, habe sie Art. 152 Abs. 1 ZPO verletzt (Urk. 60 Rz. 36). 

E._____ zeige seit einigen Monaten Verhaltensauffälligkeiten. Er sei oft zornig. 

Die Gesuchstellerin habe sich bei einer Fachperson Unterstützung geholt und dort 

wichtige Anweisungen erhalten. Sie halte es für problematisch, dass der Ge-

suchsgegner E._____s Verhalten als Bagatelle abtue (Urk. 60 Rz. 37). In der 

Vergangenheit sei mehrheitlich entweder ein Familienmitglied oder eine bekannte 

Person der Gesuchstellerin in deren Wohnung anwesend gewesen, um E._____ 

(und in der Zeit des hiesigen Wohnsitzes auch G._____) zu betreuen, während 

die Gesuchstellerin gearbeitet habe. Der Gesuchsgegner habe in diversen Text-

nachrichten festgehalten, dass er übermässig feiern und zu Hause keine Hilfe 

gewesen sei. Weiter hätten R._____ (14. Dezember 2018 bis 24. Februar 2019), 

S._____ (15. Juli 2019 bis 25. August 2019), T._____ (26. Oktober 2019 bis 

4. Januar 2020) und U._____ (1. Februar 2020 bis 1. April 2020) bestätigt, dass 

sie während ihrer mehrmonatigen hiesigen Anwesenheit für das Wohl von 

E._____ geschaut hätten. Die Gesuchstellerin habe zu jenem Zeitpunkt 100 % 

gearbeitet. Der Gesuchsgegner sei nicht zur Verfügung gestanden. Ihm sei in der 

Kindererziehung nur eine untergeordnete Rolle zugekommen. Die Betreuungs-

verantwortung sei damit im Wesentlichen der Gesuchstellerin zugekommen. Sie 

habe die Drittbetreuung organisiert. Der Gesuchsgegner habe nichts machen 

müssen und in Ermangelung seiner Fähigkeiten auch nicht können (Urk. 60 

Rz. 61). Er sei damit augenscheinlich nicht erziehungsfähig (Urk. 60 Rz. 38 und 

62). 

4.3. Der Gesuchsgegner entgegnet, er habe durch die mehrheitliche Be-

treuung von E._____, unter anderem wenn die Gesuchstellerin zu 100 % arbeite, 

- 25 - 

bewiesen, dass er erziehungsfähig sei (Urk. 70 Rz. 36). Letztere habe im Vorver-

fahren anerkannt, dass zwischen E._____ und ihm eine gute Beziehung bestehe. 

Dies widerlege ihre sonstigen unbegründeten Vorwürfe (Urk. 70 Rz. 37). Die ein-

gereichten WhatsApp-Nachrichten seien aus dem Zusammenhang gerissen und 

nicht einmal datiert. Die Gesuchstellerin selber habe ausgeführt, sie würden aus 

dem Jahr 2019 und 2020 stammen. Solche SMS seien nicht aktuell und zeigten in 

keiner Weise ein Alkoholproblem. Vielmehr handle es sich um Wortaustausche 

von streitenden Ehegatten. Ein Alkohol- oder Drogenproblem bestehe nicht, wie 

ärztlich belegt worden sei (Urk. 70 Rz. 39). Die Gesuchstellerin erwähne Leute, 

welche ihre Anschuldigungen belegen würden. Bei den erwähnten Personen 

handle es sich um Familienmitglieder der Gesuchstellerin bzw. bei einer Person 

um den besten Kollegen. Es treffe zu, dass diese teilweise bei den Parteien ge-

wohnt hätten. Sie hätten nach E._____ geschaut, wenn beide Parteien gearbeitet 

hätten. Wenn der Gesuchsgegner nicht gearbeitet habe, habe er auf E._____ ge-

schaut. Bei den ins Recht gelegten Schreiben handle es sich um von der Ge-

suchstellerin vorformulierte Briefe, die mit Ausnahme der Namen identisch seien 

(Urk. 70 Rz. 40). Der Gesuchsgegner betreibe keine Nebengeschäfte, welche ihm 

pro Monat Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.– einbrächten. Auch handle er nicht mit oder 

konsumiere Kokain. Er habe sich ärztlich auf Alkohol und Drogen testen lassen; 

die Ergebnisse seien negativ gewesen (Urk. 70 Rz. 45 und 51). Die Gesuchstelle-

rin habe in keiner Art und Weise belegt, dass er E._____s Wohl gefährde. Sie ha-

be vielmehr im WhatsApp vom 15. September 2021 bestätigt, dass er ein guter 

Vater sei und dass beide Eltern für E._____ sorgen könnten (Urk. 70 Rz. 46). 

Auch die Tagesmutter, Frau V._____, und eine Bekannte, Frau W._____, hätten 

bestätigt, dass er ein liebevoller und verantwortungsvoller Vater sei (Urk. 70 

Rz. 51). 

4.4. Die Erziehungsfähigkeit ist die grundlegende Kompetenz eines Eltern-

teils, die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse seines Kindes zu erkennen, 

das Kind zu versorgen und zu betreuen sowie erzieherisch angemessen auf die 

kindlichen Bedürfnisse einzugehen. Dazu gehören (1) die Fähigkeit und Bereit-

schaft, als Bindungsperson für das Kind zu fungieren, (2) die Fähigkeit, die Be-

dürfnisse und Signale des Kindes zu erkennen und angemessen auf sie zu rea-

- 26 - 

gieren, (3) die Fähigkeit, Werte und Regeln zu vermitteln, (4) die Fähigkeit, dem 

Kind Wertschätzung entgegenzubringen sowie (5) die Fähigkeit, Kontinuität in Er-

ziehung, Beziehung und Umfeld herzustellen. Die elterlichen Kompetenzen sind 

differenziert zu beurteilen. Sind bestimmte Erziehungsaspekte oder auch nur ein 

einzelner davon als dysfunktional einzustufen, kann die Erziehungsfähigkeit ganz 

oder partiell in Frage gestellt sein (Revital Ludewig/Sonja Baumer/Josef Salzge-

ber/Christoph Häfeli/Kurt Albermann, Richterliche und behördliche Entschei-

dungsfindung zwischen Kindeswohl und Elternwohl: Erziehungsfähigkeit bei Fa-

milien mit einem psychisch kranken Elternteil, FamPra.ch 2015, S. 562 ff., 

S. 574 f.). Die Erziehungsfähigkeit ist eine grundlegende Voraussetzung, um ob-

hutsberechtigt zu sein (BGE 142 III 612 E. 4.3 f.; BGer 5A_748/2022 vom 

9. Februar 2023, E. 3.4.2; BGer 5A_462/2019 vom 29. Januar 2020, E. 3.2; BGer 

5A_11/2020 vom 13. Mai 2020, E. 3.3.3.1; BGer 5A_629/2019 vom 13. November 

2020, E. 4.2; BGer 5A_569/2020 vom 15. Dezember 2020, E. 3.1). Das Ehe-

schutzverfahren ist summarischer Natur, weshalb vom Einholen eines Gutachtens 

grundsätzlich abzusehen ist (BGer 5A_901/2017 vom 27. März 2018, E. 2.3). 

4.5. Vorab ist festzuhalten, dass die Gesuchstellerin dem Gesuchsgegner 

pauschal vorwirft, übermässig Alkohol und Drogen zu konsumieren und daher 

nicht in der Lage zu sein, für E._____ zu sorgen. Sie zeigt dagegen nicht auf, in-

wiefern der Gesuchsgegner das Kindswohl konkret gefährdet hätte, im Gegenteil: 

Sie gab vor Vorinstanz zu Protokoll, der Alkoholkonsum habe sich nicht auf 

E._____ ausgewirkt, weil der Gesuchsgegner trinke, wenn E._____ bereits im 

Bett sei (Prot. I, S. 20). Damit bestätigte sie zugleich, dass der Gesuchsgegner 

tagsüber nicht trinkt. Die eingereichten WhatsApp-Konversationen belegen keinen 

regelmässigen Alkoholkonsum; ein solcher ist nur ganz am Rande (wenn über-

haupt) ein Thema (Urk. 14/55.1; Urk. 14/55.2). Am 15. Oktober 2021 warf die Ge-

suchstellerin dem Gesuchsgegner vor, er habe immer getrunken und Kokain 

("coke") genommen, seit sie sich zum ersten Mal getroffen hätten. Der Gesuchs-

gegner bestritt dies und meinte, er habe nur einmal pro Woche getrunken. In jener 

Zeit stand der Alkoholkonsum offenbar im Zusammenhang mit den Beziehungs-

problemen der Parteien (Urk. 14/55.3 S. 1 f.). Die von der Gesuchstellerin zitierten 

Stellen stammen aus der Periode zwischen 2019 und 2021; sie liegen mithin eini-

- 27 - 

ge Zeit zurück. Zudem lassen sie keinen Zusammenhang zu den Kompetenzen 

erkennen, welche für die Erziehungsfähigkeit massgebend sind (Urk. 60 Rz. 35; 

Urk. 14/55.1; Urk. 14/55.2; Urk. 14/55.3). Q._____ schrieb der Gesuchstellerin, 

"he [der Gesuchsgegner] use to tell me that his side business, was bringing him 3-

4k monthly" (Urk. 14/56 S. 5). Die Gesuchstellerin gesteht selber ein, dass sie ge-

stützt darauf vermute, dass es dabei um Kokainhandel gehe (Urk. 60 Rz. 36). Mit 

der Vermutung behauptet sie einen solchen jedoch nicht einmal und glaubhaft 

gemacht ist er damit erst recht nicht. Weiter liegt ein Schreiben von Dr. med. 

AA._____ vom 3. Dezember 2021 bei den vorinstanzlichen Akten. Der Arzt bestä-

tigt, dass beim Gesuchsgegner weder klinisch noch mittels Labor ein Alkohol- o-

der Drogenproblem nachgewiesen werden könne (Urk. 10/7). Die Gesuchstellerin 

äussert sich nicht zu diesem Bericht. Aus den Schreiben von S._____, R._____, 

S._____ und T._____ (Urk. 14/50–53) ergibt sich nichts hinsichtlich der Erzie-

hungsfähigkeit des Gesuchsgegners. Die Inhalte dieser Schreiben sind zudem mit 

Ausnahme der Aufenthaltsdauer und der Kontaktdaten der jeweiligen Personen 

wortwörtlich identisch, weshalb davon auszugehen ist, dass die Unterschreiben-

den die Texte nicht selber verfasst haben. Unabhängig davon erscheint jedoch 

glaubhaft, dass der Gesuchsgegner E._____ in den Jahren 2018 bis 2020 nicht 

wesentlich betreute (E. III.3.5.2. f.). Dies kann auf eine fehlende Erziehungsfähig-

keit, aber auch auf andere Gründe (beispielsweise fehlender Wille) zurückzufüh-

ren sein. Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass der Gesuchsgegner für E._____ 

spätestens seit seinem Auszug aus der ehelichen Wohnung in der Zeit, welche 

E._____ bei ihm verbringt, selber und ohne fremde Hilfe sorgt (E. III.3.5.7.). Für 

jenen Zeitraum hat die Gesuchstellerin nichts vorgebracht, was seine Erziehungs-

fähigkeit in Frage stellen würde (ihre Ausführungen zu E._____s Verhaltensauffäl-

ligkeiten beziehen sich auf die Aussagen der Parteien anlässlich der Verhandlung 

vom 4. März 2022 [Urk. 60 Rz. 37; Prot. I, S. 6 und 18]). Damit erscheint nicht 

glaubhaft, dass die unwesentliche Betreuung in den Jahren 2018 bis 2020 auf ei-

ne fehlende oder eingeschränkte Erziehungsfähigkeit zurückzuführen ist. 

4.6. Zusammenfassend vermag die Gesuchstellerin nicht glaubhaft zu ma-

chen, dass der Gesuchsgegner ein Alkohol- oder Drogenproblem hat, welches 

sich auf seine Erziehungsfähigkeit auswirkt. Es ist vor diesem Hintergrund (und 

- 28 - 

aufgrund des summarischen Charakters des Eheschutzverfahrens) auch nicht zu 

beanstanden, wenn die Vorinstanz kein toxikologisches Gutachten bezüglich Be-

täubungsmittelkonsum des Gesuchsgegners eingeholt hat. Der entsprechende 

Antrag (Urk. 60 Rz. 60) ist (auch) im Berufungsverfahren abzuweisen. Die Erzie-

hungsfähigkeit des Gesuchsgegners ist zu bejahen. Dasselbe gilt in Ermangelung 

entsprechender Rügen für jene der Gesuchstellerin. 

5. Familiäres Umfeld 

5.1. Die Vorinstanz äusserte sich nicht zum familiären Umfeld (siehe 

Urk. 61 S. 7 ff.). 

5.2. Die Gesuchstellerin führt aus, sie habe in F._____ zusammen mit dem 

Gesuchsgegner länger gewohnt und verfüge über ein breites Beziehungsnetz. Sie 

könne dadurch auf eine weite Unterstützung durch Bekannte und Familie (Vater, 

Schwester) zählen. Diese würden nach F._____ reisen, um sie zu unterstützen. 

E._____ kenne die Familie mütterlicherseits durch deren Besuche und Aufenthal-

te in D._____ gut. Er sei mit ihnen bestens vertraut, da sie ihn während der Ar-

beitstage der Gesuchstellerin bereits mehrmals gehütet hätten (Urk. 60 Rz. 46). 

Überdies könne es nicht im Wohl von E._____ liegen, getrennt von seiner 

Schwester G._____ aufzuwachsen. Nach deren Ausreise nach Mexiko im Sep-

tember 2021 habe sich gezeigt, dass er sie schmerzlich vermisst habe (Urk. 60 

Rz. 51). Seit August 2022 halte sie sich wieder in der Schweiz auf. Ihre Eltern ver-

fügten über das geteilte Sorgerecht, weshalb der Vater von G._____, AB._____, 

der Ausreise Richtung Schweiz habe zustimmen müssen. G._____ habe in der 

Vergangenheit bereits den Wunsch geäussert, zurück nach Mexiko zu gehen und 

fortan dort zu wohnen (Urk. 60 Rz. 63). Dem Gesuchsgegner stünde im Gegen-

satz zur ihr kein familiäres Unterstützungsnetz zur Verfügung, da er nur zur Mutter 

und zur Schwester Kontakt pflege. Die Schwester wohne in Norddeutschland. Die 

Mutter sei in E._____s Leben ebenso wenig präsent gewesen. Der Gesuchsgeg-

ner habe selber ausgeführt, dass seit Pandemiebeginn kein Kontakt mehr be-

standen habe. Zum Vater des Gesuchsgegners bestehe unbestrittenermassen 

kein Kontakt (Urk. 60 Rz. 52). 

- 29 - 

5.3. Der Gesuchsgegner bestätigt, dass G._____ im September 2021 nach 

Mexiko ausgereist sei und seit Mitte August 2022 wieder in der Schweiz bei der 

Gesuchstellerin wohne (Urk. 70 Rz. 22 und 28). Es treffe nicht zu, dass die hier 

wohnhaften Familienmitglieder des Gesuchsgegners (insbesondere Schwester, 

Mutter, Vater) keine Hilfe anbieten und leisten würden. Die Schwester wohne 

nicht in der Schweiz, sondern in Norddeutschland. Die Mutter des Gesuchsgeg-

ners sei ungefähr einmal pro Woche zu den Parteien gekommen und habe mit 

den Kindern geholfen. Zudem hätten die Kinder am Anfang fast jedes zweite Wo-

chenende bei der Mutter verbracht, bis das Corona-Virus gekommen sei. Der 

Freund der Mutter habe ein Loch in der Lunge und Lymphomkrebs. Die Mutter 

habe Angst bekommen, sie könnte ihn anstecken, weshalb sie nicht mehr vorbei-

gekommen sei. Nach der Pandemie sei sie wieder gekommen, aber nicht mehr so 

häufig. Ab und zu hätten die Kinder auch ein Wochenende bei seiner Mutter in 

AC._____ verbracht. Zum Vater des Gesuchsgegners hätten die Kinder keinen 

Kontakt (Urk. 70 Rz. 31). 

5.4. Zu den Kriterien, nach denen im Streitfall über die Zuteilung der Obhut 

zu entscheiden ist, gehört auch das familiäre Umfeld (BGE 142 III 481 E. 2.7). 

Dabei gilt der Grundsatz, dass Geschwister nach Möglichkeit nicht zu trennen 

sind. Dieser Grundsatz bezweckt, für (volle) Geschwister unterschiedliche Ob-

hutsregelungen zu vermeiden. Er kennt freilich Ausnahmen und Differenzierun-

gen: Ist bei Geschwistern, etwa wegen eines Altersunterschiedes, von unter-

schiedlichen Bedürfnissen und insbesondere von verschiedenen emotionalen 

Bindungen und Wünschen auszugehen, kann auch eine Trennung der Geschwis-

ter im Kindeswohl sein. Bei Halbgeschwistern liegt es sodann in der Natur der 

Sache, dass verschiedene Obhutsregelungen unter Umständen unvermeidbar 

sind, da die Halbgeschwister nicht beide Eltern teilen und jeder Elternteil aus an-

deren Verbindungen weitere Kinder haben kann (BGer 5A_637/2022 vom 

9. Februar 2023, E. 3.2.1; siehe auch BGer 5A_277/2022 vom 20. Mai 2022, 

E. 5). 

5.5. Diverse Familienmitglieder der Gesuchstellerin haben E._____ schon 

über längere Zeit in der Schweiz betreut (E. III.3.5.2. und III.3.5.6.). Demgegen-

- 30 - 

über ist unbestritten, dass väterlicherseits einzig zur Grossmutter Kontakt bestand 

bzw. besteht, wobei dieser selbst nach Darstellung des Gesuchsgegners sporadi-

scher Natur ist (Urk. 60 Rz. 52; Urk. 70 Rz. 31). Das Vorbringen der Gesuchstelle-

rin, wonach sie in F._____ über ein breites Beziehungsnetz verfüge und auf die 

Unterstützung von Bekannten und Familie zählen könne (Urk. 60 Rz. 46), blieb 

unbestritten. Der Umstand, dass E._____ sodann bei einem Umzug nach Mexiko 

weiterhin mit seiner Schwester G._____ zusammenleben könnte, stellt zwar nicht 

das massgebliche Kriterium dar, spricht aber grundsätzlich auch für seinen Um-

zug nach Mexiko. 

5.6. Zusammenfassend spricht das familiäre Umfeld für einen Wegzug. 

6. Wirtschaftliche Situation, zukünftige Betreuung und Sicherheit 

6.1. Die Vorinstanz äussert sich nicht zur wirtschaftlichen Situation, der zu-

künftigen Betreuung und der Sicherheit (siehe Urk. 61 S. 7 ff.). 

6.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, sie werde in Mexiko ein gutes Ein-

kommen erzielen, da sie umgehend in einem Call-Center werde einsteigen kön-

nen. Das Salär betrage USD 10'000.– und liege deutlich über dem mexikanischen 

Durchschnittseinkommen von rund USD 720.–. Sie habe mit der Firma 

"AD._____" einen Vorvertrag für einen Arbeitsvertrag abgeschlossen. Die Arbeit-

geberin sei eine in AE._____ [Stadt], Vereinigte Staaten von Amerika, domizilierte 

Immobiliengesellschaft. Man werde sie als Online-Assistentin anstellen und sie 

könne in F._____ arbeiten. Neben der Teilzeitarbeit stehe eine Nanny zur Verfü-

gung (Urk. 60 Rz. 43). Im Weiteren werde sie wie früher in eine Wohnung mit ho-

hen Sicherheitsstandards ziehen. Diese werde in einem geschlossenen Wohn-

komplex mit Zugangsbeschränkungen für Nichtbewohner ("gated community") 

liegen. Dadurch sei die Sicherheit der Gesuchstellerin und der Kinder ohne Weite-

res gewahrt. Die Gesuchstellerin habe mit AF._____ einen Vorvertrag bezüglich 

des Mietobjekts an der AG._____ [Adresse], Haus Nr. 2, in F._____ abgeschlos-

sen (Urk. 60 Rz. 44). Der Gesuchsgegner habe mehrere Jahre in F._____ gelebt. 

Bedenken habe er offenbar keine gehabt. Zudem bestreite er gerade nicht, dass 

ursprünglich die Rückkehr nach Mexiko mit der gesamten Familie geplant gewe-

- 31 - 

sen sei. Auch diesbezüglich seien die nunmehr geäusserten Ängste betreffend 

"Kartellkriege" nachgeschoben (Urk. 60 Rz. 45). Die Alternative wäre der Verbleib 

in der Schweiz beim Vater. Es sei besorgniserregend, dass er in der Vergangen-

heit zu Hause harte Drogen konsumiert und übermässig Alkohol zu sich genom-

men habe. Weiter habe er zugestandenermassen erhebliche Schulden in der Hö-

he von einer halben Million Franken. Er halte selber fest, dass er diese auch künf-

tig nicht tilgen könne. Die Schuldenwirtschaft sei anhaltend. Seit der Wohnsitz-

nahme in D._____ ab November 2019 hätten sich per 15. November 2021 bereits 

wieder Verlustscheine in der Höhe von Fr. 34'993.50 kumuliert. Diese Misswirt-

schaft werde er auch künftig nicht beseitigen können. Er habe bis anhin einzig in 

niedrigen Arbeitspensen gearbeitet und die jeweiligen Arbeitsstellen schnell wie-

der verloren. Er unterliege der Lohnpfändung. E._____ würde beim Gesuchsgeg-

ner an der Armutsgrenze und unter der öffentlichen Fürsorge aufwachsen. Eine 

Drittbetreuung, Hobbys (etwa Fussballclub) oder medizinische Eingriffe (etwa 

Zahnarzt) könnte man sich nicht leisten (Urk. 60 Rz. 49). Der Gesuchsgegner ha-

be die Wohnung am C._____-weg 1 in D._____ Mitte Juli 2022 verlassen. Es sei 

davon auszugehen, dass er wegen seiner desolaten finanziellen Lage einzig über 

eine kleine Wohnung, die ohnehin noch befristet sei, verfüge. Es handle sich um 

ein Abbruchhaus. Ein baldiger Umzug sei mithin unumgänglich. Dies könne nicht 

im Kindeswohl liegen. Die Vorinstanz habe die fragliche Wohnsituation des Ge-

suchsgegners gänzlich unbeachtet gelassen und diesbezüglich auch die ihr oblie-

gende Sachverhaltsabklärung nicht vorgenommen (Urk. 60 Rz. 64). 

6.3. Der Gesuchsgegner erwidert, in F._____ tobe bis heute ein Kartellkrieg 

(Urk. 70 Rz. 20). Er habe keine neuen Schulden generiert. Vielmehr sei er wegen 

alter Schulden betrieben und jetzt auch gepfändet worden (Urk. 70 Rz. 26). 

E._____ geniesse hier einen Lebensstandard und eine Sicherheit, die es in dieser 

Qualität kaum irgendwo auf der Welt gebe und schon gar nicht in Mexiko (Urk. 70 

Rz. 54). Der Gesuchsgegner lebe seit dem Auszug in einer 4-Zimmerwohnung mit 

Garten an der AH._____-strasse 3 in D._____. Anfang Februar 2023 werde ent-

schieden, ob der Vertrag verlängert werde. Der Sozialdienst D._____ werde ihn 

notfalls unterstützen und auch die Kaution bezahlen, sollte er sich eine neue 

Wohnung suchen müssen (Urk. 70 Rz. 70). Der Gesuchsgegner sei zurzeit ar-

- 32 - 

beitslos und werde vom Sozialamt unterstützt (Urk. 70 Rz. 72). Wenn E._____ bei 

der Gesuchstellerin sei, verbringe er mehr Zeit mit der Nanny anstatt mit der Mut-

ter. Es wäre besser, wenn er vom Gesuchsgegner betreut würde, wozu dieser in 

der Lage sei (Urk. 70 Rz. 73). 

6.4. Die Möglichkeit eines jeden Elternteils, das Kind selber zu betreuen, ist 

ein Kriterium bei der Obhutszuteilung. Dessen Gewichtung ist – wie jene der übri-

gen Kriterien – einzelfallabhängig (BGer 5A_11/2020 vom 13. Mai 2020, 

E. 3.3.3.1 mit weiteren Hinweisen; BGer 5A_462/2019 vom 29. Januar 2020, 

E. 3.2 mit weiteren Hinweisen). So spielt die Möglichkeit der Eltern, das Kind per-

sönlich zu betreuen, hauptsächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse 

des Kindes eine persönliche Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn 

ein Elternteil selbst in den Randzeiten (morgens, abends und an den Wochenen-

den) nicht bzw. kaum zur Verfügung stünde; ansonsten ist von der Gleichwertig-

keit von Eigen- und Fremdbetreuung auszugehen (BGer 5A_589/2021 vom 

23. Juni 2022, E. 3.1.2; BGer 5A_222/2021 vom 15. Dezember 2021, E. 3.1.1). 

Gleichzeitig ist das Kriterium bei Säuglingen und Kleinkindern stärker zu gewich-

ten als bei Jugendlichen (BGE 142 III 612 E. 4.3). Weitere Kriterien, die sich auf 

das Kindeswohl auswirken und daher für die Obhutszuteilung relevant sein kön-

nen, sind die wirtschaftliche Situation und die Sicherheit (siehe auch BGE 142 III 

481 E. 2.7). 

6.5. Das Vorbringen der Gesuchstellerin, wonach sie in F._____ ein für me-

xikanische Verhältnisse überdurchschnittliches Einkommen erzielen könnte 

(Urk. 60 Rz. 43), blieb unbestritten. Der Gesuchsgegner hat demgegenüber 

Schulden in Höhe von über einer halben Million Franken (Urk. 60 Rz. 49; Urk. 70 

Rz. 12). Er ist zurzeit arbeitslos und wird von der Sozialhilfe unterstützt 

(E. III.3.5.7.). Offenbar plant er nicht, sich eine neue Stelle zu suchen; er hat näm-

lich nicht behauptet, dass man ihm zukünftig einen Lohn anrechnen könne (siehe 

Urk. 78/60 Rz. 23). Vor diesem Hintergrund ist sein Hinweis auf den hohen Le-

bensstandard in der Schweiz (Urk. 70 Rz. 54) unbehelflich. Die wirtschaftliche Si-

tuation spricht damit für einen Wegzug. 

- 33 - 

6.6. Das Vorbringen der Gesuchstellerin, wonach sie in F._____ Teilzeit ar-

beiten und die Hilfe einer Nanny beanspruchen würde (Urk. 60 Rz. 43), blieb un-

bestritten. Selbst wenn E._____ in der Schweiz verbliebe, müsste man dem Ge-

suchsgegner ein Arbeitspensum von 50 % anrechnen (BGE 144 III 481 E. 4.7.6). 

Grundsätzlich könnte er daneben E._____ selber betreuen. Zu berücksichtigen ist 

indessen, dass E._____ schon sehr früh von Dritten betreut wurde 

(E. III.3.5.2. ff.). Spezifische Bedürfnisse, welche eine Eigenbetreuung erfordern 

würden, wurden nicht geltend gemacht. Vor diesem Hintergrund ist die zukünftige 

Betreuungssituation neutral zu gewichten. 

6.7. Was die Sicherheit betrifft, blieb das Vorbringen der Gesuchstellerin, 

wonach sie in F._____ in einem geschlossenen Wohnkomplex mit Zugangsbe-

schränkungen für Nichtbewohner leben würde (Urk. 60 Rz. 44), unbestritten. Zu-

treffend ist, dass die Sicherheitslage in Mexiko mit jener in der Schweiz nicht ver-

gleichbar ist (Urk. 10/22). Auch in F._____ kam es in der Vergangenheit zu 

Schiessereien: 2017 wurden fünf Menschen erschossen, 2019 wurden eine Per-

son erschossen und elf weitere verletzt, im September 2021 wurde ein Mann er-

schossen und im Oktober 2021 wurde eine Person angeschossen (Urk. 10/21). 

Dass geradezu ein Kartellkrieg herrsche (Urk. 70 Rz. 20), erscheint somit nicht 

glaubhaft. In den meisten Ländern dieser Welt gibt es Orte, welche man zumin-

dest zeitweise meiden sollte. Einheimische können die Situation in der Regel gut 

einschätzen. Insgesamt spricht die Sicherheitslage in F._____ eher für einen Ver-

bleib in der Schweiz. Das Kriterium ist jedoch mit Blick auf die Wohnsituation und 

die Kenntnisse der Gesuchstellerin, welche bereits dort gelebt hat, von unterge-

ordneter Bedeutung. 

7. Stabilität der Verhältnisse und soziales Umfeld 

7.1. Die Vorinstanz erwog, die Betreuung des Kindes sei vorliegend in je-

dem Fall gewährleistet. Entweder sei nämlich eine der Parteien zu Hause oder ei-

ne Drittperson stehe zur Verfügung, wenn beide Parteien gleichzeitig arbeiteten. 

Das Kind habe aufgrund der geschilderten Situation keine primäre Bezugsperson. 

Es sei sich gewohnt, durch beide Elternteile betreut zu werden, wenn auch in un-

terschiedlicher Regelmässigkeit und schwankender Intensität. Entsprechend be-

- 34 - 

stehe die Kontinuität in der Betreuung des Kindes darin, dass es von jenem El-

ternteil betreut werde, der gerade über die notwendige Zeit verfüge. Ferner sei 

das Kind sich gewohnt, von Drittpersonen betreut zu werden (Urk. 61 S. 9). 

7.2. Die Gesuchstellerin führt aus, E._____ habe seine ersten sechs Le-

bensmonate unbestritten bereits in F._____, Mexiko, verbracht. Es sei ihm dort 

sehr gut gegangen (Urk. 60 Rz. 41). 

7.3. Der Gesuchsgegner erwidert, E._____ sei Schweizer Bürger. Er sei mit 

vier Monaten in die Schweiz gekommen und hier integriert. Er sei in die Vorschule 

gegangen und gehe heute in den Kindergarten. Er habe hier seine Freunde und in 

den Eltern und der Familie des Gesuchsgegners seine Bezugspersonen. Er spre-

che deutsch (Urk. 70 Rz. 54). Er habe beinahe sein ganzes Leben in der Schweiz 

verbracht und sei hier bereits eingeschult. Es sei deshalb in seinem Interesse, 

dass er hier bleiben könne (Urk. 70 Rz. 63). 

7.4. Ist das Kind noch klein und dementsprechend mehr personen- denn 

umgebungsbezogen, ist eine Umteilung an den zurückbleibenden Elternteil ange-

sichts des Grundsatzes der Betreuungs- und Erziehungskontinuität nicht leichthin 

vorzunehmen. Hingegen wird bei älteren Kindern zunehmend die Wohn- und 

Schulumgebung sowie der sich ausbildende Freundeskreis wichtig und vielleicht 

haben sie schon eine Lehrstelle in Aussicht; hier könnte der Verbleib in der 

Schweiz, soweit eine Umplatzierung zum anderen Elternteil möglich ist, dem Kin-

deswohl unter Umständen besser dienen (BGE 142 III 481 E. 2.7). 

7.5. Vorliegend geht es nicht um eine Um-, sondern eine Zuteilung der Ob-

hut. E._____ kam im Alter von gerade einmal sechs oder sieben Monaten in die 

Schweiz (E. III.3.5.1. f.). Hier besucht er seit dem Spätsommer 2022 den Kinder-

garten (E. III.3.5.7.). Er ist damit in der Schweiz verwurzelt und hat auch hier sein 

soziales Umfeld. Mit Blick auf sein noch junges Alter ist indessen davon auszuge-

hen, dass er sich in F._____ rasch einleben würde. Insgesamt sprechen die Sta-

bilität der Verhältnisse und das soziale Umfeld zwar für einen Verbleib in der 

Schweiz; die beiden Kriterien sind jedoch nur schwach zu gewichten. 

- 35 - 

8. Sprache und gesundheitliche Bedürfnisse 

8.1. Die Vorinstanz äussert sich nicht zur Sprache und den gesundheitli-

chen Bedürfnissen (siehe Urk. 61 S. 7 ff.). 

8.2. Die Gesuchstellerin bringt vor, sie spreche mit E._____ seit jeher spa-

nisch. Er verstehe die Sprache einwandfrei und sei ihr nach wie vor näher als der 

deutschen Sprache. Deshalb besuche er eine Kindergartenklasse für fremdspra-

chige Kinder (Urk. 60 Rz. 40). Er leide unbestrittenermassen an einer Sprach-

entwicklungsstörung und bedürfe logopädischer Unterstützung. Die Mutter sei da-

für besorgt, dass er in Mexiko die notwendige Behandlung erhalte. Sie habe mit 

der in F._____ praktizierenden Sonderpädagogin AI._____ einen Vorvertrag ab-

geschlossen. Darin werde festgehalten, dass E._____ zur Verbesserung seiner 

Sprechfähigkeiten eine Logopädie-Therapie absolvieren könne, sobald er in Me-

xiko sei. Der Vorvertrag gelte nach wie vor (Urk. 60 Rz. 42). F._____ sei eine …-

stadt mit bester und modernster Infrastruktur. Es gebe zahlreiche Privatkliniken. 

Die Gesundheit von E._____ wäre ohne Weiteres gewahrt (Urk. 60 Rz. 45). 

8.3. Der Gesuchsgegner erwidert, E._____ wachse dreisprachig auf. Die 

Mutter rede spanisch, der Vater schweizerdeutsch und die Eltern untereinander 

englisch. Aus diesem Grund habe er teilweise Wörter vermischt. Wenn er mit der 

Gesuchstellerin spanisch gesprochen habe, habe er mindestens zu 30 % schwei-

zerdeutsche Wörter eingestreut. Die Parteien hätten es daher als sinnvoll erach-

tet, dass er in die Vorschule gegangen sei, um sprachlich gefördert zu werden. 

Ein Wegzug nach Mexiko hätte dies zunichte gemacht. Die Lehrpersonen hätten 

dem Gesuchsgegner mitgeteilt, dass sie nicht der Ansicht seien, E._____ habe 

eine Sprachentwicklungsstörung. Heute gehe E._____ in den Kindergarten und 

mache dies gemäss Auskunft der Lehrpersonen super (Urk. 70 Rz. 35). Die medi-

zinische Versorgung sei in Mexiko je nach Region mangelhaft. Ein Europäischer 

Standard sei nur in grossen Städten wie AJ._____, H._____ und AK._____ oder 

grösseren Touristendestinationen wie AL._____ gewährleistet, und dort vor allem 

in privaten Krankenhäusern (Urk. 70 Rz. 57). E._____ besuche seit dem Au-

gust 2022 zweimal pro Woche die Logopädie bei Frau AM._____ in Zürich. Er ge-

he in den Kindergarten und sei dort schulisch wie persönlich gut unterwegs und 

- 36 - 

integriert. Er gehe zudem in den Sportclub AN._____. Zudem werde er ab Früh-

ling beim Fussballclub D._____ anfangen. Er sei zahnversichert und es werde 

hier in der Schweiz bestens für ihn gesorgt (Urk. 70 Rz. 69). 

8.4. Es ist unbestritten, dass E._____ sowohl spanisch als auch deutsch 

spricht. Damit ist die Sprache neutral zu gewichten. Unbestritten ist sodann, dass 

E._____ in der Schweiz die Logopädie besucht, er diese Möglichkeit aber auch in 

F._____ hätte. Mit der pauschalen Wiedergabe des Reisehinweises des EDA 

(Urk. 70 Rz. 56 f.) hat der Gesuchsgegner nicht substantiiert bestritten, dass es in 

F._____ zahlreiche Privatkliniken gibt (Urk. 60 Rz. 45). Vor diesem Hintergrund 

sind auch die gesundheitlichen Bedürfnisse des Kindes neutral zu gewichten. 

9. Beschulung 

9.1. Die Vorinstanz äussert sich nicht zur Beschulung (siehe Urk. 61 

S. 7 ff.). 

9.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, es sei unbestritten, dass die 

Schwester von E._____, G._____, die Privatschule "AO._____" in F._____ besu-

che. E._____ könne dort ebenfalls beschult werden. Das "AO._____" sei eine in 

F._____ bekannte und angesehene Privatschule. Die Beschulung finde in spani-

scher und englischer Sprache statt. Die Gesuchstellerin habe bereits einen Vor-

vertrag abgeschlossen. Zudem bestünde die Möglichkeit, dass E._____ die 

Schweizer Schule besuche. Diese habe in Mexiko drei Standorte, nämlich in der 

Hauptstadt, in AP._____ [Stadt] und in AQ._____ [Stadt] (Urk. 60 Rz. 41). 

9.3. Der Gesuchsgegner erwidert, E._____ habe in der Schweiz Ausbil-

dungschancen wie kaum irgendwo auf der Welt (Urk. 70 Rz. 54). In Mexiko gin-

gen nur ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler auf eine Universität oder Hoch-

schule. Bereits nach der Grundschule seien nur noch zwei Drittel aller Kinder und 

Jugendlichen Mexikos in der Unterstufe anzutreffen. Als häufiger Grund werde 

dabei die fehlende Infrastruktur, vor allen Dingen in den ländlichen Gegenden, 

angegeben (Urk. 70 Rz. 62). 

- 37 - 

9.4. Es ist zutreffend, dass das Bildungsniveau in der Schweiz hoch ist. 

Gleichzeitig blieb jedoch unbestritten, dass E._____ in F._____ eine angesehene 

Privatschule besuchen könnte. Mit dem Zitat aus einem Artikel, der das Bildungs-

system in Mexiko allgemein betrifft (Urk. 70 Rz. 62), vermag der Gesuchsgegner 

dies nicht in Frage zu stellen. Damit ist die Beschulung neutral zu gewichten. 

10. Alter und Wünsche von E._____ 

10.1. Die Vorinstanz äussert sich nicht zum Alter und den Wünschen von 

E._____ (siehe Urk. 61 S. 7 ff.). 

10.2. Der Gesuchsgegner bringt vor, E._____ wolle in der Schweiz wohnen. 

Er habe seinem Vater schon mehrfach gesagt, er wolle noch mehr bei ihm sein 

(Urk. 70 Rz. 65). 

10.3. E._____ ist nun fünf Jahre alt (E. I.1.). Da eine Kinderanhörung grund-

sätzlich erst ab dem vollendeten sechsten Altersjahr angezeigt ist (BGE 131 III 

553 E. 1.2.3; BGE 133 III 553 E. 3; BGer 5A_809/2018 vom 18. Dezember 2019, 

E. 3.3; BGer 5A_354/2015 vom 3. August 2015, E. 3.1), ist vorliegend darauf zu 

verzichten. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich ein fünfjähriges Kind der 

Tragweite eines Wegzugs oder eines Verbleibs in der Schweiz bewusst ist. Vor 

diesem Hintergrund ist das Alter, soweit es nicht bereits im Rahmen der Stabilität 

der Verhältnisse berücksichtigt wurde (E. III.7.5.), neutral zu gewichten. 

11. Wegzug der Gesuchstellerin und Obhut: Würdigung 

11.1. Vorliegend sprechen die Einsatzbereitschaft, das familiäre Umfeld so-

wie die wirtschaftliche Situation für einen Wegzug von E._____ zusammen mit der 

Gesuchstellerin (E. III.3.7., III.5.6. und III.6.5.). Die Sicherheit, die Stabilität der 

Verhältnisse und das soziale Umfeld sprechen eher für einen Verbleib in der 

Schweiz; sie sind aber von geringerer Relevanz (E. III.6.7. und III.7.5.). Die bishe-

rige Betreuungssituation, die Erziehungsfähigkeit der Parteien, die zukünftige Be-

treuung, die Sprache, die gesundheitlichen Bedürfnisse, die Beschulung, das Al-

ter und die Wünsche von E._____ sind neutral zu gewichten (E. III.3.6., III.4.6., 

III.6.6., III.8.4., III.9.4. und III.10.3.). Mit Blick auf E._____s Alter sind die perso-

- 38 - 

nengebundenen Kriterien (Einsatzbereitschaft eines Elternteils und familiäres Um-

feld) stärker als die übrigen zu gewichten. 

11.2. Zusammenfassend überwiegen die Gründe, die Obhut über E._____ 

der Gesuchstellerin zuzuweisen und ihr zu bewilligen, ihren Wohnsitz zusammen 

mit dem Sohn nach F._____ zu verlegen. 

12. Besuchsrecht 

12.1. Die Parteien haben keine Anträge hinsichtlich des Besuchsrechts für 

den Fall gestellt, dass der Gesuchstellerin bewilligt wird, zusammen mit E._____ 

nach Mexiko wegzuziehen (siehe Urk. 60 S. 2 f.; Urk. 70 S. 2). 

12.2. Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge o-

der Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf 

angemessenen persönlichen Verkehr. Bei dessen Ausgestaltung steht das Kin-

deswohl im Vordergrund. Der persönliche Verkehr zwischen Eltern und Kindern 

beurteilt sich im Einzelfall nach gerichtlichem Ermessen (Art. 4 ZGB; BGer 

5A_570/2016 vom 1. März 2017, E. 2 mit weiteren Hinweisen). Bei grosser Dis-

tanz zwischen den Wohnorten der Elternteile finden Wochenendbesuche tenden-

ziell weniger oft statt als üblich. Dies rechtfertigt es, längere einzelne Wochenen-

deinheiten und / oder längere Ferienaufenthalte vorzusehen (BGE 142 III 481 

E. 2.8; BGer 5A_570/2016 vom 1. März 2017, E. 3.3.2). Bei Kleinkindern steht der 

physische Kontakt im Vordergrund. Dieser lässt sich nicht hinreichend mit ande-

ren Kommunikationskanälen wie Skype substituieren (BGE 142 III 481 E. 2.8). 

Sind die Wohnsitze der Eltern sehr weit voneinander entfernt, so sind dem physi-

schen Kontakt Grenzen gesetzt. In solchen Fällen erscheint es sachgerecht, dem 

nicht obhutsberechtigten Elternteil neben dem Besuchsrecht auch Videotelefonate 

zuzugestehen (siehe OGer ZH LE210056 vom 22.07.2022, E. III.4.6.2. [S. 46]; 

OGer ZH LE200059 vom 08.06.2021, E. III.A.11.3 f. [S. 35]; OGer ZH LZ200019 

vom 06.10.2020, E. III.8. [S. 24]). 

12.3. Was die Zeit bis zur Ausreise nach Mexiko betrifft, hat die Vorinstanz 

die Parteien berechtigt erklärt, E._____ wechselnd mit je hälftigen Anteilen zu be-

- 39 - 

treuen (Urk. 61 S. 23). Begründet wurde dies damit, dass so den unregelmässi-

gen Arbeitseinsätzen des Gesuchsgegners Rechnung getragen werden könne 

(Urk. 61 S. 10). Die Gesuchstellerin bringt vor, die Parteien seien nicht imstande, 

sich in dem von der Vorinstanz stipulierten Mass regelmässig und fortwährend 

über die Betreuungszeiten abzusprechen. Die stetige Anpassung an den unre-

gelmässigen Arbeitsplan überfordere E._____. Das habe sich namentlich in der 

Vergangenheit gezeigt, als der Gesuchsgegner gefordert habe, dass der Sohn 

abwechselnd einen Tag bei ihm und einen bei der Mutter verbringe. Zudem habe 

die Gesuchstellerin fixe Arbeitsschichten auszuführen. Ihr Arbeitgeber lasse nicht 

zu, dass sie den Arbeitsplan regelmässig anpasse (Urk. 60 Rz. 71 f.). Deshalb sei 

im Fall der alternierenden Obhut bei gleichen Betreuungsanteilen eine symmetri-

sche Betreuungsverantwortung anzuordnen. Namentlich solle die Verantwortung 

jeweils von Samstag, 10 Uhr, bis Samstag, 10 Uhr, bei einer Partei liegen. Die Fe-

rien- und Feiertage seien ebenso paritätisch auf die Parteien zu verteilen (Urk. 60 

Rz. 73). 

12.4. Der Gesuchsgegner entgegnet, die Parteien setzten den Gerichtsvor-

schlag um, was E._____ sehr gut gefalle (Urk. 70 Rz. 71). 

12.5. Soweit der Gesuchsgegner auf den nicht näher spezifizierten Gerichts-

vorschlag verweist, genügt er den Begründungsanforderungen nicht (E. II.4.). Er 

ist zurzeit arbeitslos, womit eine stetige Anpassung entbehrlich ist. Dass die Ge-

suchstellerin fixe Arbeitsschichten hat, blieb unbestritten. Es dient der Rechtssi-

cherheit, dass hinsichtlich der Betreuung klare Verhältnisse herrschen (wobei es 

den Parteien in gegenseitiger Absprache freisteht, davon abzuweichen). In Er-

mangelung eines anderslautenden Antrages des Gesuchsgegners ist dieser bis 

zur Abreise der Gesuchstellerin mit E._____ nach Mexiko berechtigt und ver-

pflichtet zu erklären, die Betreuungsverantwortung für E._____ jeweils in der ers-

ten und dritten Woche eines jeden Monats von Samstag, 10 Uhr, bis am darauf-

folgenden Samstag, 10 Uhr, zu übernehmen; in der übrigen Zeit wird E._____ von 

der Gesuchstellerin betreut (siehe Urk. 60 S. 2). Die Gesuchstellerin ist seit Janu-

ar 2022 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis (siehe Urk. 78/72/8). Es ist davon 

auszugehen, dass sie dieses zuerst kündigen werden wird, bevor sie mit E._____ 

- 40 - 

nach Mexiko ausreisen kann. Die Kündigungsfrist dürfte zwei Monate betragen 

(Art. 335c Abs. 1 OR). Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf ein allfälliges Be-

schwerdeverfahren vor Bundesgericht ist auch die Betreuungsverantwortung wäh-

rend der Feiertage und Ferien zu regeln. Antragsgemäss ist der Gesuchsgegner 

zu berechtigen und zu verpflichten, die Betreuungsverantwortung während der 

Hälfte der Schulferien und in den Jahren mit ungerader Jahreszahl je am zweiten 

Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Silvester / Neujahr sowie von Karfrei-

tag bis Ostermontag und in den Jahren mit gerader Jahreszahl je am ersten Tag 

der Doppelfeiertage Weihnachten und Silvester / Neujahr sowie von Pfingstfreitag 

bis Pfingstmontag, jeweils von 17 Uhr bis 17 Uhr zu übernehmen; in der übrigen 

Zeit wird E._____ von der Gesuchstellerin betreut (siehe Urk. 60 S. 2). 

12.6. Hinsichtlich des Besuchsrechts für die Zeit nach dem Wegzug erschei-

nen drei Videotelefonate pro Woche angemessen. Aufgrund der Zeitverschiebung 

ist die Organisation der Kommunikation den Parteien zu überlassen. Weiter ist 

dem Gesuchsgegner anstelle einer Wochenendbetreuung ein ausgedehntes Feri-

enbesuchsrecht einzuräumen. Er ist zu berechtigen und zu verpflichten, den Sohn 

auf eigene Kosten während der Hälfte der Schulferien maximal für vier Wochen 

zusammenhängend auf Besuch zu nehmen. Der Gesuchsgegner hat seine Besu-

che der Gesuchstellerin so früh wie möglich, spätestens jedoch drei Monate im 

Voraus, anzukündigen. Schliesslich ist der Gesuchsgegner zu berechtigen und zu 

verpflichten, E._____ in den Jahren mit gerader Jahreszahl über Weihnachten 

und Neujahr zu betreuen. 

13. Ergebnis 

Die Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Ver-

fahren am Bezirksgericht Bülach vom 31. Oktober 2022 ist aufzuheben und durch 

folgende Fassung zu ersetzen: 

"3.1 E._____, geboren am tt.mm.2018, wird mit Wirkung ab dem Wegzug 

nach F._____ (Mexiko) unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt. 

- 41 - 

 3.2 Es wird der Gesuchstellerin bewilligt, den Wohnsitz des gemeinsamen 

Sohnes E._____ nach F._____ (Mexiko) zu verlegen. 

 3.3 Bis zum Wegzug ist der Gesuchsgegner berechtigt und verpflichtet, die 

Betreuungsverantwortung für E._____ jeweils in der ersten und dritten 

Woche eines jeden Monats von Samstag, 10 Uhr, bis am darauffolgen-

den Samstag, 10 Uhr, zu übernehmen; zudem ist der Gesuchsgegner 

berechtigt und verpflichtet, die Betreuungsverantwortung während der 

Hälfte der Schulferien und in den Jahren mit ungerader Jahreszahl je 

am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Silvester / Neu-

jahr sowie von Karfreitag bis Ostermontag und in den Jahren mit gera-

der Jahreszahl je am ersten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und 

Silvester / Neujahr sowie von Pfingstfreitag bis Pfingstmontag jeweils 

von 17 Uhr bis 17 Uhr zu übernehmen. 

   In der übrigen Zeit wird E._____ von der Gesuchstellerin betreut. 

   Weitergehende oder abweichende Besuchs- und Kontaktrechte nach 

gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten. 

 3.4 Nach der Ausreise der Gesuchstellerin und des Sohnes E._____ nach 

F._____ (Mexiko) wird der Gesuchsgegner berechtigt und verpflichtet, 

mit E._____ wöchentlich dreimal per Videotelefonie zu kommunizieren. 

Die Organisation der Kommunikation wird den Parteien überlassen. 

   Weiter wird der Gesuchsgegner berechtigt und verpflichtet, mit 

E._____ auf eigene Kosten die Hälfte der Schulferien (davon maximal 

vier Wochen zusammenhängend) zu verbringen. Der Gesuchsgegner 

hat seine Ferien so früh wie möglich, spätestens jedoch drei Monate im 

Voraus anzukündigen. 

   Schliesslich wird der Gesuchsgegner berechtigt und verpflichtet, 

E._____ in den Jahren mit gerader Jahreszahl über Weihnachten und 

Neujahr zu betreuen. 

- 42 - 

   Weitergehende oder abweichende Besuchs- und Kontaktrechte nach 

gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten." 

IV. Unterhalt 

1. Anwendbares Recht 

1.1. Art. 49 IPRG und Art. 83 Abs. 1 IPRG verweisen auf das Haager Über-

einkommen über das auf Unterhaltspflichten anzuwendende Recht vom 

2. Oktober 1973 (HUntÜ; SR 0.211.213.01). Dieser Staatsvertrag ist erga omnes 

(das heisst gegenüber jedem beliebigen ausländischen Staat) anzuwenden (Art. 3 

HUntÜ). Art. 5 HUntÜ knüpft an die ausländische Staatsangehörigkeit an. Auf-

grund der mexikanischen Staatsangehörigkeit der Gesuchstellerin und von 

E._____ besteht ein internationaler Sachverhalt. Das Haager Übereinkommen 

von 1973 ersetzt in den Beziehungen zwischen den Staaten, die Vertragsparteien 

sind, das (Haager) Übereinkommen über das auf Unterhaltsverpflichtungen ge-

genüber Kindern anzuwendende Recht vom 24. Oktober 1956 

(SR 0.211.221.431; Art. 18 Abs. 1 HUntÜ). Mexiko ist weder Partei des Überein-

kommens von 1973 noch von jenem von 1956. Es ist sodann kein bilateraler 

Staatsvertrag ersichtlich, welcher die Frage des anwendbaren Rechts regeln wür-

de. Dieses ist nach dem Übereinkommen von 1973 zu bestimmen, da es auch 

gegenüber Nichtvertragsstaaten gilt (Art. 3 HUntÜ). 

1.2. Massgebend ist das am gewöhnlichen Aufenthalt der unterhaltsberech-

tigten Person geltende innerstaatliche Recht (Art. 4 Abs. 1 HUntÜ). Wechselt die-

se ihren Aufenthalt, so ist vom Zeitpunkt des Aufenthaltswechsels an das inner-

staatliche Recht am neuen gewöhnlichen Aufenthaltsort anzuwenden (Art. 4 

Abs. 2 HUntÜ). Jeder Vertragsstaat kann sich indessen vorbehalten, dass seine 

Behörden sein innerstaatliches Recht anwenden werden, wenn sowohl der Be-

rechtigte als auch der Verpflichtete Staatsangehörige dieses Staates sind und der 

Verpflichtete dort seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat (Art. 15 HUntÜ). Die 

Schweiz hat diesen Vorbehalt angebracht (Art. 1 Abs. 2 Ziff. 2 des Bundesbe-

schlusses betreffend das internationale Haager Übereinkommen über die Unter-

haltspflichten vom 4. März 1976, AS 1976, S. 1557 [abrufbar unter 

- 43 - 

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/30001546.pdf?ID=300

01546, besucht am 23. Mai 2023]). Der Gesuchsgegner und E._____ verfügen 

beide über die schweizerische Staatsbürgerschaft (E. I.1.). Ersterer wird sich zu-

dem auch nach E._____s Wegzug in der Schweiz aufhalten. Damit ist hinsichtlich 

des Kinderunterhalts sowohl für die Zeit vor als auch für jene nach dem Wegzug 

schweizerisches Recht anzuwenden. 

1.3. Kann die unterhaltsberechtigte Person nach dem in Art. 4 HUntÜ vor-

gesehenen Recht keinen Unterhalt erhalten, so ist das Recht des Staates, dem 

die Parteien gemeinsam angehören, anzuwenden (Art. 5 HUntÜ). Ist auch nach 

diesem kein Unterhalt erhältlich, so ist das Recht der angerufenen Behörde an-

zuwenden (Art. 6 HUntÜ). Unabhängig davon ist jedoch auf den ehelichen Unter-

halt – soweit vorliegend relevant (E. IV.2.) – gestützt auf Art. 8 HUntÜ das auf den 

Eheschutz anwendbare Recht massgebend (ausführlich dazu OGer ZH 

LE210056 vom 22.07.2022, E. V.1.3. [S. 53 f.] mit weiteren Hinweisen). 

2. Ehegattenunterhalt 

2.1. Der Gesuchsgegner bringt in der Erstberufungsantwort vor, die Ge-

suchstellerin sei in der Lage, ihm Unterhalt zu bezahlen. Das Gericht habe dies in 

Anwendung der Offizialmaxime zu prüfen (Urk. 70 Rz. 79). 

2.2. Der Ehegattenunterhalt unterliegt der Dispositionsmaxime (BGE 147 III 

301 E. 2.2; BGer 5A_511/2020 vom 23. November 2020, E. 4.1.2; BGer 

5A_592/2018 vom 13. Februar 2019, E. 2.1). Rechtsbegehren, die eine Geldleis-

tung zum Gegenstand haben, sind zu beziffern; dies gilt auch im Bereich des Un-

terhaltsrechts (BGer 5A_510/2019 vom 31. Oktober 2019, E. 1.2). Der Gesuchs-

gegner hat keinen bezifferten Antrag auf Zahlung von Ehegattenunterhaltsbeiträ-

gen gestellt und ein solcher ergibt sich auch nicht aus der Begründung. Selbst 

wenn dem so wäre, könnte darauf nicht eingetreten werden, da eine Anschluss-

berufung im summarischen Verfahren ausgeschlossen ist (Art. 314 Abs. 2 ZPO). 

3. Kinderunterhalt 

3.1. Einkommen des Gesuchsgegners 

- 44 - 

3.1.1. Die Vorinstanz erwog, der Gesuchsgegner arbeite als Kurierfahrer auf 

Abruf im Stundenlohn bei der L._____ AG. Aus seinen Lohnabrechnungen für den 

Zeitraum von Mai 2021 bis und mit Januar 2022 ergebe sich, dass er in jenem 

Zeitraum einen Nettolohn von durchschnittlich rund Fr. 3'423.– erzielt habe. Im 

November 2021, Dezember 2021 und im Januar 2022 habe man ihm infolge 

Lohnpfändung vom Nettolohn Beträge von Fr. 599.80, Fr. 105.45 und Fr. 501.30 

abgezogen. Gemäss der Berechnung des Existenzminimums des Betreibungsam-

tes D._____ vom 10. November 2021 werde ihm der das Existenzminimum von 

Fr. 2'994.80 übersteigende Betrag gepfändet. Aus den eingereichten Unterlagen 

gehe nicht hervor, wie hoch die gepfändete Forderung gesamthaft sei. Die Be-

rechnung des Existenzminimums habe darauf basiert, dass die Parteien in der 

ehelichen Gemeinschaft gelebt hätten. Entsprechend könne man bis zur räumli-

chen Trennung der Parteien ein Einkommen des Gesuchsgegners von Fr. 3'000.– 

zur Berechnung des Unterhalts verwenden. Nach seinem Auszug sei auf das Net-

toeinkommen von Fr. 3'423.– abzustellen, welches er effektiv und durchschnittlich 

erziele, zumal Kinderunterhaltsbeiträge den gepfändeten Forderungen vorgingen 

(Urk. 61 S. 13 f.). 

3.1.2. Der Gesuchsgegner rügt, er habe seit Juli 2022 durchschnittlich 

Fr. 3'228.76 pro Monat verdient, nämlich Fr. 3'022.80 im Juli 2022, Fr. 3'759.60 im 

August 2022, Fr. 3'116.20 im September 2022 und Fr. 3'016.45 im Oktober 2022; 

sein Einkommen sei damit um Fr. 194.23 tiefer als von der Vorinstanz angenom-

men (Urk. 78/60 Rz. 21 f.). Hinzu komme, dass die L._____ AG das Arbeitsver-

hältnis wegen wirtschaftlicher Gründe per Ende Oktober 2022 aufgelöst habe. Der 

Gesuchsgegner habe sich beim RAV und beim Sozialamt anmelden müssen. Als 

unterhaltspflichtige Person habe er 80 % des Lohnes zugute, welchen er vor der 

Arbeitslosigkeit erzielt habe. Bei einem Durchschnittslohn von Fr. 3'228.76 sei ab 

November 2022 von einem monatlichen Einkommen von Fr. 2'583.– auszugehen 

(Urk. 78/60 Rz. 23). Mit Noveneingabe vom 12. Dezember 2022 teilte der Ge-

suchsgegner mit, er sei im Dezember 2022 mit Fr. 2'479.20 und im Januar 2023 

mit Fr. 2'768.20 vom Staat unterstützt worden (Urk. 78/66). 

- 45 - 

3.1.3. Die Gesuchstellerin entgegnet, der Gesuchsgegner sei ab März 2021 

für die L._____ AG tätig gewesen. Sein Lohn sei ihm vorerst auf sein Konto bei 

der Zürcher Kantonalbank (CH4) ausbezahlt worden. Erstmals per 5. November 

2021 sei das Salär auf das Konto bei der Migros Bank AG (CH5) entrichtet wor-

den. Über das ZKB-Konto habe sich der Gesuchsgegner nie ausgewiesen. Er ha-

be es auch gegenüber den Steuerbehörden weder in der Steuererklärung 2020 

noch in jener für das Jahr 2019 deklariert. Es sei unklar, ob auf das ZKB-Konto 

nicht noch weitere Einkünfte geflossen seien. Er habe die entsprechenden Konto-

auszüge einzureichen (Urk. 78/70 Rz. 8 f.). Auch im Übrigen habe der Gesuchs-

gegner seine Lohnabrechnungen einzig auszugsweise ins Recht gelegt. So lägen 

etwa die Lohnabrechnungen der L._____ AG von Mai 2021 bis Januar 2022 so-

wie sodann von August bis Oktober 2022 in den Akten. Die Lohnabrechnungen 

Februar bis Juli 2022 habe er zu edieren, ebenso sämtliche Lohnausweise 2022 

(Urk. 78/70 Rz. 10). Er habe gerade so viel Einkommen generieren wollen, um 

sein betreibungsrechtliches Existenzminimum zu decken und der Lohnpfändung 

zu entgehen (Urk. 78/70 Rz. 11). Sein ab Juli 2022 relevantes Einkommen könne 

nicht bloss aufgrund der Lohnabrechnungen Juli bis Oktober 2022 bestimmt wer-

den. Man müsse auf eine aussagekräftige Zeitperiode abstellen (Urk. 78/70 

Rz. 12). Massgebend sei vorliegend die Zeitperiode von Mai 2021 bis Janu-

ar 2022 und Juli bis Oktober 2022: In diesen zwölf Monaten habe er durchschnitt-

lich Fr. 3'524.20 verdient (Urk. 78/70 Rz. 14). Demzufolge könne man der Ein-

kommensberechnung des Gesuchsgegners nicht folgen (Urk. 78/70 Rz. 15). Letz-

terer sei jung und gesund. Er mache nichts geltend, was grundsätzlich gegen sei-

ne volle Arbeitskraft sprechen würde (Urk. 78/70 Rz. 17). Die Vorinstanz habe 

gänzlich ausser Acht gelassen, dass ein Ehegatte seine Arbeitskraft voll auszu-

schöpfen habe. Sie habe ein Arbeitspensum von zuletzt rund 60 % errechnet. 

Dies widerspreche der Gleichbehandlung der Ehegatten. Zudem mache der Ge-

suchsgegner geltend, die Gesuchstellerin müsse zu 80 % arbeiten, damit das 

Existenzminimum gedeckt werden könne. Selbst unter Annahme der alternieren-

den Obhut wäre der Gesuchsgegner mit Blick auf den Kindergartenbesuch von 

E._____ gehalten, ebenfalls mindestens zu 80 % zu arbeiten (Urk. 78/70 

Rz. 18 f.). Er sei zuletzt als "Operations Manager" tätig gewesen. Weiter habe er 

- 46 - 

Arbeitserfahrungen im Reinigungsbereich, namentlich bei der Firma AR._____ 

AG. Ebenso habe er für die AS._____ AG [sic] im Verkauf gearbeitet. Letztlich sei 

er als Immobilienbewirtschafter in Mexiko erfolgreich gewesen (Urk. 78/70 

Rz. 20). Im September 2021 habe er bei der L._____ AG 135.81 Stunden zu ei-

nem Stundenlohn von Fr. 23.55 gearbeitet. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit 

von 40 Stunden resultiere eine Sollarbeitszeit von 174 Stunden pro Monat. Folg-

lich entsprächen die 135.81 Stunden rund 77 %. In diesem Pensum sei dem Ge-

suchsgegner ein Nettolohn von Fr. 5'094.– ausbezahlt worden. Es wäre ihm da-

her ohne Weiteres möglich, bereits im angestammten Berufsfeld in einem 80 %-

Pensum ein Nettosalär von Fr. 5'100.– zu erzielen (Urk. 78/70 Rz. 21 f.). Der Me-

dian des Lohnes als "Operation Manager" im Kanton Zürich betrage Fr. 90'000.– 

pro Jahr (brutto, inklusive 13. Monatslohn). Auch unter diesem Blickwinkel sei das 

hiervor genannte (hypothetische) Einkommen von monatlich netto Fr. 5'100.– 

(80 %) mühelos erzielbar (Urk. 78/70 Rz. 24). Derzeit sei die Arbeitslosigkeit re-

kordverdächtig tief, es herrsche die tiefste Arbeitslosenquote seit über 20 Jahren. 

Per 29. Januar 2023 seien etwa auf dem Stellenportal "jobs.ch" in der Region 

"Stadt Zürich / Zürichsee" selbst als "Operations Manager" sagenhafte 

394 Stellenangebote ausgeschrieben. Es wäre dem Gesuchsgegner ein Leichtes, 

umgehend eine neue Anstellung zu finden. Stellen suche er offenbar keine 

(Urk. 78/70 Rz. 25). Ihm hätte spätestens seit Einreichung des Eheschutzgesu-

ches per 22. November 2021 bewusst sein müssen, dass die zur Verfügung ste-

henden Mittel nicht ausreichen würden, um zwei Haushalte zu finanzieren. Er sei 

untätig geblieben und greife sogar auf die Sozialhilfe zurück. Dieses liederliche 

Verhalten dürfe der Gesuchstellerin nicht zum Nachteil gereichen. Vielmehr sei 

dem Gesuchsgegner in Nachachtung der Grundsätze der Anrechnung eines 

rückwirkenden hypothetischen Eink