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**Case Identifier:** 5d427ad9-3b15-564f-a814-bd6cd57baab6
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-07
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 07.03.2022 OH 2020/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_OH-2020-4_2022-03-07.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2020/4

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 22.07.2022

Entscheiddatum: 07.03.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 07.03.2022
Art. 13 f. und 19 ff. OHG, Art. 183 und 220 StGB, Art. 276 ff. ZGB. Die als 
Kinder vom Vater ins Ausland entführten Rekurrenten konnten als 
Jugendliche bzw. junge Erwachsene zu einem Ferienbesuch in die Schweiz 
reisen. Danach kehrten sie ins Ausland zurück. Da sie die Möglichkeit 
gehabt hätten, in der Schweiz zu verbleiben, sind die Kosten für eine erneute 
Reise in die Schweiz nicht mehr als längerfristige Hilfe im Sinne des OHG zu 
qualifizieren. Die Kosten für eine angemessene Erstausbildung sind 
grundsätzlich von ihren Eltern zu tragen. Soweit und sofern durch die 
Entführung ein Schaden entstanden ist (Mehrkosten bis zum Abschluss 
einer angemessenen Erstausbildung), können die Opfer eine Entschädigung 
nach Art. 19 ff. OHG beantragen. Im Rahmen des Entschädigungsverfahrens 
kann ein Vorschuss beantragt werden. Steht den Rekurrenten diese 
Möglichkeit offen, so besteht kein Anspruch auf materielle längerfristige 
Hilfe in Form von Überbrückungsgeldern (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. März 2022, OH 2020/4).

Entscheid vom 7. März 2022

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann und 

Corinne Schambeck; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

OH 2020/4

Parteien

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1.    A.___,

2.    B.___,

Rekurrenten,

beide vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Nicole Zürcher Fausch, 

Oberer Graben 43, 9000 St. Gallen,

gegen

Opferhilfe der Kantone SG/AR/AI, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

Gegenstand

Kostenübernahme (berufliche Integration und Flugkosten)

Sachverhalt

A.  

B.___ und A.___ waren im Jahr 200_ im Alter von sieben und neun Jahren 

zusammen mit ihrer jüngeren Schwester anlässlich eines Besuchstags vom leiblichen 

Vater widerrechtlich in dessen Heimatland C.___ verbracht worden. Im Sommer 2018 

kehrten sie besuchsweise, im Herbst 2018 dauerhaft in die Schweiz zurück (vgl. 

act. G3.1 ff. und G1). Am 5. Juni 2019 stellten B.___ und A.___ je ein Gesuch um 

finanzielle Leistungen (Kostenübernahme) bei der Opferhilfe SG-AR-AI (vgl. act. G3.1 

ff., G3.7 und G1.4 f.).

A.a. 

Mit Schreiben vom 19. August 2019 führte die Finanzkommission der Opferhilfe 

SG-AR-AI aus, die geltend gemachten Flugkosten könnten nicht mehr als eigentliche 

Rückführungskosten angesehen werden, da die Gesuchsteller schon im Jahr zuvor 

(richtig: früher im gleichen Jahr) zu Besuch in die Schweiz eingereist seien. Die 

unmittelbaren Folgen der Entführung der Gesuchsteller durch den leiblichen Vater seien 

A.b. 

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beseitigt, nachdem sie sich wieder in der Schweiz befinden würden. Eine 

weitergehende Herstellung der Situation vor der Entführung sei nicht möglich. 

Integrationsprobleme aufgrund fehlender Deutschkenntnisse und eine aus 

schweizerischer Sicht ungenügende schulische und berufliche Bildung in C.___ seien 

als nur mittelbare Folge der Entführung anzusehen. Opferhilfeleistungen könnten 

deshalb nicht erbracht werden. Allenfalls könnte aber der durch die verzögerte 

Ausbildung entstandene Schaden im Sinne der Erschwerung des beruflichen 

Fortkommens einen Entschädigungsanspruch gemäss Opferhilferecht auslösen. Dabei 

gehe es nicht um Hilfeleistungen, sondern um Abgeltung eines erlittenen Schadens. Es 

werde deshalb vorgeschlagen, dass das vorliegende Gesuch bis zur Klärung der 

Entschädigungsansprüche sistiert werde (act. G3.3).

Mit E-Mail vom 3. Dezember 2019 liessen die Gesuchsteller um Aufhebung der 

Sistierung des Verfahrens betreffend Hilfeleistungen ersuchen, da es noch Jahre 

dauern werde, bis über die Entschädigungsansprüche entschieden werde (act. G3.4).

A.c. 

Am 4. Februar 2020 griff die Opferhilfestelle SG-AR-AI ihre Ausführungen gemäss 

Schreiben vom 19. August 2019 wieder auf und führte im Weiteren aus, auch ohne die 

Entführung wären Ausbildungskosten wie etwa Schulgebühren für eine Vorlehre oder 

ein zehntes Schuljahr und Abonnementskosten für den öffentlichen Verkehr 

entstanden. Zu überlegen wäre, ob "Einsparungen" der Mutter (Erlernen einer 

Fremdsprache, kein Kinderunterhalt während zehn Jahren) zu berücksichtigen wären. 

Den Gesuchstellern wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt (act. G3.5).

A.d. 

Mit Stellungnahme vom 12. Februar 2020 liessen die Gesuchsteller im 

Wesentlichen ausführen, die Integrationsprobleme aufgrund des Verlusts der 

deutschen Sprache und der schweizerischen Kultur wären ohne die Entführung nicht 

eingetreten. Unmittelbarkeit sei nicht erforderlich. Zwischen der Straftat und dem 

eingetretenen Schaden bestehe ein natürlicher Kausalzusammenhang. Eine Behebung 

der Folgen der Straftat bedeute nicht nur die physische Anwesenheit, sondern auch 

eine Reintegration in die schweizerischen Lebensverhältnisse. Eine Aufrechnung mit 

eventuellen "Einsparungen" der Mutter sei in Anbetracht des Leids, welches durch die 

Entführung verursacht worden sei, zynisch. Die Mutter habe sodann während der 

A.e. 

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B.  

Abwesenheit der Kinder auch auf finanzielle Leistungen wie Kinderzulagen, 

Alimentenbevorschussung und Steuerabzüge verzichtet (act. G3.6).

Mit Verfügung vom 20. Oktober 2020 wies die Opferhilfe SG-AR-AI die Gesuche 

um Kostenübernahme für berufliche Integration und Flugkosten ab. Zur Begründung 

führte sie aus, die Opferhilfe übernehme ausschliesslich Leistungen, die als 

unmittelbare Folge der Straftat notwendig geworden seien. Damit werde ein adäquater 

Kausalzusammenhang zwischen der Straftat und dem Bedarf der beanspruchten 

Leistung gefordert. Die Reintegrationsprobleme seien unbestritten eine Folge der 

Entführung durch den Vater nach C.___. Damit sei der natürliche 

Kausalzusammenhang zu bejahen. Demgegenüber sei die Adäquanz zu verneinen. Bei 

den Flugkosten handle es sich nicht um Kosten, die in einem direkten Zusammenhang 

mit einem Rückführungsverfahren stehen würden, zumal die Entführung 10 Jahre 

zurückliege und die Gesuchsteller bereits vor ihrer definitiven Rückkehr zu 

Ferienzwecken in die Schweiz gereist seien (act. G3.7).

A.f. 

Am 3. November 2020 erheben A.___ und B.___, nun vertreten durch 

Rechtsanwältin Dr. Nicole Zürcher Fausch, Rekurs gegen die Verfügung vom 

20. Oktober 2020. Sie beantragen, die Verfügung sei aufzuheben. Der Rekurrentin sei 

längerfristige Hilfe in Höhe von Fr. 7'450.55 für Integrationsmassnahmen bis August 

2019 und in Höhe von Fr. 306.-- für Flugkosten auszurichten. Dem Rekurrenten sei 

längerfristige Hilfe in Höhe von Fr. 15'851.85 für Integrationsmassnahmen bis Juli 2022 

und in Höhe von Fr. 306.-- für Flugkosten auszurichten. Eventualiter sei das Gesuch zur 

Neubeurteilung an die Finanzkommission der Stiftung Opferhilfe zurückzuweisen. Den 

Rekurrenten sei eine angemessene Parteientschädigung zzgl. MwSt in gesetzlicher 

Höhe zuzusprechen. Eventualiter für den Fall, dass keine oder eine reduzierte 

Parteientschädigung zugesprochen werde, sowie für den Fall des ganzen oder 

teilweisen Unterliegens sei den Rekurrenten die unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

zu gewähren. Zur Begründung bringen sie im Wesentlichen vor, ihre Eltern hätten sich 

im Jahr 2004 getrennt, wobei die Kinder in die Obhut der Mutter gegeben worden 

seien. Mit Urteil des Bezirksgerichts Z.___ vom 19. Dezember 2008 und Urteil des 

Obergerichts Y.___ vom 3. März 2010 seien die Eltern geschieden worden und sie 

B.a. 

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seien unter die elterliche Sorge der Mutter gestellt worden. Anlässlich des 

Besuchstages vom 22. Mai 2009 seien die Rekurrenten zusammen mit ihrer jüngeren 

Schwester vom Vater in dessen Heimatland C.___ entführt worden, wo der Vater mit 

seiner zweiten Frau und zwei Halbschwestern der Rekurrenten gelebt habe. Die Mutter 

habe sich intensiv aber erfolglos um eine Rückführung der Rekurrenten in die Schweiz 

bemüht und nur unregelmässig mit den Rekurrenten telefonieren können, sodass diese 

die deutsche Sprache mit der Zeit verlernt hätten. Es habe eine schleichende 

Entfremdung von der Mutter und der schweizerischen Kultur stattgefunden. Die 

Rekurrentin habe in C.___ das Abitur gemacht und sich an der Universität X.___ für ein 

Chemie-Studium eingeschrieben. Nachdem sie 2018 volljährig geworden sei, habe sie 

von ihrem Vater einen Besuch bei ihrer Mutter eingefordert, wie er es ihr früher 

versprochen habe. Der Vater habe dies zuerst verhindert, dann erschwert, sodass die 

Rekurrenten erst im Sommer 2018 für einen Monat in die Schweiz gereist seien. Dieser 

Monat sei wegen Befragungen durch die Strafverfolgungsbehörden und des 

Aktivwerdens der KESB sowie ständiger Anrufe des Vaters, der sie zur Rückkehr 

gedrängt habe, und Kontaktaufnahmen von Verwandten des Vaters in der Schweiz eine 

äusserst schwierige Zeit gewesen. Nach dem Besuch bei der Mutter seien die 

Rekurrenten nicht "freiwillig" nach C.___ zurückgekehrt. Nicht nach C.___ 

zurückzureisen, sei keine echte Option gewesen. Nachdem die Rekurrenten mit ihrer 

jüngeren Schwester im September 2018 nach C.___ zurückgekehrt seien, habe die Zeit 

in der Schweiz mit der Mutter nachgewirkt. Der Vater habe eine erneute Reise in die 

Schweiz jedoch zunächst verweigert. Zufällig habe ein Bekannter dem Vater erzählt, 

seine in W.___ lebende Tochter verdiene dort gut. Jene Familie habe also eine 

"Geldquelle" in W.___ gehabt. Plötzlich sei der Vater mit einer Rückkehr der 

Rekurrenten in die Schweiz einverstanden gewesen. Am 2. November 2018 seien die 

Rekurrenten in die Schweiz zurückgekehrt, wobei der Stiefvater ihre Flugkosten von 

total Fr. 612.90 vorfinanziert habe. Seither würden sie bei ihrer Mutter in der Familie 

leben. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz hätten die Rekurrenten die deutsche 

Sprache wiedererlernen müssen. Sie hätten deshalb Sprachkurse und ab März 2019 

ein Arbeitstraining absolviert mit dem Ziel, eine Lehrstelle zu finden und die berufliche 

Ausbildung starten zu können. Die Kosten hierfür seien vom Sozialamt und dem 

Stiefvater vorgeschossen worden. Von August 2019 bis Juli 2020 habe die Rekurrentin 

eine Vorlehre als V.___ bei der F.___ AG in Zürich absolviert. Der Rekurrent habe von 

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August 2019 bis Juli 2020 eine Vorlehre als V.___ im Bereich Transport bei der Stiftung 

D.___ absolviert. Für die Kosten der Vorlehren habe beim Kanton St. Gallen ein 

Gebührenerlass erreicht werden können. Während der Vorlehre habe der Rekurrent von 

August bis Oktober 2019 einen Sprachkurs der Klubschule Migros besucht, der vom 

Stiefvater vorfinanziert worden sei. Im August 2020 habe die Rekurrentin bei der F.___ 

AG, welche ihr ein GA zur Verfügung stelle, eine zweijährige Lehre zur V.___ EBA 

beginnen können. Sie sei damit auf gutem Weg in einen Berufseinstieg. Allerdings liege 

eine zweijährige Grundausbildung mit Berufsattest weit unter ihrem Potential, sei sie 

doch in C.___ eine ausgezeichnete Schülerin gewesen. Der Rekurrent habe im August 

2020 eine zweijährige Lehre zum U.___ EBA in G.___ beginnen können. Er besuche die 

Berufsfachschule in T.___ und benötige deshalb auch ab August 2020 bis 

Lehrabschluss im Juli 2022 ein GA, das zurzeit Fr. 230.-- pro Monat koste. Die 

Rekurrenten seien Opfer einer Entführung und damit einer Straftat geworden. Die 

Entführung sei für sie ein traumatisches Erlebnis gewesen, auch wenn der Vater für sie 

in C.___ gesorgt und sie den dortigen Verhältnissen entsprechend aufgezogen habe. 

Sie seien dadurch in ihrer körperlichen und psychischen Integrität verletzt worden, 

sodass ihnen längerfristige Hilfe nach dem Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von 

Straftraten (OHG; SR 312.5) zustehe. Sie seien nicht in der Lage, die beantragten 

Leistungen vom Täter erhältlich zu machen. Das Dauerdelikt der Entführung sei erst mit 

der Rückkehr in die Schweiz am 2. November 2018 beendet gewesen, weil erst dann 

das Herrschaftsverhältnis des Vaters gegenüber der Rekurrenten beendet worden sei. 

Würde man entgegen der Auffassung der Rekurrenten für den Zeitpunkt der 

Beendigung der Entführung auf die erste Einreise in die Schweiz abstellen, wäre das 

Dauerdelikt jedenfalls frühestens am 18. August 2018 beendet worden. Betreffe die 

längerfristige Hilfe keine gesundheitlichen Massnahmen, so sei die Grenze der Dauer 

der längerfristigen Hilfe erreicht, wenn eine wesentliche Rückführung in die Umstände 

vor der Straftat nicht mehr möglich sei. Nur Schäden, die nach diesem Zeitpunkt 

entstehen würden, seien als Entschädigung nach dem OHG geltend zu machen. Es sei 

davon auszugehen, dass die Rekurrenten frühestens nach Abschluss der zweijährigen 

Lehre EBA den Stand für den Ausbildungs-/Berufseinstieg haben würden, den sie ohne 

Entführung gehabt hätten. Die Integrationsmassnahmen und Bildungsschritte bis und 

mit Lehrabschluss EBA würden also einzig einer Rückführung in die Umstände vor der 

Straftat dienen. Aus diesem Grund würden auch die Fahrtkosten des Rekurrenten 

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während seiner zweijährigen Lehre EBA unter die längerfristige Hilfe fallen. Für die 

Rekurrentin sei schon jetzt klar, dass sie nicht V.___ EBA bleiben wolle. Sie mache 

Pläne für eine nachfolgende Ausbildung, die ihren Interessen (Chemie) und ihrem 

Bildungsstand (Abitur und Studienbeginn in C.___) besser entspreche. Der Auffassung 

der Vorinstanz, wonach längerfristige Hilfe nach OHG nur geschuldet sei, wenn ein 

adäquater Kausalzusammenhang vorliege, könne nicht gefolgt werden. Das 

Bundesgericht folge im Bereich des Opferhilferechts der Rechtsprechung im sozialen 

Unfallversicherungsrecht. Das gelte nicht nur für die Frage, wie die Adäquanz zu 

beurteilen sei, sondern auch für den Zeitpunkt der Adäquanzprüfung. Im sozialen 

Unfallversicherungsrecht sei gemäss Bundesgericht eine Adäquanzprüfung erst in 

jenem Zeitpunkt durchzuführen, in welchem der Anspruch auf eine Rente und eine 

Integritätsentschädigung zu prüfen sei. Dieser Zeitpunkt sei gegeben, wenn von der 

ärztlichen Behandlung keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands mehr 

erwartet werden könne. Im Opferhilferecht werde für die Abgrenzung zwischen 

längerfristiger Hilfe und Entschädigung ebenfalls darauf abgestellt, ob sich der 

gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert habe und die übrigen 

Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen seien. Bis zu diesem 

Zeitpunkt werde Hilfe in Form von längerfristiger Hilfe gewährt, danach nur noch eine 

Entschädigung. Daher sei im Rahmen der Hilfeleistungen nach Opferhilferecht auf eine 

Adäquanzprüfung zu verzichten und das Vorliegen einer natürlichen Kausalität als 

genügende Voraussetzung für eine Leistungserbringung zu erachten. Diese Auffassung 

werde auch in der Literatur vertreten. Zwar sei das Versicherungsgericht in früheren 

Entscheiden (OH 2016/1 vom 12. Dezember 2017 mit Verweis auf OH 2015/4 und OH 

2013/1) vom Erfordernis eines adäquaten Kausalzusammenhangs bei der 

längerfristigen Hilfe ausgegangen. In diesem Punkt könne aber nicht auf die 

Rechtsprechung des Versicherungsgerichts abgestellt werden, weil dieses die jüngere 

bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Thematik nicht berücksichtigt habe. Im 

Übrigen sei vorliegend ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben. Die von den 

Rekurrenten beantragten Leistungen seien auch angemessen, um die Folgen der 

Straftat zu beseitigen resp. zu mindern und um eine Rückführung in die Umstände vor 

der Straftat zu erreichen (act. G1).

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Erwägungen

1.  

Mit Vernehmlassung vom 27. November 2020 beantragt die Vorinstanz unter 

Verweis auf die Verfügung vom 20. Oktober 2020, der Rekurs sei vollumfänglich 

abzuweisen (act. G3).

B.b. 

Mit Schreiben vom 23. Dezember 2020 teilt die Präsidentin des Versicherungs­

gerichts den Rekurrenten mit, dass aufgrund der elterlichen Unterhaltspflicht bis zum 

Abschluss einer angemessenen Erstausbildung in Verbindung mit der ehelichen 

Beistandspflicht, welche auch den Beistand in der Erfüllung der Unterhaltspflicht 

gegenüber vorehelichen Kindern umfasse, keine Prozessbedürftigkeit der Rekurrenten 

gegeben zu sein scheine, sodass das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 

abgelehnt werden müsse. Sie gab den Rekurrenten Gelegenheit zur Stellungnahme 

und stellte in Aussicht, dass bei unbenütztem Fristablauf davon ausgegangen werde, 

dass die Rekurrenten mit der formlosen Erledigung des Gesuchs um unentgeltliche 

Rechtsverbeiständung einverstanden seien (act. G5).

B.c. 

Am 11. Januar 2021 teilen die Rekurrenten mit, auf eine Replik wie auch auf eine 

ergänzende Stellungnahme zum Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

werde verzichtet (act. G8).

B.d. 

Nach Art. 1 OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, 

psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), 

Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz (Opferhilfe). Die Opferstellung setzt 

eine Straftat voraus. Dabei genügt ein tatbestandsmässiges und rechtswidriges 

Verhalten. Der strafrechtlichen Qualifikation der Tat kommt keine entscheidende 

Bedeutung zu. Wesentlich ist die Wirkung der Straftat auf das Opfer und dessen durch 

das Gesetz geschützte Integrität (Art. 1 OHG; Dominik Zehntner, SHK-Opferhilferecht, 

4. Aufl., Art. 1 OHG N 4 und N 7 f.).

1.1. 

Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für die 

dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe; Art. 13 

Abs. 1 OHG). Sie leisten dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche 

Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und 

bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind 

1.2. 

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(längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe 

und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Art. 13 Abs. 3 OHG).

Die Art der umfassenden Hilfe, welche die Beratungsstellen zu leisten haben, geht 

zum Teil über die blosse Beratung der Opfer deutlich hinaus. Sie besteht in einem viel­

seitigen und umfassenden Hilfsangebot zugunsten der Opfer und soll diese in der 

Überwindung von materiellen, physischen, psychischen, gesellschaftlichen und 

rechtlichen Schwierigkeiten unterstützen. Die Soforthilfe soll rasch wirksam werden 

und dem Opfer diejenige Hilfe verschaffen, die zur Bewältigung der unmittelbaren 

Folgen der Straftat notwendig ist; die längerfristigen Massnahmen dienen hingegen der 

Verarbeitung der Erlebnisse durch das Opfer, wozu insbesondere auch die Beratung 

und Hilfe in prozessualen Fragen sowie in Fragen der Versicherung und der materiellen 

Entschädigung gehört. Im Übrigen soll in dieser zweiten Phase eine umfassende 

Sanierung der Lage des Opfers sowie Lebenshilfe und Laufbahnberatung angeboten 

werden (Urteil des Bundesgerichts vom 26. April 2001, 1A.318/2000, E. 2.a, mit 

Hinweis auf BGE 126 II 228 E. 2c/aa).

1.3. 

Mit der im Gesetz als Soforthilfe bezeichneten Leistung ist jene Hilfe an Opfer 

gemeint, die unmittelbar nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Opfer einsetzt. Sie 

unterscheidet sich von der längerfristigen Hilfe nicht durch ihren Inhalt, sondern 

lediglich durch die Dringlichkeit ihrer Erbringung. Die längerfristige Hilfe beginnt nach 

der Soforthilfe und somit nach dem Wegfall der Dringlichkeit einer Hilfeleistung. Sie 

dauert längstens entweder bis zur gesundheitlichen Stabilisierung des Opfers oder bis 

zu jenem Zeitpunkt, in welchem die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt 

oder ausgeglichen sind. Für durch die Soforthilfe und die längerfristige Hilfe nicht 

abgedeckte Schäden des Opfers ist dieses auf die Entschädigungsbestimmungen 

gemäss Art. 19 f. OHG verwiesen (Zehntner, a.a.O., Art. 13 OHG N 1 und N 5).

1.4. 

Betrifft die längerfristige Hilfe nicht die gesundheitliche Problematik des Opfers, so 

setzt das Gesetz die Grenze der Beseitigung oder Ausgleichung der Folgen der Straftat 

als Grenze der längerfristigen Hilfe, wobei dieser Zustand "möglichst" erreicht werden 

soll, bevor die Leistungen einzustellen sind. Die Bestimmung dieses Zustands wird im 

Einzelfall weiterhin Schwierigkeiten bereiten, da die Beseitigung oder Ausgleichung der 

Straftat für das Opfer auch bedeutet, dass der dadurch verursachte Schaden 

ausgeglichen oder eben abgegolten sein muss. Dies kann im Kontext der 

längerfristigen Hilfe nicht gemeint sein, da damit begrifflich auch die Entschädigung 

einbezogen würde. Es wird in diesem Bereich deshalb davon ausgegangen, dass die 

Grenze der Dauer der längerfristigen Hilfe dann erreicht ist, wenn eine wesentliche 

Rückführung in die Umstände vor der Straftat nicht mehr möglich ist. Gemeint sind 

1.5. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=OHG+l%E4ngerfristige+Hilfe&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-II-228%3Ade&number_of_ranks=0#page228

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zum einen soziale Folgen der Straftat, wie beispielsweise ein Umzug. Zum anderen 

sind aber auch finanzielle Konsequenzen zu nennen, z.B. wenn das Opfer wegen der 

Tat seine Arbeitsstelle verloren hat und sich vorübergehend mit Leistungen der 

Arbeitslosenversicherung abfinden muss. Kann hingegen eine Verbesserung einer 

solchen Situation nicht mehr erreicht werden, handelt es sich nicht mehr um eine 

Leistung aus längerfristiger Hilfe, sondern um eine solche aus Entschädigung 

(Zehntner, a.a.O., Art. 13 OHG N 9).

Längerfristige Hilfe wird nur so lange geleistet wie sie vom Opfer benötigt wird. Ist 

ein Opfer selbst in der Lage, die notwendigen Massnahmen zu treffen oder in die Wege 

zu leiten, ist die Leistungsvoraussetzung nicht mehr erfüllt. Die Leistungspflicht der 

Beratungsstelle richtet sich demzufolge auch nach dem Zustand des Opfers und 

dessen persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Auch die Zumutbarkeit der 

Selbstvornahme ist im Einzelfall an den dem Opfer zur Verfügung stehenden 

Möglichkeiten zu messen, wobei auch die sozialen Umstände einzubeziehen sind 

(Zehntner, a.a.O., Art. 13 OHG N 10).

1.6. 

Die Leistungen umfassen die angemessene medizinische, psychologische, soziale, 

materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge der Straftat notwendig 

geworden ist. Die Beratungsstellen besorgen dem Opfer oder seinen Angehörigen bei 

Bedarf eine Notunterkunft (Art. 14 Abs. 1 OHG). Die Aufzählung der Leistungen der 

Beratungsstelle nach Art. 14 OHG ist abschliessend. Die Soforthilfe und längerfristige 

Hilfe sollen dazu dienen, dem Opfer, welches durch die Straftat sozusagen aus dem 

Gleis geworfen worden ist, zu helfen, wieder auf die Schienen zurückzukehren (vgl. 

Zehntner, a.a.O., Art. 14 OHG N 1).

1.7. 

Die Beratungsstellen haben ausschliesslich Leistungen zu erbringen oder zu 

vermitteln, welche als Folge der Straftat notwendig geworden sind. Ein kausaler 

Zusammenhang zwischen der Straftat und dem Bedarf an der beanspruchten Leistung 

hat demnach vorzuliegen. Das Bundesgericht hat noch unter der Geltung des alten 

Gesetzes entschieden, dass die Adäquanz des Kausalzusammenhangs entsprechend 

der für das soziale Unfallversicherungsrecht entwickelten Rechtsprechung zu 

beurteilen ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in diesem Bereich wird 

eine Adäquanzprüfung im Unfallversicherungsrecht erst zu jenem Zeitpunkt 

durchgeführt, in welchem der Anspruch auf eine Rente und eine 

Integritätsentschädigung zu prüfen ist. Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) definiert diesen Zeitpunkt, indem er stipuliert, 

dass er gegeben sei, wenn von der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung 

des Gesundheitszustands der versicherten Person erwartet werden könne (vgl. 

1.8. 

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Zehntner, a.a.O., Art. 14 OHG N 4). Im von Zehntner zitierten Urteil des Bundesgerichts 

1A.230/2006 vom 8. Juni 2007 ging es um die Frage des Kausalzusammenhangs von 

gesundheitlichen Einschränkungen eines Opfers mit einem erlittenen Unfall. Dass hier 

das Bundesgericht die Adäquanzprüfung des Unfallversicherungsrechts als anwendbar 

bezeichnete, stellte im Verhältnis zum Haftpflichtrecht eine Einschränkung der 

opferhilferechtlichen Ansprüche dar und bezog sich im Übrigen nicht auf die Frage der 

längerfristigen Hilfe. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht denn auch 

bei der längerfristigen Hilfe vom Erfordernis des adäquaten Kausalzusammenhangs 

aus, und zwar insbesondere ab dem Zeitpunkt, in welchem sich der 

Gesundheitszustand stabilisiert hat (vgl. Urteil vom 12. Dezember 2017, OH 2016/1, E. 

3.3 mit Hinweisen).

Die zu erbringende Leistung muss einer Notwendigkeit entsprechen. Diese 

Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn das Opfer eine den gleichen Zweck erfüllende 

Leistung von einem Dritten beanspruchen kann, was dem Subsidiaritätsprinzip gemäss 

Art. 4 OHG entspricht (Zehntner, a.a.O., Art. 14 OHG N 5).

1.9. 

Die materielle Hilfe wird meist in Form einer baren Geldleistung erfolgen. Braucht 

ein Opfer nach der Straftat dringend finanzielle Mittel, um seinen Lebensunterhalt zu 

bestreiten, hat es Anspruch auf entsprechende Leistungen durch die Beratungsstelle. 

Die entsprechenden Leistungen der Beratungsstelle sind allerdings subsidiär. Können 

Leistungen vom Täter oder von einem Versicherer beansprucht werden, so hat die 

Beratungsstelle lediglich kleinere Vorschüsse zu erbringen, bis der Schaden vom 

letztlich Zahlungspflichtigen gedeckt wird (Überbrückungsgeld). Solange Dringlichkeit 

gegeben ist, hat die Beratungsstelle dem Opfer materielle Hilfe im Rahmen der 

Soforthilfe zu erbringen, wenn dem Opfer keine anderen Geldquellen zur Verfügung 

stehen. Ein Vorbehalt der Rückzahlung oder Erstattung durch andere Kostenträger ist 

dabei zulässig. Für grössere Vorschüsse ist das Verfahren gemäss Art. 21 OHG in die 

Wege zu leiten. Die Beratungsstellen sind auch unter den Voraussetzungen der 

längerfristigen Hilfe so lange berufen zu helfen, bis ein Vorschuss gemäss Art. 21 OHG 

ausbezahlt ist oder der Drittleistungspflichtige erfüllt hat. Es ist nicht Sache der 

Beratungsstellen, den Täter oder den zahlungspflichtigen Versicherer zu entlasten. 

Dagegen kann und soll die Beratungsstelle sofort materielle Leistungen erbringen, 

wenn das Opfer darauf angewiesen ist und es nicht in der Lage ist, die Leistung der 

letztlich Zahlungspflichtigen abzuwarten. Der Gang des Opfers zur Sozialhilfe ist zu 

vermeiden (Zehntner, a.a.O., Art. 14 OHG N 20 f.).

1.10. 

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2.  

Vorliegend beantragen die Rekurrenten unter dem Titel längerfristige Hilfe die 

Übernahme der Kosten für den Flug von C.___ in die Schweiz vom 2. November 2018 

durch die Beratungsstelle. Sie führen aus, erst durch diese zweite Rückkehr in die 

Schweiz sei das Delikt der Entführung beendet gewesen.

2.1. 

Akten über das von der Staatsanwaltschaft Y.___ geführte Strafverfahren gegen 

den Vater der Rekurrenten liegen im vorliegenden Verfahren nicht im Recht. Es findet 

sich einzig ein Strafantrag der Mutter der Rekurrenten gegen den Vater wegen 

Entziehung von Minderjährigen (Art. 220 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs [StGB; 

SR 311.0]; siehe act. G1.10). Indes hat die Vorinstanz anerkannt, dass die Rekurrenten, 

wie sie selbst geltend machen, als Minderjährige Opfer einer Entführung geworden 

seien. Grundsätzlich genügt es, dass eine Straftat in Betracht fällt. Die Soforthilfe sowie 

die längerfristige Hilfe der Beratungsstellen müssen denn auch, damit sie ihren Zweck 

erfüllen, gewährt werden können, bevor endgültig feststeht, ob ein 

tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten des Täters zu bejahen ist (vgl. BGE 

143 IV 154 und Urteil des Bundesgerichts vom 16. März 2017, 6B_370/2016, E. 2.3.3 

mit Hinweisen).

2.2. 

Wer jemanden durch Gewalt, List oder Drohung entführt, wird mit Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Ebenso wird 

bestraft, wer jemanden entführt, der urteilsunfähig, widerstandsunfähig oder noch nicht 

16 Jahre alt ist (Art. 183 Ziff. 2 StGB). Eine Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 

Abs. 2 StGB liegt vor, wenn der Täter durch das Verbringen des Opfers an einen 

anderen Ort eine gewisse Machtposition über dieses erlangt. Dabei muss die 

Ortsveränderung zwar für eine gewisse Dauer vorgesehen, das Opfer aber dort in 

seiner persönlichen Freiheit nur soweit beschränkt werden, dass es nicht die 

Möglichkeit hat, unabhängig vom Willen des Täters an seinen gewohnten 

Aufenthaltsort zurückzukehren. Die vom Täter über das Opfer ausgeübte Macht muss 

somit lediglich dergestalt sein, dass das Opfer nur abhängig vom Willen des Täters an 

seinen früheren Aufenthaltsort zurückkehren kann (Andreas Donatsch, in: Andreas 

Donatsch [Hrsg.], StGB/JStG Kommentar, mit weiteren Erlassen und Kommentar zu 

den Strafbestimmungen des SVG, BetmG und AuG/AIG, 20. Aufl. 2018, Art. 183 N 12; 

Gunhild Godenzi, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. Aufl. 2020, 

Art. 183 N 4). Entführung ist ein Dauerdelikt. Die Tat ist vollendet, wenn das Opfer vom 

früheren Aufenthaltsort entfernt und in der Macht des Täters ist. Sie ist beendet, wenn 

es seine Freiheit wiedererlangt hat (Stefan Trechsel/Martino Mona, in: Stefan Trechsel/

Mark Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/18

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Art. 183 N 14a). Ein Elternteil des minderjährigen Kindes kann Täter sein, wenn dessen 

elterliche Sorge entzogen oder beschränkt wurde, insbesondere wenn das Obhutsrecht 

ausschliesslich einem Elternteil zugesprochen worden ist (vgl. Pra 2001 Nr. 90 E. 1b). 

Bei Kindern unter 16 Jahren ist der Wille des Opfers unbeachtlich, eine allfällige 

Zustimmung zum Ortswechsel dementsprechend ohne Bedeutung (Trechsel/Mona, 

a.a.O., Art. 183 N 14 und N 16).

Die geltend gemachte Entführung war, soweit zu diesem Zeitpunkt dem Täter das 

Obhutsrecht entzogen war, mit dem Verbringen der damals minderjährigen 

Rekurrenten nach C.___ vollendet. In C.___ wurde die Freiheit der Rekurrenten insofern 

eingeschränkt, als ihnen eine Rückkehr zur Mutter in die Schweiz offenbar 

verunmöglicht wurde. Im Übrigen wurden sie in die Familie und den Kulturkreis des 

Vaters integriert und wuchsen gemäss C.___ischen Gepflogenheiten auf. Beendet war 

die Entführung, als sie ihre Freiheit wiedererlangten. Die Rekurrenten machen geltend, 

mit der ersten Rückkehr in die Schweiz im August 2018 sei die Entführung noch nicht 

beendet gewesen, weil das Herrschaftsverhältnis ihres Vaters über sie damals noch 

fortgedauert habe. Sie hätten mit ihrem Vater vereinbart, nur einen Ferienbesuch bei 

der Mutter zu machen. Der Vater habe ständig auf eine Heimkehr nach C.___ gedrängt, 

Verwandte des Vaters in der Schweiz hätten zu Besuchen eingeladen, der 

Rechtsanwalt des Vaters habe die Mutter mit Forderungen eingedeckt, sie hätten die 

Schweizer Behörden als Bürokratiemonster erlebt und nicht gewusst, wie es in der 

Schweiz für sie hätte weitergehen können (vgl. act. G1, S. 9 f.). Sie hätten die letzten 

neun Jahre beim Vater verbracht. C.___isches Recht und C.___ische Kultur verlangten, 

dass sie den Anweisungen des Vaters Folge leisteten. Sie seien unter dem Einfluss des 

Vaters gestanden und in der Entscheidungsfindung über ihren Aufenthalt nicht frei bzw. 

gar nicht dazu in der Lage gewesen. Zudem seien sie nicht selbständig gewesen und 

hätten weder über eine Ausbildung noch über Geld verfügt. Vor diesem Hintergrund sei 

die kurzzeitige Rückkehr nach C.___ kein freiwilliger Entscheid gewesen (vgl. act. G1, 

S. 21 f.). Die Rekurrenten verweisen in diesem Zusammenhang auf die Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zu Menschenhandel, wonach auch bei einer angeblichen 

Zustimmung unter Umständen der Straftatbestand erfüllt sein könne, wenn das formale 

Einverständnis des Opfers nicht seinem tatsächlichen Willen entspreche, sondern 

namentlich einer besonderen Verletzlichkeit oder Abhängigkeit geschuldet sei (vgl. 

act. G1, S. 21 f. mit Hinweis auf BGE 126 IV 225 E. 1d und Urteile des Bundesgerichts 

vom 29. April 2010, 6B_81/2010 und 6B_126/2010, E. 4.1).

2.4. 

Vorliegend kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, die Rekurrenten hätten 

im Sommer 2018 nur formal und gegen ihren tatsächlichen Willen unter dem 

2.5. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/18

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Machteinfluss des Vaters einer Rückkehr nach C.___ zugestimmt, und zwar aus 

folgenden Gründen: Der Rekurrent war zum Zeitpunkt der Rückreise nach C.___ noch 

nicht volljährig. Dementsprechend involvierte sich kurz nach seiner Ankunft in der 

Schweiz nicht nur die zuständige Strafverfolgungsbehörde, sondern auch die KESB, 

welche einen Beistand für die Kinder einsetzte (vgl. die Ausführungen der Rekurrenten 

hierzu, act. G1, S. 9). Wenn auch der Rekurrent aufgrund seines jugendlichen Alters, 

seiner fehlenden Sprachkenntnisse und der Entfremdung von den schweizerischen 

Lebensverhältnissen möglicherweise nicht in der Lage gewesen sein sollte, 

einzuschätzen, wie sich ein Leben in der Schweiz für ihn konkret gestalten würde, so 

konnte er doch auf die Unterstützung seiner Mutter und seines Beistandes 

zurückgreifen. Sowohl die nach schweizerischem Recht sorgeberechtigte Mutter wie 

auch die KESB hätten demnach gegen eine Rückkehr des Rekurrenten nach C.___ 

intervenieren und den Rekurrenten bei einem Verbleib in der Schweiz unterstützen 

können, soweit dies dem Kindeswohl gedient hätte. Die Schweizer Behörden hätten 

nicht einer Aufrechterhaltung des Tatbestands der Entführung Vorschub geleistet, 

indem sie das Herrschaftsverhältnis des Täters durch eine Rückkehr des 

minderjährigen Opfers in dessen Haushalt erneut gefestigt hätten. Der Rekurrent war 

auch nicht mehr unter 16 Jahren alt, sodass seinem Willen bzw. seiner Zustimmung 

zum Ortswechsel ein gewisses Gewicht zukam. Die Rekurrentin war zum Zeitpunkt der 

Einreise in die Schweiz im August 2018 bereits volljährig. Zwar war sie wirtschaftlich 

nicht selbständig und auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Angesichts ihrer 

Volljährigkeit und ihres Bildungsstands (Abitur in C.___) sowie der Informationen 

seitens der Behörden war ihr indes klar oder hätte ihr zumindest klar sein müssen, dass 

sie in der Schweiz hätte verbleiben können und dass sie für ihren Lebensunterhalt auf 

die Unterstützung ihrer Mutter und subsidiär des Gemeinwesens hätte zählen dürfen. 

Es kann deshalb nicht gesagt werden, dass die Rekurrentin sich nach wie vor so 

weitgehend im Machtbereich ihres Vaters befunden hätte, dass sie in einer ausweglos 

scheinenden Situation zu einer Rückkehr nach C.___ gezwungen war.

Dass die Rekurrenten im Sommer 2018 nach C.___ zurückkehrten, ist daher nicht 

einem Herrschaftsverhältnis ihres Vaters über sie im Sinne des Straftatbestands von 

Art. 183 StGB zuzuschreiben, auch wenn durchaus nachvollziehbar ist, dass dieser bis 

zu einem gewissen Grad psychischen Druck auf die Rekurrenten ausübte (vgl. zur 

Frage, wann psychischer Druck als Mittel zur Schaffung einer als ausweglos 

erscheinenden Situation als Tatbestandselement anzusehen ist BGE 128 IV 97 E. 2b/

aa). Ausschlaggebend für eine Heimkehr nach C.___ scheinen jedoch vielmehr die 

gesamten faktischen Lebensumstände gewesen zu sein. Die Rekurrenten waren 

aufgrund der in C.___ verbrachten prägenden Lebensjahre mit den dortigen 

2.6. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/18

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3.  

Verhältnissen und der Sprache vertraut und sowohl schulisch als auch gesellschaftlich 

und kulturell integriert. Sie waren in der Familie ihres Vaters eingebettet. Die 

Rekurrenten hielten denn im Rekurs auch selbst fest, dass C.___ ihr Zuhause geworden 

sei (vgl. beispielhaft act. G1, S. 10). Sie hätten unabhängig vom Willen ihres Vaters in 

der Schweiz verbleiben können, entschieden sich aber vorderhand für eine Rückkehr 

nach C.___, ihrem damaligen Zuhause. Dass sie selbst sich eine Bedenkzeit 

ausbedingt haben, um die Eindrücke aus ihrem Ferienaufenthalt in der Schweiz setzen 

zu lassen, spricht gerade gegen die Fortsetzung der Entführung.

Demzufolge war die Entführung spätestens mit der Rückkehr der Rekurrenten in 

die Schweiz im August 2018 beendet. Somit kann keine Hilfe im Sinne des OHG für die 

Flugkosten für die erneute Einreise der Rekurrenten in die Schweiz vom November 

2018 gewährt werden. Denn die Rekurrenten waren schon im August 2018 ohne Hilfe 

der Beratungsstelle an ihren früheren Aufenthaltsort in die Schweiz gereist, womit die 

Folge der Straftat bereits beseitigt war, soweit sie den Aufenthaltsort der Rekurrenten 

betraf. Der Rekurs ist deshalb betreffend Übernahme der Flugkosten abzuweisen.

2.7. 

Die Rekurrenten beantragen sodann unter dem Titel der längerfristigen Hilfe die 

Übernahme der Kosten für Deutschkurse, Arbeitstraining, die Vorlehre und die Lehre 

EBA inklusive Wegkosten, soweit nicht ein Gebührenerlass erfolgt ist (Vorlehre) oder 

die Arbeitgeberin die Kosten übernimmt (GA für die Rekurrentin).

3.1. 

Die längerfristige Hilfe gemäss Art. 13 Abs. 2 OHG kennt wie auch die Soforthilfe 

eine abschliessende Anzahl an Leistungen (Art. 14 Abs. 1 OHG; vgl. E. 1.7 vorstehend). 

Für die von den Rekurrenten beantragten Kosten kommt einzig die materielle Hilfe in 

Frage. Namentlich machen die Rekurrenten aktuell keine gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen geltend, welche auf die geltend gemachte Entführung 

zurückzuführen wären. Medizinische Hilfe ist derzeit nicht erforderlich. Materielle Hilfe 

wird nur geleistet, wenn ein Opfer nach der Straftat im Sinne von Überbrückungsgeld 

dringend finanzielle Mittel zur Bestreitung seines Lebensunterhalts benötigt, wobei die 

Geldleistungen der Beratungsstelle subsidiärer Natur sind (vgl. E. 1.10 vorstehend).

3.2. 

Vorliegend haben die Eltern gegenüber den Rekurrenten auch über ihre 

Volljährigkeit hinaus eine Unterhaltspflicht, zumal diese bei ihrer Rückkehr in die 

Schweiz im Jahr 2018 unstreitig noch keine angemessene Erstausbildung 

abgeschlossen hatten und ihnen nicht zugemutet werden konnte, ihren Unterhalt 

vollständig aus eigenen Mitteln zu bestreiten (vgl. Art. 276 und 277 des 

Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Diese Unterhaltspflicht kann 

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/18

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4.  

angesichts des heutigen vielstufigen Ausbildungsmarktes unter Umständen auch dann 

bestehen bleiben, wenn im Rahmen eines Ausbildungskonzepts zuerst eine Ausbildung 

mit EBA und anschliessend eine Ausbildung mit EFZ angestrebt wird. Wie weit die 

Unterhaltspflicht reicht, hängt vom Ausbildungskonzept, den Fähigkeiten der Kinder 

sowohl für das angestrebte Ausbildungsziel als auch zur Selbstversorgung und der 

Leistungsfähigkeit der Unterhaltspflichtigen ab (vgl. Sabine Aeschlimann/Jonas 

Schweighauser, in: Schwenzer Ingeborg/Fankhauser Roland [Hrsg.], Scheidung, Band 

I: ZGB/Band II: Anhänge, 3. Aufl. 2017, Allgemeine Bemerkungen zu Art. 276–293 N 55 

ff.; Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer, FO.2018.4 vom 17. Juli 

2020 unter Verweis auf Art. 277 Abs. 1 ZGB und Art. 302 Abs. 2 ZGB).

Für die von den Rekurrenten geltend gemachten Kosten im Zusammenhang mit 

ihrer Ausbildung in der Schweiz sind in erster Linie die Eltern unterhaltspflichtig. Sofern 

Unterhaltsbeiträge des Vaters uneinbringlich sind (vgl. zur anlässlich des 

Scheidungsverfahrens als schlecht eingestuften wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des 

Vaters act. G3.2, S. 3), hat die Mutter für den gebührenden Unterhalt der Rekurrenten 

zu sorgen, soweit ihr dies zumutbar ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der 

ehelichen Beistandspflicht der Ehemann der Mutter ihr bei der Erfüllung ihrer 

Unterhaltspflicht in angemessener Weise beizustehen hat (Art. 278 Abs. 2 ZGB; vgl. 

auch Heinz Hausheer/Annette Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, Bern 2010, 

S. 393 Rz 06.55). Soweit die familienrechtliche Unterhaltspflicht zur Anwendung 

kommt, ist materielle Hilfe im Sinne von dringend benötigten finanziellen Mitteln zur 

Überbrückung eines finanziellen Engpasses demnach nicht erforderlich.

3.4. 

Die Rekurrenten machen keine auf die Straftat zurückzuführende gesundheitliche 

Beeinträchtigung geltend, welche derzeit einer Behandlung bedürfte. Insofern ist Hilfe 

bei der Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Integrität nicht 

erforderlich. Die Kosten für die vorgenommenen Massnahmen in Form von 

Sprachkursen, Arbeitstraining und Ausbildung sind denn auch nicht gesundheitlich 

indiziert, sondern dienen dem mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Fortkommen der 

Rekurrenten in der Schweiz. Dabei handelt es sich insofern nicht um eine Rückführung 

in den Zustand vor der geltend gemachten Straftat, da die Rekurrenten damals noch 

Kinder waren und naturgemäss über keine Berufsausbildung verfügten.

4.1. 

Materielle Hilfe für grössere Beträge kann nur solange beantragt werden, als kein 

Vorschuss im Rahmen eines Entschädigungsgesuchs nach Art. 21 OHG erhältlich 

gemacht werden kann (vgl. E. 1.10 vorstehend). Andernfalls würde mit der materiellen 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/18

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

Hilfe eine allfällige Entschädigung vorweggenommen, was nicht dem Zweck der Sofort- 

und längerfristigen Hilfe entspräche (vgl. E. 1.5 vorstehend). Dass das Verfahren 

betreffend Entschädigung (vgl. Art. 19 OHG ff.) längere Zeit in Anspruch nehmen 

würde, war den Rekurrenten bekannt (vgl. act. G3.4). Ebenso war ihnen bekannt, dass 

die von ihnen geltend gemachten Kosten über einen längeren Zeitraum, nämlich bis 

zum Abschluss einer Ausbildung, anfallen würden und einen Betrag in beträchtlicher 

Höhe erreichen würde. Sie hatten demzufolge die Möglichkeit, nach Art. 21 OHG einen 

Vorschuss zu beantragen.

Die Rekurrenten kehrten am 2. November 2018 mit der Absicht in die Schweiz 

zurück, hier eine Berufsausbildung zu absolvieren. Ihnen musste daher bereits im 

November 2018 bewusst sein, dass sie die deutsche Sprache erlernen und sich 

anschliessend mit den Verhältnissen des Schweizer Arbeitsmarkts würden vertraut 

machen müssen. Im Weiteren war auch schon im November 2018 klar, dass die 

geplante Ausbildung mit Kosten verbunden sein würde und die Rekurrenten 

währenddessen nicht in der Lage sein würden, ihren Lebensunterhalt sowie die 

berufsbedingten Auslagen (vollumfänglich) selber zu bestreiten. Somit wäre es den 

Rekurrenten ab November 2018 möglich gewesen, bei der zuständigen kantonalen 

Behörde ein Gesuch um Entschädigung nach OHG zu stellen und im Rahmen dieses 

Verfahrens einen Vorschuss zu beantragen (vgl. Art. 19 ff. OHG). Ein Gesuch um 

längerfristige materielle Hilfe erfolgte hingegen erst am 5. Juni 2019 (vgl. act. G3.1 ff., 

G3.7 und G1.4 f.). Zu jenem Zeitpunkt hatten sowohl der Stiefvater der Rekurrenten wie 

auch die Sozialhilfe bereits Zahlungen geleistet (vgl. beispielhaft act. G1.6 f. und G1.37) 

und für die Zukunft hätte ein Vorschuss auf Entschädigung nach OHG beantragt 

werden können. Unter diesen Voraussetzungen kann keine längerfristige Hilfe im Sinne 

von Überbrückungsgeldern beantragt werden.

4.3. 

Nach dem Gesagten haben die Rekurrenten keinen Anspruch auf materielle 

längerfristige Hilfe nach Art. 13 OHG und die Vorinstanz hat die Gesuche um 

Kostenübernahme für berufliche Integration und Flugkosten zu Recht abgelehnt. 

Dementsprechend ist auch der vorliegende Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind 

keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 

wurde bereits formlos erledigt (vgl. act. G5 und G8).

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/18

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2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 07.03.2022
	Art. 13 f. und 19 ff. OHG, Art. 183 und 220 StGB, Art. 276 ff. ZGB. Die als Kinder vom Vater ins Ausland entführten Rekurrenten konnten als Jugendliche bzw. junge Erwachsene zu einem Ferienbesuch in die Schweiz reisen. Danach kehrten sie ins Ausland zurück. Da sie die Möglichkeit gehabt hätten, in der Schweiz zu verbleiben, sind die Kosten für eine erneute Reise in die Schweiz nicht mehr als längerfristige Hilfe im Sinne des OHG zu qualifizieren. Die Kosten für eine angemessene Erstausbildung sind grundsätzlich von ihren Eltern zu tragen. Soweit und sofern durch die Entführung ein Schaden entstanden ist (Mehrkosten bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung), können die Opfer eine Entschädigung nach Art. 19 ff. OHG beantragen. Im Rahmen des Entschädigungsverfahrens kann ein Vorschuss beantragt werden. Steht den Rekurrenten diese Möglichkeit offen, so besteht kein Anspruch auf materielle längerfristige Hilfe in Form von Überbrückungsgeldern (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. März 2022, OH 2020/4).

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