# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cdd52ce8-de91-5ec5-9e8b-c411395b0b6b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-11
**Language:** de
**Title:** Mittelgradige depressive Episode aufgrund psychosozialer Belastungsfaktoren; Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft; nicht invalidisierend; Abweisung. (BGE 9C_435/2016)
**Docket/Reference:** IV.2015.01173
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.01173.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.01173
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Schwarzenberger
Urteil
vom
11. Mai 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Departement Soziales der Stadt Winterthur
Y.___
, Soziale Dienste, Sozialversicherungsfachstelle
Pionierstrasse 5, 8403 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1960,
war von 2010 bis 2014
als Konstrukteur
selb
ständig
erwerbstätig (Urk.
6/
5
/1-2 S. 1 Mitte
). Unter Hinweis auf psychische Be
einträchtigungen
meldete er sich
am
1
4
. Januar 2015
bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/
7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
(Urk.
6/
11-20
)
und
veranlasste
ein psychiatrisches Gutachten,
welche
s
am 29. Juli
2015 er
stattet wurde (Urk.
6/
27).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/
28-34)
verneint
e
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
8. Oktober 2015
(Urk.
6/
35
=
Urk.
2/2
)
einen Renten
anspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 11. November 2015 Beschwerde gegen die Verf
ügung vom 8. Oktober 2015 (Urk.
2/2
) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm mindestens eine ha
lbe Invalidenrente zuzusprechen, eventuell
sei die Sache zur Vornahme von ergänzenden Abklärungen und anschliessenden
Neubeurtei
lung
an die IV-St
elle zurückzuweisen (Urk.
1 S. 2
Ziff. 1-2
).
Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantw
ort vom 16. Dezember 2015 (Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 1. März 2016 (Urk. 11) wurde sodann an
tragsgemäss
(Urk. 1 S. 2 Ziff. 4
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt
, und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer De
pression und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pres
sion im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet
.
Da
ran än
dert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer re
zidi
vierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bun
des
ge
richts 8C_104/2014 vom 26.
Juni
2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Ur
teil 9C_856/2013 vom 8. Oktober
2014 E. 5.1.2).
E
ine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung
ist
nicht
schlechthin auszuschliessen, indes bedingt deren Annahme, dass eine kon
se
quente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resi
stent ausweist (Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April
2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
Leichte bis höchstens mittelschwere psychi
sche Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten
zudem
grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März
2014 E. 3.6.1 mit Hinweisen). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht
regelmässig deren invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013
vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psycho
soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausge
prägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von
Krank
heitswert
vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Fak
toren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne
oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen
ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein in
va
lidisierender psychischer
Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V
294 E.
5a; Urteil des Bundesge
richts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E.
3.2 mit Hin
weisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Die Rechtsprechung hat
die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung
seit jeher
wie folgt verteilt: Sache des (be
gutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben
, das heisst
mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind
.
Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung
, das heisst
sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können
(BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medizinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der im medizi
nischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre
(Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2/2
)
ge
stützt auf die
medizinische
n
Abklärungen davon aus, dass
psychosoziale Fak
toren (Eheprobleme) der Auslöser für die
diagnostizierte mittelgradige
depres
sive Episode
gewesen sei
en
. Es sei davon auszugehen, dass die subjektiv emp
fundenen Einschränkungen als überwindbar gelten würden und
somit kein in
va
lidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Dem Beschwerdeführer sei mit einer zumutbaren Wille
nsanstrengung eine Erwerbstätigkeit zumutbar.
Die Therapieoptionen seien als nicht ausgeschöpft anzusehen und die Wiederher
stellung der vollen Arbeitsfähigkeit könne nach optimierter
psychopharmakolo
gischer
und psychotherapeutischer Behandlung wieder hergestellt werden.
Be
schwerden, welche durch psychosoziale Faktoren hervorgerufen worden seien, würden keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung er
g
eben
(S. 2
).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (Urk.
1),
dass er seit mindestens Mai 2011 an einer mittelgradig
en
depressiven Episode leide, die ihn invalidenversicherungsrechtlich relevant in seiner Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit beeinträchtige
, da er nicht mehr in der Lage sei, Tätigkeiten auszuüben, welche sehr hohe Anforderungen an die Konzentration stellen wü
rden wie bei
spielsweise PC
-Arbeiten.
Seine angestammte Tätigkeit als Konstrukteur, die ausschliesslich mit Hilfe von CAD und damit am
PC
ausgeübt w
e
rd
e
, könne er
damit nicht mehr ausüben. Er sei in seiner angestammten
Tätigkeit seit Mai
2011
beeinträchtigt und arbeitsunfähig (S. 5
unten
)
. Ob und welche
lei
densange
passten
Tätigkeiten in welchem Umfang er noch ausüben könnte, könne erst nach Durchführung
des
stationären Aufenthaltes festgestellt werden
(S. 6
oben
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers.
3.
3.1
Dr.
med.
Z
.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
A
.___
, führte in seinem Bericht vom 8. Septem
ber 2011 (Urk. 6/20/13-15) aus, dass drei Konsultationen mit dem Beschwerde
führer erfolgt seien,
dies
am 16. Mai, am 1.
Juni sowie
a
m 23. Juni
2011
, und nannte a
ls Diagnose
eine depressive Entwicklung im Rahmen
einer
An
pas
sungs
störung
(ICD-10 F43.2; S. 1
).
Der Beschwerdeführer leide an einer länger dauernden psychischen Belastungs
situation vor dem Hintergrund einer Ehekrise mit aktuell laufendem Schei
dungsprozess. Er leide seit längerer Zeit unter depressiven Verstimmungen mit Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen sowie vermehrtem Ruhe
bedü
rfnis mit Rückzugsneigung (S. 1
unten
).
Insgesamt bestehe eine länger dauernde depressive Entwicklung im Rahmen einer Anpassungsstörung vor dem Hintergrund der geschilderten privaten Belastungsfaktoren. Insgesamt seien gewisse misst
rauische Tendenzen des Beschwerdeführers
aufgefallen, k
linisch habe sich
jedoch
kein Hinweis auf manifeste psychotische Symptome ergeben. Eine unterstützende medikamentöse Behandlung werde vom Beschwerdeführer nicht gewünscht und erscheine aktuell auch ni
cht zwingend erforderlich (S. 3
).
3.2
Dr.
med.
B
.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
A
.___
, führte in ihrem Bericht vom 24. November 2014 (Urk. 6/20/16-18) aus,
dass sie vom 22. Oktober
bis 12. November 2014 Abklärungsuntersuchungen vorge
nom
men
habe
(S. 1 Mitte
)
,
und diagnostizierte eine mittelgradige depr
essive Episode (ICD-10
F32.1).
Der Beschwerdeführer leide vor dem Hintergrund einer von Kriegsgewalt gepräg
ten Kindheit, vor dem Hintergrund von politischer Flucht und Immigra
tion sowie einer schwierigen Trennung und Arbeitsverlust an einer mittelgra
digen depressiven Episode (S. 2 unten
). Eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung sei indiziert (S. 3 oben
).
3.3
Dr.
B.___
führte in ihrem
B
ericht vom 16. März 2015 (Urk
. 6/18/2-6)
aus, dass sie den Beschwerdeführer seit 2014 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte
als Diag
nose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Ziff. 1.1)
eine
mittelgradige dep
ressive Epis
ode
(ICD-10
F32.1).
Seit dem 22. Oktober 2014 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bis
heri
gen Tätigkeit als Konstrukteur (Ziff. 1.6). D
ie
se
sei
aus medizinischer Sicht nicht mehr zumut
bar.
Das depressive Syndrom könne
jedoc
h durch medi
zini
sche Massnahmen (
Kombination von ambulanter psychiatrisch-psychothe
ra
peu
tischer Behandlung und Psychopharmakotherapie
)
reduziert werden
(Ziff. 1.8)
.
Aktuell sei eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit nicht denkbar (Ziff. 1.9).
3.4
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine
Innere
Medizin
,
führte in seinem B
ericht
vom 30. April 2015 (
Urk.
6/20/1-7) aus
, dass er den Beschwerdeführer
seit 2007 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Ziff. 1.1)
eine depressive Entwicklung im Rahmen einer
An
passungsstörung
(ICD-10
F43.2)
. Sodann
nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
arterielle Hypertonie
Erstdiagnose (ED)
2007
-
Verdacht auf
Refluxoesophagitis
-
Verdacht auf
Reizblase
-
erektile Dysfunktion
-
Verdacht auf
seborrhoische
Keratosen im Gesicht
Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit
sei
bei schleichender Entwicklung und selb
ständiger Berufstätigkei
t
schwierig festzulegen.
In einer
2008
erstell
t
e
n
e
rste
n Aktennotiz sei festgehalten worden,
der Beschwerdeführer
sei bei der Arbeit un
konzentriert und mache viele Fehler
. Dadurch habe er immer weniger Aufträge angenommen und schliesslich keine mehr erhalten (
Ziff.
1.6).
Die bisherige Tä
tigkeit als CAD-Programmierer sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumut
bar. Für Tätigkeiten, bei denen über längere Zeit Konzentration erforderlich sei, bestehe keine zumutbare Arbeitsfähigkeit. Für körperlich leichte bis höchstens mittelschwere betreffend Konzentration und mentalen Ansprüchen leichte Arbeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit
im Rahmen von zirka vier
Stunden pro Tag
(
Ziff.
1.7). Das Konzentrationsvermögen und die intellektuelle Leistungsfähig
keit könn
t
e
n
wahrscheinlich durch eine fachärztlich-psychiatrische Behandlung verbessert werden (
Ziff.
1.8).
Es sei
schwierig abzusehen, ob der Beschwerde
führer seine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen
werde
(
Ziff.
1.9).
3.5
Am 29. Juli 2015 erstattete
Dr. med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychi
atrische Gutachten (Urk
. 6/27). Er
diagnostizierte
mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
(Ziff. 5.1)
eine mittelgradige depressive Episode mi
t somatischen Symptomen (ICD-10
F 32.11), einhergehend mit ps
ychophysischer Erschöpfung (ICD
Z 73.0)
. Sodann nannte er als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
ein
en schädlichen
Al
koholgebrauch (ICD-10
F 10.1), klinisch und labormässig ohne Hinweise auf Alkoholabhängig
keit
(Ziff. 5.2).
Seit mindestens Mai 2011 bestehe beim Beschwerdeführer eine mehr oder weni
ger anhaltende mittelgradige depressive Symptomatik und damit eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Auch bei anderen (adaptierten) Tätigkeiten bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 7.1-7.3)
.
Für eine optimal leidensangepasste Erwerbstätigkeit bestehe somit ein
e
50%ige Arbeits
fä
higkeit (
Ziff.
8.4), wobei
Tätigkeiten mit
sehr hohen Anforderungen an die
Kon
zentrationsdauer
, wie beispielsweise Fliess
bandarbeit oder längere PC
-Arbei
ten
,
sowie
Nach
tarbeiten
nicht geeignet
seien
(
Ziff.
7.1-7.4).
Die psychischen Probleme hätten mit Schwierigkeiten in der Ehe begonnen (Ziff. 3.5, 6).
D
ie attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit
sei
ausschliesslich auf ein psychosomatisches Leiden mit Krankhe
itswert zurückzuführen (Ziff.
8.4). Eine stationäre psychosomatische Behandlung während vier bis sechs Wochen erscheine als notwendig.
Dr.
D.___
ging davon aus, dass unter diesen inte
gra
tiven stationären therapeutischen Massnahmen von einer Verbesserung der depressiven Symptomatik, Rückbildung der psychophysischen Erschöpfung und Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (Ziff. 8.1). Die berufliche Eingliederung für die 50%ige Arbeitsfähigkeit könne theoretisch jederzeit und auf übliche Art erfolgen. Vor der beruflichen Eingliederung sei allerding eine stationäre psychosomatische Behandlung während vier bis sechs Wochen zu empfehlen (Ziff. 8.2). Dr.
D.___
konnte sodann keine Tatbestände feststellen, die gegen eine Wiederherstellung und Erhaltung der vollen Arbeits
fähigkeit sprechen würden (Ziff. 8.3).
3.6
Gemäss Feststellungsblatt
vom
17. August 2015
(
Urk. 6/28) gab
Dr. med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionale
r
Ä
rztlicher
Dienst
(RAD), in ihrer Stellungnahme vom 13. August 2015 an, dass auf das Gutachten von Dr.
D.___
vollum
fänglich abgestellt werden könne
(S. 4 oben).
4.
4.1
Unbestritten und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass der
Be
schwerdeführer
zurzeit
an einer
mittelgradigen depressiven Episode
leidet.
Un
einigkeit besteht hingegen in der Auswirkung dieser Diagnose auf
seine
Ar
beitsfähigkeit.
4.2
Laut dem Auszug aus dem individuellen Konto erzielte der Beschwerdeführer in den letzten Jahren folgende Einkommen (Urk. 6/12):
Jahr
Einkommen in Fr.
Arbeitgeber oder Einkommensart
2007
4‘445
F.___
AG
2007
84‘100
selbständigerwerbend
2008
43‘300
selbständigerwerbend
2009
8‘991
selbständigerwerbend
2010
69‘200
selbständigerwerbend
2011
63‘000
G.___
GmbH
2012
66‘000
G.___
GmbH
2013
3‘000
G.___
GmbH
2014
4‘667
nichterwerbstätig
4.3
Beim Beschwerdeführer wurde erstmals am 8. September 2011 durch Dr.
Z.___
eine depressive Entwicklung im Rahmen einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2
) diagnostiziert.
Nach drei
erfolgten
Konsultationen attestierte Dr.
Z.___
dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 3.1).
Der Beschwerdeführer gründete ebenfalls im Jahr 2011 die
G.___
GmbH und erzielte im gleichen Jahr ein Einkommen von Fr. 63‘000.-
-
, im Jahr 2012
ein Einkommen von Fr. 66‘000.-
-
und im Jahr 2013 ein Einkommen von Fr. 3‘000.-
-
. Seit dem Jahr 2014 war der Beschwerdeführer nicht mehr er
werbs
tätig
(vgl. vorstehend E. 3.7).
A
m 24. November 2014
diagnostizierte
Dr.
B.___
eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10
F32.1)
.
Der Bericht äusserte sich
nicht zur Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers
(vgl. vorstehend E. 3.2).
Jedoch attestierte Dr.
B.___
dem Beschwerdeführer in ihrem Bericht vom 16. März 2015 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Konstrukteur, welche seit Okto
ber
2014 bestehe
(vgl. vorstehend E. 3.3)
.
Dr.
C.___
diagnostizierte a
m 30. April 2015 eine depressive Entwicklung im Rahmen
einer Anpassungsstörung (ICD-10
F43.2)
und hielt fest, dass die bishe
rig
e Tätigkeit als CAD-Programmier
er
aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar sei. Für körperlich leichte bis höchstens mittelschwere betreffend Kon
zentration und mentalen Ansprüchen leichte Arbeit bestehe eine Arbeits
fähig
keit im Rahmen von zirka vier Stunden pr
o Tag (vgl. vorstehend E. 3.4
).
4.
4
Das Gutachten von Dr.
D.___
vom 29. Juli 2015 (vgl. vorstehend E. 3.5) ge
nügt
zwar
den meisten
rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine
be
weiskräf
tige medizinische
Entscheidgrundla
ge
(vgl.
vorstehend
E. 1.4). Dr.
D.___
g
ing
von einer
seit mindestens Mai 2011 bestehenden
50%igen Arbeitsun
fähig
keit aus, was im Widerspruch zu den medizinischen Akten steht, wurde doch zwi
schen September 2011 und November 2014 keine entsprechende
Arbeits
unfähigkeit attestiert
. Deshalb kann ihm in di
esem Punkt nicht gefolgt werden,
zumal
der Beschwerdeführer in den Jahren 2011 und 2012 ein doch substan
tielles Erwerbseinkommen
erzie
lte
.
4.5
Aus den medizinischen
Akten
geht hervor, dass die Eheprobleme des Beschwer
deführers seine psychischen Probleme ausgelöst haben
(vgl. vorstehend E. 3.5)
.
Werden in einem Gutachten wie vorliegend im Wesentlichen nur Befunde erho
ben, die in den psychosozialen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (vgl. vorste
hend E. 1.3).
Es
ist
deshalb
nicht zu beanstanden, dass die Beschwe
rdegegnerin zum Schluss gelangte,
die beim Beschwerdeführer diagnostizierte mittelgradige depressive Episode sei ausschliesslich auf psychosoziale Faktoren zurückzufüh
ren
, die keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung begrün
de
ten
.
We
iter geht aus dem Gutachten
hervor, dass mittels einer vier- bis sechswöchi
gen psychosomatischen Behandlung die depressive Symptomatik verbessert und die psychophysische Erschöpfung reduziert werden
könnte
(vgl. vorstehend E. 3.5). D
ie invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung
bedingt
die
Befolgung einer konsequenten Depressionsth
erapie, deren Scheitern das Leid
en als resistent ausweist (vgl. vorstehend E. 1.2).
D
ie
Beschwerdegegne
rin
ging daher
zu Recht davon aus, dass die Therapiemöglichkeiten n
och nicht voll ausgeschöpft
sind
und
nicht ausgewiesen
ist
, dass
das Leiden
therapiere
si
stent
wäre.
Da die Arbeitsfähigkeit keine medizinische, sondern eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen
- wie hier -
von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen ist (vgl. vorstehend E. 1.5).
4.6
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass dem Beschwer
deführer eine Arbeitstätigkeit im Umfang von
100
% zumutbar ist,
kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt und er deshalb
kei
nen
Rentenanspruch
hat.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen und die dage
gen erhobene Beschwerde abzuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 700.-- fes
tzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen, infolge bewilligter unent
geltlicher Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
GSVGer
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Departement Soziales der Stadt Winterthur
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchwarzenberger