# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3baf08c3-2aea-5ce2-ba48-5a5dd9925152
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230419-O1
**Docket/Reference:** SB230419-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230419-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230419-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

die Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw N. Hunziker

Urteil vom 12. Mai 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt M.A. HSG in Law X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend mehrfache Drohung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 13. Juni 2023 (DG230035)

-   2   -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  14.  März  2023 

(Urk. D1/24) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 89 S. 48 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte ist schuldig





der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB sowie

des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von dessen Art. 33 Abs. 1 

in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

zu  Fr. 30.–,  die  als  durch  Haft  (bis  und  mit  heute  insgesamt  268  Tage  Untersu-

chungs- und Sicherheitshaft) geleistet gilt.

3.

Es  wird  eine  stationäre  therapeutische  Massnahme  im  Sinne  von  Art. 59 StGB 

(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. 

4.

An die angeordnete stationäre therapeutische Massnahme werden 178 Tage erstan-

dene Untersuchungs- und Sicherheitshaft angerechnet.

5.

Die  folgenden  mit  Verfügung  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  17. Februar 

2023  beschlagnahmten  Gegenstände  werden  dem  Eigentümer,  B._____, 

… [Adresse], nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen heraus-

gegeben:





Pistole (A016'559'334)

4 Patronen (A016'559'345)

Verlangt B._____ die Gegenstände nicht innert 60 Tagen ab Rechtskraft des Urteils 

heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.

6.

Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, beim Foren-

sischen Institut Zürich sichergestellten Spuren und Spurenträger vernichtet:

-   3   -





DNA-Spur-Wattentupfer ab Pistole, ab Bedienelement aussen (A016'568'551)

DNA-Spur-Wattentupfer ab Pistole, ab Magazinlippen (A016'568'562).

7.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird auf den Weg des Zivilprozesses 

verwiesen.

8.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr. 

Fr. 

Fr.

4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

2'300.–   Gebühr für das Vorverfahren;

9'609.15   Auslagen (Gutachten);

508.–

Auslagen;

29'110.45

amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst.);

6'961.–

  unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. Bar-

auslagen und Mwst.).

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

9.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben.

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und diejenigen der unentgeltlichen Rechts-

vertretung der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen.

11.

(Mitteilungen)

12.

(Rechtsmittel)"

-   4   -

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 17 f.)

a)

Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 93 S. 2 f.; Urk. 184 S. 2 f.)

1.

Es sei, in Abweichung des Antrags in der Berufungserklärung, die Dispositiv-

ziffer 1 des Urteils vom 13. Juni 2023 vollständig aufzuheben und es sei fest-

zustellen, dass A._____ die Tatbestände der mehrfachen Drohung und des 

Vergehens gegen das Waffengesetz im Zustand der nicht selbst verschulde-

ten Schuldunfähigkeit gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB verübt hat und daher nicht 

strafbar ist.

2.

3.

Es sei die Dispositivziffer 2 des Urteils vom 13. Juni 2023 aufzuheben.

Es seien die Dispositivziffern 3 und 4 des Urteils vom 13. Juni 2023 aufzu-

heben und es sei von einer stationären Massnahme i.S.v. Art. 59 StGB abzu-

sehen.

4.

Es sei eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB für die Dauer 

von einem Jahr anzuordnen, wobei diese Anordnung mit den Weisungen zu 

verbinden  sei,  vorübergehend  in  einem  therapeutischen  Wohnen  unterge-

bracht zu werden, eine Abstinenz von nicht ärztlich verschriebenen psycho-

tropen Substanzen einzuhalten und diese regelmässig kontrollieren zu lassen 

und ärztlich verschriebene Medikamente regelmässig einzunehmen. Zudem 

sei  die  ambulante  Massnahme  mit  der  Anordnung  von  Bewährungshilfe  zu 

verbinden,  welche  die  erteilten  Weisungen  überprüfen  kann;  der  bereits 

erstandene  Freiheitsentzug  von  967  Tagen  sei  angemessen  anzurechnen, 

wobei  davon  787  Tage  als  Überhaft  festzustellen  und  zu  CHF  200.00  zu 

entschädigen seien.

5.

Es sei, in Abweichung des Antrags in der Berufungserklärung, die Dispositiv-

ziffer 9 des Urteils vom 13. Juni 2023 aufzuheben und die Kosten des erstin-

stanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.

-   5   -

6.

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zzgl.  MwSt.  zulasten  der  Staats-

kasse.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 102A)

Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids

c)

Der Privatklägerin:

(sinngemäss)

Verzicht auf Anträge

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte / Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Der  Verfahrensverlauf  bis  zum  erstinstanzlichen  Urteil  ergibt  sich  aus  dem 

angefochtenen Entscheid (Urk. 89 S. 4 f.). Das vorstehend wiedergegebene Urteil 

vom  13.  Juni  2023  wurde  den  Parteien  gleichentags  mündlich  eröffnet  (Urk.  62; 

Prot. I S. 17 ff.). Der Beschuldigte meldete mit Eingabe vom 23. Juni 2023 (Post-

stempel) innert Frist Berufung an und beantragte den vorzeitigen Vollzug der ange-

ordneten  stationären  therapeutischen  Massnahme  (Urk.  73).  Mit  Präsidialver-

fügung  vom  26.  Juni  2023  wurde  der  vorzeitige  Massnahmevollzug  bewilligt 

(Urk. 75).  Nach  Zustellung  des  schriftlich  begründeten  Entscheids  erfolgte  recht-

zeitig mit Eingabe vom 22. August 2023 die Berufungserklärung des Beschuldigten, 

mit  welcher  die  Erstellung  eines  neuen  psychiatrischen  Gutachtens  beantragt 

wurde (Urk. 87/2 und 93). Nach erfolgter Fristansetzung verzichteten die Staats-

anwaltschaft  ausdrücklich  und  die  Privatklägerin  stillschweigend  auf  eine 

Anschlussberufung und darauf, ein Nichteintreten zu beantragen und die Staatsan-

waltschaft  beantragte  die  Abweisung  des  Beweisantrages  des  Beschuldigten 

(Urk. 96  und  102A).  Der  Justizvollzug  und  Wiedereingliederung  (nachfolgend: 

JuWe)  setzte  den  vorzeitigen  stationären  Massnahmeantritt  per  14.  September 

-   6   -

2023 in Vollzug (Urk. 103). Mit Präsidialverfügung vom 27. September 2023 wurde 

der  Beweisantrag  des  Beschuldigten  abgewiesen  (Urk. 104).  Mit  Eingaben  vom 

19. und 21. Dezember 2023 erneuerte der Beschuldigten seinen Beweisantrag auf 

Einholung  eines  neuen  psychiatrischen  Gutachtens  (Urk.  109  und  114).  In  der 

Folge wurde in Gutheissung des Beweisantrages Frau Dr. med. C._____ mit der 

Erstellung eines neuen psychiatrischen Gutachtens beauftragt (Urk. 124, 131-133). 

Das forensisch-psychiatrische Gutachten vom 12. November 2024 ging am 14. No-

vember 2024 beim hiesigen Gericht ein und wurde in der Folge den Parteien zuge-

stellt (Urk. 152-154). 

1.2. Mit Eingabe vom 17. Dezember 2024 beantragte der Beschuldigte den vor-

zeitigen ambulanten Massnahmevollzug (Urk. 157), welcher mit Präsidialverfügung 

vom 21. Januar 2025 bewilligt wurde (Urk. 162). Der JuWe setzte den vorzeitigen 

ambulanten  Massnahmeantritt  per  29.  Januar  2025  in  Vollzug  (Urk.  165).  Mit 

Eingabe vom 20. Februar 2025 liess der JuWe dem hiesigen Gericht einen Thera-

piezwischenbericht  vom  4.  Februar  2025  zukommen,  welcher  in  der  Folge  der 

Staatsanwaltschaft  und  dem  Beschuldigten  zugestellt  wurde  (Urk.  166  f.).  Mit 

Schreiben  vom  10.  April  2025  übermittelte  der  JuWe  einen  weiteren  Therapie-

zwischenbericht vom 4. April 2025, welcher zusammen mit einer von der zuständi-

gen  Gerichtsschreiberin  verfassten  Aktennotiz  vom  15.  April  2025  betreffend  ein 

Telefongespräch  mit  der  zuständigen  Psychologin  der  aktuellen  Unterbringungs-

einrichtung  des  Beschuldigten,  der  Psychiatrischen  Universitätsklinik  Zürich, 

Zentrum für  Stationäre Forensische  Therapie  (nachfolgend: PUK),  wiederum der 

Staatsanwaltschaft  und  dem  Beschuldigten  zugestellt  wurde  (Urk.  174/1-2).  Mit 

Kurzbrief vom 30. April 2025 wurden der Staatsanwaltschaft und dem Beschuldig-

ten zwei weitere von der zuständigen Gerichtsschreiberin verfasste Aktennotizen 

vom  29.  und  30. April  2025  betreffend  Telefongespräche  mit  der  fallverantwort-

lichen Person des JuWe, dem zuständigen Oberarzt sowie der zuständigen Betreu-

erin des Beschuldigten in der PUK übermittelt (Urk. 178).

1.3. Am  12.  Mai  2025  fand  die  Berufungsverhandlung  statt.  Es  erschien  der 

Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt M.A. HSG 

in Law X._____ (Prot. II S. 17). Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld auf eine 

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Teilnahme an der Berufungsverhandlung verzichtet, nachdem ihr das Erscheinen 

freigestellt worden war (Urk. 179). Vorfragen und Beweisanträge waren keine zu 

entscheiden (Prot. II S. 19 f.). 

1.4. Das  Urteil  erging  im  Anschluss  an  die  Berufungsverhandlung  und  wurde 

mündlich eröffnet und erläutert (Prot. II S. 22 ff.).

2.

Umfang der Überprüfung

2.1. Die  Berufung  des  Beschuldigten  richtet  sich  gegen  die  Dispositivziffern  1, 

Spiegelstrich  2  (Schuldspruch  wegen  Vergehens  gegen  das  Waffengesetz), 

2 (Strafe und Vollzug) sowie 3 und 4 (stationäre therapeutische Massnahme und 

Anrechnung der erstandenen Haft) des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 93; Art. 399 

Abs. 3 und 4). Mit der Berufungserklärung nicht angefochten wurden demnach die 

Dispositivziffern  1,  Spiegelstrich  1  (Schuldspruch  wegen  mehrfacher  Drohung), 

5 (Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände), 6 (Vernichtung von DNA-Spuren), 

7 (Zivilklage), 8 (Kostenfestsetzung) sowie 9 bis 10 (Kostenverteilung).

2.2. Wie nachfolgend gezeigt wird, hat der Beschuldigte sämtliche Tatbestände im 

Zustand  der  nicht  selbst  verschuldeten  Schuldunfähigkeit  erfüllt  (vgl.  Ziff.  II.C). 

Zwar hat der Beschuldigte seine Berufung mit der Berufungserklärung betreffend 

mehrfache Drohung (in Unkenntnis der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähig-

keit) auf den Strafpunkt beschränkt, doch liegt mit dem erstinstanzlichen Schuld-

spruch  ein  qualifiziert  unrichtiger  Entscheid  vor,  weshalb  das  Berufungsgericht 

gestützt auf Art. 404 Abs. 2 StPO auch den Schuldpunkt (Dispositivziffer 1, Spie-

gelstrich 1) neu zu beurteilen hat. Dementsprechend ist auch über die Verteilung 

der Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens (Dispositivziffer 

9) neu zu befinden.

2.3. Die Dispositivziffern 5, 6, 7, 8 und 10 sind demnach in Rechtskraft erwachsen, 

was mittels Beschluss festzustellen ist. In den übrigen Punkten steht der angefoch-

tene  Entscheid  unter  Vorbehalt  des  Verschlechterungsverbotes  (Art. 391  Abs.  2 

StPO) zur Disposition (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

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3.

Formelles

Soweit nachfolgend für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung  von  Art. 82  Abs. 4  StPO,  auch  ohne  dass  dies  explizit  Erwähnung 

findet. Ferner hat sich das Gericht nicht mit jedem Parteivorbringen einlässlich aus-

einanderzusetzen, sondern kann sich auf die wesentlichen Punkte beschränken. 

Die  Entscheidbegründung  hat  dabei  die  wesentlichen  Überlegungen,  von  denen 

sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt, kurz zu 

nennen (vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7, mit weiteren Hinweisen)

II. Schuldpunkt

A.

Sachverhalt

1. Mehrfache Drohung

Die Vorinstanz erachtete den fraglichen Anklagevorwurf als rechtsgenügend erstellt 

(Urk.  89  S.  13  ff.).  Der  Beschuldigte  ist  diesbezüglich  geständig  (Prot.  I  S.  11; 

Urk. 61  S.  4;  Urk.  93  S.  3).  Sein  Geständnis  deckt  sich  mit  dem  übrigen  Unter-

suchungsergebnis. Es kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 11 ff.). Der eingeklagte Sachverhalt ist 

somit rechtsgenügend erstellt.

2.

Vergehen gegen das Waffengesetz

2.1. Der  Beschuldigte  soll  gemäss  Anklageschrift  am  19.  September  2022  auf 

Höhe der D._____-strasse … in … Zürich einer polizeilichen Kontrolle unterzogen 

worden  sein,  nachdem  er  den  Arbeitsort  der  Privatklägerin  E._____  (seiner 

Schwester) an der F._____ [Strasse] … in … Zürich aufgesucht gehabt habe, ohne 

jedoch  die  Privatklägerin  dort  anzutreffen.  Hierbei  habe  der  Beschuldigte  eine 

geladene  Pistole,  ein  Beil,  eine  Machete  und  einen  Schraubenzieher  mit  sich 

geführt. Dies habe der Beschuldigte getan, obschon er über keine zum Tragen der 

erwähnten Pistole notwendige Waffentragbewilligung verfügt habe, was er gewusst 

habe (Urk. D1/24 S. 2 f.).

-   9   -

2.2. Die Vorinstanz erachtete den fraglichen Anklagevorwurf als rechtsgenügend 

erstellt (Urk. 89 S. 21). Der Beschuldigte ist bezüglich des äusseren Sachverhalts 

vollumfänglich geständig (Prot. I S. 11 f.; Urk. 183 S. 6). Sein Geständnis deckt sich 

mit dem übrigen Untersuchungsergebnis (vgl. Urk. D2/1; Urk. D1/10/2-3). Der ein-

geklagte äussere Sachverhalt ist somit rechtsgenügend erstellt.

2.3. Betreffend  den  inneren  Sachverhalt  machte  der  Beschuldigte  in  der  Unter-

suchung geltend, er habe im G._____ ein Bier getrunken und dort sei ihm aufgefal-

len, dass die Pistole in seiner Tasche sei. Anschliessend sei er in Richtung Haupt-

bahnhof zum Polizeiposten gegangen, um die Waffe dort abzugeben (Urk. D1/4/1 

F/A 6). Die Pistole gehöre seinem Grossvater. Dieser habe einen Waffenerwerbs- 

und Waffentragschein (a.a.O. F/A 15, 33). Er selber (der Beschuldigte) besitze kei-

nen Waffenerwerbs- und Waffentragschein (a.a.O. F/A 23 f.). Er könne nicht sagen, 

wo die Pistole normalerweise sei (a.a.O. F/A 27). Er gehe stark davon aus, dass 

sie bei seinem Grossvater sei (a.a.O. F/A 28). Seit wann sich die Pistole in seiner 

Tasche befinde, könne er nicht sagen (a.a.O. F/A 14). Auch könne er nicht sagen, 

woher er die Pistole habe und wie lange er diese schon habe (a.a.O. F/A 16 f.). Er 

habe keine Ahnung, weshalb er die Pistole in der Tasche dabei gehabt habe (a.a.O. 

F/A 18). Er könne nicht sagen, wie die Pistole in seine Tasche gelangt sei (a.a.O. 

F/A 26). Er könne nichts bezüglich dieser Waffe sagen (a.a.O. F/A 22). Die Machete 

und den Tomahawk habe er ursprünglich eingepackt, um bei seiner Mutter zuhause 

in Zürich Böschungen zu schneiden (a.a.O. F/A 22). Er habe die Machete und den 

Tomahawk schon länger in der Tasche gehabt. Er habe einfach vergessen, diese 

rauszunehmen (a.a.O. F/A 38). Er habe beide Gegenstände aus dem Geräteschup-

pen bei seinem Vater und seinem Grossvater zuhause in H._____ (a.a.O. F/A 40). 

Der Tomahawk gehöre ihm (a.a.O. F/A 41).

Vor Vorinstanz machte der Beschuldigte geltend, er habe die Pistole zufällig dabei 

gehabt.  Sie  gehöre  seinem  Grossvater,  welcher  in  der  Armee  und  Sportschütze 

gewesen sei. Er habe die Pistole am Tag vor seiner Verhaftung in der Wohnung in 

die  Hände  genommen  und  als  er  seinen  Vater  die  Treppe  habe  hinunterlaufen 

hören, diese aus Nervosität in die Tasche gesteckt. Am 19. September 2022 habe 

er  dann  festgestellt,  dass  er  die  Waffe  in  der  Tasche  habe.  Er  habe  dann  zum 

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Polizeiposten gewollt, um die Waffe abzugeben. Das entschuldige natürlich nicht, 

dass die Waffe in diesem Moment bei ihm gewesen sei. Er habe keine Waffentrag-

bewilligung für die Pistole (Prot. I S. 12).

Anlässlich  seiner  heutigen  Einvernahme  an  der  Berufungsverhandlung  gab  der 

Beschuldigte  auf  die  Frage,  wie  es  zu  seiner  Bewaffnung  gekommen  sei,  zur 

Antwort, er habe aufgrund seiner Krankheit irrationale Bedrohungsängste gehabt 

(Urk. 183 S. 6 f.).

2.4. Als der Beschuldigte angeblich die Pistole in seiner Tasche bemerkte, will er 

sich gemäss seinen Angaben auf den Weg zur Polizei gemacht haben, um dort die 

Waffe abzugeben. Demnach war ihm klar, dass er mangels Waffentragbewilligung 

die  Pistole  nicht  mit  sich  führen  durfte.  Dies  wird  von  ihm  denn  auch  anerkannt 

(Urk. 61 S. 5, Urk. 184 S. 6 f.).

2.5. Die Verteidigung machte sowohl vor Vorinstanz als auch im Berufungsverfah-

ren gestützt auf die dargelegten Ausführungen des Beschuldigten geltend, dieser 

habe die Pistole nicht vorsätzlich, sondern aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit und 

somit  fahrlässig  mit  sich  geführt,  was  rechtlich  höchstens  als  Übertretung  des 

Waffengesetzes (im Sinne von Art. 33 Abs. 2 WG) zu würdigen sei (Urk. 93 S. 3; 

Urk. 61  S.  5,  Urk. 184  S.  7).  Allerdings  liege  kein  Waffentragen,  sondern  ein 

strafloses Waffentransportieren vor (Urk. 184 S. 7). Weiter hielt die Verteidigung 

vor  Vorinstanz  dafür,  dass  es  keine  Beweise  für  eine  Verbindung  zwischen  der 

mehrfachen  Drohung  zum  Nachteil  der  Privatklägerin  E._____  und  dem 

diskutierten  Verstoss  gegen  das  Waffengesetz  gebe.  Der  Beschuldigte  habe 

gemäss seinen Angaben gewusst, dass seine Schwester an jenem Tag nicht im 

Restaurant G._____ arbeiten würde. Die Staatsanwaltschaft stelle den Sachverhalt 

so dar, als wären die Vorwürfe zweifelsfrei miteinander verknüpft. Dies sei an der 

verwendeten  Formulierung,  dass  der  Beschuldigte  den 

"Arbeitsort  der 

Geschädigten"  aufgesucht  habe,  anstelle  jener,  dass  der  Beschuldigte  das 

"Restaurant  G._____  aufgesucht  habe,  wo  auch  seine  Schwester  als  Springerin 

angestellt sei", ersichtlich (Urk. 61 S. 4).

-   11   -

2.6. Die  Zeugin  I._____  (Mutter  des  Beschuldigten)  schilderte  lebensnah, 

inhaltlich konsistent und glaubhaft, wie der Beschuldigte ab dem Jahr 2020 Wahn-

vorstellungen entwickelte und sich diese nach einem Klinikaufenthalt des Beschul-

digten  im  April  2022  bis  zum  Vorfall  am  19.  September  2022  mit  der  geladenen 

Pistole, der Machete und dem Beil zunehmend intensivierten ("Er hatte seit langem 

eine Abwärtsspirale und kam immer mehr in eine Wahnvorstellung."; "Die Wahn-

vorstellung wuchs immer mehr."; Urk.  D1/5/3 F/A 11 ff., v.a. F/A 11 und 15). Sie 

führte nachvollziehbar aus, dass "die erste Episode" im Jahr 2020 gewesen sei, als 

der Beschuldigte dachte, die Privatklägerin E._____ werde bedroht und er sie be-

schützen wollte. Ebenso nachvollziehbar und lebensnah schilderte sie, wie die Ge-

dankenwelt des Beschuldigten ab Frühling 2020 einen Umschwung erfuhr und er 

die Privatklägerin neu zunehmend als Bedrohung (die sein Leben zerstört und zu-

ständig für sein Leid ist) wahrnahm, wobei dieses Gefühl des Beschuldigten laut 

der Zeugin stärker und stärker wurde (a.a.O. F/A 15). Die Zeugin schilderte anhand 

konkreter Beispiele anschaulich und überzeugend, wie der Beschuldigte persön-

lich,  telefonisch  und  per  WhatsApp  ihr  mehrfach  angedroht  habe,  dass  er  die 

Privatklägerin töten, ihr den Kopf einschlagen oder ihr Gesicht bis zur Unkenntlich-

keit  schlagen  werde  (a.a.O.  F/A  11,  13  f.,  16).  Die  Häufigkeit  und  Heftigkeit  der 

Drohungen  habe  über  die  Monate  zugenommen  (a.a.O.  F/A  17).  Ab  ca.  August 

2022 habe sie den Beschuldigten mehrmals mit einer Tasche mit Machete und Axt 

erwischt. Sie habe die Gegenstände einmal weggetan, doch der Beschuldigte habe 

sie wieder gefunden und sie wieder mitgenommen (a.a.O. F/A 37 f.). Als sie den 

Beschuldigten auf die Gegenstände angesprochen habe, habe dieser geantwortet: 

"Du willst es nicht wissen." (a.a.O. F/A 40). Sie wisse, dass sich der Beschuldigte 

auch bedroht gefühlt habe (a.a.O. F/A 41). Bereits im Jahr 2020 sei in seinen Augen 

nicht nur die Privatklägerin bedroht worden, sondern auch er. Dies habe mit Drogen 

zu tun gehabt. Dann sei die Fremdenlegion als Drohung hinzugekommen, welche 

in seinen Augen ihm ab und zu etwas gespritzt habe. Auch der Freund der Privat-

klägerin hätte ihm in seinen Augen etwas gespritzt und habe sein Unterbewusstsein 

unter  Kontrolle.  Weiter  glaube  er,  die  Privatklägerin  habe  ihn  festgehalten.  Das 

seien alles Sachen gewesen, wo er sich bedroht gefühlt habe (a.a.O. F/A 43). Auf 

die realitätsnahen Schilderungen der Zeugin I._____ kann ohne Weiteres abgestellt 

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werden. Dies umso mehr, als auch der die vom 27. bis 28. August 2022 dauernde 

Fürsorgerische Unterbringung des Beschuldigten in der J._____ AG anordnende 

SOS-Arzt berichtete, dass der Beschuldigte mit einer Machete auf die Strasse ge-

gangen sei (Urk. D1/8/3).

2.7. Zudem decken sich die Schilderungen der Zeugin I._____ mit den Aussagen 

des  Zeugen  K._____  (Vater  des  Beschuldigten).  Auch  dieser  führte  aus,  als  der 

Beschuldigte seine erste Psychose gehabt habe, habe er (der Beschuldigte) ge-

dacht,  die  Privatklägerin  werde  bedroht  und  er  müsse  sie  beschützen.  Er  (der 

Zeuge)  habe  den  Wandel  nicht  verstanden.  Im  letzten  halben  Jahr  (ab  ca. 

Mai 2022) müsse es Zwischenfälle gegeben haben, von denen er nichts wisse und 

er habe diese auch nicht nur von einer Seite hören wollen. Der Beschuldigte habe 

zwei oder drei Mal erwähnt, dass die Privatklägerin, die Liebe seines Lebens, sein 

Leben zerstört habe, dass er Probleme mit ihr habe (a.a.O. F/A 22 f.). Auch der 

Zeuge  K._____  schilderte  somit  einen  Umschwung  in  den  Gedanken  des 

Beschuldigten betreffend die Privatklägerin bzw. dass er (der Beschuldigte) zuneh-

mend Wut gegen sie entwickelte. Infolge der ersten Psychose sei der Beschuldigte 

per  Fürsorgerische  Unterbringung  eingeliefert  worden.  In  der  Folge  sei  es  mal 

besser, mal schlechter gewesen. Er habe gute und schlechte Phasen gehabt. Was 

aber immer da gewesen sei, seien Bedrohungsängste von irgendwelchen Seiten 

gewesen. Diese hätten den Beschuldigten auch am Abschluss von irgendwelchen 

Therapien  gehindert.  Er  habe  sich  verfolgt  gefühlt  und  abgebrochen.  Es  habe 

mehrere Versuche in verschiedenen Institutionen gegeben (a.a.O. F/A 29). Manch-

mal habe der Beschuldigte angedeutet, dass er ein Problem habe. Er habe sich 

von verschiedensten Seiten, der Drogenmafia, bedroht gefühlt (a.a.O. F/A 30). Als 

er (der Zeuge) am 19. September 2022 einen Termin in Zürich, ein Elterngespräch 

betreffend  die jüngere  Tochter,  gehabt  habe,  habe  der  Beschuldigte  mitkommen 

wollen, um im L._____ [Gemeinde] Anzeige zu erstatten (a.a.O. F/A 20). Er wisse 

nichts über die Anzeige; es sei eine Mutmassung, dass diese etwas mit der Privat-

klägerin zu tun habe (a.a.O. F/A 21-23). Auch der Zeuge K._____ schilderte somit 

eindrücklich und überzeugend, wie sich der Beschuldigte von verschiedenen Per-

sonen bedroht fühlte.

-   13   -

2.8. Auch die Privatklägerin E._____ schilderte anschaulich und lebensnah, wie 

sie  zunehmend  den  Eindruck  bekam,  dass  der  Beschuldigte  Wahnvorstellungen 

und realitätsferne Ängste habe. So habe es im Jahr 2020 einen Vorfall gegeben, 

bei dem der Beschuldigte versucht habe, sie im Badezimmer eines Kollegen ein-

zusperren. Dann habe der Beschuldigte gedacht, sie werde beim Kollegen als Gei-

sel gehalten, obwohl er derjenige gewesen sei, der sie habe einsperren wollen. Er 

habe die Polizei informiert und sich zusammen mit einer Drittperson und – wie sie 

gehört habe – mit einer Machete bewaffnet, zurück auf den Weg dorthin gemacht. 

Der Beschuldigte sei dann per Fürsorgerische Unterbringung eingewiesen worden. 

Die Situation mit dem Beschuldigten sei für sie immer unangenehmer geworden. 

Er habe keinen geregelten Alltag mehr gehabt und nicht mehr regelmässig geschla-

fen. Er sei ungefragt in ihr Zimmer gekommen, auch wenn sie ihm gesagt habe, sie 

wolle Abstand. Es habe etwas Kontrollhaftes gehabt. Er habe immer komischere 

Geschichten erzählt, die einfach nicht stimmten. Bei einem Vorfall vor ca. einem 

dreiviertel oder einem Jahr sei der Beschuldigte alle 30 Minuten in ihr Zimmer ge-

kommen und habe sie immer wieder gefragt, ob sie einen Tee wolle, obwohl sie 

habe schlafen wollen. Dies sei für sie sehr unangenehm gewesen, er habe sie wie 

kontrollieren wollen. Es sei eine komische Situation gewesen. Als sie später zu ih-

rem Freund gegangen sei, habe der Beschuldigte sie angerufen und von ihr ver-

langt, dass sie ihm ihren Standort schicke. Seitdem habe sie den Kontakt komplett 

abgebrochen.  Sie  wohne  primär  bei  ihrem  Freund  und  sei  nicht  mehr  gross  zu-

hause gewesen. Von den Drohungen des Beschuldigten habe sie von ihrer Cousine 

und ihrer Mutter erfahren (Urk. D1/5/2 F/A 13 ff.).

2.9. Die  Aussagen  des  Beschuldigten  erscheinen  demgegenüber  als  Schutzbe-

hauptungen und vermögen die überzeugenden Schilderungen der Zeugin I._____, 

des  Zeugen  K._____  und  der  Privatklägerin  nicht  zu  entkräften.  Soweit  der  Be-

schuldigte geltend macht, er habe die Machete und das Beil zwecks Erledigung von 

Gartenarbeiten bei der Zeugin I._____ mit sich geführt (Urk. D1/4/1 F/A 22), ist ihm 

entgegen zu halten, dass er offenbar bereits vor dem Vorfall vom 19. September 

2022  mehrfach  mit  einer  Machete  (und  teilweise  ein  Beil)  unterwegs  war  (Urk. 

D1/8/3; Urk. D1/5/3 F/A 37 ff.; Urk. D1/5/2 F/A 13). Es ist zudem nicht nachvollzieh-

bar,  weshalb  der  Beschuldigte  eine  geladene  Pistole  seines  Grossvaters  ausge-

-   14   -

rechnet in seine Tasche legen sollte, um zu verhindern, dass sein Vater bemerkt, 

dass er diese behändigte und hernach vergisst, sie wieder zurückzulegen. Wäre es 

so gewesen, wie der Beschuldigte behauptet, hätte er spätestens beim Behändigen 

der – aufgrund der Pistole deutlich schwereren – Tasche den Gewichtsunterschied 

festgestellt und sich beim Überprüfen des Tascheninhalts wieder an die Pistole er-

innert. Die Erklärung des Beschuldigten wirkt insgesamt sehr gesucht und lebens-

fremd. Im Übrigen hat der Beschuldigte persönlich im Rahmen seiner heutigen Ein-

vernahme anlässlich der Berufungsverhandlung eingeräumt, die Pistole (und das 

Beil, die Machete sowie einen Schraubenzieher) aufgrund von irrationalen Bedro-

hungsängsten auf sich getragen zu haben (Urk. 183 S. 7).

2.10. Aufgrund der gesamten, sich aus den glaubhaften Schilderungen der Zeugin 

I._____, des Zeugen K._____ und der Privatklägerin sowie aus dem Austrittsbericht 

der  J._____  AG  vom  29.  August  2022  (betreffend  Bericht  von  SOS-Arzt  Dr. 

M._____, dass der Beschuldigte mit einer Machete auf die Strasse gegangen sei) 

ergebenden  Umstände  (Wahnvorstellungen  und  deren  Intensivierung,  Bedro-

hungsgefühle gegenüber verschiedenen Personen, Drohungen gegenüber der Pri-

vatklägerin,  mehrfaches  Machete  und  Beil-auf-sich-Tragen),  muss  davon  ausge-

gangen werden, dass der Beschuldigte die geladene Pistole, die Machete und das 

Beil – entgegen seiner früheren Darstellung – auf sich trug, weil er sich von ver-

schiedenen Personen – insbesondere auch von der Privatklägerin – bedroht fühlte. 

Dies hat er – wie gesehen (vgl. vorstehend E. II. 2.9.) – anlässlich seiner heutigen 

Befragung denn auch so eingeräumt (Urk. 183 S. 7).

2.11. Insgesamt bestehen – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 184 

S. 7) – keine rechterheblichen Zweifel daran, dass der Beschuldigte die geladene 

Pistole, die Machete und das Beil wissentlich und willentlich mit sich führte, als er 

sich nach Zürich begab und den Arbeitsort der Privatklägerin aufsuchte.

-   15   -

B. Rechtliche Würdigung

1. Mehrfache Drohung

Die  rechtliche  Würdigung  der  Vorinstanz  ist  korrekt  und  wird  vom  Beschuldigten 

nicht beanstandet. Sie ist zu übernehmen.

2.

Vergehen gegen das Waffengesetz

Nachdem rechtsgenügend erstellt ist, dass der Beschuldigte die Pistole wissentlich 

und willentlich und somit vorsätzlich mit sich führte, ist die rechtliche Würdigung der 

Vorinstanz korrekt und es kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 89 S. 22 f.). 

Der Beschuldigte hat die Pistole in der Öffentlichkeit getragen bzw. transportiert, 

wofür  er  –  entgegen  der  Auffassung  der  Verteidigung  (Urk.  184  S. 7)  –  gemäss 

Art. 27  Abs.  1  WG  eine  Waffentragbewilligung  benötigte.  Eine  Waffentragbewilli-

gung für den Transport von Waffen ist nur ausnahmsweise in den in Art. 28 Abs. 1 

WG genannten Fällen nicht erforderlich, wobei vorliegend keiner dieser Fälle gege-

ben ist.

3.

Fazit

Der  Beschuldigte  hat  die  Tatbestände  der  mehrfachen  Drohung  im  Sinne  von 

Art. 180 StGB sowie des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von dessen 

Art. 33 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27 erfüllt. Es liegen keine 

Rechtfertigungsgründe vor.

C.

Schuldfähigkeit

1.

Die Vorinstanz kam gestützt auf das Gutachten von Dr. med. N._____ vom 6. 

Februar 2023 zum Schluss, dass von einer schwer verminderten Schuldfähigkeit 

des  Beschuldigten  bezüglich  der  von  ihm  begangenen  Delikte  auszugehen  sei 

(Urk. 89 S. 23 ff.).

2. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist nicht strafbar, wer zur Zeit der Tat nicht fähig 

war,  das  Unrecht  seiner  Tat  einzusehen  oder  gemäss  seiner  Einsicht  in  das 

Unrecht der Tat zu handeln. War der Täter nur teilweise fähig, das Unrecht seiner 

-   16   -

Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die 

Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Diesfalls ist der Täter also grundsätzlich strafbar. 

3. Gemäss  dem  im  Berufungsverfahren  erstellten  forensisch-psychiatrischen 

Gutachten von Dr. med. C._____ vom 12. November 2024 ist zum Zeitpunkt der 

Begehung  sämtlicher  Delikte  von  einer  erhaltenen  Einsichtsfähigkeit,  aber  einer 

aufgehobenen Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten auszugehen (Urk. 152 S. 62 

f.). Die Begründung der Gutachterin ist nachvollziehbar, schlüssig und überzeugt. 

So  führte  sie  aus,  es  sei  aus  gutachterlicher  Sicht  davon  auszugehen,  dass  der 

Beschuldigte die Drohungen gegenüber der Privatklägerin unter dem Einfluss einer 

psychopathologischen Gemenglage aus psychotischer Symptomatik und Intoxika-

tion mit psychotropen Substanden begangen habe. Auch wenn über den konkreten 

Zustand des Beschuldigten wenig Informationen verfügbar seien, sei bekannt, dass 

schizophrene  Erkrankungen  neben  den  klassischen  psychotischen  Symptomen 

auch  unspezifische  Veränderungen  wie  bspw.  eine  Desaktualisierungsschwäche 

für  aggressive  Handlungsimpulse  auslösen  könnten.  Dies,  zusammen  mit  der 

ängstlich-hostilen Grundstimmung, gerade auch in Bezug auf die Privatklägerin und 

deren Freund, und der Konsum von aggressionssteigernden, psychotropen Sub-

stanzen wie Alkohol und Kokain oder gar eine Kombination von beiden dürfte sehr 

wahrscheinlich zum Zeitpunkt der jeweiligen Drohungen zu einem Zustand geführt 

haben, in dem der Beschuldigte sein Verhalten nicht mehr habe steuern können. 

Seine Reue nach den jeweiligen Vorfällen und sein Bestreben sich zu entschuldi-

gen zeige, dass er sich der Unrechtmässigkeit seines Verhaltens bewusst gewesen 

sei,  mithin  also  einsichtsfähig  gewesen  sei.  Betreffend  die  Mitnahme  der  Pistole 

und waffenähnlicher Gegenstände am 19. September 2022 sei forensisch-psych-

iatrisch plausibel, dass der Beschuldigte unter dem Einfluss paranoiden Erlebens 

gehandelt habe. Auch hier sei davon auszugehen, dass er sich durchaus bewusst 

gewesen sei, dass er nicht über die Erlaubnis verfügte, die Waffe seines Grossvater 

mit sich zu führen, dass er aufgrund seiner paranoiden Wahrnehmungsverzerrung 

aber davon ausgegangen sei, sich gleichsam in einer Notstandssituation zu befin-

den, aufgrund derer es ihm trotzdem notwendig erschienen sei, sich über gesetzli-

che Gegebenheiten hinwegzusetzen. Unabhängig davon, ob der Beschuldigte sich 

in einer tatsächlichen Bedrohungssituation befunden habe, die er aufgrund seiner 

-   17   -

Psychose in übertriebener Art intensiv wahrnahm, oder ob keinerlei reale Bedro-

hung bestand, seien die ausgeprägte Angst, das Grübeln und Gedankendrängen, 

die Anspannung im Rahmen der Wahnstimmung und das Bedürfnis nach Wehrhaf-

tigkeit, welches letztlich dazu geführt habe, dass sich der Beschuldigte bewaffnete, 

als primär psychotisch einzustufen, sodass in beiden Szenarien davon auszugehen 

sei, dass die Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen sei. Soweit im forensisch-

psychiatrischen Gutachten von Dr. med. N._____ vom 6. Februar 2023 ausgeführt 

werde,  dass  die  Steuerungsfähigkeit  schwergradig  eingeschränkt  gewesen  sei, 

weil es in Situationen, in denen der Beschuldigte der Privatklägerin begegnet sei, 

nicht  zu  Übergriffen  gekommen  sei,  sei  die  Argumentation  nicht  schlüssig.  Es 

müsse davon ausgegangen werden, dass durch den Suchtmittelkonsum beim Be-

schuldigten ein stark fluktuierendes Bild vorgelegen habe, bei dem nicht aus Situa-

tionen  mit  vorübergehend  besserer  Steuerungsfähigkeit  geschlossen  werden 

könne, dass dies auch zum Zeitpunkt der jeweiligen Deliktvorfälle so gewesen sei 

(Urk. 152 S. 62 f.). Da sich in den Akten keine stichhaltigen Hinweise auf eine er-

haltende Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten während der Begehung der ein-

zelnen Delikte finden, ist mit zitiertem Gutachten davon auszugehen, dass der Be-

schuldigte bezüglich sämtlicher Delikte schuldunfähig war. Damit ist der Beschul-

digte gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB nicht strafbar.

D.

Ergebnis

Aufgrund des Gesagten sind die Täterschaft des Beschuldigten und seine Schuld-

unfähigkeit  erwiesen.  Er  hat  die  Tatbestände  der  mehrfachen  Drohung  im  Sinne 

von Art. 180 StGB sowie des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von 

dessen Art. 33 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27 im Zustand 

der  nicht  selbstverschuldeten  Schuldunfähigkeit  erfüllt.  Es  ist  nachfolgend  die 

Anordnung einer Massnahme zu prüfen.

-   18   -

III. Massnahme

1.

Vorbemerkungen

1.1. Die Vorinstanz hat dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend und gestützt 

auf das forensich-psychiatrische Gutachten von Dr. med. N._____ vom 6. Februar 

2023 eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Be-

handlung von psychischen Störungen) angeordnet (Urk. 89 S. 34 ff.).

1.2. Der  Beschuldigte  beantragte  mit  der  Berufungserklärung  –  wie  schon  vor 

Vorinstanz  (Urk.  61  S.  2)  –  das  Absehen  von  einer  stationären  therapeutischen 

Massnahme  und  eventualiter  die  Anordnung  einer  ambulanten  therapeutischen 

Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB (Urk. 93).

Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung beantragte der Beschuldigte, es sei 

eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB für die Dauer von einem 

Jahr  anzuordnen,  wobei  diese  Anordnung  mit  den  Weisungen  zu  verbinden  sei, 

vorübergehend in einem therapeutischen Wohnen untergebracht zu werden, eine 

Abstinenz von nicht ärztlich verschriebenen psychotropen Substanzen einzuhalten 

und diese regelmässig kontrollieren zu lassen sowie ärztlich verschriebene Medi-

kamente regelmässig einzunehmen. Zudem sei die ambulante Massnahme mit der 

Anordnung  von  Bewährungshilfe  zu  verbinden,  welche  die  erteilten  Weisungen 

überprüfen  könne.  Der  bereits  erstandene  Freiheitsentzug  von  967  Tagen  sei 

angemessen anzurechnen, wobei davon 787 Tage als Überhaft festzustellen und 

zu Fr. 200.– zu entschädigen seien (Urk. 184 S. 2).

2.

Rechtliche Grundlagen

2.1. Nach Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe 

alleine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, 

ein Behandlungsbedürfnis besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und 

die Voraussetzungen der Art. 59 - 61, 63 oder 64 erfüllt sind. Darüber hinaus darf 

der mit der Massnahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters 

im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unver-

hältnismässig sein (Art. 56 Abs. 2 StGB). Sind mehrere Massnahmen in gleicher 

-   19   -

Weise geeignet, ist aber nur eine Massnahme notwendig, ordnet das Gericht die-

jenige  Massnahme  an,  die  den  Täter  am  wenigsten  beschwert  (Art.  56a  Abs.  1 

StGB). Das Gericht hat sich beim Entscheid über die Anordnung einer Massnahme 

auf eine sachverständige Begutachtung zu stützen (Art. 56 Abs. 3 StGB). Gutach-

ten unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Das 

Gericht  darf  in  Fachfragen  jedoch  nur  aus  triftigen  Gründen  von  einer  Expertise 

abweichen  und  muss  Abweichungen  begründen.  Die  Beweiswürdigung  und  die 

Beantwortung  der  sich  stellenden  Rechtsfragen  bleibt  Aufgabe  des  Gerichts 

(vgl. Urteil 6B_257/2020 vom 24. Juni 2021 E. 4.2.3). 

2.2.

Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das Gericht eine stationäre 

Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen 

hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und wenn zu er-

warten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit seiner psychischen Störung 

in Zusammenhang stehenden Taten begegnen (Art. 59 Abs. 1 StGB). Die statio-

näre Behandlung erfolgt in einer geeigneten psychiatrischen Einrichtung oder einer 

Massnahmevollzugseinrichtung (Art. 59 Abs. 2 StGB).

Ist  der  Täter  psychisch  schwer  gestört,  ist  er  von  Suchtstoffen  oder  in  anderer 

Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht stationär, sondern 

ambulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit Strafe bedrohte Tat verübt, die 

mit seinem Zustand in Zusammenhang steht und wenn zu erwarten ist, dadurch 

lasse  sich  der  Gefahr  weiterer  mit  dem  Zustand  des  Täters  in  Zusammenhang 

stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB). Die zuständige Behörde kann 

verfügen, dass der Täter vorübergehend stationär behandelt wird, wenn dies zur 

Einleitung der ambulanten Behandlung geboten ist, wobei die stationäre Behand-

lung insgesamt nicht länger als zwei Monate dauern darf (Art. 63 Abs. 2 StGB).

3.

Diagnosen

Wie bereits ausgeführt, legte Dr. med. C._____ am 12. November 2024 ein zweites 

forensisch-psychiatrisches  Gutachten  über  den  Beschuldigten  vor  (Urk. 152).  Es 

beantwortet sämtliche Fragen gemäss Gutachtensauftrag, weist keine erkennbaren 

-   20   -

Mängel auf und ist schlüssig sowie nachvollziehbar. Gemäss dem Gutachten leidet 

der Beschuldigte seit geraumer Zeit an einer gravierenden psychischen Störung, 

an einer paranoiden Schizophrenie (ICD-10 F20.2). Zudem wurden die Diagnosen 

einer  Alkohol-,  Cannabis-  und  Kokainabhängigkeit  (ICD-10  F10.2,  F12.2  sowie 

F14.2) gestellt (Urk. 152 S. 59). Die Gutachterin hat differenziert ausgeführt, wie 

sie zu den Diagnosen kam. Sie stützte sich dabei insbesondere massgeblich auf 

die Aussagen und das Verhalten des Beschuldigten und nicht nur auf frühere me-

dizinische Berichte. Zudem setzte sie sich auch mit dem Gutachten von Dr. med. 

N._____ vom 6. Februar 2023 auseinander und begründete nachvollziehbar, wes-

halb sie insbesondere die Diagnose einer Abhängigkeit von Sedative und Hpyno-

tika nicht stellt (vgl. insbesondere Urk. 152 S. 58-60). Im Rahmen des vorzeitigen 

Massnahmenvollzugs in der PUK bestätigten sich die Diagnosen der Gutachterin 

(Urk. 166 S. 2). Im Übrigen hat der Beschuldigte im Rahmen seiner heutigen Ein-

vernahme anlässlich der Berufungsverhandlung diese Diagnosen anerkannt (Urk. 

183 S. 3 ff.).

4.

Deliktzusammenhang

Das  forensisch-psychiatrische  Gutachten  von  Dr.  med.  C._____  bestätigt,  dass 

sämtliche begangenen Delikte in engem Zusammenhang mit den Symptomen der 

psychischen Störungen des Beschuldigten stehen (Urk. 152 S. 60 ff.).

5.

Behandlungsbedürfnis, -fähigkeit und -wille

Gemäss dem forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. C._____ erfor-

dert  die  psychische  Störung  des  Beschuldigten  eine  therapeutische  Behandlung 

(Urk. 152 S. 69). Aufgrund seiner schizophrenen Erkrankung und der komorbiden 

Suchterkrankungen  besteht  laut  der  Gutachterin  –  in  Übereinstimmung  mit  dem 

forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. N._____ – eine erhöhte Wahr-

scheinlichkeit erneuter Gewaltstraftaten (a.a.O. S. 64 und 69). Durch das Mitführen 

von einer Schusswaffe und gefährlichen, waffenähnlichen Gegenständen am Tag 

seiner Verhaftung bestand beim Beschuldigten kurzzeitig gar eine Hochrisikositua-

tion für eine schwere Gewalttat bis hin zu einem Tötungsdelikt (a.a.O. S. 64). Seit 

der ersten Begutachtung im Februar 2023 sind laut dem Gutachten von Dr. med. 

-   21   -

C._____  allerdings  beim  Beschuldigten  wichtige  Veränderungen  eingetreten,  die 

sich positiv auf das Risiko erneuter Straftaten auswirkten. Anders als zum Zeitpunkt 

der ersten Begutachtung habe der Beschuldigte hinsichtlich seiner schizophrenen 

Erkrankung  Krankheits-  und  Behandlungseinsicht  erreicht.  Es  sei  keine  akute 

produktiv-psychotische Symptomatik mehr erkennbar. Es bestehe seit über einem 

Jahr  Medikamentencompliance.  Die  aktuelle  antipsychotische  Medikation  zeige 

positive Wirkungen und der Beschuldigte sei motiviert, diese dauerhaft einzuneh-

men. Nach einem Rückfall mit Kokain zu Beginn der Unterbringung in der PUK sei 

der Beschuldigte abstinent hinsichtlich illegaler psychotroper Substanzen und zeige 

eine  klare  Abstinenzmotivation.  Auch  hinsichtlich  Alkohol  sei  eine  beginnende 

Bereitschaft zur Abstinenz erkennbar (a.a.O. S. 64). Aufgrund dieser positiven Ent-

wicklungen des Beschuldigten seit dem vorzeitigen stationären Massnahmeantritt 

schätzt  die  Gutachterin  das  Risiko  erneuter  Gewaltstraftaten  aktuell  gering  bis 

moderat  ein.  Damit  sich  dieses  nicht  wieder  erhöht,  ist  allerdings  aus  gutachter-

licher  Sicht  erforderlich,  dass  der  Beschuldigte  regelmässig  antipsychotische 

Medikamente  einnimmt,  keine  psychotropen  Substanzen  konsumiert  und  es  ihm 

gelingt, sich prosozial in die Gesellschaft zu integrieren, was laut der Gutachterin 

eine Herausforderung sein könnte, weil der Beschuldigte leistungsorientiert wirke 

und sich vergleichsweise hohe berufliche Ziele setze, bei denen aufgrund seiner 

Erkrankung  noch  nicht  klar  sei,  ob  er  diese  realistisch  erreichen  könne  (a.a.O. 

S. 65). Insgesamt hat sich laut Gutachterin die klinische Situation deutlich verän-

dert. Es zeigten sich positive Veränderungen, insbesondere im Bereich der Krank-

heitseinsicht, gewalttätiger Fantasien und Absichten, der Rückbildung schizophre-

ner  Krankheitssymptome,  des  Ansprechens  auf  die  Behandlungs-  und  Kontroll-

massnahmen und in der Entwicklung einer deutlichen psychischen Stabilität (a.a.O. 

S. 66). Ein (nach wie vor bestehendes) Behandlungsbedürfnis, der Behandlungs-

wille  und  die  Behandlungsfähigkeit  sind  aufgrund  des  Ausgeführten  zu  bejahen. 

Auf die positiven Entwicklungen beim Beschuldigten seit dem Eintritt in die PUK ist 

nachfolgend näher einzugehen.

-   22   -

6.

Verhältnismässigkeit

6.1. Dem  forensisch-psychiatrischen  Gutachten  von  Dr.  med.  C._____  ist  zu 

entnehmen, dass das gravierende Krankheitsbild des Beschuldigten einer länger-

fristigen  therapeutischen  Behandlung  zur  Eindämmung  des  erhöhten  Rückfall-

risikos  für  weitere  Gewaltstraftaten  bedarf.  Wie  im  vorinstanzlichen  Urteil  korrekt 

erwogen  wurde,  handelt  es  sich  bei  den  Anlassdelikten  (Todesdrohungen  zum 

Nachteil der Privatklägerin und Vergehen gegen das Waffengesetz) in Kombination 

mit  den  Bedrohungswahnvorstellungen  des  Beschuldigten  –  wobei  der  Beschul-

digte  aufgrund  der  Symptome  seiner  Erkrankungen  nicht  mehr  steuerungsfähig 

war – um ernst zu nehmende Taten. Vom Beschuldigten geht in unbehandeltem 

Zustand  eine  ernsthafte  Gefahr  für  weitere  Gewaltdelikte  aus  (vgl.  dazu  auch 

Urk. 89 S. 42 f.). Unter diesen Umständen vermögen die Anlassdelikte die Anord-

nung einer therapeutischen Massnahme eindeutig zu rechtfertigen.

6.2. Laut  dem  forensisch-psychiatrischen  Gutachten  von  Dr.  med.  C._____  ist 

inzwischen aufgrund der bereits erreichten Behandlungsfortschritte, vor allem der 

Verbesserung des psychopathologischen Befundes, der Suchtmittelabstinenz und 

gegebener  Krankheits-  und  Behandlungseinsicht  sowie  Kooperationsbereitschaft 

des  Beschuldigten  eine  geschlossene  Unterbringung  nicht  mehr  zwingend  nötig. 

Mit Blick auf ein ambulantes Setting sei allerdings kritisch anzumerken, dass soweit 

ersichtlich noch keine konkreten Rückfallvermeidungsstrategien bzw. Schadenbe-

grenzungsstrategien  für  allfällige  Rückfälle  in  den  Suchtmittelkonsum  erarbeitet 

worden  seien.  Dies  sei  im  Vorfeld  der  ambulanten  Behandlung  wünschenswert. 

Das Risiko von Suchtmittelkonsum ausserhalb eines beschützenden Umfelds sei 

logischerweise grösser als im stationären therapeutischen Rahmen. Dies bedeute, 

dass auch mit einem höheren Risiko erneuter psychotischer Dekompensation und 

damit einem Anstieg des Risikos erneuter Gewaltstraftaten zu rechnen wäre, dem 

rasch durch Behandlungs- und Schutzmassnahmen wie bspw. einem stationären 

Klinikaufenthalt  (nötigenfalls  im  Rahmen  einer  Fürsorgerischen  Unterbringung) 

begegnet werden müsste. Ebenfalls noch nicht optimal vorbereitet sei die Wohn- 

und  Beschäftigungssituation  des  Beschuldigten.  Insgesamt  sei  eine  ambulante 

Behandlung im Rahmen einer therapeutischen Massnahme nach Art. 63 StGB bei 

-   23   -

einer forensisch-psychiatrisch spezialisierten Fachperson geeignet, wenn sie durch 

entsprechende  Weisungen  (Suchtmittelabstinenz,  Waffentragverbot,  zunächst 

vorübergehender  Aufenthalt  in  einem  therapeutischen  Wohnen  zur  Vorbereitung 

der eigenständigen Wohnsituation sowie Tagesstruktur [in einer allgemeinpsychia-

trischen Tagesklinik oder in einer spezialisierten Institution der geschützten Tätig-

keit  und  Arbeitsintegration])  ergänzt  werde  (Urk.  152  S. 66  f.  und  69).  Diese 

gutachterliche Einschätzung wird von der PUK geteilt. Auch aus Sicht der PUK ist 

der Beschuldigte unter den genannten Bedingungen bzw. Weisungen inzwischen 

bereit für eine ambulante therapeutische Massnahme. Die ambulante Massnahme 

ist zudem praktisch durchführbar (Urk. 152 S. 67 und 73). Demnach erweist sich 

die  Anordnung  einer  ambulanten  Massnahme  im  Sinne  von  Art.  63  StGB  in 

Kombination mit den gutachterlich empfohlenen Weisungen als geeignet, erforder-

lich und verhältnismässig. 

7.

Stationäre Einleitung der ambulanten Massnahme

7.1. Das Gesetz sieht vor, dass der Täter vorübergehend stationär behandelt wird, 

wenn dies zur Einleitung der ambulanten Behandlung geboten ist, wobei die stati-

onäre Behandlung maximal zwei Monate andauern darf (vgl. Art. 63 Abs. 3 StGB). 

Dabei  handelt  es  sich  um  einen  zeitlich  eingeschränkten  Freiheitsentzug  zur 

Vorbereitung des Massnahmeantritts (BSK StGB-HEER, Art. 63 N 77).

7.2. Zwar ist aufgrund der im vorzeitigen stationären Massnahmevollzug erzielten 

Therapieschritte nun eine ambulante Massnahme angezeigt. Allerdings erhellt aus 

den vorstehenden Erwägungen, dass der Beschuldigte infolge seiner gravierenden, 

multiplen  Erkrankung  ein  vielschichtiges  und  engmaschiges  Massnahmesetting 

benötigt.  Eine  erfolgversprechende  ambulante  Massnahme  bedarf  nebst  einer 

medikamentösen  und  therapeutischen  Behandlung  des  Beschuldigten  insbeson-

dere auch der Gewährleistung einer Tagesstruktur in einer geeigneten Einrichtung 

sowie  der  Unterbringung  des  Beschuldigten  in  einer  Institution  für  betreutes 

Wohnen.  Ferner  kommen  Kontrollmassnahmen  (Suchtmittelabstinenz,  Medika-

menteneinnahme) hinzu. Die Installation all dieser unabdingbaren Grundpfeiler für 

eine funktionierende ambulante Massnahme in Zusammenarbeit mit dem Beschul-

digten  bedarf  Zeit  und  einiges  an  Organisation  und  Vorbereitung,  was  auch  die 

-   24   -

zuständigen Personen der PUK eindeutig beschreiben (vgl. Urk. 171 und 173). Der 

Beschuldigte  darf  dabei  nicht  überfordert  werden.  Solange  dieses  umfassende 

System nicht gewährleistet ist, drohen aus Sicht der Gutachterin und der PUK beim 

Verlassen  des  stationären  Massnahmesettings  erneuter  Suchtmittelkonsum  und 

erneute  psychotische  Dekompensation,  infolgedessen  mit  einem  erheblichen 

Wiederanstieg  des  Rückfallrisikos  zu  rechnen  wäre.  Entsprechend  erweist  sich 

eine stationäre Einleitung der ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 Abs. 3 

StGB als dringend notwendig und angesichts ihrer relativ kurzen Dauer auch als 

verhältnismässig.  Sie  hat  so  lange  wie  nötig,  jedoch  maximal  zwei  Monate  zu 

dauern.

8.

Befristung der Massnahme

Der Beschuldigte benötigt trotz der in den ersten rund anderthalb Jahren erzielten 

Behandlungsfortschritte infolge seiner gravierenden, multiplen Erkrankung auch in 

Zukunft ein vielschichtiges und engmaschiges Massnahmesetting (bestehend aus 

einem  umfassenden  System  von  Therapie-  und  Kontrollmassnahmen;  vgl. 

Erw. III. 6.,  7.2.  und  10.4.  f.),  sodass  die  Behandlung  noch  geraume  Zeit  in 

Anspruch  nehmen  dürfte.  Eine  Befristung  der  Massnahme  ist  daher  sowie  in 

Anbetracht der Schwere der Anlassdelikte (Todesdrohungen und Vergehen gegen 

das Waffengesetz; vgl. Erw. III. 6.1.) und der vom Beschuldigten in unbehandeltem 

Zustand ausgehenden ernsthaften Gefahr für weitere Gewaltstraftaten bis hin zu 

einem Tötungsdelikt (vgl. Erw. III. 5. und 6 f.) nicht angezeigt. Die Vollzugsbehörde 

wird  allerdings  mindestens  ein  Mal  jährlich  zu  prüfen  haben,  ob  die  ambulante 

Behandlung fortzusetzen oder aufzuheben ist (Art. 63a StGB).

9.

Ergebnis

Es ist eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB 

(Behandlung psychischer Störungen, Suchtbehandlung) mit stationärer Einleitung 

gemäss Art. 63 Abs. 3 StGB anzuordnen, wobei die stationäre Einleitung so lange 

wie nötig, jedoch maximal zwei Monate zu dauern hat. Dem Beschuldigten sind für 

die  Dauer  der  Massnahme  zudem  gestützt  auf  Art.  63  Abs.  2  in  Verbindung  mit 

Art. 94 f. StGB die folgenden Weisungen zu erteilen

-   25   -

-

-

-

-

Einhaltung der Abstinenz von psychotropen Substanzen inkl. Alkohol mit ent-

sprechenden Abstinenzkontrollen

Waffentragverbot

regelmässige Medikamenteneinnahme gemäss ärztlicher Verordnung

Einhaltung einer Tagesstruktur (in einer allgemeinpsychiatrischen Tagesklinik 

oder in einer spezialisierten Institution der geschützten Tätigkeit und Arbeits-

integration) und – zumindest zunächst – Aufenthalt in einer therapeutischen 

Wohnsituation,  um  das  selbständige  Wohnen  sachgerecht  in  die  Wege  zu 

leiten.

Zudem ist – dem Antrag des Beschuldigten folgend (Urk. 184 S. 2 und 10) – für die 

Dauer  der  Behandlung  eine  Bewährungshilfe  im  Sinne  von  Art.  63  Abs.  2  StGB 

anzuordnen.

10. Haftanrechnung

10.1. Der  Beschuldigte  beantragt  –  wie  schon  vor  Vorinstanz  –  die  Zusprechung 

einer  Entschädigung  für  entstandene  Überhaft  (Urk.  93,  Urk.  184  S.  2).  Die 

Vorinstanz  rechnete  die  vom  Beschuldigten  bis  zum  erstinstanzlichen  Urteil 

erstandene  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  an  die  von  ihr  ausgesprochene 

stationäre Massnahme an, soweit sie nicht an die ausgefällte Geldstrafe angerech-

net werden konnte (Urk. 89 S. 44).

10.2. Der  Beschuldigte  befand  sich  ab  dem  19.  September  2022  andauernd  in 

Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft,  bis  ihm  am  26.  Juni  2023  der  vorzeitige 

stationäre  Massnahmevollzug  bewilligt  wurde  (Urk.  D1/13/1;  Urk.  75).  Per 

19. September 2023 trat er in die PUK ein (Urk. 103). Am 21. Januar 2025 wurde 

dem  Beschuldigten  der  vorzeitige  ambulante  Massnahmevollzug  bewilligt 

(Urk. 162).  Dieser  wurde  bislang  auch  organisatorischen  Gründen  noch  nicht 

umgesetzt. Der Beschuldigte befindet sich nach wie vor in der PUK, allerdings nun 

auf der offenen Massnahme-station (Urk. 167; Urk. 172; Urk. 173). Damit hat der 

-   26   -

Beschuldigte bis und mit heute 967 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheits-

haft sowie vorzeitigen stationären Massnahmevollzug erstanden.

10.3. Im  Fall  von  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  besteht  ein  Anspruch  auf 

angemessene  Entschädigung  und  Genugtuung,  wenn  die  zulässige  Haftdauer 

überschritten ist und der übermässige Freiheitsentzug nicht an die wegen anderer 

Straftaten  ausgesprochenen  Sanktionen  angerechnet  werden  kann (Art. 431 

Abs. 2 StPO). Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft, welche während des Strafver-

fahrens, das zum Massnahmeentscheid führte, verbüsst wurde, ist auf eine ambu-

lante Massnahme im Sinne Art. 63 StGB anzurechnen, soweit dieser im konkreten 

Einzelfall  freiheitsentziehende  Wirkung  zukommt  (BGE  145  IV  359  E.  2.7).  Zur 

Frage, wie die Haft an die ambulante Massnahme anzurechnen ist, sind die von 

der  Rechtsprechung  entwickelten  Grundsätze  zur  Anrechnung  der  ambulanten 

Massnahme auf die Strafe beizuziehen. Gemäss Art. 63b Abs. 4 StGB entscheidet 

das  Gericht  darüber,  inwieweit  der  mit  der  ambulanten  Behandlung  verbundene 

Freiheitsentzug auf die Strafe angerechnet wird. Sie ist in dem Masse anrechenbar, 

wie eine tatsächliche Beschränkung der persönlichen Freiheit vorliegt. Von Bedeu-

tung ist im Wesentlichen, mit welchem Zeit- und Kostenaufwand die Massnahme 

für den Betroffenen verbunden war. Wegen der grundsätzlichen Verschiedenheit 

von  ambulanter  Massnahme  und  Strafvollzug  kommt  in  der  Regel  nur  eine  be-

schränkte Anrechnung der ambulanten Behandlung in Frage. Das Gericht verfügt 

über  einen  erheblichen  Ermessensspielraum;  ein  fester  Umrechnungsmassstab 

besteht nicht. Auf einen dem Beschuldigten infolge Überhaft zustehenden Entschä-

digungsanspruch bezogen bedeutet dies, dass eine Genugtuung demnach nur in 

Frage kommen kann, wenn sich ex post zeigen sollte, dass das Gesamtmass des 

mit der ambulanten Behandlung einhergehenden Freiheitsentzugs von der Dauer 

her im Einzelfall kürzer ist, als die erstandene Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft 

(a.a.O. E. 2.8.1 f.).

10.4. Die strafprozessuale Haft wurde vorliegend aufgrund von Ausführungsgefahr 

im Sinne von Art. 221 Abs. 2 StPO bzw. aufgrund der konkreten und erheblichen 

Gefahr,  der  Beschuldigte  könnte  die  Drohungen  zum  Nachteil  der  Privatklägerin 

wahrmachen,  angeordnet  und  aufrechterhalten  (Urk.  D1/13/7;  Urk.  D1/13/14; 

-   27   -

Urk. 25; Urk. 63). Wie vorstehend dargelegt, geht vom Beschuldigten in unbehan-

deltem Zustand ein erhöhtes Risiko für weitere Gewaltstraftaten aus (vgl. Erw. III.5. 

und  6.).  Sowohl  bei  der  Untersuchungs-  bzw.  Sicherheitshaft  wie  auch  bei  der 

Anordnung der ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB geht es letztlich 

um  eine  Freiheitsbeschränkung  zur  Verhinderung  von  weiteren  Straftaten  zum 

Schutze der Allgemeinheit. Somit steht der Anrechnung der Haft an die ambulante 

Massnahme  mit  stationärer  Einleitung  grundsätzlich  nichts  entgegen.  Zudem 

befindet sich der Beschuldigte schon seit geraumer Zeit im vorzeitigen stationären 

Massnahmevollzug. Es ist offensichtlich, dass die stationäre Massnahme notwen-

dig war, um die erforderlichen Behandlungen und Therapien einzuleiten, was letzt-

lich dem Sicherheitsbedürfnis der Allgemeinheit zugute kommt. Es rechtfertigt sich 

deshalb, die Haft anzurechnen.

10.5. Der  mit  der  ambulanten  Massnahme  mit  stationärer  Einleitung  verbundene 

Freiheitsentzug  ist  vorliegend  vergleichsweise  hoch.  Der  Beschuldigte  wird  sich 

nach  der  stationären  Einleitung  nicht  nur  einer  medikamentösen  und  therapeuti-

schen Behandlung bei einer forensisch-psychiatrischen spezialisierten Fachperson 

unterziehen  müssen.  Er  wird  sich  fast  rund  um  die  Uhr  in  einem  umfassenden 

System von Therapie- und Kontrollmassnahmen befinden. So wird er die Tage in 

einer allgemeinpsychiatrischen Tagesklinik oder in einer spezialisierten Institution 

der  geschützten  Tätigkeit  und  Arbeitsintegration  und  die  Nächte  –  zumindest 

zunächst  –  in  einer  therapeutischen  Wohneinrichtung  verbringen  müssen.  Hinzu 

kommen regelmässige Suchtmittelabstinenz- und Medikamenteneinnahmekontrol-

len (vgl. Erw. III. 6.2. und 7.2.). Die Massnahme wird für den Beschuldigten folglich 

mit einem hohen Aufwand und einem grossen Eingriff ins seine persönliche Freiheit 

verbunden sein. Das anzuordnende ambulante Massnahmesetting ist vergleichs-

weise nahe an einer stationären Massnahme. Angesichts des mit der ambulanten 

Massnahme  verbundenen  starken  Freiheitsentzugs  rechtfertigt  es  sich,  pro  Tag 

ambulante Massnahme mit einem Freiheitsentzug von 0.8 Tagen zu rechnen. Pro 

Tag stationäre Einleitung der Massnahme ist mit einem Freiheitsentzug von 1 Tag 

zu rechnen. Die ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB dauert in der 

Regel  maximal  fünf  Jahre  (Art.  63  Abs.  4  StGB).  Angesichts  der  gravierenden, 

multiplen Erkrankung des Beschuldigten und des Umstands, dass er ein umfassen-

-   28   -

des,  vielschichtiges  und  engmaschiges  Massnahmesetting  benötigt,  ist  mit  einer 

langjährigen Massnahme zu rechnen, deren implizierter Freiheitsentzug den bisher 

vom Beschuldigten erlittenen Freiheitsentzug überschreitet.

10.6. Der  vom  Beschuldigten  durch  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  sowie 

vorzeitigen  Massnahmevollzug  erlittene  Freiheitsentzug  von  967  Tagen  ist  dem-

nach an die ambulante Massnahme mit stationärer Einleitung anzurechnen, wobei 

darauf hinzuweisen ist, dass die Anrechnung angesichts des präventiven Charak-

ters der Massnahme nicht rechnerisch im Sinne einer Verkürzung der Massnahme 

um  die  Dauer  des  anzurechnenden  Freiheitsentzugs  zu  verstehen  ist  (BGE  145 

IV 65  E. 2.3.4;  BGE  141  IV  236  E. 3.8).  Demzufolge  hat  der  Beschuldigte  auch 

keinen Anspruch auf Entschädigung infolge Überhaft.

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kostenfolgen

1.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien grundsätzlich nach 

Massgabe  ihres  Obsiegens  und  Unterliegens  (Art.  428  Abs.  1  StPO).  Allerdings 

können einer schuldunfähigen beschuldigten Person die Kosten einzig dann aufer-

legt werden, wenn dies nach den Umständen billig erscheint (Art. 419 StPO), was 

– über den Wortlaut der Bestimmung hinaus – auch für die Entschädigungspflicht 

gilt (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 419 N 9).

1.2. Aktenkundig 

ist,  dass  der  Beschuldigte  gemäss 

IV-Beschluss  vom 

16. November 2023 rückwirkend ab 1. Mai 2022 Anspruch auf eine 100% IV-Rente 

hat. Es erfolgte eine rückwirkende Auszahlung bis Haftantritt (30. September 2022) 

in Höhe von Fr. 10'865.80 (Urk. 144/47). Eine Kostentragung aus Billigkeitsgründen 

fällt aufgrund der knappen finanziellen Verhältnisse und der angesichts der schwe-

ren  psychischen  Erkrankung  unklaren  Zukunftsaussichten  des  Beschuldigten 

ausser Betracht. Bei dieser Ausgangslage fällt die Gerichtsgebühr für das zweitin-

stanzliche Verfahren ausser Ansatz und sind die übrigen Kosten des Verfahrens, 

-   29   -

einschliesslich diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-

tretung der Privatklägerin, definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.

1.3. Mit derselben Begründung sind auch die Kosten der Untersuchung und des 

erstinstanzlichen Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung 

und  der  unentgeltlichen  Vertretung  der  Privatklägerin  (diese  Kosten  hat  die 

Vorinstanz in ihrer Dispositivziffer 10 bereits rechtskräftig geregelt, vgl. Erw. I. 2.3.), 

auf die Gerichtskasse zu nehmen.

2.

Entschädigungsfolgen

2.1. Die amtliche Verteidigung wurde mit Präsidialverfügung vom 8. Januar 2024 

für  ihre  Aufwendungen  bis  und  mit  22.  Dezember  2023  antragsgemäss  akonto-

weise mit Fr. 4'814.75 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Darin noch nicht 

enthalten  sind  die  Kosten  für  die  Stellungnahme  von  Prof.  Dr.  O._____  zum 

Gutachten von Dr. med. N._____ in der Höhe von € 1'213.80 (Urk. 116 f. und Urk. 

119).  Mit  heutiger  Honorarnote  macht  die  amtliche  Verteidigung  für  ihre 

Aufwendungen seit dem 23. Dezember 2023 (inkl. geschätzter Aufwendungen für 

die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und Abschlussarbeiten) Fr. 14'179.95 

(inkl. Barauslagen und MwSt.) geltend (Urk. 182 und Urk. 184 S. 12). Der geltend 

gemachte  Aufwand  ist  ausgewiesen  und  erscheint  angemessen.  Dies  gilt  ins-

besondere auch in Bezug auf die selbständig bei Prof. Dr. O._____ eingeholte Stel-

lungnahme, zumal die genannte Stellungnahme die Einholung eines neuen psych-

iatrischen  Gutachtens  bei  Frau  Dr. med.  C._____  initiierte  und  dieses  neue  Gut-

achten wesentlich zur massgeblichen Abänderung des erstinstanzlichen Urteils zu-

gunsten des Beschuldigten beitrug. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen (we-

niger langen) Dauer der Berufungsverhandlung ist die amtliche Verteidigung folg-

lich zusätzlich zur bereits geleisteten Akontozahlung mit pauschal Fr. 15'000.– (inkl. 

Barauslagen, MwSt. und Kosten für die Stellungnahme Prof. Dr. O._____) zu ent-

schädigen.

2.2. Die  unentgeltliche  Rechtsvertreterin  der  Privatklägerin  macht  für  das  Beru-

fungsverfahren einen Aufwand von total Fr. 1'297.15 (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

geltend (Urk. 181), was ausgewiesen ist und angemessen erscheint. Es rechtfertigt 

-   30   -

sich daher, Rechtsanwältin MLaw Y._____ für ihre Aufwendungen im Berufungs-

verfahren  antragsgemäss  mit  Fr.  1'297.15  (inkl.  Barauslagen  und  MwSt.)  zu 

entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 13. Juni 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird erkannt:

1.-4. (…)

5.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 17. Fe-

bruar  2023  beschlagnahmten  Gegenstände  werden  dem  Eigentümer, 

B._____, … [Adresse], nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Ver-

langen herausgegeben:





Pistole (A016'559'334)

4 Patronen (A016'559'345)

Verlangt B._____ die Gegenstände nicht innert 60 Tagen ab Rechtskraft des 

Urteils  heraus,  werden  sie  der  zuständigen  Lagerbehörde  zur  Vernichtung 

überlassen.

6.

Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, beim 

Forensischen Institut Zürich sichergestellten Spuren und Spurenträger vernich-

tet:





DNA-Spur-Wattentupfer ab Pistole, ab Bedienelement aussen 

(A016'568'551)

DNA-Spur-Wattentupfer ab Pistole, ab Magazinlippen (A016'568'562).

7.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wird auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

-   31   -

8.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr. 

Fr. 

Fr.

4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

2'300.–   Gebühr für das Vorverfahren;

9'609.15   Auslagen (Gutachten);

508.–

Auslagen;

29'110.45

amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst.);

6'961.–

  unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. Bar-

auslagen und Mwst.).

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

9.

(…)

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und diejenigen der unentgeltlichen 

Rechtsvertretung der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genom-

men.

11.

(Mitteilungen)

12.

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._____ folgende Tatbestände im 

Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt hat:

-

-

mehrfache Drohung im Sinne von Art. 180 StGB sowie

Vergehen gegen das Waffengesetz im Sinne von dessen Art. 33 Abs. 1 

in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27.

2.

Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Behandlung psychischer Störungen, Suchtbehandlung) mit statio-

närer Einleitung gemäss Art. 63 Abs. 3 StGB angeordnet. Die stationäre Ein-

leitung hat solange wie nötig, jedoch maximal zwei Monate zu dauern.

-   32   -

Dem Beschuldigten werden für die Dauer der Massnahme die folgenden 

Weisungen erteilt:

-

-

-

-

Einhaltung der Abstinenz von psychotropen Substanzen inkl. Alkohol 

mit entsprechenden Abstinenzkontrollen

Waffentragverbot

regelmässige Medikamenteneinnahme gemäss ärztlicher Verordnung

Einhaltung einer Tagesstruktur (in einer allgemeinpsychiatrischen 

Tagesklinik oder in einer spezialisierten Institution der geschützten 

Tätigkeit und Arbeitsintegration) und - zumindest zunächst - Aufenthalt 

in einer therapeutischen Wohnsituation, um das selbständige Wohnen 

sachgerecht in die Wege zu leiten.

Sodann wird für die Dauer der Behandlung eine Bewährungshilfe angeord-

net.

3.

Der vom Beschuldigten durch Haft und vorzeitigen stationären Massnah-

menvollzug erlittene Freiheitsentzug (insgesamt 967 Tage) wird an die am-

bulante Massnahme mit stationärer Einleitung angerechnet.

4.

Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, mit 

Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen 

Vertretung der Privatklägerin, werden auf die Gerichtskasse genommen.

-   33   -

5.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren 

Kosten betragen:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

12'960.–   Kosten Gutachten Dr. med. C._____

4'814.75

  Akontozahlung amtliche Verteidigung vom 08.01.2024   
(inkl. MwSt.)

15'000.–   (zweite Zahlung) amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.)

1'297.15   unentgeltliche Verbeiständung (inkl. MwSt.)

6.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich diejenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (versandt)

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 
die Privatklägerschaft (versandt)

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 
die Privatklägerschaft

das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

-   34   -





die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich.

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 12. Mai 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw N. Hunziker