# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b1e2f47f-991f-5c81-afd1-a0face786ab7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-22
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung, übereinstimmende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von RAD und behandelnden Ärzten; aufgrund Belastungsprofil kein Anspruch auf Rente oder Arbeitsvermittlung; aufgrund ausgewiesener Verschlechterung nach Verfügungserlass Überweisung als Neuanmeldung
**Docket/Reference:** IV.2017.00184
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00184.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00184
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Bonetti
Urteil vom 22. Dezember 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___, geboren 1966, verfügt über keine Schul- oder Berufsausbildung (Urk. 10/6 und 10/14/3). Zuletzt arbeitete sie zu 80 bis 100 %  als Hilfs- und Reinigungskraft in einer Bäckerei im Stundenlohn (Urk. 10/2/6 und 10/14/2). Nachdem sie am 9. Juli 2015 mit dem Fuss umgeknickt (Urk. 10/1) und per Oktober 2015 die Kündigung erhalten hatte (Urk. 10/14/2), meldete sie sich im Januar 2016 wegen Kniebeschwerden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2). Kurz darauf ersuchte sie um Übernahme der Kosten für ortho
pä
di
sche Serienschuhe im Sinne eines Hilfsmittels (Urk. 10/5-8). Die IV-Stelle holte im Rahmen der beiden Gesuche einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 10/15) sowie diverse Arztberichte (Urk. 10/18/3-11, 10/19, 10/20/4-9, 10/23/6-7, 10/29 und 10/31) ein, die sie dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vorlegte (Urk. 10/35/3-4). Bereits im April 2016 leistete sie Kostengutsprache für orthopädische Serienschuhe (Urk. 10/22). Indes stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 2. Dezember 2016 in Aussicht, einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente zu verneinen (Urk. 10/36). Dagegen erhob die Versicherte unter Beilage weiterer Arztberichte (Urk. 10/37) Einsprache (Urk. 10/38). Gestützt auf eine erneute Beurteilung durch den RAD (Urk. 10/40/2 f.) verfügte die IV-Stelle am 9. Januar 2017 schliesslich wie angekündigt (Urk. 10/41 = Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte „Einsprache“ bei der IV-Stelle (Urk. 1), welche diese als Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht weiter
leitete (Urk. 3 und 4). Darin beantragte die Versicherte sinngemäss, ihr
eine
Invalidenrente und berufliche Massnahmen zuzusprechen (Urk. 1). Mit Schreiben
vom 1. März 2017 (Urk. 6) reichte sie zudem weitere Arztberichte ein (Urk. 7/1-5).
Zu beiden Eingaben nahm die IV-Stelle in der Beschwerdeantwort vom 16. März 2017 Stellung und schloss auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Die Frist zur Erstattung einer Replik liess die Versicherte ungenutzt verstreichen (Urk. 14). Indes reichte sie später – unter anderem aufgrund einer Knieoperation am 25. September 2017 – weitere Arztberichte ein (Urk. 15/1-2). Diese wurden der IV-Stelle zur Kenntnisnahme (Urk. 16) bzw. Stellungnahme (Urk. 20 und 21) zugestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wie der Rechtsmittelbelehrung richtig zu entnehmen ist (Urk. 2), war die Ver
fügung vom 9. Januar 2017
innerhalb von 30 Tagen direkt beim
Sozialver
siche
rungsgericht anzufechten (Art. 69 Abs. 1
lit
. a des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG])
. Für die Berechnung und Wahrung der Frist gelten Art. 38-41 ATSG (vgl. § 13 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]).
1.2
Nach Art. 39 Abs. 1 ATSG muss eine schriftliche Eingabe spätestens am letzten Tag der Frist dem (zuständigen) Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen
Handen
der Schweizerischen Post übergeben werden, damit die Frist als
ein
ge-
halten
gilt.
Gemäss Abs. 2 derselben Bestimmung gilt eine Frist allerdings auch dann als gewahrt,
wenn die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen Versi
cherungsträger gelangt
. Die Weiterleitungspflicht ergibt sich dabei allgemein aus Art. 30 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG. Danach hat der unzu
ständige Versicherungs
träger versehentlich an ihn gelangte Eingaben entgegen
zu
nehmen, das Datum der
Einreichung festzuhalten und die Unterlagen an die zuständige Stelle weiterzu
leiten. Für die Beschwerdeschrift im Speziellen gilt ausserdem Art. 58 Abs. 3 ATSG, wonach die Behörde,
die
sich als unzuständig erachtet, die Beschwer
de ohne Verzug dem zuständigen Versicherungsgericht zu überweisen hat.
1.3
Gemäss dem Verzeichnis der vorinstanzlichen Akten ging die Eingabe der Be
schwerdeführerin vom 17. Januar 2017 (Urk. 1) am 19. Januar 2017 und somit weniger als 30 Tage nach Erlass der angefochtenen Verfügung bei der Be
schwerdegegnerin ein (vgl. „
Dok
-
Eing
.-Datum“ von
Urk. 10/42). Des Weiteren bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die rechtsunkundige Beschwer
de-führerin ihre Eingabe bewusst bei der unzuständigen Stelle einreichte. Ferner wies die Beschwerdegegnerin sie erst bei Ablauf der Rechtsmittelfrist auf ihre Unzuständigkeit hin (Urk. 10/43). Da Antrag und Begründung der Eingabe zudem den Anforderungen nach § 18 Abs. 2
GSVGer
und Art. 61
lit
. b ATSG genügen, ist sie als Beschwerde zu verstehen und darauf einzutreten.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerb
s
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Re
nte haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
lidi
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.4
Es bleibt anzumerken, dass grundsätzlich der Sachverhalt bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses massgebend ist und die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet  (Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2016 vom 1. Juli 2016 E. 2.2.1 und 6.3 mit Hinweis auf BGE 132 V 215 E. 3.1.1, 130 V 138 E. 2.1 und 9C_777/2015 vom 12. Mai 2016 E. 2.3). Nach ständiger Rechtsprechung ist, in Abweichung von dieser Grundregel, die Entwicklung der (unter anderem
medizinischen) Verhältnisse nach Erlass der angefochtenen Verfügung aus
nahms
weise in die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung einzubeziehen, wenn
sich daraus Rückschlüsse auf den Sachverhalt bis zum Zeitpunkt des Ver
waltungsaktes ziehen lassen (Urteil des Bundesgerichts 9C_387/2016 vom
24. Oktober 2016 E. 3.4.2 unter anderem mit Hinweis auf das Urteil 9C_352
/2010 vom 30. August 2010 E. 2.3.3).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin zog in Betracht, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Einschränkungen als vollerwerbstätige Reinigungskraft weiter
hin ein Jahreseinkommen von Fr. 48‘924.70 erzielen würde. Noch zumutbar sei ihr ein 100%-Pensum in einer körperlich leichten, praktisch ausschliesslich sitzenden Tätigkeit ohne Zwangshaltungen des Kopfes und ohne Arbeiten in Schulterhöhe oder darüber während längerer Zeit. Dabei könne sie jährlich Fr. 43‘465.85 verdienen. Es resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditäts
grad von 11 %. Die neue Diagnose einer
Periarthritis
humeroscapularis
(PHS) links mit Schleimbeutelentzündung vermöge daran ebenso wenig zu ändern wie die Berichte zu den Knieinfiltrationen im Jahr 2017. Es könne vollumfänglich auf die RAD-Stellungnahmen verwiesen werden. Ferner bestehe angesichts des Belastungsprofils auch kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung (Urk. 2 und 9).
3.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, dass sie nun seit mehr als einem Jahr kein Einkommen mehr habe und sich auch nicht bei der Regionalen Arbeitsvermittlung anmelden könne, weil ihre Ärztin ihr keine Arbeitsfähigkeit bescheinige. Sie habe überall Schmerzen. Ihre Beschwerden hätten sich seit dem Bericht vom 2. November 2016 zudem verschlimmert (Urk. 1 und 6).
4.
4.1
4.1.1
Die angefochtene Verfügung beruht auf der Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. Y.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie. Laut dessen Stellungnahme vom 18. November 2016 (Urk. 10/35/3-4) waren den Berichten des behandelnden Facharztes für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
to
logie des Bewegungsapparates, Dr. med. Z.___, vom 28. August und 19. Novem
ber 2015 sowie 6. Januar und 29. März 2016,
denjenigen der Haus
ärztin Dr. A.___, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 2. März und 2. November 2016 sowie denjenigen des B.___ vom 3. März und 19. Oktober 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: symptomatische
Varusgonarthrose
beidseits (erträg
licher nach Infiltration), Nackenschmerzen/
Zervikobrachialgie
links bei mehrsegmentaler Spondylarthrose der HWS (MRI vom 30. September 2016) und chronische Rückfussinstabilität rechts bei Arthrose
cuboideonavicular
und
calcaneonavicular
rechts (wahrscheinlich
traumabedingt
).
Dazu stellte Dr. Y.___ fest, Dr. med. Z.___ habe sich nicht zur Arbeitsfähigkeit geäussert. Dr. A.___ habe berichtet, für die zuletzt ausgeübte Hilfstätig
keit in einer Bäckerei habe schon vor dem Unfall eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % bestanden, während eine sitzende Tätigkeit möglich sei. Schliesslich sei gemäss den Spitalberichten eine Rückkehr in den angestammten Beruf bei körperlich belastender Tätigkeit im Reinigungsbereich kaum möglich, vielmehr sollte die Beschwerdeführerin sinnvollerweise in eine körperlich leichte Tätigkeit wechseln. Im Übrigen verwies Dr. Y.___ auf den Unfallschein. Er schlussfolgerte, anhand der Arztberichte sei der somatische Gesundheitsschaden ausgewiesen, einschliesslich einer sich daraus ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit, wobei diesbezüglich die Knieproblematik eindeutig im Vor
der
grund stehe. Momentan sei der Gesundheitszustand stabil. In der bisherigen Tätigkeit (Reinigungskraft) sei die aktenkundige Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit dem 9. Juli 2015 nachvollziehbar, da es hierbei unvermeidlich zu einer starken Belastung der unteren Extremitäten, speziell der Kniegelenke, komme. An dieser vollen Arbeitsunfähigkeit werde sich medizinisch-theoretisch mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit auch nichts mehr ändern. Für eine behinde
rungsangepasste, praktisch ausschliesslich
sitzende Tätigkeit sei indes sowohl nach der Aktenlage wie auch medizinisch-theoretisch von einer von Anfang an bestehenden uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
4.1.2
Am 5. Januar 2017 (Urk. 10/40/2-3) ergänzte Dr. Y.___, aus den Berichten des B.___ vom 27. Oktober und 5. Dezember 2016 ergebe sich als einzige neue Diagnose eine PHS links mit
Bursitits
subacromialis
. Indes würden sich in den Berichten keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit bzw. lediglich ein Hinweis auf die Krankschreibung durch die Hausärztin finden. Es sei also kein Grund ersichtlich, weshalb eine angepasste Tätigkeit nicht vollschichtig mög
lich sein sollte. Dabei definierte Dr. Y.___ das Belastungsprofil im Vergleich zur früheren Stellungnahme etwas enger, indem er ausdrücklich nur noch körperlich leichte, praktisch ausschliesslich sitzende Tätigkeiten ohne Zwangs
haltung des Kopfes und ohne längeres Arbeiten in Schulterhöhe oder darüber als zumutbar erachtete.
4.2
Gemäss
Art.
59
Abs.
2
bis
IVG steht der RAD der IV-Stelle zur Beurteilung der
medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Versiche
rungsinterne Ärzte müssen dabei über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen, spielt doch die fachliche Qualifikation des Experten für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebliche Rolle. Nach
Art.
49
Abs.
2 IVV führt der RAD nur bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt
er
seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab. Das Absehen von eigenen Untersu
chung
en ist somit kein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, und die direkte ärztliche Be
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Eine reine Aktenbeurteilung ist folglich zulässig, wenn die Akten ein vollständiges
Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein voll
ständiges
Bild zu verschaffen.
Die IV-Stelle kann auf die Stellungnahme des RAD nur abstellen, wenn diese den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genüg
t
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-2044/2014 vom 2
6.
April 2016 E. 4.3.3 sowie Urteile des Bundesgerichts 9C_58/2011 vom 2
5.
März 2011 und I
142/2007 vom 2
0.
November 2007 E. 3.4 je mit Hinweisen).
Wie bei allen Arztberichten ist für den Beweiswert somit grundsätzlich entscheidend,
ob der Bericht für die strei
tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Sch
lussfolgerungen begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.3
Der RAD-Arzt Dr. Y.___ verfügt aufgrund seines Facharzttitels zweifelsohne über die erforderliche Fachkompetenz, um den zur Diskussion stehenden somatischen Gesundheitsschaden zu beurteilen. Die von ihm für seine Stellungnahmen her
an
gezogenen Arztberichte ergeben zudem ein vollständiges Bild über Anam
nes
e, Verlauf der Erkrankung und den Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung. Dies gilt für sämtliche von ihr geklag
ten Beschwerden. Schliesslich hat Dr. Y.___ die bei den Akten liegenden Arzt
berichte umfassend und schlüssig gewürdigt, wobei er die Auffassung der behan
delnden Arztpersonen in allen Punkten teilte, wie nachfolgend für die einzelnen gesundheitlichen Probleme kurz darzulegen ist. Die Beschwerde
füh
rerin hat denn auch
keine Widersprüche zwischen den Berichten der behan
delnden Arztpersonen und der RAD-Beurteilung aufgezeigt.
4.4
4.4.1
Bezüglich der Fussproblematik diagnostizierte Dr. Z.___ am 19. November 2015 eine chronische Rückfussinstabilität rechts und wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin zwar Bandverletzungen und eine Arthrose habe (vgl. MRI vom 30. Juli 2015, Urk. 10/19/8). Inwieweit sich die Problematik nun aber allgegenwärtig im gesamten Fussbereich ausbreiten könne, sei ihm ein bisschen schleierhaft. Um ihr nicht Unrecht zu tun, fordere er eine
Single Photon Emission
Computed
Tomography
/
Computed
Tomography
(SPECT/CT) an. Es könne sein, dass die Arthrose je nach Position des
Fusses
unterschiedliche Beschwerden auslöse. Würde in der Bildgebung eine entsprechende Arthrose festgestellt, wäre eine Operation zu diskutieren (Urk. 10/18/8-9). Am 6. Januar 2016 berichtete Dr. Z.___ indes, in der CT-Untersuchung hätten sich keine Hinweise für eine entzündliche Komponente gezeigt und abgesehen von leichten degenerativen Veränderungen im unteren Sprunggelenk sowie im
Fusswurzelbereich
(„
intercuneiform
“) keine Auffälligkeiten gefunden. Das CT sei dennoch wichtig gewesen, weil es eine schwerwiegende Pathologie
ausschliesse
. Aufgrund dessen empfahl Dr. Z.___ keine Operation, sondern stellte fest, dass das Gesamtschmerzbild nicht allein durch die
Fusspathologie
erklärt werde (Urk. 10/18/6). Deshalb erstellte er am 29. März 2016 ein Belastungsprofil, wonach nicht nur sitzende, sondern auch wechselbelastende Tätigkeiten und sogar das Treppensteigen zumutbar sind. Zeitliche Einschränkungen definierte er keine. Die bisherige Tätigkeit stufte er als wahrscheinlich eher unzumutbar ein mit dem Hinweis, die Beschwerdeführerin gebe zusätzlich auch
lumbo
spon
dylogene
Schwierigkeiten an (Urk. 10/20/4-7).
4.4.2
Die Hausärztin Dr. A.___ erläuterte in ihrem Bericht vom 2. März 2016, dass vor allem der verunfallte
Fuss
das Schmerzproblem sei, so dass die Be
schwerdeführerin nur kurze Strecken gehen und nur wenig stehen könne. Da sie in der bisherigen Tätigkeit viel gehen müsse, sei ihr diese nicht mehr möglich. Zumutbar sei ihr aber eine sitzende Tätigkeit. Dabei betonte sie, dass die Beschwerdeführerin gerne arbeiten würde, aber leider keine Ausbildung habe und den Job in der Bäckerei nicht mehr ausführen könne (Urk. 10/19/2-4).
4.4.3
Zusammenfassend kann sich der
Fussspezialist
die intensiven
Fussschmerzen
der Beschwerdeführerin also nicht erklären, obschon er diese sogar bildgebend untersuchte. Seiner Ansicht nach sind deshalb vollzeitlich neben sitzenden Tätigkeiten auch solche möglich, bei denen abwechselnd im Stehen, Gehen und Sitzen gearbeitet wird. Die Hausärztin hielt Einschränkungen beim Stehen und Gehen fest, eine Arbeit im Sitzen erachtete indes auch sie als zumutbar, ohne hierbei eine Reduktion des Arbeitspensums zu thematisieren. Die beiden Beur
teilungen bestätigen also, dass es der Beschwerdeführerin – wie von Dr. Y.___ festgehalten – trotz der
Fussbeschwerden
zumutbar ist, Vollzeit in einer sitz
enden Tätigkeit zu arbeiten.
4.5
4.5.1
Zu den
Kniebeschwerden finde
n sich in den Akten diverse
Bericht
e
des
B.___. Der erste
datiert vom 1
5.
September 201
0.
Darin wurde eine
beginnende Gonarthrose mit degenerativen Veränderungen des medialen
Menis
kus
hinterhorns
links diagnostiziert und notiert, dass die Beschwerdeführerin dank einer Gewichtsreduktion sowie einer kontinuierlichen und belastungs
armen Bewegungstherapie auf dem Hometrainer innert zwei Monaten eine Beschwerdefreiheit erreicht habe und keinerlei Schmerzmittel mehr benötige (
Urk.
10/19/11).
In diesem Kontext ist auf den oberwähnten hausärztlichen Bericht vom 2. März 2016 hinzuweisen. Darin gab die Hausärztin als Ursache der Arbeitsunfähigkeit eine beginnende Gonarthrose mit Knieschmerzen – rechts seit dem Jahr 2015 und links seit dem Jahr 2010 – aber auch eine Adipositas bei einem BMI von
35
kg/m
2
, verstärkt nach dem Unfall im Juli 2015, an. Dazu erläuterte sie, die Beschwerdeführerin mache Physiotherapie und versuche, ihr Gewicht zu
redu
-zieren (Urk. 10/19/2 f.).
4.5.2
Am 1. März 2016, also gut fünf Jahre nach der ersten Untersuchung im B.___, wurde die Beschwerdeführerin dort erneut klinisch und bildge
bend untersucht. Im dazugehörigen Bericht vom 3. März 2016 wurde eine symp
tomatische
Varusgonarthrose
beidseits diagnostiziert und festgehalten, dass die Beschwerdeführerin angebe, beim Unfall im Juli 2015 einen Knie
anprall rechts erlitten zu haben. Am meisten Mühe bereite ihr das Treppen
steigen, jedoch habe sie auch Ruheschmerzen. In körperlich belastender Tätig
keit sei sie voll arbeitsunfähig (Urk. 10/23/6).
Gemäss
Bericht vom 21. April 2016 hielt die sehr günstige Wirkung der in der Folge durchgeführten
Korti
sion
infiltrationen
an beiden Knien ca. eine Woche lang an. Danach traten wieder die bekannten belastungsabhängigen Schmerzen auf. Ergänzend erfolgte eine Behandlung mit einer Schuhranderhöhung zur Entlastung der medialen Gelenkskompartimente bei medialer Gelenkspaltverschmälerung (Urk. 10/31/7).
4.5.3
Ein halbes Jahr später, am 9. September 2016, berichtete das B.___, die Beschwerdeführerin sei wieder durch invalidisierende linksverstärkte beid
seitige Knieschmerzen beeinträchtigt. Sie habe Mühe beim Gehen, insbesondere auf der Treppe, und verspüre teils Blockaden. Die Gehstrecke sei eingeschränkt. In körperlich belastender Tätigkeit sei sie voll arbeitsunfähig und werde längerfristig künstliche Kniegelenke benötigen (Urk. 10/31/4).
Gemäss
Bericht vom
19. Oktober 2016 reduzierten sich diese Beschwerden durch Wiederholung der beidseitigen Knieinfiltration um knapp 50 %. Die Beschwerdeführerin habe weiterhin Mühe beim Treppensteigen. Auch längere Gehstrecken seien nicht möglich. Ferner zeige sich im
Orthoradiogramm
eine mechanische Beinachse von 7°
varus
, das mediale Kompartiment sei noch nicht aufgebraucht. Die Knie
schmerzen seien nach den Infiltrationen somit zwar erträglicher. Indes würden die Restbeschwerden kaum eine Rückkehr in den angestammten Beruf in körper
lich belastender Tätigkeit im Reinigungsbereich ermöglichen. Eine solche sei auch nicht bei einem Kunstgelenkersatz zu erwarten. Sinnvollerweise solle die Beschwerdeführerin daher in eine körperlich leichte Tätigkeit wechseln. Ferner habe man sich mit ihr geeinigt, dass operative
Massnahmen
nur bei entsprechendem Leidensdruck und Ausschöpfen der konservativen Therapien zu indizieren seien (Urk. 10/29/2).
Nichts anderes ergibt sich aus dem Bericht der Hausärztin vom 2. November 2016. Sie diagnostizierte erneut eine symptomatische Gonarthrose, weshalb die Beschwerdeführerin kaum mehr richtig gehen könne. In Würdigung sämtlicher Beschwerden schlussfolgerte sie, die Beschwerdeführerin könne nicht mehr in der Reinigung arbeiten, sondern nur noch eine sitzende Tätigkeit bzw. Büro
tätigkeit ausüben (Urk. 10/31/1).
4.5.4
Dem Spitalbericht zur Kontrolle vom 7. Februar 2017 – also nach Erlass der angefochtenen Verfügung – ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin abermals an beiden Knien verstärkt schmerzgeplagt sei und beim Abwärtsgehen Mühe habe. Linksseitig bestünden eine leichte Schwellneigung und
Giving
way
-Episoden. In körperlich belastender Tätigkeit als Raumpflegerin sei sie voll arbeits
unfähig (Urk. 7/4). Im Februar 2017 wurden die Kniegelenke deshalb ein weiteres Mal infiltriert (Urk. 7/1), was
gemäss
Bericht vom 12. April
2017 wäh
rend zwei bis drei Wochen ziemlich günstig wirkte. Im Übrigen klagte die
Beschwerdeführerin damals hauptsächlich über belastungsabhängige Schmerzen
, die sich links vom
Gesäss
bis zum Knie ausbreiten und rechts teils bis zum
Fuss
ausstrahlen würden, wobei teilweise Kribbelparästhesien bestünden. Ruhe
schmer
z
en gab sie indes nahezu keine und eine maximale Gehfähigkeit von 15 Minu
ten an. Infolgedessen wurde eine lumbale Schmerzursache vermutet (Urk. 15/2). Im Beschwerdeverfahren reichte die Beschwerdeführerin
schliesslich
den Aus
tritts
bericht vom 29. September 2017 ein, wonach ihr im Rahmen der
Hospi
tali
sation
vom 25. bis 30. September 2017 links eine Knietotalprothese implantiert wurde. Nach der Operation gelang die Mobilisation bei erlaubter Vollbelastung unter physiotherapeutischer Anleitung mit stetigem Fortschritt gut und eine erste konventionell-radiologische Stellungskontrolle zeigte eine korrekte Lage der Knieprothese. Der Übertritt in die Rehaklinik Baden war für den 2. Oktober 2017 geplant (Urk. 19).
4.5.5
Zusammenfassend ist also für die Kniebeschwerden ebenfalls festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nach einhelliger Meinung der behandelnden Arztper
so
nen keine körperlich belastenden Arbeiten mehr verrichten kann, worunter ihre bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft fällt. Dabei nahmen die Ärzte bereits Ende 2016 vorweg, dass sich an dieser Arbeitsunfähigkeit als Reinigungskraft
nichts ändern würde, wenn die Kniegelenke durch Prothesen ersetzt würden, wie
dies beim linken Knie letztlich im Herbst 2017 der Fall war. Wird die Arbeits
unfähigkeit in den Spitalberichten aber ausdrücklich auf „körperlich belastende“ Tätigkeiten beschränkt, folgt daraus unweigerlich, dass körperlich bzw. die Knie
nicht oder nur wenig belastende Arbeiten ohne weiteres zumutbar sind. In die
sem
Sinne hat die Hausärztin in Kenntnis der Spitalberichte schlüssig eine sitzende Tätigkeit bzw. Büroarbeiten als möglich
beurteilt. Dies steht nicht zu
letzt auch im Einklang mit der Schilderung der Beschwerden durch die Be
schwer
defüh
rerin selbst, welche vorderhand über Schmerzen bei Belastung klagte.
Es bleibt zu ergänzen, d
ass
eine Adipositas
gemäss
Rechtsprechung
keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität bewirkt,
es sei denn, sie verursache
körperliche oder geistige Schäden
respektive sei
Folge von solchen Schäden.
Im Einzelfall kann eine Adipositas zudem
als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichts
abnahme auf ein
Mass
reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit zur Folge hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_385/2014 vom 2
4.
Oktober
2014 E.
4.3, 8C_372/2012 vom 1
3.
Juni
201
3 E. 2.2 und 9C_496/2012 vom 9.
September 201
2 E. 2.2 jeweils mit Hinweisen). Vorliegend besserten die Kniebeschwerden im Jahr 2010 nach einer Gewichtsreduktion und ging die Exazerbation der Knieschmerzen im Frühjahr 2016 mit einer Gewichtszunahme bis zu einem BMI von
35 kg/m
2
einher, so dass der negative Einfluss des Gewichts auf die Knie
beschwerden augenscheinlich ist (vgl. E. 5.3.1). Nichtsdestotrotz muss (mangels Kenntnis der Gewichtsentwicklung ab März 2016) bzw. kann (angesichts des zur
Diskussion stehenden Belastungsprofils) offenbleiben, ob und inwiefern die Knie
beschwerden im Verfügungszeitpunkt durch eine zumutbare Gewichtsreduktion hätten reduziert werden können.
4.6
4.6.1
Hinsichtlich der weiteren Beschwerden ist zunächst auf den Bericht des C.___ vom 30. September 2016 hinzuweisen, wonach das glei
chen
tags durchgeführte MRI der Halswirbelsäule eine nur diskrete
Chondrose
der zervikalen Bandscheiben ohne Hinweise für eine
Ostechondrose
oder Dis
kushernie zeigte. Bei sämtlichen Nervenwurzeln zeigten sich zudem ein regel
rechter Abgang und Verlauf ohne Kompression. Festzustellen war eine
mässig
gradig
ausgeprägte mehrsegmentale Spondylarthrose vor allem im mittleren und distalen Bereich mit einem Knochenmarksödem am
Fazettengelenk
der HWK7/BWK1 (ohne Gelenkserguss oder
periartikuläres
Weichteilsödem
) im Sinne der reaktivierten Arthrose (Urk. 10/31/5). Es ist anzumerken, dass dieser Bericht bereits Eingang in die vorerwähnte Arbeitsfähigkeitseinschätzung der Hausärztin vom 2. November 2016 fand (Urk. 10/31/1), wonach der Beschwer
de
führerin eine sitzende Tätigkeit zumutbar ist.
4.6.2
Nach einer Infiltration der
Fazettengelenke
HWK6/7 und HWK7/BWK1 am
25. Oktober 2016 (Urk. 10/37/3-4) berichtete die Beschwerdeführerin über unver
än
derte Nackenschmerzen. Am 9. November 2016 wurde deshalb eine Ultraschall
untersuchung durchgeführt in der sich alle Sehnen des Schultergürtels intakt, die lange Bizepssehne links weitaus verdünnt und
medialisiert
, die Bursa
subacromials
beidseits deutlich vergröbert und – links mehr als rechts – flüssig
keitsgefüllt zeigten. Nach einer Infiltration der linken Schulter berichtete die Beschwerdeführerin unmittelbar über eine deutliche Erleichterung. In der Kon
trolle vom 23. November 2016 gab sie eine weitere Besserung an, klagte aber nach wie vor über Beschwerden an der linken Halsseite, dem Trapezmuskel links sowie im Bereich der vorderen Schulterpartie. In der erneuten Ultraschall
untersuchung zeigte sich deutlich weniger Flüssigkeit subacromial, war aber immer noch vorhanden (Urk. 10/37/1-2 und 15/1).
Infolgedessen wurden im Bericht des B.___ vom 5. Dezember 2016 neben den
Fuss
- und Kniebeschwerden ein
zervikospondylogenes
Schmerzsyn
drom links mit Ausstrahlen in den Daumen links, eine PHS links mit Bursitis
subacromialis
und ein chronisches rezidivierendes
lumbospondylogenes
Syndrom
rechtsbetont diagnostiziert. Auf eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit wurde ausdrücklich verzichtet (Urk. 10/37/1-2).
4.6.3
Der erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung verfasste Bericht vom 4. Mai 2017 enthält im Vergleich dazu teils
bloss
ergänzende, teils komplett neue Anga
ben. Zunächst wurde darin die
Bursitits
subacromialis
konkret als leicht
eingestuft, nachdem sich sonographisch am 10. Februar 2017 im Seitenver
gleich
nur noch leicht vermehrte Flüssigkeit links zeigte. Auch wurde das MRI der Halswirbelsäule vom 30. September 2016 (zum Datum vgl. den Hinweis bei den Diagnosen) gewürdigt und zu den von der Beschwerdeführerin weiterhin ge
klagten ausstrahlenden Schmerzen in den linken Arm konstatiert, dass das MRI bis auf leichte degenerative Veränderungen „blande“ gewesen sei.
Des Weiteren wurde aufgrund der Beschwerdeklage in der Sprechstunde vom 11. April 2014 ein MRI der Lendenwirbelsäule angeordnet (vgl. Urk. 15/2). Dieses wurde
gemäss
Bericht vom 4. Mai 2017 am 13. April 2017 durchgeführt und zeigte mit Bezug auf das
lumbospondylogene
Syndrom eine hochgradige
osteodiskal
bedingte foraminale Stenose L5/S1 links mit Kompression der Nervenwurzel L5 links. Im gleichen Segment zeigte sich eine
mässige
fora
minale Stenose rechts ohne Nervenwurzelkompression. Ferner bestand aufgrund des MRI der Verdacht auf eine Diskusextrusion foraminal links im Segment L1/2 mit möglicher Reizung der Nervenwurzel L1 links. Eine Spinalkanalstenose wurde keine nachgewiesen, aber eine
Ostechochondrose
L5/S1 festgestellt. Dem wurde hinzugefügt, dass sich in der Untersuchung vom 3. Mai 2017 klinisch keine sensomotorischen Ausfälle gefunden hätten.
Schliesslich
wurden im Bericht vom 4. Mai 2017 alle gesundheitlichen Probleme zusammengefasst: Nacken- und Schulterpartie links, lumbale Rückenschmerzen
aktuell linksbetont und ohne sensomotorische Ausfälle, eine linksbetonte
Varu
s
gonarthrose
und ein Status nach
angerissenem
Aussenband
des Sprunggelenks im Juli 2015. Die Arbeitsfähigkeit wurde sodann wie folgt beurteilt: Für die Tätig
keit als Raumpflegerin sei die Beschwerdeführerin aktuell wegen der
lum
bospondylogenen
Symptomatik mit hochgradiger
osteodiskal
bedingter fora
mi
naler Stenose L5/S1 links mit Nervenwurzelkompression zu 100 % arbeits
un
fähig. Zumutbar sei ihr indes eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit, eventuell mit vermehrten Pausen (Urk. 15/1).
4.6.4
Zusammenfassend ergibt sich somit zu den weiteren Beschwerden, dass die Befunde im Bereich der Halswirbelsäule als geringfügig zu beurteilen sind und die Schleimbeutelentzündung im Schulterbereich gut behandelbar bzw. bereits Anfang Februar 2017 weitestgehend abgeklungen war. So verwundert es nicht, dass von den behandelnden Arztpersonen im Zusammenhang mit den Nacken- und Schulterbeschwerden nie irgendwelche Einschränkungen der Arbeitsfähig
keit thematisiert wurden. Nichtsdestotrotz trug der RAD-Arzt diesen bei seinem Belastungsprofil Rechnung, indem er Arbeiten mit Zwangshaltung des Kopfes sowie längeres Arbeiten in Schulterhöhe oder darüber ausschloss.
Nicht von der Hand zu weisen ist, dass bei der Beschwerdeführerin im April 2017 eine gesundheitliche Verschlechterung festgestellt wurde. So förderte das MRI vom 13. April 2017 eine foraminale Stenose mit Kompression der Nerven
wurzel zu Tage. Allerdings deutet nichts darauf hin, dass diese Problematik bereits im Zeitpunkt des Erlass der angefochtenen Verfügung bestand, nachdem Anlass für die MRI-Untersuchung die Beschwerdeschilderung in der Sprech
stunde zwei Tage zuvor gegeben hatte. Im
vorliegenden Gerichtsverfahren
ist indes nur der bis zum Erlass
der
angefochtenen Verfügung
eingetretene Sach
verhalt zu berücksichtigen, während eine gesundheitliche Verschlechterung nach
diesem Zeitpunkt
zunächst Gegenstand eines neuen Verwaltungsverfahrens bilden
muss. Dabei wäre von der Beschwerdegegnerin zunächst zu prüfen, ob diese einen Neuanmeldungsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG darstellt, d.h. eine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die gegebenenfalls den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen vermag. Dies
bezüglich sei angemerkt, dass die Belastungsprofile
gemäss
Dr. Y.___ (praktisch
ausschliesslich
sitzende Tätigkeit, 100 % Leistungsfähigkeit in einer Vollzeit
tätigkeit) und Spitalbericht vom 4. Mai 2017 (wechselbelastende Tätigkeit, eventuell mit vermehrten Pausen) divergieren.
4.7
Die Berichte der behandelnden Arztpersonen vermögen also nicht nur keine Zweifel daran zu wecken, dass die Beschwerdeführerin bis zum bzw. bei Erlass der angefochtenen Verfügung – wie vom RAD-Arzt Dr. Y.___ festgestellt - in einer praktisch
ausschliesslich
sitzenden Tätigkeit ohne Zwangshaltung des Kopfes und ohne längeres Arbeiten auf Schulterhöhe oder darüber zu 100 % arbeitsfähig war. Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wird vielmehr von allen behandelnden Ärzten geteilt. Damit besteht kein Anlass für weitere medi
zinische Abklärungen. Ergänzend ist festzuhalten, dass allfällige invaliden
versicherungsrechtliche Ansprüche im Zusammenhang mit der im April 2017 ein
ge
tretenen gesundheitlichen Verschlechterung nicht Gegenstand des vorlie
gen
den Gerichtsverfahrens bilden können, sondern zunächst von der Beschwer
de
geg
nerin in einem neuen Verwaltungsverfahren zu prüfen sind.
5.
5.1
Die Qualifizierung der Beschwerdeführerin als zu 100 % erwerbstätig (bei schwan
kendem Arbeitspensum im Stundenlohn zwischen 80 und 100 %, Urk. 10/14/2) und die Berechnungsgrundlagen des Einkommensvergleichs sind soweit unstrittig. Dabei stellte die Beschwerdegegnerin beim
Valideneinkommen
zugunsten der Beschwerdeführerin nicht auf den von dieser zuletzt erzielten tatsächlichen Verdienst von angeblich 12 x Fr. 3‘200.-- (Urk. 10/14/2), sondern den durchschnittlichen Lohn einer Reinigungskraft in einem Vollzeitpensum ab. Ferner gewährte sie ihr aufgrund des Belastungsprofils einen leidensbedingten Abzug von 20 % auf das Invalideneinkommen (vgl. Urk. 10/34/1)
5.2
Es ist vorab anzumerken, dass die Beschwerdegegnerin das zulässige Maximum eines leidensbedingten Abzugs von 25 % beinahe ausschöpfte
(vgl. zum
Ganzen BGE 126 V 75), obschon d
er Umstand, dass
eine
versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen ver
richtet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln bietet, im Hinblick auf den allein massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG; BGE 134 V 64 E. 4.2.1)
in der Regel
nicht abzugsrelevant
ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom
3.
September 2012 E. 8).
5.3
Des Weiteren führte der von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Einkom
mens
vergleich zu einer
Einkommensparallelisierung
, da die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit nicht annähernd einen solchen Verdienst erzielte (Urk. 10/15), wie ihr die Beschwerdegegnerin als
Valideneinkommen
zugestand.
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schul
bildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Die Parallelisierung der Ein
kommen kann
praxisgemäss
entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens
oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herab
setzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit H
inweisen). Hervorzuheben ist, dass die beiden Vergleichseinkommen
auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen bis zum Ver
fü
gungserlass
zu berücksichtigen sind
(BGE 129 V 222 E.
4.1 und E. 4.2; BGE
128 V 174
;
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_526/2015
vom 11. September 2015 E. 3.2.1 und 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3
).
Ob die
Einkommensparallelisierung
vorliegend zu Recht und korrekt erfolgte, sp
ielt hinsichtlich des Rentenanspruchs keine Rolle. Würde im für die Beschwer
deführerin günstigsten Fall auch für das
Valideneinkommen
die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das Jahr 2014 herangezogen, wäre gemäss Tabelle T17 (Schweiz), Ziff. 91 (Reinigungs
per
sonal und Hilfskräfte), Zentralwert für Frauen über 50 Jahre von einem stand
ardisierten Monatslohn von Fr. 4‘475.-- bzw. einem
Valideneinkommen
von knapp Fr. 57‘000.-- auszugehen. Der Schwellenwert von 40 % für einen Renten
anspruch würde wiederum nicht überschritten.
6.
6.1
Zum gemäss dem Titel des angefochtenen Entscheids ebenfalls verneinten An
spruch auf berufliche Massnahmen ist festzustellen, dass die Beschwerdefüh
rerin in den Erwägungen der Verfügung sowie in der Beschwerdeantwort einzig feststellte, dass mangels Einschränkungen bei der Stellensuche das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) für die Beschwerdeführerin zuständig sei (Urk. 2). Sie prüfte somit einzig den Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
6.2
Anders als der Rentenanspruch setzt d
er Anspruch auf Arbeitsvermittlung
keinen Mindestinvaliditätsgrad voraus.
Arbeitsunfähige Versicherte,
die
einglie
derungsfähig sind, haben Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
Art.
18
Abs.
1
lit
. a IVG). Zur Begründung des Anspruchs genügt der Eintritt einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit, welche quantitativ, qualitativ und zeitlich so beschaffen
ist
, dass sie
die versicherte Person
bei der Arbeitssuche erheblich
behindert. Vorausgesetzt ist die Einglie
derungsfähigkeit
der versicherten Person
, d.h.
ihre
objektive Möglichkeit und
auch
subjektive Bereitschaft, von einem durchschnittlichen Ar
beitgeber ange
stellt zu werden.
Ist die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit eingeschränkt, als
der versicherten Person
leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind, bedarf es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zusätzlich einer spezifischen Ein
schränkung gesundheitlicher Art. Dies trifft z.
B. zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der ver
sicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche Tätigkeiten trotz Sehbe
hinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den
gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_
594/2016 vom 18. November 2016 E. 3.2 und 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2).
6.3
Bei der Beschwerdeführerin lag bei Erlass der angefochtenen Verfügung ange
sichts des gemäss RAD Vollzeit zumutbaren Belastungsprofils keine spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art im Sinne der soeben dargelegten Recht
spre
chung vor. Vielmehr kann die Beschwerdeführerin eine ihrem Belastungs
profil entsprechende Arbeitsstelle auf dem massgebenden ausgeglichen Arbeits
markt, der auch sogenannte Nischenplätze umfasst, ohne Vermittlung durch die Beschwerdegegnerin finden. Zu denken ist hierbei, wie in solchen Fällen üblich (z.B. vorerwähntes Urteil 8C_641/2015 E. 3.3), an einfache Überwachungs-,
Prüf- und Kontrollarbeiten, die Bedienung und Überwachung von automati
schen
Maschinen oder Produktionseinheiten sowie Sortierarbeiten, die mit keinerlei körperlicher Anstrengung verbunden sind und auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt auch vorwiegend sitzend angeboten werden. Die Suche nach einer solchen Tätigkeit bedarf keiner besonderen Kenntnisse. Nicht berücksichtigt werden
können invaliditätsfremde Probleme bei der Stellensuche wie z.B. Sprach
schwierigkeiten (Urteil des Bundesgerichts I 167/2002 vom 13. Dezember 2002 E. 3.4.2). Besteht bereits mangels leistungsspezifischer Invalidität kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung, kann die Frage einstweilen offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin überhaupt subjektiv eingliederungsfähig ist, d.h. gewillt ist, eine vermittelte Stelle anzunehmen und zu arbeiten (vgl. Urk. 10/38/1)
.
Nicht im vorliegenden Verfahren zu klären ist schliesslich, ob die gesund
heit
liche Verschlechterung vom April 2017 am Anspruch auf Arbeitsvermittlung etwas zu ändern vermag.
7.
Zusammenfassend ist für den zu beurteilenden Zeitraum bis 9. Januar 2017 voll
umfänglich auf die vom RAD-Arzt Dr. Y.___ vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzustellen. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad sowie einen Anspruch auf Arbeits
vermittlung verneint. In diesem Sinne ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen. Die von der Beschwerdeführerin im Mai 2017 durch Einreichen entsprechender Arztberichte mitgeteilte gesund
heitliche Verschlechterung (Urk. 15/1-2), ist
von der
Beschwerdegegnerin
jedoch
im Rahmen einer Neuanmeldung zu prüfen. Die
Sache
ist deshalb
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids
zur Prüfung eines Rentenanspruchs ab dem Frühjahr 2017 sowie beruflicher
Massnahmen
an
die Beschwerdegegnerin
zu überweisen.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.
--
bis
Fr.
1‘000.
--
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind vorliegend auf
Fr.
600.
--
anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Sache wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an die Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Prüfung der Neuanmeldung
vom Mai
201
7
überwiesen.
3.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.
--
werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigBonetti