# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 91cec02c-fbc6-527b-9930-26d579071462
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-10-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.10.2025 C-2200/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2200-2022_2025-10-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung III 

C-2200/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  O k t o b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richterin Selin Elmiger-Necipoglu (Vorsitz), 

Richter Philipp Egli, 

Richter Vito Valenti, 

Gerichtsschreiberin Nicole Nickerson. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, (Deutschland), 

vertreten durch MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, 

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Invalidenversicherung, Rentenanspruch, 

Verfügung vom 31. März 2022. 

 

 

 

C-2200/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A. 

A.a A._______ (Versicherte oder Beschwerdeführerin), geboren am (…) 

1969, ist deutsche Staatsbürgerin, verheiratet, hat ein minderjähriges Kind 

(geb. 2008, Akten der Vorinstanz [IVSTA-act.] 3, 145) und lebt in Deutsch-

land (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1). Von 1986 bis 

1987 absolvierte sie die Ausbildung zur medizinisch-kaufmännischen Arzt-

helferin an der Privaten Handelsschule B._______ in (…), Deutschland (IV-

STA-act. 3, 4). Zwischen 1988 und 2010 arbeitete die Versicherte in ver-

schiedenen Teilzeit-Anstellungen in Deutschland, zumeist als Laborantin. 

Nach dem Umzug in die Schweiz war sie von 2011 bis 2019 arbeitstätig 

und entrichtete dabei Beiträge an die obligatorische schweizerische 

Alters- , Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) während 102 

Monaten (IVSTA-act. 3, 4, 48, 145). Ihre letzte Anstellung hatte die Versi-

cherte als Laborantin in einem Teilzeitpensum bei der C._______AG (Ar-

beitgeberin; IVSTA-act. 20, 29). Ihr letzter effektiver Arbeitstag war der 

29. November 2018 (IVSTA-act. 29). Im Februar 2021 zog die Versicherte 

schliesslich mit ihrer Familie zurück nach Deutschland (IVSTA-act. 107). 

A.b Die Versicherte erlitt am 17. August 2018 nach einem starken Husten-

anfall eine dislozierte Fraktur der linken 7. Rippe sowie eine konsolidierte 

Fraktur der rechten Rippe. Aufgrund der Beschwerden erfolgte am 15. Ja-

nuar 2019 ein operativer Eingriff in den Fachkliniken D._______ zur Stabi-

lisierung der linken Rippe. Nach der Operation klagte die Versicherte über 

brennende Schmerzen im linken Arm, wodurch sie diesen nicht mehr he-

ben könne (IVSTA-act. 13, 34 [S. 4-8, 24-37, 40-41, 46, 49-51, 55, 119, 

126-128, 202]). Die Beschwerden der Versicherten führten denn auch seit 

Ende November 2018 zur krankheitsbedingten Abwesenheit bei der Arbeit-

geberin, weshalb diese per 28. Februar 2019 die Kündigung veranlasste 

(IVSTA-act. 20, 29). 

B. 

Die E._______ Versicherungsgesellschaft AG leistete nach der Kündigung 

durch die Arbeitgeberin zunächst Krankentaggelder an die Versicherte (IV-

STA-act. 29 S. 5; 34 [S. 97-99, 197, 200, 208]). Zur Klärung des Leistungs-

anspruchs der Versicherten beauftragte die E._______ das ärztliche Be-

gutachtungsinstitut SMAB AG St. Gallen, welches am 11. Juni 2019 ein 

«ASSESSMENT Orthopädie und Neurologie» erstattete. Die Gutachterin-

nen und Gutachter hielten in ihrer Gesamtbeurteilung fest, die Arbeitsfä-

higkeit der Versicherten sei ab sofort, sowohl in der angestammten 

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Seite 3 

Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit, zu 100% wieder gege-

ben (IVSTA-act. 34 [S. 24-37]). Gestützt darauf stellte die E._______ ihre 

Taggeldleistungen per 1. Juli 2019 ein (IVSTA-act. 34 S. 83). Die Versi-

cherte leitete ein Ombudsverfahren ein, welches schliesslich mit einer güt-

lichen Einigung abgeschlossen wurde (IVSTA-act. 34 [S. 85-87, 93-95, 

112-115, 126-128, 137-140]). In einer kurzen Nachbeurteilung mittels 

Schreiben vom 19. November 2019 bestätigte die SMAB AG St. Gallen ihre 

ursprüngliche Einschätzung (IVSTA-act. 34 [S. 4-8, 83]). 

C. 

C.a Am 27. August 2019 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle SVA 

F._______ (SVA) an (IVSTA-act. 3, 27, 183). Diese teilte ihr am 9. Oktober 

2019 mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und folg-

lich ein Anspruch auf Rente geprüft werde (IVSTA-act. 21). In Folge des 

Umzugs der Versicherten nach Deutschland wurde das Leistungsgesuch 

der Versicherten an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (Vorinstanz 

oder IVSTA) überwiesen (IVSTA-act. 107, 130, 131, 135, 136). 

C.b Die SVA veranlasste in der Folge, noch vor Überweisung des Gesuchs 

an die Vorinstanz, ein polydisziplinäres Gutachten beim ärztlichen Begut-

achtungsinstitut SMAB AG Bern (IVSTA-act. 94, 95, 108, 112, 117, 123). 

Mit interdisziplinärer Expertise vom 2. August 2021 stellten die Gutachte-

rinnen und Gutachter bei der Versicherten die Diagnosen einer ängstlich-

depressiven Störung (ICD 10; F.41.2) sowie – aktenanamnestisch – einer 

einfachen Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung ADHS (F. 90.0) mit neu-

ropsychologischer Störung. In diesem Zusammenhang sei die Leistungs-

fähigkeit der Versicherten 70% (8.5 Stunden pro Tag) in ihrer bisherigen 

Tätigkeit als Laborantin sowie 80% (8.5 Stunden pro Tag) in einer leidens-

angepassten Tätigkeit. Hinsichtlich des zeitlichen Verlaufs sei eine höhere 

psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit retrospektiv nicht begründbar. 

Wahrscheinlich habe eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit vor dem 

Hintergrund von ADHS und gemischt ängstlich depressiver Störung der 

Leistungsfähigkeit schon seit vielen Jahren bestanden. Eine genauere Da-

tierung sei nicht möglich (IVSTA-act. 129 S. 13). 

C.c Dr. G._______ und Dr. H._______, FA für Psychiatrie/Psychotherapie 

und Experten für den RAD, berichteten am 10. und 11. August 2021 der 

SVA, dass das polydisziplinäre Gutachten ausführlich, vollständig und 

nachvollziehbar sei (IVSTA-act. 131 S. 9-11). Die Vorinstanz holte weitere 

Stellungnahmen ihres internen medizinischen Dienstes ein. Allgemeinme-

dizinerin Dr. I._______ und Dr. J._______, FA Psychiatrie und 

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Psychotherapie, bestätigten am 25. Oktober 2021 die Beweiskraft des Gut-

achtens. Die Versicherte sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Laborantin zu 

30%, in angepasster Tätigkeit zu 20% arbeitsunfähig und es sei ebenfalls 

eine 25%-ige Erwerbsunfähigkeit für Tätigkeiten im Haushalt festzustellen 

(IVSTA-act. 146). Am 23. November 2021 stellte Allgemeinmediziner 

Dr. K._______ als Mitglied des internen medizinischen Dienstes fest, dass 

aus weiteren eingereichten medizinischen Unterlagen keine neue Gesund-

heitsbeeinträchtigung hervorgehen würde (IVSTA-act. 170). Schliesslich 

beurteilte wiederum Dr. K._______ am 18. Februar 2022 den Einwand der 

Versicherten gegen den Vorbescheid der Vorinstanz (IVSTA-act. 171 und 

180) und kam zum Schluss, dass dieser nichts an der Einschätzung des 

Gutachtens ändern würde (IVSTA-act. 182). 

C.d Mit Vorbescheid vom 29. November 2021 kündigte die Vorinstanz der 

Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehren an (IVSTA-act. 171) 

und erliess, nach Prüfung des Einwandes vom 1. Februar 2022 (IVSTA-

act. 180), am 31. März 2022 die entsprechende Verfügung. Sie begründete 

ihren Entscheid damit, dass laut medizinischen Akten eine Gesundheitsbe-

einträchtigung vorliege, die mit diversen funktionellen Einschränkungen ab 

dem 3. Dezember 2018 zu einer Arbeitsunfähigkeit von 30% in zuletzt aus-

geübter Tätigkeit als Laborantin, 20% in einer dem Gesundheitszustand 

angepassten Tätigkeit, mit einer Erwerbseinbusse von höchstens 30%, so-

wie einer «Unfähigkeit[,] sich im Aufgabenbereich (Haushalt) zu betäti-

gen», von 25%. Der daraus resultierende Invaliditätsgrad von 28% gebe 

folglich kein Recht auf Rente (IVSTA-act. 183). 

C.e Das Zentrum L._______ (Deutschland) stellte bei der Versicherten ab 

29. Juni 2020 eine «Behinderung» des Werts «Grad der Behinderung 50» 

im Sinne deutschen Rechts fest (IVSTA-act. 88 S. 1-2). Der Antrag auf 

Rente an die Deutsche Rentenversicherung (…) wurde mit Widerspruchs-

bescheid vom 10. März 2021 abgelehnt. Seit dem 18. März 2021 sei eine 

Klage anhängig, dessen aktueller Stand unbekannt ist (IVSTA-act. 150). 

D. 

D.a Gegen die Verfügung vom 31. März 2022 erhob die Versicherte, ver-

treten durch Rechtsanwalt Jonas Steiner, mit Eingabe vom 16. Mai 2022 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVGer-act. 1). Die Be-

schwerdeführerin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung 

und die Zusprache einer Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit 

an die Vorinstanz zur Einholung eines neuen polydisziplinären Gutachtens 

mit Abklärungen im orthopädischen, psychiatrischen, internistischen, 

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neurologischen und neuropsychologischen Bereich zurückzuweisen. Zu-

dem ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung, un-

ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz. 

D.b Nachdem die Beschwerdeführerin jeweils am 5. Dezember 2022, am 

2. Februar 2023 sowie am 17. März 2023 aufforderungsgemäss ergän-

zende Unterlagen zu ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einge-

reicht hatte (BVGer-act. 2, 13-17), hiess das Bundesverwaltungsgericht 

dieses mit Zwischenverfügung vom 4. April 2023 gut und bestellte Jonas 

Steiner als Rechtsbeistand (BVGer-act. 18). 

D.c Mit Vernehmlassung vom 16. Mai 2023 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 21). Die Beschwerdeführerin hielt 

mit Replik vom 30. Mai 2023 an ihren Anträgen fest (BVGer-act. 23). Mit 

Duplik vom 8. Juni 2023 behielt die Vorinstanz ihre Anträge ebenfalls bei 

(BVGer-act. 25). 

D.d Am 16. Juni 2023 schloss der damalige Instruktionsrichter den Schrif-

tenwechsel (BVGer-act. 26). 

E. 

Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird – soweit 

erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden 

Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d des Verwaltungsgerichts-

gesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG; SR 173.32]; Art. 69 Abs. 1 Bst. b des 

Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 

SR 831.20]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen 

Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Erhebung 

der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 

20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]; 

Art. 59 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Auf die im Übrigen 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher – nachdem der 

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Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde – ein-

zutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 60 ATSG). 

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen 

Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG vorbehalten. Laut 

Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesge-

setzlich geregelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die 

einzelnen Sozialversicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG fin-

den die Bestimmungen des ATSG auf die IV Anwendung (Art. 1a - 26bis 

und 28 - 70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom 

ATSG vorsieht. 

2.  

Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des 

vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die 

Verfügung vom 31. März 2022, mit der die Vorinstanz das Leistungsgesuch 

der Beschwerdeführerin vom 27. August 2019 ablehnte. Streitig und vom 

Bundesverwaltungsgericht zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdefüh-

rerin auf eine schweizerische Invalidenrente im Rahmen einer Erstanmel-

dung. 

3.  

3.1 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-

sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen 

Verwaltungsverfügung (hier den 31. März 2022) eingetretenen Sachverhalt 

ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen 

Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-

ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 

E. 1b). 

3.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-

geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-

folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 148 V 174 E. 4.1 mit 

Hinweis auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1; 146 V 364 E. 7.1; 139 V 335 E. 6.2; 

132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 329 E. 2.2 f.). 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG und 

des ATSG (Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705; BBl 2020 5535; Bot-

schaft des Bundesrates vom 15. Februar 2017 [BBl 2017 2535]) sowie 

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Seite 7 

Änderungen der IVV vom 3. November 2021 (AS 2021 706) in Kraft getre-

ten. Leistungsansprüche, die nach Inkrafttreten dieser Änderungen ent-

standen sind, sind nach den neuen Normen zu prüfen. Soweit Ansprüche 

zu prüfen sind, die noch vor dem 1. Januar 2022 entstanden sind, kommen 

die bis 31. Dezember 2021 geltenden Normen zur Anwendung (Urteile des 

BGer 8C_285/2023 vom 17. November 2023 E. 3.1; 8C_295/2023 vom 

14. November 2023 E. 2.1; vgl. auch Kreisschreiben des BSV über Invali-

dität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Januar 

2022, Stand 1. Juli 2022, Rz. 9100 f.; Kreisschreiben zu den Übergangs-

bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystem [KS ÜB WE IV], 

gültig ab 1. Januar 2022, Stand 1. Januar 2022, Rz. 1007-1010). Dabei 

entsteht der Rentenanspruch, sobald der anspruchsbegründende Sach-

verhalt eingetreten und insbesondere die sechsmonatige Karenzzeit nach 

der Anmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG abgelaufen ist. Erfolgt die Ver-

fügung über die erstmalige Rentenzusprache nach dem 1. Januar 2022, 

welche aber einen Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2022 begründet, 

sind die Bestimmungen des IVG und diejenigen der IVV in der Fassung 

gültig bis 31. Dezember 2021 massgebend (vgl. KSIR Rz. 9101). 

Vorliegend richtet sich die Beurteilung des Anspruchs auf eine Invaliden-

rente nach dem bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Recht, 

nachdem die Anmeldung vom 27. August 2019 datiert und somit der 

frühste Rentenbeginn ab dem 1. Februar 2020 erfolgen würde (Art. 29 

Abs. 1 IVG, vgl. hiernach E. 5.3). 

3.3 Die Beschwerdeführerin ist deutsche Staatsangehörige, wohnt in 

Deutschland und war in der schweizerischen Alters-, Hinterlassenen- und 

Invalidenversicherung (AHV/IV) versichert. Es liegt offensichtlich ein grenz-

überschreitender Sachverhalt mit Bezug zur EU vor (vgl. dazu BGE 145 V 

231 E. 7.1; 143 V 354 E. 4; 143 V 81 E. 8.1). Damit gelangen das Freizü-

gigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die 

Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen 

Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz 

am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 

0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwen-

dung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) 

Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in 

den Beziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten an-

wendbar. Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt 

sich indes auch im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungs-

vorschriften nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; 

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Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4; Art. 46 Abs. 3 und 

Anhang VII der Verordnung [EG] Nr. 883/2004). 

4.  

4.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht 

einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens, 

die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG). 

4.2 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 43 ATSG). Demnach hat die Verwaltung und im 

Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und 

vollständige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 

136 V 376 E. 4.1.1). Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsge-

richte haben zusätzliche Abklärungen insbesondere dann vorzunehmen 

oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder an-

derer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass 

besteht (BGE 117 V 282 E. 4a m.H.; zum Ganzen auch: BGE 144 V 427 

E. 3.2; vgl. auch Urteil des BVGer C-1424/2021 vom 13. Dezember 2023 

E. 4.2). 

4.3 Sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozial-

versicherungsrecht der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-

keit (BGE 149 V 218 E. 2.5; 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6). Die blosse 

Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderun-

gen demnach nicht. Vielmehr gilt ein Beweis als erbracht, wenn für die 

Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart 

gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten ver-

nünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen (BGE 144 III 264 E. 5.1; 

140 III 610 E. 4.1). Gilt es, zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten zu 

entscheiden, haben der Richter und die Richterin jener Sachverhaltsdar-

stellung zu folgen, die sie von allen möglichen Geschehensabläufen für die 

wahrscheinlichste halten (BGE 144 V 427 E. 3.2; 138 V 218 E. 6; 126 V 

353 E. 5b; Urteil des BVGer C-7332/2007 vom 6. März 2009 E. 3.3.3). 

5.  

5.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung 

hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und bei 

Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet 

hat (Art. 36 Abs. 1 IVG). Die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für 

den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente ist vorliegend 

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Seite 9 

zweifelsohne erfüllt (vgl. Abklärung Vorinstanz in IVSTA-act. 145), weshalb 

darauf nicht näher einzugehen ist. 

5.2 Ferner ist gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG für den Anspruch auf eine Invali-

denrente vorausgesetzt, dass die Versicherten ihre Erwerbsfähigkeit nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten 

oder verbessern können (Bst. a), dass sie während eines Jahres ohne we-

sentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig 

(Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und dass sie nach Ablauf dieses Jah-

res zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei einem Inva-

liditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, 

bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens 60% auf eine 

Dreiviertelsrente und bei mindestens 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 

Abs. 2 IVG [in der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Fassung]). 

Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die Berechnung der 

durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 Bst. b 

nach Monaten vorgenommen werden (BGE 96 V 34 E. 3d). Vorliegend be-

trug die Arbeitsunfähigkeit im Anschluss an die Rippenoperation (Januar 

2019) während 3 Monaten 100% und danach durchgehend 30% (vgl. hier-

nach E. 9.1.5.2). Die Frage, ob die Voraussetzung einer durchschnittlichen 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% erfüllt ist, kann aber letztlich auf-

grund des Verfahrensausgangs offengelassen werden. 

5.3 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch sodann frü-

hestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leis-

tungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, 

der auf die Vollendung des 18. Lebensjahres folgt. 

5.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann 

Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 

IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche-

nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbs-

unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein-

trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur 

vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 

ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der 

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körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder 

teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut-

bare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit 

in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 

ATSG). 

6.  

6.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können bzw. bei der Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit stützen sich die Verwaltung und – im Beschwerdefall – 

das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch 

anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, 

den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in 

welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person 

arbeitsfähig ist (BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4; Urteil 

des BVGer C-4564/2020 vom 2. Juni 2022 E. 4.6). 

6.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu 

würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren 

gilt vielmehr der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, 

das heisst ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge-

mäss zu würdigen. Die Feststellungen ausländischer Versicherungsträger, 

Krankenkassen, Behörden und Ärzte sind bezüglich Invaliditätsgrad und 

Anspruchsbeginn für die rechtsanwendenden Behörden in der Schweiz 

nicht verbindlich; vielmehr unterstehen auch aus dem Ausland stammende 

Beweismittel der freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. dazu z.B. Ur-

teile des BVGer C-3782/2021 vom 8. September 2023 E. 7.2.2; C-

6073/2020 vom 4. August 2022 E. 3.7.2; C-5049/2013 vom 13. Februar 

2015 E. 3.2 m.H.). 

6.3 Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der 

freien Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung 

in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten auf-

zustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 351 E. 3b; AHI 2001 S. 112 E. 3b). So ist 

hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes entscheidend, ob dieser 

für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Zudem muss der Arzt oder 

C-2200/2022 

Seite 11 

die Ärztin über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil 

des BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 m.H.; Urteil des 

BVGer C-4822/2020 vom 24. August 2022 E. 4.5). 

6.4 Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärztinnen und Hausärzte 

mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zwei-

felsfall eher zu Gunsten ihrer Patientinnen oder Patienten aussagen, wird 

im Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Anga-

ben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte kaum je in Frage kommen. Be-

richte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte sind aufgrund deren auftrags-

rechtlicher Vertrauensstellung zur Patientin oder zum Patienten vielmehr 

mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3b/cc; 

Urteil des BGer 9C_468/2009 vom 9. September 2009 E. 3.3.1; Urteil des 

BVGer C-6073/2020 vom 4. August 2022 E. 3.7.4 m.H.). Dies gilt für die 

allgemein praktizierende Hausärztin oder den Hausarzt wie für die behan-

delnde Spezialärztin oder den Spezialarzt (Urteil des BGer 9C_794/2012 

vom 4. März 2013 E. 2.1 m.H.). Allerdings dürfen auch die potentiellen 

Stärken der Berichte behandelnder Ärztinnen und Ärzte nicht vergessen 

werden, namentlich wenn sie wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher 

Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be-

gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des BGer 

9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2 m.H.; vgl. auch Urteile des BVGer 

C-1424/2021 vom 13. Dezember 2023 E. 6.4.3; C-6357/2020 vom 

28. September 2022 E. 6.6). 

6.5 Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der 

IVSTA, welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie 

Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt 

und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich 

feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztli-

che Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. 

Urteile des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 

vom 8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1; je 

m.H.). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht ins-

besondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestel-

lung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in 

der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medi-

zinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch 

zu würdigen (vgl. Urteile des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 

E. 3.3; 8C_756/2008 vom 4. Juni 2009 E. 4.4 m.H.). Dazu gehört auch, bei 

widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und 

C-2200/2022 

Seite 12 

zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber 

eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). 

Enthalten die Akten für die streitigen Belange keine beweistauglichen Un-

terlagen, kann die Stellungnahme einer versicherungsinternen Fachperson 

in der Regel keine abschliessende Beurteilungsgrundlage bilden, sondern 

nur zu weitergehenden Abklärungen Anlass geben (vgl. zum Ganzen: Ur-

teile des BVGer C-6073/2020 vom 4. August 2022 E. 3.7.4; C-2463/2021 

vom 15. März 2022 E. 4.5). Rechtsprechungsgemäss sind weitere Abklä-

rungen vorzunehmen, selbst wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Berichte bestehen (vgl. BGE 139 V 

225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E. 1d; Urteile des BGer 

8C_551/2020 vom 15. Dezember 2020 E. 3; 9C_730/2018 vom 27. März 

2019 E. 5.1.2; Urteile des BVGer C-4822/2020 vom 24. August 2022 

E. 4.6; C-1424/2021 vom 13. Dezember 2023 E. 6.4.4). 

6.6 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG (in der 

bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung) eingeholten Gutachten 

von medizinischen Sachverständigen, die den Anforderungen der Recht-

sprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, 

solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4). Die unterschiedliche 

Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes ei-

nerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizini-

schen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein Administrativgutachten 

stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, 

wenn behandelnde Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. 

Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung 

aufdrängt, weil diese wichtige Aspekte benennen, die bei der Begutachtung 

unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des BGer 8C_302/2024 

vom 20. Dezember 2024 E. 8.3.4 mit Hinweis auf nicht publ. E. 6.2 des Ur-

teil BGE 142 V 342, veröffentlicht in SVR 2016 IV Nr. 41 S. 131; SVR 2023 

IV Nr. 17 S. 57, 8C_150/2022 E. 12.3; Urteil 8C_174/2023 vom 5. Oktober 

2023 E. 5.3.1 mit Hinweis). Die medizinischen Sachverständigen haben 

sich im Rahmen ihrer eigenen Beurteilung mit den wesentlichen Vorakten 

zu befassen, soweit die betreffenden Stellungnahmen – abhängig von ih-

rem Entstehungskontext – hinreichend substantiiert und nicht unter einem 

anderen Aspekt offenkundig vernachlässigbar sind. Dass und inwiefern die 

Sachverständigen die Vorakten bei der Untersuchung in ihre Überlegungen 

einbeziehen, muss im Text des Gutachtens zum Ausdruck kommen. Die 

Ausführungen müssen umso ausführlicher ausfallen, je grösser allfällige 

C-2200/2022 

Seite 13 

Divergenzen sind und je unmittelbarer sie für die zu klärenden Belange 

bedeutsam sind (BGE 137 V 210 E. 6.2.4). 

6.7 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-

matoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches 

Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis 

mittelgradiger Natur (BGE 148 V 49; 143 V 409 und 418), sind für die Be-

urteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die es 

– unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren 

einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlau-

ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 

141 V 281 E. 2, 3.4 - 3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der 

Prüfung und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege ar-

tis gestellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6, 8.1). Die 

für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das Bun-

desgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie 

«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-

schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-

tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-

täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-

tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-

text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-

tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-

tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-

handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-

druck (E. 4.4.2). 

7.  

Die Parteivorbringen sind im Wesentlichen folgendermassen zusammen-

zufassen: 

7.1 Die Beschwerdeführerin brachte vor, das Gutachten der SMAB AG 

Bern sei nicht verwertbar, da es für die streitigen Belange nicht umfassend 

sei und nicht auf allseitigen Untersuchungen basiere. Entgegen der Aus-

sage, ein CRPS würde mangels «objektivierbarer Anhaltspunkte» nicht be-

stehen, sei die Diagnose eines CRPS als Ursache der Funktionsstörungen 

im linken Arm von Fachärztinnen und Fachärzten, Dr. M._______, 

Dr. N._______ und Dr. O._______, weiter auch Dr. P._______ (vgl. E. 8.3 

hiernach), unabhängig voneinander festgestellt worden. Das CRPS sei als 

zeitlich passende Folge der Rippen-Operation der Beschwerdeführerin im 

Jahr 2019 (vgl. E. 8.2 hiernach) nach den üblichen Diagnosekriterien 

C-2200/2022 

Seite 14 

eindeutig als erfüllt anzusehen und die behandelnden Ärzte hätten mehr-

mals eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Dr. Q._______, Gut-

achter für die SMAB AG Bern im Bereich Orthopädie und Traumatologie, 

und Dr. R._______, Gutachterin im Bereich Neurologie (vgl. E. 8.6.1 und 

8.6.4 hiernach), hätten sich laut der Beschwerdeführerin eingehender mit 

der Frage eines CRPS anhand der IASP-Diagnosekriterien oder «Buda-

pest-Kriterien» auseinandersetzen müssen. Die blosse Aussage, «es fän-

den sich klinische keine Hinweise für ein CRPS», würde dafür nicht ausrei-

chen. Weiter habe Dr. Q._______ zwar die fehlenden apparativen Unter-

suchungen von behandelnden Ärzten festgestellt, habe es aber auch nicht 

für nötig gehalten, diese Untersuchungen selbst durchzuführen. Zudem 

seien diverse chronische Schmerzen diagnostiziert worden, deren behaup-

tete Irrelevanz für die Arbeitsfähigkeit unbegründet geblieben sei. Letztlich 

beantragte die Beschwerdeführerin ebenfalls einen leidensbedingten Ab-

zug von 20% aufgrund gesundheitlich diskriminierender Praxis in der Er-

mittlung des Invalideneinkommens (IVSTA-act. 180; BVGer-act. 1 und 23). 

7.2 Die Vorinstanz begründete ihren leistungsabweisenden Entscheid da-

mit, dass ein umfassendes und nachvollziehbares Gutachten vorläge (vgl. 

E. 8.6 hiernach), welches vom internen medizinischen Dienst als beweis-

kräftig erachtet worden sei (vgl. E. 8.7 hiernach). Sämtliche Vorakten seien 

in das Gesamtgutachten einbezogen und die Gesundheitsbeeinträchtigun-

gen genügend dokumentiert worden. Die beurteilenden Gutachterinnen 

und Gutachter hätten sich ein schlüssiges und zweifelsfreies Bild der vor-

liegenden Leiden sowie Aussagen zum zeitlichen Verlauf der Arbeitsunfä-

higkeit machen können. Laut der Untersuchungen sei die Lähmung des 

linken Arms nicht zu objektivieren gewesen und habe auch nicht durchge-

hend bestanden. Vom orthopädischen Gutachter sei festgehalten worden, 

dass die Budapest-Kriterien zu keinem Zeitpunkt erfüllt gewesen seien. 

Das Gremium sei also zum Schluss gekommen, dass diesbezüglich keine 

funktionellen Einschränkungen bestehen würden. Hinsichtlich der Diagno-

sen chronischer Schmerzen sei weiter jedoch anerkannt worden, dass eine 

Gesundheitsbeeinträchtigung mit funktionellen Einschränkungen bestehe, 

welche körperlich nur leichte Tätigkeiten überwiegend im Sitzen mit weite-

ren Einschränkungen erlaube (vgl. E. 8.6.1 hiernach). Eine Tätigkeit unter 

Berücksichtigung dieser Einschränkungen sei zumutbar, da so eine Ar-

beitsunfähigkeit von 30% für die Tätigkeit als Laborantin, 20% für ange-

passte Tätigkeiten sowie 25% im Haushalt vorlägen. Es ergebe sich folg-

lich ein Invaliditätsgrad von 28%, welcher nach Anwendung der gemisch-

ten Methode korrekt sei. Ausserdem habe sich eine wirtschaftliche 

C-2200/2022 

Seite 15 

Bemessung des Einkommensverlustes aufgrund der festgestellten Arbeits-

einschränkungen erübrigt (IVSTA-act. 183; BVGer-act. 21). 

8.  

Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

lässt sich den Akten zusammenfassend Folgendes entnehmen: 

8.1 Aus den Jahren 2003 bis 2018 liegen diverse Arztberichte im Recht, in 

welchen der Beschwerdeführerin namentlich beginnende Spondylarthro-

sen, Skoliosen, Bandscheibenprotrusionen, Osteochondrose, Spondylose, 

Hypophyseninsuffizienz nach einem Schädel-Hirn-Trauma 1982, chronisch 

obstruktive Atemwegserkrankung-COPD Stadium 1, Nikotinabhängigkeit, 

Nebennieren(rinden)insuffizienz, Verdacht auf Hypertonie sowie eine 

komplett knöchern konsolidierte alte Fraktur an der 5. Rippe rechts dor-

sal diagnostiziert wurden. Zudem wurden bei der Beschwerdeführerin di-

verse psychische Leiden und Beschwerden festgestellt, namentlich ein 

psychosomatisches Syndrom aufgrund psychischer Überbelastung, De-

pression und Angst, gemischt, psychovegetative Erschöpfung, unter ande-

rem auch aufgrund einer belastenden Arbeitssituation (Mobbing; IVSTA-

act. 49 [S. 11, 13, 15, 17, 18, 45-47, 50-51]; 129 S. 123; 154 S. 25-27). Die 

sie hausärztlich betreuende Gemeinschaftspraxis Dr. S._______ und 

Dr. T._______ attestierten der Beschwerdeführerin denn auch vom 24. Juli 

2014 bis zum 10. März 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit aufgrund ihrer 

chronischen Erkrankungen «Psychomotorischer Status epilepticus» sowie 

Nebenniereninsuffizienz (IVSTA-act. 49 S. 14). 

8.2 Am 5. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführerin erstmals durch die 

Radiologische Gemeinschaftspraxis U._______ in Deutschland eine «Fri-

schere leicht dislozierte Fraktur 7. Rippe links» diagnostiziert (IVSTA-

act. 49 S. 31). Am 23. November 2018 untersuchte Dr. V._______ der 

Fachkliniken D._______ in Deutschland diese dislozierte Rippenfraktur 

links ebenfalls und konnte feststellen, dass die Fraktur anamnestisch etwa 

drei Monate früher durch eine spontane Fraktur nach einer Hustenattacke 

entstand (IVSTA-act. 34 S. 56-57). Darauf wurde eine Operation zur Stabi-

lisierung der Dislokation empfohlen, welche am 15. Januar 2019 in den 

Fachkliniken D._______ durchgeführt wurde (IVSTA-act. 34 S. 55). Allen 

Berichten nach überstand die Beschwerdeführerin die Operation gut und 

der postoperative Verlauf gestaltete sich weitgehend unauffällig (IVSTA-

act. 34 [S. 40-41, 46, 53-54]; 154 [S. 15-17, 28-29]) – mit Ausnahme fol-

gender Problematik. 

C-2200/2022 

Seite 16 

8.3 Im Nachgang der Rippenoperation beklagte die Beschwerdeführerin 

am 8. Februar 2019 laut Dr. V._______ der Fachkliniken D._______ in 

Deutschland klinisch «brennende Schmerzen» in ihrem linken Arm, was 

dazu führe, dass sie den Arm teilweise nicht heben könne (IVSTA-act. 55 

[S. 8-9, 13-14]). Diese Beschwerden im linken Arm wurden zentraler Dis-

kussionspunkt rund um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Ver-

schiedenste Berichte diagnostizierten diese, namentlich unter anderen: 

• Entlassungsbericht Neurozentrum W._______ (Deutschland) vom 

21. Mai 2019 (IVSTA-act. 153). Abschlussbefund unter anderen: bei 

Prüfung der groben Kraft zeige sich eine «Schwäche der Fingersprei-

zer und des Faustschlusses im Bereich der linken Hand». Aus diesem 

Grund sei eine fachneurologische Untersuchung angeraten worden. 

Die Beschwerdeführerin sei in einer leichten Tätigkeit in selbstbe-

stimmter wechselnder Arbeitshaltung und weiteren Einschränkungen 

vollschichtig arbeitsfähig. 

• «ASSESSMENT Orthopädie und Neurologie» SMAB AG St. Gallen 

vom 11. Juni 2019 (IVSTA-act. 34 S. 24-37). Diagnosen: Persistie-

rende Schmerzen nach osteosynthetisch versorgter instabiler lateraler 

Rippenfraktur der 7. Rippe links am 15. Januar 2019 und inkomplett 

durchbauter Rippenfraktur der 8. Rippe links lateral. Nicht durchbaute 

Rippenfraktur der 7. Rippe rechts. Unklare Parese linker Arm. Die Be-

schwerdeführerin sei zu 100% arbeitsfähig. 

• Bericht Radiologische Gemeinschaftspraxis U._______ (Deutschland) 

vom 18. Juni 2019 (IVSTA-act. 155). Kernspintomographie linkes 

Schultergelenk nativ. Beurteilung: Hinweise auf subakromiales Impin-

gement mit kleinem Einriss am hinteren Zügel der Supraspinatus-

sehne. Axilläre Strukturen unauffällig. Parästhesien im Bereich linker 

Hand und Schwäche im linken Arm durch vorliegenden Befund nur un-

zureichend erklärt. 

• Bericht Dr. O._______ (Deutschland) vom 10. Juli 2019 (IVSTA-

act. 162 S. 12-13). Diagnosen: diffuse Schwäche, Missempfindungen 

und Schmerzen des linken Armes nach Operation Fraktur 7. Rippe, 

Verdacht auf CRPS («Complex Regional Pain Syndrome», engl. für 

«komplexes regionales Schmerzsyndrom»). 

• Ärztliches Attest Dr. M._______ (Deutschland) vom 10. Juli 2019 (IV-

STA-act. 34 S. 20). Deutliche Funktionsdefizite linker Arm, 

C-2200/2022 

Seite 17 

Bewegungseinschränkung linke Schulter und (pseudo-)radikuläre Be-

schwerden am ehesten C7 und C8 der linken Hand. Möglicherweise 

CRPS. Die Beschwerdeführerin sei keinesfalls voll arbeitsfähig. 

• Bericht Radiologische Gemeinschaftspraxis U._______ (Deutschland) 

vom 15. August 2019 (IVSTA-act. 49 S. 40). Kernspintomographie der 

Axilla/Armplexus mit KM. Fragestellung: Diffuse Schwäche, CRPS. 

Befund: Grösstenteils unauffällig. Direkte Plexusschädigung bildmor-

phologisch nicht ausschliessbar. 

• Ärztliches Attest Dr. M._______ (Deutschland) vom 19. August 2019 

(IVSTA-act. 6). Weiterhin deutliche Defizite linker Arm, Bewegungsein-

schränkung linke Schulter und (pseudo-)radikuläre Beschwerden am 

ehesten C7 und C8 der linken Hand. Die Neurologische Diagnostik 

habe als Ergebnis CRPS als Ursache linksseitiger Funktionsstörungen 

ergeben. Volle Arbeitsunfähigkeit als Laborantin. Dies bestätigte 

Dr. M._______ nochmals der SVA mit Bericht vom 31. Januar 2020 

(IVSTA-act. 55 S. 1-5). 

• Bericht Dr. O._______ (Deutschland) vom 22. August 2019 (IVSTA-

act. 8 und 9). Diagnosen: CRPS links nach Operation Rippen-Fraktur. 

Klinisch-neurologisch: keine wesentliche Veränderung, generalisierte 

Schwäche linker Arm, betreffend auch die Hand, leichtgradige Schwel-

lung. Die Beschwerdeführerin berichte über vermehrtes Schwitzen so-

wie geänderte Temperaturwahrnehmung der linken Hand. Die für 

Diagnosestellung CRPS notwendigen Beschwerden seien vorhanden. 

Aktuell volle Arbeitsunfähigkeit. Am 8. Januar 2020 hielt er in einem 

weiteren Bericht lediglich noch einen Verdacht auf CRPS fest (IVSTA-

act. 49 S S. 1-6). 

• Attest Dr. N._______ der Schmerzmedizin W._______ (Deutschland) 

vom 30. September 2019 (IVSTA-act. 26). Diagnosen: CRPS I meh-

rere Lokalisationen links, CRPS I Hand (Finger, Handwurzel, Mittel-

hand, Gelenke), CRPS I Unterarm (Radius, Ulna, Handgelenk), CRPS 

I Oberarm (Humerus, Ellenbogengelenk); Chronischer Schmerz. 

Symptomatik stehe in zeitlichem Zusammenhang mit einem (wenn 

auch proximalen) Extremitätentrauma durch die Rippen-Operation, da 

eine externe Lagerung des linken Arms notwendig gewesen sei (von 

der Beschwerdeführerin anamnestisch angegeben). Bei der Untersu-

chung Allodynie, Hyperalgesie, Hand im Seitenvergleich leicht ge-

schwollen, Bewegungseinschränkungen, kein Tremor und keine 

C-2200/2022 

Seite 18 

Schwitzstörung, ebenso kein verändertes Haar- oder Nagelwachstum. 

Die Diagnosekriterien für das Vorliegen eines CRPS seien eindeutig 

als erfüllt anzusehen. Dies bestätigte Dr. N._______ nochmals der 

SVA mit Bericht vom 3. Februar 2020 (IVSTA-act. 52). 

• Stellungnahme SMAB AG St. Gallen vom 19. November 2019 (IVSTA-

act. 34 S. 4-8). Es fehle nach wie vor eine psychiatrische Konsultation. 

Die Beschwerden der linken Hand seien untersucht worden und es sei 

aufgefallen, dass die Beschwerdeführerin «bei Ablenkung und spontan 

mehr Bewegung und Kraftgrade im linken Arm zeigte als bei der ge-

zielten Untersuchung.» Laut der Leitlinie «Diagnostik und Therapie 

komplexer regionaler Schmerzsyndrome (CRPS)» der Deutschen Ge-

sellschaft für Neurologie erfolge die klinische Diagnosestellung durch 

vier spezifische Kriterien (vgl. E. 9.1.2.1 hiernach), welche alle erfüllt 

sein müssten; bei der Beschwerdeführerin sei zum Zeitpunkt der Un-

tersuchung aber nur eines erfüllt gewesen. 

• Bericht Dr. X._______ (Deutschland) vom 24. März 2020 (IVSTA-

act. 61 S. 1-6). Diagnosen unter anderen: CRPS I. Es sei keine Bes-

serung in Aussicht, die Prognose sei nicht gut und die Beschwerdefüh-

rerin sei seit dem 31. Dezember 2018 bis gegenwärtig zu 100% ar-

beitsunfähig für alle Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. 

• Bericht Neurozentrum W._______ (Deutschland) vom 14. April 2020 

(IVSTA-act. 93 S. 4-20). Kernspintomographische Untersuchung 

HWS. Diagnosen unter anderen: Chronische Schmerzerkrankung im 

Stadium III nach Gerbershagen mit körperlichen und seelischen Antei-

len; neurologisch keine Auffälligkeiten abgesehen von Parese im lin-

ken Arm, daher chronische Schmerzerkrankung (Stadium 3: hoch) mit 

neuropathischer Schmerzkomponente wahrscheinlich. 

• Bericht Radiologische Gemeinschaftspraxis W._______ (Deutsch-

land) vom 20. April 2020 (IVSTA-act. 88 S. 3). Magnetresonanztomo-

graphie der HWS. Befund und Beurteilung: Degenerative Veränderun-

gen der Wirbelsäule, Spondylarthrosen, Bandscheibenauffälligkeiten. 

Ansonsten unauffällig. 

• Bericht Neurochirurgie Y._______ (Deutschland) vom 18. Mai 2020 

(IVSTA-act. 93 S. 22). Diagnosen unter anderen: Parese. Der MRT-

Befund der HWS vom 20. April 2020 (vgl. oben) erkläre die 

C-2200/2022 

Seite 19 

Nackenschmerzen, nicht aber die Funktionsstörungen im linken Arm, 

die radikulär sei. Allenfalls Plexus, CRPS. 

• Bericht Dr. X._______ (Deutschland) vom 16. September 2020 (IV-

STA-act. 90-92). Diagnosen unter anderen: CRPS, chronisches 

Schmerzsyndrom. Mindestens 80% verminderte Leistungsfähigkeit. 

• Bericht Dr. P._______ (Deutschland) vom 7. Januar 2021 (IVSTA-

act. 162 S. 48-49). Diagnosen unter anderen: CRPS II der linken obe-

ren Extremität mit motorischem Defizit, Verdacht auf Frozen shoulder 

links, therapieresistente anhaltende Schmerzen nach Gerbershagen 

III. Es läge ein komplexes Schmerzsyndrom mit allen Facetten eines 

chronifizierten Schmerzes vor. 

• Entlassungsbericht Z._______klinik Abteilung für Anästhesie, Intensiv- 

und Notfallmedizin, Schmerztherapie (Deutschland) vom 15. März 

2021 (IVSTA-act. 129 S. 119-122). Diagnosen unter anderen: Chroni-

sches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren; 

CRPS II der linken oberen Extremität mit motorischer Parese. Die Be-

schwerden links im Arm und den Fingern seien in der neurologischen 

Untersuchung nicht reproduzierbar, die Schmerzen nicht nachvollzieh-

bar gewesen. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin ihren Arm 

funktionell während des stationären Aufenthalts zunehmend besser 

einsetzen können. 

• Verlaufsbericht Neurozentrum W._______ (Deutschland) vom 7. April 

2021 (IVSTA-act. 129 S. 113-114). Dauerdiagnosen unter anderen: 

Chronische Schmerzerkrankung im Stadium III nach Gerbershagen 

mit körperlichen und seelischen Anteilen. Bei der neurologischen Un-

tersuchung: «Erstaunlicherweise blieben die Muskeleigenreflexe sei-

tengleich auslösbar. Keine sensiblen Ausfälle an den oberen Extremi-

täten. An den Beinen keine Paresen und keine Atrophien. Die Oberflä-

chensensibilität war nicht beeinträchtigt. Beineigenreflexe waren sei-

tengleich auslösbar.» 

• Bericht Dr. P._______ (Deutschland) vom 5. Juli 2021 (IVSTA-

act. 161). Diagnosen unter anderen: CRPS II der oberen Extremität 

mit motorischen Defiziten, Frozen Shoulder links, therapieresistente 

anhaltende Schmerzen nach Gerbershagen III, mittelschwere depres-

sive Episode. 

C-2200/2022 

Seite 20 

8.4  

8.4.1 In weiteren Arztberichten aus den Jahren 2019 bis 2021 finden sich 

zusätzlich folgende Diagnosen: Hypophysenadenom, Hypothyreose, Hy-

pophysen(vorderlappen)insuffizienz, Nebennieren(rinden)insuffizienz mit 

(Hydro)Cortisontherapie, Zustand nach Mittelfussfrakturen beidseits unter 

Cortisontherapie, Schleudertrauma Halswirbelsäule 1982; Bandscheiben-

vorfälle/-verlagerungen, Osteochondrose, Spondylarthrosen; Lumbale 

Skoliose, Zervikalneuralgie, Zervikozephalgien, linksseitige Cervicobrachi-

algien, thorakales Schmerzsyndrom links sowie Schmerzen in beiden Bei-

nen bei deutlichen degenerativen HWS-Veränderungen, gemischte Hyper-

lipidämie, neue Fraktur 8. Rippe links, Verdacht auf cortisoninduzierte Os-

teopenie mit erhöhter Frakturrate, Zustand nach lumbaler Bandscheiben-

Operation LWK5/SWK1 2004 (failed back surgery), Postnukleotomiesyn-

drom, Zervikale Foramenstenose, Zervikales Facettensyndrom, Scaleni-

Syndrom links, BWS-Syndrom II Allodynie und Hyperalgesie linke Thorax-

hälfte, chronisch obstruktive Bronchitis, Glossopyrie, Gastroösophageale 

Refluxkrankheit, Hiatushernie, Gastritis erosiva, Polyp des Kolons, Diverti-

kulose des Dickdarmes ohne Perforation, Abszess oder Blutung, funktio-

nelle Darmstörung, Alopecia diffusa, mittelschwere depressive Ausgestal-

tung (IVSTA-act. 34 [S. 24-37, 46]; 49 [S. 7, 23, 25-26, 49]; 93 [S. 4-20, 22]; 

129 [S. 113-114, 119-122]; 153; 157; 162 [S. 48-49, 75]). Dabei wurde die 

Beschwerdeführerin mehrmals sowohl für arbeitsfähig (IVSTA-act. 34 

[S. 24-37], 149; 153) als auch für arbeitsunfähig erklärt (IVSTA-act. 6, 8-9, 

34 [S. 9, 20, 46, 59-70], 52, 55 [S. 1-5], 61 [S. 1-6], 75, 90-92, 108, 129 

[S. 113-114], 164). 

8.4.2 Folgende zwei medizinischen Berichte enthielten zudem weitere Be-

funde: 

• Bericht Dr. Aa._______ (Deutschland) vom 28. März 2019 (IVSTA-

act. 49 S. 7). Zentrale Diagnose: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivi-

tätssyndrom; Depression und Angst, gemischt. 

• Bericht Gemeinschaftspraxis für Radiologie und Strahlentherapie 

(Deutschland) vom 24. Februar 2020 (IVSTA-act. 61 S. 34). Compu-

tertomographie Thorax nativ. Zentraler Befund: «Zufällig mit erfasst ist 

eine massive Sklerose subdorsal fast halbmondförmig am stark ver-

schmälerten ZWR C6/7! Ich würde vermuten, dass hier das Haupt-

problem der Patientin zu finden sein könnte und ein erheblicher Be-

fundwandel zum MR der HWS vom November 2018 bestünde!» 

C-2200/2022 

Seite 21 

Gegebenenfalls müsse eine internistische Systemerkrankung ausge-

schlossen werden. 

8.5 Dr. G._______ teilte der SVA für den RAD am 25. April 2020 mit, dass 

eine abschliessende versicherungsmedizinische Beurteilung des Gesund-

heitszustandes und damit der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zur-

zeit unmöglich sei, da diese sich in einem instabilen Gesundheitszustand 

befinde. Eine polydisziplinäre Begutachtung werde wohl letztlich unver-

meidlich sein (IVSTA-act. 131 S. 4-6). In einer ergänzenden Stellung-

nahme des RAD vom 1. Oktober 2020 hielt Dr. G._______ fest, die «breite 

Palette» von Angaben hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit nach diversen me-

dizinischen Berichten liesse keine abschliessende Beurteilung rein nach 

Aktenlage zu. Es bedürfe somit einer polydisziplinären Begutachtung (IV-

STA-act. 131 S. 7-8). Infolgedessen leitete die SVA die Durchführung einer 

polydisziplinären Begutachtung bei der SMAB AG Bern ein (IVSTA-

act. 108, 123). 

8.6 Mit interdisziplinärem MEDAS Gutachten vom 2. August 2021 (Diszip-

linen: Orthopädie/Traumatologie, Psychiatrie, Innere Medizin, Neurologie, 

Neuropsychologie) stellten die Gutachterinnen und Gutachter der SMAB 

AG Bern folgende Diagnosen (IVSTA-act. 129 S. 9-11): 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): 

1. Ängstlich - depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2) 

2. Aktenanamnestisch: einfache Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung 

ADHS (F90.0) mit neuropsychologischer Störung 

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit): 

1. Chronische Schmerzen der Halswirbelsäule bei deutlichen multietageren 

degenerativen Veränderungen ohne zu objektivierende neurologische 

Symptomatik und auch ohne radikuläre oder pseudoradikuläre Symptome 

2. Chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule bei Status nach Operation 

im Sinne der perkutanen Nukleotomie L4/5 am 30.06.2004 und nachge-

wiesenen deutlichen degenerativen Veränderungen ohne zu objektivie-

rende Bewegungseinschränkung, ohne neurologische Auffälligkeiten, 

ohne radikuläre oder pseudoradikuläre Symptomatik 

3. Chronische Schmerzen des linken Schultergelenkes bei in der Vergan-

genheit diagnostiziertem lmpingement-Syndrom aufgrund degenerativer 

Veränderung der Rotatorenmanschette ohne zu verifizierende Bewe-

gungseinschränkung 

C-2200/2022 

Seite 22 

4. Chronische Schmerzen des Brustkorbs, wiederkehrend, zum Zeitpunkt 

der aktuellen Begutachtung asymptomatisch nach Rippenfrakturen beid-

seits und vollständiger knöcherner Konsolidation 

5. Funktionelle Schwäche des linken Arms 

o Keine Hinweise für eine Plexus Läsion, eine zentrale Lähmung, noch 

einer radikulären Beeinträchtigung und auch nicht für eine Läsion ein-

zelner peripherer Nerven 

o Verdacht auf bewusstes Vortäuschen dieser Beschwerdesymptomatik 

6. Status nach dokumentierten Mittelfussfrakturen rechts und links ohne Re-

siduum 

7. Schädlicher Konsum von Alkohol (F10.1) 

8. Labile arterielle Hypertonie (aktuell unbehandelt) 

9. COPD Stadium1 bei Nikotinabusus 

10. Gastroösophageale Refluxkrankheit 

11. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (ED 2005) mit Störung der adreno-

kortikotropen und thyreotropen Achse 

12. Colon-Divertikulose 

13. Erosive Gastritis 

14. Übergewicht (BMI: 29.8 kg/m2) 

8.6.1 Im federführenden orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten 

stellte der Gutachter Dr. Q._______, FA für Chirurgie, Orthopädische Chi-

rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, keine Diagnosen mit 

Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) fest. Ohne Relevanz für 

die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) diagnostizierte er a) chronische 

Schmerzen der Halswirbelsäule bei deutlichen multietageren degenerati-

ven Veränderungen ohne zu objektivierende neurologische Symptomatik 

und ohne radikuläre oder pseudoradikuläre Symptome b) chronische 

Schmerzen der Lendenwirbelsäule bei Status nach Operation im Sinne der 

perkutanen Nukleotomie L4/5 am 30. Juni 2004 und nachgewiesenen 

deutlichen degenerativen Veränderungen ohne zu objektivierende Bewe-

gungseinschränkung, ohne neurologische Auffälligkeiten, ohne radikuläre 

oder pseudoradikuläre Symptomatik, c) chronische Schmerzen des Brust-

korbs, wiederkehrend, zum Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung asymp-

tomatisch nach Rippenfrakturen beidseits und vollständiger knöcherner 

Konsolidation sowie d) Status nach dokumentierten Mittelfussfrakturen 

rechts und links ohne Residuum (IVSTA-act. 129 S. 34 ff.). 

Weiter hielt Dr. Q._______ fest, dass die Beschwerdeführerin eine kom-

plette und schlaffe Parese des linken Arms demonstrieren würde, welche 

jedoch «inkonsistent und augenscheinlich im Sinne einer 

C-2200/2022 

Seite 23 

Vortäuschung/Vorspiegelung nicht vorhandener Symptome» sei, da der 

linke Arm zeitweise völlig ohne Einschränkungen bewegt werde (bspw. Ab-

stützen auf dem Besucherstuhl beim Hinsetzen und Aufstehen, Ankleiden 

und Schnüren der Sportschuhe links und rechts ohne erkennbare Sei-

tendifferenz der Arme respektive der Finger). Klinisch fänden sich keinerlei 

Hinweise für ein CRPS des linken Armes; auffällig sei auch die seitenglei-

che Muskulatur des Schultergürtels links verglichen mit rechts sowie die 

Muskulatur des linken Ober- und Unterarmes sowie der Zwischenhand-

muskulatur. Die geklagten Symptome und Funktionseinschränkungen 

seien daher nicht konsistent, nicht plausibel und nicht nachvollziehbar, zu-

mal sie nicht mit dem Schmerzverhalten der Beschwerdeführerin im Ver-

lauf der Untersuchung sowie der ersichtlichen Muskulatur und Hauttrophik 

korrelieren würden. Im Sinne einer Aktenwürdigung führte Dr. Q._______ 

zudem aus, dass die Diagnose eines CRPS erstaunlich sei, da dieses erst-

mals von Dr. O._______ am 10. Juli 2019 (vgl. E. 8.3) als Interpretation der 

zunehmenden und therapieresistenten Schmerzen des linken Armes ver-

mutet wurde und anschliessend kritiklos mitgeführt worden sei, obwohl we-

der die Begriffsdefinition noch die zu objektivierenden Untersuchungspara-

meter erfüllt gewesen seien (vgl. E. 9.1.2 hiernach zur Beurteilung). Wei-

tere Diagnosen einer chronischen Schmerzerkrankung (vgl. E. 8.3) seien 

auf orthopädisch-traumatologischem Fachgebiet ebenfalls nicht nachvoll-

ziehbar bzw. «schlichtweg falsch» (IVSTA-act. 129 S. 41, 45, 47-49). 

Infolgedessen seien für die Beschwerdeführerin körperlich leichte Tätigkei-

ten zumutbar, diese überwiegend im Sitzen mit der Möglichkeit der gewähl-

ten Positionswechsel, keine häufigen Gerüst- und Leitertätigkeiten, kein 

häufiges Begehen von Treppen, keine Zwangshaltung für die oberen Ext-

remitäten, für die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule; auch sei das 

Bedienen gefährlicher Maschinen sowie das Führen eines PKWs zu ver-

meiden. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Laborantin sei als «optimal 

adaptiert» anzusehen und ohne Einschränkungen zumutbar; dasselbe 

gelte für andere optimal adaptierte Tätigkeiten. Bis auf eine Rekonvales-

zenzzeit von längstens drei Monaten nach der Rippen-Operation sei eine 

länger dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in beschriebenen Tä-

tigkeiten ebenfalls nicht zu begründen (IVSTA-act. 129 S. 50-52). 

8.6.2 Der psychiatrische Gutachter Dr. Bb._______, FA für Psychiatrie und 

Psychotherapie sowie Neurologie, diagnostizierte eine ängstlich-depres-

sive Störung gemischt (F41.2) sowie aktenanamnestisch eine einfache 

Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung ADHS (F90.0) mit neuropsycholo-

gischer Störung als relevant für die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit). Als 

C-2200/2022 

Seite 24 

irrelevant für die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) stellte er die Diagnose 

schädlicher Konsum von Alkohol (F10.1). Im Rahmen der psychiatrischen 

Exploration habe die Beschwerdeführerin anhaltende und sie limitierende 

Schmerzen im Bereich der linken Thorax Apertur, der linken Schulter und 

des linken Armes bis in die linke Hand reichend geschildert, sowie von 

Schmerzen im Lumbalbereich, der Halswirbelsäule, dem Bereich der vent-

ralen Halsmuskulatur und der linken Gesichtshälfte berichtet. Ebenso leide 

sie an dysphorischen verbitterten depressiv gefärbten Symptomen sowie 

ängstlichen Symptomen (IVSTA-act. 129 S. 59 ff.). 

Dr. Bb._______ führte aus, dass aus rein psychiatrischer Sicht weder das 

Vollbild einer depressiven Episode noch einer Angst- oder Panikstörung 

zutreffe. Einzelne Merkmale liessen sich am ehesten in eine ängstlich-de-

pressiven Störung gemischt summieren. Die Beschwerdeführerin sei be-

wusstseinsklar, formalgedanklich geordnet, in der Antriebslage insgesamt 

ungestört, von Suizidalität zuverlässig distanziert, lebe in stabilen psycho-

sozialen Verhältnissen, besitze gute Interaktionskompetenzen und werde 

ausserdem mit Antidepressiva behandelt. Sie klage weiter über chronische 

Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen des linken Arms, jedoch 

seien im Verlauf der Exploration auffallende Inkonsistenzen festzustellen 

gewesen (zwischen gezeigtem Verhalten einerseits und geschilderten Be-

schwerden andererseits, ebenso Pseudosymptome sowie flüssiges Bewe-

gen des linken Armes), welche gegen die Diagnose einer krankheitswerti-

gen chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychologischen 

Faktoren (vgl. E. 8.3) ebenso sprächen wie gegen die mögliche Diagnose 

einer dissoziativen Störung. Eine chronische Schmerzstörung setze ge-

mäss ICD-10 voraus, dass psychischen Faktoren eine wichtige Rolle für 

Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beizu-

messen sei. Vor dem Hintergrund der auffallenden Inkonsistenzen würde 

sich die Frage nach etwaiger willensnaher Entstehung und Ausgestaltung 

der Schmerzproblematik stellen. Zudem liesse sich aktuell keine wesentli-

che innerseelische Konfliktsituation oder psychosoziale Belastung feststel-

len, welche schwer genug wäre, um die Entwicklung einer somatoformen 

Schmerzstörung bzw. einer chronischen Schmerzstörung zu begründen, 

weshalb diese Diagnosen nicht geteilt werde. Ungeachtet dessen sei fest-

zuhalten, dass selbst beim Vorliegen einer derartigen chronischen 

Schmerzstörung daraus keine zusätzliche Relevanz für die Arbeitsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin resultieren würde, weil sie durchaus über Res-

sourcen in komplexen Ich-Funktionen verfüge, welche die Mobilisierung 

von Willenskräften ermögliche, einer Tätigkeit nachzugehen. Potentiell mit-

telschwere kognitive Defizite seien ebenso inkonsistent aufgetreten, 

C-2200/2022 

Seite 25 

sodass eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20% nicht begründbar sei (IV-

STA-act. 129 S. 66-69, 71-73). 

Infolgedessen sei die Beschwerdeführerin aus rein psychiatrischer Sicht in 

der Lage sowohl die angestammte Tätigkeit als auch eine denkbare Ver-

weistätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verrichten. Insgesamt 

betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 70%, bedingt durch 

neuropsychologische Störung bei AHDS und ängstlich-depressiver Stö-

rung. In einer optimal angepassten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin 

einfache bis durchschnittliche Tätigkeiten, die dem Ausbildungs- und 

Kenntnisstand entsprächen und ihrem Belastbarkeitsprofil gerecht würden 

ausüben. Hier betrage die Arbeitsfähigkeit 80% – bedingt durch die neu-

ropsychologische Störung sei das Leistungsniveau um 20% reduziert. Ret-

rospektiv sei seit Dezember 2018 aus psychiatrischer Sicht vor dem Hin-

tergrund von ADHS und gemischt ängstlich depressiver Störung eine Ar-

beitsunfähigkeit von 20% zu attestieren (IVSTA-act. 129 S. 73-76). 

8.6.3 Dr. Cc._______, FA für Allgemeine Innere Medizin, stellte im internis-

tischen Teilgutachten keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit 

(letzte Tätigkeit). Ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) 

diagnostizierte er eine labile arterielle Hypertonie (aktuell unbehandelt), ein 

COPD Stadium1 bei Nikotinabusus, eine gastroösophageale Refluxkrank-

heit, eine Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (ED 2005) mit Störung der 

adrenokortikotropen und thyreotropen Achse (behandelt), eine Colon-Di-

vertikulose, eine erosive Gastritis sowie ein Übergewicht (BMI 29.8 kg/m2) 

(IVSTA-act. 129 S. 78 ff.). Auch während der internistischen Untersuchung 

habe die Beschwerdeführerin vordergründig über die Lähmung des linken 

Armes geklagt, den sie aktiv nicht bewegen könne. Dr. Cc._______ berich-

tete weiter, die Beschwerdeführerin befände sich in normalem Allgemein- 

und übergewichtigem Ernährungszustand. Ihre Haut sei unauffällig mit nor-

malen Hautanhangsgebilden. Die seit 2005 bekannte Hypophysenvorder-

lappeninsuffizienz sei in der Vergangenheit behandelt wurden, mittlerweile 

sollte erneut mit einer Therapie begonnen werden. Weitere auffällige Un-

tersuchungsbefunde habe es keine gegeben. Insgesamt bestehe aus in-

ternistischer Sicht ein erfreulicher Verlauf bestehender Erkrankungen, wel-

che alle leitliniengerecht behandelt würden (IVSTA-act. 129 S. 79, 82-84). 

Infolgedessen sei die Beschwerdeführerin sowohl in bisheriger als auch in 

angepasster Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig (IVSTA-act. 129 S. 85-87). 

8.6.4 Im neurologischen Teilgutachten diagnostizierte Dr. R._______, FA 

für Neurologie, eine «funktionelle Schwäche des linken Arms», diese ohne 

C-2200/2022 

Seite 26 

Hinweise für eine Plexus Läsion, eine zentrale Lähmung, eine radikuläre 

Beeinträchtigung oder eine Läsion einzelner peripherer Nerven (IVSTA-

act. 129 S. 89 ff.) Zur «Parese» des linken Arms, an der die Beschwerde-

führerin seit 2019 leide, könne aus heutiger neurologischer Sicht mit Be-

stimmtheit gesagt werden, dass keinerlei klinische Hinweise für ein CRPS 

vorlägen. Es hätten sich keinerlei trophische Störungen oder Atrophien der 

Muskulatur feststellen lassen, dazu seien die Reflexe symmetrisch auslös-

bar gewesen und bezüglich der Sensibilität hätten sich Widersprüche er-

geben (widersprüchliche Angabe von Hyperpathie der linken Gesichts-

hälfte, dann sei diese aber wieder taub gewesen). Die klinische Untersu-

chung und Beobachtung weise auf eine funktionelle «Armlähmung» links 

nicht organischer Genese hin; es hätten sich deutliche Diskrepanzen zum 

spontanen Einsetzen der linken oberen Extremität (bspw. beim Sich An-

kleiden oder Gepäck Aufheben im Vergleich zu Bewegungen im Rahmen 

des Neurostatus) ergeben. Zur Abweichung von Dr. O._______ Einschät-

zung (vgl. E. 8.3) führte Dr. R._______ zudem aus, dass dieser nicht fest-

gehalten habe, inwiefern die Versicherte die Hand spontan einsetzen 

konnte. Ausserdem seien die Beobachtungen leichtgradige Schwellung, 

vermehrtes Schwitzen und geänderte Temperaturwahrnehmung während 

heutiger neurologischer Untersuchung nicht feststellbar gewesen. Auch bei 

weiteren Untersuchungsbefunden sei nie dargelegt worden, wie die Be-

schwerdeführerin die Extremität ausserhalb der Untersuchungssituation 

eingesetzt habe (IVSTA-act. 129 S. 93-96). Infolgedessen sei die Be-

schwerdeführerin sowohl in bisheriger als auch in angepasster Tätigkeit zu 

100% arbeitsfähig (IVSTA-act. 129 S. 97-99). 

8.6.5 Im neuropsychologischen Teilgutachten diagnostizierte 

Dr. Dd._______, FA für Neuropsychologie FSP, mit Auswirkung auf die Ar-

beitsfähigkeit eine mittelschwere neuropsychologische Störung (nach Frei 

et al., 2016). Testdiagnostisch seien mittelschwere kognitive Defizite erheb-

bar sowie auch eine stark verminderte Handlungsplanung bei exekutiven 

Funktionen und eine reduzierte Arbeitsgedächtnisleistung. Im Bereich der 

Aufmerksamkeit zeigten sich mittelschwere bis schwere Beeinträchtigun-

gen. Im Alltag bewirke dies eine Mühe der Beschwerdeführerin, ihre Tätig-

keit adäquat zu planen und zu organisieren (IVSTA-act. 129 S. 101 ff.). Die 

Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung gut kooperiert, teilweise 

seien aber Widersprüchlichkeiten bei Ergebnissen im Vergleich zu Be-

obachtbarem aufgefallen, bspw. habe sie im Gespräch präsent gewirkt und 

schnell gesprochen, während sich in den computerbasierten Aufmerksam-

keitstest bereits eine erhebliche Verlangsamung schon bei einfachen Re-

aktionsaufgaben zeigte. In einem Beschwerdevalidierungsfragebogen 

C-2200/2022 

Seite 27 

habe die Beschwerdeführerin – nebst vielen genuinen Symptomen – über-

mässig viele Pseudosymptome angegeben, was für eine übertriebene Be-

schwerdedarstellung spreche. Die erhobenen Befunde seien somit mit Vor-

sicht zu interpretieren. Beim Bearbeiten der Aufgaben habe die Beschwer-

deführerin ihre dominante rechte Hand genutzt, die linke Hand sei unter-

stützend eingesetzt worden (IVSTA-act. 129 S. 103, 105-106). 

8.6.6 Die Gutachterinnen und Gutachter hielten in der Gesamtbeurteilung 

fest, dass chronische Schmerzen der Halswirbelsäule aufgrund mehrfach 

nachgewiesener deutlich degenerativer Veränderungen im Sinne von Os-

teochondrosen, Neuroforamenstenosen C6/7 links und C5/6, Spondylarth-

rosen C3/4 links und C6/7 links sowie Bandscheibenprotrusionen C3/4, 

C4/5, C6/7 und C7/Th8 nachvollzogen werden könnten. Die Beweglichkeit 

der Halswirbelsäule sei anlässlich der Begutachtung nicht signifikant ein-

geschränkt, jedoch nachvollziehbar endgradig schmerzhaft. Nachgewie-

sene Veränderungen der Brustwirbelsäule spielten klinisch aktuell keine 

wesentliche Rolle und die nachgewiesenen Bandscheibenprotrusionen 

Th7/8, Th8/9 und Th9/10 sowie die Spondylarthrosen seien aktuell asymp-

tomatisch und unauffällig. Chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule 

seien ebenfalls nachvollziehbar (IVSTA-act. 129 S. 7). Psychiatrisch sei 

weder das Vollbild einer depressiven Episode noch das Vollbild einer 

Angststörung/Panikstörung zu diagnostizieren, jedoch liege eine ängstlich 

depressive Störung gemischt vor (IVSTA-act. 129 S. 8). 

Weiter demonstriere die Beschwerdeführerin eine komplette und schlaffe 

Parese des linken Armes, dies jedoch inkonsistent und augenscheinlich im 

Sinne einer Vortäuschung/Vorspiegelung nicht vorhandener Symptome, da 

der linke Arm zeitweise völlig ohne Einschränkungen bewegt werde. Wäh-

rend der ausführlichen Exploration sei die Beschwerdeführerin entspannt 

und ohne Schmerzäusserung auf dem Besucherstuhl gesessen und habe 

den linken Arm völlig normal eingesetzt und ihren Körper abgestützt, 

ebenso kam es zu normalem Einsatz beim Entkleiden und Bekleiden sowie 

beim Anziehen der Sportschnürschuhe beidseits. Die Parese sei weder 

durch orthopädisch-traumatologische Befunde oder Gesundheitsstörun-

gen/Veränderungen noch durch eine krankheitswertige chronische 

Schmerzstörung erklärbar. Es scheine somit eine inkonstante, inkonsis-

tente und willentliche demonstrierte Lähmung des linken Armes vorzulie-

gen, wofür auch die seitengleiche Muskulatur des Schultergürtels links ver-

glichen mit rechts sowie die Muskulatur des linken Ober- und Unterarmes, 

die Zwischenhandmuskulatur sowie die Handbeschwielung im Seitenver-

gleich spreche. Die demonstrierten Lähmungserscheinungen korrelierten 

C-2200/2022 

Seite 28 

ausserdem nicht mit der ersichtlichen Hauttrophik. Klinisch fänden sich kei-

nerlei Hinweise für das Vorliegen eines CRPS; überhaupt sei die kritiklose 

Mitführung dieser Diagnose (ob CRPS I oder II) seit 2019 erstaunlich, da 

diese weder die Begriffsdefinition noch die zu objektivierenden Untersu-

chungsparameter erfülle. Ein CRPS setze ohne Ausnahme ein Extremitä-

tentrauma voraus, weshalb es per se im vorliegenden Fall nicht stimmen 

könne. Weitere klinische Kriterien (vgl. E. 9.1.2 hiernach zur Beurteilung), 

welche in zweifelhaften Fällen hinzugezogen werden sollten, würden für 

eine zu objektivierende Diagnostik sorgen – in vorliegendem Fall sei dies 

zu keinem Zeitpunkt erfolgt. Insgesamt handle es sich also bei der demons-

trierten Lähmung des linken Armes um «die Vortäuschung einer nicht vor-

handenen Symptomatik», welche «aufgrund fehlender diesbezüglicher 

psychiatrischer Diagnosen somit definitionsgemäss als Simulation» zu be-

zeichnen sei (IVSTA-act. 129 S. 6, 8-9, 12-13 16-17). 

Infolgedessen sei die Beschwerdeführerin gesamthaft zu 70% arbeitsfähig 

in bisheriger Tätigkeit, zu 80% in einer leidensangepassten Tätigkeit. Ret-

rospektiv sei eine psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 20% 

wahrscheinlich schon seit vielen Jahren vor dem Hintergrund von ADHS 

und gemischt ängstlich depressiver Störung zu konstatieren; eine genau-

ere Datierung sei nicht möglich. Aufgrund der zu objektivierenden Gesund-

heitsstörungen seien der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätig-

keit körperlich nur leichte Tätigkeiten mit diversen Einschränkungen zumut-

bar (vgl. E. 9.1.5 hiernach). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Laborantin 

sei orthopädisch als «optimal adaptiert» anzusehen und ohne Einschrän-

kungen zumutbar; dasselbe gelte für andere optimal adaptierte Tätigkeiten. 

Psychiatrisch könne die Beschwerdeführerin sowohl die angestammte als 

auch eine denkbare Verweistätigkeit ausüben (IVSTA-act. 129 S. 11-15). 

8.7  

8.7.1 In einer abschliessenden Stellungnahme für den RAD stellten 

Dr. G._______ und Dr. H._______ am 10. und 11. August 2021 fest, dass 

das umfangreiche, polydisziplinäre Gutachten unter vollständiger Würdi-

gung der vorhandenen medizinischen Akten nach ausführlicher Anam-

neseerhebung, genauem Eingehen auf die geschilderten Beschwerden 

und umfassender Untersuchung erstellt worden sei. Die Gutachtenden 

seien nach ausführlicher, fachspezifischer Diskussion in einer interdiszipli-

nären Zusammenfassung zu plausiblen Diagnosen und nachvollziehbaren 

Schlussfolgerungen hinsichtlich der bestehenden Leistungsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin gekommen. Besonders die Aktenwürdigung in Bezug 

auf die in zahlreichen Berichten auftauchende Diagnose eines CRPS I bzw. 

C-2200/2022 

Seite 29 

CRPS II und die Ausführungen zu Konsistenz und Plausibilität seien her-

vorzuheben. Auf das Gutachten könne daher abgestellt werden (IVSTA-

act. 131 S. 9-11). 

8.7.2 Nach Überweisung des Leistungsgesuchs an die Vorinstanz nahmen 

am 25. Oktober 2021 Dr. I._______ und Dr. J._______ für den internen 

medizinischen Dienst der IVSTA (Französisch: «Prise de position du ser-

vice médical de l’OAIE») Stellung und bestätigten ebenfalls die Beweiskraft 

des Gutachtens unter Einhaltung der spezifischen Richtlinien der medizini-

schen Fachgesellschaften für versicherungsmedizinische Gutachten. Das 

Gutachten enthalte ausreichende Angaben zu den in BGE 141 V 281 fest-

gelegten Standardindikatoren, welche für die Feststellung der Schlussfol-

gerungen in den Teilgutachten berücksichtigt worden seien. Die strittigen 

Punkte seien eingehend geprüft und die Beschwerden berücksichtigt wor-

den, es hätten umfassende Untersuchungen stattgefunden, die Schlussfol-

gerungen seien begründet, unter vollständiger Kenntnis der persönlichen 

und medizinischen Anamnese, und die konsultierten Gutachtenden hätten 

über die erforderlichen Qualifikationen verfügt. Laut den Expertinnen und 

Experten sei die Tätigkeit als Laborantin den festgestellten funktionellen 

Einschränkungen angemessen und die Arbeitsfähigkeit betrage daher 30% 

in bisheriger Tätigkeit und 20% in angepasster Tätigkeit seit Dezember 

2018. Ebenfalls sei eine 25%-ige Erwerbsunfähigkeit für Tätigkeiten im 

Haushalt festzustellen, welche auf die orthopädischen Beeinträchtigungen 

zurückzuführen sei, die nur leichte Tätigkeiten im Sitzen zuliessen (IVSTA-

act. 146). 

8.7.3 Nachdem die Vorinstanz von der deutschen Rentenversicherung 

neue medizinische Unterlagen erhielt – unter anderem weitere Berichte 

von Dr. X._______, Dr. P._______ sowie des Neurozentrums W._______ 

– fragte sie beim medizinischen Dienst an, ob diese Unterlagen etwas an 

der Stellungnahme vom 25. Oktober 2021 ändern würden (IVSTA-

act. 167). Dr. K._______ verneinte dies am 23. November 2021 mit der Be-

gründung, dass aus den Unterlagen keine neue Gesundheitsbeeinträchti-

gung hervorginge (IVSTA-act. 170). Schliesslich unterbreitete die 

Vorinstanz den Fall ein letztes Mal dem medizinischen Dienst zur Beurtei-

lung des Einwands der Beschwerdeführerin (IVSTA-act. 181). 

Dr. K._______ stellte am 18. Februar 2022 fest, dass das Gutachten alle 

Beschwerden sowie klinischen Untersuchungen berücksichtigt hätte, und 

auch eine potentielle Verschlimmerung der Symptome in Betracht gezogen 

habe. Aus dem orthopädischen Teilgutachten gehe hervor, dass keine An-

zeichen für ein CRPS vorlägen, weshalb auch die Budapest-Kriterien nicht 

C-2200/2022 

Seite 30 

angewendet werden müssten. Im Gutachten werde zudem anerkannt, 

dass nur leichte bis mittelschwere Tätigkeiten verlangt werden könnten, 

was bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden sei – so 

auch bei einer 25%-igen Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten im Haushalt (IV-

STA-act. 182). 

8.7.4 Zuletzt findet sich in den Akten ein weiterer Bericht von Prof. 

Dr. O._______, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, in (…), welcher nach 

dem Zeitpunkt des Gutachtens datiert, jedoch keine Berücksichtigung in 

den Stellungnahmen des internen medizinischen Dienstes fand. 

Dr. O._______ diagnostizierte der Beschwerdeführerin am 31. August 

2021 eine ringförmige thorakale Myotendinose links mit erhöhter Reizem-

pfindlichkeit der Intercostalnerven, ein Zustand nach Fraktur der 7. Rippe 

mit Implantat, einen Verdacht auf corticoclaviculären Engpass links mit un-

terer Armplexusreizung links, ein Faszien Syndrom, orientierend kein si-

cheres Piriformis Syndrom, ein belastungsabhängiges Krampus Syndrom 

rechtes Bein mit unklarer Genese sowie kein sicheres radikuläres Ausfall-

muster im Bereich der LWS. Die Vorstellung sei hauptsächlich wegen re-

zidivierend auftretenden Tremors am rechten Fuss erfolgt und die Sympto-

matik werde als belastungsunabhängiges Krampus Syndrom unklarer Ge-

nese bewertet (IVSTA-act. 162 S. 44-45). 

9.  

Die streitigen Fragen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind an-

hand der dargelegten medizinischen Sachlage folgendermassen zu beur-

teilen: 

9.1 Der Entscheid der Vorinstanz stützte sich auf das umfassende polydis-

ziplinäre Gutachten der SMAB AG Bern. Dieses wird von der Beschwerde-

führerin als nicht beweiskräftig gerügt. Dem Gutachten ist gemäss Recht-

sprechung voller Beweiswert zuzuerkennen, solange die Sachverständi-

gen sich mit den wesentlichen Vorakten befasst haben, ihre Stellungnah-

men umfassend, auf allseitigen Untersuchungen beruhend sowie hinrei-

chend substantiiert sind und auch die geklagten Beschwerden berücksich-

tigen, keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen oder abweichende Beurteilungen wichtige Aspekte benennen, 

die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Zu-

dem muss im Text des Gutachtens zum Ausdruck kommen, dass die Sach-

verständigen die Vorakten bei der Untersuchung in ihre Überlegungen ein-

bezogen haben, und dass grössere Divergenzen ausführlich erklärt wer-

den (vgl. E. 6.3 und 6.6). 

C-2200/2022 

Seite 31 

9.1.1 Aus den Akten ergibt sich ohne Weiteres, dass diverse somatische 

Beschwerden und Diagnosen keine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerde-

führerin in letzter Tätigkeit zu begründen vermögen. Internistische Diagno-

sen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in letzter Tätigkeit liegen keine vor. 

Internistische Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit – wie 

bspw. die seit 2005 bekannte Hypophysenvorderlappeninsuffizienz und da-

raus resultierende Nebennierenrindeninsuffizienz, die Colon-Divertikulose, 

die erosive Gastritis, die gastroösophageale Refluxkrankheit sowie eine la-

bile arterielle Hypertonie – werden aktuell entweder behandelt oder wirken 

sich auch bei fehlender Behandlung nicht einschränkend auf die Leistungs-

fähigkeit der Versicherten aus. Dies zeigt sich in der Krankengeschichte 

der Beschwerdeführerin (vgl. E. 8.1 und 8.4.1) und ist auch im Gutachten 

der SMAB AG Bern schlüssig und nachvollziehbar dargelegt (vgl. E. 8.6.3). 

Ebenso liegen orthopädisch-traumatologische Diagnosen vor – wie bspw. 

dokumentierte Mittelfussfrakturen rechts und links ohne Residuum sowie 

diverse chronische Schmerzen an Wirbelsäule, Schultergelenken und 

Brustkorb (vgl. auch E. 8.4.2) –, welche laut Gutachten ohne Relevanz für 

die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in letzter Tätigkeit sind und für 

eine leidensangepasste Tätigkeit mittels Belastungsprofil berücksichtigt 

werden. Bei den chronischen Schmerzen rügte die Beschwerdeführerin 

zwar, dass deren behauptete Irrelevanz für die Arbeitsfähigkeit unbegrün-

det geblieben sei. Dr. Q._______ erklärte jedoch nach detaillierter Unter-

suchung im orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten, dass die chro-

nischen Schmerzen in der Halswirbelsäule ohne zu objektivierende neuro-

logische Symptomatik und ohne radikuläre und pseudoradikuläre Symp-

tome, die chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule ohne zu ob-

jektivierende Bewegungseinschränkung, ohne neurologische Auffälligkei-

ten und ohne radikuläre oder pseudoradikuläre Symptomatik, die chroni-

schen Schmerzen des linken Schultergelenks ohne zu verifizierende Be-

wegungseinschränkung, und die chronischen Schmerzen des Brustkorbs 

aktuell asymptomatisch seien. Gestützt auf die zu objektivierenden Ge-

sundheitsstörungen formulierte Dr. Q._______ anhand der gestellten Diag-

nosen ein Belastungsprofil der Beschwerdeführerin in einer angepassten 

Tätigkeit, wonach dieser nur körperlich leichte Tätigkeiten überwiegend im 

Sitzen mit weiteren Einschränkungen (vgl. E. 8.6.1) zuzumuten seien. Er 

wies gleichzeitig darauf hin, dass die Tätigkeit als Laborantin für dieses 

Belastungsprofil optimal adaptiert sei (vgl. auch E. 8.6.6). Entgegen des 

Vorbringens der Beschwerdeführerin setzte sich der Gutachter mit den 

chronischen Schmerzen der Beschwerdeführerin und deren Auswirkungen 

auf die Arbeitsfähigkeit in überzeugender Weise auseinander. 

C-2200/2022 

Seite 32 

9.1.2 Aus somatischer Sicht rügte die Beschwerdeführerin vor allem die 

fehlende Auseinandersetzung mit der CRPS-Diagnose im orthopädisch-

traumatologischen sowie neurologischen Teilgutachten (vgl. E. 8.6.1 und 

8.6.4). Dr. Q._______ und Dr. R._______ hätten sich eingehender mit der 

Diagnose eines CRPS anhand der IASP-Diagnose-kriterien oder «Buda-

pest-Kriterien» auseinandersetzen müssen. Dem ist nicht zuzustimmen. 

9.1.2.1 Vorab ist festzuhalten, dass das CRPS eine Sammelbezeichnung 

für Krankheitsbilder ist, welche die Extremitäten betreffen. Es entwickelt 

sich nach einem schädigenden Ereignis und führt bei Betroffenen zu an-

haltenden Schmerzen mit Störungen des vegetativen Nervensystems, der 

Sensibilität und der Motorik. Die Arbeitsgruppe «International Association 

for the Study of Pain (IASP)» legte im Jahr 2010 die sogenannten Buda-

pest-Kriterien zur Diagnosestellung eines CRPS fest, die ausschliesslich 

klinischer Natur sind und Symptome in vier Bereichen miteinander verbin-

den: sensorisch, vasomotorisch, sudomotorisch/Ödeme, motorisch/tro-

phisch. Klinische Symptome eines CRPS sind anhaltende Schmerzen (z.B. 

Allodynie, Hyperalgesie) kombiniert mit sensiblen, motorischen und auto-

nomen Störungen (u.a. Ödeme, Temperatur- und Schweisssekretionsstö-

rungen, evtl. trophische Störung der Haut, Nagelveränderungen, lokal ver-

mehrtes Haarwachstum). Seit der Einführung der Budapest-Kriterien 

wurde die Diagnosestellung eines CRPS um 50% reduziert (Urteil 

8C_416/2019 vom 15. Juli 2020 E. 5.1 in fine). Es handelt sich beim CRPS 

um eine neurologisch-orthopädisch-traumatologische Erkrankung und ei-

nen organischen bzw. körperlichen Gesundheitsschaden (Urteile des BGer 

8C_486/2024 vom 13. Februar 2025 E. 3.1; 8C_71/2024 vom 30. August 

2024 E. 6.2; 8C_316/2023 vom 6. März 2024 E. 4.1; 8C_123/2018 vom 

18. September 2018 E. 4.1.2; 8C_232/2012 vom 27. September 2012 

E. 5.3.1). 

Für die Diagnose eines CRPS müssen demnach folgende Merkmale erfüllt 

sein: 1. Anhaltender Schmerz, welcher überproportional zum vorausgehen-

den Ereignis ist. 2. Die Patientin muss mindestens 1 Symptom aus 3 der 4 

folgenden Kategorien berichten: a) Sensibilität: Hyperästhesie und/oder Al-

lodynie; b) Vasomotorik: Temperaturseitendifferenz und/oder Verände-

rung/Seitendifferenz der Hautfarbe; c) Sudomotorik/Ödem: Ödem und/oder 

Veränderung/Seitendifferenz der Schweisssekretion; Motorik/Trophik: Be-

wegungseinschränkung und/oder motorische Störung (Schwäche, Tremor, 

Dystonie) und/oder trophische Störungen (Haare, Nägel, Haut). 3. Die Pa-

tientin muss zum Untersuchungszeitpunkt mindestens je 1 klinische Auffäl-

ligkeit aus 2 der 4 folgenden Kategorien zeigen: a) Sensibilität: 

C-2200/2022 

Seite 33 

Hyperalgesie (Nadel) und/oder Allodynie (Berührung und/oder Temperatur, 

Druck, Gelenkbewegung); b) Vasomotorik: Temperaturseitendifferenz 

(>1°C) und/oder Veränderung/Seitendifferenz der Hautfarbe; c) Sudomo-

torik/Ödem: Ödem und/oder Veränderung/Seitendifferenz der Schweis-

ssekretion; d) Motorik/Trophik: Bewegungseinschränkung und/oder moto-

rische Störung (Schwäche, Tremor, Dystonie) und/oder trophische Störun-

gen (Haare, Nägel, Haut). 4. Fehlen einer anderen Diagnose, welche die 

Beschwerden der Patientin und die klinischen Feststellungen nachvollzieh-

barer erklärt (Ausschluss von Differenzialdiagnosen). Ein CRPS tritt vier 

Mal häufiger bei Frauen auf, am häufigsten an der oberen Extremität, mit 

einer Häufung bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren (Urteile BGer 

8C_416/2019 vom 15. Juli 2020 E. 5.1; 8C_316/2023 vom 6. März 2024 

E. 4.1). 

Die Publikation der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) 

«CRPS: Complex regional pain syndrome» bestätigt diese Diagnosekrite-

rien und hält ausserdem fest, dass die Diagnose eines CRPS im klinischen 

Alltag eher verpasst, jedoch während des Verlaufs oft als Verlegenheitsdi-

agnose verwendet und überdiagnostiziert werde. Schmerz als schwierig zu 

objektivierende Körperstörung verlange von der untersuchenden oder be-

gutachtenden Person insbesondere die Prüfung der Konsistenz. Im Ge-

gensatz zu anderen Publikationen wird hier betont, dass das CRPS auch 

«spontan» und ohne offensichtlich auslösendes Ereignis entstehen könne; 

dies sei bei 6-10% der Fälle dokumentiert (vgl. WILFRID JÄNIG/RITA 

SCHAUMANN/WALTER VOGT [Hrsg.], CRPS: Complex regional pain syn-

drome, Suvacare, 2013 [www.suva.ch/de-ch/download/dokument/crps--

complex-regional-pain-syndrome/crps--complex-regional-pain-syndrome--

2771.D; letztmals abgerufen am 27. Mai 2025]). 

9.1.2.2 Vorliegend untersuchte Dr. Q._______ die Beschwerdeführerin kli-

nisch umfassend und notierte sämtliche Befunde im entsprechenden Teil-

gutachten (vgl. E. 8.6.1). Die Hautfarbe der oberen Extremitäten sei ohne 

auffälligen Befund, der Blutabfluss ungestört gewesen, es habe keine ver-

mehrte Venenzeichnung, keine Varikosis, keine Schwellungen des linken 

oder rechten Armes gegeben. Bei der fühlenden Untersuchung sei die Haut 

bezüglich Temperatur, Oberflächenbeschaffenheit und Hautelastizität ohne 

auffälligen Befund gewesen. Bezüglich starker Schmerzen sowie schlaffer 

Parese des linken Arms der Beschwerdeführerin notierte Dr. Q._______, 

dass diese inkonsistent demonstriert worden und aus orthopädisch-trau-

matologischer Perspektive nicht erklärbar seien. Zum einen hätten bildge-

bende Untersuchungen im Jahr 2019 keine Befunde hervorgebracht, 

C-2200/2022 

Seite 34 

welche eine Lähmung des Armes hätten erklären können, zum anderen 

hätte die Untersuchung die vorgegebenen Beschwerden infrage gestellt. 

Die Beschwerdeführerin habe sich mit ihrem gesamten Körpergewicht auf 

der Stuhllehne mit dem linken Arm abgestützt, habe sich unauffällig und 

normal ohne erkennbare Seitendifferenz der Arme angekleidet und ihre 

Sportschuhe links und rechts geschnürt, habe seitengleich normal ausge-

bildete Handbeschwielung sowie seitengleiche Muskeleigenreflexe und 

Muskulatur der Ober- und Unterarme sowie Schultergürtelmuskulatur ge-

zeigt und insgesamt keine Hinweise für eine pathologische Schmerzüber-

empfindlichkeit demonstriert. 

9.1.2.3 Darüber hinaus zog Dr. Q._______ die Vorakten zur Begutachtung 

heran, würdigte sie und erklärte insbesondere, warum er von der vorgängig 

vielfachgestellten Diagnose eines CRPS abwich. Dies, weil das für eine 

CRPS-Diagnose als conditio sine qua non notwendige Extremitätentrauma 

nicht vorläge, weil die erwähnten klinischen Kriterien nicht erfüllt seien und 

weil eine zu objektivierende Diagnostik anhand apparativer Untersuchun-

gen wie Knochenszintigraphie, Temperaturmessung, Bestimmung einer 

Druckschmerhyperalgesie etc. zu keinem Zeitpunkt erfolgt sei (vgl. 

E. 8.6.1). Zwar ist diese Aussage von Dr. Q._______, ein CRPS setze ein 

Extremitätentrauma als conditio sine qua non voraus, laut Fachliteratur in 

dieser Absolutheit nicht korrekt, zumal ein CRPS gemäss Fachliteratur der 

Suva in 6-10% der Fälle auch «spontan» entstehen könne (vgl. E. 9.1.2.1; 

siehe auch die Dokumentation eines «proximalen» Extremitätentraumas 

am 30. September 2019 durch Dr. N._______, vgl. E. 8.3). Jedoch wird von 

der Literatur auch betont, dass die Prüfung der Konsistenz durch die be-

gutachtende Person bei einem CRPS zentral sei, da dieses oft als Verle-

genheitsdiagnose überdiagnostiziert werde. Diese Konsistenzprüfung 

nahm Dr. Q._______ in nachvollziehbarer Weise vor. Soweit die Beschwer-

deführerin anführt, ihre behandelnden Ärzte hätten bestätigt, dass die not-

wendigen Diagnosekriterien (Budapest-Kriterien, vgl. E. 9.1.2.1) erfüllt 

seien (vgl. E. 8.3), ist anzumerken, dass die Fachärzte die Angaben der 

Beschwerdeführerin keiner detaillierten Konsistenzprüfung unterwarfen, so 

dass darauf nicht abgestellt werden kann. Im Übrigen lässt es die unter-

schiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen 

(Fach-)Ärztin einerseits und Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten 

fachmedizinischen Expertin anderseits nicht zu, ein Administrativgutachten 

stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, 

wenn behandelnde Ärztinnen zu anderslautenden Einschätzungen gelan-

gen (vgl. E. 6.6). 

C-2200/2022 

Seite 35 

9.1.2.4 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, Dr. Q._______ 

habe es nicht für nötig gehalten, die fehlenden apparativen Untersuchun-

gen, welche er in den Akten kritisierte, selber durchzuführen, ist auf bun-

desgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen: Entscheidend für die Diag-

nose eines CRPS ist, dass anhand echtzeitlich erhobener medizinischer 

Befunde der Schluss gezogen werden kann, die betroffene Person habe 

innerhalb der Latenzzeit von sechs bis acht Wochen zumindest teilweise 

an den für ein CRPS typischen Symptomen gelitten. Ob ein CRPS vorliegt, 

ist ausschliesslich anhand klinischer Kriterien zu prüfen. In Zweifelsfällen 

werden bildgebende Untersuchungen veranlasst, doch sollten diese mög-

lichst frühzeitig und spätestens innert sechs Monaten seit Beginn der Be-

schwerden getätigt werden (Urteile des BGer 8C_628/2023 vom 9. April 

2024 E. 3.1 und 5.3.2; 8C_316/2023 vom 6. März 2024 E. 4.1). Vorliegend 

wurde keine spezifische Bildgebung wie bspw. eine Knochenszintigraphie 

innert sechs Monaten vorgenommen, wie Dr. Q._______ zu Recht fest-

stellte. Die Indikation zur Durchführung einer Bildgebung ist grundsätzlich 

ins gutachterliche Ermessen zu stellen; allerdings erscheint es nachvoll-

ziehbar und durchaus plausibel, dass eine nachträgliche Bildgebung an-

lässlich der Begutachtung angesichts der langen Latenzzeit zwischen dem 

Auftreten der Beschwerden (Januar 2019) und dem Zeitpunkt der Begut-

achtung (August 2021) in der Tat wenig weitere Erkenntnisse erbracht 

hätte, weshalb der Gutachter vorliegend darauf verzichten durfte. Zudem 

hat der Gutachter klinisch eine sorgfältige Prüfung der Konsistenz vorge-

nommen und festgestellt, es liege eine inkonstante, inkonsistente und wil-

lentliche demonstrierte Lähmung des linken Armes vor (vgl. E. 8.6.6). Vor 

diesem Hintergrund kann festgehalten werden, dass Dr. Q._______ auf 

nachvollziehbare Weise ein CRPS verneinte. 

9.1.2.5 Dr. R._______ untersuchte die Beschwerdeführerin im neurologi-

schen Teilgutachten ebenfalls klinisch umfassend (vgl. E. 8.6.4). Es seien 

keinerlei trophische Störungen und auch keine Muskelatrophien an den lin-

ken oberen Extremitäten feststellbar gewesen. Die Beschwerdeführerin sei 

Rechtshänderin. Der Tonus sei symmetrisch normal, auch die Motilität sei 

frei, bei spontanem Einsatz der linken oberen Extremität seien keinerlei 

Paresen feststellbar gewesen, auch in der Haltung habe es kein Herab-

hängen der Schulter links gegeben. Reflexe seien mittellebhaft seiten-

gleich auslösbar gewesen. Bei der Sensibilitätsprüfung sei es zu wider-

sprüchlichen Angaben gekommen, zum Teil links die Angabe einer Hyper-

sensibilität, eine Hyperpathie, jedoch später eher ein dumpferes Gefühl. 

Der Lagesinn der Finger sei intakt, die Vibration unauffällig. Die klinische 

Untersuchung und Beobachtung weise auf eine funktionelle 

C-2200/2022 

Seite 36 

«Armlähmung» links nicht organischer Genese hin, denn es hätten sich 

keinerlei Anhaltspunkte für eine Plexus Läsion, eine radikuläre Läsion oder 

eine zentrale Lähmung ergeben. Obwohl die Beschwerden hier konsistent 

vorgetragen worden seien, hätten sich deutliche Diskrepanzen zwischen 

dem spontanen Einsetzen der linken oberen Extremität z.B. beim Sich An-

kleiden oder Gepäck Aufheben und Umhergehen, und der eigentlichen Un-

tersuchung ergeben. Aus Sicht der Gutachterin gäbe es daher sicher keine 

klinischen Hinweise für ein CRPS. 

9.1.2.6 Dr. R._______ nahm ebenfalls eine Aktenwürdigung vor und no-

tierte, dass in früheren Berichten wie jenen von Dr. O._______ am 22. Au-

gust 2019 oder der Z._______klinik vom 15. März 2021 (vgl. E. 8.3) nie 

dargelegt worden sei, wie die Versicherte die Extremität ausserhalb der 

Untersuchungssituation spontan eingesetzt habe. Es seien unter anderem 

eine generalisierte Schwäche, eine Allodynie, Parästhesien, eine leichtgra-

dige Schwellung, vermehrtes Schwitzen und eine geänderte Temperatur-

wahrnehmung, im Bericht der Z._______klinik jedoch keine trophischen 

Störungen festgestellt worden. Tatsächlich notierte Dr. O._______ in seiner 

Untersuchung keine weiteren Details zum Einsatz der Extremität. Die 

Z._______klinik hielt ebenfalls fest, die Beschwerden im linken Arm seien 

in der neurologischen Untersuchung nicht reproduzierbar, die Schmerzen 

nicht nachvollziehbar gewesen und ausserdem habe die Beschwerdefüh-

rerin ihren Arm funktionell während des stationären Aufenthalts zuneh-

mend besser einsetzen können. Zudem finden sich in den Akten weitere 

Hinweise auf Uneinigkeit, da die Funktionsstörungen des linken Arms der 

Beschwerdeführerin verschiedentlich diagnostiziert wurden, unter ande-

rem auch als Chronische Schmerzerkrankung im Stadium III nach Ger-

bershagen mit körperlichen und seelischen Anteilen, was gegen die von 

der Beschwerdeführerin vorgebrachte eindeutige neurologische Diagnos-

tik des CRPS spricht. Der Verlaufsbericht des Neurozentrums W._______ 

vom 7. April 2021 (vgl. E. 8.3) hielt fest, dass bei der neurologischen Un-

tersuchung die Muskeleigenreflexe «erstaunlicherweise» seitengleich aus-

lösbar blieben, und dass keine sensiblen Ausfälle an den oberen Extremi-

täten vorlägen. Somit ist die teilweise Abweichung des neurologischen Teil-

gutachtens von den Akten ebenfalls hinreichend erklärt. 

9.1.2.7  Nach dem Dargelegtem ist erstellt, dass der Gutachter und die 

Gutachterin des orthopädisch-traumatologischen sowie neurologischen 

Teilgutachtens sich eingehend mit der Frage eines CRPS sowie den ein-

schlägigen IASP-Diagnosekriterien oder Budapest-Kriterien auseinander-

gesetzt haben. Im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung 

C-2200/2022 

Seite 37 

kamen die Gutachterinnen und Gutachter ebenfalls zum Schluss, diese 

Kriterien seien nicht erfüllt (vgl. E. 8.6.6). Diesem interdisziplinären Kon-

sens kommt grosses Gewicht zu (vgl. Urteil des BGer 8C_628/2023 vom 

9. April 2024 E. 5.3.2 m.H. auf BGE 143 V 124 E. 2.2.4). Dies wurde auch 

vom internen medizinischen Dienst der Vorinstanz überprüft und bestätigt 

(vgl. E. 8.7.2 und 8.7.3). Das von der Beschwerdeführerin bemängelte Fa-

zit von Dr. Q._______ und Dr. R._______, es fänden sich «klinisch keiner-

lei Hinweise für ein CRPS» mangels «objektivierbarer Anhaltspunkte», ist 

somit schlüssig und nachvollziehbar. 

9.1.3 Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter, die chronische Schmer-

zen seien bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ungenügend gewürdigt 

worden. Wie bereits ausgeführt, legte Dr. Q._______ aus orthopädischer 

Sicht nachvollziehbar dar, aus welchen Gründen er die chronischen 

Schmerzen der Beschwerdeführerin nicht als leistungsmindernd qualifi-

zierte (vgl. E. 9.1.1). Im Folgenden ist zu prüfen, ob Dr. Bb._______ im 

psychiatrischen Teilgutachten die im Vorfeld diagnostizierte «Chronische 

Schmerzerkrankung Im Stadium III nach Gerbershagen mit körperlichen 

und seelischen Anteilen» (vgl. E. 8.3) schlüssig und nachvollziehbar ver-

neinte (vgl. E. 8.6.2). 

9.1.3.1 Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Diagnose ei-

ner Schmerzstörung dem diagnoseinhärenten Schweregrad vermehrt 

Rechnung zu tragen. Primär wird «ein andauernder, schwerer und quälen-

der Schmerz» als vorherrschende Beschwerde verlangt, welcher per defi-

nitionem Beeinträchtigungen der Alltagsfunktion voraussetzt (vgl. BGE 141 

V 281 E. 2.1.1). Bei einer chronischen Schmerzstörung haben psychische 

Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf Schweregrad, Exazerbation oder 

Aufrechterhaltung der Schmerzen, wobei die Schmerzen durch eine Wech-

selwirkung von somatischen und psychischen Faktoren unterhalten wer-

den (vgl. BGE 143 V 418 E. 5.1). 

9.1.3.2 Vorliegend untersuchte Dr. Bb._______ die Beschwerdeführerin 

klinisch umfassend und notierte sämtliche Befunde im entsprechenden 

Teilgutachten (vgl. E. 8.6.2). Die Beschwerdeführerin habe auch hier zu-

nächst eine Parese des linken Armes demonstriert, habe den Arm jedoch 

im Verlauf der Exploration flüssig bewegt, übermässig viele Pseudosymp-

tome angegeben, was für eine übertriebene Beschwerdedarstellung spre-

che, sowie sich generell im Verhalten nicht schmerzgeplagt gezeigt. Im 

Sinne einer Aktenwürdigung befasste sich der Gutachter dann mit der Mög-

lichkeit einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und 

C-2200/2022 

Seite 38 

psychischen Faktoren im Stadium Gebershagen III. Hier sei die Vorausset-

zung, dass psychischen Faktoren eine wichtige Rolle für Schweregrad, 

Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beizumessen ist, 

zentral. Vor dem Hintergrund der auffallenden Inkonsistenzen während der 

Untersuchung stelle sich einerseits die Frage nach etwaiger willensnaher 

Entstehung und Ausgestaltung der Schmerzproblematik. Andererseits 

liesse sich auch keine wesentliche innerseelische Konfliktsituation oder 

wesentliche psychosoziale Belastung feststellen, welche schwer genug 

wäre, um die Entwicklung einer somatoformen Schmerzstörung bzw. einer 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren 

zu begründen. Tatsächlich erhob Dr. Bb._______ während seiner Untersu-

chung auch stabile psychosoziale Verhältnisse, eine hinlängliche emotio-

nale Stabilität auf Persönlichkeitsebene sowie Ressourcen in komplexen 

Ich-Funktionen. Trotz einer vermehrten Beschäftigung mit Schmerzen und 

schmerzassoziierten Beeinträchtigungen im inhaltlichen Denken, könne 

die Beschwerdeführerin aber stets daraus gelöst werden ohne in negative 

Denkspiralen oder depressive Grübelzwänge zu geraten. Das Fazit des 

Gutachters, es liege aus psychiatrischer Sicht keine chronische Schmerz-

störung vor, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu begründen ver-

möge, ist also schlüssig und nachvollziehbar festgestellt. 

9.1.4 Angesichts der weiteren psychischen Diagnosen im psychiatrischen 

Teilgutachten hat ein strukturiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 

zu erfolgen (vgl. BGE 143 V 409). Zu prüfen ist, ob im Rahmen des struk-

turierten Beweisverfahrens anhand der Standardindikatoren (vgl. E. 6.7) 

gestützt auf die diesbezüglichen gutachterlichen Feststellungen die vorge-

nommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rechtlicher Sicht über-

zeugt. 

9.1.4.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Gesundheits-

schaden im Sinne der klassifizierenden Merkmale vorliegt, ist eine fach-

ärztlich einwandfrei gestellte Diagnose (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2; 143 

V 418 E. 6; 141 V 281 E. 2.1). Bei der Beurteilung einer invalidisierenden 

gesundheitlichen Einschränkung kommt es in erster Linie nicht auf die 

Diagnoseeinstellung an, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine 

Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat (vgl. BGE 

136 V 279 E. 3.2.1). Denn zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Ar-

beitsunfähigkeit besteht keine Korrelation (BGE 140 V 193 E. 3.1). Mass-

gebend ist der lege artis erhobene psychopathologische Befund und der 

Schweregrad der Symptomatik sowie die damit verbundenen 

C-2200/2022 

Seite 39 

Funktionseinschränkungen (Urteil 9C_273/2018 vom 28. Juni 2018 E. 4.2 

mit Hinweisen; so schon BGE 127 V 294 E. 4c). 

9.1.4.2 Vorliegend attestierte der Gutachter der Beschwerdeführerin eine 

ängstlich-depressive Störung gemischt (F41.2) und aktenanamnestisch 

eine einfache Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung (ADHS; F90.0) 

(vgl. E. 8.6.2). Diese Diagnosen entsprechen grundsätzlich auch denjeni-

gen von Dr. Aa._______ vom 28. März 2019 (vgl. E. 8.4.2). Zusätzlich at-

testierte Dr. Dd._______ im neuropsychologischen Teilgutachten eine mit-

telschwere neuropsychologische Störung (vgl. E. 8.6.5). Bei der Diagnose 

stützten sich Dr. Dd._______ und Dr. Bb._______ auf fachspezifische 

Anamnese und das Interaktions- und Kommunikationsverhalten der Be-

schwerdeführerin während der Untersuchung sowie auf den klinisch-psy-

chopathologischen Befund nach neuropsychologischer Testuntersuchung. 

Die Diagnosen lassen sich ohne Weiteres nachvollziehen. Insbesondere 

passen sie zum beschriebenen Beschwerdebild der Vorakten – bspw. 

psychomatisches Syndrom aufgrund psychischer Überbelastung, Depres-

sion und Angst, gemischt, psychovegetative Erschöpfung (IVSTA-act. 49 

[S. 11-12, 13, 15, 45]), depressive Stimmung, Kraftlosigkeit, Schlafstörun-

gen, «alles zu viel», jedoch regelrecht orientiert, etwas reduzierter Antrieb, 

subdepressive bis depressive Sti