# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5264a394-0581-51d2-b60f-57109f84d8c8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.04.2021 D-1462/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1462-2021_2021-04-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1462/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, 

geboren am (...), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Carmen Zoss, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 2. März 2021 / N_______. 

 

 

 

D-1462/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Am (...) suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach. 

Am 18. Dezember 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. 

A.b Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs gemäss Art. 5 der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 28. Dezember 2020 führte der Beschwer-

deführer an, er habe Afghanistan im Jahr (...) verlassen und sei über 

B._______ und C._______ nach D._______ gelangt. Dort habe er ein Asyl-

gesuch stellen müssen, andernfalls er – den dortigen Behörden zufolge – 

nach Afghanistan zurückgeschafft worden wäre. In D._______ habe er sich 

(Nennung Dauer) aufgehalten. Nach Erhalt des negativen Asylentscheids 

(Nennung Zeitpunkt) habe er auf die Einreichung einer Beschwerde ver-

zichtet, weil es sich um ein geschlossenes Camp gehandelt habe und auch 

die Umstände nicht gut gewesen seien. Zudem habe er dort nicht seine 

wirklichen Asylgründe und Personalien angegeben. Um nicht ausgeschafft 

zu werden, habe er – ebenso erfolglos – ein weiteres Gesuch gestellt. Er 

sei aufgefordert worden, D._______ innerhalb von zehn Tagen zu verlas-

sen. In der Folge sei er versteckt in einem Lastwagen nach E._______ 

gereist und von dort in die Schweiz gelangt, ohne dass es in E._______ zu 

einem Kontakt mit den Behörden gekommen sei. Gesundheitlich sei alles 

in Ordnung, ausser dass er (Nennung Leiden) habe. Die Pflege sei darüber 

informiert. 

A.c Am 19. Februar 2021 wurde der aus der Stadt F._______ (Distrikt 

F._______, Provinz G._______) stammende Beschwerdeführer (...) Ethnie 

vom SEM zu seinen Asylgründen angehört. Zur Begründung führte er im 

Wesentlichen an, er habe stets in F._______ gelebt. Er habe die Schule 

nur (Nennung Dauer) lang besucht, da ihm sein Vater wegen der damals 

schlechten Sicherheitslage den weiteren Schulbesuch untersagt habe. 

Fortan habe er sich zuhause mit zwei (Nennung Personen) seines Vaters 

aufgehalten. Sein Vater habe als (Nennung Funktion) in ihrem Bezirk ge-

dient. Manchmal habe er seinen Vater zu Beerdigungen oder Hochzeiten 

begleitet oder seinen (Nennung Personen) das Essen gebracht. Sein Vater 

habe viele Ländereien besessen und sie hätten davon gelebt. Selber habe 

er (Beschwerdeführer) nie gearbeitet, im Unterschied zu seinem (Nennung 

Verwandter), der den Vater unterstützt und ebenfalls gegen die J._______ 

gekämpft habe und schliesslich in einem Gefecht (Nennung Zeitpunkt) um-

gekommen sei. (Nennung Zeitpunkt) habe auch sein Vater durch einen An-

schlag sein Leben verloren. Vor dessen Tod habe sich das Verhältnis zum 

D-1462/2021 

Seite 3 

(Nennung Funktion) I._______, für den sein Vater gearbeitet habe, ver-

schlechtert. Nach einem Gefecht habe sein Vater I._______ wegen eines 

Spitaltransports um Hilfe gebeten. Zudem habe sein Vater einige (Nennung 

Personen) der J._______ als Geiseln genommen. Obwohl I._______ Hilfe 

versprochen habe, sei diese nicht eingetroffen. Sein Vater habe sich da-

raufhin an die Regierung in K._______ gewandt, welche die notwendige 

Unterstützung organisiert habe. Die Geiseln seien in der Folge an die Re-

gierung übergeben worden. I._______ sei darüber wütend geworden und 

habe seinem Vater vorgehalten, dass er die Geiseln nicht ohne Erlaubnis 

an die Regierung hätte übergeben dürfen. Fortan habe I._______ seinem 

Vater jegliche Unterstützung verweigert. (Nennung Zeitpunkt) sei sein Va-

ter auf dem Nachhauseweg (...) umgekommen. Er (Beschwerdeführer) 

habe I._______ verdächtigt, hinter diesem Anschlag zu stehen, und beab-

sichtigt, Anzeige gegen I._______ zu erstatten. Obwohl der (Nennung Per-

son) und der (Nennung Person) die Anzeige unterzeichnet hätten, habe sie 

der (Nennung Person) zurückgewiesen und ihm geraten, nach Hause zu 

gehen. Schliesslich habe er die Anzeige wieder mitgenommen. Obwohl nur 

die erwähnten drei Personen von seiner Absicht respektive der Anzeige 

gewusst hätten, habe I._______ zu seiner Überraschung davon erfahren 

und ihn angerufen. I._______ habe ihm versichert, seinen Vater nicht um-

gebracht zu haben, und ihn für den Tag darauf zu einem Gespräch einge-

laden. Er habe zwar zugesagt, jedoch aus Angst um seine Person nicht 

wirklich vorgehabt, der Einladung zu folgen. Stattdessen sei er aus Afgha-

nistan ausgereist. Zudem habe er sich auch vor Racheakten seitens der 

J._______ gefürchtet, da sein Vater gegen diese gekämpft habe. Seine 

Mutter sei – als er auf seiner Flucht in D._______ angekommen sei, res-

pektive zwei bis drei Monate nach seiner Ausreise im (...) – zu seinem 

(Nennung Verwandter) nach Mazar-i-Sharif gezogen, um nicht alleine le-

ben zu müssen. In diesen zwei bis drei Monaten sei zuhause in F._______ 

nichts geschehen. Sein (Nennung Verwandter) besitze ein Haus und führe 

einen (Nennung Geschäft). Das eigene Haus habe seine Mutter in 

F._______ zurückgelassen. Ihre Felder und Plantagen seien verpachtet 

und seine Mutter erhalte einen Teil der Einnahmen, von welchen sie lebe. 

Er habe das Geld seines Vaters für seine Ausreise genutzt. In F._______ 

lebten keine Verwandten mehr. Neben seinem (Nennung Verwandter) und 

seiner Mutter, mit welcher er in Kontakt stehe, lebe in Mazar-i-Sharif noch 

eine (Nennung Verwandte). Weiter habe er eine (Nennung Verwandte) in 

K._______, deren Mann (Nennung Tätigkeit). Mit seiner Mutter und dem 

erwähnten (Nennung Verwandter) stehe er in Kontakt. 

Der Beschwerdeführer reichte (Nennung Beweismittel) ins Recht. 

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Seite 4 

A.d Das SEM räumte der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am 

26. Februar 2021 Gelegenheit ein, sich zum ablehnenden Entscheident-

wurf zu äussern. In der Stellungnahme vom 1. März 2021 führte die 

Rechtsvertretung aus, das der Beschwerdeführer die ihm bei einer Rück-

kehr drohende Verfolgung durch I._______ nachvollziehbar erklärt habe. 

In Afghanistan bestehe keine Schutzmöglichkeit. Zudem stünde es bei ei-

ner Rückkehr nach Afghanistan auch finanziell nicht gut um den Beschwer-

deführer. Die im Entscheidentwurf angeführten guten finanziellen Verhält-

nisse hätten früher einmal bestanden, als dieser und seine Familie noch in 

F._______ gelebt hätten. Der Beschwerdeführer verfüge weder über einen 

Schulabschluss noch über eine Berufslehre und habe selber noch nie ge-

arbeitet. Durch die Ländereien in F._______ hätten er und seine Mutter 

praktisch keine Einnahmen mehr zu verbuchen. Nachdem auch die Mutter 

F._______ verlassen habe, sei niemand mehr vor Ort, um die Geschäfte 

kontrollieren zu können. Der Beschwerdeführer wisse nicht, wohin die Ein-

nahmen durch die Bewirtschaftung der Ländereien fliessen würden; es 

gebe jedenfalls praktisch keine Einnahmen mehr. Der in Mazar-i-Sharif le-

bende (Nennung Verwandter) verdiene auch nicht genug, um den Be-

schwerdeführer und dessen Mutter beide unterstützen zu können. Zudem 

sei das Haus des (Nennung Verwandter) nicht so gross, dass auf Dauer 

alle dort leben könnten. 

B.  

Mit Verfügung vom 2. März 2021 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung sowie deren Vollzug an. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Eingabe vom 31. März 

2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, es seien die Dis-

positivziffern vier und fünf der angefochtenen Verfügung aufzuheben und 

die vorläufige Aufnahme in der Schweiz infolge Unzulässigkeit, Unzumut-

barkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. Even-

tualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüglichen 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hin-

sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

1. April 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

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Seite 5 

E.  

Mit Schreiben vom 1. April 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Verordnung über 

Massnahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus 

(Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318) und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist ein-

zutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug der Weg-

weisung. Die Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft), 2 (Ableh-

nung des Asylgesuchs) und 3 (Anordnung der Wegweisung) des Disposi-

tivs der Verfügung vom 2. März 2021 sind mangels Anfechtung in Rechts-

kraft erwachsen. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den Untersuchungsgrund-

satz verletzt. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen.  

4.2 Das SEM hat einerseits die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt 

richtig und vollständig abzuklären (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und 

hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten Umstände abzuklären so-

wie ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei hat es alle sach- 

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Seite 6 

und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ereignisse in den Akten festzu-

halten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Andererseits ergibt sich aus dem 

Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) das Recht der Parteien 

auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen Ein-

fluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts sichert, sowie die 

Pflicht der Behörde, die Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie 

in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Unerlässliches Gegenstück 

dazu bildet die Pflicht der Parteien, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken (Art. 8 AsylG). 

4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, das SEM habe die von ihm an-

lässlich der Anhörung beschriebene Lebenssituation in Afghanistan nicht 

rechtsgenüglich abgeklärt, insbesondere hinsichtlich des Verbleibs und 

des Kontakts mit seinen engsten Familienmitgliedern, des Familienbesit-

zes in F._______, der finanziellen Verhältnisse sowie bezüglich seiner 

Schulbildung beziehungsweise seines Bildungsgrades und seiner Berufs-

erfahrung. Zudem habe das SEM seine individuellen Umstände einseitig 

berücksichtigt, indem die gegen den Wegweisungsvollzug sprechenden 

Umstände wie sein sehr niedriges Bildungsniveau nicht beachtet worden 

seien, und falsch gewürdigt. 

4.4 Es ergeben sich nach Prüfung der Akten keine hinreichenden Anhalts-

punkte, welche den Schluss zulassen würden, das SEM habe den Sach-

verhalt unrichtig oder unvollständig abgeklärt, mithin den Untersuchungs-

grundsatz verletzt. Die Vorinstanz hat bei der Prüfung des Wegweisungs-

vollzugs zunächst die völkerrechtlichen Wegweisungsvollzugshindernisse 

geprüft, sich danach zur Zumutbarkeit des Vollzugs geäussert und sich da-

bei insbesondere an den vom Beschwerdeführer angeführten Äusserun-

gen orientiert. Dabei hat es sich bei der Prüfung einer zumutbaren inner-

staatlichen Aufenthaltsalternative in Mazar-i-Sharif auch explizit zu seiner 

persönlichen Situation, so insbesondere seinen familiären Beziehungen, 

der finanziellen Situation der Familie und der Wohnsituation bei seinem 

(Nennung Verwandter) auseinandergesetzt. Der Umstand, dass es nach 

einer gesamtheitlichen Würdigung der Parteivorbringen respektive der Si-

tuation in Afghanistan zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer 

gelangte, stellt keine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sach-

verhalts oder Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Unter diesen Umstän-

den ist das Vorbringen, die Ausführungen des SEM seien zu wenig einzel-

fallspezifisch und nicht aktuell, als nicht stichhaltig zu erachten. Im Übrigen 

ist auch keine Verletzung der Begründungspflicht zu erkennen, weil es dem 

Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite des vor-

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Seite 7 

instanzlichen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorliegende 

Beschwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2). 

Soweit der Beschwerdeführer anführt, das SEM habe seine individuellen 

Umstände bei der Beurteilung des Wegweisungsvollzugs einseitig berück-

sichtigt und falsch gewürdigt, vermengt er die sich aus dem Untersu-

chungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts mit derjenigen nach der rechtlichen Würdigung der Sache, 

welche die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe be-

trifft. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde vom SEM insgesamt richtig 

und vollständig festgestellt. 

4.5 Die Rüge der Verletzung formellen Rechts erweist sich als unbegrün-

det. Der Eventualantrag auf Rückweisung der Sache an das SEM ist dem-

zufolge abzuweisen. 

5.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-

lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 

Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des angeordneten Wegwei-

sungsvollzugs aus, der Grundsatz der Nichtrückschiebung könne nicht an-

gewendet werden, nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle. Auch würden keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass 

ihm eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Der 

Wegweisungsvollzug sei daher als zulässig zu erachten. Weiter habe das 

Bundesverwaltungsgericht in seinem Grundsatzurteil BVGE 2011/49 fest-

gehalten, dass die Rückkehr nach Mazar-i-Sharif beim Vorliegen begüns-

tigender Umstände zumutbar sein könne. Im Referenzurteil D-4287/2017 

vom 8. Februar 2019 habe das Bundesverwaltungsgericht eine neuerliche 

Analyse zur Lage in Mazar-i-Sharif vorgenommen und sei zum Schluss ge-

kommen, dass sich die Sicherheitslage in der Stadt in den letzten Jahren 

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Seite 8 

verschlechtert habe, jedoch im Vergleich zu anderen Regionen und Städ-

ten Afghanistans immer noch zu den stabileren und ruhigeren Orten ge-

höre. Der Vollzug der Wegweisung nach Mazar-i-Sharif könne deshalb 

beim Vorliegen begünstigender Umstände weiterhin zumutbar sein. Der 

Beschwerdeführer stamme aus F._______. Die Rückkehr an diesen Ort sei 

aufgrund der dort herrschenden Sicherheitslage und humanitären Situation 

als unzumutbar zu erachten. Es sei demnach das Bestehen einer inner-

staatlichen Aufenthaltsalternative zu prüfen. Der Beschwerdeführer habe 

angegeben, dass sowohl seine Mutter als auch weitere Verwandte in Ma-

zar-i-Sharif ansässig seien. Sein (Nennung Verwandter) besitze dort ein 

Haus, in welchem auch seine Mutter wohne. Seinen Angaben zufolge 

stehe er sowohl mit seiner Mutter als auch mit seinem (Nennung Verwand-

ter) in Kontakt. Sein Vater habe der Familie viel Land hinterlassen, welches 

verpachtet sei. Bereits in der Vergangenheit habe seine Familie derart gut 

davon leben können, dass er selber nie habe arbeiten müssen. Seine Mut-

ter lebe derzeit von den Erträgen ihrer Felder und Plantagen. Der Be-

schwerdeführer hätte nach dem Tod seines Vaters, wäre er nicht aus Af-

ghanistan ausgereist, langfristig weiterhin vom Ertrag der Ländereien leben 

können. Er stamme somit nach eigenen Angaben aus einer privilegierten 

Familie, womit begünstigende Umstände vorlägen. Es sei davon auszuge-

hen, dass er auch nach einer Rückkehr nach Afghanistan dort von den be-

treffenden Einkünften werde leben können. Weiter betreibe sein (Nennung 

Verwandter) einen (Nennung Geschäft) und auch seine Verwandten in 

K._______ könnten selbständig für ihren Lebensunterhalt sorgen. Somit 

sei im Weiteren davon auszugehen, dass er alternativ auch auf die Unter-

stützung seiner Verwandten zurückgreifen könnte. Es sei jedenfalls nicht 

ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr in eine finanzielle Notlage geraten 

würde. Obschon er in der Vergangenheit nicht in Mazar-i-Sharif gelebt 

habe, sei angesichts der geschilderten Sachlage von einer problemlosen 

Integration in Mazar-i-Sharif auszugehen. Der junge und gesunde Be-

schwerdeführer verfüge dort über ein tragfähiges soziales Netz, eine gesi-

cherte Wohnsituation und eine ausreichende Grundversorgung. Die Ver-

fügbarkeit einer Aufenthaltsalternative sei in seinem Fall somit zu bejahen 

und ein Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat zumutbar. Daran wür-

den die Entgegnungen in seiner Stellungnahme zum Entscheidentwurf 

nichts ändern. Dem Einwand, dass sich seine Aussagen über die finanzi-

ellen Verhältnisse stets auf die Vergangenheit bezogen hätten, sei entge-

genzuhalten, dass seine Mutter laut seinen eigenen Angaben nach wie vor 

von den Ländereien der Familie lebe. Die Angabe, dass die Mutter kaum 

mehr Erträge von den Feldern in F._______ zu verbuchen habe, wirke 

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Seite 9 

nachgeschoben und die geltend gemachte Unkenntnis, wohin die Einnah-

men im Zusammenhang mit den FeIdern fliessen würden, sei als unglaub-

haft zu erachten. So habe der Beschwerdeführer in der Anhörung aus-

drücklich angeführt, dass seine Familie ihre Felder und Plantagen verpach-

tet habe und seine Mutter einen Teil der Einnahmen erhalte und davon 

lebe. Somit erscheine auch die Angabe, dass sein (Nennung Verwandter) 

ihn und die Mutter nicht gleichzeitig unterstützen könne, irrelevant. Der Ein-

wand, das Haus des (Nennung Verwandter) sei nicht gross genug, um 

auch ihn zu beherbergen, bleibe unbehelflich, nachdem es sich bei ihm um 

einen alleinstehenden Mann handle. Dass er kaum die Schule besucht 

habe, falle nicht ins Gewicht, weil er laut eigenen Angaben aus privilegier-

ten Verhältnissen stamme. Weiter sei der Umstand, dass er nie gearbeitet 

habe, seiner privilegierten finanziellen Ausgangslage geschuldet und spre-

che deshalb auch nicht gegen eine Rückkehr in die Heimat. Gestützt auf 

die Aktenlage sei nicht anzunehmen, dass sich die finanziellen Verhält-

nisse der Familie nach seiner Ausreise wesentlich verändert hätten. 

6.2 Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte-

leingabe zunächst ein, der Wegweisungsvollzug sei unzulässig, da er bei 

einer Rückkehr nach Afghanistan seitens I._______ konkrete Nachteile zu 

befürchten habe. Die Vorinstanz habe weder den Tod des (Nennung Ver-

wandter) noch des Vaters in Zweifel gezogen und auch nicht in Abrede ge-

stellt, dass I._______ seinen Vater aus Rache habe töten lassen. Auch die 

erstattete Anzeige sowie der aus den Gesamtumständen resultierende 

Wegzug seiner Mutter aus F._______ seien unbestritten. Selbst wenn das 

Motiv seiner Verfolgung nicht asylrelevant sei, habe er zumindest glaubhaft 

darlegen können, dass ihm bei einer Rückkehr eine konkrete Gefahr im 

Sinne eines "real risk" drohe. Im Weiteren legte er in einlässlicher Weise 

seine bereits in der Stellungnahme vom 1. März 2021 vorgebrachte Argu-

mentation, die einem Wegweisungsvollzug entgegenstehe, erneut dar. So 

seien die im Sinne der Rechtsprechung geforderten begünstigenden Um-

stände für eine Wegweisung nach Mazar-i-Sharif aufgrund des ungenü-

genden sozialen Beziehungsnetzes, seines niedrigen Bildungsgrades, der 

fehlenden Berufserfahrung sowie mangels anderer besonders günstiger 

Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb er mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit in eine existenzbedrohende Lage geraten würde. 

7.  

7.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

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Seite 10 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder 

unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 

werden.  

7.2  

7.2.1 Infolge der auf den Vollzugspunkt beschränkten Anfechtung ist die 

Feststellung, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllt, in Rechtskraft erwachsen. Das Non-Refoulement-Prinzip im Sinne 

der vorgenannten flüchtlingsrechtlichen Bestimmungen ist daher nicht tan-

giert. 

7.2.2 Ferner ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten konkrete und gewichtige Anhaltspunkte für die 

Annahme, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan dort 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des 

Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des 

UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete 

Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 

einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Entgegen der in der Be-

schwerde vertretenen Ansicht vermag der Beschwerdeführer keine sol-

chermassen konkrete Gefahr im Sinne eines "real risk" glaubhaft zu ma-

chen. Zwar hat das SEM in seinem Asylentscheid den Tod des (Nennung 

Verwandter) und des Vaters sowie den Umzug seiner Mutter nach Mazar-

i-Sharif als solche in der Tat nicht in Zweifel gezogen. Jedoch erkannte es, 

dass die Verfolgungsvorbringen des Beschwerdeführers auf blossen Mut-

massungen beruhen würden, so insbesondere bezüglich der Urheber-

schaft und der Gründe, die den Tod seines Vaters verursacht haben sollen 

(vgl. act. 1083579-27/11, S. 4 ff.). Dieser Auffassung schliesst sich das Ge-

richt vollumfänglich an. Zudem ist die Mutter laut Angaben des Beschwer-

deführers nach Mazar-i-Sharif zum (Nennung Verwandter) gezogen, weil 

sie alleine gewesen ist und gesundheitliche Probleme hatte (vgl. act. 

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Seite 11 

1083579-20/16, F14 und F79). Die anderslautenden Behauptungen des 

Beschwerdeführers erweisen sich demnach als unzutreffend und sind nicht 

geeignet, eine konkrete Gefahr nachzuweisen oder auch nur glaubhaft zu 

machen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Afghanistan 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

7.3.1 Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug in die Heimatprovinz 

des Beschwerdeführers (G._______) zu Recht als unzumutbar erachtet. 

Hinsichtlich der sich hier stellenden Frage der allfälligen Zumutbarkeit ei-

nes Vollzugs nach Mazar-i-Sharif ist Folgendes zu erwägen: 

7.3.2 Im Referenzurteil D-4287/2017 vom 8. Februar 2019 hielt das Bun-

desverwaltungsgericht nach einer Aktualisierung seiner Rechtsprechung 

fest, dass Mazar-i-Sharif im Vergleich zu anderen Regionen und Städten 

Afghanistans trotz verschlechterter Sicherheitslage immer noch zu den 

stabileren und ruhigeren Orten gehöre. Die Annahme einer generellen Un-

zumutbarkeit der Rückkehr dorthin verneinte es und bestätigte die Aussa-

gen in BVGE 2011/49 dahingehend, dass bei Vorliegen begünstigender 

Umstände (insbes. tragfähiges Beziehungsnetz, Möglichkeit zur Sicherung 

des Existenzminimums, gesicherte Wohnsituation, guter Gesundheitszu-

stand) weiterhin von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin 

auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer D-4287/2017 E. 6.3). Im Vergleich 

zu K._______, wo das Gericht die Lage grundsätzlich als existenzbedro-

hend und damit unzumutbar einschätzt und von der Annahme einer kon-

kreten Gefährdung nur ausnahmsweise bei Vorliegen besonders begüns-

tigender Umstände abweicht (vgl. Referenzurteil D-5800/2016 vom 13. Ok-

tober 2017 E. 8.4), ist demnach in Mazar-i-Sharif von einer verhältnismäs-

sig besseren Lage auszugehen. 

7.3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen und gesun-

den Mann, der in Mazar-i-Sharif über ein tragfähiges Beziehungsnetz und 

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Seite 12 

eine gesicherte Wohnsituation verfügt. So leben in Mazar-i-Sharif nebst ei-

nem (Nennung Verwandter) und seiner Mutter auch noch (Nennung Ver-

wandte) (vgl. act. 1083579-20/16, F74 ff.). Seine Mutter wohnt seit (Nen-

nung Zeitpunkt) im Haus ihres (Nennung Verwandter) beziehungsweise 

des (Nennung Verwandter) des Beschwerdeführers und lebt von einem Teil 

der Einnahmen aus den familieneigenen verpachteten Feldern und Plan-

tagen (vgl. act. 1083579-20/16, F58). Dieser erwähnte (Nennung Verwand-

ter) besitzt einen (Nennung Geschäft), von dessen Erträgen er lebt (vgl. 

act. 1083579-20/16, F15). Der Beschwerdeführer verfügt zwar lediglich 

über eine (Nennung Dauer) Schulbildung und keinerlei Berufserfahrung. 

Dem Umstand, dass er nie gearbeitet hat, liegt jedoch – wie die Vorinstanz 

zu Recht erkannte – die privilegierte finanzielle Situation der Familie zu-

grunde, die über ausgedehnte Ländereien und Plantagen verfügt und die 

Ernte sogar ins Ausland verkaufen kann (vgl. act. 1083579-20/16, F83). 

Nachdem die Mutter des Beschwerdeführers nun bereits seit (Nennung 

Dauer) im Haus des (Nennung Verwandter) lebt und der Beschwerdeführer 

sowohl mit seiner Mutter als auch seinem (Nennung Verwandter) in Kontakt 

steht, ohne dass er im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens irgendwel-

che Hindernisse angeführt hätte, welche es ihm verunmöglichen würden, 

sich ebenfalls dorthin zu begeben, ist davon auszugehen, dass ihm im 

Haus seines (Nennung Verwandter) eine Wohnmöglichkeit offensteht und 

ihn seine Verwandten bei der Wiedereingliederung in Afghanistan unter-

stützen werden. Daran vermag der pauschale Hinweis, es bestehe keine 

besondere Bindung zum (Nennung Verwandter), nichts zu ändern. Soweit 

der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe erstmals anführt, der 

erwähnte (Nennung Verwandter) werde ihn nicht aufnehmen, ist diese Aus-

sage als blosse Parteibehauptung zu werten, zumal er in seiner Stellung-

nahme zum Entscheidentwurf wenige Wochen zuvor einen solchen Grund 

auch nicht ansatzweise geltend machte. Auch bleibt der Verweis auf die 

geringen Verdienstmöglichkeiten des (Nennung Verwandter) – welche an-

geblich für eine Unterstützung des Beschwerdeführers nicht ausreichen – 

sowie die geringe Schulbildung und die fehlende Berufserfahrung des Be-

schwerdeführers angesichts der privilegierten finanziellen Situation der Fa-

milie unbehelflich. Es erscheint überdies nicht ausgeschlossen, dass der 

Beschwerdeführer im Geschäft seines (Nennung Verwandter) Berufserfah-

rungen sammeln und mit seiner Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen 

kann. Da die Mutter des Beschwerdeführers offenbar seit nunmehr (Nen-

nung Dauer) ohne Probleme aus den verpachteten Ländereien ein Ein-

kommen erzielt, erscheinen die nicht weiter begründeten und wenig kon-

kreten Befürchtungen, dass diese Ländereien in Zukunft möglicherweise 

D-1462/2021 

Seite 13 

einmal nicht mehr im Besitz der Familie stehen könnten, da sich keine Ver-

wandten mehr in F._______ aufhalten würden, als objektiv unbegründet. 

Damit liegen klarerweise begünstigende Umstände vor, weshalb der Weg-

weisungsvollzug nach Mazar-i-Sharif auch in individueller Hinsicht zumut-

bar ist. 

7.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung 

des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu 

beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), 

weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 

(Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.5 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungs-

vollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um 

ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-

ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa 

der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Afghanistan angepasst wird (vgl. 

Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-

sion [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 

27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). 

7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos gewor-

den.  

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

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Seite 14 

Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass 

sein Begehren nicht von vornherein aussichtlos war. Während seines Auf-

enthalts im Bundeszentrum unterliegt er einem Arbeitsverbot und ist mittel-

los (Art. 43 Abs. 1 AsylG). Die Voraussetzungen des Art. 65 Abs. 1 VwVG 

sind demnach erfüllt und das Gesuch ist gutzuheissen. Auf die Erhebung 

der Verfahrenskosten ist zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber 

 

 

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