# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14805f2d-d79e-52b6-b44d-453df9d5c5d7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-03-28
**Language:** de
**Title:** Revisionsweise Rentenaufhebung ohne rechtsgenügliche medizinische Grundlage.
**Docket/Reference:** IV.2015.00806
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00806.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00806
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Fraefel
Urteil
vom
28. März 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt George Hunziker
Advokaturen
im Rabenhaus
Hechtplatz/
Schifflände
5, Postfach 624, 8024 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1967 in Kroatien, war nach ihrer Einreise in die Schweiz im Juli 1989 als Hilfsarbeiterin vor allem im Gastronomie- und
Bä
ckereibereich tätig, zuletzt im Zeitraum vom 1. bis 16. Dezember 2006 (effektiv letzter Arbeitstag) bei der
Y.___
(vergleiche zum Sachverhalt im Folgenden: Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2009.01047 vom
30. Juni 2011,
Urk.
5/44). Am 18. Januar 2007 wurde sie im
Z.___
wegen eines Mitte Dezember 2006 diagnostizierten Karzinoid
-
tumors im linken Hauptbronchus operiert.
Wegen seit 16. Dezember 2006 bestehender
psychischer Probleme
meldete sie sich am 21. Februar 2008 bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfol
gend IV-Stelle), klärte die medizinischen und beruflichen Eingliederungs-möglichkeiten ab und sprach der Versicherten ab 1. Dezember 2007 bis
31. August 2008 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze und ab 1. September 2008 gestützt auf einen Invalidi
tätsgrad von 50
%
eine halbe In
validenrente nebst zweier Kinderrenten zu (Verfügung vom 13. Ok
tober 2009
,
Urk.
5/38-39
)
. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das
Sozi
alversicherungsgericht
mit
dem
Urteil IV.2009.01047 vom 30. Juni 2011 ab (
Urk.
5/44).
Ein
Gesuch
vom 29. September 2010
um revisionsweise Erhöhung der Rente
(
Urk.
5/42)
zog
die Versicherte
am 28. Februar 2012
zurück
(
Urk.
5/54).
Im Rahmen eines am 29. August 2014 eingeleiteten Revisionsverfahrens
(
Urk.
5/57)
nahm die
IV-Stelle
unter anderem
Verlaufsberichte der behan
delnden Är
zte zu den Akten (
Urk.
5/62,
Urk.
5/64). Zudem
klärte
sie
am
26. Januar 2015
die Hilflosigkeit des Versicherten zu Hause ab (
Urk.
5/72). Gestützt darauf verneinte sie
mit der unangefochten in Rechtskraft erwach
senen Verfügung vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
5/78)
einen Anspruch der Ver
sicherten auf
Hilflosenentschädigung
. Im Weiteren stellte sie die Rentenleis
tung nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/77,
Urk.
5/82) mit Verfügung vom 16. Juni 2015 per Ende des der Zustellung folgenden Monats ein (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 17. August 2015 Beschwerde erheben (Urk. 1) mit dem Antrag, es sei ihr
weiterhin
eine
halbe
Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache
zur gesetzmässigen Abklärung des Sachverhalts
an
die IV-Stelle zurückzuweisen.
In der Beschwerdeantwort vom
23. September
2015
schloss die IV-Stell
e auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 4
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderba
ren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsun
fähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psy
chosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belas
tenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssitu
ation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditäts
begründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IV
G).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invalidi
tätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2
.
2
.1
Mit dem angefochtenen Entscheid
wurde
die halbe Invalidenrente der
Ver
sicherten
revisionsweise aufgehoben.
Streitig und zu prüfen ist
somit, ob
seit der rechtskräftigen Verfügung
vom 13. Oktober 2009 (
Urk.
5/38-39
) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. Ju
n
i 2015 e
ine Veränderung des Gesundheits
zustandes mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit eingetreten ist, welche die Aufhebung der
halben
Invalidenrente zu begründen vermag.
2
.2
Die ursprüngliche Verfügung vom 13. Oktob
er 2009 basierte auf folgenden Arztb
erichten und Gutachten:
Bei bestehender chronischer Bronchitis wurde die Versicherte wegen eines Mitte Dezember 2006 diagnostizierten
Karzinoidtumo
rs
im distalen linken Hauptbron
chus - im Rahmen einer
Hospitalis
a
tion
im
Z.___
in der Zeit vom 17. bis 31. Januar 2007 - am 18. Januar
2007
operiert (Berichte des
Z.___
, Klinik für
Thoraxchirurgie
, vom
18. und 30. Januar sowie vom 6. Februar 2007
)
. Im Bericht
der Klinik für
Thora
xchirurgie
vom 20. Februar 2007 betreffend die
thoraxchirurgische
Sprech
stunde vom 19. Februar 2007 (
Urk.
6/18/7-8) beurteilten die Ärzte den post
operativen Verlauf als erfreulich; als weiteres Prozedere habe nun die
Haus
ärztin
der Versicherten,
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Innere Medi
zin, dreimonatliche Nachkontrollen vorzunehmen.
Dr.
A.___
führte in ihrem Bericht vom 4. Juni 2007 aus, die akute Atemnot im Dezember 2006 mit der ans
chliessenden Entfernung des lin
ken
Lungen
unterlappens
habe zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt. Seit dem 18. März 2007 sei die Versicherte in ihrer bisherigen Tätigkeit sowie für Arbeiten mit einer durchschnittlichen körperlichen Belastung wieder zu 100
%
arbeitsfähig. Für Arbeiten mit extremer körperlicher Belastung bestehe eine Belastungseinschränkung.
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Lungenkran
kheiten und Innere Medizin, wel
cher die Versicherte seit 18. Dezember 2006 behandelt, diagnostizierte in seinem Bericht vom 25. Juni 2007 einen
Karzinoidtumor
im distalen linken Hauptbronchus, einen Status n
ach einer Unterlappenresektion am
18. Januar 2007, eine chronische
asthmoide
Bronchitis sowie eine depressive Entwick
lung mit Panikstörungen. Leichte körperliche Tätigkeiten könnten der Ver
sicherten ab Anfang Juli 2007 zugemutet werden, vorläufig zu 50
%
. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei im Verlauf der nächsten Monate zu er-
warten. In seinem Bericht vom 19. September 2007 hielt
Dr.
B.___
unter anderem fest, aktuell bestehe k
eine Einschränkung der körperli
chen Leis
tungsfähigkeit mehr. Es seien aber deutliche Zeichen einer psychischen Traumatisierung vorhanden. Eine mindestens teilweise Aufnahme einer regelmässigen Tätigkeit könnte per sofort
erfolgen
, wobei in Anbetracht der Gesamtsituation zu Beginn eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
sinnvoll wäre.
In seinem Bericht v
om 18. März 2008 (
Urk.
5/13
) stellte
Dr.
med. Hans Rudolf
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie - bei dessen de
legierter Psychotherapeutin
D.___
die Versicherte seit 7. De
zember 2007 in Behandlung ist -
,
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit: eine schwere posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) mit schweren
chronifizierten
Angstzuständen (ICD-10: F41.1), Panikattacken (ICD-10: 41.0), eine mittelgradige Depression (ICD-1
0: 43.21) sowie eine Stauballer
gie. In ihrer angestammten Tätigkeit sei die Beschwer
deführerin zu 50
%
arbeitsfähig.
Zu den grundsätzlich gleichen Diagnosen wie
Dr.
C.___
im Bericht vom 18. März 2008 kam auch
Dr.
A.___
in
ihrem Bericht vom 16. Juni 2008
. Zusätzlich diagnostizierte sie ein
chronifiziertes
, teils exogenes kontrollier
bares Asthma sowie, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, eine Adipo
sitas und einen Reflux. Zur Arbeitsfähigkeit gab sie an, die Versicherte sei in ihrer bisherigen oder
in
einer leidensangepassten Tätigkeit ab sofort zu 50
%
arbeitsfähig.
Als Diagnosen führte
Dr.
B.___
in seinem Bericht vom 29. Juni 2008 einen
Karzinoidtumor
der linken L
unge mit einer Unterlappenresek
tion, ein Asthma bronchiale, eine reaktive Depression sowie, ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, eine Adipositas
simple
x
auf. Weiter hielt er unter an
derem fest, die Arbeitsunfähigkeit der Beschw
erdeführerin in ihrer angestamm
ten Tätigkeit betrage im Zeitraum ab 18. Dezember 2006 bis zum 30. Juni 2007 100
%
und seit 1. Juli 2007 bis auf
Weiteres
50
%
. Die Spiroergometrie am 2
2.
August 2007 habe eine altersentsprechende körperliche Leistungsfähig
keit ergeben. Aktuell sei die Versicherte vor allem durch ihre psychische Erkrankung blockiert.
In seinem Gutac
hten vom 2
2.
Mai 2009 (
Urk.
5/27
) diagnostizierte
Dr.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, welcher die Ver
sicherte am 14. Januar 2009 untersucht hatte, eine mittelgradig ausgeprägte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte er aus,
es bestehe aus psychiatrischer Sicht zum
Unters
uchungszeit
punkt
eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit in jeglicher, den Fähigkeiten der
Ver
sicherten entsprechenden Ar
beitstätigkeit. Zu den Befunden führte der Gut
achter unter anderem aus, die Beschwerdeführerin sei bei der Untersuchung in allen Qualitäten voll orientiert gewesen, habe jedoch die Aufmerksamkeit für die Dauer des Gesprächs nicht durchgehend aufrechterhalten können. Im f
ormalen Gedankengang sei sie ge
ordnet, dabei massiv eingeengt, kreisend um die Behinderung ihres Sohnes, aber umstellfähig gewesen. Die
Grund
stimmung
sei gedrückt-depressiv, ausgeprägt weinerlich-
klagsam
, freudlos, nicht
dysphorisch
und die affektive Modulationsfähigkeit
sei
deutlich ver
mindert gewesen.
2
.3
Die angefochtene Verfügung vom
16. Juni 2015 (
Urk.
2)
basiert auf folgen
den Arztberichten:
Die Ärzte des
F.___
diagnostizieren im Operationsbericht
vom 23. Oktober 2013 (
Urk.
5/67
) betreffend eine
Osteosynthesematerial
-E
ntfernung eine mehrfragmentäre, ausgedehnte Volkmann-Fraktur des obe
ren Sprunggelenks rechts (2
2.
März 2013) bei einem Status nach einer Schraubenosteosynthese (26. März 2013).
Die Ärzte des
Z.___
, Klinik für Neurologie – wo die Versicherte ab dem
2.
bis zum 7. April 2014 hospitalisiert war -, diagnos
tizierten in ihrem Bericht vom 3. April 2014 (
Urk.
5/71/6-10) eine
Vigilanz
minderung
unklarer Genese
(
2.
April 2013
)
bei einer ätiologisch
orthosta
tischen
oder funktionellen Ursache im
Rahmen einer Panikattacke,
aktu
ell/kl
inisch ohne fokal-neurologische Defizite
,
fremdanamnestisch
bei
s
ch
nellem
Aufstehen (
0
9.45 Uhr)
mit Schwanken und Ankündigung von Übelkeit, Herumwälzen im Bett, mehrfa
ch
en Äusserungen „ich sterbe“, ohne Einnässen, ohne Zungenbiss,
mit
geschlossenen Augen
und mehrfache
m
Erbrechen
, bei einer diagnostisch unauf
f
älligen
Computertomographie (CT)
des Schädels (
2.
April 2014), Elektroenzephalogramm
en (EEG vom
3. und
7. April 2014) ohne epi
le
psietypischen Potenziale
sowie
mit der Therapie „
nihil
“
. Ferner diagnostiz
i
erten sie ein
en
Karzinoidtumor
im distalen linken Hauptbronchus bei einer flexiblen
Bronchoskopie
(18. Januar 2017) und einer Unterlappen-
Sleeveresektion
links mit
Bronchusanastomose
zwischen Oberlappen und Hauptbronchus sowie eine radikale mediastinale
Lympha
denektomie
(18. Januar 2017), eine chro
nische Bronchitis (Therapie
mit
Montekulast
und
Budenosid
),
eine
Adipositas
(Bodymassindex 32
,77 kg/m
2
sowie rezidivierende depressive Episoden u
n
d Panikstörungen (Therapie
mit
Citalopram). Weiter gaben die Ärzte an, die Symptomatik einer unklaren
Vigilanzminderung
, die zur Zuweisung geführt habe,
würden sie am ehesten im Rahmen einer
orthostatischen
Dysregula
tion
(
Differentialdiagnose
Panikattacke
)
sehen.
Sie
empfahlen eine psychiatrische Wiederanbindung.
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Innere Medizin und Hausarzt der Ver
sicherten, diagnostizierte in seinem Bericht vom
17. September 2014 (
Urk.
5/62/7-8) seit circa 1996 bestehende rezidivierende depressive Episoden bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), einer schwe
ren generalisierten Angststörung mit Somatisierung (ICD-10: F41.1), einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) und einer mittelgradigen Depression (ICD-10: F43.21) sowie ein seit dem 18. Lebensjahr bestehende
s
Asthma bronchiale und
eine
Stauballergie. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnosti
zierte er eine Migräne mit einer komplexen Aura, ein
leichtgradiges
Carpal
tunnelsyndrom
(CTS), klinisch links führend, sowie
eine
Adipositas. Weiter gab
er
an,
d
ie Motivation der
Beschwerdeführerin
sei schwer zu beurteilen. Die (mangelnde) soziale Einbettung würde die Krankheit aufrechterhalten.
In ihrem Bericht vom 21. September 2014
(
Urk.
5/64)
diagnostizierte
Dr.
med. univ.
H.___
, Fachärztin für
P
sychiatrie und Psychothera
pie,
welche die Versicherte
seit dem
2.
September 2014 behandelt,
eine mit
telgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom (ICD-10: F32.11) und sonstige belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ beeinfluss
t
e
n
(ICD-10: Z63.8). Weiter gab sie an, die Beschwerde
führerin sei aktuell zu 100
%
arbeitsunfähig in jeglicher Tätigkeit. Im
Haus
haltsb
ereich
bestehe eine mittelstark
e Einschränkung in der Selbständigkeit, weshalb sie auf Unterstützung angewiesen sei. Als die Krankheit aufrechter
haltende Faktoren erwähnte sie eine schwierige Erkrankung des Sohnes, eine knappe finanzielle Situation sowie ein dünnes soziales Netz.
3
.
3
.1
In der angefochtenen Verfügung begründete die Beschwerdegegnerin die Rentenaufhebung damit,
in den letzten Jahren hätten enorme
psychosoziale
Belastungsfaktoren
bestanden, wie
die
schwere Erkrankung
des
Sohnes,
die
Zerstörung
d
es Hauses in Bosnien,
der
Tod der
Schwester und
eine
prekäre finanzielle Lage. Gemäss ihren Abklärungen gehe die Versicherte drei- bis viermal jährlich nach Kroatien in die Ferien, entweder mit ihrem Ehemann mit dem Aut
o oder selbständig mit dem Bus
, erledige die Haushal
tsarbeiten im Verlauf des Tages,
habe Stellenbewerbungen getätigt
und dabei auch
Vorstellungsgespräche gehabt und könne kurze Strecken Auto fahren
. Auch
habe sie die
Behandlung
abgebrochen
. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass der Leidensdruck abgenommen und sich der Gesundheitszu
stand im Sinne einer verbesserten Angewöhnung an das Leiden und eines Aufbaus von Ressourcen verbessert habe. Eine depressive Episode von nur leic
htem bis mittelgradigem Ausmass
sei nicht invalidisierend.
3
.2
Dagegen bringt die Beschwerdeführerin haup
t
sächlich vor (
Urk.
1),
bei der Abklärung
zu Hause am 2
6.
Januar 2015 handle es sich um eine rechtswid
rige Schnüffel-Aktion
der Beschwerdegegnerin
,
weshalb ihr keinerlei Beweiswert zukomme.
Gemäss den
Beurteilungen der
Dres
.
G.___
und
H.___
leide sie an schwerwiegenden
psychische
Defiziten und sei zu 100
%
arbeitsunfähig.
4
.
4
.1.
Die
Zusprache
der halben Invalidenrente
mit
der
ursprünglichen Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009
erfolgte
einzig infolge
einer
psychisch bedingten
Ein
schränkung des Gesundheitszustandes (Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.2009.01047 vom 3
0.
Juni 2011, E. 5,
Urk.
5/44)
. Aufgrund der medizi
nischen Akten liegen keine Anhaltspunkte für eine
in körperlicher
Hinsicht relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerde
führe
rin
vor
.
Damit bleibt die Frage zu prüfen, ob in psychischer Hinsicht eine revisionsrechtlich relevante Veränderung, insbesondere
eine
Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten vorliegt.
4
.2
Hinsichtlich dieser Frage kann die Beschwerdeführerin aus den beiden Berich
ten der
Dres
.
G.___
und
H.___
vom 1
7.
und 2
1.
September 2014, auf welche sie sich beruft, nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Der Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
H.___
vom 2
1.
September 2014 erschöpft sich
,
abgesehen von den Diagnosen
,
im Wesentlichen in einer knappen Dar
legung des Befundes und der Angabe zur
Arbeitsunfähigkeit. Die
angegebene
100%ige
Arbeitsunfähigkeit
wurde dabei in keiner Weise
näher
begründet
und
bezüglich der
aufgeführten sozialbelastende
n
U
mstände erfolgte keine Auseinandersetzung
im Sinne der Rechtsprechung (
E. 1.1)
.
Somit kann auf diesen Bericht nicht abgestellt werden, umso weniger, als der
Erfahrungstat
sache
Rechnung zu tragen
ist
, dass Hausärzte
respektive behandelnde Spezi
alärzte
mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu G
unsten ihrer Patienten aussagen (
BGE 135 V 465
E. 4.5
)
. Das Gleiche gilt für
den
Bericht von
Dr.
G.___
vom 1
7.
September
2014 (
Urk.
5/62), welche
r
sich
zur Hauptsache
in einer Auflistung von Diagnosen erschöpft, weshalb ihm
ebenfalls
kein Beweiswe
rt zukommt (BGE 134 V 231 E. 5.1
).
Zwar ist der streitige
Abklärungsbericht vom 2
9.
Januar 2015 (
Urk.
5/72) entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin in einem
rechtmässigen
Verfahren zustande gekommen
(
Art.
69
Abs.
2 IVV)
,
umso mehr
als die
Akten
(
Urk.
5/64 unten,
Urk.
5/59)
gewisse
Hinweise auf
eine
Hilflosigkeit der Versicherten
enthielten, die sich dann allerdings als unzutreffend erwie
sen
.
Zudem musste der
Abklärungsbericht der Beschwerdeführerin
praxisge
mäss
nicht vorgängig zur Unterschrift vorgelegt werden
, um
grundsätzlich
beweiskräftig zu sein. Auch liegen keine k
onkrete
n
Anhaltspunkte
dafür
vor
,
dass
die
darin festgehaltenen
Angaben
der Versicherten oder ihres Eheman
nes
zu
ihre
n
Aktivitäten oder
zu den belastende
n
Umständen
unzutreffend protoko
lliert wurden, und auch
die Beschwerdeführerin bringt
nichts Sub
stantiiertes vor, was die korrekt
e
Wiedergabe dieser Angaben in Frage stellt.
Dennoch war das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, sich
für die
Ren
ten
-
aufhebung ohne eine
n
schlüssigen fachmedizinischen Bericht hauptsäch
lich auf den Abklärungsbericht vom 2
9.
Januar 2015 ab
zu
stützen, unzuläs
sig, war sie doch auf diese Weise
etwa im Zusammenhang mit den Diagnosen
auf Mutmassungen angewiesen, was nicht statthaft ist.
Damit lässt sich auf
grund der vorhandenen Akten eine die Rentenhöhe beeinflussende anhal
tende Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerde
führerin weder bestätigen noch verneinen.
4
.3
Nach dem Gesagten ist die Sa
che an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen, damit sie ein
psychiatrisches
Gutachten einhole. Dieses wird sich
konk
ret und ausführlich zur Ver
änderung des psychischen G
esundheitszustandes im massge
benden Zeitraum
ab
1
3.
Oktober 2009 und
zu
dessen Auswirkun
gen auf die Arbeitsfä
higkeit insbesondere in einer behinderungsange
passten Tätigkeit zu äussern ha
ben.
Über die delegierte Psychotherapie bei
D.___
(E.
3.2
)
– welche nach Angabe der Versicherten bis circa 2012/2013
dauerte
(
Urk.
1
) – wird
ebenfalls
ein Bericht einzuholen sein.
Auch zur
Behandlungsintensität wird sich das Gutachten zu äussern haben.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass
Dr.
H.___
im
Bericht vom 2
1.
September 2014
angab
(
Urk.
5/64)
, die Behandlung erfolge monatlich, wogegen die Versicherte
bei
der Abklärung vom 2
6.
Januar 2015 angab, sie habe
mit
der Ärztin
vereinbart,
dass sie komme
,
wann sie wolle, und im September 2014 sei sie
letztmals bei ihr gewesen
(
Urk.
5/72/3)
.
Ebenfalls darauf hinzuweisen ist aber auch, dass nach ständiger Recht
sprechung des Bundesgerichts, eine Änderung der Rechtsprechung nur aus
nahmsweise Anlass gibt, in eine laufende, auf einer formell rechtskräftigen Verfügung beruhende Dauerleistung einzugreifen (BGE 135 V 201 E. 6.1.1 mit zahlreichen Hinweisen).
5.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
und die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen ergänzende Abklärungen treffe und hernach erneut über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin befinde
.
6
.
6
.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
700
.-- zulasten der IV Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
weisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Die
Prozessentschädi
gung
ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 de
s Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwer
t nach der Bedeutung der Streit
sache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand u
nd den Bar
auslagen festzusetzen. Unter Berücksichtigu
ng dieser Grundsätze ist der Be
schwerdeführerin eine Prozessentschädig
ung von
Fr.
1‘700
.-- (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
1
6.
Juni 2015
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
ge
wiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen ergänzende Abklärungen treffe und
hernach
erneut
über den Rentenanspruch verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozess
entschädigung
von
Fr.
1‘700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt George Hunziker
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesge
richt Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern,  zu
zustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
hal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigFraefel