# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eda9d8d3-bfce-58ab-ba12-0a03b835ff92
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 1. Abteilung O1Z-17-2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_001_O1Z-17-2_nodate.pdf

## Full Text

Berufungsklägerin 
Klägerin 

A___ AG  
 
vertreten durch: RA AA___ 

 
 
 
Berufungsbeklagter 
Beklagter 

B___ 
 
vertreten durch: RA BB___ 

 
 
 

 
 

  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
1. Abteilung  
 

Entscheid vom 21. August 2017  
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 
Oberrichterinnen S. Rohner, D. Cadosch 
Oberrichter H. P. Blaser, H. Zingg 
Obergerichtsschreiberin B. Widmer 
 
 
 

Verfahren Nr. O1Z 17 2 
 
 
 

Sitzungsort Trogen 

Gegenstand Forderung  

 

Seite 2 

Rechtsbegehren  
 
 
a) Klägerin und Berufungsklägerin: 

 
aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 
 aaa) vor Vermittler: 
 

1. Die beklagte Partei sei zu verpflichten, der klagenden Partei den Betrag von 
CHF 200'000.00 aus Solidarbürgschaft vom 25.05.2011 zu bezahlen. 

 
2. In der Betreibung Nr. 20142498 des Betreibungsamtes Appenzeller Mittelland 

sei die definitive Rechtsöffnung zu erteilen. 
 
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der beklagten Partei. 

 
  bbb) in der Klageschrift und der Replik: 

 
1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 200'000.00 solidarisch 

haftend mit der C___ AG, D___, zu bezahlen. 
 
 2. Es sei in der Betreibung Nr. 20142498, Betreibungsamt Appenzeller 

Mittelland, für die Forderung von CHF 200'000.00 definitive Rechtsöffnung zu 
erteilen; 

 
 alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten. 

 
 ccc) an Schranken (sinngemäss): 
 
 1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 200'000.00 solidarisch 

haftend mit der C___ AG zu bezahlen. 
 
2.  In der Betreibung Nr. 20142498 sei für die Forderung von CHF 200'000.00 der 

Rechtsvorschlag zu beseitigen. 
  
 3.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten. 

 
 

 bb) im Berufungsverfahren: 
 

  1. Das Urteil des Kantonsgerichts Appenzell Ausserrhoden, 2. Abteilung, vom 
15. November 2016 sei vollumfänglich aufzuheben. 

 
 2. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin CHF 200‘000.00 solidarisch 

haftend mit der C___ AG zu bezahlen. 
 
  3. In der Betreibung Nr. 20142498, Betreibungsamt Appenzeller Mittelland, sei 

für die Forderung von CHF 200‘000.00 der Rechtsvorschlag zu beseitigen; 
 
  alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.  
 
 

 

Seite 3 

b) Beklagter und Berufungsbeklagter: 
 

 aa) im erstinstanzlichen Verfahren: 
 

 aaa) vor Vermittler (sinngemäss): 
 

1. Die Klage sei abzuweisen.  
  

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 
 
  bbb) in der Klageantwort, der Duplik und an Schranken: 

 
 1. Die Klage sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 
 
 2. Das Gesuch um definitive Rechtsöffnung in der Betreibung Nr. 20142498, 

Betreibungsamt Appenzeller Mittelland, für eine Forderung von 
CHF 200.000.00 sei abzuweisen. 

 
 Unter Kostenfolge. 

 
 

 bb) im Berufungsverfahren: 
 

Die Berufung sei abzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 
 

 

 

Sachverhalt 

 

A. Übersicht 

B___ ist Mitglied des Verwaltungsrates der C___ AG mit Sitz in D___. Diese Firma 

bezweckt den Betrieb eines Architekturbüros und nannte sich bis 27. März 2012 „E___ 

AG“ (act. B 4/36/4/1). B___ unterzeichnete vor dem öffentlichen Notar am 25. Mai 2011 

eine Bürgschaftsurkunde. Gemäss darin aufgeführtem Bürgschein vom 11./25. Mai 2011 

verpflichtete er sich gegenüber der A___ AG (bzw. deren Rechtsvorgängerin A1___ AG), 

als Alleinbürge für die Hauptschuldnerin E___ AG im Maximal-Betrag von CHF 

200‘000.00 solidarisch zu haften (act. B 4/36/4/2). Am 14. Januar/ 14. März 2013 schloss 

die C___ AG mit der A___ AG einen „Rahmenvertrag Kredit“ ab, worin der Kreditrahmen 

von ursprünglich CHF 600‘000.00 auf CHF 315‘000.00 gekürzt wurde (act. B 4/36/4/3+4; 

act. B 1, S. 4). Ausserdem gewährte die A___ AG der C___ AG zwei Darlehen. Ein erstes 

Darlehen datierte vom 14. Januar 2013 und betrug CHF 115'000.00 (Darlehensnummer 

188.893.300.01, kurz Darlehen 300.01 genannt; act. B 4/36/4/4). Ein zweites Darlehen in 

der Höhe von CHF 200'000.00 (Darlehensnummer 188.893.301.10, kurz Darlehen 301.10 

genannt) wurde der C___ AG am 5. November 2013 gewährt (act. B 4/36/4/5). Wegen 

Zahlungsausständen kündigte die A___ AG am 26. Mai 2014 gegenüber der C___ AG per 

 

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sofort den Rahmenvertrag vom 14. Januar 2013 sowie die beiden Darlehen per 13. Juli 

2014 (act. B 4/36/4/8). Das genannte Kündigungsschreiben stellte die A___ AG B___ an 

dessen Privatadresse in F___ zu, unter Hinweis auf dessen Solidarbürgschaft vom 25. 

Mai 2011 zugunsten der C___ AG (act. B 4/36/4/9). Am 31. Juli 2014 forderte die A___ 

AG von B___ wegen ausgebliebener Rückzahlung der gekündigten Darlehen 300.01 und 

301.10 die Bezahlung des Bürgschaftsbetrages von CHF 200‘000.00 bis 29. August 2014 

(act. B 4/36/4/10). Da B___ der Zahlungsaufforderung nicht nachkam, leitete die A___ AG 

die Betreibung gegen ihn ein. Gegen den Zahlungsbefehl vom 7. November 2014 in der 

Betreibung Nr. 20142498 über CHF 200‘000.00 erhob B___ am 17. November 2014 

Rechtsvorschlag (act. B 4/36/4/11).  

 

 

 

B. Prozessgeschichte 

 Am 21. November 2014 stellte die A___ AG das Vermittlungsbegehren gegen B___. Die 

Vermittlungsverhandlung fand am 15. Januar 2015 vor dem Vermittleramt Kreis 1, 

Appenzeller Hinterland, statt. Gleichentags wurde der Klägerin die Klagebewilligung 

ausgehändigt (act. B 4/36/2). Mit Eingabe vom 17. April 2015 liess die Klägerin die Klage 

gegen B___ fristgereicht beim Kantonsgericht einreichen (act. B 4/36/1); dieses Verfahren 

wurde unter der Nr. K2Z 15 13 geführt. Die Klageantwort datiert vom 26. August 2015 

(act. B 4/36/10). Es wurde ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt. Die Klägerin liess 

die Replik am 13. Januar 2016 einreichen (act. B 4/36/20). Die Duplik wurde mit Eingabe 

vom 22. April 2016 eingereicht (act. B 4/36/27A). Die Vorsitzende teilte den Parteien am 

13. Mai 2016 mit, dass eine Vereinigung der Verfahren K2Z 15 12 (A___ AG gegen C___ 

AG) und K2Z 15 13 beabsichtigt sei und den Parteien wurde Gelegenheit zur 

Stellungnahme eingeräumt (act. B 4/36/29). Die Parteien teilten mit Schreiben vom 

17. Mai 2016 (A___ AG, act. B 4/36/30) und vom 25. Mai 2016 (B___, act. B 4/36/31) ihre 

Zustimmung mit. Mit Verfügung der Vorsitzenden vom 26. Mai 2016 wurden die Verfahren 

K2Z 15 12 und K2Z 15 13 vereinigt und unter der Verfahrensnummer K2Z 15 12 

weitergeführt. Das Verfahren K2Z 15 13 wurde als erledigt am Protokoll abgeschrieben 

(act. B 4/36/32). Am 15. November 2016 fand die Hauptverhandlung statt (act. B 4/38). Es 

wurden gleichentags unter der Verfahrens Nr. K2Z 15 12 zwei separate Urteile gefällt 

(gegen C___ AG: act. B 4/41; gegen B___: act. B 4/42).  

 

 

 

  

 

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C. Erstinstanzliches Urteil 

 Mit Urteil des Kantonsgerichtes, 2. Abteilung, vom 15. November 2016 wurde die Klage 

abgewiesen. Die Gerichtskosten von CHF 13‘700.00 wurden der Klägerin auferlegt, unter 

Verrechnung mit den von ihr geleisteten Vorschüssen von CHF 9‘200.00. Die Klägerin 

wurde verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von CHF 20‘342.20 (inkl. 

Barauslagen und 8 % MWSt) zu bezahlen.  

 

 Auf die Begründung des Urteils kann verwiesen werden. Soweit erforderlich, wird darauf 

in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.  

 

 

 

D. Schriftenwechsel und Urteil im Berufungsverfahre n 

 a) Nach fristgemäss verlangter schriftlicher Begründung (act. B 4/46A und 4/47) liess 

die Klägerin gegen das Urteil des Kantonsgerichts, dessen Zustellung in 

begründeter Ausfertigung am 18. Januar 2017 erfolgt war (act. B 4/52), mit Eingabe 

ihres Rechtsvertreters RA AA___ vom 17. Februar 2017 (act. B 1) rechtzeitig die 

Berufung erklären.  

 

 

 b) Am 22. März 2017 ging die Berufungsantwort des beklagtischen Rechtsvertreters 

RA BB___ ein (act. B 8). 

 

 

 c) Mit Verfügung der Verfahrensleitung vom 1. Mai 2017 wurde den Parteien 

angezeigt, dass der vorliegende Prozess spruchreif sei und sich nun in der Phase 

der Urteilsberatung befinde (act. B 10).  

 

 

 d) Am 21. August 2017 wurde die Streitsache ohne mündliche Verhandlung beraten.  

 

 Auf die Ausführungen in den Schriftstücken gemäss den vorerwähnten lit. a bis c wird, 

soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

  

 

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Erwägungen 
 

1.  Prozessuales 

 1.1 Prozessvoraussetzungen / Zuständigkeit 

 Die vom Gericht von Amtes wegen zu prüfenden Prozessvoraussetzungen (Art. 60 

ZPO), aufgeführt in Art. 59 Abs. 2 ZPO, sind vorliegend erfüllt. Betreffend die 

örtliche Zuständigkeit (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO) kann vollumfänglich auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in deren Erwägung 1.1 verwiesen 

werden, worin die örtliche Zuständigkeit der appenzell-ausserrhodischen Gerichte 

bejaht wird. Im Übrigen hat der Berufungsbeklagte im Berufungsverfahren die 

örtliche Zuständigkeit der Gerichte von Appenzell Ausserrhoden nicht mehr 

bestritten, weshalb das Obergericht allein schon zufolge Einlassung (Art. 18 ZPO) 

zuständig ist. Die sachliche Zuständigkeit des Obergerichts (Art. 59 Abs. 2 lit. b 

ZPO) ergibt sich aus Art. 24 Abs. 1 lit. b Justizgesetz (JG, bGS 145.31).  

 

 

 1.2 Streitwerte 

 1.2.1 Rechtsmittelstreitwert nach Art. 308 Abs. 2 Z PO / Streitwert des 
  Berufungsverfahrens 

 In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung nur zulässig, wenn der 

Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens 10’000 

Franken beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). Die Berechnung ist vollkommen unabhängig 

davon, wie die Vorinstanz entschieden hat, ob sie also z. B. den streitigen Betrag in 

bestimmtem Umfang zugesprochen hat. Diese Regelung erfolgte bewusst 

entsprechend derjenigen im BGG (HOFFMANN-NOWOTNY, in: Kunz/Hoffmann-

Nowotny/Stauber [Hrsg.], ZPO-Rechtsmittel Berufung und Beschwerde, 2013, N. 53 

zu Art. 308 ZPO). Die Berufungsklägerin verlangt vom Berufungsbeklagten vor 

beiden Instanzen je die Bezahlung von CHF 200‘000.00; letzterer beantragt jeweils 

vollumfängliche Klageabweisung, soweit auf die Klage einzutreten sei. Demzufolge 

beläuft sich der Streitwert auf CHF 200‘000.00, so dass die Streitwertgrenze 

gemäss Art. 308 Abs. 2 ZPO ohne weiteres erreicht wird und die Berufung zulässig 

ist.  

 

 Der Streitwert nach Art. 308 Abs. 2 ZPO ist aufgrund der von den Parteien in beiden 

Instanzen gleichbleibend gestellten Rechtsbegehren identisch mit demjenigen des 

Berufungsverfahrens. Letzterer Streitwert ist insbesondere für die Kosten des 

zweitinstanzlichen Verfahrens und für die Zulässigkeit der Beschwerde in 

 

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Zivilsachen massgebend (SAMUEL RICKLI, Der Streitwert im schweizerischen 

Zivilprozessrecht, 2014, Rz. 439 ff.).  

 

  1.2.2 Streitwert für den Weiterzug an das Bundesg ericht 

 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a BGG bestimmt sich der Streitwert bei Beschwerden 

gegen kantonale Endentscheide nach den Begehren, die vor der Vorinstanz streitig 

geblieben sind. Wie vorerwähnt, verlangt die Berufungsklägerin vor Obergericht die 

Bezahlung von CHF 200‘000.00, währenddem der Berufungsbeklagte die 

Abweisung der Klage beantragt, jedoch nicht Anschlussberufung nach Art. 313 ZPO 

erhoben hat. Damit wird die Streitwertgrenze für die Beschwerde in Zivilsachen von 

CHF 30‘000.00 nach Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG auf jeden Fall erreicht.  

 

 

 1.3 Vereinigung 

Gemäss Art. 125 lit. c ZPO kann das Gericht zur Vereinfachung des Prozesses 

selbständig eingereichte Klagen vereinigen. Von dieser Möglichkeit hat das 

Kantonsgericht Gebrauch gemacht und die von der A___ AG parallel zum Verfahren 

gegen B___ anhängig gemachte Klage gegen die C___ AG miteinander vereinigt 

und unter der Verfahrensnummer K2Z 15 12 weitergeführt, aber zwei separate 

Urteile erlassen. Wie die Vorinstanz in Erwägung 1.5 ausgeführt hat, geht es im 

Verfahren gegen die C___ AG um eine Forderung aus Darlehen und in demjenigen 

gegen B___ um eine Forderung aus Bürgschaft. Welches sind die Folgen der 

Vereinigung? Bei der Vereinigung von Klagen (Bst. c) werden – genau besehen – 

nicht die Klagen, sondern nur die der Beurteilung der den einzelnen Klagen 

dienenden Verfahren zwecks Vereinfachung des Prozesses zu einem einzigen 

Verfahren vereinigt; und es ergeht ein Entscheid für jedes einzelne 

Rechtsbegehren, wie wenn für jedes Rechtsbegehren ein separater Prozess 

durchgeführt worden wäre (ADRIAN STAEHELIN, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Zivilprozessordnung (ZPO), 3. Aufl. 2016, N. 5 zu Art. 125 ZPO). Bei der 

Vereinigung von Klagen bleibt deren materielle Eigenständigkeit ungeachtet ihrer 

Verbindung erhalten, was bedeutet, dass die Klagen ihre eigenes Schicksal haben, 

auch wenn über sie formell im gleichen Verfahren verhandelt wird (Urteile des 

Obergerichts Zürich LA160026 vom 23. Dezember 2016 E. 1 und LA160027 vom 

16. Dezember 2016 E. 2.3). Die Vorbringen einer Partei gelten nicht für alle 

Verfahrensbeteiligte, sondern nur für die Rechtsbeziehungen der Partei, die die 

Vorbringen gemacht hat (MARTIN KAUFMANN, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], 

Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2016, N. 24 zu Art. 125 ZPO). 

 

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 1.4 Noven  
 Die Berufungsklägerin lässt vorbringen, sie reiche gestützt auf Art. 317 Abs. 1 

ZPO als kläg. act. 12 bis 14 neue Beweismittel ein. Die Voraussetzungen von 317 

ZPO seien erfüllt. Die Berufungsklägerin habe keinen Anlass gehabt anzunehmen, 

dass der Berufungsbeklagte die erfolglose Mahnung im Sinne von Art. 496 Abs. 1 

OR trotz gerichtsnotorischer Geltendmachung der Belangung der Hauptschuldnerin 

durch die Berufungsklägerin bestreiten würde. Hätte der Berufungsbeklagte die mit 

der Klage behauptete Belangung der Hauptschuldnerin rechtzeitig mit der 

Klageantwort bestritten, hätte die Berufungsklägerin ihre Behauptung in der Replik 

substantiieren und die entsprechenden Beweismittel offerieren können.  

 Der Berufungsbeklagte  ist der Ansicht, die neuen Beweismittel kläg. act. 12 bis 14 

seien nicht zu berücksichtigen, weil sie schon im erstinstanzlichen Verfahren hätten 

vorgelegt werden müssen. Die Sachverhaltsergänzung der Berufungsklägerin im 

Berufungsverfahren sei unzulässig, da es sich bei den Behauptungen und neu 

eingereichten Beweismitteln allesamt um unzulässige Noven handle.  

 

 Im Berufungsverfahren ist die Zulässigkeit von Noven in Art. 317 ZPO geregelt. 

Nach dieser Bestimmung werden neue Tatsachen und Beweismittel nur noch 

berücksichtigt, wenn sie: a. ohne Verzug vorgebracht werden; und b. trotz 

zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten. Als 

echte Noven sind vor zweiter Instanz nur solche Tatsachen und Beweismittel zu 

qualifizieren, die erst nach dem Aktenschluss im erstinstanzlichen Verfahren 

entstanden sind (REETZ/HILBER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), 3. Aufl. 2016, N. 56 ff. 

zu Art. 317 ZPO; KARL SPÜHLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische 

Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 4 zu Art. 317 ZPO;  GASSER/RICKLI, 

Schweizerische Zivilprozessordnung, Kurzkommentar, 2. Aufl. 2014, N. 3 zu Art. 

317 ZPO). Unechte Noven sind demgegenüber Tatsachen, die sich schon vor dem 

erstinstanzlichen Entscheid verwirklicht haben. Die Novenregelung in Art. 317 Abs. 

1 ZPO umfasst echte und unechte Noven (REETZ/HILBER, a.a.O., N. 56 ff. zu Art. 

317 ZPO; KARL SPÜHLER, a.a.O., N. 5 ff. zu Art. 317 ZPO; GASSER/RICKLI, a.a.O., N. 

2 ff. zu Art. 317 ZPO). 

 

 Im Berufungsverfahren wurden von der Berufungsklägerin folgende Noven 

eingereicht: kläg. act. 12-14 (akturiert als B 3/12-14). Bei act. B 3/12 handelt es sich 

um einen Zahlungsbefehl des Betreibungsamtes Appenzeller Hinterland vom 4. 

August 2014 für eine Forderung der A___ AG gegen die C___ AG, bei act. B 3/13 

um eine Zahlungsaufforderung der A___ AG an die C___ AG vom 30. September 

 

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2014 sowie bei act. B 3/14 um eine Klagebewilligung des Vermittleramtes Kreis 1 

Appenzeller Hinterland in Sachen A___ AG gegen C___ AG vom 15. Januar 2015.  

 

 Bei den ersten beiden Dokumenten handelt es sich zweifellos um sogenannte 

unechte Noven, da diese Beweismittel bereits vor dem erstinstanzlichen Entscheid 

vom 15. November 2016 existierten und somit ohne weiteres vor Kantonsgericht 

hätten eingereicht werden können. Unbehelflich ist der Einwand der 

Berufungsklägerin, sie habe nicht annehmen müssen, dass der Berufungsbeklagte 

die erfolglose Mahnung im Sinn von Art. 496 Abs. 1 OR trotz gerichtsnotorischer 

Geltendmachung der Belangung der Hauptschuldnerin durch die Berufungsklägerin 

bestreiten würde. Hier stellt sich die Frage, ob sie vor erster Instanz die zumutbare 

Sorgfalt beachtet hat (REETZ/HILBER, a.a.O., N. 50 zu Art. 317 ZPO). Dies muss 

verneint werden. Es liegt aufgrund der in casu der Berufungsklägerin obliegenden 

Behauptungslast an ihr, dem Gericht im Verfahren gegen B___ die relevanten, 

rechtsbegründenden Tatsachen vorzutragen. D. h., es sind alle 

Tatbestandselemente der materiellrechtlichen Norm zu behaupten, welche deren 

Rechtsbegehren stützen. Was nicht behauptet wird, ist für das Gericht inexistent 

(Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 400 16 43 vom 14. Juni 2016, in: CAN 

2017 Nr. 4 S. 14). Die Forderung der Berufungsklägerin stützt sich auf Art. 496 Abs. 

1 OR. Gemäss dieser Bestimmung kann der Solidarbürge belangt werden, sofern 

der Hauptschuldner mit seiner Leistung im Rückstand und erfolglos gemahnt 

worden ist. Die erfolglose Mahnung des Hauptschuldners gehört somit zum 

Klagefundament und es hätte der Berufungsklägerin oblegen, dieses 

Tatbestandselement von Art. 496 Abs. 1 OR bereits vor erster Instanz nach 

Massgabe von Art. 229 ZPO vorzutragen (weiteres dazu in Erwägung 2.2.2). Dies 

hat die Berufungsklägerin erst im Berufungsverfahren getan, womit sie vor 

Kantonsgericht die ihr zumutbare Sorgfalt im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO 

nicht beachtet hat. Somit handelt es sich bei act. B 3/12 und B 3/13 um unzulässige 

Noven, welche nicht zu berücksichtigen sind. Abschliessend ist darauf hinzuweisen, 

dass der ZPO die Idee zugrunde liegt, dass der Prozess vor erster Instanz 

abschliessend zu führen ist und grundsätzlich auch in diesem Verfahren alle 

Tatsachen und Beweismittel vorzubringen sind (CHRISTOPH REUT, Noven nach der 

Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2017, Rz. 338).  

 

 Bezüglich act. B 3/14 kann offen gelassen werden, ob es sich hierbei um ein Novum 

handelt. Die Klagebewilligung der A___ AG gegen die C___ AG wurde im Verfahren 

gegen B___ zwar nicht eingereicht, jedoch wurde immerhin in der Klageschrift vom 

17. April 2015 darauf hingewiesen, dass ebenfalls gegen die Hauptschuldnerin 

 

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C___ AG mit gleichem Datum Klage eingereicht worden sei (act. B 4/36/1, S. 3). 

Hier ist zu beachten, dass offenkundige und gerichtsnotorische Tatsachen keines 

Beweises bedürfen (Art. 151 ZPO) und die Klageeinleitung gegen die C___ AG 

beim gleichen Gericht als gerichtsnotorisch gelten kann (vgl.: Urteil des 

Bundesgerichts 4A_195/2014 vom 27. November 2014 E. 7.3.1, worin etwa die 

Offenkundigkeit von Handelsregistereinträgen bejaht wurde). Daraus folgt ebenfalls, 

dass die für eine Klageeinleitung Voraussetzung bildende Klagebewilligung von der 

Gerichtsnotorietät miterfasst und somit kein Novum ist. Dies muss jedoch nicht 

abschliessend geklärt werden, da aus den Ausführungen in Erwägung 2.2.2 

hervorgeht, dass act. B 3/14 bei der materiellen Beurteilung keine Relevanz 

zukommt.  

 

Im Übrigen kann es bei der vorinstanzlichen Erwägung 1.4 betreffend 

Unzulässigkeit des neuen Vorbringens des Berufungsbeklagten an Schranken, es 

sei nicht belegt, dass der Kredit an die C___ AG ausbezahlt worden sei, mangels 

Anfechtung bleiben. 

 

 

 

2. Materielles 

 2.1 Erfolglose Mahnung nach Art. 496 Abs. 1 OR 

  2.2.1 Qualifikation der Mahnung nach Art. 496 Abs. 1 OR  

  Die Berufungsklägerin  lässt vor Kantonsgerich t ausführen, zur Orientierung 

diene, dass in derselben Angelegenheit gegen die Hauptschuldnerin C___ AGmit 

gleichem Datum ebenfalls Klage eingereicht worden sei. Es werde dem Gericht 

überlassen, die beiden Klage zur Vereinfachung zu vereinigen. Die 

Hauptschuldnerin habe sich nicht an die vertraglichen Verpflichtungen gehalten, 

weshalb die Berufungsklägerin die Positionen gekündigt habe. Da die 

Hauptschuldnerin die geschuldeten Beträge per Kündigungstermin 13. Juli 2014 

nicht bezahlt habe, sei der Berufungsbeklagte mit Schreiben vom 31. Juli 2014 

aufgefordert worden, den verbürgten Betrag von CHF 200‘000.00 bis spätestens 29. 

August 2014 zu bezahlen. Die verbürgte Hauptschuld sei seit 13. Juli 2014 fällig. 

Der Berufungsbeklagte sei als Vertreter der Hauptschuldnerin und auch als 

Solidarbürge separat über die Kündigung und die ausstehenden Beträge informiert 

worden. Es sei nicht zu hören, dass keine Mahnung erfolgt sei, da dies eine neue 

Behauptung sei. Es sei erst nach erfolglosem Mahnen gekündigt worden. Es werde 

auf die Eingaben verwiesen. Dies sei auch aus dem Verfahren gegen den 

 

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Berufungsbeklagten und dem Kündigungsschreiben selbst ersichtlich. Der 

Berufungsbeklagte habe selber die Mahnung ins Recht gelegt.  

Die Berufungsklägerin  lässt vor Obergericht  vorbringen, die Mahnung müsse 

nach der Fälligkeit der Hauptschuld gegenüber der Hauptschuldnerin erfolgen. Die 

Mahnung sei eine empfangsbedürftige Erklärung. Dabei könne die Mahnung auch 

durch die direkte Belangung des Hauptschuldners ersetzt werden (Hinweis auf 

Berner Kommentar, N. 21a zu Art. 496 OR). Mit der Klageeinleitung gegen die 

Hauptschuldnerin habe die Berufungsklägerin ihre „Mahnpflicht“ im Sinne von Art. 

496 Abs. 1 OR erfüllt. Mit der Behauptung der Klageeinleitung gegen die 

Hauptschuldnerin sei die Berufungsklägerin ihrer Behauptungslast nachgekommen. 

Der Berufungsbeklagte habe es unterlassen, diese Behauptung zu bestreiten. Die 

Beweislast für das Vorliegen einer Mahnung liege bei der Berufungsklägerin. Die 

Berufungsklägerin habe die Hauptschuldnerin für die Hauptschuld im August 2014 

betrieben. Die in der Klageschrift erwähnte Klageeinleitung gegen die 

Hauptschuldnerin sei als Mahnung nach Art. 496 Abs. 1 OR zu qualifizieren. Soweit 

die Vorinstanz die Gerichtsnotorietät der Klageeinleitung gegen die 

Hauptschuldnerin verkenne, wende sie Art. 55 und Art. 150 ZPO nicht richtig an.  

  Der Berufungsbeklagte  lässt vor Kantonsgericht  einwenden, die Hauptschuld sei 

nicht fällig. Zudem sei die Bürgschaft mangels hinreichender Bestimmung der 

garantierten Schuld ungültig. Es habe keine Mahnung nach der Kündigung 

gegeben. Dies sei nicht einmal behauptet worden. Die Mahnung sei eine 

anspruchsbegründende Tatsache, die von der Berufungsklägerin zu behaupten 

gewesen wäre.  

  Der Berufungsbeklagte  lässt vor Obergericht  geltend machen, in Bezug auf die 

Frage der erfolglosen Mahnung seien ausschliesslich die Akten aus dem Verfahren 

K2Z 15 13 zu berücksichtigen, nicht aber jene aus dem ursprünglichen Verfahren 

K2Z 15 12. Die später vorgenommene Vereinigung der Verfahren vermöge daran 

nichts zu ändern, weil zwei getrennte Sachurteile ergehen würden. Durch den 

Umstand des Einreichens einer Klage gegen die Hauptschuldnerin könne nicht 

gleichzeitig auf das Vorliegen einer Betreibung gegen dieselbe geschlossen werden. 

Das Gericht dürfe nicht ohne Antrag der Parteien Akten aus anderen Verfahren 

beiziehen. Entscheidend sei nicht, was der Richter schon wisse, sondern was die 

Parteien vorbringen würden. Da die Berufungsklägerin die Tatsache einer 

erfolglosen Mahnung nicht behauptet habe, weder explizit noch implizit, habe diese 

Tatsache vom Berufungsbeklagten auch nicht bestritten werden können. Auf Seite 3 

der Klageschrift habe die Berufungsklägerin lediglich „zur Orientierung“ mitgeteilt, 

dass gegen die Hauptschuldnerin Klage eingereicht werde. Die Behauptung der 

Klageeinleitung sei nicht gleichbedeutend mit der Behauptung der erfolglosen 

 

Seite 12 

Mahnung. Die Klageeinleitung habe nicht als Mahnung qualifiziert werden müssen. 

Eine Klageeinleitung sei keine Mahnung und könne eine Mahnung nicht ersetzen. 

Die Mahnung habe vor der gerichtlichen Durchsetzung zu erfolgen. 

 

  Vorab ist festzustellen, dass die beiden Positionen „Darlehen 300.01 vom 

14. Januar 2013 – Fälligkeit der Hauptforderung“ (vorinstanzliche Erwägung 2.1) 

sowie „Darlehen 300.10 vom 5. November 2013 – Passivlegitimation der 

Hauptschuldnerin“ (vorinstanzliche Erwägung 2.2) nicht Gegenstand der Berufung 

sind. Die Berufungsklägerin wendet sich einzig gegen die von der Vorinstanz in 

Erwägung 2.3 beurteilte Belangbarkeit des Bürgen.  

 

  Wer sich als Bürge unter Beifügung des Wortes „solidarisch“ oder mit andern 

gleichbedeutenden Ausdrücken verpflichtet, kann vor dem Hauptschuldner und vor 

der Verwertung der Grundpfänder belangt werden, sofern der Hauptschuldner mit 

seiner Leistung im Rückstand und erfolglos gemahnt worden oder seine 

Zahlungsunfähigkeit offenkundig ist (Art. 496 Abs. 1 OR). Folglich sind 

Voraussetzungen der Inanspruchnahme des Solidarbürgen nur Leistungsrückstand 

und erfolglose Mahnung des Hauptschuldners oder seine offenkundige 

Zahlungsunfähigkeit (CHRISTOPH M. PESTALOZZI, in: Basler Kommentar, OR I, 6. 

Aufl. 2015, N. 1 zu Art. 496 OR; BGE 81 II 60 S. 65). Die Mahnung des 

Hauptschuldners (vorbehältlich dessen Insolvenz) ist zwingend, damit der 

Solidarbürge belangt werden kann (Art. 496 Abs. 1 OR). Hingegen ist eine 

Betreibung des Hauptschuldners nicht erforderlich, sie kann aber die Mahnung 

ersetzen (Art. 510 Abs. 3 OR). Indes gilt nicht das Betreibungsbegehren als 

Mahnung i.S.v. Art. 496 OR, sondern erst der zugestellte Zahlungsbefehl. Geht 

dieser dem Hauptschuldner wie in casu erst zu, nachdem der Bürge belangt worden 

ist, wird Art. 496 OR verletzt, selbst wenn der Hauptschuldner anschliessend 

Rechtsvorschlag erhebt (CORINNE ZELLWEGER-GUTKNECHT, Finanzmarktprivatrecht 

– Rechtsprechungschronik 2009/2010 (Teil 1), in: recht 2011 S. 94). Die Mahnung 

nach Art. 496 Abs. 1 OR muss nach Eintritt der Fälligkeit erfolgen (CHRISTOPH M. 

PESTALOZZI, a.a.O., N. 7 zu Art. 496 OR). Ein beim Hauptschuldner auf sechs 

Wochen ordnungsgemäss gekündigtes Darlehen, das von einem Solidarbürgen 

gesichert wird, muss bei Ablauf der Kündigungsfrist beim Hauptschuldner nach Art. 

496 Abs. 1 OR noch einmal speziell abgemahnt werden, bevor der Solidarbürge 

belangt werden kann (CHRISTOPH M. PESTALOZZI, a.a.O., N. 7 zu Art. 496 OR). Eine 

besondere Form für die Mahnung ist nicht vorgeschrieben (MARKUS VISCHER, in: 

Huguenin/Müller-Chen [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. Aufl. 

2016, N. 3 zu Art. 496 OR). Die substantiierte, aus Beweisgründen vorzugsweise 

 

Seite 13 

schriftliche Mahnung ist eine empfangsbedürftige Willenserklärung des Gläubigers 

an den Schuldner, deren Unterlassung folgenreich sein kann (CHRISTOPH M. 

PESTALOZZI, a.a.O., N. 7 zu Art. 496 OR).  

 

  Eine erfolglose Mahnung der Hauptschuldnerin C___ AG vor Belangung des 

Solidarbürgen B___ ist somit ein Tatbestandselement des Anspruchsgrundlage 

bildenden Art. 496 Abs. 1 OR und deren Vorhandensein absolut zwingend. Unstrittig 

handelt es sich deshalb dabei um eine rechterzeugende Tatsache, wie dies die 

Vorinstanz in Erwägung 2.3.2 (S. 16) und 2.3.3 zutreffend ausgeführt hat. 

 

  2.2.2 Behauptungslast der Berufungsklägerin  

  Im vorliegenden Forderungsprozess gilt die Verhandlungsmaxime. Demzufolge 

haben die Parteien dem Gericht die Tatsachen, auf die sie ihre Begehren stützen, 

darzulegen und die Beweismittel anzugeben (Art. 55 Abs. 1 ZPO; Urteil des 

Bundesgerichts 4A_456/2015 vom 6. Juni 2016, in: Pra 106 [2017] Nr. 70 E. 4.1). 

Nach Art. 221 Abs. 1 ZPO hat die Klage unter anderem die erforderlichen 

Tatsachenbehauptungen (lit. d) sowie die Bezeichnung der einzelnen Beweismittel 

zu den behaupteten Tatsachen (lit. e) zu enthalten. Die Tatsachenbehauptungen 

dienen der Begründung der Rechtsbegehren; sie stellen das Klagefundament dar 

(Urteil des Kantonsgerichts Graubünden ZK1 16 46 vom 28. September 2016 E. 4 

b/bb). Die jeweiligen Anforderungen ergeben sich einerseits aus den 

Tatbestandsmerkmalen der angerufenen Norm und andererseits aus dem 

prozessualen Verhalten der Gegenpartei (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden 

ZK1 16 46 vom 28. September 2016 E. 4 b/bb). Wesentlich ist, dass in der 

Klageschrift nirgends vorgebracht wird, es bestehe eine Sicherungsabrede bzw. 

diese umfasse auch die geltend gemachte Forderung. Das Bestehen einer solchen 

Sicherungsabrede würde eine Tatsachenbehauptung, mithin ein Vorbringen 

tatsächlicher Natur, darstellen (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden ZK1 16 46 

vom 28. September 2016 E. 4 d/cc). Insofern, als die Berufungsklägerin dies im 

Hinblick auf Bestehen und Umfang einer Sicherungsabrede unterlässt, kommt sie 

ihrer Behauptungs- und Substantiierungslast nicht nach (Urteil des Kantonsgerichts 

Graubünden ZK1 16 46 vom 28. September 2016 E. 4 d/cc). Eine 

Tatsachenbehauptung braucht nicht alle Einzelheiten zu enthalten; es genügt, wenn 

die Tatsachen, die unter die das Begehren stützenden Normen zu subsumieren 

sind, in einer den Gewohnheiten des Lebens entsprechender Weise in ihren 

wesentlichen Zügen oder Umrissen behauptet werden (Urteile des Bundesgerichts 

4A_625/2015 vom 29. Juni 2016 E. 4.1 und 4A_195/2014 vom 27. November 2014 

E. 7.3.2). Stellvertretend für die konstante bundesgerichtliche Rechtsprechung ist 

 

Seite 14 

BGE 127 III 365 zu nennen, welcher auch in der Literatur mehrfach zitiert wird und 

der die Thematik der Behauptungslast dergestalt zusammenfasst, dass zunächst 

das materielle Recht bestimme, wie weit die anspruchsbegründenden Tatsachen 

dabei inhaltlich zu substantiieren seien, damit sie unter die massgeblichen 

Bestimmungen des materiellen Rechts subsumiert werden könnten (Urteil des 

Kantonsgerichts Basel-Landschaft 400 16 43 vom 14. Juni 2016, in: CAN 2017 Nr. 

4 S. 14). 

 

  Wie die Vorinstanz in Erwägung 2.3.2 zutreffend ausgeführt hat, trägt die 

Berufungsklägerin die Beweislast dafür, dass sie die C___ AG erfolglos gemahnt 

hat, bevor sie den Berufungsbeklagten als Solidarbürgen in Anspruch nahm.  

 

  Die Berufungsklägerin hat sich weder in der Klageschrift (act. B 4/36/1) noch in der 

Replik (act. B 4/36/20) zu der ihr obliegenden, zwingend einzuhaltenden Mahnpflicht 

geäussert. Insbesondere auf Seite 6 der Klageschrift wird dargelegt, wie es zur 

Kündigung der Darlehen kam und danach wird direkt zur Belangung des 

Berufungsbeklagten übergeleitet. Auf eine Mahnung oder eine Betreibung der 

Hauptschuldnerin wird mit keinem Wort eingegangen. Wie in vorstehender 

Erwägung 1.4 ausgeführt, reicht die Berufungsklägerin erstmals im 

Berufungsverfahren mit act. B 3/12+13 Dokumente ein, welche belegen, dass sie 

gegen die Hauptschuldnerin die Betreibung eingeleitet bzw. den ausstehenden 

Forderungsbetrag gemahnt hat. Wie in Erwägung 1.4 erwähnt wird, stehen deren 

Berücksichtigung im vorliegenden Verfahren jedoch die Novenverbote nach Art. 229 

ZPO und Art. 317 Abs. 1 ZPO entgegen, wäre der Berufungsklägerin doch mit der 

zu erwartenden Sorgfalt die Einreichung bereits in der erstinstanzlichen Klageschrift 

möglich gewesen.  

 

  Was die als gerichtsnotorische Tatsache zu betrachtende Klagebewilligung gegen 

die C___ AG vom 15. Januar 2015 anbelangt (vgl. Erwägung 1.4), ist darauf 

hinzuweisen, dass Mahnung und Klageeinleitung nicht gleichgesetzt werden 

können, weil eine Mahnung Voraussetzung für die Entstehung des Anspruches 

gegen den Solidarbürgen ist. Die Mahnung ist deshalb zwingend ein eigener Akt, 

der von der Durchsetzung des Anspruches zu unterscheiden ist. Aus der 

Klagebewilligung kann die Berufungsklägerin daher nichts ableiten. Selbst wenn 

man dieser Ansicht nicht folgen könnte und die Klagebewilligung als Mahnung im 

Sinne von Art. 496 Ab. 1 OR qualifizieren würde, würde dies an der Beurteilung 

nichts ändern. Die Belangung des Solidarbürgen durch die A___ AG fand mehrere 

Monate vor Ausstellung der Klagebewilligung gegen die Hauptschuldnerin statt. So 

 

Seite 15 

forderte die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten bereits am 31. Juli 2014 zur 

Bezahlung des Bürgschaftsbetrages von CHF 200‘000.00 auf (act. B 4/36/4/10) und 

der Zahlungsbefehl gegen ihn wurde am 17. November 2014 zugestellt (act. B 

4/36/4/11).   

 

  2.2.3 Kann die Mahnung durch die direkte Belangung des Hauptschuldners 

ersetzt werden?  

  Einzugehen ist sodann auf den Hinweis der Berufungsklägerin auf folgendes Zitat 

aus dem Berner Kommentar (SILVIO GIOVANOLI, in: Berner Kommentar, 2. Aufl. 

1978, N. 21a zu Art. 496 OR): „Selbstverständlich kann die Mahnung in der Regel 

durch direkte Belangung des Hauptschuldners ersetzt werden, sofern diese 

zweckentsprechend erfolgt.“ Zu beachten ist, dass der Berufungsklägerin am 15. 

Januar 2015 die Klagebewilligung gegen die Hauptschuldnerin ausgestellt wurde. 

Was sind die Auswirkungen? Das Obergericht hält an der vorstehend geäusserten 

Auffassung fest, dass Mahnung und Klageeinleitung im vorliegenden Kontext nicht 

gleichzusetzen sind und folglich die erforderliche Mahnung auch nicht durch die 

Klageeinleitung ersetzt werden kann. Wie ebenfalls dargelegt, ändert die fragliche 

Literaturstelle jedoch im Ergebnis an der Beurteilung nichts, da die Gläubigerin den 

Solidarschuldner unbestritten bereits vor Klageeinleitung gegen die 

Hauptschuldnerin in die Pflicht genommen hat und aufgrund der Aktenlage eine 

vorgängige Mahnung der Hauptschuldnerin nicht nachgewiesen ist.  

 

  Abschliessend ist auf KURT HAEFELI hinzuweisen, wonach dem Bürgen gegenüber 

dem Gläubiger alle Einwendungen und Einreden zustehen, die dem Hauptschuldner 

zustehen. Der Bürge kann beispielsweise geltend machen, dass die Hauptschuld 

nicht entstanden, nicht fällig, untergegangen oder nicht klagbar ist (in: 

Abegg/Geissbühler/Haefeli/Huggenberger [Hrsg.], Schweizerisches Bankenrecht, 

Handbuch für Finanzfachleute, 3. Aufl. 2012, S. 274). Der Solidarbürge kann die 

Einrede der fehlenden Mahnung des Hauptschuldners erheben (KURT HAEFELI, 

a.a.O., S. 275). Zwar wird hier von „Einrede“ gesprochen, nach Ansicht des 

Obergerichts handelt es sich aber nicht um eine „technische“ Einrede, wie 

beispielsweise die Einrede der Verjährung. Vorliegend gehört, wie vorstehend 

aufgezeigt, die Mahnung zum Klagefundament, welches dem Gericht bereits im 

Behauptungsstadium zu unterbreiten ist. Dabei steht es dem Beklagten frei, 

„einredeweise“ geltend zu machen, die erforderliche Mahnung fehle. Mit anderen 

Worten bestreitet der Beklagte damit das Vorliegen des Klagefundamentes. Und 

wenn es an einem hinreichenden Sachvorbringen fehlt, bleibt auch der Beweis aus 

(Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft 400 16 43 vom 14. Juni 2016, in: CAN 

 

Seite 16 

2017 Nr. 4 S. 14). Eine „Einrede“ ist diesfalls nicht erforderlich, „schadet“ aber auch 

nicht.  

 

  2.2.4 Ergebnis 

  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Berufungsklägerin das 

Vorhandensein der „erfolglosen Mahnung“ im Sinne von Art. 496 Abs. 1 OR nicht 

rechtsgenüglich behauptet hat. Die Berufung ist daher vollumfänglich abzuweisen 

und das Urteil des Kantonsgerichts vom 15. November 2016 zu bestätigen.  

 

 

 

3. Prozesskosten 

 3.1 Erstinstanzliche Gerichtskosten und Parteientsc hädigungen 

 Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über 

die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO). Die 

Prozesskosten beinhalten sowohl die Gerichtskosten wie auch die 

Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Das Obergericht hat keinen neuen 

Entscheid getroffen, sondern das angefochtene Urteil des Kantonsgerichts vom 15. 

November 2016 bestätigt (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO). Somit kann es bei den im 

erstinstanzlichen Urteil in den Ziffern 2 und 3 getroffenen Regelungen der 

Prozesskosten bleiben.  

 

 

 3.2 Gerichtskosten im Berufungsverfahren 

  Die Prozesskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 

ZPO). Die Gerichtskosten werden mit den geleisteten Vorschüssen der Parteien 

verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Ausgangsgemäss hat die vor Obergericht 

vollumfänglich unterliegende Berufungsklägerin die Gerichtskosten des 

Berufungsverfahrens zu bezahlen. Als dem Umfang sowie dem Streitwert der 

Streitsache angemessen erachtet das Obergericht eine Gerichtsgebühr von 

CHF 7‘500.00 (Art. 19 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b Gebührenordnung, bGS 

233.3). Der von der Berufungsklägerin geleistete Kostenvorschuss von CHF 

7‘500.00 wird mit der festgesetzten Gerichtsgebühr in dieser Höhe verrechnet.  

 

 

 3.3 Parteientschädigungen im Berufungsverfahren 

 Unter Hinweis auf vorstehende Erw. 3.2 und Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 

ZPO hat die unterliegende Berufungsklägerin dem obsiegenden 

 

Seite 17 

Berufungsbeklagten den Ersatz notwendiger Auslagen und die Kosten seiner 

berufsmässigen Vertretung (Art. 95 Abs. 3 lit. a und b ZPO) im zweitinstanzlichen 

Verfahren vollumfänglich zu bezahlen. Die Honorarnote von RA BB___ vom 2. Mai 

2017 im Betrag von CHF 10‘175.65, inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer (act. B 

11), bedarf der Korrektur. Berechnungsgrundlage für ein Honorar in 

Rechtsmittelverfahren gemäss Art. 20 Anwaltstarif (bGS 145.53) bildet das mittlere 

Honorar. Dieses macht bei einem Streitwert von CHF 200‘000.00 gestützt auf Art. 9 

Abs. 2 lit. e Anwaltstarif CHF 15‘700.00 aus. Gestützt auf Art. 20 lit. a Anwaltstarif 

beträgt das Honorar für das Rechtsmittelverfahren im schriftlichen Verfahren 20 bis 

50 %. Als angemessen erachtet das Obergericht 40 %, was ausgehend vom 

mittleren Honorar von CHF 15‘700.00 einem Betrag von CHF 6‘280.00 entspricht. 

Hinzu kommen Barauslagen von CHF 4.20, was CHF 6‘284.20 ergibt. Zuzüglich 

Mehrwertsteuer von 8 % bzw. CHF 502.75 resultiert ein Betrag von CHF 6‘786.95. 

Folglich hat die Berufungsklägerin den Berufungsbeklagten für die Kosten seiner 

Rechtsvertretung im vorliegenden Verfahren in dieser Höhe zu entschädigen.  

 

 

 

 

Seite 18 

Das Obergericht erkennt:  

 
 
1. Die Berufung wird unter Bestätigung des Urteils des Kantonsgerichts Appenzell 

Ausserrhoden vom 15. November 2016 (K2Z 15 12) vollumfänglich abgewiesen. 
 
 
2. Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von 

CHF 7’500.00, werden der Berufungsklägerin auferlegt, unter Verrechnung mit dem von 
ihr geleisteten Kostenvorschuss von CHF 7’500.00.  

 
 
3. Die Berufungsklägerin hat den Berufungsbeklagten für die Kosten seiner 

Rechtsvertretung im Berufungsverfahren mit CHF 6’786.95 (inkl. Barauslagen und MWSt) 
zu entschädigen. 

 
 
4. Rechtsmittel:  
 Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in 

Zivilsachen erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde richtet sich nach 
Art. 72 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist beim 
Schweizerischen Bundesgericht, Avenue du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, 
schriftlich einzureichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit 
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid 
sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen 
(Art. 42 BGG). Die Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 
BGG). Der Streitwert beträgt Fr. 200‘000.00. 

 
 
5. Zustellung am 20. Februar 2018 an:  

 - die Parteien über ihre Rechtsvertreter  
 - Vorinstanz Verfahren Nr. K2Z 15 12 
 
 
 
 
Der Obergerichtsvizepräsident: Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 
lic. iur. W. Kobler B. Widmer, Fürsprecherin