# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae55c1bf-1de1-5795-b504-5353376a91b2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-10-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.10.2014 D-6107/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6107-2014_2014-10-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-6107/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  O k t o b e r  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richter Robert Galliker (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sandra Sturzenegger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan LL.M., 

substituiert durch MLaw Angela Stettler,  

Advokatur Kanonengasse,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des BFM vom 3. Oktober 2014 / N (…). 

 

 

D-6107/2014 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass die Beschwerdeführerin – eine eritreische Staatsangehörige – ihren 

Heimatstaat eigenen Angaben zufolge im März 2012 verliess und nach 

mehrmonatigen Aufenthalten in Äthiopien sowie im Sudan über Libyen 

und Italien am 6. Juli 2014 in die Schweiz gelangte, wo sie gleichentags 

um Asyl nachsuchte, 

dass am 14. Juli 2014 die Befragung zur Person (BzP) stattfand und der 

Beschwerdeführerin dabei das rechtliche Gehör in Bezug auf eine allfälli-

ge Wegweisung nach Italien gewährt wurde, 

dass ihr im Anschluss an die BzP das rechtliche Gehör bezüglich ihres 

sinngemässen Ersuchens auf Zuteilung in den Kanton B._______, wo ihr 

Bruder C._______ (N […]) wohne, gewährt wurde, 

dass das BFM im Zuweisungsentscheid vom 17. Juli 2014 zum Schluss 

kam, dass dem Ersuchen der Beschwerdeführerin nicht entsprochen 

werden könne und sie dem Kanton D._______ zuwies, 

dass es mit Verfügung vom 3. Oktober 2014 – eröffnet am 15. Oktober 

2014 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, ihre Wegweisung 

aus der Schweiz nach Italien anordnete und sie aufforderte, die Schweiz 

(spätestens) am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den 

Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändi-

gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Be-

schwerdeführerin verfügte, 

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 22. Oktober 2014 gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben 

und dabei in materieller Hinsicht beantragen liess, die angefochtene Ver-

fügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache sei zur rechtsge-

nüglichen Sachverhaltsabklärung an das BFM zurückzuweisen, eventuali-

ter sei die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und in 

der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen, 

dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es sei der vor-

liegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es 

seien im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme die 

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Vollzugsbehörden anzuweisen, von ihrer Überstellung nach Italien abzu-

sehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung entschieden habe, 

dass die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses zu verzichten sei, 

dass ihr in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Rechts-

beiständin zu bestellen sei, 

dass auf die Begründung der Beschwerdebegehren und die eingereichten 

Beweismittel – soweit für den Entscheid wesentlich – in den nachfolgen-

den Erwägungen eingegangen wird, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 24. Oktober 2014 beim Bundesver-

waltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Re-

gel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-

derung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

dass die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts in der Regel in der 

Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 

Abs. 1 VGG) entscheiden, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen – wie vorlie-

gend – auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten kann 

(Art. 111a Abs. 1 AsylG), 

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dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 

das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-

prüfen (Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-

schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorin-

stanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 

2012/4 E. 2.2 m.w.H.), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist 

(Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Krite-

rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO), zur Anwendung kommt, 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem ein-

zigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird, wobei die 

einzelnen Bestimmungskriterien in der Reihenfolge ihrer Auflistung im 

Kapitel III Anwendung finden (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, 

einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-

stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-

men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO), 

dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-

keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-

ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in 

den eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentli-

che Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Auf-

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nahmebedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grund-

rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-

gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der 

Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden 

kann, 

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen kann, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder 

Staatenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch 

wenn er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die 

Prüfung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbstein-

trittsrecht), 

dass sich die Beschwerdeführerin – gemäss ihren Aussagen anlässlich 

der BzP – vor ihrer Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten hat (vgl. 

Akten BFM A 4/12 S. 7), 

dass das BFM die italienischen Behörden am 23. Juli 2014 um Aufnahme 

der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ersuch-

te, 

dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in 

Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, 

womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 

Dublin-III-VO), 

dass die Zuständigkeit Italiens somit grundsätzlich gegeben ist, 

dass es keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfah-

ren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden sys-

temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-

chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen, 

dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder 

erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

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(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nachkommt, 

dass insbesondere nicht erstellt ist, dass Italien systematisch gegen die 

Bestimmungen der Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die 

Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Ver-

fahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz 

beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), verstösst, 

dass diese Ansicht durch den Europäischen Gerichtshof für Menschen-

rechte (EGMR) bestätigt wird, indem dieser in seiner bisherigen Recht-

sprechung festhält, dass in Italien kein systematischer Mangel an Unter-

stützung und Einrichtungen für Asylsuchende bestehe, obwohl die allge-

meine Situation und insbesondere die Lebensumstände von Asylsuchen-

den, anerkannten Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären 

Schutzstatus in Italien gewisse Mängel aufweisen würden (vgl. EGMR: 

Entscheidung Mohammed Hussein und andere vs. Niederlande und Ita-

lien [Beschwerde Nr. 27725/10] vom 2. April 2013, § 78), 

dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 

Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, 

dass die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift vorab im Wesent-

lichen rügte, das BFM habe keine angemessene Einzelfallprüfung vorge-

nommen, zumal es sie nicht zur Beziehung zu ihrem Bruder befragt und 

auch ihren Bruder nicht angehört habe sowie keinen Arztbericht eingeholt 

oder von ihr verlangt habe, 

dass es unzulässigerweise unterlassen habe, ihr das rechtliche Gehör 

dazu zu gewähren, dass die enge Beziehung zu ihrem Bruder sowie das 

Abhängigkeitsverhältnis anscheinend nicht als gegeben angesehen wür-

den beziehungsweise sie darüber zu informieren, mit was für Beweismit-

teln die enge Beziehung und das Abhängigkeitsverhältnis belegt werden 

könne, 

dass es zudem ihre besondere Verletzlichkeit nicht beachtet habe, 

dass das BFM damit gegen das Recht auf rechtliches Gehör gemäss 

Art. 29 Abs. 2 BV sowie das Recht auf Information gemäss Art. 4 Abs. 1 

file://vs00001a/BVGER-Org$/ABT_V-IV/IV_V/Gerichtsentscheide/2%20-%20Internationale%20Gerichte/1%20-%20Europäischer%20Gerichtshof%20für%20Menschenrechte/2013/MOHAMMED_HUSSEIN_v._THE_NETHERLANDS_AND_ITALY.pdf
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Bst. c i.V.m. Art. 4 Abs. 2 Dublin-III-VO verstossen und demnach den 

Sachverhalt unvollständig festgestellt habe, 

dass diesbezüglich zunächst darauf hinzuweisen ist, dass die Beschwer-

deführerin ihre besondere Verletzlichkeit einzig mit ihren Fluchtgründen 

begründet, welche im Dublin-Verfahren nicht zu prüfen sind, 

dass sodann festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der 

BzP nach in der Schweiz lebenden Familienangehörigen gefragt wurde 

(A 4/12 S. 6) und ihr im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs 

in Bezug auf die Kantonszuweisung die Möglichkeit gewährt wurde, nähe-

re Ausführungen zu ihrer Beziehung zu ihrem Bruder geltend zu machen 

(A 6/2), 

dass daher nicht ersichtlich ist, inwiefern das BFM das Recht auf Informa-

tion oder ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt haben soll, 

dass sodann darauf hinzuweisen ist, dass der Anspruch auf rechtliches 

Gehör nur die Sachverhaltsfeststellung nicht aber die rechtliche Würdi-

gung beschlägt (BVGE 2009/35 E. 6.4.1), 

dass das BFM daher – entgegen der in der Beschwerde vertretenen An-

sicht – nicht verpflichtet war, der Beschwerdeführerin vorab mitzuteilen, 

dass die enge Beziehung zu ihrem Bruder sowie das Abhängigkeitsver-

hältnis nicht als gegeben angesehen würden, und ihr diesbezüglich die 

Möglichkeit zur Stellungnahme einzuräumen, 

dass der Sachverhalt – wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen er-

gibt – rechtsgenüglich festgestellt ist, 

dass nach dem Gesagten kein Anlass besteht, die angefochtene Verfü-

gung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-

lung an das BFM zurückzuweisen, weshalb der Hauptantrag abzuweisen 

ist, 

dass die Beschwerdeführerin zur Begründung ihres Eventualbegehrens 

das Urteil C-245/211 des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaf-

ten (EuGH) vom 6. November 2012 heranzieht und insbesondere geltend 

macht, zwischen ihr und ihrem in der Schweiz lebenden Bruder, der 

schon seit mehreren Jahren an einer (…) leide, bestehe ein Abhängig-

keitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO, 

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dass eine Wegweisung nach Italien eine Verletzung von Art. 8 EMRK dar-

stellen würde, zumal ihr Bruder in der Schweiz über ein gefestigtes Anwe-

senheitsrecht verfüge,  

dass diesbezüglich vorab festzuhalten ist, dass sich zunächst die Mitglie-

der der Kernfamilie, mithin die Ehegatten (denen Konkubinatspartner 

gleichgestellt sind) und ihre minderjährigen Kinder, auf den Schutz von 

Art. 8 EMRK berufen können, 

dass nach der Rechtsprechung der Strassburger Organe grundsätzlich 

auch über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Bande 

unter den Schutz der Einheit der Familie fallen, sofern eine nahe, echte 

und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen den Angehörigen besteht, 

dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine über die eigentli-

che Kernfamilie hinausgehende schützenswerte verwandtschaftliche Be-

ziehung voraussetzt, dass zwischen diesen Personen ein eigentliches Ab-

hängigkeitsverhältnis besteht, 

dass sich die Asylbehörden dieser bundesgerichtlichen Umschreibung 

des Familienbegriffs angeschlossen haben (vgl. zum Ganzen BVGE 

2008/47 E. 4.1.1, m.w.H.), 

dass im Zusammenhang mit Art. 8 EMRK im Übrigen auf die bundesge-

richtliche Rechtsprechung hinzuweisen ist, wonach der sich in der 

Schweiz aufhaltende Familienangehörige über ein gefestigtes Anwesen-

heitsrecht (Bürgerrecht, Niederlassungsbewilligung oder Aufenthaltsbewil-

ligung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht) in der Schweiz ver-

fügen muss (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.1), 

dass die Tatsachen, dass sich der Bruder der Beschwerdeführerin bereits 

seit dem Jahr 2008 in der Schweiz aufhält, er gemäss ihren Angaben in 

der Beschwerde "schon seit mehreren Jahren" an (…) leidet (vgl. den mit 

der Beschwerde eingereichten Arztbericht vom 21. Oktober 2014), die 

Beschwerdeführerin selbst aber erst im Juli dieses Jahres in die Schweiz 

gelangte, gegen das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses spre-

chen, 

dass sich sodann weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin an-

lässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs in Bezug auf die Kan-

tonszuweisung noch aus den mit der Beschwerde eingereichten Stel-

lungnahmen der Beschwerdeführerin und ihres Bruders vom 21. Oktober 

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Seite 9 

2014 Anhaltspunkte für das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses 

ergeben (vgl. A 6/2), 

dass dem in der Beschwerde zitierten Urteil des EuGH ein anderer Sach-

verhalt zugrunde lag, weshalb die Beschwerdeführerin daraus nichts zu 

ihren Gunsten abzuleiten vermag, 

dass sich die Beschwerdeführerin somit mangels eines Abhängigkeits-

verhältnisses weder auf Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO noch auf Art. 8 EMRK 

berufen kann, 

dass sie im Übrigen auch deshalb keine Ansprüche aus Art. 8 EMRK ab-

leiten kann, weil ihr Bruder in der Schweiz lediglich vorläufig aufgenom-

men wurde und dementsprechend – entgegen der in der Beschwerde 

vertretenen Ansicht – nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht ver-

fügt (vgl. BGE 126 II 335), 

dass die Beschwerdeführerin in der Beschwerde des Weiteren auf zahl-

reiche Berichte zu den Zuständen in Italien verwies und geltend machte, 

die Lebensbedingungen in Italien hätten einen so verheerenden Zustand 

erreicht, dass jede Überstellung einer verletzlichen Person unmenschli-

che und erniedrigende Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK mit sich 

bringe, 

dass die chronische Überlastung des italienischen Asylsystems für sie 

bedeuten würde, dass sie allerspätestens nach kurzer Zeit in einem Auf-

nahmezentrum auf der Strasse landen würde, wo sie keinerlei staatliche 

Unterstützung erhalten würde und ohne Zugang zu medizinischen Dienst-

leistungen wäre, 

dass sie in Armut und Obdachlosigkeit verkümmern müsste und als junge 

Frau auf der Strasse ohne Bezugsperson (wie bereits in Eritrea) sexuel-

len Übergriffen ausgesetzt wäre, 

dass eine Wegweisung möglicherweise katastrophale Auswirkungen auf 

ihren psychischen Zustand habe, was in einer Gesamtwürdigung eben-

falls zu berücksichtigen sei, 

dass sie mit diesen Vorbringen ebenfalls einen Selbsteintritt der Schweiz 

gestützt auf Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ver-

langt, 

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dass diesbezüglich festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin kein 

konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan hat, die italienischen Behörden 

würden sich weigern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationa-

len Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen, 

dass sie mit ihren in der Beschwerde geschilderten Befürchtungen auch 

keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan hat, Italien würde ihr 

dauerhaft die ihr gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Le-

bensbedingungen vorenthalten, und sie sich bei einer vorübergehenden 

Einschränkung im Übrigen nötigenfalls an die italienischen Behörden 

wenden und die ihr zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts-

weg einfordern könnte (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), 

dass sodann darauf hinzuweisen ist, dass in Italien insbesondere für be-

sonders verletzliche Personen, darunter auch für Dublin-Rückkehrende, 

in den Aufnahmezentren Plätze reserviert sind und gemäss Stellungnah-

me des italienischen Staates zudem die notwendigen medizinischen Vor-

kehrungen für diese Personen getroffen würden, sofern der überstellende 

Staat eine Person als solche bezeichne (vgl. Urteil des EGMR a.a.O., 

§ 43 und 45), 

dass allfällige psychische Leiden auch in Italien behandelt werden kön-

nen, 

dass es nach dem Gesagten (bei einer Gesamtwürdigung) keinen Grund 

für einen Selbsteintritt der Schweiz gibt und an dieser Stelle festzuhalten 

bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, 

den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 

2010/45 E. 8.3), 

dass die weiteren Beschwerdevorbringen und die eingereichten Beweis-

mittel nicht geeignet sind, eine Änderung dieser Einschätzung zu bewir-

ken, weshalb es sich erübrigt darauf einzugehen, 

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetre-

ten ist und – weil die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen 

Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von 

Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1),  

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Seite 11 

dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss 

Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das 

Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-

eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 

2010/45 E. 10),  

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen und die Verfü-

gung des BFM zu bestätigen ist,  

dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen 

ist, weshalb sich die Anträge auf Anordnung vorsorglicher Massnahmen 

wie Erteilung der aufschiebenden Wirkung beziehungsweise Anweisung 

der Vollzugsbehörden, bis zum Entscheid über das vorliegende Rechts-

mittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen, welche ohnehin nur 

für die Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam sind, als gegenstands-

los erweisen, 

dass das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses mit vorliegendem Entscheid in der Hauptsache hinfällig wird, 

dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Rechtspflege abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich 

aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeich-

nen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht 

erfüllt sind, 

dass folglich auch das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr.  600.–

(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 

und 5 VwVG). 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die kantona-

le Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Robert Galliker Sandra Sturzenegger 

 

 

Versand: