# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1af45c09-2329-51f5-b83f-9d1a4b7e2a71
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.09.2010 E-6578/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6578-2010_2010-09-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6578/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._____, geboren (...),
und dessen Ehefrau
B._____, geboren (...),
und deren Kinder
C._____, geboren (...),
D._____, geboren (...),
E._____, geboren (...),
Kosovo,
vertreten durch Fürsprech Beat Widmer, 
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aufhebung der vorläufigen Aufnahme;
Verfügung des BFM vom 16. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6578/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  A._____,  ein  ethnischer  Ashkali  mit 
letztem Wohnsitz in X._____, am 13. Mai 2002 zusammen mit seiner 
Ehefrau in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 30. Oktober  2002  feststellte,  der  
Beschwerdeführer,  seine  Ehefrau  und  deren Sohn C._____ erfüllten 
die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  die  Asylgesuche  ablehnte  und  die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  die  vormals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission 
(ARK) mit Urteil  vom 12. Februar 2003 die gegen den angeordneten 
Wegweisungsvollzug eingereichte Beschwerde guthiess und das Bun-
desamt anwies, den Beschwerdeführer und seine Familie vorläufig auf-
zunehmen,

dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 12. März 2003 die Ziffern 4 und 
5 des Dispositivs seiner Verfügung vom 30. Oktober 2002 aufhob und 
den Vollzug der  Wegweisung zugunsten  einer  vorläufigen Aufnahme 
des Beschwerdeführers und seiner Familie aufschob,

dass das BFM den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 19. April  
2010  mitteilte,  es  beabsichtige  aufgrund  des  Ergebnisses  einer  im 
Jahre  2007  durchgeführten  Abklärung  des  Verbindungsbüros  der 
Schweizerischen Botschaft in Pristina, die am 12. März 2003 angeord-
nete vorläufige Aufnahme aufzuheben,

dass das Bundesamt die Beschwerdeführenden im Rahmen des recht-
lichen Gehörs gleichzeitig aufforderte,  innert  Frist  zur beabsichtigten 
Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme und  zu  dem damit  verbunden 
Wegweisungsvollzug Stellung zu nehmen,

dass sich die Beschwerdeführenden nicht vernehmen liessen,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16.  August  2010  –  eröffnet  am 
20. August 2010 – die am 12. März 2003 angeordnete vorläufige Auf-
nahme aufhob  und  die  Beschwerdeführenden  unter  Androhung  von 
Zwangsmitteln  im Unterlassungsfall  aufforderte,  die  Schweiz  bis  am 
16. Oktober 2010 zu verlassen,

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dass  die  Beschwerdeführenden  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit 
Rechtsmitteleingabe vom 14. September 2010 (Poststempel) die Auf-
hebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Bestätigung  der  vor-
läufigen Aufnahme beantragen,

dass sie zur Stützung ihrer Vorbringen verschiedene Dokumente (Be-
richte vom 22. Februar und 7. September 2009 zur Situation der Roma 
in Kosovo, Reisehinweise für Kosovo des EDA vom 2. Februar 2010, 
Lohnabrechnungen des Beschwerdeführers) zu den Akten reichten,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des 
BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführenden  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders berührt  sind,  ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung haben und daher zur Einreichung 
der Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-
gezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG schriftliche Verfügungen zu begrün-
den sind,

dass diese Bestimmung den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher 
umschreibt,  die  Begründung  eines  Entscheides jedoch  so abgefasst 
sein  muss,  dass  der  Betroffene  ihn  gegebenenfalls  sachgerecht  an-
fechten kann (vgl.  LORENZ KNEUBÜHLER in: Kommentar  zum Bundesge-
setz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Auer/Müller/Schindler 
[Hrsg.], Zürich 2008, N. 6 ff. zu Art. 35; BVGE 2007/30 E. 5.6),

dass die Behörde wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen hat, 
von  denen  sie  sich  leiten  liess  und  auf  welche  sie ihren  Entscheid 
stützt, wobei sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken  kann  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 3 E. 4a-b S. 25),

dass gemäss Rechtsprechung der vormals zuständigen ARK, welche 
vom Bundesverwaltungsgerichts  diesbezüglich  weitergeführt  wird,  im 
Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindswohl  einen  Gesichts-
punkt von gewichtiger Bedeutung bildet, falls Kinder von einem Weg-
weisungsvollzug betroffen sind,

dass  sich  dies  nicht  zuletzt  aus  einer  völkerrechtskonformen  Ausle-
gung von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) im Lichte 
von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über 
die Rechte des Kindes (SR 0.107) ergibt, und demzufolge unter dem 
Aspekt  des  Kindswohls  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu 
würdigen  sind,  die  im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung  wesentlich  er -
scheinen (EMARK 1998 Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.),

dass namentlich Umstände wie Alter,  Reife,  Abhängigkeiten,  Art  der 
Beziehungen (Nähe, Intensität,  Tragfähigkeit),  Eigenschaften der Be-
zugsperson (insbesondere Unterstützungsbereitschaft  und -fähigkeit), 
Stand und Prognose bezüglich Entwicklung und Ausbildung des Kin-
des,  Grad der  erfolgten Integration bei  einem längeren Aufenthalt  in 
der Schweiz zu würdigen sind (EMARK 2005 Nr. 6 E. 6.2. S. 57 f.),

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dass sich das BFM in der angefochtenen Verfügung mit keinem Wort  
mit dem Wohl der drei in der Schweiz geborenen Kinder des Ehepaars 
Asani auseinandersetzt,

dass das Bundesamt somit die sich aus dem Anspruch auf rechtliches 
Gehör (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101] und Art. 6 AsylG 
i.V.m.  Art. 35  Abs. 1  VwVG)  ergebende  Begründungspflicht  in  ekla-
tanter Weise verletzt,

dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 16. August 2010 aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung an das BFM zurückzuweisen ist,

dass bei diesem Verfahrensausgang auf die im Beschwerdeverfahren 
in reformatorischer Hinsicht gestellten Rechtsbegehren und deren Be-
gründung sowie auf die bisher eingereichten Dokumente nicht einzu-
gehen ist, zumal es Sache des Bundesamtes sein wird, sich damit zu 
befassen,

dass bei  diesem Verfahrensausgang keine Kosten aufzuerlegen sind 
(Art. 63 Abs. 1 - 3 VwVG),

dass den vertretenen Beschwerdeführenden zulasten der  Vorinstanz 
eine Parteientschädigung für die ihnen erwachsenen notwendigen und 
verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG 
i.V.m. Art. 7  des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]),

dass  keine Kostennote  eingereicht  worden ist  und sich  der  zeitliche 
Vertretungsaufwand für das Rechtsmittelverfahren aufgrund der Akten 
zuverlässig abschätzen lässt,

dass den Beschwerdeführenden unter Berücksichtigung der massge-
benden Bemessungsfaktoren (Art. 9  -  13 VGKE) und der  Entschädi-
gungspraxis in Vergleichsfällen eine insgesamt auf Fr. 600.  (inkl.−  Aus-
lagen  und  allfällige  Mehrwertsteuer)  festzusetzende,  von der  Vorins-
tanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art. 10 
und Art. 14 Abs. 2 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 16. August 2010 wird aufgehoben. Die Sache wird 
zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurückge-
wiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das BFM hat den Beschwerdeführenden für das Rechtsmittelverfahren 
eine Parteientschädigung von Fr. 600.− zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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