# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0196c298-aaa4-5ef1-822a-72dff327b364
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 28.11.2023 SK2 2023 56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2023-56_2023-11-28.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Beschluss vom 28. November 2023

Referenz SK2 23 56

Instanz II. Strafkammer 

Besetzung Hubert, Vorsitzender
Nydegger und Richter
Theus Simoni, Aktuarin

Parteien A._____
Gesuchstellerin
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf
Gäuggelistrasse 16, Postfach 580, 7001 Chur 

gegen

B._____
Gesuchsgegner

Gegenstand Ausstand

Mitteilung 30. November 2023

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Sachverhalt

A. Vor Regionalgericht Landquart ist ein Strafverfahren gegen A._____ wegen 
Urkundenfälschung hängig (Proz. Nr. 515-2023-16). Am 28. Juli 2023 versandte 
das Regionalgericht Landquart die Vorladung zur Hauptverhandlung, aus der die 
Zusammensetzung des Gerichts ersichtlich war (RG act. 1).

Am 2. August 2023 liess die Beschuldigte beantragen, Regionalrichter C._____ 
habe in Anwendung von Art. 56 lit. a und f StPO in den Ausstand zu treten. Zu-
gleich wies der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin darauf hin, dass er gegen den 
vorsitzenden Richter B._____ zwar kein Ausstandsbegehren stelle, ihm gegenü-
ber aber ein beträchtliches Unbehagen bestehe. Er überlasse es Richter B._____, 
der auch der verfahrensleitende Richter sei, die Ausstandsfrage von sich aus der 
Beschwerdeinstanz zu unterbreiten. Zudem beantragte die Beschuldigte, die im 
Zusammenhang mit dem Ausstandsgesuch anfallenden Kosten und Entschädi-
gungen seien gemäss Gesetz zu verteilen. In Ziff. 6 der Begründung führte der 
Rechtsvertreter der Beschuldigten aus, es sei Sache der Verfahrensleitung zu 
entscheiden, ob unter den gegebenen Umständen direkt ein anderer Richter ein-
gesetzt werde oder die Sache gestützt auf Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO der Be-
schwerdeinstanz zum Entscheid zu unterbreiten sei (RG act. 11).

B. Mit Stellungnahme vom 17. August 2023 erklärte Richter C._____ seinen 
Ausstand (RG act. 14). Daraufhin teilte der verfahrensleitende Richter B._____ der 
Gesuchstellerin am 23. August 2023 mit, anstelle von C._____ werde Regional-
richter D._____ Einsitz im Gericht nehmen (RG act. 15).

C. Mit Schreiben vom 28. August 2023 wies der Rechtsvertreter von A._____ 
das Regionalgericht Landquart darauf hin, dass bei den Ausstandsgründen von 
Art. 56 lit. a und f StPO kein Selbstausstand zulässig sei und gemäss Art. 59 
Abs. 1 lit. b StPO das Kantonsgericht darüber zu entscheiden habe. Grundsätzlich 
befürworte er ein pragmatisches Vorgehen, indessen müsse dann auch über sein 
Entschädigungsbegehren entschieden werden. Er ersuche darum, die Akten zur 
Weiterführung des Verfahrens an das Kantonsgericht weiterzuleiten, welches 
dann auch über die Parteientschädigung zu entscheiden habe. Andernfalls bitte er 
um Mitteilung, wer aus Sicht des Regionalgerichts über die Entschädigungsfrage 
zu entscheiden habe (RG act. 5). Dem Schreiben vom 28. August 2023 lag eine 
Honorarnote bei.

D. Am 1. September 2023 teilte das Regionalgericht dem Rechtsvertreter von 
A._____ mit: "Über Ihren Antrag betreffend Entschädigung im Ausstandsverfahren 

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werden in einer separaten Verfügung die notwendigen Anordnungen folgen" (RG 
act. 7, Ziff. 2).

E. Am 5. September 2023 stellte A._____ ein Ausstandsgesuch gegen den 
verfahrensleitenden Regionalrichter B._____ und zwar gestützt auf Art. 56 lit. f 
StPO (act. A.1).

F. In seiner Stellungnahme vom 7. September 2023 beantragte B._____ die 
Abweisung des Gesuchs, soweit darauf überhaupt eingetreten werden könne 
(act. A.2).

G. Mit Eingabe vom 20. September 2023 nahm der Rechtsvertreter von 
A._____ Position zur Stellungnahme von B._____ vom 7. September 2023 
(act. A.4), worauf B._____ sich am 23. Oktober 2023 nochmals vernehmen liess 
(act. A.6). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 18. September 
2023 auf eine Stellungnahme (act. A.3).

Erwägungen

1. In Art. 56 lit. a-f StPO sind die Gründe aufgeführt, aufgrund derer eine in 
einer Strafbehörde tätige Person von sich aus oder auf Gesuch einer Partei hin in 
den Ausstand zu treten hat. Wird ein Ausstandsgrund nach Art. 56 Abs. 1 lit. a 
oder f StPO geltend gemacht oder widersetzt sich eine in einer Strafbehörde tätige 
Person dem Ausstandsgesuch einer Partei, welches sich auf Art. 56 lit. b-e StPO 
abstützt, so entscheidet ohne weiteres Beweisverfahren und endgültig die Be-
schwerdeinstanz, wenn die Staatsanwaltschaft, die Übertretungsstrafbehörden 
oder die erstinstanzlichen Gerichte betroffen sind (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO).

Im vorliegenden Fall, in dem das erstinstanzliche Gericht betroffen ist, ist die Be-
schwerdeinstanz zuständig (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO). Die Zuständigkeit der 
II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ergibt sich aus Art. 22 
EGzStPO (BR 350.100) in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1 KGV (BR 173.100).

2.1. Eine Partei, die ein Ausstandsgesuch stellen will, hat ihr Gesuch bei der 
Verfahrensleitung ohne Verzug zu stellen und dabei die den Ausstand begründen-
den Tatsachen glaubhaft zu machen (vgl. Art. 58 Abs. 1 StPO). Der Ausstand ist 
so früh wie möglich, mithin in den nächsten Tagen nach Kenntnisnahme der 
ausstandsbegründenden Umstände, geltend zu machen. Wie viele Tage der Ge-
suchsteller bei Kenntnis des auslösenden Geschehnisses oder Umstandes zuwar-
ten darf, lässt sich nicht allgemein beziffern. Die Umstände des Einzelfalls und das 
Verfahrensstadium sind zu berücksichtigen. Nach der Praxis des Bundesgerichts 

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sind Ausstandsgründe in der Regel innert etwa einer Woche geltend zu machen. 
Ein Zuwarten während mehrerer Wochen ist hingegen nicht zulässig. Ein ver-
spätetes Ausstandsgesuch führt grundsätzlich zum Nichteintreten auf das Gesuch 
(BGer 1B_22/2020 v. 18.3.2020 E. 3.3; 1B_149/2019 v. 3.9.2019 E. 2.3 mit Hin-
weisen; ausnahmsweise ist das verspätete Vorbringen von Ausstandsgründen 
unbeachtlich, wenn der Ausstandsgrund geradezu offensichtlich gegeben ist 
[BGer 1B_601/2022 v. 31.1.2023 E. 3; BGE 134 I 20 E. 4.3 = Pra 2008 Nr. 73]). 
Begründen mehrere Vorkommnisse erst zusammen den Ausstandsgrund, so ist 
der Augenblick gekommen, wo unverzüglich der Ausstand der betreffenden Per-
son verlangt werden muss, wenn nach Auffassung des Gesuchstellers der "letzte 
Tropfen das Fass zum Überlaufen" gebracht hat (BGer 1B_22/2020 v. 18.3.2020 
E. 3.3; Andreas J. Keller, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl., Zürich 2020, N 3 zu 
Art. 58 StPO).

2.2. In casu liess die Gesuchstellerin am 2. August 2023 beantragen, Regional-
richter C._____ habe in den Ausstand zu treten, nachdem das Regionalgericht 
Landquart am 28. Juli 2023 die Vorladung zur Hauptverhandlung versandt hatte, 
aus der die Zusammensetzung des Gerichts ersichtlich war (RG act. 11). Bereits 
damals liess der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin verlautbaren, dass er gegen 
den vorsitzenden Richter B._____ zwar kein Ausstandsbegehren stelle, ihm ge-
genüber aber ein beträchtliches Unbehagen bestehe (RG act. 11). Damit hätte der 
Rechtsvertreter der Gesuchstellerin eigentlich bereits im Ausstandsgesuch vom 
2. August 2023 auch den Ausstand des Gesuchsgegners beantragen müssen, um 
den Anspruch nicht zu verwirken. Allerdings argumentiert der Rechtsvertreter der 
Gesuchstellerin in seinem Ausstandsgesuch gegen den Gesuchsgegner vom 
5. September 2023 damit, dass sich das frühere Unbehagen gegenüber B._____ 
nach dem 2. August 2023 infolge von dessen Anordnungen und Ausführungen so 
verschlechtert bzw. ein Ausmass erreicht habe, das nicht mehr hinnehmbar sei 
(act. A.1, Rz. 10). Damit ist im vorliegenden Fall zu prüfen, ob die Anordnungen 
und Ausführungen des Gesuchsgegners seit dem 2. August 2023 für sich allein 
oder zusammen mit den früheren Sachverhalten, die der Rechtsvertreter der Ge-
suchstellerin erwähnt, den Anschein der Voreingenommenheit und Befangenheit 
erwecken. Ist dies zu verneinen, so stellen die vorher passierten Vorfälle für sich 
allein keinen Ausstandsgrund dar und auf das Ausstandsgesuch gegen den Ge-
suchsgegner wäre wegen Verwirkung des Anspruchs auf Ausstand nicht einzutre-
ten.

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3.1. Vorliegend stützt sich das Ausstandsgesuch auf Art. 56 lit. f StPO, wonach 
eine in einer Strafbehörde tätige Person in den Ausstand tritt, wenn sie aus ande-
ren Gründen, insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei 
oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte. Der Rechtsvertreter der Ge-
suchstellerin macht geltend, zwischen ihm und dem Gesuchsgegner bestehe seit 
einiger Zeit in verschiedenen Verfahren, in denen sie sich als Gegenanwälte ge-
genüberstehen würden, eine schwierige und teilweise angespannte Kommunikati-
on. Dies gründe wohl in einem früheren Strafverfahren, in dem der Gesuchsgeg-
ner als Richter fungiert habe und wo der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin dem 
Gesuchsgegner mangelnde Distanz zum Rechtsvertreter der Privatklägerschaft 
vorgeworfen habe (act. A.1, Ziff. 8). Weiter habe er gegenüber dem Gesuchsgeg-
ner schon vor dem 28. Juli 2023 dessen problematische Doppelrolle als hauptamt-
licher Richter am Regionalgericht Landquart und als Anwalt thematisiert und be-
zweifelt, ob letztere Tätigkeit noch als zulässige Nebentätigkeit im Sinne des Ge-
setzes qualifiziert werden könne (act. A.1, Ziff. 8). Schon im Ausstandsgesuch ge-
gen C._____ vom 2. August 2023 habe er sein Unbehagen gegenüber Regional-
richter B._____ zum Ausdruck gebracht, zumal dieser mit C._____ einen offen-
sichtlich befangenen Richter eingesetzt habe (act. A.1, Ziff. 9). Zu diesem Zeit-
punkt habe der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin noch bewusst auf ein 
Ausstandsbegehren gegen den Gesuchsgegner verzichtet. Die seitherigen Ereig-
nisse zeigten jedoch, dass der Gesuchsgegner nicht mehr unbefangen agiere. So 
habe der Gesuchsgegner im Zusammenhang mit dem Ausstandsgesuch gegen 
Regionalrichter C._____ Verfahrensfehler begangen, indem er die Akten weder 
ans Kantonsgericht Graubünden weitergeleitet noch über die Parteientschädigung 
entschieden habe (act. A.1, Ziff. 11.1). Der Schlusspunkt dieser Entwicklung stelle 
das Schreiben des Gesuchsgegners vom 1. September 2023 dar (act. A.1, 
Ziff. 10; RG act. 7). Nach einer erstmaligen Fristerstreckung zur Stellung von Be-
weisanträgen im Verfahren gegen die Gesuchstellerin habe der Gesuchsgegner 
auf ein weiteres Fristerstreckungsgesuch so spät und mit einer so geringen Fris-
terstreckung reagiert, dass dem Rechtsvertreter der Gesuchstellerin faktisch gera-
de noch zwei Arbeitstage zur Verfügung gestanden hätten, um zu reagieren 
(act. A.1, Ziff. 11.2), weil der Grossteil der erstreckten Frist in die dem Regional-
richter vorgängig bekannt gegebene Ferienabwesenheit des Rechtsvertreters ge-
fallen sei (act. A.1, Ziff. 11.3). Wieso dem Rechtsvertreter der Gesuchstellerin an-
gesichts der erst auf den 6. Dezember 2023 angesetzten Verhandlung nicht eine 
Frist gewährt worden sei, die mindestens zwei bis drei Arbeitstage über die Feri-
enabwesenheit hinausgereicht hätte, sei nicht nachvollziehbar (act. A.1, Ziff. 11.3 
und 11.4). Zudem stelle der Hinweis des Gesuchsgegners, eine beförderliche Pro-
zessführung sei im Interesse seiner Mandantin, eine unerlaubte Einmischung in 

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das Mandatsverhältnis dar (act. A.1, Ziff. 11.5). Ferner sei die Androhung von Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen bei Nichteinhaltung der für die Stellung von Be-
weisanträgen angesetzten Frist unhaltbar und zeige die mangelnde Unbefangen-
heit des Regionalrichters (act. A.1, Ziff. 11.6). Weiter habe der Gesuchsgegner bis 
zum 4. September 2023, dem Tag des Fristablaufs, nicht auf ein Fristerstre-
ckungsgesuch in Zusammenhang mit dem Rechtshilfeverfahren der Staatsanwalt-
schaft Graubünden, Zweigstelle Davos, im Verfahren gegen E._____ reagiert 
(act. A.1, Ziff. 11.7; RG act. 8).

3.2. Der Gesuchsgegner macht in seiner Stellungnahme vom 7. September 
2023 geltend, die Gesuchstellerin habe mit Eingabe vom 2. August 2023 auf ein 
Ausstandsgesuch gegen ihn verzichtet, das Ausstandsgesuch vom 5. September 
2023 sei daher verspätet, was zu einem Nichteintretensentscheid führe. Ein 
Ausstandsgrund im Sinne von Art. 56 lit. f StPO sei vorliegend nicht gegeben, zu-
mal er Richter C._____ durch Richter D._____ ersetzt habe und weitere Anord-
nungen in diesem Zusammenhang noch folgen würden (act. A.2, Ziff. 2b). Die an-
geblich seit dem Jahre 2018 bestehenden Spannungen zwischen dem Rechtsver-
treter der Gesuchstellerin und ihm selbst will er nicht gleichermassen empfunden 
haben; auch habe der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin in drei anderen, nach-
folgenden Verfahren gegen ihn als Richter am Regionalgericht kein Ausstandsge-
such gestellt (act. A.2, Ziff. 2f); zudem hätten kürzlich in zwei Verfahren, wo sie als 
gegnerische Anwälte gegenübergestanden seien, Vergleiche erzielt werden kön-
nen (act. A.2, Ziff. 2i). Bezüglich des Vorwurfs der zu kurzen Fristerstreckung führ-
te der Gesuchsgegner aus, dass dieselbe Frist vorher bereits ein erstes Mal um 
einen ganzen Monat erstreckt sowie das Gesuch um eine zweite Fristerstreckung 
nur mit der Ferienabwesenheit des Rechtsvertreters der Gesuchstellerin begrün-
det worden sei (act. A.2, Ziff. 2g; RG act. 5). Infolge dieser zweiten, angeblich zu 
kurzen Fristerstreckung seien der Gesuchstellerin keine Rechtsnachteile erwach-
sen, weil Beweisanträge mit Eingabe vom 5. September 2023 erfolgt seien und 
am gleichen Tag auch das Ausstandsbegehren gegen ihn selbst habe erstellt 
werden können. Die vom Rechtsvertreter im selben Schreiben vom 28. August 
2023 im Zusammenhang mit dem Rechtshilfeverfahren der Staatsanwaltschaft 
Graubünden, Zweigstelle Davos, verlangte Fristerstreckung bis Ende September 
2023 (RG act. 5) sei im Übrigen mit Verfügung vom 6. September 2023 gewährt 
worden (RG act. 10; act. A.2, Ziff. 2h).

3.3. Zu dieser Stellungnahme des Gesuchsgegners vom 7. September 2023 
liess sich der Rechtsvertreter von A._____ dahingehend verlauten, dass er erst 
mit der Stellungnahme des Gesuchsgegners davon Kenntnis erhalten habe, dass 

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die Akten in der Ausstandssache C._____ inzwischen ans Kantonsgericht weiter-
geleitet worden seien. Zudem bringt der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin Kor-
rekturen an den Sachverhaltsdarstellungen des Gesuchsgegners an, was die drei 
Verfahren vor Regionalgericht Landquart anbelangt sowie die drei Verfahren, die 
zwischen ihnen als gegnerische Anwälte vergleichsweise erledigt worden seien 
(act. A.4).

3.4. Gemäss Art. 56 lit. f StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in 
den Ausstand, wenn sie aus anderen als den in Art. 56 lit. a - e StPO genannten 
Gründen, insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei  
oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte. Die Bestimmung von Art. 56 
lit. f StPO dient als Auffangklausel. Die Befangenheitsgründe Freundschaft und 
Feindschaft sind beispielhaft, nicht abschliessend. Befangenheit bzw. Voreinge-
nommenheit einer Gerichtsperson ist dann anzunehmen, wenn sich im Einzelfall 
anhand aller tatsächlichen und verfahrensrechtlichen Gegebenheiten Umstände 
ergeben, die bei objektiver Betrachtungsweise geeignet sind, Misstrauen in ihre 
Unparteilichkeit zu erwecken (BGE 138 I 1 E. 2.2; 137 I 227 E. 2.1, E. 2.6.1-2.6.3; 
BGer 1B_209/2022 v. 22.12.2022 E. 3.1 m.w.H.). Rein subjektives Empfinden ei-
ner Prozesspartei ist nicht ausschlaggebend (BGE 138 IV 144 E. 2.1 = Pra 2012 
Nr. 123). Dabei ist wesentlich, ob der Ausgang des Verfahrens bei objektiver Be-
trachtung noch als offen bzw. nicht als vorbestimmt erscheint (BGE 139 I 121 
E. 5.1 m.w.H.).

Die Garantie des verfassungsmässigen Richters gilt für amtliche und nebenamtli-
che Richter gleichermassen (BGE 147 III 89 E. 4.2.1 m.w.H.). Gemäss Art. 56 lit. f 
StPO kann auch das Verhältnis zwischen einem Richter und einem Parteivertreter 
zum Anschein der Befangenheit führen. Von einem auf das Verhältnis zwischen 
Richter und Parteivertreter zurückzuführenden Ausstandsgrund ist aber nur bei 
Vorliegen spezieller Umstände und mit Zurückhaltung auszugehen (BGer 
1B_119/2018 v. 29.5.2018 E. 6.5.3).

Verfahrens- und Einschätzungsfehler der in der Strafbehörde tätigen Person be-
gründen für sich noch keine Befangenheit. Ein Rückschluss aus Verfahrensfehlern 
auf mangelnde Objektivität zulasten der einen oder anderen Partei ist an sich nicht 
zulässig, denn Verfahrensfehler oder Fehleinschätzungen kommen auf allen Ebe-
nen der Strafrechtspflege vor (Keller, a.a.O., N 41 zu Art. 56 StPO). Für die An-
nahme von Voreingenommenheit muss es sich vielmehr um besonders schwere 
und/oder wiederholte Fehlleistungen bzw. Irrtümer handeln, sodass sie einer 
schweren Amtspflichtverletzung gleichkommen. Zudem müssen sie sich zumin-
dest überwiegend einseitig zulasten einer der Prozessparteien auswirken (BGer 

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1B_119/2018 v. 29.5.1018 E. 6.5.1; KGer GR SK2 23 35 v. 16.8.2023 E. 4.3 
m.w.H.; Keller, a.a.O., N 41 zu Art. 56 StPO m.w.H.). Unter Fehlverhalten können 
auch gewisse nicht berufskonforme oder rechtspolitisch inopportune Kontakte zu 
Parteien oder zu Dritten eingestuft werden (Keller, a.a.O., N 42b zu Art. 56 StPO). 
Es ist aber nicht Sache des Ausstandsrichters, die Verfahrensführung wie eine 
Aufsichtsbehörde zu prüfen, weil konkrete Verfahrensfehler in erster Line im ent-
sprechenden Rechtsmittelverfahren zu rügen sind. Nur wenn im monierten Verfah-
rensfehler zugleich ein rechtsmissbräuchliches Verhalten liegt, ist darüber im 
Ausstandsverfahren zu befinden (Keller, a.a.O., N 41a zu Art. 56 StPO m.w.H.).

3.5. Im vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass sich die von der Gesuchstellerin 
monierten Verfahrensfehler nicht einseitig zu ihren Lasten ausgewirkt haben. So 
hat der Gesuchsgegner den Richter C._____, dessen Ausstand von der Gesuch-
stellerin verlangt worden ist, durch einen anderen Richter ersetzt. Dies ist zwar 
unter Missachtung der zwingenden Zuständigkeitsvorschriften von Art. 59 Abs. 1 
StPO erfolgt, doch ist immerhin darauf hinzuweisen, dass der Rechtsvertreter der 
Gesuchstellerin selbst dieses Vorgehen in seinem Gesuch vom 2. August 2023 
(RG act. 11, Ziff. 6) vorgeschlagen hat und auch noch in seinem Schreiben vom 
28. August 2023 "ein pragmatisches Vorgehen" grundsätzlich begrüsste (RG act. 
5). Inwieweit daraus dann ein sich einseitig zu Lasten der Gesuchstellerin auswir-
kender Verfahrensfehler angenommen werden soll, ist nicht nachvollziehbar und 
die entsprechenden Vorbringen erweisen sich unter dem Gesichtspunkt des venire 
contra factum proprium gar als rechtsmissbräuchlich. Über die Entschädigung zu-
gunsten der Gesuchstellerin für dieses Ausstandsverfahren hätte ohne weiteres 
später im Endentscheid noch entschieden werden können, wie es der Gesuchs-
gegner den Parteien am 28. August 2023 in Aussicht gestellt hat (Art. 421 StPO; 
vgl. dazu auch Niklaus Schmid/Daniel Jositsch, Schweizerische Strafprozessord-
nung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich 2018, N 10 zu Art. 59 StPO; Markus 
Boog, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische 
Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung, Art. 1-195 StPO, 3. Aufl., Basel 
2023, N 11 zu Art. 59 StPO). Diesbezüglich ist kein Verfahrensfehler und schon 
gar keine Benachteiligung der Gesuchstellerin zu erkennen. Schliesslich hat der 
Gesuchsgegner die Akten betreffend Ausstandssache C._____ an das Kantons-
gericht als Beschwerdeinstanz weitergeleitet, nachdem der Rechtsvertreter der 
Gesuchstellerin das Vorgehen des Gesuchsgegners aus Sorge um die Parteien-
tschädigung und entgegen seinen früheren Äusserungen wiederholt beanstandet 
hatte. 

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Bezüglich der zweiten Fristerstreckung für die Stellung von Beweisanträgen, die 
gewährt worden ist, aber nicht in der vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 
geforderten Länge, ist festzuhalten, dass dieselbe Frist vom Gesuchsgegner vor-
her bereits ein erstes Mal um einen ganzen Monat erstreckt worden ist (act. A.2, 
Ziff. 2g; RG act. 7). Trotz der nach Ansicht des Rechtsvertreters der Gesuchstel-
lerin zu kurzen Fristerstreckung konnte er am 5. September 2023 Beweisanträge 
stellen und das Ausstandsbegehren gegen den Gesuchsgegner einreichen. Der 
Gesuchstellerin sind daher durch die zweite Fristerstreckung keine Nachteile ent-
standen.

Im Zusammenhang mit den angeblichen Spannungen zwischen dem Rechtsver-
treter der Gesuchstellerin und dem Gesuchsgegner kritisiert die Gesuchstellerin 
die Doppelrolle des Gesuchsgegners als hauptamtlicher Richter am Regionalge-
richt Landquart und als forensisch tätiger Anwalt. Sie stellt indessen gleich selbst 
fest, dass dies im Kanton Graubünden zulässig ist (act. A.1 Ziff. 8). Massgebend 
für einen allfälligen Ausstand könnten somit lediglich konkrete Vorfälle sein, die 
zumindest glaubhaft gemacht werden müssten. Blosse Behauptungen oder pau-
schale, vage Andeutungen genügen nicht. Vorliegend lässt es die Gesuchstellerin 
aber bei Letzterem bewenden. Ihr Rechtsvertreter begründet dies mit dem An-
waltsgeheimnis, wovon er sich freilich hätte entbinden lassen können. Selbst wenn 
aber das Verhältnis des Rechtsvertreters der Gesuchstellerin zum Gesuchsgegner 
schon vor dem Strafverfahren gegen sie angespannt gewesen sein sollte – was 
vom Gesuchsgegner offenbar nicht so wahrgenommen wurde und wofür sich in 
den Akten keinerlei Anhaltspunkte finden −, hat der Rechtsvertreter der Gesuch-
stellerin früher kein einziges Mal ein Ausstandsbegehren gegen den Gesuchsgeg-
ner eingereicht. Die seit dem 2. August 2023 erfolgten Anordnungen des Ge-
suchsgegners sind nun aber nicht derart, dass sie für sich allein oder zusammen 
mit den früheren nachgewiesenen Sachverhalten objektiv Anlass geben, an des-
sen Unvoreingenommenheit zu zweifeln. Das Aussstandsgesuch ist daher abzu-
weisen, soweit darauf einzutreten ist.

3.6. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist das Gesuch abzuweisen, so-
weit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten 
gemäss Art. 59 Abs. 4 StPO der Gesuchstellerin aufzuerlegen. Gemäss Art. 12 
der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafverfahren (VGS; BR 350.210) 
erhebt das Gericht für Zwischenentscheide Gerichtsgebühren, welche sich nach 
dem Aufwand für die Beurteilung bemessen. In Anbetracht der Aufwendungen des 
Gerichts ist vorliegend eine Gebühr von CHF 1'000.00 zu erheben.

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Demnach wird erkannt:

1. Das Ausstandsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Kosten des Verfahrens von CHF 1'000.00 gehen zu Lasten von 
A._____.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 92 in Verbindung mit Art. 78 
ff. BGG Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. 
Die Beschwerde ist dem Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 
14, schriftlich innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung 
der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise 
einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren 
Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 
78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: