# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1f04716-b39f-589b-be8f-773e1fd6fd77
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.10.2011 D-5542/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5542-2011_2011-10-14.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5542/2011

U r t e i l   v om   1 4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach, mit Zustimmung von
Richterin Gabriela Freihofer; 
Gerichtsschreiber Martin Scheyli

Parteien 1. L._______ M._______, geboren [...],
2. J._______ M._______, geboren [...],
beide Kolumbien, 
Beschwerdeführerinnen, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

Gegenstand Einreisebewilligung und Asyl; 
Verfügung des BFM vom 15. August 2011

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Sachverhalt:

A. 
Mit  Schreiben  vom  30.  August  2010  wandten  sich  die 
Beschwerdeführerinnen  –  Mutter  und  volljährige  Tochter,  beide 
kolumbianische  Staatsangehörige  mit  Wohnsitz  in  Bogotá  –  an  die 
schweizerische Botschaft  in Kolumbien (Bogotá) und suchten um Asyl in 
der  Schweiz  nach.  Zur  Begründung  machten  sie  im  Wesentlichen 
geltend,  sie  stammten  ursprünglich  aus  A._______  in  der  Provinz 
B._______  und  seien  zur  Umsiedlung  gezwungen  gewesen.  Sie  seien 
sowohl  durch  Angehörige  der  Organisation  "Fuerzas  Armadas 
Revolucionarias  de  Colombia"  (FARC)  als  auch  durch  gewöhnliche 
Kriminelle mit Mord, Erpressung und Raub konfrontiert beziehungsweise 
vielfachen Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Es bleibe ihnen ­ wie auch 
ihren  Kindern  beziehungsweise  Geschwistern  ­  deshalb  nichts  anderes 
übrig,  als  Kolumbien  so  schnell  wie  möglich  zu  verlassen.  Mit  der 
Eingabe  reichten  sie  als  Beweismittel  Kopien  verschiedener  amtlicher 
kolumbianischer  Dokumente  ein.  Die  schweizerische  Botschaft 
übermittelte  die Eingabe mit  Schreiben  vom 2. September  2010  an  das 
BFM.

B. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  22.  September  2010  teilte  das  BFM  den 
Beschwerdeführerinnen  mit,  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  der 
Asylgesuche  und  der  eingereichten  Beweismittel  betrachte  es  den 
entscheidwesentlichen Sachverhalt als erstellt, und eine Anhörung durch 
die  schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  erweise  sich  somit  nicht  als 
notwendig. Unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren erwäge das 
Bundesamt, die Asylgesuche abzulehnen und die Einreisebewilligung zu 
verweigern.  Insbesondere  werde  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen 
Schutzsuche als gegeben erachtet. Des Weiteren räumte das Bundesamt 
den  Beschwerdeführerinnen  die  Gelegenheit  ein,  sich  zu  diesen 
Einschätzungen innert 30 Tagen schriftlich zu äussern.

C. 
Mit  an die  schweizerische Botschaft  in Bogotá  gerichteter Eingabe  vom 
10. Oktober  2010  führten  die  Beschwerdeführerinnen  im  Wesentlichen 
aus,  sie  ­ wie  auch  ihre Kinder  beziehungsweise Geschwister  ­ würden 
seit  Jahren  in  ständiger  Furcht  leben.  Die  meisten  ihrer 
Familienangehörigen  seien  deshalb  bereits  ins  Ausland  geflohen. 
Aufgrund  der  erzwungenen  Umsiedlung  und  der  schwierigen 

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Lebensbedingungen  seien  sie  ­  zumal  die  Mutter  schwanger  sei  ­ 
dringend auf Unterstützung angewiesen. Die Botschaft übermittelte diese 
Eingabe mit Schreiben vom 15. Oktober 2010 an das BFM. 

D. 
Mit  Verfügung  vom  15.  August  2011  (bei  den  Beschwerdeführerinnen 
eingegangen am 31. August 2011) verweigerte das BFM die Einreise der 
Beschwerdeführerinnen  in  die  Schweiz  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab. 
Zur  Begründung  führte  das  Bundesamt  zunächst  in  formeller  Hinsicht 
aus, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen gegeben seien, um 
von  einer  Anhörung  der  Beschwerdeführerinnen  abzusehen.  In 
materieller  Hinsicht  hielt  das  BFM  im  Wesentlichen  dafür,  der 
kolumbianische  Staat  verfüge  grundsätzlich  über  eine  funktionierende 
und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über  einen  adäquaten 
Polizeiapparat sowie ein ebensolches Rechts­ und Justizsystem. Da die 
Behörden  die  Aktivitäten  der  Guerilla  im  Rahmen  des  Möglichen 
bekämpfen  würden,  könne  die  Schutzwilligkeit  des  kolumbianischen 
Staats als gegeben erachtet werden. Die Beschwerdeführerinnen würden 
zwar  angeben,  sie  hätten  bereits  ihren Wohnort  gewechselt,  wobei  sie 
heute  in  Bogotá  leben.  Bei  den  Beschwerdeführerinnen  und  deren 
Familienangehörigen handle es sich aber nicht um  landesweit bekannte 
Persönlichkeiten.  Es  sei  deshalb  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihre 
Verfolger  sie  an  einem  beliebigen  Ort  in  Kolumbien  ausfindig  machen 
könnten.  Ferner  sei  es  den  Beschwerdeführerinnen  möglich  und 
zumutbar,  gegebenenfalls  in  einem  anderen  Land  als  der  Schweiz  um 
Schutz  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der  Nachbarstaaten 
Kolumbiens, welche  sowohl  das Abkommen vom 28. Juli  1951 über die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das 
entsprechende  Zusatzprotokoll  vom  31. Juli  1967  ratifiziert  hätten; 
besonders  nahe  Beziehungen  zur  Schweiz  hätten  die 
Beschwerdeführerinnen in ihren Asylgesuchen nicht geltend gemacht. 

E. 
Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe an die 
schweizerische  Botschaft  in  Bogotá  vom  25. September  2011 
(Posteingang  bei  der  Botschaft  am  29.  September  2011)  beim 
Bundesverwaltungsgericht  an.  Dabei  beantragten  sie  sinngemäss  die 
Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die Gewährung  von  Asyl 
beziehungsweise  die  Bewilligung  der  Einreise  in  die  Schweiz.  Zur 
Begründung  wiederholten  sie  im  Wesentlichen  die  bereits  mit  ihren 

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Asylgesuchen  und  der  ergänzenden  Eingabe  vom  10. Oktober  2010 
gemachten Vorbringen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Über  Be­
schwerden  gegen  Verfügungen,  die  gestützt  auf  das  Asylgesetz  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind, 
entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich  (mit Ausnahme 
von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Auslieferungsersuchen 
des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 
AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  VGG;  Art.  83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verlet­zung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und 
Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die 
Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Die Beschwerdeführerinnen sind legitimiert; auf ihre frist­ und formgerecht 
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG).

3. 
3.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in 
einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters 
beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine 
solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen 
ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

3.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung des 
Schriftenwechsels verzichtet.

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4. 
4.1.  In  formeller Hinsicht  ist zunächst  festzuhalten, dass gemäss Art. 19 
AsylG  ein Asylgesuch  im Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung 
gestellt  werden  kann,  welche  es  mit  einem  Bericht  an  das  Bundesamt 
überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt mit 
der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art. 10 
Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen 
[AsylV 1, SR 142.311]).  Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende 
Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich 
festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht hat 
in Auslegung dieser Bestimmungen erkannt  (vgl.  zum Folgenden BVGE 
2007/30  E. 5.2  ff.),  dass  sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befragung  aus 
organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen 
Vertretung,  aus  faktischen Hindernissen  im betreffenden Land oder  aus 
bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Gründen ergeben 
kann. Da die Anhörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung 
des rechtlichen Gehörs dient, ist die asylsuchende Person bei gegebener 
Unmöglichkeit einer Anhörung unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in 
einem individualisierten Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, 
ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes  Schreiben 
vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller  Regel  nicht  zu  genügen. 
Allerdings  kann  sich  eine  Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche 
Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund 
des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der 
asylsuchenden  Person  ist  aber  diesfalls  immerhin  im  Sinne  des 
rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem 
abzusehenden  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern. 
Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von 
einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen.

4.2.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführerinnen  von  der 
schweizerischen  Botschaft  in  Kolumbien  zu  ihren  Asylgesuchen  nicht 
befragt,  da  die  Botschaft  dazu  gemäss  Überweisungsschreiben  vom 
2. September 2010 aus gerichtsnotorischen und mithin nachvollziehbaren 
Kapazitätsgründen  nicht  in  der  Lage  war.  Den  Beschwerdeführerinnen 
wurde  indessen  mit  Zwischenverfügung  des  BFM  vom  22. September 
2010 Gelegenheit zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgründe gegeben 
sowie  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  die  vom  Bundesamt  in 
Erwägung gezogene Abweisung der Asylgesuche gewährt. Weiter haben 
die  Beschwerdeführerinnen  von  dieser  Möglichkeit  mit  Eingabe  vom 
10. Oktober  2010  Gebrauch  gemacht.  Angesichts  der  einlässlichen 

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Ausführungen  der  Beschwerdeführerinnen  in  ihren  mit  Schreiben  vom 
30. August  2010  eingereichten  Asylgesuchen  und  in  der  Eingabe  vom 
10. Oktober  2010  sowie  unter  Berücksichtigung  der  eingereichten 
Beweismittel  ist  der  entscheidwesentliche  Sachverhalt  als  hinreichend 
abgeklärt  zu  erachten.  Schliesslich  hat  das  BFM  in  der  angefochtenen 
Verfügung  das  Absehen  von  einer  persönlichen  Anhörung  in 
nachvollziehbarer  Weise  begründet.  Somit  hat  das  BFM  den 
verfahrensrechtlichen  Anforderungen  an  die  Behandlung  der 
Asylgesuche ausreichend Rechnung getragen.

5. 
5.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 
die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen kann oder 
ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (vgl. Art. 3, 
Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt 
das  Bundesamt  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung  des 
Sachverhaltes, wenn  ihnen nicht  zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­ 
oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen.

5.2. Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung einer 
Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den 
Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderli­
chen Gefährdung  im Sinne von Art.  3 AsylG sind namentlich die Bezie­
hungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch ei­
nen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die prakti­
sche  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmög­lichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen 
der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr.  15, 
insbesondere  S. 131  ff.,  welcher  angesichts  bloss  redaktioneller 
Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor 
Gültigkeit hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung 
ist dabei die Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen  (vgl. EMARK 
1997  Nr. 15  E. 2c  S. 130),  mithin  die  Prüfung  der  Fragen,  ob  eine 
Gefährdung  im Sin­ne  von Art. 3 AsylG  glaubhaft  gemacht wird  und  ob 
der Verbleib am Aufenthaltsort  für die Dauer der Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

6. 
6.1.  Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, die 

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Beschwerdeführerinnen hätten keine besonders nahen Beziehungen zur 
Schweiz  geltend  gemacht.  Demgegenüber  bestehen  konkrete 
Anknüpfungspunkte  zu  Costa  Rica,  wo  die  Mutter  beziehungsweise 
Grossmutter  und  die  Schwestern  beziehungsweise  Tanten  der 
Beschwerdeführerinnen ­ gemäss deren Angaben als Flüchtlinge ­ leben. 
Des  Weiteren  hat  das  Bundesamt  zu  Recht  ausgeführt,  dass  es  den 
Beschwerdeführerinnen  zuzumuten  ist,  in  einem  anderen 
lateinamerikanischen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl.  Art. 
52 Abs.  2 AsylG). So  sind  beispielsweise  die Nachbarstaaten Brasilien, 
Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien sowohl der FK als auch des 
betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967;  Venezuela 
wiederum hat zwar das Abkommen selbst nicht  ratifiziert, wohl aber das 
Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein 
eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von 
Flüchtlingen.  Zudem  halten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­
Refoulement  im  Sinne  von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung 
festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – insbesondere 
denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  –  in  den  letzten  Jahren  zu 
unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die Grenzbehörden  gekommen 
ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen 
Schutzsuche  sprechen  im  Übrigen  die  Möglichkeit  der  visumfreien 
Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der  Umstand,  dass 
jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den 
Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort 
zu  einem  beträchtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt 
werden.  Weder  aus  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerinnen  im 
vorinstanzlichen  Verfahren  (unter  Berücksichtigung  der  eingereichten 
Beweismittel)  noch  auf  Beschwerdeebene  ergeben  sich  konkrete 
Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  es  sei  ihnen  praktisch 
unmöglich  oder  objektiv  unzumutbar,  sich  in  einen  anderen  Staat, 
insbesondere  einen  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  zu  begeben  (vgl. 
EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15 E. 2f). Dies gilt umso mehr, als es 
sich  bei  den  Beschwerdeführerinnen  aufgrund  der  Akten  nicht  um 
landesweit  bekannte  Personen  handelt,  die  aufgrund  einer  besonders 
exponierten  Stellung  auch  bei  einer  Flucht  ins  nahe  Ausland  allenfalls 
befürchten müssten, weiterhin verfolgt zu werden.

6.2.  Bei  dieser  Sachlage  kann  offen  bleiben,  ob  sich  die 
Beschwerdeführerinnen  den  geltend  gemachten  Bedrohungen  allenfalls 

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durch  eine  innerstaatliche  Verlegung  ihres  Wohnsitzes  dauerhaft 
entziehen könnten.

6.3. Nach  dem  Gesagten  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  die 
Beschwerdeführerinnen  über  keine  konkrete  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat das BFM zu Recht den 
Beschwerdeführerinnen  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  verweigert 
und die Asylgesuche abgelehnt.

7. 
Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene 
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die 
Beschwerde ist folglich abzuweisen.

8. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 
den  Beschwerdeführerinnen  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63 
Abs. 1  in  fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  indessen  auf  die 
Erhebung der Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerinnen,  das  BFM  und  die 
schweizerische Botschaft in Kolumbien (Bogotá).

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli

Versand: