# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 30b17d89-10f1-5336-a8fa-2bfadc7b7b48
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-04-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.04.2016 SK.2015.28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2015-28_2016-04-07.pdf

## Full Text

Urteil vom 7. April 2016 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Miriam Forni, Vorsitz, 

Walter Wüthrich und Sylvia Frei,  

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  

Martin Stupf, Staatsanwalt des Bundes,  

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

1. B., vertreten durch Rechtsanwalt Marcel Bosonnet,  
 
2. Verein C., vertreten durch D.,  
 

 

gegen 

  

A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Beat Lugin-

bühl,  

 

Gegenstand 

 

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in ver-

brecherischer Absicht, versuchte Sachbeschädigung, 

versuchte Brandstiftung; eventuell Herstellen, Verber-

gen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Ga-

sen, strafbare Vorbereitungshandlungen zu Brandstif-

tung. 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2015.28 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft (pag. 8.925.38): 

1. A. sei schuldig zu sprechen:  

– der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB; 

– der versuchten schweren Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und 3 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

– der versuchten Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB; 

eventualiter: 

– des Herstellens und Weiterschaffens von Sprengstoffen im Sinne von Art. 226 

Abs. 1 und 2 StGB; 

– der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Brandstiftung (Art. 221 StGB) im 

Sinne von Art. 260bis Abs. 1 lit. g StGB. 

2. A. sei zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu verurteilen. 

3. Folgende beschlagnahmte Gegenstände seien als Beweismittel bei den Akten zu 

belassen: Ziff. 4.1.2 / 4.1.3 / 4.2.1 / 4.2.2 gemäss Anklageschrift. 

4. Folgende beschlagnahmte Gegenstände seien einzuziehen und zu vernichten: 

Ziff. 4.1.1 / 4.3.1 bis 4.3.5 gemäss Anklageschrift. 

5. Die Kosten des Vorverfahrens im Umfang von Fr. 21'976.60 und des erstinstanzli-

chen Hauptverfahrens seien A. aufzuerlegen. 

6. Es sei durch das Gericht über die Entschädigung der amtlichen Verteidigung von A. 

zu befinden. 

A. sei gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO zu verpflichten, der Eidgenossenschaft für 

die Entschädigung der amtlichen Verteidigung Ersatz zu leisten, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

7. Mit dem Vollzug des Urteils sei der Kanton Bern zu beauftragen.  

- 3 - 

Anträge der Privatklägerschaft B. (pag. 8.925.50 f.): 

1. A. sei wegen Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht im Sinne 

von Art. 224 Abs. 1 StGB, versuchtem Mord im Sinne von Art. 112 StGB, eventuell 

versuchter schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB und 

versuchter schwerer Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 StGB 

schuldig zu sprechen. 

2. Er sei zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen. 

3. Er sei zur Zahlung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.-- zuzüglich 5% Zins 

seit dem 4. August 2007 zu verpflichten. 

4. A. hat dem Privatkläger B. eine Entschädigung gemäss eingereichter Kostennote 

für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte zu bezahlen. 

 

Anträge der Privatklägerschaft Verein C. (pag. 8.925.79): 

1. A. sei schuldig zu sprechen:  

1.1 der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht zum Nachteil des Vereins C., begangen am 4. August 2007 und in der 

Zeit davor in Bern und Z.;  

1.2 der vollendet versuchten Brandstiftung zum Nachteil des Vereins C., began-

gen am 4. August 2007 in Bern; 

und sei dafür in Anwendung der massgeblichen gesetzlichen Bestimmung streng zu 

bestrafen.  

2. A. sei gemäss eingereichter Zivilklage vom 10. Februar 2016 zu verurteilen, dem 

Verein C., Schadenersatz von Fr. 7'477.65 nebst Zins zu 5% seit dem 5. August 

2007 zu bezahlen. 

3. A. habe sämtliche Kosten des Verfahrens zu bezahlen. 

4. A. habe dem Verein C., eine Entschädigung gemäss eingereichter Kostennote für 

die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte zu bezahlen. 

 

- 4 - 

Anträge der Verteidigung (pag. 8.925.80 f.): 

1. A. sei freizusprechen von den Anschuldigungen gemäss Anklageschrift vom 15. Juni 

2015, nämlich:  

– der Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht,  

– der versuchten Sachbeschädigung,  

– der versuchten Brandstiftung,  

angeblich begangen am 4. August 2007, 23:55 Uhr, in der grossen Halle der Reit-

schule Bern, 

eventualiter: 

– des Herstellens und Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen, 

– der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Brandstiftung, 

angeblich begangen am 4. August 2007, 23:55 Uhr, in der grossen Halle der Reit-

schule Bern, 

unter Auferlegung der Verfahrenskosten auf die Eidgenossenschaft und unter Aus-

richtung einer Entschädigung für die entstandenen Verteidigungskosten. 

2. Die Zivilklagen der Privatkläger seien kostenfällig abzuweisen. 

3. Soweit keine Entschädigung für die Verteidigungskosten zugesprochen wird, sei 

das Honorar des amtlichen Verteidigers zu bestimmen. 

 

 

 

  

- 5 - 

Prozessgeschichte: 

A. Am 4. August 2007 fand in der grossen Halle des Kulturzentrums Reitschule an der Schüt-

zenmattstrasse 7 in Bern eine Veranstaltung, genannt Antifa-Festival, statt, die durch den 

Verein C. organisiert worden war. Ungefähr um 23.40 Uhr machte ein Konzertbesucher 

des Festivals den Sicherheitsmitarbeiter B. auf einen Rucksack aufmerksam, aus dem 

Gas- oder Benzingeruch ströme. In der Folge behändigte B. den Rucksack, trug ihn ins 

Freie und deponierte ihn vor der Reitschule auf dem Trottoir der Schützenmattstrasse, wo 

er sich kurz darauf entzündete. Das Feuer konnte von den Anwesenden mittels Feuerlö-

scher gelöscht werden. Personen oder Sachen kamen nicht zu Schaden; der Teer-Belag 

des Trottoirs erlitt durch das Feuer "praktisch keinen Schaden" (pag. 1-0-1 f. und 10-00-1 

ff.). 

B. Die Kantonspolizei Bern (nachfolgend: Kapo Bern) rückte zur Spurensicherung aus. De-

ren Kriminaltechnischer Dienst (nachfolgend: KTD) sicherte auf den Überresten der 

Brandvorrichtung einen Teilabdruck einer Handfläche (sog. Handballenabdruck) und zwei 

DNA-Spuren (pag. 10-00-7 ff., 10-00-88 ff.). 

C. Am 5. August 2007 eröffnete das Untersuchungsrichteramt III Bern-Mittelland (nachfol-

gend: URA/BE) eine Voruntersuchung gegen unbekannte Täterschaft wegen vorsätzlicher 

Verursachung einer Explosion (Art. 223 Ziff. 1 StGB), versuchter schwerer Köperverlet-

zung (Art. 122 StGB) und versuchter Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) (pag. 01-00-1 f.). 

Weder ein Zeugenaufruf in den Medien durch das URA/BE noch die polizeilichen Abklä-

rungen im Umfeld des Kulturzentrums Reitschule ergaben Hinweise auf die Täterschaft 

(pag. 10-00-131). Am 18. Februar 2008 stellte die Staatsanwaltschaft III Bern-Mittelland 

(nachfolgend: StA/BE) die Strafverfolgung ein (pag. 01-00-3). Am 7. März 2008 eröffnete 

das URA/BE das Strafverfahren gegen unbekannte Täterschaft wieder und dehnte es auf 

die Tatbestände der Widerhandlungen gegen das Sprengstoffgesetz und der Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht aus (pag. 01-00-4). Das 

URA/BE kontaktierte die Bundesanwaltschaft diesbezüglich betreffend Klärung der sach-

lichen Zuständigkeit (pag. 02-01-1). Am 18. März 2008 delegierte die Bundesanwaltschaft 

das Verfahren, soweit unter Bundeszuständigkeit fallend, an die Strafbehörden des Kan-

tons Bern (pag. 02-01-2). In der Folge stellte die StA/BE das Strafverfahren am 26. März 

2008 erneut ein (pag. 01-00-5).  

D. Am 28. Dezember 2009 stellte A. (nachfolgend: Beschuldigter) bei der Kapo Bern, Fach-

bereich Waffen, Sprengstoff und Gewerbe, ein Gesuch um Erteilung eines Waffener-

werbsscheines für zwei Feuerwaffen. Da der Beschuldigte in den Jahren zuvor bei der 

Polizei mehrfach negativ in Erscheinung getreten war (Körperverletzung, Rassismus etc.) 

und der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) der Kapo Bern empfohlen hatte, keine Be-

willigung zu erteilen, führte letztere auf Beschluss des Regierungsstatthalteramtes Biel 

- 6 - 

am 30. März 2010 am Domizil des Beschuldigten eine Hausdurchsuchung durch. Dabei 

wurden unter anderem mehrere Waffen, waffenähnliche Objekte, pyrotechnische Gegen-

stände sowie Betäubungsmittel sichergestellt. Im Rahmen dieser Zwangsmassnahme 

wurde der Beschuldigte erkennungsdienstlich behandelt. Beim Abgleich seines DNA-Pro-

fils mit der Datenbank des Erkennungsdienstlichen DNA-Profil Informationssystems (ED-

NAIS) ergab sich eine Übereinstimmung mit dem Profil einer DNA-Spur, welche von der 

Kapo Bern im Zusammenhang mit dem Vorfall im Kulturzentrum Reitschule vom 4. August 

2007 sichergestellt worden war (pag. 10-00-90). Der KTD folgerte daraus in seinem Nach-

tragsbericht vom 21. April 2010 zum Spurenbericht vom 11. September 2007, dass der 

Beschuldigte mit dem betreffenden Spurenträger in Berührung gekommen sein muss 

(pag. 10-00-23 ff.).  

E. Am 6. Mai 2010 eröffnete das URA/BE eine Voruntersuchung gegen den Beschuldigten 

und unbekannte Täterschaft wegen vorsätzlicher Verursachung einer Explosion (Art. 223 

Ziff. 1 StGB), evtl. Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB), Brandstiftung (Art. 221 Abs. 2, 

evtl. Abs. 1 StGB), versuchter schwerer Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB) und versuchter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB). Am 7. Juli 2010 dehnte 

sie das Verfahren auf die Tatbestände der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 

(Art. 33 Abs. 1 lit. a WG), das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 1 BetmG) und das 

Sprengstoffgesetz (Art. 37 f. SprstG) aus (pag. 01-00-6 f.). Am 30. Januar 2012 dehnte 

die nunmehr zuständige StA/BE dieses auf den Tatbestand der Gefährdung durch 

Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 StGB) aus (pag. 01-

00-8). 

F. Mit Verfügung vom 10. Februar 2012 hob die Bundesanwaltschaft wegen möglicherweise 

politisch motivierter Delinquenz ihre Verfahrensdelegation an die bernischen Strafbehör-

den vom 18. März 2008 auf und eröffnete gegen den Beschuldigten ein eigenes Vorver-

fahren, unter Einbezug (Vereinigung) des bisher in kantonaler Kompetenz gegen densel-

ben geführten Verfahrens (pag. 01-00-9 ff.). 

G. Am 22. November 2010 ordnete das URA/BE eine Telefonkontrolle auf eine Mobiltelefon- 

und IMEI-Nummer des Beschuldigten, sowie eine auf sechs Monate rückwirkende Teil-

nehmeridentifikation an (pag. 09-00-4 ff.). Die laufende Telefonkontrolle dauerte bis am 

21. Dezember 2010 (pag. 09-00-42 ff.).  

H. Der Beschuldigte liess durch seinen Verteidiger am 31. Januar 2011 bei der StA/BE 

Schutzmassnahmen gemäss Art. 149 StPO, insbesondere Zusicherung von Anonymität, 

beantragen (pag. 19-00-1 ff.). Die StA/BE und auf Beschwerde hin das Obergericht des 

Kantons Bern lehnten diesen Antrag ab (pag. 9-00-8 ff.; 21-00-63 ff.). 

- 7 - 

I. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2010 ernannte das URA/BE Rechtsanwalt Beat Lugin-

bühl zum amtlichen Verteidiger des Beschuldigten; am 10. April 2012 widerrief sie das 

Mandat per 9. Februar 2012 infolge Verfahrensübernahme durch die Bundesanwaltschaft 

(pag. 16-00-1 ff., …-20 f.). Die Bundesanwaltschaft setzte den gleichen Rechtsanwalt mit 

Verfügung vom 5. April 2012 rückwirkend per 10. Februar 2012 als amtlichen Verteidiger 

des Beschuldigten ein (pag. 16-00-18). Am 23. Januar 2013 gewährte sie dem Verteidiger 

umfassende Akteneinsicht, mithin auch in die Akten betreffend Anordnung der Telefon-

überwachung (pag. 20-00-1 ff.). 

J. Der Verein C., vertreten durch Rechtsbeistand MLaw D., konstituierte sich mit Strafan-

zeige vom 16. August 2007 gegen Unbekannt als Privatkläger (Privatkläger 2) im Straf- 

und Zivilpunkt (pag. 05-00-1).  

K. B., vertreten durch Rechtsbeistand MLaw D., konstituierte sich mit Schreiben vom 

27. Februar 2013 als Privatkläger (Privatkläger 1) im Straf- und Zivilpunkt (pag. 15-06-1 

ff.). Ab 2. November 2014 liess er sich durch Rechtsanwalt Marcel Bosonnet vertreten 

(pag. 15-06-6). Dieser erhielt am 5. November 2014 umfassende Akteneinsicht (pag. 15-

06-8). 

L. Mit Schreiben vom 14. Januar 2013 und 16. Januar 2013 kündigte die Bundesanwaltschaft 

dem Beschuldigten sowie dem Verein C. den bevorstehenden Abschluss der Untersu-

chung an. Sie stellte darin in Aussicht, den Sachverhaltsteil "Sprengstoff-Vorfall in der 

Reithalle Bern vom 4.8.2007" einzustellen (pag. 16-00-24 f.; 15-01-18 f.). 

M. Am 14. Oktober 2013 erliess die Bundesanwaltschaft gegen den Beschuldigten einen 

rechtskräftig gewordenen Strafbefehl wegen Widerhandlungen gegen das Waffen- und 

das Betäubungsmittelgesetz (Ziff. 1), bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 40 Tagessät-

zen zu je Fr. 70.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 3 Jahren (Ziff. 2), und einer 

Busse von Fr. 400.-- (Ziff. 3), auferlegte ihm die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- (Ziff. 7) 

und verfügte über die beschlagnahmten Waffen und Betäubungsmittel (Ziff. 5 und 6; 

pag. 03-00-10 ff.). Mit Berichtigung vom 11. März 2014 fasste die Bundesanwaltschaft 

Ziff. 4 des Strafbefehls neu wie folgt: "Die ausgefällte Strafe gilt als Zusatzstrafe zum Urteil 

vom 17. Mai 2010 der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn und die vom Gerichts-

kreis III Aarberg-Büren-Erlach am 22. März 2010 ausgefällte bedingte Geldstrafe wird 

nicht widerrufen, jedoch die Probezeit um ein Jahr verlängert" (pag. 03-00-37). 

N. Mit Verfügung vom 3. Januar 2014 stellte die Bundesanwaltschaft die Strafuntersuchung 

gegen den Beschuldigten wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in ver-

brecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), Verursachung einer Explosion (Art. 223 

StGB), evtl. Gefährdung des Lebens (Art. 129 StGB), Brandstiftung (Art. 221 Abs. 2, evtl. 

Abs. 1 StGB), versuchter schwerer Körperverletzung (Art. 122 i.V.m Art. 22 Abs. 1 StGB), 

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versuchter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 und 3 StGB) und Widerhandlungen gegen 

das Sprengstoffgesetz (Art. 37 SprstG) ein (pag. 03-00-20 ff.). Die von den Privatklägern 

erhobenen Beschwerden hiess die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit Be-

schluss vom 12. August 2014 (BB.2014.8–9) gut, soweit sie auf sie eintrat, und verpflich-

tete die Bundesanwaltschaft, das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 StGB), Verur-

sachung einer Explosion (Art. 223 Abs. 1 StGB), evtl. Gefährdung des Lebens (Art. 129 

StGB), Brandstiftung (Art. 221 Abs. 2, evtl. Abs. 1 StGB), versuchter schwerer Körperver-

letzung (Art. 122 i.V.m Art. 22 Abs. 1 StGB) und versuchter Sachbeschädigung (Art. 144 

Abs. 1 StGB) weiterzuführen (pag. 21-00-137 ff.). 

O. Die Bundesanwaltschaft nahm weitere Ermittlungshandlungen vor, ordnete zusätzliche 

erkennungsdienstliche Untersuchungen an (pag. 10-00-159 ff. und 10-00-167), nahm eine 

Schlusseinvernahme mit dem Beschuldigten vor und dehnte das Verfahren gegen den 

Beschuldigten auf die Tatbestände des Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von 

Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 StGB) und der strafbaren Vorbereitungshand-

lungen zu Brandstiftung (Art. 260bis Abs. 1 lit. g StGB) aus (pag. 01-00-13 f.). Dabei verei-

nigte sie auch Letzteres in der Hand der Bundesbehörden (pag. 01-00-15). 

P. Am 15. Juni 2015 erhob die Bundesanwaltschaft gegen den Beschuldigten Anklage beim 

Bundesstrafgericht wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbreche-

rischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), versuchter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 und 

3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), versuchter Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), eventuell wegen Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens 

von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 1 und 2 StGB) und strafbaren Vor-

bereitungshandlungen zu Brandstiftung (Art. 260bis Abs. 1 lit. g StGB) (pag. 8-100-1 ff.). 

Q. Die Verfahrensleitung der Strafkammer erteilte am 31. Juli 2015 einem Experten beim 

Wissenschaftlichen Forschungsdienst der Stadtpolizei Zürich (nachfolgend: WFD) einen 

Gutachtensauftrag, welcher insbesondere die Prüfung der Materialzusammenstellung der 

sichergestellten Überreste der abgebrannten Brandvorrichtung vom 4. August 2007 zum 

Gegenstand hatte (pag. 8-300-1). Das Gutachten wurde am 2. Oktober 2015 erstattet 

(pag. 8-661-2 ff.) und den Parteien zur Stellungnahme zugestellt (pag. 8-300-2).  

R. Die Hauptverhandlung fand am 17. Februar 2016 in Anwesenheit der Parteien am Sitz 

des Gerichts statt. Die mündliche Urteilseröffnung erfolgte am 7. April 2016. 

 

  

- 9 - 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Zuständigkeit 

Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet unter 

anderem auf Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 StGB), evtl. Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen von 

Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 StGB). Sowohl gemäss Art. 35 Abs. 1 

StBOG i.V.m. Art. 23 Abs. 1 lit. d StPO wie auch gemäss Art. 449 Abs. 1 StPO 

i.V.m. Art. 336 Abs. 1 lit. d aStGB unterstehen der Bundesgerichtsbarkeit die 

Verbrechen und Vergehen der Art. 224–226ter StGB; die obgenannten Delikte 

fallen somit in die Zuständigkeit des Bundes. Für die Verfolgung der weiteren 

angeklagten Delikte (versuchte Sachbeschädigung [Art. 144 i.V.m. Art. 22 StGB], 

versuchte Brandstiftung [Art. 221 i.V.m. Art. 22 StGB], strafbare Vorbereitungs-

handlungen zu Brandstiftung [Art. 260bis Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 221 StGB]) sind 

die Kantone zuständig (Art. 22 StPO bzw. Art. 338 aStGB). Ist in einer Strafsache 

sowohl Bundes- als auch kantonale Zuständigkeit gegeben, kann der Staatsan-

walt des Bundes die Vereinigung der Verfahren in der Hand der Bundesbehörden 

oder der kantonalen Behörden anordnen (Art. 26 Abs. 2 StPO). Die Bundesan-

waltschaft hat die Verfahren, welche Anklagepunkte kantonaler Zuständigkeit be-

treffen, mit Verfügungen vom 10. Februar 2012 und 2. Juni 2015 in Anwendung 

von Art. 26 Abs. 2 StPO mit dem in ihre genuine Zuständigkeit fallenden Verfah-

ren vereinigt (Prozessgeschichte Bst. F und O). Die Zuständigkeit des Bun-

desstrafgerichts für die Beurteilung aller Anklagepunkte ist demnach gegeben. 

2. Prozessuales 

2.1. Die Schweizerische Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0) 

trat am 1. Januar 2011 in Kraft und gelangt ohne weiteres zur Anwendung (Art. 1 

Abs. 1 StPO). Das vorliegende Strafverfahren wurde am 5. August 2007 bei der 

Kapo Bern anhängig gemacht; es ist bis zum Inkrafttreten der StPO von den ber-

nischen Strafbehörden geführt worden bzw. wurde von der Bundesanwaltschaft 

teilweise an diese delegiert. Das Vorverfahren wurde mithin bis Ende 2010 unter 

dem alten Verfahrensrecht (kantonales Prozessrecht bzw. Bundesgesetz vom 

15. Juni 1934 über die Bundesstrafrechtspflege [Bundesstrafprozessordnung, 

BStP]) geführt. Gemäss Art. 448 Abs. 1 StPO werden Verfahren, die am 1. Ja-

nuar 2011 hängig sind, nach dem neuen Prozessrecht fortgeführt, soweit nichts 

anderes vorgesehen ist. Gemäss Art. 448 Abs. 2 StPO behalten die unter Gel-

tung der Bundesstrafprozessordnung bzw. der Strafprozessordnung des Kantons 

Bern angeordneten und durchgeführten Verfahrenshandlungen ihre Gültigkeit.  

- 10 - 

2.2. Die Strafkammer hat im Hauptverfahren ein eingeschränktes Beweisverfahren 

durchgeführt; sie hat neue Beweise und im Vorverfahren erhobene Beweise teil-

weise nochmals erhoben (Art. 343 Abs. 1 und 3 StPO). Insbesondere hat sie ein 

wissenschaftliches Gutachten beim WFD eingeholt (Prozessgeschichte Bst. Q) 

und beim Vorfall in der Reitschule vom 4. August 2007 anwesende Personen (B. 

und E.) in der Hauptverhandlung nochmals einvernommen. Sodann hat sie Ab-

klärungen zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten 

vorgenommen und Akten von Vorstrafen beigezogen. 

Die Verwertbarkeit der Ergebnisse der Telefonüberwachung (Prozessgeschichte 

Bst. G) ist gegeben. Letztere wurde unter altem Recht angeordnet und durchge-

führt, gemäss dem Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und 

Fernmeldeverkehrs vom 6. Oktober 2000 (BÜPF, SR 780.1); im heutigen Recht 

finden sich die entsprechenden Regeln in Art. 269–279 StPO, welche Art. 3–10 

BÜPF ablösten (vgl. AS 2010 1881, 2049). Gemäss Art. 10 Abs. 2 aBÜPF teilt 

die anordnende Behörde spätestens vor Abschluss der Strafuntersuchung oder 

der Einstellung des Verfahrens Grund, Art und Dauer der Überwachung den ver-

dächtigten Personen sowie den Personen, deren Postadresse oder Fernmelde-

anschluss überwacht worden ist, mit. Im heutigen Recht richtet sich die Mitteilung 

an die überwachte beschuldigte Person und überwachte Drittpersonen nach Art. 

279 Abs. 1 StPO, das Beschwerderecht nach Art. 393 ff. StPO. Die Mitteilung der 

Überwachung an den Beschuldigten erfolgte vorliegend in der delegierten Ein-

vernahme durch die Kapo Bern vom 25. Januar 2011 (pag. 13-01-59 ff., …-65). 

Auch in der Schlusseinvernahme vom 20. November 2014 wurde der Beschul-

digte nochmals über die Telefonüberwachung unterrichtet (pag. 13-01-136).  

Nach dem Gesagten sind die unter dem alten Prozessrecht erhobenen Beweise 

ohne weiteres verwertbar. Einwendungen gegen die Verwertbarkeit der im Vor-

verfahren unter altem oder neuem Recht oder der von der Strafkammer erhobe-

nen Beweise wurden von den Parteien nicht erhoben. 

2.3. Die Privatkläger haben in der Hauptverhandlung Vorfragen bezüglich der rechtli-

chen Würdigung der Anklage durch das Gericht aufgeworfen, der Privatkläger 1 

dahingehend, dass der angeklagte Sachverhalt auch unter dem Tatbestand des 

versuchten Mordes (Art. 112 StGB), eventuell der versuchten schweren Körper-

verletzung (Art. 122 StGB) zu prüfen sei, der Privatkläger 2 dahingehend, dass 

der eventualiter angeklagte Sachverhalt (Anklageschrift Ziff. 1.2) auch unter 

sämtlichen Tatbeständen gemäss Hauptanklage (Anklageschrift Ziff. 1.1) zu prü-

fen sei, und zwar hinsichtlich einer Mittäterschaft des Beschuldigten, eventuell 

- 11 - 

als Teilnahme im Sinne der Gehilfenschaft (Art. 25 StGB), jeweils begangen zu-

sammen mit einem oder mehreren unbekannten Tätern (HV-Protokoll [pag. 8-

920-1 ff.] S. 3 f.). 

Gemäss Art. 339 Abs. 2 StPO können das Gericht und die Parteien – nach der 

Eröffnung der Hauptverhandlung (Art. 339 Abs. 1 StPO) – Vorfragen aufwerfen 

(Art. 339 Abs. 2 StPO). Das Gericht entscheidet unverzüglich über die Vorfragen, 

nachdem es den anwesenden Parteien das rechtliche Gehör gewährt hat 

(Art. 339 Abs. 3 StPO). Die Auflistung der zulässigen Vorfragethemen im Gesetz 

(Art. 339 Abs. 2 lit. a–f StPO) ist nicht abschliessend; indessen können nur for-

melle Einwendungen zum Gegenstand einer Vorfrage gemacht werden 

(HAURI/VENETZ, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 339 StPO N. 10). 

Die Eröffnung einer möglichen abweichenden rechtlichen Würdigung durch das 

Gericht im Sinne von Art. 344 StPO betrifft eine materielle Frage, keine formelle. 

Sie stellt deshalb keine Vorfrage dar, weil darüber nicht unverzüglich, sondern 

erst im Endentscheid zu befinden ist (HAURI/VENETZ, a.a.O., Art. 339 StPO N. 9). 

Die Strafkammer trat aus diesem Grund auf die von den Privatklägern aufgewor-

fenen Vorfragen betreffend rechtliche Würdigung nicht ein (HV-Protokoll [pag. 8-

920-1 ff.] S. 5). 

3. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB); versuchte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 

und 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB); versuchte Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 

und 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) (Anklageschrift Ziff. 1.1) 

3.1. Der Beschuldigte wurde im Frühling 2007 18 Jahre alt. Die angeklagten strafba-

ren Handlungen soll er „in der Zeit vor dem 4. August 2007“ sowie am „4. Au-

gust 2007 vor 23:55 Uhr“ begangen haben (Anklageschrift S. 2). Wie sich im Fol-

genden ergibt, sind einzig die gemäss Anklage am 4. August 2007 begangenen 

Handlungen im Sinne der angeklagten Straftatbestände strafrechtlich relevant. 

Es findet daher nicht das Jugendstrafgesetz vom 20. Juni 2003 (JStG) Anwen-

dung, sondern das Schweizerische Strafgesetzbuch (Art. 9 Abs. 2 StGB). 

3.2. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in Ziff. 1.1 der Anklageschrift 

zusammengefasst vor, er habe in der Zeit vor dem 4. August 2007 an seinem 

Domizil in Z. mit den nachgenannten Komponenten eine funktionstüchtige, soge-

nannte "unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung" (nachfolgend: USBV) 

hergestellt:  

– drei 1,5-Liter PET-Flaschen mit Drehverschluss, gefüllt mit Treibstoffbenzin 

– ein Reisewecker, Marke Junghans Mega 

- 12 - 

– eine 9-VoIt-Batterie, Marke MPower Alkaline 

– ein Batterieclip für 9-VoIt-Batterie mit rot und schwarz isolierter Litze 

– ein Elektronikbauteil (bestehend aus Platine 27 x 15 mm, Widerstand 1 kΩ, Transistor 

MPS” 222A 412, Gehäusetyp To 92) 

– rot und rot-schwarz isolierte Litzen, Durchmesser 1,3 mm 

– ein Brennzünder, Hersteller Davey Bickford, orangefarbene Drähte 

– ein graues Kunststoffrohr mit ca. 110 mm Durchmesser 

– zwei graue Kunststoffdeckel 

– ein pyrotechnischer Satz bzw. eine Mischung von pyrotechnischen Sätzen im Inneren 

des Kunststoffrohres (Sulfat, Chlorid, Kalium, Thiosulfat, Thiocyanat, Nitrit, Nitrat und 

Chlorat) 

– fünf Petard Pirat Cracker 

– schwarzes und weisses Kunststoffklebeband 

– sechs Holz-Senkkopfschrauben mit Kreuzschlitz 

Diese USBV habe der Beschuldigte am 4. August 2007 vor 23:55 Uhr, während 

des Antifa-Festivals, in einem Rucksack in der grossen Halle (Konzerthalle) der 

Reitschule Bern vor dem Mischpult (Musikanlage) deponiert und mit einem We-

cker, der als Zeitzündung gedient habe, scharf gemacht. Die Komponenten die-

ser USBV hätten ausgereicht, um in der grossen HaIIe der Reitschule Bern eine 

Feuersbrunst zu verursachen. Gegen 23:45 Uhr, beim Auftritt der Hauptband, 

hätten sich zwischen 1'000 und 1'500 Personen in der grossen Halle aufgehalten. 

Der Sicherheitsmitarbeiter B. habe, nachdem er von einem Konzertbesucher auf 

den Rucksack aufmerksam gemacht worden sei, diesen ins Freie gebracht, dort 

dessen Reissverschluss geöffnet und die drei zusammengeklebten PET-Fla-

schen, einen grauen Kunststoffdeckel und dünne Drähte festgestellt. Nachdem 

B. sich vom Rucksack entfernt habe, um einen Feuerlöscher herbeizubringen, 

habe sich die USBV plötzlich entzündet. Gemäss dem dabei anwesenden Sicher-

heitsmitarbeiter E. habe es einen dumpfen, lauten Knall und eine ca. 5 m hohe 

Flamme gegeben; B. habe bei seiner Rückkehr einen ca. 3,5 bis 4 m hohen und 

ca. 3 m breiten Feuerball wahrgenommen.  

Laut Anklage hat der Beschuldigte dabei "vorsätzlich und in verbrecherischer Ab-

sicht Leib und Leben von Menschen sowie fremdes Eigentum in Gefahr gebracht 

und mithin versucht, eine Feuersbrunst zu verursachen" (Anklageschrift S. 2), 

bzw. handelte er "wissentlich und willentlich sowie in der verbrecherischen Ab-

sicht […], die Konzertbesucher an Leib und Leben zu schädigen und gleichzeitig 

eine Feuersbrunst sowie einen grossen Sachschaden am Mischpult/Musikanlage 

zu verursachen bzw. [nahm] dies zumindest in Kauf" (Anklageschrift S. 4).  

- 13 - 

3.3. Der Beschuldigte verweigerte im Vorverfahren zumeist die Aussage zu Fragen 

und Vorhalten und bestritt eine Täterschaft oder Tatbeteiligung (pag. 13-01-52 

ff.). Auch in der Hauptverhandlung bestritt er sinngemäss eine Täterschaft oder 

Tatbeteiligung und verweigerte weitgehend Aussagen zur Sache. Auf die Frage 

des Gerichts, wo er am Abend des 4. August 2007 gewesen sei, antwortete er, 

das wüsste er nicht mehr. Er erklärte, von einer Bekannten über den Vorfall in 

der Reithalle "ziemlich unmittelbar danach", möglicherweise in der Tatnacht, per 

SMS benachrichtigt worden zu sein (EV-Protokoll [pag. 8-930-1 ff.] S. 7–9).  

3.4. Die Ermittlungen führten Folgendes zu Tage: 

3.4.1. Die Stadtpolizei Bern wurde am 4. August 2007 um 23:52 Uhr telefonisch durch 

E., Verantwortlicher des Sicherheitsdienstes am Antifa-Festival, alarmiert. Dieser 

meldete, dass in der Konzerthalle der Reitschule ein Rucksack aufgefunden wor-

den sei, aus welchem Gasgeruch wahrnehmbar sei. Im Rucksack seien zudem 

Drähte ersichtlich. Den ausgerückten Polizisten zeigte E. einen verkohlten Ruck-

sack auf dem Trottoir vor der Reithalle. Die Polizei sperrte die nähere Umgebung 

(Trottoir und linke Fahrspur der Schützenmattstrasse) ab, zog das Dezernat 

Brände und Explosionen (nachfolgend: BEX) der Kapo Bern zu und befragte vor 

Ort u.a. B.. Darüber erstellte sie am 6. August 2007 einen Bericht (pag. 10-00-1 

ff.). Die Kapo Bern, BEX, erstellte Aufnahmen des Brandorts (vor der Reitschule) 

und des Fundorts des Rucksacks in der Konzerthalle. Am Brandort fand sie ab-

gebrannte Fragmente, welche sie als von einer USBV herrührend bezeichnete. 

Die Asservate wurden dem Institut für Rechtsmedizin Bern (zur Auswertung des 

Brandbeschleunigers) und dem KTD der Kapo Bern (zur Auswertung der Finger-

abdrücke und DNA) übergeben. Später wurden die Asservate dem WFD der 

Stadtpolizei Zürich übergeben (zur Untersuchung des sichergestellten Materials) 

(pag. 10-00-11 ff., 10-00-18). 

3.4.2. Gemäss Bericht des WFD der Stadtpolizei Zürich vom 22. Juni 2010 konnte an-

hand des sichergestellten Materials der genaue Aufbau der Vorrichtung nicht 

mehr bestimmt werden; es wurde aber vermutet, dass es sich um eine kombi-

nierte Spreng-/Brandvorrichtung gehandelt habe. Diese bestand aus drei 1,5 Li-

ter PET-Flaschen mit Treibstoffbenzin. Im Rucksack stellte der WFD ausser den 

PET-Flaschen ein graues Kunststoffrohr mit einem Durchmesser von vermutlich 

110 mm fest. Dieses war auf beiden Seiten mit handelsüblichen Kunststoffde-

ckeln verschlossen, die zusätzlich mit je drei Holz-Senkkopfschrauben fixiert wa-

ren. Die Länge des Rohres war nicht mehr bestimmbar, ebenso wenig sein ge-

nauer Inhalt. Aufgrund der Analyseresultate ging der WFD davon aus, dass sich 

ein pyrotechnischer Satz oder eine Mischung von pyrotechnischen Sätzen im 

- 14 - 

Rohr befunden haben dürfte. Weiter stellte er fest, dass durch eine kleine Boh-

rung an einem der beiden Deckel ein Brennzünder mit zwei orange isolierten 

Drähten ins Rohrinnere führte, wobei der Anzünder an ein Zeitverzögerungssys-

tem angeschlossen gewesen sein dürfte, bestehend aus einem Wecker, einer 

9 Volt-Batterie und einer kleinen, selbstgefertigten Elektronik. Die elektrischen 

Verbindungen bestanden aus unterschiedlichen Draht- oder Litzenverbindungen. 

Die Vorrichtung dürfte mit Kunststoffklebeband zusammengehalten worden sein. 

Im Spurenmaterial befanden sich fünf Stück Petard Pirat Cracker, die zum Teil 

starke Brandschäden aufwiesen. Die Abbrandrückstände am Kunststoffrohr wie-

sen hohe Konzentrationen von Sulfat, Chlorid und Kalium und kleinere Konzent-

rationen von Thiosulfat, Thiocyanat, Nitrit, Nitrat und Chlorat auf (pag. 11-00-22). 

3.4.3. Dem Gutachten des WFD vom 2. Oktober 2015 ist zu entnehmen, dass es sich 

beim Petard Pirat Cracker um einen pyrotechnischen Gegenstand mit mindes-

tens einem Zünd- und Explosivsatz handelt. Die chemisch-analytischen Untersu-

chungen der Abbrandrückstände aus dem Kunststoffrohr und den Kunststoffde-

ckeln lassen annehmen, dass sich im (durch die Kunststoffdeckel verschlosse-

nen) Rohr ein pyrotechnischer Satz oder eine Mischung von pyrotechnischen 

Sätzen befand, da typische Abbrandrückstände (Sulfat, Chlorid, Kalium, Thiosul-

fat, Thiocyanat, Nitrit, Nitrat und Chlorat) nachgewiesen worden sind. Bei keiner 

der sichergestellten und untersuchten Komponenten handelt es sich indessen 

um Sprengstoff bzw. einen einheitlichen Stoff, eine Mischung, einen Initialspreng-

stoff oder eine Sprengschnur gemäss Art. 2 SprstV (pag. 8-661-5 f.). 

3.4.4. In der Befragung durch die Stadtpolizei Bern vom 13. August 2007 führte B. aus, 

dass beim Auffinden des Rucksackes die erste Hauptband gespielt und sich mehr 

als 1'000 Leute in der grossen Halle aufgehalten hätten. Die Lichtverhältnisse 

seien eher schlecht, jedoch die Bühne beleuchtet gewesen. Gegen Mitternacht, 

während des Auftritts der Hauptband, habe ihn ein Konzertbesucher auf einen in 

der Halle vor dem Mischpult am Boden stehenden Rucksack aufmerksam ge-

macht, aus dem Benzin oder etwas ähnliches auslaufen würde. Der Rucksack 

sei an die Absperrung zum Mischpult angelehnt und im oberen Bereich nass ge-

wesen. Es habe "nach Tankstelle" gerochen. Daher habe er angenommen, dass 

es sich um einen versteckten Benzinkanister oder um einen Molotowcocktail 

handle. Er habe den Rucksack stehen lassen und sei ins Büro gegangen, wo er 

E. über seine Beobachtung informiert habe. Jener sei mit weiteren Sicherheits-

leuten zum Rucksack gekommen. Er (B.) habe dann den Rucksack, weil er ihn 

nicht in der Halle habe öffnen wollen, am Tragriemen genommen und via Not-

ausgang zum Trottoir der Schützenmattstrasse gebracht. Dort habe er den Reiss-

verschluss des Rucksacks geöffnet und drei mittels Klebeband zusammenge-

klebte 1,5 Liter PET-Flaschen sowie daneben einen grauen Kunststoffdeckel mit 

- 15 - 

dünnen Drähten festgestellt. Weitere Manipulationen am Rucksack habe er nicht 

getätigt. Als E. das gesehen habe, habe dieser gesagt: "Scheisse Drähte, geh 

weg!", oder ähnlich. Sie seien wahrscheinlich zu dritt auf dem Trottoir gestanden 

und die Türe des Notausgangs sei wieder geschlossen gewesen. E. habe die 

Polizei anrufen wollen; er (B.) sei via einen anderen Ausgang in die Halle gegan-

gen, um im Büro vorsorglich einen Feuerlöscher zu holen. Gleichzeitig habe er 

mehrere Leute des Organisationskomitees des Festivals orientiert. Als er auf glei-

chem Weg zum Trottoir zurückgekommen sei, habe er einen ca. 3–4 Meter hohen 

Feuerball aus dem Rucksack austreten sehen. Im Bereich des Notausgangs 

habe es dann gebrannt. Diesen Brand habe er mit dem Feuerlöscher problemlos 

löschen können. Auch auf der Strasse habe es punktuelle Brandstellen gehabt; 

diese seien von selbst rasch erloschen. Den brennenden Rucksack habe er mit 

seinem Feuerlöscher nicht löschen können. Jemand habe dann einen anderen, 

geeigneten Feuerlöscher gebracht, und der Brand habe ganz gelöscht werden 

können. Nach dem Löschen sei auf dem Boden eine kreisförmige Spur bis in die 

Strassenmitte sichtbar gewesen. Einen grauen Deckel habe er ca. 5 Meter vom 

Rucksack entfernt gefunden (pag. 12-01-1 ff.). 

In der Hauptverhandlung als Auskunftsperson befragt, bestätigte B. diese Aus-

sagen im Wesentlichen (pag. 8-930-17 ff. [EV-Protokoll B.]). B. sagte vor Gericht 

ausserdem aus, die Markierung mit dem Buchstaben D auf dem Bild in pag. 10-

11-14 entspreche dem Fundort des Rucksacks in der Halle (EV-Protokoll B. 

[pag. 8-930-17 ff.] S. 2). Während des Auftritts der Band seien die Leute hinter 

dem Mischpult gestanden und der ganze vordere Bereich sei mit Besuchern ge-

füllt gewesen (EV-Protokoll B. [pag. 8-930-17 ff.] S. 2). 

3.4.5. E. wurde am 21. August 2007 durch die Stadtpolizei Bern befragt. Er sagte aus, 

dass verschiedene Personen des Organisationskomitees des Festivals vor dem 

Konzert einen eigenartigen Geruch wahrgenommen hätten. Gegen 23:45 Uhr 

habe man ihm mitgeteilt, dass man nun wisse, woher dieser Geruch stamme; B. 

sei auf einen vor dem Mischpult stehenden Rucksack aufmerksam gemacht wor-

den. Es habe stark nach Benzin gerochen. Er habe gedacht, dass jemand Benzin 

oder Molotowcocktails dort deponiert hatte. Er habe die Anwesenden angewie-

sen, den Rucksack nach draussen zu bringen; B. habe dies ausgeführt. Draussen 

hätten entweder er oder B. den Rucksack geöffnet. In dessen Innerem habe er 

drei PET-Flaschen, einen grauen Deckel und Drähte gesehen; an den Flaschen 

habe sich Klebeband befunden. Er habe zu den anderen gesagt, dass Benzin 

und Drähte nicht lustig seien. Dann habe er die Polizei angerufen. B. sei einen 

Feuerlöscher holen gegangen. Plötzlich habe es einen dumpfen, lauten Knall ge-

geben und der Rucksack sei in Flammen aufgegangen. Es habe eine Stich-

flamme gegeben. Die Flammen seien sehr hoch, ca. 4–5 m, und breit gewesen; 

- 16 - 

sie hätten einen Kegel nach oben geformt und es habe auch zur Seite hinaus 

gefeuert. Die Flammen hätten bis zur Fluchttüre und zur Mitte der doppelspurigen 

Strasse hinaus gereicht. Nach dem Brand habe der graue Deckel 4–5 m vom 

Rucksack entfernt auf der Strasse gelegen. Im Zeitpunkt des Auffindens des 

Rucksacks hätten sich ca. 1'500 Personen in der grossen Halle aufgehalten. Die 

Hauptband des Abends habe gerade gespielt. In der Halle sei es dunkel, jedoch 

sei die Hauptbühne beleuchtet gewesen (pag. 12-02-1 ff.).  

In der Hauptverhandlung als Zeuge befragt, bestätigte E. diese Aussagen im We-

sentlichen (pag. 8-930-11 ff. [EV-Protokoll E.]). E. sagte vor Gericht ausserdem 

aus, die Markierung mit dem Buchstaben D auf dem Bild in pag. 10-11-14 ent-

spreche dem Fundort des Rucksacks in der Halle (EV-Protokoll E. [pag. 8-930-

11 ff.] S. 2). Die Konzertbesucher seien in der ganzen Halle verteilt gewesen, die 

besten Plätze hätten sich in der Mitte der Halle beim Mischpult befunden (EV-

Protokoll E. [pag. 8-930-11 ff.] S. 2). Einige Leute seien angelehnt vor bzw. an 

der Abschrankung zum Mischpult gestanden (EV-Protokoll E. [pag. 8-930-11 ff.] 

S. 4). Im inneren, abgesperrten Bereich des Mischpults/Musikanlage hätten sich 

mehrere Techniker für Licht und Ton aufgehalten (EV-Protokoll E. pag. 8-930-14 

f.). Die Situation auf den zwei Fotografien, welche der Privatkläger 2 vor Gericht 

eingereicht habe (pag. 8-925-6 f.) und ein anderes Konzert beträfen, würde jener 

vom 4. August 2007 gleichen (EV-Protokoll E. [pag. 8-930-11 ff.] S. 4). Nachdem 

sich der Rucksack entzündet gehabt habe, sei beschlossen worden, den Anlass 

abzubrechen. Er (E.) sei in die Halle gegangen und habe den Leuten gesagt, 

dass sie den Raum verlassen sollen (EV-Protokoll E. [pag. 8-930-11 ff.] S. 2). 

3.5. Die Aussagen von B. und E. stimmen in allen wesentlichen Punkten überein und 

erscheinen glaubhaft. Sie decken sich mit den Ergebnissen der etwa eine Stunde 

nach dem Vorfall vorgenommenen kriminalpolizeilichen Spurensicherung und 

den weiteren Ermittlungshandlungen (pag. 10-00-1 ff.; …-11 ff.; …-16 ff.). Die in 

der Anklageschrift im Hauptanklagepunkt dargestellten örtlichen Verhältnisse 

und der äussere Ablauf der Geschehnisse am Abend des 4. August 2007 in und 

vor der grossen Halle der Reitschule können damit als erwiesen gelten.  

Zu prüfen ist im Folgenden, ob der Beschuldigte im Sinne der Anklage darin in-

volviert war, und welchen oder welche Tatbestände er gegebenenfalls erfüllt hat. 

4. Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Ab-

sicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) 

4.1. Nach Art. 224 Abs. 1 StGB ist strafbar, wer vorsätzlich und in verbrecherischer 

Absicht durch Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen oder 

- 17 - 

fremdes Eigentum in Gefahr bringt. Die in diesem Tatbestand genannten Spreng-

stoffe werden in Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 25. März 1977 über ex-

plosionsgefährliche Stoffe (Sprengstoffgesetz, SprstG; SR 941.41) definiert als 

„einheitliche chemische Verbindungen oder Gemische solcher Verbindungen, die 

durch Zündung, mechanische Einwirkung oder auf andere Weise zur Explosion 

gebracht werden können und die wegen ihrer zerstörenden Kraft, sei es in freier 

oder verdämmter Ladung, schon in verhältnismässig geringer Menge gefährlich 

sind“. Darunter fallen Stoffe gemäss Art. 2 SprstV. Nicht unter den Sprengstoff-

begriff fallen Molotow-Cocktails (Brandwurfkörper) und Stoffe gemäss Art. 5 

Abs. 2 lit. a (explosionsfähige Gase, Dämpfe von flüssigen Brennstoffen sowie 

andere Stoffe, die erst nach einer Vermischung mit Luft explodieren), lit. b (bei 

der Herstellung chemischer Produkte verwendete Hilfsstoffe oder entstehende 

Zwischenerzeugnisse, die explosionsgefährlich sind, aber diese Eigenschaft vor 

Abschluss des Produktionsverfahrens verlieren) und lit c. (explosionsfähige Er-

zeugnisse und Präparate, die nicht zu Sprengzwecken hergestellt und in den 

Handel gebracht werden). Die Definition gemäss Art. 5 Abs. 1 SprstG gilt auch 

für die Art. 224 bis 226 StGB, wobei das Merkmal der zerstörerischen Kraft ent-

scheidend ist (BGE 104 IV 232 E. Ia; 103 IV 241 E. I.1; TRECHSEL/FINGERHUTH, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 

2013, Art. 224 StGB N. 2; ROELLI/FLEISCHANDERL, Basler Kommentar, 3. Aufl., 

Basel 2013, Art. 224 StGB N. 4). Art. 224 StGB setzt voraus, dass der Täter durch 

Sprengstoffe oder giftige Gase Leib und Leben von Menschen oder fremdes Ei-

gentum in konkrete Gefahr bringt (vgl. BGE 115 IV 111 E. 3b). Die Gefahr muss 

nicht einer Mehrzahl von Personen oder Sachen von grosser Substanz gelten; 

es genügt die gezielte Gefährdung eines bestimmten Menschen oder einer be-

stimmten fremden Sache (BGE 103 IV 241, 243 E. I.1; 115 IV 113; CORBOZ, Les 

infractions en droit suisse, Volume II, 3. Aufl., Bern 2010, Art. 224 StGB N. 12). 

Deshalb erfüllt bereits der taugliche Versuch eines Sprengstoffattentats den Tat-

bestand von Art. 224 StGB (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7).  

Der subjektive Tatbestand erfordert zunächst Gefährdungsvorsatz. Dieser liegt 

vor, sobald der Täter die Gefahr kennt und trotzdem handelt; nicht erforderlich ist 

hingegen, dass der Täter die Verwirklichung der Gefahr, sei es auch nur eventu-

ell, gewollt hat (BGE 103 IV 241, 243 E. I.1). Die verbrecherische Absicht bezieht 

sich auf das Handlungsziel des Täters. Dieses muss in der Verwirklichung eines 

(anderen) Verbrechens oder – über den Wortlaut hinaus – Vergehens bestehen, 

wie beispielsweise Delikte gegen Leib und Leben oder Sachbeschädigung; eine 

angestrebte Übertretung reicht dagegen nicht aus (ROELLI/FLEISCHANDERL, 

a.a.O. Art. 224 StGB N. 9; TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art. 224 StGB N. 7). 

Nach herrschender Lehre ist direkter Vorsatz verlangt. Eventualvorsatz genügt 

nicht (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 224 StGB N. 9 m.w.H.). 

- 18 - 

4.2. Wie aus dem Gutachten des WFD vom 2. Oktober 2015 (E. 3.4.3) hervorgeht, 

befanden sich unter den untersuchten Komponenten keine Sprengstoffe im 

Sinne von Art. 2 SprstV, wohl aber fünf pyrotechnische Gegenstände, welche je 

mindestens einen Zünd- und Explosivsatz enthielten (pag. 8-661-6). Bei diesen 

handelt es sich gemäss Art. 7 SprstG nicht um Sprengstoffe. Gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung fällt deren Verwendung gleichwohl unter Art. 224–

226 StGB, sofern sie eine grosse Zerstörung bewirken oder zum Zwecke der 

Zerstörung verwendet werden (BGE 104 IV 232 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 

6B_299/2012 vom 20. September 2012 E. 2.2). Vorliegend bildeten die verwen-

deten pyrotechnischen Gegenstände (fünf Petard Pirat Cracker) Teil einer funk-

tionsfähigen USBV, die mittels verschiedener Komponenten so zusammenge-

baut war, dass sie sich entzünden, einen 4–5 Meter hohen, kelchförmigen Feu-

erball auslösen und Gegenstände im Flammenbereich zerstören und Menschen 

schädigen konnte (vgl. nachstehend E. 4.3). Zerstörpotential hatten aber auch 

die Petarden selber; daran ändert nichts, dass der WFD die konkrete Funktion 

dieser Knallkörper nicht hat eruieren können (pag. 11-0-22). Der pyrotechnische 

Satz bzw. die Mischung von pyrotechnischen Sätzen im Kunststoffrohr und die 

Petarden wurden demnach zum Zwecke der Zerstörung in die USBV eingebaut. 

Somit wurde die Tat mit Sprengstoff im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB verübt.  

4.3. Die USBV war funktionsfähig; sie hat sich während des Hauptkonzerts des Fes-

tivals vom 4. August 2007 gegen 23:45 Uhr von selbst explosionsartig entzündet, 

kurz nachdem sie vom Sicherheitspersonal entdeckt und aus der grossen Halle 

ins Freie befördert worden war. Ob sie infolge der Manipulation des Sicherheits-

personals oder durch einen Zeitzünder zur Zündung gebracht wurde, macht hier-

bei keinen Unterschied; beides hätte ohne weiteres in der Halle eintreten können.  

Gemäss den Aussagen im Vorverfahren hielten sich zu diesem Zeitpunkt ca. 

1'000 bis 1‘500 Konzertbesucher in der Halle auf (E. 3.4.4, 3.4.5). Die Konzert-

besucher waren in der ganzen Halle verteilt und standen insbesondere auch in 

der unmittelbaren Umgebung des Mischpults, vor welchem der Rucksack mit der 

USBV auf dem Boden deponiert war und wo sich auch die besten Plätze befan-

den. Einige Leute standen angelehnt vor bzw. an der Abschrankung zum Misch-

pult. Auch der ganze vordere Bereich – zwischen Mischpult und Bühne – war mit 

Leuten gefüllt. Gemäss einer Skizze im Bericht der Stadtpolizei Bern vom 6. Au-

gust 2007 (pag. 10-00-1, …-5) betrug der Abstand vom Mischpult zur Bühnen-

front 10 m und zur Seitenwand rechts 11 m. Auch die Fotodokumentation der 

Kapo Bern zur Situation in der Halle am Konzertabend (pag. 10-00-13, 10-00-14) 

zeigt die örtlichen Verhältnisse auf. Zusammen mit den Fotos eines anderen, ver-

gleichbar gut besuchten Konzertabends in der Reithalle (pag. 8-925-6, 8-925-7) 

- 19 - 

wird veranschaulicht, dass die Konzertbesucher relativ dicht nebeneinander ge-

standen haben. Es bestand demnach die konkrete und nahe Gefahr, dass sich 

die USBV in der Halle hätte entzünden und der mehrere Meter hohe und breite 

Feuerball und die dabei entstehende Feuersbrunst Menschen an Leib und Leben 

hätte schädigen können. Auch hätten die fünf pyrotechnischen Gegenstände 

(Petarden) in der USBV jederzeit explodieren und Menschen verletzen können. 

Besonders gefährdet war dabei diejenige Person, welche den Rucksack, in wel-

chem sich die USBV befand, in die Hände genommen und ins Freie gebracht hat, 

sowie weitere Personen, die mit dem Wegbringen der USBV beschäftigt waren. 

Sodann bestand eine konkrete und nahe Gefahr, dass durch den Feuerball und 

die dabei entstehende grosse Hitze das Mischpult/Musikanlage hätte beschädigt 

werden können. Die Tatsache, dass sich eine Abschrankung (silbrige Absperr-

wand) zwischen dieser Technikanlage und dem Rucksack mit der USBV befand, 

welche knapp bis auf Standhöhe der Anlage reichte (pag. 10-00-14; EV-Protokoll 

E. S. 2, 4; EV-Protokoll B. S. 2, 4), schliesst diese Gefahr nicht aus.  

Die objektiven Tatbestandsmerkmale von Art. 224 Abs. 1 StGB sind somit erfüllt.  

4.4. Die Frage nach der Täterschaft des Beschuldigten ist aufgrund von Indizien zu 

ergründen, da der Beschuldigte eine Täterschaft oder eine Teilnahme bestreitet. 

4.4.1. Der KTD der Kapo Bern sicherte auf den Überresten der Brandvorrichtung, wel-

che sich in dem am 4. August 2007 aufgefundenen Rucksack befand, auf einem 

grauen Kunststoffbauteil mit oranger Kabelverbindung und weissem Klebeband 

eine Papillarlinienspur – vermutet wurde ein sog. Handballenabdruck (pag. 10-

00-91). Die Untersuchung durch den KTD (Bericht vom 19. Mai 2015; pag. 10-

00-167 ff.) ergab gestützt auf den Direktvergleich eine zweifelsfreie Übereinstim-

mung zwischen der Papillarlinienspur (Ass. 001.3; auf der Klebeseite des weis-

sen Klebebandes) und dem rechten Zeigefinger des Beschuldigten. Damit ist er-

wiesen, dass die rechte Hand des Beschuldigten vor dem Ereignis vom 4. August 

2007 das von der Rolle losgelöste Klebeband berührt hat, mit welchem Drähte 

mit dem Kunststoffbauteil, welches als Zünder am Tatobjekt diente (Kabelverbin-

dung der Einrichtung, die sich im Rucksack befand), zusammengehalten waren. 

4.4.2. Der KTD sicherte des Weitern auf den genannten Überresten der Brandvorrich-

tung zwei DNA-Spuren (pag. 10-00-9 f.). Auf beiden wurde je ein identisches 

DNA-Profil einer unbekannten männlichen Person festgestellt (Asservat 001.1, 

Kunststoffbauteil, grau; Asservat 001.2, Kabelverbindung orange und Klebeband 

weiss [Bericht vom 11. September 2007, pag. 10-00-7 ff.]). Das DNA-Profil ab 

Asservat 001.1 wurde der EDNAIS-Datenbank zugeführt (pag. 10-00-8). 

- 20 - 

Am 30. März 2010 führte die Kapo Bern auf Beschluss des Regierungsstatthal-

teramts Biel am Domizil des Beschuldigten eine Hausdurchsuchung durch. Dabei 

wurden mehrere Waffen, waffenähnliche Objekte, pyrotechnische Gegenstände 

sowie Betäubungsmittel sichergestellt (pag. 08-00-1 ff.). Im Rahmen dieser 

Zwangsmassnahme wurde der Beschuldigte erkennungsdienstlich behandelt. 

Beim Abgleich seines DNA-Profils mit der Datenbank des EDNAIS ergab sich 

eine Übereinstimmung mit dem Profil jener DNA-Spuren, die auf Asservat 001 

(graues Kunststoffbauteil mit Kabelverbindung) des Brandanschlags auf die Reit-

schule Bern vom 4. August 2007 sichergestellt worden waren (pag. 10.-00-90).  

Damit ergibt sich die Gewissheit, dass der Beschuldigte mit dem Spurenträger, 

namentlich dem Kunststoffbauteil mit der Kabelverbindung bzw. der Einrichtung, 

die sich im Rucksack befand, vor dem Ereignis in Berührung gekommen war. 

4.4.3. Bei den anlässlich der Hausdurchsuchung vom 30. März 2010 beim Beschuldig-

ten sichergestellten Objekten – diverse Pyrotechnika, vier Elektrobauteile (aus 

Kabel, Platine, Batteriestecker für 9-Volt-Batterien, z.T. auch mit Glühbrücke), 

eine elektrische Glühkerze (deren Glaskörper mit einem Pulver gefüllt war, das 

anlässlich der Analyse Hinweise auf ein Gemisch von Schwarzpulver und Kali-

umchlorat ergab), drei Wecker – wurden gemäss Bericht des WFD vom 23. Ja-

nuar 2012 konkrete materialtechnische Zusammenhänge zu dem beim Vorfall 

vom 4. August 2007 bei der Reitschule Bern sichergestellten Material festgestellt 

(Bestandteile gleichartiger Konstruktion) (pag. 11-00-60 ff.; …-66). Hingegen 

konnten keine gegenseitigen Passspuren zwischen den Printplatten aus den bei-

den Sicherstellungen eruiert werden (pag. 11-00-88 ff.). 

Am 22. November 2010 befragte die Kapo Bern den Beschuldigten zum erwähn-

ten, bei ihm sichergestellten Material. Der Beschuldigte sagte zusammengefasst 

aus, die Feuerwerkskörper und Pyrotechnika selbst auf den Silvester oder den 

1. August 2009 hin im Handel erworben zu haben. Weil er gerne bastle, habe er 

sie auch selbst delaboriert, mit der Absicht, die Eigenkonstruktionen am 1. Au-

gust oder an Silvester loszulassen. Aus seinen Antworten geht hervor, dass er 

auch das Glas der Glühkerze aufgebrochen und mit Pulver aus den delaborierten 

Pyrotechnika gefüllt hat; die Glühkerze hätte dann als Zünder dienen sollen. Die 

Idee dazu habe er im Internet gefunden, als er nach elektrischen Zündern ge-

sucht habe. Auch die Komponenten, die er zum Zusammenbauen der Elektro-

nikbauteile benötigt habe, habe er über das Internet bestellt. Als Grund für diese 

Zündungsgegenstände gab er seine eigene Sicherheit an. Die Wecker habe er 

benützen wollen, um damit mehrere Feuerwerksbatterien zeitlich aufeinander ab-

gestimmt zu zünden; diese selber nacheinander zu zünden, wäre ihm zu gefähr-

lich gewesen. Die Feuerwerksbatterien dazu habe er gekauft (pag. 13-01-12 ff.). 

- 21 - 

Im Ergebnis ist zu schliessen, dass der Beschuldigte solche Materialien selber 

beschafft und besessen sowie sich mit pyrotechnischem Material und dessen 

Zündung beschäftigt hat mit dem Ziel, die Materialien zeitkontrolliert und -koordi-

niert zur Zündung zu bringen. Die Gefährlichkeit des Umgangs mit diesen Mate-

rialien war ihm dabei bewusst. Die von ihm geäusserte Absicht, mit dem Kon-

strukt am Silvester oder am 1. August Feuerwerk zu entzünden, kann zwar nicht 

a priori als unwahr, aber doch als eher unwahrscheinlich bezeichnet werden, sind 

doch die Pyrotechnika schon per se dazu geeignet, ohne dass an ihnen Umbau-

massnahmen erforderlich wären. Nichts ausser seiner eigenen Aussage deutet 

sodann darauf hin, dass der Beschuldigte die Materialien erst 2009 erworben hat. 

Andererseits bestehen keine Anzeichen dafür, dass es sich beim sichergestellten 

Material um einen Restbestand von am 4. August 2007 verwendetem bzw. zur 

Verwendung vorgesehenem Material handeln könnte. 

4.4.4. Am 30. März 2010 stellte die Polizei auf Verfügung des Regierungsstatthalter-

amts Biel folgende weitere Gegenstände in der Wohnung des Beschuldigten si-

cher (pag. 08-00-4 f.): 

 Langgewehr, mit Magazin, Nr. 357531 

 Karabiner 11, ohne Magazin, Nr. 15731 

 Sturmgewehr 57, inkl. Magazin, Nr. P 5721 

 Langgewehr, mit Magazin, Nr. 14855 

 modifizierter Karabiner 31 mit Magazin, Nr. 611560, inkl. Zielfernrohr „NRA Sports Optic" 

 Karabiner 31, mit Magazin, Nr. 597870, 

 Holzschaft zu Karabiner 11, Nr. 14100 

 Lauf zu Karabiner, Nr. 14100 

 Verschluss zu Karabiner 11, Nr. 14100 

 Kalaschnikov AK47, ohne Magazin, Nr. CH-55-JM 0240 

 Pump-Action „Maverick", Nr. MV54639B 

 Revolver „Taurus, Raging Bull", Nr. ZH411809, inkl. Koffer mit diversem Zubehör 

 Munition zu Revolver Nr. 11 (vorgenannt), „500 S&W MAGNUM", 5 Stück 

 abgeänderter Karabiner 11, ohne Magazin, Nr. 95396, Schaft und Lauf gekürzt 

 Pistole „IWI, Desert Eagle", Kaliber .50 AE, Nr. 36202369 inkl. 1 Magazin, inkl. schwar-

zer Kunststoffkoffer 

 kleines Elektroschockgerät (funktionstüchtig), Marke unbekannt 

 Pistole „SIG SAUER, P220", Nr. AI043187, ohne Magazin 

 Pistole „SIG SAUER, P220", Nr. A1151304 (Armeewaffe), ohne Magazin 

 Elektroschockgerät „Stungun", Aussehen von Schlagring inkl. Lederetui 

 Teleskopschlagstock, defekt, Marke unbekannt 

 Trommelmagazin schwarz 

 diverse Einzelteile zu Kalaschnikov 

- 22 - 

 Schalldämpfer „Classic Army", Nr. A084M-07182003 

 grüne Stofftasche mit 3 Magazinen zu Kalaschnikov 

 1 langes Magazin zu Kalaschnikov 

 Schreckschusspistole „Perfecta", ohne Serienummer 

 1 Schlagring gold 

 Pistolengriff Kunststoff 

 Kunststoffstichwaffe mit Griff 

 Laser inkl. Zubehör für Waffenmontage 

 2 Laser inkl. Zubehör für Waffenmontage 

 Schreckschusspistole „Record", ohne Nummer 

 2 Magazine zu Karabiner 11 

 diverses Ersatzmaterial zu Karabiner 11 und 31 

 44 Schrotpatronen, diverse Ausführungen 

 1 Pack Gewehrpatrone 11 

 1 Pack Leuchtspurpatronen 11 

 1 Pack à 50 Stk. Patronen „Tokarev, 7.62 x25" 

 5 Pack à 20 Stk. Patronen «Barnaul, 762x39 » 

 diverse lose Munition 

 Munitionskoffer aus Alu 

 4 Magazine zu „SIG-SAUER, P220" 

 1 Blatt A4, Bestandteile SEMTEX, handschriftlich aufgeschrieben 

 5 Blätter A4, Kopien zur Herstellung einer „BOLTGUN" 

Anlässlich der Befragung durch die Kapo Bern vom 30. März 2010 sagte der 

Beschuldigte sinngemäss zusammengefasst bezüglich der Waffen aus, er habe 

sie gesammelt. Die Anleitung zum Bau einer „BOLTGUN" habe er aus techni-

schem Interesse aus dem Internet heruntergeladen, um zu sehen, wie so etwas 

konstruiert sei. Weitere Aussagen machte er dazu nicht (pag. 13-01-1 ff.).  

Die sichergestellten Waffen samt Zubehör und Anleitungen deuten nicht bloss 

darauf hin, dass der Beschuldigte ein leidenschaftlicher Waffensammler gewe-

sen sein mag, sondern auch darauf, dass er diese Waffen mindestens teilweise 

zur bestimmungsgemässen Nutzung besessen hat, denn ein blosser Waffen-

sammler benötigt nicht zugleich massenweise Munition. 

4.4.5. Am 16. Dezember 2008 teilte der Dienst für Analyse und Prävention (DAP, heute 

NDB) des Bundesamtes für Polizei dem URA I Berner Jura–Seeland den Ver-

dacht auf Rassendiskriminierung (Art. 261bis StGB) und eventuell weitere Tatbe-

stände im Zusammenhang mit der rechtsextremen Internetplattform „Blood&Ho-

nour" (www.bloodandhonour.com) mit. Der Inhalt dieser Website war durch Ha-

cker im August 2008 allgemein öffentlich gemacht und vom DAP in der Folge 

- 23 - 

gesichert worden. In diesem geschlossenen Internetforum konnten Postings von 

237 Schweizer IP-Adressen, seit 2006 bis zum Hackerangriff, festgestellt und 

herausgefiltert werden. Eine Kopie der DVD mit den gesicherten Daten wurde 

der Bundeskriminalpolizei (BKP) übergeben. Der BKP fiel bei der Sichtung der 

von diesen 237 Benutzern bzw. Benutzeradressen gemachten Forumseinträgen 

der User „...88" auf, der im Forum den Status eines "Senior Member" hatte; die-

sem konnte die E-Mail-Adresse […] und das Geburtsdatum […] gemäss User-

Profil zugeordnet werden. In der Namensbezeichnung dürfte laut BKP die Zahl 

„88" für den in rechtsextremen Kreisen üblicherweise gebräuchlichen Zahlenal-

phabet-Code „HH" stehen, was im Jargon der Abkürzung für „Heil Hitler" ent-

spricht. Eine vom User „...88" verwendete IP-Adresse lautet gemäss Call Center 

Information System (CCIS) auf den Beschuldigten, was dieser in einer Einver-

nahme bestätigt hat (pag. 10-00-39; 13-01-55). 

Unter den Schlüsselwörtern "Sprengstoff" und "Bombe" fielen der BKP folgende 

Einträge des Users „...88" auf der Plattform „Blood&Honour" auf, zu denen sich 

der Beschuldigte nicht äussern wollte (pag. 10-00-137; 13-01-134 f.): 

 22. Januar 2007, 20:29.20 /... „Anarchietage Winterthur" ;) da könnte man mal ne Bombe 

reinwerfen gehen"; 

 22. Januar 2007, 21:17.20 / zum Thema Anarchietage: „Wer kommt mit ne Bombe le-

gen?"; 

 4. September 2007, 19:54.03 / „Ich mag das ... Sprengstoffanschläge werden hier ir-

gendwie zum Volkssport! :D Wobei jedoch Briefkästen wenig verändern ausser die 

Angst bei deren Besitzern. mkG ...88-sw"; 

 21. Dezember 2007, 21:34.49 / Antwort auf ein Posting des Users „F.": „Du Klugscheis-

ser ;) Nun Anschläge sind eh am besten mit Zeitzünder oder Fernzünder. Hinrennen, 

etwas zünden (so Zündschnur-Verzögerung ^^) und panisch wegrennen macht das 

ganze sehr auffälliger als einfach nur einen Koffer stehen lassen und weglaufen. Aber 

irgendwie weichen wir vom Thema ab. Übrigens was der Schütze ja Chilenischer Her-

kunft... weiss nicht ob das schon erwähnt wurde. mkG ...88 -sw". 

Auch in der Hauptverhandlung wollte sich der Beschuldigte zu diesen Vorhalten 

nicht äussern (EV-Protokoll S. 8 [pag. 8-930-1 ff., 8-930-8]). Auf Fragen der Ver-

teidigung bestätigte er allerdings, dass er damals rechtsextremes Gedankengut 

vertreten habe. Seine politische Einstellung habe sich seit einiger Zeit stark ge-

ändert und er habe sich vom rechtsextremen Gedankengut und jenen Kreisen 

distanziert. Sein Sinneswandel habe 2009, im Militärdienst, begonnen (EV-Pro-

tokoll S. 4 [pag. 8-930-4]). Es steht somit fest, dass der Beschuldigte zur Tatzeit 

in der rechtsextremen Szene in Bern und Umgebung – und damit in der Gegen-

bewegung der Antifa (Antifaschismus)-Aktivisten – aktiv war. 

- 24 - 

Gemäss zwei dem Beschuldigten zuzurechnenden Einträgen auf der Internet-

plattform "Blood&Honour" vom 22. Januar 2007 suchte der Beschuldigte offen-

sichtlich Personen für seine Absicht, an den "Anarchietagen" in Winterthur eine 

"Bombe" zu legen. Es ist nicht ermittelbar, ob er solche Personen fand und trotz-

dem seine Absicht nicht verwirklichte, oder ob er es nicht tat, weil er niemanden 

fand. Wie auch immer, er bot sich für ein derartiges Unterfangen geradezu an. 

Im September 2007 begeisterte er sich im Internet für Sprengstoffanschläge als 

"Volkssport", und im Dezember 2007 äusserte er im Internet den Vorschlag, im 

Sinne eines Anschlags einen mittels Zeit- oder Fernzünder zum Brand oder zur 

Explosion zu bringenden Koffer irgendwo hinzustellen, wo sich Leute befinden. 

Im Ergebnis hat der Beschuldigte auch für die Tatzeit die Bereitschaft zur Ver-

übung eines Brandanschlags auf Andersgesinnte, insbesondere Antifaschisten, 

mittels Brandsatzes und Zeit- oder Fernzünder kundgetan. 

4.4.6. Folgende Postings von „...88" im genannten Internetforum, datierend vom 5. und 

6. August 2007, nehmen offensichtlich direkt auf den Brandanschlag auf die Reit-

schule am 4. August 2007 Bezug (pag. 10-00-44; …-137): 

 5. August 2007, 13:40.48 / Textzitat des Internetlinks www.antifafestival.ch/allerlei/an-

schlag.html mit Informationen zum Anschlag auf das Festival in der Nacht zuvor, gefolgt von 

der Grussformel „mkG ...88"; 

 5. August 2007, 13:52.39 / Auf die Frage des/der User/in „G.": „Wieviele waren den dort? Wenn 

es mehr als 1000 Zecken waren...", die Antwort: „Lies mal aufmerksam ;) [Zitat] Das Festival 

zog pro Abend an die 1500 Besucherinnen an"; 

 6. August 2007, 17:12.59 / Textzitat des Internetlinks www.espace.ch/artikel 403SS7.html mit 

Informationen zum Anschlag, gefolgt vom Text: „Nun ich vermute schon das das geplant war. 

Irgendwie kam der Rucksack ja an seinen Platz und der/die Bombenleger rein und raus ohne 

irgendwie aufzufallen. ;) die Araber verlieren ja auch einen Mann pro Bombe". 

In der Hauptverhandlung wollte sich der Beschuldigte zu diesen Vorhalten nicht 

äussern (EV-Protokoll S. 8 [pag. 8-930-8]). Die Interneteinträge zeigen indes, 

dass sich der Beschuldigte mental mit dem Brandanschlag vom 4. August 2007 

beschäftigte und die Kunde davon mit Gleichgesinnten umgehend teilen wollte. 

4.4.7. Am 19. August 2007 wurde auf der Internetplattform "www.autonome-antifa.org" 

unter der Überschrift "Tatverdächtiger des Brandbombenanschlags" mitgeteilt, 

der namentlich bezeichnete Beschuldigte habe "bereits am Morgen des 5. August 

[2007], wenige Stunden nach dem Brandbombenanschlag auf das Antifa Festival 

in der Reitschule und noch bevor die Medien informiert über den Anschlag be-

richtet hatten, das Communiqué der OrganisatorInnen des Festivals ins B&H-

- 25 - 

Forum [Blood&Honour-Forum] gestellt". Den Anschlag habe er mit den Worten 

kommentiert: „Das versüsst einem den Sonntag Morgen C18 Terrormachine, 

Sieg Heil mkG ...88" (pag. 22-00-4). Ein inhaltlich gleich lautender Interneteintrag 

erfolgte unter der Überschrift "Bombenbastler aus dem Seeland?" am 17. August 

2007 auf der Internetplattform "www.switzerland.indymedia.org" (pag. 22-00-8). 

Der gemäss diesen Quellen im Internetforum "Blood&Honour" publizierte Origi-

naltext des Mediencommuniqués konnte zwar unter den gesicherten, vom DAP 

der BKP übergebenen Forumseinträgen nicht gefunden werden (pag. 10-00-

138). Ein Ausdruck des Communiqués des Festivalteams vom 5. August 2007 

und ein Online-Bericht eines Mitarbeiters der Wochenzeitung WOZ vom 9. Au-

gust 2007 (Ausdruck vom 21. Februar 2008), welcher den Kommentar „Das 

versüsst einem den Sonntag Morgen" wiedergibt, wurden indessen in der Woh-

nung des Beschuldigten sichergestellt (pag. B-08-01-2, B-08-01-6). In der Haupt-

verhandlung wollte sich der Beschuldigte zu diesen Vorhalten nicht äussern; er 

habe dazu nichts zu ergänzen (EV-Protokoll S. 8 [pag. 8-930-8]).  

Wie die im Zeitraum zwischen 23. November 2010 und 27. Februar 2012 durch 

den Fachbereich Digitale Forensik (FDF) der Kapo Bern durchgeführte Untersu-

chung ergeben hat, war auf der Festplatte eines am Domizil des Beschuldigten 

sichergestellten PCs am 9. Oktober 2008 das Betriebssystem auf den Benutzer-

namen „…18" registriert und auch ein Konto auf diesen Namen eingerichtet wor-

den. „Combat18" nennt sich eine in mehreren Ländern Europas aktive neonazis-

tische Organisation, die sich als bewaffneter Arm von „Blood & Honour" versteht. 

Die Zahl 18 dürfte, wie in solchen Fällen üblich, für die Buchstaben „AH" stehen, 

also die Initialen von Adolf Hitler (pag. 10-00-138; vgl. Schreiben des DAP ans 

URA I Berner Jura-Seeland vom 16. Dezember 2008, pag. 10-00-41).  

Auch wenn der fragliche Internettext nicht amtlich gesichert werden konnte und 

bloss über einen Interneteintrag einer entgegengesetzten Gruppierung den Straf-

behörden zur Kenntnis gelangt ist, bestehen keine Anhaltspunkte, diesen als frei 

erfunden zu betrachten. Aus dem Gesagten ist – im Zusammenhang mit dem in 

den Interneteinträgen vom 5./6. August 2007 Umschriebenen – zu folgern, dass 

sich der Beschuldigte am Tag nach dem Vorfall im Internet als "Terrormaschine" 

bezeichnet und sich am Ergebnis des versuchten Brandanschlags erfreut hat. 

4.4.8. Gemäss den Erkenntnissen aus der Telefonkontrolle hatte der Beschuldigte via 

Facebook, SMS und Telefon Kontakt zu H., welche im Kulturzentrum Reitschule 

verkehrte. Gemäss deren eigener Aussage schrieb sie dem Beschuldigten we-

nige Tage nach dem 4. August 2007 per SMS sinngemäss: „Ihr seid Säue, dass 

Ihr sowas gemacht habt" (pag. 13-01-53; 12-07-8). Anlässlich ihrer Einvernahme 

als Zeugin vom 20. September 2012 durch die Bundesanwaltschaft sagte sie 

- 26 - 

dazu: "Ich kann nicht sagen, ob er [der Beschuldigte ] etwas damit zu tun hat. Ich 

weiss es nicht" (pag. 12-07-8). 

Eine Reaktion des Beschuldigten auf diese SMS ist nicht bekannt. In der Einver-

nahme durch das URA/BE vom 13. Dezember 2010 sagte er dazu, er habe in 

der gleichen Nacht (Tatnacht) durch H., die "eher links eingestellt" sei und im 

Kulturzentrum Reitschule verkehre, vom Anschlag erfahren. Daher sei er auf die 

Antifa-Homepage gegangen (pag. 13-01-53). In der Hauptverhandlung erklärte 

er, er habe zum ersten Mal "ziemlich unmittelbar danach" vom Anschlag erfah-

ren; es sei möglich, dass das noch in der Tatnacht gewesen sei, er wisse es nicht 

mehr. Er habe diesbezüglich eine SMS von H. erhalten; diese SMS habe er ge-

sehen, als er das nächste Mal auf sein Handy geschaut habe (EV-Protokoll S. 8 

f.). 

Diese Aussagen deuten zwar nicht auf eine Taturheberschaft des Beschuldigten 

hin. Jedoch wird damit die auf der Internetseite der Gruppe "Autonome Antifa 

Freiburg" wiedergegebene, angeblich dem Beschuldigten zuzuordnende Text-

passage (E. 4.4.7; pag. 22-00-4) in ihrem Wahrheitsgehalt indirekt bekräftigt. 

4.4.9. Aus der Telefonkontrolle ergibt sich weiter eine Reaktion des Beschuldigten, 

nachdem er mit dem Vorwurf der Brandstiftung etc. konfrontiert worden war: Am 

21. Dezember 2010, 21:04:06 Uhr, teilte der Beschuldigte, nachdem er am 

13. Dezember 2010 durch die Kapo Bern und das URA/BE zum Ereignis vom 

4. August 2007 einvernommen worden war (pag. 13-01-50 ff.), in einer SMS an 

die Nummer 1 mit: "Anklage lautet: Vorsätzliche Verursachung einer Explosion, 

evtl. Gefährdung des Lebens, Brandstiftung, versuchter schwerer Körperverlet-

zung, versuchter Sachbeschädigung, Widerhandlung gegen das Waffen-, Betäu-

bungsmittel- und Sprengstoffgesetz. Es wird momentan um eis Jahr Bau speku-

liert. Evtl aber au nur Bewährig. Verhandlige chöme im kommende Jahr. So 

zfride..?". Gleichentags um 21:13:07 Uhr sandte der Beschuldigte nochmals eine 

SMS an diese Nummer: "Ach duu, schon okay. Bi ja selber schuld. Wird scho 

alles guet cho am Schluss. Hals und Beinbruch :-) Isch okay für di weme sich 

morn wider schribt oder so? Zk".  

4.4.10. Zusammengefasst ergibt sich, dass der Kontakt des Beschuldigten mit den Tat-

mitteln an mehreren Stellen nachgewiesen ist, und dass die Verteilung und Fund-

orte der Kontaktspuren (Papillarlinienspuren oder DNA-Spuren) darauf schlies-

sen lassen, dass er die USBV zusammengestellt hat, lagen sie doch auf den 

Materialien im Inneren des Rucksacks, und somit im Kernbereich der dort einge-

bauten USBV, und auf der Klebeseite des verwendeten Klebebandes, was auf 

- 27 - 

eine Manipulation anlässlich des Einsatzes dieses Materials deutet. Auf die Tä-

terschaft des Beschuldigten, welcher zum Tatzeitpunkt eine rechtsextreme Über-

zeugung hatte, weist im Weiteren hin, dass er im Jahr 2007 unter dem Pseudo-

nym "...88" mehrmals Äusserungen in Bezug auf den Einsatz von Bomben oder 

in Bezug auf Sprengstoffanschläge postete, und zwar auch im Zusammenhang 

mit Anlässen von Andersgesinnten, worunter das Antifa-Festival einzuordnen ist. 

Im Internet äusserte er denn auch seine Zufriedenheit in Bezug auf den Vorfall 

vom 4. August 2007. Bei der Hausdurchsuchung vom 30. März 2010 wurden zu-

dem bei ihm verschiedene Pyrotechnika und Elektrobauteile vorgefunden, wel-

che materialtechnische Zusammenhänge mit der Sprengstoffvorrichtung, die am 

4. August 2007 in der Reitschule in Bern deponiert worden war, aufweisen. So-

dann wurden delaborierte Pyrotechnika und einschlägige Unterlagen sicherge-

stellt. Das beim Beschuldigten sichergestellte Material enthielt alle nötigen Kom-

ponenten zur Herstellung einer funktionsfähigen USBV. Es ist somit erwiesen, 

dass der Beschuldigte die USBV gebaut hat. Der Beschuldigte war zur Tatzeit in 

Z. wohnhaft, also knapp 60 Strassenkilometer (¾ Autofahrstunden) bzw. rund 

eine Fahrstunde mit dem öffentlichen Verkehr vom Tatort entfernt. Es war ihm 

durchaus möglich, sich am fraglichen Tag innert nützlicher Frist zum Tatort zu 

begeben und die USBV zu deponieren. Aufgrund der zitierten Stellen aus den 

elektronischen Medien steht zudem fest, dass er die Örtlichkeiten des Tatorts 

kannte. In der Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte aus, er wüsste nicht 

mehr, wo er am Abend des 4. August 2007 gewesen sei. Ein Alibi liegt nicht vor. 

Die Ermittlungen weisen auf einen Alleingang des Beschuldigten hin. Weder die 

Spuren am Tatwerkzeug noch die Sicherstellungen im Rahmen der Hausdurch-

suchung oder die Telefonüberwachung, die Einvernahmen oder andere Ermitt-

lungen brachten irgendwelche Hinwiese auf eine Drittbeteiligung zu Tage. Das 

ermittelte Tatvorgehen macht auch keinerlei Komplizen erforderlich. 

4.5. Da der Beschuldigte die Tat bestreitet, lässt sich auch der subjektive Tatbestand 

nur aus Indizien zum objektiven Tatbestand herleiten. Wer, wie der Beschuldigte, 

einen solchen Sprengsatz samt Zeitzünder baut, scharf stellt und mitten in einem 

Raum deponiert, in dem sich zahlreiche Personen befinden, die ein Fest feiern, 

tut dies wissentlich und willentlich sowie in Kenntnis, dass er eine Gefahr für Leib 

und Leben von Menschen und fremdem Eigentum schafft. Bezüglich Letzterem 

ergibt sich der Vorsatz selbstredend aus der Platzierung der USBV direkt vor dem 

Mischpult/Musikanlage. Der Beschuldigte handelte mit dem in Art. 224 Abs. 1 

StGB geforderten Gefährdungsvorsatz und strebte dabei ein Verbrechen oder 

Vergehen – Körperverletzung im Sinne von Art. 122 und 123 StGB sowie Sach-

beschädigung im Sinne von Art. 144 StGB – an. Der Beschuldigte hat somit mit 

seinem Handeln den subjektiven Tatbestand von Art. 224 Abs. 1 StGB erfüllt. 

- 28 - 

4.6. Der Beschuldigte ist demzufolge schuldig der Gefährdung durch Sprengstoffe 

und giftige Gase in verbrecherischer Absicht im Sinne von Art. 224 Abs. 1 StGB. 

5. Versuchte Brandstiftung (Art. 221 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) 

5.1. Wer vorsätzlich zum Schaden eines andern oder unter Herbeiführung einer Ge-

meingefahr eine Feuersbrunst verursacht, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter ei-

nem Jahr bestraft (Art. 221 Abs. 1 StGB). Bringt der Täter wissentlich Leib und 

Leben von Menschen in Gefahr, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei 

Jahren (Art. 221 Abs. 2 StGB). Ist nur ein geringer Schaden entstanden, so kann 

auf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erkannt werden (Art. 221 

Abs. 3 StGB). 

5.1.1. Brandstiftung ist entweder Sachbeschädigung oder Gemeingefährdung durch 

Feuersbrunst (TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art. 221 StGB N. 1). Der objektive 

Tatbestand des Art. 221 Abs. 1 StGB setzt zunächst eine Feuersbrunst voraus, 

das heisst ein Schadenfeuer von einem gewissen Umfang, ein Brand, der vom 

Urheber nicht mehr selber bezwungen werden kann und deswegen eine gewisse 

Erheblichkeit aufweist (BGE 117 IV 285; 105 IV 127 E. 1a; ROELLI/FLEISCHAN-

DERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 7). Einerseits muss der Täter also ausserstande 

sein, das Feuer zu löschen oder wenigstens dessen Ausdehnung zum Schaden 

Dritter oder zur Gemeingefahr zu verhindern; andererseits muss das Feuer eine 

gewisse Erheblichkeit erreichen (TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art. 221 StGB 

N. 2). Als Feuersbrunst gilt etwa das Anzünden eines benzingetränkten Putzlap-

pens im Innern eines Autos, wenn wegen des vorhandenen Benzinvorrats Explo-

sionsgefahr besteht (BGE 85 IV 224, 228), oder das Anzünden einer Wolldecke 

in einer Gefängniszelle mit starker Rauchentwicklung, wenn der Insasse nicht 

mehr in der Lage ist, den Brand selber zu löschen (BGE 105 IV 127 E. 1b). Keine 

Feuersbrunst entfacht, wer im Keller eines Wohnhauses mit Zeitungspapier Ab-

fallholz und Reiswellen ohne Brandbeschleuniger anzündet, nach Wahrnehmung 

des Brandgeruchs zum Brandherd zurückgeht und diesen alleine zu löschen ver-

mag (SJZ 1957, 44, Nr. 22 [Kriminalkammer des Kantons Thurgau vom 21. No-

vember 1955]); wer die Scheibe eines Radarkastens eindrückt und diesen durch 

drei mit Benzin gefüllte Plastiksäcke in Brand setzt, wenn das Feuer weder sehr 

intensiv noch stark ist und keine Ausbreitungstendenz aufweist, auch wenn die 

Polizei es mittels Schaumlöscher bekämpfen muss (LGVE 1994 I Nr. 59, 80); wer 

ein Motorrad mit Benzin anzündet, wenn nach einer anfänglichen Stichflamme 

und einer kleinen Explosion kein grösseres Feuer entsteht und dieses mit Hilfe 

von nassem Laub selber gelöscht werden kann (LGVE 1998 I Nr. 48, 88). 

- 29 - 

5.1.2. Art. 221 Abs. 1 StGB verlangt einen Schaden eines andern oder die Herbeifüh-

rung einer Gemeingefahr, der qualifizierte Tatbestand von Art. 221 Abs. 2 StGB 

eine Gefahr für Leib und Leben von Menschen. 

Verlangt wird bei der ersten Tatbestandsvariante von Art. 221 Abs. 1 StGB der 

Schaden eines andern, also nicht des Täters selber. Da darunter gemäss herr-

schender Lehre Sachschaden zu verstehen ist und keine Gemeingefahr gefor-

dert ist, wird diese Tatbestandsvariante zu einem Verletzungsdelikt, zu einem 

Sonderfall der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB), allerdings mit einer hohen 

Strafandrohung (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 11 m.w.H.). 

Als alternatives Tatbestandsmerkmal nennt Art. 221 Abs. 1 StGB das Herbeifüh-

ren einer Gemeingefahr. Diese kann eine Vielzahl von Rechtsgütern (fremde Sa-

chen oder Personen) betreffen, die zudem im Sinne der Repräsentationstheorie 

nicht vorher individuell bestimmt sind, sondern vom Zufall ausgewählt sein müs-

sen; keine Rolle spielt jedoch, ob die Gefahr nur eine oder mehrere Personen der 

Allgemeinheit oder nur fremde Sachen trifft (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., vor 

Art. 221 StGB N. 11, Art. 221 StGB N. 13). Vorausgesetzt ist jedoch eine konkrete 

Gefährdung (TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., vor Art. 221 StGB N. 2). Eine solche 

ist gegeben, wenn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge erfahrungsgemäss 

die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der Verletzung des geschützten 

Rechtsguts besteht (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., vor Art. 221 StGB N. 8 

m.w.H.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung schliesst die Gemeinge-

fahr nach Absatz 1 Personen nicht mit ein, da der qualifizierte Tatbestand von 

Art. 221 Abs. 2 StGB über Absatz 1 hinaus ein weiteres Rechtsgut, nämlich Leib 

und Leben von Menschen, schützt (BGE 124 IV 97, 100; 123 IV 128, 131).  

Beim qualifizierten Tatbestand gemäss Art. 221 Abs. 2 StGB wird – in Anbetracht 

der vergleichsweise hohen Strafandrohung – eine grosse Wahrscheinlichkeit der 

Verletzung von Leib und Leben und damit eine nahe Gefahr gefordert (BGE 123 

IV 128, 130 f.; vgl. auch BGE 121 IV 67 E. 2d S. 74). Es genügt nicht, dass Men-

schen gefährdet worden wären, wenn das Feuer später, als es tatsächlich ge-

schah, entdeckt bzw. gelöscht worden wäre. Massgebend ist nicht, was alles 

hätte geschehen können, sondern einzig, was sich tatsächlich ereignet hat (BGE 

123 IV 128, 131; ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 18). Auch hier 

hat der gefährdete Einzelne die Allgemeinheit zu repräsentieren, damit das Ele-

ment der Gemeingefahr vorliegt (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB 

N. 17 m.w.H.). Die Qualifikation ist etwa gegeben bei Brand eines besetzten Ho-

tels (BJM 1956 288), spät in der Nacht in einem Gefängnis (BGE 105 IV 127 E. 3) 

oder (nachts) in einem bewohnten Haus (GVP des Kantons Zug 1983/84 107).  

- 30 - 

5.2.  

5.2.1. Die in der grossen Halle der Reitschule in einem Rucksack versteckte funktions-

fähige USBV enthielt unter anderem drei mit Benzin gefüllte 1,5 l Pet-Flaschen. 

Kurz nachdem der Rucksack vom Sicherheitspersonal ins Freie gebracht worden 

war, entzündete sich die USBV mit einer Stichflamme von selbst; es entstand ein 

Feuerball von mehreren Metern Durchmesser und ca. 4–5 m Höhe (Aussagen B. 

und E. [E. 3.4.4 bzw. 3.4.5]). E. erklärte in der Hauptverhandlung, nachdem sie 

den Rucksack geöffnet und seinen Inhalt gesehen hätten, habe er die Anwesen-

den – B. und eine dritte Person – aufgefordert, wegzutreten. Sie alle hätten ge-

wusst, dass da ein Gefahrenherd bestehe. Er sei in etwa 10–20 m Entfernung 

vom Rucksack gestanden, als es eine Explosion und "einen riesigen Feuerball" 

gegeben habe. Er habe diese Explosion gehört und gesehen (EV-Protokoll S. 2). 

B. bestätigte in der Hauptverhandlung seine Beobachtungen zur Grösse dieses 

Feuerballs. Er erklärte, er habe nach dem Öffnen des Rucksacks einen Feuerlö-

scher geholt. Als er zurückgekommen sei, sei der Rucksack explodiert oder habe 

sich entzündet. Er habe eine grosse Stichflamme gesehen, als er beim Zurück-

kommen um die Ecke des Gebäudes gebogen sei. Ob das genau die Detonation 

gewesen sei oder ob das etwas nachher gewesen sei, wisse er nicht genau. Nach 

der Stichflamme habe der Rucksack noch weiter gebrannt; diese Flamme, d.h. 

jene nach der Stichflamme, sei ziemlich gross gewesen, aber wie hoch, ob 1,5 m 

oder mannshoch, könne er nicht mehr sagen. Er habe einfach reagiert und sei 

mit Löschen beschäftigt gewesen. Es habe ausser dem brennenden Rucksack 

weit über einen Radius von 3 m hinaus überall grössere und kleinere Feuerfle-

cken gehabt, welche verstreut auf der Strasse und an der grossen Holztüre der 

grossen Halle (seitliches Tor der Reithalle) gebrannt hätten; an der Türe hätten 

die Brandflächen bis weiter hinauf, oberhalb Kopfhöhe gereicht, die grösste sei 

etwa 0,5 m breit und 1,5 m lang gewesen. Das Ganze habe ein grösseres Aus-

mass gehabt; nur das Brandzentrum, wo der Rucksack detoniert sei, sei nicht 

mehr so gross gewesen. Er habe versucht, das Feuer beim Rucksack mit dem 

Feuerlöscher zu löschen; das habe nicht funktioniert. Erst eine andere Person 

habe dieses mit einem zweiten Feuerlöscher löschen können. Die Feuerflecken 

an der Holztüre habe er selber mit dem von ihm geholten Feuerlöscher löschen 

können. Bei den Brandstellen auf der Strasse wisse er nicht mehr, wie sie diese 

gelöscht hätten, ob mit dem Feuerlöscher oder ob diese von selbst erloschen 

seien. Mit dem zweiten Feuerlöscher hätten sie den Brand (Rucksack) ziemlich 

schnell löschen können. Es habe vielleicht 2–3 Minuten gedauert, bis der zweite 

Feuerlöscher vor Ort im Einsatz gewesen sei (EV-Protokoll S. 2–5).  

5.2.2. Die USBV hätte jederzeit in der Konzerthalle umgesetzt werden können. Unter 

Hinweis auf die Ausführungen beim Tatbestand der Gefährdung durch Spreng-

stoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht nach Art. 224 Abs. 1 StGB 

- 31 - 

(E. 4.3) ist festzustellen, dass eine Feuersbrunst in der Konzerthalle sowohl ei-

nen Schaden an fremdem Eigentum (Mischpult/Musikanlage) als auch eine kon-

krete und nahe Gefahr für Leib und Leben von Menschen, insbesondere für die 

Personen im unmittelbaren Bereich des Rucksacks, bewirkt hätte. Aus dem Ge-

sagten erhellt sodann, dass die USBV, hätte sie sich in der grossen Halle der 

Reitschule entzündet, ein Feuer von einer gewissen Erheblichkeit erzeugt hätte. 

Das ergibt sich schon aus der Grösse und Intensität des im Freien explosionsartig 

entstandenen Feuerballs und der zahlreichen Brandflächen auf der Strasse und 

an der seitlichen grossen Türe der Konzerthalle. Unerheblich ist die Tatsache, 

dass der Brandherd vom Sicherheitspersonal innert relativ kurzer Zeit mittels 

Feuerlöscher vollständig gelöscht werden konnte (BGE 105 IV 127 E. 1b). Eine 

explosionsartige Ausbreitung des Feuers in der Konzerthalle wäre vom Beschul-

digten nicht beherrschbar gewesen. Die Grösse eines solchen Feuers entsteht 

nicht allmählich, sondern durch das Inbrandsetzen des Benzins stichflammenar-

tig, in kürzester Zeit. Am Standort der USBV in der Konzerthalle hielten sich meh-

rere Personen auf. Ein stichflammenartiges, kelchförmiges, mehrere Meter ho-

hes und ca. 3 Meter breites Feuer hätte die sich in diesem Umkreis befindenden 

Menschen und die von diesen getragenen oder mitgeführten Gegenstände mit 

grosser Wahrscheinlichkeit erfassen bzw. auf diese übergreifen können. Diese 

Menschen waren damit einer konkreten Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt. 

5.3. Ein strafbarer Versuch liegt vor, wenn der Täter, nachdem er mit der Ausführung 

eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht 

zu Ende führt, oder der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt 

oder nicht eintreten kann (Art. 22 Abs. 1 StGB). Wurde das Versuchsstadium 

noch nicht erreicht, stellt sich die Frage, ob – im Sinne der Eventualanklage – 

eine strafbare Vorbereitungshandlung gegeben ist (Art. 260bis Abs. 1 lit. g StGB). 

5.3.1. Mit dem Platzieren der scharf gestellten USBV in der gegen Mitternacht stark 

besuchten Konzerthalle hat der Beschuldigte alles unternommen, was erforder-

lich war, um eine Feuersbrunst zu entfachen und dadurch Leib und Leben von 

Menschen in Gefahr zu bringen sowie Schaden an fremdem Eigentum zu verur-

sachen. Nur dank dem aufmerksamen und unverzüglichen Handeln des Sicher-

heitspersonals konnte sich die USBV nicht bereits in der Konzerthalle entzünden. 

Indizien für einen Rücktritt im Sinne von Art. 23 Abs. 1 StGB bestehen nicht.  

5.3.2. Unter Hinweis auf die Ausführungen zum Vorsatz beim Vorwurf der Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht nach Art. 224 

Abs. 1 StGB (E. 4.5) ist auch hier direkter Vorsatz zu bejahen. Der Beschuldigte 

platzierte eine funktionsfähige, scharf gestellte USBV direkt vor einer empfindli-

- 32 - 

chen technischen Einrichtung (Mischpult/Musikanlage) inmitten einer Konzert-

halle, in der sich, wie er wusste, kurz vor Mitternacht zahlreiche Personen auf-

halten würden. Dass Benzin sich stichflammenartig entzündet, ist notorisch. Die 

Gefahr war dem Beschuldigten bewusst, aber er handelte dennoch. Damit wollte 

er die Verwirklichung der Gefahr für Leib und Leben der Menschen im Bereich 

der USBV. Zudem wollte er Sachschaden an Gegenständen im Wirkungsbereich 

der USBV verursachen. Art. 221 Abs. 1 und 2 StGB sind somit subjektiv erfüllt. 

5.3.3. Demnach ist (vollendeter) Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB zu bejahen. 

5.4. Der Grundtatbestand von Art. 221 Abs. 1 StGB ist erfüllt, wenn alternativ Sach-

schaden eingetreten ist oder eine Gemeingefahr hervorgerufen wird. Verwirklicht 

der Täter durch eine Feuersbrunst beide Merkmale, ändert sich an der Einheit 

der strafbaren Handlung nichts; dem Umstand, dass ein zusätzliches Rechtsgut 

betroffen ist, kann bei der Strafzumessung innerhalb von Art. 47 StGB Rechnung 

getragen werden (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 27). Nicht 

anders kann es sich verhalten, wenn die Feuersbrunst nebst einer Sachbeschä-

digung eine konkrete Gefahr für Leib und Leben von Menschen im Sinne von 

Art. 221 Abs. 2 StGB bewirkt. In dieser Konstellation muss der Grundtatbestand 

gemäss Art. 221 Abs. 1 StGB vom qualifizierten Tatbestand des Art. 221 Abs. 2 

StGB abgegolten sein, ansonsten Strafschärfung nach Art. 49 Abs. 1 StGB zwin-

gend wäre; gegen diese Lösung spräche im Übrigen auch das erhöhte Strafmi-

nimum von Abs. 2 (vgl. ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 27).  

Somit ist vorliegend auf versuchte Begehung von Art. 221 Abs. 2 StGB zu erken-

nen. 

5.5. Zwischen Art. 221 und 224 StGB ist Idealkonkurrenz möglich (TRECHSEL/FINGER-

HUTH, a.a.O., Art. 221 StGB N. 12; ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB 

N. 28). Echte Konkurrenz besteht zwischen diesen Tatbeständen, wenn der Tä-

ter sowohl Sprengstoff zwecks Herbeiführung einer Explosion als auch Brand-

mittel zum Zwecke der Verursachung einer Feuersbrunst einsetzt. Massgebend 

ist, dass verschiedenartige Tatmittel verwendet werden. Unerheblich ist, dass 

sich die beiden Taten gegen dasselbe Tatobjekt und gegen das gleiche Rechts-

gut richten (Urteil des Bundesgerichts 6B_722/2011 vom 12. November 2012 

E. 5.2.1). Besteht echte Konkurrenz zwischen vollendeten Taten, so ist, jeden-

falls bei gleichzeitigem Einsatz sowohl von Brandmitteln als auch von Spreng-

stoff, auch echte Konkurrenz bei versuchter Tatbegehung zu bejahen (zur Kon-

kurrenz mit strafbarer Vorbereitungshandlung nach Art. 260bis Abs. 1 lit. g StGB 

vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_722/2011 vom 12. November 2012 E. 5.2.1). 

- 33 - 

Die USBV setzte sich nicht am vom Beschuldigten vorgesehenen Ort, sondern 

im Freien um, und der entstandene Brandherd konnte innert relativ kurzer Zeit 

vom Sicherheitspersonal gelöscht werden. Die pyrotechnischen Gegenstände 

hatten zum Teil starke Brandschäden, waren aber nicht explodiert (pag. 11-0-

22). Damit ist unklar, welcher Personen- und welcher Sachschaden durch den 

Einsatz des Sprengstoffes einerseits und der Brandmittel andererseits in der Kon-

zerthalle hätte angerichtet werden können. Nach dem gewöhnlichen Lauf der 

Dinge muss davon ausgegangen werden, dass das Schadenspotenzial beim Ein-

satz sowohl des Sprengstoffes als auch der Brandmittel grösser ist als bei Ver-

wendung nur des einen oder andern Mittels. Aufgrund der Konstruktion der USBV 

bzw. der dafür verwendeten Komponenten ist jedenfalls zu schliessen, dass es 

dem Beschuldigten darum ging, durch den Einsatz beider Tatmittel einen mög-

lichst grossen Schaden anzurichten. Darauf weist auch der politische Kontext der 

Tat hin. Somit ist vorliegend echte Konkurrenz zwischen versuchter Brandstiftung 

nach Art. 221 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 224 StGB anzunehmen. 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte auch wegen versuchter Brandstiftung 

gemäss Art. 221 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

6. Versuchte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1, 3 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) 

6.1. Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutznies-

sungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, ist nach 

Art. 144 Abs. 1 StGB strafbar, sofern ein gültiger Strafantrag (Art. 30 StGB) vor-

liegt. Hat der Täter einen grossen Schaden verursacht, so kann auf Freiheits-

strafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt werden. Die Tat wird von Amtes 

wegen verfolgt (Art. 144 Abs. 3 StGB). Eine Beschädigung setzt voraus, dass in 

die physische Substanz der Sache eingegriffen wird; Beeinträchtigung ihrer An-

sehnlichkeit genügt (BGE 115 IV 26 E. 2b). Nur die vorsätzliche Begehung ist 

strafbar (Art. 12 Abs. 1 StGB); Eventualvorsatz genügt (Art. 12 Abs. 2 StGB).  

Art. 22 Abs. 1 StGB regelt die versuchte Tatbegehung (vgl. vorne E. 5.3.). 

6.2. Die Bundesanwaltschaft erachtet den Tatbestand der versuchten qualifizierten 

Sachbeschädigung als erfüllt, weil der Beschuldigte die scharf gestellte USBV in 

der Konzerthalle vor dem Mischpult/Musikanlage deponiert habe und „gleichzei-

tig eine Feuersbrunst sowie einen grossen Sachschaden am Mischpult/Musikan-

lage“ habe verursachen wollen bzw. dies zumindest in Kauf genommen habe 

(Anklageschrift S. 4). Ein Sachschaden ist nicht entstanden (Anklageschrift S. 4). 

- 34 - 

6.3. Art. 221 StGB geht als lex specialis der Sachbeschädigung nach Art. 144 StGB 

vor (ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., Art. 221 StGB N. 28; TRECHSEL/FINGERHUTH, 

a.a.O., Art. 221 StGB N. 12). Der Beschuldigte wird wegen versuchter qualifizier-

ter Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 2 StGB verurteilt. Dieser Tatbestand 

gilt die versuchte einfache Brandstiftung nach Art. 221 Abs. 1 StGB ab (E. 5.4.). 

Der Versuch der Sachbeschädigung nach Art. 144 StGB geht somit im Versuch 

der qualifizierten Brandstiftung nach Art. 221 Abs. 2 StGB auf. Damit bleibt kein 

Raum für eine zusätzliche Verurteilung des Beschuldigten nach Art. 144 StGB.  

6.4. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Grundtatbestand von Art. 144 Abs. 1 StGB 

und damit ein entsprechender Versuch ohnehin verjährt wäre (Art. 97 Abs. 1 lit c 

aStGB i.V.m. Art. 389 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 2 StGB). Eine Verurteilung wegen 

versuchter qualifizierter Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB – 

welcher Tatbestand noch nicht verjährt wäre (Art. 97 Abs. 1 lit b StGB/aStGB) – 

fiele nur in Betracht, wenn der qualifizierte Tatbestand der Sachbeschädigung 

ein zusätzliches Rechtsgut schützt und die Qualifikation damit eine selbststän-

dige Bedeutung hat (BGE 129 IV 188 E. 3.3; 124 IV 97 E. 2b/c). Das ist hier nicht 

der Fall: Die qualifizierte Sachbeschädigung unterscheidet sich von der einfa-

chen Sachbeschädigung nur in Bezug auf die Intensität der Rechtsgutbeeinträch-

tigung. Der qualifizierte Tatbestand hat insoweit keine selbstständige Bedeutung.  

7. Eventualanklage (Anklageschrift Ziff. 1.2); andere rechtliche Würdigung 

7.1. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im Sinne einer Eventualan-

klage Herstellen und Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen ge-

mäss Art. 226 Abs. 1 und 2 StGB und strafbare Vorbereitungshandlungen zu 

Brandstiftung gemäss Art. 260bis Abs. 1 lit g i.V.m. Art. 221 StGB vor.  

Nachdem der Beschuldigte im Sinne der Hauptanklage schuldig zu sprechen ist 

(E. 3–6), fällt die Eventualanklage ohne weiteres dahin (Art. 325 Abs. 2 StPO). 

7.2. Laut dem Privatkläger 2 sollte die Strafkammer den eventualiter angeklagten 

Sachverhalt (Anklageschrift Ziff. 1.2) auch unter sämtlichen gesetzlichen Tatbe-

ständen gemäss Hauptanklage (Anklageschrift Ziff. 1.1) prüfen, und zwar hin-

sichtlich einer Mittäterschaft des Beschuldigten, eventuell als Teilnahme im 

Sinne der Gehilfenschaft (vgl. vorne E. 2.3.). 

7.2.1. Will das Gericht einen Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staatsan-

waltschaft, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien und gibt ihnen Gele-

genheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Das Gericht kann in diesem Sinne 

- 35 - 

grundsätzlich auch eine von der Privatklägerschaft angeregte abweichende 

rechtliche Würdigung der Anklage vornehmen. 

7.2.2. Nachdem die Strafkammer den Sachverhalt der Hauptanklage als erwiesen er-

achtet, fällt eine Prüfung der Eventualanklage – mit rechtlicher Würdigung im 

Sinne der Privatklägerschaft – ohne weiteres dahin (vgl. vorne E. 7.1.).  

7.3. Laut dem Privatkläger 1 sollte der Sachverhalt gemäss Anklageschrift Ziff. 1.1 

nicht nur unter den angeklagten strafbaren Handlungen gegen Gemeininteres-

sen (7. Titel [zweites Buch] StGB), sondern auch wegen versuchten Mordes und 

versuchter schwerer Körperverletzung geprüft werden (vgl. vorne E. 2.3.), also 

wegen bestimmter Straftaten gegen Leib und Leben (Art. 111 ff. StGB), mithin im 

Sinne der strafbaren Handlungen gegen Individualinteressen (1. Titel [zweites 

Buch] StGB). Zur Begründung führt er aus, er wäre mit grosser Wahrscheinlich-

keit heute nicht mehr am Leben, wenn der Rucksack mit der USBV in seinen 

Händen explodiert wäre, als er ihn ins Freie hinaus getragen habe. Wohl habe 

der Beschuldigte nicht wissen können, dass der Rucksack gerade durch ihn be-

händigt werden würde, doch habe er dies in Kauf genommen. Gemäss klarer 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung und Lehre bestehe zwischen Art. 224 StGB 

und Mord bzw. schwerer Körperverletzung Idealkonkurrenz (HV-Protokoll S. 3). 

7.3.1. Es besteht Idealkonkurrenz zwischen Art. 224 StGB und den Verletzungsdelik-

ten, wenn es nicht bei der Gefährdung bleibt, sondern die Tathandlung zur Ver-

letzung des geschützten Rechtsguts, z.B. durch die Verwirklichung der verbre-

cherischen Absicht, führt (BGE 103 IV 241, 245; ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., 

Art. 224 StGB N. 12). Dies ist selbst dann der Fall, wenn die Gefährdung voll-

ständig in der Verletzung aufgeht, da eine Konsumierung des Gefährdungs- 

durch das Verletzungsdelikt sonst wegen der hohen Strafdrohung (des Gefähr-

dungstatbestands) zu unbilligen Ergebnissen führen würde (TRECHSEL/FINGER-

HUTH, a.a.O., Art. 224 StGB N. 12). Auch STRATENWERTH/BOMMER (Schweizeri-

sches Strafrecht, Besonderer Teil II: Straftaten gegen Gemeininteressen, 7. Aufl., 

Bern 2013) nehmen bei Art. 224 StGB mit gleicher Begründung echte Konkurrenz 

an, wenn der Täter seine verbrecherische Absicht verwirklicht, er also noch einen 

weiteren Verbrechens- oder Vergehenstatbestand erfüllt. Die Autoren schränken 

allerdings ein, dass diese Auslegung die Gemeingefährlichkeit des Delikts erfor-

dere (a.a.O., S. 64 i.V.m. S. 60); dessen besondere Verwerflichkeit werde erst 

dadurch begründet, dass die Opfer unbeteiligte, nicht als Individuen ausgewählte 

Dritte seien, sie vielmehr, im Verhältnis zum Täter, als Repräsentanten der All-

gemeinheit erscheinen würden. Die gefährdeten Personen müssten vom Zufall 

ausgewählt worden sein (a.a.O., S. 46 f.; zustimmend TRECHSEL/FINGERHUTH, 

a.a.O., vor Art. 221 StGB N. 2 m.w.H.). Die bei gemeingefährlichen Straftaten 

- 36 - 

wegen des unkontrollierbaren Geschehensablaufs im Vergleich zu den gegen 

individuelle Rechtsgüter gerichteten Delikte angedrohte höhere Strafe rechtfertigt 

sich nur, wenn die Allgemeinheit gefährdet wurde. Allerdings spielt es dabei keine 

Rolle, ob die Gefahr nur eine oder mehrere Personen der Allgemeinheit trifft (RO-

ELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., vor Art. 221 StGB N. 11). Den Tötungs- und Körper-

verletzungsdelikten ist hingegen dann der ausschliessliche Vorrang zu geben, 

wenn mit einem Tatmittel des siebten Titels (Feuer, Sprengstoff, Gas etc.) von 

vorneherein bloss eine Individualgefahr für ganz bestimmte vom Täter ins Auge 

gefasste Personen bewirkt wurde, die anschliessend zu einer Verletzung führte 

(ROELLI/FLEISCHANDERL, a.a.O., vor Art. 221 StGB N. 14). Im letzteren Sinne ent-

schied die Strafkammer, dass bei einer mittels einer Handgranate – Sprengstoff 

i.S.v. Art. 224 StGB – auf offener Strasse gegen die Ehefrau versuchten vorsätz-

lichen Tötung der Täter nur wegen Letzterer und nicht zusätzlich nach Art. 224 

StGB zu bestrafen war, da er mit Ausnahme seiner Ehefrau keine anderen Per-

sonen verletzen wollte und er niemand anderen konkret gefährdet hatte (Ent-

scheid des Bundesstrafgerichts SK.2015.4 vom 18. März 2015 E. 4.4.2).  

Vorliegend wurde der Privatkläger 1 – wie alle anderen, konkret gefährdeten Per-

sonen in der Konzerthalle – im Sinne der Repräsentationstheorie vom Zufall aus-

gewählt; der Beschuldigte wollte nicht gerade ihn – unter Inkaufnahme weiterer 

möglicher Opfer – als individuell ausgewählte Person treffen. Der Beschuldigte 

konnte denn auch gar nicht wissen, dass sich der Privatkläger 1 als Sicherheits-

mitarbeiter in der Konzerthalle aufhalten und sich um den von ihm deponierten 

Rucksack kümmern würde. Da der Privatkläger 1 weder verletzt noch getötet 

worden ist, greifen nicht zusätzlich die Strafbestimmungen der Art. 111 ff. StGB. 

Nicht anders verhält es sich hinsichtlich einer versuchten Tatbegehung, denn 

eine solche war nicht gegen den Privatkläger 1 als individuell ausgewählte Per-

son gerichtet. Die Voraussetzungen für eine Verurteilung wegen versuchten Mor-

des bzw. versuchter schwerer Körperverletzung wären demnach nicht erfüllt.  

7.3.2. Hinzu kommt, dass die prozessualen Voraussetzungen für eine abweichende 

rechtliche Würdigung der Anklage nach Art. 344 StPO im Sinne der Auffassung 

des Privatklägers 1 nicht erfüllt sind. Eine solche kann das Gericht nämlich nur 

vornehmen, wenn alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente des ins 

Auge gefassten anderen Delikts in der Anklage hinreichend umschrieben sind 

(HAURI/VENETZ, a.a.O., Art. 344 StPO N. 4). Wo dies nicht zutrifft, ist – soweit 

zulässig – nach Art. 333 StPO vorzugehen, doch ist die Anklagebehörde nicht 

verpflichtet, eine Änderung der Anklage im Sinne der Anregung des Gerichts vor-

zunehmen (STEPHENSON/ZALUNARDO-WALSER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Ba-

sel 2014, Art. 333 StPO N. 5a). Der Staatsanwalt des Bundes gab denn auch 

seine Auffassung kund, weshalb er von Anfang an keine Erweiterung der Anklage 

- 37 - 

im Sinne des Privatklägers 1 vorgenommen hatte (HV-Protokoll S. 4). Eine Ver-

anlassung, der Bundesanwaltschaft Gelegenheit für eine Änderung der Anklage 

im Sinne von Art. 333 StPO zu geben, bestand – wie oben erläutert – sodann 

nicht. Der Antrag des Privatklägers 1 kann somit nicht gutgeheissen werden. 

8. Strafzumessung 

8.1.  

8.1.1. Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden 

des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse 

sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). 

Das Verschulden bestimmt sich nach der Schwere der Verletzung oder Gefähr-

dung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den 

Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach, wie weit der Täter nach den 

inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Tat zu vermeiden (Art. 47 

Abs. 2 StGB). Somit kommt dem (subjektiven) Tatverschulden eine entschei-

dende Rolle zu (BGE 136 IV 55 E. 5.4). Ausgehend von der objektiven Tat-

schwere hat das Gericht dieses Verschulden zu bewerten. Es hat im Urteil dar-

zutun, welche verschuldensmindernden und -erhöhenden Gründe im konkreten 

Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu 

gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). Der Gesetzgeber hat einzelne Kriterien aufge-

führt, die für die Verschuldenseinschätzung von wesentlicher Bedeutung sind 

und das Tatverschulden vermindern bzw. erhöhen (BGE 136 IV 55 E. 5.5, 5.6). 

Das Gesetz führt indes weder alle in Betracht zu ziehenden Elemente detailliert 

und abschliessend auf, noch regelt es deren exakte Auswirkungen bei der Be-

messung der Strafe. Es liegt im Ermessen des Gerichts, in welchem Umfang es 

die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Dabei ist es nicht 

gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzu-

messungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 E. 5.6 S. 61; 134 IV 17 E. 2.1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_650/2007 vom 2. Mai 2008 E. 10.1). 

8.1.2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für 

mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 

schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 

der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das 

gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der 

Bildung der Gesamtstrafe gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen 

für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die 

schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die 

Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Aspera-

tionsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ersten 

- 38 - 

Schritt, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, 

gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen. In einem zwei-

ten Schritt hat es diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten zu 

einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei es ebenfalls den jeweiligen Umständen 

Rechnung zu tragen hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_405/2011 und 

6B_406/2011 vom 24. Januar 2012 E. 5.4; 6B_1048/2010 vom 6. Juni 2011 

E. 3.1; 6B_218/2010 vom 8. Juni 2010 E. 2.1; 6B_865/2009 vom 25. März 2010 

E. 1.2.2; 6B_297/2009 vom 14. August 2009 E. 3.3.1; 6B_579/