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**Case Identifier:** 74caf756-117b-50e3-91d6-f7edbae1000c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-10
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 10.02.2023 200 2022 504
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-504_2023-02-10.pdf

## Full Text

200 22 504 IV
SCI/ZID/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 10. Februar 2023

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 29. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1966 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
ausgebildete … und zuletzt langjährig im … einer … tätig, meldete sich im 
Oktober 2019 unter Hinweis auf eine Erschöpfung und starke Hinterkopf- 
und Nackenschmerzen bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) 
zum Leistungsbezug an (Antwortbeilage der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Be-
schwerdegegnerin; AB] 1). Die IVB klärte die medizinischen und erwerbli-
chen Verhältnisse ab; unter anderem edierte sie die Akten der zuständigen 
Krankentaggeldversicherung (AB 21.1 ff. bzw. aktualisiert 58.1 ff.), sprach 
Frühinterventionsmassnahmen zu (AB 28, 33 f., 39, 42; vgl. auch AB 54) 
und liess die Versicherte auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Diens-
tes (RAD; AB 78 ff.) bidisziplinär (psychiatrisch-orthopädisch) begutachten 
(Expertisen der C.________ [MEDAS] vom 29. Januar 2022 [Psychiatrie; 
AB 93.1], 8. April 2022 [Orthopädie; AB 100.2] und 11. April 2022 [Kon-
sens; AB 100.1]). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 101) 
sowie diesbezüglichen Stellungnahmen des RAD vom 27. und 28. Juni 
2022 (AB 112 f.) verneinte die IVB mit Verfügung vom 29. Juni 2022 bei 
einem Invaliditätsgrad von 21 % einen Rentenanspruch (AB 116).

B.

Hiergegen liess die Versicherte, wie schon im Vorbescheidverfahren vertre-
ten durch Rechtsanwältin Dr. iur. B.________, mit Eingabe vom 31. August 
2022 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung 
sei aufzuheben und ihr sei rückwirkend eine IV-Rente zuzusprechen, unter 
Kostenfolge.

Mit Beschwerdeantwort vom 22. September 2022 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Mit der Kostennote reichte die Beschwerdeführerin am 27. Oktober 2022 
medizinische Berichte der behandelnden Ärzte (Beschwerdebeilage [BB] 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 3

11 f.) ein. Ein weiterer Bericht (BB 15) ging am 11. November 2022 beim 
Gericht ein. Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin am 18. November 2022 
Stellung. Unaufgefordert reichte die Beschwerdeführerin am 24. November 
2022 zusätzlich eine Stellungnahme und am 1. Dezember 2022 Belege zur 
Illustration der fehlenden Arbeitsfähigkeit ein (BB 16 f.).

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 29. Juni 2022 
(AB 116). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf eine Rente der IV.

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Soweit in der Beschwerdeschrift (am Schluss) zu den beruflichen Mass-
nahmen Stellung genommen wird, ohne dass soweit ersichtlich jedoch ein 
Antrag gestellt wird, ist darauf hinzuweisen, dass solche nicht Gegenstand 
der angefochtenen Verfügung waren und damit auch nicht Gegenstand 
dieses Verfahrens bilden können. Auf einen entsprechenden Antrag könnte 
dementsprechend auch nicht eingetreten werden (vgl. BGE 125 V 413 
E. 1a S. 414). 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). 

Die angefochtene Verfügung datiert vom 29. Juni 2022 (AB 116), womit sie 
nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indes-
sen liegt der frühestmögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung eines 
Rentenanspruchs mit Blick auf die Anmeldung vom Oktober 2019 (vgl. 
Art. 29 Abs. 1 IVG) und dem Arbeitsunfähigkeitsattest ab Juni 2019 (vgl. 
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) im Mai 2020 (vgl. E. 2.3 und 3.1.1 nachfolgend; 
vgl. auch BGE 143 V 295 E. 4.1.3 S. 300, 129 V 222) und damit vor dem 
1. Januar 2022, weshalb (zumindest für die Zeit bis zum 31. Dezember 
2021) die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) in der 
bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind 

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(vgl. auch Rz. 9100 f. des Kreisschreibens des Bundesamts für Sozialver-
sicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 
[KSIR]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 
E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). Insoweit hier die grundsätzlichen 
Fragen nach einem Anspruch auf eine Rente bis zum Zeitpunkt des Erlas-
ses der angefochtenen Verfügung und damit über den 31. Dezember 2021 
hinaus zu klären sind, sind die Regelungen mit der WE IV jedoch nicht ver-
ändert worden (vgl. E. 2.3 nachfolgend).

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können auch 
solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG 
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische 
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur 
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer 
Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert 
worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die 
Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, 
ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 
V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterli-
cher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheits-
schaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliess-

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lich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 
418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychi-
schen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 

3.

3.1 Bezüglich des Gesundheitszustandes sowie der Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin finden sich in den Akten im Wesent-
lichen die folgenden Angaben:

3.1.1 Die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte im Oktober 2019 
(AB 1/11) unter Angabe einer ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit seit 
dem 3. Juni 2019 (AB 1/4 Ziff. 4.3, /6 Ziff. 6.1, 4).

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3.1.2 Im Bericht (an die Krankentaggeldversicherung) vom 28. Oktober 
2019 attestierte der Hausarzt Dr. med. D.________, Facharzt für Allgemei-
ne Innere Medizin, ein (auf berufliche Überforderung und Erschöpfung 
zurückzuführendes) chronisches Erschöpfungssyndrom/Burnout mit Er-
schöpfungsdepression und infolgedessen eine volle Arbeitsunfähigkeit. Es 
sei die erste solche Episode und der Vorzustand sei diesbezüglich un-
auffällig. Eine somatische Erkrankung könne als Hauptursache der Be-
schwerden ausgeschlossen werden (AB 19/3).

3.1.3 Gemäss Berichten des Dr. med. E.________, Facharzt für Psychia-
trie und Psychotherapie, vom 4. (zu Handen der Krankentaggeldversiche-
rung; AB 19/1 f.) und 10. November 2019 (zu Handen der Beschwerdegeg-
nerin; AB 17) befand sich die Beschwerdeführerin seit dem 11. September 
2019 bei ihm in regelmässiger ambulanter Behandlung. Bis dahin hätten in 
psychiatrischer Hinsicht weder ambulante noch stationäre Behandlungen 
stattgefunden. Die 1984 als … in die Schweiz eingereiste Beschwerdefüh-
rerin arbeite seit ca. 20 Jahren als … in einer …. Die Arbeitsbelastung habe 
im letzten Jahr stark zugenommen und die Beschwerdeführerin habe sich 
gestresst und vermehrt überfordert gefühlt. Seit Anfang Juni 2019 zeige sie 
eine stark beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit für alle Erwerbstätigkeiten; ge-
genwärtig sei sie vollständig arbeitsunfähig. Es liege eine reaktive schwere 
ängstlich-depressive Anpassungsstörung bei anamnestisch bekannten 
posttraumatischen Belastungsstörungen und anhaltend stressvollen Um-
ständen am Arbeitsplatz (ICD-10 F43.2) vor.

In den Berichten vom 7. (zu Handen der Beschwerdegegnerin; AB 30) und 
8. März 2020 (zu Handen der Krankentaggeldversicherung; AB 58.3/30 f.) 
diagnostizierte Dr. med. E.________ eine reaktive ängstlich-depressive 
Anpassungsstörung in anhaltenden emotionell enorm stressvollen Umstän-
den am Arbeitsplatz (ICD-10 F43.2) sowie einen Status nach anamnestisch 
bekannten posttraumatischen Belastungsstörungen. Der Gesundheitszu-
stand zeige sich verbessert und die Prognose eher günstig, sei doch mit 
einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf von immer-
hin 50 % bzw. maximal von 70 - 80 % zu rechnen.

Gegenüber der Krankentaggeldversicherung diagnostizierte der Psychiater 
im Bericht vom 15. Juni 2020 nebst anhaltenden ängstlich-depressiven 

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Störungen bei Status nach anamnestisch bekannten posttraumatischen 
Belastungsstörungen in anhaltenden emotionell stark belastenden stress-
vollen Umständen am Arbeitsplatz einen Status nach zwei LWS-
Operationen bei Diskushernien (lebenslange LWS-Fixation mit vier 
Schrauben). Weitere medizinische Abklärungen seien gegenwärtig nicht 
angezeigt (AB 58.3/42 f.).

3.1.4 Im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen beklagte sich die 
Beschwerdeführerin über Rückenbeschwerden (starke Schmerzen im Hin-
terkopf und Nackenbereich [AB 35, 37, 44] sowie in der Wirbelsäule 
[AB 41, 47, 53]), was zu weiteren Abklärungen führte.

3.1.5 Im Verlaufsbericht vom 31. August 2020 (AB 46; vgl. auch AB 84/2 
ff. und /12 ff.) ergänzte der behandelnde Psychiater die Diagnosen (vgl. 
E. 3.1.3 hiervor) um jene der zunehmenden LWS-Beschwerden bei ana-
mnestisch bekannter LWS-Operation 2005. Der Gesundheitszustand habe 
sich nach der plötzlichen Erkrankung des Ehemannes (plötzlicher …; vgl. 
AB 37, 41, 44/2) verschlechtert (schwere reaktive Dekompensation und 
gleichzeitig Zunahme der LWS-Beschwerden). Mit einer erneuten 80 - 
100%-igen Arbeitsfähigkeit als … könne langfristig nicht mehr gerechnet 
werden.

Ähnlich diagnostizierte Dr. med. E.________ im Bericht vom 29. März 2021 
"rezidivierende ängstlich-depressive Störungen bei Status nach anamnes-
tisch bekannten posttraumatischen Belastungsstörungen" sowie rezidivie-
rende, phasenweise stark immobilisierende belastungsabhängige LWS-
Beschwerden bei Status nach anamnestisch bekannter LWS-Operation. 
Der Arbeitsplatz in der … sei zwischenzeitlich auf Ende Mai 2021 gekündigt 
worden, worauf sich die Beschwerdeführerin zu 50 % beim RAV angemel-
det habe (AB 64).

3.1.6 Die RAD-Ärztin Dr. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie 
und Psychotherapie, führte am 28. Juli 2021 aus, dass aus den vorliegen-
den Unterlagen keine klare Diagnosestellung erkennbar sei, weshalb sich 
ein bidisziplinäres Gutachten als notwendig erweise (AB 78/5).

3.1.7 Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
stellte im psychiatrischen Gutachten vom 29. Januar 2022 keine Diagnose 

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mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit; ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit erwähnte er einen Status nach Anpassungsstörung (ICD-10 
F43.2/F43.8; AB 93.1/33 Ziff. 6.1 f.). Bei der Untersuchung liessen sich 
keine gravierenden Hinweise für eine tiefgreifende Funktions- und Leis-
tungsbeeinträchtigung im psychiatrischen Bereich (mehr) erkennen; die in 
der Vergangenheit beschriebenen Symptome seien eher als Reaktion auf 
die erfolgte Kündigung zu interpretieren (AB 93.1/33 Ziff. 6.3 und /35 f. je 
unten). Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin nicht 
durch eine namhafte psychische Beeinträchtigung/Störung in ihren Alltags-
fähigkeiten und in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Dafür spreche, dass 
sie einen strukturierten Tagesablauf mit sozialen Kontakten innerhalb der 
Familie und einem guten Hilfssystem angebe (AB 93.1/39). Die Beschwer-
deführerin sei in jeglicher dem Alter und Habitus entsprechenden Tätigkeit 
uneingeschränkt arbeitsfähig. Die früher attestierten Arbeitsunfähigkeiten 
seien insoweit nachvollziehbar, als die Beschwerdeführerin Zeit gebraucht 
habe, ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren; die aktuelle Arbeitsun-
fähigkeit von 70 % sei dagegen nicht mehr nachvollziehbar (AB 93.1/40 f.).

Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-
logie des Bewegungsapparates, diagnostizierte im orthopädisch-trauma-
tologischen Gutachten vom 8. April 2022 (vgl. AB 100.2/6 und /70 oben) mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein belastungsabhängig vermehrtes 
cervicocephales Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie sowie eine Belas-
tungs- und Bewegungseinschränkung bei chronisch lumbospondylogenem 
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie. Ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit hielt er einen Status einer im Jahr 1976 erlittenen Weichteilverlet-
zung des rechten Schienbeins mit länger währender Wundheilungsstörung, 
gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionseinschrän-
kung, fest (AB 100.2/53 f. Ziff. 6). Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht be-
stehe eine muskuloskeletal bedingte Schmerzsymptomatik im Bereich der 
HWS mit allenfalls leichten degenerativen Veränderungen atlantoaxial so-
wie ein mediales Bulging des Diskus C6/7 ohne neurale Beeinträchtigung. 
Im Hinblick auf die LWS zeige sich die bereits im Jahr 2005 erfolgte tran-
spedikuläre Spondylodese L4/5 mit dorso-lateraler Anlage von autologem 
Knochenmaterial knöchern ausgeheilt mit regelrechter Lage des Osteosyn-
thesematerials. Als funktionslimitierend zeige sich eine erstmals im März 

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2021 bildtechnisch objektivierte Spondylarthrose betont bei L2/3 sowie L3/4 
beidseits mit begleitendem diskretem Diskusbulging ohne Neurokompres-
sion sowie eine Einengung des Neuroforamens L4/5 rechts mit Tangierung 
der Nervenwurzel L4 rechts (AB 100.2/60). Die bisherige, körperlich leichte 
und wechselbelastende und damit durchaus (rücken-)adaptierte Tätigkeit 
sei mit einer Leistungseinbusse von 20 % (aufgrund der Notwendigkeit 
häufiger kurzer Arbeitsunterbrechungen und Positionswechsel) weiterhin 
zumutbar (dies spätestens seit der im August 2020 dokumentierten aktivier-
ten Spondylarthrose in den Segmenten L2/3 sowie L3/4 beidseits sowie der 
Einengung des Neuroforamens L4/5 rechts mit Tangierung der Nervenwur-
zel L4 rechts [AB 100.2/66 f.]).

Bidisziplinär wurden die Diagnosen eines belastungsabhängigen vermehr-
ten cervicocephalen Schmerzsyndroms ohne Neurokompression sowie 
einer Belastungs- und Bewegungseinschränkung bei chronisch lum-
bospondylogenem Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie gestellt. Als oh-
ne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein Status nach einer 1976 erlit-
tenen Weichteilverletzung nach Velosturz sowie ein Status nach Anpas-
sungsstörung genannt (AB 100.1/9 Ziff. 4.2). Die Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit sei rein somatisch begründet (AB 100.1/15 Ziff. 4.9).

3.1.8 Nachdem die Beschwerdeführerin im Vorbescheidverfahren das 
bidisziplinäre Gutachten als nicht schlüssig bezeichnet und zusätzlich Ar-
throsen in den Händen sowie fehlende schlafmedizinische und neuropsy-
chologische Untersuchungen geltend gemacht hatte (AB 108, 114/3), er-
achteten die RAD-Ärzte Dres. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie 
und Psychotherapie, und I.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie 
und Traumatologie des Bewegungsapparates, sowohl die Einzelgutachten 
als auch den Konsens als schlüssig (AB 112 f.). Die vom orthopädischen 
Gutachter auch unter optimalen leidensadaptierten Bedingungen gesehene 
20%-ige Leistungsminderung sei als wohlwollend zu werten und neue or-
thopädische Leiden/Beeinträchtigungen seien seit der Begutachtung nicht 
bekannt (AB 112/2). Aus psychiatrischer Sicht sei eine neuropsychologi-
sche Untersuchung nicht angezeigt, bestünden doch keine Anhaltspunkte 
für ein vermindertes kognitives Leistungsvermögen. Der Schlaf sei explo-
riert und berücksichtigt worden. Auch die Schmerzsymptomatik sei explo-

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riert und berücksichtigt, aufgrund dessen aber keine somatoforme 
Schmerzstörung diagnostiziert worden (AB 113/3).

3.1.9 Der behandelnde Psychiater bezeichnete im Schreiben an die 
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vom 6. Juli 2022 den ablehnen-
den IV- Entscheid als "absolut inakzeptabel und für die Beschwerdeführerin 
gesundheitlich enorm schädigend und erneut stark traumatisierend". Bei 
der Beschwerdeführerin handle es sich eindeutig um eine polymorbide 
chronisch erkrankte Patientin mit posttraumatischen Belastungsstörungen, 
rezidivierenden depressiven Störungen, komplexen chronisch degenerati-
ven mehretageren Rückenbeschwerden und Fingerpolyarthrosen. Anläss-
lich der Arbeitsversuche habe die Beschwerdeführerin trotz Motivation, 
Compliance und Coaching eine stark verminderte Leistungsfähigkeit ge-
zeigt. Die zweimalig gescheiterten halbtägigen beruflichen Eingliederungs-
versuche müssten obligatorisch mindestens zu einer 50 % IV-Teilberentung 
führen. Die Beschwerdeführerin müsse unbedingt ergänzend polydiszi-
plinär begutachtet werden (BB 3).

In einer vom Hausarzt initiierten (vgl. BB 5) neuropsychologischen Unter-
suchung durch lic. phil. J.________, Fachpsychologin für Neuropsychologie 
FSP und Psychotherapie FSP, wurde das Leistungsverhalten während der 
Testuntersuchung vom 3. Oktober 2022 als durch die schmerzbedingt er-
heblich eingeschränkte kognitive Dauerbelastbarkeit und durch das aus 
Angst, etwas Falsches zu machen, durchgängig unsicher-verlangsamte 
Arbeitsverhalten beeinträchtigt bezeichnet. Dies habe in den durchgeführ-
ten Leistungstests zu teilweise sehr akzentuierten Resultaten geführt, wel-
che nicht als spezifische und valide neuropsychologische Befunde interpre-
tiert werden könnten. Deshalb habe auch kein Schweregrad allfällig vor-
handener kognitiver Defizite beurteilt werden können. Klinisch-neuropsy-
chologisch seien das erhöhte Angstniveau sowie die Schmerzexazerbation 
und die damit einhergehende Erschöpfung bei gerichteter mentaler Bean-
spruchung sehr deutlich im Vordergrund gewesen. So habe die mobilisierte 
Konzentrationsfähigkeit weiter abgenommen und im Untersuchungsverlauf 
nach etwa vier Stunden zu einem Zustand der Erschöpfung mit vollständi-
ger Leistungsunfähigkeit und dringendem Schlafbedarf geführt. Darüber 
hinaus gehende Aussagen zur Leistungsfähigkeit im Beruf könnten auf-

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grund nicht spezifischer neuropsychologischer Befunde nicht aus den aktu-
ellen Befunden abgeleitet werden. Inwieweit die beobachtete herabgesetz-
te kognitive Dauerbelastung sich einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit 
auswirke, müsse aus gesamtmedizinischer Sicht beurteilt werden (BB 12).

Die Beschwerdeführerin wurde zudem im Spital K.________ schlafmedizi-
nisch abgeklärt. Im Bericht vom 24. Oktober 2022 diagnostizierte Dr. med. 
L.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, eine exzessive Ta-
gesschläfrigkeit am ehesten im Rahmen einer depressiven Entwicklung bei 
(leicht bis knapp mittelgradiger) schlafgebundener Atemstörung. Der Be-
schwerdeführerin sei empfohlen worden, zumindest einen Versuch mit ei-
ner automatischen CPAP-Therapie zur Beseitigung der nächtlichen 
Atemstörung durchzuführen (BB 15).

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 13

3.2.1 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-
chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

Nach der Rechtsprechung kommt den Gutachtern, was die Wahl der Un-
tersuchungsmethoden betrifft, ein weiter Ermessensspielraum zu. Das be-
inhaltet auch die Auswahl der vorzunehmenden fachärztlichen Abklärun-
gen. Es liegt demnach im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug weiterer 
Experten notwendig ist oder nicht (SVR 2021 UV Nr. 19 S. 96 E. 6.4; Ent-
scheid des Bundesgerichts [BGer] vom 30. Januar 2015, 8C_277/2014, 
E. 5.2).

3.2.2 Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeu-
tisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amt-
lich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein 
medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stel-
len und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan-
delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten 
bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil 
die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher In-
terpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be-
gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2021 IV 
Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3).

In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfah-
rungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf 
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten 
ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV 
Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dies gilt nicht nur für den allgemein praktizieren-
den Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden Spezialarzt und erst 
recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen 
Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 14

zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Entscheid des Eidgenössischen 
Versicherungsgerichts [EVG; heute Bundesgericht {BGer}] vom 20. März 
2006, I 655/05, E. 5.4).

3.3 Auf der Basis der bis dahin vorliegenden Unterlagen gelangte der 
RAD (in nicht zu beanstandender Weise) zum Schluss, es sei eine bidiszi-
plinäre Begutachtung (Psychiatrie/Orthopädie) notwendig (AB 78/5). Die 
Begutachtung wurde den damals geltenden Regeln entsprechend der Be-
schwerdeführerin angekündigt (AB 82; vgl. auch AB 86). Die Untersuchun-
gen erfolgten am 17. September 2021, womit insoweit die damals noch 
geltenden Regeln Anwendung fanden. Dies wird auch nicht beanstandet. 
Das (bidisziplinäre) Gutachten (AB 100.1 f., 93.1) erfüllt die höchstrichterli-
chen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor), weshalb ihm volle Beweis-
kraft zukommt. Die Beurteilungen der Gutachter sind umfassend, beruhen 
auf einlässlichen Explorationen und wurden in Kenntnis der Vorakten sowie 
in Berücksichtigung der geklagten Beschwerden vorgenommen. Sie über-
zeugen inhaltlich, indem die darin enthaltenen Darlegungen der medizini-
schen Zusammenhänge sowie der Beurteilung der medizinischen Situation 
einleuchten und die Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet sind. 
Auf das bidisziplinäre Gutachten ist folglich grundsätzlich abzustellen.

3.3.1 Nachdem der psychiatrische Gutachter nachvollziehbar keine "tief-
greifenden Funktions- und Leistungsbeeinträchtigungen im psychiatrischen 
Bereich" erkennen konnte (AB 93.1/36), ist nicht zu beanstanden, dass er 
daraus folgend keine psychische Störung abgeleitet hat. Zusammenfas-
send lagen aus psychiatrischer Sicht im Zeitpunkt der Begutachtung keine 
psychischen Störungen mit Krankheitswert vor, die zu einer anhaltenden 
Beeinträchtigung der mittel- und langfristigen Arbeitsfähigkeit führen, wes-
halb praxisgemäss auf eine Indikatorenprüfung verzichtet werden kann. 
Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, vermag daran nichts zu 
ändern:

Soweit der behandelnde Psychiater auch nach Kenntnis des Gutachtens 
weiterhin von posttraumatischen Belastungsstörungen und rezidivierenden 
depressiven Störungen ausgeht (BB 3), ist einleitend festzuhalten, dass es 
in seinen Berichten (abgesehen von anamnestischen Angaben der Be-
schwerdeführerin) an einer leitliniengerechten Befunderhebung mit Psy-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 15

chostatus und entsprechender Diskussion mangelt. Gleichwohl ist er von 
Anfang an von einem reaktiven (mit der Arbeitsplatzsituation in Zusam-
menhang stehenden) Geschehen (Anpassungsstörung) ausgegangen (vgl. 
AB 19/1, 17/2, 30/1, 58.3/2). Dass er dabei jeweils posttraumatische Belas-
tungsstörungen mitdiagnostizierte, überzeugt nicht. So gab die Beschwer-
deführerin anlässlich der psychiatrisch-gutachterlichen Exploration als ein-
schneidende Erlebnisse einzig die Kündigung und den Verlust ihres ersten 
Kindes an (AB 93.1/30 Ziff. 7). Auch wenn die Beschwerdeführerin in ihrer 
Jugend zufolge Flucht schwere Jahre verlebt hatte (vgl. nebst dem Gutach-
ten [AB 93.1/29 Ziff. 3] insbesondere auch AB 21.4/18), so sind dennoch 
für die Zeit nach der Ankunft in der Schweiz, die Jahrzehnte zurückliegt, bis 
ins Jahr 2019 zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise Hinweise für eine 
psychische Störung vorhanden (vgl. AB 17/1 Ziff. 1). Selbst wenn entgegen 
dieser Aktenlage die Beschwerdeführerin vor inzwischen rund 40 Jahren 
eine posttraumatische Störung durchlebt gehabt hätte, wäre gestützt auf 
die in den Akten dokumentierte Lebensgeschichte erstellt, dass sie diese 
(wie in den entsprechenden Leitlinien dargelegt) folgenlos verarbeitet hatte 
und sich daraus insbesondere auch keine Persönlichkeitsstörung entwickelt 
hat. Eingeschränkte Ressourcen sind zu keinem Zeitpunkt erhoben wor-
den. Vielmehr hat die Beschwerdeführerin in der Schweiz eine Ausbildung 
absolviert, rasch die Sprache gelernt und danach während Jahrzehnten zur 
vollsten Zufriedenheit der Arbeitgeber (am Schluss während fast zwanzig 
Jahren am gleichen Ort) vollschichtig gearbeitet (vgl. AB 93.1/29 f. Ziff. 5).

Wenn der behandelnde Psychiater weiter davon ausgeht, ein Arbeitsver-
such sei nur zweimal zu 50 % an je einem halben Tag erfolgt und daraus 
sei zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin zu 50 % zu berenten sei 
(BB 3), lässt er unberücksichtigt, dass die Abklärungen insbesondere auch 
im Rahmen der Abklärungsstelle M.________ sehr wohl in höherem Rah-
men, unterbrochen wegen der Erkrankung des Ehemanns, erfolgen konn-
ten (vgl. AB 31, 35, 37, 44). Schliesslich kommt seinem an die Rechtsver-
treterin der Beschwerdeführerin gerichteten Bericht vom 6. Juli 2022 (BB 3) 
von vornherein nur sehr begrenzter Beweiswert zu, da er ohne fundierte 
medizinische Darlegungen advokatorisch die Interessen der Beschwerde-
führerin wahrnimmt, womit ein eigentlicher Rollenwechsel vom behandeln-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 16

den Arzt zum Parteivertreter stattgefunden hat (Entscheid des BGer vom 6. 
Juni 2018, 8C_79/2018, E. 4.2).

Eine somatoforme Schmerzstörung ist einzig von der Rechtsvertreterin der 
Beschwerdeführerin vorgebracht worden (AB 108/2; Beschwerde, S. 3), nie 
aber – weder vom behandelnden Psychiater noch vom Gutachter – 
fachärztlich diagnostiziert worden. Zutreffend hat die RAD-Ärztin deshalb 
festgehalten, dass die Gutachter die Schmerzsymptomatik exploriert und 
berücksichtigt hätten und keine somatoforme Schmerzstörung diagnosti-
ziert werden könne (AB 113/3).

3.3.2 Die geklagten HWS- und LWS-Beschwerden wurden im orthopä-
disch-traumatologischen Gutachten vom 8. April 2022 (AB 100.2) einge-
hend sowie nachvollziehbar diskutiert und im Umfang von 20 % als leis-
tungsmindernd qualifiziert. Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde 
(S. 3) zeigt sich die bereits im Jahr 2005 erfolgte transpedikuläre Spondy-
lodese L4/5 mit dorso-lateraler Anlage von autologem Knochenmaterial 
knöchern ausgeheilt mit regelrechter Lage des Osteosynthesematerials 
(AB 100.2/60). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit anderslautende fachärztli-
che Einschätzungen legte die Beschwerdeführerin nicht vor und sie konsul-
tiert gemäss eigenen Angaben sowie der Aktenlage schon seit vielen Jah-
ren keinen Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 
Bewegungsapparates, für Rheumatologie oder für Neurochirurgie (mehr) 
(AB 100.2/27 Ziff. 3.2.3.4). Die diesbezüglich fachfremden Einschätzungen 
des behandelnden Psychiaters (AB 64/2 oben) vermögen die gutachterli-
chen Feststellungen nicht in Zweifel zu ziehen. Was schliesslich die eben-
falls allein vom behandelnden Psychiater geltend gemachten Fingerpolyar-
throsen (BB 3; vgl. auch AB 114/3) anbelangt, gilt es darauf hinzuweisen, 
dass im Rahmen des orthopädischen Gutachtens auch die Hand- und Fin-
gergelenke sowie die Fingermobilität eingehend untersucht wurden 
(AB 100.2/40 ff.). Dabei war der Faustschluss beider Hände komplett mög-
lich und die Mobilität des rechten und linken Daumens in allen Freiheits-
graden uneingeschränkt (ohne Anhalt auf eine Instabilität der Daumenge-
lenke; AB 100.2/41). Insbesondere konnten die Greifqualitäten (Grobgriff, 
Präzisionsgriff, Schlüsselgriff) beidseits regelrecht demonstriert werden 
(AB 100.2/42).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 17

3.3.3 In dem erst nach Verfügungserlass und damit nach der zeitlich 
massgebenden Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 131 
V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) ergangenen neuropsycholo-
gischen Konsilium vom 17. Oktober 2022 (BB 12) wurden generell unauffäl-
lige kognitive Funktionen festgestellt. Soweit sich teilweise auffällige Resul-
tate zeigten, wurden diese nicht als spezifische und valide neuropsycholo-
gische Befunde interpretiert (BB 12/6 f. und /9). Die gezeigte Problematik 
wurde deshalb schliesslich nicht auf der neuropsychologischen Ebene ver-
ortet ("inwieweit die beobachtete herabgesetzte kognitive Dauerbelastbar-
keit sich einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, muss aus ge-
samtmedizinischer Sicht beurteilt werden" [BB 12/10]). Die neuropsycholo-
gische Abklärung sei zudem an einer bereits vorermüdeten Patientin er-
folgt, welche offenbar vor der Untersuchung schlecht geschlafen habe 
(BB 12/3). 

Die (ebenfalls erst nach Verfügungserlass) im Bericht des Spitals 
K.________ vom 24. Oktober 2022 festgehaltene Tagesschläfrigkeit konnte 
bei insgesamt bloss leicht- bis knapp mittelgradigen schlafgebundenen 
Atemstörungen – insbesondere auch in Bezug auf deren (zusätzliche) 
Auswirkungen auf die beklagten Beschwerden – nicht restlos geklärt wer-
den. Die Beschwerdeführerin nahm demnach umgehend eine CPAP-
Therapie zur Beseitigung der nächtlichen Atemstörung auf. Es sei von einer 
multifaktoriellen Ursache mit überwiegend einer nicht-organischen Hyper-
somnie im Rahmen einer Depression auszugehen (BB 15). Dabei wird 
ausser Acht gelassen, dass der psychiatrische Gutachter, welchem besag-
te Tagesschläfrigkeit durchaus bekannt war (vgl. AB 93.1/20 unten, /23 f., 
/28, /35), eine depressive Störung zwar in Betracht gezogen, mangels An-
haltspunkten für ein vermindertes kognitives Leistungsvermögen dann aber 
verneint hat (AB 93.1/33 Ziff. 6.3). Seinen Untersuchungsbefunden zufolge 
präsentierte sich die Beschwerdeführerin anlässlich der psychiatrischen 
Begutachtung als wach und klar, dies ohne qualitative oder quantitative 
Bewusstseinsveränderung. Die Aufmerksamkeit war in Umfang und Inten-
sität der Aufnahme von Wahrnehmung bzw. Gedanken nicht beeinträchtigt 
(die Beschwerdeführerin konnte dem Gespräch gut folgen) und die Kon-
zentration war nicht herabgesetzt. Insbesondere konnte im Gesprächsver-
lauf kein Nachlassen der Konzentration festgestellt werden (AB 93.1/32). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 18

Insoweit liefern die Ergebnisse der schlafmedizinischen Abklärungen keine 
neuen Erkenntnisse.

Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch aus dem nachgereichten 
Schlussbericht der vom RAV initiierten arbeitsmarktlichen Massnahmen 
(AMM) vom 30. November 2022 (BB 17) nichts zu ihren Gunsten abzulei-
ten, handelt es sich doch dabei nicht um eine fachärztlich bekräftigte Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit und wird darin im Wesentlichen bloss das 
subjektiv empfundene und von der Beschwerdeführerin an den Tag gelegte 
Leistungsvermögen wiedergegeben.

3.4 Nach dem Dargelegten ist der medizinische Sachverhalt mit dem 
überzeugenden bidisziplinären Gutachten (AB 93.1, 100.1 f.) rechtsgenüg-
lich abgeklärt. Weiterer Abklärungen bedarf es entgegen den Vorbringen 
der Beschwerdeführerin nicht, zumal selbst die Gutachter keine anderweiti-
gen Abklärungen als notwendig erachteten (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Gestützt 
auf dieses Gutachten liegt für eine rückenadaptierte Tätigkeit mit intermit-
tierender stehender, gehender und sitzender Körperposition eine Arbeits-
fähigkeit von 80 % vor (AB 100.1/11). Darauf ist abzustellen.

Nicht gefolgt werden kann den Gutachtern hingegen, insoweit sie rückwir-
kend pauschal die Arbeitsunfähigkeitsatteste des behandelnden Psychia-
ters für massgeblich erklären, denn auf dessen Berichte kann nicht abge-
stellt werden. Die in der Vergangenheit beschriebenen depressiven Sym-
ptome wurden vom psychiatrischen Gutachter (wie auch vom behandeln-
den Psychiater; vgl. bereits E. 3.3.1 hiervor) als Reaktion auf externe Be-
lastungen (die Probleme am Arbeitsplatz mit Kündigung und später die 
Erkrankung des Ehemannes) interpretiert (AB 93.1/33 und /35 je unten). 
Entsprechend diagnostizierte er einen Status nach Anpassungsstörung 
(ICD-10 F43.2/F43.8; AB 93.1/33). Der Gutachter bezeichnete die von den 
behandelnden Ärzten attestierte durchgehend hohe Arbeitsunfähigkeit 
(100 % ab 3. Juni 2019 [AB 21.3/4], 50 % ab 5. August 2019 [AB 21.3/4], 
100 % ab 7. Oktober 2019 [AB 21.3/13; vgl. auch 4, 17/2, 19/3], 80 % ab 
17. Januar 2020 [AB 58.3/27], 70 % ab 14. Februar 2020 [AB 58.3/29 und 
/32 ff., 30/2, 58.3/30], 60 % ab 27. April 2020 [AB 58.3/37 und /41], 50 % ab 
15. Juni 2020 [AB 58.3/44 ff., /58, /43, /58] und 100 % ab 21. August 2020 
[AB 48/3 und /2, 46/2, 58.3/78 und /75 ff., 64/2]) bis zum Zeitpunkt der Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 19

gutachtung unkritisch als nachvollziehbar (AB 93.1/40 f.). Eine weiterge-
hende Auseinandersetzung mit dem Verlauf und den Auswirkungen der 
Anpassungsstörung findet sich indessen im Gutachten nicht. Auch der be-
handelnde Psychiater hat (abgesehen von subjektiven Angaben der Be-
schwerdeführerin) kaum Angaben zu den Befunden bzw. zum Psychosta-
tus festgehalten (vgl. bereits E. 3.1.1 hiervor). Eine solche von den behan-
delnden Ärzten echtzeitlich unterlassene Dokumentation der objektiven 
Befunde kann nicht nachgeholt werden und es liegt insoweit Beweislosig-
keit zum Nachteil der Beschwerdeführerin vor. Eine retrospektive Würdi-
gung durch den Gutachter war gestützt auf die äusserst rudimentären und 
vagen Angaben des behandelnden Psychiaters nicht möglich. Er hat denn 
auch nur relativierend auf dessen Arbeitsunfähigkeitszeugnisse abgestellt, 
als er diese "insoweit" als nachvollziehbar erachtet, dass die Beschwerde-
führerin "Zeit brauchte ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren" (AB 
93.1/41). Spätestens im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns im 
Mai 2020 (vgl. E. 2.1 hiervor) ist aus rein psychischer Sicht in einer ange-
passten Tätigkeit kein invalidisierender Gesundheitsschaden mehr erstellt 
(vgl. E. 2.3 hiervor). Unter Berücksichtigung des Umstands, dass ein reak-
tives Geschehen auf eine problematische Arbeitsplatzsituation vorliegt (vgl. 
E. 3.1.1 hiervor), stellt die Kündigung des Arbeitsverhältnisses (am 
23. September 2020; vgl. AB 58.5/8 ff.) schliesslich nicht ein eigentlich be-
lastendes Ereignis dar, sondern vielmehr die Befreiung von dem seitens 
der Beschwerdeführerin als unzumutbar empfundenen Arbeitsverhältnis. 
Wobei seitens des Gerichts nicht geklärt werden muss, wie es sich hiermit 
konkret verhielt, steht eine Wiederaufnahme der Tätigkeit bei der früheren 
Arbeitgeberin doch ausser Frage. Auch hinsichtlich der Reaktion auf die 
Erkrankung des Ehemannes (ab 17. Juli 2020; vgl. AB 46/2, 93.1/27) liegen 
keine ärztlichen Belege vor, welche eine hinreichend lange Verschlechte-
rung mit massgeblicher Einschränkung belegen lassen. Letztlich hat der 
behandelnde Psychiater die von ihm attestierte fortgesetzte volle Arbeitsun-
fähigkeit – bei an sich bestehender psychotherapeutischer und medika-
mentöser Behandlung (AB 64/1 unten) – denn auch vornehmlich somatisch 
mit phasenweise stark immobilisierenden belastungsabhängigen LWS-
Schmerzbeschwerden und den daraus resultierenden ängstlich-
depressiven Störungen begründet (so im Bericht vom 29. März 2021 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 20

[AB 64.2 oben]). Eine Begründung die sich aus somatischer Sicht wie dar-
gelegt nicht untermauern lässt (E. 3.3.2).

Zusammenfassend ist damit seit spätestens Mai 2020 von einer durchge-
hend 80%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. 

4.

4.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

4.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 
E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1).

4.1.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 
E. 3.2). Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per-
sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit-
nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 21

durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit 
einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 
E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem 
Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persön-
lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidens-
bedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskatego-
rie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das 
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu 
schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen 
ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV 
Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurtei-
lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein-
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten 
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge-
sichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

4.2

4.2.1 Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Berechnung des Validen-
einkommens auf den von der letzten Arbeitgeberin für das Jahr 2018 dekla-
rierten Bruttolohn von Fr. 82'535.-- (AB 16.2/1) ab (AB 116/1 unten). Das ist 
nicht zu beanstanden, ist doch aufgrund des langjährigen Arbeitsverhält-
nisses davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesund-
heitsschaden weiterhin dort beschäftigt wäre. Indessen hat gemäss Auszug 
aus dem Individuellen Konto (IK) das effektive Valideneinkommen im Jahr 
2018 Fr. 76'310.-- betragen (AB 14; vgl. auch AB 21.6). Das von der Be-
schwerdegegnerin herangezogene höhere Valideneinkommen mitumfasste 
(in unzulässiger Weise) auch die Ausbildungszulagen. Das auf den frühest 
möglichen Rentenbeginn im Jahr 2020 (vgl. E. 2.1 hiervor) indexierte Vali-
deneinkommen (BFS, Tabelle T1.2.10, Nominallohnindex, Frauen 2010 - 
2021, Ziff. 64 - 66 [2018: 109.8 Punkte; 2020: 110.1 Punkte]) beläuft sich 
auf Fr. 76'518.50 (Fr. 76'310.-- / 109.8 x 110.1).

4.2.2 Da die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit im zumutbaren 
Umfang nachgeht, ist an sich nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde-
gegnerin das Invalideneinkommen anhand der Tabellenlöhne berechnete, 
wobei sie auf die Ziff. 41 (allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte 50 Jahre 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 22

und älter) der Tabelle TA17 abstellte. Die Berechnung in der angefochte-
nen Verfügung (AB 116/1 unten) ist jedoch nicht nachvollziehbar, da die 
genauen Parameter nur beschränkt offen gelegt wurden und davon auszu-
gehen ist, dass teilweise auch falsche Werte zugezogen wurden (vgl. ins-
besondere die herangezogene Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden, die im 
… tatsächlich 41.5 Stunden betragen hat [BFS, betriebsübliche Wochenar-
beitszeit nach Wirtschaftsabteilungen]). 

Wie es sich mit dem Beizug der Tabelle TA17 tatsächlich verhält, braucht 
jedoch nicht abschliessend geklärt zu werden, da, selbst wenn auf die or-
dentlicherweise zu berücksichtigende Tabelle TA1 abgestellt wird, sich am 
Ergebnis nichts ändert. Weil die Beschwerdeführerin als ausgebildete … 
langjährig im … einer … tätig war, ist die LSE TA1, Ziff. 64 - 66 (Finanz- 
und Versicherungsdienstleistungen) im Kompetenzniveau 3 massgeblich. 
Entgegen dem Wortlaut der Verfügung stellt der Abzug von 20 % keinen 
leidensbedingten Abzug (vgl. E. 4.1.2 hiervor) dar, sondern setzt die gut-
achterlich beschriebene Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit 
um (vgl. E. 3.4 hiervor). Da diese, wie vom RAD nachvollziehbar dargelegt 
(vgl. AB 112/2), eher grosszügig bemessen ist und weil anderweitige Krite-
rien für einen leidensbedingten Abzug nicht erfüllt sind, ist vorliegend ein 
eigentlicher Abzug vom Tabellenlohn nicht angezeigt. Das Invalidenein-
kommen nach den Werten der Tabelle TA1 der LSE 2020 berechnet be-
trägt für die Bestimmung des Invalideneinkommens Fr. 66'403.30 
(Fr. 6'667.-- x 12 / 40 x 41.5 x 0.8).

Selbst wenn der noch tiefere Wert der LSE TA17 Ziff. 43 (Bürokräfte Fi-
nanz- und Rechnungswesen, Statistik und Materialwirtschaft) beigezogen 
würde, der dem Valideneinkommen der Beschwerdeführerin am nächsten 
käme, würde sich am Ergebnis nicht ändern. Bei dieser für die Beschwer-
deführerin günstigsten Betrachtung ergäbe sich ein Invalideneinkommen 
von Fr. 64'311.70 (Fr. 6'457.-- x 12 / 40 x 41.5 x 0.8).

4.2.3 Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen ergibt sich im 
für die Beschwerdeführerin günstigsten Fall eine Erwerbseinbusse von 
Fr. 12'206.80 (Fr. 76'518.50 - Fr. 64'311.70) und damit ein Invaliditätsgrad 
von gerundet (zur Rundung: vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 S. 123) höchstens 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 23

16 % (Fr. 12'206.80 / Fr. 76'518.50 x 100). Damit besteht kein Anspruch 
auf eine IV-Rente (vgl. E. 2.3 hiervor).

4.3 Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 29. Juni 
2022 (AB 116) im Ergebnis nicht zu beanstanden und die dagegen erhobe-
ne Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent-
nommen.

5.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 24

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Feb. 2023, IV/22/504, Seite 25

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern (samt Eingabe der Beschwerdeführerin vom 1. De-

zember 2022)
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.