# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 87908a3a-9dfd-54c9-9b7b-a84143977ce0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.08.2023 SB220300
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220300_2023-08-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 
 

Geschäfts-Nr.: SB220300-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Stiefel, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Weder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Meier 

 

Urteil vom 17. August 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter, Erstberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt MLaw Rikenmann,  

Anklägerin, Zweitberufungsklägerin und Anschlussberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. B._____,  
Privatklägerin und Anschlussberufungsklägerin 

2. C._____,  
Privatklägerin 

3. D._____,  
Privatklägerin 

4. E._____,  
Privatkläger und Anschlussberufungskläger 

- 2 - 

 

1 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Y1._____,  

2 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y2._____,  

3 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y3._____,  

4 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y4._____,  

 

betreffend Menschenhandel etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 
18. Juni 2021 und vom 4. Februar 2022 (DG190214) 
 

 

- 3 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 30. Juli 2019 

(Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  

Es wird erkannt am 18. Juni 2021: 

1. Hinsichtlich Anklageziffer 1.1 (Menschenhandel zum Nachteil der Privatklä-
gerin B._____) ist nicht erstellt,  

dass sich die Privatklägerin aufgrund von besonders schwierigen wirtschaft-

lichen oder sozialen Umständen, in einem Zustand der Hilfs- und Perspekti-

venlosigkeit oder eines persönlichen Abhängigkeitsverhältnisses zum Be-

schuldigten gezwungen sah, sich in der Schweiz zu prostituieren, 

dass sie in Bezug auf ihre Tätigkeit bzw. die Art und Weise, wie diese in der 

Schweiz ausgeübt werden sollte, getäuscht wurde. 

2. Hinsichtlich Anklageziffer 1.2 (Förderung der Prostitution zum Nachteil der 
Privatklägerin B._____) ist erstellt, 

dass die Privatklägerin in den Zeiträumen vom 20. September 2009 bis 

26. Dezember 2009, 5. Januar 2010 bis 29. September 2010, 14. August 

2012 bis 18. November 2012, 23. November 2012 bis 26. August 2013 der 

Strassenprostitution am F._____ nachging, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit seinem Auto zum Strassen-

strich fuhr und von dort auch wieder zurück an den gemeinsamen Logisort 

brachte, 

dass der Beschuldigte bestimmte, ab wann am Abend und für wie lange die 

Privatklägerin anschaffen musste, 

- 4 - 

dass der Beschuldigte bestimmte, wo genau auf dem Strassenstrich die Pri-

vatklägerin sich den Freiern anbieten musste,  

dass der Beschuldigte bestimmte, wann die Privatklägerin Pausen einlegen 

durfte und ihr SMS schrieb, wenn sie sich seiner Meinung nach zu lange im 

AE._____-Bus aufhielt und sie aufforderte, wieder zur Arbeit zurückzukeh-

ren, 

dass der Beschuldigte sich, währenddem die Privatklägerin ihrer Tätigkeit 

als Prostituierte nachging, stets in seinem Auto in ihrer Nähe aufhielt und 

sie, wenn immer möglich, beobachtete, 

dass der Beschuldigte, wenn die Privatklägerin zu einem Freier ins Auto 

stieg, diesem nachfuhr und die Privatklägerin nach Abschluss des Geschäf-

tes selbst mit seinem Auto wieder zurück an den Strassenstrich brachte, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin Vorgaben machte, wieviel Umsatz 

sie pro Tag zu generieren hatte, 

dass der Beschuldigte jeweils mindestens 50% des Geldes, welches die Pri-

vatklägerin mit ihrer Tätigkeit erwirtschaftete, erhalten hat und dieses zu-

mindest teilweise für eigene Bedürfnisse verwendet hat, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin verbot, am Strassenstrich Unga-

risch zu sprechen, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin vorerst mit einem Walkie-Talkie und 

später auch mit Bluetooth-Kopfhörern mit Mikrofon ausstattete und über die-

se Kanäle Anweisungen gab und die Privatklägerin bei der Aufgleisung der 

Geschäfte belauschte, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit einem GPS-Sender ausrüstete, 

damit er sehen konnte, wo sie sich aufhielt, während sie ihrer Tätigkeit als 

Prostituierte auf dem Strassenstrich nachging, 

- 5 - 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit einer Babykamera ausrüstete 

und die Privatklägerin aufforderte, diese mit ins Auto der Freier zu nehmen 

oder in ihrer Tasche zu verstecken, um so die Geschäfte aufnehmen zu 

können, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin aufforderte, auch als Prostituierte 

auf dem Strassenstrich zu arbeiten, währenddem sie ihre Menstruation hat-

te, 

dass die Privatklägerin in angemieteten Apartmentwohnungen oder Hotels 

gemäss Tabelle auf Seite 9 der Anklageschrift der Prostitution nachgegan-

gen ist, 

dass die Privatklägerin zwischen dem 7. September 2013 und dem 12. Feb-

ruar 2015 je nach Nachfrage als Escort an verschiedenen Logisorten der Tä-

tigkeit als Prostituierte nachgegangen ist, 

dass der Beschuldigte auf dem Internetportal G._____.ch Sexinserate für die 

Privatklägerin schaltete, in welchen er festlegte, welche Sexualpraktiken sie 

anbieten würde, 

dass der Beschuldigte bestimmte, zu welchen Tageszeiten und für wie lange 

die Privatklägerin anschaffen musste, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin teilweise mit seinem Auto zu den 

Freiern fuhr, welche sie als Escort buchten und von dort auch wieder abhol-

te, 

dass sich der Beschuldigte, während die Privatklägerin ihrer Tätigkeit als 

Prostituierte nachging, jeweils in der gleichen Wohnung in Nebenzimmern 

aufhielt, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin Vorgaben machte, wieviel Umsatz 

sie pro Tag zu generieren hatte, 

- 6 - 

dass der Beschuldigte jeweils mindestens 50% des Geldes, welches die Pri-

vatklägerin mit ihrer Tätigkeit erwirtschaftete, erhalten hat und dieses teil-

weise auch für seine eigenen Bedürfnisse verwendet hat, 

dass der Beschuldigte in den Zimmern, in welchen die Privatklägerin Freier 

bediente, Kameras installierte und die Geschäfte teilweise im Nebenzimmer 

auf seinem Laptop live mitverfolgte, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin regelmässig, aber nicht mindestens 

1 Mal pro Woche, mit seinen Händen schlug und sie mindestens einmal an 

den Haaren riss, 

dass der Beschuldigte einmal an einem nicht näher bekannten Tag, als die 

Privatklägerin ihm den Lohn nicht ausgehändigt hatte, sie ins Gesicht 

schlug, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin einmal drohte, dass er ihre Mutter 

töten würde, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin zu einem nicht näher bestimmbaren 

Zeitpunkt zwischen dem 28. März 2014 und dem 3. April 2014 in einer Woh-

nung in L._____ packte und mit Wucht in einen Sessel warf, 

dass der Beschuldigte mindestens einmal, als er mit der Privatklägerin stritt, 

ein Messer in der Hand hatte. 

Die übrigen in Anklageziffer 1.2 umschriebenen Sachverhaltselemente sind 

nicht erstellt. 

3. Hinsichtlich Anklageziffer 1.3 (sexuelle Handlungen zum Nachteil der Pri-
vatklägerin B._____) ist erstellt, 

dass der Beschuldigte teilweise gegen den Willen der Privatklägerin vagina-

len, analen und oralen Geschlechtsverkehr vollzogen hat; 

- 7 - 

nicht erstellt ist dabei, dass der Beschuldigte den vaginalen, analen und 
oralen Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Privatklägerin vollzogen 

hat, indem er Gewalt anwendete. 

4. Hinsichtlich Anklageziffer 1.4 (sexuelle Nötigung zum Nachteil der Privat-
klägerin B._____) ist nicht erstellt, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin aufs Bett geworfen hat und sich mit 

seinem ganzen Körpergewicht auf die Privatklägerin legte. 

5. Hinsichtlich Anklageziffer 1.5 (Menschenhandel zum Nachteil der Privatklä-
gerin C._____) ist nicht erstellt, 

dass in einem Inserat, auf welches sich die Privatklägerin gemeldet hat, eine 

Hilfe für Haushalt und Kind gesucht wurde, 

dass die Privatklägerin davon ausging, dass sie während des Aufenthaltes in 

der Schweiz nur auf das Kind schauen und kochen würde, 

dass das im Internetportal G._____ aufgeschaltete Inserat bzw. die darin 

angebotenen sexuellen Dienstleistungen ohne grundsätzliches Einverständ-

nis der Privatklägerin erfolgte, 

dass der Beschuldigte das für die Dienstleistung erhaltene Geld vollumfäng-

lich für sich behalten und zu seinen eigenen Gunsten verwendet hat, 

dass die Privatklägerin die beschriebenen sexuellen Dienstleistungen er-

brachte, weil der Beschuldigte sie bedrohte, was bei ihr Angst auslöste. 

6. Hinsichtlich Anklageziffer 1.6 (Förderung der Prostitution zum Nachteil der 
Privatklägerin C._____) ist erstellt, 

dass der Beschuldigte Treffen mit den Freiern vereinbarte und (im Rahmen 

des von der Privatklägerin nicht Abgelehnten) die entsprechende Dienstleis-

tung vereinbarte; 

- 8 - 

nicht erstellt ist, dass der Beschuldigte seine Vorgaben auch gegen den 
Willen der Privatklägerin durchsetzte und ihr gegenüber in der gemäss An-

klageschrift beschriebenen Weise Druck ausübte. 

7. Hinsichtlich Anklageziffer 1.7 (Förderung der Prostitution zum Nachteil der 
Privatklägerin D._____) ist erstellt, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit einem Walkie-Talkie ausstatte-

te, 

dass der Beschuldigte von der Privatklägerin 50 % des Geldes, welches sie 

mit ihrer Tätigkeit verdiente, erhalten hat. 

Die übrigen in Anklageziffer 1.7 umschriebenen Sachverhaltselemente sind 

nicht erstellt. 

8. Hinsichtlich Anklageziffer 1.8 (sexuelle Handlungen zum Nachteil des Pri-
vatklägers E._____) ist der ganze Sachverhalt erstellt mit Ausnahme, dass 

der Beschuldigte dem Privatkläger Zungenküsse gab. 

9. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, je gegen Empfangsschein. 

und es wird erkannt am 4. Februar 2022: 

1. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte folgende Tatbestände im Zustand 

der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 

StGB erfüllt hat: 

− Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 3 aStGB zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____; 

− mehrfache Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____; 

− mehrfache sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____; 

- 9 - 

− mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB zum Nachteil des Privatklägers E._____ so-

wie 

− mehrfache Schändung im Sinne von Art. 191 StGB zum Nachteil des 

Privatklägers E._____. 

2. Von den Vorwürfen des Menschenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 2 

StGB zum Nachteil der Privatklägerinnen B._____ und C._____ sowie der 

Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 3 aStGB zum Nachteil 

der Privatklägerinnen C._____ und D._____ wird der Beschuldigte freige-

sprochen. 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 

Abs. 3 StGB (Behandlung von psychischen Störungen in einer geschlosse-

nen Einrichtung) angeordnet.  

4. Sämtliche Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren werden abgewiesen. 

5. Der Antrag auf Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbots gestützt auf 

Art. 28b ZGB wird auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

9. April 2019 beschlagnahmten Gegenstände werden als Beweismittel bei 

den Akten belassen: 

− 1 Laptop Asus (Seriennummer …) 

− 1 SIM-Karte Swisscom 

− 1 Natel "ZTE" dunkelblau (A010'188'257) 

7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

9. April 2019 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Berechtigten in-

nert drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen hin zu-

rückgegeben und hernach der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen: 

− 1 schwarze Laptop-Tasche 

- 10 - 

− 1 Dokument H._____ vom 20. März 2015 

− 1 Dokument I._____ vom 15. März 2015 

− 1 Rechnung J._____ AG vom 1. November 2014, lautend auf B._____ 

− 1 Mobilanmeldung Mobile Prepaid-Dienste Swisscom 07…, lautend auf 

A._____, K._____-strasse …, L._____ 

8. Der Antrag auf Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils 

im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird abgewiesen. 

9. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 12'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 10'000.00   Gebühr für das Vorverfahren; 

Fr.  33'804.10   Gutachten/Expertisen etc. 

Fr. 2'000.00   Auslagen Untersuchung; 

Fr. 4'476.90   Auslagen (Zeugenentschädigungen); 

Fr. 128'637.00   Auslagen (Kosten amtliche Verteidigung); 

Fr. 37'900.00   Auslagen (Kosten unentgeltliche Verbeiständungen); 

Fr. 700.00   Auslagen Gutachter; 

Fr. 900.00   Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UB190082-O); 

Fr. 1'000.00   Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UB200068-O); 

Fr. 1'500.00   Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UB200098-O); 

Fr. 1'000.00   Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UB210175-O). 

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive 

diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie die Kosten der unentgeltlichen 

Privatklägerschaft werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Über 

die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen 

Privatklägerschaft wird mit separatem Beschluss entschieden. 

- 11 - 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 528 S. 1-2) 

1. Dispositiv Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Februar 

2022 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei vollumfänglich von 

Schuld und Strafe freizusprechen. 

2. Dispositiv Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Februar 

2022 sei aufzuheben und es sei keine Massnahme anzuordnen. 

3. Dispositiv Ziff. 6 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Februar 

2022 sei aufzuheben und die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zü-

rich-Limmat vom 9. April 2019 beschlagnahmten Gegenstände  

− 1 Laptop Asus (Seriennummer …) 

− 1 SIM-Karte Swisscom 

− 1 Natel "ZTE" dunkelblau (A010'188'257) 

seien dem Beschuldigten zurückzugeben. 

4. Dispositiv Ziff. 2, Dispositiv Ziff. 4, Dispositiv Ziff. 5, Dispositiv Ziff. 7 

und Dispositiv Ziff. 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Feb-

ruar 2022 seien zu bestätigen. 

5. Dispositiv Ziff. 2, Dispositiv Ziff. 3, Dispositiv Ziff. 6, Dispositiv Ziff. 7 

und Dispositiv Ziff. 8 des Urteils vom 18. Juni 2021 seien in Bezug auf 

die erstellten Sachverhalte aufzuheben und es sei festzustellen, dass 

diese Sachverhalte der Anklageschrift nicht erstellt sind. 

6. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung sowie Ge-

nugtuung unter Berücksichtigung der langen Haftdauer zuzusprechen. 

7. Die Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des Be-

rufungsverfahrens inkl. der Kosten der amtlichen Verteidigung für beide 

Verfahren seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

- 12 - 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:  

(Urk. 477 S. 2) 

1. Schuldigsprechung des Beschuldigten A._____ im Sinne der Anklage-

schrift vom 30. Juli 2019 

2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren 

3. Vollzug der Freiheitsstrafe 

4. Anrechnung der erstandenen Haft an die Freiheitsstrafe 

5. Bestrafung mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à je CHF 30.– 

(entsprechend CHF 1'800.–), als Zusatzstrafe zur bedingten Geldstrafe 

von 30 Tagessätzen im Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gal-

len vom 1. Juni 2015 

6. Vollzug der Geldstrafe 

7. Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs.1 

StGB (Behandlung von psychischen Störungen) 

8. Aufschub des Vollzuges der Freiheitsstrafe während des Vollzuges der 

stationären Massnahme  

9. Anordnung eines Tätigkeitsverbotes im Sinne von Art. 67 Abs. 3 lit. b 

aStGB 

10. Probennahme und Erstellen eines DNA-Profils 

11. Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens auf-

zuerlegen 

12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und gegebenenfalls der unent-

geltlichen Rechtsbeistandschaft der Privatklägerin im Berufungsverfah-

ren seien unter Rückforderungsvorbehalt einstweilen auf die Staats-

kasse zu nehmen 

- 13 - 

c) Der Vertreterin der Privatklägerin 1: 

(Urk. 479 S. 2 f.) 

1. Urteilsdispositiv vom 18. Juni 2021: 

1.1. Ziff. 1 des Urteilsdispositivs vom 18. Juni 2021 sei aufzuheben, und es 

sei festzustellen, dass der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.1. er-

stellt ist. 

1.2. Ziff. 2, letzter Absatz des Urteilsdispositivs sei aufzuheben, und es sei 

festzustellen, dass der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.2. erstellt 

ist. 

1.3. Ziff. 3, letzter Absatz des Urteilsdispositivs sei aufzuheben, und es sei 

festzustellen, dass der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.3. erstellt 

ist. 

1.4. Ziff. 4 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben, und es sei festzustellen, 

dass der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.4. erstellt ist. 

2. Urteilsdispositiv vom 4. Februar 2022: 

2.1. Ziff. 1, al. 1-3 des Urteilsdispositivs vom 4. Februar 2022 sei aufzuhe-

ben und wie folgt zu ersetzen: 

 Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte bezüglich der Privatklägerin 

B._____ folgende Tatbestände erfüllt hat, und er sei diesbezüglich 

schuldig zu sprechen: 

− Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 3 aStGB 

zum Nachteil der Privatklägerin B._____ 

− mehrfache Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil der Privatklägerin B._____ 

− mehrfache sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

zum Nachteil der Privatklägerin B._____ 

- 14 - 

2.2. Ziff. 2 des Urteilsdispositivs vom 4. Februar 2022 sei aufzuheben und 

wie folgt zu ersetzen: 

 Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte den Tatbestand des Men-

schenhandels im Sinne von Art. 182 Abs. 2 StGB zum Nachteil der Pri-

vatklägerin B._____ erfüllt hat, und er sei diesbezüglich schuldig zu 

sprechen. 

3. Ziff. 4 des Urteilsdispositivs vom 4. Februar 2022 sei bezüglich der Pri-

vatklägerin B._____ wie folgt abzuändern: 

 Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten B._____ eine 

Genugtuung von mindestens Fr. 50'000 nebst Zins zu 5 % seit dem tt. 

Juli 2009 zu bezahlen.  

 Es sei ausserdem festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der 

Geschädigten B._____ für den erlittenen Schaden grundsätzlich haft-

bar ist.  

4. Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen. 

5. Der Privatklägerin sei für das obergerichtliche Verfahren weiterhin die 

unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewäh-

ren.  

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehrwert-

steuer zulasten des Beschuldigten, eventualiter der Staatskasse. 

d) Der Vertreterin des Privatklägers 4:  

(Urk. 533 S. 1) 

1. Es sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen und das Urteil des 

Bezirksgerichts Zürich in den betreffenden Dispositivziffern vollumfäng-

lich zu bestätigen. 

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens einschliesslich derjenigen der un-

entgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers E._____ seien dem 

- 15 - 

Beschuldigten aufzuerlegen oder definitiv auf die Staatskasse zu neh-

men. 

3. Dispositivziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Februar 

2022 (Geschäfts-Nr. DG190214-L) sei aufzuheben. Der Beschuldigte 

sei dem Grundsatz nach zu verpflichten dem Privatkläger E._____ den 

deliktisch verursachten Schaden zu ersetzen und er sei zu verpflichten 

dem Privatkläger E._____ eine Genugtuung von CHF 50'000.- zuzüg-

lich Zins von 5 % seit 1. April 2014 zu bezahlen. 

4. Dem Privatkläger 4 sei weiterhin die unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung zu gewähren. 

__________________________________ 
 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte/Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

1.1. Gegen das vorstehend wiedergegebene zunächst schriftlich im Dispositiv 

mitgeteilte Urteil vom 18. Juni 2021 und vom 4. Februar 2022 (Urk. 325 und 420) 

meldeten die amtliche Verteidigung und die Staatsanwaltschaft innert Frist Beru-

fung an (Urk. 422 und 423). Das begründete Urteil (Urk. 456 = 460) wurde den 

Parteien am 19. bzw. 20. Mai 2022 zugestellt (Urk. 459/1-7). Die Staatsanwalt-

schaft erklärte mit Eingabe vom 7. Juni 2022 den Rückzug der Berufung 

(Urk. 463), wovon Vormerk zu nehmen ist. Mit Schreiben gleichen Datums ging 

die Berufungserklärung der amtlichen Verteidigung fristgerecht ein, wobei ein Be-

weisantrag gestellt wurde (Urk. 466). Mit Präsidialverfügung vom 16. Juni 2022 

wurde der Privatklägerschaft und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um An-

schlussberufung zu erklären  

oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 468). Die 

Staatsanwaltschaft erklärte hierauf mit Eingabe vom 8. Juli 2022 Anschlussberu-

- 16 - 

fung (Urk. 477). Ebenfalls liessen die Privatklägerin 1, B._____, und der Privat-

kläger 4, E._____, mit Eingaben vom 10. bzw. 11. Juli 2022 Anschlussberufung 

erklären (Urk. 479 und 480). Die Privatklägerin 3, D._____, liess mit Eingabe vom 

11. Juli 2022 mitteilen, dass sie keine Anschlussberufung erhebe (Urk. 481). Die 

Privatklägerin 2, C._____, liess sich nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 29. Juli 

2022 zog die Verteidigung den mit Berufungserklärung vom 7. Juni 2022 gestell-

ten Beweisantrag zurück (Urk. 489). Durch Verfügung vom 22. November 2022 

trat die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat zufolge Amtsstellenwechsels des fall-

führenden Staatsanwaltes das Verfahren an die Staatsanwaltschaft I des Kantons 

Zürich ab (Urk. 501). 

1.2. Am 12. Oktober 2022 wurde auf den 27. und 28. Juni 2023 zur Berufungs-

verhandlung vorgeladen (Urk. 492). Anlässlich derselben stellten die Parteien die 

eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 11 ff.). Im Anschluss an die Berufungs-

verhandlung verzichteten die Parteien auf eine mündliche Eröffnung und Begrün-

dung des Urteils (Prot. II S. 83). Die Urteilsberatung erfolgte am 17. August 2023 

(Prot. II S. 86 ff.). 

2. Umfang der Berufung 

2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich ange-

fochten wird (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) oder, falls dieses nur in Teilen angefoch-

ten wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden (Art. 

399 Abs. 3 lit. b StPO). Die Verteidigung ficht das vorinstanzliche Urteil vom 

4. Februar 2022 mit ihrer Berufung bezüglich der Dispositivziffern 1, 3 und 6 so-

wie das Teilurteil vom 18. Juni 2021 bezüglich der Dispositivziffern 2, 3, 6, 7 und 8 

an (Urk. 466 S. 2). Die Staatsanwaltschaft ficht das vorinstanzliche Urteil vom 4. 

Februar 2022 mit ihrem erneuten Antrag auf Schuldigsprechung im Sinne ihrer 

Anklage vom 30. Juli 2019 sinngemäss betreffend Dispositivziffern 1 und 2 an 

(Urk. 477 S. 2). Die Privatklägerin 1 ficht das Urteil der Vorinstanz vom 4. Februar 

2022 bezüglich der Dispositivziffern 1 al. 1-3, 2 und 4 an (Urk. 479 S. 2 f.). Der 

Privatkläger 4 ficht das vorinstanzliche Urteil vom 4. Februar 2022 bezüglich der 

Dispositivziffer 4 an (Urk. 480).  

- 17 - 

2.2. Nicht angefochten sind somit die Dispositivziffern 5 (Kontakt- und Rayonver-

bot), 7 (Herausgabe) und 9 (Kostenfestsetzung). Zudem sind die vorinstanzlichen 

Beschlüsse vom 3. März 2022 bzw. vom 7. April 2022 (Urk. 427-430 und 450), mit 

denen die Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und die Entschädigungen 

der unentgeltlichen Rechtsvertreterinnen der Privatklägerschaft festgesetzt wur-

den, nicht von der Berufung umfasst. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Ab-

teilung, vom 4. Februar 2022 ist mithin bezüglich jenen Dispositivziffern in 

Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist. Ebenso ist 

die Rechtskraft der Beschlüsse vom 3. März 2022 und vom 7. April 2022 festzu-

stellen. Bezüglich des Teilurteils vom 18. Juni 2021 ist anzumerken, dass die da-

rin von der Vorinstanz vorgenommenen Tatsachenfeststellungen als insoweit mit-

angefochten zu gelten haben, als dass die daraus resultierenden Erkenntnisse im 

Schuldpunkt des Urteils vom 4. Februar 2022 – Dispositivziffern 1 und 2 – ange-

fochten werden, was, wie gezeigt, vollständig der Fall ist. Aufgrund des Entschei-

des durch die Vor-instanz mittels eines einzigen Satzes von Dispositivziffer 4 ist 

die Feststellung einer Teilrechtskraft bezüglich der Zivilansprüche der Privatkläge-

rinnen 2 und 3 nicht möglich. 

3. Verwertbarkeit von Aussagen 

3.1. Ausgangslage 

3.1.1. Vor Vorinstanz beantragte die damalige Verteidigung anlässlich der 

Hauptverhandlung vom 28. Februar 2020, es sei festzustellen, dass folgende Ein-

vernahmen absolut unverwertbar seien: 

− Einvernahmen der Privatklägerin 1 (Urk. D1/3/1-28 und D4/2/1-3); 
− Einvernahmen der Privatklägerin 2 (Urk. D1/4/5/1-7 und D2/2/1-6); 
− Einvernahmen der Privatklägerin 3 (Urk. D1/4/3/1-2 und D3/3/1-2); 
− Einvernahmen von M._____ (Urk. D1/4/1/1-3); 
− Einvernahme von N._____ (Urk. D1/4/2); 
− Einvernahmen der Mutter der Privatklägerin 1 (Urk. D1/4/4/1-4); 
− Einvernahmen von O._____ (Urk. D1/4/6/1-2); 
− Einvernahmen von P._____ (Urk. D1/4/7/1-2); 
− Einvernahmen von Q._____ (Urk. D1/4/8/1-2); 

- 18 - 

− Einvernahme von R._____ (Urk. D1/4/9).  

Dementsprechend seien die Protokolle der genannten Einvernahmen samt den 

dazugehörigen Beilagen allesamt aus den Akten zu entfernen, wobei das Verfah-

ren ohne Weiterungen einzustellen, eventualiter die Anklage zur Ergänzung der 

Untersuchung an die Anklagebehörde zurückzuweisen sei (Urk. 107 S. 32; Prot. I 

S. 16; vgl. Urk. 109 S. 3 ff.). 

Im Rahmen der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung die nämliche 

prozessuale Einwendung erneut vor und machte geltend, die betreffenden Ein-

vernahmen seien zu Lasten des Beschuldigten unverwertbar (Urk. 528 S. 4 ff.). 

3.1.2. Die Staatsanwaltschaft hielt vor Vorinstanz (Prot. I S. 17 ff.; vgl. Urk. 

109 S. 7 ff.) wie auch im Rahmen des Berufungsverfahrens (Prot. II S. 47 ff.) da-

für, dass sämtliche Einvernahmen vollumfänglich verwertbar seien. 

3.1.3. Ebenso vertrat die Vertreterin der Privatklägerin 1 den Standpunkt, 

dass sämtliche Einvernahmen verwertbar seien (Prot. I S. 20 ff., 26; vgl. Urk. 109 

S. 8). 

3.1.4. Die Vorinstanz gelangte zur Erkenntnis, dass von einer Eröffnung der 

Strafuntersuchung im September 2015 auszugehen sei, wobei die Polizei auch 

danach Einvernahmen durchgeführt habe, ohne dass ein entsprechender Auftrag 

der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 312 Abs. 1 StPO vorgelegen habe. Be-

troffen hiervon sind folgende Einvernahmen: 

− Polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 3 vom 12. Oktober 2016 

(Urk. D1/4/3/1 = D3/3/1); 

− Polizeiliche Einvernahmen von S._____ vom 25. und 26. Oktober 2016 (Urk. 

D1/4/4/1+3); 

− Polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 2 vom 9. November 2016 

(Urk. D1/4/5/1 = D2/2/1); 

− Polizeiliche Einvernahme von O._____ vom 22. November 2016 

(Urk. D1/4/6/1). 

- 19 - 

Diese Einvernahmen erachtete die Vorinstanz daher als nicht zu Lasten des Be-

schuldigten verwertbar. Da sie indessen ohne Weiteres zu seinen Gunsten ver-

wertbar seien, seien die Einvernahmen bei den Akten zu belassen. Spätere 

staatsanwaltschaftliche Einvernahmen der betreffenden Personen seien uneinge-

schränkt verwertbar, soweit die darin gemachten Aussagen offen erfolgt seien 

und sich nicht lediglich auf ein Bestätigen der früheren Aussagen beschränkten 

(Urk. 109 S. 8 ff., 12 ff.; Urk. 460 S. 19-23).  

3.2. Grundlagen 

3.2.1. Gemäss Art. 299 Abs. 1 StPO wird das strafrechtliche Vorverfahren ei-

nerseits in ein (selbständiges polizeiliches) Ermittlungsverfahren und andererseits 

in die Untersuchung der Staatsanwaltschaft gegliedert. Im Ermittlungsverfahren 

stellt die Polizei dabei auf der Grundlage von Anzeigen, Anweisungen der Staats-

anwaltschaft oder eigenen Feststellungen den für die Straftat relevanten Sach-

verhalt fest, indem sie namentlich Spuren und Beweise sicherstellt sowie geschä-

digte und tatverdächtige Personen befragt (Art. 306 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und b 

StPO). Die Staatsanwaltschaft klärt sodann in der Untersuchung den Sachverhalt 

tatsächlich und rechtlich so weit ab, dass sie das Vorverfahren abschliessen kann 

(Art. 308 Abs. 1 StPO). Ist Gefahr im Verzug, so kann die Polizei u.A. ohne Befehl 

Durchsuchungen vornehmen; sie informiert darüber unverzüglich die zuständige 

Strafbehörde (Art. 241 Abs. 3 StPO). 

3.2.2. Die StPO geht von einem materiellen Begriff der Untersuchungseröff-

nung aus. Eine Strafuntersuchung im Sinne von Art. 308 ff. StPO gilt demnach als 

eingeleitet, sobald sich die Staatsanwaltschaft mit der Sache zu befassen beginnt 

(SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung. Praxiskommentar, 

4. Aufl., Zürich/St. Gallen 2023, N 2 zu Art. 309 StPO; RIKLIN, StPO-Kommentar, 

2. Aufl., Zürich 2014, N 5 zu Art. 309 StPO). Sie ist gemäss Art. 309 Abs. 1 StPO 

zwingend zu eröffnen, wenn sich aus den Informationen und Berichten der Poli-

zei, aus der Strafanzeige oder aus den eigenen Feststellungen der Staatsanwalt-

schaft ein hinreichender Tatverdacht ergibt (lit. a), wenn die Staatsanwaltschaft 

Zwangsmassnahmen anordnet (lit. b) oder wenn sie im Sinne von Art. 307 Abs. 1 

StPO über schwere Straftaten oder andere schwerwiegende Ereignisse informiert 

- 20 - 

worden ist (lit. c; vgl. BSK StPO-OMLIN, 2. Aufl., Basel 2014, N 21 zu Art. 309 

StPO). Der von der Staatsanwaltschaft zu erlassenden förmlichen Eröffnungsver-

fügung im Sinne von Art. 309 Abs. 3 StPO kommt hingegen rein deklaratorische 

Bedeutung zu (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N 2 zu Art. 309 StPO). Hausdurchsu-

chungen im Sinne von Art. 244 f. StPO sind – ausser bei Gefahr im Verzug (Art. 

241 Abs. 3 StPO) – der Staatsanwaltschaft vorbehalten (Art. 241 Abs. 1 StPO). 

Im Falle der Vornahme einer solchen Massnahme hat die Polizei die zuständige 

Strafbehörde zu informieren, worauf die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersu-

chung im Sinne von Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO vorzunehmen hat (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 1.3.2, e contrario). Unter-

lässt die Polizei die Information der Staatsanwaltschaft, führt dies mangels einer 

von der Staatsanwaltschaft angeordneten Zwangsmassnahme nicht zur Annahme 

der Eröffnung der Untersuchung in Anwendung von Art. 309 Abs. 1 lit b StPO. 

Vielmehr ist diesfalls zwar die rechtswidrige Zwangsmassnahme nicht zu Lasten 

des Beschuldigten verwertbar, jedoch bleiben im Rahmen des polizeilichen Er-

mittlungsverfahrens und nicht im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchgeführte 

Einvernahmen als solche verwertbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2018 

vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2). 

3.3. Würdigung 

3.3.1. Die Vorinstanz hielt zusammenfassend fest (Urk. 109 S. 9 ff.), dass aus 

den Akten nicht eindeutig hervorgeht, in welchem Zeitpunkt die Staatsanwalt-

schaft sich erstmals mit den in Frage stehenden Vorwürfen zu befassen begann. 

Mit Blick auf Art. 309 Abs. 1 StPO sah sie einerseits den Anzeigerapport der 

Stadtpolizei Zürich vom 17. September 2015, der am 24. September 2015 bei der 

Staatsanwaltschaft einging (Urk. D1/1/1), oder aber bereits die Kontrolle der 

Wohnung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 am 13. Februar 2015 als 

Anknüpfungspunkt für die Eröffnung der Strafuntersuchung (Urk. D1/1/1 S. 2). In 

Übereinstimmung mit der Verteidigung ging die Vorinstanz davon aus, dass die 

betreffende Kontrolle als Hausdurchsuchung im Sinne von Art. 244 f. StPO zu 

qualifizieren sei. Da aber keine nachträgliche schriftliche Bestätigung nach ent-

sprechender Orientierung seitens der Polizei durch die Staatsanwaltschaft im 

- 21 - 

Sinne von Art. 241 Abs. 3 Satz 2 StPO erfolgt sei, könne es sich dabei nicht um 

eine staatsanwaltlich angeordnete Zwangsmassnahme im Sinne von Art. 309 

Abs. 1 lit. b StPO gehandelt haben. Ein solches, nicht rechtskonformes Vorgehen 

der Polizei führe auch nicht etwa zur Fiktion einer staatsanwaltlich angeordneten 

Durchsuchung im Sinne der genannten Bestimmung und damit zur Einleitung ei-

ner staatsanwaltlichen Untersuchung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2). Vielmehr habe dies einzig die 

grundsätzliche Unverwertbarkeit der im Rahmen der Hausdurchsuchung gewon-

nenen Erkenntnisse zur Folge (Art. 141 Abs. 2 StPO). Die  

Vorinstanz gelangte in der Folge zur Erkenntnis, dass auch die weiteren Voraus-

setzungen von Art. 309 Abs. 1 StPO am 13. Februar 2015 nicht erfüllt seien. Ei-

nerseits sei nicht davon auszugehen, dass im damaligen Zeitpunkt bereits ein hin-

reichender Tatverdacht gegen den Beschuldigten bestanden habe, der die Eröff-

nung einer staatsanwaltlichen Untersuchung geboten hätte. So sei die Privatklä-

gerin 1 erst am 3. März 2015 erstmals polizeilich zur Sache befragt worden (vgl. 

Urk. D1/3/1), welche Einvernahme aufgrund der schieren Menge an Informationen 

mehrfach unterbrochen und an späteren Terminen, letztmals am 24. Juni 2015, 

habe fortgeführt werden müssen, bis der Sachverhalt umfassend habe geklärt 

werden können (vgl. Urk. D1/1/1 S. 3; D1/3/1 S. 1 ff., 8; D1/3/2 S. 2 ff., 13; D1/3/3 

S. 4 ff., 12; D1/3/5 S. 6 ff., 16; D1/3/7 S. 4 ff., 16; D1/3/8 S. 3 ff., 21; D1/3/10 S. 2 

ff., 21; D1/3/11 S. 2 ff., 22; D1/3/13 S. 2 ff.). Ebenso wenig habe die Hausdurch-

suchung vom 13. Februar 2015 zu entsprechenden Anhaltspunkten geführt. Viel-

mehr hätten zu jener Zeit – abgesehen von den noch unbestimmten Anschuldi-

gungen der Privatklägerin 1 – noch keinerlei Indizien für die dem Beschuldigten 

vorgeworfenen Taten vorgelegen (vgl. Urk. D1/1/1). Andererseits lasse sich den 

Akten auch nicht entnehmen, dass die Staatsanwaltschaft zum damaligen Zeit-

punkt bereits im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 309 Abs. 1 

lit. c StPO über die dem Beschuldigten zur Last gelegten Delikte informiert wor-

den wäre. Ob die Polizei angesichts der Schwere der von der Privatklägerin 1 ge-

genüber dem Beschuldigten erhobenen Vorwürfe gemäss Art. 307 Abs. 1 StPO 

verpflichtet gewesen wäre, die Staatsanwaltschaft zu orientieren, könne dabei of-

fengelassen werden, zumal es sich hierbei um eine reine Ordnungsvorschrift 

- 22 - 

handle, mit der Konsequenz, dass auch entgegen dieser Bestimmung von der Po-

lizei vorgenommene Verfahrenshandlungen, insbesondere auch Einvernahmen, 

ihre Gültigkeit und Verwertbarkeit behalten würden (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N 1 

zu Art. 307 StPO, vgl. auch Art. 141 Abs. 3 StPO). Da keine Anhaltspunkte in An-

wendung von Art. 309 StPO für die Eröffnung der Strafuntersuchung bereits am 

13. Februar 2015 sprechen würden, insbesondere auch die an diesem Tag 

durchgeführte Hausdurchsuchung für die Bestimmung des entsprechenden Zeit-

punktes ausser Betracht falle, stellte die Vorinstanz diesbezüglich auf das Datum 

der Zustellung des Anzeigerapports der Stadtpolizei Zürich (Urk. D1/1/1) im Sep-

tember 2015 ab. In der Folge erklärte die Vorinstanz die nach jenem Datum in 

Verletzung von Art. 311 f. StPO durchgeführten polizeilichen Einvernahmen zu 

Lasten des Beschuldigten für unverwertbar. Die staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahmen ab jenem Datum erachtete sie indessen insofern für vollumfänglich ver-

wertbar, soweit die Fragen an die einvernommenen Personen offen formuliert 

wurden und ihre Antworten sich dementsprechend nicht lediglich auf ein Bestäti-

gen früherer Aussagen beschränkten (Urk. 109 S. 12 ff.). 

3.3.2. Im Rahmen ihres Parteivortrages anlässlich der Berufungsverhandlung 

kritisierte die Verteidigung die betreffenden Annahmen der Vorinstanz und führte 

zusammenfassend aus, die Polizei hätte die Staatsanwaltschaft unverzüglich, al-

so bereits am 13. Februar 2015 informieren müssen, was zur formellen Einleitung 

der Untersuchung geführt hätte. Die im Rapport der Stadtpolizei Zürich vermerkte 

Kontrolle des Appartements, wo die Privatklägerin 1, der Beschuldigte und der 

Privatkläger 4 zusammen gewohnt hätten (Urk. D1/1/1 S. 2), sei als Hausdurch-

suchung im Sinne von Art. 244 f. StPO zu qualifizieren, weswegen die Polizei 

gemäss Art. 241 Abs. 3 Satz 2 StPO die Genehmigung der Staatsanwaltschaft 

hätte einholen müssen. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Untersu-

chung von der Staatsanwaltschaft ab diesem Datum eröffnet worden sei. Sollte 

die Polizei tatsächlich die zwingenden Vorschriften missachtet haben, dürfe dies 

nicht ohne Folgen bleiben. Überdies habe es auch nicht protokollierte Gespräche 

der Polizei mit der Privatklägerin 1 gegeben. Sämtliche in Verletzung der Partei-

rechte des Beschuldigten erhobenen Einvernahmen seien daher zu seinen Lasten 

unverwertbar (vgl. im Detail Urk. 528 S. 4 ff.).  

- 23 - 

3.3.3. Der Ansicht der Verteidigung ist zwar insofern zuzustimmen, als dass 

die Zeitspanne zwischen der ersten Anzeige der Privatklägerin 1 und dem Rap-

port der Stadtpolizei Zürich an die Staatsanwaltschaft von rund sieben Monaten 

als vergleichsweise lang erscheint. Unterzieht man das Vorgehen der Polizei nach 

erfolgter Anzeige durch die Privatklägerin 1 jedoch einer genauen Betrachtung, 

erscheint dieses mit den Erwägungen der Vorinstanz indessen nicht als unhaltbar 

oder unfair. Da die Polizei vor der Durchführung einer eingehenden Befragung der 

Privatklägerin 1 noch nicht vom Vorliegen schwerer Straftaten im Sinne von Art. 

307 Abs. 1 StPO ausgehen konnte, ist nicht anzunehmen, dass sie bereits im 

Zeitpunkt, als sich die Privatklägerin 1 meldete, zwingend die Staatsanwaltschaft 

hätte benachrichtigen müssen. Der Umstand, dass der Beschuldigte nicht festge-

nommen wurde, deutet denn auch darauf hin, dass die Polizei jedenfalls in jenem 

Zeitpunkt nicht davon ausging, dass es sich bei ihm um eine einer schweren 

Straftat verdächtige Person handeln würde. Ein konkreter Tatverdacht gegen den 

Beschuldigten auf schwere Delikte ergab sich erst nach Durchführung der sich 

über mehrere Daten zwischen dem 3. März 2015 und dem 24. Juni 2015 hinweg 

erstreckenden Einvernahmen der Privatklägerin 1. Dass darauf auch das Verfas-

sen des immerhin  

66-seitigen Rapportes an die Staatsanwaltschaft eine gewisse Zeit in Anspruch 

nahm, bevor die Staatsanwaltschaft formell benachrichtigt werden konnte, ist bei 

einem Verfahren dieser Grössenordnung nicht zu beanstanden. Wie die Vo-

rinstanz weiter zutreffend erwog, führt die fehlende Information der Staatsanwalt-

schaft durch die Polizei hinsichtlich der "Kontrolle" des Appartements an der 

AF._____-strasse ..., … Zürich, nicht zur Fiktion einer eröffneten Untersuchung, 

wie dies die Verteidigung im Rahmen ihres Parteivortrages macht. Wie vom Bun-

desgericht im, auch von der Vorinstanz in ihrem Beschluss vom 28. Februar 2020 

zitierten, Entscheid überzeugend dargelegt wird, führt die Unterlassung der Infor-

mation der Staatsanwaltschaft hinsichtlich einer erfolgten Zwangsmassnahme da-

zu, dass diese rechtswidrig erfolgt ist und dementsprechend die daraus erfolgten 

Erkenntnisse zu Lasten des Beschuldigten unverwertbar sind. Dass aufgrund ei-

ner solchen Unterlassung der Polizei ohne Kenntnis der Staatsanwaltschaft au-

tomatisch eine Untersuchung eröffnet worden wäre, kann jedoch nicht angenom-

- 24 - 

men werden. Nach der rechtswidrigen Zwangsmassnahme durchgeführte Einver-

nahme im Rahmen des Ermittlungsverfahrens behalten daher ihre Gültigkeit (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2). Da der 

Beschuldigte erst im Dezember 2015 zur Verhaftung ausgeschrieben und am 5. 

Juni 2016 verhaftet wurde, entstand ihm aufgrund der vergleichsweise späten Er-

öffnung der Untersuchung im Übrigen auch kein ersichtlicher Nachteil, zumal eine 

bereits früher bestellte amtliche Verteidigung nicht hätte instruiert werden können 

und es ihr demzufolge auch nicht möglich gewesen wäre, im Namen des Be-

schuldigten anlässlich delegierter, parteiöffentlicher Einvernahmen Ergänzungs-

fragen zu stellen. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist daher von der Eröff-

nung der Untersuchung in Folge der Rapportierung der Stadtpolizei Zürich an die 

Staatsanwaltschaft am 17. September 2015 auszugehen (vgl. die Übermittlungs-

verfügung bezüglich des Rapports gleichen Datums [Urk. D1/1/1 Anhang]).  

3.3.4. Da von einer Eröffnung der Strafuntersuchung im September 2015 

auszugehen ist, wobei die Polizei auch danach Einvernahmen durchführte, ohne 

dass ein entsprechender Auftrag der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 312 

Abs. 1 StPO vorlag und dementsprechend ohne Wahrung der Parteirechte, sind 

die nachfolgenden Einvernahmen zu Lasten des Beschuldigten unverwertbar: 

− Polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 3 vom 12. Oktober 2016 

(Urk. D1/4/3/1 = D3/3/1); 

− Polizeiliche Einvernahmen von S._____ vom 25. und 26. Oktober 2016 (Urk. 

D1/4/4/1+3); 

− Polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 2 vom 9. November 2016 

(Urk. D1/4/5/1 = D2/2/1); 

− Polizeiliche Einvernahme von O._____ vom 22. November 2016 

(Urk. D1/4/6/1). 

3.3.5. Eine Ausnahme besteht hinsichtlich der polizeilichen Befragung der 

Privatklägerin 1 bezüglich der dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Hand-

lungen zum Nachteil des Privatklägers 4 vom 7. Juli 2016 (Urk. D1/3/15 = D4/2/1). 

Die Privatklägerin 1 wurde im Rahmen dieser Einvernahme erstmals zu diesen 

Vorwürfen, bezüglich derer vorher keinerlei Anhaltspunkte bestanden hatten, be-

- 25 - 

fragt. Dementsprechend wurde mittels ihrer polizeilichen Befragung ein neues 

Ermittlungsverfahren eröffnet, weswegen die Polizei im Rahmen ihres Ermitt-

lungsauftrages gemäss Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO in Verbindung mit Art. 142 Abs. 

2 StPO befugt war, die Privatklägerin 1 eigenständig hierzu einzuvernehmen, oh-

ne dass dem Beschuldigten gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in die-

sem Stadium bereits Teilnahmerechte zugestanden hätten (Urteil des Bundesge-

richts 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2; Art. 179 StPO). Die betreffende 

Einvernahme ist daher vollumfänglich verwertbar. 

3.3.6. Bezüglich von der Verteidigung beanstandeten nicht protokollierten 

Gesprächen zwischen der Polizei und der Privatklägerin 1 (vgl. Urk. 528 S. 12) ist 

anzumerken, dass die Durchführung von Einvernahmen ohne zumindest vorheri-

ger Gespräche administrativer Natur zwischen Polizei und Aussageperson gar 

nicht möglich wären, wobei auf der Hand liegt, dass nur Informationen, die im 

Rahmen einer protokollierten Einvernahme ins Verfahren eingeführt wurden, in ir-

gend einer Weise verwertbar sind. Dass die Privatklägerin 1 ausserhalb einer 

Einvernahme gegenüber der polizeilichen Sachbearbeiterin im FIZ den Wunsch 

äusserte, weitere Aussagen zu machen und um einen Termin für eine Einver-

nahme bat (vgl. das von der Verteidigung genannte Beispiel in Urk. D1/3/15 S. 1 

F/A 6) ist daher nicht zu beanstanden. 

3.3.7. Im Übrigen ist bezüglich Verwertbarkeit der einzelnen Aussagen der  

diversen im Rahmen des Vorverfahrens einvernommenen Aussagepersonen zur 

Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-

instanz zu verweisen (Urk. 460 S. 19-23 und Urk. 109 S. 14-17). 

II. Sachverhalt 

1. Anklageziffer 1.1 

1.1. Anklagevorwurf  

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter Anklageziffer 1.1 zusam-

mengefasst vor, er habe die Privatklägerin B._____ zwischen März und Juli 2009 

in T._____ in der AA._____ angesprochen. Die damals 17-jährige Privatklägerin  

- 26 - 

B._____ sei erst gerade aus einem Heim entlassen worden, habe kein Geld und 

keine Aussicht auf eine existenzsichernde Arbeitsstelle gehabt. Der Beschuldigte 

habe in der Folge alle finanziellen Auslagen der Privatklägerin B._____ bezahlt. 

Aufgrund dieses Umwerbens und Umsorgens habe sich die Privatklägerin 

B._____ schliesslich in den Beschuldigten verliebt. In der Folge habe der Be-

schuldigte von ihm gestaltete Sexinserate für die Privatklägerin B._____ inseriert. 

Aufgrund dieser Inserate habe die Privatklägerin B._____ zwischen März und Juli 

2009 – jedenfalls vor dem tt. Juli 2009 (d.h. vor dem 18. Geburtstag der Privatklä-

gerin B._____) – in U._____ [Ortschaft in Ungarn] gegen Entgelt einen oder zwei 

Freier bedient. Da der Beschuldigte ihr zuvor Ferien und Lebensmittel bezahlt hat-

te, habe sie sich ihm gegenüber verpflichtet gefühlt und ihm das Geld aus den er-

brachten sexuellen Dienstleistung abgegeben. Dies sei das erste Mal gewesen, 

dass die Privatklägerin B._____ gegen Entgelt mit ihr nicht bekannten Männern 

Geschlechtsverkehr gehabt habe. In der Folge sei man zusammen nach V._____ 

[Ortschaft in Deutschland] gereist, damit sie dort als Prostituierte arbeiten würde. 

Die Privatklägerin B._____ habe dabei keinen anderen Weg gesehen, den prekä-

ren Lebensverhältnissen in ihrer Heimat zu entkommen. Ausserdem sei sie dar-

über getäuscht worden, wie und unter welchen Bedingungen sie dort arbeiten 

würde. Am tt. Juli 2009 habe der Beschuldigte die Privatklägerin B._____ im Bor-

dell  

"W._____" in V._____ anschaffen lassen. Spätestens am 20. September 2009 

habe er sie mit seinem Auto in den Kanton Zürich gebracht, wo er sie vom 

20. September 2009 bis zum 13. Februar 2015 mit Unterbrüchen auf dem Stras-

senstrich am F._____ habe anschaffen lassen oder als Escort an Freier vermittelt 

habe. Der Beschuldigte habe dabei ohne Rücksicht auf den eigenen Willen der 

Privatklägerin B._____ die Zeiten, Örtlichkeiten und sämtliche weiteren Modalitä-

ten, nach denen sie ihre Tätigkeit als Prostituierte habe ausüben müssen, gere-

gelt. Dabei habe er ihr im genannten Zeitraum jeweils zwischen 50% und 100% 

des verdienten Geldes abgenommen. Der Beschuldigte habe in der fraglichen 

Zeit einzig von der sexuellen Ausbeutung der Privatklägerin B._____ gelebt (Urk. 

24 S. 2 ff.). 

- 27 - 

1.2. Vorinstanz  

Die Vorinstanz gelangte unter Anklageziffer 1.1 hinsichtlich des Vorwurfs des 

Menschenhandels zum Nachteil der Privatklägerin B._____ zur Erkenntnis, dass 

einerseits nicht erstellt sei, dass sich die Privatklägerin aufgrund von besonders 

schwierigen wirtschaftlichen oder sozialen Umständen in einem Zustand der Hilfs- 

und Perspektivenlosigkeit oder eines persönlichen Abhängigkeitsverhältnisses 

zum Beschuldigten gezwungen gesehen habe, sich in der Schweiz zu prostituie-

ren, sowie andererseits, dass sie in Bezug auf ihre Tätigkeit bzw. die Art und Wei-

se, wie diese in der Schweiz ausgeübt werden sollte, getäuscht worden sei. Dem-

entsprechend sah die Vorinstanz diesen Anklagesachverhalt als nicht erstellt 

(Urk. 460 S. 41-45). 

1.3. Würdigung  

1.3.1. Vorab kann bezüglich des Anklagesachverhalts gemäss Anklagezif-

fer 1.1 (Urk. 460 S. 39-45) wie auch hinsichtlich der allgemeinen Regeln der Be-

weiswürdigung (Urk. 460 S. 32 f.) und den Vorbemerkungen zu den Delikten zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____ (Urk. 460 S. 33-39) auf die zutreffenden Er-

wägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden. Auf Letztere ist so-

weit notwendig zweckmässigerweise im Rahmen der Würdigung der jeweiligen 

Anklagesachverhalte einzugehen. Die nachfolgenden Erwägungen sind daher 

primär präzisierender Natur. 

1.3.2. Bezüglich der Frage, ob sich die Privatklägerin B._____ aufgrund von 

besonders schwierigen wirtschaftlichen oder sozialen Umständen, in einem Zu-

stand der Hilfs- und Perspektivenlosigkeit oder eines persönlichen Abhängigkeits-

verhältnisses zum Beschuldigten gezwungen gesehen habe, sich in der Schweiz 

zu prostituieren, ist zu bemerken, dass sie als gerade 18-jährige junge Erwachse-

ne ohne abgeschlossene berufliche Ausbildung und in einem im damaligen Zeit-

punkt wirtschaftlich (wohl) nicht besonders gutstehenden Land lebend, effektiv 

nicht allzu gute wirtschaftliche bzw. berufliche Perspektiven gehabt haben dürfte. 

Hieraus kann aber keineswegs der Rückschluss gezogen werden, sie habe sich 

geradezu in einem Zustand der gänzlichen Hilfs- und Perspektivenlosigkeit be-

- 28 - 

funden. Die im vorinstanzlichen Urteil zitierten Aussagen ihrerseits deuten viel-

mehr darauf hin, dass bei ihr schlicht der nachvollziehbare Wunsch, sich wirt-

schaftlich verbessern zu können und eine gewisse Neugier eine entscheidende 

Rolle spielten. Sie machte denn auch nie z.B. geltend, aufgrund akuter Not, wie 

Schulden oder anderweitiger finanzieller bzw. wirtschaftlicher Not, mit dem Be-

schuldigten nach Deutschland und dann in die Schweiz gegangen zu sein, zumal 

sie in jenem Zeitraum auch keine Unterhaltspflichten gegenüber Kindern (der Pri-

vatkläger E._____ wurde erste vier Jahre später geboren) oder anderen engen 

Verwandten trafen. Vielmehr führte sie an, früher bereits einmal kurz als Köchin 

und später als Kellnerin gearbeitet zu haben, weswegen zugunsten des Beschul-

digten im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO davon auszugehen ist, dass es ihr zu-

mindest möglich gewesen wäre, in ihrer Heimat ein existenzsicherndes Einkom-

men zu finden. Besonders schwierige wirtschaftliche oder soziale Umstände, wel-

che für die Privatklägerin B._____ zu einem Zustand der Hilfs- und Perspektiven-

losigkeit geführt hätten, sind daher entgegen der Ansicht ihrer Rechtsvertretung 

(Urk. 530 S. 2) zu verneinen. 

1.3.3. Hinsichtlich des von der Anklage angeführten Abhängigkeitsverhältnis-

ses der Privatklägerin B._____ zum Beschuldigten wird von der Vorinstanz darge-

legt, weswegen ein solches aus rein wirtschaftlicher Hinsicht nicht bestand 

(Urk. 460 S. 42 f.). Anzumerken ist, dass ein Abhängigkeitsverhältnis grundsätz-

lich auch auf rein emotionaler Ebene hätte bestehen können, insbesondere vor 

dem Hintergrund des starken Gefälles innerhalb der Beziehung zwischen dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin B._____. Im Zeitpunkt der Einreise der bei-

den in die Schweiz dürfte das Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin B._____ und damit die emotionale Abhängigkeit ihrerseits noch 

weit weniger gefestigt gewesen sein als im späteren, für die Anklageziffern 1.2, 

1.3, 1.4 und 1.8 relevanten Tatzeitraum. Auch auf emotionaler Ebene spricht die 

von der Vorinstanz zitierte Aussage der Privatklägerin B._____ nicht für ein im 

damaligen Zeitpunkt bestehendes eigentliches Abhängigkeitsverhältnis: "Kurz be-

vor ich 18 Jahre alt wurde, sagte A._____, dass wir, das heisst, er, seine Freundin 

und ich, ins Ausland gehen würden, um diese Arbeit [Prostitution] zu machen. 

Seine Freundin wollte nicht, aber mir gefiel es, ins Ausland zu gehen. Also, ich 

- 29 - 

war dabei" (Urk. D1/3/1 S. 2). Das Bestehen eines persönlichen Abhängigkeits-
verhältnisses der Privatklägerin B._____ zum Beschuldigten im Zeitpunkt der Ein-

reise in die Schweiz ist daher nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachweisbar. 

1.3.4. Mit der Vorinstanz ist schliesslich auch eine Täuschung der Privatklä-

gerin B._____ durch den Beschuldigten im relevanten Zeitpunkt im Hinblick auf 

die Einreise in die Schweiz entgegen der Ansicht ihrer Rechtsvertretung (Urk. 530 

S. 3) nicht nachweisbar. Wie die Privatklägerin B._____ anlässlich ihrer ersten 

Einvernahme ausführte, machte sie dieselben Erfahrungen mit der gewalttätigen 

Verhaltensweise des Beschuldigten bereits in V._____: "Zwei Tage vor meinem 

18. Geburtstag fuhren wir nach V._____. Und an meinem 18. Geburtstag arbeite-

te ich in V._____ im W._____. An meinem ersten Tag habe ich dort sehr gut ver-

dient. Etwas zwischen 360 und 390 Euro und A._____ war sehr glücklich. Ich ha-

be ihm alles gegeben. Ich ging auch am nächsten Tag Geld verdienen, aber es 

war schon etwas weniger. Ich habe nur 160 Euro verdient. A._____ war dann 

sehr nervös und sagte, man könne auch draussen an der Strasse Geld verdienen. 

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich denke, ich ging schon am dritten Tag 

in V._____ an der Strasse arbeiten. Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll, weil ich 

mich nicht genau erinnern kann, aber ich hatte fürchterliche Angst, an der Strasse 

zu arbeiten. Auch an der Strasse habe ich nicht so viel verdient, wie es sich 

A._____ vorgestellt hatte. Und so haben wir abgemacht, dass ich in der Nacht im 

Club arbeite und am Tag an der Strasse. Alles, was ich verdiente, hat A._____ 

automatisch genommen. Ich weiss es nicht mehr so detailliert, aber ich weiss, 

dass, nach ein paar Wochen, mich A._____ bei einer alten Frau in einem grossen 

Auto anschaffen liess. A._____ kam immer dorthin, um das Geld zu nehmen und 

wenn er nicht zufrieden war, nahm er mich mit dem Auto mit. Entweder schlug er 

mich dann oder er schrie mich an. Dann wartete er immer ein bisschen, bis ich 

mich beruhigt hatte, damit man nichts merkt, und brachte mich dann zurück. Ich 

hatte immer fürchterliche Angst, wenn ich ihn mit dem Auto kommen sah" 

(Urk. D1/3/1 S. 2). Nach diesen Erfahrungen mit der Verhaltensweise des Be-

schuldigten musste die Privatklägerin B._____ davon ausgehen, dass dies in Zü-

rich nicht anders sein würde als in V._____, wobei es für die Privatklägerin 

B._____ keinen entscheidenden Unterschied gemacht haben dürfte, ob sie in ei-

- 30 - 

ner deutschen oder einer schweizerischen Grossstadt tätig war. Eine Täuschung 

der Privatklägerin  

B._____, um sie dazu zu bewegen, in die Schweiz einzureisen, ist mithin nicht 

nachweisbar. 

1.3.5. Mit der Vorinstanz (Urk. 460 S. 44 f.) ist festzustellen, dass dem Be-

schuldigten in der Anklageschrift keine Druckausübung oder irgendwie geartetes 

nötigendes Verhalten mit dem Ziel, die Privatklägerin B._____ zur Einreise in die 

Schweiz zu bewegen, vorgeworfen wird. Die Schläge und das Anschreien waren 

gemäss ihrer Schilderung vielmehr Frust-, Wut- und Bestrafungsaktionen des Be-

schuldigten gegen sie, wenn er mit ihrem Arbeitserlös nicht zufrieden war. Zudem 

hätte sich eine Täuschung der Privatklägerin B._____ durch den Beschuldigten 

bereits vor der Reise nach V._____ ereignen müssen – nachdem sie dort, wie er-

wähnt, erste Erfahrungen mit seiner brutalen Vorgehensweise machte –, was dem 

Beschuldigten in der Anklage aber ebenfalls nicht vorgeworfen wird. Dass die Pri-

vatklägerin B._____ aufgrund einer Täuschung durch den Beschuldigten bezüg-

lich der Art der Ausübung der Prostitution von V._____ her in die Schweiz einge-

reist wäre, ist daher nicht nachweisbar. 

1.3.6. Da unter diesen Umständen, wie nachfolgend im Rahmen der rechtli-

chen Würdigung zu zeigen sein wird, der Tatbestand des Menschenhandels nicht 

erfüllt wird, kann mit der Vorinstanz (Urk. 460 S. 45) eine weitere Erstellung des 

Sachverhalts gemäss Anklageziffer 1.1 unterbleiben. 

2. Anklageziffer 1.2 

2.1. Anklagevorwurf  

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter Anklageziffer 1.2 zusam-

mengefasst vor, er habe in verschiedenster Hinsicht bestimmt, wie und wo sich 

die  

Privatklägerin B._____ in diversen Zeiträumen zwischen 2009 und 2015 zu prosti-

tuieren gehabt habe. Zudem wird ihm vorgeworfen, die Privatklägerin B._____ bei 

- 31 - 

der Ausübung ihrer Tätigkeit überwacht sowie Druck und Gewalt ihr gegenüber 

ausgeübt zu haben (Urk. 24 S. 6 ff.). 

2.2. Vorinstanz  

Die Vorinstanz gelangte unter Anklageziffer 1.2 bezüglich des Vorwurfs der För-

derung der Prostitution zum Nachteil der Privatklägerin B._____ zur Erkenntnis, 

es sei erstellt, dass 

- die Privatklägerin in den Zeiträumen vom 20. September 2009 bis 26. Dezember 

2009, 5. Januar 2010 bis 29. September 2010, 14. August 2012 bis 18. November 

2012, 23. November 2012 bis 26. August 2013 der Strassenprostitution am 

F._____ nachging, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin mit seinem Auto zum Strassenstrich fuhr und 

von dort auch wieder zurück an den gemeinsamen Logisort brachte, 

- der Beschuldigte bestimmte, ab wann am Abend und für wie lange die Privatklä-

gerin anschaffen musste, 

- der Beschuldigte bestimmte, wo genau auf dem Strassenstrich die Privatklägerin 

sich den Freiern anbieten musste,  

- der Beschuldigte bestimmte, wann die Privatklägerin Pausen einlegen durfte und 

ihr SMS schrieb, wenn sie sich seiner Meinung nach zu lange im AE._____-Bus 

aufhielt und sie aufforderte, wieder zur Arbeit zurückzukehren, 

- der Beschuldigte sich, während die Privatklägerin ihrer Tätigkeit als Prostituierte 

nachging, stets in seinem Auto in ihrer Nähe aufhielt und sie, wenn immer mög-

lich, beobachtete, 

- der Beschuldigte, wenn die Privatklägerin zu einem Freier ins Auto stieg, diesem 

nachfuhr und die Privatklägerin nach Abschluss des Geschäftes selbst mit seinem 

Auto wieder zurück an den Strassenstrich brachte, 

- der Beschuldigte der Privatklägerin Vorgaben machte, wieviel Umsatz sie pro 

Tag zu generieren hatte, 

- 32 - 

- der Beschuldigte jeweils mindestens 50% des Geldes, welches die Privatkläge-

rin mit ihrer Tätigkeit erwirtschaftete, erhielt und dieses zumindest teilweise für ei-

gene Bedürfnisse verwendete, 

- der Beschuldigte der Privatklägerin verbot, am Strassenstrich Ungarisch zu 

sprechen, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin vorerst mit einem Walkie-Talkie und später 

auch mit Bluetooth-Kopfhörern mit Mikrofon ausstattete und über diese Kanäle 

Anweisungen gab und die Privatklägerin bei der Aufgleisung der Geschäfte be-

lauschte, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin mit einem GPS-Sender ausrüstete, damit er 

sehen konnte, wo sie sich aufhielt, während sie ihrer Tätigkeit als Prostituierte auf 

dem Strassenstrich nachging, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin mit einer Babykamera ausrüstete und die  

Privatklägerin aufforderte, diese mit ins Auto der Freier zu nehmen oder in ihrer 

Tasche zu verstecken, um so die Geschäfte aufnehmen zu können, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin aufforderte, auch als Prostituierte auf dem 

Strassenstrich zu arbeiten, während sie ihre Menstruation hatte, 

- die Privatklägerin in angemieteten Apartmentwohnungen oder Hotels gemäss 

Tabelle auf Seite 9 der Anklageschrift der Prostitution nachging, 

- die Privatklägerin zwischen dem 7. September 2013 und dem 12. Februar 2015 

je nach Nachfrage als Escort an verschiedenen Logisorten der Tätigkeit als Pros-

tituierte nachging, 

- der Beschuldigte auf dem Internetportal G._____.ch Sexinserate für die Privat-

klägerin schaltete, in denen er festlegte, welche Sexualpraktiken sie anbieten 

würde, 

- der Beschuldigte bestimmte, zu welchen Tageszeiten und für wie lange die Pri-

vatklägerin anschaffen musste, 

- 33 - 

- der Beschuldigte die Privatklägerin teilweise mit seinem Auto zu den Freiern 

fuhr, welche sie als Escort buchten und von dort auch wieder abholte, 

- sich der Beschuldigte, während die Privatklägerin ihrer Tätigkeit als Prostituierte 

nachging, jeweils in der gleichen Wohnung in Nebenzimmern aufhielt, 

- der Beschuldigte der Privatklägerin Vorgaben machte, wieviel Umsatz sie pro 

Tag zu generieren hatte, 

- der Beschuldigte jeweils mindestens 50% des Geldes, welches die Privatkläge-

rin mit ihrer Tätigkeit erwirtschaftete, erhielt und dieses teilweise auch für seine 

eigenen Bedürfnisse verwendete, 

- der Beschuldigte in den Zimmern, in welchen die Privatklägerin Freier bediente, 

Kameras installierte und die Geschäfte teilweise im Nebenzimmer auf seinem 

Laptop live mitverfolgte, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin zwar regelmässig, aber nicht mindestens 

1 Mal pro Woche, mit seinen Händen schlug und sie mindestens einmal an den 

Haaren riss, 

- der Beschuldigte einmal an einem nicht näher bekannten Tag, als die Privatklä-

gerin ihm den Lohn nicht ausgehändigt hatte, sie ins Gesicht schlug, 

- der Beschuldigte der Privatklägerin einmal drohte, dass er ihre Mutter töten wür-

de, 

- der Beschuldigte die Privatklägerin zu einem nicht näher bestimmbaren Zeit-

punkt zwischen dem 28. März 2014 und dem 3. April 2014 in einer Wohnung in 

L._____ packte und mit Wucht in einen Sessel warf, 

- der Beschuldigte mindestens einmal, als er mit der Privatklägerin stritt, ein Mes-

ser in der Hand hatte. Die übrigen in Anklageziffer 1.2 umschriebenen Sachver-

haltselemente erachtete die Vorinstanz dagegen als nicht erstellt (Urk. 460 S. 71-

85). 

- 34 - 

2.3. Würdigung  

2.3.1. Vorab kann bezüglich des Anklagesachverhalts gemäss Anklagezif-

fer 1.2 (Urk. 460 S. 45-85) auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen 

Entscheid verwiesen werden. Die nachfolgenden Erwägungen sind daher primär 

präzisierender Natur. 

2.3.2. Stellt man sich die Frage, weswegen die Privatklägerin B._____ den 

Beschuldigten – wie von ihm geltend gemacht wird – wider besseres Wissen be-

lasten sollte, so ist hierfür im Rahmen einer Gesamtbetrachtung kein schlüssiger 

Grund ersichtlich. Wie vorstehend erwähnt und worauf auch die Vorinstanz detail-

liert eingeht, war das Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der Privatkläge-

rin  

B._____ sehr ambivalent. Hinsichtlich der Frage, weswegen sie trotz der dem Be-

schuldigten vorgeworfenen Tathandlungen gegen sie über einen derart langen 

Zeitraum bei ihm blieb und sich zu seinem Nutzen prostituierte, so ist ihre auch 

von der Vorinstanz zitierte Aussage dazu aufschlussreich: "Ich weiss nicht, was 

das war, es war keine Liebe. Aber wenn man sonst niemanden hat, dann hängt 

man an der Person, die da ist. Es gibt eine Verbindung. Ich hatte sonst keinen 

Menschen in meiner Nähe, ich hatte niemanden mit dem ich mich hätte unterhal-

ten können. Ich habe nicht nur vor ihm Angst gehabt, sondern auch vor der Aus-

senwelt, weil ich gesehen habe wie die Welt ist. Einerseits hatte ich Angst, dass 

er mir etwas antut, anderseits, dass sonst jemand mir etwas antun könnte. Wir 

haben nur in solchen Kreisen verkehrt" (Urk. D1/3/23 S. 8). War der Beschuldigte 

für die Privatklägerin B._____ einerseits Bedrohung und andererseits aber auch 

Stütze, erscheint ihr Verbleib bei ihm während mehrerer Jahre durchaus nachvoll-

ziehbar. Ab ihrer Schwangerschaft und der Geburt des gemeinsamen Kindes, des 

Privatklägers E._____, im November 2013 verstärkt sich dieser Eindruck noch. 

Ebenso nachvollziehbar erscheint dann auch, weswegen sie den Beschuldigten 

letztlich doch verliess und ihn anzeigte, indem sie dies mit dem ihm ebenfalls vor-

geworfenen Tathandeln dem gemeinsamen Kind gegenüber und seiner psychi-

schen Verfassung, die ihn für die Privatklägerin B._____ immer unberechenbarer 

werden liess, begründete (Urk. D1/3/10 S. 21; D1/3/23 S. 13 f.). Mithin ist schlüs-

- 35 - 

sig erklärbar, weswegen sie einerseits sehr lange mit einer Anzeige zuwartete 

und beim Beschuldigten blieb, und weswegen sie ihn andererseits schliesslich 

doch verliess und anzeigte. Anzumerken ist, dass die Privatklägerin B._____ ent-

gegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 528 S. 18 ff.) auch kein wirtschaftliches 

Motiv für eine Falschbelastung des Beschuldigten hatte. Als Staatsangehörige der 

AA._____ war es ihr grundsätzlich erlaubt, in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit 

nachzugehen. Wäre der Beschuldigte nie deliktisch gegen die Privatklägerin 

B._____ in Erscheinung getreten und hätte sie dabei aus der Prostitution ausstei-

gen wollen, hätte sie sich schlicht eine andere Erwerbstätigkeit in der Schweiz su-

chen können, um mit dem Kind hier bleiben zu können. Dass die Privatklägerin 

B._____ – wie von der Verteidigung insinuiert (Urk. 528 S. 18) – einzig aufgrund 

eines "familienrechtlichen Zwists" wider besseres Wissens ein Strafverfahren der-

art grossen Umfangs über mehrere Jahre mit diversen Einvernahmen ihrerseits 

ausgelöst hätte, erscheint lebensfremd. Auch ein Motiv, sich als vermeintliches 

Opfer von Sexualdelikten ein Bleiberecht im Land zu verschaffen und/oder dem 

Beschuldigten den gemeinsamen Sohn zu entziehen, ist daher nicht gegeben.  

2.3.3. Unterzieht man die Aussagen der Privatklägerin B._____ zu den Tat-

vorwürfen gemäss Anklageziffer 1.2 einer eingehenden Betrachtung (vgl. Urk. 460 

S. 50-56), so ist klar, dass angesichts der Vielzahl von Einvernahmen bezüglich 

Ereignissen, die sich teils mehrere Jahre zuvor und über einen längeren Zeitraum 

erstreckt haben sollen, gewisse kleinere Widersprüche wie auch manchmal feh-

lende Erinnerungen unvermeidlich sind. Relevante, unauflösbare Widersprüche 

sind in ihren Aussagen indessen keine festzustellen. Die Kritik der (früheren) Ver-

teidigung des Beschuldigten an den Depositionen der Privatklägerin B._____ 

(Urk. 324 S. 7 ff.) blieb denn auch weitgehend substanzlos. Vielmehr wurde von 

der Verteidigung vor Vorinstanz auf einen "auffallenden Detailreichtum" in den 

Aussagen der Privatklägerin B._____ hingewiesen, wobei der festgestellte Detail-

reichtum der Aussagen entgegen den gängigen Kriterien der Aussagenanalyse 

schlicht umgedeutet wurde. Auch die aktuelle Verteidigung wiederholte dies im 

Rahmen der Berufungsverhandlung (Urk. 528 S. 20). Dem ist klar zu widerspre-

chen. So ist durchaus anzunehmen, dass die dem Beschuldigten vorgeworfenen, 

gegenüber der Privatklägerin B._____ begangenen Tathandlungen, soweit sie 

- 36 - 

denn tatsächlich stattfanden, bei dieser einen in der Erinnerung einprägsamen 

Eindruck hinterlassen haben mussten. Wenn die Privatklägerin B._____ die wäh-

rend rund sechs Jahren erfolgten Handlungen mit einem gewissen Mass an De-

tailreichtum zu schildern vermochte, so ist das ein klarer Hinweis darauf, dass sie 

diese jedenfalls im Kerngehalt der Anklage auch effektiv so erlebt hatte. Hätte die 

Privatklägerin B._____, wie das von der früheren Verteidigung vor Vorinstanz gel-

tend gemacht wurde (Urk. 324 S. 10 ff.) und von der aktuellen Verteidigung an-

lässlich der Berufungsverhandlung wiederholt wurde (Urk. 528 S. 22 ff.), Sugges-

tionen der ersteinvernehmenden  

Polizistin, der Betreuerinnen des FIZ oder der eigenen Rechtsvertreterin widerge-

geben und dies während der gesamten Untersuchung so durchgehalten, wäre im 

Gegenteil gerade kein hohes Mass an Detailreichtum zu erwarten. Soweit der  

Privatklägerin B._____ bezüglich gänzlicher Nebenpunkte wie z.B. hinsichtlich 

sechs Jahre zuvor gegessener Mahlzeiten (vgl. Urk. 528 S. 20) allenfalls die Erin-

nerung einen Streich spielte, bleibt dies jedenfalls in Bezug auf die Glaubhaftigkeit 

ihrer Aussagen zum Kerngehalt der Anklagevorwürfe irrelevant. Die Aussagen der  

Privatklägerin B._____ zu den Ereignissen gemäss Anklageziffer 1.2 sind daher 

als detailliert, in sich schlüssig, lebensnah geschildert sowie im Wesentlichen 

glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen. 

2.3.4. Auffallend ist sodann, dass die Aussagen der Privatklägerin B._____ 

von den weiteren Aussagepersonen – insbesondere jene, die die Privatklägerin 

während ihrer Arbeit als Prostituierte über eine gewisse Zeit erlebten – in diversen 

Punkten gestützt werden, während sie von keiner Person entscheidend widerlegt 

werden. So entlastete etwa die Zeugin O._____ den Beschuldigten insofern, als 

dass sie ausführte, sie glaube nicht, dass es der Privatklägerin B._____ auf dem 

Strassenstrich verboten gewesen sei, mit anderen Personen zu sprechen. Wenn 

der Beschuldigte in der Nähe gewesen sei, habe die Privatklägern B._____ zu ihr 

eher aus einer Entfernung gesprochen (Urk. D1/4/6/2 S. 10). Auch bezüglich der 

Verpflichtung zur Abgabe von Geld sagte sie, sie wisse das nicht, ihr sei es aber 

erschienen, als ob die Privatklägerin B._____ das freiwillig getan habe 

(Urk. D1/4/6/2 S. 9). Die Zeugin O._____ stützte die Privatklägerin B._____ aber 

insoweit, als dass sie aussagte, diese habe ihr damals erzählt, dass der Beschul-

- 37 - 

digte sie misshandelt habe (Urk. D1/4/6/2 S. 5). Zudem habe diese ihr eine Ge-

schichte erzählt, dass der Beschuldigte sie ans Bett gefesselt und für längere Zeit 

in der Wohnung gelassen habe (Urk. D1/4/6/2 S. 6). Wenn die Verteidigung in 

diesem Zusammenhang vorbrachte (Urk. 528 S. 29), die Vorinstanz habe hierzu 

eine unverwertbare Aussage der Zeugin vor der Polizei (Urk. D1/4/6/1 S. 3) zu 

Lasten des Beschuldigten verwertet (Urk. 460 S. 57), so ist dem zu entgegnen, 

dass der Staatsanwalt der Zeugin anlässlich von deren Zeugenaussage lediglich 

vorhielt, sie habe angegeben, die Privatklägerin B._____ habe ihr erzählt, der Be-

schuldigte habe sie ans Bett gebunden, worauf die Zeugin die Aussage detailliert 

und frei von sich aus schilderte: "Ja. Sie hat eine solche Geschichte erzählt. Das 

ist ziemlich lange her. Ich erinnere mich daran, dass sie mir erzählt hat, dass sie 

von ihm angebunden wurde und dass er sie für längere Zeit alleine in der Woh-

nung liess. Aber vom Zeitraum hat sie nicht gesprochen. Ich glaube, dass das hier 

in Zürich war" (Urk. D1/4/6/2 S. 6). Angesichts des Umstandes, dass die Zeugin 

die betreffende Aussage detailliert aus eigener Erinnerung so schilderte und sie 

nicht lediglich  

einen für sich alleine betrachtet unverwertbaren Vorhalt bestätigte, ist diese ver-

wertbar. Ebenfalls stützte die Zeugin O._____ die Privatklägerin B._____ insofern, 

als dass sie schilderte, sie habe den Beschuldigten als eifersüchtigen Typen 

wahrgenommen, der auch Stimmungsschwankungen gehabt habe. Manchmal sei 

es vorgekommen, dass er mit der Privatklägerin B._____ lautergeworden sei 

(Urk. D1/4/6/2 S. 3 f.). Die Aussage, dass die Privatklägerin B._____ dann, wenn 

der Beschuldigte in der Nähe gewesen sei, eher aus einer Entfernung zu ihr – der 

Zeugin O._____ – gesprochen habe, korrespondiert denn auch durchaus damit, 

dass die Privatklägerin B._____ vermeiden wollte, dass der Beschuldigte den 

Eindruck erhielt, sie würde sich eingehend mit anderen Prostituierten unterhalten. 

Die Zeugin M._____ stützte die Aussagen der Privatklägerin B._____ insofern,  

indem sie bestätigte, dass der Beschuldigte diese mittels Walkie-Talkies über-

wachte, dass diese ihm alles Geld abgegeben habe, so dass diese ihr nichts habe 

wechseln können, dass der Beschuldigte sich der Privatklägerin B._____ gegen-

über mehrfach aggressiv verhalten und diese angeschrien habe, wobei sie aber 

nie gesehen habe, dass er diese auch geschlagen habe. Er sei ihr wie ein Wildtier 

- 38 - 

vorgekommen (Urk. D1/4/1/3 S. 5 ff.; vgl. im Detail die zitierten Aussagen in vo-

rinstanzlichen Entscheid [Urk 460 S. 58 f.]). Bezüglich des Einwandes der Vertei-

digung, wonach M._____ kurz vor ihrer Zeugenaussage die Privatklägerin 

B._____ zweimal getroffen habe, weswegen anzunehmen sei, dass die Beiden 

über die anstehende Einvernahme gesprochen hätten (Urk. 528 S. 29 f.), ist zu 

bemerken, dass sich jedenfalls trotz jener zwei Treffen keine relevanten Wider-

sprüche in den Aussagen der Zeugin M._____ zwischen ihren Aussagen bei der 

Polizei am 2. Juli 2015 und ihrer Aussage als Zeugin vom 15. März 2018 finden 

lassen, die auf erfolgte Absprachen schliessen liessen. Dafür, dass jene zwei pri-

vaten Treffen der Beiden anfangs März 2018 einen Einfluss auf das Aussagever-

halten der Zeugin gehabt hätten, bestehen daher keine Anhaltspunkte. Die Privat-

klägerin D._____ bestätigte, dass die Privatklägerin B._____ ein Walkie-Talkie 

aufsichgetragen habe, das der Beschuldigte dieser gegeben habe. Zudem schil-

derte sie, einmal gesehen zu haben, wie der Beschuldigte die Privatklägerin 

B._____ geschlagen habe. Er sei dieser gegenüber auch aggressiv gewesen, 

weswegen sie – die Privatklägerin  

D._____ – Angst vor ihm gehabt habe (Urk. D1/4/3/2 S. 5 ff.). Die Privatklägerin 

C._____ bestätigte, gesehen zu haben, wie der Beschuldigte die Privatklägerin 

B._____ mittels Kameras überwacht habe, während sie Kunden bedient habe. 

Dass er diese bedroht oder geschlagen habe, habe sie nicht gesehen. Am letzten 

Tag, bevor sie – die Privatklägerin C._____ – gegangen sei, habe sie aber einen 

grossen Streit zwischen den beiden wahrgenommen, wobei die Privatklägerin 

B._____ die ganze Zeit geweint habe. Sie habe dies so interpretiert, dass die Pri-

vatklägerin B._____ keine Kraft mehr gehabt habe. Bei diesem Streit habe der 

Beschuldigte die Privatklägerin B._____ auch gepackt und in einen Sessel gewor-

fen (Urk. D1/4/5/3 S. 12 ff.). Wenn im Übrigen die Privatklägerinnen D._____ und 

C._____ der Privatklägerin B._____ – wie von der Verteidigung angeführt (Urk. 

528 S. 33) – auch in einigen Punkten eine aktive Rolle zusprachen, so schliesst 

das keineswegs aus, dass sie dabei unter dem Eindruck der Druckausübung des 

Beschuldigten handelte, waren doch jene aktiven Handlungen der Privatklägerin 

B._____ durchaus im Interesse des Beschuldigten.  

- 39 - 

2.3.5. Bezüglich der von der Verteidigung angeführten (Urk. 528 S. 31) – zu 

Lasten des Beschuldigten nicht verwertbaren – Aussage von S._____ bei der Po-

lizei vom 25. Oktober 2016, wonach die Beziehung zwischen der Privatklägerin 

B._____ und dem Beschuldigten nach Weihnachten – gemeint 2014 –, als die 

AA._____ische Polizei ins Spiel gekommen sei, zu Ende gewesen sei und die 

Privatklägerin B._____ darauf alleine für sieben bis zehn Tage nach Zürich ge-

gangen sei, um dort zu arbeiten, während sie – S._____ – an jenen Tagen den 

Privatkläger E._____ betreut habe (Urk. D1/4/4/1 S. 10 f.), ist zu bemerken, dass 

diese Aussage einzig die letzten Monate des insgesamt sechsjährigen Tatzeit-

raumes betrifft. Für den gesamten Zeitraum davor kann daraus nichts abgeleitet 

werden. Dass die Privatklägerin B._____ sich nicht von einem Tag auf den ande-

ren vom Beschuldigten zu lösen vermochte, sondern diesen zunächst verliess, 

um darauf nochmals für einige Wochen zu ihm zurückzukehren, deckt sich denn 

auch mit dem sich präsentierenden Bild eines sehr ambivalenten Verhältnisses 

zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin B._____. Die betreffende 

Aussage von S._____ entlastet den Beschuldigten mithin nicht für den gesamten 

Tatzeitraum, jedoch immerhin bezüglich der maximal zehn Tage ab Weihnachten 

2014 bis zu den ersten Tagen des Januars 2015. Die von der Verteidigung ange-

führte Zeugin P._____ (Urk. 528 S. 33 f.) vermochte sich schliesslich nur zum 

Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin B._____ zu äus-

sern, wie es sich ihr präsentierte, wenn sie die beiden in der AA._____ traf. Über 

die konkreten Umstände der Ausübung der Prostitution der Privatklägerin 

B._____ in der Schweiz und einer Kontrolltätigkeit des Beschuldigten während-

dessen, konnte P._____ dagegen nichts sagen. Dass sie die Beiden während de-

ren zwischenzeitlichen Aufenthaltes in der AA._____ als normales Paar wahr-

nahm, deckt sich wiederum mit dem sich insgesamt präsentierenden Bild eines 

sehr ambivalenten Verhältnisses zwischen dem Beschuldigtem und der Privatklä-

gerin B._____. Dasselbe gilt für die von der Verteidigung angeführte (Urk. 528 

S. 34) Zeugin Q._____, die den Beschuldigten und die Privatklägerin B._____ 

ebenfalls nur während Ferien gemeinsam traf. 

2.3.6. Bezüglich der Aussage der Privatklägerin D._____ zum Verhältnis zwi-

schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin B._____ in ihrer Einvernahme 

- 40 - 

als Auskunftsperson vom 13. Oktober 2016 machte die Verteidigung geltend, die 

Vorinstanz habe indirekt auf unverwertbare Aussagen abgestellt, zumal die Be-

fragung sehr suggestiv gewesen sei (Urk. 528 S. 35). Bei genauer Betrachtung 

der Fragen und Antworten zeigt sich indessen, dass das nicht der Fall ist. Die Pri-

vatklägerin D._____ wurde gefragt: "Was haben bzw. hatten A._____ und 

B._____ für ein Verhältnis zueinander?" Antwort: "Sie waren Freunde." Frage: 

"Waren sie ein Paar oder einfach befreundet?" Antwort: "Sie waren ein Paar." 

Frage: "Wie verhielt sich der Beschuldigte gegenüber B._____?" Antwort: "Er war 

manchmal normal und manchmal aggressiv ihr gegenüber." Frage: "Wurde er 

B._____ gegenüber je gewalttätig?" Antwort: "Das weiss ich nicht." Frage: "Haben 

Sie jemals selber gesehen dass er gewalttätig ihr gegenüber wurde?" Antwort: 

"Ja." Frage: "Wo und wann war das?" Antwort: "Es war in Frankreich, aber wann 

weiss ich nicht mehr." Frage: "Wie haben Sie reagiert?" Antwort: "Ich habe ihn 

angeschrien, er solle aufhören." Der Verteidigung ist dabei zwar beizupflichten, 

dass die Frage 33 nach der Antwort 32 für sich alleine betrachtet zunächst nicht 

logisch erscheint. In der Gesamtbetrachtung dieser Fragen und Antworten er-

weckt die Privatklägerin D._____ jedoch den Eindruck, dass sie den Beschuldig-

ten zunächst nicht belasten wollte, sie dies auf Nachhaken des Staatsanwaltes 

dann aber dennoch tat, wenn auch zurückhaltend. Auch kann die Fragestellung 

des Staatsanwaltes entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht als suggestiv be-

zeichnet werden. Zudem erfolgten die Fragen offen und ohne Vorhalt der früheren 

Aussagen. Die Verwertung der Aussagen durch die Vorinstanz erfolgte mithin kor-

rekt. Die Verteidigung wendete sodann ein, die Aussage der Privatklägerin 

C._____ in der Einvernahme vom 10. November 2016 (Urk. D1/4/5/3 S. 7 f.) sei 

nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar, da sie mit Bezug auf nicht verwert-

bare Aussagen bei der Polizei gefragt worden sei: "Offenbar hatten Sie am ersten 

Abend in der Wohnung bereits Ihre Beobachtungen gemacht, insbesondere wie 

die beiden mit einander umgingen?" (Urk. 528 S. 35). Dazu ist zu bemerken, dass 

der Staatsanwalt anlässlich der Formulierung der betreffenden Frage zwar einer-

seits Kenntnis der polizeilichen Einvernahme vom 9. November 2016 hatte, ande-

rerseits aber auch diverser Einvernahmen der Privatklägerin B._____ wie auch 

der unmittelbar zuvor in derselben Einvernahme gemachten Aussagen der Privat-

- 41 - 

klägerin C._____. Hierauf schilderte die Privatklägerin C._____ über gut eine hal-

be Seite hinweg frei und ohne Zwischenfragen zunächst einen anderen Vorfall 

und daraufhin den Vorfall, als der Beschuldigte in ihrer Anwesenheit an der Pri-

vatklägerin B._____ den Oralverkehr vollzogen habe. Dass die früheren Aussa-

gen der Privatklägerin C._____ einen relevanten Einfluss auf ihre neuerlichen 

Aussagen gehabt hätten, ist jedenfalls nicht ersichtlich. Auch die Verwertung die-

ser Aussage und ein Abstellen auf diese durch die Vorinstanz erfolgte somit zu 

Recht. 

2.3.7. Die Verteidigung führte aus, wenn der Beschuldigte die Privatklägerin 

B._____ regelmässig geschlagen hätte, hätten andere Personen Spuren im Ge-

sicht der Privatklägerin B._____ feststellen müssen (Urk. 528 S. 35 f.). Dem ist 

entgegenzuhalten, dass aus dem Umstand, dass keine der in der Untersuchung 

einvernommenen Personen Verletzungen der Privatklägerin B._____ wahrnahm 

und schilderte, nicht der Rückschluss gezogen werden kann, dass während des 

gesamten Zeitraumes von sechs Jahren nie solche für Drittpersonen sichtbar ge-

wesen wären und daher ihre diesbezüglichen Aussagen falsch seien. Wenn die 

Verteidigung an den Erwägungen der Vorinstanz weiter bemängelt (Urk. 528 S. 

36), diese habe in unzulässiger Weise in Verletzung seiner künstlerischen Freiheit 

die vom Beschuldigten erfundene Geschichte eines "AB._____" bzw. "AB._____" 

und eines 19-jährigen Mädchens herangezogen (Urk. D1/6/21 Doc. 4 S.  6 f.; Urk. 

460 S. 81), so ist dazu zu bemerken, dass selbstverständlich nicht eins zu eins 

davon ausgegangen werden kann, der Beschuldigte habe hier die reale Ge-

schichte seines Verhältnisses mit der Privatklägerin B._____ niedergeschrieben. 

Die betreffende Geschichte stimmt aber doch zumindest in vielen Details mit dem 

erhaltenen Bild überein, wie es sich aus den Aussagen der Privatklägerin B._____ 

und der weiteren Aussagepersonen ergibt. So geht daraus jedenfalls hervor, dass 

der Beschuldigte sexuelle Gewaltfantasien bezüglich einer Partnerin im jungen 

Erwachsenenalter hegte. Insofern stellt die Geschichte zumindest ein Indiz dar, 

das den erhaltenen Eindruck abrundet. Und als solches Indiz ist sie auch verwert-

bar. 

- 42 - 

2.3.8. Hinsichtlich des Einwandes der Verteidigung, die Privatklägerin 

B._____ habe sich häufig durchaus frei bewegen können und den Beschuldigten 

mehrfach verlassen und sei wieder zu ihm zurückgekehrt, was zeige, dass er sie 

nicht, wie von dieser geltend gemacht, dauernd überwacht habe (Urk. 528 S. 36), 

ist zu bemerken, dass die Privatklägerin B._____ das von ihr mehrfach geschil-

derte dauernde Überwachen durch den Beschuldigten – auch wenn sie dies häu-

fig verallgemeinernd schilderte – primär auf die Zeiträume ihrer Tätigkeit als Pros-

tituierte bezog. Wenn Aussagepersonen, wie die Privatklägerin C._____ oder 

S._____, einzelne Situationen schilderten, in denen die Privatklägerin B._____ 

sich über einen Zeitraum von sechs Jahren verteilt eine oder zwei Stunden ohne 

unmittelbare Überwachung des Beschuldigten frei bewegen konnte, widerlegt das 

nicht, dass die Privatklägerin in der von ihr geschilderten Weise vom Beschuldig-

ten bei ihrer Tätigkeit als Prostituierte überwacht wurde. Der von der Verteidigung 

im Weiteren zitierte (Urk. 528 S. 37 f.) Chat zwischen der Privatklägerin B._____ 

und ihrer Schwester, in dessen Verlauf die Privatklägerin B._____ zu ihrer 

Schwester sagte, sie sei mit dem Beschuldigten deshalb wieder zusammen, weil 

sie es ihm erlaubt habe (Urk. D1/2/40/1 S. 8 f.), stellt, wie sich bei dessen genau-

er Betrachtung zeigt, offensichtlich einen Versuch der Beruhigung der Schwester 

durch die Privatklägerin B._____ dar, nachdem die Schwester aufgrund der zwi-

schenzeitlichen Trennung der Privatklägerin B._____ vom Beschuldigten nach 

Weihnachten – gemeint 2014 – sich in der Heimat aus Angst vor dem Beschuldig-

ten offenbar zur Polizei begeben hatte. Aus dem Chat geht denn auch hervor, 

dass sich die Privatklägerin B._____ zunächst vor dem Beschuldigten verstecken 

wollte, dieser aber ihr Inserat fand und sich danach zu ihr begab, worauf sie ihm 

öffnete. Entgegen der Ansicht der Verteidigung spricht dies somit in keiner Weise 

gegen ein Überwachen der Privatklägerin B._____ durch den Beschuldigten und 

eine psychische Zwangsausübung. Dasselbe gilt für den Umstand, dass die Pri-

vatklägerin B._____, wie von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 528 S. 38), sich 

lange keine Hilfe bei der Polizei oder an anderer Stellen suchte, obschon sie wäh-

rend des gesamten Tatzeitraumes grundsätzlich mehrfach die Gelegenheit dazu 

gehabt hatte. Vor dem Hintergrund des ambivalenten Verhältnisses zwischen 

dem Beschuldigten und der Privatklägerin B._____ und der für sie über die Jahre 

- 43 - 

hinweg entstandenen mentalen Abhängigkeit vom Beschuldigten erscheint dieses 

Verhalten durchaus nachvollziehbar. 

2.3.9. Wenn die Verteidigung geltend macht, die Aussage der Privatklägerin 

B._____, wonach sie alle Einnahmen aus der Prostitution dem Beschuldigten ab-

gegeben habe (Urk. D1/3/21 S. 12 F/A 65), stehe im Widerspruch zu ihrer frühe-

ren Aussage, wonach sie einen Teil des Geldes habe behalten können und es 

auch Phasen gegeben habe, in denen sie die Hälfte habe behalten können (Urk. 

D1/3/20 S. 12 F/A 48), wobei die Privatklägerin B._____ auch Überweisungen ge-

tätigt, ihre Mutter und ihre Schwester unterstützt und Spenden geleistet habe, und 

zudem zwei Autos auf ihren Namen eingelöst und danach als ihr Eigentum be-

trachtet habe (Urk. 528 S. 39), so ist dem entgegenzuhalten, dass sich die ver-

schiedenen Aussagen bei genauer Betrachtung auf jeweils andere Zeiträume be-

ziehen. Die eine Aussage bezog sich auf den Zeitraum vor ihrer Schwangerschaft 

mit dem Privatkläger E._____, während die andere geschilderte Phase die Auf-

enthalte in den Jahren 2009 und 2010 in Zürich betraf. Dass der Beschuldigte der 

Privatklägerin in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich hohe Anteile ihrer Ein-

künfte abnahm bzw. nicht zurückgab, ist nachvollziehbar; ebenso, dass sie aus 

den ihr jeweils verbleibenden Geldern ihre Familie und Dritte zu unterstützen 

vermochte. Dem Beschuldigten wird denn von der Anklage auch nicht vorgewor-

fen, alles von der Privatklägerin B._____ mittels Ausübung der Prostitution ver-

diente Geld erhalten zu haben, sondern jeweils mindestens 50% davon. Zum in 

diesem Zusammenhang weiter von der Verteidigung geäusserten Einwand, die 

Kunden der Skype-Vorführungen hätten gemäss Aussagen der Privatklägerin 

B._____ das jeweilige Entgelt auf ihr Konto überwiesen (Urk. D1/3/8 S. 16 f. F/A 

106-111), was der Darstellung widerspreche, der Beschuldigte habe sämtliches 

Geld einbehalten, da das Geld in ihren Machtbereich und nicht zum Beschuldig-

ten gelangt sei (Urk. 528 S. 39), ist zu bemerken, dass die Privatklägerin B._____ 

diesbezüglich ausführte, der Beschuldigte habe über eine Vollmacht des auf sie 

lautenden Kontos verfügt und das Geld von lediglich etwas über Fr. 400.– in meh-

reren Teilen abgebucht. Die betreffenden Einnahmen dürften mithin zum einen 

vernachlässigbar gewesen sein im Vergleich zu denjenigen aus den direkten se-

xuellen Handlungen mit Kunden, und zum anderen widersprechen auch diese 

- 44 - 

Aussagen nicht ihren sonstigen Aussagen, wonach in der Regel mindestens 50% 

der Einnahmen aus ihrer Prostitutionstätigkeit in Zürich an den Beschuldigten ge-

gangen seien. Zum Einwand der Verteidigung, die Vorinstanz habe nicht darge-

legt, weswegen unerheblich sei, ob der Beschuldigte den Erhalt des Geldes als 

Gegenleistung für seine Tätigkeit – Fahrdienste, Beschützertätigkeit, Organisation 

von Kunden – angesehen habe oder nicht, da die Beiden sich in einer Beziehung 

befunden hätten und es normal sei, dass man vom erwirtschafteten Geld, auch 

wenn dies nur einer verdient habe, gemeinsam lebe, insbesondere wenn der an-

dere Unterstützung bei der Erwerbstätigkeit des Partners leiste (Urk. 528 S. 40), 

ist zu bemerken, dass die von der Vor-instanz erwähnte Unerheblichkeit dieses 

Umstandes im Hinblick auf die rechtliche Würdigung – bei welcher der Entzug der 

Einnahmen aus der Prostitution, wie nachfolgend zu zeigen sein wird, eines von 

mehreren Tatbestandsmerkmalen darstellt – zu verstehen ist. So konnte die Pri-

vatklägerin B._____ stets über mindestens 50% ihrer Einnahmen als Prostituierte 

nicht selbst verfügen, sondern musste sie das Geld dem Beschuldigten abgeben, 

worauf er alleine bestimmte, wieviel wofür verwendet würde, ohne dass dies zu-

vor mit der Privatklägerin B._____ besprochen worden wäre. Der Hinweis der 

Verteidigung auf das Konkubinat zwischen den Beiden ist daher unbehilflich.  

2.3.10. Zusammenfassend ist der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.2 mit 

der Vorinstanz – mit Ausnahme des erwähnten Zeitraumes von maximal zehn 

Tagen ab Weihnachten 2014 bis zu den ersten Tagen des Januars 2015 (vgl. 

Erw. 2.3.5.) – insoweit als erstellt zu bezeichnen, dass der Beschuldigte die Pri-

vatklägerin  

B._____ in verschiedener Hinsicht überwachte und ihr in Bezug auf die Ausübung 

ihrer Tätigkeit als Prostituierte Vorgaben machte. Erstellt ist auch, dass diese dem 

Beschuldigten mindestens 50% ihrer Einnahmen abgab und er das Geld mithin 

auch für seinen eigenen Lebensunterhalt verwendete. Ausserdem sind auch ver-

schiedene Nötigungs- und Gewaltvorfälle in diesem Zusammenhang als erstellt 

zu erachten. Inwiefern die Privatklägerin B._____ dadurch nicht mehr frei und 

selbstbestimmt darüber entscheiden konnte, wie sie ihre Tätigkeit als Prostituierte 

ausübte, ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen. 

- 45 - 

3. Anklageziffern 1.3 und 1.4 

3.1. Anklagevorwurf  

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter Anklageziffer 1.3 bezüglich 

sexuellen Handlungen zum Nachteil der Privatklägerin B._____ zusammenge-

fasst vor, er habe im Zeitraum vom 20. September 2009 bis zum 13. Februar 

2015 mindestens einmal pro Woche gegen den Willen der Privatklägerin B._____ 

entweder den vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen. 

Zudem habe er am 29. März 2014 im Beisein des Privatklägers E._____ und der  

Privatklägerin C._____ gegen den Willen der Privatklägerin B._____ den oralen 

Geschlechtsverkehr vollzogen (Urk. 24 S. 15 f.). Anklageziffer 1.4 bezieht sich auf 

einen einzelnen Vorfall vom 29. März 2014 (Urk. 24 S. 16 f.). 

3.2. Vorinstanz  

Die Vorinstanz gelangte unter Anklageziffer 1.3 und 1.4 bezüglich der Vorwürfe 

der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 

B._____ zur Erkenntnis, es sei erstellt, dass der Beschuldigte teilweise gegen de-

ren Willen vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr vollzog. Nicht erstellt 

sei dabei, dass der Beschuldigte den vaginalen, analen und oralen Geschlechts-

verkehr gegen den Willen der Privatklägerin vollzog, indem er Gewalt anwendete 

(Urk. 460 S. 90-96). 

3.3. Würdigung  

3.3.1. Vorab kann bezüglich des Anklagesachverhalts gemäss Anklagezif-

fern 1.3 und 1.4 (Urk. 460 S. 85-96) auf die zutreffenden Erwägungen im  

vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden. Die nachfolgenden Erwägungen 

sind daher primär präzisierender Natur. 

3.3.2. Was die Interessenslage der Privatklägerin B._____ betrifft, so ist diese 

bezüglich der Vorwürfe, der vom Beschuldigten mit ihr jeweils vollzogene Ge-

schlechtsverkehr sei weitestgehend gegen ihren Willen erfolgt, deckungsgleich 

mit denjenigen bezüglich der vorstehend behandelten Vorwürfe gemäss Anklage-

ziffer 1.2. Ein Motiv, weswegen sie den Beschuldigten bewusst falsch belasten 

- 46 - 

sollte, ist nicht zu sehen. Wenn die Vorinstanz feststellte, die Privatklägerin 

B._____ habe die Häufigkeit gegen ihren Willen erfolgter sexuellen Handlungen 

des Beschuldigten z.T. übersteigert geschildert, so ist dem grundsätzlich zuzu-

stimmen. Dies spricht indessen keineswegs gegen die grundsätzliche Richtigkeit 

ihrer diesbezüglichen Aussagen, wonach dieser im fraglichen Zeitraum regelmäs-

sig in der vorgeworfenen Weise sexuelle Handlungen gegen ihren Willen mit ihr 

vornahm, sondern dürfte ihrer retrospektiven Betrachtung der zum Teil mehrere 

Jahre zurückliegenden, für sie wohl eindrücklichen Ereignisse geschuldet sein. 

3.3.3. Hinsichtlich der vom Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin  

B._____ ausgeübter physischer Gewalt wie u.a. Schläge ist – wie auch vorste-

hend betreffend die Vorwürfe gemäss Anklageziffer 1.2 dargelegt – erstellt, dass 

der Beschuldigte sie während des relevanten Tatzeitraumes regelmässig schlug. 

Wenn die Privatklägerin B._____ ausführte, sie sei auch während des Ge-

schlechtsverkehrs mit dem Beschuldigten häufig von diesem geschlagen worden, 

so erscheinen ihre diesbezüglichen Aussagen durchaus plausibel. In ihren Aus-

sagen finden sich jedoch keine Hinweise, dass diese physische Gewalt des Be-

schuldigten des Brechens ihrer Gegenwehr zur Durchführung des vaginalen, ana-

len und oralen Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gedient hätte. Vielmehr 

deuten ihre Aussagen darauf hin, dass sie die Schläge, wie auch den jeweiligen 

vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr aufgrund ihrer allgemeinen Si-

tuation in der Beziehung mit dem Beschuldigten erduldete bzw. sie gar nicht in 

der Lage war, sich wirksam gegen den nicht gewollten Geschlechtsverkehr einer-

seits und die Schläge dessen andererseits zu wehren. Die vom Beschuldigten 

gegen sie verübte physische Gewalt war mithin nicht für die sexuellen Handlun-

gen kausales Nötigungsmittel, sondern die verübten Tätlichkeiten dienten dem 

Beschuldigten nebst der sexuellen Handlungen zur zusätzlichen Demütigung der 

Privatklägerin B._____. Dies deckt sich auch mit der Aussage der Privatklägerin 

C._____, die einen sehr brutal ausgeführten Oralverkehr des Beschuldigten mit 

der Privatklägerin B._____ beobachtete, ohne dabei festzustellen, dass sich die 

Privatklägerin B._____ dabei gewehrt hätte bzw. auch nur versucht hätte, dies zu 

tun. Wenn also die Vorinstanz feststellt, es sei nicht erstellt, dass der Beschuldig-

te den vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen der 

- 47 - 

Privatklägerin B._____ vollzog, indem er Gewalt anwendete, so muss dies so ver-

standen werden, dass die physische Gewalt nicht das entscheidende Nötigungs-

mittel zur Durchführung des Geschlechtsverkehrs gegen ihren Willen war. 

3.3.4. Bezüglich des Vorwurfs, den vaginalen, analen und oralen Ge-

schlechtsverkehr gegen den Willen der Privatklägerin B._____ mittels Ausübung 

psychischen Drucks ausgeübt zu haben, erscheint es unumgänglich, die gesamte 

Situation der Beziehung zwischen den Beiden zu betrachten. Wie vorstehend 

dargelegt, sind die Aussagen der Privatklägerin B._____ zu den Tatvorwürfen 

gemäss Anklageziffer 1.2 glaubhaft und überzeugend. Vergegenwärtigt man sich 

die diversen dortigen Tathandlungen des Beschuldigten gegen sie, so ergibt sich 

ein durchaus abgerundetes Bild, wonach sich die Privatklägerin B._____ vor die-

sem Hintergrund kaum relevant gegen brutale, für sie schmerzhafte sexuelle 

Handlungen und Schläge wehrte und diese übersichergehenliess. Dasselbe gilt 

für die Frage, weswegen sie ihn während mehreren Jahren nicht einfach verliess 

und viel früher anzeigte. Und ebenso passt ins Bild, dass sich der Beschuldigte in 

dieser Situation auch selbst gewissermassen bei der Privatklägerin B._____ se-

xuell bediente, wann immer es ihm passte. Auch wenn sie die Häufigkeit der sol-

chermassen erfolgten sexuellen Handlungen, wie erwähnt, wohl zu hoch angab, 

so ist doch festzuhalten, dass sie bezüglich deren Intensität keine Übersteigerun-

gen vornahm. Die Art und Weise, wie sie die Handlungen beschrieb, wirken zwar 

durchaus brutal, indem die Privatklägerin B._____ verschiedentlich den Vergleich 

mit Handlungen in Pornofilmen machte, jedoch wäre auch ein noch weit grösse-

res Mass an Brutalität denkbar, das sie dem Beschuldigten hätte vorwerfen kön-

nen, wenn sie ihn maximal möglich hätte belasten wollen. Die Beschreibung der 

sexuellen Handlungen deutet daraufhin, dass er jeweils gerade so weit ging, dass 

er der Privatklägerin B._____ keine gravierenden körperlichen Verletzungen zu-

fügte, so dass sie auch weiterhin als Prosti-tuierte arbeitsfähig blieb. Dass keine 

der weiteren Aussagepersonen konkrete Spuren bei der Privatklägerin B._____ 

wahrnahm, vermag daher entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 528 S. 42 

ff.) nicht zu überraschen. Ein Widerspruch kann in der fehlenden Wahrnehmung 

durch Drittpersonen nicht gesehen werden. Anzumerken ist im Übrigen, dass es 

entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 528 S. 45) unerheblich ist, dass die 

- 48 - 

Privatklägerin B._____ gemäss eigener Aussage (Urk. D1/3/25 S. 12 F/A 73 f.) 

dem Beschuldigten nicht (jedes Mal) wörtlich sagte, dass sie den Sex nicht wolle. 

So führte sie aus, sie habe es ihm nicht nochmals gesagt, weil sie nicht so dumm 

gewesen sei, erneut geschlagen zu werden. Sie habe dem Beschuldigten aber si-

cher gezeigt, dass sie keinen Sex wolle. Auch diese Aussage passt überzeugend 

ins Bild einer sich während langer Zeit in ihr Schicksal fügenden Privatklägerin 

B._____, die dem Beschuldigten lediglich noch nonverbal zuverstehengeben 

vermochte, dass sie die von ihm an ihr vollzogenen sexuellen Handlungen nicht 

wollte, sich aktiven Widerstand aber nicht traute. Die Aussagen der Privatklägerin 

B._____ zu den Tatvorwürfen gemäss Anklageziffer 1.3 und 1.4 sind mithin als 

glaubhaft und überzeugend zu bezeichnen.  

3.3.5. Die Aussagen der Privatklägerin B._____ werden zumindest bezüglich 

eines Vorfalls – desjenigen gemäss Anklageziffer 1.4 – gestützt durch die Aussa-

gen der Privatklägerin C._____. So führte diese Folgendes aus: "[…] ich sah, wie 

sie auf dem Rücken lag und er sass auf ihrem Gesicht. Und sie hatte sein Glied 

im Mund. Er hielt sie an den Haaren und hat sie an den Haaren zu sich gezogen. 

Aber das Ganze ziemlich drastisch, ziemlich hart. Er hat sie nicht sanft an den 

Haaren gehalten, sondern es war so, als er sie an den Haaren zieht. […] Sie war 

sehr zart, sehr feingliedrig, und er war ein Stück von einem Mann. Sie hatte ihren 

Kopf zwischen seinen Schenkeln, die er fest zusammendrückte. Er sass auf ihren 

Hals. Sie konnte gar nicht fliehen. Eine normale Frau wäre bei so etwas wegge-

gangen. Und ich hatte den Eindruck, dass sie es tat, weil sie musste. Und er hatte 

ihre Haare ganz stark in die Hand genommen und an denen gezogen. Und er hat 

es offensichtlich genossen und sie nicht. Man sah, dass er es genoss. […] Und 

auch danach, es war nicht, dass sie gelächelt hätte. Sie war ganz still. Sie ging 

sich waschen und ging zum Kleinen" (Urk. D1/4/5/5 S. 7 ff.). Auch wenn die Pri-

vatklägerin C._____ das nicht ausdrücklich erwähnte, so zeigt doch ihre Be-

schreibung des betreffenden Oralverkehrs entgegen der Ansicht der Verteidigung 

(Urk. 528 S. 44) exemplarisch das Verhalten eines Opfers, das den brutalen Akt 

nur deshalb ohne Gegenwehr übersichergehenlässt, weil es sich schlicht nicht in 

der Lage fühlt, sich dagegen zu wehren. Gut in dieses Bild passt, dass sich die 

Privatklägerin B._____ danach sogar noch bei der Privatklägerin C._____ dafür 

- 49 - 

entschuldigte, dass jene den harten sexuellen Handlungen beiwohnen musste. 

Auch in der Beschreibung der Privatklägerin C._____ waren die gewalttätigen 

Handlungen nicht das Nötigungsmittel, zumal sie gar keine Abwehr oder Abwehr-

versuche der Privatklägerin B._____ wahrnahm. Die Beschreibung deckt sich mit 

der Art und Weise, wie die Privatklägerin B._____ die jeweiligen sexuellen Hand-

lungen des Beschuldigten an ihr beschrieb. Hinsichtlich der Aussage der Zeugin 

O._____, die der Aussage der Privatklägerin B._____, wonach der Beschuldigte 

sie zu Sex zu dritt mit der Zeugin O._____ gezwungen habe (Urk. D1/3/1 S. 3), 

widersprach (Urk. D1/4/6/2 S. 12), ist zu bemerken, dass dies entgegen der An-

sicht der Verteidigung (Urk. 528 S. 44) nicht gegen die Richtigkeit der Aussage 

der Privatklägerin B._____ spricht. Dass die Privatklägerin B._____ die betreffen-

den sexuellen Handlungen zu dritt lediglich aufgrund der psychischen Drucksitua-

tion machte, musste für die Zeugin O._____ keineswegs ersichtlich sein. Wenn 

die Verteidigung bezüglich der Zeugin O._____ anmerkt, diese habe geschildert, 

die Privatklägerin B._____ sei bezüglich des Beschuldigten eifersüchtig gewesen, 

wenn dieser auf der Strasse einer anderen Frau nachgeschaut habe (Urk. 

D1/4/6/2 S. 13), wobei auch die Privatklägerin B._____ selbst von Eifersucht ge-

sprochen habe (Urk. 528 S. 43), so ist dem entgegenzuhalten, dass eine solche 

Gefühlsreaktion der Privatklägerin B._____ vor dem Hintergrund der ambivalen-

ten Beziehung der Beiden durchaus nachvollziehbar erscheint. War der Beschul-

digte für sie Peiniger und Stütze sowie Vater ihres Sohnes zugleich, erstaunt eine 

gewisse Eifersucht von ihr anderen Frauen gegenüber nicht und spricht keines-

wegs gegen die Richtigkeit ihrer Schilderungen. Schliesslich werden die Aussa-

gen der Privatklägerin B._____ auch durch die Aufzeichnungen des Beschuldig-

ten gestützt, worin er festhielt, dass das Mädchen, bei dem es sich aufgrund des 

Gesamtkontextes zweifellos um die Privatklägerin B._____ handelte, bei ihrem 

Zusammensein keinerlei Reaktionen zeigte und er – der Beschuldigte – sie ver-

geblich gebeten habe, den Sex zu geniessen (Urk. D1/6/21 Doc. 5 S. 4). Die Aus-

sagen der Privatklägerin B._____ werden somit auch durch weitere Beweismittel 

und Indizien gestützt. 

3.3.6. Anzumerken ist, dass eine Einvernahme der Privatklägerin B._____ vor 

Gericht weder notwendig noch sinnvoll erscheint. Zwar handelt es sich bei den 

- 50 - 

dem Beschuldigten vorgeworfenen Sexualdelikten weitestgehend um Vieraugen-

delikte. Ihre parteiöffentlichen Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft wurden 

auf Video aufgezeichnet (vgl. Urk. D1/3/16-28), so dass sich auch die gerichtli-

chen Instanzen ein Bild vom Verhalten der Privatklägerin B._____ anlässlich ihrer 

Aussagen in der Untersu