# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c63e9a2b-fcdb-59fd-890c-779f3af4deb8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.05.2024 E-1936/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1936-2024_2024-05-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1936/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Richter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;  

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Libyen,   

vertreten durch Esther Potztal,  

HEKS Rechtsschutz (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 18. März 2024 / N (…). 

 

 

 

E-1936/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 22. Januar 2024 in der Schweiz um Asyl 

nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (…) zugewie-

sen.  

B.  

B.a Anlässlich der Anhörung vom 8. März 2024 machte der Beschwerde-

führer im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Er sei in Tripolis geboren, wo er bis zum Jahr 1999 gelebt habe. Damals 

habe er in B._______, beim C._______, ein Grundstück gekauft und be-

baut, wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Seine Brüder lebten eben-

falls dort, hätten aber je eigene Häuser. Er habe zusammen mit seiner Frau 

gelebt, welche nach seiner Ausreise zu seinen Eltern gegangen sei. Vor 

seiner Ausreise sei er als (…) tätig gewesen und seit dem Jahr 2005 regel-

mässig in die Schweiz gereist, um hier (…) zu kaufen, welche er in Libyen 

weiterverkaufe.  

Im Jahr (…) sei er von Milizionären entführt worden. Seine Ehefrau habe 

damals (…) Lösegeld bezahlt. Nach seiner Freilassung habe er Anzeige 

erstatten wollen. Man habe ihm auf dem Milizrevier jedoch gesagt, dass es 

weder einen Präsidenten noch einen Staat gebe, wo er das zur Anzeige 

bringen könne. Zwei Jahre später sei er erneut entführt worden. Dieses 

Mal seien (…) libysche Dinar für seine Freilassung verlangt worden. Man 

habe ihn damals physisch stark misshandelt. Nachdem er seine Familie 

telefonisch angewiesen habe, das Geld zu aufzutreiben und zu bezahlen, 

sei er erneut freigelassen worden. Nach seiner Freilassung sei er von sei-

ner Familie nach D._______ gebracht worden, wo er ein kleines Haus 

habe. Dort sei er zwei Monate lang mit seiner Frau geblieben, um sich von 

den Strapazen zu erholen. Da es in Libyen keine Schweizer Botschaft mehr 

gegeben habe und kriegsähnliche Zustände geherrscht hätten, habe er 

seine Geschäfte nur noch online abgewickelt und sei nicht mehr gereist 

respektive sei er im Jahr 2023 zwei Mal legal in der Schweiz gewesen, um 

(…) zu kaufen. Im (…) 2024 sei er für einen Termin zwecks Erhalts eines 

neuen Schengen-Visums zur Botschaft in Tunesien gereist. Das Visum 

habe er schliesslich am (…) 2024 erhalten und sei tags darauf wieder nach 

Libyen zurückgekehrt.  

Am (…) 2024 habe er sein Haus und sein Anwesen verlassen. Plötzlich 

seien zwei Autos gekommen, hätten ihm den Weg blockiert und ihn so zum 

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Anhalten gezwungen. Es habe sich um Milizen gehandelt, die ihn hätten 

entführen wollen. Ihm sei es gelungen, durch die Beifahrertür zu fliehen 

und ein Taxi anzuhalten, welches ihn nach E._______ gefahren habe. Von 

dort aus habe er seine Ehefrau kontaktiert und ihr erzählt, was passiert sei. 

Er habe sie angewiesen, seine Sachen und seinen Reisepass zu packen 

und zu seinem Bruder zu gehen, der ihm alles nach E._______ bringen 

solle.  

Am (…) 2024 habe er Libyen letztmalig verlassen und sei nach Tunesien 

gegangen, von wo er nach F._______ geflogen sei. Bei einer Rückkehr 

fürchte er, erneut entführt zu werden.  

B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seinen Reisepass im 

Original, seinen nationalen sowie internationalen Führerschein (jeweils im 

Original), eine Buchungsbestätigung für ein Flugticket, Fotoausdrucke von 

seinen Verletzungen sowie zwei Dokumente zu seiner Arbeitstätigkeit ein.  

C.  

Mit Schreiben vom 12. März 2024 gewährte das SEM dem Beschwerde-

führer das rechtliche Gehör zu Ungereimtheiten hinsichtlich der Stempel 

im Reisepass sowie der Flugbuchung und des Entführungsdatums. Hierzu 

nahm der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 14. März 2024 Stellung. 

D.  

Am 15. März 2024 händigte das SEM der Rechtsvertretung den Entschei-

dentwurf zur Stellungnahme aus, welche am 18. März 2024 einging.  

E.  

Mit Verfügung vom 18. März 2024 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig 

verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz, ordnete deren Vollzug an 

und händigte ihm die editionspflichtigen Akten aus.  

F.  

F.a Mit Beschwerde vom 28. März 2024 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer die vollständige Aufhebung der Verfü-

gung vom 18. März 2024, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft 

und die Gewährung des Asyls sowie eventualiter die Gewährung der vor-

läufigen Aufnahme oder die Rückweisung der Sache an das SEM zur voll-

ständigen Sachverhaltsfeststellung und Begründung und Neubeurteilung. 

In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen 

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Prozessführung inklusive Kostenvorschussverzicht. Auf die Begründung 

wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

F.b Als Beweismittel lagen der Beschwerde ein medizinisches Verlaufs-

blatt der Asyl-Organisation Zürich (AOZ), drei E-Mails der Rechtsvertreterin 

vom 8., 20. und 21. März 2024 an Medic-Help, eine «Embarkation and 

Disembarkation Card» im Original, drei Foto-Ausdrucke, eine Quittung ei-

ner Flugbuchung, eine Reiseversicherung sowie zwei geographische Kar-

ten betreffend die Situation in Libyen bei (jeweils in Kopie, sofern nicht an-

ders spezifiziert). 

G.  

Mit Verfügung vom 3. April 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde und hielt fest, er 

könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. 

H.  

Mit Eingabe vom 4. April 2024 reichte der Beschwerdeführer ein Foto einer 

Rechnung eines libyschen Hotels vom (…) 2024 ins Recht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

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Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um ein solches Rechtsmittel, 

weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen 

in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. 

Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 

E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). 

5.  

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5.1 Nach Ansicht der Vorinstanz vermochten die Vorbringen des Be-

schwerdeführers weder den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flücht-

lingseigenschaft noch denjenigen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftma-

chen zu genügen.  

Den geltend gemachten Entführungen in den Jahren (…) und (…) mangle 

es sowohl an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv im Sinne von 

Art. 3 Abs. 1 AsylG als auch an einem zeitlichen Kausalzusammenhang 

mit seiner erst viele Jahre später erfolgten Ausreise im (…) 2024. Das 

Motiv sei jeweils gewesen, Geld von ihm zu erpressen. Nachdem seine 

Familie die Geldzahlung geleistet habe, sei er beide Male freigekommen. 

Sodann sei er zwischenzeitlich mehrfach in der Schweiz gewesen und 

hätte Gelegenheit gehabt, um Asyl zu ersuchen. Es sei nachvollziehbar, 

dass er sich subjektiv vor einer erneuten Entführung fürchte. Es gebe je-

doch in Anbetracht dessen, dass seit (…) Jahren nichts passiert sei, ob-

wohl er weiter seinen Geschäften nachgegangen sei, keinerlei objektive 

Hinweise, dass ein konkretes Interesse dieser Milizen bestehe, ihn erneut 

zu entführen. Wegen des Krieges sei er zwar bis 2023 nicht mehr in die 

Schweiz gereist, habe [sein Geschäft] aber aufgrund seiner Kontakte in 

der Schweiz weiterführen können. Trotz eines angeblich weiteren Entfüh-

rungsversuchs betreffend seinen Bruder lebe seine ganze Familie weiter-

hin am gleichen Ort, wo er auch bis zur Ausreise gelebt habe. 

Ferner sei es ihm nicht gelungen, den Entführungsversuch vom (…) 2024 

glaubhaft darzutun. Vergleiche man die Qualität seiner Schilderung der 

schon weiter zurückliegenden Entführungen aus den Jahren (…) und (…) 

mit seinen Schilderungen des angeblichen Entführungsversuchs im (…) 

2024, stelle man fest, dass seine Ausführungen zu letzterem äusserst 

knapp, substanz- und detailarm seien. Obwohl er mehrfach aufgefordert 

worden sei, möglichst ausführlich vom Entführungsversuch zu erzählen, 

seien seinen Ausführungen stereotyp und detailarm geblieben. Völlig un-

klar sei, wie ihm die Flucht zu Fuss gelungen sei, wo er doch angegeben 

habe, Probleme mit seinem Bein zu haben und er während der Flucht über 

zwei Mauern gesprungen sei, wobei er von jemandem verfolgt worden sei.  

Die Vorinstanz wies zusätzlich auf den sonderbaren Umstand hin, dass der 

Flugbuchung zu entnehmen sei, dass der Beschwerdeführer seinen Flug 

nach F._______ bereits am (…) 2024 – und somit bereits einen Tag vor der 

angeblichen fluchtauslösenden Entführung – gebucht habe.  

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Ferner sei aufgrund der zahlreichen Ein- und Ausreisestempel in seinem 

Pass ersichtlich, dass er seit dessen Ausstellung im (…) zahlreiche Aus-

landreisen unternommen habe. Es sei nicht davon auszugehen, dass er 

sich wie angegeben ausschliesslich zuhause aufgehalten habe. Seinem 

Pass sei zu entnehmen, dass er Libyen am (…) 2024 verlassen habe. Da 

keine weiteren Stempel vorlägen, die seine Wiedereinreise nach Libyen 

vor dem (…) 2024 und seine erneute Ausreise nach dem (…) 2024 beleg-

ten, sei ihm das rechtliche Gehör gewährt worden. Auf der darin von ihm 

erwähnten Seite (…) des Reisepasses seien zwar Einreisestempel von Tu-

nesien sichtbar, jedoch sei nicht ersichtlich, aus welchem Land er nach Tu-

nesien eingereist sei. In seiner Stellungnahme habe er zwar einen Stempel 

auf dieser Seite mit «Einreise Libyen, (…)2024» benannt, jedoch sei das 

Datum des Stempels nicht lesbar.  

Ferner seien auch keine zusätzlichen Abklärungen zu seinem psychischen 

Zustand erforderlich. Er sei in der Lage gewesen, sich zu den Geschehnis-

sen aus den Jahren (…) und (…) substanziiert und detailliert zu äussern, 

weswegen nicht nachvollziehbar sei, warum er dies in Bezug auf ein Ereig-

nis, das erst (…) Monate zurückliege, nicht könnte. Sodann möge es zwar 

sein, dass wohlhabende Menschen eher Gefahr liefen, entführt zu werden 

und seine Angst davor sei aufgrund seiner Vorgeschichte nachvollziehbar. 

In Anbetracht dessen, dass seit dem letzten Vorfall (…) Jahre vergangen 

seien, sei aber nicht davon auszugehen, dass er aufgrund seiner Bekannt-

heit oder seines Reichtums als Zielscheibe für Entführungen gelte. Auf-

grund dessen, dass er die ganze Zeit über seinen Geschäften nachgegan-

gen sei und ihm nie etwas passiert sei, sei nicht nachvollziehbar, dass er 

ausgerechnet jetzt in solcher Gefahr schweben solle, dass ein weiterer Ver-

bleib beziehungsweise eine Rückkehr ins Heimatland unzumutbar respek-

tive unzulässig sei. Es werde nicht in Frage gestellt, dass die ersten beiden 

Entführungen gewisse Spuren in seiner Psyche hinterlassen hätten. Den-

noch sei aufgrund der Tatsache, dass seit der letzten Entführung (…) Jahre 

vergangen seien, er weiter seinen Geschäften nachgegangen und, wie sei-

nem Pass zu entnehmen sei, zahlreiche Auslandreisen unternommen 

habe, nicht davon auszugehen, dass er derart traumatisiert sei, dass er auf 

eine medizinische Behandlung in der Schweiz angewiesen wäre.   

Insgesamt sei der Beschwerdeführer nicht im Stande gewesen, den Ent-

führungsversuch, der zur Ausreise geführt habe, glaubhaft darzulegen.  

5.2 Zur Begründung seiner Beschwerde verwies der Beschwerdeführer zu-

nächst auf die äusserst kritische Sicherheitslage in Libyen. Das Land 

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werde von Milizen beherrscht und es bestehe eine Situation allgemeiner 

Gewalt. Weiter sei er zur sozialen Gruppe der vermeintlichen Anhänger von 

Muammar al-Gaddafi zu zählen. Seine Tätigkeit und sein finanzieller Erfolg 

seien von der libyschen Bevölkerung mit der früheren politischen Ordnung 

assoziiert worden. Ein weiterer Grund für die Entführungen sei seine Zu-

sammenarbeit mit der Schweiz gewesen. Er habe somit bestimmte Merk-

male, die untrennbar mit ihm verbunden seien. Menschen, die zu Zeiten 

von Muammar al-Gaddafis Regime erfolgreich gewesen seien, würden von 

der lokalen Bevölkerung und Milizen mit allen Schwierigkeiten in Verbin-

dung gebracht, die sie mit solchen Personen gehabt hätten. Daher seien 

sie einem erheblichen Risiko von Verfolgung und Angriffen ausgesetzt.  

Ferner hätten seine Vorbringen Realkennzeichen (spontane Umgebungs-

schilderungen, Angaben zu Namen, Orten, Zeiten, direkte Rede zur Wider-

gabe von Gesprächen und nebensächliche Details) enthalten, seien in we-

sentlichen Punkten nicht widersprüchlich, entsprächen der inneren Logik 

sowie der allgemeinen Lebenserfahrung und den herrschenden Tatsachen 

in Libyen. Bei der Flucht über die Mauer sei er höchstwahrscheinlich in 

einem Schockzustand gewesen, was es ihm ermöglicht habe, seinen 

schmerzenden Fuss zu ignorieren. Sodann könne nicht ausgeschlossen 

werden, dass er aufgrund der erlebten Traumata und Stresssituation an 

einer dissoziativen Amnesie leide. Dies erkläre auch, weshalb er den Ent-

führungsversuch nicht ausführlicher habe beschreiben können. Auf eine 

Traumatisierung deuteten beispielsweise sein Schweigen auf direkte Fra-

gen des SEM oder seine Vergesslichkeit hin. Hinsichtlich der Zweifel des 

SEM an der Grenzüberquerung machte er geltend, dass auf der vom SEM 

an die Rechtsvertretung zurückgeschickten «Embarkation and Disembar-

kation Card» vom (…) 2024 mit dem entsprechenden Stempel Libyen auch 

als das Land vermerkt sei, aus dem er am (…) 2024 gekommen sei. Aus-

serdem sei auf dem Stempel der Name des Grenzübergangs zu erkennen. 

Dass er den Flug bereits einen Tag vor dem Entführungsversuch gebucht 

habe, sei reiner Zufall. Da er sich auch im Jahr 2023 bereits zweimal in der 

Schweiz befunden habe, hätte er mehrmals die Möglichkeit gehabt, in der 

Schweiz Asyl zu beantragen. Er habe sich in dieser Zeit aber dagegen ent-

schieden, da er geglaubt habe, die schwierige Situation in Libyen sei vo-

rüber und es bestehe keine Notwendigkeit für Asyl. Seine Angaben zeigten 

auch, dass er wegen des Entführungsversuchs keine Zeit für Vorbereitun-

gen gehabt habe, weshalb er seine Frau und seinen Bruder um Hilfe bei 

der Organisation und Beschaffung von Reisedokumenten nach dem Ent-

führungsversuch gebeten habe.  

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In Libyen gebe es keine funktionsfähigen staatlichen Behörden, die ihm 

Schutz gewähren könnten. Es fehle eine innerstaatliche Fluchtalternative. 

Er habe Angst, bei einer weiteren Entführung das Lösegeld nicht mehr be-

zahlen zu können. Schliesslich seien keine weiteren medizinischen Abklä-

rungen getroffen worden. Das SEM hätte seinen psychologischen Zustand 

klären und auch eine konkrete Diagnose stellen müssen.  

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu stützen ist. Die Vorinstanz 

ist darin mit im Resultat überzeugender und ausführlicher, gehörig auf die 

Akten und die Rechtsprechung abgestützter Begründung zum zutreffenden 

Schluss gelangt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den 

Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft (Entführun-

gen in den Jahren […] und […]) noch denjenigen von Art. 7 AsylG an das 

Glaubhaftmachen (Entführungsversuch vom […] 2024) zu genügen vermö-

gen. Die Beschwerde vermag den vorinstanzlichen Erwägungen insge-

samt nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Zur Vermeidung von Wieder-

holungen kann daher mit den nachfolgenden Erwägungen auf die zutref-

fenden Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (vgl. 

a.a.O. E. II) verwiesen werden.  

6.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, es liege 

entgegen der Annahme des SEM ein Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 

AsylG vor: Er sei aufgrund seiner Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der 

vermeintlichen Anhänger von Muammar al-Gaddafi ins Visier der Milizen 

geraten. Ungeachtet dessen, dass die entsprechenden Beschwerdeaus-

führungen sowohl hinsichtlich des Vorliegens einer sozialen Gruppe als 

auch der Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur selben äusserst spe-

kulativ und nicht überzeugend ausgefallen sind, lassen sich den Akten kei-

nerlei Hinweise auf eine derartige Verfolgungsmotivation entnehmen. Sei-

nen Aussagen zufolge ist es stets nur um sein Geld gegangen – aufgrund 

seines geschäftlichen Erfolgs sei er zur Zielscheibe der Milizen geworden, 

welche sich finanzielle Vorteile hätten verschaffen wollen (vgl. vorinstanz-

liche Akten […]-17/16 [nachfolgend: act. 17] F50, 59, 61, 66). Darin ist kein 

asylrelevantes, sondern ein rein kriminelles Verfolgungsmotiv zu erkennen. 

Weiter ist der Beschwerde nicht zu entnehmen, inwiefern zwischen diesen 

Entführungen und der Ausreise im (…) 2024 ein zeitlicher Kausalzusam-

menhang bestehen sollte. Wie das SEM zu Recht ausführte, hat sich der 

Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge in den darauffolgenden Jah-

ren nicht versteckt, sondern ist weiter seinen Geschäften nachgegangen 

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Seite 10 

und mehrmals ins Ausland gereist, so auch im Jahr 2023 zwei Mal in die 

Schweiz (vgl. a.a.O. F67-69). Die Feststellungen des SEM, wonach es den 

in den Jahren (…) und (…) erfolgten Entführungen und Erpressungen an 

einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv mangle und darüber hinaus ein 

zeitlicher Kausalzusammenhang zur Ausreise im (…) 2024 fehle, sind da-

her zu bestätigen. Im Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen des 

SEM verwiesen werden (vgl. SEM-Verfügung E. II.1).  

6.3 Ferner hat das SEM den geschilderten Entführungsversuch vom (…) 

2024 zu Recht für unglaubhaft befunden. Hierbei stechen im Vergleich der 

Schilderungen der vergangenen Entführungen mit dem jüngsten Entfüh-

rungsversuch insbesondere die deutlichen Unterschiede in deren Qualität 

und Substanz hervor. Wie in der Beschwerde zu Recht erwähnt und vom 

SEM auch nicht bestritten, war der Beschwerdeführer durchaus in der 

Lage, die vergangenen Entführungen weitgehend anschaulich und mit Re-

alkennzeichen versehen zu schildern (vgl. act. 17 F59-61). Demgegenüber 

fiel die Erzählung des Entführungsversuchs äusserst knapp, vage und ein-

dimensional aus. So enthielten die entsprechenden Schilderungen – mit 

Ausnahme des an mehreren Stellen des Protokolls erwähnten Markenna-

mens der Autos der Milizen («Toyota Cerillion», vgl. a.a.O. F55, 62, 70) – 

keine Details oder sonstige Realkennzeichen und zeichnen sich aus durch 

eine eindimensionale Aneinanderreihung von Handlungsketten (vgl. a.a.O. 

F55, F62, F70-76). Selbst auf die mehrfache Aufforderung des SEM hin, 

dieses Ereignis wie die beiden ersten Entführungen so ausführlich und de-

tailliert wie möglich zu beschreiben, wiederholte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen einfach das bereits Gesagte – teilweise gar in noch verkürz-

terer Form – ohne dem Geschilderten neue Details oder eine neue Dimen-

sionalität zu verleihen (vgl. a.a.O. F70-72). Zwar ist dem Beschwerdeführer 

dahingehend zuzustimmen, dass in Situationen höchster Anspannung un-

ter Adrenalineinfluss körperliche Schmerzen in den Hintergrund rücken und 

es ihm so trotz allfälliger Schmerzen im Fuss möglich gewesen sein 

könnte, über mehrere (nicht allzu hohe) Mauern zu klettern und zu entkom-

men. An der grundsätzlich unglaubhaften Schilderung des Entführungsver-

suchs vermag dies indes nichts zu ändern, zumal es auch völlig unplausi-

bel erscheint, dass er von einem schwer bewaffneten Mann verfolgt wor-

den sein, dieser aber von seiner Waffe keinen Gebrauch gemacht haben 

soll, um ihn von seiner Flucht abzuhalten (vgl. a.a.O. F73 f.). 

Ferner trägt auch der sonderbare zeitliche Umstand, dass der Beschwer-

deführer bereits am (…) 2024 und damit schon einen Tag vor der angebli-

chen fluchtauslösenden Entführung vom (…) 2024 seinen Flug gebucht 

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Seite 11 

hat, nicht zur Glaubhaftigkeit der Asylbehauptungen bei. Zwar ist nicht 

gänzlich auszuschliessen, dass sich solche zeitlichen Zufälle ereignen. 

Aber im Lichte der nicht glaubhaft dargelegten Entführung vom (…) 2024 

legen diese zeitlichen Umstände sehr wohl die Vermutung nahe, die bereits 

geplante Ausreise sei aus anderen als den behaupteten Gründen erfolgt 

und der angebliche Entführungsversuch sei als angebliches fluchtauslö-

sendes Ereignis bloss vorgeschoben worden. Aufgrund der übrigen Akten-

lage kann diese Frage indes im Resultat offengelassen werden.  

Auch die in der Beschwerde vertretene Ansicht, wonach der Beschwerde-

führer traumatisiert und deshalb vergesslich sei, überzeugt nicht. Zum ei-

nen ist diesbezüglich auf die zutreffenden Ausführungen des SEM zu ver-

weisen, wonach nicht nachvollziehbar erscheint, weshalb die angebliche 

Traumatisierung zwar zu einer unsubstanziierten Schilderung des kürzlich 

erfolgten Entführungsversuchs, nicht aber der vergangenen und weitaus 

einschneidenderen Entführungen führen soll. Es wird zwar nicht in Abrede 

gestellt, dass der Beschwerdeführer infolge der vergangenen Entführun-

gen und Misshandlungen allenfalls psychische Probleme davongetragen 

hat (vgl. act. 17 F50-52, F59, F61f.), allerdings ist aufgrund der Akten nicht 

davon auszugehen, dass diese sein Aussageverhalten in relevanter Weise 

beeinträchtigt hätten. Es ergeben sich keine Hinweise darauf, dass es ihm 

infolge einer allfälligen Traumatisierung nicht möglich gewesen wäre, den 

Entführungsversuch glaubhaft zu schildern. Auch die in der Beschwerde 

angeführte Protokollstelle ist insofern untauglich, als der Beschwerdeführer 

darin ein Indiz für eine Traumatisierung erkennt: So handelt es sich bei der 

«direkten Frage» (Formulierung in der Beschwerde) des SEM zum einen 

gar nicht um eine Frage, sondern um eine einfache Feststellung (vgl. act 23 

F90: «Sie werden dazu mit Ihrer RV eine Stellungnahme einreichen»), wo-

bei protokolliert wurde, dass der Beschwerdeführer hierauf schwieg. Es 

handelte sich hierbei um eine letzte Information des SEM am Ende der 

Anhörung – als Reaktion auf die Bitte des Beschwerdeführers, die Unter-

lagen betreffend seine Ein- und Ausreisen aus Libyen nochmals zu prüfen. 

Es ist daher nicht ersichtlich, was der Beschwerdeführer auf diese Fest-

stellung noch hätte antworten sollen. Es erschliesst sich dem Gericht nicht, 

inwiefern das Schweigen des Beschwerdeführers an dieser Stelle als Indiz 

für eine Traumatisierung gedeutet werden könnte. Bezeichnenderweise 

führt er denn auch keine weiteren Protokollstellen an.  

6.4 Zur Untermauerung ihrer Position zog die Vorinstanz als weiteres Indiz 

die widersprüchlichen respektive unvollständigen Stempelungen im Reise-

pass des Beschwerdeführers heran, wobei die unglaubhafte Schilderung 

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Seite 12 

des Entführungsversuchs allerdings den Kern ihrer Argumentation dar-

stellt. Der Frage, wann genau der Beschwerdeführer letztmals Libyen ver-

lassen hat, kommt daher keine entscheidwesentliche Bedeutung zu. Dies, 

zumal selbst die Annahme eines Aufenthalts in Libyen zur angegebenen 

Zeit die unsubstanziierten Schilderungen nicht aufzuwiegen vermag. Der 

Vollständigkeit halber ist hierzu dennoch Folgendes festzustellen: 

Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen Aufenthalten kurz vor 

seiner definitiven Ausreise aus Libyen erscheinen zwar grundsätzlich plau-

sibel und korrespondieren weitestgehend mit den Stempelungen im Reise-

pass (vgl. act. 17, F77, act. 20). Das SEM stellte jedoch zu Recht fest, dass 

die entscheidenden Ein- und Ausreisestempel Libyens fehlten und beim in 

der Stellungnahme zum Entscheidentwurf bezeichneten Stempel das Da-

tum nicht lesbar sei (vgl. SEM-Verfügung S. 5). An der Authentizität der als 

Beweis für die Ausreise aus Libyen am (…) 2024 mit der Beschwerde ein-

gereichten «Embarkation Card» bestehen zudem gewichtige Zweifel: So 

ist der Beschwerdeführer auf dem Landweg über den Grenzpunkt 

G._______ nach Tunesien gereist. Diesfalls stellt sich die Frage, weshalb 

bei der Grenzüberquerung mit einem Auto eine «Embarkation Card» nötig 

gewesen sein sollte, welche in der Regel nur bei Flug- oder Schiffreisen 

benötigt wird. Sodann vermag diese den fehlenden libyschen Einreise-

stempel ohnehin nicht zu erklären. Angesichts des Umstandes, dass die 

Quittung für ein Hotel in E._______ lediglich als Kopie vorliegt und – wie 

die «Embarkation Card» – keinerlei Sicherheitsmerkmale aufweist, ist de-

ren Beweiswert sehr gering und daher vorliegend nicht geeignet, die Zwei-

fel aufzuwiegen.   

Letztlich ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer, der 

am (…) 2024 bereits im Besitz des Schengen-Visums sowie der Flugbu-

chung war, nicht gleich nach Tunesien ausgereist, sondern eigenen Anga-

ben zufolge noch bis am (…) 2024 im Grenzort E._______ (respektive 

H._______) geblieben ist (vgl. act. 17 F55 f., F70, F72), wo er für die Mili-

zen ein leichtes Ziel gewesen wäre. Auch dieser Umstand legt die Vermu-

tung nahe, dass die Ausreise nicht aus dem behaupteten plötzlichen Ent-

führungsversuch, sondern aus anderen Motiven erfolgt sein dürfte. 

6.5 Gesamthaft betrachtet ist es dem Beschwerdeführer daher nicht gelun-

gen, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung in Libyen im Zeitpunkt 

seiner Ausreise glaubhaft zu machen. Das SEM hat daher zu Recht seine 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

E-1936/2024 

Seite 13 

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Das SEM befand den Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar 

und möglich. Hinsichtlich des Vollzugs der Wegweisung nach Tripolis hielt 

es unter Bezugnahme auf die einschlägige Rechtsprechung fest, dass die-

ser vorliegend ausnahmsweise zumutbar sei, da begünstigende Faktoren 

vorlägen. Der Beschwerdeführer sei grundsätzlich gesund und die von den 

Entführungen in den Jahren (…) und (…) herrührenden Verletzungen seien 

verheilt. Sodann schienen seine psychischen Beschwerden ihn in seinem 

Alltag nicht wesentlich einzuschränken, zumal er seit der letzten Entfüh-

rung noch (…) Jahre an seinem Wohnort verbracht habe und weiter seinen 

Geschäften nachgegangen sei. Sodann verfüge er über ein umfangreiches 

Beziehungsnetz von vier Brüdern, deren Häuser sich unmittelbar neben 

seinem befänden. Daraus könne geschlossen werden, dass er auf die Un-

terstützung seiner Familie hinsichtlich der Existenzsicherung zählen 

könne. Abgesehen davon sei es ihm wirtschaftlich gut gegangen. Seinen 

Aussagen zufolge laufe das (…)geschäft gut und er sei eine bekannte Per-

son in diesem Markt.  

E-1936/2024 

Seite 14 

8.2.2 Dem hielt der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde entgegen, 

dass er in Libyen keinen effektiven Zugang zu einer angemessenen medi-

zinischen Versorgung zur Behandlung seiner psychischen und physischen 

Probleme habe. Bei einer Rückkehr wäre er der ständigen Gefahr einer 

erneuten Entführung ausgesetzt. Seine Familie könne keine Hilfe leisten, 

da sie bereits eine beträchtliche Summe habe aufbringen müssen, um ihn 

einmal zu befreien. Darüber hinaus sei der Bruder ebenfalls von kriminellen 

Gruppierungen bedroht worden, was die familiäre Unterstützung weiter 

einschränke. Sodann hätten die durch die erpressten Lösegelder erlittenen 

finanziellen Verluste seine Fähigkeit beeinträchtigt, sein Unternehmen er-

folgreich zu führen. Die infolge andauernder Bedrohung durch Banditen 

notwendige versteckte Ausübung seiner Tätigkeiten führe zu weiteren fi-

nanziellen Einbussen. Im Falle einer Rückkehr bestehe eine ernsthafte Ge-

fahr der Verletzung der in Art. 3 EMRK garantierten Rechte. Zudem müsste 

er ständig mit der Angst vor neuen Entführungen und Folterungen leben, 

was zu einem unerträglichen psychischen Druck führe.   

8.3  

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- 

oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). 

8.3.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

8.3.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3.4 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

E-1936/2024 

Seite 15 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.3.5 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des 

Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 

den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe 

oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-

richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-

ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real 

risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-

schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-

teil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 

37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Nach den vorstehenden Ausführungen ge-

lingt ihm das nicht, zumal er nach der letzten Entführung im Jahr (…) bis 

zu seiner letztmaligen Ausreise in Libyen (…) Jahre lang unbehelligt seinen 

Geschäften nachgehen konnte. Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-

ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-

punkt nicht als unzulässig erscheinen.  

8.3.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht äusserte sich im Referenzurteil  

D-6946/2013 vom 28. März 2018 zur Sicherheitslage in Libyen und kam 

zum Schluss, dass in weiten Teilen Libyens eine Situation allgemeiner Ge-

walt herrsche und dementsprechend der Vollzug der Wegweisung in weite 

Teile Libyens als unzumutbar zu erachten sei (a.a.O. E. 6.5.2). 

Weiter prüfte das Gericht im erwähnten Urteil, ob sich ein Wegweisungs-

vollzug nach Tripolis als zumutbar erweise. Dabei wurde erkannt, dass ein 

Vollzug der Wegweisung nach Tripolis grundsätzlich als unzumutbar zu 

E-1936/2024 

Seite 16 

erachten sei. Die Zumutbarkeit sei nur ausnahmsweise, beim Vorliegen be-

günstigender Faktoren, zu bejahen (a.a.O. E. 6.5.3). 

8.5 Es ist somit zu prüfen, ob beim Beschwerdeführer begünstigende Fak-

toren im Sinne des genannten Referenzurteils vorliegen, die zur aus-

nahmsweisen Bejahung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach 

Tripolis führen.  

8.5.1 Bei der bestehenden Aktenlage kann der Argumentation des SEM, 

wonach beim Beschwerdeführer begünstigende Umstände im Sinne des 

genannten Referenzurteils vorliegen würden, gefolgt werden. Um Wieder-

holungen zu vermeiden, ist an dieser Stelle auf die entsprechenden Aus-

führungen der Vorinstanz zu verweisen (vgl. SEM-Verfügung E. III.2). Der 

Beschwerdeführer vermag dem mit seinen Beschwerdeausführungen 

nichts Überzeugendes entgegenzusetzen. Er befand sich vor seiner Aus-

reise aus Libyen als erfolgreicher (…)händler, welcher regelmässig sogar 

ins Ausland gereist ist und offenbar ohne Probleme den Nachweis über die 

für den Erhalt eines Schengen-Visums benötigten finanziellen Mittel erbrin-

gen konnte (vgl. Urteil des BVGer E-4707/2020 E. 7.3 m.w.H.), in einer 

ausserordentlich privilegierten Situation. Selbst wenn er respektive seine 

Familie aufgrund der früheren Entführungen und der Lösegeldzahlungen 

einen Teil seines Vermögens verloren hätte, scheint dies seiner Geschäfts-

tätigkeit und seinem Erfolg keinen Abbruch getan zu haben (vgl. act. 17 

F67-69, insb. F78). Sein Hinweis auf seine gesundheitlichen Probleme ist 

vorliegend nicht einschlägig, zumal er wie bereits festgestellt vor seiner 

Ausreise (…) Jahre lang in Libyen ohne wesentliche Einschränkungen wei-

terleben und seinen geschäftlichen Tätigkeiten nachgehen konnte. Aus 

diesem Grund ist auch nicht von einem akuten und unmittelbaren Risiko 

durch erneute kriminelle Verfolgungshandlungen auszugehen.  

8.5.2 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung vor-

liegend auch als zumutbar. 

8.6 Schliesslich ist der Beschwerdeführer im Besitz eines gültigen heimat-

lichen Reisepasses, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

E-1936/2024 

Seite 17 

9.  

Schliesslich erweisen sich auch die (sinngemässen) formellen Rügen (un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, Verletzung 

der Begründungspflicht) des Beschwerdeführers als unbegründet. Ange-

sichts der vorliegenden Sachverhaltsumstände war das SEM nicht gehal-

ten, weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen, was es in der ange-

fochtenen Verfügung zwar knapp, aber zutreffend begründet hat (vgl. 

a.a.O. S. 5 f.). In der Schweiz hat sich der Beschwerdeführer lediglich auf-

grund körperlicher Beschwerden an den Gesundheitsdienst gewandt (vgl. 

act. 17 F43-52). Dies ergibt sich auch aus dem eingereichten Verlaufsblatt 

von Medic-Help (vgl. Beschwerdebeilage 4). Diesbezüglich ist hervorzuhe-

ben, dass sich der Beschwerdeführer nach dem Vorfall im Jahr (…) weitere 

(…) Jahre lang in Libyen aufgehalten und seinen (…)handel erfolgreich 

weitergeführt hat, wobei er zuletzt im Jahr 2023 auch zweimal zu Ge-

schäftszwecken in die Schweiz gereist ist. Sodann ist nicht ersichtlich, in-

wiefern das SEM die Begründungspflicht verletzt haben soll. Insofern er 

sich mit der vorinstanzlichen Begründung nicht einverstanden erklärt, han-

delt es sich hierbei um eine materielle und nicht eine formelle Frage. Eine 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz fällt daher ausser Betracht. Das 

kassatorische Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Rechtsbegehren aus-

sichtslos waren (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Befreiung von der 

Kostenvorschusspflicht erweist sich als gegenstandslos.  

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

  

E-1936/2024 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

Versand: