# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4ef51fc-3874-5070-abd1-56ba6af30770
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-18
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung IV, medizinischer Sachverhalt aus neurologischer und psychiatrischer Sicht ungenügend abgeklärt, Rückweisung zu weiteren Abklärungen
**Docket/Reference:** IV.2022.00516
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00516.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00516
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Langone
Urteil
vom
18. November 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1974,
arbeitete zuletzt
in einem Pensum von 100 %
als Pfle
gefachfrau HF bei der
Klinik Y.___
. Unter Hinweis auf ein Schleuder
trauma meldete sie sich am 10. Februar 2021 bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/4). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die med
i
zinisch
e
und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Unfallversicherung Zürich bei (Urk.
7
/10).
Die IV-Stelle unterstützte die Versicherte mit verschiedenen beruflichen Mass
nahmen (Kostengutsprache für einen ergonomischen Stuhl, Urk. 7/17; Kosten
gutsprache für ein Stehpult, Urk. 7/29; Kostengutsprache für einen Arbeitsver
such
im Kundendienst einer Privatversicherung
v
om 1. Oktober 2021 bis 31. März
2022, Urk. 7/31-32). Per 31. März 2022 wurde
n
die beruflichen Massnahmen
im Einverständnis der Versicherten abgeschlossen, da das Pensum entgegen der Ziel
vereinbarung von 100 % lediglich auf 50 %
habe
gesteigert werden können.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahren
s
(Urk. 7/46; Urk. 7/49) holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte bei der Unfallversicherung ein und verneinte mit Verfügung vom 13. Juli 2022 (Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 14. September 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. Juli 2022 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr eine angemessene IV-Rente auszurichten;
eventualiter sei ein
polydisziplinäre
s
Gutachten anzuordnen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2022 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Gerichts
verfügung vom 19. Oktober 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
in der angefochtenen Verfügung
aus
(Urk. 2), dass sie die Beschwerdeführerin mit dem Case Management der Unfallversicherung begleitet und finanziell mit Taggeldern unterstützt
habe
. Leide
r
habe sie ihr Pen
sum bis März 2022 nich
t
höher als 50 % steigern können (S. 1). Für die Renten
prüfung habe man sich auf die medizinischen Unterlagen der Unfallversicherung gestützt, da die gesundheitlichen Beschwerden rein unfallbedingt gewesen seien.
U
nter Berücksichtigung der Ergebnisse der neuropsychologischen Abklärung (leichte neurokognitive Störung)
vom 14. Juli 2021 sei
empfohlen worden
, eine kognitiv weniger anforderungsreiche, gut strukturierte Tätigkeit ohne Zeitdruck und
mit
ausgewogenen Pausen anzustreben, beginnend mit
einem
30 % Pensum und einer Steigerung nach drei bis vier Wochen. Die Beschwerdefüh
r
erin sei auch in der
Rehaklinik
Z.___
ausreichend und umfangreich abgeklärt worden. Die
Notwen
d
i
gkeit einer Begutachtung bestehe nicht.
A
us ihrer S
icht würden
sich die gesu
ndhei
tlichen Beschwerden nicht langfristig auf die Arbeitsfähigkeit au
swir
ken und ein volles Arbeitspensum sei wieder zumutbar (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend (Urk. 1), sie könne ihre angestammte, körperlich schwer belastende Tätigkeit als Pflegefachfrau HF nicht mehr verrichten (S. 14). Sie habe ab 1. Juni 2022 eine Anstellung als Pflegefach
frau mit 60 % Pensum finden können. Aufgrund des seelischen und körperlichen Leidens könne sie heute maximal ein 60 % Pensum verrichten.
De
s
halb
habe sie Anspruch
auf mindestens eine Viertelsr
ente (S. 15). Die Aktenbeurteilung des RAD, wonach sie zu 100 % arbeitsfähig sein soll, sei klar falsch (S. 16).
Die Beschwerdegegnerin habe trotz Vorliegens eines komplexen Beschwerdebildes keine eigenen medizinischen Abklärungen vorgenommen, womit sie gegen ihre Untersuchungspflicht verstossen habe
(S. 1
5
-17).
2.3
Streitig und zu prüfen ist im Hinblick auf den Rentenanspruch der Beschwerde
führerin
zunächst
, ob und in welchem Ausmass sie in ihrer Arbeits
fähigkeit
beeinträchtigt ist.
3.
3.1
Im Bericht von Dr.
med. univ.
A.___
, FMH Neurologie,
vom
Kopfwehzentrum
B.___
, vom 21. Januar 2021 (Urk. 7/10/21-25) sind folgende Diagnosen aufgeführt (S. 1):
-
Anhaltende Kopfschmerzen zurückzuführen auf eine leichte traumatische Verletzung des Kopfes (IHS-Code 5.1.1), welche sich als Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie vereinzelt
als
Migräne ohne Aura präsentiert
-
St.p
. HWS-Distorsionstrauma am 05.11.2020 mit
-
Cervicospondylogenem
cephalem
und
thorakospondylogenem
Schmerzsyndrom mit frontalen Kopfschmerzen
-
cMRT
vom Dez. 2020: keine
Traumafolge
der HWS oder BWS, keine Neurokompression. Minimales Bandscheiben
Bulgin
C5/6 und C6/
7
Der Arzt führte an, dass d
ie Beschwerdeführerin an akuten, anhaltenden Kopf
schmerzen nach Trauma
leide
, welche sich in erster Linie als Kopfschmerzen vom Spannungstyp präsentierten. Neben den Kopfschmerzen bestünden noch ausge
dehnte Konzentrationsstörungen, Störungen der geteilten Aufmerksamkeit sowie reduzierte Belastbarkeit (S. 3).
3.2
Dem definitiven Austritts
bericht der
Rehaklinik D.___
vom 1.
April 2021 (Urk. 7/22) sind dieselben Diagnosen zu entnehmen (S. 1). Die Hospi
talisation fand von 15. März bis 7. April 2021 statt. Die B
eschwerdeführerin sei motiviert und
kooperativ gewesen und habe die Therapien immer regelmässig besucht. Man habe mit ihr auch die posttraumatisch aufgetretene
n
Störungen im Besonderen des Kurzzeitgedächtnisses und der Konzentration besprochen.
Es werde
eine neu
r
opsychologische ambulante Abklärung empf
o
hlen (S. 3).
3.3
Dr. phil.
C.___
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP,
und Dr. med.
D.___
, Verhaltensneurologin,
führten in ihrem
Bericht vom 14. Juli
2021 (Urk.
7/41/10-15) aus, dass die kognitiven Befunde sowie die Befunde auf Ver
haltensebene auf leichte präfrontale Funktionseinschränkungen hinweisen wür
den, welche quantitativ einer leichten neurokognitiven Störung entsprechen würden (S. 1). Sie diagnostizierte eine leichte neurokognitive Störung bei noch verminderter Belastbarkeit / erhöhter Ermüdbarkeit als
residuelle
Folge bei Status nach Autounfall 11/
2020
. Insbesondere unter hohen Anforderungen sei von einer leicht eingeschränkten beruflichen Funktionsfähigkeit auszugehen. Insbesondere
dürfte
sich die Einschränkung
im Bereich der Konzentration/Aufmerksamkeit bei zunehmenden Anforderungen
noch akzentuiert zeigen und zu einem erhöhten Zeitbedarf bei der Ausübung aller Aufgaben führen (S. 2).
3.4
Dem Bericht zuhanden
der
UVG-Versicherung von Dr. phil.
E.___
, eidg. anerkannte Psychotherapeutin, vom 24. Dezember 2021 (Urk. 7/41/20-26) sind folgende Diagnosen zu entnehmen (S. 4):
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) als Reaktion auf den Autounfall vom 05.11.2021
-
ND: Verdacht auf
d
issoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (ICD 10: F44.6) seit dem Autounfall wie Taubheitsempfinden oder Krib
b
elempfindungen an Händen und Armen sowie mit vollständigem Hör
verlust, teilweisem Riechverlust
-
ND:
Derealisationssyndrom
(ohne Depersonalisation) wie
z.B. der
Um
stand, dass Dinge in ihrer Umgebung seit dem Autounfall anders aussähen als früher (ICD
-10: F48.1)
-
ND: rezidivierende depressive Störung (gegenwärtige leichte Episode; ICD-10: F33.0) als Reaktion auf chronische Schmerzen im Rücken-, Schul
ter- und Nackenbereich
-
ND: spezifische (isolierte) Phobie (ICD-10: F40.2, hier Examensangst und generell im Zusammenhang mit begrenzten Situationen von subjektiver Überforderung
)
Die Testbefunde seien deutlich ausgefallen, was die Kernsymptomatik bezie
hungsweise die Hauptdiagnose betreffe: Alle Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) als Reaktion auf den Autounfall seien erfüllt. Eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung, die aufgrund der erlebten früh
kindlichen
Traumata
vermutet worden sei, habe dabei ausgeschlossen werden können. Ebenso könne festgehalten werden, dass die Schmerzen, die somatischen Ursprungs seien, in keinem anderen Zusammenhang als dem Autounfall stünden. Schliesslich sei als direkte Folge anhaltender chronischer Schmerzen
einerseits eine leichte depressive Episode auszumachen und komme es andererseits in Situ
ationen subjektiver Überfor
derung und erhöhte
n
Stresslevel
s
zu Panikattacken (
S.
4).
Aufgrund der psychischen Beschwerden sei im Rahmen der laufenden Integ
rationsmassnahmen von einer teilweisen Ar
beitsunfähigkeit auszugehen (S.
6). Bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt könne aktuell noch keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden (S. 6-7).
3.5
Dr. med.
F.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
dipl.
Pflegefachfrau
G.___
führten in ihrer versicherungsmedizinischen Beurteilung zu
Handen
der Unfallversicherung Zürich
vom 3. Februar 2022
(Urk. 7/41/2-6) aus, dass auf
grund der biografischen Schilderungen und de
r
sehr ei
n
gehenden Darstellungen
der Psyc
hologin von einer vorbestehenden
, komplexen psychischen Erkrankung auszugehen sei. Die neuropsychologischen und psychischen Erkrankungen seien schon alleine mit dem Vorzustand erklärbar. Die Schmerzproblematik sei im psy
chiatrischen Gesamtkontext gut zu vereinbaren mit einer s
omatoformen Schmerzstörung (S. 5-6
)
.
3.6
Dr.
H.___
, Fachärztin für Orthopädie des RAD, hielt in ihrer Stellungnahme vom 4. April 2022 fest (Urk. 7/45/5-6)
,
dass bei der Beschwerdeführerin keine Diag
nosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeit
sfähigkeit vorliegen würden (S.
5). Ein Gesundheitsschaden, der sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirken würde, könne nicht gefunden werden. Das neu
r
opsychologische Gutachten beschreibe eine leicht eingeschränkte berufliche Funktionsfähigkeit insbesondere unter hohen Anforderungen.
Es sollte eine kog
nitiv wenig a
nfo
r
derungsreiche, gut strukturierte Tätigkeit ohne Zeitdruck und
mit
ausgewogenen Pausen angestrebt werden
. Eine posttraumatische Belastungs
störung habe ausgeschlossen werden können (S. 6).
3.7
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. med.
I.___
, Facharzt FMH Neurologie
,
und
dipl.
Pflegefachfrau FH
J.___
vom 15. März 2022 (Urk.
7/53/12-15) wurde ausgeführt, dass angesichts der sofortigen Schmerzent
wicklung von einer vorübergehenden traumatischen Schmerzaktivierung auszu
gehen sei. Die Beschwerdeführerin weise einen Vorzustand hinsichtlich Kopf
schmerzen auf, weswegen die stressbedingten Kopfschmerzen überwiegend wahr
scheinlich nicht mehr im natürlichen Kausalzusammenhang
zum Unfall
ständen (S. 4).
3.8
Dr.
A.___
führt
e
in seinem Bericht vom 26. Juli 2022
(Urk. 3/4
)
aus, dass bei post
traumatischen Kopfschmerzen (PTH), welche auf eine leichte traumatische Ver
letzung des Kopfes zurückzuführen seien, keine spezifischen Kopfschmerzmerk
male beständen. Demzufolge stütze sich ihre Diagnose grösstenteils auf den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Kopftrauma und dem Kopf
schmerzbeginn, der bei der Beschwe
rdeführerin vorliegen würde (S.
1). Entspre
chend sei bei der Beschwerdeführerin zusammenfassend festzuhalten, dass sie an PTH leide, welche häufig durch leichte Schädelhirn- oder Schleuder
trauma
ta
der HWS verursacht
würden
;
chronische, posttraumatische Kopfschmerzen
könnten
auch anhaltend über mehr als drei Jahren fortbestehen (S. 2).
4.
4.1
Gestützt auf die
se
medizinische Aktenlage kann die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beurteilt werden, und zwar weder in Bezug auf die
ursprüngliche Tätigkeit als Pflegefachfrau noch auf eine administrative Tätigkeit, wie sie die Beschwerdeführerin im Rahmen des Arbeitsversuchs aufgenommen hatte.
So gab d
er behandelnde Neurologe Dr.
A.___
zwar an, dass die
diagnostizierte
n
chronische
n
posttraumatische
n
Kopfschmerzen
auch
über mehr als drei Jahre fortbestehen könnte
n (E. 3.8)
. Eine Einschätzung der funktionellen Leistungsfä
higkeit fehlt
in
seinen Ausführungen
.
Auch im Bericht von Dr.
I.___
und Pfle
gefachfrau
J.___
(E. 3.7) wurden stressbedingte Kopfschmerzen angeführt, jedoch mangels UVG-Relevanz im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit nicht näher beschrieben.
Dr.
C.___
und Dr.
D.___
diagnostizierten eine leichte neurokognitive Störung bei noch verminderter Belastbarkeit und erhöhter Ermüdbarkeit. Weiter gaben sie an, dass sich die Einschränkungen
in den
Bereichen Konzentration und
Aufmerk
samkeit bei zunehmenden Anforderungen noch akzentuieren und zu einem erhöhten Zeitbedarf bei der Ausübung aller Aufgaben führen würden, ohne
jedoch
diese Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Hinblick auf die konkrete Situation zu konkretisieren und zu quantifizieren.
Im
Bericht der Psychotherapeutin
E.___
zuhanden des UVG-Versicherers
(E. 3.4)
sind
eine
weder
näher hergeleitete
noch
begründete post
traumatische Belastungsstörung (
ICD-10: F43.1;
vgl. zu den diesbezügliche
n
Kriterien der Rechtsprechung Urteil des Bun
desgerichts 9C_548/2019 vom 16.
Januar 2020 E. 6.3.1) sowie
neben
verschiedene
n
weitere
n
Nebendiagnosen
eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig leichte Episode, ICD-10 F33.0)
aufgelistet
.
Zu den
entscheidrelevanten
funktionellen Einschränkungen wurde
aber
lediglich angeführt, dass im Rahmen des Arbeitsversuchs von einer teilwei
sen Arb
eitsfähigkeit auszugehen sei und
zur Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeits
markt noch keine Aussage gemacht werden könne.
Im Bericht von Dr.
F.___
und Pflegefachfrau
G.___
(E. 3.5) wurde ohne Diag
nosestellung und ohne Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit auf eine komplexe psychische Erkrankung verwiesen und eine somatoforme Störung vermutet.
D
ie Beschwerdegegnerin
begründete die Abweisung des Leistungsgesuchs einer
seits damit, dass keine Diagnose mit langfristiger Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit vorliege, was angesichts der Aktenlage nicht zum Vornherein
und pau
schal
ausgeschlossen werden
kann
. Diesbezüglich ist insbesondere zu beachten, dass im Hinblick auf die Dauer einer gesundheitlichen Störung in Bezug auf einen Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG einzig erforderlich ist, dass sich diese während eines Jahres mindestens zu 40 % auf die Arbeitsfähigkeit
und nach Ablauf dieses Jahres mindestens zu 40 % auf die Erwerbsfähigkeit aus
wirkt.
Das Bundesgericht hat unter Verweis auf die medizinische Literatur speziell für Kopfschmerzen zudem festgestellt, dass eine Anspruchsberechtigung, unab
hängig davon, ob es sich um eine nachweislich organische Pathologie oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, stets eine nachvollziehbare ärztliche Beur
teilung der Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit voraussetzt. Dabei können - insbesondere unklaren Beschwer
debildern inhärente - Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichti
gung weiterer Lebens- und Aktivitätsbereiche wie etwa Freizeitverhalten oder familiäres Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschränkungen zu plau
sibilisieren (BGE 140 V 290 E. 3.3.2).
Derartige Abklärungen
zur Arbeitsfähigkeit
fehlen vorliegend.
Anderseits ging die Beschwerdegegnerin implizit von einem gesundheitsbedingt verminderten Belastungsprofil aus, indem sie ausführte, dass für die Beschwer
deführerin aufgrund leichter kognitiver Störungen eine kognitiv wenig anforde
rung
sreich
e, gut strukturierte Tätigkeit ohne Zeitdruck und mit ausgewogenen Pausen empfohlen werde.
Abgesehen davon, dass sie sich z
u den allfälligen erwerblichen Auswirkungen dieses eingeschränkten Belastungsprofils
gar nicht äusserte, stützte sie diese medizinische Einschätzung einzig auf die nicht näher begründete Aktenbeurteilung der Orthopädin
Dr.
H.___
vom RAD, was für die Abklärung der vorliegenden Streitfrage
wie gesehen
nicht genügt.
4.2
Die Sache ist damit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die
medizinische Situation (Gesundheitsstörungen, Arbeitsfähigkeit)
abkläre und her
nach
unter Berücksichtigung allfälliger erwerblicher Auswirkungen
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide.
Dies führt zur Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung und zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdefüh
rerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwieri
gkeit des Prozesses und
dem Umstand
, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdeführerin bereits im Vorbescheidverfahren vertre
ten hat und seine Eingabe
grösstenteils
dem Einwand entspricht (vgl. Urk. 7/49), auf Fr. 1'2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass
die angefochtene Verfügung
vom
13
.
Juli 2022
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägun
gen,
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von Fr.
1’200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLangone