# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3a7743b-519d-59cc-b356-4d3b91875530
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.05.2017 D-262/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-262-2017_2017-05-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-262/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  M a i  2 0 1 7   

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Walter Lang,    

Gerichtsschreiber Patrick Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Aleksandar Rusev, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 12. Dezember 2016 / N (…). 

 

 

 

D-262/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Afghanistan im 

Sommer 2014 zusammen mit seinem Bruder und gelangte über den Iran 

und die Türkei sowie weitere Länder nach Österreich, von wo aus er am 

(…) 2014 in die Schweiz einreiste. Hier suchte er am (…) 2014 um Asyl 

nach. Am 8. Januar 2015 führte das SEM die Befragung zur Person (BzP) 

durch.  

Der Beschwerdeführer – ein (…) – brachte vor, in B._______ gelebt zu 

haben. 2012 seien seine Eltern ums Leben gekommen. Er sei als (…) tätig 

gewesen und in Ausübung des Berufs viel gereist, um die eingegangenen 

(…)aufträge vor Ort zu erledigen. Bei einem solchen Auftrag sei in der 

Nähe ein Selbstmordattentat verübt worden. Sein Chef habe ihm geraten, 

in Anbetracht der unsicheren Lage ausser Landes zu fliehen, zumal seine 

Eltern ja schon gestorben seien. Politisch oder religiös sei er nicht aktiv 

gewesen. Mit den afghanischen Sicherheitskräften habe er keine Probleme 

gehabt. Auf der Flucht sei er in der Türkei von seinem ihn begleitenden 

Bruder getrennt worden, was ihn sehr belaste.  

Ferner wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu Abklärungen 

im Zusammenhang mit seiner geltend gemachten Minderjährigkeit ge-

währt. Die radiologische Untersuchung habe ein Skelettalter von (…) Jah-

ren oder mehr ergeben. Er hielt an seiner Minderjährigkeit grundsätzlich 

fest und stellte die Nachreichung seiner Taskara in Aussicht. Das SEM er-

öffnete ihm, dass er im Rahmen der weiteren Verfahrensschritte als voll-

jährige Person behandelt werde.  

Ausserdem wurde der Beschwerdeführer zu seiner gesundheitlichen Situ-

ation befragt. Im Weiteren wies ihn das SEM darauf hin, dass aufgrund der 

Aktenlage möglicherweise Griechenland oder Ungarn für die Behandlung 

seines Asylgesuchs zuständig sei. Er brachte vor, nicht in die genannten 

Länder zurückkehren zu wollen.  

B.  

Mit Verfügung vom 27. Februar 2015 trat das SEM in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-

schwerdeführers nicht ein und ordnete dessen Wegweisung aus der 

Schweiz nach Ungarn an, wobei die Vorinstanz in ihrem Entscheid unter 

Verweis auf die einschlägigen Bestimmungen des Dublin-Verfahrens fest-

hielt, dieses Land sei für das Asylverfahren zuständig. Die dagegen am   

D-262/2017 

Seite 3 

16. März 2015 erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht 

mit Urteil D-1702/2015 vom 24. März 2015 ab.  

C.  

Mit als Wiedererwägungsgesuch bezeichneter Eingabe seiner Rechtsver-

tretung vom 29. Juli 2015 beantragte der Beschwerdeführer beim SEM die 

Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 27. Februar 2015. Es sei 

die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Ungarn festzustellen 

und das Asylgesuch von der Schweiz zu behandeln. Zur Begründung 

wurde insbesondere auf den gemäss beigelegtem Arztbericht schwer an-

geschlagenen gesundheitlichen Zustand verbunden mit einem erfolgten 

Suizidversuch hingewiesen. Im Weiteren wurde geltend gemacht, die Situ-

ation in Ungarn habe sich seit Erlass des angefochtenen Entscheids mas-

siv verschlechtert.  

D.  

Am 18. August 2015 liess der Beschwerdeführer dem SEM seine Taskara 

als Beweismittel für die Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchsein-

reichung zukommen.  

E.  

Am 28. August 2015 beendete das SEM das Dublin-Verfahren und hob sei-

nen Entscheid vom 27. Februar 2015 auf. Gleichzeitig verfügte es die Wie-

deraufnahme des nationalen Asylverfahrens und schrieb das Wiedererwä-

gungsgesuch vom 29. Juli 2015 als gegenstandslos geworden ab.  

F.  

Mit Eingabe vom 27. Oktober 2015 gab der Beschwerdeführer einen wei-

teren Arztbericht zu den Akten. Ferner verwies er auf die Wichtigkeit der 

Korrektur des Geburtsdatums, da er sonst im Aufenthaltskanton nicht in die 

UMA-Strukturen eingegliedert werden könne. Das SEM beantwortete die 

Eingabe am 23. November 2015. 

G.  

Mit Schreiben vom 25. April 2016 wies die Rechtsvertretung im Zusam-

menhang mit der geplanten Anhörung darauf hin, dass der psychische Ge-

sundheitszustand ihres Mandanten äusserst labil und unvorhersehbar sei. 

Er habe geltend gemacht, im Heimatland Opfer von sexueller Gewalt ge-

worden zu sein. Er sei als Tanzknabe ausgebeutet und missbraucht wor-

den. Er wünsche, dass die Anhörung ausschliesslich in einem Frauenteam 

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Seite 4 

erfolge. Im beigelegten Arztbericht wurde festgehalten, dass sich seine Be-

findlichkeit im Vorfeld der Anhörung mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter 

verschlechtern werde, und zwar mit einem erhöhten Suizidrisiko. Es sei 

eine Hospitalisation nach und bei Bedarf auch vor dem Termin geplant.  

H.  

Am 14. Juni 2016 wurde die Anhörung durchgeführt. Der Beschwerdefüh-

rer legte dar, B._______ im Alter von fünf oder sechs Jahren verlassen und 

fortan in C._______ (Provinz D._______) gelebt zu haben. Er habe in 

E._______ bei einem Bekannten seines Vaters eine Lehre als (…) absol-

viert. Dieser Bekannte habe ihn täglich verprügelt, ausgepeitscht und ver-

gewaltigt. Es sei ihm nicht erlaubt worden, die (…) zu verlassen. Dort sei 

er immer wieder von (…) missbraucht und vergewaltigt worden. Er habe 

mit Glöckchen an den Beinen vor ihnen Tanzen müssen. In der Folge sei 

er von einer Gruppe von Personen als Geisel genommen worden wegen 

ihm nicht näher bekannten Streitigkeiten. Vier oder fünf Monate später sei 

er freigelassen worden und habe das Land verlassen. Er sei bisher nicht in 

der Lage gewesen, seine schlimmen Erlebnisse der Familie oder sonst je-

mandem mitzuteilen.  

Wegen der sich während der Anhörung akzentuierenden gesundheitlichen 

Probleme des Beschwerdeführers konnte diese nicht wie vorgesehen be-

endet werden.  

I.  

Mit Schreiben vom 22. Juni 2016 teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, 

die eingereichte Taskara weise Fälschungsmerkmale auf, und gewährte ihr 

dazu das rechtliche Gehör. Gleichzeitig wurde sie aufgefordert, innert Frist 

einen aktuellen Arztbericht ihren Mandanten einzureichen.  

J.  

Am 23. Juni 2016 reichte die Hilfswerkvertretung ihre schriftlich formulier-

ten Beobachtungen anlässlich der Anhörung vom 14. Juni 2016 ein.  

K.  

Mit Eingabe vom 20. Juli 2016 nahm die Rechtsvertretung Stellung zum 

Schreiben des SEM vom 22. Juni 2016 und reichte einen Arztbericht ein.  

L.  

Gemäss Aktennotiz des SEM vom 27. September 2016 konnte der Be-

schwerdeführer wegen seines Gesundheitszustands nicht erneut angehört 

werden.  

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Seite 5 

M.  

Am 17. Oktober 2016 reichte die Rechtsvertretung beim SEM aktuelle ärzt-

liche Unterlagen ein.  

N.  

Am 24. September 2016 (recte 24. Oktober 2016) forderte das SEM den 

Beschwerdeführer aufgrund der geschilderten Situation via seine Rechts-

vertretung auf, die Asylgründe schriftlich zu formulieren.  

O.  

Nach gewährter Fristerstreckung übermittelte die Rechtsvertretung dem 

SEM am 22. November 2016 ein im psychiatrischen Rahmen entstande-

nes Aussageprotokoll ihres Mandanten samt ihrem eigenen und dem Be-

gleitschreiben der Fachärztin. Im Rahmen der geschilderten Gesprächssi-

tuation äusserte sich der Beschwerdeführer zu den Fluchtgründen. Er sei 

von seinem Vater als Siebenjähriger zum erwähnten Bekannten gebracht 

worden. In der Folge habe er tanzen müssen und sei ab dem zehnten oder 

elften Lebensjahr immer wieder vergewaltigt worden. Er sei wiederholt 

auch an andere Peiniger vermittelt und gefoltert worden. Nachdem sein 

„Meister“ in einen Konflikt mit anderen Personen geraten sei, habe man ihn 

entführt. Damals sei er etwa 15 oder 16 Jahre alt gewesen. Nach der Ent-

führung sei er wieder im Gewahrsam der erwähnten Person gewesen und 

habe in deren Auftrag Material in andere Gegenden bringen müssen. Bei 

einem solchen Auftrag sei ihm zusammen mit dem Bruder die Flucht ge-

lungen. Da er geflohen sei, fürchte er erneute Repressalien seitens der 

erwähnten Person.  

P.  

Mit Verfügung vom 12. Dezember 2016 – eröffnet am 13. Dezember 2016 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die 

Wegweisung aus der Schweiz.  

Die Vorinstanz erwog vorab, es sei ihm nicht gelungen seine Minderjährig-

keit im Zeitpunkt der Einreichung des Asylgesuchs glaubhaft zu machen. 

Im Weiteren mache er geltend, im Heimatland jahrelang als Tanzknabe 

missbraucht worden zu sein. Dem SEM seien solche Vorkommnisse vor 

Ort bekannt. Die Jungen seien Eigentum ihres „Herrn“ und hätten kaum die 

Möglichkeit, diesen zu verlassen. Gemäss UNHCR seien auch heute noch 

junge Knaben gefährdet, Opfer dieser Praxis zu werden. Es komme in den 

wenigsten Fällen zur Anzeige, und die Täter blieben straffrei. Sexueller 

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Seite 6 

Missbrauch sei in Afghanistan ein Tabu, und die Betroffenen würden oft-

mals stigmatisiert und kriminalisiert. Die geschilderte Verfolgung basiere 

aber nicht auf einem der in Art. 3 AsylG abschliessend genannten Motive. 

Tanzknaben könnten nicht als bestimmte soziale Gruppe qualifiziert wer-

den. Bei seinen Vorbringen handle es sich mithin um das gemeinrechtliche 

Delikt der sexuellen Handlung mit Minderjährigen. Sollte er allenfalls den 

ungenügenden Schutz durch die heimatlichen Behörden geltend machen, 

läge bei diesem fehlenden Schutz keine diskriminierende Absicht der Be-

hörden vor, da die fehlende Hilfeleistung nicht aufgrund eines in seiner Per-

son liegenden Merkmals beruhen würde.   

Wegen der vom SEM gleichzeitig festgestellten Unzulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs wegen drohenden Verstosses gegen Art. 3 EMRK wurde 

der Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufgenommen.  

Q.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 12. Januar 2017 beantragte der 

Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der    

vorinstanzlichen Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft 

und die Asylgewährung. In formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, um 

Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses und um Verbeiständung 

(Art. 110a Abs. 1 AsylG). 

Zur Begründung machte der Rechtsvertreter geltend, der Sachverhalt sei 

vorliegend unbestritten. Sein Mandant sei auf schreckliche Weise sexuell 

versklavt worden. Die vielzähligen Suizidversuche und seine teilweise über 

Monate dauernden stationären Aufenthalte attestierten ihm eine posttrau-

matische Belastungsstörung schwersten Grades. Die Vorinstanz gehe in-

des davon aus, dass die Tanzknaben keine bestimmte soziale Gruppe im 

Sinne von Art. 3 AsylG darstellen würden. Die Beschwerdeinstanz habe 

aber im Urteil E-2108/2011 vom 1. Mai 2013 in Erwägung 6.2 festgehalten, 

die in Art. 3 Abs. 1 AsylG und Art. 1 A Ziff. 2 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) erwähnten 

fünf Verfolgungsmotive (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-

ner bestimmten sozialen Gruppe und politische Anschauungen) seien über 

die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu 

verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, 

die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden 

sind, erfolgt sei beziehungsweise drohe. Die Bestrafung ehemaliger Tanz-

knaben stelle ein flüchtlingsrechtlich relevantes Diskriminieren dar. So sei 

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allgemein bekannt, dass sich der afghanische Staat nicht um sexuell miss-

brauchte Kinder kümmere. Dass aber eine gewisse Gruppe von Opfern 

gewerbsmässiger Kinderprostitution, wie Tanzknaben, einer zusätzlichen 

Strafe ausgesetzt werde beziehungsweise ausgesetzt zu werden drohe, 

sei diskriminierend und insoweit asylrelevant.  

Betreffend Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe sei zwi-

schen zwei verschiedenen Zeitpunkten zu unterscheiden: dem Zeitpunkt 

der bereits erfolgten Verfolgung (langjähriger Missbrauch) und dem heuti-

gen (mögliche Verfolgung des Beschwerdeführers als ehemaliger Tanz-

knabe).  

In einem Urteil (E-7192/2006 vom 12. Februar 2007 E. 4.5) habe das Ge-

richt erwogen, ein ehemaliger Polizist albanischer Ethnie in Serbien gehöre 

einer bestimmten sozialen Gruppe an. In Anbetracht einer solchen Defini-

tion sei mithin ein Tanzknabe Teil einer entsprechenden sozialen Gruppe. 

Auch ein ehemaliger Tanzknabe werde von der Gesellschaft als solcher 

wahrgenommen, da er einen „besonderen Status“ innehabe und dadurch 

Mitglied einer nach aussen erkennbaren und somit von der Gesellschaft so 

wahrgenommenen sozialen Gruppe sei. Die Vergangenheit der Knaben-

tänzer werde zu deren Persönlichkeit, was auch nach aussenhin wahr-

nehmbar sei, ansonsten übereinstimmende internationale Berichte nicht 

von entsprechenden Stigmatisierungen sprechen würden. Und selbst 

wenn man davon ausginge, der Beschwerdeführer sei im Falle der Rück-

kehr nicht mehr asylrelevant bedroht, wäre ihm aktuell aus den sogenann-

ten zwingenden Gründen Asyl zu erteilen.  

Schliesslich ersuchte der Rechtsvertreter um einen baldigen reformatori-

schen Entscheid, da eine (erneute) Befragung eine grosse Belastung sei-

nes Mandanten darstellen würde.  

Dem Gericht wurden die im Beweismittelverzeichnis aufgeführten Doku-

mente übermittelt.  

R.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Februar 2017 verzichtete das Bundesver-

waltungsgericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hiess das 

Gesuch gemäss Art 65 Abs. 1 VwVG gut. Das Gesuch um amtliche Rechts-

verbeiständung im Sinne von Art. 110a AsylG wurde ebenfalls gutgeheis-

sen und der rubrizierte Rechtsvertreter zum amtlichen Rechtsbeistand be-

stellt. 

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Seite 8 

S.  

Mit Vernehmlassung vom 10. Februar 2017 beantragte das SEM die Ab-

weisung der Beschwerde. Die vorinstanzliche Stellungnahme wurde dem 

Beschwerdeführer am 14. Februar 2017 zur Kenntnis gebracht.  

T.  

Am 25. April 2017 erkundigte sich der Rechtsvertreter nach dem Stand des 

Verfahrens. Sein Mandant leide unter der Ungewissheit des vorliegenden 

Beschwerdeverfahrens. Der Eingabe lagen ein ärztliches Schreiben und 

eine Kostennote bei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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Seite 9 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Nachdem sich die Vorbringen des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner 

sexuellen Versklavung als glaubhaft erwiesen haben, ist zu prüfen, ob 

diese den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 

AsylG genügen. 

4.  

4.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-

gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 

BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrecht-

lichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausser-

dem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adä-

quaten Schutz finden kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr 

Schutz bieten könnte (vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E. 11.2 S. 204 f.), oder weil 

der Staat ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. 

BVGE 2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein 

Schutzbedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der 

von Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren In-

anspruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das 

Bestehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Ein-

zelfallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu 

befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes 

vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Massgeblich für die Beurteilung der Flücht-

lingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlit-

tene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete 

Furcht vor Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Verän-

derungen der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu 

Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. 

BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f., jeweils 

m.w.H.). 

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Seite 10 

4.2 Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG und Art. 1 A Ziff. 2 FK erwähnten fünf Verfol-

gungsmotive (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-

stimmten sozialen Gruppe und politische Anschauungen) sind über die 

sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu 

verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, 

die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden 

sind, erfolgt ist beziehungsweise droht. 

5.  

Die Vorinstanz geht davon aus, dass dem Beschwerdeführer ein „real risk“ 

im Sinne von Art. 3 EMRK drohe, falls er in sein Heimatland zurückkehren 

würde, verneint aber die Asylrelevanz der drohenden Verfolgung mangels 

entsprechender Verfolgungsmotivation.  

5.1 Ersteres erscheint als zutreffend. Hingegen lässt sich die Zugehörigkeit 

des Beschwerdeführers zu einer bestimmten sozialen Gruppe im Zusam-

menhang mit seinem Schicksal als Tanzknabe zumindest für die Jahre der 

bereits erlittenen Übergriffe in Afghanistan nicht verneinen. So wurde er als 

junger Knabe zur sexuellen Handlungen gezwungen und immer wieder 

brutal gefoltert. Die zwangsweise ausgeübten homosexuellen Praktiken 

verstiessen gegen die vorherrschenden Moralvorstellungen. Seine Person 

wurde gezielt verfolgt. Die damit einhergehende damalige gesellschaftliche 

Stigmatisierung ist in Anbetracht der Lage vor Ort offensichtlich. Insoweit 

wurde er wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit seiner 

Person verbunden waren, Opfer des Geschilderten. Seine Zugehörigkeit 

zu einer bestimmten sozialen Gruppe ist mithin klar zu bejahen (vgl. dazu 

auch Urteil des österreichischen Bundesverwaltungsgericht W 160 

1438250-1 vom 3. November 2014 insb. S. 20 f.).  

5.2 Die asylrechtliche Intensität des Erlebten ist fraglos gegeben. Eine hin-

reichende staatliche Schutzinfrastruktur stand offensichtlich ebenso wenig 

zur Verfügung wie eine innerstaatliche Fluchtalternative. Im Zeitpunkt der 

Flucht vor seinen Peinigern verbunden mit der Ausreise aus Afghanistan 

und der Asylgesuchseinreichung in der Schweiz erfüllte der Beschwerde-

führer mithin die Flüchtlingseigenschaft, da er im Falle der Rückkehr mit 

erneut drastischen Ahndungsmassnahmen aus asylrelevanten Motiven 

hätte rechnen müssen.  

5.3 Fraglich erscheint allenfalls, ob trotz bejahter Stigmatisierung ein ehe-

maliger Tanzknabe im Falle der Rückkehr auch nach mehreren Jahren 

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Seite 11 

nach wie vor als Zugehöriger einer bestimmten und asylrechtlich relevan-

ten sozialen Gruppe anzusehen ist, wobei die Argumente für eine solche 

Annahme überwiegen dürften. Diese Frage kann vorliegend aber offen ge-

lassen werden.  

5.4 Eine erlittene Vorverfolgung ist ausnahmsweise auch nach Wegfall ei-

ner drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrechtlich relevant zu 

betrachten, nämlich dann, wenn eine Rückkehr in den früheren Verfolger-

staat aus zwingenden, auf diese Verfolgung zurückgehenden Gründen 

nicht zumutbar ist. Bei dieser Auslegung von Art. 3 AsylG stützt sich das 

Bundesverwaltungsgericht in Weiterführung langjähriger Praxis (vgl. BVGE 

2007/31 E. 5.4 S. 380 f., mit weiteren Hinweisen, insbesondere EMARK 

1995 Nr. 16 E. 6d und EMARK 2001 Nr. 3) auf die entsprechende Formu-

lierung der Ausnahmebestimmung von Art. 1C Ziff. 5 Abs. 2 FK. Als zwin-

gende Gründe in diesem Zusammenhang sind vorab traumatisierende Er-

lebnisse zu betrachten, die es der betroffenen Person angesichts erlebter 

schwerwiegender Verfolgungen, insbesondere Folterungen, im Sinne einer 

Langzeittraumatisierung psychologisch verunmöglichen, ins Heimatland 

zurückzukehren. Bezüglich einer allfälligen Anwendbarkeit von Art. 1C 

Ziff. 5 Abs. 2 FK ist auf die Ausführungen in EMARK 1999 Nr. 7 (E. 4.d.aa 

S. 46 f., bestätigt in BVGE 2009/51 E. 4.2.7 S. 746 f.) zu verweisen. Da-

nach kann sich auf zwingende Gründe nur berufen, wer im Zeitpunkt der 

Einreise in die Schweiz sämtliche Voraussetzungen für die Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft erfüllt hatte.  

5.5 Dies trifft vorliegend zu. Der Beschwerdeführer als soeben geflohener 

Tanzknabe hätte im Zeitpunkt der Asylgesuchseinreichung mit entspre-

chenden Sanktionen rechnen müssen, wäre er in sein Heimatland zurück-

gekehrt, und zwar wegen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Ob 

seine Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der nunmehr klar ehemaligen 

Tanzknaben eine nach wie vor asylrechtliche ist, wurde obenstehend of-

fengelassen, da seine schwere Langzeittraumatisierung offenkundig ist. 

Eine Rückkehr erscheint für ihn als psychologisch offensichtlich unmöglich. 

Es liegen zwingende Gründe, welche auch im jetzigen Zeitpunkt zur Asyl-

gewährung führen, vor.  

6.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdefüh-

rer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Folglich ist 

die Beschwerde insofern gutzuheissen, als damit die Aufhebung der ange-

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Seite 12 

fochtenen Verfügung – soweit die Ablehnung des Asylgesuchs, die Vernei-

nung der Flüchtlingseigenschaft und die Anordnung der Wegweisung be-

treffend – beantragt wird. Das SEM ist anzuweisen, ihm in der Schweiz 

Asyl zu gewähren. Bei dieser Sachlage kann davon abgesehen werden, 

auf weitere Beschwerdevorbringen und die Beweismittel näher einzuge-

hen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

7.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi-

gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Febru-

ar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der zum amtlichen Rechtsbeistand 

ernannte Rechtsvertreter hat für dieses Verfahren am 25. April 2017 eine 

Kostennote eingereicht, welche im Hinblick auf den zeitlichen Aufwand und 

die Ausgaben als angemessen erscheint. Hingegen ist der geltend ge-

machte Stundenansatz von Fr. 250.– zu reduzieren. Wie bereits mit Verfü-

gung vom 1. Februar 2017 mitgeteilt wurde, geht das Bundesverwaltungs-

gericht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stundenansatz von 

Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus, 

und es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt. Demnach ist im vor-

liegenden Fall der Stundenansatz auf Fr. 150.– zu kürzen. Mithin ist die 

vom SEM auszurichtende Parteientschädigung unter Berücksichtigung al-

ler massgeblichen Faktoren auf gerundet Fr. 2590.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag) festzusetzen. Der Anspruch auf das in gleicher 

Höhe zu bemessende Honorar für die amtliche Verbeiständung ist damit 

als gegenstandslos zu erachten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des SEM vom       

12. Dezember 2016 aufgehoben. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 2590.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Contessina Theis Patrick Weber 

 

 

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