# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be2c28f0-5021-5487-b4af-68bf53d7838f
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-06
**Language:** de
**Title:** Elektroinstallationsbetriebe Bern: Entscheid vom 06.07.2009
**Docket/Reference:** elektroinstallationsbetriebebern
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2009/09/elektroinstallationsbetriebebern.pdf.download.pdf/elektroinstallationsbetriebebern.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Entscheid der Wettbewerbskommission  
vom 6. Juli 2009 

in Sachen 

Untersuchung  22-0366  gemäss  Artikel  27  des  Bundesgesetzes  über  Kartelle  und  andere 
Wettbewerbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 (Kartellgesetz [KG]; SR 251) 

betreffend  

Elektroinstallationsbetriebe Bern 

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Artikel 5 Absatz 3 KG. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Sachverhalt ................................................................................................................ 4 

A.1  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 4 
A.2  Verfahren ................................................................................................................... 10 

B 

Erwägungen ............................................................................................................. 13 

B.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 13 
B.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 13 
B.3  Verhältnis KG zum BoeB ........................................................................................... 14 
B.4  Unzulässige Wettbewerbsabrede............................................................................... 15 
B.4.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 15 
B.4.1.1  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken ......................................................... 15 
B.4.1.2  Wettbewerbsbeschränkung ................................................................................... 16 
B.4.1.3  Fazit ...................................................................................................................... 18 
B.4.2  Marktabgrenzung .................................................................................................. 18 
B.4.2.1  Allgemeines........................................................................................................... 18 
B.4.2.2  Sachlicher Markt ................................................................................................... 18 
B.4.2.3  Räumlicher Markt .................................................................................................. 19 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 20 
B.4.3 
B.4.3.1  Vorliegen horizontaler Preisabreden sowie Aufteilung nach Geschäftspartnern .... 20 
B.4.3.2  Umstossung der gesetzlichen Vermutung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG ..................... 24 
B.4.3.2.1 Aussenwettbewerb ................................................................................................ 24 
B.4.3.2.2 Innen- und Restwettbewerb ................................................................................... 25 
B.4.3.3  Ergebnis ................................................................................................................ 27 
B.5  Sanktionierung ........................................................................................................... 27 
Allgemeines........................................................................................................... 27 
B.5.1 
B.5.2 
Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG ....................................................................... 27 
B.5.2.1  Unternehmen ........................................................................................................ 27 
B.5.2.2  Unzulässige Verhaltensweise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG ............................ 27 
Vorwerfbarkeit ....................................................................................................... 28 
B.5.3 
Sanktionsbemessung ............................................................................................ 29 
B.5.4 
B.5.4.1  Einleitung und gesetzliche Grundlagen ................................................................. 29 
B.5.4.2  Maximalsanktion ................................................................................................... 29 
B.5.4.3  Konkrete Sanktionsberechnung............................................................................. 30 
B.5.4.3.1 Basisbetrag ........................................................................................................... 30 
B.5.4.3.2 Dauer des Verstosses ........................................................................................... 33 
B.5.4.3.3 Erschwerende und mildernde Umstände ............................................................... 33 
B.5.4.3.4 Zwischenergebnis ................................................................................................. 37 
B.5.4.3.5 Verhältnismässigkeitsprüfung ................................................................................ 37 
Bonusmeldungen – Vollständiger bzw. teilweiser Erlass der Sanktion................... 38 
B.5.5 
B.5.5.1  Allgemeines zur Sanktionsbefreiung ..................................................................... 38 
B.5.5.2  Allgemeines zur Sanktionsreduktion ...................................................................... 38 
B.5.5.3  Subsumtion ........................................................................................................... 38 
Ergebnis ................................................................................................................ 42 
B.5.6 

2/45 

 
 
 
 
 
C 

D 

Kosten ...................................................................................................................... 42 

Dispositiv ................................................................................................................. 44 

3/45 

 
 
 
 
 
A 

Sachverhalt 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand der Untersuchung bildet die Frage, ob grössere Elektroinstallationsfirmen 
im  Raum  Bern  über  Jahre  untereinander  Wettbewerbsabreden  gemäss  Art.  5  Abs.  3  lit.  a 
und  c  KG  getroffen  haben,  konkret:  ob  ein  Informationsaustausch  über  Offertpreise  und  
-bedingungen,  die  Teilnahme  an  Ausschreibungen  sowie  die  Festlegung  von  Offertpreisen 
und, damit verbunden, die Zuteilung von Kunden stattfand.  

2. 
Einleitend ist festzuhalten, dass in vorliegendem Verfahren sämtliche Parteien einwillig-
ten,  einvernehmliche  Regelungen  abzuschliessen.  Das  Sekretariat  der  Wettbewerbskom-
mission  (Sekretariat)  verzichtet  deshalb  auf  eine  eingehende  Abklärung  des  Sachverhaltes 
und damit – im Interesse der Parteien – insbesondere auf weitere Ermittlungsmassnahmen 
bezüglich der noch nicht vollständig eruierten Projekte1. Vorliegende Ausführungen basieren 
demnach auf den sogenannten Kernprojekten, d.h. denjenigen Projekten, welche mithilfe der 
beschlagnahmten und den von den Parteien eingereichten Akten und gelieferten Informatio-
nen  lückenlos  rekonstruierbar  und  belegbar  sind2.  Dass  sich  die  folgenden  Ausführungen 
entsprechend auf einen Teil des Sachverhaltes beschränken, ist die Prämisse, unter der die 
Lektüre  und Würdigung  der  folgenden  Ausführungen  zu  erfolgen  hat.  Infolge  einvernehmli-
cher Regelungen ist zudem stellenweise die Begründungsdichte reduziert. Für den Fall der 
Nichtgenehmigung  des  Antrags  und  damit  der  einvernehmlichen  Regelungen  seitens  der 
Wettbewerbskommission  (WEKO)  wäre  der  Sachverhalt  vollumfänglich abzuklären  und  der 
WEKO zum Entscheid vorzulegen.  

3. 
Hintergrund/Anzeige:  Dem  Sekretariat  wurde  anonym  im  April  und  wiederholt  unter 
Nennung  der  Identität  im  Mai  2007  via  E-Mail  Anzeige  erstattet.  Der  „Whistleblower“3,  wel-
cher selbst nicht am Kartell beteiligt war, meldete, dass diverse grössere Elektroinstallations-
firmen (ab ca. 30–40 Mitarbeitern) im Raum Bern, namentlich nannte er Atel Gebäudetechnik 
West AG, BKW ISP AG, Burkhalter Elektro AG, Energie Wasser Bern, ETAVIS Arnold AG, 
Gfeller  Elektro  AG,  Scherler  AG,  Elektro  und  Telematik  sowie  eventuell  weitere,  sich  seit 
Jahren  wöchentlich  zu  Besprechungen  träfen  und  sich  über  laufende  Projekte  der  öffentli-
chen Hand wie von Privaten sowie über Preise etc. verständigen würden. Damit würden die 
Beteiligten versuchen, die Preise hochzuhalten sowie die Arbeiten nach Wunsch untereinan-
der  aufzuteilen.  Die  Treffen  würden  unter  dem  Begriff  „Stamm“  abgehalten  und  die  Firmen 
von den jeweiligen Geschäftsführern vertreten. Des Weiteren verwies der Anzeiger auf eine 
kantonale  KMU-Vereinigung,  die  öffentliche  Submissionen  aufführe  und  bei  welcher  einge-
sehen  werden  könne,  welches  Unternehmen  bei  welcher  Submission  eine  Offerte  einge-
reicht habe4. 

Nach  weiteren  Abklärungen  wurde  am  29.  Januar  2008  eine  Untersuchung  eröffnet 

4. 
und die zu durchsuchenden Firmen bestimmt.  

1 

2  

3  
4  

Die  Parteien  bezeichnen  Elektroinstallationsaufträge  als  „Projekte“,  meist  in  Kombination  mit  der  Ausfüh-
rungsadresse oder dem Namen des entsprechenden Gebäudes zur genauen Identifikation. 
Für die Beweiswürdigung der übrigen – von sehr wahrscheinlich bis möglicherweise betroffenen – Projekte 
wären  weitere  Ermittlungsmassnahmen  notwendig.  Neben  dem  Abschluss  einvernehmlicher  Regelungen 
mit allen Parteien spricht für einen Verzicht auf weitere Erhebungen, dass der entsprechende Aufwand zum 
voraussichtlichen zusätzlichen Nutzen wohl in casu insofern in einem Missverhältnis stehen würde, als sich 
bereits aufgrund der vorliegenden Akten ein wiederholter Wettbewerbsverstoss der Parteien zweifelsfrei be-
legen lässt.  
Im Folgenden: der Anzeiger. 
Vgl. act. 1: Memorandum, Aktennotiz des KompZ Ermittlungen zur Anzeige im Fall 22-0366 Elektroinstallati-
onsbetriebe Bern. 

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5. 

Die Untersuchung richtet sich gegen folgende Unternehmen5: 

  Atel  Gebäudetechnik  West  AG  (Sitz  Bern,  heute  Alpiq  InTec  West  AG)  ist  eine 
Zweigniederlassung  der  Atel  Gebäudetechnik  West  AG,  Sitz  Olten,  ihrerseits  Toch-
tergesellschaft der Atel Installationstechnik AG, Sitz Zürich (Atel).  

  BKW ISP AG mit Sitz in Ostermundigen gehört zur BKW-Gruppe, Bern (ISP).  
  Elektro Burkhalter AG mit Sitz in Bern ist eine an der Schweizer Börse kotierte Akti-
engesellschaft, welche zur Burkhalter-Gruppe, Sitz Zürich, gehört (Burkhalter).  
  ETAVIS Arnold AG hat ihren Sitz in Köniz und ist Teil der Etavis-Gruppe, Sitz Zürich 

(Etavis).  

  Energie  Wasser  Bern  (ewb)  ist  eine  selbstständige,  autonome  öffentlich-rechtliche 

Anstalt der Stadt Bern (ewb).  

  Gasser + Bertschy Elektro AG mit Sitz in Bern (Gasser + Bertschy). Gegen Gasser 
+  Bertschy  wurde  die  Untersuchung  infolge  erster  Anhaltspunkte  im  Rahmen  der 
Hausdurchsuchung  und  der  beschlagnahmten  Akten  mit  Schreiben  vom  4.  Februar 
2008 eröffnet. 

  Gfeller Elektro AG, Sitz Wohlen bei Bern (Gfeller).  
  Scherler AG, Elektro und Telematik, Sitz Bern (Scherler).  

Des Weiteren gegen folgende Verbände: 

  Kantonal-Bernischer Verband der Elektroinstallationsfirmen (KBVE),  
  Verband Stadtbernischer Elektroinstallationsfirmen (VSTEI) und  
  Gewerbeverband KMU Stadt Bern (KMU Bern). 

Die Hausdurchsuchungen erfolgten in einer koordinierten Aktion des Sekretariates mit 
6. 
Polizei  und  IT-Spezialisten  am  31.  Januar  2008  bei  Atel,  ISP,  Burkhalter,  Gfeller,  Etavis, 
Scherler sowie dem gemeinsamen Sekretariat der Verbände. 

Noch  am  31.  Januar  2008  beantragten  drei  Unternehmen zunächst  telefonisch sowie 
7. 
mit  umgehender  schriftlicher  Bestätigung  per  Fax  die  Teilnahme  am  Bonusprogramm  und 
erklärten  ihre  Bereitschaft  zur  Kooperation.  Die  übrigen  Parteien  reichten  in  den  folgenden 
Tagen Selbstanzeige ein.  

Datum 

Uhrzeit 

Partei/Übermittlungsform 

31. Januar 2008 

4. Februar 2008 

7. Februar 2008 

8. Februar 2008 

10:29 

11:44 

18:34 

18:16 

19:21 

16:12 

18:10 

Fax Gfeller (Telefonat: 9:53 Uhr) 

Fax Atel (Telefonat: 11:35 Uhr) 

Fax Burkhalter (Telefonat: 18:06 Uhr) 

Fax ewb  

Fax Scherler (Telefonat: 11:00 Uhr) 

Fax ISP  

Fax Gasser + Bertschy  

15. Februar 2008  

Eingang Schreiben Etavis  

Tabelle 1: Chronologische Übersicht über das Eintreffen der Bonusmeldungen/Selbstanzeigen 

Die Sachverhaltsabklärungen mittels der beschlagnahmten sowie den von den Partei-

8. 
en eingereichten Akten ergaben das folgende Bild:  

5  

6  

Elektroinstallationsunternehmen erstellen Anlagen und Einrichtungen, welche der energetischen Versorgung 
dienen.  
Act. 37. 

5/45 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
 
 
 
 
Insgesamt sind in der Stadt Bern circa 50 Elektroinstallationsfirmen, im Raum Bern und 
9. 
Umgebung etwa 130 Betriebe tätig7. Daneben existieren die Verbände VSEI8, VSTEI, KVBE 
und KMU Bern. Via VSTEI wird eine Informationsplattform in Form einer Meldestelle betrie-
ben,  über  welche  die zur  Offertstellung  ausgeschriebenen Projekte erhoben sowie allfällige 
optionale  Meldungen  von  Unternehmen,  dass  sie  ein  Projekt  rechnen  beziehungsweise  zu 
rechnen gedenken, entgegengenommen werden. Im Gegenzug werden diese Unternehmen 
über  die  weiteren,  bezüglich  des  gleichen  Projektes  meldenden  Unternehmen  orientiert9. 
Darüber hinaus gibt der VSEI ein Kalkulationsprogramm10 heraus. Sowohl das Kalkulations-
programm  des  VSEI  als  auch  die  „Kalkulationshilfe  Steiger“11,  die  beiden  überwiegend  ge-
nutzten  Kalkulationshilfen  in  der  Branche,  waren  bereits  Gegenstand  von  Vorabklärungen 
der  WEKO,  wobei  2005  weder  die  Vorabklärung  22-0333:  Kalkulationshilfe  VSEI  noch  die 
Vorabklärung 22-0332: Kalkulationshilfe Steiger in eine Untersuchung mündete, da die Par-
teien entsprechende Anpassungen vornahmen12. 

10.  Beschrieb  der  Elektroinstallationsbranche/der  Kalkulationshilfen:  Wie  erwähnt,  sind  in 
der  Elektroinstallationsbranche  vorwiegend  zwei  Kalkulationsprogramme  gebräuchlich:  Das 
Steiger-Modell sowie der Norm-Positionen-Katalog (NPK Programm), welcher vom Verband 
VSEI  lanciert  wurde.  Ein  Auftraggeber  zieht  bei  grösseren  Projekten  meist  einen  Ingenieur 
oder Elektroplaner bei (in Einzelfällen fungieren auch Elektroinstallationsfirmen als Planer13), 
welcher  die  Submissionsunterlagen  ausarbeitet,  seinerseits  vorkalkuliert  (er  gibt  dem  Bau-
herren  einen  Kostenvoranschlag  ab)  und  sich  um  die  Vergabe  der  Aufträge kümmert.  Dar-
über hinaus stellt Letzterer via Vorgabe des zu verwendenden Kalkulationsprogramms an die 
Installationsfirmen die Vergleichbarkeit der Offerten sicher. Die den Unternehmen zugestell-
ten  Daten  (Mengengerüste)  können  meist  direkt  in  die  über  eine  betriebliche  Software  lau-
fenden  Kalkulationshilfen  eingelesen,  firmenintern  bearbeitet  und  sodann  ausgefüllt  retour-
niert  werden14.  Die  vorgegebenen  Preise  stellen  Richtpreise  dar  und  die  Kalkulationshilfen 
müssen  mit  firmeneigenen  Zahlen  hinterlegt  werden,  worauf  die  verwendenden  Unterneh-
men in jeder Auflage hingewiesen werden.  

11.  Auftragsvergabe: Der Begriff Submission steht im Folgenden für das Vergabeverfahren 
von  Elektroinstallationen,  von  deren  Ausschreibung  bis  zur  Vergabe des Auftrags.  Es kann 
dabei grundsätzlich zwischen öffentlichen und privaten Submissionen unterschieden werden, 
wobei das Verfahren bei Aufträgen der öffentlichen Hand weitgehend gesetzlich vorgegeben 
ist15.  Bei  Submissionen  von  privaten  Aufträgen  besteht  hingegen  mehr  Spielraum.  So  kön-

7 
8  
9  

Vgl. die Mitgliederzahlen des VSTEI (http://www.vstei.ch/) sowie des KVBE (http://www.kbve.ch/).
Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen. 
Im Rahmen der Vorabklärung 21-0063: Reglement der Informationsstelle (Partei war der Bauunternehmer-
verband) kam es 2001 auch zu einem Briefwechsel zwischen Sekretariat und VSTEI wegen ähnlicher Punk-
te im Reglement betreffend dessen Informationsstelle. Da infolge Intervention des Sekretariates der VSTEI 
die bis anhin praktizierten Preissitzungen einstellte, das Reglement entsprechend anpasste und einen Aus-
tausch inskünftig lediglich betreffend Erfahrungen sowie wegen technischer Fragen – nicht aber zu Abspra-
chen des Preises – in Aussicht stellte, wurden seitens des Sekretariates keine weiteren Schritte unternom-
men. 

10   Der sogenannte NPK (Norm-Positionen-Katalog), vgl. act. 60, S. 2, 3 (Atel) und act. 66 (Burkhalter). 
11   Diese Kalkulationshilfe ist nach ihrem Entwickler benannt [vgl. act. 60, S. 2 (Atel)].  
12   Die  jährlich  neu  aufgelegten  Kalkulationshilfen  müssen  und  enthalten  auch  tatsächlich  einleitend  stets  gut 
sichtbar einen Hinweis auf den Richtpreischarakter der angegebenen Preise, einhergehend mit der Auffor-
derung,  die  Kalkulationshilfen  mit  firmeneigenen  Zahlen  zu  hinterlegen  (vgl.  Steiger  Elektro  Kalkulation 
2007, Kapitel: Grundlagen der Kalkulation, Absatz D Akkordpreise: „ Es wird dringend empfohlen, die in den 
Kalkulationsunterlagen vorhandenen Möglichkeiten  zur Individualisierung der Preise zu nutzen. Eine starre 
Verwendung  der  vorgegebenen  Preise  kann  als  kartellrechtlich  unzulässige  Preisabrede  angesehen  wer-
den“.  Vgl.  ebenso  Verband  Schweizerischer  Elektro-Installationsfirmen  VSEI  (Hrsg.),  „VSEI  –  Kalkulation 
Das  Lehrbuch  für  die  Kalkulationen  im  Elektro-  und  Telekommunikations-Installationsgewerbe“,  August 
2007, S. 11, fett gedruckt und gelb hinterlegt: „Die VSEI-Kalkulation muss den individuellen, betriebsspezifi-
schen Kostenstrukturen jedes Elektroinstallationsbetriebes angepasst werden.“). 

13   Vgl. act. 66 (Burkhalter). 
14   Vgl. act. 60, S. 3 (Atel). 
15   Vgl.  für  Ausschreibungen  des  Bundes:  Bundesgesetz  vom  16.  Dezember  1994  über  das  öffentliche  Be-
schaffungswesen  (BoeB;  SR  172.056.1),  Verordnung  vom  11.  Dezember  1995  über  das  öffentliche  Be-
schaffungswesen  (VoeB;  SR  172.056.11)  sowie  für  Ausschreibungen  der  Kantone  und  Gemeinden:  Inter-

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nen beispielsweise Ersteingaben der an einer Submission beteiligten Anbieter in Abgebots-
runden16  weiter  verhandelt werden. Der Elektroplaner, Architekt oder die sonst mit der Auf-
tragsvergabe  betraute  Person/Stelle17  kontaktiert  dabei  in  der  Regel  die  interessierten  Fir-
men  und  fordert  Preisnachlässe.  Via  Ausschluss  der  jeweils  teuersten  Anbieter  wird  der 
Kreis  der  Offerenten  kontinuierlich  bis  zur  abschliessenden  Vergabe  des  Auftrags  einge-
schränkt.  

12.  Arbeitsgemeinschaften (ARGE): In Abhängigkeit unter anderem von Grösse und Erfül-
lungszeitraum eines Projektes kann sich dessen Ausführung in Form einer ARGE anbieten. 
Dazu  verhandeln  mehrere  Unternehmen  miteinander  im  Hinblick  auf  die  gemeinsame  Aus-
führung  eines  Projektes.  Einigen  sie sich auf  die Bildung  einer  ARGE,  sind  neben anderen 
offene oder stille ARGE denkbar. Bei einer stillen ARGE übernimmt eine Unternehmung den 
sogenannten „Lead“ und tritt als alleinige Vertragspartei gegenüber dem Bauherren auf, oh-
ne diesen über die übrigen, im Falle eines Vertragsabschlusses an der Ausführung beteilig-
ten Unternehmen zu informieren. Hat der Auftraggeber hingegen Kenntnis von einer geplan-
ten Zusammenarbeit, liegt eine offene ARGE vor. Möglich, aber nicht zwingend erforderlich, 
ist die Einreichung einer gemeinsamen Offerte durch die ARGE-Partner, aus welcher ersicht-
lich wird, dass und welche Unternehmen gemeinsam die Ausführung eines Auftrags im Falle 
dessen Erhaltes planen. Das Verhältnis der ARGE-Partner untereinander wird über Zusam-
menarbeitsverträge geregelt und die Ausführung gemeinsam bewerkstelligt. Gemeinsam ist 
den hier  beschriebenen und für  vorliegenden Fall  relevanten  Konstellationen,  dass  sich die 
Unternehmen  nicht  bezüglich  eines  Auftrags  konkurrenzieren,  sondern  an  dessen  gemein-
samer Ausführung bereits in der Offertphase interessiert sind.  

13.  Entstehungsgeschichte „E7“18: In der Elektroinstallationsbranche fanden im Raum Bern 
schon seit geraumer Zeit Absprachen bi- und multilateraler Art sowie Treffen in diesem Zu-
sammenhang  statt.  Während  Atel  aussagte,  dass  bereits  seit  den  Neunzigerjahren  bis  ca. 
2004  unregelmässig  Treffen  eines  „Lügiclubs“  stattfanden19,  datieren  die  frühesten  akten-
mässig  belegten  Kontakte  aus  dem  Jahre  200420.  Dieser  Informationsaustausch  wurde  ge-
mäss Parteiaussagen insbesondere in Hochkonjunkturzeiten gepflegt, so in den Jahren 2006 
und 200721. Hingegen sind auch zahlreiche Stützaktivitäten22 und in diesem Zusammenhang 
ein Austausch über Preise und Preiselemente aus den weniger konjunkturstarken Jahren vor 
2005 belegt23, zu welchen es in Einzelfällen auch mit nicht zu den E7 gehörigen Unterneh-
men  kam.  Entsprechend  nennt  ewb  weitere,  „nicht  zum  engeren  Kreis  gehörende“  Unter-
nehmen24.  

14.  Nachdem  zumindest  während  der  Jahre  2004/2005  keine  regelmässigen  Treffen  und 
Kontakte mehr stattgefunden hatten, kam es Ende 2005/Anfang 2006 zu einer Zusammen-

kantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB; SR 172.056.5) und die kantonalen 
Ausführungserlasse (http://www.ch.ch/gesetzestexte/index.html?lang=de).  

16   Abgebotsrunden bezeichnen vom Auftraggeber initiierte Preisverhandlungen, vgl. act. 30, S. 2 (ISP) sowie 
PETER GAUCH, Die Liberalisierung des öffentlichen Baumarktes und viele Fragen, in: Baurechtstagung, Frei-
burg 1997, Bd. 1, S. 24. 

17   Vgl. Rz. 10. 
18   Vgl. Rz. 14. 
19   Vgl. act. 60a, Reg. 3, Beilage 3.1: Aktennotiz betreffend „Lügiclub“ (Atel); act. 20/25 S. 5, 6 (Burkhalter): es 
hätten bereits vor vielen Jahren bis 2002 und sodann erneut ab Herbst 2005, Anfang 2006 Treffen stattge-
funden. 

20   Vgl. act. 3d, Reg. 4, Dok. 5 (Etavis); Das früheste von Burkhalter angegebene Projekt, ohne Beweise, datiert 

von 1994 [vgl. act. 66a, Reg. 7 (Burkhalter)]. 

21   Vgl. act. 66, S. 2 (Burkhalter) sowie für entsprechende Aussagen anlässlich der Einvernahmen: Act. 94, S. 5 

(Burkhalter); act. 91, S. 9 (Gasser + Bertsch); act. 95, S. 9 (Gfeller). 

22   Vgl. hinten Rz. 15. 
23   Vgl.  act.  60a,  Reg.  3,  Beilage  3.1.  und  act.  77,  S.  5  (Atel);  act.  94,  S.  3  und  act.  20/25,  Beilage:  Offert-
Absprachen sowie act. 66a, Reg. 2, 3 und 4 (Projektlisten; Burkhalter); act. 11a (Gasser + Bertschy).  
24   Act. 18, S. 2, 3.1. (ewb); vgl. auch act. 37, S. 5 (Etavis); act. 11a, Reg. 8, Dok. 23, 27, 28, 30 etc. (Gasser + 

Bertschy). 

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kunft der Parteien im Hinblick auf die Einlegearbeiten des Grossprojektes Westside25. Dieses 
war  aussagegemäss  hinsichtlich  Bauvolumen  und  Ausführungszeitraum  für  Berner  Firmen 
nur in Form einer ARGE zu bewältigen. Obschon eine solche letztlich bei besagtem Projekt 
nicht  zustande  kam,  beurteilten  die  beteiligten  Unternehmen  den  Austausch  als  fruchtbar. 
Atel, ISP, Burkhalter, Gfeller, Etavis sowie Scherler beschlossen, weiterhin monatlich derar-
tige Treffen zum Zweck des Informationsaustausches abzuhalten. Diese Gruppierung wurde 
als  „Stamm“  und  bereits  kurz  darauf,  nach  dem  Beitritt  Gasser  +  Bertschys  2006,  als  „E7“ 
(Synonym für die 7 grossen Elektroinstallationsfirmen im Raum Bern; im Folgenden: E7) be-
zeichnet.  Gasser  +  Bertschy  gab  an,  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  von  Atel  angefragt  und 
zur Teilnahme am Stamm aufgefordert/eingeladen worden zu sein.  

15.  Die Teilnahme an den in der Regel einmal monatlich, jeweils Montag vormittags, statt-
findenden Treffen war freiwillig. Diese Zusammenkünfte dienten gemäss Aussagen der Par-
teien  unterschiedlichsten  Zwecken:  So  unter  anderem  dem  Besprechen  der  Lehrlings-  und 
Ausbildungsproblematik, der Arbeitsauslastung und dem optimalen Ressourcen- und Kapazi-
tätseinsatz der Beteiligten, der Marktpreisevaluation sowie der Bildung von ARGE. Des Wei-
teren  sollte  das  Abwerben  von  Stammkunden  mittels  Dumpingangeboten  verhindert26,  an-
gemessene  Preise  respektive  Margen27  bewirkt  sowie  die  Antizipierbarkeit  des  Verhaltens 
der Wettbewerber gefördert werden28. Dazu wurden unter anderem Kalkulationsdaten betref-
fend  diverser  Projekte,  Eingabepreise  und  Informationen  zu  Marktchancen  sowie  -risiken 
ausgetauscht29. Die zahlreichen, von jeder Partei vorliegenden Handnotizen von E7-Treffen 
belegen hingegen ausschliesslich Interessensanmeldungen bezüglich einzelner Projekte sei-
tens der Parteien30. Jede Unternehmung brachte die für sie wichtigen Projekte anhand mit-
gebrachter eigener Offertlisten zur Sprache31. Nicht an einem Auftragserhalt interessierte Un-
ternehmen waren sodann in der Regel bereit, die interessierte Partei zu unterstützen, wobei 
das konkrete weitere Vorgehen meist bilateral telefonisch oder aber auf elektronischem Weg 
festgelegt wurde32 (vgl. für Beispiele und konkrete Vorgehensvarianten Rz. 79 ff.). Sie reich-
ten in der Folge zugunsten der für den Auftragserhalt vorgesehenen Unternehmung Stützof-
ferten ein, worunter jede Offerte einer Unternehmung zu verstehen ist, welche bewusst den 
Auftragserhalt einer anderen Unternehmung über einen höheren eigenen Preis zu begünsti-
gen sucht33. Anlässlich den E7-Treffen wurden vornehmlich grössere Aufträge thematisiert34. 
Der  durchschnittliche  Umsatz,  welchen  die  Parteien  je  abgesprochenem  Projekt  erzielten, 
geht aus folgender Tabelle hervor:  

25   Vgl. allgemeine Aussagen der Parteien zur Entstehungsgeschichte von E7: Act. 26  und act. 77, S. 7 (Atel); 
act. 30, S. 2 f. und act. 78, S. 4 (ISP); act. 20/25, S. 5 f. (Burkhalter); act. 37, S. 2 (Etavis); act. 35 (Gasser + 
Bertschy); act. 23, S. 2; act. 95, S. 4 (Gfeller); act. 19, S. 2 (Scherler). 
26   Vgl. act. 35, S. 2 (Gasser + Bertschy) sowie act. 76, S. 2, A 1.2 (Gfeller). 
27   Vgl. bspw. act. 72a, Reg. 2, S. 3 und act. 107 (Etavis). 
28   So sollte unter anderem in Erfahrung gebracht werden können, wer von den E7-Teilnehmern bei einem Pro-

jekt eine Offerte einzureichen gedachte.  

29   Vgl. act. 18, S. 2, 2.2. (ewb). 
30   Vgl. act. 3a, Reg. 2 (Atel); act. 3b, Reg. 3 (ISP); act. 3c, Reg. 10 (Burkhalter); act. 3d, Reg. 2 (Etavis); act. 

3f, Reg. 23 (Scherler). 

31   Act. 26, S. 2 (Atel). 
32   Einem Protokoll aus dem Jahre 2006 entsprechend, meldete sich meist die an einem Auftragerhalt interes-
sierte Unternehmung im Anschluss an die E7-Treffen bei den übrigen, zu einer Unterstützung bereiten Fir-
men. Das Protokoll hält im Detail fest, wer sich in welcher Phase einer Submission bei wem in Sachen Preis 
zu melden hat; vgl. act. 3d, Reg. 2, Dok. 2 (Etavis).  

33   Vgl.  auch  PETER  GALLI,  ANDRÉ  MOSER,  ELISABETH  LANG,  EVELYNE  CLERC,  Praxis  des  öffentlichen  Beschaf-
fungsrechts, 1. Band: Landesrecht, Zürich/Basel/Genf 2007, Rz. 324 „Schutzofferten“; für Erläuterungen vgl. 
Fn. 638.

34   Vgl.  entsprechende/dahingehende  Aussagen  der  Parteien:  Act.  94,  S.  4  (Burkhalter);  act.  78,  S.  14  (ISP) 

und act. 87, S. 5 (Etavis). 

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Unternehmen 

Fälle 

Umsatz 

Durchschnitt 

Atel 
ISP 

Burkhalter 
Etavis 

Gasser + Bertschy 
Gfeller 

Scherler 
ewb 

TOTAL 

22 
8 

18 
14 

10 
16 

16 
4 

6‘737‘295. 
2‘549‘371. 
4‘989‘499. 
2‘751‘716. 
2‘291‘028. 
7‘686‘559. 
8’714’116. 
724’000. 

306'241.   
318'671.   
277'194.   
196'551.   
229'103.   
480'410.   
544'632.   
181'000.   

108 

36'443'584. 

337'441.   

Tabelle 2: Durchschnittliche Werte der abgesprochenen Projekte 

16.  Neben dem eigenen und/oder dem von der stützenden Unternehmung zu kalkulieren-
den Eingabepreis wurden häufig Faktoren, mögliche Rabatte oder andere zentrale Kalkulati-
onsparameter  ausgetauscht,  aber  auch  ganze  Offerten  für  andere  Firmen  berechnet  und 
diesen übermittelt respektive mit deren Firmenstempel versehen eingereicht. Fallweise kam 
es  so  zur  Koordination  entweder  ausschliesslich  der  Ersteingabe,  der  Ersteingabe  und  der 
nachfolgenden  Abgebotsrunden35  oder  aber  in  manchen  Fällen  auch  lediglich  zu  einer  Ab-
stimmung  der  Abgebote.  In  den  meisten  Fällen  bestand  hingegen  von  der  Ersteingabe  bis 
hin  zur  Auftragsvergabe  Kontakt  zwischen  den  Parteien. Weiter  kam  es  vor,  dass  mehrere 
Unternehmen  eine  ARGE  bei  einem  bestimmten  Projekt  bilden  wollten  und,  unter  anderem 
um ihre Erfolgschancen bezüglich der Vergabe zu erhöhen, je eine selbständige Offerte mit 
abgesprochenem Preis einreichten. Meist wurde dabei die Unternehmung, welche das güns-
tigste/beste Angebot offerieren und den Auftrag schlussendlich erhalten sollte, vorgängig be-
stimmt. 

17.  Eigentliche  direkte Gegenleistungen für  Stützofferten  im  Sinne  von  Ausgleichszahlun-
gen oder Kartelldividenden wurden keine entrichtet. Die Parteien gaben an, dass sie  davon 
ausgingen,  bei  ihrerseitigem  künftigen  Interesse  an  einem  Auftrag  ebenfalls  unterstützt  zu 
werden. Weiter, dass Scheinofferten auch im Interesse der stützenden Partei liegen konnten 
und dieser folgende Vorteile brachten: Sie mussten bei fehlendem Interesse, fehlenden Res-
sourcen  etc.  weder  selbst  zeit-  und  kostenintensiv  kalkulieren  noch  die  Offertanfragen  leer 
zurückschicken, blieben damit beim Auftraggeber präsent und für allfällige weitere Auftrags-
vergaben im Rennen. Zudem bestand aussagegemäss bei Veränderungen der eigenen Aus-
lastung im Ausführungszeitpunkt eventuell die Möglichkeit, mit Personal auszuhelfen oder an 
einer ARGE zu partizipieren. Auch die eigenen Stammkunden waren bis zu einem gewissen 
Grad vor der Konkurrenz geschützt36.  

18. 
In den seltenen, anlässlich E7-Treffen besprochen Fällen, in welchen mehrere Parteien 
am selbständigen Auftragserhalt interessiert und im Vergabefall nicht zur Teilnahme an einer 
ARGE bereit waren, kam es zum „Freistilringen“, d.h. jede interessierte Unternehmung kalku-
lierte eigenständig und bemühte sich um den Erhalt des Auftrags37. 

35   Zur Definition vgl. oben Rz. 11. 
36   Vgl. die folgenden Aktenstellen: Act. 26 (Atel); act. 59, S. 2 (ISP); act. 19, S. 2 (Scherler); sowie zum Schutz 
der Stammkundschaft: Act. 77, S. 15, 18 (Atel); act. 78, S. 7 (ISP); act. 94, S. 10 (Burkhalter); act. 91, S. 4 
(Gasser + Bertschy); des Weiteren act. 37, S. 2 (Etavis); act. 76, S. 2, A 1.2 (Gfeller). 

37   Vgl. beispielsweise act. 94, S. 9 (Burkhalter); act. 87, S. 7, 11 (Etavis); act. 93, S. 4 (Scherler).

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19.  Das letzte Treffen der E7 fand vier Tage nach den Hausdurchsuchungen am 4. Febru-
ar  2008  auf  Initiative  der  Verbände  ohne  Gasser  +  Bertschy,  welche  zu  diesem  Zeitpunkt 
noch nicht in die Untersuchung involviert war, statt und diente nach einhelligen Aussagen der 
Parteien  dem  Erfahrungsaustausch  und  der  „Verarbeitung  des  Erlebten“.  Neben  der  Frage 
nach der Person des Anzeigers wurden mögliche Vorgehensweisen gegenüber den Wettbe-
werbsbehörden besprochen. Am Ende beschloss man, dass sich jede Unternehmung eigen-
ständig um  eine  allfällige  rechtliche  Vertretung kümmern und  entsprechend  selbständig ge-
genüber  den  Behörden  auftreten  würde.  Potentiell  kartellrechtsrelevante  Abreden  wurden 
hingegen keine mehr getroffen. Dem Treffen fern blieb, trotz Einladung, ewb. 

20. 
Im Detail auf die Vorbringen der Parteien sowie einzelne betroffene Projekte zur Ver-
anschaulichung deren Vorgehens wird – soweit notwendig – in den Erwägungen eingegan-
gen38. 

A.2 

Verfahren 

21.  Am  29.  Januar  2008  eröffnete  das  Sekretariat  gestützt  auf  eine  Anzeige39  die  vorlie-
gende  Untersuchung  22-0366  Elektroinstallationsbetriebe  Bern.  Parteien  in  diesem  Verfah-
ren sind die in Rz. 5 genannten Unternehmen und Verbände. 

22.  Die Verbände wurden in die Untersuchung einbezogen, da gestützt auf die Aussagen 
des  Anzeigers40  und  bisherige  Erfahrungen41  einerseits  Informationen  bei  ihnen  vermutet 
wurden  und  andererseits  eine  allfällige  Beteiligung  der  Verbände  an  den  Absprachen  nicht 
auszuschliessen  war.  Dieser  Verdacht  hat  sich  hingegen  nicht  erhärtet,  es  stellte  sich  viel-
mehr  heraus,  dass  die  Verbände  nicht  aktiv  an  den  Absprachen  beteiligt  waren.  Entspre-
chend waren weder Ermittlungsmassnahmen noch ein grosser Korrespondenzaufwand von-
nöten,  so  dass  das  Verfahren  gegen  die  Verbände  ohne  Kostenfolge  eingestellt  werden 
kann. Auch auf einen Einbezug des VSEI in das Verfahren konnte verzichtet werden, da das 
Meldewesen,  obschon  sicher  für  eine  weitergehende  Transparenz  und  Kontaktmöglichkeit 
sorgend, wenn überhaupt, für die Absprache vorliegend nur eine marginale Rolle spielte. 

23.  Am  31.  Januar  2008  wurden  um  9  Uhr  in  einer  konzertierten  Aktion  bei  den  in  Rz.  6 
genannten Unternehmungen sowie im gemeinsamen Sekretariat der drei angeblich betroffe-
nen  Verbände  VSTEI,  KVBE  und  KMU  Bern  Hausdurchsuchungen  in  Unterstützung  durch 
Polizei und IT-Spezialisten durchgeführt.  

24.  Ablauf  der  Hausdurchsuchungen:  Die  Betroffenen  wurden  zu  Beginn  der  Hausdurch-
suchungen  über  ihre  Rechte  inklusive  der  Möglichkeit  einer  Bonusmeldung  und  deren  Be-
deutung  aufgeklärt  und  erhielten  je  eine  Kopie  der  Untersuchungseröffnung  sowie  des 
Durchsuchungsbefehls.  Auf  dieselbe  Weise,  jedoch  unter  Verzicht  auf  eine  Durchsuchung, 
wurde bezüglich ewb verfahren.  

25.  Die Hausdurchsuchungen konnten alle am 31. Januar 2008 abgeschlossen werden. Es 
wurde umfangreiches  Aktenmaterial  beschlagnahmt  und  dieses  in Beschlagnahmeprotokol-
len mit Gegenstand, Fundort etc. exakt dokumentiert42. Die Server der Unternehmen wurden 
gespiegelt43. Eine Siegelung wurde nicht beantragt.  

26.  Mit (Eröffnungs-) Schreiben vom 4. Februar 2008 wurde die Untersuchung auf Gasser 
+ Bertschy ausgedehnt.  

38   Vgl. Teil B. 
39   Vgl. Rz. 3. 
40   Vgl. vorn Rz. 3. 
41   Vgl. vorn Rz. 6, insbesondere Fn. 9 und 12. 
42   Vgl. act. 3: Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsprotokoll je durchsuchter Firma. 
43   Für Ergebnisse der Auswertung vgl. act. 3 a, Reg. 12 (Atel); act. 3b, Reg. 17 (ISP); act. 3d, Reg. 11 (Etavis); 

act. 11a (Gasser + Bertschy) und act. 3e, Reg. 5 (Gfeller). 

10/45 

 
 
 
 
 
                                                
27.  Das  Sekretariat  gab  die  Eröffnung  der  Untersuchung  unter  Hinweis  auf  die  30-tägige 
Frist,  innert  welcher  Dritte  eine  allfällige  Verfahrensbeteiligung  anmelden  können  (Art.  28 
Abs.  2  KG),  mittels  amtlicher  Publikation  am  22.  Februar  2008  im  Schweizerischen  Han-
delsamtsblatt und am 4. März 2008 im Bundesblatt bekannt. Die Parteien wurden vorgängig 
per Fax über den Inhalt der Pressemitteilung orientiert. Innert Frist meldeten sich keine Drit-
ten im Sinne von Art. 28 Abs. 2 KG. 

28.  Alle  Parteien,  ausgenommen  die  Verbände  (vgl.  oben  Rz.  22),  reichten  eine  Bonus-
meldung gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 lit. b sowie Art. 8 ff. SVKG44 ein. Die chro-
nologische Reihenfolge der Selbstanzeigen ist aus der Tabelle in Rz. 7 ersichtlich. 

29. 
In den auf die Hausdurchsuchungen folgenden Tagen wurden alle Parteien im Hinblick 
auf die von ihnen getätigten Kooperationszusagen45 zu einer Einvernahme vorgeladen. Atel 
und Scherler erschienen am 13. Februar 2008, ISP und ewb am 14. Februar 2008, Gasser + 
Bertschy am 15. Februar 2008, Burkhalter und Gfeller am 18. Februar 2008 und abschlies-
send  Etavis  am  22.  Februar  2008  zur  Einvernahme.  Die  Parteien  wurden  darüber  hinaus 
über  das  geplante  weitere  Vorgehen  sowie  die  von  ihnen  erwartete  Mitarbeit  und  deren 
rechtliche  Folgen  gemäss  KG-Sanktionsverordnung  informiert.  Sie  wurden  unter  anderem 
aufgefordert,  in  den  folgenden  Wochen  ihrerseits  alle  möglicherweise  betroffenen  Projekte 
zu beschreiben, Angaben zum Treffen vom 4. Februar 2008, zu ihrer Kenntnis des Kartellge-
setzes und internen Antitrust-Compliance-Massnahmen zu machen sowie alle ihnen darüber 
hinaus zur  Verfügung  stehenden,  potentiell  relevanten  Informationen  sowie möglicherweise 
beweisrelevantes  Material  zu  liefern.  Zudem  wurden  diverse  Fragen  ihrerseits  beantwortet. 
Die Einvernahmen wurden protokolliert und den Parteien zur Stellungnahme und anschlies-
sender Unterzeichnung zugestellt46. 

30. 
In der  Folge rekapitulierten  die Parteien  ihr  Abspracheverhalten  während  der  vergan-
genen  Jahre und reichten  diesbezügliche  Ausführungen  sowie  bei  ihnen  noch auffindbares 
belegendes  Material  ein.  Mitte  April  konnte  sodann  mit  der  Sichtung  der  beschlagnahmten 
Akten inklusive der elektronischen Daten begonnen werden.  

31.  Die  Parteien  verzichteten  allesamt  darauf,  den  Sichtungen  der  anlässlich  der  Haus-
durchsuchungen  erstellten  Serverkopien  beizuwohnen.  Ein  Sichtungsprotokoll  und  Kopien 
der extrahierten Dokumente wurden der jeweils betroffenen Partei in der Folge zur Kenntnis 
gebracht.  

32.  Nach einer ersten Durchsicht und Bearbeitung des Aktenmaterials erschienen die Par-
teien erneut Ende Juni/Anfang Juli zu Einzelgesprächen in die Räumlichkeiten des Sekreta-
riates.  Sie  wurden  über  den  aktuellen  Stand  des  Verfahrens,  die  ersten  Untersuchungser-
gebnisse, insbesondere die Zahl und das Verhältnis der selbst angegebenen zu den zusätz-
lich aufgedeckten Projekten, und die verschiedenen Möglichkeiten des Verfahrensfortganges 
orientiert.  Gfeller  als  der  ersten  Partei,  welche  eine  Bonusmeldung  einreichte,  wurde  eine 
Mitteilung  gemäss  Art.  9  Abs.  3  lit. a SVKG  übergeben,  den  übrigen  Parteien  eine  Bestäti-
gung ihrer bis anhin kooperativen Haltung. Sämtliche Parteien äusserten in der Folge ihr ge-
nerelles Interesse am Abschluss einer einvernehmlichen Regelung.  

33.  Nach Festsetzung der Sanktionsbandbreite und Entwurf einer einvernehmlichen Rege-
lung mit übereinstimmendem Wortlaut für alle Parteien wurden ihnen diese Angaben bei ei-
nem  weiteren  individuellen  Gespräch  Anfang  September  2008  eröffnet47.  Es  bestand  die 
Möglichkeit, zum Wortlaut der einvernehmlichen Regelung Stellung zu nehmen und Formu-

44   Verordnung über die  Sanktionen  bei  unzulässigen Wettbewerbsbeschränkungen  vom  12.  März  2004  (KG-

Sanktionsverordnung; SVKG) SR 251.5. 

45   Vgl. Rz. 7. 
46   Act.  77  (Atel);  act.  78  (ISP);  act.  94  (Burkhalter);  act.  87  (Etavis);  act.  86  (ewb);  act.  95  (Gfeller);  act.  91 

(Gasser + Bertschy) und act. 93 (Scherler). 

47   Gemäss Art. 29 Abs. 1 KG schlägt das Sekretariat den Beteiligten eine einvernehmliche Regelung über die 

Art und Weise der Beseitigung einer als unzulässig erachteten Wettbewerbsbeschränkung vor. 

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lierungsvorschläge sowie anderweitige Anregungen zu machen. Darüber hinaus nahmen die 
Parteien Einsicht in die geschäftsgeheimnisbereinigten Verfahrensakten.  

34.  Nach  Akteneinsicht  und  Abgabe  ihres  Einverständnisses  zur  definitiven  Version  der 
einvernehmlichen Regelung wurde diese den Parteien zur Unterzeichnung zugestellt und in-
nert Frist von allen unterzeichnet retourniert48. Diese lautet – ergänzt mit dem jeweiligen Na-
men der Unternehmung – wie folgt:  

Vorbemerkungen:  

a)  Die  nachfolgende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  KG  (Kartellgesetz, 
SR 251) erfolgt im übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0366 
zu vereinfachen, zu verkürzen und – unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Wett-
bewerbskommission (Weko) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen.  

b)  Dem Willen und der Bereitschaft der [Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser + 
Bertschy, Gfeller, Scherler] zum Abschluss der nachfolgenden einvernehmlichen Rege-
lung  wird  vom  Sekretariat  im  Rahmen  der  Sanktionsbemessung  Rechnung  getragen. 
Aufgrund der aktuellen Ausgangslage beabsichtigt das Sekretariat, der Weko eine Sank-
tion in der Grössenordnung von CHF […]. bis CHF […]. zu beantragen49. Die definitive 
Festlegung der Höhe der Sanktion liegt jedoch im Ermessen der Weko. Sie erfolgt end-
gültig mit deren verfahrensabschliessenden Verfügung. 

c)  Sollte  die  vorliegende  einvernehmliche  Regelung  von  der  Weko  nicht  genehmigt  wer-
den, wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt und – bei Vorlie-
gen  eines  Verstosses  –  eine  Sanktion  gestützt  auf  das  KG  und  die  SVKG  (KG-
Sanktionsverordnung, SR 251.5) durch die Weko festgelegt. 

d)  Die [Atel/Alpiq,  ISP,  Burkhalter,  Etavis,  ewb,  Gasser  +  Bertschy,  Gfeller,  Scherler]  ver-
zichtet  im  Falle  der  Genehmigung  vorliegender  einvernehmlichen  Regelung  durch  die 
Weko und bei  Nichtüberschreiten  des  beantragten  Sanktionsrahmens gemäss lit. b)  im 
Sinne von lit. a) auf die Ergreifung von Rechtsmitteln. 

e)  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  22-0366 gehen  die Verfahrenskosten  anteilsmäs-
sig zu Lasten der Parteien und damit der [Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gas-
ser + Bertschy, Gfeller, Scherler].  

Vereinbarungen: 

1)  Die  [Atel/Alpiq,  ISP,  Burkhalter,  Etavis,  ewb,  Gasser  +  Bertschy,  Gfeller,  Scherler]  ver-
pflichtet  sich  in  Zusammenhang  mit  Elektroinstallationen  Konkurrenten  im  Rahmen  von 
Ausschreibungen weder um Stützofferten anzufragen noch solche anzubieten.  

2)  Die  [Atel/Alpiq,  ISP,  Burkhalter,  Etavis,  ewb,  Gasser  +  Bertschy,  Gfeller,  Scherler]  ver-
pflichtet  sich,  sich  in  Zusammenhang  mit  Elektroinstallationen  vor  der  Auftragserteilung 
nicht mit Konkurrenten über Offertpreise, Preiselemente sowie die Zuteilung von Kunden 
auszutauschen. 

3)  Davon ausgenommen ist der Austausch unabdingbarer Informationen in Zusammenhang 
mit  (a)  der  Bildung  und  Durchführung  von  Arbeitsgemeinschaften  sowie  (b)  der  Mitwir-
kung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer bzw. Unterakkordant.  

4)  Die  [Atel/Alpiq,  ISP,  Burkhalter,  Etavis,  ewb,  Gasser  +  Bertschy,  Gfeller,  Scherler]  ver-
pflichtet  sich,  geplante  Arbeitsgemeinschaften  in  Zusammenhang  mit  Elektroinstallatio-

48   Atel, 18. November 2008; ISP, 13. November 2008; Burkhalter, 17. November 2008; Etavis, 17. November 
2008;  ewb,  21.  November  2008;  Gasser  +  Bertschy,  20.  November  2008;  Gfeller,  24.  November  2008; 
Scherler, 19. November 2008; allen Parteien gezeichnet zugestellt am 26. November 2008, vgl. act. 269. 
Vgl. die Höhe der Bandbreiten: Rz. 171.

49 

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nen gegenüber dem Auftraggeber offenzulegen. Hierzu sind spätestens im Zeitpunkt der 
Offertstellung die Namen der Firmen, welche an der geplanten Arbeitsgemeinschaft mit-
wirken,  anzugeben.  Diese  Offenlegungspflicht  gilt  auch  bei  einer  geplanten  Arbeitsge-
meinschaft,  bei  der  einem  einzelnen  Unternehmen  die Führungsrolle zukommt  und das 
als Ansprechpartnerin bzw. Verantwortliche gegenüber dem Auftraggeber auftritt. 

35.  Am 18. Mai 2009 wurde den Parteien der Antragsentwurf zur Stellungnahme zugestellt.  

B 

Erwägungen 

B.1  Geltungsbereich 

36.  Das Kartellgesetz gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen Rechts, die Kar-
tell- oder andere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich an Unterneh-
menszusammenschlüssen beteiligen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

37.  Als  Unternehmen  gelten  sämtliche  Nachfrager  oder  Anbieter  von  Gütern  und  Dienst-
leistungen  im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig  von  ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform 
(Art. 2 Abs. 1bis KG).  

38.  Verfügungsadressatinnen  und  damit  Parteien  des  vorliegenden  Verfahrens  sind 
Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, ewb, Etavis, Gasser + Bertschy, Gfeller, Scherler sowie die Ver-
bände VSTEI, KVBE und KMU Bern50. Sie sind allesamt als Unternehmen im Sinne von Art. 
2  Abs.  1  KG  zu  qualifizieren.  Auf  entsprechende  Ausführungen  betreffend  die  Verbände 
kann  vor  dem  Hintergrund  der  ohnehin  erfolgenden  Einstellung  der  Untersuchung  gegen 
diese51 vorliegend verzichtet werden. Ist im Folgenden demnach von Parteien die Rede, sind 
stets ausschliesslich die in das Verfahren involvierten Elektroinstallationsbetriebe, das heisst 
die E7 sowie ewb, gemeint. 

39.  Die  Möglichkeit  direkter  Sanktionen52  besteht  seit  der  KG-Revision  200353.  Da  man 
sich  jedoch  im  Rahmen  der  einvernehmlichen  Regelungen  auf  die  Projekte  ab  2006,  dem 
Gründungsjahr  von  E7,  beschränkt,  ist  keine  übergangsrechtliche  Problematik  bei  der  An-
wendung des Kartellgesetzes zu berücksichtigen und dieses ohne Weiteres anwendbar. 

B.2 

Vorbehaltene Vorschriften 

40.  Dem  Kartellgesetz  sind  Vorschriften  vorbehalten,  die  auf  einem  Markt  für  bestimmte 
Waren  oder  Leistungen  Wettbewerb  nicht  zulassen,  insbesondere  Vorschriften,  die  eine 
staatliche  Markt-  oder  Preisordnung  begründen, und solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur 
Erfüllung öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Eben-
falls  nicht  unter  das  Gesetz  fallen  Wettbewerbswirkungen,  die  sich  ausschliesslich  aus  der 
Gesetzgebung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschrän-
kungen, die sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem 
Gesetz (Art. 3 Abs. 2 KG). 

41. 
In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht 
zulassen. Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht geltend 
gemacht. 

50   Vgl. Rz. 5. 
51   Vgl. Rz. 22. 
52   Vor der Revision konnte ein Kartellrechtsverstoss nicht direkt sanktioniert werden. Dies war erst beim Ver-
stoss gegen eine einvernehmliche Regelung oder behördliche Anordnung, das heisst im Wiederholungsfalle 
möglich. Gemäss Art. 49a KG können bestimmte Verletzungen kartellrechtlicher Bestimmungen nun direkt 
sanktioniert werden. 

53   Bundesgesetz  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen  –  Änderung  vom  20.  Juni  2003, 

AS 2004, 1385 ff. 

13/45 

 
 
 
 
 
                                                
B.3 

Verhältnis KG zum BoeB 

42.  Das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen54 sieht in Art. 11 lit. e vor, 
dass  die Auftraggeberin den  Zuschlag  widerrufen  oder  Anbieter  vom  Verfahren  ausschlies-
sen kann, wenn diese Abreden getroffen haben, die wirksamen Wettbewerb beseitigen oder 
erheblich  beeinträchtigen.  Der  Wortlaut  von  Art.  11  lit.  e  BoeB  deckt  sich  weitgehend  mit 
demjenigen von Art. 5 KG. Es stellt sich die Frage nach dem Verhältnis des BoeB (und damit 
VoeB55)  zum  KG  –  mithin,  ob  ein  und  derselbe  Sachverhalt  (Submissionsabsprache)  Ge-
genstand sowohl des submissionsrechtlichen (Art. 11 BoeB) als auch des kartellrechtlichen 
(Art. 5 KG) Verfahrens sein kann. Diese Frage ist in Übereinstimmung mit der REKO/WEF56 
zu bejahen57. Erfüllt ein Sachverhalt je einen der gesetzlichen Tatbestände des KG und des 
BoeB, können beide Gesetze parallel zur Anwendung kommen58. Zur Begründung kann Fol-
gendes angeführt werden: 

43.  Zunächst  schützen  das  Bundesgesetz  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  und 
das Kartellgesetz unterschiedliche Rechtsgüter59. Art. 11 lit. e BoeB dient dem Schutz des öf-
fentlichen  Ausschreibers60.  Der  öffentliche  Auftraggeber  soll  in  erster  Linie  die  öffentlichen 
Mittel  wirtschaftlich  einsetzen  (Art.  11  lit.  c  BoeB).  Es  ist  jedoch  nicht  Aufgabe  der  öffentli-
chen  Vergabestellen,  den  wirksamen  Wettbewerb  durchzusetzen.  Der  Schutz  dieses 
Rechtsgutes obliegt allein der WEKO61. Umgekehrt ist es für die Anwendung des Kartellge-
setzes  ohne  Bedeutung,  inwieweit  die  Interessen  des  Auftraggebers  verletzt  werden62.  Der 
Schutz des Rechtguts „wirksamer Wettbewerb“ (im Sinne des Kartellgesetzes) tritt somit ne-
ben  den  Rechtsgüterschutz  des  BoeB  und  weist  damit  eine  selbstständige  Bedeutung  auf. 
Die Vorschriften des öffentlichen Vergaberechts sowie diejenigen des Kartellrechts sind so-
mit kumulativ anwendbar. 

44.  Der  aus  der  Sicht  des  Bundesgesetz  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  einge-
schränkte Rechtsgüterschutz (nämlich der Schutz des öffentlichen Ausschreibers) zeigt sich 
insbesondere darin, dass sich Art. 11 lit. e BoeB nur auf verdeckte (Preis-) Absprachen be-
zieht,  das  heisst  auf  Absprachen,  die  der  Auftraggeberin  nicht  offengelegt  werden63.  Das 
Kartellgesetz trifft derartige Unterscheidungen nicht und bekämpft unzulässige Abreden (Art. 
5 KG) unabhängig davon, ob sie offen oder verdeckt erfolgen, oder ob sie der Marktgegen-
seite bekannt sind oder ihr vorenthalten werden.  

45.  Schliesslich unterscheiden sich die beiden Verfahren auch hinsichtlich ihrer Rechtsfol-
ge. Während nach Art. 11 lit. e BoeB die zuständige Behörde die Teilnehmer an einer Sub-
missionsabsprache  nur  (aber  immerhin)  aus  dem  Verfahren  ausschliessen  kann,  kann  die 
WEKO seit 1. April 2004 gemäss Art. 49a KG auch direkte Sanktionen verhängen64. 

54   BoeB; SR 172.056.1 (vgl. Fn. 15). 
55   VoeB; SR 172.056.11 (vgl. Fn. 15). 
56   Rekurskommission für Wettbewerbsfragen. 
57   Vgl. RPW 2005/1, S. 191 f., Rz. 5.2 (Betosan AG, Hela AG, Renesco AG, Weiss+Appetito AG/WEKO). 
58   PETER GAUCH/HUBERT STÖCKLI, Thesen zum neuen Vergaberecht des Bundes, Freiburg 1999, S. 75, These 
Nr.  28.3;  PETER  GALLI/DANIEL  LEHMANN/PETER  RECHSTEINER,  Das  öffentliche  Beschaffungswesen  in  der 
Schweiz,  Zürich  1996,  Rz.  69;  HEINZ  LEITNER,  Öffentliche  Beschaffungen  und  Kartellrecht,  AJP  1/2003, 
S. 23 ff. 
Im Ergebnis auch GAUCH, Das öffentliche Beschaffungsrecht der Schweiz, in: recht 1997/5, S. 167. 

59  
60   Vgl. GAUCH, Das neue Beschaffungsgesetz des Bundes, in: Zeitschrift für Schweizerisches Recht [ZSR NF] 

114 [1995], S. 332, Rz. 10a. 

61   GALLI/LEHMANN/RECHSTEINER  (zit.  in  Fn.  58),  Nr.  321.  Siehe  auch  BENEDICT  F.  CHRIST,  Die  Submissionsab-

sprache – Rechtslage und Wirklichkeit, Freiburg 1999, AISUF Bd. 181, Rz. 785. 

62   Vgl. INGENSTAU/KORBION, VOB Teile A und B, Kommentar, 13. Aufl., Düsseldorf 1996, S. 770, Rz. 29. 
63   GAUCH (zit. in Fn. 60), S. 332, Rz. 10. 
64   RPW 2002/1, S. 139 f., Rz. 22 (Betonsanierung Schweizerische Landesbibliothek/SLB). 

14/45 

 
 
 
 
 
                                                
46.  Das  Bundesgericht  hat  im  Zusammenhang  mit  der  Beurteilung  von  Vergangenheits-
sachverhalten  die  Zuständigkeit  der Wettbewerbsbehörden  im  Bereich  der  öffentlichen  Be-
schaffungen bestätigt65. 

47.  Zusammenfassend  ergibt  sich  die  kumulative  Anwendbarkeit  der  Vorschriften  des  öf-
fentlichen Beschaffungswesens und des Kartellgesetzes66. 

B.4 

Unzulässige Wettbewerbsabrede 

48.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfer-
tigen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

B.4.1  Wettbewerbsabrede 

49.  Als Wettbewerbsabreden  gelten  rechtlich  erzwingbare oder  nicht  erzwingbare Verein-
barungen sowie aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen von Unternehmen gleicher oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art.  4  Abs.  1  KG).  Eine  formelle  vertragliche  Grundlage  ist  nicht  notwendig,  vielmehr  sind 
abgestimmte Verhaltensweisen bis hin zu verbindlichen Vereinbarungen einschlägig.  

50.  Eine Wettbewerbsabrede definiert sich daher durch folgende Tatbestandselemente: a) 
ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken der an der Abrede beteiligten Unternehmen 
und b) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbsbeschränkung.  

B.4.1.1  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

51.  Die Parteien  sind  Unternehmen  gleicher  Marktstufe und als  solche  Konkurrenten  hin-
sichtlich  der  in  der  Elektroinstallationsbranche  von  öffentlichen  Stellen  ausgeschriebenen 
beziehungsweise privat zu vergebenden Aufträge. Sie haben sich sowohl untereinander als 
auch  mit  Dritten  während  Jahren  über  Projekte,  Kalkulationselemente  sowie  insbesondere 
über Preise und Vergabewünsche, d.h. betreffend Kunden, ausgetauscht. Dies  unter ande-
rem  zu  dem  Zweck,  den  Wettbewerb  zu  beschränken  und  das  Ergebnis  der  Submission 
(insbesondere grösserer Projekte) zugunsten eines von ihnen  zu beeinflussen. Mit den E7-
Treffen  und  damit  spätestens  Anfang  2006  fand  eine  Institutionalisierung  dieses  situativen 
(Absprache-) Verhaltens statt, indem regelmässige Treffen eingeführt und anlässlich dersel-
ben  die  jeweils  an  der  Ausführung  eines  Projektes  interessierte  Unternehmung  eruiert  und 
damit das für den Erhalt des Auftrags vorgesehene Unternehmen bestimmt wurde. Die Kon-
kretisierung  der  jeweils  projektbezogenen  Vorgehensweise  und  damit  die  eigentlichen  Ab-
sprachen erfolgten weiterhin auf bi-/multilaterale Weise zwischen der am Auftragserhalt inte-
ressierten Unternehmung und den sie stützenden67. 

52.  Auch  ohne  explizite  schriftliche  Regelung  ihres  gegenseitigen  Verhältnisses  bezie-
hungsweise  Vorgehens  gingen  die  E7  von  einer  weitgehenden  Berücksichtigung  ihrer  Inte-
ressen  und  der  Einhaltung  der  projektbezogenen  Vereinbarungen  aus.  Die  Unternehmen 
wussten und mussten zufolge Kommunikation ihrer Interessen anlässlich der E7-Treffen wis-

65   RPW 2005/3, S. 582, Rz. 3.3 (Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement/Betosan AG, Hela AG, Renes-

co AG, Weiss+Appetito AG, Reko, Weko). 

66   So  auch  RPW  2008/1,  S.  94  f.  (Strassenbeläge  Tessin);  vgl.  auch  Jean-Baptiste  Zufferey/Hubert  Stöckli 
(Hrsg.),  Ziele  und  Instrumente  des  Vergaberechts,  Die  Vergabeprinzipien  und  ihre  Konkretisierung  in  der 
Rechtsprechung der BRK, Rz. 84.
Vgl. Rz. 15 ff. sowie act. 77, S. 20 (Atel) und act. 94, S. 6 (Burkhalter). Anfänglich erstellte Protokolle (vgl. 
act.  3d  Reg.  2,  Dok.  1–3)  belegen,  dass  darin,  entgegen  der  Aussagen  der  Parteien  [vgl.  Rz.  17  sowie 
act. 26 (Atel); act. 30 (ISP); act. 23, S.2 (Gfeller)], der Schwerpunkt der monatlichen Treffen lag. 

67 

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sen und wollen, dass dies eine Koordinierung in Sachen Eingabepreis respektive einen Ver-
zicht auf Konkurrenzangebote zur Folge hatte.  

53.  Sowohl das Verhalten der Parteien vor 2006 als auch nach Initiierung der E7 bekundet 
demnach eindeutig ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken. Im vorliegenden Verfah-
ren  wird  infolge  einvernehmlicher  Regelungen  hingegen  ausschliesslich  der  Zeitraum  ab 
2006 betrachtet. Für diesen liegen dem Sekretariat nachweislich bereits über 100 abgespro-
chene68 Projekte und damit Submissionsabreden vor. In den E7-Treffen69 ist sodann ein ver-
bindendes  und  die  Frequenz  der  Absprachen  erhöhendes  Element  zu  sehen,  welches  den 
einzelnen Abreden ab 2006 gleichsam einen Rahmen und damit Stabilität gab.  

54.  Auch  wenn  bestritten  würde,  dass  die  relevanten  Abreden  aus  einem  derart  zusam-
mengesetzten  Verhalten  (Interessenbekundung  anlässlich  E7  und  bi-/multilaterale  Abspra-
che) bestanden und damit die E7-Treffen Teil derselben waren, eine Art Institutionalisierung 
darstellend,  so  wäre  doch  anzuerkennen,  dass  die  kontinuierliche  Teilnahme  an  den  E7-
Treffen,  also  regelmässige  persönliche  Kontakte,  zumindest  die  Voraussetzungen  für  das 
Treffen  von  Absprachen  verbesserte  und diese  sodann projektbezogen  auch  stattgefunden 
haben70.  Ob  die  Absprachen  als  mündliche  Vereinbarung  oder  aber  abgestimmte  Verhal-
tensweise zu kategorisieren ist, spielt im Ergebnis für vorliegende, mit einvernehmlichen Re-
gelungen  beschlossene  Untersuchung  keine  Rolle  und  wird  entsprechend  nicht  weiter  ver-
tieft. 

B.4.1.2  Wettbewerbsbeschränkung 

55.  Neben einem bewussten und gewollten Zusammenwirken muss die Abrede eine Wett-
bewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken.  Gerade  das  Bestreben  der  Parteien,  bei 
den jeweiligen Projekten einen aus ihrer Sicht angemessenen Preis beziehungsweise genü-
gende Marge zu erzielen, grössere Aufträge unter den E7 zu verteilen sowie ein Abwerben 
von  (Stamm-)  Kunden  zu  verhindern  (vgl.  Rz.  15),  zeigt,  dass  die  Verhaltensweisen  eine 
Preis- und Kundenbeeinflussung zu Gunsten der Parteien bezweckt haben. Das beschriebe-
ne  Vorgehen  (vgl. B.4.1.1)  ermöglichte  es  den  Parteien  darüber  hinaus  auch  faktisch,  ihre 
Angebote abzustimmen und das Verhalten der Wettbewerber zu antizipieren. Die dem Bau-
herren  sodann  zum  Entscheid  vorliegenden  Offerten  waren  zufolge  der  Abstimmung  nicht 
Ergebnis funktionierenden Wettbewerbs  und führten  in der  Regel  zum  Entscheid für  die im 
Vorfeld durch die E7 bestimmte Unternehmung71, womit die Abrede auch eine Wettbewerbs-
beschränkung bewirkte72.  

56.  Spezielle Beachtung gilt dem Fall, in welchem  mehrere Unternehmen auf Wunsch ei-
ner anderen Unternehmung Stützofferten einreichten, ohne selbst am Erhalt des Auftrags in-
teressiert zu sein. Es wurde vorgebracht, in diesem Fall läge aufgrund fehlenden eigenen In-
teresses an einem Auftrag kein Wettbewerbsverhältnis vor und könne demnach auch ein In-
formationsaustausch in Sachen Preis mit anschliessender Scheinofferte nicht als Abrede gel-
ten73. Diese Auffassung kann nicht geteilt werden, da ausser Acht bleibt, dass das Verhältnis 
eines  Absprechers  zur Submission für  die  Frage  des  Vorliegens  einer wettbewerbsrelevan-
ten  Abrede  unwesentlich  ist:  Kartellrechtswidrig  verhalten  sich  auch  diejenigen  Unterneh-

68  Unabhängig davon, ob die jeweilige Absprache von den Parteien zugegeben oder bestritten wurde.
69   Gemäss CHRIST (zit. in Fn. 61) ändert – auch ohne sich dessen bewusst zu sein – bereits die wechselseitige 
Kenntnisnahme das  Verhalten  der  Absprecher im Wettbewerb  und  führt damit  zu  einem  angepassten  und 
abgestimmten  Bietverhalten.  Der  gegenseitige  Kontakt  vermindert  den  Geheimwettbewerb  auf  Bieterseite, 
weil  er  Rückschlüsse  auf  das  Preisverhalten  der  anderen  erlaubt.  Das  Marktangebot  kann  sich  so  nicht 
mehr bilden und der Sinn einer Submission wird ad absurdum geführt (vgl. S. 90, Rz. 346). 

70   Entsprechende Argumentation in: RPW 04/3, 734 (Markt für Schlachtschweine – Teil B). 
71   Vgl. Rz. 92. 
72   Vgl. auch Jean-Baptiste Zufferey/Hubert Stöckli (zit. in Fn. 66), Rz. 126: „Die Rekurskommission führte aus, 
dass jedwede Absprache zwischen den Submittenten den Wettbewerb um den Beschaffungsauftrag beein-
trächtige, was vorab dem vergaberechtlichen Wettbewerbsgrundsatz widerspreche“. 

73   Act. 173, S. 3 (Burkhalter). 

16/45 

 
 
 
 
 
                                                
men,  welche  vereinbarungsgemäss  Abstand  von  einem  Angebot  nehmen74.  Eine  Scheinof-
ferte  erweckt  den  Eindruck  einer  ernstgemeinten  Offerte,  wirkt  sich  auf  den  Entscheid  des 
Bauherren  aus,  indem  dieser  von  einer  verfälschten  Entscheidbasis,  konkret  spielenden 
Marktmechanismen, ausgeht, und ist somit wettbewerbsrelevant. 

57.  Zwischenfazit:  Das  über  Jahre praktizierte  Verhalten  der  Parteien  bezweckte  und be-
wirkte eine Wettbewerbsbeschränkung, die Tatbestandsmerkmale des Art. 4 Abs. 1 KG sind 
erfüllt. Bereits infolge der bisherigen Abklärungen können den Parteien, wie erwähnt75, über 
100 derartige Submissionsabreden gemäss  Art. 4  Abs.  1  KG  lückenlos nachgewiesen wer-
den (die sogenannten Kernprojekte, vgl. Rz. 2; zum konkreten Ablauf und den Auswirkungen 
der Absprachen hinten Rz. 79 ff.). 

58.  Über  die  einzelnen  projektbezogenen  Absprachen  und  das  verbindende  Element  der 
E7-Treffen hinaus, ist in casu wahrscheinlich, dass eine Rotationsabrede76, eine die einzel-
nen  Absprachen  gleichsam  umfassende  Rahmenvereinbarung,  vorgelegen  hat  und  der 
Markt unter den E7 aufgeteilt wurde. Die Unternehmen machten eine Unterstützung anderer 
von  der  eigenen  abhängig.  Sie  gingen  davon  aus,  bei  zukünftigem  ihrerseitigem  Interesse 
ebenfalls von den E7 gestützt zu werden77 respektive bei allfälligem Personalbedarf der un-
terstützten  Partei  im  Ausführungszeitpunkt  und  gleichzeitig  fehlender  eigener  Auslastung 
aushelfen zu können (vgl. Rz. 17).  

59.  Die Parteien waren zudem fortgesetzt zu einer Unterstützung bereit, obschon die „Ge-
genleistung“ (in Form eines zukünftig auszuführenden Projektes) noch nicht einmal bestimmt 
war78.  Besteht  jedoch  insofern  eine  Relation  zwischen  den  Projekten,  als  die  Parteien  ihre 
Unterstützung bei einem Projekt von der eigenen bei einem späteren Projekt abhängig ma-
chen, so geht der Wille der Parteien über eine Absprache des konkreten Einzelfalles hinaus 
und ist auf eine Rotation beziehungsweise längerfristige Aufteilung des Marktes gerichtet. 

60.  Neben  der  Zuteilung  einzelner  Aufträge/Kunden ging  es  insbesondere  um  den  Erhalt 
der Stammkundschaft, indem Stammkundenverhältnisse von den E7 respektiert und so der 
wiederholte  Vertragsabschluss  durch  die  immer  gleiche  Unternehmung  ermöglicht  wurde79. 
Die projektbezogenen  Abstimmungen waren  in der  Regel  erfolgreich  und führten  insbeson-
dere bei Stammkundenverhältnissen regelmässig zum Vertragsabschluss mit der „zuständi-
gen“ Unternehmung. Ein Stützen der Konkurrenz findet nicht aus rein altruistischen Beweg-
gründen statt, weshalb weiter davon ausgegangen werden könnte, dass alle Teilnehmer ab-
wechselnd bei den abgesprochenen Ausschreibungen in Abhängigkeit von ihrer Grösse und 
freien Kapazitäten zum Zuge kamen und somit eine Rotation stattgefunden hat. Darauf deu-
tet  auch  die  grosse  Anzahl  der  nachweislich  abgesprochenen  Projekte80.  Infolge  einver-
nehmlicher  Regelungen  wird  diesem  Aspekt  in  casu  nicht  weiter  nachgegangen.  Hingegen 

74   Vgl. CHRIST (zit. in Fn. 61), S.20, N. 65 f. 
75   Vgl. Rz. 53. 
76 

Erfolgt  eine  systematische  Absprache  einer  Vielzahl  von  Projekten  über  einen  bestimmten,  längeren  Zeit-
raum, so spricht man von einem sogenannten Rotationskartell. Damit ist eine systematische Auf-/Zuteilung 
von Kunden mittels [Preis-] Absprachen über einen längeren Zeitraum mit wechselnden begünstigten Unter-
nehmen gemeint. Unabhängig vom einzelnen Projekt unterstützen sich diese dabei gegenseitig und profitie-
ren gleichsam abwechselnd von der Unterstützung durch die übrigen zum Kreis der Absprechenden gehö-
renden Unternehmen. Darin ist der Ausgleichsmechanismus zu sehen, der für die Stabilität eines solchen, 
über einen längeren Zeitraum praktizierten Systems unabdingbar ist. Eigentliche Ausgleichszahlungen sind 
nicht zwingend erforderlich. 

77   Die Parteien sagten aus, dass sie – unterstützten sie eines der E7-Unternehmen – davon ausgingen, ihrer-
seits bei einem zukünftigen (zu diesem Zeitpunkt noch nicht näher definierten) Projekt ebenfalls unterstützt 
zu werden [vgl. act. 77, S. 13, 18 (Atel); act. 91, S. 6 (Gasser + Bertschy)]; siehe auch Rz., 15, 17. 

78   Vgl. Rz. 58.
79   Vgl. für entsprechende Aussagen anlässlich der Einvernahmen: act. 77, S. 15, 18 (Atel); act. 78, S. 7 (ISP); 
act. 94,  S.  10  (Burkhalter);  act.  91,  S.  4  (Gasser +  Bertschy);  des Weiteren  act.  37,  S.  2  (Etavis);  act. 76, 
S. 2, A 1.2 (Gfeller). 

80   Rz. 15: Tabelle 2, aus welcher die Anzahl abgesprochener Projekte je Unternehmung ersichtlich wird sowie 

die Rz. 53 und 57.  

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wäre auch eine solche Rotationsabrede in jedem Fall als Abrede gemäss Art. 4 Abs. 1 KG zu 
qualifizieren. 

B.4.1.3  Fazit 

61.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  die  Parteien  eine  Vielzahl  an 
Submissionsabsprachen, einzelne Projekte betreffend, getroffen haben, bei welchen die E7-
Treffen jeweils  das  verbindende  Element  darstellten.  Besagte  Absprachen  sind  als Wettbe-
werbsabreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG zu qualifizieren. Darüber hinaus wird die Frage 
des Vorliegens eines Rotationskartells trotz starker Indizien nicht weiter vertieft. 

62.  Nachfolgend wird der Abredemechanismus der E7 und dessen Auswirkungen auf den 
Wettbewerb anhand ausgesuchter Beispiele81 veranschaulicht und belegt. Auf eine ausführ-
liche und detaillierte Auflistung aller  betroffener Submissionsprojekte sowie Darstellung des 
jeweiligen Vorgehens wird verzichtet82.  

B.4.2  Marktabgrenzung 

63.  Gemäss  Art.  5  Abs.  1  KG  sind  unter  anderem  Absprachen,  die  zur  Beseitigung  wirk-
samen Wettbewerbs führen, unzulässig. Um die vorliegenden Absprachen auf ihre Wirkung 
überprüfen  und  gegebenenfalls  eine  Beseitigung  des  Wettbewerbs  feststellen  zu  können, 
muss vorgängig der relevante Markt abgegrenzt werden.  

B.4.2.1  Allgemeines 

In sinngemässer Anwendung von Art. 11 Abs. 3 lit. a VKU83 umfasst der sachlich rele-
64. 
vante  Markt  alle Waren  oder  Leistungen,  die  von  der  Marktgegenseite  hinsichtlich  ihrer  Ei-
genschaften  und  ihres  vorgesehenen  Verwendungszwecks  als  substituierbar  angesehen 
werden.  

65.  Räumlich  umfasst  der  Markt  das  Gebiet,  in  welchem  die  Marktgegenseite  die  den 
sachlichen Markt umfassenden Waren oder Dienstleistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 
Abs. 3 lit. b VKU analog). 

B.4.2.2  Sachlicher Markt 

66.  Der Ausschreiber respektive potentielle Auftraggeber fragt eine seinen Wünschen ent-
sprechende und mittels der Ausschreibungs-/Projektunterlagen konkretisierte Dienstleistung 
im Bereich Elektroinstallationen84 nach. Bei Vorliegen eines Rotationskartells würde sich die 
Frage der Marktabgrenzung stellen85. Für eine derartige Marktdefinition wären hingegen wei-
tere Abklärungen bezüglich der noch nicht vollumfänglich eruierten Projekte vonnöten. Aus-
gehend von einer grossen Zahl einzelner Submissionsabsprachen und zumal sämtliche Par-
teien  den  Abschluss  des  Verfahrens  mittels  einvernehmlicher  Regelung  wünschten,  be-

81   Vgl. Rz. 79 ff. 
82   Dies  mit  Rücksicht  auf  den  Abschluss  einvernehmlicher  Regelungen  und  den  damit  einhergehenden  Ver-
such, auch im Interesse der Parteien den Ermittlungs- und damit Zeit-/Kostenaufwand möglichst tief zu hal-
ten (vgl. auch Rz. 2). 

83   Verordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen vom 17 Juni 1996 (VKU); SR 251.4. 
84   Unter Elektroinstallationen versteht man sowohl die Neuinstallation als auch die Reparatur, Erhalt und Sa-

85 

nierung von Anlagen und Einrichtungen, die der energetischen Versorgung dienen. Vgl. auch Fn. 5.
Vgl.  auch  RPW  2008/1,  S.  94  f.  (Strassenbeläge  Tessin)  und  RPW  2007/4,  S.  517  ff.:  Beschaffung  von 
Leichten Transport- und Schulungshelikoptern (LTSH) durch armasuisse. Siehe für entsprechend pragmati-
sches, statt einer Abgrenzung des Marktes auf die Abrede respektive ein systematisches Verhalten abstel-
lendes Vorgehen in der EU: Competition in Bidding Markets, Policy Roundtables, OECD 2006, insbesondere 
S. 160 (für die Niederlande), S. 195 (für England) etc.  

18/45 

 
 
 
 
 
                                                
schränken  sich  die  folgenden  Ausführungen  auf  den  Nachweis  der  von  den  einzelnen  Ab-
sprachen betroffenen Märkte.  

67.  Betrachtet  man  die  einzelne  Submissionsabsprache,  so  ist  davon  auszugehen,  dass 
der  Ausschreiber  respektive  potentielle  Auftraggeber  eine  spezifische,  seinen  Wünschen 
entsprechende  und  mittels  der  Ausschreibungs-/Projektunterlagen  konkretisierte  Dienstleis-
tung nachfragt86. 

68.  Vorliegend sind sowohl Aufträge der öffentlichen Hand als auch privater Ausschreiber 
(Marktgegenseite)  von  Interesse.  Bei  den  abgesprochenen  Elektroinstallationen  handelt  es 
sich  überwiegend  um  grosse  Projekte,  das  heisst  Aufträge  ab  einem  bestimmten  Installati-
onsvolumen, zu deren Ausführung meist lediglich die Parteien in der Lage waren87. Die ab-
gesprochenen  einzelnen  Projekte,  welche  für  vorliegendes  Verfahren  Berücksichtigung  fin-
den,  wurden  infolge  einvernehmlicher  Regelung  sodann  auf  die  sogenannten  Kernprojekte 
beschränkt88.  

69.  Deshalb wird zusammenfassend für den vorliegenden Fall auf die einzelnen abgespro-
chenen Projekte abgestellt89.  

B.4.2.3  Räumlicher Markt 

70.  Räumlich  ist  der  relevante  Markt  im  Einzugsgebiet  für  die konkrete  Elektroinstallation 
zu sehen und damit auf den Raum Bern zu begrenzen. Wie in der Baubranche allgemein, so 
ist  auch  im  Elektroinstallationsbereich  ein gewisser  Distanzschutz  zufolge  hoher  Transport-
kosten zu verzeichnen90: Die zunehmende Distanz einer Unternehmung vom Ausführungsort 
führt  zu  steigenden  Selbstkosten  und  sinkender  Rentabilität  eines  Auftrags91.  Hinzu  kommt 
die  generelle  Tendenz  der  Auftraggeber,  ihnen  bekannte92,  demnach  meist  ortsansässige 
respektive ortskundige, und damit in der Regel städtisch oder zumindest regional tätige Un-
ternehmen zu favorisieren. Entsprechend liegen auch keine Hinweise vor, dass ferner domi-
zilierte Gesellschaften an- beziehungsweise nachgefragt wurden und kamen bei den analy-
sierten Projekten im Raum Bern auch tatsächlich keine auswärtigen/ausserkantonalen oder 
gar ausländischen Unternehmen zum Zug.  

87 

86   Was der Nachfrager als substituierbar erachtet, spezifiziert er in den Ausschreibungsunterlagen. Ohne ver-
tiefte Abklärungen vorzunehmen, kann davon ausgegangen werden, dass der sachlich relevante Markt so-
mit  das  Durchführen  der  ausgeschriebenen  Elektroinstallation  umfasst.  Vgl.  auch  RPW  2002/1,  S.  130  ff. 
(Betonsanierung Schweizerische Landesbibliothek/SLB). 
Vgl. Rz. 14 f. 
Vgl. vorn Rz. 2

88 
89   Vgl. für ein entsprechendes Vorgehen in Frankreich: Conseil de la concurrence Décision n° 07-D-15 du 9 
mai  2007  relative  à  des  pratiques  mises  en  œuvre  dans  les  marchés  publics  relatifs  aux  lycées  d'Ile-de-
France, p. 83: « Considérant que chaque marché public passé selon la procédure de l’appel d’offres consti-
tue un marché de référence […] ; considérant que si cette circonstance permet de délimiter et d’identifier le 
marché de référence, peuvent néanmoins être sanctionnées en application de l’article L. 420-1 du code de 
commerce, non seulement les pratiques anticoncurrentielles affectant exclusivement ce marché, mais aussi 
l’entente  organisée  à un échelon plus  vaste  que chacun  des  marchés  considérés et  produisant des  effets 
sur lesdits marchés, en ce qu’elle conduit les entreprises qui y sont présentes à s’en répartir illicitement les 
parts […] ». 

90   Vgl.  CHRISTOPH  HEITZ,  Die  Sanktionierung  von  Submissionsabsprachen  –  Eine  Untersuchung  der  Möglich-
keiten zur Bekämpfung von Submissionsabsprachen unter besonderer Berücksichtigung des Art. 146 StGB, 
Zürich Basel Genf 2008, S. 88; STEFAN KELLER, Der flexible Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe – Ein Beitrag 
zur  Überwindung  der  Suche  nach  dem  „richtigen“  Rentenalter  in  der  Schweiz,  Diss.  Freiburg  i.Ue.  2008, 
AISUF Bd. 272, S. 767 sowie act. 87, S. 6 (Etavis). 

91   Vgl. dazu CHRIST (zit. in Fn. 59), S. 79. 
92 

Vgl. GALLI/MOSER/LANG/CLERC (zit. in Fn. 33), Rz. 368.

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71.  Anzumerken  bleibt,  dass  bei  Aufträgen  der  öffentlichen  Hand  das  Beschaffungsrecht 
weitgehend den Vergabeprozess bestimmt und damit auch den Markt räumlich bis zu einem 
gewissen Grad festlegt93 und begrenzt94. 

72.  Zusammenfassend ist der räumliche Markt demnach vorliegend regional auf den Raum 
Bern,  das  heisst  die  Stadt  Bern  mit  Agglomeration,  maximal  aber  kantonal  zu  begrenzen, 
was im Übrigen auch der Einschätzung der Parteien entspricht95.  

B.4.3  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

73.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden 
Abreden vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder 
der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen: 

a. 
b. 
c. 

Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen; 
Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; 
Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern.  

B.4.3.1  Vorliegen horizontaler Preisabreden sowie Aufteilung nach Geschäftspartnern 

74.  Obschon in der Elektrobranche vorwiegend zwei Kalkulationsprogramme gebräuchlich 
sind, welche eine gewisse Angleichung der Offertpreise bewirken können96, und obschon mit 
der  oft  zwischengeschalteten  Stufe des  Elektroplaners97  (respektive  grossen institutionellen 
Kunden98) eine in Sachen Preis informierte „Marktgegenseite“ besteht99, stellt der Preis doch 
meist  entscheidendes  Kriterium  bei  einer  Submission  und  damit  bedeutendster  Wettbe-
werbsparameter dar100. Des Weiteren bewirken auch Absprachen eines sich bereits in einer 
bestimmten  Bandbreite  bewegenden  Preises  eine  Beschränkung  des  Wettbewerbs,  indem 
die Preistransparenz erhöht und die Preisbildungsmechanismen desselben zusätzlich einge-
schränkt beziehungsweise gänzlich ausgeschaltet werden. Ein Marktangebot ist nicht gleich-
bleibend, sondern ständiger Veränderung unterworfen, welche durch eine Einschränkung der 
Marktmechanismen  nicht  mehr  ungestört  stattfinden  kann.  Insofern  ist  es  begriffsimmanent 
gar  nicht  möglich,  einen  Marktpreis  mittels  Absprache  festzulegen  und  kann  eine  Preisab-
sprache nie einen „Marktpreis“ zur Folge haben101. Preisabsprachen in einem Markt mit oh-

93   Vgl.  die  detaillierte  Regelung  in  Boeb,  VoeB  sowie  kantonales  Recht  (vgl.  Fn.  15).  Zudem:  Jean-Baptiste 
Zufferey/Hubert Stöckli (zit. in Fn.  66), Rz. 180: Die Ausschreibung schliesst all jene Wirtschaftsteilnehmer 
von  der  Verfahrensteilnahme  aus,  welche  die  gesuchte  Leistung  überhaupt  nicht  zu  erbringen  vermögen, 
und sie spurt in einem gewissen Ausmass auch schon vor, welche Bieter mehr und welche weniger Chan-
cen auf den Zuschlag haben werden. Gemäss CHRIST (zit. in Fn. 59) hat beispielsweise bereits die Wahl des 
Publikationsmediums über dessen Streubereich, Sprache etc. eine Auswirkung auf die zu erwartenden Of-
ferten. Darüber hinaus gibt das Vergaberecht unter Umständen eine Mindestzahl an einzuholenden Offerten 
vor.  

94   Vgl.  auch  RPW  2002/1,  S.  141,  Rz.  26  (Betonsanierung  Schweizerische  Landesbibliothek/SLB)  sowie 

LEITNER (zit. in Fn. 58), S. 29. 

95   Gemäss Etavis beschränkt sich das Marktumfeld auf  […] (act. 37, S. 2); vgl. auch act. 18, S. 3 (ewb): von 
der Abrede umfasstes Gebiet: Stadt Bern und Agglomeration; vgl. auch act. 32, S. 2, 4. (Atel); act. 30, S. 1 f. 
(ISP: geht vom Mittelland als relevantem Markt aus). 

96   Vgl. Bekanntmachung zur Verwendung von Kalkulationshilfen, http://eww.wekointern.evd.admin.ch/. 
97   Vgl. Rz. 10. 
98   Vgl. act. 19, S. 4 (Scherler): „Insbesondere grosse institutionelle Kunden, welche überregional, national oder 
sogar international arbeiten, haben klare Kenntnis des Marktwertes einer Elektroinstallation. Darüber hinaus 
hat der Elektroplaner als Fachingenieur im Sinne einer treuhänderischen Vertretung des Bauherren ein fun-
damentales Interesse, seinen Kostenvoranschlag in Übereinstimmung mit dem Marktpreis zu definieren“. 

99   Vgl. für dahingehende Aussagen auch act. 77, S. 18 (Atel) und act. 91, S. 13 (Gasser + Bertschy). 
100   Vgl.  neben  anderen  allgemein  zur  Bedeutung  des  Preises  im  Vergaberecht  Jean-Baptiste  Zufferey/Hubert 

Stöckli (zit. in Fn. 66), S. 61 f.  

101   Vgl. Aussagen der Parteien, dass der von ihnen festgelegte Preis trotz Absprache in der Regel ein Markt-
preis gewesen sei [bspw. act. 77, S. 18 (Atel); act. 91, S. 13 (Gasser + Bertschy); act. 19, S. 4 f. (Scherler); 
act. 37, S. 2 (Etavis): „Die Stützofferten lagen nie über dem Marktpreis“, „es handelte sich dabei um markt-
übliche Preise“]. 

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nehin  hoher  Preistransparenz  wirken  sich  vielmehr  –  gerade  weil  sie  den  verbleibenden 
Wettbewerb  und  damit  die  Preisbeschränkungsmechanismen  desselben  zusätzlich  ein-
schränken, wenn nicht gar gänzlich beseitigen – besonders gravierend aus und wiegen somit 
schwer102.  

75.  Vermutungstatbestand: Der Vermutungstatbestand bezieht sich auf jede Art des Fest-
setzens  von  Preiselementen  und  -komponenten und erfasst ferner  direkte  ebenso wie  indi-
rekte Preisfixierungen. Auf welche Weise die Preisfestsetzung erfolgt, ist somit für die Unter-
stellung unter den Vermutungstatbestand nicht entscheidend103.  

76.  Wie ausgeführt104, haben die Parteien über Jahre und mit zunehmender Häufigkeit ihre 
Offerten – insbesondere die jeweiligen Eingabepreise (direkte Preisfestsetzung) sowie Preis- 
respektive Kalkulationselemente (indirekte Preisfestsetzung) – bezüglich ausgesuchter Elekt-
roinstallationsaufträge  abgestimmt,  um  die  Auftragsvergabe  zu  steuern,  und  somit  Kunden 
zugeteilt.  

77.  Anlässlich  der  E7-Treffen  wurde  der  gewünschte  jeweilige  Auftragnehmer  aus  dem 
Kreis  der  E7  bestimmt  (Kundenzuteilung).  In  Absprache  mit  diesem  wurde  sodann  im  An-
schluss das konkrete Vorgehen, insbesondere der von den nicht für den Auftragserhalt vor-
gesehenen Unternehmen zu offerierende Preis, festgelegt.  Das für den Erhalt des Auftrags 
ausgewählte Unternehmen berechnete ganze Offerten zuhanden der anderen Unternehmen, 
übermittelte  ihnen  (elektronisch  oder  telefonisch)  die  notwendigen  Berechnungsparameter 
oder gab ihnen den eigenen Offertpreis mit der Bitte bekannt, diesen nicht zu unterschreiten. 
Auch im Hinblick auf allfällige Abgebots-105 beziehungsweise Rabattverhandlungen106 wurde 
ein entsprechendes Verhalten an den Tag gelegt.  

78.  Anfänglich  erstellte  Protokolle  hielten  entsprechend  das  Folgende  fest  (sic!):  „wir  alle 
melden unsere Projekte, Preise: immer exkl. MwSt.; jeder ist vorbereitet und nimmt seine Of-
fert.- und Bewerbungsliste mit; bei Planungsanfragen sollte einer aus dieser Runde zum Ein-
satz kommen (Problem: Ausführung & Planung)“107. Des Weiteren wurde beschlossen, dass 
in der Offertphase „der Projektleader die Beteiligten einen Tag vor dem Eingabetermin infor-
miert  (Preisangabe)“,  in der  Abgebotsphase  sich  hingegen  „die Beteiligten beim  Projektlea-
der melden (Rückinfo)“108. 

79.  Zur  allgemeinen  Illustration  des  Vorgehens  sowie  einzelner  Facetten  desselben  wird 
für jede Unternehmung im Folgenden auf ein Projekt verwiesen. So kann für Atel das Projekt 
[…]  herangezogen  werden,  eine  Vergabe  der  öffentlichen  Hand  ohne  Verhandlungsrun-
den109. Atel wusste  von [X], [Y] und [Z], dass diese Unternehmen ebenfalls eine Offerte für 
das  Projekt  […]  ausarbeiten  würden.  Atel  bat  die  besagten  Unternehmen,  ihren  Preis  bei 
diesem Auftrag nicht zu unterbieten, wozu sich diese bereit erklärten. In der Folge liess Atel 
den Unternehmen per E-Mail ihre Eingabepreise110 inklusive Sonderpositionen111 zukommen. 
Atel erhielt sodann als preisgünstigster Anbieter den Auftrag für CHF […] inkl. MwSt. 

102   Vgl. auch Sanktionsbemessung, Rz. 122.  
103   Vgl. RPW 2004/3, S. 740 (Markt für Schlachtschweine – Teil B). 
104   Vgl. Rz. 13, B.4.1.1. 
105   Vgl. Rz. 11, insbesondere Fn. 16. 
106  
107   Vgl. act. 3d, Reg. 2, Dok. 1 (Etavis): “1. Beschlussprotokoll, E-Treff vom 13. Januar 2006“, Punkt 3. 
108   Vgl. act. 3d, Reg. 2, Dok. 2 (Etavis): „Beschlussprotokoll 2, E-Treff, vom 13. März 2006“, Punkt 1.  
109   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: act. 60a, Reg. 4, S. 6, Projekt 68 (Atel) und act. […]. 
110   Act.  60c,  Reg.  68,  Beweis  18  (Atel):  CHF  […]  inkl.  MwSt.  für  [Z]  (verglichen  mit  Eingabepreis  Atel:  +2%); 

In seltenen Fällen erfolgte eine erste Koordinierung auch erst während der Abgebotsverhandlungen.  

CHF […] inkl. MwSt. für [Y] (+3%) und CHF […] inkl. MwSt. für [X] (+8%). 

111   Sonderpositionen  sind  situativ  zu  definierende,  in  den  Kalkulationshilfen  nicht  mit  Richtwerten  hinterlegte 
Arbeitsschritte und damit besonders arbeitsintensiv. Ein Transfer der entsprechenden Angaben spart der un-
terstützenden Unternehmung damit Zeit und Geld und stellt darüber hinaus sicher, dass die Offerten richtig 
kalkuliert, preislich aber genügend diversifiziert sind. 

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80.  Exemplarisch für  die  Abredetätigkeit  von  ISP  dient  das  Projekt  […]  112.  Anlässlich der 
E7-Sitzung vom […]113 bat ISP die schlussendlich ebenfalls offerierenden Parteien ([W], [X], 
[Y]), die ARGE (bestehend aus ISP/[Z] sowie einer Drittunternehmung)114 bei diesem Projekt 
zu stützen. Mit E-Mail vom […] teilte ISP [W]115, [X]116 und [Y]117 die von ihnen jeweils zu offe-
rierenden  Eingabepreise118  mit.  In  der  ersten  Abgebotsrunde  kommunizierte  ISP  den  drei 
stützenden  Unternehmen  die  jeweiligen  ungefähren  Abgebotspreise  per  Telefon119.  In  die 
weiteren Verhandlungen  wurden in der  Folge nur  noch die ARGE  ISP/[Z]/Drittunternehmen 
sowie eine  weitere Unternehmung120 einbezogen. Die ARGE senkte im Laufe der Verhand-
lungen  ihren  Preis  auf  CHF  […]  inkl.  MwSt.121  und  erhielt  den  Auftrag  schliesslich  für  CHF 
[…]  inkl.  MwSt.122.  Obschon  die  ARGE  in  casu  offen  gegenüber  dem  Auftraggeber  auftrat, 
liegt ein kartellrechtswidriges Verhalten vor, als die ARGE-Teilnehmer andere Unternehmen 
um Stützofferten123 baten und diese in der Folge auch erhielten.  

81.  Burkhalter wünschte unter anderem das Projekt Umbau […], auszuführen, welches so-
dann  zufolge  Unterstützung  auch  an  besagtes  Unternehmen  ging.  Dazu  fragte  Burkhalter 
[…] anlässlich einer E7-Sitzung die anderen E7-Unternehmen, wer bereit sei, sie bei diesem 
Projekt zu unterstützen. Den sich hierzu bereit erklärenden Unternehmen [W], [V], [Y] und [Z] 
kommunizierte  Burkhalter  im  Anschluss  ihre  Eingabepreise124,  woraufhin  diese  fünf  E7-
Unternehmen (davon vier ohne eigenes Interesse am Erhalt des Auftrags) an der Submissi-
on teilnahmen125. Die Abrede hatte Erfolg und führte zum Vertragsabschluss mit Burkhalter, 
welche in der Folge Arbeiten in der Grössenordnung von CHF  […] bei diesem Projekt aus-
führte126.  

82.  Weiter ist für das Vorgehen der E7, exemplarisch für Etavis, das Projekt […], zu schil-
dern127: Dieses Projekt der öffentlichen Hand wurde in einer Submission ohne Abgebotsrun-
den vergeben. Etavis thematisierte den Auftrag an einer E7-Sitzung im […] und bat die zwei 
einzigen Mitbewerber128, [X] und [U]129, sie zu unterstützen. [X] wurde der etwaige Eingabe-
preis  per  E-Mail130  und  [U]  telefonisch131  kommuniziert.  Da  keine  Verhandlungsrunden  ab-

112   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: act. 59a, Reg. 1, Projekt 3 (ISP); act. […]; act. […]; act. […] und act. 

[…]. 

113   Vgl. Handnotizen: Act. […] und act. 3b, Reg. 5, Dok. 12 (ISP). 
114  

[Z], ISP und [X] haben im […] bereits als ARGE das Projekt […] ausgeführt. ISP fragte sodann [Z] und [X] 
beim Projekt […] um eine gemeinsame Ausführung des Auftrags als ARGE an. [X] hatte zufolge Kapazitäts-
engpässen jedoch kein Interesse. Die Drittunternehmung hatte ihrerseits bereits für […] installiert und führte 
sodann,  aufgrund  der  guten  Beziehungen  zum  Bauherren,  die  Abgabeverhandlungen  für  die  ARGE 
[act. (…)]. 

115   E-Mail von ISP an […]: Act.[…]; Antwort-E-Mail vom […] an ISP: Act. 3b, Reg. 5, Dok. 3 (ISP). 
116   E-Mail von ISP an […]: Act. […]. 
117   E-Mail von ISP an […]: Act. […]. 
118   Vgl. act. 59a, Reg. 3 (ISP): Notizen und E-Mails zu gewünschtem Eingabepreis von [Y] (ca. CHF […] inkl. 
MwSt.), [X] (ca. CHF […] inkl. MwSt.) und [W] (ca. CHF […] inkl. MwSt). [X] reichte sodann eine Offerte über 
CHF […] inkl. MwSt. [act. (…)] und [Y] über CHF […] inkl. MwSt. ein [act. (…)].  

119   Vgl. act. 3b, Reg. 5 (ISP), Dok. 10: Für [W] […] inkl. MwSt.; Dok. 9: Für [X]  CHF […] inkl. MwSt. sowie Dok. 

11: Für [Y] max. CHF […] inkl. MwSt.  

120   Act. […]. 
121   Act. 3b, Reg. 5, Dok. 2 (ISP).  
122   Act. 3b, Reg. 5, Dok. 1 (ISP).  
123   Vgl. zu diesem Begriff Rz. 16. 
124   Nur [W] und [V] erwähnen, Burkhalter bei diesem Projekt gestützt zu haben. Keine Erwähnung dieses Pro-

jektes bei [Z] und [Y].  

125   Act. 66a, Reg. 2, Dok. 1; act. 3c, Reg. 5, Dok. 1 (Burkhalter). 
126   Act. 66a, Reg. 2, Dok. 1 (Burkhalter). 
127   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: act. 72a, Reg. 2 und 3, Projekt 1.04 (Etavis) und act. […]. 
128   Etavis gibt bei der Einvernahme vom 22. Februar 2008 zu Protokoll, dass sie bei diesem Projekt von den 

einzigen beiden Mitbewerbern unterstützt wurden (act. 87, S. 9).  
129   Etavis gibt an, dass [U] gestützt habe (act. 72a, Reg. 3, Projekt 1.04).  
130   E-Mail vom […], in welchem Etavis [X] um einen Eingabepreis von ca. CHF […] exkl. MwSt. bittet (act. […]). 

[X] reicht daraufhin ein Angebot über CHF […] ein (act. […]). 

131   Act. 72a, Reg. 3, Projekt 1.04 (Etavis). 

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gehalten wurden, erhielt Etavis als Offerent des günstigsten Angebots plangemäss den Zu-
schlag mit einem Eingabepreis von CHF […] inkl. MwSt.132. 

83.  ewb:  Das  Projekt  […],  bei  einigen  Unternehmen  auch  als  Projekt  […]  bekannt,  stand 
unter  der  Bauherrschaft  der  […].  Mitte  […]  wurden  verschiedene  Elektroinstallationsunter-
nehmen  im  Rahmen  eines  Einladungsverfahrens  zu  einer  Baustellenbegehung  eingeladen. 
Im  Rahmen  dieser  Begehung  bekundete  der  Vertreter  von  ewb  den  ihm  bekannten  Mitbe-
werbern ([W]133, [X], [Z] und eine Drittunternehmung) sein Interesse an der Ausführung die-
ses Auftrags und bat sie, das noch durch ewb auszuarbeitende Angebot nicht zu unterbieten. 
Nach  der  Angebotskalkulation  übermittelte  ewb  den  vier  Mitbewerbern  telefonisch  seinen 
Eingabepreis,  welchen  die  Mitbewerber  nicht  unterschreiten  sollten134.  Nach  Eingabe  der 
Angebote  im  […]  wurde  unter  anderem  ewb  zu  einer  Abgebotsrunde  eingeladen.  Am  […]  
erhielt ewb vom Bauherren eine schriftliche Zusage für die Auftragsausführung für CHF […] 
inkl. MwSt.135.  

84.  Projekt  […]/Gasser  +  Bertschy136:  Nach  Erhalt  der  Offertunterlagen  des  Architekten 
kontaktierte Gasser + Bertschy [W]137, [X] und [Z] telefonisch und bat diese um Stützofferten 
bei  besagtem  Projekt.  Nachdem  obgenannte  Unternehmen  ihre  Unterstützung  zugesichert 
hatten,  erhielten  sie  von  Gasser  +  Bertschy  Ende  Dezember  per  E-Mail138  sowohl  die  Be-
rechnungsgrundlagen  als  auch  detaillierte  Angaben  über  den  zu  verwendenden  Steiger-
Faktor,  den  Rabatt,  das  Skonto  sowie  den  Endbetrag  inkl.  MwSt.  je  stützender  Unterneh-
mung139.  Gasser  +  Bertschy  reichte  die  eigene  Offerte  zu  CHF  […]  ein  und  wurde  am  […] 
vom  Bauherren  zu  einem  Vergabegespräch  eingeladen.  Der  Auftrag  ging  sodann  für  pau-
schal CHF […] an Gasser + Berschy. 

85.  Projekt […]/Gfeller140: Anlässlich der E7-Sitzung vom […]141 teilte Gfeller mit, dass Inte-
resse an der Ausführung des Projektes bestehe, da sie auch die Submission dafür erstellten. 
Im  Folgenden  wurden  [W],  [X],  [V]142,  [U]143  und  [Z]  gebeten,  den  Eingabepreis  von  Gfeller 
nicht zu unterbieten. Entsprechend einer allgemeinen bei Gfeller beobachtbaren Präferenz144 
wurden  die  Preise  den  Mitkonkurrenten  telefonisch  kommuniziert145.  Da  sämtliche  Offerten 
über dem Kostenvoranschlag des Architekten lagen, nahm dieser geringe Anpassungen an 
den Submissionsunterlagen vor und stellte sie den  bereits am Submissionsverfahren Betei-
ligten erneut zu. Abermals gelangte Gfeller an die  Mitofferenten von E7, transferierte ihnen 
die veränderten Positionen von Gfeller mit den entsprechenden Preisen und bat sie, darüber 
hinaus  die  Konditionen  ihrer  Eingaben  unverändert  beizubehalten146.  Die  Absprache  hatte 
Erfolg und führte zur Vergabe des Auftrags für pauschal CHF […] inkl. MwSt. an Gfeller147. 

132   Act. 3d, Reg. 2, Dok. 19 (Etavis). 
133   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: act. […].  
134   Act. 61a, Reg. 8, S. 3 f. (ewb): Beschrieb Projektablauf.  
135   Act. 61a, Reg 8, Dok. 8 (ewb), Werkvertrag.  
136   Act. 88, Projekttabelle, S. 1 (Gasser + Bertschy): Beschrieb Projektablauf […]. 
137   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: Act. […]; act. […] und act. […]. 
138   Act. […]; act. […]. 
139   Vorgaben für [W]: Faktor […], Rabatt […], Skonto […], Endbetrag inkl. MwSt. ca. CHF […] [act. (…)]; für [Z]: 
Faktor […], Rabatt […], Skonto […], Endbetrag inkl. MwSt.  ca. CHF […] [act. (…)]; für [X]: Endbetrag inkl. 
MwSt. CHF […] [act. (…)].  

140   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: Act. […]; act. […] und act. […]. 
141   Siehe Notizen zu dieser Sitzung von [Z] (act. […]) und [W] (act. […]), welche zudem auf der internen Projekt-

liste einen Vermerk „Stützangebot Gfeller […] inkl.“ bei diesem Projekt angebracht haben.  

142   Act. […], Beilage: E-Mail vom […] von Gfeller an [V]. 
143   Act. […]: E-Mail vom […] von Gfeller an [U] mit dem genauen Eingabepreis.  
144   Vgl. auch act. 95, S. 6 (Gfeller). 
145   Siehe Handnotizen act. […] und Beschrieb act. 76a, Reg. 9 (Gfeller). Darüber hinaus reichte [W] noch eine 
E-Mail von Gfeller ein, mit der Anweisung, ca. CHF […] inkl. MwSt. zu offerieren (act. […]) und auch bei [V] 
findet sich unter den Beweisen eine E-Mail mit der Bitte um Unterstützung und einen Eingabepreis von ca. 
CHF […] inkl. MwSt. (act. […], Beilage E-Mail vom […]).  

146   Siehe detaillierter act. […].  
147   Vgl. für Gfeller act. 76a, Reg. 9. [X] vermerkt einen Eingabepreis von CHF […] inkl. MwSt. (act. […]); [Z] ei-
nen  Preis  von  CHF  […]  (act. […])  und  [W]  einen  Preis  von  CHF  […]  (act.  […]).  [V]  gab dem Wunsch  von 

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86.  Projekt […]/Scherler148: Anlässlich einer E7-Sitzung im […]149 bekundete Scherler sein 
Interesse am in Planung stehenden Projekt […]. Als im darauffolgenden Juni die Offertunter-
lagen für das Projekt […] vom öffentlichen Bauherren versandt wurden, bat Scherler die bei-
den  schlussendlich  mitofferierenden  E7-Unternehmen  [V]  und  [Y]150,  sie  mit  Scheinofferten 
zu unterstützen. Scherler transferierte daraufhin [Y] die berechnete, von [Y] einzureichende 
Offerte per E-Mail151 und kommunizierte zudem den eigenen Eingabepreis152. Scherler liess 
[V] die komplett kalkulierte Offerte auf postalischem Weg zukommen153, so dass letztere nur 
noch den Vorspann auszufüllen hatte. Der Auftrag in der Grössenordnung von CHF […] ging 
schliesslich an Scherler. 

87.  Fazit: Es ist somit anhand der Akten nachgewiesen und evident, dass es während Jah-
ren  zu  Preis-  und  Kundenabsprachen  der  E7  kam.  Die  an  den  Abreden  beteiligten  Unter-
nehmen stehen zudem der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb154. Demnach greift 
die Vermutung in Art. 5 Abs. 3 lit. a und c KG, wonach der wirksame Wettbewerb projektbe-
zogen  jeweils  beseitigt  war.  Im  Folgenden  ist  daher  zu  prüfen,  ob  die  Vermutung  allenfalls 
widerlegt werden kann.  

B.4.3.2  Umstossung der gesetzlichen Vermutung gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

88.  Die  Vermutung  der  Beseitigung  wirksamen  Wettbewerbs  kann  umgestossen  werden, 
falls  trotz  der Wettbewerbsabrede  wirksamer  –  aktueller  und  potentieller  –  Aussen-155  oder 
Innenwettbewerb156 besteht. 

B.4.3.2.1  Aussenwettbewerb 

89.  Für die Prüfung der Intensität allfällig bestehenden Aussenwettbewerbs kann vorab auf 
die Marktabgrenzung unter  B.4.2 verwiesen  werden. Es gilt im Folgenden zu prüfen, inwie-
weit die an der Wettbewerbsabrede beteiligten Unternehmen in ihrem Verhalten durch aktu-
ellen oder potentiellen Wettbewerb diszipliniert wurden, d.h. ob sie überhaupt über die Mög-
lichkeit verfügten, die Preise zu erhöhen und damit volkswirtschaftliche Schäden zu verursa-
chen.  

90.  Aktueller  Wettbewerb:  Wie  erwähnt157,  begrenzt  der  potentielle  Auftraggeber  grund-
sätzlich bei privat beziehungsweise öffentlich zu vergebenden Aufträgen (mit Ausnahme der 
im offenen Verfahren zu vergebenden Aufträge) mit Zustellung der Offertanfrage  den Markt 
unter anderem in persönlicher Hinsicht. Ist der Kreis der als Offerenten in Frage kommenden 
Unternehmen einmal bestimmt, wird dieser in aller Regel nicht mehr verändert und es liegt 
ein  in  sich  geschlossener  Markt  vor,  in  welchem  kein  Aussenwettbewerb,  weder  aktueller 
noch potentieller Natur, mehr spielt158. Ein unbeteiligter Marktteilnehmer kann den Gang des 
Verfahrens  grundsätzlich  nicht  mehr  beeinflussen.  Dieser  wird  ausschliesslich,  im  Rahmen 
des rechtlich Vorgegebenen, vom Ausschreiber bestimmt. Demnach kann Wettbewerb gene-

Gfeller entsprechend nicht unter CHF […] inkl. MwSt. ein [act. (…), Beilage: E-Mail vom (…) von Gfeller an 
(…) (Preis der Ersteingabe)] und [U] wurde per E-Mail angewiesen, nicht unter CHF […] inkl. MwSt. zu offe-
rieren [act. (…)/Preis der Ersteingabe (…)]. 

148   Vgl. zu diesem Projekt im Allgemeinen: Act. 69a, Reg. 8, Projekt 25 (Scherler) und act. […]. 
149   Vgl. Handnotizen […] (act. […]) und Scherler (act. 3f, Reg. 23, Dok. 13). 
150   Siehe E-Mail von Scherler an [Y] zwecks Stützofferte: Act. 69a, Reg. 8O (Scherler).  
151   Act. 69a, Reg. 8O (Scherler): E-Mail vom […].  
152   CHF […] inkl. MwSt. (vgl. für Fundstelle: Fn. 151).  
153   Vgl. act. […]: Brief von [Y] an [V] betreffend […] mit kalkulierter Offerte in der Beilage.  
154   Vgl. Rz. B.4.1.1. 
155   Wettbewerb durch nicht an der Abrede beteiligte Unternehmen.  
156   Wettbewerb unter den an der Abrede beteiligten Unternehmen. 
157   Vgl. Rz. 71. 
158   Vgl. auch oben Rz. 71. 

24/45 

 
 
 
 
 
                                                                                                                                                   
rell – wenn überhaupt – nur im Hinblick auf zukünftige Aufträge – welche aber eigene Märkte 
begründen – und jeweils gerade bis zur Zustellung der Offertanfrage bestehen159. 

91.  Die  E7  sind  die  seit  Jahren  grössten  und,  gemäss  eigenen  Aussagen,  grundsätzlich 
einzigen  Unternehmen  im  Raum  Bern,  welche  für  die  Ausführung  von  Aufträgen  ab  einem 
gewissen Installationsvolumen in Frage kommen160. Einem Aktivwerden externer Konkurrenz 
steht  zudem  der  in  der  Elektroinstallationsbranche  (wie  der  Baubranche  allgemein)  beste-
hende  Distanzschutz  entgegen161.  Entsprechend  kam  es  häufig  vor,  dass  vorwiegend  – 
wenn  nicht  gar  ausschliesslich  –  E7-Unternehmen  an  den  betroffenen  Submission  teilnah-
men und vom Bauherren um eine Offerte angefragt wurden. Selbst wenn hingegen einzelne 
weitere  Unternehmen  an  einer  Submission  beteiligt  waren162,  verblieb  in  der  Regel,  infolge 
Absprache  der  E7,  das  von  ihnen  ausgewählte  Unternehmen  im  Rennen  um  die  Vergabe 
und setzte sich schlussendlich durch. Der allfällig verbleibende Wettbewerbsdruck durch an 
der  Submission  beteiligte  Dritte  war  offensichtlich  zu  gering,  als  dass  er  das  Funktionieren 
und Gelingen der Abreden hätte verhindern können. Daneben gilt es Folgendes zu berück-
sichtigen:  Hatte  es  das  vorbestimmte  E7-Unternehmen  infolge  höherer  Offertpreise  der  es 
stützenden Unternehmen als preisgünstigster Anbieter in die Verhandlungsrunden geschafft, 
so fanden diese ausgehend vom offerierten abgesprochenen Preis statt. Auch beim schluss-
endlich zum Auftragserhalt führenden Angebot des E7-Unternehmens konnte es sich folglich 
–  da  vom  ursprünglich  abgesprochenen  Preis  abgeleitet  –  nicht  mehr  um  einen  Marktpreis 
handeln163.  

92.  Auch von der Möglichkeit mehrerer kleinerer Unternehmen, sich in Bezug auf die Aus-
führung  eines  (offen  ausgeschriebenen)  Projektes  in  einer  ARGE  zusammenzuschliessen, 
ging  und  geht  nur  ungenügender Wettbewerbsdruck  aus.  Es  ist  ein  insofern  wenig  realisti-
sches  Szenario  –  welches  zudem  nur  selten  erfolgreich  zum  Vertragsabschluss  mit  der 
ARGE führen dürfte – als diese, um einen konkurrenzfähigen Preis anbieten zu können, zu-
nächst die Grössen- und Erfahrungsvorteile der E7 bezüglich grösserer Projekte wettzuma-
chen hätte. Kommt hinzu, dass kleineren Unternehmen ein derartiges Vorgehen wohl bloss 
in Einzelfällen belieben dürfte, wären doch bei einem allfälligen Zuschlag meist ein Grossteil 
ihrer Ressourcen über einen längeren Zeitraum gebunden, mit der Folge mangelnder Flexibi-
lität und Anpassungsfähigkeit bei sich ändernden Marktverhältnissen, was ein Geschäftsrisi-
ko darstellt164. 

93.  Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die eine Offertanfrage erhaltenden 
Unternehmen in ihrer Preisgestaltung zwar insofern nicht völlig frei sind, als sie ein Interesse 
an weiteren Offertanfragen seitens des potentiellen Auftraggebers aber auch Dritten haben, 
dies jedoch nichts daran ändert, dass, bezogen auf den relevanten Markt in Form eines kon-
kreten  Projektes,  weder  genügend  aktueller  noch  potentieller  Wettbewerb  herrscht.  Der  im 
Bezug  auf  im  offenen  Verfahren  ausgeschriebene  respektive  zukünftige  Projekte  allenfalls 
bestehende  Wettbewerb  übt  kaum  disziplinierende  Wirkung  aus.  Die  Vermutung  in  Art.  5 
Abs. 3 KG wird demnach auf diesem Weg nicht beseitigt.  

B.4.3.2.2 

Innen- und Restwettbewerb 

94.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  Vermutung  der  Beseitigung  des  Wettbewerbs  und  damit  der 
Unzulässigkeit  der  Abrede  mittels  verbleibendem  Innenwettbewerb  widerlegt  werden  kann. 
Die Untersuchung hat gezeigt, dass in der weit überwiegenden Zahl der Fälle sich die Par-

159   Vgl. Rz. 90, wonach in geschlossenen Märkten weder aktueller noch potentieller Wettbewerb spielt.  
160   Vgl. act. 94, S. 10 (Burkhalter), act. 95, S. 11 (Gfeller) und act. 87, S. 4 (Etavis). 
161   Vgl. CHRIST (zit. in Fn. 61), S. 79; ferner KELLER (zit. in Fn. 90); ähnlich auch ISP anlässlich der Einvernah-

me: Act. 78, S. 6 (ISP) sowie Rz. 70. 

162   Die  Unternehmen  waren  meist  über  diesen  Umstand  durch  die  Meldestelle  des  Verbandes  orientiert  (vgl. 

Rz. 9). 

163   Vgl. die diesbezüglichen Ausführungen in Rz. 74.
164   Vgl. für in diese Richtung gehende Aussage act. 78, S. 6 (ISP). 

25/45 

 
 
 
 
 
                                                
teien an die Preisabreden hielten und absprachegemäss die schlussendlich den Auftrag er-
haltende  Unternehmung  stützten165.  Damit  bestand  unter  den  E7  auf  den  relevanten  Märk-
ten, d.h. hinsichtlich der abgesprochenen Projekte, auch kein wirksamer Innenwettbewerb.  

95.  Eine Beseitigung des Preiswettbewerbs wiegt zufolge Bedeutung dieses Wettbewerbs-
parameters zudem schwer166 und die daran anknüpfende Vermutung der Wettbewerbsbesei-
tigung ist nicht durch Wettbewerb bezüglich  jedweder Parameter aufzuwiegen167. Das Bun-
desgericht hat in diesem Zusammenhang festgehalten, dass die Vermutung der Beseitigung 
wirksamen Wettbewerbs auf einem Markt durch den Nachweis widerlegt werden kann, dass 
der Preis nicht der allein entscheidende Wettbewerbsparameter ist und aufgrund anderer Pa-
rameter ein wirksamer (Rest-/Teil-) Wettbewerb fortbesteht168.  

In  der  Elektroinstallationsbranche  sind  keine  solchen  anderen,  entscheidenden  Wett-
96. 
bewerbsparameter  auszumachen.  Sicherlich ist  der  Ruf  eines  seriösen Unternehmens,  das 
eine  auftragsgemässe  Ausführung  der  nachgefragten  Elektroinstallation  gewährleistet,  von 
Bedeutung. Hierin ist aus Sicht der WEKO aber eine Grundvoraussetzung für das dauerhafte 
Verbleiben im  Markt  und  weniger  ein  im  Bezug auf  den einzelnen Auftrag  spielender Wett-
bewerbsparameter  zu  sehen.  Dieses  Kriterium  eignet  sich  denn  auch  nicht  für  Differenzie-
rungen  zwischen  den  Parteien,  welche  allesamt,  zufolge  fester  Verankerung  im  Berner 
Markt, scheinbar aus Sicht der Nachfrager diese Anforderung erfüllen. Auch ist eine gewisse 
Konkurrenzierung bei der Kundenbetreuung denkbar, was aber im Ergebnis nichts daran än-
dert, dass zumeist der Preis das entscheidende Kriterium bei der Auftragsvergabe ist169. Er-
klärtes Ziel der Parteien war es denn auch, mittels Preisabsprachen die Vergabe der Projek-
te  zu  steuern.  Wäre  für  die  Auftragsvergabe  Wettbewerb  bezüglich  anderer  Parameter 
(ebenso) zentral gewesen, so hätten sie folglich zum Erreichen ihres Zieles auch diesbezüg-
liche  Konkurrenzierungen  unterlassen  und  Absprachen  treffen  müssen.  Dies  machten  die 
Parteien  aber  weder  geltend  –  sie  betonten  vielmehr  die  Bedeutung  des  Faktors  Preis  für 
den Erhalt eines Auftrags170 – noch finden sich entsprechende Anhaltspunkte in den Akten. 
Folglich kann aus der Tatsache, dass die Preisabreden meist erfolgreich zum Auftragserhalt 
durch  die  vorbestimmte  Partei  führten,  gefolgert  werden,  dass  in  dieser  Branche  andere 
Wettbewerbsparameter, welche mangelnden Preiswettbewerb aufzuwiegen vermögen, nicht 
spielen. 

97.  Fazit:  Demnach  steht  zusammenfassend  fest,  dass  projektbezogen  zahlreiche  Preis-
absprachen getroffen wurden und die jeweils daran anknüpfende Vermutung gemäss Art. 5 
Abs. 3 lit. a KG nicht umgestossen werden kann. Lässt sich die Vermutung nicht widerlegen, 
so  erübrigt  sich  eine  Prüfung  der  Erheblichkeit  und  können  die  Abreden  auch  nicht  durch 
Gründe  der  wirtschaftlichen  Effizienz  gerechtfertigt  sein  (vgl.  Art.  5  Abs.  1  KG).  Wie  die 
WEKO  im  Fall  Strassenbeläge Tessin171 klar  zum Ausdruck gebracht  hat, zeitigen  Preisab-
reden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG „stets volkswirtschaftliche und sozial schädliche Auswirkun-
gen und sind per se erheblich“, weshalb auch die direkte Sanktionierbarkeit  unter anderem 
an diesen Tatbestand anknüpft. Wie sich die Lage im Falle des Vorliegens eines Rotations-
kartells gestalten würde, kann vorliegend offen bleiben172. Anzumerken bleibt, dass die Wett-
bewerbsbehörden davon ausgehen, bei weiterer Abklärung des Sachverhaltes und sorgfälti-
ger Abgrenzung eines Gesamtmarktes – wenn auch vielleicht nicht die Beseitigung – so aber 
doch  eine  erhebliche  Beeinträchtigung  des Wettbewerbs  auf  diesem  hätten  nachweisen  zu 
können.  

165   Vgl. auch Rz. 60, 79 ff. und Rz. 91. 
166   Vgl. dazu obige Ausführungen in Rz. 74. 
167   Vgl. RPW 2001/4, S. 669 (Tarifvertrag in der halbprivaten Zusatzversicherung). 
168   Urteil des Bundesgerichts vom 14. August 2002 (BGE 129 II 18), E. 8.1; RPW 2002/4 S. 747 (Buchpreisbin-

dung). 

169   Vgl. auch entsprechende Aussagen der Parteien: act. 91, S. 5 (Gasser + Bertschy); act. 37, S. 3 (Etavis). 
170  Vgl. Fn. 169.
171   Vgl. auch RPW 2008/1, S. 109, Rz. 178 (Strassenbeläge Tessin).
172   Vgl. die diesbezüglichen Ausführungen Rz. 58 ff. sowie Rz. 66. 

26/45 

 
 
 
 
 
                                                
B.4.3.3  Ergebnis 

98.  Die Wettbewerbsabreden,  welche  die  Parteien  in  wechselnden  Konstellationen  unter-
einander  betreffend  Preise  und  Preis-/Kalkulationselemente  trafen,  beseitigten  den  wirksa-
men  Wettbewerb  auf  den  jeweils  aus  Einzelprojekten  bestehenden  Märkten.  Die  Preisab-
sprachen  sind gestützt  auf  Art.  5 Abs.  1 und  3 lit.  a  und c  KG  unzulässig  und gemäss Art. 
49a Abs. 1 KG sanktionierbar.  

B.5 

Sanktionierung 

B.5.1 

Allgemeines 

99.  Aufgrund ihrer ratio legis sollen die in Art. 49a ff. KG vorgesehenen Verwaltungssank-
tionen – und dabei insbesondere die mit der Revision 2003173 eingeführten direkten Sanktio-
nen bei den besonders schädlichen kartellrechtlichen Verstössen – die wirksame Durchset-
zung  der  Wettbewerbsvorschriften  sicherstellen  und  mittels  ihrer  Präventivwirkung  Wettbe-
werbsverstösse  verhindern174.  Direktsanktionen  können  nur  zusammen  mit  einer  Endverfü-
gung,  welche  die  Unzulässigkeit  der  fraglichen  Wettbewerbsbeschränkung  feststellt,  ver-
hängt werden175.  

B.5.2 

Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG 

100.  Die  Belastung  der  Verfahrensparteien  mit  einer  Sanktion  setzt  voraus,  dass  sie  den 
Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG erfüllt haben. 

B.5.2.1  Unternehmen 

101.  Die Wettbewerbsbeschränkungen, auf welche Art. 49a Abs. 1 KG Bezug nimmt, müs-
sen von einem Unternehmen begangen werden. Für den Unternehmensbegriff wird auf Art. 2 
Abs. 1 und 1bis KG abgestellt176. Die Parteien vorliegender Untersuchung sind  offensichtlich 
als Unternehmen im Sinne des Kartellgesetzes zu qualifizieren177. 

B.5.2.2  Unzulässige Verhaltensweise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG 

102.  Die Regelung sieht in erster Linie Massnahmen gegen harte Kartelle im Sinne horizon-
taler  oder  vertikaler  Absprachen  gemäss  Art. 5  Abs. 3  und  4  KG  vor.  Nach  Art. 49a 
Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, welches an einer unzulässigen Abrede nach Art. 5 Abs. 3 
bzw.  4  KG  beteiligt  ist  oder  sich  nach  Art. 7  KG  unzulässig  verhält,  mit  einer  Sanktion  be-
lastet178.  

103.  Eine  Sanktionierung  der  ersten  in  Art. 49a Abs. 1 KG  erwähnten  Tatbestandsvariante 
ist  an  folgende  zwei  Voraussetzungen  geknüpft:  1)  Die  Beteiligung  an  einer  Abrede  über 
Preise,  Mengen  oder  die  Aufteilung  von  Märkten  nach  Art. 5  Abs. 3  oder  4  KG  und  2)  die 
Unzulässigkeit dieser Abrede179.  

173   Vgl. Rz. 39. 
174   Botschaft  über  die  Änderung  des  Kartellgesetzes  vom  7.11.2001  (Botschaft  2001),  BBl  2002,  S. 2022 ff., 
insb. S. 2023, 2033 ff., 2041; PATRICK DUCREY, Vorbem. zu Art. 50–57, N. 1, in: Kommentar zum schweizeri-
schen  Kartellgesetz,  Homburger/Schmidhauser/Hoffet/Ducrey  (Hrsg.),  Zürich  1997;  STEFAN  BILGER,  Das 
Verwaltungsverfahren zur Untersuchung von Wettbewerbsbeschränkungen, Diss. Freiburg 2002, S. 92. 

175   Botschaft 2001 (zit. in Fn. 174), S. 2034. 
176   Statt aller: JÜRG BORER, Kartellgesetz, Zürich 2005, Art. 49a N. 6, und DUCREY (zit. in Fn. 174), Art. 50, N. 8. 
177   Vgl. Rz. 38. 
178   Vgl. auch PHILIPP ZURKINDEN/HANS RUDOLF TRÜEB, Das neue Kartellgesetz – Handkommentar, Art. 49a, N. 1. 
179   Vgl. ROGER ZÄCH, Die Sanktionsbedrohten Verhaltensweisen nach Art. 49a Abs. 1 KG, in: Kartellgesetzrevi-

sion 2003 – Neuerungen und Folgen, Stoffel/Zäch (Hrsg.), Zürich/Basel/Genf 2004, S. 34. 

27/45 

 
 
 
 
 
                                                
104.  Wie  vorstehend  eingehend  und unter  Rz.  98  zusammenfassend  dargelegt,  haben  die 
Parteien während zweier Jahre die Preise zahlreicher Projekte abgesprochen, mit der Folge, 
dass  der  projektbezogene Wettbewerb  jeweils  beseitigt  war.  Dieses  Verhalten  ist  im  Sinne 
von Art. 5 Abs. 1 und 3 KG unzulässig, weshalb der Tatbestand von Art. 49a Abs. 1 KG mit 
jedem Projekt erfüllt wurde und somit ein wiederholter Verstoss gegen das Kartellgesetz vor-
liegt.  

B.5.3  Vorwerfbarkeit  

105.  Für  die  Verhängung  einer  Verwaltungssanktion  ist  typischerweise  kein  Verschulden 
und  damit  Nachweis  eines  im  strafrechtlichen  Sinne  vorsätzlichen  oder  fahrlässigen  Han-
delns  der  verantwortlichen  natürlichen  Personen  vonnöten180.  Getreu  dem  Wortlaut  wird 
Vorwerfbarkeit  auch für eine  Sanktionierung gemäss  Art.  49a Abs.  1 KG  nicht  verlangt.  Da 
die WEKO  ein entsprechendes Erfordernis  in  diversen Entscheiden dennoch  bisher geprüft 
hat181, folgen der Vollständigkeit halber Ausführungen zu diesem Aspekt. Dies obschon Vor-
werfbarkeit in casu, wie den folgenden Ausführungen zu entnehmen ist, ohnehin zu bejahen 
ist.  

106.  Wird  Vorwerfbarkeit  vorausgesetzt182,  so  liegt  diese  schon  dann  vor,  wenn  dem  zu 
sanktionierenden  Unternehmen  der  Verstoss gegen  Art.  49a  Abs.  1  –  in  casu  i.V.m.  Art.  5 
Abs.  3  KG  –  als  objektive  Sorgfaltspflichtverletzung  im  Sinne  eines  Organisationsverschul-
dens angelastet werden kann183. Ein objektiver Sorgfaltsmangel im Sinne einer Vorwerfbar-
keit  kann  die  bei  der  juristischen  Person  nicht  nachweisbaren  subjektiven  Strafbarkeitsvor-
aussetzungen ersetzen und zu einer Sanktionierung des Unternehmens selbst führen184. Das 
Kartellgesetz  darf  dabei  für  Unternehmen  (als  dessen  Adressaten)  allgemein  als  „bekannt“ 
vorausgesetzt werden185. Sie müssen grundsätzlich alles Mögliche und Notwendige vorkeh-
ren,  um  sicherzustellen,  dass  es  in  ihrer  Unternehmung  und  durch  diese  nicht  zu  Wettbe-
werbsverstössen kommt. 

107.  Den an den unzulässigen Wettbewerbsabreden beteiligten Unternehmen kann in casu 
mehr  als  ein  objektiver  Sorgfaltsmangel  im  Sinne  einer  Vorwerfbarkeit  angelastet  werden. 
Die Parteien haben während mindestens zwei Jahren regelmässig Preisabsprachen, welche 
zu den schwerwiegendsten Formen zu zählen sind, getroffen. Dass Vorwerfbarkeit bei einem 
solchen, sogenannten harten Kartell gegeben ist, liegt auf der Hand. 

108.  Der  ein  Organisationsverschulden  begründende Organisationsmangel  ist  darin  zu  se-
hen, dass offensichtlich geeignete Massnahmen, derartige Kartellrechtsverstösse zu verhin-
dern,  nicht  getroffen  wurden.  Leitende  Angestellte/Organe  waren  über  Jahre  in  die  Vor-
kommnisse  involviert.  Die  Kontrolle  im  Unternehmen  war  entsprechend  –  sofern  überhaupt 
beabsichtigt – nicht ausreichend, geeignete Massnahmen wurden keine ergriffen und die Un-
ternehmenskultur war nicht vom Wettbewerbsgedanken geprägt. Aufgrund dieses die Unter-

180  Vgl. etwa bereits die Entscheide der Weko „BNP/Paribas“, RPW 2001/1, S. 144 ff., S. 152 Rz. 35; „X/C-AG 
und D-AG“, RPW 2000/2, S. 257 ff., 262 f. Rz. 30, und „Curti & Co. AG“, RPW 1998/4, S. 613 ff., S. 617 f. 
Rz. 21 ff.;  zustimmend  ROGER  ZÄCH/ANDREAS  WICKY,  Die  Bemessung  von  Verwaltungssanktionen  im  Zu-
sammenhang  mit  Unternehmenszusammenschlüssen  nach  schweizerischem  Kartellrecht  (Art. 51  KG),  in: 
Wirtschaft und Strafrecht, FS für N. Schmid, Zürich 2001, S. 585 ff., S. 589, sowie PHILIPP ZURKINDEN, Sank-
tionen,  in:  Schweizerisches  Immaterialgüter-  und  Wettbewerbsrecht  (SIWR),  Band  V/2  (Kartellrecht),  von 
Büren/David (Hrsg.), Basel/ Genf/München 2000, S. 520. 

181   Vgl.  RPW 2006/4,  S.  660  f.  (Unique);  RPW 2007/2,  S.  232  f.  (Richtlinien  des  Verbandes  Schweizerischer 

Werbegesellschaften VSW über die Kommissionierung von Berufsvermittlern/“Publigroupe“).

182  Vgl. beispielsweise ZURKINDEN/TRÜEB (zit. in Fn. 178), Art. 49a, N. 3.
183  PETER REINERT, Art. 49a, N. 5, in: Handkommentar zum Kartellgesetz – Bundesgesetz über Kartelle und an-
dere Wettbewerbsbeschränkungen, Baker & McKenzie  (Hrsg.), Bern 2007; RPW 2007/2, S. 234 m.w.H. in 
Fn. 63 (Publigroupe).
In diesem Sinne BORER (zit. in Fn. 176), Art. 50, N. 7 i.V.m. Art. 49a, N. 10 ff. m.w.H. 

184  
185   Vgl.  CHRISTOPH  TAGMANN,  Die  direkten  Sanktionen  nach  Art.  49a  Abs.  1  Kartellgesetz,  Diss.  Zürich  2008, 
S. 285 als auch Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über die Sammlungen des Bundesrechts und das Bundesblatt 
(Publikationsgesetz [PublG]; SR 170.512). 

28/45 

 
 
 
 
 
                                                
nehmen treffenden Organisationsverschuldens, ist ihnen der Kartellrechtsverstoss direkt zu-
zuschreiben und anzulasten.  

109.  Fazit: Gemäss dem Gesagten ist auch das allfällige Erfordernis (subjektiver) Vorwerf-
barkeit  zufolge  eines  den  Parteien  direkt  zurechenbaren  Organisationsverschuldens  gege-
ben186.  Zusammenfassend  ist  demnach  erneut  festzuhalten,  dass  die  Parteien  den  Tatbe-
stand von Art. 49a Abs. 1 KG erfüllt haben und zu sanktionieren sind. 

B.5.4  Sanktionsbemessung 

B.5.4.1  Einleitung und gesetzliche Grundlagen 

110.  Rechtsfolge  einer  Verletzung  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des  fehlbaren 
Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10% des in den letzten drei Geschäftsjahren in der 
Schweiz erzielten Umsatzes (Art. 49a Abs. 1 KG und Art. 7 SVKG). Dieser Betrag stellt als 
Maximalsanktion  die  Obergrenze  des  Bussenrahmens  dar.  Die  konkrete  Sanktion  bemisst 
sich sodann nach der Dauer und der Schwere des unzulässigen Verhaltens, wobei der mut-
massliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt hat, angemessen zu berücksichti-
gen ist (Art. 2 Abs. 1 SVKG).  

111.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung gemäss  Art.  49a  Abs.  1  KG  sind  in  der  KG-Sanktionsverordnung  geregelt  (vgl.  Art.  1 
lit. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des  Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtge-
mässen Ermessen der WEKO, wobei der Grundsatz der Verhältnismässigkeit187 und Gleich-
behandlung diesem Spielraum Grenzen setzt188. Die WEKO bestimmt die effektive Höhe der 
Sanktion nach den konkreten Umständen im Einzelfall, wobei die Geldbusse für jedes an ei-
ner Zuwiderhandlung beteiligte Unternehmen individuell  innerhalb der gesetzlich statuierten 
Grenzen festzulegen ist189. 

B.5.4.2  Maximalsanktion 

112.  Die Sanktion beträgt in keinem Fall mehr als 10% des gesamten vom Unternehmen in 
den letzten drei Geschäftsjahren in der Schweiz erzielten Umsatzes (Art. 49a KG i.V.m. Art. 
7 SVKG)190. Der Unternehmensumsatz im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG berechnet sich da-
bei sinngemäss nach den für die Umsatzberechnung bei Unternehmenszusammenschlüssen 
geltenden Kriterien gemäss Art. 4 und 5 VKU191. 

113.  Der  Unternehmensumsatz  nach Art. 49a KG  bestimmt  sich mithin auf  Konzernebene, 
wobei gemäss Art. 5 Abs. 2 VKU konzerninterne Umsätze nicht zu berücksichtigen sind. Die 
von  den  Parteien  angegebenen  Gesamtumsätze  der  letzten  drei  Geschäftsjahre  in  der 
Schweiz gehen aus folgender Übersicht hervor:  

186   So  im  Ergebnis  auch  der  Entscheid  REKO/WEF  „Rhône-Poulenc/Merck“;  RPW  2002/2,  S.  399 f.;  RPW 

2002/3, S. 524 ff., S. 533 (Schweiz. National-Versicherungs-Ges./Coop Leben). 

187   Art. 2 Abs. 2 SVKG. 
188   Vgl. REINERT, Art. 49a, N. 14 sowie RPW 2006/4, Rz. 236 (Unique). 
189   Vgl. entsprechende Aussage betreffend der EU: TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 293.  
190  Vgl. auch ZURKINDEN/TRÜEB (zit. in Fn. 178), Art. 49a, N. 3. 
191   RPW 2007/2, Rz. 321 (Publigroupe) sowie REINERT, Art. 49a, N. 9; in Sachen SVKG vgl. vorn Fn. 83. 

29/45 

 
 
 
 
 
                                                
Atel  

ISP  

CHF [...] 

CHF [...] 

Burkhalter 

CHF [...] 

Etavis 

CHF [...] 

ewb 

CHF [...] 

Gasser + Bertschy 

CHF [...] 

Gfeller 

Scherler 

CHF [...] 

CHF [...] 

Tabelle 3: Konzernumsätze der Parteien von 2006 bis und mit 2008  

114.  Die mögliche Maximalsanktion je Unternehmung ist folgender Übersicht zu entnehmen:  

Atel  

ISP  

CHF [...] 

CHF [...] 

Burkhalter 

CHF [...] 

Etavis 

CHF [...] 

ewb 

CHF [...] 

Gasser + Bertschy 

CHF [...] 

Gfeller 

Scherler 

CHF […] 

CHF [...] 

Tabelle 4: Maximalsanktion je Unternehmung 

B.5.4.3  Konkrete Sanktionsberechnung 

115.  Nach Art. 49a Abs. 1 KG sowie Art. 2 Abs. 1 SVKG ist bei der Bemessung der Sankti-
on die Dauer und Schwere des unzulässigen Verhaltens und der durch dieses erzielte mut-
massliche  Gewinn  angemessen  zu  berücksichtigen192.  Darüber  hinaus  ist  den  spezifischen 
Umständen im Einzelfall Rechnung zu tragen193.  

116.  Die konkrete Sanktionsbemessung erfolgt in drei Schritten: Zunächst ist der sogenann-
te Basisbetrag zu berechnen. Dieser ist in einem zweiten Schritt an die Dauer des Verstos-
ses anzupassen,  bevor  in  einem  dritten  Schritt  erschwerenden und mildernden  Umständen 
Rechnung getragen werden kann (vgl. Art. 3–6 SVKG)194.  

B.5.4.3.1  Basisbetrag 

117.  Der Basisbetrag beträgt je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 10% des Um-
satzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäftsjahren auf den rele-
vanten Märkten in der Schweiz erzielt hat (Art. 3 SVKG)195. 

I. 

Obergrenze des Basisbetrags (Umsatz auf dem relevanten Markt) 

118.  Für  vorliegendes  Verfahren  wurden  die  Märkte  auf  die  einzelnen  ausgeschriebenen 
Elektroinstallationsaufträge  im  Raum  Bern  begrenzt196.  Die  Umsätze,  welche  die  Parteien 
während der letzten drei Jahre auf diesen relevanten Märkten erzielt haben, beziffern sich in-
folge Addition derselben wie folgt:  

192   Vgl. auch Rz. 110. 
193   Vgl. TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 169; siehe auch RPW 2007/2, Rz. 329 (Publigroupe). 
194   RPW 2006/4, Rz. 237 (Unique). 
195   Vgl. auch Rz. 109. 
196   Vgl. Rz. 110 sowie die beispielhafte Anführung einzelner Projekte unter Rz. 79 ff. Es wurden nur diejenigen 
Projekte berücksichtigt, welche mittels der beschlagnahmten und eingereichten Akten der Parteien als auch 
ersten Ermittlungen bereits ausreichend belegt waren (Kernprojekte, vgl. Fn. 2). 

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Atel 

ISP 

Burkhalter 
Etavis 

ewb 
Gasser + Bertschy 

Gfeller 
Scherler 

Total 

2006 

2007 

2008 

Total 

3’107’140. 

3'630’155. 

0. 

6'737’295.   

940’514. 
1'974’552. 
2'160’159. 
514‘000. 
809‘600. 
1‘847‘722. 
3‘786‘186. 

1'608’857. 
2'834’685. 
591‘557. 
140‘000. 
961‘841. 
5‘322‘327. 
4‘853‘522. 

0. 
180‘262.  
0. 
70‘000. 
519‘587. 
516‘510. 
74‘408. 

2'549’371.   
 4‘989‘499.   
2‘751‘716.   
724‘000.   
2‘291‘028.   
7‘686‘559.   
8‘714‘116.   

15'139'873.  19'942'944.  1'360'767. 

36'443'584.   

Tabelle 5: Umsätze auf den relevanten Märkten 2006 bis und mit 2008  

119.  Die obere Grenze des Basisbetrags beläuft sich, wie oben in Rz. 117 erwähnt, auf 10% 
der in den letzten drei Geschäftsjahren auf den relevanten Schweizer Märkten erzielten Um-
sätze. Aufgrund der in der Tabelle 5 gemachten Angaben ergeben sich im vorliegenden Fall 
für die Parteien folgende Obergrenzen: 

Atel  

ISP  

CHF 673’729. 

CHF 254’937. 

Burkhalter 

CHF 498’950. 

Etavis 

CHF 275’172. 

ewb 

CHF 72’400. 

Gasser + Bertschy 

CHF 229’103. 

Gfeller 

Scherler 

CHF 768’656. 

CHF 871‘412.  

Übersicht 6: Obergrenzen Basisbeträge der Parteien  

II. 

Berücksichtigung der Art und Schwere des Verstosses 

120.  Gemäss Art. 3 SVKG ist die Höhe des Basisbetrags je nach Art und Schwere des Ver-
stosses gestützt auf den Umsatz festzusetzen197. Die Parteien haben sich, wie oben darge-
legt198, unzulässig im Sinne von Art. 5 Abs. 1 und 3 KG verhalten. Im Folgenden gilt es dem-
nach zu prüfen, als wie schwer der Verstoss gegen das Kartellgesetz zu qualifizieren ist. Da-
bei stehen objektive199 Faktoren im Vordergrund und ist nach dem abstrakten Gefährdungs-
potential des Verstosses200, seiner volkswirtschaftlichen Schädlichkeit zu fragen. 

121.  Grundsätzlich  ist  die  Schwere  der  Zuwiderhandlung  im  Einzelfall  unter  Berücksichti-
gung aller relevanter Umstände zu beurteilen. Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 und 4 KG, wel-
che  den  Wettbewerb  beseitigen,  stellen  –  als  sogenannte  harte  Kartelle  –  grundsätzlich 
schwere  Kartellrechtsverstösse  dar.  Unter  anderem  Abreden,  welche  den  Preiswettbewerb 
ausschalten,  sind  wegen  des  grossen  ihnen  immanenten  Gefährdungspotentials  im  oberen 
Drittel  des  möglichen  Sanktionsrahmens,  d.h.  zwischen  7  und  10%,  einzuordnen.  Tenden-
ziell  leichter  sind  den  Wettbewerb  erheblich  beeinträchtigende  Abreden,  welche  sich  nicht 
durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfertigen lassen, zu gewichten. Darüber hin-
aus  ist  im  Allgemeinen  davon  auszugehen,  dass  Wettbewerbsbeschränkungen,  welche 

197   Vgl.  Erläuterungen  zur  KG-Sanktionsverordnung  (SVKG),  Link  auf  http://eww.wekointern.evd.admin.ch/, 

S. 2 f. 
198   Vgl. Rz. 109. 
199   D.h.  nicht  verschuldensabhängige  Kriterien,  vgl.  ROLF  DÄHLER/PATRICK  KRAUSKOPF,  Die  Sanktionsbemes-

sung und die Bonusregelung, in: Kartellgesetzrevision 2003 (zit. in Fn. 179).

200   Vgl. PATRICK KRAUSKOPF/DOROTHEA SENN, Die Teilrevision des Kartellrechts – Wettbewerbspolitische Quan-

tensprünge, S. 12, in: sic!1/2003.

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gleichzeitig mehrere Tatbestände gemäss Art. 5 Abs. 3 und 4 KG erfüllen, schwerer zu ge-
wichten sind als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen201.  

122.  Im  vorliegenden  Fall  liegen  keine  Gründe  vor,  um  von  den  obgenannten  generellen 
Einschätzungen abzuweichen: Die getroffenen Preisabsprachen sind dem Abredetypus nach 
schwere Verstösse. Sie haben den Wettbewerb auf den relevanten, ihrerseits bereits durch 
vergleichsweise  hohe  Preistransparenz  gekennzeichneten  Märkten202,  jeweils  beseitigt. 
Kommt erschwerend weiter hinzu, dass auch Kunden unter den Parteien zugeteilt wurden203 
und  damit  mehrere  Wettbewerbsparameter  tangiert  waren.  Daraus  folgt,  dass  die  in  casu 
begangenen grundsätzlich schwere Verstösse gegen das Kartellrecht darstellen.  

123.  Abzuschwächen vermag diese Einschätzung allenfalls, dass die E7 keine streng orga-
nisierte Gruppe waren, welche entschlossen eine Wettbewerbsbeschränkung mit umfassen-
den  Auswirkungen  auf  den  Markt  umsetzte  (geringe  „Professionalisierung“)204.  Ausgleichs- 
und Sanktionsmechanismen bestanden keine. Darüber hinaus sollen nach Aussage der Par-
teien  Preisabsprachen  in  der  Branche gleichsam  verbreitet sein205  und vorliegend nicht  pri-
mär dem Abschöpfen einer hohen Kartellrente, sondern wirtschaftlich durchaus berechtigten 
Zwecken  gedient  haben206.  Sowohl  institutionelle  Kunden  als  auch  die  häufig  zwischenge-
schaltete  Stufe  der  Elektroplaner  respektive  Generalunternehmer  können  als  in  Sachen 
Preis informierte Marktgegenseite bezeichnet werden.  

124.  Das von den Parteien wiederholt vorgebrachte Argument, es hätten aus den abgespro-
chenen Projekten kaum Gewinne – manchmal gar Verluste – resultiert207, spielt hingegen für 
die  umsatzbasierte  Berechnung  der  Sanktion  keine  Rolle.  Insbesondere  kann  daraus  nicht 
auf per se geringe volkswirtschaftliche Schädlichkeit geschlossen werden. Eine solche Wer-
tung widerspräche nicht nur der Auffassung des Gesetzgebers, sondern würde auch auf eine 
Abwägung  mit  der  Frage,  inwieweit  die  Ineffizienzen  wohl  gerade  auf  die Wettbewerbsver-
stösse  zurückzuführen  sind,  hinauslaufen.  Als  Ausfluss  des  Verhältnismässigkeitsprinzips 
wurde diesem Aspekt jedoch dennoch bei der Schwere Beachtung geschenkt.  

125.  Keine gesonderte Berücksichtigung erfährt die formelle Nichtzugehörigkeit von ewb zu 
E7. ewb war über Jahre regelmässig in die Absprachen der E7 verwickelt und somit faktisch 
beteiligt. Dass es im Vergleich anzahlmässig weniger Absprachen traf, findet zudem bereits 
in einem geringeren, der Sanktionsberechnung zugrunde liegenden Umsatz Ausdruck.  

126.  Die erwähnten Kriterien und Wertungen führen demnach zu einem für die Berechnung 
des Basisbetrags zu berücksichtigenden Satz von 7% für die Parteien und damit zu folgen-
den Basisbeträgen:  

Atel  

ISP  

CHF 471‘611. 

CHF 178‘456. 

Burkhalter 

CHF 349‘265. 

Etavis 

CHF 192‘620. 

Übersicht 7: Basisbeträge für die Parteien 

ewb 

CHF 50‘680. 

Gasser + Bertschy 

CHF 178‘401. 

Gfeller 

Scherler 

CHF 538‘059. 

CHF 609‘988. 

201   Vgl. Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), Art. 3. 
202   Vgl. Rz. 74. 
203   Vgl. Rz. 76 und Rz. 87 f. 
204   Vgl.  beispielsweise  für  höheren  Institutionalisierungs-  und  Umsetzungsgrad  RPW  2008/1,  S.  85  ff.,  insbe-

sondere S. 96 ff. (B 4.2.1 Konvention) sowie Rz. 176 f. (Strassenbeläge Tessin). 

205   Einzelne wenige Belege für Absprachen auch mit Drittunternehmen finden sich in folgenden Akten: act. 11a, 
Reg. 8 (Gasser + Bertschy); act. 18 (Meldeformular Bonusmeldung), S. 2 (ewb); act. 37, S. 5 (Etavis). 
206   Ziele seien insbesondere die Pflege der Stammkundschaft, das Erzielen einer ausgeglicheneren Auslastung 

etc. gewesen (für Fundstellen vgl. Fn. 36). 

207   Vgl. beispielhaft act. 249, S. 2 (Etavis). 

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B.5.4.3.2  Dauer des Verstosses 

127.  Gemäss  Art. 4  SVKG  erfolgt  eine  Erhöhung  des  Basisbetrags  um  bis  zu  50%,  wenn 
der  Wettbewerbsverstoss  zwischen  ein  und  fünf  Jahren  gedauert  hat.  Ferner  besteht  die 
Möglichkeit einer bis zu 10-prozentigen Erhöhung für jedes weitere Jahr. Betreffend Umfang 
der Erhöhung steht der WEKO ein breites Ermessen zu208, wobei ihrer bisherigen Praxis ein 
Prozentsatz von 10% pro berücksichtigtem Jahr entspricht209.  

128.  Obgleich  es  zu  bi-  und  multilateralen  Absprachen  bereits  vor  Gründung  der  E7  kam, 
wird für vorliegendes Verfahren, wie oben ausgeführt, nur auf den Zeitraum von Januar 2006 
bis zur Untersuchungseröffnung im Januar 2008 und damit auf zwei Jahre abgestellt210. Zu-
dem wurde, da alle Parteien dem Abschluss einer einvernehmlichen Regelung zustimmten, 
auf den Nachweis eines Rotationskartells verzichtet211. Entsprechend flossen ausschliesslich 
die Umsätze der Kernprojekte212 in die Sanktionsbemessung ein. Obschon somit vorliegend 
die einzelnen  Elektroinstallationsaufträge  als relevante Märkte berücksichtigt  werden213  und 
demnach  die  Dauer  der  projektbezogenen  Absprachen  (genau  genommen  dieses  Abspra-
cheteils214)  nur  vergleichsweise  kurz  ausfiel,  mit  jedem  Projekt  neu  beginnend,  rechtfertigt 
sich in casu aus Sicht der Wettbewerbsbehörden wie folgt die Erhebung eines Zuschlages: 

129.  Den E7-Treffen kommt vorliegend eine insofern zentrale Bedeutung zu, als sie stabili-
sierender Teil der Absprachen waren und dazu beitrugen, die Frequenz und den Umfang der 
Absprachetätigkeit  insgesamt  zu  erhöhen215.  E7  ist  Ausdruck  einer  Institutionalisierung  des 
Abspracheverhaltens während zweier Jahre, was einen Zuschlag für die Dauer dieser „Rah-
menabsprache“  rechtfertigt.  Darüber  hinaus  ist  mit  über  100  nachweislich  abgesprochenen 
Projekten216 während zweier Jahre die Absprachedichte so hoch, dass sie mit einem dauer-
haften Wettbewerbsverstoss gleichgesetzt werden und sich im Ergebnis auch wie ein solcher 
ausgewirkt haben können. Selbst wenn diese Argumentation hingegen bestritten würde, so 
wäre in jedem Fall für eine solche Vielzahl wiederholter Einzelabsprachen und damit in kur-
zen Abständen wiederholte Wettbewerbsverstösse über einen langen Zeitraum ein Repetiti-
onszuschlag217 zu erheben. 

130.  Gemäss  dem  Gesagten  rechtfertigt  sich  eine  Erhöhung  des  Basisbetrags  um  20%. 
Dies im Übrigen für alle Parteien, war Gasser + Bertschy, trotz leicht verzögertem Hinzustos-
sen zu E7, doch praktisch von Anfang an bei dieser Gruppierung dabei, insbesondere aber 
nahezu  während  des  ganzen,  Berücksichtigung  findenden  Zeitraums.  Auch  ewb  war  wäh-
rend dieser beiden Jahre regelmässig in die Absprachen verwickelt und damit faktisch betei-
ligt218.  

131.  Zusammenfassend wird gemäss Art. 4 SVKG je Unternehmung ein Zuschlag von 20% 
(entsprechend zwei Jahren) auf dem jeweiligen Basisbetrag für das dauerhafte Absprechen 
einzelner Projekte erhoben.  

B.5.4.3.3  Erschwerende und mildernde Umstände 

132.  In einem letzten Schritt ist schliesslich erschwerenden und mildernden Umstände nach 
Art. 5 und Art. 6 SVKG Rechnung zu tragen. Grundsätzlich können diejenigen Aspekte, wel-

208   Vgl. dazu Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 3. 
209   Vgl. RPW 2007/2, S. 237 (Publigroupe) sowie RPW 2007/2, S. 301 (Terminierung Mobilfunk). 
210   Vgl. Rz. 13 ff. 
211   Vgl. dazu Rz. 2 und Rz. 60. 
212   Vgl. Rz. 2. 
213   Dies lässt den Basisbetrag bereits bedeutend geringer ausfallen als im Falle des Abstellens auf ein Rotati-

onskartell.  

214   Vgl. Rz. 53 f. 
215   Vgl. Rz. 53 f.
216   Vgl. auch Rz. 53 und Rz. 57. 
217  Art. 5 Abs. 1 lit. a SVKG.
218   Vgl. auch Rz. 125.

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che im Rahmen der Kooperation und damit über den Bonus abgegolten werden, nicht erneut 
als mildernde Umstände Berücksichtigung finden.  

I. 

Erschwerende Umstände 

Mutmasslicher Gewinn 

133.  Ein durch das Verhalten erzielter „Normalgewinn“ ist bereits im Basisbetrag enthalten. 
Fällt indessen im Einzelfall die unrechtmässige Kartellrente höher aus, so ist diesem Gewinn 
als erschwerendem Umstand nach Massgabe von Art. 2 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 1 lit. b SVKG 
Rechnung  zu  tragen219.  Dies  setzt  natürlich  voraus,  dass  eine  Gewinnberechnung  oder  
-schätzung im Einzelfall überhaupt möglich ist, was in der Praxis regelmässig nicht oder aber 
nur  schwer  der  Fall  sein  dürfte.  Diesfalls  wäre  der  errechnete  Sanktionsbetrag,  der  er-
wünschten  Präventivwirkung  wegen,  so weit  zu  erhöhen,  dass  er  den Betrag  des  aufgrund 
des Verstosses unrechtmässig erzielten Gewinns übertrifft220.  

134.  Die  Parteien  betonen,  dass  die  Gewinne  in  der  Regel  gering  ausfielen,  einige  abge-
sprochenen Projekte gar defizitär abgeschlossen wurden. Neben dem Fakt, dass aus niedri-
gem  Gewinn  nicht  auf  eine  niedrige  Kartellrente  geschlossen  werden  kann,  wird  bei  der 
Sanktionsberechnung grundsätzlich  nur  ein  besonders  hoher  Gewinn  erschwerend,  im  um-
gekehrten  Fall  aber  nicht  mildernd  berücksichtigt221.  Lediglich  in  denjenigen  Fällen,  in  wel-
chen  gar  kein  Gewinn  erzielt  wurde,  kann  eine  Sanktionsminderung  vorgenommen  wer-
den222. Dieses Vorgehen erscheint – vor dem Hintergrund der mit der Sanktionierung avisier-
ten  präventiven  Wirkung  und  der,  der  Ermittlung  des  Basisbetrags  zugrundeliegenden  An-
nahme eines „eher bescheidenen Gewinns“223 von durchschnittlich 15 – 20% – durchaus ge-
rechtfertigt.  Da  im  Übrigen  für  die  Sanktionsbemessung  auf  den  Umsatz  abgestellt  wird, 
scheinen besonders niedrige Gewinne wenn – dann ausschliesslich und wie vorliegend ge-
schehen224 im Rahmen der Schwere des Verstosses berücksichtigt werden zu können225.  

Behinderung der Ermittlungen 

135.  Gemäss  Art.  5  Abs.  1  lit.  c  SVKG  wird  erschwerend  berücksichtigt,  wenn  ein  Unter-
nehmen die Zusammenarbeit  mit  den Behörden  verweigert  oder  versucht  hat,  die Untersu-
chungen  sonstwie  zu  behindern.  Insbesondere  der  Versuch,  Beweismittel  zu  vernichten, 
stellt eine Behinderung der Untersuchung dar226.  

136.  Parteien,  welche  von  Massnahmen  der Wettbewerbsbehörden betroffen  sind,  werden 
von Anfang an auf ihre Rechte und Pflichten hingewiesen. Von ihnen wird und kann deshalb 
erwartet werden, dass sie ihr Verhalten reflektieren und sich konsistent in ihren Handlungen 
zeigen.  Es rechtfertigt sich  demnach,  eine  allfällige Behinderung  oder  Erschwerung  der  Er-
mittlungen,  gleichwohl  in  welchem  Verfahrensstadium,  negativ  im  Rahmen  der  Sanktions-
bemessung zu berücksichtigen227. Eine entsprechende Erhöhung wird vorliegend bei [Z] und 
[U] für folgendes Verhalten vorgenommen:  

219   Vgl. dazu Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 1, 2 und 4. 
220   Vgl. Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 4 sowie REINERT (zit. in Fn. 183), Art. 49a, N. 16; siehe auch 

RPW 2006/4, Rz. 264 (Unique).
221   Vgl. TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 258 f. 
222   TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 274, Fn. 1290; ebenso Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 1, Art. 2, Abs 1. 
223   Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 2, Art. 3 lit. b; OECD-Studien sprechen von einem „Minimalgewinn“; 
DÄHLER/KRAUSKOPF (zit. in Fn. 199), S. 142: Der mutmassliche Gewinn wird „bei der Festlegung des Basis-
betrages im Sinne eines Minimalgewinns mitberücksichtigt“.  

224   Vgl. Rz. 124. 
225   Vgl. Rz. 124. 
226  Vgl. Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 4, Art. 5 Buchstabe c.
227   Für  ein  entsprechend  bedachtes  Vorgehen  der  zur  Kooperation  bereiten  Unternehmen  plädierend 

ZURKINDEN/TRÜEB (zit. in Fn. 178), Art. 49a, N. 10.

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137.  [Z] wurde zu Beginn der Hausdurchsuchungen über deren Charakter als Amtshandlung 
und  das  damit  einhergehende  Verbot  der  Vornahme  von  die  Ermittlungen  erschwerenden 
Handlungen explizit hingewiesen. Dennoch war während der Hausdurchsuchung bei [Z] ein 
relevanter  Aktenordner  „vorübergehend  verschwunden“228.  Dieser  konnte  dem  verantwortli-
chen  Mitarbeiter  –  einem  Mitglied  der  Geschäftsleitung,  dessen  Büro  durchsucht  wurde  – 
wieder abgenommen werden. Die Wettbewerbsbehörden sehen darin einen Versuch, Akten 
verschwinden  zu  lassen,  und  tragen  diesem  als  erschwerendem  Umstand  bei  der  Sankti-
onsbemessung Rechnung. Der an die Dauer angepasste Basisbetrag wird für [Z] somit um 
10% erhöht.  

138.  Weiter rechtfertigt sich eine Erhöhung des Sanktionsbetrags bei [U]: [U] wurde von der 
von den Hausdurchsuchungen betroffenen Partei [Z] über die Intervention des Sekretariates 
informiert229. Es vernichtete sodann sämtliche kompromittierende Akten und löschte entspre-
chende elektronische Daten. Die betroffene Festplatte stellte der verantwortliche Mitarbeiter 
jedoch in der Folge dem Sekretariat zum Versuch der Wiederaufbereitung der Daten zur Ver-
fügung. Diese konnten teilweise wiederhergestellt werden230. An einem Kartell beteiligte Un-
ternehmen müssen grundsätzlich bei Intervention der Wettbewerbsbehörden damit rechnen, 
ebenfalls  in deren  Fokus  zu  gelangen  und ihr  Verhalten  vor  diesem  Hintergrund  wählen231. 
Wird  ein  Unternehmen  folglich  über  laufende  Ermittlungshandlungen  gegen  das  Kartell,  an 
welchem es beteiligt ist, informiert, so muss das Vernichten von Akten in der Folge als Ver-
such  gewertet  werden,  die  Ermittlungen  sowohl  generell  als  auch  insbesondere  gegen  sie 
selbst zu erschweren. Die Vernichtung aller potentiell relevanten Dokumente wird in casu zu-
folge  „tätiger  Reue“232  der  Unternehmung  ebenfalls  mittels  einem  Prozentsatz  von  10%  er-
schwerend berücksichtigt.  

Besondere erschwerende Umstände 

139.  Neben  einem  besonders  hohen  Gewinn  wird  gemäss  Art.  5  Abs.  2  SVKG  zusätzlich 
erhöhend  berücksichtigt,  wenn ein  Unternehmen  zur Wettbewerbsbeschränkung  angestiftet 
oder  aber  eine  führende  Rolle  gespielt  hat  (lit.  a).  Neben  der  einen  Sanktionserlass  aus-
schliessenden  Wirkung,  welche  eine  derartige  Rolle  im  Kartell  zur  Folge  hätte,  kommt  ihr 
demnach eine generell sanktionserhöhende zu.  

140.  In den Akten finden sich zwar  wenige Anhaltspunkte für eine initiative Rolle einer der 
Parteien. Da sich diese mithilfe der bisherigen Ermittlungen hingegen nicht erhärten liessen, 
ist auf eine entsprechende Erhöhung in casu zu verzichten233.  

II. 

Mildernde Umstände 

Aufgabe Beteiligung am Wettbewerbsverstoss 

141.  Alle  Parteien  haben mit dem Tätigwerden des  Sekretariates, konkret  den  Hausdurch-
suchungen  vom  31.  Januar  2008,  ihr  wettbewerbsbeschränkendes  Verhalten  aufgegeben. 
Da dieser Umstand für die Frage eines allfälligen Bonusses relevant ist234, kann ihm nicht als 
milderndem Umstand zusätzliche Berücksichtigung zuteil werden235.  

142.  Auch kooperatives Verhalten könnte ausserhalb einer Bonusmeldung mildernd berück-
sichtigt werden, sofern es über die spezifisch kartellrechtlich geforderte Mitarbeit im Verfah-
ren hinausgeht. In casu wird hingegen dem kooperativen Verhalten der Parteien bereits, und 

228   Vgl. act. […] (Z).  
229  Vgl. act. […] (U).
230   Vgl. act. […] (U).  
231  Entsprechend  die  Europäische  Kommission  in  ihrer  Mitteilung  über  den  Erlass  und  die  Ermässigung  von 

Geldbussen in Kartellsachen vom 8.12.2006 (2006/C 298/11, S. 19, Rz. 12, lit. c).  

232  Die Unternehmung stellte den Wettbewerbsbehörden in der Folge freiwillig die Festplatte zur Verfügung. 
233   Vgl. Fn. 263. 
234   Vgl. Rz. 154. 
235   Vgl. Rz. 132. 

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damit  auch  ausschliesslich236,  über  die  Sanktionsreduktionen  infolge  Bonusmeldungen 
Rechnung getragen237.  

143.  Auch  wenn man  von  einem  allenfalls  leicht  verzögerten  Hinzustossen  Gasser  +  Bert-
schys  zu  den  E7  und  damit  geringfügig  kürzeren  Beteiligung  der  Unternehmung  an  dieser 
Gruppierung ausgeht238, fällt dieser Punkt nicht sanktionsmildernd ins Gewicht. Darüber hin-
aus findet er bereits in dem für die Sanktionsbemessung für die Unternehmung veranschlag-
ten geringeren Umsatz Ausdruck. 

Einvernehmliche Regelung 

144.  Bei Vorliegen eines direkt sanktionierbaren Tatbestandes ist eine einvernehmliche Re-
gelung ausschliesslich in Bezug auf die Art und Weise der Wiederherstellung des rechtmäs-
sigen  Zustandes  und/oder  das  zukünftige  Verhalten  möglich239.  Die  Sanktionshöhe  kann 
nicht verhandelt werden240.  

145.  Hingegen wird der Wille und die Bereitschaft der Parteien zum Abschluss einer einver-
nehmlichen Regelung von den Wettbewerbsbehörden als kooperatives Verhalten und – aus-
serhalb der Bestimmungen über den Bonus – als mildernder Umstand gewürdigt. Den Par-
teien muss die Möglichkeit belassen werden, mit den Behörden infolge Selbstanzeige zu ko-
operieren, den Abschluss einer einvernehmlichen Regelung hingegen abzulehnen. Hat aber 
die  Nichtzustimmung  zu  einer  einvernehmlichen  Regelung  keine  negativen  Auswirkungen 
auf die Höhe des Bonusses, so scheint es auch sachgerecht, im umgekehrten Fall eine zu 
diesem hinzutretende Reduktion zu gewähren.  

146.  Sodann gilt es die Frage nach dem Umfang der Milderung zu beantworten: Die WEKO 
hat bereits verschiedentlich den Abschluss einvernehmlicher Regelungen sanktionsmildernd 
berücksichtigt, so bei den Untersuchungen Publigroupe, Documed und, unter Gewährung ei-
ner Reduktion von 25%, bei Unique241. Zu beurteilen waren jeweils Verstösse gegen Art. 7 – 
nicht 5 – KG. Darüber hinaus lagen keine Bonusmeldungen vor. Der Abschluss einvernehm-
licher Regelungen wurde als kooperatives Verhalten gewürdigt und diesem sodann gemäss 
Art. 6  SVKG  Rechnung  getragen242.  Die  Höhe  der  mit  Berücksichtigung  der  einvernehmli-
chen Regelungen einhergehenden Reduktion kann in einem Fall wie dem vorliegenden nicht 
die gleiche sein, wie in den bisherigen Verfahren ohne Bonusmeldungen, in welchen die Ko-
operation  vollumfänglich  auf  diesem  Wege  abgegolten  wurde.  Die  Vorteile  wie  Verkürzung 
und Vereinfachung des Verfahrens sowie in der Regel ein engerer Kontakt mit den Behörden 
während desselben treten diesfalls stärker in den Vordergrund. Zudem gilt es zu bedenken, 
dass die Attraktivität des Bonusprogramms gewährleistet bleiben muss und die Komplemen-
tarität der beiden Instrumente und damit eine Kumulation der Reduktionen nicht dazu führen 
darf, dass die Bussen ihres präventiven Charakters verlustig gehen. 

147.  Die  WEKO  erachtet  aus  diesen  Gründen  für  den  Abschluss  einer  einvernehmlichen 
Regelung  in  derartigen  Konstellationen  grundsätzlich  einen  Prozentsatz  von  10  –  20%  als 

236   Vgl. auch TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 278. 
237  Vgl. B.5.5.  
238   Vgl. Rz. 128. 
239   Vgl. auch RPW 2006/4, Rz. 270 (Unique). 
240   TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 308.  
241   Vgl. die bisherige Praxis RPW 2008/3, S. 409 (Documed); RPW 2007/2, S. 238 (Publigroupe); RPW 2006/4, 
S. 665 f. (Unique). Siehe auch für die EU, welche in derart gelagerten Fällen eine Reduktion von 10% für 
sachgerecht erachtet: Roundtable on the experience with direct settlements in cartel cases vom 21. Oktober 
2008, S. 3, Rz. 4. Siehe auch Mitteilung der Kommission über die Durchführung von Vergleichsverfahren bei 
dem Erlass von Entscheidungen nach Artikel 7 und Artikel 23 der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates in 
Kartellfällen (2008/C 167/01), Rz. 32 sowie die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen 
gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003, (2006/C 210/02). Gemäss fran-
zösischem  Recht  können  die  Behörden  den  Parteien  bei  Abschluss  einvernehmlicher  Regelungen  bis  zu 
50% der Sanktion erlassen (Art. L-464-2 III code de commerce). 

242  Vgl. RPW 2006/4, Rz. 271 (Unique).

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angemessen.  Vor  diesem  Hintergrund  und  unter  Würdigung  der  gesamten  Umstände  des 
vorliegenden Falles ist in casu für alle Parteien ein Prozentsatz von 20% gerechtfertigt. Wei-
tere erschwerende oder mildernde Umstände gemäss Art. 5 und 6 SVKG sind keine ersicht-
lich. 

B.5.4.3.4  Zwischenergebnis 

148.  Zusammenfassend  berechnet  die  WEKO  die  Sanktionen  demnach  wie  folgt:  Für  die 
Berechnung  des  Basisbetrags  wird,  zufolge  vergleichsweiser  Schwere  des  Verstosses,  ein 
Prozentsatz  von  7%  herangezogen.  Die  resultierenden  Beträge  werden  in  einem  zweiten 
Schritt mit einer Erhöhung um 20% an die Dauer der wiederholten Absprachen – insbeson-
dere  des  von  den  E7-Treffen  repräsentierten  Abspracheteils  –  von  2  Jahren  angepasst.  In 
einem dritten und letzten Schritt werden als mildernder Umstand der Abschluss einvernehm-
licher Regelungen durch alle Parteien berücksichtigt.  

149.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände sowie der 
genannten sanktionsmildernden Faktoren erachtet die WEKO folgende Verwaltungssanktio-
nen als den Verstössen der Parteien gegen Art. 49a Abs. 1 KG angemessen: 

Atel  

ISP  

CHF 271’648. 

CHF 102’791. 

Burkhalter  CHF 201’177. 

Etavis 

CHF 110’949. 

ewb 

CHF  29’192. 

Gasser + Bertschy  CHF 103’921. 

Gfeller 

Scherler 

CHF 

0. 

CHF 395‘272. 

Übersicht 8: Ordentliche Höhe der Sanktion je Partei  

B.5.4.3.5  Verhältnismässigkeitsprüfung 

150.  Schlussendlich muss eine Busse, als Ausfluss des Verhältnismassigkeitsgrundsatzes, 
für das betroffene Unternehmen finanziell tragbar sein243. Dieses Kriterium wird hingegen re-
gelmässig schwer zu beurteilen sowie in Relation zur Risikobereitschaft und Anlagestrategie 
einer Unternehmung zu setzen sein, weshalb es nur bei drohenden Marktaustritten Berück-
sichtigung finden kann. Die Höhe der Busse ist dahingehend zu begrenzen, dass die Sankti-
on  weder  die  Wettbewerbs-  noch  die  Existenzfähigkeit  des  betroffenen  Unternehmens  be-
droht244. Der Sanktionsbetrag sollte zur finanziellen Leistungsfähigkeit des Unternehmens in 
einem angemessenen Verhältnis stehen245. Auf der anderen Seite ist im Interesse der Prä-
ventivwirkung  und  Durchsetzbarkeit  des  Kartellgesetzes  im  Minimum  die  infolge  des  Ver-
stosses unzulässigerweise erzielte Kartellrente abzuschöpfen246.  

151.  Vorliegend haben die Parteien über Jahre Absprachen getroffen247. Setzt man die be-
rechneten  Bussen  in  Relation  zu  den  von  den  Parteien  in  den  vergangenen  Jahren  erwirt-
schafteten  Unternehmensumsätzen,  so  müssen  die  Sanktionen  –  auch  vor  dem  von  den 
Parteien geltend gemachten Hintergrund einer momentan abflauenden Konjunktur – als ein-
deutig tragbar beziehungsweise zumutbar bezeichnet werden248.  

243   Vgl. DÄHLER/KRAUSKOPF (zit. in Fn. 199), S. 144. 
244   So im Ergebnis auch REINERT (zit. in Fn. 183), Art. 49a, N. 14. 
245   KRAUSKOPF/SENN (zit. in Fn. 200), S. 14, 15. 
246   Vgl. Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), Art. 5: Erschwerende Umstände, Abs. 1, lit. b.  
247   Vgl. für die Umsätze nur der Kernprojekte: Tabelle 5, Rz. 118. 
248   Vgl. für die Unternehmensumsätze der Parteien: Tabelle 3, Rz. 113. 

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B.5.5  Bonusmeldungen – Vollständiger bzw. teilweiser Erlass der Sanktion 

152.  Wenn  das  Unternehmen  an  der  Aufdeckung  und  Beseitigung  der  Wettbewerbsbe-
schränkung mitwirkt, kann auf eine Belastung ganz oder teilweise verzichtet werden. Diesen 
Grundsatz hält Art. 49a Abs. 2 KG fest, wobei in Art. 8 ff. SVKG die Modalitäten eines voll-
ständigen  Erlasses  und  in  Art.  12  ff.  SVKG  diejenigen  eines  teilweisen  Sanktionserlasses 
aufgeführt sind. 

B.5.5.1  Allgemeines zur Sanktionsbefreiung 

153.  Gemäss Art. 8 Abs. 1 SVKG erlässt die WEKO einem Unternehmen die Sanktion voll-
ständig, wenn es seine Beteiligung an einer Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Art. 5 
Abs. 3 und 4 KG anzeigt und als Erstes entweder  

 

Informationen liefert, die es der Wettbewerbsbehörde ermöglichen, eine Untersuchung zu 
eröffnen (Art. 8 Abs. 1 lit. a, Eröffnungskooperation) oder  

  Beweismittel vorlegt, welche der Wettbewerbsbehörde ermöglichen, einen Wettbewerbs-
verstoss gemäss  Art.  5 Abs.  3 oder  4 festzustellen  (Art.  8  Abs.  1  lit.  b SVKG,  Feststel-
lungskooperation).  Ein  100-prozentiger  Sanktionserlass  kann  auch  dann  noch  gewährt 
werden,  wenn  die Wettbewerbsbehörden  von  Amtes  wegen  oder  infolge  Anzeige  eines 
Dritten eine Vorabklärung oder Untersuchung eröffnet haben249.  

 

In beiden Fällen setzt ein Erlass der Sanktion hingegen voraus, dass die Wettbewerbs-
behörde nicht bereits über ausreichende Beweismittel verfügt, um den Wettbewerbsver-
stoss zu beweisen (Art. 8 Abs. 3 und 4 lit. b SVKG). 

154.  Weiter wird gemäss Art. 8 Abs. 2 SVKG neben der (umgehenden) Einstellung der Be-
teiligung am Wettbewerbsverstoss, von einem Unternehmen kumulativ verlangt, dass 

  seine Zusammenarbeit mit der Wettbewerbsbehörde eine ununterbrochene und uneinge-

schränkte ist,  

  es sämtliche Informationen und Beweismittel unaufgefordert vorlegt, 

  weder  eine  anstiftende oder führende  Rolle  am  Wettbewerbsverstoss  gespielt  noch an-

dere Unternehmen zur Teilnahme an diesem gezwungen hat und 

  seine Beteiligung am Wettbewerbsverstoss spätestens zum Zeitpunkt der Selbstanzeige 

[...] einstellt250. 

B.5.5.2  Allgemeines zur Sanktionsreduktion 

155.  Gemäss Art. 12 SVKG setzt eine Reduktion der Sanktion voraus, dass ein Unterneh-
men  an  einem  Verfahren  unaufgefordert  mitgewirkt  und  im  Zeitpunkt  der  Vorlage  der  Be-
weismittel die Teilnahme am betreffenden Wettbewerbsverstoss eingestellt hat.  

B.5.5.3  Subsumtion  

156.  Vorliegende Untersuchung wurde infolge Anzeige eines Dritten ins Rollen gebracht251. 
Ein  100-prozentiger  Sanktionserlass  infolge  Eröffnungskooperation  im  Sinne  von  Art.  8 
Abs. 1 lit. a SVKG ist demnach nicht mehr möglich. Am Kartell beteiligte Unternehmen kön-

In diesem Sinne TAGMANN (zit. in Fn. 185), S. 275; ZURKINDEN/TRÜEB (zit. in Fn. 178), Art. 49a, N. 8. 

249  
250   Vgl. auch REINERT (zit. in Fn. 183), Art. 49a, N. 20 und 22. 
251   Vgl. Rz. 3. 

38/45 

 
 
 
 
 
                                                
nen in einem derartigen Fall nur noch zufolge Feststellungskooperation in den Genuss einer 
Sanktionsbefreiung respektive Reduktion kommen252.  

157.  Sämtliche  Parteien  reichten  im  Verlauf  der  Hausdurchsuchungen  respektive  in  den 
Folgetagen eine Bonusmeldung ein und wünschten, vollumfänglich mit den Wettbewerbsbe-
hörden  zu  kooperieren.  Als  erstes  Unternehmen  meldete  Gfeller  am  31.  Januar  2008  um 
10:29  Uhr  seine  Kooperationsbereitschaft253  und  positionierte  sich  damit  als  primärer  Aspi-
rant für einen Sanktionserlass.  

158.  Obschon  den  Wettbewerbsbehörden  die  zum  Nachweis  des  Wettbewerbsverstosses 
notwendigen Informationen in Form der (noch nicht ausgewerteten) beschlagnahmten Akten 
im Zeitpunkt der Bonusmeldungen eigentlich (und ex post betrachtet) bereits zur Verfügung 
standen254,  kann  in  casu  davon  ausgegangen  werden,  dass  sowohl  ein  100-prozentiger 
Sanktionserlass für die erste meldende Partei als auch eine Sanktionsreduktion für die weite-
ren Selbstanzeiger noch möglich sind. Dies aus folgenden Gründen:  

159.  Die  Parteien  erklärten  nicht  nur  umgehend,  d.h.  bevor  die  Wettbewerbsbehörden  mit 
der Auswertung des beschlagnahmten Materials beginnen und von den darin enthaltenen In-
formationen überhaupt Kenntnis nehmen konnten, ihren Kooperationswillen, sie setzten die-
sen  auch unverzüglich  in  die  Tat  um.  Sie kooperierten  von  Anfang  an mit  dem  Sekretariat, 
indem  sie  Hintergrundwissen  lieferten,  welches  die  Auswertung  der  Akten  –  insbesondere 
auch eine gezielte Suche in diesen – erleichterte und beschleunigte. Dadurch trugen die Par-
teien wesentlich zur Ermittlung des Sachverhaltes und zum Nachweis des Wettbewerbsver-
stosses bei.  

160.  Zudem gilt es zu beachten, dass zu Beginn der Untersuchung und insbesondere auch 
im  Zeitpunkt  der  Bonusmeldungen  noch  keine  Gewähr  dafür  bestand,  dass  das  beschlag-
nahmte Material aussagekräftig und zum Nachweis eines allfälligen Wettbewerbsverstosses 
tauglich wie auch ausreichend sein würde255. Vor diesem Hintergrund und im Interesse einer 
wirksamen  Durchsetzung  des Wettbewerbsrechts  bleiben  Bonusmeldungen  für  die Wettbe-
werbsbehörden interessant. Besteht hingegen für die Unternehmen keine Chance mehr auf 
einen  vollständigen  Erlass  der  Sanktion,  so schrumpft  der  Anreiz  zur  Kooperation  und Ein-
reichung einer Bonusmeldung markant – der Bonuswettstreit erlahmt.  

161.  Ebenso  wenig  der  Praktikabilität  und  Verfahrensökonomie  zuträglich  und  wohl  auch 
nicht mit dem Rechtssicherheitsgedanken sowie Treu und Glauben vereinbar wäre es, einem 
Unternehmen zunächst die Mitarbeit im Hinblick auf einen allfälligen Sanktionserlass vorzu-
schlagen,  nach  Auswertung  der  Akten (mit  dessen  Hilfe  nota bene)  hingegen festzustellen, 
dass  die  zentralen  Informationen  auch  ohne  seine  Kooperation  aus  den  Akten  hätten  ge-
wonnen werden können. Es käme einer Art „suspensiv bedingtem Sanktionserlass“ respekti-
ve  einer  „Kooperation  auf  Probe“  gleich,  würde  den  Parteien  anlässlich  der  Hausdurchsu-
chung  einerseits  ein  Sanktionserlass  infolge  Feststellungskooperation  in  Aussicht  gestellt, 
dieser  anderer-  und  seinerseits  aber  vom  Ergebnis  der  Ermittlungen  abhängig  gemacht256. 
Da die Wirksamkeit der Bonusregelung unter anderem wesentlich davon abhängt, dass das 

252   Vgl. Rz. 153. 
253   Vgl. zur chronologischen Reihenfolge der Meldungen Rz. 7. 
254   Vgl. Art. 8 Abs. 4 lit. b SVKG.  
255   Der Anzeiger lieferte zwar detaillierte Angaben, welche er allerdings mit keinerlei Belegen zu substantiieren 

vermochte. Vgl. Rz. 3. 

256   Die  Funktionalität  des  neuen  Institutes  der  Bonusmeldungen  hängt  massgeblich  vom  Anreiz,  welchen 
Absprecher zur Kooperation mit den Behörden haben, und damit einem funktionierenden „Bonus-Wettstreit“, 
ab. Bestünde bis zum Abschluss eines u.U. langwierigen Verfahrens Unsicherheit, ob man für seine Mithilfe 
schlussendlich denn auch belohnt würde, würden wohl zahlreiche Unternehmen von einer Kooperation ab-
sehen.  

39/45 

 
 
 
 
 
                                                
Unternehmen  vorgängig  beurteilen  kann,  ob  und  inwieweit  es  in  den  Genuss  einer  Sankti-
onsbefreiung kommt257, ist von einer derartigen Vorgehensweise abzusehen.  

162.  Demnach  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  es  dem  Ermessen  der  Wettbe-
werbsbehörden  obliegt,  ob  –  und  wenn  ja  –  bis  wann  ein  100-prozentiger  Sanktionserlass 
aufgrund  Feststellungskooperation  noch  möglich  ist258.  Die  gegenteilige  Annahme  würde 
dem Zweck der in Art. 8 Abs. 1 lit. b SVKG statuierten Feststellungskooperation zuwider lau-
fen,  mit  welcher  unter  anderem  eben  gerade  eine  wesentliche  Erleichterung  der  Sachver-
haltsermittlungen  durch  die  Wettbewerbsbehörden  avisiert  wurde259.  Damit  soll  dem  Risiko 
begegnet  werden,  dass  ein  Verfahren,  welches  die Wettbewerbsbehörde  aus  eigenem  An-
trieb (d.h. ohne vorgängige Selbstanzeige) eröffnet hat, aufgrund mangelnder Beweise blo-
ckiert oder aber übermässig erschwert wird260. 

163.  Zwischenfazit: Demnach ist die WEKO in Ausübung des ihr zustehenden pflichtgemäs-
sen Ermessens und in Würdigung aller einzelfallspezifischen Umstände der Ansicht, dass in 
casu der Beitrag der Parteien zur Beweiserhebung eine rasche und wirksame261 Feststellung 
der Wettbewerbsverstösse im Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. b SVKG ermöglichte und ein 100-
prozentiger  Sanktionserlass  wie  auch  eine  Sanktionsreduktion  für  die  übrigen  Selbstanzei-
ger/Parteien, welche eine Bonusmeldung einreichen, grundsätzlich möglich bleibt.  

164.  Mass der Reduktion: Allgemein ist hingegen von folgendem Grundsatz auszugehen: Je 
später  die  Kooperation  einsetzt,  desto  häufiger  wird  ein  100-prozentiger  Erlass  aufgrund 
Feststellungskooperation zu verwehren sein dürfen. Und auch das Mass einer allfälligen Re-
duktion dürfte abnehmen: Gemäss Art. 12 Abs. 2 SVKG richtet sich die Höhe der Reduktion 
massgeblich nach der Wichtigkeit des Beitrags, den ein Bonusaspirant zum Verfahrenserfolg 
liefert.  Tendenziell  wird  gesagt  werden  können,  dass  die  Bedeutung  eines  möglichen  Bei-
trags mit fortschreitendem Verfahren abnehmen wird. 

165.  Entsprechend  scheint  der  Rahmen  möglicher  Reduktionen  in  einer  Konstellation  wie 
der  vorliegenden  mit  der  Gewährung  von  40%  bei  Vorliegen  der  übrigen  Voraussetzungen 
voll  ausgeschöpft.  Vor  dem  Hintergrund  bereits  erfolgter  Hausdurchsuchungen  –  d.h.  dem 
Vorliegen umfassenden und ergiebigen Aktenmaterials, sowie einer Bonusmeldung mit zeit-
licher  Priorität  –  ist  eine  50-prozentige  Sanktionsreduktion  nicht  mehr  angemessen.  Dies 
auch da andere (Verfahrens-) Konstellationen denkbar sind, in denen dem Beitrag der zwei-
ten  und aller  weiteren meldenden  Parteien  noch eine  bedeutendere  Rolle für  die Ermittlun-
gen  zugemessen  werden  kann  und  folglich  das  Maximum  gemäss  Art.  12  Abs.  2  SVKG 
sachgerecht erscheint. 

166.  Die Wettbewerbsbehörden stufen die Kooperation der übrigen meldenden Parteien al-
les  in  allem  als  in  casu  dennoch  wertvoll  ein.  Unter  Würdigung  aller  Umstände  und  insbe-
sondere vor dem Hintergrund der erstmaligen Anwendung des Bonusprogrammes erachten 
sie deshalb – bei Vorliegen der übrigen, im folgenden zu prüfenden Voraussetzungen – eine 
Reduktion um die vollen 40% als angemessen.  

257

   WALTER STOFFEL, Neueste Entwicklungen im schweizerischen Kartellrecht, in: Internationales Kartellrechts-

forum/Band 6, C. Baudenbacher (Hrsg.), Basel 2005. 

258   Vgl. auch die Botschaft 2001 (zit. in Fn.  174), welche auf S. 2039 festhält, dass es von den pflichtgemäss 
gewürdigten Umständen des Einzelfalles abhängen soll, ob und in welchem Umfang ein kooperierendes Un-
ternehmen vom Bonus profitiert. 

259   Vgl. Botschaft 2001 (zit. in Fn. 174), S. 2038. 
260   Vgl. Erläuterungen SVKG (zit. in Fn. 197), S. 7, lit. b. 
261   Die Wirksamkeit des Wettbewerbsrechts stand bei der Einführung direkter Sanktionen im Vordergrund, vgl. 

Botschaft 2001 (zit. in Fn. 174), S. 2041. 

40/45 

 
 
 
 
 
                                                
167.  Übrige Voraussetzungen für einen Erlass/Reduktion der Sanktion: Alle Parteien stellten 
ihre Teilnahme am Wettbewerbsverstoss umgehend ein262 und eine führende respektive an-
stiftende Rolle konnte bislang keiner Partei nachgewiesen werden263.  

168.  Bonus  plus:  Die  Reduktion  der  Sanktion  kann  bis  zu  80%  betragen,  wenn  ein  Unter-
nehmen  unaufgefordert  Informationen  liefert  oder  Beweismittel  über  weitere  Wettbewerbs-
verstösse gemäss Art. 5 Abs. 3 oder 4 KG vorlegt (Art. 12 Abs. 3 KG). […] beantragte einen 
Bonus plus und wies die Wettbewerbsbehörden auf ein […] Treffen diverser […] hin, welches 
möglicherweise ein sogenanntes „Frühstückskartell“ darstellen könnte. Dem Wortlaut besag-
ten Artikels ist nicht zu entnehmen ist, dass Aspirant für einen Bonus plus nur dasjenige Un-
ternehmen  sein  kann,  das  an  dem  von  ihm  angezeigten  weiteren  Wettbewerbsverstoss 
selbst  beteiligt  ist.  Ob  ein  unzulässiger  Wettbewerbsverstoss  gemäss  Art.  5  Abs.  3  oder  4 
vorliegt, prüft die WEKO im Rahmen einer Untersuchung gemäss Art. 26 ff. KG, weshalb die 
von besagtem Unternehmen vorzulegenden Beweismittel oder Informationen zumindest ge-
nügende Anhaltspunkte für einen solchen liefern müssten (vgl. Art. 27 Abs. 1 KG). Im vorlie-
genden  Fall  konnten  keinerlei  Beweise  für  das  Vorliegen  eines  weiteren  Kartells  geliefert 
werden und liegen keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Eröffnung einer Untersuchung 
vor. Der Bonus plus kann […] folglich nicht gewährt werden. 

169.  Fazit:  Die  Voraussetzungen  von  Art.  8  und  12  SVKG  sind  erfüllt,  weshalb  Atel,  ISP, 
Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser +  Bertschy und Scherler in den Genuss einer Sanktionsre-
duktion von 40% kommen. Vollständig erlassen wird die Busse Gfeller als der erstmeldenden 
Unternehmung. 

170.  Staffelung der Reduktion/Bonusses in Relation zum Rang der Bonusmeldung: Von der 
Möglichkeit,  die  Höhe  der  Sanktionsreduktion  vom  Rang  der  jeweiligen  Selbstanzeige  ab-
hängig  zu  machen,  wird  in  casu  kein  Gebrauch  gemacht264.  Im  vorliegenden  Verfahren  er-
folgten  alle Bonusmeldungen  zeitnah  zur  Hausdurchsuchung,  weshalb  die Wettbewerbsbe-
hörden  die  Materialien  nicht  gestaffelt,  entsprechend  dem  Rang  der  Meldung,  heranzogen, 
sondern  daraus  einen  der  Sachverhaltsermittlung  dienenden  „Informationspool“  bildeten. 
Hingegen  kommt  diesem  Entscheid  insofern  keinerlei  Präjudizwirkung  zu,  als  plausibel 
scheint, dass bei grösseren/zunehmenden Abständen zwischen den Selbstanzeigen sich die 
Wahrscheinlichkeit, dass die Akten der später meldenden Unternehmen noch einen wesent-
lichen  Beitrag  zum  Verfahren  liefern,  beträchtlich  verringern  dürfte265.  In  derart  gelagerten 
Fällen müsste aus heutiger Sicht der WEKO insofern eine Staffelung erfolgen, als die Anga-
ben  einer  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  meldenden  Unternehmung  nur  subsidiär  und  in  Er-
gänzung  allfälliger  beschlagnahmter  sowie  von  früher meldenden  Unternehmen  eingereich-
ten Akten herangezogen werden dürften266. Der zeitliche Abstand zum anzeigenden respek-
tive ersten meldenden Unternehmen stellt insofern einen gangbaren Gradmesser für die un-
ter Umständen schwer eruierbare Bedeutung des Beitrags einer Unternehmung zum Verfah-
renserfolg  dar.  Hingegen  bleibt  darüber  hinaus  auch  eine  Staffelung  unabhängig  von  der 
Wichtigkeit  des  Beitrags  und  rein  in  Abhängigkeit  vom  Meldezeitpunkt/Rang  der  Selbstan-
zeige denkbar. 

262   Vgl. Rz. 7 und 19: Anlässlich des Treffens am 4. Februar 2008 wurden keine weiteren Wettbewerbsabreden 
getroffen  und  auch  der  Verdacht,  dass  eine  Partei  weiterhin  versucht  hat,  sich  mit  anderen  Unternehmen 
abzusprechen, liess sich bislang nicht verifizieren. 

263   Die Anhaltspunkte, dass einem Unternehmen eine führende Rolle bei den E7-Treffen zukam, konnten nicht 
erhärtet  werden,  weshalb  entsprechend  dem  strafrechtlichen  Grundsatz  in  dubio  von  keiner  solchen  Rolle 
auszugehen ist (vgl. auch Rz. 14 sowie hinten Rz. 140). 

264   Wie  in  der  EU  könnte  beispielsweise  der  zweiten  meldenden  Unternehmung  30  –  50%  der  Sanktion,  der 
darauf folgenden 20 – 30% und so weiter erlassen werden [vgl. Mitteilung der Kommission über den Erlass 
und die Ermässigung von Geldbussen in Kartellsachen (zit. in Fn. 229), Rz. 26]. 

265   Vgl. Art. 12 Abs. 2 SVKG sowie Rz. 164. 
266   Vgl. auch Art. 10 sowie 12 Abs. 2 SVKG. 

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B.5.6  Ergebnis 

171.  Zusammenfassend gestaltet sich die Sanktionsberechnung tabellarisch wie folgt:  

   Bemessung der Sanktion (in CHF)  

Atel 

ISP 

Burkhalter 

Etavis 

Gasser + 
Bertschy 

Gfeller 

Scherler 

ewb 

   Maximalhöhe der Sanktion in Mio. 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

   Umsatz auf den relevanten Märkten  

6'737'295  2'549'371 

4'989'499  2'751'716 

2'291’028  7'686'559 

8'714’116 

724'000 

   Obergrenze des Basisbetrags  

 10% 

673'730 

254'937 

498'950 

275'172 

229’103 

768'656 

871'412 

72'400 

Basisbetrag konkreter Fall 

7%  

471'611 

178'456 

349'265 

192'620 

160'372 

538'059 

609'988 

50'680 

Zuschlag für Dauer 

20% 

94’322 

35’691 

69’853 

38’524 

32’074 

107’612 

121'998 

10'136 

   Mutmasslicher Gewinn  

Erschwerende Umstände 

   Mildernde Umstände  

0% 

10% 

 19’245 

 73’199 

- einvernehmliche Regelung 

-20% 

-113’187  

-42’829 

-83’824  

-46’229  

-38’489  

-129’134  

-146’397  

-12’163     

Zwischenergebnis 

452‘746 

171‘318 

335‘294 

184‘915 

173‘202 

516‘537 

658‘787 

48‘653 

Reduktion der Sanktion zufolge 
Bonus 

-40% 

-181’098 

-68’527  

-134’118  

-73’966  

-69’281     

-263’515  

-19’461     

Reduktion der Sanktion zufolge 
Bonus 

-100% 

-516’537     

Total (gerundet) 

271’648 

102’791 

201’177 

110’949 

103’921 

0 

395’272 

29’192 

C 

Kosten 

172.  Nach Art. 2 Abs. 1 der Gebührenverordnung KG267 ist gebührenpflichtig, wer ein Ver-
waltungsverfahren verursacht hat.  

173.  Im  Untersuchungsverfahren  nach  Art.  27  ff.  KG  besteht  eine  Gebührenpflicht,  wenn 
aufgrund  der  Beweiswürdigung  und  damit  des  erstellten  Sachverhaltes  eine  unzulässige 
Wettbewerbsbeschränkung  vorliegt  oder  sich  die  Parteien  unterziehen  (Art.  3  Abs.  2  lit.  b 
und c GebV-KG e contrario). Einzig für den Fall, dass sich die Anhaltspunkte nicht erhärten 
lassen und das Verfahren entsprechend einzustellen ist, entfällt eine Gebührenpflicht. 

174.  Demnach  sind  Verursacher  eines  Verfahrens  diejenigen  Unternehmen,  die  mit  ihrem 
kartellrechtswidrigen Verhalten ursächlich für diesbezügliche Ermittlungen der Wettbewerbs-
behörden  sind.  Ist  wie  im  vorliegenden  Fall  die  Aufdeckung  und  Abklärung  eines  Kartells 
Gegenstand  eines  Verfahrens,  so können  grundsätzlich  alle  Kartellisten  gemeinsam  und  in 
gleichem  Masse  als  dessen  Verursacher  gelten.  Entsprechend  gestaltet  sich  die  bisherige 
Praxis  der  Wettbewerbsbehörden,  welche  in  Ermangelung  besonderer  Umstände,  die  das 
Ergebnis  stossend  erscheinen  liessen,  eine  Pro-Kopf-Verlegung  der  Kosten  vornimmt.  Ins-
besondere Gleichheits- aber auch Praktikabilitätserwägungen stehen dabei im Vordergrund. 

175.  Den  Verfügungsadressatinnen268  konnte  vorliegend  ein  Verstoss  gemäss  Art.  49a 
Abs. 1  KG  nachgewiesen  werden.  Eine  Gebührenpflicht  derselben  ist  somit  zu  bejahen269. 

267   Verordnung  über  die  Gebühren  zum  Kartellgesetz  vom  25.  Februar  1998,  Stand  4.  Juli  2006  (GebV-KG); 

SR 251.2. 
268   Vgl. Rz. 38.
269   Vgl. B.4.3.3. 

42/45 

 
 
 
 
 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
                                                
Besondere  Umstände  –  insbesondere  eine  eindeutige  asymmetrische  Interessenslage  re-
spektive eindeutig unterschiedliche Beteiligung am Wettbewerbsverstoss  – liegen nicht  vor, 
weshalb  die  Kosten  pro  Kopf  verteilt  werden.  Von  der  Gebührenpflicht  ausgenommen  wer-
den die drei Vereine VSTEI, KBVE und KMU Stadt Bern, da sie zufolge Nichtteilnahme am 
Wettbewerbsverstoss keinen nennenswerten Aufwand verursacht haben und das Verfahren 
gegen sie eingestellt wird270.  

176.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100–400.. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den  Personals.  Auslagen  für  Porti  sowie  Telefon-  und  Kopierkosten  sind  in  den  Gebühren 
eingeschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). 

177.  Der  Zeitaufwand  für  vorliegende  Untersuchung  belief  sich  auf  insgesamt  2606.65 
Stunden.  Gestützt  auf  die  Funktionsstufe  der  mit  dem  Fall  betrauten  Mitarbeiter  rechtfertigt 
sich  für  486  Stunden  ein  Ansatz  von  CHF  120.  (Praktikanten),  2041.65  Stunden  à  CHF 
200. (wissenschaftliche Mitarbeiter) sowie die Verrechnung von 79 Stunden zu CHF 250., 
gesamt ergebend CHF 486‘400.. 

178.  Die  Gebühren  von  gesamt  CHF  486‘400.  werden  den  Verfügungsadressatinnen  zu 
gleichen Teilen und unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-KG i.V.m. Art. 
2 Abs. 2 AllgGebV). Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser + Bertschy, Gfeller und 
Scherler haben demnach je CHF 60‘800. zu entrichten.  

270   Vgl. Rz. 22. 

43/45 

 
 
 
 
 
                                                
D 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhaltes und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission: 

1. 
Es wird festgestellt, dass die von den Verfügungsadressatinnen Alpiq InTec West AG, 
BKW  ISP  AG,  Burkhalter  Elektro  AG,  Etavis  Arnold  AG,  Energie  Wasser  Bern,  Gasser  + 
Bertschy  Elektro  AG,  Gfeller  Elektro  AG  und  Scherler  AG,  Elektro  und Telematik,  während 
der Jahre 2006 – 2008 praktizierten/getroffenen Preisabsprachen betreffend Elektroinstalla-
tionsaufträge im Raum Bern nach Massgabe von Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässig 
sind.  

Die Wettbewerbskommission genehmigt je Verfügungsadressatin gemäss Ziffer 1 eine 
2. 
einvernehmliche Regelung mit nachfolgendem Wortlaut (vgl. für den gesamten Text inklusive 
Vorbemerkungen Rz. 34):  

-  Die [Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser + Bertschy, Gfeller, Scherler] ver-

pflichtet sich in Zusammenhang mit Elektroinstallationen Konkurrenten im Rahmen von 
Ausschreibungen weder um Stützofferten anzufragen noch solche anzubieten.  

-  Die [Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser + Bertschy, Gfeller, Scherler] ver-

pflichtet sich, sich in Zusammenhang mit Elektroinstallationen vor der Auftragserteilung 
nicht mit Konkurrenten über Offertpreise, Preiselemente sowie die Zuteilung von Kun-
den auszutauschen.  

-  Davon ausgenommen ist der Austausch unabdingbarer Informationen in Zusammen-

hang mit  
(a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften sowie  
(b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer bzw. Unterakkordant.  

- 

 Die [Atel/Alpiq, ISP, Burkhalter, Etavis, ewb, Gasser + Bertschy, Gfeller, Scherler] ver-
pflichtet sich, geplante Arbeitsgemeinschaften in Zusammenhang mit Elektroinstallatio-
nen  gegenüber  dem  Auftraggeber  offenzulegen.  Hierzu  sind  spätestens  im  Zeitpunkt 
der  Offertstellung  die  Namen  der  Firmen,  welche  an  der  geplanten  Arbeitsgemein-
schaft  mitwirken,  anzugeben.  Diese  Offenlegungspflicht  gilt  auch  bei  einer  geplanten 
Arbeitsgemeinschaft,  bei  der  einem  einzelnen  Unternehmen  die  Führungsrolle  zu-
kommt  und  das  als  Ansprechpartnerin  bzw.  Verantwortliche  gegenüber  dem  Auftrag-
geber auftritt. 

Die Verfügungsadressatinnen gemäss Ziffer 1 werden gestützt auf Art. 49a KG für die 

3. 
vorstehend beschriebenen Wettbewerbsverstösse mit folgenden Beträgen belastet: 

Alpiq InTec West AG 

BKW ISP AG 
Burkhalter Elektro AG 
Etavis Arnold AG 

Energie Wasser Bern  
Gasser + Bertschy Elektro AG 
Gfeller Elektro AG 

Scherler AG, Elektro und Telematik 

CHF  271‘648. 
CHF  102‘791. 
CHF  201‘177. 
CHF  110‘949. 
CHF  29‘192. 
CHF  103‘921. 
CHF 
0. 
CHF  395‘272. 

Die  Wettbewerbskommission  behält  sich  vor,  die  Einhaltung  der  unter  Ziffer  2  des 
4. 
Dispositivs  genehmigten  einvernehmlichen  Regelungen  zu  kontrollieren  und  die  hierfür  er-
forderlichen Auskünfte und Unterlagen einzuholen. 

Zuwiderhandlungen  gegen  diese  einvernehmlichen  Regelungen  können  mit  Sanktio-

5. 
nen gemäss Art. 50 bzw. 54 KG belegt werden. 

44/45 

 
 
 
 
 
Im Übrigen wird die Untersuchung gegen den Gewerbeverband KMU Stadt Bern, den 
6. 
Kantonal-bernischen  Verband  der  Elektroinstallationsfirmen  und  den  Verband  Stadtberni-
scher Elektroinstallationsfirmen ohne Kostenfolge eingestellt. 

Die  Verfahrenskosten  von  insgesamt  CHF  486‘400.  werden  den  Adressatinnen  der 
7. 
Verfügung  zu gleichen  Teilen,  d.h. je  CHF 60‘800.,  und unter  solidarischer  Haftung  aufer-
legt.  

8. 

9. 

[Rechtsmittelbelehrung] 

[Eröffnung]  

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