# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a8e554c-4759-5ada-9752-b16549bc82d5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 18.01.2022 SK 2020 148
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-148_2022-01-18.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 148

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. Januar 2022 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Schaer (Präsidentin i.V.), 
Oberrichterin Sanwald, Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilkläger 1

und

E.________

Straf- und Zivilkläger 2/Anschlussberufungsführer

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung, 
versuchter Betrug etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 13. September 2019 (PEN 2018 
56/57)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht) erkannte mit Urteil vom 
13. September 2019 Folgendes (pag. 1250 ff.):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, angeblich begangen in der Zeit vom 
09.12.2011 bis 04.01.2012 in 2560 F.________ und

2. wegen mehrfacher einfacher Verkehrsregelverletzung, durch Nichtbeherrschen des Fahr-
zeugs und Überfahren einer Sicherheitslinie als Lenker eines Personenwagens, angeblich be-
gangen am 09.01.2015 in .________ G.________, H.________

wird aufgrund eingetretener Verfolgungsverjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der Drohung, angeblich begangen am 23.07.2015 in .________ 
I.________, J.________-Einkaufszentrum, z.N. von E.________;

2. von der Anschuldigung des Betrugs, angeblich begangen am 25.08.2016 in .________ 
L.________, M.________ (Strasse), z.N. von K.________;

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 08.10.2010 in .________ 
L.________, N.________ (Weg), z.N. von C.________;

2. der einfachen Körperverletzung, begangen am 22.06.2015 in .________ L.________, 
O.________ (Strasse), z.N. von E.________;

3. des versuchten Betrugs (inkl. Urkundenfälschung), begangen in der Zeit vom 30.06.2012 bis 
02.11.2012 in .________ F.________, z.N. der P.________ AG;

4. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen am 04.02.2015 in .________ 
Q.________, R.________ (Strasse);

5. des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, mehrfach begangen

5.1. am 24.05.2016 in .________ S.________;

5.2. am 16.05.2017 in .________ S.________;

3

5.3. am 23.05.2017 in .________ S.________;

6. der mehrfachen einfachen Verkehrsregelverletzung, durch Nichtbeachten des Signals 
"Rechtsabbiegen" und Überfahren einer Sicherheitslinie als Lenker eines Personenwagens, be-
gangen am 04.05.2017 in .________ L.________, T.________ (Strasse);

und in Anwendung der 

Art. 22, 34, 40, 41, 47, 49 Abs. 1 und 2, 106 Abs. 1–3, 122, 123 Ziff. 1 Abs. 1, 146 Abs. 1 StGB
Art. 4 Abs. 1 Bst. b, Art. 27 Abs. 1, 33 Abs. 1 Bst. a WG
Art. 1 WV
Art. 27 Abs. 1, 90 Abs. 1, 97 Abs. 1 Bst. b SVG
Art. 24 Abs. 2, 73 SSV
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

2. Zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total CHF 3‘600.00, als 
Zusatzstrafe zum Urteil des Ministère public du canton du Jura Porrentruy vom 06.01.2016 und 
zum Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 31.10.2018.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 100.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 1 Tag festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 16'036.50 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung und Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung 
der Privatklägerschaft) von CHF 19'451.20, insgesamt bestimmt auf CHF 35'487.70 (ohne Kos-
ten für die amtliche Verteidigung und ohne Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Pri-
vatklägerschaft auf CHF 22'734.20).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:

Gebühr für die Untersuchung CHF 8'536.50
Gebühr Auftritt Staatsanwalt an HV CHF 2'000.00
Gerichtsgebühr (inkl. schriftl. Begründung) CHF 5'500.00
Total CHF 16'036.50

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Auslagen der Untersuchung CHF 6'094.90
Kosten für die amtliche Verteidigung (vgl. Tabelle) CHF 8'402.55
Kosten der uR der Privatklägerschaft (vgl. Tabelle) CHF 4'350.95
Übersetzungskosten CHF 602.80
Total CHF 19'451.20

Total Verfahrenskosten CHF 35'487.70

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1'000.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 34'487.70 (ohne Kosten für die amtliche 
Verteidigung und ohne Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerschaft 
CHF 21'734.20).

4

IV.

1. Das Widerrufsverfahren (PEN 18 57) gegen A.________ wird eingestellt.

2. Auf die Ausscheidung von Verfahrenskosten und die Ausrichtung einer Entschädigung wird ver-
zichtet.

V.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung (seit 
02.08.2019) von A.________ durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 36.83 200.00 CHF 7'366.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 435.80
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 7'801.80 CHF 600.75

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 8'402.55

volles Honorar CHF 9'207.50
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 435.80
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 9'643.30 CHF 742.55

CHF 0.00
Total CHF 10'385.85

nachforderbarer Betrag CHF 1'983.30

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 8'402.55.

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 1'983.30 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Es wird festgestellt, dass die amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwalt U.________ für die Zeit vom 30.05.2011 bis zum 23.02.2012 
bereits durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern auf CHF 736.55 bestimmt und ausge-
richtet wurde.

3. Es wird festgestellt, dass die amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwalt V.________ für die Zeit vom 24.02.2012 bis zum 14.12.2012 
bereits durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern auf CHF 333.70 bestimmt und ausge-
richtet wurde.

4. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
C.________ durch Rechtsanwalt D.________ (seit 15.12.2012) werden wie folgt bestimmt:

5

Leistungen bis 31.12.2017
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 0.25 200.00 CHF 50.00
CHF 2.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 52.00 CHF 4.15
CHF 0.00

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 56.15

volles Honorar CHF 67.50
CHF 2.00

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 69.50 CHF 5.55
CHF 0.00

Total CHF 75.05

nachforderbarer Betrag CHF 18.90

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 13.67 200.00 CHF 2'733.30
CHF 260.70

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2'994.00 CHF 230.55
CHF 0.00

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 3'224.55

volles Honorar CHF 3'690.00
CHF 260.70

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 3'950.70 CHF 304.20
CHF 0.00

Total CHF 4'254.90

nachforderbarer Betrag CHF 1'030.35

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt D.________ für die unentgeltliche Rechts-vertretung 
von C.________ mit CHF 3'280.70. 

5. Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigungen für die 
unentgeltliche Rechtsvertretung von C.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirt-
schaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

6. A.________ wird verpflichtet, C.________ zuhanden von Rechtsanwalt D.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 1'049.25 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). Rechtsanwalt D.________ hat in 
diesem Umfang gegenüber seiner Klientschaft ein Nachforderungsrecht (Art. 42a KAG). 

VI.

Im Zivilpunkt wird erkannt:

1. A.________ wird in Anwendung von Art. 47 OR und Art. 126 StPO verurteilt, dem Straf- und Zi-
vilkläger C.________ eine Genugtuung von CHF 1'000.00, zzgl. Zins zu 5 % seit dem 
08.10.2010, zu bezahlen.

2. In Anbetracht der unzureichenden Begründung und Bezifferung wird die Zivilklage des Zivilklä-
gers E.________ auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. b StPO).

6

3. In Anbetracht der Tatsache, dass der Sachverhalt bezüglich der Zivilforderungen nicht spruchreif 
ist und die beschuldigte Person freigesprochen wurde, wird die Zivilklage des Straf- und Zivilklä-
gers K.________ auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. d StPO).

4. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist.

2. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- Japanischer Säbel mit schwarzem Griff

- Teleskopschlagstock

- Natel Sony Ericsson IMEI .________ inkl. SIM-Karte W.________

- Natel Nokia IMEI .________ inkl. SIM-Karte 

3. (Eröffnungsformel)

2. Berufung

Gegen dieses Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (nachfolgend: 
Vorinstanz) meldete die amtliche Verteidigung für A.________ (nachfolgend: Be-
schuldigter) form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 1262). Die erstinstanzliche 
Urteilsbegründung datiert vom 30. März 2020 (pag. 1269 ff.) und wurde den Partei-
en mit Verfügung vom gleichen Tag (pag. 1329 f.) zugestellt.

Mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 15. April 2020 erklärte 
Rechtsanwalt B.________ für den Beschuldigten Berufung gegen sämtliche 
Schuldsprüche (ausgenommen diejenigen der Widerhandlungen gegen das Stras-
senverkehrsgesetz [SVG; SR 741.01] gemäss Ziff. III. 5. und 6. des erstinstanzli-
chen Urteils), gegen die Strafzumessung sowie die Verurteilung zur Bezahlung ei-
ner Genugtuung (pag. 1340 ff.). Seitens der Generalstaatsanwaltschaft und 
C.________ (nachfolgend Straf- und Zivilkläger 1) wurde weder Anschlussberufung 
erhoben noch wurden Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschul-
digten geltend gemacht (pag. 1350 f., pag. 1356 f.). Mit undatierter Eingabe (Post-
eingang Obergericht des Kantons Bern: 11. Mai 2020) verlangte E.________ die 
Rückzahlung von CHF 35'000.00 (pag. 1352). E.________ wurde bisher fälschli-
cherweise nur als Zivilkläger geführt. Gestützt auf den gestellten Strafantrag vom 
31. August 2015 und seine Anträge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 9. September 2019 nimmt er allerdings als Straf- und Zivilkläger (nachfol-
gend Straf- und Zivilkläger 2) am vorliegenden Verfahren teil (vgl. auch Art. 118 
Abs. 2 StPO). Seine undatierte Eingabe (Posteingang Obergericht des Kantons 
Bern: 11. Mai 2020) ging fristgerecht beim Obergericht des Kantons Bern ein und 
ist als Anschlussberufungserklärung in Bezug auf den ihn betreffenden Zivilpunkt 
entgegenzunehmen (Art. 400 Abs. 3 Bst. b der Schweizerischen Strafprozessord-
nung [StPO; SR 312.0]). K.________ wurde – nach erfolgloser Aufforderung zur 

7

Stellungnahme – mit Beschluss vom 13. Juli 2020 aus dem Verfahren entlassen 
(pag. 1367 ff.). 

Die Berufungsverhandlung vom 29./30. April 2021 wurde zufolge Krankheit des 
Beschuldigten mit Verfügung vom 29. April 2021 abgesetzt (pag. 1431 f.) und mit 
Vorladung vom 6. Mai 2021 auf den 17./18. Januar 2022 verschoben (pag. 1449 
ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden von Amtes wegen aktuelle 
Strafregisterauszüge (pag. 1417 ff., pag. 1471 ff.) und Leumundsberichte (pag. 
1410 ff., pag. 1464 ff.) über den Beschuldigten eingeholt. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung vom 17. Januar 2022 wurde den Parteien Kenntnis gegeben von 
der Eingabe des Straf- und Zivilklägers 2 vom 22. April 2021. Ferner wurden der 
Beschuldigte sowie der Straf- und Zivilkläger 2 ergänzend einvernommen (pag. 
1482 ff.). In Übereinstimmung mit den Parteien wurde auf eine ergänzende Einver-
nahme des abwesenden Straf- und Zivilklägers 1 verzichtet (pag. 1481). 

4. Anträge der Parteien

4.1 Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung namens und auftrags des Beschuldigten die folgenden Anträge (pag. 
1503 ff., Hervorhebungen im Original):

1. Es sei festzustellen, dass nachfolgende Ziffern des Urteils des Regionalgerichts Berner Jura – 
Seeland vom 13. September 2019 in Rechtskraft erwachsen sind:

a. Die Verfahrenseinstellungen gemäss den Ziffern I.1 und I.2 des Urteils der Vorinstanz.

b. Die Freisprüche gemäss den Ziffern II.1 und II.2 des Urteils der Vorinstanz

c. Die Schuldsprüche gemäss den Ziffern III.5 und III.6 des Urteils der Vorinstanz.

2. Der Beschuldigte sei freizusprechen:

a. Vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung, angeblich begangen am 
08.10.2010 in L.________ zum Nachteil von C.________

b. Vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung, angeblich begangen am 22.06.2015 in 
L.________ zum Nachteil von E.________

c. Vom Vorwurf des versuchten Betruges (inkl. Urkundenfälschung) angeblich begangen in 
der Zeit vom 30.06.2012 bis 02.11.2012 in F.________ zum Nachteil der P.________ AG

d. Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, angeblich begangen am 
04.20.2015 (recte: 04.02.2015) in Q.________

3. Der Beschuldigte ist für die rechtskräftigen Schuldsprüche zu einer unbedingten Geldstrafe zu 
verurteilen, deren Höhe in das gerichtliche Ermessen gelegt wird.

4. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien zu 90% dem Kanton Bern und zu 10% dem Be-
schuldigten aufzuerlegen.

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5. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzuerlegen.

6. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren sei gemäss der ein-
gereichten Honorarnote zu bestimmen.

7. Die Zivilforderung von E.________ sei abzuweisen eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

8. Die Zivilforderung von K.________ sei auf den Zivilweg zu verweisen.

9. Es sei festzustellen, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist.

10. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu erlassen.

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin X.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung seitens der Generalstaatsanwaltschaft die folgenden Anträge (pag.1507 
f.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 13. September 2019 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Verfahrenseinstellung infolge eingetretener Verfolgungsverjährung wegen Missbrauchs 
von Ausweisen und Schildern, angeblich begangen in der Zeit vom 09.12.2011 bis 04.01.2012 
und der mehrfachen einfachen Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen am 09.01.2015, 
ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten;

2. der Freisprüche von den Anschuldigungen der Drohung, angeblich begangen am 23.05.2015 
z.N. von E.________ und des Betrugs, angeblich begangen am 25.08.2016 z.N. von 
K.________, ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrens-
kosten;

3. der Schuldsprüche wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, mehrfach begangen am 
24.04.2016, 16.05.2017 und 23.05.2017sowie der mehrfachen einfachen Verkehrsregelverlet-
zung, begangen am 04.05.2017;

4. der Verurteilung zu einer Busse von CHF 100.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 1 Tag);

5. der Einstellung des Widerrufsverfahrens, ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten und oh-
ne Ausrichtung einer Entschädigung;

6. der Einziehung des japanischen Säbels mit schwarzem Griff, des Teleskopschlagstocks, des 
Natels Sony Ericsson und des Natels Nokia;

7. der Feststellung der Beschleunigunsgebotsverletzung.

II.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der versuchten schweren Körperverletzung, begangen am 08.10.2010 in L.________ z.N. 
von C.________;

2. der einfachen Körperverletzung, begangen am 22.06.2015 in L.________ z.N. von 
E.________;

9

3. des versuchten Betrugs (inkl. Urkundenfälschung), begangen in der Zeit vom 30.06.2012 bis 
02.11.2012 in F.________ z.N. der P.________ AG

4. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen am 04.02.2015 in Q.________.

III.

A.________ sei gestützt hierauf sowie die rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung von 22, 34, 
40, 41, 47, 49 Abs. 1 und 2, 106 Abs. 1-3, 122, 123 Ziff. 1 Abs. 1, 146 Abs. 1 StGB; Art. 4 Abs. 1 Bst. 
b, Art. 27 Abs. 1, 33 Abs. 1 Bst. a WG; Art. 1 WV; Art. 27 Abs. 1, 90 Abs. 1, 97 Abs. 1 Bst. b SVG; Art. 
24 Abs. 2, 73 SSV; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten;

2. zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 50.00, ausmachend total CHF 3'000.00, als 
Zusatzstrafe zum Urteil des Ministére public du canton du Jura Porentury vom 06.01.2016 und 
zum Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 31.10.2018;

3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.

Im Weiteren seien die Honorare des amtlichen Verteidigers und des Vertreters des Privatklägers 
Djaouat gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

4.3 Straf- und Zivilkläger 1

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete namens und auftrags des Straf- 
und Zivilklägers 1 an der Berufungsverhandlung die Anträge, der Beschuldigte sei 
der versuchten schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen und es sei eine 
gerechte Strafe auszufällen. Zudem sei eine Genugtuung in der Höhe von CHF 
2'000.00 inkl. Zins von 5% seit dem Schadensereignis auszurichten (pag. 1496).

4.4 Straf- und Zivilkläger 2/Anschlussberufungsführer

Betreffend die sinngemässen Anträge des Straf- und Zivilklägers 2 bzw. seine Aus-
führungen wird auf das Protokoll der oberinstanzlichen Hauptverhandlung verwie-
sen (pag. 1496 f.).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Urteil der Vorinstanz wurde nur teilweise angefochten und ist damit betreffend 
die Einstellung des Strafverfahrens wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schil-
dern sowie mehrfacher einfacher Körperverletzung (inkl. Verzicht auf die Ausrich-
tung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten; Ziff. I. 
des erstinstanzlichen Urteils), die Freisprüche von der Anschuldigung der Drohung 
sowie des Betrugs (inkl. Verzicht auf die Ausrichtung einer Entschädigung und oh-
ne Ausscheidung von Verfahrenskosten; Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteils), die 

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Schuldsprüche des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern und der mehrfa-
chen einfachen Verkehrsregelverletzung (Ziff. III. 5. und 6 des erstinstanzlichen Ur-
teils), die Verurteilung zu einer Übertretungsbusse (Ziff. III.3. des erstinstanzlichen 
Urteils), die Einstellung des Widerrufsverfahrens (inkl. Verzicht auf die Ausschei-
dung von Verfahrenskosten und Ausrichtung einer Entschädigung; Ziff. IV. des 
erstinstanzlichen Urteils), den Verweis der Zivilklage von K.________ auf den Zi-
vilweg und Verzicht auf (erstinstanzliche) Kostenausscheidung im Zivilpunkt (Ziff. 
VI. 3. und 4. des erstinstanzlichen Urteils) sowie die Feststellung der Verletzung 
des Beschleunigungsgebots (Ziff. VII.1. des erstinstanzlichen Urteils) in Rechtskraft 
erwachsen. 

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden damit die Schuldsprüche der ver-
suchten schweren Körperverletzung, der einfachen Körperverletzung, des versuch-
ten Betrugs und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Ziff. III.1.-4. des erst-
instanzlichen Urteils), die Strafzumessung (Ziff. III.1.-2. des erstinstanzlichen Ur-
teils; ausgenommen Übertretungsbusse), der Kosten- und Entschädigungspunkt 
(Ziff. III. 4. und V. des erstinstanzlichen Urteils), der Zivilpunkt betreffend die Straf- 
und Zivilkläger 1 und 2 (Ziff. VI. 1. und 2. des erstinstanzlichen Urteils) und die Ver-
fügungen betreffend die beschlagnahmten Gegenstände (da mit den beantragten 
Freisprüchen einhergehend; Ziff. VII. 2. des erstinstanzlichen Urteils).

Die Kammer überprüft das Urteil mit voller Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO), ist al-
lerdings – mit Ausnahme des Zivilpunktes betreffend den Straf- und Zivilkläger 2 – 
an das Verschlechterungsverbot (Verbot der sog. «reformatio in peius», Art. 391 
Abs. 2 StPO) gebunden.

II. Zur Verwertbarkeit der im Vorverfahren erhobenen Beweismittel

6. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

In ihrem Parteivortrag vor oberer Instanz machte die Verteidigung erneut die Un-
verwertbarkeit der ersten drei Einvernahmen des Beschuldigten geltend. Zur Be-
gründung wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass der Beschuldigte bei den ers-
ten drei Einvernahmen nicht verteidigt gewesen sei (pag. 1488).

Seitens der Generalstaatsanwaltschaft wurde diesbezüglich zusammengefasst 
entgegnet, dass die in Frage stehenden Aussagen unter den Regeln des alten ber-
nischen Strafverfahrens gemacht worden seien und dazumal erst nach der ersten 
untersuchungsrichterlichen Einvernahme eine notwendige Verteidigung habe bei-
geordnet werden müssen (pag. 1492). 

Rechtsanwalt D.________ machte keine Ausführungen hierzu und verwies auf die 
Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 1496).

11

7. Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete die drei ersten Einvernahmen des Beschuldigten als ver-
wertbar und brachte hierzu folgendes vor (S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung, pag. 1282):

(…) Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme vom 
08.10.2010 das Hinzuziehen eine Anwaltes explizit ablehnte (pag. 96 Rz. 30 f.). Er verzichtete damit 
freiwillig auf die Anwesenheit einer Verteidigung anlässlich dieser Einvernahme. Entgegen der Auf-
fassung des Verteidigers bestand zu diesem Zeitpunkt auch keine Pflicht zur Bestellung eines not-
wendigen Verteidigers von Amtes wegen. Dies einerseits, weil der Beschuldigte gemäss protokollier-
ter Aussage offensichtlich vorhatte, einen Wahlverteidiger zu bestimmen, was die Einsetzung von Am-
tes wegen zurücktreten lässt. Andererseits, weil der damals noch zuständige Staatsanwalt der Ansicht 
war, das Verfahren sei einzustellen und folglich nicht von einer Freiheitsstrafe von mehr als einem 
Jahr ausgegangen wurde (pag. 958 ff.). Somit bestand auch unter Geltung der aStPO/BE keine Pflicht 
zur Bestellung eines notwendigen Verteidigers, weshalb die Einvernahmen des Beschuldigten vorlie-
gend verwertbar sind.

8. Allgemeine Ausführungen

Gemäss Art. 448 Abs. 1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten der StPO 
hängig sind, nach neuem Recht fortgeführt, soweit die nachfolgenden Bestimmun-
gen nichts Anderes vorsehen. Nach Art. 448 Abs. 2 StPO behalten Verfahrens-
handlungen, die vor Inkrafttreten der StPO angeordnet oder durchgeführt worden 
sind, ihre Gültigkeit. Absatz 2 dieser Bestimmung gilt allerdings nur für jene Verfah-
renshandlungen, welche nach dem alten Recht konform angeordnet worden sind. 
Bedeutsam ist dies namentlich für Beweise, die verwertbar bleiben, auch wenn sie 
der StPO widersprechen oder nach ihr sogar ungültig wären. Voraussetzung dafür 
ist jedoch, dass sie im Einklang mit der Bundesverfassung und der Europäischen 
Konvention für Menschenrechte (EMRK) standen. Massgeblich ist das frühere Ver-
fahrensrecht und nicht dasjenige der StPO (vgl. USTER, in: Basler Kommentar 
Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Auf. 2014, N. 3 zu Art. 448 
StPO). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt der Grundsatz von Art. 
448 Abs. 2 StPO auch für die Verwertbarkeit altrechtlich erhobener Beweise (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6B_684/2012 vom 15. Mai 2013 E. 2.3). Die Ein-
vernahmen des Beschuldigten vom 8. Oktober 2010 sowie vom 17. November 
2010 sind unter dem Lichte des aStrV (Gesetz über das Strafverfahren vom 15. 
März 1995, abgelöst durch die StPO) zu überprüfen. Bezüglich der Verwertbarkeit 
der Einvernahmen des Beschuldigten vom 31. Januar 2011 ist demgegenüber die 
StPO zu beachten. 

Gemäss Art. 50 Ziff. 2 und 3 aStrV ist eine Verteidigung im Vorverfahren nach der 
ersten richterlichen Einvernahme namentlich dann notwendig, wenn eine Freiheits-
strafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentziehende Massnahme zu er-
warten ist. Die Untersuchungsbehörde oder das urteilende Gericht muss eine Pro-
gnose über die Höhe der zu erwartenden Strafe stellen (vgl. MAURER, Das berni-
sche Strafverfahren, 2. Aufl. 2003, S. 124 f.). Stellt sich erst im Laufe der Untersu-
chung heraus, dass eine höhere Strafe zu erwarten ist, muss von diesem Moment 

12

an sofort eine Verteidigung bestellt werden (vgl. MAURER, a.a.O., S. 125). In den 
Fällen von Art. 50 Abs. 2 Bst. a und b aStrV soll der angeschuldigten Person be-
reits im Vorverfahren die formelle Verteidigung garantiert sein; ausgenommen ist 
einzig die erste richterliche Einvernahme (Art. 105 aStrV), setzt die notwendige 
Verteidigung doch erst danach ein (Art. 50 Abs. 3 aStrV; vgl. AESCHLIMANN, Ein-
führung in das Strafprozessrecht, Bern 1997, Rz. 527). 

Liegt ein Fall notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung darauf, 
dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Die Ver-
teidigung ist insbesondere notwendig, wenn der beschuldigten Person eine Frei-
heitsstrafe von mehr als einem Jahr droht (Art. 130 Bst. b StPO). Massgebend ist 
nicht die abstrakte Strafdrohung der anwendbaren Strafnorm, sondern die konkret 
drohende Strafe (vgl. RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar Strafprozessord-
nung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Auf. 2014, N. 18 zu Art. 130 StPO). Die unter-
lassene Bestellung stellt ein absolutes Beweisverwertungsverbot im Sinne von Art. 
141 Abs. 1 StPO dar (vgl. Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 16 44 
vom 21. März 2016 E. 4). Werden in Fällen, in denen die Verteidigung erkennbar 
notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein Ver-
teidiger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur dann «gültig», d.h. ver-
wertbar, wenn die beschuldigte Person auf ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 
Abs. 3 StPO; Urteil des BGer 6B_75/2019 vom 15. März 2019 E. 1.3.1. mit Hinwei-
sen). An die Erkennbarkeit sind keine allzu hohen Anforderungen zu stellen (vgl. 
RUCKSTUHL, a.a.O. N. 12 zu Art. 131 StPO); es genügt, wenn der Grund für die 
notwendige Verteidigung bei Anwendung pflichtgemässer Sorgfalt hätte erkannt 
werden müssen (vgl. LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 3. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 131 StPO). 

9. Erwägungen der Kammer

Die erste Einvernahme des Beschuldigten durch die Polizei fand am 8. Oktober 
2010 unmittelbar nach dem Vorfall und zeitlich sogar noch etwas vor der Befragung 
des Opfers resp. parallel dazu statt (pag. 85 ff.). Dabei ging es insbesondere darum 
festzustellen, wer an der Auseinandersetzung beteiligt war und welche Rolle die 
Parteien dabei gespielt haben. Zumal sich sowohl der Beschuldigte als auch der 
Straf- und Zivilkläger 1 anlässlich der Einvernahmen gegenseitig belasteten, konnte 
– auch wenn Letzterer vermehrt Verletzungen aufwies – die Polizei zu diesem Zeit-
punkt das Ausmass der Verletzungen sowie die Umstände der Auseinanderset-
zung nicht genau feststellen. Vor diesem Hintergrund war für die Polizei während 
der Dauer der ersten polizeilichen Einvernahme vom 8. Oktober 2010 nicht er-
kennbar, dass der Beschuldigte konkret einer (versuchten) schweren Körperverlet-
zung verdächtigt gewesen wäre. Entsprechend war die Polizei auch nicht verpflich-
tet, die Befragung zwecks Beiordnung einer notwendigen Verteidigung abzubre-
chen bzw. zu unterbrechen. Zudem schrieb das damals geltende bernische Straf-
verfahren keine Anwesenheit eines Anwalts bei der ersten polizeilichen Einver-
nahme vor (Art. 50 Ziff. 3 aStrV). Die anlässlich der ersten Einvernahme getätigten 
Aussagen des Beschuldigten sind demnach verwertbar.

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Bei der zweiten Einvernahme des Beschuldigten am 17. November 2010 (pag. 90 
ff.) erwähnte die Polizei als Betreff zwar: «Körperverletzung, versuchte schwere 
Körperverletzung / evtl. versuchte Tötung», massgebend war allerdings auch da-
zumal das alte bernische Strafverfahren. Es galt auch Art. 50 Ziff. 3 aStrV zu be-
achten, wonach im Vorverfahren bei einer zu erwartenden Freiheitsstrafe von mehr 
als einem Jahr erst nach der ersten richterlichen Einvernahme ein Anspruch auf ei-
ne notwendige Verteidigung bestand. Demnach sind auch die anlässlich der zwei-
ten Einvernahme getätigten Aussagen des Beschuldigten verwertbar.

Anders sieht dies allerdings in Bezug auf die dritte (staatsanwaltliche) Einvernahme 
des Beschuldigten vom 31. Januar 2011 aus (pag 95 ff.). Zwischenzeitlich trat die 
eidgenössische Strafprozessordnung in Kraft, weshalb die diesbezüglichen Be-
stimmungen zur Frage der (notwendigen) Verteidigung massgebend sind. Im Zeit-
punkt dieser Einvernahme war deutlich, welches Delikt dem Beschuldigten vorge-
worfen wird, nämlich eine versuchte schwere Körperverletzung. Mit Blick auf Art. 
130 Bst. b StPO hätte dem Beschuldigten unverzüglich eine Verteidigung bestellt 
werden müssen; unabhängig von der beabsichtigten Verfahrenseinstellung. Die 
notwendige Verteidigung ist sodann auch keinem Verzicht zugänglich (vgl. Urteil 
des BGer 6B_178/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 2.7; LIEBER, a.a.O., N. 1a zu Art. 
131 StPO). Entsprechend sind die anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 31. Januar 2011 getätigten Aussagen des Beschuldigten nicht ver-
wertbar und im vorliegenden Verfahren demnach nicht zu beachten.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

10. Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Betreffend die Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen und der Aussa-
genanalyse im Besonderen kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden (S. 11 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 
1279 ff.). 

Ergänzend ist festzuhalten, dass es sich bei den zu beurteilenden Vorfällen vom 
8. Oktober 2010 und 22. Juni 2015 um dynamische Turbulenzgeschehen handelte. 
Bei solchen ist angesichts der beschränkten menschlichen Aufnahme-, Speiche-
rungs- und Wiedergabefähigkeit einerseits eine in jeder Beziehung exakte 
nachträgliche Rekonstruktion der gesamten Abläufe unmöglich, andererseits je-
doch auch nicht erforderlich. Entscheidend ist vielmehr, ob aufgrund des gesamten 
Beweismaterials im Rahmen einer Gesamtbetrachtung sowie unter Einbezug auch 
von Erfahrungswerten das zur Diskussion stehende Geschehen in seinen wesentli-
chen Grundzügen sachverhaltsmässig mit der erforderlichen Überzeugung derart 
festgestellt und eingegrenzt werden kann, dass damit die rechtlich relevanten Fra-
gen ebenfalls beantwortet werden können. Gerade im Rahmen eines dynamischen 
Turbulenzgeschehens sind nachträgliche Angaben zu den sich in eigener und 
fremder Bewegung abspielenden Abläufen naturgemäss mit Vorsicht aufzuneh-
men, wobei sich erfahrungsgemäss zusätzlich tatsächliche Wahrnehmungen mit 
rekonstruktiven Erwägungen vermischen können. Auch die verschiedenen subjek-

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tiven Betroffenheits- und Interessenlagen können bewusst oder unbewusst sein. 
Gewisse Widersprüche und Ungereimtheiten sind natürlich, aus solchen allein darf 
nicht der Schluss gezogen werden, dass die Aussagen einer bestimmten Person 
insgesamt unglaubhaft oder gar unverwertbar wären. Es ist vielmehr eine Würdi-
gung im Rahmen einer Gesamtbetrachtung vorzunehmen.

11. Vorbemerkungen

Die Urteilsbegründung der Vorinstanz ist ausführlich und detailliert ausgefallen. Es 
kann vorweggenommen werden, dass sich die Kammer in vielen Punkten den Ar-
gumenten der Vorinstanz anschliesst und auf die sorgfältig zitierten Aussagen und 
deren Würdigung verwiesen werden kann. 

12. Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung

12.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. 1.1. der Anklageschrift vom 25. Januar 2018 
folgender Sachverhalt vorgeworfen (pag. 995 f.):

Versuchte schwere Körperverletzung, begangen am 8. Oktober 2010 in .________ L.________, 
am N.________(Weg), zum Nachteil von C.________, geb. .________, 

indem der Beschuldigte im Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen ihm und 
C.________ ein Schwert und einen Teleskopschlagstock einsetzte. Der Beschuldigte fügte dem Opfer 
mit dem Schlagstock und dem Schwert unter anderem folgende Verletzungen zu: eine 
baumnussgrosse Beule am Kopf (linker Scheitel), mehrere Schürfungen an Hals und Thorax links, 
mehrere Schürfungen und Quetschungen am linken Ellenbogen und Unterarm, eine Stichwunde mit 
handgrossem Bluterguss an der linken Lende, eine Schürfwunde unter der linken Kniescheibe. Der 
Beschuldigte hat durch das Zuschlagen mit Schlagstock und durch das Herumfuchteln/Zuschlagen 
mit dem Schwert eine schwere Verletzung des Opfers in Kauf genommen.

[…]

12.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

12.2.1 Verteidigung

Von Seiten der Verteidigung wurde zusammengefasst vorgebracht, dass zur Erstel-
lung des Sachverhalts relevant sei, welche Waffe der Beschuldigte angeblich da-
beigehabt habe. Das Opfer habe hinsichtlich des Samurai-Schwerts nämlich sehr 
widersprüchliche Aussagen gemacht. Diesen Umstand habe die Vorinstanz zwar 
erwähnt, bei der konkreten Würdigung der Aussagen dann aber einfach missach-
tet. Auch die generellen Widersprüche in den Aussagen des Opfers seien von der 
Vorinstanz hervorgehoben worden. Jedoch habe sie in der Folge über diese ein-
fach hinweggesehen. Die Vorinstanz habe sodann auch ausgeführt, dass der Be-
schuldigte dem Opfer mit dem Schlagstock drei Schläge gegen den Kopf verpasst 
habe. Der Beschuldigte habe jedoch lediglich ausgesagt, dass er das Opfer mit 
dem Schlagstock drei Mal geschlagen habe. Ihm werde zum Verhängnis, dass er 
gesagt habe, dass die Sache tödlich hätte enden können. Diese Einvernahme sei 
jedoch nicht öffentlich erfolgt (pag. 46). Auf Frage, ob der Beschuldigte sich vorstel-

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len könne, jemandem mit dem Schwert zu verletzten, habe er angegeben, dass er 
niemanden habe verletzen wollen. Heute habe der Beschuldigte zudem wiederum 
glaubhaft ausgesagt, dass es, als er mit dem Pfefferspray angegriffen worden sei, 
einfach ein «Gnusch» gegeben habe. Im Weiteren habe die Vorinstanz ausgeführt, 
dass der erste Schlag mit dem Schlagstock eine baumnussgrosse Verletzung am 
Kopf des Straf- und Zivilklägers 1 zur Folge gehabt habe. Woher die Vorinstanz 
wisse, dass diese Verletzung beim ersten Schlag zugefügt worden sei, obwohl die 
Staatsanwaltschaft klar ausgeführt habe, dass man nicht genau wisse, welcher 
Schlag zu welcher Verletzung geführt habe, sei fragwürdig. Aufgrund der Aussagen 
aller Beteiligten könne man die genauen Geschehnisse gar nicht rekonstruieren. 
Der angeklagte Sachverhalt sei beweismässig nicht erstellt bzw. es bestünden er-
hebliche Zweifel. Alleine die Tatsache, dass der federführende Staatsanwalt das 
Verfahren habe einstellen wollen, zeige dies bereits auf. Die Vorinstanz habe im 
Weiteren massiv aktenwidrige Ausführungen gemacht. So habe sie beim Bewei-
sergebnis angegeben, es sei erstellt, dass der Straf- und Zivilkläger 1 den Be-
schuldigten nicht angegriffen habe, dies obwohl sie zwei Seiten zuvor noch ausge-
führt habe, dass der Vorgenannte dem Beschuldigten mit einem Pfefferspray ins 
Gesicht gesprüht habe, was offensichtlich als Angriff zu qualifizieren sei. Der Sach-
verhalt, welcher die Vorinstanz als erstellt erachtet habe, ergebe sich so nicht aus 
den Akten (pag. 1487 ff.).

12.2.2 Generalstaatsanwaltschaft

Von Seiten der Generalstaatsanwaltschaft wurde diesbezüglich zusammengefasst 
vorgebracht, dass die Aussagen der Beteiligten vor dem Hintergrund der beste-
henden Fakten zu analysieren seien. Fakt und objektiv erstellt sei, dass nur der 
Straf- und Zivilkläger 1 verletzt worden sei. Fakt sei auch, dass die Waffen dem 
Beschuldigten gehört hätten und nur er diese in der Hand gehalten habe. Fakt sei 
im Weiteren, dass die Verletzungen beim Straf- und Zivilkläger 1 vom Beschuldig-
ten zugefügt worden seien, da niemand anderes in Frage komme. Der Straf- und 
Zivilkläger 1 habe sich kaum den Schlagstock selbst gegen den Kopf geschlagen 
oder sich das Schwert in die Lenden gestossen. Die Aussagen des Beschuldigten 
könnten diesen Fakten nicht standhalten. Y.________ habe eindeutig zugunsten 
des Beschuldigten ausgesagt. Die Aussagen des Straf- und Zivilklägers 1 seien vor 
dem Hintergrund des Berichts des KTD, dem Arztbericht und den Aussagen der 
Zeugin Z.________ zu betrachten. Es sei zutreffend, dass der Straf- und Zivilkläger 
1 zwar betreffend den Beginn der Auseinandersetzung widersprüchlich ausgesagt 
habe, dies spiele für den hier relevanten Kernsachverhalt aber absolut keine Rolle 
und dürfe offengelassen werden. Hinsichtlich des Kernsachverhalts habe der Vor-
genannte nämlich detailliert, gleichbleibend und konstant ausgesagt und seine 
Aussagen würden ein logisches Ganzes bilden, zumal sie auch mit den objektiven 
Beweismitteln übereinstimmen würden. Die Zeugin Z.________ habe ausgesagt, 
dass es zu einer Rangelei gekommen sei, wobei sich der Beschuldigte auf dem 
Straf- und Zivilkläger 1 befunden habe. Der Letztgenannte habe flüchten wollen, 
wobei ihm der Beschuldigte gefolgt sei und ihn von hinten gepackt und ihn ge-
schlagen habe. Dieser Tathergang lasse sich mit den Aussagen des Beschuldigten 

16

nicht in Einklang bringen. Ausserdem seien das Schwert und der Schlagstock beim 
Beschuldigten zu Hause sichergestellt worden (pag. 1492 ff.).

12.2.3 Straf- und Zivilkläger 1

Der Straf- und Zivilkläger 1 liess vorab auf die Ausführungen der Generalstaatsan-
waltschaft verweisen (pag. 1496).

12.3 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass sich der Straf- und Zivilkläger 1 am 8. Oktober 2010 zum 
Domizil des Beschuldigten am N.________(Weg) in L.________ begab und vor der 
Wohnung sowohl auf den Beschuldigten als auch auf dessen Partnerin, 
Y.________, und deren Vater, AA.________, traf. Daraufhin kam es zu einer tätli-
chen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Straf- und Zivil-
kläger 1, bei welcher letzterer diverse Verletzungen davontrug. Bestritten ist dem-
gegenüber der genaue Hergang und Ablauf der besagten Auseinandersetzung (in-
kl. Einsatz von Schwert und Schlagstock). Dieser wird von den dazumal anwesen-
den Personen unterschiedlich und teilweise widersprüchlich geschildert.

12.4 Beweismittel

Als Beweismittel liegen der Kammer die beschlagnahmten Tatwaffen (Schlagstock 
und Samurai-Schwert, pag. 690), die Berichtsrapporte der Kantonspolizei vom 
31. Dezember 2010 (pag. 11 ff.) und vom 9. Mai 2011 (pag. 46 f.), eine Telefon-
auswertung diverser SMS-Nachrichten (pag. 20 ff.), der Bericht des Kriminaltechni-
schen Dienstes (KTD) der Kantonspolizei vom 26. Januar 2011 (pag. 49 ff.), der 
Arztbericht von Dr. med. AB.________ vom 9. Oktober 2010 (pag. 56) sowie die 
Aussagen des Beschuldigten (pag. 85 ff., pag. 90 ff., pag. 1222, pag. 1484 ff.), des 
Straf- und Zivilklägers 1 (pag. 57 ff., pag. 63 ff., pag. 68 ff., pag. 1206 ff.), von 
Y.________ (pag. 75 ff.), von AA.________ (pag. 102) sowie diejenigen von 
Z.________ (pag. 79 ff., pag. 82 ff.) vor.

Vorab wird auf die Zusammenfassung der Beweismittel durch die Vorinstanz ver-
wiesen (S. 13 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1281 ff.). Soweit 
notwendig, wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung näher darauf 
eingegangen. Dies gilt auch für die oberinstanzlichen Beweisergänzungen.

12.5 Beweiswürdigung der Kammer

12.5.1 Objektive Beweismittel

Anhand der objektiven Beweismittel lässt sich der bestrittene Sachverhalt nicht 
bzw. nicht vollständig rekonstruieren. Dem Berichtsrapport vom 31. Dezember 
2010 ist unter anderem zu entnehmen, dass nach Meldungseingang am 8. Oktober 
2010 mehrere Polizeipatrouillen ausrückten und vor Ort der Straf- und Zivilkläger 1, 
AA.________ und Y.________ angetroffen worden seien (die beiden Ersteren sei-
en verletzt gewesen). Vor Ort habe eine leere Schwertscheide aus schwarzem 
Holz aufgefunden worden können. Die anwesenden Personen seien auf die Poli-
zeiwache L.________ verbracht worden. Beim Beschuldigten habe daraufhin eine 
Hausdurchsuchung stattgefunden, anlässlich welcher ein Schwert gut versteckt 

17

hinter einem Kühlschrank aufgefunden worden sei. Der Beschuldigte habe der Po-
lizei noch vor Ort einen Teleskopschlagstock sowie einen Pfefferspray ausgehän-
digt (pag. 12). Auf diese unbestrittenen Feststellungen kann ohne Weiteres abge-
stellt werden. Dem Berichtsrapport vom 9. Mai 2011 ist zu entnehmen, dass der 
Beschuldigte – welcher als Auskunftsperson anlässlich eines Tötungsdelikts ein-
vernommen wurde – ausgesagt habe: «Ich gebe alles zu. Die Sache mit 
C.________ hätte genau gleich enden können wie die jetzige Sache. Ich werde 
mich ändern, schon nur meiner Familie zuliebe» (pag. 46). Diese Aussage wird 
nachfolgend aufzugreifen sein.

Das sichergestellte Mobiltelefon des Beschuldigten wurde ausgewertet. Die vorlie-
genden SMS-Nachrichten sind teilweise zwar vulgär und beleidigend, zur Klärung 
der Geschehnisse vom 8. Oktober 2010 helfen sie jedoch nicht weiter. Dabei wirft 
auch der jeweils vermerkte Zeit- bzw. Datumsstempel («26/02/07») gewisse Fra-
gen auf. Zu bemerken ist weiter, dass aus den SMS-Nachrichten (eingehend) nicht 
ersichtlich ist, ob es sich beim Verfasser tatsächlich um den Straf- und Zivilkläger 1 
handelt (Anschluss +.________, lautend auf AC.________, pag. 14). Ferner erge-
ben sich daraus – wie dies vom Beschuldigten behauptet wurde – auch keine er-
haltenen konkreten Todesdrohungen (vgl. die Übersetzungen, pag. 20 ff.).

Auch der Bericht des KTD vom 26. Januar 2011 vermag zur Klärung der Gescheh-
nisse nur bedingt weiterzuhelfen. Darin wurden die verschiedenen sichtbaren Ver-
letzungen des Straf- und Zivilklägers 1 dokumentiert. Ausserdem ergibt sich dar-
aus, dass auf dem sichergestellten Samurai-Schwert die Fingerabdrücke des Be-
schuldigten zu finden waren (pag. 49 f.). Besagtes Schwert und der Schlagstock 
lagen anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung zur Besichtigung auf 
(pag. 690, pag. 1481).

Dem Arztbericht von Dr. med. AB.________ vom 9. Oktober 2010 ist zu entneh-
men, dass beim Straf- und Zivilkläger 1 folgende Verletzungen festgestellt werden 
konnten:

- eine Beule, etwa baumnussgross an der linken Scheitel
- mehrere Schürfungen an Hals und Thorax links
- mehrere Schürfungen und Quetschungen am linken Ellenbogen und Unterarm
- eine Stichwunde und ein handgrosser Bluterguss an der linken Lende
- eine Bisswunde am Rücken unter dem linken Schulterblatt 
- ein kleines Hämatom am unteren Oberschenkel links
- eine Schürfung unter der linken Kniescheibe. 

Bei AA.________ wurde eine oberflächliche Rissquetschwunde vorne am Kopf 
festgestellt, die mit drei Nähten verschlossen wurde. Es wurde festgehalten, dass 
die Verletzungen beider Personen ohne Entstellung oder bleibende Schäden ab-
heilen und die Verletzungen des Straf- und Zivilklägers 1 sowohl vom Schlagstock 
als auch vom Samurai-Schwert stammen würden (pag. 56). Auch dieser Arztbericht 
vermag den bestrittenen Ablauf der Geschehnisse nicht zu klären. Auf die darin 
dokumentierten Verletzungen ist indes abzustellen.

18

12.5.2 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde insgesamt fünf Mal einvernommen, wobei seine Aussagen 
anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 31. Januar 2011 nicht verwert-
bar sind (vgl. Ziff. 9. hiervor). Der Beschuldigte verstrickte sich in Bezug auf den 
Vorfall vom 8. Oktober 2010 von Beginn weg in Widersprüche und gab jeweils nur 
das zu, was ihm ohnehin nachgewiesen werden konnte. Anlässlich seiner ersten 
Einvernahme bei der Polizei vom 8. Oktober 2010 gab der Beschuldigte an, dass er 
am besagten Tag vor dem Haus gewesen sei und der Straf- und Zivilkläger 1 mit 
einem Schlagstock und einem Pfefferspray angerannt gekommen sei. Letzterer 
habe ihn mit dem Schlagstock treffen wollen. Er habe ihm den Schlagstock ab-
nehmen können und habe den Straf- und Zivilkläger 1 drei Mal mit dem Schlag-
stock geschlagen (pag. 86, Z. 23 ff.). Im Rahmen seiner zweiten Einvernahme bei 
der Polizei vom 17. November 2010 gab er demgegenüber zunächst zu Protokoll, 
dass er selber den Schlagstock nie in den Händen gehalten bzw. den Straf- und Zi-
vilkläger 1 «100%» nicht damit geschlagen habe (pag. B.________, Z. 36 ff., pag. 
93, Z. 2 ff.). In derselben Einvernahme erklärte er allerdings auch, dass er dem 
Straf- und Zivilkläger 1 den Schlagstock habe aus den Händen reissen müssen 
(pag. 93, Z. 46 f.) und er mit dem Schlagstock, dem Schwert und dem Pfefferspray 
in seine Wohnung gegangen sei (pag. 91, Z. 31 f.). Der Beschuldigte machte indes 
nicht nur zum Einsatz des Schlagstocks, sondern auch zum eingesetzten Samurai-
Schwert widersprüchliche Angaben. In seiner ersten Einvernahme bei der Polizei 
vom 8. Oktober 2010 antwortete er auf Frage nach dem Einsatz des besagten 
Schwerts: «Nein, das stimmt nicht. Ob er ein Schwert gehabt hatte, weiss ich nicht. 
Ich habe kein Schwert dabei gehabt oder benutzt […]» (pag. 87, Z. 20 f.). Er gab zu 
Protokoll, dass er kein Schwert benutzt bzw. den Straf- und Zivilkläger 1 nicht mit 
einem Schwert angegriffen habe (pag. 87, Z. 38; «100% nicht», pag. 87, Z 40 ff.). 
Erst auf Vorhalt, dass bei ihm ein solches Schwert gefunden worden sei, gab er zu, 
dieses benutzt und anschliessend hinter dem Kühlschrank versteckt zu haben 
(pag. 88, Z. 9 ff.). Dabei äusserte er sich zunächst noch dahingehend, dass er den 
Straf- und Zivilkläger 1 nicht mit dem Schwert geschlagen, sondern ihm nur habe 
Angst machen wollen (pag. 88, Z, 22 und Z. 40 ff.). Er habe das Schwert in seinem 
Auto deponiert gehabt (pag. 88, Z. 15). Anlässlich seiner zweiten Einvernahme bei 
der Polizei vom 17. November 2010 will er das Schwert nunmehr im Keller geholt 
und unter seiner Jacke versteckt haben (pag. 91, Z. 17 f.). Die Kammer konnte sich 
anlässlich der Berufungsverhandlung ein Bild des besagten Samurai-Schwerts ma-
chen. Ein Schwert von entsprechender Grösse unter der Jacke verstecken zu wol-
len, ist indes kaum vorstellbar. Ferner gab der Beschuldigte nunmehr zu, dass er 
mit dem Schwert um sich geschlagen habe und nicht wisse, wo er den Straf- und 
Zivilkläger 1 getroffen habe (pag. 91, Z. 22 f.). Er erklärte ferner, dass es sich beim 
besagten Schwert nur um ein Dekorationsschwert handle (pag. B.________, Z. 23 
ff.), während dem er in der ersten Einvernahme noch angab, er könne sich vorstel-
len, dass damit jemand verletzt werde, darum habe er mit dem Schwert auch nichts 
gemacht (pag. 88, Z. 33 ff.). Der Straf- und Zivilkläger 1 erlitt jedoch – nebst ande-
ren Verletzungen – erwiesenermassen auch eine Stichwunde an der linken Lende 
(vgl. Ziff. 12.4.1 hiervor). Wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat, gab der Be-

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schuldigte immer nur auf Vorhalt Dinge zu, die er vorher noch mit aller Deutlichkeit 
abgestritten hat – und zwar jeweils zu «100%». Doch gerade dann, wenn er diese 
hundertprozentige Sicherheit anführt, können seine Aussagen widerlegt werden. 
Darauf schilderte der Beschuldigte dann jeweils eine neue bzw. angepasste Versi-
on der Geschehnisse. Fragwürdig ist denn auch, weshalb der Beschuldigte ansch-
liessend nach Hause geflüchtet ist und seine Lebenspartnerin und ihren verletzten 
Vater alleine zurückgelassen hat, wo doch der Straf- und Zivilkläger 1 – der von 
ihm bezeichnete Angreifer – weiterhin vor Ort war. Als Erklärung zu der Stichverlet-
zung des Straf- und Zivilklägers 1 gab der Beschuldigte an, dass dieser auf das 
Schwert gefallen sein müsse (pag. 93, Z. 12 ff.). Dies widerspricht jeglicher Logik 
und ist als Schutzbehauptung zu werten. Anlässlich der oberinstanzlichen Haupt-
verhandlung gestand der Beschuldigte schliesslich ein, dass er mit dem Schwert 
«rechts und links geschwenkt» und seinen Schwiegervater und ihn (wohl den Straf- 
und Zivilkläger 1) verletzt habe (pag. 1484, Z. 29 ff.). Interessant ist in diesem Zu-
sammenhang schliesslich auch die Bemerkung im Berichtsrapport vom 9. Mai 
2011, wonach der Beschuldigte anlässlich einer Einvernahme als Auskunftsperson 
in einem anderem Verfahren gegenüber der Polizei gesagt hat, dass er alles zuge-
be und die Sache mit dem Straf- und Zivilkläger 1 genau gleich hätte enden können 
wie bei dem Tötungsdelikt (pag. 46). 

Die Kammer kann sich nach dem Gesagten den Schlussfolgerungen der Vorin-
stanz anschliessen. Auffallend ist insgesamt, dass der Beschuldigte seine Aussa-
gen den jeweiligen Vorhalten anpasste und seine Schilderungen der damaligen 
Geschehnisse erheblich voneinander abweichen. Er selber stellte sich – zumindest 
zu Beginn – noch als komplett unschuldig dar. Er habe sich nur verteidigt und sei 
sogar noch selber verletzt worden. Erst im Verlauf des weiteren Verfahrens ge-
stand er immer mehr ein (so etwa den Einsatz des Samurai-Schwerts und die mög-
licherweise verursachten Verletzungen des Straf- und Zivilklägers 1). Sein Aussa-
geverhalten erscheint insgesamt als äusserst widersprüchlich und teilweise gar le-
bensfremd. Insgesamt kann den Aussagen des Beschuldigten kaum Wahrheitsge-
halt beigemessen werden (vgl. auch die nachfolgende Gesamtwürdigung).

12.5.3 Aussagen des Straf- und Zivilklägers 1

Der Straf- und Zivilkläger 1 wurde im vorliegenden Verfahren insgesamt vier Mal 
einvernommen. Wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat, machte auch er teilwei-
se widersprüchliche Angaben zu den Geschehnissen vom 8. Oktober 2010, insbe-
sondere zum Beginn der damaligen Auseinandersetzung. So sagte er in der ersten 
Einvernahme bei der Polizei vom 8. Oktober 2010 noch aus, dass das Samurai-
Schwert von Anfang an im Spiel gewesen sei (pag. 58, Z. 32 f.). Später änderte er 
seine diesbezügliche Aussage dahingehend, dass der Beschuldigte während der 
Auseinandersetzung zum Auto gegangen und mit einem Schwert zurückgekommen 
sei (pag. 65, Z. 8 f.). Diese beiden Schilderungen widersprechen sich diametral. 
Auch zum vorgängigen Telefonat mit der Frau des Beschuldigten machte er unter-
schiedliche Angaben. So sagte er zunächst noch aus, dass die Frau des Beschul-
digten diesen ans Telefon gerufen habe (pag. 58, Z. 21 und Z. 24) und der Be-
schuldigte ihn aufgefordert habe vorbeizukommen (pag. 58, Z. 24). Demgegenüber 

20

erklärte er bei seiner zweiten Einvernahme, dass ihm die Frau des Beschuldigten 
am Telefon gesagt habe, der Beschuldigte sei nicht da (pag. 64, Z. 39) und nicht 
er, sondern sie ihn zum Vorbeikommen aufgefordert habe (pag. 64, Z. 43). Hinge-
gen stimmen seine Aussagen in den wesentlichen übrigen Teilen des Kerngesche-
hens weitestgehend überein, wobei es aufgrund des häufig dynamischen Ablaufes 
in solchen Situationen praktisch unmöglich ist, alles chronologisch aufzuzählen, 
sämtliche Einzelheiten in Erinnerung zu haben und diese dann auch noch in jeder 
Befragung genau gleich wiederzugeben. Das Kerngeschehen sollte indes weitest-
gehend übereinstimmend geschildert werden, was vorliegend – wie bereits erwähnt 
– der Fall ist. So erklärte der Straf- und Zivilkläger 1 anlässlich seiner ersten Ein-
vernahme zum Kerngeschehen, dass der Beschuldigte ihn mehrfach geschlagen 
habe. Dies so stark, dass sich das Schwert verbogen habe (pag. 58, Z. 37 f., Z. 42 
f.). Er erklärte, dass er während der Auseinandersetzung auf den Boden gefallen 
und auch dort geschlagen worden sei (pag. 58, Z. 42 f., Z. 45). AA.________ habe 
sich vor ihn gestellt, um ihn abzuschirmen (pag. 58, Z. 47 f.). Zudem gab der Straf- 
und Zivilkläger 1 zu Protokoll, dass ihm der Beschuldigte das Schwert gegen den 
Kopf gehalten habe, namentlich auf der rechten Seite seines Kopfes (pag. 59 Z. 12 
f.). Nebst dem Schwert habe der Beschuldigte auch einen «truc en métal» bzw. 
schwarzen Stock aus Metall dabeigehabt. Er sei damit auf den Kopf geschlagen 
worden, was ihn «elektrisiert» habe, danach habe der Beschuldigte das Schwert 
gebraucht (pag. 60 Z. 4 f.). Anlässlich der ersten Einvernahme erwähnte der Straf- 
und Zivilkläger 1 denn auch bereits den von ihm zur Verteidigung eingesetzten 
Pfefferspray und erklärte, dass ihn dieser aufgrund des Windes selbst getroffen 
habe (pag. 60, Z. 32 f.). Im Rahmen seiner zweiten Einvernahme bei der Polizei 
vom 10. Oktober 2010 wiederholte er seine Erstaussagen dahingehend, dass er 
den Pfefferspray gegen den Beschuldigten eingesetzt habe und mit einem «bâton 
en métal» an die linke Seite seines Kopfes sowie mit einem Schwert geschlagen 
worden sei. Es sei ihm gelungen, dem Beschuldigten den Schlagstock aus den 
Händen zu nehmen, während er selber zu Boden gefallen sei (pag. 64, Z. 49 ff., 
pag. 65, Z. 1 ff.). Gleichbleibend blieben seine Aussagen etwa auch betreffend das 
präzise Detail, dass ihm das Schwert an die rechte Seite des Kopfes gehalten wor-
den sei. Der Straf- und Zivilkläger 1 gab sodann – wie anlässlich seiner ersten Ein-
vernahme – erneut zu Protokoll, dass sich u.a. AA.________ zwischen die beiden 
gestellt habe (pag. 65, Z. 11). 

Auch im Rahmen seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 11. Februar 
2011 wiederholte der Straf- und Zivilkläger 1 seine Sicht der Geschehnisse im We-
sentlichen übereinstimmend mit seinen vorherigen Aussagen. So etwa, dass er 
vom Schlagstock am Kopf getroffen worden sei (pag. 71, Z. 88), er aus Angst sei-
nen Pfefferspray eingesetzt habe (pag. 71, Z. 100 f.), der Beschuldigte geschrien 
habe, er wolle ihn töten (pag. 71, Z. 96), er dem Beschuldigten den Schlagstock 
habe entreissen können (pag. 71, Z. 106 f.) und letzterer anschliessend mit einem 
Schwert auf ihn losgegangen sei (pag. 71, Z. 108 f.). Er belastete sich selber, in-
dem er zugab, den Pfefferspray gegen den Beschuldigten eingesetzt zu haben und 
er versucht habe, den Beschuldigten mit den Schlagstock zu schlagen (pag. 71, Z. 
105 ff.). Letzteres erwähnte er indes erstmalig. Die vom Straf- und Zivilkläger 1 ge-

21

schilderten Einwirkungen werden durch die objektivierbaren Verletzungen belegt, 
wobei die dokumentierte Stichverletzung vom Winkel her nicht auf eine Selbstver-
letzung schliessen lässt. Ferner stimmen die Aussagen des Straf- und Zivilklägers 
1 in den wesentlichen Kernpunkten mit den Aussagen der Zeugin Z.________ so-
wie in Bezug auf die erlittenen Verletzungen mit dem Bericht des KTD und dem 
Arztbericht überein (vgl. auch Ziff. 12.5.1 hiervor und Ziff. 12.5.6 hiernach). Darüber 
hinaus enthalten seine Aussagen durchwegs auch Beschreibungen diverser eige-
ner psychischer Vorgänge. So etwa, dass er während des Vorfalls an den Tod ge-
dacht (« Là j’ai pensé à la mort. J’ai pensé que c’était fini pour moi», pag. 65, Z. 11) 
bzw. Angst gehabt habe (pag. 66, Z.7). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung vom 9. September 2019 bestätigte der Straf- und Zivilkläger 1 den we-
sentlichen Tathergang mit dem Samurai-Schwert. Seine Aussagen waren nicht 
gleich detailliert wie die bisherigen Aussagen. Dies ist allerdings nicht weiter er-
staunlich, zumal die Einvernahme bei der Vorinstanz knapp neun Jahre nach dem 
Vorfall stattfand. Im Verlaufe der Zeit verblassen Erinnerungen, gewisse Dinge 
werden verdrängt oder schlicht und einfach vergessen. Auch wenn die Aussagen 
des Straf- und Zivilklägers 1 nicht durchwegs stringent sind und teilweise auch Wi-
dersprüche enthalten, so sind sie dennoch im Kerngeschehen weitgehend überein-
stimmend und mit den Schilderungen der Zeugin Z.________ und den objektiven 
Beweismitteln (Verletzungsbild) vereinbar. Insgesamt sind seine Aussagen und 
damit die von ihm geschilderte Version der Geschehnisse als wesentlich überzeu-
gender und plausibler einzustufen als diejenigen des Beschuldigten. 

12.5.4 Aussagen von Y.________

Betreffend Würdigung der Aussagen von Y.________ kann sich die Kammer voll-
umfänglich den Erwägungen der Vorinstanz anschliessen. Anzumerken ist vorab, 
dass es sich dabei um die Lebenspartnerin des Beschuldigten handelt. Sie wurde 
in Bezug auf den Vorfall vom 8. Oktober 2010 einmal einvernommen. Anlässlich 
dieser gleichentags stattfindenden Einvernahme gab sie unter anderem zu Proto-
koll, dass der Straf- und Zivilkläger 1 auf sie zugesprungen sei und dabei zwei Ge-
genstände in den Händen gehalten habe, einen Pfefferspray und etwas schwarzes 
Langes (pag. 76 Z. 12 f., Z. 33 f.). Ihr Vater sei vom Straf- und Zivilkläger 1 am 
Kopf verletzt worden (pag. 76 Z. 22 f.). Sicher sei, dass ein scharfer Gegenstand 
ihren Vater verletzt habe (pag. 77 Z. 34 f.). Ihr Mann, der Beschuldigte, sei dann 
auf den Straf- und Zivilkläger 1 losgegangen und habe ihn zu Boden gedrückt. Da-
bei seien sie im Gebüsch gelegen, der Straf- und Zivilkläger 1 unten (pag. 76, Z. 23 
ff.). Als der Beschuldigte dem Straf- und Zivilkläger 1 die Gegenstände habe aus 
der Hand reissen können, sei er zurück in die Wohnung gesprungen (pag. 76, Z. 27 
ff.). Sie könne sich vorstellen, dass er dies «wegen Beweismitteln» gemacht habe 
(pag. 77, Z. 1). Die Aussagen von Y.________ sind auffällig zu Lasten des Straf- 
und Zivilklägers 1 und zu Gunsten des Beschuldigten ausgerichtet. So soll der 
Straf- und Zivilkläger 1 ihren Vater verletzt haben. Einen gefährlichen Gegenstand 
will sie beim Beschuldigten nicht gesehen haben (pag. 76, Z. 44 ff.), obwohl letzte-
rer auf Nachfrage selber zugab, dass er ein Samurai-Schwert gehalten und einge-
setzt habe. Es macht denn auch nur wenig Sinn und scheint nicht nachvollziehbar, 

22

dass sich der Beschuldigte – wie von Y.________ vermutet – zur Sicherung der 
Beweismittel vom Ereignisort entfernt habe, wenn der angebliche Aggressor, der 
Straf- und Zivilkläger 1, weiterhin vor Ort war. Die Vorinstanz hat unter den gege-
benen Umständen zu Recht festgehalten, dass den Aussagen von Y.________ 
aufgrund der offensichtlichen Nähe zum Beschuldigten und der deutlich zu Guns-
ten des Beschuldigten ausgefallenen Aussagen kein wesentliches Gewicht beige-
messen werden kann.

12.5.5 Aussageverweigerung von AA.________

AA.________ verweigerte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 
8. Oktober 2010 die Aussage. Er erklärte lediglich, dass es sich um eine Familien-
angelegenheit handle, die er selber regeln wolle. Auf die Stellung eines Strafan-
trags verzichtete er (pag. 102). Die Aussageverweigerung von AA.________ ist mit 
Blick auf die familiären Verhältnisse (der Beschuldigte ist der Lebenspartner seiner 
Tochter) nachvollziehbar. Die Kammer kann sich den von der Vorinstanz daraus 
gezogenen Schlussfolgerungen allerdings anschliessen, wonach AA.________ 
wohl Anzeige erstattet und nicht aus familiären Gründen auf eine Aussage verzich-
tet hätte, wenn es effektiv der Straf- und Zivilkläger 1 – also eine Drittperson – ge-
wesen wäre, der ihm auf den Kopf geschlagen und ihn damit nicht unwesentlich 
verletzt hätte (pag. 56). 

12.5.6 Aussagen von Z.________

Die Zeugin Z.________ wurde im vorliegenden Verfahren insgesamt zwei Mal ein-
vernommen. Es handelt sich bei ihr um eine unbeteiligte Drittperson, welche am 
8. Oktober 2010 am N.________ wohnte. Sie schilderte gegenüber der Polizei und 
der Staatsanwaltschaft ihre am besagten Tag gemachten Beobachtungen ohne er-
kennbare wesentliche Widersprüche und Übertreibungen in nachvollziehbarer Wei-
se. Sie versuchte nicht, den Beschuldigten übermässig zu belasten oder zu entlas-
ten. Es besteht daher kein Anlass, ihre Aussagen in Zweifel zu ziehen. Z.________ 
hat den Vorfall bzw. zumindest einen Teil davon vom Balkon ihrer Wohnung aus 
beobachtet. Sie erklärte, dass sie zwei junge Männer im Gebüsch am Boden lie-
gend gesehen habe. Der Mann, welcher unten gelegen sei, habe ein weisses T-
Shirt getragen. Derjenige, welcher auf ihm gelegen sei, habe ein dunkles Oberteil 
getragen. Es sei eine «richtige Rangelei» gewesen. Die beiden hätten voneinander 
abgelassen und derjenige mit dem weissen T-Shirt sei davongelaufen. Der mit dem 
dunklen Oberteil sei ihm aber hinterhergelaufen und habe ihn von hinten gepackt, 
worauf derjenige mit dem weissen T-Shirt wieder zu Boden gefallen sei. Der ande-
re habe ihn am Hals oder an der Achsel gehabt und zu Boden gedrückt. Der Mann 
mit dem dunklen T-Shirt sei dann weggelaufen. Sie habe keine Waffen gesehen, 
wobei später aber im Gebüsch irgend so ein langer, dunkler «Stäcke» gelegen ha-
be (pag. 80, Z. 13 ff.). Anlässlich ihrer zweiten Einvernahme vom 11. Mai 2011 
wiederholte sie, dass die Person mit dem weissen T-Shirt am Boden gelegen sei 
und der andere Mann auf sie eingeschlagen habe. Erstere habe kurzeitig die Flucht 
ergreifen können, worauf der Mann mit dem dunkleren T-Shirt den anderen Mann 
eingeholt, wiederum gepackt und zu Boden gedrückt habe (pag. 84, Z. 59 ff.). Sie 
habe keine Waffen gesehen, jedoch habe die Polizei am nächsten Tag im Gebüsch 

23

«ä Stäcke» gefunden (pag 84, Z. 72 ff.). Die Aussagen von Z.________ decken 
sich in weiten Teilen mit denjenigen des Straf- und Zivilklägers 1 und stützen die 
von ihm geschilderte Version der Geschehnisse, wonach der Beschuldigte der An-
greifer war und sich dieser nicht etwa – wie er selber glaubhaft machen will – in ei-
ner Abwehrsituation befunden hat. Dass Z.________ die involvierten Waffen nicht 
gesehen hat, muss insbesondere an der Sichtdistanz gelegen haben. Die entspre-
chenden Gegenstände waren nämlich allesamt unbestrittenermassen im Einsatz. 
Auf ihre Aussagen kann nach dem Gesagten ohne Weiteres abgestellt werden.

12.5.7 Gesamtwürdigung

Die vorliegenden Beweismittel lassen nach einer Gesamtbetrachtung keinen ande-
ren Schluss zu, als dass es der Beschuldigte war, der dem Straf- und Zivilkläger 1 
am 8. Oktober 2010 die aktenkundigen Verletzungen zugefügt hat. Wie und wes-
halb es zum Treffen am N.________(Weg) kam, kann die Kammer nicht abschlies-
send rekonstruieren. Unbestritten ist indes, dass sich der Straf- und Zivilkläger 1 
mit einem Pfefferspray an den N.________(Weg) begab, um eine vorbestehende 
Streitigkeit zwischen ihm und dem Beschuldigten zu klären. Vom Beschuldigten, 
dem Straf- und Zivilkläger 1 und Y.________ wurde übereinstimmend zu Protokoll 
gegeben, dass die an besagtem Vorfall beteiligten Personen am N.________(Weg) 
aufeinandertrafen und es in der Folge eine Auseinandersetzung zwischen dem Be-
schuldigten und dem Straf- und Zivilkläger 1 gab. Wie bereits erwähnt, trug der 
Straf- und Zivilkläger 1 einen Pfefferspray auf sich, welcher auch zum Einsatz kam. 
Unterschiedliche Angaben wurden dazu gemacht, welche Waffen der Beschuldigte 
bei sich hatte. Y.________ sagte hierzu – entgegen den Aussagen des Beschuldig-
ten und des Straf- und Zivilklägers 1 – aus, dass der Beschuldigte keine gefährli-
chen Gegenstände in der Hand gehalten habe. Dass der Beschuldigte im Verlauf 
der Auseinandersetzung ein Samurai-Schwert einsetzte, ist allerdings unbestritten. 
Fraglich ist jedoch, ob er dieses von Beginn weg auf sich trug oder erst später (aus 
dem Auto) holte. In Bezug auf das Samurai-Schwert sagte der Straf- und Zivilkläger 
1 in seiner ersten Einvernahme aus, dass der Beschuldigte von Anfang an mit 
Schlagstock und Schwert auf ihn losgegangen sei. Diese Aussage decken sich in-
sofern mit der Aussage des Beschuldigten, wonach dieser das Schwert hervorge-
nommen habe, als der Straf- und Zivilkläger 1 mit dem Pfefferspray auf ihn losge-
gangen sei (pag. 88, Z. 15 f.) bzw. er ihm habe Angst machen wollen, worauf der 
Straf- und Zivilkläger 1 ihm sofort Pfefferspray in die Augen gesprüht habe (pag. 
88, Z. 22 f.). Der Beschuldigte führte sodann selber aus, dass der Straf- und Zivil-
kläger 1 auf ihn zugerannt sei und ihm sofort «Gas in die Augen gesprayt» habe, 
worauf er sich gewehrt und mit dem Schwert um sich geschlagen habe (pag. 91, Z. 
20 ff.). Nach dem Gesagten geht auch die Kammer davon aus, dass der Einsatz 
des Pfeffersprays durch den Straf- und Zivilkläger 1 gleich zu Beginn der Ausein-
andersetzung erfolgte, womit klar wird, dass auch das Samurai-Schwert von An-
fang an am Tatort dabei war und nicht erst später dazu geholt wurde. Die in der 
späteren Einvernahme vom Straf- und Zivilkläger 1 vorgebrachte Geschichte, wo-
nach der Beschuldigte das Schwert während des Streits aus dem Auto geholt ha-
be, lässt sich – wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat – nicht stützen. In Be-

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zug auf den Schlagstock ist auf die glaubhaften Aussagen des Straf- und Zivilklä-
gers 1 abzustellen, wonach dieser von Anfang an im Einsatz war und der Beschul-
digte mehrfach auf ihn einschlug. Letzteres wird vom Beschuldigten auch nicht 
(mehr) bestritten. Der Straf- und Zivilkläger 1 schilderte gleichbleibend, wie er vom 
Beschuldigten zunächst einen Schlag mit dem Schlagstock auf den Kopf (linkssei-
tig) erhalten habe. Diese Schilderung lässt sich mit dem aktenkundigen Verlet-
zungsbild in Einklang bringen (baumnussgrosse Beule am linken Scheitel). Wie die 
Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, lässt sich diese dokumentierte Verletzung 
kaum mit dem Samurai-Schwert vereinbaren, handelt es sich doch um eine stump-
fe Gewalteinwirkung und wäre bei einem Einsatz des Schwertes vielmehr eine 
scharfe Verletzung zu erwarten gewesen. Die dokumentierte Stichwunde an der 
linken Lende des Straf- und Zivilklägers 1 lässt sich damit erklären, dass der Be-
schuldigte mit dem Samurai-Schwert herumfuchtelte, was nunmehr unbestritten ist. 
Die übrigen Verletzungen entsprechen klassischen Abwehrverletzungen und 
Schürwunden, wie sie bei einem Kampf (am Boden) häufig auftreten. Dem Be-
schuldigten war eigenen Angaben zufolge bewusst, dass mit dem Schwert jemand 
verletzt oder durch ein Zustechen gar getötet werden könnte (pag. 88, Z. 33 ff., 
pag. 93, Z. 13).

Dass sich AA.________ im Laufe der Auseinandersetzung zwischen den Beschul-
digten und den Straf- und Zivilkläger 1 stellte, ergibt sich nicht nur gestützt auf die 
Aussagen des Straf- und Zivilklägers 1, sondern auch auf die aktenkundigen Ver-
letzungen von AA.________. Im Laufe des Streits fiel der Straf- und Zivilkläger 1, 
welcher unbestrittenermassen ein helles Oberteil trug, zu Boden. Der Beschuldigte, 
welcher demgegenüber dunkel gekleidet war, befand sich über ihm und schlug von 
oben auf ihn ein. Diese Situation wurde von Z.________ exakt geschildert. Einen 
Einsatz von Waffen konnte sie indes nicht beobachten. Übereinstimmend mit der 
Vorinstanz ist demnach davon auszugehen, dass der Beschuldigte nur mit den 
Fäusten und nicht mit dem Schlagstock oder Samurai-Schwert auf den am Boden 
liegenden Straf- und Zivilkläger 1 eingeschlagen hat. Gestützt auf die glaubhaften 
Aussagen von Z.________ ist davon auszugehen, dass auch Y.________ dazu-
kam, als der Straf- und Zivilkläger 1 am Boden lag. Dass der Beschuldigte freiwillig 
vom Straf- und Zivilkläger 1 abgelassen haben soll, wie er selber ausführt, über-
zeugt auch die Kammer nicht. Vielmehr ergibt sich gestützt auf die Ausführungen 
der Beteiligten und insbesondere auch gestützt auf die glaubhaften Aussagen von 
Z.________, dass der Beschuldigte erst vom Straf- und Zivilkläger 1 abgelassen 
hat, als die Polizei eintraf bzw. als er die Sirenen des herannahenden Polizeifahr-
zeuges hörte. Er ging anschliessend unbestrittenermassen in seine Wohnung, wo 
er das Samurai-Schwert hinter dem Kühlschrank versteckte.

12.6 Beweisergebnis und erstellter Sachverhalt

Der angeklagte Sachverhalt (Ziff. 1.1. der Anklageschrift) erweist sich nach dem 
Gesagten wie folgt als erstellt:

Anlässlich einer Auseinandersetzung am 8. Oktober 2010 am N.________(Weg) 
setzte der Beschuldigte einen Schlagstock sowie ein Samurai-Schwert gegen den 
Straf- und Zivilkläger 1 ein. Der Beschuldigte schlug dem Straf- und Zivilkläger 1 

25

mit dem Schlagstock auf den Kopf, was eine baumnussgrosse Beule am linken 
Scheitel verursachte. Ferner schlug er sowohl mit dem Samurai-Schwert als auch 
mit dem Schlagstock um sich. Er traf den Straf- und Zivilkläger 1 mit dem Schlag-
stock und verletzte ihn mit dem Samurai-Schwert an der Lende. Aufgrund seiner 
Abwehrhandlungen, des Sturzes und der Fortsetzung des Kampfes am Boden zog 
sich der Straf- und Zivilkläger 1 weitere Verletzungen zu (mehrere Schürfungen an 
Hals und Thorax links, mehrere Schürfungen und Quetschungen am linken Ellen-
bogen und Unterarm, Schürfwunde unter der linken Kniescheibe). Dem Beschuldig-
ten war bewusst, dass er mit dem Samurai-Schwert jemanden lebensgefährlich 
verletzen kann.

13. Vorwurf der einfachen Körperverletzung 

13.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. 1.2. der Anklageschrift vom 25. Januar 2018 
folgender Sachverhalt vorgeworfen (pag. 996):

Einfache Körperverletzung, begangen am 22.06.2015 in .________ L.________, an der 
O.________(Strasse), zum Nachteil von E.________, geb. .________, 

indem der Beschuldigte E.________ an der O.________(Strasse) in L.________ zu Boden stiess, 
würgte und mit der Faust ins Gesicht schlug, was bei diesem zu Kratzspuren an den Oberarmen, 
einer Rötung und Kratzspur am Nacken, einer Beule über der rechten Augenbraue und einer 
Schlagspur am rechten Mundwinkel führte.

[…]

13.2 Vorbemerkung

Die Vorinstanz hat diesbezüglich einen Würdigungsvorbehalt zu Gunsten von Art. 
126 StGB (Tätlichkeit) angebracht (pag. 1205). 

13.3 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

13.3.1 Verteidigung

Von Seiten der Verteidigung wurde hierzu zusammengefasst vorgebracht, die Vor-
instanz habe zu Beginn ausgeführt, dass die Aussagen des Straf- und Zivilklägers 
2 masslos übertrieben seien, dennoch habe sie diese in der Folge als glaubhaft 
bewertet, da sie mit den objektiven Beweismitteln übereinstimmen würden. Seine 
Aussagen würden keinen Sinn ergeben. Der Straf- und Zivilkläger 2 mache haltlose 
Vorwürfe und gebe diese öffentlich zu Protokoll. Seine Aussagen seien wider-
sprüchlich, aggravierend, übertrieben und unnötig belastend erfolgt (pag. 1490).

13.3.2 Generalstaatsanwaltschaft

Von Seiten der Generalstaatsanwaltschaft wurde zusammengefasst vorgebracht, 
dass der Beschuldigte zu Beginn ausgesagt habe, den Straf- und Zivilkläger 2 le-
diglich geschubst zu haben. Auf Vorhalt des Arztberichts habe er dann plötzlich zu-
gegeben, dass er den Vorgenannten nicht bewusst geschlagen habe, womit er ei-
gentlich ausgesagt habe, dass er ihn doch geschlagen habe. Dies sei ein Parade-
beispiel für das Aussageverhalten des Beschuldigten. Er streite zuerst alles ab und 

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erst nachdem er mit objektiven Beweismitteln konfrontiert werde, gebe er einen 
kleinen Teil (jedoch stets zu seinen Gunsten) zu. Hätte der Beschuldigte den Straf- 
und Zivilkläger 2 nur gestossen, dann liessen sich die objektiv festgestellten Verlet-
zungen im Gesicht und am Hals nicht erklären. Die Aussagen des Vorgenannten 
seien zwar teilweise übertrieben erfolgt, so habe man «in dubio pro reo» das gel-
tend gemachte Würgen auch nicht als erstellt erachtet, dennoch würden gemäss 
Arztbericht weitere Verletzungen vorliegen, die zweifelsfrei darauf schliessen las-
sen würden, dass ihm der Beschuldigte gegen das Gesicht geschlagen habe (pag. 
1494 f.).

13.3.3 Straf- und Zivilkläger 2

Der Straf- und Zivilkläger 2 brachte zusammengefasst vor, dass er nicht wider-
sprüchlich ausgesagt und er drei Zeugen für den Vorfall habe. Y.________ habe 
eigentlich gesehen, dass sein Hemd zerrissen und seine Brille gebogen gewesen 
sei. Es sei nicht gerecht, dass er geschlagen worden sei (pag. 1496 f.).

13.4 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass der Beschuldigte am 22. Juni 2015 mit dem Auto unterwegs 
war und an der O.________(Strasse) den Straf- und Zivilkläger 2 erblickte, das Au-
to anhielt und ausstieg. In der Folge schubste der Beschuldigte den Straf- und Zi-
vilkläger 2, woraufhin dieser rückwärts zu Boden fiel. Bestritten ist, ob der Beschul-
digte den Straf- und Zivilkläger 2 mit der Faust ins Gesicht schlug und diesen würg-
te.

13.5 Beweismittel

Als Beweismittel liegen der Kammer die Anzeige des Straf- und Zivilklägers 2 vom 
31. August 2015 (pag. 611), das ärztliche Attest von Dr. med. AD.________ vom 
23. Juni 2015 (pag. 612), eine Kopie der E-Mail des Straf- und Zivilklägers 2 an die 
Polizei vom 27. Juli 2015 (pag. 1235), ein Arztbericht der Privatklinik AE.________ 
vom 8. August 2016 (pag. 1236), die Aussagen des Beschuldigten (pag. 628 ff., 
pag. 1221, pag. 1484 ff.) sowie diejenigen des Straf- und Zivilklägers 2 (pag. 624 
ff., pag. 1215 ff., pag. 1482 ff.) vor.

Vorab wird auf die sorgfältige Zusammenfassung der Beweismittel durch die Vorin-
stanz verwiesen (S. 24 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1292 ff.). 
Soweit notwendig, wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung näher 
darauf eingegangen. Dies gilt auch für die oberinstanzlichen Beweisergänzungen.

13.6 Beweiswürdigung

Der Straf- und Zivilkläger 2 wurde im vorliegenden Verfahren insgesamt drei Mal 
einvernommen. Im Rahmen seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 
21. August 2017 gab er unter anderem zu Protokoll, dass er an der 
O.________(Strasse) in L.________ unterwegs gewesen sei, als ihm der Beschul-
digte mit dem Auto den Weg abgeschnitten habe und ausgestiegen sei. Der Straf- 
und Zivilkläger 2 habe ihn gefragt, wann er sein Geld zurückerhalte. Der Beschul-
digte habe ihn daraufhin als Lügner bezeichnet und angegriffen. Der Beschuldigte 
habe ihn geschubst, worauf er auf den Boden gefallen sei. Anschliessend sei er 

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vom Beschuldigten gewürgt worden. Der Straf- und Zivilkläger 2 habe überall Blut 
gehabt, der Beschuldigte habe ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen, als er be-
reits rücklings auf dem Boden gelegen sei (pag. 626, Z. 65 ff.). Im Rahmen seiner 
Einvernahme bei der Vorinstanz vom 9. September 2019 wiederholte er im We-
sentlichen seine bisherigen Aussagen: Er habe dem vorbeifahrenden Beschuldig-
ten ein Zeichen gemacht und gerufen «wo ist mein Geld?», worauf der Beschuldig-
te ausgestiegen sei, ihm gesagt habe, er sei kein Lügner und er ihn angegriffen 
habe. Der Straf- und Zivilkläger 2 sei in der Folge rückwärts getaumelt, gestolpert 
und auf den Rücken gefallen, worauf der Beschuldigte ihn gewürgt habe (pag. 
1215, Z. 21 ff.). Auffällig ist bei diesen zweiten Ausführungen, dass der Straf- und 
Zivilkläger 2 die Geschehnisse im Vergleich zu seinen Erstaussagen dramatischer 
schilderte. Er sprach nicht mehr nur von «würgen», sondern führte aus, dass der 
Beschuldigte mit «zwei Armen» um seinen Hals gegriffen und vorne mit den Hän-
den ineinandergegriffen sowie zugedrückt habe (pag. 1215, Z. 21 ff.). Dabei sei das 
ganze Hemd zerrissen (pag. 1215, Z. 38). Im Vergleich zu seinen Erstaussagen 
sind also gewisse Aggravierungstendezen auszumachen. Auch scheinen seine 
Aussagen, wonach er überall voller Blut gewesen sei, mit Blick auf das dokumen-
tierte Verletzungsbild etwas übertrieben. Anlässlich der oberinstanzlichen Beru-
fungsverhandlung wiederholte er im Wesentlichen seine bisherigen Ausführungen, 
wonach er den Beschuldigten nach seinem Geld gefragt und diesen als Lügner be-
zeichnet habe. Letzterer habe ihn daraufhin angegriffen und gegen hinten ge-
schubst. Er sei gestolpert und nach hinten gefallen. Der Beschuldigte habe ihn dar-
aufhin mit seinem Oberarm von hinten um den Hals gepackt und ihm gegen den 
Kopf geschlagen (pag. 1482, Z. 22 ff.). Gesamthaft ist festzuhalten, dass die Anga-
ben des Straf- und Zivilklägers 2 in der Anzeige und seine ersten Aussagen weit-
aus zurückhaltender ausfielen und sich mit dem dokumentierten Verletzungsbild 
besser vereinbaren lassen (vgl. nachfolgend). Auf seine Aussagen kann daher nur 
abgestellt werden, sofern sie mit den objektiven Beweismitteln übereinstimmen 
oder ohnehin unbestritten sind.

Das Aussageverhalten des Beschuldigten ist mit der Vorinstanz als äusserst 
zurückhaltend zu bezeichnen. Anlässlich seiner Einvernahme bei der Staatsan-
waltschaft führte er aus, dass der Straf- und Zivilkläger 2 seine Frau beschimpft 
habe, worauf der Beschuldigte ihn weggestossen habe. Erst auf Nachfrage gab er 
zu, dass er ihn geschubst habe und er nach hinten gefallen sei. Am Hals habe er 
ihn jedoch nicht festgehalten, ebenso wenig habe er ihn mit der Faust ins Gesicht 
geschlagen (pag. 629, Z. 20 ff.). Auf Vorhalt des Arztberichts vom 23. Juni 2015 
ergänzte der Beschuldigte, dass er ihn einfach gestossen habe, mehr wisse er 
nicht. Er habe ihn aber «sicherlich nicht bewusst geschlagen» (pag. 629, Z. 28 ff.). 
Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung verweigerte er seine Aussage 
(pag. 1222). An der Berufungsverhandlung ergänzte er diesbezüglich, dass der 
Straf- und Zivilkläger 2 nicht mit ihm, sondern mit Y.________ Probleme habe. Er 
wolle zu diesem Vorfall nichts mehr sagen (pag. 1484, Z. 25 f.). Die Aussagen des 
Beschuldigten fielen auch oberinstanzlich knapp aus. Er verharmloste das Vorge-
fallene, gab teilweise ausweichende Antworten und hinterliess einige Fragezeichen 
(«Ich habe ihn einfach gestossen, mehr weiss ich nicht. Ich habe ihn aber sicherlich 

28

nicht bewusst geschlagen, pag. 629, Z. 30 f.; Hervorhebungen durch die Kammer). 
Mit dieser Aussage gab der Beschuldigte implizit zu, dass er den Straf- und Zivil-
kläger 2 doch geschlagen hat bzw. zumindest bestritt er dies nicht mehr. Auffällig 
ist auch, dass der Beschuldigte gewisse Zugeständnisse wiederum nur auf Vorhalt 
machte. 

Klar ist, dass die dokumentierten Verletzungen des Straf- und Zivilklägers 2 nicht 
nur von einem Wegstossen und Hinfallen stammen können. Vielmehr lassen sie 
darauf schliessen, dass eine gewisse körperliche Gewalt auf ihn ausgeübt wurde. 
So lassen sich insbesondere die Beule über dem rechten Auge und die Schlagspur 
am rechten Mundwinkel auf Faustschläge zurückzuführen. Die übrigen Verletzun-
gen lassen sich mit dem Sturz und/oder den erfolgten Abwehrhandlungen erklären. 
In Bezug auf das Würgen bzw. den diesbezüglichen Ablauf sind die Aussagen des 
Straf- und Zivilkläger 2 zu vage. Ein eigentliches Würgen lässt sich gestützt auf die 
festgestellten Verletzungen denn auch nicht objektivieren. 

13.7 Beweisergebnis und erstellter Sachverhalt

Der angeklagte Sachverhalt (Ziff. 1.2. der Anklageschrift) erweist sich nach dem 
Gesagten wie folgt als erstellt:

Am 22. Juni 2015 trafen der Beschuldigte und der Straf- und Zivilkläger 2 an der 
O.________(Strasse) in L.________ aufeinander. Nach einem Wortwechsel stiess 
der Beschuldigte den Straf- und Zivilkläger 2 zu Boden und schlug ihm mit der 
Faust zwei Mal ins Gesicht, was bei diesem eine Beule über der rechten Augen-
braue und eine Schlagspur am rechten Mundwinkel verursachte. Weil der Straf- 
und Zivilkläger 2 sich wehrte und/oder aufgrund des Sturzes, erlitt er Kratzspuren 
an den Oberarmen sowie eine Rötung und Kratzspuren am Nacken.

14. Vorwurf des versuchten Betrugs

14.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. 1.4. der Anklageschrift vom 25. Januar 2018 
folgender Sachverhalt vorgeworfen (pag. 996):

Betrug sowie Versuch dazu 

[…]

begangen in der Zeit vom 30.06 bis 02.11.2012 in .________ F.________, zN der P.________ AG, 

indem der Beschuldigte der P.________ eine gefälschte Quittung betreffend den Kauf einer Rolex-
Uhr bei der Firma AF.________ einreichte und damit deklarieren wollte, dass er diese AG.________-
Uhr gekauft habe und dass sie ihm am 30.06.2012 bei einem Einbruchdiebstahl durch unbekannte 
Täterschaft gestohlen worden sei. Durch diese Täuschung beabsichtigte der Beschuldigte, sich oder 
einen andern unrechtmässig zu bereichern, und die Versicherungsleistung in der Höhe von Fr. 6'800.-
erhältlich zu machen. Da die Versicherungsleistung nicht ausbezahlt worden ist, blieb es beim 
Versuch.

[…]

29

14.2 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

14.2.1 Verteidigung

Von Seiten der Verteidigung wurde zusammengefasst vorgebracht, dass der Vor-
wurf vollumfänglich bestritten werde. Die Vorinstanz habe die Aussagen von 
Y.________ als nicht glaubhaft erachtet, ohne dies jedoch näher zu begründen. Al-
les was der Beschuldigte sage, werde von Beginn weg als konstruiert und un-
glaubwürdig betitelt. Bei einer Überprüfung der AF.________ Unternehmung, wel-
che jetzt im Handelsregister gelöscht worden sei, ergebe sich klar, dass die auf der 
Quittung angegebene UID-Nummer derjenigen der vorgenannte Firma entspreche. 
Zudem habe die Vorinstanz ausgeführt, dass die Zeugin keinen Grund gehabt hätte 
zu lügen. Dies sei jedoch falsch, denn hätte sie eine solche inkorrekte Quittung 
ausgestellt, würde sie sich strafbar machen. Im Weiteren habe der Beschuldigte 
das Rahmengeschehen so detailliert erzählt, dass er es nicht habe erfinden kön-
nen. Es bestünden keine Zweifel daran, wer die Quittung ausgestellt habe (pag. 
1491).

14.2.2 Generalstaatsanwaltschaft

Von Seiten der Generalstaatsanwaltschaft wurde zusammengefasst vorgebracht, 
dass UID-Nummern gemäss Internetrecherche erst seit Januar 2011 an Unterneh-
men vergeben würden. Die Quittung stamme aber aus dem Jahr 2007, sodass da-
mals noch gar keine solche Nummer habe vermerkt werden können. Demnach sei 
klar, dass die Quittung gefälscht worden sei. Der Beschuldigte habe zudem bei der 
Polizei eine ganze Liste mit Gegenständen angegeben, welche gestohlen worden 
seien, darunter auch mehrere Uhren. Dass aber gerade die teuerste Uhr, die 
AG.________, angeblich vergessen worden sei, sei unglaubhaft. Der Beschuldigte 
habe eine Geschichte erfinden müssen, damit er sein Verhalten habe erklären 
können. Zudem seien die Verkäufer-/Käuferrollen auf der Quittung verkehrt ver-
merkt worden. Für eine Frau, die schon seit Jahren einen Laden führe und Ge-
schäftsfrau sei, sei lebensfremd, dass sie diese Rollen vertausche. Sie habe zu-
dem glaubhaft ausgesagt, dass ihre Quittungen normalerweise einen Stempel auf-
weisen würden. Ausserdem habe sie keinen Grund gehabt zu lügen, wenn sie die 
Uhr dem Beschuldigten tatsächlich verkauft hätte (pag. 1495).

14.3 Unbestrittener/bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist lediglich, dass die fragliche Quittung vom Beschuldigten bei der 
P.________ AG eingereicht wurde. Alles Übrige wird vollumfänglich bestritten.

14.4 Beweismittel

Als Beweismittel liegen der Kammer der Anzeigerapport vom 5. Dezember 2012 
(pag. 439 ff.), der Anzeigerapport vom 31. Juli 2012 (betreffend Einbruchdiebstahl 
am Domizil des Beschuldigten, pag. 449 ff.), eine Quittung über den Verkauf einer 
AG.________-Uhr vom 7. August 2007 (pag. 550), die Aussagen des Beschuldig-
ten (pag. 573 ff., pag. 1203 ff., pag. 1484 ff.), die Aussagen von Y.________ (pag. 
562 ff.), die Aussagen von AH.________ (pag. 568 ff.) sowie diejenigen von 
AI.________ (pag. 571 ff.) vor.

30

14.5 Beweiswürdigung

Dem Anzeigerapport vom 5. Dezember 2012 ist zu entnehmen, dass die Polizei am 
30. Juni 2012 am Domizil des Beschuldigten und seiner Lebenspartnerin, 
Y.________, vorstellig wurde. Nach Rücksprache mit der P.________ AG sei in Er-
fahrung gebracht worden, dass es zwischen dem Polizeirapport zum Einbruchdieb-
stahl und den eingereichten Schadenmeldeformularen gewisse Ungereimtheiten 
gebe. Unter anderem habe der Beschuldigte eine Uhr der Marke AG.________ im 
Wert von CHF 6'800.00 als gestohlen gemeldet, welche nicht im Polizeirapport 
aufgeführt werde (pag. 441). Aus dem Anzeigerapport bezüglich des Einbruchdieb-
stahls vom 29. bzw. 30. Juni 2012 geht nicht hervor, dass eine AG.________-Uhr 
im Wert von CHF 6‘800.00 gestohlen wurde. Es ist zwar zahlreiches Deliktsgut 
aufgeführt, auch einige Armbanduhren, aber keine Uhr der Marke AG.________ 
(pag. 449 ff). Dies erstaunt, zumal gerade das Fehlen der teuren Uhr, es wäre das 
teuerste Stück der gestohlenen Gegenstände gewesen, doch aufgefallen und ge-
genüber der Polizei erwähnt worden sein müsste. 

Der Beschuldigte präsentierte gegenüber der P.________ AG eine Quittung über 
den Verkauf einer Uhr der Marke AG.________ vom 7. August 2007 (pag. 550). 
Die Quittung habe ihm AH.________ ausgestellt (vgl. nachfolgende Aussagen des 
Beschuldigten). Der besagten Quittung ist zu entnehmen, dass die unterzeichnen-
de Frau AH.________ von der AF.________ AH.________ einen Betrag von CHF 
6‘800.00 für die Uhr erhalten habe, was jeglicher Logik entbehrt. Vielmehr müsste 
dort stehen, dass Frau AH.________ vom Beschuldigten (als angeblicher Käufer) 
einen Betrag über CHF 6‘800.00 erhalten habe, was aber nicht der Fall ist. Es ist 
fraglich, ob einer erfahrenen Verkäuferin ein solcher Fehler unterlaufen würde. Auf-
fällig ist sodann, dass sich die Unterschrift auf der Quittung von derjenigen von 
AH.________ auf dem Einvernahmeprotokoll unterscheidet (pag. 568). Als Grund 
für die Quittung wird aufgeführt: «j’ai vendu une montre AG.________ à monsieur 
A.________», was mit den Schilderungen des Beschuldigten übereinstimmen wür-
de. Der Quittung ist ferner eine UID-Nummer zu entnehmen (.________), welche – 
entgegen der Auffassung der Vorinstanz – mit derjenigen der Firma AF.________ 
übereinstimmt (vgl. der sich in den Akten befindlichen Zefix-Auszug, pag. 570). 

Im Rahmen ihrer polizeilichen Einvernahme vom 22. Oktober 2012 erklärte die In-
haberin des Geschäfts AF.________, AH.________, dass sie die vorgelegte Quit-
tung zum ersten Mal sehe. Die Unterschrift darauf sei weder ihre eigene noch die 
ihres Mannes oder ihres Vaters. Auch gäbe es niemanden in ihrem Geschäft, der 
eine solche Unterschrift habe. Zudem hätten sie auch immer einen Stempel auf die 
Quittungen gemacht (pag. 568, Z. 18 f.). Sie hätten in ihrem Geschäft nur Kleider 
verkauft (pag 569, Z. 25). Sie habe einmal eine Uhr der Marke AG.________ von 
ihrem Vater geschenkt bekommen, diese habe ihr Mann aber privat verkauft. Wo 
genau er sie verkauft habe, könne sie nicht sagen. Sie habe für die Uhr ca. CHF 
2‘000.00 erhalten (pag. 569, Z. 29 ff.). AI.________ sagte anlässlich seiner polizei-
lichen Einvernahme vom 30. Oktober 2012 weitgehend übereinstimmend aus, dass 
er die Quittung und Unterschrift nicht kenne und zum ersten Mal sehe. Diese Quit-
tung würde nicht von ihrem Geschäft stammen. Normalerweise würden sie in ihrem 

31

Geschäft auch keine Quittungen, sondern Kassenbons ausstellen, welche mit ei-
nem Stempel versehen würden (pag. 571 f., Z. 21 ff.). Früher hätten sie einige Male 
Uhren verkauft, aber dies sei Billigware aus dem Ausland gewesen. Eine 
AG.________ habe er einmalig privat für maximal CHF 1'000.00 - CHF 2'000.00 an 
einen Onkel verkauft (pag. 572, Z. 35 ff.). Die Aussagen der beiden Zeugen stim-
men in den wesentlichen Punkten überein; beide sagten aus, dass sie die Quittung 
und Unterschrift darauf nicht kennen würden, normalerweise ein Stempel ange-
bracht werde und nur einmalig ein privater Verkauf einer AG.________-Uhr durch 
AI.________ erfolgt sei. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb sie in Bezug auf die 
Ausstellung der Quittung oder den Verkauf einer Uhr lügen müssten, wäre doch ein 
solcher Verkauf – wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat – ohne weiteres 
zulässig gewesen. Hätten die beiden diesbezüglich etwas zu verbergen gehabt, 
hätten sie wohl auch nicht erwähnt, sondern vielmehr abgestritten, dass einmalig 
eine AG.________-Uhr privat verkauft worden sei. AI.________ nannte sogar den 
Namen des Käufers.

Die Aussagen des Beschuldigten zum Kauf der besagten Uhr bzw. Ausstellung der 
Quittung fielen nur wenig überzeugend aus. Anlässlich seiner polizeilichen Einver-
nahme vom 2. November 2012 gab er an, er habe die AG.________-Uhr im Jahre 
2007 oder 2006 in L.________ bei einer Verkäuferin namens «AJ.________» oder 
ähnlich, welcher das Geschäft AF.________ gehöre, gekauft. Er habe für die Uhr 
eine normale, handgeschriebene Quittung erhalten. Diese Quittung habe er aber 
verloren. Bezahlt habe er für die Uhr CHF 6‘800.00. Die Verkäuferin sei per Zufall 
im Sommer in sein Restaurant gekommen und habe nach Arbeit gefragt. Da habe 
er sie gebeten, ihm die Quittung erneut auszustellen und ihr dazu sein persönliches 
Quittungsbuch gegeben (pag. 576, Z. 124 ff.). Einige Zeit später sei sie wieder zu 
ihm gekommen und habe bekannt gegeben, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun 
haben wolle. Sie habe auf irgendeine Art erfahren, dass er wegen Hehlerei verhaf-
tet und befragt worden sei (pag. 577, Z. 147 ff.). An der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung vom 9. September 2019 berief sich der Beschuldigte auf sein Aussa-
geverweigerungsrecht (pag. 1222, Z. 12). Im Rahmen der Berufungsverhandlung 
bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen Aussagen zwar als richtig, sagte aller-
dings zum ersten Mal aus, dass er die Uhr im Jahr 2012 gekauft habe (pag. 1484, 
Z. 38). Dies widerspricht seinen vorherigen Aussagen, wonach die Uhr bereits im 
Jahr 2007 bzw. 2006 gekauft und die fragliche Quittung nachträglich ausgestellt 
worden sei, da er die ursprüngliche Quittung verloren habe. Wie bereits erwähnt 
scheint es auch merkwürdig, dass er die teure Uhr nicht bereits gegenüber der Po-
lizei erwähnte, sondern die Quittung lediglich bei der Versicherung einreichte. Fer-
ner wirken die Schilderungen des Beschuldigten, wonach ausgerechnet die dama-
lige Verkäuferin der Uhr, deren Quittung verloren gegangen sei, kurze Zeit nach 
dem Einbruch im Restaurant des Beschuldigten erscheint und nach Arbeit fragt, als 
nachträglich konstruiert. Der Beschuldigte musste auf Frage der Strafverfolgungs-
behörden irgendeine Erklärung dafür liefern, weshalb die fragliche Quittung in sein 
eigenes Quittungsbuch geschrieben worden war und nicht in dasjenige der Verkäu-
ferin, welches normalerweise für solche Geschäfte benutzt wird. Die Schilderungen 
des Beschuldigten widersprechen sodann diametral den glaubhaften Aussagen von 

32

AH.________ und AI.________. Die Erklärung des Beschuldigten, wonach 
AH.________ nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle, weil er wegen Hehlerei von 
der Polizei angehalten worden sei, überzeugt nicht und wirkt ebenfalls konstruiert. 
Diesfalls wäre sie wohl kaum – wie vom Beschuldigten behauptet – nochmals bei 
ihm vorbeigegangen, um ihm dies persönlich mitzuteilen. Die vom Beschuldigten 
geschilderte Version überzeugt nach dem Gesagten nicht. Daran vermag auch die 
Tatsache nichts zu ändern, dass sich seine Aussagen mit denjenigen von 
Y.________ decken. So handelt es sich bei ihr um seine Lebenspartnerin, welche 
ohnehin nur das schildern konnte, was der Beschuldigte – dessen Aussagen hier 
als unglaubhaft erachtet werden – ihr hierzu erzählt hat. 

Gesamthaft ist festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten konstruiert wir-
ken und sowohl teilweise in sich (so etwa betreffend Erwerbsjahr der Uhr) als auch 
in Bezug auf die glaubhaften Aussagen von AH.________ und AI.________ wider-
sprüchlich ausfielen. Die Unterschrift auf der Quittung stimmt nicht mit derjenigen 
von AH.________ auf ihrem Einvernahmeprotokoll überein (Schriftart und «ć») und 
die Parteien sind darauf vertauscht. Zudem wurde die besagte Uhr, welche das 
teuerste Stück der gestohlenen Gegenstände gewesen wäre, gegenüber der Poli-
zei nicht aufgeführt bzw. erwähnt. Die Kammer schliesst sich nach dem Gesagten 
der Auffassung der Vorinstanz an, wonach diese Quittung nicht wie vom Beschul-
digten behauptet von der AF.________ ausgestellt wurde. Die Quittung ist folglich 
nicht echt.

14.6 Beweisfazit und erstellter Sachverhalt

Die Kammer erachtet es als erstellt, dass der Beschuldigte die gefälschte Quittung 
über den Kauf bzw. Verkauf einer Uhr der Marke AG.________ von der Firma 
AF.________ bei der P.________ AG einreichte und damit deklarieren wollte, dass 
er die Uhr gekauft und sie ihm bei einem Einbruchdiebstahl gestohlen worden sei. 
Dies mit dem Ziel, den Wert der angeblich entwendeten AG.________-Uhr von 
CHF 6‘800.00 zu erhalten. Der Betrag wurde von der Versicherung nicht ausbe-
zahlt.

15. Vorwurf der Widerhandlung gegen das Waffengesetz

15.1 Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss Ziff. 2. der Anklageschrift vom 25. Januar 2018 
folgender Sachverhalt vorgeworfen (pag. 997):

Widerhandlung gegen das Waffengesetz

begangen am 04.02.2015 in 4243 Q.________, an der R.________(Strasse),

indem der Beschuldigte anlässlich einer Kontrolle ein CS-Spray (Sprayprodukt zur Selbstverteidigung) 
auf sich trug, ohne über die erforderliche Bewilligung zu verfügen. 

[…]

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15.2 Unbestrittener und erstellter Sachverhalt

Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 4. Februar 2015 anlässlich einer Kon-
trolle in Q.________ durch das Grenzwachtcorps in der linken Jackentasche einen 
CS-Spray mit sich trug (pag. 600 ff.) und hierfür über keine Tragebewilligung ver-
fügte. Der Beschuldigte gibt an, nicht gewusst zu haben, dass er eine solche 
benötige (pag. 610, Z. 62 f.). Dies wird im Rahmen der nachfolgenden rechtlichen 
Würdigung aufzugreifen sein (vgl. Ziff. 19. hiernach).

IV. Rechtliche Würdigung

16. Versuchte schwere Körperverletzung (Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 aStGB)

16.1 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Seitens der Verteidigung wurde zusammengefasst vorgebracht, dass die Begrün-
dung der Vorinstanz für den Eventualvorsatz schleierhaft sei. Das zitierte Urteil des 
Bundesgerichts 6B_8/2019 sei ferner nicht mit dem vorliegenden Fall vergleichbar. 
Selbst wenn die Spitze des Samurai-Schwerts scharf gewesen sei, was kriminal-
technisch nicht nachgewiesen sei, könne ein Dekorationsschwert nicht mit scharfen 
Küchenmessern verglichen werden. Die abstrakte Eignung eines Gegenstandes, 
eine schwere Körperverletzung herbeizuführen, reiche eben gerade nicht aus. Der 
Beschuldigte habe nicht mal gewusst, wo das Schwert hingegangen sei. Er habe 
mehrfach erwähnt, dass er das Opfer nicht habe verletzen wollen. Die Vorinstanz 
habe quasi die Fahrlässigkeit abgeschafft. Jeder, der eine Waffe auf sich trage, 
handle gemäss vorinstanzlicher Ansicht automatisch mindestens eventualvorsätz-
lich. Die vorliegende Konstellation vermöge sicher keinen Eventualvorsatz einer 
schweren Körperverletzung zu begründen (pag. 1489 f.).

Die Generalstaatsanwaltschaft brachte zusammengefasst vor, der Beschuldigte 
habe selber ausgesagt, er könne es sich gut vorstellen, dass man mit diesem 
Schwert jemanden verletzen könne. Er habe sogar ausgeführt, dass wenn man zu-
steche, dies bedeute, dass der andere dann tot sei. Wer jemanden mit einem 
Schlagstock und einem Schwert angreife, müsse schwere Verletzungen des Ge-
genübers schlichtweg in Kauf nehmen. Der Beschuldigte habe es dem Zufall über-
lassen, wo er das Opfer treffe und wie tief die Wunde ausfalle, da sie sich beide im 
Gerangel stark bewegt hätten und eine Dosierung schlicht unmöglich gewesen sei. 
Die Vorinstanz habe zudem zu Recht das Vorliegen einer Notwehrsituation verneint 
(pag. 1494).

Seitens des Straf- und Zivilklägers 1 wurde vorab auf die Ausführungen der Gene-
ralstaatsanwaltschaft verwiesen. Ergänzend wurde ausgeführt, dass der Beschul-
digte die Waffen in seinen Händen gehalten und damit sogar seinen Schwiegerva-
ter verletzt habe. Dies weise darauf hin, dass er eventualvorsätzlich gehandelt ha-
be. Er habe sogar ausgesagt, dass man damit einen Menschen hätte töten können 
(pag. 1496).

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16.2 Gesetzliche und theoretische Grundlagen

Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zu Art. 122 des Schweizerischen 
Strafgesetzbuches (aStGB; SR 311.0; schwere Körperverletzung) und Art. 22 Abs. 
1 aStGB (Versuch) kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (S. 22 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1290 ff.). 
Ergänzend bzw. teilweise wiederholend ist Folgendes festzuhalten:

Nach Art. 122 aStGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer 
vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den 
Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 
wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend 
arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen 
arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine andere schwere 
Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines 
Menschen verursacht (Abs. 3). 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Wil-
len ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich 
hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 aStGB), denn Eventualvorsatz ist gegeben, 
wenn der Täter die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch han-
delt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm ab-
findet, mag er ihm auch unerwünscht sein. Hat der Täter sämtliche subjektiven 
Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert, ohne 
dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind, liegt ein Versuch vor 
(vgl. Art. 22 Abs. 1 aStGB).

Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so 
ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umstän-
den angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 aStGB). Als Angriff gilt jede durch 
menschliches Verhalten drohende Verletzung rechtlich geschützter Interessen (Ur-
teil des BGer 6B_1356/2016 vom 5. Januar 2018 E. 3.1.2), wobei das Wort «An-
griff» nicht eng gefasst wird (vgl. BGE 102 IV 1 E. 2). 

16.3 Subsumtion

Was die Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbestand betrifft, kann 
vorab auf die zutreffenden Erwägungen in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung 
verwiesen werden (S. 22 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 1290 f. 
ff.). 

Es ist erstellt, dass der Beschuldigte dem Straf- und Zivilkläger 1 im Rahmen der 
Auseinandersetzung vom 8. Oktober 2010 diverse Verletzungen (darunter eine 
baumnussgrosse Verletzung am linken Scheitel sowie eine Stichverletzung an der 
linken Lende) zufügte. Der Straf- und Zivilkläger 1 hat objektiv «lediglich» eine ein-
fache Körperverletzung erlitten. Zwar musste er medizinisch versorgt werden, eine 
unmittelbare Lebensgefahr bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt und auch eine an-
dere schwere Schädigung ist nicht ersichtlich. Objektiv ist der Tatbestand der 
schweren Körperverletzung folglich nicht erfüllt. Mangels Erfolgseintritts stellt sich 

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die – von der Vorinstanz zu Recht bejahte – Frage, ob in subjektiver Hinsicht von 
einer versuchten schweren Körperverletzung auszugehen ist.

Wer während einer tätlichen Auseinandersetzung in einem dynamischen Gesche-
hen einen Schlagstock und ein Samurai-Schwert (zwar ein Dekorationsobjekt, wel-
ches aber offensichtlich geeignet ist, Stichverletzungen zuzufügen) gegen den Kopf 
und Körper eines Opfers einsetzt bzw. wie wild damit herumschlägt, riskiert ohne 
Weiteres die Herbeiführung eines lebensbedrohlichen Zustandes nach Art. 122 
aStGB. Es war aufgrund der gegebenen Umstände einzig dem Zufall zu verdan-
ken, dass der Erfolg nicht eingetreten ist. Der objektive Tatbestand wäre also durch 
das konkrete Tatvorgehen des Beschuldigten erfüllbar gewesen. Dass ein Schlag 
auf den Kopf mit einem Schlagstock und ein Stich mit einem derartigen Schwert zu 
sehr schweren mithin bis zu lebensgefährlichen Verletzungen führen kann, ent-
spricht – wie die Vorinstanz zu Recht