# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c230d942-cf9c-5e6b-98ed-fb51241cb0c6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.03.2010 A-643/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-643-2010_2010-03-15.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-643/2010
{T 1/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  M ä r z  2 0 1 0

Richterin Marianne Ryter Sauvant (Vorsitz), 
Richterin Kathrin Dietrich, Richter Jérôme Candrian, 
Gerichtsschreiberin Jana Mäder.

TVO AG, Bionstrasse 4, 9001 St. Gallen,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Jascha Schneider-
Marfels, Steinenberg 19, 4001 Basel,
Gesuchstellerin,

gegen

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, 
Energie und Kommunikation UVEK,
Bundeshaus Nord, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Erläuterungsgesuch.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-643/2010

Sachverhalt:

A.
Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) schrieb am 4. Septem-
ber  2007  13 Veranstalterkonzessionen  für  die  Verbreitung  von Regi-
onalfernsehprogrammen in der Schweiz aus. Im Dezember 2007 be-
warben sich die Tele Säntis AG (in Gründung) und die TVO AG um die 
Fernsehkonzession mit  Leistungsauftrag und Gebührenanteil  für  das 
Versorgungsgebiet Nr. 11 (Region Ostschweiz).

B.
Mit  Verfügung  vom  31. Oktober  2008  erteilte  das  Eidgenössische 
Departement  für  Umwelt,  Verkehr,  Energie  und  Kommunikation 
(UVEK) die Konzession für das Versorgungsgebiet Nr. 11 der TVO AG. 
Die Bewerbung der Tele Säntis AG (in Gründung) wurde abgewiesen. 

C.
Mit  Urteil  A-7762/2008  vom 10. Dezember  2009  hiess  das  Bundes-
verwaltungsgericht eine dagegen von Günter Heuberger (Tele Säntis 
AG [in Gründung]) erhobene Beschwerde gut, soweit sie nicht gegen-
standslos  geworden  war,  hob  die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom 
31. Oktober 2008 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung im Sinne 
der Erwägungen an die Vorinstanz zurück.

D.
Mit  Eingabe  vom  2. Februar  2010  gelangt  die  TVO  AG  (Gesuch-
stellerin)  mit  einem  Erläuterungsbegehren  an  das  Bundesver-
waltungsgericht.  Sie  ersucht  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Er-
wägungen  des  Urteils  dahingehend  zu  erläutern,  ob  die  Wett-
bewerbskommission  (WEKO)  zwingend  zu  konsultieren  sei  und  erst 
anschliessend  im  Falle  einer  marktbeherrschenden  Stellung  geklärt 
werden  müsse,  ob  ein  Missbrauch  vorliege,  oder  ob  zunächst  der 
medienpolitische  Missbrauchsbegriff  näher  definiert  werden  müsse 
und  erst  im  Anschluss  daran  ein  WEKO-Gutachten  einzuholen  sei, 
sollten tatsächlich konkrete Indizien für einen Missbrauch vorliegen.

E.
Eine Vernehmlassung wurde nicht eingeholt.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Für  die  Erläuterung  und  die  Berichtigung  von  Entscheiden  des 
Bundesverwaltungsgerichts  gilt  Art. 129  des  Bundesgesetzes  vom 
17. Juni  2005  über  das  Bundesgericht  (BGG,  SR 173.110)  sinn-
gemäss (Art. 48 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über 
das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]). Demzufolge nimmt 
das  Bundesverwaltungsgericht  auf  schriftliches  Gesuch  einer  Partei 
oder von Amtes wegen die Erläuterung oder Berichtigung eines Urteils 
vor, wenn das Dispositiv seines Entscheids unklar, unvollständig oder 
zweideutig ist oder wenn seine Bestimmungen untereinander oder mit 
der  Begründung  im  Widerspruch  stehen  oder  es  Redaktions-  oder 
Rechnungsfehler enthält (Art. 129 Abs. 1 BGG).

1.2 Art  und  Umfang  des  Erläuterungsbedarfs  sind  im  Gesuch 
substanziiert  darzulegen;  die  blosse  Behauptung,  die  Formulierung 
einer Entscheidung sei für eine Partei unverständlich, genügt zur Be-
gründung des Erläuterungsgesuchs nicht  (Urteil  des  Bundesgerichts 
4C.86/2004  vom 7.  Juli  2004  E. 1.4;  Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts  A-659/2010  vom  15. Februar  2010  E. 1.2).  Legitimiert  zum 
Stellen  eines  Erläuterungsbegehrens  sind  nach  dem  Wortlaut  des 
Gesetzes die Parteien.

2.
2.1 Die  Erläuterung  dient  nach  dem  klaren  Wortlaut  des  Gesetzes 
dazu,  Abhilfe zu schaffen,  wenn die Entscheidformel  (Dispositiv)  un-
klar,  unvollständig,  zweideutig  oder  in  sich  widersprüchlich  ist.  Sie 
kann sich ferner auf Gegensätze zwischen den Entscheidungsgründen 
und dem Dispositiv beziehen, nicht aber auf die Entscheidungsgründe 
als solche. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung unter-
liegen damit  die Erwägungen eines  Entscheids  der  Erläuterung  nur, 
wenn  und  insoweit  der  Sinn  des  Dispositivs  erst  durch  Beizug  der 
Entscheidungsgründe  ermittelt  werden  kann  (Urteil  des  Bundes-
gerichts 4G_1/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1; vgl. schon BGE 
110 V 222 E. 1 mit Hinweisen; Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts 
A-659/2010  vom 15. Februar  2010  E. 2.1).  Dies  trifft  namentlich  auf 
Entscheide zu, mit denen eine Streitsache "im Sinne der Erwägungen" 
zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird (NICOLAS 
VON WERDT,  Bundesgerichtsgesetz  [BGG]:  Bundesgesetz  über  das 
Bundesgericht, Handkommentar, Bern 2007, Art. 129, Rz. 5).

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2.2 Unzulässig  sind  dagegen  Erläuterungsgesuche,  die  auf  eine 
inhaltliche Abänderung der Entscheidung abzielen. Ebenso wenig geht 
es  an,  auf  dem  Weg  des  Erläuterungsgesuchs  über  den  rechts-
kräftigen  Entscheid  eine  allgemeine  Diskussion  (z.B.  über  dessen 
Recht-  und  Zweckmässigkeit)  einzuleiten,  die  schlechthin  jede 
Äusserung  des  Gerichts,  insbesondere  die  verwendeten  Rechts-
begriffe und Wörter zum Gegenstand hat. Vom Urteilsinhalt ist der Er-
läuterung  nur  zugänglich,  was  den  Charakter  einer  Anordnung  auf-
weist. Nicht dazu gehören namentlich Fragen, die vom Gericht nicht zu 
prüfen  waren  und  über  die  es  deshalb  nicht  zu  entscheiden  hatte 
(Urteil  des Bundesgerichts 4G_2/2009 vom 21. Oktober 2009 E. 1.1; 
Urteil des Bundesgerichts 5G_1/2008 vom 17. November 2008 E. 1.1; 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-659/2010  vom  15. Februar 
2010 E. 2.2). Der Erläuterungsbedarf ist vom Gericht – von offensicht-
lich unklaren Entscheiden abgesehen – nur mit Zurückhaltung zu be-
jahen (Urteil des Bundesgerichts 9G_1/2007 vom 27. März 2007 E. 2).

3.
3.1 Die  TVO  AG  war  als  Beschwerdegegnerin  Partei  im  Verfahren 
A-7762/2008  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom 
10. Dezember  2009)  und  ist  somit  zur  Stellung  eines  Erläuterungs-
begehrens legitimiert.

3.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Urteil  A-7762/2008  vom 
10. Dezember  2009  die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  31. Oktober 
2008  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  im  Sinne  der 
Erwägungen  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen  (vgl.  Ziff. 1  des  Dis-
positivs).  Das  Dispositiv  ist  weder  unklar  noch  widersprüchlich. 
Jedoch  kann  der  Sinn  des  Dispositivs  erst  durch  Beizug  der  Ent-
scheidungsgründe  ermittelt  werden,  weshalb  grundsätzlich  auch  die 
Erwägungen des Urteils der Erläuterung unterliegen, soweit  sie eine 
Anordnung enthalten.

3.3 Die  Rückweisung  "im  Sinne  der  Erwägungen"  verweist  auf 
Ziff. 12.11 des Urteils, wo insbesondere Folgendes festgehalten wird: 

"Die Vorinstanz bzw. das BAKOM als Fachbehörde haben demnach – allen-
falls mittels Konsultation der WEKO – zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 
die Meinungs- und Angebotsvielfalt  (Art. 44 Abs. 1 Bst. g RTVG) gefährdet. 
Dabei  hat  sie  den  medienpolitischen  Missbrauchsbegriff  u.a.  in  Aus-
einandersetzung  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  klarer  zu 
fassen, mithin allgemeine Kriterien zur Feststellung eines medienpolitischen 
Missbrauchs  zu definieren. Die  Vorinstanz  wird  überdies  die  Notwendigkeit 

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einer  Übergangsregelung  bis  zur  Rechtskraft  des  neu  zu  fällenden  Ent-
scheides zu prüfen haben."

Demnach  wurde  die  Vorinstanz  angewiesen,  zu  prüfen,  ob  die  Be-
schwerdegegnerin die Meinungs- und Angebotsvielfalt gemäss Art. 44 
Abs. 1 Bst. g RTVG gefährdet. Nicht  angeordnet  hat das Bundesver-
waltungsgericht jedoch, in welcher Reihenfolge die Vorinstanz die zwei 
kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen einer solchen Gefährdung 
der Meinungs- und Angebotsvielfalt (marktbeherrschende Stellung und 
Missbrauch) zu prüfen hat. Dieser Entscheid ist in das Ermessen der 
Vorinstanz gestellt. Mangels Charakter einer Anordnung ist somit der 
Urteilsinhalt in Bezug auf das Vorgehen der Vorinstanz bei der Prüfung 
der  Konzessionsvoraussetzung  der  fehlenden  Gefährdung  der 
Meinungs- und Angebotsvielfalt der Erläuterung nicht zugänglich (vgl. 
oben E. 2.2). 

Auf das Erläuterungsbegehren ist somit nicht einzutreten. 

4.
Bei  diesem  Verfahrensausgang  gilt  die  Gesuchstellerin  als  unter-
liegend,  weshalb ihr  die Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 63 
Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Ver-
waltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021]).  Diese  sind  auf  Fr. 500.- 
festzusetzen  und  mit  dem  von  der  Gesuchstellerin  geleisteten 
Kostenvorschuss  von  Fr. 1'000.-  zu  verrechnen.  Der  Restbetrag  von 
Fr. 500.- ist der Gesuchstellerin nach Eröffnung des Urteils zurückzu-
erstatten.  Eine  Parteientschädigung  ist  nicht  zu  entrichten  (Art. 64 
VwVG i.V.m. Art. 7  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]).

5.
Dieser Entscheid kann nicht mit  Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 
Bst. p Ziff. 1 BGG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Auf das Erläuterungsgesuch wird nicht eingetreten.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 500.-  werden  der  Gesuchstellerin  auf-
erlegt. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'000.- 
verrechnet. Die restlichen Fr. 500.-  werden der  Gesuchstellerin  nach 
Eröffnung dieses Urteils zurückerstattet. Hierzu hat die Gesuchstellerin 
dem Bundesverwaltungsgericht  einen  Einzahlungsschein  zuzustellen 
oder ihre Kontoinformation mitzuteilen.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Gesuchstellerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Einschreiben)
- Günter Heuberger z.K. (A-Post)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Marianne Ryter Sauvant Jana Mäder

Versand: 

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