# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e7ce2d0-c949-51dd-b829-e6ad73401095
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-10-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 21.10.2025 SR2 2025 71
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SR2-2025-71_2025-10-21.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Graubünden
Dretgira superiura dal chantun Grischun
Tribunale d'appello del Cantone dei Grigioni

Verfügung vom 21. Oktober 2025
mitgeteilt am 23. Oktober 2025

Referenz SR2 25 71

Instanz Zweite strafrechtliche Kammer

Besetzung Bergamin, Vorsitz
Guetg, Aktuar23

Parteien A._____
Beschwerdeführerin

Gegenstand Ehrverletzung und Drohung

Anfechtungsobj. Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 16. 
September 2025 (Proz. Nr. EK.2025.7574)

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Sachverhalt

A. A._____ erschien am 6. Mai 2025 am Schalter des Polizeistützpunktes 
Prättigau und meldete, dass sie von ihrem Schwiegervater B._____ und dessen 
Schwager C._____ bedroht werde. Sie konnte lediglich die Namen und Vornamen 
der Beschuldigten angeben. Eine Verifizierung der Personalien mittels IP-Anfrage 
bei den Behörden in O.1._____ blieb ergebnislos.

B. Mit Verfügung vom 16. September 2025 beschied die Staatsanwaltschaft 
Graubünden (fortan: Staatsanwaltschaft) gestützt auf Art. 310 i.V.m. 
Art. 319 ff. StPO, kein Strafverfahren an die Hand zu nehmen, unter Kostenfolgen 
zulasten des Staates.

C. Mit Eingabe vom 24. September 2025 (Poststempel vom 26. September 
2025) erhob A._____ (fortan: Beschwerdeführerin) gegen die Nichtanhandnahme 
Beschwerde an das Obergericht des Kantons Graubünden. Sie beantragt, die 
Verfügung aufzuheben und ein Strafverfahren zu eröffnen.

D. Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Stellungnahme vom 8. Oktober 
2025, die Beschwerde infolge Gegenstandslosigkeit als erledigt abzuschreiben, 
eventualiter die Beschwerde gutzuheissen. 

E. Die Verfahrensakten EK.2025.7574 wurden beigezogen. Die Angelegenheit 
ist spruchreif. 

Erwägungen

1.1. Angefochten ist eine Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft. 
Dagegen ist die Beschwerde an das Obergericht des Kantons Graubünden zulässig 
(Art. 310 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO 
sowie Art. 22 EGzStPO [BR 350.100]). 

1.2. Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt, die 
Nichtanhandnahme sei mit Verfügung vom 8. Oktober 2025 in Wiedererwägung 
gezogen worden, womit das Anfechtungsobjekt weggefallen sei. Ein solches 
Vorgehen sei nach der Praxis und trotz des von einer Beschwerde ausgehenden 
Devolutiveffekts möglich, sofern die Wiederaufnahmegründe im Sinne von Art. 323 
Abs. 1 StPO vorliegen würden. Gemäss Obergericht des Kantons Bern (BK 23 333 
vom 1. November 2023) sei dies zwar nur bei Einstellungsverfügungen möglich, da 
der Abschreibungsentscheid angefochten werden könnte, was ein weiteres 
Rechtsmittel schaffen würde, welches bei einer ordentlichen Wiederaufnahme nicht 
gegeben wäre. Die Täterschaft sei vorliegend zunächst unbekannt geblieben. Es 

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sei bereits nicht ersichtlich, wer den allfälligen Abschreibungsbeschluss anfechten 
könnte. Eine faktische Erweiterung der Beschwerdemöglichkeiten würde nicht 
geschaffen, und zwar selbst dann nicht, wenn man davon ausginge, dass der infolge 
Gegenstandslosigkeit erfolgte Abschreibungsbeschluss grundsätzlich anfechtbar 
wäre. Die in Wiedererwägung gezogene Nichtanhandnahme bewirke die Einleitung 
des Vorverfahrens, also die gleiche Wirkung wie die Wiederaufnahme nach 
rechtskräftiger Nichtanhandnahme. Diese sei – ausserhalb des 
Anwendungsbereichs von Art. 300 Abs. 2 StPO – nicht anfechtbar, was in der 
logischen Folge auch für die Wiedererwägung zutreffe. Die Beschwerdeführerin 
habe neue Sachverhaltselemente vorgebracht. Damit hätten sich die Umstände seit 
der Nichtanhandnahme in einem wesentlichen Punkt geändert, weshalb die 
Verfügung seitens der Staatsanwaltschaft in Wiedererwägung gezogen worden sei 
(act. A.3, S. 2). 

1.3. Unter prozessökonomischen Gesichtspunkten ist die Position der 
Staatsanwaltschaft nachvollziehbar. Gleichwohl kann ihr nicht gefolgt werden. 
Gemäss kantonaler Praxis ist eine Wiedererwägung bei einer durch die erlassene 
Behörde als fehlerhaft angesehenen Einstellungsverfügung ausgeschlossen (vgl. 
PKG 2016 Nr. 27 E. 3a m.w.H.; vgl. auch Beschluss des [ehemaligen] 
Kantonsgerichts von Graubünden SK2 22 49 vom 3. Mai 2023 E. 2.2). Das 
Bundesstrafgericht scheint die Zulässigkeit zur Wiedererwägung von mittels 
Beschwerden gemäss Art. 393 ff. StPO angefochtenen Verfügungen pauschal zu 
verneinen (vgl. etwa Urteil des Bundesstrafgerichts BB.2022.147 vom 15. Februar 
2023 E. 2.1). Soweit ersichtlich, hat sich das Bundesgericht bislang noch nicht zur 
Frage geäussert. Eine Änderung der diesbezüglichen kantonalen Praxis (betreffend 
Wiedererwägung von Einstellungsverfügungen) erscheint ebenso wenig angezeigt 
wie eine abweichende Handhabung der im Wesen und hinsichtlich ihrer 
Rechtsfolgen (vgl. Art. 310 Abs. 2 StPO) vergleichbaren 
Nichtanhandnahmeverfügung. 

1.4. Die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 16. 
September 2025 wurde am 26. September 2025 angefochten. Abgesehen davon, 
dass ganz grundsätzlich keine gesetzliche Kompetenz zur wiedererwägungsweisen 
Änderung bzw. Aufhebung der Nichtanhandnahmeverfügung bestand, wäre die 
Vorinstanz hierzu aufgrund des mit der Rechtshängigkeit eingetretenen 
Devolutiveffekts auch nicht zuständig gewesen. Die Wiedererwägungsverfügung 
vom 8. Oktober 2025 (act. E.3) ist mithin nichtig, was von Amtes wegen festzustellen 
ist (vgl. Urteil des Bundesstrafgerichts BB.2022.147 vom 15. Februar 2023 E. 2.1 

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ff.). Damit liegt nach wie vor ein gültiges Anfechtungsobjekt vor 
(Nichtanhandnahmeverfügung vom 16. September 2025). 

2.1. Die Beschwerde ist zu begründen (Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 
StPO). Die beschwerdeführende Partei hat genau anzugeben, welche Punkte des 
Entscheids sie anficht, welche Gründe einen anderen Entscheid nahe legen und 
welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 StPO). Bei Laieneingaben sind die 
Anforderungen an die Begründungspflicht nicht allzu hoch anzusetzen; die Eingabe 
muss allerdings selbst in diesen Fällen den Rechtsstandpunkt bzw. die Argumente 
der Beschwerdeführer hinreichend deutlich werden lassen, und diese Argumente 
müssen sich in sachlicher sowie gebührender Form auf das vorliegende Verfahren 
beziehen (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 6B_278/2013 vom 5. September 
2013 E. 1). Die Laienbeschwerde muss sich zumindest ansatzweise mit den 
Erwägungen des angefochtenen Entscheids, d.h. vorliegend der 
Nichtanhandnahmeverfügung auseinandersetzen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_288/2017 vom 9. Juni 2017 E. 2.2.2). 

2.2. Die Beschwerde enthält nur rudimentäre Ausführungen. Gleichwohl gehen 
aus ihr gerade noch genügend das Anfechtungsmotiv und die Gründe hervor, 
weshalb sie rechtsfehlerhaft sein soll. Die Beschwerdeführerin stellt sich nämlich 
auf den Standpunkt, sie sei ihrer Mitwirkungspflicht nachgekommen und habe 
zwischenzeitlich und nach Erhalt der angefochtenen Verfügung die vollständige 
Adresse ihres Schwiegervaters angegeben (vgl. act. A.1). Damit macht sie 
zumindest implizit geltend, die Umstände seit der Nichtanhandnahme hätten sich in 
einem wesentlichen Punkt geändert. Die Beschwerde erfüllt damit die an eine 
Laienbeschwerde zu stellenden minimalen Begründungsanforderungen. Da die 
übrigen Prozessvoraussetzungen zu keinen Bemerkungen Anlass geben, ist auf die 
Beschwerde einzutreten.

3.1. Die Staatsanwaltschaft begründete die Nichtanhandnahme damit, dass 
aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin die Personalien der beschuldigten 
Personen nicht hätten verifiziert werden können. Weitere Ermittlungshandlungen 
seien nicht möglich gewesen, sodass die Täterschaft unbekannt geblieben sei (act. 
A.2, S. 1). Sie führt weiter aus, aufgrund der zwischenzeitlich eingereichten 
Adressangaben lägen neue Ermittlungsansätze vor. Werde das Verfahren nicht 
abgeschrieben, so sei die Beschwerde gutzuheissen (act. A.2, S. 3). 

3.2. Gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die 
Nichtanhandnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports 
feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen 

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eindeutig nicht erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder aus 
den in Art. 8 StPO genannten Gründen auf eine Strafverfolgung zu verzichten ist 
(lit. c). Eine Nichtanhandnahmeverfügung hat zu ergehen, wenn die 
Staatsanwaltschaft allein aufgrund der Ermittlungsergebnisse oder der Strafanzeige 
die Untersuchung nicht eröffnet, da die Führung eines Verfahrens geradezu 
aussichtslos erscheint (VOGELSANG, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 310 N. 6 
m.w.H.). Die Beschwerde ist ein ordentliches, vollkommenes und devolutives 
Rechtsmittel, welches die Überprüfung des angefochtenen Entscheids mit freier 
Kognition erlaubt. Noven sind zulässig (BGE 141 IV 396 E 4.4). Es ist derjenige 
Sachverhalt zugrunde zu legen, wie er im Zeitpunkt der Entscheidfällung durch die 
Beschwerdeinstanz besteht (vgl. GUIDON, Die Beschwerde gemäss 
Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, S. 159). 

3.3. Bei der von der Beschwerdeführerin nach Erlass der Einstellungsverfügung 
im Rahmen der Beschwerde eingereichten Adresse ihres Schwiegervaters, die sie 
nach eigenen Angaben von ihrem Ehemann erhalten habe, handelt es sich um ein 
Novum. Wie die Staatsanwaltschaft selbst festhält, lässt sich aufgrund dieses neuen 
Beweismittels die Nichtanhandnahmeverfügung nicht (mehr) aufrechterhalten, da 
neue Ermittlungsansätze zumindest möglich erscheinen. Die Beschwerde ist daher 
gutzuheissen, und die angefochtene Nichtanhandnahmeverfügung aufzuheben. Die 
Angelegenheit ist zur Weiterführung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an 
die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen (Art. 397 Abs. 2 StPO).

4. Dieser Entscheid ergeht in Anwendung von Art. 38 Abs. 3 GOG (BR 173.000) 
in einzelrichterlicher Kompetenz.

5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat nach Art. 428 Abs. 4 StPO der 
Kanton Graubünden (Obergericht) die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu 
tragen. In Anwendung von Art. 7 Abs. 1 und Art. 11 der Verordnung über die 
Gerichtsgebühren in Strafverfahren (VGS; BR 350.201) werden die Kosten des 
Beschwerdeverfahrens vorliegend auf CHF 500.00 festgesetzt.

5.2. Eine Parteientschädigung ist in Ermangelung eines entsprechenden 
Antrages nicht zu sprechen. 

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Es wird erkannt:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene 
Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 16. 
September 2025 aufgehoben und die Sache an die Staatsanwaltschaft 
Graubünden zur Fortführung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen 
zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von CHF 500.00 gehen zulasten des 
Kantons Graubünden (Obergericht).

3. Entschädigungen werden keine gesprochen.

4. [Rechtsmittelbelehrung] 

5. [Mitteilung an:]