# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd88f54c-1c7d-51eb-9232-b010d8309125
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin U: Verfügung vom 2.10.2017
**Docket/Reference:** Verf%C3%BCgung_Engadin_U_Publikation
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2018/Verf%C3%BCgung_Engadin_U_Publikation.pdf.download.pdf/Verf%C3%BCgung_Engadin_U_Publikation.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Hinweis: 

Diese Verfügung wurde von einem Teil der Parteien beim Bundesverwaltungsgericht 
angefochten und ist derzeit dort hängig (Stand: September 2018). Sie ist daher gegen-
über den beschwerdeführenden Parteien nicht rechtskräftig. 

Verfügung 
vom 2. Oktober 2017 

in Sachen 
Untersuchung gemäss Artikel 27 des Bundesgesetzes über Kartelle und andere 
Wettbewerbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 (Kartellgesetz [KG]; SR 251) 
betreffend 

22-04uu: Hoch- und Tiefbauleistungen 
Engadin U ([Bauprojekt 1]) 

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG 

gegen 

1.  Bezzola Denoth AG, Fond 235, 7550 Scuol  

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland 
AG, Stadelhoferstrasse 22, 8001 Zürich 

2.  D. Martinelli AG, Via San Gian 46, 7500 St. Moritz 
vertreten durch RA Dr. Seraina Denoth, Fischer 
Rechtsanwälte GmbH, Selnaustrasse 6, 8001 Zürich 

3.  Implenia Schweiz AG, Industriestrasse 24, 8305 Dietlikon 
vertreten durch RA Dr. Marcel Meinhardt, RA Dr. Frank 
Bremer, RA Anna Katharina Burri, Lenz & Staehelin, 
Brandschenkestrasse 24, 8027 Zürich 

22-00038/COO.2101.111.3.247709 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
Besetzung 

Vincent Martenet (Präsident, Vorsitz), 
Andreas Heinemann, Armin Schmutzler (Vizepräsidenten), 
Florence Bettschart-Narbel, Winand Emons, Andreas Kellerhals, 
Pranvera Këllezi, Rudolf Minsch, Martin Rufer, Henrique 
Schneider, Danièle Wüthrich-Meyer 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

2 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 
Verfahren .................................................................................................................... 4 
A.1  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 4 
A.2  Untersuchungsadressatinnen ...................................................................................... 4 
Bezzola Denoth AG, Scuol ...................................................................................... 4 
A.2.1 
D. Martinelli AG, St. Moritz ...................................................................................... 4 
A.2.2 
A.2.3 
Implenia Schweiz AG, Dietlikon ............................................................................... 4 
A.3  Verfahrensgeschichte .................................................................................................. 4 

B 
Sachverhalt ................................................................................................................ 8 
B.1  Vorbemerkungen zum Beweis ..................................................................................... 8 
Beweiswürdigung und Beweismass ........................................................................ 8 
B.1.1 
B.1.2 
Verwertbarkeit der Aussagen von Martinelli vom 30. Oktober 2015 ......................... 9 
B.2  Beweisthema ............................................................................................................. 10 
B.3  Beweismittel .............................................................................................................. 10 
Urkunden .............................................................................................................. 11 
B.3.1 
B.3.2 
Auskünfte von Parteien ......................................................................................... 12 
B.4  Beweiswürdigung ....................................................................................................... 13 
Konsens ................................................................................................................ 13 
B.4.1 
Verfolgter Zweck ................................................................................................... 14 
B.4.2 
Rolle der Beteiligten .............................................................................................. 15 
B.4.3 
B.4.4 
Umsetzung und Auswirkungen .............................................................................. 16 
B.5  Beweisergebnis ......................................................................................................... 16 

Erwägungen ............................................................................................................. 17 
C 
C.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 17 
Persönlicher Geltungsbereich ............................................................................... 17 
C.1.1 
Verfügungsadressatinnen...................................................................................... 17 
C.1.2 
C.1.3 
Sachlicher Geltungsbereich ................................................................................... 17 
C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich ................................................................ 17 
C.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 17 
C.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede............................................................................... 18 
C.3.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 18 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 20 
C.3.2 
Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 22 
C.3.3 
Rechtfertigung aus Effizienzgründen ..................................................................... 23 
C.3.4 
C.3.5 
Ergebnis ................................................................................................................ 23 
C.4  Massnahmen ............................................................................................................. 23 
Anordnung von Massnahmen ................................................................................ 23 
C.4.1 
Sanktionierung ...................................................................................................... 24 
C.4.2 

D 

E 

Kosten ...................................................................................................................... 34 

Dispositiv ................................................................................................................. 36 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

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A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand  der  vorliegenden  Untersuchung  bildet  die  Frage,  ob  die  Bezzola  Denoth 
AG, Scuol, die D. Martinelli AG, St. Moritz, sowie die Implenia Schweiz AG, Dietlikon, in Bezug 
auf  die  Ausschreibung  [Bauprojekt  1],  aus  dem Jahr […]  (nachfolgend:  [Bauprojekt  1])  eine 
unzulässige Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c KG1 getroffen haben. 

A.2 

Untersuchungsadressatinnen 

A.2.1  Bezzola Denoth AG, Scuol  

2. 
Die Bezzola Denoth AG (nachfolgend: Bezzola Denoth) mit Sitz in Scuol ist seit 2005 im 
Handelsregister  eingetragen  und  bezweckt  demnach  die  Übernahme  und  Ausführung  von 
Hoch- und Tiefbauten aller Art sowie den Handel mit Baumaterialien. 

A.2.2  D. Martinelli AG, St. Moritz 

Die D. Martinelli AG (nachfolgend: Martinelli) mit Sitz in St. Moritz ist seit 2004 im Han-
3. 
delsregister eingetragen und bezweckt demnach den Betrieb einer Bauunternehmung, eines 
Gipsergeschäftes sowie den Handel und die Verwaltung von Immobilien. Martinelli beschäftigt 
ca. 80 Mitarbeitende. 

A.2.3 

Implenia Schweiz AG, Dietlikon 

4. 
Die Implenia Schweiz AG (nachfolgend: Implenia) mit Sitz in Dietlikon entstand 2006 aus 
dem Zusammenschluss von Zschokke und Batigroup. Laut Handelsregister bezweckt sie den 
Betrieb  eines  Bauunternehmens.  Ihr  Geschäftsbereich  umfasst  u.a.  im  In-  und  Ausland  die 
Planung,  Leitung  und  Ausführung  von  Bauleistungen  im  Hoch-  und  Tiefbau  für  fremde  und 
eigene Rechnung. Die Implenia verfügt über zahlreiche Standorte, u.a. auch in […]. 

A.3 

Verfahrensgeschichte 

5. 
Am 30. Oktober 2012 eröffnete das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: Sekretariat) im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskom-
mission (nachfolgend: WEKO) gegen 19 Unternehmen der Baubranche im Unterengadin eine 
Untersuchung nach Art. 27 ff. KG, namentlich auch gegen Bezzola Denoth und Implenia. Vom 
30. Oktober bis 1. November 2012 führte es an insgesamt 13 Standorten Hausdurchsuchun-
gen durch, u.a. auch bei Bezzola Denoth und Implenia. 

6. 
Am 1. November 2012, also noch während der Hausdurchsuchung, reichte Implenia eine 
Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG ein,2 welche 
sie mehrfach ergänzte. 

1   Bundesgesetz  vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2   Act. IX.A.1 (25-0037). Die Akten des vorliegenden Verfahrens setzen sich aus den Akten bis und 
mit der Verfahrenstrennung vom 23. November 2015 (Aktenverzeichnis  22-0433) und den  Akten 
nach der Verfahrenstrennung (Aktenverzeichnis 22-04uu) zusammen. Ist bei der Angabe der Ak-
tenstücke (Act.) kein Hinweis auf das Aktenverzeichnis vermerkt, sind diese  im Aktenverzeichnis 
22-0433 erfasst. Die Nummer der Selbstanzeigedossiers (25-er) wurde ebenfalls angegeben 

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7. 
Am 9. November 2012 reichte Bezzola Denoth eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 
2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG3 betreffend dem Gebiet Unterengadin4 ein. Am 
4. Dezember 2012 ergänzte Bezzola Denoth ihre Bonusmeldung auch betreffend das vorlie-
gende  Projekt.5  Am  1.  Februar  2013  reichte  Bezzola  Denoth  eine  Ergänzung der  Selbstan-
zeige insbesondere betreffend das vorliegende Projekt ein.6 

8. 
Im Rahmen der mündlichen Ergänzungen der Selbstanzeige vom 16. November 2012 
zeigte Implenia zwei Hochbauprojekte im Kanton Graubünden an und präzisierte, dass sie im 
Engadin nicht im Hochbau tätig sei.7 

9.  Mit Schreiben vom 28. Februar 20138 fragte das Sekretariat bei Implenia nach, ob die 
zwei angezeigten Hochbauprojekte am 16. November 2012 die einzigen Hochbauprojekte im 
Kanton Graubünden seien, welche durch die interne Untersuchung bei Implenia hätten identi-
fiziert werden können und ob die Bonusmeldung im Bereich Hochbau weiterhin den ganzen 
Kanton Graubünden betreffe oder nur gewisse Teile davon.  

10.  Mit  Eingabe  vom  4.  April  20139  zeigte  Implenia  weitere  Hochbauprojekte  im  Kanton 
Graubünden, die nicht im Engadin gelegen waren, an und wiederholte, dass sie im Bereich 
des Hochbaus – ausser im Engadin – im ganzen Kanton Graubünden tätig sei.10  

11.  Am 22. April und am 23. April 2013 dehnte das Sekretariat die Untersuchung in örtlicher 
Hinsicht auf den gesamten Kanton Graubünden und in persönlicher Hinsicht auf weitere Un-
ternehmen aus und führte weitere Hausdurchsuchungen durch. 

12.  Am 23. April 2013 teilte das Sekretariat im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsi-
diums der WEKO Implenia mit, dass die Voraussetzungen für den vollständigen Sanktionser-
lass nach Art. 9 Abs. 3 Bst. a-c SVKG für die von ihr angezeigten unzulässigen Wettbewerbs-
abreden im Zusammenhang mit dem Verfahren 22-0433: Bauleistungen Graubünden durch 
Implenia erfüllt waren.11 

13.  Mit Schreiben vom 23. Oktober 2015 gab das Sekretariat Implenia die Möglichkeit, deren 
Selbstanzeige u.a. im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] zu ergänzen.12 

14.  Am 26. Oktober 2015 wurde [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, im Rahmen der Selbstan-
zeige der Bezzola Denoth zu einem allfälligen Wettbewerbsverstoss im Zusammenhang mit 
dem [Bauprojekt 1] befragt.13  

15.  Am 18. November 2015 ergänzte Implenia ihre Bonusmeldung auch in Bezug auf das 
vorliegend zu beurteilende Projekt.14  

16.  Mit  Zwischenverfügung vom  23.  November  2015  dehnte  das  Sekretariat  die  Untersu-
chung 22-0433: Bauleistungen Graubünden im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidi-
ums  der WEKO  auf  Martinelli15  aus  und trennte anschliessend  die Untersuchung „22-04uu: 

3   Verordnung  vom  12.3.2004  über  die  Sanktionen  bei  unzulässigen  Wettbewerbsbeschränkungen 

(KG-Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5). 

4   Act. IX.C.003 (25-0039). 
5   Act. IX.C.027, pag. 18 (25-0039).  
6   Act. IX.C.035, pag. 35 und 36 (25-0039). 
7   Act. IX.A.11 (25-0037). 
8   Act. IX.A.24 (25-0037). 
9   Act. IX.A.28 (25-0037). 
10   Act. IX.A.28, S. 17 (25-0037). 
11   Act. IX.A.44 (25-0037). 
12   Act. IX.A.51 (25-0037). 
13   Act. IX.C.060 (25-0039). 
14  Act. IX.A.53, pag. 3 (25-0037). 
15   Act. I.513. 

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Hoch-  und  Tiefbauleistungen  Engadin  U“  von  der  Untersuchung  „22-0433:  Bauleistungen 
Graubünden“ ab. 16 

17.  Am 17. Dezember 2015 ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige erneut in Bezug auf das 
vorliegend zu beurteilende Projekt.17  

18.  Das Sekretariat stellte am […] 2016 der Bauherrschaft einen Fragenbogen zu, welcher 
am […] 201618 fristgerecht und beantwortet beim Sekretariat einging. 

19.  Am 7. Juni 2016 stellte das Sekretariat den Verfahrensparteien die Verfahrensakten (mit 
Ausnahme der Selbstanzeigeakten) auf einem gesicherten Server der Bundesbehörden zur 
Einsicht bereit.19  

20.  Am 22. Juli 201620 ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige erneut in Bezug auf das vorlie-
gend zu beurteilende Projekt. 

21.  Mit Schreiben vom 11. August 2016 informierte das Sekretariat die Verfahrensparteien, 
welche Unternehmen Selbstanzeige eingereicht haben. Weiter informierte es, wie in die ent-
sprechenden Selbstanzeigedossiers eingesehen werden kann.21 

22.  Am  10.  November  201622  reichte  die  Implenia  die  nun  mit  Hilfe  eines  externen  IT-
Experten lesbar gemachten SIA-Dateien nach.  

23.  Am  21.  November  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die elektronisch versendeten Beilagen der Selbstanzeigedossiers.23  

24.  Am  12.  Dezember  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die Einsicht in die eigentlichen Selbstanzeigen in den Räumlichkeiten 
des Sekretariats.24  

25.  Am  29.  März  2017  stellte  das  Sekretariat  den  Parteien  den  Antrag  an  die WEKO  zur 
Stellungnahme gemäss Art. 30 Abs. 2 KG zu. Es beantragte im Wesentlichen, dass Bezzola 
Denoth wegen Beteiligung an einer gemäss Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässigen Wett-
bewerbsabrede mit einer Sanktion im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG von CHF […] zu belasten 
sei. Martinelli sei mit einem Betrag von CHF […] und Implenia mit einem Betrag von CHF […] 
zu belasten. 

26.  Zeitnah gewährte das Sekretariat auf elektronischem Weg Einsicht in diejenigen Verfah-
rensakten, welche seit dem 7. Juni 2016 neu ins Dossier aufgenommen worden waren.25 Die 
Einsicht in die Beilagen zu den Selbstanzeigen erfolgte am 30. März 2017 durch Versand der 
elektronischen Aktenverzeichnisse.26 Zudem hatten die Verfahrensparteien die Gelegenheit, 
ab 3. April 2017 in die eigentlichen Selbstanzeigen vor Ort in den Räumlichkeiten des Sekre-
tariats  einzusehen.27  Implenia  nahm  zwischen  3.  und  6.  April  201728  sowie  am  29.  August 

16   Act. I.505, I.513 und I.520. 
17  Act. 2 (22-04uu/25-0037). 
18   […]. 
19   Act. 5 (22-04uu). 
20   Act. 9 (22-04uu/25-0037). 
21   Act. 10, 11 und 12 (22-04uu). 
22   Act. 30 (22-04uu/25-0037). 
23   Act. 32–34 (22-04uu). 
24   Act. 37–39 (22-04uu). 
25   Act. 50 (22-04uu). 
26   Act. 49 (22-04uu). 
27   Act. 69 (22-04uu). 
28   Act. 52-55 (22-04uu). 

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201729 in den Räumlichkeiten des Sekretariats Einsicht in die Selbstanzeigen, Martinelli am 
31. Mai 201730. 

27.  Mit Eingabe vom 14. Juni 201731 bezog Martinelli zum Antrag des Sekretariats Stellung. 
Martinelli bestreitet die Absicht, den Wettbewerb beeinflussen gewollt zu haben und jegliche 
Absprache. Auf die einzelnen Vorbringen wird – soweit geboten – an entsprechender Stelle 
der Verfügung näher eingegangen. Sie beantragte keine Anhörung durch die WEKO, wollte 
aber bei der Anhörung der Implenia und der Bezzola Denoth anwesend sein. In ihrer Stellung-
nahme stellte Martinelli folgende Anträge: 

1. 

2. 

3. 

Die Untersuchung gegen D. Martinelli AG sei einzustellen; 

D. Martinelli AG sei keine Sanktion gemäss Art. 49a Abs. 1 KG aufzuerlegen; 

D. Martinelli AG seien keine Kosten aufzuerlegen. 

28.  Mit  Eingabe  vom  14.  Juni  201732  nahm  Bezzola Denoth  zum  Antrag  des  Sekretariats 
Stellung und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. Bezzola Denoth wurde am 4. Sep-
tember 2017 durch die WEKO angehört. Dabei wurde sie durch [Mitarbeiter B], [Mitarbeiter A] 
und ihren Rechtsvertreter vertreten.33  

29. 
In ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 2017 sowie an der Anhörung vom 4. September 
2017 beantragte Bezzola Denoth, dass ihr die Sanktion im vorliegenden Verfahren vollständig 
zu erlassen sei. Konkret stellte sie das im Antrag des Sekretariats festgehaltene Beweisergeb-
nis  weitgehend  in  Frage  und  begründete  auch  in  rechtlicher  Hinsicht  ihren  abweichenden 
Standpunkt. Martinelli und Implenia seien keine „echten“ Konkurrentinnen der Bezzola Denoth 
für  das [Bauprojekt  1] gewesen,  weil  sie aufgrund  der  zu grossen  Entfernung  bislang keine 
Hochbauten im Unterengadin ausgeführt hätten.34 Daher könne der Informationstausch weder 
eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken noch bewirken. Die Bezzola Denoth habe zwar 
„Schutz“ von Martinelli und Implenia bekommen. Allerdings sei nicht eindeutig, was die Betei-
ligten darunter jeweils verstanden hätten. Die jeweils bilateralen Kontakte sprächen viel mehr 
für  einen  Gefallen  als  für  eine  (aussichtlose)  „Zuschlagsteuerung“  der  drei  Unternehmen.35 
Nicht nur das Vorliegen einer Abrede sei fraglich, sondern auch ob das Verhalten der Parteien 
die Beseitigung des Wettbewerbs herbeigeführt habe. [2-5] Unternehmen hätten ein unbeein-
flusstes Angebot eingereicht, was die Beseitigung des Wettbewerbs ausschliessen würde.36 
Bezzola  Denoth  habe  den  Zuschlag  bei  [Bauprojekt  1]  erhalten,  weil  sie  das  konkurrenzfä-
higste  Angebot  eingereicht  habe.  Auf  die  einzelnen  Vorbringen  von  Bezzola  Denoth  wird  – 
soweit geboten – an entsprechender Stelle in der Verfügung näher eingegangen. 

30.  Mit Eingabe vom 21. Juni 201737 nahm Implenia zum Antrag des Sekretariats Stellung 
und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. Implenia wurde am 4. September 2017 durch 
die WEKO angehört. Dabei wurde sie durch [Mitarbeiter C] und ihre Rechtsvertreter vertre-
ten.38 

31. 
In ihrer Stellungnahme vom 21. Juni 2017 und an der Anhörung vom 4. September 2017 
machte Implenia geltend, dass sie im November 2012 im Verfahren 22-0433 Bauleistungen 

29   Act. 95 (22-04uu). 
30   Act. 69 (22-04uu). 
31   Act. 70 (22-04uu). 
32   Act. 96 (22-04uu). 
33   Vgl. Protokoll der Anhörung Act. 96 (22-04uu).  
34   Act. 96, Rz 8 und 9 (22-04uu). 
35   Act. 96, Rz 7 
36   Act. 96, Rz 14 (22-04uu). 
37   Act. 72 (22-04uu). 
38   Vgl. Protokoll der Anhörung: Act. 97 (22-04uu) und 98 (22-04uu/25-0037).  

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Unterengadin  als  erstes  Unternehmen  eine  Selbstanzeige  eingereicht  und  mit  der  Wettbe-
werbsbehörde  kooperiert  habe.  Somit  sei  Implenia  als  erste  Selbstanzeigerin  die  Sanktion 
vollständig zu erlassen. Auf die einzelnen Vorbringen wird – soweit geboten – an entsprechen-
der Stelle in der Verfügung näher eingegangen. 

32.  Mit Schreiben vom 15. August 2017 an die Foffa Conrad hielt das Sekretariat im Auftrag 
des Präsidenten der WEKO fest, dass deren Ausführungen in der Stellungnahme zum Antrag 
vom 14. Juni 2017 die Qualifikation ihrer bisherigen Eingaben als Selbstanzeige in Frage stel-
len würden. Es ersuchte sie zu beantworten, ob das Verhalten der Parteien im Zusammenhang 
mit dem [Bauprojekt 1] zumindest potenzielle Auswirkungen auf die Wettbewerbsverhältnisse 
gehabt habe.39 Daraufhin antwortete die Bezzola Denoth mit Eingabe vom 21. August 2017, 
dass potenzielle Auswirkungen auf den Wettbewerb nicht ausgeschlossen werden könnten.40  

33.  Die  Akteneinsicht  wurde  den  Parteien  durch  die  elektronische  Zustellung  vom  5.  Juli 
2017,41 25. August 2017,42 6. und 19. September 2017 gewährt.  

34. 

Implenia reichte am 12. September 2017 eine zusätzliche Stellungnahme ein.43 

35.  Nach Beratung fällte die WEKO am 2. Oktober 2017 den vorliegenden Entscheid.  

B 

Sachverhalt 

B.1 

  Vorbemerkungen zum Beweis 

B.1.1 

  Beweiswürdigung und Beweismass 

36.  Auf das Untersuchungsverfahren sind die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes (VwVG)44 anwendbar, soweit das Kartellgesetz nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 
Auch im Kartellverwaltungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 39 
KG i. V. m. Art. 19 VwVG und Art. 40 BZP45). Der Beweis einer Tatsache ist im Allgemeinen 
erbracht, wenn die Wettbewerbsbehörden nach objektiven Gesichtspunkten von deren Ver-
wirklichung überzeugt sind. Die Verwirklichung der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit (also 
ohne Zweifel) festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel unerheblich erschei-
nen.46  Bloss  abstrakte  und  theoretische  Zweifel  sind  nicht  massgebend,  weil  solche  immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche 
und unüberwindliche Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen.47 Hinsichtlich bestimmter Tatsachen, namentlich komplexer wirtschaftlicher Sach-
verhalte, sind im Einklang mit der Rechtsprechung keine überspannten Anforderungen an das 
Beweismass zu stellen. Vielmehr schliesst die Komplexität wirtschaftlicher Sachverhalte, ins-

39   Act. 85 (22-04uu/25-0039). 
40   Act. 87 (22-04uu/25-0039). 
41   Act. 78 (22-04uu). 
42   Act. 91 und 92 (22-04uu). 
43   Act. 99 (22-04uu) und Act. 100 (22-04uu/25-0037). 
44   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021). 

45   Bundesgesetz vom 4.12.1947 über den Bundeszivilprozess (BZP; SR 273). 
46   Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.2 f., Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer 
B-8399/2010 vom 23.9.2014, E. 4.3.2 f., Siegenia-Aubi AG/WEKO; vgl. auch etwa Urteil des BGer 
2A.500/2002  vom  24.3.2003,  E.  3.5;  RPW  2009/4,  341  Rz  15,  Submission  Betonsanierung  am 
Hauptgebäude der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB).  

47   Vgl. z.B. BGE 124 IV 86, E. 2a. 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

8 

 
 
 
 
 
                                                
besondere die vielfache und verschlungene Interdependenz wirtschaftlich relevanten Verhal-
tens, eine strikte Beweisführung regelmässig aus.48 Diesen Grundsätzen ist im Rahmen der 
nachfolgenden Ausführungen zum Sachverhalt Rechnung zu tragen. 

B.1.2  Verwertbarkeit der Aussagen von Martinelli vom 30. Oktober 2015 

37. 
In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2017 bringt Martinelli vor, dass die Wettbewerbs-
behörden im Zusammenhang mit der Einvernahme von [Mitarbeiter D], [Funktion] von Marti-
nelli, ihre Verfahrensrechte verletzt haben. Konkret führt sie aus, dass [Mitarbeiter D] berech-
tigterweise  davon  ausgegangen  sei,  dass  er  als  „Zeuge“  aussagen  werde.  Es  sei  ihm  zu 
diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen, dass die Aussagen, die er gemacht habe, gegen 
Martinelli verwendet werden könnten. Darauf hätte er hingewiesen werden müssen. Über das 
vorgeworfene Verhalten habe Martinelli erst an der Einvernahme vom 30. Oktober 2015 Kennt-
nis  erhalten.  Verfahrensrechtlich  verstosse  dies  gegen  das  Recht,  über  eine  Beteiligung  in 
einem Verfahren in Kenntnis gesetzt zu werden und genügend Zeit zur Vorbereitung der Ver-
teidigung zu erhalten. Die Aussagen von [Mitarbeiter D] vom 30. Oktober 2015 seien unzuläs-
sig erlangte Beweise und dürften im vorliegenden Verfahren nicht verwertet werden.49 

38.  Weder das Kartellgesetz noch das VwVG kennt eine Bestimmung zu den Beweisverwer-
tungsverboten. Wann im Rahmen von Einvernahmen erhobene Beweismittel nicht verwertet 
werden dürfen, ist daher anhand der verfassungs- und völkerrechtlichen Prinzipien, allgemei-
ner Rechtsgrundsätze und allenfalls durch Analogien zu anderen Rechtsgebieten zu beurtei-
len. Damit ein Beweisverwertungsverbot überhaupt zur Diskussion stehen kann, ist allerdings 
vorausgesetzt, dass die Behörde die fraglichen Beweismittel rechtswidrig erlangt hat.50 Hat die 
Behörde bei der Erhebung rechtskonform gehandelt, das heisst sämtliche Normen der Rechts-
ordnung beachtet, scheidet das Vorliegen eines Beweisverwertungsverbots zum Vornherein 
aus. Im Folgenden ist daher zu beurteilen, ob die Wettbewerbsbehörden im Zusammenhang 
mit der fraglichen Einvernahme gegen Rechtsnormen verstossen haben.51 Solche Rechtsnor-
men können im Gesetz oder im Verfassungs- und Völkerrecht verankert sein. 

39.  Mit Schreiben vom 18. September 2015 lud die Behörde [Mitarbeiter D] im vorliegenden 
Verfahren vor, am 30. Oktober 2015 für Martinelli auszusagen.52 Nach Hinweisen zur Verfah-
rensgeschichte und zum Verfahrensgegenstand wies sie darauf hin, dass die Untersuchung 
nicht  gegen  Martinelli  eröffnet  worden  sei.  Es  könne  jedoch  nicht  ausgeschlossen  werden, 
dass das Verfahren gegen Martinelli auszudehnen sei. Im Rahmen der Untersuchungsermitt-
lungen führe das Sekretariat daher eine Einvernahme mit Martinelli als allfällig von der Unter-
suchung  betroffene  Unternehmung  durch. Weiter  orientierte  die  Behörde  Martinelli  über  ihr 
Recht, eine Rechtsvertreterin oder einen Rechtsvertreter beizuziehen.  Auf den Gegenstand 
der Einvernahme wies die Behörde wie folgt hin: 

„Gegenstand der Einvernahme werden mögliche Wettbewerbsverstösse in der Baubranche im 
Engadin bilden, insbesondere im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] aus dem Jahr […].“ 

48   BGE 139 I 72, 91 E. 8.3.2 (= RPW 2013/1, 126 f. E. 8.3.2), Publigroupe SA et al./WEKO; Urteil des 
BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.7, Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer B-8399/2010 
vom 23.9.2014, E. 4.3.7, Siegenia-Aubi AG/WEKO; je m.w.H. 

49   Act. 70, Rz 10 und 66 ff. (22-04uu). 
50   Vgl. SEBASTIAN LUBIG, Beweisverwertungsverbote im Kartellverfahrensrecht der Europäischen Ge-
meinschaft, eine Untersuchung zu den gemeinschaftsrechtlichen Grenzen einer Beweisverwertung 
in behördlichen Kartellverfahren, 2007, 28. 

51   Vgl.  zu  diesem  Prüfschritt  im  Zusammenhang  mit  Beweisverwertungsverboten  auch  Urteil  des 

BVGer A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5.3.2009, E. 8.3. 

52   Act. I.351. 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

9 

 
 
 
 
                                                
40.  Anlässlich der Einvernahme vom 30. Oktober 201553 wiederholte das Sekretariat einlei-
tend diese Hinweise zur Stellung von Martinelli im Verfahren, zu deren Recht auf Rechtsbei-
stand sowie zum Gegenstand der Einvernahme. Zudem belehrte es [Mitarbeiter D] wie folgt 
über sein Aussageverweigerungsrecht: 

„Sie sind  nicht  verpflichtet,  Aussagen  zu machen.  Sie haben  das  Recht,  die Aussage  ohne 
Begründung generell oder mit Bezug auf einzelne Fragen zu verweigern. Wenn Sie Aussagen 
machen, werden diese protokolliert und können als Beweismittel verwendet werden.“ 

41.  Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, inwiefern die Behörde im Zusammenhang mit 
der strittigen Einvernahme Rechtsvorschriften verletzt haben soll. Insbesondere stellte sie eine 
ordnungsgemässe Vorladung aus, orientierte die befragte Person über den konkreten Befra-
gungsgegenstand und belehrte sie über ihre Rechte, insbesondere betreffend das Aussage-
verweigerungsrecht (vgl. nemo-tenetur-Grundsatz). Hierzu ist beizufügen, dass das Verfahren 
zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gegen Martinelli ausgedehnt worden war, aber dies zum 
Zeitpunkt der Einvernahme nicht ausgeschlossen werden konnte. Dies teilte die Behörde Mar-
tinelli sowohl in der Vorladung als auch anlässlich der Einvernahme explizit mit. Aufgrund ihrer 
Stellung im Verfahren gewährte die Behörde Martinelli sämtliche Rechte, die auch einer Partei 
zugestanden  hätten  (analog  der  Stellung  einer  Auskunftsperson 
im  Strafverfahren; 
vgl. Art. 178 ff. StPO). 

42.  Damit handelte die Behörde im Zusammenhang mit der strittigen Einvernahme im Ein-
klang mit sämtlichen Rechtsnormen. Rechtskonform erlangte Beweismittel können zum Vorn-
herein nicht mit einem Beweisverwertungsverbot belegt sein. Die Aussagen von [Mitarbeiter 
D] vom 30. Oktober 2015 dürfen im vorliegenden Verfahren verwendet werden. 

Im Folgenden werden zunächst das Beweisthema und die in Bezug auf die vorgeworfene 
43. 
Verhaltensweise vorhandenen Beweismittel beschrieben. Anschliessend wird die konkrete Be-
weislage anhand dieser Beweismittel gewürdigt, bevor schliesslich das Beweisergebnis fest-
gehalten wird. 

B.2 

Beweisthema 

44. 
Im Folgenden ist in tatsächlicher Hinsicht zu prüfen, ob zwischen Bezzola Denoth, Mar-
tinelli und Implenia übereinstimmende wirkliche Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote 
bezüglich des [Bauprojekt 1] aus dem Jahr […] zu koordinieren (Vorliegen eines natürlichen 
Konsenses). Ist dies zu bejahen, sind folgende Sachverhaltsfragen zu prüfen: 

 

 

 

welchen Zweck Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia mit der Angebotskoordination 
verfolgten (Rz 65 ff.); 

welche Rollen die einzelnen Unternehmen im Zusammenhang mit der Angebotskoordi-
nation ausübten (Rz 68 ff.); 

ob sich die Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia tatsächlich entsprechend ihrem Kon-
sens  über  die  Angebotskoordination  verhielten  und  welche  Auswirkungen dieses  Ver-
halten ggf. zur Folge hatte (Rz 79 ff.). 

B.3 

Beweismittel 

45.  Zur Beurteilen dieser Sachverhaltsfragen stützt sich die Behörde auf folgende Beweis-
mittel: 

53   Act. IV.028. 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

10 

 
 
 
 
 
 
                                                
B.3.1  Urkunden 

E-Mail vom […] von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an [[Mitarbeiter E]@implenia.com]  

46.  Es liegt eine E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth an [Mitarbeiter E], Im-
plenia mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit dem folgenden Inhalt vor:54  

„Sehr geehrter Herr [Mitarbeiter E]. 

In der Beilage erhalten sie die abgeänderte Offerte Baumeisterarbeiten. 
Unsere Eingabe beläuft sich auf netto inkl. MWSt Fr. […]. 
Die gesendete SIA sollte eine Summe netto inkl. MWSt. von Fr. […] aufweisen ([2–4] 
%) 

Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen. 

Mit freundlichen Grüβen 

Bezzola Denoth AG 

[Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom […] von [[Mitarbeiter A]@bezzola-denoth.ch] an [[Mitarbeiter D]@martinelli-
bau.ch] 

47.  Es liegt zudem eine E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth an [Mitarbeiter 
D], Martinelli mit dem Betreff „[Bauprojekt 1] / […] / […]“ mit dem folgenden Inhalt vor:55  

„Hallo [Mitarbeiter D].  
Im Anhang die entsprechenden SIA Dateien. 
[Bauprojekt 1] sollte falls alles i.o. ist eine Summe von Fr. […] inkl. MwSt. ergeben. 

[…] / […] eine Summe von Fr. […] inkl. MwSt. 

Du bist mit dieser Eingabe ca. [2.5–5] % über unserem Preis. 

Danke  für  deine  Bemühungen.  Freu  mich  jedes  Mal  etwas  von  Dir  zu  hören.  Kurze 
Gedanken an […]. 

[Mitarbeiter A]“ 

Offertvergleich der Bauherrschaft 

48.  Gemäss den Informationen der Bauherrschaft, der […],56 wurden die [9–11] folgenden 
Unternehmen um eine Offerte angefragt. [6–9] davon haben eine Offerte eingereicht: 

Eingereichte Offerten (inkl. MWST) in CHF57 

Bezzola Denoth, Scuol 

Martinelli, St. Moritz 

Implenia Bau AG, […] 

[Weitere Bauunternehmungen, die nicht 
Verfahrensparteien sind] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

54   Act. IX.C.035, pag. 35, Beilage 12 (25-0039) wie auch Act. 9 (22-04uu/25-0037). 
55   Act. IX.C.035, pag. 36, Beilage 12 (25-0039). 
56   Act. 4 (22-04uu). 
57   Act. 4 (22-04uu). 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

11 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
49.  Die Arbeiten wurden schliesslich nach Verhandlungen mit einem Vertreter der Bauherr-
schaft zu einem Preis in der Höhe von CHF […] an die Firma Bezzola Denoth vergeben.58  

B.3.2  Auskünfte von Parteien 

Eingabe der Bezzola Denoth vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013 

50. 
Im Rahmen ihrer Kooperation mit der Wettbewerbsbehörde zeigte Bezzola Denoth  ihr 
Verhalten  im  Zusammenhang  mit  dem  vorliegenden  Projekt  an.  Sie  gab  als  Bemerkung  in 
Bezug auf das vorliegende Bauobjekt an: […].59  

51. 
In ihrer Ergänzung der Selbstanzeige vom 1. Februar 2013 bemerkte Bezzola Denoth 
zu dem Projekt, […].60 Bezzola Denoth hat zudem die E-Mails vom […] bzw. […] an Implenia 
bzw. Martinelli eingereicht.61  

Aussage der Bezzola Denoth vom 26. Oktober 2015 

52.  Anlässlich  der  mündlichen  Ergänzung  der  Bonusmeldung  der  Bezzola  Denoth  vom 
26. Oktober 2015 sagte [Mitarbeiter A] aus, dass die E-Mails vom […] und […] belegen wür-
den, dass […].62 Er nehme an, dass Martinelli und Implenia ihn um die Bekanntgabe seiner 
Offerte gebeten hätten. Martinelli sei im Unterengadin überhaupt nicht tätig, es sei sehr aus-
sergewöhnlich, dass die Martinelli für ein Projekt im Unterengadin Ausschreibungsunterlagen 
erhalten habe.63 Bei Implenia sei die gleiche Situation wie bei Martinelli vorgelegen. Die Imple-
nia mache im ganzen Engadin eigentlich keine Hochbauten. Die Implenia sei offensichtlich um 
die Eingabe einer Offerte angefragt worden. Sie habe sich an Bezzola Denoth gewandt und 
[Mitarbeiter A] habe der Implenia eine Eingabesumme durchgegeben.64 Gemäss Aussage von 
[Mitarbeiter  A]  handle  es  sich in der  E-Mail  vom  […]  wohl  um  die Offerte,  welche  Martinelli 
habe  eingeben  sollten. In beiden  Fällen  sei  die Initiative für  den  Kontakt von  Implenia bzw. 
Martinelli ausgegangen.65 Zwischen den beiden Kontakten habe ein grosser zeitlicher Abstand 
von fast einem Monat bestanden. 

Eingabe der Implenia vom 18. November 2015, vom 17. Dezember 2015, vom 22. Juli 2016 
und 10. November 2016 

53.  Gemäss  Eingabe der  Implenia vom  18.  November  201566  im  Rahmen ihrer  Selbstan-
zeige sei Herr [Mitarbeiter E] für die Offertstellung beim [Bauprojekt 1] zuständig gewesen. 

54.  Gemäss  den  Angaben  von  [Mitarbeiter  E]  hätten  bei  diesem  Hochbauobjekt  objektive 
Anhaltspunkte für Unregelmässigkeiten bei der Offertstellung infolge fehlender Kalkulation be-
standen.  Im  SAP-Programm  der  Implenia  fehle  eine  entsprechende  Preiskalkulation.  Zwar 
seien Preisanfragen an Lieferanten eingeholt worden und im physischen Dossier deren Offer-
ten abgelegt. Diese scheinen aber nicht oder nur teilweise in die Offertberechnung eingeflos-
sen zu sein. Eine mögliche Erklärung sei, dass die Preisanfragen nur zur Plausibilitätsprüfung 
der Offerte eingeholt wurden. Nach Aussage von [Mitarbeiter E] seien gewisse Normpositionen 
deutlich über dem Marktpreis angesetzt worden. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass der 

58   Act. 4 (22-04uu). 
59   Act. IX.C.027, pag. 73 (25-0039). 
60   Act. IX.C.035, pag. 60 (25-0039). 
61   Act. IX.C.035, pag. 35 und 36 (25-0039). 
62   Act. IX.C.060, Zeile 349 (25-0039). 
63   Act. IX.C.060, Zeilen 362 ff. (25-0039).  
64   Act. IX.C.060, Zeilen 372 ff. (25-0039). 
65   Act. IX.C.060, Zeilen 362 (Martinelli) und 377 (Implenia) (25-0039). 
66   Act. IX.A.53, pag. 4 f. und Beilage 2, pag. 287 (25-0037).  

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

12 

 
 
 
 
 
                                                
Eingabepreis koordiniert worden sei. Er könne sich aber an die Offerte und an die genauen 
Umstände nicht mehr erinnern.67  

55.  Am 17. Dezember 2015 bestätigte die Implenia auf Nachfrage des Sekretariats, dass sie 
im Engadin keine Hochbauprojekte ausgeführt habe.68  

56.  Am 22. Juli 2016 reichte die Implenia die E-Mail  von Bezzola Denoth an sie vom  […] 
ein.69  Es  handelte  sich  um  dieselbe  E-Mail,  welche  auch  von  Bezzola  Denoth  eingereicht 
wurde.70  

57.  Am 10. November 2016 reichte die Implenia die SIA-Datei ein, welche der E-Mail vom 
[…] angehängt war. Die SIA-Datei weist eine Offertsumme von CHF […] (inkl. MWST) auf.71 

Aussage der Martinelli vom 30. Oktober 2015 

[Mitarbeiter D], Martinelli, gab am 30. Oktober 2015 an, dass ihm das [Bauprojekt 1] – 

58. 
wie in der gleichen E-Mail vom […] erwähnte Projekt […] / […] – gar nichts sage. 

59.  Er wisse nicht mehr, wie er auf die E-Mail vom […] reagiert habe und wer die Initiative 
zum  Versand  dieser  E-Mail  ergriffen  habe.72  Er  wisse  nicht  mehr,  ob  Martinelli  eine  solche 
höhere Offerte eingegeben habe. Wenn die Martinelli eine solche höhere Offerte eingegeben 
habe, sei es darum gegangen, Bezzola Denoth „Schutz“ zu gewähren.73 Die Martinelli habe 
nie ein Bauprojekt im Unterengadin ausgeführt.74 Am 3. November 2015 teilte [Mitarbeiter D] 
dem Sekretariat mit, dass er nach Kontrolle seiner Unterlagen keine entsprechenden Unterla-
gen (Begleitbrief etc.) gefunden habe, dass die Martinelli beim Objekt [Bauprojekt 1] eine Ein-
gabe gemacht hätte (vgl. zur Verwertbarkeit der Aussagen von [Mitarbeiter D] Rz 37 ff. hier-
vor).75  

B.4 

Beweiswürdigung 

B.4.1  Konsens 

60.  Die beiden E-Mails vom […] und vom […] (Rz 46 f.) stellen, zusammen mit den ihnen 
angehängten Offerten, objektive Beweismittel dar, die in unmittelbarem und konkretem Bezug 
zum vorgeworfenen Kartellrechtsverstoss stehen.  

61.  Die in der E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter E] verwendete Formulie-
rung: „Unsere Eingabe beläuft sich auf netto inkl. MWSt Fr. […]. Die gesendete SIA sollte eine 
Summe  netto inkl.  MWSt.  von  Fr.  […]  aufweisen  ([2–4]%)“  bedeutet,  dass  die Eingabe von 
Implenia um [2–4]  %  höher  sein sollte als  diejenige  von  Bezzola Denoth.  Dies lässt keinen 
anderen Schluss zu, als dass damit Implenia gebeten wurde, eine höhere Offerte einzugeben 
und Implenia Bezzola Denoth bei diesem Bauprojekt nicht konkurrenzieren sollte. Dies wird 
durch die Aussage  von  [Mitarbeiter  E],  Implenia, gestützt,  wonach  gewisse  Normpositionen 
deutlich über dem Marktpreis angesetzt worden seien und dies durch eine mögliche Koordi-
nierung des Eingabepreises zu erklären wäre. An die konkreten Umstände konnte sich Herr 
[Mitarbeiter E] jedoch nicht mehr erinnern.  

67   Act. IX.A.53, pag. 4 f. und Beilage 2, pag. 287 (25-0037). 
68   Act. 2, pag. 5 (22-04uu/25-0037). 
69   Act. 9 (22-04uu/25-0037). 
70   Act. IX.C.035, pag. 35 (25-0039). 
71   Act. 30 (22-04uu/25-0037). 
72   Act. IV.028, Zeilen 237 und 242. 
73   Act. IV.028, Zeilen 233 ff. 
74   Act. IV.028, Zeile 259. 
75   Act. I.468. 

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13 

 
 
 
 
                                                
62.  Analoge Schlüsse sind aus der E-Mail von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter D] vom […] zu 
ziehen.  Der  darin  enthaltene  Satz  „Du  bist  mit  dieser  Eingabe  ca. [2.5–5]  %  über  unserem 
Preis“ lässt keinen anderen Schluss zu, als dass damit Martinelli aufgefordert wurde, eine hö-
here Offerte einzugeben und Martinelli Bezzola Denoth bei diesem Bauprojekt nicht konkur-
renzieren sollte.  

63.  Weder von Martinelli76 noch von Implenia wurde die Angebotskoordination mit Bezzola 
Denoth bestritten. Auch Bezzola Denoth räumte ein, dass sie in Bezug auf dieses Projekt von 
den beiden Unternehmen „Schutz“ erhielt.  

64.  Vor  diesem  Hintergrund ist  erstellt,  dass  Bezzola  Denoth,  Martinelli  und Implenia den 
übereinstimmenden Willen äusserten, ihre Angebote bei der Ausschreibung [Bauprojekt 1] zu 
koordinieren. Konkret sollten bei dieser Ausschreibung Martinelli und Implenia höher eingeben 
als  Bezzola  Denoth.  Daran  bestehen  bei  der  vorliegenden  Beweislage  keine  vernünftigen 
Zweifel. 

B.4.2  Verfolgter Zweck 

65.  Bezzola Denoth räumte in ihrer Eingabe vom 4. Dezember 2012 und 1. Februar 2013 
ein,  von  Martinelli  und  Implenia  „Schutz“  erhalten  zu  haben.  Allerdings  gab  [Mitarbeiter  A], 
Bezzola Denoth, am 26. Oktober 2015 zu Protokoll, dass er Implenia und Martinelli die Einga-
besummen  aus  „reinem  Entgegenkommen“  bekanntgegeben  habe.  Martinelli  und  Implenia 
seien im Unterengadin nicht tätig gewesen. Die Bezzola Denoth habe keinen Nutzen davon 
gehabt,  dass  „Nichtmarktteilnehmer“  im  Unterengadin  eine  Offerte  eingeben  würden.77  Ge-
mäss der Aussage von Martinelli sei es, wenn die Martinelli eine solche höhere Offerte einge-
geben  habe,  darum  gegangen,  Bezzola  Denoth  „Schutz“  zu gewähren.78  Implenia  äusserte 
sich  nicht  zum  verfolgten  Zweck,  bestätigte  demgegenüber,  dass  es  höchstwahrscheinlich 
eine Koordinierung gab.79 

66.  Bezzola Denoth  und Martinelli  verwendeten vorliegend  beide  den  Begriff  „Schutz“.  Im 
vorliegenden Kontext brachten sie damit zum Ausdruck, dass sich die Parteien bei der zu be-
urteilenden Ausschreibung nicht konkurrenzieren sollten. Dem von den Parteien an den Tag 
gelegten Verhalten ist immanent, dass dieses auch darauf abzielte, den Wettbewerb unter den 
Beteiligten zu verhindern. Die Beteiligten sollten sich nicht konkurrenzieren. Vielmehr wollten 
sie im Einvernehmen darüber entscheiden, welches Unternehmen den Auftrag erhalten sollte. 
Dass  Martinelli  und  Implenia  für  Bezzola  Denoth  aufgrund  der  Projektlage  zum  Vornherein 
keine Konkurrentinnen gewesen sein sollen, wie [Mitarbeiter A] behauptete, ist nicht glaubhaft. 
Der Anfahrtsweg von […] (Martinelli) und […] (Implenia) nach […] von […] wäre zu bewältigen 
gewesen.  Auch  sonst  bestanden  für  Martinelli  und  Implenia  keine  grundsätzlichen  Hinder-
nisse, ein Projekt dieser Art und Grössenordnung auszuführen. Jedenfalls konnte Bezzola De-
noth nicht zum Vornherein ausschliessen, dass sich Martinelli und Implenia um den Zuschlag 
für das entsprechende Bauprojekt bemühen wollten. Insofern bestand der Zweck der Ange-
botskoordination – neben möglichen weiteren Zielen – auch darin, sich nicht zu konkurrenzie-
ren. Dass die Beteiligten mit ihrem Verhalten ausschliesslich andere Zwecke verfolgten, kann 
bei der vorliegend zu beurteilenden Verhaltensweise ausgeschlossen werden. 

67.  Damit ist erstellt, dass Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia mit ihrem Verhalten be-
zweckten, sich bei der Ausschreibung des [Bauprojekt 1] nicht zu konkurrenzieren.  

76   Jedenfalls im Rahmen der Einvernahme vom 30. Oktober 2015. 
77   Act. IX.C.060, Zeilen 362 ff. und 378 ff. (25-0039). 
78   Act. IV.028, Zeilen 233 ff. 
79   Act. IX.A.53, pag. 4 f. und Beilage 2, pag. 287 (25-0037). 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

14 

 
 
 
 
                                                
B.4.3  Rolle der Beteiligten 

68.  Vorliegend ist die Rolle der Beteiligten, insbesondere die Rolle von Bezzola Denoth als 
Schutznehmerin  bei  der  Initiative  zur  Angebotskoordination  sowie  bei  der  Organisation  und 
Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise zu würdigen. Zuerst ist zu prüfen, ob vor dem 
Versand der Offerte ein initiierender Kontakt für die Angebotskoordination stattfand und von 
wem gegebenenfalls die Initiative für die Angebotskoordination ausging. Zweitens ist zu prü-
fen, welche Rolle die Bezzola Denoth bei der Organisation und Durchsetzung der untersuchten 
Verhaltensweise einnahm. 

Initiative für die Angebotskoordination 

69.  Aus dem Wortlaut der E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, an [Mitarbei-
ter D], Martinelli, geht hervor, dass zwischen beiden ein vorgängiger Kontakt stattfand [„Freu 
mich jedes Mal etwas von Dir zu hören.“].80 

70.  Auch [Mitarbeiter D] bestätigte anlässlich seiner Einvernahme vom 30. Oktober 2015 zur 
dieser E-Mail vom […], dass [Mitarbeiter A] wohl vor Versand der E-Mail angerufen habe. Eine 
solche E-Mail werde nicht einfach so verschickt.81  

71.  Die Wendung in der E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter E], Implenia82 „In 
der Beilage erhalten sie die abgeänderte Offerte Baumeisterarbeiten“ ohne vorgängige Einlei-
tung sowie der Umstand, dass es sich um eine abgeänderte Offerte handelte, lassen darauf 
schliessen, dass sich Adressat und Empfänger vorgängig über dieses Projekt austauschten.  

72.  Somit ist erstellt, dass vor Versand der E-Mails vom […] bzw. vom […] ein vorgängiger 
Kontakt stattfand.  

73.  Wer vorliegend die Initiative für die Angebotskoordination ergriffen hat, ist den Urkunden 
nicht zu entnehmen. Die entsprechenden Parteiaussagen dazu sind, wohl aufgrund fehlender 
Erinnerung, widersprüchlich. Zwar wurde von Bezzola Denoth angenommen, dass möglicher-
weise  ein  vorangehender  Kontakt  von  Martinelli  und  von  Implenia  ausgegangen  sei.83  Dies 
wird jedoch weder durch Dokumente belegt, noch können sich Martinelli und Implenia an das 
Vorgehen in diesem Fall erinnern.84 

74.  Zusammenfassend ist unklar, von wem bei dieser Ausschreibung die Initiative zur Ange-
botskoordination in Form eines ersten Kontaktes ausging.  Vielmehr könnte die Initiative zur 
Angebotskoordination sowohl von der Schutznehmerin als auch von den schützenden Unter-
nehmen ausgegangen sein. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend, kann keinem der betei-
ligten Unternehmen die Initiative zur Angebotskoordination nachgewiesen werden.  

Rolle bei der Organisation und Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise 

[Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, wandte sich in seinen beiden E-Mails vom […] an [Mit-
75. 
arbeiter D] (Martinelli) bzw. vom  […] an [Mitarbeiter E] (Implenia). Inhalt dieser Nachrichten 
von [Mitarbeiter A] bildete insbesondere die jeweilige Offertsumme in Bezug auf das [Baupro-
jekt 1]. In beiden Mails erteilte [Mitarbeiter A] klare Anweisungen, wie einzugeben sei und be-
dankte sich zum Schluss für die „Bemühungen“.  

76.  Gemäss Aussage von [Mitarbeiter A] vom 26. Oktober 2015 sei Martinelli im Unterenga-
din überhaupt nicht tätig und es sei sehr aussergewöhnlich, dass die Martinelli für ein Projekt 

80   Dies wurde auch durch die Aussage von [Mitarbeiter A] bestätigt, Act. IX.C.060, Zeilen 362 ff. (25-

0039). 

81   Act.IV.028, Zeilen 198 ff. 
82   Act. IX.C.035, pag. 35 (25-0039) und Act. 9 (22-04uu/25-0037). 
83   Act. IX.C.060, Zeilen 362 (Martinelli) und 377 (Implenia) (25-0039). 
84   Auf die Frage hin, wer die Initiative zum Versand der E-Mail vom […] ergriffen habe, erwiderte [Mit-

arbeiter D], dass er dies nicht wisse, Act. IV.028, Zeilen 178–179. 

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15 

 
 
 
 
                                                
im Unterengadin Ausschreibungsunterlagen erhalten habe. Bei Implenia sei die gleiche Situa-
tion wie bei Martinelli. Die Implenia mache im ganzen Engadin eigentlich keine Hochbauten. 

77.  Martinelli reichte im Anschluss an die E-Mail von [Mitarbeiter A] schliesslich eine Offerte 
in der Höhe von CHF […] ein, Implenia eine solche in der Höhe von CHF […]. Bezzola Denoth 
selber offerierte beim [Bauprojekt 1] zu einem Betrag von CHF […], womit sie schliesslich auch 
den Zuschlag erhielt. 

78.  Damit ist erstellt, dass Bezzola Denoth die zwei E-Mails verfasst und verschickt hat, wel-
che zur Koordination der Angebote und deren Eingabehöhe erforderlich waren. Martinelli und 
Implenia beschränkten sich darauf, ihre Angebote entsprechend den E-Mails von Bezzola De-
noth einzugeben.  

B.4.4  Umsetzung und Auswirkungen 

79.  Gemäss den Angaben der Bauherrin, der […], gab Bezzola Denoth für das Bauprojekt 
[Bauprojekt 1] eine Offerte mit einer Gesamtsumme (inkl. MWST) von CHF […], Martinelli mit 
einer Summe von CHF […] und Implenia mit einer Summe von CHF […] ein.85 

80.  Somit reichten Martinelli und Implenia Offerten ein, welche überschlagsmässig den Ein-
gaben der E-Mails vom […] bzw. […] entsprechen. 

Offertsumme per E-Mail   (inkl. 
MWST) in CHF 

Eingereichte Offertsumme  
(inkl. MWST) in CHF86 

Bezzola Denoth 

Implenia 

Martinelli 

[…] 

[…]87 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

81.  Daraus ergibt sich, dass sich sowohl Bezzola Denoth, Martinelli und an die getroffene 
Abmachung hielten. Sämtliche Unternehmen handelten gemäss ihrem Konsens. Weiter ist er-
stellt, dass sich Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia in Bezug auf das [Bauprojekt 1] nicht 
konkurrenzierten. Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. Bezzola Denoth erhielt schliess-
lich den Zuschlag. 

B.5 

Beweisergebnis  

82.  Nach dem Gesagten ist bewiesen, dass Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia durch 
ihr  Verhalten  den  übereinstimmenden Willen  geäussert  haben,  ihre  Angebote  beim  Projekt 
[Bauprojekt 1] zu koordinieren. Konkret sollten Martinelli und Implenia höhere Offerten einrei-
chen als Bezzola Denoth. Damit bezweckten sie, sich bei dieser Ausschreibung nicht zu kon-
kurrenzieren. Ebenso ist bewiesen, dass Martinelli und Implenia in der Folge – entsprechend 
diesen  übereinstimmenden  Willenserklärungen  –  jeweils  eine  Offerte  einreichten,  die  über 
dem von Bezzola Denoth eingegebenen Preis lag. Der Zuschlag wurde der Bezzola Denoth 
erteilt. 

85   Act. 4 (22-04uu). 
86  Act. 4 (22-04uu). 
87   Act. 30, pag. 3 (22-04uu/25-0037). 

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16 

 
 
 
 
 
                                                
C 

Erwägungen 

C.1  Geltungsbereich 

C.1.1  Persönlicher Geltungsbereich 

83.  Das Kartellgesetz (KG) gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten 
als auch für solche des öffentlichen Rechts (Art. 2 Abs. 1 KG). Als Unternehmen im Sinne des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen 
im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 Abs. 1bis 
KG). Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend die Merkmale privatrechtlicher Unternehmen, wo-
mit das KG in persönlicher Hinsicht anwendbar ist. 

C.1.2  Verfügungsadressatinnen 

84.  Wie das Bundesverwaltungsgericht festgehalten hat, können lediglich diejenigen natür-
lichen  oder  juristischen  Personen  Adressatinnen  einer  wettbewerbsbehördlichen  Verfügung 
sein, welche die Unternehmung betreiben bzw. deren Rechtsträgerinnen sie sind.88  

85. 
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Implenia über zahlreiche Standorte 
verfügt, so wie auch der im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] oftmals erwähnte Standort 
in […]. Da dieser in der Form einer Gesellschaft nicht im Handelsregister eingetragen ist, ist 
lediglich die Implenia Schweiz AG und nicht etwa deren Standort in […] als Verfügungsadres-
satin zu betrachten.  

Somit bestehen vorliegend folgende Verfügungsadressatinnen: 

 

 

 

Bezzola Denoth AG, Scuol 

D. Martinelli AG, St. Moritz 

Implenia Schweiz AG, Dietlikon 

C.1.3 

  Sachlicher Geltungsbereich 

86. 
In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

87.  Ob die Parteien eine Wettbewerbsabrede getroffen haben, wird im Rahmen der materi-
ellen Beurteilung noch im Einzelnen zu prüfen sein (vgl. dazu Rz 93 ff.). Es wird auf die dorti-
gen Ausführungen verwiesen und an dieser Stelle auf deren Wiedergabe verzichtet.  

C.1.4 

  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich 

88.  Auf  Ausführungen  zum  örtlichen  und  zeitlichen  Geltungsbereich  des  Kartellgesetzes 
kann vorliegend verzichtet werden. 

C.2 

  Vorbehaltene Vorschriften 

89.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 

88  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 27 ff., 67, ADSL II. 

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unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem Gesetz (Art. 3 
Abs. 2 KG). 

Im hier zu beurteilenden Markt gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht zulassen. 
90. 
Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht geltend gemacht. 

C.3 

  Unzulässige Wettbewerbsabrede 

91.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

92. 
Im Folgenden ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob eine Wettbewerbsabrede vorliegt 
(vgl. Rz 93 ff.). Ist dies zu bejahen, ist in einem zweiten Schritt zu beurteilen, ob diese gemäss 
Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist (vgl. Rz 105 ff.). 

C.3.1  Wettbewerbsabrede 

93.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). Eine formelle vertragliche Grundlage ist nicht notwendig, vielmehr sind ab-
gestimmte  Verhaltensweisen  bis  hin  zu  verbindlichen  Vereinbarungen  einschlägig,89  wobei 
sich Vereinbarungen von den aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen durch den vorhan-
denen resp. nicht vorhandenen Bindungswillen unterscheiden90. 

94.  Eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG liegt vor, wenn erstens ein be-
wusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  und 
zweitens  ein Bezwecken  oder  ein  Bewirken  einer Wettbewerbsbeschränkung durch  die Ab-
rede gegeben sind.91 Diese Kriterien sind im Folgenden im Einzelnen zu beurteilen. 

C.3.1.1 

Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

95.  Unter das bewusste und gewollte Zusammenwirken fallen nach dem Gesagten Verein-
barungen und abgestimmte Verhaltensweisen.  

96.  Beweismässig ist erstellt, dass Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia den übereinstim-
menden wirklichen Willen geäussert haben, ihre Angebote beim [Bauprojekt 1] zu koordinie-
ren. Konkret sollten Martinelli und Implenia bei dieser Ausschreibung zu einem höheren Preis 
offerieren als Bezzola Denoth (Rz 60 ff.). 

97.  Damit ist das Tatbestandsmerkmal der Vereinbarung im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG er-
füllt.  

98.  Beizufügen ist, dass eine solche Angebotskoordination im Einklang mit der Rechtspre-
chung  der  Wettbewerbsbehörden  als  „Schutz“  verstanden  werden  kann.  „Schutz“  bedeutet 
dabei, dass Unternehmen in Bezug auf ein Bauprojekt vor der Eingabe ihrer Offerten gemein-
sam festlegen,  welches Unternehmen  unter  ihnen den  Zuschlag erhalten  soll.  Das dadurch 
begünstigte Unternehmen erhält bei der Bewerbung um das Projekt „Schutz“ von den anderen 
Unternehmen. Die Umsetzung der Schutzfestlegung erfolgt in der Regel dadurch, dass sich 
diejenigen  Unternehmen,  welche  Schutz  versprochen  haben,  dazu bereit  erklären, Offerten 

89   Siehe dazu etwa RPW 2009/3, 204 Rz 49, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
90   RPW 2013/4, 559 Rz 167, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
91   RPW 2009/3, 204 Rz 50, Elektroinstallationsbetriebe Bern.  

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18 

 
 
 
 
                                                
mit höheren Eingabesummen, sogenannte Stützofferten, einzureichen oder bewusst auf eine 
Offerteingabe zu verzichten.92 Auch im vorliegenden Fall lassen sich die Rollen der Beteiligten 
so zuordnen. Konkret war Bezzola Denoth die Rolle der Schutznehmerin zugedacht, während 
Martinelli und Implenia diejenige der Schutzgeberinnen innehatten. 

C.3.1.2   Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

99.  Neben  einem  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirken  muss  die  Abrede  gemäss 
Art. 4  Abs.  1  KG  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken.  Eine  Wettbe-
werbsbeschränkung liegt vor, wenn das einzelne Unternehmen auf seine unternehmerische 
Handlungsfreiheit verzichtet und so das freie Spiel von Angebot und Nachfrage einschränkt.93 
Die Abrede über die Wettbewerbsbeschränkung muss sich auf einen Wettbewerbsparameter 
(wie beispielsweise den Preis oder die Lieferbedingungen) beziehen.94 Art. 4 Abs. 1 KG setzt 
die Tatbestandsmerkmale „bezwecken“ resp. „bewirken“– wie bereits das Wort „oder“ im Ge-
setzestext verdeutlicht – alternativ voraus, nicht kumulativ.95  

100.  Eine Abrede bezweckt eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn die Abredebeteiligten „die 
Ausschaltung  oder  Beeinträchtigung  eines  oder  mehrerer  Wettbewerbsparameter  zum  Pro-
gramm erhoben haben“.96 Dabei genügt es, wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine 
Wettbewerbsbeschränkung  durch  Ausschaltung  eines  Wettbewerbsparameters  zu  verursa-
chen. Die subjektive Absicht der an der Abrede Beteiligten ist unerheblich.97  

101.  Die vorliegende Abrede beinhaltete, die Angebote zwischen den Parteien in Bezug auf 
das [Bauprojekt 1] zu koordinieren (Rz 60 ff.). Ein solcher Abredeinhalt ist in objektiver Hinsicht 
geeignet, eine Wettbewerbsbeschränkung zu bewirken. Darüber hinaus ist vorliegend  – ob-
wohl dies nicht notwendig ist – erwiesen, dass die Abredeteilnehmer mit ihrem Verhalten auch 
in  subjektiver  Hinsicht  bezweckten,  sich  nicht  zu  konkurrenzieren  (Rz  65  f.).  Somit  war  die 
vorliegende Abrede nicht nur (objektiv) geeignet, den Wettbewerb zu beeinträchtigen, sondern 
es bestand auch eine dahingehende Absicht der Abredeteilnehmer. 

102.  Damit liegt eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor. 

C.3.1.3 

Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

103.  Die drei Unternehmen waren auf derselben Marktstufe tätig und als solche Konkurrenten 
hinsichtlich hinsichtlich der Vergabe des [Bauprojekt 1]. Die vorliegende Abrede ist somit hori-
zontaler Natur. 

C.3.1.4 

Zwischenergebnis 

104.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Parteien in Bezug auf das [Bauprojekt 1] 
durch  ihr  bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  eine  Wettbewerbsabrede  zwischen 
Unternehmen gleicher Marktstufe gemäss Art. 4 Abs. 1 KG getroffen haben. Im Folgenden ist 
zu prüfen, ob diese Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist. 

92   Zum Ganzen RPW 2012/2, 273 Rz 6,  Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton 
Aargau; RPW 2013/4, 527 Rz 6, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 
RPW 2015/2 201 Rz 6, Tunnelreinigung. 

93   RPW 2013/4, 560 Rz 178, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
94   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO. 

95  Statt anderer RPW 2012/3, 550 Rz 97, BMW. 
96   RPW 2013/4, 560 Rz 180, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 
97   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO.  

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19 

 
 
 
 
                                                
C.3.2 

  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

105.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden 
Abreden vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder 
der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen: 

a.  Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen; 
b.  Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; 
c.  Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern. 

C.3.2.1 

Vermutung der Beseitigung des Wettbewerbs gemäss Art. 5 Abs. 3 KG  

106.  Gegenstand der vorliegenden Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth, Martinelli 
und  Implenia  ist  die  Preisfestsetzung  der  Angebote  und  gleichzeitig  die  Steuerung  der  Zu-
schlagserteilung,  womit  eine  Aufteilung  des  Auftrags  und  damit  der  Geschäftspartner  unter 
den Abredeteilnehmenden erfolgt. Dabei handelt es sich um die beiden typischerweise, regel-
mässig auch in Kombination, anzutreffenden Abredegegenstände von sogenannten Submis-
sionsabsprachen. Solche Submissionsabsprachen sind sowohl unter Art. 5 Abs. 3 Bst. a als 
auch Bst. c KG zu subsumieren.98  

107.  Die vorliegende Abrede fällt somit unter die Aufzählung in Art. 5 Abs. 3 KG. Damit greift 
die Vermutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs. Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich 
diese Vermutung widerlegen lässt. 

C.3.2.2  Widerlegung der gesetzlich vermuteten Wettbewerbsbeseitigung 

108.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann durch den Nachweis 
widerlegt werden, dass trotz der Wettbewerbsabrede noch wirksamer – aktueller und potenzi-
eller  –  Aussenwettbewerb  (Wettbewerb  durch  nicht  an  der  Abrede  beteiligte  Unternehmen) 
oder Innenwettbewerb (Wettbewerb unter den an der Abrede beteiligten Unternehmen) beste-
hen bleibt.  

109.  Wird nicht nachgewiesen, dass trotz der Abrede wirksamer Wettbewerb besteht, greift 
die gesetzliche Vermutung und gestützt auf diese ist von einer Beseitigung des Wettbewerbs 
auszugehen. Insoweit wirkt sich eine diesbezügliche Beweislosigkeit zum Nachteil des betref-
fenden Unternehmens aus, das insofern die objektive Beweislast trägt.99  

110.  Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob die gesetzliche Vermutung der Wettbewerbsbeseiti-
gung im vorliegenden Fall widerlegt werden kann. Um dies zu beurteilen, sind zunächst die 
sachlich und räumlich, womöglich auch die zeitlich  relevanten  Märkte für  bestimmte Waren 
oder  Dienstleistungen  abzugrenzen,  auf  welchen  sich  die  vorliegende  Wettbewerbsabrede 
auswirkt. In einem zweiten Schritt ist alsdann zu prüfen, ob der auf den relevanten Märkten 
trotz  des  Vorliegens  einer  Wettbewerbsabrede  noch  verbleibende  aktuelle  und  potenzielle 
Aussen- sowie Innenwettbewerb wirksamen Wettbewerb herzustellen und damit die Vermu-
tungsfolge zu widerlegen vermag. 

C.3.2.2.1  Relevanter Markt 

111.  Bei  der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  ist  zu  bestimmen,  welche  Waren  oder 
Dienstleistungen für  die Marktgegenseite  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  aus-
tauschbar sind.100 

98   RPW  2013/4,  592  ff.  Rz  820.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton  Zürich 

m.w.H. 

99  Siehe  in  diesem  Sinne  auch  das  Urteil  des  BVGer,  RPW  2010/2,  381 f.  E. 9,  Implenia  (Ticino) 

SA/WEKO. 

100  BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO.  

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20 

 
 
 
 
                                                
112.  Bei dieser Abgrenzung sind Sinn und Zweck der Marktabgrenzung zu berücksichtigen. 
Diese liegen weniger darin, eine allgemeingültige Marktdefinition für einen Wirtschaftsbereich 
zu  schaffen,  als  vielmehr  darin,  die  (ökonomischen)  Wirkungen  einer  konkret  untersuchten 
Wettbewerbsbeschränkung zu beurteilen.101 Zudem ist die Bestimmung des relevanten Markts 
für  die  Höhe  der  Sanktion  von  Bedeutung (siehe  unten  Rz  140  ff.).  Daraus  folgt  zwingend, 
dass die Marktabgrenzung davon abhängig ist, welche (mögliche) Wettbewerbsbeschränkung 
konkret untersucht wird.  

(i) 

Marktgegenseite 

113.  Für sämtliche Aspekte der Marktabgrenzung kommt es auf die Sichtweise der Marktge-
genseite an. „Marktgegenseite“ sind dabei die Abnehmer derjenigen Leistung, die Gegenstand 
der  untersuchten  (möglichen)  Wettbewerbsbeschränkung  ist.102  Untersuchen  die  Wettbe-
werbsbehörden z. B. die Wirkungen einer Wettbewerbsabrede, so sind diejenigen Personen 
als Marktgegenseite zu betrachten, welche die Güter oder Dienstleistungen beziehen, auf die 
sich die Abrede bezieht. 

114.  Für den vorliegenden Fall war die Bauherrin, die […], welche [Bauprojekt 1] nachgefragt 
hat, Marktgegenseite der Parteien. 

(ii) 

Sachlich und räumlich relevanter Markt 

115.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU103, der hier analog anzuwenden ist).104  

116.  Die vorliegende Wettbewerbsabrede bezog sich auf das betreffende Hochbauobjekt. Die 
Bauherrin, die […], bildet die Marktgegenseite. Sie fragt Hochbauleistungen nach ihren Wün-
schen nach.  

117.  Der räumliche Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktgegenseite die den sach-
lichen  Markt  umfassenden  Waren  oder  Leistungen  nachfragt  oder  anbietet  (Art. 11  Abs. 3 
Bst. b VKU, der hier analog anzuwenden ist).105 

118.  Das vorliegende Bauprojekt ist naturgemäss an den Ort der Ausführung gebunden, also 
in der vorliegenden Untersuchung an […]. Im Bauwesen besteht ein gewisser Distanzschutz 
aufgrund der hohen Transportkosten. Mit zunehmender Distanz zwischen dem Ausführungsort 
und dem Werkhof einer Bauunternehmung steigen die Selbstkosten und somit sinkt auch die 
Rentabilität. 

119.  Aufgrund  der  Projektgrösse  und  den  geographischen  Gegebenheiten  (Alpenpässe, 
Distanzen, fehlende Schnellstrassen) des Engadins ist davon auszugehen, dass in den meis-
ten Fällen lokal tätige Bauunternehmen eine wirtschaftliche Offerte einreichen konnten. Tat-
sächlich haben beim vorliegenden Projekt Unternehmen aus dem Engadin sowie aus […] eine 
Offerte eingereicht. Aus diesem Grund bilden vorliegend das gesamte Engadin sowie dessen 

101  Exemplarisch OECD, Market Definition, DAF/COMP(2012)19, S. 11; RAINER TRAUGOTT, Zur Abgren-
zung von Märkten, WuW 1998, 929–939, 929; TILL STEINVORTH, Probleme der geografischen Markt-
abgrenzung,  WuW  10/2014,  S.  924–937;  vgl.  auch  ROGER  ZÄCH,  Schweizerisches  Kartellrecht, 
2. Aufl.  2005,  Rz 532;  MANI  REINERT/BENJAMIN  BLOCH,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Am-
stutz/Reinert  (Hrsg.),  2010,  Art. 4  Abs. 2  KG  N 94;  MARCEL  MEINHARDT/ASTRID  WASER/JUDITH 
BISCHOF, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 10 KG N 40.  
102  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 269, ADSL II; RETO HEIZMANN, Der Begriff 
des marktbeherrschenden Unternehmens im Sinne von Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 7 KG, 
Zürich 2005, Rz 281. 

103  Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 

SR 251.4). 

104  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
105   BGE 139 I 72, 92 E. 9.2.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.1), Publigroupe SA et al/WEKO. 

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21 

 
 
 
 
                                                
angrenzende Gebiete, welche von […] mit einer ähnlichen Fahrdistanz zu erreichen sind, den 
räumlich relevanten Markt.  

C.3.2.2.2 

Innenwettbewerb 

120.  Martinelli und Implenia hielten sich an die Abrede, indem sie beim [Bauprojekt 1] höhere 
Offerten einreichten als Bezzola Denoth (Rz 79 ff.). Somit bestand kein Innenwettbewerb. 

C.3.2.2.3  Aussenwettbewerb 

121.  Nachfolgend ist zu beurteilen, inwieweit die an der Wettbewerbsabrede beteiligten Un-
ternehmen in ihrem Verhalten durch aktuellen oder potenziellen Wettbewerb diszipliniert wur-
den,  d.h.,  ob  sie  überhaupt  über  die  Möglichkeit  verfügten,  die  Preise  zu  erhöhen  oder  die 
Mengen zu reduzieren oder die Qualitäten zu senken oder die Innovation zu verzögern; kurz, 
ob sie volkswirtschaftliche oder soziale Schäden verursachen konnten. 

122.  Im vorliegend zu beurteilenden Projekt [Bauprojekt 1] wurden die entsprechenden Arbei-
ten durch eine private Bauherrschaft vergeben. Aussenwettbewerb (aktueller wie auch poten-
zieller) konnte damit ausschliesslich durch allfällige zur Offertabgabe eingeladene bzw. ange-
fragte Bauunternehmen, die sich nicht gleichzeitig an der Abrede beteiligten, entstehen. Die 
Unternehmen, von welchen ein wirksamer Aussenwettbewerb ausgehen konnte, sind durch 
die offerierenden Unternehmen [keine Verfahrensparteien] identifiziert. Somit waren mit Bez-
zola Denoth, Martinelli und Implenia drei von [6–9] Unternehmen in die Abrede involviert, wel-
che das Projekt hätten gewinnen können.  

123.  Die vorliegende Abrede war zwar erfolgreich, da das zu schützende Unternehmen Bez-
zola Denoth den Zuschlag wie vereinbart erhielt. Allerdings haben [2–5] von [6–9] Submitten-
ten nicht an der Absprache teilgenommen. Es ist anzunehmen, dass von diesen Unternehmen 
ein gewisser Konkurrenzdruck ausging, zumal es sich bei [keine Verfahrenspartei] um einen 
grösseren Wettbewerber und bei [keine Verfahrenspartei] um ein im Unterengadin gelegenes 
Unternehmen handelte. Somit liegt bezüglich der vorliegend ausgeschriebenen Bauleistungen 
ausreichender Aussenwettbewerb vor, der die Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung wider-
legt.106 Zu prüfen ist im Folgenden, ob eine erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ge-
geben ist. 

C.3.3 

  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs 

124.  Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts, u.a. im Fall Gaba, ist das Kriterium der 
Erheblichkeit in Art. 5 Abs. 1 KG als Bagatellklausel zu verstehen. Schon ein geringes Mass 
ist ausreichend, um als erheblich qualifiziert zu werden.107 Das Gericht stellte sodann klar, dass 
die Frage der Erheblichkeit bei Wettbewerbsabreden nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG grundsätz-
lich nur unter dem Gesichtspunkt qualitativer Elemente zu würdigen ist. In der Regel sind sol-
che Wettbewerbsabreden bereits aufgrund ihres Gegenstandes erheblich.108 Quantitative As-
pekte sind hierbei nicht zu prüfen. Schliesslich ist nicht erforderlich, dass sich die betreffenden 
Abreden tatsächlich negativ auf den Wettbewerb ausgewirkt haben. Es genügt, dass sie den 
Wettbewerb potenziell beeinträchtigen können.109  

125.  Der vorliegenden Wettbewerbsabrede war ein nicht unbedeutendes Schädigungspoten-
zial immanent. Als horizontale Geschäftspartner- und Preisabrede (Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c 

106  Vgl.  dazu  auch  RPW  2013/4,  596  Rz  852  f.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im 

Kanton Zürich. 

107  BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  349  E. 5.1,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom 

24.10.2017, E. 4.3.1, BMW. 

108  Urteil des BGer 2C_180/2014 vom 28.6.2016, RPW 2017/2, 350 E. 5.2, GABA. 
109  Urteil des BGer 2C_180/2014 vom 28.6.2016, RPW 2017/2, 353 E. 5.4.2, GABA.  

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22 

 
 
 
 
                                                
KG; vgl. Rz 107) betraf sie zentrale Wettbewerbsparameter. Zudem wurde sie umgesetzt. Da-
mit entfiel zwischen den Abredeteilnehmern jeglicher Innenwettbewerb. Schliesslich erhielt mit 
Bezzola Denoth dasjenige Unternehmen den Zuschlag, das von den Abredeteilnehmern hier-
für vorgesehen war.  

126.  Die Bagatellschwelle ist – bezogen auf den relevanten Markt (Rz 111 ff hiervor) – bei 
weitem überschritten. 

C.3.4 

  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

127.  Es liegt eine den Wettbewerb erheblich beeinträchtigende Abrede vor. Es ist daher zu 
prüfen, ob diese gemäss Art. 5 Abs. 2 KG gerechtfertigt ist. Laut Art. 5 Abs. 2 KG sind Wett-
bewerbsabreden durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt, wenn sie:  

notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder 

a) 
Produktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von technischem 
oder beruflichen Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen; und  

den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wett-

b) 
bewerb zu beseitigen.  

128.  Rechtfertigungsgründe der wirtschaftlichen Effizienz (Art. 5 Abs. 2 KG) sind bei der vor-
liegenden Wettbewerbsabrede nicht ersichtlich und wurden von den Parteien auch nicht vor-
gebracht.  Die Wettbewerbsabrede  stellt  daher  eine  unzulässige Wettbewerbsbeschränkung 
im Sinne von Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG dar. 

C.3.5  Ergebnis 

129.  Im vorliegenden Fall lässt sich die Vermutung der Wettbewerbsbeseitigung widerlegen. 
Eine Rechtfertigung aus Gründen der wirtschaftlichen Effizienz ist nicht ersichtlich. Diese er-
hebliche Abrede in Bezug auf das [Bauprojekt 1] ist gestützt auf Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c KG 
unzulässig. 

C.4  Massnahmen 

C.4.1  Anordnung von Massnahmen 

130.  Liegt eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vor, so kann die WEKO Massnahmen 
zu deren  Beseitigung  anordnen,  indem sie den  betroffenen  Parteien  die sanktionsbewehrte 
Pflicht zu einem bestimmen Tun (Gebot) oder Unterlassen (Verbot) auferlegt. Solche Gestal-
tungsverfügungen haben stets dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu entsprechen, weshalb die 
Massnahmen  von  der  Art  und  Intensität  des  konkreten  Wettbewerbsverstosses  abhängig 
sind.110 

131.  Die Unternehmen Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia werden unter Hinweis auf die 
gesetzlichen Folgen im Widerhandlungsfall (Art. 50 und 54 KG) dazu verpflichtet, Verhaltens-
weisen  zu  unterlassen, welche  unzulässige Wettbewerbsabreden gemäss  Art.  5  Abs.  3  KG 
darstellen. 

132.  Insbesondere wird den genannten Unternehmen untersagt: 

 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen 
um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzufragen oder der-
artiges anzubieten; 

110  RPW 2013/4, 643 Rz 1028 ff., Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 

RPW 2015/2, 235 Rz 266 ff., Tunnelreinigung. 

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 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit Kon-
kurrenten vor Ablauf der Offerteingabefrist – oder, sofern nicht vorhanden, vor rechts-
kräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die Zu- und Auftei-
lung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenommen ist der Austausch 
unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

133.  Diese Anordnungen umschreiben die Verpflichtungen der Verfahrensparteien, um sich 
künftig kartellrechtskonform zu verhalten, hinreichend bestimmt, vollständig und klar. Zudem 
stehen sie in unmittelbaren Zusammenhang zur von ihnen begangenen unzulässigen Verhal-
tensweise und verhindern,  dass  es  erneut  zu derartigen  Verhaltensweisen kommt.  Sie  sind 
verhältnismässig,  zumal  sie  zur  Erreichung  des  Ziels,  die  Wiederholung  der  festgestellten 
Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern, geeignet sowie erforderlich und zumutbar sind. 

134.  Verstösse  bzw.  Widerhandlungen  gegen  die  genannten  Massnahmen  können  nach 
Massgabe von Art. 50 bzw. 54 KG mit einer Verwaltungs- bzw. Strafsanktion belegt werden. 
Diese Sanktionierbarkeit ergibt sich ohne Weiteres aus dem Gesetz selber, weshalb auf eine 
entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktionsdrohung im Dis-
positiv verzichtet werden kann.111 

C.4.2  Sanktionierung 

135.  Gemäss Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einem 
Betrag  bis  zu  10  Prozent  des  in  den  letzten  drei  Geschäftsjahren  in  der  Schweiz  erzielten 
Umsatzes belastet. Art. 9 Abs. 3 KG ist sinngemäss anwendbar. Der Betrag bemisst sich nach 
der Dauer und der Schwere des unzulässigen Verhaltens. Der mutmassliche Gewinn, den das 
Unternehmen dadurch erzielt hat, ist angemessen zu berücksichtigen. 

C.4.2.1  Voraussetzungen 

136.  Die drei Unternehmen erfüllen vorliegend den Unternehmensbegriff nach Art. 2 Abs. 1 
und 1bis KG und haben durch den Verstoss gegen Art. 5 Abs. 3 KG eine unzulässige Verhal-
tensweise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG begangen.  

137.  Die  natürlichen  Personen,  welche  vorliegend  für  die  Unternehmen  handelten  und  die 
kartellrechtswidrige Submissionsabsprache trafen, taten dies vorsätzlich oder nahmen deren 
wettbewerbsbeseitigende Wirkung zumindest in Kauf, handelten diesbezüglich also zumindest 
eventualvorsätzlich. Sodann ist festzuhalten, dass die handelnden natürlichen Personen für 
die jeweiligen Unternehmen zeichnungsberechtigt waren und jeweils mindestens dem mittle-
ren oder oberen Kader bzw. der Geschäftsleitung, angehörten. Ihr Vorsatz bezüglich der von 
ihnen  vorgenommenen Handlungen  ist  daher  ohne Weiteres  den betroffenen  Unternehmen 
zuzurechnen. 

C.4.2.2  Bemessung  

C.4.2.2.1  Konkrete Sanktionsbemessung 

138.  Rechtsfolge  eines  Verstosses  im  Sinne  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des 
fehlbaren Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10 % des in den letzten drei Geschäftsjahren 
in der Schweiz erzielten Umsatzes. Dieser Betrag stellt demnach die höchstmögliche Sanktion 

111  Vgl. Entscheid der REKO/WEF vom 9.6.2005, RPW 2005/3, 530 E. 6.2.6, Telekurs Multipay; Urteil 

des BVGer vom 3.10.2007, RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique. 

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dar. Die konkrete Sanktion bemisst sich nach der Dauer und der Schwere des unzulässigen 
Verhaltens, wobei der mutmassliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt hat, an-
gemessen zu berücksichtigen ist. 

139.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung  werden  in  der  SVKG  näher  präzisiert  (vgl.  Art. 1  Bst. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des 
Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessen  der 
WEKO, welches durch die Grundsätze der Verhältnismässigkeit112 und der Gleichbehandlung 
begrenzt  wird.113  Die WEKO  bestimmt  die effektive  Höhe der  Sanktion  nach  den konkreten 
Umständen im Einzelfall, wobei die Geldbusse für jedes an einer Zuwiderhandlung beteiligte 
Unternehmen individuell innerhalb der gesetzlich statuierten Grenzen festzulegen ist.114 

a) Basisbetrag 

140.  Der Basisbetrag beträgt gemäss SVKG je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 
10 % des Umsatzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäftsjahren 
auf dem relevanten Markt in der Schweiz erzielt hat (Art. 3 SVKG). Gemäss Art. 3 SVKG ist 
die aufgrund des Umsatzes errechnete Höhe des Basisbetrages je nach Schwere und Art des 
Verstosses festzusetzen (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 2 f.). 

141.  Das an der Submissionsabrede beteiligte Unternehmen Bezzola Denoth erzielte bei der 
vorliegenden  abgesprochenen  Submission  einen  Umsatz  in  der  Höhe  von  CHF  […]  exkl. 
MWST (Rz 49).  

142.  Hingegen erzielten Martinelli und Implenia keinen Umsatz, da ihnen die Rolle der Schutz-
geber  zugedacht  war.  Art.  49a  Abs.  1  KG  sieht eine  Sanktionierung von  Unternehmen  vor, 
welche sich an einer Abrede beteiligt haben. Das Entfallen der Belastung ist auf Gesetzesstufe 
nur aus den in Art. 49a Abs. 3 KG abschliessend aufgeführten Gründen vorgesehen. Eine rein 
auf der Basis des eigenen Umsatzes zu bemessende Sanktion würde bei Abredebeteiligten, 
deren  Schutznahme  erfolglos  blieb  oder  die  durch  eine  Stützofferte  den  designierten  Zu-
schlagsempfänger schützen sollten, aufgrund fehlenden Umsatzes zu einer Nicht-Sanktionie-
rung führen,  die in Art. 49a KG  nicht  vorgesehen ist.  Dieses  Ergebnis  entspricht  nicht  dem 
Sinn und Zweck der Regelung von Art. 3 SVKG und kann vom Verordnungsgeber nicht gewollt 
gewesen sein. Kartellrechtliche Sanktionen dienen nicht nur der Abschöpfung der Kartellrente, 
sondern weisen auch pönalen Charakter auf und sollen die Präventivwirkung des Kartellrechts 
verstärken.  Dieser  ratio  legis  der  kartellrechtlichen  Sanktionsvorschriften  liefe  es  zuwider, 
wenn „schutzgebende“ Unternehmen straffrei ausgehen würden. Namentlich ist auch den Er-
läuterungen zur KG-Sanktionsverordnung nicht zu entnehmen, dass bei einer solchen Sach-
lage auf eine Sanktionierung zu verzichten ist. Insofern ergibt die Auslegung von Art. 3 SVKG, 
dass sich deren Konkretisierung der Sanktionsbemessung auf Fälle beschränkt, in denen ein 
Unternehmen tatsächlich einen Umsatz im relevanten Markt erzielt hat. Sofern ein Unterneh-
men im relevanten Markt keinen Umsatz erwirtschaftet hat, ist für dieses das in Art. 3 SVKG 
vorgesehene Kriterium des tatsächlichen Umsatzes nicht zu berücksichtigen, um die Höhe der 
in Art. 49a KG vorgesehenen Sanktion festzulegen. 

143.  Vor  diesem  Hintergrund ist  vorliegend  –  unter  Berücksichtigung  der  vom Gesetz-  und 
Verordnungsgeber in Art. 49a KG und Art. 3 SVKG getroffenen Wertungen – ein Basisbetrag 
zu bestimmen, der einerseits den von der Submissionsabrede betroffenen Umsatz einbezieht 
und andererseits die Schwere und Art des Verstosses berücksichtigt. 

144.  Vorliegend wurde, wie oben dargelegt, beim strittigen Bauprojekt durch Bezzola Denoth 
ein Umsatz erzielt. Daher wird als Basisumsatz für die drei abredebeteiligten Unternehmen die 
Offertsumme von Bezzola Denoth exklusive Mehrwertsteuer in der Höhe von CHF […] heran-
gezogen (vgl. Rz 249). Denn dieser Betrag reflektiert letztlich die wirtschaftliche Bedeutung 

112  Art. 2 Abs. 2 SVKG. 
113  RPW 2006/4, 661 Rz 236, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 
114  RPW 2009/3, 212 f. Rz 111, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 

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der  fraglichen  Submission  und  damit  des  entsprechenden  Marktes  und  gibt  dadurch  Auf-
schluss über die Tragweite und das Schädigungspotenzial des Kartellrechtsverstosses. Kon-
kret ergibt sich daraus für den Basisbetrag eine Obergrenze von CHF […]. 

145.  Die Schwere der Zuwiderhandlung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevan-
ten Umstände zu beurteilen. Allgemeine Aussagen zur Qualifizierung konkreter Abreden sind 
nur sehr beschränkt möglich, kommt es doch immer massgeblich auf die konkreten Umstände 
des Einzelfalls an. Zweifellos stellen Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG, welche den Wettbe-
werb beseitigen, – als sogenannte harte horizontale Kartelle – in aller Regel schwere Kartell-
rechtsverstösse dar. Unter anderem sind horizontale Abreden, welche den Preiswettbewerb 
ausschalten, wegen des grossen ihnen immanenten Gefährdungspotenzials grundsätzlich im 
oberen Drittel des möglichen Sanktionsrahmens, d.h. zwischen 7 und 10 %, einzuordnen. Dar-
über hinaus ist im Allgemeinen davon auszugehen, dass Wettbewerbsbeschränkungen, wel-
che gleichzeitig mehrere Tatbestände gemäss Art. 5 KG erfüllen, schwerer zu gewichten sind 
als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen.  

146.  Bezzola Denoth als Schutznehmerin sowie Martinelli und Implenia als schützende Un-
ternehmen beteiligten sich an Abreden, welche den Preis sowie auch die Aufteilung von Ge-
schäftspartnern  zum  Gegenstand  haben.  Sämtliche  Unternehmen  handelten  dabei  vorsätz-
lich. Diese Art Wettbewerbsabrede läuft den Anliegen des Kartellgesetzes in schwerwiegender 
Weise zuwider. In der Ökonomie ist das Schädigungspotenzial von Abreden über den Preis 
und  die  Aufteilung  von  Geschäftspartnern  unbestritten.  Vorliegend  sind  zudem  gleichzeitig 
mehrere der als im Wettbewerb besonders wesentlich anzuschauenden Parameter gemäss 
Art. 5 Abs. 3 KG betroffen. Schliesslich ist zu beachten, dass die vorliegende Submissionsab-
rede den wirksamen Wettbewerb nicht beseitigt hat, sondern den Wettbewerb erheblich be-
einträchtigt hat. 

147.  Aus  diesen  Gründen  ist  der  vorliegende  Kartellrechtsverstoss  von  Bezzola  Denoth, 
Martinelli und Implenia als schwerwiegend zu werten.  

148.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
damit für Bezzola Denoth als erfolgreiche Schutznehmerin der Submissionsabrede ein Basis-
betrag von CHF […] und für Implenia sowie Martinelli als schützende Unternehmen ein Basis-
betrag von je CHF […] als angemessen. 

b) Dauer des Verstosses 

149.  Gemäss Art. 4 SVKG erfolgt eine Erhöhung des Basisbetrages um bis zu 50 %, wenn 
der Wettbewerbsverstoss zwischen einem und fünf Jahren gedauert hat, für jedes weitere Jahr 
ist ein Zuschlag von bis zu 10 % möglich (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 3). 

150.  Der vorliegende Kartellrechtsverstoss bezieht sich auf Leistungen im Rahmen eines ein-
zelnen Bauprojekts, nämlich [Bauprojekt 1]. Der Wettbewerbsverstoss betrifft damit einen re-
lativ kurzen Zeitraum. Folglich ist der Basisbetrag aufgrund der Dauer des Verstosses nicht zu 
erhöhen. 

c) Erschwerende Umstände 

151.  Gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG wird der Betrag nach den Artikeln 3 und 4 zusätzlich 
erhöht, wenn das betreffende Unternehmen zur Wettbewerbsbeschränkung anstiftete oder da-
bei eine führende Rolle spielte. Das Tatbestandsmerkmal der Anstiftung bzw. der führenden 
Rolle wird in Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG genannt, aber vom Verordnungsgeber nicht definiert. 
Vorliegend werden Anstiftung und führende Rolle separat geprüft.  

Anstiftung 

152.  Unternehmen nehmen eine anstiftende Rolle ein, wenn sie andere Unternehmen dazu 
veranlassen, eine Wettbewerbsbeschränkung zu begehen bzw. sich daran zu beteiligen. Als 
Mittel kommt in Analogie  zu den strafrechtlichen Kriterien der Anstiftung (vgl. Art. 24 StGB) 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

26 

 
 
 
 
grundsätzlich jedes motivierende Verhalten in Frage. Zu denken ist etwa an einen Vorschlag, 
eine konkludente Aufforderung oder eine motivierende Einladung (allenfalls unter Inaussicht-
stellen von Anreizen oder Drohungen).115

153.  Wie in Rz 74 ausgeführt, ist nicht erstellt, welche Verfahrenspartei beim [Bauprojekt 1] 
die Initiative zur Angebotskoordination ergriff. Welches Unternehmen diese Koordination letzt-
lich initiierte, lässt sich nicht erstellen und muss daher offen gelassen werden. Des Weiteren 
ist zu prüfen, ob eine der Verfahrensparteien allenfalls eine führende Rolle ausübte. 

Führende Rolle 

154.  Eine führende Rolle bei horizontalen Abreden liegt vor, wenn ein Unternehmen im kon-
kret  zu  beurteilenden  Einzelfall  in  besonderem  Masse  zur  Beschränkung  des Wettbewerbs 
bzw. zum KG-Verstoss beigetragen hat. Zentral für die Beurteilung einer führenden Rolle sind 
zum einen die konkreten Beiträge eines Unternehmens zur Vorbereitung, Organisation, Durch-
führung und Umsetzung der Wettbewerbsbeschränkung und zum anderen die Interessenslage 
der beteiligten Unternehmen. Nimmt ein Unternehmen bei der Organisation oder Umsetzung 
eine  besonders  tragende  Rolle  ein  und dient  eine Wettbewerbsbeschränkung einem  Unter-
nehmen in besonderem Masse, ist dies als Anzeichen seiner führenden Rolle zu werten.116

155.  Da der Verordnungsgeber die führende Rolle nicht definiert hat und die Anzahl diesbe-
züglicher Entscheide der WEKO bis anhin gering ausfällt, ist rechtsvergleichend die Praxis der 
EU-Kommission heranzuziehen. Auch die EU-Kommission beachtet bei der Berechnung der 
Sanktionshöhe die Rolle des Anführers als erschwerenden Umstand.117 Rechtsvergleichend 
sei  daher  auf  die  entsprechende  Praxis  der  EU-Gerichte  hingewiesen.  Demnach  muss  ein 
Unternehmen, um als Anführer eines Kartells eingestuft zu werden, eine wichtige Antriebskraft 
für das Kartell gewesen sein118 oder eine besondere, konkrete Verantwortung für dessen Funk-
tionieren getragen haben.119 Darauf kann auch aus einer Gesamtheit von Indizien geschlossen 
werden, die das Bestreben des Unternehmens zeigen, die Stabilität und den Erfolg des Kar-
tells zu sichern.120 Ein solcher Fall liegt etwa vor, wenn nachgewiesen ist, dass das Unterneh-
men  im  Kartell  die  Aufgaben  eines  Koordinators  übernommen  und  namentlich  das  mit  der 
konkreten Durchführung des Kartells betraute Sekretariat organisiert und mit Personal ausge-
stattet  hatte.121  Oder  wenn erwiesen  ist,  dass  das betroffene  Unternehmen  im  Rahmen  der 
konkreten Betätigung des Kartells eine zentrale Rolle etwa dadurch spielte, dass es zahlreiche 
Treffen organisierte, die Informationen innerhalb des Kartells entgegennahm und verteilte, die 
Vertretung  einiger  Mitglieder  im  Kartell  übernahm  oder  die meisten  Vorschläge  zur  Arbeits-
weise des Kartells machte.122 Hierbei handelt es sich aber nicht um einen abschliessenden 

115  RPW  2016/3,  751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  CHRISTOPH 
TAGMANN/BEAT  ZIRLICK,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Amstutz/Reinert  (Hrsg.),  2010, 
Art. 49a N 76. 

116  Vgl. dazu RPW 2016/3, 710 Rz 399 f., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig); RPW 2016/3, 
751 Rz 224, Saiteninstrumente (Gitarren und Bässe) und Zubehör; BSK KG-TAGMANN/ZIRLICK (Fn 
115), Art. 49a N 78; ROBERT ROTH/CHRISTIAN BOVET, in: Commentaire Romand, Droit de la concur-
rence, Martenet/Tercier/Bovet (Hrsg.), 2013, Art. 49a KG N 52. 

117  Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbussen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe 

a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003, ABl. C 210/2, 4 Rz 28. 

118  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al. unter Verweis auf EuG 
T-410/03, Slg. 2008, II-881 Rz 423, Hoechst/Kommission; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 93, 
BASF/Kommission.  

119  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al., EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 87, BASF/Kommission. 

120  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 351 BASF/Kommission.  

121  EuG  verb.  Rs.  T-117/07  u.  T-121/07,  Slg.  2011,  II-633  Rz  283,  Areva  et  al.;  EuG T-224/00,  Slg. 

2003, II-2597, Rz 246 und 247, Archer Daniels Midland. 

122  Vgl. in diesem Sinne EuGH verb. Rs. 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, IAZ 
International Belgium et al., Slg. 1983, 3369, Rz. 57 f.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 404, 439 

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27 

 
 
 
 
 
 
                                                
Katalog von möglichen Tatbeiträgen, die für eine führende Rolle sprechen. Die Einzelfallbe-
trachtung und der Umstand, dass Kartelle unterschiedlich initiiert, organisiert und gelebt wer-
den können, stünde einem solchen Schematismus entgegen. Letztlich ist massgeblich, ob der 
konkrete Tatbeitrag eines Beteiligten – absolut betrachtet – wesentlich für die Organisation, 
Umsetzung,  den  Fortbestand  und/oder  Erfolg  des  konkreten  Kartells  war  und  sich  –  relativ 
betrachtet – qualitativ und/oder quantitativ derart von Tatbeiträgen anderer Beteiligten abhob, 
dass im Vergleich zu diesen auf eine führende Rolle zu schliessen ist.  

156.  Vorliegend steht fest, dass Bezzola Denoth die E-Mails vom […] bzw. […] inkl. kalkulier-
ter SIA-Dateien an Martinelli und Implenia zusandte. Darin gab sie ihnen an, welchen Preis sie 
der  Bauherrschaft  offerieren  sollten  (vgl.  Rz 46  f.  hiervor).  Diese  Angabe  der  Höhe  der 
Schutzofferte ist nicht als Tatbeitrag zu werten, der isoliert betrachtet zur Annahme einer füh-
renden Rolle führt. Vielmehr liegt eine solche Handlung in der Natur einer einzelsubmissions-
bezogenen preislichen Angebotskoordinierung.123 In casu war der für Bezzola Denoth damit 
verbundene organisatorische und intellektuelle Aufwand nur gering. Eine tragende Rolle von 
Bezzola Denoth bei der Organisation sowie der Durchführung des Kartells liegt somit nicht vor. 
Zu würdigen ist sodann die Interessenlage der Beteiligten, wonach das Interesse von Bezzola 
Denoth an der Angebotskoordination als „Schutznehmerin“ grösser gewesen sein dürfte als 
dasjenige von Martinelli und Implenia. Eine solche Interessensasymmetrie liegt bei einzelpro-
jektbezogenen Submissionsabreden ebenfalls in der Natur der Sache und begründet für sich 
alleine keine führende Rolle. Zusammengefasst, in einer Gesamtbetrachtung, sind die für eine 
führende Rolle sprechenden Kriterien (Organisation, Durchführung, Interessenslage) zu wenig 
ausgeprägt, um eine solche für Bezzola Denoth zu bejahen. 

157.  Im  Ergebnis  liegen  damit  zwar  gewisse  Elemente  vor,  die für  die  Erfüllung  der  obge-
nannten Voraussetzungen und damit für eine führende Rolle von Bezzola Denoth sprechen. 
Diese Elemente erreichen aber nicht das Ausmass, um eine solche zu bejahen. Eine Sankti-
onserhöhung  unter  diesem  Titel  scheidet  somit  aus.  Nicht  beurteilt  zu  werden  braucht  die 
Frage,  wie  es  sich  verhält,  wenn  ein  Unternehmen  über  die  vorliegenden  üblichen  Umset-
zungshandlungen im Zuge einer einzelprojektbezogenen Abrede hinaus auf die Organisation 
und  Durchführung  des  Kartells  Einfluss  nimmt  oder  bei  einer  projektübergreifenden  Abrede 
regelmässig die Konkretisierung der preislichen Angebotskoordination übernimmt. 

d) Mildernde Umstände 

158.  Es sind keine mildernden Umstände ersichtlich. 

C.4.2.2.2  Maximalsanktion 

159.  Die Sanktion beträgt in keinem Fall mehr als 10 % des in den letzten drei Geschäftsjah-
ren  in  der  Schweiz  erzielten  Gesamtumsatzes  des  Unternehmens  (Art. 49a  Abs. 1  KG  und 
Art. 7 SVKG). Vorliegend erübrigt sich die Ermittlung der Gesamtumsätze der Parteien, zumal 
die Maximalsanktion gemäss  Art. 49a  Abs. 1 KG  und Art. 7  SVKG  offensichtlich nicht  über-
schritten wird 

C.4.2.2.3  Selbstanzeige – Vollständiger/teilweiser Erlass der Sanktion 

Voraussetzungen der Sanktionsbefreiung und -reduktion 

160.  Die  Voraussetzungen  der  Sanktionsbefreiung  und  -reduktion  richten  sich  nach  Art. 8 
SVKG und 12 SVKG.  

und 461 BASF/Kommission; EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva 
et al.; RPW 2016/3, 710 Rz 402., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig). 

123  Vgl.  auch  RPW  2013/4,  627  Rz  983,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton 

Zürich. 

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28 

 
 
 
 
 
                                                
Implenia 

161.  Wie oben im Abschnitt zur Verfahrensgeschichte (Rz 5 ff.) ersichtlich, zeigte Implenia im 
Verfahren „22-0433:  Bauleistungen Graubünden“  am  1. November  2012 eine  mutmassliche 
Wettbewerbsabrede an.124 Im Folgenden ist zu beurteilen, ob und gegebenenfalls ab wann die 
Eingaben von Implenia in Bezug auf den vorliegenden Verfahrensgegenstand als Selbstan-
zeige zu qualifizieren sind. Dabei ist insbesondere auf die Vorbringen von Implenia einzuge-
hen, dass sie im vorliegenden Verfahren als erstes Unternehmen mit der Behörde kooperiert 
habe und ihr die Sanktion daher vollständig zu erlassen sei.125 

162.  Bei der Eingabe von Implenia vom 1. November 2012126 handelte es sich um den soge-
nannten „Marker“. Der „Marker“ beinhaltet die Erklärung, dass das Unternehmen eine Selbst-
anzeige einreichen wird. Der „Marker“ ist damit der eigentlichen Selbstanzeige vorgelagert und 
ist inhaltlich weniger umfangreich als die Selbstanzeige.127 In inhaltlicher Hinsicht stellte Im-
plenia in ihrem „Marker“ klar, dass die angezeigte mutmassliche Wettbewerbsabrede das Un-
ter-  und  das  Oberengadin  im  Markt  für  Strassenbau  betreffe.  Mit  E-Mail  vom  1.  November 
2012 bestätigte das Sekretariat den Eingang des „Markers“ von Implenia.128 

163.  In der Folge ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige im Rahmen von diversen mündlichen 
Eingaben zu Protokoll. Eine erste solche Ergänzung erfolgte bereits am 1. November 2012.129 
Ihre Sachverhaltsauskünfte bezogen sich auf den Bereich Strassenbau im Kanton Graubün-
den. Zum Bereich Hochbau im Engadin äusserte sie sich nicht.130 

164.  Mit  Faxschreiben  vom  7.  November  2012131  dehnte  Implenia  den  gesetzten  „Marker“ 
aus. Konkret teilte sie mit, dass sie Anzeichen habe, dass im Kanton Graubünden ausserhalb 
des Unterengadins auch mutmassliche Wettbewerbsabreden im Markt für Hochbau getroffen 
worden seien. Möglicherweise sei es auf diesem Markt für einzelne Projekte zu Abreden zwi-
schen Wettbewerbern über die Koordinierung und Zuweisung von Projekten sowie mutmass-
lich zu Abgeltungszahlungen im Bereich von Submissionen gekommen. Das Sekretariat be-
stätigte auch den Eingang dieses erweiterten „Markers“.132 

165.  Die weiteren Ergänzungen der Selbstanzeige von Implenia vom 9. November 2012133, 
16. November 2012134, 23. November 2012135 und 21. Dezember 2012136 betrafen ebenfalls 
nicht allfällige Wettbewerbsverstösse im Zusammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin. 
In der mündlichen Ergänzung der Selbstanzeige vom 16. November 2012 zeigte sie zwar ihr 
Verhalten im Zusammenhang mit zwei Hochbauprojekten ausserhalb des Engadins an. In Be-
zug auf das Engadin hielt sie indes fest, dass sie in dieser Region nicht im Bereich Hochbau 
tätig sei.  

124 Act. IX.A.1 (25-0037). 
125 Act. 72 (22-04uu), Rz 17 ff. 
126 Act. IX.A.1 (25-0037). 
127  Merkblatt und Formular des Sekretariats der WEKO Bonusregelung (Selbstanzeige) vom 8.9.2014, 

Rz 24. 

128 Act. IX.A.2 (25-0037). 
129 Act. IX.A.3 (25-0037). 
130 Vgl. Act. IX.A.1 (25-0037), Zeile 167 f. 
131 Act. IX.A.5 (25-0037). 
132 Act. IX.A.6 (25-0037). 
133 Act. IX.A.8 (25-0037). 
134 Act. IX.A.11 (25-0037). 
135 Act. IX.A.13 (25-0037). 
136 Act. IX.A.16 (25-0037). 

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29 

 
 
 
 
                                                
166.  Mit Schreiben vom 28. Februar 2013137 ersuchte das Sekretariat Implenia, der Behörde 
mitzuteilen, ob sie im Rahmen der internen Untersuchung weitere Hochbauprojekte habe iden-
tifizieren  können,  in  deren  Zusammenhang  möglicherweise  Wettbewerbsabreden  getroffen 
worden seien, sowie ob sich ihre Selbstanzeige im Bereich Hochbau auf den gesamten Kanton 
Graubünden beziehe oder nur auf gewisse Teile des Kantons Graubünden. Neue Informatio-
nen hätten Einfluss auf die Markerbestätigung, insbesondere im Bereich Hochbau. Daraufhin 
bestätigte Implenia mit Eingabe vom 4. April 2013138, dass sie im Engadin nicht im Hochbau 
tätig sei. Die weiteren Hochbauprojekte, die sie anzeigte, lagen nicht im Engadin.  

167.  Bei dieser Sachlage ist zu folgern, dass in der Selbstanzeige von Implenia der Bereich 
Hochbau  im  Engadin  ausgeklammert  war.  Der  vorliegend  zu  beurteilende  Wettbewerbs-
verstoss war somit (zunächst) nicht von der Selbstanzeige von Implenia erfasst. Im Folgenden 
ist auf die weitere Korrespondenz im Zusammenhang mit der Selbstanzeige von Implenia ein-
zugehen. 

168.  Mit Schreiben vom 23. April 2013 teilten die Wettbewerbsbehörden Implenia mit, dass 
sie die Voraussetzungen für den vollständigen Erlass der Sanktion nach Art. 8 Abs. 1 SVKG 
in Bezug auf die von ihr angezeigten, unzulässigen Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 5 
Abs. 3 und 4 KG betreffend das Verfahren 22-0433 Bauleistungen Graubünden als gegeben 
erachten würden (Art. 9 Abs. 3 lit. a SVKG). In den darauffolgenden Ergänzungen der Selbst-
anzeige äusserte  sich  Implenia weiterhin nicht zu allfälligen Wettbewerbsverstössen im  Zu-
sammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin. 

169.  Am 23. Oktober 2015 gab das Sekretariat Implenia die Möglichkeit, ihre Selbstanzeige 
u.a. im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] zu ergänzen. Am 18. November 2015 und am 
17. Dezember 2015 ergänzte Implenia ihre Selbstanzeige in Bezug auf das vorliegend zu be-
urteilende Projekt und reichte beim Sekretariat die zugehörige E-Mail-Korrespondenz ein. Am 
22.  Juli  2016  und  am  10.  November  2016  reichte  Implenia  beim  Sekretariat  zusätzlich  die 
mittlerweile von ihr entschlüsselten E-Mail-Anhänge ein.  

170.  Somit kam  Implenia erst  am  18.  November  2015,  also  über  drei  Jahre  nach  Untersu-
chungseröffnung, im Rahmen einer mündlichen Ergänzung der Selbstanzeige auf Nachfrage 
des Sekretariates zum ersten Mal auf das [Bauprojekt 1] zu sprechen. Implenia gestand darin 
ein, dass „objektive Anhaltspunkte für Unregelmässigkeiten bei der Offertstellung“ bestehen 
würden. Die fehlende Preiskalkulation im SAP-Programm deute darauf hin, dass die Preise 
ohne Kalkulation lediglich eingetragen worden seien. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass 
der Eingabepreis mit anderen Unternehmen koordiniert worden sei. Die Beteiligung Implenias 
am Wettbewerbsverstoss wurde damit zumindest nicht bestritten. 

171.  Zu diesem späten Zeitpunkt verfügte das Sekretariat bereits über Beweismittel, um den 
Wettbewerbsverstoss zu beweisen (Art. 8 Abs. 4 Bst. b SVKG).  

172.  Zusammenfassend erstattete Implenia zwar als erstes Unternehmen Selbstanzeige im 
Verfahren „22-0433: Bauleistungen Graubünden“. Ihre Selbstanzeige erstreckte sich jedoch 
nicht auf Hochbauprojekte im Engadin (vgl. Rz 161) und somit auch nicht auf den vorliegend 
zu beurteilenden Wettbewerbsverstoss. Diesbezüglich lag (zunächst) keine Selbstanzeige von 
Implenia vor. 

173.  Beizufügen  ist  in  diesem  Zusammenhang  Folgendes:  Es  ist  möglich,  dass  der  ange-
zeigte  Sachverhalt  im  „Marker“  zunächst  relativ  offen  formuliert  wird  und  anschliessend  im 
Rahmen von Ergänzungen der Selbstanzeige präzisiert und konkretisiert wird. Weiter ist un-
bestritten, dass eine solche Vervollständigung der Selbstanzeige bei komplexen Sachverhal-
ten – wie in der vorliegenden Untersuchung – eine gewisse Zeit beansprucht. Insofern ist es 
möglich,  dass  eine  Selbstanzeigerin  ihre  Sachverhaltsschilderungen  innert  angemessener 
Frist ergänzt, ohne den durch den „Marker“ bestimmten Rang der eingegangen Selbstanzei-
gen zu verlieren. Innerhalb welchen Zeitraums eine solche Konkretisierung zu erfolgen hat, 

137 Act. IX.A.26 (25-0037). 
138 Act. IX.A.28 (25-0037). 

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30 

 
 
 
 
                                                
richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Vorliegend ist zu beachten, dass Implenia 
trotz Nachfrage des Sekretariats im Februar 2013 keine Informationen betreffend den Bereich 
Hochbau im Engadin über möglicherweise abgesprochene Projekte lieferte. Wenn sie erst ca. 
drei Jahre später, auf Nachfrage des Sekretariats, in Bezug auf das strittige Bauprojekt Sach-
verhaltsauskünfte tätigt, kann dies jedenfalls nicht mehr als Vervollständigung des ursprüngli-
chen „Markers“ betrachtet werden. Nicht von Bedeutung ist dabei, dass vorliegend keine An-
zeichen  bestehen,  dass  Implenia  der  Behörde  ihr  Verhalten  im  Zusammenhang  mit  dem 
strittigen Bauprojekt absichtlich verschwiegen hat.  

174.  Schliesslich kann Implenia im vorliegenden Kontext auch nichts aus der Mitteilung der 
Wettbewerbsbehörden gemäss Art. 9 Abs. 3 Bst. a SVKG vom 23. April 2013 zu ihren Gunsten 
ableiten. Die Mitteilung vom 23. April 2013 bezog sich ausdrücklich auf die von Implenia an-
gezeigten  Wettbewerbsabreden.  In  Bezug  auf  mutmassliche  Wettbewerbsverstösse  im  Zu-
sammenhang mit Hochbauprojekten im Engadin lag zu diesem Zeitpunkt – wie erörtert worden 
ist – keine Selbstanzeige von Implenia vor. Irrelevant ist auch, dass vorliegend mit Zwischen-
verfügung vom 23. November 2013 eine Verfahrenstrennung stattgefunden hat. Diese grün-
dete  in  prozessökonomischen  Überlegungen  und  ändert  an  der  materiellen  Beurteilung  der 
untersuchten Sachverhalte nichts, insbesondere auch nicht in Bezug auf die Reihenfolge der 
Selbstanzeigen.  Die  Würdigung  der  Eingaben  von  Implenia  unter  dem  Gesichtspunkt  des 
Selbstanzeigegehalts  würde  zum  gleichen  Ergebnis  führen,  wenn  der  vorliegend  beurteilte 
Wettbewerbsverstoss  verfahrensmässig  zusammen  mit  anderen  Sachverhalten  behandelt 
worden wäre.  

175.  Im Folgenden ist zu prüfen, ob die mündlichen Eingaben zu Protokoll von Implenia ab 
Ende  2015  als  Selbstanzeige  in  Bezug  auf  den  vorliegend  zu  beurteilenden  Wettbewerbs-
verstoss zu werten sind. Falls dies zutrifft, ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Re-
duktion der Sanktion gegeben sind, wobei die Wichtigkeit des Beitrages des Unternehmens 
zum Verfahrenserfolg zu berücksichtigen ist.  

176.  Die auf Nachfrage des Sekretariates hin erfolgten Ausführungen von Implenia zum [Bau-
projekt 1] erfolgten über drei Jahre nach denjenigen von Bezzola Denoth (Rz 178). Seit dem 
Hinweis Ende 2015 durch das Sekretariat ist die Kooperation von Implenia von guter Qualität. 
Implenia bemühte sich insbesondere, allfällige Beweismittel zum Projekt [Bauprojekt 1] aufzu-
finden und dem Sekretariat zu erläutern, auch wenn diese Beweismittel (mit Ausnahme der 
Anhänge) dem Sekretariat bereits durch Bezzola Denoth vorgelegt wurden. Implenia bemühte 
sich zudem erfolgreich, den durch das Sekretariat nicht lesbaren Anhang der E-Mail vom […] 
zu  öffnen  und  stellte  diesen  dem  Sekretariat  anschliessend  zur  Verfügung.  Damit  ist  der 
Selbstanzeigegehalt der Eingaben von Implenia ab Ende 2015 in Bezug auf den vorliegend zu 
beurteilenden Wettbewerbsverstoss zu bejahen. 

177.  Unter Berücksichtigung der erörterten Umstände des Einzelfalls gewährt die WEKO Im-
plenia im Rahmen ihrer Selbstanzeige eine Sanktionsreduktion von 30 Prozent. 

Bezzola Denoth 

178.  Wie oben unter Verfahrensgeschichte (Rz 5 ff.) ersichtlich, reichte Bezzola Denoth am 
9. November 2012 eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie 
Art. 8 ff. SVKG in Bezug auf das Verfahren „22-0433: Bauleistungen Unterengadin“ ein. Bez-
zola Denoth reichte zudem zahlreiche Ergänzungen zu ihrer Selbstanzeige ein, insbesondere 
die Eingaben vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013, welche auch das vorliegende 
Bauobjekt in […] betreffen.  

179.  Bezzola Denoth zeigte kurz nach Untersuchungseröffnung das vorliegende [Bauprojekt 
1] als Wettbewerbsverstoss an. Sie reichte zudem entscheidende Beweismittel (E-Mail-Ver-
kehr mit Martinelli und Implenia im […]) ein und kooperierte auch sonst mit der Wettbewerbs-
behörde. Bezzola Denoth zeigte somit, da Implenia (zunächst) keine Selbstanzeige über den 
Hochbau im Engadin einreichte, zeitlich als erstes Unternehmen ihre Beteiligung am Wettbe-
werbsverstoss an, legte in der Untersuchung 22-0433/22-04uu Hoch- und Tiefbauleistungen 

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31 

 
 
 
 
 
Engadin U zudem unverzüglich und mit deutlichem Abstand als erstes Unternehmen Beweis-
mittel vor, welche es der Wettbewerbsbehörde ermöglichten, den Wettbewerbsverstoss fest-
zustellen. Zudem wurde das Sekretariat erst durch Bezzola Denoth auf das vorliegende Pro-
jekt aufmerksam gemacht.  

180.  Gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst. a SVKG erlässt die WEKO die Sanktion nur, wenn das Unter-
nehmen kein anderes Unternehmen zur Teilnahme an dem Wettbewerbsverstoss gezwungen 
hat  und  weder  eine  anstiftende  noch  eine  führende  Rolle  im  betreffenden  Wettbewerbs-
verstoss ausgeübt hat. Es liegen im vorliegenden Fall keine Hinweise vor, dass Bezzola De-
noth Martinelli und Implenia zur Teilnahme am Wettbewerbsverstoss gezwungen hätte.139 Wie 
gezeigt worden ist (vgl. Rz 157 ff.), sind die Voraussetzungen zur Annahme einer anstiftenden 
oder führenden Rolle von Bezzola Denoth im Zusammenhang mit dem vorliegenden Wettbe-
werbsverstoss nicht gegeben. 

181.  Damit wären bei der Bezzola Denoth die Voraussetzungen für einen vollständigen Sank-
tionserlass  grundsätzlich  erfüllt.  Näher  zu  beleuchten  ist  jedoch  ihr  Kooperationsverhalten 
nach Abschluss der Ermittlungen durch das Sekretariat. In ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 
2017  zum  Antrag  des  Sekretariats  äusserte  sich  die  Bezzola  Denoth  unter  anderem  wie 
folgt:140 

- 

- 

„Anders als das Sekretariat im Rahmen des verfolgten Zwecks annimmt, ging es weder 
darum, den Wettbewerb unter den jeweils bilateral Beteiligten zu verhindern, noch um 
eine «Zuschlagsteuerung».“ 

„Unbestritten ist, dass Bezzola Denoth von den beiden Unternehmen «Schutz» in Be-
zug auf das [Bauprojekt 1] erhalten hatte (Rz. 44 des Antrags). Allerdings ist nicht ein-
deutig, was die Beteiligten darunter jeweils verstanden. So gab [Mitarbeiter A] zu Pro-
tokoll,  dass  er 
Implenia  und  Martinelli  die  Eingabesummen  aus  «reinem 
Entgegenkommen» bekanntgegeben habe. Martinelli und Implenia seien im Unteren-
gadin  nicht  tätig  gewesen.  Die  Bezzola  Denoth  habe  keinen  Nutzen  davon  gehabt, 
dass «Nichtmarktteilnehmer» im Unterengadin eine Offerte eingeben würden (Rz. 46 
des  Antrags).  Für  diese  Deutung  des  Geschehens  spricht,  dass  es  sich  jeweils  um 
bilaterale Kontakte gehandelt hat. Das spricht viel mehr für einen Gefallen als für eine 
(aussichtslose) «Zuschlagsteuerung» der drei Unternehmen.“ 

182.  Wie  zu  zeigen  ist,  hat  dieses  Verhalten  der  Bezzola  Denoth  für  die  Beurteilung  ihrer 
Selbstanzeige Folgen. 

183.  Im Rahmen einer Selbstanzeige muss das Unternehmen Klarheit über den Sachverhalt 
schaffen. Dies betrifft den gesamten kartellrechtlich relevanten Sachverhalt, der sowohl objek-
tive als auch subjektive Elemente umfasst. Das bedeutet namentlich, dass das Unternehmen 
aufdecken muss, welches der verfolgte Zweck der angezeigten Verhaltensweise war, wie das 
Verhalten  durch das  Unternehmen  umgesetzt  wurde sowie  –  soweit  Informationen und  Be-
weismittel dazu vorhanden sind – wie die Umsetzung durch andere beteiligte Unternehmen 
erfolgt ist. Zu diesem Zweck kann das Unternehmen insbesondere vorbestehende Beweismit-
tel einreichen und Protokollaussagen tätigen. Keine Selbstanzeige liegt typischerweise dann 
vor, wenn das Unternehmen die beigebrachten Informationen und Beweismittel selbst wieder 
entkräftet,  etwa  indem  es  eine  Verhaltensabstimmung  mit  anderen  Unternehmen  bestreitet 
oder generell (mögliche) negative Auswirkungen auf den Wettbewerb verneint. Nicht erforder-

139  Beispiel,  in  dem  ein  Unternehmen  zur  Teilnahme  an  einem  Wettbewerbsverstoss  gezwungen 
wurde: RPW 2009/2, 156 Rz 90 f., Felco/Landi. In diesem Fall übte Felco Druck auf Landi aus, damit 
diese die Preise erhöhen würde. Landi hatte nicht die Absicht, die Preise zu erhöhen, stimmte der 
Preiserhöhung jedoch zu, um weitere Produkte der Felco in ihrer Produktpalette behalten zu kön-
nen. 

140  Act. 71, Rz 6 und Rz 7 (22-04uu). 

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32 

 
 
 
 
                                                
lich ist demgegenüber, dass sich das Unternehmen schuldig bekennt, einen bestimmten kar-
tellrechtlichen Tatbestand verletzt zu haben, oder dass es eine rechtliche Würdigung der of-
fengelegten Tatsachen vornimmt (z.B. bezüglich der Frage der Erheblichkeit).141  

184.  Mit ihren Vorbringen im Rahmen der Stellungnahme zum Antrag stellt sich die Bezzola 
Denoth nicht nur gegen die rechtliche Würdigung der Behörde, was bei der Beurteilung ihrer 
Selbstanzeige unberücksichtigt zu bleiben hat. Sie bestreitet auch den erwiesenen rechtser-
heblichen Sachverhalt, der vorliegend im Beweisergebnis (Rz 82) abgebildet ist. Insbesondere 
bestreitet sie – was ebenfalls bewiesen ist –, dass die Parteien mit ihrem Verhalten bezweck-
ten, sich bei der Ausschreibung des [Bauprojekt 1] nicht zu konkurrenzieren. Damit distanziert 
sie sich auch von ihrer früheren Aussage, wonach es bei ihrem Verhalten im Zusammenhang 
mit dem [Bauprojekt 1] […] sei (vgl. Rz 52 hiervor).  

185.  Gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst. c KG setzt der vollständige Sanktionserlass unter anderem 
voraus, dass das selbstanzeigende Unternehmen während der gesamten Dauer des Verfah-
rens ununterbrochen, uneingeschränkt und ohne Verzug mit der Behörde zusammenarbeitet. 
Indem die Bezzola Denoth nun wesentliche Elemente des erwiesenen Sachverhalts bestreitet, 
insbesondere betreffend den Konsens und den verfolgten Zweck, sind die Voraussetzungen 
für einen vollständigen Sanktionserlass nicht gegeben. 

186.  Zu prüfen ist, welche Rechtsfolge dies nach sich zieht. Dabei ist zu beachten, dass in 
der SVKG der vollständige Sanktionserlass infolge Selbstanzeige im dritten Abschnitt (Art. 8 ff. 
SVKG) geregelt ist, während sich die Reduktion der Sanktion infolge Selbstanzeige nach den 
Vorschriften im vierten Abschnitt (Art. 12 ff. SVKG) richtet. Im Lichte der Verordnungssyste-
matik scheint es naheliegend, die Höhe der Sanktionsreduktion in jedem Fall nach den Best-
immungen von Art. 12 ff. SVKG festzulegen, wenn die Kriterien für einen vollständigen Sank-
tionserlass nicht gegeben sind. Danach käme ein selbstanzeigendes Unternehmen, das – wie 
vorliegend die Bezzola Denoth – die Voraussetzungen für einen vollständigen Sanktionserlass 
mit Ausnahme der vollumfänglichen Kooperation erfüllt, in den Genuss einer Sanktionsreduk-
tion von höchstens 50 %.  

187.  Neben  dem  systematischen  Auslegungselement  sind  allerdings  die  weiteren  Ausle-
gungskriterien zu beachten, namentlich der Sinn und Zweck der Norm (teleologische Ausle-
gung). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Anforderungen an die Kooperation von Selbst-
anzeigern in qualitativer und quantitativer Hinsicht hoch sind. Bei einem Selbstanzeiger etwa, 
dessen Kooperation grundsätzlich als gut zu werten ist, der aber seiner Kooperationsobliegen-
heit in einem bestimmten Punkt nicht nachkommt, wäre es allenfalls stossend, die höchstmög-
liche Sanktionsreduktion – anstelle eines vollständigen Sanktionserlass – auf 50 % zu begren-
zen.  Auch  bei  der  Auslegung  und  Anwendung  von  Verordnungsbestimmungen  ist  der 
Verhältnismässigkeitsgrundsatz (Art. 5 Abs. 2 BV) zu beachten. Dass der Verordnungsgeber 
bei einem Selbstanzeiger, der ansonsten die Voraussetzungen für einen vollständigen Sank-
tionserlass erfüllt, bei mangelhafter Kooperation die höchstmögliche Sanktionsreduktion in je-
dem Fall und ungeachtet der konkreten Umstände des Einzelfalls auf 50 % festlegen wollte, 
ist nicht ersichtlich. Mit einer solchen Regelung nähme man in Kauf, das Verhältnismässig-
keitsprinzip im Einzelfall zu unterlaufen. Dies kann nicht der Sinn und Zweck der Norm sein.  

188.  Dagegen führt die systematische Auslegung nicht zu einem hinreichend klaren Ergebnis, 
um einen anderen Normgehalt anzunehmen. Die Abschnittstitel als solche und der logische 
Aufbau der SVKG schliessen nicht aus, dass im Einzelfall – trotz mangelhafter Kooperation – 
eine Sanktionsreduktion von mehr als 50% gewährt wird. Auch die historische Auslegung ist 
nicht eindeutig. Dem Verordnungsgeber lag lediglich daran, dass eine erste Selbstanzeigerin 
umfassend mit den Wettbewerbsbehörden kooperiert. Dies ist auch dann gewährleistet, wenn 
der  Kooperationsmangel  keine  Deckelung  der  maximalen  Sanktionsreduktion  auf  50 %  zur 
Folge  hat.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  Art.  8  Abs.  2  Bst.  c  SVKG  so  auszulegen,  dass  bei 

141  Zum Ganzen Merkblatt und Formular des Sekretariats der WEKO Bonusregelung (Selbstanzeige) 

vom 8.9.2014, Rz 5. 

22-00038/COO.2101.111.3.247709  

33 

 
 
 
 
                                                
mangelhafter Kooperation die Sanktionsreduktion nach den Umständen des Einzelfalls fest-
zulegen ist. Dabei hat die Behörde ihr Ermessen pflichtgemäss auszuüben. Namentlich hat 
sie der Art und dem Schweregrad des konkreten Kooperationsmangels Rechnung zu tragen. 
An die höchstmögliche Sanktionsreduktion gemäss Art. 12 Abs. 2 SVKG von 50 % ist sie nicht 
gebunden. 

189.  Im vorliegenden Fall sind die Art und Schwere der mangelhaften Kooperation der Bez-
zola Denoth zu würdigen. Dabei ist zu beachten, dass die Bezzola Denoth nun wesentliche 
Elemente des erwiesenen Sachverhalts in Abrede stellt. Dies spricht dafür, ihre mangelhafte 
Kooperation gewichtig zu berücksichtigen. Allerdings werden diese Abstriche durch ihre gute 
Zusammenarbeit mit der Behörde in vorangehenden Verfahrensstadien teilweise aufgewogen. 
Immerhin lieferte sie der Behörde bereits in einer frühen Phase des Verfahrens zentrale Be-
weismittel, die den Nachweis des vorliegenden Kartellrechtsverstosses massgebend erleich-
terten. Gesamthaft betrachtet erscheint der Kooperation der Bezzola Denoth daher dennoch 
eine Sanktionsreduktion von 85 % angemessen. 

C.4.2.2.4  Verhältnismässigkeitsprüfung 

190.  Schliesslich muss eine Sanktion als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes für 
die betroffenen Unternehmen finanziell tragbar sein.142 Die Höhe der Busse ist dahingehend 
zu begrenzen, dass die Sanktion weder die Wettbewerbs- noch die Existenzfähigkeit des be-
troffenen Unternehmens bedroht. Der Sanktionsbetrag muss zur finanziellen Leistungsfähig-
keit des Unternehmens in einem angemessenen Verhältnis stehen.  

191.  […].143 […]144  

192.  […]145 […] 

193.  […]. 

194.  […]. 

C.4.2.2.5  Ergebnis 

195.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände erachtet die 
Wettbewerbsbehörde eine Verwaltungssanktion in folgender Höhe als dem Verstoss der Par-
teien angemessen:  

 

 

 

Bezzola Denoth: 

CHF [1-20’000] 

Martinelli:  

Implenia:  

CHF […]  

CHF [15’000-40’000] 

D 

Kosten  

196.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG146 ist gebührenpflichtig, wer ein Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

142  Siehe ausführlicher dazu RPW 2009/3, 218 Rz 150, Elektroinstallationsbetriebe Bern m.w.H. 
143  Act. 71, Rz 99 ff. (22-04uu). 
144  Act. 82 und 95a (22-04uu). 
145  […]. 
146  Verordnung vom 25.2.1998 über die Gebühren zum Kartellgesetz (Gebührenverordnung KG, GebV-

KG; SR 251.2). 

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197.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt oder 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend ist daher eine Gebührenpflicht der Verfügungs-
adressatinnen zu bejahen. 

198.  Ist wie im vorliegenden Fall die Aufdeckung und Abklärung einer horizontalen Wettbe-
werbsabrede Gegenstand eines Verfahrens, so gelten grundsätzlich alle an der Abrede Betei-
ligten gemeinsam und in gleichem Masse als Verursacher des entsprechenden Verwaltungs-
verfahrens. Dementsprechend gestaltet sich die bisherige Praxis der Wettbewerbsbehörden, 
gemäss welcher – in Ermangelung besonderer Umstände, die das Ergebnis als stossend er-
scheinen liessen – eine Pro-Kopf-Verlegung der Kosten vorgenommen wurde. Insbesondere 
Gleichheits-, aber auch Praktikabilitätserwägungen stehen dabei im Vordergrund.147 Auch vor-
liegend werden die Gebühren den Parteien zu gleichen Teilen auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-KG 
i.V.m. Art. 2 Abs. 2 AllgGebV148). 

199.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis 400. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebühren ein-
geschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall be-
trauten Mitarbeiter rechtfertigt sich ein Stundenansatz von CHF 200 bis CHF 290. 

200.  Die vorliegende Untersuchung wurde mit Verfügung vom 23. November 2015 von der 
Untersuchung  22-0433:  Bauleistungen  Graubünden  getrennt.  Vom  aus  der  Untersuchung 
22-0433: Bauleistungen Graubünden bis dahin entstandenen Verfahrensaufwand wird ein An-
teil  von  CHF  20‘000  dem  vorliegenden  Verfahren  zugerechnet.  Es  wurden  vor  der  Verfah-
renstrennung  mehrere  Ermittlungshandlungen  (insbesondere  Einvernahmen)  in  Bezug  auf 
das vorliegende Bauprojekt durchgeführt. Zusätzlich entfallen auf das vorliegende Verfahren 
folgende Gebühren, die auf der Grundlage der nach der Verfahrenstrennung aufgewendeten 
Stunden zu berechnen sind: 

 

 

49 Stunden zu CHF 200, ergebend CHF 9‘800 

8 Stunden zu CHF 290, ergebend CHF 2‘320 

201.  Demnach beläuft sich die Gebühr insgesamt auf CHF 32‘120. 

202.  Die Bezzola Denoth, Martinelli und Implenia zu gleichen Teilen auferlegten Verfahrens-
kosten betragen je Unternehmen CHF 10‘706. 

203.  Aufgrund  der  Verhältnismässigkeitsprüfung  (vgl.  Rz 190  ff.)  hat  Martinelli  einen  Anteil 
von CHF […]. Die übrigen Verfahrenskosten gehen zulasten der Staatskasse. 

147  RPW 2009/3, 221 Rz 174, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
148  Allgemeine Gebührenverordnung vom 8.9.2004 (AllgGebV; SR 172.041.1). 

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E 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission (Art. 30 Abs. 1 KG): 

1. 

Der Bezzola Denoth AG, D. Martinelli AG und Implenia Schweiz AG wird untersagt 

1.1 

1.2 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleis-
tungen um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzu-
fragen oder derartiges anzubieten; 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit 
Konkurrenten  vor  Ablauf  der Offerteingabefrist  – oder,  sofern  nicht  vorhanden, 
vor rechtskräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die 
Zu- und Aufteilung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenom-
men ist der Austausch unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

2.  Mit Sanktionen nach Art. 49a Abs. 1 KG wegen Beteiligung an der gemäss Art. 5 Abs. 3 
i.V.m.  Abs. 1  KG  unzulässigen  Wettbewerbsabrede  mit  folgenden  Beträgen  belastet 
werden: 

2.1 

 die Bezzola Denoth AG, Scuol mit einem Betrag von CHF [1-20’000], 

2.2 

 die D. Martinelli AG, St. Moritz mit einem Betrag von CHF […], 

2.3 

 die Implenia Schweiz AG, Dietlikon mit einem Betrag von CHF [15’000-40’000]. 

3. 

Die Verfahrenskosten betragen CHF 32‘120 und werden folgendermassen auferlegt: 

3.1 

Die Foffa Conrad AG trägt CHF 10‘706.  

3.2 

Die D. Martinelli AG trägt […]. 

3.3 

Die Implenia Schweiz AG trägt CHF 10‘706. 

3.4 

Die übrigen Verfahrenskosten gehen zulasten der Staatskasse. 

4. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an: 

-  Bezzola Denoth AG, Fonds 235, 7550 Scuol 

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland AG, Stadelhoferstrasse 
22, 8001 Zürich; 

-  D. Martinelli AG, Via San Gian 46, 7500 St. Moritz; 

vertreten durch RA Dr. Seraina Denoth, Fischer Rechtsanwälte GmbH, Selnaus-
trasse 6, 8001 Zürich 

- 

Implenia Schweiz AG, Industriestrasse 24, 8305 Dietlikon 
vertreten durch RA Dr. Marcel Meinhardt, RA Dr. Frank Bremer, RA Anna Katharina 
Burri, Lenz & Staehelin, Brandschenkestrasse 24, 8027 Zürich.  

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Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Dr. Rafael Corazza  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift hat die 
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 
Die angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen. 

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