# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef9262d6-4e8e-54b1-9cf6-f099f44680e6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Intensivpflegezuschlag; Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2023.00012
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00012.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00012
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Senn
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Fonti
Urteil
vom
31. August 2023
in Sac
hen
X.___
, geb. 2009
Beschwerdeführerin
gesetzlich vertreten durch die Eltern
Y.___
und
Z.___
diese vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG, Haus zur alten
Dorfbank
Dorfstrasse 33, 9313
Muolen
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 2009, leidet seit ihrer Geburt am
Rett
-Syndrom
gemäss Ziffer 383 der
Verordnung über
Geburtsgebrechen
(
G
g
V
)
.
Am
1
.
Ju
l
i 201
1
wurde sie bei der Invalidenversicherung zum Bezug einer Hilflosenentschädigung
(Urk. 7/2) und
von medizinischen Massnahmen (Urk.
7
/
3
) angemeldet.
Gestützt auf eine Abklärung vor Ort (Bericht vom
3
.
November 2011
, Urk.
7
/18) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich
, IV-Stelle,
mit Verfügung vom 15. Dezember 2011
eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit
leichten Grades ab
1. September 2011 und ab
1.
April 2012 eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades zu (Urk. 7/22). Sodann wurden der Versicherten Kostengut
spra
che
n
für Hilfsmittel und medizinische Massnahmen, unter anderem
ambu
lante
Hippotherapie (
Urk. 7/
68
; Urk.
7/133; Urk. 7/165
;
Urk.
7/231
; Urk.
7/299; Urk.
7/353; Urk. 7/400
), gewährt
.
1.2
Im Rahmen einer
vo
n Amtes
wegen
durchgeführten Revision
wurde der Anspruch auf Hilflosenentschädigung
gestützt auf den Abklärungsbericht vom
21. Oktober 2015 (Urk. 7/185
, Urk. 7/186
)
erhöht und der Versicherten ab
1. November 2015
eine Entschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades
zugesprochen (Urk.
7/
191
).
1.3
Im
Juni 2022 wurde wiederum eine amtliche
Revision
in die Wege geleitet (vgl.
Urk. 7/390) und erneut ein
e
Abklärung
betreffend Hilflosigkeit und Betreu
ungs
aufwand durchgeführt (Abklärungsbericht vom
7
.
Oktober
2022
,
Urk.
7/
409
; ergän
zende Stellungnahme vom 5. Dezember 2022, Urk. 7/416
). Nach
dem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/
408
; Urk.
7/412
-
414) bestätigte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 21. November 2022
weiterhin einen Anspruch auf eine Ent
schädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades und sprach der Versicherten neu ab 1. Juli 2022 zusätzlich einen Intensivpflegezuschlag der Stufe 1 (Fr. 31.85) zu (Urk. 7/415 = Urk. 2).
2.
Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch ihre
Eltern
und diese vertreten durch
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
, mit Eingabe vom
4
.
Januar 2023
Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung vom
21
.
November 2022 teilweise
aufzuheben und die
IV-Stelle
zu verpflichten, ihr neben der bestätigten unver
änderten Hilflosenentschädigung für Minderjährige den Intensiv
pflege
zuschlag der Stufe
2
auszurichten
. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk.
1 S.
2). Die
IV-Stelle
schloss in der Beschwer
deantwort vom 1
4
.
Februar
202
3
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
)
. Mit
Replik vom 4. Mai 2023 (Urk. 11) hielt die Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Dup
lik
(Urk. 13)
,
was der Beschwerdeführerin
am 15. Juni 2023
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
14
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (Art. 9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosen
entschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebens
ver
richtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG; Art. 38
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV). Praxisgemäss sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 148 V 28 E. 2.5.1, 133 V 450 E. 7.2, 121 V 88 E. 3a, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_241/2022 vom 5. August 2022 E. 2.3 mit Hinweisen):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder
ausser H
aus), Kontaktaufnahme.
1.2
Gemäss
Art. 37 Abs.
1
IVV
gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebens
verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.3
Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreu
ung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht; dieser Zuschlag wird nicht gewährt bei einem Aufenthalt in einem Heim. Der monatliche
Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsauf
wand von mindestens 8 Stunden pro Tag 100 Prozent, bei einem solchen von mindestens 6 Stunden pro Tag 70 Prozent und bei einem solchen von mindestens 4 Stunden pro Tag 40 Prozent des Höchstbetrages der Altersrente nach Artikel 34 Absätze 3 und 5 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenver
sicherung (AHVG). Der Zuschlag berechnet sich pro Tag. Der Bundesrat regelt im Übrigen die Einzelheiten (Art.
42
ter
Abs.
3 IVG).
Nach Art. 39 IVV liegt eine intensive Betreuung im Sinne von Artikel 42
ter
Abs.
3 IVG bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge Beein
trächtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens
4
Stunden benö
tigen (Abs.
1). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an
Behand
lungs
- und Grundpflege im Vergleich zu nichtbehinderten Minderjährigen glei
chen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenom
men werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Abs.
2). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer dauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von
2
Stunden ange
rechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwa
chung ist als Betreuung von
4
Stunden anrechenbar (Abs. 3).
1.4
Gemäss Randziffer
5008 ff.
des
Kreisschreibens
des Bundesamtes für Sozialver
sicherungen
über Hilflosigkeit
(KSH
, gültig ab 1. Januar 2022, Stand 1. Mai 2022
) ist im Rahmen der anrechenbaren Betreuung bei der Behandlungs- und Grund
pflege der zeitliche Mehraufwand für die Betreuung gegenüber gleichaltrigen nichtbehinderten Minderjährigen zu berücksichtigen, der durch Massnahmen der Behandlungspflege (d.h. medizinische Massnahmen, sofern nicht durch medizi
nische Hilfspersonen erbracht),
der Grundpflege
und
/oder
der
Überwachung
verursacht wird.
Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen, die durch medizinische Hilfspersonen (Physio-, Ergotherapeut/innen,
dipl.
Krankenpflegepersonal usw.) vorgenommen werden sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen.
Zur Sicherstellung der Rechts
gleichheit bei der Anspruchsbemessung wurden zum anrechenbaren Mehr
aufwand
für Grund- und Behandlungspflege
zeitliche Höchstgrenzen festgelegt
.
Anhang
3
zum KSH
zeigt diese
Höchstgrenzen sowie die für die
Grundpflege
von gesunden
Minderjährige
n
notwendige Zeit.
Bei der Ermittlung des täglichen Mehraufwandes ist von einem Durchschnittswert auszugehen. Nicht täglich anfallende Zeitaufwände wie zum Beispiel für die Begleitung zu Arzt- oder Therapiebesuchen sind auf die Rechnungsperiode zu ver
teilen und auf den Tag umzurechnen (
Rz
.
5012).
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
.
8011
KSH
).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über phy
sische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklä
rungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zustän
dige Gericht (
BGE 140 V 543 E. 3.2.1, 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.4
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BG
E
133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_
573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2
).
2.
2.1
Es ist unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass die Beschwerde
führerin Anspruch auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades hat. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Intensivpflegezuschlag per
1
.
Juli 2022 zu Recht auf die Stufe 1 festgelegt hat
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, insge
samt sei gestützt auf die Abklärung von einem totalen zeitlichen Mehraufwand
von 5 Stunden und 50 Minuten auszugehen, was zur Zusprache eines Intensiv
pflegezuschlages der Stufe 1 führe (Urk. 2 S. 4). Ergänzend führte sie in der Beschwerdeantwort aus (Urk. 6), der Zeitaufwand für die Hippotherapie im Sinne einer medizinischen Massnahme könne gemäss Art. 39 Abs. 2 IVV nicht als Betreuung angerechnet werden, weswegen der Mehraufwand nicht 90 Minuten betrage. Bezüglich der Reisedauer seien im Abklärungsbericht vom 24.
(richtig: 7.)
Oktober 2022 bereits 30 Minuten berücksichtigt worden
, was einem täglichen Zeitaufwand von 4 Minuten entspreche (Ziff
.
2).
Sodann seien bei der Beschwer
deführerin die Medikamentenverabreichung und das An- und Ablegen des Kor
setts als Massnahmen der Behandlungspflege im Sinne der dauernden Pflege berücksichtigt worden. Da der Mehraufwand für die Pflege in quantitativer Hin
sicht 10 Minuten betrage, liege keine besonders aufwendige Pflege vor (Ziff. 4).
2.3
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1)
, sie
nehme jährlich 47 Hippotherapie-Konsultationen wahr, für welche die Beschwer
degegnerin die Therapiekosten übernehme. Die eigentliche Therapie dauere 30 Minuten. Gemäss den Eltern der Beschwerdeführerin betrage die tatsächliche Reisedauer pro Weg zirka 30 Minuten, sodass der Mehraufwand pro Therapie 90 Minuten betrage. Der anrechenbare Mehraufwand für die Hippo
therapie betrage somit zirka 12 Minuten. Unter Berücksichtigung der weiteren Therapien resultiere unter der Ziffer 1.3 des Abklärungsberichts folglich ein
zusätzlicher
Mehraufwand von 19 Minuten (S. 2 f. Ziff. III.1, S. 4 Ziff. III.9).
Sodann habe die Beschwerdegegnerin unter Ziffer 1.4.2 (aufwendige Pflege) einen Mehraufwand von 10 Minuten anerkannt, diesen aber nicht bei der Gesamtbe
rechnung berücksichtigt (S. 4 f. Ziff. 10). Der ansonsten unbestrittene Mehrauf
wand von 339
Minuten
(vgl. S. 4 Ziff. 7 f.) sei zusammenfassend um 29 Minuten zu ergänzen, was ein Total von 368 Minuten und demzufolge über
6
Stunden ergebe. Dementsprechend sei ihr der Intensivpflegezuschlag der Stufe 2 (Fr. 55.75) zu gewähren (S. 5 Ziff. 11).
3.
3.1
3.1.1
Vorliegend ist unbestritten, dass
sich
gestützt auf einen Vergleich des Abklä
rungsberichtes vom
21. Oktober 2015
(Urk. 7/185
: zeitlicher Mehraufwand 2 Stun
den 46 Minuten
) mit jenem vom
7
. Oktober 2022 (Urk. 7/409
: zeitlicher Mehraufwand 5 Stunden 14 Minuten
)
respektive nach Korrektur vom 5. Dezember 2022 (Urk. 7/416: 5 Stunden 50 Minuten)
ein
e Erhöhung des
zeitliche
n
Mehraufwand
es
herausstellte
in dem Sinne
,
dass
das für einen Intensiv
pflegezuschlag (Stufe 1) erforderliche zeitliche Mindestmass an
behinderungsbe
dingte
r
intensiver
Betreuung
von durchschnittlich
4
Stunden
pro Tag
erreicht wurde
(vgl. E. 1.3)
.
Es ist vorauszuschicken, dass der Abklärungsbericht hinsichtlich der Abklärung des Hilfebedarfs in den alltäglichen Lebensverrichtungen
explizit
nicht bean
standet wurde
(vgl. Urk. 1)
.
Nach Einsicht in die Akten stellt der Abklärungs
bericht vom 7. Oktober 2022 unter Berücksichtigung der Stellungnahme vom 5. Dezember 2022 grundsätzlich eine zuverlässige Entscheid
ungs
grundlage dar
(vgl. E.
1.5)
, auch wenn - worauf nachfolgend einzugehen ist - eine Korrektur vorzunehmen ist.
3.1.2
Als anrechenbare Grundpflege (vgl. E. 1.4) gelten unter anderem die Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen, für die eine Kostengutsprache der IV vorliegt. Die Begleitung zu den üblichen Kinderarztterminen, die auch bei einem gesunden Kind anfallen (Kontrollen, Impfungen, usw.) sind nicht zu berücksichtigen (
Rz
.
5020 KSH). Im Berechnungsbeispiel wird die Wegzeit hin und zurück ange
rechnet, wobei Ferien nicht zu berücksichtigen sind (vgl.
Rz
. 5021 KSH).
Bei der Beschwerdeführerin wurden im Abklärungsbericht vom 21. Oktober 2015 als Wegzeit zur Hippotherapie, welche sich bereits damals am selben Ort in
A.___
befand, 60 Minuten angerechnet (vgl. Urk. 7/185
S.
5
unten
). Weshalb der Beschwerdeführerin neu nur noch die Hälfte anzurechnen ist
(vgl. Urk. 7/409 S. 7 oben
, Urk. 6 S. 2)
, ist nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführerin sind weiterhin 60 Minuten Wegzeit (2
x 30 Minuten à 47 Therapien pro Jahr) anzu
rechnen, was umgerechnet einen
jährlichen Aufwand von 2'820 Minuten
respek
tive einen
täglichen Zeitaufwand von rund 8 Minuten ergibt (30 x 2 x
47 :
365). Folglich sind beim täglichen Aufwand zusätzlich 4 Minuten zu berücksichtigen. Dies führt bei einem unbestrittenen Mehraufwand von 5 Stunden 50 Minuten
(Urk. 7/416 S. 3)
neu zu einem zeitlichen Mehraufwand von 5 Stunden 54 Minut
en.
3.
2
3.2.1
Die dauernde Pflege, die
für die Annahme einer Hilflosigkeit schweren Grades
zusätzlich zur Hilfsbedürftigkeit in allen sechs massgeblichen Lebensverrich
tun
gen verlangt wird (Art. 37 Abs. 1 IVV), erfasst eine Art medizinischer oder pfle
ger
ischer Hilfeleistung, deren es infolge des physischen oder psychischen Zustandes bedarf. Darunter fällt etwa die Notwendigkeit, täglich Medikamente zu verabreichen oder eine Bandage anzulegen (vgl. BGE 148 V 28 E. 2.5.2, 147 V 16 E. 8.2.4.1).
Die dauernde Pflege (vgl. auch
Rz
. 2058 ff. KSH) ist von der besonders auf
w
e
ndigen Pflege
im Sinne von Art. 37 Abs. 3
lit
. c IVV (
Sonderfall leichter
Hilf
losigkeit)
zu unterscheiden (vgl.
Rz
. 2063 ff. KSH). Ein täglicher Pflege
aufwand von mehr als
2
Stunden ist dann als besonders aufw
e
ndige Pflege zu qualifizieren, wenn erschweren
d
e qualitative Kriterien mit zu berücksichtigen sind
. Bei einem täglichen Pflegeau
f
wand von mehr als
3
Stunden bedarf es min
desten
s
eines hin
zu
kommenden qualitativen Kriteriums (z.B. pflegerische Hilfe
leistung in der Nacht). Ein täglicher Pflegeaufwand von
4
Stunden und mehr gilt per se als aufw
e
ndig (auch ohne weitere qualitative Kriterien; vgl. zum Ganzen
Rz
. 2065 ff. KSH).
3.2.2
Die dauernde Pflege ist im Abklärungsbericht
vom 7. Oktober 2022
unter Ziffer 1.2 und die aufwendige Pflege unter Ziffer 1.4.2 erfasst worden (vgl. Urk. 7/409
S.
6-7). Die unter der Ziffer 1.4.2 angegebenen 10
Minuten entsprechen dem ermittelten Mehraufwand für die Behandlungspflege unter Ziffer 1.2 und sind daher r
ichtigerweise nicht
doppelt erfasst worden unter der Zusammenfassung des Mehraufwandes für die Intensivpflege (vgl. Ziffer 2 des Abklärungsberichts, Urk. 7/409
S.
8).
Mit Blick darauf, dass die besonders aufwendige Pflege im Sinne von Art. 37 Abs. 3
lit
. c IVV eine leichte Hilflosigkeit
begründet, welche hier nicht zur Diskussion steht, trägt der Abklärungsbericht unter Ziff. 1.4.2 zu Recht den Vermerk «Entfällt».
Es bleibt anzumerken, dass die Eltern der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme zum Abklärungsbericht keinen weiteren Mehraufwand für die Pflege geltend gemacht haben, weshalb es
mit
den berücksichtigten 10
Minuten sein Bewenden hat (vgl. Urk. 7/414
S.
6; vgl. auch ergänzende Stellungnahme der Abklärungsperson
vom 5. Dezember 2022,
Urk. 7/416
S.
3). Eine klar feststellbare Fehleinschätzung ist bezüglich der dauernden Pflege nicht ersichtlich, weshalb in das Erme
ssen der die Abklärung tätigenden Person
nicht einzugreifen ist (vgl. E. 1.5).
3.3
Zusammengefasst ergibt sich
, dass sich der zeitliche Mehraufwand auf 5 Stunden und 54 Minuten beläuft, was Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag der Stufe 1 ergibt.
Soweit die Beschwerdeführerin verlangt, es seien darüber hinaus weitere Abklärungen durchzuführen
(Urk. 1, Urk. 11)
, kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden. Der
zeitliche Mehraufwand hinsichtlich Hilflosigkeit
und Betreuung
ist
aufgrund der Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Die ange
fochtene Verfügung vom 21. November 2022 ist im Ergebnis somit rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubFonti