# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b724ca3-7a61-5ec7-b592-d9b92c460803
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.10.2011 D-799/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-799-2009_2011-10-13.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­799/2009

U r t e i l   v om   1 3 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richter Pietro Angeli­Busi, Richter Hans Schürch;   
Gerichtsschreiberin Nina Hadorn.

Parteien A._______, geboren (…),
Afghanistan, 
B._______,  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 7. Januar 2009 / N _______.

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer verliess Afghanistan eigenen Angaben zufolge im 
Jahr 2006 auf dem Landweg, lebte anschliessend während ungefähr acht 
Monaten  C._______,  gelangte  schliesslich  über  D._______,  E._______ 
und F._______ am 23. Juli 2007 illegal zu Fuss in die Schweiz und stellte 
am  darauffolgenden  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
G._______ ein Asylgesuch. Am 27. Juli 2007 wurde er dort summarisch 
zu  seinen  Asylgründen  befragt  und  bekam  am  25.  Oktober  2007 
anlässlich  der  direkten  Anhörung  in  H._______  Gelegenheit,  seine 
Vorbringen ausführlich darzulegen. Mit Verfügung 15. August 2007 wurde 
der  Beschwerdeführer  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  dem  Kanton 
I._______ zugewiesen.

Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen  geltend,  bis  zu  seinem  zehnten  Lebensjahr  im  Dorf 
J._______  (Provinz  Panjshir)  aufgewachsen  zu  sein.  Anschliessend  sei 
er  nach  der  Machtübernahme  Kabuls  durch  die  Taliban  und  der  damit 
einhergehenden  Verbesserung  der  Sicherheitslage  mit  seiner  Familie 
nach  Kabul  gezogen.  Sein  Vater  habe  dort  unter  der  Talibanregierung 
einen  staatlichen  Posten  übernommen  und  der  Familie  sei  ein  Haus 
zugesprochen worden.  Nach  vier  Jahren  –  die  Eltern  seien mittlerweile 
eines natürlichen Todes gestorben – sei er nach dem Sturz der Taliban 
und  der  Machtübernahme  durch  Präsident  Karzai  nach  Panjshir 
zurückgekehrt. Dort habe man ihn aufgrund der Zusammenarbeit seines 
Vaters mit  den Taliban der Spitzelarbeit  verdächtigt.  In der Folge sei  er 
nach  zwei  bis  drei  Tagen  durch  den  örtlichen  Bezirksvorsteher 
festgenommen  und  während  ungefähr  35  Tagen  festgehalten  worden. 
Nachdem  er  gegen  Hinterlegung  des  Landbesitzes  der  Familie  als 
Sicherheit  und  dem  Versprechen,  seinen  älteren  Bruder  als  Nachfolger 
des  verstorbenen Vaters  auszuliefern,  freigelassen worden  sei,  habe  er 
sich zu seiner Tante mütterlicherseits nach Kabul begeben. Von ihr habe 
er  erfahren,  dass  sein  älterer  Bruder  inzwischen  in  einen  Streit  um  ihr 
Haus  in  Kabul  verwickelt  worden  sei.  Dabei  sei  es  zu  einer  tätlichen 
Auseinandersetzung gekommen, bei welcher der Mann, der Anspruch auf 
das Haus erhoben habe,  schwer verletzt worden sei. Seine Tante habe 
dem Beschwerdeführer daraufhin zur Flucht geraten,  zumal sein Bruder 
das Land mittlerweile verlassen habe und die Angehörigen des Verletzten 
deshalb  ihn  umzubringen  versuchen  würden.  Er  sei  daraufhin  nach 
K._______  gegangen,  wo  er  während  mehrerer  Jahre  in  einem  Hotel 

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gearbeitet habe. Zwischenzeitlich habe er erfahren, dass der von seinem 
Bruder verletzte Mann seinen Verletzungen erlegen sei. Im Jahr 2006 sei 
er C._______ ausgereist.

B. 
Mit Verfügung vom 7. Januar 2009 lehnte das BFM das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz 
und  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  wurde  dargelegt,  dass  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  genügten,  da  die  geltend  gemachten 
Übergriffe  nicht  als  asylrelevant  zu  qualifizieren  seien.  Den 
Wegweisungsvollzug  erachtete  die  Vorinstanz  nach  Kabul  als  zulässig, 
zumutbar  und  möglich.  Auf  die  weiteren  Ausführungen  wird,  soweit 
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  7.  Februar  2009  (Poststempel)  beantragte  der 
Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  der 
angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die 
Aufhebung  der  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an  die 
Vorinstanz  zur  Neubeurteilung,  subeventualiter  die  Anordnung  der 
vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit  beziehungsweise 
Unzumutbarkeit  der  Wegweisung.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht 
ersuchte er um die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 
1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

Zur Begründung wiederholte und konkretisierte  der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen  die  bereits  im  Rahmen  des  vorinstanzlichen  Verfahrens 
geltend  gemachten  Asylgründe.  Er  führte  ergänzend  aus,  K._______ 
verlassen  zu  haben,  nachdem  ein  Mitglied  der  Familie  des  getöteten 
Mannes im Hotel, wo er gearbeitet habe, aufgetaucht sei. Anlässlich der 
Befragungen  sei  er  nicht  danach  gefragt  worden.  Bezüglich  der 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  wies  der  Beschwerdeführer 
unter  anderem  auf  seine  gute  Integration  in  der  Schweiz  hin.  Zur 
Stützung  dieses  Vorbringens  reichte  er  eine  Bestätigung  eines 
Arbeitsverhältnisses vom 14. Januar 2009 zu den Akten. Auf die weiteren 
Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

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D. 
Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 30. März 2009 teilte 
das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer mit, er könne den 
Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  wies  mangels 
Nachweises  der  Bedürftigkeit  die  Gesuche  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  vor  Art.  65  Abs.  1  und  2  VwVG 
und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ab,  und 
forderte  ihn  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im  Unterlassungsfall 
auf, bis zum 14. April 2009 einen Kostenvorschuss  in der Höhe vom Fr. 
600.­ einzuzahlen.

E. 
Der Kostenvorschuss ging am 1. April 2009 ein.

F. 
Am  3.  Juni  2009  (Eingang  BFM)  gelangte  der  Beschwerdeführer  unter 
Beifügung verschiedener Dokumente ans BFM, welches die Eingabe am 
folgenden  Tag  dem  Bundesverwaltungsgericht  übermittelte.  Bei  den 
eingereichten  Dokumenten  handelt  es  sich  dem  Beschwerdeführer 
zufolge  um  ein  Foto,  eine  Kopie  des  Identitätsausweis  des  Vaters,  ein 
Schreiben der Behörden von Panjshir und um den Identitätsausweis des 
Beschwerdeführers.

G. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  7.  Dezember  2009  wurde  dem 
Beschwerdeführer  der  Eingang  dieser  Eingabe  bestätigt  und  er  wurde 
gleichzeitig  aufgefordert,  die  eingereichten  Beweismittel  in  eine 
Amtssprache übersetzen zu lassen.

H. 
Mit  Eingabe  vom  7.  Januar  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  die 
geforderten  Übersetzungen  sowie  eine  Kopie  seines  schweizerischen 
Führerausweises zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

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1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  wurde  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

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Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

2.3. Das Bundesamt begründete seine Verfügung vom 7. Januar 2009 im 
Wesentlichen  damit,  dass  es  zwischen  der  geltend  gemachten 
Festnahme  in Panjshir  und  der Ausreise  sowohl  am  zeitlichen  als  auch 
am  sachlichen  Kausalzusammenhang  fehle,  zumal  dazwischen  fünf 
Jahre  vergangen  seien.  Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend  mache, 
sein  Bruder  habe  aufgrund  einer  privaten  Angelegenheit  eine  andere 
Person  verletzt,  handle  es  sich  um  ein  Problem  mit  einem  privaten 
Dritten. Der Beschwerdeführer könne sich diesbezüglich an die Behörden 
seines  ursprünglichen  Wohnorts  Kabul  wenden,  zumal  keine  Hinweise 
auf  eine  allfällige  Schutzverweigerung  vorlägen.  Die  Vorbringen  seien 
daher als nicht asylrelevant zu qualifizieren, weshalb auf die bestehenden 
Unglaubhaftigkeitselemente nicht eingegangen werde. Folglich genügten 
die  geltend  gemachten  Ereignisse  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht,  weshalb  das 
Asylgesuch abzulehnen sei.

2.4. Eine erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor 
künftiger  Verfolgung muss  sachlich  und  zeitlich  kausal  für  die  Ausreise 
aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat sein (vgl. BVGE 2008 Nr. 12 E. 5.2 
S. 154 f.; BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f.; BVGE 2007 Nr. 31 E. 5.2 S. 379; 
ebenfalls  in  diesem  Sinne  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  32  E.  5  S. 
339  f.).  Nachfolgend  ist  daher  zu  prüfen,  ob  die  geltend  gemachte 
Verfolgungssituation  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers 
noch aktuell war.

Eine  längere  Zeitspanne  zwischen  erlebter  Verfolgung  und  der  erst 
späteren Ausreise aus dem Heimatland  ist einerseits  im Hinblick auf die 
Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Ausreisegründe, 
andererseits  auf  die  Beurteilung  des  Vorliegens  der  begründeten 
Verfolgungsfurcht  im Zeitpunkt der Ausreise  relevant  (vgl. EMARK 1996 
Nr. 25). 

Anlässlich  der  summarischen Befragung  vom  27.  Juli  2007 machte  der 
Beschwerdeführer  diesbezüglich  geltend,  von  seiner  Tante  150'000 

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Afghani  für  die  Ausreise  erhalten  zu  haben.  Das  Geld  habe  indessen 
nicht  für  die  Reise  bis  C._______  gereicht,  weshalb  er  in  K._______ 
geblieben  sei  und  dort  während  fünf  Jahren  gearbeitet  und  für  die 
Ausreise gespart habe (vgl. A 1/10 S. 5). Er sei in der Hoffnung auf eine 
Verbesserung  der  Sicherheitslage  in  Afghanistan  –  und  der  damit 
einhergehenden  Möglichkeit  einer  Rückkehr  nach  Kabul  –  im  Lande 
geblieben  (vgl.  A  1/10  S.  7).  In  K._______  habe  er  aber  in  ständiger 
Angst gelebt, von Familienangehörigen des getöteten Mannes aufgesucht 
zu  werden  und  sei  demnach,  nachdem  sich  die  Sicherheitslage  in 
Afghanistan  nicht  verändert  habe,  im  Jahr  2006  C._______  ausgereist 
(vgl. A  1/10  S.  5  und  7).  Im  Rahmen  der  direkten  Anhörung  vom  25. 
Oktober 2007 führte der Beschwerdeführer ergänzend aus, in K._______, 
wo er dreieinhalb bis  vier  Jahre gearbeitet  habe  (vgl. A 15/18 S. 14  f.), 
anfangs  nicht  in  Gefahr  gewesen  zu  sein.  Zudem  sei  die  Lage 
afghanischer  Flüchtlinge  C._______  auch  nicht  sonderlich  sicher 
gewesen  (vgl. A  15/18  S.  15).  Er  sei  erst  nach  dem  Beginn  der 
Ausschaffung  afghanischer  Staatsangehöriger  durch  die  C._______ 
Behörden  im Jahr 2006 aus Afghanistan ausgereist, zumal er befürchtet 
habe,  die  rückkehrenden  Afghanen  könnten  seinen  Aufenthaltsort 
verraten (vgl. A 15/18 S. 14).

Die Vorinstanz verneinte in der angefochtenen Verfügung zutreffend den 
nach  weiterhin  geltender  Praxis  (vgl.  EMARK  2000  Nr.  2  E.  8c  S. 21; 
EMARK  2003  Nr.  8  E.  7  S.  54)  in  zeitlicher  und  sachlicher  Hinsicht 
erforderlichen  Kausalzusammenhang  zwischen  den  geltend  gemachten 
Ereignissen und der Ausreise. 

Gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers  fanden  die  Festnahme  in 
Panjshir  und  die  Probleme  im  Zusammenhang  mit  dem  Streit  seines 
Bruders nach dem Sturz der Taliban im Jahre 2001 statt (vgl. A 1/10 S. 5 
und 6; A 15/18 S. 5); die Ausreise sei  Mitte 2006 erfolgt (vgl. A 1/10 S. 2 
und 7). Demnach liegt zwischen den geltend gemachten Ereignissen und 
der  Ausreise  eine  Zeitspanne  von  fünf  Jahren,  womit  der  zeitliche 
Kausalzusammenhang offenkundig nicht mehr gegeben  ist  (vgl. SAMUEL 
WERENFELS,  Der  Begriff  des  Flüchtlings  im  schweizerischen  Asylrecht, 
Bern u.  a.   1987, S.  295; WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 
Basel  und  Frankfurt  am  Main  1990,  S.  128;  ALBERTO 
ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., 
Bern/Stuttgart  1991,  S. 107;  MARIO  GATTIKER,  Das  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 76; EMARK 1998 Nr. 20 
E. 7 S. 179 f.; EMARK 2000 Nr. 17 E. 11.a S. 157 f.; EMARK 1999 Nr. 7 

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E.  4b  S.  46).  Der  Beschwerdeführer  gab  an,  während  seiner  Zeit  in 
K._______ ein verstecktes Leben geführt zu haben. So habe er im selben 
Hotel  gewohnt,  in  dem  er  auch  gearbeitet  habe,  und  sei  nie  auf  die 
Strasse  gegangen.  Als  Fremder  sei  man  in  der  gefährlichen  Ortschaft 
stets Gefahr gelaufen, Opfer  eines Überfalls  zu werden  (vgl. A 15/18 S. 
15).  Demnach  führte  der  Beschwerdeführer  nicht  aus  Furcht  vor 
Verfolgung ein zurückgezogenes Leben, sondern beruhend auf von den 
Gesuchsgründen  unabhängigen  Umständen.  Die  Begründung  für  die 
Ausreise  im  Jahr  2006,  wonach  er  erst  zu  diesem  Zeitpunkt  genügend 
Geld beisammen gehabt habe und die aus C._______ zurückkehrenden 
Afghanen fürchtete, erklärt den zeitlichen Abstand zwischen den geltend 
gemachten  Ereignissen  und  der  Ausreise  nicht.  Es  sind  daher  weder 
plausible  objektive  noch  subjektive  Gründe  ersichtlich,  die  eine  frühere 
Ausreise verhindert haben.

An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  nichts  zu  ändern.  So 
macht  er  geltend,  es  bestehe  trotz  der  zeitlichen  Distanz  ein 
Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Panjshir und Kabul und der 
Ausreise. Es sei ihm nicht vorwerfbar, dass er sich zuerst in Afghanistan 
um eine Fluchtalternative bemüht habe. Erst als ein Mitglied der Familie 
des verstorbenen Mannes im Hotel in K._______ aufgetaucht sei, habe er 
sich  zur  Ausreise  gezwungen  gesehen.  Diese  Ausführungen  sind  als 
nachgeschoben  und  daher  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren,  da  der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  beiden  Befragungen  solche 
Aufsuchungen  unerwähnt  liess.  Er  brachte  damals  lediglich  vor,  in 
ständiger Angst  vor einer Aufsuchung durch einen Familienangehörigen 
des  Verstorbenen  gelebt  zu  haben  (vgl.  A  1/10  S.  5).  Angesichts  der 
zentralen Bedeutung hätte der Beschwerdeführer dieses Vorbringen aber 
zwingend  schon  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  geltend 
machen  müssen.  Der  Einwand,  wonach  er  anlässlich  der  beiden 
Befragungen  nicht  nach  dem  Grund  für  die  späte  Ausreise  gefragt 
worden  sei,  vermag  mit  Blick  auf  die  Mitwirkungspflicht  des 
Beschwerdeführers  (Art. 8 AsylG) nicht  zu überzeugen. Der Einwand  ist 
auch  aktenwidrig,  wurde  der  Beschwerdeführer  doch  anlässlich  der 
Kurzbefragung  und  der  Anhörung  gefragt,  weshalb  er  solange  in 
K._______ geblieben sei (vgl. A 1/10 S. 7) beziehungsweise weshalb er 
lediglich nach K._______ gegangen und nicht sofort ausgereist sei (vgl. A 
15/18  S.  14  unten).  Er  hätte  in  diesem  Zusammenhang  Gelegenheit 
gehabt,  auf  das  Auftauchen  eines  Familienangehörigen  des  angeblich 
von  seinem  Bruder  verletzten  beziehungsweise  getöteten  Mannes 

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hinzuweisen.  Folglich  sind  keine  plausiblen  Gründe  für  die  erst  nach 
Jahren  erfolgte  Ausreise  ersichtlich,  weshalb  sowohl  der  zeitliche  als 
auch der sachliche Kausalzusammenhang zwischen den Problemen des 
Beschwerdeführers und dessen Ausreise fehlt. 

Da es – wie soeben aufgezeigt – im vorliegenden Fall am erforderlichen 
Kausalzusammenhang fehlt, kann darauf verzichtet werden, im Asylpunkt 
auf  das  Argument  der  Vorinstanz,  wonach  die  Behörden  in  Kabul  bei 
einer Rückkehr der Beschwerdeführers  in der Lage sein würden, diesen 
vor  Übergriffen  durch  private  Dritte  zu  schützen,  einzugehen.  Aus  dem 
gleichen  Grund  sind  die  mit  Eingabe  vom  2.  Juni  2009  beim  BFM 
eingereichten  Dokumente  nicht  weiter  zu  berücksichtigen.  Lediglich  als 
Hinweis  ist anzuführen, dass der Beschwerdeführer nicht darlegt, wie er 
in  den  Besitz  dieser  Beweismittel  –  insbesondere  eines  (gemäss 
Übersetzung)  undatierten  Schreibens  der  Sicherheitskommandantur  der 
Provinz  Panjshir  –  gelangte,  machte  er  doch  zu  Beginn  der  Anhörung 
erhebliche Schwierigkeiten geltend, Ausweise oder  sonstige Dokumente 
zu beschaffen (vgl. A 15/18 S. 2). Auffällig ist zudem, dass im erwähnten 
Schreiben lediglich beim Namen des Beschwerdeführers, gegen den wie 
auch  gegen  seine  Brüder  ein  Haftbefehl  erlassen  worden  sei,  ein 
Geburtsdatum  steht,  nicht  jedoch  bei  den  Namen  seiner  Brüder.  Eine 
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung rechtfertigt 
sich  in Anbetracht  der Sachlage nicht, weshalb dieser Antrag,  der auch 
nicht näher begründet wurde, abzuweisen ist.

2.5.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  und  die  eingereichten 
Beweismittel  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern. 
Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Asylvorbringen  des 
Beschwerdeführers den Anforderungen an die Asylrelevanz im Sinne von 
Art. 3 AsylG nicht zu genügen vermögen, weshalb auf eine Überprüfung 
des  Glaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  im  Sinne  von  Art.  7  AsylG 
verzichtet  werden  kann.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

3. 
3.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

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3.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9; BVGE 2008/34 E. 9.2).

4. 
4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

4.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit) 
sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug 
der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).

4.3.  Weil  sich  vorliegend  der  Vollzug  der  Wegweisung  –  aus  den 
nachfolgend aufgezeigten Gründen – als unzumutbar erweist, ist auf eine 
Erörterung der beiden andern Kriterien zu verzichten.

4.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818).

4.4.1. In Bezug auf die allgemeine Lage in Afghanistan kann auf die vom 
Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene  Einschätzung  der  Lage  in 
einem  vor  kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen 
Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts
E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011).  Das  Gericht  stellt  dort 
zusammenfassend  fest, dass  in weiten Teilen von Afghanistan – ausser 
allenfalls  in  Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und 

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derart schwierige humanitäre Bedingungen bestünden, dass die Situation 
als existenzbedrohend  im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren 
sei.  Von  dieser  allgemeinen  Feststellung  sei  die  Situation  in  der 
Hauptstadt  Kabul  zu  unterscheiden.  Angesichts  des  Umstandes,  dass 
sich dort  die Sicherheitslage  im Verlaufe des  vergangenen Jahres nicht 
weiter verschlechtert habe und die humanitäre Situation  im Vergleich zu 
den übrigen Gebieten etwas weniger dramatisch sei,  könne der Vollzug 
der Wegweisung  nach Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert 
werden. Solche Umstände könnten namentlich dann gegeben sein, wenn 
es  sich  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle. 
Angesichts  der  bisher  aufgezeigten  konstanten  Verschlechterung  der 
Lage  über  die  vergangenen  Jahre  hinweg  und  der  auch  in  Kabul 
schwierigen Situation verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in 
EMARK  2003  Nr.  10  formulierten  strengen  Bedingungen  in  jedem 
Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein  müssten,  um  einen 
Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu  qualifizieren. 
Unabdingbar sei in erster Linie ein soziales Netz, das sich im Hinblick auf 
die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des  Rückkehrers  als  tragfähig 
erweise.  Ohne  Unterstützung  durch  Familie  oder  Bekannte  würden  die 
schwierigen  Lebensverhältnisse  auch  in  Kabul  unweigerlich  in  eine 
existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen.  Für 
einen Rückkehrer aus Europa bestehe, aufgrund der Vermutung, dass er 
Devisen auf sich trage, gleich nach seiner Ankunft  in Kabul ein erhöhtes 
Risiko,  entführt  oder  überfallen  zu werden.  Verfüge  er  auf  der  anderen 
Seite  über  keine  genügenden  finanziellen  Mittel,  hätte  er  ohne  soziale 
Vernetzung kaum Aussicht auf eine zumutbare Unterkunft. Auch bei der 
Arbeitssuche  sei  die  Einstellung,  selbst  von  unqualifizierten 
Arbeitskräften,  regelmässig  von  persönlichen  Beziehungen  abhängig. 
Eine  die  Gesundheit  nur  einigermassen  garantierende  Ernährung  wäre 
ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls kaum möglich, und 
der  Zugang  zu  sauberem  Trinkwasser  schwierig; 
Unterstützungsmassnahmen  der  Regierung  oder  internationaler 
Organisationen könnten  laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. 
Kämen  in  einer  solchen  Situation  noch  gesundheitliche 
Umstellungsschwierigkeiten  hinzu,  geriete  auch  ein  junger  gesunder 
Mann  ohne  soziale  Vernetzung  unweigerlich  innert  absehbarer  Zeit  in 
eine existenzbedrohende Situation (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.).

4.4.2.  Der  Beschwerdeführer  wuchs  eigenen  Angaben  zufolge  bis  zu 
seinem zehnten Lebensjahr im Dorf J._______ (Provinz Panjshir) auf und 
wohnte  danach  während  ungefähr  vier  Jahren  in  Kabul.  Gemäss  der 

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soeben  dargelegten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts 
wird  ein  Wegweisungsvollzug  in  die  Provinz  Panjshir  nicht  in  Betracht 
gezogen. Hingegen geht das Bundesverwaltungsgericht im zitierten Urteil 
nicht  von  einer  generellen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
nach Kabul aus.

4.4.3.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem 
Beschwerdeführer eine Rückkehr nach Kabul aufgrund einer individuellen 
Prüfung der Verhältnisse zuzumuten  ist. Die Bejahung der Zumutbarkeit 
einer  Rückkehr  nach  Kabul  setzt  insbesondere  die  Existenz  eines 
tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung 
des Existenzminimums sowie eine gesicherte Wohnsituation voraus (vgl. 
das  zur  Publikation  vorgesehene  Grundsatzurteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts       E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 E. 9.9.2 
mit Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc).

4.4.4. Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer geltend, 
ursprünglich  aus  der  Provinz  Panjshir  zu  stammen  und  im  Alter  von 
ungefähr zehn Jahren mit seiner Familie  infolge Machtübernahme durch 
die Taliban nach Kabul gegangen zu sein. Vier Jahre später sei er nach 
einem kurzen Aufenthalt  im Heimatdorf  in Panjshir aufgrund der geltend 
gemachten  Ereignisse  nach  K._______  gegangen,  wo  er  sich  während 
mehrerer Jahre aufgehalten habe. Seine Eltern seien bereits während der 
Zeit  in Kabul eines natürlichen Todes verstorben.  In Kabul  lebten einige 
Onkel  und Cousins,  sowie  drei  Schwestern  des  Beschwerdeführers,  zu 
welchen er aber seit seiner Weiterreise nach K._______ keinen Kontakt 
mehr  unterhalte.  Er  sei  während  ungefähr  eines  Jahres  zur  Schule 
gegangen,  habe  in  K._______  mehrere  Jahre  in  einem  Hotel  und 
C._______ während einiger Monate als Schweisser gearbeitet.

4.4.5. Das  BFM  führte  aus,  weder  die  allgemeine  noch  die  individuelle 
Situation  des  Beschwerdeführers  spreche  gegen  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs.  Insbesondere  würden  mehrere  Verwandte  des 
Beschwerdeführers  in  Kabul  leben,  sodass  er  dort  über  ein  familiäres 
Beziehungsnetz  und  den  entsprechenden  Wohnraum  verfüge.  Zudem 
würden  es  ihm  seine  beruflichen  Erfahrungen  in  der  Hotelbranche  in 
K._______  und  als  Schweisser  C._______  ermöglichen,  sich  in 
Afghanistan eine Lebensgrundlage aufzubauen.

4.4.6.  Diesen  Erwägungen  entgegnet  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe, er lebe seit dem Jahr 2001 nicht mehr in Kabul und 

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könne dort – ungeachtet der Gefahr durch die ihm drohende Blutrache – 
nicht auf ein  familiäres Netz zurückgreifen. Es sei  ihm nicht bekannt, ob 
die  Onkel  noch  in  Kabul  lebten,  zumal  der  Kontakt  seit  Jahren 
abgebrochen  sei.  Ausserdem  habe  er  zu  seinen  Onkel  nie  eine  enge 
Beziehung gepflegt, weshalb er sich bei einer Rückkehr nicht auf deren 
Hilfe verlassen könne. Er wisse auch nicht, ob seine Cousins mittlerweile 
noch  in Kabul seien. Abgesehen davon habe sich die Sicherheitslage  in 
Kabul stark verschlechtert, weshalb viele Personen ins Ausland geflohen 
seien.

Ferner wolle er auf seine gute Integration in der Schweiz hinweisen, was 
mit  der  ins  Recht  gelegten  Bestätigung  seines 
Beschäftigungsverhältnisses vom 14. Januar 2009 belegt werde.

4.4.7.  Vorweg  ist  zu  bemerken,  dass  das  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers,  wonach  er  in  der  Schweiz  gut  integriert  sei,  nicht 
entscheidwesentlich  ist, da es bei der Frage nach der Zumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs  praxisgemäss  nicht  um  die  Beurteilung  der 
Situation  der  Asylsuchenden  in  der  Schweiz,  sondern  der  Situation  im 
Heimatland  geht  (vgl. EMARK  1994  Nr.  19  E.  6.a  S.  148  mit  weiteren 
Hinweisen).

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz verfügt der Beschwerdeführer in 
Afghanistan jedoch über kein tragfähiges soziales Netz. Zwar trifft es zu, 
dass  er  während  einiger  Jahre  in  Kabul  lebte,  jedoch  stammt  er 
ursprünglich  aus  der  Provinz  Panjshir  und  verbrachte  lediglich  vier 
beziehungsweise fünf Jahre seines Lebens in Kabul. Während dieser Zeit 
in  Kabul  lebte  er  mit  seiner  Familie  zusammen,  wobei  seine  Eltern 
mittlerweile verstorben und seine Brüder ins Ausland geflüchtet seien. Zu 
den andern damals in Kabul wohnhaften Verwandten habe er seit Jahren 
keinen Kontakt mehr und teilweise kein gutes Verhältnis. Zwar bestehen 
in  Anbetracht  der  Tatsache,  dass  er  sich  im  Jahr  2009  verschiedene 
Dokumente  (darunter  sein  Identitätsausweis)  aus  seinem  Heimatland 
schicken  liess, Zweifel an der Aussage des Beschwerdeführers, wonach 
er  keinen Kontakt  zu Angehörigen  in  Afghanistan mehr  habe.  Indessen 
liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass er in Kabul über ein 
soziales  Netz  verfügt,  auf  dessen  Unterstützung  er  zählen  könnte. 
Gleichzeitig  ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit Blick 
auf die  fehlende Schul­ und Berufsbildung sowie unter Berücksichtigung 
der schwierigen Arbeitsmarktsituation  in Kabul wohl Mühe haben dürfte, 
innert angemessener Frist eine Anstellung zu finden, mit welcher er sich 

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seinen  Lebensunterhalt  selbstständig  verdienen  könnte.  An  dieser 
Einschätzung  ändert  auch  die  Tatsache,  wonach  er  in  K._______ 
während mehrerer Jahre  in einem Hotel und C._______ als Schweisser 
arbeitete  und  in  der  Schweiz  erwerbstätig  ist,  nichts.  Zudem  reiste  er 
eigenen  Angaben  zufolge  vor  mittlerweile  fast  zehn  Jahren  aus 
Afghanistan  aus,  was  eine  Reintegration  im  Heimatstaat  zusätzlich 
erschweren  dürfte.  Daher  läuft  der  Beschwerdeführer  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  bei  einer  Rückkehr  nach  Kabul  Gefahr,  in  eine 
existenzielle Notlage zu geraten.

4.5.  Zusammenfassend  ist  angesichts  der  gesamten  Umstände 
festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers 
nach  Afghanistan  zum  heutigen  Zeitpunkt  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  eine  konkrete  Gefährdung  zur  Folge  hätte  und 
deshalb als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren 
ist.

5. 
Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen,  soweit  sie  den Vollzug  der 
Wegweisung  betrifft;  im Übrigen  ist  sie  abzuweisen. Die Verfügung  des 
BFM  vom  20.  August  2008  ist  hinsichtlich  der  Ziffern  4  und  5  des 
Dispositivs  aufzuheben  und  das  Bundesamt  ist  anzuweisen,  den 
Beschwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

6. 
6.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  –  das 
Bundesverwaltungsgericht  geht  bei  der  vorliegenden  Konstellation  von 
einem  hälftigen  Durchdringen  aus  –  sind  die  reduzierten 
Verfahrenskosten von Fr. 300.­ dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. 
Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten  sind mit  dem  am  1.  April 
2009 geleisteten Kostenvorschuss  von Fr.  600.­  zu  verrechnen und der 
Saldobetrag von Fr. 300.­ ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

6.2.  Dem  Beschwerdeführer  sind  aufgrund  der  selbstständigen 
Beschwerdeführung  –  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  –  keine 
notwendigen und verhältnismässig hohen Parteikosten im Sinne von Art. 
64  Abs.  1  VwVG  erwachsen,  weshalb  keine  Parteientschädigung 
zuzusprechen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  betreffend  den  Vollzug  der  Wegweisung 
gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 7. Januar 
2009  werden  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  den 
Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr.  300.­  werden  dem 
Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss 
von  Fr.  600.­  verrechnet.  Der  Saldobetrag  vom  Fr.  300.­  wird  dem 
Beschwerdeführer zurückerstattet.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Nina Hadorn

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