# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bdad7bca-5337-5dfb-bc37-87d75477e491
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2021 E-3475/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3475-2021_2021-08-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3475/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  A u g u s t  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 

mit Zustimmung von Richterin Chiara Piras;   

Gerichtsschreiberin Linda Mombelli-Härter. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Alexis Tzikas, HEKS Rechtsschutz 

Bundesasylzentren Nordwestschweiz,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 1. Juli 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3475/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 20. Mai 2021 gemeinsam mit seiner 

Ehefrau und seinem Sohn in der Schweiz um Asyl nach. Nach der Perso-

nalienaufnahme am 26. Mai 2021 folgte am 9. Juni 2021 die vertiefte An-

hörung zu den Asylgründen durch das SEM (gemäss Art. 29 AsylG, 

SR 142.31). 

B.  

Zur Begründung des Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, er stamme aus B._______, Provinz C._______, wo er 

mit seiner Familie gelebt habe. Sein Vater sei ein Mullah in der örtlichen 

Moschee gewesen, mithin eine bekannte Persönlichkeit. Seinen Lebens-

unterhalt habe er mit (…) bestritten. Die Taliban hätten zwei Jahre lang von 

seinem Vater verlangt, dass er die Leute überzeuge, sich ihnen anzu-

schliessen. Dies habe der Vater aber immer abgelehnt, weshalb dieser 

mehrmals bedroht worden sei. Insbesondere in den letzten sechs Monaten 

vor der Ausreise hätten die Drohungen zugenommen, weshalb sie, die Fa-

milie, Afghanistan habe verlassen wollen. Der Vater habe sich aber dage-

gen ausgesprochen. Eines Abends sei er, der Beschwerdeführer, von (…) 

Taliban dazu angehalten worden, sie in ein anderes Dorf zu fahren, da dort 

ein kranker Kollege warte. In dem Dorf habe man ihm erklärt, es gebe kei-

nen Krankheitsfall. Stattdessen sei er dazu aufgefordert worden, (…). Da-

nach habe er wieder gehen können, unter der Drohung, dass seine Familie 

umgebracht werde, sollte er jemandem von diesem (…) erzählen. Das Ziel 

der Taliban sei gewesen, ihn zur Zusammenarbeit und damit schliesslich 

seinen Vater zur Kooperation zu bewegen. In der Folge sei er zu den Be-

hörden gegangen, wo man ihm aber nicht geholfen, sondern gesagt habe, 

er solle diese Geschichte vergessen. Daraufhin habe er seinem Vater er-

neut vorgeschlagen, dass sie alle vom Heimatort weggehen sollten. Den 

(…) habe er nicht erwähnt. Etwa (…) Wochen später hätten die Taliban 

sein Haus gestürmt, seinen Vater getötet und die Frauen verprügelt. Er, 

sein Bruder und ihr Schwager seien zu diesem Zeitpunkt an einer religiö-

sen Feier gewesen. Um zehn oder elf Uhr abends sei er von einem Nach-

barn telefonisch über die Geschehnisse informiert worden und sofort nach 

Hause zurückgekehrt. Sein Vater sei bereits tot gewesen. Seine Mutter 

habe dann gesagt, dass sie alle weggehen müssten. Die Taliban hätten 

wohl auch ihn und seinen Bruder umgebracht, wären sie vor Ort gewesen. 

Noch in derselben Nacht hätten sie den Vater beerdigt und seien am Mor-

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Seite 3 

gen nach C._______ gereist, wo sie sich in einem Hotel aufgehalten hät-

ten. Nach ungefähr (…) Wochen hätten sie nach Hause zurückkehren wol-

len. Ein Kollege habe ihm aber telefonisch mitgeteilt, dass ihr Haus in 

Brand gesteckt worden sei und sie nicht zurückkehren sollten. Da die Tali-

ban sie überall hätten finden können, hätten sie Afghanistan verlassen. 

Über die Türkei und Griechenland seien sie in die Schweiz gelangt.  

Als Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seine Tazkira 

und seine Heiratsurkunde ein. 

C.  

Die Rechtsvertretung ersuchte mit Schreiben vom 22. Juni 2021 um Zu-

weisung des Falles ins erweiterte Verfahren sowie um Vereinigung der Fa-

milie im Kanton, worauf das SEM direkt im Entscheid einging. 

D.  

Nach Zustellung der entscheidrelevanten Akten wurde der mandatierten 

Rechtsvertretung am 29. Juni 2021 der Entscheidentwurf zur Stellung-

nahme übermittelt. Diese wurde am Folgetag beim SEM eingereicht.  

E.  

Mit (gleichentags eröffneter) Verfügung vom 1. Juli 2021 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Infolge 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde der Beschwerdeführer 

jedoch vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Sodann wurde der Antrag 

auf Zuweisung ins erweiterte Verfahren abgelehnt. 

Das SEM behandelte das vorliegende Verfahren antragsgemäss getrennt 

jedoch koordiniert mit dem Verfahren der Ehefrau und des Sohnes des Be-

schwerdeführers (E-3476/2021, N […]). Ferner erfolgte ein Beizug der Ak-

ten der Mutter, Tochter (E-2919/2020, N […]) und Schwester (N […]) des 

Beschwerdeführers. 

F.  

Mit Eingabe vom 2. August 2021 reichte der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und be-

antragte, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, er sei als Flüchtling an-

zuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Verfügung 

aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

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Seite 4 

Sodann wurde der Beizug der Verfahrensakten die Tochter und Mutter be-

treffend beantragt (E-2919/2020, N […]). 

G.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. August 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

H.  

Mit Schreiben vom 4. August 2021 bestätigte das Gericht dem Beschwer-

deführer den Eingang der Beschwerde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 Verordnung vom 1. April 2020 über Massnah-

men im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-

Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-

lingseigenschaft, des Asyls sowie der Wegweisung. Der Wegweisungsvoll-

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Seite 5 

zug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdefüh-

rer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenom-

men hat. 

2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Antragsgemäss wurden die Akten der Familienangehörigen des Beschwer-

deführers (E-2919/2020, N […]) für den vorliegenden Entscheid beigezo-

gen. Ferner erfolgt eine zeitliche Koordination mit dem Verfahren der Ehe-

frau und des Sohnes (E-3476/2021, N […]). 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht asylrelevant (Art. 3 

AsylG). Hinzu komme, dass aufgrund widersprüchlicher Angaben im Ver-

gleich zu den Äusserungen der Mutter und Schwester des Beschwerdefüh-

rers sowie der auffälligen Nennung exakt gleicher Details wie durch seine 

Ehefrau ernsthafte Zweifel am vorgebrachten Sachverhalt gehegt würden. 

5.2 Zur Begründung, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers, den 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht 

standhielten, brachte die Vorinstanz Folgendes vor: Der Beschwerdeführer 

mache geltend, einmal von den Taliban gezwungen worden zu sein, einen 

(…) durchzuführen. Gemäss seiner Darstellung sei das Ziel der Taliban ge-

wesen, seinen einflussreichen Vater zur Zusammenarbeit zu bewegen. Er, 

der Beschwerdeführer, sei von den Taliban nur als Subjekt benutzt worden 

(SEM-Akte A1100484-14 F46 ff., nachfolgend Akte A14). In seinem Fall 

könne somit nicht von einer Individualverfolgung, sondern allenfalls von ei-

ner Reflexverfolgung ausgegangen werden. Insbesondere der Zwang zu 

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einem (…) sei offensichtlich nicht genügend intensiv, als dass dies eine 

flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten würde. Ausgereist sei er schliess-

lich nach dem Tod des Vaters, weil er befürchtet habe, dass die Taliban 

auch ihn hätten umbringen wollen (SEM-Akte A14 F32). Für diese An-

nahme bestünden jedoch keinerlei konkrete Anhaltspunkte. Nach dem Tod 

des Vaters falle das Motiv der Reflexverfolgung dahin. Dass die Taliban ein 

Interesse an der Person des Beschwerdeführers selbst gehabt hätten, er-

gebe sich aus seinen Aussagen und den Akten nicht. Bei der Angabe, die 

Taliban hätten auch ihn und seinen Bruder umbringen wollen, handle es 

sich um eine reine Mutmassung. Dies hätten ihm seine Mutter und die 

Nachbarn gesagt, da die Mutter gefragt worden sei, ob er und der Bruder 

ebenfalls zuhause seien (SEM-Akte A14 F32, 51). Dass nach ihm gefragt 

oder im Haus gesucht worden sei, sei aus Sicht der Taliban nachvollzieh-

bar, da diese die Kontrolle hätten haben wollen. Dies sei noch lange kein 

Anhaltspunkt dafür, dass die Taliban vorgehabt hätten, ihn ebenfalls zu tö-

ten. Hätte er im Übrigen persönlich tatsächlich Angst gehabt, würde es un-

plausibel anmuten, dass er in derselben Nacht nach Hause zurückgekehrt 

sei und seinen Vater beerdigt habe. Es wäre für die Taliban ein leichtes 

gewesen, ihn abzupassen und ihn umzubringen, hätten diese das vorge-

habt. Dass die Taliban seine nächtliche Rückkehr, die Beerdigung und den 

Weggang mit der ganzen Familie nicht bemerkt haben sollten (SEM-Akte 

A14 F52), sei aufgrund der gesamten Umstände als unwahrscheinlich ein-

zustufen. Objektiv betrachtet sei nicht davon auszugehen, dass die Taliban 

ihn vor der Ausreise hätten töten wollen oder er bei einer Rückkehr mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit ernsthaften 

Nachteilen zu rechnen habe. Auch aus den Aussagen seiner Ehefrau wür-

den sich keine konkreten Anhaltspunkte für eine Gefährdung ergeben.  

Die Rechtsvertretung habe in der Stellungnahme zum Entscheidentwurf 

diesbezüglich angegeben, aufgrund der Komplexität des Falles sowie der 

zahlreichen Aspekte, welche am vorgesehenen Entscheid des SEM zu be-

mängeln seien, sei es kaum möglich, innerhalb der kurzen Frist eine ab-

schliessende Stellungnahme einzureichen. Die Asylrelevanz sei im Sinne 

einer Reflexverfolgung klar zu bejahen. Der Vater des Beschwerdeführers 

sei aufgrund religiöser Motive von den Taliban getötet worden. Auch der 

Rest der Familie hätte getötet werden sollen und habe in jener Nacht nur 

durch grosses Glück überlebt. Das Haus der Familie sei nach der Flucht 

niedergebrannt worden, was als Signal und Warnung gewertet werden 

müsse. Hierzu werde festgehalten, dass in der Stellungnahme keine 

(neuen) konkreten Anhaltspunkte dafür aufgezeigt würden, dass die Tali-

ban den Beschwerdeführer und seine Familie ebenfalls hätten umbringen 

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wollen. Daran ändere die Angabe, der Beschwerdeführer habe von einem 

Freund am Telefon erfahren, dass die Taliban das Haus in Brand gesteckt 

hätten, nichts. Insgesamt seien in der Stellungnahme keine Tatsachen oder 

Beweismittel vorgelegt worden, welche eine Änderung des Standpunktes 

des SEM rechtfertigen könnten. Schliesslich sei nicht ersichtlich, weshalb 

der vorliegende Fall, wie vom Beschwerdeführer beantragt, im erweiterten 

Verfahren hätte behandelt werden müssen.  

5.3 Hiergegen wendete der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmittelein-

gabe ein, der (…) begründe möglicherweise keine eindeutige Individual-

verfolgung, stelle aber ein Indiz dafür dar, dass es die Taliban mit ihren 

Drohungen ernst gemeint und viel investiert hätten, um seinen Vater zur 

Kooperation zu bewegen. Die Vorinstanz verkenne mit ihrer Begründung 

die Definition der Reflexverfolgung, womit ein weiteres Verfolgungsmotiv 

gegeben sei. Diese beinhalte auch die Konstellation, dass Angehörige von 

verfolgten Personen Repressalien ausgesetzt seien, um die Familie als 

Ganze für die Aktivitäten des Verfolgten zu bestrafen. Das SEM anerkenne, 

dass der Vater aus religiösen Gründen verfolgt worden sei. Nur weil der 

Vater erschossen worden sei, falle die Gefahr für ihn, den Beschwerdefüh-

rer, ebenfalls umgebracht zu werden, nicht dahin. Die Vorinstanz habe den 

Umstand, dass der Vater eine bekannte Persönlichkeit gewesen sei, aus-

ser Acht gelassen. Es liege jedoch auf der Hand, dass die Taliban die Be-

kanntheit des Vaters für die Durchsetzung ihrer eigenen Ziele hätten nut-

zen wollen. Deshalb sei nicht verständlich, weshalb davon ausgegangen 

werde, die Taliban hätten nach dessen Tod kein Interesse mehr gehabt, 

auch den Beschwerdeführer und seine Familie umzubringen. Vielmehr sei 

ein erhöhtes Interesse an ihrer Familie anzunehmen. Mit der Verfolgung 

und Tötung von ihm, dem Beschwerdeführer, hätten die Taliban nämlich 

ein Exempel statuieren wollen und sich damit noch mehr Respekt und 

Macht verschaffen können. Bezüglich Aktualität der Reflexverfolgung sei 

festzustellen, dass die Taliban die Familie jederzeit erneut angreifen könn-

ten. Bei der Behauptung, die Tötung des Vaters sei der Schlussakt gewe-

sen, handle es sich um eine Mutmassung. Vielmehr liege auf der Hand, 

dass er erneut angegriffen worden wäre, wenn er nicht sofort den Ort ver-

lassen hätte und ausgereist wäre, was das Niederbrennen des Hauses der 

Familie nach ihrer Flucht untermauere. Somit müsse festgestellt werden, 

dass die Asylrelevanz in seinen Vorbringen zu bejahen sei.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft, wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 

in absehbarer Zukunft Nachteile von bestimmter Intensität befürchten 

muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt 

zu werden drohen. Von einer begründeten Furcht vor Verfolgung ist na-

mentlich dann auszugehen, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, 

eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – in 

naher Zukunft verwirklicht. Eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Ver-

folgung genügt dabei nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen, welche 

den Eintritt der erwarteten ernsthaften Nachteile als wahrscheinlich und 

dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvollziehbar er-

scheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.5 je m.w.H.). Die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die be-

troffene Person einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht 

in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Erstre-

cken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen Person 

auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung 

vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-

gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet be-

fürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung: BVGE 2007/19 E. 3.3 

m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht 

vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeitlich kau-

sal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätz-

lich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. 

6.3 Wie in der Beschwerdeschrift bestätigt wird, ist der geltend gemachte 

einmalige (…) im Auftrag der Taliban insbesondere mangels Intensität asyl-

rechtlich unbeachtlich. Sodann gab der Beschwerdeführer stets an, das In-

teresse der Taliban habe am Vater und an dessen Beziehungen bestanden. 

Bis auf den erwähnten (…) sei von ihm persönlich nichts Konkretes gefor-

dert worden (SEM-Akte A14 F45 ff.). Entsprechend käme vorliegend einzig 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19

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eine Reflexverfolgung in Betracht. Nachdem der Vater – die einzige be-

kannte Person der Familie – gemäss eigenen Angaben aber umgebracht 

worden sei, ist – entgegen der Darlegung in der Beschwerdeschrift – nicht 

ersichtlich, welches Interesse die Taliban an der Familie des Beschwerde-

führers oder an ihm noch hätten haben sollen. Auch aus welchem Grund 

die Taliban, nachdem sie die einzige Person der Familie, die sie bei der 

Durchsetzung ihrer Ziele hätte unterstützen können, umgebracht hätten, 

die Familie weiter hätten behelligen oder was ihnen dies hätte bringen sol-

len, vermag der Beschwerdeführer nicht anzugeben. Die geltend gemachte 

Reflexverfolgung aus einem religiösem Motiv ist ihm gegenüber nicht zu 

erblicken. Mit dem Tod des Vaters ist eine allfällige Verfolgungsfurcht der 

Familienangehörigen weggefallen. Die Befürchtung des Beschwerdefüh-

rers respektive seiner Mutter, wäre er bei dem nächtlichen Ereignis zuge-

gen gewesen, wäre auch er umgebracht worden (SEM-Akte A14 F51), ist 

eine blosse Vermutung. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Taliban, hätten 

sie auch ihn angehen beziehungsweise die ganze Familie umbringen wol-

len, dies spätestens in der besagten Nacht getan hätten. Die Heimkehr des 

Beschwerdeführers abzuwarten und ihn abzupassen wäre problemlos 

möglich gewesen (SEM-Akte A14 F52). Stattdessen habe er den Vater be-

erdigt und in der Folge sei die gesamte Familie nach C._______ gereist, 

ohne aufgehalten worden zu sein. Der Hinweis, er und seine Familie hätten 

in jener Nacht nur durch grosses Glück überlebt, ist nach dem Gesagten 

unbegründet. Dass er selbst nach ungefähr (…) Wochen Aufenthalt in 

C._______ überlegt habe, nach Hause zurückzukehren (SEM-Akte A14 

F32 S. 7), deutet ebenfalls darauf hin, dass er keine konkrete Gefährdung 

befürchtet habe. Weiter sei ihm lediglich am Telefon gesagt worden, ihr 

Haus sei angezündet worden. Was genau vorgefallen sei, weiss der Be-

schwerdeführer nicht anzugeben, zumal er selbst nicht mehr vor Ort gewe-

sen sei. Folglich vermag dieser angegebene Vorfall nichts zu ändern. In-

wiefern das SEM nicht beachtet habe, dass sein Vater eine bekannte Per-

son gewesen sei, oder auf der Hand liege, dass ihm ein erneuter Angriff 

gedroht hätte und die Taliban an ihm ein Exempel hätten statuieren wollen, 

zeigt der Beschwerdeführer nicht auf und ist in keiner Weise ersichtlich.  

Insgesamt ist daher festzuhalten, dass nicht davon ausgegangen werden 

kann, dem Beschwerdeführer hätten aufgrund der Verfolgung seines ver-

storbenen Vaters ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG gedroht 

respektive er würde bei einer Rückkehr seinetwegen / an seiner Stelle mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ins Visier der 

Taliban geraten.  

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Seite 10 

6.4 Zusammenfassend ist in den Vorbringen des Beschwerdeführers keine 

flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung oder begründete Verfolgungs-

furcht – auch nicht im Sinne einer Reflexverfolgung – erkennbar. Seine 

Fluchtgründe erweisen sich als nicht asylrelevant. Entsprechend erübrigt 

es sich, auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und in der 

Beschwerdeschrift zur Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen einzugehen. 

Auch die beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur umfas-

senden Prüfung der Glaubwürdigkeit (gemeint ist wohl Glaubhaftigkeit) sei-

ner Vorbringen fällt damit ausser Betracht.  

Demzufolge hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-

rers im Ergebnis zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz; es berücksichtigt 

dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Das SEM hat wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs eine vor-

läufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet. Da 

die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. 

BVGE 2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur Frage der 

Durchführbarkeit des Vollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

ist mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden.  

10.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Rechts-

begehren des Beschwerdeführers als aussichtslos zu gelten haben. Damit 

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Seite 11 

ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwer-

deführers – eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen für die Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht 

erfüllt und das entsprechende Gesuch ist abzuweisen. 

10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Gabriela Freihofer Linda Mombelli-Härter 

 

 

Versand: