# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f97deb49-79e2-57d0-9dd7-a5709721d988
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-08
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 08.04.2021 100 2020 92
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2020-92_2021-04-08.pdf

## Full Text

100.2020.92U
HER/ZUD/SPR

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 8. April 2021

Verwaltungsrichter Häberli, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichterin Arn De Rosa, Verwaltungsrichterin Herzog
Gerichtsschreiber Zürcher

A.________
vertreten durch Advokatin …
Beschwerdeführerin

gegen

Kanton Bern
handelnd durch die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion,
Rathausgasse 1, Postfach, 3000 Bern 8
Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe; Gesuch um längerfristige Hilfe (Verfügung der 
Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern vom 
10. Februar 2020; 2018-13648)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 08.04.2021, Nr. 100.2020.92U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

A.________ leidet gemäss ihrem behandelnden Arzt an einer dissoziativen 
Identitätsstörung (Auftreten verschiedener Persönlichkeitszustände bzw. -
anteile mit je eigenem Bewusstsein). Am 16. Juli 2017 gelangte der Arzt an 
die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn und legte dar, dass 
A.________ wiederholt Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch durch 
ein Täternetzwerk geworden sei und dies weiterhin werde. Die 
Staatsanwaltschaft eröffnete eine Untersuchung; die durchgeführten 
Ermittlungshandlungen führten bisher zu keinem Ergebnis. 

Am 19. September 2018 und am 12. März 2019 hatte A.________ bei der 
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF; heute: 
Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion [GSI]) Opferhilfegesuche 
gestellt. Mit Kostengutsprachen vom 20. November 2018 und 10. April 
2019 wurden ihr die ersuchten Beiträge an ein Schutzkonzept (Einsatz ei-
ner Betreuungs- und Schutzperson) bzw. an ihre Anwaltskosten gewährt.

B.

Am 12. Dezember 2019 stellte A.________ erneut ein Gesuch um Beiträge 
an ihre Anwaltskosten sowie an Schutzmassnahmen (Sitzwache) unter 
dem Titel der längerfristigen Hilfe. Mit Verfügung vom 10. Februar 2020 
wies der Kanton Bern, nunmehr handelnd durch die GSI, das Gesuch ab.

C.

Gegen diese Verfügung hat A.________ am 10. März 2020 Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragt, die angefochtene 
Verfügung sei aufzuheben und ihrem Gesuch um längerfristige Hilfe Dritter 
zu entsprechen. Demgemäss sei ihr eine Kostengutsprache für Anwalts-
kosten von vorerst weiteren 15 Stunden zuzusprechen; weiter sei ihr An-

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trag auf Kostengutsprache für eine Betreuung zuhause dem Grundsatz 
nach gutzuheissen und der Kanton Bern zu verpflichten, ein konkretisiertes 
Kostenübernahmegesuch nach Eingang einer Offerte zu prüfen und da-
rüber zu verfügen. Eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an 
die Vorinstanz zurückzuweisen.

Der Kanton Bern (GSI) hat mit Beschwerdeantwort vom 7. April 2020 die 
Abweisung der Beschwerde beantragt.

Mit Eingabe vom 21. April 2020 hat A.________ das Verwaltungsgericht 
über einen angeblichen weiteren sexuellen Übergriff zu ihrem Nachteil 
orientiert und ihren gleichentags bei der Staatsanwaltschaft Solothurn 
gestellten Strafantrag sowie einen ärztlichen Bericht der Privatklinik … vom 
9. April 2020 eingereicht. Mit Verfügung vom 13. August 2020 hat die 
Instruktionsrichterin die bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn 
edierten Akten auszugsweise zu den Akten des verwaltungsgerichtlichen 
Verfahrens erkannt und den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit gegeben, 
sich im Licht der ergänzten Akten zu äussern und die vollständigen Akten 
der Staatsanwaltschaft einzusehen. Mit Eingaben vom 18. August 2020 
(Kanton Bern) bzw. 25. August 2020 (A.________) haben die 
Verfahrensbeteiligten an ihren Anträgen festgehalten.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letz-
te kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (ebenso Art. 15 des Einführungsgesetzes vom 
2. September 2009 zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Strafta-
ten [EG OHG; BSG 326.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

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oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und 
Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG).

1.2 Die Beschwerdeführerin stellt unter anderem den Antrag, es sei 
dem Grundsatz nach eine Kostengutsprache für eine Betreuung zuhause 
auszustellen (vorne Bst. C). Es fragt sich, ob darin sinngemäss ein Fest-
stellungsbegehren liegt. Solche Begehren bedürfen eines ausgewiesenen 
Feststellungsinteresses und sind gegenüber rechtsgestaltenden Begehren 
subsidiär und damit nur zulässig, wenn das schutzwürdige Interesse der 
Partei mit einem Leistungs- oder Gestaltungsbegehren nicht gewahrt wer-
den kann (statt vieler BVR 2018 S. 310 E. 7.3 mit Hinweisen). An der Fest-
stellung eines grundsätzlichen Anspruchs im vorliegenden Verfahren be-
steht wohl kein genügendes Feststellungsinteresse. Denn selbst wenn hier 
eine entsprechende Feststellung erginge, bildete ein «konkretisiertes Ge-
such betreffend Kostenübernahme» Gegenstand eines separaten, nachfol-
genden Verwaltungsverfahrens. Es bestehen keine Anhaltspunkte zur 
Annahme, dass der Kanton Bern (GSI) ein konkretisiertes Gesuch der Be-
schwerdeführerin nicht behandeln und alsdann darüber (rechtsgestaltend) 
verfügen würde. Unter diesem Vorbehalt ist auf die Beschwerde einzutre-
ten.

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen und Unangemessenheit hin (Art. 80 VRPG i.V.m. 
Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an 
Opfer von Straftaten [Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5]).

2.

Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Opferhilfeleistungen 
hat. – Sachverhaltlich ist Folgendes festzustellen:

2.1 Ärztliche Meldung einer Gefährdung: Mit Schreiben vom 16. Juli 
2017 ist Dr. med. B.________, Psychiater und Psychotherapeut der Be-
schwerdeführerin, an die Staatsanwaltschaft gelangt mit folgender Mel-
dung: Die Beschwerdeführerin sei laut ihren Berichten in der Therapie wie-
derholt Opfer von psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt sowie 

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Erpressungen durch ein Täternetzwerk geworden und werde dies weiterhin 
(Akten GSI act. 3A4 pag. 357). Das Täternetzwerk beordere sie regelmäs-
sig an Orte und missbrauche sie sexuell. Die Täter würden ihr auch auf 
ihren Spaziergängen auflauern oder zu ihr nach Hause kommen. Sie be-
komme von der Gewalt nur wenig mit, weil sie sich dabei meist in «dissozi-
ierten Zuständen» befinde. Für die erlittenen Verletzungen mache sie 
gegenüber ihrer Familie Stürze verantwortlich. Die Kommunikation mit den 
Tätern erfolge über ein separates Mobiltelefon, welches die Beschwerde-
führerin versteckt halte (Akten GSI act. 3A4 pag. 362 f., 365). Mangels Be-
weissicherung durch die Patientin liege abgesehen von einer rechtsmedizi-
nischen Untersuchung in der Frauenklinik Bern vom 6. Juli 2017 – diese 
Untersuchung erbrachte insbesondere keine Verletzungen im Genitalbe-
reich (Rechtsmedizinische Befunddokumentation vom 10.7.2017, in 
act. 10A) – «keinerlei konkretes Beweismaterial» vor; einzig die Berichte 
der Patientin und die dazu passende psychische Symptomatik wiesen auf 
die aktuelle Gewalt- und Gefahrensituation hin (Akten GSI act. 3A4 
pag. 366 f.). Dr. med. B.________ geht aber von einer hohen 
Glaubhaftigkeit der Aussagen seiner Patientin aus (Akten GSI act. 3A4 
pag. 369). Mit Schreiben vom 13. Juli 2018 an die Kantonspolizei Solothurn 
(nachfolgend: Kantonspolizei) hat Dr. med. B.________ weiter ausgeführt, 
die Täter würden gezielt mit bestimmten Persönlichkeitsanteilen der 
Beschwerdeführerin kommunizieren; er vermute bei ihnen daher fundierte 
Kenntnisse in Psychotraumatologie. Genaue Angaben zu Tatorten und 
anderen Opfern habe die Beschwerdeführerin nicht machen können. Die 
Beschwerdeführerin habe schliesslich aber auch von Kindesmissbrauch 
durch das Täternetzwerk berichtet, dem sie habe beiwohnen müssen 
(Akten GSI act. 3A4 pag. 373 ff.).

2.2 Strafuntersuchung: Am 19. Juli 2017 eröffnete die Staatsanwalt-
schaft eine Untersuchung wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher 
sexueller Nötigung und mehrfacher Nötigung gegen unbekannt (Er-
öffnungsverfügung vom 19.7.2017, in act. 10A). Im Rahmen der Unter-
suchung wurden diverse Ermittlungsmassnahmen durchgeführt: Überwa-
chung der Telefonverbindungen der Beschwerdeführerin, Videoüberwa-
chung an der Wohnadresse, Observation der Beschwerdeführerin während 
insgesamt sechs Monaten, Einsatz einer Notfalluhr sowie Auswertung der 

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Überwachungskameras eines Lebensmittelgeschäfts (vgl. Ermittlungs-
bericht vom 14.5.2018, in Akten GSI act. 3A4 pag. 379 ff.). Die Observation 
der Beschwerdeführerin habe nichts Nennenswertes ergeben. Ebenso 
wenig seien bei der Telefonüberwachung und der Auswertung des 
Mobiltelefons der Beschwerdeführerin Gespräche oder Nachrichten mit 
verdächtigem Inhalt festgestellt worden. Die von der Beschwerdeführerin 
berichtete und detailliert geschilderte Kontaktaufnahme durch das Täter-
netzwerk auf dem Parkplatz eines Lebensmittelgeschäfts konnte nach 
Auswertung der Überwachungskameras mit Sicherheit ausgeschlossen 
werden (Ermittlungsbericht vom 14.5.2018, in Akten GSI act. 3A4 
pag. 385 f., 390). Nachdem es laut der Beschwerdeführerin am 
26. Dezember 2017 in einem Waldstück abermals zu einem sexuellen 
Übergriff gekommen sei, wurde sie rechtsmedizinisch untersucht. Fremde 
DNA-Spuren konnten keine festgestellt werden. Ein Samenflüssigkeitsvor-
test und der mikroskopische Nachweis von Spermien fielen negativ aus. 
Die Spurenauswertung bei der Beschwerdeführerin zeigte keine Hinweise 
auf eine Gewalteinwirkung Dritter. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen 
Angriff auf die Beschwerdeführerin (Ermittlungsbericht vom 14.5.2018, in 
Akten GSI act. 3A4 pag. 388 ff.). Die Kantonspolizei hielt abschliessend 
fest, dass während der gesamten Ermittlungen keine Übergriffe, Treffen 
oder Kontakte zwischen der Beschwerdeführerin und möglichen Tätern 
festgestellt werden konnten (Ermittlungsbericht vom 14.5.2018, in Akten 
GSI act. 3A4 pag. 392). Am 19. August 2019 gab die Staatsanwaltschaft 
erneut eine Observation der Beschwerdeführerin zur Klärung der angezeig-
ten Straftaten in Auftrag. Auch diese verlief ergebnislos (Anordnung vom 
19.8.2019 und Aktennotiz vom 19.9.2019 im Journal Verfahrensschritte 
S. 10 bzw. 14, beide in act. 10A).

2.3 Stellungnahme des behandelnden Arztes zum ausgebliebenen Er-
mittlungserfolg: In dem im vorliegenden Verfahren eingereichten Bericht 
vom 7. März 2020 (in act. 1C) führt Dr. med. B.________ aus, es gebe aus 
seiner Sicht trotz fehlendem Ermittlungserfolg der Strafbehörden Gründe, 
die dafürsprechen, dass seine Patientin tatsächlich wiederholt Opfer von 
(sexueller) Gewalt geworden ist; wesentlich sei dabei ihre dissoziative Iden-
titätsstörung (Auftreten verschiedener Persönlichkeitszustände bzw. -
anteile mit je eigenem Bewusstsein) sowie ein vermutlich hochprofessionel-

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les Täternetzwerk (S. 2, 8). In ihrer Jugend sei die Beschwerdeführerin 
Opfer eines sog. Loverboy-Missbrauchs geworden und auch vergewaltigt 
worden. Im Anschluss daran sei es laut der Beschwerdeführerin über viele 
Jahre hinweg – und seit Frühling 2017 in besonders intensiver Form – zu 
organisierter sexueller Ausbeutung durch ein Täternetzwerk gekommen, an 
welches sie wohl vom Loverboy-Täter «weitergegeben worden sei». Die 
Aussagen der Beschwerdeführerin hierzu im Rahmen der Strafuntersu-
chung hat Dr. med. B.________ als glaubhaft eingestuft (S. 3 f.; vgl. auch 
seine Gefährdungsmeldung vom 26.3.2019 S. 13 f. [in act. 1C]). Die Be-
schwerdeführerin sei vom genannten Täternetzwerk weiter gezwungen 
worden, dem sexuellen Missbrauch von Kindern beizuwohnen. Die vagen 
Angaben zu Täternamen und Tatorten seien einerseits darauf zurückzufüh-
ren, dass der Beschwerdeführerin bei den entsprechenden Transporten der 
Blick nach draussen verunmöglicht worden sei und andererseits, dass ihre 
dissoziative Identitätsstörung es erschwere, eine kohärente Erinnerung zu 
formulieren (S. 7). Dr. med. B.________ geht davon aus, das 
Täternetzwerk verfüge über spezifisches Wissen im Bereich dissoziativer 
Störungen, mit welchem es die Beschwerdeführerin gezielt manipulieren 
und sich vor Strafverfolgung schützen könne (S. 11 ff.). Die durch die 
Untersuchungsbehörden getätigten Ermittlungen seien ergebnislos 
geblieben, weil die Kommunikation mit der Täterschaft wohl über 
«alternative Kanäle» erfolge und zudem lediglich die «Kommunikation der 
Alltagspersönlichkeit» der Beschwerdeführerin untersucht worden sei. Da 
keine vierundzwanzigstündige Observation durchgeführt worden sei, habe 
auch die Analyse der Bewegungen der Beschwerdeführerin weitere 
Missbräuche zu ihrem Nachteil nicht verhindert. Aus dem Umstand, dass 
bisher keine Beweise für Gewalt erbracht worden seien, könne nicht 
geschlossen werden, dass keine Gewalt vorliege (S. 14 f.).

2.4 Neuer Vorfall: Am 21. April 2020 hat die Beschwerdeführerin bei der 
Staatsanwaltschaft Solothurn Strafanzeige eingereicht (act. 5 und 5A1). Sie 
sei am 3. April 2020 erneut Opfer schwerer Übergriffe geworden. Zur Dar-
stellung der Geschehnisse verweist sie auf Dr. med. …s Bericht vom 
9. April 2020 (act. 5A2): Gemäss diesem Bericht leidet die Be-
schwerdeführerin an einer dissoziativen Identitätsstörung; mit anderen 
Worten sei ihre Persönlichkeit «in verschiedene Anteile aufgesplittet» und 

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funktioniere je nach Anteil sehr unterschiedlich. Am 3. April 2020 sei die 
Beschwerdeführerin «in einem Anteil» spazieren gegangen. Sie habe dann 
«in einen anderen Anteil» gewechselt, der von einem Mann genötigt wor-
den sei, in einen Lieferwagen einzusteigen. Als sie sich geweigert habe, 
sich auszuziehen, sei sie geschlagen (Peitschenschramme am Rücken) 
und mit einem Plastiksack gewürgt worden (rote Linie am Hals). Sie habe 
das Bewusstsein verloren und erinnere sich erst wieder daran, dass sie an 
einer Kreuzung aus dem Lieferwagen gestiegen sei. Den Helm, den sie 
wegen wiederholter Stürze trägt, habe sie im Lieferwagen zurücklassen 
müssen. Später habe sie realisiert, dass sie vaginal blutete. Eine Untersu-
chung im «Frauenspital/IRM» habe vaginale Verletzungen bestätigt; Hals 
und Rücken seien fotografiert worden. Der Bericht zur rechtsmedizinischen 
Untersuchung erwähnt zwei wegdrückbare rötliche Hautverfärbungen am 
Hals, eine wegdrückbare rötliche Hautverfärbung sowie oberflächliche 
Hautabschürfungen am Rücken, oberflächliche Hautläsionen in der Damm-
region, eine Schleimhautläsion im Bereich des Gebärmutterhalses und 
Hautverfärbungen im Bereich der grossen Schamlippen. Die kleinen 
Schamlippen, der Scheideneingang, die Scheide, «Perianal» und Anus 
seien unverletzt gewesen (Rechtsmedizinische Befunddokumentation vom 
28.4.2020, in act. 10A).

2.5 Opferhilfeverfahren: Am 19. September 2018 ersuchte die Be-
schwerdeführerin um Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter in Form 
von Sicherungskosten (Akten GSI act. 3A2 pag. 31 ff., 39). Am 
20. November 2018 erteilte die GEF eine Kostengutsprache für ein Schutz-
konzept (Einsatz einer Betreuungs- und Schutzperson). Sie erachtete die 
Opferstellung der Beschwerdeführerin als «knapp» gegeben und behielt 
sich vor, bei Verlängerung des Schutzkonzepts die Opferstellung erneut zu 
prüfen (Akten GSI act. 3A2 pag. 97 ff.). Am 12. März 2019 ersuchte die 
Beschwerdeführerin um Kostenbeiträge an ihre Anwaltskosten im Straf- 
und Opferhilfeverfahren (Akten GSI act. 3A2 pag. 153 ff., 161). Die GEF 
erteilte am 10. April 2019 eine Kostengutsprache für fünfzehn Stunden An-
waltstätigkeit. Sie bezeichnete die Opferstellung der Beschwerdeführerin 
wiederum als «knapp» gegeben und stellte in Aussicht, dass «bei der 
Überprüfung einer allfälligen Erhöhung der Kostengutsprache […] dieser 
Punkt erneut eingehend zu prüfen sein» werde (Akten GSI act. 3A2 

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pag. 187 f.). Am 12. Dezember 2019 orientierte die heutige Rechtsvertrete-
rin über den Anwaltswechsel und beantragte, es seien unter dem Titel län-
gerfristige Hilfe Dritter Beiträge an die Kosten ihrer Anwaltstätigkeit sowie 
an Schutzmassnahmen (Sitzwache) zugunsten der Beschwerdeführerin zu 
sprechen (Akten GSI act. 3A2 pag. 193 ff.). Nach zunächst formloser Ver-
weigerung der Kostengutsprache erliess die Behörde am 10. Februar 2020 
die angefochtene abschlägige Verfügung (Akten GSI act. 3A2 pag. 203 f., 
209, 219 ff.; vorne Bst. B). 

3.

Hauptsächlich liegt die Opferstellung der Beschwerdeführerin im Streit (vgl. 
E. 4 hiernach). Soweit die Beschwerdeführerin aus der Gutheissung der 
vormaligen Gesuche um Opferhilfeleistungen aus Vertrauensschutz etwas 
zu ihren Gunsten ableiten wollte (Beschwerde S. 5, 10), könnte ihr nicht 
gefolgt werden: Der Kanton Bern führt zu Recht aus, dass aus einer einmal 
gewährten Kostengutsprache für längerfristige Hilfe (Art. 13 Abs. 2 OHG) 
nicht auf die Gewährung von zukünftigen Kostengutsprachen geschlossen 
werden kann. Es versteht sich von selbst, dass die Anspruchsvorausset-
zungen durch die Opferhilfebehörde bei jedem Gesuch neu geprüft werden 
müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Anspruch auf Opfer-
hilfeleistungen (weiterhin) gegeben ist; allenfalls ist von weiteren Hilfeleis-
tungen abzusehen (vgl. BGE 125 II 265 E. 2c/aa; JTA 23512 vom 2.6.2009 
E. 3.3.2; Dominik Zehntner, in Handkommentar Opferhilferecht, 4. Aufl. 
2020, Art. 1 N. 43; Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellen-
Konferenz Opferhilfegesetz [SVK-OHG] vom 21.1.2010 [nachfolgend: Emp-
fehlungen OHG] Ziff. 3.3.3; vgl. zur Gewährung von Kostengutsprachen in 
«Tranchen» auch Art. 4 Abs. 1 und 2 sowie Art. 6 der Kantonalen Opferhil-
feverordnung vom 28. April 2010 [KOHV; BSG 326.111]). Die Opferhilfebe-
hörde hat denn eine Neuprüfung auch unmissverständlich in Aussicht ge-
stellt (vgl. vorne E. 2.5).

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4.

4.1 Nach Art. 1 Abs. 1 OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in 
ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beein-
trächtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach diesem Ge-
setz (Opferhilfe). Der Anspruch besteht nach Art. 1 Abs. 3 OHG unabhän-
gig davon, ob die Täterschaft ermittelt worden ist (Bst. a), sich schuldhaft 
verhalten hat (Bst. b) oder vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Bst. c). 
Das Vorliegen einer Straftat ist aber unabdingbare Voraussetzung für die 
Anerkennung der Opferqualität einer durch ein Ereignis geschädigten Per-
son (BGer 1C_9/2017 vom 4.4.2017 E. 2). Unter einer Straftat ist ein tatbe-
standsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinn des Strafgesetzbuchs 
zu verstehen, was neben der Verwirklichung des objektiven Straftatbe-
stands auch vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln voraussetzt (vgl. 
BGE 134 II 308 E. 5.5, 134 II 33 E. 5.4 f.; BGer 1C_9/2017 vom 4.4.2017 
E. 2; BVR 2007 S. 226 E. 3.1). Die Anforderungen an den Nachweis einer 
die Opferstellung begründenden Straftat sind je nach dem Zeitpunkt sowie 
nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich hoch. Wer-
den – wie hier – Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter im Sinn von 
Art. 13 Abs. 2 und 3 OHG anbegehrt, muss die Opferstellung wahrschein-
lich sein. Die für die Anspruchsprüfung zuständige Stelle muss davon über-
zeugt sein, dass das Vorliegen einer opferrechtlich relevanten Straftat 
wahrscheinlicher ist als das Nichtvorliegen einer solchen bzw. es müssen 
mehr Argumente für das Vorliegen einer die Opferstellung begründenden 
Straftat sprechen als dagegen (vgl. BGE 125 II 265 E. 2c/aa; 
BGer 1C_348/2012 vom 8.5.2013 E. 2.4, 1A.318/2000 vom 26.4.2001 
E. 2b f.; BVR 2007 S. 226 E. 4.3; VGE 2014/224 vom 17.3.2015 E. 4.2; 
Dominik Zehntner, a.a.O., Art. 1 N. 43; Empfehlungen OHG Ziff. 2.8.1; an-
gefochtene Verfügung E. 1.2.1). 

4.2 Die Opferhilfebehörde des Kantons Bern kam in der angefochtenen 
Verfügung zum Schluss, trotz nunmehr zweieinhalbjährigen intensiven Er-
mittlungen seitens der Strafbehörden lägen keine Hinweise für das Vorlie-
gen einer Straftat oder auf eine allfällige Täterschaft vor. Es fehle damit an 
einer unabdingbaren Voraussetzung für die Leistung von Opferhilfe (ange-
fochtene Verfügung E. 1.2.3 f.). – Die Beschwerdeführerin wendet dagegen 

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ein, der Kanton verneine ihre Opfereigenschaft zu Unrecht; es lägen objek-
tive Hinweise auf eine Straftat vor (Verletzungen, Vergiftungserschei-
nungen). Das im Kanton Solothurn hängige Strafverfahren zeige, dass die 
dortigen Behörden von ihrer Opfereigenschaft ausgehen würden. Im Übri-
gen habe der Kanton Bern mehrere ärztliche Einschätzungen ignoriert, 
nach welchen ihre Schilderungen glaubhaft seien (Beschwerde S. 4 f.; 
act. 12).

4.3 Es entspricht einem allgemeinen Grundsatz, dass die Verwal-
tungs(justiz)behörde von der Sachverhaltsfeststellung der Strafbehörde – 
soweit sie auch für ihr Verfahren massgeblich ist – im Interesse der 
Rechtseinheit und Rechtssicherheit nicht ohne Grund abweicht (BVR 2016 
S. 247 E. 5.5 mit Hinweisen). Die Staatsanwaltschaft hat hier nach lang 
andauernden, umfangreichen Ermittlungen keine Hinweise auf eine Straftat 
oder eine allfällige Täterschaft gefunden (vorne E. 2.2). Für das Verwal-
tungsgericht besteht kein Grund, von den Feststellungen der Staatsanwalt-
schaft abzuweichen oder weitere, eigenständige Abklärungen zu veranlas-
sen; solches wird von der Beschwerdeführerin auch nicht verlangt. Dass 
die Strafuntersuchung weiterhin hängig ist, ändert daran nichts. Soweit bei 
den erwähnten rechtsmedizinischen Untersuchungen etwas festgestellt 
werden konnte (vorne E. 2.1 f. und 2.4), weist nichts darauf hin, dass diese 
Befunde von Misshandlungen durch ein Täternetzwerk (oder einen Einzel-
täter) herrühren. Ein solcher Schluss lässt sich nicht ziehen, zumal 
Dr. med. B.________ Selbstverletzungen durch die Beschwerdeführerin 
nicht ausschliesst (vgl. Bericht vom 27.6.2019 S. 3, in act. 1C), diese 
offenbar Rattengift eingenommen hat (Berichte Dr. med. B.________ vom 
4.7.2019 S. 1 und 2.4.2019 S. 1 f., Bericht Psychiatriezentrum … vom 
8.7.2019 S. 2, alle in act. 1C) und es im Rahmen eines Klinikaufenthalts zu 
Selbststrangulationen kam (Bericht Psychiatriezentrum … vom 8.7.2019 
S. 3, in act. 1C). Verletzungen und Vergiftungssymptome erscheinen mit 
Blick darauf nicht ohne weiteres als objektive Hinweise auf eine Straftat 
(vgl. hierzu auch die Vorinstanz in act. 3 Ziff. 2.3 und act. 11). Was 
Dr. med. B.________s Einschätzungen zur Glaubhaftigkeit der Aussagen 
der Beschwerdeführerin angeht (vorne E. 2.1 und 2.3), kommt ihnen als 
Privatgutachten grundsätzlich von vornherein kein über blosse 
Parteibehauptungen hinausgehender Beweiswert zu. Es ist dabei dem 

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Umstand Rechnung zu tragen, dass sie im Auftrag der Beschwerdeführerin 
erstellt wurden und der behandelnde Arzt im Hinblick auf seine 
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher im Sinn der 
Darstellung seiner langjährigen Patientin aussagen dürfte (vgl. BVR 2012 
S. 252 E. 3.4.4; VGE 2018/318 vom 12.8.2019 E. 4.5.2 f. mit weiteren 
Hinweisen). Aus den ärztlichen Einschätzungen allein, die 
unbestrittenermassen fast ausschliesslich auf den Darstellungen der 
Beschwerdeführerin bzw. ihres Therapeuten basieren (vorne E. 2.1), kann 
diese mit Blick auf das bisher Gesagte nichts Entscheidendes zu ihren 
Gunsten ableiten.

4.4 Wenn die Opferhilfebehörde schliesst, es sei nicht genügend wahr-
scheinlich, dass die Beschwerdeführerin Opfer einer Straftat geworden sei 
bzw. weiterhin werde, ist dies insgesamt nicht zu beanstanden und hat sie 
die Opfereigenschaft zu Recht verneint. Die Beschwerdeführerin hat damit 
(zum jetzigen Zeitpunkt) keinen Anspruch auf die ersuchten Opferhilfeleis-
tungen. Sollten sich in der weiterhin hängigen Strafuntersuchung neue Er-
kenntnisse ergeben, die eine Straftat zum Nachteil der Beschwerdeführerin 
wahrscheinlich erscheinen lassen, ist ein erneutes Gesuch um Opferhilfe-
leistungen nicht ausgeschlossen (so auch angefochtene Verfügung 
E. 1.2.4). Die angefochtene Verfügung hält der Überprüfung stand. Die 
Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt sich die even-
tuell beantragte Rückweisung der Sache (vorne Bst. C).

5.

Verfahrenskosten sind nicht zu erheben, da die Beschwerde nicht als mut-
willig zu bezeichnen ist (Art. 102 VRPG i.V.m. Art. 30 Abs. 1 und 2 OHG). 
Ersatzfähige Parteikosten sind im verwaltungsgerichtlichen Verfahren keine 
angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 und 3 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 08.04.2021, Nr. 100.2020.92U, 
Seite 13

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten ge-
sprochen.

3. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführerin
- Beschwerdegegner
- Bundesamt für Justiz

Der Abteilungspräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.