# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ee6f940-56c0-517c-b521-d68879115754
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-12-27
**Language:** de
**Title:** Abstellen auf bidisziplinäres Gutachten. Einkommensvergleich mit gemischter Methode. Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00048
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00048.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00048
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Muraro
Gerichtsschreiberin Schüpbach
Urteil
vom
27. Dezember 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1966, Mutter von einem Kind (Jahrgang 1994), war seit Mai 2000 bei der
Y.___ AG
als Service-/Buffetmitarbeiterin in einem 80%-Pensum tätig
(
Urk.
8/2,
Urk.
8/9)
, als sie sich am
2
5.
Januar 2021 u
nter Hinweis auf
Rücken
beschwerden
sowie eine Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
meldete
(
Urk.
8/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (
Urk.
8/4,
Urk.
8/23,
Urk.
8/29-30
) und holte ein
bi
disziplinäres Gutachten ein, das am
2.
November 2022
erstattet wurde (
Urk.
8/49
).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
8/57,
Urk.
8/59
)
sprach die IV
Stelle
der Versicherten
mit Verfügung vom
7.
Dezember 2023
bei einem Invaliditätsgrad von
42
%
eine
befristete Viertelsrente von Dezember 2021 bis September 2022
zu
und verneinte einen Rentenanspruch ab Oktober 2022 bei einem Invaliditätsgrad von 29
%
(
Urk.
8/88,
Urk.
8/90
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
9.
Januar 2024
Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Ver
fügung vom
7.
Dezember 2023
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
und es sei ihr die ihr zustehende Rente zuzusprechen.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
6.
Februar 2024
(
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
4.
März 2024
wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1) die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt und
der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind
die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) sowie der Verordnung über die
Invaliden
versicherung
(IVV) in Kraft getreten.
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar
202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Januar 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invalidenversicherung
k
ö
nnten allfällige Leistungen frühestens ab
Juli 2021
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG)
, beziehungsweise werden vorliegend ab Dezember 2021, nach Ablauf des Wartejahrs, ausgerichtet
.
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes ver
merkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294
E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.7
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
06.2024
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_587/2023 vom 8. April 2024 E. 4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2
, Ver
fügungsteil 2
) fest, aufgrund der veranlassten und durchgeführten medizinischen Untersuchungen sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin
in ihrer bisherigen Tätigkeit als Servicefachangestellte ab Dezember 2020 zu 50
%
arbeitsunfähig sei, womit das Wartejahr im Dezember 2020 beginne. In einer angepassten Tätigkeit sei
d
ie Beschwerdeführerin von Dezember 2020 bis zum 2
6.
Juni 2022 zu 40
%
arbeitsunfähig und vom
2
7.
Juni
2022 bis 2
4.
Juli
2022 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 2
5.
Juli 2022 bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
für rückenadaptierte Tätigkeiten.
Der durchgeführte Einkommensvergleich ergebe
eine Einschränkung
von
5
2
%
. Unter Berück
sichtigung der 80%igen Erwerbstätigkeit resultiere ein Invaliditätsgrad von 42
%
, womit ein Anspruch auf eine Viertelsrente ab Dezember 2021 entstehe.
Nach dem Klinikaufenthalt habe sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
ab Juli 2022 verbessert, sodass eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
in einer angepassten Tätigkeit bestehe. Der durchgeführte
Einkommensvergleich
ergebe eine Ein
schränkung von 36
%
. Unter Berücksichtigung der 80%igen Erwerbstätigkeit resultiere ein Invaliditätsgrad von 2
9
%
, womit die Voraussetzungen für eine Rente nicht mehr gegeben seien.
Unter Berücksichtigung von drei Monaten ab dem Zeitpunkt der Verbesserung des Gesundheitszustandes ab Juli 2022 bestehe ab Oktober 2022 kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente.
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
7) führte die Beschwerdegegnerin zudem aus,
dass eine vollständige Arbeitsunfähigkeit – mit Ausnahme des stationären zirka vierwöchigen Aufenthalts – nicht bestanden habe. Trotz verbleibender (Rest
)Arbeitsfähigkeit habe die Beschwerdeführerin diese nicht verwertet, sondern bringe vor, die Schmerzen würden ihr keine Arbeit mehr ermöglichen. Auch der psychiatrische Gutachter habe festgehalten, die Beschwerdeführerin habe geäussert, sie könne aufgrund ihrer Beschwerden keiner ausserhäuslichen Tätigkeit mehr nachgehen. Aus rein psychiatrischer Sicht lasse sich eine solch hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit indes nicht objektivieren. Weiter sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin über 30 Jahre Berufserfahrung im
Service mitbringe und bis zuletzt im Jahr 2020 auch im Service berufstätig gewesen sei. Vor diesem Hintergrund sei die subjektive Eingliederungsfähigkei
t
der Beschwerdeführerin nicht gegeben
. Dies umso mehr, als dass sie selber um berufliche Massnahmen gar nie ersucht habe. Zudem sei abschliessen
d
noch anzumerken, dass gerade Servicekräfte sehr gesucht seien und der Beschwerde
führerin, welche eine langjährige Berufserfahrung im Service mitbringe, die Selbsteingliederung zumutbar erscheine. Folglich fehle es einerseits an der notwendigen Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
, andererseits sei ihr die Selbsteingliederung auch zumutbar. Damit sei die Rente zu Recht ohne Abschluss vorgängiger beruflicher Massnahmen aufgehoben worden.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (
Urk.
1), trotz ihrer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der anhaltenden Schmerzen sei die
Entscheidung ausschliesslich gestützt auf das Gutachten getroffen worden. Sämtliche anderen ärztlichen Berichte seien vernachlässigt worden. Es sei zu betonen, dass sie fortlaufend ärztlich behandelt werde und zu Hause Unter
stützung durch die psychiatrische
Spitex sowie durch ihre Tochter und Freunde erhalte.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine höhere beziehungsweise unbefristete Invalidenrente hat und ob diesbezüglich der Sach
verhalt rechtsgenüglich abgeklärt wurde.
3.
3.1
Die Ärzte des
Z.___
berichteten am 2
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8/1) und nannten folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
chronisches, exazerbiertes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts
-
aktivierte Facettengelenksarthrose LWK4/5 beidseits, mit multi
etageren, degenerativen Veränderungen mit Dis
k
opathie LWK
3/4
, LWK4/5 und LWK5/SWK1, neuroforaminale Engstellung LWK4/5 und L
W
K5/SWK1 links, keine Hinweise für Radikulärsyndrom
-
muskuläre Haltungs- und Bewegungskontrolldysfunktion (MR-tomo
graphisch Verfettung der autochthonen Rückenmuskulatur)
-
zervikovertebrales Beschwerdebild bei minim beginnend degenerativen Veränderungen, dominant myogenes Beschwerdebild
-
depressive Episode mit Erschöpfungssyndrom seit 2017 in psychia
trisch/psychotherapeutischer Behandlung
-
einflussnehmend auf Schmerzempfindung möglich
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin habe bereits mit medizinischer Trainings
therapie beginnen können und sei instruiert worden für stabilisierende Übungen im unteren Rückenbereich
. Die Beschwerdeführerin berichte
, dass das tägliche Training ihr sehr gut tue und es ihr auch besser gehe. Einzig das Tragen und Hantieren mit schweren Gegenständen sei noch deutlich schmerzerzeugend
(S. 2)
.
3.2
Die Ärzte der
Z.___
berichteten mit Austrittsbericht vom 2
2.
Juni 2021 (
Urk.
8/18) über
die stationäre Rehabilitation der Beschwerde
–
führerin vom 2
5.
Mai bis 2
2.
Juni 2021 und nannten folgende Diagnosen
(S. 1)
:
-
chronische
Schmerzs
törung mit somatischen und psychischen Faktoren bei
-
aktivierte
r
Facettengelenksarthrose LWK4/5 beidseits, mit multi
etageren, degenerativen Veränderungen mit Diskopathie LWK 3/4, LWK4/5 und LWK5/SWK1, neuroforaminale Engstellung LWK4/5 und LWK5/SWK1 links, keine Hinweise für Radikulärsyndrom
-
muskuläre Haltungs- und Bewegungskontrolldysfunktion (MR-tomo
graphisch Verfettung der autochthonen Rückenmuskulatur)
-
Reizung Iliosakralgelenk rechts mit positiver Anästhesie 2
1.
Januar 2021
-
zervikovertebrales Beschwerdebild bei minim beginnend degenerativen Veränderungen, dominant myogenes Beschwerdebild
-
hypotoner Musculus trapezius par descendens und horizontalis, Abschwächung Musculus rhomboideus rechtsbetont
-
depressive Episode mit Erschöpfungssyndrom seit 2017 in psychia
trisch/psychotherapeutischer Behandlung
-
einflussnehmend auf Schmerzempfindung möglich
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin habe am spezifischen 4-wöchigen, ganz
heitlich orientierten, interdisziplinären Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Schmerzen teilgenommen
(S. 1 unten)
.
In den physiotherapeutischen Behandlungen sei der Fokus auf der Verbesserung der Körperwahrnehmung und dem Pausenmanagement gelegen. Zur besseren Ansteuerung der stabilisierenden Rumpfmuskulatur seien Übungen mit dem Pezziball instruiert worden.
Es seien Übungen zur aktiven Entspannung angeleitet worden. Die Beschwerdeführerin habe diese selbständig und regelmässig umgesetzt und habe sie als aktives Coping für sich anwenden können. In den Therapien habe sich immer wieder gezeigt, dass die Beschwerdeführerin Mühe habe, ihre körperlichen Grenzen zu erkennen und rechtzeitig eine Pause einzulegen, vor allem in der Gartentherapie (S. 2). Am Ende des Aufenthalts habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sich die Intensität des Schmerzes im Lendenwirbelsäulenbereich bis zur NRS 3/10 verbessert habe. Die Schmerzen im Bereich der rechten Halswirbelsäule und Schulter seien unverändert. Trotz der Verspannungen habe die Beschwerde
führerin ihre Körperwahrnehmung verbessern und damit intermittierend Einfluss auf den Tonus nehmen können. Die Rumpfstabilität habe eine deutliche Verbesserung gezeigt (S. 3 oben).
Die Beschwerdeführerin habe im Rahmen des stationären ZISP-Programms im Fachbereich klinische Psychologie regelmässig an Einzelgesprächen sowie an der Schmerzbewältigungsgruppe teilgenommen.
Ein sich wiederholendes, zentrales Thema in den Gesprächen sei die Wahr
nehmung und Beachtung körperlicher Leistung
s
grenzen sowie das Praktizieren von Pau
s
en und Entspannung gewesen.
Es sei dabei wichtig gewesen, der Beschwerdeführerin aufzuzeigen, dass Pausen erla
u
bt werden dürften und nicht mit einer negativen Bewertung einhergehen müssten. Weiter sei in den Einzelgesprächen versucht worden, die Ressourcen zu aktivieren, um die Beschwerdefüh
r
erin dabei zu unterstützen, auf eigene Strategien im Umgang mit den Beschwerden zurückzugreifen.
Dies sei dank der guten Compliance der Beschwerdeführerin sehr gut gelungen.
Bei Austritt sei die Beschwerdeführerin
trotz der weiterbestehenden, teilweise aber wechselnden Schmerzsituation und noch vorhandenen physischen Einschränkungen zuversichtlicher und psychisch gestärkter gewesen (S. 3).
3.3
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 3
1.
Dezember 2021 (
Urk.
8/32)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
3
Ziff.
2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode mit Schmerzsymptomatik (ICD-10 F33.1)
-
psychische Faktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10 F54; Schmerzsyndrom)
S
ie führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
3.
Juni 2017 bei ihr in Behandlung
(S. 2
Ziff.
1.1)
, aktuell einmal pro Woche
(S. 2
Ziff.
1.2)
. Der Erst
kontakt habe im Juni 2017 aufgrund einer schweren depressiven Episode statt
gefunden
. S
eit dem Jahre 2019 bestehe zunehmend eine Schmerzsymptomatik (Nacken, Rücken)
mit Zuspitzung im September 202
0.
Es habe bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit eine ambulante und stationäre Behandlung in der
Z.___
stattgefunden
(S. 2
Ziff.
2.1)
.
Aktuell best
ünden
eine schwankende Stimmungslage zum depressiven Pol hin, eine erhöhte Ermüdbarkeit mit Aktivitätseinschränkung, Kopf- und Rückenschmerzen mit Zunahme bei Belastung/Bewegung, eine Einschränkung im Alltag, Schlafstörungen, eine verminderte Konzentration sowie Zukunftsängste (S.
2
Ziff.
2.2
).
Die Beschwerdeführerin sei wach, bewusstseinsklar, zu allen Qualitäten orientiert bei subjektiv verminderter Konzentration, unauffälliger Auffassung
und
ohne grob
auffällige Gedächtnisstörungen. Die Grundstimmung sei leicht gedrückt mit Einbrüchen von Hoffnungslosigkeit und negativen Zukunftsperspektiven. Es sei eine Affektlabilität und Störung der Vitalgefühle zu verzeichnen. Der Antrieb sei vermindert. Es bestünden Insuffizienzgefühle, Rückenschmerzen und Schlaf
störungen
, doch keine Hinweise auf Zwänge, Ich-Störungen oder akute Selbst- oder Fremdgefährdung (S. 3
Ziff.
2.4 und S. 6).
Die Prognose sei aufgrund der Chronifizierung eher ungünstig (S.
3
Ziff.
2.7).
3.4
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Klinik
C.___
,
berichtete am 2
6.
August 2022 (
Urk.
8/46)
über die stationäre multimodale psychosomatische Behandlung der Beschwerdeführerin vom 2
7.
Juni bis 2
4.
Juli 2022
(S. 1
Ziff.
1.1)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
2.5):
-
chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
rezidivierende depressive Störung, ängstlich gefärbt, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Probleme im Zusammenhang mit multiplen Verlusterlebnissen im unmittelbare
n
familiären Umfeld und anhaltender Arbeitsunfähig
keit/Stellenverlust
-
Migräne
-
c
hronisches, exazerbiertes, lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts (Diagnosen der
Z.___
Juni 2021)
-
aktivierte Facettengelenksarthrose LWK4/5 beidseits, mit multietageren, degenerativen Veränderungen mit Diskopathie LWK3/4, LWK4/5 und LWK5/SWK1, neuroforaminale Engstellung LWK4/5 und LWK5/SWK1 links, keine Hinweise für Radikulärsyndrom
-
muskuläre Haltungs- und Bewegungskontrolldysfunktion (MR-tomo
graphisch Verfettung der autochthonen Rückenmuskulatur)
-
Reizung Iliosakralgelenk rechts mit positiver Anästhesie 2
1.
Januar 2021
-
zervikovertebrales Beschwerdebild bei minim beginnend degenerativen Veränderungen, dominant myogenes Beschwerdebild
-
hypotoner Musculus trapezius par descendens und horizontalis, Abschwächung Musculus rhomboideus rechtsbetont
Er führte aus,
bei Eintritt
hätten
die Schmerzen und die damit verbundene Hilf
losigkeit und Enttäuschung über sich selbst im Zentrum des Leidensdruckes
gestanden
. Damit verbunden sei ein mittel- bis schwergradiges, stark ängstlich gefärbtes depressives Syndrom gewesen (S. 2
Ziff.
2.2).
Es liege eine Kombination einer seit Jahren zunehmenden Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren
mit einem ängstlich gefärbten
,
zumindest mittelgradigen depressiven Syndrom vor. Dies habe zu einer fast zwei Jahre anhaltenden Arbeitsunfähigkeit und schliesslich vor 10 Monaten zum Stellenverlust geführt. Diverse therapeutische Ansätze inklusive ambulante Massnahmen wie Analgetika, lokale Infiltrationen und Physiotherapie, wie auch eine stationäre Behandlung in einer Schmerzklinik hätten zu keiner Besserung der Gesamt
situation geführt.
Auch die mehrjährige psychiatrische psychotherapeutische Behandlung habe keine relevante Besserung herbeiführen können. Insbesondere sei es nicht gelungen, Schritte in Richtung Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit zu machen. Angesichts der zunehmenden Chronifizierung sei davon auszugehen, dass momentan das Verbesse
r
ungspotential
der sehr leistungsorientierten
, sich dabei selbstüberfordernden Beschwerdeführerin ausgeschöpft und die Prognose betreffend Arbeitsfähigkeit als ungünstig einzustufen sei
(S. 3
Ziff.
2.7)
.
3.5
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Rheumatologie, und
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatteten ihr bidisziplinäres
Gutachten am
2.
November 2022 (
Urk.
8/49) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/49/20,
Urk.
8/49/
41):
-
rezidivierende depressive Störung mit chronischem Verlauf und gegen
wärtig leicht- bis mittelgradiger Episode ohne somatisches Syndrom (ICD
10 F33.0/1)
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts, klinisch im Sinne eines Facettensyndroms bei Facettengelenksarthrosen LWK4/5 beidseits, ansonsten nur initiale Diskopathien distal-lumbal gemäss MRI der Lendenwirbelsäule vom 3
0.
Juli 2020
-
begleitende ansatztendinotische Beschwerden
im Bereich der SIPS rechts mit pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung ins rechte Bein
Sie führten
in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
aus,
da aus psych
iatrischer Sicht die Schmerzproblematik
im Rahmen der Diagnose des depressiven Krankheitsgeschehens bereits berücksichtigt sei, erfolge keine, auch nur teilweise, Addition der attestierten Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischen und psychiatrischen Gründen. Die Arbeitsunfähigkeit ergebe sich aus bidisziplinärer Sicht wie folgt: In der bisherigen Tätigkeit habe vom Dezember 2020 bis zum 2
6.
Juni 2022 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, vom 27.
Juni 2022 bis zum 2
4.
Juli 2022 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und seit dem 2
5.
Juli 2022 bestehe andauernd eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit habe vom Dezember 2020 bis zum 2
6.
Juni 2022 eine 40%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden, vom 2
7.
Juni 2022 bis zum 2
4.
Juli 2022 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und seit dem 2
5.
Juli 2022 bestehe andauernd eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
8/49/3).
Der psychiatrische Gut
a
chter führte
in seinem Teilgutachten (
Urk.
8/49/5-27) betreffend die erhobenen Befunde
aus,
d
ie Stimmung sei ausgeglichen, die Beschwerdeführerin spreche auch oft mit einem Lächeln auf den
Lippen. Beim Gespräch über die Schmerzen und die depressiven Beschwerden
sei
die
Stimmung zeitweise leicht bedrückt, auch ganz am Ende der Exploration, als es um die
Frage nach der Arbeitsfähigkeit geh
e
. Die affektive Modulationsfähigkeit
sei
insgesamt als
leichtgradig eingeschränkt zu beurteilen, nicht jedoch die Vitalität, die
Beschwerdeführerin
hinterl
a
ss
e einen vitalen Eindruck. Der Gedankengang sei in formaler Hinsicht weder gehemmt, verlangsamt, noch an Ideen verarmt, jedoch auf die geklagten Beschwerden leicht eingeengt. In inhaltlicher Hinsicht sei er ebenfalls unauffällig. Die Beschwerdeschilderung sei logisch und kohärent, zeitweise aber auch etwas vage, zeitweise lasse sich auch eine gewisse Dramatisierungstendenz erkennen. Die Angaben seien nicht immer konsistent. Die Beschwerdeführerin könne meist, jedoch nicht immer, präzise zeitliche
Angaben machen. Während der gesamten 75 Minuten dauernden Untersuchung liessen sich rein klinisch weder Konzentrations-, Aufmerksamkeits-, noch Auf
fassungsstörungen und auch keine Ermüdungszeichen feststellen. Hinweise für einen psychotischen Prozess lägen nicht vor (
S. 13 f.
).
Psychopathologische Befunde in der Kindheit liessen sich anamnestisch nicht eruieren
(S. 14)
.
Die Angaben
der Beschwerdeführerin
könn
t
en als nicht immer konsistent beurteilt werden. Beispielsweise berichte
sie darüber, dass sie wegen ihrer Schmerzen lediglich noch eine
halbe
bis maximal 1 Stunde
s
itzenbleiben k
ö
nn
e
, danach m
ü
ss
e
sie jeweils aufstehen. Sie g
ebe
in einer VAS-Skala auch
eine aktuelle Schmerzintensität von 4 an. Demgegenüber
würden
Mimik und Gestik während
der gesamten 75 Minuten dauernden Untersuchung zu keinem Zeitpunkt ein
Schmerzerleben an
deuten.
Die
Beschwerdeführerin
k
önne
auch bis am Ende der Untersuchung ruhig im
Stuhl
s
itzenbleiben. Des Weiteren beklag
e
sie sich über eine erhebliche Schmerzintensität,
vor allem im Bereiche der rechten Schulter. Gleichzeitig berichte sie nicht zu wissen,
weshalb sie in der Nacht jeweils erwach
e
. Ihre Angaben s
eien
zeitweise etwas vage. Nichtsdestotrotz l
a
ss
e
sich jedoch aus psychiatrischer Sicht ein Leidensdruck erkennen. Es m
ü
ss
e
indes von einer gewissen ungleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen ausgegangen werden. Einerseits berichte die
Beschwerdeführerin darüber, dass sie die anfallenden Alltagsarbeiten, die Haushaltsarbeiten, alleine erledigen könne, auch wenn sie von ihrer Tochter manchmal dabei unterstützt werde. Demgegenüber berichte sie, dass sie zu gar keiner ausserhäuslichen Berufstätigkeit mehr fähig sei wegen ihrer Beschwerden. Diese Diskrepanz lasse sich aus psychiatrischer Sicht nicht begründen. Von einer Nicht-Inanspruchnahme von medizinischen-therapeutischen Leistungen könne indes nicht ausgegangen werden, da sich die Beschwerdeführerin seit dem Jahre 2017 in ununterbrochener psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung befinde (S. 1
5
f.).
Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne aufgrund der Inkonsistenzen nicht zusätzlich zu den somatisch begründ
baren Schmerzen gestellt werden. Sollten sich nicht sämtliche Schmerzen hinreichend durch körperliche Störungen erklären lassen, müssten diese als Ausdruck der Depression gewertet werden (S. 17).
Der Schweregrad der Depression
sei
aktuell als leichtgradig zu beurteilen. Dazu passend
sei
die Tatsache, dass sich keine
andauernd bedrückt-traurige oder gereizt-aggressive Stimmung und auch keine andauernd
verminderte Energie sowie keine Freud- oder Interesselosigkeit nachweisen l
ie
ssen. Zudem
sei
die psychosoziale Funktionsfähigkeit als intakt zu beurteilen
.
Die
Beschwerdeführerin
sei
auch in der Lage, die Haushaltsarbeiten weitgehend alleine zu erledigen.
Den ana
mnestischen Angaben der
Beschwerdeführerin
zufolge
habe
sich im Jahre 2017
eine
schwere depressive Episode mit Symptomen der Kraft- und Energielosigkeit, der Erschöpfungsgefühle, der Freudlosigkeit, der bedrückten und weinerlichen Stimmung, der Nervosität sowie einer Essstörung entwickelt. Bis heute sei es diesbezüglich
insofern
zu einer deutlichen
Verbesserung gekommen, als dass die
Beschwerdeführerin
nicht mehr unter einer
Freudlosigkeit, auch nicht mehr unter einer ausgeprägten respektive andauernden
verminderten Kraft und Energie und auch nicht mehr unter einer weinerlichen Stimmung
leide
.
Auch
der
Vergleich mit den
im Bericht vom 3
1.
Dezember 2021 von der
behandelnde
n
Therapeutin
Dr.
A.___
genannten
Befunden l
a
ss
e
eine Verbesserung insofern erkennen, als dass der Antrieb
während der aktuellen Untersuchung als nicht vermindert beurteilt werden k
ö
nn
e
. Daraus
erg
ebe
sich die leichtgradige Diskrepanz insofern, als dass
Dr.
A.___
eine gegenwärtig
leicht- bis mittelgradige depressive Episode auf dem Hintergrund einer rezidivierenden
depressiven Störung diagnostizier
t hab
e
. Darüber hinaus
habe
sie zwar keine anhaltende
somatoforme Schmerz
störung, sondern psychische Faktoren bei andernorts klassifizierten
Krankheiten (
ICD-10
F54)
diagnostiziert
, diese Diagnose reih
e
sie ebenfalls unter den Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein, was als nicht nach
vollziehbar zu betrachten
sei
. Sie
begründe diese Diagnose auch nicht näher, so dass
dazu keine Stellungnahme
erfolgen k
ö
nn
e
. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit w
ü
rden in diesem Bericht keine Angaben
gemacht, so dass
auch
dazu
keine Stellungnahme erfolgen k
ö
nn
e (S. 17 f.)
.
D
ie Beschwerdeführerin befinde sich – wie bereits erwähnt - seit dem Jahre 2017 in ununterbrochener psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
A.___
. Die Sitzungs
frequenz sei seit dem Klinikaustritt von 1 Sitzung wöchentlich auf 1 Sitzung 14
täglich reduziert worden. Es sei anzunehmen, dass diese Reduktion aufgrund der Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes erfolgt sei. Psycho
pharmakologisch werde die Beschwerdeführerin lediglich mit Deprivita, einem Johanniskrautpräparat, behandelt. Optimalerweise wäre auch die Behandlung mit einem Antidepressivum, beispielsweise aus der SSRI-Reihe, zu empfehlen. Das therapeutische Potenzial könne insgesamt als noch nicht ausgeschöpft beurteilt werden. Unter Berücksichtigung all der erwähnten Faktoren und des bisherigen Verlaufs könne die Prognose aus rein psychiatrischer Sicht als offen bis nicht ungünstig beurteilt werden (S. 19).
Es liessen sich auch Ressourcen erkennen, diesbezüglich sei insbesondere die intakte psychosoziale Funktionsfähigkeit zu nennen. Die Beschwerdeführerin sei zudem vielseitig interessiert, sie lese gerne, vor allem Romane, aber auch regelmässig die Tageszeitung, zudem koche sie gerne. Sie backe und stricke auch gerne, obwohl letzteres wegen ihrer Schmerzen zurzeit nicht möglich sei. Zudem sei sie an Aktualitäten interessiert, sie informiere sich unter anderem auch mit dem Schauen von Nachrichtensendungen im
Fernseher. Schwerwiegende Psychopathologien, welche als Hinweise für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung gewertet werden könnten, liessen sich nicht nachweisen. Schwerwiegende psychiatrische Komorbiditäten liessen sich ebenfalls nicht nachweisen. Das Fähigkeitsniveau gemessen am Ratingbogen Mini-ICF-APP sei insgesamt aus rein psychiatrischer Sicht als leichtgradig einge
schränkt zu beurteilen. Insbesondere seien die Durchhaltefähigkeit, aber auch die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
,
als eingeschränkt zu beurteilen. Die übrigen Items des Ratingbogens Mini-ICF-APP könnten als nicht relevant eingeschränkt betrachtet werden. An Funktionseinschränkungen zu nennen seien die Beschwerden von Seiten der rezidivierenden depressiven Störung mit chronischem Verlauf und gegenwärtig leichtgradiger Episode ohne somatisches Syndrom. Diese führe zu einer verminderten psychophysischen Belastbarkeit und einer verminderten Arbeitsfähigkeit (S. 19).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
sowie in einer angepassten Tätigkeit
könne die Beschwerdeführerin 6.5 Stunden pro Tag anwesend sein
.
S
omit betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
sowie in einer angepassten
Tätigkeit 80
%
.
Retrospektiv, gleichzeitig approximativ, sei davon auszugehen, dass seit der definitiven Krankschreibung an Weihnachten 2020 bis zum Eintritt in die Klinik
C.___
am 2
7.
Juni 2022 eine etwa 40%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus rein psychiatrischer Sicht
bestanden habe
infolge einer gemittelten mittelgradigen depressiven Episode in diesem Zeitraum (S. 20 f.).
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung bei der Ausübung der Haushaltarbeiten, da die Beschwerdeführerin sich ihre Tätigkeiten diesbezüglich selber einteilen könne (S.
22).
Der rheumatologische Gutachter führte
in seinem Teilgutachten (
Urk.
8/49/28
45)
aus,
die Beschwerdeführerin habe ihre
Beschwerden konsistent zur Aktenlage geschildert. In der
klinischen
Untersuchung
hätten
sich dazu passende Befunde
gefunden
, wie sie auch schon in
früheren Berichten erwähnt worden s
eien
.
Darüber hinaus best
ünd
en auch deutliche klinische Zeichen von somatisch nicht
erklärbaren Schmerzen, nämlich die 4/5 positiven Waddell-Zeichen, die 8/9
schmerzhaften Fibromyalgie Druckpunkte auf der rechten Körperhälfte und die
pseudoneurologischen motorischen Ausfälle. Die ACR-Kriterien für ein Fibro
myalgie-Syndrom w
ü
rden nicht erfüllt, zudem besteh
e
bereits eine psychiatrische Diagnose, die
diese somatisch nicht erklärbaren Schmerzen beinhalte
(chronische Schmerzstörung
mit psychischen und somatischen Faktoren). Dieser Anteil der Beschwerden
sei
aus rein
rheumatologischer Sicht entsprechend nicht plausibel
(S. 13)
.
Im Sinne eines somatischen Kerns best
ünd
en weiterhin die klinischen Zeichen eines
spondylogenen Lumbalsyndroms rechts mit
Bewegungs
einschränkung
, lokaler
weichteilrheumatischer Reaktion und Lokalschmerz sowie nicht-dermatombezogener
Schmerzausstrahlung ins rechte Bein. Zusätzlich komm
e
es zu einer gleichartigen
Schmerzausstrahlung auf Druck im Bereich des dorsalen medialen Beckenkammes
rechts (SIPS) im Sinne eines Begleit
phänomens. Bei positivem Quadrantentest rechts
und früherem Soforteffekt auf das Lokalanästhetikum im Rahmen einer
Infiltrationsbehandlung sowie den radiologischen Zeichen einer aktivierten
Spondylarthrose
seien
diese Schmerzen im Sinne eines Facettensyndroms
rechts
zu interpretieren (S. 14)
.
Die durch
geführten Behandlungen
seien
angemessen
und auch angemessen gewesen
. Sie
seien
insofern
ausgeschöpft, als aus rheumatologischer Sicht keine weiteren Therapien vorgeschlagen
werden könn
t
en, die voraussichtlich das bestehende Beschwerdebild relevant
vermindern würden
(S. 15)
.
Aufgrund der Beurteilung eines somatischen Kerns müss
t
en sowohl quantitative als auch
qualitative Beeinträchtigungen attestiert werden. Der
Beschwerdeführerin seien
aus
gut
achterlicher rheumatologischer Sicht nur noch rückenadaptierte Tätigkeiten (keine
längerdauernden oder wiederholten Zwangshaltungen rekliniert oder vornüber geneigt,
keine repetitiven Bück- und Torsionsbewegungen) und in der Rege
l l
eichte bis
intermittierend mittelschwere Gewichtsbe
l
astungen
möglich
(S.
15)
.
Ohne Berücksichtigung der deutlichen
,
somatisch nicht erklärbaren Schmerzkomponente
m
üsse
dennoch aus gutachterlicher rheumatologischer Sicht eine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und der Leistungsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit von
insgesamt 50
%
attestiert werden, dies bezogen auf ein Pensum von 100
%
.
Diese Beurteilung g
el
t
e
entsprechend den Angaben in der Aktenlage seit Dezember 2020,
nachdem zuvor gemäss Angaben der
Beschwerde
führerin
eine dreimonatige vollständige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestanden ha
b
e. Die Einschränkung um
50
%
sei
vorerst als andauernd anzusehen.
Eine körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere und rücken
adaptierte Tätigkeit
sei
aus rheumatologischer
Sicht als angepasst anzusehen
(S.
16)
.
I
n einer angepassten Tätigkeit bestehe, wiederum ohne Berücksichtigung der deutlichen Zeichen somatisch nicht begründbarer Beschwerden, eine höhere Arbeitsfähigkeit als in der bisherigen Tätigkeit, die als nur teilweise rücken
adaptiert anzusehen sei. Geschätzt betrage die Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit 80
%
. Die Einschränkung von 20
%
begründe sich durch den erwähnten organischen Kern der Beschwerden im Sinne des chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechts. Entsprechend der obigen Begründung gelte die Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit von 20
%
seit Dezember 2020, vorerst andauernd
(S. 17)
.
3.6
Dr.
med.
F.___
, ärztlicher Leiter Schmerzklinik, Spital
G.___
, berichtete am 1
4.
März 2023 (
Urk.
8/58
/1-2
) über die ambulante Behandlung der Beschwerdeführerin und nannte folgende Hauptdiagnosen:
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
Migräne
Er führte aus, die Beschwerdeführerin habe leider von den Procain-Infusionen nicht profitiert.
Da die Rückenschmerzen eine klinisch typische spondylogene Symptomatik zeigen würden, sei noch einmal die Möglichkeit einer infiltrativen Therapie besprochen und Anfang März eine Blockade der medial branches durch
geführt worden
(vgl. hierzu
Urk.
8/58/3-4)
. Diese habe jedoch keinerlei Effekte gehabt, so dass keine weiteren Massnahmen indiziert seien.
3.7
Dr.
B.___
, Klinik
C.___
, berichtete am 1
2.
Mai 2023 (
Urk.
8/63) über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 1
4.
April bis 1
1.
Mai 2023
, nannte als Hauptdiagnose eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
und führte aus,
es sei auf die zusammenfassende Beurteilung vom Aufenthalt vom 2
7.
Juni bis 2
4.
Juli 2022 zu verweisen. Aus Sicht des fallführenden Psychiaters/Psychotherapeuten habe sich an der Situation nichts verändert. Die Situation erscheine bei der anstehenden versicherungsrechtlichen Auseinandersetzung sogar noch stärker blockiert als vor einem Jahr. Die geschilderte diskrete Entspannung der Situation sei als Folge des «timeouts» und dem damit verbundenen weniger unmittelbaren Erleben von Druck zu sehen.
Dazu komme der geregelte, die Beschwerdeführerin nicht überfordernde Tagesablauf und die sozialen Kontakte (S. 4).
Die bekannten Schmerzen hätten im Verlauf gewisse Schwankungen gezeigt, seien aber im Wesentlichen bestehen geblieben. Sobald es der Beschwerdeführerin etwas besser gehe, neige sie dazu
,
sich zu übernehmen, was dann die nächste Schmerz
zunahme/Enttäuschung provoziere. Die Beschwerdeführerin habe wieder etwas an Zuversicht und Selbstvertrauen gewonnen
,
und die Kraft und Ausdauer hätten verbessert werden können
(S. 4 f.)
.
3.8
Dr.
A.___
berichtete am 2
3.
Juni 2023 (
Urk.
8/71)
, nannte als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
und führte aus,
a
ufgrund der Symptomschwere bestehe aus psychiatrischer Sicht eine generelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Schmerzsymptomatik, die im Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu sehen sei, führe zu einer
verminderten psychophysischen Belastbarkeit
und Leistungsfähigkeit. Aus psych
iatrischer Sicht seien die Flexibilitäts-, Umstellungs-, Durchhalte- und Selbstbe
hauptungsfähigkeiten mittelgradig bis stark eingeschränkt. Die Schmerz
symptomatik sei anfangs im Rahmen der Depression interpretiert worden. Ab Januar 2018 seien zunehmend Schmerzen beklagt worden
, zuerst im Nacken
bereich, später dann auch lumbal bzw. sakral
. Die Schmerzsymptomatik sei immer mehr i
n den
Vordergrund des Zustandsbildes
getreten
.
Angesichts der Krankheitsentwicklung und der Chronifizierung der progredienten Schmerz
symptomatik sei diagnostisch von Komorbidität auszugehen. Trotz adäquater Therapie und einer motivierten und kooperativen Einstellung der Beschwerde
führerin zeige sich Therapieresistenz.
3.9
Dr.
F.___
, Spital
G.___
, berichtete am 2
8.
Juni 2023 (
Urk.
8/77)
, nannte die bekannten Diagnosen und führte aus, die durch die degenerative Wirbel
säulenerkrankung hervorgerufenen Schmerzen würden durch körperliche Belastung wie Stehen, Gehen und Lasten tragen deutlich verstärkt, so dass eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit im Servicebereich sicher nicht mehr gegeben sei.
Eine angepasste Tätigkeit ohne körperliche Belastung
und mit der Möglichkeit, immer wieder die Lage zu wechseln,
sei in einem Pensum von maximal 40-50
%
mit genügend langen Erholungspausen jedoch vorstellbar.
3.10
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, regionaler ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 2
1.
November 2023 Stellung (
Urk.
8/86/6)
und führte aus, es werde auf die RAD
Stellungnahme vom 1
5.
November 2022 verwiesen, gemäss welcher und gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung und eines chronischen lumbospondylogenen Schmerz
syndroms rechts eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als Servicekraft und eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit beurteilt worden sei.
Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung habe nicht bestätigt werden können. Die Diagnose und die Schmerzsymptomatik würden im Gutachten ausführlich diskutiert. In
der
Gesamtschau könne anhand der neu eingereichten Unterlagen keine Veränderung des medizinischen Sachverhalts eruiert werden. Bei der Beurteilung handle es sich um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts.
4.
4.1
Das bidisziplinäre Gutachten vom
November
2022 (vorstehend E. 3.
5
)
umfasst die Fachrichtungen Psychiatrie und Rheumatologie. Die Gutachter verfügen über den
entsprechenden Facharzttitel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit de
r
Beschwerde
führer
in
befähigt. Die Gutachter berücksichtigten sodann die geklagten Beschwerden und das Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
und erstellten ihr je
weiliges Teilgutachten in Kenntnis der Vorakten. Sowohl die gestellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit werden im Gutachten ausführlich begründet und sind nachvollziehbar. Damit erfüllt das Gutachten die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein medizinisches Gutachten (vorstehend E. 1.7) vollumfänglich, so dass für die Entscheidfindung darauf abzustellen ist.
4.2
Der rheumatologische Gutachter legte in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass d
ie
Beschwerdeführer
in
aus somatischer Sicht an einem
chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndrom rechts
mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit leide (vgl. vorstehend E. 3.
5
), welches klinisch
im Sinne eines Facetten
syndroms bei Facettengelenksarthrosen LWK 4/5 beidseits zu sehen sei und radiologisch nachvollzogen werden könne und somit die Belastungsfähigkeit
des Rückens vermindere.
Darüber hinaus
bestünden auch deutliche klinische Zeichen von somatisch nicht erklärbaren Schmerzen
, dieser Anteil der Beschwerden sei aus rein rheumatologischer Sicht entsprechend nicht plausibel
und
durch die psychiatrische Diagnose abgedeckt
.
Die dargelegten objektivierbaren Rücken
probleme führten zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit in einer schweren körperlichen Arbeit.
In der bisherigen Tätigkeit könne seit Dezember 2020 eine dauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
In leichter bis
intermittierend
mittelschwerer
und rückenadaptierter
Tätigkeit ergebe sich
seit Dezember 2020 eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
.
Die vom Gutachten abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
F.___
(vgl. vorstehend E.
3
.9)
, wonach eine angepasste Tätigkeit ohne körperliche Belastung maximal zu 40
50
%
vorstellbar sei,
wird nicht näher begründet oder durch eine eigene, sorg
fältig erläuterte und nachvollziehbare Befunderhebung gestützt.
Nach dem Gesagten vermögen die Ausführungen von Dr.
F.___
die
nachvollziehbare und schlüssige
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch den
rheumatologischen
Gutachter nicht umzustossen. Ausserdem bleibt anzumerken, dass a
ufgrund der unter
schiedlichen Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach
)Arztes und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten medizinischen Experten es
rechtsprechungsgemäss
nicht geboten ist, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderen Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine klärende Ergänzung des medi
zinischen Dossiers oder direkt eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die
behandelnden Ärzte wichtige, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom 7. September 2012 E. 8.4). Solches liegt vorliegend nicht vor.
Zusammen
fassend kann demnach festgehalten werden, dass der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht die bisherige Tätigkeit im Umfang von 50
%
und eine ange
passte Tätigkeit gemäss Belastungsprofil zu 80
%
zumutbar ist.
4.3
Der psychiatrische Gutachter nannte in seinem Teilgutachten (vgl. vorstehend E.
3.
5
) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung mit chronischem
V
erlauf und gegenwärtig leicht- bis mittel
gradiger Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.0/1) und ging davon aus,
dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in der bisherigen Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig sei und aus psychiatrischer Sicht keine Merkmale zu nennen seien, die bei einer Tätigkeit berücksichtigt werden müssten
,
wobei
unter Einhaltung der empfohlenen Massnahmen mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer weiteren Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes ausge
gangen werden könne (
Urk.
8/49/5-27
S. 20 ff.).
Auch das psychiatrische Teilgutachten erfüllt die formalen Beweisanforderungen (vgl. vorstehend E. 1.7) und ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis sowie Würdigung der Vorakten (Anamnese) abgegeben. Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen, weshalb darauf abgestellt werden kann.
Insbesondere zeigt sich anhand de
r Würdigung von
Dr.
E.___
der Fähigkeiten und Ressourcen der Beschwerdeführerin eine
differenzierte und sorgfältige Einordnung der Beein
trächtigung de
r
Beschwerdeführer
in
(S. 19 f.)
.
Eine entsprechende Prüfung ergibt, dass der psychiatrische Gutachter die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.4) in seine Beurteilung
einbezogen hat.
4.4
Der psychiatrische Gutachter setzte sich rechtsgenüglich mit der divergierenden Beurteilung durch d
ie
behandelnde Psychiater
in
Dr.
A.___
auseinander
und die
gestellte Diagnose wurde ausführlich
hergeleitet und begründet
. Der psych
iatrische Gutachter erklärte zudem, aus welchen Gründen die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne
(S.
1
6
ff.).
Weiter hat sich der psychiatrische Gutachter
einlässlich mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung befasst (
S. 13 f.,
S.
17 f.,
S.
19
) und sich zum bisherigen Behandlungserfolg geäussert (S.
19
). Er legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass d
ie
Beschwerdeführer
in
in der Untersuchung
im klinischen Eindruck
eine mehrheitlich ausgeglichene Stimmung präsentiert habe, beim Gespräch über die Schmerzen und die depressiven Beschwerden die Stimmung jedoch zeitweise leicht bedrückt
gewesen
sei. Insgesamt sei die affektive Modulationsfähigkeit als leichtgradig eingeschränkt zu beurteilen, nicht jedoch die Vitalität. Die Beschwerdeführerin hinterlasse einen vitalen Eindruck. Der Schweregrad der Depression sei aktuell als leichtgradig zu beurteilen. Dazu passend sei die Tatsache, dass sich keine andauernd bedrückt-traurige oder gereizt-aggressive Stimmung und auch keine andauernd verminderte Energie sowie keine Freud- und Interesselosigkeit nachweisen liessen
(S. 17)
.
Bei der Beschwerdeführerin seien
konkrete psychopathologische Befunde vorhanden, welche die zur Diagnosestellung einer depressiven Episode notwendigen Kriterien erfüllten. Aufgrund der längeren Dauer der depressiven Beschwerden sei in dia
gnostischer Hinsicht von einer rezidivierenden depressiven Störung auszugehen. Die nicht durch die körperliche Störung erklärbaren Schmerzen könnten als Ausdruck der Depression gewertet werden (S. 17).
Zum Aspekt der Persönlichkeit kann dem Gutachten entnommen werden,
dass sich schwerwiegende Psycho
pathologien, welche als Hinweise für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung gewertet werden könnten, nicht nachweisen liessen.
Schwerwiegende psych
iatrische Komorbiditäten liessen sich ebenfalls nicht nachweisen (S. 19).
Zum sozialen Kontext ist dem Gutachten zu entnehmen, dass
die psychosoziale Funktionsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
in der Beziehung mit der Tochter und drei Freundinnen/Arbeitskolleginnen und einer Nachbarin sowie mit ihren Geschwistern als intakt beurteilt werden könne. Sozial könne die Beschwerde
führerin insgesamt als gut integriert betrachtet werden
(S. 15)
.
Es liessen sich
auch
Ressourcen erkennen. Diesbezüglich sei insbesondere die
erwähnte
intakte
psychosoziale Funktionsfähigkeit zu nennen. Ausserdem sei die Beschwerde
führerin vielseitig interessiert, sie lese gerne, vor allem Romane, aber auch regelmässig die Tageszeitung, sie koche gerne, sie backe und stricke auch gerne, obwohl letzteres wegen ihrer Schmerzen zurzeit nicht möglich sei. Zudem sei sie an Aktualitäten interessiert (S. 19)
. Bezüglich
Behandlungs- und Ein
gliederungserfolg
könne nicht von einer Nicht-Inanspruchnahme von medizinischen-therapeutischen Leistungen ausgegangen werden, da sich die Beschwerdeführerin seit dem Jahre 2017 in ununterbrochener psych
iatrischer/psychotherapeutischer Behandlung befinde. Psychopharmakologisch werde die Beschwerdeführerin lediglich mit Deprivita, einem Johannis
krautpräparat, behandelt. Optimalerweise wäre auch die Behandlung mit einem Antidepressivum zu empfehlen
. Das therapeutische Potential könne insgesamt als
noch nicht ausgeschöpft beurteilt werden
(S. 16, S. 19).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz. Im psychiatrischen Teilgutachten wurde
mit beispielhafter Aufzählung
ausgeführt,
dass die Angaben der Beschwerdeführerin nicht immer als konsistent beurteilt werden könnten. Ihre Angaben seien zweitweise etwas vage. Nichtsdestotrotz lasse sich aus psychiatrischer Sicht ein Leidensdruck erkennen. Es müsse indes von einer gewissen ungleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen ausgegangen werden (S. 15 f.).
Die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit (S.
20
f.) ist schliesslich so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE
141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich der Gutachter an die massgebenden normativen Rahmen
bedingungen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägigen Ind
i
katoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nachweisen. Mithin erfüllt das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vorstehend E. 1.7) als auch diejenigen des strukturierten Beweisverfahrens (vor
stehend E. 1.3-1.4). Somit ist betreffend die Diagnose
n
sowie die Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
4.5
Anhaltspunkte dafür
, dass das bidisziplinäre Gutachten nicht verwertbar wäre, sind
nicht zu erkennen.
Auch mit de
r
in diagnostischer und leistungsrelevanter Hinsicht
divergierenden Meinung durch
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.8) vermag die Beschwerdeführerin nicht durchzudringen.
Dr.
A.___
begründete die von ihr attestierte generelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit
lediglich
mit der Symptom
schwere, ohne sich
zu einer detaillierten funktionellen Leistungsprüfung
(Bilanzierung von Defiziten und Ressourcen)
zu äussern. Ihre Ausführungen beziehen sich lediglich auf Einschränkungen und Beeinträchtigungen im Alltag beziehungsweise der Haushaltsarbeit
(vgl.
Urk.
8/
71 S. 2)
.
Eine nachvollziehbare und schlüssige sowie durch entsprechende Befunde untermauerte Begründung für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in einer ausserhäusliche
n
Tätigkeit kann ihrem Bericht jedoch nicht entnommen werden.
Sie nimmt denn auch nicht Stellung,
inwiefern das Gutachten beziehungsweise die Schlussfolgerungen darin nicht zu überzeugen vermöchten.
Angesichts des Umstandes, dass die Frage nach der noch zumutbaren Arbeitsleistung rechtsprechungsgemäss nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung (und nicht gestützt auf die Diagnose) zu beurteilen ist, ist vorliegend auf die gutachterliche Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit, welche im Einklang mit den erhobenen Befunden erging, abzustellen. Der psychiatrische Gutachter hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf ob
jektivierter Grundlage erfolgt.
4.6
Insgesamt gibt es demnach keinen Grund, von den nachvollziehbaren und über
zeugenden Schlussfolgerungen der Gutachter abzuweichen und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten, dass d
ie
Beschwerde
führer
in
in der angestammten Tätigkeit
von Dezember 2020 bis 2
6.
Juni 2022
zu
5
0
%
und vom 2
7.
Juni 2022 bis 2
4.
Juli 2022 zu 100
%
arbeitsunfähig war und seither andauernd
zu
50
%
arbeitsunfähig ist. I
n einer angepassten Tätigkeit gemäss beschriebenem Belastungsprofil
bestand von Dezember 2020 bis 2
6.
Juni 2022 eine 40%ige und vom 2
7.
Juni 2022 bis 2
4.
Juli 2022 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit und seither andauernd eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit.
Der
Gesundheitszustand de
r
Beschwerdeführer
in
wurde sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht ausreichend abgeklärt. In antizipierter Beweis
würdigung sind keine weiteren Abklärungen nötig (BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hin
weisen), da nicht davon auszugehen ist, dass weitere medizinische Abklärungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Ergebnis führen würden.
Nach dem Gesagten ist die IV-Stelle zu Recht von der im bidisziplinären Gutachten attestierten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen und hat gestützt darauf den Leistungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
mittels Ein
kommensvergleich
s
festgestellt.
5.
5.1
Hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation der Beschwerde
führerin (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.2-2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b) kam die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass diese als zu 80
%
Erwerbstätige und zu 20
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren sei (vgl.
Urk.
2 S. 2;
Urk.
8/13,
Urk.
8
/
86 S. 6
).
Dies wurde von der Beschwerde
führerin nicht bestritten und gibt aufgrund der Akten zu keinen Beanstandungen Anlass (vgl.
Urk.
8/
49/15).
Für die Beurteilung der Statusfrage haben sich Gericht und Verwaltung insbesondere am unmittelbar vor Eintritt des Gesundheits
schadens geleisteten Arbeitspensum zu orientieren (Urteil des Bundesgerichts 8C_122/2018 vom 2
7.
August 2018 E. 4.3). Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypo
thetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 1
1.
Mai 2021 E. 3.2). Aus den vorhandenen Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit fachärztlich
frühestens
erstmals im
Jahre
2017
attestiert wurde (vgl.
Urk.
8
/
32).
Für die Zeit davor ist nach Lage der Akten weder eine Arbeitsunfähigkeit noch ein (invaliditäts)
relevanter Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
wiesen.
Mit Blick auf die
Erwerbsbiographie
war die Beschwerdeführerin seit 2009 teilzeitlich in einem Pensum von 80
%
erwerbstätig (vgl.
Urk.
8/49/15).
Auch im Zeitpunkt der IV-Anmeldung lässt sich
zweifelsfrei
ein Pensum von 80
%
er
kennen (vgl.
Urk.
8/2
Ziff.
5.4,
Urk.
8/9
).
5.2
Auf die Durchführung einer Haushaltsabklärung zur Ermittlung der konkreten Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushalt verzichtete die Be
schwerdegegnerin
.
Bei im Haushalt tätigen Personen mit Teilerwerbstätigkeit nimmt die IV-Stelle grundsätzlich eine Abklärung vor Ort vor, wobei auf eine solche unter Angabe einer kurzen Begründung im Dossier verzichtet werden kann, wenn die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person sowie die Auswirkungen des Gesundheitszustandes bereits genügend bekannt und aktenmässig belegt sind (vgl. Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], gültig ab
1.
Januar 2022, Stand
1.
Januar 2024, Rz. 3041-3042). Ein Abklärungs
bericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person – wie vorliegend die Beschwerdeführerin
–
massgeblich
an psychischen Beschwerden leidet. Widersprechen sich die Ergeb
nisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundes
gerichts 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der psychiatrischen Begutachtung
bei der Schilderung des Tagesablaufs
an,
sie bereite am Mittag eine Mahlzeit für sich selbst, aber auch für ihre Tochter und deren Freund zu. Am Nachmittag erledige
sie Haushaltsarbeiten. Diese erledige sie alleine. Zu Hause sei es sauber und aufge
räumt. Die Tochter (
28-jährig,
mit welcher sie zusammen
in einer dreieinhalb-Zimmer Mietwohnung lebe
,
)
helfe ihr man
c
h
mal beim Erledigen der Haushalts
arbeiten. Vor allem die körperlich schweren Tätigkeiten
übernehme
die Tochter
(
Urk.
8/49/15-16).
Angesichts dessen und der aus fachärztlicher Sicht attestierten hohen Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich von 80
%
ist es deshalb nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin
auf eine Abklärung vor Ort verzichtet und eine Einschränkung im Haushaltsbereich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verneint hat.
Der psychiatrische Gutachter hielt zudem fest, dass aus rein psych
iatrischer Sicht keine Einschränkung bei der Ausübung der Haushaltsarbeiten bestehe, da die Beschwerdeführerin sich ihre Tätigkeiten diesbezüglich selber ein
teilen könne (
Urk.
8/49/26).
5.
3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdeführerin somit mit dem im Sozialver
sicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit als zu 80
%
Erwerbstätige und zu 20
%
im Haushalt Tätige zu qualifizieren. Eine (relevante) Einschränkung im Haushaltsbereich ist nicht überwiegend wahr
scheinlich ausgewiesen.
6.
6.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wobei bei festgestellter Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 80
%
Erwerbstätige und zu 20
%
im Haushalt Tätige (vorstehend E. 5.
3
) der Invaliditätsgrad in An
wendung der gemischten Methode im Sinne von
Art.
28a
Abs.
3 IVG zu bemessen ist.
6.2
Bei der Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens (vgl. BGE
145 V 141
E.
5.2.1, 139 V 28 E.
3.3.2, 135 V 58 E.
3.1, 134 V 322 E.
4.1
) stützte sich die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
8/53,
Urk.
8/88,
Urk.
2 S. 2)
auf die Angaben im Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
8/9)
. Demnach betrug das Jahreseinkommen der Beschwerdeführerin im Jahr 2019
brutto
Fr.
52'717.5
0.
Die Beschwerdegegnerin berechnete für das Jahr 2021 unter Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung ein Einkommen von
Fr.
53'511.20
sowie für das Jahr 2022 ein Einkommen von
Fr.
53'832.30
(vgl.
Urk.
8/53).
Aufgerechnet auf 100 % betrage das Valideneinkommen somit Fr. 66'889
.
-- im Jahr 2021 beziehungsweise
Fr.
67'290.35 im Jahr 202
2.
Dies ist aufgrund der Akten nicht zu beanstanden.
6.3
Für das Invalideneinkommen
zog
die Beschwerdegegnerin die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohn
strukturerhebungen (LSE)
heran
, wobei sie auf den Zentralwert der Löhne für
Frauen in der untersten Kategorie in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abstellte. Da grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten LSE-Tabellen zu verwenden sind (BGE 143 V 295 E. 4.13), sind die am 2
3.
August 2022 vom Bundesamt für Statistik publizierten Tabellen der LSE 2020 heranzuziehen. Demnach betrug der durchschnittliche Monatslohn von
Frauen in der untersten Kategorie in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
im Jahr 2020
Fr.
4'276.-- (LSE 2020, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1). Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2021 von 41.7 Stunden sowie der Nominallohnentwicklung bei den Frauen im Jahr 2021 von 0.6
%
angepasst, ergibt dies im Jahr 2021 ein hypothetisches
Invaliden
einkommen in einem Vollzeitpensum von rund
Fr.
53'814.-- (
Fr.
4'276.-
x 12 : 40 x 41.7 + 0.6
%
)
,
sowie im Jahr 2022 von
Fr.
54'136.60
(
Fr.
4'276.-- x 12 : 40 x 41.7 + 0.6
%
+ 0.6
%
). In dem der Beschwerdeführerin zumutbaren
60%-Pensum im Jahr 2021 ergibt dies ein Invalideneinkommen von
Fr.
32'288.
25
und in dem zumutbaren 80%-Pensum im Jahr 2022 ein Invaliden
einkommen von
Fr.
43'309.3
0.
Angesichts der Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin erscheint das Abstellen auf die Tabellenlöhne und dabei auf den Zentralwert für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschafts
zweigen gerechtfertigt.
6.4
Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens, aufgerechnet auf 100 %, von Fr. 66'889.-- und des Invalideneinkommens von
Fr.
32'288.
25
resultiert für die Zeit bis Juli 2022 eine Erwerbseinbusse von Fr. 34'600.
75
und somit eine Einschränkung von rund
52
%, was bei der massgebenden Gewichtung des Erwerbsbereichs mit
8
0 % einen Teilinvaliditätsgrad von
rund
4
2
%
(
52
x 0.
8
0)
ergibt.
Für die Zeit ab Oktober 2022 (unter Berücksichtigung von drei Monaten ab Zeitpunkt der Verbesserung des Gesundheitszustandes ab Juli 2022) resultiert aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens, aufgerechnet auf 100 %, von Fr. 67'290.35 und des Invalideneinkommens von
Fr.
43'309.30 eine Erwerbs
einbusse von Fr. 23'981.05 und somit eine Einschränkung von rund 36 %, was bei der massgebenden Gewichtung des Erwerbsbereichs mit 80 % einen Teil
invaliditätsgrad von rund 29
%
(36 x 0.80) ergibt.
Im Haushaltsbereich liegt keine relevante Einschränkung vor, womit sich ein Gesamtinvaliditätsgrad von rund 42
%
beziehungsweise 29
%
und damit
mit Wirkung ab
1.
Dezember 2021 bis 3
0.
September 2022 (unter Berücksichtigung
von drei Monaten ab Zeitpunkt der Verbesserung gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
ein Anspruch
auf eine Viertelsrente
ergibt.
Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung richtigerweise auf die Grundsätze zur Beurteilung des Eingliederungsbedarfs, wenn eine Herabsetzung oder Aufhebung des Rentenanspruchs von über 55
jährigen versicherten Personen im Raum steht, hingewiesen
hat
(
Urk.
7)
. Angesichts
der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit und
dem Vorbringen der Beschwerdeführerin, aufgrund ihrer Schmerzen keiner Arbeit mehr nachgehen zu können
(
Urk.
1,
Urk.
8/49/19,
Urk.
8/51), befand die Beschwerdegegnerin korrekterweise den Eingliederungswillen bzw. die subjektive Eingliederungs
fähigkeit als nicht gegeben
.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der beschwerdeführenden Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensSchüpbach