# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90fedb69-25c2-5c41-8eed-a9d64c0d31c2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2010 D-7587/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7587-2010_2010-10-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7587/2010
law/joc/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A.__________, geboren (...),
Nigeria,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7587/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom 15. Oktober  2010  –  eröffnet  am 
22. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf  das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers vom 17. August  2010 nicht  eintrat,  die Weg-
weisung  nach  Italien  verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  An-
drohung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen,  feststellte,  der  Kanton  Luzern  sei  verpflichtet,  die  Wegwei-
sungsverfügung zu vollziehen,  und eine allfällige  Beschwerde gegen 
die  vorliegende  Verfügung  habe  keine  aufschiebende  Wirkung,  und 
dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aushändigte,

dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  mit  einer  in 
Englisch  verfassten,  handschriftlich  in  deutscher  Sprache  ergänzter 
Formularbeschwerde  vom  25.  Oktober  2010  (Datum  Poststempel) 
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  mit  Verfügung  vom 
26. Oktober 2010 vorsorglich aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 27. Oktober 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht vollständig eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-

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schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass  Parteieingaben  in  Verfahren  vor  den  Behörden  des  Bundes  in 
einer  Amtssprache –  in  der  Regel  Deutsch,  Französisch oder  Italie-
nisch  –  abzufassen  sind  (Art.  70  Abs. 1  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 BV, [SR 101] 
und Art. 33a Abs. 1 VwVG), 

dass die eingereichte Formularbeschwerde in ihrem vorfabrizierten Teil 
zwar in Englisch und damit nicht in einer Amtssprache verfasst ist, aus 
prozessökonomischen Gründen auf eine Übersetzung der diesbezüg-
lichen Passagen der Beschwerde jedoch verzichtet werden kann, da 
sie verständlich sind, und sich im Übrigen aus dem handschriftlich in 
deutscher  Sprache  angebrachten  individuellen  Ergänzungen  ohne 
weiteres ergibt, weshalb der Beschwerdeführer sinngemäss beantragt, 
die Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2010 sei aufzuheben und auf 
sein Asylgesuch sei einzutreten, 

dass somit auf die frist-  und – abgesehen vom sprachlichen Mangel 
– formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

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dass  sich  aus  den  Akten  beziehungsweise  den  Aussagen  des  Be-
schwerdeführers ergibt, dass dieser in Italien (Brindisi) am 28. Oktober 
2008  Asylgesuch  einreichte  und  entsprechend  in  der  EURODAC 
Datenbank erfasst worden ist,

dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Verordnung 
Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist [Dublin-II-VO]), gestützt auf Art. 16 
Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO erfolgten Anfrage um Wiederaufnahme des 
Beschwerdeführers  vom 7. September  2010,  Italien zu Recht  als  für 
die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass  soweit  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  er  habe  keine 
Zukunft in Italien, er habe dort auf der Strasse schlafen müssen und 
keinen Job und keine Papiere gehabt,  festzustellen ist,  dass Dublin-
Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unterbringung von 
den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich  – 
neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorga-
nisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  an-
nehmen,

dass  beispielsweise  die  Organisation  Arciconfraternita  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
(Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechts-
beratung anbietet,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 

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dass  unter  diesen  Umständen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür 
ersichtlich sind, die darauf hindeuten, der Beschwerdeführer würde im 
Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,

dass im Übrigen  allein  die  Beteuerungen des Beschwerdeführers  in 
der Eingabe vom 25. Oktober 2010, er sei kein schlechter Mensch, er  
habe in der Schweiz nie für Unruhe gesorgt, habe keine Drogen ver-
kauft  und  er  sei  willens,  zu  arbeiten  und  ein  geregeltes  Leben  zu 
führen,  keinen  Grund  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  der 
Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) bilden,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

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dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...) 

(per Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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