# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33705549-4b3d-5b0b-b97b-44a6469ddccb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 21.02.2023 S 2022 125
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-125_2023-02-21.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 125

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterInnen von Salis und Audétat

Aktuarin Parolini

URTEIL

vom 21. Februar 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Procap Schweiz,

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____ (Jahrgang 1963) war zuletzt als Ökonomieangestellte bei der 

Stiftung B._____ tätig. Im Sommer 2013 begab sie sich wegen Schulter- 

und Rückenbeschwerden in hausärztliche Behandlung. Nachdem sie eine 

stationäre Rehabilitation in den Kliniken C._____ durchgeführt hatte, 

meldete sie sich im Juni 2014 bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden 

(nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese veranlasste neben 

einer Haushaltsabklärung auch eine psychiatrische Abklärung beim 

Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Mit Bericht vom 10. April 2015 

diagnostizierte RAD-Arzt D._____ eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung. Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte A._____ 

den Bericht der Kliniken C._____ vom 12. Juni 2015 zur interdisziplinären 

Schmerzsprechstunde vom 25. Mai 2015 ein. Darin wurden neben dem 

bereits früher diagnostizierten zerviko- und lumbospondylogenen sowie 

thorakovertebragenen Schmerzsyndrom neu ein Fibromyalgiesyndrom 

und eine Anpassungsstörung diagnostiziert.

2. Mit Verfügung vom 2. März 2016 wies die IV-Stelle das 

Leistungsbegehren ab und verneinte einen Anspruch auf eine 

Invalidenrente. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

bestätigte diesen Entscheid mit Urteil S 16 43 vom 9. März 2017 im 

Ergebnis, hielt jedoch dafür, dass der Invaliditätsgrad nicht anhand der 

gemischten Methode, sondern anhand der allgemeinen Methode des 

Einkommensvergleichs bei einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit von maximal 20 % zu bemessen ist. 

3. Ende September 2020 meldete sich A._____ erneut bei der IV-Stelle zum 

Leistungsbezug an, nachdem sie ab dem 15. Mai 2020 infolge psychischer 

Beschwerden krankgeschrieben worden war. Ihre behandelnde 

Psychiaterin Dr. med. E._____ führte mit Bericht vom 17. November 2020 

aus, A._____ habe Anfang Mai bei einer bevorstehenden 

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Umstrukturierung an ihrem Arbeitsplatz mittelgradige depressive 

Symptome aufgrund von Ängsten entwickelt. Im Vorfeld sei es am 

Arbeitsplatz zu Schwierigkeiten mit Mitarbeitenden und Vorgesetzten 

gekommen. Sie sei ohne ihr Einverständnis in eine andere Abteilung 

eingeteilt worden. Nebst einer rezidivierenden depressiven Störung leide 

sie seit vielen Jahren an einer Fibromyalgie. Desgleichen berichtete 

Dr. med. E._____ am 22. März 2021, aufgrund einer für A._____ 

unverständlichen Kommunikation bezüglich Arbeitsplatzwechsel, den sie 

als Ausgrenzung empfunden habe, und der damit verbundenen 

Überforderung habe sie eine mittelgradige depressive Episode entwickelt, 

die bis heute anhalte.

4. Mit Mitteilung vom 15. April 2021 schloss die IV-Stelle die 

Eingliederungsmassnahmen ab, nachdem sich A._____ nicht in der Lage 

gesehen hatte, an solchen teilzunehmen, was Dr. med. E._____ 

bestätigte.

5. In der Folge liess die IV-Stelle A._____ polydisziplinär in den 

Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie 

sowie Psychiatrie und Psychotherapie begutachten und eine Evaluation 

der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchführen. Der Auftrag wurde 

dabei der medaffairs AG zugeteilt (nachfolgend medaffairs-Gutachten). In 

der am 11. April 2022 erstatteten Expertise wiesen die Gutachterinnen und 

Gutachter eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung, eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, sowie 

eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit aus, die sie als sowohl in der bisherigen Tätigkeit als auch 

in jeder angepassten Tätigkeit für aufgehoben befanden.

6. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung durch den RAD-Arzt F._____ 

vom 20. April 2022, der das medaffairs-Gutachten als Andersbeurteilung 

des gleichen Sachverhalts einstufte, stellte die IV-Stelle A._____ mit 

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Vorbescheid vom 22. Juni 2022 einen negativen Rentenentscheid in 

Aussicht, da sich der Gesundheitszustand gemäss ihren Abklärungen 

nicht wesentlich verändert habe. Dagegen erhob A._____ am 17. August 

2022 Einwand und beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente. 

Daraufhin teilte die IV-Stelle am 14. September 2022 mit, es sei eine 

neuropsychologische Abklärung bei lic. phil. G._____ notwendig. Diese 

Mitteilung löste einen ausgedehnten Schriftenwechsel zwischen A._____ 

und der IV-Stelle aus. Mit Mahnschreiben vom 1. November 2022 forderte 

die IV-Stelle A._____ letztlich auf, den Termin für die neuropsychologische 

Abklärung einzuhalten und an der Abklärung aktiv mitzuwirken, 

andernfalls sie in Kauf nehme, dass aufgrund der Akten entschieden oder 

auf das Gesuch nicht eingetreten werde. Nachdem A._____ nicht an der 

neuropsychologischen Begutachtung teilgenommen hatte, verneinte die 

IV-Stelle mit Verfügung vom 14. November 2022, in Abweisung des 

Leistungsbegehrens, einen Rentenanspruch.

7. Dagegen gelangte A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 

25. November 2022 mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden und liess die Aufhebung der Verfügung vom 

14. November 2022 sowie die Zusprache einer ganzen Invalidenrente 

beantragen. Eventualiter seien durch das Gericht weitere Abklärungen 

vorzunehmen. Begründend brachte sie zum Vorliegen eines 

Revisionsgrundes namentlich vor, sowohl ihre behandelnde Psychiaterin 

Dr. med. E._____ als auch die begutachtende Psychiaterin Dr. med. 

H._____ seien der Ansicht, dass sich ihre Arbeitsfähigkeit verschlechtert 

habe. Sie begründeten dies nachvollziehbar damit, dass ihre Ressourcen, 

die notwendig seien, um erfolgreich die therapeutisch erlernten Coping-

Strategien anzuwenden, sich über die Jahre immer mehr vermindert und 

nunmehr aufgebraucht seien. Die Stellungnahme von RAD-Arzt F._____ 

stehe im Widerspruch zu den Vorakten und zum medaffairs-Gutachten, 

basiere nicht auf einer persönlichen Untersuchung und enthalte mangels 

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fachlicher Qualifikation unqualifizierte Aussagen. Demgegenüber sei das 

medaffairs-Gutachten nachvollziehbar, sei von Fachärztinnen und -ärzten 

erstellt, setze sich mit den Vorakten auseinander und sei einleuchtend 

begründet. Zudem sei das Vorgehen der IV-Stelle im Nachgang zu ihrem 

Einwand gegen den Vorbescheid widersprüchlich, willkürlich und verletzte 

ihren Anspruch auf rechtliches Gehör. Es gehe nicht an, zunächst mit dem 

Vorbescheid einen materiellen Entscheid in Aussicht zu stellen und 

danach, nachdem dagegen Einwände materieller Art eingegangen seien 

und ein materieller Entscheid anbegehrt worden sei, plötzlich weiteren 

Abklärungsbedarf zu sehen. Es leuchte auch nicht ein, weshalb die IV-

Stelle eine neuropsychologische Untersuchung für angezeigt gehalten 

habe. Die medaffairs-Gutachterinnen und -Gutachter hätten zu keinem 

Zeitpunkt eine neuropsychologische Begutachtung zusätzlich für 

notwendig erachtet, noch würden sich aus dem Gutachten Hinweise auf 

neuropsychologische Probleme ergeben. Auch in den Vorakten fänden 

sich nirgends entsprechende Anhaltspunkte. Von einer Verletzung der 

Mitwirkungspflicht könne daher nicht die Rede sein. Auch sei die IV-Stelle 

nicht auf ihre Argumente eingegangen. Ein solches Vorgehen sei nicht mit 

den Grundsätzen eines fairen Verfahrens, insbesondere nicht mit dem 

Anspruch auf rechtliches Gehör vereinbar.

8. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 14. Dezember 2022 auf Abweisung der 

Beschwerde. Zur Begründung verwies sie primär auf die Verfügung vom 

14. November 2022. Ergänzend führte sie namentlich aus, es sei nicht zu 

beanstanden, wenn sie in Würdigung der gesamten Akten, unter anderem 

aufgrund des medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022, der RAD-

Beurteilung vom 20. April 2022 und des Einwands vom 17. August 2022 

zur Erkenntnis gekommen sei, dass weiterer Abklärungsbedarf bestehe, 

weil das medaffairs-Gutachten die Frage, ob sich der Gesundheitszustand 

der Beschwerdeführerin seit dem 2. März 2016 wesentlich verändert habe, 

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nicht ausreichend beantworte. Sie habe mehrmals dargelegt, weshalb die 

Sache nicht spruchreif und eine neuropsychologische Abklärung 

notwendig sei.

9. Die Beschwerdeführerin liess sich trotz der ihr eingeräumten Frist zur 

Einreichung einer Replik nicht mehr vernehmen.

Auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die 

weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit 

entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 14. September 2022 (Akten der 

Beschwerdeführerin [Bf-act.] 2, Akten der IV-Stelle [IV-act.] 164). Eine 

solche Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das 

Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als dem örtlich und 

sachlich zuständigen Versicherungsgericht angefochten werden (Art. 49 

Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; 

BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle 

Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen 

Verfügung unmittelbar betroffen, und sie hat ein schutzwürdiges Interesse 

an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur 

Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). 

Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 

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Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b 

ATSG). Darauf ist somit einzutreten.

2. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin 

zu Recht einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente 

verneint hat. Ein solcher würde angesichts der Anmeldung im September 

2020 gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. März 2021 

entstehen (d.h. sechs Monate nach Geltendmachung des 

Leistungsanspruchs), sofern bis dahin das Wartejahr erfüllt ist (Art. 28 

Abs. 1 lit. b IVG). Diesbezüglich ist den Akten zu entnehmen, dass der 

Beschwerdeführerin eine seit dem 15. Mai 2020 bestehende, 

durchgehende Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von 100 % 

bescheinigt wurde (vgl. IV-act. 57, 66, 72, 103 f.). Demnach ist das 

Wartejahr als im Mai 2021 erfüllt zu betrachten, womit ein Rentenanspruch 

– wie bereits in der angefochtenen Verfügung festgehalten (vgl. Bf-act. 2 

und IV-act. 164 S. 2) – ab dem 1. Mai 2021 entstünde, sofern dannzumal 

ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vorgelegen hat (vgl. Art. 28 

Abs. 1 lit. c IVG).

3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene 

Rentenanspruch seine Begründung jedoch noch vor dem 1. Januar 2022 

fände, sind die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Bestimmungen massgebend (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur 

Änderung vom 19. Juni 2020; Kreisschreiben über Invalidität und Rente in 

der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab dem 1. Januar 2022, 

Rz. 9101). Dies ergibt sich aus den allgemeinen Grundsätzen des 

intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden Sachverhalts (vgl. 

statt vieler: BGE 146 V 364 E.7.1, BGE 144 V 210 E.4.3.1 und BGE 129 

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V 354 E.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 22. März 2022 

E.2.2).

4. Vorab ist auf die formellen Vorbringen der Beschwerdeführerin näher 

einzugehen. 

4.1. Zunächst rügt diese eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches 

Gehör, weil die Beschwerdegegnerin auf ihre Argumente im Einwand für 

einen materiellen Entscheid gestützt auf das medaffairs-Gutachten bzw. 

auf ihr Anliegen, für den Fall eines Nichtabstellens auf das Gutachten den 

Expertinnen und Experten Rückfragen zu stellen, nicht eingegangen sei.

4.1.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) umfasst als 

Mitwirkungsrecht all jene Befugnisse, die einer Betroffenen einzuräumen 

sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann 

(BGE 144 II 427 E.3.1, BGE 135 II 286 E.5.1). Daraus folgt das Recht auf 

Einsicht in die Akten (BGE 144 II 427 E.3.1, BGE 132 II 485 E.3.1), sich 

vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur 

Sache zu äussern sowie der Anspruch auf Abnahme der rechtzeitig und 

formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel (BGE 144 II 427 

E.3.1, BGE 140 I 99 E.3.4). Die Behörde hat die Vorbringen der vom 

Entscheid in ihrer Rechtsstellung Betroffenen tatsächlich zu hören, zu 

prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen (BGE 146 II 335 

E.5.1, BGE 136 I 229 E.5.2).

4.1.2. Der Beschwerdeführerin ist zwar darin zuzustimmen, dass die 

Beschwerdegegnerin sich in den verschiedenen, im Rahmen des 

Vorbescheidverfahrens verfassten Schreiben nicht ausdrücklich mit den 

beschwerdeführerischen Argumenten für einen materiellen 

Rentenentscheid gestützt auf das medaffairs-Gutachten auseinandersetzt 

hat. Dasselbe gilt bezüglich des für den Fall, dass die 

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Beschwerdegegnerin weiterhin nicht auf die polydisziplinäre Expertise 

abstelle, formulierten Anliegens, den Gutachterinnen und Gutachtern 

Rückfragen zu stellen (vgl. Schreiben vom 9. September 2022 [IV-

act. 143], Mitteilung vom 14. September 2022 [IV-act. 144], Schreiben 

vom 30. September 2022 [IV-act. 153] und Mahnschreiben vom 

1. November 2022 [IV-act. 157]). Allerdings ging die Beschwerdegegnerin 

in der Verfügung vom 14. November 2022, wenn auch kurz, darauf ein. 

Dabei war sie rechtsprechungsgemäss auch nicht gehalten, sich mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinanderzusetzen und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich zu widerlegen (vgl. BGE 148 III 30 E.3.1, 

BGE 146 II 335 E.5.1, BGE 143 III 65 E.5.2, BGE 141 III 28 E.3.2.4). Aus 

der angefochtenen Verfügung vom 14. November 2022 geht hervor, im 

medaffairs-Gutachten fänden sich deutliche Hinweise auf eine 

Selbstlimitierung, eine erhebliche Symptomausweitung und 

Inkonsistenzen, welche in der psychiatrischen und interdisziplinären 

Beurteilung keine (oder zumindest zu wenig) Beachtung gefunden hätten. 

Stattdessen hätten die psychiatrische Teilgutachterin und die Gutachter 

insgesamt aus den subjektiv geltend gemachten Einschränkungen 

unhinterfragt auf das objektive Funktionsniveau geschlossen. Insofern 

erweise sich das Gutachten als mangelhaft, so dass darauf nur mit 

Vorbehalten abgestellt werden könne. Insbesondere vermöge das 

Gutachten die Frage, ob sich der Gesundheitszustand wesentlich 

verändert habe, nicht zureichend zu beantworten. Rückfragen an die 

Gutachter wären im Gegensatz zu einer neuropsychologischen Abklärung 

nicht geeignet gewesen, die subjektiv geltend gemachten 

Einschränkungen zu validieren. Denn eine neuropsychologische 

Abklärung mit Validierungstests diene u.a. eben gerade dazu, die Echtheit 

von subjektiv geltend gemachten Beschwerden zu überprüfen (vgl. Bf-

act. 2 und IV-act. 164 S. 3 f.). Insofern können die Überlegungen, von 

denen sich die Beschwerdegegnerin leiten liess, im Kern nachvollzogen 

werden (vgl. BGE 148 III 30 E.3.1, BGE 145 III 324 E.6.1, BGE 143 III 65 

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E.5.2, BGE 142 III 433 E.4.3.2). Der Beschwerdeführerin war es daher 

auch möglich, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft zu 

geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die nächsthöhere Instanz 

weiterzuziehen (vgl. BGE 147 IV 145 E.1.4.5.2, BGE 145 IV 407 E.3.4.1, 

BGE 143 IV 40 E.3.4.3, BGE 142 III 433 E.4.3.2). Insoweit ist keine 

Gehörsverletzung auszumachen.

4.2. Sodann moniert die Beschwerdeführerin, das Vorgehen der 

Beschwerdegegnerin im Nachgang zu ihrem Einwand verletze 

grundrechtliche Verfahrensgarantien und sei nicht mit den Grundsätzen 

eines fairen Verfahrens vereinbar. Die Beschwerdegegnerin erachtete es 

dabei für notwendig, eine neuropsychologische Abklärung durchzuführen, 

um ein umfassendes Bild des Gesundheitszustands der 

Beschwerdeführerin zu erhalten und über den Rentenanspruch befinden 

zu können.

4.2.1. Nach Art. 28 Abs. 2 ATSG haben Personen, die Versicherungsleistungen 

beanspruchen, unentgeltlich alle Auskünfte zu erteilen, die zur Abklärung 

des Anspruches und zur Festsetzung der Versicherungsleistungen 

erforderlich sind. Kommen sie ihren Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten 

in unentschuldbarer Weise nicht nach, kann der Versicherungsträger, 

nach Durchführung eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens, aufgrund der 

Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten 

beschliessen (Art. 43 Abs. 3 ATSG). Inhaltlich fallen unter die erwähnten 

Mitwirkungspflichten unter anderem die Teilnahme an ärztlichen oder 

fachlichen Untersuchungen, die notwendig und zumutbar sind (vgl. Art. 43 

Abs. 2 ATSG). Dass nur notwendige Untersuchungen vorzunehmen sind, 

ergibt sich dabei bereits aus Art. 43 Abs. 1 ATSG, wonach der 

Versicherungsträger die Begehren prüft, die notwendigen Abklärungen 

vornimmt und die erforderlichen Auskünfte einholt (vgl. KIESER, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 Rz. 91, RIEMER-

KAFKA, in: SCHAFFHAUSER/KIESER, Leistungsverweigerungen im 

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Sozialversicherungsrecht, St. Gallen 2011, S. 71). Es handelt sich dabei 

um Untersuchungen, die dazu dienen, den rechtserheblichen Sachverhalt 

vollständig und richtig zu ermitteln (vgl. SCHIAVI, in: FRÉSARD-

FELLAY/KLETT/LEUZINGER, Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des 

Sozialversicherungsrechts, Basel 2020, Art. 43 Rz. 21). Nach neuer 

Rechtslage sieht Art. 43 Abs. 1bis ATSG vor, dass der Versicherungsträger 

die Art und den Umfang der notwendigen Abklärungen bestimmt. Eine 

Mitwirkungspflicht kann namentlich nur soweit bestehen, als die 

einverlangten Informationen für die Abklärung der Verhältnisse oder die 

Festsetzung der Leistungen erforderlich sind (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_345/2007 vom 26. März 2008 E.4, auf das im 

Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], 

gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 5004, hingewiesen wird). An der 

Notwendigkeit gebricht es, wenn umfassende, schlüssige und 

aussagekräftige Beweismittel bereits vorliegen, d.h. der (medizinische) 

Sachverhalt auf den Zeitpunkt der Entscheidfällung hin allseitig und 

umfassend abgeklärt ist (RIEMER-KAFKA, a.a.O., S. 73 mit Hinweis auf 

8C_528/2009 vom 3. November 2009 E.6.3).

4.2.2. Vorliegend ist den Akten in diesem Zusammenhang was folgt zu 

entnehmen: Nachdem die Beschwerdegegnerin gestützt auf die 

Abschlussbeurteilung von RAD-Arzt F._____ vom 20. April 2022 der 

Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 22. Juni 2022 mangels 

wesentlicher Änderung ihres Gesundheitszustands in Aussicht gestellt 

hatte, ihr Leistungsbegehren abzuweisen (vgl. IV-act. 132), erhob Letztere 

dagegen am 17. August 2022 Einwand. Darin beantragte sie, ihr sei in 

Aufhebung des Vorbescheids eine ganze Rente zuzusprechen. Sie sei der 

Meinung, die Veränderung im Sinne einer Verschlechterung ihres 

Gesundheitszustands sei durch das medaffairs-Gutachten klar 

ausgewiesen. Auf die zu anderen Schlüssen kommende Stellungnahme 

des RAD könne nicht abgestellt werden. RAD-Arzt F._____ mangle es an 

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einer psychiatrischen Facharztausbildung, um zu den bei ihr vorliegenden 

überwiegend psychischen Beschwerden Stellung zu nehmen. Ausserdem 

habe er sie nicht persönlich untersucht. Die begutachtende Psychiaterin 

sei wie ihre behandelnde Psychiaterin der Ansicht, die Arbeitsfähigkeit 

habe sich verschlechtert; beide begründeten dies nachvollziehbar damit, 

dass die für eine erfolgreiche Anwendung der Coping-Strategien 

notwendigen Ressourcen aufgebraucht seien. Mithin sei ein 

Revisionsgrund gegeben und ihr sei bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit in 

angepassten Tätigkeiten eine ganze Rente zuzusprechen (vgl. IV-

act. 141). Daraufhin eröffnete die Beschwerdegegnerin der 

Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 9. September 2022, dass sie auf 

den Einwand eintrete und weitere Abklärungen in die Wege leiten werde 

(IV-act. 143). Am 14. September 2022 erteilte sie lic. phil. G._____ den 

Auftrag für eine neuropsychologische Abklärung (vgl. IV-act. 146; auch IV-

act. 144). Dieser liess der Beschwerdeführerin ein Aufgebot für den 

4. November 2022 zukommen (IV-act. 151). Mit Schreiben vom 

22. September 2022 teilte die Beschwerdeführerin der 

Beschwerdegegnerin mit, aus ihrer Sicht seien keine weiteren 

Abklärungen angezeigt. Es liege bereits ein aktuelles Gutachten vor, in 

dem Fachärzte für Neurologie, Rheumatologie und Psychiatrie ihren 

Gesundheitszustand umfassend und nachvollziehbar beurteilt hätten. Auf 

dieses Gutachten sei abzustellen, und ihr sei eine ganze Rente 

zuzusprechen. In der Vergangenheit sei nie von neuropsychologischen 

Problemen die Rede gewesen (IV-act. 152). Die Beschwerdegegnerin 

antwortete am 30. September 2022, sie vertrete bekanntlich aufgrund des 

nicht überzeugenden Gutachtens der medaffairs AG die Auffassung, dass 

sich der Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert habe. Es fänden 

sich im Gutachten deutliche Hinweise auf eine Selbstlimitierung, 

erhebliche Symptomausweitung und Inkonsistenzen. Ausserdem 

überzeuge das psychiatrische Gutachten nicht. Unter diesen Umständen 

könne der Rentenanspruch noch nicht abschliessend beurteilt werden. Die 

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neuropsychologische Abklärung habe zum Ziel, die kognitive 

Leistungsfähigkeit bzw. kognitive Defizite festzustellen. Nach Vorliegen 

des neuropsychologischen Abklärungsberichts werde erwartet, ein 

umfassenderes Bild zum Gesundheitszustand zu haben, so dass der 

Rentenanspruch beurteilt werden könne (IV-act. 153). Mit Schreiben vom 

6. Oktober 2022 drückte die Beschwerdeführerin ihr Befremden darüber 

aus, dass nun weitere Abklärungen für angezeigt erachtet würden, obwohl 

die Beschwerdegegnerin kurz zuvor einen rentenablehnenden 

Vorbescheid erlassen und damit implizit die Sache – übereinstimmend mit 

ihr – als entscheidspruchreif erachtet habe. Auf ihre im Einwand 

vorgebrachten Argumente sei nicht eingegangen worden, was darauf 

schliessen lasse, dass einfach ein zusätzliches neuropsychologisches 

Gutachten eingeholt werde, in der Hoffnung, damit die fehlenden 

Gegenargumente zu bekommen, um ihr Symptomausweitung oder andere 

Formen der Simulation zu unterstellen und damit das Gutachten in Zweifel 

zu ziehen. Dieses Vorgehen sei weder fair noch rechtens und komme 

letztlich der Einholung einer unzulässigen second opinion gleich. Wenn 

die Beschwerdegegnerin das Gutachten für nicht überzeugend halte, 

wären die Unklarheiten zunächst in Form von Rückfragen an die Gutachter 

zu klären gewesen. Es werde daher beantragt, von der 

neuropsychologischen Begutachtung abzusehen und – sofern die 

Beschwerdegegnerin nicht auf das Gutachten abstellen könne – 

Rückfragen an die medaffairs AG zu stellen (vgl. IV-act. 156). Am 

31. Oktober 2022 hakte die Beschwerdeführerin bei der 

Beschwerdegegnerin nach, nachdem sie nichts von dieser gehört hatte 

(IV-act. 160). Daraufhin forderte die Beschwerdegegnerin die 

Beschwerdeführerin mit Mahnschreiben vom 1. November 2022 auf, den 

Termin für die neuropsychologische Abklärung einzuhalten und an der 

Abklärung aktiv mitzuwirken, ansonsten sie in Kauf nehme, dass aufgrund 

der Akten entschieden oder auf das Gesuch nicht eingetreten werde (IV-

act. 157). Am 2. November 2022 teilte die Beschwerdeführerin der 

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Beschwerdegegnerin mit, dass sie an ihrem Entscheid, nicht an der 

Begutachtung teilzunehmen, festhalte. Sie sei ihrer Mitwirkungspflicht 

bereits nachgekommen, indem sie sich durch die medaffairs AG habe 

begutachten lassen (vgl. IV-act. 161). Letztlich verneinte die 

Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 14. November 2022 einen 

Rentenanspruch in Abweisung des Leistungsbegehrens. Aufgrund der 

von der Beschwerdeführerin verschuldeten Unvollständigkeit der 

Aktenlage sei nicht rechtsgenüglich erstellt, dass sich ihr 

Gesundheitszustand wesentlich verändert habe (vgl. Bf-act. 2 und IV-

act. 164 S. 4).

4.2.3. Diese Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin vermag nicht zu 

überzeugen. Es leuchtet nicht ein, weshalb die Beschwerdegegnerin, 

nachdem sie – wie im Vorbescheid vom 22. Juni 2022 angekündigt – von 

einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen war (vgl. IV-

act. 132), nunmehr nach Prüfung des Einwands weiteren 

Abklärungsbedarf in neuropsychologischer Hinsicht ortete, weil im 

Gutachten vom 11. April 2022 die Frage nach der wesentlichen 

Veränderung des Gesundheitszustands nicht zureichend beantwortet 

worden sein soll (vgl. Vernehmlassung vom 14. Dezember 2022 S. 3 f. 

und angefochtene Verfügung vom 14. November 2022 [Bf-act. 2 und IV-

act. 164 S. 2]). Das medaffairs-Gutachten lag der Beschwerdegegnerin 

bereits vor Erlass des Vorbescheids vor und wurde einer eingehenden 

Prüfung durch RAD-Arzt F._____ unterzogen (vgl. Abschlussbeurteilung 

vom 20. April 2022 [IV-act. 165 S. 15 ff.]). Wenn die unzureichende 

Beantwortung dieser revisionsrechtlichen Frage durch die Gutachterinnen 

und Gutachter tatsächlich Anlass für weitere Abklärungen geboten hätte, 

hätte dies bereits zu jenem Zeitpunkt festgestellt werden können und der 

vorerwähnte Vorbescheid nicht erlassen werden dürfen. Stattdessen 

schloss die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Abschlussbeurteilung 

von RAD-Arzt F._____ vom 20. April 2022 indes auf einen im 

- 15 -

Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand und stellte einen 

negativen Rentenentscheid in Aussicht, womit sie zum Ausdruck brachte, 

dass sie den rechtserheblichen Sachverhalt für genügend abgeklärt 

erachtete, andernfalls sie das Abklärungsverfahren nicht hätte zum 

Abschluss bringen dürfen. Indem sie in der Folge trotz bereits erfolgter 

Würdigung des medaffairs-Gutachtens nun aber in neuropsychologischer 

Hinsicht weiteren Abklärungsbedarf verortete, gleichzeitig jedoch bis zum 

Abschluss des Verfahrens mit Verfügung vom 14. November 2022 

weiterhin die Ansicht vertrat, der Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin habe sich seit dem letzten materiellen Entscheid nicht 

wesentlich verändert (vgl. Bf-act. 2 und IV-act. 164 S. 3, Schreiben der 

Beschwerdegegnerin vom 30. September 2022 [IV-act. 153] und 

Mahnschreiben vom 1. November 2022 [IV-act. 157]), verhält sie sich 

gleich in mehrfacher Hinsicht widersprüchlich. Der Beschwerdegegnerin 

kann denn auch nicht gefolgt werden, wenn sie den von der 

Beschwerdeführerin erhobenen Einwand als Grund für weitere 

Abklärungen anführt. Denn darin wurden – wie hiervor ausgeführt – keine 

weiteren Abklärungen anbegehrt. Vielmehr beantragte die 

Beschwerdeführerin im Sinne eines reformatorischen Entscheids die 

Zusprache einer ganzen Invalidenrente gestützt auf die im medaffairs-

Gutachten ausgewiesene volle Arbeitsunfähigkeit infolge einer 

Zustandsverschlechterung in psychischer Hinsicht. Mithin war sie – 

übereinstimmend mit der im Vorbescheid vom 22. Juni 2022 vertretenen 

Ansicht – der Auffassung, dass der rechtserhebliche Sachverhalt bereits 

hinlänglich abgeklärt worden ist. Die Diskrepanz bestand lediglich darin, 

dass sie das medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 für beweiskräftig 

befand während die Beschwerdegegnerin von einem im Wesentlichen 

unveränderten Gesundheitszustand ausging. Hinzu kommt, dass die 

Beschwerdeführerin in ihrem Einwand keine neuropsychologischen 

Defizite benannt hat. Mit ihr ist zudem festzustellen, dass sich auch aus 

den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen (anspruchs-)relevanter 

- 16 -

kognitiver Funktionsstörungen finden (vgl. Bericht der Psychosomatik vom 

29. Mai 2015 zur interdisziplinären Schmerzsprechstunde [IV-act. 42 

S. 16] ohne Hinweis auf relevante mnestische oder kognitive 

Einschränkungen, RAD-Abklärungsbericht vom 10. April 2015 [IV-act. 40 

S. 4], Berichte von Dr. med. E._____ vom 11. Juli 2014 [IV-act. 21 S. 2] 

mit Nennung leichter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und vom 

22. März 2021 [IV-act. 94 S. 3], Berichte von Dr. med. L._____ und 

Dr. med. M._____ vom 25. August 2014 [IV-act. 28 S. 2] und vom 

18. Dezember 2013 [IV-act. 13 S. 41], Berichte von Dr. med. J._____ vom 

13. Januar 2014 [IV-act. 13 S. 33] und vom 1. November 2013 [IV-act. 13 

S. 13]). Die im Rahmen der medaffairs-Begutachtung von der 

Beschwerdeführerin beklagten schweren Konzentrationsstörungen (vgl. 

auch Arztberichte von Dr. med. E._____ vom 6. April 2021 [IV-act. 103 

S. 4], vom 16. Dezember 2020 [IV-act. 103 S. 1 f.] und vom 21. September 

2020 [IV-act. 71 S. 6]) stufte die psychiatrische Gutachterin Dr. med. 

H._____ als leicht ein, da sich der angegebene Schweregrad während des 

Untersuchungsgesprächs nicht habe objektivieren lassen. Diesen Schluss 

zog sie auch hinsichtlich der subjektiv berichteten Gedächtnisstörungen 

(vgl. IV-act. 131 S. 115 f.; auch IV-act. 131 S. 69 und S. 82). Insgesamt 

brachte Dr. med. H._____ keine Anhaltspunkte an, dass eine 

neuropsychologische Abklärung erforderlich wäre, um eine umfassende 

Einschätzung abgeben zu können. Dabei obliegt es 

rechtsprechungsgemäss den Fachärztinnen und Fachärzten, über die 

Erforderlichkeit weiterer Abklärungen bzw. die Beteiligung weiterer 

Disziplinen zu entscheiden (BGE 139 V 349 E.3.3; vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_481/2021 vom 4. Februar 2022 E.4.1 und 

8C_125/2016 vom 4. November 2016 E.4.3.2). Eine neuropsychologische 

Abklärung stellt denn auch lediglich eine Zusatzuntersuchung dar, die bei 

begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_11/2021 vom 16. April 2021 E.4.2, 9C_752/2018 vom 

12. April 2019 E.5.3, 9C_566/2017 vom 20. November 2017 E.2.1 und 

- 17 -

9C_338/2016 vom 21. Februar 2017 E.5.4, je mit Hinweis auf Ziff. 4.3.2.2 

[recte: 4.3.2 dritter Titel] der Qualitätsleitlinien für psychiatrische 

Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung der 

Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie [SGPP] 

2016). Im vorliegenden Fall ist mithin davon auszugehen, dass die 

medaffairs-Psychiaterin der Gutachterstelle diesbezügliche 

Untersuchungen durchgeführt hätte, wenn sie solche für notwendig 

erachtet hätte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_547/2019 vom 

14. Oktober 2019 E.5.1.3 und E.5.5). Bezeichnenderweise eröffnete auch 

die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 

20. Mai 2021, dass eine polydisziplinäre Begutachtung in den 

Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und 

Psychotherapie sowie Rheumatologie notwendig sei (vgl. IV-act. 105; 

ferner IV-act. 115), womit sie aufgrund der Aktenlage ebenfalls keine 

neuropsychologische Abklärung für erforderlich erachtete (vgl. hierzu auch 

Art. 43 Abs. 1bis ATSG nach neuer Rechtslage).

4.2.4. Ferner vermag nicht zu überzeugen, dass die Beschwerdegegnerin eine 

neuropsychologische Abklärung anordnet, obschon sie insbesondere 

Kritik am psychiatrischen Teilgutachten sowie an den entsprechenden 

Aspekten der Konsensbeurteilung des medaffairs-Gutachten übt. Diesfalls 

hätte sich – wie die Beschwerdeführerin zu Recht ausführt – in einem 

ersten Schritt aufgedrängt, den Expertinnen und Experten der medaffairs 

AG bzw. insbesondere der psychiatrischen Gutachterin Dr. med. H._____ 

Rückfragen zu stellen, um im Sinne einer Gutachtensergänzung eine 

Klarstellung oder Präzisierung der gutachterlichen Beurteilung 

herbeizuführen. Zudem scheint sie zu übersehen, dass die 

Neuropsychologie ohnehin nur eine Hilfsdisziplin darstellt und als 

Grundlage für die neurologische und die psychiatrische Beurteilung dient. 

Nach der Rechtsprechung bleibt es grundsätzlich Aufgabe des Facharztes 

oder der Fachärztin der Psychiatrie – oder allenfalls der Neurologie –, die 

- 18 -

Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer 

Defizite einzuschätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2022 vom 

27. Dezember 2022 E.10.2.1, 8C_381/2022 vom 27. Dezember 2022 

E.8.2.1, 9C_299/2019 vom 27. Juni 2019 E.4 und 9C_752/2018 vom 

12. April 2019 E.5.3). Demnach hätte die Beschwerdegegnerin selbst bei 

einer durchgeführten neuropsychologischen Abklärung – ohne die 

Ergebnisse psychiatrischerseits einordnen zu lassen (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_605/2019 vom 12. November 2019 E.3.2.2 und 

8C_95/2019 vom 3. Juni 2019 E.6.1) – das von ihr erwartete Ziel, ein 

umfassendes Bild des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin zu 

bekommen (vgl. Schreiben vom 30. September 2022 [IV-act. 153]), 

ohnehin verfehlt. Zudem scheint sie zu verkennen, dass – wie noch 

aufzuzeigen sein wird – das von ihr als Selbstlimitierung, 

Symptomausweitung und Inkonsistenz bezeichnete (Vermeidungs-

)Verhalten der Beschwerdeführerin gemäss schlüssiger gutachterlicher 

Beurteilung auf verselbstständigte, krankheitswertige und funktionelle 

Auswirkungen zeitigende psychische Störungen zurückzuführen ist und 

darin seine hinreichende Erklärung findet (vgl. nachfolgende Erwägungen 

6.3.2 und 6.3.4).

4.2.5. Mangels plausibler Gründe für eine neuropsychologische Abklärung 

zwecks Abklärung des medizinischen Sachverhalts sowie angesichts 

fehlender Hinweise auf Auffälligkeiten im Leistungsverhalten der 

Beschwerdeführerin, die auf Aggravation oder ähnliche Konstellationen 

hätten schliessen lassen (vgl. angefochtene Verfügung vom 

14. November 2022 [Bf-act. 2 und IV-act. 164 S. 4] und RAD-

Abschlussbeurteilung vom 20. April 2022 [IV-act. 165 S. 20]), vermag das 

Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu überzeugen. Der 

Beschwerdeführerin kann mithin keine Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht 

vorgeworfen werden, als sie von dieser Abklärungsmassnahme fernblieb. 

Ob eine neuropsychologische Abklärung auch einer unzulässigen "second 

- 19 -

opinion" gleichkäme, hängt davon ab, ob und inwieweit das bereits 

vorliegende medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 die von der 

Rechtsprechung gestellten inhaltlichen und beweismässigen 

Anforderungen erfüllt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2021 vom 

25. Januar 2022 E.8, 8C_133/2021 vom 25. August 2021 E.4.2 und 

9C_57/2019 vom 7. März 2019 E.3.2; BGE 141 V 330 E.5.2; KIESER, 

a.a.O., Art. 44 Rz. 81). Sollte dies bejaht werden können, was nachfolgend 

zu prüfen ist, wäre es dem Versicherungsträger ohnehin verboten 

gewesen, eine "second opinion" zum bereits im Gutachten festgestellten 

Sachverhalt einzuholen, wenn dieser nicht seinen Vorstellungen 

entspricht.

5. Hinsichtlich des Vorliegens eines Revisionsgrunds ist zu prüfen, ob eine 

wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, 

die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit auch den Rentenanspruch 

zu beeinflussen. Denn während die Beschwerdeführerin eine solche 

gestützt auf das medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 in einer 

Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszustands erblickt, war 

die Beschwerdegegnerin im Vorbescheid vom 22. Juni 2022 der Ansicht, 

dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin nicht 

wesentlich verändert hat (vgl. IV-act. 132). In der Folge ging die 

Beschwerdegegnerin von einer unvollständigen Aktenlage aus, weshalb 

sie eine neuropsychologische Abklärung anordnete, um ein 

umfassenderes Bild über den Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin zu erlangen (vgl. IV-act. 143 f., IV-act. 153 und IV-

act. 157). In der angefochtenen Verfügung vom 14. November 2022 

bestätigte sie wiederum, es sei grundsätzlich richtig, wenn sie am 

Vorbescheid vom 22. Juni 2022 festhalte und darauf beharre, dass sich 

der Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert habe (vgl. Bf-act. 2 

und IV-act. 164 S. 3). 

- 20 -

5.1. Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin erheblich, wird die 

Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend 

erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. aArt. 17 

Abs. 1 ATSG, Art. 87, Art. 88a und Art. 88bis IVV). Anlass für eine solche 

Anpassung gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die 

geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu 

beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht nur bei einer wesentlichen 

Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch etwa dann 

revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich 

gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (vgl. 

BGE 147 V 167 E.4.1, BGE 144 I 103 E.2.1, BGE 141 V 9 E.2.3, BGE 134 

V 131 E.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_220/2019 vom 26. Juni 2019 

E.3.2, 8C_322/2018 vom 12. Dezember 2018 E.2.2, 8C_192/2017 vom 

25. August 2017 E.7.1). Dagegen bildet die unterschiedliche Beurteilung 

der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen 

Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung für sich allein genommen keinen 

Revisionsgrund (vgl. BGE 147 V 161 E.4.2, BGE 112 V 371 E.2b; Urteile 

des Bundesgerichts 9C_679/2019 vom 22. Januar 2020 E.4.2, 

8C_289/2019 vom 18. September 2019 E.3.1, 8C_114/2019 vom 5. Juli 

2019 E.3.1.1, 8C_133/2013 vom 29. Mai 2013 E.4.1, 9C_552/2007 vom 

17. Januar 2008 E.3.1.2). Einer neuen ärztlichen Einschätzung, die sich 

nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern im Vergleich zur früheren 

Beurteilung eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands 

eingetreten ist, kommt für die Belange der Rentenrevision – unter 

Vorbehalt evidenter Sachlagen – kein genügender Beweiswert zu (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 9C_26/2022 vom 30. Mai 2022 E.4.1, 

8C_54/2021 vom 10. Juni 2021 E.2.3, 8C_121/2021 vom 27. Mai 2021 

E.4.2.1, 9C_346/2019 vom 6. September 2019 E.2.1.2 und 8C_845/2018 

vom 17. Mai 2019 E.2.2).

- 21 -

5.2. Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss 

des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung 

des Invaliditätsgrades im Sinne von aArt. 17 Abs. 1 ATSG eingetreten ist, 

dient die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung 

des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, 

Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht 

(vgl. KIESER, a.a.O., Art. 17 Rz. 49 sowie BGE 133 V 108 E.5; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_196/2020 vom 8. Juli 2020 E.3.2.1, 9C_346/2019 vom 

6. September 2019 E.2.1.1, 9C_23/2019 vom 10. Mai 2019 E.4.2.2). Wird 

bei dieser Gegenüberstellung festgestellt, dass der Invaliditätsgrad im zur 

Beurteilung stehenden Zeitraum keine rechtserhebliche Änderung 

erfahren hat, bleibt es beim bisherigen Rechtszustand (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_519/2015 vom 16. November 2015, E.3.2, 

8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.3). Andernfalls ist das Vorliegen 

eines Revisionsgrundes zu bejahen. Der Rentenanspruch ist dabei in 

rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, 

wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 148 V 

195 E.6.2, BGE 141 V 9 E.2.3, 6.1 und 6.4, BGE 117 V 198 E.4b; Urteile 

des Bundesgerichts 8C_198/2021, 8C_200/2021 vom 15. September 

2021 E.6.2.3, 9C_516/2020 vom 29. Dezember 2020 E.2, 9C_11/2019 

vom 16. Juli 2019 E.3.3 und 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E.6.7).

5.3. Im hier zu beurteilenden Fall ist als Vergleichsbasis auf die rechtskräftige 

Verfügung vom 2. März 2016 abzustellen, mit der das Leistungsbegehren 

der Beschwerdeführerin nach einlässlichen medizinischen Abklärungen 

abgewiesen worden war (IV-act. 43). Dieser Entscheid war vom 

Verwaltungsgericht mit Urteil vom 9. März 2017 im Verfahren S 16 43 im 

Ergebnis geschützt worden. Das streitberufene Gericht hatte allerdings 

dafürgehalten, dass der Invaliditätsgrad nicht anhand der gemischten 

Methode bei einer je hälftigen Gewichtung der Anteile Erwerb und 

Haushalt, sondern anhand der allgemeinen Methode des 

- 22 -

Einkommensvergleichs zu berechnen sei (vgl. dortige Erwägung 4 f. [IV-

act. 52]). Zudem hatte das Verwaltungsgericht mit Blick auf die Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit 

dem Bericht der Kliniken C._____ vom 12. Juni 2015 volle Beweiskraft 

zugemessen. Gestützt darauf hatte das Verwaltungsgericht geschlossen, 

dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht maximal zu 20 % 

in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei (vgl. dortige Erwägung 6d ff. [IV-

act. 52]). Im Bericht der Kliniken C._____ vom 12. Juni 2015 war in 

psychiatrischer Hinsicht eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) mit 

vorwiegender Störung von anderen Gefühlen, wahrscheinlich im Rahmen 

einer Dysthymie (ICD-10 F34.1), ausgewiesen worden (vgl. IV-act. 42 S. 2 

und S. 17). Sie basierte auf dem Bericht der Psychosomatik von Dr. med. 

I._____ vom 29. Mai 2015. Daraus geht hervor, dass eigen- und 

aktenanamnestisch davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin 

bereits Episoden leichter bis mittelgradiger depressiver Verstimmung 

erlebt habe, entweder im Rahmen einer Dysthymie oder einer 

rezidivierenden depressiven Störung. Im Untersuchungszeitpunkt sei der 

Psychostatus weitgehend unauffällig bis höchstens oligosymptomatisch 

gewesen und entspreche unter Berücksichtigung der Gesamtsituation 

einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer 

Gefühle (Sorgen, Anspannung, Ärger, Angst und Depression), 

wahrscheinlich im Rahmen einer Dysthymie (vgl. IV-act. 42 S. 17). 

Hinsichtlich des Prozederes hielt Dr. med. I._____ fest, es gehe im 

Wesentlichen darum, die Beschwerdeführerin zu entlasten. Solange sie 

sich Tag für Tag muskuloskelettal überlaste, entsprechende Schmerzen 

generiere und anschliessend selbstverständlich auch psychisch reagiere, 

könne sie aus dem Circulus vitiosus mit Schmerz, Anspannung, leichten 

psychischen Symptomen (unter anderem Depressionen) und abermals 

Schmerz und Überlastung sicher nicht ausbrechen (vgl. IV-act. 42 S. 18). 

Dr. med. I._____ attestierte für den Untersuchungszeitpunkt bzw. für den 

Zeitraum von wenigen Wochen davor und überwiegend wahrscheinlich 

- 23 -

auch in Zukunft projiziert eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rein 

psychischen Gründen von maximal 20 % (vgl. IV-act. 42 S. 17).

5.4. In der angefochtenen Verfügung vom 14. November 2022 wies die 

Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren ab und bekräftigte darin, 

dass es grundsätzlich richtig sei, wenn sie am Vorbescheid vom 22. Juni 

2022 festhalte und darauf beharre, dass sich der Gesundheitszustand 

nicht wesentlich verändert habe (vgl. Bf-act. 2 und IV-act. 164 S. 3). Dabei 

stützte sie sich insbesondere auf die Abschlussbeurteilung von RAD-Arzt 

F._____ vom 20. April 2022 ab, der einlässlich Kritik am medaffairs-

Gutachten vom 11. April 2022 übte und darin letztlich eine 

Andersbeurteilung eines im Wesentlichen unveränderten 

Gesundheitszustand erblickte. Auf das Gutachten könne nicht abgestellt 

werden. Denn es seien Diagnosen verändert worden und anamnestische 

Defizite ohne angemessene Plausibilitätsprüfung einfach akzeptiert bzw. 

offenkundige Inkonsistenzen nur beschrieben, aber nicht angemessen in 

Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der Angaben diskutiert worden (vgl. IV-

act. 165 S. 15 ff.).

5.5. Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, dass im 

medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 die Verschlechterung ihres 

Gesundheitszustands in Übereinstimmung mit ihrer behandelnden 

Psychiaterin nachvollziehbar dargetan werde. Die medaffairs-

Gutachterinnen und -Gutachter wiesen in der interdisziplinären 

Gesamtbeurteilung eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung 

(ICD-11 06B41), eine rezidivierende depressive Störung, zum Zeitpunkt 

der Untersuchung leichte Episode (ICD-10 F33.0), und eine anhaltende 

somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.2) mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit aus. Ohne Einfluss darauf seien namentlich der Verdacht 

auf Fibromyalgie (ICD-10 M79), der Status nach Karpaltunnelsyndrom 

bzw. Karpaltunnel-Release beidseits vor Jahren (ICD-10 G56.0) sowie der 

Verdacht auf chronischen Spannungskopfschmerz (ICD-10 G44.2). Zur 

- 24 -

Begründung der aktuellen Diagnosen führten sie aus, die 

Beschwerdeführerin habe durch ihre familiäre Unterstützung das 

Gymnasium besuchen können. Die akademische Ausbildung habe sie 

aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft abbrechen müssen. Diese 

musste sie als problematisch und gesellschaftlich geächtet erfahren. 

Durch die ungewollte Schwangerschaft und hochwahrscheinlich weiteren 

sexuellen Übergriffen habe sie soziale Ausgrenzung und Entwertung 

erlebt. Die Beschwerdeführerin sei in einer Kollektivkultur, geprägt von 

einer Wir-Stärke, aufgewachsen. Dadurch würden soziale Ausgrenzung 

und Entwertung, z.B. durch die ungewollte Schwangerschaft, 

innerpsychisch anders verarbeitet und hätten einen weitaus destruktiveren 

Einfluss auf die psychische Gesundheit als in unserer Kultur, die wir als 

Individualkultur verstünden. Zusammen mit den traumatischen 

Erfahrungen und dem kulturellen Hintergrund erkläre sich die Regression 

und passive Haltung gegenüber Ärzten, die sich kümmern und sie heilen 

sollten, und die ausgedehnten somatischen Beschwerden. Bei der 

Beschwerdeführerin seien die Diagnosekriterien für eine komplexe 

posttraumatische Belastungsstörung gegeben. Bei ihr liege ein 

aussergewöhnliches und bedrohliches, entsetzliches Erlebnis bzw. eine 

solche Erfahrung vor, die wiederholte und lang andauernde Erlebnisse, 

aus denen damals kein Entkommen möglich gewesen sei, umfasse. So 

habe die Beschwerdeführerin Missbrauch in ihrer Jugendzeit und frühen 

Adoleszenz mit nachträglicher, langjähriger sozialer Ausgrenzung und 

Entwertung erlebt. Sie zeige Affektionsregulationsdefizite, ein 

Vermeidungsverhalten, Hypervigilanz und Misstrauen. Sie habe ein 

andauernd negatives Selbstbild und Beeinträchtigungen hinsichtlich ihres 

Selbstkonzepts. Zudem zeige sie depressive Komponenten mit Grübeln, 

Schuldgefühlen, Wut und Selbstverachtung. Da in ihrem 

Krankheitskonzept die Ursache im Somatischen liege und sie zahlreiche 

Symptome und Beschwerden als beeinträchtigend erlebe, müsse von 

einer somatoformen Störung ausgegangen werden. Diese sei als 

- 25 -

schwerwiegend zu betrachten. Ausserdem liege eine rezidivierende 

depressive Störung vor. Aufgrund des Erwähnten sei auch 

nachvollziehbar, warum eine anhaltende Schmerzerkrankung bestehe. 

Die Schmerzerkrankung sei als Folge im Sinne einer Coping-Strategie der 

komplexen Trauma-Folgestörung anzusehen. Da die Coping-Strategien 

infolge fehlender Ressourcen und mangels gedanklicher Elastizität nicht 

mehr gelingen würden, erfolge ein Ausweichen auf somatische 

Schmerzen. Dadurch komme es zu Vermeidungsverhalten und es 

entstehe eine Abwärtsspirale, aufgrund welcher die Beschwerdeführerin 

im Alltag und in der Arbeitswelt nicht mehr funktioniere. Demgegenüber 

lägen auf den neurologischen, rheumatologischen und internistischen 

Fachgebieten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor 

(vgl. IV-act. 131 S. 19 f.). Als funktionelle Auswirkungen der Diagnosen 

nannten die Gutachterinnen und Gutachter einen sozialen Rückzug, der 

aufgrund der somatoformen Schmerzstörung und der Depression 

bestehen solle. Die Beschwerdeführerin imponiere mit starkem 

Vermeidungsverhalten und aufgrund der Abwärtsspirale verschlechtere 

sich ihr Zustand stetig. Sie werde zunehmend passiv und es fehle ihr an 

Zutrauen und Resilienz. In der EFL sei eine erhebliche 

Symptomausweitung beobachtet worden, so dass die Resultate der 

physischen Leistungstests für die Beurteilung der zumutbaren 

Belastbarkeit nicht verwertbar seien. Spezielle körperliche 

Einschränkungen seien daher nicht beurteilbar (vgl. IV-act. 131 S. 20). 

Aus gutachterlicher Sicht seien die Funktionsstörungen erheblich und im 

Rahmen der psychischen Erkrankung zu werten (vgl. IV-act. 131 S. 21). 

In psychiatrischer Hinsicht sei die Beschwerdeführerin sowohl in der 

bisherigen als auch in jeder angepassten Tätigkeit vollständig 

arbeitsunfähig (vgl. IV-act. 133 S. 22).

5.6. Die Expertinnen und Experten nahmen im medaffairs-Gutachten vom 

11. April 2022 auch zur revisionsrechtlich relevanten Frage Stellung, ob 

- 26 -

sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem letzten 

materiellen Entscheid wesentlich verändert habe. Dazu führten sie aus, in 

Zusammenschau der Aktenlage, den Befunden und der 

fremdanamnestischen Angaben durch die behandelnde Psychiaterin habe 

sich der Gesundheitszustand gemäss AMDP (Anm. des Gerichts: System 

der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der 

Psychiatrie zur standardisierten Erfassung und Dokumentation eines 

psychopathologischen Befundes) nicht verändert. Was die depressive 

Symptomatik anbelange, sei sogar eine leichte Zustandsbesserung zu 

verzeichnen. Dennoch habe sich das Funktionsniveau und der psychische 

Zustand gemäss der behandelnden Therapeutin sehr verändert: Es 

bestehe eine schwerwiegende Funktionsstörung, da die vorherrschenden 

physischen und psychischen "Reserven" aufgebraucht seien. Die 

bisherigen Coping-Strategien seien daher nicht mehr möglich (vgl. IV-

act. 131 S. 23). Die Zustandsverschlechterung äussere sich im Sinne 

einer Zunahme des Misstrauens, der Konflikte am Arbeitsplatz und der 

Schmerzen (siehe fehlende Coping-Strategien aufgrund einer Abnahme 

des Funktionsniveaus). Die Aktivitäten und sozialen Kontakte der 

Beschwerdeführerin beschränkten sich auf die Familie und da auf ihre 

Präsenz. Die Haushaltsführung, die Beaufsichtigung von Enkelkindern 

und administrative Arbeiten seien ihr nicht möglich. Es fehle die Fähigkeit 

zur eigenen Strukturbildung und Freizeitgestaltung (vgl. IV-act. 131 S. 24).

5.7. Während die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 

14. November 2022 ohne weitere Begründung pauschal darauf hinwies, 

dass das Gutachten die Frage, ob sich der Gesundheitszustand seit dem 

2. März 2016 wesentlich verändert habe, nicht zureichend beantworte (vgl. 

Bf-act. 2 und IV-act. 164 S. 4), stufte RAD-Arzt F._____ in seiner 

Abschlussbeurteilung vom 20. April 2022 das medaffairs-Gutachten als 

Andersbeurteilung eines im Wesentlichen unveränderten 

Gesundheitszustands ein (vgl. IV-act. 165 S. 15 ff.). Dies vermag bei einer 

- 27 -

näheren Betrachtung der im Verfügungszeitpunkt am 2. März 2016 

gegebenen medizinischen Situation und derjenigen, wie sie sich anlässlich 

der hier angefochtenen Verfügung vom 14. November 2022 bot, jedoch 

nicht vollends zu überzeugen. Zwar trifft zu, dass die psychischen 

Beschwerdebilder der Beschwerdeführerin und deren diagnostische 

Einordnung bereits bekannt waren. So wies bereits Dr. med. J._____ mit 

Bericht vom 1. November 2013 zur stattgehabten stationären 

Rehabilitation in den Kliniken C._____ eine leichte bis mittelgradige 

depressive Entwicklung mit ausgeprägtem somatischem Syndrom aus (IV-

act. 13 S. 14; vgl. auch Berichte von Hausarzt Dr. med. K._____ vom 

4. Juli 2014 [IV-act. 13 S. 1 ff.] und vom 29. Januar 2021 [IV-act. 87] sowie 

Arztbericht der Dres. med. L._____ und M._____ vom 25. August 2014 

[IV-act. 28]). Desgleichen diagnostizierte die behandelnde Psychiaterin 

Dr. med. E._____ in ihrem Bericht vom 11. Juli 2014 eine rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode seit 

einem Jahr, sowie einen Verdacht auf persönlichkeitsakzentuierte, 

abhängige Züge, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 21 S. 1 

ff.; vgl. auch Austrittsbericht von Dr. med. J._____ vom 13. Januar 2014 

[IV-act. 13 S. 32 ff.]). RAD-Arzt D._____ stellte anlässlich seiner 

psychiatrischen Abklärung vom 4. Dezember 2014 eine anhaltende 

somatoforme Schmerzstörung fest (vgl. Bericht vom 10. April 2015 [IV-

act. 40]). Soweit im medaffairs-Gutachten neu eine komplexe 

posttraumatische Belastungsstörung (ICD-11 06B41) ausgewiesen 

wurde, ist dies – wie auch darin dargelegt (vgl. IV-act. 131 S. 126 und 

S. 117) – dem Umstand geschuldet, dass die ICD-11 (erst) am 1. Januar 

2022 global eingeführt wurde (vgl. auch RAD-Abschlussbeurteilung vom 

20. April 2022 [IV-act. 165 S. 17]), während die damit einhergehende 

Symptomatik zumindest in den Grundzügen schon vorbestehend war. 

Allerdings ist bei einer sorgfältigen Gegenüberstellung der 

Beschwerdebilder und deren funktionelle Auswirkungen, wie sie vor dem 

2. März 2016 vorgelegen haben, und wie sie sich im Verfügungszeitpunkt 

- 28 -

am 14. November 2022 präsentierten, erkennbar, dass sich deren 

Ausprägung und Schweregrad wesentlich verschlechtert haben. Dies 

ergibt sich bereits aus einem Vergleich der psychischen 

Befunderhebungen in jeweiligen Psychostatus. So beschrieb Dr. med. 

I._____ im Bericht der Psychosomatik vom 29. Mai 2015 die 

Beschwerdeführerin namentlich als wach, bewusstseinsklar und 

umfassend orientiert. Es bestünden keine Hinweise auf relevante 

mnestische und/oder kognitive Einschränkungen. Das Denken sei formell 

unauffällig und inhaltlich zentriert auf die differenzierte Schilderung und 

Diskussion der erfahrenen, lang andauernden muskuloskelettalen 

Beschwerden und psychischen Einschränkungen. Es würden keine 

spezifischen Ängste, Phobien oder Zwänge angegeben. Sie berichte auf 

Nachfrage von nicht näher spezifizierten Störungen der Nachtruhe. Je 

nach Gesprächssituation imponiere die Stimmungslage zwischen euthym 

und leicht depressiv. Einzelaffekte hätten sich synthym bzw. adäquat 

Richtung beider Stimmungspole auslösen lassen (vgl. IV-act. 42 S. 16 f.). 

Mithin beschrieb Dr. med. I._____ – wie er selber festhielt – einen 

weitgehend unauffällig bis höchstens oligosymptomatischen Psychostatus 

(vgl. IV-act. 42 S. 17). Demgegenüber führte Dr. med. H._____ zum nach 

AMDP erhobenen psychiatrischen Befund namentlich aus, der formale 

Gedankengang sei grüblerisch, eingeengt auf die finanzielle Situation und 

umständlich. Es bestehe eine leichte Ideenflucht und ein Misstrauen (auch 

gegenüber der Referentin). Im Affekt bestehe eine Störung der 

Vitalgefühle und ein Gefühl der Gefühllosigkeit. Die Beschwerdeführerin 

sei deprimiert, hoffnungslos, innerlich unruhig, gereizt und affektlabil. Sie 

habe zudem Schuldgefühle und sei antriebsarm. Es bestünden keine 

zirkadianen Auffälligkeiten bei hoher Tageserschöpfung. Sie habe eine 

Erwartung, dass die Aussenwelt (Ärzte für die Gesundheit, Sozialamt für 

das Geld) ihren Zustand ändern könnten, sie selber aber eher nicht (vgl. 

IV-act. 113 S. 116). Aus dieser Gegenüberstellung erhellt, dass die 

Einschätzung von Dr. med. H._____, wonach sich der 

- 29 -

Gesundheitszustand nach AMDP seit dem letzten materiellen Entscheid 

nicht verändert habe (vgl. IV-act. 131 S. 126), die auch Einzug in die 

Konsensbeurteilung fand (vgl. IV-act. 131 S. 23), eine zu positive 

Beurteilung darstellt (vgl. auch Arztberichte von Dr. med. E._____ vom 

22. März 2021 [IV-act. 94 S. 3], vom 17. November 2020 [IV-act. 74 S. 2], 

vom 21. September 2020 [IV-act. 71 S. 6] und vom 23. Juni 2020 [IV-

act. 71 S. 1]). Dasselbe hat auch für die depressive Symptomatik zu 

gelten, bezüglich der gutachterlicherseits sogar eine leichte 

Zustandsbesserung verzeichnet wurde. Vielmehr ist angesichts des von 

Dr. med. I._____ erhobenen unauffälligen Psychostatus im Vergleich zu 

den im medaffairs-Gutachten erhobenen psychiatrischen Befunden eher 

von einer Zustandsverschlechterung auszugehen.

5.8. Nicht gefolgt werden kann RAD-Arzt F._____ des Weiteren, soweit er in 

seiner Abschlussbeurteilung vom 20. April 2022 in Abkehr zum 

medaffairs-Gutachten auf ein unverändertes Funktionsniveau schliesst 

(vgl. IV-act. 165 S. 18 f.). So war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der 

Verfügung vom 2. März 2016 noch als Ökonomieangestellte in der 

Lingerie bei der Stiftung B._____ in einem 50 %-Pensum tätig. Dabei war 

sie in der Lage, die ihr übertragenen Aufgaben mit Wäscheversorgung, 

Bügeln und Mangen vollumfänglich in ihrem Halbtagespensum zu 

erledigen (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 2. Juli 2014 [IV-act. 12 

S. 3]; vgl. ferner Fragebogen vom 26. Januar 2021 [IV-act. 86]). Die 

Beschwerdegegnerin ging dabei denn auch davon aus, dass sie ihre 

verbliebene Arbeitsfähigkeit voll ausschöpft (vgl. Verfügung vom 2. März 

2016 [IV-act. 43 S. 3]). Die von der Beschwerdeführerin geltend 

gemachten Einschränkungen bei der vom Anforderungsprofil her 

gleichgelagerten Haushaltsführung wurden von RAD-Arzt D._____ in 

seinem Bericht zur psychiatrischen Abklärung vom 4. Dezember 2014 

ohne Prüfung möglicher Wechselwirkungen (teilweise) dahingehend 

relativiert, als sie mit der Aufgabenerfüllung im Rahmen ihrer beruflichen 

- 30 -

Tätigkeit nicht vereinbar seien (vgl. Bericht vom 10. April 2015 [IV-

act. 40/9 ff.]; zu den Einschränkungen vgl. ferner Austrittsbericht der 

Kliniken C._____ vom 17. Februar 2014 [IV-act. 13 S. 40 und S. 42] sowie 

Bericht der Dres. med. L._____ und M._____ vom 25. August 2014 [IV-

act. 28 S. 2]). Auch im Haushaltsabklärungsbericht vom 16. Dezember 

2014 bzw. 9. Januar 2015 wurde bloss eine Einschränkung von insgesamt 

4.55 % festgestellt (vgl. IV-act. 32 S. 8). Während die Haushaltsführung, -

planung und -organisation genauso wie die Arbeitseinteilung und Kontrolle 

problemlos möglich war, wurde ihr bei der Ernährung, der 

Wohnungspflege, beim Einkauf samt weiterer Besorgungen sowie bei der 

Wäsche und Kleiderpflege ein schmerzbedingt höherer Zeitumfang 

angerechnet. Dabei wurde namentlich festgehalten, dass sie die täglich 

anfallenden Tätigkeiten in der Küche ausführen könne. Genauso könne 

sie den täglichen Kehr selber erledigen, während sie die Grossreinigung 

in Etappen einteile. Den täglichen Einkauf könne sie auf dem Rückweg 

von der Arbeit erledigen. Auch sei sie in der Lage, die Schmutzwäsche zu 

sortieren, in die Waschmaschine einzufüllen, sie zu waschen und dann 

aufzuhängen. Zudem wurde angemerkt, dass sie mit dem Flugzeug in ihre 

Heimat fliegen könne (vgl. IV-act. 32 S. 7 f.). Aus dem 

Haushaltsabklärungsbericht vom 16. Dezember 2014 bzw. 9. Januar 2015 

geht ferner hervor, dass sie die Obhut für zwei damals schulpflichtige 

Enkelkinder übernommen habe (vgl. IV-act. 32 S. 4; vgl. so auch Bericht 

von Dr. med. J._____ vom 1. November 2013 [IV-act. 13 S. 13]). Damals 

bestand gemäss Bericht von Dr. med. E._____ vom 11. Juli 2014 bei der 

Beschwerdeführerin auch bloss ein leichter sozialer Rückzug und sie war 

lediglich leicht misstrauisch (vgl. IV-act. 21 S. 2; vgl. ferner Bericht von 

Dr. med. J._____ vom 1. November 2013 [IV-act. 13 S. 13]). 

Demgegenüber ging die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der hier 

angefochtenen Verfügung vom 14. November 2022 keiner 

Erwerbstätigkeit mehr nach, nachdem ihr das Arbeitsverhältnis bei der 

- 31 -

Stiftung B._____ nach längerer krankheitsbedingter Absenz per Ende Juni 

2021 gekündigt worden war (vgl. IV-act. 101). Aus dem medaffairs-

Gutachten vom 11. April 2022 geht in anamnestischer Hinsicht des 

Weiteren hervor, dass der Beschwerdeführerin die Haushaltsführung, das 

Kochen und das Waschen praktisch nicht möglich sei und sie dabei 

regelmässiger Unterstützung ihrer Tochter bedürfe. Diese würde auch 

kochen, da sie dies selber nicht mehr könne, und die Schwiegertöchter 

würden beim Putzen helfen. Zudem sei die Beschwerdeführerin seit zwei 

Jahren nicht mehr einkaufen gewesen (vgl. IV-act. 131 S. 45 f., S. 62 f., 

S. 84 und S. 114). Dies deckt sich insoweit mit den Berichten von Dr. med. 

E._____ vom 21. September 2020 und vom 22. März 2021, als auch darin 

angegeben wird, dass die Beschwerdeführerin aktuell nicht einmal den 

eigenen Haushalt bewältigen könne und ihre Tochter regelmässig zur 

Unterstützung vorbeikomme (vgl. IV-act. 71 S. 4 und IV-act. 94 S. 3). Dem 

medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 ist zum Tagesablauf ferner zu 

entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am Morgen oft zu ihrer Tochter 

gehe und dort mit ihrer Enkelin spiele, wobei sie sie manchmal nach dem 

Mittagessen noch hüte (vgl. IV-act. 131 S. 46, S. 63, S. 84 und S. 114). 

Nach draussen auf den Spielplatz gehen würde sie aufgrund des Geredes 

und ihrem Misstrauen gegenüber anderen Mitmenschen allerdings nicht 

(vgl. IV-act. 131 S. 113). Ausser ihren Enkelkindern habe sie keine 

Interessen und mache aus Angst keine selbstständigen Unternehmungen 

(vgl. IV-act. 131 S. 46 und S. 63); aufgrund ihrer Ängste könne sie auch 

keine Verkehrsmittel alleine benutzen (vgl. IV-act. 131 S. 114). Insofern 

wird im medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 ausgewiesen, dass bei 

der Beschwerdeführerin ein sozialer Rückzug aus dem ausserfamiliären 

Umfeld, ein starkes Vermeidungsverhalten, eine Hypervigilanz sowie ein 

Misstrauen vorliegt (vgl. IV-act. 131 S. 20 und S. 118 ff.).

5.9. Die medaffairs-Gutachterinnen und -Gutachter ordneten diese 

Symptomatik als Ausdruck einer komplexen posttraumatischen 

- 32 -

Belastungsstörung ein, in deren Folge sich eine anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung und eine rezidivierende depressive Störung gebildet 

haben (vgl. IV-act. 131 S. 19 und S. 119 f.). Die Beschwerdeführerin habe 

in ihrer Jugendzeit und frühen Adoleszenz Missbrauch erlebt mit 

nachträglicher, langjähriger sozialer Ausgrenzung und Entwertung (in 

einer Kollektivkultur durch die ungewollte Schwangerschaft bzw. das 

uneheliche Kind). Zusammen mit den traumatischen Erfahrungen und 

dem kulturellen Hintergrund erkläre sich die Regression bzw. die passive 

Haltung sowie die ausgedehnten somatischen Beschwerden. Im 

Krankheitskonzept der Beschwerdeführerin liege die Ursache im 

Somatischen. Die Schmerzerkrankung sei dabei als Folge der komplexen 

Trauma-Folgestörung anzusehen. Da die Coping-Strategien aufgrund 

fehlender Ressourcen und fehlender gedanklicher Elastizität nicht mehr 

gelingen würden, erfolge ein Ausweichen auf somatische Schmerzen. 

Dadurch komme es zu einem Vermeidungsverhalten und es entstehe eine 

Abwärtsspirale, aufgrund der die Beschwerdeführerin im Alltag und in der 

Arbeitswelt nicht mehr funktioniere (vgl. Erwägung 5.8 hiervor; IV-act. 131 

S. 19 f.). Mithin liegt aus gutachterlicher Sicht bei der Beschwerdeführerin 

mitunter ein Ausweichen der traumatischen Erfahrungen in ein 

Schmerzerleben vor. Dieses vermochte sie offensichtlich in der 

Vergangenheit bei gewissen vorhandenen Ressourcen durch erlernte 

bzw. entwickelte Coping-Strategien (vgl. hierzu Austrittsbericht der 

Dres. med. L._____ und Mietzsche vom 17. Februar 2014 zum stationären 

Rehabilitationsaufenthalt in den Kliniken C._____ [IV-act. 13 S. 40]) noch 

zu kompensieren, so dass sie – wie für den Zeitraum bis zur Verfügung 

vom 2. März 2016 aufgezeigt – bei teilweise erhaltenem Funktionsniveau 

sowohl in erwerblicher Hinsicht als auch mit Blick auf andere 

Aufgabenbereiche (Haushalt und Obhut über Enkelkinder) funktionieren 

konnte. Nachdem bereits Dr. med. I._____ in dem vom streitberufenen 

Gericht im VGU S 16 43 als beweiskräftig erachteten psychosomatischen 

Bericht vom 29. Mai 2015 auf einen ressourcenzehrenden Circulus 

- 33 -

vitiosus hingewiesen hatte, weil sich die Beschwerdeführerin beruflich 

muskuloskelettal überlaste, entsprechende Schmerzen generiere und 

anschliessend selbstverständlich auch psychisch reagiere (vgl. IV-act. 42 

S. 18), ist nicht weiter verwunderlich, wenn es ihr nach der sie ab Mai 2020 

stark belastenden Arbeitsplatzsituation mit vorgesehenem Wechsel von 

der Wäscherei in die Hauswirtschaft und weiteren Arbeitsplatzkonflikten 

(vgl. hierzu Berichte von Dr. med. E._____ vom 6. April 2021 [IV-act. 103 

S. 3 f.], vom 22. März 2021 [IV-act. 94 S. 2 ff.], vom 17. November 2020 

[IV-act. 74] und vom 23. Juni 2020 [IV-act. 71 S. 1] sowie Protokoll zur 

Früherfassung, Eintrag vom 24. Juli 2020 [IV-act. 60 S. 1]) nicht mehr 

möglich war, auf ihre Coping-Strategien zurückzugreifen. Dabei liegt nahe, 

dass ihre krankheitsbedingten Defizite namentlich mit starkem 

Vermeidungsverhalten, Hypervigilanz, Misstrauen und negativem 

Selbstbild verstärkt zum Tragen kamen, das Funktionsniveau infolge der 

Abwärtsspirale sank und sich der psychische Zustand verschlechterte (vgl. 

hierzu auch Berichte von Dr. med. E._____ vom 6. April 2021 [IV-act. 103 

S. 3 f.], vom 22. März 2021 [IV-act. 94 S. 2 ff.], vom 17. November 2020 

[IV-act. 74], vom 21. September 2020 [IV-act. 71 S. 6 und S. 4] und vom 

23. Juni 2020 [IV-act. 71]). Anhaltspunkte dafür, dass nach der Verfügung 

vom 2. März 2016 auch die Schmerzen zugenommen haben, lassen sich 

denn auch den Berichten von Dr. med. N._____ vom 2. Februar 2017 und 

vom 28. Juni 2017 entnehmen. Dieser berichtete darin bei einem 

diagnostizierten Fibromyalgiesyndrom von einer eher verschlechterten 

generalisierten Schmerzsymptomatik (vgl. IV-act. 91 S. 82 und S. 80), 

bevor er der Beschwerdeführerin am 19. Mai 2020 eine Arbeitsunfähigkeit 

bezüglich Überkopfarbeiten bescheinigte (vgl. IV-act. 58) und mit Bericht 

vom 27. Januar 2021 von einer chronifizierten Schmerzproblematik sprach 

(vgl. IV-act. 85 S. 5). Wenn die medaffairs-Gutachterinnen und -Gutachter 

somit in revisionsrechtlicher Hinsicht einen veränderten psychischen 

Gesundheitszustand auswiesen, wobei nun eine schwerwiegende 

Funktionsstörung bestehe und bei "aufgebrauchten Reserven" die 

- 34 -

bisherigen Coping-Strategien nicht mehr möglich seien, was sich in einer 

Zunahme der Schmerzen, des Misstrauens und der Arbeitsplatzkonflikte 

äussere, erscheint es plausibel, dass sie im Vergleich zum früheren auf 

ein nunmehr sehr bescheidenes Funktionsniveau mit auf die Familie 

beschränkten sozialen Kontakten schlossen. Damit zeigten sie entgegen 

der Auffassung der Beschwerdegegnerin hinreichend klar auf, welche 

konkreten Gegebenheiten in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf 

des funktionellen Leistungsvermögens zu ihrer neuen diagnostischen 

Einordnung und Beurteilung des Schweregrads der bestehenden 

psychischen Beschwerden geführt haben. 

5.10. Insgesamt ist somit gestützt auf das medaffairs-Gutachten vom 11. April 

2022 überwiegend wahrscheinlich, dass seit dem letzten, auf einer 

materiellen Prüfung des rechtserheblichen Sachverhalts beruhenden 

Entscheid bei der Beschwerdeführerin eine relevante Verschlechterung 

des psychischen Gesundheitszustands eingetreten ist. Daher ist das 

Vorliegen eines Revisionsgrunds nach aArt. 17 ATSG zu bejahen.

6. Im Allgemeinen setzt der Anspruch auf Leistungen der 

Invalidenversicherung unter anderem voraus, dass die versicherte Person 

invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Invalidität ist gemäss 

Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit 

dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (vgl. ferner Art. 4 IVG). 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung 

des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen 

der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Art. 7 Abs. 2 

Satz 1 ATSG).

- 35 -

6.1. Eine lege artis gestellte Diagnose gilt als Voraussetzung und 

Ausgangspunkt für die Frage der invalidisierenden Auswirkung einer 

Beeinträchtigung der Gesundheit, ist für sich alleine aber nicht 

ausreichend (vgl. BGE 142 V 106 E.4.4, BGE 141 V 281 E.2.1, BGE 130 

V 396 E.6.2 ff.). Entscheidend für die invalidisierende Wirkung einer 

gesundheitlichen Beeinträchtigung sind ihre Einflüsse auf die 

Erwerbsfähigkeit, also die objektivierten funktionellen Folgen der 

Gesundheitsschädigung (BGE 142 V 106 E.4.4, BGE 139 V 547 E.5.1). 

Im Leitentscheid BGE 141 V 281 formulierte das Bundesgericht einen aus 

zwei Hauptkategorien, nämlich "funktioneller Schweregrad" und 

"Konsistenz" bestehenden Indikatorenkatalog zur Prüfung, ob die 

funktionellen Auswirkungen von medizinisch festgestellten 

gesundheitlichen Anspruchsgrundlagen im Einzelfall anhand dieser 

Standardindikatoren einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad schlüssig 

und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nachweisen. Dieser Indikatorenkatalog gliedert sich wie folgt (vgl. dazu 

BGE 141 V 281 E.4.1.3 ff.):

- Kategorie "Funktioneller Schweregrad"
▪ Komplex "Gesundheitsschädigung"

• Indikator "Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde"
• Indikator "Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -

resistenz"
• Indikator "Komorbiditäten"

▪ Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche 
Ressourcen)

▪ Komplex "Sozialer Kontext" (Abgrenzung psychosozialer und 
soziokultureller Faktoren; Eruierung der Ressourcen anhand des 
Sozialen Umfeldes)

- Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
▪ Indikator "Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in 

allen vergleichbaren Lebensbereichen"
▪ Indikator "Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch 

ausgewiesener Leidensdruck"

- 36 -

Mit BGE 142 V 342 dehnte das Bundesgericht die Rechtsprechung von 

BGE 141 V 281 auf posttraumatische Belastungsstörungen aus und 

schliesslich mit BGE 143 V 418 grundsätzlich auf alle psychischen 

Erkrankungen (vgl. auch BGE 148 V 49 E.6.2.1, BGE 143 V 409 und 

BGE 145 V 215).

6.2.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt 

eine Schätzung ab, die sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet, bzw. sie nimmt dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der 

versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 145 V 361 

E.3.2.1 f., BGE 140 V 193 E.3.1, BGE 132 V 93 E.4; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_569/2021 vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 

vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 

9C_47/2021 vom 18. März 2021 E.5.2.3).

Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die 

medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der 

- 37 -

Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an 

den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall 

gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 

E.5.2). Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei 

insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden 

normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem 

Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen 

Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E.6). 

Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu 

überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der 

medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die 

Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte 

(BGE 141 V 281 E.5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste 

juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten 

Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E.5.2.3), sondern im 

Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen 

Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und 

widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben 

Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E.6; Urteil des Bundesgerichts 

8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E.4.2.4). Entscheidend bleibt 

letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, 

welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus 

juristischer Sicht beantwortet werden kann (vgl. zum Ganzen BGE 144 V 

50 E.4.3).

6.2.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den 

Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel 

– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das 

Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

- 38 -

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 

These abstellt (BGE 143 V 124 E.2.2.2 und BGE 125 V 351 E.3a). 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach 

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 140 V 193 E.3.2, BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a; Urteile 

des Bundesgerichts 8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 

8C_173/2021 vom 25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 

2021 E.5.1, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 

27. Mai 2021 E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist 

grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die 

Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme 

als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, BGE 122 V 157 

E.1c). 

6.2.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf 

bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für 

die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche 

Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit 

zahlreichen Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens 

eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund 

- 39 -

eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in 

die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu 

schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle 

Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die 

Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 

BGE 125 V 351 E.3b/bb; Urteile des Bundesgerichts 8C_33/2021 vom 

31. August 2021 E.2.2.2 und 9C_257/2020 vom 23. Juli 2020 E.3.2). In 

Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll die 

Richterin/der Q._____ auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, 

dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre 

auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten 

ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 E.3b/cc). 

Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag 

der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und der 

Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten 

(vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein Administrativ- 

oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass für 

weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen 

oder Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. 

Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom 

(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die 

Berichte der behandelnden ÄrztInnen wichtige – nicht rein der subjektiven 

Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der 

Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des 

Bundesgerichts 8C_491/2021 vom 20. Dezember 2021 E.4.1, 

8C_277/2021 vom 25. August 2021 E.3 und 8C_105/2021 vom 8. Juni 

2021 E.3).

6.3. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob auf das medaffairs-Gutachten vom 

11. April 2022 abgestellt werden kann oder ob konkrete Indizien gegen 

dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw. dieses von der übrigen 

- 40 -

medizinischen Aktenlage derart in Zweifel gezogen wird, dass von der 

darin ausgewiesenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit auch für adaptierte 

Tätigkeiten abzuweichen wäre. 

6.3.1. Soweit die Beschwerdegegnerin das medaffairs-Gutachten als 

mängelbehaftet beanstandet, ist ihr vorab entgegenzuhalten, dass die 

Expertinnen und Experten sich in ihrer Beurteilung in Kenntnis der 

medizinischen Vorakten (vgl. IV-act. 131 S. 27 ff., S. 79 ff. und S. 98 ff.) 

sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschränkungen der 

Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen 

gestützt auf die eigenen klinischen und testpsychologischen 

Untersuchungen sowie auf ihre bildgebenden sowie laborchemischen 

Befunde getroffen haben (vgl. IV-act. 131 S. 47 ff., S. 64 ff., S. 85 ff. und 

S. 115 ff.). Auch flossen die von der Beschwerdeführerin gemachten 

Angaben zur Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden – wie 

rechtsprechungsgemäss für den Beweiswert eines medizinischen Berichts 

gefordert – in die Gesamtbeurteilung zum Gesundheitszustand und zur 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung mit ein (vgl. IV-act. 131 S. 43 f., S. 60 f., 

S. 82 f. und S. 107 ff.). Zudem geht aus den Ausführungen in den 

jeweiligen Teilgutachten, insbesondere in psychiatrischer Hinsicht, 

aufgrund der einlässlichen Auseinandersetzung mit den vorbefundlichen 

Einschätzungen und der fremdanamnestischen Auskünfte der 

behandelnden Psychiaterin Dr. med. E._____ – wie bereits ausgeführt – 

mit genügender Klarheit hervor, wie sich der Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin entwickelt hat. Ferner ist das Gutachten für die 

streitigen Belange umfassend. 

6.3.2. Wie bereits dargelegt, wiesen die Gutachterinnen und Gutachter in der 

Konsensbeurteilung eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung 

(ICD-11 06B41), eine rezidivierende depressive Störung, zum Zeitpunkt 

der Untersuchung leichte Episode (ICD-10 F33.0), und eine anhaltende 

somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.2) mit Auswirkungen auf die 

- 41 -

Arbeitsfähigkeit aus. Dazu nahmen sie in der interdisziplinären 

Gesamtbeurteilung in nachvollziehbarer Weise Stellung (vgl. dazu 

vorstehende Erwägung 5.9) und kamen dabei zum Schluss, dass weder 

in der bisherigen noch in jeder angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit 

bestehe (vgl. IV-act. 131 S. 22). Bei diesen im Vordergrund stehenden 

psychiatrischen Beschwerdebildern orientierte sich die psychiatrische 

medaffairs-Gutachterin Dr. med. H._____ bei der Frage, ob die 

diagnostizierten psychischen Leiden zu einer Arbeitsunfähigkeit führen, 

rechtsprechungsgemäss an den Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 

281 (BGE 143 V 409 und 418), was ihr denn auch RAD-Arzt F._____ in 

seiner Abschlussbeurteilung vom 20. April 2022 zugestand (vgl. IV-

act. 165 S. 16). Entgegen dessen Ansicht sind die Ausführungen von 

Dr. med. H._____ zur Beurteilung der medizinischen Situation und die 

gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand 

nachvollziehbar begründet. So hielt sie in Würdigung der aktenkundigen 

Arztberichte und der fremdanamnestischen Auskünfte der behandelnden 

Psychiaterin zur Diagnoseherleitung namentlich fest, die komplexe 

posttraumatische Belastungsstörung entstehe nach einem 

aussergewöhnlichen, bedrohlichen und entsetzlichen Ereignis bzw. einer 

Erfahrung, die wiederholende und langandauernde Ereignisse umfasse, 

aus denen das Entkommen unmöglich gewesen sei. Die 

Beschwerdeführerin habe in ihrer Jugendzeit und frühen Adoleszenz 

Missbrauch mit nachträglicher, langjähriger sozialer Ausgrenzung und 

Entwertung (in einer Kollektivkultur durch die ungewollte Schwangerschaft 

bzw. das uneheliche Kind) erlebt. Die komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung sei durch Affektregulationsdefizite, Vermeidung, 

Hypervigilanz und Misstrauen sowie ein andauerndes negatives Selbstbild 

mit Selbstkonzept-Beeinträchtigungen charakterisiert. Dies sei durch die 

langjährige Therapeutin bestätigt worden und zeige sich auch in der 

Anamnese genauso wie im Mini-ICF-APP. Zudem lägen auf der 

emotionalen und Verhaltensebene ein Grübeln, Schuldgefühle, Wut und 

- 42 -

Selbstverachtung vor. Die Beschwerdeführerin meide soziale Kontakte, da 

sie aufgrund ihrer Hypervigilanz und ihren affektiven Regulationsdefiziten 

"den Anderen" nur mit Misstrauen begegnen könne. Sie erlebe die 

"Aussenwelt", auch ihre langjährige Psychiaterin, teilweise als Bedrohung 

und könne dies kaum reflektieren. Dies zeige sich auch im beruflichen 

Curriculum, in dem sie wiederholt von schwierigen Erfahrungen berichte, 

die vordergründig als Kränkung, bei vertiefter Betrachtung als 

"Bedrohung" zu bewerten seien. Innerfamiliär zeige sie in der defizienten 

Affektregulation häufig Wut, Schuld und Scham. In ihrem 

Krankheitskonzept liege die Ursache für ihre psychische Erkrankung im 

Somatischen. Die fehlende Flexibilität, die fehlenden Ressourcen und 

daher die fehlende Anpassungsfähigkeit seien für diese Diagnose 

bezeichnend. Es handle sich dabei um eine sehr schwerwiegende, 

anhaltende Störung, deren Kriterien erfüllt seien. Differenzialdiagnostisch 

seien Persönlichkeitsstörungen zu nennen. Diese würde in den Vorakten 

als Akzentuierung angedeutet. Dagegen spreche allerdings die 

langjährige Beziehungsgestaltung zu ihren Kindern sowie ausgeprägte 

affektive Schwankungen. Die langjährige Psychiaterin habe diese 

Diagnose nicht bestätigen können. Aufgrund des bisher Ausgeführten sei 

auch die in den Vorakten erwähnte "anhaltende Schmerzerkrankung" 

nachvollziehbar, die sich inzwischen chronifiziert habe. Diese sei als Folge 

der komplexen Traumafolgestörung zu betrachten. Da die Coping-

Strategien aufgrund fehlender Ressourcen und mangels "gedanklicher 

Elastizität" nicht mehr gelungen seien, sei ein "Ausweichen" auf 

somatische Schmerzen erfolgt, die wesentlich leichter zu akzeptieren 

gewesen seien und besser ins "Krankheitskonzept" gepasst hätten. 

Dadurch habe sich das Vermeidungsverhalten weiter aufrechterhalten. 

Aufgrund der "Abwärtsspirale" mit stetiger Zustandsverschlechterung 

habe sich zudem eine depressive Symptomatik entwickelt, die ebenfalls 

als Folge der komplexen PTBS bewertet werden könne und erstmals im 

- 43 -

Jahr 2013 in den Vorakten beschrieben worden sei (vgl. IV-act. 131 S. 118 

f.).

6.3.3. Soweit RAD-Arzt F._____ in seiner Abschlussbeurteilung vom 20. April 

2022 die Diagnose einer komplexen posttraumatischen 

Belastungsstörung insoweit in Abrede stellt, als er in Frage zu stellen 

scheint, ob die Beschwerdeführerin wirklich in der jungen 

Erwachsenenzeit traumatisiert worden sei (vgl. IV-act. 165/17), mutet dies 

angesichts der Aktenlage befremdend an. Denn so wies bereits RAD-Arzt 

D._____ in seinem Bericht vom 10. April 2015 als Anlass für seine 

Abklärung namentlich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin wohl 

wegen ungewollter Mutterschaft als Folge traumatischer sexueller 

Gewalterfahrung als Schulmädchen keine Berufslehre und kein Studium 

habe absolvieren können (vgl. IV-act. 40 S. 1). Auch im RAD-

Abschlussbericht von Dr. med. O._____ vom 14. Januar 2015 wurde die 

traumatisierende Erfahrung als Schulmädchen mit sexueller Gewalt und 

ungewollter Schwangerschaft festgehalten (vgl. IV-act. 44 S. 12; vgl. auch 

Bericht von Dr. med. J._____ vom 1. November 2013 [IV-act. 13 S. 12]). 

Ferner empfahl Dr. med. E._____ in ihrem Bericht vom 11. Juli 2014 eine 

psychotherapeutische Aufarbeitung ungelöster Konflikte und 

traumatisierender Ereignisse in der Vergangenheit (vgl. IV-act. 21 S. 2). 

Nicht gefolgt werden kann RAD-Jansen des Weiteren, wenn er in der 

Abschlussbeurteilung vom 20. April 2022 sodann in Abkehr zu den 

gutachterlichen sachverständigen Ausführungen darlegte, dass eine 

ungewollte Schwangerschaft – ohne Hinweis für traumatisierende 

Gewaltanwendung – die Definition einer komplexen PTBS genauso wenig 

erfülle wie der kulturell bedingte Umgang damit (vgl. IV-act. 165 S. 18). 

Abgesehen davon, dass sich der Hinweis auf die fehlende 

traumatisierende Gewaltanwendung – wie aufgezeigt – als aktenwidrig 

erweist, hat die psychiatrische medaffairs-Gutachterin Dr. med. H._____ 

das Vorliegen einer komplexen PTBS nachvollziehbar hergeleitet und den 

- 44 -

von der Beschwerdeführerin erlebten sexuellen Missbrauch mit 

ungewollter Schwangerschaft auch im kulturellen Kontext eingebettet. So 

führte sie plausibel aus, dass die Beschwerdeführerin in einer 

Kollektivkultur, geprägt von einer Wir-Stärke, aufgewachsen sei. Die von 

ihr aufgrund der ungewollten Schwangerschaft und höchstwahrscheinlich 

weiteren sexuellen Übergriffen erfahrene soziale Ausgrenzung und 

Entwertung würden dadurch innerpsychisch anders verarbeitet und hätten 

einen weitaus destruktiveren Einschluss (recte wohl: Einfluss) auf die 

psychische Gesundheit als in unserer Kultur. Auch das psychosomatische 

Verständnis unterliege Sozialisationsnormen, die kulturabhängig seien. In 

dem von der Beschwerdeführerin beschriebenen Krankheitskonzept seien 

es die körperlichen Schmerzen und Gebrechen, die zu einer psychischen 

Verschlechterung geführt hätten. Bei Gebrechen und Krankheiten könne 

sie Unterstützung und Fürsorge von ihrem Umfeld erwarten. Zusammen 

mit den traumatischen Erfahrungen und dem kulturellen Hintergrund 

nehme sie bedingt durch die Regression eine "passive Haltung" ein. 

Wegen ihrer Hypervigilanz mit dem grossen Misstrauen, der 

"gedanklichen Inflexibilität", der grossen Selbstentwertung, der 

Angstzustände und der dadurch kaum vorhandenen Ressourcen (kaum 

Hobbies, keine Freizeitgestaltung, keine eigene Strukturgebung) habe sie 

sich von einem ausserfamiliären sozialen Umfeld zurückgezogen und 

müsse familiär unterstützt werden (vgl. IV-act. 131 S. 121). Die 

gegenteilige, mitunter aktenwidrige Auffassung von RAD-Arztes F._____, 

der nicht Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist und seine 

Einschätzung im Gegensatz zur psychiatrischen medaffairs-Gutachterin 

auch nicht auf eine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin 

abstützen kann, vermag dabei die gutachterliche diagnostische 

Beurteilung nicht in Zweifel zu ziehen.

6.3.4. Ferner führt die Beschwerdegegnerin zusammen mit RAD-Arzt F._____ 

insoweit Kritik am medaffairs-Gutachten an, als sich darin deutliche 

- 45 -

Hinweise auf eine Selbstlimitierung, eine erhebliche Symptomausweitung 

und Inkonsistenzen fänden, die in der psychiatrischen Beurteilung und in 

der interdisziplinären Gesamtbeurteilung keine (oder zumindest zu wenig) 

Beachtung gefunden hätten. Stattdessen hätten die psychiatrische 

Teilgutachterin und die Gutachter insgesamt aus den von der 

Beschwerdeführerin subjektiv geltend gemachten Einschränkungen 

unhinterfragt – das heisst ohne sich mit der Selbstlimitierung, der 

Symptomausweitung und den Inkonsistenzen auseinanderzusetzen – auf 

das objektive Funktionsniveau geschlossen (vgl. angefochtene Verfügung 

vom 14. November 2022 [IV-act. 165 S. 3 f.]). 

Aus dem psychiatrischen Teilgutachten ist diesbezüglich zu entnehmen, 

dass die Beschwerdeführerin noch im Wartezimmer erwähnt habe, starke 

Schmerzen beim Gehen und Sitzen zu haben. Diese würden sie gemäss 

Aktenlage auch bei der Arbeit einschränken. Das rund zweistündige Sitzen 

während der Untersuchung sei sodann ohne Einschränkung erfolgt. Es 

hätten sich keine "Positionsänderungen aufgrund von Schmerzen" 

gezeigt. Diese Schmerzen seien auch während des gesamten 

Gesprächsverlaufs nicht mehr erwähnt worden. Auch das Gehen in den 

Praxisraum wie auch das Herausgehen sei agil verlaufen, ohne 

schmerzbedingte Funktionseinschränkung (vgl. IV-act. 131 S. 122). Die 

psychiatrische medaffairs-Gutachterin merkte dazu an, dass die 

anfängliche Bemerkung im Wartezimmer als Ausdruck der Angst vor dem 

"Nicht-ernst-genommen-werden" zu werten sei (vgl. IV-act. 131 S. 122). 

Mithin scheint Dr. med. H._____ diese auf das die komplexe PTBS 

gemäss ihren Angaben charakterisierende Misstrauen, das sich auch 

gegenüber der Referentin gezeigt habe (vgl. IV-act. 131 S. 116), und die 

damit einhergehende Hypervigilanz zurückzuführen (vgl. IV-act. 131 

S. 118 f.). Dass die anfängliche Aussage der Beschwerdeführerin, wonach 

sie starke Schmerzen beim Gehen und Sitzen habe, die danach aufgrund 

der Beobachtungen im klinischen Untersuch zu relativieren war, auf einem 

- 46 -

Verhalten basierte, das eindeutig über eine blosse unbewusste Tendenz 

zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausginge, mit anderen 

Worten auf eine die versicherte Gesundheitsschädigung ausschliessende 

Aggravation oder ähnliche Konstellation schliessen liesse (vgl. BGE 141 

V 281 E.2.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_689/2021 vom 3. Februar 

2022 E.2), lässt sich den gutachterlichen Ausführungen nicht entnehmen. 

Auch wenn somit eine gewisse Diskrepanz zwischen den geschilderten 

Schmerzen und dem gezeigten Verhalten bestand, die von der 

Beschwerdegegnerin als Symptomausweitung bezeichnet worden ist, 

wies Dr. med. H._____ – genauso wie die anderen medaffairs-Gutachterin 

und -Gutachter – keine Aggravation oder Simulation aus. Die 

gutachterlichen Ausführungen verbieten es daher, ohne Weiteres von 

einer jeglichen Rentenanspruch ausschliessenden Aggravation 

auszugehen. Denn damit besteht – wie von der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung verlangt (vgl. BGE 143 V 418 E.8.2; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_418/2021 vom 16. September 2021 E.6.2 und 

9C_524/2020 vom 23. November 2020 E.4) – nicht Klarheit darüber, dass 

nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine klar als 

solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen 

eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, 

ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbständigte, 

krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre. Im Gegenteil 

ordnete die psychiatrische medaffairs-Gutachterin das Verhalten der 

Beschwerdeführerin gerade als Ausdruck einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung ein, das sich gemäss ihren 

Angaben insbesondere durch ein Vermeidungsverhalten sowie durch ein 

andauerndes negatives Selbstbild mit Beeinträchtigungen des 

Selbstkonzepts kennzeichnet (vgl. IV-act. 131 S. 118 f.), und in deren 

Folge sich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine 

rezidivierende depressive Störung entwickelt haben (vgl. IV-act. 131 S. 19 

und S. 119 f.). Insofern schrieb Dr. med. H._____ – genauso wie ihre Co-

- 47 -

Gutachterin und -Gutachter – diese Inkonsistenz den gestellten 

psychiatrischen Diagnosen, d.h. einem krankheitswertigen Ursprung, und 

zusätzlich der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin zu, was – wie bereits 

dargelegt (vgl. Erwägung 5.8, 5.9 und 6.3.2 hiervor) – schlüssig erscheint, 

indem bei der Beschwerdeführerin gemäss gutachterlicher Beurteilung ein 

Ausweichen der traumatischen Erfahrungen in ein Schmerzerleben 

vorliegt, zudem bereits seit Jahren ein beruflich bedingter 

ressourcenzehrender Circulus vitiosus bestanden hatte und sodann eine 

für sie sehr belastende Arbeitsplatzsituation hinzugetreten ist, woraufhin 

die erlernten Coping-Strategien mangels vorhandener Ressourcen und 

infolge fehlender gedanklicher Elastizität nicht mehr gelangen, sich das 

Vermeidungsverhalten dadurch verstärkte und eine Abwärtsspirale (mit 

begleitender depressiver Symptomatik) entstand, aufgrund der die 

Beschwerdeführerin letztlich im Alltag und in der Arbeit nicht mehr 

funktionieren konnte. Auch wenn die Beschwerdeführerin somit im Sinne 

einer – wie von der Beschwerdegegnerin bezeichneten – Selbstlimitierung 

eine passive Haltung einnimmt und aus den gutachterlichen Ausführungen 

daneben durchaus gewisse Hinweise auf einen sekundären 

Krankheitsgewinn hervorgehen (z.B. familiäre Unterstützung und 

Fürsorge infolge Krankheit [vgl. IV-act. 131 S. 121] oder Besserstellung 

innerhalb des Familienkonstrukts aufgrund der Schmerzen [vgl. IV-

act. 131 S. 21]), geht aus dem medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 

mit genügender Klarheit hervor, dass das entsprechende (Vermeidungs-

)Verhalten auf verselbstständigte, die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit 

einschränkende psychische Störungen zurückzuführen ist und darin seine 

hinreichende Erklärung findet. Auch die bestehenden psychosozialen 

Belastungsfaktoren, wie beispielsweise die ehemals schwierige 

Arbeitsplatzsituation, die Belastung durch den psychisch kranken 

Ehemann oder die finanziellen Sorgen, sind insoweit beachtlich, als sie 

mittelbar zur Invalidität beitragen, indem sie den verselbstständigten 

Gesundheitsschaden aufrechterhalten und den Wirkungsgrad seiner 

- 48 -

Folgen verschlimmern (vgl. BGE 141 V 281 E.3.4.2.1; Urteile des 

Bundesgerichts 9C_10/2021 vom 15. Juni 2021 E.3.3.1, 8C_559/2019 

vom 20. Januar 2020 E.3.2 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 

E.5.1.3). In diesem Sine führten die Expertinnen und Experten in der 

Konsensbeurteilung denn auch aus, die Beschwerdeführerin stünde sich 

aufgrund der Symptomausweitung selbst im Weg, da zur Steigerung der 

Belastbarkeit grundsätzlich eine Physiotherapie indiziert sei, deren 

Umsetzung bei der erheblichen Symptomausweitung jedoch fraglich sei, 

wobei die psychiatrischen Diagnosen genauso wie die Persönlichkeit der 

Beschwerdeführerin hierfür eine Barriere darstellten (vgl. IV-act. 131 

S. 21). Gleichermassen trifft es zwar zu, dass gemäss den aktenkundigen 

Ergebnissen der durchgeführten EFL jeweils eine erhebliche 

Symptomausweitung festgestellt worden ist. Allerdings enthielten die 

entsprechenden, nicht unter ärztlicher Beteiligung erstellten Berichte auch 

immer den Hinweis, dass bei deren Beurteilung eine mögliche psychische 

Störung zu berücksichtigen sei (vgl. Bericht der Kliniken C._____ vom 

5. November 2013 zum Job Match vom 31. Oktober 2013 [IV-act. 13 

S. 20], Bericht der Kliniken C._____ vom 28. Mai 2015 zu den 

gleichentags durchgeführten Basistests der körperlichen 

Leistungsfähigkeit [IV-act. 42 S. 10] und Bericht des Inselspitals Bern vom 

16. Dezember 2021 zu der am 1. Dezember 2021 durchgeführten 

Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit [IV-act. 131 S. 129]). Wie 

auch bei der aktuellen Begutachtung durch die medaffairs AG gelangte 

dabei bereits Dr. med. P._____ mit Bericht vom 1. November 2013 zum 

Schluss, dass die festgestellte erhebliche Symptomausweitung infolge der 

psychischen Diagnose dahingehend erklärt werden könne (vgl. IV-act. 13 

S. 17). Im medaffairs-Gutachten vom 11. April 2022 wurden die 

Ergebnisse der in diesem Rahmen durchgeführten EFL zudem auch 

somatisch gewürdigt. Dabei hielten die Gutachterinnen und Gutachter 

dafür, dass mangels verwertbarer Resultate aus den physischen 

- 49 -

Leistungstests spezielle körperliche Einschränkungen nicht beurteilbar 

gewesen seien (vgl. IV-act. 131 S. 20). 

6.3.5. Im Rahmen der Konsistenzprüfung führten die medaffairs-Gutachterinnen 

und -Gutachter ferner aus, dass die Beschwerdeführerin ihre Schmerzen 

in der rheumatologischen Untersuchung nicht habe genau benennen 

können und einzelne Körperregionen hätten abgefragt werden müssen. 

Trotz des hohen Leidensdrucks sei die Beschwerdeschilderung 

erstaunlich diffus gewesen (vgl. IV-act. 131 S. 21 f.). Die 

rheumatologische Gutachterin Dr. med. Q._____ führte in ihrem 

Teilgutachten zur Diagnoseherleitung indes aus, bei der 

Beschwerdeführerin sei das Vorliegen einer Fibromyalgie möglich. Sie 

beschreibe typische Beschwerden der Fibromyalgie mit diffusen 

Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, aber auch Rückenschmerzen 

neben unspezifischen allgemeinen Symptomen, wie z.B. Kopfschmerzen, 

Inkontinenzproblemen, Bauchschmerzen, Schwindel, Nausea und 

Belastungsapnoe (vgl. IV-act. 131 S. 69). Insofern ordnete sie die von der 

Beschwerdeführerin geschilderten generalisierten und diffusen 

Schmerzen als charakteristische Beschwerden im Rahmen der von ihr 

gestellten Verdachtsdiagnose einer Fibromyalgie ein. Zur vagen 

Schmerzcharakterisierung durch die Beschwerdeführerin hielt Dr. med. 

Q._____ auch fest, grundsätzlich lasse dies nicht zwingend an der 

Diagnose zweifeln, möchten doch Mentalitätsgründe, Teile der 

Persönlichkeit und psychische Komorbiditäten hierfür ursächlich sein (vgl. 

IV-act. 131 S. 71). Insofern verneinte sie denn auch das Vorliegen von 

Inkonsistenzen ausdrücklich (vgl. IV-act. 131 S. 63). Zudem führte sie aus, 

dass sich innerhalb der Anamnese, der Aktenlage und der Einschätzung 

keine Widersprüche fänden und sich die Beschwerdeführerin bei der 

Durchführung der Therapien kooperativ gezeigt habe (vgl. IV-act. 131 

S. 71).

- 50 -

6.3.6. Wenn die psychiatrische medaffairs-Gutachterin des Weiteren ebenfalls 

von einer diffusen Beschwerdeschilderung mit Fokus auf die 

psychosozialen Belastungsfaktoren hinwies, wobei sich die 

Beschwerdeführerin deutlich erleichtert gezeigt habe, als das 

Aufnahmegerät abgeschaltet worden sei, zumal sie über den "Missbrauch" 

der Aufnahmen besorgt gewesen sei, und sie alsdann weitere 

anamnestische Angaben gemacht habe (vgl. IV-act. 131 S. 122 und 

S. 22), kann dies wiederum mit der störungsspezifischen und damit 

krankheitsbedingten Hypervigilanz, dem Misstrauen und dem negativen 

Selbstbild hinreichend erklärt werden. Soweit die Beschwerdegegnerin 

den medaffairs-Gutachterinne