# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0c95ffba-1a2f-57ee-9c0e-bfea99e55bd4
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-22
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 22.05.2015 200 2015 188
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2015-188_2015-05-22.pdf

## Full Text

200 15 188 IV
SCI/SHE/JAA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 22. Mai 2015

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Scheidegger
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 23. Januar 2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1976 geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 30. März 2012 mit Hinweis auf seit einem Un-
fall vom 26. August 2011 bestehende Kniebeschwerden links bei der IV-
Stelle Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbe-
zug an (Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 2). Diese führte daraufhin be-
rufliche und medizinische Abklärungen durch und holte die Akten des invol-
vierten obligatorischen Unfallversicherers, der C.________, insbesondere 
die von dieser in Auftrag gegebenen medizinischen Gutachten von Dr. 
med. D.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo-
gie des Bewegungsapparates FMH, vom 19. April 2012 (AB 7/2) und von 
Dr. med. E.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-
logie des Bewegungsapparates FMH, vom 22. April 2013 (AB 30.2) ein. 

Die C.________ stellte ihre Leistungen aus der obligatorischen Unfallversi-
cherung mit Verfügung vom 27. August 2013 (AB 44/2) per 13. August 
2013 ein. 

Nach der Untersuchung der Versicherten durch Dr. med. F.________, 
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst 
(nachfolgend RAD), am 8. Januar 2014 (AB 59, 60) holte die IVB auf des-
sen Empfehlung weitere ärztliche Berichte ein. Hierzu nahm der RAD-Arzt 
am 20. Mai 2014 (AB 77) Stellung.

Mit Vorbescheid vom 7. August 2014 (AB 78) stellte die IVB bei einem In-
validitätsgrad von 45% eine vom 1. Oktober bis 30. November 2012 befris-
tete Viertelsrente in Aussicht, wozu sich die behandelnde Hausärztin 
Dr. med. G.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, im 
Bericht vom 3. September 2014 (AB 80) äusserte, bzw. die von der Be-
schwerdeführerin beigezogene Rechtsanwältin, Frau B.________ (nachfol-
gend Rechtsvertreterin), am 15. September 2014 (AB 84) Einwände erhob. 
Nach Einholung einer weiteren Stellungnahme beim RAD-Arzt Dr. med. 
F.________ vom 6. November 2014 (AB 87) entschied die IVB mit Verfü-
gung vom 23. Januar 2015 (AB 91) wie im Vorbescheid angekündigt. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 3

B.

Mit Eingabe vom 23. Februar 2015 liess die Versicherte hiergegen Be-
schwerde erheben mit folgenden Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung vom 23. Januar 2015 sei aufzuheben und die Beschwerdegegne-
rin sei zu verurteilen, der Beschwerdeführerin rückwirkend ab 1. Oktober 2012 ei-
ne ganze Invalidenrente auszurichten.

2. Eventualiter: Die Verfügung vom 23. Januar 2015 sei aufzuheben und die Sache 
sei zur Vornahme weiterer Abklärungen (Gutachten bei einer MEDAS, Medizini-
sche Abklärungsstelle) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen mit der An-
weisung, eine neue Verfügung im Sinne der Beschwerde zu erlassen.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -

Mit Eingabe vom 10. März 2015 liess sie zudem ein Gesuch um unentgelt-
liche Rechtspflege und Verbeiständung durch die vertretende Rechtsanwäl-
tin einreichen.

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Eingabe vom 23. März 2015 auf Ab-
weisung der Beschwerde. 

Mit Eingabe vom 9. April 2015 liess die Beschwerdeführerin Bemerkungen 
zur Beschwerdeantwort einreichen.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-

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gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 23. Januar 2015 
(AB 91). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

Vorab wird erstmals in der Beschwerde die Vergabe des Gutachtenauftrags 
durch die Unfallversicherung C.________ an Dr. med. E.________ kritisiert 
(Beschwerde S. 6 Art. 7). Zudem macht die Rechtsvertreterin im Be-
schwerdeverfahren erstmals sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen 
Gehörs geltend, mit dem Hinweis, ihr sei weder ein RAD-Bericht vom 8. 
Januar noch vom 6. November 2014 bekannt (vgl. Eingabe vom 9. April 
2015, Ad. Ziff. 4 und 6). 

2.1

2.1.1 Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Verfah-
rensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung 
betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor 
Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu 

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äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu neh-
men, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhe-
bung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum 
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu 
beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 S. 371; Entscheid des Bundesgerichts 
[BGer] vom 18. Juli 2014, 8C_834/2013, E. 5.1).

2.1.2 Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein 
Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so 
gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gut-
achter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen 
(Art. 44 ATSG).

Ordnet die Verwaltung eine Begutachtung an, kann die versicherte Person 
materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem 
Einwand, es handle sich um eine unnötige second opinion), gegen Art oder 
Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der 
medizinischen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa 
betreffend deren Fachkompetenz) erheben. Weiter können formelle 
Ausstandsgründe gegen Gutachterpersonen geltend gemacht werden 
(BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 274, 137 V 210 E. 3.4.2.7 S. 257).

Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ab-
lehnungsgründe, wie sie für Richterinnen und Richter vorgesehen sind. 
Befangenheit ist demnach anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die 
geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken (BGE 132 V 
93 E. 7.1 S. 109; SVR 2009 UV Nr. 32 S. 112 E. 4.2 und 4.3).

2.2 Dem Einwand der Rechtsvertreterin vom 9. April 2015, ihr sei weder 
ein RAD-Bericht vom 8. Januar 2014 noch einer vom 6. November 2014 
bekannt, kann nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin wurde am 
8. Januar 2014 von Dr. med. F.________ untersucht. Dessen Untersu-
chungsbericht (AB 60) sowie dessen „Beurteilung der medizinischen Situa-
tion“ (AB 59) datieren vom 8. bzw. 9. Januar 2014, wurden der Rechtsver-
treterin mit Schreiben vom 5. September 2014 (AB 83) zugestellt und von 
der Beschwerdeführerin als Beilage 19 mit der Beschwerde eingereicht, 
womit erstellt ist, dass die Rechtsvertreterin im Besitz der besagten Berich-

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te war. Was den RAD-Bericht vom 6. November 2014 (AB 87) betrifft, so 
hat sich die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung ausdrücklich auf die-
sen bezogen (AB 91 S. 6) und ihn als Bestandteil des Entscheids bezeich-
net sowie darauf hingewiesen, dass er der Verfügung beiliege. Auch dieser 
wurde (als Beilage 1) mit der Beschwerde eingereicht. Eine Verletzung des 
rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.

2.3 Das Gutachten des Dr. med. E.________ wurde von der obligatori-
schen Unfallversicherung der Beschwerdeführerin, der C.________, in Auf-
trag gegeben. Der Beschwerdeführerin wurde - soweit aus den von der 
Beschwerdegegnerin bei der Unfallversicherung C.________ einverlangten 
Akten ersichtlich - vorgängig weder Gelegenheit gegeben, bei der Wahl des 
Gutachters mitzuwirken, noch Ergänzungsfragen einzureichen. Dies steht 
jedoch der Verwertbarkeit des Gutachtens aus formaler Sicht nicht per se 
entgegen.

Die in Art. 44 ATSG vorgesehenen Mitwirkungsrechte sind an sich durch 
jenen Versicherungsträger zu wahren, der das medizinische Gutachten in 
Auftrag gibt, d.h. hier die Unfallversicherung C.________. Mängel bei der 
Einholung des Beweismittels sind in jenem Verfahren, d.h. dem UVG-
Verfahren, geltend zu machen (Entscheid des BGer vom 3. Januar 2008, 
8C_131/2007, E. 3.2). Mängel bei der Anordnung der Begutachtung hat die 
Beschwerdeführerin zeitnah nicht gerügt. Hinzu kommt, dass die Be-
schwerdeführerin auch im Verfahren der Invalidenversicherung die Mängel 
erst im Beschwerdeverfahren vorbringt. Gleichzeitig hat sie jedoch weder 
vor Gericht dargelegt, in welcher Weise anders vorzugehen gewesen wäre, 
noch Ablehnungs- oder Ausstandsgründe geltend gemacht. Zudem hat sie 
auch nicht dargelegt, welche zusätzlichen Fragen vom Gutachter zu be-
antworten gewesen wären. Lediglich ihr pauschaler Hinweis, das Gutach-
ten sei weder unabhängig noch unvoreingenommen noch objektiv (Be-
schwerde S. 13 Ziff. 18 und S. 14 Ziff. 20), vermag daran nichts zu ändern. 
Ob das Gutachten inhaltlich den vom Bundesgericht aufgestellten Anforde-
rungen an eine medizinische Expertise genügt, ist vom Gericht in freier 
Beweiswürdigung im Rahmen der konkreten Fallbeurteilung und unter 
Berücksichtigung der gesamten Akten zu klären (vgl. E. 4.3 hiernach).

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3.

3.1 Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperli-
chen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise 
Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit 
zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem 
anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

3.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

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beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

4.

4.1 In medizinischer Hinsicht ist den Akten im Wesentlichen Folgendes 
zu entnehmen:

4.1.1 Gemäss Eintrag in der Krankengeschichte der Beschwerdeführerin 
von Dr. med. H.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, vom 25. November 2011 
(AB 5.5/8) zeigte das MRI einen Status nach arthroskopischer Teilmenis-
kektomie mit einem Restmeniskus, der intakt sei. Anzeichen für einen Sud-
eck bestünden nicht. Die Schmerzen seien nicht richtig objektivierbar. Er 
habe der Beschwerdeführerin noch einmal Physiotherapie verschrieben 
sowie ein Rezept für ein entzündungshemmendes Medikament abgegeben. 
Weiter habe er ihr angedeutet, dass sie in ca. zwei Wochen wieder mit der 
Arbeit beginnen sollte. 

4.1.2 Dr. med. D.________ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 19. 
April 2012 (AB 7/2) ein massives Rehabilitationsdefizit Knie links nach ar-
thros-kopischer Teilmeniskektomie links vom 3. Oktober 2011 bei einge-
schränkter Beweglichkeit, deutlicher Muskelatrophie des linken Beines so-
wie Stockgebrauch ausser Haus (S. 6 Ziff. 3). Sowohl die Einschränkungen 
der Beweglichkeit wie auch der deutliche Muskelschwund am linken Bein 
könnten klinisch bestätigt werden (Ziff. 4). Neben einer aktiven wie passi-
ven Bewegungstherapie sei ein Krafttraining notwendig. Zusätzlich seien 
eine Wassertherapie und Gangschulung günstig. Erstes Ziel sollte sein, die 
Stöcke ausser Haus wegzulassen. Die Beschwerdeführerin sei absolut 
bereits heute in der Lage, mit einem Stock links zu gehen. Die Prognose 
scheine heute günstig zu sein, auch wenn die Aufbauphase noch drei bis 
sechs Monate andauern werde (S. 6 f. Ziff. 5). Bis eine gute Mobilisation 
und Gehfähigkeit erreicht sei, benötige sie aber noch einige Monate (S. 7 

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Ziff. 6). Seit dem 2. April 2012 werde ein Arbeitsversuch an einem Schona-
rbeitsplatz während drei Mal zweier Stunden die Woche durchgeführt. Dies 
sei in der Zwischenzeit unbedingt weiterzuführen. Eine Steigerung sei je-
derzeit anzustreben. Eine Rückkehr zur angestammten Arbeit sei im Mo-
ment nicht möglich. Die Beschwerdeführerin sei momentan nicht in der 
Lage, einer anderen Arbeit (stehend, gehend, Lasten hebend, unebener 
Boden) nachzugehen (S. 8 Ziff. 8).

4.1.3 Die behandelnde Hausärztin, Dr. med. G.________, diagnostizierte 
im Bericht vom 20. Juni 2012 (AB 16/7) ein schweres Rehabilitationsdefizit 
des linken Knies bei einem Status nach arthroskopischer Meniskektomie 
am 13. Oktober 2011 (S. 1 Ziff. 1.1). Die Prognose sei unsicher, aber eher 
günstig, was eine Wiederaufnahme der Arbeit anbelange (S. 2 Ziff. 1.5). 
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe seit 26. August 2011 eine 
100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). 

4.1.4 Vom 14. Juni bis 12. Juli 2012 weilte die Beschwerdeführerin in der 
Klinik I.________. Im Bericht vom 16. Juli 2012 (AB 30.3) wurde ein Sturz 
auf die linke Seite mit Kontusion speziell des linken Kniegelenkes und der 
linken Kniescheibe diagnostiziert. Beim Austritt hätten neben einer einge-
schränkten Kniebeweglichkeit links sowie belastungsverstärkten Schmer-
zen im linken Kniebereich schmerzbedingte Schlafstörungen bestanden. 
Die physiotherapeutisch begleitete Medizinische Trainingstherapie (MTT) 
solle ambulant weitergeführt und das instruierte Heimprogramm fortgesetzt 
werden. Die Ziele seien Erhalt und längerfristig sukzessive weitere Verbes-
serung berufsspezifischer Kraft- und Ausdauerkomponenten, der Gelenks-
funktion, der Muskelfunktion, Schmerzlinderung sowie eine allgemeine Re-
konditionierung (S. 1). Es liege keine psychische Störung vor, welche eine 
arbeitsrelevante Leistungsminderung begründen könnte. Die angestammte 
Tätigkeit als … sei aktuell wegen der zu hohen Anforderungen (ganztags 
gehend-stehende Tätigkeit) nicht zumutbar. Es sei davon auszugehen, 
dass die Beschwerdeführerin nach einer weiteren Phase medizinischer 
Trainingstherapie von acht Wochen ihre angestammte Tätigkeit als … wie-
der vollumfänglich ausüben könne. Andere berufliche Tätigkeiten (aktuell 
leichte bis mittelschwere Arbeit) seien ganztags zumutbar. Ab 1. Septem-
ber 2012 sollte wieder eine Arbeitsfähigkeit gegeben sein. Anfänglich z.B. 

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50% mit schrittweiser Steigerung auf eine volle Leistung innert zwei bis drei 
Monaten (S. 2).

4.1.5 Im Bericht des Spitals J.________ vom 19. Dezember 2012 (Akten 
der Beschwerdeführerin [act. I] 14) wurden chronisch-persistierende Knie-
schmerzen links mit/bei einem Status nach Teilmeniskektomie medial 
09/2011, einem Status nach Kniegelenksinfiltration 10/2011 und 02/2012 
sowie unklarer Parese Hüftbeuger und Fussextensoren (M3) sowie Fuss-
strecker (M4) diagnostiziert (S. 1). Zusammenfassend bestünden bei der 
Beschwerdeführerin chronische persistierende Knieschmerzen mit einem 
nozizeptiv-mechanischen Charakter. Die Paresen im Bereich des linken 
Beines bei der Untersuchung seien nicht klar kongruent mit dem normal 
durchführbaren Zehenspitzen- und Fersengang. Die Klinikärzte interpretier-
ten diese Beschwerden am ehesten durch eine gewisse Schonung. Bei 
normalen Reflexen und auch normaler Sensibilität könnten diese Befunde 
neurologisch nicht klar eingeordnet werden. Die psychosozialen Belas-
tungsmomente, insbesondere mit der lang andauernden Arbeitslosigkeit, 
könnten einen Einfluss auf das Schmerzerleben haben. Bei dem chroni-
schen Verlauf sei eine zentrale Hypersensibilisierung nicht auszuschliessen 
(S. 2). 

4.1.6 Dr. med. E.________ stellte im Gutachten vom 22. April 2013 
(AB 30.2) folgende Diagnosen:

1. Unklares Schmerzsyndrom am distalen ventralen Oberschenkel links
2. Mässiger Druckschmerz am dorsomedialen Gelenksspalt links nach Traumati-

sierung (26.08.2011) und partieller medialer arthroskopischer Meniscektomie 
(03.10.2011)

3. Druckschmerz der medialen Patellafacette links bei kernspintomographisch 
nachgewiesener Verschmälerung des femoralen medialen Knorpelbelags

4. Schmerzhafte Minderbelastbarkeit des linken Beines mit subjektiver Kraftein-
schränkung, minimale Bewegungseinschränkung des linken Kniegelenkes und 
knienahe Muskelatrophie

5. Verdacht auf vorübergehende mässige Algodystrophie im Januar 2012 bei 
röntgenologisch kleinfleckiger gelenknaher Knochendystrophie

6. Minimales lumbosakrales rezidivierendes Schmerzsyndrom
7. Adipositas und muskuläre Dysbalance
8. Dringender Verdacht auf eingeschränkte Compliance, abnorme Schmerzverar-

beitung mit Symptomausweitung und demonstrativem Verhalten (S. 11 f.).

Nach einem banalen Unfallereignis sei bei weiteren Beschwerden nach 
MRI-Abklärung eine mediale arthroskopische Teilmeniscektomie durchge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 11

führt worden. Normalerweise könne in dieser Situation bei kernspintomo-
graphisch bestätigter korrekter Teilresektion des Meniskus innerhalb von 
sechs Wochen mit einer Beschwerdefreiheit gerechnet werden. Im vorlie-
genden Fall bestünden seit über 18 Monaten Beschwerden, die objektiv 
nicht erklärt werden könnten. Die einzige objektive Erklärung für atypische 
Beschwerden und einem verzögerten Heilverlauf habe bildgebend im Ja-
nuar 2012 festgestellt werden können (gelenknahe Knochendystrophie), 
die jedoch nur vorübergehende Beschwerden erkläre, wie dies auch mit der 
zunehmenden Normalisierung anlässlich der MRI-Untersuchung vom 
6. März 2012 dokumentiert worden sei. Im gesamten Verlauf gebe es er-
hebliche Ungereimtheiten, lückenhafte Informationen und zum Teil Wider-
sprüche mit Symptomausweitung, die vom orthopädischen Fachgebiet 
nicht erklärt werden könnten (S. 15).

Ernsthafte objektiv klinisch oder bildgebend dokumentierte Gesundheits-
schädigungen lägen nicht vor. Deshalb sollten die therapeutischen 
Bemühungen aller beteiligten Personen primär darin bestehen, die Be-
schwerdeführerin aufzuklären und ihr mitzuteilen, dass an ihrem Körper 
bzw. linken Bein keine ernsthaften gesundheitlichen Störungen bestünden 
und sie wieder Vertrauen in ihren Körper gewinnen müsse und durch zu-
nehmenden aktiven Gebrauch eine Besserung durch sie selbst erreicht 
werden könne. Zusätzlich empfahl der Gutachter die Weiterführung der 
physiotherapeutischen Massnahmen, wobei als wichtigstes Ziel die 
vollständige Streckung des linken Kniegelenkes angesehen werden müsse. 
Nach konsequenter Durchführung der Massnahmen über zwei Monate soll-
te die Aufnahme einer Verweistätigkeit möglich sein. Alternativ zu den vor-
geschlagenen Massnahmen kämen weitere medizinische Maximalbetreu-
ungen in Frage (z.B. stationäre psychosomatische Hospitalisation, interdis-
ziplinäre Abklärung und Rehabilitation). Invasive Massnahmen wie z.B. 
eine erneute Arthroskopie seien problematisch, da keine echte ernsthafte 
Bewegungseinschränkung und bildgebend kein operationswürdiger Befund 
dokumentiert werden könne (S. 16 f. Ziff. 6). In der angestammten Tätigkeit 
als Betriebsmitarbeiterin bestehe seit 26. August 2011 eine Arbeitsfähigkeit 
von 0%. In einer optimal angepassten Verweistätigkeit unter Wechselbelas-
tung, mehrheitlich sitzend, wäre vom orthopädischen Standpunkt aus eine 
Arbeitsfähigkeit von 100% medizinisch-theoretisch ab 1. Oktober 2012 zu-

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mutbar. Praktisch wäre diese optimal angepasste Verweistätigkeit aktuell 
frühestens nach zwei Monaten möglich (Ziff. 8.2). Es bestehe eine Ein-
schränkung bezüglich der Stehdauer bis max. 30 Minuten, der Gehstrecke 
bis ca. 30 Minuten sowie Heben von Lasten beidhändig bis ca. 10 kg, kurz-
zeitiges Tragen ca. 5 kg. Arbeiten in Bodennähe, auf unebenem Gelände 
sowie auf Leitern und Gerüsten seien nicht zumutbar. Die Sitzdauer auf 
einer guten Sitzgelegenheit mit Beinfreiheit sei nicht eingeschränkt. Unter 
idealen Bedingungen mit den erwähnten Einschränkungen wäre ein voll-
schichtiges Arbeitspensum mit 100%-iger Leistung zumutbar (Ziff. 8.3).

4.1.7 Im Bericht des Spitals K.________ vom 12. August 2013 (AB 66/2) 
wurde eine Beinschwellung links unklarer Ätiologie diagnostiziert (S. 1). 

4.1.8 Gemäss dem undatierten Bericht des Spitals L.________ (AB 41/2) 
hat sich die Beschwerdeführerin am 20. August 2013 wegen Schmerzen 
und Schwellung des linken Beins seit ca. zehn Tagen vorgestellt. Klinisch 
habe sich ein leicht geschwollener Unterschenkel ohne Rötung oder Über-
wärmung sowie mit negativen Thrombosezeichen gefunden. Laborchemi-
sch habe eine relevante Entzündung oder Thrombose ausgeschlossen 
werden können. Bei generalisiertem Kraftverlust im linken Bein sei die Be-
schwerdeführerin neurologisch konsiliarisch mitbeurteilt worden. Da die 
motorischen Defizite keiner konkreten Läsion entsprächen, sei von einer 
funktionell bedingten Kraftreduktion im Rahmen der Knieschmerzen auszu-
gehen. Zur Sicherstellung ausreichender Bewegung des Beines sei Physio-
therapie angezeigt (S. 3). 

4.1.9 Dr. med. F.________ vom RAD führte in seinem auf einer eigenen 
Untersuchung vom 8. Januar 2014 basierenden Bericht vom 9. Januar 
2014 (AB 59, 60) aus, dass wie anlässlich der Begutachtung durch Dr. 
med. E.________ ein Streckdefizit des linken Knies vorliege. Er habe aber 
- im Gegensatz zu Dr. med. E.________ - keine Schmerzausweitung fest-
stellen können. Entgegen der Erwartung von Dr. med. E.________ habe 
die Physiotherapie zu keiner wesentlichen Besserung geführt. Vielleicht sei 
das Streckdefizit aktuell etwas weniger ausgeprägt, aber subjektiv sei der 
Zustand laut Angaben der Beschwerdeführerin unverändert; ihren Angaben 
zufolge sei eine orthopädische Weiterabklärung und sogar Operation vor-
gesehen. Es sollte vorab der medizinische Sachverhalt aufdokumentiert 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 13

werden. Die Frage, wann von der Wiederherstellung der vollen Arbeits-
fähigkeit auszugehen sei, könne derzeit nicht beantwortet werden (S. 7).

In seinem Bericht vom 20. Mai 2014 (AB 77) führte er aus, falls die von den 
Orthopäden des Spitals M.________ zwecks Erweiterung der Streckfähig-
keit des Knies empfohlene arthroskopische Adhäsiolyse in Narkose mit 
direkt postoperativer intensiver Physiotherapie durchgeführt würde, so wäre 
dies mit einer temporären Arbeitsunfähigkeit von voraussichtlich ca. drei 
Monaten verbunden. Die Beurteilung von Dr. med. E.________, wonach 
seit Oktober 2012 in einer angepassten Tätigkeit, mehrheitlich sitzend, me-
dizinisch-theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, scheine vertretbar 
(S. 2 f.). 

4.1.10 Dr. med. G.________ führte in ihrem weiteren Bericht vom 3. Sep-
tember 2014 (AB 80) aus, sie denke nicht, dass die Beschwerdeführerin 
zurzeit voll einsatzfähig sei. Bereits der Weg zur Arbeit stelle ein Problem 
dar, da offensichtlich jeder Schritt schmerzhaft sei und sie auf die öffentli-
chen Verkehrsmittel angewiesen sei. Angeblich würden sich die Schmer-
zen auch nach längerem Sitzen verstärken, so dass auch eine leichte sit-
zende Arbeit nur zu einem Teilpensum ausgeführt werden könne.

4.1.11 Im Bericht vom 6. November 2014 (AB 87) führte Dr. med. 
F.________ aus, beim Gutachten von Dr. med. E.________ handle es sich 
um ein ausführliches, alle medizinischen Fakten berücksichtigendes und 
schlüssiges Gutachten. In diesem Zusammenhang sei auch zu erwähnen, 
dass die Beschwerdeführerin anlässlich der RAD-Untersuchung vom Janu-
ar 2014 die Tatsache, dass sie nach wie vor nicht arbeiten ginge, damit 
begründet habe, dass sie ein Kleinkind zu betreuen habe. Zusammenfas-
send könne festgehalten werden, dass aus den Einwendungen der Rechts-
vertreterin keine neuen medizinischen Fakten hervorgingen. Somit bestehe 
kein Anlass, vom gutachterlich festgestellten medizinischen Zumutbar-
keitsprofil Abstand zu nehmen (S. 3). 

4.1.12 Das Spital M.________ stellte im Bericht vom 23. Dezember 2014 
(AB 89) die Diagnose eines persistierenden Streckdefizits mit chronischen 
Knieschmerzen links bei Status nach Teilmeniskektomie medial im Sep-
tember 2011, Kniegelenksinfiltration im Oktober 2011 und Februar 2012, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 14

Schmerztherapie und stationärer Rehabilitation in der Klinik I.________ 
2012. Die Beschwerdeführerin sei erneut wegen des persistierenden 
Streckdefizites und chronischen Knieschmerzen bei genannten Operatio-
nen in die Sprechstunde gekommen. Sie habe nun abgestillt und wünsche 
die bereits diskutierte Kniearthroskopie und Narkosemobilisation zur Ver-
besserung des Bewegungsausmasses. Der Verlauf habe keine Besserung 
gebracht. Es werde immer noch regelmässig Analgetika intermittierend 
eingenommen (S. 1). Die Ärzte des Spitals M.________ hätten mit der Be-
schwerdeführerin die Kniegelenksarthroskopie links und die Narkosemobili-
sation besprochen und ihr erläutert, dass auch mit der Operation eine 
100%-ige Gewährleistung für eine volle Streckung und Biegung nicht ge-
geben sei. Auch die persistierenden Beschwerden und Schmerzen könnten 
verbleiben, da eigentlich kein anatomisches Korrelat dafür eruierbar sei. 
Intraoperativ könne die Arthrolyse durchgeführt und versucht werden, das 
Streckdefizit auf 0° zu verringern. Mit der Arthroskopie würden jedoch neue 
Verletzungen gesetzt, sodass es auch postoperativ zu einer erneuten Ar-
throfibrose mit Streckdefizit kommen könne. Postoperativ würde wieder 
eine intensive Physiotherapie mit Kinetec-Schienenbehandlung durchge-
führt werden (S. 2). 

Am 21. Januar 2015 wurde im Spital M.________ eine Kniearthroskopie 
links mit Narbendébridement und medialer Teilmeniskektomie durchgeführt 
(act. I 25, 26 und 27). Gemäss dem Bericht von Dr. med. G.________ vom 
9. Februar 2015 (act. I 28) habe sie die Beschwerdeführerin am 30. Januar 
2015, zehn Tage nach der Knieoperation, erneut gesehen. Erfreulicherwei-
se gehe es ihr sehr gut, die Schmerzen seien offensichtlich weniger ausge-
prägt. Zudem sei das Knie zurzeit voll beweglich und es könne keine Ein-
schränkung mehr nachgewiesen werden. Es handle sich also um ein opti-
males Frühergebnis nach Kniemobilisation.

4.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 15

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 
E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3). Eine von anderen mit 
der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung ver-
mag die Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört viel-
mehr zu den Pflichten eines Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial 
auseinanderzusetzen und eine eigenständige Beurteilung abzugeben. Auf 
welche Einschätzung letztlich abgestellt werden kann, ist eine im Verwal-
tungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswür-
digung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110).

4.3 Die Beschwerdegegnerin hat in der hier angefochtenen Verfügung 
vom 23. Januar 2015 (AB 91) im Wesentlichen auf das orthopädische Gut-
achten von Dr. med. E.________ vom 22. April 2013 (AB 30.2) abgestellt. 
Dieses erfüllt die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Be-
weiswert eines medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 
4.2. hiervor), weshalb ihm volle Beweiskraft zukommt. Der Facharzt hat 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 16

sich in seiner Beurteilung sorgfältig mit den gesundheitlichen Einschrän-
kungen auseinandergesetzt sowie seine Schlussfolgerungen und Einschät-
zungen gestützt auf seine Untersuchung sowie die Akten in schlüssiger und 
nachvollziehbarer Weise dargelegt. Dr. med. E.________ hatte Kenntnis 
von allen Vorakten, weitere Akten zugezogen und sämtliche ihm zur Verfü-
gung stehenden Informationen in seiner Beurteilung gewürdigt. Die Aus-
führungen in den Beurteilungen der medizinischen Zusammenhänge sind 
einleuchtend und die gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszu-
stand überzeugend begründet. Nachvollziehbar ist er zum Schluss ge-
kommen, dass in einer angepassten Tätigkeit ab dem 1. Oktober 2012 eine 
volle Arbeitsfähigkeit besteht. Die dagegen von der Beschwerdeführerin 
vorgebrachten Einwände vermögen nicht zu überzeugen. So hat gemäss 
den Angaben des Gutachters und entgegen der Behauptung der Be-
schwerdeführerin (Beschwerde S. 6 Ziff. 7) die orthopädische Begutach-
tung nicht 20 Minuten sondern bereits die Befragung ca. eine Stunde ge-
dauert (AB 30.2 S. 5). Aus dem Gutachten selbst ist ersichtlich, dass 
Dr. med. E.________ umfassende und von einer Übersetzerin begleitete 
Untersuchungen durchgeführt und diese einlässlich dargestellt hat (S. 3-8). 
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass es weniger auf die Dauer der Untersu-
chung als vielmehr auf deren Inhalt ankommt (Entscheid des BGer vom 
9. April 2014, 8C_603/2013, E. 4.1).

Entgegen der Ansicht der Rechtsvertreterin (Beschwerde S. 11 Ziff. 16 und 
S. 13 Ziff. 8) steht das Gutachten von Dr. med. E.________ nicht im Wider-
spruch zu den übrigen medizinischen Akten. Das Gegenteil ist der Fall. 
Dass die Klinik I.________ in ihrem Bericht vom 16. Juli 2012 (AB 30.3) 
zum gleichen Schluss wie Dr. med. E.________ gekommen war, hat die 
Rechtsvertreterin anerkannt (Beschwerde S. 13 Ziff. 19). Dass die Ärzte 
der Klinik I.________ von einer Einsatzfähigkeit in angestammten Beruf, 
Dr. med. E.________ jedoch von einer solchen in einer Verweistätigkeit 
ausgeht, ist eine Frage erwerblicher Natur. Wenn die Ärzte in dieser Hin-
sicht zufolge unterschiedlicher Beurteilung der Anforderung der ange-
stammten Stelle zu einer unterschiedlichen Beurteilung der früheren Arbeit 
kommen, so ist dies für den Beweiswert der medizinischen Beurteilung 
nicht von massgeblicher Bedeutung. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 17

Bereits Dr. med. D.________, der in seinem Gutachten vom 19. April 2012 
letztlich lediglich ein Rehadefizit festgehalten hat (AB 7), war zum gleichen 
Schluss wie Dr. med. E.________ gekommen. Auch wenn er vorerst noch 
eine Arbeitsunfähigkeit attestierte, ging doch auch er von einer unmittelbar 
möglichen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit aus (S. 9 Ziff. 8). Es be-
stehen keinerlei Anzeichen, dass der Beschwerdeführerin die von sämtli-
chen Fachärzten (vgl. bereits auch Dr. med. H.________ unter AB 5.5/8 
[E. 4.1.1 hiervor]) geforderte Eigenanstrengung zur Konditionierung und 
Rehabilitation (welche eine weitere Verbesserung herbeigeführt hätten) 
nicht zumutbar gewesen wäre und dass selbst ohne Konditionierung und 
Rehabilitation der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit nicht wie-
der zumutbar gewesen wäre.

Nichts anderes ergibt sich aus den späteren Berichten. So wurden anläss-
lich der Konsultation der Beschwerdeführerin im Spital L.________ am 20. 
August 2013 (AB 41/2) nicht Knieschmerzen erhoben, sondern (bei sprach-
lich schwieriger Verständigung) Schmerzen im Bein (Beinschwäche links), 
die am ehesten funktioneller Natur seien (S. 3). Funktionell bedeutet beim 
Fehlen echter organischer Befunde, dass keine organische Grundlage für 
die Beschwerden besteht. Die angeblich massiven Schwellungen wurden 
ärztlich (ohne messbare Angaben) relativiert (leicht geschwollener Unter-
schenkel; S. 3). Das Knie selbst wurde (bei adipösem Bein) als unauffällig 
geschildert (S. 2). Auch diese Ärzte verlangten eine „ausreichende“ Bewe-
gung des Beines, d.h. eigentliche Aktivierung und Konditionierung. Hin-
sichtlich des Knies wurde bei aktueller Schwangerschaft eine weitere Un-
tersuchung für später in Aussicht gestellt (S. 3). Bemerkenswert ist in die-
sem Zusammenhang, dass die Beschwerdeführerin sich (gemäss erst 
später der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebrachtem Bericht der Not-
fallabteilung des Spitals K.________ an einen Gastroenterologen; AB 66/2) 
offenbar bereits am 12. August 2013 in die Notfallabteilung des Spitals 
K.________ begeben hatte, wo ebenfalls allein eine Beinschwellung ohne 
Massgeblichkeit erhoben wurde. 

Die vorstehend dargelegte Situation hat der RAD-Arzt Dr. med. 
F.________ am 9. Januar 2014 nach eigener Untersuchung mit Überset-
zung korrekt zusammengefasst (AB 59 und 60). In diesem Zusammenhang 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 18

ist abschliessend zu erwähnen, dass Dr. med. F.________ zwar initial im 
Bericht vom 9. Januar 2014 eine bidisziplinäre Begutachtung empfahl, er 
aber im gleichen Bericht forderte, dass primär der medizinische Sachver-
halt aufdokumentiert werde. Dies hat die Beschwerdegegnerin alsdann 
vorgenommen. Aufgrund der zusätzlich eingeholten Akten (AB 61, 66, 67, 
72, 73) kam Dr. med. F.________ im Bericht vom 20. Mai 2014 (AB 77) 
zum Schluss, eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit be-
stehe seit Oktober 2012. Dass die Beschwerdegegnerin in der Folge auf 
eine (weitere) Begutachtung verzichtete, ist nicht zu beanstanden. Von den 
orthopädischen Fachärzten wurde eine Schmerzverarbeitungsstörung - bei 
mangelnder somatischer Grundlage - durchaus angenommen (vgl. u.a. AB 
30.2), jedoch gleichzeitig eine Komorbidität im Sinne einer eigentlichen 
psychischen Störung nie in Erwägung gezogen. Selbst die behandelnde 
Hausärztin, Dr. med. G.________, hat die Überweisung an einen Psychia-
ter offenbar nie in Betracht gezogen (vgl. insbesondere AB 61/2).

Nichts ändert die teilweise erst nach Erlass der Verfügung erfolgte Behand-
lung am Spital M.________. Im Bericht vom 23. Dezember 2014 (AB 89) 
haben diese Ärzte festgehalten, dass sie die Beschwerdeführerin vor dem 
Eingriff vom Januar 2015 ausdrücklich darauf hingewiesen hätten, dass 
eine Besserung nicht garantiert werden könne, da eigentlich kein anatomi-
sches Korrelat für die geklagten Beschwerden bestehe (S. 2). Dies 
bestätigt nicht nur die Beurteilung des Gutachters hinsichtlich der Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit, sondern auch dessen Warnung vor neuen Eingrif-
fen. Dass die Operation auf Wunsch der Beschwerdeführerin dennoch vor-
genommen wurde, ändert am Ganzen nichts. Bei diesen Massnahmen ging 
es darum, das Streckdefizit zu beheben (vgl. u.a. AB 73, 80 und act. I 18). 
Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Beschwerdeführerin bei hinrei-
chender Compliance die entsprechende Rehabilitation und Konditionierung 
bereits lange vor der (weiteren) Schwangerschaft hätte vornehmen können. 
Selbst wenn die Mobilisation zufolge der jahrelangen Untätigkeit inzwi-
schen nun nicht mehr anders als unter Narkose hätte durchgeführt werden 
können, ändert dies nichts daran, dass die Arbeitsfähigkeit seit spätestens 
Oktober 2012 in einer angepassten Tätigkeit wieder gegeben ist. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 19

4.4 Aufgrund des Dargelegten ergibt sich, dass das Gutachten von 
Dr. med. E.________ vom 22. April 2014 volle Beweiskraft erbringt und bei 
der Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hierauf abzustellen ist. 
Bereits Dr. med. H.________ hat am 25. November 2011 (AB 5.5//8) eine 
Arbeitsaufnahme in zwei Wochen für möglich erklärt. Die Beschwerdefüh-
rerin hat in der Folge jedoch keine Arbeit aufgenommen. Anlässlich der 
multiplen Abklärungen wurden jeweils die gleichen Befunde erhoben, wie 
sie Dr. med. D.________, Dr. med. E.________, der RAD-Arzt und letztlich 
selbst das Spital M.________ im Rahmen der Vorbereitung der letzten 
Operation erhoben haben. Unter diesen Umständen kann zwar festgehal-
ten werden, dass der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit selbst im 
Juli 2012 (AB 30.3) in der Klinik I.________ noch attestiert wurde, dass 
diese für eine angepasste Arbeit jedoch an sich gar nicht mehr gegolten hat 
(S. 2). Insgesamt ist es unter diesen Umständen nicht zu beanstanden, 
dass die Beschwerdegegnerin (zu Gunsten der Beschwerdeführerin) erst 
spätestens ab 1. September 2012 von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit aus-
gegangen war (AB 91 S. 5). Mit dem Gutachter Dr. med. E.________ ist ab 
dem 1. Oktober 2012 von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit (zumindest in 
einer angepassten Tätigkeit) auszugehen (AB 30.2 S. 18 Ziff. 8.2). 
Frühestmöglicher Rentenbeginn ist unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 
1 IVG der 1. Oktober 2012. Da dieser Zeitpunkt mit der vollständigen Wie-
dererlangung der Arbeitsfähigkeit zusammenfällt und der Invaliditätsgrad 
(vgl. E. 5 hiernach) ab diesem Zeitpunkt nicht rentenbegründend ist, ist es 
keinesfalls zu Lasten der Beschwerdeführerin, wenn die Beschwerdegeg-
nerin unter Berücksichtigung der vom Gutachter erwähnten Anpassungs-
zeit von zwei Monaten eine befristete Rente zusprach.

5.

Tatsächlich könnte angesichts der Ausführungen der Beschwerdeführerin 
gegenüber dem RAD-Arzt Dr. med. F.________ anlässlich der Untersu-
chung vom 8. Januar 2014 hier die Frage nach dem Status gestellt werden, 
zumal die seit längerem in der Schweiz lebende Beschwerdeführerin am 3. 
Dezember 2013 zum dritten Mal Mutter wurde (AB 60 S. 2). Die Frage kann 
jedoch offen gelassen werden, da selbst unter Annahme einer vollen Er-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 20

werbstätigkeit - wovon selbst die Beschwerdegegnerin ausgeht (AB 91) - 
kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad besteht.

5.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 139 V 28 E. 3.3.2 S. 30, 134 V 322 E. 
4.1 S. 325).

5.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 593; SVR 2014 IV Nr. 37 S. 
133 E. 7.1). Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsscha-
dens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätig-
keit aufgenommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne 
gemäss den vom Bundesamt für Statistik (BfS) herausgegebenen Lohn-
strukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 S. 
593; SVR 2014 IV Nr. 37 S. 133 E. 7.1). Es gilt zu berücksichtigen, dass 
gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbei-
tertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und ent-
sprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind und 
deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen 
müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom Tabellenlohn Rech-
nung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). 
Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, 
hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkre-
ten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Na-
tionalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämt-
licher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem 
Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchs-
tens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 
5.2 S. 327; SVR 2011 IV Nr. 31 S. 91 E. 4.1.1).

5.3 Hinsichtlich der Berechnung des Invaliditätsgrades ist für das Vali-
deneinkommen von dem im Jahre 2012 erzielten Einkommen von 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 21

Fr. 43‘992.-- (AB 19 S. 3 Ziff. 2.10) auszugehen. Dieses Einkommen ist 
auch unter Berücksichtigung des Einkommensverlaufs gemäss dem Aus-
zug des Individuellen Kontos der Beschwerdeführerin (AB 9 S. 3) i.V.m. der 
Nominallohnentwicklung (vgl. Tabelle T 39 des BfS, Entwicklung der Nomi-
nallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2013) plausi-
bel. 

5.4 Was das Invalideneinkommen betrifft, so ist gemäss den Aus-
führungen unter E. 4 hiervor auf das von Dr. med. E.________ in seinem 
Gutachten vom 22. April 2013 (AB 30.2) geschilderte Zumutbarkeitsprofil 
abzustellen, wonach der Beschwerdeführerin seit dem 1. Oktober 2012 
eine überwiegend bis vorwiegend sitzende Tätigkeit, ohne längere Geh-
strecken, ohne bodennahes Arbeiten, ohne Besteigen von Leitern und 
Gerüsten und ohne Tragen schwerer Lasten ohne wesentliche Leistungs-
einbusse zumutbar ist (S. 18 Ziff. 8.1 i.V.m. Ziff. 8.2). Entgegen der Ansicht 
der Rechtsvertreterin (Beschwerde S. 15 Ziff. 21) existieren auf dem hier 
massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt sehr wohl Stellen, die diese 
Voraussetzungen erfüllen. So hat auch das Bundesgericht in seinem Ent-
scheid vom 23. Juli 2010 (8C_300/2010, E. 4.2) ausgeführt, dass körperlich 
leichte und wechselbelastende Tätigkeiten auf dem ausgeglichen Arbeits-
markt durchaus vorhanden sind. Im Anwendungsbereich der alten LSE-
Tabellen (bis 2010) war in Fällen wie dem vorliegenden für die Bestimmung 
des Invalideneinkommens praxisgemäss auf Tabelle TA1, Anforderungsni-
veau 4 (einfache und repetitive Arbeiten), Totalwert, Frauen, abzustellen 
(vgl. Entscheid des BGer vom 23. Oktober 2013, 9C_633/2013, E. 4.2). 
Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftsabtei-
lungen, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht - Privater 
Sektor) gemäss LSE 2010 entspricht - anders als im Anhang des IV-
Rundschreibens Nr. 328 vom 22. Oktober 2014 angegeben - nicht der Ta-
belle „TA1_skill_level“ resp. T1_skill_level der LSE 2012 (welche den priva-
ten und öffentlichen Sektor umfasst), sondern deren Tabelle TA1 (Monatli-
cher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau 
und Geschlecht* Privater Sektor). Entsprechend ist im Anwendungsbereich 
der alten Tabelle TA1 die neue Tabelle TA1 der LSE 2012 weiterhin mass-
gebend (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Mai 
2015, IV/2015/122, E. 4.6.2). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 22

Danach betrug der monatliche Lohn bei Frauen 2012 bei einfachen Tätig-
keiten körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) 
Fr. 4‘112.--. Aufgerechnet auf ein Jahr und angepasst an die betriebsübli-
che wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft, Heft 3 
und 4, 2015, S. 88, Tabelle B 9.2, Total) ergibt sich ein Invalideneinkom-
men von Fr. 51‘441.10 (Fr. 4‘112.-- x 12 Monate / 40 Stunden x 41.7 Stun-
den). Wird der von der Beschwerdegegnerin gewährte Abzug vom Tabel-
lenlohn von 10% (AB 91 S. 5) berücksichtigt, ein höherer ist zweifellos nicht 
gerechtfertigt, so beträgt das Invalideneinkommen Fr. 46‘297.-- 
(Fr. 51‘441.10 / 100% x 90%). 

5.5 Stellt man das Valideneinkommen von Fr. 43‘992.-- dem Invaliden-
einkommen von Fr. 46‘297.-- gegenüber, ergibt sich keine Einkommens-
einbusse und somit kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversiche-
rung.

6.

Die angefochtene Verfügung vom 23. Januar 2015 (AB 91) erweist sich 
damit als korrekt. Die dagegen erhobene Beschwerde ist unbegründet und 
somit abzuweisen.

7.

7.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin, welche sich nach der gesamten 
wirtschaftlichen Situation im Zeitpunkt der Entscheidung über das Gesuch 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 23

um unentgeltliche Rechtspflege beurteilt (vgl. Entscheid des BGer vom 
2. Dezember 2010, 8C_772/2010, E. 2.2.1), ist aktenmässig erstellt (vgl. 
insbesondere Akten der Beschwerdeführerin [act. IA] 3 ff.). Im Weiteren ist 
die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos zu qualifizieren, 
weshalb die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltli-
che Rechtspflege vorliegend erfüllt sind. Das entsprechende Gesuch der 
Beschwerdeführerin ist somit gutzuheissen und es ist ihr Rechtsanwältin 
B.________ als amtliche Anwältin beizuordnen.

7.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Unter Berücksichtigung des gutgeheissenen Ge-
suchs um unentgeltliche Rechtspflege (vgl. E. 7.1 hiervor) wird sie – unter 
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen 
Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig 
von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG).

7.3

7.3.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Be-
schwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr-
schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

7.3.2 Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 
2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestellten Anwäl-
tinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich nach dem 
gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der 
Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der Festsetzung 
des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streitsache und die 
Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen und Mehrwert-
steuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwendungen für die 
Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind nach den glei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 24

chen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 KAG i.V.m. 
Art. 1 der Verordnung über die Entschädigung der amtlichen Anwältinnen 
und Anwälte vom 20. Oktober 2010 (EAV; BSG 168.711) beträgt der Stun-
denansatz Fr. 200.--.

7.3.3 Mit Kostennote vom 9. April 2014 macht Rechtsanwältin 
B.________ eine Entschädigung von insgesamt Fr. 5‘827.90 geltend, be-
stehend aus einem Honorar von Fr. 5‘197.50 (19.25 Stunden à Fr. 270.--) 
zuzüglich Auslagen von Fr. 198.70 und Mehrwertsteuer von Fr. 431.70 
(8%). Dies erscheint für das vorliegende Verfahren selbst unter Berücksich-
tigung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege wie auch der Eingabe 
vom 9. April 2015 als zu hoch. Der Streitgegenstand beschränkte sich ein-
zig darauf, ob anhand der vorliegenden Arztberichte und Gutachten die 
Arbeits- und Leistungsfähigkeit zuverlässig ermittelt werden kann. Insofern 
bedingte der vorliegende Fall keinen besonders hohen Aufwand, zumal die 
Rechtsvertreterin die Beschwerdeführerin bereits im Vorbescheidverfahren 
vertreten hat (AB 81). Angesichts dessen und unter Berücksichtigung der 
weiteren Bemühungen (Einreichung des Gesuchs um unentgeltliche 
Rechtspflege und der kurzen Stellungnahme zur Beschwerdeantwort der 
Beschwerdegegnerin) sowie mit Blick auf den objektiv erforderlichen Pro-
zessaufwand ist das Honorar - auch im Hinblick auf andere, in aufwand-
mässiger Hinsicht vergleichbare Verfahren - auf Fr. 3‘240.-- (12 Stunden à 
Fr. 270.--), zuzüglich Auslagen von Fr. 198.70 sowie Mehrwertsteuer von 
Fr. 275.10 festzusetzen, total ausmachend Fr. 3‘713.80. Das amtliche Ho-
norar ist - ausgehend von einem angemessenen Arbeitsaufwand von 
12 Stunden - auf Fr. 2‘400.-- (12 x Fr. 200.--) zuzüglich Auslagen von 
Fr. 198.70 und Mehrwertsteuer von Fr. 207.90 auf total Fr. 2‘806.60 festzu-
setzen. Vorbehalten bleibt die Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin 
gegenüber dem Kanton Bern entsprechend den Voraussetzungen von 
Art. 123 ZPO.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 25

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwältin B.________ als amtliche Anwältin wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Der tarifmässige Parteikostenersatz der amtlichen Anwältin wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 3‘713.80 (inkl. Auslagen und MWSt.) festge-
setzt. Davon wird Rechtsanwältin B.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2‘806.60 
festgesetzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWSt.) vergütet. Vor-
behalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

6. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen 
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Mai 2015, IV/15/188, Seite 26

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.