# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b78b4a62-c670-5035-9362-eb8102baa405
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2022 B-3862/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-3862-2022_2022-11-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 

Entscheid bestätigt durch BGer mit  

Urteil vom 23.05.2023 (2C_1035/2022) 

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung II 

B-3862/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Christoph Errass (Vorsitz), 

Richter Francesco Brentani, Richterin Kathrin Dietrich,   

Gerichtsschreiber Davide Giampaolo.  
 

 
 

Parteien 
 X._______ Sàrl,  

vertreten durch Dr. iur. Franz Satmer, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführerin,   
 

 
gegen 

 
 

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit  

und Veterinärwesen BLV,  

Vorinstanz.   
 

 
 

Gegenstand 
 Widerruf der Bewilligung für das Inverkehrbringen  

des Pflanzenschutzmittels Ammate (P 9028 / W-7288)  

mit Ausverkaufsfrist (Verfügung vom 1. Juli 2022). 

 

 

 

B-3862/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

X._______ Sàrl ist die schweizerische Tochtergesellschaft des internatio-

nal tätigen Konzerns Y._______. Sie ist für die Pflanzenschutzmittelzulas-

sungen und deren Vertrieb in der Schweiz zuständig. Sie ist Bewilligungs-

inhaberin für das Inverkehrbringen des seit 2014 zugelassenen Pflanzen-

schutzmittels Ammate, das den Wirkstoff Indoxacarb enthält.  

B.  

Nach Art. 10 Abs. 1 der Pflanzenschutzmittelverordnung vom 12. Mai 2010 

(PSMV; SR 916.161) streicht das Eidgenössische Departement des Innern 

(EDI) einen Wirkstoff aus Anhang I, wenn der Wirkstoff in der EU aus der 

Durchführungsverordnung Nr. 540/2011 der Kommission vom 25. Mai 2011 

zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 des Europäischen 

Parlaments und des Rates hinsichtlich der Liste zugelassener Wirkstoffe 

(nachfolgende DV 540/2011; ABl. L 153 vom 11. Juni 2011, S. 1; zuletzt 

geändert durch die Durchführungsverordnung (EU) 2020/1293, ABl. L 302 

vom 16.9.2020, S. 24) gestrichen wird. In diesem Fall legt es gleichzeitig 

Ausverkaufs- und Verwendungsfristen in der PSMV fest. Gegenstand 

eines solches Verordnungsänderungsprozesses bildete der Wirkstoff Indo-

xacarb. Das EDI informierte im Frühjahr 2022 die X._______ Sàrl darüber. 

Die PSMV wurde auf den 1. Juli 2022 geändert: Indoxacarb wurde aus 

Anhang 1 der PSMV gestrichen und entsprechende Ausverkaufs- und Ver-

wendungsfristen wurden mit Art. 86h PSMV erlassen (AS 2022 338). Mit 

Verfügung vom 1. Juli 2022 hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit 

und Veterinärwesen (BLV) die Bewilligung der X._______ Sàrl für das In-

verkehrbringen des Produktes Ammate widerrufen (Ziff. 1) und für den Ab-

bau von Lagervorräten eine Ausverkaufsfrist bis 1. Oktober 2022 gewährt 

(Ziff. 2).  

C.  

Mit Beschwerde vom 5. September 2022 beantragt die X._______ Sàrl, 

Ziff. 2 der Verfügung vom 1. Juli 2022 aufzuheben, Frist für das Inverkehr-

bringen der Lagervorräte des Pflanzenschutzmittels Ammate bis 30. Juni 

2023 und für dessen Verwendung bis 31. August 2023 zu gewähren. Im 

Wesentlichen macht sie eine Verletzung von Bundes- (Art. 49 lit. c VwVG) 

und Verfassungsrecht (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV) geltend. 

D.  

Mit Vernehmlassung vom 30. September 2022 beantragt das BLV die Ab-

weisung der Beschwerde und den Entzug der aufschiebenden Wirkung. 

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Seite 3 

Zum letzten Punkt wurde der Beschwerdeführerin Gelegenheit geboten, 

sich dazu zu äussern. Mit Instruktionsverfügung vom 17. Oktober 2022 

wurde ihr Fristverlängerungsgesuch bewilligt. Die Beschwerdeführerin hat 

sich am 28. Oktober 2022 dazu geäussert. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Auf die Beschwerde ist einzutreten: Es handelt sich um eine frist- und 

formgerecht beim Bundesverwaltungsgericht eingereichte Beschwerde 

(Art. 37 VGG [SR 173.32] i.V.m. Art. 47 Abs. 1 Bst. b, i.V.m. Art. 50 Abs. 1 

und Art. 52 VwVG [SR 172.021]) gegen eine Verfügung nach Art. 5 VwVG 

einer Bundesbehörde (Art. 31 i.V.m. Art. 33 Bst. d VGG) im Bereich des 

Landwirtschaftsrechts. Es bestehen keine Ausnahmen nach Art. 32 VGG. 

Die Beschwerdeführerin ist nach 37 VGG i.V.m. Art. 48 VwVG zur Be-

schwerde legitimiert.  

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht prüft nach Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 

Bst. a–c VwVG die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich Überschrei-

tung oder Missbrauch des Ermessens, unrichtige oder unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit.  

1.3 Mit der Verfügung vom 1. Juli 2022 wird die Bewilligung für das Inver-

kehrbringen des Pflanzenschutzmittels Ammate der Beschwerdeführerin 

widerrufen (Ziff. 1) und eine Ausverkaufsfrist bis 1. Oktober 2022 gewährt 

(Ziff. 2). Die Beschwerdeführerin akzeptiert Ziff. 1 der Verfügung, weshalb 

der Widerruf nicht Streitgegenstand bildet. Gleichzeitig hat die Beschwer-

deführerin allerdings neben der Aufhebung von Ziff. 2, welche eine Ausver-

kaufsfrist enthält, eine längere Verwendungsfrist beantragt. Damit will sie 

den Streitgegenstand ausdehnen, was angesichts der engen Verknüpfung 

der Ausverkaufs- und der Verwendungsfrist, wie das Bundesverwaltungs-

gericht in ähnlichen Konstellationen bereits entschieden hat, zulässig ist 

(dazu ausführlich z.B. Urteil des BVGer B-3969/2021 vom 28. März 2022 

E. 3.2 i.V.m. 3.4).  

  

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Seite 4 

2.  

2.1 Strittig ist die Dauer der Ausverkaufs- und Verwendungsfristen. Diese 

sind Folge des Widerrufs des bewilligten Inverkehrbringens des Pflanzen-

schutzmittels. Allerdings wiederholt die Verfügung vom 1. Juli 2022 ledig-

lich, was bereits aufgrund der direkt anwendbaren Verordnungsvorschrift 

(Art. 86h Bst. a und b PSMV) gilt. Ist der Widerruf rechtmässig, was vorlie-

gend zutrifft, da die Beschwerdeführerin diesen unbestrittenermassen nicht 

angefochten hat, gelten die direkt anwendbaren Art. 86h Bst. a und b 

PSMV ohne Umsetzung durch eine Verfügung. Insofern steht auch die 

Frage der Unangemessenheit der Befristung nach Art. 49 Bst. c VwVG 

nicht zur Disposition. Das Wiederholen der in der Verordnung vorgesehe-

nen Fristen ist deshalb – entgegen der beschwerdeführenden Auffassung – 

nicht unangemessen, sondern Ausdruck des Legalitätsprinzips (Art. 5 

Abs. 1 BV). Dasselbe gilt für das Verhältnismässigkeitsprinzip. In diesem 

Zusammenhang kommt auch die von der Beschwerdeführerin angerufene 

Verletzung der Eigentumsgarantie nur als mittelbarer Prüfungsmassstab in 

der Form der grundrechtskonformen Auslegung von Art. 86h PSMV zur An-

wendung. Unmittelbarer Prüfmassstab bildet das Verwaltungsrechtsver-

hältnis, das sich aus der PSMV ergibt (vgl. BGE 144 II 194 E. 4.4.2 m.w.H.; 

PIERRE TSCHANNEN, Systeme des Allgemeinen Verwaltungsrecht, 2008, 

Rz. 101). Als unmittelbarer Prüfmassstab wirkt das genannte Grundrecht 

nur dann, wenn die Verfügungsgrundlage in Frage gestellt würde (Urteil 

des BGer 2C_377/2016 vom 16. April 2018 E. 3.2).  

2.2 Die Beschwerdeführerin nimmt in ihrer Beschwerde Bezug auf das Ur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts B-3969/2021 vom 28. März 2022, wel-

ches eine analoge Rechtsfrage im Rahmen einer akzessorischen Normen-

kontrolle (E. 13.2) geprüft hat. Insofern kann davon ausgegangen werden, 

dass die Beschwerdeführerin weniger das in der Verfügung dargestellte 

Rechtsverhältnis rügt, sondern eher die Verfügungsgrundlage, d.h. die 

PSMV, in Frage stellt. Aus gewissen Passagen zur gerügten Verletzung der 

Eigentumsgarantie lässt sich Gleiches schlussfolgern. Dies ist nachfolgend 

zu prüfen. 

3.   

3.1 Im Rahmen der Beschwerde kann das Bundesverwaltungsgericht un-

tersuchen, ob eine Rechtsverordnung des Bundesrates als solche bundes-

rechtskonform ist (vorfrageweise bzw. konkrete Normenkontrolle; BGE 144 

II 454 E. 3.2 m.H.; Urteil des BVGer B-3969/2021 vom 28. März 2022 

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Seite 5 

E. 13.2 i.i.; s. auch MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, Prozessieren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 2.177 f.). Bei unselb-

ständigen Verordnungen, die sich auf eine gesetzliche Delegation stützen 

(Art. 164 Abs. 2 BV), bezieht sich die bundesverwaltungsgerichtliche Kon-

trolle zunächst auf die Gesetzmässigkeit. Erweist sich die Verordnung als 

gesetzmässig und ermächtigt das Gesetz den Bundesrat nicht, von der 

Bundesverfassung abzuweichen, prüft das Bundesgericht auch die Verfas-

sungsmässigkeit der Rechtsverordnung (BGE 144 II 454 E. 3.2 m.H.; MO-

SER/ BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, a.a.O., Rz. 2.177). Räumt die gesetz-

liche Delegationsnorm dem Bundesrat einen sehr weiten Spielraum für die 

inhaltliche Ausgestaltung der unselbständigen Verordnung ein, so ist dieser 

Gestaltungsbereich für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich (BGE 

144 II 454 E. 3.3 m.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, a.a.O., 

Rz. 2.178). Dabei setzt das Bundesverwaltungsgericht bei der Überprü-

fung der Verordnung nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen 

des Bundesrates, sondern beschränkt sich auf die Prüfung, ob die Verord-

nung den Rahmen der dem Bundesrat im Gesetz delegierten Kompeten-

zen offensichtlich sprengt oder aus anderen Gründen gesetzes- oder ver-

fassungswidrig ist (BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; MOSER/ BEUSCH/KNEUBÜH-

LER/KAYSER, a.a.O., Rz. 2.178). Die Zweckmässigkeit der getroffenen An-

ordnung entzieht sich der gerichtlichen Kontrolle (BGE 144 II 454 E. 3.3 

m.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, a.a.O., Rz. 2.178). Es ist nicht 

Sache des Gerichts, sich zur Sachgerechtigkeit einer Verordnungsbestim-

mung etwa in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht zu äussern 

(vgl. BGE 144 II 454 E. 3.3 m.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER/KAYSER, 

a.a.O., Rz. 2.178). Im Folgenden ist in einem ersten Schritt die Gesetzmäs-

sigkeit der Verordnungsbestimmung, in einem zweiten Schritt deren Ver-

fassungsmässigkeit zu prüfen.  

3.2 Pflanzenschutzmittel sind landwirtschaftliche Produktionsmittel. Sie 

dienen der landwirtschaftlichen Produktion (Art. 158 Abs. 1 des Landwirt-

schaftsgesetzes vom 29. April 1998 [LwG; SR 910.1]). Produktionsmittel 

müssen, damit sie der landwirtschaftlichen Produktion dienen können, ge-

wisse materielle Anforderungen erfüllen (Art. 159 LwG; s. auch Art. 159a 

LwG), welche in formellen Verfahren überprüft werden (Art. 160 LwG). 

Pflanzenschutzmittel können allerdings die Umwelt und die Gesundheit 

des Menschen gefährden. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber zum 

Schutz der Gesundheit des Menschen vor stofflichen Pflanzenschutzmit-

teln Regelungen in Art. 6 Bst. b und Art. 11 des Chemikaliengesetzes vom 

15. Dezember 2000 (ChemG; SR 813.1) und in Art. 26 ff. des Umwelt-

schutzgesetzes vom 7. Oktober 1983 (USG; SR 814.01) zum Schutz der 

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Umwelt (i.S.v. Art. 1 USG) getroffen, worauf der Ingress der Pflanzen-

schutzmittelverordnung verweist, dem allerdings kein normativer Gehalt 

zukommt (vgl. BGE 144 II 454 E. 4.3.1). Die Vorschriften des LwG, des 

ChemG und des USG regeln gleiche Sachverhalte (hier: Inverkehrbringen) 

nach unterschiedlichen Gesichtspunkten bzw. verfolgen unterschiedliche 

Ziele; es liegt eine positive oder kumulative Normenkonkurrenz bzw. Nor-

menkumulation vor (vgl. BGE 141 II 66 E. 2.4.1). Diese Normen gelangen 

deshalb nebeneinander zur Anwendung und schliessen sich gegenseitig 

nicht aus (vgl. BGE 141 II 66 E. 2.4.1). Der Verordnungsgeber hat deshalb 

die materiellen Vorschriften aller drei Gesetze in der PSMV konkretisiert. 

Auch die verschiedenen Verfahren, welche den drei Erlassen zufolge im 

Prinzip von verschiedenen Behörden geführt würden, hat der Gesetzgeber 

geregelt. Art. 11 Abs. 2 ChemG verweist auf die Landwirtschaftsgesetzge-

bung. Nach Art. 41 Abs. 2 USG ist sodann die Bundesbehörde, die ein an-

deres Bundesgesetz vollzieht, bei der Erfüllung dieser Aufgabe auch für 

den Vollzug des Umweltschutzgesetzes zuständig. Eignet sich dieses Ver-

fahren für bestimmte Aufgaben hingegen nicht, regelt der Bundesrat den 

Vollzug durch die betroffenen Bundesstellen (Art. 41 Abs. 3 USG). In 

Art. 71 ff. PSMV hat der Bundesrat deshalb die Zulassungsstelle und die 

Beurteilungsstellen mit deren Aufgaben bezeichnet (zum Ganzen auch Ur-

teil des BVGer B-5025/2021 vom 30. Juni 2022 E. 5.1). 

3.3  

3.3.1 In Bezug auf das Zulassungsverfahren normiert das LwG in seinem 

Art. 160 detaillierte Vorgaben: In Art. 160 Abs. 1 LwG erhält der Bundesrat 

die generelle Kompetenz, Vorschriften über die Einfuhr und das Inverkehr-

bringen von Produktionsmitteln zu erlassen, dabei kann er auch gewisse 

Akteure einer Zulassungspflicht unterstellen (Art. 160 Abs. 2 LwG). Art. 160 

Abs. 3–5 LwG betrifft die oben erwähnte Verfahrenskoordination (E. 3.2). 

Nach Art. 160 Abs. 6 LwG werden ausländische Zulassungen oder deren 

Widerruf sowie ausländische Prüfberichte und Konformitätsbescheinigun-

gen, die auf gleichwertigen Anforderungen beruhen, anerkannt, soweit die 

agronomischen und umweltrelevanten Bedingungen für den Einsatz der 

Produktionsmittel vergleichbar sind. Der Bundesrat kann Ausnahmen vor-

sehen. Art. 160a LwG enthält zudem eine direkt anwendbare Vorschrift, 

wonach Pflanzenschutzmittel, die im räumlichen Geltungsbereich des Ab-

kommens vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft und der Europäischen Gemeinschaft über den Handel mit landwirt-

schaftlichen Erzeugnissen (SR 0.916.026.81) rechtmässig in Verkehr ge-

bracht worden sind, in der Schweiz in Verkehr gebracht werden dürfen. Bei 

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Seite 7 

Gefährdung öffentlicher Interessen kann der Bundesrat Einfuhr und Inver-

kehrbringen beschränken oder untersagen.  

3.3.2  Angesichts der Möglichkeit, ausländische Entscheidungen über Zu-

lassung oder Widerruf ohne eigenes Zulassungs- bzw. Widerrufsverfahren 

zu anerkennen (transnationaler Verwaltungsakt [dazu CHRISTINE KAUF-

MANN, Internationales Verwaltungsrecht, ZSR 125 II 5 ff., 28 f.; umfassend 

MARTIN KMENT, Grenzüberschreitendes Verwaltungshandeln, 2010, S. 446 

ff.), räumt die gesetzliche Delegationsnorm dem Bundesrat einen sehr wei-

ten Spielraum für die inhaltliche Ausgestaltung des Zulassung- bzw. Wider-

rufsverfahrens ein (s. auch Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpoli-

tik [Agrarpolitik 2007] [nachfolgend Botschaft AP 2007], BBl 2002 4721, 

4843). Mit Art. 10 PSMV und dem Festlegen entsprechender Ausverkaufs- 

bzw. Verwendungsfristen in den Übergangsfristen (Art. 86f ff. PSMV, in 

casu: Art. 86h Bst. a und b PSMV) bleibt der Bundesrat klar innerhalb des 

Delegationsrahmens, denn er setzt die Vorgaben des Art. 160 Abs. 6 LwG 

wortgenau um. Andere Gründe für eine Gesetzeswidrigkeit sind nicht er-

kennbar. Dies trifft auch auf den in Art. 10 PSMV vorgesehenen Mechanis-

mus zu: Es ist weder ersichtlich noch wird ansatzweise gerügt, dass dieser 

nicht gesetzeskonform abgelaufen sei. Zu prüfen ist deshalb, ob die gerüg-

ten Verordnungsbestimmungen (Art. 86 h Bst. a und b PSMV) verfassungs-

widrig sind. 

3.4  

3.4.1  

3.4.1.1 Die Beschwerdeführerin macht unter Bezug auf das Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts B-3969/2021 vom 28. März 2022 (E. 13.9) zu-

nächst geltend, dass die Ausverkaufsfrist von Art. 86h Bst. a PSMV unver-

hältnismässig sei. Sie führt dabei aus, dass auch im vorliegenden Fall 

keine als unannehmbar zu erachtende, potenziell gefährliche Wirkung 

i.S.v. Art. 31 Abs. 1 PSMV vorliege. Dies entspreche dem Sachverhalt des 

erwähnten Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, weshalb im vorliegen-

den Fall das dort gefällte Urteil auf diesen Fall übertragen werden könne. 

Mit anderen Worten seien die in Art. 86h formulierten Übergangsfristen 

durch längere zu ersetzen. 

3.4.1.2 Die Vorinstanz geht in ihrer Vernehmlassung davon aus, dass der 

strittige Fall aus zwei Gründen nicht mit demjenigen im Urteil des Bundes-

verwaltungsgericht B-3969/2021 vom 28. März 2022 behandelten Fall 

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übereinstimme. Erstens sei das Verfahren nach Art. 10 PSMV etabliert, 

weshalb die Beschwerdeführerin ohne weiteres davon hätte ausgehen 

müssen, dass eine Nichterneuerung des Wirkstoffs Indoxacarb in der EU 

zu einem Vorgehen nach Art. 10 PSMV führen musste. Zweitens habe der 

Beschwerdeführerin als international tätiges Unternehmen im Pflanzen-

schutzmittelbereich nicht entgehen können, dass die EU den strittigen 

Wirkstoff nicht erneuert hatte. 

3.4.2 Nach Art. 5 Abs. 2 BV muss das gesamte staatliche Handeln u.a. ver-

hältnismässig sein (BGE 145 V 116 E. 5.1). Insofern betrifft es neben der 

Rechtsanwendung auch die Rechtssetzung (BGE 135 V 172 E. 7.3.3). 

Staatliches Handeln ist verhältnismässig, wenn es erforderlich, die vorge-

sehene Massnahme zur Erreichung des Ziels geeignet ist und das ge-

wählte Mittel nicht in einem Missverhältnis zu anderen zu beachtenden In-

teressen steht. Zu beachten ist, dass im Rahmen der Rechtssetzung der 

Rechtssetzer in einem induktiven Verfahren viele Einzelfälle in einer gene-

rell-abstrakten Norm zusammenfasst, weshalb ein gewisser Schematis-

mus unvermeidlich ist (BGE 100 Ia 41 E. 2d i.f.). Mit einer Übergangsbe-

stimmung i.S.v. Art. 86h PSMV soll altes Recht noch während einer gewis-

sen Frist nachwirken, um Investitionen nicht nutzlos werden zu lassen. In-

sofern haben die Übergangsfristen nicht den Zweck, die Betroffenen mög-

lichst lange von der günstigeren bisherigen Regelung profitieren zu lassen, 

sondern einzig, ihnen eine angemessene Frist einzuräumen, um sich an 

die neue Regelung anzupassen (BGE 134 I 23 E. 7.6.1; Urteil des BVGer 

B-3969/2021 vom 28. März 2022 E. 13.9.3). Die konkrete Ausgestaltung 

der Übergangsfrist ist Resultat der Interessenabwägung zwischen den pri-

vaten und öffentlichen Interessen (Zumutbarkeit).  

3.4.3  

3.4.3.1 Bevor die Verhältnismässigkeit geprüft werden kann, ist zunächst 

das öffentliche Interesse festzumachen, sollen doch die Massnahmen im 

Hinblick auf die durch das öffentliche Interesse angeleitete gesetzliche Ziel-

setzung geeignet und erforderlich sein. Mit der gesetzlichen Regelung 

wurde der Grundsatz umgesetzt, dass Zulassungen und Widerrufe der EU, 

die auf gleichwertigen Anforderungen wie inländische Zulassungen und 

Widerrufe basieren, anerkannt werden sollen (vgl. Botschaft AP 2007, 

a.a.O., BBl 2002 4843; dazu auch CHRISTOPH OHLER, Europäisches und 

nationales Verwaltungsrecht, in: Terhechte [Hrsg.], Verwaltungsrecht der 

Europäischen Union, 2. Aufl. 2022, 361 ff., Rz. 27). Damit sollen unnötige 

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parallele Verfahren und Doppelspurigkeiten verhindert werden (vgl. KAUF-

MANN, Internationales Verwaltungsrecht, a.a.O., 29; OHLER, a.a.O., Rz. 27). 

Konsequenz einer solchen gesetzlichen Anerkennungsnorm (KAUFMANN, 

Internationales Verwaltungsrecht, a.a.O., 29; OHLER, a.a.O., Rz. 28 i.f.) bil-

det der Umstand, dass die Eidgenössische Verwaltung die materielle Be-

urteilung des Pflanzenschutzmittels grundsätzlich nicht mehr überprüfen 

darf (vgl. KAUFMANN, Internationales Verwaltungsrecht, a.a.O., 29; OHLER, 

a.a.O., Rz. 28; Art. 160 Abs. 6 LwG sieht Ausnahmen vor). Insofern ist ent-

scheidend, was der Herkunftsstaat, bzw. hier die Europäische Union, ent-

schieden hat.  

3.4.3.2 Die Europäische Kommission hat in der Durchführungsverordnung 

(EU) 2021/2021 vom 26. November 2021 zur Nichterneuerung der Geneh-

migung für den Wirkstoff Indoxacarb gemäss der Verordnung (EG) 

Nr. 1107/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über das In-

verkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und zur Änderung der Durchfüh-

rungsverordnung (EU) Nr. 540/2011 (ABl L 426 vom 29.11.2021, 28; nach-

folgend DV Indoxacarb) Gründe für die Nichterneuerung des Wirkstoffes 

aufgelistet. Zunächst stellte die Kommission in Bezug auf das hohe lang-

fristige Risiko für wild lebende Säugetiere, insbesondere das langfristige 

Risiko für kleine pflanzenfressende Säugetiere, ein kritisches Problemge-

biet fest (Erwägungsgrund 9). Darüber hinaus wurde ein hohes Risiko für 

Verbraucher und Arbeitnehmer für die repräsentative Verwendung in Kopf-

salat festgestellt, und es wurde ein hohes Risiko für Bienen für die reprä-

sentative Verwendung in Mais, Zuckermais und Salat für die Saatguterzeu-

gung festgestellt (Erwägungsgrund 10). Ausserdem konnten mehrere Be-

reiche der Risikobewertung nicht abgeschlossen werden, da die Daten im 

Dossier unzureichend waren. Insbesondere konnte die Risikobewertung 

für die Verbraucher nicht abgeschlossen werden, da es an Daten über den 

Metabolismus in Folgekulturen, den Metabolismus bei Geflügel, das Aus-

mass der Rückstände in Primär- und Folgekulturen und an Daten über die 

Auswirkungen von Wasseraufbereitungsverfahren auf die Art der Rück-

stände im Trinkwasser fehlte. Darüber hinaus konnte die Bewertung der 

Grundwasserexposition für den Bodenmetaboliten IN-U8E24 aufgrund feh-

lender Daten zum Abbau und zur Adsorption im Boden nicht abgeschlos-

sen werden. Auch die ökotoxikologische Risikobewertung für mehrere Me-

taboliten konnte nicht abgeschlossen werden (Erwägungsgrund 11). Diese 

Befunde (s. auch die Peer review of the pesticide risk assessment of the 

active substance indoxacarb der EFSA, in: EFSA Journal 2018;16(1):5140, 

36 pp. doi:10.2903/j.efsa.2018.5140 [online abrufbar unter: www.efsa.eu-

ropa.eu -- > Publikationen]) sind unbestritten, hat die Beschwerdeführerin 

http://www.efsa.europa.eu/
http://www.efsa.europa.eu/

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Seite 10 

die Streichung des Wirkstoffs aus Anhang I bzw. den Widerruf des strittigen 

Pflanzenschutzmittels nicht angefochten.  

Aus den Erwägungsgründen ergibt sich somit, dass erstens ein langfristi-

ges und hohes Risiko für die menschliche und tierische Gesundheit und für 

die Umwelt besteht. Zweitens besteht ein ausgesprochen hohes Risiko für 

die Gesundheit von Bienen, welche essentiell für die Bestäubung sind 

(dazu jetzt DAVE GOULSON, Stumme Erde, Warum wir die Insekten retten 

müssen, 2022, passim; AKADEMIE DER NATURWISSENSCHAFT, Insektenviel-

falt in der Schweiz, Bedeutung, Trends, Handlungsoptionen, 2021, 24, 27 

f., 60; BUNDESRAT, Nationaler Massnahmenplan für die Gesundheit der 

Bienen, Bericht vom 21. Mai 2014 in Erfüllung der Motion der Kommission 

Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) vom 6. Mai 2013 [13.3372], 

passim; UVEK, Bericht vom 19. August 2019, Das Insektensterben stop-

pen – eine Auslegeordnung zuhanden der UREK-N, Ursachen, Handlungs-

bedarf, Massnahmen, passim). Drittens kommt hinzu, dass mangels Daten 

unzählige Risikobewertungen gar nicht vorgenommen werden konnten, 

also unklar ist, wie sich der Wirkstoff sonstwie verhält, weshalb ein aktuel-

les Risiko für Mensch, Tier und Umwelt vorhanden ist. Schliesslich darf 

auch nicht vergessen werden, dass nach der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung im Bereich des Gewässer-, Natur-, Heimat- und Umweltschutz-

rechts zwingende Gründe für eine sofortige Anwendung des neuen Rechts 

sprechen (vgl. BGE 135 II 384 E. 2.3 m.H.). Angesichts dieser Umstände 

und entsprechend dem für solche Situationen geschaffenen Vorsorgeprin-

zip (Art. 1 Abs. 1 USG, Art. 148a LwG, Art. 1 Abs. 4 PSMV) ist mit der 

Vorinstanz und entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin einig zu 

gehen, dass ein Verbot des Inverkehrbringens und des Verwendens dring-

lich ist. Insofern ist – entgegen der beschwerdeführenden Auffassung – der 

Sachverhalt im Verfahren B-3969/2021 nicht mit dem vorliegenden Sach-

verhalt vergleichbar. Während dort von einem nicht dringlichen Fall gespro-

chen wurde, handelt es sich hier – wie ausgeführt – um das Gegenteil (Ur-

teil des BVGer B-3969/2021 vom 28. März 2022 E. 13.9.6).  

3.4.4   

3.4.4.1 Das Verbot des Inverkehrbringens bis zum 1. Oktober 2022 und 

des Verwendens von Pflanzenschutzmittel bis zum 1. April 2023, die den 

Wirkstoff Indoxacarb enthalten, bildet eine geeignete und notwendige 

Massnahme zum Schutz von Mensch und Tier. Dies ist unbestritten. Zu 

prüfen ist somit die Zumutbarkeit der Massnahme. 

B-3862/2022 

Seite 11 

3.4.4.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, dass im 

hier strittigen Fall – wie im Verfahren B-3969/2021 – keine unannehmbare 

Gefährdung für Mensch und Tier oder Umwelt vorliege, weshalb ein dring-

liches Verbot des Inverkehrbringens bzw. Verwendens nicht notwendig sei. 

Hier wie dort würden infolgedessen Ausverkaufs- und Verwendungsfristen, 

die bereits von vorneherein nicht geeignet seien, einen geordneten Abbau 

der Lagervorräte zu ermöglichen, da bei deren Inkrafttreten keine Vegeta-

tionsperiode mehr zur Verfügung stehe, klar gegen das Verhältnismässig-

keitsprinzip verstossen. Im vorliegenden Fall sei das Verbot auf den 1. Juli 

2022 in Kraft gesetzt worden, der Anwendungszeitraum für das entspre-

chende Pflanzenschutzmittel sei Frühling und Sommer, weshalb beim In-

krafttreten der Ausverkaufsfrist keine Vegetationsperiode mehr gegeben 

gewesen sei. Infolgedessen verstosse die Regelung gegen das Verhältnis-

mässigkeitsprinzip und es seien die Fristen zu verlängern. 

3.4.4.3 In Bezug auf die privaten Interessen ist der besondere Mechanis-

mus des transnationalen Verwaltungsakts zu berücksichtigen, worauf die 

Vorinstanz implizit auch hinweist. Aus diesem folgt, dass eine Entschei-

dung der Europäischen Kommission im Bereich der Wirkstoffe von Pflan-

zenschutzmitteln automatisch auch in der Schweiz gilt. Ausländisches Ver-

waltungsrecht gilt in der Schweiz (vgl. KAUFMANN, Internationales Verwal-

tungsrecht, a.a.O., S. 28; OHLER, a.a.O., Rz. 29 [transnationale Geltungs-

erstreckung]). Dies ist Folge der Anerkennungsnorm nach Art. 160 Abs. 6 

LwG. In Art. 10 PSMV sind nur noch die Kompetenzen für den Anerken-

nungsprozess geregelt – ähnlich wie in der EU. Wenn also die DV Indo-

xacarb die Nichterneuerung des Wirkstoffs Indoxacarb verordnet, wird dies 

notwendigerweise auch in der Schweiz eintreten. Insofern erfolgt mit dem 

transnationalen Verwaltungsakt ein Import von Rechtswirkungen aus dem 

Ausland (KAUFMANN, Internationales Verwaltungsrecht, a.a.O., S. 29; OH-

LER, a.a.O., Rz. 27 ff.). Angesichts dieses Umstands kommt der DV Indo-

xacarb für die Schweiz eine Art von «faktischer» Vorwirkung zu.  

Die Beschwerdeführerin ist ein international im Bereich des Pflanzenschut-

zes tätiger Konzern. Sie agiert auch in der EU. Ihr war bekannt, dass der 

Wirkstoff Indoxacarb nicht erneuert wurde und deshalb die Zulassungen 

für «indoxacarb-haltige Produkte» widerrufen werden. Sie hat dies gegen-

über ihren deutschen Kunden auf ihrer Website frühzeitig kundgetan […] 

und musste als Akteurin im Schweizerischen Pflanzenschutzmittelbereich 

davon wissen, dass Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Indoxacarb an-

gesichts der Fristen in Art. 10 PSMV demnächst in der Schweiz verboten 

würden. Die DV Indoxacarb datiert vom 26. November 2021, der Widerruf 

B-3862/2022 

Seite 12 

von Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln, die Indoxacarb als Wirkstoff 

enthalten, musste bis spätestens am 19. März 2022 durch die Mitgliedstaa-

ten erfolgen (Art. 3 DV Indoxacarb). Eine Aufbrauchsfrist, die sowohl eine 

Ausverkaufs- und Verbrauchsfrist umfasst, wurde auf den 19. September 

2022 festgesetzt (Art. 4 DV Indoxacarb). In Kenntnis dieser Fristen musste 

die Beschwerdeführerin davon ausgehen, dass sie die Produktion solcher 

Pflanzenschutzmittel einstellen musste. Angesichts der automatischen 

Übernahme und angesichts der auf die EU abgestimmten Fristenregelung 

von Art. 10 Abs. 1 Satz PSMV musste die Beschwerdeführerin ebenfalls 

folgern, dass die Produktion einzustellen sein wird und eine Ausver-

kaufsfrist kurz bemessen sein würde. Im Gegensatz zur EU konnte die Be-

schwerdeführerin ihr Produkt sechseinhalb Monate länger verkaufen und 

können die Kunden der Beschwerdeführerin das Produkt ebenfalls sechs-

einhalb Monate, bis 1. April 2023, länger verwenden. Der Beschwerdefüh-

rerin blieben also bei klugem Verkaufsmanagement somit sechs Monate 

mehr Zeit als ihren Schwestergesellschaften in der EU, um das Produkt 

abzusetzen. Dem privaten Interesse der Beschwerdeführerin kommt ange-

sichts dieser Ausführungen geringes Gewicht zu.  

Was das öffentliche Interesse betrifft, trifft es – wie bereits oben erwähnt – 

nicht zu, dass die Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt nicht hoch 

und deren Schutz nicht dringlich ist. Kommt hinzu, worauf die Vorinstanz 

ebenfalls zutreffend hinweist, dass mit der von der Beschwerdeführerin be-

antragten Regelung die Schweiz zum Entsorgungshof von Pflanzenschutz-

mitteln für Europa würde, was aber mit dem transnationalen Verwaltungs-

akt gerade verhindert werden sollte. Denn mit diesem sollen die Rechts-

wirkungen der EU in die Schweiz importiert werden (vgl. KAUFMANN, Inter-

nationales Verwaltungsrecht, a.a.O., S. 29; OHLER, a.a.O., Rz. 27 ff.), und 

es soll diesbezüglich ein europaweiter Rechtsraum geschaffen werden 

(vgl. OHLER, a.a.O., Rz. 27 f.). Pflanzenschutzmittel mit verbannten Wirk-

stoffen sollen überall verboten werden (vgl. dazu auch OHLER, a.a.O., 

Rz. 28). Insofern ist das öffentliche Interesse an einer kurzen Frist sehr hoch.  

Insgesamt überwiegt vorliegend das öffentliche Interesse an kurzen, wie in 

Art. 86h PSMV vorgesehenen Fristen das private Interesse: Angesichts der 

langen Vorlaufzeit, welche sich aus dem Mechanismus des transnationalen 

Verwaltungsakts ergibt, und der um sechs Monate längeren Verwendungs-

frist, die auch noch die nächste Vegetationsperiode teilweise abdeckt, und 

angesichts des mit dem transnationalen Verwaltungsakt geschaffenen ein-

heitlichen Rechtsraums und des besonders gewichtigen Umstands, dass 

B-3862/2022 

Seite 13 

die Schweiz nicht zum Entsorgungshof für ausrangierte Pflanzenschutz-

mittel werden darf, ist die Regelung von Art. 86h PSMV verhältnismässig. 

Mit Art. 10 PSMV soll – wie dargelegt – eine Harmonisierung mit der EU 

angestrebt werden (siehe auch Urteil des BVGer B-3826/2021 vom 

28. März 2022 E. 5.3.2). Um diesem engen Zusammenhang zwischen der 

EU- und der schweizerischen Regelung und der Abhängigkeit dieser von 

jener nachzukommen, haben die in den Prozess nach Art. 10 PSMV invol-

vierten Amtsstellen in Zukunft die Anpassung der PSMV (Anhang 1) und 

der Widerruf entsprechender Zulassungen zeitlich enger an die Anpassun-

gen im EU-Recht vorzunehmen. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb die 

Umsetzungsfristen in der Schweiz gegenüber dem EU-Rechtssetzungs-

prozess derart verzögert sind. Mit den publizierten Durchführungsverord-

nungen werden auch die schweizerischen Amtsstellen in den gleichen 

Stand gesetzt wie die EU-Mitgliedsstaaten. 

3.5 Die Beschwerdeführerin macht ferner eine Verletzung der Eigentums-

garantie geltend. Ob sich die untersagte Handlung überhaupt im Schutz-

bereich der Eigentumsgarantie befindet, kann offengelassen werden. Je-

denfalls können Grundrechte eingeschränkt werden (Art. 36 BV). Vorlie-

gend besteht eine gesetzliche Grundlage (Art. 160 Abs. 6 LwG, Art. 86h 

PSMV) und ein öffentliches Interesse, sowie – wie dargelegt – sind die 

staatlichen Massnahmen verhältnismässig. Inwiefern im vorliegenden Fall 

Besonderheiten im Vergleich zu Art. 5 Abs. 2 BV bestehen würden, macht 

die Beschwerdeführerin nicht geltend und sind auch keine sichtbar. 

4.  

4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unbegründet und abzuweisen. 

Der Antrag der Vorinstanz, der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu 

entziehen, wird damit gegenstandslos.  

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der un-

terliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und 

Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Mit Blick auf den Verfahrensaufwand sind die Verfahrenskosten auf 

Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 VGKE). Der 

geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfah-

renskosten zu verwenden. Eine Parteientschädigung wird bei diesem Ver-

fahrensausgang nicht zugesprochen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).  

  

B-3862/2022 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt und nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils mit dem geleisteten 

Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 

3.  

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Christoph Errass Davide Giampaolo 

 

 

  

B-3862/2022 

Seite 15 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 

Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Frist ist ge-

wahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim Bun-

desgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post 

oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertre-

tung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift hat die 

Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unter-

schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 

sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen 

(Art. 42 BGG). 

 

Versand: 14. November 2022 

 

  

B-3862/2022 

Seite 16 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde); 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde).