# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7cd479d0-a4cd-5716-9492-cee7bb404322
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Fallabschluss bei bereits vor Jahren wiederaufgenommener 100%iger Arbeitstätigkeit bestätigt. Rentenanspruch mangels Erwerbsausfalls verneint, kein Anspruch auf Heilbehandlung nach Fallabschluss. Narbenrevision vor Fallabschluss nicht zweckmässig, daher auch hierfür kein Leistungsanspruch. Neuropsychologische Beschwerden, Kopf- und Nackenschmerzen nach Commotio Cerebri nicht adäquat kausal. Integritätsentschädigungsanspruch ist in Bezug auf Folgen der Kieferverletzung weiter abklärungsbedürftig.
**Docket/Reference:** UV.2021.00219
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2021.00219.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2021.00219
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Gasser Küffer
Urteil
vom
7. Dezember 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Martin Bürkle
Thouvenin
Rechtsanwälte
Klausstrasse
33, 8024 Zürich
Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X.___
, seit
1.
April 2002 als Senior Underwriter bei der
Y.___
angestellt und über diese bei der AXA Versicherungen AG
(im Folgenden: AXA)
obligatorisch unfallversichert, zog sich als Fahrradfahrer bei einer Kollision mit einem Personenwagen am
8.
August 2012 Kopf- und Kieferverletzungen
sowie Schnittverletzungen im Bereich des Hal
s
es und des linken Oberarmes
zu (
Urk.
13/A2
, 12/M3
)
.
Die Erstversorgung erfolgte
nach notfallmässiger Zuweisung durch den Rettungsdienst
im
Z.___
, wo am Unfalltag ein
e
stark blutende Wunde am Hals und am 1
0.
August 2012 die doppelte Unterkieferfraktur operativ versorgt wurden (
Urk.
12/M1, 12/M2).
Die AXA erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
A
b
2
4.
September 2012
arbeitete der Versicherte wieder
teilzeitlich, ab September 2013 wieder zu 100
%
(Beilagen zu
Urk.
13/A
18,
13/A
40,
13/A
57,
13/A
60
,
13/A
98 S. 2
). Die AXA übernahm weiterhin die Kosten der Heilbehandlung
(
vgl. unter anderem Kostengutsprachen, in:
Urk.
13/A
68
,
13/A
85,
13/A
90,
13/A
99
). Am 1
6.
Juli und 1
7.
Dezember 2014 unterzog sich der Versicherte Narbenkorrek
turen am linken Oberarm und am Hals links (
Urk.
12/M38).
Mit
E
-Mail vom 3
1.
Januar 2017 liess
der
Versicherte mitteilen, dass eine Revisionsoperation der immer noch sehr gros
sen und störenden Narbe am Hals
anstehe, er weiterhin regelmässige physiotherapeutische Massnahmen benötige, um die Arbeitsfähig
keit aufrecht erhalten zu können, und es sich abzeichne
, dass der Zahnaufbau
(vgl. dazu:
Urk.
12/39-M42)
sich wieder abnutze. Sodann seien psychische Aspekte noch ein Thema (
Urk.
13/A
101).
Am 1
3.
Februar 2017 unterzog sich der Versicherte der
angekündigten
Narbenkorrektur in der Klinik
A.___
(vgl.
Urk.
12/M60) und liess in diesem Zusammenhang eine Arbeitsunfähigkeit ab O
perationstag melden
(
Urk.
13/A
106)
. Nach V
orlage
der Akten
an den
beratenden
Arzt
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und P
sychotherapie
(Stellungnahme vom 1
5.
August 2017,
Urk.
12/M62)
,
teilte die AXA dem Versicherten am 1
4.
November 2017 die Notwendigkeit einer interdisziplinären Begutachtung mit (
Urk.
13/A
113)
. Nachdem der Versicherte telefonisch die Notwendigkeit einer Begutachtung hatte in Frage stellen lassen (
Urk.
13/A
120), teilte ihm die AXA
mit Schreiben vom
8.
Februar 2018 mit, dass sie aufgrund der aktuellen Aktenlage davon ausgehe, dass die psychischen Beschwerden nicht mehr adäquat zum Unfall seien, weshalb diesbezügliche Leistungen per 2
8.
Februar 2018 enden würden, Korrektureingriffe
an den
Narben im Kopf
bereich nicht in den Leistungsbereich der Unfallversicherung fielen, sich
die
Erwerbsersatzfrage bei aktuell voller Arbeitsfähigkeit nicht stelle und weitere
Heilbehandlungen keine namhafte Besserung mehr bewirkten, weshalb
die Leistungen auch
diesbezüglich per 2
8.
Februar 2018 eingestellt
würden
. Der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung werde anhand der Aktenlage geprüft (
Urk.
13/A
122).
Der Versicherte
zeigte sich hiermit nicht einverstanden
(
Urk.
13/A
124)
, worauf
ihm
die AXA
am 1
6.
März 2018 mit
teilte
, dass angesichts seiner abweichenden Meinung und der Aktenlage die gutachterliche Unter
suchung zur Klärung der Ansprüche unerlässlich sei (
Urk.
13/A
125)
. Der letztlich am 2
2.
November 2018
an die Rehaklinik
C.___
erteilte Gutachtensauftrag (
Urk.
13/A
135) wurde, nachdem
mehrere Terminvorschläge
der Klinik
vom Versicherten ausgeschlagen worden waren
(
Urk.
13/A
155,
13/A
169-170), von
der Klinik
am
7.
August 2019
zurückgewiesen (
Urk.
13/A
170 S. 1)
. Nach Vorlage
der Akten
an den beratenden Arzt
Dr.
med.
D.___
,
Fa
charzt FMH für Neurologie (Stellungnahme vom
4.
Dezember 2019,
Urk.
12/M68)
,
teilte die AXA dem V
ersicherten am 2
8.
Februar 2020 mit, dass nach neuerlicher Überprüfung des Sachverhalts eine weitere Abklärung/Begutachtung nicht erforderlich sei (
Urk.
13/A
180). Am 1
6.
April 2020 verfügte sie in materieller Hinsicht
wie folgt (
Urk.
13/A
187 S. 5):
«1.
Es besteht kein Anspruch auf Versicherungsleistungen der obligatorischen
Unfallversicherung für die Narbenoperation vom 1
3.
Februar 201
7.
Dazu
zählt auch die Folgebehandlung und die dadurch ausgelöste
Arbeitsunfähigkeit.
2.
Es besteht kein Anspruch auf Versicherungsleistungen der obligatorischen
Unfallversicherung betreffend die psychischen Beschwerden und die
neuropsychologischen Defizite.
3.
Betreffend die HWS- und Kopfbeschwerden besteht ab 01.03.2018
kein
Anspruch auf Versicherungsleistungen der obligatorischen
Unfallversicherung.
4.
Die Übernahme der Versicherungsleistungen betreffend der
Kiefe
r
beschwe
rden bleibt per 2
8.
Februar 2018
eingestellt. Das Melderecht
für Rückfälle und Spätfolgen bleibt gewahrt.
5.
Es besteht kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung.»
Die Einsprache des Versicherten vom 1
5.
Mai 2020 (
Urk.
12/
A
188) wies die AXA nach Vorlage der Sache an ihren beratenden Arzt
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für N
eurologie, zu dessen
Stellungnahme vom 1
9.
M
ai 2021
(
Urk.
12/M70)
dem
Versicherten das rechtliche Gehör gewährt wurde (
Urk.
13/A
201,
13/A
205), mit Entscheid vom
7.
Oktober 2021 ab (
Urk.
13/A206 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X.___
am
5.
November 2021 Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Der Einspracheentscheid sei insoweit
aufzuheben, als die Leistungen
der
Beschwerdegegner
in per
1.
März 2018 eingestellt
wurden resp. die
Kosten für die Nar
benkorrekturen nicht übernommen
wurden und die
Bes
chwerdegegnerin für die psychischen
Unfallfolgen und die
neur
opsychologischen Defizite nicht
aufgekommen ist sowie auch keine
Integritätsentschädigung
ausgerichtet hat.
2.
Dem Beschwerdeführer seien
- allenfalls nach Vornahme der
gesetzlichen
Abklärungen - die gesetzlichen Leistungen zu gewä
hren,
insbesondere für
d
ie Narbenkorrektur aufzukommen,
ebenso die für die psychischen und
ne
uropsychologischen Unfallfolgen
sowie die Kopfschmerzen.
3.
Es sei dem Beschwerdeführe
r eine Integritätsentschädigung
auszurich
ten.
»
Prozessual liess er zudem beantragen, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich
ten, die Kosten der Abklärungen bei den beratenden Ärzten offenzul
e
gen und es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegeg
nerin liess in der Vernehmlassung vom
1.
März 2022 auf Abweisung der Beschwerde schliessen (
Urk.
11 S. 2). Die Parteien wichen im Rahmen von Replik und Duplik nicht von ihren Anträgen ab (
Urk.
18 S. 2, 23 S. 3), wovon ihnen gegenseitig Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
19, 25).
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
8.
August 2012
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG).
1.3
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Inte
gritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleis
tung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss
Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird.
Gemäss
Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integri
tätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integri
tätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Für die darin genannten Integri
tätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritäts
schaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritäts
schaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellun
gen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
1.5
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.6
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung der Adäquanz von psychischen Unfallfolgeschäden wie folgt zu differenzieren: Zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) oder ein Schädel
Hirntrauma erlitten hat. Ist dies der Fall, sind bei Unfällen aus dem mittleren Bereich die in BGE 117 V 359 E. 6a und 382 E. 4b umschriebenen Kriterien anzuwenden. Andernfalls erfolgt die Adäquanzbeurteilung in den dem mittleren Bereich zuzuordnenden Fällen nach den Kriterien gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/
aa
(siehe zur Begründung der teilweise unterschiedlichen Kriterien: BGE 117 V 359 E. 6a, letzter Absatz).
Gemäss Rechtsprechung genügt ein Schädel-Hirntrauma, welches höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri - nicht im Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri - erreicht, grundsätzlich nicht für die Anwendung der Adäquanzbeurtei
lung gemäss Schleudertrauma-Praxis (SVR 2019 UV Nr. 41 S. 155,
Urteil des Bundesgerichts 8C_66/2021 vom
6.
Juli 2021 E. 5.3.1 mit Hinweisen
)
.
1.7
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE
145 V 97 E. 8.5,
142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid zusammengefasst damit, dass für die Durchführung des operativen Eingriffs vom 1
3.
Februar 2017
(Narbenexzision) die notwendigen Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht erfüllt seien und keine Kostengutsprache hierfür erteilt worden sei, weshalb weder für den Eingriff, noch die Folgebehandlungen oder die dadurch ausgelöste Arbeitsunfähigkeit ein Anspruch auf V
ersicherungs
leistungen bestehe. In Bezug auf die Kieferverletzung und die Kopf-/HWS-Beschwerden sei ab Anfang März 2018 keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten
gewesen
, so dass der Eintritt des medizinischen Endzustandes per
1.
März 2018 zu bestätigen sei. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden und der neuropsychologischen Defizite sei ein natürlicher Kausalzusammenhang zum Unfallereignis nicht überwiegend wahrschein
lich erstellt,
zudem sei
der adäquate Kausalzusammenhang ohnehin nicht gegeben (
Urk.
2
,
insbesondere S. 16 f.).
Zur Frage des Integritätsschadens verwies sie auf die versicherungsmedizinische Beurteilung von
Dr.
med.
F.___
vom
1.
März 2018, gemäss welcher keine integritätsentschä
digu
ngsrelevanten Unfall
folgen vorlä
gen (
Urk.
2 S. 12).
Mit Beschwerdeantwort liess
sie
im Wesentlichen ergänzen, dass mit den beweis
kräftigen
Aktenbeurteilungen
der beratenden Ärzte der rechtserhebliche
Sachver
halt erstellt und keine gutachterliche Beurteilung mehr notwendig sei, Auch sei das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers gewahrt worden (
Urk.
11 S. 8 ff.). Mit Duplik liess sie sodann
im Wesentlichen geltend machen
, der medizinische Sachverhalt sei spätestens mit dem Bericht von
Dr.
D.___
hinreichend klar gewesen, was der im
Einspracheverfahren
eingeholte Bericht von
Dr.
E.___
lediglich
bestätige. Der nachmalige Verzicht auf das zunächst für notwendig erachtete Gut
achten sei angesichts dessen nicht zu beanstanden (
Urk.
23 S. 7 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen im Wesentlichen den Standpunkt vertreten, die Beschwerdegegnerin habe in mehrfacher Hinsicht sein rechtliches Gehör verletzt und ein «schludrig» und offensichtlich ergebnisorientiertes Abklärungs
verfahren geführt (
Urk.
1 S. 7-10). Nachdem sie zunächst eine gutachterliche Abklärung für notwendig erachtet habe, sei sie aus bis heute schuldig gebliebenen Gründen davon abgewichen und habe sich mit der Vorlage der Sache an ihre beratenden Ärzte begnügt.
Offensichtlich sei ihr die mit Fr. 43'000.-- veran
schlagte Begutachtung zu teuer gewesen (S. 11).
Dieses Vorgehen verletze in jeglicher Hinsicht den Untersuchungsgrundsatz. Bei HWS-Verletzungen
sei
rechtsprechungsgemäss eine
polydisziplinäre Abklärung
unabdingbar (S. 12)
. Die eingeholten Aktenbeurteilungen der beratenden Ärzte seien aus diversen – näher dargelegten – Gründen nicht beweiskräftig
(vgl. insbesondere S. 21 ff.)
.
Mit der Replik (
Urk.
18) liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen ergänzen, die operative Narbenrevision habe eine relevante Verbesserung der Schmerzhaf
tigkeit und der Sichtbarkeit gebracht, weshalb die diesbezüglichen Kosten von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen seien (S. 4).
Im Zusammenhang mit der Rückweisung des Gutachtensauftrags durch die Rehaklinik
C.___
treffe ihn sodann keine Schuld und sei er von der Beschwerdegegnerin auch zu keinem Zeitpunkt im Rahmen eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
zur Mitwirkung aufgefordert worden (S. 6). Der nachmalige Verzicht auf Einholung eines Gutach
tens sei nicht nur unter Verletzung der Untersuchungspflicht, sondern auch der Aktenführungspflicht gemäss
Art.
46 ATSG zustande gekommen (S. 7).
Was sodann die Kernfrage nach der Bewusstlosigkeit und damit
nach
d
er
Schwere der Hirnverletzung anbelange, sei eine persönliche Befragung
von ihm, dem
Beschwerdeführer
,
unabdingbar (S. 15).
2.3
In der Sache streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer aus dem Unfall vom
8.
August 2012 über den
1.
März
2018 hinaus
Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung hat. Ausserdem steht die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der Operation vom
1
3.
Februar 2017
im Streite
.
3.
3.1
Vorweg zu prüfen ist die geltend gemachte Verletzung des rechtlichen Gehörs, ist doch der
Anspruch auf rechtliches Gehör formelle
r Natur und führt dessen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebun
g des angefochtenen Entscheids
(BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer begründete die angerufene Verletzung des rechtlichen Gehörs insbesondere mit einer Verletzung der Begründungspflicht, sei die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid doch mit keinem einzigen Wort auf seine im
Einspracheverfahren
erhobenen Einwände (
Urk.
13/A
205) gegen den Bericht von
Dr.
E.___
vom 1
9.
Mai 2021 (
Urk.
12/M70) eingegangen (
Urk.
1 S. 19).
3.2
Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesver
fassung (BV) fliessende Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungsweise der Versicherungsträger mit allen Partei
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben
und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht respektive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je mit Hinweisen).
3.3
Die Beschwerdegegnerin
stützte den angefochtenen Entscheid in medizinischer Hinsicht gemäss
ihren Erwägungen unter
E. 2.2 lit. g bis j im Wesentlichen auf die versicherungsinternen Stellungnahmen von
Dr.
B.___
,
Dr.
F.___
und
Dr.
D.___
und erachtete die im Sachverhal
t unter lit. t zusammengefasste
Beur
teilung von
Dr.
E.___
vom 1
9.
Mai 2021 (
Urk.
2 S. 7) insbesondere als die Beurteilung von
Dr.
D.___
bestätigend, ohne sich
inhaltlich
auf letztere zu stützen
, was sie denn auch in E. 2.2 lit. i des angefochtenen Entscheids darlegte
(vgl.
Urk.
2 S. 13)
.
Dass sie sich angesichts dessen nicht im Einzelnen mit den
ausführlichen
Einwänden des Beschwerdeführers vom 3
0.
August 2021 (
Urk.
13/A
205) gegen die Beweiskraft der Beurteilung von
Dr.
E.___
aus
einandersetzte,
stellt
, wenn überhaupt, nur
eine
leichte Verletzung des rechtlichen Gehörs
dar
.
Sodann konnte sich der Beschwerdeführer umfassend zum genannten Bericht äussern. Das hiesige Gericht kann sowohl Tat- als auch Rechtsfragen uneinge
schränkt überprüfen (Art. 61 lit. c ATSG). Im Sinne einer Heilung des Mangels ist deshalb ohnehin von einer Rückweisung der Sache zur Gewäh
rung des recht
lichen Gehörs abzusehen, da dies zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu wei
teren unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleich
gestellten) Interesse des Beschwerdeführers an einer beförderli
chen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.
1 mit Hinweisen). Hiervon ging offensichtlich
auch der Beschwerdeführer aus (
Urk.
1 S. 20
Ziff.
33)
und machte im Übrigen auch im Zusammenhang mit der geltend gemachten Verletzung der Aktenführungspflicht (vgl.
Urk.
18 S. 7) zu Recht keine der Heilung nicht zugängliche Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend
.
4.
4.1
Gemäss Sachverhalt
in der
Verfügung der Kantonspolizei Zürich vom 3
0.
August 2012 zum Verkehrsunfall vom
8.
August 2012 bemerkten der Beschwerdeführer und sein Kolle
ge, beide auf Fahrrädern, ein ab
ruptes B
remsmanöver
des vor ihnen fahrenden Autolenkers bei der Kreiselausfahrt zu spät. Beide Fahrradlenker seien beinahe ungebremst mit dem Heck des Perso
n
enwagens kollidiert und hätten sich schwer verletzt. Der Beschwerdeführer sei mit der Sanität ins
Z.___
gebracht
worden (
Urk.
12/P2 S. 5). Er habe sich einen Kieferbruch etc. zugezogen (
Urk.
12/P2 S. 2). Gemäss Angabe des Personenwagenlenkers in der Einvernahme vom Unfalltag
waren
beide Fahrradfahrer ansprechbar (Beilage zu
Urk.
12/P
3
). Der Beschwerdeführer wurde am 2
8.
August 2012 zur Sache einver
nommen und erklärte, er könne sich an vieles erinnern, so auch, dass er die Hand nach rechts gestreckt habe, um aus dem Kreisel zu fahren, nicht mehr aber an die Kollision (Beilage zu
Urk.
12/P
3
).
4.2
CT-Aufnahmen des Halses, des Thorax, des Abdomen
s
und der Wirbelsäule vom Unfalltag ergaben keinen Hinweis auf traumatische Organ- oder Weichteilläsio
nen. Zur Darstellung gelangte
n
ein Hämatom im M. s
t
ernocleidomastoideus links und eine Dilatation der Aorta
ascend
e
ns
auf zirka 4.5 cm
sowie
eine nicht dislozierte Fraktur des Corpus
mandibul
ae
rechts und des Ramus
mandibulae
links, im Übrigen jedoch keine frischen traumatischen Läsionen der abgebildeten ossären Strukturen (
Urk.
12/M7). Ein CT des Neurocraniums vom Unfalltag liess keine intrakranielle Blutung erkennen (
Urk.
12/M8).
Am Unfalltag wurde die stark blutende Wunde am Hals mit Verletzung der
Vena
jugularis
interna
links im Z
.___
notoperiert (
Urk.
12/M1). Am 1
0.
August 2012 erfolgte die offene Reposition und P
lattenosteosynthese der beiden Unterkiefer
frakturen (
Urk.
12/M2).
Dem Verlegungsbericht vom
9.
August 2012 der Abteilung Chirurgische Inten
sivmedizin des Z
.___
zur Hospitalisation des Beschwerdeführers auf der Intensiv
station vom Unfalltag bis 1
0.
August 2012 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei Ankunft des Rettungsdienstes an der Unfallstelle wach gewesen sei. Es bestehe eine Amnesie für das Ereignis. Nach initialer Diagnostik im Schockraum sei der Beschwerdeführer operativ versorgt worden. Während der ganzen Überwachungsphase sei der Beschwerdeführer klar und ohne fokal neurologische Ausfälle gewesen
(Beilage zu
Urk.
12/M32).
4.3
Die Diagnosen im Austrittsbericht der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts
chirurgie des Z
.___
vom 1
4.
August 2012
(Spitalaustritt am 1
5.
August 2012)
lauteten wie folgt (
Urk.
12/M3 S. 1):
-
Leichtes Schädelhirntrauma am 8.8.2012
-
Commotio cerebri
-
Schnittverletzung Hals links am 8.8.2012
-
Läsion
Vena
Jugularis
interna
links
-
Hämatom im M. s
t
ernocleidomastoideus links (ca. 50 x 38 mm)
-
Doppelte Unterkieferfraktur am 8.8.2012
-
Rechts: paramedian
regio
44/45
-
Links: tiefes Collum
-
Oberflächliche Schnittverletzungen Oberarm links am 8.8.2012
-
Bikuspide
Aortenklappe
-
In regelmässiger kardiologischer Betreuung
-
Aneurysma der Aorta
ascendens
bis 4.5 mm
Der Beschwerdeführer sei primär in der chirurgischen Intensivstation behandelt und anschliessend noch intubiert übernommen und operiert worden.
Nach der operativen Versorgung der Unterkieferfrakturen
sei der Beschwerdeführer noch am Operationstag auf die Normalstation verlegt worden. Postoperativ habe sich eine regelrechte Okklusion gezeigt, welche jedoch subjektiv als störend empfun
den worden sei. Weiter habe der Beschwerdeführer an Nackensteifigkeit und
–schm
erzen gelitten, welche unter ph
ysiotherapeutischer Behandlung nur langsam gebessert hätte
n
. Der Beschwerdeführer sei nach einer klinisch unauffälligen Abschlusskontrolle entlassen worden. Die zuständigen ärztlichen Fachpersonen attestierten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 3
1.
August 2012.
4.4
In einem E-Mail an die letzteren vom 2
8.
August 2012 informierte der Beschwer
deführer, dass er entgegen dem unauf
fälligen Austrittsbefund an star
ken Kopf
schmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten leide. Auch klagte er über ein Taubheitsgefühl im Unterkiefer und im Lippenbereich, eine Asymmetrie zwischen Ober-
und Unterkiefer, empfindliche(s
) Zahnfleisch und Zähne sowie Schmerzen im Rippenbereich links und eine empfindliche Druckstelle am rechten Handgelenk. Auch seien die im Austrittsbericht erwähnten Nacken- und die nicht erwähnten Rückenschmerzen weiterhin ein Problem und würden physiotherapeu
tisch behandelt (
Urk.
12/M5
, vgl. dazu auch:
geklagte Beschwerde
n
anlässlich der Verlaufskontrollen vom 2
0.
und 2
4.
August 2012, Beilagen zu
Urk.
12/M32
).
4.5
Anlässlich einer Vorstellung im Neurozentrum
H.___
am
7.
September 2012 standen gemäss Beurteilung der zuständigen Neurologen Nacken- und Kopf
schmerzen, eine reduzierte kognitive Belastbarkeit sowie eine allgemeine Müdig
keit im Vordergrund
. Das Schädel MRI (
Urk.
12/M11)
und die zerebrale Farbduplexsonograp
h
ie seien unauffällig ausgefallen. Im Hinblick auf die aktuell noch angegebenen Beschwerden und eine baldmöglichste berufliche Reintegra
tion wurde eine ergänzende neuropsychologische Untersuchung empfohlen (
Urk.
12/M10).
4.6
Die verhaltensneurologische Abklärung durch
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin FMH für Neurologie, vom 2
0.
September 2012 führte
zum Schluss auf einen erfreulichen Verlauf
bei Status nach
leichtem
Schädel-Hirn-Trauma mit
Regredienz
der initialen Kopf- und Nackenschmerzen, der Müdigkeit und auch der neurokogni
tiven Symptom
e. Anlässlich der Untersuchung hätten
sich beim
sehr leistungs
orientierten und verhaltensunauffälligen Beschwerdeführer lediglich eine diskrete Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche als belastungslimitier
ende
Faktor
en
feststellen lassen. Sonstige posttraumatische neuropsychologische Defizite seien nicht nachweisbar. Aus verhaltensneuro
logischer Sicht seien zusätzlich zu den physiotherapeutischen Massnahmen keine sonstigen Behand
lungen notwendig. Der Beschwerdeführer sei über obige Befunde und auch über Faktoren, die auf die Hirnleistung Einfluss nähmen (Müdigkeit, Schmerzen, etc.)
,
aufgeklärt worden (
Urk.
12/M13).
4.7
Am 2
5.
September 2012
zeigte
sich
gemäss Beurteilung der neurologischen Fachärzte
anlässlich der neuerliche Kontrolle
im Neurozentrum
H.___
zusammengefasst ein erfreulicher Befund mit lediglich einer diskreten
Aufmerk
samkeits
- und Konzentrationsschwäche bei guter Prognose. Vorgeschlagen wurde
n
die Fortführung der Physiotherapie und der Schmerzmedikation sowie die schrittweise Wiederaufnahme der Arbeit ab
1.
Oktober 2012, zunächst zu 20
%
und ab 1
5.
Oktober 2012
zu
50
%
(
Urk.
12/M12). Nach versuchter Steige
rung der Arbeit über 20
%
kam es gemäss dem zuständigen Facharzt für Neuro
logie vom Neurozentrum
H.___
(Bericht vom
6.
November 2012,
Urk.
12/M14)
zu einer Exazerbation der Beschwerden.
4.8
Am
9.
Januar 2013 berichtete der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, über eine im Vordergrund stehende posttraumatische Belastungsstörung mit hochgradiger Verminderung der Konzentrationsfähigkeit und massiver Schlafstörung sowie trotz Therapie schlecht beeinflussbare
r
Beschwerden seitens des Nackens und der
Halswirbel
säule (
HWS
)
. Die Behandlung bestehe in Psychotherapie, physikalischer Therapie beziehungsweise Osteopathie
. Ein
Versuch mit einem Antidepressivum sei an der Unverträglichkeit gescheitert
(
Urk.
12/M17).
Wegen störender Narbenkeloide, welche der Beschwerdeführer möglichst bald weghaben wolle,
erfolgte eine Über
weisung
an
Dr.
med.
J.___
, Facharzt für Plastische, Wiederherstellende und Ästhetische Chirurgie (
Urk.
12/M21).
4.9
Am
7.
Mai 2013 berichtete
Dr.
med.
K.___
, Leitender Arzt Manuelle Medi
zin und Interventionelle Radiologie,
von der
L.___
, über die Konsultation des Beschwerdeführers vom selben Tag.
Dieser
habe in den letzten Monaten eine deutliche Besserung der Schmerzen gezeigt und die Arbeitsfähigkeit habe auf 80
%
gesteigert werden können. Auf regelmässige Medikamenteneinnahme sei der Beschwerdeführer nicht mehr angewiesen. Aktuell im Vordergrund stünden Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schmerzen im Bereich der
mittleren und unteren Brustwirbelsäule.
Manualmedizinisch
und mittels Funktionsaufnahmen
hätten
sich eine Irritation von C1/2 und C2/3 ertasten sowie eine Minderbeweg
lichkeit
von C1 gegenüber C2 und musk
uläre Verspannungen feststellen lassen. Hinweise für eine strukturelle Läsion hätten sich jedoch nicht ergeben (
Urk.
12/M22).
4.10
Am 1
7.
Juli 2013 unterzog sich der Beschwerdeführer einer Revisionsoperation im Kieferbereich mit OSME und Osteotomie des Unterkieferrandes mit gleich
zeitiger
Weichteilrepositionierung
(vgl.
Urk.
12/M26 und 12/M27).
4.11
Am 2
0.
Dezember 2013 berichtete
Dr.
K.___
über eine Besserung sämtlicher Beschwerden und führte diese der Diagnose von Restbeschwerden Nacken-
/
Schultergürtel beidseits mit
zervikoenzephaler
Begleitsymptomatik zu. Es bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
12/M29).
4.12
Am 1
1.
März 2013 ersuchte
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Kiefer- und Gesichts
chirurgie, Zentrum für Kiefer- und Gesichtschirurgie,
N.___
, um Kostengutsprache für eine
erneute Osteotomie des
Unterkieferrandes mit gleichzeitiger
Weichteilrepositionierung
,
Cranialisierung
und
Refixie
rung
zur Behebung des Drop-Chin
und Wiederherstellung des
status
quo ante (
Urk.
12/M30
)
.
Durchgeführt wurde die OSME im Z
.___
am 2
6.
April 2014
(
Urk.
12/B M31/4-5)
. Am 1
0.
Juli 2014 ersuchte
Dr.
M.___
um neuerliche Kostengutsprache, nunmehr für eine lokale Infiltration der Kaumuskulatur mit
Botolinum
-Toxin-A zur Reduktion des Drucks auf das gesamte
stomatognathe
System (
Urk.
12/M33).
4.13
Dr.
K.___
berichtete
a
m
8.
September 2014 über persistierende Beschwerden im Sinne von Nacken-/Schultergürtelschmerzen beidseits, weswegen er eine weitere Physiotherapie mit Dry-
Needling
in die Wege geleitet habe (
Urk.
12/M35).
4.14
Am 1
7.
Februar 2015 berichtete
Dr.
J.___
übe
r
die am 1
6.
Juli und 1
7.
Dezem
ber 2014 durchgeführten Narbenkorrekturen am linken Oberarm und am Hals links. Die Narben sähen nun viel besser aus, als die vorhergehenden sehr unschönen hypertrophen Narben. Der Beschwerdeführer wünsche weitere Korrekturen, insbesondere am linken Oberarm, wo im Sinne einer Serienexzision noch weitere
Eingriffe vorgesehen seien. Er leide sehr stark unter den entstellen
den Narben, welche er soweit wie möglich verbessern lassen wolle (
Urk.
12/M38).
4.15
Die neue Hausärztin des B
e
schwerdeführers
O.___
, Praktische Ärztin, stellte mit Bericht vom 2
1.
April 2015 die Diagnose eines posttraumatischen Belastungssyn
droms bei Status nach Velounfall. Im Vordergrund stehe derzeit sicher die post
traumatische Belastungsstörung als Unfallfolge. Es bestehe eine deutliche Diskre
panz z
w
ischen objekti
ven Befunden und subjektivem
Erleben (
Urk.
12/M44). Am 2
8.
April 2015 führte sie aus, die vom Beschwerd
eführer geschilderten Probleme,
vor allem seine Konzentrati
onsstörungen und die zumindest G
rossteils unbegrün
dete, äusserst kritische Haltung gegenüber den Ergebnissen seiner Narbenkorrek
turen sprächen für ein posttraumatisches Belastungssyndrom (
Urk.
12/M45).
4.16
Die von der Hausärztin veranlasste neuropsychologische Abklärung im
P.___
vom 2
6.
August 2015
(
Urk.
12/M46)
führte
zum Schluss auf eine
enorme
Asymmetrie zwischen fluiden und kristalli
nen Leistungen. Die durchschnittlichen kristallinen Leistungen
verwiesen gemäss den zuständigen Fachpersonen auf ein höheres prämorbides Ausgangsniveau, was sich wiederum mit den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und seiner Bildungsbiographie
sowie
sei
ne
m
Bildungs
erfolg decke. Die beklagten Beeinträchtigungen der exekutiven und
attentionalen
Funktionen seien objekti
vierbar und entsprächen einer leichten
bis mittelschweren kognitiven Störung
. Aufgrund phy
s
ischer und psychischer Beeinträchtigungen sei eine Arbeitstätig
keit (gemeint wohl: Arbeitsfähigkeit) in angestammter Tätigkeit aktuell nicht gegeben. Die Komplexität der Problematik scheine eine Anbindung an eine ambulante oder auch stationäre Rehabilitation zu verlangen. Zum Nachweis möglicher durch den Unfall erlittener
shearing
injuries
wäre zudem an eine MRT-Untersuchung mit
hämosiderin
-sensitiven Sequenzen zu denken. Längerfristig empfehle sich aufgrund der eingeschränkten kognitiven Leistungsfähigkeit ein multidisziplinäres Gutachten
(S. 4).
4.17
Prof.
Dr.
med.
Q.___
, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie und Hand
chirurgie, Z
.___
, überwies den Beschwerdeführer mit Schr
ei
ben vom 2
6.
Januar 2016 hausintern an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Rahmen der Unfallfolgen sei
auch ein posttraumatisches Bela
stungssyndrom diskutiert worden. Der Beschwerdeführer fühle sich nach zweimaliger Narbenkorrektur insbesondere durch die relativ zarte Narbe am Hals stark gestört und stigmatisiert. Aus plastisch-chirurgischer Sicht könne diese Narbe durch eine Korrektur kaum verbessert werden, wahrscheinlich auch nicht durch ein Unterspritzen von Fett
gewebe. Zudem stehe die Dimension der Problematik, welche in die Narbe projiziert werde, in keinem Verhältnis zum klinischen Befund (
Urk.
12/M49).
4.18
Prof.
Dr.
R.___
, leitender Arzt in der Klinik für Psy
chiatrie und Psychothera
pie,
Z
.___
, stellte aufgrund seiner Untersuchung vom
5.
April 2016 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung. Zusätzlich bestünden einzelne Symp
tome einer posttraumatischen Belastungsstörung, die Kriterien für die Diagnose seien jedoch nicht erfüllt.
Es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine behandlungs
bedürftige Problematik (
Urk.
12/M50). Gemäss Verlaufsbericht vom 1
6.
August 2016 setzte der Beschwerdeführer die antidepressive Medikation aufgrund von
Nebenwirkungen wieder ab. Er sei weiterhin stark auf seine Narbe fixiert und wünsche dringend eine chirurgische Veränderung (
Urk.
12/M53).
4.19
Anlässlich einer Verlaufskontrolle in der Klinik für Plastische Chirurg
i
e und Handchirurgie des Z
.___
vom 1
2.
September 2016 wurde dem Beschwerdeführer von der gewünschten Narbenkorrektur neuerlich abgeraten und dargelegt, dass durch eine erneute Narbenexzision die Spannung im Wundbereich erhöht werde und wahrscheinlich noch grössere
Alopezieareale
dazukämen. Ebenso bestehe eine hohe Chance, dass die Narbe danach schlechter sei als jetzt (
Urk.
12/M55).
4.
20
Mit Bericht vom
6.
März 2017 teilte der nunmehrige Hausarzt
Dr.
med.
S.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, mit, dass der Beschwerde
führer die Psychot
herapie wegen UAW (unerwünschter
Arzneimittelwirkung) der Medikamente wieder abgebrochen worden habe. Die Narbenkorrektur sei am 1
3.
Februar 2017 erfolgt (vgl. Operationsbericht,
Urk.
12/M60). Aktuell leide der Beschwerdeführer neben seit dem Unfall anhaltenden Nacken- und Kopfschmer
zen sowie einem psychisch schlechten Zustand an vermehrten Spannungsschmer
zen in der Narbe am Hals (
Urk.
12/M58).
Mit Bericht vom 2
5.
Juni 2017 überwies er den Beschwerdeführer zur Behandlung ans Zentrum
T.___
;
Urk.
12
/
B M61/2
)
.
4.21
Dr.
B.___
stellte sich in seiner Stellungnahme vom 1
5.
August 2017 (
Urk.
12/M62) zusammengefasst auf den Standpunkt, dass weder durch die zeitnahen Befunde nach dem Unfallereignis noch durch den Verlauf die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung noch einer anderen spezifischen post
traumatischen psychiatrischen Störung vorgefunden oder bestätigt werden könnten.
Die beklagten psychischen Beschwerden, insbesondere auch die kognitive Verfassung, würden aufgrund der Aktenlage mit einem eigenständigen unfallfremden psychiatrischen Krankheitsbild (
ICD-10
F32.1) in Zusammenhang gesetzt. Ein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom
8.
August 2012 könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorgefunden werden. Sodann finde sich in den Akten keine medizinisch belegte Aussage, dass die objektive Manifestation der Narben eine spezifische psychische Reaktion nach
vollziehbar begründen würde (S. 8 f.)
.
4.22
Am 3
0.
Januar 2018 berichtete
Dr.
med.
U.___
, Arzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, von der
T.___
, der Beschwerdeführer habe ihn im Juli/August 2017 dreimal aufgesucht. Psychisch habe der Beschwerdeführer etwas bedrückt gewirkt, der Rapport eingeschränkt.
Dr.
U.___
führte als Verdachtsdiagnose eine Commotio Cerebri 2012 mit unerklärbarem Energieverlust und K
opfschmerzen an (
Urk.
12/M65 S. 3). Anamnestisch führte er an, die letzte Erinnerung des
Beschwerdeführers vor dem Aufprall sei
das Handzeichengeben und rechts abbiegen. Danach erinnere er sich erst wieder an die Notaufnahme im Spital (
S. 2
). Diese anamnestische Lücke von mindestens 45 Minuten lasse sich eigentlich nur psychogen erklären, nicht durch eine Commotio. Differential
diagnostisch stellte
Dr.
U.___
eine
Contusio
in den Raum (
S. 3
).
4.23
Dr.
D.___
sprach s
ich in seiner Stellungnahme vom
4.
D
ezember 2019 (
Urk.
12/M68) dafür aus, es könne schlicht unfallkausal nicht erklärt werden, weshalb neuropsychologisch die etwa drei Jahre nach dem Unfall dokumentierte Verschlechterung eingetreten sein soll. Auch die psychische Symptomatik sei erst mit einiger Latenz zum Unfallereignis aktenkundig genannt worden. Die Chroni
fizierung der Kopf- und Nackenschmerzen dürfe aufgrund psychogener Faktoren eventuell aufgrund der degenerativen Veränderungen der HWS erfolgt sein. Die Narbe sei auf einen Residualzustand abgeheilt. Von der doppelten Unterkiefer
fraktur seien keinerlei Residuen anzunehmen. Der medizinische Endzustand sei spätestens mit der letzten Narbenkorrektur erreicht gewesen. Ein Gutachten sei nicht notwendig; Unfallfolgen lägen ausser den narbigen Veränderungen mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit keine mehr vor, organische Befunde ebenfalls nicht. Das MRI des Schädels sei bereits am
7.
September 2012 unauffällig gewesen und müsse nicht wiederholt werden
(S. 8 ff.).
4.24
Dr.
E.___
kam
in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Mai 2021
(
Urk.
12/M70)
zusammengefasst
im Wesentlichen
zum Schluss, der Beschwerdeführer habe
sich beim versicherten Unfall neben der Unterkieferfraktur beidseits
eine leichte traumatische H
irnverletzung zugezogen (S. 8 ff.). Eine strukturelle Hirnschädi
gung habe bildgebend ausgeschlossen werden können und die anhaltend geklag
ten Symptome, insb
esondere die 2015 dokumentierte Verschlechterung der
kognitiven
Befunde seien nicht überwiegend wahrscheinlich Folge der erlittenen traumatischen Hirnverletzung.
5.
5.1
Was zunächst die streitgegenständliche Frage nach der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
im Zusammenhang mit der vor Fallabschluss durchgeführ
ten Narbenexzision vom 1
3.
Februar 2017
(
Urk.
12/M60)
anbelangt, hat die versicherte Person gemäss
Art.
10
Abs.
1 UVG Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen. Die sogenannten WZW-Kriterien
(Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) müssen für einen Anspruch auf Heilbehand
lung erfüllt sein
(
Art.
54 UVG und
Art.
5
Abs.
2
BV
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_351/2018 vom 1
5.
Februar 2019 E. 2.1)
. Wirksamkeit ist gegeben, wenn die
Behandlung geeignet ist, die gesundheitl
iche
Beeinträchtigung zu beheben.
Das K
riterium
der Wirksamkeit erfordert, dass eine Behandlung mit Blick auf das angestrebte Behandlungsziel allgemein geeignet sein muss, um dieses zu erreichen (BGE 128 V 159 E. 5c; 130 V 299 E. 6.1)
.
Zweckmässigkeit liegt vor, wenn die Leistung im Einzelfall die angestrebte Wirkung erzielen kann. Damit eine Behandlung wirtschaftlich ist, muss ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis bestehen
(Filippo, in: Basler Kommentar, Unfallversicherungsgesetz, 2019,
Art.
10
R
z
3
6 mit Hinweis;
Pärli
/Kunz, in
Basler Kommentar
,
a.a.O.,
Art.
54
Rz
10 ff. mit Hinweisen
).
5.2
Unbestritten
und aktenmässig erstellt
ist, dass sich der Beschwerdeführer der Narben
exzision vom 1
3.
Februar 2017 unterzogen hat, ohne
dass die Beschwer
degegnerin vorgängig Kostengutsprache erteilt hatte oder nachträglich Leistun
gen in diesem Zusammenhang erbrachte hat (
Urk.
13/A
105). Sodann
macht die Aktenlage deutlich, dass der
Beschwerdeführer
schon bald nach dem Unfall einen starken Fokus auf eine möglichst optimale Narbenversorgung legte (
Urk.
12/M21, 12/M38). Auch drängen sich angesichts der insoweit unmissverständlichen und klaren medizinischen Aktenlage keine Zweifel daran auf, dass die Narbenexzision vom 1
3.
Februar 2017 weder aus plastisch chirurgischer Sicht (vgl.
Urk.
12/M49) noch aus psychiatrischer Sicht (
Urk.
12/M53) eine wirksame und zweckmässige Behandlung darstellte. Am 1
2.
September 2016 wurde dem Beschwerdeführer aus plastisch-chirurgischer Sicht
mit Blick auf eine mögliche Verschlechterung
gar explizit
von der neuerlichen operativen Versorgung abgeraten (
Urk.
12/M55). Auch
Dr.
J.___
, welcher den Beschwerdeführer letztmals am 2
4.
März 2015 gesehen hatte, erachtete weitere Narbenkorrekturen
bereits dannzumal
nicht mehr als sinnvoll, was er dem Beschwerdeführer
ebenfalls
mitgeteilt hatte (
Urk.
12/M64). Eine weitere Behandlungsbedürftigkeit lag damit vor dem Eingriff vom 1
3.
Februar 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht vor
. Der Beschwerdeführer nahm den Eingriff vielmehr im Wissen um die von ärztlicher Seite verneinte Zweckmässigkeit der Behandlung vor
. Soweit der Beschwerdefüh
rer mit der Replik geltend machen lässt, die Narbenrevision habe eine relevante Verbesserung der Schmerzhaftigkeit und Sichtbarkeit gebracht (E. 2.2),
kann er nicht gehört werden,
denn
die Zweckmässigkeitsf
rage ist pros
pektiv
zu beurteilen
. Auch
lässt er
sein
e
Aussage
unbelegt und steht diese Angabe jedenfalls in Widerspruch zu den Angaben von
Dr.
S.___
vom
6.
März 2017, wonach der Beschwerdeführer dannzumal über vermehrte S
pannung
sschmerzen in der Narbe am H
als geklagt habe (
Urk.
21/M58).
Sodann
zeigte sich
d
er Beschwerdeführer gemäss Eintrag von
Dr.
S.___
in der Krankengeschichte zur Konsultation vom
1
2.
Mai 2018 mit dem Zustand der Narbe weiterhin unzufrieden und
er
wünschte eine Laserbehandlung oder Haart
r
ansplantation (Beilage zu
Urk.
12/M69).
Entsprechend sprach sich die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen Entscheid zu Recht gegen ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mi
t dem Eingriff vom
1
3.
Februar
2017
aus,
und zwar sowohl bezüglich der
Heilbehand
lung
als
auch der
Taggeldleistungen.
Auf Weiterungen des Verfahrens, so insbe
sondere die beantragte persönliche Befragung des Beschwerdeführers hierzu (
Urk.
18 S. 4), ist angesichts der unmissverständlichen Aktenlage in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen).
6.
6.2
Was den Fallabschluss per Ende
Februar
2018 anbelangt,
nahm
der Beschwerde
führer mit seinen Eingaben in diesem Verfahren zwar ausführlich insbesondere zur angeblichen Verletzung der Abklärungspflicht durch die Beschwerdegegnerin Stellung
. Z
ur F
rage
, ob
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheits
zustandes erwartet werden konnte,
liess er dagegen
zumindest nicht explizit
Stellung
beziehen
.
Angesichts seines Beschwerdeantrags Ziffer 1 (
Urk.
1 S. 2) ist die Rechtmässigkeit des Fallabschlusses dennoch zu prüfen
.
6.3
Einglie
de
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung
standen
bei Fallabschluss unstreit
ig nicht zur Diskussion
, nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bereits mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2014 einen Anspruch auf eine Invalidenrente bei seit
1.
September 2013 zu 100
%
wieder aufgenommener Tätigkeit verneint hatte (
Urk.
13/A
76)
.
Dass der Beschwerdefüh
rer seit
1.
September 2013 seiner
Tätigkeit
mit Führungsaufgaben
wieder zu 100
%
nachkam, wird denn auch durch die Aktenlage bestätigt (
Urk.
13/A
60,
13/A
98 S. 2, vgl. auch IK-Auszug: Beilage zu
Urk.
13/A
200
). Dem Einwand des Beschwerdeführers, es bestehe faktisch eine reduzierte Arbeitsfähigkeit, habe er doch die volle Arbeitsfähigkeit nur zulasten des Heilungsverlaufes und seiner privaten Interessen aufrechterhalten können (
Urk.
18 S. 3), ist entgegen zu halten
, dass es – wie
Dr.
E.___
nachvollziehbar erläuterte (
Urk.
12/M70 S. 19) – bei einem Arbeiten «über den Verhältnissen»
überwiegend wahrscheinlich
nach wenigen Monaten zu einem Zusammenbruch käme, was beim Beschwerdeführer aber während Jahren nicht der Fall war. Dass er die uneingeschränkte Arbeits
leis
tung nur mit übermässig grossem Engagement (
Urk.
18 S. 3) zu leisten imstande ist, mag sein, ändert aber nichts
an der Tatsache
, dass
ihn auch eine
Schadenminderungspflicht trifft und
er sich
dementsprechend
in der Lage zeigt, seiner angestammten
Tätigkeit seit
1.
September 2013
uneingeschränkt
nachzu
kommen.
6.4
Nachdem sich die Frage, ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, insbeson
dere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit beurteilt (E. 1.6), ist der Zeitpunkt für den Fallabschluss in aller Regel erreicht, wenn
die versicherte Person in ihrer
angestammten Tätigkeit wieder vollzeitlich erwerbstätig sein kann, da sich eine weitere Verbesserung nicht mehr auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_591/2013 vom 2
9.
Oktober 2013 E. 2.2). Ausnahmsweise kann noch eine relevante Verbesserungserwartung gegeben sein, wenn keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten ist, aber zum Beispiel eine stationäre Behand
lungsmassnahme eine deutliche Verbesserung verspricht (U
rteil des Bundes
gerichts 8C_970/2012 vom 3
1.
Juli 2013 E. 3.4).
Vorliegend waren ärztlicherseits im Zeitpunkt des Fallabschlusses per Ende April 2018 gemäss der medizinischen Aktenlage abgesehen von der Weiterf
ührung der Physiotherapie keine
weiterfüh
renden
Therapien
der somatischen Unfallfolgen
vorgesehen
, welche eine deut
liche Verbesserung des Gesundheitszustandes erwarten liessen
(vgl. insbesondere:
Urk.
12/M67 S. 2)
. Entsprechend drängen sich
an
der Rechtmässigkeit des Fallabschlusses keinerlei Zweifel auf und vermöchten weiterführende medizi
nische Abklärungen an dieser Schlussfolgerung nichts zu ändern.
Dabei gilt es
auch
zu berücksichtigen, dass die gegebenenfalls noch notwendige
Behandlung psychischer Beschwerden keinen Aufschub des Fallabschlusses rechtfertigt
, soweit die
Prüfung der Adäquanz
– wie vorliegend (vgl. nach
folgende E
. 8.2.5
) -
nach der Praxis zu den psychischen Unfallfolgen (
BGE 115 V 133
)
erfolgt
(
BGE 134 V 109
E. 4.3 und E. 6.1; Urteil
des Bundes
gerichts
8C_102/2021 vom 2
6.
März 2021 E. 6.1).
7.
Mangels einer Erwerbseinbusse
kann ein Anspruch auf eine Invalidenrente gemäss
Art.
18 UVG ohne Weiterungen ausgeschlossen werden. Sodann sind nach einem Fallabschluss grundsätzlich keine Heilbehandlungsleistungen mehr geschuldet (BGE 140 V 130 E. 2.2, 134 V 109 E. 4.1). Ausnahmen sieht
Art.
21
Abs.
1 UVG
vor, jedoch setzt die Anwendung dieser Bestimmung den Bezug einer Invalidenrente voraus (BGE 140 V 130 E. 2.4). Entsprechend gilt es im Folgenden einzig den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen.
8.
8.1
Dabei
ist zu prüfen
, ob der Beschwerdeführer
eine
anspruchsrelevante
dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen od
er geistigen Integrität erlitten hat
, welche natürlich und adäquat kausal auf den
Unfall vom
8.
August 2012 zurück
zuführen ist
.
Die Beschwerdegegnerin schloss eine solche im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung
en
ihres beratenden
Arztes
Dr.
med.
F.___
, Facha
rzt für Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom
1.
März 2018 (
Urk.
12/M66) und diejenige von
Dr.
D.___
(
Urk.
12/M68 S. 9) aus (
Urk.
2 S
. 12 f.).
8.2
8.2.2
W
as zunächst die
vom Beschwerdeführer
über den Fallabschluss hinaus
geklagten Kopf- und Nackenschmerzen
(vgl. dazu unter anderem: Beilage zu
Urk.
12/M69)
und die neuro
psycholo
gischen Einschränkungen
anbelangt
, welch
e Beschwerden
von den behandelnden Ärzten einhellig dem erlittenen Schädelhirntrauma zuge
ordnet wurden (vgl. unter anderem:
Urk.
12/M10 S. 1, 12/M12 S.1, 12/M17
, 12/B M65/1
),
konnte bildgebend weder in den CT-Aufnahmen vom Unfalltag (
Urk.
12/M8) noch im MR des Schädels vom
7.
September 2012
(
Urk.
12/M11)
eine strukturelle Läsion oder ein Anhalt für eine intrakranielle Blutung gefunden werden.
Scherverletzungen wurde
n
dabei explizit verneint, was die nicht-ärztlichen Fachpersonen
des EPI
angesichts ihrer Empfehlung zu einer neuer
lichen MRT-Abklärung zum Ausschluss von
shearing
injuries
offensichtlich übersahen (vgl. dazu
Urk.
12/M26 S. 4).
Auch eine zerebrale Farbduplexsono
graphie fiel unauffällig aus (
Urk.
12/M10
)
und Anhaltspunkte für eine
unfallbe
dingte
strukturelle Schädigung der Halswirbelsäule fehlen gänzlich
.
Die im CT v
om
8.
August 2012 festgestellte
Arthrose auf Höhe HWK 5/6 und die Irregulari
täten der Deck- und Bodenplatten der Brustwirbelsäule (
Urk.
12/M7) wurden von
Dr.
D.___
einhergehend mit der damaligen radiologischen Beurteilung als degenerativ beurteilt (
Urk.
12/M68 S. 9).
Die von
Dr.
K.___
im Bericht vom
7.
Mai 2013 ertasteten Irritationen von C1/2 und C2/3 wie auch die festgestellte Minderbeweglichkeit von C1/2 (
Urk.
12/M22)
stellen - wie
Dr.
K.___
selber folgerte (S. 2) – keine struktu
r
elle Läsion im Sinne eines organisch objektiv ausgewiesenen Unfallsubstrats dar.
Ein unfallkausales strukturelles Korrelat für die geklagten Beschwerden wurde damit
sowohl
von
Dr.
F.___
als auch von
Dr.
D.___
zu Recht verneint
(
Urk.
12/M66
, 12/M68 S. 9
)
.
Ob und inwieweit diese Beschwerden
natürlich kausal auf den Unfall vom
8.
August 2012 zurückzuführen sind, was
Dr.
D.___
unter anderem mit Blick auf die zunächst
eingetretene
Verbesserung der Befunde mit erst nach drei Jahren
dokumentierter Verschlechterung der neuropsychologischen Befunde und
unter Berücksichtigung der
mit einiger
Latenz zum Unfall aufgetretenen psychischen
Fehlentwicklung in Frage stellte (
Urk.
12/M68 S. 8 f.)
, kann, sofern die Adäquanz zu verneinen ist,
offenbleiben
(BGE
1
35 V 465 E. 5)
.
8.2.3
Was die
in diesem Zusammenhang insbesondere
strittige Frage, ob der Beschwer
deführer beim Unfall vom
8.
August 2012 eine Commotio cerebri oder aber eine schwerere Gehirnverletzung erlitten hat, anbelangt, gilt Folgendes:
Gemäss
Rechtsprechung genügt ein Schädel-Hirntrauma, welches höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri - nicht im Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri - erreicht, grundsätzlich nicht für die Anwendung der Adäquanzbeurtei
lung
gemäss
Schleudertrauma-Praxis. Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell reversibler neurologischer Dysfunktion, der mit kurz
zeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der Verletzung einhergeht. Die verletzte Person hat oft eine Amnesie für die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neurologischen Auffälligkeiten. Die
Contusio
cerebri ist eine fokale Gewaltanwendung auf das zerebrale Gewebe, die mit kleinen parenchymatösen Blutungen oder einem lokalen Ödem einhergeht (Urteil
des Bundesgerichts
8C_44/2017 vom 1
9.
April 2017 E 4.2.1 mit Hinweis
unter anderem auf medizinische Fachliteratur
).
8.2.4
Gemäss
Bericht des Rettungsdienstes
des
Spital
s
V.___
, welcher 19 Minuten nach dem N
otfallalarm an der Unfallstelle
eingetroffen war, zeigte der Beschwerdefüh
rer keine neurologischen Auffälligkeiten. Der Wert der Glasgow
Coma
Scale
(GCS) betrug 15 Punkte. Ob eine kurze Bewusstlosigkeit vorgelegen
habe
, sei fraglich (
Urk.
12/M15).
Gemäss
Angabe des
unfall
beteiligen Personenwagenlenkers in der Einvernahme vom Unfalltag war der Beschwerdeführer ansprechbar (Beilage zu
Urk.
12/P3)
. Im Verlegungsbericht vom
9.
August 2012 wurde eine Amnesie für das Unfallereignis angeführt. Fokale neurologische Ausfälle während der Über
wachungsphase wurden explizit verneint (Beilage zu
Urk.
12/M32).
Der Unter
suchungsbefund im Schockraum führte zum Schluss auf eine uneingeschränkte Augenmotilität und keine D
oppelbilder
(Beilage zu
Urk.
12/M32).
Auch
die zuständigen Neurologen des Neurozentrums
H.___
schlossen in ihrem Bericht vom
7.
September 2012 abgesehen von einer Fühlminderung rechts am Kinn und der Unterlippe auf einen normalen Neurostatus (
Urk.
12/M10 S. 1). Der Beschwerdeführer erinnere sich, wie er vor dem Abbiegen ein Handzeichen nach rechts gegeben habe, danach breche die Erinnerung ab und setze wieder ein, wie er am Boden liegend, blutend, vom Kollegen betreut worden sei (S. 3).
Angesichts
der sich aus den Akten ergebenden nur kurzfristigen Amnesie für das Unfallereignis, gänzlich fehlender Hinweise auf neurologische Auffälligkeiten und den am Unfallort erhobenen GCS-Wert von 15 Punkten
(keine Bewusstseins
s
törung)
drängen sich keine Zweifel an der sowohl von den Ärzten des USZ als auch des Neurozentrums
H.___
gestellten Diagnose einer Commotio Cereb
r
i auf (
Urk.
12/M3 S. 1,
Urk.
12/M10 S. 1, Beilage zu
Urk.
12/M32)
.
Auc
h
Dr.
G.___
schloss lediglich auf einen Status nach leichtem Schädel-Hirntrauma (
Urk.
12/M13). Soweit der Beschwerdeführer dagegen einwendet, die Kernfrage der Bewusstlosigkeit sei zwingend durch eine persönliche Befragung seiner Person abzuklären (E. 2.2), ist sein Einwand
unbehelflich
. Denn eine Bewusstlo
sigkeit kann
zur Commotio cerebri gehören,
schliesst
diese mithin nicht aus (obige E. 8.2.3). Die Negierung des GCS-Werts von 15 Punkten
gelingt dem Beschwer
deführer ebenfalls
nicht (vgl. diesbezügliche
unbehelfliche
Einwände gegen die vorliegend nicht beweisrelevante Beurteilung von
Dr.
E.___
in
Urk.
1 S. 24 f.). Soweit der Beschwerdeführer eine längerdauernde, nicht mit einer Commotio Cerebri
zu vereinbarende Bewusstlosigkeit
geltend machen will, lässt sich eine solche mit seinen zum Unfall zeitnächsten Angaben bezüglich Erinnerungsver
mögen
und der Lage der medizinischen Akten
nicht vereinbaren. Sodann ist schwer vorstellbar,
inwiefern
eine Befragung des Beschwerdeführers, welcher
gemäss
Bericht von
Dr.
U.___
vom 3
0.
Januar 2018 zwischenzeitlich eine anam
nestische Lücke vo
n mindestens 45 Minuten beklagt
(
Urk.
12/M65
S. 3),
an diesen Erkenntnissen etwas ändern könnte
.
Da diesbezüglich von weiteren Abklärungen keine
entscheidrelevanten
Ergeb
nisse zu erwarten sind, verzichtete die Beschwerdegegnerin zu Recht
darauf, hierzu eine gutachterliche Abklärung in die Wege zu leiten. Auch
muss
– wie sic
h aus dem Folgenden ergibt (E. 8
.2.5) –
nicht
abschliessend
beantwortet werden
, inwieweit die neuropsychologischen Einschränkungen wie auch die Kopf- und Nackenbeschwerden in natürlich kausalem Zusammenhang zum Unfall stehen, kann diese Frage doch bei Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs offenbleiben (BGE 134 V 465 E. 5).
Entsprechend war die Beschwerdegegnerin auch diesbezüglich nicht zu weiteren medizinischen Abklärungen verpflichtet.
8
.2.5
Vielmehr nahm
die Beschwerdegegnerin die Prüfung der Adäquanz im Ergebnis zu Recht nach derjenigen für psychogene Fehlentwicklungen nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 vor
(E. 1.5)
, was praxisgemäss die Ausklammerung psy
chischer respektive nicht organisch nachweisbarer Beschwerden bei der Beurtei
lung zur Folge hat (SVR 2009 UV Nr. 20 S. 75; Urteil des Bundesgerichts 8C
_620/2021 vom 1
4.
Januar 2021
E. 4.5
mit Hinweisen).
Im Lichte dessen sowie der in jeder Hinsicht überzeugenden Adäquanzprüfung der Beschwerdegegnerin
,
welche unter Darlegung der einschlägigen
Rechtspre
chung
unter
korrekter Subsumtion und Würdigung des Sachverh
alts erfolgte (
Urk.
2 S. 15 f.)
und auf welche
vollumfänglich
verwiesen wird,
ist die adäquate Kausalität der organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden ab dem Zeitpunkt des Fallabschlusses zu verneinen. Die vom Beschwerdeführer lediglich pauschal vorgebrachten Einwände gegen die Adäquanzprüfung der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
18 S. 19) bieten keinen Anlass zu diesbezüglichen Weiterungen.
Aus dem Gesagten folgt, dass die nicht organisch nachweisbaren Beschwerden in Form der Kopf-, Nacken- und neuropsychologischen Besc
hwerden mangels Adäquanz
zum Unfallereignis keinen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung
zu begründen vermögen, auch nicht eine solche
nach Suva Tabelle 8 (Integritäts
schaden bei psychischen Folgen von Hirnverletzungen)
.
Dasselbe gilt für allfällige psychische Beschwerden.
Anzufügen bleibt
zu letzteren
, dass nach der auf die herrschende psychiatrische Lehrmeinung gestützten Rechtsprechung nur Unfallereignisse von aussergewöhnlicher Schwere zu dauerhaften Beeinträchti
gungen der Integrität führen können (BGE 124 V 29 E. 5c/b; vgl. auch RKUV 2000 Nr. U 381 S. 251). Dieses Erfordernis ist mit Blick auf den hier zur Diskussion stehenden Velounfall ohnehin nicht erfüllt.
8.3
Was die Schnittverletzungen an Hals und Oberarm respektive die
Narbensituation anbelangt, sprach sich
Dr.
F.___
gestützt auf die Aktenlage und dabei auch
auf
die im Recht liegenden Foto
graf
ien in Kopie (
Urk.
12/B M64/1) dafür aus, dass die abgeheilten Narben nicht das Ausmass eines integritätsrelevanten Dauerschadens gemäss der Suva Tabelle 18
(Integritätsschaden bei Schädigung der Haut)
erreichen würden (
Urk.
12/M66). Mit Blick darauf, dass die Narbe an der linken Halsseite
gemäss Beurteilung des plastischen Chirurgen
Dr.
Q.___
vom 2
6.
Januar 2017 bereits dannzumal als nur noch relativ zart beschrieben wurde (
Urk.
12/M49) und diese auch anlässlich einer Verlaufskontrolle in der Klinik für Plastische Chirurgi
e und Handchirurgie des Z
.___
vom
1
2.
September 2016 als relativ blass, strichförmig und relativ unauffällig bezeichnet
worden war
(
Urk.
12/M55), rechtfertigen sich an dieser Beurteilung keine
ernsthaften
Zweifel. Dies gilt auch mit Blick auf die Suva-Tabelle 18, gemäss
welcher
zum Beispiel ein fehlender Finger oder dauerhafte Dermatosen an der Handinnenfläche lediglich zur Annahme
eines minimalen
5%ige
n
Integritätsschaden
s
führen
und
Narben an Gesicht und Händen
bei Verbrennungen der Haut deutlich höher bemessen werden als Narben an bedeckten Körperteilen (S. 3), wie dem linken Oberarm des Beschwerdeführers. Die präoperativen Foto
graf
ien (
Urk.
12/B M64/1), wenn auch nur in Kopie in den Akten, lassen sodann im Bereich des
linken Halses kaum eine Narbe erkennen.
Nachdem die untere Grenze eines zu entschädigenden Hautschadens im Schweregrad zumindest dem Verlust eines Fingers entsprechen müsste (vgl. Suva Tabelle 18 S. 2 und 3),
drängen sich
an
der Aktenbeurteilung von
Dr.
F.___
, auch wenn er den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht hat
und es sich um keinen Facharzt im Bereich der Dermatologie
handelt (vgl. hierzu:
Urk.
1 S. 16)
, keine
ernsthaften Zweifel auf. Indizien, welche diese
n Schluss
in Zweifel ziehen könnten, wie eine abweichende ärztliche Einschätzung, liegen keine vor.
8.4
Was letztlich
die beim Unfall erlittene
und operativ versorgte
Kieferverletzung anbelangt,
unterzog sich der Beschwerdeführer
letztmals
am 2
6.
April 2014
bei störendem Osteosynthesematerial einer Materialentfernung, wobei diese lediglich im linken Unterkiefer erfolgte. Auf der rechten Seite wurde das Material bei ausgeprägter O
sse
ointegration der Platten und Schrauben belassen
(
12/B/M31/4-5)
.
Gemäss
Beurteilung von
Dr.
M.___
in seinem Bericht vom 1
5.
August 2014
zeigte sich der bisherige Verlauf nach Metallentfernung Unterkiefer links
soweit
komplikationslo
s
. Es persistierten jedoch ein partielles residuales Drop-Chin mit Hauteinziehungen paramedian links und multiple Rezessionen und Narben
stränge im Bereich der Gingiva sowie
eine
massive Hypertrophie des linken Masseters (
Urk.
12/M34).
Auf die geplante neuerliche Osteotomie des Unterkie
ferrandes mit gleichzeitiger
Weichteilrepositionierung
, -
cranialisierung
und –
refixie
rung
zur Behebung des Drop-Chin
(vgl.
Urk.
12/M33 und 12/M34) wurde in der Folge gemäss Aktenlage offensichtlich verzichtet. Zur Verbesserung der Bisssymmetrie bei nach rechts schräger Mundöffnung von 1-2 mm (vgl.
Urk.
12/M42 S. 2) wurde
n
im Jahr 2015 Backensegmente zusätzlich aufgebaut und der
Beschwerdeführer mit einer
Michiganschiene
versorgt. Die Diagnosen im Formular Zahnschäden
gemäss KVG, Befunde/Kostenvoranschlag
,
von PD
Dr.
med.
Dr.
dent
.
AA._
__
vom
5.
Mä
rz 2015 lauteten auf eine
Masseter
hypertro
phie
, eine Okklusionsstörung und eine habituelle Diskuslux
ation
(
Urk.
12/M42).
Im weiteren Verlauf finden sich in den Akten weder Hinweise auf eine weitere
kierferchirurgische
noch eine zahnärztliche Behandlung. Einzig physiotherapeu
tische Behandlungen fanden im Zusammenhang mit der Behandlung der Kiefer
beschwerden noch statt (
Urk.
12/M59
, 12/M67
).
Gemäss Verlaufseintrag von
Dr.
S.___
zur Konsultation des Beschwerdeführers vom
9.
Oktober 2019 lagen weder im Bereich der Kiefergelenke noch de
s
Masseter
s
Druckdolenzen
vor, jedoch ein
nach links ausweichender Verschluss
des Mundes (Beilage zu
Urk.
12/M69).
Dr.
F.___
schloss gestützt auf diese Aktenlage das Vorliegen eines entschä
digungspflichtigen Integritätsschadens aus: Die erlittene Unterkieferfraktur und
der Zahnschaden seien saniert, weshalb eine Entschädigung gestützt auf Suva Tabelle 15 (Integritätsschaden bei unfallbedingten Zahnschäden) entfalle. Eine spätere Kiefergelenksarthrose sei einerseits nur möglich und andererseits in Tabelle 5 (Integritätsschaden bei Arthrosen) nicht erwähnt (
Urk.
12/M66).
Der Beschwerdeführer lässt dagegen geltend machen, im Bereich des Kiefers bestehe zwar eine mehr oder weniger befriedigende Situation (
Urk.
1 S. 5 f.). Jedoch bestünden weiterhin Restbeschwerden, so brauche er immer noch eine Bissschiene, und könnten auch Langzeitfolgen auftreten, welche
Dr.
F.___
mangels fachärztlicher Qualifikation nicht
habe
beurteilen könne
n
(
Urk.
1 S. 15).
Angesichts dieser Aktenlage fehlen
zwar
Hinweise
auf eine
durch die Folgen der Kieferverletzung
bedingte
aktuell
fortdauernde erhebliche Beeinträchtigung der Kaufähigkeit
oder
auf augenscheinliche Zahndefekte
, welche eine Entschädigung gemäss Tabelle 15 (Integritätsschaden bei unfallbedingten Z
ahnschäden) rechtfertigen könnten.
Hingegen
liegt
gemäss
Dr.
S.___
weiterhin ein nach links ausweichender Verschluss des Mundes vor (Beilage zu
Urk.
12/M69) und lässt sich den Akten nicht abschliessend entnehmen, welche
längerfristigen
Folgen die von
Dr.
AA.___
am
5.
März 2015
diagnostizierte
Masseter
hypertrophie
, die Okklusionsstörung
und die
habituelle Diskusluxation (
Urk.
12/M42
S. 1
)
nach sich ziehen.
Dem
Beschwerdeführer
ist
zuzustimmen,
dass der
Schluss von
Dr.
F.___
,
wonach
eine spätere Kiefergelenksa
rthrose nur möglich und damit nicht zu berücksichtigen sei (vgl. dazu: RKUV 1995 Nr. U 228 S. 192; Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2013 vom 2
3.
Juli 2013 E. 3.4.1 mit Hinweis)
, weder begründet noch durch eine fachärztliche kieferchirurgische Beurteilung bestätigt ist, weshalb sich der Ausschluss einer voraussehbaren Verschlimmerung im Sinne von
Art.
36
Abs.
4 UVV
angesichts der aktuellen Aktenlage
nicht rechtfertigt.
Dass
eine Kiefergelenksarthrose in der Suva Tabe
lle 5 nicht angeführt ist, steht
sodann der Annahme eines Integritätsschadens nicht
entgegen
, sind
Feinraster
tabellen der Suva
doch nicht abschliessend. Vielmehr ist bei einem Integritäts
schaden, welcher weder in der Skala in Anhang 3 UVV noch in den Tabellen der Suva enthalten ist, eine S
chätz
ung im Vergleich mit anderen Schäden vorzuneh
men (BGE 113 V 218 E. 3).
Nach dem Gesagten lässt sich die Frage nach dem Integritätsschaden im Zusam
menhang
mit
den Folgen der Kieferverletzung gestützt auf die aktuelle
medizi
nische
Aktenlage nicht abschliessend beurteilen. Die Sache ist entsprechend für eine kieferchirurgische
/kieferorthopädische
Abklärung und Beurteilung und
zu
neuerlichem Entscheid
hierzu
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Dies gilt auch für den
Beschwerde
antrag
Ziffer
4 auf Offenlegung der Kosten der Abklärungen bei den beratenden Ärzten (
Urk.
1 S. 2)
, welchem, nachdem der Beschwerdegegnerin abgesehen von den zu ergänzenden Abklärungen in Bezug auf die Integritätsentschädigung im Zusammenhang mit den Folgen der Kieferverletzung auf das Kausystem, keine Verletzung ihrer Abklärungspflicht vorzuwerfen ist, zum vornherein der Boden entzogen ist.
9.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens (BGE 137 V 57) hat der Beschwerde
führer
Anspruch auf
eine Parteientschädigung
.
Diese ist nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu
bemessen. Der Beschwerdeführer
obsiegte in Bezug auf die beantragte Zusprache einer I
ntegritätsentschädigung, wobei die Rückweisung zur ergänzenden Abklärung und neuem Entscheid nur die Folgen der Kieferverletzung
betriff
t. Im Übrigen
unterliegt d
er
Beschwerdeführer in Bezug auf
sämtliche Anträge. In Anwendung der massgeblichen Grundsätze rechtfertigt sich angesichts des nur teilweisen Obsiegens die Zusprechung einer um 70
%
reduzierten Prozessentschädigung von
Fr.
1'100.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid
der AXA Versicherungen AG vom
7.
Oktober 2021 insoweit aufgehoben, als damit ein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung im Zusammenhang mit den Folgen der am
8.
August 2012 erlittenen Kieferfrakturen verneint wird
,
und die Sache wird an die AXA Versiche
rungen zurückgewiesen, damit diese,
nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägun
gen,
hierüber
neu verfüge
. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
reduzierte
Prozessentschädigung von
Fr.
1’100
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Kaspar Gehring
-
Rechtsanwalt Martin Bürkle
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrGasser Küffer