# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61f33006-149e-5f12-aa0c-8aeec1b96b03
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-01-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 26.01.2004 SE030008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SE030008_2004-01-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich

Geschäfts-Nr. SE030008/U/eh

I. Strafkammer

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, und lic. iur. R. Naef,

Ersatzoberrichterin Dr. C. Bühler sowie der Obergerichtssekretär

lic. iur. G. Oberholzer

Urteil vom 26. Januar 2004

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich,

und

Geschädigte gemäss Anklageschrift

gegen

...

Angeklagter

betreffend

mehrfache Tötung etc.FORMULARTEXT

- 2 -

Das Gericht zieht in Erwägung:

 I. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

Im Hauptpunkt der gegen ihn erhobenen Anklage wurde dem Angeklagten

A. zusammengefasst vorgeworfen, am 6. Januar 2002 im Appartmenthaus in Z.

B. und C. erschossen zu haben.

Nachdem der Angeklagte im Sachverhalt geständig war, und er lediglich die

rechtliche Würdigung der anerkannten eingeklagten Sachverhalte bestritten hatte,

wurde er vom Obergericht des Kantons Zürich wie folgt schuldig gesprochen:

� der mehrfachen vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB (An-

klageziffer I.; HD)

� des mehrfachen Verbrechens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5

in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a des Betäubungsmittelgesetzes

(Anklageziffer V.; HD, ND 3 und ND 4)

� der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Anklageziffer

II.; ND 1)

� der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer

III.; ND 5)

� der Gefährdung der Sicherheit mit Waffen im Sinne von Art. 260quater

StGB (Anklageziffer VII.; HD)

� des Siegelbruchs im Sinne von Art. 290 StGB (Anklageziffer IV.; ND 2)

� des Vergehens gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 des Betäubungsmittelge-

setzes (Anklageziffer III.; ND 5)

� des mehrfachen Vergehens gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a Waffengesetz

(WG) in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 WG (Anklageziffer III.; ND 5)

- 3 -

� der groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2

SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG (Anklageziffer VI.; ND 3)

sowie

� der Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1

SVG (Anklageziffer VI.; ND 3).

Hinsichtlich der von ihm begangenen mehrfachen vorsätzlichen Tötungen

hatte der Angeklagte eine Notwehrsituation geltend gemacht:

Dazu folgende Ausführungen aus dem Urteil:

Während der ganzen Untersuchung wie auch anlässlich der heutigen

Hauptverhandlung hat der Angeklagte immer wieder beteuert, aus Notwehr ge-

handelt zu haben. B. habe ihn angesprungen, nachdem er auf C. geschossen ha-

be. Sie habe ihn angegriffen und er habe einfach abgedrückt. Für ihn habe ge-

golten entweder sie oder er. Dann sei er C. nach oben gefolgt, worauf ihn dieser

angesprungen und versucht habe, ihm die "Knarre" wegzunehmen. Er (der Ange-

klagte) habe immer wieder geschossen und am Schluss eine ruckartige Bewe-

gung mit der rechten Hand gemacht und C. aus nächster Distanz in den Kopf ge-

schossen. Damals habe er (der Angeklagte) panische Angst gehabt, dass C., der

ihm körperlich überlegen gewesen sei, ihm die Waffe entreisse und ihn erschie-

sse. Die Waffe habe er zum Selbstschutz geholt, um sich zu wehren, falls ihn C.

wieder verprügle. Mit Kampfsport allein hätte er gegen ihn keine Chance gehabt.

Er habe sich verteidigen und nicht zu Tode schlagen lassen wollen. Wenn er C.

damals nicht erschossen hätte, würde er heute selbst unter dem Boden liegen,

denn C. hätte die Waffe entwendet und auf ihn geschossen (HD Urk. 2/2/1 S. 4 ff.,

2/2/3 S. 12 ff., 2/2/7 S. 2 ff., 2/2/10 S. 4 ff., 2/2/12 S. 2 ff., 2/2/14 S. 2 f., 2/2/15 S.

1; Prot. S. 35 ff.). Er (der Angeklagte) habe gewusst bzw. gehört, dass C. eine

Waffe habe, aber nicht gewusst, ob jener seine Waffe dabei habe, und wenn er -

A. - einfach davon gerannt wäre, hätte er am Schluss einen Schuss im Rücken

gehabt und wäre tot. Er sei C. zur eigenen Sicherheit gefolgt (HD Urk. 2/2/30 S. 6

f.; so auch heute: Prot. S. 35). Die Verteidigung stellte heute die Rechtmässigkeit

- 4 -

der Abwehr der Opfer in Frage und machte einen Notwehrexzess geltend (Urk. 26

S. 18 ff.).

3.4.2. Rechtfertigende Notwehr im Sinne von Art. 33 Abs. 1 StGB liegt vor,

wenn jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht

wird. Erforderlich ist einerseits ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff, und ande-

rerseits eine angemessene Abwehr (Notwehrhandlung) sowie den Verteidigungs-

willen. Angriff ist jede durch menschliches Verhalten drohende Verletzung recht-

lich geschützter Interessen. Als gegenwärtig bezeichnet man den Angriff, sobald

die Rechtsgutverletzung, wie das Gesetz es verlangt, entweder bereits im Gange

ist oder unmittelbar droht. Die Bedrohung durch einen Angriff ist unmittelbar,

wenn sie aktuell und konkret ist. Nicht ausreichend ist hingegen eine nur ab-

strakte, wenngleich erhöhte Gefahr. Die blosse Aussicht, dass ein Streitgespräch

mit Tätlichkeiten enden könnte, reicht für die Notwehrlage nicht und genügt auch

nicht zur Annahme, der Täter habe in Putativnotwehr gehandelt. Die Notwehrlage

besteht nur solange, wie der Angriff andauert. Ist dieser aufgegeben worden oder

auch die mit ihm verbundene Verletzung von Rechtsgütern bereits abgeschlos-

sen, stehen dem Angegriffenen aus Art. 33 StGB keine Befugnisse mehr zu.

Rechtswidrig ist jeder Angriff, der objektiv die Rechtsordnung verletzt, also nicht

seinerseits durch einen Erlaubnissatz gedeckt ist. Liegt eine Notwehrlage nicht

vor, so handelt der Täter rechtswidrig. Nimmt der Täter irrig eine Notwehrlage an

(Putativnotwehr), so ändert sich zwar an der Rechtswidrigkeit seines Verhaltens

nichts, er wird aber gemäss Art. 19 StGB vom Gericht so gestellt, als ob die Not-

wehrlage vorgelegen hätte, sofern der Irrtum nicht vermeidbar war (Abs. 1). Ande-

renfalls tritt eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tatbegehung ein (Abs. 2). Ab-

wehr ist die Handlung, die sich gegen den Angreifer richtet. Angemessen ist die

Abwehr, wenn sie subsidiär (erforderlich) und verhältnismässig ist. Vorausgesetzt

ist sowohl Proportionalität der Angriffs- und Verteidigungsmittel als auch der be-

troffenen Rechtsgüter. Subsidiär ist die Abwehr, wenn das mildeste Abwehrmittel

angewandt wird. Verhältnismässigkeit i.e.S. bedeutet, dass die betroffenen

Rechtsgüter objektiv nicht in einem krassen Missverhältnis zueinander stehen.

Auch die Art des Abwehrmittels und diejenige seiner tatsächlichen Verwendung

sind von Belang. Beim Einsatz von Schusswaffen ist besondere Vorsicht geboten.

- 5 -

Wer Schusswaffen mit sich führt, unterliegt einer speziellen Verantwortung; die

vom Angeklagten missachtete Bewilligungspflicht ist Ausdruck davon. Er muss

sich im Klaren darüber sein, welche Gefahr von der Waffe ausgeht und wie diese

im Ernstfall einzusetzen ist. Auch im Falle einer drohenden Körperverletzung

rechtfertigt nicht jede Bagatelle den Einsatz einer Feuerwaffe, doch ist der Ange-

griffene nicht verpflichtet, eine ernst zu nehmende Attacke einfach zu dulden.

Wesentlich ist, ob dem Angegriffenen noch andere Mittel oder ein weniger gefähr-

licher Einsatz der Schusswaffe möglich waren.

Provokation (verschuldete Notwehrlage): Die Provokation der eigenen Not-

lage führt zum Verlust des Abwehrrechts. An das Nachgeben des Angegriffenen

sind um so höhere Anforderungen zu stellen, je schwerer die rechtswidrige Pro-

vokation der Notwehrlage wiegt. Allenfalls darf sich der Täter nicht auf eine neue

Auseinandersetzung einlassen, sondern muss ausweichen. Bei der Absichtspro-

vokation liegt keine Verteidigung der Rechtssubjektivität vor, zudem fehlt der

Verteidigungswille. Der Angegriffene bedient sich in diesem Fall zur Abwehr eines

Delikts, zu dem er den Vorsatz bereits bei der Provokationshandlung hatte. Hat

der Angegriffene den Angriff demgegenüber ohne es zu wollen durch sein Vor-

verhalten beeinflusst, kann je nach Schwere das Notwehrrecht uneingeschränkt

bestehen bleiben oder teilweise eingeschränkt werden. Voraussetzung für eine

Notwehreinschränkung sollte aber in jedem Fall die Rechtswidrigkeit des Vorver-

haltens sein.

Notwehr setzt schliesslich voraus, dass der Täter die Abwehrhandlung be-

wusst und gewollt zum Zwecke der Abwehr eines Angriffes vornimmt (Verteidi-

gungswille). Für die Annahme einer Notwehrsituation ist erforderlich, dass die

Handlungen zur Abwehr eines Angriffes unternommen werden und nicht blosser

Rache oder Vergeltung entspringen. Auch Handlungen, die darauf gerichtet sind,

einen zwar möglichen aber noch unsicheren Angriff abzuwehren, einem Gegner

also nach dem Grundsatz, dass Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukom-

men und ihn kampfunfähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr

(Kurt Seelmann in: BSK, StGB I, Basel 2003, N 4 ff. zu Art. 33, mit Hinweisen;

Rehberg/Donatsch, Strafrecht I, 7. Aufl. 2001, S. 183; BGE 93 IV 83 ff.; Urteile

- 6 -

des Bundesgerichts 6S.734/1999 vom 10. April 2001 E. 4b, 6P.66/2000 vom 22.

November 2000 E. 2c, 6S.702/2001 vom 7. November 2002, 6S.138/2003 vom

26. September 2003). Notwehrexzess im Sinne von Art. 33 Abs. 2 StGB ist gege-

ben, wenn der Abwehrende die Grenzen der Notwehr überschreitet.

3.4.3. Vorliegend sind verschiedene Phasen des Tatablaufs am Mittag des

6. Januar 2002 auszumachen. Zunächst wurde D. von C. geohrfeigt, geschlagen

und die Treppe hinuntergestossen. Nachdem sie dem Angeklagten die tätlichen

Angriffe geschildert hatte, begab dieser sich zu C. im 3. Stock und wurde eben-

falls geschlagen. Daraufhin holte der Angeklagte seine Pistole in seinem Zimmer

im 2. Stock. Im Moment, als der Angeklagte die Pistole behändigte, bestand für

ihn weder eine Notwehr- noch eine Notwehrhilfelage, denn der Angriff C.s sowohl

auf D. als auch auf den Angeklagten war abgeschlossen, beide waren zurück im

2. Stock, und es drohte kein unmittelbar neuer Angriff, zumal C. im 3. Stock ge-

blieben war. In der Folge begab sich der Angeklagte mit der Waffe im Hosenbund

erneut in den 3. Stock, um C. aufzusuchen. Mithin suchte der Angeklagte die

Konfrontation mit diesem. C. liess sich nicht beeindrucken, schlug den Angeklag-

ten erneut ins Gesicht und stiess ihn wieder die Treppe hinunter. Dann schoss der

Angeklagte auf C.. Im Moment der Schussabgabe war der erneute Angriff von C.

wieder abgeschlossen, dauerte nicht mehr an, und der Angeklagte hatte keine

weiteren Übergriffe von C. zu befürchten, solange er sich ihm nicht wieder nä-

herte, da sich dieser im oberen und sich der Angeklagte im unteren Bereich der

vom 2. in den 3. Stock führenden Treppe befand. Aus der Vorgeschichte geht

hervor, dass C. bis anhin stets zugeschlagen hatte, wenn jemand in seine Nähe

kam, und seine Opfer danach nie verfolgt hatte, um ihnen weitere Schläge zu ver-

setzen. Auch hatte C. stets mit den Händen geschlagen und gestossen, und noch

nie ein Messer oder eine Waffe eingesetzt. Auch anlässlich dieser Auseinander-

setzung hatte er keine Waffe. Als der Angeklagte den ersten Schuss auf C. ab-

feuerte, stand er somit nicht (mehr) in unmittelbarer Gefahr und hatte keinen wei-

teren Angriff von diesem zu befürchten. Demzufolge befand er sich nicht in einer

Notwehrsituation. Zudem hatte er selbst die Nähe C.s und die Auseinanderset-

zung mit ihm gesucht, wobei er zumindest in Kauf nahm, erneut geschlagen zu

werden. Mithin wäre eine allfällige Notwehrlage selbst verschuldet gewesen (Pro-

- 7 -

vokation). Schliesslich fehlt es bei der ersten Schussabgabe auch am Notwehr-

willen, begab sich der Angeklagte doch gemäss eigenen Angaben zu C., um ihm

eine Lektion zu erteilen. Demgemäss stellte die Schussabgabe des Angeklagten

auf C. selbst einen Angriff dar.

Die unbewaffnete B. befand sich auf der Wendeltreppe zwischen den bei-

den. Als sie den Angeklagten ansprang, befand sie sich in einer Notwehrhilfelage,

wollte sie doch ihrem Freund C., welcher durch den Angeklagten mit Schüssen

massiv angegriffen wurde, zur Hilfe kommen und den Angriff abwehren. Ihr

Sprung auf den Angeklagten kann daher nicht als Angriff betrachtet werden. Zu-

dem war sie dem Angeklagten körperlich unterlegen und unbewaffnet. Ihr gegen-

über befand sich der Angeklagte daher nicht in einer Notwehrsituation, als er ihr in

den Kopf schoss, nachdem sie ihn angesprungen hatte. Im Übrigen müsste die

Reaktion von B. gegenüber dem Angeklagten als höchst verhältnismässige Reak-

tion auf dessen Schussabgaben in Richtung von C. bezeichnet werden, während

die folgende Schussabgabe des Angeklagten im Nahbereich des Kopfes von B.

alles andere als eine verhältnismässige Reaktion darstellte.

Danach eilte C. vom 3. Stock Richtung 4. Stock und der Angeklagte folgte

ihm. In diesem Zeitpunkt bestand für den Angeklagten keine Gefahr, er hätte pro-

blemlos von einer Verfolgung absehen und sich in Sicherheit bringen können.

Gemäss eigenen Angaben wollte er aber nicht davon laufen, weil er nicht als

Feigling dastehen wollte (HD Urk. 2/2/26 S. 2). Der flüchtende und nicht bewaff-

nete C. wurde somit vom bewaffneten Angeklagten verfolgt, welche Verfolgung

wiederum einen Angriff auf C. darstellte, zumal dieser damit rechnen musste,

dass der Angeklagte erneut auf ihn schiessen würde. Als C. die Treppe Richtung

des Angeklagten hinunterspringen wollte, um dessen Angriff abzuwehren, befand

sich C. (und nicht der Angeklagte) in einer Notwehrsituation, ebenso, als C. nach

der Waffe des Angeklagten zu greifen versuchte. Das nachfolgende Gerangel um

die Waffe war durch den Angeklagten verschuldet worden. Er war es denn auch,

welcher in deren Verlauf mehrere Schüsse auf C. abfeuerte und ihn schliesslich

am Kopf traf. Als ursprünglicher Angreifer, gegen welchen C. sich rechtmässig

wehrte, konnte sich der Angeklagte auch anlässlich dieser Schussabgaben nicht

- 8 -

in einer Notwehrlage befinden. Kommt hinzu, dass ihm zu Beginn der Notwehr-

wille fehlte, als er sich mit der Waffe in den 3. Stock begab und C. aufsuchte.

Schliesslich mangelt es auch an der Subsidiarität und Verhältnismässigkeit ge-

genüber seinen unbewaffneten Opfern. Mangels Notwehrlage kann auch kein

Notwehrexzess im Sinne von Art. 33 Abs. 2 StGB vorliegen. Demnach waren die

Voraussetzungen von Art. 33 StGB weder bei der Tötung von B. noch bei derjeni-

gen von C. gegeben. Straflosigkeit oder Strafmilderung gestützt auf Art. 33 StGB

kommt daher nicht in Frage.

 II. Strafzumessung

1. Der Richter misst die Strafe in erster Linie nach dem Verschulden des

Täters zu. Er berücksichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und die per-

sönlichen Verhältnisse des Schuldigen (Art. 63 StGB). Auszugehen ist vom

Strafrahmen der schwersten Tat, wobei allfällige Strafmilderungs- und Straf-

schärfungsgründe zu berücksichtigen sind. Vorsätzliche Tötung im Sinne von Art.

111 StGB wird mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft. Der obere

Strafrahmen beträgt 20 Jahre Zuchthaus und darf trotz Vorliegens von Straf-

schärfungsgründen nicht erweitert werden. Da, wie noch auszuführen sein wird,

die Strafe gestützt auf Art. 11 StGB nach freiem Ermessen zu mildern ist, ist der

Strafrahmen nach unten offen (Art. 66 StGB; BGE 92 IV 115 und 95 IV 25 f.).

Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgründe sind indessen immer zugleich auch

Straferhöhungs- bzw. Strafminderungsgründe, die der Richter von Amtes wegen

mindestens straferhöhend bzw. strafmindernd berücksichtigen muss (BGE 116 IV

13 f. und 302). Mit der Freiheitsstrafe kann in Anwendung von Art. 19 Ziff. 1 Abs.

9 BetmG eine Busse bis zu einer Million Franken verbunden werden. Bei der

Strafzumessung zusammentreffende Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe

können sich je nach ihrem Gewicht teilweise oder sogar ganz kompensieren und

ausgleichen, weshalb grundsätzlich der Ausfällung der Höchststrafe auch bei Vor-

liegen von Strafmilderungsgründen nichts entgegensteht, wenn diese bei einer

Gesamtwürdigung sämtlicher Umstände angemessen erscheint (BGE 116 IV 300

und 106 IV 340).

- 9 -

2. Hinsichtlich Vorleben und persönliche Verhältnisse des Angeklagten kann

vorab auf die einlässlichen Darstellungen in den psychiatrischen Gutachten von

Dr. med. ... vom 29. November 1988 (Beizugsakten 2, HD 33, Urk. 15/4, das sich

auf ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. ... vom 7. Juli 1988 stützt, wel-

ches im Rahmen des militärstrafrechtlichen Verfahrens vor Divisionsgericht er-

stellt wurde, vgl. S. 6), von Dr. med. ... vom 6. November 2001 (ND 3 Urk. 16/2 S.

3 f.), und von Dr. med. ... vom 19. Oktober 2002 (HD Urk. 4/28/3 S. 9 ff.), auf die

Personalakten (HD Urk. 7/40/5-9), auf die Vorakten (Beizugsakten 1-7), auf den

eingeholten Führungs- sowie Leumundsbericht des Angeklagten (Urk. 19 und 20)

und auf die Angaben des Angeklagten anlässlich der heutigen Hauptverhandlung

(Prot. S. 6 ff.) verwiesen werden. Die Angaben zur Person des Angeklagten di-

vergieren zwar teilweise; dennoch ergibt sich im Wesentlichen folgender Lebens-

lauf: Der Angeklagte wurde am 12. September 1968 als jüngstes von insgesamt

vier Kindern in M. geboren und wuchs in S. auf. Der Vater des Angeklagten ar-

beitete als Lastwagenchauffeur, kam meistens spät abends nach Hause, war we-

gen seiner Alkoholsucht jähzornig und schlug den Angeklagten sowie dessen

Mutter regelmässig. Die Eltern des Angeklagten liessen sich scheiden, als er 7

Jahre alt war. Daraufhin heiratete seine Mutter einen Ecuadorianer, welcher zur

Familie zog. Die Mutter arbeitete als Verkäuferin, der Stiefvater als Drucker. Die

Kinder waren oft allein und trieben sich herum. Der Angeklagte fing an die Schule

zu schwänzen, vertrieb sich die Zeit mit anderen Kindern im Shopping-Center,

spielte dort Video-Spiele, beging kleine Ladendiebstähle. Nach 5 Jahren Primar-

schule besuchte er die Sekundarschule, wobei er zwei Klassen wegen schlechten

Leistungen wiederholen musste. Im Alter von 9 oder 10 Jahren konsumierte der

Angeklagte erstmals Drogen, nämlich Haschisch, LSD, Heroin und Kokain, und

trank massiv Alkohol, vor allem Whisky und Rum. Im Alter von 12 oder 13 Jahren

musste er erstmals mit dem Schulpsychiater Kontakt aufnehmen wegen seines

aufsässigen und unkonzentrierten Verhaltens. Ab dem Alter von 13 oder 14, d.h.

ab der 2. Sekundarschule, konsumierte der Angeklagte regelmässig harte Dro-

gen, rauchte neben Haschisch Heroin, wobei er sich das Geld durch Hilfstätig-

keiten verdiente, wozu er die Schule schwänzen musste. Nach 3 ½ Jahren Se-

kundarschule wurde der Angeklagte aus disziplinarischen Gründen von der

- 10 -

Schule verwiesen. Als Folge verschiedener Diebstähle und der Schulprobleme

schickte ihn die Jugendbehörde mit 14 in die Landwirtschaftsschule im Emmental,

wo er zwei Jahre lang eine Lehre machte, sie jedoch zwei Wochen vor der Ab-

schlussprüfung abbrach, weil es ihn wieder nach Zürich zog. Hier begann er eine

Maurerlehre, welche er wiederum nach 8 Monaten abbrach. Fortan hielt er sich

nur noch im Drogenmilieu auf, und vom 16. bis 19. Lebensjahr konsumierte er

wieder massiv Drogen. Die meisten seiner Kollegen sind an den Folgen des Dro-

genkonsums verstorben. Im Alter von 18 hörte der Angeklagte - nach der vierten

Alkoholvergiftung - auf, Alkohol zu trinken.

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 8. März 1988 wurde

der Angeklagte wegen versuchten Raubes, Diebstahls, Betäubungsmitteldelikten

und Verstössen gegen das SVG - begangen zwischen Juli 1986 und Dezember

1987 - zu einer Gefängnisstrafe von 12 Monaten, abzüglich erstandener Untersu-

chungshaft, bedingt bestraft (Beizugsakten 1, Urk. 51).

Mit Strafmandat des Auditors des Divisionsgerichts 5 vom 29. September

1988 wurde der Angeklagte wegen vorsätzlichen Dienstversäumnisses zu 14 Ta-

gen Haft bedingt als Zusatzstrafe zur vorerwähnten Strafe bestraft (Beizugsakten

4, Urk. 12/2).

Am 9. November 1988 wurde der Angeklagte im Hinblick auf eine allfällige

langfristige stationäre Behandlung in die Psychiatrische Klinik H. eingewiesen,

von wo er nach drei Wochen wieder floh und in der Folge erneut intravenös He-

roin konsumierte. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 13. März

1990 wurde der Angeklagte wegen Betäubungsmitteldelikten zu 15 Monaten Ge-

fängnis, abzüglich der erstandenen Untersuchungshaft, bedingt bestraft. Gleich-

zeitig wurde die mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. März 1988 ausge-

fällte und bedingt aufgeschobene Strafe vollzogen (Beizugsakten 2, Urk. 52). Die-

se hatte er bereits - aufgrund eines vorangegangenen Abwesenheitsentscheids -

vom 3. August 1989 bis 29. März 1990 in S. verbüsst (Beizugsakten 3, Urk. 15/4).

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, vom 31. Oktober 1990,

wurde der Angeklagte wiederum wegen Widerhandlungen gegen das Betäu-

- 11 -

bungsmittelgesetz zu 16 Monaten Gefängnis unbedingt, abzüglich erstandener

Untersuchungshaft, bestraft. Gleichzeitig wurden die gewährten bedingten Straf-

vollzüge gemäss Strafmandat des Auditors vom 29. September 1988 und gemäss

Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 13. März 1990 widerrufen (Beizugsakten 3,

Urk. 26).

Von 1990 bis 16. Oktober 1992 befand sich der Angeklagte im Strafvollzug,

unter anderem in der Strafanstalt R.. Danach arbeitete er als Förster, Dekorateur,

Münzenhändler sowie Autospengler und lebte zudem aus Einnahmen des Dro-

genverkaufs. Drei Wochen nach seiner Entlassung hatte er wieder begonnen

Drogen zu konsumieren.

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, vom 26. April 1995, wurde

der Angeklagte wegen fahrlässiger Körperverletzung, SVG-Delikten und Anstif-

tung zur Irreführung der Rechtspflege mit 75 Tagen Gefängnis unbedingt und ei-

ner Busse von Fr. 300.-- bestraft (Beizugsakten 4, Urk. 20). Diese Strafe ver-

büsste er gemäss Auskunft des Amtes für Justizvollzug zwischen dem 17. April

1996 und dem 30. August 1996 durch insgesamt 300 Stunden Arbeitsleistung.

Wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes wurde er

von der Bezirksanwaltschaft Zürich am 29. Oktober 1997 mit vier Tagen Haft be-

straft (Beizugsakten 5, Urk. 8), welche er zwischen dem 6. und dem 13. Mai 1998

durch insgesamt 16 Stunden Arbeitsleistung verbüsste. Am 2. Dezember 1998

wurde der Angeklagte vom Bezirksamt Bremgarten wegen SVG-Delikten mit einer

bedingt löschbaren Busse belegt (Beizugsakten 6); am 11. Juli 2000 wurde der

Angeklagte wegen SVG-Delikten und Betäubungsmittelkonsums durch den Krei-

spräsidenten Fünf Dörfer mit 20 Tagen Gefängnis unbedingt bestraft (Beizugsak-

ten 7, Urk. 1.3). Diese Strafe verbüsste er durch 39 Stunden Arbeitsleistung zwi-

schen dem 19. März und dem 23. Mai 2001 sowie 11 Tage Normalvollzug in der

Strafanstalt R. zwischen dem 5. und 16. November 2001.

Von 1995 bis 2000 konsumierte der Angeklagte kein Kokain, rauchte nur

Heroin und Haschisch, seit 2000 auch wieder Kokain und andere Drogen. Zu Be-

ginn der vorliegenden Untersuchungshaft erhielt der Angeklagte 120 mg Metha-

- 12 -

don, mittlerweile konnte die Dosis auf 70 mg reduziert werden (Prot. S. 15). Der

Angeklagte hatte viele Freundinnen, wobei die meisten aus dem Drogenmilieu

stammten, und auch mehrjährige Beziehungen. Zu den beiden drei und sieben

Jahre älteren Schwestern hat der Angeklagte seit ca. 15 Jahren keinen Kontakt

mehr. Zu seinem vier Jahre älteren Bruder, der als Informatiker tätig ist, hat er nur

sporadischen Kontakt. Zu den leiblichen Eltern hat der Angeklagte ebenfalls kei-

nerlei Kontakt mehr. Er weiss nicht, ob sein Vater überhaupt noch lebt. Seine

Mutter und sein Stiefvater leben seit 1987 in Ecuador. Vor seiner Verhaftung fi-

nanzierte der Angeklagte seinen Lebensunterhalt gemäss eigenen Angaben

durch Numismatik und Autospenglerarbeiten. Wie aus dem eingeholten Füh-

rungsbericht hervorgeht, hat sich der Angeklagte in der Haft bisher wohlverhalten.

Der Führungsbericht der Strafanstalt P. lautet durchaus positiv (Urk. 19).

3. Das Verschulden des Angeklagten wirkt - sowohl objektiv als auch sub-

jektiv - sehr schwer. Vorsätzliche Tötung stellt an und für sich schon eines der

schwersten Delikte dar, schützt es doch das höchste Rechtsgut, nämlich das

menschliche Leben. Durch seine Taten löschte der Angeklagte zwei junge Leben

aus. Erschwerend wirkt sich aus, dass sich der Angeklagte auch nicht durch die

zufällige Anwesenheit von B., welche zwischen den Kontrahenten stand, von der

Schussabgabe auf C. abhalten liess, sondern auch sie erschoss, als sie ihren

Freund schützen wollte, obwohl sie dem Angeklagten nichts angetan hatte. Dass

das Geschehen einen anderen Verlauf nahm, als es sich der Angeklagte vorge-

stellt hatte, und er von der Erfolglosigkeit seiner Einschüchterungsversuche über-

rascht war, vermag ihn nicht zu entlasten. Dass das Verhalten des Angeklagten

eine Reaktion auf erneute Demütigungen durch C. darstellte, vermag ihn nicht zu

entschuldigen. Die Motivation des Angeklagten, nämlich die Wiederherstellung

der Ehre seiner Ex-Freundin und Selbstjustiz an einer Person, durch welche er

sich gekränkt und herabgesetzt fühlte, ist nicht nachvollziehbar. Auch wenn die

Tötung von B. direkte Folge der Tötung C.s war, so fällt sie verschuldensmässig

nicht weniger stark ins Gewicht. Beide exekutierte er mit Kopfschüssen.

Dass der Angeklagte in der gemeinsamen Wohnung dicht am Körper seiner

damaligen Lebensgefährtin vorbeischoss, als sie ihm die Pistole zu seinem eige-

- 13 -

nen Schutz wegnehmen wollte, zeigt, dass er nicht davor zurück schreckt, auch

Schwächeren gegenüber, die es zudem noch gut mit ihm meinen, Macht zu de-

monstrieren, und dass auch ihr Leben für ihn keinen grossen Wert zu haben

scheint. Die Geringschätzung vom Leben anderer zeigt sich auch dadurch, dass

er trotz stark eingeschränkter Fahrfähigkeit die Sicherheit weiterer Verkehrsteil-

nehmer gefährdete. Offenbar war es ihm ebenso egal, was E. mit seiner Waffe

anrichten würde. Dass sich der Angeklagte keinen Deut um gesetzliche und be-

hördliche Anordnungen scherte, zeigt sich auch dadurch, dass er eine Waffe ohne

Waffentragbewilligung mit sich führte und dass er den von der Polizei ange-

brachten Siegel zerstörte.

Beinahe zwei Jahre lang handelte der Angeklagte intensiv mit Heroin und

Kokain und setzte dabei eine grosse Menge von insgesamt mehreren hundert

Gramm um. Indessen ist zu berücksichtigen, dass der Angeklagte stark süchtig

war und vorwiegend zur Deckung des eigenen Konsums sowie zur Deckung

desjenigen seiner damaligen Freundin handelte.

4. Stark strafschärfend bzw. -erhöhend innerhalb des bereits maximalen

Strafrahmens wirken der Rückfall bezüglich sämtlicher Delikte - befand er sich

doch, wie bereits erwähnt, in den Jahren 1996, 1998 und 2001 jeweils im Straf-

vollzug -, die Tatmehrheit sowie die teilweise mehrfache Tatbegehung (Art. 67

Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Art. 68 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Sodann sind die 8 oben aufge-

führten teilweise einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten massiv straferhöhend

zu berücksichtigen. Schliesslich ist auch das Delinquieren während laufendem

Verfahren deutlich straferhöhend zu werten: gegen den Angeklagten wurde we-

gen der in ND 3 untersuchten Betäubungsmittel- und Strassenverkehrsdelikten

seit dem 7. März 2001 ermittelt. Im Verlaufe dieser Untersuchung wurde er zwei-

mal in Haft versetzt; am 19. Dezember 2001 wurde Anklage erhoben (ND 3 Urk.

26), welche bei der 4. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich einging. Nach Aufdek-

kung der Tötungsdelikte wurde die Anklage am 17. Januar 2002 wieder zurück-

gezogen (ND 3 Urk. 28). Der Angeklagte wusste vom bereits laufenden Verfah-

ren, musste er doch zur Einvernahme vom 19. Dezember 2001 polizeilich vorge-

- 14 -

führt werden (ND 3 Urk. 8). Nur zwei Wochen später beging er die beiden Tötun-

gen.

Dr. med. ... hat in seinem bereits erwähnten psychiatrischen Gutachten vom

19. Oktober 2002 überzeugend dargelegt, dass beim Angeklagten die Diagnose

einer Polytoxikomanie, also ein Abhängigkeitssyndrom durch multiplen Substanz-

gebrauch, vorliegt, hingegen die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht ge-

stellt werden kann. Wie erwähnt kann nach Ansicht des Gutachters das Tatge-

schehen vor allem als Eskalation verstanden werden, die im Wesentlichen durch

bestimmte situative Faktoren geprägt war. Durch die Tatanlaufzeit wurden spezifi-

sche neuralgische Merkmale der Persönlichkeit des Angeklagten angesprochen.

Damit wurde eine Grundbereitschaft zu intensivem Affekterleben geschaffen.

Angstgefühle scheinen dabei der prägende Faktor für die Handlungsabläufe ge-

wesen zu sein. Gegen eine affektakzentuierte Tat im engeren Sinne sprechen die

Konstellierung der Tatsituation durch den Angeklagten, das lang hingezogene

Tatgeschehen in mehreren Etappen, vor allem aber die Notwendigkeit zu gewis-

sen koordinativen und situationsbezogenen Planungs- und Entscheidungsleistun-

gen. Nichtsdestotrotz war die hohe affektive Intensität geeignet, den kognitiven

Spielraum des Angeklagten deutlich zu beeinträchtigen. Nach der neuerlichen

Aktualisierung neuralgischer Persönlichkeitsmerkmale und dem damit verbunde-

nen Angsterleben ist die sich anschliessende Handlungskette durch situatives

Reagieren und entsprechend kurze Entscheidungszeiträume gekennzeichnet. Die

hohe affektive Erregung war geeignet, eine kognitive Einengung hervorzurufen,

die zu einer Einschränkung von Planungs-, Steuerungs- und Entscheidvorgängen

führte. Mit dem Gutachter ist in einer Gesamtabwägung zwischen dieser Beein-

trächtigung und noch erhaltenen, situativen Wahrnehmungs-, Entscheidungs- und

Handlungskompetenzen von einer Verminderung der Zurechnungsfähigkeit im

mittleren Grade gemäss Art. 11 StGB bei den Tötungsdelikten auszugehen (HD

Urk. 4/28/3 S. 38 ff. und 44).

Dr. med. ... hatte am 6. November 2001 die Zurechnungsfähigkeit des An-

geklagten im Zusammenhang mit den Betäubungsmittel- und Verkehrsdelikten

gemäss ND 3 zu beurteilen. Sie führte aus, der Alltag des Angeklagten sei ge-

- 15 -

prägt von der Drogenbeschaffung und dem Drogenkonsum. Der Angeklagte neh-

me eine fatalistische Haltung ein hinsichtlich seines Drogenkonsums. Allerdings

sei er in keiner Art und Weise bereit, sich einer Therapie zu unterziehen, da er

grössten Wert auf seine Individualität lege und immer wieder betone, dass die Le-

bensart, wie er sie jetzt führe, ihm sehr entgegenkomme, indem er eigentlich ma-

chen könne was er möchte. Der Stress der Drogenbeschaffung und des Verkaufs

sei nach eigenen Angaben viel geringer als sich in eine Struktur einzuordnen. Bei

seinen Taten sei der Angeklagte sicherlich unter Drogeneinfluss gestanden; unter

Einfluss dieser Drogen sei jedoch seine Fähigkeit zur Einsicht für das Unrecht der

Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht nicht herabgesetzt gewesen, wes-

halb er voll zurechnungsfähig gewesen sei (ND 3 Urk. 16/2 S. 7 ff.). Die Betäu-

bungsmittel- und Strassenverkehrsdelikte stehen zweifellos im Zusammenhang

mit der damals schon stark ausgeprägten Drogensucht des Angeklagten. Das Be-

zirksgericht Zürich, 6. Abteilung, attestierte dem Angeklagten noch am 31. Okto-

ber 1990 eine im mittleren Grade verminderte Zurechnungsfähigkeit zufolge Dro-

genkonsums im Sinne von Art. 11 StGB hinsichtlich der damals zu beurteilenden

Betäubungsmitteldelikte (Beizugsakten 3, Urk. 26 S. 5). Es ist schwer nachvoll-

ziehbar, dass der Angeklagte, welcher jahrelang drogenabhängig war und seine

Sucht zum Teil durch den Drogenhandel finanzierte, welche Handlungen zu sei-

nem gewohnten Lebensstil gehörten, einige Jahre später in seiner Fähigkeit zur

Einsicht oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht nicht mehr eingeschränkt ge-

wesen sein sollte. Entgegen der Auffassung der Gutachterin ... ist daher auch für

die übrigen Delikte von einer in mittlerem Masse verminderten Zurechnungsfähig-

keit auszugehen.

Deutlich strafmindernd ist dem Angeklagten das vollumfängliche Geständnis

in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zugute zu halten, ebenso seine schwere

Kindheit, wie sie ihm auch von Seiten der Staatsanwaltschaft zugebilligt wird (Urk.

21 S. 12).

Insgesamt fallen die Strafschärfungs- und -erhöhungsgründe etwas stärker

ins Gewicht als die Strafmilderungs- und -minderungsgründe. In Würdigung sämt-

licher Strafzumessungsgründe erscheint eine Zuchthausstrafe von 17 Jahren dem

- 16 -

Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten angemessen.

Der Anrechnung von 751 Tagen Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vor-

zeitigen Strafvollzug bis und mit heute steht nichts entgegen (Art. 69 StGB). Da

die auszusprechende Freiheitsstrafe 18 Monate übersteigt, ist sie zu vollziehen

(Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).

 III. Massnahme

...

 IV. Zivilansprüche

...

 V. Beschlagnahmungen

...

- 17 -

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Angeklagte ist schuldig:

� der mehrfachen vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB (An-

klageziffer I.; HD)

� des mehrfachen Verbrechens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5

in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a des Betäubungsmittelgesetzes

(Anklageziffer V.; HD, ND 3 und ND 4)

� der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Anklageziffer

II.; ND 1)

� der Hehlerei im Sinne von Art. 160 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklageziffer

III.; ND 5)

� der Gefährdung der Sicherheit mit Waffen im Sinne von Art. 260quater

StGB (Anklageziffer VII.; HD)

� des Siegelbruchs im Sinne von Art. 290 StGB (Anklageziffer IV.; ND 2)

� des Vergehens gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 des Betäubungsmittelge-

setzes (Anklageziffer III.; ND 5)

� des mehrfachen Vergehens gegen Art. 33 Abs. 1 lit. a Waffengesetz

(WG) in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 WG (Anklageziffer III.; ND 5)

� der groben Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2

SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG (Anklageziffer VI.; ND 3)

sowie

� der Entwendung zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1

SVG (Anklageziffer VI.; ND 3).

- 18 -

2. Der Angeklagte wird bestraft mit 17 Jahren Zuchthaus, wovon 751 Tage

durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug bis

und mit heute (26. Januar 2004) erstanden sind.

3. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB

ohne Aufschub des Strafvollzuges angeordnet.

4. Der Angeklagte wird verpflichtet, den nachfolgenden Geschädigten

Schadenersatz in den angeführten Beträgen zu bezahlen: ...

5. Der Angeklagte wird verpflichtet, den nachfolgenden Geschädigten die an-

geführten Beträge als Genugtuung zu bezahlen: ...

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 6'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 223.--   Vorladungsgebühren

Fr. 2'320.--   Schreibgebühren

Fr. 323.--   Zustellgebühren

Fr. 40.--   Telefon

Fr. 500.--    Kanzleikosten BA (pauschal)

Fr. 231.--    Kanzleikosten StAZ (Anklageschrift)

Fr. 51'391.15    Untersuchung

Fr. 43'684.50    amtliche Verteidigung

Fr. 3'375.90    unentgelt. Rechtsbeistand

                                                                  24.03.04/JS

7. Die Kosten dieses Verfahrens [einschliesslich Kosten der amtlichen Vertei-

digung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung] werden dem Ange-

klagten auferlegt, jedoch einstweilen abgeschrieben.

8. Der Angeklagte wird verpflichtet, den Geschädigten ... zusammen eine Pro-

zessentschädigung von Fr. 10'879.25 (inklusive Barauslagen und 7.6%

- 19 -

Mehrwertsteuer) sowie der Geschädigten ... eine Prozessentschädigung von

Fr. 2'000.– zuzüglich 7.6% Mehrwertsteuer für das gesamte Verfahren zu

bezahlen.

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

� den Angeklagten respektive dessen Verteidiger (übergeben)
� die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich (überbracht)
� die Geschädigten ... (versandt)
� das Amt für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

� den Angeklagten respektive dessen Verteidiger
� die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
� die Geschädigten ...
� das Amt für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste (2fach)
� das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen, 3003 Bern
� die Bundesanwaltschaft, 3003 Bern

sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechts-

mittel an

� die Koordinationsstelle Zürich mit Formular A.

10. Rechtsmittel:

a) Kantonale Nichtigkeitsbeschwerde gemäss § 428 ff. der zürcherischen

Strafprozessordnung (StPO): Gegen diesen Entscheid kann innert

10 Tagen, von seiner Eröffnung oder von der Entdeckung eines Man-
gels an gerechnet, beim Vorsitzenden des entscheidenden Gerichts

mündlich oder schriftlich Nichtigkeitsbeschwerde zuhanden des Kassa-

tionsgerichts des Kantons Zürich angemeldet werden.

Die Frist zur Begründung der Beschwerde wird nach ihrer Anmeldung

angesetzt.

b) Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde: Gegen diesen Entscheid

kann innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten

- 20 -

Ausfertigung an gerechnet, beim Kassationshof des Bundesgerichts

Nichtigkeitsbeschwerde erhoben werden.

Die Beschwerde ist schriftlich im Doppel und in der in Art. 273 der

Bundesstrafprozessordnung (BStP) vorgeschriebenen Weise einzurei-

chen. Die Beschwerde kann nur damit begründet werden, dass der an-

gefochtene Entscheid eidgenössisches Recht verletze. Die Beschwer-

delegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten

sich nach den Vorschriften in Art. 268 ff. BStP.

Sodann beschliesst das Gericht:

(Beschlagnahmungen)

__________________________________

OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH

I. Strafkammer

Der Vorsitzende: Der Obergerichtssekretär:

Oberrichter lic.iur. P. Marti lic.iur. G. Oberholzer