# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 589a7d67-00b0-595e-bc8d-d0994aad9a9c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.05.2020 D-773/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-773-2020_2020-05-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-773/2020 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch MLaw Sophia Delgado,  

HEKS Rebaso - Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende  

Solothurn,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 7. Januar 2020. 

 

 

 

D-773/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Hazara mit letztem Aufenthalt in Quetta, 

verliess Pakistan eigenen Angaben gemäss am 28. Mai 2014 und gelangte 

am 9. September 2015 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nach-

suchte. 

A.b Bei der Befragung zur Person, die vom SEM am 21. September 2015 

durchgeführt wurde, sagte der Beschwerdeführer, er sei in der Provinz 

B._______ in Afghanistan geboren worden. Weil immer mehr Taliban dort-

hin gekommen seien, habe er sein Heimatdorf als kleiner Junge zusammen 

mit seinen Eltern verlassen. Sie seien nach Pakistan gezogen, wo er zur 

Schule gegangen sei. Im Jahr 2008 seien sie in den Iran gegangen, im 

Jahr 2014 sei er wegen seiner Ausweispapiere nach Quetta gereist. Nach-

dem er sich neue Papiere (Pass, Identitätskarte) habe ausstellen lassen, 

sei er drei Monate später in den Iran zurückgekehrt. Er habe dort zwar 

sechs Jahre lang als (…) gearbeitet, aber nie eine Aufenthaltsbewilligung 

gehabt. In Pakistan würden die schiitischen Hazara von fundamentalisti-

schen Gruppierungen verfolgt und getötet. Im Stadtteil C._______ (Quetta) 

habe es kurz vor seiner Ausreise zwei Bombenanschläge gegeben. Sie 

hätten dort einen kleinen Laden gehabt, der Feuer gefangen habe, wobei 

sie ihr Hab und Gut verloren hätten. Er sei persönlich nie bedroht worden, 

habe aber nicht gewusst, ob er heil nach Hause zurückkehren werde, wenn 

er sein Heim verlassen habe. Da die Polizei auch zu den Tätern gehöre 

und in ihrem Quartier die Stammesältesten getötet worden seien, hätten 

sie nicht Anzeige erstatten können. Weil die Lage in Afghanistan noch 

schlimmer als diejenige in Pakistan sei, seien sie nicht dorthin zurückge-

gangen.  

A.c Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 19. Juni 2018 zu seinen 

Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, seine Eltern seien 

mittlerweile innerhalb Quettas umgezogen und lebten in einem anderen 

Quartier. Er stehe in regelmässigem Kontakt mit seinem Vater. Nachdem 

er insgesamt (…) Jahre lang die Schule besucht gehabt habe, habe er sei-

nem Vater gesagt, er wolle in den Iran gehen. Sein Vater sei mit ihm in den 

Iran gegangen und etwa zwei Jahre später nach Pakistan zurückgekehrt. 

Er selbst sei fünf oder sechs Jahre im Iran geblieben und habe (…) gear-

beitet. Dann sei er über Afghanistan nach Pakistan gereist, wo er drei oder 

vier Monate lang geblieben sei. Danach sei er in den Iran zurückgekehrt, 

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Seite 3 

weil er habe arbeiten müssen. Die Hazara seien in Afghanistan und in Pa-

kistan gefährdet. Wenn man sein Haus verlasse, wisse man nicht, ob man 

lebend wieder zurückkomme. Seit er in der Schweiz sei, sei seiner Familie 

konkret nichts widerfahren, die Lage sei aber schwierig und seine Angehö-

rigen seien in Gefahr. Als er im Iran gewesen sei, habe sein Vater einen 

Laden (…) gehabt. Als sein Vater zur Mittagspause nach Hause gegangen 

sei, sei dort, wo er seinen Laden gehabt habe, eine Bombe explodiert. Viele 

seien ums Leben gekommen. Normalerweise griffen die Leute von Lash-

gar-e Jangavi (und anderer Organisationen) die Hazara an und die Regie-

rung könne nichts gegen sie unternehmen. Im Falle einer Rückkehr nach 

Pakistan fürchte er sich vor fundamentalistischen Gruppierungen, die Ha-

zara umbringen würden. Nach gesundheitlichen Problemen gefragt, sagte 

der Beschwerdeführer, er sei auf dem rechten Ohr taub. Das Sozialamt 

habe einen Antrag auf Bezahlung eines Hörgeräts abgelehnt.  

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 7. Januar 2020 – eröffnet am 10. Ja-

nuar 2020 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegwei-

sung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.  

C.  

C.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 10. Februar 2020 liess der 

Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde erheben. In dieser wird beantragt, es sei die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vollumgänglich aufzu-

heben und die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Subeventualiter sei der Beschwerdeführer aufgrund Unzumut-

barkeit der Rückführung nach Pakistan vorläufig in der Schweiz aufzuneh-

men. Es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeistän-

dung zu gewähren und die unterzeichnende Rechtsanwältin sei als amtli-

che Rechtsbeiständin einzusetzen. Eventualiter sei auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses zu verzichten. Die Akten des SEM seien vollumfäng-

lich zu edieren.  

Der Eingabe lagen ein Bericht der National Commission for Human Rights 

Pakistan, eine Sozialhilfebestätigung vom 29. Januar 2020 und eine Hono-

rarnote bei. 

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Seite 4 

C.b Mit ebenfalls vom 10. Februar 2020 datierender Eingabe durch eine 

weitere Rechtsvertreterin liess er beim Bundesverwaltungsgericht eine 

weitere Beschwerde einreichen. In dieser wird beantragt, die Verfügung 

des SEM sei aufzuheben und es sei wegen Unzulässigkeit und Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme des Beschwer-

deführers anzuordnen. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und ihm die unentgeltliche Verbeiständung mit 

der Unterzeichnenden zu bewilligen sowie auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. Es seien die Verfahrensakten des SEM beizu-

ziehen.  

Der Eingabe lag der Antrag an die zuständige Behörde zur Ausstellung ei-

ner Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 10. Februar 2020 bei. 

D.  

Die zuständige kantonale Behörde übermittelte dem Gericht am 14. Feb-

ruar 2020 eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdefüh-

rers.  

E.  

Der Instruktionsrichter teilte den beiden Rechtsvertretungen mit Zwischen-

verfügung vom 18. Februar 2020 mit, das Gericht werde seine Folgekor-

respondenz ausschliesslich an eine der beiden Rechtsvertretungen rich-

ten. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hiess er gut. Er ge-

währte dem Beschwerdeführer Gelegenheit, dem Gericht bis zum 4. März 

2020 mitzuteilen, welche Rechtsvertretung er als amtliche Rechtsbeistän-

din wünsche. Zudem wies er darauf hin, dass über das Gesuch um Beiord-

nung einer amtlichen Rechtsbeiständin nach Eingang der dazu notwendi-

gen Informationen entschieden werde. 

F.  

Mit Schreiben vom 21. Februar 2020 teilte die vormalige Rechtsvertretung 

mit, sie lege ihr Mandat nieder, weshalb die durch sie eingereichte Be-

schwerde vom 10. Februar 2020 gegenstandslos geworden sei. Es werde 

gebeten, die Beschwerde der HEKS in derselben Sache zu prüfen und So-

phia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers zu er-

nennen. 

 

D-773/2020 

Seite 5 

G.  

Die Rechtsvertreterin teilte am 27. Februar 2020 mit, sie übernehme das 

Mandat als amtliche Rechtsbeiständin und bitte um Zustellung der Folge-

korrespondenz an ihre Adresse. 

H.  

Mit Instruktionsverfügung vom 18. März 2020 schrieb der Instruktionsrich-

ter die von der vormaligen Rechtsvertretung eingereichte Beschwerde vom 

10. Februar 2020 als gegenstandslos ab. Das Gesuch um amtliche Rechts-

verbeiständung hiess er gut und er ordnete dem Beschwerdeführer MLaw 

Sophia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin bei. Die Akten übermittelte 

er zur Vernehmlassung an das SEM. 

I.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 1. April 2020 an seinem 

Standpunkt fest. Das Bundesverwaltungsgericht setzte den Beschwerde-

führer am 7. April 2020 von der Vernehmlassung in Kenntnis. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs.  1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

 

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Seite 6 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

Die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfügung des SEM sind nicht 

angefochten. Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den von 

der Vorinstanz angeordneten Vollzug der Wegweisung.  

4.  

4.1 Das SEM begründet seinen Entscheid damit, dass die Hazara als An-

gehörige der schiitischen Minderheit in Pakistan religiös motivierten Ge-

walttaten ausgesetzt seien, wobei in den letzten Jahren eine Zunahme zu 

verzeichnen sei. Am 12. April 2019 sei in Quetta auf einen vorwiegend von 

Hazara betriebenen Obstmarkt ein Anschlag verübt worden, bei dem etwa 

20 Personen ums Leben gekommen seien. Die von Extremisten ausge-

hende Gewalt sei in ganz Pakistan verbreitet, in Quetta seien vermehrt Ha-

zara-Wohngebiete gezielt Angriffsobjekt religiös motivierter Gewaltakte. 

Pakistan sei in der Regel nicht in der Lage, die Hazara zu schützen. In 

diesem Land herrsche ein hohes Mass an religiös motivierter Gewalt, die 

meist von Sunniten ausgehe und weitgehend straflos bleibe. Staatlicher 

Schutz werde nicht oder nur ungenügend gewährt. Gemessen an der An-

zahl in Pakistan lebender Hazara erscheine die Zahl der Übergriffe nicht 

als genügend dicht, als dass von einer Kollektivverfolgung auszugehen sei 

(BVGE 2014/32). Aus den Akten ergäben sich keine Hinweise auf eine ge-

zielt gegen den Beschwerdeführer gerichtete Verfolgung. Die von ihm be-

fürchteten Nachteile seien demnach nicht geeignet, seine Flüchtlingsei-

genschaft zu begründen. Des Weiteren könne ausgeschlossen werden, 

dass sich die Flüchtlingseigenschaft aufgrund in Afghanistan oder im Iran 

erlittener Nachteile begründen liesse.  

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Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht habe die Lage der Hazara schiitischen 

Glaubens mit Wohnsitz in Quetta in BVGE 2014/32 als gefährlich und die 

Sicherheitslage als bedrohlich und instabil eingeschätzt. Es sei nicht von 

einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen, doch sei die Zugehörigkeit 

zur ethnisch-religiösen Minderheit der Hazara als starkes Indiz für die An-

nahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu werten. Im Fall 

des Beschwerdeführers seien keine zusätzlichen Gefährdungsindizien er-

sichtlich. Er sei weder politisch aktiv gewesen noch habe er je Probleme 

mit den heimatlichen Behörden gehabt. Es sei aufgrund seiner Arbeitser-

fahrung davon auszugehen, dass er seinen Lebensunterhalt selbst verdie-

nen könne. Die Taubheit auf dem rechten Ohr stelle ebenfalls kein Weg-

weisungshindernis dar, da er in diesem Zusammenhang keine besonderen 

medizinischen Bedürfnisse habe. Seine Eltern und Geschwister lebten wei-

terhin in Quetta und er stehe mit ihnen in Kontakt. Seine Eltern hätten ein 

weiteres Kind bekommen und die älteste Schwester sei verheiratet; ihr 

Ehemann arbeite in D._______. Es sei davon auszugehen, dass er (der 

Beschwerdeführer) in der Heimat über hinreichende soziale Beziehungen 

verfüge und gegebenenfalls vorübergehend auf finanzielle Unterstützung 

zählen könne. 

4.2 In der Beschwerde wird einleitend der Sachverhalt geschildert und gel-

tend gemacht, Hazara seien in Pakistan besonders gefährdet, Opfer von 

Anschlägen zu werden, da sie aufgrund ihrer Gesichtszüge leicht von den 

Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft unterschieden werden könnten. Die 

Behörden seien indifferent, inkompetent oder gar mitverantwortlich für die 

Gewalt und Diskriminierung der Hazara. Die Familie des Beschwerdefüh-

rers lebe in ärmlichen Verhältnissen, die sich verschlechtert hätten, da sein 

Vater das Haus verkauft habe, um seine Reise in die Schweiz zu finanzie-

ren. Seither lebe die Familie in unsicheren Mietverhältnissen. Bei einer 

Rückkehr hätte er somit keine gesicherte Wohnsituation. Gemäss Berich-

ten seien die Mietpreise für in Quetta lebende Hazara angestiegen und die 

Lage habe zu überhöhten Preisen für Gebrauchsgüter geführt. Die Familie 

habe aktuell kein geregeltes Einkommen, da der Vater nicht mehr arbeiten 

könne. Als der Laden des Vaters zerstört worden sei, habe die Familie die 

Existenzgrundlage verloren. Der Beschwerdeführer habe zum Lebensun-

terhalt der Familie beigetragen, indem er bereits im Alter von (…) Jahren 

im Iran (…) gearbeitet habe. Er unterstütze seine Familie finanziell, indem 

er ihr monatlich zirka Fr. 300.– seines Sozialhilfegeldes zukommen lassen. 

Die schwierige Sicherheitslage habe in Quetta zum Verlust zahlreicher Ar-

beitsplätze geführt und die Einkommensmöglichkeiten seien für Hazara 

eingeschränkt. Für ihn wäre es schwierig bis unmöglich, eine Anstellung zu 

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Seite 8 

finden und es sei ihm nicht zuzumuten, sich erneut als illegaler Gastarbei-

ter in den Iran zu begeben. In der Schweiz habe er erfolgreich ein Integra-

tionsjahr absolviert und bereits gut Deutsch gelernt. Er bemühe sich, eine 

Arbeitsstelle zu finden, was aufgrund seines Status schwierig sei. Er sei 

motiviert, zu arbeiten oder eine Lehre zu machen. Auf dem rechten Ohr sei 

er taub, weshalb er ein Hörgerät benötigen würde. Vor dem Hintergrund 

des schwachen Gesundheitswesens sei davon auszugehen, dass er in Pa-

kistan keine genügende medizinische Versorgung erhalten würde. Somit 

lägen zusätzliche individuelle Umstände beziehungsweise Gefährdungsin-

dizien vor, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sprä-

chen.  

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

D-773/2020 

Seite 9 

5.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-

kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–

127 m.w.H.). In der angefochtenen Verfügung legte das SEM überzeugend 

dar, weshalb der Beschwerdeführer sich persönlich nicht in begründeter 

Weise vor Übergriffen islamistischer Fundamentalisten fürchten muss, wo-

mit es ihm auch nicht gelungen ist, eine konkrete Gefahr einer ihm persön-

lich drohenden Menschenrechtsverletzung glaubhaft zu machen. Die all-

gemeine Menschenrechtssituation in Pakistan und auch die spezielle Situ-

ation der Hazara in diesem Land lassen den Wegweisungsvollzug zum 

heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen (vgl. BVGE 2014/32; 

Urteil des BVGer E-6530/2018 vom 20. März 2020 E. 5.3). Nach dem Ge-

sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch 

der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

5.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

5.4.1 In Pakistan herrscht zwar weder Bürgerkrieg noch eine Lage allge-

meiner Gewalt (vgl. Urteil des BVGer D-4580/2018 vom 18. November 

2019 E. 7.3.1 m.H.). Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt jedoch die 

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Seite 10 

Lage in Quetta für Schiiten und insbesondere für Hazara als gefährlich und 

erachtet für sie die Sicherheitslage als bedrohlich und instabil. Es bestehe 

für Schiiten die ernstzunehmende Gefahr von religiös motivierten Anschlä-

gen, wobei diese Gefahr für Hazara zusätzlich gesteigert sei. Es sei zwar 

nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen; die Zugehörig-

keit zur ethnisch-religiösen Minderheit der schiitischen Hazara sei aber als 

starkes Indiz für die Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs zu qualifizieren. Ergebe sich aus der persönlichen Situation einer be-

schwerdeführenden Person ein zusätzliches Gefährdungsindiz, das über 

die schwierige generelle Lage der Hazara in Quetta hinausgehe, sei der 

Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen (vgl. BVGE 2014/32 

E. 9.4).  

5.4.2 Es ist somit zu prüfen, ob individuelle Gründe vorliegen, die eine 

Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pakistan als unzumutbar erschei-

nen lassen. Zusätzliche Gefährdungsindizien sind bei ihm gemäss Auffas-

sung des Bundesverwaltungsgerichts jedoch nicht ersichtlich. Er konnte 

nicht glaubhaft machen, dass er einer konkreten, von fundamentalistischen 

Gruppierungen ausgehenden Bedrohung ausgesetzt war (vgl. SEM-act. 

A6/14 S. 9 und A15/14 S. 9). Andere Anhaltspunkte für eine individuelle 

Gefährdung des Beschwerdeführers lassen sich den Akten nicht entneh-

men. Weder war er politisch aktiv noch hatte er zu irgendeinem Zeitpunkt 

konkrete Probleme mit den Behörden (SEM-act. A6/14 S. 9). Der Anschlag, 

bei dem der Laden seines Vaters in Flammen aufging, galt nicht der Familie 

des Beschwerdeführers, sondern war gegen (…) gerichtet, auf dem sich 

der Laden befand. Die Frage, ob der Familie des Beschwerdeführers nach 

seiner Ausreise aus Pakistan konkret etwas widerfahren ist, verneinte er 

bei beiden Befragungen (SEM-act. A6/14 S. 9 und A15/14 S. 9). Bei der 

BzP gab er an, es gehe ihm gesundheitlich gut (SEM-act. A6/14 S. 11), und 

bei der Anhörung sagte er, es gehe ihm eigentlich gut, er sei aber auf dem 

rechten Ohr taub und sollte ein Hörgerät erhalten (SEM-act. A15/14 S. 11). 

Somit steht fest, dass der Beschwerdeführer unter keinen gesundheitlichen 

Beschwerden leidet, die eine medizinische, in der Schweiz durchzufüh-

rende Behandlung als dringend erforderlich erscheinen liessen. Bei der An-

hörung sagte er, er könne sich nicht erinnern, wann er auf dem rechten Ohr 

letztmals gehört habe (SEM-act. A15/14 S. 11), und er konnte den Alltag 

trotz dieser gesundheitlichen Einschränkung meistern. Bezüglich der sich 

derzeit in zahlreichen Ländern ausbreitenden Corona-Pandemie ist festzu-

halten, dass sich die Covid-19-Krankheit in Pakistan weit weniger als in der 

Schweiz ausgebreitet hat, wobei unter Hinweis auf die Dunkelziffer in bei-

D-773/2020 

Seite 11 

den Ländern nicht alle Fälle bekannt sein dürften. Jedenfalls führt die Tat-

sache, dass auch Pakistan von Covid-19-Erkrankungen betroffen ist, nicht 

zur Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Be-

schwerdeführer ist jung und hat langjährige Arbeitserfahrungen (…), was 

ihm eine berufliche Integration in Pakistan erleichtern wird. Seine Eltern, 

mehrere Geschwister und eine Tante sowie ein Onkel leben nach wie vor 

in seinem Heimatland. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass 

er bei einer Rückkehr auf ein bestehendes soziales Beziehungsnetz zu-

rückgreifen kann, das ihm bei einer Wiedereingliederung in einer Anfangs-

phase unterstützend zur Seite stehen kann. Es steht ihm zudem offen, ein 

Gesuch um Rückkehrhilfe nach Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG zu stellen, wo-

bei allenfalls auch seinem Bedürfnis, sein Hörvermögen zu verbessern, 

Rechnung getragen werden könnte. Aufgrund seiner persönlichen Situa-

tion, namentlich seiner Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit der Ha-

zara in Quetta und seinen Angaben zur wirtschaftlichen Situation seiner 

Familie, erscheint die Ausrichtung von Rückkehrhilfe unter humanitären 

Gesichtspunkten als durchaus sinnvoll. Im Falle der Unterstützung des Be-

schwerdeführers bei einer Rückkehr nach Pakistan bestehen insgesamt 

keine konkreten Hinweise darauf, dass er dort in eine existenzielle Notlage 

geraten wird. Zum Hinweis auf die Integration des Beschwerdeführers auf-

grund seiner mehrjährigen Anwesenheit in der Schweiz ist festzuhalten, 

dass diese Umstände im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs bei Erwachsenen von untergeordneter Bedeutung sind 

und vorliegend zu keiner anderen Beurteilung führen können. Vor diesem 

Hintergrund erweist sich die Rückkehr nach Pakistan nicht als unzumutbar. 

5.5  

5.5.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

5.5.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit 

gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts, ist die Unmöglichkeit des 

Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als 

auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit 

nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-

sen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e; Urteil des BVGer  

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Seite 12 

E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist in Anbetracht der derzeiti-

gen Entwicklung der Pandemie nicht anzunehmen. Der aktuellen Situation 

kann indessen im Rahmen der Ansetzung der Ausreisefrist Rechnung ge-

tragen werden. 

5.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwi-

schenverfügung vom 18. Februar 2020 die unentgeltliche Rechtspflege ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich an den Voraussetzun-

gen dazu nichts geändert hat, sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

8.  

8.1 Nachdem dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbeistän-

dung gewährt und MLaw Sophia Delgado als amtliche Rechtsbeiständin 

eingesetzt wurde, ist jener ein amtliches Honorar auszurichten  

8.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertretung im Asyl-

bereich in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– 

für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-

che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m Art. 10 Abs. 2 

VGKE). Es wird nur der notwendige Aufwand entschädigt. 

8.3 Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht, 

weshalb das amtliche Honorar aufgrund der Akten zu bestimmen ist (Art. 

14 Abs. 2 in fine VGKE). Ausgehend von der zehn Seiten umfassenden 

Beschwerde (inkl. Aktenstudium und Besprechung), der Kenntnisnahme 

der Verfügungen des Bundesverwaltungsgerichts und den entstandenen 

Barauslagen erscheint ein Honorar von insgesamt Fr. 800.– (inkl. Ausla-

gen) angemessen. Dieser Betrag ist der amtlich eingesetzten Rechtsbei-

ständin vom Bundesverwaltungsgericht zu entrichten.  

D-773/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der amtlich eingesetzten Rechtsvertreterin wird durch das Bundesverwal-

tungsgericht ein amtliches Honorar von Fr. 800.– ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

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