# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d048a0c-6925-5268-9967-315d1ca147d7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.03.2016 E-8439/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8439-2015_2016-03-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-8439/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  M ä r z  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 

Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Christa Luterbacher,    

Gerichtsschreiberin Sarah Straub. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Angela Stettler, Advokatur Kanonen-

gasse,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6,  

3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. November 2015 / N (…). 

 

 

 

E-8439/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-

scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______ (Nordprovinz), verliess Sri 

Lanka gemäss eigenen Angaben am (…), gelangte auf dem Luftweg nach 

Italien und von dort in einem Auto am 29. November 2010 in die Schweiz, 

wo er am 30. November 2010 ein Asylgesuch einreichte. Er wurde am 

9. Dezember 2010 zur Person befragt (Protokoll: SEM-Akte A1). Die Anhö-

rung zu den Gesuchsgründen fand am 29. Juli 2013 statt (Protokoll: A15). 

A.b Mit Verfügung vom 2. August 2013 wies das damalige Bundesamt für 

Migration (BFM, heute SEM) das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, 

verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

Die dagegen erhobene Beschwerde vom 6. September 2013 hiess das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 20. März 2014 gut und wies die 

Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und zu neuer Entschei-

dung an die Vorinstanz zurück. 

B.  

B.a Der Beschwerdeführer liess durch seinen damaligen Rechtsvertreter 

am 24. Dezember 2014 Fotos und Internetausdrucke von vier exilpoliti-

schen Veranstaltungen einreichen. 

B.b An seiner ergänzenden Anhörung vom 9. März 2015 (Protokoll: A33) 

brachte der Beschwerdeführer vor, er habe Probleme mit der sri-lankischen 

Armee gehabt und werde gesucht, weil er mit Mitgliedern der Liberation 

Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zusammen gewesen sei. Er habe im Jahr 

2008 damit begonnen, die LTTE zu unterstützen, unter anderem mit Le-

bensmitteln. Im März 2008 sei er festgenommen, nach LTTE-Mitgliedern 

gefragt und geschlagen worden. Nach einem Tag habe man ihn freigelas-

sen; danach habe er eine wöchentliche Meldepflicht gehabt. Er habe auf-

grund der Schläge eine Rückenverletzung erlitten und sei deswegen vo-

rübergehend im Spital und während mehrerer Monate in Behandlung ge-

wesen. Am 10. Mai 2010 habe die Armee ihn noch einmal gesucht, als er 

gerade am Einkaufen gewesen sei. Als ihm seine Mutter davon erzählt 

habe, sei er aus Angst zum Haus seines Onkels gegangen und später aus-

gereist.  

E-8439/2015 

Seite 3 

In der ersten Anhörung hatte er zudem geltend gemacht, bereits während 

der Schulzeit die LTTE unterstützt zu haben, indem er bei diversen Anläs-

sen bei den Vorbereitungen und der Dekoration geholfen habe. Ausserdem 

habe er sie informieren müssen, wenn die sri-lankische Armee in der Ge-

gend gewesen sei. 

Er reichte seine sri-lankische Identitätskarte, einen Geburtsregisterauszug 

mit englischer Übersetzung und ein Notizbuch des C._______ aus dem 

Jahr 2008 ein. 

B.c Mit Eingabe vom 17. März 2015 übermittelte er einen Bericht des 

D._______ vom (…) und ein psychologisch-neuropsychologisches Gut-

achten von PD Dr. phil. E._______ vom (…), welche Unterlagen er bereits 

im Rahmen des ersten Beschwerdeverfahrens beim Bundesverwaltungs-

gericht eingereicht hatte. Am 18. März 2015 ging beim SEM ein ärztlicher 

Bericht von Dr. med. F._______ vom (…) ein. 

Am 22. Juni 2015 erkundigte er sich nach dem Stand des Verfahrens. 

B.d Das SEM stellte mit Verfügung vom 27. November 2015 – eröffnet am 

30. November 2015 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei-

genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte seine Wegweisung 

aus der Schweiz und nahm ihn zufolge unzumutbaren Wegweisungsvoll-

zugs vorläufig auf. 

C.  

Der Beschwerdeführer liess diese Verfügung mit Eingabe seiner Rechts-

vertreterin vom 29. Dezember 2015 anfechten und beantragte in materiel-

ler Hinsicht, die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfügung seien 

aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl 

zu gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In 

formeller Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und Rechtsverbeiständung sowie Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

Als Beweismittel reichte er die Kopie eines Polizeirapports vom 25. August 

2013 und zwei Fotos von Demonstrationen in der Schweiz ein. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit Verfügung vom 

7. Januar 2016 gut, forderte den Beschwerdeführer zur Einreichung einer 

E-8439/2015 

Seite 4 

Fürsorgebestätigung auf und ordnete ihm MLaw Angela Stettler als unent-

geltliche Rechtsbeiständin bei. 

Die Fürsorgebestätigung wurde dem Gericht am 12. Januar 2016 über-

mittelt. 

E.  

Das SEM bestätigte in der Vernehmlassung vom 14. Januar 2016 seine 

Einschätzung, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers auch unter Be-

rücksichtigung seiner kognitiven Defizite den Anforderungen an die Glaub-

haftigkeit nicht genügen würden, bezweifelte die vorgebrachte Tätigkeit als 

Organisator von politischen Anlässen in der Schweiz und führte aus, dem 

eingereichten Polizeirapport sei ein geringer Beweiswert beizumessen. 

F.  

Der Beschwerdeführer replizierte am 2. Februar 2016, die Glaubhaftig-

keitsprüfung sei den besonderen Umständen nicht angepasst und seine 

persönliche Glaubwürdigkeit nicht beachtet worden. Bei der Organisation 

von exilpolitischen Anlässen habe er lediglich mitgeholfen, was unter Be-

rücksichtigung seines psychischen Defizits sehr wohl plausibel sei.  

Am 10. März 2016 reichte die Rechtsvertreterin ihre Honorarnote ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

E-8439/2015 

Seite 5 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Asylrechts nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden; als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, 

die Neubewertung der Risikoprofile infolge der Lageanalyse zu Sri Lanka 

führe grundsätzlich nicht zur Neubeurteilung der Glaubhaftigkeit von Asyl-

vorbringen. Vorliegend seien aber verschiedene ärztliche Unterlagen zu 

berücksichtigen, namentlich das neuropsychologische Zeugnis vom (…), 

in welchem dem Beschwerdeführer eine kognitive Wahrnehmung auf nied-

rigem Niveau attestiert werde, welche ihm nicht erlaube, erlebte Ereignisse 

kohärent und in sich geschlossen darzustellen. Es dürften daher keine allzu 

hohen Anforderungen an Struktur und Chronologie der Schilderungen ge-

stellt werden.  

E-8439/2015 

Seite 6 

Seine Vorbringen würden jedoch Unstimmigkeiten enthalten, welche allein 

durch die genannte ärztliche Einschätzung nicht zu erklären seien. Er habe 

einerseits angegeben, die LTTE letztmals zwei Jahre vor seiner Verhaftung 

unterstützt zu haben, anderseits aber ausgeführt, seine Unterstützungstä-

tigkeit erst wenige Wochen vor der Verhaftung aufgenommen zu haben. 

Dies erstaune selbst unter der Annahme, dass er die Tätigkeit aufgrund 

von Gedächtnisschwierigkeiten zeitlich nicht eingrenzen könne, zumal er 

ohne Not genaue Jahreszahlen genannt habe. Es erschliesse sich auch 

nicht, auf welche Weise der Kontakt zu den LTTE zustande gekommen 

sein solle. Gemäss seinen Aussagen sei er nicht Mitglied gewesen und in 

keinem direkten Kontakt zur Organisation gestanden, habe aber bei der 

Vorbereitung von Anlässen mitgeholfen und Meldung über die Bewegun-

gen der Armee erstattet, wobei der Kontakt über seine beiden Freunde er-

folgt sei. Er habe allerdings erst im März 2008 von deren Zugehörigkeit zu 

den LTTE erfahren. Diese logische Lücke habe er auch auf Nachfrage nicht 

zu schliessen vermocht. Die Hintergründe der Verhaftung könnten damit 

nicht zu einem schlüssigen Ganzen zusammengefügt werden. In dieses 

Bild würden sich auch seine Ausführungen zur geltend gemachten Fest-

nahme einfügen, welche einerseits bei ihm zu Hause, andererseits auf 

halbem Weg zum Tempel erfolgt sein solle. Danach habe man ihn gezwun-

gen, in ein Fahrzeug einzusteigen respektive zu Fuss ins Camp zu gehen. 

In der ersten Anhörung habe er angegeben, eine Nacht und zwei Tage lang 

festgehalten worden zu sein; gemäss seinen Angaben an der ergänzenden 

Anhörung habe die Festhaltung von frühmorgens bis zum Abend dessel-

ben Tages gedauert. Auf Vorhalt des Widerspruchs habe er sich nicht erin-

nern können, ob er im Camp übernachtet habe. Auch unter Berücksichti-

gung allfälliger Gedächtnisprobleme hätte hier erwartet werden können, 

dass er zumindest den groben Ablauf der Inhaftierung hätte wiedergeben 

können, zumal es sich um ein einschneidendes Ereignis und das Kernvor-

bringen seines Asylgesuches handle. 

Weiter sei er nach der Freilassung einen Monat im Krankenhaus und ein 

halbes Jahr bettlägerig gewesen, wolle aber auf der anderen Seite gleich 

nach seiner Freilassung nach Hause zurückgekehrt sein, wo er sich auf 

sein alltägliches Leben konzentriert habe. Ausserdem habe er während 

etwa dreier Monate respektive während eines Monats bis zweier Monate 

oder einiger Wochen wöchentlich Unterschrift leisten müssen. Aus diesen 

Aussagen lasse sich kein Gesamtbild herstellen. Sein mehrwöchiger Kran-

kenhausaufenthalt und die wöchentliche Meldepflicht würden sich gegen-

seitig ausschliessen. Allein mit seinen Erinnerungsproblemen lasse sich 

auch dieser Widerspruch nicht erklären. Zudem habe er das Verschwinden 

E-8439/2015 

Seite 7 

seiner Freunde in keine schlüssige Chronologie bringen können. Auch sei 

nicht ersichtlich, weshalb die sri-lankischen Behörden im Jahr 2010, mithin 

zwei Jahre nach seiner Freilassung im März 2008, in welchen er die LTTE 

nicht mehr unterstützt habe und nichts Besonderes vorgefallen sei, plötz-

lich wieder Interesse an ihm bekundet haben sollten. Auch seine Flucht 

durch das ganze Land ohne jede persönliche Kontrolle erscheine ange-

sichts der damaligen Lage in Sri Lanka wenig realitätsnah. An den Namen 

im gefälschten Pass habe er sich im Juli 2013 nicht erinnern können, im 

März 2015 dagegen schon. Es sei ihm damit auch vor dem Hintergrund der 

eingereichten ärztlichen Unterlagen nicht gelungen, eine asylrelevante 

Verfolgung glaubhaft zu machen. 

Seine Herkunft aus dem Norden Sri Lankas, sein Alter von (…) im Zeitpunkt 

der Ausreise sowie die Ausreise selbst könnten allenfalls die Aufmerksam-

keit der sri-lankischen Behörden ihm gegenüber bei einer Rückkehr nach 

Sri Lanka erhöhen. Es bestehe aber kein begründeter Anlass zur An-

nahme, er hätte Massnahmen zu befürchten, welche über einen sogenann-

ten Background-Check hinausgehen würden. Es sei nicht von Verfolgungs-

massnahmen auszugehen. An dieser Einschätzung vermöge sein nieder-

schwelliges exilpolitisches Engagement in der Schweiz nichts zu ändern. 

Seine Teilnahme an einer LTTE-freundlichen Kundgebung im (…) und an 

weiteren Anlässen sei keineswegs als extensiv zu bezeichnen und dürfte 

kaum das Interesse der sri-lankischen Behörden geweckt haben. Er erfülle 

daher die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

4.2 In der Beschwerde wurde ausgeführt, dem neuropsychologischen Gut-

achten vom (…) sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer einen In-

telligenzquotient von 78 habe und sich seine kognitiven Leistungen auf 

niedrigem bis niedrigstem Niveau bewegen würden. Insbesondere sei sein 

bildliches Sinnverständnis beeinträchtigt, er verfüge über eine sehr geringe 

Belastbarkeit, schwache Aufmerksamkeit und ein äusserst schwaches lo-

gisch-schlussfolgerndes Denkvermögen. Trotz der intakten Wahrneh-

mungsgenauigkeit bleibe es ihm verwehrt, beobachtete Vorgänge in seiner 

Umwelt in ihrer Bedeutung zu begreifen. Um Details in Erinnerung zu be-

halten, sei sein Gedächtnisraster zu grob. Es sei wahrscheinlich, dass er 

dazu tendiere, Erinnerungslücken durch Konfabulation zu ersetzen, insbe-

sondere wenn er unter Druck stehe. Ob die kognitiven Schwächen durch 

die geschilderten Misshandlungen verstärkt worden seien, lasse sich nicht 

klären. Er sei aber kaum in der Lage, erlebte oder beobachtete Gescheh-

nisse kohärent und in sich geschlossen darzustellen oder sich an deren 

Chronologie zu erinnern. 

E-8439/2015 

Seite 8 

In der ergänzenden Anhörung habe es ihm grosse Schwierigkeiten berei-

tet, sich an die Chronologie der Geschehnisse zu erinnern, und er habe 

seine Unterstützungstätigkeit für die LTTE nicht mehr genau datieren kön-

nen. Dies sei Ausdruck seiner kognitiven Schwäche und werde durch die 

eingereichten Arztberichte erklärt. Dass er Jahreszahlen genannt habe, ob-

wohl er sich nicht habe erinnern können, lasse sich mit der Tendenz zur 

Konfabulation erklären. Er habe jedoch mehrmals betont, dass er sich nicht 

genau erinnern könne. Ausserdem habe er sehr wohl erklärt, wie er in Kon-

takt mit den LTTE gekommen sei. Einerseits sei seine Schulklasse aufge-

fordert worden, sie zu unterstützen, und andererseits habe er später zwei 

Freunde gehabt, welche aktive LTTE-Mitglieder gewesen seien. Er habe 

viel Zeit mit ihnen verbracht und ausserdem weiterhin die LTTE unterstützt. 

Erst durch seine Verhaftung habe er erfahren, dass seine Freunde Mitglie-

der der LTTE gewesen seien.  

Bezüglich der geltend gemachten Inhaftierung habe die Vorinstanz nur auf 

die hauptsächlich chronologischen Widersprüche abgestellt und die ärztli-

chen Diagnosen völlig unberücksichtigt gelassen. Der Beschwerdeführer 

habe die Ereignisse im Militärcamp genau geschildert und mehrere Einzel-

heiten erwähnt. Er habe sich daran erinnert, dass er frühmorgens festge-

nommen worden sei, und habe die Festnahme genau geschildert. Er habe 

erwähnt, dass seine Identitätskarte konfisziert worden sei, dass er sich in 

die Kleider uriniert habe, dass vermummte Tamilen im Camp gewesen 

seien, welche LTTE-Mitglieder identifiziert hätten, dass er dort nicht habe 

schlafen können, weil er ständig befragt worden sei, und dass seine Augen 

die meiste Zeit verbunden gewesen seien. Deshalb habe er sich nicht mehr 

genau erinnern können, wie lange er festgehalten worden sei und ob er im 

Camp übernachtet habe. Dies betreffe jedoch die Chronologie der Ereig-

nisse und werde durch die ärztliche Diagnose erklärt. Die Vorinstanz hätte 

das berücksichtigen müssen. 

Der Einwand der Vorinstanz, dass sich der lange Spitalaufenthalt mit der 

wöchentlichen Meldepflicht nicht vereinbaren lasse, sei unbegründet. Er 

habe korrekt angegeben, dass er zuerst für einige Tage nach Hause zu-

rückgekehrt und danach von seiner Mutter in ein Spital gebracht worden 

sei. Er sei ungefähr einen Monat lang hospitalisiert und danach bettlägerig 

gewesen. Gleichzeitig sei er meldepflichtig gewesen, da sich die sri-lanki-

schen Behörden nicht um seinen Gesundheitszustand geschert hätten. 

Seine Vorbringen würden sich somit nicht gegenseitig ausschliessen. Er 

habe sich auch während des Spitalaufenthaltes einmal pro Woche auf den 

Posten begeben, was für meldepflichtige Personen üblich gewesen sei. 

E-8439/2015 

Seite 9 

Die Vorinstanz moniere, dass er die Chronologie zum Verschwinden seiner 

Freunde nicht korrekt wiedergegeben habe. Dies sei ihm jedoch, wie aus 

dem neuropsychologischen Gutachten hervorgehe, aufgrund seiner kogni-

tiven Fähigkeiten gar nicht möglich gewesen. Indem es dies unbeachtet 

lasse, diskriminiere das SEM den Beschwerdeführer aufgrund seiner 

"mentalen Behinderung". Das gleiche gelte für den Namen im gefälschten 

Pass, was im Übrigen kein zentraler Punkt seiner Vorbringen sei. Schliess-

lich sei er auf dem Weg nach Colombo nicht kontrolliert worden, da der 

Schwiegervater seines Onkels die Kontrolleure an den Checkpoints besto-

chen habe. 

Aus seinen Aussagen könne demnach nicht auf die Unglaubhaftigkeit sei-

ner Vorbringen geschlossen werden. Seine Schilderungen seien glaubhaft 

und würden mit den Länderberichten zur Situation in Sri Lanka überein-

stimmen. Ausserdem habe das SEM nicht berücksichtigt, dass verschie-

dene Arztberichte seine von der Folter herrührenden Rückenschmerzen 

bestätigen würden, und dass ein Polizeibericht eingereicht worden sei, wel-

cher die Suche nach dem Beschwerdeführer belege. Die Vorinstanz habe 

den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht hin-

reichend Rechnung getragen und nicht beachtet, dass er die einzelnen Er-

eignisse an sich glaubhaft geschildert habe und persönlich glaubwürdig 

sei. So habe er mehrmals auf seine Gedächtnisschwäche hingewiesen und 

immer wieder versucht, sich an die Chronologie zu erinnern. Es liege auf 

der Hand, dass er weitaus geschickter vorgegangen wäre, wenn er die 

Handlungen erfunden hätte. 

Beim Beschwerdeführer würden mehrere Risikofaktoren vorliegen, welche 

auf eine begründete Furcht vor Verfolgung hindeuten würden. Insbeson-

dere habe er die LTTE unterstützt, und er wäre ein aus der Schweiz zu-

rückkehrender abgewiesener Asylbewerber. Zudem sei dem eingereichten 

Polizeirapport zu entnehmen, dass er gesucht werde. Selbst wenn es sich 

bei seiner Unterstützung der LTTE um untergeordnete Tätigkeiten gehan-

delt habe, würde er als Tamile bei einer Einreise ins Visier der sri-lanki-

schen Behörden gelangen. Er würde ohne Reisepass reisen, wäre als ab-

gewiesener Asylsuchender erkennbar, würde befragt und als LTTE-Sym-

pathisant identifiziert und wahrscheinlich gefoltert werden. Zudem werde 

der Norden Sri Lankas de facto noch immer vom Militär regiert, und die 

Überwachung durch Sicherheitskräfte halte an. 

Er habe in der Schweiz an zahlreichen Demonstrationen gegen das sri-

lankische Regime teilgenommen und bei der Organisation von Anlässen 

E-8439/2015 

Seite 10 

geholfen. Da die sri-lankische Diaspora überwacht werde, wäre er wegen 

seiner exilpolitischen Aktivitäten bei einer Rückkehr nach Sri Lanka zusätz-

lich gefährdet. Er erfülle demnach die Flüchtlingseigenschaft und es sei ihm 

Asyl zu gewähren, eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

4.3 Das SEM führte in der Vernehmlassung aus, auch bei gesuchstellen-

den Personen mit kognitiven oder psychischen Defiziten sei eine Glaub-

haftigkeitsprüfung vorzunehmen. Die Prädispositionen der Person seien 

bei der Gewichtung zu berücksichtigen. Die beim Beschwerdeführer diag-

nostizierte leichte Intelligenzminderung, die schwache Gedächtnisleistung 

und die festgestellte Schwierigkeit, die Bedeutung beobachteter Vorgänge 

zu begreifen, seien im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt 

worden. Es sei von ihm kein schlussfolgerndes Denken oder Erkennen 

übergeordneter Zusammenhänge verlangt worden, sondern es sei um die 

blosse Wiedergabe von Selbsterlebtem gegangen. Zwar werde ihm auch 

diesbezüglich ein Defizit attestiert, im angefochtenen Entscheid sei indes-

sen nicht auf Details oder Nebensächlichkeiten abgestellt worden. Viel-

mehr hätten seine Angaben in den Kernpunkten direkte Widersprüche ent-

halten. Es dürfe jedoch trotz der geschilderten Defizite erwartet werden, 

dass er beispielsweise anzugeben vermöge, ob er zu Fuss oder in einem 

Auto ins Camp gebracht worden sei und ob er dort übernachtet habe oder 

nicht. 

Es treffe nicht zu, dass er angegeben habe, nach der Freilassung zunächst 

für einige Tage nach Hause gegangen und danach von seiner Mutter ins 

Spital gebracht worden zu sein. Auch erschliesse sich nicht, dass er sich 

in der ersten Anhörung nicht an den Namen im Pass erinnert habe, ihm 

dieser aber zwei Jahre später wieder eingefallen sei. Auch unter Berück-

sichtigung seiner kognitiven Defizite würden seine Vorbringen den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. Dass er einerseits auf-

grund seiner kognitiven Einschränkung nicht in der Lage sei, seine eigene 

Lebensgeschichte einigermassen kohärent wiederzugeben, und ander-

seits in der Schweiz politische Anlässe organisiert haben solle, sei unwahr-

scheinlich. Schliesslich sei der eingereichte Polizeirapport von geringem 

Beweiswert, zumal der darin enthaltene Vorwurf, er gehöre dem LTTE-Ka-

der an, mit seinen Vorbringen nicht vereinbar sei. 

4.4 Der Beschwerdeführer replizierte, die Glaubhaftigkeitsprüfung sei den 

besonderen Umständen nicht angepasst und es sei hauptsächlich auf Wi-

dersprüche in der Chronologie der Ereignisse abgestellt worden. Bei der 

Inhaftierung und den in der Haft erlittenen Misshandlungen handle es sich 

E-8439/2015 

Seite 11 

um traumatisierende Ereignisse, was bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu 

berücksichtigen sei und seine widersprüchlichen Angaben erkläre. Mit der 

Aussage, er habe sich nach der Freilassung auf sein alltägliches Leben 

konzentriert, habe er sagen wollen, dass er keinen Kontakt mehr zu LTTE-

Mitgliedern gehabt habe. Dies schliesse den vorgebrachten Krankenhaus-

aufenthalt nicht aus. Bei der Organisation von exilpolitischen Anlässen 

habe er lediglich mitgeholfen, was unter Berücksichtigung seines psychi-

schen Defizits sehr wohl plausibel sei. Sodann entziehe es sich dem Wis-

sen des Beschwerdeführers, aus welchen Gründen die Polizei ihn als Ka-

dermitglied der LTTE bezeichnet habe. Vermutlich wegen seiner Freund-

schaft zu zwei LTTE-Mitgliedern und seiner Hilfeleistungen, und weil die 

Polizei damit seine Festnahme habe legitimieren können.  

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt zunächst fest, dass entgegen der 

Einschätzung des Beschwerdeführers keine Hinweise dafür bestehen, das 

SEM habe seiner diagnostizierten Intelligenzminderung respektive seinem 

kognitiven Defizit nicht angemessen Rechnung getragen. Im Gegenteil 

ergibt sich aus den Akten, dass seine Gedächtnisschwierigkeiten in der er-

gänzenden Anhörung thematisiert und bei der Fragestellung berücksichtigt 

wurden. Er wurde nicht nur gefragt, wie sich die Gedächtnisschwierigkeiten 

äusserten und wie sich die ärztliche Behandlung gestalte (vgl. A33 F7 ff.), 

sondern auch darauf hingewiesen, dass es kein Problem sei, wenn er sich 

an etwas nicht erinnern könne (vgl. A33 F18), dass ihm wegen der nicht im 

Dossier befindlichen Dokumente kein Vorwurf gemacht werde und man ihn 

nicht in die Enge treiben wolle (vgl. A33 F89 ff.). Die Fragen waren einfach 

strukturiert, leicht verständlich und knüpften immer wieder ausdrücklich an 

seine Aussagen an, so dass er kaum den Faden verlieren konnte. Dies 

dürfte ihm die Bewältigung der Befragungssituation erheblich erleichtert 

haben. Dass angemessen auf ihn eingegangen und die Anhörung seinen 

Fähigkeiten angepasst wurde, wird durch die Bemerkung der Hilfswerks-

vertretung bestätigt, wonach die Anhörung fair und korrekt durchgeführt 

worden und das Anhörungsklima ruhig und entspannt gewesen sei, so 

dass er frei und ohne Angst habe erzählen können (vgl. A33 S. 14). 

In der angefochtenen Verfügung wurde explizit auf die ärztlichen Berichte 

Bezug genommen und festgehalten, an Struktur und Chronologie der 

Schilderungen dürften keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden. 

Verschiedentlich wurde sodann darauf hingewiesen, dass davon ausge-

gangen werde, dass der Beschwerdeführer die vorgebrachten Erlebnisse 

trotz seiner kognitiven Beeinträchtigung zumindest in groben Zügen habe 

E-8439/2015 

Seite 12 

darlegen können und dass sich die Widersprüche mit dem Hinweis auf Ge-

dächtnisprobleme nicht erklären liessen. Es ist deshalb festzustellen, dass 

das SEM die kognitive Beeinträchtigung des Beschwerdeführers zur 

Kenntnis nahm und in den Erwägungen angemessen berücksichtigte. 

5.2  

5.2.1 Der Beschwerdeführer beanstandete, die in der angefochtenen Ver-

fügung aufgezeigten Widersprüche würden sich grösstenteils auf die Chro-

nologie beziehen. Dem ist zu widersprechen. So ist beispielsweise die 

Feststellung, dass nicht ersichtlich sei, wie der Kontakt zu den LTTE zu-

stande gekommen sei, nicht von einer chronologischen Einordnung abhän-

gig. Selbst wenn die Frage der Chronologie ausgeklammert wird, erstaunt, 

dass der Beschwerdeführer einerseits angab, die LTTE vor seiner Verhaf-

tung bereits jahrelang unterstützt zu haben (A15 F75 und F83 f.), anderer-

seits aber ausführte, erst kurz vor der Verhaftung damit begonnen zu ha-

ben (vgl. A33 F28 f.). Auch der Widerspruch hinsichtlich des Ortes der vor-

gebrachten Festnahme und der Frage, wie er ins Armeecamp gebracht 

worden sei, hat nichts mit der Chronologie der Ereignisse zu tun. Die Erin-

nerungsschwierigkeiten des Beschwerdeführers vermögen nicht zu erklä-

ren, weshalb er diesbezüglich völlig unterschiedliche Szenen schilderte. In 

der angefochtenen Verfügung wurde sodann nicht darauf beharrt, dass er 

hätte wissen müssen, wie lange er genau im Camp gewesen sei, sondern 

im Sinne einer Gesamtwürdigung festgehalten, dass hätte erwartet werden 

können, er könne den groben Ablauf der Inhaftierung wiedergeben, was 

nicht zu beanstanden ist. Das vorinstanzliche Argument, der mehrwöchige 

Krankenhausaufenthalt sei mit der gleichzeitigen Meldepflicht nicht verein-

bar, beschlägt zwar indirekt die Chronologie, zeigt aber in erster Linie einen 

Widerspruch in seinen Schilderungen der Ereignisse direkt nach seiner 

Freilassung auf. So sprach er einerseits von der Meldepflicht, welche ihm 

verunmöglicht habe, nach Jaffna oder Colombo zu reisen (vgl. A15 F59 

und F69 f.), und gab an, einige Tage zu Hause geblieben zu sein und sich 

auf sein alltägliches Leben konzentriert zu haben (vgl. A33F46 ff.). Ande-

rerseits erwähnte er einen Krankenhausaufenthalt, welchen er jedoch we-

der zeitlich noch inhaltlich-logisch mit der Meldepflicht in Verbindung 

brachte (vgl. A15 F5 und F90). Die Behauptung in der Beschwerde, er sei 

seiner Meldepflicht vom Krankenhaus aus nachgekommen, ist daher zu 

bezweifeln. Angesichts seiner kognitiven Fähigkeiten ist dagegen durchaus 

nachvollziehbar, dass er das Verschwinden seiner Freunde chronologisch 

nicht richtig einordnete und dazu widersprüchliche Angaben machte, wes-

halb den diesbezüglichen Widersprüchen kein grosser Stellenwert beizu-

messen ist. Demgegenüber vermochte er auch in der Beschwerde nicht 

E-8439/2015 

Seite 13 

glaubhaft darzulegen, weshalb sich die sri-lankische Armee im Jahr 2010 

plötzlich wieder für ihn interessiert haben sollte, nachdem er die LTTE seit 

seiner Freilassung nie mehr unterstützt habe. Diese Unstimmigkeit hängt 

nicht mit der Chronologie der Ereignisse zusammen und lässt sich auch 

nicht mit seinem schlechten Erinnerungsvermögen erklären. 

Es ist nach dem Gesagten nicht ersichtlich, dass das SEM unzulässiger-

weise auf Widersprüche abgestellt hätte, welche seiner Unfähigkeit der 

korrekten chronologischen Wiedergabe von Erlebnissen zuzuschreiben 

waren. Die Behauptung, die ärztlichen Diagnosen seien unberücksichtigt 

geblieben, trifft nicht zu. Ausserdem stellt das Gericht fest, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelang, die zahlreichen grundlegenden und von 

der chronologischen Einordnung unabhängigen Widersprüche in seinen 

Vorbringen aufzulösen.  

5.2.2 Im ärztlichen Bericht des D._______ vom (…) wurde unter anderem 

der Verdacht auf eine leichte Intelligenzminderung oder Normalintelligenz 

im unteren Bereich geäussert, wobei die Intelligenz nicht abgeklärt worden 

sei. Der Beschwerdeführer wurde als wach und bewusstseinsklar beschrie-

ben, das formale Denken scheine abgesehen von gelegentlichem "Vorbei-

reden" logisch und kohärent. Es wurde beobachtet, dass er mit der zeitli-

chen Einordnung von Ereignissen Schwierigkeiten habe und häufig Wider-

sprüche aufgetreten seien. Das neuropsychologische Gutachten vom (…) 

stellte beim Beschwerdeführer kognitive Leistungen auf niedrigem bis nied-

rigstem Niveau und einen Intelligenzquotienten von 78 fest, was nur ein 

sehr bescheidenes Erkennen von Zusammenhängen und Schlussfolgern 

von einem Sachverhalt auf einen anderen zulasse. Aufgrund seines 

schwachen Sinnverständnisses bleibe es ihm verwehrt, beobachtete Vor-

gänge in ihrer Bedeutung zu begreifen. Sein Gedächtnisraster sei zu grob, 

um Details einer erzählten Geschichte in Erinnerung zu behalten, und es 

werde begreiflich, dass er sich an länger zurückliegende Ereignisse sehr 

schlecht erinnern könne. Bei einem rudimentären Gedächtnis sei zudem 

die Tendenz wahrscheinlich, Erinnerungslücken durch Konfabulationen zu 

ersetzen. Er sei aufgrund seiner kognitiven Fähigkeiten kaum in der Lage, 

beobachtete oder ihm widerfahrene Geschehnisse kohärent und in sich 

geschlossen darzustellen, geschweige denn sich an die Chronologie der 

Ereignisse zu erinnern. 

Aufgrund dieser Berichte ist zu anerkennen, dass es dem Beschwerdefüh-

rer schwer fällt, Erlebnisse in einen logischen und zeitlich richtigen Zusam-

menhang zu setzen. Indessen kann davon ausgegangen werden, dass er 

E-8439/2015 

Seite 14 

grundsätzlich in der Lage ist, Erlebtes wiederzugeben, soweit er sich noch 

daran zu erinnern vermag. Angesichts der leichten Intelligenzminderung ist 

demnach nicht anzunehmen, er wäre ausserstande gewesen, seine Asyl-

gründe im Kern nachvollziehbar vorzubringen. Wie bereits festgestellt 

wurde (vgl. E. 5.2.1 vorstehend), machte der Beschwerdeführer unabhän-

gig von der chronologischen Einordnung und den Gedächtnislücken grund-

legend widersprüchliche Angaben, welche sich mit der Intelligenzminde-

rung nicht erklären lassen. Dass er zu Konfabulationen neigen dürfte, kann 

zwar widersprüchliche Aussagen erklären, führt jedoch unweigerlich zum 

Schluss, er habe seine Vorbringen erdichtet, was diese nicht glaubhafter 

erscheinen lässt. Das Argument in der Beschwerde, er wäre weitaus ge-

schickter vorgegangen, wenn er seine Vorbringen erfunden hätte, vermag 

vor dem Hintergrund seiner Schwierigkeiten, sich Geschichten zu merken, 

nicht zu überzeugen. Vielmehr dürfte es für ihn deutlich schwieriger sein, 

sich an eine erfundene Geschichte zu erinnern, als tatsächliche Erlebnisse 

– wenngleich allenfalls mit Erinnerungslücken – wiederzugeben.  

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt in Übereinstimmung mit der 

Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen 

ist, eine asylrelevante Verfolgung in Sri Lanka glaubhaft zu machen. Trotz 

seines kognitiven Defizites lassen seine widersprüchlichen Angaben be-

rechtigte und erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Vorbringen 

entstehen. Selbst wenn zu seinen Gunsten angenommen wird, er sei tat-

sächlich einmal im Rahmen eines Round-ups festgenommen worden, fehlt 

aufgrund seiner Schilderungen jeglicher Hinweis auf ein tatsächliches Ver-

folgungsinteresse der sri-lankischen Armee an seiner Person. Der Polizei-

rapport vom (…) wurde lediglich als Telefax eingereicht, so dass seine 

Echtheit nicht überprüft werden kann. Zudem brachte der Beschwerdefüh-

rer nicht vor, es habe der Verdacht bestanden, er gehöre zum Kader der 

LTTE, und er wäre wohl in diesem Fall von der Armee nicht bereits nach 

so kurzer Zeit freigelassen worden. Soweit in der Beschwerde argumentiert 

wird, seine von der Folter herrührenden Rückenschmerzen würden durch 

verschiedene Arztberichte bestätigt, ist darauf hinzuweisen, dass die Arzt-

berichte zwar die Rückenschmerzen und die anamnestisch erfragte Ursa-

che aufzeigen können, nicht aber die konkrete Ursache respektive die Ver-

ursacher der Verletzung. Mithin lässt sich aus den attestierten Schmerzen 

nicht auf eine drohende Verfolgung in Sri Lanka schliessen. 

Schliesslich ist erneut zu betonen, dass die angefochtene Verfügung nicht 

darauf hindeutet, das SEM habe zu starkes Gewicht auf möglichst exakte 

E-8439/2015 

Seite 15 

Daten und vollständig deckungsgleiche Aussagen gelegt. Der Beeinträch-

tigung des Beschwerdeführers wurde im Gegenteil angemessen Rechnung 

getragen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung vermochte er trotz gross-

zügiger Betrachtung und Rücksichtnahme auf seine attestierte Intelligenz-

minderung nicht glaubhaft zu machen. Es ist deshalb festzustellen, dass er 

im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka nicht im Sinne des Flüchtlings-

begriffs von Art. 3 AsylG verfolgt war. 

5.4 Der Beschwerdeführer machte geltend, wegen exilpolitischer Tätigkei-

ten gefährdet zu sein. Es ist daher zu prüfen, ob er die Flüchtlingseigen-

schaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt. 

5.4.1 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-

son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder 

wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-

den erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 und 2009/29 E. 5.1). 

5.4.2 Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe sich seit seiner Ankunft 

in der Schweiz exilpolitisch rege betätigt, indem er an zahlreichen De-

monstrationen gegen die sri-lankische Regierung teilgenommen und bei 

der Organisation von Anlässen mitgeholfen habe. Er reichte Fotos und In-

ternetausdrucke ein, auf welchen er zu sehen sei. 

Aufgrund der eingereichten Unterlagen ist nicht ersichtlich, dass sich der 

Beschwerdeführer im Rahmen seiner Teilnahme an Demonstrationen ex-

poniert hätte. Auf dem aufgeführten, auf der Internetplattform YouTube 

publizierten Video ist er als Mitläufer einer Demonstration zu sehen, und 

auch die eingereichten Fotografien zeigen ihn als einfachen Demonstrati-

onsteilnehmer. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern er anhand dieser Bilder 

oder anhand des Videos namentlich identifiziert werden könnte. Bezüglich 

der vorgebrachten Mithilfe bei der Organisation von Anlässen liegen dem 

Gericht keine Dokumente vor, welche eine exponierte Tätigkeit und eine 

namentliche Identifizierbarkeit vermuten lassen würden. Eine erkennbare, 

exponierte politische Tätigkeit vermochte der Beschwerdeführer damit 

nicht glaubhaft zu machen. Durch diese als niederschwellig zu bezeich-

nende Aktivität dürfte er nicht ins Visier der sri-lankischen Sicherheitskräfte 

geraten sein oder deren Interesse geweckt haben. 

E-8439/2015 

Seite 16 

5.4.3 Er machte weiter geltend, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefähr-

det zu sein, weil er ein Risikoprofil erfülle, weshalb angenommen werden 

müsse, dass er bei der Einreise verhaftet und in der Folge gefoltert würde. 

Einzig aus seinem Alter von heute (…) Jahren, seinem mehrjährigen Aus-

landaufenthalt und dem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren kann nicht 

auf eine ernstzunehmende Gefahr von Verhaftung und Folter geschlossen 

werden. Zurückkehrende tamilische Asylsuchende sind gemäss Kenntnis 

des Gerichts und geltender Rechtsprechung nicht generell in asylrelevan-

ter Weise gefährdet. Die Gefährdung ist vielmehr vom Vorliegen weiterer 

Risikofaktoren abhängig. Hinsichtlich einer erhöhten Gefährdung im Zu-

sammenhang mit einer Unterstützung der LTTE ist festzustellen, dass beim 

Beschwerdeführer kein derartiger Risikofaktor besteht, zumal die behaup-

tete Verbindung zu den LTTE nicht geglaubt werden kann und er die an-

geblich erlittenen staatlichen Eingriffe nicht glaubhaft darzulegen ver-

mochte (vgl. E. 5.2 vorstehend). Es ergeben sich sodann keine Hinweise 

dafür, er würde bei einer Rückkehr als besonders wohlhabende Person 

wahrgenommen und wäre somit einem erhöhten Entführungs- und Erpres-

sungsrisiko ausgesetzt. Die Zugehörigkeit zu einer besonders gefährdeten 

Gruppe von rückkehrenden Asylsuchenden ist daher nicht gegeben.  

5.4.4 Nach dem Gesagten ist das Bestehen subjektiver Nachfluchtgründe 

zu verneinen. 

5.5 Das Bundesverwaltungsgericht erkennt somit, dass der Beschwerde-

führer keine ihm drohende, asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 und 7 AsylG glaubhaft machen konnte, weshalb das SEM zu Recht 

die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

E-8439/2015 

Seite 17 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, 

regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den Bestimmungen über 

die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Entscheid des SEM vom 27. Novem-

ber 2015 wegen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenom-

men. Ausführungen zum Wegweisungsvollzug erübrigen sich demnach. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm die unentgeltliche Pro-

zessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

9.2 Nachdem dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertreterin als amtliche 

Beiständin beigeordnet wurde, ist ihr ein angemessenes Honorar auszu-

richten. Die eingereichte Kostennote vom 2. Februar 2016 weist einen 

Stundenansatz von Fr. 250.– auf. Dieser ist indes praxisgemäss (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-5563/2014 vom 29. Mai 2015 m.w.H.) 

auf Fr. 200.– zu kürzen. Nachdem der zeitliche Vertretungsaufwand ange-

messen erscheint, ist der Rechtsvertreterin für ihre Bemühungen im Be-

schwerdeverfahren zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar in der 

Höhe von Fr. 1760.30 (inklusive ausgewiesene Auslagen und Mehrwert-

steueranteil) auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-8439/2015 

Seite 18 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers wird zu Las-

ten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1760.30 ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Stöckli Sarah Straub