# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 616d843e-68c7-58c1-a40e-42852d9730a1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.04.2012 SB110126
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110126_2012-04-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB110126-O/U/eh 
 
 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, lic. iur. R. Naef und 

Ersatzoberrichter lic. iur. E. Leuenberger sowie die juristische  

Sekretärin lic. iur. C. Semadeni 

 

Urteil vom 21. April 2011 und vom 17. April 2012 
(Schuldinterlokut im Sinne von § 250 StPO/ZH) 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Angeklagter und Appellant 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin Dr. iur. U. Frauenfelder Nohl,  

Anklägerin und Appellatin 

 

betreffend  
Urkundenfälschung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom  
4. Oktober 2010 (DG100217) 
 
 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 15. April 2010 ist  

diesem Urteil beigeheftet (Urk. HD 16). 

Entscheid der Vorinstanz: 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig 

− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

− der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

− der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB gemäss ND 1. 

3. Der Angeklagte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon  

10 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben  

und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich  

10 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe voll-

zogen. 

5. Der Angeklagte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten 

B._____ (ND 1) Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab  

23. September 2008 zu bezahlen. 

6. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) für das  

gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 

7.6%) zu bezahlen. 

 

-   3   - 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.     Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr.     Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 6'403.30   amtliche Verteidigung  
 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  

Angeklagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die  

Gerichtskasse genommen. 

9. (Mitteilung) 

10. (Rechtsmittel) 

 

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. November 2009  

beschlagnahmten Fr. 46'655.85 werden definitiv beschlagnahmt und nach Eintritt der 

Rechtskraft dem Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine  

Schadenersatzforderung gemäss Urteilsdispositiv Ziff. 5 auf erstes Verlangen über-

wiesen. 

2. (Mitteilung) 

3. (Rechtsmittel)“ 

 

 

 

 

-   4   - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 3 f.) 

a) Der Verteidigung des Angeklagten: 

 (Urk. 66) 

1. Beim Vorwurf der versuchten Erpressung (ND2) sei von einer  

Bestrafung des Beschuldigten A._____ abzusehen. 

2. Der Beschuldigte A._____ sei vom Vorwurf der Veruntreuung im An-

klagepunkt ND3 freizusprechen. 

3. A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu bestrafen un-

ter Gewährung des bedingten Strafvollzuges, unter  

Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren; 

 eventualiter sei eine sachverständige Begutachtung des Beschuldigten 

und Appellanten seine Spielsucht betreffend anzuordnen und eine  

allfällige unbedingte Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme 

i.S.v. Art. 63 StGB aufzuschieben.  

 [recte: den eventualiter gestellten Antrag hat die Verteidigung anläss-

lich der Berufungsverhandlung vom 21.04.2011 zurückgezogen, vgl. 

Prot. II. S. 29 f.] 

4. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens sowie die  

Verteidigungskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich; Urk. 55) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

-   5   - 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

Mit Entscheid des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 4. Oktober 2010 

wurde auf die Anklage vom 15. April 2010 gegen den Angeklagten A._____ be-

treffend versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB gemäss HD (Anklage Ziffer I) nicht eingetreten. Der Ange-

klagte A._____ wurde der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 

Abs. 2 StGB, der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 

Abs. 2 StGB, der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und der Veruntreuung im  

Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit 30 Monaten 

Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 10 Tagen Untersuchungshaft bestraft. Der 

Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und 

die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate abzüglich 10 Tage, 

die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wurde die Freiheitsstrafe als voll-

ziehbar erklärt. Vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB 

gemäss ND 1 wurde der Angeklagte freigesprochen. Zudem wurde der Angeklag-

te gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) 

Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab 23. September 2008 zu be-

zahlen. Schliesslich wurde der Angeklagte verpflichtet, dem Geschädigten 

B._____ (ND 1) für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von 

Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 7.6%) zu bezahlen. Mit Beschluss vom gleichen 

Tag wurden die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 

4. November 2009 beschlagnahmten Fr. 46'655.85 definitiv beschlagnahmt, und 

es wurde entschieden, dass dieser Betrag nach Eintritt der Rechtskraft dem  

Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine Schadenersatzforderung 

gemäss Urteilsdispositiv Ziff. 5 auf erstes Verlangen zu überweisen sei. 

 

-   6   - 

2. Anwendbares Recht 

Per 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) 

in Kraft getreten. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel gegen  

Entscheide, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden sind, nach 

bisherigem Recht und von den bisher zuständigen Behörden beurteilt. Demnach 

sind vorliegend als Prozessrecht die Zürcher Strafprozessordnung (StPO/ZH; 

LS 321) sowie das Zürcher Gerichtsverfassungsgesetz (GVG/ZH; LS 211.1)  

anwendbar. 

3. Rechtskraft 

3.1 Gegen den vorerwähnten Entscheid des Bezirksgerichtes Zürich vom 

4. Oktober 2010 liess der Angeklagte durch Eingabe seines Verteidigers vom  

5. Oktober 2010 (Urk. 41) und mithin rechtzeitig (Prot. I S. 25 f. und Urk. 40/1)  

Berufung erheben. 

3.2 Fristgerecht (Urk. 40/1) liess der Angeklagte unter dem 4. Januar 2011 

(Urk. 50) seine Beanstandungen am erstinstanzlichen Entscheid vortragen. Dem-

entsprechend richtet sich die Berufung des Angeklagten gegen den Schuldspruch 

in Bezug auf die versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in  

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und die Veruntreuung im Sinne von Art. 138 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 3). Konkludent ist damit auch die vorinstanzliche Straf-

zumessung angefochten. Schliesslich wird eine Begutachtung des Angeklagten 

und sinngemäss eine Behandlung des Angeklagten beantragt. Dieser Beweis-

antrag wurde mit Eingabe vom 28. März 2011 (Urk. 64) mit dem Hinweis auf eine 

laufende therapeutische Behandlung des Angeklagten erneuert.  

3.3 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. April 2011 beantragte die 

Verteidigung die Bestrafung des Angeklagten mit einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 24 Monaten. Eventualiter sei eine sachverständige Begutachtung des  

Angeklagten - dessen Spielsucht betreffend - anzuordnen und eine allfällige  

unbedingte Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme aufzuschieben  

(Urk. 66 S. 1). Der Eventualantrag wurde von der Verteidigung jedoch im Laufe 

-   7   - 

der Berufungsverhandlung wieder zurückgezogen (Prot. II S. 30). Ein schriftlicher 

Bericht der Therapeutin Dr. phil. C._____ des Zentrums für Spielsucht und andere 

Verhaltenssüchte vom 18. April 2011 wurde am 21. April 2011 eingereicht 

(Urk. 67). Auf diesen Beweisantrag wird im Folgenden trotzdem näher einzu-

gehen sein, da das Gericht die Notwendigkeit einer Begutachtung des Angeklag-

ten wie auch eine mögliche Massnahme von Amtes wegen zu prüfen hat.  

3.4 Dementsprechend ist festzustellen, dass der erstinstanzliche Entscheid wie 

folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Das Gericht beschliesst: 

1.  Auf die Anklage betreffend versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gemäss HD (Anklage Ziffer I) wird nicht einge-

treten. 

2. (Mitteilung) 

3. (Rechtsmittel) 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig 

- der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

- ...  

- ... 

2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB gemäss ND 1. 

3. (…) 

4. (…)  

-   8   - 

5. Der Angeklagte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten 

B._____ (ND 1) Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab  

23. September 2008 zu bezahlen. 

6. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) für das  

gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 

7.6%) zu bezahlen. 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen* betragen: 

Fr.     Kosten der Kantonspolizei (falls vorhanden) 

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung (zwingend, ansonsten an Kasse wen-

 Fr.     Auslagen Untersuchung (zwingend, ansonsten an Kasse wenden!) 

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 6'403.30   amtliche Verteidigung  

  Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  

Angeklagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die  

Gerichtskasse genommen. 

9. (Mitteilung) 

10. (Rechtsmittel) 

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. November 2009  

beschlagnahmten Fr. 46'655.85 werden definitiv beschlagnahmt und nach Eintritt  

der Rechtskraft dem Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine  

Schadenersatzforderung gemäss Urteilsdispositiv Ziff. 5 auf erstes Verlangen über-

wiesen. 

2. (Mitteilung) 

3. (Rechtsmittel)" 

 

-   9   - 

4. Schuldinterlokut und Anordnung einer sachverständigen Begutachtung 

4.1 Wie unter vorstehend Ziff. 3.3 erwähnt hat das Gericht unabhängig des von 

der Verteidigung zurückgezogenen Eventualantrages die Notwendigkeit einer  

Begutachtung des Angeklagten wie auch eine mögliche Massnahme von Amtes 

wegen zu prüfen.  

4.1.1 Gemäss Art. 20 StGB hat das Gericht eine sachverständige Begutachtung 

eines Angeklagten nur anzuordnen, wenn ernsthafter Anlass zu Zweifeln an 
der Schuldfähigkeit besteht, dann aber stets (Felix Bommer in BSK StGB  
II, 2.A., Basel 2007, N 7 zu Art. 20 StGB und Trechsel, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ St. Gallen 2008, N 2 zu Art. 20 StGB). Das 

Gesetz schreibt dem Gericht die Art und Weise vor, wie berechtigte Zweifel daran, 

ob der Angeklagte eine Straftat im Zustand voller Schuldfähigkeit begangen hat, 

zu beseitigen sind: Nicht dadurch, dass das Gericht die Zweifel einfach beiseite 

schiebt und auch nicht durch den Versuch, sie selber zu klären, etwa durch Ver-

wertung bereits vorhandenen eigenen Wissens oder durch Beizug psychiatrischer 

Fachliteratur. Vielmehr ist in diesem Fall ein Sachverständiger beizuziehen, der 

das für die Entscheidung nötige Fachwissen vermittelt und eine Diagnose stellt. 

Der Weg vom Zweifel zur prozessualen Gewissheit führt ausschliesslich über den 

Sachverständigen (Felix Bommer in BSK StGB II, 2.A., Basel 2007, N 8 zu Art. 20 

StGB). Soweit solche Zweifel vorliegen, statuiert Art. 20 StGB einen bundesrecht-

lichen Anspruch auf Begutachtung: Wenn ernsthafter Anlass zu Zweifel an der 

Schuldfähigkeit besteht, muss das Gericht den Angeklagten auf seine Schuld-

fähigkeit hin untersuchen lassen.   

 

Die Neufassung von Art. 20 StGB stellt ausser Frage, dass die Anordnung eines 

Gutachtens nicht nur dann verlangt ist, wenn das Gericht tatsächliche Zweifel an 

der Schuldfähigkeit hat, sondern auch dann, wenn das Gericht solche nach den 

Umständen des Falls haben müsste (vgl. BGE 133 IV 145 E. 3.3.); entscheidend 

ist die objektive Sachlage. Das Gericht darf Zweifel nicht unterdrücken, wenn  

Umstände vorliegen, die solche normalerweise aufdrängen. An der früheren  

Praxis, dass sich dem Richter Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten so 

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gebieterisch aufdrängen müssten, dass er sie schlechterdings nicht unterdrücken 

darf, hält das Bundesgericht nicht mehr fest; dieser Praxis ist mittlerweile auch  

unter dem Gesichtspunkt des neuen Gesetzeswortlautes (Art. 20 StGB) die 

Grundlage entzogen (Felix Bommer in BSK StGB II, 2.A., Basel 2007, N 9 zu  

Art. 20 StGB ).   

Die Notwendigkeit, einen Sachverständigen zuzuziehen, ist erst gegeben, wenn 

Anzeichen vorliegen, die geeignet sind, Zweifel hinsichtlich der vollen Schuld-

fähigkeit zu erwecken, wie etwa ein Widerspruch zwischen Tat und Täterpersön-

lichkeit oder völlig unübliches Verhalten (BGE 132 IV 29 E. 5.1. samt weitern 

Hinweisen auf die Rechtsprechung), daran hat sich auch mit der Gesetzesrevision 

nichts geändert. Bei Prüfung dieser Zweifel ist zu berücksichtigen, dass nicht jede 

geringfügige Herabsetzung der Fähigkeit sich zu beherrschen, genügt, um ver-

minderte Zurechnungsfähigkeit anzunehmen. Der Betroffene muss vielmehr,  

zumal der Begriff des normalen Menschen nicht eng zu fassen ist, in hohem  

Masse in den Bereich des Abnormen fallen. Seine Geistesverfassung muss nach 

Art und Grad stark vom Durchschnitt nicht bloss der Rechts-, sondern auch der 

Verbrechensgenossen abweichen (BGE 133 IV 145 E. 3.3. mit Hinweisen). Zeigt 

das Verhalten des Täters vor, während und nach der Tat, dass ein Realitätsbezug 

erhalten war, dass er sich an wechselnde Erfordernisse der Situation anpassen, 

auf eine Gelegenheit zur Tat warten oder dies gar konstellieren konnte, so hat ei-

ne schwere Beeinträchtigung nicht vorgelegen (BGE 133 IV 145 E. 3.3.; BGE 132 

IV 29 E. 5.1.; BGE 116 IV 273 E. 4a).  

Die Frage, ob eine Massnahme anzuordnen sei, begründet selbständig eine  

Begutachtungspflicht (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-

kommentar, Zürich/ St. Gallen 2008, N 3 zu Art. 20 StGB).  

 

4.1.2 Schon zu Beginn der Untersuchung war das Spielverhalten des Angeklag-

ten Thema. Lange vor Beizug eines Verteidigers (per 30. Juni 2009) erwähnte der 

Angeklagte beim Bezirksamt Baden am 5. Mai 2009 (Urk. HD 13/5 S. 2), dass  

er seit rund zwei Jahren jeweils den gesamten Lohn in Casinos und durch Lotto-

spiel verspiele. Er habe Schulden bei den Eltern. Er habe in der letzten Zeit  

-   11   - 

ca. Fr. 1,1 Millionen verspielt. Den gesamten Deliktserlös habe er verspielt  

(Urk. HD 13/5 S. 3).  

Im Mai 2009 schrieb der Angeklagte auch an den Untersuchungsrichter und legte 

damit Zeugnis von seinem exorbitanten Spielverhalten ab (Urk. ND 1/9/5).  

 

Auch bei der Kantonspolizei … sagte der Angeklagte in gleicher Weise aus. Er 

habe Geld weggenommen und dieses verspielt. Er habe gehofft, dass er mit den 

hohen Einsätzen im Lotto, vor allem im Systemlotto, das 10-fache zurückholen 

könnte. Er habe sicher für Fr. 600'000.-- Lotto gespielt und habe  

ca. Fr. 90'000.-- Spielschulden gehabt. Er habe seit über zwei Jahren über seine 

Verhältnisse gespielt (Urk. ND 1/5/1 S. 2). Mit dem Geld des Geschädigten 

B._____ habe eine intensive Zeit begonnen. Der Angeklagte habe Mittwoch, Frei-

tag und Samstag Lotto gespielt und habe sich jeweils bis 04.00 Uhr in Casinos 

aufgehalten. Er habe seinen Job vernachlässigt und sei nur noch für das Spielen  

unterwegs gewesen. Deshalb habe er auch seinen Job verloren. Er habe  

ca. Fr. 650'000.-- beim Lotto und Fr. 400'000.-- in Casinos verspielt (Urk. ND 1/5/1 

S. 3). Bereits vor dieser Zeit habe er für rund Fr. 2'000.-- pro Monat Lotto gespielt 

(a.a.O., S. 4). Nach der ersten Geldzahlung von B._____ habe er eigentlich kein  

weiteres Geld von diesem haben wollen (S. 6). Als ihm B._____ trotzdem wieder 

Geld geschickt habe, sei das für den Angeklagten irgendwie wie ein Zeichen  

gewesen, dass ihm wieder Geld zur Verfügung stehe und er nun doch wirklich 

dem Jackpot sehr nahe sei (Urk. ND 1/5/1 S. 6/7).  

In Urk. ND 1/5/1 S. 8 f. findet sich sodann eine Aufstellung über die Schulden des 

Angeklagten. 

  

Der Angeklagte hatte bereits bei seiner Tätigkeit im G._____ eine Aufstellung 

über Personen mit ihren Vermögensbeträgen gemacht (Urk. ND 1/5/3 S. 6).  

Auch Gewinne, die der Angeklagte beim Lotto (ca. Fr. 60'000.--) und im Casino 

(ca. Fr. 130'000.--) gemacht habe, habe er innerhalb kürzester Zeit wieder ver-

spielt (Urk. ND 1/5/14 S. 3).  

-   12   - 

Vom veruntreuten Geld habe er Überweisungen an seinen Lotto-Kiosk gemacht 

(ca. Fr. 190'000.-- und Fr. 155'000.--; vgl. Urk. ND 1/5/16 S. 3).  

 

Beim zweiten Lotto-Kiosk habe er Einsätze im Betrage von ca. Fr. 150'000.--  

gemacht (Urk. ND 1/5/17).  

 

Wegen seiner Lottoschulden habe er bei seinem Vater Geld borgen müssen 

(Urk. ND 1/5/22 S. 3). Der Vater des Angeklagten bestätigte das Darlehen. Er  

erwähnte, dass der Angeklagte seiner Meinung nach einen Minderwertigkeits-

komplex habe und er dem Angeklagten angeraten habe, zu einem Psychologen 

zu gehen (Urk. ND 1/7/16 S. 3).  

 

Der Angeklagte selber geht davon aus, das er psychologische Probleme habe. Er 

sei deshalb auch einmal zu einem Psychiater (Dr. D._____) gegangen, habe dies 

aber nicht mehr bezahlen können (Prot. I S. 6 f.). Grund für die Delikte seien die 

hohen Einsätze, die er im Lotto und im Casino verloren habe, gewesen. Man  

verliere das Gleichgewicht und befinde sich plötzlich in einem Strudel. Man sehe 

kein Licht im Tunnel (Prot. I S. 16 unten).  

 

Auch im Zusammenhang mit dem Erpressungsversuch (1. inkriminierte Handlung) 

gab der Angeklagte Spielschulden als Grund an (Urk. ND 2/7 S. 3).  

 

In den Untersuchungsakten finden sich aber auch Hinweise auf gewisse  

hochstaplerische Züge. So sprach der Angeklagte in einer Einvernahme am  

16. September 2008 von einem Vermögen von ca. einer Million und Wertgegen-

ständen von rund Fr.  300'000.--, die ihm gehören würden (Urk. HD 4 S. 2). Da-

mals wollte er mit der …-Karte [Kreditkarte] einen Umsatz von  

ca. Fr. 200'000.-- bis 300'000.-- generiert haben, was bei einem monatlichen Ein-

kommen von netto unter 7'000.-- Franken aufhorchen lässt (Urk. HD 4 S. 3).   

 

Bei der Staatsanwaltschaft sprach der Angeklagte im Januar 2010 dann aber von 

einer schlechten Zeit von Mai bis November 2008. Er habe sich Geld für den Aus-

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stand bei der … [Kreditkarteninstitut] borgen müssen. Er sei damals oft im Casino  

gewesen und hoch verschuldet gewesen (Urk. HD 5 S. 3, 5 und 8 unten).   

 

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. April 2011 bestätigte der Angeklag-

te den Eindruck, der sich bereits aus den Akten ergibt: Alles in allem machte er 

den Eindruck, selbst nicht so genau zu wissen, weshalb er in diesen Strudel des 

Glücksspiels geraten ist. Ausserdem wird aus der Schilderung seiner Casino-

besuche und seinen doch mit einem gewissen Stolz vorgetragenen Ausführungen 

zur Bekanntheit seiner Person in den Schweizer Casinos sowie zu seinen Fähig-

keiten im Bereich des Roulettes (Prot. II S. 27 f.) deutlich, dass vom Glücksspiel 

für ihn immer noch eine Faszination ausgeht. Der Umstand, dass der Angeklagte 

auch nach erstandener Untersuchungshaft und trotz seiner desolaten finanziellen 

Situation weiterhin regelmässig Lotto spielte und - nach eigenen Angaben - zwei- 

bis dreimal in Spielcasinos im näheren Ausland war (Prot. II S. 25 ff.), spricht 

ebenfalls für sich. Der Angeklagte führte aus, zur Zeit bei Frau Dr. C._____ we-

gen seiner Spielsucht in Therapie zu sein (Prot. II S. 22). Ein gewisses Bewusst-

sein für das Vorliegen eines Problems scheint also trotz allem vorzuliegen.  

 

Der Therapiebericht von Dr. phil. C._____ hält fest, dass der Angeklagte  

gedanklich, zeitlich und finanziell stark durch das Spiel vereinnahmt sei und die 

Kontrolle über die Häufigkeit und Intensität seiner Einsätze verliere. Es bestehe 

ein sogenanntes "Chasing" (d.h. das hinter dem Verlust herjagen). Er bezeichne 

das Spiel immer wieder als seine einzige Möglichkeit, wieder auf einen grünen 

Zweig zu kommen. Das Verhalten des Angeklagten mache, trotz zeitweiliger  

Einsicht in der unmittelbaren Gesprächssituation, eine Impulskontrollstörung 

überdeutlich. Die Therapeutin bescheinigt dem Angeklagten eine mittelgradige 

Spielsucht. Neben der zweifelsfrei bestehenden Glücksspielproblematik erachtet 

sie überdies eine weitergehende Abklärung der psychischen Gesamtsituation des 

Angeklagten als zentral, da ein Verdacht auf manische Episoden sowie abge-

wehrte depressive Gefühle aufkomme (Urk. 67). 

4.1.3 In Anbetracht all dieser Umstände und nach Durchführung der Berufungs-

verhandlung vom 21. April 2011 befand die erkennende Kammer, dass sich Zwei-

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fel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten ergeben und sich insbesondere die 

Frage der Behandlungsbedürftigkeit stellt. In der Folge fand eine Zweiteilung des 

Verfahrens im Sinne eines Schuldinterlokuts (gemäss § 250 Abs. 2 StPO/ZH) 

statt, wobei am 21. April 2011 über den Schuldpunkt und Rechtskraft des vo-

rinstanzlichen Urteils sogleich entschieden und die psychiatrische Begutachtung 

des Angeklagten angeordnet wurde (Urk. 69A). Sodann wurde am 10. Mai 2011 

beschlossen, dass das Berufungsverfahren schriftlich fortzusetzen sei, und es 

wurde Prof. Dr. med. E._____ als Gutachter bestellt mit der Aufgabe, ein ärztli-

ches Gutachten über den körperlichen und geistigen Zustand des Angeklagten, 

dessen Schuldfähigkeit zur Zeit der Tat sowie die Zweckmässigkeit einer Mass-

nahme nach Art. 56 bis 64 StGB zu erstellen (Urk. 76; Urk. 77). Auf Ergänzungs-

fragen wurde seitens der Verteidigung des Angeklagten verzichtet (Urk. 79).  

4.2 Am 22. November 2011 ging das psychiatrische Gutachten von 

PD Dr. med. E._____ vom 21. November 2011 bei der hiesigen Kammer ein (Urk. 

85). Die entsprechenden Stellungnahmen der Verteidigung und der  

Anklagebehörde wurden eingeholt (Urk. 86 bis Urk. 92). Das Verfahren erweist 

sich als spruchreif. 

II. Schuldpunkt  

1. Versuchte Erpressung 

1.1 Der äussere Sachverhalt, wie er der Anklage zugrunde liegt, wurde - wie 

das die Vorinstanz richtig gesehen hat - durch den Angeklagten eingestanden 

(Urk. 58 S. 15 Ziff. 1.). Ebenfalls zutreffend ist die Auffassung der Vorinstanz, 

dass die Aussagen der Geschädigten F._____ nicht zu Lasten des Angeklagten 

verwertet werden können, da keine Konfrontation zwischen dem Angeklagten und 

der Geschädigten stattgefunden hat (Urk. 58 S. 15 f. Ziff. 2.1. - 2.3.). Nicht rechts-

genügend erstellt ist deshalb, dass die Geschädigte F._____ durch die Todes-

drohungen in Angst und Schrecken versetzt worden ist (Urk. 16 S. 9 Ziff. III.1. 

letzter Satz und S. 9 unten).  

-   15   - 

1.2 Die Verteidigung beanstandet, die Auffassung der Vorinstanz, bei Annah-

me der versuchten Erpressung müsse der objektive Tatbestand nicht vollständig 

erfüllt sein, gehe fehl (Urk. 50 S. 2 Ziff. 1.; Urk. 58 S. 16 f. Ziff. 2.4.). Was die Ver-

teidigung damit in den Raum stellen will, bleibt der erkennenden Kammer ver-

borgen. Es ist nachgerade Eigenheit des versuchten Deliktes, dass der Täter alle 

subjektiven Tatbestandselemente erfüllt, ohne alle objektiven Tatbestandsmerk-

male zu verwirklichen (vgl. statt Vieler: Donatsch/Flachs-mann/Hug/Weder, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommentar, 18. Aufl., Zürich 2010, N 2 zu  

Art. 22 StGB). Vorliegend kam es zu keiner Vermögensdisposition durch die  

Geschädigte, weshalb der objektive Tatbestand nicht vollständig erfüllt ist  

(Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 

2008, N 12 zu Art. 156 StGB). 

1.3.1 Weiter hielt die Verteidigung zunächst dafür, es habe sich allenfalls um  

einen (straflosen) untauglichen Versuch des Angeklagten gehandelt (Urk. 50 S. 2 

Ziff. 1.).Die aktuelle Umschreibung des untauglichen Versuches findet sich in  

Art. 22 Abs. 2 StGB: "Verkennt der Täter aus grobem Unverstand, dass die Tat 

nach der Art des Gegenstandes oder des Mittels, an oder mit dem er sie  

ausführen will, überhaupt nicht zur Vollendung gelangen kann, so bleibt er  

straflos".   

 

Beim untauglichen Versuch besteht ein Sachverhaltsirrtum zuungunsten des  

Täters: nach seiner Vorstellung erfüllt er einen Tatbestand, in Wirklichkeit ist sein 

Verhalten harmlos. Grund der Privilegierung, die seit der Revision 2002 nur noch 

in Verbindung mit "grobem Unverstand" eintritt, ist die mangelnde Gefährlichkeit 

(Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ 

St. Gallen 2008, N 16 zu Art. 22 StGB samt Hinweisen). Das ist der Fall, wenn die 

Untauglichkeit des Versuchs von jedem normal denkenden Menschen ohne  

Weiters erkannt werden kann und vom Täter nur aus besonderer Dummheit  

verkannt worden ist (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Straf-

gesetzbuch, Kommentar, 18.A., Zürich 2010 N 14 zu Art. 22 StGB unter Hinweis 

auf BGE 70 IV 50). Die Regelung bezieht sich also nur auf Handlungen mit Mitteln 

oder Objekten, die sich gestützt auf eine nachträgliche Prognose aus der Sicht 

-   16   - 

des Täters von vornherein und nicht bloss unter den besonderen Umständen des 

Einzelfalles als untauglich erweisen, das betreffende Rechtsgut ernstlich zu  

gefährden (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 

Kommentar, 18.A., Zürich 2010 N 11 zu Art. 22 StGB).   

 

Es kann vorliegend keine Rede davon sein - wie es der Verteidigung in den Raum 

zu stellen beliebt -, dass mit den inkriminierten Erpresserbriefen die Vollendung 

der Tat überhaupt nicht möglich gewesen wäre (Urk. 50 S. 2 Ziffer 1.). Die ange-

drohten Nachteile bei einer Erpressung müssen ernstlich sein. Sie haben diesen 

Charakter jedenfalls, wenn sie nach einem objektiven Massstab geeignet sind, 

auch eine besonnene Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen  

und so seine freie Willensbildung und -betätigung zu beschränken (Philippe  

Weissenberger in BSK StGB II, 2.A., Basel 2007, N 19 zu Art. 156 StGB und  

Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommen-

tar, 18.A., Zürich 2010 N 6 zu Art. 156 StGB). Es stellt sich deshalb die Frage, ob 

die Ernstlichkeit des angedrohten Nachteils auch eine verständige Person in der 

Lage des Betroffenen zur Vermögensleistung motivieren könnte (Stefan Trechsel, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 4 

zu Art. 156 StGB samt Hinweisen). Nach richtiger Auffassung ist die Ernstlichkeit 

der in Aussicht gestellten Nachteile allerdings nicht ausschliesslich nach einem 

objektiven Massstab zu bestimmen, sondern es sind auch subjektive Momente zu 

berücksichtigen. Der Tatbestand schützt auch Personen, die leichtgläubig sind 

oder über eine schwache Widerstandskraft verfügen, davor, gezielt bedroht und 

ausgenützt zu werden (Philippe Weissenberger in BSK StGB II, 2.A., Basel 2007, 

N 19 zu Art. 156 StGB).  

  

Der Angeklagte suchte sich offenbar bewusst ein älteres, weibliches und allein-

stehendes Opfer mit ausreichend finanziellen Mitteln aus, das auch auf seine 

Forderungen eingehen würde (Urk. ND 2/7 S. 8 Antwort 55). Auch wenn den  

beiden Erpresserbriefen (Urk. ND 2/101 und ND 2/11/1) eine gewisse Originalität 

nicht abzusprechen ist, so können sie nicht als Witz oder derart dilettantisch  

qualifiziert werden, dass damit keine ernstliche Drohung gemacht werden könnte. 

-   17   - 

Jedenfalls kann mit Fug ausgeschlossen werden, dass sich eine Person mit 

schwacher Willenskraft durch diese Schreiben in keiner Weise beeinflussen  

liesse. Die in den inkriminierten Briefen bekundeten Todesdrohungen sind ver-

bunden mit behaupteten Überwachungsmassnahmen und dem Hinweis auf die 

Zugehörigkeit der Täterschaft zur … Mafia. Der Angeklagte selber räumte ein, 

dass er, wenn er so viel Vermögen (wie die Geschädigte) gehabt hätte, vermutlich 

der Forderung nachgekommen wäre (Urk. ND 2/7 S. 13 Antwort 94).  

  

Es kann also einerseits keine Rede von einem absolut untauglichen Mittel sein, 

mit dem eine Erpressung nie hätte durchgeführt werden können, und andererseits 

auch nicht von grobem Unverstand des Angeklagten. Der Angeklagte absolvierte 

die ordentlichen Schulen und schloss eine vierjährige kaufmännische Lehre ab. Er 

war schliesslich beim G._____ als Wertschriftenanalyst tätig und wurde zuletzt 

zum Gruppenleiter Wertschriftenprüfung befördert. Wie schon erwähnt, suchte er 

sich sein Opfer mit Überlegung aus. Er machte sich auch  

Gedanken darüber, wo er die Erpresserbriefe einstecken sollte, um einer Ent-

deckung zu entgehen (Urk. ND 2/7 S. 8 Antwort 56). Der Angeklagte hat zudem - 

gemäss seiner Aussage - darauf geachtet, nichts Persönliches von sich  

preiszugeben (Urk. ND 2/7 S. 9 Antwort 60). 

  

Es handelt sich mithin klarerweise nicht um einen untauglichen Versuch im Sinne 

des Gesetzes. 

1.3.2 Die Verteidigung machte weiter geltend, es habe sich - falls nicht von  

einem untauglichen Versuch ausgegangen werde - allenfalls bloss um straflose 

Vorbereitungshandlungen und nicht um einen strafbaren Versuch gehandelt 

(Urk. 50 S. 2 Ziff. 1. letzter Absatz). In der Berufungsverhandlung korrigierte sie 

diese Ansicht jedoch dahingehend, dass sie geltend machte, es liege ein unvoll-

endeter Versuch vor, und es bliebe Raum für einen Rücktritt gemäss Art. 23 StGB 

(Urk. 66 S. 4). Die Vorinstanz ist von einem vollendeten Erpressungsversuch 

ausgegangen (Urk. 58 S. 50 oben). 

 

-   18   - 

Das revidierte StGB spricht nicht nur nicht mehr vom untauglichen Versuch,  

sondern es differenziert prinzipiell auch nicht mehr zwischen dem unvollendeten 

und dem vollendeten Versuch (G. S. Trappe, Herausgeber Bänziger/ Hubschmid/ 

Sollberger; Zur Revision des allg. Teils des Schweiz. Strafrechts und zum neuen 

materiellen Jugendstrafrecht, 2. Auflage, Bern 2006, S. 13). Die Bestimmungen 

über den Versuch wurden systematisch neu gegliedert, indem alle Versuchs-

formen in Art. 22 StGB zusammengefasst wurden. Zudem sind auch die Rechts-

folgen bei allen Versuchsarten gleich, indem sie (wie schon bis anhin) zu einer 

(theoretisch nur) fakultativen Strafmilderung führen. Weil das revidierte StGB nur 

noch eine Art von Strafmilderung (Art. 48a StGB) kennt, besteht in Bezug auf die 

Rechtsfolgen grundsätzlich kein Unterschied mehr zwischen unvollendetem und 

vollendetem Versuch. Überdies war schon nach altem Recht die Unterscheidung 

zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch in jenen Fällen, wo weder ein 

Rücktritt noch tätige Reue zur Diskussion standen, ohne praktische Bedeutung 

(BGE 127 IV 97 Erw. 1; BG 6S.46/2005 vom 2.2.2006, Erw. 10.4.2.). Diese 

Sichtweise könnte zum Schluss führen, es sei letztlich irrelevant, ob das Verhal-

ten des Angeklagten als vollendeter oder unvollendeter Versuch zu qualifizieren 

sei.  

 

Dass letztlich nach wie vor zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch un-

terschieden wird, ergibt sich daraus, dass das Gesetz zwischen Rücktritt und  

tätiger Reue unterscheidet. Unter welchen Voraussetzungen der Täter vom  

Versuch zurücktreten oder tätige Reue üben kann, bestimmt sich danach, ob es 

sich um einen unvollendeten oder vollendeten Versuch handelt (Rücktritt ist nur 

beim unvollendeten Versuch möglich, tätige Reue beim vollendeten Versuch;  

vgl. dazu Donatsch/Tag, Strafrecht I, 8. Aufl., Zürich 2006, S. 135 f.). Nachdem 

nun aber der Rücktritt und die tätige Reue im gleichen Art. 23 Abs. 1 StGB  

zusammengefasst und insbesondere mit derselben Rechtsfolge (fakultative 

Strafmilderung oder Umgangnahme von einer Bestrafung) versehen wurden, ver-

stärkt sich der Eindruck, dass es sich um einen akademischen Streit handeln dürf-

te, ob ein vollendeter oder unvollendeter Versuch vorliegt (Donatsch/Tag, Straf-

recht I, a.a.O., S. 139 ff.).  

-   19   - 

Ob es sich um einen vollendeten oder unvollendeten Versuch handelt, muss im 

Urteilsdispositiv nicht mehr zum Ausdruck kommen (G. Stratenwerth, Schweiz. 

Strafrecht, AT I, 3. Auflage, Bern 2005, § 12 N 38 S. 317). Wie weit ein Versuch 

gediehen ist, wird aber auch nach neuem Recht sehr wohl für die konkrete Straf-

höhe von Bedeutung sein, weil das strafzumessungsrelevante Handlungsunrecht 

klar ein anderes Gewicht erhält, ob ein Täter schon die Tathandlung nicht zu  

Ende geführt hat oder aber das Delikt allein aus anderen Gründen nicht zur Voll-

endung gelangt ist (W. Wohlers, in: Tag/Hauri, Die Revision des Strafgesetzbu-

ches Allgemeiner Teil, Zürich 2006, S. 54; Donatsch/Tag, Strafrecht I, a.a.O., S. 

136). Hans Mathys (Zur Technik der Strafzumessung, SJZ 100/2004 S. 178) weist 

zu Recht darauf hin, dass Umstände, die zu einem unvollendeten Versuch führ-

ten, verschuldensmindernd zu gewichten seien, während der vollendete Versuch 

als verschuldensunabhängige Tatkomponente erscheine. Wenn der zur Vollen-

dung der Tat gehörende Erfolg nicht eingetreten sei, ohne dass dies vom Täter 

beeinflusst worden sei, so bleibe dessen Verschulden unberührt (gleichwohl habe 

sich dieser Umstand letztlich zugunsten des Täters auszuwirken). Dieser Sicht-

weise ist zuzustimmen.  

 

Ein vollendeter Versuch liegt vor, wenn die strafbare Tätigkeit zu Ende geführt 

wird, aber der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt (Art. 22 Abs. 1 StGB, alte 

und neue Fassung). Die Abgrenzung des vollendeten vom unvollendeten Versuch 

ist auf der Grundlage des konkreten Tatplans vorzunehmen. Es ist zu fragen, ob 

der Täter alle Voraussetzungen geschaffen hat, die nach seinem Plan zum Eintritt 

des Erfolges hätten führen sollen (Entscheid des Bundesgerichtes 6S.46/2005 

vom 2.2.2006, Erw. 10.4.2.). 

Vorliegend ist für die Abgrenzung zwischen vollendetem und unvollendetem Ver-

such die Vorstellung des Angeklagten im Zeitpunkt der letzten Ausführungshand-

lung massgebend. Verschiedene Autoren halten deshalb für die Abgrenzung  

zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch den sogenannten "Rück-

trittshorizont" als massgebend (Donatsch/Tag, Strafrecht I, a.a.O., S. 136 f.;  

Stratenwerth, AT I, 3. Auflage, Bern 2005, § 12 N 57 S. 328 f.; Guido Jenny in 

BSK StGB I, Basel 2003, N 32 zu Art. 21 aStGB). Die genannten Autoren halten 

-   20   - 

dafür, das Abstellen auf die letzte Ausführungshandlung sei insbesondere dort  

gerechtfertigt, wo ein Täter entschlossen gewesen sei oder doch ohne weiteres 

die Möglichkeit gehabt habe, erforderlichenfalls durch mehrere Einzelakte oder 

mit verschiedenen Mitteln auf den deliktischen Erfolg einzuwirken, also beispiels-

weise solange zu schiessen, bis das Opfer tödlich getroffen sei, oder zum Messer 

zu greifen, wenn die blosse Faust versagt habe, aber der Täter nicht alle diese 

Schritte realisiert habe. Kämen solche Fortsetzungs- oder Wiederholungsakte 

noch in Betracht, so wäre der Versuch aufgrund des erwähnten "Rücktritts-

horizontes" erst dann beendet, wenn der Täter wenigstens für möglich halte, dass 

der Erfolg nunmehr eintreten könnte. 

Die Abgrenzung zwischen strafloser Vorbereitungshandlung und Beginn der  

Ausführung des Deliktes schliesslich ist nicht immer einfach. Gemäss Art. 22  

Abs. 1 StGB ist ein Versuch der strafbaren Tat anzunehmen, wenn der Täter mit 

der Ausführung des Verbrechens oder Vergehens begonnen hat. Dazu zählt jede 

Tätigkeit, die nach dem Plan, den sich der Täter gemacht hat, auf dem Weg zum 

Erfolg den letzten entscheidenden Schritt darstellt, von dem es in der Regel kein 

Zurück mehr gibt, es sei denn wegen äusserer Umstände, die eine Weiter-

verfolgung der Absicht erschweren oder verunmöglichen (BGE 114 IV 112, 114; 

sogenannte Schwellentheorie; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizeri-

sches Strafgesetzbuch, a.a.O., N 7 zu Art. 22 StGB). Diese Formulierung bringt 

zum Ausdruck, dass sich der Beginn des Versuchs nur über eine Kombination  

objektiver und subjektiver Gesichtspunkte bestimmten lässt (Trechsel, Schweize-

risches Strafgesetzbuch, a.a.O., N 3 zu Art. 156 StGB samt Hinweis auf BGE 131 

IV 104). Der Einbezug der Vorstellung des Täters von der Tat ist daher für die  

Bestimmung des Versuchs genauso unabdingbar wie die Berücksichtigung  

objektiver Kriterien für die Entscheidung der Frage, mit welcher Tätigkeit der Täter 

nach seinem Tatplan bereits zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar  

ansetzt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_553/2009 vom 26. Oktober 2009,  

E. 3.3.2. samt Hinweisen). 

Die Behauptung der Verteidigung, im vorliegenden Fall sei der Angeklagte noch 

nicht über Vorbereitungshandlungen hinausgekommen, wurde zu Recht korrigiert, 

-   21   - 

denn sie geht fehl: Die ersten Handlungen des Angeklagten, nämlich das  

Aussuchen eines geeigneten Opfers und das Auskundschaftens des Briefkasten 

des Opfers (vgl. Urk. 2/7 S. 8 Antwort 55 und Urk. HD 5 S. 5 unten), wären wohl 

noch als straflose Vorbereitungshandlungen zu qualifizieren. Nach Absenden des 

ersten Drohbriefes hatte der Angeklagte aber klarerweise mit der eigentlichen 

Ausführung des Deliktes begonnen. Die Drohungshandlungen sollten sich  

gemäss Tatplan des Angeklagten im Zusenden von Drohbriefen erschöpfen. Der 

Angeklagte hatte - gemäss seinen Aussagen - versucht, auf einfachem Weg und 

vor allem schnell sowie ohne Gewalt an Geld heranzukommen. Deshalb habe er 

versucht, auf "schriftlichem Weg" ans Ziel zu kommen (Urk. 2/7 S. 3 Mitte). Der 

Angeklagte ging auch - soviel ist seinen Aussagen zu entnehmen - davon aus, 

dass die in den beiden inkriminierten Schreiben enthaltenen Drohungen  

ausreichen würden, um ans Ziel zu gelangen, nämlich dass die Geschädigte das 

Geld im Briefkasten deponieren würde (vgl. dazu Urk. ND 2/7 S. S. 10 Antwort 74 

und S. 13 Antworten 94 und 95). Es liegt somit ein strafbarer Versuch vor. 

Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz muss indes - zu Gunsten des  

Angeklagten - von einem unvollendeten Versuch ausgegangen werden. Das  

Androhen ernstlicher Nachteile war aus Sicht des Angeklagten mit Absenden der 

beiden Drohbriefe zwar abgeschlossen. Um das Delikt nach dem Tatplan des  

Angeklagten zu vollenden, hätte der Angeklagte sich jedoch zum Briefkasten der 

Geschädigten wagen müssen, um das Geld an sich zu nehmen. Ohne diese 

Handlung wäre es auch zu keiner Vermögensschädigung des Opfers gekommen; 

andernfalls wäre das Geld - auch im Briefkasten - im Gewahrsam der Geschädig-

ten geblieben. Der Umstand, dass der Angeklagte einen zweiten Drohbrief 

schrieb - mit dem Inhalt, dass die Geschädigte der Forderung nicht nachge-

kommen sei (Urk. ND 2/11/1) - liesse zwar den Schluss zu, der Angeklagte habe 

nach Versenden des ersten Drohbriefs Nachschau im Briefkasten der Geschädig-

ten gehalten. Der Angeklagte machte aber von Anfang an geltend, ihn habe der 

Mut verlassen und er sei nie beim Briefkasten nachschauen gegangen. Er  

begründete auch, weshalb es trotzdem zu einem Nachhacken mit einem zweiten 

Drohbrief gekommen ist (Urk. ND 2/7 S. 6 Antwort 41, S. 8 Antwort 55 am Ende, 

S. 10 f. Antworten 76 und 77, S. 12 Antworten 86 und 88 und S. 15 Antwort 106; 

-   22   - 

Urk. HD 5 S. 5 und S. 6 oben; Prot. II S. 11 ff.). Etwas anderes kann rechts-

genügend nicht erstellt werden.  

1.4 Mithin ist von einem unvollendeten Versuch der Erpressung im Sinne von 

Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB auszugehen und der 

Angeklagte entsprechend schuldig zu sprechen. Da der Angeklagte die strafbare 

Handlung aus eigenem Antrieb nicht zu Ende geführt hat, liegt ein Rücktritt im 

Sinne von Art. 23 Abs. 1 StGB vor, was bei der Strafzumessung zu berück-

sichtigen ist. 

2. Veruntreuung (ND 3) 

2.1 Die Verteidigung beanstandet, dass beim Angeklagten Ersatzbereitschaft 

vorgelegen habe und deshalb eine Veruntreuung in Bezug auf den geleasten 

Personenwagen "Mercedes-Benz …" nicht gegeben sei (vgl. Urk. 50 S. 3 oben). 

2.2 Die Vorinstanz hat richtig festgestellt, dass der äussere Sachverhalt  

unbestritten und durch das Untersuchungsergebnis rechtsgenügend erstellt ist 

(Urk. 58 S. 17 Mitte).  

2.3 Auch bezüglich der rechtlichen Würdigung kann vorab auf die einlässlichen 

und überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 58 S. 50 - 57 Ziff. 1. - 

2.2.3.) verwiesen werden. Diesen treffenden Erwägungen ist nur wenig beizu-

fügen.  

2.3.1 Vorab ist klarzustellen, dass die Veruntreuung bereits mit dem Angebot 

zum Verkauf, nicht erst mit der Veräusserung vollendet ist (Trechsel, Schweizeri-

sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 9 zu Art. 138 

StGB samt Hinweisen). 

2.3.2 Ein Sonderproblem bei der Veruntreuung bildet die Ersatzbereitschaft: Es 

fehlt an der strafwürdigen Absicht, wenn der Täter den Willen und die Möglichkeit 

hatte, seine Treuepflicht zeitgerecht zu erfüllen. Was den Anwendungsbereich der 

Ersatzbereitschaft betrifft, so hat das Bundesgericht die Ersatzbereitschaft primär 

im Hinblick auf die Veruntreuung von Vermögenswerten entwickelt, das Konzept 

-   23   - 

aber in der Folge auch auf die Veruntreuung von fremden Sachen angewandt. 

Subjektiv verlangt die Ersatzbereitschaft den zum Zeitpunkt der Tathandlung  

bestehenden Willen, für die Sache fristgerecht Ersatz zu leisten. Objektiv meint 

die Ersatzbereitschaft die Fähigkeit, auf den massgeblichen Zeitpunkt hin aus ei-

genen Mitteln Ersatz leisten zu können. Muss der Täter jederzeit sofort leisten 

können, erlangt er eine vorübergehende Bereicherung und macht sich strafbar, 

wenn er das Anvertraute in eigenem Nutzen verwendet und erst später Ersatz 

leisten kann. Ersatzfähigkeit setzt - wie erwähnt - voraus, dass der Täter aus  

eigenen Mitteln leisten kann (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch,  
Praxiskommentar, a.a.O., N 19 zu Art. 138 StGB, Niggli/ Riedo in: BSK Srtafrecht-

II, 2. Aufl., Basel 2007, N 109 zu Art. 138 StGB). Es genügt mithin nicht, dass der 

Täter subjektiv sicher ist, Ersatz leisten zu können. Verneint wird die Ersatzfähig-

keit, wenn der Täter beispielsweise zuerst ein Darlehen aufnehmen muss, die 

blosse Aussicht auf die Zukunft hat, dass er sich das Benötigte von Dritten wird 

beschaffen können, oder allenfalls die Absicht zur Bezahlung der restlichen  

Abzahlungsraten hat und die unter Eigentumsvorbehalt erhaltene Sache weiter-

verkauft (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, a.a.O., 

N 19 zu Art. 138 StGB, Niggli/ Riedo in BSK Strafrecht-II, a.a.O., N 120 ff. zu  

Art. 138 StGB).  

2.3.3 Der Angeklagte befand sich bei der Weitergabe des inkriminierten Fahr-

zeugs in einer finanziell äusserst angespannten Lage, was nicht zuletzt Grund für 

den beabsichtigten Ausstieg aus dem Leasingvertrag war (Urk. HD 5 S. 7 oben; 

Urk. ND 3/3 S. 2 Antwort 5, S. 3 Antwort 13). Über ausreichende flüssige eigene 

Mittel, die dem Angeklagten einen sofortigen Ausstieg aus dem Leasingvertrag 

ermöglicht hätten, verfügte der Angeklagte offensichtlich nicht. Die ursprüngliche 

Autoverkäuferin wollte das inkriminierte Fahrzeug offenbar nicht zurückkaufen 

(Urk. ND 3/3 S. 2 f.). Der Angeklagte war sich voll bewusst, dass das inkriminierte 

Fahrzug der Leasingfirma H._____ in I._____ gehörte und das Fahrzeug erst 

nach Bezahlung sämtlicher Leasingraten oder dem ganzen Ablösebetrag in sei-

nen Besitz - recte: sein Eigentum - übergehen würde (Urk. ND 3/3 S. 2 Antwort 8). 

Die Leasingvertragsbestimmungen seien ihm geläufig, er hätte schon zuvor zwei 

Leasingfahrzeuge gehabt (Urk. ND 3/3 S. 2 Antwort 9). Schliesslich war dem An-

-   24   - 

geklagten auch bewusst, dass ein Halterwechsel beim inkriminierten Fahrzeug 

verboten war (Urk. ND 3/3 S. 4 Antwort 17).   

 

Mit der Vorinstanz (Urk. 58 S. 56 f.) ist davon auszugehen, dass es sich beim 

Fahrzeug Mercedes-Benz … um einen mehr oder weniger gängigen Personen-

wagen handelt, für den ein Marktpreis existiert und der somit nicht als Speziessa-

che qualifiziert werden kann. Ein Wertersatz ist somit grundsätzlich möglich. In-

dem der Angeklagte den Leasingvertrag mit E-Mail vom 30. Juni 2009 auflöste 

(Urk. ND 3/6/3), gab er zwar gegenüber der Geschädigten zu verstehen, dass er 

das Fahrzeug behalten und die Ablösesumme bezahlen wollte. Es war ihm aber - 

wie erwähnt - klar, dass das Eigentum am Fahrzeug erst mit der  

Bezahlung der Ablösesumme auf ihn übergehen würde und dass weiterhin  

ein Halterwechselverbot bestand. Der Angeklagte wusste, dass er bis am 15. Juli 

2009 die Ablösesumme bezahlen musste, da ihm dies durch die Geschädigte  

H._____ AG mit E-Mail vom 1. Juli 2009 mitgeteilt worden  

war (Urk. ND 3/6/3). In der besagten E-Mail der Geschädigten H._____ AG wurde 

ihm nochmals explizit mitgeteilt, dass das Halterwechselverbot erst bei Zahlungs-

eingang aufgehoben würde. Der Angeklagte wusste aber bereits in der ersten Ju-

liwoche nach der Probefahrt mit J._____ in K._____, dass dieser, wenn über-

haupt, erst später zahlen würde, da er das Fahrzeug für zwei Monate zur Probe 

wollte. Daran ändert nichts, dass der Angeklagte die Leasingrate für den Juli 2009 

letztlich noch überwiesen hatte und allenfalls auch bereit und fähig war, die Au-

gustrate zu bezahlen. Wie erwähnt, hat sich der Angeklagte mit der Verkaufsoffer-

te an J._____ das inkriminierte Fahrzeug bereits angeeignet.   

 

Schliesslich ist auf die vom Angeklagten selber entworfene Vereinbarung hinzu-

weisen (Urk. ND 3/5/11). Diese Vereinbarung hat der Angeklagte J._____ Ende 

Juli 2009 zugesandt. Die Vereinbarung war offenbar vom Angeklagten zuvor be-

reits unterzeichnet worden (Urk. ND 3/3 S. 5; Prot. II S. 19). Damit hatte der An-

geklagte die vorher mündlich abgegebene Verkaufsofferte auch noch in schriftli-

cher Form nachgeliefert. Auch gemäss diesem Vertrag hätte J._____ erst am  

1. September 2009 bezahlen müssen. Aufhorchen lässt die Umschreibung, dass 

-   25   - 

der Käufer gewillt ist, den Gesamtbetrag per diesem Datum zu bezahlen (Urk. 
ND 3/5/11 S. 1 lit. B.). Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. April 2011 

schilderte der Angeklagte seine finanzielle Situation im Juni/Juli 2009  

dahingehend, dass diese extrem schlecht gewesen sei und er nichts auf der  

hohen Kante gehabt habe. Er erklärte, er hätte nicht einmal die Mittel gehabt, um 

der Geschädigten die Differenz von Fr. 14'000.-- bis 15'000.-- zu bezahlen  

(Prot. II S. 18). Der Kaufpreis, welchen J._____ hätte bezahlen sollen, wäre somit 

die einzige Möglichkeit für den Angeklagten gewesen, der Geschädigten für das 

Leasingfahrzeug Ersatz zu leisten. Er wusste somit bei der eigentlichen Aneig-

nung um die fehlende Möglichkeit, fristgerecht Ersatz zu leisten beziehungsweise 

die Ablösesumme zu bezahlen - hätte er doch in dem Zeitpunkt, als sich sein Ver-

kaufswille manifestierte, bereits über die entsprechenden Mittel verfügen müssen. 

Beim vom Angeklagten beabsichtigen Autoverkauf handelte es sich nicht um ein 

Zug um Zug-Geschäft; der Besitzerwechsel des inkriminierten Fahrzeugs hat 

schon vor der beabsichtigten Bezahlung des Kaufpreises stattgefunden. Der An-

geklagte kann sich somit nicht auf Ersatzbereitschaft berufen. 

2.4 Der Angeklagte ist somit auch der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 3) schuldig zu sprechen. 

III. Sanktion 

1.1 Die Vorinstanz verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von  

30 Monaten, wobei diese im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und die  

Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt wurde. Zehn Tage erstandene Unter-

suchungshaft wurden ihm an den zu vollziehenden Teil der Strafe (12 Monate) 

angerechnet. 

1.2 Die Verteidigung beantragt, der Angeklagte sei mit einer Freiheitsstrafe von 

24 Monaten zu bestrafen, wobei ihm der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung 

einer Probezeit von vier Jahren zu gewähren sei. Zudem sei ihm die Weisung zu 

erteilen, die regelmässig beanspruchte Einzel- und Gruppentherapie bei der 

L._____ weiterzuführen, und es sei eine Bewährungshilfe anzuordnen  

-   26   - 

(Urk. 88 S. 2 f.). Begründet wird der Antrag auf Reduktion der vorinstanzlich aus-

gesprochenen Strafe mit der gemäss Gutachten leicht verminderten Schuldfähig-

keit des Angeklagten sowie mit dem Rücktritt hinsichtlich der unvollendet versuch-

ten Erpressung. 

1.3 Die Anklagebehörde beantragt eine leichte Reduktion der vor Vorinstanz 

ausgefällten Freiheitsstrafe auf 28 Monate, sofern das Gericht das Gutachten  

dahingehend interpretiere, dass eine schwere psychische Störung vorliegen  

würde. Es sei eine ambulante Behandlung anzuordnen und der Vollzug der Frei-

heitsstrafe zu diesem Zwecke nicht aufzuschieben (Urk. 92 S. 1 ff.). 

2.1 Bezüglich der theoretischen Ausführungen zum Strafrahmen kann grund-

sätzlich auf den vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden. Aufgrund der  

aktuellen bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ergänzend festzuhalten, dass 

in den meisten Fällen Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen sind. Nur in Ausnahmefällen führen 

diese dazu, dass der ordentliche Strafrahmen verlassen werden muss. Dies ist 

insbesondere der Fall, wenn sich die Strafe ohnehin am unteren oder oberen 

Rand des ordentlichen Strafrahmens bewegen würde beziehungsweise deren 

Ausmass besonders stark ins Gewicht fällt (Urteil des Bundesgerichtes 

6B_611/2010 vom 26. April 2011 E. 4 unter Hinweis auf BGE 136 IV 55;  

Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kommen-

tar, a.a.O., N 4 zu Art. 48a i.V.m. N 6 zu Art. 49 StGB). 

2.2 Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, weisen die vom Angeklagten  

begangenen Delikte dieselben Strafrahmen auf. Auszugehen ist somit von der 

mehrfachen Veruntreuung (ND 1), da es sich gemessen am deliktisch erlangten 

Vermögenswert in Höhe von Fr. 1’250’000.-- um die schwerste Straftat handelt. 

Der Strafrahmen reicht somit gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 und 3 StGB von  

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Wie noch zu zeigen sein wird, 

besteht vorliegend kein Anlass, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen. Der 

Gutachter verneint eine Schuldunfähigkeit gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB (Urk. 85 

S. 54 Frage 4.a), was im Übrigen auch nicht bestritten wird (Urk. 88; Urk. 92).  

-   27   - 

Eine allfällig reduzierte Steuerungsfähigkeit und damit zusammenhängende ver-

minderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB ist innerhalb des  

ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen, wie auch der Versuch, die  

Deliktsmehrheit sowie die mehrfache Tatbegehung (Veruntreuung). 

3.1 Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB 

die Strafe nach dem Verschulden des Täters. Es berücksichtigt das Vorleben und 

die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des 

Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung 

des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-

gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach 

den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Ver-

letzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Nach Art. 50 StGB hat das Gericht 

die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung 

festzuhalten. 

3.2 Das Bundesgericht hat in neueren Entscheiden die Regeln zur Strafzu-

messung modifiziert und in Grundsatzentscheiden das nachfolgend skizzierte 

Modell vorgegeben (BGE 136 IV 55 E.5.4.; Entscheide des Bundesgerichts 

6B_323/2010vom 23. Juni 2010 E. 2, 6B_865/2009 vom 25. März 2010 und 

6B_238/2009 vom 8. März 2010, je mit Hinweisen). Die Ausführungen des  

Bundesgerichts werden ergänzt durch weitere Strafzumessungskriterien, die sich 

aus der Literatur und der weiteren Rechtsprechung des Bundesgerichts ergeben. 

Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht das Verschulden zu 

bewerten. Es hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche 

verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer 

Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Dem Tatverschulden 

kommt nach der Rechtsprechung bei der Strafzumessung eine entscheidende 

Rolle zu (Urteil des Bundesgerichtes 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011 E. 1.5.2.; 

BGE 136 IV 55 E. 5.4. und BGE 134 IV 17 E. 2.1.). Dieses beurteilt sich anhand 

der gesamten Tatumstände. Der Gesetzgeber hat einzelne Kriterien aufgeführt, 

welche für die Verschuldenseinschätzung von wesentlicher Bedeutung sind und 

allenfalls bewirken können, das Verschulden als derart gering einzustufen, dass 

-   28   - 

eine Strafe unterhalb des ordentlichen Strafrahmens geboten ist. So trifft etwa - 

neben einer allfällig verminderten Schuldfähigkeit - denjenigen einen geringeren 

Schuldvorwurf, dem lediglich eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist  

(Art. 12 Abs. 2 StGB). Das Strafgesetzbuch selbst erwähnt verschiedene  

Umstände, die das Verschulden reduzieren können: Wenn der Täter aus  

achtenswerten Beweggründen, in schwerer Bedrängnis oder unter dem Eindruck 

einer schweren Drohung gehandelt hat; ebenso wenn sein Handeln durch eine 

Person, der er Gehorsam schuldet oder von der er abhängig ist, veranlasst  

worden ist (Art. 48 lit. a StGB). Im gleichen Sinne ist von einem minderen Ver-

schulden auszugehen, wenn der Täter durch das Verhalten der verletzten Person 

ernsthaft in Versuchung geführt worden ist (Art. 48 lit. b StGB), wenn er in einer 

heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung (Art. 48 lit. c 

StGB) gehandelt hat. Ein reduziertes Verschulden trifft auch denjenigen, der die 

Tat durch Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB). Zu nennen sind schliesslich 

die entschuldbare Notwehr (Art. 16 Abs. 1 StGB) und der entschuldbare Notstand 

(Art. 18 Abs. 1 StGB), der vermeidbare Irrtum über die Rechtswidrigkeit (Art. 21 

StGB), der Rücktritt (Art. 23 Abs. 1 StGB) und die Gehilfenschaft (Art. 25 StGB). 

In all diesen Fällen liegen Sachverhaltselemente vor, die sich verschuldens-

mindernd auswirken, was zu einer milderen Strafe führt. Auf der anderen Seite 

sind Umstände denkbar, welche das Tatverschulden erhöhen und namentlich die 

wegen der reduzierten Einsichts- bzw. Steuerungsfähigkeit des Täters geringere 

Schuld wieder auszugleichen vermögen. Zu erwähnen ist beispielsweise ein  

verwerfliches Motiv.  

3.3 Weiter zu berücksichtigen sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, 

die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges (Deliktsbetrag, Gefähr-

dung/Risiko, Sachschaden etc.), die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt 

hat, das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die sogenannte  

Intensität des deliktischen Willens (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweize-

risches Strafgesetzbuch, Kommentar, a.a.O., N11 zu Art. 47 StGB samt Zitaten). 

Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer 

wiegt die Entscheidung gegen sie (Entscheide des Bundesgerichts 6S.270/2006  

vom 5. September 2006 E. 6.2.1., 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 

-   29   - 

6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004 E. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 

S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Aufl., Bern 2006, 

S. 179 N 13; Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 

a.a.O., N 21 zu Art. 47 StGB). Auch die Grösse des Tatbeitrages (bei mehreren 

Tätern) und die hierarchische Stellung sind von Bedeutung (vgl. Wiprächtiger in: 

BSK Strafrecht-I, 2. Aufl., Basel 2007, N 69 ff. zu Art. 47 StGB; Trechsel, a.a.O., 

N 18 ff. zu Art. 47 StGB). 

3.4 Es liegt im Ermessen des Sachrichters, in welchem Umfang er die  

verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Gericht ist nicht ge-

halten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, wie es die einzelnen Strafzumes-

sungskriterien bewertet (Urteil des Bundesgerichtes 6B_524/2010&6B_626/2011 

vom 8. Dezember 2011 E. 4.4.). Das Gesamtverschulden ist sodann zu qualifizie-

ren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von 

einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Das  

Bundesgericht drängt in seiner aktuellen Praxis vermehrt darauf, dass Formulie-

rung des Verschuldens und Festsetzung des Strafmasses auch begrifflich im  

Einklang stehen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_524/2010&6B_626/2011 vom  

8. Dezember 2011 E. 4.4., 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 E. 4.2., 6B_1048/2010 

vom 6. Juni 2011 E. 3.2. und 6B_763/2010 vom 26. April 2011 E. 4.1.). Hierauf ist 

in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die 

(hypothetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht (Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_524/2010 & 6B_626/2011 vom 8. Dezember 2011 

E. 4.4.). 

3.5 Grundsätzlich kann bezüglich der Strafzumessung auf die zutreffenden 

Ausführungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 58 S. 60-70; 

§ 161 GVG/ZH); Nachfolgendes ist lediglich ergänzender Natur. 

4. Tatkomponente 

4.1 Mehrfache Veruntreuung (ND1) 

-   30   - 

4.1.1 Vorerst ist somit die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die 

Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Gemäss ständiger Praxis 

des Bundesgerichts ist bei Vermögensdelikten der Deliktsbetrag nicht mehr als 

ein - zwar gewichtiger - Gesichtspunkt, der die Höhe der Strafe mitbestimmt 

(Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 70 zu Art. 47). Der Angeklagte verun-

treute einen doch beachtlichen Betrag in Höhe von Fr. 1'250'000.--. Entgegen den 

vorinstanzlichen Ausführungen ging der Angeklagte geplant und systematisch vor. 

Dies zeigt sich darin, dass er dem Geschädigten über ca. einen Monat mehrere 

falsche Angaben machte, beispielsweise behauptete, er arbeite als Anlageberater 

bei einer Spezialabteilung einer Tochterfirma der M._____ AG und baue seine ei-

gene Firma auf. Weiter beschwichtigte er den Geschädigten B._____, indem er 

ihm vermeintlich geheime Börsen-Daten etc. schickte, mit dem Bemerken, dass 

sich die Geschäfte vorteilhaft entwickeln würden. Sodann tischte er ihm eine Ge-

schichte auf, einen wichtigen Kunden in London treffen zu müssen und flog ei-

gens um diese Lüge zu untermauern dorthin. Dies zeugt von einem bedachten 

Vorgehen und ist mit der Vorinstanz keineswegs als dilettantisch zu bezeichnen 

(Urk. 58 S. 63). Die mehrfache Tatbegehung ist ihm ebenfalls straferhöhend an-

zulasten. Nur leicht strafmindernd ist ihm das doch sehr sorglose Verhalten des 

Geschädigten anzurechnen, zumal der Angeklagte das ihm entgegengebrachte 

Vertrauen gezielt missbrauchte (Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 87 zu 

Art. 47 mit Verweis auf BGer, KassH, 6. Juni 2005, 6S.9/2005 E. 5.3.1). Insge-

samt ist das objektive Tatverschulden als erheblich einzustufen. 

4.1.2 In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung der subjektiven Tatschwere 

vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive Tat-

schwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören - wie erwähnt - etwa die  

Frage der Zurechnungs- beziehungsweise Schuldfähigkeit sowie das Motiv.  

Ferner sind die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten (zum Beispiel  

einige der in Art. 48 StGB aufgeführten Gründe) zu berücksichtigen. 

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage der verminderten Schuldfähigkeit, 

welche von der Vorinstanz verneint wurde (Urk. 58 S. 64 mit Verweis auf S. 58). 

Der Gutachter diagnostizierte beim Angeklagten eine krankhafte Spielsucht 

-   31   - 

(Urk. 85 S. 45), hielt aber dafür, dass es nicht gerechtfertigt sei, die Delikte des 

Angeklagten ausschliesslich auf seine Spielsucht zurückzuführen. Vielmehr würde 

sich das Spielverhalten des Angeklagten in die beim Angeklagten vorliegende 

Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und histrionischen Zügen betten 

(S. 46 f.) und führte weiter aus (S. 47 f.):  

Während diese histrionisch-narzisstischen Aspekte aktuell keinen Störungscharakter 

im engeren Sinne tragen würden (...), hat sich die (…) Konstellation in 2007-2008 in 
einer Art und Weise zugespitzt, die über Grössenideen und das Bedürfnis des 
Angeklagten, eine dadurch gespeiste Scheinidentität zu leben, auch klinisch 
relevant wurde (…). 

Letztlich spricht aus psychiatrischer Sicht viel dafür, dass beim Angeklagten 
eine massive Selbstwertproblematik besteht, die mit narzisstisch und histrio-
nisch ausgestalteten Kompensationsstrategien angegangen wurden (…). In 
diesem Kontext wäre der Angeklagte nicht nur ein aktiv handelnder und die Situation 

bewusst im Sinne einer Betrugsabsicht bzw. des Gelderwerbs konstellierender  

Akteur, sondern letztlich auch ein durch einen wenig reflektierten Konflikt und  

eigenen Defizite zu einem bestimmen Verhalten motivierter unreif-selbstunsicherer 

Hochstapler (…) Materielle Vorteile sind in diesem Kontext nicht entscheidend,  

werden aber bei Gelegenheit gerne mitgenommen. 

Ferner wurde sodann festgehalten, dass die narzisstischen-histrionischen Persön-

lichkeitsakzentuierung des Angeklagten den Schweregrad einer spezifischen  

Persönlichkeitsstörung nicht erreicht habe. In der Folge wurden zwei verschiede-

ne Varianten diskutiert, wobei - was die Verminderung der Schuldfähigkeit betrifft 

- zwei unterschiedliche Beurteilungen erfolgten (Urk. 85 S. 48 ff.):  

- Geht das Gericht von (…) einem im Vordergrund stehenden Gelderwerb aus, 
so kommen keine Einbussen der Schuldfähigkeit in Betracht: Dem vorab darge-
stellten Zusammenspiel zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem sich spätes-

tens im Verlauf des Jahres 2008 deutlicher herauskristallisierenden pathologischen 

Glückspiel kann nämlich keinesfalls eine zwangsläufig forensisch-psychiatrische  

Relevanz zugebilligt werden. Insbesondere ist diese Problematik nicht geeignet, die 

Einsichtskräfte des Angeklagten zu vermindern oder gar aufzuheben. Eine psychi-

sche Erkrankung, die mit einem Verlust unter Einbussen der Einsichtsfähigkeit  

-   32   - 

verbunden gewesen wäre, liegt nicht vor. Auch Einbussen der Steuerungsfähigkeit 

sind aus den Handlungsabläufen heraus nicht zu erkennen (…)  

- Wenn man (das Gericht) allerdings davon ausgeht, dass der Angeklagte die 
von ihm konstruierte Scheinidentität als lohnende Alternative zu seiner unauf-
fälligen Existenz schien [recte: wahrnahm] und dass er in der Folge alles daran 
setzte, diese Scheinidentität aufrecht zu erhalten, kommen Einbussen der 
Schuldfähigkeit in Betracht. (…) Dabei lassen die von ihm gewählten Methoden - 
wie vorab dargestellt - auf ein weitgehend intaktes Steuerungsvermögen schliessen, 

denn der Angeklagte ging keinesfalls impulsiv, sondern vielmehr zielstrebig bzw. sich 

über lange Zeiträume hinweg auch absichernd vor. Ausserdem können die vorge-

worfenen Delikte keinesfalls als Ausdruck momentaner, wenig überlegter Handlungs-

impulse angesehen werden. Dennoch bleibt in dieser Sichtweise festzuhalten, dass 

sich ein bei Beginn der Entwicklung im Jahr 2006 gerade 22-jähriger Mann  

zunehmend in eine Lügengeschichte verstrickt hat, das letztlich entscheidend durch 

histrionische und vor allem auch narzisstische Persönlichkeitsmerkmale mitbedingt 

wurde. (…) 

(…) Die damit verbundenen Defizite der Hemmungsfähigkeit können aus psychiat-
rischer Sicht eine leichte Verminderung der Steuerungsfähigkeit begründen. 
Insgesamt kommt daher aus forensich-psychiatrischer Sicht eine leichte 
Schuldminderung in Betracht. Stärkere Einbussen sind jedoch ausgeschlossen 
(…) 

Bei der Beantwortung der Fragen zum Vorliegen einer psychischen Störung  

ergeben sich sodann zwei Varianten (Urk. 85 S. 52 f. Frage 1. a]):  

Die Glückspielsymptomatik im Zusammenspiel mit seinen narzisstisch-histrionischen 

Persönlichkeitsanteilen können als schwere psychische Störung aufgefasst  
werden, wenn man den Angeklagten als Person ansieht, die zunehmend verzweifelt 
bemüht war eine aufgrund der oben genannten Persönlichkeitsmerkmal inszenierte 

Scheinidentität von Grösse und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit aufrecht zu  

erhalten (…).  

Geht man jedoch davon aus, dass der Angeklagte die Scheinidentität entwickelt 
hat, um andere Menschen zu täuschen und zu übervorteilen, so besteht eine  

-   33   - 

wesentlich aktivere und steuernde Komponente, die es nicht erlaubt, von einer 

schweren Störung zu sprechen.  

Sodann (Urk. 85 S. 53 Frage 3.): 

Unter 1a wurde bereits ausgeführt, dass ein potentiell schuldmindernder Zusammen-

hang zwischen Persönlichkeitsproblematik, Spielsucht und Delinquenz nur dann  

bejaht werden kann, wenn man die Delikte als Ausdruck eines Bemühens des  

Angeklagten versteht, eine vorab etablierte Scheinidentität aufrecht zu erhalten. 

Wenn man aus juristischer Sicht jedoch der Meinung sein sollte, dass die Schei-

nidentität Mittel dazu gewesen ist, möglichst rasch an grössere Geldsummen zu 

kommen, wäre ein solcher potentiell schuldmindernder Zusammenhang nicht  

gegeben.  

Dem Gutachten ist keine eindeutige Antwort zu entnehmen. Es ist allerdings mit 

der Anklagebehörde davon auszugehen, dass der Angeklagte nicht ausschliess-

lich aufgrund finanzieller Absichten handelte, sondern auch, um die von ihm  

kreierte Scheinidentität aufrecht zu erhalten. Dies entspricht schliesslich auch der 

- zwar verklausulierten - Ansicht des Gutachters (Urk. 85 S. 48 Abs. 3):  

Alternativ kommt dennoch auch die Möglichkeit in Betracht, dass der Angeklagte 
bewusst mittels Lügengeschichten, Gelder für seine überzogenen Lebens-
führung generiert hat. Aus psychiatrischer Sicht ist diese Sichtweise weniger 
stimmig mit der Entwicklung der Jahre 2006-2009 in Deckung zu bringen als die  
erste Variante (…) 

Insbesondere wurde das Vorliegen eines pathologischen Spielverhaltens bejaht 

(Frage 1. b], S. 53). Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 58 S. 65) ist  

deshalb für die Vorfälle im Jahre 2008 von Einbussen der Hemmungsfähigkeit 

auszugehen, die eine leichte Verminderung der Schuldfähigkeit nach sich ziehen 

(Urk. 85 S. 54 Frage 4. b]). Mithin war die Entscheidungsfreiheit des Angeklagten, 

sich für oder gegen das Unrecht zu entscheiden, in diesem Zeitraum leicht einge-

schränkt. 

-   34   - 

In subjektiver Hinsicht ist weiter festzuhalten, dass das Verschulden eines Täters, 

der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das  

Verschulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt. 

Das ist beim Verschulden zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004, Erw. II. 7.5.; Stratenwerth, 

Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006, S. 185 f. N 25 ff. und  

Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 89 zu Art. 47 StGB). Der Angeklagte 

hatte einen direkt auf die Tatbestandsverwirklichung gerichteten Willen, was sich  

verschuldensmässig zu seinen Ungunsten auswirkt. 

Nach Beurteilung der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass trotz vorsätz-

licher Tatbegehung die verschuldensmindernden Faktoren überwiegen. Die leicht 

verminderte Schuldfähigkeit führt zu einer leichten Relativierung des objektiven 

Verschuldens, da der Schuldvorwurf, der einem nur vermindert schuldfähigen  

Täter gemacht werden kann, verglichen mit einem voll schuldfähigen Täter  

geringer ist (vgl. hierzu BGE 134 IV 132 E. 6.1., BGE 136 IV 55 E. 5.5.). Somit ist 

das Gesamtverschulden des Angeklagten bezüglich der mehrfachen Verun-

treuung nun als nicht mehr leicht einzustufen.  

4.1.3 Einsatzstrafe 

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei 

nicht besonders schweren Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis 

mittleren Teil des vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen  

Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr 

schwerem Verschulden des Täters auszusprechen (Wiprächtiger in BSK Straf-

recht-I, a.a.O., N 15 zu Art. 47 StGB). Wären vorliegend einzig die mehrfache  

Veruntreuung (ND1) zu beurteilen, wäre nach Einschätzung der Tatkomponente 

eine Einsatzstrafe im Bereich von rund 18 Monaten angemessen.  

 

 

-   35   - 

4.2 Straferhöhung aufgrund der Deliktsmehrheit  

4.2.1 Erpressung (ND2) 

Das Vorgehen des Angeklagten ist in diesem Punkt mit der Vorinstanz als weder 

besonders originell noch raffiniert zu bezeichnen. Auf die diesbezüglichen Ausfüh-

rungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 85 S. 63; § 161 GVG/ZH). 

Wie die Vorinstanz richtig anführte, erschöpfte sich die Erpressungshandlung im 

Briefeschreiben. Allerdings zeugt es von einiger Durchtriebenheit, dass sich der 

Angeklagte Informationen über die finanziellen Verhältnisse der Geschädigten, an 

die er im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit gelangt war, derart zu Nutze  

machte. Weiter ist es dreist, einer alleinstehenden Frau mit der Ermordung ihres 

Sohnes zu drohen. Dass er seiner Forderung mit einem zweiten Brief Nachdruck 

verlieh, zeigt auch, dass er eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag legte. Wie 

eingangs erwähnt ist strafmindernd zu berücksichtigen, dass er die strafbare 

Handlung aus eigenem Antrieb nicht zu Ende führte (vgl. vorstehend Ziff. II. 1.3.-

1.4). In Anbetracht sämtlicher unter den Tatbestand der versuchten Erpressung 

fallenden Tatbestandsvarianten ist das vorliegende Verschulden nach Beurteilung 

der objektiven Tatschwere als noch leicht zu bezeichnen. 

Bezüglich der subjektiven Tatkomponente ist festzuhalten, dass der Angeklagte 

jeweils geltend machte, er habe aus Geldnot gehandelt. Dass er zu diesem Zeit-

punkt bereits beachtliche Schulden hatte, lässt den Tatentschluss zwar etwas 

nachvollziehbarer erscheinen, kann ihn aber nicht entlasten. Die Tat steht in  

keinem Verhältnis zu seinen Geldproblemen. Weiter ist festzuhalten, dass der 

Angeklagte direktvorsätzlich handelte, jedoch eine leicht verminderte Schuld-

fähigkeit vorliegt (vorstehend Ziff. III. 4.1.2), weshalb das objektive Tatver-

schulden leicht relativiert wird. 

4.2.2 Urkundenfälschung (HD) 

Auch hinsichtlich des objektiven und subjektiven Tatverschuldens der Urkunden-

fälschung kann auf den angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 58 

S. 62 f. und S. 64 f.; § 161 GVG/ZH). Zu Recht wurde festgehalten, dass einem 

-   36   - 

Empfangsschein eines Einzahlungsscheines im Rechtsverkehr kein besonders 

grosses Vertrauen als Beweismittel zukommt. Wiederum springt das unprofessio-

nelle Vorgehen des Angeklagten ins Auge; von Hand änderte er vier Nullen in 

Sechsen ab. Allerdings war auch diese Tat geplant und wohlüberlegt.  

Mit der Vorinstanz handelte der Angeklagte aus nichtigem Grund, nämlich um im 

Besitz seiner … [Kreditkarte] zu bleiben und eine … [weitere Kreditkarte] zu erhal-

ten. Vom subjektiven Tatverschulden her ist ihm das direktvorsätzliche Vorgehen 

anzulasten. Allerdings wird auch hier die objektive Tatschwere aufgrund der leicht 

verminderten Schuldfähigkeit relativiert. Nach Beurteilung der objektiven und sub-

jektiven Tatschwere ist das Verschulden des Angeklagten bezüglich der Urkun-

denfälschung als noch leicht einzustufen. 

4.2.3 Veruntreuung des Mercedes-Benz (ND3)  

Vorliegend richtet sich die strafbare Handlung des Angeklagten gegen das Ver-

mögen der Geschädigten H._____ AG. Der Plan des Angeklagten, mit dem Ver-

kauf des von ihm geleasten Autos die ausstehenden Leasingraten zu bezahlen, 

war unbedarft und zeugt nicht von erheblicher krimineller Energie.  

Zudem bezahlte er nach dem Verkauf die Leasingraten - wie dies die Vorinstanz 

bereits erwähnte - solange zurück, als es seine finanziellen Verhältnisse zuliessen 

(Urk. 58 S. 63 f.).  

Der Angeklagte handelte abermals mit direktem Vorsatz. Zu berücksichtigen ist, 

dass der Angeklagte dieses Delikt im Juni 2009 beging, mithin nicht mehr von  

einer leicht verminderten Schuldfähigkeit auszugehen ist (vgl. vorstehend Ziff. III. 

4.1.2). Das objektive Tatverschulden des Angeklagten wird aufgrund der  

subjektiven Tatkomponente nicht verändert. Insgesamt ist das Tatverschulden 

bezüglich der Veruntreuung als noch leicht einzustufen. 

4.3 Tatverschulden 

Die nach Beurteilung der Tatkomponente hinsichtlich der mehrfachen Veruntreu-

ung festgesetzte Einsatzstrafe von rund 18 Monaten (vgl. vorstehend Ziff. III. 

4.1.3) ist unter Berücksichtigung des Asperationsprinzipes wegen der  

-   37   - 

Deliktsmehrheit angemessen zu erhöhen. Aufgrund der versuchten Erpressung, 

der Urkundenfälschung und der Veruntreuung rechtfertigt sich die Erhöhung der 

vorgenannten Einsatzstrafe um ca. 10 Monate. 

5. Täterkomponente 

5.1 Zum Vorleben des Angeklagten kann auf die Untersuchungsakten, die  

Erwägungen im angefochtenen Entscheid sowie auf das psychiatrische Gutach-

ten verwiesen werden (Urk. 58 S. 65 ff. Ziff. 2.3.; Urk. 85 S. 16-22; § 161 

GVG/ZH). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde aktualisierend ausgeführt, 

dass der Angeklagte weiterhin bei N._____ tätig ist und monatlich zwischen  

Fr. 2'000.– und Fr. 2'500.– verdient. Er wohnt nach wie vor mit seinem jüngeren 

Bruder in der Wohnung seiner Eltern in O._____. Für den Mietzins kommen  

letztere auf. Der Angeklagte führt keine Beziehung und ist kinderlos. Seine  

Schulden belaufen sich auf Fr. 1,2 bis 1,3 Millionen. Er bezahlt monatlich Raten in 

Höhe von Fr. 1'000.– an verschiedene Gläubiger, wobei er dem Gläubiger 

B._____ noch nichts zurückbezahlen konnte (Prot. II S. 7 ff.). Seit Januar 2011 

befindet er sich aufgrund seiner Spielsucht in Einzeltherapie (Urk. 67). Insgesamt 

lassen sich aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Ange-

klagten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten, die über das hinaus-

gehen würden, was im Rahmen der subjektiven Tatschwere ausgeführt wurde 

(vorstehend Ziff. III 4.1.2). 

5.2 Der Angeklagte hat im Jahre 2006 eine Vorstrafe erwirkt (vgl. Urk 59). 

Auch wenn diese Vorstrafe nicht einschlägig ist (es handelt sich um eine grobe 

Verletzung der Verkehrsregeln mir einer Busse in Höhe von Fr. 1'300.–) kann sie 

bei der Strafzumessung, entgegen der Vorinstanz (Urk. 58 S. 67 Ziff. 2.3.2.), nicht 

völlig ausser Betracht fallen.  

 

Die Rechtslehre hält die Berücksichtigung der Vorstrafen bei der Strafzumessung 

zwar teilweise für fragwürdig. Für grösste Zurückhaltung bei der Berücksichtigung 

dieser Strafzumessungstatsache wegen ihrer Ambivalenz spricht sich - neben 

Stratenwerth (Schweizerisches Strafrecht, AT II, Bern 2006, § 6 N 43 f.) - auch 

Trechsel aus. Er präzisiert indes, dass das Vorleben des Angeklagten für die 

-   38   - 

Strafzumessung nicht völlig belanglos sein kann (Trechsel, Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, a.a.O., N 20 und 20a zu Art. 63 aStGB).  

Gemäss gefestigter Rechtsprechung messen die Gerichte dem Umstand, dass 

der Täter durch Vorstrafen (auch im Ausland: BGE 105 IV 226 und Wiprächtiger 

in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N 102 zu Art. 47 StGB; Donatsch/Flachsmann/ 

Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, a.a.O., N14 zu Art. 47 StGB samt 

Zitaten) oder nur schon durch frühere Strafverfahren gewarnt worden war, straf-

erhöhende Wirkung zu (vgl. dazu auch Wiprächtiger in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., 

N 104 zu Art. 47 StGB). Dabei spielt es für die grundsätzliche Berücksichtigung 

als Strafzumessungsfaktor keine Rolle, ob mit dem früheren Entscheid eine  

Busse oder eine Freiheitsstrafe ausgefällt worden ist (vgl. Urteil des Bundes-

gerichtes 6S.26/2002 vom 17. Juli 2002). An dieser Rechtsprechung hält das 

Bundesgericht in konstanter Rechtsprechung fest (BGE 121 IV 62, 122 IV 241). 

Von dieser gefestigten Rechtsprechung abzuweichen besteht im vorliegenden 

Verfahren kein Anlass.  

 

Die Vorstrafe des Angeklagten ist folglich - da sie doch schon einige Jahre zurück 

liegt und nicht einschlägig ist - nur, aber immerhin, minim straferhöhend zu  

gewichten.  

5.3 Straferhöhend ist ihm - wie die Vorinstanz korrekt anführte - das Delinquie-

ren während laufender Strafuntersuchung anzurechnen. Auf die entsprechenden 

Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 58 S. 69 Ziff. 2.4.2.; § 161 GVG/ZH). 

5.4 Zurecht verneinte die Vorinstanz eine besondere Strafempfindlichkeit 

(Urk. 58 S. 67 Ziff. 2.3.3.; § 161 GVG/ZH).  

5.5 Hinsichtlich den Ausführungen zum Nachtatverhalten ist abermals auf den 

angefochtenen Entscheid zu verweisen (Urk. 58 S. 67 ff. Ziff. 2.3.4.; § 161 

GVG/ZH). Auch seine Aussagen im Berufungsverfahren bringen eine gewisse 

Einsicht und Reue zu Tage (bspw. Prot. II S. 14). Zusammenfassend ist festzu-

halten, dass die Geständnisse, das kooperative Verhalten des Angeklagten sowie 

die Einsicht und Reue deutlich strafmindernd wirken. 

-   39   - 

6. Gesamtwürdigung 

Bei den Täterkomponenten wiegen sich die negativen und positiven Faktoren in 

etwa auf, weshalb die nach der Tatkomponente festgesetzte Einsatzstrafe (unter 

Berücksichtigung der Straferhöhung aufgrund der Deliktsmehrheit; vorstehend 

Ziff. III. 4.3) unverändert bleibt. Den Taten und dem Verschulden des Angeklagten 

angemessen erscheint somit eine Gesamtstrafe von 28 Monaten Freiheitsstrafe. 

Die durch Untersuchungshaft erstandenen 10 Tage sind ihm an die Freiheitsstrafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB). 

IV. Massnahme / Vollzug 

1. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeignet ist, 

der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, wenn ein Behandlungs-

bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und 

wenn die Voraussetzungen von Art. 59 bis 61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind 

(Art. 56 Abs. 1 StGB). Sie setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Eingriff in die 

Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit und 

Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 StGB). 

Das Gericht muss sich bei seinem Entscheid über die Anordnung einer stationä-

ren Massnahme zur Behandlung psychischer Störungen nach Art. 59 StGB auf 

eine sachverständige Begutachtung stützen, die sich über die Notwendigkeit und 

die Erfolgsaussichten einer Behandlung des Täters, die Art und die Wahrschein-

lichkeit weiterer möglicher Straftaten und die Möglichkeiten des Vollzugs der 

Massnahme äussert (Art. 56 Abs. 3 lit. a und lit. b StGB). Sind mehrere Mass-

nahmen in gleicher Weise geeignet, ist aber nur eine notwendig, so ordnet das 

Gericht diejenige an, die den Täter am wenigsten beschwert (Art. 56a Abs. 1 

StGB). 

2. Die Vorinstanz sah von der Anordnung einer ambulanten Massnahme ab mit 

der Begründung, dass die vom Angeklagten für seine Delinquenz gelieferte nach-

vollziehbare Erklärung nicht auf eine Massnahmebedürftigkeit desselben hindeute 

(Urk. 58 S. 70 f. Ziff. 4). 

-   40   - 

3.1 Den Akten liegt das nach Durchführung der Berufungsverhandlung erstellte 

Gutachten der P._____ [Klinik] vom 21. November 2011, erstellt von PD Dr. med. 

E._____, bei (Urk. 85).  

3.2 Die Verteidigung erachtet in ihrer Stellungnahme zum Gutachten die Mas-

snahmebedürftigkeit, die Massnahmefähigkeit und die Massnahmewilligkeit des 

Angeklagten als gegeben (Urk. 88). Die zusätzliche Anordnung einer  

ambulanten Massnahme ist auch unter Berücksichtigung des Verschlechterungs-

verbotes (§ 399 StPO/ZH sowie Art. 391 StPO) zulässig (vgl. dazu Donatsch/ 

Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 

2010, N 16 zu Art. 391 StPO und Donatsch/Schmid, Kommentar zur Straf-

prozessordnung des Kantons Zürich, N12 zu § 399 StPO/ZH). Im Übrigen liess 

der Angeklagte im Rahmen des Berufungsverfahrens einen entsprechenden 

Eventualantrag stellen (Urk. 50 S. 3). 

3.3 Die Staatsanwaltschaft beantragte in der diesbezüglichen Stellungnahme, 

es sei eine ambulante Behandlung anzuordnen, zumal gemäss Gutachter eine 

therapeutische Intervention die Gefahr weiterer Straftaten reduziere. Die Voraus-

setzungen für einen Aufschub des Strafvollzugs zwecks Durchführung der  

ambulanten Behandlung sei indes nicht gegeben (Urk. 92 S. 2). 

4.1 Hinsichtlich der Legalprognose wird im Gutachten festgehalten, dass die 

Persönlichkeitsproblematik, wenn auch abgeschwächt, fortbestehe. Da der Ange-

klagte bislang keine vollständige Distanz zu seinem pathologischen Spielen habe 

gewinnen können, sei ein hohes Risiko dafür ersichtlich, dass der Angeklagte  

weitere Straftaten ähnlich der zur Verhandlung stehenden Delikte begehen  

könnte. Bezüglich der Zweckmässigkeit einer Massnahme kommt der Gutachter 

zum Schluss, dass eine Strafe bzw. die aktuell im Raum stehende Strafan-

drohung den Angeklagten durchaus beeindrucke, es aber therapeutischer  

Interventionen bedürfe, um die Gefahr weiterer Straftaten effektiv reduzieren zu 

können (Urk. 85 S. 54 f.). Weiter wird bezüglich der Massnahmebedürftigkeit  

angeführt, dass die Selbstwertproblematik sowie das pathologische Spielen einer 

therapeutischen Behandlung bedürfe. Hierfür sei eine ambulante Behandlung 

nach Art. 63 StGB geeignet. Diese könne aus psychiatrischer Sicht auch während 

-   41   - 

oder nach dem Vollzug einer Freiheitsstrafe durchgeführt werden (Urk. 85  

S. 55 ff.).  

4.2 Diese Ausführungen des Gutachters sind ohne Weiteres nachvollziehbar. 

Den Empfehlungen des Gutachters kann gefolgt werden. Demgemäss sind Mas-

snahmebedürftigkeit und Massnahmefähigkeit als Voraussetzungen für die An-

ordnung einer ambulanten Massnahme gegeben. Die Massnahmewilligkeit des 

Angeklagten wird von der Verteidigung bejaht und seitens des Angeklagten  

dahingehend untermauert, dass er sich bereits einer Therapie unterzieht  

(Urk. 67). Somit ist auch die Massnahmewilligkeit gegeben, womit beim Angeklag-

ten sämtliche Voraussetzungen für die Anordnung einer ambulanten Massnahme 

nach Art. 63 Abs. 1 StGB erfüllt sind und eine solche anzuordnen ist. 

5.1 Wie bereits vorstehend erwogen (Ziff. IV. 4.1) kann bei einem mass-

nahmebedürftigen Angeklagten nicht vom Fehlen einer ungünstigen Legal-

prognose ausgegangen werden, wie dies im Sinne von Art. 42 und 43 StGB  

verlangt wird (BGE 135 IV 180 E. 2.3. mit Hinweisen; BGE 6B_342/2010 E. 3.5.2.; 

BGE 134 IV 1 E. 5.6; BGE 134 IV 60 E. 7.4). Die heute auszufällende Sanktion 

wäre daher ohne Weiteres ganz zu vollziehen. Der Vollzug wurde indes vor erster 

Instanz teilbedingt ausgesprochen; da der Angeklagte die einzig appellierende 

Partei ist, hat es im Berufungsverfahren damit sein Bewenden (§ 399 StPO/ZH), 

und der unbedingte Teil der Strafe ist bei zwölf Monaten zu belassen. Ent-

sprechend ist auch die Probezeit von zwei Jahren zu bestätigen. 

5.2 Gemäss Art. 63 Abs. 2 StGB kann das Gericht den Vollzug einer zugleich 

ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten  

Behandlung aufschieben. Entsprechend der bisherigen konstanten Praxis gilt  

jedoch der Grundsatz, dass die Strafe vollstreckt und die ambulante Massnahme 

gleichzeitig durchgeführt wird. Folglich ist vom Ausnahmecharakter des Strafauf-

schubs auszugehen (Heer in: BSK Strafrecht-I, a.a.O., N39 zu Art. 63 N 57 ff.). 

Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichtes zu Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 aStGB ist 

der Strafaufschub anzuordnen, wenn eine tatsächliche Aussicht auf erfolgreiche 

Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe  

erheblich beeinträchtigt würde. Die Therapie geht vor, falls eine Behandlung gute 

-   42   - 

Resozialisierungschancen bieten, welche der Strafvollzug klarerweise verhindern 

oder vermindern würde (BGE 129 IV 161 ff.; 124 IV 246 E. 2b; 120 IV 1 E 2b.). 

Daran hat sich auch unter Geltung des neuen Rechts nichts geändert (Donatsch/ 

Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar zum StGB, a.a.O., N 7 zu Art. 63 StGB). 

Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, von diesem Grundsatz abzuweichen. 

Insbesondere verneint der Gutachter nachvollziehbar, dass der gleichzeitige Voll-

zug der Freiheitsstrafe die ambulante Behandlung verunmöglichen oder beein-

trächtigen würde (Urk. 85 S. 55 Frage 8.b]). Die Freiheitsstrafe ist deshalb im  

vorinstanzlich festgelegten Umfang zu vollziehen und die ambulante Massnahme 

vollzugsbegleitend anzuordnen. 

V. Kostenfolgen 

1. Der Angeklagte obsiegt mit seiner Berufung teilweise, indem die Strafe  

gegenüber dem vorinstanzlichen Entscheid leicht reduziert wird. Auf der anderen 

Seite unterliegt er mit dem beantragten Freispruch. Gestützt auf § 396a StPO/ZH 

sind deshalb die Kosten des Berufungsverfahrens dem Angeklagten zu zwei  

Drittel aufzuerlegen. Der restliche Drittel der Gerichtskosten und die Kosten der 

amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.  

2 Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung der Verordnung über die Gerichtsge-

bühren vom 4. April 2007 auf Fr. 4’000.– zu veranschlagen (§ 12 Ziff. 2 i.V.m. 

§ 13 GerGebV). 

 

 

 

 

 

 

-   43   - 

Das Gericht hat am 21. April 2011 beschlossen: 
 

1. Es wird festgestellt, dass der Entscheid des Bezirksgerichts Zürich,  

4. Abteilung, vom 4. Oktober 2010 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Das Gericht beschliesst: 

1.  Auf die Anklage betreffend versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gemäss HD (Anklage Ziffer I) wird nicht einge-

treten. 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig 

− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

− ...  

− .... . 

2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 

Abs. 1 StGB gemäss ND 1. 

3. … 

4. … 

5. Der Angeklagte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten 

B._____ (ND 1) Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab  

23. September 2008 zu bezahlen. 

6. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) für das  

gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 

7.6%) zu bezahlen. 

 

 

-   44   - 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr.     Kosten der Kantonspolizei  

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr.     Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 6'403.30   amtliche Verteidigung  
 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Ange-

klagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskas-

se genommen. 

 

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. November 2009  

beschlagnahmten Fr. 46'655.85 werden definitiv beschlagnahmt und nach Eintritt der 

Rechtskraft dem Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine  

Schadenersatzforderung gemäss Urteilsdispositiv Ziff. 5 auf erstes Verlangen über-

wiesen." 

 
2. Am 21. April 2011 mündlich eröffnet und im Dispositiv überbracht resp. ver-

sandt.  

und hat am 21. April 2011 erkannt: 

1. Der Angeklagte A._____ ist zudem schuldig  

− der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Ver-

bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 2) sowie 

− der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 3). 

-   45   - 

2. Am 21. April 2011 mündlich eröffnet und im Dispositiv überbracht resp. ver-

sandt.  

Sodann erkennt das Gericht am 17. April 2012: 

1. Der Angeklagte wird bestraft mit 28 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 10 Tage 

durch Untersuchungshaft erstanden sind. 

2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 16 Monaten aufge-

schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate 

abzüglich 10 Tage) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

3. Es wird eine strafvollzugsbegleitende ambulante Behandlung des Angeklag-

ten im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet.  

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.--  ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 14'397.--   Gutachten 

Fr.     amtliche Verteidigung 
  

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Angeklagten zu zwei Drittel auferlegt. Der 

restliche Drittel und die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die 

Gerichtskasse genommen.  

6. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden  
des Angeklagten 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- 

und Vollzugsdienste  
− den Geschädigtenvertreter lic. iur. Y._____, im Doppel für sich und  

zuhanden des Geschädigten B._____ (im Dispositivauszug zur Kennt-
nisnahme) 

-   46   - 

sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechts-

mittel an 

− die Vorinstanz 
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- 

und Vollzugsdienste 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A  

7. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 
 
 

Der Vorsitzende: 
 
 
 

lic. iur. P. Marti 

Die juristische Sekretärin: 
 
 
 

lic. iur. C. Semadeni 
 

 
 

	Urteil vom 21. April 2011 und vom 17. April 2012 (Schuldinterlokut im Sinne von § 250 StPO/ZH)
	Anklage:
	Entscheid der Vorinstanz:
	Das Gericht erkennt:
	1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig
	 der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
	 der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
	 der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
	 der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

	2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB gemäss ND 1.
	3. Der Angeklagte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon  10 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
	4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben  und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich  10 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	5. Der Angeklagte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab  23. September 2008 zu bezahlen.
	6. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) für das  gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 7.6%) zu bezahlen.
	7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  Angeklagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die  Gerichtskasse genommen.
	9. (Mitteilung)
	10. (Rechtsmittel)
	Sodann beschliesst das Gericht:
	1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. November 2009  beschlagnahmten Fr. 46'655.85 werden definitiv beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft dem Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine  Schadenersatzforderun...
	2. (Mitteilung)
	3. (Rechtsmittel)“
	Berufungsanträge: (Prot. II S. 3 f.)
	1. Beim Vorwurf der versuchten Erpressung (ND2) sei von einer  Bestrafung des Beschuldigten A._____ abzusehen.
	2. Der Beschuldigte A._____ sei vom Vorwurf der Veruntreuung im Anklagepunkt ND3 freizusprechen.
	3. A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu bestrafen unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges, unter  Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren;
	eventualiter sei eine sachverständige Begutachtung des Beschuldigten und Appellanten seine Spielsucht betreffend anzuordnen und eine  allfällige unbedingte Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme i.S.v. Art. 63 StGB aufzuschieben.
	[recte: den eventualiter gestellten Antrag hat die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21.04.2011 zurückgezogen, vgl. Prot. II. S. 29 f.]
	4. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens sowie die  Verteidigungskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.
	Erwägungen:
	I.  Prozessuales
	1. Verfahrensgang
	Mit Entscheid des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 4. Oktober 2010 wurde auf die Anklage vom 15. April 2010 gegen den Angeklagten A._____ betreffend versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB g...
	2. Anwendbares Recht
	Per 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) in Kraft getreten. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel gegen  Entscheide, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden sind, nach bisherigem Recht u...
	3. Rechtskraft
	3.1 Gegen den vorerwähnten Entscheid des Bezirksgerichtes Zürich vom 4. Oktober 2010 liess der Angeklagte durch Eingabe seines Verteidigers vom  5. Oktober 2010 (Urk. 41) und mithin rechtzeitig (Prot. I S. 25 f. und Urk. 40/1)  Berufung erheben.
	3.2 Fristgerecht (Urk. 40/1) liess der Angeklagte unter dem 4. Januar 2011 (Urk. 50) seine Beanstandungen am erstinstanzlichen Entscheid vortragen. Dementsprechend richtet sich die Berufung des Angeklagten gegen den Schuldspruch in Bezug auf die versu...
	3.3 Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 21. April 2011 beantragte die Verteidigung die Bestrafung des Angeklagten mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Eventualiter sei eine sachverständige Begutachtung des  Angeklagten - dessen Spie...
	3.4 Dementsprechend ist festzustellen, dass der erstinstanzliche Entscheid wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

	"Das Gericht beschliesst:
	1.  Auf die Anklage betreffend versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gemäss HD (Anklage Ziffer I) wird nicht eingetreten.
	2. (Mitteilung)
	3. (Rechtsmittel)
	Das Gericht erkennt:
	1. Der Angeklagte A._____ ist schuldig
	- der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
	- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
	- ...
	- ...
	2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB gemäss ND 1.
	3. (…)
	4. (…)
	5. Der Angeklagte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) Fr. 1'249'000.– Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins ab  23. September 2008 zu bezahlen.
	6. Der Angeklagte wird verpflichtet, dem Geschädigten B._____ (ND 1) für das  gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'500.– (zuzüglich MwSt von 7.6%) zu bezahlen.
	7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem  Angeklagten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die  Gerichtskasse genommen.
	9. (Mitteilung)
	10. (Rechtsmittel)
	Sodann beschliesst das Gericht:
	1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 4. November 2009  beschlagnahmten Fr. 46'655.85 werden definitiv beschlagnahmt und nach Eintritt  der Rechtskraft dem Geschädigten B._____ (ND 1) in Anrechnung auf seine  Schadenersatzforderu...
	2. (Mitteilung)
	3. (Rechtsmittel)"
	4. Schuldinterlokut und Anordnung einer sachverständigen Begutachtung
	4.1 Wie unter vorstehend Ziff. 3.3 erwähnt hat das Gericht unabhängig des von der Verteidigung zurückgezogenen Eventualantrages die Notwendigkeit einer  Begutachtung des Angeklagten wie auch eine mögliche Massnahme von Amtes wegen zu prüfen.
	4.1.1 Gemäss Art. 20 StGB hat das Gericht eine sachverständige Begutachtung eines Angeklagten nur anzuordnen, wenn ernsthafter Anlass zu Zweifeln an der Schuldfähigkeit besteht, dann aber stets (Felix Bommer in BSK StGB  II, 2.A., Basel 2007, N 7 zu A...
	Die Notwendigkeit, einen Sachverständigen zuzuziehen, ist erst gegeben, wenn Anzeichen vorliegen, die geeignet sind, Zweifel hinsichtlich der vollen Schuldfähigkeit zu erwecken, wie etwa ein Widerspruch zwischen Tat und Täterpersönlichkeit oder völli...
	Die Frage, ob eine Massnahme anzuordnen sei, begründet selbständig eine  Begutachtungspflicht (Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/ St. Gallen 2008, N 3 zu Art. 20 StGB).   4.1.2 Schon zu Beginn der Untersuchung war das...
	Im Mai 2009 schrieb der Angeklagte auch an den Untersuchungsrichter und legte damit Zeugnis von seinem exorbitanten Spielverhalten ab (Urk. ND 1/9/5).   Auch bei der Kantonspolizei … sagte der Angeklagte in gleicher Weise aus. Er habe Geld weggenommen...
	In Urk. ND 1/5/1 S. 8 f. findet sich sodann eine Aufstellung über die Schulden des Angeklagten.   Der Angeklagte hatte bereits bei seiner Tätigkeit im G._____ eine Aufstellung über Personen mit ihren Vermögensbeträgen gemacht (Urk. ND 1/5/3 S. 6).
	Auch Gewinne, die der Angeklagte beim Lotto (ca. Fr. 60'000.--) und im Casino (ca. Fr. 130'000.--) gemacht habe, habe er innerhalb kürzester Zeit wieder verspielt (Urk. ND 1/5/14 S. 3).  Vom veruntreuten Geld habe er Überweisungen an seinen Lotto-Kios...
	4.1.3 In Anbetracht all dieser Umstände und nach Durchführung der Berufungsverhandlung vom 21. April 2011 befand die erkennende Kammer, dass sich Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten ergeben und sich insbesondere die Frage der Behandlungsbed...
	4.2 Am 22. November 2011 ging das psychiatrische Gutachten von PD Dr. med. E._____ vom 21. November 2011 bei der hiesigen Kammer ein (Urk. 85). Die entsprechenden Stellungnahmen der Verteidigung und der  Anklagebehörde wurden eingeholt (Urk. 86 bis Ur...
	II.  Schuldpunkt
	1. Versuchte Erpressung
	1.1 Der äussere Sachverhalt, wie er der Anklage zugrunde liegt, wurde - wie das die Vorinstanz richtig gesehen hat - durch den Angeklagten eingestanden (Urk. 58 S. 15 Ziff. 1.). Ebenfalls zutreffend ist die Auffassung der Vorinstanz, dass die Aussagen...
	1.2 Die Verteidigung beanstandet, die Auffassung der Vorinstanz, bei Annahme der versuchten Erpressung müsse der objektive Tatbestand nicht vollständig erfüllt sein, gehe fehl (Urk. 50 S. 2 Ziff. 1.; Urk. 58 S. 16 f. Ziff. 2.4.). Was die Verteidigung