# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd68b21f-75b3-5535-87b5-36f031dbdcbd
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.09.2011 IV 2011/49, IV 2011/50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-49--IV-2011-_2011-09-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/49, IV 2011/50

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.06.2020

Entscheiddatum: 20.09.2011

Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2011
Art. 13 IVG Kostenübernahme einer spezifisch zur Behandlung von Ess- und 
Fütterstörungen ausgerichteten Psychotherapie eines Kindes und seiner 
Eltern im Rahmen von Art. 13 IVG. Rückweisung zu weiteren Abklärungen, 
da aufgrund der Aktenlage nicht erstellt ist, dass ein Geburtsgebrechen 
Ursache der Ess- und Fütterstörung ist (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. September 2011, IV 
2011/49 und IV 2011/50).

Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2011

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Matthias Burri

Entscheid vom 20. September 2011

in Sachen

SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,

Beschwerdeführerin 1,

A.___,

Beschwerdeführerin 2,

vertreten durch ihren Vater,

gegen

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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

medizinische Massnahmen (Psychotherapie) für A.___

Sachverhalt:

A.     

A.a   Die am … 2009 geborene A.___ wurde am 7. Oktober 2009 (Eingangsdatum) zum 

Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung für Versicherte vor dem 20. Altersjahr 

angemeldet. Es seien ihr medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit den 

Geburtsgebrechen Ziff. 494 und Ziff. 497 gemäss Anhang der Verordnung über 

Geburtsgebrechen auszurichten (IV-act. 1-1 ff.).

A.b   Das Ostschweizer Kinderspital St. Gallen (Dr. med. B.___) stellte im Arztbericht 

vom 27. Oktober 2009 folgende Diagnosen (IV-act. 8-3): frühgeborenes Mädchen (26 

1/7 SSW, GG 460 g), intrauterine Wachstumsretardierung bei Päeklampsie, 

Atemnotsyndrom bei HMK Grad II - III (konventionelle Beatmung, bzw. 

Hochfrequenzbeatmung vom 2. Oktober 2009 - 5. Oktober 2009), Verdacht auf 

pulmonale Infektion bei Nachweis von koagluase-neg. Staphylokokken (Trachsekret), 

persistierender Ductus arteriosus. Die Versicherte leide an den Geburtsgebrechen Ziff. 

494 (Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2000 g bis zur Erreichung eines 

Gewichtes von 3000 g), Ziff. 495 (schwere neonatale Infekte, sofern sie in den ersten 72 

Lebensstunden manifest werden und eine Intensivbehandlung begonnen werden 

muss), Ziff. 497 (schwere respiratorische Adaptionsstörungen), Ziff. 313 (angeborene 

Herz- und Gefässmissbildungen) und Ziff. 247 (Syndrom der hyalinen Membranen). Im 

Bericht des Kinderspitals St. Gallen vom 19. Februar 2010 wurden zusätzlich die 

Geburtsgebrechen Ziff. 303 (Hernia inguinalis lateralis) und Ziff. 395 (leichte cerebrale 

Bewegungsstörungen) diagnostiziert (IV-act. 28-5 ff.).

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A.c   Die IV-Stelle gewährte diverse Kostengutsprachen für medizinische Massnahmen 

im Zusammenhang mit den diagnostizierten Geburtsgebrechen (IV-act. 14 ff., 42 ff.), so 

auch für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 395 (IV-act. 43).

A.d   Am 14. September 2010 beantragte Dr. med. C.___, Jugendmedizinische Klinik, 

Psychosomatik, Ostschweizer Kinderspital St. Gallen, die Kostenübernahme für 

psychotherapeutische Leistungen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 

395. Die Versicherte werde im Ostschweizer Kinderspital innerhalb des 

multiprofessionellen Behandlungsteams für frühkindliche Ess- und 

Fütterungsstörungen behandelt (IV-act. 55).

A.e   Mit Mitteilung vom 1. Dezember 2010 lehnte die IV-Stelle die Kostenübernahme 

für die beantragten psychotherapeutischen Massnahmen ab (IV-act. 58).

A.f    Am 22. Dezember 2010 verlangte der Vater der Versicherten eine 

beschwerdefähige Verfügung (IV-act. 59). In der Folge verneinte die IV-Stelle mit 

Verfügung vom 3. Januar 2011 die Kostenübernahme der Psychotherapie als 

medizinische Massnahme nach Art. 13 IVG. Das Gesuch könne auch nicht nach Art. 12 

IVG geprüft werden, da die Psychotherapie bis zum heutigen Zeitpunkt nicht 

ununterbrochen während eines Jahres angedauert habe (IV-act. 60).

B.    

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der SWICA 

Krankenversicherungsanstalt AG als vorleistende Versicherungsträgerin vom 3. Februar 

2011 (Beschwerdeführerin 1) sowie die in Vertretung der Versicherten von ihrem Vater 

eingereichte Beschwerde vom 4. Februar 2011 (Beschwerdeführerin 2). Die 

Beschwerdeführerinnen beantragen die Aufhebung der Verfügung. Die 

Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die Kosten der Psychotherapie zur 

Behandlung der Ess- und Fütterstörung aufzukommen (act. G 1, IV 2011/49; act. 1, IV 

2011/50).

B.b   Mit Beschwerdeantworten vom 21. März 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerden und verweist zur Begründung auf die Stellungnahme 

Fachbereich vom 17. März 2011 (act. G 4, IV 2011/49; act. G 4, IV 2011/50).

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B.c   Die Beschwerdeführerin 1 verzichtet am 5. April 2011 auf eine Replik und verweist 

auf ihre Beschwerde (act. G 6, IV 2011/49).

B.d   Mit Replik vom 10. April 2011 hält die Beschwerdeführerin 2 sinngemäss an ihrem 

Antrag fest und verweist ergänzend auf das Schreiben von Dr. C.___ vom 1. April 2011 

(act. G 6 f., IV 2011/49).

B.e   Am 15. April 2011 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik in der 

Streitsache IV 2011/50 und verweist auf ihre Ausführungen in der Beschwerdeantwort 

(act. G 8, IV 2011/50).

B.f    Die Beschwerdeführerinnen verzichten sinngemäss auf eine Stellungnahme zur 

jeweiligen Parallelstreitsache (act. G 8, IV 2011/49; act. G 10, IV 2011/50).

Erwägungen:

1.      

Da beiden Verfahren derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt und sich die gleichen 

Rechtsfragen stellen, rechtfertigt es sich, sie zu vereinigen und in einem einzigen Urteil 

zu erledigen (vgl. BGE 128 V 124 Erw. 1 und 128 V 192 Erw. 1, je mit Hinweisen).

2.      

Gemäss Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch 

die angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Als 

Spezialbestimmung regelt Art. 49 Abs. 4 ATSG, dass ein Versicherungsträger eine 

Verfügung, die die Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, auch diesem zu 

eröffnen hat, woraufhin dieser dieselben Rechtsmittel ergreifen kann wie die versicherte 

Person. Die Beschwerdeführerin 1 ist die Krankenversicherung der Versicherten. 

Verneint die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Psychotherapie, so wird 

die Beschwerdeführerin 1 diesbezüglich leistungspflichtig. Sie ist von der 

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angefochtenen Verfügung also berührt und demnach zur Beschwerdeführung 

legitimiert.

3.      

3.1    Nach Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; 

SR 831.20) haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur 

Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen. Als 

Geburtsgebrechen im Sinn dieser Norm gelten Gebrechen, die bei vollendeter Geburt 

bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG; SR 830.1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für 

die diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das 

Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Abs. 2). Die Geburtsgebrechen sind in der 

Liste im Anhang der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21) 

aufgeführt (Art. 1 Abs. 2 GgV). In Ziff. 395 Anhang GgV werden leichte cerebrale 

Bewegungsstörungen (Behandlung bis Ende des 2. Lebensjahres) als 

Geburtsgebrechen aufgeführt. Der Anspruch auf die notwendigen medizinischen 

Massnahmen beginnt mit deren Einleitung, frühestens jedoch nach vollendeter Geburt 

(Art. 2 Abs. 1 GgV). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines 

Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter 

Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen 

Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 GgV).

3.2    Nach der Rechtsprechung erstreckt sich der Anspruch auf medizinische 

Massnahmen nach Art. 13 IVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 ATSG ausnahmsweise - 

und vorbehältlich der hier nicht zur Diskussion stehenden Haftung für das 

Eingliederungsrisiko nach Art. 11 IVG - auch auf die Behandlung sekundärer 

Gesundheitsschäden, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des 

Geburtsgebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge 

dieses Gebrechens sind. Zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären 

Leiden muss demnach ein qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang bestehen. 

Nur wenn im Einzelfall dieser qualifizierte ursächliche Zusammenhang zwischen 

sekundärem Gesundheitsschaden und Geburtsgebrechen gegeben ist und sich die 

Behandlung überdies als notwendig erweist, hat die Invalidenversicherung im Rahmen 

des Art. 13 IVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 ATSG für die medizinischen 

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Massnahmen aufzukommen. An die Erfüllung der Voraussetzungen des 

rechtserheblichen Kausalzusammenhangs sind strenge Anforderungen zu stellen, 

zumal der Wortlaut des Art. 13 IVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 ATSG den Anspruch 

der versicherten Minderjährigen auf die Behandlung des Geburtsgebrechens an sich 

beschränkt (BGE 100 V 41 mit Hinweisen; AHI 2001 S. 79 Erw. 3a und 1998 S. 249 

Erw. 2a; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes [EVG; seit 1. Januar 2007: 

Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] in Sachen M. vom 2. August 2005, 

I 220/05; vgl. auch BGE 129 V 209 Erw. 3.3 mit Hinweis). Dabei ist für die Bejahung 

eines solch qualifizierten adäquaten Kausalzusammenhangs nicht ausschlaggebend, 

ob das sekundäre Leiden unmittelbare Folge des Geburtsgebrechens ist; auch 

mittelbare Folgen des angeborenen Grundleidens können zu diesem in einem 

qualifiziert adäquaten Kausalzusammenhang stehen (Pra 1991 Nr. 214 S. 906 Erw. 3b; 

Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in Sachen M. vom 2. August 2005, 

I 220/05, und in Sachen Z. vom 9. Dezember 2002, I 108/02).

4.      

4.1    Die Beschwerdegegnerin begründet die Ablehnung der beantragten 

psychotherapeutischen Massnahmen im Wesentlichen damit, dass die Ess- und 

Fütterstörung klar nicht in direktem und unmittelbarem Zusammenhang mit den 

leichten cerebralen Bewegungsstörungen stehe. Die Bewegungsstörungen zeigten sich 

einzig in einer mässigen Spontanaktivität und monotonen Bewegungsmustern in den 

Beinen. Zudem sei eine Schlucktherapie durchgeführt worden, welche in der 

Zwischenzeit wieder habe beendet werden können. Das Geburtsgebrechen könne mit 

der Psychotherapie nicht beeinflusst werden. Die Psychotherapie behandle alleine die 

posttraumatische Fütterstörung. Die psychotherapeutische Behandlung einer 

"elterlichen Traumatisierung" falle im Sinn einer Leidensbehandlung in den 

Zuständigkeitsbereich der Krankenversicherung (act. G 4.1, IV 2010/49; act. G 4.1, IV 

2010/50).

4.2    Dem halten die Beschwerdeführerinnen im Wesentlichen entgegen, zwischen der 

Ess- und Fütterungsstörung und dem Geburtsgebrechen Ziff. 395 bestehe ein 

qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang. Es sei unbeachtlich, ob das sekundäre 

Leiden unmittelbare Folge des Geburtsgebrechens sei; auch eine mittelbare Folge des 

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Geburtsgebrechens könne zu diesem in einem qualifizierten adäquaten 

Kausalzusammenhang stehen. Die Kausalkette sei im Arztbericht von Dr. C.___ vom 

15. Dezember 2010 nachvollziehbar aufgezeigt worden. Zudem liege ein 

Behandlungskomplex vor, in welchem auch die Psychotherapie der Eltern eine zentrale 

Rolle spiele. Eine ähnliche Konstellation habe auch im Fall des Urteils des 

Bundesgerichts 9C_1036/2009 vom 29. Januar 2010 vorgelegen. Darin habe das 

Bundesgericht die IV-Stelle des Kantons Thurgau verpflichtet, für die Psychotherapie 

der Eltern bzw. der Behandlung der Interaktion mit dem Kind aufzukommen (act. G 1, 

IV 2010/49).

4.3    Fest steht, dass die Beschwerdeführerin 2 an dem Geburtsgebrechen gemäss 

Ziff. 395 GgV-Anhang (leichte cerebrale Bewegungsstörungen) leidet. Strittig ist, ob die 

Invalidenversicherung die psychotherapeutische Behandlung der Ess- und 

Fütterungsstörung unter dem Titel medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG zu 

übernehmen hat. Unbeachtlich ist dabei entgegen der Auffassung der 

Beschwerdegegnerin, dass die beantragte medizinische Massnahme nicht das 

Geburtsgebrechen an sich, sondern die Ess- und Fütterstörung behandelt, sofern 

zwischen dem Geburtsgebrechen und dem sekundären Gesundheitsschaden ein 

natürlicher und qualifizierter adäquater Kausalzusammenhang im Sinn der 

höchstrichterlichen Rechtsprechung vorliegt. Diesbezüglich herrscht zwischen den 

Parteien Uneinigkeit.

4.4    Die Beschwerdeführerinnen stützen sich betreffend des Kausalzusammenhangs 

im Wesentlichen auf die Ausführungen von Dr. C.___. Dieser diagnostizierte bei der 

Beschwerdeführerin 2 eine Fütterstörung im Zusammenhang mit einer bestehenden 

medizinischen (neurologischen) Erkrankung (Diagnose 605 gemäss dem 

Klassifikationssystem DC 0-3R 2005) sowie eine posttraumatische Fütterstörung 

(Diagnose 606 gemäss dem Klassifikationssystem DC 0-3R 2005; act. G 6.1). Nach 

Geburt in der 26 1/7 Schwangerschaftswoche (GG 460g, Status nach maschineller 

Hochfrequenzbeatmung über sechs Tage) und Entwicklung diverser Komplikationen 

bestehe in Absprache mit den Kollegen der Entwicklungs- und Neuropädiatrie ein 

allgemeiner Entwicklungsrückstand, eine Gedeihstörung und eine cerebrale 

Bewegungsstörung mit muskulärer Rumpfhypotonie und leicht verändertem 

Reflexmuster. Die aufgetretene Fütter- bzw. Esstörung sowie Gedeihstörung sei 

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ursächlich im Zusammenhang mit den neurologischen Beeinträchtigungen zu sehen. 

Von Seiten der Logopädie existiere ein anhaltend verändertes Saugmuster bei 

allgemein retardierter Oralmotorik (IV-act. 59-2 f.). Die cerebrale Bewegungsstörung 

beziehe sich nicht nur auf die untere Extremität, sondern habe u.a. auch Auswirkungen 

auf das Saug-/Kau- und Schluckverhalten des Kindes (act. G 6.1). Zudem habe nach 

langer und intensiver medizinischer Behandlung mit multiplen langwierigen aversiven 

Erfahrungen im Mund- und Rachenbereich (Sondierung, Intubationen und anderen 

notwendigen Handlungen und Manipulationen; vgl. IV-act. 55-1) reaktiv ein 

vermeidendes Fütter- und Essverhalten resultiert (act. G 6.1). Das Kind werde daher 

innerhalb eines multiprofessionellen Behandlungsteams für frühkindliche Ess- und 

Fütterstörungen behandelt. Die Kernklientel des Teams bestehe aus ehemaligen 

Frühgeborenen und ihren Familien, die längere Zeit intensivmedizinische Pflege 

erfahren hätten. Die Kinder würden in den ersten Lebensjahren immer zusammen mit 

ihren Eltern behandelt. Insbesondere die betroffenen Mütter seien durch die 

intensivmedizinischen Erfahrungen leicht bis schwer psychisch traumatisiert. Gelinge 

es, elterliche Traumatisierungen zu behandeln, könne man in der Regel von einem 

äusserst positiven Verlauf und einer Auflösung der Symptomatik innerhalb von wenigen 

Wochen bis Monaten ausgehen (IV-act. 55-1). Die Eltern seien täglich damit 

konfrontiert, ihr Kind nicht wie erwartet ernähren zu können. Neben der organischen 

Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme käme es in der Folge zu Teufelskreisen in der 

Eltern-Kind-Interaktion, manchmal auch in der Beziehung zwischen Eltern und Kind. 

Wolle man die Entwicklung des Kindes beschleunigen und fördern, so müssten, wenn 

möglich, alle entwicklungshindernden Faktoren angegangen werden. Belastende 

Erinnerungen (Körpergedächtnis des Kindes, Erfahrungen und Erinnerungen der Eltern), 

Kommunikation zwischen Eltern und Kind oder die psychische Verfassung der Eltern 

spielten oft eine bestimmende Rolle für die weitere Entwicklung des Kindes. Diese 

Prozesse zu erkennen, zu steuern und zu behandeln, Eltern zu stärken und auf 

bestimmte Verhaltensweisen des Kindes aufmerksam zu machen sei die Aufgabe des 

multidisziplinären Teams, in dem der pädiatrisch und psychotherapeutische Arzt eine 

zentrale Position inne habe. Es erfordere psychotherapeutisches Wissen, damit die 

Eltern in der Lage seien, ihr Kind optimal zu fördern und die Genesung ihres Kindes 

zusammen mit den anderen therapeutischen Disziplinen optimal zu beschleunigen (IV-

act. 59-2 f.). Die von der Beschwerdegegnerin angesprochene Traumatisierung beziehe 

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sich jedoch nicht nur auf die Eltern des Kindes, sondern auch auf das Kind selber (act. 

G 6.1).

4.5    Damit die Behandlung eines sekundären Gesundheitsschadens im Rahmen von 

Art. 13 IVG von der Invalidenversicherung übernommen werden kann, muss dessen 

Ursache in einem Geburtsgebrechen liegen (natürliche Kausalität). Darüber hinaus 

muss der sekundäre Gesundheitsschaden eine häufige Folge bzw. fast zwangsläufige 

Konsequenz des Geburtsgebrechens sein (qualifizierter adäquater 

Kausalzusammenhang, vgl. Urteil des Bundesgerichts I 32/06 vom 9. August 2007, 

Erw. 5.4). Dr. C.___ führt die Ess- und Fütterstörung einerseits auf die cerebrale 

Bewegungsstörung und andererseits auf die intensivmedizinischen Erfahrungen infolge 

der Frühgeburt zurück. Dass die cerebrale Bewegungsstörung Ursache der Ess- und 

Fütterstörung ist, lässt sich aufgrund der dem Gericht zur Verfügung stehenden Akten 

nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

beurteilen. Näheres zu den cerebralen Bewegungsstörungen ist einzig dem Bericht des 

Ostschweizer Kinderspitals vom 19. Februar 2010 zu entnehmen. Darin hält die 

Oberärztin fest, dass bei der Beschwerdeführerin 2 neurologisch eine mässige 

Spontanaktivität mit repetitiven und monotonen Bewegungsmustern vor allem in den 

unteren Extremitäten auffalle. Der Muskeltonus erscheine in den Beinen aktiv und 

passiv leicht erhöht (IV-act. 26). Der Verlauf der cerebralen Bewegungsstörungen ist 

indessen nicht weiter dokumentiert, insbesondere befindet sich kein 

entwicklungspädiatrischer Verlaufsbericht in den Akten, aus dem ersichtlich ist, dass 

die cerebralen Bewegungsstörungen sich auf das Saug-/Kau- und Schluckverhalten 

des Kindes auswirken würden. Auch der Bericht des Kantonspitals St. Gallen vom 19. 

Februar 2010 über die Hospitalisation zur Überwachung der Sauerstoffsättigung vom 

16. Februar 2010 bis 18. Februar 2010 lässt diesbezüglich keinen Rückschluss zu. Die 

Mutter gab den behandelnden Ärztinnen an, das Mädchen trinke seit Spitalaustritt viel 

(alle 3 - 4 h 100 - 150 ml). Offenbar war die Nahrungsaufnahme auch bei Spitalaustritt 

unauffällig (IV-act. 52-1 ff.). Zumindest dem Bericht der Spitex vom 7. Mai 2010 lässt 

sich jedoch ein Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den cerebralen 

Bewegungsstörungen und der Ess- und Fütterstörung entnehmen. Darin wird eine 

Schlucktherapie zum Training des Schluckreflexes und Schluckablaufs aufgeführt (IV-

act. 48-2). Wenngleich die Ausführungen von Dr. C.___ nachvollziehbar sind und er 

offenbar Rücksprache mit den Kollegen der Entwicklungs- und Neuropädiatrie hielt, ist 

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für die gerichtliche Beurteilung nicht hinreichend erstellt, dass die cerebralen 

Bewegungsstörungen Ursache der Ess- und Fütterstörung sind. Des Weiteren ist zu 

beachten, dass Dr. C.___ neben den cerebralen Bewegungsstörungen die 

intensivmedizinischen Erfahrungen infolge der Frühgeburt (Sondierung, Intubationen 

und anderen notwendigen Handlungen und Manipulationen) als weitere Ursache für die 

Ess- und Fütterstörung aufführt. Möglicherweise liegen somit zwei Ursachen bzw. 

allenfalls ein Zusammenwirken mehrerer Ursachen für den sekundären 

Gesundheitsschaden vor. Dies ist insofern von Bedeutung, als bei Geburtsgebrechen, 

bei welchen die Leistungen zeitlich beschränkt sind, wie beispielsweise beim 

Geburtsgebrechen nach Ziff. 494 (Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2000 

g bis zur Erreichung eines Gewichtes von 3000 g), eine Leistungspflicht der 

Invalidenversicherung für sekundäre Folgen nur im Rahmen der festgeschriebenen 

zeitlichen Limitierung besteht (BGE 129 V 207 Erw. 3.3 f.).

4.6    Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der Aktenlage nicht 

hinreichend erstellt ist, ob ein Geburtsgebrechen Ursache der Ess- und Fütterstörung 

ist, sodass weitere Abklärungen angezeigt sind. Erst die Kenntnis der Ursache(n) für die 

Ess- und Fütterstörung wird die Beurteilung des qualifizierten adäquaten 

Kausalzusammenhangs überhaupt ermöglichen, wobei die Frage, ob die Ess- und 

Fütterstörung im konkreten Fall eine häufige Folge des ursächlichen 

Geburtsgebrechens ist, aus medizinischer Sicht zu klären ist. Diesbezüglich ist darauf 

hinzuweisen, dass die Ärztin des Regionalärztlichen Dienstes (RAD) in ihrer internen 

Stellungnahme vom 25. November 2010 lediglich festgehalten hat, dass der 

Zusammenhang zwischen den cerebralen Bewegungsstörungen und der Ess- und 

Fütterstörung nicht ausgewiesen sei (IV-act. 56-1 f.). Die Stellungnahme des RAD sagt 

indessen nichts hinsichtlich der im Zusammenhang mit der qualifizierten Adäquanz 

interessierenden Frage aus, ob Ess- und Fütterungsstörungen nach medizinischer 

Erfahrung eine häufige Folge cerebraler Bewegungsstörungen bzw. eine fast 

zwangsläufige Konsequenz dieses Geburtsgebrechens sein können.

4.7    Da nach dem Gesagten noch offen ist, ob die Psychotherapie gestützt auf Art. 13 

IVG von der Invalidenversicherung zu übernehmen ist, erübrigen sich weitere 

Ausführungen zu einer Kostenübernahme nach Art. 12 IVG. Gegebenenfalls wird die 

Prüfung der Kostenübernahme nach Art. 12 IVG von der Beschwerdegegnerin 

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nachzuholen sein (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. 

vom 1. Dezember 2005, I 309/05).

5.      

Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass einer Kostenübernahme der beantragten 

Psychotherapie der Beschwerdeführerin 2 zusammen mit ihren Eltern gestützt auf Art. 

13 IVG grundsätzlich nichts entgegen steht, sofern auch die finanzielle 

Verhältnismässigkeit der Massnahme ausgewiesen ist (Art. 2 Abs. 3 GgV). Nach den 

Schilderungen von Dr. C.___ handelt es sich vorliegend nicht um eine gewöhnliche 

Psychotherapie, sondern um ein anerkanntes und geeignetes Therapiekonzept zur 

ärztlichen Begleitung und Unterstützung der Beschwerdeführerin 2 und ihrer Eltern bei 

der Bewältigung der Ess- und Fütterstörung. Darüber hinaus ist die Therapie 

notwendig, um eine Chronifizierung und drohende Sondenernährung zu verhindern. 

Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin steht dabei nicht ausschliesslich 

die Behandlung einer "elterlichen Traumatisierung" im Zentrum. Gemäss Dr. C.___ wird 

mit der angewandten Therapie das Kind therapiert, wobei die Eltern als Mediatoren des 

Therapeuten zu dienen scheinen. Eltern und Kleinkind bzw. vor allem Mutter und 

Kleinkind bilden naturgemäss - insbesondere bei der Nahrungsaufnahme - eine derart 

enge Einheit, dass bei der Anwendung des vorliegenden Therapiekonzepts eine 

Unterscheidung zwischen einer Therapierung der Eltern und Therapierung des Kindes 

kaum möglich erscheint und daher nur eine gesamtheitliche Betrachtung in Frage 

kommt. Ein adäquates Verhalten der Eltern im Umgang mit der Ess-und Fütterstörung 

dürfte jedoch ohne Zweifel massgebenden Einfluss auf deren Behebung haben, sodass 

auch deren Unterstützung unabdingbar ist. So hat sich auch das Bundesgericht in 

einem ähnlich gelagerten Fall für die Übernahme einer Psychotherapie eines mental 

retardierten und an ausgeprägten Entwicklungsverzögerungen leidenden Kindes und 

seiner Mutter im Rahmen von Art. 13 IVG zur Korrektur eines interaktiven Verhaltens- 

und Reaktionsmusters aufgrund einer Fütter- und Essstörung ausgesprochen. Es 

erwog, dass dieses Ziel mit ergotherapeutischen oder logopädischen Massnahmen auf 

Seiten der Tochter alleine nicht hätte erreicht werden können (Urteil 9C_1036/2009 

vom 29. Januar 2010, Erw. 3 f.).

6.      

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6.1    Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 3. Januar 2011 aufzuheben, und die 

Sache ist zur weiteren Abklärung sowie zur neuen Verfügung an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr. 

1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.- 

erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt 

praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 Erw. 6.2). Die Beschwerdegegnerin 

hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Den beiden 

Beschwerdeführerinnen sind die von ihnen geleisteten Kostenvorschüsse von je 

Fr. 600.- zurückzuerstatten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.       Die Beschwerden werden unter Aufhebung der Verfügung vom 3. Januar 2011 

teilweise gutgeheissen und die Sache zu weiteren Abklärungen im Sinn der 

Erwägungen und neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.- zu bezahlen. Den 

Beschwerdeführerinnen werden die geleisteten Kostenvorschüsse von je Fr. 600.- 

zurückerstattet.

bis

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	Entscheid Versicherungsgericht, 20.09.2011
	Art. 13 IVG Kostenübernahme einer spezifisch zur Behandlung von Ess- und Fütterstörungen ausgerichteten Psychotherapie eines Kindes und seiner Eltern im Rahmen von Art. 13 IVG. Rückweisung zu weiteren Abklärungen, da aufgrund der Aktenlage nicht erstellt ist, dass ein Geburtsgebrechen Ursache der Ess- und Fütterstörung ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. September 2011, IV 2011/49 und IV 2011/50).

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		2025-07-19T12:17:52+0200
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