# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 496b6902-9c03-5fa8-94d6-b175981c3fd4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** Diagnose eines ADHS wurde erst nach Vollendung des 9. Lebensjahres des Kindes gestellt, Voraussetzungen für Anerkennung von Geburtsgebrechen Ziff. 404 nicht erfüllt.
**Docket/Reference:** IV.2023.00679
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00679.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00679
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil
vom
15. Februar 2024
in Sache
n
X.___
Beschwerdeführer
gesetzlich vertreten durch die Eltern
Y.___
und
Z.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der am 2
0.
August 2012 geborene
X.___
wurde
von seinen Eltern
am 3
0.
Juni 2023 unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen
Ziff.
404
des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
; in der bis 3
1.
Dezember
2021
in Kraft gewesenen Fassung)
und unter Beilage medizinischer Berichte (
Urk.
9/3)
bei der Invalidenversicherung
zum Bezug medizinischer Massnahmen
angemeldet (
Urk.
9/1
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigt
e
medizinische Abklärungen (
Urk.
9/
5
,
Urk.
9/7).
Mit Vorbescheid
vom 2
2.
August 2023 (
Urk.
9/9) stellte sie die Abweisung des Leistungsgesuches in Aussicht.
Mit Verfügung vom
2.
Oktober 2023 (
Urk.
9/12 =
Urk.
2) lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für medizinische Massnahmen für
X.___
ab.
2.
Die Eltern
Y.___
und
Z.___
erhoben am 1
2.
Oktober 2023 bei der IV-Stelle Beschwerde
(
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
2.
Oktober 2023 (
Urk.
2)
. Die IV-Stelle nahm am
7.
Dezember 2023 (
Urk.
5) gegenüber den Eltern Stellung.
Am 1
2.
Dezember 2023
leitete
sie
die Beschwerde und
eine Kopie der
Stellung
nahme vom
7.
Dezember 2023 an das hiesige Gericht weiter (
Urk.
4).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Januar 2024 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde
,
was den
Beschwerdeführenden am
1
8.
Januar 2024
zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV)
sowie eine Neufassung der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
; neu
GgV
-EDI) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem
1.
Januar 202
2.
Da vorliegend
unter anderem
ein
Anspruch auf Behandlung des
Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
mittels Ergotherapie
bereits vor
2022 zu prüfen ist
(vgl.
nachfolgend
E. 3.2)
,
sind vorab die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die
nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung vo
n Geburtsgebrechen (
Art.
3 Abs.
2 ATSG) notwendigen medizini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebre
chen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung aus
schliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.3
Geburtsgebrechen im Sinne von
Ziff.
404
Anhang
GgV
sind
Störungen des Ver
haltens bei Kindern
mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchti
gung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, de
s
Erfassens
,
der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfä
higkeit sowie der Merkfähigkeit
(Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
[ADHS]
,
früher «psychoorganisches Syndrom», POS; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_418/2016 vom
4.
November 2016 E. 4)
. Die Diagnosestellung und der Beginn der Behandlung müssen vor der Vollendung des
9.
Lebensjahres erfolg
t
sein
(
Ziff.
404
GgV
;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_855/2017 vom 1
9.
Dezember 2018 E. 2.3 mit Hinweisen
sowie
Ziff.
1.3 des Anhangs 7 des Kreis
schreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die medizinischen Eingliederungsmassnahm der Invalidenversicherung [KSME], Stand
1.
Juli 2021).
Nach der Verwaltungspraxis gelten die Voraussetzungen von
Ziff.
404
GgV
als erfüllt, wenn
die dort aufgeführten Symptome vor Vollendung des neunten Altersjahres kumulativ nachgewiesen sind, wobei es genügt, wenn sie nicht alle gleichzeitig,
sondern
sukzessive auftreten (vgl.
Ziff.
2.1 des Anhangs 7 KSME).
Nach
Ziff.
404.5 KSME sind die Voraussetzungen für
Ziff.
404
GgV
hingegen nicht erfüllt,
wenn bis zum
neunten
Geburtstag nur einzelne der im Titel erwähn
ten Symptome (vgl. dazu: Titel zu
Ziff.
404.1 ff. KSME) ärztlich festgestellt wur
den. In diese
n
Fällen ist aus medizinischer Sicht sorgfältig zu prüfen, ob die geforderten Kriterien gemäss dem medizinischen Leitfaden
zur
Ziff.
404
GgV
effektiv erfüllt sind. Allenfalls sind externe Experten beizuziehen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt
im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2) fest, das Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
werde anerkannt, wenn vor dem
neunten
Geburtstag des Kindes mindestens Störungen des Verhaltens im Sinne einer krankhaften Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, des Antrie
bes, des Erfassens (perzeptive oder Wahrnehmungsstörungen), der Konzentrati
onsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit ausgewiesen seien. Die Symptome müssten kumulativ nachgewiesen
, jedoch
nicht unbedingt gleichzeitig vorhanden sei
n,
sondern könnten unter Umständen sukzessive auftreten. Die Störungen des Ver
haltens müssten als solche vor dem
neunten
Lebensjahr diagnostiziert, dokumen
tiert und behandelt worden sein.
Bei
X.___
sei die Störung des Verhaltens erst im
zehnten
Lebensjahr diagnostiziert worden. Das Leistungsgesuch werde daher abgewiesen (S. 2).
2.2
Dr.
med.
A.___
,
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin,
führte
in der Beschwerde vom 1
2.
Oktober 2023 aus, das Gesuch der Beschwer
deführenden sei mit der Begründung abgelehnt worden, dass
dieses
erst nach
dem neunten
Geburtstag des Kindes eingereicht
worden
respektive das ADHS erst dann aufgetreten
sei
. Das Gesuch sei zwar nach dem
neunten
Geburtstag
des Kindes
eingereicht worden. Die Diagnose sei
aber
schon
viel früher gestellt
wor
den
und insbesondere die Therapie habe schon lange davor stattgefunden.
Gemäss dem
beiliegenden Bericht sei die Abklärung im Alter des Kindes von fünf Jahren erfolgt, wobei die Verdachtsdiagnose eines ADHS gestellt worden sei. Eine Ergotherapie habe im Verlauf regelmässig stattgefunden.
X.___
falle bei den Konsultationen durch eine starke Unruhe auf. Er könne nicht länger als
zwei
Minuten auf dem Stuhl sitzen, dann rolle er sich auf de
m
Boden herum. Er sei vermehrt abgelenkt. Wenn er angesprochen werde, müsse man ihn
teils
zuerst berühren, weil er mit den Gedanken woanders sei.
Er sei auch deutlich impulsiver und «raste in Situationen rasch aus», wo dies nicht angezeigt sei. Die Situation in der Schule, zu Hause und in der Freizeit habe sich aktuell so zuge
spitzt, dass
mit einer medikamentösen Behandlung begonnen worden sei
. Die
Eltern hätten ein ADHS-Coaching absolviert.
Dr.
A.___
sei
in ihrer Praxistätigkeit selten so
sicher gewesen, dass das Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
vorliege. Dieses sei definitiv vor dem Alter von neun Jahre
n
diagnostiziert und therapiert worden
(
Urk.
1 S. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin nahm am
7.
Dezember 2023 zuhanden der Beschwerde
führer
enden
ergänzend Stellung. Sie führte aus, aus dem Bericht
der Fachleute
des Kantonsspitals
B.___
vom 1
9.
September 2018
anlässlich einer
Autismusabklärung
ergäben sich Hinweise
auf Aufmerksamkeitsprobleme
, die an ein ADHS denken liessen.
Gemäss den Berichten vom 1
4.
November 2022 und vom 2
1.
August 2023 sei d
ie entsprechende Diagnose jedoch erst im Jahr 2022 und somit nach dem
neunten
Geburtstag des Kindes gestellt worden.
Die Aner
kennungskriterien nach
Ziff.
404.5 KSME für die Stellung der Diagnose ADHS seien
sodann
nicht mittel
s
einer entsprechenden Untersuchung vor Vollendung des
neunten
Altersjahres des Kindes nachvollziehbar belegt.
Da die Diagnose erst nach der Vollendung des
neunten
Lebensjahres des Kindes gestellt worden sei, seien die Voraussetzungen für die Anerkennung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
nicht erfüllt (
Urk.
5 S. 1).
2.4
Strittig und zu prüfen ist
ob ein Anspruch
auf medizinische Massnahmen
zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
besteht.
3.
3.1
Die
Psychologin
C.___
und
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, berichteten am 1
9.
September 2018 (
Urk.
3/1 =
Urk.
9/3/7-11 =
Urk.
9/7/7-11) über die psychiatrisch-psychologische Abklärung von
X.___
vom 2
5.
Juni bis 1
0.
September 2018
an der Fachstelle für Autismus
des Sozialpädiatrischen Zentrums des
B.___
.
Sie führte
n
aus, der Patient sei ihnen zur Einschätzung
seines
Entwicklungsprofils
sowie
zur Abklärung
einer möglichen
Autismusspektrum
-Störung zugewiesen worden. Er besuche im ersten Jahr einen Waldkindergarten.
Die Frage nach einer autistischen Thematik beziehungsweise einer fraglichen altersadäquaten Entwicklung sei von der Kindergärtnerin
gekommen
.
X.___
sei oft langsam, benötig
e
mehr Zeit als die anderen Kinder, ziehe sich zur
ück
und
sei nur für sich, wirke teils kraft- und energielos und sozio-emotional kleinkindlich. Zuhause sei er
insbesondere
bei alltagspraktischen Abläufen auf eine enge Begleitung und Anleitung angewiesen, um vorwärts zu kommen. Das Gefühl für die Zeit sei noch nicht vorhanden.
X.___
spiele sehr vertieft, möge das freie Spiel
und
schaue sich gerne Bücher über Bau
stellen und Fahrzeuge an
. Er spiele eher mit jüngeren Kindern
. In letzter Zeit sei
der Junge deutlich ruhiger geworden
. Für die Eltern stelle sich unter anderem die Frage, ob
er
eine
r
gezielte
n
Förderung bedürfe
(S. 1).
Die Fachleute des
B.___
nannte
n
als Diagnose (klinisch-psychiatrisches Syndrom) eine Verhaltens- und emotionale Störung mit kleinkindlich anmutender Bedürf
tigkeit, teils verminderter Aufmerksamkeit und wenig Initiative zur sozialen Kon
taktaufnahme mit Peers (ICD-10 F98.8). Es
bestünden
eine normvariante, durch
schnittliche Intelligenz
und
ein
Status nach Erschöpfung der Eltern (S. 2 oben).
X.___
sei teilweise etwas
rigid
e
und beharre darauf, dass Dinge genauso, wie er es sich vorstelle, hingelegt werden müssten. Die Frustrationstoleranz sei noch wenig ausgeprägt.
Sozial sei er interessiert und habe keine Berührungsängste.
Im
Waldkindergarten
sei er
grundsätzlich am richtigen Ort. Er sei oft in seiner
«eigenen Welt» und daher abgelenkt. Wenn er angesprochen werde, reagiere er oft nicht sofort (S. 2 unten).
Die Fachleute gaben zum psychopathologischen Befund an, der bald sechsjährige Junge wirke sozial-emotional jünger. Es bestehe eine leichte motorische Unruhe. Die Aufmerksamkeit und Konzentration sei
en
schwanken
d
. Die Sprache wirke teils etwas kleinkindlich (S. 3 Mitte). Im ADOS-
2
Modul
3
zeigten sich keine
autismusspezifischen
Verhaltensweisen (S. 3 unten). Man habe
X.___
als aufge
weckten, durchschnittlich intelligenten Jungen kennengelernt
. Eine gewisse motorische Unruhe, eine
noch
schwankende Aufmerksamkeit sowie leicht auf
müpfige Tendenzen seien spürbar gewesen. Es werde sich im weiteren Verlauf zeigen, ob mit zunehmender Reifung die dezent AD(H)S anmutenden Züge per
sistierten
,
ob diese im Rahmen
seiner
Persönlichkeit zu verstehen seien oder
ob sie sich
verflüchtigten
. Eine Ergotherapie zur Fö
r
derung von Handlungsplanung und Selbstorganisation werde empfohlen.
Auch werde die Wiederaufnahme bzw. Weiterführung der familienunterstützenden Massnahmen durch
Kompetenzori
entierte Familienarbeit
(
KoFa
)
empfohlen
(S. 4 unten). Sollten die Aufmerksam
keitsschwierigkeiten, die motorische Unruhe und
die
Impulsivität trotz ergothe
rapeutischer und systemischer Förderung im Verlauf persistieren oder gar ausgeprägter in Erscheinung treten, werde empfohlen, nach dem Schuleintritt eine entsprechende spezifische Abklärung einzuleiten (S. 5).
3.2
Die
Therapeutin
E.___
erstattete am
2
8.
Januar 2020 (
Urk.
3/2) den Abschlussbericht Ergotherapie. Sie führte aus,
X.___
habe von November 2018 bis Juli 2019 einmal wöchentlich die Ergotherapie im Einzelsetting und
seit
August 2019 bis
jetzt
einmal wöchentlich
die Therapie
im Gruppensetting absol
viert.
Die Therapie sei aufgrund der Auflösung der Kleingruppe und des Errei
chens der wichtigsten Ziele abgeschlossen worden. Die
se
habe unter anderem der Verbesserung der Interaktionsfähigkeit mit Gleichaltrigen, der Förderung der
selbständigen Handlungsplanung und der Selbstorganisation, der Steigerung der Aufmerksamkeit und Ausdauer, der V
erbesserung der Frustrationstoleranz und der Förderung der Selbständigkeit bei alltagspraktischen Abläufen gedient.
In der Ergotherapie sei
es
X.___
möglich gewesen, sich auf das Planen und Umsetzen mit Hilfe von Inputs einzulassen und zu lernen, sich nach Konzentra
tionspausen wieder zu fokussieren und an eine Handlung anzuknüpfen. Bei weniger enger Begleitung verliere er teilweise noch den Fokus und «mache dann den Clown». In der Kleingruppe könne
er
nach einem halben Jahr seine eigenen Ideen und Bedürfnisse deutlich besser zurückhalten und anderen den benötigten Raum geben (S. 1). Eine Wiederaufnahme der Ergotherapie werde empfohlen, wenn sich die Fähigkeiten von
X.___
im Planen, Handeln und der Orientierung im Kindergarten beziehungsweise in der Schule oder zu Hause wieder verschlech
tern oder wenn wieder vermehrt deutliche Schwierigkeiten im Kontakt mit ande
ren Kindern auftreten sollte
n (S. 2).
3.3
Die
Psychologin
F.___
und
Dr.
D.___
,
B.___
,
gaben im Abklärungsbe
richt vom 1
4.
November 2022 (
Urk.
3/3 =
Urk.
9/3/2-6
=
Urk.
9/7/2-6
) an, die Zuweisung sei erfolgt zur Verlaufsabklärung und Empfehlung
des weiteren
Pro
zederes
bei Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsstörung im Sinne eines ADHS
. Im Sommer 2018 sei eine Abklärung an der Fachstelle für Autismus erfolgt.
Anfang 2020 hätten Verlaufstermine im
B.___
stattgefunden.
Der Verdacht auf eine
Autismusspektrum
-Störung habe sich nicht bestätigt. Bereits damals hätten sich gewisse Hinweise auf eine ADHS-Symptomatik gezeigt, welche zum damaligen Zeitpunkt
aber
nicht abschliessend
habe
bestätigt werden können
.
X.___
habe im
2.
und
3.
Kindergartenjahr während zirka anderthalb Jahren eine Ergotherapie besucht. Trotz verschiedener Massnahmen zeigten sich in der Schule und zu Hause weiterhin Verhaltensauffälligkeiten
(S. 1).
X.___
wirke schnell
durch eigene Gedanken und äussere Reize abgelenkt
,
habe
grosse Mühe mündliche Auf
träge zu speichern und umzusetzen, und es zeigten sich Schwierigkeiten mit der Organisation und Planung. Die motorische Unruhe sei im Vergleich zur Ablenk
barkeit weniger stark ausgeprägt (S. 2 oben).
Die Fachleute des
B.___
nannten als Diagnose eine einfache Aktivitäts- und Auf
merksamkeitsstörung (ADHS) mit ausgeprägter Unaufmerksamkeit (ICD-10 F90.0, S. 2 Mitte).
Zum
psychopathologischen Befund
wurde angegeben
,
X.___
sei im Kontakt
grundsätzlich
offen, durch die hohe Ablenkbarkeit jedoch schnell auf andere Dinge fokussiert. Er müsse dann durch mehrmaliges
und direktes
Anspre
chen zurückgeholt werden
(S. 3 oben). Die Symptomatik werde als einfaches Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefizit beurteilt, wobei sich vor allem die Unaufmerksamkeit stark zeige
. Weiter fielen eine deutliche auditive Merkfähig
keitsschwäche sowie ein deutlich reduziertes Arbeitstempo auf
(S. 4 Mitte).
Es werde die Wiederaufnahme der Ergotherapie empfohlen. Weiter könne auch eine medikamentöse Behandlung diskutiert werden, welche insbesondere die Verbes
serung der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne unterstützen könnte. Zudem wünsche die Familie eine therapeutische Begleitung der Familie (S. 4 unten).
3.4
Dr.
D.___
gab im Schreiben vom 2
1.
August 2023 (
Urk.
9/7/1) an, im Jahr 2018 sei
im Sozialpädiatrischen Zentrum des
B.___
eine
Autismusabklärung
durchge
führt worden.
Dabei seien
Aufmerksamkeitsprobleme festgestellt worden, die an ein ADHS denken liesse
n, und es sei eine
Ergotherapie empfohlen worden. Die Diagnose eines ADHS sei
aber
erst im Jahr 2022 gestellt worden, als
X.___
zehn Jahre alt gewesen sei. Es könne
daher
nicht bestätigt werden, dass die Kriterien für ein Geburtsgebrechen nach
Ziff.
404
GgV
erfüllt seien.
4.
4.1
Es ist darauf hinzuweisen, dass es bei der Beurteilung eines Antrages um Kosten
gutsprache für medizinische Massnahmen um die Zuordnung des Leistungsträ
gers und nicht um die Beurteilung der Therapiebedürftigkeit des versicherten Kindes geht. Die Ablehnung eines Antrags durch die IV-Stelle ist somit nicht ein Entscheid gegen das Kind oder eine Verneinung seiner Behandlungsbedürftigkeit, sondern ein versicherungsrechtlicher Entscheid bezüglich der Zuordnung des Leistungsträgers (
Ziff.
1.1 Anhang 7 KSME).
Ein Geburtsgebrechen gemäss
Ziff.
404
GgV
ist nur dann anzuerkennen und die entsprechend notwendigen medizinischen Massnahmen sind nur dann nach
Art.
13 IVG von der Invalidenversicherung zu übernehmen, wenn zusätzlich zur diagnostizierten angeborenen Verhaltensstörung
des normal intelligenten Kindes auch sämtliche Teilleistungsstörungen kumulativ ausgewiesen sind (E. 1.3). Die Definition des Geburtsgebrechens im Sinne von
Ziff.
404
GgV
geht damit weit über das Vorliegen einer ADHS hinaus.
Mit der
Alterslimite
(Diagnosestellung und Beginn der Behandlung vor Vollendung des neunten Lebensjahres) werden die eindeutigen, schwereren und gut diagnostizierbaren Verhaltensstörungen in Form eines ADHS mit Teilleistungsstörungen von den weniger schweren, mit einem blossen ADHS auftretenden Störungen abgegrenzt; diese
Alterslimite
beruht auf naturwissenschaftlichen (medizinischen) Erkenntnissen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2018 vom 2
3.
Oktober 2018 E. 5.2 und 5.2.1).
4.
2
Nach dem Bericht
der
Therapeutin
E.___
erhielt
X.___
seit November 2018 Ergotherapie
(E. 3.2)
.
Die Behandlung
fand damit
vor Vollendung des
neun
t
en
Altersjahres
statt
.
Im Sommer 2018
erfolgte die
Abklärung einer
Autismusspektrum
-Störung
im
B.___
.
Die Fachleute stellten im
Bericht vom 1
9.
September 2018 die Diagnose Verhaltens- und emotionale Störung mit klein
kindlich anmutender Bedürftigkeit mit teil
s
verminderter Aufmerksamkeit und wenig Initiative zur sozialen Kontaktaufnahme mit Peers (ICD-10 F98.8).
Als Symptome
beschrieben
die Fachleute
eine eingeschränkte Konzentrationsfähig
keit
(
vorstehend E. 3.1).
Dr.
D.___
bemerkte dazu im
Schreiben
vom 2
1.
August 2023
, im Bericht
vom 1
9.
August 2018
seien
Aufmerksamkeitsprobleme
des Kin
des
beschrieben
worden
, die an ein ADHS denken l
iessen
(E. 3.4).
Entscheidend ist
jedoch, dass die Diagnose eines ADHS erst
mals
im Bericht vom 1
4.
November 2022 und damit zu einem Zeitpunkt gestellt worden ist, als
X.___
bereits zehn Jahre alt war (E. 3.3).
Entgegen den Ausführungen von
Dr.
A.___
in der Beschwerde wurde die Diagnose
somit
nicht vor der Vollendung des neunten Lebensjahres des Kindes gestellt
, was
Dr.
D.___
bestätigte (E. 3.4).
Die Voraussetzung der
rechtzeitigen
Diagnosestellung eines ADHS ist
folglich
nicht erfüllt.
Zudem fehlt es
an der Mehrzahl der in
Ziff.
404
GgV
aufgeführten Symptomen, welche kumulativ erfüllt sein müssen.
4.
3
Zusammenfassend
wurde die Diagnose eines ADHS nachweislich erst nach der Vollendung des
neunten
Lebensjahres
von
X.___
gestellt. Es fehlt daher an den Voraussetzungen für die Anerkennung des Geburtsgebrechens
nach
Ziff.
404
GgV
. Die Beschwerdegegnerin hat eine Kostengutsprache für medizini
sche Massnahmen
nach
Art.
13 IVG somit zu Recht abgelehnt.
Die angefochtene Verfügung vom
2.
Oktober 2023 erweist sich nach dem Gesag
ten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegen
d
sind die Kosten auf
Fr.
500.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie den Beschwerdeführenden aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
500
.-- werden
Y.___
und
Z.___
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
den
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
und
Z.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
Grieder-MartensBrugger