# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2f23930-b795-54ba-bf54-57b9f392ab59
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.06.2024 D-3545/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3545-2023_2024-06-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3545/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Manuel Borla, Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiberin Linn Amanda Szemberg. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, 

Caritas Schweiz  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 23. Mai 2023. 

 

 

 

D-3545/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie aus Kabul stammend – verliess seinen Heimatstaat gemäss 

eigenen Angaben im Dezember 2021 und gelangte über Usbekistan, Ka-

sachstan, Russland, Belarus, Polen und Deutschland am 23. Mai 2022 in 

die Schweiz, wo er gleichentags als unbegleiteter minderjähriger Asylsu-

chender (UMA) ein Asylgesuch stellte. 

B.  

Am 15. Juni 2022 führte das SEM eine Erstbefragung UMA (nachfolgend: 

EB UMA) durch.  

C.  

Am 8. Juli 2022 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einlässlich zu sei-

nen Asylgründen angehört. Mit Verfügung vom 15. Juli 2022 erfolgte wegen 

Bedarfs weiterer Abklärungen eine Zuteilung ins erweiterte Verfahren. Am 

12. September 2022 fand eine ergänzende Anhörung statt. 

D.  

Zur Begründung seines Gesuchs machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, sein Vater sei in Afghanistan Geschäftsmann für Elek- 

tronik gewesen, wobei zu seiner Kundschaft andere Geschäfte, Camps, 

Behörden und ausländische Organisationen gehört hätten. Sein jüngerer 

Bruder B._______ sei zusammen mit dem Vater ebenfalls im Geschäft tätig 

gewesen. Von seinen drei älteren Brüdern habe der jüngste Bruder 

C._______ für das Verteidigungsministerium und in diesem Zusammen-

hang auch mit Ashraf Ghani gearbeitet. Er sei Ingenieur und habe auch als 

Berater für die USA gearbeitet. Aus diesem Grund sei er mehrmals von den 

Taliban bedroht worden, weshalb er bereits vor einigen Jahren in den USA 

um Asyl nachgesucht habe und seither mit seiner Familie dort lebe. Der 

zweitälteste Bruder D._______ habe für eine amerikanische Universität 

und anderen amerikanischen Organisationen gearbeitet und sei deshalb 

ebenfalls bedroht worden. Aufgrund dessen sei ihm bereits vor der Macht-

übernahme der Taliban angeboten worden, in die USA zu kommen, was 

sich aber aufgrund der Geburt seines Sohnes verzögert habe. Nach dem 

Sturz der Regierung habe D._______ zusammen mit seiner Familie sofort 

mit einem Evakuierungsflugzeug in die USA ausreisen können. Der älteste 

Bruder des Beschwerdeführers E._______ sei etwa ein Jahr vor dem Sturz 

der Regierung Leiter Planung für Gefechte und Militäroperationen beim In-

nenministerium geworden. Aufgrund der damit einhergehenden 

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Bedrohungslage sei der Familie Sicherheitspersonal zur Verfügung gestellt 

worden. Im Zusammenhang mit der Machtübernahme der Taliban seien die 

Sicherheitskräfte aber entzogen und E._______ verhaftet worden. Dieser 

habe aber in der ersten Nacht fliehen können. Nachdem sich E._______ 

aus der Festhaltung durch die Taliban habe befreien können, sei er kurz 

nach Hause gekehrt, habe geduscht, gepackt und sich kurz mit dem Vater 

ausgetauscht, bevor er wieder gegangen sei. Er habe am Kopf Platzwun-

den und am Körper blaue Flecken gehabt. Er habe sich danach während 

etwa zwei Wochen bei einem Freund versteckt, bevor er in den Iran aus-

gereist sei. 

Einige Stunden nachdem E._______ das Haus der Familie verlassen 

habe, hätten etwa zwölf Taliban vor dem Haus gehalten, wobei etwa sieben 

in das Haus gekommen seien. Sie hätten nach E._______ und dem Vater 

des Beschwerdeführers gefragt, das Haus durchsucht und Sachen, wie 

den Computer oder Dokumente von E._______, mitgenommen. Als der 

Beschwerdeführer erwiderte, dass er nicht wisse, wo sich der Bruder und 

Vater befinde, habe man im Keller des Hauses begonnen, auf ihn einzu-

schlagen bis er bewusstlos geworden sei. Er sei erst im Krankenhaus wie-

der zu sich gekommen, wo er aufgrund eines gebrochenen Armes hätte 

operiert werden müssen. 

Nach der Operation sei der Beschwerdeführer mit seinen Eltern und sei-

nem jüngeren Bruder direkt zu seiner ältesten Schwester F._______ gezo-

gen, wo sie sich während drei Monaten versteckt hätten. Nur der Vater 

habe in dieser Zeit das Haus verlassen, um die Flucht ins Ausland zu or-

ganisieren. Sie hätten von Nachbarn vernommen, dass die Taliban nach 

wie vor nach ihnen suchten. Anfang Dezember 2022 habe die Familie mit 

Hilfe eines Schleppers Afghanistan verlassen. Nachdem sich die Familie 

während mehreren Monaten auf der Flucht befunden habe, sei der Be-

schwerdeführer an der Grenze zwischen Belarus und Polen von seinen 

Eltern und dem jüngeren Bruder getrennt worden. Seither habe er sie nicht 

mehr gesehen und wisse auch nicht, wo sie sich befänden. Alleine sei er 

von Polen über Deutschland in die Schweiz gelangt. 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer betreffend 

sich selbst Fotos seines Aufenthalts im Spital nach der geltend gemachten 

Misshandlung durch die Taliban sowie Röntgenbilder zum Armbruch und 

Dokumente betreffend seine Ausbildung zu den Akten. In Bezug auf seinen 

Bruder E._______ reichte er einen Brief der Regierung, in welchem die 

Bedrohungslage gegenüber staatlich Angestellte dargelegt wurde, ein 

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Bestätigungsschreiben betreffend die Stelle als Leiter Planung im Innenmi-

nisterium, einen Berufsausweis der Afghan National Police, Waffenscheine 

für zwei Waffen, Fotos von E._______ nach der Gefangennahme durch die 

Taliban und verschiedene Fotos von E._______ bei seiner Arbeit für das 

Innenministerium ein. Den Bruder C._______ betreffend legte er Doku-

mente betreffend die Ausbildung und Arbeit, Fotos des Bruders bei der Zu-

sammenarbeit mit Ashraf Ghani, ein Foto des Bruders bei der Ausreise in 

die USA, Fotos von C._______ und dem Bruder D._______ in New York, 

zahlreiche Fotos von C._______ bei der Arbeit als Ingenieur im Verteidi-

gungsministerium sowie ein Foto von C._______ an der Universität ins 

Recht. Betreffend seine restliche Familie reichte er schliesslich ein Foto 

von sich zusammen mit seinen Brüdern und seinem Vater sowie Fotos von 

der Arbeitstätigkeit des Vaters und vom Haus der Familie zu den Akten (alle 

in Kopie). 

E.  

Mit Verfügung vom 23. Mai 2023 – zugestellt am 25. Mai 2023 – lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des erweiterten 

Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung an, nahm den Beschwerde-

führer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig auf. 

F.  

Mit Eingabe vom 22. Juni 2023 liess der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertretung gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben. Beantragt wurde die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh-

rung. In prozessualer Hinsicht wurde um vollumfängliche unentgeltliche 

Rechtspflege ersucht. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Juni 2023 stellte die Instruktionsrichterin 

die aufschiebende Wirkung der Beschwerde fest und hiess das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung gut. Der Vorinstanz wurde Frist zur Vernehmlassung angesetzt. 

H.  

In seiner Vernehmlassung vom 7. Juli 2023 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und machte ergänzende Ausführungen. 

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Seite 5 

I.  

In seiner Replik vom 10. August 2023 äusserte sich der Beschwerdeführer 

zur Vernehmlassung der Vorinstanz und hielt ebenfalls vollumfänglich an 

den gestellten Anträgen fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-

lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht mehr zu überprüfen, nachdem die Vorinstanz den 

Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vor-

läufig aufgenommen hat. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM ging in der Begründung seiner Verfügung davon aus, dass 

der Angriff auf den Beschwerdeführer nicht gezielt erfolgt sei, da die Taliban 

ausschliesslich auf der Suche nach dem Bruder E._______ und dem Vater 

gewesen seien. Zwar bedauere die Vorinstanz die unangenehmen Folgen 

des gewalttätigen Übergriffs der Taliban auf den Beschwerdeführer, aber 

dieser sei wohl als einziges männliches Familienmitglied schlicht zum fal-

schen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen. Es gäbe keine Hinweise darauf, 

dass der Beschwerdeführer über ein politisches oder religiöses Profil ver-

füge, welches die Aufmerksamkeit der Taliban im besonderen Masse auf 

ihn ziehen würde. Schliesslich hätten sich alle Familienangehörigen wel-

che über Risikoprofile- verfügten, ins Ausland abgesetzt, was den Taliban 

wohl bekannt sei, weshalb nicht von einem ausgeprägten und anhaltenden 

Interesse an der Ergreifung dieser Familienmitglieder auszugehen sei und 

folglich auch nicht an der Ergreifung des Beschwerdeführers. Die vom Be-

schwerdeführer eingereichten Fotos betreffend den Spitalaufenthalt und 

die Verletzungen seien zudem nicht geeignet, die vom Beschwerdeführer 

geltend gemachte Verfolgung zu belegen. Folglich könne nicht von einem 

konkreten Verfolgungsinteresse der Taliban an seiner Person 

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ausgegangen werden. Es sei nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer 

befürchte, aufgrund seiner Familie Opfer von Reflexverfolgungsmassnah-

men zu werden, die zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft notwen-

dige objektive Furcht sei jedoch nicht begründet. 

Da die Vorbringen des Beschwerdeführers flüchtlingsrechtlich nicht rele-

vant seien, werde auf eine eingehende Prüfung der Glaubhaftigkeit ver-

zichtet. Das SEM hielt jedoch fest, dass Zweifel an der Glaubhaftigkeit be-

stünden. So seien die Informationen des Beschwerdeführers über die be-

ruflichen Tätigkeiten der Familie vage und ungenau gewesen, die Schilde-

rungen über den Hergang der Hausdurchsuchung einfach und oberfläch-

lich. 

5.2 In der Rechtsmitteleingabe wird festgehalten, im Rahmen der Glaub-

haftigkeitsprüfung sei von der Vorinstanz zu wenig beachtet worden, dass 

der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Anhörungen noch minderjährig ge-

wesen sei, was gemäss dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes 

zwingend zu berücksichtigen sei. Es dürfe an den von einem Minderjähri-

gen vorgebrachten Sachverhalt nicht dieselben Voraussetzungen der 

Glaubhaftmachung geknüpft sein wie bei Erwachsenen. Vielmehr gelte ein 

tiefer Beweismassstab und es sei gemäss den UNHCR-Richtlinien im 

Zweifel für das Kind zu entscheiden. Zwar deute in casu nichts darauf hin, 

dass die Anhörung nicht in einem kind- bzw. jugendgerechten Weise statt-

gefunden habe, hingegen werde der Beurteilung des SEM hinsichtlich der 

Glaubhaftmachung der Vorbringen entschieden widersprochen. Der Um-

stand, dass der Beschwerdeführer eine solide Schulbildung habe, führe 

nicht dazu, dass vom tieferen Beweismassstab abgerückt werden dürfe. 

Der Beschwerdeführer habe die Gründe der Flucht sowie die Gescheh-

nisse vor der Flucht gut dargelegt und sich sowohl anlässlich der EB UMA 

wie auch der beiden vertieften Anhörungen umfassend geäussert und zahl-

reiche Fragen des SEM beantworten können. Er habe anlässlich aller An-

hörungen in Bezug auf die Geschehnisse im Heimatland widerspruchsfreie 

Aussagen gemacht, so etwa betreffend die regierungsfeindliche Position 

und die Arbeit seiner Brüder, die Festnahme und kurze Rückkehr nach 

Hause von E._______, die Hausdurchsuchung, deren Folgen sowie die 

darauffolgende Zeit im Haus der Schwester. Sehr realitätsnah und detail-

liert habe er auch den Tag des Sturzes der Regierung dargelegt, soweit er 

hierzu befragt worden sei. In diesem Zusammenhang habe er auch die für 

seine Familie bedeutungsvolle Ereignisse detailliert schildern können, so 

etwa die Abwesenheit und kurze Rückkehr von E._______ oder die Eva-

kuierung von D._______ und seiner Familie in die USA. Am Beispiel der 

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Rückkehr von E._______ nach Hause wird spezifisch auf die Erzählweise 

und emotionale Bewegtheit des Beschwerdeführers hingewiesen. In Bezug 

auf die Arbeitstätigkeiten der Brüder stellt sich der Beschwerdeführer im 

Gegensatz zur Vorinstanz auf den Standpunkt, dass er in der Lage gewe-

sen sei, hierzu ausführliche Angaben zu machen. Es müsse berücksichtigt 

werden, dass der Beschwerdeführer um einiges jünger als seine Brüder 

sei und es sich zudem um dem Geheimhaltungsinteresse unterliegende 

Informationen gehandelt habe. Ferner spreche die Tatsache, dass der Fa-

milie Sicherheitspersonal zur Verfügung gestellt wurde, dafür, dass es sich 

um eine ernsthafte Bedrohung gegenüber der Familie gehandelt habe. 

Dies belege einerseits das ins Recht gelegte Schreiben der Regierung be-

treffen die Bedrohung durch die Taliban sowie die Dokumente betreffend 

die Position und Bewaffnung von E._______. Es könne dem SEM auch 

dahingehend nicht zugestimmt werden, dass den eingereichten Unterlagen 

kein Beweiswert zukommen sollte. So könnten diese sowohl die Tätigkei-

ten der Brüder wie auch die aktuellen Aufenthalte in den USA belegen. In 

Bezug auf die Fotos der Verletzungen nach dem Angriff der Taliban könn-

ten diese zwar den Angriffsmoment nicht belegen, müssten aber in Kombi-

nation mit den ebenfalls eingereichten medizinischen Unterlagen Berück-

sichtigung finden. Es sei ferner unzutreffend, dass seine Ausführungen be-

treffend die Hausdurchsuchung einfach und oberflächlich gewesen seien. 

Vielmehr habe er die Hausdurchsuchung nachvollziehbar und detailliert be-

schrieben und den Ablauf, namentlich was die Taliban gesagt hätten, vor-

gegangen seien etc., skizzieren können. Hätte das SEM diesbezüglich 

mehr Informationen gewünscht, hätten diesbezüglich mehr Fragen gestellt 

werden müssen. Allgemein sei zu berücksichtigen, dass Erzählungen per 

se nicht immer gleich ausfielen, sondern sich der Fokus von Mal zu Mal 

verschieben könne, obwohl das Geschehnis das gleiche sei. Zudem dürfe 

nicht ausser Acht gelassen werden, dass bei einem entsprechenden Über-

griff Stress und Angst oftmals zu einem «Tunnelblick» führe. Schliesslich 

habe das SEM die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen auch dahingehend 

angezweifelt, als er nur ungenau habe schildern können, inwiefern die Ta-

liban nach Verlassen des Hauses nach ihm und seiner Familie gesucht 

habe. Es liege in der Natur der Sache, dass er in dieser Hinsicht keine 

genaueren Aussagen habe machen können. Es sei durchaus als plausibel 

zu werten, dass der Vater die entsprechenden Informationen von Nachbarn 

erhalten habe, mit denen er noch in Kontakt stand. 

Schliesslich seien die Aussagen auch vor dem länderkontextlichen Hinter-

grund und der Situation in Afghanistan nach der Machtübernahme der Ta-

liban als schlüssig und realitätsnah zu werten. Auch der persönlich 

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glaubhafte Eindruck des Beschwerdeführers sei hervorzuheben. Zusam-

menfassend würden die inneren Merkmale seiner Aussagen für deren 

Glaubhaftigkeit sprechen. Die Erzählungen schienen erlebnisbasiert und 

die Aussagen habe der Beschwerdeführer in einen räumlichen, zeitlichen 

und politischen Kontext eingebettet. Zusammengenommen würden alle 

Aussagen ein stimmiges Gesamtbild ergeben. 

Zur Asylrelevanz wird in der Beschwerde vorgebracht, entgegen der Auf-

fassung der Vorinstanz hätten die Taliban nicht zufällig die Hausdurchsu-

chung im Haus der Familie durchgeführt, sondern vielmehr hätten diese 

gewusst, wer in diesem Haus gelebt habe und welches Profil seine Brüder 

gehabt hätten. Die Taliban hätten ihn misshandelt, um ihn einzuschüchtern 

beziehungsweise um ihn stellvertretend für den abwesenden Bruder 

E._______ zu bestrafen. Sie hätten sich, nachdem sie E._______ nicht ge-

funden hätten, aktiv dafür entschieden, den Beschwerdeführer zu behelli-

gen und zu malträtieren. Durch dieses Verhalten hätten sie ein klares Ver-

folgungsinteresse manifestiert. Es habe sich um eine gezielte Vorgehens-

weise der Taliban gehandelt, wobei die Brüder aufgrund ihrer Funktionen, 

Beziehungen und Einstellungen ein besonderes Ziel der Taliban gewesen 

seien. Zum Argument der Vorinstanz, dass aktuell kein Verfolgungsinte-

resse bestehen würde, da sich sämtliche Familienangehörige mit Risi-

koprofil ins Ausland abgesetzt hätten, führte der Beschwerdeführer aus, 

dass die Tatsache, dass seine Eltern und sein jüngerer Bruder ebenfalls 

das Land verlassen hätten, bedeute, dass auch die weitere Familie des 

Beschwerdeführers von einer Gefährdung ausginge. Zudem seien die Ta-

liban gemäss Berichten der Nachbarn mehrmals zum Haus der Familie zu-

rückgekehrt und hätten nach ihnen gesucht, was ein Verfolgungsinteresse 

aufzeige. Unter Verweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-

gerichts und anderer Quellen legte der Beschwerdeführer dar, dass Perso-

nen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemein-

schaft nahegestanden seien, in Afghanistan einem erhöhten Verfolgungs-

risiko ausgesetzt seien. Die Taliban würden über ein umfangreiches Wis-

sen über entsprechende Personen verfügen und könnten sich auf Details 

beziehen, die bereits Jahre zurücklägen. Auch das SEM habe in seinem 

Focus Bericht zu Afghanistan festgestellt, dass der von den Taliban gegen-

über ehemaligen Mitarbeitenden der Regierung versprochenen Amnestie 

nicht Folge geleistet worden sei, sondern vielmehr Übergriffe auf diese ver-

übten worden seien. Im selben Bericht werde auch ausgeführt, dass Fami-

lienangehörige bestimmter Zielgruppen unter Druck gesetzt würden und 

Gewalt erfahren hätten. 

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Zusammenfassend vertrat der Beschwerdeführer in seiner Eingabe die 

Auffassung, dass seine drei Brüder klar in die von den Taliban verfolgte 

Personengruppe fallen würden. Es sei glaubhaft erstellt, dass deshalb 

auch er – als deren Bruder – aufgrund des engen Verwandtschaftsverhält-

nisses Opfer von Verfolgungsmassnahmen von Seiten der Taliban gewor-

den sei. Er sei somit bereits vor seiner Flucht einer Reflexverfolgung aus-

gesetzt gewesen und müsse im Falle einer Rückkehr mit grosser Wahr-

scheinlichkeit erneut damit rechnen. Es sei davon auszugehen, dass so-

lange die Taliban nicht einer der Brüder habhaft würden, weiterhin ein gros-

ses Interesse an seiner Person bestünde, weshalb seine Furcht vor einer 

Verfolgung im Heimatstaat objektiv begründet sei. 

5.3 In seiner Vernehmlassung führte die Vorinstanz hierzu aus, dass davon 

auszugehen sei, dass es sich bei der geschilderten Hausdurchsuchung mit 

dem tätlichen Übergriff auf den Beschwerdeführer um ein einmaliges Er-

eignis gehandelt habe. Ferner sei unwahrscheinlich, dass der Vater und 

der jüngere Bruder das Haus vorher einfach verlassen hätten, ohne sich 

um die Sicherheit der restlichen Familienmitglieder zu kümmern. Das SEM 

ging sodann davon aus, dass die Taliban schnell hätten herausfinden kön-

nen, dass sich die Familie bei der Schwester versteckt hielt und die Ergrei-

fung des Beschwerdeführers und restlicher Familienmitglieder hätten in die 

Tat umsetzen können, hätten sie daran tatsächlich ein Interesse gehabt. 

Schliesslich hielt das SEM fest, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt 

der Machtübernahme noch Schüler gewesen sei und deshalb über kein 

Risikoprofil verfüge. 

5.4 In seiner Replik bestritt der Beschwerdeführer erneut, dass es bei der 

Hausdurchsuchung um ein einmaliges und nicht auf ihn gerichtetes Ereig-

nis gehandelt habe. Vielmehr sei die Familie des Beschwerdeführers auf-

grund der Tätigkeiten der Brüder ganz klar im Fokus der Taliban gewesen. 

Ferner sei bei der Beurteilung der Plausibilität in Bezug auf das Verlassen 

des Hauses durch den Vater und den Bruder von einem kulturell- und per-

sönlichkeitsabhängigen Konzept auszugehen und zudem die Ausnahmesi-

tuation im Rahmen der Machtübernahme zu berücksichtigen. Auch dass 

die Taliban die Familie bei der Schwester nicht gefunden habe, vermöge 

die Glaubhaftigkeit nicht zu tangieren, da die verheiratete Schwester mit 

ihrem Ehemann an einem anderen Ort leben würde und die Familie, mit 

wenigen Ausnahmen des Vaters, das Haus nicht verlassen habe. Schliess-

lich wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass sich die Lage in Afghanis-

tan seit der Machtübernahme keineswegs verbessert habe und es täglich 

zu schweren Menschenrechtsverletzungen komme. 

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Seite 11 

 

6.  

6.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind betref-

fend die Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan Personen mit ei-

nem bestimmten Profil aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt. Dazu gehören unter anderem Personen, die der 

afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft naheste-

hen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden sowie west-

lich orientierte oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen 

nicht entsprechenden Personen (vgl. Urteile des BVGer D-6268/2022 vom 

29. März 2023 E. 7.1, D-1350/2022 vom 29. März 2023 E. 7.2 je mit weite-

ren Hinweisen). Das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass auch 

die Familienmitglieder von Personen, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko 

im Sinne der obigen Ausführungen ausgesetzt sind, von einer Reflexver-

folgung bedroht sein können (vgl. Urteile des BVGer D-6268/2022 vom 

29. März 2023 E. 7.1, D-5120/2021 vom 21. Juli 2022 E. 6.3.4., 

D- 1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3 und D-2161/2021 vom 12. Januar 

2022 E. 7.4). Dies gilt insbesondere in Bezug auf Angehörige der Polizei 

und der Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte oder der Regierung nahe-

stehende Personen (vgl. Update der Schweizerischen Flüchtlingshilfe 

[SFH] – Länderanalyse vom 2. November 2022, Afghanistan: Gefähr-

dungsprofile S. 15 f. sowie Human Rights Watch [HRW], «No Forgiveness 

for People Like You»: Executions and Enforced Disappearances in Afghan-

istan under the Taliban, 30. November 2021). Die konkrete Einschätzung 

ist im jeweiligen Einzelfall vorzunehmen. 

6.2 Nach Auffassung des Gerichts sind die Ausführungen unter Berück-

sichtigung der Umstände und insbesondere des Alters des Beschwerde-

führers grundsätzlich glaubhaft. So kann der Beschwerdeführer die beruf-

lichen Tätigkeiten seiner Familie substanziiert darlegen und mit Beweismit-

teln in Form von Fotos und Dokumenten bekräftigen. Ebenso lebensnah 

und von Sinneseindrücken geprägt schildert der Beschwerdeführer die Ge-

schehnisse rundum die Machtübernahme der Taliban und die Verhaftung 

und Wiederkehr des Bruders E._______ nach Hause. Auch bei der Haus-

durchsuchung ist aufgrund der erlebnisbasierten Erzählweise grundsätz-

lich davon auszugehen, dass diese stattgefunden hat, obwohl nicht sämt-

liche Aussagen in sich stimmig sind. Ohne dabei das Leiden des Beschwer-

deführers in diesem Zusammenhang zu verharmlosen, lassen die Erzäh-

lungen von der Hausdurchsuchung und deren Folgen für das Gericht doch 

gewisse Lücken offen. So ist anhand der mittels Fotos und Röntgenbilder 

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Seite 12 

belegten Verletzungen nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer 

eine längere Zeit bewusstlos und erst im Spital wieder zu sich kommen 

konnte. Eine entsprechend lange Bewusstlosigkeit hätte naheliegender-

weise ein Resultat schwerer Kopfverletzungen sein müssen und somit sehr 

wahrscheinlich einen längeren Spitalaufenthalt beziehungsweise länger 

anhaltende Verletzungen mit sich bringen müssen. Gemäss Beschwerde-

führer habe jedoch allein der Armbruch zu einer längeren Beeinträchtigung 

seiner Gesundheit geführt. Dies lässt gewisse Zweifel an der Intensität des 

durch den Beschwerdeführer erlebten Übergriffs aufkommen. Ferner sind 

die Aussagen, wonach die Taliban auch nach der Hausdurchsuchung das 

Haus der Familie immer wieder aufgesucht habe, vage und trotz Nachfra-

gen der Vorinstanz knapp. 

6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er insbesondere aufgrund 

der Tätigkeiten seiner Brüder und des damit verbundenen hohen Risi-

koprofils bei einer Rückkehr nach Afghanistan eine Verfolgung durch die 

Taliban zu befürchten hätte. Dies zeige sich am gewalttätigen Angriff auf 

ihn anlässlich der oben dargestellten Hausdurchsuchung. Ferner hätten 

Nachbarn davon berichtet, dass Taliban auch nach der Hausdurchsuchung 

immer wieder das Haus aufgesucht hätten. Das Gericht teilt die Auffassung 

der Vorinstanz nicht, wonach der Angriff auf den Beschwerdeführer nicht 

gezielt gewesen sei. Die Taliban waren im Rahmen der Hausdurchsuchung 

auf der Suche nach E._______ beziehungsweise dem Vater des Be-

schwerdeführers. Als diese im Haus nicht auffindbar waren, gingen sie ge-

zielt auf den Beschwerdeführer los, um an Informationen über die gesuch-

ten Personen zu gelangen oder auch den Beschwerdeführer dafür zu be-

strafen, dass der Bruder und Vater nicht auffindbar waren. Der Vorinstanz 

ist aber dahingehend zu folgen, als der Beschwerdeführer für sich alleine 

gesehen nicht über ein religiöses oder politisches Profil verfügt, welches 

ein besonderes Interesse der Taliban nach sich ziehen würde. Der Be-

schwerdeführer war bis anhin Schüler und hat somit auch keine berufliche 

Tätigkeit ausgeübt, die zu einem entsprechenden Risikoprofil führen 

würde. Hätten die Taliban den Beschwerdeführer, wie von diesem geltend 

gemacht, stellvertretend für seine Familienmitglieder bestrafen wollen, ist 

davon auszugehen, dass sie ihn mitgenommen, inhaftiert oder weiteren 

Gewalttaten ausgesetzt hätten. Die Tatsache, dass sie den Beschwerde-

führer im Haus zurückgelassen haben, spricht eher dafür, dass die Taliban 

kein konkretes Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer hatten, son-

dern diesen schlicht als minderjähriges Familienmitglied sahen, von dem 

sie Informationen betreffend die seiner Familie zugehörigen Risikoprofile 

hätten erhalten können. Sobald klar war, dass sich die gesuchten Personen 

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nicht im Haus befanden und der Beschwerdeführer auch keine Informatio-

nen über diese herausgeben konnte oder würde, erschloss das Interesse 

der Taliban an seiner Person. Die Richtigkeit dieser Annahme wird auch 

durch den Umstand bestätigt, dass die Familie als Versteck das Haus der 

Schwester des Beschwerdeführers gewählt hat, einen Ort, den die Taliban 

zweifellos hätten ausfindig machen können. Es ist folglich davon auszuge-

hen, dass dem auch bei einer Rückkehr des Beschwerdeführers in seine 

Heimat so sei. 

6.4 Diesen Erwägungen gemäss ist mit Blick auf die Reflexverfolgung im 

afghanischen Kontext anzunehmen, dass der Beschwerdeführer für den 

(hypothetischen) Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat trotz der berufli-

chen Tätigkeiten seiner Brüder und seines Vaters in absehbarer Zukunft 

keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG befürchten 

müsste. 

6.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die geltend gemachten 

Vorbringen nicht geeignet sind, eine aktuell drohende asyl- respektive 

flüchtlingsrelevante Verfolgung beziehungsweise eine entsprechende Ver-

folgungsfurcht zu begründen. Die Ausführungen in der Beschwerde ver-

mochten diese Einschätzung nicht zu erschüttern. Die Vorinstanz hat dem-

nach zurecht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint 

und dessen Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

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Seite 14 

Nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit der angefochtenen 

Verfügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vor-

liegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der 

Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall 

nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, 

gilt der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 

E. 5.4). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfü-

gung vom 28. Juni 2023 gutgeheissen wurde, ist von einer Kostenauflage 

abzusehen. 

11.  

11.1 Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Verbeistän-

dung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer lic. iur. Isabelle Müller als 

amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Ihr ist ein amtliches Honorar für die 

notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. 

11.2 Die Festsetzung des amtlichen Honorars erfolgt in Anwendung der 

Art. 8-11 sowie Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]), wobei das Bundesverwaltungsgericht in der Regel von ei-

nem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Ver-

treterinnen und Vertreter ausgeht (Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). 

11.3 Vorliegend wurde in der Beschwerdeschrift für die Mandatsführung 

ein Stundensatz von Fr. 193.85 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag) und eine 

einmalige Auslagenpauschale von Fr. 50.– geltend gemacht, wobei in der 

Replik ein zeitlicher Aufwand von insgesamt 10 Stunden ausgewiesen 

wurde. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9-13 VGKE) und die als angemessen erscheinenden Angaben zum 

Aufwand der Rechtsvertretung ist das amtliche Honorar auf insgesamt 

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Fr. 1'676.– (10 Stunden à Fr. 150.– zuzüglich Auslagen und Mehrwert-

steuer) festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite) 
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, Isabelle Müller, wird zulasten der Ge-

richtskasse ein Honorar von Fr. 1676.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Linn Amanda Szemberg 

 

 

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