# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 90c68c8f-94ef-54b2-b533-c82b5a3f4907
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-05-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.05.2018 D-2954/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2954-2018_2018-05-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2954/2018 

 

 
iebs te  

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M a i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richter Yanick Felley; 

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...],  

und deren Kind B._______, geboren am [...], 

Äthiopien,  

vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan, LL.M.,  

Advokatur Kanonengasse,  

[...],  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 16. April 2018 

 

 

 

D-2954/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin (Mutter) ist äthiopische Staatsbürgerin amhari-

scher Ethnie, stammt aus dem Dorf C._______ im Distrikt D._______ (Re-

gion Amhara) und war zuletzt in Addis Abeba wohnhaft. Gemäss eigenen 

Angaben verliess sie ihren Heimatstaat am 18. September 2011 in Rich-

tung Kuwait, wo sie eine Stelle als Hausangestellte annahm. Mit ihren Ar-

beitgebern, einer Familie kuwaitischer Staatsangehörigkeit, reiste sie am 

1. Juli 2013 legal in die Schweiz ein. Am 6. August 2013 stellte sie beim 

Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe ein Asylgesuch. Am 13. Au-

gust 2013 wurde sie durch das damalige Bundesamt für Migration (BFM; 

nunmehr Staatssekretariat für Migration [SEM]) summarisch und am 

13. Mai 2014 eingehend zu ihren Asylgründen befragt. Zwischenzeitlich 

wurde sie für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Aargau zugewie-

sen. 

B.  

Die Beschwerdeführerin machte im Rahmen der durchgeführten Befragun-

gen im Wesentlichen geltend, ihr Vater habe sie gegen ihren Willen mit 

einem Mann verheiraten wollen, was sie aber abgelehnt habe. Deshalb sei 

sie am 8. Februar 2007 aus ihrem Heimatdorf C._______ geflohen und 

nach Addis Abeba gezogen, wo sie in der Folge bei einer Tante gelebt 

habe. Weil sie später erfahren habe, dass sie durch jenen Mann in Addis 

Abeba gesucht werde, habe sie schliesslich eine Arbeitsstelle in Kuwait 

angenommen.  

C.  

Mit Verfügung vom 6. August 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Vollzug an.  

D.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 7. September 2015 focht die Be-

schwerdeführerin diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an. 

Dabei beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung des Asyls, 

eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme.  

E.  

Mit Urteil D-5453/2015 vom 31. Oktober 2016 wies das Bundesverwal-

tungsgericht diese Beschwerde ab, soweit mit ihr die Gewährung des Asyls 

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beantragt wurde. Jedoch wurde die Beschwerde hinsichtlich des Wegwei-

sungsvollzugs teilweise gutgeheissen, und die entsprechenden Ziffern 4 

und 5 der Verfügung des SEM vom 6. August 2015 wurden aufgehoben. 

Zugleich wurde die Sache zur erneuten Beurteilung im Punkt des Wegwei-

sungsvollzugs an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. November 2016 forderte das SEM die Be-

schwerdeführerin zur Beantwortung verschiedener Fragen in Bezug auf 

ihre Lebensumstände vor ihrer Ausreise aus Äthiopien auf.  

G.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters an das SEM vom 2. Dezember 2016 

gab die Beschwerdeführerin eine entsprechende Stellungnahme ab. Zu-

dem liess die Beschwerdeführerin mitteilen, sie erwarte Ende Dezember 

2016 ein Kind, dessen Vater ein in der Schweiz anerkannter Flüchtling mit 

Niederlassungsbewilligung sei. Das Kind werde demzufolge ebenfalls die 

Flüchtlingseigenschaft erlangen, womit eine Wegweisung der Beschwer-

deführerin ohnehin nicht statthaft sei.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2016 forderte das SEM die Be-

schwerdeführerin auf, nach Geburt ihres Kindes die Personalien des Vaters 

und eine Vaterschaftsanerkennung zu übermitteln. 

I.  

Am 10. Januar 2017 wurde das Kind der Beschwerdeführerin geboren. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Februar 2017 forderte das SEM die Be-

schwerdeführerin erneut auf, die Personalien des Vaters ihres Kindes und 

eine Vaterschaftsanerkennung einzureichen. Ausserdem wurde die Be-

schwerdeführerin aufgefordert, sich zu ihrem Familienleben mit dem Vater 

ihres Kindes und allfälligen Heiratsabsichten zu äussern.  

K.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters an das SEM vom 14. März 2017 über-

mittelte die Beschwerdeführerin die Personalien des Vaters ihres Kindes 

und teilte mit, die Anerkennung der Vaterschaft sei noch hängig.  

L.  

Mit Schreiben vom 20. März 2017 ersuchte das SEM die schweizerische 

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Seite 4 

Botschaft in Addis Abeba um Abklärung verschiedener Fragen betreffend 

die Lebensumstände der Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise aus Äthi-

opien sowie zu ihren Verwandten im Heimatstaat.  

M.  

Mit Schreiben an das SEM vom 2. November 2017 übermittelte die schwei-

zerische Botschaft in Äthiopien einen vom 5. Oktober 2017 datierenden 

Bericht ihres lokalen Vertrauensanwalts zu den durchgeführten Abklärun-

gen.  

N.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. März 2018 erteilte das SEM der Beschwer-

deführerin in Bezug auf die Abklärungsergebnisse das rechtliche Gehör. 

O.  

Mit Eingabe an das SEM vom 19. März 2018 ersuchte die Beschwerdefüh-

rerin durch ihren Rechtsvertreter um Zustellung des gesamten Botschafts-

berichts.  

P.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. März 2018 übermittelte das SEM der Be-

schwerdeführerin eine Kopie des Botschaftsberichts. Zugleich wurde sie 

erneut aufgefordert, eine Vaterschaftsanerkennung einzureichen und sich 

zu ihrem Verhältnis zum Vater ihres Kindes zu äussern.  

Q.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters an das SEM vom 6. April 2018 nahm 

die Beschwerdeführerin zu den Abklärungen der schweizerischen Bot-

schaft in Addis Abeba, zu ihrem Verhältnis zum Kindesvater sowie zum 

Stand der Vaterschaftsanerkennung Stellung.  

R.  

Mit Verfügung vom 16. April 2018 (Datum der Eröffnung: 19. April 2018) 

ordnete das SEM den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin 

und ihres Kindes aus der Schweiz an.  

S.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. Mai 2018 focht die Beschwer-

deführerin diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei be-

antragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anordnung 

der vorläufigen Aufnahme sowie eventualiter die Rückweisung der Sache 

an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts und 

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zur erneuten Entscheidung. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Be-

schwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um Bestellung eines amtlichen 

Rechtsbeistands gemäss Art. 110a des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) 

in der Person ihres bisherigen Rechtsvertreters. Auf die Begründung der 

Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen 

eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-

den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit 

Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-

rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-

gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich 

die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Die Beschwerdeführerinnen sind legitimiert; auf ihre frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 

3.  

3.1 Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten 

Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb der Beschwer-

deentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf einen Schriftenwechsel 

verzichtet. 

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4.  

4.1 Mit der Beschwerdeschrift wurde unter anderem geltend gemacht, trotz 

Anweisung durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-5453/2015 

vom 31. Oktober 2016, dass durch die Vorinstanz zu prüfen sei, ob im Hin-

blick auf den Vollzug der Wegweisung der – damals – noch alleinstehenden 

Beschwerdeführerin nach Äthiopien begünstigende Faktoren im Sinne der 

geltenden Praxis des Gerichts vorliegen würden, habe das SEM dies aber-

mals unterlassen. Damit habe die Vorinstanz sowohl den Anspruch der Be-

schwerdeführerin auf rechtliches Gehör als auch die Untersuchungsma-

xime im Sinne von Art. 12 VwVG verletzt.  

4.2 Zu den Verfahrensgarantien, die der Grundsatz des rechtlichen Gehörs 

umfasst (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29‒33 VwVG; vgl. etwa MICHELE ALBER-

TINI, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwal-

tungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 202 ff.; BENOIT 

BOVAY, Procédure administrative, 2. Aufl., Bern 2015, S. 249 ff.; ULRICH 

HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 

7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, S. 219 ff.; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/ 

MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, S. 70 ff., 171 ff.), gehört unter anderem die 

Pflicht der Behörden, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernst-

haft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen; daraus folgt 

schliesslich auch die in Art. 35 Abs. 1 VwVG gesetzlich niedergelegte 

grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (BGE 

123 I 31 E. 2c). Die Begründung eines Entscheids soll der betroffenen Per-

son die Tatsachen und Rechtsnormen zur Kenntnis bringen, die für die ent-

scheidende Behörde massgeblich waren. Damit soll der Adressat des Ent-

scheids ausserdem in die Lage versetzt werden, den Entscheid sachge-

recht anzufechten (vgl. FELIX UHLMANN/ALEXANDRA SCHILLING-SCHWANK, 

in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 

VwVG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 35, N 10, 17).  

4.3 Im vorliegenden Fall hat das SEM seine Begründungspflicht in offen-

sichtlicher Weise verletzt. Zwar wurde in der angefochtenen Verfügung auf 

die Abklärungen eines Vertrauensanwalts der schweizerischen Botschaft 

in Äthiopien Bezug genommen, um den Schluss zu ziehen, dass keine 

Gründe vorlägen, die gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegwei-

sung der Beschwerdeführerinnen sprechen würden. Jedoch wurde in der 

Verfügung weder erwähnt, welche Fragen der Botschaft zur Abklärung vor-

gelegt wurden, noch welchen konkreten Inhalt der betreffende Bericht des 

Vertrauensanwalts aufwies. Auch wurde die Stellungnahme, welche die 

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Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren mit Eingabe vom 6. Ap-

ril 2018 zu den Botschaftsabklärungen abgab, in derart summarischer 

Weise wiedergegeben und in die Erwägungen einbezogen, dass von einer 

sorgfältigen und ernsthaften Prüfung der entsprechenden Argumente keine 

Rede sein kann.  

4.4 Zudem ist festzustellen, dass im seit dem Urteil vom 31. Oktober 2016 

vergangenen Zeitraum, nämlich am 10. Januar 2017, das Kind der Be-

schwerdeführerin geboren wurde. Sind von einem allfälligen Wegwei-

sungsvollzug Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung 

dem Kindeswohl Rechnung zu tragen. Dabei sind unter dem Aspekt des 

Kindeswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im 

Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. BVGE 2009/28 

E. 9.3.2; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 1998 Nr. 13 E. 5e/aa, 1998 Nr. 31 E. 8c/ff/ccc 

S. 260, 2005 Nr. 6 E. 6.2 S. 57 f.). Obwohl sich die angefochtene Verfü-

gung auch auf das Kind der Beschwerdeführerin bezieht, wird darin mit 

keinem Wort auf die offensichtlich zu stellende Frage eingegangen, inwie-

fern die Aufnahmebedingungen in Äthiopien auch unter dem Aspekt des 

Kindeswohls genügen würden. Somit hat die Vorinstanz auch in dieser Hin-

sicht offensichtlich ihre Begründungspflicht verletzt. 

4.5 Des Weiteren ergibt sich, dass die Abklärungen, welche der lokale Ver-

trauensanwalt der schweizerischen Botschaft in Addis Abeba durchführte, 

offensichtlich ungenügend ausgefallen sind. So wurde im betreffenden Be-

richt ausgeführt, der Name der Beschwerdeführerin habe in den Registern 

der Schule in Addis Abeba, die sie besucht haben wolle, nicht gefunden 

werden können, weil der Zeitraum ihres Schulbesuchs nicht bekannt sei. 

Jedoch hatte die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen ihrer Befragun-

gen durch die Vorinstanz zu Protokoll gegeben (vgl. Urteil D-5453/2015 

vom 31. Oktober 2016 E. 4.5.2 f. und 6.3.5), dass sie am 8. Februar 2007 

aus ihrem Heimatdorf nach Addis Abeba gezogen sei, wo sie in der Folge 

bei einer Tante gelebt und die letzten beiden Schuljahre der 9. und der 

10. Klasse abgeschlossen habe. Wann die Beschwerdeführerin die be-

sagte Schule besucht haben will, war somit keineswegs unbekannt. Je-

doch wurden die soeben erwähnten zeitlichen Umstände im Schreiben 

vom 20. März 2017, mit welchem das SEM der Botschaft den Abklärungs-

auftrag erteilte, nicht angeführt. Im Übrigen enthält der Botschaftsbericht 

durchaus gewisse Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin die frag-

liche Schule tatsächlich besuchte. Nicht nur existiert demnach die betref-

fende Schule, sondern der Vertrauensanwalt vermochte zu bestätigen, 

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dass ein von der Beschwerdeführerin namentlich bezeichneter Lehrer dort 

tatsächlich tätig ist.  

4.6 Dem Botschaftsbericht ist im Übrigen zu entnehmen, dass das von der 

Beschwerdeführerin angegebene Viertel, in welchem sie in Addis Abeba 

gewohnt haben wolle, sehr gross sei. Mangels Angaben zur Hausnummer 

habe das von der Beschwerdeführerin bezeichnete ehemalige Wohnhaus 

ihrer Tante deshalb nicht gefunden werden können. Allerdings, so der Ver-

trauensanwalt der Botschaft weiter, hätten spezifische weitere Angaben zur 

Lage des Wohnhauses im Viertel ‒ so etwa zu einer benachbarten Kirche, 

Moschee oder Schule ‒ diesbezüglich hilfreich sein können. Jedoch wur-

den durch das SEM derartige Hinweise bei der Beschwerdeführerin nicht 

erfragt. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Vorinstanz mit 

dem Urteil vom 31. Oktober 2016 (dortige E. 6.4) darauf hingewiesen wor-

den war, dass es sich im Hinblick auf die notwendige Abklärung des Sach-

verhalts als erforderlich erweisen dürfte, nicht nur Abklärungen durch die 

schweizerische Botschaft in Äthiopien zu veranlassen, sondern zuvor eine 

auf die entscheidwesentlichen Aspekte fokussierte erneute Anhörung der 

Beschwerdeführerin durchzuführen. Jedoch beschränkte sich das SEM da-

rauf, die Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 18. November 

2016 zur schriftlichen Beantwortung von Fragen zu ihren Lebensumstän-

den vor der Ausreise aus Äthiopien aufzufordern; dies, obwohl zwischen 

dem genannten Urteil und der vorliegend angefochtenen Verfügung ein 

Zeitraum von fast eineinhalb Jahren verstrich. 

4.7 Schliesslich ist darauf einzugehen, dass die Vorinstanz in der ange-

fochtenen Verfügung ‒ wie auch bereits mit dem Asylentscheid vom 6. Au-

gust 2015 ‒ dafürhielt, die Beschwerdeführerin sei ihrer Mitwirkungs- und 

Wahrheitspflicht im Rahmen der Ermittlung des Sachverhalts nicht nach-

gekommen, weshalb es nicht Aufgabe der Asylbehörden sei, nach allfälli-

gen Wegweisungshindernissen zu forschen. Hinsichtlich des Entscheids 

vom 6. August 2015 wurde schon mit dem Urteil vom 31. Oktober 2016 

(dortige E. 6.3.5 f.) festgehalten, dass diesem Standpunkt der Vorinstanz 

nicht gefolgt werden könne. Es erübrigt sich, die entsprechenden Ausfüh-

rungen nochmals zu wiederholen. Hingegen ist festzustellen, dass ‒ zumal 

unter Berücksichtigung der offenkundigen Verfahrensmängel, welche der 

Vorinstanz anzulasten sind ‒ auch mit Blick auf die vorliegende Verfügung 

nicht ersichtlich ist, inwiefern die Beschwerdeführerin ihre gesetzliche Mit-

wirkungspflicht verletzt haben soll. 

D-2954/2018 

Seite 9 

4.8 Somit erweist sich, dass die angefochtene Verfügung in Verletzung des 

rechtlichen Gehörs der Beschwerdeführerin ergangen ist. Zudem ist der 

entscheidwesentliche Sachverhalt nach wie vor nicht vollständig und 

rechtsgenüglich abgeklärt. Das SEM ist folglich abermals aufzufordern, alle 

Massnahmen durchzuführen, die zur rechtsgenüglichen Abklärung des 

Sachverhalts notwendig erscheinen, und bei seiner erneuten Beurteilung 

alle wesentlichen Gesichtspunkte zu berücksichtigen.  

5.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als mit ihr 

die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, und die Sa-

che ist zur erneuten Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann die Beschwer-

deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen 

oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-

gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grund-

sätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des 

Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-

waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Die Be-

schwerdeführerinnen haben keine Kostennote eingereicht. Auf die Nach-

forderung einer solchen wird indessen verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 

VGKE), weil im vorliegenden Verfahren der Aufwand für die Beschwerde-

führung zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Betracht 

zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) ist die Parteient-

schädigung aufgrund der Akten daher auf Fr. 1‘200.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuer) festzusetzen. Dieser Betrag ist den Beschwerdeführerin-

nen durch das SEM zu entrichten.  

6.3 Die mit der Beschwerdeschrift gestellten Anträge auf Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie 

auf Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands gemäss Art. 110a AsylG 

sind damit gegenstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Verfügung des SEM vom 

16. April 2018 wird aufgehoben. 

2.  

Die Akten werden dem SEM zur erneuten Beurteilung der Sache im Sinne 

der Erwägungen überwiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Den Beschwerdeführerinnen wird eine Parteientschädigung von 

Fr. 1‘200.– zugesprochen, die ihnen durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniela Brüschweiler Martin Scheyli 

 

 

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