# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5ea6675-5cb5-5076-87fc-b4aa1c92ce15
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240204-O1
**Docket/Reference:** SB240204-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240204-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB240204-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. M. Langmeier 

und lic. iur. B. Amacker sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw J. Stegmann

Urteil vom 9. April 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____,

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Raub etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 4. Dezember 2023 (DG230094)

-   2   -

Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom  6. Juni  2023 

(Urk. D1/44) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 94 S. 62 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig











des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 (räuberischer Diebstahl) StGB 

(Dossier 2),

der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 4 

und Dossier 9),

des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 3, Dossier 

4 und Dossier 5),

der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 

StGB (Dossier 14) sowie

des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung 

mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 3, Dossier 5, Dossier 7 und Dossier 10).

2.

Von den Vorwürfen des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB 

(Dossier 7 und Dossier 9) sowie der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im 

Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 16) wird die Beschuldigte A._____ freigespro-

chen.

3.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 79 Tage durch 

Untersuchungshaft erstanden sind) und einer Busse von 

Fr. 500.–, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl (2021/10022113) der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Limmat vom 29. November 2021.

Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

4.

5.

-   3   -

6.

Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._____ wird auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

7.

Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._____ wird auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

8.

9.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._____ wird abgewiesen.

Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin R._____ Schadenersatz von 

Fr. 1'211.25 zuzüglich 5 % Zins seit dem 12. Februar 2022 zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Begehren abgewiesen.

10.

Es wird vorgemerkt, dass die Beschuldige das Schadenersatzbegehren von D._____ dem 

Grundsatze nach anerkannt hat.

11.

Der polizeilich sichergestellte und bei der Stadtpolizei Zürich lagernde Turnschuh Nike 

(Ass.-Nr. A015'692'736) wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils eingezogen und 

der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

12.

Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K211220-036 / 

81744481 lagernden Spuren und Spurenasservate werden nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils vernichtet.

13.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:

3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

210.25   Auslagen Gutachten

2'080.00   Auslagen Untersuchung

16'705.45   amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

14.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt.

15.

Die amtliche Verteidigerin MLaw X2._____ wird mit Fr. 5'024.25 (inkl. MwSt.) aus der Ge-

richtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO.

  
-   4   -

16.

Der amtliche Verteidiger MLaw X3.______ wird mit Fr. 11'681.20 (inkl. MwSt.) aus der Ge-

richtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO.

17.

[Mitteilungen]

18.-20. [Rechtsmittelbelehrungen]"

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 114; vgl. auch Urk. 95)

1.

Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils sei abzuändern und 
es sei die Beschuldigte:

-

-

-

-

in  Bezug  auf  Dispositivziffer 1,  Spiegelstrich 1,  vom  Vorwurf  des 
Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 (räuberischer Diebstahl) StGB 
(Dossier 2) freizusprechen;

in  Bezug  auf  Dispositivziffer 1,  Spiegelstrich 2,  vom  Vorwurf  der 
Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 9) freizu-
sprechen;

in  Bezug  auf  Dispositivziffer 1,  Spiegelstrich 3,  vom  Vorwurf  des 
Hausfriedensbruchs  gemäss  Art. 186  StGB  (Dossier 5) 
freizu-
sprechen;

in  Bezug  auf  Dispositivziffer 1,  Spiegelstrich 4,  vom  Vorwurf  der 
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 
Ziff. 1 StGB (Dossier 14) freizusprechen;

- sowie  in  Bezug  auf  Dispositivziffer 1,  Spiegelstrich 5,  vom  Vorwurf 
des mehrfachen geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 in 
Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 7) freizusprechen.

In weiterer Abänderung von Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen 
Urteils sei die Beschuldigte:

- wegen  geringfügigen  Diebstahls  gemäss  Art. 139  Ziff. 1  in  Verbin-

dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 2) zu verurteilen.

Dispositivziffern 3,  4  und  5  des  vorinstanzlichen  Urteils  seien 
aufzuheben  und  es  sei  die  Beschuldigte  mit  einer  bedingten 
Geldstrafe  von  80 Tagessätzen  à  Fr. 30.–  zu  bestrafen,  unter 
Ansetzung  einer  Probezeit  von  2 Jahren,  wobei  die  erstandene 
Haft anzurechnen sei, sowie mit einer Busse von Fr. 600.–.

2.

3.

4.

Eventualiter  sei  Dispositivziffer 4  des  vorinstanzlichen  Urteils 
dahingehend  abzuändern,  dass  der  Vollzug  der  Freiheitsstrafe 

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bedingt aufgeschoben wird, unter Ansetzung einer Probezeit von 
3 Jahren.

5.

Dispositivziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und 
dahingehend abzuändern, dass die Kosten der Untersuchung und 
des  vorinstanzlichen  Verfahrens,  ausgenommen  diejenigen  der 
amtlichen Verteidigung, anteilsmässig der Beschuldigten auferlegt 
werden.

6.

Unter  ausgangsgemässer  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen 
(zzgl. MwSt.) im Berufungsverfahren.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 101)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:

1.

Verfahrensgang

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 4. Dezember 2023 sprach die 

Vorinstanz die Beschuldigte des Raubes, der mehrfachen Sachbeschädigung, des 

mehrfachen  Hausfriedensbruchs,  der  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und 

Beamte sowie des mehrfachen geringfügigen Diebstahls schuldig und bestrafte sie 

mit  einer  vollziehbaren  Freiheitsstrafe  von  12 Monaten  sowie  einer  Busse  von 

Fr. 500.–,  letzteres  als  teilweise  Zusatzstrafe  zu  einem  früheren  Strafbefehl 

(Urk. 94).  Das  Urteil  erging  –  nachdem  die  Beschuldigte  zweimal  unentschuldigt 

nicht  zur  Hauptverhandlung  erschienen  war  –  im  Abwesenheitsverfahren  und 

wurde der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung im Anschluss an die (zweite) 

Hauptverhandlung mündlich eröffnet und erläutert (Prot. I S. 12, 17 ff.).

1.2. Am  12. Dezember  2023  meldete  die  vormalige  amtliche  Verteidigerin 

namens der Beschuldigten fristgerecht Berufung an (Urk. 80), und nach Zustellung 

des  begründeten  Urteils  reichte  der  inzwischen  neu  eingesetzte  amtliche 

Verteidiger (vgl. Prot. I S. 21) dem Obergericht unter dem 19. April 2024 – ebenfalls 

fristgerecht – die Berufungserklärung ein (Urk. 95).

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1.3. Mit Präsidialverfügung vom 7. Mai 2024 wurde der Staatsanwaltschaft und 

den  diversen  Privatklägern  je  ein  Doppel  der  Berufungserklärung  zugestellt  und 

Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nicht-

eintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde ihnen Frist angesetzt, 

um zum von der Beschuldigten in der Berufungserklärung gestellten Beweisantrag 

Stellung  zu  nehmen  (Urk. 99).  Am  10. Mai  2024  teilte  der  zuständige  Leitende 

Staatsanwalt mit, auf eine Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils zu beantragen. Er ersuchte zudem um Dispensation 

von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung und stellte sich nicht gegen den 

Beweisantrag der Beschuldigten (Urk. 101). Die Privatkläger liessen sich nicht ver-

nehmen.

1.4.

Im Sinne des erwähnten Beweisantrags wurde am 13. Juni 2024 die Straf-

anstalt  Gmünden  ersucht,  dem  Gericht  einen  Führungsbericht  über  die  Beschul-

digte einzureichen (Urk. 102). Dieser Bericht ging – nachdem die Beschuldigte am 

16. Juni 2024 bedingt entlassen worden war – am 18. Juni 2024 als Vollzugsbericht 

hier ein (Urk. 104; Urk. 105).

1.5. Am 5. Februar 2025 wurden die Parteien – die Staatsanwaltschaft antrags-

gemäss  fakultativ  –  zur  Berufungsverhandlung  auf  den  9. April  2025  vorgeladen 

(Urk. 106).  Die  der  Beschuldigten  an  ihre  vom  Gericht  ermittelte  aktuelle  Wohn-

adresse zugestellte Vorladung wurde nicht abgeholt (Urk. 108). Die Zustellung gilt 

indessen als erfolgt (Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO). Zur heutigen Verhandlung erschien 

die Beschuldigte in Begleitung der amtlichen Verteidigung. Vorfragen waren keine 

zu  entscheiden  und  abgesehen  von  der  Einvernahme  der  Beschuldigten  waren 

auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 5 ff.).

2.

Umfang der Berufung

2.1. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Rahmen der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-BÄHLER, Art. 402 N 1 f.).

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2.2. Die  Staatsanwaltschaft  brachte  neun  verschiedene  Sachverhalte 

("Dossiers")  zur  Anklage.  Die  Beschuldigte  anerkannte  diese  Vorwürfe  teilweise 

und  forderte  im  Übrigen  Freisprüche.  Das  vorinstanzliche  Urteil  enthält  sowohl 

Schuld- als auch Freisprüche. In Erneuerung ihrer bereits erstinstanzlich gestellten 

Anträge  lässt  die  Beschuldigte  berufungsweise  alle  jene  Punkte  anfechten,  in 

denen  die  Vorinstanz  ihren  Anträgen  nicht  gefolgt  ist.  Damit  verbunden  werden 

auch die Sanktion sowie die Kostenfolgen zum Berufungsthema gemacht.

Im  Sinne  der  Berufungserklärung  der  Beschuldigten  (Urk. 95  S. 2  f.;  vgl.  auch 

Prot. II S. 7) sind demnach die folgenden Punkte des vorinstanzlichen Urteils nicht 

angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen:

-

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-

-

-

Dispositivziffer 1, Spiegelstrich 2: Schuldspruch wegen Sachbeschädigung in 

Dossier 4;

Dispositivziffer  1,  Spiegelstrich  3:  Schuldspruch  wegen  mehrfachen  Hausf-

riedensbruchs in den Dossiers 3 und 4;

Dispositivziffer  1,  Spiegelstrich  5:  Schuldspruch  wegen  mehrfachen  gering-

fügigen Diebstahls in den Dossiers 3 und 10;

Dispositivziffer 2: Freisprüche;

Dispositivziffern 6 bis 13: Zivilpunkte, Verfahren betreffend beschlagnahmte 

Gegenstände, Kostenfestsetzung;

Dispositivziffern  15  und  16:  Entschädigung  amtliche  Verteidigungen  (ohne 

Rückforderungsvorbehalte).

Der  Eintritt  der  Rechtskraft  dieser  Punkte  ist  vorab  festzustellen  (Art. 399  Abs. 3 

StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).

2.3. Entsprechend sind die folgenden Schuldsprüche im Berufungsverfahren zu 

überprüfen:

-

-

Dossier 2: Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB;

Dossier 9: Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB;

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-

Dossier 5: Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB;

Dossier 14: Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 

Art. 285 Ziff. 1 StGB;

Dossiers 5 und 7: je geringfügiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in 

Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.

Anschliessend wird für die – bereits rechtskräftigen sowie allenfalls berufungsweise 

bestätigten  –  Schuldsprüche  eine  Sanktion  auszufällen  und  werden  die  Kosten- 

und Entschädigungsfolgen zu regeln sein.

In all diesen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt des Ver-

schlechterungsverbotes  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  grundsätzlich  zur  Disposition.  In 

den  angefochtenen  Punkten  überprüft  das  Berufungsgericht  das  erstinstanzliche 

Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

3.

Formelles

3.1. Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen  und  diese  widerlegen  (BGE 146  IV  297  E. 2.2.7;  143  III  65 

E. 5.2;  141  IV  249  E. 1.3.1;  Urteil  des  Bundesgerichts  6B_689/2019  vom 

25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit Hinweisen).

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4.

Sachverhalt/rechtliche Würdigung

4.1. Dossier 2: Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB

4.1.1. Die  Beschuldigte  ist  hinsichtlich  des  ihr  vorgeworfenen  Sachverhalts  ganz 

weitgehend  geständig:  Sie  anerkennt,  am  20.  Dezember  2021  im  "E._____" 

[Schuhgeschäft] am F._____ [Adresse] in Zürich ein Paar Nike Schuhe (welche sie 

sogleich anzog), einen Schal und eine Handtasche im Wert von Fr. 209.85 entwen-

det zu haben, um diese Gegenstände ohne Bezahlung für sich zu gebrauchen. Als 

beim Verlassen des Geschäfts die Diebstahlssicherung ertönte, flüchtete die Be-

schuldigte ins Untergeschoss des Hauptbahnhofs zu den Gleisen 21/22 und betrat 

einen bereitstehenden Zug der SZU. Dort wurde sie allerdings von zwei Mitarbeite-

rinnen von "E._____", die ihr – durch den Signalton der Diebstahlsicherung alar-

miert – gefolgt waren, entdeckt und aus dem Zug geholt.

Gemäss Anklage habe nun die Beschuldigte im Rahmen eines Gezerres um die 

entwendeten  Gegenstände  der  einen  Mitarbeiterin,  B._____,  insgesamt  zweimal 

mit der Faust ins Gesicht geschlagen, worauf die Beschuldigte schliesslich mit ei-

nem  Teil  des  Deliktsguts  –  den  angezogenen  Schuhen  –  habe  flüchten  können. 

B._____ habe dabei verschiedene Prellungen im Gesicht und eine Verletzung am 

Daumen erlitten.

Nach Darstellung der Verteidigung habe sich die Beschuldigte nur gegen die "un-

verhältnismässige, massive Gewalt" der beiden Mitarbeiterinnen schützen wollen, 

"um einen Unfall mit einem Zug zu vermeiden" (Urk. 73 S. 5, 14; vgl. auch Urk. 114 

S. 5 ff.). Die Beschuldigte selbst bestreitet überhaupt, B._____ geschlagen zu ha-

ben (Urk. 1/6/1 passim; Urk. 1/6/4 S. 4). Anlässlich der Berufungsverhandlung er-

klärte die Beschuldigte zuerst, dass sie die Verkäuferin nicht geschlagen habe, son-

dern die Verkäuferinnen sie geschlagen hätten. Später erklärte sie, dass wenn man 

sie anfasse, dann dürfe sie auch Notwehr anwenden. Die Verkäuferinnen hätten 

sie gehalten und aus dem Zug gerissen. Sie habe der Verkäuferin eine "Flättere" 

gegeben. Sie habe sich bedrängt gefühlt (Urk. 113 S. 17 ff.).

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Die Vorinstanz kam in Würdigung insbesondere der Aussagen von B._____ sowie 

des  sie  betreffend  erstellten  ärztlichen  Befunds  zum  Schluss,  dass  sich 

anklagegemäss zwei Faustschläge erstellen liessen (Urk. 94 S. 12 ff.).

4.1.2. Das Geschehen auf dem Perron der Gleise 21/22 im Hauptbahnhof wurde 

durch  eine  Überwachungskamera  aufgezeichnet  (Urk.  2/8;  Urk.  2/9).  Die  Vor-

instanz befand dazu, die entsprechenden Aufnahmen dürften nicht zur Belastung 

der  Beschuldigten  herangezogen  werden,  weil  sie  mit  diesen  nicht  konfrontiert 

worden sei (Urk. 94 S. 14; vgl. dazu auch Urk. 114 S. 8). Dem ist nicht zu folgen: 

Erstens berief sich die Beschuldigte in ihrer ersten Einvernahme zu ihrer Entlastung 

selbst immer wieder auf die Bilder der Überwachungskamera (Urk. 1/6/1 S. 2; heute 

erklärte die Beschuldigte auch, dass sie diese Aufnahmen bereits gesehen habe 

[Urk. 113 S. 18]), und zweitens wurde die Aufzeichnung zu den Akten erhoben und 

stand dort der Beschuldigten sowie ihrer Verteidigung jederzeit zur Einsicht offen. 

Anlässlich  der  heutigen  Berufungsverhandlung  wurden  der  Beschuldigten  die 

entsprechenden Aufnahmen auch noch vorgehalten und sie konnte dazu Stellung 

nehmen (Urk. 113 S. 17 ff.). Die Aufzeichnungen sind somit vollumfänglich verwert-

bar.

Die Aufzeichnung bestätigt die Aussagen von B._____ und belegt in aller Deutlich-

keit die Darstellung der Staatsanwaltschaft: So versetzt die Beschuldigte B._____ 

schon sehr bald, nachdem die drei Frauen wieder aus dem Zug getreten sind, im 

Rahmen  des  Gezerres  um  die  entwendeten  Gegenstände  mit  der  rechten  Hand 

einen  Faustschlag  ins  Gesicht  und  trifft  dieses  linksseitig  (Aufzeichnung  ZUSZ-

Gl22-K04, 10:22:14). Das Handgemenge setzt sich fort, und B._____ geht kurz zu 

Boden (10:22:34). Beim Versuch, sich in Richtung Treppe zu entfernen, stürzt auch 

die Beschuldigte (10:22:40), kann sich dann aber trotz der Bedrängung durch die 

beiden  Mitarbeiterinnen  wieder  aufrichten  (10:23:00).  Es  tritt  ein  Mitarbeiter  der 

SZU hinzu, und die Situation scheint sich etwas zu beruhigen (10:23:05). Die Be-

schuldigte versucht sich hierauf schnellen Schrittes zur Treppe hin zu entfernen, 

wird dabei aber von B._____ am rechten Arm festgehalten (10:23:12). Die Beschul-

digte reisst sich los und schlägt mit ihrer rechten Hand erneut gegen den Kopf von 

B._____ (10:23:13). Diese weicht sofort einige Schritte zurück, und die Beschul-

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digte und die beiden Mitarbeiterinnen entfernen sich die Rolltreppe hinauf. Auf der 

zweiten  Aufzeichnung  (ZUSZ-Gl21-K05,  10:23:15)  ist  insbesondere  der  zweite 

Faustschlag ebenfalls gut zu sehen.

Angesichts dieser Bilder und im Sinne der im Übrigen zutreffenden Erwägungen 

der  Vorinstanz  (Urk.  94  S.  14  ff.)  ist  deshalb  der  Anklagesachverhalt  gemäss 

Dossier 2 zweifelsfrei erstellt. Entgegen der Verteidigung haben die beiden Mitar-

beiterinnen  weder  "massive  Gewalt"  angewandt  noch  die  Beschuldigte  "auf  den 

Boden gedrückt", und es wäre auch nicht im Ansatz ersichtlich, dass die Beschul-

digte gehandelt hätte, "um einen Unfall mit dem Zug" zu vermeiden. Vielmehr hat 

sie zur Sicherung der Beute sich mit den Mitarbeiterinnen einerseits ein Gezerre 

um die gestohlene Ware geliefert und B._____ zwei Faustschläge ins Gesicht ver-

setzt.

4.1.3. Wenn die Vorinstanz das Handeln der Beschuldigten als Raub in der Aus-

prägung  des  räuberischen  Diebstahls  im  Sinne  von  Art.  140  Ziff.  1  Abs.  2  StGB 

würdigt,  ist  dies  zutreffend  und  kann  auf  die  entsprechenden  Erwägungen  ver-

wiesen werden (Urk. 94 S. 31 ff.). Zur Beutesicherung hat die Beschuldigte B._____ 

zweimal ins Gesicht geschlagen, womit die Intensität einer tatbestandsmässigen, 

nötigenden Gewalt – entgegen der Ansicht der Verteidigung (vgl. Urk. 114 S. 8 f. – 

zweifellos erreicht worden ist – zumal es der Beschuldigten dann letztlich auch ge-

lang, mit den gestohlenen Schuhen das Weite zu suchen. Angesichts dessen kann 

auch nicht in Frage stehen, dass die Beschuldigte vorsätzlich gehandelt hat. Die 

Beschuldigte  ist  damit  auch  zweitinstanzlich  des  Raubes  im  Sinne  von  Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.

4.2. Dossier 9: Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB

4.2.1. Die  Beschuldigte  anerkennt,  anklagegemäss  am  12.  Februar  2022  um 

ca. 5.20 Uhr am G._____ [Strasse] … in H._____ im 3. Stockwerk mit der Faust 

derart  in  eine  Glasscheibe  geschlagen  zu  haben,  dass  diese  zerbrach  und  ein 

Schaden von ca. Fr. 1'300.– entstand (Urk. 73 S. 9 ff.). In diesem Sinne (Urk. 94 

S. 22) sprach die Vorinstanz die Beschuldigte der Sachbeschädigung schuldig und 

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verwarf namentlich den Einwand der Verteidigung, die Beschuldigte sei anlässlich 

ihrer Tat schuldunfähig gewesen (Urk. 94 S. 37).

4.2.2. Die Beschuldigte lässt auch berufungsweise vorbringen, damals vollständig 

schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB gewesen zu sein. Sodann habe 

sie durch die zerbrochene Scheibe eine derart schwerwiegende Verletzung am Arm 

erlitten, dass eine Verurteilung "nicht zumutbar" wäre (Urk. 73 S. 16/17; Urk. 114 

S. 9 f.).

4.2.3. An jenem frühen Morgen war beim Eintreffen der von Anwohnern alarmierten 

Polizeipatrouille die ebenfalls hinzugerufene Sanität zusammen mit einem Notarzt 

bereits vor Ort. Gemäss Polizeirapport war die Beschuldigte nicht ansprechbar und 

wies drei tiefe Schnittverletzungen am rechten Unterarm auf. Sie habe viel Blut ver-

loren (Urk. D9/1 S. 5). Sie wurde anschliessend ins Spital verbracht, wo sie sich 

allerdings  nach  dem  Aufwachen  renitent  verhalten  und  das  Spital  ohne  ärztliche 

Genehmigung verlassen habe, weil sie – so habe sie kundgetan – "Stoff" brauche. 

Die  für  eine  Befragung  der  Beschuldigten  ausgerückten  Polizeibeamten  fanden 

diese  deshalb  nicht  mehr  vor  und  veranlassten  eine  Ausschreibung  (Urk.  D9/1 

S. 8). Am Folgetag wurde die Beschuldigte dann nach dem ihr gemäss Dossier 7 

vorgeworfenen Ladendiebstahl angehalten; weil sie aber in einem Zug eine Flasche 

Wodka getrunken hatte und als Folge davon 1.37 mg/l (= 2.74 ‰) Alkohol im Blut 

aufwies, konnte sie wieder nicht befragt werden (Urk. D9/1 S. 9). Sie wurde deshalb 

auch  als  nicht  hafterstehungsfähig  eingeschätzt  (Urk.  D9/12)  und  in  die  Klinik 

I._____ verbracht (Urk. D9/2 S. 4/5). Eine polizeiliche Befragung der Beschuldigten 

erfolgte dann nochmals einen Tag später, am 14. Februar 2022 (Urk. D9/6). Hier 

anerkannte  die  Beschuldigte,  während  eines  Telefongesprächs  aus  Wut  in  die 

Scheibe geschlagen zu haben, sodass diese zu Bruch ging und sie sich verletzte. 

Sie habe sich aber nicht selber verletzen wollen (Urk. D9/6 S. 1 ff.).

4.2.4. Dafür,  dass  die  Beschuldigte  im  Zeitpunkt  der  Tat,  frühmorgens  am 

12. Februar 2022, vollständig schuldunfähig gewesen wäre, bestehen mit der Vor-

instanz (Urk. 94 S. 37) keine Anhaltspunkte. Dass die Beschuldigte im Anschluss 

an den Vorfall infolge des grossen Blutverlustes nicht ansprechbar war, lässt keinen 

Rückschluss auf ihren Zustand zum Tatzeitpunkt zu, ebenso wenig der Umstand, 

-   13   -

dass  sie  am  Folgetag,  dem  13.  Februar  2022,  nach  dem  Konsum  einer  ganzen 

Flasche Wodka nicht hafterstehungsfähig war. Es ist deshalb – wie bei den anderen 

Delikten  (s.  dazu  später)  –  von  einer  vorhandenen,  wenn  auch  eingeschränkten 

Schuldfähigkeit auszugehen.

4.2.5. Mit  der  Argumentation,  dass  der  Beschuldigten  infolge  ihrer  Verletzungen 

"eine Verurteilung schlicht nicht zuzumuten" sei (Urk. 73 S. 17 und Urk. 114 S. 10), 

bezieht sich die Verteidigung sinngemäss auf Art. 54 StGB. Die Anwendung dieses 

Artikels  würde  jedoch  nicht  zu  einem  Freispruch  der  Beschuldigten,  sondern  zu 

einem  Absehen  von  einer  Strafe  führen,  weswegen  dieses  von  der  Verteidigung 

vorgebrachte  Argument  nachfolgend  bei  der  Strafzumessung  abzuhandeln  sein 

wird (vgl. nachfolgend E. 5.7.2).

4.2.6. Es  muss  deshalb  beim  Schuldspruch  wegen  Sachbeschädigung  im  Sinne 

von Art. 144 Abs. 1 StGB bleiben.

4.3. Dossier 5: Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB und geringfügiger 

Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 

StGB

4.3.1. Der  Beschuldigten  wird  vorgeworfen,  sie  habe  am  25.  Dezember  2021  im 

Wissen darum, mit einem Hausverbot belegt zu sein, den J._____ am Flughafen 

Zürich betreten und dort zwei Kopfhörer im Wert von Fr. 109.85 gestohlen.

4.3.2. Die  Vorinstanz  ist  zu  einem  anklagegemässen  Schuldspruch  gekommen, 

nachdem sie die Argumentation der Verteidigung verworfen hat, die Beschuldigte 

habe keine Kenntnis vom Hausverbot gehabt und die Kopfhörer im Geschäft nur 

angesehen (Urk. 94 S. 18 ff., 35/36).

4.3.3. Berufungsweise  brachte  die  Verteidigung  vor,  dass  die  Beschuldigte  nach 

wie  vor  nicht  bestreite,  dass  sie  sich  an  besagtem  Tag  dort  aufgehalten  habe. 

Allerdings habe sich die Beschuldigte offensichtlich in einem Irrtum befunden und 

damit fehle ihr der erforderliche Vorsatz in Bezug auf den Hausfriedensbruch. Sie 

habe nicht gewusst, dass J._____ zur Schweizer K._____-Gruppe gehöre und das 

Hausverbot bei K._____ daher auch für J._____ gelte (Urk. 114 S. 10 f.).

-   14   -

4.3.4. Der Beschuldigten war am 7. März 2017 gegen unterschriftliche Bestätigung 

ein Hausverbot der P._____ AG übergeben worden, wonach ihr verboten wurde, 

"das Areal des Flughafens Zürich zu betreten und/oder sich in den Gebäuden des 

Flughafens  Zürich  aufzuhalten"  (Urk.  D5/5).  Am  7.  Oktober  2020  erhielt  die  Be-

schuldigte sodann von der K._____ – ebenfalls gegen unterschriftliche Bestätigung 

– ein Hausverbot ausgesprochen, welches für "sämtliche K._____-Verkaufsstellen 

– gemäss Verzeichnis auf der Rückseite dieses Formulares" galt (Urk. D5/6).

4.3.5. Der  Einwand  der  Verteidigung,  die  Beschuldigte  habe  keine  Kenntnis  von 

den  Hausverboten  gehabt,  ist  damit  unbehelflich.  Die  Beschuldigte  räumte  denn 

auch in der unmittelbar nach dem Vorfall durchgeführten polizeilichen Kurzeinver-

nahme ein, gewusst zu haben, dass gegen sie ein Hausverbot besteht (Urk. D5/4). 

Wie gesehen, hat sie sowohl das ihr gegenüber durch die P._____ AG als auch 

durch  den  K._____  ausgesprochene  Hausverbot  zur  Kenntnis  genommen.  Zwar 

genügt  die  Vermutung  der  Vorinstanz,  es  "scheine",  dass  auf  der  (in  den  Akten 

nicht  vorhandenen)  Rückseite  des  Hausverbots  des  K._____s  auch  der  J._____ 

als Teil der K._____ aufgeführt werde (Urk. 94 S. 35), nicht für eine Verurteilung. 

Es kann der Beschuldigten die durch ihre Verteidigung vorgebrachte Behauptung 

nicht  widerlegt  werden,  sie  habe  nicht  gewusst,  dass  der  J._____  zur  K._____-

Gruppe  gehört  und  deshalb  vom  Hausverbot  mitumfasst  ist  (Urk.  73  S. 8  und 

Urk. 114  S. 11).  Indessen  hat  die  Beschuldigte  das  Hausverbot  der  P._____  AG 

fraglos missachtet, indem sie sich in den J._____ begab, der sich unstrittig in den 

Gebäulichkeiten des Flughafens befindet. Ein im Hausverbot des P._____ AG auf-

gelisteter Ausnahmefall, für welchen das Verbot nicht gilt (Benützung von Flugzeu-

gen oder Zügen, Lösen von Tickets am Schalter, Aufgeben oder Abholen von Rei-

segepäck;  vgl.  Urk.  D5/5),  lag  offensichtlich  nicht  vor.  Die  Beschuldigte  hat  sich 

damit des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig gemacht. Ein 

Schuldspruch wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs, weil die Beschuldigte auch 

das Hausverbot der K._____ missachtet habe, ist – wie gesehen und diesbezüglich 

von der Verteidigung zutreffend vorgebracht (Urk. 114 S. 11) – entgegen der Vor-

instanz nicht möglich.

-   15   -

4.3.6. Was den Diebstahl der beiden Kopfhörer anbetrifft, ist die Behauptung der 

Verteidigung vor Vorinstanz aktenwidrig, die Beschuldigte habe die Kopfhörer nur 

angesehen und im Laden gelassen (Urk. 73). Vielmehr hat die Beschuldigte aner-

kannt, die Kopfhörer ohne Bezahlung an sich genommen zu haben (Urk. D5/4 S. 2; 

Urk.  1/6/4  S.  6).  Mit  Blick  auf  den  Deliktsbetrag  hat  deshalb  ein  Schuldspruch 

wegen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 172ter Abs. 1 StGB zu ergehen. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde 

dieser Schuldspruch von der Verteidigung bzw. der Beschuldigten denn auch nicht 

mehr angefochten, sondern vielmehr anerkannt (Urk. 114 S. 2 f., 10 ff. und13 f.).

4.4. Dossier 14: Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 

Art. 285 Ziff. 1 StGB

4.4.1. Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sich am 15. Oktober 2022 um ca. 1:20 

Uhr zunächst durch Davonrennen der ihr zuvor eröffneten Verhaftung zu entziehen 

versucht zu haben. Hernach habe sie sich, nachdem die Polizeibeamten sie einge-

holt hatten, heftig gegen die Verhaftung zur Wehr gesetzt, wobei sie einer Beamtin, 

der Privatklägerin L._____, mindestens zwei Tritte in den Unterleib versetzt habe, 

sodass  diese  gestürzt  sei.  So  habe  die  Beschuldigte  die  Festnahme  wissentlich 

und willentlich verzögert bzw. erschwert. 

4.4.2. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt in Würdigung der Aussagen von L._____ 

und der Beschuldigten als erstellt erachtet (Urk. 94 S. 24 ff.).

4.4.3. Berufungsweise  wird  von  der  Verteidigung  namentlich  daran  festgehalten, 

dass die Beschuldigte die Polizeibeamtin nicht mit Absicht getreten habe (Urk. 114 

S. 13).

4.4.4. Bereits  die  Vorinstanz  hat  diesen  Einwand  mit  zutreffender  Begründung 

verworfen,  sodass  auf  die  entsprechenden  Erwägungen  verwiesen  werden  kann 

(Urk. 94 S. 26). Neben den lebensnahen, anschaulichen Aussagen von L._____, 

an denen nicht zu zweifeln ist (Urk. D14/10; Urk. D14/12), sind dazu insbesondere 

auch die Aussagen der Beschuldigten in Betracht zu ziehen, die auf entsprechende 

Frage in der polizeilichen Einvernahme vom Tattag einräumte, mit dem Bein um 

-   16   -

sich geschlagen zu haben, "damit ich frei komme". Sie erkannte auch, dass sie so 

"die Polizistin erwischt" habe. Sie habe jedoch die Polizistin "nicht gewollt getreten", 

sondern "im Affekt" gehandelt (Urk. D14/5 S. 6, 7). Nun ist indessen klar, dass wer 

– sich gegen eine Verhaftung wehrend – mit dem Bein um sich schlägt, um sich 

aus  der  Situation  zu  befreien,  offensichtlich  auch  in  Kauf  nimmt,  die  Beamte  zu 

treffen. Die Tritte gegen L._____ sind damit sehr wohl gewollt erfolgt.

4.4.5. Wenn  die  Vorinstanz  die  Beschuldigte  deshalb  der  Gewalt  und  Drohung 

gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig gespro-

chen  und  zufolge  tatbestandsmässiger  Konsumption  auf  einen  zusätzlichen 

Schuldspruch  wegen  Hinderung  einer  Amtshandlung  verzichtet  hat,  ist  auch  das 

zutreffend  (Urk.  94  S.  37  ff.).  Namentlich  steht  in  subjektiver  Hinsicht  auch  fest, 

dass der Beschuldigten bewusst war, sich gegen eine polizeiliche Festnahme zu 

widersetzen. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist damit grundsätzlich zu bestäti-

gen.

Zu korrigieren ist lediglich, dass der Schuldspruch im Sinne von aArt. 285 Abs. 1 

StGB in derjenigen Fassung ergehen muss, die zum Tatzeitpunkt am 15. Oktober 

2022 in Kraft gestanden hat. Im Rahmen der seit 1. Juli 2023 geltenden Harmoni-

sierung der Strafrahmen für Gewalttaten (Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 

über die Harmonisierung der Strafrahmen, AS 2023 259) wurde nämlich auch der 

Tatbestand  der  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  gemäss 

Art. 285 StGB (leicht) revidiert, indem heute nur noch in leichten Fällen auf Gelds-

trafe  erkannt  werden  kann,  während  das  bisherige  Recht  Freiheitsstrafe  oder 

Geldstrafe vorsah. Das alte Recht ist daher milder und entsprechend auf die Tat 

der Beschuldigten anwendbar (Art. 2 Abs. 2 StGB).

Die Beschuldigte ist mithin im Dossier 14 der Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte im Sinne von aArt. 285 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

-   17   -

4.5. Dossier 7: geringfügiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-

bindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB

4.5.1. Es  ist  unklar,  weshalb  dieser  Schuldspruch  berufungsweise  angefochten 

wird, nachdem von der Beschuldigten anerkannt worden ist und feststeht, dass sie 

am  13.  Februar  2022  um  ca.  10.30  Uhr  im  Bahnhofkiosk  H._____  eine  Flasche 

Wodka gestohlen und unmittelbar darauf getrunken hat (vgl. dazu Urk. 94 S. 20; 

Urk. D7/3 S. 5).

4.5.2. Soweit die Verteidigung mit ihrem Einwand, diese Tat sei der Beschuldigten 

"schlicht nicht vorwerfbar" (Urk. 73 S. 9; vgl. auch Urk. 114 S. 14), auf eine fehlende 

Schuldfähigkeit verweisen will, ist – mutatis mutandis – auf das obstehend unter 

E. 4.2.4 Ausgeführte zu verweisen. Zwar ist zutreffend, dass die Beschuldigte – wie 

bereits  dargelegt  –  nach  dem  Konsum  der  ganzen  Flasche  Wodka  nicht  befragt 

werden  konnte  und  vermutlich  urteilsunfähig  war  (vgl.  Art.  16  ZGB),  was  einer 

strafrechtlichen Schuldunfähigkeit entspricht (Art. 19 Abs. 1 StGB). Dafür, dass die 

Beschuldigte  jedoch  zum  vorgängigen  Zeitpunkt  des  Diebstahls  schuldunfähig 

gewesen  wäre,  bestehen  indessen  keine  Anhaltspunkte.  Zur  zweifellos  einge-

schränkten Schuldfähigkeit der Beschuldigten wird auf die Erwägungen zur Straf-

zumessung verwiesen.

4.5.3. Der  Hinweis  der  Verteidigung,  dass  bezüglich  Dossier 7  der  Titel  "gering-

fügiger Diebstahl" in der Anklageschrift nicht aufgeführt sei (vgl. Urk. 114 S. 14), ist 

zwar richtig (vgl. Urk. D1/44). Der Einwand der Verteidigung, dass der Beschuldig-

ten dieser Vorwurf von der Staatsanwaltschaft demnach nicht gemacht worden sei 

(Urk. 114 S. 14), ist jedoch nicht zutreffend. Dass ihr der Vorwurf des (geringfügi-

gen)  Diebstahls  –  zum  Hausfriedensbruch  hinzukommend  –  ebenfalls  gemacht 

wurde, geht eindeutig und unmissverständlich aus der Anklageschrift hervor. Daran 

vermag auch das Nichtanführen des Titels nichts zu ändern.

4.5.4. Auch hinsichtlich Dossier 7 ist die Beschuldigte deshalb des geringfügigen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen.

-   18   -

4.6. Fazit

Über die bereits rechtskräftig gewordenen Schuldsprüche hinaus ist die Beschul-

digte deshalb weiter 

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des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 (räuberischer Diebstahl) StGB 

(Dossier 2),

der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 9),

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 5),

der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von aArt. 285 

Ziff. 1 StGB (Dossier 14) sowie

des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB 

in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossiers 5 und 7)

schuldig zu sprechen.

5.

Strafzumessung

5.1. Nach  dem  vorstehend  Erwogenen  bleibt  es  mit  marginalen  Abweichungen 

insgesamt  bei  den  gleichen  Schuldsprüchen,  wie  sie  bereits  die  Vorinstanz  er-

lassen  hat.  Entsprechend  gilt  auch  für  das  methodische  Vorgehen  zur  Strafzu-

messung, was die Vorinstanz dazu bereits korrekt ausgeführt hat (Urk. 94 S. 44 ff.): 

Es ist für das schwerste von der Beschuldigten begangene Delikt, den Raub, eine 

Einsatzstrafe festzulegen, die anschliessend für die weiteren Delikte asperations-

weise  angemessen  zu  erhöhen  ist.  Das  gilt  allerdings  nur,  wenn  für  das  jeweils 

konkrete Delikt gleichartige Strafen zur Diskussion stehen (Freiheitsstrafe, Gelds-

trafe). Für die mehrfachen geringfügigen Diebstähle wird schliesslich – als Übertre-

tungen – eine (Gesamt-)Busse zuzumessen sein.

5.2. Für den Raub bzw. den räuberischen Diebstahl beträgt der Strafrahmen Frei-

heitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren (Art. 140 Ziff. 1 StGB). Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte, Sachbeschädigung und Hausfriedens-

bruch  werden  je  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  oder  Geldstrafe  bestraft 

(Art. 144 Abs. 1 StGB, Art. 186 StGB, aArt. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Mit Ausnahme 

-   19   -

des Raubes (und der geringfügigen Diebstähle, s. vorstehend) stehen also für alle 

andern Delikte Freiheits- oder Geldstrafen zur Diskussion.

5.3. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Verfügung 

stehenden  und  hinsichtlich  des  Schuldausgleichs  äquivalenten  Sanktionen  im 

Regelfall  diejenige  gewählt  werden,  die  weniger  stark  in  die  persönliche  Freiheit 

des  Betroffenen  eingreift  bzw.  die  ihn  am  wenigsten  hart  trifft.  Das  Gericht  kann 

aber statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche 

geboten  erscheint,  um  den  Täter  von  der  Begehung  weiterer  Verbrechen  oder 

Vergehen  abzuhalten,  oder  wenn  eine  Geldstrafe  voraussichtlich  nicht  vollzogen 

werden  kann.  Diesfalls  hat  das  Gericht  die  Wahl  der  Freiheitsstrafe  näher  zu 

begründen (Art. 41 Abs. 1 und 2 StGB).

5.4. Die  Verteidigung  rügt  die  von  der  Vorinstanz  gewählte  Strafart  (Freiheits-

strafe) insbesondere deshalb, da sie von einem Freispruch hinsichtlich des Raubes 

im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 (räuberischer Diebstahl) StGB (Dossier 2) aus-

geht (Urk. 114 S. 15). Dem ist – wie vorstehend dargelegt – jedoch nicht zu folgen. 

Insoweit  die  Verteidigung  vorbringt,  dass  die  Vorinstanz  als  Begründung  für  die 

Wahl einer Freiheitsstrafe berücksichtigt habe, dass die Beschuldigte zweimal nicht 

zur  Hauptverhandlung  erschienen  sei,  es  aber  nicht  ersichtlich  sei  bzw.  von  der 

Vorinstanz nicht dargetan worden sei, inwiefern dieser Umstand in Bezug auf die 

spezialpräventive Wirkung einer Freiheitsstrafe bei der Beschuldigten relevant sein 

soll (Urk. 114 S. 15 f.), so ist der Verteidigung zuzustimmen.

5.5. Der  Strafregisterauszug  über  die  Beschuldigte  weist  aber  nicht  weniger  als 

14 Vorstrafen  aus  (Urk.  109);  fast  immer  wegen  Diebstahls,  Hausfriedensbruchs 

und  teilweise  auch  Raubs  –  also  weitgehend  deckungsgleich  mit  denjenigen 

Delikten, derentwegen die Beschuldigte auch heute wieder verurteilt wird. Mit den 

entsprechenden Entscheiden wurde sie seit Mai 2013 zehn Mal mit unbedingten 

Geldstrafen bestraft, einmal mit gemeinnütziger Arbeit und dreimal mit unbedingten 

Freiheitsstrafen von 6, 16 und 18 Monaten. Dabei war der Vollzug der Freiheits-

strafen von 16 und 18 Monaten jeweils zugunsten einer gleichzeitig angeordneten 

stationären Suchtbehandlung nach Art. 60 StGB aufgeschoben worden (Urk. 109). 

Nachdem die Beschuldigte offensichtlich weder unbedingte Geld- noch unbedingte 

-   20   -

Freiheitsstrafen  und  Massnahmen  von  weiterer  Delinquenz  abgehalten  hat,  ist 

damit  im  Sinne  von  Art.  41  Abs.  1  lit.  a  StGB  geradezu  zwingend  geboten,  vor-

liegend  für  jedes  einzelne  Delikt  eine  Freiheitsstrafe  auszusprechen.  Im  Übrigen 

wäre – mit der Vorinstanz – auch davon auszugehen, dass eine Geldstrafe voraus-

sichtlich  nicht  vollzogen  werden  könnte  (Art.  41  Abs.  1  lit.  b  StGB);  jedenfalls 

mussten  die  in  der  Vergangenheit  ausgesprochenen  Geldstrafen  regelmässig  in 

Ersatzfreiheitsstrafen umgewandelt werden (Urk. 94 S. 45/46; Urk. 109) und wurde 

die Beschuldigte erst gerade letztes Jahr, am 16. Juni 2024, aus dem Vollzug von 

unzähligen,  ersatzweise  in  Freiheitsstrafen  umgewandelten  Geldstrafen  und 

Bussen entlassen (Urk. 104, 105).

Es ist deshalb für alle von der Beschuldigten begangenen Verbrechen und Verge-

hen eine Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe festzusetzen. 

5.6. Mit der Vorinstanz (Urk. 94 S. 40 ff.) rechtfertigen sich vorab einige Überle-

gungen zur Schuldfähigkeit der Beschuldigten. Wie sich aus der gesamten Akten-

lage offenkundig ergibt, ist die Beschuldigte schon seit langem schwer drogen- und 

alkoholabhängig  und  stehen  die  vielen  von  ihr  begangenen  Straftaten  mit  der 

Suchterkrankung im Zusammenhang. In den Urteilen des Bezirksgerichts Zürich, 

3. Abteilung, vom 20. Oktober 2014 und vom 11. November 2019 (Beizugsakten 

DG140246-L und DG190256-L) wurden denn auch neben den Freiheitsstrafen von 

18 bzw. 16 Monaten jeweils stationäre Suchtbehandlungen gemäss Art. 60 StGB 

angeordnet.  Gemäss  den  in  jenen  Verfahren  eingeholten  forensisch-psychiatri-

schen Gutachten vom 23. Juli 2014 und vom 12. Juli 2019 wurden bei der Beschul-

digten  psychische  Störungen  und  Verhaltensstörungen  durch  Opioide,  Kokain, 

Sedativa  und  Alkohol  sowie  eine  emotional-instabile  Persönlichkeitsstörung  vom 

impulsiven Typ mit dissozialen Anteilen diagnostiziert und schlossen die Gutachter 

daraus  auf  eine  forensisch  relevante  Minderung  der  Steuerungsfähigkeit.  Für 

gewisse Delikte sei deshalb von einer mittelgradig und für gewisse Delikte von einer 

schwer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen (DG140246-L Urk. 14/14 S. 33; 

DG190256-L  Urk.  6/16  S.  95/96).  Es  erscheint  im  Sinne  der  Erwägungen  der 

Vorinstanz gerechtfertigt und angebracht, heute nach wie vor auf die Erkenntnisse 

aus  jenen  Gutachten  abzustellen,  auch  wenn  diese  schon  über  10  bzw.  über 

-   21   -

5 Jahre alt sind (Urk. 94 S. 42/43). Wie die Vorinstanz richtig sieht, folgen die heute 

zu beurteilenden Straftaten der Beschuldigten vergleichbaren Verhaltensmustern 

wie jenen, die bereits Gegenstand  der  Verfahren  DG140246-L  und  DG190256-L 

waren: Sowohl damals wie auch heute musste die Beschuldigte namentlich wegen 

Raubes,  Hausfriedensbruchs,  (geringfügigen)  Diebstahls  sowie  Gewalt  und 

Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  verurteilt  werden  und  waren  die  Taten 

praktisch gleich gelagert wie heute: Insbesondere beging die Beschuldigte immer 

wieder  Diebstähle  in  Ladengeschäften,  in  denen  sie  teilweise  Hausverbot  hatte, 

oder  sie  raubte  ihren  Opfern  Wertgegenstände  durch  körperliche  Gewalt  oder 

sicherte sich den Gewahrsam an zuvor gestohlenen Gegenständen (räuberischer 

Diebstahl). Einzig den Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllte die Beschuldigte 

in den beiden früheren Verfahren im Gegensatz zu heute nicht. Dabei liessen aber 

die entsprechenden Handlungen (vgl. Dossiers 4 und 9) in keiner Weise auf eine 

irgendwie  geartete  Wandlung  der  Beschuldigten  schliessen,  sondern  sie  sind 

vielmehr durchaus typische Begleiterscheinungen des nunmehr schon seit vielen 

Jahren geführten Lebens der Beschuldigten als Randständige. Auch ohne neuer-

liche Begutachtung kann deshalb heute von den Feststellungen und Diagnosen ge-

mäss  den  in  den  beiden  vorgenannten  Verfahren  eingeholten  Gutachten  aus-

gegangen  werden.  Es  ist  füglich  auszuschliessen,  dass  ein  neues  Gutachten  zu 

massgeblich  anderen  Schlüssen  über  die  Beschuldigte  kommen  würde.  Es  ihr 

daher bei all ihren Delikten als Folge der relevanten Minderung der Steuerungs-

fähigkeit  eine  mittelgradig  bis  schwer  verminderte  Schuldfähigkeit  zuzubilligen 

(vgl. Urk. 94 S. 42).

5.7. Konkrete Strafzumessung

5.7.1. Raub (Dossier 2)

Die  Vorinstanz  verortete  die  objektive  Tatschwere  des  räuberischen  Diebstahls 

gemäss  Dossier  2  "im  unteren  Bereich"  des  Strafrahmens  von  6  Monaten  bis 

10 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 94 S. 48). Das ist insoweit zu hoch gegriffen, als es 

sicher um den "untersten" Bereich geht:  Die Beschuldigte hat im "E._____" eine 

Tasche, einen Schal und ein Paar Turnschuhe im gesamthaften Deliktsbetrag von 

Fr. 209.85 entwendet – also noch deutlich im Bereich eines geringfügigen Vermö-

-   22   -

genswerts im Sinne von Art. 172ter StGB (Fr. 300.–, BGE 121 IV 261 E. 2d). Sodann 

bewegt  sich  auch  die  von  der  Beschuldigten  angewandte  Gewalt  im  untersten 

Spektrum der im Rahmen von Art. 140 Ziff. 1 StGB denkbaren Handlungen, indem 

sie  der  Privatklägerin  B._____  zwar  zwei  Faustschläge  ins  Gesicht  versetzt  hat, 

deren Wirkung indessen im Wesentlichen nicht über Prellungen im linken Gerichts-

bereich von B._____ hinausgegangen ist (vgl. D2/7 S. 8; Urk. 2/13/3 und 2/13/4). 

Wenn die Vorinstanz nach Berücksichtigung der seinerzeit gutachterlich festgestell-

ten mittelgradig bis schwer eingeschränkten Schuldfähigkeit zu einer Einsatzstrafe 

von 7 Monaten für die gesamte Tatschwere kommt (Urk. 94 S. 48), so erscheint 

dies deshalb als zu hoch. Vielmehr liegt ein Fall vor, in welchem es in Anwendung 

von Art. 19 Abs. 2 StGB und Art. 48a Abs. 1 StGB gerechtfertigt ist, die gesetzlich 

angedrohte Mindeststrafe zu unterschreiten. Angemessen erscheint eine Einsatz-

strafe von 4 Monaten.

Zu den Täterkomponenten ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu 

verweisen (Urk. 94 S. 48 ff.; vgl. dazu auch Urk. 113 S. 1 ff.). Es bleibt als Quintes-

senz, dass insbesondere die in rund 8 ½ Jahren von der Beschuldigten erwirkten 

14 Vorstrafen sowie ihre ungeachtet laufender Strafuntersuchungen fortwährende 

Delinquenz sich deutlich straferhöhend auswirken müssen. Angesichts der klaren 

Beweislage ist das Geständnis hinsichtlich des Diebstahls nicht strafmindernd zu 

gewichten,  zumal  die  Beschuldigte  das  wesentliche  Element  ihrer  Straftat  –  das 

gewaltsame Verteidigen des Deliktsguts durch Faustschläge – entgegen der auch 

diesbezüglich klaren Beweislage abstreitet (so auch heute; vgl. Urk. 113 S. 17 ff.).

Für  den  räuberischen  Diebstahl  gemäss  Dossier  2  erscheint  damit  eine  Einsatz-

strafe von 6 Monaten als angemessen.

5.7.2. Weitere Vergehen

Für  die  weiteren  Vergehen  (mehrfacher  Hausfriedensbruch,  mehrfache  Sachbe-

schädigung,  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  gemäss  den 

Dossiers 3, 4, 5, 9 und 14) setzte die Vorinstanz jeweils Einzelstrafen im allerun-

tersten, zum Teil einstelligen Tagebereich fest und erhöhte hernach die Einsatz-

-   23   -

strafe für den Raub in Anwendung des Asperationsprinzips um 2 Monate (Urk. 94 

S. 50 ff.).

Das erscheint im Resultat jedenfalls als angemessen, sodass die entsprechenden 

Erwägungen  grundsätzlich  übernommen  werden  können,  ohne  dass  an  dieser 

Stelle nochmals je einzeln auf die jeweiligen Delikte eingegangen werden müsste: 

So ist sicher richtig, dass die Vorinstanz für die verschiedenen Hausfriedensbrüche 

jeweils  nur  minimale  Einzelstrafen  von  wenigen  Tagen  festsetzte,  nachdem  es 

entweder um ein Eindringen in Keller zum Zwecke einer Übernachtung oder das 

Betreten eines Verkaufsgeschäfts trotz Hausverbot (J._____ am Flughafen) ging. 

Die  Sachbeschädigungen  gewichtete  die  Vorinstanz  dann  korrekterweise  etwas 

schwerer mit Einzelstrafen von 15 (Beschädigung von Holzlatten des Kellerabteils 

mit einem Schadensbetrag von 320.– im Dossier 5) bzw. 20 Tagen (eingeschla-

gene  Fensterscheibe  mit  einem  Schadensbetrag  von  Fr.  1'211.25  im  Dossier 9). 

Und ebenso zutreffend ist, wenn die Vorinstanz die Einzelstrafe für die Gewalt und 

Drohung gegen Behörden und Beamte im Dossier 14 (Fusstritte gegen die Polizei-

beamte L._____) im ähnlichen Bereich, nämlich 20 Tagen sieht. Dabei hat die Vor-

instanz jeweils in angemessener Weise die mittelgradig bis schwer eingeschränkte 

Schuldfähigkeit der Beschuldigten berücksichtigt sowie hinsichtlich der Täterkom-

ponenten  namentlich  die  sehr  belastete  Vorstrafensituation,  die  Delinquenz  trotz 

laufender Verfahren aber auch – gegebenenfalls – allfällige Geständnisse der Be-

schuldigten zutreffend veranschlagt.

Hinsichtlich  des  Dossiers 9  wurde  von  der  Verteidigung  sinngemäss  die  Anwen-

dung  von  Art. 54  StGB  beantragt.  Gemäss  Art. 54  StGB  sieht  die  zuständige 

Behörde von einer Bestrafung ab, wenn der Täter durch die unmittelbaren Folgen 

seiner Tat so schwer betroffen ist, dass eine Strafe unangemessen wäre. Gemäss 

Feststellung des für die Abklärung der Hafterstehungsfähigkeit der Beschuldigten 

am 13. Februar 2022 zuständigen Arztes habe bei der Beschuldigten eine trans-

fusionsbedürftige  Anämie  (Blutarmut)  bei  venöser  Blutung  aus  4  Stich-/Schnitt-

wunden an der Innenseite des rechten Unterarms bestanden, welche Verletzung 

sie  sich  im  Rahmen  ihrer  Borderline-Störung  selbst  zugefügt  habe  (Urk.  D9/12). 

Auch wenn die Verletzung, die sich die Beschuldigte – unabsichtlich – selbst bei-

-   24   -

gebracht hat, eine notfallärztliche Intervention erforderlich machte, war sie nicht von 

einer derartigen Schwere, wie sie von Art. 54 StGB gefordert ist. Das ergibt sich 

ohne Weiteres aus einer Durchsicht der Kasuistik, die in diesem Zusammenhang 

bisher  ergangen  ist  (PK  StGB-TRECHSEL/KELLER  2021,  Art.  54  N  9;  BSK  StGB-

RIKLIN Art. 54 N 14 ff., 58 ff.). Entsprechend ist bezüglich Dossier 9 nicht von einer 

Bestrafung im Sinne von Art. 54 StGB abzusehen.

Es erscheint deshalb als angemessen, die Beschuldigte für die von ihr begangenen 

Verbrechen und Vergehen mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten zu bestrafen.

5.7.3. Übertretungen

Für die mehrfachen geringfügigen Diebstähle (Dossiers 3, 5, 7 und 10) setzte die 

Vorinstanz eine (Gesamt-)Busse von Fr. 500.– fest, teilweise als Zusatzstrafe zur 

der  Beschuldigten  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom 

29. November  2021  auferlegten  Busse  von  Fr.  1'000.–  (weil  der  geringfügige 

Diebstahl gemäss Dossier 3 vor dem 29. November 2021 stattgefunden hat). Damit 

liegt  die  Vorinstanz  gar  unter  dem  diesbezüglichen  Antrag  der  Verteidigung,  die 

– für lediglich drei geringfügige Diebstähle – eine Busse von Fr. 600.– als ange-

messen erachtet (Urk. 73 S. 21; Urk. 95 S. 3).

Den diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz ist vollumfänglich zu folgen und 

die  Busse  von  Fr.  500.–  zu  bestätigen  (Urk.  94  S.  55  f.).  Das  Tatvorgehen  war 

immer sehr vergleichbar und mit der Vorinstanz nicht sehr raffiniert, und es ist der 

Beschuldigten  auch  hier  die  mittelgradig  bis  schwer  verminderte  Schuldfähigkeit 

zugute  zu  halten.  Während  sodann  die  teilweisen  Geständnisse  leicht  strafmin-

dernd zu berücksichtigen sind, wirken auch hier die Vorstrafensituation sowie die 

Delinquenz trotz weiterer laufender Strafverfahren deutlich straferhöhend.

Mit der Vorinstanz ist für den Fall, dass die Beschuldigte die Busse von Fr. 500.– 

schuldhaft  nicht  bezahlen  sollte,  eine  Ersatzfreiheitsstrafe  von  5  Tagen  festzus-

etzen (Urk. 94 S. 57).

-   25   -

5.7.4. Fazit

Die Beschuldigte ist damit gesamthaft mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten und 

einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen, letzteres als teilweise Zusatzstrafe zur der 

Beschuldigten  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom 

29. November  2021  auferlegten  Busse  von  Fr.  1'000.–.  An  die  Freiheitsstrafe 

anzurechnen sind 79 Tage, welche die Beschuldigte durch Haft bereits erstanden 

hat (Art. 51 StGB).

6.

Vollzug

6.1. Hinsichtlich der Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvoll-

zugs  kann  zunächst  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen 

werden (Urk. 94 S. 56 f.). Zu ergänzen ist, dass gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB für 

einen Aufschub besonders günstige Umstände vorliegen müssen, wenn der Täter 

innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten 

Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt worden ist. Vorliegend ist die 

Beschuldigte am 11. November 2019 – und mithin weniger als fünf Jahre vor den 

nunmehr  zu  beurteilenden  Taten  –  mit  einer  unbedingten  Freiheitsstrafe  von 

16 Monaten bestraft worden (Urk. 109 S. 10/11). Es müssten demnach besonders 

günstige Umstände vorliegen, damit ihr der bedingte Strafvollzug gewährt werden 

könnte.

6.2. Von solchen besonders günstigen Umständen kann keine Rede sein: Wie nun 

schon  mehrfach  erwähnt,  weist  der  Strafregisterauszug  der  Beschuldigten  nicht 

weniger als 14 Verurteilungen aus, mit welchen bereits ausnahmslos unbedingte 

Geld-  und  Freiheitsstrafen  ausgesprochen  worden  sind  (Urk.  109).  Wenn  nun 

schon unbedingte Strafen die Beschuldigte offensichtlich nicht beeindrucken, wird 

das bei bedingten Strafen ebenso wenig der Fall sein.

6.3. Was die Verteidigung zur Begründung ihres Antrags auf eine bedingte Strafe 

ausführt, verfängt nicht (Urk. 73 S. 21; Urk. 95 S. 6, 7; Urk. 105; Urk. 114 S. 4 und 

16 f.): So ist nicht ersichtlich, inwiefern der letztes Jahr von der Beschuldigten erlit-

tene  Vollzug  diverser  Ersatzfreiheitsstrafen  eine  entscheidende  positive  "erhebli-

-   26   -

che persönliche Entwicklung" zur Folge gehabt haben könnte – zumal das nicht die 

erste von der Beschuldigten verbüsste Freiheitsstrafe war und der letzte Vollzug, 

aus welchem sie am 23. Juli 2018 entlassen worden war (Urk. 109), augenschein-

lich  auch  nicht  die  erhoffte  Wirkung  gezeigt  hat.  Es  ist  denn  auch  bezeichnend, 

dass gemäss aktuellem Strafregisterauszug bereits wieder drei neue Strafunters-

uchungen gegen die Beschuldigte am Laufen sind (Urk. 109 S. 1/2). Sodann ist es 

zwar  so,  dass  der  Vollzugsbericht  der  Strafanstalt  Gmünden  der  Beschuldigten 

attestiert,  sich  schnell  und  gut  in  den  Vollzugsalltag  und  das  Insassenkollektiv 

eingelebt  zu  haben.  Das  betrifft  aber  –  begriffsnotwendig  –  das  geschlossene, 

strukturierte Umfeld im Vollzug. Bezüglich der angestrebten Resozialisierung fällt 

dagegen  auf,  dass  gemäss  dem  erwähnten  Bericht  die  Beschuldigte  deliktorien-

tierte Gespräche unterbinde und sich geweigert habe, die Auflage des Sozialamts 

Q._____ zu akzeptieren, ihre zu teure Wohnung zu kündigen und eine günstigere 

Wohnung zu beziehen (Urk. 105 S. 2, 4). Anlässlich der Berufungsverhandlung er-

gab  sich,  dass  die  Beschuldigte  neu  (alleine)  in  ihrer  2.5-Zimmer-Wohnung  in 

M._____  wohne  und  jedes  zweite  Wochenende  Kontakt  zu  ihrer  in  N._____ 

lebenden Tochter pflege. Sie sei arbeitslos, werde vom Sozialamt unterstützt, sei 

beim RAV und auf Stellensuche (Urk. 113 S. 1 ff.; vgl. dazu auch Urk. 114 S. 4 und 

Prot. II S. 8 f.). Wenn die Verteidigung diesbezüglich jedoch vorbringt, dass sich die 

Beschuldigte klar in Richtung Stabilität und Eigenverantwortung entwickle, so ist ihr 

nicht  zu  folgen.  Dieser  Einschätzung  der  Verteidigung  ist  insbesondere  mit  Blick 

auf die eigenen Ausführungen der Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhand-

lung hinsichtlich der drei neu laufenden Strafverfahren sowie ihres Konsums von 

Drogen  und  Alkohol  (Urk. 113  S. 7  ff.)  nicht  zu  folgen.  Der  Beschuldigten  kann 

somit keine (besonders) günstige Legalprognose gestellt werden.

6.4. Es  bleibt  damit  dabei,  dass  der  Beschuldigten  eine  ungünstige  Prognose 

gestellt werden muss und ihr deshalb der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe nicht 

gewährt werden kann.

-   27   -

7.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

7.1. Erstinstanzliche Kosten

7.1.1. Die  Vorinstanz  hat  die  Kosten  der  Untersuchung  und  des  gerichtlichen 

Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, vollumfänglich 

der  Beschuldigten  auferlegt  (Urk.  94  S.  63,  Dispositivziffer  14).  Zur  Begründung 

verweist die Vorinstanz einzig auf den Wortlaut von Art. 426 Abs. 1 StPO, wonach 

eine Person in der Regel die Kosten des Prozesses zu tragen hat, wenn sie verur-

teilt wird. Weiter erwägt die Vorinstanz, dass die Kosten wegen Uneinbringlichkeit 

sogleich definitiv abzuschreiben seien, nachdem in Anbetracht des Zustands der 

Beschuldigten nicht davon auszugehen sei, dass sie in naher Zukunft einer Arbeit 

werde nachgehen können (Urk. 94 S. 61). Diese Erwägung hat dann allerdings im 

Dispositiv keinen Niederschlag gefunden.

7.1.2. Die Verteidigung kritisiert berufungsweise einerseits, dass die Vorinstanz die 

Kosten der Beschuldigten trotz Freisprüchen nicht lediglich anteilsmässig auferlegt 

habe, und sie weist andererseits auf den Widerspruch zwischen den Erwägungen 

und dem Dispositiv hin (Urk. 95 S. 6; Urk. 114 S. 18).

7.1.3. Im  Unterschied  zum  Rechtsmittelverfahren  werden  die  erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten  nicht  nach  Obsiegen  und  Unterliegen  auferlegt  (vgl.  Art.  428 

Abs. 1 StPO und Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO). Wird die beschuldigte Person bei 

einer Mehrzahl strafbarer Handlungen teilweise schuldig gesprochen und teilweise 

freigesprochen,  sind  die  Verfahrenskosten  zwar  grundsätzlich  anteilsmässig  der 

beschuldigten  Person,  dem  Staat  und  gegebenenfalls  der  Privatklägerschaft 

aufzuerlegen. Dabei gilt es aber das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip 

zu beachten. In diesem Sinn dürfen der beschuldigten Person dann die gesamten 

Kosten  des  Verfahrens  auferlegt  werden,  wenn  die  ihr  zur  Last  gelegten  Hand-

lungen  in  einem  engen  und  direkten  Zusammenhang  stehen  und  alle  Unter-

suchungshandlungen  hinsichtlich  jedes  Anklagepunktes  notwendig  waren.  Es  ist 

nach Sachverhalten, nicht nach Tatbeständen aufzuschlüsseln. Bei einem einheit-

lichen  Sachverhaltskomplex  ist  vom  Grundsatz  der  vollständigen  Kostenauflage 

nur abzuweichen, wenn die Strafuntersuchung im freisprechenden Punkt zu Mehr-

-   28   -

kosten geführt hat. Bei der Aufteilung der Verfahrenskosten steht der Strafbehörde 

jedenfalls ein gewisser Ermessensspielraum zu (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 426 N 5 

f. m.H.).

7.1.4. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte in den Dossiers 7 und 9 je von den Vor-

würfen des Hausfriedensbruchs sowie im Dossier 16 vom Vorwurf der Gewalt und 

Drohung gegen Behörden und Beamte freigesprochen (Urk. 94 Dispositivziffer 2). 

Dabei bleibt es auch zweitinstanzlich; weitere Freisprüche ergehen nicht.

Die beiden Freisprüche betreffend Hausfriedensbruch haben keine Folgen auf die 

Kostenverteilung, da die Beschuldigte in beiden Dossiers gleichwohl verurteilt wird; 

im  Dossier  7  wegen  geringfügigen  Diebstahls  und  im  Dossier  9  wegen  Sachbe-

schädigung. Separate, massgebliche Untersuchungshandlungen, die mit Blick auf 

die Vorwürfe des Hausfriedensbruchs unternommen worden wären, zu Mehrkosten 

geführt  hätten  und  nun  infolge  der  Freisprüche  als  ungerechtfertigt  erscheinen 

würden, sind nicht ersichtlich.

Mit  dem  Freispruch  im  Dossier  16  fällt  jedoch  dieses  gesamte  Dossier  weg.  Die 

betreffende Untersuchung  wurde aufgrund  eines  Vorfalls am  Sonntag, 1.  Januar 

2023, 12.00 Uhr, aufgenommen, nachdem der polizeilich ausgeschriebene, dama-

lige Freund der Beschuldigten, O._____, in eine polizeiliche Kontrolle geraten und 

es in der Folge zu einem körperlichen Zusammentreffen der Beschuldigten mit ei-

nem  Polizeibeamten  gekommen  war.  Neben  der  Rapportierung  (Urk. D16/1; 

Urk. D16/2) erfolgte in diesem Zusammenhang eine polizeiliche Einvernahme der 

Beschuldigten (Urk. D16/3), wurde vom betroffenen Polizeibeamten ein Wahrneh-

mungsbericht  verfasst  (Urk.  D16/4)  und  fand  eine  staatsanwaltschaftliche  Befra-

gung des Beamten statt (Urk. D16/6). Der schliessliche Freispruch erfolgte, weil der 

Beschuldigten ihre Darstellung nicht widerlegt werden konnte, dass sie unabsicht-

lich mit dem Beamten zusammengestossen war. Die entsprechenden Erwägungen 

der Vorinstanz erstrecken sich immerhin über 4 Seiten (Urk. 94 S. 27 bis 31).

Diese Umstände sind im Sinne von Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO bei der Kostenver-

teilung zu berücksichtigen. In Anbetracht des Umfangs des gesamten gegen die 

-   29   -

Beschuldigte geführten Verfahrens kann allerdings nur ein Bruchteil dessen Kosten 

auf die Gerichtskasse genommen werden; es rechtfertigt sich immerhin ein Zehntel.

7.1.5. Gemäss ihren Erwägungen wollte die Vorinstanz offenbar die der Beschul-

digten auferlegten Kosten in Anwendung von Art. 425 StPO wegen Uneinbringlich-

keit sofort definitiv abschreiben. Die genannte Bestimmung ermöglicht es der Straf-

behörde,  einer  kostenpflichtigen  Person  unter  Berücksichtigung  ihrer  wirtschaft-

lichen Verhältnisse Verfahrenskosten zu erlassen. Bei der Beschuldigten sind diese 

Voraussetzungen erfüllt: Aufgrund ihrer psychischen Störung und multiplen Sucht-

erkrankung ist sie schon seit längerem nicht mehr arbeitstätig (jedenfalls nicht in 

einem nennenswerten, tragfähigen Mass), wird das wohl auch in absehbarer Zu-

kunft nicht sein, und sie ist überdies – nicht zuletzt aus ihren unzähligen bisherigen 

Strafverfahren – bereits mit erheblichen Schulden konfrontiert.

7.1.6. Entsprechend sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen 

gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu 

neun  Zehnteln  der  Beschuldigten  aufzuerlegen  und  zu  einem  Zehntel  auf  die 

Gerichtskasse zu nehmen. Dabei ist allerdings der Beschuldigten der ihr auferlegte 

Teil infolge Uneinbringlichkeit zu erlassen und sofort definitiv abzuschreiben.

Entsprechend sind die Kosten der amtlichen Verteidigung für die Untersuchung und 

das erstinstanzliche Verfahren zu neun Zehnteln einstweilen und zu einem Zehntel 

definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht der Beschul-

digten bleibt im Umfang von neun Zehnteln gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO vorbe-

halten.

7.2. Kosten des Berufungsverfahrens

7.2.1. Im Berufungsverfahren unterliegt die Beschuldigte mit ihren Anträgen sehr 

weitgehend  (Freisprüche,  bedingter  Strafvollzug)  und  obsiegt  insofern,  als  die 

Strafe merklich gesenkt und die erstinstanzliche Kostenverlegung leicht korrigiert 

wird. In Gewichtung dieses Verfahrensausgangs und in Anwendung von Art. 428 

Abs. 1 StPO sind deshalb die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der 

-   30   -

Kosten der amtlichen Verteidigung, zu drei Vierteln der Beschuldigten aufzuerlegen 

und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

7.2.2. Auch zweitinstanzlich rechtfertigt es sich schliesslich, die der Beschuldigten 

auferlegten Kosten in Anwendung von Art. 425 StPO zu erlassen und sofort definitiv 

abzuschreiben.

7.2.3. Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten machte für das Berufungsver-

fahren einen Aufwand von Fr. 7'552.80 geltend (Urk. 112). Unter Berücksichtigung 

der  tatsächlichen  Dauer  der  Berufungsverhandlung  von  knapp  zwei  Stunden 

(Prot. II S. 5 und 10) ist die amtliche Verteidigung für die Bemühungen und Aus-

lagen mit pauschal Fr. 7'300.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind zu drei Vierteln 

einstweilen  und  zu  einem  Viertel  definitiv  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die 

Rückzahlungspflicht der Beschuldigten bleibt im Umfang von drei Vierteln gemäss 

Art. 135 aAbs. 4 StPO vorbehalten.

-   31   -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 4. Dezember 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig

-

[…],

- der […] Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 4 […]),

- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 3, 

Dossier 4 […]),

-

[…] sowie

- des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Ver-

bindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossier 3, […] und Dossier 10).

2.

Von den Vorwürfen des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 

StGB (Dossier 7 und Dossier 9) sowie der Gewalt und Drohung gegen Behörden 

und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 16) wird die Beschuldigte 

A._____ freigesprochen.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

[…]

[…]

[…]

Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._____ wird 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin C._____ wird auf den Weg des Zi-

vilprozesses verwiesen.

Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._____ wird abgewiesen.

Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin R._____ Schadenersatz von 

Fr. 1'211.25 zuzüglich 5 % Zins seit dem 12. Februar 2022 zu bezahlen. Im Mehr-

betrag wird das Begehren abgewiesen.

10.

Es wird vorgemerkt, dass die Beschuldige das Schadenersatzbegehren von 

D._____ dem Grundsatze nach anerkannt hat.

-   32   -

11.

Der polizeilich sichergestellte und bei der Stadtpolizei Zürich lagernde Turnschuh 

Nike (Ass.-Nr. A015'692'736) wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils ein-

gezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

12.

Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K211220-036 / 

81744481 lagernden Spuren und Spurenasservate werden nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Urteils vernichtet.

13.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'500.00

; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 3'000.00

  Gebühr für das Vorverfahren

Fr.

210.25

  Auslagen Gutachten

Fr. 2'080.00

  Auslagen Untersuchung

Fr.16'705.45

  amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

14.

[…]

15.

Die amtliche Verteidigerin MLaw X2._____ wird mit Fr. 5'024.25 (inkl. MwSt.) aus 

der Gerichtskasse entschädigt. […].

16.

Der amtliche Verteidiger MLaw X3._____ wird mit Fr. 11'681.20 (inkl. MwSt.) aus 

der Gerichtskasse entschädigt. […].

17.

[Mitteilungen]

18.-20.

[Rechtsmittelbelehrungen]"

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil und an die Privatklägerschaft 

mit separatem Auszug.

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A.______ ist weiter schuldig

-

-

-

des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 (räuberischer Dieb-

stahl) StGB (Dossier 2),

der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 9),

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB (Dossier 5),

-   33   -

-

-

der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von 

aArt. 285 Ziff. 1 StGB (Dossier 14) sowie

des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB (Dossiers 5 und 7).

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 79 Tage 

durch Haft erstanden sind, und einer Busse von Fr. 500.–, teilweise als 

Zusatzstrafe zur mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

29. November 2021 ausgefällten Busse von Fr. 1'000.–.

3.

4.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

5.

Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, mit 

Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, werden zu neun Zehnteln 

der Beschuldigten auferlegt und zu einem Zehntel auf die Gerichtskasse 

genommen. Der Beschuldigten werden die ihr auferlegten Kosten zufolge 

Uneinbringlichkeit erlassen und sogleich definitiv abgeschrieben.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung für die Untersuchung und das erstin-

stanzliche Verfahren werden zu neun Zehnteln einstweilen und zu einem 

Zehntel definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht 

der Beschuldigten bleibt im Umfang von neun Zehnteln gemäss Art. 135 

aAbs. 4 StPO vorbehalten.

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

7'300.–   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.).

7.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, werden zu drei Vierteln der Beschuldigten auferlegt 

und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse genommen.

-   34   -

Der Beschuldigten werden die ihr auferlegten Kosten zufolge Uneinbring-

lichkeit erlassen und sogleich definitiv abgeschrieben.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden zu drei Vierteln einstweilen 

und zu einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rück-

zahlungspflicht der Beschuldigten bleibt im Umfang von drei Vierteln gemäss 

Art. 135 aAbs. 4 StPO vorbehalten.

8.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an





die amtliche Verteidigung (z. Hd. Rechtsanwältin MLaw X4._____) im 
Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten (versandt)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat in die Akten … (hinsichtlich Dis-
positivziffer 2).

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

-   35   -

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 9. April 2025

Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. S. Volken

MLaw J. Stegmann