# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fac7f67a-2378-5446-a28b-9f6d761bab91
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.04.2010 D-2563/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2563-2010_2010-04-21.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2563/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 1 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
Georgien,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 1. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2563/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 1. April 2010 – eröffnet am 12. April 
2010 – auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 14. Dezember 
2009 in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht eintrat, die Wegweisung nach 
Italien verfügte,  den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von 
Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den 
Kanton  B._________  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu 
vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die 
vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,  und dem 
Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss 
Aktenverzeichnis aushändigte,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 15. April  2010  gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein-
reichte und beantragte, es sei die Verfügung des BFM aufzuheben und 
ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung 
an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen,  subeventualiter  sei  festzustellen, 
dass die Wegweisung unzulässig und unzumutbar sei und ihm die vor-
läufige Aufnahme zu gewähren, 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei die unent-
geltliche  Rechtspflege  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten, 

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 16. April 2010 
(per  Telefax)  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art. 56  des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021) vorsorglich aussetzte,

dass die  vorinstanzlichen Akten am 19. April  2010 beim Bundesver-
waltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 

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entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni  2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – 
unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 
Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 
VwVG),

dass  die  Verfügung  als  Anfechtungsgegenstand  in  der  Bundesver-
waltungsrechtspflege den äusseren Rahmen bildet, innerhalb welchem 
die  Parteien  der  Rechtsmittelinstanz  ein  Rechtsverhältnis  zur  Beur-
teilung unterbreiten können, dass der durch die Parteibegehren defi-
nierte Streitgegenstand nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus 
reichen  darf,  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  somit  grund-
sätzlich  nur  sein  kann,  was  Gegenstand  des  erstinstanzlichen  Ver-
fahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen 
(vgl.  ANDRÉ MOSER,  in: Auer/Müller/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum 
Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG),  Zürich  2008, 
Rz. 3 zu Art. 52, CHRISTOPH AUER, Streitgegenstand und Rügeprinzip im 
Spannungsfeld  der  verwaltungsrechtlichen  Prozessmaximen,  Bern 
1997,  S.  63;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und 
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149), 

dass die angefochtene Verfügung vom 1. April  2010 keine Regelung 
betreffend Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält,

dass  mit  den  Begehren,  es  sei  dem Beschwerdeführer  Asyl  zu  ge-
währen, der Streitgegenstand in unzulässiger Weise über den in der 
angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungsgegenstand  hinaus 
erweitert wird (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 51 E. 3c), weshalb 
auf dieses Begehren nicht einzutreten ist, 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf  Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 

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des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive einer 
zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es 
sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der 
Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass das zentrale Element einer Verfügung das Dispositiv ist, d.h. die 
Verfügungsformel  mit  dem  genauen  Inhalt  der  für  das  betreffende 
Rechtsverhältnis angeordneten Rechte und Pflichten,

dass dieses Rechtsverhältnis korrekt und vollständig im Dispositiv ab-
gebildet  zu  sein  hat,  da  grundsätzlich  nur  dieses  in  Rechtskraft 
erwächst und damit rechtsverbindlich ist und gegebenenfalls den Um-
fang des Streitgegenstandes begrenzt, 

dass  dementsprechend  grundsätzlich  nur  das  Dispositiv  eines  Ent-
scheides, nicht aber dessen Begründung anfechtbar ist und bei einem 
Widerspruch zwischen Dispositiv und Erwägungen oder bei Unklarheit 
des Dispositivs der Entscheid nach seinem tatsächlichen Bedeutungs-
gehalt zu verstehen ist, 

dass die Auslegung des im Dispositiv geregelten Rechtsverhältnisses 
nach  den  Regeln  von  Treu  und  Glauben  zu  erfolgen  hat  (PHILIPPE 
WEISSENBERGER,  in:  Bernhard  Waldmann/  Philippe  Weissenberger 
[Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, Art. 61 Rz. 44).

dass das BFM im Dispositiv seines Entscheides auf das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers nicht eintritt, die Wegweisung nach Italien ver-
fügt  und  den  Kanton  B.________  verpflichtet,  die 
Wegweisungsverfügung zu vollziehen,

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dass das BFM indes in  der  Begründung seiner Verfügung nicht  auf-
zeigt,  weshalb  Italien für  die  Durchführung  des  Asylgesuches  zu-
ständig sein soll, sondern darlegt, weshalb es diesbezüglich Griechen-
land als zuständig erachtet,

dass  aufgrund  der  Akten  und  der  Begründung  der  Verfügung  zwar 
anzunehmen ist, das BFM erachte Griechenland als zuständig, 

dass seine diesbezüglichen Überlegungen jedoch keinen Niederschlag 
im Dispositiv gefunden haben, 

dass umgekehrt in den Erwägungen mit keinem Wort begründet wird, 
weshalb gemäss dem massgeblichen Dispositiv die Wegweisung nach 
Italien erfolgen soll, 

dass angesichts der unauflöslichen Diskrepanz zwischen Begründung 
und Dispositiv unklar bleibt, ob nun  Italien oder  Griechenland als für 
die Durchführung des Asylverfahrens als zuständig erachtet wird,

dass die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  weshalb  die 
Beschwerde gutzuheissen ist, soweit beantragt wird, die angefochtene 
Verfügung  des  BFM sei  aufzuheben  und  sei  die  Sache  zur  Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,

dass  angesichts  des  Ausgangs  des  Verfahrens  keine  Kosten  zu  er-
heben sind (vgl. Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), 

dass  sich  mithin  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses als gegenstandslos erweisen,

dass nicht davon auszugehen ist, dem nicht vertretenen Beschwerde-
führer  seien  im  vorliegenden  Verfahren  notwendige  und  verhältnis-
mässig hohe Kosten entstanden, weshalb ihm für das vorliegende Ver-
fahren keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 
VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Die Verfügung vom 1. April 2010 wird aufgehoben und die Sache zur 
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  (Einschreiben;  Beilage:  angefochtene  Ver-
fügung im Original)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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