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**Case Identifier:** 60c2703a-ffdb-50cd-8484-115178fc81ee
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-08
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 08.04.2014 S 2013 111
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2013-111_2014-04-08.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT
DES KANTONS GRAUBÜNDEN

S 13 111

3. Kammer als Versicherungsgericht

bestehend aus

Verwaltungsrichter Stecher als Vorsitzender, Verwaltungsrichte-

rin Moser und Verwaltungsrichter Audétat, Aktuarin Baumann-

Maissen

URTEIL
vom 8. April 2014

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Altermatt,

Beschwerdeführerin

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____ war als Mitarbeiterin der B._____ AG durch die Schweizerische 

Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen Unfall versichert, 

als sie sich am 15. September 2006 beim Herunterholen einer Kiste den 

rechten Arm quetschte und dabei eine Handgelenksdistorsion erlitt. Mit 

Verfügung vom 27. Februar 2008 stellte die SUVA die bis dahin erbrach-

ten Versicherungsleistungen per 10. März 2008 ein und verneinte einen 

Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen in Form einer Invaliden-

rente und/oder einer Integritätsentschädigung, da die geklagten Be-

schwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien und nicht in 

adäquatem Zusammenhang zum Unfallereignis stünden. Die dagegen er-

hobene Einsprache wies die SUVA mit Einspracheentscheid vom 3. Juni 

2008 ab.

2. Mit Vorbescheid vom 30. September 2008 sprach die IV-Stelle des Kan-

tons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle), A._____ ausgehend von ei-

nem Invaliditätsgrad von 100 % ab dem 1. September 2007 eine ganze 

Invalidenrente zu, da der Beschwerdeführerin wegen einer dissoziativen 

Bewegungsstörung des rechten Armes sowie einer dissoziativen Sensibi-

litätsstörung im rechten Arm weder die angestammte Tätigkeit noch eine 

adaptierte Tätigkeit zumutbar sei. Im Rahmen einer amtlichen Rentenre-

vision geriet A._____ in den Verdacht, gegenüber der IV-Stelle falsche 

Angaben gemacht zu haben, weshalb die IV-Stelle A._____ vom 11. bis 

26. Juni 2010 überwachen liess. Die beauftragte Überwachungsfirma kam 

in ihrem Ermittlungs- und Observationsbericht vom 5. Juli 2010 zum 

Schluss, bei der Versicherten hätten keinerlei physische oder psychische 

Einschränkungen oder anderweitige Veränderungen festgestellt werden 

können. Ebenfalls seien zu keiner Zeit Anzeichen von Schmerzen zu be-

obachten gewesen. Die rechte Hand habe A._____ vollkommen normal 

und unauffällig eingesetzt und es seien keine Schonhaltungen wahr-

nehmbar gewesen. Aufgrund dieses Observationsergebnisses beauftrag-

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te die IV-Stelle mit Schreiben vom 9. August 2010 das ABI Basel, Ärztli-

ches Begutachtungsinstitut GmbH, den Gesundheitszustand der Be-

schwerdeführerin und dessen Auswirkung auf deren Arbeitsfähigkeit im 

Rahmen eines polydisziplinären Gutachtens abzuklären. Das ABI kam in 

seinem Gutachten vom 10. Januar 2011 zum Schluss, bei A._____ lägen 

keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vor. In der zu-

letzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin in der Nahrungsmittel-

industrie und in jeder anderen körperlich leichten bis mittelschweren 

Tätigkeit bestehe eine zumutbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 

100 %.

3. Vor diesem Hintergrund hob die IV-Stelle nach Durchführung des Vorbe-

scheidverfahrens mit Verfügung vom 31. Mai 2011 die Rentenverfügung 

vom 30. September 2008 auf und wies das am 31. Mai 2007 von A._____ 

eingereichte Leistungsbegehren ab. A._____ erhob hiergegen mit Einga-

be vom 22. Juli 2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden, welches darauf mit Urteil S 11 92 vom 29. November 2011 

nicht eintrat, da A._____ ihre Beschwerde nach Ablauf der dreissigtägi-

gen Rechtsmittelfist eingereicht hatte. Die dagegen erhobene Beschwer-

de in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten wies das Bundesgericht mit 

Urteil 8C_262/2012 vom 8. Juni 2012 ab.

4. Am 12. Februar 2013 reichte A._____ bei der IV-Stelle ein Gesuch um 

berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ein. Mit Vorbescheid vom 

27. Februar 2013 teilte die IV-Stelle A._____ mit, eine Verschlechterung 

des Gesundheitszustandes sei nicht glaubhaft gemacht worden, weshalb 

auf ihr abermaliges Leistungsbegehren nicht eingetreten werde. Nachdem 

die Beschwerdeführerin hiergegen Einwand erhoben und weitere medizi-

nische Berichte eingereicht hatte, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 

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23. Juli 2013 auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 

12. Februar 2013 nicht ein.

5. Dagegen reichte A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 

16. September 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden ein mit dem Antrag, die Verfügung der IV-Stelle vom 23. Juli 

2013 sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, auf die Anmel-

dung der Beschwerdeführerin vom 12. Februar 2013 einzutreten. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin das Verwal-

tungsgericht zum einen, ihr die Möglichkeit einzuräumen, bis zum 15. Ok-

tober 2013 eine ergänzte Beschwerdebegründung einzureichen. Zum an-

deren beantragte sie, ihr für das vorliegende Beschwerdeverfahren die 

unentgeltliche Prozessführung mit Daniel Altermatt, Rechtsanwalt, als un-

entgeltlichem Rechtsbeistand zu gewähren. Zur Begründung dieser An-

träge führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, sie habe mit ih-

rem Leistungsgesuch einen Bericht ihres Hausarztes, Dr. med. C._____, 

vom 28. November 2012 eingereicht. Dieser führe darin aus, dass bei der 

Beschwerdeführerin seit dem Entscheid der IV-Stelle vom 8. April 2011 

neu rezidivierende Schwindelbeschwerden, ein progredientes Karpaltun-

nelsyndrom, ausgeprägte chronische Obstipation, Diskopathie L5/S1 mit 

zirkulärer Diskusprotrusion und kleinen Anulusrissen sowie eines Helico-

bacter pylori Gastritis aufgetreten seien. Aufgrund dieser neuen Be-

schwerden erachte er eine neue Beurteilung des Anspruchs der Be-

schwerdeführerin auf eine IV-Rente als angezeigt. Im Weiteren habe 

Dr. med. D._____ in seinem Bericht vom 14. Juli 2011 eine Einschrän-

kung der Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert. Diese beiden Arztberichte 

genügten, um eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung 

der Beschwerdeführerin glaubhaft zu machen, weshalb die IV-Stelle ge-

halten gewesen wäre, auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführe-

rin vom 12. Februar 2013 einzutreten.

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6. In der Vernehmlassung vom 2. Oktober 2013 beantragte die IV-Stelle die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentli-

chen vor, in Berücksichtigung der überzeugenden Beurteilungen des Re-

gionalen ärztlichen Dienstes (RAD) Ostschweiz vom 18. Februar 2013 

und 10. Juli 2013 spreche entgegen der Auffassung der Beschwerdefüh-

rerin nichts Stichhaltiges dagegen, davon auszugehen, dass sich der für 

die Ermittlung des Invaliditätsgrades ausschlaggebende Sachverhalt zwi-

schen dem 31. Mai 2011 (Zeitpunkt der letzten Rentenverfügung) und 

dem 23. Juli 2013 (Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung) nicht verän-

dert habe, zumal sich der psychiatrische Bericht von Dr. med. D._____ 

vom 16. April 2013 zwar zur psychischen Gesundheitsverfassung der Be-

schwerdeführerin äussere, jedoch keine Verschlechterung derselben seit 

dem 31. Mai 2011 belege. Demnach müsse eine glaubhafte Änderung der 

massgeblichen gesundheitlichen Verhältnisse seit der Verfügung vom 

31. Mai 2011 verneint werden, weshalb die IV-Stelle auf die Neuanmel-

dung der Beschwerdeführerin vom 12. Februar 2013 zu Recht nicht ein-

getreten sei. 

7. Mit Schreiben vom 14. November 2013 teilte die Beschwerdeführerin dem 

Verwaltungsgericht mit, an den gestellten Rechtsbegehren sowie den bis-

herigen Ausführungen festzuhalten und im Übrigen sämtliche Vorbringen 

der IV-Stelle zu bestreiten, soweit diese im Widerspruch zu den Aus-

führungen der Beschwerdeführerin stünden. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Be-

weismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen 

eingegangen.

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom 

23. Juli 2013, in der die IV-Stelle auf das von der Beschwerdeführerin am 

12. Februar 2013 eingereichte Gesuch um berufliche Massnahmen und 

Rentenleistungen nicht eingetreten ist. Solche Anordnungen, die gemäss 

Bundesrecht der Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht am Ort 

der IV-Stelle unterliegen, können beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 des Verwaltungsge-

richtsgesetzes [VRG; BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundes-

gesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Beurtei-

lung der vorliegenden Beschwerde fällt somit in die Zuständigkeit des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Als formelle und materiel-

le Adressatin der angefochtenen Verfügung ist die Beschwerdeführerin 

von der angefochtenen Verfügung überdies unmittelbar betroffen und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlicher Überprüfung. Damit 

ist die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin zu bejahen (Art. 1 

Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungs-

rechts [ATSG, SR 830.1]). Auf deren im Übrigen frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist demzufolge einzutreten (Art. 60 und 61 lit. b 

ATSG).

2. Mit Verfügung vom 31. Mai 2011 hob die IV-Stelle die Verfügung vom 

30. September 2008 auf und wies das Leistungsbegehren der Beschwer-

deführerin vom 31. Mai 2007 ab. Am 12. Februar 2013 reichte die Be-

schwerdeführerin bei der IV-Stelle abermals ein Gesuch um berufliche In-

tegration und Rentenleistungen ein. Auf diese Neuanmeldung trat die IV-

Stelle mit Verfügung vom 23. Juli 2013 nicht ein.

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a) Eine Neuanmeldung, wie die vorliegend in Frage stehende, sowie ein Ge-

such um Rentenrevision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG stellen nach 

gefestigter Rechtsprechung zwar nicht identische, aber ähnliche Recht-

sinstitute dar, insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines Leistungsan-

spruchs aufgrund veränderter Verhältnisse zielen (BGE 133 V 108 E.5.2, 

117 V 109 E.3a, 109 V 108 E.2b). Dementsprechend knüpft Art. 87 Abs. 3 

der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) das 

Eintreten auf eine Neuanmeldung an dieselben Voraussetzungen, wie sie 

im Falle eines Revisionsgesuchs gemäss Art. 87 Abs. 2 IVV zu beachten 

sind. Laut dieser Bestimmung hat die versicherte Person in ihrem Revisi-

onsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität in ei-

ner für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die entsprechen-

den Voraussetzungen gelten analog, wenn Eingliederungsmassnahmen 

strittig sind (BGE 109 V 122 E.3a; Urteil des Bundesgerichts I 249/01 vom 

16. Oktober 2003 E.2). Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass 

sich die zuständige IV-Stelle fortwährend mit gleichlautenden und nicht 

näher begründeten Begehren zu befassen hat (BGE 133 V 108 E.5.3.1, 

130 V 71 E.3.2.3).

b) Nach ständiger Rechtsprechung ist eine erhebliche Änderung im Sinne 

von Art. 87 Abs. 2 IVV primär zu bejahen, wenn die gesundheitliche Ver-

fassung der versicherten Person eine anspruchserhebliche Änderung er-

fahren hat. Anlass für eine abermalige Prüfung eines Leistungsgesuches 

besteht jedoch ebenfalls, wenn sich etwa die erwerblichen Auswirkungen 

des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verän-

dert haben oder eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur An-

wendung gelangt (BGE 130 V 343 E. 3.5; Urteile des Bundesgerichts 

8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.3.1.1, 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 

E.1.2, I 554/05 vom 3. Januar 2006 E.2.1, I 212/03 vom 28. August 2003 

E.2.2.3). Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum 

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Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebli-

che Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte 

rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-

tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-

gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-

ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund-

heitszustandes) beruht (BGE 133 V 108 E.5.4; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 

54 S. 167 E.2.1, Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 

2013 E.3.1.2, 9C_418/2010 vom 20. August 2011 E.3.1; SVR 1996 IV 

Nr. 70 S. 404). 

c) Dass sich der massgebliche Sachverhalt in dieser Weise verändert hat, 

hat die versicherte Person allerdings nur glaubhaft zu machen, um die IV-

Stelle zu veranlassen, auf eine Neuanmeldung einzutreten. Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachen kein Be-

weis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden 

Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisan-

forderungen sind herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines "vollen Bewei-

ses" die Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass 

seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante 

Änderung eingetreten ist. Es genügt vielmehr, dass für den geltend ge-

machten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse Anhalts-

punkte sprechen, auch wenn noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei 

eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung 

nicht erstellen lassen (vgl. dazu: das Urteile des Eidgenössischen Versi-

cherungsgerichts I 238/02 vom 20. März 2003 E.2.1, I 294/98 vom 3. Ja-

nuar 2000 E.1 m.w.H.). Dieser Beweis ist indes nicht erbracht, wenn in 

neuen Berichten von ärztlichen oder anderen Fachleuten nur der bereits 

bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung gegebene 

Sachverhalt anders bewertet wird und daraus andere Schlussfolgerungen 

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gezogen werden als im früheren Verwaltungs- und/oder Beschwerdever-

fahren. Erforderlich sind neue Elemente tatsächlicher Natur, die nach der 

ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten und zu dem damals gege-

benen Sachverhalt hinzugekommen sind oder diesen verändert haben 

(Urteil des Bundegerichts 8C_55/2007 vom 20. November 2007 E.2.1, Ur-

teil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 484/00 vom 21. März 

2001 E.1b/bb). 

3. Mit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 31. Mai 2011 hob die IV-

Stelle die Rentenverfügung vom 30. September 2008 auf und wies das 

Begehren der Beschwerdeführerin vom 31. Mai 2007 um Bezug von Ver-

sicherungsleistungen ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, 

die Beschwerdeführerin habe zuletzt als Betriebsmitarbeiterin in der Nah-

rungsmittelindustrie gearbeitet. Laut ihren Angaben handle es sich hierbei 

um eine körperlich mittelschwer belastende Tätigkeit, für die aus Sicht der 

Gutachter seit Februar 2007 eine zeitlich und leistungsmässig uneinge-

schränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Auch in jeglichen körperlich leichten 

bis mittelschweren Tätigkeiten, wo eine Hebe- und Traglimite von 15 kg 

nur ausnahmsweise überschritten werde, liege seit Februar 2007 eine 

zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor (vgl. 

IV-act. 133 S. 2). Diese Ausführungen stützen sich in erster Linie auf das 

interdisziplinäre Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011, das sich einge-

hend mit der gesundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin und 

den hiermit verbundenen Auswirkungen auf deren Arbeitsfähigkeit aus-

einandersetzt (IV-act. 123). Demzufolge beruht die letzte rechtskräftige 

Verfügung der IV-Stelle auf einer umfassenden materiellen Prüfung des 

Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin mit rechtskonformer Sach-

verhaltsabklärung und Beweiswürdigung. Auf die Ermittlung der erwerbli-

chen Situation konnte die IV-Stelle verzichten, weil sie die Beschwerde-

führerin in ihrer angestammten Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig einstuf-

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te. Folglich bildet die Verfügung der IV-Stelle vom 31. Mai 2011 den zeitli-

chen Referenzpunkt zur Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung 

im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV. 

4. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob es aufgrund der Aktenlage glaub-

haft erscheint, dass die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdefüh-

rerin und deren Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit dem 31. Mai 2011 

bis zum Abschluss des vorinstanzlichen Verfahrens am 23. Juli 2013 eine 

rechtserhebliche Änderung erfahren hat. Um diese Frage beantworten zu 

können, ist anschliessend zunächst darzulegen, von welcher Sachlage 

die IV-Stelle in der Verfügung vom 31. Mai 2011 ausgegangen ist, wobei 

hierfür auf das Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 abgestellt wer-

den kann, dem die IV-Stelle volle Beweiskraft zuerkannte. Der daraus er-

sichtlich werdende Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die 

hiermit verbundenen Auswirkungen auf deren Arbeitsfähigkeit sind als-

dann mit der diesbezüglich am 23. Juli 2013 bestehenden Sachlage zu 

vergleichen, wie sie aus den eingereichten Unterlagen hervorgeht. 

a) Im Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 stellten Dr. med. E._____, 

Fallführung, FMH Orthopädische Chirurgie, Dr. med. F._____, FMH 

Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. med. G._____, FMH Innere 

Medizin, keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Ein-

fluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie anamnestisch chroni-

sche Schulter-Arm-Hand-Schmerzen (ICD-10: M 79.60 [klinisch und bild-

gebend keine Hinweise für wesentliche Strukturalterationen, deutliche 

Symptomausweitung und inadäquat wirkendes Schmerzverhalten]), Adi-

positas (vgl. act. IV- 123 S. 11) und eine Medikamenten-Malcompliance 

(ICD-10: Z 91.1). Davon ausgehend erachteten sie die Beschwerdeführe-

rin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin in der 

Nahrungsmittelindustrie und in anderen körperlich leichten bis mittel-

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schweren Tätigkeiten als zu 100 % arbeits- und leistungsfähig. Auch im 

Haushalt liessen sich keine Einschränkungen begründen (IV-act. 123 

S. 27). 

Zur Begründung dieser Einschätzung führte Dr. med. F._____ aus psych-

iatrischer Sicht im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin erachte sich 

wegen Schmerzen im rechten Arm, in den Schultern sowie im Nacken 

rechts und der beeinträchtigten Bewegungsfähigkeit vor allem in der Hand 

als nicht mehr arbeitsfähig. Das Ausmass der Beschwerden und die 

Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin, nicht mehr arbeiten zu 

können, liessen sich durch die somatischen Befunde indes nicht objekti-

vieren, sodass eine psychische Überlagerung angenommen werden müs-

se. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung eine deutlich 

nach aussen gerichtete, dramatisierende Beschwerdeschilderung gezeigt. 

Der Ehemann sei gemäss Angaben der Beschwerdeführerin ebenfalls ar-

beitsunfähig und beziehe eine IV-Rente. Der ältere der beiden noch zu 

Hause wohnenden Söhne habe es bisher nicht geschafft, eine berufliche 

Ausbildung zu absolvieren, und habe gemäss Angaben der Beschwerde-

führerin ebenfalls psychische Probleme. Somit könnten soziale Belastun-

gen als Ursache einer psychischen Erkrankung postuliert werden. Die 

Beschwerdeführerin gebe auch an, wegen Schwindelbeschwerden immer 

wieder zu stürzen, weshalb diagnostisch an eine gemischte dissoziale 

Störung gedacht werden müsse (IV-act. 123 S. 13). Angesichts der Schil-

derung der Beschwerdeführerin könnte zusätzlich eine leichte depressive 

Episode mit depressiver Verstimmung, erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebs-

störung und Schlafstörungen postuliert werden. Diese Diagnosen könnten 

jedoch aufgrund des Observationsmaterials mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit ausgeschlossen werden, wo sich die Beschwerdeführerin 

entgegen ihren diesbezüglichen Angaben bei verschiedenen Aktivitäten, 

auch im Kontext mit anderen Personen, vollkommen unauffällig verhalte 

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(IV-act. 123 S. 14). Die Beschwerdeführerin sei sodann seit einigen Mo-

naten in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei Dr. med. 

H._____ und erhalte eine antidepressive Medikation. Der Serumspiegel 

des verordneten Antidepressivums würde jedoch unterhalb der Nach-

weisgrenze liegen (IV-act. 123 S. 14). Dies sei ein Hinweis darauf, dass 

die Beschwerdeführerin ihre Medikamente entgegen ihren Angaben nicht 

einnehmen würde. Aufgrund des Überwachungsmaterials sei davon aus-

zugehen, dass auch weitere ihrer Angaben nicht zutreffen würden. Diffe-

renzialdiagnostisch käme eine artifizielle Störung, eine Simulation und ei-

ne Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (Ren-

tenneurose) in Frage (IV-act. 123 S. 15). Das Verschwinden der Sympto-

me in unbeachteten Augenblicken (hier bei der Überwachung) weise auf 

eine Simulation hin, komme variabel indes ebenfalls bei artifiziellen 

Störungen vor und spreche gegen eine Entwicklung körperlicher Sym-

ptome aus psychischen Gründen. Bei einer artifiziellen Störung bestehe 

eine absichtlich hervorgerufene Symptombildung bei bewusstseinsferner 

Motivation, wohingegen bei der Simulation Symptombildung und Motivati-

on bewusst seien. Als direkter sekundärer Krankheitsgewinn käme bei der 

Beschwerdeführerin vor allem die Versicherungsleistung (IV-Rente) in 

Frage. Eine Diagnose mit Krankheitswert könne unter den gegebenen 

Umständen nicht gestellt werden. Am ehesten handle es sich um eine 

Simulation. Die Beschwerdeführerin könne trotz der anlässlich der Unter-

suchung beklagten Beschwerden normale Tätigkeiten ausführen, wie das 

Überwachungsmaterial eindrücklich zeige (IV-act. 123 S. 15). 

Diese Angaben ergänzte Dr. med. E._____ im Gutachten des ABI vom 

10. Januar 2011 aus orthopädischer Sicht dahingehend, als er nach einer 

eingehenden Untersuchung der Beschwerdeführerin und der Analyse der 

ihm vorliegenden Untersuchungsbefunde (vgl. IV-act. 123 S. 17-19) aus-

führte, die von der Beschwerdeführerin angegebene Funktionslosigkeit 

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des rechten Armes könne durch objektivierbare Befunde kaum erklärt 

werden (IV-act. 123 S. 21). Es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwi-

schen den anamnestischen Schilderungen einer weitgehenden Funktions-

losigkeit des rechten Armes und den objektivierbaren Befunden sowie 

den Schmerzäusserungen anlässlich der Untersuchung vom 15. Novem-

ber 2010. Wiederholt könne auch eine deutliche Selbstlimitation beobach-

tet werden, explizit bei der Kopfbewegung, aber auch am rechten Arm der 

verschiedentlich deutlich besser eingesetzt werde, als dies gemäss den 

Angaben der Beschwerdeführerin möglich sei. Besonders auffallend sei 

der Umstand, dass sowohl am Ober- als auch am Unterarm symmetri-

sche Umfänge gemessen werden könnten, was mit hoher Wahrschein-

lichkeit darauf hindeute, dass der rechte Arm im Alltag regelmässig ein-

gesetzt werde, da nach über dreijähriger Inaktivität ansonsten zwingend 

eine deutliche muskuläre Atrophie sichtbar sein müsste (IV-act. 123 S. 20 

f.). Auch ansonsten bestünden keine Hinweise auf trophische Verände-

rungen im Sinne einer CRPS, wie es im Anfangsstadium offenbar bestan-

den habe. Erst kürzlich seien Bilder der linken Schulter und der linken 

Hand angefertigt worden, offenbar als Folge eines daselbst erlittenen 

Traumas (IV-act. 123 S. 21). Eine neu angefertigte Übersichtsaufnahme 

der rechten Hand zeige konventionell-radiologisch unauffällige Befunde. 

Insbesondere könne keine wesentliche Demineralisation des Knochens 

erkannt werden, wie sie bei einer ausgeprägten Inaktivität fast zwangsläu-

fig zu finden sein müsste. Die Beschwerdeführerin habe zuletzt als Be-

triebsmitarbeiterin in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Dabei handle 

es sich gemäss ihren eigenen Angaben um eine mittelschwer belastende 

Tätigkeit, für die rein aufgrund der objektivierbaren Befunde von Seiten 

des Bewegungsapparates eine zeitlich und leistungsmässig uneinge-

schränkte Arbeitsfähigkeit postuliert werden könne (IV-act. 123 S. 21). 

Das nachträglich von der IV-Stelle zur Verfügung gestellte Bildmaterial, 

das anlässlich einer Observation an mehreren Tagen im Juni 2010 ange-

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fertigt worden sei, bestätige die Einschätzung, wonach keine organisch 

bedingten relevanten Funktionseinschränkungen des rechten Armes oder 

der rechten Hand bestehen würden. Auf den Filmsequenzen sei bei-

spielsweise sichtbar, wie die Beschwerdeführerin mit der rechten Hand 

ein Auto aus einer Einfahrt winke, selbst ein Auto steuere, einer Bekann-

ten zur Begrüssung ganz unauffällig die rechte Hand gebe oder mit bei-

den Händen Einkäufe verstaue und später die Tasche trage. Dabei sei nie 

die Handgelenksmanschette sichtbar, welche die Beschwerdeführerin 

gemäss ihren Angaben bei der Begutachtung im Alltag fasst immer trage. 

Das Verhalten anlässlich der orthopädischen Untersuchung müsse auf-

grund dieses Bildmaterials als zumindest stark selbstlimitiert beurteilt 

werden (IV-act. 123 S. 23). 

b) Die Beschwerdeführerin hat in der Neuanmeldung vom 12. Februar 2013 

und im Einwand vom 25. März 2013 eine Verschlechterung dieses Ge-

sundheitszustandes und der gestützt darauf angenommenen 100%igen 

Arbeitsfähigkeit geltend gemacht. Dabei stützte sie sich in erster Linie auf 

die Arztberichte von Dr. med. C._____ (IV-act. 161), Dr. med. I._____ (IV-

act. 167) und Dr. med. D._____ (IV-act. 168).

Der langjährige Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._____, 

Facharzt für Allgemeine Medizin, hielt in seinem Arztbericht vom 28. No-

vember 2012 fest, bei der Beschwerdeführerin seien seit dem 8. April 

2011 zusätzlich rezidivierende Schwindelbeschwerden mit zentral vesti-

bulärer Komponente, Differentialdiagnose Lagerungsschwindel, aufgetre-

ten. Die Beschwerdeführerin sei deshalb wiederholt gestürzt, weshalb sie 

vom 18. Januar bis zum 18. März 2012 zu 100 %, vom 19. April bis zum 

20. Mai 2012 zu 100 %, vom 21. Mai bis zum 17. Juni 2012 zu 70 % so-

wie vom 18. Juni bis zum 15. Juli 2012 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen 

sei. Diesem Arztbericht legte Dr. med. C._____ die ihm seit dem 8. April 

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2011 zugegangenen Arztberichte bei (Handchirurgische Sprechstunde 

vom 31. Mai 2011 mit unklaren Schmerzen und Bewegungseinschrän-

kungen der Hand rechts bei leichtem demyelisierendem Karpaltunnelsyn-

drom rechts; den Bericht von Dr. med. K._____ vom 21. Juni 2011 mit der 

Diagnose eines progredienten Karpaltunnelsyndroms rechts; den Bericht 

von Dr. med. L._____ vom 28. Juni 2011 mit der Diagnose einer ausge-

prägten chronischen Obstipation; MRI LWS vom 29. August 2011, veran-

lasst durch den Neurochirurgen Dr. med. M._____ mit der Diagnose einer 

Diskopathie L5/S1 mit zirkulärer Diskusprotrusion und kleinen Anulusris-

sen; den Bericht von Dr. med. L._____ mit der Diagnose eines Helicobac-

ter pylori Gastritis; den Bericht von Dr. med. N._____ vom 20. September 

2012 mit der Diagnose von rezidivierenden Schwindelbeschwerden; den 

Bericht von Dr. med. I._____ bezüglich der chronischen zervikal und lum-

bal betonten Rückenbeschwerden im Rahmen eines Panvertebralsyn-

droms und schliesslich die bei den rezidivierenden Stürzen durchgeführ-

ten Röntgenuntersuchungen LWS ap/seitlich vom 8. Mai 2012 und Be-

ckenübersicht ap und LWS ap/seitlich vom 26. Januar 2012).

Dr. med. I._____, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, 

ergänzte diese Angaben in ihrem Arztbericht vom 3. April 2013 aus rheu-

matologischer Sicht dahingehend, als sie bei der Beschwerdeführerin seit 

dem 5. März 2012 ein chronisches cervical und lumbal betonten Panver-

tebralsyndrom (Tendenz zu Generalisation mit Halbseitensymptomatik 

rechts, Wirbelsäulenfehlform und –fehlhaltung, muskuläre Dysbalance, 

degenerativen Wirbelsäulenveränderungen, MRI LWS 08/2011: Diskopa-

thie L5/S1, keine Nervenwurzelkompression, MRI LWS 01/2012: V.a. 

Spondylolyse L5/S1), posttraumatisch persistierende Schmerzen am 

Handgelenk, eine Depression (psychosoziale Belastungssituation [Krank-

heit des Ehemannes]) sowie Eisenmangel diagnostiziert habe. Durch das 

chronische cervical und lumbal betonte Panvertebralsyndrom sei die Be-

- 16 -

schwerdeführerin vor allem in ihrer lumbalen Belastbarkeit eingeschränkt, 

so dass sie körperlich mittelschwere bis schwere Tätigkeiten nicht mehr 

durchführen könne. Daneben bestünden weiterhin posttraumatisch be-

dingte Schmerzen am Handgelenk nach einer Kontusion des Handgelen-

kes im Jahr 2006. Seit längerem bestehe auch eine Depression, die sich 

aufgrund der chronischen Schmerzsymptomatik und im Rahmen einer 

psychosozialen Belastungssituation entwickelt habe. Die Beschwerdefüh-

rerin weine oft während der Untersuchung und wirke niedergeschlagen. 

Sie gehe davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

insbesondere durch deren psychische Verfassung massiv eingeschränkt 

sei. Aus rein rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für eine 

leichte, wechselbelastende Tätigkeit sicherlich teilarbeitsfähig. Der Grad 

der Arbeitsunfähigkeit sei hier schwierig abzuschätzen, da die Einschrän-

kung vor allem durch die depressive Entwicklung bedingt sei. Die Teilar-

beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin dürfte zwischen 30 und 50 % lie-

gen. 

Der behandelnde Psychiater der Beschwerdeführerin, Dr. med. D._____, 

Oberarzt der Psychiatrischen Dienste Graubünden, Klinik O._____, hielt 

in seinem Arztbericht vom 16. April 2013 sodann fest, die Beschwerdefüh-

rerin seit dem 14. Juli 2011 zu behandeln. Als sie mit der Behandlung be-

gonnen habe, habe sie ein Spektrum von depressiven Symptomen auf-

gewiesen, welches die Kriterien einer schweren depressiven Episode 

nach ICD-10: F 33.2 erfüllt hätten. Die schon damals bei Dr. med. 

H._____ begonnene Antidepressiva-Therapie mit Efexor, sehr niedrig do-

siert, sei im Laufe der Behandlung optimiert worden. Aktuell bekomme die 

Beschwerdeführerin 330 mg Efexor, 300 mg Seroquel, 20 mg Esomep, 

Temesta als Bedarfsmedikation und diverse Schmerzmedikamente. Zu-

sätzlich klage die Beschwerdeführerin über Zwangsgedanken und 

Zwangshandlungen, welche meistens im Bereich Sauberkeit und Ord-

- 17 -

nung angesiedelt seien. Diese Symptome hätten sich unter der medika-

mentösen Behandlung verbessert, würden jedoch phasenweise wieder 

auftreten. Die Beschwerdeführerin komme seit 2011 regelmässig ein- bis 

zweimal monatlich zur psychiatrischen Behandlung. Sie erscheine öfters 

in einem sehr bedrückten, niedergeschlagenen Zustand, begleitet von 

Ratlosigkeit, sozialem Rückzug und ausgeprägten Schlafstörungen, öfters 

auch von latenten Suizidgedanken. Im Laufe der Behandlung sei die Be-

schwerdeführerin mehrfach dekompensiert. Sie hätte sich jedoch nie ei-

ner stationären Behandlung unterzogen, da sie sich zu Hause um ihren 

im Rollstuhl sitzenden Ehemann kümmern müsse. Aufgrund des chronifi-

zierten psychischen und somatischen Zustandes der Beschwerdeführerin 

bestünde aus psychiatrischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit und 

kognitive Einbussen. Der Grad der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe-

rin sei schwer abzuschätzen, da die körperlichen Beschwerden eine gros-

se Rolle spielen würden. Besondere Bedingungen, wie schwere Arbeit, 

stressauslösende Tätigkeiten und Schichtarbeit sollten vermieden wer-

den. Rein theoretisch könne die Beschwerdeführerin unter diesen Um-

ständen aus psychiatrischer Sicht auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

bis zu 50 % integriert werden (IV-act. 167).

c) Med. pract. P._____, Gruppenleiter RAD Ostschweiz, setzte sich in den 

Abschlussbeurteilungen vom 18. Februar 2013 und 10. Juli 2013 einge-

hend mit den vorangehend auszugsweise wiedergegebenen Arztberich-

ten und den Unterlagen, welche der Hausarzt der Beschwerdeführerin 

seinem Bericht beigelegt hatte, auseinander (vgl. IV-act.169). 

In der erstgenannten Abschlussbeurteilung hielt der RAD-Arzt P._____ im 

Wesentlichen fest, die Beschwerdeführerin habe praktisch zeitgleich mit 

der Aufhebung der Rente im Kantonsspital Graubünden Dr. med. 

Q._____ konsultiert. Diese halte in ihrem Arztbericht vom 31. Mai 2011 

- 18 -

fest, die Beschwerdeführerin von November 2006 bis März 2008 behan-

delt zu haben. Im Mai 2011 habe sie sich mit denselben Beschwerden 

wieder gemeldet und geklagt, die rechte Hand im Alltag nicht einsetzen zu 

können. Die Untersuchung der rechten Hand der Beschwerdeführerin sei 

bei praktisch ubiquitären Schmerzen relativ unergiebig ausgefallen. Sie 

könne keine genaue Ursache der Beschwerden eruieren. Auffallend sei 

jedoch eine fehlende Umfangsdifferenz im Bereich der Vordermuskulatur, 

was doch für einen Einsatz der rechten Hand im Alltag spreche. Die von 

der Beschwerdeführerin konsultierte Handspezialistin stelle die beklagte 

Funktionseinschränkung folglich in Frage. Im Bericht von Dr. med. 

K._____ vom 21. Juni 2011 werde sodann ein leichtes CTS beschrieben. 

Auch im MRI LWS vom 29. August 2011 würden sich keine Hinweise für 

eine organische Genese eines nachvollziehbaren LWS-Syndroms finden; 

die dokumentierten Veränderungen würden im Prinzip den degenerativen 

Veränderungen entsprechen, an denen der Grossteil der 40-Jährigen "lei-

de". Die Konsultationen des Gastroenterologen Dr. med. L._____ vom 

16. April 2012 würden ausser funktionellen Beschwerden nichts wirklich 

Neues ergeben. Die HNO-Untersuchung des Schwindels lasse darauf 

schliessen, dass mittels der Lagerungsübungen (Vestibularis-Training) ei-

ne genügende Besserung habe erzielt werden können, womit die von 

Dr. med. C._____ postulierte Verschlechterung des Gesundheitszustands 

der Beschwerdeführerin nicht dauerhaft sei. 

In Bezug auf die nachgereichten Arztberichte von Dr. med. I._____ und 

Dr. med. D._____ führte der RAD-Arzt P._____ in seiner Abschlussbeur-

teilung vom 10. Juli 2013 ergänzend aus, Dr. med. I._____ gehe von ei-

ner in erster Linie durch die Psyche bedingten Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Dennoch schränke sie die Arbeits-

fähigkeit der Beschwerdeführerin auf eine leichte körperliche Tätigkeit mit 

einer Teilarbeitsfähigkeit von 30-50 % ein, ohne indes Leistungstests 

- 19 -

durchgeführt zu haben. Deshalb bescheinige sie der Beschwerdeführerin 

auch Schmerzen im rechten Handgelenk, obgleich aufgrund des Obser-

vationsergebnisses klar sei, dass die Beschwerdeführerin die rechte Hand 

im Alltag selbst für schwere Arbeiten einsetzen könne. Aus Sicht des RAD 

sei der fragliche Arztbericht nicht geeignet, eine Verschlechterung der ge-

sundheitlichen Verfassung der Beschwerdeführerin zu belegen. Hinsicht-

lich des Arztberichts von Dr. med. D._____ sei zu beachten, dass dieser 

die psychosoziale Situation der Beschwerdeführerin seit 2011 beschreibe. 

Auffallend sei auch hier, dass der behandelnde Arzt davon ausgehe, dass 

der Ehemann auf den Rollstuhl angewiesen und stuhlinkontinent sei. Der 

Psychiater bestätige überdies, dass der Grad der Arbeitsunfähigkeit 

schwer abzuschätzen sei, da die körperlichen Beschwerden eine grosse 

Rolle spielen würden. Dass die finanzielle Situation ein Belastungsfaktor 

sei, sei unbestritten. Die ärztlichen Atteste würden allesamt auf Hören-

Sagen der Beschwerdeführerin und sicherlich nicht auf einem objektiv 

nachgewiesenen Leistungsverlust beruhen. Dies wiege umso schwerer, 

als die Beschwerdeführerin schon einmal aufgrund organisch nicht nach-

weisbarer Beschwerden eine ganze IV-Rente erhalten habe.

d) Diese Ausführungen des RAD-Arztes basieren auf der Kenntnis der ge-

samten Vorakten und leuchten in der Beurteilung der medizinischen Si-

tuation sowie den daraus gezogenen Schlussfolgerungen ein. 

In der Tat klagte die Beschwerdeführerin bereits gegenüber den ABI-

Gutachtern über Schmerzen im rechten Arm, in den Schultern, im Nacken 

rechts, einer beeinträchtigte Bewegungsfähigkeit vor allem in der rechten 

Hand und über Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Beeinträchti-

gung des Schlafes. Diese Beschwerden führen jedoch nach Auffassung 

der ABI-Gutachter zu keiner Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin. Zu diesem Schluss gelangten diese nach dem Studium 

- 20 -

der Vorakten, der eingehenden Exploration der Beschwerdeführerin und 

der Kenntnisnahme des Observationsmaterials, wonach sich die Be-

schwerdeführerin entgegen ihren Angaben in verschiedenen Situationen 

vollkommen unauffällig verhielt und keine Anzeichen für eine Beeinträch-

tigung der funktionellen Leistungsfähigkeit erkennbar waren. Dieses Ver-

schwinden der behaupteten Krankheitssymptome in unbeobachteten Au-

genblicken bestärkte den ABI-Gutachter Dr. med. E._____ in seiner Ein-

schätzung, wonach keine organisch bedingten relevanten Funktionsbe-

einträchtigung des rechten Arms oder der rechten Hand bestünden, und 

bewegte den ABI-Gutachter Dr. med. F._____, jede psychiatrische Dia-

gnose mit Krankheitswert auszuschliessen. Dr. med. I._____ und Dr. 

med. D._____ kennen das fragliche Bildmaterial nicht und stellen bei ihrer 

Diagnose ausschliesslich auf die Angaben der Beschwerdeführerin ab, 

die sich seit dem Unfallereignis vom 15. September 2006 als zu 100 % 

arbeitsunfähig erachtet und nach der gutachterlichen Feststellung absicht-

lich Symptome hervorruft, die eine solche funktionelle Beeinträchtigung zu 

begründen vermögen. Mit dem RAD-Arzt P._____ ist festzuhalten, dass 

unter diesen Umständen Arztberichte, in welche die interessierende Ar-

beitsunfähigkeit aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin festgelegt 

wird, ohne diese mittels Leistungstest zu objektiveren, nicht geeignet sind, 

eine Verschlechterung der gesundheitlichen Verfassung der Beschwerde-

führerin glaubhaft zu machen. Durch die Aussagen, dass die Hauptsache 

der Arbeitsunfähigkeit ausserhalb ihres Fachgebiets liege, lassen sowohl 

Dr. med. I._____ wie auch Dr. med. D._____ im Übrigen erkennen, dass 

innerhalb ihres Fachgebiets wenig für die Arbeitsunfähigkeit der Be-

schwerdeführerin spricht. Soweit sie die psychosoziale Belastungssituati-

on der Beschwerdeführerin als Mitursache für deren gesundheitliche Pro-

bleme ansehen, ist anzumerken, dass die Invalidenversicherung eine 

durch soziokulturelle Umstände bedingte Beeinträchtigung des Gesund-

heitszustandes nicht versichert. Deshalb braucht es zur Annahme einer 

- 21 -

Invalidität ein medizinisches Substrat, das fachärztlich schlüssig festge-

stellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 

wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und/oder soziokultu-

relle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwer-

debild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festge-

stellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Mit ande-

ren Worten darf das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchti-

gungen bestehen, welche von belastenden soziokulturellen Faktoren 

herrühren, sondern davon abweichende psychiatrisch zu unterscheidende 

Befunde zu umfassen hat, z.B. eine von depressiven Verstimmungszu-

ständen klar zu unterscheidende andauernde Depression im fachmedizi-

nischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszu-

stand (vgl. BGE 139 V 547 E.7.1, 127 V 294 E.5a; Urteil des Eidgenössi-

schen Versicherungsgerichts I 663/00 vom 10. Dezember 2001). Dr. med. 

I._____ und Dr. med. D._____ erheben in Form eines chronifizierten 

Schmerzsyndroms ohne organisch bedingte relevante Funktionsbeein-

trächtigung im Wesentlichen Befunde, welche durchaus in den psychoso-

zialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung fin-

den, gleichsam in ihnen aufgehen, womit ein invalidisierender Gesund-

heitsschaden zu verneinen ist. All diese Umstände lassen den Schluss 

zu, dass Dr. med. I._____ und Dr. med. D._____ in ihren Arztberichten 

einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand neu beurtei-

len. 

Diese Einschätzung wird dadurch bestätigt, dass der langjährige Hausarzt 

der Beschwerdeführerin, Dr. med. C._____, in seinem Arztbericht vom 

28. November 2012 als im massgeblichen Zeitraum neu hinzugetretene 

gesundheitliche Beeinträchtigung einzig rezidivierende Schwindelbe-

schwerden mit zentral vestibulärer Komponente, Differentialdiagnose La-

gerungsschwindel, anführt. Im Hinblick auf diese Beschwerden ist 

- 22 -

zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin bereits gegenüber 

dem ABI-Gutachter, Dr. med. F._____, angegeben hatte, wegen Schwin-

delbeschwerden immer wieder zu stürzen, weshalb dieser eine gemischte 

dissoziative Störung als möglichen Grund solcher Beschwerden in Be-

tracht gezogen, diese Diagnose jedoch in der Folge verworfen hat. Im 

Weiteren hielt Dr. med. E._____ im Gutachten des ABI vom 10. Januar 

2011 fest, kürzlich seien Bilder der linken Schulter und der linken Hand 

angefertigt worden, offenbar als Folge eines dasselbst erlittenen Trau-

mas. Diese Ausführungen im Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 

deuten darauf hin, dass die Beschwerdeführerin bereits ursprünglich an 

Schwindelbeschwerden gelitten hat. Wie es sich diesbezüglich verhält, 

kann jedoch offengelassen werden, da, wie der RAD-Arzt P._____ über-

zeugend darlegt, die fraglichen Beschwerden mittlerweile erfolgreich be-

handelt werden konnten und die Beschwerdeführerin nicht mehr beein-

trächtigen.

e) Damit kann zusammenfassend festgehalten werden, dass die eingereich-

ten Arztberichte zur Hauptsache nur den bereits bekannten, im Zeitpunkt 

der ursprünglichen Rentenverfügung gegebenen Sachverhalt anders be-

werten und daraus andere Schlussfolgerungen ziehen als im früheren 

Verwaltungsverfahren. Anders dürfte es sich allenfalls bezüglich der 

Schwindelbeschwerden der Beschwerdeführerin verhalten. Diese konnten 

jedoch bereits vor der Neuanmeldung erfolgreich behandelt werden, wes-

halb sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr beein-

trächtigen. Die Beschwerdeführerin hat somit keine rechtserheblichen 

Elemente tatsächlicher Natur vorgebracht, die nach dem 31. Mai 2011 

eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen 

sind oder diesen verändert haben. Folgerichtig ist die IV-Stelle in der an-

gefochtenen Verfügung auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin 

vom 12. Februar 2013 nicht eingetreten. Die dagegen erhobene Be-

- 23 -

schwerde erweist sich demzufolge als unbegründet, weshalb sie abzu-

weisen ist.

5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei-

ten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- fest-

gelegt. Von diesen Kriterien ausgehend sind die Verfahrenskosten vorlie-

gend auf Fr. 700.-- festzulegen und der Beschwerdeführerin als unterlie-

gender Partei aufzuerlegen (Art. 73 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über 

die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die obsiegende Be-

schwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine aussergerichtliche Ent-

schädigung (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

6. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführerin die beantragte unentgeltliche 

Rechtspflege (Prozessführung und Rechtsverbeiständung) zu gewähren 

ist.

a) Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidge-

nossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die erforderli-

chen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr 

Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ih-

rer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen 

Rechtsbeistand. Art. 61 lit. f ATSG wiederholt dieses Recht auf unentgelt-

liche Rechtspflege explizit. Wo die Verhältnisse es rechtfertigen, wird der 

Beschwerde führenden Person also ein unentgeltlicher Rechtsbeistand 

bewilligt. Die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtspflege sind erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos erscheint, 

die Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen Anwalt oder eine 

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Anwältin geboten erscheint (BGE 125 V 201 E.4a m.w.H.). Bedürftig im 

Sinne von Art. 61 lit. f ATSG ist eine Partei, die zur Leistung der Partei-

kosten die Mittel zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie 

angreifen müsste. Dabei liegt die Grenze der Bedürftigkeit höher als die-

jenige des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (SVR 2007 AHV 

Nr. 7 S. 20). Aussichtslos ist ein Prozess, dessen Gewinnchancen be-

trächtlich geringer sind als die Verlustgefahr und kaum als ernsthaft be-

zeichnet werden können. Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit aus-

gegangen werden, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr unge-

fähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Mass-

gebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei 

vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine 

Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht 

führen würde, nicht allein deshalb anstrengen können, weil er nichts kos-

tet (BGE 138 III 217 E.2.2.4, 129 I 129 E.2.3.1, 122 I 267 E.2b; UELI KIE-

SER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 61 N. 102). Ob im Ein-

zelfall genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund ei-

ner vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten, wobei 

die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs massgebend 

sind (BGE 138 III 217 E.2.2.4).

b) Die Beschwerdeführerin erachtet sich seit dem Unfallereignis vom 

15. September 2006 als zu 100 % arbeitsunfähig und ruft nach der Beur-

teilung im Gutachten des ABI vom 10. Januar 2011 absichtlich körperliche 

und psychische Symptome hervor, um eine solche Funktionsbeeinträchti-

gung zu belegen. Diese in einem ausführlichen interdisziplinären Gutach-

ten getroffene Feststellung hat die IV-Stelle dazu veranlasst, die der Be-

schwerdeführerin vormals zugesprochene ganze Invalidenrente mit Ver-

fügung vom 31. Mai 2011 aufzuheben und ihr Leistungsgesuch vom 

31. Mai 2007 abzuweisen. Dass unter diesen Umständen eine Ver-

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schlechterung der gesundheitlichen Verfassung nicht durch Berichte be-

handelnder Ärzte glaubhaft gemacht werden kann, welche in Unkenntnis 

des Observationsmaterials und des Gutachtens des ABI vom 10. Juli 

2011 die bereits ursprünglich beklagten psychischen und körperlichen 

Schmerzen neu bewerten, ist offensichtlich. Insoweit die Beschwerdefüh-

rerin ihre Neuanmeldung sodann mit Schwindelbeschwerden begründet 

hat, erscheint fraglich, ob diese Beschwerden tatsächlich erstmals nach 

dem 31. Mai 2011 aufgetreten sind. Selbst wenn dies jedoch zu bejahen 

wäre, handelt es sich hierbei nicht um einen invalidisierenden Gesund-

heitsschaden, da der Schwindel erfolgreich behandelt werden konnte. Bei 

dieser Sachlage mussten die Erfolgsaussichten der vorliegenden Be-

schwerde von vornherein als beträchtlich geringer bezeichnet werden als 

die Verlustgefahr. Aus diesem Grund ist das Gesuch der Beschwerdefüh-

rerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsver-

beiständung abzulehnen. Eine Beurteilung der Bedürftigkeit kann damit 

unterbleiben.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 

Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]