# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9f2d0243-c275-54c3-a870-69ce1ff75c62
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.07.2009 E-5878/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5878-2006_2009-07-24.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5878/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Bruno Huber,
Richter Walter Lang,
Richter Jean-Pierre Monnet,
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._______, 
Sierra Leone,
vertreten durch lic. iur. Ursina Stgier,

 Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 20. April 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5878/2006

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  Staatsangehöriger  Sierra  Leones,  Ange-
höriger der Fulbe-Ethnie und christlicher Religionszugehörigkeit,  ver-
liess seinen  Heimatstaat gemäss eigenen Angaben im Februar 2006 
und gelangte am 5. März 2006 in die Schweiz, wo er gleichentags um 
Asyl nachsuchte. Im Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe wurde 
er am 13. März 2006 zu seinen Asylgründen befragt; die kantonale An-
hörung fand am 13. April 2006 statt. 

Zur  Begründung seines Asylgesuches machte der Beschwerdeführer 
geltend,  er sei  in  eine strenggläubige Familie  hineingeboren und so 
erzogen worden, dass er alles zu akzeptieren habe. Sie hätten keinen 
Kontakt  zu  Christen  haben  dürfen,  da  diese  nach  Ansicht  seines 
Vaters  zu  den Ungläubigen gehören würden. In  der  Schule  habe er 
sich in ein Mädchen verliebt, welches christlichen Glaubens gewesen 
sei. Er habe die junge Frau aufgrund seiner Religionszugehörigkeit bei 
ihr zu Hause besuchen müssen, wo er grosse Liebe erlebt und sich 
gewundert habe, weshalb es das nicht auch bei seiner Familie gebe. 
Mit  der  Mutter  des  Mädchens  habe  er  in  der  Folge  oft  über  den 
Unterschied zwischen Islam und Christentum diskutiert. Sie habe ihn 
ermuntert,  die  Bibel  zu  lesen.  Je  mehr  er  sich  mit  diesem  Thema 
befasst habe, desto mehr seien ihm Zweifel am Islam gekommen. Er 
habe  sich  deshalb  überlegt,  die  Religion  zu  wechseln  und  zum 
Christentum überzutreten. Sein Vater sei deswegen wütend geworden 
und habe ihm gedroht, dies würde nur über seine (des Beschwerde-
führers)  Leiche  geschehen. Als  sich  er  in  der  Folge  habe  christlich 
taufen lassen, habe er sich eine Zeitlang verstecken müssen. Er habe 
sowohl vor seinem Vater als auch vor der muslimischen Gesellschaft 
grosse Angst gehabt und deshalb das Land verlassen.

B.
Mit Verfügung vom 20. April 2006 - eröffnet am 24. April 2006 - stellte 
das Bundesamt fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten 
den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das 
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie 
den Vollzug an. 

C.
Mit Beschwerde vom 22. Mai 2006 (Poststempel) an die vormals zu-

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ständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  liess  der  Be-
schwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  in  materieller  Hinsicht 
beantragen, die  angefochtene  Verfügung  sei  im  Wegweisungspunkt 
aufzuheben und es sei  die Unzulässigkeit,  eventualiter die Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme anzuordnen,  subeventualiter  sei  die  angefochtene  Verfügung 
zu  kassieren  und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  seine  Vorbringen 
pflichtgemäss zu prüfen und den rechtserheblichen Sachverhalt  voll-
ständig  zu erstellen. In  formeller  Hinsicht  wurde um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege ersucht.

D.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Mai 2006 teilte der Instruktionsrichter 
der ARK dem Beschwerdeführer mit,  dass er  den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten könne. Die Beurteilung des Gesuchs 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wurde  auf  einen 
späteren  Zeitpunkt  verschoben;  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses wurde verzichtet.

E.
Das BFM hielt  in  seiner  Vernehmlassung vom 2. Oktober  2007 voll-
umfänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

F.
In seiner Replik vom 19. November 2007 hielt der Beschwerdeführer 
an den Rechtsbegehren fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 

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nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
[AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die  Be- 
urteilung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechts-
mittel  übernommen.  Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl. 
Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer ist  durch die angefochtene Verfügung be-
sonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhe-
bung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). 
Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 
einzutreten (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 50 und Art. 52 VwVG).

1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG).

2.  

2.1 Das  BFM führte  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Entschei-
des aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er aufgrund 
des Konfessionswechsels befürchte, von seinem Vater umgebracht zu 
werden, könnten nicht geglaubt werden. Obwohl er zunächst wortreich 
von  den  Ereignissen  und  seiner  Ausreise  berichte,  gelinge  es  ihm 
nicht, die Gründe und letztlich die Konversion selber glaubhaft darzule-
gen. Er weise zwar pauschal auf die Liebe hin, welche in christlichen 
Familien herrsche, und er kenne einige allgemein bekannte Daten und 
Vorgänge in der christlichen Kirche. Angesichts des familiären und reli-
giösen  Hintergrundes  und  des  massiven  Einschnitts,  den  ein  Glau-
benswechsel im Leben bewirke, wäre aber zu erwarten gewesen, dass 
der Beschwerdeführer zu seinen Beweggründen, zu dem Übertritt  in 
die christliche Kirche, zu der neuen Gemeinschaft und zum Ausleben 
seines neuen Glaubens in dieser Gemeinschaft differenziert  und aus 
seiner  persönlichen  Erfahrung  hätte  Auskunft  geben  können.  Dies 
gelinge ihm jedoch nicht. Die Behauptung, er sei noch Anfänger und 
müsse erst lernen, überzeuge in keiner Weise, zumal er sich eigenen 

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Angaben zufolge schon seit  langem und ausführlich  mit  dem neuen 
Glauben auseinandergesetzt habe. Auch vermöge der Beschwerdefüh-
rer weder plausible Angaben zur Reaktion des Vaters oder seiner Ver-
wandten zu machen, noch könne er die Absicht des Vaters, ihn zu tö-
ten,  mit  konkreten Hinweisen untermauern. Vielmehr  sei  darauf  hin-
zuweisen, dass er sich noch rund (...) in Sierra Leone habe aufhalten 
können, ohne dass es dabei zu Zwischenfällen gekommen sei.

Das Bundesamt führte weiter aus, aus den Akten würden sich keine 
Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  dass  dem  Beschwerdeführer  im  Falle 
einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
eine  durch Art.  3  der  Konvention  zum Schutze der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten  vom 4. November  1950 (EMRK, SR 0.101)  ver-
botene Strafe oder Behandlung drohe. Weder die im Heimatstaat herr-
schende politische Situation noch andere Gründe würden gegen die 
Zumutbarkeit der Rückführung nach Sierra Leone sprechen. Im Lichte 
der positiven Lageentwicklung seien keine Anhaltspunkte für das Vor-
liegen einer konkreten Gefährdung erkennbar. Zudem würden sich aus 
den Akten auch keine individuellen Gründe ergeben, die gegen eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in seine Heimat sprächen. Ausser-
dem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch 
durchführbar.

2.2 In der Beschwerde wird der Argumentation der Vorinstanz entge-
gengehalten,  der  angefochtene  Entscheid  stütze  sich  hauptsächlich 
auf Hinweise, welche die Unglaubhaftigkeit des vom Beschwerdeführer 
geltend gemachten Übertritts zum christlichen Glauben belegen soll-
ten. Er trete deshalb den Beweis für die Richtigkeit seiner Angaben an 
und reiche seine Taufurkunde als Beweismittel ein. Da die Fulbe, wel-
cher Ethnie er und seine Familie angehörten, bekanntermassen Mos-
lems seien, werde durch das besagte Dokument belegt, dass er vom 
islamischen zum christlichen Glauben konvertiert habe. Wie er zudem 
geltend gemacht habe, lebe sein Vater in polygamer Ehe mit mehreren 
Gattinnen. Traditionell hätten solche Familienoberhäupter fast absolute 
Macht über ihre Frauen und Kinder. Die staatlichen Behörden würden 
sich kaum in familiäre Angelegenheiten einmischen. Vor diesem Hin-
tergrund  seien  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  welcher  be-
fürchte, wegen seines Übertritts zum christlichen Glauben Opfer von 
familiärer Gewalt und gar ermordert zu werden, nicht unglaubhaft. Er 
habe  sich  nach  den  Morddrohungen  seines  Vaters  (...)  lang  im 
Elternhaus seiner  Freundin  versteckt; die  Tatsache,  dass er  dort  vor 

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Übergriffen verschont geblieben sei, könne nicht belegen, dass keine 
Gefährdung durch familiäre Gewalt  vorliege. Es  sei  fraglich,  ob  eine 
staatliche Institution oder eine private Organisation tatsächlich einen 
effektiven Schutz bieten könnte, zumal sein Vater sehr vermögend und 
einflussreich sei. Es stehe daher fest,  dass der Vollzug der Wegwei-
sung im Fall des (dannzumal, Anm. BVGer) minderjährigen Beschwer-
deführers unzulässig sei. Seine physische Unversehrtheit  sei gefähr-
det, solange sein Vater Macht über ihn habe; die hierarchische Unter-
ordnung des Sohnes werde nach der Tradition nicht mit der Volljährig-
keit beendet sein, sondern erst mit dem Tod des Vaters.

In der angefochtenen Verfügung werde Art. 7 AsylG zu restriktiv aus-
gelegt,  zumal die besondere Sorgfalt bei der Prüfung der Vorbringen 
von Minderjährigen gänzlich ausser Acht gelassen worden sei. Im An-
schluss an die zu Unrecht festgestellte Unglaubwürdigkeit  werde auf 
eine  Prüfung  der  Asylrelevanz  der  Vorbringen  völlig  verzichtet  und 
auch die Prüfung der individuellen Wegweisungshindernisse beim min-
derjährigen  Beschwerdeführer  gänzlich  unterlassen.  Die  Vorinstanz 
habe  somit  vorliegend  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  nicht  voll-
ständig erstellt. Die Verletzungen der Verfahrensrechte, insbesondere 
seines  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör,  seien  sehr  gravierend  und 
könnten nicht geheilt werden.

2.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerde-
führer sei inzwischen volljährig geworden, womit die in der Beschwer-
deschrift  mit  seiner  Minderjährigkeit  begründeten  Wegweisungshin-
dernisse hinfällig geworden seien. Im Weiteren habe er zur Untermau-
erung  seiner  Vorbringen  auf  Beschwerdeebene  unter  anderem  eine 
Taufurkunde  eingereicht.  Angesichts  der  in  der  Verfügung  vom 
20. April 2006 dargelegten Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen könne 
auf eine eingehende Würdigung dieses Dokuments verzichtet werden. 
Es  sei  nämlich  allgemein  bekannt,  dass  solche  Dokumente  im  Hei-
matstaat des Beschwerdeführers ohne weiteres unrechtmässig erwor-
ben werden könnten, weshalb ihr Beweiswert als äusserst gering ein-
gestuft werden müsse.

2.4 In der Replik wurde entgegnet, dass sich an der Situation des Be-
schwerdeführers  trotz  zwischenzeitlich  erreichter  Volljährigkeit  nichts 
geändert  habe. Nach wie  vor  wäre  er  im Falle  einer  Rückschaffung 
nach  Sierra  Leone  den  Verfolgungen  seitens  seines  Vaters  und  der 
Gemeinschaft  ausgesetzt. Sein Vater  sei  ein  einflussreicher  und be-

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kannter  Mann,  der  es  nicht  hinnehmen könne,  dass  sein  Sohn zum 
christlichen Glauben übergetreten sei. Hinzu komme, dass seine Asyl-
gesuchstellung in der Schweiz vom Vater als Verrat angesehen werde. 
Zudem sei der Beschwerdeführer aufgrund der anlässlich in der Kind-
heit  erlebten Gräueltaten durch Rebellen  in  psychiatrischer  Behand-
lung. Weiter  werde festgehalten,  dass aus dem allgemeinen Hinweis 
des Bundesamtes, wonach in Sierra Leone Dokumente ohne weiteres 
unrechtmässig  erworben  werden  könnten,  nicht  darauf  geschlossen 
werden  dürfe,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Taufurkunde  nicht 
rechtmässig erworben habe.

3.

3.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

3.2 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

4.

4.1

4.1.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

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Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  EMRK darf  niemand der 
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-
lung unterworfen werden.

Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  mangels  Anfech-
tung der  Dispositivziffer  1 der  Verfügung vom 20. April  2006 rechts-
kräftig  feststeht,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigen-
schaft  nicht  erfüllt,  kann  das in  Art. 5  AsylG verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren 
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach 
Sierra Leone ist  demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.

Sodann  ist  zu  prüfen,  ob  sich  aus  den  Aussagen  des  Beschwerde-
führers oder aus den Akten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass er für 
den Fall  einer Ausschaffung nach Sierra Leone dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 
Strafe oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis  des  Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien, 
Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 - 127, 
mit weiteren Hinweisen). 

4.1.2 Zunächst  ist  mit  der  Vorinstanz  festzustellen  ist,  dass  der  Be-
schwerdeführer  mittlerweile  volljährig  ist  und somit  die  entsprechen-
den Ausführungen in der Beschwerde hinfällig geworden sind. Indes-
sen  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  einer  urteilsfähigen,  unbegleiteten 
und nicht vertretenen minderjährigen Person für die Dauer des Asyl-
verfahrens eine rechtskundige Vertrauensperson beizuordnen ist,  be-
vor  die  erste  Anhörung  zu  den  Asylgründen  (Art.  29  AsylG)  durch-
geführt wird (vgl. Art. 17  Abs. 3 AsylG; Art. 7 Abs. 3 der Asylverord-
nung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999  [AsylV  1, 

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SR 142.311];  Art. 12  und 22 des  Übereinkommens über  die  Rechte 
des Kindes vom 20. November 1989 [KRK, SR 0.107]). Vorliegend ist 
dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  vom 
13. April 2006 eine entsprechende Vertrauensperson zur Seite gestellt 
worden, womit den genannten Bestimmungen entsprochen worden ist.

4.1.3 Das Bundesamt stützt seinen ablehnenden Entscheid in erster 
Linie darauf ab, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers unglaub-
haft seien. Dazu Folgendes: Für die subjektive Wahrheit spricht einer-
seits, wenn die Aussage zahlreiche und qualitativ hochwertige Details 
enthält,  welche  sich  zu  einem  stimmigen  Ganzen  zusammenfügen 
(beispielsweise  wechselseitige  Gespräche  und  Interaktionen,  nach-
trägliche  Ergänzungen  oder  Komplikationen),  anderseits,  wenn  die 
befragte Person über ihre - bei dem Ereignis aufgetretenen - Gefühle, 
Assoziationen, unverstandenen Erscheinungen oder Missverständnis-
se berichtet. Für ein realitätsbegründetes Ereignis spricht weiter, wenn 
der rechtsrelevante Tatbestand gleich bleibt; dazu zählen insbesonde-
re  die  Schilderung  des  zentralen  Kerngeschehens  und  der  eigenen 
Rolle,  die Benennung der unmittelbar am Kerngeschehen beteiligten 
Personen, des fraglichen Tatortes, von unmittelbar handlungsrelevan-
ten Gegenständen oder Angaben über  unangenehme Empfindungen 
(beispielsweise  Schmerzen). Sodann  spricht  für  den  Wahrheitswillen 
der angehörten Person, wenn sie ihre eigene Rolle eher unvorteilhaft 
darstellt,  auf  Schutzbehauptungen,  die  naheliegen,  verzichtet,  und 
wenn sie entlastende Umstände bedeutsamer Art für denjenigen vor-
gebringt, den sie mit anderen Teilen ihrer Aussage belastet. Gegen die 
subjektive Wahrheit  spricht,  wenn die Aussage detailarm ist,  obwohl 
beim  betreffenden  Erlebnis  ein  Mindestmass  an  Detailreichtum  zu 
erwarten wäre,  oder wenn auch auf  Aufforderung hin keine näheren 
Einzelheiten  vorgebracht  und  Nebensächlichkeiten  berichtet  werden 
(ROLF BENDER/ARMIN NACK/WOLF-DIETER TREUER, Tatsachenfeststellung vor 
Gericht, 3. Auflage, München 2007, S. 72 ff.). Vorliegend ist der Vorin-
stanz insofern zuzustimmen, als der Beschwerdeführer anlässlich der 
kantonalen Anhörung wortreich von den Ereignissen und seiner Aus-
reise berichtete, seine Angaben zu verschiedenen Fragen betreffend 
den angeblichen Konfessionswechsel recht unsubstanziiert  geblieben 
sind. So fällt  beispielsweise auf,  dass er  nicht  hat  angeben können, 
wie  seine Mutter  auf  das  Geschehen reagiert  hat. Weiter  sind  auch 
seine Angaben hinsichtlich des Umstandes, wie sein Vater vom Gan-
zen  erfahren  habe,  ausweichend  ausgefallen.  Zudem  überzeugt  die 
Antwort auf die Frage nicht, wie er die neue Religion lebe. So hat der 

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Beschwerdeführer  diesbezüglich  lediglich  ausgeführt,  er  empfinde 
Frieden in seiner Seele und sei immer noch am Lernen. Es wäre je-
doch aufgrund der Tragweite der Entscheidung zu erwarten gewesen, 
dass er sich vor dem Konfessionswechsel intensiver mit dem Christen-
tum auseinandergesetzt hätte und entsprechend konkretere Angaben 
machen könnte. Auch wenn seinen Ausführungen in der Replik grund-
sätzlich zuzustimmen sind,  wonach der blosse Hinweis des Bundes-
amtes, dass Dokumente wie die von ihm eingereichte Taufurkunde in 
Sierra  Leone  leicht  unrechtmässig  erworben  werden  könnten,  nicht 
zum Schluss führen dürfe, auch dieses (Tauf-)Dokument sei unrecht-
mässig erworben worden,  erscheinen seine diesbezüglichen Vorbrin-
gen aufgrund obiger  substanzarmer  Aussagen als  zweifelhaft. Hinzu 
kommt, dass von der Taufurkunde einzig eine Kopie zu den Akten ge-
reicht wurde; zwar kündigte er in der Beschwerdeschrift an, dem Ge-
richt  das  Original  noch  zuzustellen,  was  jedoch  auffälligerweise  bis 
zum Urteilszeitpunkt nicht erfolgt ist.  In der Beweismitteleingabe vom 
22. Juni 2006 wird auch keine Klarheit darüber geschaffen, über wel-
che Kanäle der Beschwerdeführer in den Besitz der Taufurkunde ge-
langt ist, wodurch sich ebenfalls erhebliche Zweifel an deren Echtheit 
ergeben.  Sodann  ist  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  habe 
grosse  Angst  vor  der  muslimischen  Gemeinschaft  im  Allgemeinen, 
kaum mit jener vereinbar, dass in Sierra Leone grosse religiöse Tole-
ranz  herrsche  und  man  nirgendwo  sehe,  dass  sich  Angehörige  der 
islamischen und christlichen Religion gegenseitig hassen würden.

4.1.4 Weiter ist  vorliegend bedeutsam und darauf hinzuweisen, dass 
es sich bei der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfolgung 
um eine private Verfolgung handelt. Der Beschwerdeführer hat jedoch 
nach der  angeblichen Todesdrohung  seines  Vaters  nicht  einmal  ver-
sucht, sich an die Behörden zu wenden, um entsprechenden Schutz 
zu erlangen. Ausserdem wäre es ihm auch möglich gewesen, sich an 
einem anderen Ort innerhalb seines Heimatstaates niederzulassen, so 
dass  er  auf  den  völkerrechtlichen  Schutz  der  Schweiz  selbst  dann 
nicht angewiesen wäre, wenn sich seine Vorbringen tatsächlich so zu-
getragen hätten, wie von ihm behauptet. 

4.2 Sodann lässt  zum heutigen Zeitpunkt  die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sierra Leone den Wegweisungsvollzug nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.

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4.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Neben den 
im Gesetz beispielhaft aufgezählten Faktoren können namentlich auch 
die fehlenden oder mangelhaften medizinischen Behandlungsmöglich-
keiten,  die  Beeinträchtigung des Kindswohls  bei  minderjährigen  Ge-
suchstellern  oder  eine  Kombination  von  Faktoren  wie  Alter,  Beein-
trächtigung der Gesundheit,  fehlendes Beziehungsnetz, düstere Aus-
sichten  für  das  wirtschaftliche  Fortkommen  von  Bedeutung  sein, 
immer vorausgesetzt, dass sie zu einer konkreten Gefährdung füh-ren. 
Wird eine solche festgestellt,  ist - unter Vorbehalt  von Art. 83 Abs. 7 
AuG  -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.3.1 In Bezug auf die gegenwärtige allgemeine Menschenrechtslage 
in Sierra Leone ist festzuhalten, dass sich seit Ende der Bürgerkrieges 
im Jahre 2002 die politische Lage deutlich stabilisiert hat und hinsicht-
lich der allgemeinen Sicherheits- und Menschenrechtslage eine stetige 
Verbesserung festzustellen ist. Das Land erholt  sich von den Kriegs-
wirren und ist, unter Mithilfe von ausländischen Regierungen und inter-
nationalen Organisationen daran,  seine Infrastruktur  wieder auf-  und 
auszubauen. Insgesamt ist  festzustellen,  dass in  Sierra Leone keine 
Kriegs- oder Bürgerkriegssituation und auch keine Situation allgemei-
ner Gewalt herrscht. Die derzeitige allgemeine Situation in der Heimat 
des Beschwerdeführers spricht demnach nicht gegen die Zumutbarkeit 
eines Wegweisungsvollzugs.

4.3.2 Was die individuelle Situation des heute (...) Beschwerdeführers 
betrifft,  so  kann  den  Akten  entnommen  werden,  dass  er  eigenen 
Angaben zufolge über zahlreiche Verwandte und Bekannte in seinem 
Heimatstaat  verfügt,  von  denen  ihm  zumindest  ein  Teil  bei  der 
Reintegration behilflich sein könnte. Sodann handelt  es sich bei ihm 
um einen jungen und alleinstehenden Mann,  womit  sich  der  Vollzug 
der Wegweisung als zumutbar erweist. An dieser Feststellung vermag 
auch der Umstand nichts zu ändern,  dass er sich im Jahre (...)  auf-
grund seiner Kindheitserlebnisse in  psychiatrische Behandlung habe 
begeben  müssen. Gemäss  Rechtsprechung  der  ARK und  nun  auch 
des Bundesverwaltungsgerichts  lassen Gründe ausschliesslich medi-
zinischer Natur den Wegweisungsvollzug im Allgemeinen nicht als un-

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zumutbar  erscheinen,  es  sei  denn,  die  erforderliche Behandlung sei 
wesentlich und im Heimatland nicht erhältlich. Dabei wird als wesent-
lich die allgemeine und dringliche medizinische Behandlung erachtet, 
welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut 
notwendig ist (EMARK 2003 Nr. 24). Vorliegend wird Entsprechendes 
vom Beschwerdeführer  weder  geltend  gemacht,  noch ergibt  es  sich 
aus den Akten.

5.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer  aufzuerlegen (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG). Nachdem aber 
aufgrund der Aktenlage von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers 
auszugehen ist und die Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet 
werden konnte, ist  in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  von  einer  Kostenauflage  abzusehen 
(Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, an 
das BFM und an das zuständige kantonale Migrationsamt.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

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