# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ab6a3a7-3a16-54a6-a98b-ee4be50a4ab3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-05-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.05.2025 E-1087/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1087-2024_2025-05-02.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1087/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 .  M a i  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Mathias Lanz (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis, 

Richter Kaspar Gerber,  

Gerichtsschreiberin Mara Urbani. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch MLaw Saban Murat Özten,  

Verein Rechtsbüro, 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 23. Januar 2024. 

 

 

 

E-1087/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am (…) Juli 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach. Am 11. Juli 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt und am 

11. August 2022 sowie am 23. August 2023 wurde er einlässlich zu den 

Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen Folgendes gel-

tend: 

Er sei türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und stamme aus 

Diyarbakir aus der gleichnamigen Provinz. In den Jahren 2015 und 2016 

habe er an oppositionell politischen Jugendaktivitäten und Demonstratio-

nen teilgenommen. Im Jahr 2018 oder 2019, als er sich gerade für die Zu-

gangsprüfungen der Universität vorbereitet habe, sei sein Vater vom Ge-

heimdienst vorgeladen worden. Die Beamten hätten von seinem Vater ver-

langt, dass er ein Dokument unterschreibe, gemäss welchem sein Sohn 

(der Beschwerdeführer) sich der PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê; Arbei-

terpartei Kurdistans) angeschlossen habe. Sein Vater habe sich aber ge-

weigert. Im Jahr 2022 habe er gemeinsam mit anderen Jugendlichen ge-

gen die Drogenbanden gekämpft, die von der türkischen Regierung gegen 

Kurden eingesetzt worden seien. Er (der Beschwerdeführer) sei oft nach 

B._______ beziehungsweise C._______ gereist, um die (…) seiner Familie 

zu (…). Manchmal sei er auf diesen Reisen zu seinem ausstehenden Mili-

tärdienst befragt worden. Ende Mai 2022 sei es – wie immer, wenn er sich 

in C._______ befunden habe – zu einer Diskussion zwischen ihm und dem 

Dorfschützer gekommen. Viele Dorfschützer seien Spitzel für den Staat 

und hätten immer wieder schlecht über seinen Onkel gesprochen. Dieser 

gehöre zu (…) der PKK und sei ungefähr im Jahr 1984 verstorben oder 

verschollen. Nachdem er (der Beschwerdeführer) sich um die (…) geküm-

mert habe, sei er nach Diyarbakir zurückgekehrt. Kurze Zeit später habe 

man den erwähnten Dorfschützer tot aufgefunden. Es seien Gerüchte ent-

standen, dass er (der Beschwerdeführer) ihn mit Unterstützung der PKK 

getötet habe. Deshalb habe sein Vater ihn ins Ausland geschickt. Er sei 

dann nach Istanbul gereist, habe sich drei Tage lang dort aufgehalten und 

dann sein Heimatland verlassen. Ungefähr eine Woche nach seiner Aus-

reise sei sein Vater von der Sicherheitsdirektion vorgeladen und zu ihm 

(dem Beschwerdeführer) befragt worden. Er wisse nicht, was der Stand 

der diesbezüglichen Ermittlungen sei.  

Aufgrund seiner oppositionell politischen Aktivitäten in den sozialen Medien 

sei im August 2022 die Polizei bei ihm zuhause erschienen, habe nach ihm 

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Seite 3 

gesucht und eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Gegen ihn werde nun 

wegen Verdachts auf Propaganda für eine Terrororganisation ermittelt und 

es sei ein Festnahmebefehl gegen ihn erlassen worden. 

Zum Nachweis seiner Identität reichte er einen Auszug aus seinem Famili-

enregister in Kopie ein. Als Beweismittel reichte er Dokumente betreffend 

seinen Onkel (Bericht zum möglichen Tod, Wikipedia-Eintrag, Dokument 

betreffend Verwandtschaftsverhältnis zur Mutter des Beschwerdeführers), 

sein Maturitätsdiplom, einen Auszug aus eDevlet, ein Dokument der (…), 

ein Dokument des (…), einen Haftbefehl des (…) (alle datiert vom […], je-

weils inkl. Übersetzung), einen polizeilichen Untersuchungsbericht vom 

(…), einen Ermittlungsbericht vom (…), einen Antrag auf einen Vorführbe-

fehl der (…) vom (…), einen Beschluss in sonstiger Sache des (…) vom 

(…), ein Schreiben seines türkischen Anwalts vom 27. April 2023 und ein 

Schreiben der (…) (Datum unleserlich) an die Oberstaatsanwaltschaft – 

alle in Kopie – zu den Akten. 

B.  

Am 16. August 2022 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfah-

ren zugewiesen. 

C.  

Mit Verfügung vom 23. Januar 2024 (eröffnet tags darauf) hielt die Vor-

instanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Vollzug der Wegweisung an. 

D.  

Mit Eingabe vom 20. Februar 2024 liess der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde erheben. 

Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anerken-

nung des Beschwerdeführers als Flüchtling und die Gewährung von Asyl. 

Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung nicht zu-

lässig beziehungsweise nicht zumutbar sei und die Vorinstanz anzuweisen, 

seine vorläufige Aufnahme zu verfügen. Subeventualiter sei die Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Ertei-

lung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Der rubrizierte Rechts-

vertreter sei als amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen. 

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Seite 4 

Mit der Eingabe reichte er einen Austrittsbericht der (…) in D._______ vom 

26. Januar 2024 ein. 

E.  

Am 22. Februar 2024 bestätigte die damals zuständige Instruktionsrichte-

rin den Eingang der Beschwerde und stellte fest, der Beschwerdeführer 

könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. 

F.  

Am 3. Juli 2024 forderte die Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer zur 

Einreichung eines aktuellen Arztberichts sowie einer Erklärung zur Entbin-

dung von der ärztlichen Schweigepflicht auf, verschob die Entscheide über 

die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Verbei-

ständung auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete einstweilen auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses. 

G.  

Mit vom 15. Juli 2024 datierter Eingabe (Poststempel: 16. August 2024) 

reichte der Beschwerdeführer einen Arztbericht der (…) in D._______ vom 

14. August 2024 mit Beilagen (Austrittsberichte derselben Klinik vom 

1. November 2023, vom 22. Dezember 2023, vom 8. Januar 2024, vom 

26. Januar 2024 und vom 13. März 2024) sowie die unterschriebene ärzt-

liche Entbindungserklärung nach. 

H.  

Am 28. November 2024 wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung einge-

laden. Mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2024 hielt sie mit ergänzen-

den Ausführungen an ihrem Entscheid fest.  

I.  

Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 6. Dezember 2024 

zur Replik zugestellt. Am 28. Dezember 2024 replizierte dieser, wobei er 

an seinen Begehren festhielt.  

J.  

Aus organisatorischen Gründen wurde im Januar 2025 das Verfahren dem 

rubrizierten Richter übertragen. 

  

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung 

legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.2 Auf das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist mangels 

Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten (vgl. Art. 55 Abs. 1 VwVG); wei-

tere Ausführungen dazu erübrigen sich. 

2.  

Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des 

Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

Der Beschwerdeführer macht formelle Rügen geltend, welche vorab zu 

prüfen sind, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vor-

instanzlichen Verfügung zu bewirken.  

Er rügt in seiner Beschwerde, die Vorinstanz habe ihre Pflicht zur vollstän-

digen und richtigen Sachverhaltsermittlung verletzt, indem sie festgehalten 

habe, der Beschwerdeführer verfüge über kein politisches Profil. Deshalb 

sei auch die Begründung der Vorinstanz, welche auf dieser Feststellung 

beruhe, unrichtig. Indem das SEM im Entscheid nicht erwähnt habe, dass 

die türkische Polizei den Mord des Dorfschützers bis heute nicht aufgeklärt 

habe, habe sie ebenfalls den Untersuchungsgrundsatz verletzt.  

Die Rüge, das SEM habe in Bezug auf den Mord am Dorfschützer den 

Sachverhalt falsch festgestellt, erweist sich als unbegründet. Aus der vor-

instanzlichen Verfügung geht in keiner Weise hervor, dass das SEM die 

Ermittlungen am Mordfall als abgeschlossen betrachtet. Im Gegenteil gibt 

das SEM dort die Aussagen des Beschwerdeführers wieder, der Fall sei 

bis heute noch nicht aufgeklärt worden und der Täter sei nicht bekannt, 

ohne Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Aussagen zu äussern. In Bezug 

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auf die Einschätzung seines Risikoprofils präzisiert der Beschwerdeführer 

in der Beschwerde nicht, welche rechtserheblichen Sachverhaltselemente 

das SEM nicht abgeklärt oder nicht beachtet habe. Die in der Beschwerde 

genannten Elemente, welche bei ihm zu einem Risikoprofil führen sollten, 

insbesondere die Verwandtschaft zu seinem Onkel E._______ und seine 

politischen Tätigkeiten in der Jugend, wurden vom SEM in seinem Ent-

scheid berücksichtigt (vgl. dort Ziffer II 2). Auch sonst ergeben sich aus den 

Akten keine Hinweise auf einen mangelhaft erstellten Sachverhalt. Die ge-

äusserte Kritik stellt keine Sachverhaltsrüge im eigentlichen Sinne dar, 

sondern richtet sich gegen die Beurteilung des Profils des Beschwerdefüh-

rers und betrifft somit die materielle Würdigung. Diese wird an der entspre-

chenden Stelle durch das Gericht zu prüfen sein (vgl. unten E. 6.4).  

Es liegen keine Hinweise auf Verfahrensfehler vor und der rechtserhebli-

che Sachverhalt ist als erstellt zu erachten. Damit besteht keine Veranlas-

sung, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und 

die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Sub-

eventualbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Nach Ansicht der Vorinstanz halten die Vorbringen des Beschwerde-

führers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG nicht stand. Es ergäben sich keine Hinweise darauf, dass im Mordfall 

gegen ihn ermittelt werde. Er sei auf legale Weise ausgereist, weshalb da-

von auszugehen sei, dass er zu diesem Zeitpunkt kein Gefährdungsprofil 

aufgewiesen habe und keine staatlichen Verfolgungsabsichten bestanden 

hätten. Er habe – abgesehen von einer einmaligen Befragung seiner Fa-

milienmitglieder durch die Behörden – seither keine weiteren staatlichen 

Verfolgungsmassnahmen geltend gemacht. Sodann sei das Vorliegen von 

subjektiven Nachfluchtgründen zu verneinen. Seine Aktivitäten auf Twitter 

habe er erst in der ergänzenden Anhörung vorgebracht. Er verfüge über 

kein politisches Profil, zumal sich seine Interaktionen mit den Behörden auf 

Diskussionen über den Militärdienst beschränkten. Ausserdem habe er le-

diglich in der Jugend niederschwellige Aktivitäten getätigt und sei sonst 

nicht politisch aktiv gewesen. Sein Onkel sei wahrscheinlich im Jahr 1984 

und somit vor der Geburt des Beschwerdeführers gefallen. Letzterer habe 

ausgesagt, dass die Polizei bei der Hausdurchsuchung im Jahr 2022 nichts 

Verdächtiges gefunden habe. Er sei nie in Haft und nie Mitglied einer poli-

tischen Partei gewesen. Der Verlauf der Ermittlungen betreffend die ihm 

vorgeworfene Propaganda für eine Terrororganisation sei noch unklar und 

befinde sich in einem frühen Stadium. Es sei nicht davon auszugehen, 

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dass gegen ihn eine unbedingte Haftstrafe ausgesprochen werde. Es sei 

mit einer Haft von höchstens zwei Jahren zu rechnen, was flüchtlingsrecht-

lich nicht relevant sei. Allenfalls sei die Strafverfolgung legitim, zumal er mit 

seinen Beiträgen das gewaltsame Auftreten der PKK gutheisse. Dass ge-

gen ihn ausserdem wegen Aktivitäten im Namen einer Terrororganisation 

ermittelt werde, sei unglaubhaft.  

4.2 Dem hält der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe im We-

sentlichen entgegen, er habe sehr wohl ein politisches Profil. Allfällige Er-

mittlungen im Mordfall wären legitim, aber es gebe viele Hinweise dafür, 

dass der Staat versuche, ihm zu Unrecht die Schuld dafür zuzuweisen. Es 

sei zwar diesbezüglich noch kein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden, 

jedoch sei nicht auszuschliessen, dass ein geheimes Verfahren gegen ihn 

im Gange sei oder dass ein solches bei seiner Rückkehr eröffnet würde. Er 

habe eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung, da im Zusammen-

hang mit seinen Aktivitäten in den sozialen Medien Ermittlungen gegen ihn 

eingeleitet worden seien und ein Haftbefehl wegen Propaganda für eine 

Terrororganisation erlassen worden sei. Seinen Beiträgen läge keine 

rechtsmissbräuchliche Absicht zugrunde. Er habe nämlich schon in der 

Türkei politisch orientierte Beiträge veröffentlicht. Dies falle unter seine 

Meinungsäusserungsfreiheit. In der Türkei gebe es keine fairen Verfahren, 

weshalb sein Risiko für eine Verurteilung nicht gering sei. Die ihm drohende 

Inhaftierung, Misshandlung und Folter seien nicht bloss gewisse Unan-

nehmlichkeiten, sondern ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes. 

Es gehe ihm psychisch schlecht, weshalb er sich zurzeit in stationärer Be-

handlung in der (…) in D._______ befinde. Er leide an einer schweren de-

pressiven Episode, an Schlafstörungen, an Schwierigkeiten in der Lebens-

bewältigung und habe einen Suizidversuch unternommen.  

4.3 In der Vernehmlassung äussert sich die Vorinstanz dahingehend, dass 

auch in Anbetracht des medizinischen Sachverhalts und der diesbezügli-

chen Beweismittel nicht auf das Vorliegen einer medizinischen Notlage zu 

schliessen sei. Der Wegweisungsvollzug werde nach wie vor als zumutbar 

erachtet. Die notwendige medizinische sowie psychiatrische Versorgung 

sei in der Türkei gewährleistet und allfälligen suizidalen Tendenzen könne 

bei einer Rückführung mit geeigneten Massnahmen Rechnung getragen 

werden. 

4.4 Darauf repliziert der Beschwerdeführer, sein Gesundheitszustand habe 

sich nicht verbessert. Er leide an einer schweren Depression, begleitet von 

Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung und 

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einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen. Er werde zwar derzeit am-

bulant behandelt, stehe aber unter intensiver Betreuung. Seinen psychi-

schen Beschwerden lägen politische Probleme zugrunde, die er in der Tür-

kei erlebt habe. Aufgrund seiner ungenügenden Lebenserfahrung und sei-

ner schweren psychischen Probleme sei er nicht in der Lage, sein Leben 

selbständig zu führen. Der Wegweisungsvollzug erweise sich somit als un-

zumutbar. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss, die ihr gezielt und aus einem der vom 

Gesetz aufgezählten Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive 

zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss entfernte 

Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen konkrete 

Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nach-

vollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Massgeblich für 

die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des 

Asylentscheids.  

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die 

Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier 

verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5 E. 2.2; vgl. 

auch Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April 2019 E. 5.1). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zum Schluss, dass die Erwä-

gungen des SEM nicht zu beanstanden sind. In seiner Rechtsmitteleingabe 

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Seite 9 

beschränkt sich der Beschwerdeführer weitestgehend darauf, seine aus 

dem erstinstanzlichen Verfahren bekannten Vorbringen nochmals zu be-

kräftigen. Damit vermag er indessen die zutreffende vorinstanzliche Wür-

digung nicht substanziiert in Frage zu stellen. Folglich kann mit folgenden 

Ergänzungen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (vgl. dort Ziffer II; zusammengefasst oben in E. 4.1).  

6.2 Anlässlich der ersten Anhörung hat der Beschwerdeführer den angeb-

lichen «Komplott» in Bezug auf den Mord des Dorfschützers als einzigen 

Grund für seine Ausreise angegeben (vgl. SEM act. […]-[nachfolgend: 

SEM act.] 13/17 F49 f.). Diesbezüglich stellt das SEM zutreffend fest, dass 

keine Hinweise darauf bestehen, dass gegen den Beschwerdeführer ermit-

telt wird. Die Behauptung in der Beschwerde, es gäbe viele Hinweise da-

rauf, dass die türkischen Sicherheitskräfte versuchen würden, den Mord 

dem Beschwerdeführer anzuhängen, wird nicht weiter begründet und fin-

det auch keine Stütze in den Akten. Er hat die Türkei legal über den Flug-

hafen verlassen und diesbezüglich keine Schwierigkeiten geltend gemacht 

(vgl. SEM act. 7/11 Ziffer 5.01). Vor diesem Hintergrund ist auch nicht an-

zunehmen, dass – wie in der Beschwerde behauptet – ein geheimes Ver-

fahren gegen ihn eröffnet worden ist. Der zutreffenden Einschätzung in der 

vorinstanzlichen Verfügung, er habe im Zeitpunkt seiner Ausreise keine 

asylrelevanten Nachteile zu befürchten gehabt, hält er in der Beschwerde 

nichts Wesentliches entgegen. Demnach ist festzuhalten, dass er keine 

Vorfluchtgründe glaubhaft machen konnte. 

6.3 Zu seinem Vorbringen, aufgrund seiner Aktivitäten in den sozialen Me-

dien sei gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eröffnet und ein Haftbefehl er-

lassen worden, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts führt alleine die Tatsache, dass in der Türkei 

staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren wegen Präsidentenbeleidi-

gung oder Propaganda für eine terroristische Organisation hängig sind, 

nicht dazu, dass türkische Asylsuchende in der Schweiz als Flüchtlinge an-

erkannt werden (vgl. das Referenzurteil des BVGer E-4103/2024 vom 

8. November 2024 E. 8.7.3 und E. 8.8). Die Ausstellung eines Vorführbe-

fehls begründet noch kein systematisches Risiko einer asylrechtlich rele-

vanten Verfolgung (vgl. Urteil des BVGer D-7294/2023 vom 6. Februar 

2025 E. 6.3.1 m.w.H.). Das Gericht sieht keine stichhaltigen Gründe für die 

Annahme, dass Personen, die in der Türkei von Ermittlungsverfahren be-

treffend die beiden genannten Straftatbestände betroffen sind, im Rahmen 

der Ermittlungs- und Strafverfahren generell einen Politmalus im absoluten 

oder relativen Sinn zu befürchten hätten (vgl. Referenzurteil  

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Seite 10 

E-4103/2024 E. 8.7.3). Ob sich im konkreten Verfahren Hinweise auf einen 

individuellen Politmalus oder auf Gründe ergeben, die im konkreten Fall zu 

einer längeren Freiheitsstrafe führen dürften, ist im Einzelfall zu prüfen. Ri-

sikofaktoren stellen (neben der Anzahl der hängigen Ermittlungsverfahren) 

insbesondere frühere – namentlich auf die einschlägigen Strafbestimmun-

gen abgestützte – Verurteilungen sowie ein exponiertes politisches Profil 

dar. Darüber hinaus könnten sich bei «Social-Media»-Delikten entspre-

chende Hinweise auch aus den konkreten Umständen ergeben, unter de-

nen die Beiträge in den sozialen Medien geäussert werden (vgl. a.a.O. 

E. 8.7.4).  

6.4 Das SEM hat zu Recht festgehalten, dass der Beschwerdeführer über 

kein exponiertes politisches Profil verfügt. Seine politischen Aktivitäten be-

schränkten sich vor seiner Ausreise auf die Teilnahme an Demonstrationen 

und Jugendaktivitäten in den Jahren 2015 und 2016 sowie das Teilen von 

Beiträgen auf X (damals: Twitter) unter falschem Namen. Das angespannte 

Verhältnis zu den Dorfschützern ist – genau wie sein Einsatz gegen die 

Drogenbanden in Diyarbakir – nicht als exponierende politische Tätigkeit 

anzuschauen und führt nicht zur Annahme eines Risikoprofils.  

Auch die Verwandtschaft zu seinem Onkel E._______, welcher zu (…) der 

PKK gehört habe, führt zu keiner anderen Einschätzung. Dieser ist bereits 

1984 und damit 16 Jahre vor der Geburt des Beschwerdeführers gefallen 

beziehungsweise verschollen. Der Beschwerdeführer hat weder in Bezug 

auf seine Geschwister noch betreffend seine Mutter, welche die Schwester 

von E._______ ist, oder seinen Vater, der diesen in den Siebzigerjahren 

unterstützt habe, Verfolgungsmassnahmen geltend gemacht (vgl. auch 

SEM act. 13/17 F16). Dass er als eines der jüngeren Geschwister in der 

Familie mit dem Onkel in Verbindung gebracht werden und dadurch ein 

Risikoprofil erfüllen soll, oder dass er wegen ihm in irgendeiner Form ver-

dächtigt würde, ist nicht anzunehmen.  

Andere Gründe, welche beim Beschwerdeführer zum Vorliegen eines indi-

viduellen Politmalus führen könnten, macht er weder in den Befragungen 

noch auf Beschwerdeebene geltend. Solche Hinweise ergeben sich auch 

nicht aus den Akten. 

Letztlich führt auch das geltend gemachte Risiko, bei einer Einreise in die 

Türkei verhaftet zu werden, zu keiner anderen Sichtweise. Hierzu ist fest-

zuhalten, dass der eingereichte Beschluss in sonstiger Sache des (…) vom 

(…) (die aktuellste vom Beschwerdeführer eingereichte Verfahrensakte) 

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Seite 11 

unmissverständlich aufführt, dass der Beschwerdeführer, weil er nicht ge-

funden werden konnte, nun zum Zweck der Aufnahme einer Aussage vor-

zuführen und unmittelbar nach Aufnahme der Aussage auch wieder freizu-

lassen sei. Es handelt sich hierbei somit nicht um einen Haftbefehl zur In-

haftierung, sondern bloss um einen Vorführbefehl zur Aufnahme einer Aus-

sage und anschliessender Freilassung. Auch vor diesem Hintergrund ist 

keine asylrelevante Verfolgungsgefahr erkennbar. 

Die älteren türkischen Verfahrensakten (angebliche Ermittlungen mit dem 

Aktenzeichen […]) und insbesondere der Haftbefehl vom (…) August 2022 

vermögen nichts an dieser Einschätzung zu ändern. Der Vollständigkeit 

halber ist festzuhalten, dass Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser geltend 

gemachten Ermittlung angebracht sind: Der Beschwerdeführer hat im Zu-

sammenhang mit diesem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren keine Ak-

ten eingereicht, aus denen hervorgeht, was ihm konkret vorgeworfen wer-

den soll. Selbst das genaue Datum der angeblichen Straftat geht aus den 

Verfahrensakten, welche alle am gleichen Tag erstellt worden sein sollen, 

nicht hervor: Als Deliktdatum ist nur das Jahr 2022 angegeben. Bemer-

kenswert ist auch, dass sein türkischer Anwalt im eingereichten Schreiben 

vom 27. April 2023 dieses Verfahren – im Gegensatz zum neueren Ermitt-

lungsverfahren mit dem Aktenzeichen (…) – mit keinem Wort erwähnt (vgl. 

SEM act. 37/1). Angesichts des Umstands, dass beim Beschwerdeführer 

nach dem Gesagten kein individueller Politmalus vorliegt, muss die Frage 

der Echtheit der eingereichten Verfahrensakten ohnehin nicht abschlies-

send beantwortet werden.   

6.5 Nach dem Gesagten erachtet das Bundesverwaltungsgericht die sta-

tistische Wahrscheinlichkeit, dass die gegen den Beschwerdeführer eröff-

neten Ermittlungsverfahren in ein strafrechtliches Gerichtsverfahren mün-

den, er in diesem verurteilt und die Verurteilung von den höheren Gerichts-

instanzen bestätigt wird, als nicht beachtlich. Der Beschwerdeführer hat 

nach dem Gesagten keine objektiv begründete Furcht vor asylrechtlich re-

levanter Verfolgung. Somit liegen auch keine subjektiven Nachfluchtgründe 

vor.  

Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob der Beschwerdeführer seine 

Beiträge in den sozialen Medien in rechtsmissbräuchlicher Absicht veröf-

fentlicht hat. Es erübrigt sich, auf die diesbezüglichen Ausführungen in der 

Beschwerde im Einzelnen einzugehen, da sie an der vorgenommenen 

Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern vermögen.  

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Seite 12 

6.6 Insgesamt ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht das Vorliegen der 

Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh-

rers abgelehnt hat. 

7.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen (Art. 32 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Die Wegweisung wurde zu 

Recht angeordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.3 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 

Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen 

Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-

lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-

mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-

handlung unterworfen werden. 

E-1087/2024 

Seite 13 

Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-

matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 

unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-

sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-

gen zulässig. 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Auch unter Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-

kurdischen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwi-

schen der PKK und staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 und der 

Entwicklungen nach dem Militärputschversuch im Juli 2016 ist gemäss 

konstanter gerichtlicher Praxis nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt 

oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in der gesamten Türkei auszu-

gehen (vgl. Urteil des BVGer D-3131/2021 vom 29. Januar 2025 E. 9.4.2 

m.w.H.; vgl. auch Urteil E-4103/2024 E. 13 m.w.H. sowie das Referenzur-

teil E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3.1 f.).  

8.4.3 Anfang Februar 2023 haben schwere Erdbeben im Südosten der Tür-

kei zur Zerstörung weiter Teile der Infrastruktur geführt. ln der Folge rief der 

türkische Präsident Erdogan den Ausnahmezustand in den elf betroffenen 

Provinzen (Kahramanmaras, Hatay, Gaziantep, Osmaniye, Malatya, 

E-1087/2024 

Seite 14 

Adiyaman, Adana, Diyarbakir, Kilis, Sanliurfa und Elazig) aus. Gemäss ak-

tueller Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in eine der betroffenen 

Provinzen nicht generell unzumutbar. Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit 

ist eine einzelfallweise Prüfung der individuellen Lebenssituation der Be-

troffenen vorzunehmen und dabei insbesondere der Situation von vul-

nerablen Personen gebührend Rechnung zu tragen (vgl. Referenzurteil 

BVGer E-1308/2023 vom 19. März 2024 E. 11.3).  

Der Beschwerdeführer stammt zwar aus der von den Erdbeben betroffenen 

Provinz Diyarbakir. Er hat jedoch zu keinem Zeitpunkt im Verfahren geltend 

gemacht, dass seine Familie aufgrund der Erdbeben den Aufenthaltsort 

habe ändern müssen. Anlässlich der ergänzenden Anhörung am 23. Au-

gust 2023 hat er angegeben, ungefähr vor einem Monat Kontakt zu ihnen 

gehabt zu haben; es gehe ihnen gut (vgl. SEM act. 31/10 F9, F12). Es ist 

deshalb davon auszugehen, dass er gegebenenfalls wieder bei seiner Fa-

milie wohnen könnte. Ausserdem hat er gemäss seinen Aussagen viel Zeit 

in C._______ verbracht, wo mehrere seiner Verwandten wohnten. Es wäre 

ihm daher auch zuzumuten, sich dort niederzulassen. 

8.4.4 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen 

Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-

gung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden 

Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen 

würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende medizini-

sche Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer menschen-

würdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls 

dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem 

schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung mög-

lich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1, je m.w.H.).  

Gemäss dem Arztbericht vom 14. August 2024 wurden beim Beschwerde-

führer eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome in 

gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung sowie Probleme mit Bezug auf 

Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung und eine Akzentuierung von 

Persönlichkeitszügen diagnostiziert. Am (…) 2023 habe er mittels einer 

Mischintoxikation einen Suizidversuch unternommen. Er zeige aktuell eine 

Verschlechterung mit ausgeprägtem sozialem Rückzug und werde durch 

ein Helfernetz, bestehend aus einer Sozialarbeiterin und der (…), unter-

stützt. Die F._______ besuche ihn wöchentlich und es seien ihm die Medi-

kamente (…) und (…) verschrieben worden. Des Weiteren leidet der 

E-1087/2024 

Seite 15 

Beschwerdeführer an einer nicht-organischen Schlafstörung (vgl. Austritts-

bericht der (…) vom 26. Januar 2024). Aus den Akten geht sodann hervor, 

dass er insgesamt fünf Mal während mehrerer Tage stationär in der (…) in 

D._______ behandelt wurde (vgl. Austrittsberichte oben Bst. G). Seither 

wird er gemäss dem Arztbericht vom 14. August 2024 ambulant behandelt. 

Ein aktueller Bericht zum psychischen Befinden des Beschwerdeführers 

wurde nicht eingereicht.  

Diese gesundheitlichen Beschwerden sind zwar nicht zu verharmlosen. 

Von einer existenziellen medizinischen Notlage kann jedoch aufgrund der 

Aktenlage nicht ausgegangen werden. Sollte der Beschwerdeführer wei-

terhin auf eine medizinische, insbesondere psychiatrische Behandlung an-

gewiesen sein, ist eine solche in der Türkei verfügbar und zugänglich. Das 

türkische Gesundheitssystem weist grundsätzlich westeuropäische Stan-

dards auf und verfügt über eine hinreichende medizinische und psychiat-

risch-psychologische Versorgung. Es ist davon auszugehen, dass die psy-

chischen Probleme des Beschwerdeführers – insbesondere auch die gel-

tend gemachte Suizidalität – in der Türkei adäquat behandelt werden kön-

nen (vgl. Urteile des BVGer E-181/2025 vom 26. Februar 2025 E. 9.3.5;  

E-6158/2023 vom 18. Februar 2025; E-158/2024 vom 4. April 2024 

E. 9.4.2; jeweils m.w.H.). Es ist deshalb nicht anzunehmen, seine Rückkehr 

in die Türkei würde zwangsläufig zu einer raschen und lebensgefährden-

den Beeinträchtigung seines Gesundheitszustandes führen. 

Sodann hat das SEM zu Recht darauf hingewiesen, dass er die Möglichkeit 

hat, medizinische Rückkehrhilfe, beispielsweise in Form der Mitgabe von 

Medikamenten oder der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien, 

in Anspruch zu nehmen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asyl-

verordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Einer allfälligen 

Dekompensation im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Vollzug der 

Wegweisung könnte mit geeigneter Betreuung im Zeitraum der Rückfüh-

rung begegnet werden. Über die Transportfähigkeit werden die Vollzugs-

behörden im gegebenen Zeitpunkt befinden.  

8.4.5 Im Übrigen kann in individueller Hinsicht vollumfänglich auf die zu-

treffenden Erwägungen des SEM verwiesen werden, zumal die in der Be-

schwerde geäusserten Einwände und die eingereichten Beweismittel nicht 

geeignet sind, zu einem anderen Ergebnis zu gelangen. Der Beschwerde-

führer ist jung, hat das Gymnasium abgeschlossen und Arbeitserfahrung in 

einem (…) gesammelt (vgl. SEM act. 13/17 F18 ff.). Die wirtschaftliche Si-

tuation seiner Familie, welche nach wie vor in Diyarbakir lebt und zu 

E-1087/2024 

Seite 16 

welcher er in Kontakt steht, ist gemäss seinen Aussagen gut (vgl. a.a.O. 

F17). Es ist daher davon auszugehen, dass er über ein soziales Umfeld 

verfügt, welches ihn gegebenenfalls unterstützen kann.  

8.4.6 Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, der Beschwerde-

führer würde bei einer Rückkehr ins Heimatland dort aus wirtschaftlichen, 

sozialen oder gesundheitlichen Gründen in eine existenzbedrohende Situ-

ation geraten. Der Wegweisungsvollzug ist daher als zumutbar zu qualifi-

zieren. 

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Er beantragte 

indes die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die amtliche 

Verbeiständung unter Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als 

amtlichen Rechtsbeistand.  

10.2 Da – ex ante betrachtet – die gestellten Rechtsbegehren als nicht aus-

sichtslos zu bezeichnen und der Beschwerdeführer aufgrund der Aktenlage 

als bedürftig zu erachten ist, ist ihm die unentgeltliche Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren. Es sind daher keine Verfahrens-

kosten zu erheben.  

E-1087/2024 

Seite 17 

10.3 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-

dung ist ebenfalls gutzuheissen (Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG) und dem 

Beschwerdeführer ist antragsgemäss der rubrizierte Rechtsvertreter als 

amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen, welcher die Anforderungen nach 

Art. 102m Abs. 3 AsylG erfüllt. Diesem ist ein Honorar zulasten der Ge-

richtskasse zuzusprechen. Die Festsetzung erfolgt in Anwendung der 

Art. 8–13 VGKE. Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Vertre-

tung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für 

nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 

Abs. 2 VGKE).  

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht. Der notwendige Vertre-

tungsaufwand lässt sich indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig ab-

schätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet wird (Art. 14 

Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren ist dem amtlichen Rechtsbeistand durch das Gericht ein Ho-

norar in der Höhe von pauschal Fr. 800.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen.  

10.4 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit diesem Entscheid gegenstandslos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1087/2024 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeistän-

dung werden gutgeheissen. Der rubrizierte Rechtsvertreter wird dem Be-

schwerdeführer als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand MLaw Saban Murat Özten wird von der 

Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 800.– entrichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Mathias Lanz Mara Urbani 

 

 

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