# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 89d64aba-82f5-5a6e-94b8-a9ede4b5e186
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-17
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 17.03.2022 27881
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_27881_2022-03-17.pdf

## Full Text

GERICHTE  VERWALTUNGSGERICHT  Marktgasse 4, 6371 Stans, 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

 

SV 21 11  

 

 

Entscheid vom 25. Oktober 2021 

Sozialversicherungsabteilung 

 

 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Barbara Brodmann, Vorsitz, 

 Verwaltungsrichter Peter Fuhrer, 

 Verwaltungsrichter Hansruedi Schleiss, 

Gerichtsschreiberin Helene Reichmuth. 

 

 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__, 

Beschwerdeführerin, 

 

 

 

gegen 

 

 

 

Ausgleichskasse Nidwalden, 

Stansstaderstrasse 88, Postfach, 6371 Stans, 

Beschwerdegegnerin. 

 

 

 

 

Gegenstand Corona Erwerbsersatzentschädigung 

 

Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1. März 

2021 (E 11/21 EO-CE). 

 

2│12 

 

Sachverhalt: 

A.  

A.__ (Beschwerdeführerin) ist Gesellschafterin und Mitglied des Verwaltungsrates der B.__ 

AG. Am 22. Januar 2021 meldete sie sich bei der Ausgleichskasse Nidwalden für den Bezug 

einer Corona Erwerbsersatzentschädigung für die Monate November und Dezember 2020 an 

(AK-act. 48-49). Sie machte eine Umsatzeinbusse von mindestens 55% für den November 

2020 bzw. mindestens 40% für den Monat Dezember 2020 geltend und verwies zur Begrün-

dung auf das Versammlungsverbot (Durchführung von Kursen, Informationsveranstaltungen, 

Workshops nicht erlaubt) und die Reisebeschränkungen (Behandlung von Patienten im Aus-

land nicht möglich).  

Die Ausgleichskasse Nidwalden (Beschwerdegegnerin) wies das Gesuch mit Verfügungen 

vom 26. Januar 2021 ab. Zur Begründung führte sie an, im Jahr 2020 habe der durchschnittli-

che AHV-pflichtige Lohn Fr. 7'000.– pro Monat betragen. Gemäss Angaben im Anmeldefor-

mular habe der Lohn in den Anspruchsmonaten November und Dezember 2020 ebenfalls 

Fr.  7'000.– betragen, womit für diese beiden Monate keine Einkommenseinbusse bestehe 

(AK-act. 56-57). 

Die dagegen im Namen der Beschwerdeführerin erhobene Einsprache des Verwaltungsrats-

präsidenten der B.__ AG vom 5. Februar 2020 (AK-act. 58-63) wies die Beschwerdegegnerin 

mit Einspracheentscheid vom 1. März 2021 ab (AK-act. 71).  

 

B. 

Am 12. März 2021 gelangte die Beschwerdeführerin an das Verwaltungsgericht Nidwalden 

und beantragte sinngemäss die Genehmigung ihrer Anmeldungen für eine Corona Erwerbs-

ersatzentschädigung.  

 

C. 

Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. April 2021 auf Abwei-

sung der Beschwerde und übermittelte die eingeforderten Akten (AK-act. 1-80). 

 

D. 

Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik. Damit war der Rechtsschriftenwechsel 

abgeschlossen. 

3│12 

 

E. 

Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die vorliegende 

Streitsache im Zirkulationsverfahren abschliessend beurteilt. Auf die Ausführungen in den 

Rechtsschriften sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachste-

henden Erwägungen eingegangen.  

 

 

Erwägungen: 

1. 

Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid E 11/21 EO-CE der Beschwerdegegnerin vom 

1. März 2021 betreffend Corona Erwerbsersatzentschädigung, mit welchem die Einsprache 

der Beschwerdeführerin vom 5. Februar 2021 gegen die abweisenden Verfügungen vom 26. 

Januar 2021 abgewiesen wurde. Gegen Einspracheentscheide der Beschwerdegegnerin kann 

gemäss Rechtsprechung in analoger Anwendung von Art. 24 Abs. 1 EOG (Erwerbsersatzge-

setz; SR 834.1) und in Abweichung von Art. 1 Covid-19-Verordnung  

Erwerbsausfall (SR 830.31) i.V.m. Art. 58 Abs. 1 ATSG (SR 830.1) Beschwerde an das Ver-

waltungsgericht Nidwalden als Versicherungsgericht erhoben werden (Urteil des Bundesge-

richts 9C_738/2020 vom 7. Juni 2021 E. 3.3). Das Verwaltungsgericht entscheidet in Dreier-

besetzung (Art. 33 Ziff. 2 GerG). Auf die im Übrigen form- und fristgerechte Verwaltungsge-

richtsbeschwerde ist einzutreten und in der Sache zu entscheiden (Art. 59 ff. ATSG und Art. 54 

VRG [NG 265.1]). 

 

2. 

2.1 

Die Beschwerdegegnerin begründete ihren abweisenden Einspracheentscheid vom 1. März 

2021 im Wesentlichen damit, dass für die Monate November und Dezember 2020 zwar eine 

relevante Umsatzeinbusse von 71% (November 2020) und 66% (Dezember 2020), jedoch 

keine Lohneinbusse vorliege. In den Antragsmonaten sei gemäss Angaben der Beschwerde-

führerin – die auch mit der Lohnbescheinigung vom 17. Dezember 2020 übereinstimme – je 

ein Lohn von Fr. 7'000.– ausbezahlt worden, was dem durchschnittlich ausgerichteten Mo-

natslohn von ebenfalls Fr. 7'000.– entspreche. Mithin bestehe keine Lohneinbusse, weshalb 

4│12 

 

keine Entschädigung ausgerichtet werden könne. Dabei werde nicht verkannt, dass die Lohn-

zahlungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest teilweise nicht aus erwirtschafte-

ten Umsätzen, sondern aus dem gewährten Privatdarlehen finanziert worden seien. Nachdem 

die «EO-Entschädigung Coronavirus» allerdings nicht eine allgemeine Finanzhilfe an von Pan-

demie-Massnahmen betroffene Unternehmen darstelle, sondern den Erwerbs-ausfall von in 

der Erwerbstätigkeit massgeblich eingeschränkten Selbständigerwerbenden bzw. von arbeit-

geberähnlichen Personen ersetzen solle und diese Anspruchsvoraussetzung sowohl im Ge-

setz als auch in der Verordnung klar aufführe, könne dieser Umstand keine Berücksichtigung 

finden. Anders wäre (für zukünftige Ansprüche) die Konstellation zu beurteilen, wenn die Ar-

beitgeberin einen Betrag in der Höhe von 80% des Monatslohns dem Arbeitnehmer als rück-

zahlbaren Vorschuss oder Darlehen zur Verfügung stelle und eine entsprechende Rückzah-

lungsverpflichtung nach Erhalt der EO-Entschädigung vereinbart werde. Erforderlich sei, dass 

dieses Vorgehen in der Buchhaltung der Arbeitgeberin deutlich werde und klar nachvollzogen 

werden könne.   

 

2.2 

Dem hält die Beschwerdeführerin hauptsächlich entgegen, die Lohnzahlungen hätten nur auf-

grund von Privatdarlehen in voller Höhe ausbezahlt werden können. Es sei korrekt, dass die 

mündliche Vereinbarung unter den Gesellschaftern nicht schriftlich fixiert worden sei. Dies sei 

in so kleinen Unternehmen nicht üblich, da man an einem Arbeitstisch sitze und Gesprochenes 

in aller Regel auch immer gelte. Sie hätten nun im Nachhinein diese Vereinbarung schriftlich 

fixiert. 

 

2.3 

Strittig ist die Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin, als arbeitgeberähnliche Per-

son, auf eine Corona Erwerbsersatzentschädigung. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin hat die massgeblichen Bestimmungen und Grundsätze zum An-

spruch auf eine Corona Erwerbsersatzentschädigung, insbesondere den Artikel 15 des Covid-

19-Gesetzes vom 25. September 2020 (SR 818.102; in Kraft seit 17.9.2020) und die Änderung 

vom 18. Dezember 2020 (AS 2020 5821) sowie den Artikel 2 der Covid-19-Verordnung Er-

werbsaufall (SR 830.31; Stand 4.11.2020), zutreffend dargelegt (AK-act. 71, E. 1-5). Darauf 

kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 56 Abs. 3 VRG). An dieser Stelle seien lediglich 

5│12 

 

nochmals die wichtigsten, hier massgeblichen Anspruchsvoraussetzungen für Selbständiger-

werbende im Sinne von Art. 12 ATSG und Personen nach Art. 31 Abs. 3 lit. b und c AVIG (SR 

837.0), d.h. Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung und mitarbeitende Ehegatten resp. ein-

getragene Partner, wiedergegeben. Diese Personen sind rückwirkend auf den 17. September 

2020, sofern obligatorisch in der AHV versichert, unter anderem anspruchsberechtigt, wenn 

ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung 

der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist, sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall 

erleiden und sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von 

mindestens Fr. 10'000 erzielt haben. Diese Voraussetzung gilt sinngemäss, wenn die Tätigkeit 

nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde. Wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen 

Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraussetzung proportional zu deren Dauer (vgl. Art. 2 Abs. 3bis 

Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). Die Erwerbstätigkeit gilt sodann als massgeblich ein-

geschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 55% im Vergleich zum 

durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015 bis 2019 vorliegt (ab 19. Dezember 

2020 bis 31. März 2021 mind. 40%). Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenom-

men, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die 

ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen haben, müssen nachweisen, dass 

pro Monat eine Umsatzeinbusse von mind. 55% (bzw. 40%) im Vergleich zum durchschnittli-

chen Umsatz von mindestens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei 

Monate mit den höchsten Umsätzen (Art. 2 Abs. 3ter Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall; 

Kreisschreiben über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus 

[KS CE, Version 10 vom 18.12.2020], Rz. 1041.3 ff.). 

 

4. 

4.1 

Im vorliegenden Fall ist unstrittig, dass die Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin der B.__ 

AG obligatorisch AHV versichert ist (vgl. Art. 2 Abs. 1bis lit. c Covid-19-Verordnung Erwerb-

sausfall) und in ihrer Stellung als Gesellschafterin und Mitglied des Verwaltungsrates als ar-

beitgeberähnliche Person im Sinne von Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG gilt (AK-act. 43 und 48). 

Weiter steht fest, dass die B.__ AG per 1. Februar 2020 den Betrieb aufgenommen und auf-

grund ihres Gesellschaftszecks nach dem Lock-Down im März 2020 eine massgebliche Ein-

schränkung der Erwerbstätigkeit (Umsatzverlust) im Sinne von Art. 2 Abs. 3bis lit. a der Covid-

19-Verordnung Erwerbsaufall erfahren hat (AK-act. 48, 58 und 68). Gemäss AHV-Lohnmel-

6│12 

 

dung für das Jahr 2020 vom 17. Dezember 2020 betrug das deklarierte Einkommen der Be-

schwerdeführerin vom 1. Februar 2020 bis 31. Dezember 2020 sodann insgesamt Fr. 77'000.– 

(AK-act. 43). Damit hat sie ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000 

erzielt und erfüllt auch die Voraussetzung nach Art. 2 Abs. 3bis lit. c der Covid-19-Verordnung 

Erwerbsausfall. Die Berechnungen der Ausgleichskasse ergaben schliesslich, dass im Monat 

November 2020 eine Umsatzeinbusse von 71% und im Dezember 2020 eine solche von 66% 

vorliegt (AK-act. 68). Diese Berechnungen sind gemäss Art. 2 Abs. 3ter der Covid-19-Verord-

nung Erwerbsausfall korrekt und damit das Erfordernis der Umsatzeinbusse von über 55% 

(bzw. 40% für den Zeitraum ab 19.12.2020) ebenfalls unstrittig erfüllt. Im Übrigen kann hierfür 

auf die zutreffenden Erwägungen 6 und 6a im angefochtenen Einspracheentscheid verwiesen 

werden (Art. 56 Abs. 3 VRG).  

 

4.2 

Strittig und zu prüfen bleibt einzig die Frage, ob die Beschwerdeführerin auch eine Lohnein-

busse im Sinne von Art. 2 Abs. 3bis lit. b Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall erlitten hat. In-

folge der Betriebsaufnahme per 1. Februar 2020 wird auf das bereits erwähnte, deklarierte 

Einkommen der Beschwerdeführerin von Fr. 77'000.– in 11 Monaten abgestellt, was einen 

durchschnittlichen Monatslohn von Fr. 7'000.– ergibt (AK-act. 43). Zur Ermittlung der Lohnein-

busse ist dieser durchschnittliche Monatslohn der Beschwerdeführerin mit dem jeweiligen 

Lohn in den Antragsmonaten November und Dezember 2020 zu vergleichen. Gemäss den 

Angaben der Beschwerdeführerin in den Anmeldeformularen für eine Corona Erwerbsersatz-

entschädigung vom 22. Januar 2021 (AK-act. 48-49) – die auch mit der Lohnbescheinigung 

vom 17. Dezember 2020 übereinstimmen – ist ihr in den beiden Antragsmonaten  

ebenfalls je ein Lohn von Fr. 7'000.– ausbezahlt worden. Demzufolge hat die Beschwerdefüh-

rerin keinen Lohnausfall erlitten, womit die Anspruchsvoraussetzung nach Art. 2 Abs. 3bis lit. b 

Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall nicht gegeben ist. Damit ist mit der Beschwerdegegnerin 

einig zu gehen, dass die Beschwerdeführerin insgesamt nicht entschädigungsberechtigt ist. 

Ergänzend wird auf die Erwägung 6b im angefochtenen Einspracheentscheid verwiesen 

(Art. 56 Abs. 3 VRG). 

 

5. 

5.1 

Diesem Ergebnis hat der Verwaltungsratspräsident der B.__ AG bereits im Einspracheverfah-

ren im Namen der Beschwerdeführerin entgegengehalten, dass er der Gesellschaft am 15. 

7│12 

 

Januar 2020 ein Privatdarlehen im Betrag von Fr. 100'000.– gewährt habe, um die Gründungs-

kosten zu decken und die Anlaufphase zu finanzieren (AK-act. 58). Für das erste Geschäfts-

jahr sei ein Umsatz zwischen Fr. 300'000.– bis 500'000.– geplant gewesen. Die B.__ AG be-

zwecke die Etablierung der regenerativen Medizin. Dafür seien Vortragsreihen, Workshops, 

ein Kongress und verschiedenste Direktansprachen von Ärzten geplant gewesen. Aufgrund 

des Versammlungsverbots und der Zurückhaltung der Ansprechpartner (Ärzte) seien hier je-

doch praktisch keine Aktionen möglich gewesen. Die Vermittlung von Patienten für Behand-

lungen im Ausland sei aufgrund der erlassenen Reisebeschränkungen ebenso wenig möglich 

gewesen. Nichtsdestotrotz habe man nicht direkt die Hilfen der öffentlichen Hand beantragt, 

sondern umgehend nach alternativen Verdienstmöglichkeiten gesucht. Es sei denn auch ge-

lungen, ein Mandat für ein Organisationsprojekt bei einem Bauunternehmen zu akquirieren 

und so monatliche Consultingumsätze zu erzielen, die das Überleben mehr oder weniger si-

chergestellt hätten. Dieses Mandat sei Ende Oktober 2020 ausgelaufen und man habe damit 

im November 2020 noch einen kleinen Umsatz für Abschlussarbeiten erzielen können. Die 

Lohnzahlung im November 2020 habe schliesslich die kompletten flüssigen Mittel verbraucht. 

Aufgrund der ökonomischen Gesamtsituation in der Schweiz sei es nicht gelungen, ein weite-

res Mandat zu akquirieren. Am 14. Dezember 2020 habe er der Gesellschaft ein weiteres Pri-

vatdarlehen von Fr. 50'000.– gewährt, um die Löhne für Dezember 2020 zu bezahlen. Ohne 

dieses Privatdarlehen sei es nicht möglich gewesen, die Löhne für die Monate November und 

Dezember 2020 zu bezahlen. Man habe sich also selber das Geld zur Verfügung gestellt.  

 

5.2. 

Wie bereits die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid vom 1. März 2021 auf-

zeigte, ist zwar glaubhaft, dass die Lohnzahlungen zumindest teilweise nicht mit erwirtschaf-

teten Umsätzen, sondern mit dem gewährten Privatdarlehen finanziert wurden. Die Corona 

Erwerbsersatzentschädigung stellt jedoch keine allgemeine Finanzhilfe an von Pandemiemas-

snahmen betroffene Unternehmen dar, sondern soll den Erwerbsausfall von in der Erwerbstä-

tigkeit massgeblich eingeschränkten Selbständigerwerbenden bzw. von arbeitgeberähnlichen 

Personen ersetzen. Anspruchsberechtigt ist denn auch nicht das Unternehmen, sondern die 

arbeitgeberähnliche Person (vgl. Art. 2 Abs. 3 und 3bis Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). 

Erhält diese vom Unternehmen den vollen Lohn, so erleidet sie keinen Lohnausfall und hat 

gemäss klarem Wortlaut des Gesetzes und der Verordnung keinen Anspruch auf Entschädi-

gung. Woher das Unternehmen die Mittel für die Lohnzahlung nimmt, ist in diesem Zusam-

menhang unerheblich. 

 

8│12 

 

6. 

6.1 

Die Beschwerdegegnerin wies im angefochtenen Einspracheentscheid vom 1. März 2021 «für 

zukünftige Ansprüche» auf die Möglichkeit hin, den Arbeitnehmern 80% des Monatslohnes als 

rückzahlbaren Vorschuss oder Darlehen zur Verfügung zu stellen und eine entsprechende 

Rückzahlungsverpflichtung nach Erhalt der Corona Erwerbsersatzentschädigung zu vereinba-

ren. Erforderlich sei, dass dieses Vorgehen in der Buchhaltung der Arbeitgeberin/Unterneh-

mung deutlich werde und klar nachvollzogen werden könne (AK-act. 71, E. 6b). 

 

6.2 

Bezugnehmend auf diesen Hinweis trägt die Beschwerdeführerin nun beschwerdeweise vor, 

es habe eine entsprechende mündliche Vereinbarung bezüglich rückzahlbarer Vorschusszah-

lungen unter den Gesellschaftern bestanden. Diese sei jedoch – wie für kleine Unternehmen 

üblich – nicht schriftlich fixiert worden. Dies habe man nun nachgeholt, weshalb man hoffe, 

dass die Anmeldung für eine EO-Entschädigung genehmigt werde. 

 

6.3 

Die Beschwerdegegnerin hält der Beurteilung des Sachverhalts durch das Bundesamt für So-

zialversicherungen (BSV) entgegen. Das BSV habe für die rechtsanwendenden Ausgleichs-

kassen aufgrund der neuen Sozialversicherungsleistung bzw. mangels Gerichtspraxis die 

Möglichkeit geschaffen, dem BSV häufig vorkommende Fallkonstellationen zur Beantwortung 

zu unterbreiten. Dieser Austausch finde in Form eines Fragen- & Antworten-Tools statt. In 

diesem Rahmen sei dem BSV auch mehrfach die Frage unterbreitet worden, wie mit nachträg-

lichen Rückzahlungen von bereits erfolgten Lohnzahlungen bzw. mit der Gewährung von Dar-

lehen anstelle von Lohn umzugehen sei. Das BSV habe nachträgliche Korrekturen nicht ge-

nerell ausgeschlossen, verlange aber, dass die nachträglichen Anpassungen mittels Unterla-

gen belegt werden, um Missbräuche eindeutig ausschliessen zu können. In zeitlicher Hinsicht 

sei eine entsprechende Berücksichtigung nachträglicher Anpassungen in der Fassung der Fra-

gen & Antworten vom 12. März 2021 auf Leistungen des Jahres 2021 beschränkt worden, da 

die Lohnsumme für das Jahr 2020 bereits gemeldet worden sei.  

 

  

9│12 

 

6.4 

6.4.1 

Mit der Beschwerdegegnerin ist zunächst einig zu gehen, dass die im Fragen- & Antworten-

Tool enthaltenen Beurteilungen des BSV – ebenso wie die einschlägigen Kreisschreiben – den 

Charakter von verwaltungsinternen Weisungen haben. Solche Verwaltungsweisungen richten 

sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. 

Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall 

angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen 

zulassen. Mithin weicht das Gericht nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, 

wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern 

wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzes-

anwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen. Allerdings dürfen auf dem Weg von Ver-

waltungsweisungen keine über Gesetz und Verordnung hinausgehenden Einschränkungen 

eines materiellen Rechtsanspruchs eingeführt werden (BGE 146 V 104 E. 7.1 mit Hinweisen). 

 

6.4.2 

Die Beurteilung des BSV von nachträglichen Rückzahlungen bereits erfolgter Lohnzahlungen 

bzw. von gewährten Darlehen anstelle von Lohn ist nicht zu beanstanden. Es liegt für das 

hiesige Gericht keinen triftigen Grund vor, um davon abzuweichen. Die Konkretisierung der 

hier massgeblichen Gesetzesbestimmungen ist überzeugend und einleuchtend. Der Wortlaut 

des Covid-19-Gesetzes und der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall ist wie bereits erwähnt 

klar und unmissverständlich. Mit der Corona Erwerbsersatzentschädigung soll – wie es bereits 

der Name der Verordnung und der Titel von Art. 15 Covid-19-Gesetz zum Ausdruck bringen – 

der Erwerbs- oder Lohnausfall von einzelnen Personen ersetzt werden. So errechnet sich auch 

die Entschädigung (in Form eines Taggeldes) auf eben diesem Erwerbs- bzw. Lohnausfall und 

nicht etwa auf der Umsatzeinbusse des Unternehmens (vgl. Art. 5 Covid-19-Verordnung Er-

werbsaufall). Sinn und Zweck der Corona Erwerbsersatzentschädigung ist nicht der Erhalt der 

Liquidität von Unternehmen oder der Erhalt unternehmerischer Substanz, sondern das Kom-

pensieren von individuellen Lohnausfällen. Für die Unternehmen stehen andere ausgewählte 

Massnahmen (Hilfspakete) zur Verfügung. Um einem Missbrauch dieser klaren gesetzlichen 

Regelung vorzubeugen, verlangt das BSV bzw. die Beschwerdegegnerin zu Recht, dass nach-

trägliche Korrekturen mittels Unterlagen zu belegen sind. Ebenso ist nicht zu beanstanden, 

dass nachträgliche Anpassungen auf Leistungen des Jahres 2021 beschränkt wurden, da die 

10│12 

 

Lohnsummen für das Jahr 2020 den Ausgleichskassen bereits gemeldet wurden. Diese Re-

gelung entspricht voll und ganz dem Willen des Gesetzgebers und ist ein taugliches und 

zweckmässiges Mittel, um wirksam gegen Rechtsmissbrauch vorzugehen. Zudem wird ver-

hindert, dass sich Beitragspflichtige zu ihren eigenen, früheren Deklarationen in Widerspruch 

setzen können, um Corona Erwerbsersatzentschädigungen zu erhalten. Die Weisung gewähr-

leistet ferner eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung und es werden auch keine über Gesetz 

und Verordnung hinausgehende neue Anspruchsvoraussetzungen geschaffen. Es liegt daher 

kein triftiger Grund für ein Abweichen vor. 

 

6.5 

Angewandt auf den vorliegenden Fall ergibt sich kein Anspruch auf eine Corona Erwerbser-

satzentschädigung. Die mit Beschwerdeschrift vom 12. März 2021 aufgelegte Vereinbarung 

betreffend Lohnzahlung (BF-Bel. 2) ist erst «im Nachhinein (…) schriftlich fixiert» und offen-

sichtlich auf den 12. März 2020 rückdatiert worden (vgl. Beschwerdeschrift und Präambel der 

Vereinbarung). Sie soll die zu diesem Zeitpunkt getroffene mündliche Vereinbarung wiederge-

ben. Die Beschwerdeführerin deklarierte hingegen mittels Antragsformularen vom 22. Januar 

2021 für die Monate November und Dezember 2020 je ein Erwerbseinkommen von Fr. 7'000.– 

(AK-act. 48-49). Dieses Einkommen war zudem Teil der AHV-Lohnmeldung für das Jahr 2020 

vom 17. Dezember 2020 (AK-act. 43) und wurde im Rechnungsjahr 2020 auch nicht als Ver-

bindlichkeit verbucht (vgl. BF-Bel. 2, fünfter Absatz der Präambel der Vereinbarung). Dieser 

Sachverhalt widerspricht offensichtlich der Behauptung, dass bereits im März 2020 eine münd-

liche Rückzahlungsvereinbarung bestanden habe. In diesem Fall wären die ausbezahlten Be-

träge mit Bestimmtheit nicht als AHV-pflichtiges Einkommen gemeldet, sondern stattdessen 

im Rechnungsjahr 2020 als "Verbindlichkeiten" (recte wohl: Forderungen) verbucht worden. 

Daher kann im vorliegenden Fall keine nachträgliche Korrektur mehr vorgenommen werden.  

 

6.6 

Insgesamt hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch für eine Corona Erwerbsersatzentschä-

digung im vorliegenden Fall zu Recht verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 

 

7. 

Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist in sozialversicherungsrechtlichen Angelegen-

heiten, vorbehältlich mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung, kostenlos (Art. 61 lit. fbis 

11│12 

 

ATSG i.V.m. Art. 18 Abs. 1 PKoG [NG 261.2]). Die Beschwerdeführerin unterliegt vollumfäng-

lich, so dass ihr in Übereinstimmung mit Art. 61 lit. g ATSG keine Parteientschädigung zuzu-

sprechen ist. 

 

  

12│12 

 

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht: 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Es werden keine Kosten erhoben. 

 

3. Es wird keine Parteientschädigung gesprochen. 

 

4. [Zustellung] 

 

 

 

 

Stans, 25. Oktober 2021 

VERWALTUNGSGERICHT NIDWALDEN 

Sozialversicherungsabteilung 

Die Vizepräsidentin 
 

 

lic. iur. Barbara Brodmann 

Die Gerichtsschreiberin 

 

 

lic. iur. HSG Helene Reichmuth    Versand:   

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Schweizerischen Bundesgericht, 

Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht 

werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. BGG [SR 173.110]). Die Beschwerde hat die Begehren, 

deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder sei-

nes Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angeführten Urkun-

den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). Für den Fristenlauf gelten die 

Art. 44 ff. BGG.