# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ce6ab7a-c439-5c7d-a11f-af09473b488b
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 26.10.2022 RR.2022.194
**Docket/Reference:** RR.2022.194
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2022-194_2022-10-26

## Full Text

Auslieferung an Luxemburg; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Luxemburg; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Luxemburg; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Luxemburg; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG)

Entscheid vom 26. Oktober 2022 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Giorgio Bomio-Giovanascini,  

Gerichtsschreiberin Inga Leonova  

   
 

Parteien 

  

A., zzt. in Auslieferungshaft, 

vertreten durch Advokat Markus Trottmann, 

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung, 

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an Luxemburg 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); unentgeltliche 

Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2022.194 

Nebenverfahren:    RP.2022.44  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) vom 13. Juli 

2022 ersuchten die luxemburgischen Behörden um Fahndung und Verhaf-

tung von A. zwecks Auslieferung. A. wird hauptsächlich vorgeworfen, zwi-

schen Dezember 2020 und Oktober 2021 zusammen mit weiteren Personen 

eine Serie von Einbruchdiebstählen begangen zu haben (act. 4.1; act. 1.2, 

S. 4 f.). 

 

 

B. Am 15. Juli 2022 wurde A. angehalten und mit Haftanordnung des Bundes-

amtes für Justiz (nachfolgend «BJ») vom selben Tag in provisorische Aus-

lieferungshaft versetzt (act. 4.2). 

 

 

C. Die erste Einvernahme von A. am 19. Juli 2022 musste aufgrund seines ge-

sundheitlichen Zustandes abgebrochen werden. A. gab an, drogenabhängig 

zu sein (act. 4.3). 

 

 

D. Am 20. Juli 2022 erliess das BJ gegen A. einen Auslieferungshaftbefehl, der 

ihm am 29. Juli 2022 eröffnet wurde (act. 4.5, 4.11). 

 

 

E. Am 26. Juli 2022 wurde A. erneut zur SIS-Ausschreibung der luxemburgi-

schen Behörden befragt, wobei er sich mit der vereinfachten Auslieferung an 

Luxemburg nicht einverstanden erklärte (act. 4.6).  

 

 

F. Unter Beilage des Auslieferungsersuchens ersuchte die luxemburgische 

Botschaft in Bern das BJ am 2. August 2022 formell um Auslieferung von A. 

zwecks Verfolgung der ihm vorgeworfenen Straftaten (act. 4.8). 

 

 

G. Am 10. August 2022 wurde A. im Beisein seines amtlichen Rechtsbeistandes 

zum formellen Auslieferungsersuchen einvernommen. Anlässlich dieser Ein-

vernahme stimmte A. der vereinfachten Auslieferung an Luxemburg unter 

Widerrufsvorbehalt zu (act. 4.12). Mit gleichtägigem Schreiben gewährte das 

BJ A. die Möglichkeit, sich bis zum 24. August 2022 schriftlich vernehmen zu 

lassen, sollte er seine Zustimmung zur vereinfachten Auslieferung widerru-

fen (act. 4.13).  

 

- 3 - 

 

 

H. Mit E-Mail vom 17. August 2022 liess A. dem BJ mitteilen, dass er seine 

Zustimmung zur vereinfachten Auslieferung an Luxemburg widerrufe 

(act. 4.14). 

 

 

I. Am 23. August 2022 liess sich A. zum luxemburgischen Auslieferungsersu-

chen schriftlich vernehmen (act. 4.15).  

 

 

J. Mit Entscheid vom 9. September 2022 bewilligte das BJ die Auslieferung 

von A. an Luxemburg für die im Ersuchen zugrunde liegenden Straftaten 

(act. 1.2=4.16). Der Auslieferungsentscheid wurde seinem amtlichen 

Rechtsbeistand am 12. September 2022 eröffnet (act. 4.17).  

 

 

K. Gegen den Auslieferungsentscheid vom 9. September 2022 liess A. am 

12. Oktober 2022 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Be-

schwerde erheben und folgenden Anträge stellen (act. 1, S. 2): 

 

«1.  Es sei die angefochtene Verfügung vom 9. September 2022 aufzuheben und es sei 

die Auslieferung des Beschwerdeführers zwecks Verfolgung wegen der Delikte  

ORGANISATION CRIMINELLE sinon ASSOCIATION DE MALFAITEURS und BLAN-

CHIMENT gemäss II) und III) des Auslieferungsgesuchs von Luxemburg zu verwei-

gern und die Auslieferung entsprechend zu beschränken.  

2. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an 

den Beschwerdegegner zurückzuweisen, damit dieser nach korrekter Gewährung des 

rechtlichen Gehörs zu den Tatvorwürfen betr. ORGANISATION CRIMINELLE sinon 

ASSOCIATION DE MALFAITEURS nochmals neu entscheide.  

3. Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung mit dem Unterzeich-

neten als unentgeltlichem Rechtsbeistand zu bewilligen. 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.» 

 

 

L. Die Beschwerdeantwort des BJ vom 19. Oktober 2022, worin es die kosten-

fällige Abweisung der Beschwerde verlangt, wurde A. am darauffolgenden 

Tag zur Kenntnisnahme zugestellt (act. 4, 5).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

  

- 4 - 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Luxemburg ist pri-

mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 

1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie das hierzu ergangene Zusatzprotokoll vom 

15. Oktober 1975 (ZPI EAUe; SR 0.353.11) massgebend. Überdies anwend-

bar sind das Schengener Durchführungsübereinkommen vom 14. Juni 1985 

(SDÜ; CELEX-Nr. 42000A0922(02); ABl. L 239 vom 22. September 2000, 

S. 19-62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Webseite 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den bi-

lateralen Abkommen», 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/euro-

pean-union/international-agreements/008.html) i.V.m. dem Beschluss des 

Rates 2007/533/JI vom 12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Betrieb und 

die Nutzung des SIS der zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26-31 

(CELEX-Nr. 32007D0533; ABl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63-84;  

abrufbar unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Abkommen»,  

8.4 Weiterentwicklungen des Schengen-Besitzstands), sowie diejenigen 

Bestimmungen des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die 

Auslieferung zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union  

(EU-Auslieferungsübereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); Abl. C 313 

vom 23. Oktober 1996, S. 12–23), welche gemäss dem Beschluss des Rates 

2003/169/JI vom 27. Februar 2003 (CELEX-Nr. 32003D0169; Abl. L 67 vom 

12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den sektoriel-

len Abkommen mit der EU», 8.2 Anhang B) eine Weiterentwicklung des 

Schengen-Besitzstands darstellen (d.h. die Art. 2, 6, 8, 9 und 13 des  

EU-Auslieferungsübereinkommens sowie dessen Art. 1, soweit er für die an-

deren Artikel relevant ist). Die zwischen den Vertragsparteien geltenden wei-

tergehenden Bestimmungen aufgrund bilateraler oder multilateraler Abkom-

men bleiben unberührt (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungs-

übereinkommen). 

 

1.2 Soweit die Staatsverträge und das Zusatzprotokoll bestimmte Fragen weder 

ausdrücklich noch stillschweigend regeln, findet auf das Verfahren der Aus-

lieferung ausschliesslich das Recht des ersuchten Staates Anwendung 

(Art. 22 EAUe), namentlich das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über in-

ternationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) 

und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverord-

nung, IRSV; SR 351.11). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Güns-

tigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforde-

rungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 147 II 432 E. 3.1 S. 437 f.; 145 IV 294 

E. 2.1 S. 297; 142 IV 250 E. 3; jeweils m.w.H.; ZIMMERMANN, La coopération 

https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html

- 5 - 

 

 

judiciaire internationale en matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 229). Vorbehal-

ten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1 S. 297; 

123 II 595 E. 7c S. 617; TPF 2020 64 E. 1.1 S. 67; 2016 65 E. 1.2; 2008 24 

E. 1.1).  

 

Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 

lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12 

Abs. 1 IRSG). 

 

 

2.  

2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Eröff-

nung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 50 Abs. 1 VwVG). 

 

2.2 Der Auslieferungsentscheid vom 9. September 2022 ist dem Rechtsbeistand 

des Beschwerdeführers am 12. September 2022 zugestellt worden 

(act. 4.17), womit die Beschwerde am 12. Oktober 2022 fristgerecht erhoben 

worden ist. Der Beschwerdeführer ist als Verfolgter und Adressat des Aus-

lieferungsentscheids ohne Weiteres zu dessen Anfechtung legitimiert. Auf 

die Beschwerde ist einzutreten.  

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition, befasst sich jedoch nur mit Tat- und Rechtsfragen, die 

Streitgegenstand der Beschwerde bilden (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 

E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 E. 1.6; 

TPF 2011 97 E. 5). 

 

 

4.  

4.1 In formeller Hinsicht macht der Beschwerdeführer eine Verletzung seines 

Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend und bringt vor, dass ihm das Aus-

lieferungsbegehren anlässlich der Einvernahme vom 10. August 2022 

sprachlich unverständlich gewesen und auch nicht übersetzt worden sei. Ins-

besondere seien ihm die im Auslieferungsbegehren enthaltenen Vorwürfe 

der Mitgliedschaft an einer kriminellen Organisation oder kriminellen 

- 6 - 

 

 

Vereinigung lediglich «abstrakt vorgehalten» worden. Deshalb habe er sich 

dagegen nicht effektiv zur Wehr setzen können (act. 1, S. 4 f.). 

 

4.2  

4.2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Ge-

hör. Dieser ist formeller Natur, d.h. seine Verletzung führt ungeachtet der 

materiellen Begründetheit des Rechtsmittels grundsätzlich zur Gutheissung 

der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids 

(BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 mit Hinweis auf 137 I 195 E. 2.2 S. 197; vgl. aber 

auch TPF 2008 172 E. 2.3 S. 178). Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte An-

spruch auf rechtliches Gehör wird im Bereich der internationalen Rechtshilfe 

in Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 29 ff. VwVG sowie, was das Auslieferungs-

verfahren betrifft, in Art. 52 IRSG und Art. 17 IRSV konkretisiert, welche so-

wohl in Verfahren vor den Bundesbehörden als auch vor kantonalen Behör-

den zur Anwendung gelangen.  

 

4.2.2 Gemäss Art. 52 Abs. 1 IRSG werden das Ersuchen und die dazugehörigen 

Unterlagen dem Verfolgten und seinem Rechtsbeistand vorgelegt. Bei der 

Eröffnung des Auslieferungshaftbefehls stellt die kantonale Behörde fest, ob 

der Verfolgte mit der im Ersuchen bezeichneten Person identisch ist. Sie er-

klärt ihm die Voraussetzungen der Auslieferung sowie der vereinfachten 

Auslieferung und weist ihn auf sein Recht hin, Beschwerde zu erheben, ei-

nen Beistand seiner Wahl zu bestellen oder sich amtlich verbeiständen zu 

lassen. Der Verfolgte wird kurz über seine persönlichen Verhältnisse, insbe-

sondere seine Staatsangehörigkeit und seine Beziehungen zum ersuchen-

den Staat, einvernommen und befragt, ob und aus welchen Gründen er Ein-

wendungen gegen den Haftbefehl oder gegen seine Auslieferung erhebe. 

Sein Rechtsbeistand kann dabei mitwirken (Art. 52 Abs. 2 IRSG).  

 

4.3 Die Rüge der Gehörsverletzung erhebt der Beschwerdeführer erstmals im 

vorliegenden Verfahren. In seiner Stellungnahme vom 23. August 2022 war 

dieser Punkt kein Thema (act. 4.15). Die Beschwerdekammer dient als 

Rechtsmittelinstanz dazu, Entscheide zu überprüfen; sie nimmt nicht die 

erstinstanzliche Beurteilung anstelle der ausführenden Behörde vor. Hat der 

Beschwerdeführer im Auslieferungsverfahren einen konkreten Einwand aus-

gelassen, welchem dementsprechend im Auslieferungsentscheid nicht aus-

drücklich widersprochen werden konnte, fehlt eine erstinstanzliche Beurtei-

lung, welche beschwerdeweise überprüft werden könnte. Damit hat der Be-

schwerdeführer den gesetzlich vorgesehenen Verfahrensablauf nicht einge-

halten. Da der Beschwerdegegner zu diesem Punkt in seiner Beschwerde-

antwort Stellung genommen hat und der Beschwerdekammer freie Kognition 

zukommt (E. 3 supra) ist in diesem Zusammenhang Folgendes anzumerken: 

- 7 - 

 

 

Die Einvernahme des Beschwerdeführers vom 10. August 2022 fand in An-

wesenheit seines amtlichen Rechtsbeistandes und einer übersetzenden Per-

son statt (act. 4.12). Der Beschwerdeführer gab an, die Übersetzung zu ver-

stehen (act. 4.12, Frage 2). Anlässlich dieser Einvernahme wurde das Aus-

lieferungsersuchen vom 2. August 2022 (mitsamt Beilagen) sowohl dem Be-

schwerdeführer als auch seinem amtlichen Rechtsbeistand zu Beginn der 

Einvernahme ausgehändigt (act. 4.12, S. 1). Das Ersuchen und seine Beila-

gen sind auf Französisch verfasst (act. 4.8). Mithilfe der übersetzenden Per-

son wurde der Beschwerdeführer anlässlich der besagten Einvernahme mit 

dem ihm im Ersuchen vorgeworfenen Sachverhalt, darunter auch mit dem 

Vorwurf der Mitgliedschaft an einer kriminellen Organisation bzw. kriminellen 

Vereinigung und "Verschleierung («Blanchiment»)" konfrontiert. Der Be-

schwerdeführer bestätigte, den ihm vorgeworfenen Sachverhalt sowie die 

Gründe, weshalb Luxemburg um seine Auslieferung ersucht, verstanden zu 

haben (act. 4.12, Fragen 4 und 6). Ausserdem gewährte der Beschwerde-

gegner dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. August 2022 für den 

Fall, dass er vom Widerrufsrecht Gebrauch machen sollte, eine 14-tägige 

Frist zur schriftlichen Stellungnahme (act. 4.13). Dieses Recht hat der Be-

schwerdeführer durch Einreichung seiner Stellungnahme vom 23. August 

2022 wahrgenommen (act. 4.15). Damit ist nicht zu erkennen, inwiefern die 

anlässlich der Einvernahme vom 10. August 2022 zusammengefassten Vor-

würfe das Recht des Beschwerdeführers eingeschränkt haben sollen, sich 

effektiv gegen die Auslieferung zu wehren.  

 

4.4 Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht auszumachen, weshalb die 

Angelegenheit an den Beschwerdegegner nicht zurückzuweisen ist. Das ent-

sprechende Begehren des Beschwerdeführers ist damit abzuweisen.  

 

 

5.  

5.1 In materieller Hinsicht bestreitet der Beschwerdeführer das Vorliegen der 

beidseitigen Strafbarkeit hinsichtlich der im Auslieferungsersuchen unter den 

Abschnitten II. und III. dargestellten Straftaten, nämlich der Mitgliedschaft an 

einer kriminellen Organisation bzw. Vereinigung sowie der Hehlerei/Geldwä-

scherei. Entsprechend sei die Auslieferung betreffend diese Delikte zu ver-

weigern (act. 1, S. 4 ff.).  

 

5.2 Für die Beurteilung der Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist der im 

Auslieferungsersuchen dargelegte Sachverhalt so zu würdigen, wie wenn 

die Schweiz wegen eines entsprechenden Sachverhalts ein Strafverfahren 

eingeleitet hätte (BGE 142 IV 250 E. 5.2; 142 IV 175 E. 5.5; 132 II 81 

E. 2.7.2). Bei der Beurteilung der Strafbarkeit nach schweizerischem Recht 

- 8 - 

 

 

beschränkt sich der Rechtshilferichter auf eine Prüfung «prima facie» 

(BGE 142 IV 250 E. 5.2; 142 IV 175 E. 5.5; 128 II 355 E. 2.4; 124 II 184 

E. 4b/cc). Beidseitige Strafbarkeit setzt keine identischen Strafnormen im er-

suchenden und ersuchten Staat voraus (BGE 142 IV 175 E. 5.5; 110 Ib 173 

E. 5; vgl. zum Ganzen TPF 2012 114 E. 7.4). Anders als im Bereich der 

«akzessorischen» Rechtshilfe ist die Voraussetzung der beidseitigen Straf-

barkeit im Auslieferungsrecht für jeden Sachverhalt, für den die Schweiz die 

Auslieferung gewähren soll, gesondert zu prüfen (BGE 125 II 569 E. 6; Ent-

scheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.55 vom 5. Juli 2007 E. 6.2). 

 

5.3 Laut dem luxemburgischen Auslieferungsersuchen vom 2. August 2022 und 

dessen Beilagen soll sich der Beschwerdeführer mit unbekannten Personen 

zusammengeschlossen haben, um gemeinsam (Einbruch-)Diebstähle zu 

begehen. Namentlich soll der Beschwerdeführer zwischen Dezember 2020 

und Oktober 2021 an folgenden Einbruchdiebstählen teilgenommen haben 

(act. 4.8, Sachverhaltsabschnitt I):  

 

5.3.1 Am 27. Juli 2021 zwischen 14:39 Uhr und 14:45 Uhr sollen unbekannte Tä-

ter, darunter der Beschwerdeführer, versucht haben, in eine Tankstelle in Z. 

einzubrechen, indem sie ein Kabel der Alarmanlage durchtrennt und Ele-

mente einer Zwischendecke in den Toiletten entfernt haben sollen. Der Ein-

bruchversuch sei abgebrochen worden, weil Mitarbeiter der Tankstelle den 

Einbruchsversuch bemerkt hätten. Am besagten Kabel der Alarmanlage sei 

die DNA des Beschwerdeführers festgestellt worden.  

 

5.3.2 Am 2. August 2021 gegen 02:25 Uhr sollen unbekannte Täter, darunter der 

Beschwerdeführer, in eine Tankstelle in Y. eingebrochen sein, indem sie auf 

der Rückseite des Gebäudes ein Loch in die Mauer gemacht hätten, sodass 

sie Zugang zu den Regalen des Tankstellenshops erlangt hätten. Die Täter 

hätten Zigaretten und Tabak im Wert von mindestens EUR 6'755.87 entwen-

det. An der Aussenseite der Mauer sei die DNA des Beschwerdeführers fest-

gestellt worden. 

 

5.3.3 Am 25. August 2021 zwischen Mitternacht und 04:00 Uhr sollen unbekannte 

Täter, darunter der Beschwerdeführer, in eine Liegenschaft in X. eingebro-

chen sein, indem sie das Schloss der Eingangstüre aufgebrochen haben sol-

len. In der Wohnung soll die Täterschaft zahlreiche Objekte, namentlich 

Schmuck, Schreibstifte, Silbergegenstande, Uhren und weitere Objekte ent-

wendet haben. Ein Fahrzeug der Marke Citroën C5 mit dem französischen 

Kennzeichen […] sei in dieser Nacht in der Nähe des Tatortes kontrolliert 

worden, in welchem sich der Beschwerdeführer alias A1. befunden habe.  

 

- 9 - 

 

 

5.3.4 Am 31. August 2021 zwischen Mitternacht und 03:00 Uhr sollen unbekannte 

Täter, darunter der Beschwerdeführer, versucht haben, in ein Geschäft in W. 

einzubrechen, indem sie das Schaufenster aufgebrochen haben sollen. Das 

dem Beschwerdeführer alias A1. gehörende Fahrzeug der Marke Ford Mon-

deo mit dem französischen Kennzeichen […] sei am Vortag in der Nähe des 

Tatortes gesichtet worden. In der Tatnacht hätten die Täter ein ähnliches 

graues Fahrzeug für die Flucht benutzt, nachdem der Alarm ausgelöst wor-

den sei.  

 

5.3.5 Zwischen dem 22. Oktober 2021 gegen 23:50 Uhr und dem 23. Oktober 

2021 gegen 04:00 Uhr sollen unbekannte Täter, darunter der Beschwerde-

führer, in eine Bäckerei in einem Einkaufszentrum in V. eingebrochen sein. 

Sie sollen die Eingangstüren des Einkaufszentrums und der Bäckerei aufge-

brochen und anschliessend einen Safe mit EUR 2'771.18 entwendet haben. 

Die Auswertung der Videokameras habe ergeben, dass sich das dem Be-

schwerdeführer alias A1. gehörende Fahrzeug der Marke Ford Mondeo mit 

dem französischen Kennzeichen […] kurz vor der Tat auf dem Parkplatz des 

Einkaufszentrums befunden habe. 

 

5.3.6 Zwischen dem 15. Dezember 2020 und dem 16. Dezember 2020 sollen un-

bekannte Täter, darunter der Beschwerdeführer, in ein Geschäft in U. einge-

brochen sein, indem sie ein Fenster aufgebrochen und anschliessend 

EUR 20'000.-- aus einem Safe entwendet haben sollen. Am Tatort sei die 

DNA des Beschwerdeführers festgestellt worden.  

 

5.3.7 Zwischen dem 15. Dezember 2020 und dem 16. Dezember 2020 sollen un-

bekannte Täter, darunter der Beschwerdeführer, in Büroräumlichkeiten in U. 

eingebrochen sein, indem sie eine Tür mit Zugang zu den Büroräumlichkei-

ten aufgebrochen haben sollen. Die Täter hätten eine Brosche, ein Smart-

phone der Marke Samsung Galaxy S6, einen Schal der Marke Gucci und 

Bargeld in der Höhe von EUR 1'500.-- entwendet. 

 

5.3.8 Zwischen dem 15. Dezember 2020 und dem 16. Dezember 2020 sollen un-

bekannte Täter, darunter der Beschwerdeführer, in U. in ein Gebäude einge-

brochen sein, indem sie ein Fenster aufgebrochen haben sollen. Anschlies-

send sollen sie Bargeld aus einer Kasse in der Höhe von EUR 360.57 ent-

wendet haben. 

 

5.3.9 Des Weiteren wird dem Beschwerdeführer vorgeworfen, mindestens zwi-

schen Dezember 2020 und Oktober 2021 einer kriminellen Organisation, al-

lenfalls einer kriminellen Vereinigung zwecks Begehung von Diebstählen an-

gehört zu haben (act. 4.8, Sachverhaltsabschnitt II). Ebenfalls in diesem 

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Zeitraum soll der Beschwerdeführer Geldwäscherei-/Verschleierungshand-

lungen («blanchiment») begangen haben, indem er als Täter bzw. Komplize 

das Diebesgut aus den oben erwähnten Straftaten (E. 5.3.1 – 5.3.8) im Wis-

sen besessen habe, dass diese aus den deliktischen Handlungen stammen 

(act. 4.8, Sachverhaltsabschnitt III).   

 

5.4 Die Sachverhaltsdarstellung im Ersuchen enthält keine offensichtlichen Feh-

ler, Lücken oder Widersprüche, die diese sofort entkräfteten würden. Die er-

suchte schweizerische Behörde ist deshalb daran gebunden (vgl. BGE 142 

IV 250 E. 6.3; 133 IV 76 E. 2.2; 132 II 81 E. 2.1; TPF 2012 114 E. 7.3). 

  

5.5  

5.5.1 Wie im angefochtenen Entscheid festgehalten wurde, könnten die unter 

Ziff. 5.3.1-5.3.8 ausgeführten Vorwürfe gegenüber dem Beschwerdeführer 

nach schweizerischem Recht prima facie als Diebstahl (Art. 139 StGB), 

Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) und Hausfriedensbruch (Art. 186 StGB) 

qualifiziert werden. Dies wird vom Beschwerdeführer auch nicht in Frage ge-

stellt. Vielmehr bestreitet er das Vorliegen der beidseitigen Strafbarkeit in 

Bezug auf die unter Ziff. 5.3.9 aufgeführten Vorwürfe.  

 

5.5.2 Wie der Beschwerdegegner richtigerweise ausführt, ist es unerheblich, dass 

der im Ersuchen geschilderte Sachverhalt nach schweizerischem Recht 

nicht auch als Beteiligung an einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) 

oder Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) bzw. Hehlerei (Art. 160 StGB) qualifi-

ziert werden kann. Ausschlaggebend ist, dass dem Beschwerdeführer vor-

geworfen wird, zusammen mit weiteren Tätern mehrere Einbruchdiebstähle 

begangen und das Diebesgut aus diesen Delikten besessen zu haben. Nach 

schweizerischem Recht kann dieser Vorwurf prima facie jedenfalls unter 

Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch subsumiert werden. 

Der dem Beschwerdeführer im Sachverhaltsabschnitt II des Auslieferungs-

ersuchens gemachte Vorwurf kann nach Schweizer Recht prima facie als 

bandenmässige Begehung dieser Delikte qualifiziert werden (zur Banden-

mässigkeit vgl. BGE 135 IV 158 E. 2 S. 158 f.; 124 IV 86 E. 2b S. 88 f.). Der 

in Sachverhaltsabschnitt III beschriebene Vorwurf, nämlich der Besitz des 

mutmasslichen Diebesgutes aus den im Sachverhaltsabschnitt I dargelegten 

Einbruchdiebstählen, geht in der von Art. 139 StGB erwähnten Aneignung 

auf und wird von dieser Norm mitbestraft (WEISSENBERGER, Basler Kommen-

tar, 4. Aufl. 2019, Art. 160 StGB N. 92 f.). Dem Beschwerdeführer wird im 

hier zu beurteilenden Auslieferungsersuchen nicht vorgeworfen, im Besitz 

von Gegenständen oder Vermögenswerten aus anderen als im Sachver-

haltsabschnitt I erwähnten Einbruchdiebstählen gewesen zu sein. Es ist an 

den luxemburgischen Gerichten, darüber zu befinden, ob derselbe 

- 11 - 

 

 

Sachverhalt nach luxemburgischem Recht, anderes als nach Schweizer 

Recht, unter weitere Straftatbestände, namentlich unter den Tatbestand der 

Beteiligung an einer kriminellen Organisation bzw. kriminellen Vereinigung 

oder Geldwäscherei subsumiert werden kann. Wie oben (E. 5.2 supra) er-

wähnt, ist eine identische Tatbestandssubsumtion nach schweizerischem 

und ausländischem Recht nicht erforderlich (BGE 110 Ia 592 E. 5.a; 117 Ib 

64 E. 5.c).  

 

5.6 Nach dem Gesagten ist die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit 

nach Schweizer Recht erfüllt. Folglich erweist sich die Beschwerde auch in 

diesem Punkt als unbegründet.  

 

5.7 Den vorliegenden Akten sind keine anderen Gründe zu entnehmen, welche 

einer Auslieferung des Beschwerdeführers an Luxemburg entgegenstünden.  

 

 

6. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als vollumfänglich unbe-

gründet und ist abzuweisen.  

 

 

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege und -verbeiständung (RP.2022.44, act. 1).  

 

7.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaus-

sichten beträchtlich geringer erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen 

gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und 

Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer 

sind als diese (BGE 142 III 138 E. 5.1 S. 139 f.; 140 V 521 E. 9.1).  

 

7.3 Alle Vorbringen des Beschwerdeführers erweisen sich als unbegründet. An-

hand des oben Ausgeführten muss die Beschwerde als aussichtslos im 

Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG bezeichnet werden. Bereits aus diesem 

Grund ist das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechts-

pflege und -verbeiständung abzuweisen. Bei diesem Ergebnis erübrigt sich 

die nähere Prüfung der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers. 

- 12 - 

 

 

7.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Unter Berücksichtigung 

der mutmasslich derzeit schwierigen finanziellen Situation des Beschwerde-

führers ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 

Abs. 4bis VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 lit. a des 

Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, 

Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; 

SR 173.713.162). 

 

- 13 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung wird abge-

wiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 27. Oktober 2022 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

  

 

Zustellung an 

 

- Advokat Markus Trottmann 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder 
einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 48 
Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt 
massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen 
sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).