# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fca39fd-3c12-5e6b-9db2-0be4fe80f478
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 23.11.2022 U 2022 73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_U-2022-73_2022-11-23.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 22 73

2. Kammer 

Vorsitz von Salis

RichterIn Meisser und Pedretti

Aktuarin ad hoc Engler

URTEIL

vom 23. November 2022

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marc G. Breitenmoser, 

Beschwerdeführer

gegen

Kantonales Sozialamt Graubünden, 

Beschwerdegegner

betreffend Opferhilfe

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I. Sachverhalt:

1. Mit Schreiben vom 18. Januar 2022 reichte A._____, Jahrgang 1994, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marc G. Breitenmoser, ein Gesuch 

um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz beim 

kantonalen Sozialamt Graubünden (nachfolgend Sozialamt) ein und 

verlangte darin eine Genugtuung in der Höhe von CHF 15'000.-- nebst 

Zins zu 5 % seit dem 1. Juli 2018. Zusammen mit dem Gesuch wurde das 

Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._____ (Proz. Nr. C._____) und 

das Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ (E._____) 

sowie weitere Unterlagen eingereicht. Begründend führte er aus, dass der 

Täter dem Gesuchsteller mit einer Bierflasche zuerst einen frontalen 

Schlag auf den Stirn- und Augenbereich und in der Folge mit der 

zerbrochenen Flasche einen weiteren Schlag auf die rechte Seite des 

Kopfes beim Ohrbereich verpasst habe. Dergestalt habe der 

Gesuchsteller eine schwere Verletzung am linken Auge erlitten, wobei 

sogar eine Erblindung des Auges gedroht habe. Darüber hinaus habe der 

Gesuchsteller neben den Verletzungen an der Ohrmuschel und hinter dem 

rechten Ohr eine Rissquetschwunde mit arterieller Blutung im Bereich der 

linken Stirn erlitten. Aufgrund dieser Verletzungen hätten zwei 

Notoperationen durchgeführt werden müssen, nachdem ein "potenziell 

lebensgefährlicher Zustand" bestanden habe. Heute sei immer noch eine 

grosse, auffällige Narbe auf der Stirn gut sichtbar. Weiter leide der 

Gesuchsteller immer noch unter den psychischen Folgen dieser Tat, 

weshalb er sich auch einer psychiatrischen Behandlung unterziehen und 

Psychopharmaka einnehmen musste. So sei bei ihm auch eine 

Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt sowie 

eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden. Noch 

heute leide der Gesuchsteller u.a. an Gedankenkreisen, 

Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc., 

weshalb er sich immer noch sehr zurückziehe, misstrauisch sei und nur 

noch mit einem Pfefferspray aus dem Haus gehe. Vor diesem Hintergrund 

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hätten sowohl das Regionalgericht Plessur als auch das Kantonsgericht 

von Graubünden in ihren Urteilen dem Gesuchsteller eine Genugtuung 

von CHF 15'000.-- nebst Zins zu 5% seit 1. Juli 2018 zugesprochen.

2. Mit Verfügung vom 7. Juli 2022 sprach das Sozialamt in teilweiser 

Gutheissung des Gesuchs vom 18. Januar 2022 A._____ eine 

Genugtuung von CHF 2'000.-- zu und wies das Entschädigungsgesuch 

ab. Begründend führte das Sozialamt aus, dass unter Würdigung der 

konkreten Umstände sowie gestützt auf den Leitfaden zur Bemessung der 

Genugtuung nach Opferhilfegesetz und der bisherigen 

Genugtuungspraxis eine Genugtuung in der Höhe von CHF 8'000.-- als 

angemessen zu erachten sei. Weiter sei die Genugtuung jedoch 

herabzusetzen, da davon auszugehen sei, dass A._____ nicht die in 

seinem eigenen Interesse liegende Sorgfalt und Umsicht zu seinem 

eigenen Schutz angewendet habe. Nach zwei hitzigen Diskussionen über 

die politische Lage in Eritrea, in der Onyx-Bar und anschliessend im 

Fahrzeug von A._____, habe A._____ zuerst zwei Mal gegen den Kopf 

von F._____ eingeschlagen. Durch dieses Verhalten habe A._____ den 

Angriff von F._____ provoziert und ausgelöst. Somit sei von einem 

schweren Verschulden von A._____ auszugehen. Das Sozialamt 

erachtete unter Würdigung der konkreten Umstände im vorliegenden Fall 

sowie gestützt auf die bisherige Praxis eine Kürzung des Genugtuungs-

Anspruchs um 75 % als angemessen.

3. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 

8. September 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden. Darin beantragte er, es sei die Ziff. 1 des Dispositivs der 

angefochtenen Verfügung des kantonalen Sozialamtes Graubünden vom 

7. Juli 2022 aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer eine 

Genugtuung in der Höhe von CHF 15'000.-- - eventualiter nach 

richterlichem Ermessen - zuzusprechen, subeventualiter sei die 

Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, dies 

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alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge, diese zuzüglich 7.7 % 

Mehrwertsteuer, zu Lasten des Sozialamts. Überdies sei ihm die 

unentgeltliche Rechtspflege sowie die Bestellung eines unentgeltlichen 

Rechtsbeistandes in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. Marc G. 

Breitenmoser zu gewähren.

Begründend führte der Beschwerdeführer aus, dass das Sozialamt den 

Sachverhalt unzutreffend dargelegt habe. Die Tat habe sich nicht am 

1. Juni 2018, sondern am 1. Juli 2018 ereignet. Entgegen der 

Sachverhaltsdarstellung in der angefochtenen Verfügung, wonach der 

Beschwerdeführer F._____ zuerst zweimal mit der Bierflasche gegen 

dessen Kopf geschlagen haben soll, habe der Beschwerdeführer 

richtigerweise F._____ die Hand geben wollen, da sich dieser eigentlich 

verabschieden wollte, worauf ihm dieser die Bierflasche gegen die linke 

Gesichtshälfte geschlagen habe. F._____ habe daraufhin den 

Beschwerdeführer mit der Bierflasche an der Stirn und am Auge getroffen, 

weshalb er stark blutete und sein Gesicht in die Hände nahm. Der 

Beschwerdeführer habe sich dabei mit dem Kopf nach vorne gebeugt, 

worauf F._____ die mittlerweile zerbrochene Bierflasche von oben herab 

gegen die rechte Gesichtsseite des Beschwerdeführers geschlagen und 

ihn hinter seinem rechten Ohr verletzt habe. F._____ habe daraufhin in 

seiner Muttersprache geäussert, dass der Beschwerdeführer jetzt sterben 

würde. Ergo treffe es nicht zu, dass F._____ die Bierflasche vom 

Beschwerdeführer behändigt haben soll, zumal er diese stets in seinen 

Händen gehalten habe. Der Beschwerdeführer habe gemäss dem 

rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen 

vom 13. August 2018 eine schwere Verletzung am linken Auge, 

Verletzungen an der Ohrmuschel und hinter dem rechten Ohr eine 

Rissquetschwunde mit arterieller Blutung im Bereich der linken Stirn 

erlitten. Angesichts dieser Kopfverletzungen und mithin aufgrund der 

Läsionen von arteriellen Gefässen habe im Kantonsspital Graubünden 

umgehend eine Notoperation durchgeführt werden müssen. In Folge 

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wurde der Beschwerdeführer mit der REGA in das mit einer Augenklinik 

ausgestattete Kantonsspital St. Gallen geflogen und dort nochmals 

notoperiert werden. Unter Würdigung der beschriebenen Verletzungen sei 

denn auch im besagten Gutachten von "scharfer Gewalt" und von einer 

"scharfkantigen Gewalteinwirkung" die Rede. Wie des Weiteren aus dem 

Gutachten vom 13. August 2018 hervorgehe, habe bei Eintritt in das 

Kantonsspital Graubünden ein "potenziell lebensgefährlicher Zustand" 

bestanden, weshalb zwingend eine Notoperation durchgeführt werden 

musste. 

In Abweichung der angefochtenen Verfügung sowie unter Hinweis auf das 

betreffende Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ 

(E._____) habe sehr wohl eine akute Lebensgefahr vorgelegen. So hätten 

nämlich die arteriellen Blutungen bei Nichtbehandlung in der Notfallstation 

zum Kreislaufschock und Tod führen können, womit eine unmittelbare 

Lebensgefahr vorgelegen hätte. Die betreffende Wundheilung habe auch 

starke Schmerzen verursacht, wobei eine gut sichtbare, grosse Narbe an 

der linken Stirnseite sowie über dem rechten Ohr zurückgeblieben seien, 

welche ihn bleibend entstelle. Wie bereits erwähnt, habe auch der Verlust 

des Sehorgans gedroht, wobei bei Austritt aus der Augenklinik zumindest 

noch eine "geringe Sehkraft vorhanden war". Der Beschwerdeführer 

benötige heutzutage ständig eine Brille um einigermassen sehen zu 

können. Vor der Tat sei er brillenfrei gewesen, wobei unter Hinweis auf 

das Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ (E._____) 

festzuhalten sei, dass der Beschwerdeführer ohne Notoperation erblindet 

wäre.

Weiter leide der Beschwerdeführer bis zum heutigen Tage an den 

seelischen Folgen dieser Tat vom 1. Juli 2018. So habe sich der 

Beschwerdeführer ab dem 24. Juli 2018 während langer Zeit in 

psychiatrischer Behandlung bei den Psychiatrischen Diensten Aargau AG 

befunden. Es seien ihm eine Anpassungsstörung mit Angst und 

depressiver Reaktion gemischt diagnostiziert und eine posttraumatische 

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Belastungsstörung festgestellt worden. Nebst der Einnahme von 

Psychopharmaka (Antidepressiva etc.) sehe er sich mit Gedankenkreisen, 

Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc. 

konfrontiert, weshalb seine Lebensqualität nach wie vor beeinträchtigt sei. 

Somit sei der Beschwerdeführer bezeichnenderweise auch nicht in der 

Lage gewesen, an der damaligen Hauptverhandlung am Kantonsgericht 

Graubünden vom D._____ teilzunehmen. Auch in Zukunft werde der 

Beschwerdeführer immer an die Tat erinnert werden, da ihn seine Narbe 

im Gesicht beim Blick in den Spiegel daran erinnern werde.

Bei der Bemessung der Genugtuung sei entgegen der Meinung der 

Vorinstanz nicht die Kategorie 2, sondern 3 bzw. sogar 4 massgebend, 

welche eine Genugtuung von CHF 10'000.-- bis CHF 20'000.-- resp. von 

CHF 20'000.-- bis CHF 50'000.-- vorsehe. Vor diesem Hintergrund sowie 

unter Würdigung der konkreten Umstände im vorliegenden Fall sowie 

gestützt auf den Leitfaden zur Bemessung der Genugtuung nach 

Opferhilfegesetz und der bisherigen Genugtuungspraxis entbehre die von 

der Vorinstanz berücksichtigte Genugtuung von CHF 8'000.-- jeglicher 

Grundlage, weshalb zumindest von einer Genugtuung von CHF 15'000.-- 

auszugehen sei. Weiter gehe die Vorinstanz von einem schweren 

Verschulden seitens des Beschwerdeführers aus, da dieser zuerst 

zweimal mit der Bierflasche auf F._____ eingeschlagen haben soll, obwohl 

dies gemäss Anklageschrift vom 29. Oktober 2019 (Anm. des Gerichts: 

Strafverfahren gegen F._____) mitnichten zutreffe und auch bestritten 

werde. 

Im Ergebnis halte der Beschwerdeführer daran fest, dass die sowohl vom 

Regionalgericht Plessur als auch vom Kantonsgericht Graubünden 

adhäsionsweise zugesprochene Genugtuung in der Höhe von 

CHF 15'000.-- als angemessen zu beurteilen sei. Dies umso mehr, als 

F._____ in zweiter Instanz keine Einwendungen gegen die von der 

Vorinstanz zur Höhe dieses Anspruchs vorgenommenen Überlegungen 

vorgebracht habe und folglich die Höhe der zugesprochenen Genugtuung 

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eingestanden habe. Da das Sozialamt den Beschwerdeführer mit einer 

Genugtuung von nur CHF 2'000.-- abspeise, müsse vorliegend von einer 

Rechtsverletzung, einschliesslich einer Überschreitung und einem 

Missbrauch des Ermessens, als auch von einer unrichtigen und 

unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts im 

Sinne von Art. 51 Abs. 1 VRG ausgegangen werden.

4. Mit der Vernehmlassung vom 3. Oktober 2022 beantragte das kantonale 

Sozialamt Graubünden (nachfolgend Beschwerdegegner), die 

Beschwerde abzuweisen unter Kostenfolge zulasten des 

Beschwerdeführers. Für die Begründung wurde auf die Verfügung sowie 

die dazugehörenden Akten verwiesen und überdies führte der 

Beschwerdegegner aus, dass im Gesuch um Entschädigung und 

Genugtuung vom 18. Januar 2022 der Beschwerdeführer betreffend 

Tathergang und Verletzungen explizit auf die Darstellungen im Urteil des 

Regionalgerichts Plessur vom B._____ (Proz. Nr. C._____) sowie im Urteil 

des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ (E._____) verwiesen 

habe. Während einer telefonischen Unterredung am 20. April 2022 seien 

laut Beschwerdegegner weitere medizinische Unterlagen bezüglich 

aktuellem Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Jahr 2022 

einverlangt worden, welche dann auch eingereicht worden seien. Soweit 

der Beschwerdeführer nun die Edition der Strafakten verlange und damit 

eine von den Urteilen abweichende Sachverhaltsdarstellung begründen 

möchte, könne ihm nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer habe 

bereits früher ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Ausführungen der 

Urteile zum Tathergang stimmen würden. Weiter stehe den kantonalen 

Behörden bei der Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter 

Ermessensspielraum zu, in welchen das Bundesgericht nur eingreife, 

wenn grundlos von den in der Lehre und Rechtsprechung entwickelten 

Grundsätzen abgewichen werde. Der vom Beschwerdeführer eingereichte 

medizinische Bericht vom 28. April 2022, aus welchem hervorgehe, dass 

die Narben heilbar seien, habe vom Kantonsgericht nicht berücksichtigt 

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werden können (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ 

[E._____]). Eine vom Kantonsgericht abweichende Beurteilung betreffend 

die Narben sei folglich angebracht gewesen. Auch die psychischen Folgen 

seien vom Beschwerdegegner gewürdigt worden, soweit sie belegt waren. 

Der Beschwerdeführer werde Zeit seines Lebens auf eine Brille 

angewiesen sein, jedoch sei ein vollständiger Verlust der Sehkraft oder 

der Verlust eines Auges den Akten nicht zu entnehmen. Weiter habe eine 

theoretische, aber keine akute Lebensgefährdung beim Beschwerdeführer 

bestanden. Gemäss Leitfaden zur Bemessung der Genugtuung nach 

Opferhilfegesetz vom 3. Oktober 2019 sei die dauerhafte 

Sehbeeinträchtigung auch aufgrund von Vergleichsfällen in die Kategorie 

2 eingeordnet worden und rechtfertige eine Entschädigung von 

CHF 5'000.-- bis 10'000.--. Die Bemessungskriterien, insbesondere die 

Intensität, das Ausmass und die Dauer der physischen und psychischen 

Folgen seien angemessen berücksichtigt worden. Das vorliegende 

Provozieren des Angriffs durch zweimaliges Zuschlagen mit einer 

Bierflasche sei als schweres bis sehr schweres Verschulden zu 

qualifizieren. Praxisgemäss zu Art. 44 OR seien Kürzungsansätze von 70-

80 % gerechtfertigt, wenn ein schweres Mitverschulden des Opfers 

vorliege. Somit sei die Kürzung um 75 % nicht zu beanstanden.

5. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2022 teilte der Beschwerdeführer mit, dass 

er unter Hinweis auf die Ausführungen der Beschwerde vom 8. September 

2022 auf eine Replik verzichte.

6. Am 12. Oktober 2022 ging die Honorarnote von RA lic. iur. Breitenmoser 

ein.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene 

Verfügung sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, 

in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

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II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung des Beschwerdegegners 

vom 7. Juli 2022, worin dem Beschwerdeführer in teilweiser Gutheissung 

seines Gesuchs vom 18. Januar 2022 eine Genugtuung in der Höhe von 

CHF 2'000.-- zugesprochen und das Entschädigungsgesuch abgewiesen 

wurde. Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Vollziehungsverordnung zum 

Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten (VVzOHG; 

BR 549.100) kann gegen die gestützt auf diese Verordnung ergangenen 

Verfügungen innert 30 Tagen seit Mitteilung Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht eingereicht werden. Dieses überprüft die 

angefochtene Verfügung frei. Die Verfügung des Beschwerdegegners 

vom 7. Juli 2022 stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar. Das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist gemäss Art. 26 Abs. 1 

des Opferhilfegesetzes (OHG; SR 312.5) und Art. 6 VVzOHG örtlich und 

sachlich zuständig. 

1.2. Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und 

hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, 

weshalb er gemäss Art. 50 des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur Beschwerde legitimiert 

ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 38 VRG; Art. 6 VVzOHG) 

erhobene Beschwerde ist somit einzutreten.

2.1. Gemäss Art. 4 Abs. 1 VVzOHG kann das Amt zur Ermittlung des 

Sachverhaltes Beteiligte und Auskunftspersonen befragen, sämtliche 

Akten, Urkunden und Sachverständige beiziehen sowie andere 

zweckmässige Erhebungen vornehmen. Die am Verfahren Beteiligten sind 

verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 11 

Abs. 2 VRG), womit auch ausdrücklich das Opfer gemeint ist (Art. 4 Abs. 3 

VVzOHG). Die Behörde erhebt die notwendigen Beweise, wobei sie an 

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Begehren zur Ermittlung des Sachverhalts nicht gebunden ist (Art. 11 

Abs. 3 VRG).

2.2.1. Vorliegend beantragt der Beschwerdeführer den Beizug der Akten der 

Vorinstanz sowie der Akten des Strafverfahrens gegen F._____, auf 

welche der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde verwiesen habe. Zu 

erwähnen ist dabei, dass der Beschwerdeführer in seinem Gesuch vom 

18. Januar 2022 unter Punkt 2 ("Delikt und Täterschaft") unter der 

Schilderung des Tathergangs und Verletzungen explizit auf das Urteil des 

Regionalgerichts Plessur vom B._____ (Proz. Nr. C._____) sowie auf das 

Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ (E._____) 

verwiesen hat (Beschwerdegegnerische Beilagen [Bg-act.] A1 und A2 

S. 2). Weitere medizinische Unterlagen bezüglich aktuellem 

Gesundheitszustand im Jahr 2022 wurden mit Schreiben vom 30. Mai 

2022 im vorinstanzlichen Verfahren nachgereicht. Zudem ist der 

Beschwerdeführer anwaltlich vertreten und ihm ist nicht zuletzt aufgrund 

dieses Umstands zumutbar, die relevanten Akten aus dem Strafverfahren 

ins Beschwerdeverfahren einzubringen, da die am vorliegenden Verfahren 

Beteiligten eine Mitwirkungspflicht trifft. 

2.2.2. Das Regionalgericht Plessur hat in seinem Urteil festgestellt, dass der 

Beschwerdeführer zuerst zweimal mit der Bierflasche gegen F._____ 

schlug (Bg-act. A3 E.13.5). Diese Ausgangslage wurde vom 

Kantonsgericht nicht korrigiert (Bg-act. A4 E.4.6.3 und 9.2). Aus den 

Urteilen ist weiter zu entnehmen, dass F._____ nach der Tat Kopfwunden 

aufwies, welche in beiden Urteilen den Schlägen mit der Bierflasche durch 

den Beschwerdeführer zuzuordnen sind (Bg-act. A3 E.5.3 und A4 E.4.6.3). 

Somit bestand unter diesen Umständen auch für den Beschwerdegegner 

kein Zweifel, dass der Beschwerdeführer zuerst zweimal mit der 

Bierflasche gegen F._____ geschlagen hatte. 

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2.3. Es kann deshalb auf den Beizug weiterer Akten verzichtet werden, weil 

das Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine 

Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür angenommen werden kann, 

dass diese durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert wird 

(antizipierte Beweiswürdigung, vgl. BGE 143 III 297 E.9.3.2, 141 I 60 E.3.3 

m.H., 140 III 16 E.2.1).

3.1. Gemäss dem OHG hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer 

körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar 

beeinträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf Unterstützung nach 

diesem Gesetz (Art. 1 Abs. 1 OHG). Das Opfer und seine Angehörigen 

haben einen Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der 

Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Artikel 47 und 49 des 

Obligationenrechts (OR; SR 220) sind sinngemäss anwendbar (Art. 22 

Abs. 1 OHG). Bei Eingriffen in die körperliche Integrität wird die 

erforderliche Schwere der Beeinträchtigung in der Regel verneint, wenn 

die Verletzungen ohne grosse Komplikationen und dauernde Folgen 

verheilen. Bei vorübergehenden Beeinträchtigungen setzt ihre genügende 

Schwere besondere Umstände voraus, die etwa durch lange bzw. 

mehrmonatige Spitalaufenthalte oder lange Arbeitsunfähigkeiten oder 

Leidenszeiten mit besonders heftigen Schmerzen begründet werden 

können. Die für eine Genugtuung erforderliche Schwere einer heilbaren 

körperlichen Verletzung kann sich auch durch die damit bewirkten 

erheblichen psychischen Beeinträchtigungen, wie posttraumatischen 

Störungen mit Persönlichkeitsveränderungen, ergeben (Urteil des 

Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E.4.3 m.H.). Gemäss 

der angefochtenen Verfügung des Beschwerdegegners sind die für die 

Leistung einer Genugtuung erforderliche Kriterien der 

Persönlichkeitsverletzung, Widerrechtlichkeit und des Verschuldens 

gegeben (Beschwerdeführerische Beilagen [Bf-act.] 1). Somit ist 

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vorliegend der Anspruch auf Genugtuung unbestritten und es wird folglich 

nur auf die strittige Höhe der Genugtuung eingegangen.

3.2. Die Höhe der Genugtuung wird nach der Schwere der Beeinträchtigung 

bemessen (Art. 23 Abs. 1 OHG), die namentlich von der Intensität und 

Dauer der körperlichen und psychischen Folgen und ihren Auswirkungen 

auf das Berufs- und Privatleben des Opfers abhängen (vgl. zum Ganzen 

Urteil des Bundesgerichts 1C_320/2019 vom 23. April 2020 E.4.3 m.H.; 

GOMM, in: GOMM/ZEHNTNER (Hrsg.), Handkommentar zum Opferhilferecht, 

4. Aufl., Bern 2020, Art. 22 Rz. 9). Dies bestätigt auch der Leitfaden des 

Bundesamtes für Justiz (BJ) zur Bemessung der Genugtuung nach OHG 

vom 3. Oktober 2019 (nachfolgend Leitfaden OHG), wobei auch die 

Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen sind (Leitfaden OHG Rz. 11 

und 16; siehe auch Urteil des Bundesgericht 1C_509/2014 vom 1. Mai 

2015 E 2.1). 

3.3 Im Rahmen der Revision des Opferhilfegesetzes schrieb der Bundesrat in 

der Botschaft, der Genugtuung komme eine wichtige symbolische Rolle 

zu, denn mit ihr anerkenne das Gemeinwesen die schwierige Situation des 

Opfers. Das Bundesgericht hielt zudem fest, dass die opferhilferechtliche 

Genugtuung nicht gleich hoch wie die zivilrechtliche zu sein habe. Sie 

dürfe tiefer angesetzt werden, da sie nicht vom Täter, sondern - als Akt 

der Solidarität - von der Allgemeinheit bezahlt wird (Urteil des 

Bundesgerichts 1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2). Gemäss 

Leitfaden OHG ist die Genugtuung seit der Revision des OHG per 

1. Januar 2009 durch einen Höchstbetrag beschränkt. Dieser beträgt 

CHF 70'000.-- für das Opfer und CHF 35'000.-- für Angehörige. Die 

Höchstbeträge haben zur Folge, dass die Genugtuung nach einer 

degressiven Skala festzusetzen ist, die von den nach Zivilrecht gewährten 

Beträgen unabhängig ist (Leitfaden OHG Rz. 17; Botschaft vom 

9. November 2005 zur Totalrevision des OHG, BBI 2005 7165, S. 7226, 

Ziff. 2.3.2). Die Festlegung von Höchstbeträgen führte zu einer klaren 

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Abkoppelung der opferhilferechtlichen von der zivilrechtlichen 

Genugtuung (vgl. GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 4; Urteil des Bundesgerichts 

1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2). Sie bringt den 

gesetzgeberischen Willen zum Ausdruck, bei der Bemessung klar tiefer 

anzusetzen als die zivilrechtliche Praxis (BBl 2005 S. 7226, Ziff. 2.3.2). Die 

nach Privatrecht üblicherweise gewährten Beträge können jedoch einen 

Hinweis darauf geben, welche Beeinträchtigungen höhere Genugtuungen 

rechtfertigen. Die Höchstsummen sind für die schwersten Verletzungen 

vorbehalten (BBI 2005 S. 7226, Ziff. 2.3.2; Urteil des Bundesgerichts 

1C_542/2015 vom 28. Januar 2016 E.3.2). 

3.4. Hat das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung der 

Beeinträchtigung beigetragen (bspw. nach vorgängigen Provokationen 

und Pöbeleien), kann die Genugtuung des Opfers herabgesetzt oder 

ausgeschlossen werden (Art. 27 Abs. 1 OHG; Leitfaden OHG Rz. 19). 

Eine Kürzung wegen Mitverschuldens des Opfers ist separat auszuweisen 

und explizit als Kürzung nach Art. 27 Abs. 1 und 2 OHG zu bezeichnen 

(Leitfaden OHG Rz. 19). Die Opferhilfebehörde ist bei der Prüfung der 

Angemessenheit der Genugtuung nicht an die Erkenntnisse des 

Strafgerichts gebunden (Urteil des Bundesgerichts 1C_542/2015 vom 

28. Januar 2016 E.4.1). Weiter steht den kantonalen Behörden laut 

Bundesgericht bei der Festsetzung der Höhe der Genugtuung ein weiter 

Ermessensspielraum zu, in welchen auch das Bundesgericht nur eingreift, 

wenn grundlos von den in Lehre und Rechtsprechung entwickelten 

Grundsätzen abgewichen wird, wenn Tatsachen berücksichtigt werden, 

die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle spielen dürfen, oder wenn 

umgekehrt Umstände ausser Betracht geblieben sind, die hätten beachtet 

werden müssen, oder wenn sich der Entscheid als offensichtlich ungerecht 

erweist (BGE 132 II 117 E.2.2.5).

3.5. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er gemäss dem 

rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen 

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vom 13. August 2018 eine schwere Verletzung am linken Auge und im 

Einzelnen eine Verletzung der Horn- und Lederhaut, ein Hervortreten der 

Regenbogenhaut, eine Trübung der Linse mit Verdacht auf eine 

Verletzung derer vorderen Kapsel sowie eine Einblutung in den 

Glaskörper erlitten habe, wobei sogar eine Erblindung des Auges gedroht 

habe. Darüber hinaus habe er neben den Verletzungen an der 

Ohrmuschel und hinter dem rechten Ohr eine Rissquetschwunde mit 

arterieller Blutung im Bereich der linken Stirn erlitten. Im besagten 

Gutachten sei die Rede von "scharfer Gewalt" und von einer 

"scharfkantigen Gewalteinwirkung". Auch gehe hervor, dass bei Eintritt ins 

Kantonsspital Graubünden ein "potenziell lebensgefährlicher Zustand" 

bestand, weshalb zwingend eine Notoperation durchgeführt werden 

musste. Die Wundheilung habe starke Schmerzen verursacht, wobei eine 

gut sichtbare, grosse Narbe an der linken Stirnseite sowie über dem 

rechten Ohr zurückgeblieben seien. Der Beschwerdegegner hielt jedoch 

in der angefochtenen Verfügung dem entgegen, dass keine Hinweise für 

eine akute Lebensgefahr vorhanden gewesen seien (Bf-act. 1 E.7).

3.6. Gemäss Urteil des Kantonsgerichts war das Ausmass der 

Gewalteinwirkung hoch, da A._____ nach dem Angriff blutüberströmt war 

und notfallmässig ins Spital eingeliefert und operiert werden musste. Er 

erlitt schwere Verletzungen und ohne die Notoperation wäre er am linken 

Auge erblindet und die blutenden arteriellen Gefässverletzungen an der 

Stirn hätten bei Nichtbehandlung bis zum Tod führen können (Urteil des 

Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.6.4.1). Auch 

attestiere das Gutachten, dass die chirurgisch versorgten Hautdefekte 

voraussichtlich narbig abheilen und langfristig aufgrund ihrer Lokalisation 

zu einer Entstellung führen könnten. Für das Kantonsgericht Graubünden 

war objektiv der Tatbestand der schweren Körperverletzung ohne weiteres 

erfüllt. Die beschriebenen Verletzungen seien laut Gericht auf den Fotos 

des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen deutlich zu erkennen. Sie 

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zeigten auf der Stirn von A._____ eine tiefe und grosse, bogenförmig 

verlaufende Narbe, mit welcher er arg und wohl bleibend entstellt sein 

werde (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] 

E.4.5; Bg-act. A12 und A18). Auch muss der einst brillenfreie 

Beschwerdeführer heutzutage dauernd eine Brille tragen und 

Physiotherapie in Anspruch nehmen (Bg-act. A10, A17, A19-22).

Dem hält der Beschwerdegegner entgegen, dass die Narben auf der Stirn 

und hinter dem Ohr zwar sichtbar seien, allerdings könne durch eine 

Behandlung mit Fraxel ND-Yag Laser in vier bis sechs Sitzungen eine 

Rekonstruktion der Haut und des Subkutangewebes erreicht werden, was 

zu einer optischen Verbesserung führen würde (Bg-act. A18). Somit sei 

davon auszugehen, dass keine Entstellung des Gesichtes von der Tat 

resultiere.

3.7. In der Beschwerde führte der Beschwerdeführer überdies begründend 

aus, dass er bis zum heutigen Tag an den seelischen Folgen dieser Tat 

vom 1. Juli 2018 leide, da er zum Zeitpunkt der Tat habe davon ausgehen 

müssen, nun zu sterben. Ab dem 24. Juli 2018 habe sich der 

Beschwerdeführer während über 1.5 Jahren in psychiatrischer 

Behandlung bei den psychiatrischen Diensten Aargau AG befunden (Urteil 

des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.9.2; Urteil 

des Regionalgerichts Plessur vom B._____ [Proz. Nr. C._____] E.13.3; 

Gesuch um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz des 

Beschwerdeführers, S. 2-3). Gemäss deren Arztbericht vom 27. Juli 2018 

wurde dem Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung mit Angst und 

depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) diagnostiziert, welche bis 

zum heutigen Zeitpunkt andauere. Ferner sei auch eine posttraumatische 

Belastungsstörung festgestellt worden (ICD-10: F43.1). Neben der 

notwendigen Einnahme von Psychopharmaka sehe sich der 

Beschwerdeführer immer noch mit Gedankenkreisen, 

Einschlafproblemen, Konzentrationsproblemen, Sorgen und Ängsten etc. 

konfrontiert, weshalb er in seiner Lebensqualität nach wie vor 

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beeinträchtigt sei (Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._____ 

[Proz. Nr. C._____] E.13.3). So sei er auch nicht in der Lage gewesen an 

der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht am 10. Mai 2021 

teilzunehmen und die Narbe erinnere ihn beim Blick in den Spiegel in 

Zukunft an die Geschehnisse vom 1. Juli 2018 (Urteil des Kantonsgerichts 

Graubünden vom D._____ [E._____] E.9.2).

3.8. Die psychischen Folgen werden vom Beschwerdegegner in der 

angefochtenen Verfügung mitberücksichtigt und in Anbetracht sämtlicher 

Umstände hat er die Beeinträchtigung des Beschwerdeführers der 

Kategorie 2 des Leitfadens OHG ("Körperliche Beeinträchtigungen mit 

längerem komplexerem Heilungsverlauf und möglichen Spätfolgen") 

zugeordnet (Leitfaden OHG S. 12; GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 12). 

Beispiele für diese Kategorie sind Operationen, lange Rehabilitation, 

Verminderung der Sehkraft, Darmlähmungen und erhöhte 

Infektanfälligkeiten. Die Bandbreite der Höhe der Genugtuung liegt bei 

dieser Kategorie bei CHF 5'000.-- bis 

CHF 10'000.--.

Praxisbeispiele für Genugtuungen bei Körperverletzung sind 

beispielsweise (weitere in GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 35)
- CHF 15'000 nach schwerer Körperverletzung mit Zertrümmerung des Mittelgesichts, 

Bruch der Nase, Trümmerfraktur der Kieferhöhle, Bruch der Innenwand der 

Augenhöhle, verschobener Bruch des Augenhöhlenbodens, zwei Operationen, 

6monatige Arbeitsunfähigkeit, Depressionen, psychiatrische Dauerbehandlung (SD 

BL, OH 19-20 vom 19. Februar 2020),

- CHF 15'000 nach versuchtem Raub und schwerer Körperverletzung, Schädel-

Hirntrauma, Bruch der Augenhöhlenwand, Nasenbeinbruch, posttraumatische 

Belastungsstörung mit Panikattacken, mehrstündige Operation, verschobene Sehen, 

16 Monate Arbeitsunfähigkeit (Adhäsionsentscheid CHF 15'000) (Kant. 

Opferhilfestelle ZH 366/2019 vom 24. Oktober 2019),

- CHF 14'000 an einen jungen Mann nach fahrlässiger schwerer Körperverletzung mit 

u.a. multiple Wirbelsäulen-, Beckenverletzungen und ein Gesichtsschädeltrauma; 

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langdauernde Arbeitsunfähigkeit mit Verzicht auf Sportstudium (GSI BE 2013-11810 

vom 25. März 2019),

- CHF 10'000 nach versuchter vorsätzlicher Tötung durch Würgen am Hals bis zur 

Bewusstlosigkeit, Brüche am Zungenbein und am Kehlkopf, Bruch des zweiten 

Mittelfussknochens rechts; posttraumatische Belastungsstörung mit stationärem 

Aufenthalt; Psychotherapie während mehr als zweieinhalb Jahren; Bb.2; 

Adhäsionsentscheid CHF 15'000.-- (RDSG.2019.250 vom 17. Februar 2020),

- CHF 8'000 nach versuchter eventualvorsätzlicher Tötung tiefe Schnittwunden im 

Bereich Brustkorb/Oberbauch mit Verletzung der Bauchartherie, Lungenfall; 

Notoperation, Psychotherapie, langdauernde Arbeitsunfähigkeit 

(Adhäsionsentscheid CHF 15'000) (Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom 16. Januar 

2020),

- CHF 7'000 nach versuchter Tötung, tiefe Schnittverletzungen im linken Ohr, 

Durchtrennung von Knorpel und Ohr, Schnittverletzungen an Rücken und Schulter; 

stationäre psychiatrische Behandlung, Narben hinter dem Ohr, psychische 

Beschwerden während zwei Jahren; Bb. 1 (Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom 

16. Januar 2020).

3.9. Der Beschwerdeführer erlitt vorliegend durch den Angriff eine 

Augenverletzung am linken Auge mit akutem totalem Sehverlust 

(Blindheit), eine Riss-Quetschwunde am Kopf mit einer arteriellen 

Gefässverletzung und eine Riss-Quetschwunde an der Ohrmuschel und 

hinter dem Ohr auf der rechten Seite. Im Stirnbereich wies er mehrere 

blutende Arterien auf. Aufgrund dieser arteriellen Gefässverletzungen war 

eine notfallmässige Operation im Kantonsspital Graubünden erforderlich. 

Aufgrund seiner Augenverletzung wurde er ins Kantonsspital St. Gallen 

verlegt und dort notfallmässig am linken Auge operiert. Das 

rechtsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen 

vom 13. August 2018 attestierte, dass die chirurgisch versorgten 

Hautdefekte voraussichtlich narbig abheilen und langfristig aufgrund ihrer 

Lokalisation zu einer Entstellung führen könnten. Des Weiteren sei es zu 

einer Perforation des linken Augapfels mit akuter Verminderung des 

Sehvermögens gekommen (Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom 

D._____ [E._____] E.4.5). Im Urteil des Regionalgerichts Plessur wurde 

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festgestellt, dass kein Hinweis auf eine akute Lebensgefahr vorgelegen 

habe (Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._____ 

[Proz. Nr. C._____] E.6.1), im Urteil des Kantonsgerichts Graubünden 

wurde von einem potentiell lebensgefährlichen Zustand ausgegangen 

(Urteil des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.4.5). 

3.10. Die Einschränkung der Sehkraft des linken Auges, die den 

Beschwerdeführer zum Tragen einer Brille führt, wurde von der Vorinstanz 

angemessen berücksichtigt (Angefochtene Verfügung E.7; Bg-act. A17, 

A19-A22). In Bezug auf die sichtbaren Narben auf der Stirn und hinter dem 

Ohr, ist durch eine Behandlung mit Fraxel ND-Yag Laser in vier bis sechs 

Sitzungen eine Rekonstruktion der Haut und des Subkutangewebes zu 

erreichen, was zu einer optischen Verbesserung führen würde (Bg-

act. A18). Dies konnte jedoch bei der Feststellung des Kantonsgerichts, 

wonach die Narbe im Gesicht den Beschwerdeführer "arg und wohl 

bleibend entstellt", nicht berücksichtigt werden, da diese optische 

Verbesserungsmöglichkeit erst nach dem Urteil vom 28. Mai 2021 von der 

G._____ AG (Zentrum für Plastische und Ästhetische Chirurgie) am 

28. April 2022 festgestellt und vorgeschlagen wurde (Urteil des 

Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.4.5; Bg-act. A18). 

Aufgrund der Notoperation und anschliessenden Hospitalisation war der 

Beschwerdeführer einige Zeit arbeitsunfähig. Es wurde zunächst eine 

gänzliche Arbeitsunfähigkeit vom 2. Juli 2018 bis zum 5. August 2018 

attestiert. Anschliessend folgten Verlängerungen bis zum 19. Januar 

2019, wobei der Grad der Arbeitsunfähigkeit variierte (Urteil des 

Regionalgerichts Plessur vom B._____ [Proz. Nr. C._____] E.13.5). Nebst 

den physischen Folgen leidet der Beschwerdeführer unter den 

psychischen Folgen und hat sich deshalb während über 1.5 Jahren in 

psychiatrischer Behandlung bei den psychiatrischen Diensten Aargau AG 

befunden. Dabei wurden gemäss Facharztbericht vom 27. Juli 2018 beim 

Beschwerdeführer eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver 

Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) diagnostiziert und eine 

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posttraumatische Belastungsstörung festgestellt (ICD-10: F43.1) (Urteil 

des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.9.2; Urteil 

des Regionalgerichts Plessur vom B._____ [Proz. Nr. C._____] E.13.3; 

Gesuch um Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz des 

Beschwerdeführers, S. 2-3). In der Akteneinreichung des 

Beschwerdeführers vom 30. Mai 2022 an den Beschwerdegegner finden 

sich keine Unterlagen über psychotherapeutische bzw. psychiatrische 

Behandlungen (Bg-act. A16). Wie bereits erwähnt, wurden die 

Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers der Kategorie 2 des 

Leitfadens OHG zugeordnet, welche "körperliche Beeinträchtigungen mit 

längerem komplexerem Heilungsverlauf und möglichen Spätfolgen" 

beinhaltet (Leitfaden OHG S. 12; GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 12). Gemäss 

Leitfaden fallen Operationen darunter, wie vorliegend die Notoperation 

aufgrund der arteriellen Gefässverletzungen wie auch die Operationen am 

linken Auge. Weiter wird auch die bei Kategorie 2 beinhaltete lange 

Rehabilitation erfüllt, was aufgrund der zuvor beschriebenen (teilweisen) 

Arbeitsunfähigkeit vom 2. Juli 2018 bis zum 19. Januar 2019 und auch der 

über 1.5 Jahre dauernden psychiatrischen Behandlung begründet ist 

(Leitfaden OHG S. 12). Die vom Beschwerdeführer geforderte Zuteilung 

zur Kategorie 3 bzw. 4 würde körperliche Beeinträchtigungen mit 

dauerhaften Folgen bzw. schwere körperliche Beeinträchtigungen mit 

lebenslangen Folgen und ein schweres psychisches Trauma nach 

aussergewöhnlich eindrücklichen Gewaltereignissen erfordern. Gemäss 

Leitfaden fällt unter Kategorie 3 der Verlust der Milz, eines Fingers oder 

des Geruchs- oder Geschmackssinnes (Leitfaden OHG S. 12). Vorliegend 

ist eine verminderte Sehkraft vorhanden, jedoch liegt kein gänzlicher 

Verlust vor. Daneben trägt der Beschwerdeführer eine Narbe auf der Stirn 

und hinter dem Ohr davon, womit aber kein Verlust eines Glieds wie eines 

Fingers, einer Milz oder des Geruchs- oder Geschmackssinnes gemäss 

Kategorie 3 zu beklagen ist, womit sich auch die Prüfung der höheren 

- 20 -

Kategorie 4 erübrigt und sich die Zuordnung zur Kategorie 2 als plausibel 

erweist.

3.11. In nicht zu beanstandender Weise und unter Berücksichtigung der 

Rechtspraxis hat der Beschwerdegegner die konkrete Höhe auf 

CHF 8'000.-- festgelegt (GOMM, a.a.O., Art. 23 Rz. 35 ff.; z.B. 

RDSG.2019.250 vom 17. Februar 2020, AG OHG 1'920 vom 23. Oktober 

2012, Kant. Opferhilfestelle ZH 476/216 vom 16. Januar 2020, ZH 52/2011 

vom 17. September 2013, Verfügung kantonales Sozialamt Graubünden 

vom 31. März 2021). Da die Opferhilfebehörden bei der Prüfung der 

Angemessenheit der Genugtuung nicht an die Erkenntnisse der 

Strafbehörde gebunden sind und die Natur der Genugtuung nach 

Opferhilfegesetz eine andere ist als nach Zivilrecht, ist die Abweichung der 

Bemessung der Genugtuung von derjenigen des Urteils des 

Kantonsgerichts Graubünden (adhäsionsweise CHF 15'000.--) mit nun 

CHF 8'000.-- rechtskonform.

4.1. Der Beschwerdegegner hat in der angefochtenen Verfügung vom 7. Juli 

2022 in Dispositiv Ziff. 1 dem Beschwerdeführer eine Genugtuung in Höhe 

von CHF 2'000.-- zugesprochen. Somit hat er die Höhe der Genugtuung 

aufgrund der Ausführungen zur Bemessung um 75 % respektive 

CHF 6'000.-- herabgesetzt.

4.2. Die Entschädigung und die Genugtuung des Opfers können herabgesetzt 

oder ausgeschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur 

Verschlimmerung der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1 

OHG; Leitfaden OHG Rz. 19). Das Selbstverschulden des Opfers wird 

dabei prinzipiell nach den gleichen Regeln beurteilt wie das Verschulden 

des Täters. Im Unterschied dazu ist die Widerrechtlichkeit der 

Mitverursachung aber nicht Voraussetzung der Erheblichkeit des 

Selbstverschuldens. Vorgehalten werden kann dem Opfer jedoch, dass es 

die in seinem eigenen Interesse liegende Sorgfalt und Umsicht zu seinem 

eigenen Schutz nicht aufgewendet hat. Vorwerfbar ist diese Verhalten 

- 21 -

allerdings nur dann, wenn es die Möglichkeit einer Schädigung 

voraussehen kann oder könnte und sein Verhalten dieser Voraussicht 

nicht anpasst (GOMM, a.a.O., Art. 27 Rz. 8). Gleich wie das Verschulden 

wird auch das Selbstverschulden nach einem objektiven Massstab 

beurteilt (BGE 102 II 232 E.3a). Das tatsächliche Verhalten des Opfers 

wird verglichen mit dem hypothetischen Verhalten eines durchschnittlich 

sorgfältigen Menschen in der Lage des Opfers (GOMM, a.a.O., Art. 27 

Rz. 8). Als leichtes bis mittleres Verschulden wird in der Praxis etwa das 

Verhalten eines Opfers angesehen, das sich in alkoholisiertem Zustand 

aus der Bar auf die Strasse begab, auf der eine gewalttätige 

Auseinandersetzung zwischen englischen Fussballfans und Mitarbeitern 

eines türkischen Ladens stattfand (GOMM, a.a.O., Art. 27 Rz. 9; Kürzung 

um 50 % im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich 

OH.2006.00002 vom 29. Juni 2007). In Bezug auf die Praxis zu Art. 44 OR 

ist festzuhalten, dass Kürzungssätze von 70-80 % nur dann gerechtfertigt 

sind, wenn ein schweres Mitverschulden des Opfers vorliegt. So kann eine 

Kürzung um 70 % zum Beispiel berechtigt sein, wenn das Opfer den Täter 

ernsthaft verbal bedroht und durch vorgetäuschtes Ziehen einer Waffe aus 

der Hosentasche im Notwehrexzess zum Schiessen veranlasst (GOMM, 

a.a.O., Art. 27 Rz. 10; VerGer SO vom 14. November 2018, 

VWBES.2018.115 E.9.4).

4.3. Das Regionalgericht Plessur führte aus, dass, soweit die 

Staatsanwaltschaft geltend mache, die Aussage des Opfers, wonach nur 

der Beschuldigte (F._____) zugeschlagen habe, scheine mit dem 

Beweisergebnis besser vereinbar zu sein, ihr nicht gefolgt werden kann. 

Die Zeugen hätten nur vage Aussagen gemacht (Urteil des 

Regionalgerichts Plessur vom B._____ [Proz. Nr. C._____] E.5.3). 

Gemäss dem dem Urteil des Regionalgerichts Plessur zugrundeliegenden 

Sachverhalt hat F._____ dem Beschwerdeführer seine Bierflasche 

gegeben, aus welcher der Beschwerdeführer trank. Danach habe der 

Beschwerdeführer ihn (F._____) plötzlich mit der Flasche geschlagen. 

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Einen Schlag habe er (F._____) auf der rechten Kopfseite erfahren und 

einen auf den Hinterkopf (Bg-act. A3 E.5.3 und 13.5). Den Akten war zu 

entnehmen, dass F._____ am Tag des Vorfalls zwei Kopfverletzungen 

aufwies. Gemäss seitens des Gerichts eingeholtem Arztbericht von 

Dr. med. H._____ vom 28. November 2019 waren die Wunden trocken 

und verkrustet. Die dort gemachten Sachverhaltsschilderungen deckten 

sich mit den Schilderungen von F._____ im Rahmen des Strafverfahrens 

und wurden im Urteil des Regionalgerichts Plessur vom B._____ 

(Proz. Nr. C._____), sowie hernach im Urteil des Kantonsgerichts 

Graubünden vom D._____ (E._____), den Schlägen mit der Bierflasche 

durch den Beschwerdeführer zugeordnet (Bg-act. A3 E.5.3 und A4 E.4.6.3 

und 9.2). Das Regionalgericht Plessur sowie auch das Kantonsgericht 

Graubünden stellten fest, dass zunächst der Beschwerdeführer F._____ 

zweimal mit der intakten Flasche auf den Kopf geschlagen und ihm hierbei 

die vorerwähnten Verletzungen zugefügt hatte (Urteil des 

Regionalgerichts Plessur vom B._____ [Proz. Nr. C._____] E.5.3; Urteil 

des Kantonsgerichts Graubünden vom D._____ [E._____] E.4.6.3). 

4.4. Folglich geht das Verhalten des Beschwerdeführers über das Beispiel des 

Angetrunkenen, welcher die Bar auf die Strasse verlässt, wo eine 

gewalttätige Auseinandersetzung stattfindet, hinaus, was mit einer 

Herabsetzung der Genugtuung um 50 % sanktioniert wurde (GOMM, 

a.a.O., Art. 27 Rz. 9; Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons 

Zürich OH.2006.00002 vom 29. Juni 2007). Der Beschwerdeführer hat 

selbst aktiv, ohne aus den Akten ersichtlichen Grund vorgängig zweimal 

mit einer Bierflasche auf den Kopf von F._____ eingeschlagen, was zu 

zwei Kopfverletzungen führte. Somit ist aus opferschutzrechtlicher Sicht 

die Würdigung als schweres Mitverschulden nicht zu beanstanden. 

5. Im Lichte der Rechtspraxis und des vorhandenen Ermessensspielraums 

ist die Herabsetzung der Genugtuung von CHF 8'000.-- um 75 % auf 

CHF 2'000.-- rechtskonform. Die Beschwerde ist abzuweisen.

- 23 -

6.1. Der Beschwerdeführer reichte am 8. September 2022 das Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege und Bestellung eines Rechtsbeistandes beim 

streitberufenen Gericht ein und beantragte damit, dass dem Gesuchsteller 

für das Beschwerdeverfahren gegen den Beschwerdegegner betreffend 

Ausrichtung einer Genugtuung und Entschädigung nach Opferhilfegesetz 

mit Wirkung ab dem 8. Juli 2022 die unentgeltliche Rechtspflege zu 

gewähren und RA lic. iur. Breitenmoser als unentgeltlicher Rechtsbeistand 

zu bestellen sei.

6.2. Gemäss Art. 76 VRG kann die Behörde einer Partei, die nicht über die 

erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag die unentgeltliche Prozessführung 

bewilligen, sofern ihr Rechtsstreit nicht offensichtlich mutwillig oder von 

vornherein aussichtslos ist (Abs. 1). Die Bewilligung befreit von allen 

behördlichen Kosten und Gebühren, wobei die Bestimmungen über die 

Erstattung ausdrücklich vorbehalten bleiben (Abs. 2). 

6.3. Im vorliegenden Fall ist die Prozessführung weder mutwillig noch 

aussichtslos. Somit ist folglich anhand der eingereichten Unterlagen über 

die Einkommens- und Vermögenssituation zu prüfen, ob der Gesuchsteller 

mittellos ist. Das Nettoeinkommen des Beschwerdeführers im Jahre 2021 

beim Pflegezentrum I._____ in J._____ betrug CHF 57'372.-- (URP-

act. 1). Jedoch arbeitet der Beschwerdeführer seit August 2022 als Pfleger 

im K._____ Alterszentrum in L._____, wo er gemäss dem ausgefüllten 

Gesuchsformular um unentgeltliche Rechtspflege einen Nettolohn von 

CHF 4'059.-- ausbezahlt erhält (URP-Gesuchsbeilagen). Somit ist dieses 

Einkommen verfahrensrelevant, da eine unentgeltliche Rechtspflege ab 

dem 8. Juli 2022 geltend gemacht wird. Der monatliche Grundbedarf 

beträgt CHF 4'254.-- und setzt sich aus den folgenden Positionen 

zusammen: Dem monatlichen, zur Verfügung stehenden Grundbetrag für 

ein Ehepaar in der Höhe von CHF 1'700.-- und einer praxisgemässen 

Erhöhung um 20 %, d.h. CHF 2'040.-- (Kreisschreiben des 

Kantonsgerichts von Graubünden vom 18. August 2009 als 

- 24 -

Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs betreffend 

Änderung der Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen 

Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93 SchKG [KSK 09 39], S. 2; 

siehe auch Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 

20 97 vom 21. September 2021 E.4.1; U 20 26 vom 18. August 2020 E.4.2; 

U 19 120 vom 11. März 2020 E.4; U 18 26 vom 26. Juni 2018 E.4.1). Die 

Mietkosten inkl. Parkplatz betragen CHF 1'350.-- (URP-act. 3). Die 

Krankenkassenprämie für den Gesuchsteller beläuft sich auf CHF 231.45 

und für seine Ehefrau auf CHF 380.15 d.h. CHF 612.-- (URP-

Gesuchsbeilagen; URP-act. 4). Für die Steuern ist ein Betrag von 

CHF 252.-- belegt. Für die Bewältigung des Arbeitswegs macht der 

Beschwerdeführer monatliche Kosten von CHF 168.-- und für die 

auswärtige Verpflegung monatliche Kosten von CHF 220.-- geltend. 

Beides muss abschlägig beurteilt werden, da der Arbeitsweg ungefähr 

sechs Kilometer beträgt, was nicht nur mit dem Auto zu bewerkstelligen ist 

und auch die Einnahme des Mittagessens zu Hause nicht verunmöglicht. 

Weiter verfügt der Gesuchsteller über keinerlei Vermögen. 

Zusammengefasst ergibt sich ein monatlicher Bedarf von CHF 4'254.--. 

Dem gegenüber steht ein monatlicher Nettolohn von CHF 4'059.--, was zu 

einem monatlichen Fehlbetrag von CHF 195.-- führt. Angesichts dieses 

Fehlbetrags und des Umstands, dass der Beschwerdeführer und seine 

Ehefrau bald Eltern werden, womit sich die Kosten zusätzlich erhöhen 

werden, steht fest, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, die 

Anwaltskosten selbst zu tragen.

6.4. Die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege sind erfüllt und 

das Gesuch ist gutzuheissen. Folglich ist RA lic. iur. Breitenmoser als 

unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Die eingereichte Honorar- 

und Spesennote von RA lic. iur. Breitenmoser weist ein Honorar von 

CHF 3'117.15 (14.05 Std. à CHF 200.-- [CHF 2'810.--; URP-Tarif] 

zuzüglich pauschal 3 % [CHF 84.30] und 7.7 % MWST [CHF 222.85]) aus, 

was vertretbar ist und somit vorerst auf die Staatskasse zu nehmen ist. 

- 25 -

Gemäss Art. 30 Abs. 3 OHG müssen das Opfer und seine Angehörige die 

Kosten für einen unentgeltlichen Rechtsbeistand nicht zurückerstatten.

7.1 Gerichtskosten werden gemäss Opferhilfegesetz – vorbehältlich 

mutwilliger Prozessführung – nicht erhoben, da die Verwaltungs- und 

Gerichtsbehörden vom Opfer für Verfahren betreffend Genugtuung keine 

Kosten erheben (vgl. Art. 30 Abs. 1 und 2 OHG).

7.2 Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben 

betrauten Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung 

zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (vgl. 

Art. 78 Abs. 2 VRG). Davon abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass, 

so dass dem Beschwerdegegner keine Parteientschädigung 

zuzusprechen ist. 

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. In Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege wird RA lic. iur. 

Breitenmoser als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt und zu Lasten der 

Staatskasse mit CHF 3'117.15 entschädigt. Auf die Rückerstattung der 

Kosten für den unentgeltlichen Rechtsbeistand durch A._____ wird 

verzichtet.

5. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]