# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d34f96e5-9a6e-5b1a-abb1-a2323b23a56f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.12.2011 D-5516/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5516-2011_2011-12-19.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5516/2011/sps

U r t e i l   v om   1 9 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Gérard Scherrer;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…),
Eritrea,
vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin,
(…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 6. September 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit Vollmacht  vom 7. Oktober  2010 erteilte  der Beschwerdeführer  –  ein 
eritreischer  Staatsangehöriger  mit  momentanem  Aufenthalt  im  Sudan – 
seiner  in  der  Schweiz  befindlichen  und  seit  dem  (…)  als  Flüchtling 
anerkannten  Schwester  B._______  unter  Einräumung  des 
Substitutionsrechts den Auftrag, für ihn ein Asylgesuch aus dem Ausland 
zu  stellen.  Am  22. Februar  2011  bevollmächtigte  die  Schwester  des 
Beschwerdeführers  die  Rechtsvertreterin  mit  der  Mandatsführung  in 
vorliegender  Angelegenheit.  Mit  an  das  BFM  adressierter  Eingabe  vom 
22. Februar  2011 beantragte  die Rechtsvertreterin  für  ihren Mandanten, 
es  sei  diesem  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  eines 
Asylverfahrens  zu  bewilligen.  Falls  das  BFM  ihm  keine 
Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  zur  Durchführung  eines 
Asylverfahrens erteile, werde das Bundesamt ersucht, dieses Gesuch mit 
den  gesamten  Akten  an  die  Schweizer  Botschaft  in  Khartum 
weiterzuleiten und  ihn über seine Schwester zu einer Befragung auf der 
Botschaft  einzuladen.  Als  Beilage  legte  die  Rechtsvertreterin  dem 
Asylgesuch  die  Kopie  eines  Totenscheins  bezüglich  der  am 
12. September  2010  im Sudan  verstorbenen Schwester C._______  des 
Beschwerdeführers bei.

B. 
Mit Schreiben vom 22. August 2011 teilte das BFM der Rechtsvertreterin 
mit,  dass  gemäss  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  vom 
23. März  2010  das Arbeitsvolumen,  namentlich  die Abklärungsersuchen 
des BFM, stark zugenommen hätten. Die steigende Zahl von eritreischen 
und  somalischen  Flüchtlingen  in  der  Schweiz  habe  auch Auswirkungen  
auf die Ausstellung von Visa und Zivilstandsbestätigungen zur Folge. Die 
Schweizer  Botschaft  sei  zudem  aufgrund  des  begrenzten 
Personalbestandes  sowie  fehlender  Voraussetzungen  im 
sicherheitstechnischen  und  räumlichen  Bereich  nicht mehr  in  der  Lage, 
Befragungen von Asylsuchenden durchzuführen. Für das BFM seien die 
Argumente  der  Botschaft  unter  Hinweis  auf  sicherheitstechnische, 
strukturelle  (bauliche)  und  kapazitätsmässige  Aspekte  (signifikanter 
Zuwachs  des  Arbeitsvolumens  vor  Ort)  sachlich  begründet  und 
überzeugend,  weshalb  das  Verfahren  schriftlich  durchzuführen  sei.  In 
diesem  Zusammenhang  ersuchte  das  BFM  die  Rechtsvertreterin  unter 
Hinweis  auf  die  Mitwirkungspflicht  des  Beschwerdeführers  zur 
Vervollständigung des  rechtserheblichen Sachverhalts um Beantwortung 

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konkreter Fragen zu Familienangehörigen und Verwandten in Drittstaaten 
und  zum  Aufenthalt  im  Sudan  (vgl.  BVGE  2007/30  E. 5.4  S. 364 f.). 
Zudem  wurde  ihr  die  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  vom  23. März 
2010 ausgehändigt.

C. 
Am 31. August 2011 nahm die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers 
zum Schreiben des BFM vom 22. August 2011 Stellung.

D. 
Die  Rechtsvertreterin  begründete  das  Asylgesuch  ihres  Mandanten  in 
ihren  Eingaben  vom  22. Februar  2011  und  vom  31. August  2011  im 
Wesentlichen  damit,  die  Mutter  ihres  Mandanten  sei  bereits  vor  vielen 
Jahren, dessen Vater  im Jahre 2003 oder 2004 verstorben, worauf sich 
B._______ bis zu ihrer eigenen Flucht aus Eritrea im Jahre 2007 um den 
Beschwerdeführer  –  ihren  jüngeren  Bruder  –  gekümmert  habe.  In  der 
Folge  habe  der  Beschwerdeführer  bei  einem  entfernten  Verwandten  in 
Eritrea gelebt. Nachdem Letzterer nicht mehr für ihn habe sorgen können, 
sei  er  zu  einem  nicht  näher  bekannten  Zeitpunkt  zu  seiner  im  Sudan 
lebenden  Schwester  C._______  gezogen,  welche  sich  seiner 
angenommen  habe.  Seit  deren  Tod  am  12. September  2010  lebe  der 
Beschwerdeführer  zwar  gemeinsam  mit  dem  Ehemann  seiner 
verstorbenen Schwester  und  dessen  drei  Kindern,  sei  aber  letztlich  auf 
sich  allein  gestellt,  da  sein  Schwager  durch  die  Betreuung  seiner  drei 
kleinen Kinder absorbiert sei. Ein weiterer Verbleib  im Sudan sei  für  ihn 
auch deswegen nicht zumutbar, weil es für ihn dort keine Sicherheit gebe. 
So sei sein Schwager vor der Haustür bereits zweimal von bewaffneten 
Männern  angegriffen  worden,  wobei  unklar  sei,  ob  es  sich  bei  den 
Angreifern  um  sudanesische  Sicherheitskräfte,  Banditen  oder  allenfalls 
um  Angehörige  des  eritreischen  Geheimdienstes  gehandelt  habe.  Er 
habe  Angst,  nach  Eritrea  deportiert  zu  werden.  Ausserdem  könne  er 
seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten und überlebe im Sudan nur dank 
gelegentlicher Geldüberweisungen seiner Schwester B._______ aus der 
Schweiz, welche auch die  letzte überlebende nahe Angehörige sei. Aus 
den  genannten  Gründen  werde  dringend  um  Erteilung  einer 
Einreisebewilligung in die Schweiz ersucht.

E. 
Mit Verfügung vom 6. September 2011 – eröffnet am 7. September 2011 
– verweigerte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Einreise  in  die 
Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. Zur Begründung führte das BFM 

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im  Wesentlichen  aus,  die  Ausführungen  in  der  Stellungnahme  vom 
31. August  2011  liessen  nicht  darauf  schliessen,  dass  der 
Beschwerdeführer  in  Eritrea  ernstzunehmende  Schwierigkeiten  mit  den 
heimatlichen  Behörden  gehabt  habe.  Dennoch  sei  nicht  gänzlich 
auszuschliessen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Eritrea 
ernstzunehmenden  Schwierigkeiten  mit  den  heimatlichen  Behörden 
ausgesetzt  wäre.  Im  Folgenden  sei  zu  prüfen,  ob  einer  Asylgewährung 
durch  die  Schweiz  der  Asylausschlussgrund  von  Art.  52  Abs.  2  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  entgegenstehe, 
wonach  einer  Person  das  Asyl  verweigert  werden  könne,  wenn  ihr 
zugemutet werden könne, sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu 
bemühen. Der Rechtsvertretung – so die Vorinstanz –sei nicht bekannt, 
ob sich der Beschwerdeführer beim UNHCR gemeldet habe, ob er einem 
Flüchtlingslager  zugeteilt  worden  sei  und  ob  er  im  Sudan  ein  hängiges 
Asylverfahren  habe.  Hierzu  sei  gesagt,  dass  die  sudanesischen 
Behörden dem Beschwerdeführer grundsätzlich Schutz und Aufenthalt in 
einem  Flüchtlingslager  gewähren  würden  und  er  dies  in  Anspruch 
nehmen  könnte.  Zwar  –  so  das  BFM  weiter  –  sei  die  Lage  der 
eritreischen  Flüchtlinge  und  Asylbewerber  im  Sudan  angesichts  deren 
Anzahl  nicht  einfach.  Die  zahlreichen  eritreischen  Flüchtlinge  im Sudan 
verfügten  nicht  über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze  Land, 
sondern würden nach ihrer Registrierung einem Flüchtlingslager zugeteilt, 
wo  sie  sich  aufzuhalten  hätten  und  die  nötige Versorgung  erhielten.  Es 
sei  dem  Beschwerdeführer  zuzumuten,  sich  zu  diesem  Zweck  beim 
UNHCR zu melden. Auch  die Befürchtung  des Beschwerdeführers,  von 
den  sudanesischen  Behörden  in  den  Heimatstaat  zurückgeschafft  zu 
werden,  erweise  sich  als  klar  unbegründet.  Nach  den  gesicherten 
Erkenntnissen des BFM sei das Risiko einer Deportation für Eritreer, die 
im  Sudan  vom  UNHCR  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien,  sehr 
gering. Zwar kämen Rückschaffungen vereinzelt vor, seien jedoch gerade 
in  Anbetracht  der  Vielzahl  von  eritreischen  Asylsuchenden  und 
Flüchtlingen im Sudan sehr gering. In jüngster Vergangenheit seien denn 
auch  keine  Rückführungen  von  Flüchtlingen  nach  Eritrea  bekannt 
geworden. Nach dem Gesagten benötige er den zusätzlichen subsidiären 
Schutz  der Schweiz gemäss Art.  52 Abs.  2 AsylG nicht  und es  sei  ihm 
zuzumuten, im Sudan zu verbleiben.

F. 
Mit  an  das  Bundesverwaltungsgericht  adressierter  Eingabe  vom 
5. Oktober  2011  beantragte  der  Beschwerdeführer  mittels  seiner 
Rechtsvertreterin,  die  Verfügung  des  BFM  vom  6. September  2011  sei 

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aufzuheben.  Die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihm  die  Einreise  in  die 
Schweiz  zwecks  Durchführung  des  Asylverfahrens  zu  bewilligen. 
Eventualiter  sei  die  Vorinstanz  anzuweisen,  ihn  in  der  Schweizer 
Botschaft  in Sudan zu seinen Asylgründen anhören.  Im Weiteren stellte 
die Rechtsvertreterin  in verfahrensrechtlicher Hinsicht den Antrag, es sei 
ihrem  Mandanten  die  unentgeltliche  Rechtspflege  unter  Einschluss  der 
unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  durch  die  Unterzeichnete  zu 
gewähren  und  von  der  Erhebung  eines Kostenvorschusses  abzusehen. 
Zur  Begründung  führte  die  Rechtsvertreterin  namentlich  aus,  die 
Vorinstanz  gehe  davon  aus,  dass  vorliegend  gestützt  auf  die 
Ausnahmeklausel  von  Art.  10  Abs.  2  der  Asylverordnung 1  vom 
11. August  1999  über Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311)  auf  eine 
Anhörung  verzichtet  werden  könne.  Zur  Begründung  zitiere  die 
Vorinstanz  in  ihrem  Schreiben  vom  22. August  2011  unter  anderem 
BVGE 2007 Nr. 30, wonach vom Regelfall einer Befragung abgewichen 
werden  könne,  wenn  die  betreffenden  Auslandvertretungen  einen 
unerwarteten  Zuwachs  an  Asylgesuchen  erlebten  und  innert  nützlicher 
Frist  nicht  in der Lage seien,  qualifiziertes Personal  zu organisieren.  Im 
gleichen  Urteil  werde  jedoch  festgehalten,  dass  die  Auslandvertretung  
und  das  BFM  eine  adäquate  Befragungsinfrastruktur  zur  Verfügung  zu 
stellen  hätten,  wenn  eine  Stabilisierung  der  Asylgesuche  auf  hohem 
Niveau vorauszusehen sei. Im Urteil E­4126/2009 vom 7. Juli 2009 habe 
das  Bundesverwaltungsgericht  betreffend  die  Situation  der  Schweizer 
Vertretung in Sudan in Erwägung 5.2.2 festgehalten, dass der Sudan ein 
wichtiges Transitland für Flüchtlinge aus Eritrea, deren Zahl stetig steige, 
sei.  Bekannt  sei  zudem,  dass  eine  Vielzahl  eritreischer  Flüchtlinge  in 
europäischen  Ländern  um  Asyl  nachsuchten.  Die  Bestimmung  von  Art. 
20 AsylG erlaube es, ein Asylgesuch aus dem Ausland einzureichen, was 
unter anderem dazu führe, dass die schweizerische Auslandvertretung in 
Khartum  eine  entsprechend  grosse  Anzahl  von  Asylgesuchen  zu 
bewältigen  habe.  Es  müsse  somit  von  einer  Stabilisierung  der 
Asylgesuche auf hohem Niveau ausgegangen werden, weshalb sich das 
BFM fälschlicherweise auf die Ausnahmeklausel von Art. 10 Abs. 2 AsylV 
1  berufen  habe.  Das  BFM  habe  im  vorliegenden  Fall  anstelle  einer 
Botschaftsanhörung  des  Beschwerdeführers  das  schriftliche  Verfahren 
durchgeführt.  Dabei  habe  es  den  Fragenkatalog  an  dessen  in  der 
Schweiz  befindliche  Schwester  geschickt,  wobei  die  Fragen  an  die 
unterzeichnende Rechtsvertreterin  und nicht  an  ihren Mandanten  selber 
gerichtet  seien.  Die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  sei  jedoch 
vertretungsfeindlich.  Sie  selber  könne  die  Fragen  nicht  anstelle  ihres 
Mandanten  beantworten.  Mit  dem  gewählten  Vorgehen  habe  das  BFM 

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demnach  dessen  rechtliches  Gehör  verletzt.  Die  unterzeichnende 
Anwältin  hätte  das  Schreiben  des  BFM  vom  22. August  2011 
grundsätzlich  zur  Beantwortung  der  Fragen  an  ihren  Mandanten 
weiterleiten  können.  Doch  auch  mit  einem  solchen  Vorgehen  wäre 
dessen  rechtliches  Gehör  verletzt  worden,  da  er  ohne  Kenntnis  der 
deutschen  Sprache  weder  in  der  Lage  gewesen  wäre,  den  Inhalt  des 
Schreibens  zu  verstehen,  noch,  dieses  in  einer  schweizerischen 
Amtssprache  zu  beantworten.  Das  BFM  sei  somit  verpflichtet,  dem 
Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  in  einer  Form  zu  gewähren,  in 
der er es auch wahrnehmen könne.

G.  .
Mit  Instruktionsverfügung  vom  19. Oktober  2011  verwies  das 
Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) auf einen späteren Zeitpunkt 
und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. 
Demgegenüber  wies  das  Gericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  angesichts  der  Offizialmaxime 
mangels  Erforderlichkeit  ab.  Gleichzeitig  lud  das 
Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung  bis  zum 
3. November 2011 ein.

H. 
Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 21. Oktober 2011 fest, die 
Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder 
Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen 
könnten, hielt vollumfänglich an den Erwägungen seiner Verfügung vom 
6. September 2011 fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

I. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  stellte  der  Rechtsvertreterin  die 
Vernehmlassung des BFM vom 21. Oktober  2011 am 25. Oktober  2011 
zur Kenntnisnahme zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

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1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. c 
Ziff.  1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das Asylgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3. Die  Beschwerde  ist  fristgerecht  eingereicht  und  auch  formgerecht, 
als  sie  Begehren,  Begründung  sowie  die  nötigen  Vollmachten  und  die 
Unterschrift  der Rechtsvertreterin  enthält.  Auf  die Beschwerde  ist  daher 
insofern einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1, Art. 52 VwVG).

1.4. Gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG ist zur Beschwerde berechtigt, wer vor 
der  Vorinstanz  am  Verfahren  teilgenommen  hat  oder  keine  Möglichkeit 
zur  Teilnahme  erhalten  hat  (Bst.  a),  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders berührt ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung oder Änderung hat (Bst. c).

Im  vorliegenden  Verfahren  stellt  sich  mit  Blick  auf  die  Problematik  der 
Vertretungszugänglichkeit eines Asylgesuchs insbesondere die Frage, ob 
der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen 
hat, entsprechend durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist  und  somit  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat.  Diese  Fragen  werden  in  E.  2  unten 
abzuhandeln sein.

2. 
Die Rechtsvertreterin  reichte  für  ihren Mandanten  am 22. Februar  2011 
unter Beifügung entsprechender Vollmachten ein schriftliches Asylgesuch 
ein und vertritt gleichzeitig den Standpunkt, die (nach Anhängigmachung 
des  Asylverfahrens  durchzuführende)  schriftliche  Anhörung  eines 

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Asylgesuchstellers  im  Sinne  von  Art.  10  Abs.  2  AsylV  1  sei  generell 
vertretungsfeindlich, sofern nicht ohnehin eine persönliche Anhörung des 
Beschwerdeführers  durch  die  Botschaft  unerlässlich  sei  (vgl.  Eingabe 
vom 31. August 2011 S. 1 Ziff. 1 und 2 und Beschwerde S. 4 Ziff. 2.1 und 
2.2).

2.1. Die  Bundesverfassung  gewährleistet  das  Recht  auf  Vertretung  als 
Teilgehalt  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der 
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 
1999  [BV,  SR  101];  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1704 mit Hinweisen). Für das 
Verwaltungsverfahren  und  damit  auch  für  das Asylverfahren  gilt  Art.  11 
VwVG, welche Bestimmung mittels Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG auch für 
das Asylbeschwerdeverfahren Anwendung findet. Gemäss Art. 11 Abs. 1 
VwVG kann sich eine Partei, wenn sie nicht  persönlich  zu handeln hat, 
auf  jeder  Stufe  des  Verfahrens  vertreten  oder,  soweit  die  Dringlichkeit 
einer  amtlichen  Untersuchung  es  nicht  ausschliesst,  verbeiständen 
lassen.

2.2. Das  verfassungsmässige Recht  auf Vertretung  (Art.  29 Abs.  2 BV) 
gilt  indessen  nicht  absolut.  Eine  Einschränkung  ist  unter  Wahrung  der 
Verhältnismässigkeit  zulässig,  wenn  sachliche  Gründe  es  rechtfertigen. 
So  sind  Verfahrenshandlungen  von  der  Möglichkeit  der  Vertretung 
ausgenommen, die eine persönliche Mitwirkung des oder der Vertretenen 
erfordern,  entweder  weil  es  gesetzlich  vorgeschrieben  ist  oder  weil  die 
Verfahrenshandlungen der Natur der Sache nach nur von ihm ausgehen 
können (vgl. zum Ganzen das in der Materie des Steuerrechts ergangene 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4355/2007  vom  20. November 
2009 E. 3, mit weiteren Hinweisen).

2.3. Gemäss langjähriger asylrechtlicher Praxis gilt die Einreichung eines 
Asylgesuches  als  sogenannt  „relativ  höchstpersönliches  Recht”  (vgl. 
EMARK 1996 Nr. 5). Als höchstpersönliches Recht steht es einer Person 
um  ihrer  selbst  Willen,  zum  Schutz  ihrer  Grundrechte  zu  und  kann 
gemäss  Art.  19  Abs.  2  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs  vom 
10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) von einer urteilsfähigen unmündigen 
Person allein, ohne Zustimmung  ihres gesetzlichen Vertreters, ausgeübt 
werden (vgl. EMARK 1996 Nr. 3 E. 2c; 1996 Nr. 4 E. 2d; 1996 Nr. 5 E. 
4b). Die Ausübung eines höchstpersönlichen Rechts setzt somit lediglich 
die  Urteilsfähigkeit,  nicht  aber  die  Mündigkeit  einer  für  sich  selbst 
handelnden  Person  voraus.  Als  relativ  höchstpersönliches  Recht  lässt 

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das  Stellen  eines  Asylgesuches  indessen  (im  Gegensatz  zu  den 
sogenannt  „absolut  höchstpersönlichen  Rechten”)  eine  Vertretung 
insofern  zu,  als  für  eine  urteilsunfähige  Person  ein  Asylgesuch  auch 
durch ihren gesetzlichen Vertreter eingereicht werden kann (vgl. EMARK 
1996  Nr.  4  E.  2d;  1996  Nr.  5  E.  4c­e).  Demgegenüber  verpflichtet  ein 
höchstpersönliches Recht – sei dieses nun relativer oder absoluter Natur 
– dessen  urteilsfähigen  unmündigen  Träger  grundsätzlich  auch,  dieses 
selbständig,  also  ohne  Hilfe  eines  allfälligen  gesetzlichen  Vertreters, 
geltend zu machen (vgl. beispielsweise HEINZ HAUSHERR/REGINA E. AEBI­
MÜLLER,  Das Personenrecht  des Schweizerischen Zivilgesetzbuches,  2. 
Aufl.,  Bern  2008,  Rz.  07.24,  S. 68).  Dies  muss  somit  erst  recht  auf 
urteilsfähige Mündige zutreffen.

2.4. Angesichts  des Gesagten  setzt  die  Initiierung  eines Asylverfahrens 
aus  dem  Ausland  durch  die  urteilsfähige  (mündige  oder  unmündige) 
Person  prinzipiell  einen  persönlichen  Antrag  derselben  voraus  (so  im 
Grundsatz  auch  die  Urteile  D­239/2010  vom  4.  Juni  2010  [E.  3],  E­
1147/2010 vom 5. März 2010 [S. 6 f.], D­591/2009 vom 24. Februar 2009 
[E. 4] oder E­490/2009 vom 23. Februar 2009 [S. 5 f.]). Fehlt ein solcher, 
ist  eine  Mangelbehebung  jedoch  nicht  zwangsläufig  ausgeschlossen. 
Eine Heilung kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass der Inhalt eines 
vertretungsweise eingereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen 
Anhörung  oder  durch  Einreichung  einer  persönlich  verfassten  oder 
zumindest unterzeichneten Stellungnahme zum Fragenkatalog des BFM 
im  Falle  des  Verzichts  auf  eine  Befragung  bestätigt  wird.  So  würde  es 
stossend  erscheinen,  wenn  Personen,  die  sich  im  Zustand  schwerer 
Krankheit  oder  Todesgefahr  befinden,  das  Stellen  eines  Asylgesuchs 
durch  einen  Vertreter  aufgrund  des  abstrakten  Kriteriums  mangelnder 
Höchstpersönlichkeit  verwehrt wäre. Auch  in  solchen Konstellationen  ist 
aber  zwingend  eine  spätere  Heilung  des  Mangels  vor  Ergehen  eines 
erstinstanzlichen  Asylentscheides  nötig,  beispielsweise  mittels 
persönlicher  "Absegnung" des seitens Dritter eingereichten Asylgesuchs 
durch den Gesuchsteller  vor  der Asylbehörde nach dessen Entkommen 
aus der Todesgefahr (vgl. Urteil E­3162/11 vom 6. Dezember 2011).

2.5.  Im  vorliegenden  Fall  steht  aufgrund  der  Aktenlage  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer  im ganzen bisherigen Verfahren und insbesondere im 
gesamten erstinstanzlichen Verfahren nie in irgendeiner Weise persönlich 
vor  einer  schweizerischen Asylbehörde  im  In­  oder Ausland aufgetreten 
ist.  Insbesondere  liegt  keine  schriftliche  Erklärung  des 
Beschwerdeführers  selbst  vor,  in  der  er  –  unter  Darlegung  seiner 

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Asylgründe  –  den Willen  zum Ausdruck  bringt,  in  der Schweiz  um Asyl 
nachsuchen  zu  wollen.  Somit  steht  für  das  Bundesverwaltungsgericht 
aufgrund der sich präsentierenden Aktenlage nicht  fest, ob er überhaupt 
ein  entsprechendes  Asylgesuch  stellen  wollte  und  will.  Damit  bleibt 
zudem  unklar,  ob  er  selber  als  Gesuchsteller  am  vorinstanzlichen 
Verfahren  teilgenommen  hat  und  dadurch  die 
Legitimationsvoraussetzungen  (Art. 48  Abs. 1  VwVG)  zur 
Beschwerdeführung  erfüllt.  Die  angefochtene  Verfügung  hätte  aufgrund 
des  sich  in  jenem  Zeitpunkt  präsentierenden  Abklärungsstandes 
hinsichtlich  der  Erfüllung  der  Verfahrensvoraussetzungen  nicht  ergehen 
dürfen  und  ist  daher  aufzuheben.  Es  bleibt  dem BFM  überlassen,  über 
das weitere Vorgehen zu befinden; das heisst, es hat zu entscheiden, ob 
es das Asylverfahren unter Behebung des festgestellten Mangels wieder 
aufzunehmen und gegebenenfalls einer neuen Entscheidung zuzuführen 
gedenkt,  oder  ob  es  der  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  eine 
Mitteilung  betreffend  die  Nichtanhandnahme  des  Asylgesuchs  infolge 
fehlender höchstpersönlicher Einreichung zu machen hat.

2.6.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  die 
Höchstpersönlichkeit  des Rechts auf Stellen eines Asylantrags  verkennt 
und  mithin  eine  Verfügung  erlassen  hat,  die  mangels  zureichender 
Prüfung der Verfahrensvoraussetzungen nicht hätte ergehen dürfen.

3. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  verletzt  sowie  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig 
und unvollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist insoweit 
gutzuheissen,  als  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die 
Sache  im  Sinne  der  Erwägungen  zur  Wiederaufnahme  oder  allenfalls 
Beendigung  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  an  das  BFM 
zurückzuweisen ist.

4. 
4.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit hinfällig.

4.2.  Im  vorliegenden  Fall  besteht  grundsätzlich  ein  Anspruch  auf 
Parteientschädigung,  da  die  Beschwerde  führende  Partei  mit  ihrem 
Antrag  betreffend  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung 
durchgedrungen ist (Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

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über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Weil  indes  das 
Obsiegen  in  keiner Weise durch den Beschwerdeinhalt motiviert  ist  und 
die  übrigen  Anträge  (Erteilung  einer  Einreisebewilligung  zwecks 
Durchführung  des  Asylverfahrens  beziehungsweise  Durchführung  einer 
persönlichen  Anhörung  durch  die  Schweizer  Botschaft  in  Khartum) 
mangels  eines  rechtsgültig  gestellten  Asylantrages  gar  nicht  zur 
Beurteilung  gelangt  sind,  rechtfertigt  sich  in  casu  eine  Reduktion  der 
Parteientschädigung  auf  Fr. 100.–  (Art.  10  Abs.  2  VGKE).  Auf  diesen 
Betrag ist mithin die eingereichte Kostennote zu kürzen und das BFM zur 
Ausrichtung desselben zu verpflichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  insoweit  gutgeheissen,  als  die  angefochtene 
Verfügung  aufgehoben  und  die  Sache  an  das  BFM  zwecks 
Wiederaufnahme  oder  allenfalls  Beendigung  des  erstinstanzlichen 
Asylverfahrens zurückgewiesen wird.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Es  wird  eine  reduzierte  Parteientschädigung  in  Höhe  von  Fr. 100.–  zu 
Lasten des BFM ausgerichtet.

4. 
Dieses Urteil  geht  an  die Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers,  die 
Schweizer Vertretung in Khartum und das BFM.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Philipp Reimann

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