# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f695015-4ec3-52af-8405-ab698b7def7f
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-09-08
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 08.09.2008 IV 2007/76
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2007-76_2008-09-08.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2007/76

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.06.2020

Entscheiddatum: 08.09.2008

Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2008
Art. 4 Abs. 1 und 2 IVG. Bewirken Drogensucht und psychische Störungen, 
die damit in einem Kausalzusammenhang stehen, Arbeitsunfähigkeit, so ist 
sie in ihrer Gesamtheit zu berücksichtigen (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. September 2008, IV 
2007/76).

Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Lisbeth 

Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Fides Hautle

Entscheid vom 8. September 2008

in Sachen

H.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch die Gemeinde A.___,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

IV-Leistungen

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Sachverhalt:

A.   

A.a  Der 1968 geborene H.___ meldete sich am 18. Mai/2. Juli 2004 zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung an. Im entsprechenden Formular erklärte er, er 

wolle aufgrund einer seit 1986 bestehenden Polytoxikomanie eine Rente 

beanspruchen. Er habe als kaufmännischer Mitarbeiter gearbeitet (IV-act. 3).

A.b Dr. med. B.___, Innere Medizin FMH, gab im IV-Arztbericht vom 17. August 2004 

an, Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten hätten eine Polytoxikomanie 

mit wiederholtem Gebrauch von Opiaten, Benzodiazepinen, Marihuana und Haschisch, 

eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und selbstunsicheren Zügen 

sowie eine Kardiopathie mit reduzierter linksventrikulärer Funktion. Er attestierte dem 

Versicherten ab 7. März 2002 verschiedene Phasen der Arbeitsunfähigkeit, zuletzt von 

50 % für die Zeit vom 9. Juli 2003 bis 21. September 2003, dann von 100 % bis 

26. September 2003, von 50 % bis 30. September 2003, von 100 % bis 3. Oktober 

2003, von 50 % bis 19. Oktober, von 100 % bis 25. Oktober 2003 und von 50 % bis 

17. November 2003, schliesslich von 100 % seither. Arbeitstätigkeiten seien nicht mehr 

zumutbar, weil eine verminderte Belastbarkeit und häufige Absenzen bestünden. Rein 

theoretisch könnte durch eine andauernde Abstinenz und entsprechende Kooperation 

die Situation verbessert werden, das sei aber aufgrund des bisherigen chronischen 

Verlaufs mit sehr häufigen Rückfällen nicht realistisch. Die Drogenabhängigkeit bestehe 

seit 1989. Der Versicherte gehe schon seit vielen Jahren keiner geregelten Tätigkeit 

mehr nach. Teilweise habe er zu 50 % an Wiedereingliederungsprogrammen 

teilgenommen, dort aber immer wieder fehlen müssen. Es seien mehrere ambulante 

Entzugsversuche und stationäre Entzüge (meistens in der Psychiatrischen Klinik Wil, 

letztmals im August 2002 zum fünften Mal) vorgenommen worden. Zurzeit stehe er im 

Methadonprogramm. Eine stationäre Weiterbehandlung zum Langzeitentzug unter 

geschützten Bedingungen habe der Versicherte stets abgelehnt. Die Ursache der 

Kardiopathie sei unklar gewesen, sei aber wohl im Zusammenhang mit dem 

Drogenabusus zu sehen (IV-act. 10-5 bis 8/12).

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A.c  Die Psychiatrische Klinik Wil teilte mit Schreiben vom 21. September 2004 mit, es 

lägen eine Störung durch multiplen Substanzgebrauch (Heroin, Methadon, Kokain, 

Benzodiazepine, Alkohol und Cannabis) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung 

mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen vor. Keine Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit habe die seit 2000 bestehende Kardiopathie unklarer Genese. Vom 

31. August 1999 (dem Zeitpunkt der ersten Hospitalisation in der Klinik) bis mindestens 

14. Februar 2003 (letztmalige Entlassung aus der Klinik und letzter Untersuch) sei der 

Versicherte als Filialleiter in einem Büro voll arbeitsunfähig gewesen. Mit 15 Jahren 

(1983) habe er erstmals Cannabis konsumiert, mit 18 Jahren Kokain und Heroin. Bis 

1996 sei er - bei täglichem Konsum - erfolgreich als Immobilienmakler tätig gewesen. 

Nach dem Stellenverlust habe er in beschützendem Rahmen für vier Monate abstinent 

gelebt und dann für zweieinhalb Jahre als Filialleiter in einem Temporärbüro gearbeitet. 

In dieser Zeit sei der Drogenkonsum massiv angestiegen. Insgesamt seien sieben 

Hospitalisationen erfolgt. Im stationären Setting im Januar/Februar 2003 sei das 

Verhalten des Versicherten aufgefallen (zurückhaltend, angepasst, ambivalent, 

mühevoll im alltäglichen Entscheiden). Diese Persönlichkeitsstörung bereite im 

Sozialverhalten und in der Lebensgestaltung erhebliche Probleme und ihretwegen habe 

er das Setting mit Gesprächen nicht im Sinne von Arbeit an maladaptiven 

Bewältigungsstrategien nutzen können. Der Behandlungsverlauf zeige bis anhin viele 

Therapieversuche mit rascher Wiederaufnahme des Drogenkonsums nach der 

Entlassung aus dem beschützenden Rahmen. Voraussetzung einer Verbesserung der 

Arbeitsfähigkeit wäre eine psychische Stabilisierung in beschützendem Rahmen, wo er 

andere Bewältigungsstrategien als den Suchtmittelkonsum entwickeln könnte. Für eine 

aktuelle Beurteilung sei eine neue Untersuchung zu empfehlen (IV-act. 11-3 bis 5/9).

A.d Am 1. Juli 2005 wurde bekannt gegeben, dass der Versicherte sich gegenüber der 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich durch die Sozialbehörde der Gemeinde 

A.___, ihrerseits vertreten durch C.___, vertreten lasse (IV-act. 22). 

A.e Am 23. November 2005 erstattete Dr. med. D.___, Facharzt FMH für Psychiatrie 

und Psychotherapie, ein Gutachten. Er bestätigte die bekannten Diagnosen (im 

Wesentlichen: psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, 

Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten 

Methadonprogramm; Persönlichkeitsstruktur mit emotional instabilen, abhängigen, 

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selbstunsicheren Zügen; Kardiopathie). Beim Versicherten lägen psychische und 

Verhaltensstörungen vor, die auf den ständigen Konsum von psychotropen Substanzen 

zurückzuführen seien. Bis anhin sei nicht gelungen, ihn in Therapieangebote 

einzubinden, um die innerseelischen Konflikte aufzuarbeiten, die zugrunde lägen und 

zur Sucht führten. Jahrelanges überwachtes Methadonprogramm sei ohne Erfolg 

geblieben. Bei der Untersuchung seien körperliche Entzugserscheinungen beobachtet 

worden. Es zeige sich eine Einengung auf den Gebrauch von psychotropen 

Substanzen (Aufgabe weiterer Interessen). Trotz eindeutig schädlicher Folgen in 

psychischer, physischer und sozialer Hinsicht (und Bewusstseins der Schäden) dauere 

der Substanzgebrauch an. Es dürfte eine Persönlichkeitsstruktur vorliegen, die es dem 

Versicherten schwer mache, sein Leben in den Griff zu bekommen bzw. bessere 

Bewältigungsstrategien für den Alltag zu entwickeln. Diese sollten Gegenstand einer 

langzeitlichen Psychotherapie sein. Aufgrund der akuten Symptomatik sei eine 

stationäre Entzugsbehandlung dringend indiziert und zumutbar. Anschliessend sollte 

eine langzeitliche psychotherapeutische Behandlung erfolgen mit dem Ziel, ein 

drogenfreies Leben zu führen, die Defizite in der Persönlichkeitsstruktur aufzuarbeiten 

und neue Lebensziele zu entdecken. Im jetzigen körperlichen und 

psychopathologischen Zustand sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei 

davon auszugehen, dass durch die vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen eine 

Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % werde erreicht werden können, dass aber 

aufgrund der Defizite in der Persönlichkeitsstruktur eine andauernde Arbeitsunfähigkeit 

von 20 % verbleibe. Die Prognose sei offen (IV-act. 27).

A.f Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 

6. Dezember 2005 dafür, die Entzugs- und die anschliessende 

Entwöhnungsbehandlung könnten im Rahmen der Schadenminderungspflicht vom 

Versicherten verlangt werden. Es sei mit ca. vier bis sechs Wochen und anschliessend 

noch mit sechs Monaten Dauer zu rechnen. Hernach könnte geprüft werden, ob 

Eingliederungsmassnahmen möglich seien. 

A.g Mit Schreiben vom 6. Dezember 2005 machte die Sozialversicherungsanstalt/IV-

Stelle des Kantons St. Gallen den Versicherten darauf aufmerksam, dass sich seine 

Arbeitsfähigkeit durch eine erfolgreiche stationäre Entzugs- und anschliessende 

Entwöhnungsbehandlung von mindestens neun Monaten wesentlich verbessern liesse. 

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Erst danach werde eine Beurteilung seiner Ansprüche möglich sein. Eine solche 

Behandlung sei ihm zumutbar. Um der Gefahr einer vorübergehenden oder dauernden 

Kürzung oder einer Verweigerung von Leistungen zu entgehen, habe er bis zum 

31. Januar 2006 schriftlich mitzuteilen, wo er den Entzug durchführen werde. 

Andernfalls müsse er mit der Abweisung des Leistungsbegehrens rechnen (IV-act. 29). 

Am 5. Januar 2006 eröffnete die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Aufforderung 

(mit neuer Frist) an die Rechtsvertretung des Versicherten.

A.h Am 10. Februar 2006 teilte die Rechtsvertretung des Versicherten telefonisch mit, 

die involvierten Ärzte würden eine Entzugstherapie nicht als notwendig erachten (IV-

act. 32). Mit Schreiben vom 25. April 2006 legte sie (unter Hinweis auf Arztberichte von 

Dr. med. E.___, Facharzt Innere Medizin FMH, vom 27. Februar 2006 und des 

Psychiatrischen Zentrums X.___ vom 21. April 2006) dar, es sei als sehr fraglich zu 

erachten, ob eine lange Entwöhnungsbehandlung nach dieser vieljährigen Abhängigkeit 

noch zu einem Erfolg führen könne. Eine gutachterliche Abklärung wäre sinnvoll. Das 

Psychiatrische Zentrum X.___ hatte am 21. April 2006 mitgeteilt, wegen des kurzen 

Beobachtungszeitraumes sei keine Aussage zu Wesensveränderungen oder 

Hirnleistungsschwächen möglich, die eine Integration in den Arbeitsmarkt nach einer 

Therapie behindern könnten. Das müsste Gegenstand einer Begutachtung bilden. Die 

Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt würden nach einer erfolgreichen Therapie 

sicherlich verbessert; ob der Versicherte wieder einsetzbar werden könne, sei 

langfristig nicht abschätzbar (IV-act 34-2 f./5). Mit Schreiben vom 27. Februar 2006 

hatte Dr. E.___, welcher den Versicherten seit Sommer 2005 kennt, den Erfolg einer 

langfristigen Entwöhnungsbehandlung ausserordentlich stark in Frage gestellt. Es 

komme dazu, dass eine Reintegration in den Arbeitsmarkt wegen der wahrscheinlich 

bereits bestehenden "chronischen" Schädigung durch die langjährige Polytoxikomanie 

kaum möglich wäre. Er (der Arzt) empfehle eine unabhängige Begutachtung durch eine 

auf Drogenabhängigkeit spezialisierte Station (IV-act. 34-4/5).

A.i  Auf Ergänzungsfragen hin gab Dr. E.___ am 6. Juni 2006 bekannt, es liege eine 

ganz erhebliche chronische somatische und psychische Schädigung vor, die 

wahrscheinlich irreversibel sei und eine Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich auf Dauer 

verunmögliche. Aktuell sei keine Arbeit zumutbar. Er bezweifle, dass mit einer 

Langzeitentzugstherapie die Arbeitsfähigkeit verbessert werden könnte. Behandelt 

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werde eine arterielle Hypertonie (aktuell beschwerdefrei), doch sei eine neue 

kardiologische Abklärung nicht erforderlich. Ausserdem habe eine Gynäkomastie (im 

Rahmen des Aethylabusus) operiert werden müssen und es bestehe eine 

Hepatopathie. Die erwähnten Störungen könnten durch eine Karenz wesentlich 

verbessert werden (IV-act. 36-1 bis 4/8).

A.j  Der RAD stellte sich am 19. Juni 2006 auf den Standpunkt, die somatischen 

Schäden begründeten keine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit. Psychiatrisch sei eine 

nicht suchtbedingte Arbeitsunfähigkeit von 20 % ausgewiesen. Es sei nicht zu 

erwarten, dass sich die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Persönlichkeitsstörung durch 

therapeutisch-medizinische oder durch berufliche Massnahmen wesentlich verbessern 

lasse. Berufliche Massnahmen machten keinen rententangierenden Sinn. Nur für den 

Fall, dass sich ein Rentenanspruch ergeben sollte, müsste die Auferlegung einer 

Schadenminderungspflicht hinsichtlich der Verhinderung von somatischen 

Folgeschäden erwogen werden. Bei der Sachbearbeitung (act. 38) wurde festgehalten, 

die Einschränkung aufgrund der Suchterkrankung sei invaliditätsfremd. 

A.k  Mit Verfügung vom 26. Juni 2006 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch ab. Die 

Arbeitsunfähigkeit des Versicherten sei vor allem durch ein Abhängigkeitsverhalten 

begründet, welches keine Invalidität im Sinne des Gesetzes bewirken könne (IV-act. 

40).

A.l  Mit Schreiben vom 10. Juli 2006 liess der Versicherte Einsprache erheben (IV-

act. 42). Am 28. August 2006 liess er begründen, es sei zwar nachvollziehbar, dass die 

Arbeitsfähigkeit durch die Massnahmen verbessert werden könne, doch sei sehr zu 

bezweifeln, dass eine Leistungsfähigkeit erreicht werden könne, wie sie für eine 

Eingliederung auf dem freien Arbeitsmarkt genüge. Dass er (der Versicherte) mit den 

Defiziten in der Persönlichkeitsstruktur zu 80 % arbeitsfähig werden könnte, sei eine 

aus der Luft gegriffene Annahme von Dr. D.___. Auch nach einer erfolgreichen Therapie 

würden Defizite mit wesentlichen (grösseren) Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit 

bestehen bleiben. Eine Prognose müsse sehr zurückhaltend gestellt werden. Die 

Psychiatrische Klinik Wil, Dr. E.___ und das Psychiatrische Zentrum X.___ hätten eine 

Begutachtung vorgeschlagen. Das sei mit einer einstündigen Untersuchung durch 

Dr. D.___ nicht getan. Eine zuverlässige, sorgfältige Beurteilung habe sich dabei nicht 

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ergeben können. Stattdessen sei eine detaillierte psychiatrische Begutachtung durch 

eine Stelle mit drogenspezifischer Erfahrung - etwa im Psychiatrischen Zentrum X.___ 

oder in der Psychiatrischen Klinik Wil, dort allenfalls stationär - zu veranlassen, wo die 

bleibenden Defizite durch die langjährige Suchtproblematik und durch die 

Persönlichkeitsstruktur mit ihren jeweiligen Auswirkungen auf die erwerblichen 

Fähigkeiten betrachtet würden.

A.m Der RAD hielt am 26. September 2006 fest, das Gutachten von Dr. D.___ sei 

widerspruchsfrei, schlüssig und plausibel. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass er 

weniger Sorgfalt und Zeit aufgewendet habe, als es für eine vergleichbare Expertise 

von einem anderen Gutachter zu erwarten wäre. Das invalidenversicherungsrechtlich 

relevante Hauptproblem liege ausschliesslich im psychiatrischen Bereich. Dort sei die 

Beurteilung des (internistischen) Hausarztes gegenüber derjenigen des Facharztes 

nicht ausschlaggebend. Die Sachbearbeiterin stellte sich am 18. Oktober 2006 auf den 

Standpunkt, da der Versicherte sich zu der geforderten Auflage nicht bereit erklärt 

habe, sei von einer Arbeitsunfähigkeit unter Ausblendung der Sucht von 20 % 

auszugehen.

A.n Mit Einspracheentscheid vom 7. Februar 2007 wies der Rechtsdienst der 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab. Um sich erfolgreich beruflichen 

Massnahmen unterziehen zu können, müsste der Versicherte zunächst drogen- und 

medikamentenfrei sein. Die Verwaltung habe deshalb zunächst versucht, den 

Versicherten zu den erforderlichen Therapien zu bewegen. Eine gewisse Unsicherheit 

bezüglich des möglichen Erfolgs solcher Massnahmen lasse sich nicht ganz 

ausschliessen. Eine Therapie sei die einzige Chance zu einer Veränderung. Mit der 

Stellungnahme seiner Rechtsvertretung habe festgestanden, dass der Versicherte 

offenbar nicht bereit sei, sich den Massnahmen zu unterziehen. Diese wären aber 

Grundvoraussetzung für berufliche Massnahmen. Es habe damit an der 

Eingliederungsfähigkeit des Versicherten gefehlt. Die Verwaltung habe deshalb den 

Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht weiter abgeklärt und sei zur Rentenprüfung 

übergegangen. Unter Ausblendung der Sucht verbleibe eine medizinisch-theoretische 

Arbeitsfähigkeit von 80 %. Auf weitere Abklärungen habe man zu Recht verzichtet. Sie 

wären im Übrigen nur nach einer Entzugsbehandlung möglich (IV-act. 48).

B.  

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Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von der Gemeinde A.___ durch 

ihren Vertreter für den Betroffenen am 12. Februar 2007 erhobene Beschwerde. Die 

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt eine psychiatrische Begutachtung. 

Es sei abzuklären, ob die langjährige Suchtproblematik nicht bereits einen erheblichen 

körperlichen und/oder geistigen Folgeschaden verursacht habe. Das sei anlässlich der 

einstündigen Vorsprache bei Dr. D.___ - wie jeder ausgewiesenen Fachperson - nicht 

möglich gewesen. Das Psychiatrische Zentrum X.___ habe darauf hingewiesen, dass 

hierzu ein einmaliges Aufbieten des Beschwerdeführers nicht genüge. Die Problematik 

bestehe beim Beschwerdeführer bereits seit mehr als zwanzig Jahren. Es sei bis anhin 

nicht gelungen, den Beschwerdeführer in Therapieangebote einzubinden, die eine 

Behandlung der dem Suchtmittelkonsum zugrunde liegenden Persönlichkeitsstörungen 

zum Ziel gehabt hätten. Dr. E.___ beschreibe ausserdem eine somatisch wie psychisch 

ganz erhebliche, wahrscheinlich irreversible Schädigung.

C.  

Mit Beschwerdeantwort vom 21. Februar 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.   

1.1  Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses 

des angefochtenen Einspracheentscheids am 7. Februar 2007 entwickelt hat, sind die 

auf den 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Rechtsänderungen nicht anwendbar.

1.2  Im Streit liegt der Entscheid, mit welchem die Beschwerdegegnerin eine 

Einsprache gegen ihre das Leistungsgesuch ablehnende Verfügung vom 26. Juni 2006 

(berufliche Massnahmen und Rente) abgewiesen hat. Die Beschwerdegegnerin hat 

zwar ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren aufgenommen, sich aber hernach in die 

materielle Streitfrage eingelassen, ob die relevante Sachlage ausreichend abgeklärt sei 

und ob eine (anspruchsbegründende) Invalidität im Rechtssinn vorliege.

2.   

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2.1  In der Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des 

Beschwerdeführers grundsätzlich abgelehnt, weil keine Invalidität im Sinne des 

Gesetzes vorliege, da die Arbeitsfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten 

begründet sei. Nach Art. 4 Abs. 1 IVG gilt als Invalidität die durch einen körperlichen 

oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder 

Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

Erwerbsunfähigkeit. Drogensucht als solche begründet noch keine Invalidität im Sinne 

des Gesetzes. Denn die Diagnose einer Drogensucht oder -abhängigkeit lässt nicht 

schon darauf schliessen, dass der versicherten Person eine Drogenabstinenz nicht 

mehr möglich wäre; ebenso wenig ist Drogenabhängigkeit notwendigerweise mit 

Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit verbunden (vgl. Entscheid des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts i/S G. vom 22. Juni 2001, I 454/99; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 

4b). Hat sie allerdings eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt, in deren Folge ein 

körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber ist sie selber 

Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens, welchem 

Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 29 f. E. 1 und 2, AHI 2001 S. 

228 f. E. 2 und S. 229 f. E. 4), so wird eine solche Sucht im Rahmen der 

Invalidenversicherung bedeutsam.

2.2  Unbestrittenermassen liegen beim Beschwerdeführer psychische und 

Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (gemäss dem Gutachten; bzw. 

eine Störung durch multiplen Substanzgebrauch gemäss der Psychiatrischen Klinik 

Wil), ein Abhängigkeitssyndrom und eine Persönlichkeitsstruktur mit emotional 

instabilen, abhängigen, selbstunsicheren Zügen (gemäss dem Gutachten; bzw. eine 

kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen 

gemäss der Psychiatrischen Klinik Wil) vor. Das Gutachten im Besonderen stützt sich 

auf eine Kenntnisnahme von den Vorakten. Der Gutachter untersuchte den 

Beschwerdeführer und berücksichtigte Anamnese und subjektive Angaben. Was die zu 

erhebenden Befunde betrifft, besteht in der medizinischen Aktenlage 

Übereinstimmung. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen nicht, die 

Untersuchungsdauer als Grund zu betrachten, dem Gutachten grundsätzlich jeden 

Beweiswert abzusprechen.

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2.3  Das von der Sucht zu unterscheidende psychiatrische Leiden ist unbestreitbar von 

Krankheitswert und dauerhaft von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers, wenn auch strittig ist, in welchem Ausmass. Dass eine Invalidität 

nach Art. 4 IVG mit allfälligen Ansprüchen auf berufliche Massnahmen oder Rente 

vorliegt, lässt sich nicht bestreiten. Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als 

eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige 

Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.

2.4  Ferner ist davon auszugehen, dass die psychischen und Verhaltensstörungen auf 

den ständigen Konsum psychotroper Substanzen zurückzuführen sind und dass nicht 

nur eine soziale Verwahrlosung, sondern eindeutig auch schädliche Folgen sowohl in 

psychischer als auch in physischer Hinsicht bestehen (Defizite in der 

Persönlichkeitsstruktur, vgl. act. 27-10/12), wie es Dr. D.___ feststellte (beides aus 

act. 27-9/12). Auch Dr. E.___ hielt dafür, es bestehe sowohl somatisch wie psychisch 

eine ganz erhebliche Schädigung, die wahrscheinlich irreversibel sei (act. 36-1/8) und 

die eine Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich auf Dauer verunmögliche (act. 36-2/8). 

Anderseits ist aus den medizinischen Berichten zu schliessen, dass innerseelische 

Konflikte gegeben sind, die zur Sucht führen (act. 27-9/12), bzw. dass die kombinierte 

Persönlichkeitsstörung bereits seit Jugend besteht (act. 11-3/9). Zwischen der 

Polytoxikomanie und den psychischen Leiden ist demnach jedenfalls - sei es in einer 

Richtung oder in beide Richtungen - ein Kausalzusammenhang ausgewiesen. Deshalb 

ist auf den gesamten, unter Mitberücksichtigung der Folgen der 

Suchtmittelabhängigkeit bestehenden Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeitsgrad 

abzustellen (vgl. etwa die Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S 

E. vom 9. Juli 2002, I 257/01, und i/S O. vom 8. August 2006, I 169/06). Dieser 

Arbeitsunfähigkeitsgrad liegt nach übereinstimmender Auffassung bei 100 %.

3.   

Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte haben Anspruch auf 

Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die 

Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu verbessern, zu erhalten oder ihre Verwertung 

zu fördern (Art. 8 Abs. 1 IVG). Ein Umschulungsanspruch besteht, wenn die 

Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit 

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voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann (vgl. Art. 17 Abs. 1 

IVG). Massnahmen im Sinne von Art. 17 IVG setzen die objektive und subjektive 

Eingliederungsfähigkeit des Versicherten voraus (vgl. AHI 1997 S. 82 E. 2b/aa, ZAK 

1991 S. 179 E. 3). Nach Angaben des Gutachters wären Rehabilitationsmassnahmen 

dem Beschwerdeführer erst möglich, nachdem die zumutbaren medizinischen 

Massnahmen durchgeführt worden wären. Dies war bis zum massgeblichen Zeitpunkt 

nicht der Fall. Das Absehen von beruflichen Massnahmen ist im Übrigen nicht 

beanstandet worden.

4.   

4.1  Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % 

besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.

4.2  Der Eintritt des Rentenfalls wird - nebst dem oben erwähnten Erfordernis der 

Erwerbsunfähigkeit in rentenbegründendem Ausmass - durch Art. 29 Abs. 1 IVG 

geregelt. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der 

Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b). Ein wesentlicher 

Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte an mindestens 

dreissig aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29  IVV). Wie dem 

Arztbericht von Dr. B.___ vom 17. August 2004 zu entnehmen ist, liegt eine solche 

ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit seit dem 9. Juli 2003 vor, sodass das Wartejahr im 

Juli 2004 (mit einem über 70 % liegenden Arbeitsunfähigkeitsdurchschnitt) abgelaufen 

ist. Angesichts der vollständigen anschliessenden Invalidität entstand der Anspruch 

des Beschwerdeführers auf eine ganze Rente ab dem 1. Juli 2004.

5.   

Der Gutachter hat sich auf den Standpunkt gestellt, eine Entzugsbehandlung im 

stationären Rahmen sei dringend indiziert und dem Beschwerdeführer auch zumutbar. 

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Auch eine anschliessende psychotherapeutische Behandlung, zielend auf die Defizite 

in der Persönlichkeitsstruktur, sei anzustreben. Er erachtete somit sowohl das 

Suchtleiden wie die Persönlichkeitsstörung als therapierbar und erwartete davon eine 

Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 80 %. Dr. E.___ stellte den Erfolg einer solchen 

Behandlung in Frage. Das Psychiatrische Zentrum X.___ teilte mit, die langfristige 

Prognose lasse sich nicht abschätzen. Zunächst ist festzuhalten, dass die 

(prognostische) Therapierbarkeit einer psychischen Störung weder deren 

Krankheitswert noch das Bestehen einer anspruchsbegründenden Invalidität 

ausschliesst (I 257/01), weshalb sie dem oben festgelegten Rentenanspruch nicht 

entgegensteht. Des Weiteren erscheint angesichts der jahrelang anhaltenden 

Suchtproblematik die Einschätzung des Psychiatrischen Zentrums X.___ 

nachvollziehbar. Wie gross die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ist, welche nach 

einer allfälligen erfolgreichen Überwindung der Sucht verbleiben wird, wird sich 

tatsächlich erst nach der Durchführung der zumutbaren Massnahmen zeigen lassen. 

Wird der Grad der Arbeitsunfähigkeit durch angeordnete (und nötigenfalls in einem 

regulären Mahn- und Bedenkzeitverfahren abverlangte) Massnahmen erheblich gesenkt 

werden können, wird die Beschwerdegegnerin die Eingliederung prüfen und bei 

gegebenen Voraussetzungen eine Rentenrevision durchführen können.

6.   

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des 

angefochtenen Einspracheentscheids vom 7. Februar 2007 zu schützen. Dem 

Beschwerdeführer ist im Sinne der Erwägungen ab 1. Juli 2004 eine ganze Rente 

zuzusprechen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl. 

Rechtslage vor der Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, lit. a der betreffenden 

Übergangsbestimmungen).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

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1.  In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspracheentscheid vom 7. 

Februar 2007 aufgehoben.

2.  Dem Beschwerdeführer wird im Sinne der Erwägungen ab 1. Juli 2004 eine ganze 

Rente zugesprochen.

3.  Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2008
	Art. 4 Abs. 1 und 2 IVG. Bewirken Drogensucht und psychische Störungen, die damit in einem Kausalzusammenhang stehen, Arbeitsunfähigkeit, so ist sie in ihrer Gesamtheit zu berücksichtigen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. September 2008, IV 2007/76).

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		2025-07-19T15:25:48+0200
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