# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c22358d5-a658-5ee6-8d24-60a6b8f5bbf4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-11-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.11.2025 D-3422/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3422-2023_2025-11-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3422/2023 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  N o v e m b e r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Thomas Segessenmann, Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan, 

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 19. Mai 2023. 

 

 

 

D-3422/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Paschtune mit letztem Aufenthalt in 

B._______, verliess Pakistan eigenen Angaben gemäss am 21. oder 

22. Februar 2022 und gelangte am 11. Juli 2022 in die Schweiz, wo er glei-

chentags um Asyl nachsuchte. Am 15. Juli 2022 beauftragte er die Mitar-

beitenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum 

(BAZ) Region C._______ mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren. 

Am 20. Juli 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. 

A.b Das SEM führte mit dem Beschwerdeführer am 26. Juli 2022 in Anwe-

senheit seiner Rechtsvertretung ein persönliches Gespräch gemäss Art. 5 

der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO), durch. 

A.c Mit Schreiben vom 17. August 2022 liess der Beschwerdeführer dem 

SEM eine Kopie seiner pakistanischen Identitätskarte mitsamt englischer 

Übersetzung zukommen. 

A.d Am 8. November 2022 wies das SEM den Beschwerdeführer für den 

weiteren Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Kanton D._______ 

zu. 

A.e Der Beschwerdeführer liess dem SEM durch seine Rechtsvertretung 

mit Eingabe vom 22. März 2023 diverse Beweismittel zukommen (vgl. 

Ziff. 1–13 der Eingabe sowie Abschnitt I Ziff. 4 der angefochtenen Verfü-

gung). 

A.f Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 25. April 2023 in Anwesen-

heit seiner Rechtsvertretung zu seinen Asylgründen an. Er machte im We-

sentlichen geltend, er habe seine Heimat wegen einer Familienfehde ver-

lassen müssen. Er habe sich mit seiner Verlobten, E._______, ab und zu 

getroffen. Am 10. Februar 2022 sei er mit ihr im Auto unterwegs gewesen, 

ihnen sei ein Motorrad gefolgt. Als sie vom Motorrad überholt worden seien, 

habe er gesehen, dass der Beisitzer – es sei der Bruder von E._______ 

gewesen – eine Pistole auf ihn gerichtet habe. Er habe das Steuer herum-

gerissen und das Auto sei ausser Kontrolle geraten. Es sei geschossen 

und E._______ sei von den Kugeln getroffen worden. Nachdem er das 

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Auto wieder unter Kontrolle gehabt habe, habe er gesehen, dass sie von 

drei Kugeln getroffen worden sei. Er habe sie zum Spital gefahren, wo sie 

zum Notfall-dienst gebracht worden sei. Die Polizei sei gekommen und er 

sei gefragt worden, was geschehen sei. Er habe alles erzählt und Anzeige 

erstattet. Ein Polizist habe gesagt, er müsse warten, sie müssten die Fa-

milie von E._______ kontaktieren. Da er sich habe retten wollen, habe er 

das Spital verlassen. Er sei nach Hause gegangen und habe seinen Ange-

hörigen berichtet, was sich zugetragen habe. Sein Vater habe seinem jün-

geren Bruder F._______ gesagt, er solle ihn zu seinem Onkel mütterlicher-

seits bringen. Am dritten Tag seines Aufenthalts beim Onkel seien viele Po-

lizisten in das Dorf gekommen. Als ihm sein Cousin davon erzählt habe, 

habe er das Haus verlassen und sei aufs Land geflohen, weil es für ihn 

offensichtlich gewesen sei, dass die Polizei ihn suche. Die Polizei sei ins 

Haus seines Onkels eingedrungen und habe nach ihm (dem Beschwerde-

führer) gesucht. Gegen Abend sei er zum Onkel zurückgegangen, der ihm 

geraten habe wegzugehen. Sein Onkel habe gesagt, die Familie von 

E._______ habe der Polizei gesagt, er (der Beschwerdeführer) habe sie 

getötet. Als er zusammen mit seinem Onkel und dessen Sohn G._______ 

unterwegs nach B._______ gewesen sei, seien sie angegriffen worden. 

Sein Onkel sei von Kugeln getroffen worden und ihr Auto sei gegen eine 

Mauer gefahren. Sein Onkel sei gestorben, er selbst habe eine blutende 

Wunde am Kopf gehabt und G._______ sei leicht verletzt worden 

(G._______ habe in der Folge bei der Polizei Anzeige erstattet). Passanten 

hätten ihn zu einer nahegelegenen Klinik gebracht. Seine Wunde sei ge-

näht worden und der Passant, der ihn zur Klinik gebracht habe, habe ihn 

mit zu sich nach Hause genommen. Er habe saubere Kleidung erhalten 

und der Mann habe ihn gefragt, welche Probleme sie mit den Taliban hät-

ten. Auf Nachfrage habe der Mann gesagt, die Angreifer seien Taliban ge-

wesen, und ihn gebeten, sein Haus zu verlassen. Für ihn (den Beschwer-

deführer) gebe es keine Zweifel daran, dass die Familie von E._______ mit 

den Taliban gesprochen habe. Er sei zum Bahnhof von B._______ gegan-

gen und von dort aus nach H._______ gereist. Als er in der I._______ ge-

wesen sei, habe er seinen Vater kontaktiert. Dieser habe ihm gesagt, dass 

die Taliban seinen kleinen Bruder F._______ mitgenommen und gefoltert 

hätten. Sie hätten gesagt, falls sie ihn (den Beschwerdeführer) nicht fän-

den, liessen sie die Familie nicht in Frieden in Pakistan leben. 

Der Beschwerdeführer gab auf Nachfrage an, er habe E._______ im 

Jahr 2017 im (…) kennengelernt. Sie hätten ihre Telefonnummern ausge-

tauscht und einander geschrieben. Wenn sich die Gelegenheit ergeben 

habe, hätten sie sich getroffen. E._______ Familie sei einflussreich und 

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wohlhabend. Zirka zwei Monate vor ihrem Tod habe E._______ ihm ge-

sagt, sie habe Schwierigkeiten zu Hause, weil ihr Bruder misstrauisch ge-

worden sei. Von seinem Vater habe er nach seiner Ausreise aus Pakistan 

erfahren, dass seine Mutter und seine Schwester in J._______ lebten. 

Über den Aufenthaltsort seines Vaters, der ihn von Zeit zu Zeit anrufe, 

wisse er nichts. 

Der Beschwerdeführer gab zur Stützung seiner Vorbringen einen Drohbrief 

der «Lashkar-e-Islam» ab. 

A.g Am 28. April 2023 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, sein 

Asylgesuch werde gemäss Art. 26d AsyIG (SR 142.31) fortan im erweiter-

ten Verfahren behandelt. 

A.h Die zugewiesene Rechtsvertretung legte am 9. Mai 2023 ihr Vertre-

tungsmandat nieder. 

B.  

Mit Verfügung vom 19. Mai 2023 – eröffnet am 22. Mai 2023 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig wies es ihn aus der Schweiz 

weg und stellte fest, er sei verpflichtet, das Staatsgebiet der Schweiz sowie 

den Schengen-Raum bis am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Ver-

fügung zu verlassen, dies zur Rückreise in seinen Heimatstaat beziehungs-

weise seinen Herkunftsstaat oder zur Weiterreise in ein Land, das sich aus-

serhalb des Schengen-Raumes befinde und in dem er aufgenommen 

werde, verbunden mit dem Hinweis, wenn er seiner Verpflichtung nicht in-

nert Frist nachkomme, könne die Wegweisung unter Zwang vollzogen wer-

den. Es beauftragte den Kanton D._______ mit dem Vollzug der Wegwei-

sung. 

C.  

Mit Eingabe vom 15. Juni 2023 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen 

Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser wurde 

beantragt, die angefochtene Verfügung vom 9. Dezember 2008 (recte: 

19. Mai 2023) sei aufzuheben, eventualiter sei seine Flüchtlingseigen-

schaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Un-

zumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen 

und seine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht 

wurde beantragt, es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren 

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und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Es sei ihm 

zudem ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. 

Der Eingabe lagen ein Bildschirm-Foto des «TikTok-Account» des Be-

schwerdeführers, ein Bericht von «ACCORD – Austrian Centre for Country 

of Origin and Asylum Research and Documentation: Anfragebeantwortung 

zu Pakistan; Konsequenzen bei vorehelichem Geschlechtsverkehr» vom 

2. Juli 2019 und eine Fürsorgebestätigung vom 6. Juni 2023 bei. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 5. Juli 2023 gut, und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Er gab dem Be-

schwerdeführer die Gelegenheit, dem Bundesverwaltungsgericht bis zum 

20. Juli 2023 Name und Adresse eines Rechtsvertreters mitzuteilen, der für 

die amtliche Verbeiständung zugelassen werden könne. 

E.  

Namens des Beschwerdeführers ersuchte lic. iur. Isabelle Müller mit Ein-

gabe vom 18. Juli 2023 – unter Beilage einer entsprechenden Vollmacht 

vom 10. Juli 2023 – darum, sie sei dem Beschwerdeführer als amtliche 

Rechtsbeiständin beizuordnen. 

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juli 2023 ordnete der Instruktionsrichter 

dem Beschwerdeführer lic. iur. Isabelle Müller als amtliche Rechtsbeistän-

din bei. Die Akten überwies er zur Vernehmlassung an das SEM. 

G.  

Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 3. August 2023 zu den 

Ausführungen in der Beschwerde Stellung und beantragte die Abweisung 

derselben. 

H.  

Mit Replik vom 6. September 2023 reichte die Rechtsbeiständin ihre Stel-

lungnahme zur Vernehmlassung des SEM ein. 

I.  

Mit Schreiben vom 26. September 2023 übermittelte die Rechtsbeiständin 

eine vom Beschwerdeführer persönlich verfasste Stellungnahme vom 

18. August 2023. Seine Ausführungen seien bereits in die Replik eingeflos-

sen und hätten ergänzenden Charakter. Der Beschwerdeführer ersuche 

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darum, dass die beim SEM eingereichten Beweismittel geprüft und berück-

sichtigt würden. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

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Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, es sei dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen, substanziierte Angaben zum Verhältnis 

zu E._______ zu machen. Er habe nicht erklären können, weshalb ihre 

Beziehung nach fünfjähriger Dauer, während der sie sich ungefähr einmal 

monatlich gesehen hätten, plötzlich zum Problem geworden sei. In der pa-

kistanischen Gesellschaft seien amouröse Beziehungen ohne Einver-

ständnis der Familien nicht erlaubt, weshalb es nicht glaubhaft sei, dass 

E._______ und er sich während fünf Jahren hätten treffen können, ohne 

dass ihre Familien davon erfahren hätten. Dies umso mehr, als dass sie 

keine Massnahmen getroffen hätten, um sich zu verstecken, sondern sich 

an öffentlichen Orten getroffen hätten. Die Fotografien, die er eingereicht 

habe, seien auf «Tik Tok» veröffentlicht worden, weshalb es sich nicht um 

ein heimliches Verhältnis gehandelt haben könne. Er habe nicht erklären 

können, weshalb ihr Verhältnis zum Problem geworden sei, und habe 

selbst gesagt, dass man in seiner Kultur fragen würde, wohin jemand gehe, 

wenn er das Haus verlasse. Damit habe er eingeräumt, dass die Familie 

von E._______ seit Beginn ihres Verhältnisses davon hätte wissen müs-

sen. Er habe weder sagen können, weshalb ihr Bruder plötzlich Verdacht 

geschöpft habe, noch, was dies für sie und ihn vor dem 10. Februar 2022 

mit sich gebracht habe. Es sei nicht wahrscheinlich, dass ihre Beziehung 

nach fünfjähriger Dauer für die Familie zum Problem geworden sei. Diese 

Schlussfolgerung werde durch die Unglaubhaftigkeit der vom Beschwerde-

führer geschilderten Verfolgungshandlungen bestärkt. Er habe gesagt, er 

habe am 10. Februar 2022 begriffen, dass auf ihn geschossen worden sei, 

was seltsam erscheine, da er das Auto so gesteuert habe, dass es ins 

Schleudern geraten sei. Es stelle sich die Frage, wie er in der Lage gewe-

sen sei, zu verstehen, dass die Schüsse gegen ihn und nicht gegen 

E._______ gerichtet gewesen seien. Es könne nicht geglaubt werden, 

dass er in der geschilderten Situation habe sehen können, dass sie von 

drei Kugeln getroffen worden sei. Zudem sei nicht erklärbar, weshalb er 

zum zu verfolgenden Täter geworden sei, nachdem er bei der Polizei we-

gen des erlittenen Angriffs habe Anzeige erstatten können. Da E._______ 

und er die Opfer des Angriffs gewesen seien, sei das vom ihm geschilderte 

Handeln der Behörden nicht glaubhaft. Dies werde durch seine Ausführun-

gen zum Vorfall vom 14. Februar 2022 bestätigt, die stereotyp und iden-

tisch mit dem vorherigen Vorfall erschienen. Er habe nicht substanziieren 

können, wer die Angreifer gewesen seien und was deren Motiv für den 

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Angriff gewesen sei. Da er nicht gesehen habe, wer geschossen habe, 

könne irgendjemand aus unbekannten Gründen geschossen haben. Dass 

es die Taliban gewesen seien, beruhe auf den Angaben eines ihm unbe-

kannten Passanten. Selbst wenn es Taliban gewesen seien, erkläre dies 

deren Motiv für den Angriff nicht. Er sei nicht in der Lage gewesen zu er-

klären, weshalb er davon ausgehe, die Familie von E._______ habe die 

Taliban beauftragt. Angesichts dessen gebe es keinen Grund, die gegen 

seine Familie nach seiner Ausreise von der Familie von E._______ gerich-

teten Verfolgungshandlungen zu glauben. So habe er einerseits gesagt, 

sein Bruder sei von den Taliban entführt worden, anderseits geschildert, 

der Bruder von E._______ habe dies getan. Unwahrscheinlich erscheine 

schliesslich, dass er nichts über das Schicksal seines angeblich entführten 

Bruders wisse, da sich jedermann danach erkundigt habe. Nicht glaubhaft 

sei auch, dass er den Aufenthaltsort seiner Angehörigen nicht kenne, da er 

in regelmässigem telefonischen Kontakt mit seinem Vater stehe. Bei der 

PA vom Juli 2022 habe er erklärt, sie befänden sich noch in Pakistan. Hät-

ten sie sich wirklich vor den Angehörigen von E._______ gefürchtet, hätten 

sie nicht fünf Monate lang gewartet, bis sie Pakistan verlassen hätten. Des 

Weiteren habe er gesagt, seine Mutter habe sich nach einer Überschwem-

mung nach J._______ begeben, was nicht im Zusammenhang mit seinen 

Verfolgungsvorbringen stehe. Aus den genannten Gründen seien seine 

Vorbringen als unglaubhaft zu werten. 

Die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel seien nicht geeig-

net, seine Vorbringen zu stützen. Die Identität des Mädchens, mit dem er 

auf den Fotografien abgebildet sei, stehe nicht fest. Selbst wenn es sich 

um E._______ handle, könnte sie angesichts der Unglaubhaftigkeit seiner 

Aussagen noch am Leben sein. Dies gelte auch für die Fotografie, die ei-

nen verstorbenen Mann zeige. Nichts belege, dass es sich um seinen On-

kel handle; die eingereichte Fotokopie einer Identitätskarte sei fast unle-

serlich und das Gesicht des Verstorbenen sei nicht erkennbar. Es sei nicht 

bekannt, unter welchen Umständen der Mann zu Tode gekommen sei. Die 

Fotografien, die ihn und seinen verletzten Cousin zeigten, belegten nichts, 

weil ihnen die Wunden von irgendjemandem hätten zugefügt werden kön-

nen. Die Fotografien eines blauen Wagens mit von Projektilen verursach-

ten Löchern hätten keine Beweiskraft, da nichts belege, dass es sich um 

seinen Wagen handle, und nicht gesichert sei, dass die Gründe für die Lö-

cher die von ihm genannten seien. Bei den weiteren Dokumenten (Todes-

urkunde von E._______, drei Anzeigen und zwei Drohbriefe) handle es 

sich um Fotokopien, deren Beweiswert sehr gering sei. Sie hätten nach 

Bedarf erstellt werden können und die Todesurkunde könne irgendein 

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Mädchen betreffen. Es sei nicht sicher, ob er mit ihr tatsächlich eine Bezie-

hung gehabt habe. 

4.2 In der Beschwerde wird einleitend der Sachverhalt geschildert und gel-

tend gemacht, der Beschwerdeführer habe seine Vorbringen mit zahlrei-

chen Dokumenten und Beweismitteln untermauert. Das SEM habe keine 

Gesamtwürdigung vorgenommen. Bei allfälligen Zweifeln hätte es die Mög-

lichkeit und die Pflicht gehabt, seine Aussagen und die eingereichten Be-

weismittel mittels einer Botschaftsabklärung überprüfen zu lassen. Der In-

halt des eingereichten F.I.R. («First Information Report») hätte genauso 

überprüft werden können, wie die Angaben über seine getötete Freundin. 

Auch die Angaben über seinen getöteten Onkel hätten überprüft werden 

können. Die von ihm eingereichten Dokumente lägen lediglich in Kopie vor 

und seien über einen Anwalt beschafft worden. Gesuchstellende aus an-

deren Ländern reichten meist nur Kopien ein und erhielten trotzdem einen 

positiven Asylentscheid. In Pakistan gäben die verschiedenen Ministerien 

keine Originaldokumente ab. Das Auto, in dem er mit E._______ unter-

wegs gewesen sei, als sie beschossen worden seien, stehe bei der 

«K._______» in B._______. Das SEM habe die Vorbringen nicht vor dem 

länderspezifischen Kontext beurteilt und die Untersuchungspflicht verletzt. 

Er ersuche die Schweizer Behörden, seine Angaben auf äusserst diskrete 

Weise durch die Schweizer Vertretung in Pakistan überprüfen zu lassen. 

Das SEM habe die Asylvorbringen des Beschwerdeführers zu einseitig ge-

würdigt. Seine Beziehung zu E._______ habe sich langsam entwickelt und 

sei mit der Zeit enger geworden. Nach den Traditionen seines Heimatlan-

des seien Beziehungen zwischen jungen Menschen nur mit dem Einver-

ständnis der Familien erlaubt. Seine Freundin und er seien der Meinung 

gewesen, es sei besser, sich kennen zu lernen, bevor man mit der Familie 

spreche. Das Bedürfnis nach Geheimhaltung habe es vor allem am Anfang 

der Freundschaft erschwert, sich häufig zu treffen. Während sie sich in den 

ersten Jahren nur sporadisch getroffen hätten, hätten sie sich in den letzten 

Monaten etwas öfter gesehen. Dies habe es ihnen längere Zeit ermöglicht, 

die Beziehung geheim zu halten. Ihre Liebe habe sie die Gefährlichkeit der 

Beziehung, die gegen die Tradition verstossen habe, unterschätzen las-

sen. Sie seien immer nachlässiger geworden, indem sie ihre Beziehung in 

der Öffentlichkeit gelebt hätten. Dies habe zu den schrecklichen Ereignis-

sen vom Februar 2022 geführt. Beziehungen wie die von E._______ und 

ihm seien in Pakistan keine Seltenheit, was in einem im Jahr 2019 veröf-

fentlichten Bericht des «Centre for Country of Origin and Asylum Research 

and Documentation» bestätigt werde. Die Dauer der Beziehung sei 

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vorliegend nicht entscheidend gewesen. Das Problem habe begonnen, als 

seine Freundin erwachsen gewesen und von ihrer Familie als Frau im hei-

ratsfähigen Alter angesehen worden sei. In B._______ heirateten Frauen 

im Durchschnitt im Alter von 21 Jahren, also im Alter, in dem seine Freun-

din getötet worden sei. Der Argwohn und das Misstrauen ihrer Familie hin-

gen mit ihrem Alter und den Traditionen in seiner Stadt zusammen. Seine 

Freundin und er hätten sich erst lange, nachdem sie sich kennengelernt 

hätten, gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt. Sie hätten in einer Stadt 

mit etwa (…) Einwohnern gelebt. Gemeinsam in ein Restaurant zu gehen, 

habe deshalb nicht bedeutet, mit der Familie seiner Freundin in Kontakt zu 

kommen. Sie seien sehr verliebt, aber nicht leichtsinnig gewesen, denn es 

sei in einer Grossstadt durchaus möglich, trotz Restaurantbesuchen unbe-

merkt zu bleiben. Er müsse einräumen, dass sie immer vertrauter mitei-

nander geworden seien und sich an Orten getroffen hätten, die näher von 

den Orten gelegen seien, an denen ihre Familie verkehrt habe. Wahr-

scheinlich sei dies der grosse Fehler gewesen, der dazu geführt habe, dass 

ihre Familie von den Treffen erfahren habe. Zu den vom SEM erwähnten 

Postings auf «TikTok» sei zu sagen, dass sein «TikTok-Konto» privat sei, 

so dass die Fotos und Beiträge von der Öffentlichkeit nicht hätten gesehen 

werden können. Dass er ein «TikTok-Konto» habe, beweise nicht, dass die 

Familie seiner Freundin immer von ihrer Beziehung Kenntnis gehabt habe. 

Die Tatsache, dass seine Freundin von ihrer Familie allmählich als Frau 

gesehen worden sei, habe diese möglicherweise dazu veranlasst, sie zu 

kontrollieren. Nicht auszuschliessen sei, dass ihre Familie einen anderen 

Mann für sie im Auge gehabt habe. Er wisse nicht, was E._______ in den 

Monaten vor den Anschlägen durchgemacht habe. Aus dem Anhörungs-

protokoll gehe hervor, dass seine Freundin ihn Monate vor den Anschlägen 

informiert habe, dass ihr Bruder ihre Beziehung für verdächtig gehalten 

habe und es daher besser sei, sich nicht zu sehen. Er habe jedoch darauf 

bestanden, sie zu sehen. Der Zorn ihres Bruders könnte sich dadurch er-

klären, dass sie ihm nicht gehorcht und Schande über die Familie gebracht 

habe. Es sei darauf hinzuweisen, dass die falsche Anschuldigung der Un-

zucht nach pakistanischem Recht seit einigen Jahren strafbar sei. Das Ge-

setz, das die Opfer schützen sollte, könne das Gegenteil bewirken. Da es 

oftmals schwierig sei, einen Ehebruch zu beweisen, nähmen Betroffene die 

Gerechtigkeit selbst in die Hand, um die Ehre der Familie wiederherzustel-

len. 

Hinsichtlich der Vorfälle vom 10. und 14. Februar 2022 habe er die ihm in 

der Anhörung gestellten Fragen so beantwortet, wie er sich daran erinnere. 

Er wisse nicht mehr genau, was er in den Sekunden gedacht habe, als er 

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die Schüsse gehört habe. Zum Zeitpunkt, als er vom SEM befragt worden 

sei, habe er gewusst, wie sich die Ereignisse abgespielt hätten. Da das 

menschliche Gehirn dazu neige, bestimmte Lücken in den Erinnerungen 

mit Informationen zu füllen, die auf Erfahrungen beruhten, sei es möglich, 

dass es in seiner Erinnerung Aspekte gebe, die nicht unbedingt eingetreten 

seien. Er sei der Meinung, gesehen zu haben, dass die Schüsse auf ihn 

gerichtet gewesen seien. Im Umfeld, in dem er gelebt habe, mache sich 

niemand Gedanken über das Ziel der Schüsse. Man fliehe einfach, um sein 

Leben zu schützen. Seine Antworten beruhten auf den Informationen, die 

er nach den Anschlägen erhalten habe. Er habe seine Freundin selbst ins 

Krankenhaus gebracht, wo ihm mitgeteilt worden sei, dass sie dreimal an-

geschossen worden sei. Als er sie dorthin gebracht habe, habe er gesehen, 

dass sie voller Blut gewesen sei. Er glaube nicht, dass er gewusst habe, 

wie viele Löcher sie in ihrem Körper gehabt habe. Klarzustellen sei, dass 

er nicht gesagt habe, er sei zum Angreifer geworden. Die Polizei habe ihn 

gesucht, weil er bei seiner Freundin gewesen sei, als sie getötet worden 

sei. Er habe befürchtet, dass die Polizei ihn zu einem Verhör mitnehme und 

ihre Familie herausfinden könnte, wo er sich aufhalte. Die Ähnlichkeit sei-

ner Aussagen zu den beiden Vorfällen mache diese nicht unglaubhaft, weil 

es sich um dieselbe Vorgehensweise handle. Kriminelle neigten dazu, 

nach denselben Strategien zu handeln, da ihnen dies einen grösseren Er-

folg sichere. In Pakistan würden Menschen häufig auf öffentlichen Strassen 

ermordet. Viele junge Frauen würden dort von ihren eigenen Familienmit-

gliedern angegriffen und getötet. Aus seiner Sicht sei wichtig, dass er zwei 

Angriffe erlebt habe, die von der Familie seiner Freundin ausgeführt wor-

den seien. Sein Leben wäre in Gefahr, wenn er nach Pakistan zurückkeh-

ren würde. Die Verwicklung der Taliban in die Angelegenheit sei plausibel, 

da diese in B._______ bei derartigen Ereignissen oft beteiligt seien. Es sei 

nicht seine Sache, die Umstände zu ermitteln, unter denen die Familie sei-

ner Freundin den Anschlag geplant und ausgeführt habe. Es sei nicht rich-

tig, seine Aussagen mit der Begründung zu diskreditieren, er sei nicht in 

der Lage gewesen, die Umstände zu erklären, unter denen die Familie sei-

ner Freundin Kontakt zu den Attentätern aufgenommen habe. 

Da er sich für das, was seine Angehörigen in den letzten Monaten erlitten 

hätten, verantwortlich fühle, stelle er nicht zu viele Fragen, weil er grosse 

Trauer und Scham empfinde. Für ihn sei nur wichtig, dass sie am Leben 

seien. Zu wissen, wo sie jetzt lebten, habe für ihn keine Priorität. Seine 

Familie sei aufgrund der von ihm beschriebenen Ereignisse aus Pakistan 

geflohen. Die erwähnte Überschwemmung sei ein weiteres Element gewe-

sen, das die Entscheidung seiner Familie ausgelöst haben könnte. 

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Seite 12 

Aufgrund der Geschehnisse in Pakistan habe der Beschwerdeführer be-

reits ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes erlitten. Solche habe 

er auch im Falle einer Rückkehr zu befürchten. Der Verfolgung liege ein 

asylrechtlich relevantes Motiv zugrunde, namentlich dasjenige der «politi-

schen Anschauung». Dieser Begriff sei weit zu verstehen, erfasse er doch 

alle Meinungen, Grundhaltungen und Verhaltensweisen, die sich auf das 

politische oder gesellschaftliche System bezögen. Die Missachtung von 

gesellschaftlichen Regeln oder die Weigerung eines bestimmten von der 

Gesellschaft gewünschten Verhaltens könne relevant sein. E._______ und 

er hätten gegen rechtliche und gesellschaftliche Regeln verstossen. Ihre 

Tötung sei als Ehrenmord zu qualifizieren und auch sein Verhalten hätte 

sanktioniert werden sollen. Der pakistanische Staat sei in solchen Fällen 

nicht schutzwillig und -fähig. Die nach wie vor aktuelle Verfolgung sei ge-

gen seine Person gerichtet. Eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe 

für ihn nicht, da ihm in ganz Pakistan Verfolgung drohe. Um dort legal ar-

beiten und leben zu können, müsste er sich behördlich registrieren lassen. 

Da die Familie von E._______ über Beziehungen zu den staatlichen Be-

hörden verfüge, könnte sie seinen Aufenthaltsort schnell ausfindig machen. 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, es habe den Sachver-

halt vor dem sozio-kulturellen Hintergrund gewürdigt. Gerade in Betrach-

tung desselben gehe es davon aus, dass es dem Beschwerdeführer weder 

gelungen sei, die geltend gemachte geheime Beziehung zu E._______ 

noch das Missfallen ihrer Familie an derselben glaubhaft zu machen. Die 

Frage der Dauer der Beziehung sei aus Sicht des SEM irrelevant. Er habe 

nicht sagen können, aus welchen Gründen die Liebesbeziehung zu einem 

Problem geworden sei. Zu dieser Frage werde in der Beschwerde nichts 

Neues ausgeführt. Der Beschwerdeführer beschränke sich darauf, allge-

meine Vermutungen zum Einfluss des Alters von E._______ auf das Ge-

schehen zu machen. Die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen zur Bezie-

hung liege darin begründet, dass er diese nicht substanziiert und nicht er-

klärt habe, wie es ihnen gelungen sei, sich zu treffen, wie sich die Bezie-

hung über die Jahre entwickelt habe und weshalb sie ab einem gewissen 

Zeitpunkt für die Familie von E._______ zum Problem geworden sei. 

Des Weiteren seien die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vor-

fälle, die darin begründet lägen, dass der Familie von E._______ ihre Ver-

bindung missfallen habe, nicht glaubhaft, was durch die Ausführungen in 

der Beschwerde bestätigt werde. Die Beschreibung des Vorfalls vom 

10. Februar 2022 durch ihn bei der Anhörung sei klar. Er habe nie gesagt, 

dass er sich nicht genau an das Vorgefallene erinnern könne. Die Tatsache, 

D-3422/2023 

Seite 13 

dass er im Beschwerdeverfahren geltend mache, sich nicht genau an das 

Vorgefallene zu erinnern, sei ein weiteres Indiz für die Unglaubhaftigkeit 

seiner Vorbringen. Hinsichtlich der Anzahl Schüsse, die auf seine Verlobte 

abgegeben worden seien, sei auf seine Aussagen zu verweisen, gemäss 

denen er gesehen habe, dass sie dreimal getroffen worden sei, nachdem 

er das Auto wieder unter Kontrolle gehabt habe. Dies weiche von der in der 

Beschwerde gemachten Angabe ab, er sei erst im Spital darüber informiert 

worden, dass sie von drei Schüssen getroffen worden sei. Dabei handle es 

sich um einen weiteren offensichtlichen Widerspruch, der die Würdigung 

des Vorfalls durch das SEM bestätige. Nicht erstaunlich sei, dass sich der 

Beschwerdeführer widerspreche, indem er in der Beschwerde behaupte, 

die Polizei habe ihn als Zeugen des Vorfalls gesucht. Im Rahmen der An-

hörung habe er erklärt, die Polizei habe ihn gesucht, weil sie ihn als für das 

Tötungsdelikt verantwortlich erachtet habe. Das SEM habe die eingereich-

ten Beweismittel vor dem Hintergrund der unglaubhaften Aussagen des 

Beschwerdeführers als nicht beweiskräftig eingestuft. Weitere Sachver-

haltsabklärungen in diesem Zusammenhang wären ungerechtfertigt gewe-

sen. 

4.4 In der Replik wird entgegnet, der Beschwerdeführer habe in der Be-

schwerde Ausführungen zur Art der Beziehung zu E._______ und wie sich 

diese im Laufe der Jahre entwickelt habe gemacht. Er habe sie anfänglich 

alle paar Wochen vor Beginn des Unterrichts am College getroffen, sie sei 

dem Unterricht ferngeblieben, und er habe sie zum Schulschluss wieder 

vor dem College abgesetzt. Die Schul-Absenzen seien niemandem aufge-

fallen. Sie hätten sichere Treffpunkte vereinbart, an denen er sie mit sei-

nem Auto abgeholt habe. Sie hätten wohl Glück gehabt, dass ihre Bezie-

hung nicht früher entdeckt worden sei. Er habe zwar im Auto festgestellt, 

dass E._______ von den abgegebenen Schüssen getroffen worden sei, wo 

genau und von wie vielen Kugeln sie getroffen worden sei, habe er aber in 

diesem Augenblick nicht feststellen können. Möglicherweise habe er in der 

Anhörung drei Treffer erwähnt, weil dies im Spital so festgestellt worden 

sei. Dort sei von der Polizei ein F.I.R. erstellt worden, für den er als Zeuge 

habe aussagen und den Sachverhalt schildern müssen. In den Vorakten 

figuriere auch eine Anzeige seines Vaters, weil einer seiner Brüder von 

E._______ Familie entführt worden sei. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Urteilen 

dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

D-3422/2023 

Seite 14 

2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 

E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

5.2  

5.2.1 Der Beschwerdeführer sagte bei der Anhörung im freien Bericht aus, 

er sei zusammen mit seiner Freundin unterwegs gewesen, als ihnen ein 

Motorrad gefolgt sei, auf dem zwei Personen gesessen seien. Vielleicht 

habe ihr Bruder Verdacht geschöpft und sich gefragt, wohin sie gehe. Als 

das Motorrad sie überholt habe, habe er gesehen, dass sie eine Pistole 

gezogen und auf ihn gezielt hätten. Er habe das Steuer herumgerissen, so 

dass das Auto ausser Kontrolle geraten sei und sich gedreht habe. Sie hät-

ten zu schiessen begonnen und dabei auf ihn gezielt (vgl. SEM-act. (…)-

34/20 D85). 

Im weiteren Verlauf der Anhörung gab der Beschwerdeführer indessen an, 

seine Freundin habe ihm gesagt, ihr Bruder habe – ungefähr zwei Monate 

vor ihrem Tod – Verdacht geschöpft, weshalb sie ihn nicht habe treffen kön-

nen (vgl. SEM-act. (…)-34/20 D105 ff., D114 ff.). Dies stimmt nicht mit sei-

ner freien Schilderung überein, gemäss welcher er nur vermutet habe, dass 

ihr Bruder Verdacht geschöpft haben könnte. Da er angab, er habe die 

Kontrolle über seinen Wagen verloren und dieser habe sich gedreht, stellt 

sich die Frage, wie er gesehen haben sollte, dass auf ihn gezielt wurde. 

Diese Darlegung des Vorfalls erweckt Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner 

Vorbringen. 

5.2.2 In der Anhörung machte der Beschwerdeführer geltend, eine Heirat 

mit seiner Freundin habe nicht zur Diskussion gestanden, da sein älterer 

Bruder noch nicht verheiratet gewesen sei und in ihrer Gesellschaft der 

ältere Bruder zuerst hätte heiraten müssen. Erst danach hätte er mit seinen 

Eltern über eine Heirat sprechen können (vgl. SEM-act. (…)-34/20 D182). 

Im Rahmen seiner (angeblichen) Befragung durch die pakistanische Poli-

zei am 10. Februar 2022 gab er indessen an, der Grund für den Angriff sei 

die beabsichtigte Heirat mit seiner Freundin gewesen, deren Familie mit 

ihrer Beziehung aber nicht einverstanden gewesen sei (vgl. SEM-act. (…)-

29/- ID-Nr. 004). Diese Angaben lassen sich schwer in Einklang bringen. 

5.2.3 Gemäss den Aussagen des Beschwerdeführers habe er sich vom 

10. bis zum 14. Februar 2022 bei seinem Onkel in L._______ aufgehalten. 

Als er am 14. Februar 2022 zusammen mit diesem und seinem Cousin un-

terwegs nach B._______ gewesen sei, sei von einem Motorrad aus auf sie 

geschossen worden. Sein Onkel sei getötet und er und sein Cousin seien 

D-3422/2023 

Seite 15 

verletzt worden. Ein Unbekannter habe ihn in eine Klinik gebracht und ihn 

nach der medizinischen Versorgung zu sich nach Hause genommen, wo 

er ihn gefragt habe, was für Probleme sie mit den Taliban hätten. Auf Nach-

frage hin habe der Mann bestätigt, dass es sich bei den Angreifern um Ta-

liban gehandelt habe. Die Taliban, so der Beschwerdeführer weiter, hätten 

sie angegriffen, weil die Polizei ihn nicht gefunden und die Familie von 

E._______ ihnen gesagt habe, dass sie ihn «brauchen» würden (vgl. SEM-

act. (…)-34/20 D85, D150, D161 ff.). 

Hätte die Familie seiner Freundin ihn «haben wollen», wäre es wenig er-

folgversprechend gewesen, von einem Motorrad aus auf das Fahrzeug zu 

schiessen, in dem er unterwegs gewesen sei. Des Weiteren ist dem von 

ihm eingereichten Drohbrief der Familie von E._______, der vom 1. März 

2022 datiert, zu entnehmen, dass sie sich an die «Lashkar-e-Islam» wen-

den werde, falls er von seinem Vater nicht innerhalb von drei Tagen an sie 

ausgeliefert werde (vgl. SEM-act. (…)-29/- ID-Nr. 012). Wäre das einge-

reichte Schreiben authentisch, woran überwiegende Zweifel bestehen, 

hätte sich die Familie von E._______ bis zum 1. März 2022 noch nicht an 

die «Lashkar-e-Islam» gewendet, bei der es sich im Übrigen um eine ei-

genständige Organisation handelt, die mit der «Tehrik-i-Taliban Pakistan» 

(TTP) zusammenarbeitet. Es erscheint deshalb unwahrscheinlich, dass 

diese bereits am 14. Februar 2022 aus den vom Beschwerdeführer ge-

nannten Gründen einen Anschlag auf den Wagen seines Onkels verübten. 

Das Bundesverwaltungsgericht erachtet das Schreiben vom 1. März 2022 

auch deshalb als nicht authentisch, weil der Vater und der Bruder von 

E._______, die auch ihren damaligen Aufenthaltsort anführen, unterschrift-

lich bestätigen würden, dass ihr Bruder sie zusammen mit anderen getötet 

habe. Da in Pakistan in den letzten Jahren mehrere Täter von Ehrenmor-

den nicht nur zu langjährigen Gefängnisstrafen, sondern auch zum Tode 

verurteilt wurden (vgl. Deutsche Welle (dw), Lebenslang für «Ehrenmord» 

an Internet-Star, 27. September 2019 [www.dw.com/dw/lebenslang-für-eh-

renmord-an-social-media-star/a-50610971]; Süddeutsche Zeitung, Ehren-

mord in Pakistan: Täter zum Tode verurteilt, 25. Februar 2022), erscheint 

es überwiegend unwahrscheinlich, dass E._______ Vater und Bruder ein 

schriftliches Geständnis ablegen würden, sollen sie doch gegenüber der 

pakistanischen Polizei den Beschwerdeführer beschuldigt haben, 

E._______ getötet zu haben. Die Polizisten, die ihn bei seinem Onkel ge-

sucht hätten, hätten diesem gesagt, er (der Beschwerdeführer) sei von 

E._______ Familie des Mordes beschuldigt worden (vgl. SEM-act. (…)-

34/20 D152–D154). Die Zweifel an den Vorbringen des Beschwerdeführers 

werden dadurch bestätigt. 

D-3422/2023 

Seite 16 

5.2.4 Der Beschwerdeführer brachte in der Anhörung vor, als er in der Tür-

kei gewesen sei, habe er von seinem Vater erfahren, dass sein jüngerer 

Bruder F._______ von den Taliban entführt und gefoltert worden sei. Sie 

hätten seinem Vater gesagt, sie wollten seine Auslieferung, und wenn sie 

ihn nicht fänden, liessen sie die Familie nicht in Pakistan leben (vgl. SEM-

act. (…)-34/20 D86 f.). 

In diesem Zusammenhang gab der Beschwerdeführer ein Schreiben der 

«Lashkar-e-Islam» vom 14. März 2022 ab, in dem diese seinem Vater mit-

teilten, der Vater und der Bruder von E._______ seien am selben Tag bei 

ihnen gewesen. Sein Vater sei aufgefordert worden, ihn (den Beschwerde-

führer) sofort zu übergeben (vgl. SEM-act. (…)-29/- ID-Nr. 015). Der Vater 

des Beschwerdeführers habe bei der pakistanischen Polizei am 15. März 

2022 Anzeige erstattet, weil der Bruder von E._______ seinen Sohn 

F._______ entführt habe. Dieser habe gedroht, er werde F._______ nicht 

freilassen, bis er ihm den Beschwerdeführer gebracht habe. Sie würden 

keine Ruhe geben, bis sie ihn getötet hätten (vgl. SEM-act. (…)-29/- ID-

Nr. 013). Es erschliesst sich nicht, weshalb sein Vater dem Beschwerde-

führer hätte sagen sollen, dass F._______ von den Taliban entführt worden 

sei, wenn er gegenüber der Polizei den Bruder von E._______ der Entfüh-

rung bezichtigte. Die Antwort des Beschwerdeführers auf den entsprechen-

den Vorhalt, der Bruder von E._______ habe F._______ mit Hilfe der Tali-

ban entführt, ist als Anpassung der Sachverhaltsschilderung zu werten und 

überzeugt nicht. Des Weiteren erscheint nicht glaubhaft, dass der Be-

schwerdeführer zum Zeitpunkt der Befragung – über ein Jahr nach der an-

geblichen Entführung von F._______ – nicht gewusst haben will, was aus 

seinem jüngeren Bruder geworden ist, sei er doch in telefonischem Kontakt 

mit seinem Vater gestanden und habe mit ihm zum letzten Mal ungefähr 

zehn bis vierzehn Tage vor der Anhörung gesprochen (vgl. SEM-act. (…)-

34/20 D12, D14, D177–D181). Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die 

beiden eingereichten Beweismittel aus den genannten Gründen als nicht 

authentisch. Die Zweifel an den Aussagen des Beschwerdeführers verdich-

ten sich damit vollends. 

5.3 Zusammenfassend gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass das SEM an den Vorbringen des Beschwerdeführers zu 

Recht erhebliche Zweifel hegt. Die Prüfung der von ihm im vorinstanzlichen 

Verfahren eingereichten Beweismittel ergibt, dass diese Zweifel angesichts 

zahlreicher Ungereimtheiten und Widersprüche in den Aussagen des Be-

schwerdeführers und zwischen denselben und mehreren Beweismitteln 

bestätigt werden. Die übrigen vom Beschwerdeführer eingereichten 

D-3422/2023 

Seite 17 

Beweismittel vermögen die aufgezeigten Widersprüche und Ungereimthei-

ten in seinen Aussagen und den vorstehend erwähnten Dokumenten nicht 

zu relativieren. Diesbezüglich kann auf die zutreffenden Ausführungen in 

der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Angesichts des vorlie-

genden Sachverhalts war das SEM nicht gehalten, Abklärungen im Hei-

matland des Beschwerdeführers durch die dortige Schweizer Vertretung zu 

veranlassen. Eine Gesamtschau der Aussagen des Beschwerdeführers im 

Verbund mit den von ihm eingereichten Beweismitteln ergibt, dass seine 

Verfolgungsvorbringen unglaubhaft sind. An dieser Würdigung vermögen 

auch die mit der Beschwerde eingereichten Beweismittel (Screenshot 

TikTok-Konto des Beschwerdeführers und Bericht von ACCORD) nichts zu 

ändern. 

6.  

6.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letz-

tere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich 

– aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer 

Zukunft verwirklichen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 

6.2 Unbesehen der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers ist festzustellen, dass die pakistanischen Behörden ver-

pflichtet gewesen wären, einem offensichtlichen Tötungsdelikt nachzuge-

hen und ihn als Zeugen einzuvernehmen. Da er das Spital entgegen der 

Anweisung eines Polizisten verlassen haben will, wäre die Suche nach ihm 

bei seinen Verwandten rechtsstaatlich legitim gewesen, denn sie hätte 

dazu gedient, ein gemeinrechtliches Delikt aufzuklären, wozu die Einver-

nahme des Fahrers des Wagens, auf den geschossen wurde, eine zur Auf-

klärung des Falls dienliche Massnahme gewesen wäre. 

6.3  

6.3.1 Der Beschwerdeführer erklärte weiter, die Familie seiner Freundin 

hätte ihn bei einem Verbleib in Pakistan getötet, weil er durch das Eingehen 

D-3422/2023 

Seite 18 

einer Beziehung mit ihrer Tochter/Schwester deren Familienehre be-

schmutzt habe. 

6.3.2 Die pakistanische Menschenrechtskommission (HRCP) verzeichnete 

im Jahr 2024 sogenannte «Ehrenmorde» an 335 Frauen und 119 Män-

nern. In anderen Berichten ist laut HRCP von insgesamt 405 Ehrenmorden 

die Rede. Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, weil viele Taten 

nicht angezeigt oder anders eingestuft worden sein dürften. 

6.3.3 Im Juli 2025 kursierte in Pakistan in den sozialen Medien ein Video 

über einen Ehrenmord an einem jungen Paar, das für Entsetzen und Em-

pörung sorgte. Das in einer Wüstengegend der südwestlichen Provinz Be-

lutschistan aufgezeichnete Video zeigte mehrere Männer neben geparkten 

Pick-ups. Eine Frau und ein Mann wurden nach einem «Ritual» erschos-

sen. Gouverneur Sarfraz Bugti verurteilte die von einem Stammesgericht 

angeordneten Morde als abscheulich und stufte die Tat als Terrorismus ein. 

Durch das Video konnten der Ort der Tat und daran Beteiligte (unter ihnen 

ein Cousin der Getöteten und der Stammesälteste) identifiziert und festge-

nommen werden. In Rawalpindi erschoss ein Vater im Juli 2025 seine  

16-jährige Tochter, weil sie sich geweigert habe, ihr Konto auf der Video-

plattform TikTok zu löschen. Die Ermittler gehen gemäss einem von 

«Agence France-Presse» (AFP) eingesehenen Polizeibericht von einem 

Ehrenmord aus. Die Familie des Opfers habe zunächst versucht, die Tat 

als Suizid darzustellen. Der Täter wurde festgenommen. Einige aufsehen-

erregende Fälle, der soziale Wandel und der Kampf mutiger Frauen haben 

zu Gesetzesänderungen geführt. Täter, denen mindestens 25 Jahre Haft 

drohen, können von der Familie des Opfers nicht mehr durch Entrichtung 

eines «Blutgeldes» begnadigt werden (vgl. Patriarchat in Pakistan, Fest-

nahmen nach «Ehrenmord» an jungem Paar, Die Tageszeitung [taz], 

21. Juli 2025; Mehr als ein Dutzend Festnahmen nach «Ehrenmord» in Pa-

kistan, watson, 21. Juli 2025; Mann in Pakistan erschiesst seine Tochter 

wegen ihres TikTok-Kontos, Der Standard, 11. Juli 2025). 

6.4 Gemäss der massgeblichen Schutztheorie ist die Flüchtlingseigen-

schaft von Asylsuchenden, die im Herkunftsland – unter flüchtlingsrechtlich 

im Übrigen relevanten Umständen – von nichtstaatlicher Verfolgung be-

droht sind, zu verneinen, wenn in diesem Staat Schutz vor nichtstaatlicher 

Verfolgung erhältlich ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 10.2.3). Das 

Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Rechtsprechung davon aus, 

dass in Pakistan ein insgesamt hohes Mass an religiös motivierter Gewalt 

D-3422/2023 

Seite 19 

herrscht. Die Angriffe, welche meist von sunnitischen Extremisten ausge-

hen, bleiben weitgehend straflos, und es besteht kein oder nur gänzlich 

ungenügender staatlicher Schutz gegen die sunnitischen Gewaltübergriffe 

(vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2), wobei sich die Effizienz der Sicherheitsbehör-

den von Distrikt zu Distrikt unterscheiden und von einigermassen guter Ef-

fizienz bis zur gänzlichen Unwirksamkeit reicht. Demgegenüber hat jedoch 

das Bundesverwaltungsgericht auch festgestellt, dass die pakistanischen 

Behörden im Rahmen der lokalen Gegebenheiten fähig und willens sind, 

Schutz vor Verfolgung durch Dritte zu bieten und die effektiv bestehende 

Schutzinfrastruktur zur Verfügung zu stellen (vgl. hierzu beispielsweise die 

Urteile des BVGer D-1480/2022 vom 14. Februar 2025 E. 6.2, 

E-4623/2020 vom 23. Juni 2021 E. 7.2.2 und D-6551/2018 vom 11. No-

vember 2020 E. 6.3, je m.w.H.). Der Beschwerdeführer macht eine Verfol-

gung durch Drittpersonen – vorliegend die Familie seiner Freundin – gel-

tend, vor welcher er von den pakistanischen Behörden nach dem Gesag-

ten hätte Schutz erhalten können, falls er sich an diese gewandt und um 

Schutzgewährung ersucht hätte, wenn auch die Gewährung absoluten 

Schutzes nicht garantiert werden könnte. Die ihm von privater Seite dro-

henden Nachteile scheinen sich aufgrund seiner Angaben zudem vorwie-

gend auf seine Heimatregion zu beschränken und somit nur lokalen Cha-

rakter aufzuweisen. Den befürchteten Nachteilen könnte er sich somit auch 

durch den Wegzug in einen anderen Teil seines Heimatstaats entziehen, 

ohne befürchten zu müssen, von seinen angeblichen Verfolgern aufgespürt 

zu werden, weshalb er bereits aus diesem Grund nicht auf den Schutz der 

Schweiz angewiesen wäre. 

6.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die wei-

teren Ausführungen in den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einge-

reichten Eingaben und Beweismitteln im Einzelnen einzugehen, da sie an 

der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern ver-

mögen. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-

deführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, verfügt es in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt da-

bei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

D-3422/2023 

Seite 20 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-

setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.  

9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

9.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des 

Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-

same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder 

unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 

werden. 

9.3  

9.3.1 Die Vorinstanz weist in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-

kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

D-3422/2023 

Seite 21 

9.3.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

er eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft machen, 

dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand-

lung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 

2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Dies gelingt ihm 

unter Hinweis auf die vorstehenden Erwägungen zur Flüchtlingseigen-

schaft nicht. Es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass das Bundesverwal-

tungsgericht die Vorbringen des Beschwerdeführers als überwiegend un-

wahrscheinlich und damit unglaubhaft erachtet. Er konnte nicht glaubhaft 

machen, dass er vor seiner Ausreise aus Pakistan Übergriffen seitens der 

pakistanischen Sicherheitsbehörden oder Privatpersonen ausgesetzt war 

oder solche zu befürchten hatte. Unter Hinweis auf die vorstehend vorge-

nommene Würdigung seiner Vorbringen ist zudem davon auszugehen, 

dass ihm von den heimatlichen Behörden Schutz vor allfälligen Nachstel-

lungen durch Privatpersonen gewährt würde. Auch die allgemeine Men-

schenrechtssituation in Pakistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-

tigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

9.3.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn 

der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4  

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen. 

9.4.2 In Pakistan herrscht aktuell keine Situation allgemeiner Gewalt, Krieg 

oder Bürgerkrieg. Die Sicherheitslage in der Heimatregion des Beschwer-

deführers – Provinz M._______ – ist zwar als kritisch zu bezeichnen, nach 

Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Wegweisungsvollzug 

dorthin aber dennoch zumutbar. Es ist auch nicht von einer Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs für Angehörige der paschtunischen Ethnie aus-

zugehen (vgl. Urteile des BVGer D-1151/2021 vom 28. Juni 2025 E. 9.3.2, 

D-3422/2023 

Seite 22 

E-3130/2020 vom 31. März 2025 E. 7.2.3 und D-5852/2024 vom 27. Sep-

tember 2024 E. 8.3.2, je m.w.H.). 

9.4.3 Der Beschwerdeführer verfügt über eine gute schulische und berufli-

che Ausbildung (Masterabschluss in (…), Diplom im (…)) und hat im Hei-

matland Berufserfahrung als (…) erworben, was ihm eine berufliche Rein-

tegration in Pakistan erleichtern wird. Seine Familie ist seinen Angaben ge-

mäss gut situiert und besitzt mehrere Geschäfte und Wohnhäuser (vgl. 

SEM-act. (…)-34/20 D62). Nebst seiner Kernfamilie leben seine Grossel-

tern und Cousins weiterhin in Pakistan, so dass er dort auch über ein fami-

liäres Beziehungsnetz verfügt (vgl. SEM-act. (…)-34/20 D23 ff., D55 f., D62 

und D75). Seine Aussagen in der Anhörung, er wisse nicht, wo sich sein 

Vater und seine Brüder aufhalten würden, und er habe seinen Vater, mit 

dem er in telefonischem Kontakt stehe, nicht nach dessen Aufenthaltsort 

gefragt (vgl. SEM-act. (…)-34/20 D7–D39), überzeugen nicht. Selbst wenn 

er derzeit nicht mit all seinen Verwandten in Kontakt steht, wird es ihm ge-

lingen, diesen wiederherzustellen. Insgesamt bestehen keine konkreten 

Hinweise darauf, dass er in Pakistan in eine existenzielle Notlage geraten 

wird. Seine mehrjährige Anwesenheit in der Schweiz ist im Rahmen der 

Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei Erwachsenen von 

untergeordneter Bedeutung und kann vorliegend zu keiner anderen Beur-

teilung führen. 

9.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht 

als unzumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 47 Abs. 1 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-

messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-3422/2023 

Seite 23 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde ge-

stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde mit 

Zwischenverfügung vom 5. Juli 2023 gutgeheissen, weshalb keine Kosten 

zu erheben sind. 

12.  

12.1 Nachdem dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsverbei-

ständung gewährt und lic. iur. Isabelle Müller als amtliche Rechtsbeiständin 

eingesetzt wurde, ist jener ein amtliches Honorar auszurichten. 

12.2 Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juli 2023 war darauf aufmerksam 

gemacht worden, dass bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem 

Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterin-

nen ausgegangen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). und nur der notwendige Auf-

wand entschädigt wird (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). 

12.3 Die Rechtsbeiständin bezeichnete ihren Aufwand ab ihrer Beiordnung 

in der Replik vom 6. September 2023 mit sechs Stunden à Fr. 180.– (exkl. 

Mehrwertsteuer) und einer Spesenpauschale von Fr. 50.–. Der bezeich-

nete zeitliche Aufwand erscheint angemessen, der Stundenansatz ist in-

dessen auf Fr. 150.– festzusetzen (vgl. E. 12.2). Die Spesenpauschale er-

scheint angesichts der Aktenlage zu hoch und wird auf Fr. 25.– festgelegt. 

Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 

VGKE) ist das amtliche Honorar auf gerundet Fr. 1’000.– (Arbeitsaufwand 

Fr. 900.–, Mehrwertsteuerzuschlag [bis 31. Dezember 2023: 7.7%] 

Fr. 71.20 und Spesen Fr. 25.–) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3422/2023 

Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin, lic. iur. Isabelle Müller, wird zulasten der 

Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 1’000.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler 

 

 

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