# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b90b922d-8bed-54a4-b20f-177a2940e897
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2020 F-2275/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2275-2019_2020-07-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2275/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richter Fulvio Haefeli,    

Gerichtsschreiberin Susanne Stockmeyer. 
 

 
 

Parteien 
 X._______, 

vertreten durch  

Dr. iur. Claudia Camastral, ZL ZURICHLAWYERS,  

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. 

 

 

 

F-2275/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus Russland stammende Beschwerdeführerin (geb. 1984) lernte ihren 

zukünftigen Ehemann, den Schweizer Bürger Z._______ (geb. 1967), im 

Frühjahr 2007 im beruflichen Umfeld in ihrem Heimatland kennen. Seit 

Herbst 2007 führten die beiden eine Fernbeziehung. Im März 2008 reiste 

sie in die Schweiz ein und trat am 1. April 2008 eine Arbeitsstelle in Zürich 

an. Am 14. August 2009 heiratete sie ihren Schweizer Freund (Akten der 

Vorinstanz [SEM act.] 1/2, 16/69, 16/132 ff.).  

B.  

Gestützt auf ihre Ehe ersuchte die Beschwerdeführerin am 11. April 2013 

um erleichterte Einbürgerung nach Art. 27 des bis am 31. Dezember 2017 

in Kraft stehenden Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September 1952 (aBüG, 

AS 1952 1087; vgl. SEM act. 1).  

Im Rahmen des Einbürgerungsverfahrens unterzeichneten die Eheleute 

am 11. April 2014 eine Erklärung, der zufolge sie in einer tatsächlichen, 

ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft an derselben Adresse zu-

sammenlebten und weder Trennungs- noch Scheidungsabsichten bestün-

den. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich zur Kenntnis, dass die erleich-

terte Einbürgerung nicht möglich ist, wenn vor oder während des Einbür-

gerungsverfahrens einer der Ehegatten die Trennung oder Scheidung be-

antragt hat oder keine tatsächliche eheliche Gemeinschaft mehr besteht, 

und dass die Verheimlichung solcher Umstände zur Nichtigerklärung der 

Einbürgerung führen kann (SEM act. 1/5).  

Am 17. April 2014, in Rechtskraft erwachsen am 29. Mai 2014, wurde die 

Beschwerdeführerin erleichtert eingebürgert. Nebst dem Schweizer Bür-

gerrecht erwarb sie das Bürgerrecht des Kantons Bern sowie das Gemein-

debürgerrecht von Roggwil BE (SEM act. 1/4). 

C.  

Ende Juli 2014 zog die Beschwerdeführerin aus der gemeinsamen Woh-

nung aus. Am 16. Juli 2016 reichte sie nach Ablauf der zweijährigen War-

tefrist eine Scheidungsklage ein, woraufhin die Ehe am 20. September 

2016 rechtskräftig geschieden wurde. Die Ehe blieb kinderlos (SEM 

act. 16/68 ff.). 

F-2275/2019 

Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 1. Juni 2017 gelangte der Zivilstands- und Bürger-

rechtsdienst des Kantons Bern an die Vorinstanz mit dem Hinweis, dass 

sich die Beschwerdeführerin von ihrem Schweizer Ehemann habe schei-

den lassen, und bat gestützt darauf um Prüfung einer allfälligen Nichtiger-

klärung der erleichterten Einbürgerung (SEM act. 2/47). 

E.  

In einem Schreiben vom 17. Oktober 2017 setzte die Vorinstanz die Be-

schwerdeführerin förmlich über die Eröffnung eines Verfahrens auf Nichti-

gerklärung ihrer erleichterten Einbürgerung gemäss Art. 41 aBüG in Kennt-

nis. Gleichzeitig forderte die Vorinstanz sie auf, zu verschiedenen Fragen 

schriftlich Stellung zu nehmen (SEM act. 15/66–67). Die Beschwerdefüh-

rerin reichte am 20. November 2017 (SEM act. 16/68 ff.) und am 19. De-

zember 2017 (SEM act. 18/157 ff.) zwei Stellungnahmen ins Recht. Der 

von der Vorinstanz als Auskunftsperson angefragte Ex-Ehemann liess sich 

mit schriftlichen Eingaben vom 20. Februar 2018 (SEM act. 20/171 f.) und 

27. März 2018 (SEM act. 22/175) zur Sache vernehmen. Am 4. April 2018 

lud die Vorinstanz die Beschwerdeführerin zur abschliessenden Stellung-

nahme ein, wovon sie am 17. April 2018 Gebrauch machte (SEM 

act. 23/176, 24/185 ff.). Mit ihrer Zustimmung nahm die Vorinstanz eben-

falls Einsicht in die Akten des Ehescheidungsverfahrens (SEM 

act. 29/196 ff.). 

F.  

Der Kanton Bern erteilte am 25. März 2019 seine Zustimmung zur Nichti-

gerklärung der erleichterten Einbürgerung (SEM act. 34/216). 

G.  

Mit Verfügung vom 8. April 2019 erklärte die Vorinstanz die erleichterte Ein-

bürgerung der Beschwerdeführerin für nichtig. Zur Begründung führte sie 

im Wesentlichen aus, die kurzen zeitlichen Verhältnisse von der Einbürge-

rung bis zur Trennung bzw. zur Scheidung liessen vermuten, dass die Ehe-

gatten bereits im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung nicht mehr in 

stabilen und zukunftsgerichteten ehelichen Verhältnissen gelebt hätten 

(SEM act. 35/217 ff.). 

H.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 9. Mai 2019 reichte die Beschwerdeführerin 

eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte die 

Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Sie machte im Wesentlichen 

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Seite 4 

geltend, dass sie im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung in guten 

Treuen von einer intakten Ehe ausging, zumal das Ehepaar im April 2014 

noch gemeinsame Ferien im Tibet verbracht habe und nach ihrer Rückkehr 

eine hormonelle Behandlung zwecks Erfüllung des Kinderwunschs geplant 

gewesen sei (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer act.] 1). 

I.  

Der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin reichte am 23. Mai 2019 unauf-

gefordert ein als Unterstützungsschreiben zu qualifizierendes Dokument 

zu den Akten (BVGer act. 4). 

J.  

In ihrer Vernehmlassung vom 21. Juni 2019 schloss die Vorinstanz auf Ab-

weisung der Beschwerde (BVGer act. 8). 

K.  

Mit Eingabe vom 16. August 2019 hielt die Beschwerdeführerin replizie-

rend an ihrem Rechtsmittel fest (BVGer act. 11). Gleichentags wandte sie 

sich mit einem weiteren Schreiben persönlich an das Bundesverwaltungs-

gericht (BVGer act. 10). 

L.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-

gen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Mit dem am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Bürgerrechtsgesetz vom 

20. Juni 2014 (BüG, SR 141.0) wurde der gleichnamige Erlass vom 

29. September 1952 aufgehoben (vgl. Art. 49 BüG i.V.m. Ziff. I seines An-

hangs). Gemäss der Übergangsbestimmung des Art. 50 Abs. 1 BüG richten 

sich Erwerb und Verlust des Schweizer Bürgerrechts nach dem Recht, das 

bei Eintritt des massgebenden Tatbestandes in Kraft steht. Das ist in der 

vorliegenden Streitsache das bisherige Recht, weshalb diese nach dem 

alten Bürgerrechtsgesetz zu beurteilen ist. 

 

 

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Seite 5 

2.  

2.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend erleichterte Einbürgerung sind 

mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 51 Abs. 1 

aBüG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG; vgl. auch Art. 2 Abs. 4 VwVG). 

2.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert. 

Auf ihre frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten 

(Art. 48 ff. VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-

verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 

Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann 

die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen 

gutheissen oder abweisen (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 1 aBüG kann eine ausländische Person nach der 

Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte 

Einbürgerung stellen, wenn sie insgesamt fünf Jahre in der Schweiz ge-

wohnt hat, seit einem Jahr hier wohnt und seit drei Jahren in ehelicher Ge-

meinschaft mit einem Schweizer Bürger lebt. In allgemeiner, für alle For-

men der erleichterten Einbürgerung geltenden Weise setzt Art. 26 Abs. 1 

aBüG voraus, dass die ausländische Person in der Schweiz integriert ist 

(Bst. a), die schweizerische Rechtsordnung beachtet (Bst. b) und die in-

nere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährdet (Bst. c). Sämtli-

che Einbürgerungsvoraussetzungen müssen sowohl bei Einreichung des 

Gesuchs als auch anlässlich der Einbürgerungsverfügung erfüllt sein. Fehlt 

es im Zeitpunkt des Einbürgerungsentscheids an der ehelichen Gemein-

schaft, darf die erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden 

(BGE 140 II 65 E. 2.1 m.H.). 

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Seite 6 

4.2 Der Begriff der ehelichen Gemeinschaft bedeutet nach der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung mehr als das formelle Bestehen einer Ehe. 

Verlangt wird vielmehr eine tatsächliche Lebensgemeinschaft, die vom 

beidseitigen Willen der Ehepartner getragen wird, ihre Ehe auch künftig 

aufrecht zu erhalten. Zweifel am Willen der Ehegatten, die eheliche Ge-

meinschaft aufrecht zu erhalten, können sich dann ergeben, wenn kurze 

Zeit nach der erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt oder die 

Scheidung eingeleitet wird (BGE 135 II 161 E. 2 m.H.), ein Ehegatte wäh-

rend der Ehe ein aussereheliches Kind zeugt (vgl. Urteil des BGer 

1C_27/2011 vom 21. März 2011 E. 6.4.1) oder eine Zweitehe schliesst, der 

Prostitution nachgeht oder sich in einer anderen Weise verhält, die in gro-

bem Widerspruch steht zum traditionellen Bild der Ehe als einer ungeteil-

ten, von Treue und Beistand getragenen Geschlechtergemeinschaft zwi-

schen Mann und Frau (vgl. Urteil des BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 

2016 E. 3.2 m.H). 

5.  

5.1 Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung des Heimatkan-

tons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Verheim-

lichung erheblicher Tatsachen erschlichen, d.h. mit einem unlauteren und 

täuschenden Verhalten erwirkt wurde (vgl. Art. 41 Abs. 1 aBüG). Arglist im 

Sinne des strafrechtlichen Begriffs ist nicht erforderlich. Es genügt, wenn 

die betroffene Person bewusst falsche Angaben macht bzw. die mit dem 

Gesuch um erleichterte Einbürgerung befasste Behörde bewusst in einem 

falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen 

zu haben, über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE 140 II 

65 E. 2.2 m.H.). 

5.2 Weiss die betroffene Person, dass die Voraussetzungen für die erleich-

terte Einbürgerung auch im Zeitpunkt der Verfügung vorliegen müssen, so 

muss sie die Behörde unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung 

der Verhältnisse orientieren, von der sie weiss oder wissen muss, dass sie 

einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt sich aus dem 

Grundsatz von Treu und Glauben und aus der verfahrensrechtlichen Mit-

wirkungspflicht nach Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde ihrerseits 

darf sich darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei passi-

vem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie vor der Wirklichkeit 

entsprechen (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 m.H.). 

5.3 Die Täuschungshandlung der gesuchstellenden Person muss sich auf 

einen erheblichen Sachverhalt beziehen. Erheblich im Sinne von Art. 41 

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Seite 7 

Abs. 1 aBüG ist ein Sachverhalt nicht nur, wenn seine pflichtgemässe Of-

fenlegung dazu geführt hätte, dass die mit der Einbürgerung befasste Be-

hörde das Vorliegen einer Einbürgerungsvoraussetzung verneint und die 

Einbürgerung verweigert hätte. Es genügt, wenn der Sachverhalt, wäre er 

der Behörde bekannt gewesen, begründete Zweifel am Vorliegen einer sol-

chen Voraussetzung geweckt und die Einbürgerung ernsthaft in Frage ge-

stellt hätte bzw. eine solche nicht ohne weitere Beweismassnahmen hätte 

verfügt werden können (vgl. Urteil des BVGer F-2375/2016 vom 29. März 

2018 E. 5.3 m.H.). 

6.  

6.1 Die Möglichkeit der Nichtigerklärung geht durch Zeitablauf unter. 

Art. 41 Abs. 1bis aBüG statuiert hierfür seit dem 1. März 2011 eine differen-

zierte Fristenregelung, welche auch ins neue Bürgerrechtsgesetz über-

nommen worden ist (vgl. Art. 36 Abs. 2 BüG). Demnach kann die Einbür-

gerung innert zwei Jahren, nachdem das SEM vom rechtserheblichen 

Sachverhalt Kenntnis erhalten hat, spätestens jedoch innert acht Jahren 

nach dem Erwerb des Schweizer Bürgerrechts, nichtig erklärt werden. 

Nach jeder Untersuchungshandlung, die der eingebürgerten Person mitge-

teilt wird, beginnt eine neue zweijährige Verjährungsfrist zu laufen. Wäh-

rend eines Beschwerdeverfahrens stehen die Fristen still (vgl. Urteil des 

BVGer F-2182/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 5). 

6.2 Vorliegend sind die Fristen von Art. 41 aBüG – sowohl die zweijährige 

relative als auch die achtjährige absolute Verjährungsfrist – eingehalten. 

Auch die Zustimmung des zuständigen Heimatkantons liegt vor. Die for-

mellen Voraussetzungen für die Nichtigerklärung der erleichterten Einbür-

gerung sind somit erfüllt. 

7.  

7.1 Das Verfahren zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung 

richtet sich nach dem VwVG (vgl. Art. 1 Abs. 1 und 2 Bst. a VwVG). Es gilt 

namentlich der Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 12 VwVG). Die Behörde 

hat daher von Amtes wegen zu untersuchen, ob der betroffenen Person die 

Täuschung über eine Einbürgerungsvoraussetzung vorgeworfen werden 

kann, wozu insbesondere die Existenz eines beidseitig intakten und geleb-

ten Ehewillens gehört. Da die Nichtigerklärung in die Rechte der betroffe-

nen Person eingreift, liegt die Beweislast bei der Behörde. Allerdings geht 

es in der Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörige Sach-

verhalte, die der Behörde nicht bekannt und einem direkten Beweis natur-

gemäss kaum zugänglich sind. Sie können regelmässig nur indirekt durch 

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Indizien erschlossen werden. Die Behörde kann sich darüber hinaus auch 

veranlasst sehen, von bekannten Tatsachen (Vermutungsbasis) auf unbe-

kannte (Vermutungsfolge) zu schliessen. Solche sogenannten natürlichen 

bzw. tatsächlichen Vermutungen stellen eine besondere Form des Indizi-

enbeweises dar und können sich in allen Bereichen der Rechtsanwendung 

ergeben, namentlich auch im öffentlichen Recht. Dabei handelt es sich um 

Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die aufgrund der Lebenserfahrung gezo-

gen werden. Die betroffene Person ist bei der Sachverhaltsabklärung mit-

wirkungspflichtig (vgl. BGE 140 II 65 E. 2.2 und BGE 135 II 161 E. 3 je 

m.H.). 

7.2 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (vgl. 

Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Sie stellt eine Beweiserleichte-

rung dar, indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssig-

keit mögliche Beweisführung unterstützt wird. Eine Umkehr der Beweislast 

hat sie nicht zur Folge. Wenn daher bestimmte Tatsachen – bspw. die Chro-

nologie der Ereignisse – die natürliche Vermutung begründen, dass die er-

leichterte Einbürgerung erschlichen wurde, muss die betroffene Person 

nicht den Beweis für das Gegenteil erbringen. Sie bringt die natürliche Ver-

mutung bereits mit dem Gegenbeweis zu Fall (HANS PETER WALTER, Berner 

Kommentar, 2012, N. 476 zu Art. 8 ZGB). Es genügt zum Beweis, wenn sie 

einen Grund anführt, der es dem Gericht plausibel erscheinen lässt, dass 

sie die Behörde nicht getäuscht hat. Bei diesem Grund kann es sich um 

ein ausserordentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes 

Ereignis handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die be-

troffene Person vermag glaubhaft darzulegen, dass sie die Ernsthaftigkeit 

der ehelichen Probleme zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung 

nicht erkannte und den wirklichen Willen hatte, mit dem Schweizer Ehe-

partner auch weiterhin in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft zu leben 

(vgl. BGE 135 II 161 E. 3 m.H.; Urteil des BVGer C-333/2012 vom 21. Au-

gust 2014 E. 4.2). 

8.  

In materieller Hinsicht stellt sich der Sachverhalt gestützt auf die Aktenlage 

wie folgt dar: 

8.1 Die Beschwerdeführerin gelangte im März 2008 aufgrund eines Stel-

lenangebots aus Russland in die Schweiz und heiratete am 14. August 

2009 einen Schweizer Bürger. Am 11. April 2013 stellte sie ein Gesuch um 

erleichterte Einbürgerung. Am 11. April 2014 unterzeichneten die Ehegat-

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ten eine gemeinsame Erklärung zum Bestand einer intakten und auf Zu-

kunft ausgerichteten Ehe. Kurz darauf, am 17. April 2014, in Rechtskraft 

erwachsen am 29. Mai 2014, wurde die Beschwerdeführerin erleichtert ein-

gebürgert. Den Akten kann entnommen werden, dass ihr Ehemann rund 

einen Monat nach Rechtskraft der Einbürgerung seine Trennungsabsich-

ten erklärte, sie am 14. Juli 2014 aus dem gemeinsamen Haushalt auszog 

und nach Ablauf der zweijährigen Wartefrist am 16. Juli 2016 auf Schei-

dung der Ehe klagte. Mit Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 6. Septem-

ber 2016 (rechtskräftig seit 20. September 2016) wurde die Scheidung aus-

gesprochen.  

8.2 Die Chronologie der Ereignisse, namentlich die kurze Zeitspanne zwi-

schen der gemeinsamen Erklärung zum Zustand der ehelichen Gemein-

schaft und der erleichterten Einbürgerung einerseits und der Trennung 

knapp zwei Monate später und die darauffolgende Scheidung am 6. Sep-

tember 2016 andererseits, begründet nach bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung ohne weiteres die natürliche Vermutung, dass die Ehe zum Zeit-

punkt der gemeinsamen Erklärung bzw. der erleichterten Einbürgerung in 

Wahrheit nicht intakt war und die Einbürgerungsbehörde über diesen Um-

stand aktiv oder passiv getäuscht wurde (vgl. dazu Urteil des BGer 

1C_466/2018 vom 15. Januar 2019 E. 5.3 m.H.). Denn das Scheitern einer 

intakten und auf die Zukunft ausgerichteten Ehe stellt einen Prozess dar, 

der – besondere Umstände vorbehalten – regelmässig wesentlich längere 

Zeit in Anspruch nimmt. Es ist nach dem weiter oben Gesagten an der Be-

schwerdeführerin, diese Vermutung umzustossen, indem sie ein ausseror-

dentliches, nach der erleichterten Einbürgerung eingetretenes Ereignis 

aufzeigt, das den nachfolgenden raschen Zerfall einer zuvor intakten ehe-

lichen Beziehung plausibel erklärt oder, falls die Ehe zum Zeitpunkt der 

erleichterten Einbürgerung nicht mehr intakt war, glaubwürdig darlegt, dass 

sie zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung in guten Treuen von einer 

intakten Ehe ausging (vgl. Urteil des BVGer F-3013/2018 vom 20. April 

2020 E. 10).  

9.  

9.1 In ihren Stellungnahmen an die Vorinstanz vom 20. November 2017 

(SEM act.16/68–73) und 19. Dezember 2017 (SEM act. 18/157–159) 

wehrte sich die Beschwerdeführerin gegen den Vorwurf, sie habe die er-

leichterte Einbürgerung durch falsche bzw. unterlassene Angaben zum Zu-

stand ihrer Ehe erschlichen. Sie machte dazu geltend, die geäusserten 

Trennungsabsichten kurz nach ihrer Einbürgerung seien für sie völlig un-

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erwartet gekommen, da eine allfällige Trennung vorab nie thematisiert wor-

den sei. Noch im April 2014 habe sie gemeinsam mit ihrem damaligen Ehe-

mann Ferien im Tibet verbracht. Gemäss den Angaben der Beschwerde-

führerin seien die Ferien sehr harmonisch verlaufen und das Ehepaar habe 

ihren Freunden im Anschluss begeistert von den erlebten Ereignissen er-

zählt. Zudem sei nach der Rückkehr ab Juli 2014 eine hormonelle Behand-

lung zwecks Erfüllung des gemeinsamen Kinderwunschs geplant gewe-

sen. Über mehrere Jahre hinweg habe das Ehepaar hierzu verschiedene 

medizinische Abklärungen getätigt und die Beschwerdeführerin habe sich 

auch einem operativen Eingriff unterzogen. Am 24. Juni 2014, und damit 

nach der erleichterten Einbürgerung, habe der Ex-Ehemann sie zu einer 

letzten Besprechung vor der geplanten hormonellen Behandlung mit der 

zuständigen Ärztin begleitet.  

 

Trotz mehrmaligem Nachfragen habe der Ex-Ehemann den Grund für die 

Trennung nicht kommuniziert. Wiederholte Versuche, mit ihm darüber zu 

sprechen, seien gescheitert. Die von ihr vorgeschlagene Ehetherapie habe 

er klar abgelehnt. Zudem habe er ihr verboten, gemeinsame Freunde um 

Vermittlung zu ersuchen. Erst später habe sie erfahren, dass er bereits im 

Juni 2014 seine neue Partnerin kennengelernt habe. Sie hege den Ver-

dacht, dass diese Bekanntschaft der Grund für das Scheitern ihrer Ehe ge-

wesen sei. 

Nach der Eröffnung seiner Trennungsabsichten habe sie ihn gebeten, vor-

läufig in der gemeinsamen Liegenschaft bleiben zu können. Er habe sich 

hierzu nur unter der Bedingung einverstanden erklärt, dass sie für sämtli-

che Kosten der Liegenschaft alleine aufkäme. Da sie sich dies finanziell 

nicht habe leisten können und sich zudem erhofft habe, durch die vorüber-

gehende räumliche Trennung die Ehe retten zu können, sei sie in der Folge 

aus der ehelichen Liegenschaft ausgezogen. 

9.2 In seinen Schreiben vom 20. Februar 2018 (SEM act. 20/171–172) und 

27. März 2018 (SEM act. 22/175) führte der Ex-Ehemann aus, dass er sich 

gut vorstellen könne, dass sein damaliger Entscheid für die Partnerin über-

raschend gekommen sei. Vor der Einbürgerung sei kein erwähnenswerter 

Vorfall geschehen.  

Je länger die Ehe gedauert habe, desto öfter hätten sie Auseinanderset-

zungen gehabt und es sei ihnen nie gelungen, eine für ihn akzeptable 

Streitkultur zu entwickeln. Streitpunkte seien insbesondere der unerfüllte 

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Seite 11 

Kinderwunsch, Grundeinstellungsfragen sowie tägliche Kleinigkeiten ge-

wesen. Er gehe davon aus, dass die unterschiedlichen Auffassungen bzw. 

die Diskussionen für die Ex-Ehefrau weniger belastend gewesen seien. 

Die Familienplanung habe die Beziehung belastet. Er habe sich mit der 

ungewollten Kinderlosigkeit besser abfinden können als seine Ex-Ehefrau, 

welche nichts unversucht habe lassen wollen. Als letzter Schritt sei eine 

künstliche Befruchtung in Frage gekommen, welche jedoch nicht seiner 

Überzeugung entsprochen habe. Er habe von Anfang an betont, dass er 

sich Kinder nur auf natürlichem Wege wünsche. 

Die gemeinsame Reise nach Tibet habe seinen Entscheid zur Trennung 

beeinflusst. Er habe gemerkt, dass er, wenn es darauf ankomme, nicht auf 

seine Partnerin zählen könne. Aufgrund einer Höhenkrankheit habe er me-

dizinisch versorgt werden müssen. Sie sei hiernach aber nicht ausreichend 

auf sein Befinden eingegangen, sondern habe die Reise auch ohne ihn 

fortsetzen wollen. 

Da die eben ausgeführten Begebenheiten zeitlich nahe zusammenlagen, 

habe er keine Massnahmen zur Erhaltung der Ehe ergriffen. Es sei alles 

sehr schnell gegangen und er habe sich überfordert gefühlt. Im Juni 2014 

habe er ihr den Trennungswunsch eröffnet. Ende Juni habe er seine neue 

Partnerin kennengelernt. 

9.3 In einer abschliessenden Stellungnahme vom 17. April 2018 hielt die 

Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren fest, dass ihr Ex-Ehe-

mann seine Ablehnung einer künstlichen Befruchtung nie entsprechend 

kommuniziert habe. Sie hätten sich damals gemeinsam für diesen Weg 

entschieden. Wäre er hiervon nicht überzeugt gewesen, hätte er sie im 

Vorfeld nicht an zahlreiche Arztbesuche begleitet und sich selber einer Un-

tersuchung unterzogen. Zwar sei der unerfüllte Kinderwunsch für das Ehe-

paar psychisch belastend gewesen, dennoch hätten sich Meinungsver-

schiedenheiten und Streitigkeiten in der Ehe nicht gehäuft. Das Ehepaar 

habe bis zum Schluss der Beziehung einen entspannten und respektvollen 

Umgang miteinander gepflegt. Betreffend seine gesundheitlichen Ein-

schränkungen während der Tibet-Reise merkte die Beschwerdeführerin 

an, dass jene seinem eigenen Verhalten zuzuschreiben gewesen seien, da 

er sich entgegen den Anweisungen des Reiseführers anfangs nicht genü-

gend ausgeruht habe. Bei ernsthaften Beschwerden wäre sie sofort bereit 

gewesen, die Trekkingroute anzupassen (SEM act. 24/185–187). Be-

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schwerdeweise hielt die Beschwerdeführerin ergänzend fest, dass be-

wusst auf ein Eheschutzverfahren verzichtet worden sei, da sie für ihren 

Lebensunterhalt selber habe aufkommen können und zudem keine Kinder-

belange zu regeln gewesen seien (BVGer act. 1). In einem persönlichen 

Schreiben an das Bundesverwaltungsgericht führte die Beschwerdeführe-

rin sodann aus, dass ihr Ex-Ehemann sie hinsichtlich der Erfüllung des Kin-

derwunsches finanziell unterstützt und ihr monatlich Fr. 300.– bis Fr. 500.– 

überwiesen habe (BVGer act. 10). 

9.4 Der Ex-Ehemann reichte auf Beschwerdeebene unaufgefordert ein 

Schreiben zu den Akten. Hierin korrigierte er das Datum des Kennenler-

nens seiner neuen Partnerin von Ende Juni auf anfangs Juni. Er sei sich 

diesbezüglich nicht sicher gewesen und habe zudem seine Ex-Ehefrau 

nicht verletzen wollen. Er berichtigte sodann, dass er es als normal er-

achte, dass es in ihrer Ehe Auseinandersetzungen gegeben habe. Die Be-

ziehung habe wie jede andere Ehe Höhen und Tiefen durchlebt. Abschlies-

send hielt er fest, dass das Kennenlernen der neuen Partnerin der Grund 

für die Trennung gewesen sei (BVGer act. 4). 

10.  

10.1 Zusammenfassend ergibt sich ein zwiespältiges Bild. Den Akten und 

den Aussagen der Beteiligten kann entnommen werden, dass der Ex-Ehe-

mann die Beschwerdeführerin im Juni 2014 überraschend mit seinen Tren-

nungsabsichten konfrontierte. Eine solche Entwicklung in einer Ehe, die im 

April 2014 noch beidseitig intakt und stabil gewesen sein soll, ist grund-

sätzlich nicht plausibel. Das anerkennt die Beschwerdeführerin zumindest 

implizit, indem sie vorbringt, der Trennungswunsch des Ex-Ehemannes sei 

für sie völlig überraschend gekommen (SEM act. 16/68, Frage 1). Als wei-

teres Indiz für eine Instabilität der ehelichen Gemeinschaft ist der kurz nach 

der erleichterten Einbürgerung erfolgte aussereheliche Kontakt des Ex-

Ehemannes zu werten. Zudem dürften grundsätzlich auch die rasche Auf-

nahme des Getrenntlebens sowie der Mangel an Massnahmen zur Rettung 

der Ehe, wie etwa durch Einleitung eines Eheschutzverfahrens oder Inan-

spruchnahme fachlicher Hilfe, bloss Ausdruck einer bereits zum Zeitpunkt 

der erleichterten Einbürgerung zerrütteten Ehe gewesen sein. Kommt 

hinzu, dass der unerfüllte Kinderwunsch gemäss übereinstimmender Aus-

sagen der Betroffenen (SEM act. 20/171, 24/186) ehebelastend wirkte. Er-

fahrungsgemäss ist eine solche Situation eine grosse Belastung für eine 

Ehe, wobei es sich gewöhnlich um einen Prozess handelt, der eine ge-

wisse Zeit in Anspruch nimmt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_193/2010 

vom 4. November 2010 E. 2.6). Angesichts der zeitlich raschen Verkettung 

F-2275/2019 

Seite 13 

dieser Ereignisse kann nicht ausgeschlossen werden, dass zum Zeitpunkt 

der erleichterten Einbürgerung keine beidseitig intakte und stabile eheliche 

Beziehung mehr bestand und die Beschwerdeführerin davon Kenntnis 

hatte, die Ehegatten jedoch beschlossen, diesen Umstand den Behörden 

zu verschweigen und ihre Trennung aufzuschieben, um die Einbürgerung 

der Beschwerdeführerin nicht zu gefährden. 

10.2 Andererseits erscheint auch ein anderer Ablauf der Ereignisse plausi-

bel. Danach wäre der Trennungswunsch des Ex-Ehemannes nach der er-

leichterten Einbürgerung der Beschwerdeführerin gerade deswegen plötz-

lich akut und unaufschiebbar geworden, da er in diesem Zeitraum seine 

neue Partnerin kennengelernt hatte, was er seiner damaligen Partnerin 

verschwieg. So betonte er mehrfach, es sei vor der Einbürgerung kein nen-

nenswerter Vorfall geschehen und er habe sie nicht verletzen wollen, wes-

halb er das Datum des Kennenlernens seiner neuen Partnerin erst auf Be-

schwerdeebene nach vorne korrigierte. In diesem Zusammenhang ist auch 

darauf hinzuweisen, dass sowohl die Beschwerdeführerin wie auch ihr da-

maliger Lebenspartner stets betonten, er habe den Trennungswunsch ge-

äussert; dieser sei für die Beschwerdeführerin überraschend gewesen. In 

einer solchen Situation ist es durchaus denkbar, dass sich die Beschwer-

deführerin zum Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung berechtigterweise 

in einer intakten und stabilen Ehe wähnte und sie durch die nachfolgende 

Sachverhaltsentwicklung überrascht wurde. Diese Annahme wird in retro-

spektiver Sicht durch weitere Umstände gestützt.  

10.3 Ihre übereinstimmenden Aussagen sowie zahlreiche zu den Akten ge-

reichte Arztberichte belegen, dass die Ehegatten über mehrere Jahre hin-

weg zeitintensive medizinische Abklärungen und Untersuchungen zum 

Zwecke der Erfüllung ihres seit der Eheschliessung bestehenden Kinder-

wunsches getätigt haben. Ende 2013 wurden sie schliesslich zur weiteren 

Sterilitätsbehandlung an das A._______ überwiesen und blieben dort wäh-

rend der erleichterten Einbürgerung fortwährend in Behandlung. Mit 

Schreiben vom 24. Januar 2014 wurde die Gynäkologin der Beschwerde-

führerin von der Klinik B._______ unter anderem darüber informiert, dass 

nun noch die sterilitätsrelevanten Faktoren vollständig abgeklärt werden 

würden und anschliessend die ICSI-Behandlung (Verfahren der künstli-

chen Befruchtung) geplant werde (SEM act. 16/94 ff.). Am 7.  Mai 2014 er-

folgte in der besagten Klinik eine Konsultation der Beschwerdeführerin um 

die bisherigen Resultate und das weitere Prozedere zu besprechen. Das 

Ehepaar hätte schliesslich am 25. Juni 2014 gemeinsam zur Besprechung 

F-2275/2019 

Seite 14 

der Sterilitätstherapie kommen sollen; erschienen sei hingegen nur die Be-

schwerdeführerin, die angegeben habe, ihr Mann wolle sich wohl von ihr 

trennen, da ihm alles zu viel sei. Die Sterilitätstherapien wurden in der 

Folge sistiert (SEM act. 16/116). Insoweit der Ex-Ehemann schliesslich vor-

bringt, dass er gegen eine künstliche Befruchtung gewesen sei, so war 

diese innere Überzeugung durch sein äusseres Verhalten für die Be-

schwerdeführerin nicht unbedingt erkennbar, zumal gemäss obgenanntem 

Schreiben vom 24. Januar 2014 bereits damals die Rede von einer ICSI-

Behandlung war und sowohl die Beschwerdeführerin wie auch ihr damali-

ger Ehemann in der Klinik B._______ in Behandlung waren (SEM act. 

16/115). Ausgehend von diesen Umständen sowie aufgrund der Tatsa-

chen, dass die medizinischen Behandlungen nicht nur sehr kostenintensiv 

und zeitaufwändig waren, sondern die Beschwerdeführerin auch physisch 

sowie psychisch schwächten, erscheint es dem Gericht nachvollziehbar, 

dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung 

durchaus Grund hatte, auf die Beständigkeit der Ehe zu vertrauen, zumal 

solche Mühen in einer als nicht stabil wahrgenommenen Ehe kaum vor-

stellbar wären.  

10.4 Ihre in gewissen Punkten divergierenden Schilderungen vermitteln 

schliesslich den Eindruck, dass die Eheleute über verschiedentliche Ereig-

nisse eine unterschiedliche Wahrnehmung bezüglich ihrer Beziehung 

pflegten. So führte der Ex-Ehemann bereits im vorinstanzlichen Verfahren 

aus, dass unterschiedliche Auffassungen sowie Diskussionen während der 

Ehe für die Beschwerdeführerin vermutungsweise viel weniger belastend 

gewesen seien dürften als für ihn (SEM act. 22/175). Sodann sprechen die 

unterschiedlichen Schilderungen ihrer Reise nach Tibet ebenfalls dafür, 

dass die Beschwerdeführerin einzelne Geschehnisse anders wahrnahm 

und – im Unterschied zu ihrem Ex-Ehemann – durchaus in guten Treuen 

noch von einer intakten Ehe ausging. 

10.5 Es mag einzuwenden sein, dass keine ernsthaften Versuche zur Ret-

tung der Ehe unternommen wurden. Dass ein solches Argument beim Ein-

gehen von Fremdbeziehungen nur bedingt greifen kann, liegt indes in der 

Natur der Sache (vgl. etwa Urteil des BVGer C-1483/2010 vom 29.  Okto-

ber 2012 E. 9.3.3). Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die Beschwer-

deführerin im Unterschied zu ihrem Ex-Ehemann durchaus bereit war, die 

Ehe unter Beizug Dritter zu retten (vgl. E. 9.1).  

Des Weiteren brauchte sie eigenen Angaben zufolge lange, um die Ge-

schehnisse zu verarbeiten und sie liess sich erst im Frühling 2015 wieder 

F-2275/2019 

Seite 15 

auf eine neue Beziehung ein (SEM act. 18/159, Frage 10; act. 16/72, 

Frage 12). Hiermit fällt ein weiteres praxisrelevantes Verdachtsindiz weg. 

10.6 Sodann hat die Vorinstanz ausser Acht gelassen, dass die Beschwer-

deführerin 2008 hauptsächlich aus beruflichen Gründen in die Schweiz ein-

reiste, die Ehe gemäss übereinstimmenden Angaben der Beschwerdefüh-

rerin und ihres Ex-Ehemannes aus Liebe geschlossen wurde und bis zur 

Trennung während rund fünf Jahren tatsächlich gelebt wurde. Tragende 

Elemente der Beziehung bildeten insbesondere die geteilte Leidenschaft 

fürs Golfen und Jassen, die regelmässigen Besuche von kulturellen Veran-

staltungen, das Pflegen sozialer Kontakte sowie wiederkehrende gemein-

same Ferien (SEM act. 20/171). So erfüllte sich das Ehepaar – wie bereits 

erwähnt – noch im April und Mai 2014 einen Wunsch und reiste zusammen 

für mehrere Wochen nach Tibet. 

Dass sie vor der erleichterten Einbürgerung bei privaten und gesellschaft-

lichen Anlässen stets als Ehepaar aufgetreten waren, bestätigen zudem 

zahlreiche Freunde des Ehepaars. In guter Erinnerung blieb vielen die 

grosse Feier zum 30. Geburtstag der Beschwerdeführerin im […], an wel-

cher das Ehepaar verliebt und glücklich gewirkt habe. Die Trennung sei 

überraschend gekommen. Nichts habe auf eine unglückliche Beziehung 

hingedeutet (vgl. verschiedene Referenzschreiben von Freunden und Ar-

beitskolleginnen: Beilage 2–4 zu BVGer act. 1, SEM act. 1/9 ff. und 

16/122). 

10.7 Abschliessend ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung ebenfalls dem 

Umstand Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdeführerin dank ihrer Er-

werbstätigkeit in der Schweiz nicht von einer Wegweisung betroffen war. 

Für das Bundesverwaltungsgericht steht zweifelsfrei fest, dass ihre Ehe 

echt war und nicht bezweckte, ausländerrechtliche Bestimmungen zu um-

gehen. In ihrer Gesamtheit unterscheiden diese Elemente die vorliegende 

Streitsache von typischen Nichtigkeitskonstellationen, mit denen sich die 

Behörden gewöhnlich zu befassen haben. 

11.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass es der Beschwerdeführerin gelungen 

ist, die zu ihren Lasten sprechende natürliche Vermutung zu erschüttern. 

Entsprechend der Beweislastverteilung kann somit nicht davon ausgegan-

gen werden, dass sie ihre Einbürgerung im Sinne von Art. 41 Abs. 1 aBüG 

durch falsche Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen zum 

Zustand der Ehe erschlichen hat. Die Voraussetzungen des Art. 41 Abs. 1 

F-2275/2019 

Seite 16 

aBüG für eine Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung sind folglich 

nicht erfüllt. Indem die angefochtene Verfügung vom Gegenteil ausgeht, 

verletzt sie Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG). Sie ist in Gutheissung der 

Beschwerde aufzuheben. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. 

Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), und es ist der durch einen Anwalt vertretenen 

Beschwerdeführerin zu Lasten der Vorinstanz für die ihr erwachsenen not-

wendigen Kosten eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen 

(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG). Diese ist unter Berücksichtigung des aktenkun-

digen Aufwands und in Anwendung von Art. 7 ff. des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf Fr. 2'500.– festzusetzen 

(inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

F-2275/2019 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung auf-

gehoben. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der geleistete Kostenvor-

schuss im Betrag von Fr. 1'500.– wird zurückerstattet. 

3.  

Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht mit Fr. 2’500.– zu entschädigen. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde; Beilage: Formular 

«Zahladresse») 

– die Vorinstanz (gegen Empfangsbestätigung; Akten Ref-Nr. […] retour) 

– den Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst des Kantons Bern (in Kopie) 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Susanne Stockmeyer 

 

 

 

F-2275/2019 

Seite 18 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist 

gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim 

Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 

Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver-

tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in 

einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 

mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde-

führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

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