# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ee6a590c-abb2-5eef-8521-0735a1ee815e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-19
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 19.04.2016 SK2 2016 10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2016-10_2016-04-19.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 19. April 2016 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 16 10 21. April 2016

Verfügung
II. Strafkammer

Vorsitz Pritzi
Aktuar Nydegger

In der strafrechtlichen Beschwerde

des X._____, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Vincent 
Augustin, Quaderstrasse 8, 7000 Chur, 

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. Februar 
2016, mitgeteilt am 16. Februar 2016, in Sachen des Beschwerdeführers,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Mit Strafbefehl vom 11. Januar 2016, mitgeteilt am 18. Januar 2016, wurde 
X._____ wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 i.V.m. Art. 
90 Abs. 1 SVG verurteilt. Von einer Bestrafung wurde gestützt auf Art. 54 StGB 
abgesehen. Die Verfahrenskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden gingen 
zulasten der Staatskasse. X._____ wurden die Kosten der polizeilichen Unfallauf-
nahme auferlegt. Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zugrunde:

"Am 13. Oktober 2015, um 17:10 Uhr, lenkte X._____ sein Fahrrad der 
Marke UGD Power Racing, über die _____strasse in O.1_____ in Fahrrich-
tung O.2_____. Die Strasse war signalisiert mit den Gefahrensignalen 
"Baustelle" (Sig. 1.14 SSV) und "Lichtsignale" (Sig. 1.27 SSV). Durch die 
Strassenbelagsarbeiten war der Belag aufgeraut und wies Niveauunter-
schiede auf. X._____ fuhr Ausgangs der Ortschaft O.1_____ bei der Ört-
lichkeit "A._____" mit ca. 40-45 km/h, als er wegen eines Niveauunter-
schieds der Strasse von 2.5-3 cm stürzte. Bei diesem Sturz zog er sich ei-
ne leichte traumatische Hirnverletzung, zwei Rippenfrakturen rechts, einen 
Schlüsselbeinbruch rechts und eine Hüftprellung rechts zu.

Angesichts der schweren Verletzung des Beschuldigten wird in Anwendung 
von Art. 54 StGB von einer Bestrafung abgesehen. Ebenfalls wird auf die 
Erhebung der Gebühren der Staatsanwaltschaft verzichtet. Demgegenüber 
werden ihm die Kosten der polizeilichen Unfallaufnahme (Barauslagen) 
auferlegt."

B. Mit Schreiben vom 28. Januar 2016 erhob X._____ gegen den Strafbefehl 
fristgerecht Einsprache. In dieser machte er unter anderem geltend, dass sich die 
Örtlichkeit seines Sturzes ausserhalb des mit Baustellentafeln signalisierten Be-
reichs befand und er somit nicht mit dem erwähnten Niveauunterschied des Stras-
senbelags habe rechnen müssen.

C. Mit Einstellungsverfügung vom 11. Februar 2016, mitgeteilt am 16. Februar 
2016, entschied die Staatsanwaltschaft Graubünden, was folgt:

"1. Das Strafverfahren gegen X._____ wegen Verletzung der Verkehrsre-
geln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG 
wird eingestellt.

2. Die Verfahrenskosten trägt der Kanton.

3. Eine Entschädigung wird nicht zugesprochen."

Zur Begründung führte die Staatsanwaltschaft aus, dass die gegen X._____ ge-
führte Strafuntersuchung gestützt auf Art. 54 StGB eingestellt werde, da dieser 
beim fraglichen Unfall erheblich verletzt worden sei. Eine Entschädigung werde 
mangels nennenswerter Umtriebe nicht zugesprochen.

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D. Am 26. Februar 2016 reichte X._____ ein in französischer Sprache verfass-
tes, als "Recours" tituliertes Schreiben ein.

E. Mit Eingabe vom 29. Februar 2016 reichte X._____ die von ihm gegen den 
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. Januar 2016 erhobene 
Einsprache nach.

E. Mit Schreiben vom 1. März 2016 wies der Vorsitzende der II. Strafkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden X._____ auf die gesetzlichen Anforderun-
gen an die Beschwerde hin. X._____ wurde zudem darauf aufmerksam gemacht, 
dass die Beschwerde in einer der drei Amtssprachen des Kantons Graubünden 
(Deutsch, Rätoromanisch oder Italienisch) zu verfassen sei. Ihm wurde Frist bis 
zum 11. März 2016 zur Verbesserung der Eingabe gesetzt, andernfalls auf die 
Beschwerde nicht eingetreten würde.

F. Am 10. März 2016 liess X._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine in 
deutscher Sprache verfasste Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden 
einreichen. Darin beantragte er, was folgt:

"1. Die angefochtene Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 
11./16.02.2016 im Verfahren ÜB.2015.15543 sei aufzuheben und 
stattdessen wie folgt zu erkennen:
Das Strafverfahren gegen X._____ wegen Verletzung von Verkehrsregeln sei mangels 
vorwerfbaren Verhaltens, sohin mangels Schuld des Beschwerdeführers einzustellen 
und dieser sohin von jeglicher Schuld freizusprechen.

2. Unter vollen Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates 
sowohl für das vorliegende Beschwerdeverfahren als auch für das po-
lizeiliche bzw. staatsanwaltschaftliche Verfahren."

G. In ihrer Stellungnahme vom 21. März 2016 (Datum Poststempel) beantragte 
die Staatsanwaltschaft Graubünden, es sei – mangels rechtlich geschützten Inter-
esses des Beschwerdeführers – auf die Beschwerde nicht einzutreten.

H. Am 23. März 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein, 
worin er Ausführungen zur Beschwerdelegitimation machte.

I. Auf die weitere Begründung der Anträge in den Rechtsschriften sowie auf 
die Erwägungen in der angefochtenen Einstellungsverfügung wird, soweit erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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II. Erwägungen

1. a) Gemäss Art. 322 Abs. 2 sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen 
Strafprozessordnung (StPO; SR 312) in Verbindung mit Art. 22 des Einführungs-
gesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann 
gegen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht von 
Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Behandlung der Beschwerde fällt in 
die Zuständigkeit der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden (Art. 
10 Abs. 1 der Kantonsgerichtsverordnung [KGV; BR 173.110]). Die Beschwerde 
ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 322 Abs. 2 StPO; 
Art. 396 Abs. 1 StPO). Die beschwerdeführende Partei hat dabei genau anzuge-
ben, welche Punkte des Entscheides bzw. der Verfügung sie anficht (Art. 385 Abs. 
1 lit. a StPO), welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen (Art. 385 Abs. 1 
lit. b StPO) und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. c StPO). Mit 
Beschwerde können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO sowohl Rechtsverletzungen, 
einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweige-
rung und Rechtsverzögerung (lit. a), als auch die unvollständige oder unrichtige 
Feststellung des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Ferner kann die Rüge der 
Unangemessenheit (lit. c) erhoben werden.

b) Zu prüfen ist zunächst, ob der Beschwerdeführer beschwerdelegitimiert ist. 
Die Staatsanwaltschaft beantragt vorliegend, auf die Beschwerde sei nicht einzu-
treten. Zur Begründung führt sie aus, das gegen den Beschwerdeführer geführte 
Vorverfahren sei ohne Kostenfolge eingestellt worden. Demzufolge sei dieser nicht 
beschwert und habe somit kein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung 
der Einstellungsverfügung (KG act. A.3). Der Beschwerdeführer macht demge-
genüber geltend, die Staatsanwaltschaft hätte das Verfahren richtigerweise man-
gels Schuld und nicht in Anwendung von Art. 54 StGB einstellen müssen (vgl. 
insb. Beschwerde [KG act. A.2], Ziff. 9). Die angefochtene Einstellungsverfügung 
enthalte eine Schuldfeststellung, weshalb die Beschwerdelegitimation gegeben sei 
(vgl. KG act. A.4, Ziff. 2 und 4).

aa) Zur Beschwerde legitimiert sind entgegen dem Wortlaut von Art. 322 Abs. 2 
StPO nicht nur die Parteien, sondern auch die anderen Verfahrensbeteiligten nach 
Art. 105 StPO, soweit sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung 
oder Änderung eines Entscheids haben, d.h. soweit sie durch die Einstellungsver-
fügung beschwert sind (vgl. Art. 382 Abs. 1 StPO). Definitive Verfahrenseinstel-
lungen haben die rechtlichen Wirkungen eines gerichtlichen Freispruches (Art. 320 
Abs. 4 StPO). Die Einstellung (oder der Freispruch) "mangels Beweisen" oder 

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auch wegen eines materiellen gesetzlichen Strafbefreiungsgrundes führt nicht zu 
einem "Freispruch zweiter Klasse". Die Verfahrenserledigung zieht grundsätzlich 
die gleichen Rechtskraftwirkungen nach sich wie die Einstellung (oder der Frei-
spruch) mangels Tatbestandes oder wegen positiven Nachweises der Unschuld. 
Gleiches gilt, wenn die beschuldigte Person mangels Schuldfähigkeit freigespro-
chen oder das Verfahren eingestellt wird. Die beschuldigte Person ist grundsätz-
lich nicht legitimiert, mittels Beschwerde eine zu ihren Gunsten erfolgte Verfah-
renseinstellung anzufechten, mit dem Ziel, eine andere juristische Begründung der 
Einstellungsverfügung zu erwirken. Die Beschwer ergibt sich allein aus dem Dis-
positiv des angefochtenen Entscheids. Die Begründung kann grundsätzlich nicht 
angefochten werden. Eine Ausnahme gilt nach der Rechtsprechung des Bundes-
gerichts nur insofern, als Begründung und Dispositiv der Einstellungsverfügung 
sinngemäss einem Schuldvorwurf gleichkommen, ohne dass zuvor der gesetzliche 
Beweis der Schuld erbracht worden wäre und die beschuldigte Person Gelegen-
heit zur Wahrnehmung ihrer Verteidigungsrechte erhalten hätte (vgl. zum Ganzen 
Urteile des Bundesgerichts 1B_3/2011 vom 20. April 2011, E. 2, und 6B_155/2014 
vom 21. Juli 2014, E. 1.1; ferner auch Nathan Landshut/Thomas Bosshard, in: 
Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 32 zu Art. 319 StPO; Niklaus 
Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., 
Zürich/St. Gallen 2013, N 7 zu Art. 322 StPO).

bb) Die gegen den Beschwerdeführer eingeleitete Strafuntersuchung wurde 
folgenlos eingestellt. Dabei wendete die Staatsanwaltschaft den gesetzlichen 
Strafbefreiungsgrund von Art. 54 StGB an. Danach sieht die zuständige Behörde 
von einer Strafverfolgung, einer Überweisung an das Gericht oder einer Bestra-
fung ab, wenn der Täter durch die unmittelbaren Folgen seiner Tat so schwer be-
troffen ist, dass eine Strafe unangemessen wäre. Der Beschwerdeführer macht 
grundsätzlich (vgl. aber Erwägung 5a) nicht geltend, dass ihm (trotz Nichtverurtei-
lung) Kosten auferlegt worden wären, was einer unzulässigen Verdachtsstrafe 
gleichkäme. Der Beschwerdeführer verlangt, die Einstellung sei zwar zu bestäti-
gen, aber gestützt auf die Begründung, dass ihn kein strafrechtliches Verschulden 
treffe. Die Beschwerde richtet sich somit ausschliesslich gegen die Begründung 
der erfolgten Einstellung. Die angefochtene Einstellungsverfügung enthält zur Be-
gründung der Verfahrenseinstellung folgenden Wortlaut:

"Der Beschuldigte ist aus eigenem Verschulden an der umschriebenen Ört-
lichkeit mit seinem Fahrrad gestürzt. Insbesondere kann auch ein Radfah-
rer nicht darauf vertrauen, dass der Strassenbelag ausserhalb von Baustel-
len keine Unebenheiten, keine Löcher und keine geringfügigen Niveauun-

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terschiede aufweist. Da aber X._____ bei diesem Unfall erheblich verletzt 
wurde, wird die gegen ihn geführte Strafuntersuchung gestützt auf Art. 54 
StGB eingestellt. Die Kosten gehen zulasten der Staatskasse. Eine Ent-
schädigung wird mangels nennenswerter Umtriebe nicht zugesprochen 
(Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO)."

Den Kontext mitberücksichtigend, kann die Aussage, wonach der Beschwerdefüh-
rer "aus eigenem Verschulden" gestürzt sei, vernünftigerweise nur so verstanden 
werden, als dass der Beschwerdeführer im Hinblick auf Art. 31 Abs. 1 i.V.m. Art. 
90 Abs. 1 SVG tatbestandsmässig, rechtswidrig und schuldhaft gehandelt habe. 
Es handelt sich dabei klarerweise um eine Schuldfeststellung. Dass es sich bloss 
um eine Vermutung oder Hypothese handeln sollte, kann weder dem Wortlaut 
noch dem Kontext entnommen werden. Daran vermag auch die Kostentragung 
durch den Staat nichts zu ändern. Der Beschwerdeführer ist somit nach dem Aus-
geführten beschwert, weshalb auf die frist- und (nach Verbesserung) formgerecht 
eingereichte Beschwerde einzutreten ist.

2. a) Art. 10 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK statuieren 
den Anspruch, dass jede Person bis zu einer allfälligen Verurteilung als unschuldig 
betrachtet wird (sog. Unschuldsvermutung). Gemeint ist der Nachweis der Schuld 
in einem gerichtlichen Schuldspruch bzw. Urteil (für das Strafbefehlsverfahren ist 
Art. 354 Abs. 3 StPO zu beachten, wonach der Strafbefehl ohne gültige Einspra-
che zum rechtskräftigen Urteil wird). Bei einer Einstellung im Vorverfahren auf-
grund von Art. 54 StGB ist wegen der Unschuldsvermutung auf eine endgültige 
Feststellung über den objektiven und subjektiven Tatbestand und damit auf eine 
formelle Schuldfeststellung zu verzichten. Die Schuldfrage bleibt – mit anderen 
Worten – offen (vgl. zum Ganzen Silvan Flückiger, Art. 66bis StGB / Art. 54 f. 
StGBneu – Betroffenheit durch Tatfolgen, Bern 2006, S. 71; Daniel Jositsch, Straf-
befreiung gemäss Art. 52 ff. StGBneu und prozessrechtliche Umsetzung, SJZ 
100/2004, S. 2 ff., S. 7; Franz Riklin, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Strafrecht I, 3. Aufl., Basel 2013, N 31 vor Art. 52-55 StGB; Hans Wi-
prächtiger, Der Verzicht auf Weiterverfolgung und Strafbefreiung nach Artikel 66bis 
StGB – ein Weg zu mehr Einzelfallgerechtigkeit?, ZStrR 121/2003, S. 141 ff., S. 
169). Dies gilt auch, wenn sich die Verfahrenseinstellung auf einen gesetzlichen 
Strafbefreiungsgrund stützt. Damit der Rückgriff auf einen gesetzlichen Strafbe-
freiungsgrund überhaupt eine Anwendungsgrundlage haben kann, darf zwar in 
entsprechenden Einstellungsverfügungen von einem hinreichenden Tatverdacht 
bzw. einer hypothetischen Strafbarkeit ausgegangen werden (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 1B_3/2011 vom 20. April 2011, E. 2.5.2 m.w.H.). Eine Entscheidung 
über die Stichhaltigkeit einer Anklage und damit eine formelle Schuldfeststellung 

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ist in diesem Rahmen jedoch unzulässig. Eine behördliche Sachverhaltsfeststel-
lung verbunden mit einem Schuldverdacht verletzt die Vermutung der Schuldlosig-
keit nicht. Die Unschuldsvermutung bezieht sich nur auf die strafbare Handlung; 
verboten ist die Vermutung des tatbestandsmässigen, rechtswidrigen und schuld-
haften Verhaltens (vgl. Flückiger, a.a.O., S. 70; Riklin, a.a.O., N 31 vor Art. 52-55 
StGB [in fine]). Bei der Beurteilung einer Formulierung, welche eine nicht verurteil-
te Person für schuldig erklärt, ist stets der gesamte Zusammenhang zu berück-
sichtigen (vgl. Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskon-
vention [EMRK], 2. Aufl., Zürich 1999, Rz. 495 mit Hinweisen auf die Praxis des 
EGMR). Aus der Unschuldsvermutung lässt sich demgegenüber kein Anspruch 
der beschuldigten Person darauf ableiten, dass ihre Unschuld durch gerichtliche 
Beurteilung (positiv) festgestellt wird. Sie garantiert dem Beschuldigten lediglich, 
dass er nicht ohne gerichtliches Urteil als schuldig erklärt wird, nicht dass ein Tat-
verdacht widerlegt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_568/2007 vom 28. Februar 
2008, E. 5.1; Riklin, a.a.O., N 43 zu Art. 52 StGB [in fine]). Es besteht somit auch 
kein Anspruch auf positive Feststellung, dass eine folgenlose Verfahrenseinstel-
lung (mit Wirkung eines Freispruchs) nicht "nur" wegen eines materiellstrafrechtli-
chen Strafbefreiungsgrundes geboten sei, sondern dass es darüber hinaus auch 
noch zum Vornherein an jeglicher strafrechtlichen Schuld bzw. Tatbestandsmäs-
sigkeit fehle (Urteil des Bundesgerichts 1B_3/2011 vom 20. April 2011, E. 2.4).

b) Wie zuvor festgehalten (vgl. Erwägung 1b/bb) enthält die angefochtene 
Einstellungsverfügung eine eindeutige Schuldfeststellung. Da Gegenstand des 
vorliegenden Beschwerdeverfahrens eine Verfahrenseinstellung im Vorverfahren 
ist, verstösst eine solche Schuldfeststellung gegen die Unschuldsvermutung und 
ist somit unzulässig. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Staatsanwaltschaft 
hätte das Verfahren richtigerweise mangels Schuld und nicht in Anwendung von 
Art. 54 StGB einstellen müssen. Damit verlangt der Beschwerdeführer sinn-
gemäss die (positive) Feststellung seiner Unschuld. Darauf hat er, wie ausgeführt, 
keinen Anspruch. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung verlangt lediglich, dass 
eine Einstellungsverfügung im Vorverfahren keine (positive) Feststellung der 
Schuld beinhalten darf. Das Begehren des Beschwerdeführers ist aber insoweit 
gutzuheissen, als es sich gegen die unzulässige Feststellung der Schuld in der 
Einstellungsverfügung richtet. Unter diesem Gesichtspunkt ist die angefochtene 
Einstellungsverfügung aufzuheben und die Sache an die Staatsanwaltschaft zu 
neuer Entscheidung zurückzuweisen. Dabei hat die Staatsanwaltschaft darauf zu 
achten, dass bei der Begründung der Einstellungsverfügung die Unschuldsvermu-

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tung nicht verletzt wird. Namentlich hat sie eine Feststellung der Schuld des Be-
schwerdeführers oder ähnliches zu unterlassen.

3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Einstellungsverfü-
gung eine unzulässige Schuldfeststellung enthält und damit gegen die Unschulds-
vermutung verstösst. Die Beschwerde ist insofern gutzuheissen, die angefochtene 
Einstellungsverfügung aufzuheben und die Sache an die Staatsanwaltschaft zu 
neuer Entscheidung zurückzuweisen.

4. Da sich die Beschwerde als offensichtlich begründet erweist, entscheidet 
der Vorsitzende in einzelrichterlicher Kompetenz (Art. 18 Abs. 3 des Gerichtsorga-
nisationsgesetzes [GOG; BR 173.000]; Art. 11 Abs. 2 KGV).

5. a) Was die Kosten- und Entschädigungsfolge betrifft, so beantragt der Be-
schwerdeführer zunächst, sowohl die Kosten des polizeilichen als auch diejenigen 
des staatsanwaltschaftlichen Verfahrens seien dem Staat zu auferlegen. Die 
Staatsanwaltschaft verfügte in der angefochtenen Einstellungsverfügung, die Ver-
fahrenskosten seien durch den Kanton zu tragen. Im Unterschied zum vorausge-
gangenen Strafbefehl hat sie in der Einstellungsverfügung die Kosten der polizeili-
chen Unfallaufnahme nicht dem Beschwerdeführer überbunden. Eine derartige 
Kostenfolge wäre denn auch zu begründen (Art. 81 Abs. 1 lit. b StPO; Thomas 
Domeisen, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizeri-
schen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 5 zu Art. 421 StPO). Insofern 
erübrigt sich, über den entsprechenden Antrag des Beschwerdeführers zu befin-
den.

b) Bei präziser Lesart der beschwerdeführerischen Rechtsbegehren ist diesen 
zu entnehmen, dass eine Parteientschädigung auch für das Untersuchungsverfah-
ren verlangt wird. Die Staatsanwaltschaft sah davon mangels nennenswerter Um-
triebe ab. Der Beschwerdeführer begründet seinen Antrag nicht weiter, sodass 
darauf nicht einzutreten ist.

c) Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat nach Art. 428 Abs. 4 StPO der 
Kanton Graubünden die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen. In Anwen-
dung von Art. 8 i.V.m. Art. 10 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Straf-
verfahren (VGS; BR 350.201) werden die Kosten des Beschwerdeverfahrens vor-
liegend auf Fr. 500.00 festgesetzt.

d) Im Weiteren hat der Kanton Graubünden den Beschwerdeführer gestützt 
auf Art. 436 Abs. 3 StPO, welcher trotz Verweis auf das Berufungsverfahren auch 

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im Beschwerdeverfahren Anwendung findet (Stefan Wehrenberg/Friedrich Frank, 
in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 14 zu Art. 436 StPO; Yvona Griesser, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 4 zu Art. 436 StPO), hierfür ausserge-
richtlich zu entschädigen. Mangels Einreichen einer Honorarnote ist die beantragte 
Entschädigung praxisgemäss nach Ermessen festzusetzen. Angesichts der sich 
stellenden Sach- und Rechtsfragen sowie in Anbetracht des Umfangs der abge-
fasste(n) Rechtsschrift(en) erscheint eine ausseramtliche Entschädigung in Höhe 
von Fr. 500.00 (inkl. Spesen und MWSt.) als angemessen. Dabei ist dem Umstand 
Rechnung getragen, dass die relativ umfangreichen Ausführungen in der Be-
schwerdeschrift (KG act. A.2) nicht stichhaltig sind, sofern der Beschwerdeführer 
eine (positive) Feststellung seiner Unschuld verlangt (vgl. Erwägung 2b).

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfü-
gung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 11. Februar 2016 aufgeho-
ben und die Sache an die Staatsanwaltschaft Graubünden zu neuer Ent-
scheidung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 500.00 gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

3. Der Kanton Graubünden hat X._____ für das Beschwerdeverfahren mit Fr. 
500.00 (inkl. Spesen und MWSt.) ausseramtlich zu entschädigen.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

5. Mitteilung an: