# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b73dba0-bdd0-5cb2-baf4-a5d5c8594aca
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-10-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.10.2016 D-4650/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4650-2015_2016-10-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4650/2015 

plo 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  O k t o b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Yanick Felley,  

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...], 

Eritrea,  

vertreten durch Suzanne Stotz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende,  

[...],  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft;  

Verfügung des SEM vom 25. Juni 2015 

 

 

 

D-4650/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ist eritreische Staatsangehörige tigrinischer Eth-

nie und stammt aus dem Dorf B._______ bei der Stadt C._______ (Region 

Maekel). Gemäss eigenen Angaben verliess sie ihren Heimatstaat im Mai 

2011 in Richtung Sudan.  

B.  

Mit Schreiben ihres Vaters D._______ ‒ der mit Verfügung des damaligen 

Bundesamts für Migration (BFM; nunmehr SEM) vom 10. Dezember 2009 

als Flüchtling anerkannt worden war, bei gleichzeitiger Gewährung des 

Asyls ‒ an das BFM vom 15. August 2011 wurde zugunsten der 

Beschwerdeführerin ein Asylgesuch gestellt.  

C.  

Mit Verfügung vom 20. Januar 2012 bewilligte das BFM die Einreise der 

Beschwerdeführerin in die Schweiz. 

D.  

Am 6. Juli 2012 reiste die Beschwerdeführerin in die Schweiz ein. Am 

30. Juli 2012 wurde sie durch das BFM summarisch und am 15. Mai 2014 

eingehend zu ihren Asylgründen befragt. Zwischenzeitlich wurde sie für die 

Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Glarus zugewiesen.  

E.  

Im Rahmen ihrer Befragungen machte die Beschwerdeführerin im Wesent-

lichen geltend, nach der Ausreise ihres Vaters aus Eritrea sei sie alleine bei 

den Grosseltern geblieben. Weil sie ihren Vater vermisst habe, habe sie 

Eritrea im Mai 2011 auf illegalem Weg in Richtung Sudan verlassen, wobei 

sie zu Fuss über die Grenze gegangen sei.  

F.  

Mit Verfügung vom 25. Juni 2015 (eröffnet am 29. Juni 2015) lehnte das 

SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab. Gleichzeitig ordnete es 

wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Auf-

nahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz an.  

G.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin an das SEM vom 1. Juli 2015 ersuchte 

die Beschwerdeführerin um Einsicht in die Verfahrensakten. Diesem Ersu-

chen entsprach das Staatssekretariat mit Schreiben vom 3. Juli 2015. 

D-4650/2015 

Seite 3 

H.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 29. Juli 2015 focht die Beschwer-

deführerin die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an. 

Dabei beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und ihre vorläufige Aufnahme als 

Flüchtling. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Auf die Be-

gründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 

den Erwägungen eingegangen. 

I.  

Mit Zwischenverfügung der damals zuständigen Instruktionsrichterin vom 

7. August 2015 wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung vorbehältlich des Nachreichens einer Fürsorgebestäti-

gung bis zum 24. August 2015 gutgeheissen.  

J.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 7. August 2015 reichte die Be-

schwerdeführerin eine Fürsorgebestätigung ein. 

K.  

Mit Vernehmlassung vom 20. August 2015 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwer-

de.  

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 24. August 2015 wurde der Beschwerdefüh-

rerin bezüglich der Vernehmlassung der Vorinstanz das Replikrecht erteilt.  

M.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 7. September 2015 äusserte sich 

die Beschwerdeführerin zur Vernehmlassung des SEM. 

 

 

  

D-4650/2015 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz (AsylG; SR 142.31) 

durch das SEM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht grundsätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Perso-

nen, gegen die ein Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor wel-

chem sie Schutz suchen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.  

Die Beschwerdeführerin ist legitimiert; auf ihre frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG;  

Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 

3.  

Mit der Beschwerdeschrift wird beantragt, es sei ‒ wegen illegaler Ausreise 

aus ihrem Heimatstaat Eritrea und somit sinngemäss aufgrund subjektiver 

Nachfluchtgründe (vgl. Art. 54 AsylG) ‒ die Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführerin festzustellen und ihre vorläufige Aufnahme als Flüchtling 

anzuordnen. Die Beschwerde richtet sich somit ausschliesslich gegen die 

Ziff. 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung (Feststellung des 

SEM, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht). Die 

Ablehnung des Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung bleiben 

somit von der Anfechtung ebenso unberührt wie die von der Vorinstanz 

wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verfügte vorläufige Auf-

nahme. Die Fragen der Asylgewährung der verfügten Wegweisung und 

des Vollzugs bilden damit nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. 

4.  

Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass die Vorinstanz in der 

angefochtenen Verfügung die Ablehnung des Asylgesuchs damit begrün-

dete, die von der Beschwerdeführerin behauptete illegale Ausreise aus 

D-4650/2015 

Seite 5 

Eritrea sei nicht glaubhaft, und es würden somit keine subjektiven Nach-

fluchtgründe vorliegen. Diese Argumentation ist offensichtlich nicht mit den 

gesetzlichen Vorgaben von Art. 3 und Art. 54 AsylG vereinbar (vgl. auch 

nachfolgend, E. 5.1). Nachdem die Frage der Asylgewährung nicht Gegen-

stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet (vgl. E. 3), erübrigt 

es sich jedoch, auf diesen Mangel der angefochtenen Verfügung weiter 

einzugehen.  

5.  

5.1 Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere illegales Verlas-

sen des Heimatlandes (sog. Republikflucht), Einreichung eines Asylge-

suchs im Ausland oder aus Sicht der heimatlichen Behörden unerwünschte 

exilpolitische Betätigungen, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfol-

gung begründen. Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten 

zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen 

(Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 sowie Entscheidungen und Mit-

teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1 

E. 6.1, EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a, jeweils m.w.N.). Durch Republikflucht 

zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund der unerlaubten Ausreise mit Sank-

tionen seines Heimatlandes konfrontiert sieht, die bezüglich ihrer Intensität 

und der politischen Motivation des Staates ernsthafte Nachteile gemäss 

Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen.  

5.2  

5.2.1 Die schweizerischen Asylbehörden gehen nach bisheriger Praxis da-

von aus, dass ein legales Verlassen Eritreas lediglich mit einem gültigen 

Reisepass und einem zusätzlichen Ausreisevisum möglich ist und dass 

Ausreisevisa bereits seit mehreren Jahren nur noch unter sehr restriktiven 

Bedingungen und gegen Bezahlung hoher Geldbeträge an wenige als loyal 

beurteilte Personen ausgestellt werden, wobei Kinder ab elf Jahren, Män-

ner bis zum Alter von 54 Jahren und Frauen bis 47 Jahre grundsätzlich von 

der Visumserteilung ausgeschlossen sind. Demnach erachte das eritrei-

sche Regime das illegale Verlassen des Landes als Zeichen politischer 

Opposition gegen den Staat (vgl. die Urteile des BVGer D-3892/2008 vom 

6. April 2010 E. 5.3.2, E-5045/2009 vom 29. November 2012 E. 6.4.2,  

D-4787/2013 vom 20. November 2014 E. 8.2 f. [als Referenzurteil publi-

ziert], E-2004/2014 vom 14. April 2015 E. 4.2.2).  

5.2.2 Gleichwohl ist nicht von einem Automatismus in dem Sinne auszuge-

hen, dass von einer eritreischen Herkunft und der Zugehörigkeit zu einer 

Altersgruppe, die erschwerten Ausreisebedingungen unterworfen ist, ohne 

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Seite 6 

weiteres auf eine illegale Ausreise zu schliessen wäre. So ist trotz der er-

wähnten Schwierigkeiten, die Bedingungen für eine legale Ausreise zu er-

füllen, gemäss aktuellen Berichten die Möglichkeit nicht auszuschliessen, 

dass im Einzelfall Ausreisevisa durch die Bezahlung von Schmiergeldern 

an korrupte Beamte in niedrigen Rängen erlangt werden können (vgl. Eu-

ropean Asylum Support Office [EASO], EASO-Bericht über Herkunftslän-

derinformationen: Länderfokus Eritrea, Mai 2015, S. 54). Des Weiteren ist 

auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass die betroffene Person 

nicht zum geltend gemachten Zeitpunkt aus Eritrea ausgereist ist, sondern 

sich bereits seit geraumer Zeit im Ausland aufhielt, so insbesondere in ei-

nem der Nachbarländer Äthiopien oder Sudan. Somit entbindet die soeben 

erwähnte asylbehördliche Praxis die betroffene Person nicht davon, die 

Umstände ihrer behaupteten illegalen Ausreise aus Eritrea in objektiv 

nachvollziehbarer Weise zu schildern und somit glaubhaft zu machen (vgl. 

Urteil des BVGer D-4787/2013 vom 20. November 2014 E. 9 [vgl. E. 5.2.]).  

5.3 Die Beschwerdeführerin machte gegenüber der Vorinstanz zu den Um-

ständen ihrer ‒ wie behauptet illegalen ‒ Ausreise aus Eritrea die folgen-

den Angaben. 

5.3.1 Aufgrund des Antrags des Vaters der Beschwerdeführerin an das 

BFM vom 15. August 2011 wurde ein Auslandverfahren im Sinne des da-

maligen Art. 20 AsylG (in der bis zum 28. September 2012 gültigen Fas-

sung) durchgeführt. Im Rahmen dieses Verfahrens brachte die Beschwer-

deführerin ‒ nach entsprechender Aufforderung des BFM durch Zwischen-

verfügung vom 1. September 2011 ‒ mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin 

an das Bundesamt vom 26. September 2011 hinsichtlich der Umstände ih-

rer Ausreise aus Eritrea im Wesentlichen Folgendes vor: Sie habe die 

Grenze mit drei Freundinnen zu Fuss bei Abu Gemel überschritten. Unter 

dem Vorwand, Arbeit zu suchen, seien sie zunächst mit dem Bus von 

B._______ nach Gulij gefahren. Sie hätten in Gulij übernachtet und seien 

zu Fuss und auf Umwegen weiter in Richtung Grenze gegangen. Ihre 

Freundinnen seien älter als sie selbst gewesen und hätten deshalb den 

Weg gekannt. Sie seien wie Musliminnen gekleidet gewesen, und an der 

Grenze seien sie keiner Kontrollstelle begegnet. Nach dem Überschreiten 

der Grenze seien sie durch die sudanesischen Behörden in das Flücht-

lingslager Shegerab gebracht worden. 

5.3.2 Anlässlich ihrer Erstbefragung im ordentlichen Asylverfahren brachte 

die Beschwerdeführerin vor, sie sei mit zwei Freundinnen unterwegs ge-

wesen, und sie seien zunächst mit dem Bus nach Gulji gefahren. Von dort 

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seien sie zu Fuss über Abu Gemel nach Kassala im Sudan gegangen. 

Nach einer Nacht seien sie durch das Hohe Flüchtlingskommissariat der 

Vereinten Nationen (UNHCR) nach Shegerab gebracht worden. 

5.3.3 Im Rahmen ihrer eingehenden Anhörung im ordentlichen Asylverfah-

ren machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei mit ihren Freundinnen 

über Tesseney und Abu Gemel ausgereist. Von Tesseney aus seien sie 

ungefähr eine Woche lang unterwegs gewesen, wobei sie die eine Hälfte 

zu Fuss, die andere mit dem Bus zurückgelegt hätten. Sie hätten sich un-

terwegs verstecken müssen, weil es Kontrollstellen der Polizei gehabt 

habe. Von Hagaz nach Tesseney habe es viele solche Kontrollstellen ge-

habt. Wenn die Polizei jeweils gekommen sei, um den Bus zu kontrollieren, 

seien sie ausgestiegen und anschliessend, wenn die Polizisten wieder 

weggegangen seien, wieder eingestiegen. Der Weg von Tesseney nach 

Kassala sei weit gewesen, und sie seien zu Fuss unterwegs gewesen, 

weshalb sie eine Woche benötigt hätten.  

5.4 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung mit folgender 

Begründung zur Einschätzung, dass die illegale Ausreise der Beschwerde-

führerin aus Eritrea nicht glaubhaft sei: Anlässlich ihrer summarischen Erst-

befragung habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie sei mit zwei 

Freundinnen per Bus nach Gulij gefahren, und von hier sei sie zu Fuss über 

Abu Gemel nach Kassala im Sudan gegangen. Im Rahmen ihrer eingehen-

den Anhörung habe sie demgegenüber zu Protokoll gegeben, sie sei über 

Tesseney und Abu Gemel ausgereist. Dabei habe sie zunächst ausserdem 

erklärt, die Reise habe von Tesseney aus etwa eine Woche gedauert, wo-

bei sie zur Hälfte zu Fuss und zur Hälfte per Bus unterwegs gewesen sei. 

Im späteren Verlauf habe sie dies insofern korrigiert, als sie ab Tesseney 

nur zu Fuss unterwegs gewesen sei. Die Angaben der Beschwerdeführerin 

würden sich somit zum einen hinsichtlich der behaupteten Reiseroute wi-

dersprechen. Zum anderen erscheine nicht glaubhaft, wie sie den Buskon-

trollen entgangen sei. Ferner sei schwer vorstellbar, dass sie für die 50 bis 

60 km lange Strecke von Tesseney nach Kassala eine Woche benötigt 

habe. Schliesslich habe sie anlässlich ihrer Erstbefragung angegeben, ihr 

Bruder Yonas sei nach ihr im Flüchtlingslager Shegerab im Sudan ange-

kommen. Ihr Bruder hingegen habe im Rahmen seiner Anhörungen im 

Asylverfahren ausgesagt, er sei bereits vor ihr dort gewesen. 

5.5 Mit der Beschwerdeschrift wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Aus-

sagen der Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragungen seien nicht 

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Seite 8 

korrekt protokolliert worden, wobei sie bei der Erstbefragung unter Unwohl-

sein gelitten habe. Tatsächlich sei sie mit ihren beiden Begleiterinnen zu-

nächst mit dem Bus nach Gulij gefahren. Dies sei relativ gefahrlos gewe-

sen, da es auf der Strecke nach Gulij zum damaligen Zeitpunkt wenige 

Kontrollen gegeben habe. In Gulij seien sie in einen Minibus umgestiegen 

und nach Tesseney gefahren. Von hier aus seien sie zu Fuss weitergegan-

gen, um schliesslich über Abu Gemel nach Kassala im Sudan zu gelangen. 

Abu Gemel hätten sie nach einer Nacht erreicht. Den Polizeikontrollen im 

Bus hätten sie sich jeweils entziehen können, weil aufgrund der vielen flie-

genden Händler ein grosses Gedränge geherrscht habe.  

5.6 Mit Blick auf die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Route, welche 

sie auf dem Weg zwischen ihrem Heimatort und der sudanesischen 

Grenze zurückgelegt haben will, sind ‒ im Wesentlichen in Übereinstim-

mung mit der Vorinstanz ‒ verschiedene erhebliche Widersprüche festzu-

stellen. Dabei ist in keiner Weise erklärlich, weshalb die Beschwerdeführe-

rin gegenüber der Vorinstanz zum einen Mal angab, sie sei vom Ort Gulij 

(auch: Golij) aus zu Fuss in den Sudan gelangt, zum anderen Mal, sie habe 

die Grenze von Tesseney aus überschritten. Die diesbezüglichen Erklärun-

gen in der Beschwerdeschrift, sie habe sich wegen ihres Unwohlseins bei 

der Erstbefragung im ordentlichen Asylverfahren mangelhaft ausgedrückt 

beziehungsweise ihre Aussagen seien unzureichend protokolliert worden, 

vermögen nicht zu überzeugen. Es ist in diesem Zusammenhang darauf 

hinzuweisen, dass auch mit der Eingabe an das BFM vom 26. September 

2011 im Rahmen des damaligen Auslandverfahrens bereits behauptet wor-

den war, die Beschwerdeführerin habe von Gulij aus die Grenze zum Su-

dan zu Fuss überquert. Gulij liegt ungefähr 40 km südlich von Tesseney 

unweit der Grenze zum Sudan, während sich von Tesseney aus betrachtet 

die sudanesische Grenze ungefähr 30 km in nordwestlicher bis nördlicher 

Richtung befindet. Mit anderen Worten ist ‒ abgesehen von den sonstigen 

Widersprüchen in Bezug auf die Reiseroute ‒ in geographischer Hinsicht 

nicht erklärlich, weshalb die Beschwerdeführerin von Gulij aus ‒ allerdings 

nur gemäss ihren Vorbringen bei der eingehenden Anhörung und im vor-

liegenden Verfahren ‒ überhaupt zuerst nach Tesseney hätte reisen sollen, 

um schliesslich von dort aus in den Sudan zu gelangen, nachdem sie sich 

in Gulij bereits in Grenznähe befunden hätte. Des Weiteren ist der Vor-

instanz auch insofern beizupflichten, als nicht glaubhaft erscheint, die Be-

schwerdeführerin habe sich auf der Busreise nach Gulij (oder nach Tes-

seney) durch das blosse Aus- und Wiedereinsteigen den ‒ nach ihren ei-

genen Aussagen bei der eingehenden Anhörung ‒ zahlreichen Polizeikon-

trollen entziehen können. Es erübrigt sich, auf die weiteren Widersprüche 

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Seite 9 

und Unstimmigkeiten in den Angaben der Beschwerdeführerin einzugehen. 

Vielmehr erweist sich aufgrund des Gesagten und in Übereinstimmung mit 

dem SEM, dass es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, die behaup-

tete illegale Ausreise aus Eritrea glaubhaft zu machen.  

6.  

Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die – einzig im Punkt 

1 des Dispositivs angefochtene – Verfügung des SEM vom 25. Juni 2015 

Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist folglich ab-

zuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indessen 

wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung 

vom 7. August 2015 gutgeheissen. Somit hat die Beschwerdeführerin 

keine Verfahrenskosten zu tragen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Martin Scheyli 

 

 

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