# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 57891963-5daf-5f47-961c-045e78b1b6fd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2009 D-2322/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2322-2009_2009-07-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2322/2009
law/bah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richterin Christa Luterbacher, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
Afghanistan,
vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich, 
Rechtshilfe Asyl und Migration, 
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asyl; 
Verfügung des BFM vom 5. März 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2322/2009

Sachverhalt:

A.
A.a Der  Beschwerdeführer  reiste  eigenen  Angaben  gemäss  im  Mai 
2007  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  ein  und 
wurde am 15. Mai 2007 im Hauptbahnhof B._______ im Rahmen einer 
Personenkontrolle  festgenommen.  Mit  Verfügung  der  Staatsanwalt 
C._______ vom 16. Mai 2007 wurde er aus der Haft entlassen und an-
schliessend  an  D._______  überführt,  welches  am 18. Mai  2007  die 
sofortige Wegweisung aus der Schweiz verfügte und gestützt auf Art. 
13b Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt 
und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  die 
Ausschaffungshaft  verfügte. Der  Beschwerdeführer  brachte  in  einem 
Schreiben an das BFM vom 15. Juni  2007 zum Ausdruck,  ein Asyl-
gesuch stellen zu wollen (vgl. act. A1/3).

A.b Am  10.  Juli  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  D._______  zu 
seinen  Asylgründen  angehört.  Er  machte  im  Wesentlichen  geltend, 
sein  Vater  habe in  Afghanistan  für  die  Polizei  gearbeitet  und sei  im 
Jahr 2001 von den Taliban mitgenommen worden; seither habe man 
ihn nicht  mehr gesehen. Da er  (der Beschwerdeführer)  sich vor den 
Taliban  gefürchtet  habe,  sei  er  zusammen mit  drei  Geschwistern  in 
den Iran gegangen, wo er als Uhrmacher gearbeitet habe. Nachdem 
Präsident Karzai an die Macht gekommen sei, sei er im Jahr 2002 mit 
zwei Brüdern nach Kabul zurückgekehrt. Einer seiner Brüder und eine 
Schwester seien von den Leuten von Hekmatyar getötet worden. Die 
Taliban  hätten  im  Herbst  2006  sein  Haus  angegriffen,  wobei  einer 
seiner  Brüder  getötet  worden sei. Er  selbst  sei  am linken  Bein,  am 
linken Arm und  am Kopf  verletzt  worden; dabei  habe  er  sein  linkes 
Auge  verloren.  Die  Verletzungen  seien  in  einem  Spital  behandelt 
worden.  Ebenfalls  im  Jahr  2006  sei  ein  weiterer  Bruder  bei  einem 
Autounfall  ums  Leben  gekommen. Er  habe  sich  15  Tage nach  dem 
Angriff  auf  sein Haus zu einer in Pakistan lebenden Tante begeben. 
Von dort aus habe er seine Reise in die Schweiz angetreten.

A.c Am  22.  Januar  2009  ging  beim  BFM  ein  ärztlicher  Bericht  der 
E._______ vom 20. Januar 2009 ein.

B.
Mit  Verfügung  vom  5.  März  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Be-
schwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte 

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sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der 
Schweiz und ordnete zufolge Unzumutbarkeit  des Vollzugs der Weg-
weisung die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an.

C.
Mit  Eingabe  vom  9.  April  2009  liess  der  Beschwerdeführer  durch 
seinen  Rechsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene 
Verfügung sei in den Ziffern 1 bis 3 aufzuheben, es sei die Flüchtlings-
eigenschaft  zuzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht liess er beantragen, es sei ihm die Bezahlung der 
Verfahrenskosten sowie eines Kostenvorschusses zu erlassen. 

D.
Mit  Verfügung vom 20. April  2009 stellte  der  Instruktionsrichter  fest, 
über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) werde zu einem 
späteren Zeitpunkt befunden. Gleichzeitig verzichtete er auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses und gab dem BFM Gelegenheit, innert 
Frist eine Vernehmlassung einzureichen.

E.
In seiner Vernehmlassung vom 5. Mai 2009 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde.

F.
Der Beschwerdeführer liess in der Stellungnahme vom 13. Mai 2009 
an seinen Anträgen festhalten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 

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Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  und hat  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 Abs. 1 
und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 
(Art. 7 AsylG).

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4.  
4.1 Das  BFM begründet  seinen  Entscheid  damit,  dass  die  den  Be-
schwerdeführer belastenden Ereignisse von Drittpersonen ausgegan-
gen  seien  und  den  staatlichen  Behörden  nicht  angelastet  werden 
könnten, da sie grundsätzlich schutzwillig seien. Es sei den Behörden 
angesichts der schwierigen Verhältnisse in Afghanistan nicht möglich, 
jeden Übergriff zu verhindern oder zu ahnden. Seinen Aussagen lasse 
sich nicht entnehmen, dass er die Angriffe der Taliban den Behörden 
gemeldet habe, weshalb nicht von einer Unterlassung der staatlichen 
Schutzpflicht  gesprochen  werden  könne.  Seinen  Vorbringen  komme 
somit keine Asylrelevanz zu.

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht,  der Beschwerdeführer 
habe bei der Anhörung nicht alle Asylgründe geltend machen können. 
Er habe Afghanistan verlassen, weil er homosexuell veranlagt sei, und 
habe  eine  Schweizer  Dolmetscherin  gefunden,  in  deren  Beisein  er 
darüber habe sprechen können. Er habe seit Jahren Beziehungen zu 
Männern gehabt, was für ihn nicht allzu schwierig gewesen sei, da er 
allein in einem Haus gewohnt habe. Ende 2004/Anfang 2005 habe er 
in  seinem  Uhrmachergeschäft  F._______  angestellt,  etwas  später 
habe er auch dessen Bruder G._______ beschäftigen können. Nach 
etwa zwei  Monaten habe er  mit  F._______ eine sexuelle  Beziehung 
angefangen. An einem Abend im April 2005 hätten die beiden Brüder 
in seinem Haus übernachtet, da es bei der Arbeit spät geworden sei. 
Im  Verlauf  der  Nacht  sei  F._______  in  sein  Zimmer  gekommen. 
G._______ sei früh aufgestanden, habe in seinem Zimmer einen Ge-
betsteppich  gesucht  und  F._______  und  ihn  beim  Geschlechtsakt 
überrascht. G._______ habe versprochen, nichts weiterzuerzählen, sei 
aber  nicht  mehr  zur  Arbeit  erschienen.  Nach  drei  Tagen  sei  auch 
F._______ nicht mehr zur Arbeit gekommen; einige Tage später habe 
er versucht, ihn anzurufen. G._______ habe das Telefon abgenommen 
und gesagt, F._______ sei nicht mehr zu Hause. Er habe seinem Vater 
vom Vorfall erzählt, vielleicht habe man F._______ etwas angetan und 
möglicherweise  sei  auch  er  (der  Beschwerdeführer)  in  Gefahr. Etwa 
zwei  Wochen nach dem Vorfall  sei  er  von einem Kunden mit  einem 
Messer  angegriffen worden. Dieser  habe ihn am linken Arm verletzt 
und  sei  nach  dem  Angriff  davongerannt.  Im  Mai  2005  seien  eines 
Nachts  drei  Personen  in  den Hof  seines  Hauses  geklettert;  da  sein 
Hund  angegeben  habe,  habe  er  die  Gefahr  bemerkt.  Er  habe  sein 
Telefon und seine Handfeuerwaffe ergriffen und das Haus durch den 
Hinterausgang verlassen. Während der Flucht  habe er  sich am Bein 

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verletzt,  die  Verletzung  habe  er  im  Spital  behandeln  lassen.  Bis  zu 
seiner  Ausreise  aus  Afghanistan  habe  er  sich  bei  Nachbarn  aufge-
halten. Angesichts der Tabuisierung von Homosexualität in Afghanistan 
sei  entschuldbar,  dass  er  die  neuen  Gründe  erst  sehr  spät  geltend 
mache. Da bei der kantonalen Anhörung ein afghanischer Dolmetscher 
zugegen gewesen sei, habe er seine sexuelle Orientierung nicht früher 
geltend  machen  können.  Selbst  im  Rahmen  seiner  Therapiege-
spräche, bei denen eine Iranerin übersetzt habe, habe er es nicht ge-
wagt, seine wahren Fluchtgründe zu nennen. Im Verlaufe seines Auf-
enthalts in der Schweiz sei er auf eine Schweizer Dolmetscherin ge-
stossen  und  habe  deshalb  eine  Lösung  gesehen,  die  wahren  Asyl-
gründe vor einer unvoreingenommenen Person darzulegen. Der Druck 
des baldigen Fristablaufs zur Einreichung einer Beschwerde habe da-
zu beigetragen, dass er seine wahren Asylgründe genannt habe. Der 
Beschwerdeführer mache geltend, von Privatpersonen verfolgt worden 
zu sein. Es sei offensichtlich, dass der afghanische Staat nicht willens 
sei, Homosexuellen Schutz zu bieten, da homosexuelle Beziehungen 
illegal  seien  und  mit  langjähriger  Gefängnisstrafe  geahndet  würden. 
Folglich seien seine Fluchtgründe als asylrelevant zu beurteilen. 

4.3 Das  BFM  führt  in  seiner  Vernehmlassung  aus,  die  vom  Be-
schwerdeführer nachträglich geltend gemachten Vorbringen seien als 
konstruiert  und  nachgeschoben  einzustufen.  Es  sei  nicht  einsichtig, 
weshalb  er  diese  Gegebenheiten  nicht  bereits  im  erstinstanzlichen 
Verfahren angeführt habe. Er habe sich damals in psychiatrischer Be-
handlung  befunden  und  es  hätte  erwartet  werden  können,  dass  er 
seine  Homosexualität  und  die  damit  verbundenen  Probleme  den 
psychiatrischen  Vertrauenspersonen  anvertraut  hätte,  wenn  diese 
effektiv  das Motiv  für  seine Flucht  aus Afghanistan gewesen wären. 
Dass  er  sich  erst  kurz  vor  Ablauf  der  Beschwerdefrist  einer  Dol-
metscherin habe anvertrauen können, vermöge nicht zu überzeugen. 
Der besonderen Situation des Beschwerdeführers sei bereits durch die 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen worden. 

4.4 In der Stellungnahme wird entgegnet, in der Beschwerde sei dar-
gelegt  worden,  weshalb der  Beschwerdeführer seine Homosexualität 
nicht  zu  einem  früheren  Zeitpunkt  habe  ansprechen  können.  Diese 
stelle in islamisch geprägten Gesellschaften ein absolutes Tabuthema 
dar. Es sei davon auszugehen, dass die Tabuisierung dieses Themas 
in Afghanistan überdurchschnittlich stark sei. Es sei demnach objektiv 
nachvollziehbar,  dass  er  grosse  Mühe  gehabt  habe,  seine  Homo-

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sexualität  den  Schweizer  Behörden  offenzulegen.  Es  möge  auf  den 
ersten  Blick  seltsam anmuten,  dass  er  Mühe  habe,  in  der  psychia-
trischen Therapie seine wahren Asylgründe offenzulegen. Da die Dol-
metscherin einen ähnlichen kulturellen Hintergrund habe wie er, habe 
er die Thematik bisher mit seinem Therapeuten nicht ansprechen kön-
nen.  Es  erscheine  logisch,  dass  es  ihm  erst  mittels  einer  Dol-
metscherin ohne islamisch-persischen Hintergrund gelungen sei, sich 
zu  offenbaren. Es sei  zu bedenken,  dass aufgrund der  Tabuisierung 
von Homosexualität unter den Afghanen ihn erst die Notsituation dazu 
gebracht  habe,  seine  wahren  Motive  zu  nennen. Er  habe  lange  die 
Hoffnung gehegt, auch ohne die Offenlegung seiner Homosexualität in 
der Schweiz Asyl zu erhalten. Somit lägen in objektiver und subjektiver 
Hinsicht entschuldbare Gründe dafür vor, dass er seine wahren Asyl-
gründe  erst  nachträglich  geltend  gemacht  habe.  Seine  Vorbringen 
seien weder als konstruiert  -  dafür äussere er  sich viel  zu detailliert 
über das Leben von Homosexuellen in Kabul - noch als nachgescho-
ben einzustufen. 

5.
5.1 Der  Beschwerdeführer  macht  erstmals  vor  dem  Bundesverwal-
tungsgericht geltend, er habe sein Heimatland aufgrund seiner sexuel-
len Orientierung und eines damit zusammenhängenden Zwischenfalls 
verlassen.  Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsge-
richt  können im Rahmen des Streitgegenstandes Noven geltend ge-
macht werden (vgl.  RHINOW/KOLLER/KISS,  Öffentliches Prozessrecht und 
Justizverfassungsrecht des Bundes, 1996, N 1050); es können bisher 
nicht gewürdigte, bekannte wie auch bis anhin nicht bekannte Sach-
verhaltsumstände und neue Beweismittel vorgebracht werden (ALFRED 
KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege 
des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  Rz.  615).  Diesfalls  ist  durch  die 
Beschwerdeinstanz zu untersuchen, welcher Beweiswert den auf Be-
schwerdeebene geltend gemachten Vorbringen und dazu allenfalls ein-
gereichten Dokumenten in Würdigung der gesamten Aktenlage zuge-
messen werden kann.

5.2 Vorliegend ist die erforderliche Entscheidungsreife für ein reforma-
torisches  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes  gegeben.  Die  Be-
schwerdeschrift vermittelt eine hinreichend klare Vorstellung über den 
Inhalt der neuen Vorbringen. Die Vorinstanz hatte die Gelegenheit, sich 
in  ihrer  Vernehmlassung  zu  den  auf  Beschwerdeebene  geltend  ge-

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machten Noven zu äussern und dem Beschwerdeführer wurde ermög-
licht, dazu zu replizieren.

5.3 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte Beweismittel abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tat-
sachen unterdrückt  oder  bewusst  falsch darstellt,  im Laufe des  Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  -  im  Gegen-
satz  zum  strikten  Beweis  -  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt 
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen 
des Gesuchstellers. Entscheidend ist,  ob  im Rahmen einer  Gesamt-
würdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdar-
stellung des Asylsuchenden sprechen,  überwiegen oder nicht. Dabei 
ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 
3  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 190 f.).

5.4
5.4.1 In  Anbetracht  der  vorstehenden Ausführungen zur  Beurteilung 
der Glaubhaftigkeit von Asylvorbringen (vgl. 5.3) ist festzuhalten, dass 
das Unterdrücken wichtiger Tatsachen beziehungsweise das Auswech-
seln oder  Nachschieben von Vorbringen grundsätzlich als  gegen die 
Glaubhaftigkeit des Sachvortrags sprechend zu würdigen ist. Der Be-
schwerdeführer wurde zu Beginn der Anhörung zu seinen Asylgründen 
auf die ihm obliegende Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht hingewiesen 
(vgl. act. A5/24 S. 3) und bestätigte am Ende der Befragung, alle seine 
Vorbringen  seien  abschliessend  festgehalten  worden  und  er  habe 
nichts mehr beizufügen (vgl. act. A5/24 S. 21). Im Sinne der Ausfüh-
rungen in der Beschwerde ist indessen anzuerkennen, dass es (nicht 
nur)  Asylgesuchstellern  oft  nicht  möglich  ist,  frei  über  Sachverhalts-
elemente  zu  berichten,  die  ihre  sexuelle  Integrität  oder  eben  ihre 
sexuelle Ausrichtung betreffen. Angesichts der Tatsache, dass Homo-
sexualität in Afghanistan zumindest in der Öffentlichkeit tabuisiert wird 

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und deren Bekanntwerden dort zu erheblichen Nachteilen führen kann, 
ist  nachvollziehbar,  dass  es  einem  afghanischen  Staatsangehörigen 
grundsätzlich  schwerfallen  dürfte,  über  seine  homosexuelle  Veran-
lagung zu sprechen. 

5.4.2 Der Beschwerdeführer  wurde von der  kantonalen Behörde am 
10. Juli 2007 zu seinen Asylgründen angehört und das BFM entschied 
mit  Verfügung  vom 6.  Februar  2009  über  sein  Asylgesuch. Der  Be-
schwerdeführer, der sich - Glaubhaftigkeit seiner erst im Beschwerde-
verfahren geltend gemachten Vorbringen vorbehalten  -  bewusst  sein 
musste,  nicht  alle  (vor  allem  nicht  die  hauptsächlichen)  Asylgründe 
geltend gemacht zu haben, hätte sich in der Zwischenzeit schriftlich an 
die Vorinstanz wenden können, um seinen, ihm bekannten Verfahrens-
pflichten nachzukommen; dabei  hätte  er  unter  anderem auch darauf 
aufmerksam machen können, dass er sich vor einem Dolmetscher be-
ziehungsweise  einer  Dolmetscherin  aus  dem  gleichen  Kulturraum 
wahrscheinlich  nicht  frei  würde  äussern  können. Zudem hat  er  sich 
Ende  August  2008  in  psychiatrische  Behandlung  begeben,  seither 
wurde  er  psychiatrisch-psychotherapeutisch  betreut  (vgl.  den  ärzt-
lichen Bericht  vom 20. Januar  2009). Auch diese Therapie  nutzte  er 
offenbar  nicht,  um die  erst  in  der  Beschwerde  genannten  Ausreise-
gründe anzusprechen, obwohl eine psychiatrische Behandlung grund-
sätzlich die Nennung aller Gründe der bestehenden gesundheitlichen 
Probleme voraussetzt. Seine Erklärung,  er  habe sich nicht  imstande 
gefühlt, vor einer Iranerin (Dolmetscherin) über seine Homosexualität 
zu sprechen, vermag insofern nicht zu überzeugen, als es ihm ange-
sichts  der  bereits  mehrmonatigen  Dauer  der  Therapie  möglich  ge-
wesen wäre - der Beschwerdeführer besucht einen Deutschkurs -, die 
Ärzteschaft  darauf  aufmerksam zu machen,  dass er  in  Anwesenheit 
der Dolmetscherin nicht über alle seine Probleme sprechen könne. So-
mit  vermag die  Darstellung  des  Beschwerdeführers,  es  sei  ihm erst 
möglich  gewesen,  über  die  geltend  gemachte  Homosexualität  zu 
sprechen,  als  er  auf  eine  Dolmetscherin  ohne  islamisch-persischen 
Hintergrund getroffen sei, nicht zu überzeugen.

5.4.3 In  der  Stellungnahme vom 13. Mai  2009  zur  Vernehmlassung 
wird geltend gemacht,  der Beschwerdeführer äussere sich zu detail-
liert über das Leben von Homosexuellen in Kabul, als dass seine Vor-
bringen als konstruiert und nachgeschoben gewertet werden könnten. 
Es  trifft  zwar  zu,  dass  der  Beschwerdeführer  ausführliche  Angaben 
zum Leben von Homosexuellen in Kabul gemacht hat. Entsprechende 

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Informationen lassen sich indessen auch über allgemein zugängliche 
Quellen,  insbesondere  auch über  Internet,  oder  durch Drittpersonen 
beschaffen, weshalb die Angaben des Beschwerdeführers nicht zwin-
gend darauf schliessen lassen, dass er von selbst Erlebtem berichtet. 
Auch der Umstand, dass am linken Arm des Beschwerdeführers eine 
Narbe  sichtbar  ist,  vermag  seine  Sachverhaltsdarstellung  insofern 
nicht zu stützen, als dass er sich die entsprechende Verletzung auch 
anderweitig zugezogen haben kann.

5.4.4 In Abwägung der für und gegen die Glaubhaftigkeit der erst im 
Beschwerdeverfahren  geltend  gemachten  Vorbringen  des  Beschwer-
deführers  sprechenden Elemente  ist  davon auszugehen,  dass  diese 
überwiegend unglaubhaft erscheinen und somit als nachgeschoben zu 
werten sind. Demnach kann ihm hinsichtlich einer - angesichts der ver-
fügten vorläufigen Aufnahme zurzeit nicht zur Diskussion stehenden - 
allfälligen Rückkehr  in  sein  Heimatland keine begründete  Furcht  vor 
zukünftiger  Verfolgung  zuerkannt  werden.  Da  die  Feststellung  des 
BFM in der angefochtenen Verfügung, die im vorinstanzlichen Verfah-
ren geltend gemachten Ausreisegründe seien asylrechtlich nicht rele-
vant, in der Beschwerde nicht bestritten wurde (vgl. S. 2 unten der Be-
schwerde), erübrigen sich weitere Erörterungen.

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine 
Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte. 
Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach  zu 
Recht abgelehnt.

6.  
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 

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und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Be-
schwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs. 1  und  5  VwVG). Da auf-
grund der Aktenlage von seiner Fürsorgeabhängigkeit auszugehen ist 
-  der  Beschwerdeführer  ist  nicht  erwerbstätig  -  und  sich  die  Be-
schwerde nicht als aussichtslos erwiesen hat, ist das Gesuch um Ge-
währung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1 
VwVG gutzuheissen. Dem Beschwerdeführer sind demnach keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- D._______ ad (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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