# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ee5c9b65-bd7a-5662-8462-fd649027b59d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-01-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.01.2021 E-4094/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4094-2018_2021-01-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4094/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  J a n u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiber Michal Koebel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  

Advokatur Kanonengasse,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 22. Juni 2018 / N (…). 

 

 

 

E-4094/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Schwester des Beschwerdeführers B._______ suchte am 5. Septem-

ber 2010 in der Schweiz um Asyl nach. Ihr damaliger Ehemann und Schwa-

ger des Beschwerdeführers, C._______, suchte am 8. Dezember 2010 in 

der Schweiz um Asyl nach. Am (…) wurde dieser auf Antrag der Staatsan-

waltschaft D._______ verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. 

B._______ beschuldigte ihn der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfa-

chen Drohung sowie der mehrfachen Tätlichkeit. Das von der Staatsan-

waltschaft D._______ in Auftrag gegebene psychiatrische Gefährlichkeits-

gutachten vom (…) betreffend C._______ kam zum Schluss, die Gefahr 

neuerlich gewalttätigen Verhaltens gegenüber den Mitgliedern seiner Fa-

milie inklusive sexuell gewalttätiger Handlungen gegenüber seiner Ehefrau 

seien als hoch einzustufen. Zudem sei die Ausführungsgefahr der von ihm 

ausgesprochenen Drohungen mittelgradig einzustufen. Aufgrund der von 

ihm weiterhin ausgehenden erheblichen Gefährdung wurde mit Verfügung 

des Bezirksgerichts E._______ vom (…) die Sicherheitshaft bewilligt. Mit 

Verfügung vom 18. September 2012 stellte das SEM (damals Bundesamt 

für Migration BFM) fest, C._______ erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, 

setzte eine Ausreisefrist auf spätestens nach der Haftentlassung an, be-

auftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und 

entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung, da ange-

sichts der von C._______ ausgehenden Gefährdung für die öffentliche Si-

cherheit das öffentliche Interesse am Vollzug der Wegweisung überwiege. 

Diese Verfügung erwuchs am 20. Oktober 2012 unangefochten in Rechts-

kraft. Am (…) wurde C._______ nach Afghanistan ausgeschafft.  

B.  

Mit Verfügung vom 20. September 2012 stellte das SEM (damals BFM) – 

aufgrund der Drohungen und der Gewalt, die von ihrem damaligen Ehe-

mann ausgingen – fest, die Schwester des Beschwerdeführers, B._______ 

Sayed Schah (die nach der Scheidung durch das Bezirksgericht 

E._______ vom (…) [in Rechtskraft seit (…)] und erneuter Trauung vom 

(…) inzwischen den Familiennamen F._______ trägt), erfülle die Flücht-

lingseigenschaft und gewährte ihr Asyl. 

C.  

Der Beschwerdeführer suchte am 9. September 2015 in der Schweiz um 

Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person vom 22. September 2015 

E-4094/2018 

Seite 3 

(an der die Asylgründe nicht erfragt wurden) führte er aus, er sei ethnischer 

(…). Bis zum (…) Lebensjahr habe er in der Stadt G._______ gelebt. Da-

nach habe er (…) Jahre im Iran gewohnt. Er sei seither nie mehr in Afgha-

nistan gewesen. Seine Mutter und seine vier Schwestern lebten in der 

Schweiz. Am Ende der Befragung wurde ihm das rechtliche Gehör zu einer 

allfälligen Wegweisung nach Griechenland, Ungarn oder Österreich ge-

währt. 

D.  

Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank Eurodac ergab, dass der 

Beschwerdeführer am 7. September 2015 bereits in Ungarn Asyl beantragt 

hatte. Die Vorinstanz ersuchte die ungarischen Behörden am 5. Oktober 

2015 um Rückübernahme des Beschwerdeführers. Die ungarischen Be-

hörden nahmen innert Frist zum Übernahmeersuchen nicht Stellung. Mit 

Verfügung vom 28. Oktober 2015 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Ungarn 

und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug. Das Bundesver-

waltungsgericht hiess mit Urteil E-7285/2015 vom 4. Juli 2017 eine dage-

gen erhobene Beschwerde aufgrund der Lage in Ungarn gut und wies die 

Sache zur Neubeurteilung und Entscheidung an die Vorinstanz zurück.  

E.  

Mit Verfügung vom 12. April 2017 stellte das SEM – aufgrund der Gefahren, 

die von ihrem Ex-Schwager sowie dessen Familienangehörigen ausgin-

gen – fest, die Schwester des Beschwerdeführers H._______ erfülle die 

Flüchtlingseigenschaft und gewährte ihr Asyl.  

F.  

Mit Verfügung vom 12. April 2017 stellte das SEM – aufgrund der Gefah-

ren, die von ihrem Ex-Schwiegersohn beziehungsweise Ex-Schwager so-

wie dessen Familienangehörigen ausgingen – fest, die Mutter des Be-

schwerdeführers I._______ und seine Schwester J._______ erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft und gewährte ihnen Asyl. 

G.  

Mit Verfügung vom 1. Mai 2017 stellte das SEM fest, die Schwester des 

Beschwerdeführers K._______, deren Ehemann sowie deren Kind erfüllten 

die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies die Asylgesuche ab, verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. Diese Verfügung 

erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  

E-4094/2018 

Seite 4 

H.  

Am 13. September 2017 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, 

es werde das nationale Asylverfahren durchgeführt. 

I.  

Anlässlich der Anhörung vom 3. Mai 2018 führte der Beschwerdeführer 

aus, er habe bis zum (…) Lebensjahr in G._______ zusammen mit seiner 

Mutter und seinen Schwestern gelebt. Sein Vater sei gestorben als er (…) 

Jahre alt gewesen sei. Seine ältere Schwester B._______ sei als Minder-

jährige mit C._______, einem Mitglied der Taliban, zwangsverheiratet wor-

den, der sie zusammen mit dessen Onkel misshandelt habe. Als Folge der 

Schläge habe sie namentlich ihr ungeborenes Kind verloren. Der Onkel 

habe enge Beziehungen zu einflussreichen Mitgliedern der Taliban in 

G._______ gepflegt und sei im Drogenhandel zwischen Afghanistan und 

dem Iran involviert. Im Jahr (…) sei er (der Beschwerdeführer) mit seiner 

Mutter, seinen vier Schwestern und C._______ nach L._______, Iran, ge-

zogen. Sie hätten gehofft, vom gewalttätigen Onkel des Ehemanns Ab-

stand zu gewinnen und, dass sich C._______ in einer neuen Umgebung 

besser gegenüber B._______ verhalte. Im Jahr (…) seien B._______ und 

C._______ in die Schweiz gereist. Aufgrund der Gewalttätigkeit, die von 

C._______ ausgegangen sei, sei in der Schweiz ein Strafverfahren gegen 

ihn eingeleitet und er sei inhaftiert worden. Der Schwager habe ihn aus der 

Schweiz vom Gefängnis aus regelmässig kontaktiert und verlangt, dass er 

(der Beschwerdeführer) die gemeinsame Ausschaffung von ihm und 

B._______ mit den Kindern nach Afghanistan veranlassen solle. Der da-

malige Schwager habe gedroht, ihn und seine Familie zu töten, da 

B._______ seinen Namen und seine Ehre beschmutzt habe. Er (der Be-

schwerdeführer) sei in L._______ von Brüdern und Bekannten seines 

Schwagers mehrmals verprügelt worden. Der Onkel des Schwagers habe 

ihn ebenfalls bedroht und sein Haus sei eines Nachts von ungefähr acht 

Personen belagert worden. Als das Datum für die Ausschaffung seines 

Schwagers festgestanden habe, habe sich die Bedrohungslage im Iran zu-

gespitzt, weshalb er in die Türkei ausgereist sei. Aufgrund eines Facebook-

Eintrags hätten Angehörige seines Schwagers seinen neuen Aufenthaltsort 

lokalisiert und mittels Facebook-Foto nach ihm gesucht. Er habe erfolglos 

eine Anzeige bei der türkischen Polizei gemacht. Aus Angst vor weiteren 

Attacken durch Angehörige des Schwagers sei er schliesslich zu seiner 

Mutter und seinen Schwestern in die Schweiz geflüchtet. 

J.  

Mit Verfügung vom 22. Juni 2018 (eröffnet am 26. Juni 2018) stellte das 

E-4094/2018 

Seite 5 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vor-

läufige Aufnahme an. 

K.  

Mit Eingabe vom 13. Juli 2018 reichte der Beschwerdeführer unter Beilage 

des Scheidungsurteils seiner Schwester B._______ vom (…), eines Ar-

beitsvertrags, einer Lohnabrechnung sowie einer Honorarnote beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei ihm nach 

Eingang der Akten seiner Mutter und Geschwister Gelegenheit zur Be-

schwerdeergänzung unter Ansetzung einer 30-tägigen Nachfrist zu gewäh-

ren. Die Verfügung der Vorinstanz sei in den Ziffern 1–3 des Dispositivs 

aufzuheben. Es sei die Sache im Asyl- beziehungsweise Flüchtlingspunkt 

zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entschei-

dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Un-

zulässigkeit – zusätzlich zur Unzumutbarkeit – des Wegweisungsvollzugs 

festzustellen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessfüh-

rung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten und Rechtsanwalt Urs Ebnöther als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu 

bestellen. 

L.  

Mit Eingabe vom 14. August 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Be-

schwerdeergänzung ein. 

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. August 2018 stellte der Instruktionsrichter 

fest, der Beschwerdeführer habe mit Eingabe vom 14. August 2018 die in 

Aussicht gestellte Beschwerdeergänzung im Zusammenhang mit den Bei-

zugsdossiers bereits eingereicht, hiess die Gesuche um unentgeltliche 

Prozessführung und amtliche Rechtsverbeiständung gut, verzichtete auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses und gab der Vorinstanz Gelegen-

heit zur Einreichung einer Vernehmlassung. 

N.  

Mit Vernehmlassung vom 31. August 2018 verzichtete die Vorinstanz auf 

weitere Ausführungen. Dieses Schreiben wurde dem Beschwerdeführer 

am 13. September 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt. 

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Seite 6 

O.  

Mit Schreiben vom 15. Januar 2019 und 14. Mai 2019 reichte der Be-

schwerdeführer aktualisierte Honorarnoten zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom 

26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende 

Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdefüh-

rer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-

che vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassa-

tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; 

BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der 

Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in 

ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich 

ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2). 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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Seite 7 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen 

Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-

haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-

verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; 

unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen 

Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, 

Rz. 1043). 

4.3 Der Beschwerdeführer bemängelt eine unvollständige und unrichtige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts. Die Vorinstanz sei nicht 

auf die Verbindungen des Ex-Schwagers zu den Taliban eingegangen. Sie 

sei anzuweisen, eine Botschaftsabklärung betreffend die Verbindungen 

des Ex-Schwagers und dessen Familienangehörigen zu den Taliban ein-

zuholen. Zudem hätte die Vorinstanz abklären müssen, ob der Ex-Schwa-

ger ihn vom Gefängnis aus angerufen und bedroht habe. Des Weiteren 

habe sie zwar die Akten seiner Familienmitglieder beigezogen, aber nicht 

weiter Bezug auf die Vorbringen der Mutter und der Schwestern genom-

men. 

Die Vorinstanz hat alle Vorbringen des Beschwerdeführers, insbesondere 

die Verbindungen des Ex-Schwagers und seiner Familienangehörigen zu 

den Taliban, die Telefondrohungen des Ex-Schwagers und die übrigen Ein-

schüchterungen, als glaubhaft erachtet. Angesichts der Glaubhaftigkeit 

dieser Angaben hat die Vorinstanz zu Recht auf weitere Sachverhaltsab-

klärungen und Auseinandersetzungen mit den Vorbringen der Mutter und 

der Schwestern verzichtet. Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde von 

der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt. 

4.4 Der Beschwerdeführer moniert eine Verletzung der Begründungs-

pflicht, da die Begründung der Vorinstanz, weshalb die von ihm beschrie-

benen Vorfälle nicht eine gegen ihn gerichtete flüchtlingsrechtlich relevante 

Verfolgung erwarten liessen, äusserst dünn ausgefallen sei. 

Die Vorinstanz führt in ihrer Begründung aus, weshalb es aus ihrer Sicht 

keine Hinweise gebe, dass der Beschwerdeführer einer künftigen asylrele-

vanten Verfolgung ausgesetzt sein könnte. Die Begründung fiel zwar 

knapp, aber ausreichend aus. Allein der Umstand, dass die Vorinstanz zu 

einer anderen Einschätzung gelangt als der Beschwerdeführer, stellt keine 

mangelhafte Begründung dar. Zudem war der Beschwerdeführer in der 

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Seite 8 

Lage, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Es liegt demnach keine 

Verletzung der Begründungspflicht vor. 

4.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aufzuheben 

und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegeh-

ren ist somit abzuweisen. 

5.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

6.  

Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, die 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme seien nicht asylrele-

vant. So seien die Belästigungen im Iran und in der Türkei nicht asylrele-

vant, da es sich hierbei um Drittstaaten handle. Ferner sei nicht davon aus-

zugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan 

aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Grund durch die Familienmitglie-

der seines Ex-Schwagers verfolgt oder vom Staat nicht geschützt werde. 

Es gebe auch keine Hinweise dafür, dass ihm der von seiner Schwester 

begangene Ehebruch zugeschrieben werde und ihm aus diesem Grund 

eine asylrelevante Verfolgung drohe. Im Übrigen würden die geschilderten 

Nachteile im Zusammenhang mit der allgemeinen Sicherheitslage und den 

damit einhergehenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens-

bedingungen in Afghanistan keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes 

darstellen.  

7.  

7.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht in-

dessen zum Schluss, dass das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers zu Unrecht verneint und ihm unzutreffenderweise kein 

Asyl gewährt hat. 

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Seite 9 

7.2 Es gilt als erstellt, dass der Vater des Beschwerdeführers verstarb, als 

dieser (…) Jahre alt war und seine Frau, den Beschwerdeführer und des-

sen vier Schwestern hinterliess. Die damals minderjährige Schwester 

B._______ wurde in Afghanistan mit C._______ zwangsverheiratet, der sie 

zusammen mit seinem Onkel – der Beziehungen zu einflussreichen Mit-

gliedern der Taliban hat – misshandelte. Im Jahr (…) zog der Beschwerde-

führer zusammen mit seiner Mutter, seinen vier Schwestern und dem da-

maligen Ehemann von B._______ in den Iran. Im Jahr (…) reiste 

B._______ mit C._______ in die Schweiz, wo sie im selben Jahr um Asyl 

nachsuchten. Aufgrund der Gewalttätigkeit des Ehemannes wurde dieser 

am (…) auf Antrag der Staatsanwaltschaft D._______ verhaftet. Die von 

ihm ausgehende Gefahr neuerlich gewalttätigen Verhaltens gegenüber 

Mitgliedern der Familie wurde als hoch eingestuft, woraufhin das Bezirks-

gericht E._______ dessen Sicherheitshaft bewilligte. Aus der Schweiz kon-

taktierte dieser den Beschwerdeführer im Iran und drohte ihm damit, ihn 

und seine Familie zu töten, da seine Schwester seinen Namen und seine 

Ehre beschmutzt habe. Im Iran wurde der Beschwerdeführer von Verwand-

ten von C._______ bedroht, behelligt und tätlich angegriffen. Als der Termin 

der Ausschaffung von C._______ feststand, reiste der Beschwerdeführer 

in die Türkei aus, wo er durch Angehörige von C._______ dennoch lokali-

siert und ebenfalls behelligt wurde. Am (…) wurde C._______ aus der 

Schweiz nach Afghanistan ausgeschafft. Hiernach wurde die Ehe zwischen 

ihm und B._______ in der Schweiz gerichtlich geschieden, woraufhin 

B._______ einen anderen Mann heiratete. Der Mutter des Beschwerdefüh-

rers sowie seinen drei Schwestern B._______, H._______ und J._______ 

wurde – aufgrund der Gefahr, die von C._______ ausgeht – in der Schweiz 

Asyl gewährt (vgl. Sachverhalt Bst. A, B, E und F). 

7.3 Asylsuchende sind auch dann als Flüchtlinge anzuerkennen, wenn sie 

erst aufgrund von Ereignissen nach ihrer Ausreise (aus dem Heimatstaat) 

im Falle einer Rückkehr in ihren Heimatstaat (oder Herkunftsstaat) in flücht-

lingsrelevanter Weise verfolgt würden. Zu unterscheiden ist dabei zwi-

schen objektiven und subjektiven Nachfluchtgründen. Objektive Nach-

fluchtgründe liegen vor, wenn äussere Umstände, auf welche die asylsu-

chende Person keinen Einfluss nehmen konnte, zur drohenden Verfolgung 

führen; der von einer Verfolgung bedrohten Person ist in solchen Fällen die 

Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren. Subjektive 

Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Person erst durch 

die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen 

ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung zu befürchten hat; in 

diesen Fällen wird kein Asyl gewährt (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2010/44 

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Seite 10 

E. 3.5 m.w.H.). Dabei ist nicht nur der Zeitpunkt der Ausreise aus dem Hei-

matland, sondern auch die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheids 

massgebend. Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylge-

währung sind von vornherein ausgeschlossen, wenn eine Person, die in 

einem Drittstaat Verfolgung erlitten oder zu befürchten hat, den Schutz ih-

res Heimatstaates in Anspruch nehmen kann, ist doch eine solche Person 

nicht auf internationalen Schutz angewiesen. 

7.4 Obschon die vorgebrachten Behelligungen im Iran und in der Türkei 

stattgefunden haben, hat der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt in 

seinem Heimatstaat ernsthafte Nachteile zu befürchten. So hat C._______ 

– der sich inzwischen wieder in Afghanistan befindet – den Beschwerde-

führer über die Landesgrenzen hinweg massiv bedroht und seinen Drohun-

gen bereits mit Hilfe von Verwandten vor Ort Nachdruck verliehen. Diese 

Geschehnisse, auf die der Beschwerdeführer keinen Einfluss nehmen 

konnte, trafen ihn gezielt. Auch stehen der Ausreisegrund und der Ausrei-

sezeitpunkt aus dem Iran und dann aus der Türkei in einem sachlich und 

zeitlich kausalen Zusammenhang zueinander.  

7.5 Es bleibt zu prüfen, ob ein flüchtlingsrechtlich relevantes Verfolgungs-

motiv bejaht werden kann und ob der Beschwerdeführer in Afghanistan sei-

tens der Behörden Schutz vor allfälligen künftigen Übergriffen seines Ex-

Schwagers und dessen Familienangehörigen erlangen könnte. Die Bedro-

hung der Familie des Beschwerdeführers knüpft an die frauenspezifischen 

Probleme der Schwester des Beschwerdeführers mit ihrem Ehemann an; 

der Schwerpunkt der Verfolgung durch C._______ ist mithin ursprünglich 

gegen die Frauen der Familie gerichtet. Es kann jedoch aufgrund der ge-

gen den Beschwerdeführer ausgesprochenen Drohungen (Tötung der ge-

samten Familie des Beschwerdeführers und Rache aufgrund beschmutzter 

Familienehre durch die Schwester des Beschwerdeführers) davon ausge-

gangen werden, dass es sich vorliegend (reflexweise) um eine Verfolgung 

des Beschwerdeführers aufgrund seiner Schwester B._______ handelt. 

Das Risiko, bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat ins Visier von seinem 

Ex-Schwager und dessen Familie zu geraten, ist in seinem Fall überdies 

als besonders hoch einzustufen, weil er innerhalb der Logik der Blutrache 

das einzige männliche Familienmitglied mit intakter Ehre ist. Die gegen die 

ganze Familie des Beschwerdeführers gerichtete Verfolgung ist in ihrem 

Kern zwar frauenspezifisch motiviert, das Gericht geht jedoch davon aus, 

dass die entsprechende, gemäss Art. 3 AsylG relevante Verfolgungsmoti-

vation auch betreffend die dem Beschwerdeführer drohenden Nachteile 

E-4094/2018 

Seite 11 

anzuerkennen ist. Vor diesem Hintergrund kann nach Auffassung des Ge-

richts von einer Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der afghanischen Be-

hörden gegenüber der von einem privaten Dritten ausgehenden Bedro-

hung auch den Beschwerdeführer betreffend nicht ausgegangen werden. 

Gerade mit Bezug zu frauenspezifischer Verfolgung sind die afghanischen 

Behörden nicht schutzwillig (vgl. zum fehlenden Schutzwillen und zur feh-

lenden Schutzinfrastruktur bei frauenspezifischer Verfolgung in Afghanis-

tan Referenzurteil des BVGer D-3501/2019 vom 21. August 2019 insb. E. 

5.4.5). Im vorliegenden Fall trifft dies umso mehr zu, als es sich beim Ex-

Schwager und insbesondere bei dessen Onkel um Personen mit einfluss-

reichen Beziehungen zu den Taliban handelt. Damit ist ein objektiver Nach-

fluchtgrund zu bejahen. 

7.6 Schliesslich muss vorliegend eine innerstaatliche Schutzalternative 

ausgeschlossen werden. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

dass der Beschwerdeführer an einem anderen Ort in Afghanistan Schutz 

vor der drohenden Verfolgung durch seinen Ex-Schwager und dessen Fa-

milie erhalten könnte, insbesondere da diese ihn bereits bis in den Iran und 

in die Türkei verfolgt haben. 

7.7 Es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt.  

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefoch-

tene Verfügung vom 22. Juni 2018 aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist 

gestützt auf Art. 3 AsylG als Flüchtling anzuerkennen und das SEM ist an-

zuweisen, ihm Asyl zu gewähren. Ausschlussgründe im Sinne von Art. 53 

AsylG sind keine ersichtlich. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Damit wird die mit Zwischenverfügung vom 

20. August 2018 gewährte unentgeltliche Prozessführung nachträglich ge-

genstandslos. 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

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Seite 12 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In der aktua-

lisierten Kostennote der Advokatur Kanonengasse vom 14. Mai 2018 

wurde ein Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 3'611.20 geltend ge-

macht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 11.10 Stunden zu 

einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Spesen in Höhe von Fr. 23.–, 

was – auch wenn sich Rechtsanwalt Urs Ebnöther teilweise seiner Prakti-

kantin MLaw Corinne Reber bediente – in Anbetracht des Obsiegens nicht 

zu beanstanden ist. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschä-

digung beträgt somit insgesamt Fr. 3'611.20 (inklusive Auslagen und Mehr-

wertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). Der Anspruch 

auf amtliches Honorar des als Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertre-

ters wird damit gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4094/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1. 

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2. 

Die Verfügung vom 22. Juni 2018 wird aufgehoben. Das SEM wird ange-

wiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl 

zu gewähren. 

3. 

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4. 

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3'611.20 

auszurichten. 

5. 

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Michal Koebel 

 

 

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