# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64eb1097-48f8-5cf8-9edd-696c5ccb694e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230390-O1
**Docket/Reference:** SB230390-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230390-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB230390-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs, Präsidentin, die Oberrichter 

lic. iur. B. Amacker und lic. iur. K. Vogel sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw J. Stegmann

Urteil vom 16. Dezember 2024

in Sachen

A._____,

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend sexuelle Nötigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung,

vom 19. April 2023 (DG220202)

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Anklage:

Die  Anklageschrift  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom  26. Oktober  2022 

(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 62 S. 73 ff.)

«Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB;

 der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB;

 der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag durch Haft 

erstanden ist.

3.

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 

7 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) 

angeordnet.

4.

a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten Ereignis dem Grund-

satz nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schaden-

ersatzanspruchs wird die Privatklägerin (B._____) auf den Weg des Zivilprozesses verwie-

sen. 

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin (B._____) eine Genugtuung von 

CHF 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 23. Dezember 2021 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird 

das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

5.

a) Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenz-Nr. … lagernden 

Gegenstände werden der Privatklägerin (B._____) nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils 

auf erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls nach Ablauf einer Frist von 30 Tagen 

ab Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:

– Damenjacke (A015'708'108)

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– Damenunterwäsche (A015'708'119)

– Pullover (A015'708'120)

– Sporthose (A015'708'142)

– Shirt (A015'708'153)

b) Die übrigen beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenz-Nr. … lagernden Spu-

ren und Spurenträger werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechts-

kraft des Urteils zur Vernichtung überlassen.

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Oktober 2022 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter der Ge-

schäfts-Nr. … lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechts-

kraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls nach Ablauf einer 

Frist von 30 Tagen ab Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:

– Bettwäsche Laken (A015'704'571)

– Bettwäsche Deckenbezug (A015'704'593)

– Bettwäsche Laken (A015'704'640)

– Bettwäsche Fleecedecke (A015'704'662)

7.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Oktober 2022 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter der Ge-

schäfts-Nr. … lagernden Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Ein-

tritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung überlassen:

– Tatort-Fotografie (A015'704'559)

– Wodka-Flasche (A015'704'560)

– Damenunterwäsche (Büstenhalter) (A015'704'582)

– IRM-Fotografie (A015'704'695)

8.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

7'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren

7'400.00   Gutachten etc.

260.00   Auswertung Mobiltelefon

15'860.55   amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst)

6'035.90   unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. Barausla-

gen und Mwst)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

  
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9.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten 

der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, 

werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der un-

entgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin werden einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und 

Art. 426 Abs. 4 StPO.

10.

[Mitteilungen]

11.

[Rechtsmittel]»

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 109; Prot. II S. 17 ff.; vgl. auch Urk. 65)

1. Es sei das erstinstanzliche Urteil aufzuheben.

2. Es  sei  Herr  A._____  stattdessen  von  Schuld  und  Strafe 

freizusprechen.

3. Es  sei  ihm  für  die  durch  das  Strafverfahren  erlittene  Unbill  eine 
angemessene  Genugtuung  von  mindestens  CHF 200.–  für  die  zu 
Unrecht erlittene Haft zuzusprechen.

4. Es seien die Anträge der Privatklägerschaft abzuweisen, sofern auf 

diese eingetreten werden kann.

5. Die  amtliche  Verteidigung  sei  für  das  Berufungsverfahren  gemäss 
heute eingereichter Kostennote (zzgl. MwSt.) zu entschädigen und 
diese Kosten seien definitiv auf die Staatskasse zu nehmen.

6. Die  Kosten  des  bisherigen  Verfahrens  seien  gesamthaft  auf  die 

Staatskasse zu nehmen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 71)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

c)

Der Privatklägerin B._____:

(Prot. II S. 20 ff. i.V.m. Urk. 83/1)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

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Erwägungen:

I.  Verfahrensgang und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Mit Eingabe vom 26. Oktober 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Lim-

mat gegen A._____ beim Bezirksgericht Zürich Anklage (Urk. 28). Der Verfahrens-

gang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid vom 19. April 

2023 (Urk. 62 E. I/1.1–1.4 S. 4 f.).

1.2. Das  vorstehend  wiedergegebene  Urteil  wurde  den  Parteien  gleichentags 

mündlich eröffnet (Urk. 51; Prot. I S. 19 ff.). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 

20. April 2023 innert Frist Berufung anmelden (Urk. 56).

1.3. Nach  Zustellung  des  begründeten  Urteils  (Urk. 57  =  Urk. 62)  liess  der 

Beschuldigte  am  25. Juli  2023  fristgerecht  die  Berufungserklärung  einreichen 

(Urk. 65).

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 28. Juli 2023 wurde der Privatklägerin sowie der 

Staatsanwaltschaft  ein  Doppel  der  Berufungserklärung  des  Beschuldigten  zuge-

stellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder 

ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der Beschul-

digte unter Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht aufgefordert, ein Daten-

erfassungsblatt  auszufüllen  und  seine 

finanziellen  Verhältnisse  darzulegen 

(Urk. 67). Mit Eingabe vom 8. August 2023 erklärte die Staatsanwaltschaft Verzicht 

auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

(Urk. 71).

1.5. Am 24. April 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 26. Juni 2024 

vorgeladen  (Urk. 73).  Mit  Eingabe  vom  24. Juni  2024  liess  der  Beschuldigte  den 

Beweisantrag  stellen,  dass  die  Privatklägerin  persönlich  zu  den  von  ihr  vorge-

tragenen Vorwürfen zu befragen sei (Urk. 81). Nach eingeholten Stellungnahmen 

(Urk. 85-87)  wurde  der  Beweisantrag  des  Beschuldigten  mit  Präsidialverfügung 

vom 25. Juni 2024 (Urk. 89) gutgeheissen und den Parteien die Ladungen für die 

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Berufungsverhandlung  vom  26. Juni  2024  abgenommen 

(Urk. 88).  Am 

13. September 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 16. Dezember 2024 

vorgeladen  (Urk. 92).  Mit  Eingabe  vom  4. Dezember  2024  (Datum  Poststempel) 

beantragte  die  Rechtsvertreterin  der  Privatklägerin  den  Ausschluss  der  Öffent-

lichkeit von der Befragung der Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung 

sowie  dass  die  Privatklägerin  vom  Beschuldigten  getrennt  zu  befragen  sei 

(Urk. 94).  Nach  eingeholten  Stellungnahmen  (Urk. 95,  97  und  99)  wurden  die 

Anträge der Privatklägerin mit Präsidialverfügung vom 11. Dezember 2024 gutge-

heissen (Urk. 100).

1.6. Heute nun erschienen zur Berufungsverhandlung der amtliche Verteidiger, 

die Rechtsvertreterin der Privatklägerin sowie die Privatklägerin persönlich, welche 

jedoch lediglich anlässlich ihrer Befragung der Berufungsverhandlung beiwohnte. 

Der Beschuldigte blieb der Verhandlung unentschuldigt fern (Prot. II S. 7; vgl. auch 

Prot. II S. 15 und Urk.108). Die anlässlich der Berufungsverhandlung vorfrageweise 

gestellten Anträge der Verteidigung wurden abgewiesen, und abgesehen von der 

Einvernahme der Privatklägerin waren auch keine weitere Beweise abzunehmen 

(Prot. II S. 7 ff.; Urk. 107 und 108; vgl. dazu auch nachfolgend E. I/2). Das Verfah-

ren ist spruchreif.

2.

Vorfragen / Beweisantrag

2.1. Die  Verteidigung  beantragte  vorfrageweise,  dass  das  Urteil  des  Bezirks-

gerichts  Zürich  vom  19. April  2023  aufzuheben  und  die  Angelegenheit  zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. Das vorinstanzliche Urteil 

leide  an  einem  augenscheinlichen  Mangel,  welcher  auch  nicht  durch  das 

Obergericht korrigiert werden könne. Die Verteidigung habe stets moniert, dass die 

Aussagen  der  Privatklägerin  zahlreiche  Widersprüche  und  Ungereimtheiten 

enthielten,  welche  mit  den  restlichen  Verfahrensakten  schlicht  nicht  vereinbar 

seien.  Eine  Befragung  der  Privatklägerin  habe  die  Vorinstanz,  obwohl  eine 

klassische  Vier-Augen-Konstellation  vorliege,  aber  dennoch  nicht  durchgeführt. 

Eine  solche  Einvernahme  sei  vom  Bundesgericht  aber  vorgeschrieben.  Eine 

Nachbesserung dieses vorinstanzlichen Versäumnisses durch das Obergericht sei 

jedoch  weder  fair  noch  rechtmässig.  Würde  das  Obergericht  den  Sachverhalt  in 

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Nachbesserung  des  erstinstanzlichen  Versäumnisses 

feststellen  –  so  die 

Verteidigung  weiter–,  so  wäre  dieser  für  die  nächste  Instanz,  namentlich  das 

Bundesgericht,  grundsätzlich  verbindlich.  Würde  also  den  prozessual  klaren  und 

vom  Bundesgericht  eindeutig  festgehaltenen  Vorschriften  an  die  Sachverhalts-

feststellung  erst  zweitinstanzlich  nachgekommen,  so  wäre  der  Sachverhalt  "nur" 

durch  ein  (1)  Gericht,  nämlich  das  kantonal  letztinstanzliche  festgelegt.  In  der 

Konsequenz  würde  damit  dem  Beschuldigten  –  so  die  Verteidigung  weiter  –  die 

Möglichkeit  genommen,  auch  die  Sachverhaltsfeststellung  nochmals  uneinge-

schränkt – sprich vor einem (Ober-)Ge–richt mit umfassender Kognition – zu rügen. 

Es würde dem Beschuldigten folglich verunmöglicht, betreffend rechtmässig fest-

gestellten  Sachverhalt  den  –  in  der  Kognition  nicht  eingeschränkten  –  vollen 

Rechtsmittelweg zu beschreiten. Deshalb müsse die Vorinstanz dieses Versäumnis 

nachbessern (Urk. 107; Prot. II S. 9 ff).

Die  Berufung  nach  Art. 398  ff.  StPO  ist  grundsätzlich  ein  reformatorisches 

Rechtsmittel.  Tritt  das  Berufungsgericht  auf  die  Berufung  ein,  fällt  es  ein  neues 

Urteil,  welches  das  erstinstanzliche  Urteil  ersetzt  (Art. 408  StPO).  Nach  Art. 409 

Abs. 1 StPO hebt das Berufungsgericht bei wesentlichen, im Berufungsverfahren 

nicht heilbaren Mängeln das angefochtene Urteil ausnahmsweise auf und weist die 

Sache  zur  Durchführung  einer  neuen  Hauptverhandlung  und  zur  Fällung  eines 

neuen  Urteils  an  die  Vorinstanz  zurück.  Die  kassatorische  Erledigung  durch 

Rückweisung  ist  aufgrund  des  reformatorischen  Charakters  des  Berufungsver-

fahrens die Ausnahme und kommt nur bei derart schwerwiegenden, nicht heilbaren 

Mängeln des erstinstanzlichen Verfahrens in Betracht, in denen die Rückweisung 

zur Wahrung der Parteirechte, in erster Linie zur Vermeidung eines Instanzverlusts, 

unumgänglich ist. Dies ist etwa der Fall bei Verweigerung von Teilnahmerechten 

oder nicht gehöriger Verteidigung, bei nicht richtiger Besetzung des Gerichts oder 

bei  unvollständiger  Behandlung  sämtlicher  Anklage-  oder  Zivilpunkte  (BGE  143 

IV 408  E. 6.1  m.H.).  Der  Umstand,  dass  das  Berufungsgericht  weitere  Beweise 

abnimmt  bzw.  deren  Abnahme  für  notwendig  hält,  führt  nicht  automatisch  zur 

Anwendung  von  Art. 409  StPO.  Erforderliche  zusätzliche  Beweiserhebungen  im 

Berufungsverfahren  stellen  grundsätzlich  keinen  schwerwiegenden  Mangel  im 

Sinne  von  Art. 409  Abs. 1  StPO  dar,  der  eine  Rückweisung  an  die  erste  Instanz 

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rechtfertigt, sondern sind aufgrund des reformatorischen Charakters der Berufung 

und  des  Beschleunigungsgebots  vom  Berufungsgericht  selbst  abzunehmen 

(BSK StPO-KELLER Art. 409, N 1 und 2).

Das Gericht verfügt bei der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme im Sinne von 

Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich ist, über einen Ermessensspielraum (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_693/2021 vom 10. Mai 2022 E. 4.1.4). Die Vorinstanz hat ihren 

Ermessensentscheid  im  Urteil  vom  19. April  2023  hinreichend  begründet,  ohne 

dass  ein  entsprechender  Antrag  seitens  der  Verteidigung  vor  Vorinstanz  gestellt 

worden  wäre  (Urk. 62  E. II/4.1.1  S. 9  f.).  Im  vorliegenden  Verfahren  wurde  die 

Befragung  der  Privatklägerin  auf  Beweisantrag  des  Beschuldigten  hin  (Urk. 81) 

angeordnet und für angezeigt erachtet (Urk. 89). Mit Verweis auf die vorstehenden 

rechtlichen  Ausführungen  ist  zu  konstatieren,  dass  eine  schwerwiegende  Ver-

letzung  von  Verfahrensvorschriften,  welche  im  Berufungsverfahren  nicht  geheilt 

werden könnte, bei der vorliegenden Konstellation nicht ersichtlich ist, weshalb die 

Sache auch nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen ist.

2.2. Die Verteidigung beantragte in ihrem vorfrageweise gestellten Eventualan-

trag, dass die Berufungsverhandlung abzunehmen und der Beschuldigte nochmals 

korrekt zur Berufungsverhandlung vorzuladen sei. Subeventualiter beantragte die 

Verteidigung, dass die Berufungsverhandlung spätestens nach der Befragung der 

Privatklägerin zu unterbrechen und das Beweisverfahren – nachdem der Beschul-

digte korrekt vorgeladen worden sei – fortzusetzen sei. Die Vorladung sei an die 

Büroadresse  des  Verteidigers  und  nicht  an  die  Wohnadresse  des  Beschuldigten 

gesandt worden. Die Vorladung müsse aber dem Beschuldigten persönlich zuge-

stellt werden. Der Beschuldigte sei deshalb nicht korrekt zur Berufungsverhandlung 

vorgeladen worden, weshalb dies zu wiederholen sei. Dass die Anwesenheit des 

Beschuldigten auch im Berufungsverfahren zwingend notwendig sei, ergebe sich 

aus  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung.  Wenn  der  Fehler  der  Vorinstanz 

durch das Obergericht korrigiert werden wolle, dass nämlich die Aussagen in die-

sem Vier-Augen-Delikt vom urteilenden Gericht nochmals abgeholt würden, dann 

müsse  dies  nicht  nur  für  die  Aussagen  der  Privatklägerin,  sondern  auch  für  die-

jenigen des Beschuldigten gelten. Denn wenn man auf die Aussagen und deren 

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Qualität abstützen möchte – so die Verteidigung weiter – so scheine es zwingend 

notwendig, dass ein und dasselbe Gericht beide Augenpaare zu ihren Erlebnissen 

befrage (Urk. 107; Prot. II S. 9 ff. und S. 12 ff.).

Nachdem dem Beschuldigten die Vorladung vom 24. April 2024 auf den 26. Juni 

2024  nicht  an  die  dem  Gericht  bekannte  Wohnadresse  des  Beschuldigten 

zugestellt werden konnte (Urk. 73 und 75), wurden weitere Abklärungen zur Wohn-

adresse  des  Beschuldigten  vorgenommen.  Diese  Abklärungen  haben  sodann 

ergeben, dass der Beschuldigte am 30. September 2023 "nach Unbekannt" weg-

gezogen ist. Der Beschuldigte wurde überdies wegen eines bei der Staatsanwalt-

schaft Zürich-Sihl seit dem 27. November 2023 hängigen Strafverfahrens wegen 

Diebstahls  zur  Verhaftung  ausgeschrieben,  nachdem  dortige  polizeiliche 

Abklärungen  ergeben haben,  dass er unbekannten  Aufenthalts  war  (Urk. 78  und 

79).  Eine  erneute  Zustellung  der  Vorladung  an  die  dem  Gericht  bekannte  –  und 

offensichtlich nicht mehr aktuelle (Vermerk auf dem Couvert der fehlgeschlagenen 

Zustellung:  "Empfänger  konnte  unter  angegebener  Adresse  nicht  ermittelt 

werden") – Wohnadresse des Beschuldigten erübrigte sich vor diesem Hintergrund 

(Urk. 75-80). Nach entsprechender Anfrage beim Verteidiger erklärte dieser, dass 

er  Kontakt  mit  dem  Beschuldigten  habe,  wegen  des  Anwaltsgeheimnisses  aber 

keine  weiteren  Angaben  machen  könne,  die  Vorladung  jedoch  ihm  (dem 

Verteidiger)  zugestellt  werden  könne  und  er  diese  dem  Beschuldigten  sodann 

weiterleiten  werde  (Urk. 80).  Die  Vorladung  wurde  in  der  Folge  der  Verteidigung 

zugestellt (vgl. Urk. 80). Der "i.A." unterzeichnete Empfangsschein betreffend die 

Vorladung des Beschuldigten zur Berufungsverhandlung vom 26. Juni 2024 wurde 

in der Folge dem hiesigen Gericht retourniert (Urk. 74). Nachdem die Ladungen für 

die  Berufungsverhandlung  vom  26. Juni  2024  abgenommen  werden  mussten 

(vgl. Urk. 88 und 89) und der Beschuldigte im Rubrum der Präsidialverfügung vom 

25. Juni  2024  zwischenzeitlich  mit  "unbekannten  Aufenthaltes"  aufgenommen 

wurde,  wurde  beim  Verteidiger  nochmals  nach  der  aktuellen  Adresse  des 

Beschuldigten  nachgefragt.  Daraufhin  erklärte  der  Verteidiger,  dass  man  ihn  als 

Zustelladressaten  für  den  Beschuldigten  aufnehmen  könne,  was  man  bei  der 

letzten Vorladung – so wie er sich erinnern könne – bereits gemacht habe, er mit 

Verweis auf das Anwaltsgeheimnis überdies keine weiteren Angaben (zur Adresse 

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des Beschuldigten) machen könne (Urk. 91). Die Vorladung des Beschuldigten für 

die  Berufungsverhandlung  vom  16. Dezember  2024  wurde  deshalb  dem  Vertei-

diger zugestellt (Urk. 92; deren Erhalt bestätigte der Verteidiger auch anlässlich der 

heutigen Berufungsverhandlung [Prot. II S. 14]), und der Verteidiger bzw. dessen 

Kanzlei wurden auch als Zustelladresse für den Beschuldigten im Rubrum aufge-

nommen (vgl. Urk. 95).

Vor  diesem  Hintergrund  verfangen  die  Ausführungen  des  Verteidigers,  dass  der 

Beschuldigte nicht korrekt zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen worden 

sei,  nicht.  Wenn  der  Verteidiger  hinsichtlich  der  ersten  Vorladung  de  facto  als 

Zustelladressat dient (Bitte um Zustellung der Vorladung und Unterzeichnen "i.A." 

des Empfangsscheins des Beschuldigten) und auf entsprechende Nachfrage hin 

erklärt,  dass  er  (auch  für  kommende  Zustellungen)  als  Zustelladressat  fungiere, 

dann  durfte  das  hiesige  Gericht  mit  Fug  und  Recht  davon  ausgehen,  dass  die 

Angabe  des  Fungierens  als  Zustelladressat  auf  entsprechende  Instruktion  des 

Beschuldigten hin geschehen ist. Überdies wollte der Beschuldigte dem hiesigen 

Gericht  bis  zuletzt  keine  aktuelle  Adresse  –  wohin  dann  eine  Vorladung  hätte 

erfolgen können – bekannt geben (vgl. Urk. 91 und Prot. II S. 9), weshalb auch nicht 

beurteilt  werden  kann,  ob  sich  der  Beschuldigte  im  Ausland  aufhält  (vgl.  dazu 

Prot. II S. 14).

Wenn  man  nun  aber  von  der  Argumentation  der  Verteidigung  ausgehen  würde, 

dass der Beschuldigte nicht korrekt zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen 

worden sei, er (der Verteidiger) nicht als Zustelladressat fungiere und er auch über 

keine  (aktuelle)  Adresse  des  Beschuldigten  verfüge  (und  weder  er  noch  der 

Beschuldigte 

irgendwelche  Anstalten  machten,  eine  aktuelle  Adresse  des 

Beschuldigten  anzugeben),  dann  hätte  in  Nachachtung  von  Art. 407  Abs. 1  lit.c 

StPO (sofort) vom Rückzug der Berufung des Beschuldigten ausgegangen werden 

müssen  (vgl.  dazu  BGE 148  IV  362,  insb.  E. 1.6.2).  Entgegen  der  Ansicht  der 

Verteidigung  wäre  diesfalls  auch  nicht  von  einem  Anwendungsfall  von  Art. 407 

Abs. 1  lit. a  StPO  auszugehen  (sinngemäss  in  Prot. II  S. 13  vorgebracht),  da 

Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO denklogisch erst ins Spiel kommt, wenn die Partei gültig 

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vorgeladen  werden  konnte.  In  diesem  Sinne  ist  Art. 407  Abs. 1  lit. c  StPO  dem 

Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO zeitlich vorgelagert (vgl. BGE 148 IV 362 E. 1.7.2).

Der Beschuldigte kann nicht seine Mitwirkung am Verfahren verweigern, indem er 

gegenüber dem hiesigen Gericht seine aktuelle Adresse (bis zuletzt) nicht bekannt 

gibt bzw. geben möchte, dann (allenfalls vorgeschoben) ein Zustelldomizil bezeich-

nen  lässt,  um  die  Säumnisfolgen  im  Sinne  von  Art. 407  Abs. 1  lit. c  StPO  zu 

umgehen,  um  sich  dann  aber  doch  auf  den  Standpunkt  zu  stellen,  nicht  korrekt 

vorgeladen  worden  zu  sein.  Das  Verhalten  des  Beschuldigten  verdient  keinen 

Rechtsschutz, weil es widersprüchlich ist und gegen Treu und Glauben verstösst.

Nach  dem  Dargelegten  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  gesetzeskonform 

zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen wurde. Nachdem der Beschuldigte 

gültig vorgeladen wurde und er somit unentschuldigt nicht erschien, ist auch keine 

(erneute) Vorladung des Beschuldigten vorzunehmen, da der Beschuldigte somit 

selbständig und freiwillig auf die Befragung durch das hiesige Gericht verzichtete. 

Lediglich der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte 

anlässlich  der  erstinstanzlichen  Hauptverhandlung  seine  Aussagen  zur  Sache 

– was sein gutes Recht ist – beinahe vollumfänglich verweigerte (Prot. I S. 10 ff.). 

Nach Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO "wird eine abwesende Partei, die sich rechtmässig 

vertreten  lässt,  nicht  als  säumig  betrachtet"  (BBl  2006  1317).  Der  Beschuldigte 

wurde durch die amtliche Verteidigung vertreten. Entsprechend war die Berufungs-

verhandlung ohne den säumigen Beschuldigten durchzuführen. Ein Abwesenheits-

verfahren  findet  in  einer  solchen  Konstellation  nicht  statt  (Art. 407  Abs. 2  StPO 

e contrario; Urteil 6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E. 3.3.2).

2.3. Nach durchgeführtem Beweisverfahren stellte die Verteidigung den Beweis-

antrag,  dass  die  Berufungsverhandlung  zu  unterbrechen  sei,  der  Beschuldigte 

nochmals  korrekt  zu  seiner  Befragung  vorgeladen  werde  und  die  Berufungsver-

handlung erst nach der Befragung des Beschuldigten fortgesetzt werde. Ohne eine 

direkte Befragung des Beschuldigten durch das Obergericht sei es nicht möglich, 

die  Aussagen  der  beiden  Beteiligten  dieses  Vieraugendelikts  gegeneinander 

abzuwägen. Nur mit der Befragung des Beschuldigten bestehe ein ausreichendes 

Beweisfundament  für  ein  richtiges  Urteil.  Es  wäre  –  so  der  Verteidiger  weiter  – 

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stossend, wenn dem Beschuldigten nicht die Möglichkeit gegeben würde, zu einer 

Befragung zu kommen oder ihm dieser Aufschub nicht gewährt würde, wo erstin-

stanzlich  eben  das  Abwesenheitsverfahren  bzw.  die  neuerliche  Vorladung  im 

Hinblick  auf  ein  allfälliges  Abwesenheitsverfahren  gewährt  worden  wäre  (Prot. II 

S. 15-17).

Wie  bereits  vorstehend  dargelegt,  wurde  der  Beschuldigte  gesetzeskonform  zur 

heutigen  Berufungsverhandlung  vorgeladen.  Er  entschied  sich  somit  selbständig 

und freiwillig dazu, nicht an der heutigen Berufungsverhandlung teilzunehmen, an 

welcher ihm (nochmals) Gelegenheit gegeben worden wäre, sich zu seiner Person 

und zur Sache zu äussern. Er verzichtete somit darauf, seinen Standpunkt (noch-

mals) darzulegen. Lediglich der Vollständigkeit halber kann nochmals festgehalten 

werden, dass sich der Beschuldigte anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-

lung beinahe vollumfänglich auf sein ihm zustehendes Aussageverweigerungsrecht 

berief.  Aussagen  zur  Sache  deponierte  der  Beschuldigte  einzig  anlässlich  der 

ersten polizeilichen Einvernahme (Urk. D1/2/1; vgl. auch Urk. D1/2/2, Urk. D1/2/3 

und Urk. 45 S. 10 ff.). Im Übrigen sind seine Rechte durch die Anwesenheit seines 

Verteidigers gewahrt.

3.

Umfang der Berufung

3.1. Gemäss  Art. 402  StPO  hat  die  Berufung  im  Umfang  der  Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang  der  Berufungsanträge  gehemmt,  während  die  von  der  Berufung  nicht 

erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, Art. 402 N 1 

f.).

3.2. Der  Beschuldigte  liess  das  Urteil  vollumfänglich  anfechten  (Urk. 65  S. 2). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess er präzisieren, dass er die Einziehung, 

Vernichtung  bzw.  Herausgabe  der  Gegenstände,  Spuren  bzw.  Spurenträger  etc. 

sowie die Kostenfestsetzung im erstinstanzlichen Verfahren (Dispositivziffern 5–8) 

nicht anfechte (Prot. II S. 15). Die Staatsanwaltschaft liess die Bestätigung des an-

gefochtenen Entscheids beantragen (Urk. 71).

-   13   -

3.3. Somit ist im Berufungsverfahren der Schuldspruch, die Strafe, der Vollzug 

der Strafe, die Landesverweisung, die Zusprache von Schadenersatz (dem Grund-

satz nach) und Genugtuung an die Privatklägerin sowie die Kostenauflage (Dispo-

sitivziffern 1–4  und  9)  angefochten,  während  sämtliche  anderen  Dispositivziffern 

des  vorinstanzlichen  Urteils  unangefochten  blieben.  Der  Eintritt  der  Rechtskraft 

dieser Anordnungen ist vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit 

Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).

3.4.

In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt 

des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) grundsätzlich zur Disposi-

tion.  In  den  angefochtenen  Punkten  überprüft  das  Berufungsgericht  das  erstin-

stanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

4.

Formelles

4.1. Soweit  für  die  tatsächliche  und  die  rechtliche  Würdigung  des  eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

4.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  und  muss  sich  nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen  und  diese  widerlegen.  Es  kann  sich  mithin  auf  die  für  den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 

EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil  des  Bundesgerichts  6B_689/2019  vom  25. Oktober  2019  E. 1.5.2,  mit 

Hinweisen).

-   14   -

II.  Schuldpunkt

1.

Ausgangslage

1.1. Verfahrensgegenstand  des  vorliegenden  Berufungsverfahrens  bilden  die 

nachstehend umrissenen Tatvorwürfe (Urk. 28):

Der Beschuldigte habe am Abend des 22. Dezember 2021 in Zürich die sichtlich 

angetrunkene Privatklägerin – unter dem Vorwand, er müsse kurz zu Hause etwas 

holen, bevor er sie von der Busstation nach Hause begleiten könne – zu seiner 

Wohnung geführt. Dort habe er ohne ihr Wissen GHB (K.-o.-Tropfen) in eine Tee-

tasse gegossen und ihr zum Trinken gegeben. Daraufhin habe er sie unerwartet 

zu  küssen  versucht.  Die  Privatklägerin  habe  entgegnet,  dass  sie  nach  Hause 

wolle,  und  habe  zu  weinen  begonnen.  Der  Beschuldigte  habe  sie  aber  an  den 

Schultern gepackt und sei mit seinem Gesicht in die Nähe ihres Gesichtes gekom-

men. Dann habe er sie auf das Bett gestossen und sie fest am Hals zu küssen 

versucht.  Die  Privatklägerin  habe  gesagt:  «Lass  mich.  Ich  will  nach  Hause.»  Er 

aber habe sie auf dem Bett festgehalten und sich gegen ihren Willen auf sie gelegt. 

Dagegen habe sie sich zur Wehr gesetzt, indem sie versucht habe, den Beschul-

digten wegzustossen, was ihr aufgrund ihres alkoholisierten und aufgrund des ver-

abreichten GHBs geschwächten Zustandes nicht gelungen sei. Das Vorhaben, die 

Privatklägerin  zu  küssen,  habe  der  Beschuldigte  fortgesetzt,  während  er  mit 

seinem  ganzen  Gewicht  auf  ihr  gelegen  sei.  Gleichzeitig  habe  er  sie  über  den 

Kleidern an den Brüsten gepackt. Etwas später habe die Privatklägerin aufgrund 

der eintretenden Wirkung des GHB das Bewusstsein verloren. In der Folge habe 

der  Beschuldigte  die  Privatklägerin  entkleidet,  ihren  BH  zerrissen  und  mehrere, 

teilweise nicht bekannte sexuelle Handlungen vorgenommen. Namentlich habe er 

sie  auf  den  Mund  und  die  Brust  geküsst,  sei  mit  seinen  Fingern  in  ihre  Vagina 

eingedrungen, habe sie am nackten Körper gestreichelt und mit seiner Zunge an 

ihrer  Vagina  geleckt.  Weiter  habe  der  Beschuldigte  der  Privatklägerin  auf  nicht 

näher bekannte Art und Weise mehrere Hämatome im Bereich der Oberschenkeln, 

der  Hüfte  und  an  den  Armen  zugefügt  (angeklagt  als  Schändung  im  Sinne  von 

Art. 191 StGB, sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie einfa-

che Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).

Um ca. 5 Uhr morgens, als die Privatklägerin langsam aus ihrer Bewusstlosigkeit 

bzw. aus dem Schlaf erwacht sei, habe der Beschuldigte die Wohnung verlassen 

und die Privatklägerin in der für sie fremden Wohnung eingeschlossen. Die Privat-

-   15   -

klägerin sei so während ca. drei Stunden in der Wohnung des Beschuldigten ein-

gesperrt gewesen. Da der Beschuldigte zuvor ihr Mobiltelefon entwendet gehabt 

habe,  sei  es  ihr  nicht  möglich  gewesen,  Unterstützung  anzufordern.  Als  der 

Beschuldigte vor 8 Uhr zurück in die Wohnung gekommen sei, habe er hinter sich 

die Tür abgeschlossen, den Schlüssel versteckt und gegenüber der Privatklägerin 

erklärt,  dass  er  nicht  wisse,  wo  der  Schlüssel  sei.  Die  Privatklägerin  habe  ihm 

gegenüber  mehrmals  erklärt,  dass  sie  nach  Hause  gehen  wolle.  Anschliessend 

habe die Privatklägerin weitere 50 Minuten gegen ihren Willen in der Wohnung des 

Beschuldigten verharren müssen, bis dieser die Tür geöffnet habe (angeklagt als 

Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB).

Während  der  Beschuldigte  die  Privatklägerin  von  der  Busstation  zu  sich  nach 

Hause geführt habe, habe ihm die sichtlich betrunkene Privatklägerin ihre Handta-

sche übergeben, damit er diese für sie trage. Als die Privatklägerin am nächsten 

Tag die Wohnung verlassen habe, sei die Handtasche samt Inhalt nicht mehr auf-

findbar gewesen. Der Beschuldigte habe diese in der Absicht, sich zu bereichern, 

an  sich  genommen  und  versteckt  (angeklagt  als  Veruntreuung  im  Sinne  von 

Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).

1.2.

Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte unentschul-

digt nicht. Vor Vorinstanz machte der Beschuldigte zur Sache beinahe vollumfäng-

lich  von  seinem  Aussageverweigerungsrecht  Gebrauch  (Urk. 45  S. 10  ff.;  Prot. II 

S. 7 ff.).

Aussagen zur Sache deponierte der Beschuldigte einzig an der ersten polizeilichen 

Einvernahme (Urk. D1/2/1; vgl. auch Urk. D1/2/2, Urk. D1/2/3 und Urk. 45 S. 10 ff.). 

Dabei erklärte er, dass er die Privatklägerin im Bus kennengelernt habe, dass sie 

dort ins Gespräch gekommen seien (F/A 21 ff.). Er habe die Privatklägerin zu sich 

nach Hause eingeladen. Sie sei zu ihm nach Hause gekommen (F/A 24, 36, 38 ff.). 

Sie sei nicht betrunken gewesen (F/A 26, 31, 34 f.). Bei ihm zu Hause angekom-

men, hätten sie beide ein oder zwei Bier getrunken (F/A 53, 58, 104 f.). Sie seien 

nebeneinander gewesen und hätten sich geküsst. Beide hätten den ersten Schritt 

gemacht (F/A 70 f.). Sie hätten zusammen geschlafen, und der Privatklägerin habe 

es sehr gefallen (F/A 74 f.). Die Privatklägerin habe ihre Kleider selber ausgezogen. 

Als er aus dem Bad gekommen sei, habe die Privatklägerin sich bereits entkleidet 

gehabt  (F/A 77  f.).  Als  er  sie  so  gesehen  habe,  habe  er  sich  auch  ausgezogen 

-   16   -

(F/A 81). Sie hätten im Schlafzimmer Sex gehabt (F/A 85). Er sei mit seinen Fingern 

vaginal in die Privatklägerin eingedrungen, da er keine Erektion mehr bekommen 

könne (F/A 87 ff.). Sie hätten sich gegenseitig geküsst und gestreichelt; er habe die 

Brust der Privatklägerin geküsst (F/A 91, 97). Er habe der Privatklägerin die Vagina 

geleckt  (F/A 99).  Die  Privatklägerin  habe  es  ihm  nicht  gemacht,  er  aber  ihr 

(F/A 100). Die Privatklägerin habe das sehr gemocht (F/A 92). Es sei sehr zärtlich 

gewesen (F/A 94). Sie hätten einen schönen Abend und eine gute Nacht zusam-

men verbracht (F/A 42, 53). Er habe (am darauffolgenden Morgen) die Wohnung 

zu keinem Zeitpunkt verlassen. Er habe die Privatklägerin schlafen lassen, er sei 

auf dem Sofa gewesen (F/A 106 f., 111). Die Türe sei zwar abgeschlossen gewe-

sen,  der  Schlüssel  stecke  aber  immer  (F/A 110).  Die  Privatklägerin  habe  ihre 

Tasche im Bus oder im Tram vergessen; die Tasche sei nicht in seiner Wohnung 

gewesen. Sie hätten die Tasche auch noch zusammen gesucht, aber nicht gefun-

den. Die Privatklägerin habe mit seinem Mobiltelefon auf ihre eigene Rufnummer 

angerufen,  wobei  offenbar  jedoch  die  Combox  gekommen  sei  (F/A 113).  Die 

Privatklägerin habe mit seinem Mobiltelefon ein Taxi bestellt und sei um 8.30 Uhr 

gegangen (F/A 114).

Die Verteidigung beantragt einen vollumfänglichen Freispruch. Zusammengefasst 

stellt  sie  sich  auf  den  Standpunkt,  dass  abgesehen  von  den  grösstenteils  wider-

sprüchlichen  und  mit  zahlreichen  Ungereimtheiten  versehenen  Aussagen  der 

Privatklägerin keine (klaren) Beweise dafür bestehen würden, dass es in der Nacht 

vom  22.  auf  den  23. Dezember  2021  zum  angeklagten  Verhalten  seitens  des 

Beschuldigten  gekommen  sei.  Bereits  die  Hergangsgeschichte,  also  wie  und 

warum die Privatklägerin zum Beschuldigten in die Wohnung gelangt sei, müsse 

an  der  Version  der  Privatklägerin  zweifeln  lassen.  Auch  in  der  Erzählung  der 

weiteren Randgeschichte – u.a. am Morgen, als man noch gemeinsam das Telefon 

der Privatklägerin gesucht habe, bevor man ein Taxi für sie gerufen habe, was sie 

allerdings unerwähnt gelassen habe – weise zu viele Ungereimtheiten auf, als dass 

man  dieser  Geschichte  über  alle  Zweifel  erhaben  folgen  könne.  Dahingegen 

vermöge die Version des Beschuldigten retrospektiv betrachtet zwar überraschen. 

Allerdings sei sie nicht auszuschliessen, bedenke man, dass am Vorabend auf bei-

den Seiten Alkohol konsumiert worden sei, was zu einer gewissen Enthemmung 

-   17   -

führe. Es sei durchwegs vorstellbar, dass in dieser Enthemmung eben zuerst ver-

einbart worden sei, dass man noch auf einen Absacker zum Beschuldigten gehe. 

Es sei auch durchwegs vorstellbar, dass die gegenseitigen Sympathien sowie der 

Alkoholkonsum dazu geführt hätten, dass das sexuelle Abenteuer geschehen sei, 

auf  welches  man  sich  im  nüchternen  Zustand  allenfalls  nicht  einlassen  würde. 

Zuletzt könne daraus auch geschlossen werden, dass dieses Abenteuer im nüch-

ternen Zustand – mit voller Erinnerung an die vergangene Nacht – bereut werde 

oder eben – insbesondere bei allfälligen, zumindest teilweisen Erinnerungslücken – 

negiert  werde.  Klar  sei  aber,  dass  gestützt  auf  die  Aussagen  der  Privatklägerin 

keine Verurteilung des Beschuldigten ergehen könne. Der Beschuldigte habe sich 

nicht unrechtmässig verhalten (Urk. 109; Prot. II S. 17 ff. und 22 ff.).

1.3. Der Anklagesachverhalt ist somit weitgehend bestritten.

2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, massgebliche 

Beweismittel

2.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltserstel-

lung sowie die Beweiswürdigungsregeln (Urk. 62 E. II/3.1 f. S. 8 f.) ausführlich und 

zutreffend dar. Ergänzt werden kann zum Indizienbeweis noch das Folgende: Der 

Indizienbeweis  ist  dem  direkten  Beweis  gleichgestellt,  wobei  die  Gesamtheit  der 

einzelnen  Indizien,  deren  «Mosaik»,  zu  würdigen  ist.  Da  ein  Indiz  immer  nur  mit 

einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt 

es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält es daher auch 

den Zweifel. Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, 

welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen las-

sen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat und/oder Täter zu schlies-

sen. Der Indizienprozess als solcher verletzt weder die Unschuldsvermutung noch 

die aus ihr abgeleiteten Teilrechte. Der Grundsatz «in dubio pro reo» findet auf das 

einzelne Indiz keine Anwendung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; BGer 6B_ 360/2016 

vom 1. Juni 2017 E. 2.4, nicht publ. in BGE 143 IV 361; BGer 6B_ 605/2016 vom 

15. September 2016 E. 2.8 und 6B_1021/2016 vom 20. September 2017 E. 4.1; je 

-   18   -

mit Hinweisen). Er entfaltet seine Wirkung bei der Beweiswürdigung als Ganzes. 

Massgebend  ist  nicht  eine isolierte  Betrachtung  der  einzelnen  Beweise,  sondern 

deren gesamthafte Würdigung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; BGer 6B_90/2019 vom 

7. August 2019  E. 4.3;  6B_699/2018  vom  7. Februar 2019  E. 2.3.2;  ZK  StPO-

WOHLERS,  Art. 10  N 27;  zum  Ganzen  vgl.  auch  KRUMMENACHER,  Der  Entscheid-

(find)ungsprozess des Strafrichters, in: «Justice - Justiz - Giustizia» 2023/4).

2.2. Die vorhandenen Beweismittel sind mit Verweis auf die zutreffenden Erwä-

gungen der Vorinstanz (Urk. 62 E. II/4.1–4.2 S. 9–11) uneingeschränkt verwertbar.

2.3. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel, namentlich

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die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D1/2/1–3, Urk. 45),

die Aussagen der Privatklägerin (Urk. D1/3/1–2),

das Gutachten zur körperlichen Untersuchung, den Bericht zur Blutalkoholana-
lyse  und  das  pharmakologisch-toxikologisches  Gutachten  des  Beschuldigten 
(Urk. D1/8/4–7),

das Gutachten zur körperlichen Untersuchung, das pharmakologisch-toxikolo-
gisches  Gutachten  sowie  das  Gutachten  zur  Haaranalyse  der  Privatklägerin 
(Urk. D1/9/5–8; D1/10/2–3),

das Anrufprotokoll des Mobiltelefons des Beschuldigten (Urk. D1/5/5, vgl. auch 
Urk. D1/5/2),

die Tonaufnahme des Anrufs der Privatklägerin bei der Taxizentrale sowie die 
Fahrstrecke  des  aufgebotenen  Taxis  (Urk. D1/5/6  und  D1/5/10;  vgl.  auch 
Urk. D1/5/7-8),

die Fotodokumentation der Wohnung des Beschuldigten (Urk. D1/4/2-4) sowie

den Büstenhalter (Urk. D1/29A i.V.m. Urk. D1/6/3),

genannt, deren Ergebnisse und den Inhalt umfassend und zutreffend wiedergege-

ben, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 62 

E. II/4.1–4.2  S. 9–11).  Anlässlich  der  heutigen  Berufungsverhandlung  wurde  die 

Privatklägerin (nochmals) als Auskunftsperson einvernommen (Urk. 108).

-   19   -

3. Würdigung der Beweismittel

3.1. Glaubwürdigkeit, Motivlage

3.1.1. Zur Glaubwürdigkeit hob die Vorinstanz hervor, dass der Beschuldigte nicht 

der Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO unterliege. Als vom Verfah-

ren direkt Betroffener habe er «naturgemäss ein Interesse daran, die Geschehnisse 

in einem für ihn günstigen Licht darzustellen». Und hinsichtlich der Privatklägerin 

erwähnte die Vorinstanz unter anderem die an sie bei den Einvernahmen ergan-

gene  Strafandrohung  (Folgen  einer  falschen  Anschuldigung  und  Irreführung  der 

Rechtspflege  bzw.  Begünstigung  im  Sinne  von  Art. 303–305  StGB),  «was  ihre 

Glaubwürdigkeit tendenziell stärke» (vgl. Urk. 62 E. II/5.1–5.5 S. 11–14).

Solche  häufig  so  oder  ähnlich  in  Strafentscheiden  verwendete  Formulierungen, 

welche  aus  der  prozessualen  Stellung  Schlüsse  für  die  Glaubwürdigkeit  ziehen, 

halten genauerer Betrachtung nicht stand respektive sind veraltet. Zur Unterschei-

dung von wahren und erfundenen Aussagen ist die prozessuale Stellung ein gänz-

lich untaugliches Kriterium – mit Blick auf den Beschuldigten, weil ein Unschuldiger 

dasselbe  Interesse  hat;  oder  es  ist  ein  Zirkelschluss,  indem  von  vornherein 

– tendenziell  zumindest  –  von  der  Schuld  des  Beschuldigten  ausgegangen  wird. 

Ausserdem ist das Recht tangiert, sich nicht selbst belasten zu müssen (Art. 113 

Abs. 1 StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für die Sachverhalts-

erstellung nie etwas beizutragen, weder im positiven noch im negativen Sinne (vgl. 

Urteile der erkennenden Kammer SB180079-O/U vom 18. Oktober 2018 E. II/3.1 

S. 9  und  SB230003-O/U  vom  20. November  2023  E. II/3.4.2;  BGE 147  IV  409 

E. 5.4.3). Korrekt ist stattdessen, dem Beschuldigten und der Privatklägerin grund-

sätzlich Glaubwürdigkeit zu attestieren oder dieses Kriterium schon gar nicht erst 

abzuhandeln, wenn es wie vorliegend nicht von Bedeutung ist. Es handelt sich hier 

aber wohlgemerkt um ein untergeordnetes Detail; im Vordergrund steht – mit der 

Vorinstanz (Urk. 62 E. II/5.1 S. 11) – die Überzeugungskraft der Aussagen selbst, 

deren Glaubhaftigkeit.

3.1.2. Völlig zu Recht hingegen nahm die Vorinstanz in Bezug auf die Aussagen 

eine  Analyse  der  Motivation  vor  (Urk. 62  E. II/5.4–5.5  S. 12–14).  Es  besteht 

-   20   -

allgemein Einigkeit darüber, dass Menschen grundsätzlich nicht ohne Motiv lügen. 

Umgekehrt lässt sich selbstverständlich aus dem Vorliegen eines Motivs zur Lüge 

nicht darauf schliessen, dass auch wirklich gelogen wird. Und findet man trotz sorg-

fältiger  Suche  kein  Motiv,  kann  immer  noch  sein,  dass  sich  die  Aussageperson 

schlicht irrt. Die Reflexion über die Motivation der Aussageperson ist trotz verblei-

bender Unsicherheiten ein wesentlicher Baustein der Beweiswürdigung (vgl. zum 

Ganzen  HÄCKER  in:  Bender/Häcker/Schwarz,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht, 

5. Aufl., München 2021, Rn. 288 ff.).

Der  Vorinstanz  ist  uneingeschränkt  zuzustimmen,  wenn  sie  die  Hypothese  einer 

möglichen Falschbelastung durch die Privatklägerin verwirft. Zunächst ist es – mit 

der Vorinstanz – schon grundsätzlich eher unwahrscheinlich, dass man sich dem 

mühsamen, zeitraubenden und belastenden Prozess eines Strafverfahrens ohne 

Not stellt, was hier erst noch mit einer Vielzahl von körperlichen Untersuchungen 

und unangenehmen Befragungen betreffend die Intim- und Privatsphäre verbunden 

war. Ebenfalls dagegen spricht auch die psychiatrische Behandlung, welcher sich 

die Privatklägerin im Nachgang zum Vorfall unterzog (Urk. 62 E. II/5.4 S. 12). Ein 

Motiv für eine Falschbelastung ist auch nicht darin zu sehen, dass die Privatklägerin 

quasi  eine  «freundtaugliche  Version»  des  Vorgefallenen  gebraucht  hätte.  Zwar 

stand  sie  im  fraglichen  Zeitpunkt  in  einer  Partnerschaft.  Ihr  Partner  war  aber 

– gemäss den glaubhaften Angaben der Privatklägerin – vor dem Vorfall mit dem 

gemeinsamen  Kind  nach  Polen  gereist  (vgl. Urk. D1/3/1  F/A 46;  Urk. D1/3/2 

F/A 15); er hat somit nicht zu Hause auf sie gewartet und hätte folglich ein nächt-

liches Wegbleiben kaum bemerkt. Es wäre für die Privatklägerin also ein Leichtes 

gewesen, einen «Seitensprung» – wenn denn einer stattgefunden hätte – zu ver-

heimlichen.  Das  Verfahren  wurde  offenkundig  nicht  zur  Rechtfertigung  eines 

sexuellen  Kontakts  angestrengt.  Die  Privatklägerin  hat  offenbar  ja  den  Vorfall 

überhaupt  ihm  gegenüber  verschwiegen  (so  die  Vorinstanz  zutreffend  in  Urk. 62 

E. II/5.5 S. 12 f. mit Verweis auf Urk. 48 Ziff. 1 Mitte; vgl. auch Urk. 108 S. 11). Auch 

dass die Privatklägerin wegen ihrer Mutter eine derart aufwändige Falschbelastung 

tätigte, erscheint abwegig. Gegebenenfalls hätte viel näher gelegen, die nächtliche 

Funkstille mit einem Verlust der Handtasche inkl. Mobiltelefon zu erklären, ohne auf 

den  kolportierten  «Seitensprung»  eingehen  zu  müssen  (Urk. 62  E. II/5.5  S. 13). 

-   21   -

Und die These einer Rache nach erlebter Kränkung durch den Beschuldigten wird 

schliesslich dadurch widerlegt, dass der Beschuldigte kein solches Motiv erwähnte, 

sich  vielmehr  erstaunt  gezeigt  hat  über  die  Anzeige  der  Privatklägerin  (Urk. 62 

E. II/5.4 S. 12). Ein Motiv für eine Falschbelastung ist somit nicht erkennbar.

3.2. Anklagekomplexe 1, 2 und 3 (Sexualdelikt, Freiheitsberaubung und Verun-

treuung)

3.2.1. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt 

auf  die  massgeblichen  Beweismittel  im  Wesentlichen  als  erstellt  (Urk. 62 

E. II/7.4.1–7.4.4 S. 44–47). Es kann vorweggenommen werden, dass den von der 

Vorinstanz  aus  dem  Beweismaterial  gezogenen  Schlüssen  zur  Sachverhaltser-

stellung zu folgen ist. Sehr sorgfältig, schlüssig und zutreffend hat die Vorinstanz 

die Aussagen namentlich der Privatklägerin gewürdigt, indem sie diese Aussagen 

mit  der  klaren  Indizienlage  verglich,  wie  sie  sich  unter  anderem  aufgrund  des 

Gutachtens zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten (Urk. D1/8/4) sowie 

der Privatklägerin (Urk. D1/9/5), des Gutachtens zu Haaranalysen der Privatkläge-

rin (Urk. D1/10/2), der Informationen der Taxizentrale (Urk. D1/5/6–9; insbesondere 

der Telefonaufzeichnung), des in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellten 

(zerrissenen) Büstenhalters (Urk. D1/29A i.V.m. Urk. D1/6/3) sowie einer Vorstrafe 

des Beschuldigten (Urk. D1/20/1 S. 4 ff.) ergab (Urk. 62 E. II/7.2.1.1–7.2.7.7 S. 15–

39). Die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 62 E. II/7.3.1–7.3.8 S. 39 ff.) und auch 

die vorgebrachten Einwände der Verteidigung (Urk. 62 E. II/5.5 S. 13, E. II/7.2.2.1 

f.,  7.2.2.4,  7.2.3.3,  7.2.3.5,  7.2.3.7,  7.2.3.9  ff.,  7.2.4.3,  7.2.4.5,  7.2.6.3,  7.2.7.3) 

wurden ebenso sorgfältig und ausführlich in die Würdigung einbezogen. Dem Fazit 

der Vorinstanz ist vollumfänglich beizupflichten. Die nachstehenden Erwägungen 

sollen die vorinstanzliche, geradezu vorbildliche Beweiswürdigung nur ergänzen, 

indem zur Verdeutlichung nochmals kurz auf die wichtigsten Punkte eingegangen 

wird:

3.2.2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich die Aussagen der Privatklägerin 

als glaubhaft und damit verlässlich  erweisen (Urk. 62 E. II/7.2.1.1–7.2.7.7 S. 15–

39).  Sie  erscheinen  konsistent,  authentisch,  lebensnah  und  detailreich.  Es  sind 

-   22   -

keine  Übertreibungen  oder  übermässigen  Belastungen  erkennbar  und  insbeson-

dere durch die lebendige und detailreiche Erzählweise auch keine Hinweise, dass 

sich die Privatklägerin eine unwahre oder dramatisierende Geschichte zurechtge-

legt hat. Dies zeigt sich namentlich auch in ihren Schilderungen zu ihrem Filmriss 

sowie den Geschehnissen am Morgen nach ihrem Aufwachen; auch diesbezüglich 

war sie offensichtlich sehr um Fairness und Wahrheitsfindung bemüht und nahm 

keineswegs  die  Gelegenheit  wahr,  den  Beschuldigten  unnötig  und  mit  allfälligen 

Mutmassungen zu belasten oder ihn unnötig schlecht zu machen. Kleine Abwei-

chungen in den Aussagen der Privatklägerin vermögen an diesem Bild nichts zu 

ändern, sondern sind im Gegenteil völlig normal.

Anlässlich  der  heutigen  Berufungsverhandlung  konnte  sich  das  hiesige  Gericht 

einen persönlichen Eindruck von der Privatklägerin verschaffen und sich von der 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen überzeugen, welche eingebettet in ihrer authenti-

schen  Gestik  und  Mimik  auf  effektiv  Erlebtes  hindeuten,  keineswegs  übertrieben 

erscheinen und sich somit als verlässlich erweisen. Die Aussagen waren wiederum 

lebensnah,  nicht  von  übermässigen  Beschuldigungen  geprägt,  und  besonders 

plastisch schilderte sie ihr dadurch nach dem Vorfall erlittenes Trauma ("Ich war 

schlaflos. Ich konnte nicht schlafen. Keine Ahnung. Trauma irgendwie, Angst. Im-

mer Stress. Immer irgendwie komischer Stress. Ich wusste, aus welchem Grund. 

Damit  lebe  ich,  daran  arbeite  ich.  Niemand  weiss  Bescheid,  was  genau  passiert 

ist." [Urk. 108 S. 1 ff.]).

3.2.3. Ganz wesentlich belastet wird der Beschuldigte dadurch, dass sich aus zwei 

von der Privatklägerin abgenommenen Haarproben Hinweise auf eine (zusätzliche, 

über die körpereigene Verbindung hinausgehende) Einnahme von GHB oder einer 

GHB-Vorläufersubstanz im tatrelevanten Zeitraum (2. Segment von Probe 2: Mitte 

bis  Ende  Dezember;  Probe 1:  kurz  vor  Sicherstellung  am  23. Dezember  2021) 

ergeben (Urk. D1/10/2; vgl. dazu auch die zutreffenden Ausführungen Vorinstanz 

in Urk. 62 E. II/7.2.3.10 S. 28). Es lässt sich dadurch zwar nicht hieb- und stichfest 

belegen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin die Substanz verabreicht hat; die 

Aussagen der Privatklägerin erscheinen dadurch aber umso valider. Entgegen der 

Ansicht der Verteidigung (Urk. 49 S. 10 und Urk. 109 S. 24 ff.) ergeben sich mit der 

-   23   -

Vorinstanz  (Urk. 62  E. II/7.2.3.10  S. 28  f.)  keine  Hinweise  auf  eine  (vorgängige) 

Selbstintoxikation  der  Privatklägerin  mit  GHB  –  weder  aus  dem  Gutachten  noch 

aus ihren Aussagen. Vielmehr sprechen ihre auch diesbezüglich glaubhaften Aus-

sagen dafür, dass sie vorher noch nie (selbständig) mit GHB in Kontakt gekommen 

ist (Urk. D1/3/2 F/A 165 f.; Urk. 108 S. 9). Die Privatklägerin hat nie von sich aus 

konkret  gesagt,  dass  der  Beschuldigte  ihr  K.-o.-Tropfen  bzw.  GHB  verabreicht 

habe, was auf ihr zurückhaltendes Aussageverhalten hindeutet. Die Aussagen der 

Privatklägerin in Übereinstimmung mit den gutachterlichen Feststellungen ergeben 

ein stimmiges Gesamtbild.

3.2.4. Die  Gutachten  zur  körperlichen  Untersuchung  des  Beschuldigten  und  der 

Privatklägerin (Urk. D1/8/4 und Urk. D1/8/5) liefern zwar – wie von der Vorinstanz 

richtig festgehalten (Urk. 62 E. II/7.3.6 S. 43 und E. II/7.2.3.9 S. 26–28) – ebenfalls 

keinen eindeutigen Beweis für das von der Privatklägerin Geschilderte, lassen sich 

aber durchaus mit ihren Aussagen in Einklang bringen und sind keinesfalls als den 

Beschuldigten entlastend zu werten.

3.2.5. Zutreffend  schälte  die  Vorinstanz  heraus,  dass  der  in  der  Wohnung  des 

Beschuldigten sichergestellte und vorne in der Mitte bei den Körbchen zerrissene 

Büstenhalter und die – wie von der Privatklägerin vorgebracht (Urk. D1/3/1 F/A 29; 

Urk. D1/3/2  F/A 18  –  mit  der  Innenseite  nach  aussen  gekehrten  Kleider  (Bluse, 

Hose, Unterhose; Unterhose in der Hose herausgekehrt) für ein – gewaltsames – 

Entkleiden durch eine andere Person als die Privatklägerin selbst sprechen. Auch 

sind  die  diesbezüglichen  Aussagen  der  Privatklägerin  mit  der  Vorinstanz  als 

äusserst  lebensnah  und  somit  glaubhaft  zu  taxieren,  sind  diese  doch  äusserst 

plastisch  und  sprechen  exemplarisch  für  tatsächlich  Erlebtes  (vgl.  Urk. 62 

E. II/7.2.7.1 S. 35).

3.2.6. Aus dem Telefonat der Privatklägerin mit der Taxizentrale – am Morgen nach 

dem Vorgefallenen, in welcher partiell auch der Beschuldigte zu hören ist – ist zu 

entnehmen,  dass  die  Privatklägerin  mit  zunehmender  Dauer  des  Gespräches 

immer gereizter auf den Beschuldigten und die Person der Taxizentrale reagierte. 

Zu hören ist – nachdem die Privatklägerin nach der Hausnummer gefragt wurde –, 

wie die Privatklägerin die Wortmeldung des Beschuldigten mit einem lauten nicht 

-   24   -

näher bekannten Wortausstoss konterte. Hörbar wird an dieser Telefonaufnahme 

auch die Überforderung der Privatklägerin mit der Situation, auch wenn das Tele-

fonat ruhig und freundlich begann (vgl. dazu Urk. D1/5/6). Es entsteht der Eindruck, 

dass an diesem Morgen zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin nicht 

alles friedlich abgelaufen war. Als Realitätskennzeichen zu werten ist weiter, dass 

die  Privatklägerin  von  sich  aus  und  durchaus  originell  und  nachvollziehbar  schil-

derte, dass sie die Adresse des Beschuldigten gewusst habe, weil sie eine Sunrise-

Rechnung mit aufgeführter Adresse gesehen und diese zur Hand genommen habe 

(Urk. D1/3/1 F/A 43). Mit der Vorinstanz ist auch der Umstand, dass die Privatklä-

gerin für die kurze Strecke vom Beschuldigten zu sich nach Hause ein Taxi bestellte 

und nicht etwa die an diesem Ort zahlreich vorhandenen öffentlichen Verkehrsmit-

tel nutzte, als Indiz dafür zu werten, dass zuvor etwas Ungewöhnliches vorgefallen 

sein muss, musste die Privatklägerin doch für die Finanzierung der Taxifahrt auch 

noch  einen  (exponierenden)  Umweg  über  den  Arbeitsort  ihrer  Mutter  einlegen 

(vgl. dazu auch Urk. 62 E. II/7.2.5.3 S. 33 f.). So zu handeln im Nachgang zu einem 

einvernehmlichen sexuellen Abenteuer («Seitensprung»), wäre völlig unplausibel. 

Diesfalls hätte sich die Privatklägerin dafür – wenn schon und nach «normalem» 

Abhandenkommen ihrer Handtasche – Geld vom Beschuldigten ausleihen lassen 

können (vgl. dazu auch nachfolgend E. II/3.2.10).

3.2.7. Mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  See/Oberland  vom  17. September 

2015 wurde der Beschuldigte wegen Drohung und Beschimpfung verurteilt, da er 

an einem Bahnhof unvermittelt und mehrmals zu einer Frau «Ich will dich ficken 

und  dann  werde  ich  dich  umbringen»  gesagt  habe,  bevor  er  ihr  in  eine  S-Bahn 

gefolgt sei und wiederholt gesagt habe: «Ich will diese Thailänderin ficken bis sie 

tot ist». Mit der Vorinstanz lässt dieses – rechtskräftig geahndete – Verhalten des 

Beschuldigten Rückschlüsse auf ein egozentrisches, frauenverachtendes und rück-

sichtsloses Gedankengut zu. In die gleiche Richtung deutet auch der Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 11. Juni 2018, mit welchem ein Verhal-

ten des Beschuldigten gegenüber seiner Ex-Frau (rechtskräftig) abgeurteilt wurde, 

nämlich dass er diese mehrmals (teilweise in selbstverschuldeter Unzurechnungs-

fähigkeit) mit dem Tod bedrohte (Urk. D1/20/1 S. 181 ff.). Mit der Vorinstanz belas-

tet dies den Beschuldigten indiziell (vgl. Urk. 62 E. II/7.4.1 S. 45).

-   25   -

3.2.8. Besonders hervorzuheben bleibt in Bezug auf den Anklagekomplex 1 noch 

das  Folgende:  Die  Argumentation,  wonach  es  gut  sein  könne,  dass  die  enthem-

mende  Wirkung  des  Alkohols  an  jenem  Abend  bei  der  Privatklägerin  zum 

Entschluss geführt habe, mit dem ihr fremden Beschuldigten nach Hause zu gehen 

und dann auch noch sexuell mit ihm zu verkehren – mithin dass es zu einem ein-

vernehmlichen «schönen Abend» mit dem Beschuldigten gekommen sein könne 

(Urk. 49  S. 3–5,  Urk. 109  S. 40  f.),  überzeugt  letztlich  nicht.  Zwar  ist  allgemein 

bekannt, dass Angetrunkene oft Euphorie, Enthemmung und Selbstüberschätzung 

erleben, sodass entsprechend die Hemmschwelle für (sexuelle) Abenteuer herab-

gesetzt sein kann. Und Betrunkene neigen oft zu Distanzlosigkeit. Dass aber eine 

Frau wie die Privatklägerin, die sich am frühen Abend, alkoholisiert und müde, auf 

den Nachhauseweg begibt, sich dafür in die öffentlichen Verkehrsmittel setzt und 

während dem darauffolgenden kurzen Aufenthalt bei der Haltestelle «C._____» so-

gleich  mit  dem  ihr  fremden  und  fünfundzwanzig  Jahre  älteren  Beschuldigten 

anbandelt, so dass es in einem «schönen Abend» mit einvernehmlichen sexuellen 

Handlungen zwischen den Beiden gipfelt – das ist doch sehr unwahrscheinlich, ja 

sogar  lebensfremd.  Hinzu  kommt  vorliegend,  dass  der  Beschuldigte  auch  von 

seinem  Erscheinungsbild  her  nicht  so  wirkt,  als  dass  er  rein  aufgrund  visueller 

Effekte derart durchschlagende Wirkung auf eine wesentlich jüngere, gesunde Frau 

hätte,  sodass  sich  diese  gleich  beim  ersten  kurzen  Kontakt  auf  ein  erotisches 

Abenteuer  mit  dem  Beschuldigten  einlassen  würde,  selbst  wenn  sie  alkoholisiert 

ist – in dieses Bild passt sodann auch die unordentliche und unsaubere bzw. gar 

verwahrlost wirkende Wohnung des Beschuldigten (Urk. D1/4/2). Eine solche Kurz-

schlussreaktion  bei  der  Privatklägerin  würde  jeglicher  Lebenserfahrung  wider-

sprechen und lässt sich daher mit Fug ausschliessen (so auch die Vorinstanz in 

Urk. 62 E. II/5.5 Abs. 2 S. 13 f.).

3.2.9. Das  Einschliessen  in  der  Wohnung  durch  den  Beschuldigten  am  Morgen 

danach beschrieb die Privatklägerin ebenso plausibel wie logisch. Die Situation mit 

der von der Privatklägerin geschilderten und mit Ton aufgenommenen Taxi-Bestel-

lung, bei welcher sie im Beisein des Beschuldigten die Taxizentrale anrief und ein 

Taxi bestellte, fügt sich nahtlos ins übrige Bild ein. Wie bereits vorstehend ausge-

führt,  spricht  die  Taxibestellung  dafür,  dass  zuvor  etwas  Ungewöhnliches  vorge-

-   26   -

fallen sein muss. Dass die Privatklägerin mit dem Einbezug der Taxigesellschaft 

unterschwellig einen Aussenbezug herstellte, um sich aus ihrer misslichen Lage zu 

befreien und Druck auf den Beschuldigten aufzubauen, sie aus seiner Wohnung zu 

entlassen,  erscheint  vor  dem  Hintergrund  ihrer  validen  Aussagen  einleuchtend. 

Wenn die Wohnung des Beschuldigten nicht verschlossen gewesen wäre, hätte die 

Privatklägerin sich auch einfach (und so schnell als möglich) aus seiner Wohnung 

entfernen  und  mit  den  öffentlichen  Verkehrsmitteln  nach  Hause  reisen  können. 

Dafür hätte es nicht einen (gemeinsamen) Anruf bei der Taxizentrale benötigt.

3.2.10. Mit Blick auf die abhanden gekommene Tasche der Privatklägerin (mitsamt 

Inhalt: Portemonnaie, Mobiltelefon etc.) ist festzuhalten, dass auch die diesbezüg-

lichen  Aussagen  der  Privatklägerin  überzeugen.  Anzufügen  ist,  dass  sich  aus 

mehreren Vorstrafen des Beschuldigten ergibt, dass er das Eigentum bzw. Vermö-

gen anderer in der Vergangenheit nicht immer respektiert hat, wurde er doch schon 

mehrfach wegen Diebstahls und einmal wegen unrechtmässiger Aneignung verur-

teilt (Urk. 75; vgl. auch Urk. D1/20/1 S. 197 ff., S. 214 ff., S. 218 ff. [teilweise ohne 

Eintrag  im  Strafregister];  vgl.  dazu  auch  nachfolgend  E. III/2.2.2).  Der  belastete 

Leumund stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte die ihm zuvor 

anvertraute Handtasche mitsamt Inhalt sich aneignete und sich wie ihr Eigentümer 

verhielt.

3.2.11. Die Aussagen der Privatklägerin sind insgesamt als valid zu qualifizieren. 

Aus ihnen und den weiteren Indizien ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Die Aus-

sagen stehen sodann im Einklang mit dem Gutachten zu Haaranalysen sowie den 

weiteren objektiven Beweismitteln.

Bei  diesem  fest  verflochtenen  Mosaik  von  diversen  Indizien,  im  Zusammenspiel 

von  objektiven  Beweismitteln  und  Aussagen  der  Privatklägerin  und  tatsächlich 

vorliegender Hinweise auf eine Einnahme von GHB durch die Privatklägerin im tat-

relevanten Zeitraum, kann eine Inszenierung bzw. Falschbelastung (aus welchem 

Motiv auch immer) durch die Privatklägerin – wie vom Beschuldigten vorgebracht 

(Urk. 49; Urk. 109) – ausgeschlossen werden.

-   27   -

3.2.12. Für  den  bestrittenen  Sachverhalt  besteht  insgesamt  eine  überzeugend 

sprechende  Indizienlage,  für  die  der  Beschuldigte  nicht  annähernd  glaubhafte 

Erklärungen zu liefern vermag. Vielmehr lassen sich in seinen Aussagen zahlreiche 

Widersprüche  und  klare  Warnsignale  für  unglaubhafte  Aussagen  erkennen,  mit 

welchen sich die Vorinstanz ausführlich und in allen Teilen überzeugend befasste 

(Urk. 62 E. II/7.3.1–7.3.8 S. 39 ff.).

Die  Summe  der  den  Beschuldigten  belastenden  Indizien  und  das  Fehlen  einer 

glaubhaften Erklärung dafür lassen keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass 

sich  der  Vorfall  so  zugetragen  hat,  wie  ihn  die  Vorinstanz  zutreffend  erstellt  hat 

(Urk. 62 E. II/ 7.4.2–7.4.4 S. 45–47): 

Dem  Beschuldigten  lässt  sich  somit  in  Bezug  auf  das  Sexualdelikt  nachweisen, 

dass  er  der  Privatklägerin  bei  sich  in  der  Wohnung  ein  Getränk  zu  trinken  gab, 

welches  GHB  enthielt.  Der  Beschuldigte  begann,  die  Privatklägerin  zu  küssen, 

stiess  sie  auf  das  Bett,  legte  sich  mit  seinem  gesamten  Gewicht  auf  sie  und 

berührte ihre Brust. Die Privatklägerin wehrte sich gegen diese Handlungen, verlor 

dann  aber  mehr  und  mehr  das  Bewusstsein.  Hierauf  zerrte  er  ihre  Kleider  weg, 

wobei der BH zwischen den Körbchen riss. Welche Handlungen im Speziellen der 

Beschuldigte  während  der  Phase  der  Bewusstlosigkeit  an  der  Privatklägerin 

vornahm, muss indes weitgehend offen bleiben. Zu seinen Gunsten ist davon aus-

zugehen, dass er während der Dauer des Bewusstseinsverlusts keine über die ihm 

vorgeworfenen sexuellen Handlungen an der Privatklägerin vornahm. Rechtsgenü-

gend erstellt ist damit, dass er – wie er selber aussagte – mit seinen Fingern in die 

Privatklägerin eindrang, mit seiner Zunge an der Vagina der Privatklägerin leckte 

und ihre Brust küsste, als sie infolge des verabreichten GHBs widerstandsunfähig 

war.  Erstellt  ist  weiter,  dass  der  Beschuldigte  der  Privatklägerin  Hämatome  im 

Bereich der Oberschenkel, der Hüfte, an den Armen und im Intimbereich zufügte. 

In  subjektiver  Hinsicht  ist  erstellt,  dass  der  Beschuldigte  wusste,  dass  die  zum 

Widerstand unfähige Privatklägerin keine sexuellen Handlungen mit ihm wollte.

Was den Vorwurf der Freiheitsberaubung angeht, ist erstellt, dass der Beschuldigte 

die Wohnung um ca. 5 Uhr verliess und hinter sich die Türe abschloss, womit die 

Privatklägerin  keine  Möglichkeit  hatte,  die  Wohnung  zu  verlassen.  Auch  als  der 

-   28   -

Beschuldigte um ca. 8 Uhr zurückkehrte, schloss er hinter sich die Wohnung und 

weigerte  sich  zunächst,  die  Privatklägerin  gehen  zu  lassen.  Erst  nachdem  die 

Privatklägerin das Taxi bestellt hatte, schloss der Beschuldigte die Türe auf. Leicht 

divergierend  zum  Anklagesachverhalt  muss  die  Privatklägerin  realisiert  haben, 

dass der Beschuldigte die Wohnung verlassen und sie darin eingeschlossen hatte. 

In subjektiver Hinsicht muss als erstellt gelten, dass der Beschuldigte wusste, dass 

die Privatklägerin nicht in der Wohnung verweilen wollte.

In  Bezug  auf  den  Vorwurf  der  Veruntreuung  ist  schliesslich  erstellt,  dass  der 

Beschuldigte die Handtasche an sich nahm, als er die Privatklägerin zu sich nach 

Hause begleitete. Sodann verliess der Beschuldigte mit der Tasche die Wohnung. 

In subjektiver Hinsicht ist erstellt, dass der Beschuldigte mit dem Willen handelte, 

sich daraus einen ihm – wie er wusste – nicht zustehenden finanziellen Vorteil zu 

verschaffen, indem er die Tasche bzw. deren Inhalt für sich verwendete.

Dieses Tatsachenfundament ist der weiteren strafrechtlichen Beurteilung zugrunde 

zu legen.

4.

Rechtliche Würdigung

4.1. Die  ausführliche  rechtliche  Würdigung  der  Vorinstanz  (Urk. 62  E. III/1–4 

S. 47–52) ist in allen Teilen zutreffend, worauf zur Vermeidung unnötiger Wieder-

holungen verwiesen wird.

4.2. Die Verteidigung verzichtete – vor dem Hintergrund der beantragten Rück-

weisung  bzw.  des  (eventualiter)  beantragten  Freispruchs  des  Beschuldigten  – 

darauf, sich kritisch mit der vorinstanzlichen rechtlichen Würdigung auseinander-

zusetzen (vgl. Urk. 107 und 109; Prot. II S. 7 ff.).

4.3. Per 1. Juli 2024 wurde das Bundesgesetz über eine Revision des Sexual-

strafrechts vom 16. Juni 2023 (AS 2024 27) in Kraft gesetzt. Dabei haben sich auch 

hinsichtlich  der  sexuellen  Nötigung  Änderungen  ergeben,  wobei  sich  das  neue 

Recht nicht als das mildere erweist (Art. 2 Abs. 2 StGB), weshalb vorliegend ledig-

lich  eine  Verurteilung  des  Beschuldigten  im  Sinne  von  Art. 189  Abs. 1  aStGB  in 

Betracht fällt.

-   29   -

4.4. Abweichend  zur  Staatsanwaltschaft  würdigte  die  Vorinstanz  den  Anklage-

komplex 1  als  sexuelle  Nötigung  (auch  in  der  Phase  der  Bewusstlosigkeit  der 

Privatklägerin)  und  nicht  als  Schändung,  sexuelle  Nötigung  und  (qualifizierte) 

einfache Körperverletzung. Die Vorinstanz hat die Parteien anlässlich der Haupt-

verhandlung vom 19. April 2023 auf eine mögliche abweichende rechtliche Würdi-

gung  hingewiesen  und  diesen  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  im  Sinne  von 

Art. 344 StPO gegeben (vgl. Urk. 62 E. I/5.1–5.3 S. 6; Prot. I S. 9 f.). Das Vorgehen 

der Vorinstanz und die in Bezug auf die rechtliche Würdigung gezogenen Schlüsse 

erweisen sich als richtig.

4.5. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründen sind keine ersichtlich, 

sodass  der  Beschuldigte  der  sexuellen  Nötigung  im  Sinne  von  Art. 189  Abs. 1 

aStGB, der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der 

Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.

III.  Sanktion

1.

Ausgangslage, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung

1.1. Die  Vorinstanz  bestrafte  den  Beschuldigten  mit  einer  (unbedingten)  Frei-

heitsstrafe von 3 ½ Jahren (Urk. 62 S. 73).

Da einzig der Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhob, fällt 

aufgrund  des  Verschlechterungsverbots  (Art. 391  Abs. 2  StPO)  eine  strengere 

Bestrafung von vornherein ausser Betracht.

Die Verteidigung verzichtete anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung – vor 

dem Hintergrund der beantragten Rückweisung bzw. des (eventualiter) beantrag-

ten Freispruchs des Beschuldigten – darauf, sich einlässlich zur vorinstanzlichen 

Sanktion zu äussern (Urk. 107 und 109; Prot. II S. 7 ff.).

1.2. Die Vorinstanz hat den für Art. 189 Abs. 1 aStGB angedrohten Strafrahmen 

von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe korrekt abgesteckt (Urk. 62 

E. IV/2.1 S. 54). Die Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB sowie 

die Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB haben jeweils einen Strafrah-

-   30   -

men von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Vorliegend besteht kein 

Anlass, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen.

1.3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB, namentlich der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-

dung  des  Asperationsprinzips,  sowie  die  Begründungsanforderungen  wiederholt 

dargelegt (siehe z.B. BGE 144 IV 313 E. 1; 142 IV 365 E. 2.4.3; 141 IV 61 E. 6.1.1; 

136  IV  55  E.  5.4  ff.;  BGer  6B_676/2022  vom  27. Dezember  2022,  E. 2.2;  je  mit 

Hinweisen).  Darauf  kann  vorab  verwiesen  werden.  Auch  die  Erwägungen  der 

Vorinstanz  zu  den  allgemeinen  Strafzumessungsregeln  (Urk. 62  E. IV/1.1–1.4 

S. 52–54) brauchen nicht wiederholt zu werden.

1.4. Die  sexuelle  Nötigung  ist  vorliegend  die  schwerste  Straftat.  Für  dieses 

schwerste  Delikt  ist  somit  die  Strafe  –  die  Einsatzstrafe  –  zu  bestimmen,  wobei 

sämtliche  Tat-  und  Täterkomponenten  zu  berücksichtigen  sind.  Für  die  weiteren 

Delikte – die Freiheitsberaubung und die Veruntreuung – ist eine (gedankliche) Ein-

zelstrafe  zu  bestimmen,  und  die  Einsatzstrafe  ist  sodann  unter  Berücksichtigung 

des Asperationsprinzips zu erhöhen.

2.

Sexuelle Nötigung als Hauptdelikt

2.1.

Tatverschulden

2.1.1. Zunächst  ist  die  objektive  Tatschwere  für  die  Verschuldensbewertung 

festzulegen.  Die  Vorinstanz  hat  diese  mit  zutreffenden  Argumenten  hergeleitet, 

worauf  vorab  beipflichtend  verwiesen  werden  kann  (Urk. 62  E. IV/3.1.1  S. 55  f.). 

Der Beschuldigte missbrauchte das Vertrauen der Privatklägerin arg und nutzte ge-

zielt  ihre  Wehrlosigkeit  aus.  Aufgrund  des  (nach  den  Worten  der  Privatklägerin) 

grossväterlichen Aussehens des Beschuldigten wähnte sich diese in Sicherheit und 

witterte keine Gefahr, weshalb sie sich freiwillig in die Wohnung des sich als hilfs-

bereiten  und  netten  älteren  Mann  gebenden  Beschuldigten  begab.  Was  sich 

danach zutrug, konnte für die Privatklägerin in keiner Weise voraussehbar sein. Der 

Beschuldigte verabreichte ihr GHB, womit ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung 

quasi  ausgeschaltet  war.  Darauf  verging  er  sich  sexuell  an  der  wehrlosen  Frau. 

-   31   -

Indem  er  an  ihr,  einer  ihm  völlig  fremden  Person,  unter  Anwendung  von  Gewalt 

sexuelle Handlungen vornahm, verletzte er äusserst empfindlich ihre sexuelle und 

körperliche Integrität. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwähnte, handelt es 

sich im Übrigen bei GHB um ein gefährliches Betäubungsmittel, das bei falscher 

Dosierung resp. je nach Prädisposition des Opfers bzw. einer vorangehenden Ein-

nahme  anderer  Substanzen  eine  grosse  Gesundheitsgefährdung  herbeiführen 

kann. Dass der sexuelle Übergriff des Beschuldigten bei der Privatklägerin drasti-

sche Folgen nach der Tat hervorrief, wurde von der Vorinstanz zutreffend aufge-

führt.  Unter  Berücksichtigung  des  weiten  Strafrahmens  und  in  Beachtung  des 

gesamten grossen Spektrums an denkbaren unter den Tatbestand fallenden Hand-

lungen ist das objektive Verschulden des Beschuldigten als «keinesfalls leicht» ein-

zustufen.

2.1.2. Zum subjektiven Tatverschulden ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die 

Tat  nicht  von  langer  Hand  geplant  haben  konnte,  sondern  dass  er  sich  spontan 

dazu entschieden haben muss. Das zur Hand haben von GHB zu Hause deutet 

aber mit der Vorinstanz auf eine minimale, wenngleich nicht konkrete Planung und 

somit  auf  eine  erhebliche  kriminelle  Energie  des  Beschuldigten.  Es  ging  ihm 

augenscheinlich  um  Machtausübung  und  um  die  Befriedigung  seiner  sexuellen 

Lust, was ihm grundsätzlich auch mit einer anderen Person auch auf legalem Wege 

möglich  gewesen  wäre.  Eine  Einschränkung  der  Schuldfähigkeit  ist  mit  der 

Vorinstanz  nicht  auszumachen.  Die  subjektiven  Aspekte  der  Tat  vermögen  das 

objektive  Verschulden  somit  nicht  zu  relativieren.  Insgesamt  ist  von  einem 

«keinesfalls  leichten»  Tatverschulden  auszugehen.  Dem  Tatverschulden  ange-

messen wäre eine Strafe von 33 Monaten Freiheitsstrafe.

2.2.

Täterkomponenten

2.2.1. Was  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Beschuldigten  anbelangt,  kann 

wiederum  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  der  Vorinstanz  (Urk. 62  E. IV/4.1 

S. 58–60)  verwiesen  werden.  Neuerungen  in  Bezug  auf  die  persönlichen 

Verhältnisse des Beschulidgten ergaben sich anlässlich der Berufungsverhandlung 

nicht (vgl. u.a. Urk. 107 und 109; Prot. II S. 7 ff.). Eine gesteigerte Strafempfindlich-

keit  weist  der  Beschuldigte  nicht  auf.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  die 

-   32   -

Lebensgeschichte oder der Werdegang des Beschuldigten Auswirkungen auf die 

Strafzumessung  zeitigen  sollten.  Aus  der  Biografie  und  den  persönlichen 

Verhältnissen  des  Beschuldigten  lassen  sich  keine  strafzumessungsrelevanten 

Faktoren ableiten.

2.2.2. Vorstrafen kommt bei der Strafzumessung allgemein eine wichtige Rolle zu 

(BSK StGB  I-WIPRÄCHTIGER/KELLER,  Art. 47  N 130).  Wer  ungeachtet  früherer 

Verurteilungen  wiederum  straffällig  wird,  erscheint  als  unbelehrbar  und  als 

uneinsichtig.  Die  Gültigkeit  der  Rechtsnormen  ist  dem  Beschuldigten  bereits 

persönlich verdeutlicht worden. Als Wiederholungstäter kennt er die Schädlichkeit 

seines Tuns wie auch die entsprechende soziale Missbilligung. Dies gilt umso mehr 

für einschlägige Vorstrafen. Erneute Delinquenz auf dem gleichen Gebiet indiziert 

eine  besondere  Unbelehrbarkeit  und  Uneinsichtigkeit  (MATHYS,  Leitfaden  Straf-

zumessung, 2. Aufl., Basel 2019, N 320 und 322, mit Hinweisen auf die bundes-

gerichtliche Rechtsprechung).

Der Beschuldigte wurde

 mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 8. Oktober 2013 (Akten-

zeichen E-3/2013/3808) wegen Drohung,

 mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 17. September 2015 

(Aktenzeichen B-4/2015/30958) wegen Beschimpfung und Drohung,

 mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  See/Oberland  vom  11. Juni  2018 

(Aktenzeichen A-3/2018/19698) wegen Drohung (begangen als Ehegatte) so-

wie wegen Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit 

sowie

 mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  vom  14. Januar 

2019 (Aktenzeichen B-1/2018/42383) wegen unrechtmässigen Aneignung

je zu unbedingten bzw. einer bedingten Geldstrafen verurteilt. Überdies wurde 

der Beschuldigte

 mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom  11. Juni  2019 

(Aktenzeichen  C-3/2019/7075)  wegen  Diebstahls  (geringfügiges  Vermögens-

-   33   -

delikt), Hausfriedensbruch sowie Gewalt oder Drohung gegen Behörden und 

Beamte

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen verurteilt. 

Seit Einleitung des hier zu beurteilenden Strafverfahrens wurde der Beschuldigte 

überdies mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. April 2023 

wegen Diebstahls zu einer weiteren unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen ver-

urteilt (Urk. 75).

Die  zahlreichen  –  fünf  an  der  Zahl  –  (in  Bezug  auf  die  Veruntreuung  teilweise 

einschlägigen)  Vorstrafen  des  Beschuldigten  sowie  die  neuerliche  Delinquenz 

während laufendem Strafverfahren sind spürbar straferhöhend zu berücksichtigen. 

Deren  Ausmass  hat  sich  vornehmlich  nach  den  bisherigen  Strafen  zu  richten, 

welche ihre Wirkung offenkundig verfehlt haben (MATHYS, a.a.O., N 325). Gerecht-

fertigt erscheint eine Erhöhung der Strafe um 3 Monate.

2.2.3. In Bezug auf das Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in 

der  Untersuchung  nicht  aussergewöhnlich  kooperativ  war  und  vorwiegend  das 

nicht Bestreitbare gestand. Ein vollumfängliches, aufrichtiges Geständnis, welches 

als  Bekundung  von  Einsicht  und  Reue  bezüglich  subjektiver  Elemente  erheblich 

strafmindernd  berücksichtigt  werden  könnte  (BGE 121 IV 202  E.  2d/cc;  vgl.  aber 

auch BGer 6B_1278/2020 vom 27. August 2021 E. 5.4.3 mit Hinweisen), liegt damit 

nicht vor. Dem Beschuldigten ist mit der Vorisntanz jedoch immerhin zu Gute zu 

halten, dass er dahingehend geständig war, gewisse sexuelle Handlungen (jedoch 

einvernehmlich)  mit  der  Privatklägerin  vorgenommmen  zu  haben.  Entsprechend 

erscheint unter dem Titel «Geständnis» mit der Vorinstanz eine leichte Strafminde-

rung von 1 Monat angemessen.

Weitere strafzumessungsrelevante Faktoren sind nicht ersichtlich.

2.3.

Zwischenfazit

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint in Würdigung der 

objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie in Berück-

sichtigung der Täterkomponenten für die sexuelle Nötigung eine Freiheitsstrafe von 

35 Monaten als Einsatzstrafe angemessen.

-   34   -

3.

Nebendelikt 1: Freiheitsberaubung

3.1. Einige  Stunden  nach  dem  vorangegangenen  Sexualdelikt  verliess  der 

Beschuldigte frühmorgens um ca. 5 Uhr seine Wohnung und schloss hinter sich die 

Türe und damit die Privatklägerin in seiner Wohnung ein, womit er ihr ein Entfliehen 

aus der Wohnung verunmöglichte. Nach seiner Rückkehr um ca. 8 Uhr weigerte 

sich der Beschuldigte zunächst, die Privatklägerin aus seiner Wohnung zu lassen, 

bevor er sie dann doch mit seinem Mobiltelefon ein Taxi bestellen und sie sodann 

endlich aus der Wohnung gehen liess. Das Vorgehen des Beschuldigten ist zwar 

nicht  als  besonders  raffiniert,  aber  als  perfid  zu  bezeichnen.  Auch  wenn  die 

körperliche  Fortbewegungsfreiheit  der  Privatklägerin  nicht  allzu  lang  effektiv 

eingeschränkt  war  und  sie  eine  Zeitlang  noch  sediert  war,  muss  es  für  sie  nach 

dem  erlebten  sexuellen  Missbrauch  und  den  Nachwirkungen  des  verabreichten 

GHBs als sehr einschneidend erlebt worden sein, sich nicht entfernen zu können. 

In Anbetracht des gesamten Spektrums möglicher Freiheitsberaubungen wiegt das 

Verschulden in objektiver Hinsicht «nicht mehr leicht».

3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Nach anfänglicher Weigerung 

war der Widerstand, die Privatklägerin dann doch aus seiner Wohnung gehen zu 

lassen,  nicht  allzu  gross.  Dass  der  Beschuldigte  sein  Opfer  nach  dem  Übergriff 

noch mehrere Stunden in seiner Wohnung eingesperrt liess, ist mit der Vorinstanz 

als  besonders  dreist  und  rücksichtslos  zu  werten  (vgl.  Urk. 62  E. IV/3.2.1  S. 57). 

Dies  gilt  insbesondere  vor  dem  Hintergrund  der  vorgängigen  Aneignung  der 

Handtasche  und  dem  sich  darin  befindlichen  Mobiltelefon  der  Privatklägerin, 

welche  diese  hilflos  in  der  Wohnung  des  Beschuldigten  zurückliess.  Insgesamt 

lässt  sich  nicht  sagen,  dass  die  subjektiven  Verschuldensaspekte  das  objektive 

Tatverschulden zu relativieren vermöchten.

3.3.

In Bezug auf die Täterkomponeten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zur  sexuellen  Nötigung  verwiesen  werden  (vgl.  vorstehend  E. III/2.2).  Die  Täter-

komponenten wirken sich insgesamt moderat – im Umfang von 1 Monat, insbeson-

dere mit Blick auf die Vorstrafen und die neuerliche Delinquenz während laufender 

Probezeit – straferhöhend aus.

-   35   -

3.4. Nur für sich betrachtet wäre hierfür eine Strafe von 7 Monaten angemessen.

4.

Nebendelikt 2: Veruntreuung

4.1. Der  Beschuldigte  eignete  sich  die  ihm  am  Vorabend  von  der  sichtlich 

betrunkenen  Privatklägerin  anvertraute  Handtasche  mitsamt  Inhalt  an,  um  sich 

damit  unrechtmässig  zu  bereichern,  wobei  die  Gegenstände  einen  beachtlichen 

Sachwert hatten. Der Beschuldigte hat somit die missliche Lage der Privatklägerin 

auch in Bezug auf ihr Eigentum schamlos ausgenützt, dies nachdem er ein Getränk 

der Privatklägerin mit GHB versehen hat, um sie ausser Gefecht zu setzen. Wie 

vorstehend dargelegt, hat es der Beschuldigte – mit der Aneignung der Handtasche 

und insbesondere dem Mobiltelefon – der Privatklägerin verunmöglicht, jemanden 

zu alarmieren, um sich aus ihrer misslichen Lage befreien zu lassen. In Anbetracht 

des  gesamten  Spektrums  möglicher  Veruntreuungen  wiegt  das  Verschulden  in 

objektiver Hinsicht «nicht mehr leicht».

4.2. Der  Beschuldigte  handelte  wiederum  direktvorsätzlich.  Der  Tat  ging  auch 

hier  keine  eigentliche  Planung  voraus.  Es  dürfte  sich  um  eine  Spontanaktion 

gehandelt  haben,  die  mit  Blick  auf  das  vorangegangene  Sexualdelikt  die  völlige 

Geringschätzung der Privatklägerin noch unterstreicht. Es mutet überaus verwerf-

lich an, dass sich der Beschuldigte auch noch die Handtasche der zuvor sexuell 

missbrauchten Privatklägerin aneignete. Insgesamt lässt sich nicht sagen, dass die 

subjektiven  Verschuldensaspekte  das  objektive  Tatverschulden  zu  relativieren 

vermöchten.

4.3.

In  Bezug  auf  die  Täterkomponeten  kann  wiederum  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen zur sexuellen Nötigung verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III/2.2). 

Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt moderat – im Umfang von ebenfalls 

1 Monat,  insbesondere  mit  Blick  auf  die  (hier  teilweise  einschlägigen)  Vorstrafen 

und die neuerliche Delinquenz während laufender Probezeit – straferhöhend aus.

4.4. Nur für sich betrachtet wäre hierfür eine Strafe von 5 Monaten angemessen.

-   36   -

5.

Strafart

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten hinsichtlich der sexuellen Nötigung, 

der Freiheitsberaubung und auch hinsichtlich der Veruntreuung zu einer Freiheits-

strafe als Gesamtstrafe. Vorab kann festgehalten werden, dass sich die angemes-

sene Strafe für die sexuelle Nötigung über dem Anwendungsbereich einer Gelds-

trafe bewegt (180 Tagessätze; vgl. Art. 34 Abs. 1 Satz 1 StGB). Für die Freiheits-

beraubung und die Veruntreuung wären allenfalls auch Geldstrafen denkbar. Mit 

Blick auf die zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten und die Delinquenz wäh-

rend laufendem Strafverfahren (vgl. dazu vorstehend E. III/2.2.2) ist auch bezüglich 

der  Freiheitsberaubung  und  der  Veruntreuung  durchaus  im  Sinne  von  Art. 41 

Abs. 1 lit. a StGB davon auszugehen, dass eine Freiheitsstrafe geboten erscheint, 

um  den  Beschuldigten  von  der  Begehung  weiterer  Verbrechen  oder  Vergehen 

abzuhalten. Überdies sind die Delikte in sachlicher, zeitlicher und situativer Hinsicht 

verknüpft.  Ferner  könnte  eine  Geldstrafe  beim  Beschuldigten,  der  sich  in  einer 

misslichen  finanziellen  Situation  befindet,  auch  kaum  vollzogen  werden  (Art. 41 

Abs. 1 lit. b StGB; vgl. dazu Urk. 45 S. 5 und 8). Für den Beschuldigten sind daher 

mit der Vorinstanz für die sexuelle Nötigung, die Freiheitsberaubung und auch für 

die Veruntreuung Freiheitsstrafen angezeigt (vgl. Urk. 62 E. IV/2.2 S. 54 f.).

Da für die sexuelle Nötigung, die Freiheitsberaubung und die Veruntreuung gleich-

artige Strafen, nämlich Freiheitsstrafen auszusprechen sind, ist in Anwendung von 

Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe auszufällen.

6.

Retrospektive Konkurrenz

Die heute zu beurteilenden Delikte wurden vor dem Diebstahl begangen, welcher 

am  28. April  2023  mit  dem  bereits  erwähnten  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen geahndet wurde 

(Urk. 75).  Damit  liegt  heute  –  anders  als  noch  im  Zeitpunkt  der  vorinstanzlichen 

Beurteilung – ein Fall der retrospektiven Konkurrenz gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB 

vor. Da sich (wie soeben dargelegt) heute wiederum eine Freiheitsstrafe aufdrängt, 

muss eine Gesamtstrafe gebildet werden.

-   37   -

Sodann ist diese mit einem angemessenen Anteil der Grundstrafe (60 Tage Frei-

heitsstrafe gemäss Strafbefehl vom 28. April 2023) zu erhöhen (MATHYS, a.a.O., 

N 528).

7.

Festsetzung der Gesamtstrafe bzw. Zusatzstrafe

Es  kommt  den  drei  heute  zu  beurteilenden  Delikten  verschuldensmässig  zwar 

selbstständige Bedeutung zu; es besteht aber ein enger sachlicher, zeitlicher und 

situativer  Zusammenhang.  Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  er-

scheint folgende Rechnung angemessen:

Delikt:

Sexuelle Nötigung

Freiheitsberaubung

Veruntreuung

Einsatzstrafe bzw. 
bei Einzelbetrachtung

35 Mt.

7 Mt.

5 Mt.

47 Mt.

asperiert

(35 Mt.)

5 Mt.

3 Mt.

43 Mt.

Rund  10½  Monate  später  kam  es  zum  bereits  abgeurteilten  Diebstahl  vom 

6. November  2022  (vgl.  Urk.  75).  Wiederum  gilt  es,  das  Asperationsprinzip  zu 

beachten:

Heute zu beurteilende Delikte (Gesamtstrafe)

43 Mt.

Grundstrafe (gem. Strafbefehl vom 11.5.2023)

60 d / 2 Mt.

45 Mt.

(43 Mt.)

1 Mt.

44 Mt.

Von dieser hypothetischen Gesamtstrafe ist nun die rechtskräftige Grundstrafe (60 

Tage Freiheitsstrafe) abzuziehen, womit man zur Zusatzstrafe von 42 Monaten 

Freiheitsstrafe gelangt. Eine solche hält vor dem Verschlechterungsverbot (Art. 391 

Abs. 2 StPO) stand, weshalb die Strafe der Vorinstanz zu bestätigen ist.

8.

Fazit

Im Ergebnis ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3½ Jahren, wovon 

ein Tag (Urk. D1/16/2 und Urk. D1/16/6) durch Untersuchungshaft erstanden ist, zu 

bestrafen. In dieser Höhe kommt nur eine unbedingte Freiheitsstrafe in Betracht.

-   38   -

IV.  Landesverweisung / SIS-Ausschreibung

1.

Ausgangslage / Standpunkt der Verteidigung

1.1. Die Vorinstanz verwies den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a lit. h StGB 

für die Dauer von 7 Jahren des Landes und ordnete die Ausschreibung der Landes-

verweisung im Schengener Informationssystem an (Urk. 62 E. V S. 61 ff.).

1.2. Die  Verteidigung  verzichtete  im  Berufungsverfahren  darauf,  sich  mit  der 

vorinstanzlich  ausgesprochenen  Landesverweisung  einlässlich  auseinanderzu-

setzen. Die Landesverweisung wurde von der Verteidigung nur insoweit kritisiert, 

als  aus  ihrer  Sicht  zu  Unrecht  überhaupt  ein  Schuldspruch  erfolgt  sei  (Urk. 109; 

Prot. II S. 7 ff.).

2.

Katalogtat, Härtefallprüfung

2.1. Artikel 66a  StGB  sieht  vor,  dass  Ausländer,  die  eine  Katalogtat  gemäss 

Absatz 1 dieser Bestimmung begangen haben, vom Gericht unabhängig von der 

Höhe  der  Strafe  für  fünf  bis  15 Jahre  aus  der  Schweiz  verwiesen  werden.  Der 

Beschuldigte wird vorliegend wegen zwei Katalogtaten nach Art. 66a Abs. 1 lit. g 

und  h  StGB  (sexuelle  Nötigung  im  Sinne  von  Art. 189  Abs. 1  aStGB  sowie  Frei-

heitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) verurteilt, weshalb sich 

die Frage nach einer obligatorischen Landesverweisung nach wie vor stellt.

2.2. Die  Vorinstanz  hat  die  rechtlichen  Grundlagen  für  die  Anordnung  einer 

Landesverweisung  zutreffend  wiedergegeben  und  sich  insbesondere  einlässlich 

mit der Härtefallklausel gemäss Absatz 2 von Art. 66a StGB auseinandergesetzt, 

worauf  zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  verwiesen  werden  kann 

(Urk. 62  E. V/1.1–1.3  S. 61–64).  Unter  Verweis  auf  die  ebenfalls  zutreffende 

Begründung  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  Landesverweisung  für  den 

Beschuldigten keine besondere persönliche Härte darstellt, womit sich eine Inter-

essenabwägung  erübrigt  und  die  Landesverweisung  anzuordnen  ist  (Urk. 62 

E. V/3.1–2.2 [recte: 3.2] S. 64–66). Ergänzend bzw. teilweise rekapitulierend ist nur 

noch das Nachfolgende festzuhalten:

-   39   -

2.3. Der Beschuldigte ist weder in der Schweiz geboren noch aufgewachsen. Er 

kam im Jahr 1988 und damit im Alter von 29 Jahren in die Schweiz, womit er sich 

seit knapp 36 Jahren in der Schweiz aufhält. Die prägenden Jahre der Kindheit und 

der Jungend verbrachte er in Algerien. Obwohl der Beschuldigte bereits seit gerau-

mer Zeit in der Schweiz lebt, ist er sozial, kulturell und persönlich kaum integriert. 

Dass es ihm nicht zumutbar wäre, in Algerien zu leben, ergibt sich aus den vor-

liegenden Informationen nicht. Die Landesverweisung nicht abzuwenden vermag 

namentlich, dass die medizinische Versorgung in der Schweiz wohl besser ist als 

in Algerien, zumal unklar bleibt, inwiefern der Beschuldigte zurzeit eine medizini-

sche  Behandlung  überhaupt 

in  Anspruch  nimmt  (vgl. dazu  bspw.  BGer 

6B_1079/2018  vom  14. Dezember 2018  E. 1.4.2;  vgl.  auch  Urk. 36  und 

Urk. D1/20/1). Der Beschuldigte war in der Schweiz zweimal verheiratet, ist mittler-

weile zum zweiten Mal geschieden und hat aus der zweiten Ehe einen 24-jährigen 

Sohn (Urk. 45 S. 4 f.). Das Recht des Beschuldigten (bzw. seines volljährigen Soh-

nes) auf Achtung des Privat- und Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK ist bei 

einer Anordnung der Landesverweisung nicht verletzt. Angesichts der zahlreichen 

(und teilweise einschlägigen) Vorstrafen des Beschuldigten kann keineswegs die 

Rede davon sein, dass der Beschuldigte die Rechtsordnung der Schweiz respek-

tiert.  Überdies  wurde  der  Beschuldigte  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat vom 28. April 2023 – während laufendem Strafverfahren – zu einer 

unbedingten  Freiheitsstrafe  von  60 Tagen  wegen  Diebstahls  erneut  (und  zwar 

rechtskräftig) verurteilt (Urk. 75; vgl. dazu auch vorstehend E. III./2.2.2).

2.4. Aufgrund des Dargelegten sind keine besonderen Umstände dargetan, die 

dazu  führen,  dass  eine  Landesverweisung  den  Beschuldigten  in  besonderem 

Masse persönlich hart treffen würde. Es ist nicht ersichtlich, dass ein Verlassen der 

Schweiz bei objektiver Betrachtung zu einem nicht hinnehmbaren Eingriff in seine 

Lebensbedingungen führt. Es liegt kein schwerer Eingriff in sein Privat- und Fami-

lienleben  vor.  Ein  schwerer  persönlicher  Härtefall  liegt  damit  nicht  vor.  Eine 

Interessenabwägung  zwischen  dem  privaten  Interesse  des  Beschuldigten  am 

Verbleib  in  der  Schweiz  und  dem  öffentlichen  Interesse  an  einem  Verlassen  der 

Schweiz erübrigt sich damit. Selbst wenn jedoch von einem schweren persönlichen 

Härtefall  ausgegangen  würde,  könnte  aufgrund  der  überwiegenden  öffentlichen 

-   40   -

Interessen an einer Wegweisung des Beschuldigten aus der Schweiz nicht auf die 

Anordnung einer Landesverweisung verzichtet werden. Von wesentlicher Bedeu-

tung für den vorliegenden Entscheid ist hierbei, dass der Beschuldigte gleich für 

zwei Katalogtaten verurteilt wird. Überdies sind bei der Interessenabwägung nicht 

nur die Anlass bildenden Delikte (die Katalogtat(en), hier die sexuelle Nötigung und 

die Freiheitsberaubung), sondern auch die weitere Straftat des Betroffenen einzu-

beziehen ([vorliegend die Veruntreuung] vgl. BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 

E. 3.3.2; BGer 6B_932/2021 vom 7. September 2022 E. 1.3.2; 6B_155/2023 vom 

2. Oktober  2023  E. 1.4.5;  je  mit  Hinweisen).  Ausserdem  hat  der  Beschuldigte 

bereits  fünf  (teilweise  einschlägige)  Vorstrafen  erwirkt.  Zudem  wurde  der 

Beschuldigte  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat  vom  28. April 

2023  zu  einer  unbedingten  Freiheitsstrafe  von  60 Tagen  wegen  Diebstahls 

während laufendem Strafverfahren erneut (rechtskräftig) verurteilt (Urk. 64 und 75; 

vgl. dazu auch vorstehend E. III/2.2.2). Aus alledem lässt sich auf eine erhebliche 

kriminelle Energie des Beschuldigten schliessen. Die Vorinstanz hat diesen Aspekt 

treffend beleuchtet (Urk. 62 E. V/3.1 und 2.2 [recte: 3.2] S. 65 und 66). Die privaten 

Interessen  des  Beschuldigten  an  einem  Verbleib  in  der  Schweiz  sind  nicht  als 

besonders hoch zu gewichten. Das Sicherheitsbedürfnis der Schweiz als gewichti-

ges  öffentliches  Interesse  muss  im  Vergleich  jedenfalls  deutlich  höher  gewichtet 

werden. Der Gesetzgeber wollte mit der Schaffung von Art. 66a StGB fraglos die 

Ausschaffung krimineller – und unbelehrbarer – Personen aus dem Land erreichen, 

um damit die hiesige Bevölkerung zu schützen. Die Landesverweisung bei Kata-

logtaten sollte damit nur in absolut unverhältnismässigen Ausnahmefällen nicht an-

geordnet werden. Ein solcher Ausnahmefall liegt hier wie gezeigt nicht vor. Folglich 

ist der Beschuldigte des Landes zu verweisen.

3.

Dauer

Die  Vorinstanz  sprach  eine  Landesverweisung  für  die  Dauer  von  sieben  Jahren 

aus, also zwei Jahre über der Mindestdauer.

Die  Bemessung  der  Dauer  der  Landesverweisung  liegt  gemäss  Botschaft  im 

Ermessen des Gerichts, das sich  dabei  insbesondere am Verhältnismässigkeits-

grundsatz zu orientieren hat (Botschaft, BBl 2013, 5975 ff., 6021). Die Dauer der 

-   41   -

Landesverweisung ist unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, namentlich 

des Verschuldens des Beschuldigten, der Schwere des Delikts sowie der persön-

lichen Verhältnisse des Betroffenen und seiner allfälligen Bindung zur Schweiz zu 

bemessen (vgl. BGer 2C_881/2018 vom 14. Dezember 2018 E. 4.1).

Die  Vorinstanz  begründete  ihren  Ermessensentscheid  überzeugend  (Urk. 62 

E. V/3.1–3.2 S. 66). Nur ein sehr leichtes Verschulden müsste zu einer minimalen 

Dauer der Landesverweisung führen. Eine Dauer von sieben Jahren erscheint vor-

liegend mit der Vorinstanz angemessen.

Der Entscheid der Vorinstanz über die Dauer der Landesverweisung ist daher zu 

bestätigen.

4.

SIS-Ausschreibung

Die Vorinstanz hat sodann die Ausschreibung der Landesverweisung im Schenge-

ner Informationssystem (SIS) zu Recht angeordnet und zutreffend begründet. Auch 

darauf kann verwiesen werden (Urk. 62 E. V/4.1–4.3 S. 67). Die Anordnung ist zu 

bestätigen.

1.

Allgemeines

V.  Zivilansprüche

Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die Beurteilung 

der  Schadenersatz-  und  Genugtuungsforderungen  wurden  durch  die  Vorinstanz 

korrekt wiedergegeben (Urk. 62 E. VI/1.1–1.2 S. 68).

2.

Schadenersatzpflicht

Die Vorinstanz hat die grundsätzliche Schadenersatzpflicht des Beschuldigten aus 

dem eingeklagten Ereignis festgestellt. Des Weiteren wurde die Privatklägerin zur 

genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruchs auf den Weg 

des  Zivilprozesses  verwiesen.  Da  die  Privatklägerin  weder  Berufung  noch 

Anschlussberufung  gegen  den  erstinstanzlichen  Entscheid  anmeldete  bzw. 

-   42   -

erklärte, scheidet aufgrund des Verschlechterungsverbots eine Zusprechung von 

Schadenersatz an die Privatklägerin von vornherein aus. Ferner wäre die Schaden-

ersatzforderung der Privatklägerin (noch) nicht hinreichend begründet bzw. belegt, 

weswegen  die  Schadenersatzpflicht  des  Beschuldigten  dem  Grundsatze  nach 

festzustellen und im Übrigen im Sinne von Art. 126 Abs. 3 StPO auf den Weg des 

Zivilprozesses  zu  verweisen  ist  (so  auch  die  Vorinstanz  in  Urk. 62  E. VI/2.1.2  f. 

S. 69).

3. Genugtuung

Die Vorinstanz hat die Genugtuungsforderung der Privatklägerin von Fr. 15'000.– 

(zzgl. Zins) mit der Zusprechung von Fr. 12'000.– (zzgl. Zins) nur, aber immerhin 

teilweise gutgeheissen (Urk. 62 E. VI/2.2.1–2.2.3 S. 69 f.).

Die Privatklägerin sah davon ab, gegen den erstinstanzlichen Entscheid in Beru-

fung zu gehen, sei dies selbstständig oder im Rahmen einer Anschlussberufung. 

Demzufolge scheidet aufgrund des Verschlechterungsverbots nach Art. 391 Abs. 2 

StPO zum vornherein aus, der Privatklägerin eine höhere Genugtuung zuzuspre-

chen, als es die Vorinstanz tat.

Immerhin,  dass  der  Privatklägerin  angesichts  der  durch  den  Beschuldigten 

verursachten  Unbill  grundsätzlich  eine  Genugtuung  zuzusprechen  ist,  erscheint 

völlig klar. Bezüglich ihres schlüssig begründeten Entscheids kann der Vorinstanz 

gefolgt werden, und es ist der Privatklägerin mit Blick auf die Art und Schwere der 

Verletzung, die Intensität und die Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit 

sowie das Verschulden des Beschuldigten eine Genugtuung von Fr. 12'000.– zu-

züglich Zins zuzusprechen (Urk. 62 E. VI/2.2.1–2.2.3 S. 69 f.).

VI.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschä-

digungsdispositiv (Dispositivziffer 9) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

-   43   -

2.

Kosten des Berufungsverfahrens / Entschädigung der amtlichen Verteidigung

2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzuset-

zen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). Die Kosten des Rechtsmittelverfah-

rens  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens 

(Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen 

vollumfänglich,  weshalb  ihm  ausgangsgemäss  die  Kosten  des  Berufungsverfah-

rens aufzuerlegen sind.

2.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten (Rechtsanwalt MLaw X._____) 

machte  für  das  Berufungsverfahren  einen  Aufwand  von  Fr. 9'741.40  geltend 

(Urk. 105), welcher Aufwand ausgewiesen ist und angemessen erscheint. Der amt-

liche  Verteidiger  ist  somit  für  seine  Bemühungen  und  Auslagen  mit  Fr. 9'741.40 

(inkl. 7.7 bzw. 8,1 % MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.

Die  unentgeltliche  Rechtsvertreterin  der  Privatklägerin  (Rechtsanwältin  lic. iur. 

Y._____)  ist  für  das  Berufungsverfahren  –  unter  Berücksichtigung  der  geltend 

gemachten Aufwendungen (Urk. 106) und der tatsächlichen Dauer der Berufungs-

verhandlung (zzgl. Wegpauschale) – pauschal mit Fr. 3'000.– (inkl. 7.7 resp. 8,1 % 

MwSt. und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

2.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung 

der  Privatklägerin  sind  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Die 

Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und 

Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. April 

2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

-   44   -

«Es wird erkannt:

1.–4.

[…]

5.

a) Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenz-Nr. … la-

gernden Gegenstände werden der Privatklägerin (B._____) nach Eintritt der Rechts-

kraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls nach Ablauf 

einer Frist von 30 Tagen ab Rechtskraft der Lagerbehörde zur Vernichtung überlas-

sen:

–

–

–

–

–

Damenjacke (A015'708'108)

Damenunterwäsche (A015'708'119)

Pullover (A015'708'120)

Sporthose (A015'708'142)

Shirt (A015'708'153)

b) Die übrigen beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenz-Nr. … lagern-

den Spuren und Spurenträger werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Ein-

tritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung überlassen.

6.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Okto-

ber 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, 

unter der Geschäfts-Nr. … lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und 

andernfalls nach Ablauf einer Frist von 30 Tagen ab Rechtskraft der Lagerbehörde 

zur Vernichtung überlassen:

–

–

–

–

Bettwäsche Laken (A015'704'571)

Bettwäsche Deckenbezug (A015'704'593)

Bettwäsche Laken (A015'704'640)

Bettwäsche Fleecedecke (A015'704'662)

7.

Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. Okto-

ber 2022 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, 

unter der Geschäfts-Nr. … lagernden Gegenstände werden eingezogen und der La-

gerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung überlassen:

–

Tatort-Fotografie (A015'704'559)

– Wodka-Flasche (A015'704'560)

–

–

Damenunterwäsche (Büstenhalter) (A015'704'582)

IRM-Fotografie (A015'704'695)

-   45   -

8.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

7'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren

7'400.00   Gutachten etc.

260.00   Auswertung Mobiltelefon

15'860.55   amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst)

6'035.90   unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (inkl. Barausla-

gen und Mwst)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

9.

[…]

10.

[Mitteilungen]

11.

[Rechtsmittel]»

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig







der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 aStGB,

der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie

der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon 1 Tag 

durch Untersuchungshaft erstanden ist, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. April 2023.

3.

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für die Dauer von 

7 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-

onssystem (SIS) angeordnet.

-   46   -

4.

a)

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten 

Ereignis dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-

stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruchs wird die Privatklägerin 

(B._____) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin (B._____) eine 

Genugtuung von Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 23. Dezember 2021 zu 

bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

5.

Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 9) wird 

bestätigt.

6.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

9'741.40   amtliche Verteidigung (inkl. 7,7 % resp. 8,1 % MwSt.)

3'000.–   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin (inkl. 7,7 

resp. 8,1 % MwSt.)

7.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden einstweilen auf 

die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten 

bleibt gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten.

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)

die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für 
sich und zuhanden der Privatklägerin (versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

-   47   -

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat

die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin im Doppel für 
sich und zuhanden der Privatklägerin

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an













die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Voll-
zugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA, mit Formular "Löschung des 
DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung 
der Vernichtungs- und Löschungsdaten"

das Migrationsamt des Kantons Zürich

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat in die Akten … (hinsichtlich Dis-
positivziffer 2).

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

-   48   -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 16. Dezember 2024

Die Präsidentin:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. S. Fuchs

MLaw J. Stegmann