# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe3f0256-cff8-53d2-9f80-2fbddfc1e884
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.09.2023 D-4246/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4246-2021_2023-09-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4246/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Géraldine Kronig,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 23. August 2021 / N (…). 

 

 

 

D-4246/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge ein 

erstes Mal im Jahr 2018 in Richtung Iran. Dort sei er von der Polizei aufge-

griffen und nach Afghanistan abgeschoben worden. Ungefähr zu Beginn 

des Jahres 2019 habe er seinen Heimatstaat erneut verlassen und sei über 

den Iran und die Türkei nach Griechenland gelangt. Einige Monate später 

sei er auf dem Landweg weitergereist, habe am 19. Oktober 2020 die 

Schweiz erreicht und gleichentags ein Asylgesuch gestellt. Am 15. März 

2021 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen angehört.  

B.  

B.a Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus dem Dorf 

B._______ im Distrikt C._______ (Provinz Kunar). Sein Vater sei früher 

(…) in der afghanischen Armee gewesen und habe danach als (…) gear-

beitet. Er sei mehrmals bei Gefechten mit den Taliban sowie durch eine 

Strassenmine schwer verletzt worden und schliesslich im Jahr 2010 an den 

erlittenen Verletzungen gestorben. Auch sein älterer Bruder sei bei der af-

ghanischen Armee gewesen und deshalb von den Taliban bedroht worden. 

Er selbst sei zwölf Jahre zur Schule gegangen und habe von (…) als Dol-

metscher für die internationalen und afghanischen Streitkräfte gearbeitet. 

Als die Taliban seinen Bruder im Jahr 2012 einmal auf der Strasse ange-

halten hätten, habe dieser versucht, zu fliehen, woraufhin er von ihnen er-

schossen worden sei. Im gleichen Jahr sei das Haus seiner Familie von 

den Taliban angegriffen und seine Mutter schwer verletzt worden. Danach 

sei sie gelähmt gewesen und habe nervliche sowie psychische Probleme 

gehabt; später sei sie infolge dieser Verletzungen verstorben. Im Jahr (…) 

habe er geheiratet und zusammen mit seiner Ehefrau und seinem jüngeren 

Bruder in einem Haushalt gelebt. Während seiner Zeit als Dolmetscher 

habe er oft an Besprechungen teilgenommen, in welchen es um die Ge-

währleistung der Sicherheit und um Operationen gegen die Taliban gegan-

gen sei. Die Dorfbewohner hätten von seiner Tätigkeit erfahren und einige 

hätten begonnen, ihn zu bedrohen. Auch die Taliban hätten darüber Be-

scheid gewusst und deswegen versucht, ihn umzubringen. Zudem hätten 

sie ihn anhaltend sowohl telefonisch bedroht als auch Drohbriefe an ihn 

und seine Familie gerichtet. Zu seinem Schutz habe er sich zeitweise in-

nerhalb Afghanistans versteckt, wobei er seine Familie nur selten und im 

Verborgenen habe besuchen können. Selbst seine Freunde seien wegen 

seiner Zusammenarbeit mit Ausländern belästigt und bedroht worden. Als 

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er im Jahr 2018 einmal mit dem Motorrad unterwegs gewesen sei, hätten 

die Taliban aus dem Hinterhalt auf ihn geschossen. Dabei sei er schwer 

verletzt worden und habe einen Monat lang zu Hause bleiben müssen. 

Nach diesem Vorfall habe er gemerkt, dass sein Leben in Afghanistan stets 

in Gefahr sei und die Taliban ihn eines Tages hinrichten würden, weshalb 

er sich zur Ausreise entschieden habe.  

B.b Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer Kopien 

seiner Tazkira sowie einer englischen Übersetzung derselben ein. Als wei-

tere Beweismittel legte er mehrere (Empfehlungs-)Schreiben der US-Ar-

mee, zwei Personalkarten für US-Militärbasen aus dem Jahr (…), Droh-

briefe der Taliban und des sogenannten Islamischen Staates (IS), zwei 

Schreiben der afghanischen Behörden betreffend Angriffe der Taliban auf 

seine Familie und die Bestätigung eines Spitals über die Verletzungen sei-

ner Mutter vor.  

B.c Das SEM wies den Beschwerdeführer am 22. März 2021 dem erwei-

terten Verfahren zu.  

C.  

Mit Verfügung vom 23. August 2021 – eröffnet am 25. August 2021 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht. Es lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. 

Gleichzeitig hielt es fest, der Vollzug der Wegweisung sei zurzeit nicht zu-

mutbar, weshalb er vorläufig aufgenommen werde.  

D.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

23. September 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 

diesen Entscheid. Darin beantrage er, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen, sub-

eventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-

licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie Beiord-

nung der unterzeichnenden Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din. Der Beschwerde lagen insbesondere verschiedene Fotos des Be-

schwerdeführers und seines Bruders sowie den Vater betreffende Unterla-

gen bei.  

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Seite 4 

E.  

Die damals zuständige Instruktionsrichterin forderte den Beschwerdeführer 

mit Zwischenverfügung vom 29. September 2021 auf, eine Fürsorgebestä-

tigung nachzureichen. Dieser liess dem Gericht mit Eingabe vom 12. Ok-

tober 2021 eine Bestätigung betreffend den Bezug von Sozialhilfeleistun-

gen sowie eine Kostennote seiner Rechtsvertreterin zukommen.  

F.  

Mit Verfügung vom 19. Oktober 2021 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw 

Géraldine Kronig als amtliche Rechtsbeiständin bei.  

G.  

Das SEM liess sich mit Schreiben vom 2. November 2021 zur Beschwerde 

vernehmen.  

H.  

Mit Eingabe vom 3. Dezember 2021 reichte der Beschwerdeführer eine 

Replik zu den Akten. 

I.  

Am 4. Januar 2022 wurde der Vorsitz des vorliegenden Verfahrens auf 

Richterin Susanne Bolz-Reimann übertragen.  

J.  

Der Beschwerdeführer liess dem Gericht mit Schreiben vom 4. Oktober 

2022 einen Arztbericht der (…), vom 26. September 2022 zukommen.  

K.  

Mit Eingabe vom 1. März 2023 ersuchte der Beschwerdeführer um Aus-

kunft über den Verfahrensstand. Die Instruktionsrichterin beantwortete 

diese Anfrage mit Schreiben vom 3. März 2023.  

 

 

 

 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).  

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, dass die Schil-

derungen des Beschwerdeführers insgesamt wenig substanziiert und er-

lebnisgeprägt ausgefallen seien. Er habe nicht glaubhaft darlegen können, 

wie er die Bedrohungen von Seiten der Taliban konkret erlebt habe und wie 

es ihm gelungen sein solle, die vorgebrachte, über mehrere Jahre hinweg 

andauernde Verfolgung zu überleben. Es sei insbesondere nicht nachvoll-

ziehbar, dass die Taliban sowie später der IS zwischen 2014 und 2018 ver-

sucht haben sollten, ihn zu ermorden, ohne dass ihm jemals etwas Ernst-

haftes zugestossen sei. Wäre er tatsächlich als Ungläubiger und Verräter 

angesehen worden, wäre zu erwarten gewesen, dass seine Feinde mit 

mehr Entschlossenheit gegen ihn vorgegangen wären. Fragwürdig sei 

auch, warum die Bedrohungen seinen Angaben zufolge nach dem Angriff 

auf ihn im Jahr 2018 aufgehört haben sollten, obwohl er sich danach noch 

drei Monate im Heimatstaat aufgehalten habe. Weiter sei nicht nachvoll-

ziehbar, warum der Beschwerdeführer sein Dorf nie vollständig verlassen 

habe, wenn er befürchtet hätte, die Taliban könnten ihn jederzeit auffinden 

und umbringen. Es sei nicht davon auszugehen, dass eine Person, die sich 

ernsthaft vor den Taliban fürchte, noch vier Jahre zu Hause verweile. Da-

rauf angesprochen habe er lediglich ausgeführt, er habe sich zu Hause 

versteckt sowie zeitweise bei seinem Onkel in D._______ oder bei einem 

Freund in E._______ aufgehalten. Es erstaune auch, dass er nach dem 

Jahr 2016 keine weiteren Drohbriefe mehr erhalten habe und lediglich kurz 

vor der Ausreise noch einmal per Telefon kontaktiert worden sei. Aus sei-

nem Verhalten müsse geschlossen werden, dass er die erhaltenen Dro-

hungen nicht wirklich ernst genommen habe und sich nicht – wie von ihm 

geltend gemacht – in einer lebensbedrohlichen Situation befunden habe. 

Insgesamt könne ihm nicht geglaubt werden, dass er tatsächlich gefährdet 

gewesen sei und objektiv begründete Furcht vor einer unmittelbaren oder 

in naher Zukunft drohenden Verfolgung gehabt habe. Nachdem die geltend 

gemachte Verfolgung nicht glaubhaft sei, erübrige es sich, auf die vorge-

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brachten Übersetzungstätigkeiten einzugehen. Die eingereichten Droh-

briefe vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu ändern, da diese nur 

einen geringen Beweiswert aufwiesen und leicht fälschbar seien. Sodann 

seien die weiteren Beweismittel, insbesondere die Kopie der Tazkira sowie 

die Zertifikate der US-Armee, nicht ausschlaggebend für die Beurteilung 

des Asylgesuchs.  

4.2 In der Beschwerde wurde der geltend gemachte Sachverhalt durch 

weitere Angaben des Beschwerdeführers präzisiert. So wurden etwa nä-

here Angaben zu seiner Rekrutierung durch die ISAF (International 

Security Assistance Force) sowie seine Tätigkeit für diese gemacht. Weiter 

wurde ausgeführt, dass sein Vater nicht nur ein (…) der afghanischen Ar-

mee gewesen sei, sondern als Teil einer Miliz die Taliban bereits während 

deren ersten Herrschaft bekämpft habe. Später sei er als (…) tätig gewe-

sen. Aus diesen Gründen sei die ganze Familie bedroht worden und es sei 

zu mehreren Anschlägen auf den Vater gekommen. Auch der ältere Bruder 

des Beschwerdeführers habe ab dem Jahr 2001 im Rang eines Captains 

für die afghanische Nationalarmee gearbeitet. Wegen ihres Engagements 

für die Regierung sowie die internationalen Streitkräfte sei die Familie zwar 

von Leibwächtern beschützt worden. Dennoch habe es im Jahr 2012 einen 

Anschlag auf ihr Haus gegeben, bei welchem die Mutter schwere Verlet-

zungen erlitten habe, an deren Spätfolgen sie verstorben sei. Ebenfalls im 

Jahr 2012 sei sein Bruder von den Taliban erschossen worden, nachdem 

diese ihn auf der Strasse angesprochen hätten und er panisch versucht 

habe, zu fliehen.  

Die persönlichen Bedrohungen gegen den Beschwerdeführer hätten mit 

der Aufnahme seiner Tätigkeit für das US-Militär begonnen. Einige Dorfbe-

wohner hätten mit den Taliban sympathisiert sowie als Spitzel für diese ge-

arbeitet. Diese hätten ihn und seine Familie jeweils mündlich bedroht oder 

verwarnt. Zudem seien zahlreiche telefonische Drohungen sowie Droh-

briefe von verschiedenen Taliban-Gruppierungen bei ihnen eingegangen. 

Bis zum Ende seiner Tätigkeit für das Militär im Jahr 2014 habe sich der 

Beschwerdeführer grösstenteils nicht im Dorf, sondern in den jeweiligen 

Einsatzgebieten aufgehalten. Nach seiner Rückkehr habe er oft Telefonan-

rufe erhalten, in welchen er von unbekannten Personen als Ungläubiger 

oder Verräter bezeichnet und mit dem Tod bedroht worden sei. Zu seinem 

Schutz habe er regelmässig die Telefonnummer gewechselt und zwei be-

waffnete persönliche Leibwächter angestellt. An eine Ausreise habe er da-

mals nicht gedacht, zumal er nicht vor den Taliban habe kapitulieren und 

diese nicht habe gewinnen lassen wollen. Darüber hinaus habe er engen 

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Kontakt zu Freunden seines Vaters aus dem Militär unterhalten, welche 

wichtige Posten in der Politik und bei den Sicherheitskräften innegehabt 

hätten. Wenn sich die Sicherheitslage in B._______ verschlechtert habe 

oder er bedroht worden sei, habe er diese Kontakte um eine Erhöhung der 

Militärpräsenz in der Gegend gebeten mit dem Ziel, die Taliban abzuschre-

cken. Weiter habe er sich immer wieder versteckt und sei bei Freunden 

untergekommen. Mit diesen Schutzmassnahmen sei es ihm gelungen, 

trotz der regelmässigen Drohungen nicht getötet oder angegriffen zu wer-

den. Anfang 2018 sei er indessen angeschossen worden, als er mit dem 

Motorrad unterwegs gewesen sei. Dabei sei er schwer verletzt worden und 

habe sich mehrere Wochen erholen müssen. Der Vorfall habe ihm derart 

Angst gemacht, dass er sich zur Ausreise entschieden habe. Noch im Jahr 

2018 sei er in den Iran gereist, aber von dort in die Provinz Herat abge-

schoben worden. Daraufhin sei er nach Nimruz gegangen und habe erneut 

einen Schlepper gesucht; nach B._______ sei er nicht mehr zurückge-

kehrt.  

Die Vorinstanz werfe dem Beschwerdeführer pauschal vor, seine Aussa-

gen seien unsubstanziiert, ohne diese vertieft zu analysieren oder darzule-

gen, welche Angaben zu wenig konkret oder detailliert seien. Es sei zudem 

aktenkundig, dass er an einer posttraumatischen Belastungsstörung 

(PTBS) sowie einer (…) leide. Dies sei bei der Glaubhaftigkeitsprüfung 

nicht berücksichtigt worden, obwohl davon ausgegangen werden müsse, 

dass sich die Erkrankung auf sein Aussageverhalten ausgewirkt habe. So 

halte ein Arztbericht von Dr. F._______ fest, dass er aktiv Situationen ver-

meide, die Erinnerungen an sein Trauma hervorrufen könnten; zudem 

könne er sich an wichtige Aspekte des traumatischen Erlebnisses nicht 

mehr (vollständig) erinnern. Weiter habe er Schlafstörungen, leide unter 

starken Konzentrationsproblemen und nehme verschiedene Medikamente 

ein. Die eher knappe Erzählweise lasse sich durchaus mit der diagnosti-

zierten PTBS und der Medikamenteneinnahme erklären. Sodann erachte 

das SEM sowohl das Vorgehen der Taliban als auch des Beschwerdefüh-

rers als nicht nachvollziehbar. Ein allfälliges unlogisches Verhalten des Ver-

folgers dürfe den Betroffenen aber nicht negativ angelastet werden. Soweit 

die Vorinstanz ausführe, es wäre zu erwarten gewesen, dass die Feinde 

des Beschwerdeführers entschlossener gegen ihn vorgegangen wären, sei 

festzuhalten, dass die Taliban sowohl seinen Bruder getötet als auch das 

Haus seiner Familie angegriffen hätten. Zudem hätten sie zahlreiche 

schriftliche und mündliche Drohungen ausgesprochen und ihn bei einem 

gezielten Anschlag beinahe getötet. Es werde vom SEM nicht aufgezeigt, 

wie ein "entschlosseneres" Vorgehen seitens der Taliban ausgesehen 

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hätte. Zudem würden die Taliban lokal sehr unterschiedlich agieren und der 

Beschwerdeführer habe zahlreiche Schutzmassnahmen ergriffen, weshalb 

es nicht unwahrscheinlich sei, dass er trotz der anhaltenden Drohungen 

lange Zeit unversehrt geblieben sei. Unklar bleibe auch, weshalb es die 

Vorinstanz als fragwürdig erachte, dass die Bedrohungen nach dem Angriff 

im Jahr 2018 aufgehört hätten. Der Beschwerdeführer sei verletzt gewesen 

und habe das Haus längere Zeit nicht verlassen, da er sich habe erholen 

müssen. Die Taliban hätten möglicherweise keine Informationen dazu ge-

habt, wie ernst seine Verletzungen gewesen seien, was erklären könnte, 

weshalb er in der kurzen Zeitspanne bis zur Ausreise nicht wieder ange-

griffen worden sei. Sodann habe er entgegen der Auffassung der Vo-

rinstanz nicht vier Jahre im Heimatdorf "verweilt", sondern seinen Aufent-

haltsort mehrmals gewechselt. Seine Familie habe aber in B._______ ge-

lebt und er habe dort über Beziehungen verfügt, weshalb er trotz der Be-

drohungslage jeweils zurückgekehrt sei. Aus seinem Verhalten könne nicht 

geschlossen werden, dass er die Drohungen der Taliban nicht ernst ge-

nommen habe. Vielmehr habe er zahlreiche Schutzmassnahmen ergriffen 

und sei zuletzt persönlich angegriffen worden. Schliesslich sei festzuhal-

ten, dass seine Ehefrau sowie sein Schwiegervater nach seiner Ausreise 

erneut von den Taliban bedroht worden seien, was zeige, dass die Bedro-

hungslage weiterhin anhalte.  

Die Schilderungen des Beschwerdeführers seien widerspruchslos, ergä-

ben ein stimmiges Bild und es liege nirgends ein Bruch in der Erzählstruktur 

vor. Den Angaben zum Vorfall, bei welchem er angeschossen worden sei, 

liessen sich verschiedene Details und Realkennzeichen entnehmen. Das-

selbe gelte für seine Beschreibung der Drohanrufe oder der Umstände, un-

ter welchen er die Drohschreiben erhalten habe. Er lege auch immer wie-

der eigene innere Vorgänge dar. Die Vorinstanz habe zudem die einge-

reichten Beweismittel nicht gewürdigt und lediglich pauschal festgehalten, 

diese seien leicht fälschbar. Trotz der Machtübernahme der Taliban setze 

sich die angefochtene Verfügung mit keinem Wort mit der beruflichen Tä-

tigkeit des Beschwerdeführers als Übersetzer für die ISAF auseinander 

und halte lediglich fest, die eingereichten Zertifikate der US-Armee seien 

für die Beurteilung des Asylgesuchs nicht ausschlaggebend. Die Glaubhaf-

tigkeit der Dolmetschertätigkeit sei aber nicht in Frage gestellt worden. Er 

gehöre damit zu einer Personengruppe, welche unter der neuen Taliban-

Regierung ein besonderes Risikoprofil aufweise. Gemäss verschiedenen 

Berichten gingen die Taliban gezielt gegen Mitarbeitende der früheren Re-

gierung vor, wobei sie über ein umfangreiches Wissen verfügten und sich 

auf Ereignisse, Beziehungen und Verantwortlichkeiten stützen würden, 

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welche bereits Jahre zurücklägen. Dem Beschwerdeführer drohe daher 

eine Verfolgung, die nun direkt vom Staat ausgehe. Sein Risikoprofil werde 

dadurch verschärft, dass bereits sein Vater als (…) für die afghanische Ar-

mee gearbeitet habe und auch sein Bruder Mitglied der Nationalarmee ge-

wesen sei. Es sei daher von einer objektiv begründeten Furcht vor einer 

Verfolgung auszugehen, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfülle.  

4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM aus, der Beschwerdeführer 

bringe vor, dass seine Familie seit dem Jahr 2012 einer Verfolgung seitens 

der Taliban ausgesetzt gewesen sei. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass 

er die geltend gemachte Ermordung seines Bruders sowie den Anschlag 

auf das Haus der Familie im Jahr 2012 in keinen direkten Zusammenhang 

mit seiner Verfolgung gestellt habe. So habe er angegeben, der Bruder sei 

erschossen worden, als er versucht habe, vor den Taliban zu fliehen und 

deren Aufforderung, stehen zu bleiben, keine Folge geleistet habe. Weiter 

werde in der Beschwerdeschrift ausgeführt, dass er aufgrund seiner Über-

setzungstätigkeiten für die amerikanischen Streitkräfte angesichts der ak-

tuellen Entwicklungen in Afghanistan zu den besonders gefährdeten Per-

sonen gehöre. Der Verweis auf politische Entwicklungen und hypotheti-

sche Zukunftsszenarien reiche jedoch für die Annahme einer Verfolgungs-

gefahr nicht aus. Afghanistan befinde sich nach der faktischen Machtüber-

nahme der Taliban in einer Übergangsphase und es sei noch nicht vollstän-

dig absehbar, wie mit spezifischen Personengruppen umgegangen werde. 

Es gebe sowohl Hinweise dafür, dass die Taliban bestimmte Profile ins Vi-

sier nehmen würden, als auch Ankündigungen, die auf gemässigtere Posi-

tionen hindeuteten.  

4.4 In der Replik wurde geltend gemacht, die Vorinstanz lasse ausser Acht, 

dass vor den eigentlichen Anschlägen sowohl der Bruder als auch die ge-

samte Familie des Beschwerdeführers von den Taliban bedroht worden sei. 

Seine Aussagen würden nicht in den Gesamtkontext gestellt und es sei 

nicht nachvollziehbar, weshalb das SEM davon ausgehe, die Bedrohungs-

lage sowie die Angriffe seien unabhängig voneinander. Es greife zu kurz, 

wenn die Vorinstanz annehme, der Bruder sei nur deshalb getötet worden, 

weil er trotz der entsprechenden Aufforderung nicht stehengeblieben sei. 

Vielmehr gebe es zahlreiche Indizien, welche auf eine gezielte Verfolgung 

der Familie hinweisen würden. So hätten sowohl der Vater als auch der 

Bruder für die afghanischen Streitkräfte respektive die staatlichen Behör-

den gearbeitet und beide seien regelmässig bedroht worden. Die Tötung 

des Bruders und der Angriff auf das Haus der Familie sei vor dem Hinter-

grund des hohen politischen Profils der gesamten Familie zu betrachten. 

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Seite 11 

Der Beschwerdeführer sei auch nach diesen Anschlägen aufgrund seiner 

Tätigkeit als Übersetzer für die internationalen Streitkräfte im Fokus der 

Taliban geblieben. In den eingereichten Drohschreiben würden sowohl er 

selbst als auch sein Vater namentlich genannt. Es sei daher klar von einem 

direkten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bedrohungen be-

ziehungsweise Angriffen der Taliban auszugehen. Soweit die Vorinstanz 

darauf hinweise, politische Entwicklungen und hypothetische Zukunftssze-

narien reichten für eine Verfolgungsgefahr nicht aus, sei festzuhalten, dass 

bei einer Vorverfolgung die Regelvermutung einer begründeten Furcht vor 

künftiger Verfolgung greife. Der Beschwerdeführer habe glaubhaft darle-

gen können, dass sowohl er als auch seine Angehörigen von den Taliban 

verfolgt worden seien. Sodann würden die jüngsten Entwicklungen in Af-

ghanistan nicht darauf hindeuten, dass die Taliban ihre anfänglichen Ver-

sprechungen hinsichtlich gemässigterer Positionen umsetzen würden. Die 

vorgestellte Übergangsregierung bestehe aus einer sehr homogenen 

Gruppe – fast ausschliesslich Taliban, Kleriker und Paschtunen – und es 

gebe Berichte, wonach es zu Menschenrechtsverletzungen, darunter auch 

Hinrichtungen von Mitgliedern der ehemaligen Sicherheitskräfte, komme. 

In gewissen Provinzen hätten die Taliban inhaftierte Soldaten, Polizisten 

und Zivilisten mit angeblichen Verbindungen zur afghanischen Regierung 

nach summarischen Verfahren hingerichtet. Zahlreiche Länderberichte 

wiesen darauf hin, dass Übersetzer, welche für die internationalen Streit-

kräfte arbeiteten, von den Taliban als prioritäre Ziele eingestuft worden 

seien und es nach deren Machtübernahme zu entsprechenden Angriffen 

gekommen sei. Teilweise suchten die Taliban gezielt nach Personen, wel-

che "mit Ausländern zusammengearbeitet" hätten. Es gebe somit konkrete 

Hinweise, wonach der Beschwerdeführer zu einer Personengruppe ge-

höre, welche zum aktuellen Zeitpunkt einer Gefährdung ausgesetzt sei.  

5.  

5.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die 

asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlit-

ten hat, beziehungsweise solche im Falle einer Rückkehr in den Heimat-

staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be-

fürchten muss. Die Nachteile müssen der betroffenen Person gezielt und 

aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 

sein. Zudem muss die geltend gemachte Gefährdungslage aktuell sein 

(vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. m.H.). Ob eine begründete Furcht vor künfti-

ger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise 

zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete 

Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage 

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Seite 12 

Furcht vor einer Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Betrach-

tungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen 

um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits Ver-

folgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine aus-

geprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 

je m.w.H). 

5.2 Es wird vom SEM nicht in Frage gestellt, dass der Beschwerdeführer 

mehrere Jahre lang als Dolmetscher tätig war, insbesondere im Auftrag der 

ISAF respektive der US-Armee. Auch das Bundesverwaltungsgericht sieht 

keine Veranlassung, an diesem Vorbringen zu zweifeln. Seine Aussagen in 

diesem Zusammenhang waren konsistent und er legte in der Beschwerde-

eingabe detailliert dar, wie der Rekrutierungsprozess ablief, welche Trai-

nings er absolvierte und an welchen Orten er im Einsatz war. Zudem 

reichte er als Beweismittel Zugangskarten für die Camps (…) (Original) und 

(…) (Kopie) sowie drei Anerkennungsurkunden der US-Armee respektive 

der ISAF (Originale) ein (vgl. Beweismittelverzeichnis zu Vorhaben […] 

[nachfolgend BM-Verzeichnis], Beweismittel 2-6). Bei den Akten befinden 

sich auch drei Empfehlungsschreiben, in welchen dem Beschwerdeführer 

loyale und herausragende Dienste für die US-Armee attestiert werden. 

Weiter wird darin festgehalten, dass er aufgrund seines Einsatzes als Dol-

metscher von den Taliban sowie der lokalen Bevölkerung bedroht worden 

und sein Leben in Gefahr sei, sobald sich die internationalen Truppen zu-

rückgezogen hätten, weshalb er für das «Special Immigrant Visa»-Pro-

gramm vorgeschlagen werde (vgl. BM-Verzeichnis, Beweismittel 14-16). 

Vor diesem Hintergrund können ihm seine Angaben zur Tätigkeit als Dol-

metscher für die internationalen Streitkräfte geglaubt werden.  

5.3 Weiter erklärte der Beschwerdeführer, dass sein Vater als (…) für die 

Armee und später als (…) tätig gewesen sei (vgl. SEM-Akte […]-32/19 

[nachfolgend Akte 32], F32). Auch sein älterer Bruder sei bei der afghani-

schen Armee gewesen, aber bereits im Jahr 2012 von den Taliban erschos-

sen worden (vgl. Akte 32, F37 und F91 ff.). Er selbst sei von den Taliban 

ebenfalls bedroht worden, weil er mit Ausländern zusammengearbeitet 

habe. So hätten ihn die Taliban zur Rechenschaft ziehen wollen, weil die 

ausländischen Streitkräfte sie angegriffen und ihre Mitglieder ins Gefängnis 

gebracht hätten. Aus Sicht der Taliban sei er an diesen Operationen betei-

ligt gewesen und sie hätten von ihm verlangt, dass er sich ihnen stelle und 

für diese Taten verurteilt werde (vgl. Akte 32, F98). Die Angaben des Be-

schwerdeführers zu den Drohungen durch die Taliban sind dabei in sich 

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schlüssig und nachvollziehbar. Angesichts der beruflichen Aktivitäten ver-

schiedener Familienmitglieder erscheint es naheliegend, dass die Familie 

ins Visier der Taliban geriet und anhaltenden Drohungen von deren Seite 

ausgesetzt war. Insbesondere der Vater verfügte aufgrund seines hohen 

Ranges bei der Armee sowie seines späteren politischen Amtes über ein 

hohes Profil. Im Länderkontext ist es plausibel, dass er deshalb mehrmals 

angegriffen und verletzt worden ist (vgl. Akte 32, F33). Zudem ereignete 

sich im Jahr 2012 ein direkter Angriff auf das Haus der Familie, bei dem die 

Mutter so schwer verletzt wurde, dass sie an den Spätfolgen verstarb (vgl. 

Akte 33, F35 f.). Folglich kamen mehrere enge Familienmitglieder des Be-

schwerdeführers durch die Hand der Taliban ums Leben. Hinsichtlich der 

Tötung des Bruders ist festzuhalten, dass letztlich unerheblich ist, ob er in 

erster Linie deshalb umgebracht wurde, weil er vor den Taliban weggerannt 

ist. Nach den vorangehenden Angriffen auf den Vater sowie den anhalten-

den Drohungen erscheint es nachvollziehbar, dass der Bruder in Panik ge-

riet, als er von den Taliban auf der Strasse angehalten wurde. Im Übrigen 

muss angenommen werden, dass er als Mitglied der afghanischen Nation-

alarmee wohl auch dann, wenn er nicht versucht hätte, zu fliehen, erhebli-

che Nachteile seitens der Taliban zu erwarten gehabt hätte. Insgesamt ist 

es glaubhaft, dass der Beschwerdeführer aus einer Familie stammt, von 

der mehrere Mitglieder für die afghanische Nationalarmee respektive die 

internationalen Streitkräfte tätig waren. Aus diesem Grund war die Familie 

stetigen Drohungen durch die Taliban ausgesetzt und es fanden verschie-

dene Angriffe statt, welche den Tod seiner Eltern sowie seines älteren Bru-

ders zur Folge hatten.  

5.4 Das SEM erachtet die geltend gemachte Bedrohungslage als nicht 

glaubhaft gemacht, da es insbesondere nicht nachvollziehbar sei, dass 

dem Beschwerdeführer – wenn die Taliban tatsächlich versucht hätten, ihn 

zu ermorden – in den Jahren 2014 bis 2018 nie etwas «Ernsthaftes» zuge-

stossen sei. Diese Auffassung greift indessen zu kurz. So legte der Be-

schwerdeführer anlässlich der Anhörung dar, dass er sich zeitweise inner-

halb Afghanistans versteckt habe und kaum nach Hause gegangen sei. 

Weiter erklärte er, dass er um die Sicherheit seines jüngeren Bruders und 

seiner Ehefrau gefürchtet habe und sogar seine Freunde belästigt und be-

droht worden seien (vgl. Akte 32, F75). Letzteres führte offenbar dazu, dass 

sein Umfeld den Kontakt zu ihm allmählich abbrach und er sich in einer 

zunehmend isolierten Situation wiederfand. Zudem erscheinen die in der 

Beschwerde genannten Schutzmassnahmen, namentlich das Engagieren 

von Leibwächtern und das Unterhalten von engen Beziehungen zu Freun-

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den seines Vaters aus dem Militär, welche wichtige Positionen bei den af-

ghanischen Behörden besetzt hätten und Sicherheitskräfte in die Region 

hätten entsenden können (vgl. Beschwerde Ziff. III/A.), geeignet, konkrete 

Angriffe der Taliban zu vermeiden respektive diese im Schach zu halten. 

Ferner kann vom Beschwerdeführer nicht erwartet werden, dass er darlegt, 

weshalb seine Verfolger nicht «entschlossener» gegen ihn vorgegangen 

seien. Mit welcher Intensität die Taliban von ihnen als Verräter betrachtete 

Personen verfolgen, kann von vielen Faktoren abhängen, etwa den ihnen 

zur Verfügung stehenden Ressourcen, den lokalen Machtverhältnissen 

oder der Präsenz von Sicherheitskräften in der Umgebung. Soweit es das 

SEM als nicht nachvollziehbar erachtet, dass der Beschwerdeführer seinen 

Heimatort nie vollständig verlassen habe, wird in der Beschwerde zu Recht 

auf die ergriffenen Schutzmassnahmen sowie den Umstand hingewiesen, 

dass sich seine Familie und sein soziales Umfeld dort befand. Bei dieser 

Sachlage ist es durchaus vorstellbar, dass er anfänglich davon ausging, 

das Risiko eines (weiteren) Angriff der Taliban könne zumindest begrenzt 

werden und die Lage werde sich allenfalls verbessern. Ebenso erscheint 

es nachvollziehbar, dass seine Befürchtungen, Opfer eines Anschlags zu 

werden, mit dem zunehmenden Einfluss der Taliban, den Drohungen ge-

genüber seinen Freunden und der damit verbundenen sozialen Isolierung 

mit der Zeit grösser wurden.  

5.5 Weiter ist es aus Sicht des SEM nicht glaubhaft, dass der Beschwer-

deführer im Jahr 2018 von den Taliban angeschossen wurde. Das entspre-

chende Vorbringen sei wenig substanziiert und nicht erlebnisgeprägt ge-

schildert worden. Zudem sei fragwürdig, warum die Bedrohungen nach 

dem Angriff, rund drei Monate bevor er geflohen sei, aufgehört haben soll-

ten. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer detailliert 

darlegte, in welcher Situation er sich befand, als der Angriff der Taliban er-

folgte. Er legte in diesem Zusammenhang unwesentliche Nebensächlich-

keiten dar, etwa dass er auf den Bazar gegangen sei, um Geld zu wechseln 

und einzukaufen, dass der Bazar rund fünf Kilometer entfernt sei und es 

auf dem Heimweg eine Stelle gebe, welche langsam befahren werden 

müsse, weil es einen Graben zu queren gelte. Genau an dieser Stelle sei 

auf ihn geschossen worden, wobei es ihm gelungen sei, in verletztem Zu-

stand zu Fuss zu fliehen. Etwas entfernt habe er sich verstecken können 

und mitbekommen, wie die Angreifer per Walkie-Talkie gesprochen hätten, 

bevor sie weggegangen seien. Daraufhin habe er seinen Schwiegervater 

kontaktiert, welcher mit seinen Cousins gekommen sei, um ihn abzuholen 

(vgl. Akte 32, F79). Diese Schilderung ist entgegen der Auffassung des 

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Seite 15 

SEM nicht als unsubstanziiert anzusehen. Bei der Beurteilung der Aussa-

gen des Beschwerdeführers ist überdies zu beachten, dass bei ihm eine 

(…) sowie eine PTBS diagnostiziert wurden. Gemäss fachärztlicher Ein-

schätzung sind diese Erkrankungen als solche sowie ihre konkrete Ausprä-

gung im Fall des Beschwerdeführers geeignet, sein Aussageverhalten zu 

beeinflussen und etwa dazu zu führen, dass traumatische Erlebnisse un-

erwähnt blieben oder (affektiv) oberflächlich geschildert würden (vgl. zum 

Ganzen Bericht der (…) vom 26. September 2022, insb. S. 12 f.). Weiter 

erscheint der Zeitraum von drei Monaten zwischen diesem Angriff und dem 

Verlassen des Herkunftsdorfes nicht allzu lange, sodass es nicht als frag-

würdig erachtet werden kann, dass es in dieser Zeit nicht zu weiteren Be-

drohungen seitens der Taliban gekommen ist. Zudem wurde in der Be-

schwerde zu Recht darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer auf-

grund seiner Verletzungen rund einen Monat zu Hause blieb und den Tali-

ban möglicherweise nicht bekannt war, wie ernsthaft er beim Angriff verletzt 

worden war. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist es daher als glaubhaft 

anzusehen, dass es im Jahr 2018 zu einem gezielten Angriff auf seine Per-

son gekommen ist.  

5.6 Länderberichte verschiedener internationaler Organisationen und Or-

gane halten fest, dass Personen mit bestimmten Profilen in Afghanistan 

einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter an-

derem Personen, welche der afghanischen Regierung oder der internatio-

nalen Gemeinschaft inklusive den internationalen Militärkräften naheste-

hen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden (vgl. UNITED 

NATIONS HIGH COMMISSIONER FOR REFUGEES [UNHCR], Guidance Note on 

the International Protection Needs of People Fleeing Afghanistan, Update 

1, February 2023, Ziff. 16; UNITED NATIONS GENERAL ASSEMBLY SECURITY 

COUNCIL, The situation in Afghanistan and its implications for international 

peace and security, Report oft he Secretary-General, 27.02.2023, Ziff. II/3.; 

HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2023 – Afghanistan, 

www.hrw.org/world-report/2023/country-chapters/afghanistan; EUROPEAN 

UNION AGENCY FOR ASYLUM [EUAA], Afghanistan – Targeting of Individuals, 

August 2022, alle abgerufen am 21.04.2023). Auch afghanische Staatsan-

gehörige, welche als Dolmetscher für westliche – insbesondere amerikani-

sche – Sicherheitskräfte tätig waren, gelten als besonders gefährdet (vgl. 

UK HOME OFFICE, Country Policy and Information Note, Afghanistan: Fear 

of the Taliban, Version 3.0, April 2022, Ziff. 6.3). Im jüngsten Update zur 

Situation in Afghanistan hält die EUAA daran fest, dass die gezielten Ver-

folgungshandlungen der Taliban gegen Personen, welche von ihnen als 

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Seite 16 

den internationalen Truppen nahstehend identifiziert werden, asylbeachtli-

cher Verfolgung gleichkommen und die Betroffenen noch immer eine be-

gründete Furcht vor drohender Verfolgung in Afghanistan haben müssen 

(vgl. EUAA, Country Guidance: Afghanistan, Januar 2023, Ziff. 3.3., 

S. 58 f.). Auch das Bundesverwaltungsgericht geht davon aus, dass für 

Personen mit einschlägigem Profil seit dem vollständigen Abzug der aus-

ländischen Streitkräfte und der im August 2021 erfolgten Machtübernahme 

durch die Taliban weiterhin ein erhöhtes Verfolgungsrisiko besteht.  

5.7 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass sowohl der Beschwer-

deführer als auch mehrere seiner engsten Angehörigen für die afghani-

schen Behörden, die nationale Armee beziehungsweise die internationalen 

Streitkräfte gearbeitet haben. Damit weisen sie bereits ein erhöhtes Risi-

koprofil auf. Zudem geriet die Familie schon vor längerer Zeit ins Visier der 

Taliban und wurde anhaltend bedroht. Schliesslich kamen die Eltern sowie 

der ältere Bruder aufgrund von Verletzungen, welche ihnen durch die Tali-

ban zugefügt wurden, ums Leben. Zwar gelang es dem Beschwerdeführer, 

sich durch zeitweiliges Untertauchen und andere Schutzmassnahmen über 

einen gewissen Zeitraum konkreten Verfolgungshandlungen der Taliban zu 

entziehen. Zuletzt wurde er aber ebenfalls Opfer eines Angriffs. Bei den 

aktuellen Machtverhältnissen in Afghanistan kontrollieren nun die Verfolger 

das gesamte Staatsgebiet. Zudem könnte er nicht mehr auf die früheren 

einflussreichen Kontakte seines Vaters respektive von diesem entsandte 

Sicherheitskräfte zurückgreifen. Ein systematisches Vorgehen der Taliban 

gegen Personen, welche für die Sicherheitskräfte der vormaligen Regie-

rung gearbeitet haben, ist zwar nicht erstellt. Vorliegend ist jedoch zu be-

achten, dass ein erhöhtes Risiko besteht, da bereits mehrere konkrete Ver-

folgungshandlungen gegen den Beschwerdeführer respektive dessen Fa-

milie erfolgt sind. Zudem bekleidete sein Vater einen hohen Rang in der 

Armee und war später als (…) tätig, womit er einen gewissen Bekanntheits-

grad erreicht haben dürfte. Entsprechend waren sowohl seine Tätigkeiten 

als auch jene seiner Söhne in der Umgebung bekannt und die Dorfbewoh-

ner wussten ebenso davon wie die Taliban. Vor diesem Hintergrund er-

scheint es als wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer, dessen Verfol-

ger nach ihrer Machtübernahme die völlige Kontrolle übernommen haben 

und deshalb von niemandem daran gehindert werden können, gegen miss-

liebige Personen vorzugehen, bei einer Rückkehr erneut in deren Visier 

geraten würde. Nachdem er bekanntermassen für die amerikanischen 

Streitkräfte im Einsatz war, ist er eine Person, die besonders im Fokus der 

Taliban steht und entsprechende Verfolgungsmassnahmen zu befürchten 

hat. Der Beschwerdeführer erklärte, seine Zusammenarbeit mit Ausländern 

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Seite 17 

sei aus Sicht der Taliban eine Sünde und er werde als Ungläubiger ange-

sehen (vgl. Akte 32, F87). Die drohende Verfolgung erfolgt damit aus poli-

tischen respektive religiösen Gründen und beruht entsprechend auf einem 

der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive.  

5.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Furcht des Beschwerdeführers 

vor einer Verfolgung durch die Taliban begründet ist, womit er die Flücht-

lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Aus den Akten gehen 

keine Anhaltspunkte für das Vorliegen von Asylausschlussgründen gemäss 

Art. 53 AsylG hervor.  

6.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene 

Verfügung ist aufzuheben und die Vorinstanz ist anzuweisen, den Be-

schwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und ihm in der Schweiz Asyl 

zu gewähren.  

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind – ungeachtet der am 19. Ok-

tober 2021 gewährten unentgeltlichen Prozessführung – keine Kosten zu 

erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens eine Partei-

entschädigung zuzusprechen, wobei nur der notwendige Aufwand zu ent-

schädigen ist (vgl. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom 

12. Oktober 2021 eine Honorarnote ein, in welcher sie einen Aufwand von 

rund 30 Stunden à Fr. 200.– sowie Auslagen in Höhe von Fr. 41.60 (für 

Kopien und Porti) geltend machte. Danach folgten weitere Eingaben, ins-

besondere die Replik vom 3. Dezember 2021 sowie das Nachreichen eines 

Arztberichts am 4. Oktober 2022. Der Stundenansatz ist angemessen und 

bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Demgegenüber ist der 

zeitliche Aufwand im Vergleich zu ähnlichen Fällen als überhöht zu erach-

ten und entsprechend zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer für das 

Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht zu Lasten der Vorinstanz 

eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 3'850.– (inklusive Auslagen) 

zuzusprechen.  

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die vorinstanzliche Verfügung vom 23. August 2021 wird aufgehoben und 

das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Dem Beschwerdeführer wird für das Verfahren vor dem Bundesverwal-

tungsgericht eine Parteientschädigung zulasten des SEM in Höhe von 

Fr. 3'850.– zugesprochen.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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