# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 398e2a9e-b32a-577d-906f-672126773f08
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 11.04.2025 WBE.2024.236
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2024-236_2025-04-11.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2024.236 / sp / we 
ZEMIS [***]; (E.2024.018)  

Art. 10 

 

Urteil vom 11. April 2025 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Clavadetscher  

Verwaltungsrichter Ch. Huber  

Gerichtsschreiberin Peter      

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 B._____, von Bosnien und Herzegowina 

vertreten durch Dr. iur. Kenad Melunovic, Rechtsanwalt, 

Buchserstrasse 12, Postfach, 5001 Aarau    

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung 

und Wegweisung 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 28. Mai 2024 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der 1964 geborene Beschwerdeführer, Staatsangehöriger von Bosnien 

und Herzegowina, reiste am 30. Dezember 1992 in die Schweiz ein und 

stellte am selben Tag ein Gesuch um Asyl, welches am 11. Januar 1993 

gutgeheissen wurde (Akten des Amts für Migration und Integration [MI-

act.] 3, 9). In der Folge wurde dem Beschwerdeführer als anerkannter 

Flüchtling eine Aufenthaltsbewilligung erteilt [MI-act. 17]. Seit dem 11. De-

zember 1997 ist er im Besitz der Niederlassungsbewilligung (MI-act. 50).  

 

Am 10. Juli 2009 heiratete der Beschwerdeführer in Q._____ die 1964 

geborene kroatische Staatsangehörige C._____ (MI-act. 103 f.). Die Ehe 

wurde am 11. Dezember 2015 geschieden (MI-act. 144).  

 

Der Beschwerdeführer beschaffte sich einen heimatlichen Reisepass und 

verzichtete mit Erklärung vom 9. Februar 2015 auf das ihm in der Schweiz 

gewährte Asyl und die Flüchtlingseigenschaft. In der Folge stellte das 

Staatssekretariat für Migration (SEM) mit Verfügung vom 18. Februar 2015 

fest, dass das dem Beschwerdeführer in der Schweiz gewährte Asyl erlo-

schen sei und er nicht mehr als Flüchtling gelte (MI-act. 136 ff., 140 ff.). 

 

In den Jahren 1996 bis 2019 wurde der Beschwerdeführer wie folgt straf-

rechtlich verurteilt:  

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 15. November 1996 wegen ge-

ringfügiger Hehlerei; Verurteilung zu einer Busse von Fr. 1'000.00 (MI-

act. 37); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 10. September 1997 wegen 

Nichtmitführens der Ausweispapiere als Ausländer; Verurteilung zu 

einer Busse von Fr. 50.00 (MI-act. 46); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 4. Januar 1999 wegen Nicht-

tragens des Sicherheitsgurtes; Verurteilung zu einer Busse von 

Fr. 60.00 (MI-act. 54); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 14. Mai 2001 wegen Ungehor-

sams im Betreibungsverfahren; Verurteilung zu einer Busse von 

Fr. 100.00 (MI-act. 66); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 27. August 2001 wegen Wider-

handlung gegen das Eidgenössische Transportgesetz; Verurteilung zu 

einer Busse von Fr. 50.00 (MI-act. 67); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 18. März 2004 wegen gering-

fügigen Diebstahls; Verurteilung zu einer Haftstrafe von fünf Tagen und 

einer Busse von Fr. 200.00 (MI-act. 77 f.); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 12. August 2004 wegen Wider-

handlung gegen das Eidgenössische Transportgesetz; Verurteilung zu 

einer Busse von Fr. 80.00 (MI-act. 79 f.); 

 - 3 - 

 

 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 24. November 2006 wegen 

Diebstahls und Hausfriedensbruchs; Verurteilung zu einer Gefängnis-

strafe von fünf Tagen und einer Busse von Fr. 200.00 (MI-act. 81 f.); 

- Strafbefehl des Bezirksamts Aarau vom 26. März 2009 wegen Förde-

rung des rechtswidrigen Aufenthaltes in der Schweiz; Verurteilung zu 

einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 110.00 (MI-act. 100 f.); 

- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 3. April 2014 

wegen mehrfacher Drohung; Verurteilung zu einer Geldstrafe von 

20 Tagessätzen zu je Fr. 60.00 (MI-act. 125 ff.); 

- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 25. Juli 2019 

wegen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursver-

fahren; Verurteilung zu einer Busse von Fr. 300.00 (MI-act. 147 f.); 

 

Zusätzlich zu den strafrechtlichen Verurteilungen ordnete das Bezirksamt 

Q._____ in den Jahren 1998 bis 2007 in sechs weiteren Strafbefehlen die 

Umwandlung von Bussen in Haftstrafen von insgesamt 15 Tagen an, weil 

der Beschwerdeführer die ihm auferlegten Bussen schuldhaft nicht bezahlt 

hatte (MI-act. 52, 54, 68 f., 83 f., 89 f.).  

 

Der Beschwerdeführer bezog vom 1. Mai 2000 bis 15. März 2002, vom 

1. Januar bis September 2009 und vom 1. Januar bis 20. Oktober 2010 

Sozialhilfe. Seit dem 12. März 2013 ist er ununterbrochen auf materielle 

Hilfe angewiesen (MI-act. 93 ff., 110 f., 173 f., 209 f., 215 ff.). Gemäss der 

Auskunft der Sozialen Dienste der Stadt Q._____ belief sich der Saldo der 

bezogenen Leistungen per 14. Dezember 2023 auf Fr. 374'473.00 (MI-

act. 218).  

 

Mit Verfügung vom 30. Januar 2023 lehnte die IV-Stelle der Sozialversiche-

rungsanstalt (SVA) Aargau das Gesuch um Zusprache einer Invalidenrente 

ab (MI-act. 192 ff.). Auch ein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmass-

nahmen verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. März 2023 (MI-

act. 199 ff.). 

 

Gemäss dem Betreibungsregisterauszug des Regionalen Betreibungsamts 

R._____ vom 19. April 2023 lagen gegen den Beschwerdeführer insgesamt 

20 nicht getilgte Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 14'821.10 sowie 

weitere offene Verlustscheine und Betreibungen im Gesamtbetrag von 

Fr. 6'245.55 vor (MI-act. 207 f.). 

 

Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (MI-act. 211 ff.) widerrief das 

MIKA mit Verfügung vom 29. Januar 2024 die Niederlassungsbewilligung 

des Beschwerdeführers und wies diesen unter Ansetzung einer 90-tägigen 

Ausreisefrist nach Rechtskraft der Verfügung aus der Schweiz weg (MI-

act. 219 ff.). 

 

 - 4 - 

 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA liess der Beschwerdeführer mit Eingabe 

seines Rechtsvertreters vom 29. Februar 2024 beim Rechtsdienst des 

MIKA (Vorinstanz) Einsprache erheben (MI-act. 237 ff.). 

 

Am 28. Mai 2024 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 

(act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

C. 

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. Juni 2024 erhob der Be-

schwerdeführer beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-

tungsgericht) Beschwerde und stellte folgende Anträge (act. 14 ff.): 

 

1. 
Der Einspracheentscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres, 
Amt für Migration und Integration, Kanton Aargau, vom 28. Mai 2024 sei 
aufzuheben und die Verfügung des Amtes für Migration und Integration 
vom 29. Januar 2024 (ZEMIS-Nr.: [***]) sei aufzuheben und auf einen 
Widerruf der Niederlassungsbewilligung und eine Wegweisung sei zu ver-
zichten; 
 
2. 
Dem Beschwerdeführer sei die Niederlassungsbewilligung maximal mög-
lich zu verlängern bzw. weiterhin maximal möglich zu belassen; 
 
3. 
Unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8.1 % MWST) zu Lasten 
des Staates. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses reichte die Vorinstanz aufforde-

rungsgemäss die Akten ein und beantragte unter Festhaltung an ihren Er-

wägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Be-

schwerde (act. 53 f., 57).  

 

 - 5 - 

 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. 

§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1.  

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Der Beschwerdeführer beantragt mit seiner Beschwerde unter anderem, 

seine Niederlassungsbewilligung sei zu verlängern. Die Niederlassungs-

bewilligung wird jedoch unbefristet erteilt (Art. 34 Abs. 1 des Bundesge-

setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 

vom 16. Dezember 2005 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen 

und Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Auslän-

der- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20), weshalb eine Verlängerung 

der Niederlassungsbewilligung nicht in Betracht kommt. Der ent-

sprechende Antrag ist so zu verstehen, dass auf den Widerruf der Nieder-

lassungsbewilligung zu verzichten sei. Wird die Beschwerde gutgeheissen, 

bleibt die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers bestehen. 

 

Überdies beantragt der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde die Auf-

hebung der Verfügung des MIKA vom 29. Januar 2024. Das Verwaltungs-

gericht kann eine Verfügung des MIKA selbst bei Gutheissung einer Be-

schwerde nicht aufheben. Anfechtungsobjekt ist gemäss § 9 Abs. 1 EGAR 

einzig der Einspracheentscheid der Vorinstanz. Auf den entsprechenden 

Antrag ist deshalb nicht einzutreten. 

 

Nachdem sich die Beschwerde im Übrigen gegen den Einspracheentscheid 

der Vorinstanz vom 28. Mai 2024 richtet, ist die Zuständigkeit des Verwal-

tungsgerichts gegeben. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist daher, unter Beachtung der vorstehenden Präzisierung, ein-

zutreten. 

 

 - 6 - 

 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Be-

stimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungs-

gericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder 

Missbrauch des Ermessens und unrichtige oder unvollständige Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessens-

überprüfung steht dem Verwaltungsgericht jedoch grundsätzlich nicht zu 

(§ 9 Abs. 2 EGAR). Schranke der Ermessensausübung bildet das Verhält-

nismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER/ANNE KNEER, in: MARTINA 

CARONI/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bun-

desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 

[AIG], 2. Aufl., Bern 2024, N. 6 zu Art. 96 AIG mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 AIG relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche Ver-

hältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei ge-

wichtet wurden (vgl. SCHINDLER/KNEER, a.a.O., N. 8 zu Art. 96 AIG). 

Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob 

die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse 

gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

II. 

1.  

1.1.  

Die Vorinstanz hält im Einspracheentscheid fest, die Niederlassungsbewil-

ligung des Beschwerdeführers sei zu widerrufen und er sei aus der Schweiz 

wegzuweisen, da er aufgrund seiner Sozialhilfeabhängigkeit den Wider-

rufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG erfülle. Hierzu führt die 

Vorinstanz im Wesentlichen aus, der Saldo der vom Beschwerdeführer be-

zogenen Sozialhilfe belaufe sich per 14. Dezember 2023 auf 

Fr. 374'473.00 und sei seither weiter angewachsen. Damit liege ein erheb-

licher Sozialhilfebezug vor. Der Beschwerdeführer beziehe nun schon seit 

vielen Jahren Sozialhilfe und es sei davon auszugehen, dass er weiterhin 

und damit dauerhaft finanziell unterstützt werden müsse. So führe der Be-

schwerdeführer aus, ihm sei es wegen physischen und psychischen Prob-

lemen schon seit vielen Jahren nicht mehr möglich, am Wirtschaftsleben 

teilzunehmen. Die Arbeitssuche erweise sich aufgrund seiner kognitiven 

Schwächen als schwierig. Vor diesem Hintergrund – so die Vorinstanz – 

falle die Prognose schlecht aus und die Dauerhaftigkeit des Sozialhilfebe-

zugs sei zu bejahen. 

 

Angesichts des langjährigen und erheblichen Sozialhilfebezugs sowie der 

nach einer Pensionierung weiterhin drohenden Belastung der öffentlichen 

Finanzen durch den Bezug von Ergänzungsleistungen resultiere ein sehr 

grosses öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung. 

Die zahlreichen Verstösse des Beschwerdeführers gegen die Rechtsord-

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nung würden das festgestellte sehr grosse öffentliches Interesse unterstrei-

chen. Zwar leide der Beschwerdeführer unter gewissen gesundheitlichen 

Problemen, welche aber weder aus ärztlicher noch aus sozialversiche-

rungsmedizinischer Sicht eine mehr als nur kurzzeitige Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit verursacht hätten. Damit habe es in den letzten elf Jahren 

keine medizinischen Gründe für die mangelnde Teilnahme des Beschwer-

deführers am Wirtschaftsleben gegeben. Der Sozialhilfebezug erweise sich 

als selbstverschuldet und sei dem Beschwerdeführer vorwerfbar. Die sehr 

lange Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz begründe 

ein grundsätzlich sehr grosses privates Interesse an einem weiteren Ver-

bleib. Aufgrund seiner schlechten Integration in der Schweiz sei aber nur 

noch von einem mittleren privaten Interesse auszugehen. Die familiäre 

Situation des Beschwerdeführers führe zu keiner Erhöhung des privaten 

Interesses. Die medizinische Grundversorgung des Beschwerdeführers 

wäre auch bei einer Rückkehr in seine Heimat sichergestellt. Eine 

Reintegration in seiner Heimat dürfte dem Beschwerdeführer aufgrund 

seines Alters, seiner bereits in der Schweiz mangelhaften sozialen Integra-

tion, seiner langjährigen Arbeitslosigkeit und angesichts seiner gesundheit-

lichen Beschwerden in allen Belangen nicht leichtfallen. Dies führe zu einer 

Erhöhung des privaten Interesses. Im Ergebnis überwiege schliesslich das 

sehr grosse öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilli-

gung und der Wegweisung das grosse private Interesse des Beschwerde-

führers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz. Die aufenthaltsbe-

endende Massnahme erweise sich somit als verhältnismässig. 

 

1.2.  

Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den 

Standpunkt, zwar liege im Grundsatz ein Widerrufsgrund vor, der Widerruf 

der Niederlassungsbewilligung erweise sich indessen als nicht verhältnis-

mässig. Der Beschwerdeführer halte sich nun seit mehr als 20 Jahren in 

der Schweiz auf. Bis zur Gesetzesänderung vor sechs Jahren sei sein Auf-

enthaltsstatus durch den Sozialhilfebezug nicht gefährdet gewesen. Auf-

grund des Vertrauens in die zuvor bestehende Rechtsgrundlage, welche 

angesichts des Grundsatzes von Treu und Glauben auch unter neuem 

Recht Geltung habe, vermöge der Sozialhilfebezug des Beschwerdefüh-

rers allein den Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht zu rechtferti-

gen. Das öffentliche Interesse an einer Wegweisung erweise sich sodann 

bloss als eher gering. So habe sich der Beschwerdeführer in jeder Hinsicht 

vorbildlich verhalten und zu keinen Klagen Anlass gegeben. Der Beschwer-

deführer trage auch kein Verschulden an seiner Sozialhilfeabhängigkeit. 

Nur weil er einen negativen Entscheid der Invalidenversicherung (IV) be-

treffend Zusprache einer Rente erhalten habe, könne nicht auf einen selbst-

verschuldeten Bezug von Sozialhilfe geschlossen werden. Für das Vorlie-

gen einer dauernden Erwerbsunfähigkeit seien hohe Anforderungen zu er-

füllen. Hinzu komme, dass die gesundheitlichen Probleme des Beschwer-

deführers nicht nur auf den im Jahr 2019 erlittenen Herzinfarkt und den im 

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Jahr 2020 erlittenen Schlaganfall zurückzuführen seien. Aufgrund seiner 

Tätigkeit auf Baustellen leide er noch an weiteren physischen Defiziten. 

Auch habe er psychische Probleme, namentlich eine Traumafolgestörung 

infolge politischer Gefangenschaft während des Krieges in seiner Heimat. 

Das öffentliche Interesse erweise sich daher bloss als gering und sei 

höchstens als moderat einzustufen. Der Beschwerdeführer lebe nun seit 

über 30 Jahren in der Schweiz. Hier habe er viele langjährige Freunde. 

Auch spreche er problemlos Schweizer- und Hochdeutsch, was die Sozia-

len Dienste bestätigen würden. Seine gesundheitlichen Probleme und nun 

auch sein fortgeschrittenes Alter würden eine erneute berufliche und damit 

auch eine wirtschaftliche Integration erschweren. Zwar spreche der Be-

schwerdeführer die Sprache in seinem Heimatland, mit den dortigen nach 

dem Krieg herrschenden Gepflogenheiten sei er indessen nicht vertraut. 

Eine Eingliederung im dortigen Arbeitsmarkt sei nicht möglich. Das Für-

sorge- und Gesundheitssystem in seinem Heimatland weise schwerwie-

gende Mängel auf, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr 

einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt wäre. Der Aufbau eines neuen 

sozialen Beziehungsnetzes in seinem Heimatland sei dem Beschwerdefüh-

rer aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und angesichts seiner gesund-

heitlichen Probleme nicht möglich und nicht zumutbar. Das private Inte-

resse des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz erweise 

sich daher als sehr gross und der Widerruf der Niederlassungsbewilligung 

sei somit nicht verhältnismässig. 

 

2.  

2.1.  

2.1.1.  

2.1.1.1.  

Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG kann eine Niederlassungsbewilligung 

widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Ausländer oder eine 

Person, für die sie oder er zu sorgen hat, dauerhaft und in erheblichem 

Mass auf Sozialhilfe angewiesen ist. Im Gegensatz zum Widerrufsgrund 

von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG muss die Sozialhilfeabhängigkeit also dauerhaft 

und erheblich sein, um den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG zu 

erfüllen. 

 

2.1.1.2.  

Im Sinne eines abstrakten Richtwerts hat das Bundesgericht wiederholt 

festgehalten, dass bereits ein Sozialhilfebezug von Fr. 50'000.00 als erheb-

lich gelten kann (Urteile des Bundesgerichts 2C_40/2023 vom 31. Juli 

2023, Erw. 3.3, 2C_181/2022 vom 15. August 2022, Erw. 6.2, 

2C_716/2021 vom 18. Mai 2022, Erw. 2.2.1, 2C_813/2019 vom 5. Februar 

2020, Erw. 2.3; 2C_263/2016 vom 10. November 2016, Erw. 3.1.3, und 

2C_1085/2015 vom 23. Mai 2016, Erw. 4.3 m.w.H.). Konkret hat es bei-

spielsweise in folgenden Konstellationen eine erhebliche Sozialhilfeab-

hängigkeit angenommen: 

 - 9 - 

 

 

 

- Bezug von rund Fr. 44'000.00 Sozialhilfe für eine Einzelperson während 

eines Zeitraums von weniger als drei Jahren (Urteil des Bundesgerichts 

2C_1122/2015 vom 12. Januar 2016, Erw. 4.1); 

- Fr. 83'000.00 für eine Einzelperson während weniger als vier Jahren 

(Urteil des Bundesgerichts 2C_173/2017 vom 19. Juni 2017, Erw. 4.2); 

- rund Fr. 97'000.00 für ein Ehepaar während ca. zwei Jahren (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_642/2019 vom 4. November 2019, Erw. 3.2);  

- rund Fr. 109'000.00 für ein Ehepaar während mehr als fünf Jahren (Ur-

teil des Bundesgerichts 2C_837/2017 vom 15. Juni 2018, Erw. 6.3);  

- rund Fr. 182'000.00 für eine fünfköpfige Familie während mehr als acht 

Jahren (Urteil des Bundesgerichts 2C_775/2017 vom 28. März 2018, 

Erw. 4.1); 

- über Fr. 345'000.00 für eine sechsköpfige Familie während fünf Jahren 

(Urteil des Bundesgerichts 2C_260/2017 vom 2. November 2017, 

Erw. 3.4). 

 

Zu erwähnen bleiben im Zusammenhang mit der Voraussetzung der erheb-

lichen Sozialhilfeabhängigkeit die revidierten Bestimmungen der Voll-

ziehungsverordnung zum Ausländer- und Integrationsrecht vom 14. No-

vember 2007 (VAIR; SAR 122.315), welche am 1. Januar 2021 in Kraft ge-

treten sind (bis dahin: Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 und seinen Aus-

führungsbestimmungen 14. November 2007 [VAuG; SAR 122.315]). Seit 

dem 1. Januar 2021 definiert § 6 Abs. 4 lit. b VAIR Schwellenwerte von 

Fr. 40'000.00 und Fr. 80'000.00 pro sozialhilferechtliche Unterstützungs-

einheit, ab deren Erreichung das MIKA für ausländische Personen mit Nie-

derlassungsbewilligung eine Verwarnung bzw. einen Bewilligungsentzug 

zu prüfen hat. Als sozialhilferechtliche Unterstützungseinheit gelten ge-

mäss § 32 Abs. 3 der Sozialhilfe- und Präventionsverordnung vom 28. Au-

gust 2002 (SPV; SAR 851.211) Ehepaare sowie Familien im gleichen 

Haushalt. Nicht zur Unterstützungseinheit gehören insbesondere volljäh-

rige Kinder mit eigenem Unterstützungsbudget, Personen in einer Wohn- 

und Lebensgemeinschaft sowie Einzelpersonen im Haushalt einer Unter-

stützungseinheit. Da eine förmliche migrationsrechtliche Verwarnung von 

Gesetzes wegen erst in Betracht kommt, wenn sich die mit der Verwarnung 

anzudrohende Massnahme als begründet erweist (Art. 96 Abs. 2 AIG), ist 

§ 6 Abs. 4 lit. b VAIR so zu verstehen, dass das MIKA ab einer saldierten 

Bezugshöhe von Fr. 40'000.00 pro Unterstützungseinheit von einer erheb-

lichen Sozialhilfeabhängigkeit im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG aus-

gehen soll. Mit Blick auf die vorstehend dargelegte Rechtsprechung dürfte 

sich ein Schwellenwert von Fr. 40'000.00 für eine Unterstützungseinheit 

knapp mit der bundesgerichtlichen Auslegung des unbestimmten Rechts-

begriffs der erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit vereinbaren lassen. Mithin 

dürfte die entsprechende Anwendung eines solchen Schwellenwerts im 

konkreten Einzelfall jeweils zu einer bundesrechtskonformen Beurteilung 

 - 10 - 

 

 

der Erheblichkeit im Sinne von Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG führen. Werden 

durch einen Sozialhilfebezug indes mehrere Personen unterstützt, wie dies 

namentlich bei Ehepaaren oder Familien mit minderjährigen Kindern der 

Fall ist, oder besteht eine Unterstützungseinheit aus mehreren potenziell 

erwerbstätigen Personen, beschlägt dies nicht die Frage der Begründetheit 

der Massnahme. Vielmehr sind diese Umstände im Rahmen der Verhält-

nismässigkeit zu berücksichtigen.  

 

Nicht unter die Sozialhilfe im technischen Sinne fallen grundsätzlich 

Sozialversicherungsleistungen, einschliesslich Ergänzungsleistungen zur 

Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (BGE 149 II 1, Erw. 4.5 

bezüglich Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG; Urteile des Bundesgerichts 2C_458/2019 

vom 27. September 2019 Erw. 3.2 mit Hinweisen, 2C_642/2022 vom 

7. Februar 2023, Erw. 3.3.2 bezüglich Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG). Der Bezug 

solcher Leistungen vermag daher Widerrufsgründe von Art. 62 Abs. 1 lit. e 

und Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG grundsätzlich nicht zu erfüllen (vgl. Entscheid 

des Verwaltungsgerichts WBE.2021.474 vom 6. März 2023, Erw. II/3.2.2). 

 

2.1.1.3.  

Neben einer im Saldo erheblichen Bezugshöhe setzt der Widerrufsgrund 

der Sozialhilfeabhängigkeit gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG voraus, dass 

die fragliche Person oder die fraglichen Personen dauerhaft auf Sozialhilfe 

angewiesen ist bzw. sind. Das bedeutet, es muss eine konkrete Gefahr zu-

künftiger Fürsorgeabhängigkeit bestehen; blosse finanzielle Bedenken ge-

nügen nicht. Mit der Entfernung einer ausländischen Person aus der 

Schweiz wegen Bedürftigkeit wird denn auch in erster Linie bezweckt, das 

Risiko einer künftigen Belastung der öffentlichen Fürsorge zu reduzieren. 

Eine Aufenthaltsbeendigung wegen Sozialhilfeabhängigkeit fällt folglich 

dann in Betracht, wenn die betroffene Person über einen längeren Zeitraum 

hinweg hohe finanzielle Fürsorgeleistungen erhalten hat und nicht mehr 

damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft längerfristig selbst für 

ihren Lebensunterhalt bzw. denjenigen ihrer Familie wird aufkommen kön-

nen. Ausgangspunkt der vorzunehmenden Zukunftsprognose sind die bis-

herigen und aktuellen Verhältnisse, aufgrund derer die wahrscheinliche 

finanzielle Entwicklung unter Berücksichtigung der realisierbaren Einkom-

mensaussichten des oder der Betroffenen sowie gegebenenfalls sämtlicher 

weiterer Familienmitglieder auf längere Sicht abzuwägen ist (Urteile des 

Bundesgerichts 2C_714/2018 vom 30. Januar 2019, Erw. 2.1 und 3.2.3, 

2C_458/2019 vom 27. September 2019, Erw. 3.2, und 2C_813/2019 vom 

5. Februar 2020, Erw. 2.2). Um im Rahmen der vorzunehmenden Zukunfts-

prognose berücksichtigt zu werden, müssen allfällige Erwerbsmöglichkei-

ten und ein damit verbundenes Einkommen belegt und mit einer gewissen 

Wahrscheinlichkeit sowie auf mehr als nur kurze Frist erhärtet sein (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 2C_43/2009 vom 4. Dezember 2009, Erw. 3.4.2 

mit Hinweisen). Mit anderen Worten ist zu beurteilen, ob weiterhin die kon-

 - 11 - 

 

 

krete Gefahr einer Sozialhilfeabhängigkeit besteht (Urteil des Bundesge-

richts 2C_536/2022 vom 13. Januar 2023, Erw. 3.5). 

 

2.1.1.4.  

Ob und, gegebenenfalls, inwieweit die betroffene Person ein Verschulden 

an der Sozialhilfeabhängigkeit trifft, beschlägt nicht die Frage nach dem 

Vorliegen des Widerrufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG, sondern 

ist im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berücksichtigen (Ur-

teile des Bundesgerichts 2C_716/2021 vom 18. Mai 2022, Erw. 2.2.1, 

2C_1115/2018 vom 31. Oktober 2019, Erw. 4.2; vgl. Art. 96 Abs. 1 AIG).  

 

2.1.1.5.  

Seit dem 1. Januar 2019 kann ein Bewilligungswiderruf nach Art. 63 Abs. 1 

lit. c AIG überdies auch bei hier niedergelassenen Personen angeordnet 

werden, welche bereits seit über 15 Jahren ordnungsgemäss in der 

Schweiz leben und altrechtlich vor einem entsprechenden Bewilligungs-

widerruf geschützt gewesen wären (Art. 63 Abs. 2 AuG). Bei der Beurtei-

lung, ob bei einer niederlassungsberechtigten ausländischen Person der 

Widerrufsgrund der dauerhaften und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit 

gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG erfüllt ist, dürfen grundsätzlich auch 

Sozialhilfebezüge mitberücksichtigt werden, die vor dem 1. Januar 2019 

und damit noch unter der Geltung des altrechtlichen Art. 63 Abs. 2 AuG 

erfolgt sind.  

 

Dem steht insbesondere auch das Rückwirkungsverbot nicht entgegen. 

Beim Zustandekommen einer dauerhaften und erheblichen Sozialhilfeab-

hängigkeit – wie sie Art. 63 AIG neu auch bei über 15 Jahren ordnungsge-

mässen Aufenthalts in der Schweiz als Widerrufsgrund für eine Niederlas-

sungsbewilligung vorsieht – handelt es sich um einen fortschreitenden Pro-

zess und damit um einen zeitlich offenen Dauersachverhalt, der sich bei 

anhaltendem Sozialhilfebezug sukzessive (weiter) verwirklicht. Wird bei 

einer niedergelassenen Person, die bis zum 1. Januar 2019 vor einem ent-

sprechenden Bewilligungswiderruf geschützt gewesen wäre, gestützt auf 

die neue Rechtslage überprüft, ob eine dauerhafte und erhebliche Sozial-

hilfeabhängigkeit vorliegt, und wird dabei auch auf Bezüge vor dem 1. Ja-

nuar 2019 abgestellt, liegt darin nach dem Gesagten eine unechte Rück-

wirkung. Eine solche ist im Zusammenhang mit der ausländerrechtlichen 

Bewilligung einer Person zulässig, zumal deren Erteilung kein wohlerwor-

benes Recht begründet (vgl. zum Ganzen BGE 133 II 97, Erw. 4.1, und 

126 V 134, Erw. 4; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allge-

meines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, N. 279, 283 ff.). 

Gleichwohl ist ein entsprechender Widerruf in solchen Fällen nur zurück-

haltend anzuordnen (vgl. MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS 

ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kom-

mentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 24 zu Art. 63 AIG). Mit an-

deren Worten bedarf es, damit der Widerrufsgrund des Sozialhilfebezugs 

 - 12 - 

 

 

bei Personen, welche bis zum 1. Januar 2019 seit mehr als 15 Jahren im 

Besitze der Niederlassungsbewilligung waren, eines erheblichen, nach 

dem 1. Januar 2019 erfolgten Sozialhilfebezugs. Dieser muss zudem 

dauerhaft im Sinne der Rechtsprechung sein (vgl. Entscheid des Verwal-

tungsgerichts WBE.2021.350 vom 13. März 2023, Erw. II/3.1.1). 

 

2.1.2.  

2.1.2.1.  

Der Beschwerdeführer musste vom 1. Mai 2000 bis zum 15. März 2002, 

vom 1. Januar bis im September 2009, vom 1. Januar bis zum 20. Oktober 

2010 mit Sozialhilfeleistungen unterstützt werden und ist seit 12. März 2013 

ununterbrochen auf Sozialhilfe angewiesen. Gemäss der Auskunft der So-

zialen Dienste der Stadt Q._____ beläuft sich der Saldo der bezogenen 

Leistungen per 14. Dezember 2023 auf Fr. 374'473.00 (MI-act. 218; siehe 

vorne lit. A). Einhergehend mit der vorinstanzlichen Erwägung (act. 5) ist 

damit im Sinne der dargelegten Praxis ohne Weiteres von einem erheb-

lichen Sozialhilfebezug auszugehen. Der Bezug von Sozialhilfe zwischen 

August 2020 und Ende April 2023 in der Höhe von rund Fr. 172'000.00 (So-

zialhilfesaldo per 27. April 2023 von Fr. 362'124.60 [MI-act. 173] abzüglich 

Sozialhilfesaldo per 4. August 2020 von Fr. 189'317.10 [MI-act. 209]) er-

reicht allein bereits ein Ausmass, welches die Prüfung ausländerrechtlicher 

Massnahmen rechtfertigt und betragsmässig als erheblich zu bezeichnen 

ist (siehe vorne Erw. II/2.1.1.2). Unter Berücksichtigung seines früheren 

Sozialhilfebezugs ist der nach dem 1. Januar 2019 erfolgte Bezug klarer-

weise bedeutend und für die Erwägung entsprechender Fernhaltemass-

nahmen schliesslich massgebend. So hat der Beschwerdeführer rund die 

Hälfte der per 14. Dezember 2023 aufgelaufenen Sozialhilfeleistungen erst 

nach dem 1. Januar 2019 bezogen. Der Beschwerdeführer kann deshalb 

aus der erst per 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Verschärfung der Ge-

setzeslage nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal ihm bereits vor der 

entsprechenden Gesetzesänderung bewusst sein musste, dass von ihm 

eine bessere Ausschöpfung seines Erwerbspotentials erwartet wird.  

 

2.1.2.2.  

Was die Dauerhaftigkeit des Sozialhilfebezugs anbelangt, ist zunächst fest-

zuhalten, dass der Beschwerdeführer bis zum heutigen Zeitpunkt insge-

samt während mehr als 15 Jahren und seit rund 12 Jahren ununterbrochen 

von der Sozialhilfe abhängig ist. Damit erweist sich das retrospektive 

Element der Dauerhaftigkeit als erfüllt. Auch ist damit zu rechnen, dass er 

in Zukunft auf Sozialhilfe angewiesen sein wird. Den Akten lassen sich 

keine Bemühungen des Beschwerdeführers, eine Arbeitsstelle zu finden, 

entnehmen. Er macht auch nicht geltend, dass er gewillt ist, überhaupt 

einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Dies auch nachdem die IV-Stelle mit 

Verfügung vom 30. Januar 2023 festgestellt hat, dass dem Beschwerde-

führer jede angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei, ausser während 

 - 13 - 

 

 

der Hospitalisation im Mai 2018 sowie während einigen Wochen nach dem 

PICA-Infarkt im November 2020 (MI-act. 192 ff.).  

 

Nach dem Gesagten ist eine dauerhafte Loslösung des Beschwerdeführers 

von der Sozialhilfe keineswegs sichergestellt, sodass das Kriterium der 

Dauerhaftigkeit der Sozialhilfeabhängigkeit ebenfalls erfüllt ist. 

 

2.1.3.  

Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

durch seinen erheblichen und dauerhaften Sozialhilfebezug den Widerrufs-

grund nach Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG erfüllt hat. Damit erweist sich der 

Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene 

Wegweisung aus der Schweiz als begründet.  

 

3.  

3.1.  

Wie jede behördliche Massnahme muss auch der Widerruf einer Nieder-

lassungsbewilligung verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 96 

AIG). Dementsprechend ist zu prüfen, ob es im vorliegenden Fall verhält-

nismässig war, die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu 

widerrufen und ihn aus der Schweiz wegzuweisen. 

 

Mithin ist die Eignung und Erforderlichkeit des Widerrufs zu prüfen und sind 

die entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen gegeneinan-

der abzuwägen.  

 

Ob diesbezüglich sämtliche relevanten Kriterien berücksichtigt und richtig 

angewandt worden sind bzw. ob sich die Massnahme als verhältnismässig 

erweist, ist als Rechtsfrage durch das Verwaltungsgericht frei zu prüfen. 

 

3.2.  

Dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung des 

Beschwerdeführers aus der Schweiz geeignet sind, das Risiko einer künf-

tigen Belastung der öffentlichen Fürsorge zu reduzieren, erweist sich als 

offenkundig. Es ist auch kein milderes Mittel ersichtlich, um das mit dem 

Widerruf der Niederlassungsbewilligung angestrebte Ziel zu erreichen. Ins-

besondere stellt die ausländerrechtliche Verwarnung kein gleichermassen 

zielführendes milderes Mittel dar, die Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit zu 

bannen. Zudem ist eine Verwarnung regelmässig erst dann in Betracht zu 

ziehen, wenn die Massnahme zwar begründet ist, sich aber als unverhält-

nismässig im engeren Sinne erweist, d.h. kein überwiegendes öffentliches 

Interesse an der Massnahme besteht.  

 

Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sowie die Wegweisung des 

Beschwerdeführers sind somit erforderlich und zu verfügen, sofern sich die 

Massnahme als verhältnismässig erweist. 

 - 14 - 

 

 

 

3.3.  

3.3.1.  

Zu klären bleibt, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die 

damit verbundene Wegweisung durch ein überwiegendes öffentliches Inte-

resse gerechtfertigt erscheinen. Konkret muss bei Gegenüberstellung aller 

öffentlichen und privaten Interessen ein überwiegendes öffentliches Inte-

resse an der Verfügung der Massnahme resultieren.  

 

3.3.2.  

3.3.2.1.  

Nachdem der Beschwerdeführer den Widerrufsgrund der Sozialhilfeab-

hängigkeit gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG erfüllt hat, ist dies bei der Be-

messung des öffentlichen Interesses am Widerruf ihrer Niederlassungsbe-

willigung entsprechend zu berücksichtigen. 

 

Hinsichtlich des Widerrufsgrunds der Sozialhilfeabhängigkeit ist für die Be-

messung des öffentlichen Interesses an einer Aufenthaltsbeendigung zu-

nächst auf die bisher aufgelaufene Höhe, die bisherige Dauer und die mut-

masslich zu erwartende zukünftige Entwicklung des Sozialhilfebezugs ab-

zustellen. Dabei gilt im Grundsatz: Je höher der Saldo der bisher bezoge-

nen, noch nicht zurückerstatteten Sozialhilfegelder und je grösser die 

Wahrscheinlichkeit, dass die Fürsorgeabhängigkeit auch in der absehba-

ren Zukunft andauern oder wiederkehren wird, umso grösser ist das öffent-

liche Interesse an aufenthaltsbeendenden Massnahmen zu qualifizieren. 

 

Wie bereits dargelegt (vgl. vorne Erw. II/2.1.1.5), dürfen bei der Feststel-

lung, ob der Widerrufsgrund der dauerhaften und erheblichen Sozialhilfe-

abhängigkeit erfüllt ist, grundsätzlich auch Sozialhilfebezüge vor dem 1. Ja-

nuar 2019 mitberücksichtigt werden. Dies gilt auch dann, wenn bis zur Aus-

serkraftsetzung von Art. 63 Abs. 2 AuG am 1. Januar 2019 die Niederlas-

sungsbewilligung der betroffenen Person nicht wegen Sozialhilfeabhängig-

keit widerrufen werden konnte, weil sich diese schon seit über 15 Jahren 

ordnungsgemäss in der Schweiz aufhielt. Stützt sich im konkreten Einzelfall 

die Feststellung einer dauerhaften und erheblichen Sozialhilfeabhängigkeit 

auch auf Bezüge, die vor dem 1. Januar 2019 erfolgt sind, während sich 

die betroffene Person bereits seit über 15 Jahren ordnungsgemäss in der 

Schweiz aufhielt, führt dies indes zu einer entsprechenden Relativierung 

des öffentlichen Interesses, welches vom festgestellten Widerrufsgrund 

herrührt. In einer solchen Konstellation durfte nämlich die betroffene Per-

son vor der Rechtsänderung vom 1. Januar 2019 aufgrund des damals gel-

tenden Rechts davon ausgehen, der Sozialhilfebezug könne den Fortbe-

stand ihrer Niederlassungsbewilligung nicht gefährden. Mit Blick auf den 

Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) bzw. das 

daraus abgeleitete Gebot des Vertrauensschutzes ist der betroffenen Per-

son der Teil des Sozialhilfebezugs, welcher bis zum 1. Januar 2019 im Ver-

 - 15 - 

 

 

trauen auf die damalige Rechtslage erfolgte, nicht gleichermassen vorwerf-

bar, wie der Teil, welcher ab dem 1. Januar 2019 im (zu erwartenden) Wis-

sen um die heute geltende Rechtslage erfolgte (vgl. ANNE KNEER/BENJAMIN 

SCHINDLER, Schutz des Kontinuitätsvertrauens in die Rechtsordnung bei 

Rückstufung und Widerruf von Niederlassungsbewilligungen, in: ALBERTO 

ACHERMANN/VÉRONIQUE BOILLET/MARTINA CARONI/ASTRID EPINEY/JÖRG 

KÜNZLI/PETER UEBERSAX [Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht 2019/2020, 

Bern 2020, S. 35 ff., 49 ff.). 

 

Weiter ist bei der Bemessung des öffentlichen Interesses zu berücksichti-

gen, ob und inwieweit die betroffene Person ein Verschulden an der So-

zialhilfeabhängigkeit trifft (Urteil des Bundesgerichts 2C_458/2019 vom 

27. September 2019, Erw. 4.3; vgl. vorne Erw. II/2.1.1.4). Fälle unverschul-

deter Notlage sollen keine Aufenthaltsbeendigung wegen Sozialhilfeab-

hängigkeit zur Folge haben (Urteil des Bundesgerichts 2C_74/2010 vom 

10. Juni 2010, Erw. 4.1; vgl. auch Botschaft des Bundesrats vom 8. März 

2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [Bot-

schaft AuG], Bundesblatt [BBl] 2002 3709 ff., 3810). 

 

3.3.2.2.  

  

Wie bereits dargelegt wurde, ist der Sozialhilfebezug des Beschwerdefüh-

rers mit bisher bezogenen Leistungen von mehr als Fr. 374'000.00 als er-

heblich zu bezeichnen und hat sich über einen Zeitraum von mehr als 

15 Jahren hingezogen. Zudem ist davon auszugehen, dass der Beschwer-

deführer auch in Zukunft von der Sozialhilfe abhängig bleiben wird (siehe 

vorne Erw. II/2.1.2.2). Das öffentliche Interesse, seine Niederlassungsbe-

willigung zu widerrufen und ihn aus der Schweiz wegzuweisen, ist damit 

grundsätzlich als sehr gross zu qualifizieren.  

 

Zu berücksichtigen ist indes einerseits, dass die Niederlassungsbewilligung 

des Beschwerdeführers aufgrund seines weit über 15 Jahre ununterbro-

chenen und ordnungsgemässen Aufenthalts in der Schweiz erst aufgrund 

der per 1. Januar 2019 erfolgten Gesetzesrevision wegen Sozialhilfeab-

hängigkeit widerrufen werden durfte. Andererseits ist zu beachten, dass 

eine fortdauernde Nichtteilnahme am Wirtschaftsleben und die damit ver-

bundene Abhängigkeit von der Sozialhilfe auch vor dem 1. Januar 2019 

und auch für niederlassungsberechtigte Personen, die sich auf Art. 63 

Abs. 2 AuG berufen konnten, migrationsrechtlich verpönt waren (vgl. neben 

Art. 63 Abs. 1 lit. c und Art. 62 Abs. 1 lit. e AuG auch Art. 4 lit. d der Ver-

ordnung über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern vom 

24. Oktober 2007 [aVIntA; aufgehoben am 1. Januar 2019; ersetzt durch 

die Verordnung über die Integration von Ausländerinnen und Ausländern 

vom 15. August 2018; VIntA; SR 142.205]). Dem Beschwerdeführer 

musste also stets klar sein, dass er sich aus migrationsrechtlicher Sicht 

fehlverhielt bzw. dass aus migrationsrechtlicher Sicht eine Verhaltensän-

 - 16 - 

 

 

derung von ihm erwartet wurde. Solange jedoch Art. 63 Abs. 2 AuG in Kraft 

war, konnte er aufgrund dieser Gesetzesbestimmung gleichwohl darauf 

vertrauen, dass seine fortgesetzte Nichtteilnahme am Wirtschaftsleben und 

Abhängigkeit von der Sozialhilfe – obwohl migrationsrechtlich verpönt – 

den Fortbestand seiner Niederlassungsbewilligung nicht gefährden wür-

den. Seine Sozialhilfeabhängigkeit kann ihm deshalb zwar bis zum 1. Ja-

nuar 2019 nicht gleichermassen vorgeworfen werden, wie für den nachfol-

genden Zeitraum, während welchem ihm bewusst sein musste, dass er 

durch die Nichtteilnahme am Wirtschaftsleben seine Niederlassungsbewil-

ligung aufs Spiel setzt. Entscheidend für die Bemessung des öffentlichen 

Interesses ist vorliegend jedoch, dass der Beschwerdeführer selbst unter 

Ausblendung der vor dem 1. Januar 2019 bezogenen Fürsorgeleistungen 

zwischen dem 1. Januar 2019 und Ende April 2023 Sozialhilfe in der Höhe 

von rund Fr. 172'000.00 bezogen hat. Nachdem er sich in der Zwischenzeit 

nicht von der Sozialhilfe lösen konnte, belaufen sich allein seine seit Januar 

2019 beanspruchten Sozialhilfegelder auf ein Mehrfaches des Betrages, 

welcher gemäss § 6 Abs. 4 lit. b VAIR die Prüfung des Entzugs der Nieder-

lassungsbewilligung indiziert (Fr. 80'000.00; vgl. vorne Erw. II/2.1.1.2).  

 

Insgesamt ist daher das von der erheblichen und dauerhaften Sozialhilfe-

abhängigkeit des Beschwerdeführers herrührende öffentliche Interesse an 

einem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung nicht tiefer zu veran-

schlagen, sodass es insgesamt bei einem sehr grossen öffentlichen Inte-

resse bleibt.  

 

  

Zu prüfen bleibt – insbesondere mit Blick auf den Zeitraum seit dem 1. Ja-

nuar 2019 –, inwieweit den Beschwerdeführer ein Verschulden an seiner 

mangelnden Teilnahme am Wirtschaftsleben trifft bzw. inwieweit ihm sein 

diesbezügliches Integrationsdefizit vorzuwerfen ist. Dabei stellt sich na-

mentlich die Frage, ob und inwieweit die in der Beschwerde geltend ge-

machten gesundheitsbedingten Einschränkungen des Beschwerdeführers 

ihn effektiv daran gehindert haben, sich von der Sozialhilfe zu lösen. 

 

Aus den Akten lässt sich zur gesundheitlichen Problematik des Beschwer-

deführers Folgendes entnehmen: Gemäss dem Austrittsbericht des Kan-

tonsspitals Q._____ vom 25. Mai 2018 wurde der Beschwerdeführer wegen 

eines Herzinfarkts vom 23. bis 25. Mai 2018 stationär behandelt (MI-

act. 257 ff; act. 29 ff.). Als Hauptdiagnosen wurden rezidivierende 

thorakale Beschwerden, intermittierendes Vorhofflimmern, chronischer 

Alkoholabusus und ein chronisches Schmerzsyndrom genannt. Aus dem 

Bericht geht weiter hervor, dass der Austritt des Beschwerdeführers in 

gutem Allgemeinzustand erfolgt sei. Dem Beschwerdeführer wurden 

mehrere Medikamente zur Behandlung verschrieben und eine regelmäs-

sige Blutdruckkontrolle sowie Alkohol- und Nikotinkarenz empfohlen. 

Einem weiteren Austrittsbericht des Kantonsspitals Q._____ vom 

 - 17 - 

 

 

16. November 2020 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer wegen 

eines Hirninfarkts vom 12. bis 16. November 2020 stationär behandelt 

werden musste (MI-act. 261 ff.; act. 33 ff.). Der Beschwerdeführer sei in 

einem medizinisch stabilen Zustand nach Hause ausgetreten. Als 

Prozedere wurde eine medikamentöse (Weiter-)Behandlung, Kontrolle der 

vaskulären Risikofaktoren und eine Nachkontrolle in der 

Schlaganfallsprechstunde in drei Monaten vorgeschlagen. Weiter geht aus 

dem Bericht hervor, dass die Fahreignung des Beschwerdeführers für 

einen Monat nicht gegeben sei. Aus dem Besprechungsbericht des 

Kantonsspitals Q._____ vom 3. Februar 2021 geht hervor, dass – soweit 

beurteilbar – der Beschwerdeführer in kardialer Hinsicht aktuell 

weitestgehend beschwerdefrei sei und er insbesondere keine 

Beschwerden im Hinblick auf das paroxysmale Vorhofflimmern verspüre 

(MI-act. 266 f., act. 38 f.). Das medikamentöse Behandlungssetting sei 

anzupassen (Therapiestopp mit Aspirin Cardio, Beginn therapeutischer 

Antikoagulation mit Eliquis) und eine neuerliche kardiologische Ver-

laufskontrolle inkl. transthorakaler Echokardiographie sei in ca. ein bis zwei 

Jahren wieder zu empfehlen. Am 29. März 2021 nahm der Beschwerdefüh-

rer eine geplante cerebrovaskuläre Sprechstunde am Kantonsspital 

Q._____ wahr (MI-act. 271 ff.; act. 43 ff.). Dem diesbezüglichen Bericht ist 

zu entnehmen, dass es seit der letzten Vorstellung im November 2020 zu 

keinen neuen persistierenden oder transienten neurologischen Defiziten 

gekommen sei. Die Sekundärprophylaxe mit Eliquis und Atorvastatin werde 

regelmässig eingenommen und gut vertragen. In der klinischen 

neurologischen Untersuchung würden sich keine fokal neurologischen 

Defizite zeigen und auch der neurovaskuläre Ultraschall zeige keine 

hämodynamisch relevante Stenose. Zusammenfassend bestehe klinisch 

und doppler-/duplexsonographisch ein stabiler Verlauf. Am 1. März 2022 

fand sodann eine neurovaskuläre Ultraschalluntersuchung statt und am 

14. März 2022 nahm der Beschwerdeführer eine weitere cerebrovaskuläre 

Sprechstunde am Kantonsspital Q._____ wahr (MI-act. 274 ff.; act. 46 ff.). 

Gemäss dem Bericht präsentiere sich weiterhin ein stabiler Verlauf und die 

Fortführung der Sekundärprophylaxe mit Eliquis und Atorvastatin sei zu 

empfehlen. Eine Nachkontrolle in der Schlaganfallsprechstunde mit 

neurovaskulärem Ultraschall erfolge in zwölf Monaten. Die medikamentöse 

Behandlung bleibe unverändert. 

 

Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer gesund-

heitliche Probleme physischer Natur aufweist, welche ihn jeweils kurzfristig 

an der Ausübung einer Arbeitstätigkeit gehindert haben. Allerdings enthält 

keiner der vom Beschwerdeführer eingereichten Arztberichte Angaben zu 

einer möglichen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Auch gehen 

aus den Akten keine Hinweise hervor, dass der Beschwerdeführer – abge-

sehen von seiner Hospitalisierung – überhaupt für eine längere Zeitspanne 

arbeitsunfähig gewesen sein könnte.  

 

 - 18 - 

 

 

Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, aufgrund seiner Erfahrungen 

in seinem Heimatland während des Krieges und als politischer Gefangener 

an psychischen Problemen zu leiden. Im Schreiben der Sozialen Dienste 

der Stadt Q._____ vom 4. August 2020 wird hierzu festgehalten, dass der 

Beschwerdeführer auf dem Arbeitsmarkt kaum vermittelbar sei, da er u.a. 

an den Folgen des Krieges leide bzw. möglicherweise traumatisiert sei und 

kognitive Schwächen aufweise (MI-act. 173). In den eingereichten ärzt-

lichen Berichten finden sich indessen keine Hinweise für eine psychische 

Problematik des Beschwerdeführers und diesbezüglich passende fachärzt-

liche Berichte fehlen. Auch wenn nicht auszuschliessen ist, dass der Be-

schwerdeführer psychische Probleme hat, vermag er indessen nicht sub-

stanziiert zu belegen, dass ein seine Arbeitsfähigkeit einschränkendes 

psychisches Leiden vorliegt. Im Begehren um Zusprache einer IV-Rente 

bzw. Gewährung von beruflichen Massnahmen durch die IV finden die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten körperlichen Probleme Erwähnung, 

nicht hingegen die nun im migrationsrechtlichen Verfahren vorgebrachten 

psychischen Probleme (MI-act. 192). Offenbar hat der Beschwerdeführer 

keine psychischen Probleme im Rahmen des IV-Verfahrens geltend ge-

macht. Die IV verneinte schliesslich mit Verfügung vom 30. Januar 2023 

eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Gemäss der 

IV-Verfügung vom 3. März 2023 betreffend beruflicher Massnahmen liegt 

der Invaliditätsgrad beim Beschwerdeführer bei 0 %, was zumindest in so-

zialversicherungsrechtlicher Hinsicht darauf schliessen lässt, dass gar 

keine für die Erwerbsfähigkeit und Stellensuche massgebende gesundheit-

liche Einschränkung vorliegt. Beide IV-Verfügungen hat der Beschwerde-

führer nicht angefochten. Er vermag somit nicht substanziiert darzulegen, 

dass seine gesundheitlichen Probleme, sowohl in physischer als auch in 

psychischer Hinsicht, ihn überhaupt an der Ausübung einer Arbeitstätigkeit 

gehindert haben. Schliesslich begründet er auch nicht substanziiert, sich 

genügend darum bemüht zu haben, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden. 

In den Akten finden sich keine diesbezüglichen Suchbemühungen und es 

liegen keine konkreten Angaben dazu vor, inwiefern der Beschwerdeführer, 

wie im Schreiben der Sozialen Dienste der Stadt Q._____ vom 4. August 

2020 erwähnt, bemüht gewesen sein soll, monatlich die 

Arbeitsbemühungen einzureichen (MI-act. 173). Insbesondere liegen keine 

konkrete Angaben zur Anzahl der vom Beschwerdeführer monatlich 

getätigten Suchbemühungen oder zu den Adressaten vor. Weiter geht aus 

dem Schreiben der Sozialen Dienste hervor, dass der Beschwerdeführer 

nur für eine gewisse Zeit schriftliche Arbeitsbemühungen eingereicht habe, 

dies aktuell allerdings nicht mehr der Fall sei. Er habe die Möglichkeit 

gehabt, über die interne Fachstelle Arbeit für die Arbeitsvermittlung speziell 

unterstützt zu werden. Hierfür habe er Interesse gezeigt, sei dann den 

angebotenen Terminen dennoch unentschuldigt ferngeblieben (MI-

act. 174). Die in den Akten fehlenden Suchbemühungen und die nicht 

wahrgenommenen Termine zur Arbeitsvermittlung zeugen von einem 

 - 19 - 

 

 

Desinteresse des Beschwerdeführers, eine Arbeitsstelle zu suchen und zu 

finden. Er scheint grundsätzlich nicht gewillt zu sein, überhaupt zu arbeiten.  

 

Nach dem Gesagten vermag der Beschwerdeführer nicht substanziiert dar-

zulegen, dass er nicht in der Lage gewesen war, zu arbeiten bzw. seinen 

Lebensunterhalt zumindest teilweise selbst zu bestreiten. Auch legt er nicht 

rechtsgenügend dar, sich hinreichend um eine Arbeitsstelle bemüht zu 

haben. Die langjährige und erhebliche Sozialhilfeabhängigkeit des Be-

schwerdeführers ist damit als selbstverschuldet zu bezeichnen, womit sich 

eine Herabsetzung des öffentlichen Interesses am Widerruf seiner Nieder-

lassungsbewilligung auch unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens 

nicht rechtfertigen lässt. 

 

  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer viele 

Jahre arbeitslos war und nach wie vor sozialhilfeabhängig ist. Auch wenn 

er vor dem 1. Januar 2019 noch darauf vertrauen konnte, dass seine So-

zialhilfeabhängigkeit den Bestand seiner Niederlassungsbewilligung nicht 

gefährden würde, hat er das Verschulden an seiner Sozialhilfeabhängigkeit 

– insbesondere auch für den Zeitraum ab 1. Januar 2019 – zu tragen. Ge-

samthaft betrachtet besteht damit ein sehr grosses öffentliches Interesse, 

die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu widerrufen und 

ihn aus der Schweiz wegzuweisen. 

 

3.3.3.  

3.3.3.1.  

Dem festgestellten sehr grossen öffentlichen Interesse am Widerruf der 

Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers und seiner Wegwei-

sung aus der Schweiz ist sein privates Interesse am weiteren Verbleib ge-

genüberzustellen. 

 

Das private Interesse einer Person am weiteren Verbleib in der Schweiz 

bestimmt sich aufgrund ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz und der 

dabei erfolgten Integration, ihrer familiären Verhältnisse, ihrer gesundheit-

lichen Situation und ihrer (Re-)Integrationschancen im Heimatland. 

 

3.3.3.2.  

  

Bei der Bemessung des privaten Interesses kommt der Aufenthaltsdauer 

in der Schweiz eine erhebliche Bedeutung zu. Je länger eine Person in 

einem bestimmten Land lebt, desto enger werden in der Regel die Be-

ziehungen sein, die sie dort geknüpft hat, und umso grösser ist grundsätz-

lich ihr Interesse an einem Verbleib in diesem Land. Dabei ist die anrechen-

bare Aufenthaltsdauer praxisgemäss abstrakt – unter Abzug der in Unfrei-

heit bzw. ohne Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz verbrachten Zeit-

spanne – zu berechnen (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts 

 - 20 - 

 

 

WBE.2017.531 vom 22. Mai 2018, Erw. II/4.3.2, und WBE.2016.546 vom 

27. Juni 2018, Erw. II/4.3). 

 

Massgebend ist aber nicht die Aufenthaltsdauer für sich alleine. Vielmehr 

lässt sich das aus der Aufenthaltsdauer resultierende private Interesse erst 

unter Berücksichtigung der während der Aufenthaltsdauer erfolgten In-

tegration – namentlich in sprachlicher, kultureller, sozialer, beruflicher und 

wirtschaftlicher Hinsicht – bestimmen. Damit gilt der Grundsatz "je länger 

die Aufenthaltsdauer, umso grösser das private Interesse an einem Ver-

bleib in der Schweiz" nur, wenn die Integration einen der Aufenthaltsdauer 

entsprechenden Grad erreicht. Wird der aufgrund der Aufenthaltsdauer zu 

erwartende Integrationsgrad übertroffen, ist das private Interesse an einem 

Verbleib in der Schweiz entsprechend höher zu veranschlagen. Erreicht die 

Integration demgegenüber den mit Blick auf die Aufenthaltsdauer zu erwar-

tenden Grad nicht, stellt die Entfernungsmassnahme für die betroffene Per-

son einen weniger gravierenden Eingriff dar und ist das private Interesse 

an einem Verbleib in der Schweiz entsprechend tiefer zu veranschlagen. 

Demnach lässt sich das aus der anrechenbaren Aufenthaltsdauer resultie-

rende private Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz erst im Rah-

men einer Gesamtbetrachtung feststellen. Anzumerken bleibt, dass bei 

sehr langer Aufenthaltsdauer ein entsprechend hoher Integrationsgrad, 

mithin eine sehr erfolgreiche Integration, erwartet wird, weshalb das private 

Interesse in diesen Fällen in der Regel nicht höher zu veranschlagen ist. 

 

  

Der Beschwerdeführer reiste am 30. Dezember 1992 in die Schweiz ein 

und stellte gleichentags ein Asylgesuch, welches am 11. Januar 1993 gut-

geheissen wurde (siehe vorne lit. A). Damit lebt der Beschwerdeführer über 

32 Jahre ordnungsgemäss in der Schweiz. Die sehr lange Aufenthalts-

dauer lässt grundsätzlich auf ein sehr grosses privates Interesse am weite-

ren Verbleib in der Schweiz schliessen.  

 

Zu prüfen ist im Folgenden, wie sich der Beschwerdeführer mit Blick auf die 

Aufenthaltsdauer integriert hat und ob aufgrund des Integrationsgrads ein 

abweichendes privates Interesse resultiert. 

 

  

Zur sprachlichen Integration des Beschwerdeführers führte der Soziale 

Dienst der Stadt Q._____ im Schreiben vom 4. August 2020 und im E-Mail 

vom 27. April 2023 aus, dass der Beschwerdeführer gut Deutsch spreche 

und verstehe (MI-act. 174; 209). Anlässlich zweier ärztlicher Unter-

suchungen vom 29. März 2021 und vom 14. März 2023 zeigten sich indes-

sen sprachliche Barrieren, welche die Anamneseerhebung erschwert 

hätten (MI-act. 272, 277). Im Besprechungsbericht vom 3. Februar 2021 ist 

gar die Rede von deutlich eingeschränkter Anamneseerhebung bei einge-

schränkten Sprachkenntnissen (MI-act. 267). Einhergehend mit der 

 - 21 - 

 

 

Vorinstanz lässt dies fraglich erscheinen, wie gut – gemessen an der sehr 

langen Aufenthaltsdauer – die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers 

sind. Zwar zählen ärztliche Gespräche mit Anamneseerhebung im Zusam-

menhang mit den vom Beschwerdeführer erlebten Herz- und Hirninfarkten 

wohl in sprachlicher Hinsicht nicht zu den alltäglich zu bewältigenden 

Situationen. Auch ist das Niveau einer Muttersprache trotz des über 30-

jährigen Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz wohl nicht zu 

erwarten, da er erst im Alter von 28 Jahren in die Schweiz eingereist ist und 

hier keine Schulen besucht hat. Dennoch wäre zu erwarten gewesen, dass 

der Beschwerdeführer über Sprachkompetenzen verfügt, die einem Arzt 

bzw. einer Ärztin die Erhebung einer Anamnese ohne grosse Sprach-

barrieren hätten ermöglichen sollen. Auch ist davon auszugehen, dass die 

in den ärztlichen Berichten erwähnten Sprachbarrieren auf Verständi-

gungsschwierigkeiten einer gewissen Schwere zurückzuführen sind und 

nicht von geringer Natur waren, ansonsten diese wohl kaum Eingang in die 

ärztlichen Berichte gefunden hätten. Weshalb diese Sprachbarrieren nicht 

zutreffen sollten oder bei der Beurteilung der sprachlichen Integration des 

Beschwerdeführers in der Schweiz nicht berücksichtigt werden dürften, be-

gründet der Beschwerdeführer sodann nicht. Er macht lediglich geltend, 

dass seine guten Deutschkenntnisse bei einer Befragung problemlos fest-

gestellt werden könnten. Welche andere Ausgangslage sich dabei präsen-

tieren würde, legt er indessen nicht substanziiert dar. Dieser Beweisantrag 

ist abzuweisen (siehe hinten Erw. II/6). Es ist festzuhalten, dass der Be-

schwerdeführer grundsätzlich Deutsch sprechen kann und sich seine 

Sprachkenntnisse insbesondere aufgrund der Einschätzung der Sozialen 

Dienste als gut bezeichnen lassen. Anlässlich verschiedener ärztlicher Ge-

spräche zeigten sich indessen so grosse Sprachbarrieren, dass die Anam-

nese nur eingeschränkt erhoben werden konnte. Gemessen an der sehr 

langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz wären allerdings Sprachkennt-

nisse zu erwarten gewesen, welche für eine Anamneseerhebung ausrei-

chend sind, was gegen eine normale sprachliche Integration spricht.  

 

Nach dem Gesagten ist die sprachliche Integration des Beschwerdeführers 

mit Blick auf seine sehr lange Aufenthaltsdauer als eher mangelhaft zu be-

zeichnen. 

 

  

Unter dem Aspekt der kulturellen und sozialen Integration ist namentlich zu 

berücksichtigen, in welchem Alter die betroffene Person in die Schweiz ein-

gereist ist, welche sozialen Beziehungen sie ausserhalb ihrer Familie in der 

Schweiz pflegt und ob aufgrund ihres gesamten Verhaltens auf eine ver-

tiefte Verwurzelung in der Schweiz zu schliessen ist. 

 

Der Beschwerdeführer übersiedelte im Alter von 28 Jahren in die Schweiz 

(siehe vorne lit. A). Somit verbrachte er seine gesamte Kindheit, Jugend 

und Adoleszenz im Ausland. Von einer Sozialisierung in der Schweiz – im 

 - 22 - 

 

 

Sinne einer Einordnung des heranwachsenden Individuums in die Gesell-

schaft und der damit verbundenen Übernahme gesellschaftlich bedingter 

Verhaltensweisen – kann demnach beim Beschwerdeführer keine Rede 

sein. Angesichts seines sehr langen Aufenthalts in der Schweiz ist jedoch 

davon auszugehen, dass ihm die hiesigen kulturellen Gepflogenheiten zu-

mindest bekannt sind. Hinweise auf eine besondere kulturelle Einbindung 

des Beschwerdeführers in der Schweiz lassen sich derweil weder den 

Akten noch den Vorbringen in der Beschwerde entnehmen.  

 

Was seine soziale Integration anbelangt, ist zunächst festzuhalten, dass 

nicht bereits deshalb, weil der Beschwerdeführer wiederholt straffällig 

wurde, davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer verfüge über kein 

tragfähiges soziales Beziehungsnetz in der Schweiz (Entscheid des Ver-

waltungsgerichts WBE.2021.197 vom 1. Dezember 2021, Erw. II/3.3.1.1). 

Der Beschwerdeführer macht geltend, viele langjährige Freunde zu haben, 

mit welchen er einen guten Kontakt pflege. Angesichts der sehr langen Auf-

enthaltsdauer in der Schweiz ist dies indessen auch zu erwarten. Vor 

diesem Hintergrund vermögen solche Freundschaften allein noch keine 

fortgeschrittene vertiefte Verwurzelung in der Schweiz zu begründen. Hinzu 

kommt, dass bereits die Vorinstanz dem Beschwerdeführer in diesem Zu-

sammenhang keine erfolgreiche Integration attestierte (act. 9) und der Be-

schwerdeführer nun auch in seiner Beschwerde nichts Substanziiertes dar-

legt (act. 20), was diese Annahme widerlegen würde. Auch führt er nicht 

aus, zu welcher Erhellung des Sachverhalts seine Befragung beitragen 

würde. Dieser Beweisantrag ist daher abzuweisen (siehe hinten Erw. II/6). 

Im Übrigen finden sich weder in der Beschwerde noch in den Akten Hin-

weise, welche auf besonders ausgeprägte ausserfamiliäre Beziehungen zu 

Personen in der Schweiz schliessen lassen. 

 

Nach dem Gesagten ist mit Blick auf die sehr lange Aufenthaltsdauer beim 

Beschwerdeführer in kultureller und sozialer Hinsicht von einer bestenfalls 

normalen Integration auszugehen.  

 

  

Weiter ist zu prüfen, ob sich die betroffene Person in beruflicher Hinsicht 

entsprechend ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz integriert hat und beim 

Verlassen der Schweiz ein stabiles Arbeitsumfeld aufgeben müsste. 

 

Zur beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers lässt sich den Akten Fol-

gendes entnehmen: Nach seiner Einreise in die Schweiz war der Be-

schwerdeführer ab 1993 zunächst als Küchenhilfe tätig (MI-act. 19, 21, 

28 f.). Im Rahmen Verlängerungsprüfung seiner Aufenthaltsbewilligung 

1996 gab der Beschwerdeführer an, auf Stellensuche zu sein (MI-act. 38). 

Ein Jahr später war er als Gerüstbauer tätig (MI-act. 45, 48 f.). Im Rahmen 

der Verlängerung der Kontrollfrist der Niederlassungsbewilligung in den 

Jahren 2001 und 2003 machte der Beschwerdeführer jeweils keine Anga-

 - 23 - 

 

 

ben zu einer Arbeitstätigkeit (MI-act. 61 f., 74 f.). Vom 1. Mai 2000 bis 

15. März 2002 war er denn auch auf Sozialhilfe angewiesen (siehe vorne 

Erw. II/2.1.2.1). Ende 2006 war der Beschwerdeführer gemäss seinen An-

gaben auf Stellensuche (MI-act. 87). Aus dem Entscheid der Gemeinde 

U._____ betreffend materieller Hilfe geht hervor, dass der 

Beschwerdeführer bis Ende November 2008 als Hilfsarbeiter in einem 

Gips-Unternehmen tätig gewesen sei. Infolge schlechter Auftragslage habe 

der Beschwerdeführer diese Stelle verloren, weshalb er nun per Januar 

2009 mit Sozialhilfe unterstützt werden müsse (MI-act. 93). Im Rahmen der 

Verlängerung der Kontrollfrist der Niederlassungsbewilligung 2009 gab der 

Beschwerdeführer an, erwerbstätig zu sein, wobei nähere Angaben zu 

seiner Tätigkeit fehlen (MI-act. 112 f.). Der Beschwerdeführer war denn 

auch vom 1. Januar bis 20. Oktober 2010 erneut auf Sozialhilfe 

angewiesen und muss seit dem 12. März 2012 ununterbrochen finanziell 

unterstützt werden (siehe vorne Erw. II/2.1.2.1). Nach dem Gesagten ist 

festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weniger als die Hälfte seines über 

32-jährigen Aufenthalts in der Schweiz und seit rund 12 Jahren 

ununterbrochen nicht arbeitstätig war bzw. mehr ist. Hinweise, dass er 

zeitweise nicht in der Lage gewesen wäre, sich um eine Arbeit zu bemühen 

und seinen Lebensunterhalt nicht durch Sozialhilfebezug zu finanzieren, 

fehlen (siehe vorne Erw. II/3.3.2.2.2).  

 

Wenn der Beschwerdeführer in der Beschwerde vorbringt (act. 21), das pri-

vate Interesse könne im Falle der Sozialhilfeabhängigkeit nicht anhand der 

beruflichen und wirtschaftlichen Integration bemessen werden, da ein 

Widerruf in solchen Fällen überhaupt erst aufgrund der fehlenden berufli-

chen und wirtschaftlichen Integration infrage komme, kann ihm nicht gefolgt 

werden. Die Aufenthaltsdauer einer Person in der Schweiz verbunden mit 

der dabei erfolgten Integration bildet vielmehr auch in diesen Fällen Aus-

gangspunkt für die Bemessung des privaten Interesses, da im Rahmen der 

Verhältnismässigkeitsprüfung eine gesamtheitliche Betrachtung vorzuneh-

men ist (siehe vorne Erw. II/3.3.3.1). 

 

Damit liegt beim Beschwerdeführer in beruflicher Hinsicht mit Blick auf die 

sehr lange Aufenthaltsdauer eine klar mangelhafte Integration in der 

Schweiz vor und er müsste bei einer Wegweisung kein bestehendes Ar-

beitsumfeld aufgeben. 

 

  

Unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Integration ist einerseits von Bedeu-

tung, ob die betroffene Person wirtschaftlich unabhängig ist, d.h. ihren Le-

bensunterhalt primär mit eigenen Mitteln, insbesondere ohne Inanspruch-

nahme der öffentlichen Fürsorge, finanzieren kann, und andererseits wie 

sich ihre Schuldensituation präsentiert. 

 

 - 24 - 

 

 

Wie aus den obigen Erwägungen ohne Weiteres erhellt, muss der Be-

schwerdeführer seit vielen Jahren mit Sozialhilfe unterstützt werden (siehe 

vorne Erw. II/2.1.2.1). Gleichzeitig geht aus dem Betreibungsregisteraus-

zug des Regionalen Betreibungsamts R._____ vom 19. April 2023 hervor, 

dass gegen den Beschwerdeführer insgesamt 20 nicht getilgte Verlust-

scheine in der Höhe von Fr. 14'821.10 registriert sind (MI-act. 208; siehe 

vorne lit. A). Insbesondere aufgrund der jahrelangen Sozialhilfeabhängig-

keit ist die wirtschaftliche Integration des Beschwerdeführers mit Blick auf 

die sehr lange Aufenthaltsdauer als klar mangelhaft einzustufen. 

 

  

Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer mit Blick auf die sehr lange 

Aufenthaltsdauer in sprachlicher Hinsicht eher mangelhaft und in kultureller 

sowie sozialer Hinsicht bestenfalls normal in die schweizerischen Verhält-

nisse integriert. Seine Integration in beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht 

ist sodann als klar mangelhaft zu qualifizieren. Angesichts der sehr langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz ist die dabei erfolgte Integration des Be-

schwerdeführers somit insgesamt als mangelhaft zu qualifizieren. Entspre-

chend ist lediglich noch von einem mittleren bis grossen privaten Interesse 

des Beschwerdeführers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz auszu-

gehen. 

 

3.3.3.3.  

Weiter ist zu prüfen, ob hinsichtlich der Kernfamilie und der weiteren Fami-

lienangehörigen der betroffenen Person von einem erhöhten privaten Inte-

resse am weiteren Verbleib in der Schweiz auszugehen ist. Dabei sind na-

mentlich eine eheliche, partnerschaftliche oder gefestigte Konkubinatsbe-

ziehung sowie das Vorhandensein von Kindern bzw. erwachsenen Ver-

wandten in auf- oder absteigender Linie relevant. Von Bedeutung sind die 

Auswirkungen und die der betroffenen Person und ihrer Familie drohenden 

Nachteile bei einer Ausreise aus der Schweiz (BGE 135 II 377, Erw. 4.3; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_410/2018 vom 7. September 2018, 

Erw. 4.2). 

 

Der Beschwerdeführer hat keine Kinder und die Ehe mit seiner früheren 

Ehefrau wurde am 11. Dezember 2015 geschieden (siehe vorne lit. A). An-

hand der Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer 

zu Verwandten in der Schweiz eine Beziehung pflegen würde. Er macht 

dies auch nicht geltend. Damit fehlt es vorliegend an irgendwelchen fami-

liären Beziehungen des Beschwerdeführers, welche im Rahmen der Beur-

teilung des privaten Interesses an einem weiteren Verbleib in der Schweiz 

zu berücksichtigen wären.  

 

3.3.3.4.  

Grundsätzlich schliessen gesundheitliche Probleme den Widerruf einer 

Niederlassungsbewilligung nicht aus. Der gesundheitliche Zustand ist 

 - 25 - 

 

 

lediglich ein Aspekt, der im Rahmen der Interessenabwägung zu berück-

sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.214/2002 vom 23. August 

2002, Erw. 3.4). Der Umstand, dass die betroffene Person in der Schweiz 

eine bessere medizinische Versorgung und Betreuung erhält als in ihrem 

Herkunftsland, steht einer Wegweisung nicht entgegen, sofern die medi-

zinische Versorgung sichergestellt ist und der Vollzug der Wegweisung 

nicht zu einer gravierenden Gefahr für die Gesundheit führt (vgl. auch Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts D-6664/2011 vom 18. Mai 2012, Erw. 4.4 

und Urteil des Bundesgerichts 6B_1306/2019 vom 15. Oktober 2020, 

Erw. 3.2.1). 

 

Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers anbelangt, lässt 

sich den obigen Ausführungen (siehe vorne Erw. II/3.3.2.2.2) entnehmen, 

dass er gesundheitliche Probleme hat, welche medikamentös behandelt 

und wohl auch regelmässig kontrolliert werden müssen. Weder aus den 

Akten noch aus den Vorbringen in der Beschwerde sind jedoch Anhalts-

punkte dafür zu entnehmen, dass eine adäquate Behandlung und Verfüg-

barkeit der notwendigen Medikamente in Bosnien und Herzegowina nicht 

gewährleistet wären, weshalb ihm unter diesem Aspekt keine entscheid-

relevante Erhöhung seines privaten Interesses zuzubilligen ist. 

 

3.3.3.5.  

  

Schliesslich ist bei der Bemessung des privaten Interesses zu prüfen, wel-

che Beziehungen die betroffene Person zum Heimatland unterhalten hat 

oder noch unterhält und ob sie bei einer Ausreise aus der Schweiz im Hei-

matland auf unüberwindbare (Re-)Integrationsprobleme stossen würde. Zu 

beachten sind zudem auch jene Aspekte, die eine Rückkehr ins Heimatland 

aufgrund der dort bestehenden Situation als unzumutbar erscheinen lassen 

(vgl. Art. 83 Abs. 7 AIG; BGE 135 II 110, Erw. 4.2). 

 

  

Soweit aus den Akten ersichtlich, verbrachte der Beschwerdeführer seine 

gesamte Kindheit und Jugend sowie seine Adoleszenz im heutigen 

Bosnien und Herzegowina, bevor er das Land erstmals im Alter von 28 Jah-

ren verliess und in die Schweiz übersiedelte (MI-act. 6). Unklar ist, ob sich 

die heimatlichen Verhältnisse, mit welchen der Beschwerdeführer vertraut 

sein dürfte, nach dem Unabhängigkeitskrieg in seinem Heimatland als die-

selben bzw. ähnlich erweisen. In den Akten finden sich keine Hinweise, 

dass der Beschwerdeführer sein Heimatland nach der Ausreise je einmal 

besucht hätte. Auch fehlen Hinweise, dass er dort lebende Verwandte 

haben könnte (vgl. MI-act. 7). Den Grossteil seines (Erwachsenen-)Lebens 

hat der Beschwerdeführer in der Schweiz verbracht. Einzig der Umstand, 

dass er einen heimatlichen Pass beantragt und auch erhalten hat, weist 

darauf hin, dass dennoch eine Verbundenheit zu seinem heutigen Heimat-

land besteht. Weiter ist nicht auszuschliessen, dass eine Rückkehr nach 

 - 26 - 

 

 

Bosnien und Herzegowina angesichts seiner kriegsbedingten Erlebnisse 

mit einer psychischen Belastung verbunden sein könnte. Vor diesem Hin-

tergrund ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Über-

siedlung nach Bosnien und Herzegowina in kultureller Hinsicht auf erheb-

liche, aber nicht unüberwindbare, Integrationshindernisse stossen wird. 

Selbst wenn die Eingliederungschancen des Beschwerdeführers als knapp 

intakt bezeichnet werden können, ist ihm unter diesem Aspekt ein leicht 

erhöhtes privates Interesse an einem Verbleib in der Schweiz zu attestie-

ren. 

 

  

Die Kenntnisse der heimatlichen Sprache sind mit Blick auf die (Re-)In-

tegrationschancen einer ausländischen Person in ihrem Heimatland im 

Rahmen der Interessenabwägung nur insofern von Relevanz, als die be-

troffene Person der heimatlichen Sprache nicht (mehr) mächtig ist und es 

ihr auch nicht zumutbar ist, diese zu erlernen. 

 

Nachdem der Beschwerdeführer – soweit aus den Akten ersichtlich – die 

ersten 28 Jahre seines Lebens in seinem Heimatland verbrachte, ist davon 

auszugehen, dass er seine Muttersprache nach wie vor beherrscht. Er 

macht denn auch nichts Gegenteiliges geltend. Somit sind ihm in sprach-

licher Hinsicht gute Reintegrationschancen in Bosnien und Herzegowina zu 

attestieren. 

 

  

Hinsichtlich der im Heimatland bestehenden sozialen und familiären Ver-

bindungen macht der Beschwerdeführer geltend, in Bosnien und 

Herzegowina über keinerlei sozialen Kontakte zu verfügen (act. 23). Auf-

grund der langen Landesabwesenheit und da sich aus den Akten nichts 

Gegenteiliges ergibt, ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdefüh-

rer sein Beziehungsnetz bei einer Übersiedlung nach Bosnien und Herze-

gowina neu aufbauen müsste. Dies dürfte, insbesondere aufgrund seines 

Alters, seiner langjährigen Abwesenheit im Berufsleben (siehe hinten 

Erw. II/3.3.3.5.5) und seiner bereits in der Schweiz nur knapp gelungenen 

sozialen Integration (siehe vorne Erw. II/3.3.3.2.4) zwar mit grösseren, in-

dessen nicht unüberwindbaren Herausforderungen verbunden sein. So 

macht der Beschwerdeführer nicht substanziiert geltend, er könne sich in 

sozialer Hinsicht nicht integrieren. Nach dem Gesagten sind ihm damit in 

sozialer Hinsicht eher schlechte Eingliederungschancen im Heimatland zu 

attestieren, womit unter diesem Aspekt von einem leicht erhöhten privaten 

Interesse an einem Verbleib in der Schweiz auszugehen ist. 

 

  

Was die beruflichen und wirtschaftlichen (Re-)Integrationschancen des Be-

schwerdeführers in Bosnien und Herzegowina betrifft, ist den Akten zu ent-

nehmen, dass er dort bis 1987 als Bahnarbeiter tätig gewesen war. Zur 

 - 27 - 

 

 

schulischen und beruflichen Ausbildung lassen sich den Akten und den 

Vorbringen des Beschwerdeführers keine Hinweise entnehmen. In der 

Schweiz ging der Beschwerdeführer in den letzten 12 Jahren keiner Er-

werbstätigkeit mehr nach, sondern lebte gänzlich von staatlichen Unter-

stützungsleistungen (siehe vorne Erw. II/2.1.2.1 f.). Nach dem Gesagten 

dürfte es dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland 

schwerfallen, auf dem dortigen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Im Vergleich 

zur Situation in der Schweiz ist damit in beruflicher Hinsicht indes keine 

erhebliche Verschlechterung zu erwarten. In wirtschaftlicher Hinsicht ist un-

klar, ob dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland eine 

ähnlich umfassende staatliche Fürsorge zuteilwürde, wie derzeit in der 

Schweiz. Nimmt man zu seinen Gunsten an, dass er in Bosnien und 

Herzegowina keine oder eine massgeblich weniger weitreichende Unter-

stützung erhalten würde, wäre sein wirtschaftliches Überleben ohne eigene 

Erwerbstätigkeit ernsthaft gefährdet. Wie bereits festgehalten, ist der Be-

schwerdeführer aber grundsätzlich arbeitsfähig (siehe vorne 

Erw. II/3.3.2.2.2). Dennoch ist davon auszugehen, dass es dem heute 60-

jährigen Beschwerdeführer aufgrund seines Alters, seiner langjährigen Ar-

beitslosigkeit und Landesabwesenheit nur schwer möglich sein wird, in 

seinem Heimatland eine Erwerbsarbeit zu finden und damit seinen Lebens-

unterhalt zu finanzieren. Entsprechend ist in beruflich-wirtschaftlicher Hin-

sicht gesamthaft von schlechten Wiedereingliederungschancen des Be-

schwerdeführers in seinem Heimatland auszugehen. 

 

  

Was die Zumutbarkeit einer Rückkehr ins Heimatland anbelangt, besteht 

vorliegend kein Anlass zur Befürchtung, dass der Beschwerdeführer bei 

einer Ausreise nach Bosnien und Herzegowina aufgrund der allgemeinen 

Lage einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Solches wird denn 

auch in der Beschwerde nicht geltend gemacht. 

 

  

Mit Blick auf die Situation im Heimatland erhöht sich demnach das private 

Interesse an einem Verbleib in der Schweiz. Dies in erster Linie aufgrund 

eines neu aufzubauenden tragfähigen Beziehungsnetzes und schlechter 

beruflich-wirtschaftlicher (Re-)Integrationschancen im Heimatland. 

 

3.3.3.6.  

Zusammenfassend erhöht sich das mit Blick auf die sehr lange Aufenthalts-

dauer und die dabei erfolgte mangelhafte Integration in der Schweiz 

mittlere bis grosse private Interesse des Beschwerdeführers an einem wei-

teren Verbleib in der Schweiz (siehe vorne Erw. II/3.3.3.2.7) aufgrund der 

Situation im Heimatland und ist insgesamt als gross zu bezeichnen. 

 

 - 28 - 

 

 

3.3.4.  

Bei Gesamtwürdigung der sich gegenüberstehenden öffentlichen und pri-

vaten Interessen überwiegt das sehr grosse öffentliche Interesse an der 

Entfernung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sein grosses privates 

Interesse, in der Schweiz verbleiben zu dürfen. Der Widerruf der Nieder-

lassungsbewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers ist damit 

gemessen am nationalen Recht nicht zu beanstanden. 

 

4.  

Zu prüfen ist weiter, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des 

Beschwerdeführers und seine Wegweisung vor Art. 8 der Konvention zum 

Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 

(EMRK; SR 0.101) standhalten. 

 

Art. 8 Ziff. 1 EMRK und der – soweit hier von Interesse – inhaltlich im We-

sentlichen übereinstimmende Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisten das Recht 

auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Diese Garantien können na-

mentlich dann verletzt sein, wenn eine ausländische Person die Schweiz 

verlassen muss, nachdem sie sich lange hier aufgehalten und ent-

sprechend integriert hat, bzw. wenn einer ausländischen Person, deren Fa-

milienangehörige in der Schweiz leben, die (weitere) Anwesenheit unter-

sagt und dadurch das gemeinsame Familienleben vereitelt wird.  

 

Mangels familiärer Beziehungen des Beschwerdeführers (siehe vorne 

Erw. II/3.3.3.3) ist das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Familienleben 

nicht tangiert. 

 

Aufgrund des 32-jährigen migrationsrechtlich anrechenbaren Aufenthalts 

des Beschwerdeführers in der Schweiz (siehe vorne Erw. II/3.3.3.2.2) ist 

jedoch – unabhängig von individuell-konkreten Integrationsaspekten – da-

von auszugehen, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die 

Wegweisung aus der Schweiz einen Eingriff in sein Privatleben im Sinne 

von Art. 8 Ziff. 1 EMRK darstellt. Der Eingriff ist vorliegend jedoch durch ein 

überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; 

siehe vorne Erw. II/3.3.4).  

 

Ein Verstoss gegen Art. 8 EMRK liegt damit weder hinsichtlich des ge-

schützten Privatlebens noch hinsichtlich des geschützten Familienlebens 

des Beschwerdeführers vor. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der 

Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die Wegweisung des Be-

schwerdeführers dem nationalen Recht entsprechen und auch vor Art. 8 

EMRK standhalten. 

 

5.  

Zu prüfen bleibt, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse entgegen-

stehen. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, nicht möglich oder 

 - 29 - 

 

 

nicht zulässig, so verfügt das SEM die vorläufige Aufnahme (Art. 83 Abs. 1 

AIG). 

 

Vorliegend ergeben sich weder aus den Akten noch aus den Vorbringen 

des Beschwerdeführers Hinweise, die zur Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit 

oder Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 

bis 4 AIG führen könnten. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich dem-

nach als zumutbar, möglich und zulässig.  

 

Damit stehen dem Vollzug der Wegweisung keine Hindernisse im Sinne 

von Art. 83 AIG entgegen. 

 

6.  

Es steht dem Verwaltungsgericht frei, im Rahmen einer antizipierten Be-

weiswürdigung auf eine Partei- und/oder Zeugenbefragung sowie auf die 

Abnahme sonstiger Beweise zu verzichten, wenn dies zur Abklärung des 

Sachverhalts nicht notwendig erscheint (BGE 136 I 229, Erw. 5.3; 

134 I 140, Erw. 5.3; AGVE 2008, S. 312, Erw. 3.1, und 2004, S. 154, 

Erw. 1a, je mit Hinweisen). Vorliegend ergibt sich die Interessenlage des 

Beschwerdeführers vollumfänglich aus den Akten und es bestehen keine 

Unklarheiten hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts, welche die 

Befragung des Beschwerdeführers erforderlich machen würde. Der Be-

schwerdeführer legt denn auch nicht substanziiert dar, zu welcher Erhel-

lung des Sachverhalts seine Befragung beitragen würde (vgl. STEFANIE EVA 

PETER, Öffentliche Verhandlung im Ausländerrecht, Bern 2024, Rn 223, 

235). Inwiefern die vom Beschwerdeführer beantragte Befragung zu seiner 

Integration in der Schweiz und zu seinen Reintegrationschancen zu einer 

anderen Ausgangslage führen würde und damit den vorliegenden Ent-

scheid massgebend zu beeinflussen vermöchte, begründet er ebenfalls 

nicht (siehe zudem vorne Erw. II/3.3.3.2.3 ff.). In diesem Zusammenhang 

begnügt er sich vorwiegend damit, die vorinstanzlichen Schlussfolge-

rungen abzustreiten ohne substanziiert darzulegen, inwiefern sich diese auf 

eine mangelhafte bzw. unvollständige Beweislage stützen sollten. Der Be-

schwerdeführer legt nicht substanziiert dar und es ist auch nicht ersichtlich, 

dass sich die Sachlage aufgrund der beantragten Befragung anders prä-

sentieren würde, als sie aus den Akten bereits hervorgeht, und demzufolge 

zu einem anderen Entscheid führen könnte. Deshalb ist in antizipierter Be-

weiswürdigung auf die beantragte Beweisabnahme zu verzichten und der 

Beweisantrag ist abzuweisen. 

 

7.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Widerruf der Niederlassungs-

bewilligung und die Wegweisung des Beschwerdeführers nach nationalem 

Recht nicht zu beanstanden sind und vor Art. 8 EMRK standhalten. Nach-

dem auch dem Vollzug der Wegweisung keine Hindernisse entgegen-

stehen, ist der Entscheid der Vorinstanz nicht zu beanstanden. 

 - 30 - 

 

 

 

III. 

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe 

des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 

VRPG). Nachdem der Beschwerdeführer unterliegt, gehen die Kosten des 

verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu seinen Lasten. Ein Parteikostener-

satz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Ge-

richtsgebühr von Fr. 1'500.00, sind vom Beschwerdeführer zu bezahlen. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter, im Doppel) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 
 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

 - 31 - 

 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 11. April 2025 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger Peter