# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 730175c9-1f09-5168-a0eb-fd5ad9a2fb41
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-08-02
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 02.08.2017 200 2017 320
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2017-320_2017-08-02.pdf

## Full Text

200 17 320 IV
ACT/JAP/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 2. August 2017

Verwaltungsrichter Ackermann, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Scheidegger, Verwaltungsrichter Matti
Gerichtsschreiber Jakob

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 20. Februar 2017

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1962 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich am 28. Juli 2014 bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwer-
degegnerin) zum Leistungsbezug an (Akten der IVB, Antwortbeilage 
[AB] 1). Diese stellte bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 4 % die Ab-
weisung des Leistungsgesuchs hinsichtlich einer Invalidenrente in Aussicht 
(AB 63). Nach erhobenem Einwand (AB 68) verneinte die IVB mit Verfü-
gung vom 20. Februar 2017 (AB 70) entsprechend dem Vorbescheid einen 
Rentenanspruch.

B.

Mit Eingabe vom 23. März 2017 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________, Beschwerde und beantragte, die angefochte-
ne Verfügung sei kostenfällig aufzuheben und ihr sei eine ganze Invaliden-
rente zuzusprechen.

In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. April 2017 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 3

11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun-
gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren 
Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur 
Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gege-
ben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 20. Februar 2017 
(AB 70). Streitig und zu prüfen ist Anspruch auf eine Invalidenrente. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 4

teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; SVR 
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restar-
beitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgegli-
chenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar 
ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen 
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).

2.3 Liegt eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor, sind die 
Grundsätze von BGE 141 V 281 zu beachten, wobei diese auch für ver-
gleichbare Beschwerden gelten, denn aus Gründen der Rechtssicherheit ist 
es geboten, sämtliche psychosomatischen Leiden den gleichen sozialversi-
cherungsrechtlichen Anforderungen zu unterstellen (BGE 141 V 281 E. 4.2 
S. 298, 139 V 346 E. 2 S. 346, 137 V 64 E. 4.3 S. 69, 136 V 279 E. 3.2.3 
S. 283). Die Sachverständigen sollen die Diagnose einer anhaltenden so-
matoformen Schmerzstörung bzw. eines vergleichbaren psychosomati-
schen Leidens so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen 
können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind 
(BGE 142 V 106 E. 3.3 S. 108, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höch-
strichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein solcher Gesund-
heitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, 
schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 
141 V 281 E. 4.1 S. 296 ff.). Es gilt neu im Regelfall nach gemeinsamen 
Eigenschaften systematisierte Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3), 
welche sich in die Kategorien «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) und 
«Konsistenz» einteilen lassen (E. 4.4). Der Prüfungsraster ist rechtlicher 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 5

Natur (E. 5). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgra-
des ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch 
festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand 
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat 
die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete 
versicherte Person zu tragen (E. 6). 

2.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 

3.

3.1 Mit Ausnahme der von der Beschwerdegegnerin als nicht ausge-
wiesen erachteten Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung 
(PTBS; vgl. E. 3.3.1 hiernach; AB 70/1) basiert die angefochtene Verfügung 
vom 20. Februar 2017 (AB 70) in medizinischer Hinsicht auf dem polydiszi-
plinären Gutachten der C.________ AG (MEDAS) vom 24. November 2016 
(AB 61.1). Darin wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit vermerkt (AB 61.1/24):

1. Chronisches, zervikospondylogenes Schmerzsyndrom mit leichter 
Osteochondrose C5/6 und unspezifischer Brachialgie links bei regel-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 6

rechter C6/7-Halswirbelkörper-Prothese (Operation im Jahr 2006) 
und fehlender Radikulopathie (ICD-10: M54.2)
 Schmerzsyndrom myofaszial und degenerativ bedingt
 Status nach Dekompression, Sequestrektomie und Diskuspro-

these der Halswirbelkörper 6/7 im Jahr 2006 bei zervikoradi-
kulären Schmerzen C7 links

2. Mittelgradige depressive Episode mit familiärer Belastungssituation 
(ICD-10: F32.1)

3. PTBS (ICD-10: F43.1)
 mit dissoziativen Elementen bei sexuellem Missbrauch in der 

Kindheit (ICD-10: Z61.4)

Die Gutachter attestierten für die bisherige Tätigkeit aus orthopädischen, 
rheumatologischen und psychiatrischen Gründen eine vollständige Arbeits-
unfähigkeit. Eine leidensangepasste Tätigkeit erachteten sie aus rheumato-
logischer Sicht für uneingeschränkt zumutbar, soweit das repetitive Heben 
von Gewichten über zehn Kilogramm sowie Zwangshaltungen mit dem 
Kopf in Reklination, in gebückter Haltung oder repetitive Drehbewegungen 
des Kopfes gemieden würden. Aus muskuloskelettaler Sicht sei eine phy-
sisch leichte abwechslungsreiche Arbeit mit einer maximalen Traglast von 
fünf bis intermittierend zehn Kilogramm mit Meidung von Überlastungen der 
HWS und guter Ergonomie der HWS zu 100 % möglich. Aus pneumologi-
scher Sicht sei leichte bis mittelschwere körperliche Arbeit in geschützten 
gut belüfteten und beheizten Räumen möglich. Hingegen sei die psychisch 
bedingte Arbeitsunfähigkeit nicht arbeitsplatzspezifisch und schliesse sämt-
liche berufliche Tätigkeiten aus (AB 61.1/35 f.).

3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 7

gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 
E. 3b bb S. 353; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.1).

3.3 In somatischer Hinsicht erfüllen die polydisziplinäre Expertise vom 
24. November 2016 (AB 61.1) sowie die entsprechenden rheumatologi-
schen (AB 61.2), orthopädischen (AB 61.3), endokrinologischen (AB 61.4) 
und pneumologischen Teilgutachten (AB 61.5) die vorerwähnten höch-
strichterlichen Beweisanforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor) und erbringen 
vollen Beweis. Die involvierten Gutachter hatten Kenntnis der wesentlichen 
Vorakten und gelangten anhand der durchgeführten klinischen Exploratio-
nen sowie der bildgebenden bzw. labortechnischen Zusatzuntersuchungen 
(AB 61.5/6, 61.7) zu nachvollziehbaren, differenzierten und überzeugenden 
Schlüssen. Damit ist erstellt, dass – trotz den organisch objektivierten 
HWS-Beschwerden und dem Asthma – aus somatischer Sicht in einer 
Verweisungstätigkeit unter Beachtung des medizinischen Zumutbar-
keitsprofils eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit besteht 
(AB 61.1/35 f.). Dies ist zwischen den Parteien denn auch zu Recht unbe-
stritten. In psychiatrischer Hinsicht vermag die Expertise vom 24. Novem-
ber 2016 (AB 61) bzw. das Teilgutachten von Dr. med. D.________, Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 21. August 2015 (AB 61.6) 
hingegen nicht vollständig zu überzeugen.

3.4

3.4.1 Der psychiatrische Experte leitete die diagnostizierte PTBS 
(AB 61.1/24, 61.6/23) nicht nachvollziehbar her, sondern setzte sie gleich-
sam als gegeben voraus und beschäftigte sich allein ausführlich mit dem 
Schweregrad der Krankheit (AB 61.1/27 ff., 61.6/24 ff.). Wenngleich bei 
diesen Störungen des Kapitels F4 der ICD-10 (neurotische, Belastungs- 
und somatoforme Störungen) nach fachmedizinischer Auffassung nicht die 
Diagnose, sondern die Beurteilung des Schweregrades die entscheidende 
Variable bei der Begutachtung sein soll, ist die nachvollziehbare Diagnose-
stellung allemal zwingend vorausgesetzt (vgl. KLAUS FOERSTER, Psychiatri-
sche Begutachtung im Sozialrecht, in: VENZLAFF/FOERSTER, Psychiatrische 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 8

Begutachtung, 3. Aufl. 2000, S. 509). Hinzu kommt, dass die ICD-10 ver-
langt, dass die Störung innerhalb von sechs Monaten auftritt, während bei 
einer längeren Latenzzeit die klinischen Merkmale typisch sein müssen und 
keine andere Diagnose (wie beispielsweise eine depressive Episode) ge-
stellt werden kann (DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internationale Klas-
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-
diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 208; vgl. BGE 142 V 342 
E. 5.2.2 S. 347 mit Hinweisen). Vor diesem Hintergrund stellte die 
Beschwerdegegnerin die diagnostizierte PTBS angesichts der zwischen 
Trauma und psychischer Dekompensation liegenden Zeitspanne zu Recht 
in Frage (AB 70/3). Zwar lässt sich die PTBS-Diagnose nicht von 
vornherein allein aufgrund der Latenz verneinen (vgl. Entscheid des 
Bundesgerichts [BGer] vom 6. Juli 2017, 8C_73/2017, E. 6.5), umgekehrt 
kann die Diagnose aber auch nicht ohne weiteres als erstellt gelten, soweit 
es an einer plausiblen Begründung hierfür fehlt. Dr. med. D.________ be-
schäftigte sich zu wenig mit der Tatsache, dass es der Beschwerdeführerin 
trotz den berichteten traumatischen Erlebnissen in der Kindheit bzw. Ado-
leszenz (AB 61.6/8) möglich war, die Matura nachzuholen (AB 61.6/11), 
danach eine anspruchsvolle Berufsbildung zu erlangen und alsdann 
jahrelang am gleichen Arbeitsplatz einer entsprechenden beruflichen 
Aktivität nachzugehen (AB 3, 5, 18, 61.6/11 f.). Wohl lieferten die 
behandelnden Dr. med. E.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin bzw. für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie lic. phil. 
F.________, Fachpsychologe für Psychotherapie, in ihrer Stellungnahme 
vom 6. März 2017 (Akten der Beschwerdeführerin, Beschwerdebeilage 
[BB] 2) einen möglichen Erklärungsansatz (nämlich 
«Konsolidierungsphasen»), es wäre aber Aufgabe des zum Gutachter 
berufenen Dr. med. D.________ gewesen, sich mit diesem Aspekt vertieft 
auseinanderzusetzen. Schliesslich diagnostizierte der psychiatrische Ex-
perte zusätzlich eine mittelgradige depressive Episode bei familiärer 
Belastungssituation (ICD-10: F32.1; AB 61.6/23), was in Bezug auf die 
PTBS – wie erwähnt – prinzipiell eine Ausschlussdiagnose darstellt; auch 
dazu fehlen Weiterungen.

3.4.2 Des Weiteren ist das psychiatrische Teilgutachten vom 21. August 
2015 (AB 61.6) punktuell unvollständig. Mit der PTBS wurde ein 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 9

psychosomatisches Leiden diagnostiziert, auf welches die zu den 
somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze analog 
anwendbar sind (vgl. BGE 142 V 342). Nun berücksichtigte Dr. med. 
D.________ zwar den mit der Praxisänderung von BGE 141 V 281 einge-
führten normativen Prüfungsraster (vgl. AB 61.6/27 ff.; E. 2.3 hiervor), dies 
obwohl der Fragenkatalog (AB 24, 61.1/20 f. Ziff. II lit. C) noch auf der 
mittlerweile abgelösten Überwindbarkeitspraxis fusste (die Publikation des 
IV-Rundschreibens Nr. 339 mit einem entsprechend modifizierten 
Fragenkatalog erfolgte erst im September 2015). Insbesondere in Bezug 
auf den Komplex «Sozialer Kontext» sowie die Kategorie «Konsistenz» 
(BGE 141 V 281 E. 4.3.3 bzw. E. 4.4 S. 303 f.) lassen die Angaben in der 
psychiatrischen Expertise (AB 61.6/29) aber keine sorgfältige 
Indikatorenprüfung durch die rechtsanwendenden Behörden zu. Gemäss 
den vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) als verbindlich erklär-
ten (vgl. IV-Rundschreiben Nr. 313) «Qualitätsleitlinien für psychiatrische 
Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung» der Schweizeri-
schen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) kommt der 
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch den Versi-
cherten besondere Bedeutung zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf In-
teressen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten und damit Potential und Res-
sourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben oder dem Verhal-
ten in der Untersuchung ergeben (Ziff. 3 der Qualitätsleitlinien, abrufbar 
unter <www.psychiatrie.ch>, Rubrik SGPP/Direktzugriff/Qualität). Freizeit-
gestaltung, Hobbies (Malen, Spaziergehen, Pilze sammeln, Lesen), Sport 
(Schwimmen, Hometrainer) und Vereinstätigkeiten (Christliche Gemeinde) 
wurden nur rudimentär und Ferienreisen überhaupt nicht erfragt 
(AB 61.6/14). Immerhin ist dem Gutachten zu entnehmen, dass die Explo-
randin nebst der Beiständin sowie der psychiatrischen Spitex Unterstützung 
durch wenige, aber gute Freundinnen erfährt, welche sie zur Begutachtung 
fahren oder beim Umzug helfen (AB 61.6/14 f.). Ein typischer Tagesablauf 
wurde hingegen nicht spezifisch nachgezeichnet, womit auch nicht klar ist, 
wie die Beschwerdeführerin ihre ADL (Activities of Daily Living) organisiert.

3.4.3 Schliesslich ist der Verlauf seit der psychiatrischen Exploration vom 
21. August 2015 (AB 61.6) bis zur angefochtenen Verfügung vom 
20. Februar 2017 (AB 70), die grundsätzlich den zeitlichen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 10

Überprüfungshorizont markiert (vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 
138 E. 2.1 S. 140), in den medizinischen Akten nicht hinreichend dokumen-
tiert. Der undatierte (am 18. Februar 2016 eingelangte) Bericht über die 
stationäre Behandlung im Spital G.________ vom 17. September bis 22. 
Dezember 2015 (AB 53) ist wenig aussagekräftig und über die psychia-
trisch-psychotherapeutische Nachbetreuung durch Dr. med. E.________ 
sowie lic. phil. F.________ (AB 53/3 Ziff. 10) ist der Stellungnahme vom 6. 
März 2017 (BB 2) nichts Konkretes zu entnehmen. 

3.4.4 Nach dem Dargelegten erweist sich das Gutachten von Dr. med. 
D.________ vom 21. August 2015 (AB 61.6) als punktuell 
ergänzungsbedürftig, was die Beweiskraft der übrigen MEDAS-
Teilgutachten grundsätzlich nicht beschlägt (vgl. Entscheid des BGer vom 
21. März 2017, 8C_747/2016, E. 2.2.4 [zur Publikation vorgesehen]). Bei 
dieser Ausgangslage ist die Sache in Gutheissung der Beschwerde 
(zulässigerweise [BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.]) an die Verwaltung 
zurückzuweisen, damit sie in Nachachtung der Untersuchungsmaxime (Art. 
43 Abs. 1 ATSG) in Bezug auf die aufgezeigten unklaren Punkte eine 
Präzisierung bzw. Ergänzung des psychiatrischen MEDAS-Teilgutachtens 
veranlasst. Hierzu wird in einem ersten Schritt bei den behandelnden 
Therapeuten ein Verlaufsbericht einzuholen sein. Alsdann wird der 
Gutachter die für die Indikatorenprüfung notwendigen Informationen und 
dabei insbesondere die detaillierten ADL vorderhand durch eine gezielte 
Nachfrage bei der Beschwerdeführerin (sowie allenfalls durch zusätzliche 
Fremdanamnesen) zu erheben und in Kenntnis der vervollständigten 
Aktenlage eine nachvollziehbare diagnostische Beurteilung abzugeben 
haben. Auf Grundlage dieser Abklärungen wird er schliesslich erneut zur 
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen haben, 
wobei er sich auch mit der diesbezüglichen Selbsteinschätzung der 
Explorandin (AB 61.6/15 f.) auseinanderzusetzen haben wird. Damit 
erübrigt sich beim derzeitigen Verfahrensstand das Einholen eines 
Gerichtsgutachtens. Sollte das ergänzte Teilgutachten beweisrechtlich 
weiterhin nicht vollständig überzeugen, hätte die Beschwerdegegnerin eine 
psychiatrische Neubegutachtung bei einem mit der Sache noch nicht 
befassten Experten zu veranlassen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 11

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 12

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der von der Beschwerde-
führerin geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist ihr nach Eintritt der 
Rechtskraft des Urteils zurückzuerstatten.

4.2 Angesichts ihres Unterliegens hat die Beschwerdegegnerin der 
Beschwerdeführerin die Parteikosten zu ersetzen. Diese werden ohne 
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach 
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). 

In der Kostennote vom 5. Mai 2017 hat Rechtsanwältin B.________ ein 
Honorar von Fr. 2‘790.-- sowie Auslagen von Fr. 46.30 und die Mehrwert-
steuer von Fr. 226.90 geltend gemacht, was nicht zu beanstanden ist. Der 
gesamte Parteikostenersatz wird somit auf Fr. 3‘063.20 (inkl. Auslagen und 
MWSt.) festgesetzt.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 20. Februar 2017 aufgehoben und die Sache an die 
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie – nach Vornah-
me der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Aug. 2017, IV/17/320, Seite 13

Kostenvorschuss von Fr. 800.-- wird nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3‘063.20 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.