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**Case Identifier:** 9ef64f37-c749-505b-b48c-e171fb8fe2eb
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-06
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 06.10.2023 200 2023 441
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2023-441_2023-10-06.pdf

## Full Text

200 23 441 ALV
FUE/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 6. Oktober 2023

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Verwaltungsrichter Schütz
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________ AG
handelnd durch B.________
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. C.________
Beschwerdeführerin

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern
Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die A.________ AG (nachfolgend: A.________ AG bzw. Beschwerdeführe-
rin) bezweckt die …, die … und den … von … (Akten der Kantonalen 
Amtsstelle [act. IIa] 26). Am 22. März 2023 reichte die A.________ AG 
beim Amt für Arbeitslosenversicherung (nachfolgend: AVA bzw. Beschwer-
degegner) eine Voranmeldung von Kurzarbeit für die Zeit vom 1. April bis 
31. Oktober 2023 für den gesamten Betrieb ein (act. IIa 15 - 18). Mit Ent-
scheid vom 24. März 2023 (act. IIa 10 - 14) erhob das AVA Einspruch ge-
gen die Ausrichtung der beantragten Kurzarbeitsentschädigung mit der 
Begründung, der geltend gemachte Arbeitsausfall gehöre zum normalen 
Betriebsrisiko. Daran hielt es auf Einsprache hin (act. IIa 6) mit Entscheid 
vom 4. Mai 2023 (act. IIa 1 - 5) fest. 

B.

Dagegen erhob die A.________ AG, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. 
C.________, am 5. Juni 2023 Beschwerde. Sie beantragt, unter Aufhebung 
des angefochtenen Entscheides sei ihr für die Dauer ab 1. April bis 31. Ok-
tober 2023 Kurzarbeit zu bewilligen und Kurzarbeitsentschädigung auszu-
richten. Die zuständige Arbeitslosenkasse sei anzuweisen, den Anspruch 
der Beschwerdeführerin auf Kurzarbeitsentschädigung zu beziffern und 
auszuzahlen. Eventualiter sei die Sache unter Aufhebung des angefochte-
nen Entscheides zur Fortsetzung des Verfahrens an das AVA zurückzu-
weisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juli 2023 beantragt der Beschwerdegeg-
ner die Abweisung der Beschwerde. 

Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 26. Juli 2023 nebst der 
einverlangten Kostennote eine Zusammenstellung der Umsatzzahlen von 
Januar bis Juni der Jahre 2019 bis 2023 ein, machte zusätzliche Aus-
führungen und hielt an den bisherigen Begehren und Begründungen voll-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 3

umfänglich fest. Ein Doppel dieser Eingabe samt Beilage wurde dem Be-
schwerdegegner mit prozessleitender Verfügung vom 27. Juli 2023 zur 
Kenntnisnahme zugestellt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung vom 31. August 
1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven-
zentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmungen über Frist 
(Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 
des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.

1.2 Angefochten ist der Einspracheentscheid vom 4. Mai 2023 (act. IIa 
1 - 5). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung 
für den Zeitraum vom 1. April bis 31. Oktober 2023 und hierbei, ob die An-
spruchsvoraussetzung des anrechenbaren Arbeitsausfalls erfüllt ist.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 4

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht, wenn der Arbeits-
ausfall anrechenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet 
werden darf, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden kön-
nen (Art. 31 Abs. 1 lit. b und d AVIG). Der Zweck der Kurzarbeitsentschädi-
gung besteht darin, einerseits den versicherten Personen einen 
angemessenen Ersatz für Erwerbsausfälle wegen Kurzarbeit zu garantie-
ren und Ganzarbeitslosigkeit, d.h. Kündigung und Entlassung, zu verhin-
dern. Anderseits dient die Kurzarbeitsentschädigung der Erhaltung der 
Arbeitsplätze im Interesse sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitge-
ber, indem die Möglichkeit der Erhaltung eines "intakten Produktionsappa-
rates" über die Zeit der Kurzarbeit hinweg geboten wird (BGE 121 V 371 E. 
3a S. 375).

2.2 Ein Arbeitsausfall ist unter anderem anrechenbar, wenn er auf wirt-
schaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. 
a AVIG). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein (BGE 121 V 
371 E. 2a S. 373). Der Rückgang der Nachfrage nach den normalerweise 
von einem Betrieb angebotenen Gütern oder Dienstleistungen ist für das 
Vorliegen eines wirtschaftlichen Grundes kennzeichnend (ARV 1985 S. 112 
E. 3a).

2.3 Ein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender und darum 
grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch dann nicht als anre-
chenbar, wenn er durch Umstände verursacht wird, die zum normalen Be-
triebsrisiko des Arbeitgebers gehören (vgl. Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG). Der 
Begriff "normales Betriebsrisiko" darf nicht nach einem für alle Unterneh-
mensarten allgemein gültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in 

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jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betriebstätigkeit verbun-
denen besonderen Verhältnisse zu bestimmen. Mit dem normalen Betriebs-
risiko sind die "gewöhnlichen" Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, 
die erfahrungsgemäss regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge 
vorhersehbar und in verschiedener Weise kalkulatorisch erfassbar sind 
(BGE 138 V 333 E. 4.2.2 S. 337; ARV 2004 S. 128 E. 1.3). 

2.4 Ein im Sinne von Art. 32 AVIG an sich anrechenbarer Arbeitsausfall 
verleiht dann keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn er 
branchen-, berufs- oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäfti-
gungsschwankungen verursacht wird (Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will 
das Gesetz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der 
Kurzarbeitsentschädigung ausschliessen (BGE 121 V 371 E. 2a S. 374).

3.

3.1

3.1.1 Das Geschäftsmodell der Beschwerdeführerin stellt sich gemäss 
ihren Angaben im Wesentlichen wie folgt dar (Beschwerde S. 5 f. III./B./B2 
Ziff. 3 f.): Die …, die … und der … von … sei ein … Betrieb. Die Beschwer-
deführerin sei von Vororderbestellungen abhängig. In der Regel beginne 
sie Ende Januar eines Jahres mit der Produktion in Relation zu den Vor-
hersagen für den darauffolgenden Winter (z.B. Januar 2022 für Winter 
2022/2023). Dieser "Sockel" lasse sich erfahrungsgemäss in der Folge 
dann auch problemlos vertreiben. Ab April/Mai lägen die verbindlichen Vor-
order (Bestellungen) für Auslieferungen vor, also z.B. die Vororder 
2022/2023 für den kommenden Winter 2022/2023. Bis Mai eines Jahres 
könnten die Zahlen jeweils noch ändern zufolge hinzukommender oder 
aber wegfallender Vororder. Gestützt auf die Vororder könne die ganze 
Produktion und Verfeinerung für die folgenden Monate bis zur Auslieferung 
der Produkte erfolgen. Die Auslieferung erfolge zirka ab Juni für Übersee, 
ab September für Europa und für die Schweiz ab Oktober/November. Die 
Beschwerdeführerin beliefere Distributoren und Fachhändler mit …, nicht 
Endkonsumenten. Nebst den Vorordern gebe es auch Nachorder aufgrund 
der aktuellen Nachfrage je nach lokalen und spontanen Gegebenheiten. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 6

Diese Nachordern seien sofort auszuliefern und würden auch unmittelbar 
umsatzwirksam. Die Vororder mache zirka 80 % und die Nachorder zirka 
20 % des Gesamtumsatzes eines Jahres aus. Ab April/Mai eines Ge-
schäftsjahres stehe zuverlässig fest, wie sich dieses laufende Geschäfts-
jahr entwickeln werde. 

3.1.2 Zur Begründung des Antrages auf Kurzarbeitsentschädigung macht 
die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend (Beschwerde S. 6 ff. 
III./B./B2 Ziff. 5 ff.), ein Blick auf die Vororder seit 2013/2014 zeige das Bild 
eines soliden und im Durchschnitt wachsenden Unternehmens, wobei die 
Vororder 2015/2016 einen Taucher darstelle, was an der abrupten Aufhe-
bung des Mindestfrankenkurses zum Euro gelegen habe; damals sei Kurz-
arbeit bewilligt worden. In der Folge sei die Vororder wieder angestiegen. 
Diejenige für 2021/2022 sei gegenüber derjenigen des Vorjahres förmlich 
explodiert. So habe die Vororder für 2020/2021 bei Fr. 6'331'600.--, diejeni-
gen für 2021/2022 bei Fr. 11'748'599.-- gelegen, für den folgenden Winter 
2022/2023 sei die Vororder nochmals markant auf Fr. 14'317'020.-- gestie-
gen. Die Beschwerdeführerin habe diesen massiven und plötzlichen Nach-
fragezuwachs nur mit der kurzfristigen Anstellung von Temporärmitar-
beitenden bewältigen können. Demgegenüber sei die Vororder für 
2023/2024 regelrecht implodiert. Sie liege gemäss den nun verbindlichen 
Angaben bei Fr. 2'069'892.--, das sei gegenüber dem Vorjahr ein Einbruch 
von 85 %. Es sei der mit Abstand tiefste Werte seit Erfassung der Vororder, 
namentlich tiefer als der Wert für 2015/2016, wo die Aufhebung des Min-
destfrankenkurses gewirkt habe (damals Fr. 3'911'733.--) und auch tiefer 
als die Vororder für 2013/2014 (Fr. 4'753'851.--). Ab Dezember 2022 seien 
auch die Erlöse eingebrochen. Der Umsatzeinbruch der Beschwerdeführe-
rin sei gemäss Rückfragen und Analysen eine mittelbare Folge der Corona-
Pandemie. In der Corona-Pandemie und namentlich den Wintermonaten 
hätten … wie … im Gefolge der in vielen Ländern (und namentlich im Ab-
satzgebiet der Beschwerdeführerin) verordneten behördlichen Kontaktbe-
schränkungen einen regelrechten, gleichsam explosionsartig ansteigenden 
Boom erlebt. … seien damals unmöglich gewesen und … , insbesondere 
im nicht bevölkerten Berggebiet, eine der verbliebenen Freizeitbeschäfti-
gungen. Entsprechend seien auch die Auftragszahlen der Beschwerdefüh-
rerin in die Höhe geschnellt. Für den Winter nach Ende der 

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pandemiebedingt verordneten Massnahmen habe sich die Nachfrage der 
Endkonsumenten wieder normalisiert. Der … habe mit den im Lager vor-
handenen … die nunmehr wieder normale Nachfrage bewältigen können. 
Für die Beschwerdeführerin habe dies nun aber bedeutet, dass ihre Auf-
tragszahlen nicht etwa nur auf das "normale" Niveau zurückgekehrt seien, 
sondern zufolge Nutzung der Lagervorräte im … regelrecht eingebrochen 
seien. Noch bis in den Herbst 2022 seien die Umsätze zwar stabil auf ho-
hem Niveau geblieben, wohl auch in der kundenseitigen Befürchtung neu-
erlicher Beschränkungen für die Wintermonate. Lange habe es sogar 
danach ausgesehen, dass das Jahr 2022 die Aufträge des Vorjahres 
nochmals übertreffen würde. Ab Dezember 2022 sei indes der Einbruch 
jedenfalls im Vergleich mit dem Vorjahr spürbar gewesen und es sei auch 
kaum mehr zu Nachordnern gekommen. Der Einbruch sei damit erstens 
kurzfristig und – aufgrund der zunächst und grundsätzlich noch bis in den 
November 2022 hinein sehr erfreulichen Zahlen – zweitens auch völlig un-
erwartet gekommen. Die Erklärung der Lagernutzung sei der Versuch einer 
Erklärung, welche die Beschwerdeführerin erst ex post und aufgrund erfolg-
ter Rückfragen habe anstellen können. Weiter macht die Beschwerdeführe-
rin geltend (Beschwerde S. 10 f. III./B./B3 Ziff. 3 und 5), der dargestellte 
Umsatzeinbruch sei insbesondere kein wiederkehrendes oder gar regel-
mässiges Ereignis, sondern in diesem Umfang schlicht einmalig und kalku-
latorisch auch nicht zu erfassen. Der Lagerabbau stelle entgegen der 
Auffassung des Beschwerdegegners kein übliches Betriebsrisiko dar. Der 
hier in Frage stehende Lagerabbau sprenge vielmehr jede übliche Dimen-
sion und zwar nicht nur im Umfang, sondern auch in der Art und Weise und 
der Kurzfristigkeit des Eintritts. Weiter sei der Nachfrageeinbruch vorüber-
gehend, weil sich die Lage voraussichtlich für den Winter 2024/2025 nor-
malisieren werde. 

3.1.3 Demgegenüber bringt der Beschwerdegegner im Wesentlichen vor 
(Beschwerdeantwort S. 3 III./Art. 4), die Beschwerdeführerin habe nicht 
geltend gemacht, einen Arbeitsausfall wegen den Einschränkungen im Zu-
sammenhang mit den Massnahmen zur Eindämmung der Corona-
Pandemie erlitten zu haben. Vielmehr habe sie ausgeführt, dass sie 
während der Corona-Pandemie von der hohen Nachfrage profitiert habe. 
Aufgrund der grossen Nachfrage während der Corona-Pandemie sei auch 

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die Nachfrage nach den von der Beschwerdeführerin hergestellten Produk-
ten bei ihren Kunden gestiegen. Folglich hätten sich durch die grossen Be-
stellmengen bei den Kunden der Beschwerdeführerin hohe Lagerbestände 
ergeben, welche nun beim Rückgang der Produktenachfragen auf das Ni-
veau von vor der Corona-Pandemie abgebaut würden. Dass die Kunden 
der Beschwerdeführerin ihr Verhalten geändert hätten und diese vor einer 
neuen Warenbestellung zuerst ihre eigenen Lagerbestände abbauten, be-
ruhe auf deren unternehmerischen Entscheidungen, welche sich in der 
Folge auf die Auftragslage der Beschwerdeführerin auswirke. Dieser Um-
stand stelle jedoch nichts Aussergewöhnliches dar und gehöre zum norma-
len Betriebsrisiko. Es lägen keine ausserordentlichen Gründe vor, die zur 
Bewilligung von Kurzarbeit berechtigen würden. 

3.2 Anrechenbar ist der Arbeitsausfall, wenn er auf wirtschaftliche 
Gründe zurückzuführen ist und nicht durch Umstände verursacht wird, die 
zum normalen Betriebsrisiko gehören (vgl. E. 2.3 hiervor; BGE 138 V 333 
E. 3.2 S. 335; THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: ULRICH 
MEYER [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band 
XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2412 Rz. 484 f; vgl. auch D2 ff. 
der Weisung des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO] AVIG KAE 
[AVIG-Praxis KAE], Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung [TC]).

3.3

3.3.1 Die Vororderbestellungen der Beschwerdeführerin stellen sich für 
die Jahre 2013/2014 bis 2023/2024 wie folgt dar (Akten der Beschwerde-
führerin [act. I] 6):

Saison Schweiz (in Fr.) Export (in Fr.) Total (in Fr.)

2013/2014 1'197'051.-- 3'556'800.-- 4'753'851.--

2014/2015 1'876'030.-- 5'459'561.-- 7'335'591.--

2015/2016 1'076'653.-- 2'835'080.-- 3'911'733.--

2016/2017 982'015.-- 2'871'855.-- 3'853'869.--

2017/2018 1'164'430.-- 3'472'869.-- 4'637'299.--

2018/2019 1'451'665.-- 3'633'729.-- 5'085'394.--

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 9

2019/2020 1'865'721.-- 5'378'793.-- 7'244'514.--

2020/2021 1'546'007.-- 4'785'592.-- 6'331'600.--

2021/2022 2'873'104.-- 8'875'495.-- 11'748'599.--

2022/2023 3'349'458.-- 10'967'562.-- 14'317'020.--

2023/2024 968'492.-- 1'101'400.-- 2'069'892.--

Es ist unbestritten und aufgrund der Akten erstellt, dass die Vororderbestel-
lungen, welche gemäss Angaben der Beschwerdeführerin 80 % des Ge-
samtumsatzes ausmachen (Beschwerde S. 5 f. III./B./B2 Ziff. 4), für die 
Saisons 2013/2014 bis jener pro 2019/2020 zwischen minimal 
Fr. 3'853'869.-- (2016/2017) und maximal Fr. 7'244'514.-- (2019/2020) la-
gen, sich pro 2020/2021 auf Fr. 6'331'600.-- beliefen, pro 2021/2022 stark 
auf Fr. 11'748'599.-- und pro 2022/2023 sogar auf Fr. 14'317'020.-- anstie-
gen, hingegen pro 2023/2024 auf Fr. 2'069'892.-- einbrachen. 

Aufgrund dieser Zahlen und den unbestrittenen und schlüssigen Angaben 
der Beschwerdeführerin, welche bei ihren Kunden Rückfragen getätigt hat 
(Beschwerde S. 8 III./B./B2 Ziff. 7), kann mit den Parteien (vgl. Einspra-
cheentscheid S. 3 [act. IIa 1 - 5]) davon ausgegangen werden, dass es in 
der Zeit der Corona-Pandemie und einer damit einhergehenden, plötzlich 
erhöhten Nachfrage nach …- und … zu einer erheblich gesteigerten Nach-
frage nach … auf Endkunden- und somit auch auf Kundenseite der Be-
schwerdeführerin (Distributoren und Fachhändler) gekommen ist. Deshalb 
– allenfalls auch mit Blick auf die pandemiebedingten Probleme bei den 
Lieferketten – haben sich Letztere mit (zu) grossen Lagerbeständen einge-
deckt – im Vergleich zu den Vororderbestellungen pro 2020/2021 haben 
sich die Vororderbestellungen pro 2021/2022 und 2022/2023 fast verdop-
pelt bzw. sogar mehr als verdoppelt –, wobei sich die Nachfrage auf End-
kundenseite nach Beendigung der Corona-Massnahmen wieder auf das 
Niveau von vor der Corona-Pandemie eingependelt hat. Dies hat dazu ge-
führt, dass die Kunden der Beschwerdeführerin zuerst ihre Lagerbestände 
abgebaut haben, was in weit unterdurchschnittlichen Vororderbestellungen 
pro 2023/2024 mündete. 

3.3.2 Dass der Arbeitsausfall der Beschwerdeführerin auf wirtschaftliche 
Gründe zurückzuführen ist, ist zu Recht unbestritten. Strittig ist hingegen, 

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ob – wovon der Beschwerdegegner ausgeht (act. II 12; Beschwerdeantwort 
S. 3 III./Art. 4) – der Auftragseinbruch bei den Vororderbestellungen pro 
2023/2024 dem normalen Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 
AVIG zuzuordnen ist. Der Beschwerdegegner begründet dies damit, dass 
Schwankungen in der Auftragslage ein übliches Betriebsrisiko darstellten, 
das nicht zur Bewilligung von Kurzarbeit berechtige (Beschwerdeantwort 
S. 3 III./Art. 4).

Bei der Prüfung, ob ein normales Betriebsrisiko vorliegt, gilt nicht ein für 
alle Unternehmensarten allgemein gültiger Massstab, sondern dies ist in 
jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betriebstätigkeit verbun-
denen besonderen Verhältnisse zu bestimmen (vgl. E. 2.3 hiervor und Ent-
scheid des Bundesgerichts vom 28. September 2012, 8C_267/2012, 
E. 3.2). Dabei kommt dem Gesichtspunkt der Vorhersehbarkeit nach der 
Rechtsprechung entscheidende Bedeutung zu (BGE 119 V 498 E. 3 
S. 501; NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2412 Rz. 485). So gehören Arbeitsausfäl-
le, die jeden Arbeitgeber treffen können, zum normalen Betriebsrisiko. Le-
diglich wenn sie ausserordentlicher oder aussergewöhnlicher Natur sind, 
sind sie anrechenbar und damit entschädigungsberechtigt. Nicht anrechen-
bar ist ein Arbeitsausfall, wenn er branchen-, berufs- oder betriebsüblich ist 
oder durch saisonale Beschäftigungsschwankungen verursacht ist (Art. 33 
Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will das Gesetz vor allem regelmässig wiederkeh-
rende Arbeitsausfälle von der Kurzarbeit ausschliessen. Solche Arbeitsaus-
fälle sind vorhersehbar und kalkulatorisch im Voraus erfassbar. 
Anrechenbar wird der Arbeitsausfall auch hier erst dann, wenn er auf aus-
serordentliche oder aussergewöhnliche Umstände zurückzuführen und 
beträchtlich ist, d.h. die üblichen Schwankungen erheblich übersteigt 
(NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2412 f. Rz. 485 f.).

3.3.3 Der Argumentation des Beschwerdegegners kann insoweit gefolgt 
werden, als Schwankungen in der Auftragslage grundsätzlich ein übliches 
Betriebsrisiko darstellen, was einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädi-
gung ausschliesst (so auch D9 erster Satz AVIG-Praxis KAE). Im Einzelfall, 
sofern besondere Umstände vorliegen, kann indes eine Ausserordent-
lichkeit des Arbeitsausfalls vorliegen. Dies trifft hier zu, wie nachfolgend zu 
zeigen ist.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 11

Wie den Vororderbestellungen der letzten zehn Jahre entnommen werden 
kann (act. I 6), bewegten sich die Auftragszahlen mehr oder minder kon-
stant (im Schnitt der Vororder 2013/2014 bis 2020/2021 bei Fr. 5'394'231.--; 
bei einem Tiefstwert pro 2016/2017 von Fr. 3'853'869.--) und in der Ten-
denz ansteigend. Nach einer gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre 
mehr als verdoppelten Nachfrage (pro 2021/2022 Fr. 11'748'599.--; 
2022/2023 Fr. 14'317'020.--) brach die Vororder pro 2023/2024 auf 
Fr. 2'069'892.-- ein. Selbst unter Ausblendung des pandemiebedingten 
Booms, der sich in den Zahlen pro 2021/2022 und 2022/2023 niederschlug, 
ist der Einbruch der Vororder als erheblich zu qualifizieren. Zum achtjähri-
gen Schnitt der Vororder 2013/2014 bis 2020/2021 (Fr. 5'394'231.--) betrug 
der Einbruch 61.6 % und auch im Vergleich zum Tiefstwert pro 2016/2017 
(Fr. 3'853'869.--) immer noch 46.3 %. Der massive Bestelleinbruch spiegelt 
sich auch in den Erlösen der Monate Januar bis Juni der Jahre 2019 bis 
2023 wieder (act. IIa 10), wonach mit Fr. 775'336.14 (2023) im Vergleich zu 
2020 (Fr. 1'642'234.80) und 2019 (Fr. 1'704'946.52) ein Einbruch von über 
50 % vorliegt. Mit der Beschwerdeführerin kann der Einbruch der Vororder 
mit Blick auf den langjährigen Schnitt bzw. den konstant bei mindestens 
Fr. 3'800'000.-- liegenden Vororder – auch unter Ausserachtlassung des 
Booms pro 2021/2022 und 2022/2023 – nicht mehr als übliche und normale 
Schwankung und daher kalkulierbar qualifiziert werden, sondern als aus-
serordentlicher Auftragseinbruch. Der Einbruch der Bestellungen kam so-
dann abrupt, wie die Monatsumsätze der Saisons 2022/2023 und 
2023/2024 zeigen (vgl. act. I 6 Anhang). 

Was das Kriterium der Vorhersehbarkeit des Einbruchs betrifft, war auch ex 
ante betrachtet absehbar, dass die Corona-Pandemie und/oder die ausser-
ordentlich erhöhte Nachfrage auf Endkundenseite einmal enden würde und 
die Nachfrage auf ein Vorcorona-Niveau zurückgehen könnte. Für die Be-
schwerdeführerin war indes – in Unkenntnis der betriebsinternen Daten 
ihrer Kunden über Bestände und Absätze – nicht vorhersehbar, dass die 
Kunden letztlich zu hohe Lagerbestände angehäuft hatten bzw. ihre Waren 
nicht im wohl erhofften Ausmass würden absetzen können, sodass bei der 
schliesslich eingetretenen Normalisierung der Nachfragesituation auf End-
kundenseite nicht auch die Bestellungen der Kunden der Beschwerdeführe-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 12

rin wieder auf ein normales Niveau zurückgingen, sondern im Vergleich 
zum langjährigen Schnitt massiv einbrachen. 

3.4 Nach dem Dargelegten war der Einbruch des Auftrags- bzw. Um-
satzvolumens, soweit dieser über das Vor-Pandemie-Niveau hinausging, 
unvorhersehbar, abrupt und im Vergleich zum langjährigen Schnitt der 
"normalen" Jahre erheblich. Damit ist die hier zu beurteilende Situation als 
ausserordentlich und nicht als normales Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 
Abs. 1 lit. a AVIG zu qualifizieren. 

3.5 Über die weiteren Voraussetzungen (voraussichtlich vorübergehen-
der Ausfall; Erwartung, dass durch die Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten 
werden können; Unvermeidbarkeit des Arbeitsausfalls [vgl. E. 2.1 und 2.2 
hiervor]) hat der Beschwerdegegner keine Feststellungen getroffen, wes-
halb die Sache in Gutheissung der Beschwerde und unter Aufhebung des 
angefochtenen Einspracheentscheides an die Verwaltung zurückzuweisen 
ist zwecks Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen und neuer 
Verfügung.

4.

4.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben.

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Rechtsanwalt Dr. C.________ macht mit Kostennote vom 26. Juli 2023 ein 
Honorar von Fr. 3'166.65 bzw. einen Aufwand von 760 Minuten bzw. 12.67 
Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 250.-- zuzüglich Auslagen von 
Fr. 57.90 und Mehrwertsteuer von Fr. 248.30 (7.7 % von Fr. 3'224.55), total 
Fr. 3'472.85 geltend, was nicht zu beanstanden ist. Die Parteienschädigung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Okt. 2023, ALV/23/441, Seite 13

für dieses Verfahren wird demnach auf Fr. 3'472.85 (inklusive Auslagen 
und MWST) festgesetzt; diesen Betrag hat der Beschwerdegegner der Be-
schwerdeführerin zu ersetzen.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene Einspra-
cheentscheid des AVA vom 4. Mai 2023 aufgehoben und die Sache an 
den Beschwerdegegner zurückgewiesen, damit er – nach Vornahme 
der Abklärungen im Sinne der Erwägungen – neu verfüge.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'472.85 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt Dr. C.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst 
- Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.