# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d3bfabd-75c2-51f5-a70d-151ea3af07bd
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.12.2021 200 2020 909
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-909_2021-12-23.pdf

## Full Text

200 20 909 IV
KNB/SCM/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. Dezember 2021

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schädeli

A.________
vertreten durch Rechtsdienst B.________, Rechtsanwältin C.________, 
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 12. November 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1960 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im November 2018 – nachdem ein erstes Leistungsbegehren 
vom Januar 2008 (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegne-
rin; act. II] 1) am 30. März 2010 abschlägig beschieden worden war (act. II 
35) – unter Hinweis auf die vorliegenden Arztberichte erneut bei der Eid-
genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (act. II 
46). Im Rahmen der erwerblichen und medizinischen Abklärungen liess die 
IVB insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten (datierend vom 30. Ja-
nuar 2020 [AB 107.1-107.7]) einholen. Ferner liess sie einen Abklärungsbe-
richt Haushalt / Erwerb erstellen (datierend vom 5. Juni 2020; act. II 111). 
Mit Vorbescheid vom 11. Juni 2020 (act. II 112) stellte die IVB der Versi-
cherten bei einem in Anwendung der gemischten Methode (65 % Erwerb 
und 35 % Haushalt) ermittelten Invaliditätsgrad von 19 % die Abweisung 
des Rentenbegehrens in Aussicht. Auf dagegen erhobenen Einwand hin 
(act. II 115, 118, 120-121) holte die IVB eine Stellungnahme ihres Regiona-
len Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 122) sowie des Bereichs Abklärungen 
ein (act. II 124); am 12. November 2020 (act. II 125) verfügte sie entspre-
chend dem Vorbescheid.

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsdienst 
B.________, Rechtsanwältin C.________, am 14. Dezember 2020 Be-
schwerde. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 
der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter 
seien medizinische Abklärungen durchzuführen, auf deren Grundlage die 
Arbeitsfähigkeit sowie der Leistungsanspruch neu zu prüfen seien. Gleich-
zeitig stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiord-
nung von Rechtsanwältin C.________ als amtliche Anwältin.

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In der Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2021 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Am 4. März 2021 reichte die Beschwerdeführerin aufforderungsgemäss 
weitere Unterlagen betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
ein.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 12. November 2020 
(act. II 125). Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

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1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei einer erwerbs-
tätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt 
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit 
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt 
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 
geworden wäre (Art. 16 ATSG). 

Nach Art. 28a Abs. 3 IVG wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbs-
tätig sind, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wa-
ren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für 
diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt (Art. 28a 
Abs. 2 IVG). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der 
Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditäts-

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grad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; BGE 
145 V 370 E. 4.1 S. 373, 144 I 21 E. 2.1 S. 23).

Bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 
Abs. 2 IVG betätigen, werden für die Bestimmung des Invaliditätsgrads der 
Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in 
Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich summiert (Art. 27bis Abs. 2 
der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; 
SR 831.201]). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Er-
werbstätigkeit richtet sich nach Art. 16 ATSG. Dabei sind Validen- und In-
valideneinkommen auf der Grundlage einer hypothetischen Vollzeittätigkeit 
zu ermitteln (BGE 145 V 370). Die prozentuale Erwerbseinbusse wird 
schliesslich anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn 
sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet (Art. 27bis Abs. 3 IVV). Für die 
Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufga-
benbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der 
Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versi-
cherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Er wird anhand des 
Anteils des Aufgabenbereichs gewichtet (Art. 27bis Abs. 4 IVV).

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

3.

3.1 Hinsichtlich der leistungsablehnenden Verfügung vom 30. März 
2010 (act. II 35) und der Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Invali-
denversicherung vom November 2018 (act. II 46) ist festzuhalten, dass es 

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sich bei Letzterer nicht um eine Neuanmeldung in dem Sinne handelt, dass 
sich die Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen 
analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG beurteilen würde (vgl. 
hierzu Art. 87 Abs. 3 IVV; BGE 144 I 103 E. 2.1 S. 105, 141 V 9 E. 2.3 
S. 10, 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351; SVR 2018 UV Nr. 22 S. 79 E. 2.2.1, 2014 
IV Nr. 33 S. 121 E. 2). Denn in der Verfügung vom 30. März 2010 (act. II 
35) wurde der Leistungsanspruch mit dem Hinweis darauf, dass die Be-
schwerdeführerin der Aufforderung zur Schadenminderung nicht bzw. nur 
unzureichend nachgekommen sei (sechsmonatige Alkoholabstinenz [act. II 
19/4, 20]) und damit aufgrund der Akten entschieden werde, verneint 
(act. II 35/1). Da die Beschwerdeführerin mittlerweile die Schadenminde-
rungspflicht (zumindest teilweise) erfüllt, ist der Leistungsanspruch vorlie-
gend frei zu prüfen.

3.2 Der angefochtenen Verfügung vom 12. November 2020 (act. II 125) 
lagen im Wesentlichen die folgenden medizinischen Akten zugrunde:

3.2.1 In der Gesamtbeurteilung des interdisziplinären Gutachtens der 
D.________ (MEDAS) vom 30. Januar 2020 (Untersuchungen vom 16. und 
19. Dezember 2019; act. II 107.1) hielten die Fachärzte die folgenden Dia-
gnosen fest (act. II 107.1/8-9 Ziff. 4.2.1 und 4.2.2): 

Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
- COPD Gold Stadium II, Risikogruppe B (ICD-10 J44.9)
- Chronifiziertes multilokuläres muskuloskelettales Schmerzsyndrom 

(Chronic widespread Pain Syndrome; ICD-10 M25.90)
- Primär konservative Therapie bei distaler Radiusfraktur links nach Sturz 

13.12.2019 (ICD-10 S52.50)
- Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto-

ren (ICD-10 F45.41) 
- Störung durch Cannabinoide, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 

F12.25) 
- Störung durch Sedativa oder Hypnotika, schädlicher Gebrauch (ICD-10 

F13.1)

Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 
- Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 

F33.4) 
- Osteoporose (ICD-10 M80.80)
- Zervikale Radikulopathie C5 und C7 rechts (ICD-10 M50)
- Small-Fibre-Neuropathie (ICD-10 G63.6)
- Restless-Legs-Syndrom (ICD-10 G25)
- St. n. operativer Sanierung bei Karpaltunnelsyndrom rechts (2009; ICD-

10 G56.0) 

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- Plattenosteosynthese und Spongiosaplastik vom Beckenkamm rechts 
am 28.11.2008 bei sekundär dislozierter mehrfragmentärer Radiusfrak-
tur rechts mit intraartikulärem Frakturausläufer und wenig dislozierter 
Fraktur des Processus styloidei ulnae rechts nach Sturz am 12.08.2008 
(ICD-10 S52.59) 

- RQW temporal rechts, nicht dislozierte Fraktur Orbitaboden und laterale 
Orbitawand rechts sowie Kontusion Knie beidseitig bei Sturz in aethyli-
siertem Zustand 04.10.2009 (ICD-10 S02.3, T13.08) 

- Inadäquate Rippenfrakturen rechts sowie mögliche inadäquate Rippen-
fraktur links 2006, mögliche inadäquate Rippenfraktur links 2004, eine 
adäquate Rippenfraktur rechts 1996 und Nasenbeinfraktur 1997, 
(akten-)anamnestisch (ICD-10 S22.32, S02.2) 

- Anamnestisch Status nach OSG-Operation rechts (Malleolarfraktur?) 
- Anamnestisch Status nach konservativer Therapie einer Tendovaginitis 

stenosans Hand rechts 
- Unverträglichkeit von Codein und Ponstan (ICD-10 T78.9) 
- St.n. Nikotinkonsum (abstinent seit 7 Monaten; ICD-10 Z72.0)

Aus interdisziplinärer Sicht lasse sich retrospektiv eine Arbeitsunfähigkeit in 
der zuletzt von 1996 bis 2003 in einem Arbeitspensum von 50 % ausgeüb-
ten beruflichen Tätigkeit als … nicht begründen (Arbeitsunfähigkeit in der 
angestammten Tätigkeit aus pneumologischer Sicht 50 %, aus psychiatri-
scher Sicht 20 %, bezogen auf ein vollschichtiges Arbeitspensum). In einer 
angepassten körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren, mit Vorteil 
wechselbelastenden beruflichen Tätigkeit ohne kraftanfordernde und bzw. 
oder manuelle Arbeiten, ohne repetitive Arbeiten kniend oder in der Hocke 
sowie ohne wiederholtes Überwinden von Höhendifferenzen bestehe aus 
interdisziplinärer Sicht eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Aktuell bestehe bei 
primär konservativ behandelter distaler Radiusfraktur links vom 13. De-
zember 2019 eine vorübergehende, voraussichtlich maximal dreimonatige 
vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglichen beruflichen Tätigkeiten. Je nach 
Verlauf empfehle sich diesbezüglich die Einholung eines VerIaufberichts 
drei Monate nach der distalen Radiusfraktur vom 13. Dezember 2019 
(act. II 107.1/7 Ziff. 4.1, vgl. auch act. II 107.1/11 Ziff. 4.7 und 4.8).

3.2.2 Im Bericht vom 31. August 2020 (act. II 120/2 ff.) nahmen die Be-
handlerinnen Dr. med. E.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie, und F.________, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, unter 
Bezugnahme auf einen früheren Bericht vom 20. Februar 2019 (act. II 66) 
zum MEDAS-Gutachten wie folgt Stellung: Aufgrund der klinischen Beob-
achtung erscheine die Diagnose einer rezidivierenden depressiven 
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem 

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Syndrom (ICD-10 F33.11), angebracht (act. II 120/2). Weiter spiele eine 
ADHS (Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung), kombinierter Typus (ICD-
10 F90.0), eine sehr wichtige Rolle im Sinne eines Einflusses auf die Ar-
beitsfähigkeit (act. II 120/3). Die Hypothese einer im psychiatrischen Gut-
achten widerlegten Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung 
(PTBS; ICD-10 F43.1) sei von den Behandlerinnen aufgrund mehrerer erlit-
tener Traumata postuliert worden (act. II 120/4). Einigkeit bestehe mit der 
gutachterlich ausgeschlossenen Anorexia nervosa (ICD-10 F50.0), weshalb 
die Behandlerinnen eine nicht näher bezeichnete Essstörung (ICD-10 
F50.9) diagnostiziert hätten. Diese wichtige Diagnose sei im Gutachten 
nicht berücksichtigt bzw. nicht gestellt worden (act. II 120/5). 

3.2.3 Der Hausarzt Dr. med. G.________ (im Medizinalberuferegister 
ohne Facharzttitel verzeichnet [www.medregom.admin.ch]) hielt im Bericht 
vom 23. September 2020 (act. II 121/2 ff.) folgende Diagnosen mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit fest (act. II 121/3):

- Osteoporose mittelschwer, Polyarthrosen (Knie, WS, kleine Handgelen-
ke, Fussgelenke)

- Fibromyalgie, COPD mit rez. infektiösen Schüben
- Psychiatrische Erkrankungen reaktive Depression, anamnestisch frühe-

re Suchtproblematik

In der bisherigen Tätigkeit als … im H.________ bestehe eine 
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bei Schmerzen bei kleinen Belastungen 
und ca. einmal jährlichen Rippenfrakturen ohne Trauma sei die Be-
schwerdeführerin in allen Tätigkeiten massiv eingeschränkt. Infolge der 
chronischen depressiven Entwicklung sei eine reguläre Arbeit nicht 
zumutbar (act. II 121/4).

3.2.4 Im Bericht des RAD vom 6. Oktober 2020 (act. II 122) führte Dr. 
med. I.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zu den von 
den Behandlern erhobenen Einwänden aus, insgesamt handle es sich beim 
psychiatrischen Teilgutachten um eine nachvollziehbare und schlüssige 
Begutachtung, auf welche abgestellt werden könne. 

3.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 9

ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.4 Die Beschwerdegegnerin hat sich in der hier angefochtenen Verfü-
gung vom 12. November 2020 (act. II 125) massgeblich auf das polydiszi-
plinäre Gutachten der MEDAS vom 30. Januar 2020 (act. II 107.1-107.1) 
gestützt. Dieses erfüllt die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an 
den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen 
(vgl. E. 3.3 hiervor). Die darin enthaltenen Feststellungen beruhen auf ei-
genen Abklärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berück-
sichtigung der geklagten Beschwerden getroffen worden. Sie leuchten in 
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die gezogenen 
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden nachvollziehbar und 
einlässlich begründet. Damit kommt dem Gutachten voller Beweiswert zu, 
so dass darauf abzustellen ist. Was die Beschwerdeführerin dagegen vor-
bringt, verfängt nicht.

3.4.1 Nicht zu beanstanden und zwischen den Parteien denn auch unbe-
stritten ist der somatische Sachverhalt. 

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In rheumatologischer Hinsicht (siehe hierzu act. II 107.2) diagnostizierte der 
Experte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes multilo-
kuläres muskuloskelettales Schmerzsyndrom (chronic widespread Pain 
Syndrome; ICD-10 M25.90) sowie eine primär konservative Therapie bei 
distaler Radiusfraktur links nach Sturz am 13. Dezember 2019 (ICD-10 
S52.50; act. II 107.2/10 Ziff. 6.2). Dabei überzeugt bei einer leichten Minde-
rung der körperlichen Leistungsfähigkeit (act. II 107.2/12 Ziff. 7.1), dass in 
der angestammten Tätigkeit als … in einem … in einem 50%igen Arbeits-
pensum sowie in körperlich leichten bis mittelschweren, mit Vorteil wech-
selbelastenden Tätigkeiten ohne kraftanfordernde und bzw. oder manuelle 
Arbeiten, ohne repetitive Arbeiten kniend oder in der Hocke sowie ohne 
wiederholtes Überwinden von Höhendifferenzen retrospektiv eine vollstän-
dige Arbeitsfähigkeit besteht. Dies mit Ausnahme der aufgrund der erlitte-
nen Fraktur vorhandenen vorübergehend während maximal drei Monaten 
(ab 13. Dezember 2019) bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit (act. II 
107.1/6, 107.2/13 Ziff. 8.1 und 8.2). Aus pneumologischer Sicht (siehe hier-
zu act. II 107.4) überzeugt mit Blick auf die Anamnese- und Befunderhe-
bung (act. II 107.4/2-4; samt Vornahme einer Bodyplethysmographie [act. II 
107.4/4 Ziff. 4.3, 107.8/3-4]) sowie die Berichte des Behandlers (vgl. act. II 
107.8/5, 107.8/19) die von der Gutachterin mit Einfluss auf die Arbeits-
fähigkeit gestellte Diagnose eines COPD Gold Stadium II bzw. eines Asth-
ma / COPD Overlap Syndroms ACOS (act. II 107.1/8 Ziff. 4.2.1, 107.4/4 
Ziff. 6.2). Gleiches gilt für die in der bisherigen Tätigkeit als …, welche als 
mittelschwere bis schwere körperliche Tätigkeit eingeordnet wurde, attes-
tierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % sowie die Einschrän-
kung von 20 % (Arbeitsfähigkeit von 80 %) in einer leichten wechselbelas-
tenden Tätigkeit (act. II 107.4/6 Ziff. 8.1 und 8.2).

3.4.2 In psychiatrischer Hinsicht ist das Folgende zu beachten: 

Unter sorgfältiger Anamnese- und Befunderhebung (act. II 107.3/1-5) ge-
langte der MEDAS-Experte zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin 
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Schmerzstörung mit 
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine Störung 
durch Cannabinoide, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F12.25), sowie 
eine Störung durch Sedativa oder Hypnotika, schädlicher Gebrauch (ICD-

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10 F13.1), vorliegt (act. II 107.1/8 Ziff. 4.2.1, 107.3/8 Ziff. 6.2). Insbesonde-
re setzte sich der Gutachter mit den Einschätzungen der behandelnden 
Ärzte auseinander (act. II 107.3/7 Ziff. 6.1). Überzeugend und schlüssig 
verneinte er das Vorliegen einer depressiven Symptomatik (act. II 107.3/7), 
dies bei einem unauffälligen psychiatrischen Befund, wobei die Beschwer-
deführerin wach, bewusstseinsklar, zugewandt, freundlich, schwingungs-
fähig sowie affektiv auslenkbar war (act. II 107.3/5 Ziff. 4.3) und selbst an-
gab, sich nicht depressiv zu fühlen (act. II 107.3/1 Ziff. 3.2.1). Von der ab-
weichenden Einschätzung der Behandler (rezidivierende depressive 
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem 
Syndrom [ICD-10 F33.11], vgl. Bericht vom 20. Februar 2019 [act. II 66/3 
Ziff. 2.5], so auch Bericht vom 31. August 2020 [act. II 120/2]) hatte der 
Gutachter Kenntnis (vgl. act. II 107.3/1 Ziff. 2 i.V.m. 107.7/14-15) und er 
gab denn auch an, dass retrospektiv anhand des Verlaufs sowie der Anga-
ben der Beschwerdeführerin leichte depressive Episoden auszumachen 
seien (act. II 107.3/7, vgl. hierzu act. II 8/2, 10/1, 16/1, 29/6, 32/2). Nach-
vollziehbar legte er demgegenüber dar, dass im Zeitpunkt der Begutach-
tung (16. Dezember 2019 [act. II 107.3/1]) keine depressive Symptomatik 
vorgelegen habe. Ebenfalls schlüssig ist die gutachterliche Auseinander-
setzung mit der von den Behandlern gestellten Diagnose einer PTBS 
(act. II 107.3/7, vgl. act. II 66/3 Ziff. 2.5, 120/4), hielt der Experte doch in 
nachvollziehbarer Weise fest, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der 
Exploration ohne affektive oder physiologische Auffälligkeiten über belas-
tende Lebensereignisse berichten konnte und angab, nicht unter diesen zu 
leiden. Hinweise für Flashbacks oder Nachhallerinnerungen sowie Hypera-
rousals bzw. ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten konnte der Gutachter 
ebenso wenig ausmachen (vgl. hierzu auch DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT/ 
SCHULTE-MARKWORT [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer 
Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Diagnostische Kriterien für Forschung und 
Praxis, 6. Aufl. 2016, S. 136; DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], Internati-
onale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-
diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 207 f.). Dass bei einem Body-
Mass-Index [BMI] von 21.9 kg/m2 keine Anorexia nervosa (ICD-10 F50.0) 
vorliege (act. II 107.3/8 Ziff. 6.1), bestätigen denn auch die Behandlerinnen 
(act. II 120/5). Hinweise für die von diesen diagnostizierte nicht näher be-
zeichnete Essstörung (ICD-10 F50.9; act. II 66/3 Ziff. 2.5, 120/5) fanden 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 12

sich anlässlich der Exploration bei fehlendem Fokus auf Essen bzw. auf 
Essensrestriktionen in nachvollziehbarer Weise keine (act. II 107.3/8 
Ziff. 6.1). Die von den Behandlerinnen gestellte Diagnose einer ADHS (vgl. 
act. II 66/3 Ziff. 2.5, 120/3-4) liess sich im Rahmen der Begutachtung weder 
damals aktuell (16. Dezember 2019 [act. II 107.3/1]) noch retrospektiv 
überwiegend wahrscheinlich symptomatisch bzw. anhand von objektiven 
Diagnosekriterien herleiten (act. II 107.3/7). Dies überzeugt mit Blick auf die 
übrigen Akten, welche eine ADHS ebenfalls nicht erwähnen. Bei dieser 
Ausgangslage ist schlüssig und nachvollziehbar, wenn der psychiatrische 
Gutachter primär aufgrund der chronischen Schmerzstörung sowie der an-
deren psychiatrischen Störungen sowohl in der angestammten wie auch in 
einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % attestierte (Ar-
beitsunfähigkeit von 20 %; act. II 107.3/10-11 Ziff. 8.1 und 8.2). Die Schlüs-
sigkeit des Gutachtens bestätigte am 6. Oktober 2020 – nach Durchsicht 
der abweichenden Einschätzungen der Behandler (act. II 120 f.) – denn 
auch der RAD-Facharzt Dr. med. I.________ (act. II 122).

Die behandelnden Dr. med. E.________ und lic. phil. F.________ bringen 
in ihrer die Einschätzung vom 20. Februar 2019 (act. II 66) bestätigenden 
Stellungnahme vom 31. August 2020 (act. II 120/2 ff.) nichts vor, was im 
Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wäre. 
Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch täti-
gen Fachärztin einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten 
fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, das medizinische 
Administrativgutachten in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Ab-
klärungen zu nehmen, allein weil die Behandlerinnen zu anderslautenden 
Einschätzungen gelangen (vgl. hierzu SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3, 
2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5). Hinzu kommt schliesslich auch die direkte 
Betroffenheit als Behandlerinnen, hat das Gericht doch der Erfahrungstat-
sache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Hin-
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher 
zugunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 
E. 4.5 S. 470, 125 V 351 E. 3b cc S. 353; Entscheid des Eidgenössischen 
Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 20. März 2006, I 655/05, 
E. 5.4; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3; Entscheid des BGer vom 
14. Oktober 2020, 8C_515/2020, E. 4.2.3). Im Übrigen lässt sich eine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 13

leicht- bis mittelgradige depressive Störung im Allgemeinen nicht als 
schwere psychische Krankheit definieren, wobei grundsätzlich nur eine 
solche schwere psychische Störung invalidisierend im Rechtssinne sein 
kann (vgl. Entscheid des BGer vom 17. November 2021, 8C_280/2021 [zur 
Publikation vorgesehen], E. 6.2.2). Eine kritische Stellungnahme zur vorge-
sehenen Rentenablehnung durch die Beschwerdegegnerin (d.h. zum Vor-
bescheid) gab ebenso der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. 
G.________, ab. Dieser leitet die gestellten Diagnosen nicht in nachvoll-
ziehbarer Weise her; ausserdem verfügt er über keinen Facharzttitel in 
Psychiatrie und Psychotherapie und weist damit nicht die erforderliche 
fachliche Qualifikation zur abschliessenden Beurteilung des psychischen 
Gesundheitsschadens auf. Zudem äussert er sich kritisch zum Invaliditäts-
grad, obschon es nicht seine Aufgabe ist, zu dessen Berechnung wie auch 
zum Status Stellung zu beziehen. Im Weiteren bezieht sich seine advokato-
risch verfasste Stellungnahme vom 23. September 2020 (act. II 121/2 ff.) 
auf eine zuletzt am 26. Februar 2019 stattgehabte Kontrolle (act. II 121/3, 
vgl. hierzu auch den Bericht vom 26. Februar 2019 [act. II 65]).

3.5 Nach dem Ausgeführten erweist sich der medizinische Sachverhalt 
als rechtsgenüglich abgeklärt. Da bei dieser Ausgangslage von weiteren 
medizinischen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten 
sind, kann in antizipierter Beweiswürdigung auf die beschwerdeweise even-
tualiter beantragten zusätzlichen Erhebungen verzichtet werden (BGE 
144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; 
SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4). Es ist erstellt, dass die Beschwerdeführe-
rin in der angestammten Tätigkeit als … bzw. als … in einem … in dem von 
ihr langjährig ausgeübten Pensum von 50 % nicht beeinträchtigt ist (in ei-
nem 100%-Pensum resultierte eine Arbeitsfähigkeit von 50 % aus somati-
schen Gründen). In einer angepassten körperlich leichten bis gelegentlich 
mittelschweren Tätigkeit (wechselbelastend, ohne kraftanfordernde und 
ohne manuelle Arbeiten, ohne repetitive Arbeiten kniend oder in der Hocke 
sowie ohne wiederholtes Überwinden von Höhendifferenzen) besteht eine 
Arbeitsfähigkeit von 80 % (bezogen auf eine 100 %-Pensum), wobei die 
Einschränkungen des Anforderungsprofils und des Pensums sowohl soma-
tisch als auch psychiatrisch – je 20 %, jedoch nicht additiv (vgl. nachste-
hend) – begründet sind. Da sich die gesundheitliche Situation im Zeitpunkt 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 14

des hypothetisch frühestmöglichen Rentenbeginns (E. 5.1 hiernach) im 
Wesentlichen unverändert präsentierte bzw. die Akten keine Hinweise 
dafür enthalten, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Ver-
änderung vorgelegen hätte, hat das genannte Zumutbarkeitsprofil bereits 
ab Mai 2019 Gültigkeit. Ab dem 13. Dezember 2019 bestand, aufgrund der 
Radiusfraktur links, vorübergehend während maximal drei Monaten eine 
vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (act. II 107.1/7 
Ziff. 4.1, 107.2/11-13 Ziff. 7.1, 7.4, 8.1 und 8.2); diese ist aus invalidenver-
sicherungsrechtlicher Sicht nicht zu berücksichtigen (vgl. Art. 88a Abs. 2 
IVV). 

Weil die psychiatrisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 
20 % (bezogen auf ein 100 %-Pensum) in der somatisch begründeten Ein-
schränkung von 50 % bzw. 20 % (act. II 107.1/5 Ziff. 4.1 [pneumologisch 
begründet]) aufgeht (vgl. zum Zusammentreffen verschiedener Gesund-
heitsbeeinträchtigungen Entscheid des BGer vom 20. Juni 2013, 
9C_295/2013, E. 4.4) und überdies eine grössere (psychiatrisch begründe-
te) Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte aus einer Indikatoren-
prüfung (vgl. hierzu BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296) 
ohnehin nicht resultieren kann, ist eine solche hier entbehrlich (vgl. Ent-
scheid des BGer vom 22. April 2020, 8C_52/2020, E. 4.2.2). 

4.

4.1 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenan-
spruchs als auch anlässlich einer Rentenrevision stellt sich unter dem Ge-
sichtspunkt von Art. 8 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditäts-
bemessungsmethode (Art. 16 ATSG sowie Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG). Ob 
eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige oder 
als Nichterwerbstätige einzustufen ist – was je zur Anwendung einer ande-
ren Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betäti-
gungsvergleich, gemischte Methode) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, 
was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine ge-
sundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1 S. 20). Ent-
scheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 15

Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem 
Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 144 I 28 E. 2.3 S. 30; 
SVR 2019 IV Nr. 3 S. 7 E. 5.1).

4.2 Gestützt auf den Abklärungsbericht Haushalt / Erwerb vom 5. Juni 
2020 (act. II 111) sowie die ergänzende Stellungnahme des Bereichs Ab-
klärungen vom 5. November 2020 (act. II 124) legte die Beschwerdegegne-
rin der angefochtenen Verfügung einen Status von 65 % erwerblicher Be-
reich und 35 % Haushalt zugrunde (act. II 125/2). Demgegenüber macht 
die Beschwerdeführerin weiterhin (vgl. act. II 118/2) geltend, es sei von 
einem Status von 80 % Erwerb und 20 % Haushalt auszugehen (Be-
schwerde S. 6 Ziff. 20). Unbestritten ist, dass der Invaliditätsgrad nach der 
gemischten Methode zu bemessen ist (vgl. E. 2.3 hiervor). Selbst wenn, 
wie die Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Erhebung im Haushalt 
vom 27. Mai 2020 geltend machte (act. II 111/4 Ziff. 3.4), auf einen Status 
von 80 % Erwerb und 20 % Haushalt abzustellen wäre, was letztlich offen-
bleiben kann, resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, wie so-
gleich zu zeigen ist.

5.

Im Erwerbsbereich ergibt sich was folgt (vgl. E. 2.3 hiervor):

5.1 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222). Mit Blick auf die im November 2018 erfolgte Anmel-
dung zum Leistungsbezug (act. II 46) ist der frühestmögliche Beginn des 
Rentenanspruchs auf Mai 2019 festzusetzen (Art. 29 Abs. 1 IVG). Das 
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war zu diesem Zeitpunkt bereits 
erfüllt, womit der Einkommensvergleich auf das Jahr 2019 hin durchzu-
führen ist.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 16

5.2

5.2.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 
E. 4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Lässt sich aufgrund der 
tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung rea-
lisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf statistische 
Werte wie die Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf sie darf je-
doch im Rahmen der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung 
der für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen 
und beruflichen Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; 
SVR 2019 UV Nr. 40 S. 153 E. 6.2.3).

5.2.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen LSE herangezogen werden (BGE 
143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3).

Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, 
die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich 
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern 
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-
schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei-
nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 
S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass 
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und 
beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein-
schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be-
schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 17

kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo-
bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 
135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 
S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der 
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkun-
gen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein-
fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts 
führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

5.3 Mit Blick auf die gemäss Angaben der Beschwerdeführerin abge-
schlossene Anlehre als … sowie ihre langjährige Tätigkeit im … (act. II 9/1-
4, 107.2/5 Ziff. 3.2.5 und 3.2.6, 107.3/3 Ziff. 3.2.6, 107.4/2 Ziff. 3.2.6, 111/3 
Ziff. 3.1 und 3.2), welche überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang 
mit gesundheitlichen Einschränkungen beendet wurde, ist von einem hypo-
thetischen Valideneinkommen in der … auszugehen. Da die letzte reguläre 
Anstellung indessen im Jahr 2003 war (act. II 9/1 Ziff. 1), ist von statisti-
schen Werten gemäss LSE auszugehen. Gestützt auf die LSE 2018, Tabel-
le TA1, Ziff. 86-88 / Gesundheits- u. Sozialwesen, Frauen, Kompetenzni-
veau 1 (Fr. 4'860.--), ergibt sich aufgerechnet auf ein Jahr, angepasst an 
die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden (BFS, Betriebsüb-
liche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Ziff. 86-88 / …- u. …, 2019) 
sowie indexiert auf das Jahr 2019 hin (BFS, Tabelle T1.2.15, Nominal-
lohnindex, Frauen 2016-2019, Ziff. 86-88 / Gesundheitswesen, Heime und 
Sozialwesen, Zahlen 2018 und 2019) ein Betrag von Fr. 61'071.90 
(Fr. 4'860.-- x 12 / 40 x 41.6 / 101.3 x 102.0).

Da die Beschwerdeführerin ihre verbliebene Arbeits- und Leistungsfähigkeit 
nicht verwertet, ist auch das Invalideneinkommen anhand statistischer An-
gaben zu bestimmen. Ausgehend von der LSE 2018, Tabelle TA1, Total, 
Frauen, Kompetenzniveau 1 (Fr. 4'371.--), resultiert wiederum aufgerechnet 
auf ein Jahr, angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit (BFS, 
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, 2019) und 
den Nominallohnindex im Jahr 2019 (BFS, Nominallohnindex, Frauen 
2016-2019, Total, Zahlen 2018 und 2019), unter Berücksichtigung einer 
Arbeits- und Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 80 % 
(E. 3.5 hiervor) ein massgebliches Invalideneinkommen von Fr. 44'175.10 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 18

(Fr. 4'371.-- x 12 / 40 x 41.7 / 101.7 x 102.7 x 0.8). Ein Abzug vom Tabel-
lenlohn ist hier nicht gerechtfertigt, wurde den gesundheitlichen Einschrän-
kungen doch mit der um 20 % reduzierten Arbeitsfähigkeit bzw. der Be-
stimmung der zumutbaren Tätigkeit hinreichend Rechnung getragen. Auch 
bezüglich der invaliditätsfremden Gesichtspunkte (Alter, Dienstjahre, Natio-
nalität/Aufenthaltskategorie, Beschäftigungsgrad) liegt kein Grund für die 
Vornahme eines Abzugs vor, wären diese doch auch bei der Festsetzung 
des – ebenfalls statistisch erhobenen – Valideneinkommens zu berücksich-
tigen (Entscheid des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5).

5.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 61'071.90 und einem Invali-
deneinkommen von Fr. 44'175.10 (E. 5.3 hiervor) resultiert im erwerblichen 
Bereich eine Einschränkung von 27.66 % ([Fr. 61'071.90 ./. Fr. 44'175.10] x 
100 / Fr. 61'071.90) resp. gewichtet von maximal 22.13 % (27.66 % x 0.8 
[E. 4.2 hiervor]).

6.

Sodann sind die Einschränkungen im Aufgabenbereich Haushalt zu prüfen 
(vgl. E. 2.3 hiervor).

6.1 Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene 
Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer 
qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli-
chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge-
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga-
ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei-
nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext 
schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den 
an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab-
klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der 
die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein-
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die 
fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 19

als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 
S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63; SVR 2018 IV Nr. 69 S. 224 E. 3.2). 

6.2 Der Abklärungsbericht Haushalt / Erwerb vom 5. Juni 2020 (act. II 
111) erfüllt die Anforderungen der Rechtsprechung (E. 6.1 hiervor) und ist 
damit beweiskräftig. Die Feststellungen der fachkundigen Abklärungsper-
son basieren auf eigenen, vor Ort und in Anwesenheit der Beschwerdefüh-
rerin durchgeführten Erhebungen und berücksichtigen die von den Gutach-
tern festgestellten gesundheitlichen Einschränkungen resp. das festgelegte 
Zumutbarkeitsprofil. Der Abklärungsbericht ist zudem hinsichtlich der Ge-
wichtung der Tätigkeitsbereiche ausreichend detailliert und den Einschrän-
kungen sowie den Angaben der Beschwerdeführerin wurde angemessen 
Rechnung getragen (act. II 111/8-11 Ziff. 7.2). Damit ist im Aufgabenbe-
reich Haushalt von einer Einschränkung von 2.5 % (act. II 111/11 Ziff. 7.2) 
bzw. gewichtet von 0.5 % (2.5 % x 0.2 [E. 4.2 hiervor]) auszugehen.

7.

Bei einer gewichteten Einschränkung von 22.13 % im erwerblichen Bereich 
(E. 5.4 hiervor) und 0.5 % im Bereich Haushalt (E. 6.2 hiervor) resultiert ein 
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von gerundet höchstens 23 % (vgl. 
E. 2.2 und 2.3 hiervor; zur Rundung BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; 
SVR 2019 IV Nr. 61 S. 198 E. 7.1). Damit ist die angefochtene Verfügung 
vom 12. November 2020 (act. II 125) im Ergebnis nicht zu beanstanden 
und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.

8.

8.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 20

gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist aufgrund der Akten und ange-
sichts der sozialhilferechtlichen Unterstützung ausgewiesen (vgl. Akten der 
Beschwerdeführerin [act. IA]). Auch kann der Prozess nicht als von vorn-
herein aussichtslos im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis bezeichnet 
werden. Demnach war eine anwaltliche Verbeiständung geboten, so dass 
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren ist 
unter Beiordnung von Rechtsanwältin C.________ als amtliche Anwältin.

8.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG in der bis 31. Dezember 2020 gültig 
gewesenen und hier anwendbaren Fassung (vgl. Art. 82a ATSG) ist das 
Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitig-
keiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kosten-
pflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 
vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechts-
pflege (vgl. E. 8.1 hiervor) ist die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der 
Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozess-
ordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; SR 272) – vorläufig von der Zah-
lungspflicht zu befreien (Art. 113 VRPG).

8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

8.4 Festzusetzen bleibt das amtliche Honorar von Rechtsanwältin 
C.________.

Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts wird der Stundenansatz amtli-
cher Anwältinnen und Anwälte gemeinnützig tätiger Rechtsberatungsstellen 
unter Beachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 I 1 
E. 7.3 S. 3; SVR 2010 IV Nr. 3 S. 6 E. 5.4) auf Fr. 130.-- festgesetzt. Dieser 
allgemeingültige pauschalisierte Stundenansatz wird im konkreten Fall mit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 21

dem gebotenen Aufwand multipliziert (vgl. Rundschreiben der Sozialversi-
cherungsrechtlichen Abteilung und der Abteilung für französischsprachige 
Geschäfte des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16. Dezember 
2009, abrufbar unter www.justice.be.ch).

Mit Kostennote vom 4. März 2021 macht Rechtsanwältin C.________ einen 
Aufwand von 6.75 Stunden, Auslagen von Fr. 85.-- sowie die Mehrwert-
steuer von Fr. 74.10 (7.7 % auf Fr. 962.50) geltend, was nicht zu bean-
standen ist. Dementsprechend wird das amtliche Honorar auf total 
Fr. 1'036.60 festgesetzt und Rechtsanwältin C.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwältin C.________ als amtliche Anwältin wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Der amtlichen Anwältin C.________ wird nach Eintritt der Rechtskraft 
dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 1'036.60 festgesetzte 
Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vorbehalten 
bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/20/909, Seite 22

6. Zu eröffnen (R):
- Rechtsdienst B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.