# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a99414ef-10e0-5329-b4bb-b4a3e2163caa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.09.2010 D-6922/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6922-2010_2010-09-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6922/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Richter Martin Zoller,
mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;
Gerichtsschreiber Daniel Widmer.

A._________, geboren (...),
B._________, geboren (...),
C._________, geboren (...),
Sri Lanka,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 17. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6922/2010

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführende  (...)  suchte  mit  Schreiben  vom  26. März 
2008  an  die  Schweizer  Botschaft  in  Colombo  (Eingangsstempel: 
31. März 2008),  welchem  zahlreiche  Dokumente  als  Beweismittel 
beigelegt  waren,  für  sich,  (...)  (Beschwerdeführende  (...))  und  (...) 
(Beschwerdeführender  (...))  sinngemäss um Asyl  nach. Dieses Asyl-
gesuch ergänzte sie auf schriftliche Zusatzfragen der Schweizer Bot-
schaft  vom 8. April  2008  hin  mit  einem Schreiben  vom 7. Mai  2008 
(Eingangsstempel:  14.  Mai  2008).  Mit  Schreiben  vom  25. Mai  2008 
leitete die Schweizer Botschaft  die Akten an das BFM weiter,  wobei 
ausgeführt  wurde,  dass  mangels  hinreichender  personeller 
Ressourcen auf eine persönliche Anhörung der Beschwerdeführenden 
verzichtet  worden  sei;  zudem  seien  im  Gesuch  für  die  Dauer  des 
vorangegangenen  Jahres  keine  ernsthaften  Todesdrohungen  vor-
gebracht  worden  und  die  Informationen  über  die  Gründe  der 
Drohungen und deren Urheber ungenügend; das Gesuch basiere auf 
humanitären  oder  finanziellen  Gründen.  Mit  zwei  Schreiben  vom 
20. Januar 2009 (Eingangsstempel: 27. Januar 2009) und 27. Oktober 
2009  (Eingangsstempel:  2. November  2009)  an  die  Schweizer  Bot-
schaft  teilte  die  Beschwerdeführende  (...)  mit,  dass  sich  an  ihrer 
Situation  nichts  geändert  habe,  und  ersuchte  um beförderliche  Be-
handlung des Verfahrens. Mit  Schreiben vom 18. Mai 2010 teilte das 
BFM  der  Beschwerdeführenden  (...)  mit,  dass  es  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  gestützt  auf  die  eingereichten 
Unterlagen als erstellt erachte, weshalb auf eine Anhörung verzichtet 
werde.  Gleichzeitig  wurden  die  voraussichtliche  Ablehnung  des 
Asylgesuchs und die Verweigerung der Einreisebewilligung in Aussicht 
gestellt, da die  Beschwerdeführenden gestützt auf die Aktenlage nach 
der  Einschätzung  des  BFM  nicht  auf  den  Schutz  im  Sinne  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  angewiesen 
seien,  und  ihnen  dazu  das  rechtliche  Gehör  gewährt.  Die 
Stellungnahme  der  Beschwerdeführenden  (...)  datiert  vom  14. Juli 
2010  (Eingangsstempel:  19. Juli  2010),  nachdem sie  der  Schweizer 
Botschaft  mit  Schreiben  vom  2. Juli  2010  (Eingangsstempel:  5. Juli 
2010)  mitgeteilt  hatte,  sie  habe  inzwischen  ihr  Domizil  gewechselt, 
weshalb die Zustellung des Schreibens vom 18. Mai 2010 misslungen 
sei und sie um erneute Zustellung desselben ersuche; dieses erhielt 
sie schliesslich am 10. Juli 2010. Mit Schreiben vom 21. Juli 2010 teilte 
die Schweizer Botschaft  der Beschwerdeführenden (...)  mit, dass sie 

Seite 2

D-6922/2010

die Akten an das BFM weitergeleitet habe.

Die Beschwerdeführende (...) machte im Wesentlichen geltend, sie sei 
tamilischer  Ethnie  und  stamme aus  (...),  wo sie  zusammen mit  den 
Beschwerdeführenden  (...)  am  2. Januar  2008  zu  Hause  von  der 
Kriminalpolizei  von (...)  verhaftet  und  unter  dem Verdacht,  am Mord 
(...)  beteiligt  gewesen  zu  sein,  inhaftiert  worden  seien.  Mit 
Gerichtsurteil vom 7. März 2008 seien sie freigesprochen und aus der 
Haft  entlassen  worden. In  der  Folge  habe  die  Beschwerdeführende 
(...)  Drohanrufe  von unbekannten  Personen erhalten. Zudem sei  sie 
von  (...)  belästigt  und  verhört  worden. Sie  werde weiterhin  von  der 
Polizei gesucht und von unbekannten Personen bedroht.

B.
Mit am 26. August 2010 über die Schweizer Botschaft versandter Ver-
fügung vom 17. August  2010 – eröffnet  am 30. August  2010 –  ver-
weigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die 
Schweiz und lehnte deren Asylgesuch ab.

C.
Mit  Eingabe  vom  9.  September  2010  an  die  Schweizer  Botschaft 
(Eingangsstempel:  14. September  2010),  welche  mit  Schreiben vom 
16. September 2010 an das Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet 
wurde, beantragten die Beschwerdeführenden sinngemäss, es sei die 
angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  ihnen  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen beziehungsweise Asyl zu gewähren.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG genannten  Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls;  das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  AsylG;  Art. 83  Bst.  c  Ziff.  1  und  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Das 

Seite 3

D-6922/2010

Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG und  dem  BGG, 
soweit  das  AsylG nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG und Art. 6 
AsylG).

1.2 Amtssprachen des Bundes sind das Deutsche, Französische und 
Italienische (Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]). Die Beschwerde 
ist nicht in einer Amtssprache abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist 
zur Beschwerdeverbesserung kann indessen verzichtet werden, da der 
in  Englisch  verfassten  Beschwerdeeingabe  genügend  klare,  sinn-
gemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen sind 
und ohne Weiteres darüber befunden werden kann.

1.3 Die angefochtene Verfügung wurde am 30. August 2010 zugestellt. 
Die  Beschwerde  traf  gemäss  Eingangsstempel  der  Schweizer  Bot-
schaft am 14. September 2010 bei dieser ein und ist mithin rechtzeitig 
erfolgt.

1.4 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung und sind  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die – abgesehen von 
dem unter  E. 1.2  festgestellten  Mangel  –  frist-  und  formgerecht  ein-
gereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 
AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

Seite 4

D-6922/2010

4.
4.1 Ein Asylgesuch kann gemäss Art. 19 AsylG im Ausland bei einer 
schweizerischen Vertretung gestellt  werden, die es mit einem Bericht 
an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des 
Verfahrens  bei  der  schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  sieht 
Art. 10  der  Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrens-
fragen (AsylV 1, SR 142.311)  vor, dass diese mit der asylsuchenden 
Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durchführt  (Art.  10  Abs. 1 
AsylV 1). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von 
der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten 
(Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht  hat  in  Aus-
legung  dieser  Bestimmungen  in  seiner  Entscheidsammlung  BVGE 
unter 2007/30 erkannt,  dass sich die Unmöglichkeit  einer  Befragung 
aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der 
jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen  Hindernissen  im  betreffenden 
Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen 
Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die An-
hörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung  des  recht-
lichen Gehörs  dient  (vgl.  BVGE a.a.O. E. 5.5),  ist  die  asylsuchende 
Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis 
auf ihre Mitwirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels 
konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; 
ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in 
aller Regel nicht zu genügen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann 
sich  eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhalts-
abklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des ein-
gereichten Asylgesuchs als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asyl -
suchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen 
Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem  abzusehenden 
negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (vgl.  BVGE 
a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten,  
das  Absehen  von  einer  Befragung  in  der  Verfügung  über  das  Asyl-
gesuch zu begründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

4.2 Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der 
Schweizer  Botschaft  in  Colombo  zu  ihrem  am  31.  März 2008  ein-
gegangenen Asylgesuch nicht befragt, da die Botschaft dazu gemäss 
Überweisungsschreiben  vom  25.  Mai 2008  aus  Kapazitäts-  und 
weiteren  Gründen  nicht  in  der  Lage  war;  die  Beschwerdeführenden 
wurden  indes  mittels  Schreiben  vom  8.  April  2008  zur  weiteren 
Konkretisierung  ihrer  Asylgründe  aufgefordert.  Die  in  diesem 

Seite 5

D-6922/2010

Schreiben  enthaltenen  Fragestellungen  decken  sämtliche  für  die 
Beurteilung des Asylgesuches aus dem Ausland notwendigen Aspekte 
ab  (vgl.  dazu  nachfolgende  E.  5.2),  namentlich  die  genauen 
Personalien  der  asylsuchenden  Personen,  die  Asylvorbringen,  die 
unternommenen Massnahmen zur  Schutzsuche,  und die  Möglichkeit 
einer innerstaatlichen Fluchtalternative. Die Beschwerdeführende (...) 
hat  die  ihnen  gestellten  Fragen  mit  Eingabe  vom  14.  Mai  2008 
(Eingangsstempel)  ausführlich  beantwortet,  wobei  sie  ihre  Angaben 
bereits  zuvor  mit  entsprechenden  Beweismitteln  unterlegt  hatte.  Bei 
dieser Sachlage ist  festzuhalten, dass im erstinstanzlichen Verfahren 
dem  Anspruch  der  Beschwerdeführenden  auf  Gewährung  des 
rechtlichen  Gehörs  grundsätzlich  Rechnung  getragen  und  der 
entscheidwesentliche  Sachverhalt  in  genüglicher  Weise  und 
umfassend  abgeklärt  wurde,  zumal  die  Beschwerdeführenden  ihre 
Asylgründe  bereits  im  Rahmen  ihres  schriftlichen  Asylgesuchs  vom 
26. März 2008 ausführlich dargelegt hatten.

Die Vorinstanz hat schliesslich in der angefochtenen Verfügung zur Be-
gründung  des  Verzichts  auf  eine  persönliche  Anhörung  auf  ihr  ent-
sprechendes  Schreiben  vom  18.  Mai  2010  an  die  Beschwerde-
führenden  verwiesen.  Damit  ist  sie  ihrer  diesbezüglichen  Be-
gründungspflicht nachgekommen.

5.
5.1 Das Bundesamt  kann  ein  im Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ab-
lehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft 
machen  kann  oder  ihr  die  Aufnahme in  einem Drittstaat  zugemutet 
werden kann (Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt Asylsuchenden die Einreise zur 
Abklärung  des  Sachverhaltes,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden 
kann,  im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein 
anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das 
Eidgenössische  Justiz-  und  Polizeidepartement  (EJPD) 
schweizerische Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise 
zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für 
Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 
1 AsylG bestehe.

5.2 Bei  diesem Entscheid  gelten restriktive  Voraussetzungen  für  die 
Erteilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Er-
messensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im 

Seite 6

D-6922/2010

Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz, die Möglichkeit  der Schutzgewährung durch einen anderen 
Staat,  die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Mög-
lichkeit und objektive Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche so-
wie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglich-
keiten in Betracht zu ziehen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2e-g 
S. 131 ff., und 2004 Nr. 20, welche dort akzentuierte Praxis angesichts 
bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des 
Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat).

6.
6.1 Die Schweiz gewährt Flüchtlingen unter Vorbehalt von Ausschluss-
gründen auf Gesuch hin Asyl (Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Wer um 
Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder zu-
mindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die Flüchtlingseigen-
schaft erfüllen Personen, welche in ihrem Heimatstaat oder im Land, 
wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-
gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer po-
litischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind oder 
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. 
Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, 
Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

6.2 Die  im  Gesetz  so  definierte  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  eine 
asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  be-
gründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund be-
stimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37; EMARK 
2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff.; EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). 
Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt 
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Weiteren voraus, dass 
die  betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden 
Schutz finden kann (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 a.a.O.).

7.

Seite 7

D-6922/2010

7.1 Das  BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  im  Wesent-
lichen  Folgendes  aus:  Die  Bewilligung  zur  Einreise  in  die  Schweiz 
diene  nicht  dem  Ausgleich  vergangenen  Unrechts,  sondern  solle 
demjenigen gewährt werden, der aktuell des Schutzes des Zufluchts-
landes  bedürfe.  In  diesem  Sinne  seien  die  geltend  gemachten  In-
haftierungen  im  Jahr  2008  und  die  damit  verbundenen psychischen 
und  physischen  Beeinträchtigungen  für  die  Erteilung  einer  Einreise-
bewilligung  nicht  mehr  beachtlich.  Die  Beschwerdeführenden  seien 
ohne weitere Bedingungen von einem Gericht freigesprochen worden. 
Somit habe nichts gegen sie vorgelegen. Mithin seien die geltend ge-
machten Inhaftierungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung im 
Hinblick auf ein Asylverfahren in der Schweiz nicht mehr asylrelevant. 
Angesichts  der  zahlreichen  Gewaltereignisse  der  letzten  Jahre,  von 
denen auch die Beschwerdeführenden betroffen gewesen seien, habe 
das  BFM  viel  Verständnis  dafür,  dass  sie  Angst  vor  weiteren  Ver-
folgungsmassnahmen  hätten  und  in  die  Schweiz  ausreisen  wollten. 
Indes  komme das  Bundesamt  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerde-
führenden  –  bei  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  –  nicht  akut 
gefährdet  seien. Die geltend gemachten Asylvorbringen entsprächen 
keiner  Verfolgungsmassnahme,  welche  eine  Einreise  in  die  Schweiz 
rechtfertigen  würde.  Gemäss  den  Akten  verfügten  die  Beschwerde-
führenden  über  kein  politisches  Profil.  Die  geltend  gemachten  Be-
lästigungen  seien  in  den  Kontext  der  allgemeinen  Situation  in  Sri 
Lanka  während  des  Bürgerkriegs  zu  stellen.  Zudem  habe  sich  die 
aktuelle Situation in Sri Lanka mittlerweile massgeblich verändert. Der 
Krieg zwischen der sri-lankischen Regierung und den separatistischen 
Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  sei  im  Mai  2009  mit  der 
Niederlage der LTTE zu Ende gegangen. Die LTTE existiere in ihrer 
früheren Form heute nicht mehr. Damit befinde sich das gesamte Land 
erstmals  seit  dem Jahr  1983  wieder  unter  Regierungskontrolle.  Die 
Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka sei zwar noch nicht 
befriedigend, doch seien die Anzahl  von Gewaltereignissen wie Ent-
führungen  und  „Killings“  erheblich  zurückgegangen.  Vor  diesem 
Hintergrund vermöge die geltend gemachte Angst vor einer erneuten 
Verfolgung durch den sri-lankischen Staat die Wahrscheinlichkeit einer 
einreisebeachtlichen  Bedrohung  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  hin-
länglich zu begründen. Was die geltend gemachten Bedrohung durch 
unbekannte  Personen  anbelange,  gelte  der  sri-lankische  Staat  als 
schutzfähig  und  die  Beschwerdeführenden  hätten  folglich  die 
Möglichkeit,  diesbezüglich die Behörden um Schutz vor Verfolgung zu 
ersuchen.  Den  Akten  könnten  keine  Hinweise  entnommen  werden, 

Seite 8

D-6922/2010

welche  auf  eine  Schutzunwilligkeit  des  Staates  hindeuten  würden. 
Mithin  seien  die  Beschwerdeführenden  nicht  auf  den  Schutz  der 
Schweiz angewiesen. Daran vermöchten die eingereichten Dokumente 
nichts  zu  ändern,  zumal  sie  lediglich  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  stützten,  deren  Glaubhaftigkeit  nicht  in  Frage 
gestellt werde.

7.2 Die  Beschwerde  beschränkt  sich  sinngemäss  auf  eine  Wieder-
holung  der  bisherigen  Vorbringen.  Namentlich  habe  (...)  die 
Beschwerdeführende (...) ersucht, ihren im Ausland weilenden (...) zur 
Rückkehr nach Sri Lanka aufzufordern, weil er ein (...) des der Tötung 
des  (...)  verdächtigten  (...)  sei,  welcher  sich  nach  wie  vor  in  Haft 
befinde.  Zudem  habe  (...)  gesagt,  sie  könnte  auch  den 
Beschwerdeführenden  (...)  verhaften,  da  er  auch  verdächtigt  werde 
(...).

7.3 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass sich die Erwägungen in 
der angefochtenen Verfügung als zutreffend erweisen. Mithin wurden 
die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  zu  Recht  als  den  An-
forderungen an eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nicht ge-
nügend  qualifiziert.  Diesbezüglich  wird  auf  E.  7.1  verwiesen.  Daran 
vermögen auch die Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  mit  der  Vorinstanz  darin  einig, 
dass  nach  der  bedingungslosen  Freilassung  der  Beschwerde-
führenden mangels genügender Beweise durch (...) am 7. März 2008 
aktuell  keine konkreten Hinweise bestehen,  welche zur  begründeten 
Annahme berechtigen würden, die Beschwerdeführenden könnten mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  erneut 
einer Verfolgung ausgesetzt sein. Demgegenüber steht das Vorbringen 
in  der  Beschwerde,  auch  der  Beschwerdeführende  (...)  könnte 
verhaftet  werde,  da er  als  Tatverdächtigter  gelte,  in  Widerspruch mit 
dem  bisherigen  Vorbringen,  wonach  er  zusammen  mit  den 
Beschwerdeführenden  (...)  am  2. Januar  2008  verhaftet  und  am 
7. März 2008  freigelassen  worden  sei,  wozu  allerdings  im 
erstinstanzlichen  Asylverfahren  –  im  Gegensatz  zu  den 
Beschwerdeführenden  (...)  –  keine  Beweismittel  eingereicht  wurden. 
Hinzu kommt,  dass der Beschwerdeführende (...)  zum Zeitpunkt  des 
Tötungsdelikts  sechs  Jahre  alt  war,  weshalb  er  als  Täter  kaum  in 
Betracht fallen dürfte. Sollte er trotzdem der Tat dringend verdächtigt 
werden  beziehungsweise  worden  sein,  ist  nicht  nachvollziehbar, 
weshalb  er  am  7.  März 2008  mangels  genügender  Beweise 

Seite 9

D-6922/2010

bedingungslos  freigesprochen  wurde.  Was  das  Vorbringen  in  der 
Beschwerde  anbelangt,  die  Beschwerdeführende  (...)  sei  ersucht 
worden, (...) zur Rückkehr nach Sri Lanka aufzufordern, weil dieser mit 
dem  nach  wie  vor  inhaftierten  Tatverdächtigen  (...)  befreundet  sei, 
handelt es sich dabei – abgesehen von der Frage, ob die Ahndung der 
Tötung  des  Parlamentsabgeordneten  auf  einem  asylbeachtlichen 
Verfolgungsmotiv   beruht  –  nicht  um  eine  auf  die 
Beschwerdeführenden  abzielende  Massnahme,  weshalb  dieses 
Vorbringen  bereits  aus  diesem  Grund  flüchtlingsrechtlich  als 
unbeachtlich zu qualifizieren ist.

Was die  für  den  Zeitraum nach  der  Freilassung  geltend  gemachten 
Kontrollen und Belästigungen sowie die schwierigen Lebensumstände 
der  tamilischen  Minderheit  in  Sri  Lanka  anbelangt,  ist  Folgendes 
festzuhalten:  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  letztmals  im 
Grundsatzurteil BVGE 2008/2 eine Lageanalyse betreffend Sri Lanka 

vorgenommen  und  gelangte  dabei  zum  Schluss,  dass  sich  die 

allgemeine Sicherheitslage seit Januar 2006 insgesamt, insbesondere 

aber  in  Colombo,  kontinuierlich  verschlechtert  habe.  Nach  Ergehen 

dieses Urteils  am 14. Februar  2008 hat  sich der  bewaffnete Konflikt 

zwischen  der  Regierung  und  den  LTTE  weiter  zugespitzt.  Im 

Anschluss  an  die  Rückeroberung  des  letzten  von  den  LTTE 

kontrollierten  Gebietes  im  Raum  Mullaitivu  wurde  am  18. Mai  2009 

seitens der  Regierung der  endgültige Sieg über  die LTTE verkündet 

und der Bürgerkrieg offiziell für beendet erklärt. Auf diese Niederlage 

der  LTTE  hin  haben  die  srilankischen  Behörden  –  namentlich  im 

Grossraum Colombo – die Sicherheitsmassnahmen zwar immer noch 

nicht  gelockert,  weshalb  insbesondere  junge  Männer  Gefahr  laufen, 

überall  und  jederzeit  von  sri-lankischem  Sicherheitspersonal  einer 

minutiösen  Personenkontrolle  unterzogen  und  öfters  auch  für 

eingehendere Abklärungen auf den Posten mitgenommen oder in ein 

Armeecamp  beordert  zu  werden.  Diese  so  genannten  „Anti-

Terrormassnahmen“  werden  im  Raum  Colombo  –  unbesehen  der 

Rügen  des  Supreme  Court  –  zwar  immer  noch  als  repressives 

Instrument  gegen  befürchtete  Infiltrationen  tamilischer  Separatisten 

angewandt,  doch  kommt  diesen  Behelligungen,  denen  ein  Grossteil 

der  tamilischen  Bevölkerung  im  ganzen  Land  und  ebenso  auch  in 

Colombo  ausgesetzt  ist,  aufgrund  mangelnder  Intensität  indes  kein 

Verfolgungscharakter im Sinne von Art. 3 AsylG zu.

Seite 10

D-6922/2010

7.4 Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  es  den  Beschwerde-
führenden  nicht  gelungen  ist,  eine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3 

AsylG darzulegen.  Es erübrigt sich, auf weitere Vorbringen in der Be-

schwerde  einzugehen,  da  diese  keine  neuen  Begründungselemente 

enthalten,  welche  geeignet  wären,  die  Einschätzung  des  BFM  ent -

scheidend zu relativieren.  Das BFM hat  demnach den Beschwerde-

führenden  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert  be-

ziehungsweise deren Asylgesuch abgelehnt.

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). 
Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von 
Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 3 Bst. b des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Er-
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite) 

Seite 11

D-6922/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführenden (...)
- die schweizerische Vertretung in Colombo (...)
- das BFM, (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Widmer

Versand: 

Seite 12