# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 53aff3cb-9a02-56f4-8c45-e7a7e884340e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2010 D-1429/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1429-2010_2010-10-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1429/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richter Blaise Pagan; 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren (...),
dessen Ehefrau 
B._______, geboren (...),
und deren Kinder 
C._______, geboren (...),
D._______, geboren (...),
E._______, geboren (...),
F._______, geboren (...),
G._______, geboren (...),
H._______, geboren (...),
I._______, geboren (...),
J._______, geboren (...), Kosovo,
alle vertreten durch Stefan Hery,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 26. Februar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1429/2010

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführenden  –  nachdem  sie  gemäss  Eurodac-Daten-
bank  bereits  in  Ungarn (30. September 2008)  und  in  Frankreich 
(10. März 2009  und  17. Juni 2009) Asylgesuche  gestellt  hatten  – 
suchten zusammen  mit  ihrem  volljährigen  Sohn  K._______ und 
dessen Familie (D-1430/2010 / N [...]) am 20. Juni 2009 in der Schweiz 
um  Asyl  nach.  Am  30. Juni 2009  (A._______)  beziehungsweise  am 
6. Juli 2009 (B._______) wurde ihnen das rechtliche Gehör zu einem 
allfälligen Nichteintretensentscheid (Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]) sowie einer damit ver-
bundenen  Wegweisung  nach  Ungarn  beziehungsweise  nach  Frank-
reich gewährt. Bezüglich Ungarn führten sie aus, sie hätten dort kein  
Asylgesuch gestellt. Es sei dort wie in einer Wüste, es gebe keine rich -
tige Stadt, und ihre Kinder hätten hungern müssen.

B.
Am 28. August 2009 richtete das BFM ein Gesuch um Wiederaufnah-
me der Beschwerdeführenden an die zuständige ungarische Behörde, 
welchem diese am 9. September 2009 zustimmte.

C.
Am 30. August 2009 wurde der Sohn J._______ geboren.

D.
Mit Verfügung vom 26. Februar 2010 – eröffnet am 3. März 2010 – trat 
das BFM in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylge-
suche der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete deren Wegweisung 
aus der Schweiz nach Ungarn sowie den Vollzug an, stellte fest, dass 
einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, 
und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten.

E.
Am  9. März 2010 (Poststempel)  erhoben  die  Beschwerdeführenden 
vorab per Telefax – handelnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-
tragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und das Eintreten 
auf die Asylgesuche. In formeller Hinsicht ersuchten sie um Erteilung 
der  aufschiebenden  Wirkung,  um  Gewährung  der  unentgelt lichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 

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SR 172.021) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.

F.
Das Bundesverwaltungsgericht ordnete am 9. März 2010 (per Telefax) 
vorsorglich vollzugshemmende Massnahmen an.

G.
Das BFM teilte den ungarischen Behörden am 9. März 2010 mit,  die 
Überstellung könne nicht fristgerecht erfolgen, da eine Beschwerde mit 
aufschiebender Wirkung erhoben worden sei.

H.
Am  7. April 2010  stellte  eine  weitere  minderjährige  Tochter  der  Be-
schwerdeführenden (L._______; D-5886/2010 / N [...]) ein Asylgesuch 
in der Schweiz.

I.
In seiner Vernehmlassung vom 30. Juni 2010 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde.

J.
In ihrer Replik vom 7. Juli 2010 nahmen die Beschwerdeführenden zur 
Vernehmlassung des BFM Stellung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den  Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde  und  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  endgültig  (Art. 105 
AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Ju-
ni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG, 
Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1  AsylG,  Art. 52  VwVG).  Die  Beschwerdeführenden  sind  durch 
die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; 
sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  48 
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Die  gleichzeitig  erhobene  Beschwerde  des  volljährigen  Sohnes 
K._______  sowie  die  Beschwerde  der  minderjährigen  Tochter 
L._______ vom 19. August 2010 werden mit dem vorliegenden Verfah-
ren  in  den  gleichzeitig  ergehenden  Urteilen  D-1430/2010  und 
D-5886/2010 koordiniert behandelt.

3.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

4.  
4.1 Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  gemäss 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, wonach die Zuständigkeit der Schweiz für 
die  Durchführung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren  abgelehnt 
wird,  ist  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 
Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeinstanz enthält  sich 
einer selbständigen materiellen Prüfung und weist die Sache – sofern 
sie den Nichteintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – zu neu-
er  Entscheidung an die  Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8  E. 2.1 
S. 73 mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.).

4.2 Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG wird auf Asylgesuche in der 
Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausrei-
sen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl-  und  Wegwei-
sungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist.

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5.
5.1 Zur  Begründung  seiner  Verfügung  führte  das  BFM im Wesentli-
chen aus, für den 30. September 2008 bestehe ein Eurodac-Treffer mit 
Ungarn.  Ungarn  sei  gestützt  auf  das  Abkommen  vom  26. Okto-
ber 2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und der 
Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mit-
gliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-Assoziie-
rungsabkommen [DAA],  SR 0.142.392.68)  und auf  das  Übereinkom-
men vom 17. Dezember 2004 zwischen der  Schweizerischen Eidge-
nossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über 
die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitz-
stands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder 
in Norwegen gestellten Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezem-
ber 2004, SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig  und  habe  am  9. September 2009  einer  Übernahme  zuge-
stimmt. Die Rückführung habe – vorbehältlich einer allfälligen Unter-
brechung gemäss Art.  19 Abs. 3  oder  Verlängerung gemäss Art. 19 
Abs. 4 Dublin-II VO – bis spätestens am 9. März 2010 zu erfolgen. Fer-
ner hätten die Beschwerdeführenden im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs  erklärt,  sie  hätten  in  Ungarn  kein  Asylgesuch  eingereicht  und 
wollten nicht dorthin zurückkehren. Dort sei es wie in einer Wüste ge -
wesen, es gebe keine richtige Stadt, und die Kinder hätten gehungert.  
Im Sinne obiger Ausführungen könnten diese Erklärungen jedoch eine 
Rückführung nach Ungarn nicht verhindern. Bei allfälligen Schwierig-
keiten  bezüglich  Unterkunft  und  Mittellosigkeit  könnten  sich  die  Be-
schwerdeführenden an die  dafür  zuständigen ungarischen Behörden 
wenden. Der Vollzug der Wegweisung nach Ungarn sei zulässig, zu-
mutbar und möglich.

5.2 Die  Beschwerdeführenden  hielten  dem entgegen,  nachdem Un-
garn ihrer Übernahme am 9. September 2009 zugestimmt habe, hätte 
ihre Überstellung gemäss Art. 19 Abs. 3 Dublin-II-VO spätestens bis 
zum 9. März 2010 erfolgen müssen. Da sie bis zum Tag der Beschwer-
de (9. März 2010) nicht überstellt worden seien und keine Ausnahme-
gründe gemäss Art. 19 Abs. 4 Satz 2 Dublin-II-VO vorlägen, gehe die 
Zuständigkeit für deren Asylgesuche somit auf die Schweiz über. Zu-
dem habe das BFM das rechtliche Gehör verletzt. Es habe die gesund-
heitlichen  Beschwerden  einzelner  Familienmitglieder  und  deren  Be-
handlungsmöglichkeit in Ungarn ausser Acht gelassen, obwohl ihm die 

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Beschwerden hätten bekannt sein müssen, sei doch im Aktenverzeich-
nis „Meldungen medizinische Fälle“ vermerkt. Der am 30. August 2009 
geborene Sohn J._______ leide an einer Herzinsuffizienz, habe des-
halb am Herz operiert werden müssen und benötige weiterhin ärztliche 
Kontrollen. Ausserdem leide er am Down-Syndrom und deswegen an 
einer motorischen Entwicklungsstörung und sei aufgrund eines gene-
tisch bedingten Augenleidens, ein Schielsyndrom, an dem auch seine 
sieben  Geschwister  leiden  würden,  in  augenärztlicher  Kontrolle. 
A._______ (Vater) sei zurzeit wegen einer Mandeloperation im Spital 
Z._______ hospitalisiert und in einem psychisch labilen Zustand.

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführenden ein 
ärztliches Attest  von Dr. med. M._______, Facharzt  FMH für  Kinder- 
und Jugendmedizin, vom 2. März 2010 und einen Bericht des Spitals 
Z._______ vom 3. März 2010 ein.

5.3 In  seiner  Vernehmlassung hielt  das  BFM fest,  ein  Rechtsbehelf, 
dem aufschiebende Wirkung erteilt  werde,  unterbreche die Überstel-
lungsfrist  (Art.  19  Abs. 3  Dublin-II-VO),  was bedeute,  dass  mit  dem 
Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Überstellungsfrist  neu 
zu laufen beginne. Ungarn sei am 9. März 2010 über die hängige Be-
schwerde  informiert  worden.  Die  auf  Beschwerdeebene  geltend  ge-
machten gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführenden seien 
bis zur Beschwerde am 9. März 2010 nicht bekannt gewesen. Die vom 
Rechtsvertreter  zitierten  „Meldung(en)  medizinische  Fälle“  stammten 
vom 14. Juli 2009,  und  es  handle  sich  dabei  um  Beschwerden von 
B._______ (Mutter  /  Schwangerschaftsbeschwerden) und  H._______ 
(Hode, Leiste geschwollen), welche zwischenzeitlich offensichtlich be-
hoben worden und nicht Gegenstand der Beschwerde seien. Nach der 
Aufforderung  vom  22. April 2010,  Berichte  zu  den  gesundheitlichen 
Beschwerden  aller  Familienmitglieder  einzureichen,  hätten  die  Be-
schwerdeführenden  am  12. Mai 2010  zwei  ärztliche  Berichte  zu 
J._______ und A._______ eingereicht. Zu den in der Beschwerde vor-
gebrachten gesundheitlichen Problemen der anderen sieben Kinder lä-
gen keine weiteren Erkenntnisse oder medizinischen Berichte vor. Der 
an Trisomie 21 leidende J._______ benötige gemäss dem Arztbericht 
weiterhin  augenärztliche  und kardiologische Verlaufskontrollen  sowie 
eine  Therapie  zur  Entwicklung  einer  selbständigen  Versorgung.  Bei 
A._______  bestehe der Verdacht  auf  eine schwere posttraumatische 
Belastungsstörung  mit  psychotischem  Erleben  (allenfalls  paranoide 
Schizophrenie), die gemäss medizinischem Bericht weiterhin psychia-

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trisch und psychopharmakologisch behandelt werden müsse. Die Dub-
lin-II-VO gehe aufgrund ihres Wortlautes davon aus, dass alle Dublin-
Staaten, bei denen es sich nicht um Drittweltstaaten beziehungsweise 
Entwicklungsländer handle, über eine adäquate medizinische Versor-
gung aller  Krankheitsbilder verfügten. Dabei  handle es sich um eine 
allgemein bekannte Erkenntnis und sei somit amtsnotorisch, weshalb 
nicht  im Einzelfall  zu prüfen sei,  ob eine bestimmte Krankheit  ange-
messen  behandelt  werden  könnte  oder  nicht,  insbesondere  wenn  – 
wie  im Falle  der  Beschwerdeführenden – nicht  annähernd dargelegt 
werde,  weshalb  in  dem betreffenden  Land  keine  angemessene  Be-
handlung erhältlich sein solle. Ungarn habe alle relevanten Richtlinien 
der Europäische Union (EU) umgesetzt. Eine Wegweisung von asylsu-
chenden Personen mit  gesundheitlichen Problemen könne nur  unter 
ganz aussergewöhnlichen Umständen ein Verstoss gegen insbesonde-
re Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darstellen. Zudem 
würden  in  der  Rechtsprechung  des  Europäischen  Gerichtshofs  für 
Menschenrechte (EGMR)  hohe Anforderungen zu medizinischen Vor-
bringen in Bezug auf Herkunftsstaaten gestellt; dies müsse umso mehr 
für  Dublin-Staaten  gelten. Die  Reisefähigkeit  von  J._______  sei  ge-
mäss Arztbericht gegeben. Der im Arztbericht zu A._______ erwähn-
ten  Möglichkeit  einer  Exacerbation  der  psychosomatischen  Sympto-
matik bei einer Ausreise könne im Rahmen einer adäquaten Betreu-
ung beim Vollzug der Wegweisung und durch eine entsprechende Vor-
abinformation der ungarischen Behörden Rechnung getragen werden. 
Für  die  Tochter  L._______,  welche am 7. April 2010 ein  Asylgesuch 
eingereicht habe, werde ein separater Entscheid getroffen. Beim Weg-
weisungsvollzug  werde  der  Einheit  der  Familie  Rechnung  getragen 
und die gesamte Familie gemeinsam nach Ungarn überstellt werden.

5.4 In  ihrer  Replik  hielten  die  Beschwerdeführenden  entgegen,  das 
Bundesverwaltungsgericht habe den Vollzug der Wegweisung lediglich 
bis zum Entscheid über die aufschiebende Wirkung ausgesetzt, worü-
ber es bis heute nicht befunden habe. Mit dem Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts  werde demnach keine erneute  sechsmonatige Frist 
ausgelöst. Eine andere Auffassung würde zudem zum stossenden Er-
gebnis führen, dass sie ohne Beschwerde beziehungsweise mit einer 
Beschwerde erst am fünften Tag der Beschwerdefrist besser gefahren 
wären, weil dann die Zuständigkeit mit Ablauf der Überstellungsfrist an 
die Schweiz übergegangen wäre. In Bezug auf ihre gesundheitlichen 

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Beschwerden gelte es festzuhalten, dass sich das BFM nicht mit deren 
Behandelbarkeit in Ungarn auseinandergesetzt habe.

6.
Die auf  Beschwerdeebene geltend gemachten gesundheitlichen Pro-
bleme der Beschwerdeführenden waren dem BFM zum Zeitpunkt des 
Erlasses seiner Verfügung vom 26. Februar 2010 noch nicht zur Kennt-
nis gebracht worden. Beim Vermerk im Aktenverzeichnis „Meldungen 
medizinische Fälle“ ging es – wie vom Bundesamt richtigerweise fest -
gehalten – um andere als die nun geltend gemachten Beschwerden. In 
seiner Vernehmlassung vom 30. Juni 2010 hat  sich das BFM zudem 
inzwischen mit  den neu geltend gemachten Beschwerden auseinan-
dergesetzt. Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  genügend abgeklärt,  und es liegt  keine Verletzung 
des Gehörsanspruchs vor. Die  entsprechende Rüge erweist  sich als 
nicht begründet.

7.
7.1 Gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO ist Ungarn für die Be-
handlung der Asylgesuche der Beschwerdeführenden zuständig. Un-
garn hat einer Wiederaufnahme mit Schreiben vom 9. September 2009 
denn auch zugestimmt.

7.2 Gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin-II-VO erfolgt die Überstellung 
spätestens innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach der Annah-
me des Antrags auf Wiederaufnahme oder aber seit der Entscheidung 
über den Rechtsbehelf, wenn dieser aufschiebende Wirkung hat. Ein 
Rechtsbehelf hat dann aufschiebende Wirkung, wenn gemäss den na-
tionalen  Vorschriften  die  Durchführung  des  Überstellungsverfahrens 
ausgesetzt  wird  (vgl. Urteil  des  Europäischen  Gerichtshofes  [EuGH] 
vom  29.  Januar  2009  i.S.  Migrationsverket  [Schweden]  /  Petrosian, 
C-19/08). Das Bundesverwaltungsgericht hat im vorliegenden Fall den 
Vollzug der Wegweisung und damit die Überstellung in den zuständi-
gen  Mitgliedstaat  mit  Verfügung  vom  9. März 2010  im  Sinne  von 
Art. 56 VwVG ausgesetzt. Der Vollzug der Überstellung in den zustän-
digen Drittstaat war damit aufgrund des eingereichten Rechtsbehelfes 
ab  diesem  Datum  und  damit  noch  innerhalb  der  Überstellungsfrist 
nicht mehr möglich, was gemäss Dublin-II-VO zu einer Unterbrechung 
der regulären Vollzugsfrist führt. Irrelevant ist dabei, ob der Unterbruch 
nun am letzten Tag der Vollzugsfrist angeordnet wird oder einige Tage 
früher; die Frist darf hingegen nicht bereits abgelaufen sein. Im bilate-

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ralen Verhältnis zwischen den Mitgliedstaaten kann es dabei entgegen 
den anderslautenden Vorbringen in der Replik auch nicht  darauf  an-
kommen, aufgrund welcher nationalen Bestimmungen –  Art. 56 VwVG 
oder Art. 107a AsylG – die Überstellung verunmöglicht wird. Massge-
bend ist allein die Wirkung der Massnahme, nämlich dass die Behörde 
die Überstellung nicht vollziehen darf (vgl. auch zur Publikation vorge-
sehenes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E-6525/2009  vom 
29. Juni 2010 E. 7.2.1). Anders zu entscheiden müsste in seiner Kon-
sequenz dazu führen, dass in Dublin-Verfahren Art. 56 VwVG nicht an-
gewendet werden dürfte. Das Bundesamt hat denn auch noch am sel -
ben Tag und damit noch vor Ablauf der regulären Frist die ungarischen 
Behörden über den Vollzugsstopp informiert und ist damit seinen Ver-
pflichtungen umfassend gerecht geworden (vgl. dazu Art. 9 Abs. 2 Ver-
ordnung Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit 
Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO [DVO]). Es ergeben sich 
denn auch keinerlei Anzeichen darauf, die ungarischen Behörden wür-
den sich nicht  mehr als  zuständig erachten,  im Gegenteil  haben sie 
noch  im  Juni  2010  auch  der  Aufnahme  der  Tochter  L._______ 
(D-5886/2010) ausdrücklich zugestimmt. Diesen Erwägungen gemäss 
ist die Zuständigkeit nicht aufgrund des Ablaufs der Überstellungsfrist 
auf die Schweiz übergegangen, die sechsmonatige Frist beginnt viel-
mehr ab Urteilsdatum neu zu laufen. 

7.3 Weiter  machen die Beschwerdeführenden  keine Gründe geltend, 
welche  in  rechtserheblicher  Weise  gegen  den  Wegweisungsvollzug 
nach Ungarn sprechen, und ein Selbsteintritt nach Art. 3 Abs. 2 Dub-
lin-II-VO aus humanitären Gründen (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Ver-
bindung mit Art. 29a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über 
Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311])  drängt  sich  nicht  auf.  Sie 
wenden zwar ein, es sei in Ungarn wie in einer Wüste, es gebe keine 
richtige Stadt und ihre Kinder hätten hungern müssen. Ungarn ist aber 
sowohl  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) als auch der EMRK, 
und es liegen keinerlei Anhaltspunkte vor, wonach sich Ungarn nicht 
an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  hält. 
Die Asylanträge der Beschwerdeführenden wurden gemäss Aktenlage 
in einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren geprüft und abgelehnt. In 
Bezug  auf  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  von 
J._______ ist vorauszuschicken, dass dieser sich gemäss den  einge-
reichten  Arztberichten  vom  14. Dezember 2009,  2. März 2010  und 
10. Mai 2010 nach der Herzoperation gut erholt hat. Die kardiologische 

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Kontrolle am 14. Dezember 2009 hat einen bis anhin günstigen Verlauf 
gezeigt,  und  auch  die  für  den  Juni 2010  geplante,  abschliessende 
Kontrolle dürfte inzwischen stattgefunden haben. Die gesundheitlichen 
Beschwerden aller  Beschwerdeführenden –  so auch die  geltend ge-
machte posttraumatische Belastungsstörung von A._______ – können 
aber ohnehin in Ungarn behandelt  werden, wo nach Erkenntnis  des 
Bundesverwaltungsgerichts die medizinische Versorgung gewährleistet 
ist (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-772/2010 vom 19. Februar 
2010). Die Reisefähigkeit ist bei allen Beschwerdeführenden gegeben. 
Bei einer Überstellung von A._______ kann – wie vom BFM richtiger-
weise ausgeführt – dem Risiko einer geltend gemachten exazerbierten 
Dekompensation mit einer gut  – und vor allem frühzeitig – organisier-
ten Reise entgegengewirkt werden.

8.  
Nach den vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass das BFM 
zu  Recht  auf  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  in  Anwen-
dung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht eingetreten ist.

9.
9.1 Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz zur Folge; dabei wird der Grundsatz der Ein-
heit der Familie berücksichtigt (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Vorliegend wurde 
keine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt,  und  es  be-
steht auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen, weshalb die ver-
fügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen 
steht und demnach zu bestätigen ist.

9.2 Im Rahmen des Dublin-Verfahrens – bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Behandlung  des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – bleibt systembedingt kein Raum für Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). Die Frage nach der Zulässigkeit 
und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  bildet  in  Verfahren  nach 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG vielmehr bereits Voraussetzung (und nicht 
erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides. Auch stellt  sich  die 
Frage der Zumutbarkeit in solchen Verfahren nicht unter dem Aspekt 
von Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG, sondern ebenfalls vor der Prüfung des 
Nichteintretens im Rahmen einer allfälligen Prüfung des Selbsteintritts-
rechts aus humanitären Gründen (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Ver-

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bindung mit Art. 29a AsylV 1). Eine entsprechende Prüfung muss so-
mit – soweit  notwendig – bereits im Rahmen des Nichteintretensent-
scheides stattfinden (vgl. vorstehende Erwägungen). Im Sinne dieser 
Ausführungen steht der Vollzug der Wegweisung im Einklang mit den 
massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen.

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

11.
Mit dem Urteil in der Hauptsache ist das Gesuch um den Verzicht auf  
die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1VwVG). Nachdem jedoch ihre 
Begehren nach dem Gesagten nicht als aussichtslos zu erachten sind 
und ihre Bedürftigkeit aufgrund der mit der Beschwerde eingereichten 
Fürsorgebestätigung belegt  ist,  ist  das mit  der Beschwerde gestellte 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Demnach werden keine Kosten 
auferlegt.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
In  Gutheissung  des  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werden keine Verfah-
renskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- ...

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

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