# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d337cbe1-94c1-506c-85ed-9bcb7f9f4806
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-26
**Language:** de
**Title:** Bei Arbeitsfähigkeit von 70% in angestammter Tätigkeit und Prozentvergleich kein Anspruch auf unbefristete Rente; auch kein Anspruch auf befristete Rente bei vorhergehender 50%iger Arbeitsfähigkeit, da die Kündigung nicht krankheitsbedingt erfolgte und entsprechend der zuletzt bezogene überdurchschnittlich hohe Lohn nicht als Valideneinkommen herangezogen werden kann; Abweisung, reformatio in peius (BGE 8C_537/2023)
**Docket/Reference:** IV.2021.00025
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00025.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00025
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiber Boller
Urteil
vom
26. Juni 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961, war von 1993 bis 2004 als Mitgründer und Geschäftsleiter der
Y.___
AG und von 2005 bis 2015 als Managing
Director
und Verwaltungsratspräsident der
Z.___
AG tätig, wobei der letzte vertragliche Arbeitstag am 28. Februar 2015 war (Urk. 2/11/32; Urk. 2/17). Unter Hin
weis auf eine chronische lymphatische Leukämie meldete er sich am 19. März 2014 (richtig: 2015) bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 2/11/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 23. Feb
ruar 2018 bei einem Invaliditätsgrad von 50 % eine befristete halbe Invaliden
rente vom 1. Dezember 2015 bis 31. Juli 2016 zu (Urk. 2/2 = Urk. 2/11/52+53).
2.
2.1
Der Versicherte erhob am 10. April 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. Februar 2018 (Urk. 2/2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine unbefristete Dreiviertelsrente zuzusprechen (Urk. 2/1 S. 2). Nach zwei durch
geführten Schriftenwechseln (Urk. 2/9, Urk. 2/16, Urk. 2/19, Urk. 2/20) gab das Gericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit, zu einer vom Gericht in Erwägung gezogenen Abänderung der angefochtenen Ver
fügung zu seinem Nachteil (
reformatio
in peius) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 2/21). Der Beschwerdeführer zeigte mit Stellung
nahme vom 16. Dezember 2019 an, dass er an der Beschwerde festhalte (Urk. 2/23).
2.2
Mit Urteil
IV.2018.00329
vom 16. Januar 2020 (Urk. 2/25) wies das hiesige Gericht die Beschwerde ab
und hob die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. Februar 2018 mit der Feststellung auf, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe.
Die hiergegen erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht
mit Urteil 8C_177/2020
vom 22. Dezember 2020
teilweise
gut
, hob das Urteil
des hiesigen Gerichts
vom 16. Januar 2020 auf und
wies die Sache zu
weiteren Ab
klärungen und
neuer Ent
scheidung an
dieses
zurück (Urk.
2/29 = Urk.
1).
2.3
Mit Beschlüssen vom 26. August 2021 (Urk. 8-9) stellte das hiesige Gericht in Aussicht, bei Prof. Dr. med.
A.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hämatologie, und bei Dr. med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, je eine schriftliche Auskunft über die in den Beschlüssen näher genannten Fragen einzuholen.
Am 13. September 2021 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie keine Änder
ungen und Ergänzungen zur Fragestellung beantrage (Urk. 11). Am 8. Oktober 2021 (Urk. 13) beantragte der Beschwerdeführer nebst Zusatzfragen eine mindestens teilweise Aufnahme oder Beilage des Rückweisungsentscheides (S. 2 f.).
Mit Beschluss vom 9. November 2021 (Urk. 14) wurde letzterer Antrag abge
wiesen und die Anträge auf Aufnahme von Zusatzfragen teilweise gutgeheissen. Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist holte das Gericht mit Beschlüssen vom 1. Februar 2022 (Urk. 16/1-2) die schriftlichen Auskünfte ein, welche von Dr.
B.___
am 7. März 2022 (Urk. 19) und von Prof.
A.___
am 15. März 2022 (Urk. 21) erstattet und den Parteien mit Verfügung vom 5. April 2022 (Urk. 23) zur Stellungnahme zugestellt wurden. Die Beschwerdegegnerin nahm am 16. Mai 2022 (Urk. 26) und der Beschwerdeführer am 20. Juni 2022 (Urk. 28) Stellung. Mit Verfügung vom 21. Juni 2022 (Urk. 29) wurden die
Stellungnahmen den Parteien je wechselseitig zur Kenntnisnahme zugestellt.
2.4
Mit Beschluss vom 1. September 2022 (Urk. 30) stellte das Gericht in Aussicht, bei der
C.___
GmbH eine schriftliche Auskunft einz
u
holen
, worauf die Parteien diverse Anträge stellten, so die Beschwerdegegnerin a
m 3. Oktober 2022 (Urk. 33)
und der Beschwerdeführer
am 20. Oktober 2022 (Urk. 34).
Mit Beschluss vom 3. November 2022 (Urk. 35) wies das Gericht die Anträge des Beschwerdeführers auf Einholung einer schriftlichen Auskunft bei dessen dama
ligen Stellvertreter und auf Beizug
seines
Personaldossiers
ab und wies
seine
Anträge auf Ergänzung der Fragen teilweise gut.
De
r
Antrag der Beschwerde
gegnerin auf Einholung des Fusionsvertrages
wurde abgewiesen,
ihre
Anträge auf Ergänzung der Fragen wurden teilweise gutgeheissen.
Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist holte das Gericht mit Beschluss vom 20. Dezember 2022 (Urk. 39) die schriftliche Auskunft bei
C.___
ein, welche nach entsprechender telefonischer Nachfrage (Urk. 42) am 2. März 2023 von deren HR Senior Manager
D.___
erstattet (Urk. 43) und den Parteien mit Verfügung vom 10. März 2023 (Urk. 44) zur Stellungnahme zugestellt wurde. Der Beschwer
deführer nahm am 29. März 2023 (Urk. 46) und die Beschwerdegegnerin am 12. April 2023 (Urk. 47) Stellung. Mit Verfügung vom 18. April 2023 (Urk. 48) wurden die Stellungnahmen den Parteien je wechselseitig zur Kenntnisnahme zugestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1
.1
1.1.1
Im Urteil vom 16. Januar 2020 (Urk. 2/25) kam das hiesige Gericht gestützt auf die diversen Berichte des behandelnden Prof.
A.___
und auf die Stellungnahme des Dr. med.
E.___
, Facharzt für Allgemeine innere Medizin,
r
egionaler
ä
rztlicher Dienst (RAD), vom 14. November 2016 (Urk. 2/11/33 S. 4 f.), zum Schluss, der Beschwerdeführer sei
aufgrund einer lymphatischen Leukämie
vom 1. Dezember 2014 bis zum 30. Juli 2015 zu 100 %
arbeitsunfähig
, daraufhin bis zum 31. Juli 2016 zu 50 % und schliesslich
seit August 2016 zu 70 % arbeits
fähig gewesen (dortige E. 4.1). Aufgrund der persistierenden Fatigue-Symp
tomatik sei
er
langfristig in zeitlicher Hinsicht im genannten Umfang in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (gewesen),
entgegen der regionalärztlichen Ein
schät
zung
jedoch
nicht
in qualitativer Hinsicht («ohne Stressexposition»). Somit sei die angestammte Tätigkeit als Geschäftsführer
und Präsident des Verwal
tungsrates
in qualita
tiver Hinsicht aus medizinisch-theoretischer Sicht im Rahmen der zeitlichen Limitierung zumutbar (dortige E. 4.5).
1.
1.
2
Das Bundesgericht führte dazu aus, was folgt (Urk. 1):
«
4.2.
4.2.1. Zwar wird im RAD-Bericht vom 14. November 2016 in bisheriger und angepasster Tätigkeit gemäss Belastungsprofil ab 1. September 2016 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Bei den Angaben zum Belastungsprofil wird indessen eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Stressexposition angeführt. Mit Bezug auf die ehemalige Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Z.___
AG kann jedoch kaum von einer Tätigkeit ohne Stressexposition gesprochen werden.
4.2.2. Aus den diversen Berichten des Prof. Dr. med.
A.___
,
welche dieser im Zeit
raum vom 11. Dezember 2014 bis 1. November 2016 verfasst hatte, geht nicht hervor, ob sich die 70%ige Arbeitsfähigkeit auch auf die angestammte Tätigkeit bezieht. In jenem vom 1. November 2016 führte der Arzt unter anderem aus, es bestehe weiter
hin eine starke Fatigue-Symptomatik als Folge der Therapie. Der Beschwerde
führer arbeite zu 70 % bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30 %. Auf die Frage, ob die Arbeits
fähig
keit durch medizinische Massnahmen verbessert werden könne, hielt der Arzt lediglich fest, 30 % arbeitsunfähig, 70 % arbeitsfähig. Die Frage nach der Arbeits
fähig
keit in der angestammten Tätigkeit wurde dem Arzt nicht gestellt. Zu jenem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer bereits an seiner aktuellen Stelle als Geschäfts
führer eines Hotels tätig. Jedenfalls ergibt sich aus den ärztlichen Berichten entgegen den vorinstanzlichen Feststellungen nicht, dass sich die 70%ige Arbeitsfähigkeit auch auf die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Z.___
AG bezog. Das kantonale Gericht geht davon aus, dass der behandelnde Arzt Kenntnis von der erwerblichen und beruflichen Situation des Beschwerdeführers hatte. Das wider
spricht den Angaben des Prof. Dr. med.
A.___
in seinem Bericht vom 8. März 2016. Auf die konkrete Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit (als jener eines Geschäftsleiters) führt
der Arzt aus: "Diesbezüglich bin ich überfragt, da ich weder das Tätigkeitsfeld von Herrn
X.___
kenne, noch exakt eruieren kann, was an Arbeitstätigkeit möglich ist." Das in jenem Zeitpunkt vom Beschwerdeführer geleistete Pensum hielt er für angepasst.
4.2.3. Im Weiteren stellte das kantonale Gericht fest, die vom Beschwerdeführer ab September 2016 ausgeübte Tätigkeit als Geschäftsführer des Hotels
F.___
in
G.___
sowie jene, die er bei der
H.___
AG
in der ersten Hälfte des Jahres 2016 ausgeübt hatte, seien vom Stresspotential her betrachtet mit seiner früheren Tätigkeit als Managing
Director
und Präsident des Verwaltungsrates bei der
Z.___
AG vergleichbar, ohne dies zu begründen. Gemäss unwidersprochenen Angaben des Beschwerdeführers handelt es sich bei der
H.___
AG um eine Firma mit 6 Mitarbeitern und einem Umsatz von Fr. 1.5 Mio.. Er konnte seine Aufgaben in einem 50 % Pensum erledigen. Hingegen war der Beschwerdeführer bei der
Z.___
AG nicht nur Geschäftsführer und damit operativer Leiter, sondern auch Präsident des Verwaltungsrats und damit zusätzlich für die strategische Entwicklung mitverantwortlich. Im Gegensatz zur
H.___
AG und zum Hotel
F.___
in
G.___
beschäftigte diese Firma 130 Mitarbeiter. Der Beschwerdeführer macht zu Recht geltend, dass seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Hotels
F.___
nicht mit derjenigen bei der
Z.___
AG gleichgesetzt werden kann. Inwiefern die verschiedenen Tätigkeiten insbesondere hinsichtlich ihrer Intensität und ihres "Stresspegels" vergleichbar sein sollen, begründet das kantonale Gericht nicht und ist auch nicht ersichtlich. Es hätte unter diesen Umständen nicht ohne weitere Abklärungen davon ausgehen dürfen, dass sich die attestierte Arbeitsfähigkeit von 70 % auch auf die angestammte Tätigkeit bezog. Vielmehr hätte es diese Frage unter Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes abklären müssen. Damit handelt es sich bei den entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid lediglich um Spekulationen, die sich nicht auf Angaben von Ärzten stützen lassen. Indem die Vorinstanz ohne Begründung die verschiedenen Tätigkeiten belastungsmässig als gleichwertig bezeichnete und die attestierte 70%ige Arbeitsunfähigkeit auch auf die angestammte Tätigkeit bezog, verfiel sie in Willkür und verletzte dadurch Bundesrecht.
1.1.3
Mittels weiterer Abklärungen war somit zu prüfen,
auf welche Tätigkeit sich
Prof.
A.___
bei seinen Arbeitsunfähigkeitsangaben bezog.
1.2
1.2.1
Prof.
A.___
behandelte den Beschwerdeführer seit dem 1. Dezember 2014 und
stellte
ihm
am 11. Dezember 2014 ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis
für eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
für die Dauer vom 1. Dezember 2014 bis zum 28. Feb
ruar 2015 aus (Urk.
2/
11/2/1
, Urk. 2/12/6
). Im Bericht vom 12. Januar 2015 (Urk.
2/
11/12/8-9) nannte er als Diagnose eine chronische lymphatische Leukämie (CLL), ICD-10 C91.1 (S. 1 oben). Im Dezember 2014 sei die Erstdiagnose CLL Binet Stadium B mit multiplen Lymphknotenmanifestationen zervikal,
supraklavikulär
,
axiliär
, retroperitoneal und
iliakal
gestellt worden
(S. 1 Mitte)
.
1.2.2
Im Bericht vom 9. März 2015 zuhanden der
damals zuständigen Krankentaggeld
versicherung,
I.___
(Urk.
2/
11/5/2-3)
,
führte Prof.
A.___
aus,
aufgrund
der deutlichen Beeinträch
tigung der körperlichen Belastbarkeit und der B-Symp
tomatik seien eine Immun
therapie mit einem CD20-Antikörper und eine Chemo
therapie gestartet worden. Der Patient sei aufgrund der Intensität der Beschwerden und der laufenden The
rapie derzeit zu 100 % arbeitsunfähig. Die Therapie dauere in der Regel 6 Monate und dann sei mit einer schrittweisen Wiedereingliederung ins Berufsleben zu rechnen
(S. 1).
1.
2.3
Im Bericht vom 9. November 2015 zuhanden der
I.___
(Urk.
2/
11/21/3 = Urk.
2/
11/25/7) führte Prof.
A.___
aus, die Immunchemotherapie sei beendet. Der Patient habe diese recht gut vertragen, aber mit einer ausgeprägten Fatigue-Symptomatik und nicht immer gegebener Belastbarkeit. Er gehe davon aus, dass sich die Arbeitsunfähigkeit von 50 % schrittweise bessern werde (Ziff. 2). Auf
grund der Grunderkrankung und der Intensität der Erkrankung sei wahrscheinlich eine sofortige Tätigkeit als Geschäftsleiter mit sehr wechselnder Arbeitsbelastung und Reisen nicht möglich
.
Die noch bestehende Fatigue-Symptomatik sei schwierig einzuordnen und zu objektivieren. Nach einer Immunchemotherapie bräuch
ten Patienten häufig noch längere Zeit, um wieder die alte Belastbarkeit zu errei
chen. Insgesamt werde von einer guten Prognose ausgegangen, da die zugrunde
liegende Grunderkrankung sehr gut kontrolliert sei (Ziff. 3). Zeitlich befristete Arbeiten im Bürobereich seien wahrscheinlich für mehrere Stunden am Tag mög
lich. Ab Anfang 2016 solle der Versuch einer schrittweisen Steigerung in Betracht gezogen werden (Ziff. 4a).
1.
2.
4
Im Bericht vom 8. März 2016 zuhanden der
I.___
(Urk.
2/
11/25/5-6) führte Prof.
A.___
aus, die CLL sei aktuell sehr weit zurückgedrängt. Der Patient habe von der Krankheit und der Therapie noch eine bestehende Fatigue-Symptomatik mit rascher Erschöpfung, Müdigkeit und Schwäche (Ziff. 3). In Bezug auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen T
ätigkeit führte Prof.
A.___
a
us
:
«Die Fatigue-Symptomatik kann sicherlich die Aktivität eines Geschäfts
führers beeinträchtigen, so dass ich die 50%ige Arbeitstätigkeit verstehen könnte
»
(S. 2 Ziff. 6).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit schrieb
Prof.
A.___
: «Diesbezüglich bin ich überfragt, da ich weder das Tätigkeitsfeld von Herrn
X.___
kenne, noch exakt eruieren kann, was
an Arbeitstätigkeit möglich ist
»
. Ob und in welchem Pensum Computerarbeiten et cetera möglich seien, könne nur ein Wiedereingliederungsversuch zeigen. Es sei schwierig zu sagen, welche Tätigkeiten in welchem Umfang aktuell durchgeführt werden könnten. Soweit er wisse, arbeite der Beschwerdeführer derzeit in angepasstem Pensum (S. 2 Ziff. 7).
1.
2.
5
Am 10. Juni 2016 berichtete Prof.
A.___
dem behandelnden Hausarzt
, Dr. med.
B.___
. Zur Anamnese hielt er fest, der Beschwerdeführer stelle sich in weiterhin leicht redu
ziertem Allgemeinzustand vor. Aktuell sei kein Hinweis auf Aktivität der CLL gegeben bei immer noch krankheits- und therapie
bedingter Fatigue und daher 50%iger Arbeitsunfähigkeit. Die Belastbarkeit sei aber steigend, so dass er ab 1. August 2016 wieder von einer 100%igen Inte
gration in den Arbeitsprozess ausgehe (Urk.
2/
11/26/6).
1.
2.
6
Im Bericht vom 16. August 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk.
2/
11/26/4-5) führte Prof.
A.___
aus, der Patient habe bei der letzten Konsul
tation immer noch über eine bestehende Fatigue-Symptomatik geklagt. Es werde daher von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausgegangen. Ab 1. August 2016 sollte wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100 % hergestellt worden sein. Er werde den Patienten erst wieder im September 2016 sehen und könne dann abschlies
send berichten (Ziff. 2.1).
1.
2.
7
Im Bericht vom 6. September 2016 (Urk.
2/
11/30/6) führte Prof.
A.___
aus, die Arbeitsfähigkeit sei bei zirka 70 % gegeben, darüber hinaus bestehe eine ausge
prägte Müdigkeit mit Fatigue. Es gebe keine eindeutigen B-Symptome.
1.
2.
8
Im Bericht vom 1. November 2016 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk.
2/
11/30/4-5) führte Prof.
A.___
aus, die CLL befinde sich in guter Remission. Es bestehe weiterhin eine starke Fatigue-Symptomatik als Folge der The
rapie (Ziff. 1.2). Der Patient arbeite zu 70 % bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % (Ziff. 2.1). Die Frage, ob die Arbeitsfähigkeit durch medizinische Mass
nahmen verbessert werden könne, beantwortete Prof.
A.___
wie folgt: «30 % arbeitsun
fähig, 70 % arbeitsfähig» (Ziff. 4.1).
1.3
In der schriftlichen Auskunft
an das Gericht vom 15. März 2022 (Urk. 21) führte Prof.
A.___
auf die entsprechenden Fragen (vgl. Urk. 16/2 E. 3.1-7) aus, vom Beschwerdeführer sei am 1. Dezember 2014 bei der Anmeldung eine Tätigkeit als Kaufmann angegeben worden, weshalb er zunächst mit dieser Tätigkeit erfasst worden sei. Die am 11. Dezember 2014 attestierte Arbeitsunfähigkeit zu 100 % sei aufgrund des Ausmasses der Erkrankung als auch der Therapie ausgestellt worden und sei nicht unmittelbar als berufsgruppenspezifisch einzustufen. Die genauere Information bezüglich einer Tätigkeit als Geschäftsleiter/Geschäfts
führer sei von der Krankentaggeldversicherung
I.___
am 3. März 2015 mitgeteilt worden. Auf diese Tätigkeit bezögen sich seine weiteren Arbeitsunfähig
keitsbescheinigungen. Auch in den weiteren Schreiben der
I.___
im März 2016 werde weiterhin vom Beschwerdeführer als Geschäftsleiter gesprochen. Die Arbeits
unfähigkeit sei im Verlauf schrittweise bezogen auf diese ihm genannte Tätigkeit reduziert worden.
Gemäss seinen Visiten-Einträgen habe er
dann
am 5. November 2018 notiert, dass der Beschwerdeführer ein Hotel leite, so dass seine Arbeitsunfähigkeitszeugnisse sich ab diesem Zeitpunkt an sich auf diese Leitungs
funktion bezögen (Ziff. 3.1).
Der Beschwerdeführer habe sich als Kaufmann angemeldet und seitens der
I.___
sei er als Geschäftsleiter benannt worden. Damit bezögen sich die Zeugnisse auf die von der
I.___
genannte Tätigkeit, da
er,
Prof.
A.___
,
davon ausgegangen sei, dass der Beschwerdeführer entsprechend bei der Versicherung eine detailliertere Angabe gemacht habe. Damit bezögen sich die Zeugnisse bis zum Zeitpunkt im November 2018 auf diese Tätigkeit
(Ziff. 3.2). Auf die Frage, auf welche Tätigkeit mit welchem Anforderungsprofil sich die Angabe einer Arbeitsfähigkeit von zirka 70 % ab September 2016 bezogen habe (vgl. Urk. 16/2 E. 3.4)
,
antwortete Prof.
A.___
, auch diese Tätigkeit müsse gemäss seinen Unterlagen auf die Geschäftsleitertätigkeit bezogen werden (Ziff. 3.4).
Um Stellungnahme zum vom RAD-Arzt Dr.
E.___
genannten Erfordernis einer Tätigkeit ohne Stressexposition gebeten (vgl. Urk. 16/2 E. 3.6)
,
führte Prof.
A.___
aus, er sehe eigentlich keinen grossen Unterschied in der Arbeitsun
fähigkeitsbeurteilung durch Dr.
E.___
und durch seine eigene Person. Die detaillierte Beurteilung, ob einzelne Tätigkeiten mit oder ohne Stresssituation beziehungsweise -exposition behaftet seien, sei schwierig. Auch sei generell eine Fatigue-Symptomatik, sowohl durch die CLL als auch durch die Behandlung, in der Regel extrem schwierig einzustufen (Ziff. 3.6).
1.4
1.4.1
Prof.
A.___
hat die
nach dem höchstrichterlichen Rückweisungsentscheid näher abzuklärende
Frage, ob er seine Angabe einer zirka 70%igen Arbeitsfähigkeit ab September 2016
(
auch
)
auf die angestammte Tätigkeit bezogen hat, somit eind
eutig bejaht. Er attestierte diese Arbeitsfähigkeit am 6. September 2016 (E. 1.2.7). Zu diesem Zeitpunkt ging er davon aus, dass der Beschwerdeführer weiterhin die Tätigkeit als Geschäftsleiter ausübte und bezog die Arbeitsfähig
keitsangabe auf diese
, wie er zuhanden des Gerichts explizit erklärte.
Erst im November 2018 erfuhr er von der neuen Tätigkeit als Hotelleiter
und bezog seine Arbeitsun
fähigkeitsangaben erst jetzt auf diese
(E. 1.3)
.
Es war ihm auch durchaus bekannt, dass diese angestammte Tätigkeit eine gewisse Stressexposition mit sich brachte. So hielt Prof.
A.___
bereits im November 2015 fest, eine sofortige Tätigkeit als Geschäftsleiter mit sehr wech
selnder Arbeitsbelastung und Reisen sei zum damaligen Zeitpunkt noch nicht möglich gewesen (E. 1.2.3). Insofern ist zu relativieren, dass sich Prof.
A.___
im März 2016 auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit überfragt
zeigte, da er
das Tätigkeitsfeld des Beschwerdeführers nicht kenne (E. 1.2.4). Damit
mag
Prof.
A.___
berufliche Ausbildungen oder technische Kompetenzen gemeint haben, welche in einer angepassten Tätigkeit gegeben
enfalls erforderlich wären. Die Position des Beschwerdeführers als Geschäftsleiter war Prof.
A.___
hingegen
offenkundiger
Weise
ebenso bekannt wie die Tatsache, dass diese eine gewisse Stressexposition beinhaltete.
1.
4.2
Im Einklang mit der bundesgerichtlichen Feststellung kann
mit Bezug auf die ehemalige Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Z.___
AG kaum von einer Tätigkeit ohne Stressexposition gesprochen werden (vgl. dortige E. 4.2.1; vorstehend E. 1.1.2). Es mag auch zutreffen, dass die Tätigkeit als Geschäftsführer des Hotels
F.___
punkto Stresspegel nicht mit derjenigen bei der
Z.___
AG gleichgesetzt werden kann (dortige E. 4.2.3; vorstehend E. 1.1.2). Dennoch dürfte als notorisch gelten, dass auch die Position an der Spitze eines Hotels mit nicht unerheblichem Stress verbunden ist. Deshalb
steht die
ohne eigene Untersuchung des Beschwerdeführers vorgenommene
Einschätzung durch den RAD-Arzt Dr.
E.___
, wonach eine Stressexposition nicht zumutbar sei
n solle
, im Widerspruch zur vom Beschwerdeführer gelebten Arbeitsrealität, weshalb ihr nicht gefolgt werden kann.
Weiterhin ist in Bezug auf das Erfordernis «ohne Stressexpo
sition» nicht nachvollziehbar, welche medizi
nischen Grundlagen zu dieser RAD-Ein
schränkung führten, zumal Dr.
E.___
den Beschwerdeführer dem Belastungsprofil
k
eine Begründung anfügte (vgl. Urk. 2/25 E. 4.2).
Der Beschwerdeführer machte geltend, Prof.
A.___
gehe davon aus, dass «Stresssituationen oder Exposition» zu vermeiden seien (Urk. 28 S. 5 Ziff. 5). Dies lässt sich indes so
aus keinem der echtzeitlichen Berichte von Prof.
A.___
(vgl. dazu Urk. 2/25 E. 4.2) und auch
nicht aus
seiner schriftlichen
Auskunft vom 15. März 2022 herauslesen. Prof.
A.___
hielt sich diesbezüglich sehr allgemein und führte lediglich aus, die detaillierte Beurteilung, ob einzelne Tätigkeiten mit oder ohne Stresssituation beziehungsweise -exposition behaftet seien, sei schwierig (E. 1.3). Es wäre denn auch widersprüchlich zu seinen sonstigen Angaben, wenn er die zweifelsohne stressbelastete Tätigkeit als Geschäftsleiter als unzumutbar bezeichnen würde, nachdem er ja seine Arbeitsfähigkeitsbe
scheinigungen von zuletzt 70 % gerade auf diese bezogen hatte (vgl. E.
1.3-4).
Daran ändert auch seine
nicht weiter differenzierte
Aussage nichts, er sehe eigentlich keinen grossen Unterschied in der Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung durch Dr.
E.___
und durch seine eigene Person.
Entscheidend ist, dass Prof.
A.___
in keinem der echtzeitlichen Berichte irgendwelche Einschränkungen in qualitativer Hinsicht erwähnte (vgl. auch
Urk. 2/25 E. 4.4) und in seiner schriftlichen Auskunft vom 15. März 2022 eindeutig bestätigte, er habe die Attestierung einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ab September 2016 auf die bisherige Tätigkeit als Geschäftsleiter bezogen (E. 1.4.1).
1.
4.3
Damit ergibt sich gestützt auf die weiteren Abklärungen, dass
der Beschwer
deführer in der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit nur zeitlich, nicht jedoch in qualitativer Hinsicht eingeschränkt ist (vgl.
Urk. 2/25 E. 4.2-5 sowie
vorstehend E. 1.1.1).
Der Beschwerdeführer war demnach vom 1. Dezember 2014 bis zum 30. Juli 2015 zu 100 %
arbeitsunfähig
, daraufhin bis zum 31. Juli 2016 zu 50 % und schliesslich seit August 2016 zu 70 % arbeitsfähig
in seiner bisherigen Tätigkeit als Geschäftsleiter eines Unternehmens in der
Art
der
Z.___
A
G
.
1.
5
1.5.1
Betreffend die für die Beurteilung der Streitsache massgeblichen Grundlagen gemäss Gesetz und Rechtsprechung wird grundsätzlich auf die Darlegungen im Urteil vom 16. Januar 2020 verwiesen (Urk. 2/25 E. 1.1-4).
1.5.2
Mit
Blick auf das bei der
Z.___
AG als Geschäftsführer und Verwaltungsrat erzielte Einkommen von durchschnittlich fast
Fr.
300'000.-- pro Jahr (vgl. Urk. 2/25 E. 5.4)
, aber auch auf das bei der
H.___
AG von Januar bis Juli 2016 im 50%-Pensum erzielte Einkommen von Euro 10'000.-- pro Monat - mithin einem Jahressalär von Euro 240'000.-- bei einem 100%-Pensum (vgl. Urk. 2/25 E. 4.3)
-
schöpft
der Beschwerdeführer
seine ab August 2016 wiederhergestellte 70%ige Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit
in seiner nun wahrgenommenen Funktion
als Hotelleiter
im 70%-Pensum bei einem Jahreseinkommen von
Fr.
120'000.--
nicht voll aus, weshalb sein beim Hotel
F.___
in
G.___
erzieltes Einkommen nicht als Invalideneinkommen herangezogen werden kann.
Angesichts der lediglich zeitlich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Geschäftsleiter (vgl. E. 1.
4
) rechtfertigt sich die Vornahme eines Prozentvergleichs (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a
).
1.5.3
Bei einer
wiederhergestellten
Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit von 70
%
und einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit von 30 %
ab dem 1. August 2016
liegt ein Revisionsgrund vor
und
resultiert
ab dem 1. November 2016
ein Invaliditätsgrad von 30
%, was spätestens ab diesem Zeitpunkt
keinen Renten
anspruch
(
mehr
)
begründet (vgl. Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
, Art. 88a Abs. 1
der Verord
nung über die
Invalidenversicherung
,
IVV
, jeweils in der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden, hier anwendbaren Fassung; vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hin
weisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
Die
ziffernmässig genaue Ermittlung des
vorliegend strittigen
Valideneinkom
mens
ist
somit hinsichtlich des Rentenanspruchs ab 1. November 2016 obsolet.
1.
6
Die IV-Anmeldung ging am 20. März 2015 bei der Beschwerdegegnerin ein (Urk. 2/11/3 sowie Aktenver
zeichnis zu Urk. 2/11). Ein allfälliger Rentenanspruch bestünde somit frühestens ab dem 1. September 2015. Da der Beschwerdeführer ab 1. Dezember 2014 arbeitsunfähig war, läuft die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vorliegend am 30. November 2015 ab, womit ein allfälliger Ren
ten
anspruch ab 1. Dezember 2015 entsteht.
Zu prüfen bleibt somit nur, aber immerhin, ob der Beschwerdeführer
von Dezember 2015 bis Oktober 2016
Anspruch auf eine befristete Rente der Invalidenversicherung
hat.
Von Januar bis Juni 2016 ging der Beschwerdeführer einer überdurchschnittlich gut entlöhnten Erwerbstätigkeit nach,
indem er von der
H.___
AG für die von ihm ausgeführte 50%-Stelle ein Monatsgehalt von Euro 10'000.-- bezog (vgl. Urk. 2/25 E. 4.3). Dieses
zwischenzeitlich hohe
Invalideneinkommen wirft
bei der Prüfung des befristeten Rentenanspruchs für die Periode Dezember 2015 bis Oktober 2016 die Frage nach der Höhe des
Valideneinkommens
auf
, welche bei der Beurteilung des Anspruchs auf eine unbefristete Rente ab 1. November 2016
noch
offenbleiben konnte (E. 1.
5
).
Nur zur
Prüfung des Anspruchs auf eine befristete Rente
bleibt
somit
massgeblich, ob der Beschwerdeführer
seine Stelle bei der
Z.___
AG freiwillig oder krankheitsbedingt kündigte, ob mithin das dort erzielte weit überdurch
schnittliche Einkommen als
Valideneinkommen
herangezogen werden kann oder nicht.
2.
2.1
2.1.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
ge
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist der zuletzt bezogene Lohn überdurchschnittlich hoch, ist er nur dann als
Valideneinkommen
heranzuziehen, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er weiterhin erzielt worden wäre (Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 25. Februar 2011
E. 4.5.1
; vgl. Urk. 2/25 E. 5.2
).
Nach dem im Sozialversicherungsprozess geltenden Beweismass der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ist ein bestimmter Sachverhalt nicht bereits dann bewiesen, wenn er bloss möglich ist; hingegen genügt es, wenn das Gericht aufgrund der Würdi
gung aller relevanten Sachumstände, mithin nach objektiven Gesichtspunkten, zur Überzeugung gelangt ist, dass er der wahrscheinlichste aller in Betracht fal
lenden Geschehensabläufe – bei zwei möglichen Sachverhaltsvarianten: die wahrscheinlichere – ist und zudem
begründeterweise
angenommen werden darf, dass weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern (Urteil des Bundesgerichts 9C_717/2009 E. 3.3; vgl. Urk. 2/25 E. 5.2).
2.1.2
Das hiesige Gericht kam im Urteil vom 16. Januar 2020 (Urk. 2/25)
(E.
5.5
-8
) zum Schluss, es sei mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer die Tätigkeit bei der
Z.___
AG nicht krankheitsbedingt aufgrund der Leukämie, sondern aufgrund eines psycho-physisch belastenden Arbeitskonflikts beendet habe, welcher neben der bis zur Kündigung noch nicht bekannten Krebserkrankung bestand, zumal nicht über
wiegend wahrscheinlich erstellt sei, dass der Arbeitsplatzkonflikt in einem Zusam
menhang mit allfälligen Krankheitssymptomen gestanden sei (E.
5.7). Im Fazit könne zur Ermittlung des
Valideneinkommens
nicht an den zuletzt erzielten Verdienst bei der
Z.___
AG angeknüpft werden (E. 5.8). Gestützt auf statistische Werte
resultiere ein
Valideneinkommen
von rund Fr. 115'913.
-
- (E. 5.10).
2.1.3
Das Bundesgericht führte dazu aus, was folgt (Urk. 1):
«
5.3.3.
Aufgrund der im angefochtenen Entscheid angeführten medizinischen Berichte erweist sich die Feststellung der Vorinstanz, die geltend gemachte Energielosigkeit und Ermüdbarkeit im Sommer/Herbst 2014 sei zum einen ärztlich nicht echtzeitlich dokumentiert und zum andern sei gut vorstellbar, dass sie auch durch die von Dr. med.
B.___
in den Aktennotizen vom 17. September 2014 und vom 7. Oktober 2014 erwähnte Arbeitsplatzproblematik verursacht seien, als willkürlich. Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt, ergibt sich aus den von der Vorinstanz zitierten medizinischen Akten, dass sich der Beschwerdeführer schon im Juli 2014 wegen seiner Beschwerden in medizinische Behandlung begeben musste und die Symptome einer chronisch lymphatischen Leukämie
bereits einige Zeit vor der Diagnosestellung auftraten. Wie der Beschwerdeführer zu Recht rügt, macht die Vorinstanz keine Ausführungen zu der von ihr als Kündigungsgrund erwähnten Arbeitsplatzproblematik und legt nicht dar, worin diese bestanden haben soll. Es ist nicht ersichtlich, gestützt auf welche Umstände das kantonale Gericht ausschliesst
,
dass die sich gemäss seinen Feststellungen beim Beschwerdeführer schleichend entwickelnden Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nachtschweiss und Schwitzen zu einem Arbeitsplatzkonflikt geführt haben könnten. Die Vorinstanz hat es in diesem Zusammenhang unterlassen, durch Nachfrage beim Hausarzt abzuklären, worauf er sich bei seinen Handnotizen bezog.
5.3.4. Schliesslich ist bezüglich der Aktennotiz der Beschwerdegegnerin vom 16. Februar 2016 festzuhalten, dass eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene mündliche bzw. telefonische Auskunft nur insoweit ein zulässiges und taugliches Beweismittel darstellt, als damit bloss Nebenpunkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen festgestellt würden (BGE 130 II 473 E. 4.2), was mit Bezug auf den Inhalt der erwähnten Aktennotiz nicht zutrifft. Weshalb im Übrigen gemäss Ausführungen der Vorinstanz insbesondere unter Berücksichtigung der Angaben des Beschwerdeführers im Einwand kein vernünftiger Zweifel am Wahrheitsgehalt der erwähnten Telefonnotiz bestehen sollten, ist nicht ersichtlich. So hatte der Beschwerdeführer im Einwand gegen den Vorbescheid vom 27. Februar 2017 auch gesundheitliche Gründe für seine Kündigung geltend gemacht. Zudem kann die Telefonnotiz vom 16. Februar 2016, wie vom Beschwerdeführer zu Recht gerügt wird, entgegen dem angefochtenen Entscheid nicht als sogenannte "Aussage der ersten Stunde" qualifiziert werden, nachdem gemäss Wortlaut des Kündigungsschreibens vom 3. November 2014 der Beschwerdeführer das Arbeitsverhältnis mit der
Z.___
AG aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst hatte.
5.3.5. Indem das kantonale Gericht eine Arbeitsplatzproblematik als ausschlaggebenden Kündigungsgrund feststellte, ohne darzutun, worauf es dies abstützte und worin diese bestand, verfiel es in Willkür. Es erweist sich daher gesamthaft als willkürlich, wenn das kantonale Gericht den gesundheitlichen Aspekt trotz entsprechender konkreter Hinweise bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
völlig ausblendet und zum Schluss gelangt, dass sich der Beschwerdeführer unabhängig von der Krebserkrankung bzw. den bereits vor deren Diagnose festgestellten gesundheitlichen Problemen hätte selbstständig machen wollen. Unter den genannten Umständen hätte die Vorinstanz bezüglich des Kündigungsgrundes weitere Abklärungen tätigen müssen. Sie hätte insbesondere abklären müssen, ob der Beschwerdeführer entgegen seinem Kündigungsschreiben und seinen Ausführungen im
Einwandschreiben
unabhängig von seiner Erkrankung die Stelle bei der
Z.___
AG gekündigt hätte.»
2.1.4
Mittels weiterer Abklärungen war somit zu prüfen,
ob der Beschwerdeführer die Stelle bei der
Z.___
AG unabhängig von seiner Erkrankung gekün
digt hätte, wobei insbesondere zu klären war,
worauf sich Dr.
B.___
bei seinen Handnotizen bezog
, worin die Arbeitsplatzproblematik bestand und ob diese
, der
Wunsch, sich
selbständig zu machen, oder vielmehr die Krebser
krankung den Ausschlag für die Kündigung gab.
2.2
2.2.1
Gemäss
dem
Eintrag
von Dr.
B.___
in der Krankengeschichte
des Beschwerde
führers
vom 19. Juni 2012 (Urk. 2/3/6
S. 1
) erlitt dieser damals einen psycho
physischen Erschöpfungszustand.
Es bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 19. Juni bis 1. Juli 2012 und von 50 % vom 2. bis 29. Juli 2012. Der
psycho
physische Erschöpfungszustand habe sich in der Folge unter der Medikation von
Remeron
gebessert.
2.2.2
Im Eintrag in der Krankengeschichte vom 18. Juli 2014
hielt Dr.
B.___
unter anderem fest
: «Geht sehr gut; Problem: Belastung/Beruf!!!
». Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit vom 14. bis 19. Juli 2014 (Urk. 2/3/6 S. 1).
2.2
.3
Dr.
B.___
notierte in der Krankengeschichte am 17. September 2014: «Arbeits
platzproble
matik, eskaliert
!!
! AUF
17.9.2014 für 2-3 Wochen
»
(Urk. 2/3/6 S. 2).
2.2.4
Am 7. Oktober 2014 notierte er: «Besprechung, hat auch erneut kleine erfreuliche Fenster. Spielt erneut mal Tennis. Plan Beendigung Arbeitsverhältnis» (Urk.
2/
3/6
S. 2)
.
2.2.5
Dem Eintrag in der Krankengeschichte vom 21. Oktober 2014 (Urk. 2/3/6 S. 2) ist zu entnehmen: «Besser, stabiler.
Zg
. 17.9. – 3.11.2014».
In der Folge kündigte der Beschwerdeführer seinen Anstellungsvertrag mit Schreiben vom 3. November 2014 aus gesundheitlichen Gründen per 28. Februar 2015 (Urk.
2/
3/7).
2.2.6
Dr.
B.___
führte in der ärztlichen Bestätigung zuhanden des Beschwerdeführers vom 28. April 2017 (Urk.
2/
11/46) aus, er habe diesen seit 2010 als Hausarzt und ab dem
15. Juli 2014 wegen ausgeprägter
psychophysische
r
Probleme im Rahmen einer Arbeitsplatzproblematik betreut. Trotz intensiver Begleitung hätten die Beschwerden bei sich nicht verbessernder Arbeitsplatzproblematik persistiert, so dass die Beendigung des Arbeitsverhält
nisses aus medizinischer Sicht absolut notwendig gewesen sei, was er dem Beschwerdeführer auch so nahegelegt und empfohlen habe. Der Entscheid hierzu sei am 21. Oktober 2014 getroffen und anschliessend durch den Beschwerdefüh
rer umgesetzt worden.
2.3
2.3.1
In der schriftlichen Auskunft an das Gericht vom 17. März 2022 (Urk. 19)
hielt
Dr.
B.___
auf die Frage, welche Umstände medizinischer und/oder psycho
sozialer Natur zum psychophysischen Erschöpfungszustand im Juni 2012 geführt hätten und
wie sich dieser geäussert habe (vgl. Urk. 16/1 E. 3.1), fest: «Grosse Belastung am Arbeitsplatz; ausgeprägte Schlafproblematik, müde/erschöpft»
(
Ziff. 3.1). Die Umstände hätten sich bis Ende 2013 geändert: «Letzte Kontrolle am 10. August 2012, psychisch stabiler, Schlaf gut ohne M
e
dikation
. Entscheid keine psychiatrische fachärztliche Begleitung notwendig, keine weitere Medika
mentenabgabe, meldet sich gemäss Verlauf» (Ziff. 3.2). Die Einnahme des Medikamentes
Remeron
sei in einer täglichen Dosis von 15mg vom 19. Juni bis 4. Juli 2012 erfolgt (Ziff. 3.4).
Anlässlich der Konsultation vom 18. Juli 2014 sei eine Besprechung der Abklärung an der Herzklinik
J.___
erfolgt. «Keine Hinweise für somatische Problematik. Von Seiten Herzen keine Beschwerden mehr. Psychische Belastung /berufliche Belastung aber gross» (Ziff. 3.7). Über welche Beschwerden der Beschwerdeführer in der Konsultation vom 17. September 2014 geklagt habe (vgl. Urk. 16/1 E. 3.9), könne Dr.
B.___
heute nicht näher präzisieren. «Eskalation genug aussagend, entsprechend auch die besprochenen Konsequen
zen; Arbeitsunfähigkeit/Besprechung mit Geschäftsleitung usw. betreffend Beendigung des Arbeitsverhältnisses anstreben» (Ziff. 3.9). Auf die Frage, in welcher Hinsicht am 7. Oktober 2014 kleine erfreuliche Fenster bestanden hätten (Urk. 16/1 E. 3.15), antwortete Dr.
B.___
: «Herr
X.___
hatte kurzzeitige Momente im Alltag mit Besserung/Kraft/Freude, neben weiterhin vielen Momen
ten mit Frust/Trauer/Elend» (Ziff. 3.15). Auf die Frage, welche Gründe am 7. Oktober 2014 für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bestanden hätten (Urk. 16/1 E. 3.16), antwortete Dr.
B.___
: «Unverändert
grossteils
Trauer/Frust
/Sorgen/Empfindungen/Elend im Alltag. Keine vorhandenen weiteren Therapie
optionen
» (Ziff. 3.16). Auf die Frage, welche dieser Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausschlaggebend gewesen seien (Urk. 16/1 E. 3.17
)
, antwortete Dr.
B.___
: «Alle, und dass gleichzeitig keine weiteren Therapieop
tionen vorhanden waren. Somit Beendigung der Ursache/Arbeitsplatzproblematik aus medizinischer Sicht notwendig» (Ziff. 3.17).
Auf die Frage, was schliesslich zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses geführt habe (Urk. 16/1 E. 3.18), verwies Dr.
B.___
auf Ziff. 3.17 und auf sein Schreiben an die
Krankentag
geldversicherung vom 18. Oktober 2014 (Ziff. 3.18; vgl. nachstehend E. 2.
3.2
). Am 21. Oktober 2014 sei es dem Beschwerdeführer insofern besser gegangen (Urk. 16/1 E. 3.19): «Durch die Besprechung des weiteren Vorgehens am 7. Oktober 2014, dem Umsetzen des Entschlusses durch Beendigung des Arbeitsverhältnisses, deutlicher Druckabbau auf psychischer Ebene und somit Besserung des Empfindens» (Ziff. 19).
2.
3.2
Dr.
B.___
nannte im «Arztbericht über Arbeitsunfähigkeit» zuhanden der Krankentaggeldversicherung
K.___
vom 18. Oktober 2014 (Urk. 20/2) folgende Diag
nose als Ursache der Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1):
-
psycho-physische Belastungs- und Erschöpfungsproblematik bei Arbeitsplatzproblematik im Rahmen von Geschäftsübernahme
-
seit Wochen progredient
Zur Anamnese führte Dr.
B.___
aus
,
es bestehe ein zunehmender psychischer Ausnahmezustand mit Schlafproblematik, Verzweiflung, depressiven Gedanken und Herz-Lungen-Beschwerden. Wahrscheinlich sei eine Beend
ig
ung der Arbeits
situation notwendig, damit eine vollständige Genesung möglich sei (Ziff. 5). Unter Verweis auf die Diagnose bejahte Dr.
B.___
die Frage, ob es nicht-medizinische Gründe gebe, die Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten (Ziff. 6). Die gegenwärtige Behandlung bestehe in Entlastung und Gesprächs
therapie (Ziff. 7).
2.4
2.4.1
Die Aktiven und Passiven der
Z.___
AG gingen im Januar 2015 infolge Fusion auf die
C.___
GmbH, über (
https://www.moneyhouse.ch/de/
company
/
....
ag-5687033801;vgl
.
auch
https://zh.chregister.ch/cr-portal/auszug/auszug.xhtml
?
uid
=CHE-106.061.213; zuletzt abgefragt am 15. Juni 2023
).
2.4.2
In der schriftlichen Auskunft an das Gericht vom 2. März 2023 (Urk. 43) führte
D.___
, HR Senior Manager,
C.___
,
auf die entsprechenden Fragen (vgl. Urk.
39
E.
2
.1-
11
) aus
,
in der Personalakte des Beschwerdeführers fänden sich keine Hinweise auf irgendeine Arbeitsplatzproblematik (Ziff. 2.1). Es seien keine Vorwürfe seitens des Beschwerdeführers gegenüber der Arbeitgeberin und keine Beanstandungen der Arbeitgeberin bettreffend Arbeitsleistungen des Beschwerdeführers aktenkundig (Ziff. 2.5). Weitere Gründe als die im Kündi
gungsschreiben angegebenen gesundheitliche
n
Gründe für die Kündigung seien nicht aktenkundig (Ziff. 2.6). Auf die Frage nach Hinweisen oder Beobachtungen hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers im Jahr 2014 (vgl. Urk. 39 E. 2.7) führte
D.___
aus: «Uns war nicht bewusst, dass Herr
X.___
unter gesundheitlichen Beschwerden litt, da wir im Jahr 2014 beziehungsweise vor der Übernahme durch die
C.___
wenig bis gar keinen Kontakt mit ihm hatten. Nach seiner Kündigung wurde uns gesagt, dass er an Krebs erkrankt sei, was wir aber nicht überprüften, noch hatten wir aus Daten
schutzgründen Einsicht in seine K
r
ankheitsgeschichte» (Ziff. 2.7).
Wenn der Beschwerdeführer nicht gekündigt hätte, wäre das Arbeitsverhältnis in einem ersten Schritt von der
C.___
übernommen beziehungsweise keine Kündi
gung ausgesprochen worden (Ziff. 2.9).
Da die
Z.___
vollständig von der
C.___
übernommen worden sei, hätte der Beschwerdeführer keine Anstellung als Geschäftsführer und Präsident des Verwaltungsrates mehr innegehabt. Sehr wahrscheinlich hätte er auf mittlerer Kaderstufe eine leitende Position im Vertrieb erhalten. Aus dem Handelsregister hätte man ihn gelöscht. Sein Einflussbereich wäre sehr viel kleiner gewesen als bei der
Z.___
, da er nur noch das Schweizer Vertriebsteam für eine bestimmte Produktkategorie als Vorgesetzter geleitet hätte. Betreffend Einkommen hätte er sehr wahrscheinlich keine Einbussen beim Basisgehalt gehabt. Das Bonussystem der
C.___
sei jedoch sehr verschieden und wäre angepasst worden, je nicht unbedingt zuungunsten des Beschwerdeführers. Der variable Lohnanteil wäre sehr viel höher gewesen, jedoch die Zielerreichung entsprechend herausfordernder und rein auf effektive Verkaufsabschlüsse gemessen.
Die Lohnnebenleistungen (
Fringe
Benefits) und das Spesenreglement wären ebenso an die Verhältnisse bei
C.___
angepasst worden. Hier sei im Zuge einer Harmonisierung ein finanzieller Ausgleich für die neu akquirierten Mitarbeitenden der
Z.___
eingeführt worden. Einzig in der beruflichen Vorsorge habe man die
Z.___
Mitarbeitenden nicht auf das gleiche Niveau wie das der
C.___
Mitarbeitenden gestellt, sondern die Konditionen der
Z.___
beibehalten (Ziff. 2.10). Aufgrund der Akquisition der
Z.___
AG durch die
C.___
im Januar 2015 stützten sich die erteilten Antworten nur auf die Einträge in der Personalakte des Beschwerde
führers, sofern nicht anderweitig vermerkt
. Von den direkt dem Beschwerdeführer unterstellten Personen sei mittlerweile niemand mehr bei
C.___
beschäftigt
(Ziff. 2.11).
2.5
2.5.1
Nach Lage der Akten erfuhr der Beschwerdeführer bereits im Sommer 2012 einen p
sych
o-physischen Erschöpfungszustand durch grosse Belastung am Arbeitsplatz und eine ausgeprägte Schlafproblematik mit Müdigkeit sowie Erschöpfung, wobei die hausärztliche Behandlung einschliesslich die zweiwöchige Einnahme des Antidepressivums
Remeron
offenbar ausreichte
. E
ine psychiatrische fachärztliche Begleitung wurde nicht als notwendig erachtet. Allfällige Symptome einer Leukämie wurden zu diesem Zeitpunkt keine ärztlich dokumentiert (E. 2.3.1; vgl. auch Urk. 2/25 E. 5.7).
Auch im Sommer 2014
war
die
gesundheitliche
Problematik gemäss den echt
zeitlichen Berichten des Hausarztes Dr.
B.___
klar
im psychosozialen Bereich
angesiedelt
, dies im Zusammenhang mit einer Arbeitsplatzproblematik. So diag
nostizierte er im Bericht an die Krankentaggeldversicherung vom 18. Oktober 2014 als Ursache der Arbeitsunfähigkeit explizit eine
psycho-physische
Belas
tungs
- und Erschöpfungsproblematik bei Arbeitsplatzproblematik im Rahmen
der
Geschäftsübernahme
(E. 2.3.2). Entsprechend dominieren psychische Symptome sowohl den betreffenden Bericht (Schlafproblematik, Verzweiflung, depressive Gedanken) als auch die nun gegenüber dem hiesigen Gericht erteilte schriftliche Auskunft vom 17. März 2022 (Trauer/Frust/Sorgen/Empfindungen/Elend im All
tag
; E. 2.3.1
)
.
Dr.
B.___
hielt betreffend die Konsultation vom 18. Juli 2014
denn auch
ausdrücklich fest, es hätten keine Hinweise für eine somatische Problematik bestanden
(E. 2.3.1)
.
Er tat dies in Kenntnis des an ihn gerichteten Berichts von Dr. med.
L.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
gegenüber welchem der Beschwerdeführer anlässlich der notfallmässigen Vorstellung vom 14. Juli 2014 über einen
starken
thorakalen Druck und extremes Schwitzen berichtet hatte (Urk. 2/3/4; vgl. Urk. 2/15 E. 3.1). Es sind dies die Symptome, welche Prof.
A.___
in seiner
retrospektiven
Stellungnahme vom 12. April 2018 zuhanden des Beschwerdeführers als klassische Symptome einer Leukämie bezeichnete (Urk. 2/7; vgl. Urk. 2/25 E. 3.16).
Es gibt jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass diese körperlichen Symptome nach dem 14. Juli 2014 gegenüber dem Hausarzt erneut geschildert worden wären, ansonsten er diese
im zeitlichen Verlauf bis zum Vollzug der Kündigung Anfang November 2014
in
der
Krankengeschichte notiert hätte. Aus
dieser
ergibt sich –
umso mehr
im Verbund mit der schriftlichen Auskunft gegenüber dem Gericht vom März 2022
(E. 2.3.1)
– das stimmige Bild einer Kündigung aus psychosozialen Gründen.
2.
5.2
Hinsichtlich des Einholens einer schriftlichen Auskunft bei der
C.___
machte
der Beschwerdeführer
geltend, es bestünden gewisse Zweifel, ob über ihn als dama
ligen CEO überhaupt ein Dossier im Sinne eines Personaldossiers geführt worden sei und ob gestützt auf ein solches die vom Gericht gestellten Fragen beantwortet werden könnten (Urk. 34 Ziff. 1). Tatsächlich spricht das Fehlen von Hinweisen auf eine Arbeitsproblematik in der Personalakte des Beschwerde
führers gemäss schriftlicher Auskunft der
C.___
(E. 2.4
.2
) nicht gegen das Vorliegen eines solchen. Das jüngste Argument des Beschwerdeführers, wonach mit dieser Aus
kunft rechtsgenüglich nachgewiesen sei, dass keine Arbeitsplatzproblematik bestanden habe (Urk. 45 Ziff. 1), ist nach dem Gesagten widersprüchlich und angesichts der vom Hausarzt prägnant und wiederholt festgehaltenen Arbeitsplatzproblematik nicht nachvollziehbar.
Jedenfalls ergibt sich aus der Auskunft durch die
C.___
auch
nicht
, dass nachlassende Leistungen infolge der
sich schleichend entwickelnden
Krebserkrankung Grund für den Arbeitsplatz
konflikt gewesen wäre
n (vgl. E. 2.1.3).
2.5.3
Nachdem von den direkt dem Beschwerdeführer unterstellten Personen niemand mehr bei der
C.___
beschäftigt (E. 2.4
.2
) und auch nicht ersichtlich ist, inwiefern der vom Beschwerdeführer zum Beweis offerierte damalige Stellvertreter
M.___
aufgrund des Näheverhältnisses nach langjähriger Zusammen
arbeit in der Lage sein sollte, objektive Angaben zu Konflikten des Beschwer
deführers mit anderen Personen innerhalb des Unternehmens zu machen (vgl. Urk. 35 E. 3.1.2), muss es bei den getätigten Abklärungen sein Bewenden haben
, dies umso mehr, als vorliegend lediglich noch eine befristete Rente für einen Zeitraum von 11 Monaten im Raum steht. Ganz o
ffensichtlich
ging es beim Arbeitsplatzkonflikt um die Geschäftsübernahme durch die
C.___
, wie dies Dr.
B.___
im Oktober 2014 explizit festhielt (E. 2.3.2, E. 2.5.1).
Anhaltspunkte dafür, dass nachlassende Leistungen infolge der sich schleichend entwickelnden Krebserkrankung Grund für den Arbeitsplatzkonflikt gewesen wären (vgl. E. 2.1.3)
,
ergeben sich hingegen weder aus echtzeitlichen ärztlichen Dokumenten noch aus den im Rahmen des Beweisverfahrens eingeholten schriftlichen Auskünften bei den behandelnden Ärzten (E. 1.3, E. 2.3) und beim Arbeitgeber (E. 2.4
.2
).
Es gibt mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 26) weiterhin keine Hinweise darauf, dass die Symptomatik der Leukämieerkrankung zur Kündigung geführt hätte. Dass die Ärzte nie von «Belastungen am Arbeitsplatz» gesprochen hätten, sondern nur von der Krebserkrankung, wenn sie diese früher erkannt hätten, bleibt eine Hypothese des Beschwerdeführers ohne entsprechende Nachweise (vgl. Urk. 28 S. 4).
An dieser Schlussfolgerung würden auch die erneut beantragten Zeugeneinver
nahmen von
N.___
und
O.___
(Urk. 28 Ziff. 12; vgl. Urk. 2/1 S. 3 und 11 sowie Urk. 2/23 S. 3 Ziff. 3) nichts ändern, zumal nicht davon auszugehen ist, dass sich im Rahmen entsprechender Zeugeneinvernahmen andere als die bereits gemach
ten Angaben (Urk. 3/3 und Urk. 3/10) ergeben würden. Dies gilt auch für die erneut beantragte Zeu
geneinvernahme von Dr.
P.___
(Urk. 28 Ziff. 12; vgl. Urk. 2/16 S. 6). Deshalb ist auf wei
tere Beweisabnahmen in antizipierter Beweiswürdigung zu verzichten (
BGE 122 V 157 E. 1d
; vgl. Urk. 25/2 E. 5.7
)
.
2.5.4
Auch aus dem Kündigungsschreiben (Urk. 2/3/7 = Urk. 46/1) vermag der Beschwerde
führer weiterhin nichts für sich abzuleiten, ist doch die Angabe von «gesundheitlichen Gründen» zu vage und
muss
der damaligen Einschätzung des Hausarztes entsprungen sein, wonach das Arbeitsverhältnis «aus medizinischen Gründen» zu beenden sei, was sich jedoch auf die eskalierte Arbeitsplatz
problematik bezog (vgl. Urk. 2/25 E. 5.6). Dies
zeigte sich bereits in der ärztlichen Bestätigung vom 28. April 2017 (E. 2.2.6) und wurde
mit der schriftlichen Auskunft von Dr.
B.___
vom
17. März 2022
nochmals
bestätigt: Ausschlag
gebend für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses sei gewesen, dass die Been
digung der Ursache/Arbeitsplatzproblematik aus medizinischer Sicht notwendig gewesen sei
(E. 2.3.1). Echtzeitlich untermauert wird dies
sodann
durch den Bericht des Hausarztes an die Krankentaggeldversicherung vom 18. Oktober 2014: Bei Arbeitsproblematik im Rahmen der Geschäftsübernahme sei wahr
scheinlich eine Beendigung der Arbeitssituation notwendig, damit eine vollständige Genesung möglich sei (E. 2.3.2).
Überwiegend wahrscheinlich ist somit nach Durchführung des Beweisverfahrens, dass der
Beschwerdeführer die Tätigkeit bei der
Z.___
AG nicht krankheitsbedingt aufgrund der Leukämie, sondern aufgrund eines psycho-physisch belastenden Arbeitskonflikts beendet hat, welcher neben der bis zur Kündigung noch nicht bekannten Krebserkrankung bestand, zumal nicht über
wiegend wahrscheinlich erstellt ist, dass der Arbeitsplatzkonflikt in einem Zusammenhang mit allfälligen Krankheitssymptomen stand (vgl. E. 2.1.2).
2.5.
5
D
er zuletzt vom Beschwerdeführer bezogene, überdurchschnittlich hohe Lohn
ist, wie erwähnt,
nur dann als
Valideneinkommen
heranzuziehen, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass er weiterhin erzielt worden wäre (E. 2.1.1). Mithin müsste hierfür überwiegend wahrscheinlich sein, dass die sich schleichend entwickelnde Krebserkrankung Grund für die Kündigung war. Dies bleibt zwar eine theoretische Möglichkeit, ist jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich (vgl. E. 2.5.3).
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass
auch
ohne
das Auftreten eines
Arbeits
platzkonflikt
s
und eines psycho-physischen Erschöpfungszustandes
höchst ungewiss ist,
ob
der Beschwerdeführer
weiterhin
bei seiner alten Arbeitgeberin
geblieben und sich in die Struktur, die Gepflogenheiten und bei höheren Zielanforderungen variabler ausgestalteten Lohnsysteme der im Jahr 2015
die
Z.___
AG übernehmenden
C.___
eingefügt hätte. Insbesondere erscheint
es
als sehr fraglich,
dass
er
die neue, weit tiefere Hierarchiestufe und die damit verbundene Weisungsgebundenheit akzeptiert hätte.
Angesichts des zuvor
G
esagten
(vgl. vorstehend E. 2.5.1-4)
kann indes dahingestellt bleiben, ob der Beschwerdeführer - n
achdem er zuvor 11 Jahre lang als Mitgründer und Geschäftsleiter der
Y.___
AG und 10 Jahre lang als Managing
Director
und Verwaltungsratspräsident der
Z.___
AG tätig gewesen war (vgl. Sachverhalt E. 1)
-
eine Position im mittleren Kader und einen
deutlich
kleineren Einflussbereich (vgl. E. 2.4)
in Betracht gezogen hätte
.
Jedenfalls erscheint die Einschätzung der
Beschwerdegegnerin (Urk. 47)
, wonach
der Beschwerdeführer aufgrund der Herabstufung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auch ohne gesundheitliche Einschränkungen nicht bei der
C.___
geblie
ben
wäre, nicht als abwegig
.
2.5.
6
N
ach dem Gesagten rechtfertigt sich
die
Anknüpfung an das bisher erzielte Einkommen bei der Berechnung des
Valideneinkommens
nicht
, da nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der bisherige Lohn weiterhin erzielt worden wäre (vgl. vorstehend E. 2.1.1)
.
Betreffend das nach einem Gang in die
vom Beschwerdeführer damals angestrebte
Selbständigkeit erzielbare Einkommen ist auf die Erwägungen im Urteil vom 16. Januar 2020 zu verweisen (Urk. 2/25 E. 5.8). Gleiches gilt für die Berechnung des
Valideneinkommens
. Auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) beträgt dieses rund Fr. 115'913.-- (Urk. 2/25 E. 5.9-10).
Zwar erzielte der Beschwerdeführer im Zeitraum von Januar bis Anfang Juli 2016 bei einem Pensum von 50 % ein monatliches Gehalt von Euro 10'000.--, womit das Invalideneinkommen in Bezug auf die Invaliditätsbemessung im Zeitraum von Dezember 2015 bis
August
2016 auf dieser Grundlage berechnet werden könnte.
Selbst wenn
jedoch
sein beim Hotel
F.___
in
G.___
erzieltes Einkommen
auch
als Invalideneinkommen
für den Zeitraum vom Dezember 2015 bis August 2016
herangezogen würde, so betrüge es immerhin Fr. 85'714.-- (Fr. 120'000.-- : 70 x 50; vgl. Urk. 2/25 E. 5.4). Verglichen mit dem
Vali
deneinkommen
von Fr. 115'913.—
ergibt sich somit eine Einkommenseinbusse von maximal Fr. 30'100.--
,
und mit
höchstens
rund 26 % auch für den Zeitraum von Dezember 2015 bis
Oktober 2016 (vgl. E. 1.5)
kein rentenbegründende
r
Invaliditätsgrad (vgl. Urk. 2/25 E. 5.11
;
Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG
).
2.5.7
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer somit zu Unrecht eine befristete halbe Invalidenrente für den Zeitraum vom 1. Dezember 2015 bis zum 31. Juli 2016 zugesprochen.
Gelegenheit zur Stellungnahme zur in Aussicht genommenen
reformatio
in peius wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 20. Novem
ber 2019 (Urk. 2/21) bereits eingeräumt, worauf er mit Stellungnahme vom 16. Dezember 2019 (Urk. 2/23) an der Beschwerde festhielt.
2.6
Nach dem Gesagten
ist die
Beschwerde vom 10. April 2018 (Urk. 2/2)
abzuweisen
. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 23. Februar 2018 ist mit der Feststellung aufzuheben, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr. 1’000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen und die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 23. Februar 2018 wird mit der Feststellung aufgehoben, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1’000
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Kaspar Gehring
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
Grieder-MartensBoller