# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fb63ba47-39e4-5776-a0f2-64873a1bac4a
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-07-21
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössische Personalrekurskommission 21.07.1995 JAAC 60.72
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_012_JAAC-60-72--_1995-07-21.pdf

## Full Text

JAAC 60.72

Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission
vom 21. Juli 1995

Personnel fédéral. Demande de remboursement de déductions de
salaire. Prescription.

Lorsque se pose la question de savoir si une déduction de salaire a
été opérée à tort auprès d’un ayant-droit à une rente de l’Assurance
militaire fédérale, il convient de déterminer s’il s’agit d’une rente pour
atteinte à l’intégrité ou d’une rente d’invalidité (consid. 2).

La validité d’un acte administratif est en principe examinée selon
le droit applicable au moment où il a été édicté. Des changements
intervenus ultérieurement n’entrent pas en considération (consid. 3).

La prescription étant considérée comme un principe général du droit
administratif suisse, des prétentions de droit public sont soumises à
la prescription même en l’absence d’une disposition légale expresse. La
prescription ne peut pas être prolongée, mais seulement interrompue ou
suspendue à certaines conditions (consid. 4). Si l’Etat est débiteur d’une
créance de droit public, la prescription ne sera pas examinée d’office,
mais seulement sur exception soulevée par la collectivité et dans la
mesure où ce moyen n’est pas inopportun (consid. 6).

Si des prétentions fondées sur la protection de la confiance se
prescrivent, il y a alors conflit entre la prescription et le principe de la
protection de la confiance. Le principe de la bonne foi a donc un effet
de correctif lorsque, dans le cas concret, l’observation stricte de la
prescription apparaît injuste et choquante (consid. 5).

Bundespersonal. Rückforderung von Lohnabzügen. Verjährung.

1

Bei der Frage, ob ein Lohnabzug beim Bezüger einer Rente der
Eidgenössischen Militärversicherung zu Unrecht vorgenommen wurde,
ist zu unterscheiden, ob es sich bei der fraglichen Rente um eine
Integritätsschadens- oder um eine Invalidenrente handelt (E. 2).

Die Rechtmässigkeit eines Verwaltungsakts beurteilt sich grundsätzlich
nach der Rechtslage zur Zeit seines Erlasses. Nachher eingetretene
Änderungen bleiben unberücksichtigt (E. 3).

Das Institut der Verjährung gilt als allgemeiner Rechtsgrundsatz des
schweizerischen Verwaltungsrechts, weshalb öffentlichrechtliche
Ansprüche selbst beim Fehlen einer ausdrücklichen
Gesetzesbestimmung der Verjährung unterliegen. Eine Verjährung
kann nicht verlängert, aber unter bestimmten Bedingungen
unterbrochen oder gehemmt werden (E. 4). Ist der Staat Schuldner einer
öffentlichrechtlichen Forderung, wird die Verjährung nicht von Amtes
wegen berücksichtigt, sondern nur auf Einwand des Gemeinwesens hin
und insofern der Einwand nicht unangemessen ist (E. 6).

Verjähren dem Vertrauensschutz entspringende Ansprüche, treten
Verjährung und Vertrauensschutz miteinander in Widerstreit. Dem
Grundsatz von Treu und Glauben kommt dabei die Wirkung eines
Korrektivs zu, wenn im konkreten Fall die strikte Beachtung des
Rechtsinstituts der Verjährung als ungerecht und stossend erscheint
(E. 5).

Personale federale. Rimborso di deduzioni di salario. Prescrizione.

Quando si ponga la questione di sapere se una deduzione di salario
sia stata attuata, a torto, a carico di un avente diritto a una rendita
dell’Assicurazione militare federale, occorre determinare se si tratta di
una rendita per danni all’integrità o di rendita d’invalidità (consid. 2).

La validità di un atto amministrativo è in principio esaminata
secondo il diritto applicabile al momento in cui è stato promulgato.
Cambiamenti sopraggiunti in seguito non entrano in linea di conto
(consid. 3).

L’istituto della prescrizione è considerato principio generale del
diritto amministrativo svizzero: per tale ragione, le pretese di diritto
pubblico sottostanno alla prescrizione anche in mancanza di una
disposizione legale esplicita. La prescrizione non può essere prorogata,
ma soltanto, a determinate condizioni, interrotta o sospesa (consid. 4).
Se lo Stato è debitore di un credito di diritto pubblico, la prescrizione
non è esaminata d’ufficio, bensì soltanto su eccezione sollevata
dall’ente pubblico e nella misura in cui tale rimedio non sia inadeguato
(consid. 6).

Se pretese - fondate sulla protezione della fiducia - si prescrivono, vi è
allora conflitto tra prescrizione e protezione della fiducia. Il principio
della buona fede ha quindi effetto di correttivo allorquando, nel caso
concreto, l’osservanza stretta della prescrizione risulti ingiusta e
urtante (consid. 5).

2

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. S verlor am 13. März 1967 bei einer dienstlichen Verrichtung durch die
Explosion einer Handgranate die rechte Hand. Am 2. Oktober 1967 konnte er
seine Arbeit wieder voll aufnehmen. Mit Schreiben vom 6. Dezember 1968
schlug die Eidgenössische Militärversicherung vor, ihm eine unbefristete
monatliche Invalidenrente in der Höhe von Fr. 254.15 zu entrichten. In
diesem Schreiben wurde unter anderem auch darauf hingewiesen, dass eine
entschädigungspflichtige Beeinträchtigung der körperlichen Integrität, nicht
aber eine Verdiensteinbusse vorliege. Die Rente wurde S rückwirkend ab
2. Oktober 1967 ausbezahlt.

B. Ebenfalls am 6. Dezember 1968 wurde die Eidgenössische
Versicherungskasse schriftlich über die Monatsrente in Kenntnis gesetzt.
Dieses Schreiben wurde am 13. Dezember 1968 von der Direktion der
Eidgenössischen Militärverwaltung zwecks Anrechnung gemäss Art. 57
der Beamtenordnung (1) vom 10. November 1959 (BO 1, SR 172.221.101) an
die zuständige Stelle weitergeleitet. Daraufhin wurden S rückwirkend ab
2. Oktober 1967 anfänglich Fr. 50.80 pro Monat vom Lohn abgezogen. Der
Abzug nahm entsprechend den Erhöhungen der Integritätsschadensrente
zu. Wie aus einer Aktennotiz auf der Mutationsmeldung vom 10. Februar
1969 hervorgeht, wurde S am 26. Februar 1969 mündlich über den Lohnabzug
orientiert. Ebenso ist darin vermerkt, dass in der nächsten Zeit eine Antwort
seinerseits erwartet werde, da er - wie es in der Vernehmlassung des
Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) vom 28. Dezember 1994 erwähnt
wird - mit dem mündlich eröffneten Lohnabzug vorerst offensichtlich nicht
einverstanden gewesen ist. Gemäss den Ausführungen in der Beschwerde vom
17. November 1994 erkundigte sich der angefragte Rechnungsführer bei den
Zentralinstanzen in Bern, wo er Weisung erhielt, auf dem Abzug zu beharren,
da dieser berechtigt sei.

C.Wegen gesundheitlicher Probleme von S wurde im Jahre 1992 dessen
vorzeitige Invalidisierung abgeklärt. Im Rahmen dieser Abklärungen
wurde festgestellt, dass es sich bei der ihm ausbezahlten Rente um eine
reine Integritätsschadens- und nicht um eine Invalidenrente handelt,
weshalb ihm in der Zeit vom 2. Oktober 1967 bis zum 31. März 1992
irrtümlicherweise insgesamt Fr. 21 641.25 vom Lohn abgezogen worden sind.
Nach verwaltungsinternen Abklärungen anerkannte das EMD mit Verfügung
vom 12. Oktober 1994 einen Rückerstattungsanspruch von total Fr. 5 484.-
(inkl. Zins) für die letzten fünf Jahre seit der erstmaligen Geltendmachung der
Nachzahlung. Der Anspruch auf Rückerstattung der zwischen dem 2. Oktober
1967 und Ende 1986 vorgenommenen Lohnabzüge sei dagegen gemäss Art. 72
BO 1 verjährt.

Gegen diese Verfügung erhebt S am 17. November 1994 bei der
Eidgenössischen Personalrekurskommission Beschwerde mit dem Antrag, es
sei ihm der gesamte zu Unrecht abgezogene Betrag von Fr. 21 641.25 zuzüglich
Schadenszins zurückzuerstatten.

3

Das EMD schliesst in seiner Vernehmlassung vom 28. Dezember 1994 auf
Abweisung der Beschwerde.

Aus den Erwägungen:

1. Die Eidgenössische Personalrekurskommission ist Rechtsmittelinstanz
für Beschwerden gegen Verfügungen der Departemente unter anderem
betreffend vermögensrechtlicher Ansprüche aus dem Dienstverhältnis, soweit
(letztinstanzlich) die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht
offensteht (Art. 58 Abs. 2 Bst. b Ziff. 3 des Beamtengesetzes vom 30. Juni 1927
[BtG], SR 172.221.10). Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen eine
Verfügung des EMD. Die Rückforderung der irrtümlich vorgenommenen
Lohnabzüge stellt einen vermögensrechtlichen Anspruch im Sinne von Art. 58
Abs. 2 BtG dar. Ein Ausschliessungsgrund nach Art. 99 ff. und insbesondere
nach Art. 100 Bst. e OG liegt nicht vor.

Die in der Beschwerdebegründung aufgeworfene Frage des
verwaltungsrechtlichen Klageweges lehnt sich an einen BGE (117 Ib 355)
an, der vor Inkrafttreten der Änderung des BG vom 16. Dezember 1943 über
die Organisation der Bundesrechtspflege (OG, SR 173.110) vom 4. Oktober
1991 ergangen und heute überholt ist. Seit Inkrafttreten dieser Änderung ist
die Klage unter anderem nicht mehr zulässig in den Fällen des alten Art. 116
Bst. a OG. Nach geltendem Recht stehen diesbezüglich allein der Verfügungs-
und anschliessend der Beschwerdeweg offen (vgl. Art. 1 Bst. a Art. 2 Abs. 1
und 3 der V vom 3. Februar 1993 über Vorinstanzen des Bundesgerichts
und des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [SR 173.51]; Uebersax
Peter, Zur Entlastung der eidgenössischen Gerichte durch eidgenössische
Schieds- und Rekurskommissionen sowie durch die Neuregelung des
verwaltungsrechtlichen Klageverfahrens, Aktuelle Juristische Praxis [AJP]
10/94, S. 1228 f.; Jaag Tobias, Das öffentlichrechtliche Dienstverhältnis im Bund
und im Kanton Zürich - ausgewählte Fragen, Schweizerisches Zentralblatt
für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 95/1994, S. 468;Wisard Nicolas, Les
mécanismes de remplacement de l’action de droit administratif au Tribunal
fédéral, Revue de droit administratif et de droit fiscal 51/1995, S. 12 ff.).

Die Eidgenössische Personalrekurskommission ist somit zur Behandlung der
form- und fristgerecht eingereichten Beschwerde zuständig.

2. Die Parteien sind sich darin einig, dass der Lohnabzug zu Unrecht
vorgenommen wurde. Der Irrtum konnte entstehen, weil die fragliche Rente
ursprünglich als Invalidenrente bezeichnet wurde, entsprechend dem damals
geltenden Militärversicherungsgesetz, welches die Invaliditäts- wie auch die
Integritätsschadensrente unter dem Sammeltitel «Invalidenrente» regelte.
Das EMD kommt nach erfolgten Abklärungen ebenfalls klar zum Schluss, dass
die Rente reinen Genugtuungs- und nicht Erwerbsersatzcharakter hatte, da
dem Beschwerdeführer aus dem Unfall keine Erwerbseinbusse und keine
Erwerbsbeeinträchtigung erwuchs. Die Anrechnung auf die Besoldung war
aus diesem Grund nicht statthaft.

3. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Lohnabzug sei ohne formell
gültige Verfügung vorgenommen worden. Ebensowenig sei eine andere
schriftliche und begründete Mitteilung gemacht worden. Er stützt sich

4

dabei auf Art. 34 ff. VwVG, wonach Verfügungen schriftlich zu eröffnen,
ausdrücklich als solche zu bezeichnen, zu begründen und mit einer
Rechtsmittelbelehrung zu versehen sind. Diese Voraussetzungen seien
vorliegend ausser acht gelassen worden. Entsprechend sei von einer
mangelhaften Eröffnung auszugehen, aus welcher den Parteien kein Nachteil
erwachsen dürfe (Art. 38 VwVG) und welche somit auch nicht vollstreckbar sei
(Art. 39 VwVG).

a. Diese Ausführungen sind insofern zutreffend, als das VwVG den in
Anwendung von Bundesverwaltungsrecht handelnden Behörden vorschreibt,
ihre Verfügungen unter Beachtung der vom Beschwerdeführer genannten
Formvorschriften zu erlassen (Gygi Fritz, Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 126;
Häfelin Ulrich / Müller Georg, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts,
2. Aufl., Zürich 1993, S. 166, Rz. 707). Die Mitteilung des Lohnabzuges, welcher
rückwirkend ab dem 2. Oktober 1967 vorgenommen wurde, erfolgte jedoch im
Februar 1969 und somit bevor das VwVG am 1. Oktober 1969 in Kraft trat.

Die Rechtmässigkeit eines Verwaltungsakts beurteilt sich grundsätzlich nach
der Rechtslage zur Zeit seines Erlasses. Nachher eingetretene Änderungen
müssen unberücksichtigt bleiben (BGE 119 Ib 177 E. 3, 496 E. 3, 112 Ib 42;
Häfelin/Müller, a. a. O., S. 61, Rz. 263a). Die Möglichkeit einer eventuellen
Rückwirkung wird zusätzlich durch Art. 81 VwVG ausgeschlossen. Die
vorerwähnten Formvorschriften gemäss Art. 34 ff. VwVG sind auf die
Mitteilung des Lohnabzugs im März 1969 somit nicht anwendbar.

b. Im Zeitpunkt, in dem der Lohnabzug festgelegt und erstmals vorgenommen
wurde, existierte keine den Art. 34 ff. VwVG entsprechende allgemeine
gesetzliche Norm, welche die Formvorschriften einer gültigen Verfügung
regelte. Doch sah das zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung geltende
Beamtengesetz in dessen Art. 59 Abs. 1 (BBl 1971 II 1945) für Gesuche und
Beschwerden des Beamten, die das Dienstverhältnis betreffen, ein einfaches
und rasches Verfahren vor, das dem Beamten die sachliche und unparteiische
Beurteilung gewährleistet.

Wie aus einer Aktennotiz auf der Mutationsmeldung vom 10. Februar 1969
hervorgeht, wurde der Beschwerdeführer am 26. Februar 1969 mündlich
über den monatlichen Lohnabzug in Kenntnis gesetzt. Aus den Akten ist
weiter ersichtlich, dass eine Antwort beziehungsweise Stellungnahme des
Beschwerdeführers dazu erwartet wurde. Indem dem Beschwerdeführer
der Lohnabzug mündlich mitgeteilt und ihm auch die Gelegenheit zur
Stellungnahme eingeräumt wurde, war den Erfordernissen eines einfachen
und raschen Verfahrens Genüge getan. Der Einwand der mangelhaften
Verfügung erweist sich deshalb als unbegründet.

4. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die Rückforderung
des irrtümlich vorgenommenen Lohnabzuges sei nicht verjährt.

a. Das öffentliche Recht enthält keine allgemeinen Vorschriften über die
Verjährung. Jedoch gilt heute das Institut der Verjährung als allgemeiner
Rechtsgrundsatz des schweizerischen Verwaltungsrechts, weshalb
öffentlichrechtliche Ansprüche selbst beim Fehlen einer ausdrücklichen
Gesetzesbestimmung der Verjährung unterliegen (BGE 112 Ia 262 E. 5 mit
Hinweisen; Gadola Attilio, Verjährung und Verwirkung im öffentlichen Recht,
AJP 1/95, S. 47 ff.; Häfelin/Müller, a. a. O., S. 148 f., Rz. 627 ff.). In zahlreichen

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_119_Ib_177&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ia_262&resolve=1

Gesetzen wird der Zeitraum, innert welchem eine Verpflichtung oder ein
Anspruch durch Zeitablauf erlischt, allerdings ausdrücklich umschrieben.
Analog zum Zivilrecht wird dabei vielfach unterschieden zwischen der
relativen (ab Kenntnis des verjährbaren Anspruches laufenden) und der
absoluten (ab Entstehung des Anspruchs berechneten) Verjährungsfrist
(Gadola, a. a. O., S. 51; Gygi, a. a. O., S. 300).

b. Wie das EMD in seiner Verfügung vom 12. Oktober 1994 erwähnt, erfolgte
der Lohnabzug aufgrund einer irrtümlichen Anwendung von Art. 57
BO 1. Bei der Forderung des Beschwerdeführers auf Rückerstattung des
Lohnabzuges handelt es sich um einen vermögensrechtlichen Anspruch.
Das BtG enthält keine Vorschriften über die Verjährung vermögensrechtlicher
Ansprüche der Beamten. Hingegen bestimmt alt Art. 72 Abs. 1 BO 1 (heute
Art. 73 Abs. 1 BO 1, in Kraft seit dem 1. Januar 1994, vgl. AS 1994 271), dass
vermögensrechtliche Ansprüche des Beamten gegen den Bund aus dem
Dienstverhältnis innert einem Jahr, nachdem der Beamte davon Kenntnis
erhalten hat (relative Verjährungsfrist), spätestens aber vor Ablauf von
fünf Jahren seit ihrer Entstehung (absolute Verjährungsfrist), geltend
gemacht werden müssen. In bezug auf periodische Leistungen gilt im
übrigen auch beim Fehlen ausdrücklicher Vorschriften grundsätzlich
eine Verjährungsfrist von fünf Jahren (Imboden Max / Rhinow René A.,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Bd. I, Basel 1976, Nr. 34 B III/a;
Gadola, a. a. O., S. 51).

c. Eine Verjährungsfrist kann nicht verlängert, hingegen kann unter
bestimmten Bedingungen die Verjährung unterbrochen oder gehemmt
werden. Unterbrochen wird sie im Verwaltungsrecht durch jede Handlung,
mit welcher der Anspruch in geeigneter Form geltend gemacht wird.
Gehemmt wird sie immer dann, wenn gewisse äussere Hindernisse auftreten,
denen im Interesse des Schuldners oder des Gläubigers diese Wirkung
zuerkannt werden muss. Eine solche Hemmung hat zur Folge, dass die
Verjährung nicht zu laufen beginnt oder stillsteht. Sie kommt allerdings
beim Fehlen einer ausdrücklichen Gesetzesvorschrift angesichts ihres
Schutzgedankens nur ausnahmsweise in Frage. Die Stundung einer Forderung
gilt beispielsweise als solcher Hemmungsgrund, ebenso der Umstand, dass der
Gläubiger aus rechtlichen Gründen gar nicht in der Lage ist, seinen Anspruch
geltend zu machen (Gadola, a. a. O., S. 54 f.).

Der Beschwerdeführer bringt sinngemäss vor, die Verjährung sei durch die
Mangelhaftigkeit der Form der Verfügung bezüglich des Lohnabzugs gehemmt
worden. Da dem Betroffenen aus der Verletzung von Formvorschriften
keinerlei Nachteil erwachsen darf (Häfelin/Müller, a. a. O., S. 166, Rz. 707),
ist es wahrscheinlich, dass eine nicht formgerecht eröffnete Verfügung dazu
geeignet wäre, die Verjährungsfrist zu hemmen. Doch wurde im vorliegenden
Fall den Formvorschriften mit der mündlichen Mitteilung des Lohnabzugs
Genüge getan (vgl. E. 3), so dass die Verjährung nicht gehemmt werden konnte.

Die Ansprüche des Beschwerdeführers, welche über die letzten fünf Lohnjahre
hinausgehen, sind damit grundsätzlich verjährt.

5. Der Beschwerdeführer wendet ferner ein, er sei durch das
vertrauenerweckende Verhalten der Behörde von der rechtzeitigen
Geltendmachung seiner Ansprüche abgehalten worden. Unter

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Berücksichtigung des Grundsatzes von Treu und Glauben sei es deshalb
so zu halten, als wäre die Abzugsverfügung nie erfolgt, womit auch keine
Verjährung habe eintreten können.

a. Das in Art. 4 BV enthaltene Gebot von Treu und Glauben gibt dem Bürger
einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens, das er in behördliche
Zusicherungen und sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden setzt. Dieser Vertrauensschutz bedarf allerdings
zunächst eines Anknüpfungspunktes. Es muss ein Vertrauenstatbestand,
das heisst eine Vertrauensgrundlage vorhanden sein. Darunter ist das
Verhalten eines staatlichen Organs zu verstehen, das beim betroffenen
Bürger bestimmte Erwartungen auslöst. Vertrauensgrundlage können
etwa Verfügungen, verwaltungsrechtliche Verträge sowie Auskünfte und
Zusicherungen darstellen. So ist eine (selbst unrichtige) Auskunft oder
Zusicherung, welche eine Behörde dem Bürger erteilt und auf die er sich
verlassen hat, unter gewissen Umständen bindend. Dafür müssen kumulativ
folgende Voraussetzungen gegeben sein:

1. Die Angaben der Behörde beziehen sich auf eine konkrete, den betreffenden
Bürger berührende Angelegenheit;

2. Die Amtsstelle war für die betreffende Auskunft oder Zusicherung zuständig
oder durfte vom Bürger aus zureichenden Gründen als zuständig betrachtet
werden;

3. Der Bürger konnte die Unrichtigkeit der Auskunft oder Zusicherung nicht
ohne weiteres erkennen;

4. Der Bürger traf im Vertrauen auf die Zusicherung oder die Richtigkeit der
Auskunft Dispositionen, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden
können;

5. Die gesetzliche Ordnung hat seit der Auskunftserteilung oder Zusicherung
keine Änderung erfahren.

Doch selbst wenn diese Voraussetzungen alle erfüllt sind, steht nicht fest,
ob der Private mit seiner Berufung auf Treu und Glauben durchdringen
kann. Vielmehr ist zwischen dem Interesse am Vertrauensschutz und einem
eventuellen entgegenstehenden öffentlichen Interesse abzuwägen. Überwiegt
das öffentliche Interesse an der Anwendung des positiven Rechts, muss sich
der Bürger diesem unterziehen.

(Zum Ganzen: BGE 118 Ia 254, 117 Ia 285, 116 Ib 187, 116 V 298, 115 Ia 12,
108 Ib 385, 101 Ia 100; Grisel André, Traité de droit administratif, Bd. I,
Neuenburg 1984, S. 390 ff.; Häfelin/Müller, a. a. O., S. 117 ff., Rz. 521 ff.;
Haefliger Arthur, Alle Schweizer sind vor dem Gesetze gleich, Bern 1985,
S. 220 f.; Imboden Max / Rhinow René A. / Krähenmann Beat, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Frankfurt am Main 1990, Nr. 74 und Nr. 75 B
III/b/2; Knapp Blaise, Précis de droit administratif, 4. Aufl., Basel / Frankfurt
am Main 1991, S. 108 ff., 4. Aufl.;Weber-Dürler Beatrice, Vertrauensschutz im
öffentlichen Recht, Basel / Frankfurt am Main 1983, S. 112, 204 ff.;)

b. Im vorliegenden Fall wurde dem Beschwerdeführer am 26. Februar 1969
vom Rechnungsführer mündlich mitgeteilt, wegen der ihm zugesprochenen
Invalidenrente werde ein Lohnabzug vorgenommen. Der Beschwerdeführer
war damit zunächst nicht einverstanden und erkundigte sich in bezug auf

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_118_Ia_254&resolve=1

die Korrektheit dieses Abzuges beim Rechnungsführer, welcher seinerseits
bei den Zentralinstanzen in Bern nachfragte. Der örtliche Rechnungsführer
erhielt Weisung, auf dem Abzug zu beharren, und es wurde offenbar ein
Exemplar der damals gültigen Besoldungsordnung beigelegt, laut welcher
der Abzug berechtigt gewesen sein soll. Gemäss den Ausführungen des
Beschwerdeführers wurde diesem aber weder ein Exemplar des erwähnten
Erlasses zugestellt noch wurde er in anderer Weise darauf hingewiesen,
dass sich dieser Erlass nur auf Invaliditätsrenten im engeren Sinne, das
heisst zur Abgeltung von Erwerbsausfall, beziehen konnte, nicht aber
auf eine reine Integritätsschadensrente, der ein Genugtuungscharakter
zukommt. Diese Darstellung wird vom EMD in dessen Vernehmlassung nicht
bestritten. Es geht vielmehr selber davon aus, dass der Beschwerdeführer
mit dem Abzug vorerst nicht einverstanden war. Es steht somit fest, dass der
Beschwerdeführer vergebens versucht hat, gegen die seiner Meinung nach
unrichtigen Lohnabzüge zu intervenieren.

Da er auf die Auskunft der Verwaltung, wonach der Lohnabzug korrekt sei
und zu Recht erfolge, vertraute, wehrte sich der Beschwerdeführer nicht
weiter mit der Folge, dass ihm insgesamt Fr. 21 641.25 vom Lohn abgezogen
wurden. Der Beschwerdeführer durfte sich in berechtigtem Vertrauen auf
die Gültigkeit dieser Auskunft verlassen. Indem er sich bei der zuständigen
Behörde über die Zulässigkeit des Lohnabzugs erkundigte, liess er die ihm
nach den Umständen zumutbare Sorgfalt und Aufmerksamkeit walten. Es
kann auch nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer hätte die Unrichtigkeit
der Auskunft erkennen müssen, zumal die Frage der Anrechenbarkeit einer
Integritätsentschädigungsrente selbst im Bundesamt für Militärversicherung
und im EMD zu Diskussionen Anlass gegeben hat.

c. Die Verjährung öffentlichrechtlicher Ansprüche basiert auf dem Prinzip
der Rechtssicherheit und dem Grundsatz von Treu und Glauben. Verjähren
dem Vertrauensschutz entspringende Ansprüche, so treten Verjährung und
Vertrauensschutz miteinander in Widerstreit (Weber-Dürler, a. a. O., S. 233
mit Hinweisen). Dem Grundsatz von Treu und Glauben kommt dabei die
Wirkung eines Korrektivs zu, wenn im konkreten Fall die strikte Beachtung
des Rechtsinstituts der Verjährung als ungerecht und stossend erscheint. Dies
wird beispielsweise dann anerkannt, wenn der Bürger durch das Verhalten
der Behörde von einer rechtzeitigen Anmeldung seiner Begehren abgehalten
beziehungsweise durch die falsche Auskunft, ein Rechtsmittel sei völlig
aussichtslos, zum Rückzug bewogen wird (Gadola, a. a. O., S. 55 f.;Moor
Pierre, Droit administratif, Bd. II, Bern 1991, S. 54;Weber-Dürler Beatrice,
Falsche Auskünfte von Behörden, ZBl 1991, S. 17). In bezug auf die Form der
behördlichen Auskunft bestehen keinerlei Anforderungen, so dass diese auch
mündlich erfolgen kann (Weber-Dürler, ZBl 1991, a. a. O., S. 8).

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufung auf den Vertrauensschutz
sind vorliegend gegeben, hat sich der Beschwerdeführer doch gerade
durch die falsche Auskunft der Rechnungsstelle davon abhalten lassen,
sich gegen die Lohnabzüge weiter zur Wehr zu setzen. An die Stelle der
vierten Voraussetzung für die Durchsetzbarkeit des Grundsatzes von Treu
und Glauben, der nicht ohne Nachteil rückgängig zu machenden Dispositionen,
tritt im vorliegenden Fall eine Unterlassung des Beschwerdeführers, welche
gleich bewertet werden muss, da er dadurch einen Schaden von insgesamt
Fr. 21 641.25 erlitten hat. Für die zu Unrecht in der Zeit von Oktober 1967

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bis Ende März 1987 abgezogenen Beträge trat die Verjährung ein, weil der
Beschwerdeführer sich diese Abzüge im Vertrauen auf die Auskunft des
EMD schliesslich gefallen liess. Die strikte Beachtung des Rechtsinstituts
der Verjährung erscheint bei dieser Ausgangslage unter Beachtung des
Grundsatzes von Treu und Glauben als ungerecht und stossend, so dass der
Verwaltung die Berufung auf die Verjährung zu verwehren ist.

d. Die Interessenabwägung zwischen dem Vertrauensschutz und dem
öffentlichen Interesse beziehungsweise der Rechtssicherheit fällt im
vorliegenden Fall klarerweise zugunsten des Vertrauensprinzips aus. Der
Umstand, dass der an sich verjährte Lohnabzug aufgehoben wird, hat keine
schwerwiegende Einbusse in bezug auf die Rechtssicherheit zur Folge.
Namentlich ergeben sich hier auch keinerlei Beweisschwierigkeiten für die
Bemessung des Anspruchs des Beschwerdeführers (vgl. Gygi, a. a. O., S. 300).

6. Zum gleichen Ergebnis führt die folgende Erwägung: Ist der Staat
Schuldner einer öffentlichrechtlichen Forderung, ist die Verjährung gemäss
Rechtsprechung nicht von Amtes wegen zu berücksichtigen, sondern nur,
wenn das Gemeinwesen einen entsprechenden Einwand erhebt (BGE 111 Ib
277 E. 3a bb, 106 Ib 364 E. 3a; Häfelin/Müller, a. a. O., S. 150, Rz. 635 f.). Grund
dafür ist, dass durchaus beachtliche Gründe bestehen können, diese Einrede
nicht zu erheben (BGE 101 Ib 349 f.). Im vorliegenden Fall hat das EMD den
Einwand der Verjährung zwar erhoben. Das steht in seinem Ermessen. Die
Eidgenössische Personalrekurskommission kann die bei ihr angefochtenen
Verfügungen indes mit uneingeschränkter Kognition überprüfen,
insbesondere auch auf ihre Angemessenheit hin (vgl. Art. 49 Bst. c VwVG).
Eine solche Prüfung führt die Eidgenössische Personalrekurskommission
zum Schluss, dass die Erhebung der Verjährungseinrede im vorliegenden
Fall unangemessen ist. Als entscheidend erachtet sie dabei einerseits die dem
Beschwerdeführer seinerzeit erteilte falsche Auskunft. Anderseits gewichtet
sie - und dies im Gegensatz zu einem Fall, in dem lediglich eine bestimmte
Zulage nicht ausgerichtet wurde - die Tatsache, dass dem Beschwerdeführer
eine Rente zumindest teilweise vorenthalten würde, die er als Ausgleich für
seine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität zugesprochen erhalten hat.
Die Eidgenössische Personalrekurskommission hält es für unangemessen,
wenn in einem solchen Fall die Einrede der Verjährung erhoben wird.
Das gilt insbesondere auch deshalb, weil, wie bereits erwähnt (vgl. E. 5.d),
der Zeitablauf keinerlei Probleme für die Bemessung des Anspruchs des
Beschwerdeführers schafft.

7. Die Beschwerde ist somit grundsätzlich gutzuheissen. Da die
Beschwerdeinstanz gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG in der Regel selbst zu
entscheiden hat, ist die Verfügung des EMD vom 12. Oktober 1994 durch ein
reformatorisches Urteil der Eidgenössischen Personalrekurskommission
zu ersetzen, zumal sich der neu zuzusprechende Betrag aufgrund der
Akten berechnen lässt. Wie in der angefochtenen Verfügung festgehalten
und vom Beschwerdeführer anerkannt wird, betrug der Betrag für die
Anrechnung der Rente auf die Besoldung von Oktober 1967 bis Ende März
1992 insgesamt Fr. 21 641.25. Hinzu kommen Ansprüche auf Schadens-
beziehungsweise Verzugszinsen. Aus den von der Verwaltung eingereichten
Kopien aus dem Personaldossier des Beschwerdeführers geht hervor, dass
der erste unberechtigte Lohnabzug im März 1969 (zum Teil rückwirkend bis
Oktober 1967) und der letzte im März 1992 erfolgte. Als Ausgleich für die dem

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_111_Ib_277&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_111_Ib_277&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_101_Ib_349&resolve=1

Beschwerdeführer während dieser Zeit monatlich zu Unrecht vorenthaltenen
Teilbeträge ist dem Beschwerdeführer auf dem gesamthaft berechneten
Betrag von Fr. 21 641.25 ein Schadenszins in der Höhe von 5 % ab mittlerem
Verfall zwischen den beiden Eckdaten (März 1969 und März 1992), also
ab dem 17. September 1980 bis zum 31. März 1992, das heisst Fr. 12 496.-,
zuzusprechen (vgl. BGE 82 II 35; Guhl

Theo / Merz Hans / Koller Alfred, Das Schweizerische Obligationenrecht, 8. Aufl.,
Zürich 1991, S. 73 f.;Moor Pierre, Droit administratif, Bd. I, Bern 1994, S. 58 f.).

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist daher zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer einen Betrag von total Fr. 34 137.25 (Fr. 21 641.25 +
Fr. 12 496.-) zurückzuerstatten. Da die personalrechtlichen Erlasse des Bundes
die Ausrichtung von Verzugszinsen nicht ausschliessen, ist auf diesem Betrag
ab 1. April 1992 ein Verzugszins von 5 % geschuldet (vgl. Grisel, a. a. O., Bd. II,
S. 622; Häfelin/Müller, a. a. O., S. 144 f., Rz. 606 f.; Moor, a. a. O., Bd. II, S. 44 f.).

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.72 - Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission vom 21. Juli 1995

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
Année

Anno

Band 60
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Ref. No 150 003 173

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	Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission vom 21. Juli 1995
	Zusammenfassung des Sachverhalts:
	Aus den Erwägungen: