# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9854550f-f7aa-59a8-954a-ac946e5fbebf
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-08
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 08.01.2024 SB230338
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230338_2024-01-08.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230338-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Blaser

Urteil vom 8. Januar 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, 
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. P. Brunner, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend Vergewaltigung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, 
vom 15. März 2023 (DG220177)

-   2   -

Anklage:

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 27. September 2022 (Urk. D1/28) 

ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 92 S. 75 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 200 StGB;

 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie

 der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

bis und mit heute 582 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug erstan-

den sind.

3. Vom Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 7. Novem-

ber 2019 bedingt ausgefällten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.– wird 

abgesehen. 

4. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. b und h StGB für die 

Dauer von 12 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-

system (SIS) angeordnet.

5. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 

(B._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

-   3   -

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung von 

CHF 35'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 24. April 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird 

das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 abgewiesen. 

6. a) Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privatklä-

ger 2 (C._____) eine Umtriebsentschädigung von CHF 100.– zu bezahlen. 

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 eine reduzierte Genug-

tuung von CHF 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. August 2021 zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 abgewiesen.

7. Die bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter der Geschäfts-Nr. 

75250247 lagernden Mobiltelefone der Marke WIKO (Asservat-Nr. A015'982'555 und 

Asservat-Nr. A015'982'566) werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls der Lagerbe-

hörde nach Eintritt der Rechtskraft zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

8. Die folgenden, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter der 

Geschäfts-Nr. 75250247 lagernden Gegenstände werden eingezogen und der La-

gerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:

– Herrenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'558'917)

– Glasflasche "Absolut Vodka" (Asservat-Nr. A012'559'965)

– Joint 1 (Asservat-Nr. A012'573'432)

– Joint 2 (Asservat-Nr. A012'573'465)

– Damenhose (Asservat-Nr. A012'573'409)

– Damenstrümpfe / -socken (Asservat-Nr. A012'573'421)

– Münze (Asservat-Nr. A012'573'487)

9. Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-Nr. 75250247 

/ K190424-007 lagernden Spuren und Spurenträger werden eingezogen und der La-

gerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:

– DNA-Spur ab Joint 1 (Asservat-Nr. A012'776'840)

– DNA-Spur ab Joint 2 (Asservat-Nr. A012777'092)

– DNA-Spur ab Flaschendeckel (Asservat-Nr. A012'777'490)

– DNA-Spur ab Trinköffnung (Asservat-Nr. A012'777'503)

– DNA-Spur ab Flaschenkörper (Asservat-Nr. A012'777'547)

-   4   -

– DNA-Spur ab spermaverdächtigem Fleck an der Wand (Asservat-Nr. 

A012'573'374)

– DNA-Spur ab spermaverdächtigem Fleck am Boden (Asservat-Nr. 

A012'573'385)

– DNA-Spur ab Unterhosen (Asservat-Nr. A012'577'014)

– Tatort-Fotografie (Asservat-Nr. A012'573'363)

– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'283)

– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'294)

– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'307)

– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'318)

– Vergleichs-WSA (Asservat-Nr. A012'573'330)

– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'476)

10. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-Nr. 81622302 lagernde 

Herrenarmbanduhr (Asservat-Nr. A015'631'024) wird dem Privatkläger 2 (C._____) 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und 

andernfalls der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur gutscheinenden Ver-

wendung überlassen.

11. a) Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-

Nr. 81622302 lagernden Gegenstände werden eingezogen und der Lagerbehörde 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:

– Trinkglas "Rothaus" (Asservat-Nr. A015'630'974)

– T-Shirt (Asservat-Nr. A015'630'985)

– Herrenhemd (Asservat-Nr. A015'630'996)

– 2 Jeanshosen (Asservat-Nr. A015'631'046)

– Nike Schuh rechts (Asservat-Nr. A015'631'080)

– Nike Schuh links (Asservat-Nr. A015'631'148)

– Herrensocken / -strümpfe (Asservat-Nr. A015'631'091)

b) Die beim Institut für Rechtsmedizin Aarau unter der Fall-Nr. 2021 08 0349 

lagernden Spuren und Spurenträger werden eingezogen und der Lagerbehörde nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.

-   5   -

12. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

CHF 7'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 2'100.–   Gebühr für das Vorverfahren

CHF 2'942.50   Auslagen (Gutachten)

CHF 260.–   Auslagen Polizei (Auswertung Handy)

CHF 2'310.–   Auslagen Polizei (DNA-Untersuchung)

CHF 1'200.–   Gerichtsgebühr OGer ZH (UB220087-O)

CHF 25.–   Entschädigung Zeuge

CHF 18'006.10   amtl. Verteidigung RA X2._____ (inkl. Barauslagen und Mwst)

CHF 14'907.35   amtl. Verteidigung RA X1._____ (inkl. Barauslagen und   MwSt)

CHF 7'000.–   Akontozahlung unentgelt. Vertretung Privatklägerin 1

CHF 7'738.55   Restzahlung unentgelt. Vertretung Privatklägerin 1 
  (inkl. Barauslagen und Mwst)

CHF 6'036.25   unentgelt. Vertretung Privatkläger 2 (inkl. Barauslagen und Mwst)

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme der-

jenigen der amtlichen Verteidigung sowie der Rechtsvertretungen der Privatkläger-

schaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der Rechtsvertretungen der Privatklä-

gerschaft werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt 

diesbezüglich eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 

StPO.

14. (Mitteilungen)

15. (Rechtsmittel)"

-   6   -

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 94 S. 2 f. i.V.m. Urk. 125 S. 2 sinngemäss)

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB freizusprechen.

2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren Freiheitsstrafe zu bestra-

fen, unter Anrechnung der bis anhin erstandenen Haft.

3. Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu bestrafen, 

unter Anrechnung der bis anhin erstandenen Haft.

4. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 1 seien abzu-

weisen. 

5. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

6. Der Beschuldigte sei für die Überhaft von 150 Tagen mit Fr. 15'000.– zu entschädi-

gen.

7. Die Kosten im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Vergewaltigung seien auf die 

Gerichtskasse zu nehmen. 

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 98 schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

c) Der Privatklägerin B._____:

(Urk. 126 S. 2)

"1. Es sei die Berufung des Berufungsklägers vollumfänglich abzuweisen.

 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten des Beru-

fungsklägers."

-   7   -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang, Prozessuales

1. Prozessgeschichte

1.1. Gegen das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 15. März 2023 meldete 

der Beschuldigte mit Eingabe vom 23. März 2023 fristgemäss Berufung an 

(Urk. 86). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 89) reichte der Beschul-

digte mit Eingabe vom 16. Juni 2023 die Berufungserklärung ein (Urk. 94). Mit Ein-

gabe vom 4. Juli 2023 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung 

und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 98). Mit Eingabe 

vom 13. Juli 2023 verzichtete die Privatklägerin B._____ sodann ebenfalls auf 

Anschlussberufung (Urk. 99). Am 27. November 2023 wurde zur heutigen 

Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 114).

1.2. An der heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in 

Begleitung zweier Zuführungsbeamten und seinem amtlichen Verteidiger Dr. iur. 

X1._____, der Vertreter der Privatklägerin B._____, Rechtsanwalt MLaw Y._____, 

sowie der Privatkläger C._____ (Prot. II S. 8). Es war nicht über Vorfragen zu ent-

scheiden, hingegen über einen Beweisantrag zu befinden (Prot. II S. 10). In der 

Sache selbst stellten die Parteien die eingangs wiedergegebenen Anträge (Prot. II 

S. 8 f.). Das Verfahren ist spruchreif. 

2. Umfang der Berufung

2.1. Der Beschuldigte beantragte die Aufhebung des Schuldspruchs betreffend 

Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB 

(Dispositivziffer 1, 1. Spiegelstrich), der Bemessung der Strafe (Dispositivziffer 2), 

der Landesverweisung (Dispositivziffer 4), der Zivilansprüche (Dispositivziffer 5), 

sowie der Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 13; Urk. 94 S. 2). 

2.2. Neu wurde ein Freispruch hinsichtlich der Vergewaltigung, eine Verurteilung 

zu 2 Jahren Freiheitsstrafe, eventualiter zu einer solchen von 4 Jahren, je unter 

Anrechnung der erstandenen Haft, die Abweisung der Schadenersatz- und Genug-

tuungsbegehren der Privatklägerin B._____ (nachfolgend Privatklägerin), das 

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Absehen von einer Landesverweisung sowie die Übernahme der mit dem Vorwurf 

der Vergewaltigung im Zusammenhang stehenden Kosten auf die Gerichtskasse 

beantragt (Urk. 94). Sodann wurde eine Entschädigung von Fr. 15'000.– wegen 

Überhaft verlangt (Urk. 125 S. 2). Somit ist das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich 

der Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der qualifizierten einfa-

chen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB 

(Dispositivziffer 1, 2. & 3. Spiegelstrich), der Zivilforderungen des Privatklägers 2 

(Dispositivziffer 6), der Einziehungen (Dispositivziffern 7 - 11), sowie der Kosten-

festsetzung (Dispositivziffer 12) in Rechtskraft erwachsen, wovon mit separatem 

Beschluss Vormerk zu nehmen ist. 

2.3.1. Nicht in Rechtskraft erwachsen – obwohl nicht angefochten – ist das Ab-

sehen vom Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsrichteramtes St. Gallen 

vom 7. November 2019 bedingt ausgefällten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 

Fr. 30.–. 

2.3.2. Art. 399 Abs. 4 StPO enthält eine Liste von Urteilspunkten, auf welche der 

Berufungskläger seine Berufung beschränken kann. Dazu gehört unter anderen 

"die Bemessung der Strafe" (Art. 399 Abs. 4 lit. b StPO). Damit ist mit Ausnahme 

der Anordnung von Massnahmen, welche ein selbständiges Anfechtungsobjekt 

bilden (Art. 399 Abs. 4 lit. c StPO), die gesamte Festlegung der Sanktion für die 

vom Schuldspruch umfassten Delikte gemeint. Hierzu gehören neben der Strafart 

und -höhe auch der Entscheid über den bedingten oder teilbedingten Strafvollzug 

und die Frage des Widerrufs bzw. diesbezüglicher Ersatzanordnungen. Gemäss 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die der in der Literatur ganz überwiegend 

vertretenen Auffassung folgt, ist die Aufzählung der Anfechtungsobjekte in Art. 399 

Abs. 4 StPO abschliessend. Eine verbindliche Beschränkung der Berufung auf 

einzelne Teilaspekte eines dieser Anfechtungsobjekte ist nicht möglich. Die 

Berufungsinstanz muss das Verfahren (zumindest formell) so ausweiten, dass sein 

Gegenstand den Vorgaben von Art. 399 Abs. 4 StPO entspricht. Dies bedeutet 

allerdings nur, dass das Berufungsgericht auch diese nicht angefochtenen Teile der 

Strafzumessung überprüfen und gegebenenfalls ändern kann (vgl. BGer. 

-   9   -

6B_548/2011 vom 14. Mai 2012 E. 3; BGE 144 IV 383 E. 1.1). Deren eingehende 

Überprüfung kann unterbleiben, soweit sie im Hinblick auf den Entscheid über die 

vom Berufungskläger beanstandeten Urteilspunkte nicht unerlässlich ist. Hinsicht-

lich der vom Berufungskläger akzeptierten und aus der Sicht des Berufungsgerichts 

nicht offensichtlich korrekturbedürftigen erstinstanzlichen Anordnungen kann dann 

ohne ausführliche Begründung ein gleichlautender zweitinstanzlicher Entscheid 

ergehen. Vorliegend hemmt die Berufung in diesem Sinne die Rechtskraft des 

vorinstanzlichen Urteils nicht nur hinsichtlich des Strafmasses der Freiheitsstrafe, 

sondern auch hinsichtlich des Widerrufs. Damit gilt auch Dispositivziffer 3 des 

vorinstanzlichen Urteils als angefochten. 

2.4. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des 

Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.

3. Prozessuales 

3.1. Beweisantrag des Beschuldigten 

3.1.1. Mit der Berufungserklärung liess der Beschuldigte die Einvernahme der 

Privatklägerin als Zeugin beantragen (Urk. 94 S. 3). Diese liess hingegen beantra-

gen, auf eine neuerliche Befragung zu verzichten (Urk. 99 S. 3). Mit Präsidialver-

fügung vom 22. Juli 2023 wurde der Antrag abgewiesen (Urk. 100). Anlässlich der 

Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte den obgenannten Beweisantrag 

erneut stellen (Urk. 124 S. 2). Die amtliche Verteidigung führte hierzu aus, die 

Anklage stütze sich im Wesentlichen auf die Aussagen der Privatklägerin, was auch 

die Vorinstanz in ihrem Urteil erwähne. Die weiteren bei den Akten liegenden Be-

weise seien ausschliesslich Indizien, deren Bedeutung u.a. von der Würdigung der 

Aussagen der Privatklägerin abhängen würden. Sodann werde die bundesgericht-

liche Praxis über die beweisrechtliche Bedeutung von auf Video aufgezeichneten 

Einvernahmen ausgeblendet. Die Aussagen der Privatklägerin seien nicht wider-

spruchsfrei, was auch die Vorinstanz festgestellt habe. Würden sich Unklarheiten 

in Aussagen nicht plausibel erklären oder nachvollziehbar auflösen lassen, müsse 

diese jedoch gemäss Bundesgericht nochmals befragt werden. Auf der Grundlage 

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von Aussagen, welche Ungereimtheiten bezüglich der Identifikation des Beschul-

digten als Täter aufwiesen, könne kein Schuldspruch gefällt werden (Urk. 124 S. 2). 

3.1.2. Das Rechtsmittelverfahren setzt das Strafverfahren fort und richtet sich nach 

den Bestimmungen über die erstinstanzliche Hauptverhandlung (Art. 405 Abs. 1 

StPO). Es knüpft an die bereits erfolgten Verfahrenshandlungen, namentlich die 

bereits durchgeführten Beweiserhebungen an. Gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO 

beruht das Rechtsmittelverfahren grundsätzlich auf den Beweisen, die im Vorver-

fahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Dieser 

Grundsatz gelangt indes nur zur Anwendung, soweit die Beweise, auf welche die 

Rechtsmittelinstanz ihren Entscheid stützen will, prozessrechtskonform erhoben 

worden sind. Erweisen sich die Beweiserhebungen des erstinstanzlichen Gerichts 

als rechtsfehlerhaft (lit. a), unvollständig (lit. b) oder erscheinen sie als unzuver-

lässig (lit. c), werden sie von der Rechtsmittelinstanz wiederholt (Art. 389 Abs. 2 

StPO). Sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung 

notwendig erscheint, erhebt das Berufungsgericht zudem auch im Vorverfahren 

ordnungsgemäss erhobene Beweise noch einmal (Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 

Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 288 E. 1.4.1., mit Hinweisen; BGer. 6B_422/2017 vom 

12. Dezember 2017 E. 4.3.1). 

3.1.3. Eine unmittelbare Abnahme eines Beweismittels ist namentlich notwendig, 

wenn es den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann, insbesondere wenn die 

Kraft des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei 

seiner Präsentation entsteht. Dies ist etwa der Fall, wenn es in besonderem Masse 

auf den unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so wenn die 

Aussage das einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage-Konstellation) 

darstellt. Alleine der Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), lässt eine 

erneute Beweisabnahme nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das 

Urteil in entscheidender Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es sagt) 

abhängt. Das Gericht verfügt bei der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme 

erforderlich ist, über einen Ermessensspielraum (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; BGer. 

6B_800/2016 vom 25. Oktober 2017 E. 9.2, nicht publ. in: BGE 143 IV 397; 

6B_888/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 143 IV 434; je mit 

-   11   -

Hinweisen). Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungs-

gericht in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses von 

den erstinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 IV 196 

E. 4.4.1, mit Hinweisen; BGer. 6B_383/2012 vom 29. November 2012 E. 7.2; 

VIKTOR LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 

DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], 2. Aufl. 2014, N 6 zu Art. 389 StPO). In der 

Beschwerdeschrift muss dargelegt werden, weshalb die erneute Beweisabnahme 

notwendig ist (BGer. 6B_888/2017 vom 25. Oktober 2017 E. 3.3; 6B_430/2015 vom 

12. Juni 2015 E. 2.3.2). Die erforderlichen zusätzlichen Beweise erhebt die Rechts-

mittelinstanz gemäss Art. 389 Abs. 3 StPO schliesslich von Amtes wegen oder auf 

Antrag einer Partei (zum Ganzen: BGer. 6B_918/2018 vom 24. April 2019 

E. 2.2.2.). Im Übrigen erfordern widersprüchliche Aussagen nicht notwendiger-

weise eine nochmalige Beweisabnahme vor Gericht (BSK StPO-WIPRÄCHTIGER, 

Art. 343 N. 24). Zudem kam das Bundesgericht auf seine Entscheide, Art. 343 

Abs. 3 StPO gelte sowohl für das erst- als auch für das zweitinstanzliche Verfahren, 

zurück. Es hielt unter Verweis auf BGE 140 IV 196 E. 4.4.1 ausdrücklich fest, 

Art. 343 Abs. 3 StPO statuiere (entgegen den zu apodiktischen Urteilen 

6B_70/2015 vom 20. April 2016 und 6B_1330/2017 vom 10. Januar 2019) eine 

einmalige Unmittelbarkeit im erstinstanzlichen Verfahren, in der Regel jedoch keine 

solche für das Rechtsmittelverfahren (BGer. 6B_639/2021 vom 27. September 

2022 E. 2.2.2, mit Hinweisen).

3.1.4. Die Strafbehörden haben die Persönlichkeitsrechte des Opfers auf allen 

Stufen des Verfahrens zu wahren (Art. 152 Abs. 1 StPO). Mithin sollen Opfer vor 

einer nochmaligen Beeinträchtigung ihrer Persönlichkeitsrechte geschützt werden. 

Dies gilt es während aller Stadien des Verfahrens von allen an diesem beteiligten 

Personen zu beachten (BSK StPO-WEHRENBERG, Art. 152 N. 7). Auf Video aufge-

zeichnete Einvernahmen können genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der 

Glaubwürdigkeit der Auskunftsperson oder des Zeugen respektive der Glaubhaf-

tigkeit von deren Aussagen zu verschaffen. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn 

weitere Sachbeweise oder Indizien vorliegen und die einvernommene Person kon-

stant und in sich logisch konsistent aussagt (BGer. 6B_70/2015 vom 20. April 2016 

E. 1.4.2.). Gegen eine erneute Beweisabnahme kann auch der Schutz eines bereits 

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befragten Opfers sprechen, ebenso das mit der Zeit abnehmende menschliche 

Erinnerungsvermögen (BSK StPO-WIPRÄCHTIGER, Art. 343 N. 24 mit Verweis). 

3.1.5. Zunächst gilt es zu beachten, dass ein Sexualdelikt vorliegt, weshalb Opfer-

schutzgedanken zum Tragen kommen und eine Retraumatisierung der Privat-

klägerin nach Möglichkeit zu verhindern ist. Die Privatklägerin wurde während der 

Untersuchung bereits mehrfach einvernommen, wobei eine Videoaufnahme ihrer 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bei den Akten liegt, anhand welcher sich 

das Gericht ein Bild des Aussageverhaltens sowie der Mimik und Gestik etc. 

machen kann bzw. konnte. In casu liegt sodann kein reines Vier-Augen-Delikt vor. 

Zur Erstellung des Sachverhaltes liegen nicht nur die Aussagen des Beschuldigten 

und der Privatklägerin vor, sondern auch Aussagen eines Zeugen und andere 

objektive Beweismittel, so die Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras 

und die DNA-Analyseergebnisse des am Tatort aufgefundenen Joints. 

3.1.6. Hinsichtlich der geltend gemachten Widersprüche in den Aussagen der 

Privatklägerin gilt es zu beachten, dass diese in der Tatnacht eine traumatische 

Erfahrung machen musste. Hierbei war es dunkel. Die Privatklägerin war sodann 

stark alkoholisiert. Es wäre daher geradezu merkwürdig, wenn sie insgesamt akku-

rate, präzise Angaben hätte machen können. Die vorhandenen Widersprüche sind 

vorliegend eher ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um auswendig gelernte Aus-

sagen handelt sondern diese ihre Richtigkeit haben. Die Privatklägerin hat sodann 

ohne Kenntnis der Videoaufzeichnungen eine gute Beschreibung des Beschuldig-

ten hinsichtlich seines Alters, Grösse, Statur, Haare und getragener Hose abgege-

ben. Sie umschrieb ihn als, ca. 170 cm grossen Mann von athletisch/schlanker 

Statur mit schwarz gekraustem Haar, der zwischen 19 und 20 Jahre alt sei und 

graue Hosen trug (Urk. D1/9/1 F/A 14), wobei der Beschuldigte gemäss Videoauf-

zeichnung bzw. Fotobeilage kurzes schwarzes gekraustes Haar und graue Hosen 

trug, sowie von schlanker Statur ist (Urk. D1/9/2 Anhang Foto 5 i.V.m. Urk. D1/9/3 

Beilage 1 Foto 6). Er ist sodann gemäss Beurteilungsbogen über die Hafterste-

hungsfähigkeit 172 cm gross (Urk. D3/9/3 S. 1) und war zum Tatzeitpunkt 20 Jahre 

alt. Einzig die Bezeichnung des Beschuldigten als Nordafrikaner bzw. Eritreer ist 

nicht zutreffend (Urk. D1/1 S. 4 bzw. Urk. D1/9/1 F/A 14). Hierbei gilt es jedoch zu 

-   13   -

beachten, dass die meisten Schweizer hinsichtlich dieser Bezeichnungen eher 

ungenau sind. Beim Beschuldigten handelt es sich zwar nicht um einen Nord-

afrikaner, jedoch hat er keine ganz dunkelschwarze Hautfarbe und ist beispiels-

weise eindeutig nicht ein Zentralafrikaner, welche vom Typ her ganz anders aus-

sehen. Sodann wurde die Bezeichnung Nordafrikaner lediglich im Polizeirapport 

festgehalten, weshalb unklar bleibt, ob es sich hierbei tatsächlich um eine 

übernommene Formulierung der Privatklägerin handelt oder um die Wortwahl der 

rapportierenden Polizeibeamtin (Urk. D1/1 S. 2). Die Privatklägerin beschrieb die 

Täter in ihrer schriftlichen polizeilichen Befragung als Somalier und Eritreer 

(Urk. D1/9/1 F/A ). Eritreer und Somalier sehen nicht per se komplett verschieden 

aus. Es scheint aber auch nicht unwahrscheinlich, dass es sich bezüglich der 

Bezeichnung des Beschuldigten als Eritreer um eine Verwechslung handelt. Es ist 

gut denkbar, dass sich verschiedene Eindrücke der Privatklägerin bis zu einem 

gewissen Grad vermischt haben. Dies kann vorliegend jedoch offenbleiben, ist die 

Beschreibung der Privatklägerin schliesslich auch ohne Angabe der Nationalität 

genau genug. 

3.1.7. Sodann sind seit der Tatnacht inzwischen über vier Jahre vergangen, wobei 

die Privatklägerin bereits anlässlich der polizeilichen Befragung vom 25. November 

2019 zu Protokoll gab, dass sie immer wieder versuche, die Männer auszublenden 

und daher nicht zu wissen, ob sie diese auf einer Fotografie wiedererkennen würde 

(Urk. D1/9/2 F/A 19) Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

12. April 2022 erklärte sie sodann, sie habe sich anlässlich ebengenannter Einver-

nahme an die Gesichter erinnern können. Heute könne sie dies nicht mehr. Die 

Täter wären wie Fremde (Urk. D1/9/3 F/A 66). Mithilfe einer Traumatherapie ver-

sucht sie den Vorfall inzwischen aktiv zu verdrängen (Urk. 126 S. 3). Dies ist mehr 

als verständlich und ihr nicht vorzuwerfen. Unabhängig von der Therapie wäre nach 

über vier Jahren aber ohnehin keine detaillierte Erinnerung an Einzelheiten zu den 

Tätern mehr zu erwarten. 

3.1.8. Es handelt sich also vorliegend aufgrund der vorhandenen weiteren Beweis-

mittel nicht um ein reines Vier-Augen-Delikt. Die teils widersprüchlichen Aussagen 

der Privatklägerin lassen sich sodann grundsätzlich erklären, wobei eine Videoauf-

-   14   -

zeichnung ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bei den Akten liegt, so dass 

das Gericht auch Mimik, Gestik und Art der Formulierung beurteilen kann. Die Tat 

liegt zudem inzwischen schon über vier Jahre zurück, weswegen auch aufgrund 

dessen mit keinen detailgetreuen Aussagen mehr zu rechnen ist. Dies vorliegend 

umso mehr, da die Privatklägerin in einer Therapie daran arbeitet, die Tat und mit 

ihr die Erinnerungen an die Täter zu verdrängen (Urk. 126 S. 3). Es gilt sodann im 

Rahmen des Opferschutzgedankens ihre Retraumatisierung, wenn immer möglich 

zu verhindern. Daher ist der Beweisantrag der erneuten Befragung der Privat-

klägerin abzuweisen. 

3.2. Anträge der Privatklägerin 

Mit Eingabe vom 13. Juli 2023 liess der Vertreter der Privatklägerin die Beigebung 

einer weiblichen Person an den Spruchkörper und die ausschliessliche Befragung 

der Privatklägerin durch diese beantragen. Sodann sei die Begegnung der Privat-

klägerin mit dem Beschuldigten zu verhindern und die Öffentlichkeit von der 

Berufungsverhandlung auszuschliessen (Urk. 99 S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 

23. November 2023 wurde die Publikumsöffentlichkeit ausgeschlossen und den 

akkreditierten Gerichtsberichterstattern Auflagen erteilt (Urk. 111). Den übrigen 

Anträgen wurde formlos entsprochen. 

II. Sachverhalt

1. Allgemeines

Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdi-

gung ausführlich und zutreffend dargelegt (Urk. 92 S. 12 ff.). Darauf kann verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, 

dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner Rechtsstellung 

Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entscheidfindung berücksich-

tigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-

einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann 

sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (BGE 146 

IV 297 E. 2.2.7 mit Hinweisen).

-   15   -

2. Beweiswürdigung in concreto

2.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, zusammen mit zwei 

weiteren Männern an der Privatklägerin gegen deren erklärten Willen den 

Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben (Urk. 1/28 S. 2 f.). 

2.2. Die Vorinstanz sieht nach einer sehr ausführlichen und ebenso sorgfältigen 

Beweismittelwürdigung den Sachverhalt als erstellt an. Ebenso ausführlich und 

sorgfältig hat sich die Vorinstanz mit den Einwendungen der Verteidigung aus-

einandergesetzt. Diese umfangreichen Ausführungen benötigen weder der Er-

gänzung noch der Präzisierung und es kann – um unnötige Wiederholungen zu 

vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 92 S. 6 ff.). Daher ist 

nachfolgend lediglich auf die Einwendungen der amtlichen Verteidigung anlässlich 

der Berufungsverhandlung näher einzugehen. 

2.3. DNA-Spur 

2.3.1. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte die amtliche Vertei-

digung aus, die an einem Joint festgestellte DNA-Spur des Beschuldigten stelle 

keinen direkten Beweis dafür dar, dass dieser einer der drei im Anklagesachverhalt 

genannten Männer sei. Es sei möglich, dass der Beschuldigte den mit seiner DNA 

versehenen Joint am Tatort hinterlassen habe, bevor die Privatklägerin mit drei 

Männern den anderen Joint konsumiert habe (Urk. 125 S. 2 Rz. 3). Aus der 

Begründung der Vorinstanz gehe nicht hervor, weshalb diese Möglichkeit ausge-

schlossen sei. Diese schreibe lediglich, dass der Joint in einem Innenhof und damit 

nicht an einem öffentlichen, stark frequentierten Ort vorgefunden worden sei, was 

kein valables Argument sei, da der Innenhof öffentlich zugänglich sei (Urk. 125 S. 2 

Rz. 4).  

2.3.2. Es ist zutreffend, dass die am Tatort an einem Joint gefundene DNA-Spur 

des Beschuldigten kein direktes Beweismittel für dessen Täterschaft darstellt. Es 

handelt sich jedoch um ein belastendes Indiz, welches zusammen mit den weiteren 

Indizien und Beweismitteln ein Gesamtbild ergibt. Auf die korrekten Ausführungen 

der Vorinstanz hierzu kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 92 S. 22-4 

E. II.5.1.3.). Beim Innenhof handelt es sich um einen zwar öffentlich zugänglichen, 

-   16   -

jedoch von der allgemeinen Öffentlichkeit nicht stark frequentierten Ort, womit sich 

nicht gut erklären lässt, weshalb der Joint mit der DNA des Beschuldigten aus-

gerechnet am Tatort gefunden wurde, zumal der Beschuldigte denn auch nie 

geltend gemacht hat, er habe dort jemals – geschweige denn kurz vor der Tat – 

einen Joint geraucht. 

2.4. Videoaufzeichnungen

2.4.1. Die amtliche Verteidigung machte geltend, aus den bei den Akten liegenden 

Videoaufzeichnungen lasse sich nichts zuungunsten des Beschuldigten ableiten. 

Die drei Personen auf dem Video des D._____ – worunter sich unbestrittenermas-

sen der Beschuldigte befinde – würden eine knappe halbe Stunde nach ihrem ers-

ten Erscheinen in Richtung des Tatorts gehen. Hierbei handle es sich um täteraty-

pisches Verhalten, welches den Beschuldigten entlaste (Urk. 125 S. 3 Rz. 5 f.). 

Dass sich der Beschuldigte auf dem Video die Hosen zuknöpfe sei ein weiteres 

entlastendes Indiz, da man mit offener Hose nicht rennen könne. Bei den Ausfüh-

rungen der Vorinstanz, in welchen sie die beiden Videoaufzeichnungen vergleiche 

und grosse Ähnlichkeiten feststelle, handle es sich sodann um reine Spekulationen 

(Urk. 125 S. 3 Rz. 7 f.). Gleiches gelte für die Ausführungen der Vorinstanz zur Tat-

sache, dass auf keinem der beiden Videoaufzeichnungen das auffällige E._____ 

[Sportmannschaft] T-Shirt, welches gemäss Aussage der Privatklägerin einer der 

Täter getragen habe, zu erkennen sei. Das Ganze habe sich innert weniger Minuten 

abgespielt, weshalb die Annahme, dass sich einer in dieser Zeit noch umgezogen 

oder einen Pullover übergezogen habe, lebensfremd sei (Urk. 125 S. 3 Rz. 9). 

2.4.2. Die drei Männer haben sich in der Tatnacht rennend vom Tatort entfernt, was 

die ersten Überwachungsaufnahmen vom Polizeiposten zeigen (Urk. 13/2). Damit 

haben sie sich der Situation entzogen. Danach gab es keinen Grund mehr, durch 

die ganze Stadt zu rennen, da sie sich aus der unmittelbaren Umgebung des 

Tatorts bereits entfernt hatten. Sie wurden denn auch nicht durch die Polizei oder 

etwaige Zeugen verfolgt, weshalb es durchaus plausibel scheint, dass sie sich in 

Sicherheit wähnten. Hierin ist per se weder täteratypisches noch tätertypisches 

Verhalten auszumachen. 

-   17   -

2.4.3. Die amtliche Verteidigung hält korrekterweise fest, dass der Beschuldigte 

sich beim D._____ seine Hose zuknöpfte. Dies belegt jedoch nicht, dass er nicht 

gerannt sein kann, zumal ihm diese zuvor nicht etwa in den Kniekehlen hing. Le-

diglich der Verschluss war offen, was die Videoaufzeichnung im Eingangsbereich 

des D._____s eindeutig belegt (Urk. 13/1 Video "15_Eingang EG" 02:09:22-

02:09:34). Er konnte sich auch mit offener Hose normal bewegen, was durch die 

Videoaufzeichnung der Ankunft des Beschuldigten beim D._____ ebenfalls belegt 

ist (Urk. 13/1 Video "6_Eingang EG Ost" ab 02:08:45). Das Schliessen der Hose 

spricht damit nicht gegen die Täterschaft des Beschuldigten – ganz im Gegenteil. 

Schliesslich musste er diese für die Tatbegehung doch notgedrungen öffnen. 

2.4.4. Die Vorinstanz führt sehr differenziert aus, welche Ähnlichkeiten die Dreier-

gruppe auf den Videoaufnahmen der Stadtpolizei Zürich mit den drei Männern, 

worunter sich unbestrittenermassen der Beschuldigte befindet, auf den Videoauf-

zeichnungen des D._____s haben. Hierauf kann verwiesen werden. Kleidung und 

Statur der Personen auf den verschiedenen Aufnahmen stimmen überein. Dies 

sind keinesfalls Spekulationen. Es erscheint äusserst unwahrscheinlich, dass sich 

zwei verschiedene Dreiergruppen mit ähnlichem Signalement (Statur und Kleidung) 

zur selben Zeit in unmittelbarer Nähe voneinander in der Stadt aufgehalten haben.

2.4.5. Die Privatklägerin hat – wie bereits ausgeführt – ohne Kenntnis der Video-

aufzeichnungen eine gute Beschreibung der drei Täter, insbesondere auch des 

Beschuldigten, abgegeben. Verglichen mit der Videoaufzeichnung im D._____ be-

steht eine grosse Ähnlichkeit zu ihren Schilderungen. Zur Vermeidung unnötiger 

Wiederholungen kann hierzu auf die Ausführungen unter E. I.3.1.6. verwiesen 

werden. 

2.4.6. Es ist zutreffend, dass das gemäss Beschreibung der Privatklägerin von 

einem der Mittäter des Beschuldigten getragene E._____ T-Shirt nicht auf der Vi-

deoaufzeichnung des D._____s zu erkennen ist. Für den Beschuldigten lässt sich 

jedoch nichts Entlastendes daraus ableiten, dass die Privatklägerin einen der Mit-

täter hinsichtlich der Kleidung allenfalls nicht ganz exakt beschrieben hat. Ihre Be-

schreibung des Beschuldigten ist zutreffend. Hieran ändert sich nichts. Eine 

hundertprozentig zutreffende Umschreibung der Täter kann in Anbetracht des 

-   18   -

physischen und psychischen Ausnahmezustands der Privatklägerin nicht verlangt 

werden. Es kann denn auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich einer der Mit-

täter umgezogen bzw. etwas übergezogen hat. Dies umso mehr, als dass in der 

Beschreibung der Privatklägerin offen bleibt, zu welchem Zeitpunkt einer der Täter 

das E._____ T-Shirt getragen haben soll. In Anbetracht der Tatsache, dass diese 

ab ca. 17.00 Uhr abends bis 02.00 Uhr nachts gemeinsam Zeit verbrachten, er-

scheint es nicht abwegig, dass einer der Täter sich im Zuge der wohl kälter 

werdenden Nacht allenfalls auch schon vor dem Übergriff etwas übergezogen hat 

und nicht erst auf der Flucht. Die Tatsache, dass das T-Shirt auf den Videoauf-

zeichnungen des D._____s nicht ersichtlich ist, lässt die Aussage der Privatklägerin 

jedenfalls nicht unglaubhaft erscheinen. 

2.5. Täteridentifikation durch die Privatklägerin

2.5.1. Die amtliche Verteidigung machte geltend, die Privatklägerin habe sich 

bezüglich der Herkunft der drei Täter und der Sprache, in welcher sie sich verstän-

digt hätten, widersprochen. Angesichts der Tatsache, dass diese am Tatabend 

bzw. der Tatnacht rund neun Stunden mit ihnen verbracht haben wolle und sich 

ansonsten auch nach drei Jahren noch detailliert und widerspruchsfrei zum Tat-

ablauf äussern konnte, seien diese Widersprüche nicht nachvollziehbar (Urk. 125 

S. 4 N. 11). Nicht nachvollziehbar sei auch, weshalb sie den Beschuldigten nicht 

anhand des Porträtfotos habe identifizieren können, habe sie doch angeblich neun 

Stunden mit ihm verbracht und wiederholt ausgesagt, dass sie die Täter wiederer-

kennen würde. So habe sie auch behauptet, einen der Täter wiederholt in der 

F._____ [Park] gesehen zu haben (Urk. 125 S. 4 Rz. 12). Die Privatklägerin sei kurz 

nach dem Vorfall in der Lage gewesen – trotz erkennbarem Zustand der Trunken-

heit – Aussagen über die Ereignisse zu machen. Diese habe sie sodann drei Jahre 

später detailliert zu wiederholen vermocht. Es sei daher auch nicht nachvollziehbar, 

dass sie nicht im Stande gewesen sein solle, derart detaillierte und klare Aussagen 

bezüglich der Identifikation des Beschuldigten als Täter zu machen (Urk. 125 

S. 4  f. Rz. 13). 

2.5.2. Anlässlich ihrer Befragung in der Tatnacht erklärte die Privatklägerin, sie 

hätten einen Mix aus Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Englisch gesprochen 

-   19   -

(Urk. D1/9/1 F/A 14). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärte 

sie sodann, sie hätten gebrochen Englisch und gebrochen Deutsch gesprochen. 

Die Täter hätten aber auch auf Somalisch gesprochen, weshalb sie auch wisse, 

dass es Somalier gewesen seien. Sie selbst spreche aber nicht sehr gut Somalisch, 

daher sei Englisch besser gewesen (Urk. D1/9/3 F/A 33). Die Privatklägerin machte 

damit keine widersprüchlichen Aussagen bezüglich der gesprochenen Sprachen. 

Sie äusserte gleichbleibend, es sei Englisch und Deutsch gesprochen worden. Sie 

ergänzte lediglich, es sei auch Somalisch gesprochen worden, dies aber offenbar 

nur wenig, da sie selbst gar nicht gut Somalisch spricht. Hinsichtlich der Herkunft 

der Täter äusserte sich die Privatklägerin sowohl bei ihrer ersten als auch bei ihrer 

zweiten Befragung dahingehend, dass es sich um einen Somalier und zwei Eritreer 

gehandelt habe (Urk. D1/9/1 F/A 14 i.V.m. Urk. D1/9/2 F/A 20 und F/A 24). Auch 

anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme blieb sie dabei, dass es 

Somalis und Eritreer gewesen seien, wobei sie von zwei Somalis und einem 

Eritreer sprach (Urk. D/9/3 F/A 33). Die Privatklägerin hat damit ihre Aussage zur 

Herkunft der Täter und den gesprochenen Sprachen zwar nicht akkurat wiederholt. 

Dies erstaunt in Anbetracht der vergangenen Zeitdauer von drei Jahren und dem 

Detaillierungsgrad der Fragen jedoch nicht. Solche Abweichungen entstehen. Dies 

stellt bei einem Opfer eines traumatisierenden Ereignisses eher ein Indiz dafür dar, 

dass die Aussagen glaubhaft sind. Weder ist es möglich von Opfern eines solchen 

Übergriffs zu verlangen, dass diese bis aufs letzte Detail gleichbleibende Aussagen 

auch über Jahre hinweg machen können, noch wäre ein solches Aussageverhalten 

glaubhaft. Die kleinen Widersprüche bzw. Ergänzungen sind ein Indiz dafür, dass 

frei erzählt und nicht einfach auswendig Gelerntes wiedergegeben wird. 

2.5.3. Der amtlichen Verteidigung ist insofern zuzustimmen, als dass es der Privat-

klägerin in der Tat trotz Trunkenheit möglich war, mehr oder weniger detaillierte 

Aussagen über die Ereignisse zu machen. Bereits anlässlich der polizeilichen 

Befragung vom 25. November 2019 führte sie allerdings aus, sie versuche inzwi-

schen, die Männer auszublenden (Urk. D1/9/2 F/A 19). Auch anlässlich der staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme gab sie an, sie könne sich an den Vorfall erinnern, 

habe aber die Gesichter und auch sonst einiges verdrängt. Sie wolle sich gar nicht 

damit befassen, sonst fühle sie sich den ganzen Tag klein (Urk. D1/9/3 F/A 11 

-   20   -

i.V.m. F/A 24). Ihr Rechtsvertreter führte denn auch aus, mithilfe der Traumathera-

pie versuche man, die Kernelemente zu verdrängen (Prot. II S. 14). Es ist damit 

mehr als nachvollziehbar, dass sie sich an den groben Ablauf dieses sehr einpräg-

samen und erschütternden Ereignisses gut zu erinnern vermag, wobei gewisse 

Details infolge Zeitablaufs sowie für die Privatklägerin besonders belastende Kern-

elemente dank der Therapie langsam verblassen. Hierzu gehört insbesondere die 

Erinnerung an das Aussehen der Täter, welche für ein Opfer sexueller Gewalt 

etwas sehr Belastendes darstellt. Die Privatklägerin gab diesbezüglich auch offen 

zu, damals sei sie sich sicher gewesen, dass es die Männer von der Aufnahme 

seien. Heute wüsste sie dies nicht mehr (Urk. D1/9/3 F/A 68). Sie schloss sodann 

auf Vorhalt eines Fotobogens den Beschuldigten – Nummer sechs – als Täter aus 

(Urk. D1/9/3 F/A 69). Auf der Videoaufzeichnung ist sodann zu hören, dass sie 

ihren Ausschluss des Beschuldigten damit begründete, dass es eher die Jüngeren 

sein müssten, weil die Täter recht jung gewesen seien (Urk. D1/9/4 ab 1:13:45). 

Sieht man sich den Fotobogen an, so erscheint der Beschuldigte tatsächlich älter 

als die von der Beschuldigten als mögliche Täter benannten Personen auf den 

Fotos vier und fünf (Urk. D1/9/3 Beilage 1). Hierbei darf auch nicht vergessen 

gehen, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen dem Vorfall und der Entstehung des 

Fotos des Beschuldigten drei Jahre lagen. Der Beschuldigte dürfte daher auf 

besagtem Bild älter aussehen als in der Tatnacht. Auch deshalb erstaunt es nicht, 

dass die Privatklägerin den Beschuldigten auf Vorhalt des Fotobogens nicht 

erkannte (vgl. Urk. D1/9/3 F/A 69). Auf den Bildern aus den Videoüberwachungen 

erkannte sie den Beschuldigten und dessen Mittäter anhand der Kleidung jedoch 

eindeutig. Ihre sehr heftige, emotionale und auch physische Reaktion auf diese 

spricht sodann Bände (vgl. Urk. D1/9/2 F/A 24 i.V.m. F/A 26).

2.6. Widersprüchliche Aussagen der Privatklägerin

2.6.1. Die amtliche Verteidigung führte aus, die Privatklägerin habe zunächst von 

vier Tätern und erst nachdem sie die Videoaufzeichnung gesehen habe, von drei 

Tätern gesprochen (Urk. 125 S. 5 Rz. 15). Die Vorinstanz habe deren Gestik und 

Mimik sowie das allgemeine Auftreten in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 

als Realitätskriterien gewertet. Die Aussage, dass sie manchmal denke, dass nur 

-   21   -

ein Mann sie penetriert habe, stehe dieser Würdigung jedoch entgegen, was auch 

für ihre Aussage gelte, dass sie nicht mehr wisse, ob alle drei Männer ejakuliert 

hätten (Urk. 125 S. 6 Rz. 17). Die Privatklägerin habe sich sodann auch bezüglich 

der Namen der Täter widersprüchlich geäussert (Urk. 125 S. 6 Rz. 18). 

2.6.2. Die Beschuldigte sagte von Anfang an aus, sie sei von drei Tätern 

missbraucht worden, wobei sie anfangs noch erklärte, eine vierte Person habe sie 

hierbei gefilmt. Sie machte nie geltend, von vier Tätern vergewaltigt worden zu sein 

(Urk. D1/9/1 F/A 6). Bereits anlässlich der polizeilichen Befragung vom 25. Novem-

ber 2019 sprach sie nur noch davon, dass sie sich an zwei grosse Männer und 

einen kleineren Mann erinnere (Urk. D2/9/2 F/A 18). Dies tat sie bereits vor Vorlage 

der Fotodokumentation, in welcher auf den Fotos 6 und 7 sodann eine Vierergruppe 

Männer erkennbar ist (Urk. D2/9/2 F/A 18 i.V.m. F/A 24 und Urk. D2/9/2 S. 11). 

Auch nach Vorlage der Bilder blieb sie dabei. Anlässlich der staatsanwaltschaft-

lichen Befragung vom 12. April 2022 sprach sie nämlich ebenfalls von Beginn an 

von drei Personen (Urk. D1/9/3 F/A 6) und stellte sodann von sich aus klar, dass 

es sich beim vierten Mann um den Zeugen am Telefon gehandelt habe (Urk. D1/9/3 

F/A 10). Die Privatklägerin befand sich nach der Gruppenvergewaltigung in einem 

absolut nachvollziehbaren psychischen Ausnahmezustand. Sie war zudem stark 

alkoholisiert, wies sie doch rund eineinhalb Stunden nach dem Vorfall einen 

Atemalkoholgehalt von 1.52 mg/l auf (Urk. D1/1 S. 4), was einem Blutalkoholgehalt 

von ca. 3 Gewichtspromille entspricht. Da die Privatklägerin in diesem Zustand zu-

nächst davon ausgegangen war, dass die vierte Person mit dem Handy sie filmte, 

scheint es nicht abwegig, dass sie diese in einem Atemzug mit den drei Tätern 

nannte. Als Täter hat sie diese Person jedoch nie bezeichnet. Ihre Aussagen sind 

damit nicht widersprüchlich, was die Anzahl Täter betrifft. Dass die Beschuldigte 

anfangs davon ausging, die vierte Person habe sie gefilmt, erscheint in Anbetracht 

der Tatsache, dass sie kurz nach der Tat in einem absoluten Schockzustand sowie 

unter Alkohol- und Drogeneinfluss befragt wurde, nachvollziehbar. Dass sie diese 

Fehleinschätzung von sich aus korrigierte und nicht an der drastischeren Schilde-

rung, sie sei bei der Gruppenvergewaltigung gefilmt worden, festhielt, spricht für 

die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen. 

-   22   -

2.6.3. Die Vorinstanz würdigte die Gestik und Mimik der Privatklägerin als Reali-

tätskriterien, was in Anbetracht der sehr allgemeinen Umschreibung bzw. Formu-

lierung wohl zu weit greift (vgl. Urk. 92 S. 20). Dies vermag jedoch nichts daran zu 

ändern, dass die Privatklägerin in ihrer mittels Video aufgezeichneten staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme insgesamt einen recht glaubhaften Eindruck machte, 

was den Vorfall einer Gruppenvergewaltigung als solchen betrifft. 

2.6.4. Wie bereits ausgeführt, sagte die Privatklägerin von Anfang an konstant und 

widerspruchsfrei dahingehend aus, dass sie von drei Männern vergewaltigt worden 

sei. Ihre Aussage, sie denke manchmal, nur ein Mann habe sie penetriert, steht 

hierzu nicht im Widerspruch. Sie sagte klar und konstant aus, es seien drei gewe-

sen, dass sie sich manchmal etwas anderes gedacht haben mag, ändert daran 

nichts. Etwas nur zu denken ist etwas anderes als etwas zu sagen und zu bestäti-

gen. In Anbetracht des schlimmen Ereignisses ist es sodann nachvollziehbar, dass 

sich die Privatklägerin manchmal – wohl auch im Zusammenhang mit dem Versuch 

das Ganze zu vergessen bzw. zu verdrängen – solche Gedanken macht bzw. 

gemacht hat. 

2.6.5. Die Privatklägerin gab bei ihrer ersten Befragung zunächst an, alle drei 

Männer seien zum Höhepunkt gekommen und hätten in ihr ejakuliert und dann das 

Kondom ausgezogen (Urk. D1/9/1 F/A 31-32). Bei ihrer staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme gab sie schliesslich zu Protokoll, einer habe ganz sicher ejakuliert, 

das habe sie am Kondom gesehen. Sie könne nun aber nicht mehr sagen, ob alle 

drei ejakuliert hätten. Sie hätte sich irgendwann gar nicht mehr so auf sie 

konzentriert, sondern habe einfach gewollt, dass es vorbei gehe. Sie habe es hinter 

sich bringen wollen (Urk. D1/9/3 F/A 27). Dass sich die Privatklägerin drei Jahre 

nach dem Vorfall nicht mehr sicher war, ob alle Täter ejakuliert haben oder nicht, 

erscheint durchwegs plausibel, zumal diese Kondome trugen (vgl. Urk. D1/9/1 

F/A 16). Es war bei der Tatbegehung sodann dunkel und handelte sich um eine für 

die Privatklägerin äusserst traumatische, gewalttätige Situation. Diese versuchte 

sie in der Zwischenzeit – teilweise erfolgreich – zu verdrängen. Ihre Aussage, sie 

habe sich irgendwann nicht mehr so auf die Täter konzentriert, sondern es hinter 

sich bringen wollen, ist angesichts des schrecklichen Ereignisses durchaus nach-

-   23   -

vollziehbar. Es handelt sich hierbei denn auch um ein absolutes Detail, auf das man 

sich per se nicht unbedingt achtet, geschweige denn im psychischen Ausnahme-

zustand der Privatklägerin als Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Ihr Zugeständ-

nis, dass sie sich diesbezüglich nicht mehr sicher sei, spricht daher für die Glaub-

haftigkeit ihrer Aussage. Ebenso nachvollziehbar scheint es, dass sie in der ersten 

Einvernahme noch aussagte, alle drei Männer hätten ejakuliert. Ob dies auf einer 

tatsächlichen Feststellung oder im Schock getroffenen Vermutung der Privatkläge-

rin beruht, kann jedoch offen bleiben, da diese Frage weder für die Erstellung des 

Sachverhalts noch die rechtliche Würdigung entscheidend ist. An der Glaubhaftig-

keit ihrer Aussage vermag dies jedenfalls nichts zu ändern.

2.6.6. Die Privatklägerin führte gemäss der Polizeibeamtin G._____ zunächst aus, 

einer der Männer habe H._____ geheissen (Urk. D1/6 S. 2). An ihrer ersten polizei-

lichen Einvernahme erklärte sie hingegen, die Männer hätten sich nicht mit Namen 

bei ihr vorgestellt (Urk. D1/9/1 F/A 15), was nicht weiter verwundert, lernte sie diese 

doch auf dem I._____-areal kennen und verbrachte den Abend trinkend und Small-

talk führend mit ihnen (Urk. D1/9/1 F/A 8 i.V.m. F/A 9 und F/A 21 und Urk. D1/9/3 

F/A 85-86). Bei derartigen Kennenlernen ist es nicht üblich, sich förmlich vorzu-

stellen, sondern man beginnt einfach spontan sich miteinander zu unterhalten. Es 

erscheint daher nicht lebensfremd, davon auszugehen, dass sie die Namen der 

Täter allenfalls nie erfahren oder einzelne im Verlauf eines Gesprächs gefallen sein 

mögen, sie sich jedoch schlicht nicht mehr daran erinnern konnte. Dies ändert 

sodann nichts daran, dass sie den Beschuldigten anhand seiner Kleider auf den 

Überwachungsbildern klar identifiziert hat (Urk. D1/9/2 F/A 24 i.V.m. F/A 25-26).

2.7. Beweisvereitelndes Verhalten

2.7.1. Die amtliche Verteidigung machte weiter geltend, die Privatklägerin habe sich 

beweisvereitelnd verhalten, indem sie die gynäkologische Untersuchung verweigert 

habe. Die Vorinstanz habe ausgeführt, dies stelle vor dem Hintergrund ihres glaub-

haft zum Ausdruck gebrachten Schamgefühls ein für ein Opfer schwerer Sexualde-

likte geradezu typisches Verhalten dar. Dieses Schamgefühl sei jedoch anzuzwei-

feln, da die Privatklägerin in der ersten polizeilichen Einvernahme noch lachend 

eine Gegenüberstellung mit den Tätern begrüsst habe (Urk. 125 S. 6 Rz. 19 f.). Der 

-   24   -

Anklägerin sei sodann insofern beweisvereitelndes Verhalten anzulasten, als dass 

sie keine pharmakologisch-toxikologische Auswertung des von der Privatklägerin 

asservierten Urins in Auftrag gegeben habe und die von der Polizeibeamtin wahr-

genommenen Spermaspuren nicht gesichert worden seien. Daher sei zugunsten 

des Beschuldigten davon auszugehen, dass das beweisvereitelnde Verhalten der 

Privatklägerin nicht auf eine Trübung ihres Bewusstseins durch Alkohol oder an-

dere Substanzen zurückzuführen sei und es sich bei den von der Polizeibeamtin 

erwähnten Spuren nicht um solche von Sperma gehandelt habe (Urk. 125 S. 7 

F/A 22 i.V.m. Urk. 77 S. 7 f. Rz. 17 und S. 12 Rz. 34 f.). 

2.7.2. Es ist zwar richtig, dass die Privatklägerin eine gynäkologische Untersuchung 

verweigerte und hierdurch gewisse Beweise nicht abgenommen werden konnten. 

Es handelt sich hierbei jedoch keineswegs um beweisvereitelndes Verhalten. Die 

Privatklägerin erklärte hierzu, sie sei fix und fertig gewesen und habe sich geschämt 

(Urk. D1/9/3 F/A 99). Es erscheint alles andere als lebensfremd und ist menschlich 

und emotional absolut nachvollziehbar, dass sich ein Opfer einer Gruppenverge-

waltigung danach nicht ins Krankenhaus begeben und sich dort einer äusserst inti-

men, medizinischen Untersuchung durch eine ihr fremde Person unterziehen 

möchte. Bei der Weigerung der Beweisabnahme ging es der Privatklägerin klarer-

weise nicht darum, die Beweiserhebung zu vereiteln und damit Einfluss auf das 

Verfahren zu nehmen, sondern darum, ihre Integrität zu wahren. Sie wollte sich 

schützen und ihre Ruhe haben.

2.7.3. Es ist zwar richtig, dass weder der asservierte Urin der Privatklägerin unter-

sucht noch die von einer Polizeibeamtin wahrgenommene und von ihr als Ejakulat 

identifizierte Spur gesichert wurde. Woran dies lag, bleibt vorliegend unklar. Betref-

fend die Spermaspur liegt zumindest die Vermutung nahe, dass es am schlechten 

Allgemeinzustand der Privatklägerin lag, welche zum Versäumnis geführt haben 

dürfte. So erklärte die Zeugin G._____, sie habe die Spur nicht gesichert, dies aber 

gemeldet. Sie wisse aber auch nicht, ob die Privatklägerin diese in ihrem damaligen 

Zustand weggewischt habe (Urk. D1/10/3 F/A 16). Hinweise auf eine aktive 

Beweisvereitelung seitens der Staatsanwaltschaft sind hingegen keine ersichtlich, 

-   25   -

zumal diverse andere verdächtige Spuren untersucht wurden und ein Atemalkohol-

test durchgeführt wurde. 

2.7.4. Das Bestehen einer Spermaspur wird dem Beschuldigten vorliegend nicht 

zur Last gelegt. Ihr Nichtbestehen vermag den Beschuldigten jedoch auch nicht zu 

entlasten. Wie schon die Vorinstanz richtig erkannte, ist für die Erstellung des 

relevanten Anklagevorwurfs nicht von Bedeutung, ob es diese Spur überhaupt gab 

oder ob sich die Polizistin G._____ in ihrer Wahrnehmung täuschte. 

2.7.5. Die Resultate des Atemalkoholtests der Privatklägerin wurden schriftlich fest-

gehalten (Urk. D1/1 S. 4). Das Versäumnis der Auswertung der Urinprobe gereicht 

dem Beschuldigten nicht zum Nachteil. Dies umso mehr, als dass das von der 

amtlichen Verteidigung geltend gemachte beweisvereitelnde Verhalten seitens der 

Privatklägerin, welches – wie bereits ausgeführt – keines ist, ohnehin nicht auf de-

ren Alkohol- bzw. Drogenkonsum zurückgeführt wird (vgl. vorstehend E. II.2.7.2.). 

2.8. Aussagen des Beschuldigten

2.8.1. Die amtliche Verteidigung machte weiter geltend, aus den Aussagen des 

Beschuldigten lasse sich nichts zu seinen Lasten ableiten. Er sei rund drei Jahre 

nach der Tatnacht erstmals polizeilich hierzu befragt worden. Es sei daher nicht 

erstaunlich, dass er sich kaum an den Verlauf dieses Abends habe erinnern 

können. Daher könne man ihm auch nicht anlasten, dass er nicht habe sagen 

können, wie der Joint mit seiner DNA-Spur an den Tatort gekommen sei. Er sage 

die Wahrheit, was man daran erkenne, dass er sofort anerkannt habe, auf den 

Bildern des D._____s zu sehen zu sein, obwohl sein Gesicht nicht so genau zu 

erkennen sei (Urk. 125 S. 7 Rz. 25). 

2.8.2. Nach dem im Strafprozessrecht allgemein anerkannten sowie in Art. 14 

Ziff. 3 lit. g Uno-Pakt II (SR 0.103.2) und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verankerten Grundsatz 

"nemo tenetur se ipsum accusare" ist im Strafverfahren niemand gehalten, zu 

seiner Belastung beizutragen. Der Beschuldigte ist nicht zur Aussage verpflichtet. 

Namentlich darf er nicht mit Druckmitteln zur Aussage gezwungen werden und darf 

sein Schweigen nicht als Indiz für seine Schuld gewertet werden (BGE 131 IV 36 

-   26   -

E. 3.1; BGE 130 I 126 E. 2.1; je mit Hinweisen). Das Gericht darf aus dem Schwei-

gen des Beschuldigten nicht automatisch auf seine Schuld schliessen. Eine 

derartige Beweiswürdigung liesse das Recht zu schweigen illusorisch werden 

(DONATSCH/SUMMERS/WOHLERS, Strafprozessrecht, S. 185). Das Gericht darf den 

Umstand, dass sich der Beschuldigte auf sein Aussage- und Mitwirkungsverweige-

rungsrecht beruft, aber unter gewissen Umständen dennoch in die Beweiswürdi-

gung einbeziehen. Dies ist nach der Rechtsprechung der Fall, wenn sich der 

Beschuldigte weigert, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu machen, ob-

schon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente vernünftiger-

weise erwartet werden dürfte (BGer. 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 1.6. 

mit Verweisen; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 

8. Februar 1996 in Sachen John Murray gegen Grossbritannien, Rz. 47 ff.). Eine 

solche erklärungsbedürftige Situation ist zurückhaltend anzunehmen. Sie liegt nur 

vor, wenn die übrigen Beweismittel einen Schuldspruch sehr nahe legen und der 

gesunde Menschenverstand keinen anderen Schluss zulässt, als dass der 

Beschuldigte schweigt, weil die belastenden Indizien eben nicht anders als mit der 

Schuld zu erklären sind (vgl. Murray, Rz. 52 für die belastenden Indizien in jenem 

Fall). Das heisst nicht, dass der Beschuldigte jeden Verdacht entkräften muss und 

ein Schuldspruch stets rechtens ist, wenn er dennoch schweigt. Nur dort, wo der 

Beschuldigte dem ersten Anschein nach bereits aufgrund der übrigen Beweismittel 

schuldig erscheint, darf das Gericht zusätzlich sein Schweigen würdigen. Ist der 

Beschuldigte lediglich verdächtig, so greift die Unschuldsvermutung auch bei einem 

schweigenden Beschuldigten (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Men-

schenrechte vom 20. März 2001 in Sachen Telfner gegen Österreich, Rz. 17 f.).

2.8.3. Es erscheint nachvollziehbar, dass der Beschuldigte sich – wie auch die 

Privatklägerin – nach über drei bzw. mittlerweile über vier Jahren nicht mehr an 

sämtliche Details der Tatnacht erinnern konnte bzw. kann. Ob er gewisse Aussagen 

nicht tätigen kann, weil er sich nicht mehr daran erinnert oder schlicht nicht tätigen 

möchte, kann vorliegend jedoch offenbleiben. Der Beschuldigte muss keine 

Aussagen machen. Dies alleine wird vorliegend weder zu seinen Gunsten noch zu 

seinen Ungunsten ausgelegt. Sein Aussageverhalten bringt jedoch die Konse-

-   27   -

quenz mit sich, dass der Beschuldigte nichts vorbringt, was die vorhandenen 

objektiven Beweismittel zu widerlegen oder entkräften vermag.

3. Fazit

Zusammengefasst lässt sich somit festhalten, dass der Beschuldigte die in der 

Anklage umschriebenen Handlungen mit Wissen und Willen begangen hat. Dieser 

Sachverhalt ist der rechtlichen Würdigung zu Grunde zu legen. 

III. Rechtliche Würdigung

Die Vorinstanz hat das Verhalten des Beschuldigten mit überzeugender Begrün-

dung als Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 200 StGB qualifiziert (Urk. 92 S. 43 f.). Diese Qualifikation wurde von den Par-

teien zu Recht nicht beanstandet. Somit ist der Beschuldigte der Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 200 StGB schuldig zu sprechen. 

IV. Sanktion 

1. Strafart, Strafrahmen, allgemeine Prinzipien der Strafzumessung

Die Vorinstanz hat Ausführungen zur Strafart und zum Strafrahmen sowie zu den 

allgemeinen Prinzipien der Strafzumessung gemacht, welche weder der Ergänzung 

noch der Präzisierung bedürfen. Es kann grundsätzlich vollumfänglich darauf 

verwiesen werden (Urk. 92 S. 49 ff.). Wiederholend gilt es festzuhalten, dass der 

Tatbestand der Vergewaltigung einen Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn 

Jahren Freiheitsstrafe vorsieht (Art. 190 Abs. 1 StGB), wobei dieser bei einer 

gemeinsamen Tatbegehung gemäss Art. 200 StGB bis auf 15 Jahre Freiheitsstrafe 

erweitert werden kann. Die Tatumstände erfordern vorliegend jedoch noch keine 

Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens (vgl. dazu auch nachstehend unter 

E. IV.2.1.). 

-   28   -

2. Vergewaltigung

2.1. Tatkomponente

2.1.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere gilt es vorab in Erinnerung zu rufen, 

dass die Vergewaltigung per se ein schwerwiegendes, durch Brutalität und schwere 

Missachtung der körperlichen Integrität und Würde der Frau geprägtes Delikt ist. 

Dementsprechend hoch ist die Obergrenze des Strafrahmens. Bei der Bemessung 

der strafzumessungsrelevanten Tatelemente geht es somit nicht in erster Linie um 

die Festlegung der absoluten Tatschwere, welche bei Vergewaltigungen per se 

hoch ist, sondern um die Verankerung der individuellen Tatschwere innerhalb des 

gesetzlich vorgegebenen Strafrahmens. Sofern nun bei einer Vergewaltigung ein 

Verschulden – beispielsweise – als "noch nicht schwer" qualifiziert wird soll damit 

keinesfalls die Tat verharmlost werden sondern einzig die individuelle Schwere 

innerhalb des Spektrums der möglichen Taten bemessen werden.

2.1.2. Vorliegend ist das objektive Tatverschulden innerhalb des Strafrahmens im 

Lichte der vorstehenden Ausführungen als schwer zu qualifizieren. Dem Umstand, 

dass an der Deliktshandlung mehrere Täter beteiligt waren, kann mit der Qualifika-

tion gemäss einer Vergewaltigung im Sinne von Art. 200 StGB oder mit der Öffnung 

des Strafrahmens gegen oben Rechnung getragen werden. Die Vorinstanz hat zu 

Recht auf die Öffnung des Strafrahmens verzichtet. Bleibt es aber beim ursprüng-

lichen Strafrahmen, so ist der Umstand der gemeinsamen Begehung im Sinne von 

Art. 200 StGB im Sinne einer Strafzumessungsregel als erheblich erschwerend zu 

berücksichtigen. Es entspricht dem klaren Willen des Gesetzgebers, dass der 

Richter in solchen Fällen regelmässig eine Strafe im oberen Drittel des Straf-

rahmens ausspricht (BSK StGB-ISENRING, Art. 200 N. 16). Die Bedrohungs- und 

Belastungssituation wiegt für ein Opfer einer Gruppenvergewaltigung per se viel 

schwerer, besteht doch eine klare Übermacht auf Seiten der Täter und ist daher 

Gegenwehr einiges weniger erfolgsversprechend als bei einem Einzeltäter. 

2.1.3. Weiter erschwerend ins Gewicht fällt, dass sich die Tat ungefähr zwischen 

einer Viertelstunde und einer halben Stunde hinzog und damit vergleichsweise sehr 

lange dauerte (Urk. D1/9/1 F/A 6 i.V.m. Urk. D1/10/1 F/A 8). Das Mass der ange-

-   29   -

wendeten körperlichen Gewalt war bereits erheblich und überstieg die tatimma-

nente Gewalt deutlich, so wurde die Privatklägerin auch geschlagen (Urk. D1/9/3 

F/A 15 und F/A 38) und durch die Täter fixiert (Urk. D1/9/3 F/A 18). Auch das 

gewaltsame Zuhalten des Mundes über den gesamten Zeitraum ist Ausdruck von 

besonderer Gewalt und geeignet, beim Opfer Atemnot und Erstickungsängste 

hervorzurufen (Urk. D1/9/1 F/A 23 i.V.m. F/A 30). Zudem wurden dem Opfer erheb-

liche Schmerzen zugefügt, welche im Vaginalbereich noch mehrere Tage anhielten 

(Urk. D1/9/3 F/A 42-45). Auch die zugefügten seelischen Wunden sind erheblich 

und Ausdruck der erheblichen Tatschwere. Eine Strafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe 

ist dem Verschulden somit angemessen.  

2.1.4. Bezüglich der subjektiven Elemente und des Tatmotivs liegt es bei ungestän-

digen Tätern in der Natur der Sache, dass diese weitgehend im Dunkeln bleiben. 

Einzig wenn äusserlich wahrnehmbare Umstände zwingend auf subjektive 

Elemente schliessen lassen darf darauf abgestützt werden. Dies hat die Vorinstanz 

in korrekter Weise getan, indem sie aus dem Umstand, dass die Tätergruppe mit 

der Privatklägerin vom belebten Park in einen ruhigen Hinterhof disloziert ist, die 

Manifestation eines gewissen Planungsgrads angenommen hat. Auch deshalb darf 

ohne weiteres von direktvorsätzlichem Handeln ausgegangen werden. Andere 

Motive als die reine sexuelle Befriedigung sind eben so wenig auszumachen wie in 

anderer Weise erhöhende oder entlastende Elemente. Insbesondere bestehen 

keinerlei Hinweise, wonach der an diesem Abend konsumierte Alkohol und Joint 

beim Beschuldigten zu einer Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit 

geführt haben (Urk. D1/8/1 F/A 62-69; Urk. 123 S. 8). Somit bleiben die subjektiven 

Verschuldenselemente ohne Einfluss auf das objektive Tatverschulden und es 

bleibt bei einer Strafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe. 

2.2. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

2.2.1. Bei der Täterkomponente gilt es das Vorleben und die persönlichen Verhält-

nisse des Beschuldigten zu berücksichtigen. Aufgewachsen in Somalia besuchte 

er dort während 7 Jahren die Schule. Sein Vater verstarb früh. Im Jahr 2017 

wanderte er ohne bestimmtes Ziel nach Europa aus. Ob nach Italien, Deutschland 

oder in die Schweiz war ihm egal. Obwohl er hätte arbeiten dürfen, ist er nie einer 

-   30   -

geregelten Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt nachgegangen und hat stattdessen von 

Fürsorgeleistungen gelebt. Er pflegt hierzulande wenige und nur sporadische 

Kontakte. Er telefoniert hingegen regelmässig mit seinen Angehörigen in Somalia 

(Urk. D1/8/2 F/A 2 i.V.m. F/A 3-12, F/A 20-22 und F/A 28-29). Im Jahre 2019 ist er 

nach Deutschland ausgereist, weil er sich dort ein besseres Leben erhoffte. Kurz 

darauf wurde er wieder zurück überstellt. Er hat weder Vermögen noch Schulden, 

auch nicht in seiner Heimat (Urk. 73 S. 7 i.V.m. S. 10.). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung erklärte der Beschuldigte, an seinen persönlichen Verhältnissen habe 

sich nichts geändert. So führte er insbesondere aus, er sei weiterhin weder verhei-

ratet, noch in einer Beziehung und habe keine Kinder. Sodann lebten keine 

Verwandten von ihm in der Schweiz oder in Europa (Urk. 123 S. 2 f.). 

2.2.2. Zwar hat der Beschuldigte zwei eingetragene Vorstrafen, doch waren diese 

zum Tatzeitpunkt noch nicht eingetragen, weshalb diese bei der Strafzumessung 

nicht zu berücksichtigen sind (Urk. 93). Aus den Akten ergeben sich auch keine 

weiteren strafzumessungsrelevanten täterbezogene Umstände, insbesondere gibt 

auch sein Nachtatverhalten keinen Anlass zu Korrekturen am Strafmass. Somit 

bleibt es bei einer Einsatzstrafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe. 

3. Versuchte schwere Körperverletzung

3.1. Vorbemerkung

Zwar sind die Verurteilungen wegen den beiden Körperverletzungen in Rechtskraft 

erwachsen, dies gilt jedoch nicht für die jeweiligen Sanktionen. Gemäss Art. 399 

Abs. 4 StPO ist nur die gesamthafte Überprüfung der Bemessung der Strafe zuläs-

sig (Art. 399 Abs. 4 lit. b StPO). Wie bereits unter E. I.2.3. festgehalten, gilt die 

Berufung für die gesamte Festlegung der Sanktion für sämtliche vom Schuldspruch 

umfassten Delikte. Dies gilt auch für Einzelstrafen von in Rechtskraft erwachsenen 

Anklagepunkten. Doch kann deren eingehende Überprüfung unterbleiben, soweit 

sie im Hinblick auf den Entscheid über die vom Berufungskläger beanstandeten 

Urteilspunkte nicht unerlässlich ist. Hinsichtlich der vom Berufungskläger akzeptier-

ten und aus der Sicht des Berufungsgerichts nicht offensichtlich korrekturbedürf-

-   31   -

tigen erstinstanzlichen Anordnungen oder Feststellungen kann dann ohne ausführ-

liche Begründung gleichlautend zweitinstanzlich entschieden werden. 

3.2. Strafrahmen / lex mitior

Ist eine Tat vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen worden, erfolgt deren 

Beurteilung aber erst nachher, so ist das neue Recht nur dann anzuwenden, wenn 

es für den Täter das mildere darstellt (Art. 2 StGB; Grundsatz der sog. "lex mitior"). 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung sah einen Strafrahmen von sechs 

Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor (Art. 122 aStGB). Neu ist ein Straf-

rahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vorgesehen (Art. 122 

StGB), weshalb das alte Recht das mildere ist und daher vorliegend zur Anwen-

dung gelangt. 

3.3. Tatkomponente

3.3.1. In objektiver Hinsicht gilt es festzuhalten, dass der Beschuldigte im Zuge 

eines eskalierenden, zunächst verbalen Streits mit einem zerbrochenen Glas den 

Privatkläger angriff und diesem zahlreiche, teilweise erhebliche Verletzungen am 

Schädel (Scheitel, Hinterkopf und Stirn), an der linken Schulter und über dem linken 

Schlüsselbein, an der rechten Schulter und an beiden Ober- und Unterarmen 

zufügte. Mit dem danach eingesetzten Messer, welches ein gleichermassen 

gefährliches Tatwerkzeug ist, fügte er dem Privatkläger jedoch keine Verletzungen 

mehr hinzu. 

3.3.2. Die amtliche Verteidigung machte geltend, es sei nicht zu lebensgefährlichen 

Verletzungen gekommen, da der Privatkläger dem Beschuldigten körperlich über-

legen sei. Dieser sei zwei Zentimeter grösser und zwanzig Kilogramm schwerer als 

der Beschuldigte und habe stets die Oberhand behalten (Urk. 125 S. 8). Dem ist zu 

widersprechen. Ein Körpergrössenunterschied von zwei Zentimetern ist so gering, 

dass er zu vernachlässigen ist. Ein Körpergewichtsunterschied von zwanzig Kilo-

gramm führt sodann nicht per se zu einer Überlegenheit in einer körperlichen 

Auseinandersetzung. Es lag keine Situation vor, in der der Privatkläger dem 

Beschuldigten komplett überlegen war. Es handelte sich um ein dynamisches 

-   32   -

Geschehen, was so auch von der Vorinstanz berücksichtigt wurde. Eine körperliche 

Überlegenheit hätte dem Privatkläger in der vorliegenden Situation auch nichts 

genutzt, ging der Beschuldigte doch mit einem zerbrochenen Glas auf ihn zu. Wohl 

waren die zugefügten Verletzungen nicht sehr gravierend, doch haftet den Ver-

letzungen, welche im Zuge des dynamischen Geschehens einer körperlichen 

Auseinandersetzung erfolgten, etwas Zufälliges an. Es hätten genauso gut schwe-

rere oder auch leichtere Verletzungen resultieren können. Dass der Privatkläger 

nicht lebensgefährliche oder bleibende Schäden davon trug, ist somit letztlich dem 

Zufall zu verdanken. Das objektive Tatverschulden ist damit als mittelschwer zu 

qualifizieren.

3.3.3. In subjektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass sich nicht erstellen 

lässt, dass der Beschuldigte dem Privatkläger schwerwiegende und andauernde 

oder lebensgefährliche Verletzungen zufügen wollte. Er nahm diese jedoch im 

Rahmen der heftigen, tätlichen Auseinandersetzung in Kauf. Das festgestellte 

Verletzungsbild, insbesondere die Anzahl und die Schwere der Verletzungen im 

Kopfbereich, lassen das Delikt als im Grenzbereich zur (versuchten) direktvorsätz-

lichen schweren Körperverletzung oder (versuchten) eventualvorsätzlichen Tötung 

liegend erscheinen.

3.3.4. Obwohl der angeklagten Tat Provokationen des Privatklägers vorausgingen, 

welche letztlich das Handlungsmotiv des Beschuldigten bildeten, ist dies kein 

Grund, welcher sein Handeln zu legitimieren oder rechtfertigen vermag. Dass die 

Auseinandersetzung derart ausartete ist – entgegen den Ausführungen der amt-

lichen Verteidigung (vgl. Urk. 125 S. 9) – keineswegs nur dem Privatkläger zuzu-

schreiben. Der Beschuldigte führte hierzu selbst aus, als ihm der Privatkläger den 

Zutritt ins Zimmer verweigert habe, sei er wütend geworden, habe das Glas genom-

men und sei auf ihn losgegangen (Urk. D2/6/1 F/A 31). Zum Tatzeitpunkt wies der 

Beschuldigte eine Blutalkoholkonzentration zwischen 1.43 und maximal 2.13 

Gewichtspromille auf, womit er erheblich alkoholisiert war. Zudem stand er unter 

dem Einfluss von Marihuana (Urk. D2/13/3; Urk. D2/13/4). Die amtliche Vertei-

digung machte geltend, deshalb sei von einer deutlich verminderten Schuldfähig-

keit auszugehen (Urk. 125 S. 9). Nach der ständigen bundesgerichtlichen Recht-

-   33   -

sprechung fällt erst bei einer Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromil-

len eine Verminderung der Zurechnungsfähigkeit überhaupt in Betracht (BGE 117 

IV 292 E. 2d). Daher ist vorliegend von einer geringfügig eingeschränkten Steue-

rungsfähigkeit und damit einer leicht verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.

3.3.5. Im Ergebnis wird das objektive Tatverschulden in subjektiver Hinsicht leicht 

relativiert. Das gesamthafte Tatverschulden ist damit keinesfalls leicht. Die von der 

Vorinstanz dafür festgesetzte Freiheitsstrafe von 45 Monaten für die hypothetische 

Begehung der vollendeten Tat erweist sich somit als angemessen. 

3.4. Versuch

Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigen, dass die Tat nicht über das 

Versuchsstadium hinaus ging. Wie erwähnt ist dies allerdings überwiegend dem 

Zufall zu verdanken. Die tatsächlichen Folgen liegen zudem nahe am tatbestand-

lichen Erfolg der schweren Körperverletzung. Der Versuch ist somit mit einer 

Reduktion von 20% zu berücksichtigen. 

3.5. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

3.5.1. Wie bereits unter den Ausführungen zur Vergewaltigung festgehalten lassen 

sich aus den persönlichen Verhältnissen auch für diese Tat keine strafzumessungs-

relevanten Elemente ableiten. 

3.5.2. Der Beschuldigte verfügt über zwei im Strafregister eingetragene Vorstrafen 

(Urk. 93). Am 25. April 2019 wurde der Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft 

Basel wegen rechtswidriger Einreise im Sinne des Ausländer- und Integrationsge-

setzes zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer 

Busse von Fr. 100.– verurteilt. Am 7. November 2019 wurde der Beschuldigte vom 

Untersuchungsamt St. Gallen wegen des geringfügigen Erschleichens einer 

Leistung, der Fälschung von Ausweisen sowie des Nichtanzeigens eines Fundes 

zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse 

von Fr. 200.– verurteilt (Urk. D1/25/1). Zudem wurde der Beschuldigte mehrfach 

wegen Übertretungen des Personenbeförderungsgesetzes sowie (einmal) wegen 

Ungehorsam des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren mit Bussen 

-   34   -

bestraft. Diese Bussen wurden jeweils in Ersatzfreiheitstrafen umgewandelt 

(Urk. D1/25/2). Zum Zeitpunkt der versuchten schweren Körperverletzung verfügte 

der Beschuldigte somit über zwei nicht einschlägige eingetragene Vorstrafen. Dies 

ist nur leicht straferhöhend zu berücksichtigen. Indes wurde er im November 2019 

zu einer bedingten Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren 

verurteilt, womit der Beschuldigte im August 2021 während laufender Probezeit 

delinquierte. Zudem delinquierte der Beschuldigte in Dossier 2 während der laufen-

den Strafuntersuchung hinsichtlich Dossier 1. Die von der Vorinstanz dafür ange-

setzte Erhöhung von 2 Monaten Freiheitsstrafe erweist sich somit als angemessen. 

3.5.3. Hinsichtlich seines Nachtatverhaltens gilt es zu berücksichtigen, dass sich 

der Beschuldigte weitgehend geständig zeigt. Im Lichte der erdrückenden Beweis-

lage trug dies jedoch nicht wesentlich zur Vereinfachung des Verfahrens bei. An 

der heutigen Berufungsverhandlung zeigte er sodann ein gewisses Mass an 

Einsicht und Reue (Urk. 123 S. 9). Es ergibt sich damit eine Strafminderung von 

9 Monaten Freiheitsstrafe. 

3.6. Zwischenfazit

Isoliert betrachtet wäre für die versuchte schwere Körperverletzung eine Freiheits-

strafe von 45 Monaten auszufällen. Unter Berücksichtigung der versuchten Tat-

begehung und der Täterkomponente ist die Einzelstrafe in Nachachtung des 

Asperationsprinzips um 18 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

4. Qualifizierte einfache Körperverletzung

4.1. Tatkomponente

4.1.1. In objektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte dem 

Geschädigten im Zuge eines Handgemenges mit einem Messer und damit einem 

gefährlichen Tatwerkzeug eine ca. einen Zentimeter lange Schnittverletzung zu-

fügte. Diese musste genäht werden, was bereits auf eine erhebliche Verletzung 

schliessen lässt. Der Streit entbrannte wegen eines Ladekabels und damit aus 

nichtigem Anlass. Das objektive Tatverschulden ist als mittel zu bezeichnen. 

-   35   -

4.1.2. In subjektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass nicht davon auszuge-

hen ist, dass der Beschuldigte die Verletzungen in dieser Form zufügen wollte. Es 

musste ihm aber bewusst sein, dass solche Verletzungen entstehen können und 

somit ist sein Handeln als Inkaufnahme und damit eventualvorsätzliches Handeln 

zu verstehen. 

Der Beschuldigte wies zum Zeitpunkt der Verhaftung einen Atemluftalkoholgehalt 

von 0.91 mg/l und somit eine Blutalkoholkonzentration von 1.82 Gewichtspromillen 

auf (Urk. D3/9/1 S. 1). Nach der ständigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

fällt bei einer Blutalkoholkonzentration von über 2 Gewichtspromillen eine 

Verminderung der Zurechnungsfähigkeit in Betracht (BGE 117 IV 292 E. 2d). Dass 

Alkoholkonsum zu einer Enthemmung im Verhalten führen kann, ist noch nicht 

gleichbedeutend mit einer strafrechlich relevanten Verminderung der Schuld- bzw. 

Zurechnungsfähigkeit. Als Faustregel kann daher davon ausgegangen werden, 

dass bei einer Blutalkoholkonzentration von unter 2 Promille – und damit auch im 

vorliegenden Fall – keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit vorliegt. Würde man 

vorliegend zu Gunsten des Beschuldigten dennoch von einer leicht verminderten 

Schuldfähigkeit ausgehen, würde dies aber letztlich am Endergebnis ohnehin 

nichts zu ändern vermögen. 

4.1.3. Im Ergebnis wird das objektive Tatverschulden in subjektiver Hinsicht leicht 

relativiert. Es ist gesamthaft von einem keinesfalls leichten Tatverschulden auszu-

gehen, womit das Strafmass vorläufig auf 8 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen ist.

4.2. Täterkomponente und weitere Strafzumessungsgründe

4.2.1. Hinsichtlich der Täterkomponente kann auf das bereits bei den anderen 

Delikten Gesagte verwiesen werden. Diese bleibt ohne Auswirkungen auf die Sank-

tion. 

4.2.2. Mit Bezug auf die Vorstrafen ergibt sich unter Verweis auf die vorstehenden 

Ausführungen, dass der Beschuldigte gleich wie in Dossier 2 zum Zeitpunkt der 

qualifizierten einfachen Körperverletzung über zwei eingetragene Vorstrafen 

verfügte und während laufender Probezeit delinquierte. Dies führt zu einer Erhö-

-   36   -

hung von einem Monat Freiheitsstrafe. Hinsichtlich seines Nachtatverhaltens ist zu 

erwähnen, dass sich der Beschuldigte geständig zeigte. An Einsicht und Reue war 

jedoch weder während der Untersuchung noch an der Hauptverhandlung viel zu 

erkennen. Es ergibt sich damit eine Strafminderung von einem Monat Freiheits-

strafe. 

4.3. Zwischenfazit

Damit wäre für die qualifizierte einfache Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 

8 Monaten auszufällen. In Anwendung des Asperationsprinzips erscheint es somit 

als gerechtfertigt, die Strafe um 5 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen. 

5. Fazit Strafzumessung und Vollzug

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint eine Freiheits-

strafe von insgesamt 8 Jahren und 11 Monaten als angemessen. In Nachachtung 

des Prinzips der reformatio in peius muss es indes bei den vorinstanzlich ausge-

sprochenen 7 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe sein Bewenden haben. Der 

Anrechnung von 881 Tagen, die durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug 

erstanden sind, steht nichts entgegen (Urk. D2/27/1). Bei dieser Strafhöhe fällt die 

Gewährung des (teil-) bedingten Vollzugs von vornherein ausser Betracht 

(vgl. Art. 42 f. StGB). Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.

6. Widerruf

Der Beschuldigte delinquierte in den Dossiers 2 und 3 während der mit Strafbefehl 

des Untersuchungsamts St. Gallen vom 7. November 2019 angesetzten Probezeit. 

Das Absehen vom Widerruf wurde zwar nicht angefochten, ist jedoch vorliegend 

nicht in Rechtskraft erwachsen (vgl. hierzu vorne E. I.2.3.). Bereits aufgrund des 

Verschlechterungsverbots ist vom Widerruf der bedingt ausgefällten Geldstrafe von 

20 Tagessätzen zu Fr. 30.– indes abzusehen.

-   37   -

V. Landesverweisung

1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Landesverweisung zu-

treffend aufgeführt, worauf verwiesen werden kann. Ebenso kann bezüglich des 

Vorliegens einer Katalogtat vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen 

verwiesen werden. Sodann hat die Vorinstanz eine sorgfältige und ausführliche 

Härtefallprüfung unter Berücksichtigung der konkreten Umstände wie der Anwe-

senheitsdauer, den familiären Verhältnissen, der Arbeits- und Ausbildungssituation, 

der Persönlichkeitsentwicklung, dem Grad der Integration und den Resozialisie-

rungschancen des Beschuldigten vorgenommen sowie sich mit den anwaltlichen 

Einwendungen auseinandergesetzt (Urk. 92 S. 60 ff.). Auch darauf kann verwiesen 

werden. 

2.1. Die Verteidigung begründete ihren Antrag auf Verzicht einer Landesverwei-

sung bisher primär mit dem Freispruch hinsichtlich der Katalogtaten (Urk. 77 S. 20). 

Heute machte die Verteidigung geltend, es liege ein Härtefall vor. Der Vater des 

Beschuldigten sei vom Bruder seiner Frau getötet worden, weil er sich über ein 

bestehendes Heiratsverbot zwischen zwei Familienclans hinweggesetzt habe. Der 

Beschuldigte sei damals erst 4 Jahre alt gewesen und habe danach rund 15 Jahre 

bei seiner Mutter gelebt, was nicht bedeute, dass der Clan ihn akzeptiert habe. Als 

Erwachsener müsse er – aufgrund seiner Erbansprüche – um sein Leben fürchten, 

weswegen er Somalia verlassen habe und auch nicht dorthin zurückkehren könne. 

Der Beschuldigte habe die versuchte schwere Körperverletzung auf gezielte 

Provokation hin begangen, im Bewusstsein seiner körperlichen Unterlegenheit, in 

einer situativen Ausweglosigkeit (versperrter Zutritt zu seinem Zimmer in der 

Unterkunft) und in einem Zustand deutlich verminderter Zurechnungsfähigkeit. Das 

Delikt sei somit unter besonderen Umständen geschehen, welche der Beschuldigte 

in Zukunft zu vermeiden wissen werde, nicht zuletzt aufgrund der bisher erlittenen 

Haftzeit. Damit vermöge die vom Beschuldigten begangene Straftat kein das 

private Interesse des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz überwiegendes 

öffentliches Interesse an seiner Wegweisung aus der Schweiz zu begründen 

(Urk. 125 S. 10 Rz. 36-39). 

-   38   -

2.2. Der Beschuldigte selbst äusserte sich anlässlich der heutigen Berufungsver-

handlung dahingehend, die Schwierigkeiten und Herausforderungen, weswegen er 

Somalia verlassen habe, seien immer noch aktuell. Er könne nicht dort sein und 

wolle die Schweiz nicht verlassen. Für ihn sei die Haft jedoch nicht mehr erträglich. 

Daher solle man ihn nach Somalia zurückbringen. Vielleicht müsse er dann in ein 

anderes afrikanisches Land gehen (Urk. 123 S. 9). 

3.1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat bereits das Sachgericht im 

Rahmen des Entscheids über die Anordnung einer Landesverweisung eine 

Vollzugsprognose zu treffen. Wenn keine oder bloss eine höchst unwahrschein-

liche, rein theoretische Möglichkeit besteht, die Wegweisung zu vollziehen, ist von 

der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen (BGer. 6B_1024/2019 vom 

29. Januar 2020 E. 1.3.4. f.). 

3.2. Der Wegweisungsvollzug nach Somalia ist gemäss Bericht des Staatssekre-

tariats für Migration vom 24. Januar 2023 weder unmöglich noch unzulässig 

(Urk. 68 mit Verweisen).

4.1. Weiter ist zu überprüfen, ob weitere im Heimatland liegende Gründe einer 

Landesverweisung im Weg stehen. Diesbezüglich ist eine Einzelfallprüfung vorzu-

nehmen. Dabei genügt nicht nur die Beurteilung der generellen Lage im Heimat-

land. Vielmehr ist zu überprüfen, ob individuell konkret gefährdende Umstände 

vorliegen. Diese sind vom Beschuldigten namhaft zu machen oder zu substantiie-

ren (BGer. 6B_841/2019 vom 15. Oktober 2019 E. 2.3 betr. Irak). Der Beschuldigte 

macht nicht geltend, ein Flüchtling zu sein, welcher aus politischen Gründen in die 

Schweiz gereist ist. Grund soll vielmehr eine Familienfehde sein, wobei der 

Beschuldigte selbst nicht konkret behauptet hat, dass aktuell im Falle seiner Rück-

kehr für ihn eine Gefahr bestünde, geschweige denn hat er eine solche plausibili-

siert. Er behauptete lediglich lapidar, die Schwierigkeiten und Herausforderungen, 

weswegen er Somalia verlassen habe, seien immer noch aktuell (Urk. 123 S. 9). 

Ohnehin ist diese Begründung sehr unglaubhaft. Wie bereits im Asylverfahren fest-

gestellt, vermochte der Beschuldigte zum Clan, welchen ihn angeblich mit dem Tod 

bedrohte, ebenso wenig Angaben liefern wie zu den Umständen des Todes seines 

Vaters. In einen unauflösbaren Widerspruch verstrickt sich der Beschuldigte 

-   39   -

schliesslich, als er einerseits geltend macht, dass seine Mutter sich den Clanregeln 

widersetzt und Schande über die Familie gebracht haben soll aber trotzdem 

während über zehn Jahren unbehelligt mit ihrer Familie bei der Grossmutter habe 

leben können, deren Clan angeblich den Beschuldigten und dessen Familie mit 

dem Tod bedrohen soll (Migrationsakten S. 72). Wieso er ab dem Jahr 2017 nicht 

mehr sein bisheriges Leben in Somalia hätte weiter leben können, konnte der 

Beschuldigte nicht dartun. Die amtliche Verteidigung machte hierzu zwar geltend, 

dies liege am Erbanspruch des Beschuldigten als Erwachsener. Das vermag 

jedoch nicht zu überzeugen, bestand doch wohl zumindest die Anwartschaft auf 

diesen Erbanspruch auch schon in seiner Kindheit. Wohl machte er im Rahmen 

seines Asylverfahrens geltend, zwischen Juli 2014 und Juli 2015 im Gefängnis 

gewesen zu sein, weil ihn seine Onkel mütterlicherseits in das Gefängnis gesteckt 

hätten (Migrationsakten S. 5). Auch diese Angabe ist jedoch sehr unglaubhaft, 

konnte er doch keine detaillierten Schilderungen zu seinem Gefängnisaufenthalt 

machen. Dass er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis zu seiner Abreise 

am 4. Mai 2016 unbehelligt in Somalia leben konnte, widerlegt seine Behauptung, 

wonach er in seiner Heimat gefährdet sei (Migrationsakten S. 5 ff.). Sodann könnte 

der Beschuldigte ohne Weiteres in einem anderen afrikanischen Land leben, was 

er anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung gar selbst darlegte (Urk. 123 

S. 9). 

4.2. Es spricht somit nichts dafür, dass der Beschuldigte in die Schweiz reiste, weil 

er um sein Leben fürchtete. Vielmehr spricht einiges dafür, dass er – wie die über-

wiegende Mehrheit seiner Landsleute – im Rahmen der somalisch/äthiopischen 

Jugendmigration «Tahriib» in die Schweiz gereist ist. Zu diesem Phänomen haben 

das Staatssekretariat für Migration SEM und das Bundesamt für Fremdenwesen 

und Asyl der Republik Österreich einen sehr umfangreichen und detaillierten 

Bericht namens "Focus Somalia / Äthiopien Jugendmigration «Tahriib»" verfasst 

(abrufbar unter: https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/international-rueckkehr/ 

herkunftslaender.html; nachfolgend Focusbericht). Die Beschreibung der Um-

stände seiner Flucht, deren Vorbereitung und konkreter Ablauf entsprechen 

jedenfalls genau dem im Bericht beschriebenen typischen Ablauf, insbesondere die 

vorerst unentgeltliche Ausreise mit Schleppern nach Libyen, die dortige Festnahme 

-   40   -

und anschliessende Erpressung der Verwandtschaft für die weitere Reise nach 

Europa (Urk. 73 S. 10 f.; Focusbericht S. 5). Es kann letztlich jedoch offen bleiben, 

weshalb der Beschuldigte genau in die Schweiz reiste. Auszuschliessen ist jedoch 

die Flucht, weil er an Leib und Leben bedroht war. 

4.3. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass beim Beschuldig-

ten keine Gründe vorliegen, welche einer Rückreise in seine Heimat entgegenste-

hen. Beim Beschuldigten bewirkt die Landesverweisung auch in anderer Hinsicht 

keinen schweren persönlichen Härtefall. Er ist mehr durch Zufall im Jahr 2017 in 

der Schweiz gelandet. Sein Asylgesuch wurde abgelehnt. Er verfügt hierzulande 

über keinerlei Bindungen, welche über seinen blossen Aufenthalt hinausgehen. Er 

hat hierorts keine Familie und keine Freunde. Einzig mit seiner Familie in seiner 

Heimat unterhält er regelmässige Kontakte. Der Beschuldigte ist nicht erwerbstätig, 

sondern von Leistungen der öffentlichen Hand abhängig und lebt ein einsames 

Leben am Rande der Gesellschaft. Dass ihn mit der Schweiz nichts – ausser der 

Umstand, dass hier für sein Überleben gesorgt wird – verbindet, zeigt sich auch 

daran, dass er im Jahre 2019 nach Deutschland weiterziehen wollte, dort aber ver-

haftet und wieder in die Schweiz zurückgeführt wurde. Damit ist er weder sozial 

noch beruflich in irgendeiner Form in der Schweiz integriert. Von einer Verwurze-

lung hierzulande kann nicht im Ansatz die Rede sein. 

5. Da vorliegend ein schwerer persönlicher Härtefall verneint wird, erübrigt sich 

die Vornahme einer Interessenabwägung zwischen dem privaten Interesse des 

Straftäters am Verbleib in der Schweiz und dem öffentlichen Interesse der Schweiz 

an seiner Ausweisung (BGer. 6B_34/2019 vom 5. September 2019 E. 2.4.3). Es 

sei jedoch angemerkt, dass das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung 

vorliegend deutlich überwiegen würde. Der Beschuldigte ist in der Schweiz weder 

sozial noch wirtschaftlich integriert, so hat er insbesondere keine Familie hier oder 

es je geschafft, beruflich Fuss zu fassen. Er wird sodann vorliegend wegen einer 

qualifizierten einfachen Körperverletzung, versuchter schwerer Körperverletzung 

sowie Teilnahme an einer Gruppenvergewaltigung verurteilt und deswegen mit 

7 Jahren und 8 Monaten Freiheitsstrafe bestraft. Damit offenbarte er eine hohe 

Gefährdung der Bevölkerung. Das öffentliche Interesse solch massive Delinquenz 

-   41   -

künftig zu verhindern ist gross. Das persönliche Interesse des Beschuldigten am 

Verbleib in der Schweiz ist hingegen verhältnismässig gering.

6. Die von der Vorinstanz festgelegte Dauer der Landesverweisung von zwölf 

Jahren erweist sich angesichts dessen, dass der Beschuldigte mehrere (erheb-

liche) Katalogtaten beging, wobei ihm insbesondere für die Gruppenvergewaltigung 

ein schweres Verschulden zur Last zu legen ist, und in Anbetracht des geringen 

privaten Interesses am Verbleib in der Schweiz, jedenfalls nicht als zu hoch.

7. Da der Beschuldigte einem Drittstaat angehört ist die Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem auszuschreiben. Zur näheren Begründung kann 

auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 92 S. 66 f.). 

VI. Zivilansprüche

1. Die Vorinstanz hat die Schadenersatzbegehren auf den Weg des ordentlichen 

Zivilprozesses verwiesen und den Beschuldigten zur Zahlung einer Genugtuung 

von Fr. 35'000.– an die Privatklägerin verpflichtet (Urk. 92 S. 67 ff.). 

2. Der Beschuldigte beantragt gestützt auf seinen Antrag auf Freispruch die 

Abweisung der Ansprüche (Urk. 94 S. 3). Er stellt keinen Antrag bzw. macht keine 

Ausführungen für den Fall eines Schuldspruches (Urk. 94 i.V.m. Urk. 125 ). Die 

Privatklägerin hat keine Berufung gegen den erstinstanzlichen Entscheid eingelegt 

und verlangt die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheides bzw. die Abweisung 

der Berufung (Urk. 99 S. 3 i.V.m. Urk. 126 S. 2). 

3.1. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen unter denen Schadenersatz bzw. 

eine Genugtuung zugesprochen werden kann zutreffend dargelegt (Urk. 92 

S. 67 f.). Darauf kann verwiesen werden.

3.2. Generell gilt es darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich der Zivilforderungen der 

Untersuchungsgrundsatz (vgl. Art. 6 Abs. 1 StPO) im Bereich der adhäsionsweisen 

Beurteilung von Zivilforderungen nicht zur Anwendung gelangt (BGE 127 IV 215 

E. 2d); massgebend ist die zivilprozessuale Verhandlungsmaxime. Es bleibt 

deshalb der Klägerschaft überlassen, ihre Zivilansprüche ausreichend zu substan-

-   42   -

tiieren und zu belegen. Sie hat dem Gericht die Tatsachen, auf die sich ihr Begeh-

ren stützt, darzulegen und die Beweismittel anzugeben (vgl. Art. 55 Abs. 1 ZPO; 

Art. 313 Abs. 1 StPO; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, S. 190). 

Dies gilt mutatis mutandis auch für die ins Recht gefasste beschuldigte Partei im 

Adhäsionsprozess. Sie hat darzulegen, welche Tatsachenbehauptungen der 

klagenden Partei im Einzelnen anerkannt oder bestritten werden. Damit ist grund-

sätzlich ein substantiiertes Bestreiten verlangt. Die generelle Bestreitung detaillier-

ter Behauptungen genügt der Substantiierungslast nicht. Die in der Praxis zuweilen 

gebrauchte Wendung, wonach alles als bestritten gelte, was nicht ausdrücklich 

anerkannt sei, erweist sich unter dem Blickwinkel der Substantiierung als wirkungs-

los. Das Gleiche gilt für den Einwand der mangelnden Substantiiertheit der Klage. 

Dies gilt erst recht, wenn sich der Beschuldigte – wie vorliegend – zur Forderung 

inhaltlich überhaupt nicht äussert.

3.3. An die Substantiierung der Bestreitung dürfen dennoch nicht die gleichen 

Anforderungen gestellt werden wie an die Substantiierung der Behauptung. Es 

muss genügen, wenn die Bestreitung ihrem Zweck entsprechend konkretisiert wird, 

um die behauptende Partei zu der ihr obliegenden Substantiierung und Beweis-

führung zu veranlassen. Die Bestreitungslast darf nicht zu einer Umkehr der 

Behauptungs- und Beweislast führen. Massgebend für den Umfang der Substanti-

ierung der Bestreitungen ist die Einlässlichkeit der Sachdarstellung der behaup-

tungsbelasteten Partei sowie die Möglichkeit und Zumutbarkeit einer substantiier-

ten Bestreitung. Schlichtes Bestreiten oder Bestreiten mit Nichtwissen genügt 

lediglich dann, wenn die bestreitende Partei den behaupteten Ereignissen so fern 

steht, dass ihr eine Substantiierung nicht zugemutet werden kann (DOLGE, 

Substantiieren und Beweisen in: PraxiZ - Schriften des Praxisinstituts für Zivil-

prozess und Zwangsvollstreckung, 2013, S. 24).

4. Im Lichte dieser Grundsätze bleibt festzustellen, dass die Privatklägerin ihre 

Forderung, den Beschuldigten dem Grundsatze nach zu verpflichten, für den im 

Zusammenhang mit der Tat entstandenen Schaden zu bezahlen, genügend 

substantiiert hat (Urk. 75 S. 2 i.V.m. S. 8 f. und Urk. 76/2). Der Beschuldigte hat 

hierzu keine Stellung genommen und damit die Ausführungen der Privatklägerin 

-   43   -

nicht substantiiert bestritten. Demnach ist festzustellen, dass der Beschuldigte 

gegenüber der Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach 

schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schaden-

ersatzanspruchs ist die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses zu verwei-

sen. 

5.1. Auch ihre Genugtuungsforderung hat die Beschuldigte substantiiert begrün-

det und dargelegt, in welcher Form die Tat bei ihr zu immaterieller Unbill geführt 

hat (Urk. 75 S. 2 i.V.m. S. 9 ff. und Urk. 76/2). Der Beschuldigte hat zu den einzel-

nen geltend gemachten Gründen keine Stellung genommen, obwohl ihm dies ohne 

weiteres möglich gewesen wäre. Die oben aufgeführte Ferne zu den angeklagten 

Ereignissen fehlt vorliegend. Es wäre ihm möglich gewesen, die vorgebrachten, 

genugtuungsbegründenden Tatsachen einzeln und substantiiert zu bestreiten. 

Indem er dies nicht getan hat bleiben, die Ausführungen der Privatklägerin unbe-

stritten und dementsprechend ist auf sie abzustützen. Der widerrechtliche Angriff 

des Beschuldigten auf die Privatklägerin führte bei dieser unbestrittenermassen zu 

schwerer immaterieller Unbill. Damit sind die Voraussetzungen zur Ausrichtung 

einer Genugtuung erfüllt. 

5.2. Haben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, sei es als Anstifter, 

Urheber oder Gehilfen, so haften sie dem Geschädigten sodann solidarisch (Art. 50 

Abs. 1 OR), was auch auf die Genugtuung Anwendung findet (OFK OR-FISCHER/ 

BÖHME/GÄHWILER, Art 50 N. 3 mit Verweis). Der Beschuldigte ist damit zu verpflich-

ten, in solidarischer Haftung mit den Mittätern, der Privatklägerin eine Genugtuung 

von Fr. 35'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 24. April 2019 zu bezahlen. 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Ausgangsgemäss sind die vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungs-

folgen zu bestätigen (Urk. 92 S. 79). Demnach sind die Kosten der Untersuchung 

und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Vertei-

digung und der unentgeltlichen Rechtsvertretungen der Privatkläger, dem Beschul-

digten aufzuerlegen. Bei den in diesem Zusammenhang einstweilen auf die 

-   44   -

Gerichtskasse genommenen Kosten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 

Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO vorbehalten. 

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzu-

setzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG). Die Kostenauflage erfolgt 

im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der 

Beschuldigte vollumfänglich unterliegt sind ihm die zweitinstanzlichen Kosten 

vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Rechtsvertretungen der Privatklägerin sowie des Privatklägers C._____ 

sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt die spätere Rückforde-

rung (Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO).

3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____, 

reichte anlässlich der Berufungsverhandlung seine Honorarnote mit der Auflistung 

seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 122). Das 

geltend gemachte Honorar im Umfang von Fr. 8'898.45 steht im Einklang mit den 

Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich als angemessen, wo-

bei darin die Verhandlungsdauer noch nicht enthalten ist. Die amtliche Verteidigung 

ist deshalb unter Berücksichtigung ebendieser mit insgesamt Fr. 10'000.– (inkl. 

Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. 

4. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung der Privatklägerin, Rechtsanwalt 

MLaw Y._____, reichte anlässlich der Berufungsverhandlung seine Honorarnote 

mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren für 

das Jahr 2024 ein (Urk. 121), wobei er die genaue Auflistung seiner im Jahr 2023 

angefallenen Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren bereits vorab 

einreichte (Urk. 120). Das insgesamt geltend gemachte Honorar im Umfang von 

Fr. 2'507.80 (inkl. Barauslagen und MwSt.) steht im Einklang mit den Ansätzen der 

Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich als angemessen, weshalb Rechts-

anwalt MLaw Y._____ mit Fr. 2'507.80 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Ge-

richtskasse zu entschädigen ist. 

5. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung des Privatklägers C._____, Rechts-

anwalt MLaw Z._____, reichte vorgängig zur Berufungsverhandlung seine Hono-

-   45   -

rarnote mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfah-

ren ein (Urk. 119). Das insgesamt geltend gemachte Honorar im Umfang von 

Fr. 1'192.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) steht im Einklang mit den Ansätzen der 

Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich als angemessen, weshalb Rechts-

anwalt MLaw Z._____ mit Fr. 1'192.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Ge-

richtskasse zu entschädigen ist.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich – 2. Abteilung 

– vom 15. März 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig

 […];

 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 

StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie

 der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB.

2. […]

3. […]

4. […]

5. a) […]

b) […]

6. a) Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, 

dem Privatkläger 2 (C._____) eine Umtriebsentschädigung von 

CHF 100.– zu bezahlen. 

-   46   -

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 eine redu-

zierte Genugtuung von CHF 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 11. August 

2021 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren des 

Privatklägers 2 abgewiesen.

7. Die bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter der 

Geschäfts-Nr. 75250247 lagernden Mobiltelefone der Marke WIKO 

(Asservat-Nr. A015'982'555 und Asservat-Nr. A015'982'566) werden 

dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes 

Verlangen herausgegeben und andernfalls der Lagerbehörde nach 

Eintritt der Rechtskraft zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

8. Die folgenden, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, unter 

der Geschäfts-Nr. 75250247 lagernden Gegenstände werden eingezo-

gen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils 

zur Vernichtung überlassen:

– Herrenunterwäsche (Asservat-Nr. A012'558'917)
– Glasflasche "Absolut Vodka" (Asservat-Nr. A012'559'965)
– Joint 1 (Asservat-Nr. A012'573'432)
– Joint 2 (Asservat-Nr. A012'573'465)
– Damenhose (Asservat-Nr. A012'573'409)
– Damenstrümpfe / -socken (Asservat-Nr. A012'573'421)
– Münze (Asservat-Nr. A012'573'487)

9. Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-

Nr. 75250247 / K190424-007 lagernden Spuren und Spurenträger 

werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Urteils zur Vernichtung überlassen:

– DNA-Spur ab Joint 1 (Asservat-Nr. A012'776'840)
– DNA-Spur ab Joint 2 (Asservat-Nr. A012777'092)
– DNA-Spur ab Flaschendeckel (Asservat-Nr. A012'777'490)
– DNA-Spur ab Trinköffnung (Asservat-Nr. A012'777'503)
– DNA-Spur ab Flaschenkörper (Asservat-Nr. A012'777'547)

-   47   -

– DNA-Spur ab spermaverdächtigem Fleck an der Wand 
(Asservat-Nr. A012'573'374)

– DNA-Spur ab spermaverdächtigem Fleck am Boden 
(Asservat-Nr. A012'573'385)

– DNA-Spur ab Unterhosen (Asservat-Nr. A012'577'014)
– Tatort-Fotografie (Asservat-Nr. A012'573'363)
– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'283)
– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'294)
– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'307)
– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'318)
– Vergleichs-WSA (Asservat-Nr. A012'573'330)
– DNA-Spur Wattetupfer (Asservat-Nr. A012'573'476)

10. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Geschäfts-Nr. 81622302 

lagernde Herrenarmbanduhr (Asservat-Nr. A015'631'024) wird dem 

Privatkläger 2 (C._____) nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf 

erstes Verlangen herausgegeben und andernfalls der Lagerbehörde 

nach Eintritt der Rechtskraft zur gutscheinenden Verwendung über-

lassen.

11. a) Die folgenden, beim Forensischen Institut Zürich unter der 

Geschäfts-Nr. 81622302