# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75ed4feb-99dc-5c46-b2b3-21877723dbb2
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** LZ230038-O8
**Docket/Reference:** LZ230038-O8
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/LZ230038-O8.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Zivilkammer  

Geschäfts-Nr.: LZ230038-O/U

damit vereinigt Geschäfts-Nr. RZ230011-O

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. A. Huizinga, Vorsitzender, 

Oberrichter lic. iur. K. Vogel und Oberrichterin lic. iur. N. Jeker 

sowie Gerichtsschreiberin MLaw D. Müller

Urteil vom 20. Februar 2025

in Sachen

A._____,
Beklagter, Berufungskläger, Beschwerdegegner und 
Anschlussberufungsbeklagter

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,

gegen

B._____,
Kläger, Berufungsbeklagter, Beschwerdeführer und Anschlussberufungskläger

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Y1._____

betreffend Unterhalt

Berufung gegen ein Urteil sowie Beschwerde gegen ein Urteil und eine

Verfügung des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht 

Andelfingen vom 26. Januar 2023 (FP140004-B)

- 2 -

Rechtsbegehren:

des Klägers (modifiziert; Urk. 202 S. 2):

"1.

[…]

 2. Der Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger 2 rückwirkend monatliche Unter-
haltsbeiträge, zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher Kinderzula-
gen, von 

 Fr. 1'250.25,

total Fr. 18'754.–, ab 1. Juli 2014 bis 30. September 2015

 Fr.

797.–

ab 1. Oktober 2015 bis 31. Dezember 2015

 Fr.

735.–

ab 1. Januar 2016 bis 31. August 2016

 Fr.

695.–

ab 1. September 2016 bis 31. Oktober 2016

 Fr.

370.–

ab 1. November 2016 bis 31. Dezember 2016

zu zahlen.

 3. Alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolge  (zzgl.  MwSt.)  zu  Lasten 

des Beklagten."

des Beklagten (modifiziert; Urk. 37 S. 1):

"1.

[…]

2. Die Klage  des Klägers 2 sei ins  vereinfachte Verfahren zu überweisen und 

dort nicht auf die Klage einzutreten

Eventualiter:
Auf die Klage des Klägers 2 sei nicht einzutreten, alles unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zu Lasten des Klägers 2

Subeventuell:
Es sei die Klage des Klägers 2 abzuweisen, alles unter Kosten- und Entschä-
digungsfolgen zu Lasten des Klägers 2"

Urteil und Verfügung des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am
Bezirksgericht Andelfingen vom 26. Januar 2023:
(Urk. 285 S. 45 ff.)

Es wird verfügt:

1.

Dem Kläger 2 wird die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und in der Per-

son von Rechtsanwalt Dr. iur. Y2._____, … [Adresse], [recte: ein unentgeltli-

cher Rechtsbeistand] bestellt.

- 3 -

2.

Schriftliche  Mitteilung  dieser  Verfügung  an  die  Parteien  mit  nachfolgendem 

Urteil.

Es wird weiter verfügt:

1.

Die Klage des Klägers 2 für den Zeitraum vom Januar 2017 bis und mit Juli 

2018 wird im Betrag von Fr. 13'943.00, zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder 

vertraglicher  Kinderzulagen,  in  Folge  Gegenstandslosigkeit  erledigt  abge-

schrieben.

2.

Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen dieser Verfügung wird mit dem 

nachstehenden Urteil entschieden.

3.

Schriftliche  Mitteilung  dieser  Verfügung  an  die  Parteien  mit  nachfolgendem 

Urteil.

4.

Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zu-

stellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Obergericht 

des  Kantons  Zürich,  Zivilkammer,  Postfach,  8021 Zürich,  erklärt  werden.  In 

der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige 

Urkunden sind im Doppel mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.

Es wird erkannt:

1.

Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin 1 den Betrag von Fr. 28'615.60 zu 

bezahlen. Im Übrigen wird die Klage der Klägerin 1 abgewiesen.

2.

Der Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger 2 den Betrag von Fr. 19'185.00 zu 

bezahlen. Im Übrigen wird die Klage des Klägers 2 abgewiesen.

3.

Die  Entscheidgebühr  für  die  Klagen  der  Klägerin  1  und  des  Klägers  2  wird 

insgesamt festgesetzt auf:

CHF

CHF

12'000.00 die weiteren Gerichtskosten betragen 

280.00 Zeugenentschädigung

- 4 -

4.

Von der Entscheidgebühr von insgesamt Fr. 12'000.00 entfallen Fr. 4'440.00 

auf die Klage der Klägerin 1 und Fr. 7'560.00 auf die Klage des Klägers 2. Von 

der Zeugenentschädigung von insgesamt Fr. 280.00 entfallen Fr. 103.60 auf 

die Klage der Klägerin 1 und Fr. 176.40 auf die Klage des Klägers 2. 

5.

Die Kosten der Klage der Klägerin 1 von insgesamt Fr. 4'543.60 werden im 

Betrag von Fr. 590.65 (inklusive Barauslagen von Fr. 13.45) der Klägerin 1 

auferlegt und im Betrag von Fr. 3'952.95 (inklusive Barauslagen von Fr. 90.15) 

dem Beklagten auferlegt. Die Kostenanteile werden direkt von der Klägerin 1 

respektive vom Beklagten bezogen.

6.

Die Kosten der Klage des Klägers 2 von insgesamt Fr. 7'736.40 werden im 

Betrag von Fr. 5'028.65 (inklusive Barauslagen von Fr. 114.65) dem Kläger 2 

auferlegt und im Betrag von Fr. 2'707.75 (inklusive Barauslagen von Fr. 61.75) 

dem Beklagten auferlegt. Der Kostenanteil des Beklagten wird direkt vom Be-

klagten bezogen. Der Kostenanteil des Klägers 2 wird zufolge der gewährten 

unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Staatskasse genommen. 

Art. 123 ZPO bleibt für die Gerichtskosten und die Kosten der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung vorbehalten.

7.

Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin 1 eine reduzierte Prozesskosten-

entschädigung von Fr. 5'900.00 (zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezah-

len.

8.

Der Kläger 2 wird verpflichtet, dem Beklagten eine reduzierte Prozesskosten-

entschädigung von Fr. 3'360.00 (zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer) zu bezah-

len. 

9.

(Schriftliche Mitteilung)

10.

(Rechtsmittelbelehrung)

- 5 -

Berufungs- bzw. Anschlussberufungsanträge:

des  Beklagten,  Berufungsklägers  und  Anschlussberufungsbeklagten  (modifiziert; 
Urk. 310 S. 2 f.):

"1. Es seien die Anträge des Berufungsbeklagten 2 abzuweisen.

 2. Es sei der Entscheid des Bezirksgerichts Andelfingen vom 26. Januar 2023, 
Dispositivziffer 2, 1. Satz aufzuheben und es sei festzustellen, dass keine Un-
terhaltsbeiträge an den Berufungsbeklagten 2 geschuldet, eventualiter ange-
messen herabzusetzen sind.

 3. Subeventualiter seien die Dispositivziffern 2 (jeweils 1. Satz) aufzuheben und 
die Angelegenheit sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

 4. Es seien die Kostenfolgen des angefochtenen Entscheides neu zu beurteilen 
und entsprechend dem Berufungsbeklagten 2 aufzuerlegen und es sei dem 
Berufungskläger eine Parteientschädigung zzgl. der gesetzlichen Mwst. zuzu-
sprechen.

 5. Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  (zzgl.  der  gesetzlichen  Mwst.)  zu 

Lasten des Berufungsbeklagten 2."

des  Klägers,  Berufungsbeklagten  2  und  Anschlussberufungsklägers  (Urk. 298 
S. 2 f.):

"1. Die Berufungsanträge Ziff. 2 bis 5 des Berufungsklägers seien abzuweisen.

 2. Es sei die weitere Verfügung des Bezirksgerichts Andelfingen vom 26. Januar 

2023 aufzuheben.

 3.

In Abänderung von Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Andelfin-
gen vom 26. Januar 2023 sei der Berufungskläger zu verpflichten, dem Beru-
fungsbeklagten 2 den Betrag von CHF 21'504.75 zu bezahlen.

 4. Dispositiv-Ziffern  3,  4,  6  und  8  des  Urteils  des  Bezirksgerichts  Andelfingen 

vom 26. Januar 2023 seien insoweit aufzuheben, als









die  Entscheidgebühr  für  die  Klage  der  Klägerin  1  bzw.  Berufungsbe-
klagte 1 und des Klägers 2 bzw. Berufungsbeklagter 2 auf CHF 12'093.32 
festzusetzen sei (Ziff. 3),
auf  den  Kläger  2  bzw.  Berufungsbeklagten  2  von  der  Entscheidgebühr 
CHF 5'683.86  und  von  der  Zeugenentschädigung  von  CHF  280.00 
CHF 131.60 entfallen (Ziff. 4);
die Kosten der Klage des Klägers 2 bzw. Berufungsbeklagen 2 von ins-
gesamt CHF 5'815.46 im Betrag von CHF 1'118.60 (inkl. Barauslagen von 
CHF 114.65) dem Kläger 2 bzw. Berufungsbeklagten 2 und im Betrag von 
CHF  4'696.86  (inkl.  Barauslagen  von  CHF  61.75)  dem  Beklagten  bzw. 
Berufungskläger aufzuerlegen seien (Ziff. 6) und
festzustellen sei, dass der Kläger 2 bzw. Berufungsbeklagte 2 dem Be-
klagten bzw. Berufungskläger keine reduzierte Prozesskostenentschädi-
gung zu bezahlen hat, sowie als der Beklagte bzw. Berufungskläger zu 
verpflichten sei, dem Kläger 2 bzw. Berufungsbeklagen 2 eine reduzierte 

- 6 -

Parteientschädigung von CHF 3'497.75 (zzgl. 7.7% MwSt.) zu bezahlen 
(Ziff. 8). 

 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beru-

fungsklägers."

Beschwerdeanträge:

des Klägers und Beschwerdeführers (Urk. 305/284 S. 2):

"1. Die  Verfügung  des  Einzelrichters  des  Bezirksgerichts  Andelfingen  vom 

26. Januar 2023 sei aufzuheben.

 2. Dispositiv-Ziffer  3,  4,  6  und  8  des  Urteils  des  Einzelrichters  des  Bezirksge-
richts Andelfingen vom 26. Januar 2023 seien insoweit aufzuheben, als 









die Entscheidgebühr für die Klage der Klägerin 1 und des Klägers 2 auf 
Fr. 12'093.32 festzusetzen sei (Ziff. 3),
von der Entscheidgebühr von Fr. 12'093.32 auf den Kläger 2 Fr. 5'683.86 
und  von  der  Zeugenentschädigung  von  Fr.  280.–  auf  den  Kläger  2 
Fr. 131.60 entfallen (Ziff. 4),
die Kosten der Klage des Kläger 2 von insgesamt Fr. 5'815.46 im Betrag 
von Fr. 1'502.91 (inkl. Barauslagen von Fr. 114.65) dem Kläger 2 und im 
Betrag von Fr. 4'312.55 (inkl. Barauslagen von Fr. 61.75) dem Beklagten 
aufzuerlegen seien (Ziff. 6) und
festzustellen sei, dass der Kläger 2 dem Beklagten keine reduzierte Pro-
zesskostenentschädigung zu bezahlen hat, sowie als der Beklagte zu ver-
pflichten  sei,  dem  Kläger  2  eine  reduzierte  Parteientschädigung  von 
Fr. 2'325.94 (zzgl. 7.7% MwSt.) zu bezahlen (Ziff. 8).

 3. Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolge  (zzgl.  MwSt)  zu  Lasten  des  Be-

schwerdegegners."

des Beklagten und Beschwerdegegners (Urk. 305/298 S. 2):

"1. Die Anträge des Beschwerdeführers seien abzuweisen.

 2. Eventualiter sei das Verfahren bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens 
vor dem Obergericht des Kantons Zürich, Geschäfts-Nr. LZ230038, zu sistie-
ren.

3.

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  (zzgl.  der  gesetzlichen  Mwst)  zu 
Lasten des Beschwerdeführers."

- 7 -

Erwägungen:

I. Sachverhalt und Prozessgeschichte

1.

Der Kläger, Berufungsbeklagte 2, Anschlussberufungskläger und Beschwer-

deführer (fortan Kläger; vor Vorinstanz Kläger 2) ist der volljährige Sohn des Be-

klagten,  Berufungsklägers,  Anschlussberufungsbeklagten  und  Beschwerdegeg-

ners (fortan Beklagter). Mit Eingabe vom 2. April 2014 reichte der Kläger bei der 

Vorinstanz eine Unterhaltsklage betreffend Volljährigenunterhalt ein (Urk. 2). Der 

Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens kann dem angefochtenen Entscheid ent-

nommen  werden  (Urk. 285  S.  5  ff.).  Mit  Datum  vom  26.  Januar  2023  erliess  die 

Vorinstanz  das  eingangs  wiedergegebene  Urteil  und  die  Verfügung  (Urk.  276 

S. 5 ff.  [unbegründet]  =  Urk. 282  S.  45  ff.  [begründet]  =  Urk.  285  S.  45  ff.  = 

Urk. 305/285 S. 45 ff.).

2. Gegen das vorinstanzliche Urteil erhob der Beklagte mit Eingabe vom 14.Sep-

tember 2023 innert Frist (vgl. Art. 314 aZPO sowie Urk. 277/2) Berufung mit den 

eingangs zitierten Anträgen (Urk. 284). Der mit Verfügung vom 18. September 2023 

erhobene Kostenvorschuss ging innert Frist ein (Urk. 290-291). Mit Eingabe vom 

18. Oktober 2023 zeigte der bisherige Rechtsvertreter des Klägers, Rechtsanwalt 

Y2._____, an, dass er den Kläger nicht weiter vertrete (Urk. 293). Mit Eingabe vom 

4. November 2023 folgte die Mandatsanzeige von Rechtsanwältin Y1._____, die 

die Vertretung des Klägers übernommen hatte (Urk. 294). Da der Beklagte in seiner 

Berufung neben seiner Unterhaltsverpflichtung gegenüber dem Kläger auch seine 

Rückzahlungspflicht gegenüber der Gemeinde C._____ angefochten hatte, wurde 

zunächst  ein  gemeinsames  Berufungsverfahren  angelegt.  Mit  Verfügung  vom 

14. Dezember 2023 wurde den Klägern Frist angesetzt, um zur Berufung des Be-

klagten Stellung zu nehmen (Urk. 296). Mit Eingaben vom 21. Dezember 2023 und 

vom 22. Januar 2024 gingen die Berufungsantworten inkl. Anschlussberufung des 

Klägers innert Frist ein (Urk. 297 und Urk. 298). Der Einfachheit halber wurde das 

Verfahren mit Beschluss vom 13. August 2024 getrennt (Urk. 307). 

- 8 -

Ferner erhob der Kläger gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 26. Januar 2023 

mit Eingabe vom 14. September 2023 innert Frist (vgl. Art. 321 Abs. 1 ZPO sowie 

Urk. 277/1)  Beschwerde  (Urk.  305/284).  Für  die  Beschwerde  des  Klägers  wurde 

ein separates Verfahren angelegt (RZ230011-O). Da sich sowohl im Berufungs- als 

auch  im  Beschwerdeverfahren  der  Kläger  und  der  Beklagte  gegenüberstehen, 

wurde  das  Beschwerdeverfahren  (RZ230011-O)  mit  Beschluss  vom  13.  August 

2024 mit dem vorliegenden Berufungsverfahren vereinigt (Urk. 306). 

3.

Nachdem  sich  die  Parteien  mit  der  Durchführung  einer  Vergleichsverhand-

lung einverstanden erklärt hatten (Urk. 299/1-4), wurde mit Schreiben vom 22. April 

2024 zum Verhandlungstermin vom 19. Juli 2024 vorgeladen (Urk. 300). Mit Verfü-

gung vom 2. Juli 2024 wurde dem Beklagten die Berufungsantwort inkl. Anschluss-

berufung  (Urk.  303)  und  dem  Kläger  die  Beschwerdeantwort  (Urk.  305/298)  zur 

Vorbereitung  der  Verhandlung  zugestellt.  Anlässlich  der  Vergleichsverhandlung 

vom 19. Juli 2024 konnte keine Einigung erzielt werden (Prot. II S. 8). Mit Verfügung 

vom 10. September 2024 wurde dem Beklagten Frist angesetzt, um zur Anschluss-

berufung Stellung zu nehmen (Urk. 308). Mit Eingabe vom 14. Oktober 2024 reichte 

der Beklagte seine Anschlussberufungsantwort innert Frist ein, welche dem Kläger 

am 1. November 2024 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 310). Der Kläger 

reichte  daraufhin  mit  Eingabe  vom  11.  November  2024  eine  Stellungnahme  ein 

(Urk. 312), welche dem Beklagten am 26. November 2024 zur Kenntnisnahme zu-

gestellt wurde (Urk. 313). Weitere Eingaben erfolgten nicht.

4.

Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1-283). Das Verfahren 

erweist sich als spruchreif. 

II. Prozessuales

1. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und/oder eine un-

richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die 

Berufungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der Streit-

sache, mithin über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen. In 

der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau auf-

zuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten 

- 9 -

als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet. Dazu 

hat sich der Berufungskläger inhaltlich mit den vorinstanzlichen Erwägungen aus-

einanderzusetzen und mittels genügend präziser Verweisungen auf die Akten auf-

zuzeigen, woraus sich der geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll. Pau-

schale Verweisungen auf frühere Rechtsschriften oder Vorbringen genügen hierfür 

nicht (vgl. BGE 141 III 569 E. 2.3.3 = Pra 105/2016 Nr. 99; BGE 138 III 374 E. 4.3.1 

= Pra 102/2013 Nr. 4; BGer 5A_164/2019 vom 20. Mai 2020 E. 5.2.3). Diese Be-

gründungsanforderungen gelten sinngemäss auch für den Inhalt der Berufungsant-

wort  (BGer  4A_496/2016  vom  8. Dezember  2016  E. 2.2.2  m.w.H.;  BGer 

5A_660/2014 vom 17. Juni 2015 E. 4.2 m.w.H.). 

Mit der Beschwerde können die unrichtige Rechtsanwendung und/oder die offen-

sichtlich  unrichtige  Feststellung  des  Sachverhalts  geltend  gemacht  werden 

(Art. 320 ZPO). Sie ist ebenfalls begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1 ZPO). Es 

muss im Einzelnen dargelegt werden, was genau am angefochtenen Entscheid un-

richtig sein soll (BGer 5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013, E. 3; BGer 5D_65/2014 

vom 9. September 2014, E. 5.4.1; je mit Hinweis auf BGE 138 III 374 E. 4.3.1). 

Was  nicht  oder  nicht  in  einer  den  gesetzlichen  Begründungsanforderungen  ent-

sprechenden Weise beanstandet wird,  braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht 

überprüft zu werden; diese hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – 

grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der 

schriftlichen Begründung formgerecht gegen den erstinstanzlichen Entscheid erho-

ben werden (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4 m.H.; BGer 5A_164/2019 vom 20. Mai 

2020 E. 5.2.3). Inhaltlich ist die Rechtsmittelinstanz dabei weder an die Argumente, 

welche  die  Parteien  zur  Begründung  ihrer  Beanstandungen  vorbringen,  noch  an 

die Erwägungen der ersten Instanz gebunden; sie wendet das Recht von Amtes 

wegen an (Art. 57 ZPO). Sodann kann sie das Rechtsmittel auch mit einer anderen 

Argumentation gutheissen oder dieses auch mit einer von der Argumentation der 

ersten  Instanz  abweichenden  Begründung  abweisen  (sogenannte  Motivsubstitu-

tion). Die vorgebrachten Beanstandungen geben zwar das Prüfprogramm vor, bin-

den die Rechtsmittelinstanz aber nicht an die Argumente, mit denen diese begrün-

det werden (BGE 147 III 176 E. 4.2.1; BGer 4A_397/2016 vom 30. November 2016 

- 10 -

E. 3.1; KUKO ZPO-Oberhammer/Weber, Art. 57 N 2). In diesem Rahmen ist inso-

weit auf die Parteivorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung erfor-

derlich ist (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1).

2.

Im  Berufungsverfahren  sind  neue  Vorbringen  grundsätzlich  nur  noch  unter 

den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Art. 296 ZPO statuiert für 

Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten den Untersuchungs- und Of-

fizialgrundsatz, weshalb das Gericht in diesem Bereich den Sachverhalt von Amtes 

wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet. In Verfahren, 

welche der umfassenden Untersuchungsmaxime unterstehen, können die Parteien 

auch im Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweismittel unbeschränkt, bis 

zur  Urteilsberatung  vorbringen  (Art.  317  Abs.  1bis  ZPO;  vgl.  auch  Art.  407f  ZPO 

sowie zum bisherigen Recht BGE 144 III 349 E. 4.2.1 und BGer 5A_800/2019 vom 

9. Februar 2021 E. 2.2). Dies trägt auch der Beklagte in seiner Berufungsschrift so 

vor und ergänzt, entgegen der Ansicht der Vorinstanz müsse die Untersuchungs-

maxime auch für die Frage des Volljährigenunterhalts gelten. Eine klare bundesge-

richtliche Rechtsprechung zur Anwendbarkeit von Art. 296 Abs. 1 ZPO auf den Un-

terhaltsprozess volljähriger Kinder existiere weder zum alten noch zum aktuellen 

Recht.  Die  Lehrmeinungen  würden  diesbezüglich  auseinandergehen.  Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung finde die Untersuchungsmaxime Anwendung 

und sei grosszügig zu handhaben, sie gelte auch zugunsten des Unterhaltspflichti-

gen. Im Hinblick auf den neusten Revisionsentwurf der ZPO solle für sämtliche Ver-

fahren in Kinderbelangen, auch betreffend volljährige Kinder, die Offizial- und Un-

tersuchungsmaxime gelten, ebenso wie das vereinfachte Verfahren. Damit sei es 

folgerichtig,  wenn  die  Offizial-  und  Untersuchungsmaxime  auch  im  vorliegenden 

Verfahren für den Volljährigenunterhalt angewendet werde (Urk. 284 S. 3 ff. sowie 

Urk. 310 S. 5). 

Der Kläger hält in seiner Berufungsantwort dagegen, dass für selbständige Klagen 

auf Volljährigenunterhalt grundsätzlich die Dispositionsmaxime gelte. Mit Bezug auf 

die Feststellung des massgeblichen Sachverhalts komme de lege lata maximal der 

eingeschränkte  Untersuchungsgrundsatz  zur  Anwendung.  Das  Verfahren  unter-

stehe nicht der uneingeschränkten Untersuchungs- sowie der Offizialmaxime, wes-

- 11 -

halb  neue  Behauptungen  und  Beweismittel  vor  Berufungsinstanz  nur  gemäss 

Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig seien (Urk. 298 S. 6 f.).

Der  Kläger  wurde  am  tt.  Mai  2014  und  somit  während  laufendem  Verfahren  vor 

Vorinstanz volljährig. Seine Unterhaltsforderung betrifft ausschliesslich den Volljäh-

rigenunterhalt ab Juli 2014. Während für die Phase der Minderjährigkeit die Unter-

suchungs- und Offizialmaxime gilt (Art. 296 ZPO), war es für die Phase der Volljäh-

rigkeit umstritten und höchstrichterlich ungeklärt, welche Prozessmaximen zur An-

wendung gelangen. Auch die kantonalen Praxen waren uneinheitlich (Kanton Zü-

rich: Verfahrensart nach Streitwert, sofern über Fr. 30'000.–: Verhandlungsgrund-

satz  und  Dispositionsmaxime  [OGer  ZH  PC180006  vom  13. März  2018  E. 4.4]; 

Kanton  St.  Gallen:  streitwertunabhängig  vereinfachtes  Verfahren:  Offizialmaxime 

und Untersuchungsgrundsatz [KGer SG II. Zivilkammer FO.2015.4 vom 29. April 

2016 E. 1 ff.]; Kanton Bern: streitwertunabhängig vereinfachtes Verfahren, Offizial-

maxime und Untersuchungsgrundsatz [OGer BE ZK 17 340 vom 30. Oktober 2018 

E.  II.6.3-6.6]).  Die  Revision  der  Zivilprozessordnung  schaffte  diesbezüglich  Klar-

heit, und seit dem 1. Januar 2025 kommen auch für Verfahren, die volljährige Kin-

der betreffen, die Untersuchungs- und Offizialmaxime zur Anwendung (BBl 2020 S. 

2697,  2717  sowie  S.  2768).  Angesichts  dessen  und  da  der  Kläger  erst  während 

dem  laufenden  vorinstanzlichen  Verfahren  volljährig  wurde,  dadurch  jedoch  auf-

grund des hochstrittigen Verfahrens nicht minder schutzwürdig war, erscheint es 

gerechtfertigt, die Offizial- und Untersuchungsmaxime auch in Bezug auf den Voll-

jährigenunterhalt anzuwenden. 

3. Weiter ist prüfen, welches Recht zufolge der in Revision des Unterhaltsrechts 

zur Anwendung gelangt. Die Parteien untermauern ihre Ausführungen in der Beru-

fung  sowie  Anschlussberufung  zur  Unterhaltsberechnung  mit  dem  Leitentscheid 

des  Bundesgerichts  BGE  147  III  265  sowie  weiterer  aktueller  Rechtsprechung 

(Urk. 284 S. 17 sowie Art. 298 S. 12 ff.). Konkrete Ausführungen zum anwendbaren 

Recht seitens des Beklagten fehlen, der Kläger führte in seiner Stellungnahme vom 

11. November 2024 aus, er halte daran fest, dass der Volljährigenunterhalt gestützt 

auf Art. 13cbis Abs. 1 SchlT ZGB nach neuem Recht zu beurteilen sei (Urk. 312). 

- 12 -

Vorliegend geht es um Volljährigenunterhaltsbeiträge für die Jahre 2014 bis 2016. 

Gemäss Art. 13cbis der Schlusstitel des Zivilgesetzbuches und der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung kommt zwar seit dem 1. Januar 2017 das neue Unterhalts-

recht zur Anwendung, jedoch lediglich für Unterhaltsbeiträge, die nach dem 1. Ja-

nuar 2017 geschuldet sind. Das neue Unterhaltsrecht hat keine Rückwirkung. Für 

die bis zum 31. Dezember 2016 geschuldeten Unterhaltsbeiträge ist weiterhin das 

alte Recht anwendbar (BGer 5A_708/2017 vom 13. März 2018 E. 4.1.2). Entspre-

chend ist vorliegend das alte Unterhaltsrecht anwendbar. 

III. Materielles

A.

Ausgangslage

Die Vorinstanz verpflichtete den Beklagten, dem Kläger Volljährigenunterhaltsbei-

träge für die Jahre 2014 und 2015 von insgesamt Fr. 19'185.– zu bezahlen. Strittig 

ist vorliegend, ob dem Beklagten die Leistung von Volljährigenunterhaltsbeiträgen 

persönlich zumutbar ist sowie die Höhe der allenfalls zu bezahlenden Beiträge.

B.

Kriterium der Zumutbarkeit

1.

In Bezug auf den Volljährigenunterhalt erwog die Vorinstanz, die Unterhalts-

pflicht der Eltern gegenüber ihrem Kind dauere gemäss Art. 277 Abs. 1 ZGB grund-

sätzlich bis zur Volljährigkeit des Kindes. Habe das volljährige Kind noch keine an-

gemessene Ausbildung, so hätten die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten 

Umständen zugemutet werden dürfe, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine 

entsprechende  Ausbildung  ordentlicherweise  abgeschlossen  werden  könne.  Die 

schuldhafte  Verletzung  von  familiären  Pflichten  könne  die  Zahlung  von  Volljähri-

genunterhalt  in  persönlicher  Hinsicht  unzumutbar  machen,  namentlich  wenn  das 

Kind die Beziehung ohne Grund aus eigenem Willen bewusst abbreche oder sich 

grundlos  dem  persönlichen  Verkehr  entziehe.  Zur  Bejahung  der  Unzumutbarkeit 

sei  jedoch  erforderlich,  dass  das  Kind  allein  für  das  erheblich  gestörte  oder  gar 

zerstörte  Eltern-Kind-Verhältnis  verantwortlich  sei  und  ihm  die  Kontaktverweige-

rung  zudem  subjektiv  vorgeworfen  werden  könne.  Bei  blosser  Mitverantwortung 

- 13 -

bleibe die Leistung von Volljährigenunterhalt zumutbar. Im vorliegenden Fall liege 

dem Gericht ein Entscheid der KESB Winterthur-Andelfingen vom 16. April 2013 

vor,  in  dem  die  elterliche  Obhut  vom  Beklagten  über  den  Kläger  nach  Art. 310 

Abs. 1 ZGB aufgehoben und über die Errichtung einer Beistandschaft nach Art. 308 

Abs. 2 ZGB entschieden worden sei. Sowohl eine Beschwerde vor dem Bezirksrat 

als auch eine Beschwerde vor dem Obergericht seien abgewiesen worden. Im Ent-

scheid  der  KESB  Winterthur-Andelfingen  sei  eine  akute  Gefährdung  des  Kinds-

wohls erkannt worden, weshalb es nicht mehr länger zumut- und verantwortbar ge-

wesen sei, den Sohn unter der Obhut seines Vaters zu belassen; der Kläger sei 

dabei  nicht  allein  für  das  zerstörte  Eltern-Kind-Verhältnis  verantwortlich  sei.  Es 

liege klar mindestens eine Mitverantwortung des Beklagten vor, weshalb die Leis-

tung von Volljährigenunterhalt zumutbar sei (vgl. Urk. 285 S. 14).

2.1 Der Beklagte rügt, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unzutreffend ermittelt 

und Bundesrecht verletzt, indem sie sich auf den Standpunkt gestellt habe, dass 

sowohl  Volljährigen-  als  auch  Minderjährigenunterhalt  geschuldet  sei  (Urk.  284 

S. 6). Die Leistung von Unterhaltsbeiträgen sei ihm persönlich unzumutbar, da der 

Kläger  seine  familiären  Pflichten  auf  das  Gröbste  in  schuldhafter  Weise  verletzt 

habe (Urk. 284 S. 13). So habe sich der Kläger anlässlich seiner Hochzeitsfeier im 

August 2010 gegenüber den Gästen in ehrverletzender Weise über ihn geäussert, 

wie er ihn hasse und er werde es ihm schon noch zeigen. Streitereien zwischen 

ihm und dem Kläger seien an der Tagesordnung gewesen und der Kläger sei am 

Wochenende  mehrfach  ohne Nachricht  bis  03.00  Uhr  weggeblieben,  obwohl  nur 

ein Ausgang bis 00.00 Uhr bewilligt worden sei. Auch sei der Kläger ohne Abmel-

dung verschwunden, sodass er ihn bei der Polizei als entlaufen habe melden müs-

sen. Der Kläger habe ihn beschimpft und beleidigt und habe ihm mitgeteilt, er werde 

ihn physisch, psychisch und finanziell ruinieren. Weiter habe der Kläger seinen Bü-

roschlüssel geklaut und den WLAN-Router gehackt, welchen er aus gesundheitli-

chen Gründen über Nacht abgeschaltet habe. Den Schlüssel vom Büro habe der 

Kläger einige Tage bei sich im Schulspind behalten, womit es dem Beklagten nicht 

möglich gewesen sei, sein Büro für Arbeiten zu betreten. Der herbeigerufenen Po-

lizei habe der Kläger das Hacking eingestanden. Einige Tage später sei der Schlüs-

sel offen herumgelegen und der Kläger habe kühn behauptet, er sei dort gelegen. 

- 14 -

Um ihm auch finanziell zu schaden, habe der Kläger im tiefen Winter die Heizung 

voll aufgedreht und die Fenster in seinem Zimmer offenstehen lassen. Anschlies-

send  habe  er  das  Zimmer  abgeschlossen  und  das  Haus  verlassen  (Urk.  284 

S. 6 f.). Darüber hinaus habe der Kläger auch physische Gewalt ausgeübt, ihn ge-

gen den Schrank geworfen, gewürgt und gedroht, er werde alle Wasserhähne auf-

drehen und dann abhauen. Ein anderes Mal habe der Kläger seine Hand gepackt 

und den Daumen nach hinten gedreht. Anschliessend habe er mit der rechten Faust 

gegen seinen linken Unterkiefer geschlagen. Seit diesem Vorfall leide er an einem 

stressbedingten Tinnitus (Urk. 284 S. 8 und 10). Sodann habe der Kläger in einer 

E-Mail vom 9. Dezember 2011 seinem Cousin seine wahre Vorgehensweise und 

Intention offengelegt. Er träume von einer Pflegefamilie und setze alles daran, dass 

sein Plan gelingen möge. Aus der E-Mail gehe weiter hervor, dass er den Vater für 

sein  früheres  Verhalten  gegenüber  der  Mutter  bestrafen  und  schädigen  wolle 

(Urk. 284 S. 8 f.). Der Beklagte und seine Ehefrau hätten in Angst gelebt und be-

fürchtet, dass sich die Aggressionen auch gegen den kleinen Halbbruder richten 

könnten (S. 284 S. 11 und 14). Der Kläger habe mit seinem Verhalten systematisch 

einen Konflikt geschürt und keine Möglichkeit ausgelassen, seine familiären Pflich-

ten aufs Gröbste zu verletzen (Urk. 284 S. 13).

Er, der Beklagte, habe nichts unversucht gelassen, um die Auseinandersetzungen 

zu entschärfen, was auch aus dem Mailverkehr zwischen ihm und seiner Ehefrau 

an  diverse  Amtsstellen/Kriseninterventionsstellen  deutlich  hervorgehe.  Entgegen 

der Ansicht der Vorinstanz habe er alles unternommen, um dem Kläger eine liebe-

volle und angemessene Pflege und Erziehung zu gewähren. So habe er sich an die 

Jugendberatung D._____ gewandt, um Lösungen zu finden, und es sei die psycho-

logische  Beratungsstelle  des  Gymnasiums  E._____  besucht  worden.  Anschlies-

send habe man sich an das KJPD Winterthur, mithin Herrn F._____, gewandt. Der 

Kläger habe jedoch dessen Hilfe nicht wirklich akzeptiert. Es seien Abmachungen 

getroffen  worden,  die  von  ihm  (dem  Beklagten)  eingehalten  worden  seien,  nicht 

aber vom Kläger. Frau G._____ vom Haus D._____ habe das ungebührliche und 

aufbrausende Verhalten durchschaut und dem Kläger nochmals ins Gewissen ge-

redet. Aufgrund des Vorschlags von Frau G._____ hätten er, seine Ehefrau sowie 

der Kläger eine Familientherapie bei Frau H._____, Stiftung I._____, besucht. Mit 

- 15 -

der Übernahme des Dossiers durch Frau J._____ sei es dem Kläger gelungen, das 

Blatt in seinem Sinne zu wenden und sein Ziel zu erreichen, dass er noch vor der 

Volljährigkeit habe ausziehen können. Hierzu habe er weiterhin seine Lügen ver-

breitet, die von Frau J._____ ungefiltert und ungeprüft übernommen worden seien. 

Sie  habe  schliesslich  am  15.  Februar  2013  eine  Gefährdungsmeldung  bei  der 

KESB eingereicht. Der Beklagte habe sich gegenüber der KESB am 26. Februar 

2013  gegen  einen  Entzug  der  Obhut  ausgesprochen,  weil  er  geglaubt  habe,  er 

könne die pubertätsbedingten Probleme mit dem Kläger mit Hilfe von Gesprächen 

lösen. Mit Beschluss vom 13. April 2013 [recte: 16. April 2013] habe ihm die KESB 

die elterliche Obhut entzogen und den Kläger im K._____ im Jugendwohnheim in 

L._____ untergebracht. In der Begründung habe die KESB ausschliesslich auf die 

Aussage des Klägers abgestellt, welcher wahrheitswidrig behauptet habe, der Be-

klagte  habe  ihn  ins  Gesicht  geschlagen.  Die  KESB  habe  sich  darauf  verlassen, 

dass die Situation sorgfältig abgeklärt worden sei, hingegen sei Frau J._____ davon 

ausgegangen, die KESB werde die Angelegenheit entsprechend überprüfen. Somit 

sei der Kläger mit seinen geschickten Manipulationen durchgedrungen (Urk. 284 S. 

7 ff.).

Vor diesem Hintergrund erkläre sich, dass er, der Beklagte, schlichtweg keine Kraft 

mehr gehabt habe, sich gegen den Beschluss der KESB vom 16. April 2013 zur 

Wehr zu setzen. Sodann habe er schmerzlich erkennen müssen, dass seine Be-

mühungen um den Sohn allesamt ins Leere gelaufen seien. Der Kläger sei mit sei-

nen  Lügen  durchgedrungen,  und  seine  Behauptungen  seien,  wie  alles  andere, 

nicht durch die KESB geprüft worden bzw. ihm sei nicht einmal das rechtliche Ge-

hör  gewährt  worden.  Andernfalls  hätte  die  KESB  zur  Kenntnis  nehmen  müssen, 

dass die Aggressionen erneut vom Kläger ausgegangen seien. Seitdem habe kein 

persönlicher Kontakt mehr zwischen ihm und dem Kläger stattgefunden. Der Kläger 

zeige keinerlei Interesse an einem weiteren Kontakt (Urk. 284 S. 11 f.). Auch nach 

Eintritt der Volljährigkeit habe sich der Kläger jeglichen Kontakts entzogen. In die-

sem Alter hätte er den Beklagten auch über seine beruflichen Pläne zumindest in 

groben Zügen informieren müssen. Ausbildungs- bzw. berufliche Lebensplanung 

sei von den Eltern und dem Kind gemeinsam zu entwickeln. Hierbei habe die Pla-

- 16 -

nung fortlaufend, gewissermassen rollend zu erfolgen. Das Kind treffe eine Zusam-

menwirkungs- und Einigungspflicht (Urk. 284 S. 14).

Aus  dem  Gesagten  ergebe  sich,  dass  sich  der  Kläger  heute  lediglich  darauf  be-

schränke, die verlangten Unterhaltszahlungen einzufordern. Diese Haltung sei an-

gesichts seines rüden Verhaltens geradezu rechtmissbräuchlich. Sodann habe die 

KESB den Sachverhalt nicht sorgfältig abgeklärt, sondern die Behauptungen vom 

Kläger  ungefiltert  übernommen.  Er  sei  zu  den  einzelnen  Vorwürfen  nur  teilweise 

befragt worden. Insbesondere habe es die KESB unterlassen, dem wahrheitswid-

rigen Vorwurf des Klägers nachzugehen, wonach er ihn am 7. April 2013 geschla-

gen haben solle. Wäre hier – so der Beklagte weiter – eine genaue Untersuchung 

erfolgt, so hätte die KESB leicht feststellen können, dass es sich genau umgekehrt 

verhalten habe: Der Sohn sei auf den Vater losgegangen, nicht umgekehrt. Würde 

man ihm Unterhaltsbeiträge auferlegen, so würde er zum reinen Zahlvater herab-

gewürdigt, was gegen den Willen des Gesetzgebers sei. Die Bezahlung von Unter-

haltsbeiträgen sei unter den gegebenen Umständen als unzumutbar im Sinne von 

Art. 277 Abs. 2 ZGB zu bewerten (Urk. 284 S. 15 f.).

2.2 Der Kläger macht geltend, die Vorinstanz habe zutreffend festgehalten, dass 

der Beklagte auch nach seiner Volljährigkeit bis Ende des Jahres 2016 ihm gegen-

über unterhaltspflichtig gewesen sei bzw. immer noch sei. Dagegen versuche sich 

der Beklagte noch immer zur Wehr zu setzen, obwohl alle seine diesbezüglichen 

Bemühungen bereits vor Vorinstanz erfolglos geblieben seien. Das erstinstanzliche 

Verfahren habe rund neun Jahre gedauert. Hauptgrund für diese ausserordentlich 

lange Verfahrensdauer sei das aussergewöhnliche bzw. geradezu renitente Pro-

zessverhalten des Beklagten gewesen, welcher während des gesamten Prozesses 

nicht  nur  diverse  prozessuale  Anträge  gestellt  und  unaufgeforderte  Stellungnah-

men eingereicht habe, sondern auch mehrere Rechtsmittel gegen erstinstanzliche 

Verfügungen erhoben und den Prozess damit ungebührlich lange hinausgezogen 

habe (Urk. 298 S. 5). 

Mit Verweis auf den rechtskräftigen Entscheid der KESB vom 16. April 2013 sowie 

den zugrunde liegenden Berichten des Zentrums D._____ und der I._____ habe 

die Vorinstanz in begründeter Weise und zutreffend festgehalten, dass die zerstörte 

- 17 -

Vater-Sohn-Beziehung  nicht  auf  den  Kläger  alleine  zurückzuführen  sei.  Es  liege 

klar eine Mitverantwortung des Beklagten vor, weshalb für ihn die Leistung von Un-

terhaltszahlungen nach Volljährigkeit des Klägers zumutbar bleibe. Der Beklagte 

gebe in seiner Berufung die Zusammenhänge nicht korrekt wieder. Beim angebli-

chen "Entlaufen" am 8. April 2013 handle es sich um den Tag nach dem tätlichen 

Übergriff  durch  den  Beklagten,  als  der  Kläger  Schutz  bei  einem  Freund  gesucht 

habe, was ihm kaum zum Vorwurf gemacht werden könne. Die vom Beklagten als 

"Massnahmen" dargestellten Therapien seien auf freiwilliger Basis erfolgt. Der Be-

klagte habe jedoch die weitere Teilnahme verweigert, sei seit Ende 2011 nicht mehr 

zu gemeinsamen Gesprächen bereit gewesen und habe gar Versuche unternom-

men,  den  Zugang  des  Klägers  zur  Therapie  beim  KJPD  und  bei  der  I._____  zu 

unterbinden, indem er es dem minderjährigen Kläger verboten und sich später ge-

weigert habe, den Selbstbehalt für die I._____ zu bezahlen. Der Beklagte habe sich 

auch nicht an die Abmachungen gehalten. Sodann sei es der Beklagte gewesen, 

der das gesamte Geschehen verharmlost und selbst die Anordnung von Kindes-

schutzmassnahmen verweigert habe. Weiter sei falsch, dass Frau G._____ ein un-

gebührliches und aufbrausendes Verhalten des Klägers durchschaut und ihm den 

Kopf gewaschen habe. Frau G._____ sei Praktikantin beim Zentrum D._____ ge-

wesen und habe das Dossier von Beginn an gemeinsam mit ihrer Vorgesetzten, 

Frau J._____, geführt. Es habe somit keine Übernahme des Dossiers durch Frau 

J._____ gegeben. Weiter sei die vom Beklagten eingereichte E-Mail des Klägers 

an  seinen  Cousin  aus  dem  Gesamtzusammenhang  gerissen.  Aus  der  Gesamt-

nachricht gehe zweifellos hervor, dass der dazumal 15½-jährige Kläger angesichts 

des  angespannten  Familiensystems  und  der  akuten  Gefährdung  zu  Hause  beim 

Beklagten  sich  vor  einem  weiteren  Verbleib  im  selben  Haushalt  gefürchtet,  sich 

deshalb eine andere Familie herbeigewünscht und sich von den Behörden indes-

sen im Stich gelassen gefühlt habe. Aus einer solchen einzelnen, im Übrigen nicht 

für ihn bestimmten Nachricht ableiten zu wollen, der Kläger habe seine familiären 

Pflichten  schwerwiegend  verletzt  und  der  Beklagte  sei  deshalb  nicht  mehr  leis-

tungspflichtig, gehe völlig an der Sache vorbei und sei befremdlich, zeige aber ein-

zig, dass der Beklagte die Ängste und Sorgen des Klägers nie ausreichend ernst 

- 18 -

genommen habe, womit ihn mit der Vorinstanz eine Mitverantwortung für das ge-

störte Vater-Sohn-Verhältnis treffe (Urk. 298 S. 8 ff.).

Selbst wenn aber – so der Kläger weiter – die vom Beklagten behaupteten einzel-

nen  pubertären  Fehlverhaltensweisen  zuträfen,  was  mit  Nachdruck  bestritten 

werde, vermöchten solche die vorinstanzliche Würdigung nicht umzustossen bzw. 

den gesetzlichen Unterhaltsanspruch nicht zu verwirken. Der Beklagte bleibe damit 

dem Kläger gegenüber auch nach Erreichen dessen Volljährigkeit unterhaltspflich-

tig (Urk. 298 S. 11).

In Bezug auf die berufliche Laufbahn entgegnet der Kläger, er habe im Zeitpunkt 

der Fremdplatzierung bereits das Gymnasium besucht. Für den Beklagten sei somit 

bereits damals klar bzw. mindestens erkennbar gewesen, dass er danach studie-

ren, mithin die Unterhaltsflicht über die Volljährigkeit hinaus dauern werde. Der Aus-

bildungsplan sei dem Beklagten entgegen dessen Ausführungen somit bekannt ge-

wesen, was sich auch darin zeige, dass der Beklagte ihm mehrfach damit gedroht 

habe, ihn vom Gymnasium in die Sekundarschule herunterzustufen, um seine dem 

Beklagten  bekannten  Karriereaussichten  zunichte  zu  machen.  Damit  sei  mit  der 

Vorinstanz festzuhalten, dass dem Beklagten die Leistung von Volljährigenunter-

haltszahlungen  entgegen  dessen  pauschalen  Beanstandungen  zumutbar  sei 

(Urk. 298 S. 11).

2.3 Der Beklagte verweist in seiner Stellungnahme erneut auf ein Fehlverhalten 

des Klägers, wonach dieser die Regeln nicht respektiert resp. ihn tätlich angegriffen 

habe, und dass die E-Mail an seinen Cousin in aller Deutlichkeit die despektierliche 

Haltung und Verachtung des Klägers gegenüber dem Beklagten dokumentiere und 

belege, dass ihn der Kläger mit aller Macht habe fertig machen wollen, um sein Ziel, 

in eine Pflegefamilie zu kommen, durchzusetzen (Urk. 310 S. 6 ff.). Ebenso wieder-

holte er seine Vorbringen, Frau J._____ habe ausschliesslich auf die Aussagen des 

Klägers abgestellt und diese ungeprüft und ungefiltert übernommen, und die KESB 

Winterthur-Andelfingen  habe  wiederum  nur  den  Inhalt  des  Schreibens  von  Frau 

J._____ in ihren Beschluss übernommen. Sämtliche Einwände des Beklagten ge-

genüber der KESB seien unberücksichtigt geblieben, und die KESB habe sich nicht 

die Mühe gemacht, den Beklagten vor dem Entscheid erneut zu befragen, was es 

- 19 -

mit  dem  vom  Beklagten  behaupteten  Vorfall  vom  7.  April  2013  auf  sich  gehabt 

habe. Sodann habe man dem Beklagten nicht begründen können, worin die Ge-

fährdung des Klägers für eine derart einschneidende Massnahme liege. Die per-

sönliche  Stellungnahme  des  Beklagten  vom  29.  März  2013,  worin  er  geschildert 

habe, wie er stets auf die Wünsche des Klägers eingegangen sei, habe die KESB 

nicht berücksichtigt (Urk. 310 S. 8 f. sowie S. 11 und 13).

Der Beklagte bestreitet ferner, dass er seit Ende 2011 zu keinen Beratungsgesprä-

chen bereit gewesen sei. Er habe diese wahrgenommen und habe mehrfach Hilfe 

gesucht. Auch zum Gespräch bei der KESB am 13. März 2013 sei er erschienen. 

Das im Bericht vom 11. Dezember 2012 erwähnte Beratungsgespräch mit Herrn 

M._____ habe lediglich am Telefon stattgefunden und habe nur 15 Minuten gedau-

ert.  Herr  M._____  sei  nicht  auf  die  Argumente  des  Beklagten  eingegangen  und 

habe davon auch nichts hören wollen. Es sei auch nicht zutreffend, dass der Be-

klagte aus wirtschaftlichen Erwägungen gegen eine Umplatzierung gewesen sei. 

Der  Bericht  von  Herr  M._____  gebe  lediglich  die  Aussagen  des  Klägers  wieder. 

Weiter bestreite er auch, die Grundbedürfnisse des Klägers beschnitten zu haben. 

Diese unwahren Behauptungen seien Teil des Plans des Klägers gewesen, in eine 

Pflegefamilie zu kommen (Urk. 310 S. 9 f.).

Neu bringt der Beklagte vor, Frau J._____ habe anlässlich der Anhörung zugege-

ben, dass sie – nach dem 18. Geburtstag des Klägers – ein Liebesverhältnis ein-

gegangen  seien  und  sie  auch  teilweise  zusammen  gewohnt  hätten.  Dies  zeige, 

dass Frau J._____ bei der Beurteilung der Situation eher geneigt gewesen sei, dem 

Kläger zu glauben als dem Beklagten (Urk. 310 S. 12).

In Bezug auf das Gutachten des Familiengerichts Singen führt der Beklagte aus, 

der Kläger habe sich diesem unerlaubterweise behändigt. Das Gutachten sei dem 

Berufungskläger  von  der  KESB  vorgehalten  (recte  wohl:  vorenthalten)  und  das 

rechtliche  Gehör  nicht  gewährt  worden.  Deswegen  sei  auch  die  Tatsache  unbe-

rücksichtigt geblieben, dass der deutsche Richter dem Gutachten nicht gefolgt sei, 

da er das Gutachten zutreffend als fehlerhaft beurteilt habe (Urk. 310 S. 12).

- 20 -

Der Beklagte moniert abschliessend, der Kläger habe nach Erreichen der Volljäh-

rigkeit keinen Versuch unternommen, mit dem Beklagten einen einigermassen er-

träglichen Kontakt herzustellen, sondern habe sich darauf beschränkt, seine Unter-

haltsforderung anwaltlich einzufordern. Der Kläger habe es auch unterlassen, ihn 

über seine beruflichen Absichten zu informieren. Ein Besuch des Gymnasiums im-

pliziere  nicht  automatisch  ein  Hochschulstudium.  Auf  diese  Weise  solle  der  Be-

klagte tatsächlich zum reinen Zahlvater herabgewürdigt werden, was dem Willen 

des Gesetzgebers widerspreche (Urk. 310 S. 15).

Vor diesem Hintergrund berücksichtige der angefochtene Entscheid der Vorinstanz 

nicht, dass die zerstörte Vater-Sohn-Beziehung auf den Kläger allein zurückzufüh-

ren sei, und dessen Verhalten könne keinesfalls als pubertäres Fehlverhalten ab-

getan werden. Zudem liege keine Mitverantwortung seinerseits vor. Die Vorinstanz 

habe den Sachverhalt nicht rechtsgenügend beurteilt, da sie einzig auf den unan-

gefochten  gebliebenen  Entscheid  der  KESB  vom  16.  April  2013  abgestellt  habe 

(Urk. 310 S. 13 f.). 

3.1 Die Eltern haben für den Unterhalt ihres Kindes aufzukommen, und zwar unter 

Einschluss  der  Kosten  für  die  Ausbildung  (Art.  276  Abs.  1  aZGB).  Die  elterliche 

Unterhaltspflicht  dauert  grundsätzlich  bis  zur  Mündigkeit  des  Kindes  (Art.  277 

Abs. 1 aZGB). Befindet sich dieses zu jenem Zeitpunkt noch in Ausbildung, so ha-

ben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden 

darf, für seinen Unterhalt weiterhin aufzukommen, bis die Ausbildung ordentlicher-

weise abgeschlossen werden kann (Art. 277 Abs. 2 aZGB).

Mit  dem  Kriterium  der  Zumutbarkeit  wird  der  Ausnahmecharakter  der  elterlichen 

Unterhaltspflicht über die Volljährigkeit des Kindes hinaus unterstrichen. Zu beach-

ten sind unter diesem Gesichtspunkt nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse der 

Eltern,  sondern  auch  die  persönlichen  Beziehungen  zwischen  diesen  und  ihrem 

Kind. Für ein studierendes volljähriges Kind sind den Eltern weniger weitgehende 

Einschränkungen zuzumuten als für ein minderjähriges Kind. Von der wirtschaftli-

chen Leistungsfähigkeit abgesehen erscheint die Verpflichtung der Eltern zu Unter-

haltsleistungen  dann  als  zumutbar,  wenn  das  Kind  seinen  Fähigkeiten  entspre-

chend pflichtbewusst seinen Studien nachgeht, die familienrechtlichen Pflichten ge-

- 21 -

genüber dem Unterhaltsverpflichteten befolgt und sich so verhält, dass das Eltern-

Kind-Verhältnis nicht durch eigenes Verschulden in einer für die Eltern untragbaren 

Weise  beeinträchtigt  wird.  Für  die  Unzumutbarkeit  wird  vorausgesetzt,  dass  das 

volljährige  Kind  schuldhaft  seinen  Pflichten  der  Familie  gegenüber  nicht  nach-

kommt, dass es mithin ohne Grund aus eigenem Willen die persönlichen Beziehun-

gen zu den Eltern abbricht oder sich grundlos dem persönlichen Verkehr mit ihnen 

entzieht. Das Kind muss die Verantwortung dafür tragen, dass das Eltern-Kind-Ver-

hältnis erheblich gestört oder gar zerstört ist, und diese Verantwortung muss ihm 

subjektiv zum Vorwurf gereichen. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass ge-

mäss Art. 272 aZGB auch die Eltern gegenüber dem Kind alle Rücksicht und Ach-

tung schulden, die das Wohl der Familiengemeinschaft erfordert. Keine Unzumut-

barkeit kann angenommen werden, wo sich der pflichtige Elternteil gegenüber sei-

nem Kind dermassen schuldig gemacht hat, dass der Abbruch jeglicher Beziehung 

geradezu  als  natürliche Folge  erscheint  und  das Gegenteil  nicht  nachvollziehbar 

wäre. Würde man einem Elternteil auch in einem solchen Fall wegen der vollstän-

digen  Kontaktverweigerung  des  Kindes  Unzumutbarkeit  zur  Leistung  von  Unter-

haltsbeiträgen  zubilligen,  könnte  er  sich  dank  seines  grossen  Verschuldens  am 

Zerwürfnis auch noch aus seiner Unterhaltspflicht befreien, was in hohem Masse 

stossend  wäre.  Es  gilt  für  das  Gericht  nach  dem  Gesagten,  einen  Ausgleich  zu 

finden zwischen der erstrebenswerten Entwicklung des Kindes zu einer selbständi-

gen Persönlichkeit einerseits und dem legitimen Anspruch der unterhaltspflichtigen 

Eltern darauf, dass das Kind ihre Weltanschauung und Lebensauffassung respek-

tiere, andererseits. Weder darf das Kind, das auf Unterhaltsleistungen angewiesen 

ist,  übermässigem  Zwang  der  Eltern  ausgesetzt  sein,  noch  sollen  sich  diese  zu 

einer blossen Zahlelternschaft verurteilt sehen (BGE 111 II 413 E. 2, BGE 129 III 

375 E. 4.2, BGE 120 II 177 E. 3c, BGE 113 II 374 E. 2, BGer 5A_ 563/2008 vom 

4. Dezember  2008  E. 5.1).  Schwerwiegende  Störungen  in  persönlicher  Hinsicht 

sind auf Seiten des Unterhaltsberechtigten nur dann zu berücksichtigen, wenn die 

Pflichten gegenüber der Familie im Sinne von Art. 272 aZGB schuldhaft grob ver-

letzt werden (BGer 5C.94/2006 vom 14. Dezember 2006 E. 3). Nicht entschieden 

hat das Bundesgericht die Frage, ob ein Fehlverhalten des Kindes, welches für ein 

völliges  Entfallen  des  Anspruchs  nicht  ausreicht,  unter  Umständen  die  Zuspre-

- 22 -

chung eines reduzierten Unterhaltsbeitrages rechtfertigt. Es hielt jedoch fest, dass 

zweifelhaft erscheine, ob ein fehlerhaftes Verhalten des Kindes dazu führen könne, 

dass ein Unterhaltsanspruch zwar nicht verneint, dem Kind jedoch nur ein herab-

gesetzter Unterhaltsbeitrag zugesprochen werde (BGE 111 II 413 E. 5a).

3.2 Der Beklagte erachtet eine Unterhaltszahlung für ihn persönlich als unzumut-

bar. 

Zwar  führt  er  aus,  dass  der  Kläger  seine  Familienpflichten  aufs  Gröbste  verletzt 

hätte, indem er ihn wiederholt physisch und psychisch angegriffen habe, die Akten 

zeigen jedoch ein anderes Bild. Die familiären Probleme zwischen dem Beklagten 

und dem Kläger führten dazu, dass mehrere Fachstellen um Hilfe ersucht wurden. 

In der Folge wandte sich der Psychologe des Klägers, Herr M._____ von der Stif-

tung I._____, an Frau J._____ vom Zentrum D._____. Er hielt in seiner Stellung-

nahme fest, dass seit Oktober 2011 ein Kontakt zwischen der Stiftung I._____ und 

dem Kläger bestehe, damit der Kläger eine psychosoziale Begleitung in der schwie-

rigen  familiären  Situation  erhalte.  Zuerst  sei  seine  Kollegin,  Frau  H._____,  dafür 

verantwortlich gewesen. Sie habe Einzelgespräche mit dem Kläger, aber auch ein 

gemeinsames  Gespräch  mit  dem  Beklagten  geführt.  Eine  Lösung  zwischen  den 

Parteien habe nicht erarbeitet werden können. Im Oktober 2012 habe er dann die 

Beratung des Klägers übernommen, wobei sich gezeigt habe, dass der Kläger in 

den Gesprächen seine Gedanken und Gefühle sehr differenziert habe ausdrücken 

können.  Er  (Herr  M._____)  habe  ihn  als  einen  zuverlässigen,  zuvorkommenden 

und verantwortungsbewussten Jugendlichen erlebt. Der Kläger habe ihm von finan-

ziellen,  sozialen  und  emotionalen  Beeinträchtigungen  erzählt,  die  er  seitens  des 

Beklagten aber auch dessen Ehefrau erlebe. Am 11. Dezember 2012 habe bei ihm 

ein Gespräch mit dem Beklagten und dem Kläger stattgefunden. Er habe versucht, 

die  Lage  des  Klägers  zu  beschreiben,  eine  gemeinsame  Lösung  vorzuschlagen 

und eine externe Unterbringung zu prüfen. Dazu bewogen hätten ihn die grossen 

Spannungen, die sich anscheinend nicht lösen lassen würden und die individuelle 

Entwicklung des Klägers, die in der Situation gehemmt gewesen sei. Der Beklagte 

habe sich (nach einer Bedenkfrist) gegen eine externe Lösung ausgesprochen und 

insbesondere finanzielle Gründe genannt. Gemäss Herr M._____ bestand wenig 

- 23 -

Empathie  und  Verständnis  des  Beklagten  gegenüber  dem  Kläger.  Der  Beklagte 

wolle  die  grosse  seelische  Not  des  Klägers  nicht  wahrhaben.  Er,  Herr  M._____, 

empfehle, die Anliegen des Klägers ernst zu nehmen, und er unterstütze eine ex-

terne Lösung, zum Beispiel eine betreute Wohngemeinschaft oder eine Pflegefa-

milie (Urk. 5/6). In der Folge sah sich Frau J._____ vom Zentrum D._____, welche 

den Kläger ebenfalls beraten hatte, veranlasst, am 15. Februar 2013 bei der KESB 

Winterthur-Andelfingen  die  Errichtung  einer  Erziehungsbeistandschaft  gemäss 

Art. 308 Abs. 1 aZGB in Verbindung mit einem Entzug der elterlichen Obhut ge-

mäss Art. 310 aZGB zu beantragen. Als Begründung führte sie aus, dass der Be-

klagte, seine Ehefrau und der Kläger die Jugend- und Familienberatung im Oktober 

2011 erstmals aufgesucht hätten, da es grobe Differenzen zwischen dem Beklag-

ten und dem Kläger gegeben habe. Es habe mehrere mediative Gesprächssequen-

zen gegeben, die kurzfristig zu einer Verbesserung der Situation geführt hätten. Die 

Vater-Sohn-Beziehung sei jedoch so von Macht geprägt gewesen, dass eine län-

gerfristige Verbesserung nicht möglich gewesen sei. Gespräche mit dem Beklagten 

alleine hätten nicht dazu geführt, dass er sein Verhalten reflektieren und die Ent-

wicklungsaufgaben  des  Jugendlichen  in  den  Vordergrund  habe  stellen  können. 

Seine Vorstellung der Vater-Sohn-Beziehung sei beharrlich bei einseitigen Schuld-

zuweisungen an den Kläger mit dem Anspruch auf Gehorsam und Dankbarkeit ver-

blieben. Die Konsequenzen bei Nichteinhaltung dieser Forderungen hätten im De-

zember  2011  gar  die  Grundbedürfnisse  des  Klägers  beschnitten,  indem  er  kein 

Geld für Lehrmittel oder das Mittagessen in der Schulmensa erhalten habe. Ebenso 

habe der Beklagte die Bezahlung des Kung-Fu-Sportes verweigert. Sodann habe 

der  Beklagte  dem  Kläger  damit  gedroht,  ihn  vom  Gymnasium  in  die  Sekundar-

schule zurückzustufen, wovor der Kläger am meisten Angst gehabt habe. Da sich 

die Familie bereit erklärt habe, eine Familientherapie bei der I._____ zu machen, 

habe man zu diesem Zeitpunkt von einer Gefährdungsmeldung abgesehen. Dar-

aufhin sei es kurzfristig besser gelaufen, und der Kläger habe ihnen mitgeteilt, dass 

er mit seinem Vater wieder richtig gut auskomme. Im August 2012 sei der Kläger 

dann wieder mit ihr in Kontakt getreten, nachdem der Beklagte angeblich erneut 

Drohungen finanzieller Art ausgesprochen habe. In der Zwischenzeit habe sich die 

Situation aus Sicht des Klägers zunehmend verschlimmert; niemand mehr rede in 

- 24 -

normalem Ton mit ihm, und er müsse die Schimpftiraden des Beklagten vor Dritt-

personen über sich ergehen lassen. Der Kläger könne sich selbst und sein Verhal-

ten gut reflektieren, zeige auch immer Einsicht und habe in Disputen mit dem Be-

klagten oft nachgegeben. Seine psychische Stabilität sei stark angeschlagen. Eine 

Einladung des Beklagten zu ihr in die Jugend- und Familienberatung habe der Be-

klagte am 30. Oktober 2012 ausgeschlagen. Die Situation sei darauf wieder so akut 

geworden, dass die Bezahlung von Kung-Fu-Rechnungen verweigert worden sei, 

sodass diese durch einen Fonds hätten beglichen werden müssen. Auch über die 

Nahrungsfinanzierung sei peinlich genau abgerechnet worden. So habe der Kläger 

nicht  zu  Hause  zu  Mittag  essen  dürfen,  als  er  früher  Schulschluss  gehabt  habe, 

weil er zuvor Geld für die Mensa bekommen habe. Der Leidensdruck auf den Kläger 

habe eine Dimension angenommen, die seine psychische Befindlichkeit und seine 

Lernfähigkeit  schwächen  würde.  Aufgrund  des  stark  autoritären  Erziehungsstils 

verbunden mit Schuldzuweisungen, Drohungen, Ausschluss aus dem sozialen fa-

miliären Umfeld sowie Instrumentalisierung im Elternkonflikt sei eine akute Gefähr-

dung  des  Kindswohls  erkennbar.  Es  gelinge  dem  Beklagten  nicht,  seine  Erzie-

hungsaufgabe  adäquat  wahrzunehmen.  Die  Bereitschaft  des  Beklagten  zu  einer 

erneuten Beratung sei weder durch sie (Frau J._____) noch durch Herrn M._____ 

möglich  gewesen.  In  den  stattgefundenen  Beratungen  hätten  sie  den  Beklagten 

vordergründig verständnisvoll und einsichtig erlebt, aber auch ganz klar in seiner 

erzieherischen Haltung, von der er keinen Millimeter abgewichen sei. Deswegen 

würden sie auf dem Verhandlungsweg keine Möglichkeiten mehr sehen, den Kläger 

in seiner Situation zu unterstützen. Der Kläger sei für sein Alter schon sehr reif, und 

er argumentiere sachlich und differenziert. Mit einem Wechsel in die Selbständig-

keit könne es ihm ermöglicht werden, seine beruflichen und privaten Ziele zu errei-

chen (Urk. 5/7 S. 2 ff.). 

In der Folge wurden einerseits der Kläger am 26. Februar 2013 (Urk. 233/8) durch 

die Fachmitarbeiterin, Frau N._____, sowie andererseits der Beklagte und die Mut-

ter  des  Klägers  am  13.  März  2013  –  entgegen  der  Ansicht  des  Beklagten  –  vor 

Erlass des Beschlusses durch das verfahrensleitende Behördenmitglied und Vize-

präsidenten der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Winterthur-Andelfingen 

zu den Anträgen von Frau J._____ angehört (Urk. 233/14 und 233/15). Daraus geht 

- 25 -

hervor,  dass  der  Beklagte  sämtliche  Kindesschutzmassnahmen  kategorisch  ab-

lehnte und der Vizepräsident ihn darauf hinweisen musste, dass es sich um eine 

ernsthafte Angelegenheit handle und er die Verharmlosungen des Beklagten nicht 

nachvollziehen könne. Zudem würde eine Diskrepanz zwischen der Gefährdungs-

meldung des Zentrums D._____, der Aussagen der Mutter des Klägers und derje-

nigen des Beklagten bestehen (Urk. 233/15 S. 2). Die Mutter des Klägers dagegen 

hatte ausgeführt, dass sie ihrem Sohn keine Steine in den Weg legen werde, nur 

das Beste für ihn wolle und sie entsprechend mit der ausserfamiliären Platzierung 

einverstanden sei sowie mit einer Einschränkung des Sorgerechts (Urk. 233/14 S. 

2  f.).  Die  KESB  Winterthur-Andelfingen  liess  weitere  Abklärungen  folgen  und  er-

kundigte sich nochmals konkret bei Frau J._____ zur Gefährdung des Kindswohls 

(Urk. 233/20). Frau J._____ führte darauf erneut aus, dass es bei einem derart au-

toritären Erziehungsstil aus fachlicher Sicht viele Auswirkungen gebe, die das Wohl 

des Kindes gefährdeten. Die Gefährdung wirke sich hauptsächlich in psychischer 

Hinsicht aus. Kinder, denen ständig Disziplinlosigkeit vorgeworfen, Fehlverhalten 

mit Entzug von elementaren Grundbedürfnissen bestraft werde, täglich Drohungen, 

drastischen Strafen, Herabwürdigung ihrer Person und ihrer Lebensplanung sowie 

ständiger Kritik ausgesetzt seien, würden in eine Position der Schwäche und Ab-

hängigkeit geraten, die sich auf das ganze weitere Leben auswirke. Zur Urteilsfä-

higkeit und Glaubwürdigkeit des Klägers hielt sie weiter fest, dass er ein überdurch-

schnittlich intelligenter junger Mann sei, der sich klar und differenziert ausdrücken 

könne; und natürlich würden sie als Fachstelle nicht jedes Wort einfach so glauben, 

sondern  sie  würden  sich  über  einen  längeren  Zeitraum  ein  Bild  machen  und  die 

Systemkomponenten (die Familie) mit in die Beratung einbeziehen und auf weitere 

fachliche Unterstützungsmöglichkeiten verweisen, was auch beim Kläger gemacht 

worden sei. Der Kläger habe immer wieder den Wunsch geäussert, die Beziehung 

zu seinem Vater zu verbessern, und er habe in gemeinsamen Gesprächen einge-

sehen, dass er sich anders hätte verhalten können. Er habe sich auch einmal im 

Beratungssetting beim Beklagten entschuldigt. Der Beklagte sei jedoch nicht bereit 

gewesen,  die  Entschuldigung  anzunehmen.  Die  Aussagen  des  Klägers  würden 

sich mit ihrem Eindruck und demjenigen von Herrn M._____ decken. An der Glaub-

würdigkeit und Urteilsfähigkeit des Klägers könne nicht gezweifelt werden. Mildere 

- 26 -

Massnahmen  seien  bereits  früher  ins  Auge  gefasst  worden,  könnten  jedoch  nur 

initiiert werden, wenn der Beklagte einverstanden sei. Der Beklagte habe sich je-

doch geweigert (Urk. 233/20 S. 1 ff.). 

Das Argument des Beklagten, die KESB Winterthur-Andelfingen habe keinerlei Ab-

klärungen getroffen, nicht begründen können, worin die Gefährdung des Klägers 

für eine derart einschneidende Massnahme liege und die KESB sowie Frau J._____ 

und Herr M._____ hätten lediglich ungefiltert auf die Aussagen des Klägers abge-

stellt,  geht  somit  fehl.  Auch  die  Spekulation  des  Beklagten  über  eine  angebliche 

Liebesbeziehung zwischen dem Kläger und Frau J._____ vermag deren Glaubwür-

digkeit nicht zu erschüttern. Diese wird nicht nur durch den Kläger bestritten (Urk. 

312), sondern auch Frau J._____ führte anlässlich ihrer Anhörung vom 2. Juni 2022 

explizit aus, dass sie zunächst wie eine Patentante gewesen sei und sie sich als 

Sozialarbeiterin ethisch dazu verpflichtet gefühlt habe, dem Kläger zu helfen. Mit 

der Volljährigkeit des Klägers habe sich diese Bekanntschaft in eine Freundschaft 

entwickelt, welche aber nicht sehr intensiv gewesen sei (Urk. 245 S. 5). Sie bestä-

tigte – entgegen der Behauptung des Beklagten – keine Liebesbeziehung. Sodann 

attestierte  sie,  dass  das  was  sie  damals  geschrieben  habe,  richtig  sei  (Urk.  245 

S. 7). Es besteht somit kein Anlass, ihre Berichte bzw. Stellungnahmen in Zweifel 

zu ziehen.

Mit Eingabe vom 28. März 2013 nahm der Beklagte nochmals ausführlich Stellung 

und  machte  zusammengefasst  geltend,  es  sei  nicht  dargelegt  worden,  inwiefern 

eine Kindswohlgefährdung vorliegen würde. Sodann seien lediglich die Ausführun-

gen  des  Klägers  wiedergegeben  worden,  wobei  es  sich  um  Lügen  handle 

(Urk. 233/23 S. 1 ff.). Am 7. April 2013 soll es zu einem weiteren Vorfall gekommen 

sein.  Die  Behauptungen  gehen  diesbezüglich  auseinander.  Die  Parteien  werfen 

sich gegenseitig vor, der jeweils andere habe zugeschlagen. Beide erhoben dar-

aufhin  Strafanzeige 

(Urk.  212/5).  Die  Strafverfahren  wurden  eingestellt 

(Urk. 233/81 S. 3). Es bleibt somit bei blossen Behauptungen, und auch die Ehefrau 

des  Beklagten  konnte  nichts  Konkretes  zu  den  Gewaltvorwürfen  bezeugen 

(Urk. 212/6 S. 3). Entsprechend bleibt unklar, wer gegen wen zuerst Gewalt ange-

wandt  hat.  Dass  die  Erziehungsmethoden  des  Beklagten  nicht  über  alle  Zweifel 

- 27 -

erhaben waren, belegt aber auch das Gutachten, welches vom Familiengericht Sin-

gen  am  2. Februar  2009  in  Auftrag  gegeben  wurde  (Urk.  233/13).  O._____,  der 

jüngere Bruder des Klägers, beschrieb, er erlebe den Beklagten als schnell erreg-

bar, nie zufrieden, nicht geduldig und schnell wütend. Sodann würde der Beklagte 

ihn öfters schlagen (Urk. 233/13 S. 26 sowie S. 29 f.). Weiter geht aus dem Gut-

achten hervor, es sei für die Erziehungsfähigkeit des Beklagten ungünstig, dass er 

die wahre Beziehungsrealität beider Söhne in der Familie nicht vollständig erkenne 

und sich von eigenen Zielen leiten lasse. Die Söhne würden beide versuchen, diese 

Ziele nicht zu enttäuschen; dabei würden der Beklagte und die Söhne aneinander 

vorbei  leben.  Die  Weiterentwicklung  des  hochbegabten  Kindes  (der  Kläger)  er-

scheine prognostisch gefährdet. Er bedürfe dringend einer professionellen Unter-

stützung, in welcher er sich von den schweren Belastungen durch seine Eltern und 

O._____ erholen könne (Urk. 233/13 S. 57 und S. 60). Weiter wird geltend gemacht, 

die Eltern würden das Kindswohl beider Söhne seit vielen Jahren gefährden. Weil 

sie in der gemeinsamen Übernahme von elterlicher Verantwortung für die Bedürf-

nisorganisation und Entwicklung ihrer Söhne versagen bzw. keine ausreichenden 

Perspektivenwechsel auf die Belange der Kinder vollbringen würden, seien die Kin-

der emotional bedürftig und hätten sich an einen schweren Beziehungsnotstand in 

ihrer Familie gewöhnt (Urk. 233/13 S. 62 f.). Die Rüge des Beklagten, das Gutach-

ten  sei  ihm  von  der  KESB  Winterthur-Andelfingen  vorenthalten  und  damit  sein 

rechtliches  Gehör  verletzt  worden,  hätte  er  innert  der  Rechtsmittelfrist  des  Be-

schlusses vom 16. April 2013 geltend machen müssen. Dasselbe gilt für seine An-

schuldigung, der Kläger habe sich des Gutachten unerlaubterweise bemächtigt. Zu-

dem wurde nicht belegt, dass sich das Gutachten als falsch erwies bzw. inwiefern 

oder welche Teile davon nicht der Wahrheit entsprachen. Das Gutachten ist Be-

standteil der Akten und somit zu berücksichtigen. 

Bezug nehmend auf sämtliche Stellungnahmen, Berichte und Gutachten der Fach-

personen, die Aussagen der Eltern und des Klägers sowie aufgrund des Umstan-

des, dass der Beklagte seit 2012 nicht mehr bereit sei, an Beratungsgesprächen 

teilzunehmen, und auch die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft sowie die 

Fremdplatzierung des Klägers ablehne, kam die KESB Winterthur-Andelfingen mit 

Entscheid vom 16. April 2013 zum Schluss, dass es nicht länger zumut- und ver-

- 28 -

antwortbar sei, den Kläger unter der Obhut des Beklagten zu belassen; es sei zum 

Wohle des Klägers dringend dem Beklagten die Obhut über seinen Sohn zu ent-

ziehen und den Kläger bis auf Weiteres im K._____, Jugendwohnraum L._____, 

unterzubringen.  Weiter  sei  besondere  Dringlichkeit  gegeben,  da  die  realistische 

Gefahr bestehe, dass der Beklagte diesen Entscheid anfechten werde und der Klä-

ger auch nach der Eskalation vom 7. April 2013 gezwungen wäre, bis auf Weiteres 

mit dem Beklagten im gleichen Haushalt zu leben, wo er der Willkür des Beklagten 

ohne  Weiteres  ausgeliefert  wäre.  Entsprechend  sei  einer  allfälligen  Beschwerde 

gestützt  auf  Art.  450c  aZGB  die  aufschiebende  Wirkung  zu  entziehen  (Urk.  5/4 

S. 3 f.). 

Aufgrund des Gesagten kann der Kläger nicht allein für das zerstörte Vater-Sohn-

Verhältnis  verantwortlich  sein.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  dass  er  seine  familiären 

Pflichten aufs Gröbste verletzt hat. Vielmehr fällt auf, dass der Kläger von zahlrei-

chen Fachpersonen als besonders reif, zuvorkommend und einsichtig beschrieben 

wird, der Beklagte hingegen wenig reflektiert. Diesen Eindruck bestätigt auch der 

Beklagte  selbst,  indem  er  in  seiner  Stellungnahme  vom  14.  Oktober  2024  die 

Schuld  für  das  zerstörte  Vater-Sohn-Verhältnis  allein  dem  Kläger  zuschreibt  und 

sich selbst in Kenntnis der Aktenlage sogar die Mitverantwortung an der Konfliktsi-

tuation abspricht (Urk. 310 S. 13). Die Einschätzungen von diversen involvierten 

Fachpersonen decken sich jedoch mit den Aussagen des Klägers. Sicherlich hat 

sich auch der Kläger nicht immer korrekt verhalten, und es ist möglich, dass er den 

Beklagten  vereinzelt  physisch  oder  psychisch  anging  oder  ihn  beschimpfte.  Die 

wiederholt vorgebrachten Behauptungen des Beklagten, der Kläger habe im Winter 

die Fenster geöffnet und die Heizung voll aufgedreht sowie den WLAN-Router ge-

hackt,  sind  jedoch  unbelegt  und  wurden  vom  Kläger  bestritten  bzw.  brachte  der 

Kläger  vor,  er  habe  das  WLAN  für  Schulaufgaben  gebraucht  (Urk.  211  S.  15  f., 

Urk. 284 S. 7 sowie Urk. 220 S. 3). Es erscheint indes auch plausibel, dass gewisse 

problematische Verhaltensweisen eine Reaktion auf den seelischen Notstand und 

die seit Jahren anhaltende Kindswohlgefährdung waren. 

Am Gesamtbild ändern auch die Rügen des Beklagten nichts, die KESB habe den 

Sachverhalt nicht richtig abgeklärt, die Behauptungen des Klägers ungefiltert über-

- 29 -

nommen, und er habe sich nicht zu allen Vorwürfen äussern können. Der Entscheid 

der KESB Winterthur-Andelfingen vom 16. April 2013 ist rechtskräftig; der Beklagte 

hätte seine Rügen innert der Rechtsmittelfrist geltend machen müssen. Diesbezüg-

lich führt er aus, er habe keine Kraft mehr gehabt, den Entscheid der KESB Win-

terthur-Andelfingen anzufechten (Urk. 284 S. 11). Dies ist nicht glaubhaft, da der 

Beklagte im darauffolgenden Gerichtsverfahren zahlreiche Eingaben zu teilweise 

bereits wiederholt und bis vor Bundesgericht abgeurteilten Prozessfragen machte 

und diverse Verfügungen bis vor Obergericht und Bundesgericht anfocht (Urk. 9, 

Urk.  24  [Nichteintreten  OGer  ZH  RZ140008],  Urk.  25,  Urk.  32,  Urk. 33,  Urk.  37, 

Urk. 59  [gegenstandslos  abgeschrieben  OGer  ZH  RZ160002],  Urk.  79,  Urk.  92, 

Urk. 98, Urk. 104 [Abweisung Berufung OGer ZH LZ180030], Urk. 105 [Abweisung 

Berufung OGer ZH RZ180006], Urk. 108 [Nichteintreten BGer betreffend Urk. 104], 

Urk. 109 [Nichteintreten BGer betreffend Urk. 105], Urk. 211). Sodann verweigerte 

der Beklagte die Mitteilung von ihm möglichen Verhandlungsterminen, bis die eige-

nen gestellten Bedingungen erfüllt würden (Urk. 29), stellte ein Ausstandsgesuch 

gegen den erstinstanzlichen Richter und zog auch dieses erfolglos bis vor Bundes-

gericht (Urk. 50, Urk. 55 [Abweisung Ausstandsgesuch BezG Andelfingen], Urk. 70 

[Rückweisung OGer ZH RZ160004 aufgrund Verletzung rechtliches Gehör], Abwei-

sung Beschwerde OGer ZH RZ170007, Urk. 73 [Abweisung Beschwerde BGer]. 

Ausserdem macht der Beklagte in seiner Berufung einerseits geltend, der Kläger 

habe mit seinem Verhalten die familiären Pflichten aufs Gröbste und in schuldhafter 

Weise verletzt (Urk. 284 S. 13), und führt andererseits aus, er (der Beklagte) habe 

sich gegenüber der KESB Winterthur-Andelfingen gegen einen Entzug der Obhut 

ausgesprochen,  weil  er  geglaubt  habe,  er  könne  die  "pubertätsbedingten  Pro-

bleme" mit dem Kläger mit Hilfe von Gesprächen lösen (Urk. 284 S. 9). Dies er-

scheint widersprüchlich. Pubertätsbedingte Probleme reichen nicht aus, um von ei-

ner groben und schuldhaften Verletzung familiärer Pflichten auszugehen. Ebenso 

wenig ist gestützt darauf eine persönliche Unzumutbarkeit anzunehmen. 

Auch  die  E-Mail  des  Klägers  an  dessen  Cousin,  dass  er  von  einer  Pflegefamilie 

träume, lässt nichts zu Gunsten des Beklagten ableiten. Eine Pflegefamilie ist alles 

andere als ein gewöhnlicher Traum eines Jugendlichen (Urk. 225/1). Eine solche 

- 30 -

Nachricht  muss  vielmehr  als  Ausdruck  der  Verzweiflung  des  Klägers  angesehen 

werden. 

Sodann ist nachvollziehbar, dass der Kläger nach Erreichen der Volljährigkeit den 

Kontakt zum Beklagten nicht wieder aufnahm, zumal er während des bereits lau-

fenden, hochstrittigen Verfahrens volljährig wurde und dieses bis heute andauert. 

Entsprechend leuchtet auch ein, dass der Kläger den Beklagten nicht im Detail über 

seinen beruflichen Werdegang unterrichtete, da er ohnehin auf sich alleine gestellt 

war und neben dem Studium auch noch für die Finanzierung desselben sowie sei-

nes  Lebensunterhalts  besorgt  sein  musste.  Ausserdem  war  dem  Beklagten  be-

kannt, dass der Kläger nach dem Gymnasium vermutlich studieren würde, war dies 

doch bereits Thema, als der Kläger noch unter der Obhut des Beklagen stand. Aus 

der Nicht-Information durch den Kläger kann der Beklagte nichts zu seinen Gunsten 

ableiten und dieser wäre auch nicht eine Schwere beizumessen, die zur persönli-

chen Unzumutbarkeit führen würde.

Anhaltspunkte,  dass  der  Kläger  willkürlich,  nachgerade  boshaft  die  persönlichen 

Beziehungen zum Beklagten abbrach und sich grundlos dem persönlichen Verkehr 

mit ihm entzieht, sind nicht ersichtlich. Einseitige Schuldzuweisungen sind in sol-

chen Konflikten bereits allgemein problematisch. Dass im Speziellen hier der Klä-

ger die alleinige Verantwortung für das zerstörte Eltern-Kind-Verhältnis tragen soll, 

lässt sich sicher ausschliessen. Eine Unzumutbarkeit im Sinne von Art. 277 Abs. 2 

aZGB liegt wie erwähnt nicht vor, wenn sich der pflichtige Elternteil gegenüber sei-

nem Kind so verhält, dass dessen Abbruch der Beziehung geradezu als natürliche 

Folge erscheint. Von einer solchen nachvollziehbaren Distanzierung im Konflikt ist 

vorliegend  aufgrund  der  mehreren  Berichte,  Stellungnahmen  von  Fachpersonen 

und auch dem Entscheid der KESB Winterthur-Andelfingen auszugehen. 

Eine persönliche Unzumutbarkeit des Beklagten zur Unterhaltsleistung ist somit zu 

verneinen. 

C.

Berechnung der Volljährigenunterhaltsbeiträge

1.

Volljährigenunterhaltsbeiträge für Juli 2014 bis Dezember 2014

- 31 -

1.1 Die  Vorinstanz  stellte  für  das  Jahr  2014  die  familienrechtlichen  Existenzmi-

nima des Beklagten von Fr. 4'065.–, seiner Ehefrau von Fr. 2'188.– und P._____ 

von Fr. 1'108.– dem Einkommen des Beklagten von Fr. 8'166.– sowie den Kinder-

zulagen von P._____ von Fr. 200.– gegenüber und hielt fest, dass der Volljährigen-

unterhalt nicht nur hinter dem betreibungs- sondern auch hinter dem familienrecht-

lichen  Existenzminimum  der  übrigen  Familienmitgliedern  zurückzustehen  habe. 

Sodann habe der Beklagte genügend glaubhaft gemacht, dass er ab Juli 2014 die 

Kinderzulagen  für  den  Kläger  nicht  mehr  bezogen  habe  und  dass  diese  ab  dem 

Jahr 2016 vom Kläger direkt bezogen worden seien. Nachdem sämtliche familien-

rechtliche Existenzminima der übrigen Familienmitglieder gedeckt werden könnten, 

resultiere für den Kläger ein Volljährigenunterhaltsbeitrag von Juli 2014 bis Dezem-

ber 2014 in Höhe von monatlich Fr. 1'005.–. Dadurch, dass das familienrechtliche 

Existenzminimum des Klägers Fr. 2'789.– betrage und er selber ein Einkommen 

von Fr. 424.– erziele, sei der Bedarf des Klägers im Umfang von Fr. 2'365.– nicht 

gedeckt (Urk. 285 S. 30 sowie S. 35 f.).

1.2 Gemäss Art. 276 aZGB haben die Eltern für den Unterhalt des Kindes aufzu-

kommen,  inbegriffen  die  Kosten  von  Erziehung,  Ausbildung  und  Kindesschutz-

massnahmen. Die Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Volljährigkeit des Kin-

des (Art. 277 Abs. 1 aZGB). Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so 

haben die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet wer-

den darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung 

ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Art. 277 Abs. 2 aZGB). Der Unter-

haltsbeitrag soll den Bedürfnissen des Kindes sowie der Lebensstellung und Leis-

tungsfähigkeit der Eltern entsprechen (Art. 285 Abs. 1 aZGB). Für die Bemessung 

des  Unterhaltsbeitrages  können  die  damals  anwendbaren  Richtlinien  für  die  Be-

rechnung  des  betreibungsrechtlichen  Existenzminimums  des  Obergerichts  des 

Kantons  Zürich  (fortan  Richtlinien)  als  Ausgangspunkt  für  die  Grundbedarf-  und 

Überschussberechnung dienen. In Bezug auf volljährige Kinder hat das Bundesge-

richt im Jahr 1992 den Grundsatz aufgestellt, dass von einem Elternteil nur verlangt 

werden  kann,  für  den  Unterhalt  von  volljährigen  Kinder  aufzukommen,  wenn  der 

Unterhaltspflichtige nach Zahlung dieses Beitrags noch über ein Einkommen ver-

fügt, das sein Existenzminimum im weitesten Sinne um etwa 20% übersteigt (BGE 

- 32 -

118 II 97 E. 4b/aa; BGE 127 I 202 E. 3e). Da Vater und Mutter bei der Einschätzung 

ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit gleich behandelt werden müssen, gilt die Regel 

des erweiterten und erhöhten Existenzminimums nach dem Bundesgericht auch für 

den anderen Elternteil. Leben die Eltern zusammen, werden ihre jeweiligen Bedürf-

nisse gleich berechnet; leben sie getrennt oder sind sie geschieden, muss der zwi-

schen den Ehegatten geschuldete Beitrag bei den Kosten des Unterhaltspflichtigen 

berücksichtigt werden. Die Unterhaltspflicht des Ehegatten hat somit Vorrang vor 

der  Unterhaltspflicht  des  volljährigen  Kindes  (BGE  132  III  209  E.  2.3).  Sodann 

rechtfertigt es sich nicht, dass sich Eltern volljähriger Kinder ebenso wie Eltern von 

minderjährigen Kindern bis zu ihrem eigenen Existenzminimum einschränken müs-

sen. Es erscheint mit dem Ausnahmecharakter der Unterhaltspflicht über die Voll-

jährigkeit  hinaus  nicht  vereinbar,  den  Eltern  den  Verzicht  auf  jeden  noch  so  be-

scheidenen Wohlstand zuzumuten, um eine höhere Ausbildung ihres Kindes zu fi-

nanzieren (BGE 118 II 97 E. 4a).

Wie schon erwähnt (vgl. oben E. II.3) ist der von den Parteien zitierte Leitentscheid 

des Bundesgerichts BGE 147 III 265 aus dem Jahr 2020 nicht einschlägig, da es 

vorliegend um Volljährigenunterhaltsbeiträge von Juli 2014 bis und mit Dezember 

2016 geht und somit das bisherige Recht (inkl. Rechtsprechung) anzuwenden ist. 

Damals wurde noch nicht zwischen Bar- und Betreuungsunterhalt unterschieden. 

Der Betreuungsunterhalt wurde im Jahr 2017 eingeführt. Ebenso wenig war aus-

schliesslich die zweistufige Berechnungsmethode anwendbar. Es ist aber zutref-

fend, dass der Elternteil nur zur Zahlung von Volljährigenunterhalt verpflichtet wer-

den kann, wenn er nach Zahlung dieses Beitrags noch über ein Einkommen verfügt, 

das sein Existenzminimum um 20% übersteigt. Dies ist im Ergebnis etwa gleichbe-

deutend, wie wenn der Notbedarf um weitere Positionen auf das familienrechtliche 

Existenzminimum  erweitert  wird  (BGer  5A_311/2019  vom  11.  November  2020 

E. 7.3), was dem Vorgehen der Vorinstanz entspricht. Der Beklagte bringt dies in 

seiner Berufung ebenfalls so vor (Urk. 284 S. 17), widerspricht sich dann aber in 

seiner  Stellungnahme  vom  14.  Oktober  2024  und  macht  geltend,  die  Vorinstanz 

habe  nicht  berücksichtigt,  dass  das  verbleibende  Einkommen  den  Notbedarf  um 

ungefähr 20% übersteigen müsse (Urk. 310 S. 16 und S. 18). 

- 33 -

1.3 Die Einkommen der Parteien, der Ehefrau des Beklagten und die Kinderzula-

gen von P._____ wurden nicht angefochten und sind nicht zu beanstanden. Damit 

wird nachfolgend nur noch auf diejenigen Bedarfspositionen eingegangen, die von 

den Parteien angefochten wurden. 

1.4 Autokosten der Ehefrau / Abzahlung Kreditraten

1.4.1  Der Beklagte bringt für die Phase 2014 vor, der von der Vorinstanz für ihn 

und seine Ehefrau ermittelte Gesamtbedarf von Fr. 6'253.– sei zu ergänzen. Es sei 

gelebter  Lebensstandard,  dass  die  Ehefrau  über  einen  eigenen  Wagen  verfüge, 

zumal sie aufgrund ihrer Krankheit auf die Benutzung eines eigenen Autos ange-

wiesen  sei.  Daher  seien  die  Kosten  entgegen  den  vorinstanzlichen  Erwägungen 

nicht zu kürzen. Die Kosten für die beiden Autos seien mit Fr. 745.45 ausgewiesen, 

weshalb  sich  die  Autokosten  um  diesen  Betrag  erhöhen  müssten,  mithin  um 

Fr. 495.45 (Differenzbetrag zu Fr. 250.–). Für ihn, seine Ehefrau und P._____ re-

sultiere somit ein Gesamtbedarf von Fr. 7'856.45 (Fr. 4'065.– + Fr. 1'108.– + 2'188.– 

+ Fr. 495.65). Insgesamt sei die Unterhaltsverpflichtung somit um 6 × Fr. 495.65, 

mithin um Fr. 2'973.90 zu reduzieren. Damit müsse der Beklagte im Eventualstand-

punkt einen Betrag für das Jahr 2014 in Höhe von Fr. 6'027.60 bezahlen (Urk. 284 

S. 23). 

1.4.2    Der  Kläger  verweist  einleitend  auf  den  Leitentscheid  des  Bundesgerichts 

BGE 147 III 265 vom 11. November 2020 sowie auf die Richtlinien der Konferenz 

der  Betreibungs-  und  Konkursbeamten  Schweiz  für  die  Berechnung  des  betrei-

bungsrechtlichen  Existenzminimums  und  macht  geltend,  zusätzliche  Autokosten 

könnten nur berücksichtigt werden, sofern einem Automobil Kompetenzqualität zu-

komme, sprich zur Ausübung des Berufes oder für die Fahrten zum Arbeitsplatz. 

Dies sei bei der Ehefrau des Beklagten nicht der Fall. Sie sei nicht erwerbstätig, 

weshalb für sie das Fahrzeug keinen Kompetenzcharakter habe. Weiter verweist 

er auf die zweistufige Methode mit Überschussverteilung und erläutert, welche Be-

darfspositionen  dabei  berücksichtigt  werden  könnten  und  dürften  (Urk.  298 

S. 12 ff.). Im Rahmen seiner Anschlussberufung führt der Kläger aus, dass gemäss 

den Richtlinien der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten Schweiz für 

die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums die maximal zuläs-

- 34 -

sigen Kosten für das Fahrzeug monatlich Fr. 600.– betragen würden, die Vorinstanz 

dem Beklagten aber noch zusätzlich Fr. 250.– für die Leasingraten des neuen, teu-

reren Fahrzeuges zugebilligt habe. Leasingraten könnten jedoch nur berücksichtigt 

werden, wenn sich der Schuldner über die Zahlungen ausweise. Es liege zwar der 

neue Kreditvertrag im Recht, jedoch sei nicht nachgewiesen, dass die Raten regel-

mässig bezahlt worden seien. Indem die Vorinstanz diese unbelegten Leasingraten 

dennoch im Bedarf des Berufungsklägers berücksichtigt und damit eine Unterde-

ckung des Bedarfes des Klägers in Kauf genommen habe, habe es die bundesge-

richtlichen  Vorgaben  zur  Unterhaltsfestsetzung  verletzt.  Entsprechend  seien  die 

Fr. 250.– für angebliche Leasingraten aus dem Bedarf des Beklagten zu streichen 

(Urk. 298 S. 14).

1.4.3  Der Beklagte hält in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2024 dagegen, 

es handle sich nicht um einen Leasingvertrag für das Auto, sondern um einen Kre-

ditvertrag. Die Vorinstanz habe zutreffend festgehalten, dass es der Ehefrau des 

Beklagten aufgrund ihrer MS-Erkrankung nicht möglich sei, einer Erwerbstätigkeit 

nachzukommen. Sie habe einen Schwerbehindertenausweis und sei aufgrund ihrer 

Erkrankung auf ein Auto für die Bewältigung des täglichen Lebens dringend ange-

wiesen. Zudem habe es dem gelebten Lebensstandard entsprochen, dass der Ehe-

frau ein eigener Wagen zur Verfügung stehe. Daher seien die Kosten für die beiden 

Autos um die ausgewiesenen Kosten in Höhe von Fr. 735.45 in die Bedarfsberech-

nung aufzunehmen. Da die Vorinstanz bereits Fr. 250.– anerkannt habe, seien die 

Autokosten um den Betrag von Fr. 495.45 zu erhöhen (Urk. 310 S. 17). 

1.4.4  Die Vorinstanz sprach dem Auto der Ehefrau des Beklagten die Kompetenz-

qualität zu Recht ab. Gemäss den Richtlinien sind Autokosten zu berücksichtigen, 

wenn  dem  Fahrzeug  Kompetenzqualität  zukommt.  Dies  ist  namentlich  dann  der 

Fall, wenn das Fahrzeug zur Ausübung des Berufes oder für die Fahrten an den 

Arbeitsplatz benötigt wird. Diesbezüglich hat die Vorinstanz zutreffend festgehal-

ten, dass die Ehefrau des Beklagten keiner Erwerbstätigkeit nachgehe (Urk. 285 S. 

28). Der Beklagte macht indes geltend, dass seine Ehefrau das Fahrzeug für Fahr-

ten zum Arzt, zu den Therapien und für das Fahren von P._____ brauche (Urk. 284 

S. 21). Als sie selber zum Gebrauch ihres Autos gefragt wurde, gab sie spontan 

- 35 -

an, sie fahre zum Beispiel ihren Sohn oft zum Zahnarzt (Urk. 248 S. 12). Dass sie 

wegen  ihrer  Krankheit  derart  stark  in  ihrer  Bewegung  eingeschränkt  wäre,  dass 

einem eigenen Fahrzeug ausnahmsweise,  im Sinne eines unentbehrlichen Hilfs-

mittels einer Invaliden, Kompetenzqualität zuzuschreiben wäre (BGer 5A_57/ 2016 

vom  20.  April  2016  E.  4.2;  BGE  106  III  104ff.  =  Pra  1981,  Nr.  81;  OGer  ZH 

PS220011-O vom 3. Juni 2022 E. 4.4.1), geht aus dem Prozessstoff nicht hervor 

(vgl. Urk. 248 S. 14 f.). Entsprechend können ihr keine Autokosten im Bedarf ange-

rechnet werden. Dies hat zur Folge, dass auch die Kreditraten, die der Abzahlung 

ihres Autos dienen, nicht im Bedarf der Ehefrau zu berücksichtigen sind (vgl. Richt-

linien). 

Der Kläger bringt zudem zutreffend vor, dass die Abzahlung von Kompetenzstü-

cken  gemäss  Richtlinien  nur  im  Bedarf  zu  berücksichtigen  ist,  sofern  sich  der 

Schuldner über die Zahlungen ausweist. Im Recht liegen zwar die beiden Kredit-

verträge (Urk. 38/21-22). Der Zahlungsbeleg bleibt für das Jahr 2014 jedoch aus. 

Belegt sind einzig die Zahlungen der Kreditraten der Jahre 2015-2018 (Urk. 101/16 

sowie 184/13). Entsprechend können die von der Vorinstanz berücksichtigten Kre-

ditraten in Höhe von Fr. 250.– für das Jahr 2014 nicht berücksichtigt werden. Im 

Bedarf  des  Beklagten  sind  für  die  Fahrten  zum  Arbeitsplatz  monatlich  somit 

Fr. 600.– zu berücksichtigen.

1.5 Kosten für auswärtige Verpflegung

1.5.1    Der  Kläger  rügt  in  seiner  Anschlussberufung,  der  Beklagte  mache  weiter 

Mehrkosten für auswärtige Verpflegung in Höhe von monatlich Fr. 300.– geltend. 

Die Vorinstanz habe diese – wie sie selbst erwogen habe – "grosszügiger Weise" 

vollumfänglich zugebilligt mit der Begründung, diese Mehrkosten seien belegt. Die 

Akten  würden  zwar  zeigen,  dass  der  Beklagte  sich  im  Jahr  2013  mehrmals  wö-

chentlich in der Migros über Mittag verpflegt habe, was täglich zwischen Fr. 9.90 

und  Fr.  21.90  gekostet  habe.  Gemäss  dem  Kreisschreiben  zur  Berechnung  des 

betreibungsrechtlichen  Existenzminimums  könnten  jedoch  lediglich  Fr.  9.–  bis 

Fr. 11.– für jede auswärtige Hauptmahlzeit berücksichtigt werden, nicht Fr. 15.10 

wie  vom  Beklagten  geltend  gemacht.  Entsprechend  könnten  monatlich  nur 

Fr. 200.– berücksichtigt werden. Indem die Vorinstanz mehr als diesen Maximalbe-

- 36 -

trag berücksichtigt und damit eine weitere Unterdeckung des Bedarfes des Klägers 

in  Kauf  genommen  habe,  habe  es  die  bundesgerichtlichen  Vorgaben  zur  Unter-

haltsfestsetzung  verletzt.  Der  Bedarf  des  Beklagten  sei  deshalb  um  Fr. 100.–  zu 

kürzen (Urk. 298 S. 14 f.).

1.5.2  Der Beklagte wendet in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2024 dage-

gen ein, nach altem Recht hätten für die auswärtige Verpflegung Beträge bis zu 

Fr. 15.–  berücksichtigt  werden  können,  weshalb  die  Vorinstanz  zutreffend  einen 

Betrag von Fr. 300.– pro Tag anerkannt habe. Die Kosten der auswärtigen Verpfle-

gung seien entgegen der Ansicht der Klägers nicht zu kürzen (Urk. 310 S. 17).

1.5.3  Dem Beklagten ist beizupflichten, dass nach den damals geltenden Richtli-

nien für die auswärtige Verpflegung Beträge bis zu Fr. 15.– pro Tag hätten berück-

sichtigt werden können. Der Beklagte legte zwar diverse Quittungen ins Recht, wel-

che teilweise Mehrauslagen ausweisen (Urk. 38/24). Diese betreffen jedoch aus-

schliesslich den Zeitraum von April 2013 bis Oktober 2013 und sind für die vorlie-

gende Phase von Juli 2014 bis und mit Dezember 2014 irrelevant. Ob der Beklagte 

im Jahr 2014 gar keine Mehrauslagen für auswärtige Verpflegung hatte oder diese 

lediglich Fr. 10.– betrugen, erhellt nicht. Nichtsdestotrotz ist es naheliegend, dass 

dem  Beklagten  Kosten  für  auswärtige  Verpflegung  angefallen  sind.  Weshalb  die 

Vorinstanz beim Beklagten aussergewöhnlich hohe Kosten für die auswärtige Ver-

pflegung berücksichtigte, erhellt nicht. Entsprechend rechtfertigt es sich, von einem 

Durchschnittswert  von  Mehrauslagen  zwischen  Fr.  5.–  und  Fr.  15.–  auszugehen 

und dem Beklagten monatlich Fr. 210.– anzurechnen, wie dies die Vorinstanz im 

Übrigen auch in der Phase der Minderjährigkeit tat (Urk. 285 S. 19 f.). 

1.6 Fussballkosten P._____

1.6.1  Der Kläger macht in seiner Anschlussberufung weiter geltend, im Bedarf des 

minderjährigen Sohnes P._____ sei eine Position für Fussball in Höhe von monat-

lich Fr. 50.– berücksichtigt worden. Die Vorinstanz habe zwar zunächst zutreffend 

festgehalten, dass Kosten für Freizeitaktivitäten aus dem Grundbetrag zu finanzie-

ren seien, habe dem minderjährigen Sohn aufgrund des Gleichheitsgebots jedoch 

trotzdem einen Pauschalbetrag von Fr. 50.– für Fussball angerechnet. Damit ver-

- 37 -

mische  die  Vorinstanz  nicht  nur  die  Zeitphasen  (während  dieser  Phase  sei  dem 

Kläger nämlich keine ergänzende Freizeitposition von Fr. 50.– zugestanden wor-

den), sondern auch ein weiteres Mal in unzulässiger Weise die zweistufige Methode 

mit  Überschussbeteiligung  und  die  einstufig-konkrete  Unterhaltsberechnungsme-

thode, womit eine weitere Unterdeckung des Bedarfs des Klägers einhergehe. Der 

Bedarf von P._____ sei entsprechend um Fr. 50.– zu kürzen (Urk. 298 S. 15).

1.6.2  Der Beklagte entgegnet, der Bedarf von P._____ sei von der Vorinstanz mit 

Fr. 1'150.– berechnet worden und beinhalte, wie es nach altem Recht zutreffend 

gewesen sei, auch Kosten für die Hobbys der Kinder. Die Kosten für das Fussball 

seien angemessen und nicht zu kürzen (Urk. 310 S. 18). 

1.6.3    Dem  Beklagten  ist  zuzustimmen,  dass  nach  altem  Recht  die  Hobbys  der 

Kinder  im  Bedarf  berücksichtigt  werden  konnten,  sofern  sie  ausgewiesen  waren 

(vgl.  bspw.  LE140002-O,  LE140024-O  sowie  LE150077-O).  Vorliegend  ist  unbe-

stritten, dass P._____ Fussball spielte. Den vom Beklagten eingereichten Belegen 

ist jedoch zu entnehmen, dass der Jahresbeitrag jeweils Fr. 220.– betrug (Urk. 69/5 

sowie Urk. 184/7b). Entsprechend ergibt dies einen monatlichen Betrag von gerun-

det Fr. 20.–, der bei P._____ im Bedarf zu berücksichtigen ist. 

1.7 Verschiedenes

1.7.1  Abschliessend führt der Kläger aus, im Bedarf der Ehefrau des Beklagten sei 

eine  Position  "Verschiedenes"  aufgenommen  und  mit  monatlich  Fr.  50.–  berück-

sichtigt worden. Die Vorinstanz habe diese Position nicht begründet. Damit habe 

sie ihre Begründungspflicht verletzt. Es müsse aber davon ausgegangen werden, 

dass damit Kosten für den Hund berücksichtigt worden seien. Solche Kosten seien 

ebenfalls aus dem Grundbetrag (oder einem allfälligen Überschuss) zu bezahlen. 

Indem die Vorinstanz auch diese Kosten separat berücksichtigt habe, habe sie er-

neut die zweistufige Methode mit Überschussbeteiligung und die einstufig-konkrete 

Unterhaltsberechnungsmethode vermischt, was unzulässig sei und zu einer unbe-

rechtigten  Unterdeckung  des  Bedarfs  des  Klägers  geführt  habe.  Der  Bedarf  der 

Ehefrau des Beklagten sei entsprechend um Fr. 50.– zu kürzen (Urk. 298 S. 15).

- 38 -

Analog zur vorinstanzlichen Vorgehensweise resultiere in der Zeit vom 1. Juli 2014 

bis  31.  Dezember  2014  eine  Leistungsfähigkeit  des  Beklagten  von  monatlich 

Fr. 1'383.–.  Der  Kläger  habe  für  diese  Zeit  vorinstanzlich  Fr.  1'250.25  im  Monat 

zzgl. allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher Kinderzulagen beantragt. Die Kinder-

zulagen seien entsprechend klarem Begehren nur für den Fall beantragt worden, 

dass  der  Beklagte  diese  überhaupt  beziehe.  Die  Tatsache,  dass  Letzterer  diese 

nicht bezogen habe, bedeute keine Abweisung bzw. Unterliegen des Klägers. Der 

Beklagte  sei  somit  zu  verpflichten,  dem  Kläger  für  die  Zeit  vom  1.  Juli  2014  bis 

31. Dezember  2014  gesamthaft  Fr.  7'501.50  (6  ×  Fr.  1'250.25)  zu  bezahlen 

(Urk. 298 S. 16). 

1.7.2  Der Beklagte macht in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2024 geltend, 

es sei der Vorinstanz in Bezug auf die Position "Verschiedenes" von Fr. 50.– zu 

folgen.  Es  handle  sich  um  die  Kosten  für  den  Hund,  die  äusserst  tief  seien  und 

dessen Höhe angemessen sei. Diese Kosten seien für den Hund in der Bedarfsbe-

rechnung zu berücksichtigen gewesen, weswegen es sich nicht rechtfertige, diese 

Position zu streichen (Urk. 310 S. 18). 

Es resultiere ein monatlicher Gesamtbedarf von insgesamt Fr. 7'928.65 (Fr. 4'065.– 

Beklagter, Fr. 2'188.– Ehefrau, Fr. 1'180.– P._____ plus Fr. 495.45 [Korrektur Au-

tokosten]). Unter Anwendung der damaligen vorgenannten Rechtsprechung sei bei 

der  Berechnung  des  Volljährigenunterhalts  dem  Unterhaltsverpflichteten  ein  um 

20%  erweiterter  Notbedarf  zu  belassen.  Damit  sei  der  Gesamtbedarf  um  rund 

Fr. 1'585.73 zu erweitern, mithin auf gerundet Fr. 9'514.40. Dadurch, dass der Voll-

jährigenunterhalt hinter dem Bedarf der minderjährigen Kinder und der Ehefrau zu-

rückzustehen habe, ergebe sich ein monatliches Manko, und es bestehe kein An-

spruch auf Volljährigenunterhalt. Insgesamt habe der Kläger für das Jahr 2014 ei-

nen Betrag von Fr. 9'001.50 gefordert. Die Forderung des Klägers für das Jahr 2014 

sei abzuweisen (Urk. 310 S. 18).

1.7.3  Der Kläger wendet in seiner Stellungnahme vom 11. November 2024 dage-

gen ein, es sei zu beachten, dass der 20%-Zuschlag nur auf den Notbedarf des 

Beklagten  zu  gewähren  sei,  sprich  sich  dieser  Zuschlag  anhand  des  Notbedarfs 

- 39 -

berechne und nur dem Unterhaltsverpflichteten persönlich zustehe, nicht hingegen 

den weiteren, in seinem Haushalt lebenden Unterhaltsberechtigten (Urk. 312). 

1.7.4    Grundsätzlich  sind  Kosten  im  Zusammenhang  mit  Haustieren  aus  dem 

Grundbetrag zu bestreiten. Es ist aber unbestritten, dass der Beklagte und seine 

Ehefrau seit jeher Hunde hatten und die Ehefrau bereits einen Hund in die Familie 

brachte. Bestritten wird einzig, dass die Kosten separat im Bedarf zu berücksichti-

gen sind (Urk. 37 S. 17 sowie Prot. I S. 14 f.). Da die Ehefrau des Beklagten und 

seit dem Zusammenleben auch der Beklagte stets Hunde hatte, diese somit zum 

Lebensstandard  gehörten  und  in  Anbetracht  dessen,  dass  es  dem  Unterhalts-

schuldner  zur  Leistung  von  Volljährigenunterhalt  nicht  gleichermassen  zumutbar 

ist, sich auf sein Existenzminimum zu beschränken und auf jeglichen Wohlstand zu 

verzichten, wie in Bezug auf den Unterhalt von minderjährigen Kindern, rechtfertigt 

es  sich,  der  Vorinstanz  folgend  bei  der  Ehefrau  des  Beklagten  die  Kosten  der 

Hunde  zu  berücksichtigen  (vgl.  LY120025-O,  LY130037-O  sowie  LE140032-O). 

Die Höhe von monatlich Fr. 50.– erscheint sodann angemessen (Urk. 38/35). 

Wie bereits erwähnt, entfällt der Zuschlag von 20% auf den Notbedarf des Beklag-

ten, da die Vorinstanz auf das familienrechtliche Existenzminimum der Familie ab-

gestellt hatte, was im Ergebnis gleichbedeutend ist (vgl. oben E. III.C.1.2).

1.8 Nach  dem  Gesagten  ergeben  sich  folgende  neuen  Einkommens-  und  Be-

darfspositionen (veränderte Bedarfspositionen im Vergleich zu Vorinstanz grau hin-

terlegt):

Einkommen
Grundbetrag
Wohnkosten
Krankenkasse 
(KVG) 
Fahrten zum 
Arbeitsplatz 
/Gymnasium
unregelmäs-
sige, unge-
deckte Ge-
sundheitskos-
ten

Kläger

Beklagter

Fr.  424.–
Fr.  1'200.–
586.–
Fr. 
223.–
Fr. 

Fr.  8'166.–
Fr.  850.–
Fr.  910.–
Fr.  185.–

Ehefrau des 
Beklagten

Fr.
Fr. 
Fr. 
Fr. 

0.–
850.–
910.–
275.–

P._____

Fr. 
Fr. 
Fr. 
Fr. 

200.–
400.–
455.–
71.–

Fr. 

216.–

Fr.  600.–

Fr. 

0.–

Fr. 

0.–

Fr. 

0.–

Fr. 

3.–

Fr. 

56.–

- 40 -

Fr. 

0.–

Fr.  210.–

Fr. 

18.–

Fr. 

9.–

Fr. 

Fr. 

0.–

0.–

Fr. 

120.–

Fr.  300.–

Fr.  500.–

Fr. 
39.–
Fr.  100.–

Fr. 

Fr. 
Fr. 
Fr. 

0.–

Fr. 

22.–

0.–
0.–
426.–

Fr. 

Fr. 

Fr. 

Fr. 

Fr. 
Fr. 

Fr. 

Fr. 
Fr. 

0.–

0.–

0.–

0.–

0.–
100.–

Fr. 

50.–

0.–

Fr. 

26.–

0.–
50.–

Fr. 

20.–

Fr.  2'789.–

Fr.  3'725.–

Fr.  2'188.–

Fr.  1'078.–

auswärtige Ver-
pflegung
Hausrat-/Haft-
pflichtversiche-
rung
Unterhaltsver-
pflichtungen
laufende 
Steuern
Serafe
Kommunikati-
onskosten
Krankenkasse 
VVG
Fussball
Verschiedenes
notwendige 
Schulkosten
Total Bedarf

1.9 Dem Einkommen des Beklagten von Fr. 8'166.– sowie den Kinderzulagen von 

P._____  von  Fr.  200.–  steht  ein  Gesamtbedarf  der  Familie  (exkl.  Kläger)  von 

Fr. 6'991.– gegenüber. Entsprechend verbleibt dem Beklagten ein Überschuss von 

Fr.  1'375.–.  Dem  Einkommen  des  Klägers  von  Fr.  424.–  steht  sein  Bedarf  von 

Fr. 2'789.–  gegenüber.  Ihm  fehlten  monatlich  somit  Fr.  2'365,  wovon  Fr.  1'375.– 

noch durch die Unterhaltsbeiträge des Beklagten gedeckt werden konnten. Der Be-

klagte ist somit zu verpflichten, dem Kläger für Juli 2014 bis und mit Dezember 2014 

monatlich Fr. 1'375.–, insgesamt somit Fr. 8'250.– zu bezahlen. Die Kinderzulagen 

wurden seit Juli 2014 nicht mehr vom Beklagten bezogen und sind daher auch nicht 

geschuldet.

2.

Volljährigenunterhaltsbeiträge für das Jahr 2015

2.1 Die  Vorinstanz  stellte  für  das  Jahr  2015  die  familienrechtlichen  Existenz-

minima des Beklagten von Fr. 4'236.–, seiner Ehefrau von Fr. 2'220.– und P._____ 

von Fr. 1'018.– dem Einkommen des Beklagten von Fr. 8'470.– sowie den Kinder-

zulagen von P._____ von Fr. 200.– gegenüber und hielt fest, dass der Volljährigen-

unterhalt wiederum nicht nur hinter dem betreibungs- sondern auch hinter dem fa-

milienrechtlichen  Existenzminimum  der  übrigen  Familienmitgliedern  zurückzuste-

hen habe. Nachdem sämtliche familienrechtliche Existenzminima der übrigen Fa-

- 41 -

milienmitglieder gedeckt werden könnten, resultiere für den Kläger ein Volljährigen-

unterhaltsbeitrag für das Jahr 2015 in Höhe von monatlich Fr. 1'196.–. Dadurch, 

dass das familienrechtliche Existenzminimum des Klägers Fr. 2'789.– betrage und 

er selber ein Einkommen von Fr. 1'503.– (inkl. Stipendium) erziele, sei der Bedarf 

des Klägers im Umfang von Fr. 90.– nicht gedeckt. Der Kläger habe vom Beklagten 

vom 1. Januar 2015 bis 30. September 2015 monatlich Fr. 1'250.25 zzgl. Kinder-

zulagen gefordert. Der Beklagte könne in dieser Zeitperiode dem Kläger jedoch nur 

monatlich Fr. 1'196.– bezahlen. Vom 1. Oktober 2015 bis 31. Dezember 2015 habe 

der Kläger monatlich Fr. 797.– zzgl. Kinderzulagen gefordert. Diese könne der Be-

klagte in dieser Zeitperiode vollumfänglich bezahlen (Urk. 285 S. 36 sowie S. 39 f.).

2.2.1  Der Beklagte bringt in seiner Berufung vor, es sei ihm auch für das Jahr 2015 

unzumutbar, dem Kläger einen monatlichen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen. Für den 

Fall, dass das Gericht dieser Argumentation nicht folge, verweise er in Bezug auf 

die Autokosten auf die Phase 2014. Es seien die Autokosten um 12 × Fr. 495.65, 

mithin  Fr.  5'947.80  im  Bedarf  des  Beklagten,  seiner  Ehefrau  und  dem  Sohn 

P._____ zu erhöhen. Der Gesamtbedarf betrage neu Fr. 7'969.65. Damit sei der 

von  der  Vorinstanz  ermittelte  Betrag  für  den  Kläger  für  die  Phase  2015  von  Fr. 

13'155.– um die Autokosten für den Beklagten und seine Ehefrau in Höhe von Fr. 

5'047.80 auf Fr. 8'107.20 zu reduzieren. Im Restbetrag sei die Klage abzuweisen 

(Urk. 284 S. 13 f.). Dieselben Ausführungen wiederholt der Beklagte auch nochmals 

in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2024 (Urk. 310 S. 19).

2.2.2  Der Kläger macht in seiner Anschlussberufung geltend, hinsichtlich des Be-

darfs  des  Beklagten,  seiner  Ehefrau  und  P._____  würden  die  Ausführungen  zur 

Phase 2014 analog gelten. Der vorinstanzlich errechnete Bedarf des Beklagten re-

duziere sich um Fr. 350.– auf Fr. 3'886.–, jener von P._____ um Fr. 50.– auf Fr. 

968.– und jener der Ehefrau des Beklagten um ebenfalls Fr. 50.– für den Hund auf

Fr. 2'170.–. Es resultiere demnach in der Zeit vom 1. Januar 2015 bis 30. Septem-

ber 2015 eine Leistungsfähigkeit des Beklagten von monatlich Fr. 1'646.–.

2.3.1  Es wird wiederum lediglich auf die Bedarfspositionen eingegangen, die an-

gefochten  wurden.  In  Bezug  auf  die  Autokosten  der  Ehefrau  des  Beklagten,  die 

Kosten für die auswärtige Verpflegung des Beklagten, die Kosten fürs Fussball von 

- 42 -

P._____  sowie  für  die  Hundekosten  kann  auf  die  vorstehende  Phase  verwiesen 

werden (oben E. III.C.1). Diese Bedarfspositionen bleiben unverändert.

2.3.2  Neu ist im Bedarf des Beklagten die Abzahlung der Kreditraten in der von der 

Vorinstanz festgelegten Höhe von Fr. 250.– für sein Fahrzeug mit Kompetenzcha-

rakter zu berücksichtigen. Die Zahlungen dieser Raten sind für das Jahr 2015 be-

legt (Urk. 101/16 sowie 184/13).

2.4 Nach dem Gesagten ergeben sich folgende neue Einkommens- und Bedarfs-

positionen (veränderte Bedarfspositionen im Vergleich zur Vorinstanz grau hinter-

legt):

Einkommen
Grundbetrag
Wohnkosten
Krankenkasse 
(KVG) 
Fahrten zum 
Arbeitsplatz 
/Gymnasium
regelmässige, 
ungedeckte 
Gesundheits-
kosten
auswärtige Ver-
pflegung
Hausrat-/Haft-
pflichtversiche-
rung
Unterhaltsver-
pflichtungen
laufende 
Steuern
Serafe
Kommunikati-
onskosten
Krankenkasse 
VVG
Fussball
Verschiedenes
notwendige 
Schulkosten
Total Bedarf

Kläger

Beklagter

Fr.  1'503.–
Fr.  1'200.–
586.–
Fr. 
223.–
Fr. 

Fr.  8'470.–
Fr.  850.–
Fr.  910.–
Fr.  215.–

Ehefrau des 
Beklagten

Fr.
Fr. 
Fr. 
Fr. 

0.–
850.–
910.–
310.–

P._____

Fr. 
Fr. 
Fr. 
Fr. 

200.–
400.–
455.–
10.–

Fr. 

216.–

Fr.  850.–

Fr. 

0.–

Fr. 

0.–

Fr. 

0.–

Fr.  149.–

Fr. 

0.–

Fr. 

28.–

Fr. 

0.–

Fr.  210.–

Fr. 

18.–

Fr. 

9.–

Fr. 

Fr. 

0.–

0.–

Fr. 

120.–

Fr.  300.–

Fr.  500.–

39.–
Fr. 
Fr.  100.–

Fr. 

Fr. 
Fr. 
Fr. 

0.–

Fr. 

15.–

0.–
0.–
426.–

Fr. 

Fr. 

Fr. 

Fr. 

Fr. 
Fr. 

Fr. 

Fr. 
Fr. 

0.–

0.–

0.–

0.–

0.–
100.–

Fr. 

50.–

0.–

Fr. 

26.–

0.–
50.–

Fr. 

20.–

Fr.  2'789.–

Fr.  4'147.–

Fr.  2'220.–

Fr. 

989.–

- 43 -

2.5 Dem Einkommen des Beklagten von Fr. 8'470.– sowie den Kinderzulagen von 

P._____  von  Fr.  200.–  steht  ein  Gesamtbedarf  der  Familie  (exkl.  Kläger)  von 

Fr. 7'356.– gegenüber. Entsprechend verbleibt dem Beklagten ein Überschuss von 

Fr.  1'314.–.  Dem  Einkommen  des  Klägers  von  Fr.  1'503.–  steht  ein  Bedarf  von 

Fr. 2'789.– gegenüber. Ihm fehlten monatlich somit Fr. 1'286.–, welche durch die 

Unterhaltsbeiträge des Beklagten gedeckt werden konnten. Der Beklagte ist somit 

zu verpflichten, dem Kläger für das Jahr 2015 monatlich Fr. 1'286.–, insgesamt so-

mit Fr. 15'432.– zu bezahlen. Die Kinderzulagen wurden nicht mehr vom Beklagten 

bezogen und sind daher auch nicht geschuldet. 

3.

Volljährigenunterhaltsbeiträge für das Jahr 2016

3.1 Die Vorinstanz erwog, für das Jahr 2016 seien keine Volljährigenunterhalts-

beiträge mehr geschuldet, da der Kläger selbst in der Lage gewesen sei, seinen 

Bedarf mit seinem Einkommen (inkl. Stipendium und eigens bezogener Kinderzu-

lagen) zu decken (Urk. 285 S. 40 und S. 42). 

3.2.1  Der Kläger rügt in seiner Anschlussberufung, er habe vor Vorinstanz für alle 

Phasen Mehrkosten in Folge auswärtiger Verpflegung in Höhe von Fr. 200.– gel-

tend gemacht. Die Vorinstanz habe solche ohne jegliche Begründung ausser Acht 

gelassen, womit sie die Begründungspflicht verletzt habe. Der Bedarf des Klägers 

sei (mindestens) im Jahr 2016 um Fr. 200.– für auswärtige Verpflegung zu erhöhen. 

Dies gelte umso mehr, als ihm auch jegliche Einkünfte (vollständig) angerechnet 

worden seien. Sein Bedarf habe sich im Jahr 2016 somit Fr. 2'827.– betragen. Da-

mit habe er nach vollständiger Verwendung seiner damaligen Einkünfte von mo-

natlich maximal Fr. 2'797.– eine monatliche Unterdeckung von Fr. 30.– aufgewie-

sen, welche durch den Beklagten mittels Unterhaltsbeitrag auszugleichen sei. Dazu 

sei er auch in der Lage. Zusammengefasst sei für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 

31. Dezember 2016 ein monatlicher Unterhaltsbeitrag von Fr. 30.– geschuldet, total 

Fr. 360.– (Urk. 298 S. 18).

3.2.2  Der Beklagte wendet in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2024 dage-

gen ein, es sei kein Unterhaltsbeitrag geschuldet, da der Kläger mit seinem Ein-

kommen seinen monatlichen Bedarf decken könne. In Bezug auf den Gesamtbe-

- 44 -

darf des Beklagten und seiner bei ihm wohnenden Familie gelte das Vorgenannte 

analog (Urk. 310 S. 19 f.). 

3.3 Dem Kläger ist beizupflichten, dass die Vorinstanz die Kosten für die auswär-

tige Verpflegung des Klägers ausser Acht gelassen hatte (Urk 151 S. 9 sowie Prot. I 

S. 49 f.). Der Kläger befand sich im Jahr 2016 im Studium und arbeitete nebenbei. 

Es ist somit naheliegend, dass er sich über Mittag auswärts zu verpflegen hatte. Da 

ihm nicht – wie bei einem Ausbildungslohn üblich – nur ein Bruchteil des Nettoloh-

nes  angerechnet  wurde,  sondern  das  gesamte  Nettoeinkommen,  rechtfertigt  es 

sich, dem Kläger antragsgemäss Fr. 200.– im Bedarf anzurechnen. 

3.4 Der  Kläger  erzielte  im  Jahr  2016  ein  monatliches  Nettoeinkommen  von 

Fr. 2'797.–, welches nicht beanstandet wurde (Urk. 285 S. 40 f.). Der von der Vor-

instanz festgelegte Bedarf des Klägers von Fr. 2'627.– (Urk. 285 S. 41) ist somit 

um Fr. 200.– zu erhöhen und beträgt folglich Fr. 2'827.–. Somit fehlten ihm monat-

lich Fr. 30.–. Der Beklagte ist mit seinem Einkommen von Fr. 8'405.– sowie den 

Kinderzulagen von P._____ von Fr. 200.– (Urk. 285 S. 40) in der Lage, den Ge-

samtbedarf der Familie (exkl. Kläger) von Fr. 7'356.– zu decken. Ihm verbleibt ein 

Überschuss von monatlich Fr. 1'314.– (vgl. oben E. III.C.2.5). Damit ist er in der 

Lage,  dem  Kläger  für  das  Jahr  2016  monatlich  Fr.  30.–,  insgesamt  Fr.  360.–  zu 

bezahlen.

4.

Fazit

Der Beklagte ist zu verpflichten, dem Kläger Volljährigenunterhaltsbeiträge für das 

Jahr  2014  in  Höhe  von  Fr.  8'250.–,  für  das  Jahr  2015  in  Höhe  von  Fr.  15'432.– 

sowie für das Jahr 2016 in Höhe von Fr. 360.–, insgesamt somit Fr. 24'042.– zu 

bezahlen.

D.

Zum Antrag auf weitere Zeugeneinvernahmen

1.

Der Beklagte macht in seiner Berufung geltend, dass er, seine Ehefrau und 

B._____ im Herbst 2011 an das Haus D._____ gelangt seien, worauf die erste Be-

treuerin, Frau G._____, B._____ und sein ungebührliches und aufbrausendes Ver-

halten durchschaut habe. Aufgrund des Vorschlages von Frau G._____ hätten er, 

- 45 -

seine  Ehefrau  und  B._____  eine  Familientherapie  bei  Frau  H._____,  Stiftung 

I._____, besucht. Obgleich er beantragt habe, diese Personen als Zeugen befragen 

zu lassen, habe die Vorinstanz davon abgesehen, weswegen der Antrag im vorlie-

genden Berufungsverfahren erneuert werde (Urk. 284 S. 8). 

2.

Beim vorliegenden Ergebnis ist auszuschliessen, dass weitere Einvernahmen 

von Zeugen an der Überzeugung des Gerichts etwas zu ändern vermöchten. 

Die Vorinstanz hat direkt involvierte Personen förmlich einvernommen. Die Zeugin 

J._____ war in der relevanten Zeitspanne zuständige Sozialarbeiterin im Zentrum 

D._____. Sie führte unter anderem aus (Urk. 245 S. 6): 

 "Ich kann bestätigen, dass wir im Zentrum D._____ das so eingeschätzt ha-

ben. Das war das Ergebnis der Beratung mit dem Familiensystem und auch 
der Rücksprache mit M._____, der damals der Therapeut war." 

Frau  J._____  erwähnte  mithin,  dass  sie  nicht  bloss  ihren  persönlichen  Eindruck 

geschildert hatte, sondern jenen des Teams. Es mag sein, dass in einem frühen 

Stadium eine erste Betreuerin, Frau G._____, einen anderen Eindruck des Klägers 

hatte  und  sich  entsprechend  ihm  gegenüber  positionierte.  Ob  dem  so  war,  kann 

hier  offen  bleiben.  Eine  allfällige  anfängliche  Ambivalenz  resp.  ein  Ausprobieren 

von verschiedenen Herangehensweisen wäre nicht erstaunlich. Massgeblich aber 

ist, was sich später mehr und mehr herauskristallisierte respektive was das Ergeb-

nis der Beratung war, wie es Frau J._____ ausdrückt. Und auch wenn allenfalls die 

Vorgängerin von Herrn M._____, Frau H._____, mit Bezug auf ihr Wirken zu Beginn 

des Konflikts andere Eindrücke vom Beklagten schildern würde, könnte dies das 

Beweisergebnis nicht umstossen. Abgesehen davon darf nicht übersehen werden, 

dass der rechtserhebliche Sachverhalt inzwischen rund zehn Jahre zurückliegt. Es 

ist daher höchst unwahrscheinlich, dass Fachpersonen, die im frühen Stadium und 

eher kurz involviert waren, heute noch erhebliche Aussagen machen könnten. Es 

kann ausgeschlossen werden, dass nach weiteren Zeugeneinvernahmen – entge-

gen den obigen Ausführungen zur Beweiswürdigung – auf eine persönliche Unzu-

mutbarkeit von Unterhaltsleistungen beim Beklagten geschlossen würde. 

Das Gericht kann die Abnahme weiterer Beweise unterlassen, wenn es seine Mei-

nungsbildung abgeschlossen hat und überzeugt ist, dass seine Meinung durch die 

- 46 -

Abnahme weiterer Beweise nicht mehr erschüttert werde (vgl. BGer 4A_386/2019 

vom 26. Mai 2020 E. 4.3.3; BGE 143 III 297 E. 9.3.2; BGE 122 III 219 E. 3c, BGer 

4D_33/2010 vom 13. April 2010 E. 3.2, OGer ZH LA190022-O/U vom 17. April 2020 

E. IV/4j, OGer ZH LA190039-O/U vom 29. Juni 2020 E. IV/2c/aa; DIKE-Komm ZPO-

Leu, Art. 152 N 107 m.w.H.; Passadelis, Stämpflis Handkommentar, ZPO, Art. 152 

N 7;  BK ZPO-Brönnimann,  Art.  152  N  57;  Staehelin/Staehelin/Grolimund,  ZPR, 

3. A., 2019, § 18 Rz 23). Eine solche Konstellation zulässiger antizipierter Beweis-

würdigung liegt hier vor.

Das Beweisverfahren der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Weiterungen konn-

ten unterbleiben. Auch im Berufungsverfahren können weitere Zeugeneinvernah-

men unterbleiben.

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen

A.

Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  /  Be-

schwerde

1.

Der  Kläger  erhob  mit  Eingabe  vom  14.  September  2023  rechtzeitig  (vgl. 

Art. 321  Abs.  1  ZPO  sowie  Urk. 277/1)  Beschwerde  gegen  die  Kosten-  und  Ent-

schädigungsfolgen (Urk. 305/284). Trifft die Berufungsinstanz jedoch einen neuen 

Entscheid,  so  entscheidet  sie  ohnehin  auch  über  die  Prozesskosten  des  erstin-

stanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO).

2.

Bei  der  Festsetzung  der  Entscheidgebühr  ging  die  Vorinstanz  von  einem 

Streitwert von Fr. 55'347.75 aus und erhöhte die Grundgebühr zunächst, aufgrund 

erhöhten  Zeitaufwands,  um  die  Hälfte.  Sodann  trug  sie  der  teilweisen  Gegen-

standslosigkeit (zunächst noch geforderte Unterhaltsbeiträge der Jahre 2017 und 

2018) Rechnung. Zusammen mit dem Parallelverfahren zwischen der Gemeinde 

C._____  und  dem  Beklagten  kam  die  Vorinstanz  auf  eine  Entscheidgebühr  von 

Fr. 12'000.–, wovon sie (gemessen an den unterschiedlichen Streitwerten im Ver-

hältnis von 63% zu 37%) Fr. 7'560.– auf das vorliegende Prozessverhältnis verlegte 

(Urk. 285 S. 43 f.). Hinzu kamen die Kosten der Zeugenentschädigung, welche total 

Fr. 280.– betrugen, was (wiederum aufgeteilt) Fr. 176.40 (63%) für das vorliegende 

- 47 -

Prozessverhältnis  bedeutete.  Insgesamt  wurden  so  die  Gerichtskosten  auf 

Fr. 7'736.40 (Fr. 7'560.– + Fr. 176.40) bemessen. Diesen Betrag hat die Vorinstanz 

nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen im Umfang von Fr. 5'028.65 

(65%) dem Kläger und im Umfang von Fr. 2'707.75 (35%) dem Beklagten auferlegt 

(Urk. 285 S. 44 f.). 

Der Kläger forderte vom Beklagten anlässlich der Verhandlung vom 17. Dezember 

2019 Fr. 43'097.75.– (Fr. 18'753.75.– von Juli 2014 bis September 2015; Fr. 2'391.– 

von  Oktober  2015  bis  Dezember  2015;  Fr.  5'880.–  von  Januar  2016  bis  August 

2016; Fr. 1'390.– von September 2016 bis Oktober 2016; Fr. 740.– von November 

2016 bis Dezember 2016; Fr. 8'970.– von Januar 2017 bis Juni 2017; Fr. 1'368.– 

von September 2017 bis Dezember 2017 sowie Fr. 3'605.– von Januar 2018 bis 

Juli 2018) zzgl. allfällige Familienzulagen, insgesamt somit Fr. 55'347.75 (Fr. 49 × 

250.–). Zwar bringt der Kläger beschwerdeweise vor, er habe nur "allfällige" Fami-

lienzulagen  beantragt,  für  den  Fall,  dass  diese  vom  Beklagten  bezogen  worden 

seien.  Da  dem  nicht  so  gewesen  sei,  seien  sie  auch  nicht  zur  Berechnung  des 

Streitwerts  zu  berücksichtigen.  Zudem  habe  er  anlässlich  der  Verhandlung  vom 

17. Dezember 2019 sein Rechtsbegehren nicht beziffert, sondern sich vorbehalten, 

dies im zweiten Vortrag nachzuholen, nachdem der Beklagte seine Unterlagen ein-

gereicht habe. Mithin habe er sein Rechtsbegehren erst in seiner Stellungnahme 

vom  4.  Juni  2021  beziffert  (Urk.  202  S.  2).  Die  anlässlich  der  Verhandlung  vom 

17. Dezember 2019 noch aufgeführten Unterhaltsbeiträge für die Jahre 2017 und 

2018 seien somit für die Streitwertberechnung ebenfalls nicht zu berücksichtigen 

(Urk.  305/284  S.  3  ff.).  Der  Streitwert  wird  durch  das  Rechtsbegehren  bestimmt. 

Für den Gebührenstreitwert ist auf den Streitwert sämtlicher während des Verfah-

rens  vor  der  entsprechenden  Instanz  jemals  hängig  gewesener  Rechtsbegehren 

abzustellen. Eine teilweise Anerkennung, ein teilweiser Rückzug oder Vergleich so-

wie ein teilweises Nichteintreten oder eine teilweise Gegenstandslosigkeit führen 

entsprechend nicht dazu, dass diese Begehren bei der Bestimmung der Prozess-

kosten am Ende des Verfahrens nicht mehr zu berücksichtigen wären (Art. 91 ZPO; 

BSK ZPO-Hofmann/Baeckert Art. 91 N 33). Mit der Vorinstanz führt dies zu einem 

Streitwert  von  Fr. 55'347.75.  Dies  führt  zu  einer  Grundgebühr  von  gerundet 

Fr. 5'978.–  (§  4  Abs.  1  GebV  OG).  Diese  streitwertbasierte  Grundgebühr  allein 

- 48 -

würde dem besonders hohen Zeitaufwand nicht gerecht, welcher auf das prozes-

suale Verhalten des Beklagten zurückzuführen ist (vgl. oben E. III.C.3.2 S. 29). Es 

rechtfertigt sich eine Erhöhung der Gebühr in Anwendung von § 4 Abs. 2 GebV OG 

um  rund  einen  Drittel  auf  Fr.  7'970.–.  Einhergehend  mit  der  Vorinstanz  ist  diese 

Gebühr in Folge der gegenstandslos gewordenen Unterhaltsbeiträge für die Jahre 

2017  und  2018  zu  reduzieren.  Somit  resultiert  eine  Gebühr  von  Fr. 7'000.–.  Die 

Zeugeneinvernahme Frau J._____s war gleichermassen für beide Prozessverhält-

nisse notwendig, da in beiden Konstellationen die Zumutbarkeit von Unterhaltsleis-

tungen strittig ist und Frau J._____ vornehmlich dazu befragt wurde. Die diesbe-

zügliche Zeugenentschädigung ist damit zur Hälfte, also im Umfang von Fr. 140.–, 

auf dieses Verfahren zu nehmen. 

Die Vorinstanz teilte die gesamte Entscheidgebühr ausgangsgemäss auf den Klä-

ger und den Beklagten auf (Urk. 285 S. 44 f.). Vorliegend erschiene es unbillig, die 

Folgen des übermässigen Prozessierens des Beklagten bloss nach dem Ausgang 

des Verfahrens unter Beachtung des Streitwerts (Art. 106 Abs. 2 ZPO) zu verteilen. 

Angezeigt ist vielmehr, gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. f ZPO ermessensweise den 

Mehraufwand dem Verursacher zu überbürden. Angemessen erscheint daher, die 

Gerichtskosten von Fr. 7'140.– (Fr. 7'000.– Entscheidgebühr + Fr. 140.– Kosten der 

Beweisführung)  im  Umfang  von  Fr.  3'000.–  dem  Kläger  und  im  Umfang  von 

Fr. 4'140.– dem Beklagten aufzuerlegen. 

Die Kosten des Schlichtungsverfahrens sind zur Hauptsache zu schlagen (Art. 207 

Abs. 2 ZPO; Art. 95 Abs. lit. a und Art. 105 Abs. 1 ZPO). Sie betragen Fr. 400.– 

(Urk. 1 S. 2) betreffend beide Prozessverhältnisse. Sie sind, zumal kein anderer 

Antrag gestellt wurde, zur Hälfte auf dieses Verfahren zu nehmen. Folglich ist der 

Beklagte zu verpflichten, von den Fr. 200.– einen ausgangsgemässen Anteil von 

Fr. 116.– dem Kläger zu ersetzen.

3.

Der  Kläger  unterliegt  im  Umfang  von  56%  (Fr.  31'305.75  /  Fr.  55'347.75  × 

100). Gestützt auf die obigen Erwägungen rechtfertigt es sich jedoch, die Parteien-

tschädigungen für das erstinstanzliche Verfahren wettzuschlagen. 

B.

Kosten- und Entschädigungsfolgen des zweitinstanzlichen Verfahrens

- 49 -

1.

Für das zweitinstanzliche Verfahren ist in Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 

in Verbindung mit § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG eine Entscheidgebühr von Fr. 7'500.– 

gerechtfertigt. Da der Beklagte unterliegt, ist diese ihm aufzuerlegen.

2.

Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens ist der Beklagte ferner zu verpflich-

ten, dem Kläger eine Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 95 Abs. 3 und Art. 106 

Abs. 2 ZPO). In Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2, § 11 Abs. 1 und 2 sowie § 13 

AnwGebV ist die volle Entschädigung auf Fr. 6'500.– zzgl. Mehrwertsteuer festzu-

setzen. Die Mehrwertsteuer betrug für Leistungen im Jahr 2023 7.7% und für Leis-

tungen im Jahr 2024 8.1% (Art. 115 Abs. 1 i.V.m. Art. 112 Abs. 2 i.V.m. aArt. 25 

Abs. 1  MWSTG  und  Art. 25  Abs.  1  MWSTG).  Im  Jahr  2023  erfolgten  die  Be-

schwerde des Klägers, die Mandatsniederlegung des vorherigen Rechtsvertreters 

des Klägers sowie die Mandatsanzeige seiner aktuellen Rechtsvertreterin. Die Auf-

wände der Rechtsvertreterin des Klägers entstanden jedoch mehrheitlich im Jahr 

2024 durch das Verfassen der Berufungsantwort, der Vorbereitung und Teilnahme 

an der Vergleichsverhandlung vom 19. Juli 2024, dem Studium der Beschwerde-

antwort und der Anschlussberufungsantwort sowie einige kleinere Arbeiten (Tele-

fonate mit der hiesigen Instanz betr. Anreise des Klägers zur Verhandlung, Studium 

der  Beschlüsse  vom  13.  August  2024,  kurze  Stellungnahme  vom  11. November 

2024).  Entsprechend  rechtfertigt  es  sich,  auf  30%  der  Aufwände  die  Mehrwert-

steuer von 7.7% und auf 70% der Aufwände die Mehrwertsteuer von 8.1% zu ver-

anschlagen. Unter Berücksichtigung dieses Verhältnisses ist von Mehrwertsteuern 

im Umfang von insgesamt Fr. 518.70 auszugehen (Fr. 1'950.– × 0.077 + Fr. 4'550.– 

× 0.081). Der Beklagte ist somit zu verpflichten, dem Kläger für das zweitinstanzli-

che Verfahren eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 7'018.70 (inkl. MwSt.) 

zu bezahlen.

Es wird erkannt:

1.

Der Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 24'042.– zu bezahlen.

Im darüber hinausgehenden Umfang wird die Klage des Klägers abgewiesen.

- 50 -

2.

a)

Die  Gerichtskosten  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  werden  auf 

Fr. 7'140.– (Fr. 7'000.– Entscheidgebühr + Fr. 140.– Kosten der Beweis-

führung) festgesetzt.

b)

Die  Gerichtskosten  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  werden  im  Um-

fang von Fr. 3'000.– dem  Kläger und im Umfang von Fr. 4'140.– dem 

Beklagten auferlegt.

c)

Der Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 116.– als Ersatz für ge-

leistete Kosten des Schlichtungsverfahrens zu bezahlen.

d)

Für das erstinstanzliche Verfahren werden keine Parteientschädigungen 

zugesprochen.

3.

a)

Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 7'500.– festgesetzt.

b)

Die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Verfahren werden dem Be-

klagten auferlegt und mit seinem Kostenvorschuss verrechnet. Im Mehr-

betrag stellt die Obergerichtskasse Rechnung und zahlt dem Kläger den 

von ihm im Verfahren RZ230011-O bezahlten Kostenvorschuss zurück 

(vorbehältlich des allgemeinen Verrechnungsrechts des Staates).

c)

Der Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger für das zweitinstanzliche Ver-

fahren eine Parteientschädigung von Fr. 7'018.70 zu bezahlen.

4.

Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Vorinstanz, je gegen Emp-

fangsschein.

Nach  unbenutztem  Ablauf  der  Rechtsmittelfrist  gehen  die  erstinstanzlichen 

Akten an die Vorinstanz zurück.

5.

Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30  Tagen  von  der  Zustellung  an  beim  Schweizerischen  Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14,  einzureichen.  Zulässigkeit  und  Form  einer  solchen  Be-

schwerde  richten  sich  nach  Art. 72 ff.  (Beschwerde  in  Zivilsachen)  oder 

- 51 -

Art. 113 ff.  (subsidiäre  Verfassungsbeschwerde)  in  Verbindung  mit  Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. 

Es  handelt  sich  um  eine  vermögensrechtliche  Angelegenheit.  Der  Streitwert  beträgt 
Fr. 24'042.–.

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG.

Zürich, 20. Februar 2025

Obergericht des Kantons Zürich
I. Zivilkammer

Der Vorsitzende:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Huizinga

MLaw D. Müller

versandt am:
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