# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea3842dc-f84f-524d-8a42-dbd6bc8c39ee
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.03.2010 E-726/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-726-2010_2010-03-01.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-726/2010
luc/bos/gon
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  M ä r z  2 0 1 0

Einzelrichterin Christa Luterbacher, 
mit Zustimmung von Richter Markus König;
Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann.

A._______, 
alias B._______,
Tunesien,
vertreten durch 
Rechtsanwalt lic. iur. Christian Affentranger, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 29. Januar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-726/2010

Sachverhalt:

A.
Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat  Ende Juli  2008  und  reiste  via  Libyen und  Italien  in  die 
Schweiz ein, wo er am 5. Oktober 2008 ein Asylgesuch stellte. Dabei 
gab er an, sein Name sei B._______ und er sei am (...) geboren.

B.
Am 9. Oktober 2008 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum 
Kreuzlingen  summarisch  zu  seinen  Asylgründen  befragt;  am 
14. Oktober  2008  folgte  die  Anhörung  durch  das  Bundesamt  für 
Migration (BFM) gemäss Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31). Für die Dauer des Asylverfahrens wurde der 
Beschwerdeführer dem Kanton (...) zugewiesen.

C.
Am  7.  Januar  2010  wandte  sich  der  Beschwerdeführer  im  Zu-
sammenhang mit  der beabsichtigten Heirat  mit  einer Schweizer Bür-
gerin an die Migrationsbehörde (...) und gab an, sein richtiger Name 
sei  A._______,  Geburtsdatum  (...).  Dabei  reichte  er  eine  Identitäts-
karte im Original sowie den Reisepass und weitere Ausweise in Kopie 
ein. Er sei legal, mit einem Touristenvisum, nach Belgien gereist und 
von dort via Italien in die Schweiz gelangt.

D.
Mit Schreiben vom 15. Januar 2010 teilte das BFM dem Beschwerde-
führer mit, es beabsichtige auf sein Gesuch gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
lit.  b  AsylG  nicht  einzutreten,  und  gewährte  ihm  hierzu  rechtliches 
Gehör.

E.
Am 22. Januar 2010 führte die Kantonspolizei des Kantons (...) eine 
Befragung  des  Beschwerdeführers  betreffend  Wiederhandlungen 
gegen das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die Ausländer-
innen und Ausländer [AuG, SR 142.20] durch.

F.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nahm mit Schreiben vom 
25.  Januar  2010  Stellung  zu  dem  von  Seiten  des  BFM  geplanten 
Nichteintretensentscheid und machte im Wesentlichen geltend, es sei 

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bekanntermassen üblich, dass Asylsuchende ihre wahre Identität ver-
schweigen  würden,  und  es  sei  dem Beschwerdeführer  folglich  hoch 
anzurechnen, dass er nun seine Identität offengelegt habe.

G.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2010 (eröffnet am 2. Februar 2010) trat 
das  BFM auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf 
Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht ein und ordnete die Wegweisung und 
den Wegweisungsvollzug an.

H.
Mit Beschwerde vom 8. Februar 2010 gelangte der Beschwerdeführer 
durch  seinen  Rechtsvertreter  an  das  Bundesverwaltungsgericht  und 
beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben und das BFM 
sei  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ein-
zutreten. Zudem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

I.
Das  Bundesverwaltungsgericht  verfügte  am  11.  Februar  2010,  der 
Beschwerdeführer könne den Entscheid in der Schweiz abwarten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  in 
diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

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1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.

2.1 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

2.2 Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzel-
richterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters 
beziehungsweise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

2.3 Bei  der  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretens-
entscheide des  BFM beschränkt  sich  die Beschwerdeinstanz  praxis-
gemäss auf die Überprüfung der Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf 
das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Die Beurteilungskompetenz des 
Bundesverwaltungsgerichts  ist  somit  darauf  beschränkt,  im  Fall  der 
Begründetheit  des  Rechtsmittels  die  angefochtene  Verfügung  aufzu-
heben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückgehen  zu  lassen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34  E. 2.1 
S. 240 f.)  Lediglich  betreffend der  verfügten Wegweisung und deren 
Vollzugs hat das Bundesverwaltungsgericht volle Kognition, weil diese 
Punkte vom BFM bereits materiell geprüft wurden.

3. Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht 
eingetreten, wenn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täu-
schen  und  diese  Täuschung  aufgrund  der  Ergebnisse  einer  er-
kennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststeht. 

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Gestützt auf Art. 1 Bst. a  der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311)  umfasst der Begriff  der 
Identität  im  Rahmen  des  AsylG  und  der  AsylV1  Vornamen,  Staats-
angehörigkeit, Geburtsdatum, Geburtsort und Geschlecht.

4.

4.1 Zur  Begründung des Nichteintretensentscheides führte  das BFM 
aus, dass auf ein Asylgesuch nach Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht 
eingetreten  werde,  wenn  der  Gesuchsteller  die  Behörde  über  seine 
Identität  täuscht. Dies  treffe  im Falle  des  Beschwerdeführers  zu,  da 
dieser  sein  Asylgesuch unter  dem Namen B._______,  geboren (...), 
gestellt habe, es sich bei ihm jedoch gemäss eigenen Angaben vom 7. 
Januar 2010 bei der kantonalen Migrationsbehörde sowie gemäss den 
eingereichten Dokumenten um A._______, geboren am (...), handelt. 
Der Beschwerdeführer habe somit sein Asylgesuch erwiesenermassen 
unter falschem Namen gestellt. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht,  der Beschwerdeführer 
habe  zwar  ein  Asylgesuch  unter  falschem  Namen  und  falschem 
Geburtsdatum  eingereicht,  habe  dies  aber  auf  Empfehlung  ver-
schiedener  Bekannter  und  in  der  Überzeugung,  damit  nicht  rechts-
widrig zu handeln, getan. Zudem beweise die Tatsache, dass er  nun 
seine wahre Identität offengelegt habe, seinen guten Willen und seine 
Kooperationsbereitschaft. In Anbetracht seiner bevorstehenden Heirat 
mit  einer  Schweizer  Bürgerin  sei  eine  Wegweisung  auch  un-
verhältnismässig.

4.3 Gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG muss die Identitätstäuschung 
gegenüber  den  schweizerischen  Asylbehörden  erfolgt  sein  und  auf-
grund der erkennungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweis-
mittel  feststehen.  Im  vorliegenden  Fall  steht  die  Identitätstäuschung 
sowohl  aufgrund  der  eigenen  Aussagen des Beschwerdeführers  wie 
auch aufgrund der von ihm eingereichten Ausweise zweifelsfrei fest. In 
der  Beschwerde  vom 8.  Februar  2010  bestreitet  er  die  Einreichung 
eines  Asylgesuches unter  falschem Namen und Geburtsdatum auch 
nicht.  Vielmehr  verweist  er  auf  seine  Rechtsunkenntnis  und  seinen 
guten Willen bei der nachträglichen Identitätsoffenlegung.

Betreffend  der  vorgebrachten  Rechtsunkenntnis  des  Beschwerde-
führers  kann  auf  den  allgemeinen  Grundsatz  verwiesen  werden, 
wonach niemand Vorteile aus seiner Rechtsunkenntnis ableiten kann, 

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es sei denn, er könne sich auf den öffentlich-rechtlichen Vertrauens-
schutz berufen (vgl. BGE 124 V 215 E. 2b/aa). Hierbei  wäre  jedoch 
insbesondere erforderlich, dass eine Verwaltungsbehörde eine falsche 
Auskunft erteilte, auf welche sich der Beschwerdeführer stützen durfte 
(vgl. BGE 116 V 298 E. 3a). Dies wird durch den Beschwerdeführer 
jedoch nicht vorgebracht.

Auch  der  Einwand,  der  Beschwerdeführer  hätte  durch  die  nach-
trägliche Offenlegung  seiner  Identität  seinen guten Willen  bewiesen, 
vermag nicht zu überzeugen, da dies offensichtlich nur aus Gründen 
seiner bevorstehenden Heirat geschah.

Unbehelflich  ist  schliesslich,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  auf 
Art. 32  Abs.  3  Bst.  b  AsylG  beruft  (Beschwerde  S.  4).  Diese  Be-
stimmung bezieht sich einzig auf Nichteintretensverfahren gestützt auf 
den Tatbestand der unentschuldeten Nichteinreichung von Identitäts-
papieren gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG, nicht aber auf Gesuche, 
auf  welche  wie  vorliegend  wegen  feststehender  Identitätstäuschung 
gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG nicht eingetreten wird.

4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM auf das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers zu Recht nicht eintrat. Der Beschwerdeführer 
hat die Schweizerischen Asylbehörden erwiesenermassen über seine 
Identität getäuscht und der Tatbestand von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG 
ist somit erfüllt.

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländer-
rechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Er-
teilung einer  solchen. Dass der  Beschwerdeführer  beabsichtigt,  eine 
Schweizer Bürgerin zu heiraten, ändert an dieser Sachlage nichts; es 
ist  ihm  auch  zumutbar  die  Ehevorbereitungen  vom  Ausland  aus 
fortzusetzen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.

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6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheits-
verhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist  oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grund-
freiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

6.3 Der Grundsatz der Nichtrückschiebung schützt nur Personen, die 
die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da der Beschwerdeführer die Asyl-
behörden über seine Identität täuschte, entbehren seine unter falscher 
Identität  geltend  gemachten  Fluchtgründe  jeglicher  glaubhaften 
Grundlage. Es kann nicht davon ausgegangen werden, er erfülle die 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft,  weshalb  das  in  Art.  5 

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AsylG verankerte Prinzip der flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements 
im vorliegenden Verfahren keine Anwerdung findet. Eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Aus  den  selben  Gründen  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte  dafür, 
dass er  für  den Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat  dort  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1 
FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss 
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) 
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerde-
führer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft 
machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  un-
menschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse 
Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Be-
schwerde Nr. 37201/06,  §§ 124-127,  mit  weiteren Hinweisen),  wovon 
angesichts  der  Identitätstäuschung  nicht  auszugehen  ist.  Die  all-
gemeine  Menschenrechtssituation  in  Tunesien  erweist  sich  in  vielen 
Bereichen  als  prekär. Dem Regime unter  Präsident  Zine  El  Abidine 
Ben  Ali,  welcher  im  Oktober  2009  zum  fünften  Mal  wiedergewählt 
wurde,  werden  sowohl  willkürliche  Festnahmen  und  Verhaftungen, 
Folter  und  andere  Misshandlungen  als  auch  unfaire  Verfahren  vor-
geworfen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes  E-3752/2006 
vom 20. Mai 2009; Human Rights Watch, Tunisia, World Report 2009 
und 2010). Dies allein lässt den Wegweisungsvollzug im vorliegenden 
Fall  jedoch nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist 
der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl-  als auch der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  aufgrund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.5 Trotz der unter Erwägung 6.3 beschriebenen Schwierigkeiten kann 
nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  in  Tunesien  eine  Situation 
allgemeiner Gewalt herrsche, die für den Beschwerdeführer bei einer 

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möglichen Rückkehr eine konkreten Gefährdung darstellen würde. Aus 
den  Akten  ergeben  sich  auch  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der 
Beschwerdeführer unter gesundheitlichen Problemen zu leiden hätte. 
Hinsichtlich  seiner  persönlichen Verhältnisse  kann  eine vertiefte  Ab-
klärung unterbleiben,  da er  die  Folgen der  mangelhaften Mitwirkung 
respektive Verheimlichung seiner wahren Identität zu tragen hat. Nach 
dem  Gesagten  erweist  sich  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  zu-
mutbar.

6.6 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung zu be-
stätigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar  und  möglich  erachtet.  Nach dem Gesagten fällt  eine  Anord-
nung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1-4 
AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf 
insgesamt  Fr.  600.--  festzusetzen  (Art. 1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich,  dass  das  Verfahren  von  vornherein 
aussichtslos war und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG) deshalb abzuweisen ist.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM und die kantonale Migrationsbehörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Sandra Bodenmann

Versand: 

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