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**Case Identifier:** a6906f71-b9a5-5123-bc82-87d16cc1fec5
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-11
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 11.11.2021 P1 21 14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-21-14_2021-11-11.pdf

## Full Text

P1 21 14 und P3 21 56 

URTEIL VOM 11. NOVEMBER 2021 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Präsident; Dr. Lionel Seeberger und Raphaelle Favre 

Schnyder, Kantonsrichter; Flurina Steiner, Gerichtsschreiberin 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, vertreten durch 

Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold 

 

und 

 

X _________, Privatklägerin und Berufungsbeklagte 

Y _________, Privatklägerin und Berufungsbeklagte 

gegen 

 

Z _________, Beschuldigter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt 

Thomas Häusermann 

 

Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts Oberwallis für den Bezirk Visp  

vom 25. November 2020 [VIS S1 20 9]  

- 2 - 

Verfahren 

 

A.  Das Kreisgericht Oberwallis für den Bezirk Visp fällte nach Abschluss der Strafunter-

suchung und aufgrund der Anklageschrift vom 11. Februar 2020 (S. 976 ff.) am 

25. November 2020 folgendes Urteil, welches am 11. Februar 2021 in begründeter Form 

schriftlich eröffnet wurde (S. 1255 ff. und S. 1358 f.): 

1. Das Strafverfahren in Bezug auf den Vorwurf der Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch 
Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB angeblich begangen zum Nachteil von A _________ 
wird eingestellt. 

2. Z _________ wird von der Anklage der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB angeblich begangen 
zum Nachteil von B _________ und A _________ freigesprochen. 

3. Z _________ wird der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB und der mehrfachen Verlet-
zung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB schuldig 
gesprochen. 

4. Z _________ wird zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 34 Monaten verurteilt, wobei 12 Monate 
unbedingt und 22 Monate bedingt zu vollziehen sind. Für den bedingt ausgesprochenen Teil wird eine 
Probezeit von vier Jahren auferlegt. 

5. Die beschlagnahmten Datenträger iPhone 6 inkl. SIM-Karte und Netzkabel, Laptop PEAQ grau mit 
Netzkabel und Laptop ASUS schwarz mit Netzkabel sind Z _________ zurückzugeben, nachdem die 
sich auf den Datenträger befindenden deliktischen Daten unwiederbringlich gelöscht wurden. 

6. Es wird Akt davon genommen, dass Z _________ die geltend gemachten Zivilforderungen in folgendem 
Umfang anerkannt hat: 

- zu Gunsten von X _________: Fr. 770.--, bestehend aus Fr. 254.-- Reiseentschädigung und 

Fr. 516.-- Erwerbsausfall; 

- zu Gunsten von Y _________: Fr. 656.--, bestehend aus Fr. 216.-- Reiseentschädigung und 

Fr. 440.-- Erwerbsausfall; 

- zu Gunsten von C _________ Fr. 7’681.40, bestehend aus Fr. 81.40 Reiseentschädigung und 

Fr. 2'600.-- Anwaltskosten. 

7. Z _________ bezahlt folgende Zivilforderungen: 

- an X _________: eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 8'000.--, zuzüglich Zins von 5 % ab dem 

31. August 2014; 

- an Y _________: eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 6'000.--; 

- an C _________: eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 3'000.--. 

8. Die übrigen Zivilforderungen werden auf den Zivilweg verwiesen. 

9. Die Kosten des Vorverfahrens von insgesamt Fr. 7’227.75 werden wie folgt verlegt: 

- die Kosten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität D _________ im Zusammenhang mit der 

Strafuntersuchung im Fall B _________ in der Höhe von Fr. 3’167.75 werden dem Kanton Wallis 

auferlegt; 

- die übrigen Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 4'060.-- werden zu 4/5, d.h. 

zu Fr. 3'248.--, Z _________ und zu 1/5, d.h. zu Fr. 812.--, dem Kanton Wallis auferlegt. 

10. Die Kosten des Hauptverfahrens vor dem Kreisgericht Oberwallis von Fr. 3'000.-- werden zu 4/5, d.h. 
zu Fr. 2'400.--, Z _________ und zu 1/5, d.h. zu Fr. 600.--, dem Kanton Wallis auferlegt. 

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11. Der Kanton Wallis bezahlt dem amtlichen notwendigen Verteidiger Rechtsanwalt Thomas Häusermann 
eine Entschädigung von Fr. 16'000.-- (inkl. Auslagen und MwSt.). Z _________ wird verpflichtet, dem 
Kanton Wallis 4/5 dieser Entschädigung, d.h. Fr. 12'800.--, zurückzuzahlen. 

12. Z _________ zahlt X _________ für ihre anwaltliche Vertretung eine Parteientschädigung von 
Fr. 3'000.-- (inkl. Auslagen und MwSt.). 

B.  Der Verteidiger deponierte am 1. März 2021 eine Beschwerde gegen die Höhe der 

festgesetzten Entschädigung (Dossier P3 21 56). 

Der Beschuldigte reichte am 9. März 2021 eine Berufung mit folgenden Anträgen ein 

(S. 1536 ff. v.a. S. 1538): 

1. Der Berufungskläger sei auch bezüglich der Vorwürfe der Schändung zum Nachteil einer unbekannten 
Frau am 25. Mai 2014 und der mehrfachen Schändung zum Nachteil von Y _________ von Schuld und 
Strafe freizusprechen; 

2. Der Berufungskläger sei mit einer angemessenen, tieferen, bedingten Strafe zu bestrafen. Eventualiter 
sei er mit einer angemessenen, tieferen, teilbedingten Strafe zu bestrafen, wobei der unbedingt zu voll-
ziehende Teil der Strafe angemessen zu reduzieren sei. Die Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen 
(sowohl im Falle einer bedingten als auch einer teilbedingten Strafe); 

3. Der Privatklägerin X _________ sei eine angemessene, tiefere Genugtuung zuzusprechen; 

4. Der Privatklägerin Y _________ sei keine Genugtuung zuzusprechen; 

5. Die Kosten des Vorverfahrens und Hauptverfahrens seien ausgangsgemäss neu zu verlegen; 

6. Die Höhe der Rückzahlungspflicht der Entschädigung der amtlichen Verteidigung sei ausgangsgemäss 
neu zu verlegen; 

7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) des Berufungsverfahrens gemäss dem Aus-
gang des Berufungsverfahrens. 

C.  Weder die Staatsanwaltschaft noch die Privatklägerschaft deponierten eine An-

schlussberufung. 

Das Gericht schränkte die Publikumsöffentlichkeit am 24. September 2021 ein 

(P2 21 48). 

D.  Die Beteiligten stellten an der Berufungsverhandlung vom 5. Oktober 2021 folgende 

Anträge: 

Staatsanwalt (S. 1689): 

1. Die Berufung von Z _________ vom 9. März 2021 ist vollumfänglich abzuweisen und das Urteil des 
Kreisgerichtes Oberwallis vom 25. November 2021 ist zu bestätigen. 

2. Z _________ wird der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB und der mehrfachen Verlet-
zung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB schuldig 
gesprochen. 

3. Z _________ wird zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 34 Monaten verurteilt, wobei 12 unbedingt 
und 22 Monate bedingt zu vollziehen sind. Für den bedingt ausgesprochenen Teil wird eine Probezeit 
von vier Jahren auferlegt. 

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4. Die Ziffern 5 bis 12 des Urteils des Kreisgerichtes Oberwallis vom 25. November 2021 sind zu bestäti-
gen. 

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind Z _________ aufzuerlegen. 

 

Verteidigung (S. 1691 f.): 

1. Mein Mandant sei auch bezüglich der Vorwürfe der Schändung zum Nachteil einer unbekannten Frau 
am 25. Mai 2014 und der mehrfachen Schändung zum Nachteil von Y _________ von Schuld und 
Strafe freizusprechen; 

2. Er sei mit einer angemessenen, tieferen, bedingten Strafe zu bestrafen, eventualiter mit einer ange-
messenen, tieferen, teilbedingten Strafe, wobei der unbedingt zu vollziehende Teil der Strafe angemes-
sen zu reduzieren sei. Die Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen; 

3. Der Privatklägerin X _________ sei eine angemessene, tiefere Genugtuung zuzusprechen; 

4. Der Privatklägerin Y _________ sei in Abänderung zum Antrag in der Berufserklärung eine Genugtuung 
in der Höhe von Fr. 1'500.00 zuzusprechen; 

5. Die Kosten des Vor- und Hauptverfahrens seien ausgangsgemäss neu zu verlegen, genauso die Höhe 
der Rückzahlungspflicht der Entschädigung der amtlichen Verteidigung; 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) des Berufungsverfahrens gemäss dem Aus-
gang des Berufungsverfahrens, wobei die Kosten der amtlichen Verteidigung gemäss eingereichter Ho-
norarnote auf die Gerichtskasse zu nehmen seien. 

Die Beteiligten verzichteten am Schluss der Berufungsverhandlung auf ein mündlich be-

gründetes Urteil (S. 1674). Zwei Privatklägerinnen deponierten nach der Sitzung Mittei-

lungen (S. 1732 ff.), wovon die Beteiligten in Kenntnis gesetzt wurden. 

 
Sachverhalt und Erwägungen 

 

1. Formelles 

1.1  Nach der vorliegend anwendbaren StPO (Art. 1 Abs. 1 StPO) ist gegen Urteile erst-

instanzlicher Gerichte, d.h. des Bezirksrichters als Einzelrichter und des Kreisgerichts 

als Kollegialgericht (Art. 19 StPO; Art. 12 EGStPO), mit denen das Verfahren ganz oder 

teilweise abgeschlossen worden ist, gemäss Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO die Berufung zulässig. Das Kantonsgericht ist Berufungsinstanz (Art. 14 Abs. 1 

EGStPO). Ein Kantonsrichter kann bei Berufungen gegen Urteile der Bezirksrichter allein 

entscheiden, wenn als Hauptstrafe eine Busse, eine Geldstrafe, eine gemeinnützige Ar-

beit oder eine bedingte Freiheitsstrafe auszufällen und keine vorausgehende bedingte 

Freiheitsstrafe zu widerrufen ist (Art. 19 Abs. 2 StPO; Art. 14 Abs. 2 Satz 1 EGStPO). 

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Der mit der Behandlung betraute Kantonsrichter kann den Fall vor den Gerichtshof brin-

gen, welcher auch die übrigen Berufungen beurteilt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 

EGStPO).  

Die Zuständigkeit des hier urteilenden Gerichts ist in casu gegeben. 

1.2  Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-

rung eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen. Der Beschuldigte ist vom 

erstinstanzlichen Schuldspruch direkt betroffen. Er ist damit in seinen rechtlich geschütz-

ten Interessen berührt und demzufolge zur Berufung legitimiert (Art. 392 Abs. 1 StPO). 

1.3  Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils beim erstinstanzlichen 

Gericht entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 

StPO). Innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils hat die Partei, die 

Berufung angemeldet hat, dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

einzureichen und darin anzugeben, inwieweit sie das Urteil anficht und dessen Abände-

rung verlangt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die anderen Parteien können innert 20 Ta-

gen seit Empfang der Berufungserklärung Anschlussberufung einreichen (Art. 400 Abs. 

3 StPO). 

Die Parteien erhielten das Judikatum am 7. Dezember 2020 übermittelt (S. 1234) und es 

ging am Folgetag beim Verteidiger ein (S. 1236). Der Beschuldigte meldete die Berufung 

am 17. Dezember 2020 an (S. 1245). Das angefochtene Urteil ist am 11. Februar 2021 

schriftlich begründet versandt und am 18. Februar 2021 zugestellt worden (S. 1535). Der 

Verurteilte hat die Berufung am 9. März 2021 beim Kantonsgericht erklärt (S. 1536).  

Die Beschwerde ist am 1. März 2021 beim Kantonsgericht deponiert worden (P3 21 56). 

Letzteres hat auf die form- und fristgerecht deponierten Rechtsmittel einzutreten. 

1.4  Die Beteiligten können mit der Berufung im Regelfall Rechtsverletzungen, Rechts-

verweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung 

des Sachverhalts sowie Unangemessenheit rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Einschrän-

kende Vorschriften gelten für Übertretungen sowie im Zivilpunkt (Art. 398 Abs. 4 und 5 

StPO). Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich an-

zugeben, auf welche der in Art. 399 Abs. 4 lit. a bis g StPO aufgezählten Teile sich die 

Berufung beschränkt. Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen 

Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Seine Kontrolle bleibt jedoch im 

Prinzip auf die angefochtenen Punkte beschränkt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann aber 

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zu Gunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte kontrollieren, um 

gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO; zur 

Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide vgl. Art. 392 StPO). Die Berufung 

hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). 

Das Berufungsgericht fällt bei Eintreten auf die Berufung ein neues Urteil (Art. 408 StPO) 

oder weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, sofern das erstin-

stanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren nicht ge-

heilt werden können (Art. 409 StPO). 

Der Beschuldigte hat als einziger eine Berufung gegen das Urteil S1 20 9 eingereicht. 

Eine Anschlussberufung fehlt. Der Angeklagte ficht die mehrfachen Verurteilungen we-

gen Schändung zum Nachteil von Y _________ und betreffend eines Vorfalls vom 

25. Mai 2014 zum Nachteil einer unbekannten Frau an. Er ist ausserdem mit der Sach-

verhaltsfeststellung in Bezug auf die mehrfachen Schändungen von X _________ nicht 

einverstanden. Der Berufungskläger fordert eine Reduktion der Strafe und eine Anpas-

sung der Genugtuungsentschädigungen für diese zwei Privatklägerinnen. Der Ange-

klagte will schliesslich eine Neuverlegung der Kosten und der entsprechenden Rückzah-

lungspflicht. Der Verteidiger fordert im Beschwerdeverfahren P3 21 56 eine Entschädi-

gung von Fr. 28'985.00, eventualiter Fr. 26'659.55 und subeventualiter soll der entspre-

chende Entscheid der Vorinstanz kassiert werden.  

Ziff. 1 (Einstellung Verletzung Geheim- und Privatbereich zum Nachteil von 

A _________), Ziff. 2 (Freispruch Schändung zum Nachteil von B _________/ 

A _________), Ziff. 3 (teilweise, ausser mehrfache Schändung Y _________ und unbe-

kannte Frau am 25. Mai 2014), Ziff. 5 (Beschlagnahmung), Ziff. 6 (Zivilforderungen), 

Ziff. 7 (Schmerzensgeld teilweise, ausser Genugtuung X _________ und Y _________), 

Ziff. 8 (Verweis der Zivilforderungen auf den Zivilweg), Ziff. 9 und 10 (Kosten, teilweise 

da Neuaufteilung gefordert) sind nicht angefochten worden.  

1.5  Verlangt die amtliche Verteidigung eine höhere Entschädigung als ihr von der ersten 

Instanz zugesprochen worden ist, kann dies nur mit Beschwerde im eigenen Namen 

geltend gemacht werden. Der Weg der Berufung steht ihr nicht offen (BGE 139 IV 119 

E. 5.2). Die Beschwerde ist schriftlich und begründet innert einer Frist von 10 Tagen zu 

erheben (Art. 396 Abs. 1 StPO), was vorliegend erfolgt ist. Tritt die Berufungsinstanz 

aber auf eine neben der Beschwerde erhobene Berufung ein, so fällt sie ein neues Urteil, 

welches das mit der Beschwerde angefochtene erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 

StPO). Damit wird die Beschwerde gegenstandslos. Hingegen sind die Einwände der 

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amtlichen Verteidigung gegen die vorinstanzliche Entschädigung mit der Berufung zu 

beurteilen (BGE 139 IV 119 E. 5.6). 

1.6  Die Rechtsmittelinstanz darf nach Art. 391 Abs. 2 StPO Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist (Verbot der reformatio in peius; vgl. BGE 139 IV 282 E. 2.5). Das 

Verschlechterungsverbot ist auch verletzt, wenn die Kosten- und Entschädigungsrege-

lung zum Nachteil des Rechtsmittelklägers geändert wird (Bundesgerichtsurteil 

6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014 E. 2.3). Der Staatsanwalt und die Privatklägerschaft 

haben keine Anschlussberufung deponiert, weshalb das vorinstanzliche Urteil nicht zum 

Nachteil des Angeklagten abgeändert werden darf. 

1.7  Die Privatklägerin Y _________ hat am 9. September 2019 ein Dispensationsge-

such eingereicht und erklärt, sie habe kein Interesse mehr an der Weiterführung des 

Verfahrens und an einer Beteiligung (S. 1669). Das Gericht hat die juristische Laiin da-

raufhin befragt, ob dies bedeute, dass sie auf die Geltendmachung der zugesprochenen 

Entschädigungen verzichte, was sie verneint hat (S. 1676 A. 2 ff.). Das Gericht hat die 

Privatklägerin demzufolge weiterhin als Auskunftsperson einvernommen. 

Das Verfahren ist gegenüber diversen Personen mangels Berufung und Anschlussberu-

fung abgeschlossen (vgl. E. 1.4). Das Gericht hat die noch am Prozess Beteiligten am 

24. Juni 2021 ausdrücklich vorgeladen und den übrigen Privatklägerinnen mitgeteilt, sie 

seien nicht verpflichtet, an der Verhandlung persönlich teilzunehmen. Es gehe davon 

aus, dass sie ohne ausdrückliche gegenteilige Mitteilung auf die Teilnahme an der Be-

rufungsverhandlung verzichten würden und sie würden demzufolge dispensiert 

(S. 1660 f.). Die in Madrid zugelassene Anwältin von C _________ (S. 1102; vgl. Art. 3 

des Gesetzes über den Anwaltsberuf des Kantons Wallis vom 6. Februar 2001 [AnwG; 

SGS/VS 177.1]) hat daraufhin per E-Mail ihre Teilnahme an der Verhandlung bestätigt 

und ausserdem mitgeteilt, ihre Klientin sei Opfer und wolle bei der Berufungsverhand-

lung aussagen. Sie spreche Englisch oder Französisch. Das Gerichtssekretariat hat ihr 

auf gleichem Wege geantwortet, elektronische Anfragen seien ohne Signatur nicht zu-

lässig und sie aufgefordert, ihre Eingabe erneut per Post oder per E-Mail mit elektroni-

scher Unterschrift zuzustellen (S. 1664). Es sind bis zur Verhandlung keine Reaktionen 

mehr erfolgt. Die Anwältin befand sich mit ihrer Klientin – für die Verfahrensleitung über-

raschend – bereits auf einem Platz, nachdem das Gericht den Saal betreten hat. Das 

Gericht hat bei der Befragung der anderen Betroffenen die Anwältin angesprochen. 

Diese hat als Beweis die Befragung ihrer Klientin und das Depot eines Plädoyers bean-

tragt. Der Gerichtshof hat sich nach Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Beratung 

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zurückgezogen und den Beweisantrag gutgeheissen. Der Antrag auf das Halten eines 

Plädoyers wurde hingegen abgelehnt, weil die Zeugin dazu nicht mehr legitimiert gewe-

sen ist (S. 1672). Der Beschuldigte hat glaubwürdig behauptet, sein Verteidiger habe die 

Anwältin zur Bezahlung der offenen Rechnung erfolglos kontaktiert (S. 1685; vgl. S. 1731 

[26. August 2021]). 

2.  Angeklagter Sachverhalt 

Die Staatsanwaltschaft hat dem Beschuldigten vorgeworfen, an sieben Frauen 

(B _________; 2 Unbekannte; C _________; Y _________; A _________; 

X _________), die wegen Alkoholkonsum oder der Einnahme anderer Substanzen zum 

Widerstand unfähig gewesen sind, sexuelle Handlungen vollzogen zu haben. Der Ange-

klagte habe ausserdem von sieben widerstandsunfähigen Frauen (2 Unbekannte; 

E _________; C _________; Y _________; A _________; X _________), ohne deren 

Wissen und Einwilligung, Nacktfotos und/oder Videos erstellt. 

3.  Rechtliches 

Derjenige, der eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum 

Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen Handlung oder zu einer sexuellen Handlung 

missbraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft 

(Art. 191 StGB).  

Widerstandsunfähigkeit liegt vor, wenn die betroffene Person nicht im Stande ist, sich 

gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Die Norm schützt somit Personen, die 

einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht 

oder nicht sinnvoll bilden, äussern oder betätigen können. Es genügt, wenn das Opfer 

nur vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. Die Gründe für die Widerstandsunfähig-

keit können auch in einer Summierung von Schläfrigkeit oder Alkoholisierung liegen. Die 

Widerstandsfähigkeit muss jedoch gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgendeinem 

Grad beeinträchtigt oder eingeschränkt sein. Die blosse Herabsetzung der alkoholbe-

dingten Hemmschwelle ergibt noch keine Widerstandsunfähigkeit (Bundesgerichtsur-

teile 6B_543/2019 vom 17. Januar 2020 E. 3.1.2; 6B_453/2007 vom 19. Februar 2008 

E. 3.1).  

Missbrauch liegt vor, wenn der Täter die Schutzlosigkeit des Opfers ausnützt (BGE 133 

IV 49 E. 7.2 mit Hinweisen). 

Alle Akte, die ihrem äusseren Erscheinungsbild nach einen eindeutigen Sexualbezug 

haben, d.h. unmittelbar auf die Erregung und/oder Befriedigung geschlechtlicher Lust 

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gerichtet sind, bilden sexuelle Handlungen (BGE 125 IV 62; Ackermann/Vogler/Bau-

mann/Egli, in: Strafrecht Individualinteressen, Gesetz, System und Lehre im Lichte der 

Rechtsprechung, Bern 2019, Sexualdelikte: System und Grundbegriffe, S. 363). Verhal-

tensweisen, die mit Berührungen der primären und sekundären Geschlechtsteile ver-

bunden sind, haben in der Regel einen Sexualbezug (BGE 84 IV 101; Godenzi, in: 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 4. A., Bern 2020, N. 6 zu Art. 187 

StGB). Die individuelle Interpretation des Betrachters beeinflusst erheblich, ob eine se-

xuelle Handlung vorliegt. Es ist demnach von einer sexuellen Handlung auszugehen, 

wenn die in Frage stehende Aktion einen eindeutigen sexuellen Bezug aufweist. Sie 

muss jedoch im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut von einiger Erheblichkeit sein 

(BGE 131 IV 103; Godenzi, a.a.O., N. 6 zu Art. 187 StGB). Die Prüfung der Erheblichkeit 

der Rechtsgutsbeeinträchtigung erlaubt die Abgrenzung von sozialadäquaten zu tatbe-

standsmässigen Verhaltensweisen. Das Gericht hat qualitativ auf die Art und quantitativ 

auf die Intensität und Dauer einer Handlung abzustellen und die gesamten Begleitum-

stände zu berücksichtigen (Bundesgerichtsurteil 6B_727/2013 vom 7. Oktober 2014 

E. 3.3; Ackermann/Vogler/Baumann/Egli, a.a.O., S. 365).  

Der Beschuldigte muss zumindest eventualvorsätzlich handeln (Bundesgerichtsurteile 

6B_586/2019 vom 3. Juli 2019 E. 1.4.1; 6B_232/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2 

mit Hinweisen).   

4.  Beweiswürdigung und Subsumtion 

4.1  Unschuldsvermutung 

Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (Unschuldsver-

mutung, Art. 10 Abs. 1 StPO). Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem 

gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO).  

Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK gewährleistete Unschuldsvermutung 

besagt als Beweislastregel, die Anklagebehörde müsse die Schuld des Angeklagten be-

weisen und nicht dieser seine Unschuld. Der gleiche Grundsatz verbietet dem Straf-rich-

ter als Beweiswürdigungsregel, sich von der Existenz eines für den Angeklagten ungüns-

tigen Sachverhalts überzeugt erklären zu lassen, wenn bei objektiver Betrachtung er-

hebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, der Sachverhalt habe sich so 

verwirklicht (BGE 138 V 74 E. 7). Der Strafrichter geht im Falle unüberwindlicher Zweifel 

von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus. Die Maxime bezieht sich 

nur auf die Feststellung der Tatsachen und nicht auf deren rechtliche Würdigung. «Aus-

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sage-gegen-Aussage-Konstellationen», in welchen sich als massgebliche Beweise be-

lastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der beschul-

digten Person gegenüberstehen, müssen keineswegs zwingend oder auch nur höchst-

wahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz «in dubio pro reo» zu einem Freispruch füh-

ren (vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3). Der Erstaussage kommt in der Aussagepsychologie 

aufgrund gedächtnispsychologischer Voraussetzungen entscheidende Bedeutung zu 

(Bundesgerichtsurteil 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1).  

Die Glaubhaftigkeit einer Aussage ist für die Wahrheitsfindung bedeutungsvoll. Sie wird 

durch methodische Prüfung ihres Inhalts darauf analysiert, ob die auf ein bestimmtes 

Geschehen bezogenen Angaben dem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. 

Die betreffende Äusserung ist namentlich auf das Vorhandensein von Realitätskriterien 

(Aussagedetails, Individualität, Verflechtung, Widerspruchsfreiheit, Konstanz etc.) und 

umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu untersuchen. Das Gericht hat zu 

kontrollieren, ob die aussagende Person eine solche Behauptung unter Berücksichti-

gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage auch ohne 

realen Erlebnishintergrund machen könnte. Das Gericht soll im Rahmen eines hypothe-

sengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, 

sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage 

sowie des Aussageverhaltens das insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehlerquellen 

testen. Die Prüfung soll ausserdem die persönliche Kompetenz der aussagenden Per-

son werten. Das Gericht hat dabei vorab von einer nichtrealitätsbegründeten Aussage 

auszugehen. Erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der festgestellten 

Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, darf das Gericht darauf schliessen, dass die 

Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3; 

Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). 

Es existieren Fallkonstellationen, bei welchen die Methode der Realkennzeichenanalyse 

an ihre Grenzen stösst. Das gilt auch, wenn der Beschuldigte nicht den Geschlechtsakt 

an sich, sondern lediglich das fehlende Einverständnis des Opfers bestreitet. Diesfalls 

kann die Realkennzeichenanalyse bei der Würdigung der Aussagen des Angeklagten 

zurückhaltend angewandt werden (Bundesgerichtsurteil 6B_494/2012 vom 21. Februar 

2013 E. 1.4.1). 

Selbst erlebte Ereignisse bleiben länger im Gedächtnis gespeichert als blosse Erfindun-

gen. Erlebnisbegründete Schilderungen schneiden bei wiederholten Befragungen be-

züglich Konstanz besser ab als erfunden Aussagen. Erinnerungsverluste sind allerdings 

immer möglich, sie müssen geradezu erwartet werden. Teils wird von «relativer Kon-

stanz» gesprochen, wobei Abweichungen, die mit einem natürlichen Erinnerungsverlust 

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zu vereinbaren sind, Merkmale für die Bejahung der Glaubhaftigkeit sind: Es wäre zu 

einfach, zu behaupten, die Konstanz einer Aussage spräche für ihre Glaubhaftigkeit, 

während die Inkonstanz ihre Unglaubhaftigkeit anzeigt. Entscheidend sei die Prüfung 

der Art der Konstanz. Erwartete Konstanzen betreffen etwa Handlungen des Kernge-

schehens, unmittelbar am Kerngeschehen beteiligte Personen, Tatörtlichkeiten, hand-

lungsrelevante Gegenstände, globale Körperpositionen oder Lichtverhältnisse (Helligkeit 

bzw. Dunkelheit). Erwartete Erinnerungsverluste (psychologisch erwartete Inkonstan-

zen) beziehen sich hingegen auf Schilderungen des peripheren Geschehens, die zeitli-

che Reihenfolge von verschiedenen Phasen eines Vorganges oder von verschiedenen 

abgeschlossenen Handlungen, auf Schätzungen beruhende Angaben, Angaben über 

unangenehme Empfindungen, Häufigkeitsangaben bei ähnlichen Vorfällen, Kleidung, 

Wetterverhältnisse oder Zahlenangaben (Berlinger, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im 

Strafprozess, Beweiseignung und Beweiswert, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 44 f.).  

Es ist mithin zu prüfen, was als «Kerngeschehen» und was als «Randgeschehen» an-

zusehen ist. Die überwiegende Meinung in Rechtsprechung und Literatur definiert das 

Kerngeschehen subjektiv: Das Gericht hat mithin das, was für die betreffende Auskunfts-

person in der konkreten Situation emotional besonders wichtig erschien und sie bewegt 

hat zu bestimmen. Dieses subjektive Kerngeschehen muss somit im Prozess von Zeuge 

zu Zeuge neu bestimmt werden. Es existiert kein (feststehendes) prozessuales, sondern 

nur ein personales Kerngeschehen. Die herrschende Rechtsprechung und Lehre defi-

niert Kerngeschehen folglich nicht aus der Sicht des in Frage stehenden Tatbestandes 

oder Lebenssachverhaltes (Hussels, Von Wahrheiten und Lügen - Eine Darstellung der 

Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012 S. 372). 

Die Zeitintervalle zwischen den Aussagen sowie zwischen den Aussagen und den ge-

schilderten Ereignissen sind bei der Konstanzanalyse von zentraler Bedeutung. Ein Un-

terschied von wenigen Wochen erlaubt es regelmässig nicht, signifikante Konstanzphä-

nomene zu entwickeln. Das Gericht darf andererseits bei Zeiträumen von mehr als zwei 

oder drei Jahren auch bei erlebnisbegründeten Aussagen regelmässig keine Konstanz 

mehr erwarten (Berlinger, a.a.O., S. 45). 

4.2  Unstrittiger Sachverhalt 

Die meisten bekannten Opfer behaupten (S. 1277 E. 3.3; C _________ S. 448 A. 26; 

Y _________ S. 556 A. 10 und S. 868 A. 2 ff.; E _________ S. 352 f. A. 12; S. 354 A. 

26; A _________ S. 878 A. 9 f.), bei den Vorfällen stark betrunken gewesen zu sein. 

B _________ (sie habe Alkohol getrunken, sei aber nicht betrunken gewesen S. 884) 

und X _________ (alkoholisiert an einem Abend S. 699 A. 21 ff., am zweiten Abend 

- 12 - 

praktisch nicht S. 702 A. 58) bringen einen geringeren Alkoholkonsum vor (S. 1299 E. 

3.10.1). Der Beschuldigte behauptet, die Betroffenen seien «maximal betrunken», aber 

nicht «stark oder sturzbetrunken» gewesen (S. 1140 A. 16).  

Alle einvernommenen Frauen machen Erinnerungslücken oder fragmentarische Erinne-

rungen an das Geschehene geltend (S. 1298 E. 3.10.1; C _________ S. 454 

A. 76; Y _________ S. 556 A. 11 und S. 868 A. 2 ff.; A _________ S. 623 A. 23, 26 und 

28 und S. 878 A. 10; X _________ S. 697 ff. A. 10, 12, 13, 38 und 41; E _________ 

S. 354 f. A. 29 und 33, S. 356 A. 46; B _________ S. 885 A. 6). X _________ gibt an, 

sie könne sich auch an dem Abend, an dem sie wenig Alkohol konsumiert habe, nur 

bruchstückhaft erinnern (S. 702 A. 59). Der Angeklagte zeigt sich vor dem Kreisgericht 

erstaunt, dass sich die Frauen nicht zurückbesinnen können (S. 1140 A. 16). 

Die Vorinstanz erwägt richtig und ausführlich, ein Vergleich der Aussagen der Privatklä-

gerinnen offenbare in Bezug auf die angeklagten Vorfälle «erstaunliche Parallelen», ob-

wohl die Betroffenen unabhängig voneinander einvernommen worden seien und bei ih-

rer ersten polizeilichen Einvernahme keine Kenntnis voneinander gehabt hätten (S. 1298 

E. 3.10.1). Das Kreisgericht hat ferner ausführlich und richtig argumentiert, die ermit-

telnde Beamtin habe bei den Erstbefragungen offene Fragen gestellt (S. 1299 

f. E. 3.10.1.1 f.). Es liegt somit keine Einflussnahme der Strafuntersuchungsbehörden 

vor, die Ermittlungsarbeit ist mitnichten einseitig und die Aussagen offenbaren, wie das 

Kreisgericht festgestellt hat, tatsächlich bemerkenswerte Parallelen.  

Die Polizei hat im Rahmen einer Hausdurchsuchung mehrere Datenträger beschlag-

nahmt. Der Beschuldigte hat diverses pornografisches Material mit betrunkenen oder 

schlafenden Frauen konsumiert (S. 1274 E. 3.3; vgl. S. 228 ff.). Es liegen weiter Screens-

hots und selbst aufgenommene Bilder von betrunkenen und schlafenden Frauen vor 

(S. 228 ff.). Der Beschuldigte behauptet dazu, er habe nach Partybildern gesucht (S. 254 

A. 29). Die aktenkundigen Fotos lichten deutlich betrunkene Personen ab und nicht 

Frauen, die feiern. Die Vorinstanz hat somit richtig erwogen, aufgrund des langjährigen 

und regelmässigen Konsumverhaltens des Beschuldigten (vgl. die Tabelle S. 239 ff.) 

weise der Angeklagte ein sexuelles Interesse an betrunkenen und schlafenden Frauen 

auf (S. 1301 E. 3.10.1.3). Der Angeklagte gibt weiter vor Kreisgericht zu, er habe bereits 

gesagt, er habe eine «Affinität» zu Füssen (S. 1142 A. 23). C _________ bezeichnet ihn 

als Fussfetischisten (S. 451 A. 49). Entsprechende Fotos befinden sich wiederholt in den 

Akten. 

- 13 - 

Die Akten enthalten weiter selbst angefertigte Foto- und Videoaufnahmen von nackten, 

schlafenden Frauen, welche von der Polizei auf Datenträgern des Angeklagten wieder-

hergestellt worden sind. Fünf (C _________; Y _________; A _________; X _________; 

E _________) von sieben Betroffenen konnten identifiziert und kontaktiert werden, zwei 

(S. 263 ff. [17. November 2013] und S. 317 ff. [25. Mai 2014]) nicht (S. 1275 ff. E. 3.3). 

Der Beschuldigte hat zugegeben, seit Jahren in seiner Wohnung schlafende oder ko-

matös wirkende Frauen nackt fotografiert zu haben. Die erste Aufnahme sei, laut Aus-

sage vom 25. Juli 2017, vor vier oder fünf Jahren erfolgt, die letzte im Sommer 2016 

(S. 416 A. 9 und 10). Er habe die Handyfotos später weder angeschaut noch verwendet, 

die Fotos resultierten aus einer spontanen und unüberlegten Aktion (S. 1275 E. 3.3.1). 

Er habe Fotos von C _________ zu löschen vergessen, sonst seien alle Fotos von den 

Datenträgern entfernt gewesen (S. 920 A. 8). Der Angeklagte hat auf die Frage, warum 

er widerstandsunfähige Frauen fotografiert habe, statt mit ihnen einvernehmlich sexuell 

zu verkehren, während sie wach gewesen sind, geantwortet: «Ich wollte offenbar die 

Vagina besser sehen und Fotos erstellen» (S. 257 A. 62 und 63).  

Die unbekannte Frau vom 17. November 2013, C _________ und X _________ seien 

während den von ihm durchgeführten Manipulationen während des Fotografierens nicht 

aufgewacht. Einzig C _________ habe im Halbschlaf kurz reagiert (S. 1140 A. 17). Der 

Beschuldigte hat zugegeben, beim Ausgreifen und beim Fotografieren von C _________ 

und X _________, welche davon nichts mitbekommen hätten, eine Grenze überschritten 

zu haben (S. 1176 E. 3.3.3). Der Berufungskläger hat die meisten Aufnahmen, abgese-

hen von denjenigen von C _________, gelöscht und keiner Drittperson zugänglich ge-

macht (S. 1140 A. 17; S. 1344 E. 5.4). Der Beschuldigte bestätigt, die Frauen hätten 

beim Fotografieren geschlafen (S. 920 A. 8). Er habe sich auch gefragt, warum die 

Frauen nicht aufgewacht sind, wenn er sie im Schlaf manipuliert habe. Sie seien dies 

durch die vorausgegangenen Berührungen gewohnt gewesen, es sei sehr spät gewesen 

und die Betroffenen müde (S. 1141 A. 18). Diese Aussagen bekräftigen die Behauptung 

der beteiligten Frauen, sie seien widerstandsunfähig gewesen. 

Der Beschuldigte bestreitet, jemals einer Frau bewusstseinsverändernde Substanzen 

verabreicht zu haben (S. 1138 A. 12). Er konsumiere weder Medikamente noch Drogen 

(S. 309 A. 19) und trinke im Ausgang wenig Alkohol, im Normalfall ein, zwei Drinks und 

dazu Mineral und Coke Zero (S. 308 A. 16). Es fehlen hinreichende Beweise, wonach 

die wiederholt geäusserten Behauptungen, der Angeklagte habe die Opfer mit Betäu-

bungsmitteln widerstandsunfähig gemacht, zutreffen könnten.  

Der Angeklagte gibt bei der ersten Einvernahme i.S. Y _________ vom 25. Juli 2017 zu 

bedenken, die letzte Befragung liege bereits Monate zurück (S. 564 A. 3). Dies gelte 

- 14 - 

umso mehr für die Befragung i.S. X _________ vom 26. September 2017 (S. 757 ff.). 

Der Angeklagte ist bei diesen Einvernahmen bereits seit Monaten über eine vergleich-

bare strafrechtliche Problematik orientiert. Er hat sich dementsprechend für die Einver-

nahmen vorbereiten können und weiss, wie er aussagen muss, um sich möglichst wenig 

zu belasten. Sein Interesse am Verfahrensausgang ist im Übrigen erheblich, zumal die 

Tatvorwürfe schwer wiegen. 

Der Beschuldigte versucht seine Aussagen im Verlauf des Prozesses zu beschönigen 

und hat in einem Fall sogar das Verhalten der Betroffenen zu beeinflussen versucht. Er 

gibt zum Beispiel an, einer Frau nach einer Einladung eine Flasche Wein mitgenommen 

zu haben. Dies relativiert er vor Kreisgericht, nachdem er Bezug auf die Aussage der 

Betroffenen nimmt, welche von mehreren Flaschen spricht. Er habe eine zweite Flasche 

plus eine Flasche Wodka mitgenommen. Alle drei Flaschen seien geöffnet worden, er 

wisse aber nicht mehr, wieviel Wein konsumiert worden sei. Der Wodkadrink sei aber 

nicht zu Ende getrunken worden (S. 1138 A. 14). Der Angeklagte ist am 16. März 2017 

verhaftet und seine Datenträger sind sichergestellt worden (S. 475). Ein Opfer gibt an, 

der Angeklagte habe dieses 2017 kontaktiert und ihm von den Fotografien erzählt. Er 

habe das Opfer gebeten, gegenüber der Polizei zu behaupten, in die Fotos eingewilligt 

zu haben (S. 453 A. 68 S. 475 ff.). Die ab dem 17. März 2017 ausgetauschten digitalen 

Botschaften sind aktenkundig und zeigen auf, wie stark das Opfer vom Vorfall betroffen 

ist. Es lehnt dieses Ansinnen, die Strafuntersuchungsbehörden zu belügen, ab («I talked 

to my boyfriend and he said I should never lie to the police …»), worauf der Angeklagte 

u.a. antwortet: «… but at last, please don’t tell them that I contacted you» (S. 486) oder 

«please don’t forget, never try to write on my phone number in the future, cause they 

must not know that we have talked» (S. 478). Der Angeklagte hat mithin doppelt ver-

sucht, seine Situation durch die Kontaktaufnahme von Beteiligten zu seinen Gunsten zu 

beschönigen, was bei der Würdigung seiner Aussagen zu beachten ist. Der Beschuldigte 

ist zu diesem Vorfall vom Staatsanwalt angesprochen worden und hat erklärt, es sei ihm 

bei der Kontaktaufnahme primär darum gegangen, sich zu entschuldigen. Er habe der 

Betroffenen erklärt, es wäre wichtig, wenn sie sich noch an den Vorfall erinnern könnte. 

Er habe sie gebeten, nichts der Polizei zu sagen, weil die ermittelnde Beamtin gesagt 

hat, dies wäre nicht gut. Er habe sie bei der Kommunikation mit dem Messenger nur 

beruhigen wollen, dass er die Fotos nicht verwendet habe und dass sie der Polizei vom 

Treffen nichts sagen wollte (S. 921 A. 14). Der Angeklagte hat bei dieser Stellungnahme 

verschwiegen, dass er das Opfer auch zum Lügen und zum Verschweigen der Kontakt-

aufnahme anstiften wollte.  

- 15 - 

Es ist ausserdem bemerkenswert, wenn sich der Angeklagte mit Jahrgang 1970 gegen-

über einer 16 Jahre alten Betroffenen beim Kennenlernen im Silvester 2016/17 als 36-

Jähriger ausgibt, statt zu bestätigen, dass er noch zehn Jahre älter ist (S. 160 A. 22). 

Der Beschuldigte ist also durchaus im Stande, die jüngeren Frauen beim Kennenlernen 

anzulügen, wenn dies für ihn vorteilhaft ist. Y _________ hat Jahrgang 1987 (S. 554), 

X _________ 1978 (S. 695). Er scheint auch gegenüber C _________ nicht sein richti-

ges Alter angegeben zu haben (S. 448 A. 28). Es besteht namentlich bei der ersten 

Privatklägerin ein beachtlicher Altersunterschied.  

Der Beschuldigte mit Jahrgang 1970 hat ein Privatgymnasium in D _________ besucht 

und arbeitet seit xxx bei der F _________ als Projektmanager im Bereich Aktionärs-

dienste und Generalversammlung. Er ist ledig, kinderlos und verdient rund Fr. 130’000.-

- pro Jahr (S. 156; S. 158 A. 12; S. 919 A. 2; S. 1112; S. 1137 A. 5). Der Angeklagte hat 

vor der Staatsanwaltschaft am 29. Mai 2019 behauptet, er habe die Widerstandsfähigkeit 

der Frauen vernachlässigt und unterschätzt. Er habe vorgängig mit den Frauen einver-

nehmlich verkehrt und dann schlafe man zwischendurch ein wenig, wache wieder auf 

und streichle sich. Dies müsse der Grund für die Nacktaufnahmen gewesen sein. Es sei 

immer eine Intimität vorhanden gewesen (S. 920 A. 5 und 9). Er habe unterschätzt und 

vernachlässigt, dass die Frauen nach dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr die 

sexuellen Handlungen nicht gewollt hätten (S. 922 A. 16). Er habe eine Grenze über-

schritten (S. 1137 A. 11). Derjenige, der Drittpersonen in einem dermassen betrunkenen 

und nackten Zustand in der vorliegenden Art und Weise teils physisch manipuliert und 

ablichtet, lässt jeglichen Respekt und allen Skrupel missen. Dies muss dem Beschuldig-

ten unter Berücksichtigung dessen Alters, dessen Ausbildung und dessen beruflicher 

Tätigkeit bewusst sein. Seine Rechtfertigungsversuche bilden Schutzbehauptungen.  

4.3  Rechtskräftige Freisprüche und Verurteilungen 

Die rechtskräftigen Verurteilungen werden nachfolgend angeführt, weil der dortige Sach-

verhalt bei der späteren Beweiswürdigung eine Rolle spielt. 

4.3.1  Der Beschuldigte hat am 17. November 2013 ab 06:49 Uhr bis 07:16 Uhr eine 

unbekannte, nackte, schlafende und widerstandsunfähige Frau fotografiert und dabei mit 

seinen Fingern die Gesässbacken und Schamlippen auseinandergehalten (S. 263 ff.). 

Die Erstinstanz hat ihn deswegen rechtskräftig der Schändung schuldig gesprochen 

(S. 1277 f. E. 3.4; S. 1327 f. E. 4.2.4). 

4.3.2  Das Kreisgericht hat den Beschuldigten vom Vorwurf der Schändung von 

A _________ freigesprochen, weil nicht erstellt sei, dass der Geschlechtsverkehr, bei 

dem diese Erinnerungslücken behauptet, tatsächlich in der Nacht vom 11. auf den 

- 16 - 

12. Juli 2015 erfolgt sei (vgl. die Antworten 10 S. 878 und 11 auf S. 879; S. 1290 E. 3.8; 

S. 1332 E. 4.2.8). Diese Privatklägerin hatte am 2. Mai 2019 dargelegt, sie vertrete nicht 

den Standpunkt, «abgefüllt» worden zu sein, um Geschlechtsverkehr zu praktizieren 

(S. 878 A. 10). Das einzige, was sie störe, seien die Fotos (S. 878 A. 9). Der Angeklagte 

sei sehr nett und ein Gentleman. Er kenne fast alle Frauen und Leute in D _________ 

(S. 880 A. 1). Sie hat den Strafantrag wegen Verletzung des Geheim- oder Privatbe-

reichs und wegen einfacher Körperverletzung durch Aufnahmegeräte bereits am 13. Juli 

2017 zurückgezogen (S. 1260 E. 1.2.3).  

4.3.3  Die stark betrunkene E _________ ist am 13. Dezember 2015 mit dem Beschul-

digten nach Hause gegangen und hat dort mit ihm den Geschlechtsverkehr vollzogen, 

woran sie sich nicht mehr erinnern könne (S. 354 A. 29 ff.). Es sei am nächsten Morgen 

erneut zu Sex gekommen, daran könne sie sich noch entsinnen (S. 354 A. 33). Die Be-

troffene hat eine Strafverfolgung wegen den sexuellen Handlungen im Schlaf abgelehnt, 

weil sie damit einverstanden sei (S. 354 f. A. 34; S. 1278 f. E. 3.5.1). Das Kreisgericht 

geht auch gestützt auf die Anklage davon aus, der Geschlechtsverkehr sei im gegensei-

tigen Einverständnis erfolgt (S. 1309 f. E. 3.10.4). Die Vorinstanz hat den Angeklagten 

jedoch wegen Fotos, auf denen er die Privatklägerin nackt und schlafend abgelichtet hat, 

wegen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch ein Aufnahmegerät schuldig 

gesprochen (S. 1335 E. 4.3.1).  

4.3.4  Der Beschuldigte hat am 20. August 2016 Nacktfotos der schlafenden und zum 

Widerstand unfähigen C _________ erstellt und dabei deren Schamlippen auseinander-

gezogen. Das Kreisgericht hat ihn deswegen rechtskräftig des Vorwurfs der Schändung 

schuldig gesprochen (S. 1280 ff. E. 3.6; S. 1330 E. 4.2.6). Die Betroffene gibt an, sie 

habe beim Übernachten beim Beschuldigten mehrmals Erinnerungslücken gehabt (S. 

448 A. 25; S. 1281 E. 3.6.1). Der Angeklagte hat am 3. August 2014 zwei Nacktfotos, 

am 20. August 2016 neun Bilder der nackt schlafenden, am 27. August 2016 fünf Nackt-

bilder von C _________ erstellt. Er ist deswegen des Vorwurfs der Verletzung des Ge-

heim- und Privatbereichs durch ein Aufnahmegerät schuldig gesprochen worden 

(S. 1335 E. 4.3.2). 

4.3.5  Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des Vorwurfs der Schändung der damals 

16 Jahre alten B _________ freigesprochen. Das Kreisgericht hat erwogen, der Ange-

klagte habe dieser freilich am 1. Januar 2017 einen Drink spendiert und deren alkoholi-

sierten Zustand festgestellt. Es habe jedoch während des Geschlechtsverkehrs eine In-

teraktion bestanden, weshalb nicht bewiesen sei, dass die Privatklägerin tatsächlich wi-

derstandsunfähig gewesen sei (S. 1309 E. 3.10.3.4; S. 1329 f. E. 4.2.5).  

- 17 - 

4.4  X _________ 

4.4.1  Die Vorinstanz hat diesen Fall betreffend erwogen (S. 1319): 

3.10.8.2.1 In Bezug auf den Geschlechtsverkehr erklärte der Beschuldigte zuerst, sie hätten in der Nacht 

vom 30. August 2014 absolut einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt (A zu 1740, S. 761). Erst nach 

Vorhalt der Videoaufnahmen revidierte er seine Aussagen und schloss aus, in diesem Zustand mit der Pri-

vatklägerin Sex gehabt zu haben (A zu 1751, S. 763). Als weiteres Beweismittel liegt den Akten ein weiteres 

Video von rund 10 Sekunden vor (Video IMG_5221, S. 732). Es zeigt die Privatklägerin noch immer auf dem 

Rücken liegend, wobei der Beschuldigte rhythmische Stossbewegungen macht. Dabei ist ein regelmässiges 

Quietschen des Betts zu hören. Nach rund sechs Sekunden stöhnt die Privatklägerin einmal. Zu diesem 

Video gab der Beschuldigte vor der Polizei an, er sei dabei nicht vaginal in X _________ eingedrungen und 

habe allenfalls auch noch seine Unterhosen getragen (A zu F52, S. 763). Sie hätten zuerst einige Minuten 

«rumgemacht». Nachdem er gemerkt habe, dass es mit X _________ keinen Sinn mehr mache, sei er auf 

die Toilette gegangen und habe sich selbst befriedigt (A zu F59, S. 764). Vor der Staatsanwaltschaft wie-

derholte er seine diesbezüglichen Aussagen und gab überdies an, die Stossbewegungen seien seiner Mei-

nung nach nur symbolisch gewesen aufgrund der Enttäuschung, dass sie keinen Sex gehabt hätten (A zu 

1717, S. 922). Im Rahmen des Parteivortrages an der Hauptverhandlung führte die Verteidigung aus 

(S 1199 ff.), mit Ausnahme der Berührung bzw. dem Massieren der Burst der Geschädigten, was zweifellos 

eine sexuelle Handlung darstelle, seien keine weiteren Handlungen zu sehen. Insbesondere sei auf dem 

Video nicht das Eindringen des Penis in die Scheide der Geschädigten zu sehen. Es seien verschiedene 

Gründe für die Bewegungen des Körpers der Geschädigten denkbar. Zudem sei auf dem Video zuerst der 

Fuss des Beschuldigten zu sehen. In dieser Position müsse sein Penis deutlich über der Betthöhe gewesen 

sein. Für diese Annahme spreche auch die Aufnahmeperspektive. Da nicht auszuschliessen sei, dass der 

Beschuldigte mit seinem Finger die Scheide der Geschädigten manipuliert habe, könne auch das kurze 

Aufstöhnen der Privatklägerin erklärt werden. 

Dieser Darstellung der Verteidigung kann in casu nicht gefolgt werden. Einerseits revidierte der Beschuldigte 

nach Vorhalt der Aufnahmen seine kurz vorher gemachte Aussage, wonach Geschlechtsverkehr stattgefun-

den habe und dieser absolut einvernehmlich gewesen sei, ins absolute Gegenteil. Entgegen der Darstellung 

der Verteidigung ist auf dem Video nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte kniet. Die ersten Sekunden des 

Videos sind sehr unruhig. Der Beschuldigte bringt sich dabei in Position. Da der Beschuldigte mit seinem 

Oberkörper über X _________ ist, ist auch die Aufnahmeperspektive nicht erstaunlich. Insbesondere das 

plötzliche Stöhnen der Privatklägerin indiziert, dass der Beschuldigte nicht einfach nur Stossbewegungen 

oder eine kurze Manipulation an der Scheide vollzieht. Angesichts dessen, dass die Privatklägerin keinerlei 

Regung zeigte, als der Beschuldigte wenige Minuten zuvor mit seinen Fingern Manipulationen an der 

Scheide der Privatklägerin vornahm und sogar mit seinem Daumen in ihre Vagina eindrang, ihren Mund 

öffnete und ihre Brüste drückte, ist schwer vorstellbar, dass das blosse Rütteln des Betts bei der Privatklä-

gerin zu einer solchen Reaktion führen sollte. Auch die Tatsache, dass der Beschuldigte bereits kurz zuvor 

nicht davor zurückschreckte, die Privatklägerin mit seinem Daumen zu penetrieren und deren Schamlippen 

auseinander zu ziehen, zeigt die Hemmungslosigkeit des Beschuldigten. Schliesslich deckt sich diese Vor-

gehensweise auch mit den Schilderungen von B _________, Y _________ und A _________. Für das Ge-

richt ist damit zweifelsfrei erstellt, dass der Beschuldigte mit X _________ Geschlechtsverkehr vollzog, als 

sich diese in einem komatösen Zustand befand. 

- 18 - 

Der Beschuldigte bestreitet den Schuldspruch wegen mehrfacher Schändung von 

X _________ nicht. Er will jedoch von einem weniger gravierenden Sachverhalt ausge-

hen. Er habe in der Nacht vom 30. auf den 31. August 2014 keinen Geschlechtsverkehr 

am widerstandsunfähigen Opfer vollzogen (S. 1538 Ziff. 8).  

Ein weiterer Vorfall vom 17. August 2014, an welchem der Beschuldigte mit seinen Fin-

gern an die Schamlippen von X _________ griff, diese hochzog und hineinkniff, ist an-

erkannt. Die Betroffene hat von diesem Eingriff wegen ihres komatösen Zustands Zu-

stands nichts mitbekommen. Die Vorinstanz hat diesen Sachverhalt in E. 3.9 

(S. 1292 ff.) ausführlich behandelt. Der Vorhalt ist insbesondere aufgrund der Fotos 

(S. 738 ff.) nachgewiesen und zu Recht im Berufungsverfahren nicht mehr in Frage ge-

stellt worden. 

4.4.2  Die Kantonspolizei D _________ hat die Datenträger visiert und dabei den Inhalt 

von Fotos vom 17. August 2014 sowie von Fotos und Videos vom 31. August 2014 um-

schrieben (S. 751 ff.). 

Eine nackte Frau liegt, laut aktenkundigem Video (S. 732 IMG 5219), auf dem Rücken, 

spreizbeinig auf einem Bett. Eine Person greift ihr zwischen die Beine und spreizt deren 

Schamlippen und greift dann die rechte Brust. Das Gesicht der Frau ist filmisch festge-

halten, diese schläft und reagiert nicht. Die Hand gleitet dann zur linken Brust und zurück 

zur Scheide, teilweise ist das schlafende Gesicht der Frau erkennbar. Die Drittperson 

führt dann zwei Finger in deren Mund und spielt mit der Unterlippe, die Frau bleibt wei-

terhin regungslos. Die Hand gleitet dann wieder zur linken Brust und dann zum rechten 

Fuss, der deutlich angehoben wird. Die Hand massiert danach die Scheide und der Dau-

men dringt hinein, gegen Schluss der Sequenz packt die Drittperson die rechte Hand der 

schlafenden Frau und hebt diese hoch. Die Frau reagiert während des gesamten Videos 

nicht (Fotoausschnitte des Videos befinden sich ab S. 743 unten und ab S. 741 unten. 

Das Video ist auf den 31. August 2014 datiert und beginnt um 05:27:29 [S. 753]). Der 

Angeklagte zeigt im Video keinerlei Zurückhaltung, Empathie, Respekt, Skrupel oder 

Rücksicht, wenn er die wehrlose Frau in dieser Art und Weise ausgreift. Diese Aufnah-

men sind selbsterklärend. Der Hinweis auf Ästhetik passt überhaupt nicht zur filmisch 

festgehaltenen groben Handlung. Die Behauptung des Beschuldigten, er habe «beim 

Gesicht oder zum Beispiel Zähne, Haare etc. etwas Schönes gesehen» (S. 763 A. 55) 

bilden Schutzbehauptungen. 

Die Kamera wird in einer weiteren Sequenz stark bewegt und das Bild ist wacklig, bevor 

wiederum die Betroffene erkennbar ist. Diese liegt immer noch am gleichen Ort, die ge-

naue Stellung des Unterkörpers ist jedoch nicht ersichtlich. Eine Person befindet sich 

- 19 - 

nahe über ihr und winkelt deren Bein Richtung Bauch an. Die Betroffene scheint kurz die 

Augen zu öffnen und es ist fast zeitgleich ein Stöhnen zu hören. Die Frau schliesst die 

Augen anschliessend wieder. Die filmende Person befindet sich über ihr und bewegt sich 

rhythmisch. Man hört wiederholt einen Mann stärker atmen, wenn das Video laut genug 

eingestellt ist. Die Betroffene schwingt parallel mit, was besonders an ihrem Kopf und 

ihren Brüsten erkennbar ist. Der Körper der bewusstlosen Betroffene wird, mit anderen 

Worten, durch die gleichmässigen und festen Stösse des Mannes derart gestossen, 

dass sich ihr Kopf und die Brüste erkennbar mitbewegen (S. 732 IMG 5221; 05:29:04 

[S. 753]). Solche Bewegungen der Betroffenen setzen Stösse von einer gewissen Inten-

sität auf den Unterkörper voraus. 

Der Angeklagte hat in der Berufungsverhandlung vorgebracht, sein Fuss sei auf dem 

Video leicht aufgesetzt ersichtlich. Es sei nicht möglich, so rasch in eine Position zu 

wechseln, bei welcher er die Betroffene mit seinem Glied penetriert (S. 1720 N. 86). Der 

Berufungskläger kann sich zumindest nicht auf das Opfer legen, so filmen und gleichzei-

tig mit einer Hand Manipulationen an der Scheide des Opfers durchführen. Letzteres hat 

sich mit dem Kopf am oberen Ende des Betts befunden. Der Beschuldigte muss somit 

vor ihr gesessen oder gekniet sein, als er die Stossbewegungen vollzogen hat (so auch 

S. 1720 N. 65). Dieses Szenario schliesst aber nicht aus, dass der Angeklagte das un-

mittelbar vor ihm liegende Opfer zu Beginn der Aufnahmen penetriert hat. Der Beschul-

digte hat die Privatklägerin gemäss vorausgegangenem Video skrupellos ausgegriffen, 

er nimmt keinerlei Rücksicht auf die Frau. Die Anfänge des Videos belegen eine unru-

hige Kameraführung. Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn er die Betroffene vor dem 

zweiten Film in eine Position verbringt, die es ihm beim anschliessenden Filmen trotz 

Kamera in der Hand vereinfacht, in sie einzudringen oder er bereits vor den Aufnahmen 

mit dem Geschlechtsverkehr begonnen hat. Dieses Argument überzeugt somit nicht. 

4.4.3  Die Betroffene hat bei ihrer ersten Befragung vom 27. Juni 2017 bestätigt, sie habe 

bereits am 16. August 2014 eine Nacht mit dem Beschuldigten verbracht und habe sich 

am nächsten Tag nicht mehr genau an die Vorkommnisse zu erinnern vermocht (S. 697 

A. 10). Sie könne sich noch daran zurückbesinnen, in der Nacht sexuell intim mit dem 

Beschuldigten gewesen zu sein, sie hätten im Bett gelegen und es sei zu sexuellen Kon-

takten gekommen. Sie wisse aber nicht mehr die Hintergründe und wie es dazu gekom-

men sei (S. 679 A. 12 f.). Sie wisse von der zweiten Nacht vom 30. August 2014 auf den 

31. August 2014 fast nichts mehr. Es sei «vermutlich wieder zu Sex mit ihm» gekommen, 

sie könne sich daran aber nicht mehr erinnern. Sie habe dies erst am Morgen beim Auf-

wachen realisiert, weil sie nackt gewesen sei und die Kleider am Boden gelegen hätten 

(S. 698 A. 13). Der Angeklagte sei ein «Blender-Typ» (S. 698 A. 17). Sie habe in der 

- 20 - 

Nacht vom 30. auf den 31. August 2014 weniger Alkohol konsumiert (S. 702 A. 58). Sie 

könne sich bruchstückhaft an eine Situation erinnern, als der Angeklagte an ihr in Missi-

onarsstellung den Geschlechtsverkehr vollzogen habe. Sie wisse aber nicht mehr, bei 

welchem Treffen dies der Fall gewesen sei (S. 700 A. 38 und S. 702 A. 59 f.; 

S. 703 A. 68). Sie könne sich auch an den dritten sexuellen Kontakt nicht zurückerinnern 

(S. 703 A. 68). 

Die Betroffene gibt bei der Befragung vom 29. Mai 2019 vor dem Staatsanwalt an, sie 

könne sich an den Geschlechtsverkehr vom 31. August 2014 nicht mehr erinnern (S. 906 

A. 20). Der Angeklagte habe ihre Situation ausgenutzt (S. 906 A. 21). Sie habe nicht 

bemerkt, als der Angeklagte sie ausgegriffen habe (S. 907 A. 25). Sie würde nie erlau-

ben, im Schlaf fotografiert oder ausgegriffen zu werden (S. 907 A. 26). 

Eine weitere Befragung vor Kantonsgericht ist weder beantragt noch als sinnvoll erachtet 

worden, zumal die Betroffene hinsichtlich der verbleibenden Frage, ob es zum Ge-

schlechtsverkehr gekommen ist, keine Auskunft erteilen kann. Wichtiges Beweismittel 

sind die Videoaufnahmen. 

4.4.4  Der Beschuldigte gibt am 26. September 2017 an, es sei zu «absolut einvernehm-

lich[em]» Sex mit der Frau gekommen (S. 761 A. 41). Diese Antwort stützt sich aber, 

anders als die Vorinstanz annimmt (S. 1294 E. 3.9.3), nicht auf den Vorfall vom 31. Au-

gust 2014, sondern auf eine andere Begebenheit zu Hause bei der Betroffenen (S. 761 

A. 39 und F. 39). Der Angeklagte erklärt recht detailliert, wie sich die beiden getroffen 

haben und was sie getrunken hätten (S. 761 A. 41 f.). Er beschreibt ausführlich, wie die 

Privatklägerin bei ihm daheim zwei Gläser Wodka zu ca. 6 cl in einem Schluck ausge-

trunken hat, wobei die Wirkung erst später eingetreten sei (S. 762 A. 47 f.). Der Ange-

klagte wird danach mit dem Video konfrontiert, mit welchem er sein nacktes Opfer aus-

greift und er bestätigt, er sei perplex gewesen, «dass sie so schnell so durch war» 

(S. 762 f. A. 49). Er bestätigt, die nackte Frau entsprechend berührt zu haben. Es könne 

schon sein, dass sie aufgrund des Alkoholkonsums und der späten Uhrzeit nicht mehr 

reagiert habe (S. 763 A. 50). Der Beschuldigte wird danach mit dem dritten Video kon-

frontiert, wobei die Polizei erklärt, es handle sich hier um Geschlechtsverkehr. Der An-

geklagte antwortet: «Ich schliesse Geschlechtsverkehr aus in diesem Zustand, ich kann 

mich auch nicht erinnern» (S. 763 A. 52). Er habe wohl Stossbewegungen gemacht, aber 

zu diesem Zeitpunkt Unterhosen getragen und sei gar nicht vaginal in sie eingedrungen. 

Er versuche nur, sich dies vorzustellen und habe dafür keine Erklärungen (S. 763 A. 52). 

Die Privatklägerin sei vorab in normalem Zustand auf dem Bett gelegen. Sie sei erst 

später eingeschlafen. Sie hätten zunächst noch «rumgemacht», wahrscheinlich weniger 

als eine halbe Stunde, einige Minuten. Sie sei plötzlich sehr schnell eingeschlafen. Er 

- 21 - 

denke, als er dies bemerkt habe, sei er auf das WC gegangen und habe sich selbst 

befriedigt (S. 764 A. 59).  

Die Aussagen bescheinigen eine gute Erinnerung an den Abend. Der Angeklagte hat 

nach Sichtung des Videos erklärt, es sei am betreffenden Abend nicht zum Geschlechts-

verkehr gekommen. Er argumentiert, dies sei aufgrund des Zustands der Frau nicht mög-

lich gewesen. Es ist für das Gericht erstaunlich, wenn er sich dermassen an Details des 

Abends erinnern will, aber nicht an das Zustandekommen des zweiten Videos, welches 

für den Angeklagten durchaus subjektiv wesentliche Vorgänge enthält. Es ist weiter be-

merkenswert, wenn er in der gleichen Befragung zunächst behauptet, er könne sich 

«auch nicht erinnern» (S. 763 A. 51), um später zu ergänzen «ich denke, als ich merkte, 

dass es mit X _________ keinen Sinn mehr macht und sie schläft, bin ich noch auf das 

WC und hatte mich selbst befriedigt» (S. 764 A. 59). Der Angeklagte hat vor der Staats-

anwaltschaft dargelegt, «ich kann mich noch erinnern, dass ich mich in dieser Nacht auf 

der Toilette befriedigt habe und den Geschlechtsverkehr nicht vollzogen habe. Als ich 

das Video sah, bin ich davon ausgegangen, dass die Stossbewegungen nur symbolisch 

gewesen sein mussten. Wohl aufgrund der Enttäuschung, dass wir keinen Sex hatten» 

(S. 922 A. 17). Die Erinnerungslücke ist bedeutsam, weil die Ausführung von sexuellen 

Handlungen beim Beschuldigten subjektiv wesentliches Kerngeschehen darstellt. 

Der Berufungskläger behauptet weiter, er habe Stossbewegungen vollzogen, dabei aber 

die Unterhosen getragen. Dies «wohl aus Enttäuschung, dass wir keinen Sex hatten» 

(S. 922 A. 17). Dies lässt unbeachtet, dass eine Vielzahl von Frauen behauptet, der 

Angeklagte hätten mit ihnen Geschlechtsverkehr praktiziert, als die Betroffenen sich in 

einem vergleichbaren Zustand befunden hätten. Ausserdem hat der Beschuldigte die 

Betroffene kurz zuvor in einer Art und Weise ausgegriffen, die jede Zurückhaltung oder 

Rücksicht missen lässt. Einzig der widerstandsunfähige Zustand der Betroffenen verur-

sacht somit noch keine erheblichen Zweifel über das Vorliegen von Geschlechtsverkehr, 

ganz besonders nicht, wenn der Angeklagte zugibt, er wäre enttäuscht gewesen, darauf 

verzichten zu müssen. 

Der Angeklagte behauptet vor der Staatsanwaltschaft, er könne sich daran erinnern, sich 

in dieser Nacht in der Toilette selbst befriedigt und keinen Geschlechtsverkehr vollzogen 

zu haben. Er sei nach Sichtung des Videos davon ausgegangen, die Stossbewegungen 

müssten symbolisch gewesen sein, wohl aufgrund der Enttäuschung, keinen Sex zu ha-

ben (S. 922 A. 17). Er habe sich nicht gegen den Willen der Opfer an diesen sexuell 

vergangen (S. 922 A. 19). Der Angeklagte kritisiert anschliessend an der Aussage der 

Betroffenen, diese habe ein drittes Treffen bei ihr zu Hause vergessen (S. 923 f. A. 27). 

Die Betroffene gibt dazu an «ich glaube, es waren drei Mal. Zwei Mal sicher. Ich habe 

- 22 - 

jeweils bei ihm übernachtet» (S. 904 A. 5). Es fällt in diesem Zusammenhang jedoch auf, 

dass die Privatklägerin bereits in ihrer ersten Einvernahme darlegt, sie könne sich an 

überhaupt nichts mehr erinnern, wisse nicht einmal, wie sie von diesem nach Hause 

gekommen sei (S. 703 A. 70 ff.). Sie macht erhebliche Erinnerungslücken geltend 

(S. 703 A. 14). Es ist einfacher, Treffen vollständig zu vergessen, wenn man sich ohnehin 

an das meiste daran nicht mehr zurückerinnern kann. Das Vergessen eines dritten oder 

gar vierten Treffens macht deren Aussagen in Bezug auf die Frage, ob sie im hier rele-

vanten Zeitpunkt zum Widerstand unfähig gewesen ist, nicht unglaubwürdig. 

Der Angeklagte kommt vor Kreisgericht noch einmal auf den schnellen Alkoholkonsum 

der Betroffenen zurück (S. 1145 A. 30).  

Der Beschuldigte hat am 5. Oktober 2021 vor Kantonsgericht den Geschlechtsverkehr 

in der betreffenden Nacht bestritten (S. 1684 A. 11). Er hat erklärt, die Betroffene sei 

noch präsent gewesen, als die beiden aufs Bett gegangen seien. Er habe leider weiter-

gemacht, als sie nicht mehr präsent gewesen sei und das Video aufgezeichnet. Sie seien 

für Geschlechtsverkehr zu ihm nach Hause gegangen und hätten diesen beide beab-

sichtigt. Er habe keine Angst gehabt, in flagranti von der Betroffenen erwischt zu werden 

(S. 1685 A. 8). Das Gericht hat ihn daraufhin gefragt, ob er im Moment, da die Frau in 

diesem Zustand vor ihm gelegen sei, nicht den Notarzt habe rufen wollen. Der Ange-

klagte antwortet, er sei davon ausgegangen, das Befinden der Betroffenen verbessere 

sich wieder, wenn sie schlafen würde (S. 1685 A. 9).  

«Wenn man das Video sieht und Informationen, welche ich hatte, nämlich was sie getrunken hatte, zuerst 

etwas im Ausgang, ich weiss nicht, wie viel sie getrunken hat, dann zwei spendierte Drinks vor mir im Aus-

gang und dann die zwei Wodka-Shots in meiner Wohnung in einem Zeitraum von etwa fünf Stunden, davon 

ausgehend, dass sie um 22:00 Uhr ausgegangen ist und wir uns um Mitternacht getroffen haben. Aufgrund 

von dieser Menge ging ich nicht von einem lebensbedrohlichen Zustand aus und dass ich den Notarzt rufen 

muss.» 

Der Beschuldigte widerspricht sich in dieser Antwort selbst, indem er einerseits angibt, 

die Betroffene habe nicht genug Alkohol getrunken, um einen lebensbedrohlichen Zu-

stand zu erreichen und andererseits gesteht, nicht zu wissen, was sie alles vor dem 

Zusammentreffen konsumiert hat. Es stellt sich bei der Sichtung des Videos durchaus 

die Frage, warum ein Gastgeber sich nicht mehr um eine Person sorgt, die angeblich so 

kurzfristig dermassen regungslos in seinem Bett liegt. 

4.4.5  Der Angeklagte hat zugegeben, an der nackten X _________ symbolische Stoss-

bewegungen vollzogen zu haben und zwar aus Frust. Der entsprechende Bewegungs-

ablauf lässt sich auf dem aktenkundigen Video nachvollziehen. Es bleibt einzig die 

- 23 - 

Frage, ob er im zweiten Video den Geschlechtsverkehr vollzogen oder symbolisch agiert 

hat.  

Das Opfer kann dazu nichts aussagen.  

Der Beschuldigte, der deutlich weniger getrunken hat, bringt nach Sichtung der Bilder 

einzig Mutmassungen vor, obwohl er sich sonst sehr gut an den Abend zurückbesinnen 

kann. Das Gericht vermag nicht nachzuvollziehen, warum er sich gerade bei diesem für 

ihn wichtigen Vorgang nicht mehr zu erinnern vermag.  

Der Angeklagte behauptet namentlich, die Frau während des Films mit der Hand an der 

Scheide berührt zu haben, was deren Stöhnen erklären soll (S. 1721 N. 67). Die freie 

rechte Hand des Angeklagten taucht im Video mehrfach auf. Die Hand ist im Moment, 

da die Frau stöhnt, für einen kurzen Moment nicht sichtbar. Der Angeklagte bringt nun 

vor, er habe die Frau in diesem Moment möglicherweise von Hand stimuliert. Der Be-

schuldigte zieht auf dem zweiten Video vorab das Bein der nackten Privatklägerin zu 

deren Bauch hinauf, was bei einem symbolischen Akt nicht erforderlich gewesen wäre. 

Sie stöhnt gemäss Videoaufnahmen kurz auf, während der Angeklagte darüber liegt und 

sich entsprechend bewegt. Die Betroffene wackelt parallel zum Angeklagten mit dem 

Oberkörper in einer Art und Weise, die belegt, dass der Angeklagte nicht nur über ihr 

liegt und symbolische Bewegungen vollzieht, sondern diese unverkennbar mit dem Un-

terkörper stösst.  

Aktenkundige Aufnahmen belegen, dass der Berufungskläger das nackte und zum Wi-

derstand unfähige Opfer vorab hemmungslos ausgegriffen hat. Er lässt zu diesem Zeit-

punkt jeglichen Respekt und alle Zurückhaltung gegenüber der Frau vermissen. Der Be-

schuldigte ist ausserdem wegen vergleichbaren sexuellen Handlungen angeklagt und 

rechtskräftig verurteilt worden. Es hat ihm wiederholt an Skrupel gefehlt, sich bei wider-

standsunfähigen und nackten Frauen zurückzuhalten und deren körperliche Unversehrt-

heit zu respektieren. Der Beschuldigte gibt an, der Verzicht auf den Geschlechtsverkehr 

hätte ihn frustriert. Gerade die Widerstandsunfähigkeit der Betroffenen soll nun aber, laut 

Angeklagtem begründen, warum es nicht zu Geschlechtsverkehr gekommen sei und er 

nur frustriert symbolische Stossbewegungen über der Betroffenen vollzogen hat. Einzig 

symbolischer Geschlechtsverkehr erscheint in dieser Konstellation unglaubwürdig.  

Der Sinn der behaupteten, symbolischen Frusthandlung erschliesst sich dem Gericht 

nicht, auch weil er sich selbst auf dem WC befriedigt haben will. 

Das Kantonsgericht hat gemäss obigen Ausführungen keine hinreichenden Zweifel, 

dass es auch im vorliegenden Fall nicht bloss zu einem symbolischen Stossen, sondern 

zu realem Geschlechtsverkehr gekommen ist.  

- 24 - 

4.4.6  Die Vorinstanz hat den Geschlechtsverkehr und das oben beschriebene vorgän-

gige Abtasten der Privatklägerin als ein einheitliches Geschehen qualifiziert, weil diese 

Handlungen vom 31. August 2014 auf einen einheitlichen Willensakt beruht haben und 

kurz aufeinander gefolgt sind (S. 1334 E. 4.2.9.2). Dem kann unter Beachtung der digi-

talen Zeitangaben gefolgt werden. 

Da jedoch eine weitere sexuelle Handlung vom 17. August 2014 vorliegt, ist der Beschul-

digte zu Recht wegen mehrfacher Schändung zum Nachteil von X _________ verurteilt 

worden (S. 1334 E. 4.2.9.2 in fine). 

4.5  Y _________ 

4.5.1  Die Vorinstanz hat den Sachverhalt wie folgt umschrieben (S. 1330 ff.): 

4.2.7 Am 10. Mai 2015 kam es zwischen der Privatklägerin Y _________ und dem Beschuldigten zu Ge-

schlechtsverkehr und damit zu einer grundsätzlich tatbestandsmässigen Handlung im Sinne von 

Art. 191 StGB. Vom Gericht festgestellt wurde, dass Y _________, welche damals ein Alkoholproblem hatte, 

sich lediglich bruchstückhaft an den Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten erinnern kann. Insbeson-

dere sprach die Privatklägerin von einem einzelnen Bild, wie der Beschuldigte über ihr gewesen sei und mit 

ihr Geschlechtsverkehr gemacht habe. 

Die Tatsache allein, dass Y _________ während des Geschlechtsverkehrs zumindest einmal kurz zu sich 

kam, ist für sich allein jedoch noch kein Beleg dafür, dass die Privatklägerin in diesem Moment auch in der 

Lage war, sich zu wehren und ihre Widerstandsunfähigkeit lediglich herabgesetzt, nicht jedoch aufgehoben 

war. Y _________ gab diesbezüglich an, sie sei wie im Delirium gewesen und habe einfach dagelegen. Vor 

der Staatsanwaltschaft gab die Privatklägerin zudem an, sie habe den Eindruck gehabt, sich nicht wehren 

zu können, was ihr nur dieses eine Mal passiert sei. Der Beschuldigte lag im Zeitpunkt ihres Erwachens 

überdies auf ihr, was angesichts ihres stark alkoholisierten Zustandes die Möglichkeiten, sich zur Wehr zu 

setzen, weiter einschränkte. 

Nach den Schilderungen der Privatklägerin, auf welche sich das Gericht in diesem Fall stützt, setzen ihre 

Erinnerungen erst ein, als der Geschlechtsverkehr bereits im Gange war. Die Privatklägerin gab wörtlich an: 

«Ich habe nur noch einzelne Bilder daran, nämlich, dass er über mir war und den Geschlechtsverkehr mit 

mir machte. Ich glaube auch nicht, dass er ein Kondom benützte. [...] Als er an mir Sex machte war ich wie 

im Delirium. Ich war schon wie weggetreten und habe es fast nicht mehr gemerkt. Ich machte auch fast 

nichts oder gar nichts, ich lag einfach dort. Er machte einfach den GV an mir.» Die Kombination aus massi-

vem Alkoholkonsum, Müdigkeit und der Tatsache, dass der Beschuldigte über ihr war sowie die glaubhafte 

Darstellung der Privatklägerin bringen das Gericht zur Überzeugung, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt 

des Geschlechtsverkehrs mit dem Beschuldigten zum Widerstand vollkommen unfähig war, womit der ob-

jektive Tatbestand von Art. 191 StGB erfüllt ist. 

Subjektiv ist ebenfalls mindestens von Eventualvorsatz auszugehen. Der Beschuldigte traf die Privatklägerin 

im Club G _________. Er wusste somit, dass die Privatklägerin stark alkoholisiert war. Die Privatklägerin 

lag zudem auf dem Rücken, ohne sich in aktiver Form am Geschlechtsverkehr zu beteiligen. Überdies ist 

erstellt, dass der Beschuldigte regelmässig pornografische Inhalte konsumierte, in welchen an betrunkenen 

- 25 - 

oder schlafenden Frauen sexuelle Handlungen vorgenommen wurden und der Beschuldigte an zum Wider-

stand unfähigen Frauen ein sexuelles Interesse hatte. Vor diesem Hintergrund musste der Beschuldigte es 

zumindest für möglich halten, dass Y _________ aufgrund ihres physischen Zustandes nicht mehr in der 

Lage war, sich gegen die sexuellen Handlungen zur Wehr zu setzen. 

Weiter ist erstellt, dass Z _________ am 10. Mai 2015 eine Nahaufnahme der Scheide von Y _________ 

gemacht hat und hierzu ihr linkes Bein zur Seite gespreizt hat. Das linke Bein wurde zur Seite geschoben, 

um so einen besseren Blick auf die Scheide der Privatklägerin zu erhalten. Dass dabei nicht, wie von der 

Verteidigung behauptet lediglich das fotografische Element Motivation des Beschuldigten war, sondern die 

Handlungen des Beschuldigten beim Positionieren der Privatklägerin klar eine sexuelle Komponente auf-

weisen, wurde bereits unter E. 4.2.4.1 festgehalten. Das Spreizen des linken Beines von Y _________ muss 

unter Berücksichtigung der Gesamtumstände sowie aus Sicht eines aussenstehenden Betrachters einen 

Bezug zum Geschlechtlichen aufweisen. Nicht massgeblich ist dabei, ob der Täter die primären Ge-

schlechtsorgane des Opfers tatsächlich berührt. Das Spreizen des Beines in Verbindung mit der Tatsache, 

dass die Privatklägerin völlig nackt war und die Handlung offensichtlich dazu diente, die Sicht auf die Scheide 

zu eröffnen, um dabei sexuelle Erregung zu verspüren, erreicht dabei eine gewisse Erheblichkeit. 

Der Beschuldigte bestreitet in der Berufungserklärung die mehrfache Schändung von 

Y _________ (S. 1538). Diese habe sich während des Geschlechtsverkehrs aktiv ver-

halten. 

4.5.2  Aktenkundige Fotos zeigen Füsse einer Person, die in einem Bett liegt. Die Ze-

hennägel sind rot gestrichen, die Fotos sind am 10. Mai 2015 um 02:50 Uhr abgelichtet 

worden. Die Beine sind nahe beieinander, der Bettüberzug liegt über den Knien der Be-

troffenen (S. 589). Ein weiteres Bild von 02:52:36 Uhr zeigt eine auf dem Rücken lie-

gende, schlafende nackte Frau. Die Beine sind geschlossen, also nahe beieinander. Der 

Bettüberzug und das Duvet entsprechen den beiden ersten Aufnahmen, bedecken aber 

die Betroffene nicht mehr. Eine weitere Fotografie, die knapp eine Minute (02:53:35 Uhr) 

später die gleiche schlafende Person ablichtet, belegt, dass sich die Position von Kopf, 

Rumpf, Arme und Hände kaum geändert hat. Das linke Bein ist nun aber so angewinkelt, 

dass die Scheide besser sichtbar ist. Diese befindet sich im Mittelpunkt der Aufnahme 

(S. 590). 

4.5.3  Der Angeklagte bringt beim Berufungsgericht vor, die Betroffene sei von der Poli-

zistin über die Nacktfotos orientiert worden und habe deswegen Hassgefühle gegen ihn 

entwickelt. Das habe einen Meinungsumschwung verursacht, wonach die Privatklägerin 

den ausgeführten Geschlechtsverkehr nicht freiwillig mit dem Beschuldigten vollzogen 

habe (S. 1695 f. N. 10 f.). Nachfolgende Äusserungen zeigen jedoch, dass die Betroffene 

zurückhaltend aussagt und den Angeklagten nicht mehr als erforderlich belastet, selbst 

wenn sie über das Verhalten des Berufungsklägers wütend ist. Sie sucht die Fehler auch 

bei sich selbst, was nicht nachvollziehbar wäre, wenn es ihr einzig darum ginge, sich 

beim Beschuldigten zu rächen. Die Privatklägerin stellt ihn nachfolgend als aufdringlich 

- 26 - 

dar. Andere Beteiligte beschreiben ihn als sympathisch (S. 353 A. 20), sympathisch, 

charismatisch und extrovertiert (S. 448 A. 27 und 29) oder lustig, freundlich aber auch 

beleidigt, der viele Frauen in D _________ kenne und gerne flirtet (S. 625 A. 34 f.) oder 

als Blender-Typ (S. 698 A. 17). Gerade der Übergang zwischen zuvorkommend und 

aufdringlich kann subjektiv verschieden festgesetzt werden, weshalb die nachfolgenden 

Äusserungen dieser Privatklägerin zum aufdringlichen Verhalten – entgegen der Auffas-

sung des Angeklagten (S. 1709 N. 40) – nicht überbewertet werden darf. 

Y _________ erklärt am 11. August 2017 gegenüber der Polizei einleitend ihren Ge-

mütszustand: 

«Nicht so gut. Nach unserem gestrigen Telefonat, als Sie mich über die vorliegenden Fotos informiert haben, 

hat es bei mir alles wieder aufgewühlt von jener Nacht mit Z _________. Ich fühle mich dreckig, ich habe 

Hassgefühle, fühle mich aber auch hilflos, bin auch wütend auf mich, dass ich mich damals so ‘betäubt’ 

habe mit Alkohol dass ich mich nicht spüre – ich bin vor mir selbst und meinen Problemen weggerannt, 

indem ich übermässig Alkohol getrunken habe.» 

2015 sei das schlimmste Jahr ihres Lebens gewesen. Sie habe an den Wochenenden 

massiv Alkohol, wenige Male auch Kokain konsumiert. Dies habe sich auf ihre Arbeits-

fähigkeit ausgewirkt, so dass sie sich schliesslich in eine Entzugsklinik habe einweisen 

lassen und dort während einem Monat einen Entzug gemacht habe. Diese Aussagen 

sind bei der folgenden Würdigung erheblich. 

Die Betroffene habe den Beschuldigten im Club G _________ getroffen. Dieser sei dort 

«immer auf Aufriss» gewesen und habe erklärt, selbst keinen Alkohol zu trinken 

(S. 555 A. 8). Er sei immer auf sie zugekommen und habe Kontakt gewollt. Es habe sie 

fast geängstigt, dass er sie so belagert habe (S. 555 A. 8). Der Angeklagte habe sie 

immer angemacht und versucht, sie zu küssen, wenn sie im Club gewesen sei. Sie sei 

in der Tatnacht im Club G _________ sehr betrunken gewesen, als er auf sie zugekom-

men sei und sie angemacht habe. Er sei mit ihr zu ihrem Wohnort gegangen. Sie könne 

sich noch schwach an Sex mit ihm erinnern. Er schien wie besessen von ihr 

(S. 556 A. 10). Die Privatklägerin erzählt anschliessend, wie der Angeklagte sie im März 

2016, als sie wiederum stark betrunken gewesen ist, erneut bedrängt habe. Er habe sie 

im Club G _________ einfach und überraschend geküsst und sie ständig aufgefordert, 

ihn mit nach Hause zu nehmen oder mit ihm mitzukommen. Er habe ihr wiederholtes 

Nein nicht akzeptiert und sie weiter bedrängt, auch als sie draussen auf ein Taxi gewartet 

und mit ihrem Freund telefoniert habe (S. 556 A. 11). Der Beschuldigte habe sie an 

sonstigen Nächten im Club «umgarnt», sei ständig um sie «herumgeschwirrt» und «auf 

Aufriss» gewesen (S. 557 A. 13). Sie sei als Betrunkene «einfache Beute» gewesen. Er 

sei nie böse gewesen, sondern habe einfach die Situationen masslos ausgenutzt. Er sei 

- 27 - 

auch lästig und aufdringlich gewesen. Er habe nicht locker gelassen (S. 557 A. 14). Sie 

hätten seit März 2016 keinen Kontakt mehr. Die Privatklägerin habe seither ihre Handy-

Nummer wegen dem Angeklagten gewechselt, zumal sie zuvor durchaus auch Text-

nachrichten miteinander ausgetauscht hätten. Sie seien nach dem Vorfall im Mai 2015 

noch einmal auswärts etwas trinken gegangen. Er sei dann körperlich aufdringlich ge-

worden, sie sei dort nicht betrunken gewesen. Dessen aufdringliche Art sei ihr zuwider 

gewesen. Sie habe dort festgestellt, dass sie diesen Menschen nicht mehr treffen wolle 

und ihn eben nur noch im Ausgang gesehen, zumal er so gut wie immer in den Clubs 

gewesen sei (S. 557 A. 15). Die Privatklägerin erfährt erst von der Polizei, dass sie 

17 Jahre jünger als der Beschuldigte ist (S. 557 18). Er habe ihr jeweils Gin-Tonic-Drinks 

spendiert und diesen an der Bar selbst geholt (S. 558 A. 21). Sie habe sich damals keine 

Gedanken gemacht, ob der Berufungskläger ihr in der Tatnacht eine bewusstseinsver-

ändernde Substanz in ihr Getränk verabreicht habe, «denn nüchtern hätte ich niemals, 

nie im Leben, freiwillig mit ihm Sex gewollt, nicht annähernd». Sie schliesse es nicht aus, 

wolle ihm aber auch nichts unterstellen (S. 558 A. 22). Sie wäre mit dem Herstellen von 

Nacktfotos niemals einverstanden gewesen, das sei ja so erniedrigend (S. 558 A. 25). 

Sie könne sich «kaum» vorstellen, gesagt zu haben «ja, ich will Sex mit dir». Sie sei wie 

betäubt und aufgrund des Alkoholkonsums wie willenlos gewesen. Er habe dies ausge-

nutzt. Sie hätte, wenn sie nüchtern oder nur wenig alkoholisiert gewesen wäre, niemals 

zugelassen, dass er sie berührt oder küsst, geschweige denn, sie nach Hause begleitet. 

«Nur schon den Gedanken daran finde ich widerlich» (S. 558 A. 26). Sie sei auf den 

Fotos abgebildet und befinde sich an ihrem Wohnort (S. 559 A. 29). Sie habe nur noch 

einzelne Bilder an Sex mit dem Beschuldigten, nämlich wie er über ihr gewesen sei und 

den Geschlechtsverkehr vollzogen habe. Sie habe danach einen HIV-Test gemacht und 

bis zum Ergebnis «Blut geschwitzt». Sie sei beim Sex wie im Delirium gewesen, sie habe 

fast nichts mehr gemerkt (S. 560 A. 34). «Er hat mich in meinem elenden und willenlosen 

so stark betrunkenen Zustand schlichtweg für seine eigene Befriedigung ausgenutzt» 

(S. 560 A. 35). Sie habe nichts von den Fotos mitbekommen. «Wenn ich nicht so stark 

betrunken gewesen wäre, wäre ich ganz sicher aufgewacht, wenn jemand mir die Decke 

weghebt und mich mit Blitz fotografiert. Wenn ich das gemerkt hätte, dass eine Person 

das von mir macht, hätte ich ihn vor die Türe gestellt» (S. 561 A. 41). 

Die Privatklägerin beschuldigt sich im oben wörtlich zitierten Teil selbst, sie gibt ihr ver-

zweifeltes Gefühlsleben preis und beschreibt ihr damaliges Verhalten rückwirkend sehr 

kritisch. Sie erklärt wiederholt, dass sie sich deswegen schlecht fühlt und gibt eigene 

Fehler, u.a. auch Kokainkonsum zu. Sie beschreibt weiter ein aufdringliches Benehmen 

- 28 - 

des Berufungsbeklagten, aber keine Bösartigkeit. Sie kann nicht ausschliessen, vom Be-

schuldigten Drogen erhalten zu haben, will ihm aber auch nichts unterstellen. Die Be-

troffene belastet den Angeklagten somit in dieser Befragung nicht mehr als nötig und 

sucht bei sich selbst Fehler. Die Aussage wirkt dadurch glaubhaft. Es erschliesst sich im 

Übrigen dem Kantonsgericht nicht, warum die Erstaussagen nicht zum Nachteil des An-

geklagten verwertet werden dürfen (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_136/2021 vom 6. Sep-

tember 2021 E. 2.4) und der Verteidiger wäre diesbezüglich seiner Begründungspflicht 

nicht nachgekommen, wenn er derlei postuliert (S. 1701 N. 22). 

Die Privatklägerin gibt am 2. Mai 2019 vor der Staatsanwaltschaft an, es habe sie den 

Abend nach der polizeilichen Befragung wieder aufgewühlt. Es sei ihr bewusst, dass sie 

bis zu einem gewissen Zeitpunkt klar gewusst habe, was sie tut und danach nicht mehr. 

Sie sei an dem Abend sehr stark betrunken gewesen. Sie könne sich noch an die Zeiten 

erinnern und den Standort, wo sie ihn gesehen habe. Sie habe ihn vom Ausgang gekannt 

und gegrüsst. Er habe einen Drink an der Bar geholt, danach sei es ziemlich schnell 

gegangen. Sie habe das Gefühl gehabt, «ganz schnell ganz stark» betrunken zu sein. 

Sie wisse nichts mehr Konkretes, alles sei schwammig, wie in einem nebligen Film. Es 

sei alles wieder hochgekommen, als sie bei der Polizei war. Sie könne sich erinnern, als 

sie zu Hause gewesen seien, dass sie ihn über sich gesehen habe und sie Geschlechts-

verkehr praktiziert hätten. Sie könne sich an nichts erinnern und habe nichts gespürt. Sie 

sei schnell eingeschlafen, weil sie «derart weg» gewesen sei. Sie könne sich dann noch 

an Blitze erinnern, habe aber nicht begriffen, was passiert sei. Es sei wie ein böser Traum 

gewesen. Sie habe sich am Morgen nach dem Aufwachen nicht gut gefühlt und sich 

sofort zugedeckt. Der Angeklagte sei auf dem Bett zuunterst gesessen und habe sie 

angestarrt. Sie glaube, er sei nicht nackt gewesen, sie hingegen völlig. Er habe Annähe-

rungsversuche gemacht und erneut Geschlechtsverkehr gewollt. Sie habe ihn wegges-

tossen und sei sich nicht sicher, ob sie geweint habe. Sie habe ihn aufgefordert zu ge-

hen, was er getan habe. Sie habe alles vergessen wollen und niemandem davon erzählt. 

Sie habe sich schlimm gefühlt, damit was sie machte (S. 868 A. 2). Sie sei ihres Wissens 

im Dezember 2015 oder Januar 2016 noch einmal im Club G _________ gewesen. Der 

Angeklagte sei sehr aufdringlich gewesen und habe erneut mit ihr nach Hause gewollt. 

Er habe sie zum Taxi begleitet und sie habe ihren Freund angerufen. Es sei die Combox 

eingeschaltet gewesen, womit das ganze Gespräch aufgenommen worden sei 

(S. 869 A. 3). Der Angeklagte habe sie durch Alkohol in einen widerstandsunfähigen 

Zustand versetzt (S. 869 A. 4). Sie habe damals regelmässig viel Alkohol getrunken, 

aber immer gewusst, wann es nicht gut war. Sie ging dann heim. Das Verschwommene 

und Sich-nicht-wehren-können, habe sie nur beim Vorfall mit dem Angeklagten gehabt 

- 29 - 

(S. 869 A. 7). Sie wäre sicher nicht mit den Fotos einverstanden gewesen (S. 869 A. 8). 

Diese seien erniedrigend (S. 869 A. 9). Der Privatkläger sei nicht ihr Typ. Sie hätte ihn 

nie nach Hause mitgenommen (S. 869 A. 10). Es sei schwierig zu beurteilen, ob er sie 

mit alkoholischen Getränken habe gefügig machen wollen, aber für sie sei es unver-

ständlich, wie rasch sie «weg» gewesen sei (S. 870 A. 11). Sie habe nicht einmal ge-

wusst, ob die beiden verhütet hätten und sie habe deswegen am Folgetag direkt einen 

HIV-Test gemacht (S. 870 A. 12). Sie habe getanzt. Er habe die Drinks geholt, sie hätten 

sich geküsst und seien schnell nach Hause gegangen. Es sei ihr nach den Drinks direkt 

schlechter gegangen (S. 870 A. 15). Der Angeklagte sei am Morgen anständig und nicht 

böse gewesen. Sie habe ihn nicht so in Erinnerung. Er sei dann zum Glück gegangen. 

Ihr sei es dann sehr schlecht gegangen (S. 870 S. 16). Sie könne sich noch an Blitze 

erinnern und, wenn sie sich ganz fest zurückerinnere, wie er ihr Bein zur Seite gescho-

ben habe, weshalb sie ihn gefragt habe, was er da mache. Er habe nicht geantwortet. 

Sie könne sich an die Blitze sehr gut erinnern (S. 871 A. 19). Sie sei nach dem Vorfall 

mit dem Beschuldigten noch einmal etwas trinken gegangen. Er habe sie gefragt, ob sie 

noch etwas trinken gingen. Sie wisse aber nicht mehr, ob dies vor oder nach dem Vorfall 

gewesen sei. Er habe sie dann wieder am Bein berührt. Der letzte Kontakt sei die vorhin 

erwähnte Begegnung im Club G _________ gewesen, sie habe danach ihre Nummer 

gewechselt (S. 871 A. 22). Sie schlafe «wie tot» auf dem Rücken, aber nicht mit ange-

winkelten Beinen (S. 871 A. 23).  

Der Anwalt spricht die Privatklägerin anschliessend auf Widersprüche zwischen der ers-

ten und zweiten Befragung an. Der Vorfall hat sich 2015 ereignet, die Erstbefragung ist 

2017 und die zweite Einvernahme 2019 erfolgt. Die abgelaufene Zeit und der damalige 

starke Alkoholkonsum der Privatklägerin sind bei der Analyse von Widersprüchen zu 

bedenken. Letztere kündigt am Schluss der ersten Einvernahme an, sie wolle anhand 

der Fotos von damals zu rekonstruieren versuchen, was sie am betreffenden Abend ge-

macht habe (S. 561 A. 43). Sie erklärt ferner, dass die erste Befragung «viel aufgewühlt» 

habe (S. 868 A. 2). Beides kann das Aussageverhalten bei der zweiten Einvernahme 

beeinflussen. Es wird nachfolgend auf mögliche Widersprüche, die im Verlauf des Ver-

fahrens geltend gemacht worden sind, eingegangen: 

 Die Privatklägerin meint gemäss erster Aussage, ihr Freund habe direkt mit ange-

hört, wie sie vom Beschuldigten vor dem Taxi belästigt worden sei. Sie behauptet 

hingegen bei der zweiten Befragung, die Combox von dessen Handy sei eingeschal-

tet gewesen (S. 872 A. 4). Es handelt sich diesbezüglich nicht um einen subjektiv 

wesentlichen Sachverhalt. Der Vorfall hat ausserdem einen Konflikt zwischen Privat-

klägerin und damaligem Freund verursacht und Diskussionspunkt dürfte dabei das 

- 30 - 

Gespräch gewesen sein, aber nicht, ob der Freund dies zeitgleich oder erst nach-

träglich über seine Combox zur Kenntnis genommen hat. Es ist schliesslich zu be-

achten, dass sich die damals stark betrunkene Privatklägerin zum Zeitpunkt der Auf-

nahme bedrängt fühlte und sich somit weniger auf das Telefon konzentrieren konnte.  

 Die Betroffene gibt an, sich am Morgen über den Vorfall geschämt und den Ange-

klagten zum Verlassen der Wohnung gebeten zu haben. Sie sagt wörtlich aus 

(S. 556 A. 10):  

«Als ich wieder zu mir kam und die Augen öffnete, hat Z _________ mich angeschaut. Es schien, als 

ob er gar nicht geschlafen hatte. Er wollte dann, als ich wieder wach war, gleich nochmals Sex, aber 

ich wollte sowieso nicht mehr. Ich schämte mich für diese Nacht mit ihm und hoffte, dass niemals 

jemand davon erfahren würde. Ich fühlte mich schlimm, dass ich offenbar jemanden zu mir nach Hause 

genommen habe und Sex mit einem Mann hatte, der ständig Frauen aufreisst. Ich fühlte mich dreckig 

und kam mir vor, als ob ich meinen Körper hergegeben habe. Ich fühlte mich nach dieser Nacht noch 

lange so schlimm. Ich konnte mit niemandem darüber reden.» 

Die Privatklägerin gibt weiter an, am gleichen Tag noch einen HIV-Test gemacht zu 

haben und bis zum negativen Ergebnis Blut geschwitzt zu haben (S. 560 A. 33; 

S. 870 A. 12). Sie wird am Morgen auch deswegen mitnichten entspannt gewesen 

sein. Der Beschuldigte hat im Übrigen bestätigt, er habe die Privatklägerin im Herbst 

gefragt, ob sie einen HIV-Test durchgeführt habe, weil sie mit ihm ungeschützt Oral-

verkehr praktiziert hätte (S. 1147 A. 35). Das Gericht vermag nicht nachzuvollziehen, 

warum sich der Angeklagte erst Monate später über einen so wichtigen Vorgang ori-

entiert und hält die Version der Betroffenen, warum sie den HIV-Test gemacht hat, 

für deutlich glaubwürdiger. Das Vorliegen einer solchen Kontrolle ist im Übrigen auf-

grund dieser Aussagen nachgewiesen. 

Der Angeklagte behauptet seinerseits, es sei zwar zu keinen sexuellen Handlungen 

mehr gekommen, sie hätte sich aber für Auffahrt verabredet. Sie hätten sich umarmt, 

die Privatklägerin sei an der Tür gestanden und habe ihm einen Handkuss zugewor-

fen (S. 1146 f. A. 34). Es ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass die Ange-

klagte einige Stunden zuvor noch so stark betrunken gewesen ist, dass sie sich wi-

derstandsunfähig nackt fotografieren liess. Sie hätte – sollte ihre Version zutreffen – 

aufgrund des Alkoholkonsums, Erinnerungslücken. Die Betroffene hat sich am 

nächsten Morgen laut eigenen Angaben für ihr eigenes Verhalten geschämt und 

diesfalls ist es nachvollziehbar, wenn die Betroffene dem Angeklagte nicht ihre ge-

samte Gefühlswelt offenbart und sogar einem neuen Treffen zustimmt, bloss damit 

dieser das Appartement verlässt. Die Privatklägerin hat sich in der vorliegenden Si-

tuation, gemäss obigem Zitat, für ihr Verhalten zumindest teilweise noch selbst ver-

antwortlich gefühlt und von den heimlich gemachten Fotos nichts gewusst. Sie hat 

- 31 - 

aber den Angeklagten in diesem Moment nicht gehasst. Weitere Treffen oder Kon-

taktaufnahmen erwecken deswegen keine hinreichenden Zweifel daran, dass die Be-

troffene in der Nacht beim Geschlechtsverkehrs zum Widerstand unfähig gewesen 

ist. Es ist im Übrigen unstrittig, dass es zu keinem weiteren Geschlechtsverkehr zwi-

schen den Parteien gekommen ist. 

 Die Beteiligten sind sich über die Anzahl späterer Treffen uneinig, wobei die Be-

troffene als «getroffen» präzisiert, das bedeute «abgemacht» (S. 873 A. 8), was zu-

fällige Treffen ausschliesst.  

Die Privatklägerin bestreitet v.a., den Angeklagten später an ihrer Geburtstagsparty 

im H _________ getroffen zu haben (S. 873 A. 9). Die Betroffene bestätigt auf Nach-

frage wiederholt, der Beschuldigte habe im Juli 2015 nicht an einer Geburtstagsparty 

teilgenommen (S. 873 f. A. 8 ff. und 15). Letzterer hält am Gegenteil fest: Er habe 

die Betroffene bei deren Geburtstagsparty im H _________ angetroffen. Das Fest 

sei im kleinen Rahmen abgelaufen (S. 924). Er sei dort nicht lange geblieben, weil 

er noch auf eine andere Party gegangen sei (S. 1147 A. 35). Der Angeklagte dürfte 

nicht die wichtigste Person bei dieser Geburtstagsfeier im kleinen Rahmen 

(S. 1695 N. 9) gewesen sein, wenn er das Fest bereits nach kurzer Zeit wieder ver-

lassen hat, um eine andere Festlichkeit zu besuchen. Es ist nicht nachvollziehbar, 

wann, wie und unter welchen Umständen er eingeladen worden ist. Das Gericht er-

achtet es für die Beweiswürdigung nicht dermassen erheblich (vgl. S. 1708 N. 38), 

wenn die Privatklägerin, die zu jener Zeit viel Alkohol konsumiert hat, dessen Anwe-

senheit vergessen und wenn er tatsächlich für eine kurze Zeit an einer solchen Fei-

erlichkeit im kleinen Rahmen teilgenommen hätte. 

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Angeklagte die Privatklägerin später häu-

figer angetroffen hat, als diese zu bestätigen vermag. Das Gericht kann sich jedoch 

vorstellen, dass die Betroffene, die im Jahr 2015 ein erhebliches Alkoholproblem 

hatte und sogar einen einmonatigen Entzug in einer Anstalt durchführen musste, sich 

nicht mehr an diese teils zufälligen und partiell kurzen Treffen zu erinnern vermag.  

Der Wunsch, den Angeklagten nicht mehr zu treffen, hat sich mit der Zeit verstärkt 

(vgl. S. 557 N. 15) und wegen eines späteren Treffens im Club G _________ im 

Frühling 2016 endgültig manifestiert. Dieses dürfte einen endgültigen Bruch darstel-

len und die Privatklägerin hat daraufhin sogar ihre Handynummer ausgetauscht 

(S. 871 A. 23; S. 557 A. 15). Die Beziehung zwischen den Beteiligten scheint bis zu 

diesem Zeitpunkt wechselhaft gewesen zu sein, teils auch abhängig vom konsumier-

ten Alkohol der Betroffenen. Dies ist bei der Würdigung obiger Aussagen zu gemein-

samen Treffen auch mitzuberücksichtigen. 

- 32 - 

 Sie erinnere sich, mit dem Angeklagten zwei Gin Tonics konsumiert zu haben (S. 873 

A. 12). Er trinke dieses Getränk nie (S. 924). Die Getränkewahl stellt im konkreten 

Fall keinen subjektiv wesentlichen Sachverhalt dar, weshalb ein entsprechender Irr-

tum keine Auswirkung auf die Wertung der Aussagen hat. 

Der Beschuldigte sieht das Aussageverhalten auch widersprüchlich, weil die Be-

troffene gegenüber der Polizei behauptet hat, sie habe vor dem Betreten des Clubs 

nur Wein und Aperol getrunken und erst danach harten Alkohol. Sie relativiert diese 

Aussage selbst, indem sie das Wort «vermutlich» verwendet (S. 560 A. 37). Die Pri-

vatklägerin bringt vor der Staatsanwaltschaft vor, sie könne sich bis zum Eintritt in 

den Club an vieles erinnern, «von da an» sei es ziemlich schnell gegangen, es sei 

ihr vorgekommen, sie sei «ganz schnell betrunken» gewesen (S. 868 A. 2). Dieser 

Widerspruch erscheint einerseits aufgrund des Alkoholkonsums und des Zeitablaufs 

erklärbar. Auch Wein oder Aperol können einen rauschartigen Zustand verursachen. 

Alkohol wirkt im Übrigen nicht sofort nach dem Konsum. Die Privatklägerin kann 

demnach bereits vor dem Eintritt ins Pub übermässig viel Alkohol konsumiert haben, 

der aber erst im Lokal seine volle Wirkung entfaltet hat. 

Es fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass die Angeklagte vor der Polizei be-

stätigt, ihr willensloser Zustand könne auch alleine wegen des Alkoholkonsums ent-

standen sein (S. 560 A. 36), was den Beschuldigten entlastet. Die Antwort, der An-

geklagte habe sie durch den Alkohol in einen widerstandsunfähigen Zustand versetzt 

(S. 1703 N. 26), erfolgt im Übrigen auf eine Suggestivfrage und wird demnach zu-

rückhaltend gewürdigt. Das Gericht müsste andernfalls prüfen, ob nicht eine andere 

Straftat vorliegen könnte, was es gerade nicht tut. 

 Die Privatklägerin will sich erst in der zweiten Befragung an die Blitze und das Aus-

einanderziehen der Beine erinnern (S. 871 A. 18 i.V.m. S. 561 A. 41). Sie erwähnt 

die Blitze auch vor Kantonsgericht, will sich aber nicht mehr an das Bewegen der 

Füsse erinnern. Sie könne sich erinnern, wie er beim Aufwachen zuunterst von ihr 

gesessen habe, als sie erwacht sei (S. 1778 A. 14 f.). Es ist fragwürdig, ob sie derlei 

tatsächlich wahrgenommen hat oder aus Erkenntnissen der Erstbefragung, d.h. aus 

der Sichtung der Fotos, herleitet, zumal die Privatklägerin zugibt, sich nach der Erst-

befragung erheblich mit dem Vorfall beschäftigt zu haben. Es sei ihr «alles wieder 

hoch[gekommen]» (S. 868 A. 2). Dieser Teil der Zweitaussage ist mithin sehr zurück-

haltend zu würdigen und es ist namentlich aufgrund anderer Beweismittel oder Indi-

zien zu prüfen, ob der Beschuldigte ihr tatsächlich die Beine bewegt hat. 

 Der Angeklagte zitiert die Betroffene unvollständig, wenn er darauf hinweist, diese 

habe vor der Staatsanwaltschaft behauptet (S. 1703 N. 27), «ich weiss noch relativ 

viel von diesem Abend». Sie beschreibt in der gleichen Antwort, wie sie plötzlich 

- 33 - 

stark betrunken gewesen ist und ihr Erinnerungsvermögen danach deutlich einge-

schränkt war (S. 868 A. 2). Ein Widerspruch ist nicht erkennbar. 

 Die Äusserung, der Beschuldigte habe sich ihr am Morgen angenähert und noch 

einmal Geschlechtsverkehr gewollt, worauf sie ihn weggestossen habe, widerspricht 

nicht der Aussage, es sei am Morgen nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen, der 

Angeklagte habe sich anständig und nicht böse verhalten. Sie habe ihn auch nicht 

so in Erinnerung. Er sei dann zum Glück gegangen (vgl. S. 1704 N. 30). 

 Die Privatklägerin deponiert in der ersten Befragung, sie habe sich erst «nach dieser 

Tatnacht» überlegt, ob ihr der Angeklagte etwas ins Getränk getan hat, um sie wil-

lenloser zu machen und mit ihr Sex zu haben (S. 558 A. 22). Die Betroffene gibt vor 

der Staatsanwaltschaft an, sie habe am Morgen, als sie erwacht sei und so wenig 

von der Nacht gewusst habe, den Verdacht gehabt, es könnten KO-Tropfen im Spiel 

sein. Sie habe dies jedoch verdrängt (S. 874 A. 14). Dieses Verdrängen stellt Ursa-

che für den Widerspruch (sofern er überhaupt vorliegt) dar, wann sich die Betroffene 

das erste Mal die Frage gestellt hat, ob KO-Tropfen verwendet worden sind 

(S. 1704 N. 29). 

Die Privatklägerin führt konstant an, sie könne sich nicht an die betreffende Nacht im Juli 

2015 zurückerinnern. Sie hätte den Täter jedoch in nüchternem Zustand niemals zu sich 

nach Hause mitgenommen und hätte ohne erheblichen Alkoholkonsum nicht freiwillig 

Geschlechtsverkehr mit diesem praktiziert. Die vom Angeklagten geltend gemachten Wi-

dersprüche sind erklärbar und vermögen nichts an der Glaubwürdigkeit dieses Teils der 

Darstellung zu ändern.  

4.5.4  Der Angeklagte will sich am 25. Juli 2017 zunächst nicht mehr an den Namen der 

Privatklägerin erinnern (S. 569 A. 77). Sie hätten einmal Sex gehabt (S. 569 A. 76). Sie 

hätten bereits früher «ein paar Mal rumgeknutscht». Dies sei auch in jener Nacht ge-

schehen, worauf ihn die Privatklägerin angefragt habe, zu ihr nach Hause zu kommen. 

Sie hätten dort einvernehmlich Sex praktiziert und er sei mitten in der Nacht aufgestan-

den und habe die Fotos geschossen, während die Frau geschlafen habe. Er sei am Mor-

gen gegangen, als es hell geworden sei (S. 569 A. 80). Der Angeklagte habe neben der 

Privatklägerin gelegen und die Decke hochgehoben, als er aufgestanden sei. Er erinnere 

sich nicht, ob er ihr die Beine gespreizt habe, oder ob sie selbst gelegen sei 

(S. 570 A. 81). Die Privatklägerin sei angeheitert gewesen, in Party-Stimmung 

(S. 570 A. 82). Sie habe von den Fotos nichts gewusst und er habe sie nicht berührt 

(S. 570 A. 87). 

- 34 - 

Er habe die Privatklägerin, gemäss Aussage vom 26. September 2017, seit 10 Jahren 

gekannt (S. 576 A. 7). Der Beschuldigte wird anschliessend mit einer Aussage der Be-

troffenen konfrontiert, wonach sich diese noch schwach an Sex erinnern könne und sich 

schlecht gefühlt habe, als sie wieder zu sich gekommen sei. Er erwidert, der Sex am 

Wohnort habe etwa eine Stunde gedauert und die Partnerin habe dies als extrem schön 

empfunden, was sie ihm auch gesagt habe. Sie hätten bei der Verabschiedung abge-

macht, sich am Folgetag zu schreiben. Er sei am nächsten Tag reiten gegangen und 

habe sich den Fuss gebrochen, worauf er die Privatklägerin von der Notaufnahme aus 

angerufen habe. Sie hätten sich, als er wieder habe laufen können, in einem Lokal am 

See getroffen und hätten es sehr gut gehabt miteinander. Sie hätten sich nach der ge-

meinsamen Nacht mehrmals getroffen und seien in Kontakt geblieben (S. 576 A. 9). Sie 

seien an die Bar gegangen und hätten ein Getränk bestellt, sie hätten nicht viel konsu-

miert und seien nur fünf Minuten dort gestanden. Die Betroffene sei angeheitert, in Par-

tystimmung gewesen, aber nicht betrunken (S. 576 A. 10). Die Privatklägerin habe sich 

in guter und aufnahmefähiger Verfassung befunden, da sie zusammen etwas getrunken 

hätten. Er wisse nicht, wieviel sie vorher konsumiert habe (S. 576 A. 11). Der Beschul-

digte habe weder einen übermässigen Alkoholkonsum noch ein Alkoholproblem erkannt 

(S. 577 A. 12). Er sei wegen dem Tanzen im Ausgang und nicht «auf Aufriss» 

(S. 577 A. 13). Die Privatklägerin habe vorgeschlagen, zu ihr nach Hause zu gehen 

(S. 577 A. 16). Sie habe während dem Geschlechtsverkehr mit ihrem Finger noch deren 

Klitoris bearbeitet, es sei für beide sehr schön gewesen (S. 577 A. 17). Die Zivilpartei 

habe von den Fotos nichts gewusst (S. 577 A. 20). Er habe die Fotos mit dem Handy 

gemacht und danach gelöscht, ohne sie irgendwo anders zu übertragen (S. 578 A. 21). 

Der Geschlechtsverkehr sei sehr intensiv gewesen, es sei «Seich» und nicht wahr, wenn 

die Frau behaupte, sie habe nur bruchstückhafte Erinnerungen (S. 578 A. 26). Sie habe 

behauptet, Single zu sein. Sie hätten sich danach getroffen und stundenlang miteinander 

geredet. Sie habe auf ihre religiöse Gesinnung aufmerksam gemacht, was aber nicht 

zum Verhalten im Ausgang passe. Die Privatklägerin habe einen sexuellen Übergriff in 

der Kindheit angedeutet, aber nicht behauptet, etwas habe sie am Treffen gestört, im 

Gegenteil. Sie habe ihn später im Club G _________ getroffen, intensiv begrabscht und 

beim Knutschen am Rücken gekratzt. Sie habe ihn später auf ihren Freund aufmerksam 

gemacht (S. 578 A. 27). 

Der Angeklagte ist zu diesem Vorhalt am 29. Mai 2019 vom Staatsanwalt einvernommen 

worden. Er habe die Privatklägerin auf der Tanzfläche getroffen, worauf sie sich bald 

umarmt und geküsst hätten. Sie seien anschliessend zur Bar gegangen und hätten ein 

Getränk bestellt. Die Betroffene hätte ihn nach ca. 10 Minuten aufgefordert, zu ihr nach 

- 35 - 

Hause zu gehen. Sie sei in die Küche gegangen und habe eine Flasche Wein geöffnet, 

wobei sie fast nichts getrunken hätten und sofort intim geworden seien. Die Privatkläge-

rin habe es im Bett schön empfunden, sie habe noch mit ihrer Klitoris gespielt (S. 924). 

Der Beschuldigte hat zu diesem Tatvorwurf vor Kreisgericht ausgesagt, die Beteiligten 

hätten sich auf der Tanzfläche im Club G _________ zu küssen begonnen, was bereits 

zwei Mal passiert sei. Er habe seinen Finger in ihre Scheide geführt, als sie zusammen 

an der Bar den Wodka Tonic getrunken hätten. Sie hätten herumgemacht, sich geküsst 

und berührt. Das Opfer habe anschliessend vorgeschlagen, zu ihr zu gehen. Er habe sie 

nach ihrem Freund gefragt, worauf sie erwidert habe, Single zu sein. Sie seien danach 

zu ihr gegangen und hätten eine Flasche Rotwein geöffnet und zwei oder drei Schlucke 

getrunken. Sie hätten dann schon auf dem Küchentisch mit dem Geschlechtsverkehr 

begonnen und seien dann aufs Bett gewechselt, um dort weiterzufahren. Die Sexual-

partnerin habe sich während des Sexes an der Klitoris stimuliert (S. 1144 A. 26). Die 

Behauptung der Privatklägerin, sie habe keine Erinnerung über das Geschehene und 

sei wie weggetreten gewesen, ausserdem habe sie den Geschlechtsverkehr nicht frei-

willig vollzogen, widerspreche seinen Erinnerungen (S. 1144 A. 27). Der Beschuldigte 

gibt im Zusammenhang mit dem verschobenen Bein an, er könne sich nicht mehr an die 

Situation erinnern. Er könne sich vorstellen, das Opfer habe das Bein selbst bewegt, 

zumal es gesagt habe, es sei beim Fotografieren der Füsse aufgewacht. Er könne sich 

auch vorstellen, sie vielleicht im Gesicht gestreichelt zu haben oder dass er mit ihr habe 

sprechen