# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** accda663-7320-5e0d-a4c6-35d9ca266301
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-20
**Language:** de
**Title:** Befristete Baubewilligung für einen Windmessmast in der Landwirtschaftszone.
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0108-0110/2014
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nrn._0108-011_2014_vom_20._august_2014.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
3. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE III Nr. 

R3.2014.00029, R3.2014.00030 und R3.2014.00031 
0108/2014, 0109/2014 und 0110/2014 

Entscheid vom 20. August 2014 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Ersatzrichter Reinhold Schätzle, Baurich-
terin Monika Spring-Gross, Gerichtsschreiber Andreas Mahler     

in Sachen 

Rekurrierende 

R3.2014.00029 
V. R., [….] 

R3.2014.00030 
1.  R. und E. G., [….]  
2.  H.W., [….]  

R3.2014.00031 
K. G., [….] 

gegen 

Rekursgegnerschaft 

R3.2014.00029 + R3.2014.00030 
1.  Bauausschuss X, [….]  
2.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  
3.  N. SA, [….]  

R3.2014.00031 
1.  Bauausschuss X, [….]  
2.  N. SA, [….] 

betreffend 

R3.2014.00029 + R3.2014.00030 
Bauausschussbeschluss  vom  22.  Januar  2014  und  Verfügung  der  Baudi-
rektion  Kanton  Zürich  Nr.  BVV  13-1492  vom  13.  Dezember 2013;  Baube-
willigung bzw. raumplanungsrechtliche Bewilligung für Windmessmast,  

R3.2014.00031 
Bauausschussbeschluss  vom  22.  Januar  2014;  Baubewilligung  für  Wind-
messmast 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 22. Januar 2014 erteilte der Bauausschuss X der N. SA 

die  auf  24  Monate  befristete  baurechtliche  Bewilligung  für  die  Errichtung 
eines  Windmessmastes  [….]  Gleichzeitig  wurde  die  raumplanungsrechtli-
che  Bewilligung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  vom  13.  Dezember  2013 

für das Bauvorhaben eröffnet. 

B. 

Sowohl  gegen  die  baurechtliche  als  auch  gegen  die  raumplanungsrechtli-

che Bewilligung erhoben V. R. einerseits sowie R. und E. G. und H.W. an-

dererseits mit Eingaben vom 5. bzw. 6. März 2014 fristgerecht Rekurs beim 
Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  beantragten  die  Aufhebung  der 

angefochtenen Entscheide unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas-

ten der Rekursgegnerschaft. 

Ausschliesslich  gegen  die  baurechtliche  Bewilligung  erhob  sodann  K.  G. 

mit  separater Eingabe  vom  5.  März  2014  fristgerecht  Rekurs beim Baure-

kursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung dieses Ent-

scheides. 

C. 

Mit  Verfügungen  vom  7.  bzw.  12.  März  2014  wurden  die  Rekurseingänge 
[….] vorgemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

D. 

Mit Eingaben vom 8. Mai 2014 beantragte die Baubehörde die Abweisung 

der Rekurse unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekur-

rierenden. Die Baudirektion beantragte mit Eingaben vom 7. bzw. 10. April 

2014  ebenfalls  die  Abweisung  der  gegen  die  raumplanungsrechtliche  Be-

willigung  gerichteten  Rekurse.  Die  private  Rekursgegnerin  beantragte,  auf 

die Rekurse sei nicht einzutreten, eventualiter seien sie abzuweisen. 

R3.2014.00029 

Seite 2 

 
 
E. 

Mit Repliken vom 2. bzw. 3. Juni 2014 bzw. Duplik vom 18. Juni 2014 hiel-

ten  die  privaten  Parteien  in  den  Verfahren  G.-Nrn.  R3.2014.00029  und 

R3.2014.00030 an ihren Anträgen fest. Die Vorinstanzen verzichteten still-

schweigend auf eine Duplik. 

F. 

Am 24. Juli 2014 führte die 3. Abteilung des Baurekursgerichtes im Beisein 

der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

G. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  und  die  anlässlich  des  Lokaltermins  ge-

machten Feststellungen wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den 
nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die Rekurse beziehen sich auf dasselbe Bauvorhaben. Die Verfahren sind 

daher aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen. 

2.1. – 4. 
[….] 

5. 

Die  Baugrundstücke  liegen  in  der  Landwirtschaftszone  gemäss  Bau-  und 

Zonenordnung  der  Gemeinde  X  (BZO).  Geplant  ist  ein  90  m  hoher  Mast 

aus Stahl mit auf drei Seiten und in verschiedener Höhe angebrachten seit-

lichen Abspannkabeln. Im Querschnitt ist der Mast dreieckig mit einer Kan-

tenlänge  von  40  cm.  Er  dient  zur  Messung  des  Windes  und  der  Fleder-

R3.2014.00029 

Seite 3 

 
 
mausaktivitäten  während  maximal  24 Monaten.  Die  Resultate  dienen  als 

Entscheidungsgrundlage für die Erstellung eines Windparks. 

6.1. 

Die  Rekurrierenden  machen  zunächst  eine  mangelhafte  bzw.  fehlende 

Aussteckung  (§  311  PBG)  geltend.  Unter  anderem  habe  die  Profilierung, 

anders  als  im  Bauentscheid  erwägungsweise  ausgeführt,  nicht  aus  einer 

9 m hohen sondern aus einer lediglich ca. 5 m hohen Holzlatte bestanden. 

Dies lasse nicht erkennen, dass ein 90 m hoher Mast geplant sei. 

6.2. 

Die  Rekurrierenden  hatten  offensichtlich  Kenntnis  von  der  Baubewilligung 

und  reichten  dagegen  die  vorliegenden  Rekurse  ein.  Sie  machen  denn 
auch nicht geltend, sie hätten keine Möglichkeit gehabt, sich durch Einsicht 

in die aufgelegten Bauakten über das Bauvorhaben zu informieren und ihr 

Rekursrecht  wahrzunehmen.  Insofern  ist  ihnen  kein  Nachteil  erwachsen 

und  wurde  ihr  rechtliches  Gehör  nicht  verletzt.  Damit  ist  nicht  ersichtlich, 

welchen  praktischen  Nutzen  sie  aus  einer  materiellen  Behandlung  der  in 

Rede  stehenden  Rüge  ziehen  könnten.  Weder  würde  die  Bejahung  der 

Mangelhaftigkeit  der  Aussteckung  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Ent-

scheide  führen, noch wäre auch nur eine  erneute Bekanntmachung  anzu-

ordnen. Auf ein allfälliges Interesse Dritter, namentlich dasjenige allenfalls 

beschwerdeberechtigter  Verbände,  im  Zusammenhang  mit  behaupteten 

Verfahrensfehlern, können sich rekurrierende Nachbarn nicht berufen. An-

ders  zu  urteilen  wäre  dann,  wenn  solche  Fehler,  etwa  die  Fehlerhaftigkeit 

der Baugesuchsunterlagen, direkt die materielle Rechtswidrigkeit des Bau-

vorhabens  zur  Folge  hätten,  was  vorliegend  nicht  der  Fall  ist  (vgl. 

BGr 1C_440/2010  vom  8.  März  2011,  E.  3.4,  und  BGr  1C_478/2008  vom 

28. August 2009, E. 2.4, sowie RB 2000 Nr. 7 = BEZ 2000 Nr. 39). Somit 

ist in diesem Punkt auf die Rekurse nicht einzutreten. 

7.1. 

Im Weiteren monieren die Rekurrierenden, die verkehrsmässige Erschlies-

sung der Baugrundstücke sei unzureichend. Die Zufahrt über den Flurweg 

Nr. 272 (Kat.-Nr. 3424) und von diesem weiter bis zum Standort des Mas-
tes sei für das Befahren mit schweren Lastwagen unzureichend ausgebaut. 

R3.2014.00029 

Seite 4 

 
 
Über die vorhandenen Wege lasse sich weder der Verkehr für den Bau der 

Anlage noch derjenige für deren Unterhalt und Betrieb abwickeln.  Die Re-

kurrentschaft 2 führt zudem aus, für die nicht landwirtschaftliche Benützung 

der  betroffenen  Flurwege  fehle  die  Zustimmung  der  Eigentümer  (§ 110 

Abs. 2  LG).  Ausserdem  führe  die  Zufahrt  auch  über  das  Grundstück 

Kat.-Nr.  2828,  welches  im  Eigentum  der  Rekurrentin  4  stehe.  Diese  habe 

nicht im Sinn, irgendwelche Fahrwegrechte einzuräumen. 

7.2. 

Die Baubehörde entgegnet, die Zufahrt sei vor allem für die Erstellung und 

den  Rückbau  des  Mastes  von  Bedeutung. Es würden keine Leute perma-

nent  auf  dem  Platz  der  Messanlage  arbeiten,  sodass  nicht  mit  einem  zu-

sätzlichen  Verkehrsaufkommen  zu  rechnen  und  auch  keine  Notzufahrt  zu 

erstellen  sei.  Die  Bauherrschaft  werde  gemäss  Auflage  in  Dispositivzif-
fer 2.3 der Baubewilligung vor Baubeginn in einem Bauinstallationsplan die 

Erschliessung,  insbesondere  für  den  Auf-  und  Rückbau  des  Windmess-

mastes,  darzulegen  haben.  Für  die  Benutzung  von  Flurwegen brauche es 

die  Zustimmung  der  Flurwegeigentümer.  Die  Inanspruchnahme  von  Dritt-

grundstücken  sei  nach  §  229  PBG  zu  beurteilen.  Vielleicht  erwäge  die 

Bauherrschaft auch Helikoptertransporte. 

7.3. 

Die  private  Rekursgegnerin  erklärt,  die  Zufahrt  erfolge  über  die  Flurwege 

mit  den  Kat.-Nrn.  3424  (auch  als  Strasse  Nr.  272  bezeichnet)  und  2829 

und  weiter  über  das  Baugrundstück  Kat.-Nr.  2805.  "Daraus"  ergebe  sich, 

dass sie die nötigen Rechte besitze, um den Mast zu installieren, und dass 

der Eigentümer des Baugrundstückes Anstösser des Flurweges sei. Dieser 

habe somit das Recht, den Flurweg Kat.-Nr. 3424 zu benutzen, um zu sei-

ner Parzelle zu gelangen. Eine eingetragene Dienstbarkeit auf der Parzelle 

Kat.-Nr.  2805  berechtige  die  Bauherrschaft  zur Benützung  dieses  Weges, 

soweit die landwirtschaftliche Nutzung nicht verändert werde (§ 110 Abs. 1 

LG). Ein Strassenausbau sei für die Montage nicht erforderlich. Der Trans-

port  könne  beispielsweise  mit  einem  Traktor  mit  Anhänger  oder  einem 

Lastfahrzeug gemacht werden. Der Mast erfordere keine besonderen War-

tungsarbeiten.  Bei  allfälligen  Schäden  würden  zwei  Techniker  mit  einem 
Personenwagen  "soweit  strassentechnisch  möglich"  zum  Standort  fahren 
und zu Fuss bis zum Mast weitergehen. 

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Seite 5 

 
 
7.4.1. 

Voraussetzung für die Erteilung einer Baubewilligung ist unter anderem die 

genügende  Erschliessung  des  Baugrundstücks  (Art.  22  Abs. 2  lit. b  des 

Raumplanungsgesetzes  [RPG];  §§ 233  und  234  PBG).  Ein  Grundstück ist 

dann erschlossen, wenn es für die darauf vorgesehenen Bauten und Anla-

gen  genügend  zugänglich  ist,  wenn  diese  ausreichend  mit  Wasser  und 

Energie  versorgt  werden  können  und  wenn  die  einwandfreie  Behandlung 

von  Abwässern,  Abfallstoffen  und  Altlasten  gewährleistet 

ist  (§ 236 

Abs. 1 PBG).  Dies  gilt  auch  für  Grundstücke  im  Nichtbaugebiet.  Was  die 

genügende Zugänglichkeit im Besonderen anbelangt, so erfordert diese in 

tatsächlicher Hinsicht eine der Art, Lage und Zweckbestimmung der Bauten 

oder  Anlagen  entsprechende  Zufahrt  für  die  Fahrzeuge  der  öffentlichen 

Dienste  und  der  Benützer  (§ 237  Abs. 1  Satz 1 PBG).  Die  Zufahrt  muss 

nicht  nur  in  tatsächlicher  Hinsicht  genügen,  sondern  auch  rechtlich  gesi-

chert sein (RB 1981 Nr. 129 = BEZ 1981 Nr. 1, E. 3).  

7.4.2. 

Die von der Bauherrschaft vorgesehene Zufahrt führt vom Weiler Z ab G.-

Strasse  über  den  Flurweg  Kat.-Nr.  3424  zum  E.-Weg  (im  fraglichen  Ab-

schnitt  Kat.-Nr.  2829  eine  Landwirtschaftsstrasse  im  Gemeindeeigentum). 

Ca.  25  m  nordöstlich  der  Einmündung  grenzt  das  Baugrundstück  Kat.-Nr. 

2805 in einem spitzen Winkel und in einem einzigen Punkt an den E.-Weg, 

so dass mit Fahrzeugen vom E.-Weg nicht auf das Baugrundstück gelangt 

werden kann, ohne die angrenzenden Drittgrundstücke (Kat.-Nrn. 2828 und 

3434, im Eigentum der Rekurrentin 3) zu befahren. 

7.4.3. 

Das Erfordernis der genügenden Zugänglichkeit im Sinn von § 237 Abs. 1 

PBG  gilt  auch  für  den  Baustellenverkehr.  Beim  Erschliessungsbedarf  für 

eine Baustelle ist zu berücksichtigen, dass es sich dabei nur um eine vorü-

bergehende  Grundstücksnutzung  handelt.  An  den  Ausbaustandard  eines 

Baustellenzugangs  sind  daher  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Verhältnis-

mässigkeit  geringere  Anforderungen  zu  stellen  (vgl.  VB.2000.00319  vom 

25. Januar 2001, E. 7.).  

Die  streitbetroffenen  Baugrundstücke  sind  für  die  landwirtschaftliche  Nut-
zung mit entsprechenden Fahrzeugen wie Traktoren zugänglich. Die fragli-
chen Wege genügen deshalb in tatsächlicher Hinsicht auch als Baustellen-

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Seite 6 

 
 
zufahrt  und  erlauben  die  Zufahrt  mit  Baumaschinen  und  kleineren  Last-

fahrzeugen, wie sie für das Bauvorhaben benötigt werden.  

7.4.4. 

Führen Zufahrten über Flur- oder Genossenschaftswege, richtet sich deren 

Benützung  nach  dem  kantonalen  Landwirtschaftsgesetz  (LG).  Flurwege 

stehen  im  Gesamteigentum  der  Anstösser,  Genossenschaftswege  im  Pri-

vateigentum einer öffentlichrechtlichen Genossenschaft (§ 108 Abs. 1 LG). 

Die  Benützung  solcher  Wege  durch  Flurwegeigentümer  bzw.  Genossen-

schaftsmitglieder  zu  anderen  als  zu  land-  oder  forstwirtschaftlichen  Zwe-

cken  bedarf  bei  Flurwegen  der  Zustimmung  der  Mehrheit  der  übrigen  Ei-

gentümer und bei Genossenschaftswegen der Zustimmung der Genossen-

schaft  (§ 110  Abs. 2  LG).  Die  Zustimmung  ist  zu  erteilen,  wenn  der  Aus-

baustand  des  Wegs  für  den  vorgesehenen  Gebrauch  genügt  und  dieser 

den land- oder forstwirtschaftlichen Verkehr nicht wesentlich beeinträchtigt; 

vorbehalten  bleibt  die  Auferlegung  einer  Entschädigung  sowie  der  Kosten 

eines  allfälligen  Ausbaus  (§ 110  Abs. 3  LG).  Kommt  eine  Einigung  unter 

den  Flurwegeigentümern  nicht  zustande,  entscheidet  der  Gemeinderat 

(§ 110  Abs. 4  LG).  Sind  die  gesetzlichen  Voraussetzungen  erfüllt,  darf  ei-

nem  am  Flurweg  Beteiligten  die  Zustimmung  zu  einer  anderen  als  land- 

bzw. forstwirtschaftlichen Benützung des Wegs somit nicht verweigert wer-

den.  Demgegenüber  steht  Dritten, 

insbesondere  Eigentümern  von 

Grundstücken in der Nähe eines Flurwegs, gegen Entschädigung bloss ein 

land- und forstwirtschaftliches Wegrecht zu (§ 111 Abs. 2 LG). 

7.4.5. 

Im  vorliegenden  Fall  verfügt  die  private  Rekursgegnerin  nicht  über  die  er-

forderliche Zustimmung für das Befahren des Flurwegs Kat.-Nr. 3424. Auch 

für die Grundstücke Kat.-Nrn. 2828 und 3434 fehlt das Einverständnis der 

Eigentümerin.  Allerdings  wäre  es  wohl  unverhältnismässig,  der  Bauherr-

schaft  während  der  Bauausführung  eine  von  vornherein  auf  wenige  Tage 

beschränkte  Benutzung  der  Flurwege,  die  über  die  Berechtigung  nach 

§ 110  Abs.  1  und  §  111  Abs.  2  LG  hinausgeht,  zu  verweigern  (vgl. 

VB.2000.00319 vom 25. Januar 2001, E. 7). Gleiches gilt in Bezug auf die 

Nachbargrundstücke Kat. Nrn. 2828 und 3434.  

Gemäss  §  229  Abs.  1  PBG  ist  die  vorübergehende  Benutzung von Nach-
bargrundstücken  – soweit  für  die  Erstellung  von  Bauten  notwendig –  im 
Rahmen  von  §  226  Abs.  1  und  2  PBG  ausdrücklich  erlaubt.  Die  Inan-

R3.2014.00029 

Seite 7 

 
 
spruchnahme  ist  dem  Betroffenen  vom  Ansprecher  genau  und  rechtzeitig 

schriftlich  mitzuteilen  (§  230  Abs. 1  PBG).  Stimmt  der  Betroffene  innert 

30 Tagen seit der Mitteilung nicht zu oder einigen sich die Beteiligten über 

die  Entschädigung  nicht,  entscheidet  auf  Begehren  des  Ansprechers  die 

örtliche  Baubehörde  in  raschem  Verfahren  über  die  Zulässigkeit  des  Be-

gehrens  und  über  die  Entschädigung  (Abs. 2).  Dieses  sogenannte  Ham-

merschlagsrecht  umfasst  auch  das  Recht,  Nachbargrundstücke  als  Bau-

stellenzufahrt zu benützen. Insoweit  ist das in § 229 PBG geregelte Recht 

in  gewisser  Hinsicht  dem  Notwegrecht  (Art.  694  Zivilgesetzbuch  [ZGB]) 

ähnlich.  Dieses  stellt  wie  andere  nachbarrechtliche  Eigentumsbeschrän-

kungen eine Konkretisierung des Rechtsmissbrauchsverbots (Art. 2 Abs. 2 

ZGB)  dar.  Ein  offenbarer  Rechtsmissbrauch  im  Sinne  dieser  Bestimmung 

liegt  nicht  erst bei einer völlig nutzlosen Eigentumsausübung vor, sondern 

bereits  bei  einem  krassen  Missverhältnis  der 

Interessen  (vgl.  BGr 

1P.217/2000 vom 27. Juni 2000, E. 3d, und VB.2000.00319 vom 25. Janu-

ar 2001, E. 7). 

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die derzeit noch fehlende Zustimmung 

der  betroffenen  Eigentümer  der  Erteilung  der  Baubewilligung  nicht  entge-

gen steht. 

7.4.6. 

Die  Anforderungen  an  die  verkehrsmässige  Erschliessung  während  des 

Messbetriebes richten sich nach den konkreten Bedürfnissen (vgl. §§ 236 f. 

PBG).  Vor  Ort  sind  nur  periodisch  Kontrollen  und  Manipulationen  an  den 

Messgeräten  notwendig.  Die  Daten  der  Windmessgeräte  werden  drahtlos 

übermittelt. Nur der Datenträger (Speicherkarte) des Gerätes zur Erfassung 

der  Fledermausaktivitäten  (sog.  Batcorder,  s.  http://www.ecoobs.de/cnt-

batcorder.html  und  R3.2014.00029,  act.  16.3,  S.  4)  und  dessen  Batterie 

müssen  ca.  wöchentlich  ausgetauscht  werden.  Dafür  genügt  ein  blosser 

Fussgängerzugang  ab  G.-Strasse.  Fussgänger  sind  berechtigt,  Flur-,  Ge-

nossenschafts-  und  Holzabfuhrwege  ohne  besondere  Erlaubnis  zu  benüt-

zen  (§  111  Abs. 1  LG)  und  das  Betreten  von  Wald  und  Weide  ist  jeder-

mann gestattet (Art. 699 Abs. 1 ZGB). Somit ist der Zugang zum Messmast 

in  rechtlicher  Hinsicht  gewährleistet  und  das  Baugrundstück  kann  als  er-

schlossen gelten. 

Zum Befahren der Flurwege zum Zweck des Betriebs des Windmessmas-
tes bleibt Folgendes anzumerken: Wie erwähnt ergibt sich ein beschränkter 

R3.2014.00029 

Seite 8 

 
 
Anspruch auf die Benützung der Flurwege – anders als für die Baustellen-
zufahrt – ausschliesslich aus §§ 110 f. LG. Weil die Baugrundstücke aber 
nicht  an  den  Flurweg  Kat.-Nr.  3424  anstossen,  sondern  sich  lediglich  in 

dessen  Nähe  befinden,  stünde  ihren  Eigentümern  bzw.  der Bauherrschaft 

nach  § 111  Abs. 2  LG  höchstens  ein  land-  und  forstwirtschaftliches 

Wegrecht zu (vgl. auch VB.2000.00369, E. 4a, = RB 2001 Nr. 1). Für den 

nicht land- oder forstwirtschaftlich begründeten Betrieb der Windmessstati-

on besteht daher kein Anspruch auf das Befahren mit Fahrzeugen. Vorbe-

halten bleibt der Anspruch auf Einräumung eines Notweges nach Art. 694 

Zivilgesetzbuch (ZGB). 

8.1. 

Die  Rekurrentschaft  2  beanstandet,  die  Vorinstanzen  hätten  sich,  soweit 

erkennbar, nicht mit der Einordnung und Gestaltung des Bauvorhabens be-

fasst. Der von einem dichten Netz von Abspannkabeln umgebene Mast sei 

in  der  Gesamtheit  ein  voluminöses  Bauvorhaben,  das  in  der  Landschaft 

dominant  auftrete  und  einen  störenden  Fremdkörper  darstelle.  Die  mit 

Wanderwegen  gut  erschlossene  Landschaft  mit  ihren  lieblichen  Hügeln 

und Wäldern sei ein wichtiges Naherholungsgebiet. Das Baugrundstück sei 

dem  Landschaftsförderungsgebiet  zugeteilt  und  unweit  davon  verlaufe  die 

Perimetergrenze zur überkommunalen Schutzverordnung Bachtel-Allmen. 

8.2. 

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich 

und  in  ihrem  Zusammenhang  mit  der baulichen  und  landschaftlichen  Um-

gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine 

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für 

Materialien und Farben. 

Diese  Vorschrift  enthält  eine  Grundanforderung  an  Bauten,  Anlagen  und 

Umschwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in 

sich  als  auch  der  Einordnung  in  die  bauliche  und  landschaftliche  Umge-

bung.  Die  Frage,  ob  eine  befriedigende  Gesamtwirkung  erreicht  wird,  ist 

gestützt  auf  objektive,  nachvollziehbare  Kriterien  zu  beantworten.  Blosses 

Empfinden rechtfertigt keinen Eingriff in das Eigentum. 

R3.2014.00029 

Seite 9 

 
 
8.3. 

Der Windmessmast soll in eine im Wesentlichen unverbaute, durch traditi-

onelle  Landwirtschaft  geprägte,  reizvolle  Landschaft  zu  stehen  kommen. 

Das Schutzgebiet gemäss Verordnung zum Schutze des Bachtels und des 

Allmens  reicht  nicht  näher  als  ca.  1  km  an  den  Standort  des  Windmess-

mastes  heran.  Schon  allein  wegen der grossen Distanz ergeben sich dar-

aus  für  das  Bauvorhaben  keine  erhöhten  gestalterischen  Anforderungen. 

Das von der Rekurrentschaft genannte Landschaftsförderungsgebiet ist ei-

ne  Festsetzung  im  kantonalen  Richtplan  und  umfasst  weiträumig  den 

grössten  Teil  des  Zürcher  Oberlandes.  Den  besonderen  landschaftlichen 

Qualitäten in der Umgebung des streitbetroffenen Bauvorhabens ist bei der 

Anwendung der Gestaltungsvorschrift von § 238 Abs. 1 PBG Rechnung zu 

tragen. Darüber hinaus ergeben sich aus dem Richtplan keine weiteren An-

forderungen, zumal dieser nicht grundeigentümerverbindlich ist. 

Der  Mast  besteht  aus  einer  sehr  schlanken  (40  cm  Seitenlänge)  Stahlgit-

terkonstruktion  mit  zahlreichen  seitlichen  Abspannkabeln.  Es  handelt  sich 

nicht  um  einen  massiven  Baukörper,  sondern  um  eine  filigrane,  "transpa-

rente" Konstruktion, die in der weiteren Umgebung vor allem wegen seiner 

beachtlichen  Höhe  von  90  m,  wenn  auch  nicht  dominant,  aber  immerhin 

auffällig  in Erscheinung tritt, als technische Installation einen Fremdkörper 

darstellt  und  die  Landschaft  negativ  beeinträchtigt.  Als  dauerhafte  Baute 

wäre  der  Mast  bei  den  heute  gegebenen  nutzungsplanerischen  Grundla-

gen  nicht  bewilligungsfähig.  Es  stellt  sich  daher  die  Frage,  ob  der Einord-

nungsmangel  mit  der  befristeten  Baubewilligung  vorübergehend  toleriert 

werden kann. Der Grundsatz der Gesetzmässigkeit verlangt, dass befriste-

te Abweichungen vom ordentlichen Recht nur dann und für so lange zuge-

standen  werden,  als  die  Realisierung  eines  gesetzeskonformen  Projekts 

entweder  unmöglich  oder  für  den  Bauherrn  unzumutbar  ist.  Sodann  ist 

massgebend,  welche  baurechtlichen  Rechtsgüter  in  welchem  Ausmass 

verletzt werden und es sind die auf dem Spiel stehenden öffentlichen und 

privaten  Interessen  gegeneinander  abzuwägen  (s.  VB  91/0054  und  0055 

vom 3. Oktober 1991 in ZBl 93/1992 S. 184 ff., E.  5b und nicht publizierte 

E. 5c/aa., sowie VB.2009.00308 vom 17. Dezember 2009, E. 8.2). 

Das Erscheinungsbild des streitbetroffenen Mastes, vor allem seine Höhe, 

ist  technisch  bzw.  durch  die  Höhe  der  Hügelkette  Stüssel-Allmen  bedingt 

und  lässt  sich  nicht  auf  gesetzeskonforme  Weise  gestalten.  Ob  allenfalls 
− wie die Rekurrierenden 2 vorbringen – andere Messmethoden ohne Mast 

R3.2014.00029 

Seite 10 

 
 
auch geeignet wären, ist nicht massgebend; alternative Bauvorhaben sind 

nicht zu beurteilen. Indes ist der Windmessmast schon von seiner Zweck-

bestimmung  her  auf  eine  temporäre  Bestandesdauer  angelegt,  weshalb 

nur  um  eine  befristete  Baubewilligung  für  eine  relativ  kurze  Zeit  ersucht 

wurde.  Das  gestalterische  Defizit  stellt  für  Dritte  wie  die  Rekurrierenden 

höchstens  einen  leichten,  auf  das  subjektive  Empfinden  beschränkten 

Nachteil  dar.  Für  das  Landschaftsbild  relevante  Eingriffe  in  das  Terrain 

oder in die Vegetation sind nicht notwendig. Mit der Entfernung des Mastes 

nach  durchgeführten  Messungen  wird  der  ursprüngliche  Zustand  sogleich 

wieder  hergestellt  sein.  Insgesamt  ist  die  Beeinträchtigung  der  baurechtli-

chen  Rechtsgüter  als  eher  gering  einzustufen.  Daher  fällt  die  Güterabwä-

gung zwischen dem Schutz des  Landschaftsbildes und dem Interesse der 

Bauherrschaft an den Messungen im Zusammenhang mit der Standorteva-

luation für einen Windpark, an dem auch ein gewisses öffentliches Interes-

se besteht (s. dazu die Ausführungen zur Standortgebundenheit unter Zif-

fer  9.7.  weiter  unten),  zugunsten  der  Bauherrschaft  aus.  Infolgedessen 

kann  der  mit  der  befristeten  Baubewilligung  einhergehende  temporäre  Ei-

nordnungsmangel toleriert werden.  

9.1. 

Gegen  die  raumplanungsrechtliche  Bewilligung  der  Baudirektion  (Ausnah-

mebewilligung  nach  Art.  24  RPG)  bringt  die  Rekurrentschaft  2  vor,  das 

Bauvorhaben  sei  nicht  standortgebunden.  Die  Standortgebundenheit  des 

Windmessmastes  sei  eng  mit  jener  des  später  geplanten  Windparks  ver-

knüpft.  Wenn  sich  der  Standort  des  Windparks  zum  vornherein  als  un-

zweckmässig,  unwirtschaftlich  oder  rechtlich  nicht  durchsetzbar  erweise, 

würden  sich  auch  keine  Windmessungen  aufdrängen.  Gemäss  Windkarte 

(R1S.2014.00030,  act.  6.5,  aufrufbar  auf  www.wind-data.ch)  würden  die 

Windverhältnisse  am  vorgesehenen  Standort im  Grenzbereich  dessen  lie-

gen,  bei  welchem  sich  die  Produktion  von  Windenergie  noch  lohne.  Auch 

aus anderen Gründen sei eine Windenergieanlage an diesem Ort nicht rea-

listisch. Sodann sei es möglich, Windmessungen ohne Maste mittels akus-

tischer  oder  optischer  Messverfahren  (sogenannte  Sodar-  oder  Lidar-

Messungen) landschaftsschonender auszuführen. 

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Seite 11 

 
 
9.2. 

In  der  angefochtenen  Verfügung  erwog  die  Baudirektion,  der  Windmess-

mast  diene  der  Evaluation  der  Windressource  sowie  der  Korrelation  der 

Winddaten  mit  Resultaten  der  Fledermausuntersuchungen.  Der  befristete 

Betrieb des Mastes sei zur Erhebung der für die nachfolgenden Planungs- 

und  Bewilligungsverfahren  erforderlichen  Grundlagen  notwendig.  Das  Ge-

biet  nordwestlich  Chli  X  im  Raum  Stüssel-Luegeten  weise  gemäss  Wind-

karte  (www.wind-data.ch)  die  notwendige  Windmenge  zum  Betrieb  einer 

Windenergieanlage auf. Für die Standortwahl des Windmessmastes seien 

die  Lage  ausserhalb  des  Waldgebietes,  ausserhalb  des  Geltungsbereichs 

eines  Landschaftsschutzgebietes  sowie  die  Distanz  zum  Siedlungsgebiet 

massgebend gewesen. Zudem ermögliche der Standort auch das Messen 

von  Fledermausaktivitäten.  Als  zeitlich  befristete  Messanlage  sei  der 

Standort  für  das  Vorhaben  ausreichend  begründet.  Entgegenstehende 

überwiegende Interessen seien nicht ersichtlich. 

9.3. 

Die Bauherrschaft führt aus, ein Windpark könne nur ausserhalb der Bau-

zonen  erstellt  werden,  weshalb  auch  der  Messmast  dort  platziert  werden 

müsse, um zuverlässige Messungen durchführen zu können. Es seien drei 

Standorte  geprüft  worden.  Der  Standort  auf  dem  Allmen  hätte  sich  im 

Landschaftsschutzgebiet und zudem im Wald befunden, was ein Rodungs-

gesuch  mit  sich  gebracht  hätte,  weshalb  er  verworfen  worden  sei.  Der 

Standort Z wäre ungünstig gewesen für die gleichzeitige Messung der Fle-

dermausaktivität. Der gewählte Standort auf der Luegeten stehe weder im 

Landschaftsschutzgebiet  noch  im  Wald,  sei  nicht  in  der  Nähe  einer  Sied-

lung und eigne sich auch für die Fledermausmessung. Die von der Rekur-

rentschaft 2 vorgeschlagenen alternativen Messmethoden würden immer in 

Kombination  mit  einer Mastmessung angewandt, um Vergleichs- und Kor-

relationsmöglichkeiten der Winddaten zu erhalten. Die temporäre Installati-

on  werde  die  Landschaft  nicht  beeinträchtigen  und  diese  könne  weiterhin 

genutzt und begangen werden. 

9.4. 

Gemäss Art. 24 RPG kann die Errichtung von Bauten und Anlagen ausser-
halb  der  Bauzonen  sowie  deren  Zweckänderung  abweichend  von  Art. 22 
Abs. 2  lit. a  RPG  bewilligt  werden,  wenn  der Zweck  der Bauten  und  Anla-

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Seite 12 

 
 
gen einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert (lit. a) und der Be-

willigung keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b). 

Eine  Baute  oder  Anlage  ist  dann  standortgebunden,  wenn  sie  aus  techni-

schen  oder  betrieblichen  Gründen  oder  aber  aus  Gründen  der  Bodenbe-

schaffenheit auf einen bestimmten Standort ausserhalb der Bauzonen an-

gewiesen  ist.  Ausreichend  ist  eine  relative  Standortgebundenheit.  Es  ist 

demnach  nicht  (im  Sinne  einer absoluten  Standortgebundenheit)  erforder-

lich, dass überhaupt kein anderer Standort in Betracht fällt. Es müssen je-

doch besonders wichtige und objektive Gründe vorliegen, die den vorgese-

henen Standort gegenüber andern Standorten innerhalb einer Bauzone als 

wesentlich  vorteilhafter  erscheinen  lassen.  Subjektive,  in  der  Person  des 

Gesuchstellers  liegende  Motive  wie  namentlich  finanzielle  Verhältnisse 

oder  persönliche  Zweckmässigkeit  stellen  regelmässig  keine  solchen 

Gründe  dar.  An  das  Erfordernis der Standortgebundenheit  sind  stets  sehr 

strenge  Anforderungen  zu  stellen,  weil  andernfalls  die  vom  Raumpla-

nungsgesetz bezweckte Trennung zwischen Bau- und Nichtbaugebiet nicht 

mehr gewährleistet ist. 

9.5. 

Der Zweck des Windmessmastes besteht in der Messung des Windes und 

der Fledermausaktivitäten  als Grundlage  für die Projektierung einer Wind-

energieanlage. Es liegt somit auf der Hand, dass die Messungen aus tech-

nischen Gründen in der Umgebung des späteren Windparks erfolgen müs-

sen,  wo  keine  Bauzonen  ausgeschieden  sind.  Anders gesagt muss an je-

nem Ort gemessen werden, an dem man die Windverhältnisse kennen will 

(s.  auch  die  Ausführungen  unter  Ziff.  9.7.).  Die  Bauherrschaft  hat  sodann 

überzeugende  Gründe  genannt,  die  den  vorgesehenen  Standort  des 

Messmastes gegenüber andern, ebenfalls ausserhalb der Bauzone befind-

lichen  Standorten  in  der  näheren  Umgebung,  als  wesentlich  vorteilhafter 

erscheinen  lassen.  Daher  ist  die  positive  Standortgebundenheit  zu  beja-

hen.  Die  Kritik  der  Rekurrentschaft  2  richtet  sich  denn  auch  nicht  gegen 

den gewählten Messstandort an sich, sondern ganz allgemein gegen einen 

Windmessmast  in  der  fraglichen  Gegend.  Die  in  diesem  Zusammenhang 

aufgeworfenen Fragen der Realisierbarkeit des Windparks und der alterna-

tiven  Messmethoden  ohne  Mast  beschlagen  indes  nicht  die  Frage  der 

Standortgebundenheit,  sondern  das  private  Interesse  am  Vorhaben,  wel-

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Seite 13 

 
 
ches im Rahmen der Interessenabwägung gemäss Art. 24 lit. b RPG zu be-

rücksichtigen ist.  

9.6. 

Aufgrund von Art. 24 lit. b RPG darf einem standortgebundenen Bauvorha-

ben  die  entsprechende  raumplanerische  Bewilligung  erst  erteilt  werden, 

wenn  keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen.  Bei  den  überwie-

genden Interessen im Sinne von Art. 24 lit. b RPG handelt es sich um sol-

che, die sich in erster Linie aus den Zielen und Planungsgrundsätzen von 

Art. 1  und  3  RPG  ergeben,  wobei  u.a.  die  natürlichen  Lebensgrundlagen 

wie Wasser und Landschaft zu schützen sind (Art. 1 Abs. 2 lit. a RPG). Die 

mit  Planungsaufgaben  betrauten  Behörden  haben  darauf  zu  achten,  dass 

die  Landschaft  geschont  wird  (Art.  3  Abs.  2  RPG).  Insbesondere  haben 

sich Siedlungen, Bauten und Anlagen in die Landschaft einzuordnen (Art. 3 
Abs. 2 lit. b RPG). Zudem ergeben sich Interessen aus dem übrigen positi-

ven  Recht,  insbesondere  aus  der  Natur-  und  Heimatschutzgesetzgebung. 

Gefordert ist demnach eine umfassende Abwägung aller räumlich wesentli-

chen  Gesichtspunkte  und  Interessen  (vgl.  dazu  BGE  116  Ib  50,  E.  6a; 

115 Ib 131, E. 5). 

9.7. 

Entgegen  der  Auffassung  der  Rekurrentschaft  2  kann  die  Realisierbarkeit 

des  Windparks  im  heutigen  Zeitpunkt  hinsichtlich  des  vorhandenen  Wind-

potenzials  nicht  zum  vornherein  ausgeschlossen  werden.  Namentlich  die 

Angaben in der besagten Windkarte sind dazu nicht geeignet. Laut Erläute-

rungen  zur  Windkarte  (www.wind-data.ch)  basieren  die  ausgewiesenen 

Werte  der  Windgeschwindigkeiten  auf  einer  Modellierung  mit  einer  Unsi-

cherheit  von  ±1 m/s  und  erlauben  nur  eine  erste  Einschätzung  der  Wind-

verhältnisse.  Für  Windenergieprojekte  müssten  vor  Ort  mit  einem  ausrei-

chend  hohen Messmasten Windmessungen über eine Dauer von mindes-

tens einem Jahr durchgeführt werden. Im vorliegenden Fall kann der Bau-

herrschaft  das  Interesse  nicht  abgesprochen  werden,  solche  Messungen 

durchzuführen. Auch an der Zweckmässigkeit der Messmethode mit Errich-

tung  eines  Mastes  bestehen  keine  begründeten  Zweifel.  Bei den  auf  dem 

Mast  angebrachten  Anemometern  handelt  es  sich  um  die  üblichen  Instru-
mente zur Windmessung. 

R3.2014.00029 

Seite 14 

 
 
Sodann steht die Gewinnung erneuerbarer Energien, wozu auch die Wind-

energie zu zählen ist, und demzufolge die Suche nach geeigneten Standor-

ten für entsprechende Energiegewinnungsanlagen auch im öffentlichen In-

teresse (vgl. Art. 89 Abs. 1 bis 3 Bundesverfassung [BV], Art. 1 Abs. 2 lit. c 

des  Energiegesetzes  des  Bundes  (EnG),  Art.  106  Abs. 2  Kantonsverfas-

sung [KV] und § 1 lit. f des kantonalen Energiegesetzes [EnerG]); s. auch 

BGE 132 II 408, E. 4.5.2., "Crêt-Meuron"). 

Der Windmessmast tangiert, soweit erheblich, einzig das Interesse an der 

Einordnung von Bauten und Anlagen in die Landschaft (Art. 3 Abs. 2 lit. b 

RPG, § 238 Abs. 1 PBG). Demgegenüber wird die landwirtschaftliche Nut-

zung  der  beiden  Baugrundstücke  nicht  in  einem  erheblichen  Mass  ge-

schmälert  und  das  Vorhaben  verursacht  keinerlei  Emissionen  im  umwelt-

rechtlichen  Sinne  (vgl.  Art.  7  Abs. 1  Umweltschutzgesetz  [USG]).  Insbe-

sondere  verursacht  der  Betrieb  der  Messstation  keinen  nennenswerten 

Fahrzeugverkehr.  Wie  weiter  oben  bereits  ausgeführt  wurde,  kann  eine 

gewisse  Beeinträchtigung  des  Landschaftsbildes  während  der  beschränk-

ten Bestandesdauer des Mastes in Kauf genommen werden. Auch im Lich-

te von Art. 24 lit. b RPG stehen die vorübergehenden ästhetischen Nachtei-

le  dem  Vorhaben  nicht  entgegen.  Somit  wurde  die  Ausnahmebewilligung 

nach Art. 24 RPG zu Recht erteilt. 

10.1. 

Die Rekurrentschaft 2 macht geltend, die Baudirektion habe das Fehlen ei-

nes  Umgebungsplans  und  eines  Installationsplans  beanstandet.  Weder  in 

der  Verfügung  der  Baudirektion  noch  im  Bauentscheid  sei  eine  entspre-

chende  Auflage  enthalten.  Ausserdem  fehle  im  Bauentscheid  ein  Bewilli-

gungsvorbehalt in Bezug auf den einzureichenden Bauinstallationsplan. Ein 

Umgebungsplan  sei  angesichts  der  empfindlichen  Lage  notwendig.  Das-

selbe treffe für Angaben zur Materialwahl und Farbgebung zu. 

10.2. 

Es  trifft  nicht  zu,  dass  die  Baudirektion  das  Fehlen  der  besagten  Unterla-

gen  beanstandet  hat.  Sie  hielt  lediglich  fest,  dass  die  Gesuchsunterlagen 

weder  einen  Umgebungsplan  noch  einen  Installationsplan  enthalten  wür-

den.  Wie  die  Baudirektion  erwägungsweise  ausführt,  ging  sie  davon  aus, 
dass abgesehen von den Fundamenten für den Mast und für die Abspann-

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Seite 15 

 
 
kabel (mit Beton im Boden befestigte Erdanker) keine Eingriffe ins Terrain, 

keine  Befestigungen  des  Bodens  und  keine  Erschliessungsmassnahmen 

notwendig seien. Dies kann aus den Baugesuchsunterlagen, insbesondere 

aus dem Projektbeschrieb (R3.2014.00029, act. 12.4.3.) ohne Weiteres ge-

folgert  werden.  Aus  dem  Projektbeschrieb  geht  auch  hervor, dass  es  sich 

um  einen  rot  und  weiss  gefärbten  Stahlturm  handelt.  Damit  enthielt  das 

Baugesuch  alle  Unterlagen,  die  zu  dessen  Beurteilung  nötig  waren  (vgl. 

§ 310  Abs. 1  PBG).  Ein  Umgebungsplan  erscheint  hier  entbehrlich.  Ein 

Plan mit eingezeichneter Bauinstallation ist gemäss Dispositivziffer 2.3 der 

Baubewilligung vor Baubeginn einzureichen. Das Bauvorhaben muss in je-

dem Fall den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, auch was die Bau-

installation  angeht.  Der  entsprechende  Plan  erlaubt  der  Behörde  die  prä-

ventive Kontrolle; ein expliziter Bewilligungsvorbehalt ist nicht erforderlich.  

11.1. 

Der Rekurrent 1 bezweifelt die korrekte Auswertung der Messresultate und 

befürchtet,  dass  die  Bauherrschaft  zu  optimistische  Angaben  über  die  zu 

erwartende  Windmenge  machen  werde.  Die  Baubewilligung  sei  deshalb 

mit der Auflage zu versehen, wonach die Messdaten von einer unabhängi-

gen Instanz auszuwerten seien. 

11.2. 

Gegenstand  der  angefochtenen  Bewilligungen  und  damit  Gegenstand  der 

vorliegenden  Rekurse  ist  der  Windmessmast  als  Baute.  Massgebend  für 

dessen  Bewilligung  sind  die  Vorschriften  des  Planungs-  und  Baugesetzes 

(PBG)  und  der  ausführenden  Verfügungen  (s.  §  320  PBG).  Bewilligungen 

können  mit  Nebenbestimmungen  (Auflagen,  Bedingungen,  Befristungen) 

verknüpft werden, wenn dies zur Behebung eines inhaltlichen oder forma-

len  Mangels  des  Bauvorhabens  oder  zur  Schaffung  oder  Erhaltung  des 

rechtmässigen Zustandes nötig ist (§ 321 Abs. 1 PBG). Die Art und Weise, 

wie  die  Messresultate  ausgewertet  werden,  und  welche  Schlüsse  daraus 

gezogen  werden,  ist  baurechtlich jedoch nicht relevant. Die verlangte Auf-

lage wäre sachfremd und daher nicht zulässig. 

R3.2014.00029 

Seite 16 

 
 
12.1. 

Die Rekurrentschaft 2 moniert, der kommunale Bauentscheid weiche in un-

zulässiger Weise von der raumplanungsrechtlichen Bewilligung der Baudi-

rektion ab. Letztere sei befristet bis 31. Dezember 2015, während im Bau-

entscheid eine Befristung von 24 Monaten ab Datum der Baufreigabe ver-

fügt worden sei. 

12.2. 

Die Baubehörde führt aus, gemäss den Erwägungen in der raumplanungs-

rechtlichen  Bewilligung  gehe  die  Baudirektion  davon  aus,  dass  der  Wind-

messmast während 24 Monaten in Betrieb sei. Wegen der Rechtsmittelver-

fahren sei es sinnvoll, den Fristbeginn an die Rechtskraft oder eben an das 

Datum der Baufreigabe zu knüpfen. 

Die Baudirektion äussert sich zu diesem Punkt nicht. 

12.3. 

Die Befristung der für den Windmessmast erforderlichen Bewilligungen be-

zieht  sich  ganz  offensichtlich  auf  die  Dauer, während  der der Mast  beste-

hen darf. Von diesem Sachverhalt bzw. von einer "zeitlich befristeten Mess-

anlage" ging auch die Baudirektion aus (s. Erwägungen in der angefochte-

nen  Verfügung  vom  13.  Dezember  2013).  Mit  der  datummässigen  Befris-

tung ihrer Bewilligung hat die Baudirektion übersehen, dass sich die Instal-
lation  der  Anlage  –  wie  nun  tatsächlich  eingetreten  –  verzögern  kann  und 
die  Bauherrschaft  in  der  Folge  von  der  Bewilligung  nicht  oder  zumindest 

nicht  mehr  während  der  vollen  Dauer  von  24  Monaten  Gebrauch  machen 

kann. Der erste Absatz der Dispositivziffer I.1. der Verfügung der Baudirek-

tion  vom  13.  Dezember  2013  ist  somit  wie  folgt  neu  zu  fassen:  "Für  den 

beschriebenen Messmast wird die erforderliche Ausnahmebewilligung nach 

Art. 24 RPG im Sinne der Erwägungen befristet auf 24 Monate ab Baufrei-

gabe unter folgender Auflage erteilt:". Darauf hinzuweisen bleibt, dass die-

se Korrektur eine blosse, durch die Rechtsmittelergreifung erforderlich ge-

wordene Anpassung der angefochtenen Anordnung darstellt. 

[….]

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