# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e87357e8-9abb-536b-86f6-235b52b74c77
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-30
**Language:** de
**Title:** Aufgrund nachgewiesener Arbeitsunfähigkeit hat die Klägerin Anspruch auf Taggelder bis zum Ausschöpfen der maximalen Taggelder.
**Docket/Reference:** KK.2012.00046
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/KK.2012.00046.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
KK.2012.00046
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Wilhelm
Urteil
vom
30. April 2014
in Sachen
X.___
Klägerin
vertreten durch Rechtsanwalt Michele
Santucci
Santucci
&
Santucci
,
Advokatur
/ Consulting
Zentralstrasse 55a, Postfach 1150, 5610 Wohlen AG
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
Richtiplatz
1, 8304 Wallisellen
Beklagte
Zustelladresse: Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
Postfach, 8010 Zürich
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1967, war seit Februar 2008 bei der
Y.___
in
Z.___
angestellt und über ihre Arbeitgeberin bei der Allianz
Suisse
Versi
cherungs
-Gesellschaft (nachfolgend: Allianz) im Rahmen einer
Kollektivtag
geldversicherung
gegen die Folgen von krankheitsbedingtem Erwerbsausfall
ab
gedeckt
(Urk.
13
/
2).
D
as Personal der
Y.___
war für
ein Taggeld im Umfang von 80 % des versicherten Lohnes mit einer Leistungsdauer von maximal 730 Tagen unter Berücksichtigung einer Wartezeit von 30 Tagen ver
sichert (Urk. 13/1).
Am 13. September 2010 meldete
die
Versicherte erstmals eine
krankheitsbe
dingte
Arbeitsunfähigkeit, für welche die Allianz in der Folge Leistungen er
brachte (Krankheitsfall 2010 7477751; vgl.
Urk.
13/133
-143).
Am
2
2.
Dezember 2011
meldete die Versicherte erneut eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 13/5
). Hierfür richtete die
Allianz ab 11. Dezember 2011 bis und mit 31. August 2012 wiederum Taggeldleistungen aus
(
Kr
ank
heitsfall
2012 7099333; Urk.
13/147-151).
Zwischenzeitlich, das heisst mit Schreiben vom 16. Februar 2012 hatte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten per Ende Ap
ril 2012 gekündigt (
Urk.
2/4) und mit
Schrei
ben vom 20. Juni 2012
hatte
die Allianz der Versicherten mit
geteilt
, eine im Vergleich zur gekündigten Tätigkeit besser angepasste sei ihr zumutbar, weswe
gen unter Berücksichtigung einer dreimonatigen Übergangsfrist die
Taggeld
leistungen
bis Ende August 2012 erbracht und hernach eingestellt würden (Urk. 2/7). An diesem Standpunkt hielt die Allianz
in der Folge
fest
(
vgl.
Urk. 2/9,
Urk.
2/12).
2.
Am 10. Dezember 2012 erhob die Versicherte gegen die Allianz Klage
mit dem R
echtsbegehren,
die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin für die Zeit vom 1. Juni bis 30. November 2012 Fr. 15‘731.5
5 nebst Zins zu 5 % seit dem 1.
November 2012 bezahlen.
Des Weiteren sei die
Beklagte zu verpflichten, ab 1.
Dezember 2012 bis zur Ausschöpfung des maximalen Leistungsbezuges wei
terhin Taggelder zu entrichten, solange und soweit die Ausübung einer zumut
baren Verweistätigkeit infolge der bestehenden gesundheitlichen Beeinträchti
gungen (Rücken/Schulter) nicht möglich sei
. Gleichzeitig beantragte die Kläge
rin im Sinne einer superprovisorischen Massnahme, es sei ein nach richterli
chem Ermessen festzulegender Betrag sofort zuzusprechen
(Urk. 1).
Das Begehren um Erlass einer superprovisorischen Massnahme wurde am 20. Dezember 2012 abgewiesen (Urk. 4).
Mit Eingabe vom 11. März 2013 änderte die Klägerin ihr Rechtsbegehren. Sie beantragte nunmehr, es sei
en
ihr für die Zeit vom 1. Juni
bis 28. Februar 2013
Fr.
26‘066.25 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. Januar 2013 bezahlen. Des Weiteren sei die Beklagte zu verpflichten, ab 1. März 2013 bis zur Ausschöpfung des maximalen Leistungsbezuges weiterhin Taggelder zu entrichten, solange und soweit die Ausübung einer zumutbaren Verweistätigkeit infolge der bestehen
den gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Rücken/Schulter) nicht möglich sei (Urk. 8).
Die Beklagte beantragte in der Klageantwort vom 16. April 2013 die Abweisung der Klage. Eventuell sei sie zu verpflichten, der Klägerin Krankentaggelder (80 % des versicherten Verdienstes) seit 1. September 2012 s
olange und so hoch wie ärztlich
attestiert, maximal jedoch bis zur Ausschöpfung der
Leistungs
dauer
, gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 50 % zu erbringen (Urk. 12). Die Klageantwort wurde der Klägerin am 24. April 2013 zugestellt (Urk. 14).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz über die Krankenversicher
ung (KVG) unterstehen nach Art. 12 Abs.
3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG).
Dazu gehören auch
Streitigkeiten aus Krankentaggeldversicherungen nach
dem
VVG
(BGE 138 III 2, 558 E. 2).
Die
Kantone können gestützt auf Art.
7 der Schweizerischen Zivilpro
zessordnung (ZPO) ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozial
versicherungsgericht (§ 2 Abs. 2
lit
.
b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Das Verfahren rich
tet sich nach der ZPO, wobei das vereinfachte Verfahren zur Anwendun
g ge
langt (Art. 243 Abs. 2
lit
.
f ZPO) und die Klage direkt beim
Sozialversicherungs
g
ericht
anhängig zu machen ist (
BGE 138 III 558
E.
3.2 und
E.
4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage
ist
unstrittig
gegeben
(
vgl.
Urk. 1 S. 3, Urk. 12 S. 3 f.
).
1.2
Das Gericht stellt den Sachverhalt unabhängig vom Streitwert von Amtes wegen fest (Art. 247 Abs. 2
lit
.
a ZPO
).
Der Untersuchungsgrundsatz, wonach das Gericht alle rechtserheblichen Sac
hverhaltselemente zu berücksich
tigen hat, die sich im Verlaufe des Verfahrens ergeben, auch wenn die Parteien diese nicht
angeführt haben, gilt nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mit
wirkungspflichten
der Parteien. Er entbindet die Parteien nicht davon, Beweise beizubringen und bei der Erstellung des Sachverhalts mitzuwirken (BGE 125 III 231 E. 4a;
Mazan
in: Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessord
nung, 2. Auflage, 2013, N 9 und N 13 zu
Art.
247). Ebenso schliesst er die anti
zipierte Beweiswürdigung nicht aus (Ur
teil des Bundesgerichts 5C.206/2006 vom 9. No
vember 2006 E. 2.1) und verleiht den Parteien keinen Anspruch, dass alle möglichen Beweise abge
nommen werden, und auch keinen Anspruch auf ein bestimmtes Beweismittel (BGE 125 III 231; Urteil des Bundesgerichts 5C.34/2006 vom 27. Juni 2006 E. 2a).
1.3
Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat gemäss Art. 8 des Zivilgesetzbu
ches (ZGB) derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu bewei
sen, der aus ihr Rechte ableitet.
Nach
dieser
Grundregel hat der Anspruchsbe
rechtigte
die Tatsachen zur "Begründung des Versicherungsanspruches" (Margi
nalie zu
Art.
39 VVG) zu beweisen, also
namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des An
spruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsbe
r
echtigten unverbindlich machen
(
BGE 130 III 321
E. 3.1).
I
m Privatversicherungsrecht
müssen
die anspruchsbegründenden Tatsachen
mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen sein (BGE 130 III 321 E. 3.5). Das gilt auch für den Beweis von anspruchshindernden Tatsachen, für welche die Beweislast aufgrund von Art. 8 ZGB beim Versicherer liegt (Praxis 80/1991, Nr. 230, S.
964 f. E. 3b [Urteil des Bundesge
richts vom 22. November 1990]).
Gelingt es dem Versiche
rer im Rahmen des ihm zustehenden Gegenbeweises, an der Sachdarstellung des Anspruchsberech
tigten erhebliche Zweifel zu wecken, so ist der Hauptbeweis des Anspruchsberechtigten gescheitert
(BGE 130 III 321 E. 3.5).
1.4
Als Teil des Privatrechts räumt das VVG den Parteien weitgehende Vertragsfrei
heit ein, solange sie die Schranken der Rechtsordnung beachten und sich der Vertragsinhalt regelmässig nach den vor
formulie
rten AVB richtet (Iten, Der pri
vate Versicherungsvertrag: Der Antrag und das Antragsverhältnis unter Aus
schluss der Anzeigepflicht, Freiburg 1999, S. 23). Art. 100 Abs. 1 VVG erklärt sodann die Bestimmungen des Obligationen
rechts (OR) als anwendbar, soweit das VVG keine Vorschriften enthält.
1.5
Bei der Auslegung eines (Versicherungs-)Vertrages ist zu beachten, dass Indi
vidualabreden in der Regel vorformulierten Vertragsbestimmungen vorgehen (BGE 93 II 326 E. 4b, 123 III 44 E. 2c/
bb
;
Fuhrer
, in: Basler Kommentar zum
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, 2001, N 77ff. zu Art. 33). Im Üb
rigen sind vorformulierte Vertragsbestimmungen und individuell verfasste
Ver
tragsklauseln
grundsätzlich nach den gleichen Regeln auszulegen
(
BGE 135 III 1
E. 2, 135 III 410 E. 3.2
).
Bei der Auslegung von vorformulierten
Vertragsbe
stimmungen
nach dem Vertrauensprinzip hat das Gericht vom Wortlaut auszu
gehen und zu berücksichtigen, was sachgerecht erscheint. Es orientiert sich am disposi
tiven Recht
(Urteil des Bundes
gerichts 5C.21/2007 vom 20. April 2007 E. 3.1). Bei juristischen Fachausdrücken od
er Begriffen, die in der Rechts
sprache eine festumrissene Bedeutung haben
, gilt vermutungsweise der fach
technische Sinn (vgl.
Stoessel
, in: Basler Kom
mentar zum Bundesgesetz über den
Versi
cherungsvertrag
, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 1-3 N 24).
2.
Die Voraussetzungen des Anspruchs auf ein Taggeld gestützt auf die vorliegend massgebende Versicherungspolice U46.2.549.121 (
Urk.
13/1/2) sind in den der Versicherungspolice zu Grunde liegenden Versicherungsbedingungen geregelt. Eine Arbeitsunfähigkeit im Sinne der Allgemeinen Bedingungen (AB) für die Kollektiv-Krankenversicherung (Ausgabe 2008; vgl.
Urk.
13/1/9) ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, sowohl im bisherigen als auch in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Arbeitsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Arbeits
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (
Art.
3
Ziff.
4 AB). Die Höhe des Taggeldes richtet sich gemäss
Art.
5
Ziff.
1 der Zusatzbedingungen (ZB) für die Krankentaggeld-Versicherung (Aus
gabe 2008;
Urk.
13/1/8) nach dem ärztlich attestierten Grad der Arbeitsunfähig
keit. Eine Arbeitsunfähigkeit von weniger als 25 % gibt keinen Anspruch auf ein Taggeld.
3.
3.1
Die erste, ab 17. August 2010 ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit stand im Zusammenhang mit einer Depression bei familiärer und sozialer Belastung und einem rezidivierenden
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom, mit unklarer Dysästhesie und mit
Somatisierung
(vgl.
Urk.
13/134,
Urk.
13/139,
Urk.
13/142). Basierend auf den ärztlichen Angaben zur Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urk.
13/134,
Urk.
13/136-138) richtete die Beklagte unter Berücksichtigung einer Wartezeit von 30 Tagen für folgende Zeiten Taggeldleistungen aus: vom 16. September bis 4. Oktober 2010 ein volles Taggeld, vom 5. bis 7. Oktober ein Taggeld ba
sierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % und ab 8. bis 31. Oktober 2010 wiederum ein volles Taggeld (Urk. 13/135), sowie
vom
1. bis 9. Januar 2011 und vom 1
2.
bis 26. Januar 2011 ebenfalls jeweils ein volles Taggeld (Urk. 13/143).
3.2
Am 2
2.
Dezember 2011 meldete die Versicherte erneut eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit (Urk. 13/5). Hierfür richtete die Allianz ab 11. Dezember 2011 bis und mit 31. August 2012 wiederum Taggeldleistungen aus (
Krank
heitsfall
2012 7099333; Urk. 13/147-151). Ab 11. Dezember
2011 bis 5.
Februar 2012
bezahlte die Beklagte 57 volle Taggelder (Arbeitsunfähigkeit von 100
%
), ab 6. bis 19. Februar 2012 insgesamt 14 halbe Taggelder (Arbeitsunfähigkeit von 50 %) und ab 20. bis 29. Februar 2012 10 Taggelder basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % (Urk. 13/147). Ab 1. März bis 30. April 2012 und ab 1. bis 31. Mai 2012 leistete die Beklagte 92 volle Taggelder (Arbeitsunfähig
keit von 100 %;
Urk.
13/148-149). Ab 1. Juni bis 31. August
2012
leistete sie 92 halbe Taggelder (Arbeitsunfähigkeit von 50 %; Urk. 13/150-151).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist die Frage strittig, aufgrund welcher Erkrankungen und in welchem Umfang die Klägerin über den 31. August 2012 hinaus krankheitsbedingt arbeitsunfähig und damit taggeldberechtigt war.
4.2
Die Klägerin vertritt
zusammengefasst
den Standpunkt, sie sei zum Teil auf
grund eines Rücken- und zum Teil aufgrund eines Schulterleidens dauerhaft bei der Arbeit ausgefallen. Durch die Akten sei belegt,
dass
die beiden gesundheitli
chen Beeinträchtigungen auch weiterhin die Ursache der bestehenden Arbeits
unfähigkeit seien. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses per 30. April 2012 habe auf den Leistungsanspruch keinen Einfluss. Da die
Arbeitsunfähigkeit
noch immer bestehe,
habe sie bis zum Ende der maxima
len Leistungsdauer
Anspruch auf entsprechende Taggeldzahlungen (Urk. 1 S. 9 Ziff. 3
,
Urk.
8
).
4.3
Die Beklagte
ist der Auffassung, aus psychischen Gründen habe im strittigen Zeitraum keine Arbeitsunfähigkeit
bestanden. In Bezug auf das Rückenleiden seien gestützt
auf die
medizinische Dokumentation die Leistungen zu Recht per Ende August 2012 eingestellt worden. Das Schulterleiden im Sinn eines
Impingementsyndroms
begründe ebenfalls keine Leistungspflicht. Diesbezüglich sei zu keinem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(Urk. 1 S.
23 ff.).
5.
Das Arbeitsverhältnis der Kläge
rin mit der
Y.___
kündigte die Arbeitgeberin am 16. Februar 2012 auf den 30. April 2012 (Urk.
Urk.
2/4).
Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bewirkt gemäss
Art.
8
Ziff.
1
lit
. c
AB
zum Erlöschen des Versicherungsschutzes in Bezug auf sä
mtliche versicherten Leis
tungen
. Für versicherte Ereignisse, die zum Zeitpunkt der Beendigung des Versi
cherungsschutzes eine Arbeitsunfähigkeit bewirken, besteht gestützt auf
Art.
9
Ziff.
2
Abs. 1
lit
. a AB
Anspruch auf Nachleistung. Nachleistungen werden gemäss
Art.
9
Ziff.
2 Abs. 2 AB bis zum Ablauf der im Vertrag vereinbarten Leistungsdauer bzw. längstens bis zum Beginn der Rente gemäss BVG und nur erb
r
acht, wenn die Arbeitsunfähigkeit aus gleicher Ursache und höchstens im bisherigen Grad ununterbrochen andauert.
6.
6.1
In der Rubrik „Art der Krankheit/Verletzung“ brachte die Arbeitgeberin in der Krankheitsmeldung vom 2
2.
Dezember 2011 den Vermerk „Rücken“ an (Urk. 13/5/1).
Im Arztattest vom 3. Januar 2011 (richtig: 2012) nannte der
Chiropraktor
Dr.
A.___
nebst einer Periarthritis
humeroscapularis
(PHS; Sammelbezeichnung für verschiedene degenerative Prozesse im Bereich von
Rotatorenmanschette
, Gelenkskapsel oder langer
Bizepssehne
am Schulter
gelenk, die zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung führen; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. Aufl. Berlin 202, S. 1275; zur Frage der Arbeitsunfähigkeit in diesem Zusammenhang
vgl. nachstehende
Erw
. 7
)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
lumboradikuläres
Syn
drom rechts und attestierte ab 12. Dezember 2011 eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit (Urk. 13/5/3).
Im März 2012 ergänzte
Dr.
A.___
, neue Ursachen für eine Arbeitsunfähigkeit hätten sich nicht ergeben (Urk. 13/27 S. 1).
6.2
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
bescheinigte
in den Attesten vom 14. und 28. November 2011
ebenfalls eine vollständige Arbeits
unfähigkeit,
allerdings
ohne Hinweis auf die gesundheitliche Ursache
(Urk. 13/5/4-5)
.
Dazu machte er in seinem Bericht vom 20. Februar 1921 (rich
tig: 2012) Angaben. Als somatische Ursache erwähnte er ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom und fügte hinzu, es sei deswegen auch
früher
schon zu Arbeitsunfähigkeiten gekommen (Urk. 13/7).
6.3
C.___
, Arzt für Allgemeinmedizin, berichtete am 16. April 2012, die Kläge
rin sei seit März 2012 in seiner Behandlung. Da er noch keine Unterlagen zur Krankengeschichte erhalten habe, sei ihm nicht bekannt, aufgrund welcher Er
krankungen die Klägerin seit November 2011 krankgeschrieben sei. Er sehe je
doch keine andere als das degenerative Wirbelsäulenleiden mit sequestrierter Diskushernie. Aktuell sei die Klägerin in der angestammten
Tätigkeit
nicht ar
beitsfähig. Schwere Arbeiten seien ihr dauerhaft nicht mehr zumutbar. Prinzipi
ell bestehe die Möglichkeit, durch eine Verlagerung der beruflichen Tätigkeit auf andere Arbeiten die Arbeitsfähigkeit zu verbessern, dies jedoch erst nach ei
ner allenfalls nötigen Operation und nach Durchführung therapeutischer Mass
nahmen (Urk. 13/36). Am 25. Mai 2012 ergänzte er, die Klägerin sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig (Urk. 13/55).
6.4
Dr.
med.
D.___
, Oberarzt der Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation des
E.___
,
berichtete
am 25. Mai 2012
,
die Arbeitsfähigkeit der Klägerin sei durch die lumbalen Schmerzen eingeschränkt. Diese wirkten sich insbesondere bei stehender und sitzender Tätigkeit aus. Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin in
der
Y.___
sei vor allem stehend auszuüben. Dies verstärke die Beschwerden
. G
eeignet sei eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Zwangspositionen und ohne re
petitive Arbeiten und mit einer
Gewichtslimite
von 5-10 kg. Nach Durchfüh
rung weiterer angezeigter Massn
ahmen im Mai und Juni 2012
(Analgesie, Phy
siotherapie, Facetteninfiltration, gepulste Radiofrequenztherapie der
Wirbelge
lenke
L4/5 und L5/S1 beidseits) sei
anschliessend
in einer angepassten Tätigkeit ein Arbeitsversuch von 50 % durchzuführen (Urk. 13/63).
Am 15. August 2012
hielt
Dr.
D.___
fest, die Klägerin klage noch immer über belastungsabhängige Rückenschmerzen.
Es
sei nochmals ein
e physiothera
peutische Behandlung
zur Rumpfstabilisierung durchgeführt worden. Der Klä
gerin sei angeraten worden, das instruierte Heimprogramm regelmässig anzu
wenden. Aufgrund der chronischen
lumbospondylogenen
Beschwerden bestehe für eine angepasste, wechselbelastende Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50 %
(Urk. 13/94/7).
A
m 16. Januar 2013 ergänzten
Chefarzt Prof.
Dr.
med.
F.___
und Oberarzt
Dr.
med.
G.___
vom
E.___
, die Klägerin sei durch sie zu
nächst im Jahr 2009 und dann wieder ab 2012 untersucht und behandelt wor
den. Im April 2012 sei
eine volle Arbeit
sunfähigkeit bescheinigt worden
. Das
lumbovertebrale
Syndrom sei
chronifiziert
. Eine
radikuläre
Symptomatik oder Ausfallerscheinungen bestünden nicht. Die bisherige Behandlung, das heisst aktive und passive Physiotherapie, Facetteninf
i
ltrationen und
Radiofre
quenztherapie
,
sei
nicht erfolgreich gewesen. Aus rheumatologischer Sicht be
stehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit. Angepasst sei eine körperlich leichte Tätigkeit mit Wechselbelastung, ohne
Überkopfarbei
ten
und ohne wiederholtes Heben von Gewichten von mehr
als
5 kg (Urk. 13/114 S. 1,
Urk.
13/125/12).
6.5
Zusammengefasst bestand a
ufgrund der rheumatologisch-fachärztlichen Beurtei
lung der Ärzte des
E.___
im
Bericht vom 25. Mai 2012
im Anschluss
an die
angezeigte
Behandlung (Analgesie, Physiotherapie,
Facet
teninfiltration
, gepulste Radiofrequenztherapie der Wirbelgelenke L4/5 und L5/S1 beidseits)
im
Mai und
Juni 2012 zunächst versuchswei
se eine Arbeitsfä
higkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit (13/63). Die Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit
wurde hernach in den
Berichte
n
des
E.___
vom 15. August 2012 und 16. Januar 2013
bestätigt
(
Urk.
13/94/7, Urk. 13/114).
Darauf stellte die Beklagte ab und passte in An
wendung von
Art. Art.
3
Ziff.
4 Abs. 1 AB (Urk. 13/1/9) und
Art.
5
Ziff.
1 ZB (
Urk.
13/1/8) ab Juni 2012 die Taggeldleistung an die attestierte hälftige Arbeitsfähigkeit an (vgl. Urk. 13150-151).
6.6
Begründete Anhaltspunkte, dass die fachärztliche Beurteilung der Ärzte des
E.___
nicht zutreffend ist, liegen nicht vor.
Diese geht somit den davon
abweichenden Atteste
n
für die Zeit ab Juni 2012, insbesondere
den
jeni
gen
des Allgemeinmediziners
C.___
(vgl.
Urk.
13/44,
Urk.
13/53,
Urk.
13/71/2,
Urk.
13/38/3, Urk.
13/90,
Urk.
13/95/3,
Urk.
13/96
,
Urk.
9/24
)
,
vor
.
Am 16.
April 2012 wies
dieser
zudem
darauf hin, durch eine Verlagerung der beruflichen Tätigkeit auf andere Arbeiten lasse
sich
die Arbeitsfähigkeit verbessern, nach Festlegung einer allenfalls nötigen Operation und nach Durchführung therapeutischer Massnahmen (Urk. 13/36) und im Bericht vom 25. Mai 2012 ergänzte er, die Klägerin sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig (Urk. 13/55), ohne dies ab
er näher zu begründen. Da auch
er in Bezug auf das Rückenleiden eine angepasste Tätigkeit grundsätzl
ich als zumutbar erachtete, ist
aber
die
weiterhin attestierte vollständige Arbeits
un
fähigkeit nicht
nach
voll
ziehbar.
In der Stellungnahme des Allgemeinmediziners
C.___
vom
14. Februar 2013, in der er
wiederum
von einer vollständigen
Arbeitsun
-
fähigkeit für jegliche Tätigkeit ausging, berücksichtigte er auch weitere Leiden, insbeson
dere das Schulterleiden und psychische Probleme (vgl. Urk. 13/125/1). Auf diese wird in den nachfolgenden Erwägungen
7
und
8
eingegangen
.
Da die
Beurtei
lungen des Allgemeinmediziners
C.___
für die Sachverhaltsfeststellung nicht geeignet sind, braucht auf die von der Beklagten aufgeworfene Frage, wie sich der Entzug der Bewilligung zur Berufsausübung (
vgl.
Urk.
12 S. 21
,
Urk.
13/109) auf die beweisrechtliche Verwertbarkeit seiner Berichte auswirkt, nich
t näher eingegangen zu werden.
6.7
Für die erwerblichen Auswirkungen des Rückenleidens ist die Klägerin
taggeldbe
rechtigt
. Da in dieser Hinsicht aus ärztlicher Sicht ab Juni 2012 nicht mehr eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern
auch
in einer angepassten Tätigkeit
trotz geeigneter Behandlung fortdauernd nur
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestand,
ist entsprechend dem Eventualstandpunkt der B
eklagten von ei
nem über den 31.
August 2012 hinaus andauernden Taggeldanspruch auszuge
hen.
7.
7.1
Der
Chiropraktor
Dr.
A.___
nannte im Attest vom 3. Januar 2011 (richtig: 2012) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nebst dem
lumboradikulären
Syndrom auch eine rechtsseitige PHS
,
bestehe
n
d
seit drei Jahren
(Urk. 13/5/3; vgl. auch vorstehende
Erw
. 6.1).
7.2
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte am 11. August 2012 aus, die Klägerin
leide seit März 2012
an einem
Impingementsyndrom
der Schulter mit Teilläsion der
Supraspinatussehne
bei vermehrter vorderer
Laxizität
und
Acromion
Typ II-III (Urk. 13/81).
Bildgebend abgeklärt
worden war
die rechte Schulter 2012
(vgl. Urk. 13/87/4,
Urk.
13/124/1).
7.3
Die Ärzte des
E.___
h
ielten am 15. August 2012 fest,
zur Zeit
im Vordergrund stünden
die
Beschwerden im Zusammenhang mit der rechten Schulter nach
der
operativen Behandlung am 30. Juli 201
2.
Postoperativ sei eine Ruhigstellung des rechten Arms nötig. Die Klägerin habe berichtet, dass eine physiotherapeutische Behandlung mit schrittweiser Mobilisation der Schulter stattfinde. Seit der Schulteroperation vom 30. Juli 2012
bestehe eine
vollständige
Arbeitsunfähigkeit
. Deren Dauer habe der behandelnde
Chirurge
zu
bestimmen
(Urk. 13/94/7).
7.4
Am 19. Dezember 2012 ergänzte
Dr.
H.___
, mehr als vier Monate nach der Operation
sei
die Schulter gut beweglich mit kräftiger und indolenter Funk
tion der
Rotatorenmanschette
. Es bestehe kein
e
Impingementsymptomatik
mehr. Die Klägerin sei mit dem Verlauf zufrieden. Der Fall sei daher abgeschlossen worden (Urk. 13/126/3.
7.5
Am 16. Januar 2013 führten die Ärzte des
E.___
aus, im August
2012 sei aufgrund
der damals erst kürzlich zurückliegenden Schulteroperation
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
.
Nebst dem
chronifiziert
en
lum
bovertebrale
n
Syndrom
bestünden Restbeschwerden im Zusammenhang mit der Operation an der rechten Schulter. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit. Angepasst sei eine körperlich leichte Tätigkeit mit Wechselbelastung, ohne Überkopfarbeiten und ohne wiederholtes Heben von Gewichten von mehr
als
5 kg (Urk. 13/114 S. 1,
Urk.
13/125/12).
7.6
Es lässt sich nach dem
G
esagten festhalten, dass b
ereits mit dem ersten Zeugnis nach der Schadenmel
dung (
Zeugnis
des
Ch
iropraktors
Dr.
A.___
vom 3.
Januar 2011;
richtig: 2012) eine Arbeitsunfähigkeit auch im Zusammenhang mit dem Schulterleiden attestiert
worden war
(vgl.
Urk.
13/5/3).
Daran ändert nichts, dass
nach der subjektiven Wahrnehmun
g der Klägerin zu einem gewis
sen
Zeitpunkt
die Rückenbeschwerden im Vordergrund standen (
Bericht
Scha
deninspektor
vom 6.
März 2012;
Urk.
13/13). Im weiteren Verlauf ändert
e
sich dies und die Schulterb
eschwerden machten Ende Juli 2012
sogar
eine operative Intervention nötig.
7.7
Auf die Beurteilung von
Dr.
A.___
kann entgegen der Auffassung der Beklag
ten abgestellt werden. Im Bereich der Pflichtleistungen nach KVG sind die
Chiropraktoren
für ihr Tätigkeitsgebiet, das die Diagnostik und die Behand
lung von Störungen der Statik und Dynamik des menschlichen Körpers mittels manueller Einwirkung umfasst, den Ärzten gleichgestellt. Die Chiropraktik ist schuldmedizinisch anerkannt. Für
Chiropraktoren
gilt die
Pflichtleistungsver
mutung
und sie können bei Leiden, die in ihr Fachgebiet fallen, beweiskräftig eine Arbeitsunfähigkeit attestieren (vgl. Gebhard
Eugster
, Die Obligatorische Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht,
2.
Aufl., Basel 2007, S. 522
Rz
. 378 mit Hinweisen).
Eine abweichende Sichtweise im Bereich der Zusatzversicherungen ist nicht angezeigt. Zu keinem anderen Schluss führt der
Verweis der Beklagten auf Ar
t.
3
Ziff.
6 AB (vgl. Urk. 1 S. 20 bzw.
Urk.
13/1/9)
. Die genannte Stelle der
Versicherungsbedingungen
enthält eine Definition der Tätigkeit des
Chiropraktors
mit dem
Hinweis, dass es sich um eine entsprechend zugelassene
Medizinalperson
handeln muss
.
Art.
3
Ziff.
6 AB verweist damit für die
Umschreibung
des
Chiropraktors
auf die
im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung geltenden Erfordernisse
(vgl. insbesondere
Art.
25 Abs. 2
lit
. a
Ziff.
2 und
Art.
35 Abs. 2
lit
. c des Bundesge
setzes über die Krankenversicherung; KVG).
7.7
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass sich das Schulterleiden a
b
Schadenmel
dung
bis
zur operativen
Intervention
und in der Zeit hernach
limi
tierend auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hat. Ab 30. Juli 2012 (
Schulterope
ration
) bis und mit November 2012 (vier Monate nach der Operation) bestand deswegen gar eine volle Arbeitsunfähigkeit. Davor und danach bewirkte das Schulterleiden aus fachärztlicher Beurteilung
hingegen
keine über die Limitie
rung im Zus
ammenhang mit dem Rücken hinaus
gehende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit.
8.
Dr.
B.___
berichtete am 20. Februar 2012
,
nebst dem
lumbovertebrale
n
Schmerzsyndrom
leide die Klägerin auch an
eine
r
mittelschwere
n Depression
(Urk. 13/7).
Die Ärzte der
I.___
berichteten am
1. März 2012, die Klägerin leide an einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode ohne somatische Symptome. Es finde eine integrierte
sozialpsychiatri
sche
Behandlung statt. Im Laufe der Behandlung sei die Symptomatik zurück
gegangen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Klägerin voll arbeitsfähig (Urk. 13/19 S. 1-2). Daran hat sich in der Folge nichts geändert. Gegenteiliges ist weder aktenkundig, noch wird dies geltend gemacht.
Im Herbst 2012 brach die Klägerin die psychiatrische
Behandlung
zudem von sich aus ab (vgl.
Urk.
13/113).
Eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen, insbesondere in der vorliegend relevanten Zeit nach Ende August 2012, bestand
offensichtlich
nicht.
9
9.1
Der
in
Art.
9 Abs. 2
lit
. a AB
statuierte
Nachleistungsanspruch
(
Urk.
13/1/9)
ist zeitlich einzig durch die vertragliche Höchstzahl der Taggelder beschränkt. Die zwischen der Beklagten und der
Y.___
abgeschlossene Police sieht eine Höchstzahl von 730 Taggeldern vor (Urk. 13/1/2).
Die Beklagte
skiz
zierte
betreffend
Erreichen des maximalen L
eistungsanspruchs
zwei
Varianten
.
Gemäss der ersten ist der
Krankheitsfall 2012 7099333
ein
Rückfa
ll zum Krankheitsfall 2010 7477751
,
gemäss der
andere
n
ist
bezüglich Krankheitsfall 2012
7099333
von einem neuen Grundfall aus
zugehen
(Urk. 1 S. 31 f
.
).
9.2
Ein Krankheitsfall im Sinne der Versicherungspolice ist jede Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit. Er beginnt mit der ärztlich attestierten Arbeitsunfähig
keit
(
Art.
2
Ziff.
1 Z
B). Ein
neuer Krankheitsfall liegt vor, wenn die versicherte Person die Arbeit nach einer Arbeitsunfä
higkeit für mindestens einen Tag
vol
l
ständig wieder aufgenommen hat und kein Rückfall vorliegt
(Art.
2
Ziff.
2 ZB).
Ein Rückfall liegt vor. wenn die versicherte Person aufgrund derselben Krank
heit innert 12 Monaten
,
nachdem sie die Arbeit nach Ablauf der Wartefrist vollständig wieder aufgenommen hat, erneut arbeitsunfähig wird (
Art.
2
Ziff.
3 ZB).
9.3
Die ab 17. August 2010 ärztlich attestierte
n
Arbeitsunfähigkeit
en, von der Beklagten als
Krankheitsfall 2010 7477751
geführt,
stand
en
im Zusammenhang
mit
dem auc
h im Krankheitsfall 201
2 7099333 relevanten
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom und
des Weiteren
mit einer depressiven Symptomatik, ebenfalls aktenkundig im Krankheitsfall 2012 7099333 (
vgl. vorstehende
Erw
. 2
und 6
).
Bei dieser Sachlage liegt mit dem Krankheitsfall 2012 709
9
333 kein neuer Krankheitsfall, sondern ein Rückfall im Sinne der Versicherungs
-
bedingungen vor. Auch die für die Annahme eines Rückfalls nötige Frist von
12 Monaten gemäss
Art.
2
Ziff.
3 ZB wurde mit der erneuten Arbeitsunfähigkeit ab
Novem
ber 2011
nic
ht unterschritten. Die Arbeitsunfähigkeiten im Krankheitsfall 2010 7477751
dauerte
n
bis
2
6.
Januar 2011 (vgl.
Urk.
13/138,
Urk.
13/143)
. Dazwi
schen liegen
etwas mehr als neun
Monate.
9.4
Im Krankheitsfall 2010 7477751
richtete die Beklagte unter Berücksichtigung einer Wartezeit von 30 Tagen für folgende Zeiten
Taggeldleistungen aus: vom 1
6.
September bis
4.
Oktober 2010 ein volles Taggeld
(19 Taggelder)
, vom
5.
bis
7.
Oktober ein Taggeld basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %
(3 Taggelder)
und ab
8.
bis 3
1.
Oktober 2010 wiederum ein volles Taggeld (
24 Taggelder;
Urk. 13/135),
sodann
vom
1.
bis
9.
Januar 2011
(9 Taggelder)
und vom 1
2.
bis 2
6.
Januar 2011
(15 Taggelder) ebenfalls ein volles
Taggeld (Urk. 13/143).
Total waren es 70 Taggelder.
9.5
Im Krankheitsfall 2012 7099333 richtete die Beklagte Taggeldleistungen wie folgt aus: 57 Taggelder zu 100
%
vom 1
1.
Dezember 2011 bis
5.
Februar 2012, 14 Taggelder zu 50 % vom
6.
Februar bis 1
9.
Februar 2012, 10 Taggelder zu 25 % vom 2
0.
bis 2
9.
Februar 2012 (vgl.
Urk.
13/147), 61 Taggelder zu 100 % vom
1.
März bis 3
0.
April 2012
(Urk. 13/148
), 31 Taggelder zu 100 % vom 1.
bis 3
1.
Mai 2012 (Urk. 13/149), 61 Taggelder zu 50 % vom
1.
Juni bis 3
1.
Juli 2012 (Urk. 13/150) und 31
Taggelder zu 50 % vom
1.
bis 3
1.
August 2012 (Urk. 13/151). Total
waren
es 265 Taggelder.
9.
6
Vom
1.
September bis 3
0.
November 2012
war die Klägerin
vol
lständig arbeitsun
fähig. Sie hat demnach Anspruch auf 91 ganze Taggelder à
Fr.
114.83
(zur unbestrittenen Höhe des Taggeldes vgl.
Urk.
13/150-151). Total ergibt dies
Fr.
10‘449.5
0.
A
b
1.
Dezember 2012
war die Klägerin
selbst
in einer angepassten Tätigkeit fortdauernd
im Ausmass von
50 %
arbeitsunfähig. Bis zum Ausschöpfen des
Maximalanspruchs von 730 Tagen verbl
ie
ben
abzüglich der Wartezeit von 30
Tagen, der bereits bezogenen
70 Taggelder im Krankheitsfall 2010 7477751, der
265 Taggelder
im Krankheitsfall 2012 7099333
und der noch ausstehenden 91
Taggelder für die Zeit vom
1.
September bis 3
0.
November 2012
insgesamt 274
Taggelder
.
Dies entspricht ausgehend vom Ansatz für ein volles Taggeld in der Höhe von
Fr.
114.83
der Summe von
Fr.
31‘463.4
0.
Entsprechend der Ar
beitsunfähigkeit von 50 % in dieser Zeitperiode
besteht
Anspruch
auf 50 %
dieses Betrages
, das heisst auf
Fr.
15‘731.70
.
Hinzu kommt je ein halbes Taggeld für die
33 Tage zwischen dem
3
0.
Juli
und dem
3
1.
August 201
2.
Der Anspruch beläuft sich auf
Fr.
1‘894.70
(
33 x
Fr.
114.83 :
2).
In dieser Zeitspanne war die Klägerin vollständig arbeitsunfähig, erhielt tatsächlich aber nur ein halbes Taggeld ausbezahlt
(vgl.
Urk.
13/150-151).
Zusammengenommen stehen der Klägerin Taggeldleistungen in der Höhe von
Fr.
28‘075.90 zu (
Fr.
10‘449.50 +
Fr.
15‘731.70 + 1‘894.70).
Die Klage ist nach dem G
esagten gutzuheissen.
10.
10.1
Nach Art. 41 Abs. 1 VVG wird die Forderung aus dem Versicherungsvertrag mit dem
Ablauf von vier Wochen von dem Zeitpunkt an ge
rechnet fällig, in dem der Versicherer Angaben erhalten hat, aus denen er sich von der Richtigkeit des An
spruchs überzeugen kann. Nach der herrschenden Lehre wird mit dieser Regelung allein kein Verfalltag statuiert, der eine Mahnung
entbehrlich macht, da es eine Auslegungsfrage ist, wann der Versicherer alle notwendigen Auskünfte und Belege erhalten hat, wogegen
Verfalltagsgeschäfte
eines genauen Erfüllungsdatums bedürfen. Gemäss herrschender Lehre gerät der Versicherer erst mit einer Mahnung in Verzug, ausser er lehnt seine Leistungspflicht definitiv ab. Dann treten Fälligkeit und Verzug sofort ein und die Deliberationsfrist wird überflüssig (Jürg Nef, in: Basler Kommentar zum Bundesgesetz
über den
Versi
cherungsvertrag
, Basel 2001, Art.
4
1
Rn
20). Die Versicherungsbedingungen (AB und ZB)
enthalten keine Verzugszinsregelung. Es ist somit vertraglich kein Verfalltag vereinbart. Die Beklagte musste demnach entweder zur Zahlung gemahnt werden, damit sie in Verzug geriet und ein Verzugszins geschuldet war, oder die Leistungspflicht definitiv ablehnen.
10
.2
Mit
ihrem
Schreiben vom 1
7.
Oktober 2012 setzte die Klägerin die Beklagte für die
bis dahin
fälligen Forderungen in Verzug
, deren
Bezahlung
sie
bis 31.
Oktober 2012
verlangte (
Urk.
2/11)
.
Mit Einleitung der Klage forderte die
Kläg
erin zusätzlich die bis 30.
November 2012 fällig gewordenen Taggelder
,
zu
zügli
ch 5 % Zins ab 1.
November 201
2.
Des Weiteren forderte sie
die zukünfti
gen
Taggelder
bis zur Ausschöpfung des Maximalanspruchs (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 1
1.
März 2013 verlangte sie die Bezahlung der Taggelder bis 2
8.
Februar 2013 zuzüglich 5 % Zins seit
1.
Januar 2013 sowie wiederum die Bezahlung der künftigen Taggelder bis zur Ausschöpfung des Maximalanspruchs (Urk. 8 S. 1).
10.3
Für die Zeit bis
Ende Oktober 2012
schuldet die Beklagte Taggelder wie folgt
: Zum einen 61 ganze Taggelder für die Zeit vom
1.
September bis 3
1.
Oktober 2012 im Betrag von Fr. 7‘004.60
(
61 x
Fr.
114.83). Hinzu kommen
33 halbe nachzuzahlende Taggelder für die Zeit vom 3
0.
Juli bis 3
1.
August 2012 im Be
trag von
Fr.
1‘894.70 (33 x
Fr.
114.83 :
2). Ende Oktober verfallen waren somit Taggelder in der Höhe von
Fr.
8‘899.3
0.
Dieser Betrag ist ab
1.
November 2012 mit 5 % zu verzinsen.
Für die Zeit vom
1.
bis zum 3
0.
November 2012 schuldet die Beklagte der Kläge
rin 30
volle
Taggelder im Betrag von
Fr.
3‘444.90 (30 x
Fr.
114.83). Dieser Betrag war bei der Klageeinleitung verfallen. Er ist ab
1.
Dezember 2012 mit 5 % zu verzinsen.
A
lle ab
1.
Dezember 2012
bis zum
1.
September 2013 geschuldeten 274
Taggeld
leistungen
(Basis ist je ein halbes Taggeld) sind ab
mittlere
m
Verfall zu
verzinsen
.
Mittlerer Verfall ist der
1.
Mai 201
3.
Ab diesem Zeitpunkt sind die restlichen Taggelder in der Höhe von 15‘731.70 (274 x
Fr.
114.83 :
2) mit 5 % zu verzinsen.
11.
Ausgangsgemäss hat
die Klägerin
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘500
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen
) festzusetzen.
Das Gericht
erkennt:
1.
In
Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der Klägerin
Fr.
28‘075.90
zu bezahlen,
zuzüglich 5 % Zins
ab
1.
November 2012
auf
den Teilbetrag von
Fr.
8‘
899.30
,
ab
1.
Dezember 2012
auf
den Teilbetrag von
Fr.
3‘444.90 und
ab
1.
Mai 2013
auf
den Teilbetrag von
Fr.
15‘731.7
0.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beklagte wird
verpflichtet,
der Klägerin
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘500
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michele
Santucci
-
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
-
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 72 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigWilhelm