# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d95f0b8a-50cd-538f-a4b5-803330234d66
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-04-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Zivilkammer 29.04.2003 ZF 2003 5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_006_ZF-2003-5_2003-04-29.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 29. April 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
ZF 03 5

Urteil
Zivilkammer

Vizepräsident Bochsler, Kantonsrichter Heinz-Bommer, Riesen-Benz, Rehli und 
Sutter-Ambühl, Aktuar ad hoc Berti.

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In der zivilrechtlichen Berufung

der X., Beklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Wil-
fried Caviezel, Masanserstrasse 35, 7001 Chur

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Imboden vom 30. Oktober 2002, mitgeteilt am 13. 
Dezember 2002, in Sachen der Beklagten und Berufungsklägerin gegen Y., Kläger 
und Berufungsbeklagten, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Pally, Bahn-
hofstrasse 7, 7001 Chur, 

mit Streitverkündung des Klägers an die Z., Eingerufene

betreffend Forderung (Werkvertrag),

hat sich ergeben:

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A. Am 18. August 1995 schlossen der Architekt Y. als Besteller 
und die X. als Unternehmerin einen Werkvertrag betreffend Steilbedachun-

gen, Spenglerarbeiten und Flachbedachungen für den Neubau zweier Familienhäu-
ser (Liegenschaft A. und B. in C.). 

B. Nach Beendigung der Arbeiten im Dezember 1995 blieb ein Teil der 
Werklohnforderung, die sich auf insgesamt Fr. 223'168.-- belief, offen. Die X. for-
derte Y. am 6. Februar erfolglos zur Zahlung des Ausstandes auf. Am 12. März 1996 
bewirkte sie beim Kreisamt Rhäzüns die vorläufige Eintragung eines Bauhandwer-
kerpfandrechts. 

C. Am 15. März 1996 wies Y. die X. auf verschiedene Ausführungsmän-
gel hin und beauftragte die Spenglerei D. mit der Erstellung eines Privatgutachtens. 
Nach Begehung des Werkes mit allen Beteiligten und erfolgter Erstellung des Gut-
achtens schlug die Y. AG der X. eine Reduktion ihrer Restforderung von Fr. 37'830.-
- um Fr. 10'830.-- vor. Die X. erklärte sich einverstanden und stellte am 2. Mai 1996 
eine Schlussabrechnung über Fr. 27'000.--.

D. In der Folge gelangte die Y. AG erneut an die X. und wies sie am 26. 
März und 14. November 1997 unter anderem auf entstandene Feuchtigkeitsflecken 
im Treppenhaus beim Dachaufgang hin. Wegen weiterer undichten Stellen stellte 
die X. am 20. Oktober 1998 beim Kreisamt Rhäzüns ein Gesuch um Sicherstellung 
eines gefährdeten Beweises. Das Kreisamt hiess das Gesuch gut und setzte die F. 
als Gutachterin ein. Ihre Expertise datiert vom 2. Dezember 1998.

E. Am 1. und am 6. Dezember 1999 setzte die Y. AG die X. davon in 
Kenntnis, dass sie erneut Feuchtigkeitsflecken im Mehrfamilienhaus entdeckt habe. 
Um deren Ursache zu ermitteln, stellte sie beim Kreisamt Rhäzüns ein weiteres Be-
gehren um Sicherstellung eines gefährdeten Beweises, das am 20. Juli 2000 gut-
geheissen wurde. Der Kreispräsident verfügte die Einsetzung des Architekten E., 
Chur, als Experten. Gestützt auf dessen Expertise samt Ergänzung forderte Y. die 
X. zur Nachbesserung der aufgetretenen Mängel auf. Die X. bestritt eine Verant-
wortung dafür und teilte Y. am 25. August 2000 mit, sie sei nicht bereit, irgendwelche 
Nachbesserungen vorzunehmen.

F. Am 7. November 2000 meldete Y. die vorliegende Streitsache beim 
Vermittlungsamt des Kreises Rhäzüns an. Nach erfolglos durchgeführter Sühnever-

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handlung vom 15. März 2001 bezog er am 2. April 2001 den Leitschein und prose-
quierte diesen frist- und formgerecht am 23. April 2001 vor dem Bezirksgericht Im-
boden mit folgenden Rechtsbegehren:

„1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 16'916.25 nebst 
5% Zins seit 1. März 2001 zu bezahlen.

2. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger die amtlichen Kosten 
für das am 20.7.2000 angeordnete Beweisverfahren von Fr. 
3'537.30 nebst Zins seit 11. August 2000 zu bezahlen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (letzteres auch für das 
Beweissicherungsverfahren) zulasten der Beklagten.“ 

Die Beklagte beantragte in ihrer Prozessantwort vom 20. Juni 2001 die voll-
umfängliche und kostenfällige Abweisung der Klage.

In der Hauptverhandlung am 30. Oktober 2002 reduzierte die Klägerin ihre 
Hauptforderung auf Fr. 12'916.25. 

G. Mit Urteil vom 30. Oktober 2002, mitgeteilt am 13. Dezember 2002, 
erkannte das Bezirksgericht Imboden wie folgt:

„1. Die Klage wird dahingehend gutgeheissen, dass die Beklagte ver-
pflichtet wird, dem Kläger Fr. 12'916.25 nebst 5% Zins seit 1. März 
2001 zu bezahlen.

2. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger drei Viertel der amtli-
chen Kosten für das am 20.7.2000 angeordnete Beweisverfahren, 
somit Fr. 2’653.30 nebst 5% Zins seit 7. November 2000, zu be-
zahlen.

3. Die Kosten des Vermittlungsamtes des Kreises Rhäzüns in der 
Höhe von Fr. 250.-- sowie diejenigen des Bezirksgerichts Imbo-
den, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.--, einer 
Schreibgebühr von Fr. 1'141.05 sowie Barauslagen von Fr. 
4'858.95, total somit Fr. 10'000.--, gehen zu ¼ zulasten des Klä-
gers und zu ¾ zulasten der Beklagten, welche den Kläger über-
dies ausseramtlich mit Fr. 10'000.-- zu entschädigen hat.

4. [Mitteilung].“

H. Das  Bezirksgericht Imboden erwog im Wesentlichen, die Parteien hät-
ten einen gültigen Werkvertrag über die Ausführung der Arbeiten an den Steil- und 
Flächdächern an zwei neu bebauten Mehrfamilienhäusern unter Zugrundelegung 
der SIA-Norm 118 abgeschlossen. In der Folge habe die Beklagte ein mangelhaftes 
Werk abgeliefert, wofür sie einzustehen habe; ihre diesbezügliche Haftung sei ins-
besondere nicht durch eine nach Erstattung der Expertise des D. zwischen den Par-

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teien getroffene Saldovereinbarung erloschen. Entsprechend sei die Beklagte an-
tragsgemäss zur Tragung der Kosten der Ersatzvornahme zu verpflichten.

J. Mit Berufungserklärung vom 20. Januar 2003 stellte die X. folgende 
Anträge:

„1. Es seien die Ziffern 1, 2 und 3 des Dispositivs des angefochtenen 
Urteils in Gutheissung der Berufung aufzuheben.

2. Die Klage des Y. sei abzuweisen.

3. Unter vollen Kosten- und Entschädigungsfolge für das Verfahren 
vor Bezirksgericht Imboden und vor Kantonsgericht Graubünden 
zu Lasten des Berufungsbeklagten.“

K. Zur Hauptverhandlung am 29. April 2003 erschienen der Rechtsver-
treter der Berufungsklägerin, Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried Caviezel, sowie der 
Rechtsvertreter des Berufungsbeklagten, Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Pally. Der Vor-
sitzende verlas die Berufungsanträge. Sodann stellte er fest, dass die Vollmachten 
der Parteivertreter bei den Akten liegen und dass die Vertröstungen rechtzeitig ge-
leistet worden seien. Er machte die Parteivertreter darauf aufmerksam, dass Kan-
tonsrichter Lazzarini krankheitshalber durch Kantonsrichterin Riesen-Benz ersetzt 
worden sei. Gegen die Zuständigkeit und Zusammensetzung des Gerichts wurden 
keine Einwände erhoben, weshalb dieses als legitimiert erklärt werden konnte. 
Nachdem keine weiteren Beweisanträge gestellt worden waren, erklärte der Vorsit-
zende das Beweisverfahren für geschlossen. Beide Rechtsvertreter gaben schrift-
liche Erklärungen zu den Akten im Sinne von Art. 51 Abs. 1 lit. b OG. 

Auf die Ausführungen der Parteivertreter zur Begründung ihrer Anträge und 
auf die Erwägungen der Vorinstanz wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen  
eingegangen.

Die Zivilkammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte in vermögensrechtlichen Streitig-
keiten mit einem Streitwert von über Fr. 8'000.-- ist Berufung gegeben (Art. 218 Abs. 
1 i.V.m. Art. 19 Ziff. 1 ZPO). Sie ist innert der peremptorischen Frist von 20 Tagen 
seit der schriftlichen Mitteilung des Urteils zu erklären und hat die formulierten An-
träge auf Abänderung des erstinstanzlichen Urteils und der Beiurteile sowie neue 
Einreden, soweit solche noch zulässig sind, zu enthalten (Art. 219 Abs. 1 ZPO). Die 

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Berufung wurde form- und fristgerecht erklärt, der Streitwert ist erreicht, und die 
Berufungsklägerin ist beschwert. Es ist deshalb auf die Berufung einzutreten.

2. Kern des Streites im vorliegenden Fall ist die Frage, ob ein von der 
Berufungsklägerin erstelltes Zwischendach, welches sich zwischen einem Kamin-
aufbau und einem Steildachstück befindet, mangelhaft sei und, sollte dies der Fall 
sein, welche Rechtsfolgen sich daraus ergeben.

a. In der Sache rügt die Berufungsklägerin vorab (Plädoyer S. 3 ff. sub 
2), die Vorinstanz habe sich über den Umstand hinweg gesetzt, dass der Berufungs-
beklagte bereits 1996 einer Werkpreisminderung mit Saldovereinbarung zuge-
stimmt habe. Deshalb habe er seither weder Anspruch auf Nachbesserung des 
Werkes noch auf Erstattung der Kosten einer Ersatzvornahme.

b. aa. In einem (eingeschriebenen) Schreiben vom 23. April 1996 (kB 13) 
schrieb der Kläger und Berufungsbeklagte im Namen der Y. AG Folgendes an die 
Beklagte und Berufungsklägerin:

„MFH, Haus A + B

Spenger- [sic] / Dachdeckerarbeiten/Flachdach und spez. Abdichtun-
gen

Sehr geehrte Herren

Wir kommen zurück auf die am oben erwähnten Objekt durch Sie aus-
geführten Dachdeckerarbeiten und die Expertise D. sowie auf die di-
versen Probleme in Sachen Bauhandwerkerpfandrecht.

Nach reiflicher Ueberlegung sind wir zum Schluss gekommen, dass 
anscheinend gewisse Arbeiten nicht einer fachgerechten Ausführung 
entsprechen. Damit jedoch diese leidige Angelegenheit abgeschlos-
sen werden kann, schlagen wir Ihnen eine Schlusszahlung von Fr. 
27'000.-- per Saldo aller Ansprüche vor.

Wir lassen Ihnen in der Beilage eine entsprechende Unternehmer-
schlussabrechnung über den erwähnten Betrag zukommen und bitten 
Sie, diese zu unterzeichnen. Sollten Sie mit der vorgeschlagenen Lö-
sung einverstanden sein, würden wie unsererseits auf die Einholung 
weiterer Expertisen verzichten.

In der Hoffnung, mit dem vorliegenden Angebot weitere unangenehme 
und kostspielige Schritte abzuwenden, verbleiben wir

Mit freundlichen Grüssen

Y. Architektur + Immobilien

(gez. Y.)

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Beilage: Unternehmerschlussabrechnung“

Hierauf antwortete die X. in ihrem Schreiben vom 2. Mai 1996 (kB 14) an das 
Architekturbüro Y. wie folgt:

 „Betrifft: MFH, Haus A + B

Spengler + Dachdeckerarbeiten/Flachdach und Spez. Abdichtungen

Sehr geehrter Herr Y.

Ihre Abrechnung haben wir erhalten, dass jedoch gewisse Arbeiten 
nicht Fachgerecht ausgeführt sein sollten, können wir nicht auf uns 
sitzen lassen. Deshalb haben wir G. Techn. Berater der H. eingeladen, 
um obiges Objekt zu beurteilen, was er im Beisein Ihres Bauführers 
und I. X. getan hat.

G. wörtlich. Das Dach ist korrekt und Fachmännisch [sic] ausgeführt, 
die Lötstellen an Dachfenstern und Aufbordungen sind nicht vermeid-
bar. Die Abdecklage bei diesem Gefälle ist kein Problem. Lüftungen 
alle korrekt und genügend. „Gesamteindruck Gut.“

Sie können G. unter der Tel. Nr. 052.315.27.49 erreichen.

Wir hoffen das [sic] sich Ihr Misstrauen gegenüber unserer Firma et-
was verbessert hat, und stehen nach wie vor voll hinter den von uns 
Ausgeführten [sic] Arbeiten.

Um die Angelegenheit endlich zu Beenden [sic] haben wir Ihre 
Schlussabrechnung Unterzeichnet [sic] und beiliegend retourniert.

Wir hoffen jedoch, dass bei den abgezogenen Fr. 10 000.- doch noch 
ein Mittelweg gefunden werden könnte,

und verbleibe [sic] mit freundlichen Grüssen

X. (gez.)“

Die von der Y. AG und der Beklagten und Berufungsklägerin unter dem 
Datum 2. Mai 1996 unterzeichnete „Unternehmerschlussabrechnung“ (kB 15) führt 
- unter anderen Abzügen - einen als „Total Abzüge“ bezeichneten Betrag von Fr. 
10'830.-- auf und weist als noch zu leistende „Restzahlung“ die Summe von Fr. 
27'000.-- aus.

bb. Die Vorinstanz hat zu diesem Vorgang ausgeführt, die Beklagte (und 
Berufungsklägerin) mache „selber geltend, dass die Saldovereinbarung sich nur auf 
Mängel beziehen sollte, welche in der Expertise D. thematisiert worden seien. Das 
von der Vorinstanz als prozessuales Geständnis des Klägers (und 

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Berufungsbeklagten) bewertete Vorbringen befindet sich auf S. 7 der Duplik vom 
15. Januar 2001 (act. I.15, im Mäppchen „Rechtsschriften“):

„Es war ganz klar der erklärte Wille und die Absicht beider Parteien, 
dass damit die Angelegenheit beidseitig per Saldo aller Ansprüche 
geregelt sei, mit einer einzigen Ausnahme:

Diese Ausnahme bestand darin, dass für damals nicht bekannte, 
verdeckte Mängel eine Haftung der Beklagten gegeben sein sollte. 
[Bis hierhin auch so zitiert vom Rechtsvertreter des Klägers und 
Berufungsbeklagten in der mündlichen Berufungsantwort vor 
Kantonsgericht. Aber es geht weiter:] Nur verhält es sich so, dass alle 
Vorbringen, welche heute gemacht werden, damals bereits dem 
Kläger bekannt waren und auf Grund der Prüfung des Werkes durch 
den Experten auch bekannt sein mussten resp. hätten bekannt sein 
müssen, andernfalls die Prüfung nicht korrekt erfolgt ist. Letzteres 
hätte allerdings nicht die Beklagte zu verantworten.“

Die Vorinstanz befand dazu, für verdeckte Mängel, mit deren Auftreten 
aufgrund der Ausführung des Experten nicht zu rechnen war, könne die 
Saldovereinbarung keine Geltung beanspruchen (angefochtene Entscheidung S. 6 
E. 3 b): Inhalt und Tragweite der Expertise ergebe sich im Wesentlichen aus den 
dem Experten gestellten Fragen; insbesondere lasse sich anhand des Fragethemas 
ermitteln, wie umfassend und detailliert die Prüfung ausfallen sollte. Beurteilt 
worden sei vor allem Ausführung und Qualität der von der X. ausgeführten Arbeiten, 
welche auf den Gutachter gesamthaft einen schlechten Eindruck hinterlassen 
hätten. Das fehlende Gefälle des Zwischendaches sei nicht erwähnt und offenbar 
anlässlich der verschiedenen Begehungen des Daches auch nicht bemerkt worden 
(a.a.O.). Die Vorinstanz gelangt deshalb zum Schluss, dass die Gegenstand des 
vor ihr hängigen Verfahrens bildenden Mängel nicht von der Expertise D. erfasst 
seien (angefochtene Entscheidung S. 7 oben E. 3 b).

cc. a. Mit der Berufung (Plädoyer RA Caviezel, S. 5 ff.) weist die 
Berufungsklägerin und Beklagte unter Hinweis auf die Zeugenaussage von M. 
erneut darauf hin, dass die Parteien mit der Werklohnminderung von Fr. 10'830.-- 
ausdrücklich sämtliche Mängel hätten abgelten wollen. Durch kB 8 (Schreiben des 
Berufungsbeklagten an die Berufungsklägerin vom 15. März 1996) sei erstellt, dass 
der Berufungsbeklagte D. beauftragt habe, offene und verdeckte Mängel am 
Bauwerk zu ermitteln. Dieser habe denn auch das Dach mehrmals besichtigt. 
Allfällige mangelnde Sorgfalt seinerseits gehe zu Lasten seines Aufftraggebers, des 
Berufungsbeklagten. Die Annahme der Vorinstanz, das Gefälle sei kein Thema 
gewesen, sei unzutreffend; die Vorinstanz habe sich über den Gegenstand des 

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Gutachtens D. geirrt. Im Weiteren habe der Berufungsbeklagte selber die 
Formulierung „per Saldo aller Ansprüche“ gewählt. Diese könne unter den 
gegebenen Umständen nicht anders als umfassend verstanden werden. Die in der 
Folge von der Berufungsklägerin verwendete Formulierung, sie stehe voll zu ihrem 
Werk, könne nicht als die Übernahme einer weitergehenden Garantie gedeutet 
werden. Daran ändere nichts, dass sie einen später aufgetretenen Spannungsriss 
in der Zink-Titan-Abdeckung repariert habe.

b. Dem entgegnete der Berufungsbeklagte (Plädoyer RA Dr. Pally, S. 2 
ff.) unter Hinweis auf den Werkvertrag [kB 3; S. 1 hinten], die Parteien hätten mit 
der Formulierung „per Saldo aller Ansprüche“ übereinstimmend gemeint, dass 
neben dem vereinbarten Pauschalpreis keine zusätzlichen Regieforderungen 
geltend gemacht werden durften. Zudem enthielten kB 14 und 26 zwei 
ausdrückliche Garantieerklärungen der Berufungsklägerin; diese habe auch selber 
in der Duplik zugegeben, dass sie für alle bis zum 23. April 1996 nicht bekannten 
Mängel hafte. 

3. Sollte der Standpunkt der Berufungsklägerin zutreffen, so wäre die 
Berufung gutzuheissen und die Klage abzuweisen. Demnach ist vorab die 
Tragweite der von den Parteien getroffenen Saldovereinbarung zu prüfen.

a. aa. Die Offerte zum Abschluss der Saldovereinbarung ging am 23. April 
1996 von der Y. AG aus und wurde vom Berufungsbeklagten und Kläger 
unterschrieben (kB 13). Das Gutachten D. lag schon vor (kB 12, 2. Absatz, 1. Satz). 
Kern des Offerteschreibens kB 13 (vgl. für den vollen Wortlaut oben E. 2 b aa) ist 
die Aussage, wonach die Bestellerin „nach reiflicher Überlegung zum Schluss ge-
kommen“ sei, dass „anscheinend gewisse Arbeiten nicht einer fachgerechten Aus-
führung entsprechen.“ Somit wird klar zum Ausdruck gebracht, dass die Bestellerin 
vom Vorliegen eines mangelhaften Werkes ausgeht. Sie schlägt vor, die Angele-
genheit dadurch abzuschliessen, dass sie eine (um Fr. 10'830.-- reduzierte) „ 
Schlusszahlung von Fr. 27'000.-- per Saldo aller Ansprüche“ leistet.

bb. Die Annahme der Saldovereinbarung erfolgte durch Schreiben der X. 
vom 2. Mai 1996 (kB 14). Darin wies sie zwar den Vorwurf zurück, gewisse Arbeiten 
seien nicht fachgerecht ausgeführt worden, stimmte aber der Saldovereinbarung zu, 
indem sie „um die Angelegenheit endlich zu beenden“ die Schlussabrechnung (kB 
15) mit der reduzierten Schlusszahlung unterzeichnet retournierte (kB 14).

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b. Der Sache nach stellt die „Saldovereinbarung“ einen (aussergerichtli-
chen) Vergleich dar. Mit einem solchen legen die Parteien einen Streit oder eine 
Ungewissheit über ein bestehendes Rechtsverhältnis durch gegenseitige Zuge-
ständnisse bei (BGE 111 II 350; 105 II 277), und machen dadurch den umstrittenen 
oder unsicheren Rechtszustand zu einem unbestreitbaren (Berner Kommentar 
SCHMIDLIN, Art. 23/24 OR N 356 m.w.H.). Zudem haben die Parteien eine Saldoab-
rede getroffen. Nach konstanter bundesgerichtlichen Rechtsprechung hindert eine 
solche Vereinbarung den auf weitere Ansprüche Verzichtenden „nur insoweit an der 
Erhebung neuer Ansprüche, als er diese im Zeitpunkt der Unterzeichnung bereits 
gekannt oder deren Entstehung wenigstens als eine Möglichkeit in Betracht gezo-
gen habe“ (Entscheid des Eidg. Versicherungsgerichts vom 21. Dezember 2001, K 
124/00; BGE 100 II 44 ff. E. 1; vgl. auch OFTINGER/STARK, Schweizerisches Haft-
pflichtrecht, Allgemeiner Teil, Band I, 5. A., Zürich 1995, § 12 N 45 ff.).

c. Im Zeitpunkt der Offertestellung bezüglich der Saldovereinbarung 
wusste Y. aufgrund der Expertise D., dass ihm die X. ein möglicherweise mangel-
haftes Werk abgeliefert habe. Er erklärte sich indes mit einer Werklohnminderung 
einverstanden, und verfügte damit über seine Ansprüche im Sinne von Art. 368 Abs. 
2 OR. Dies tat er „nach reiflicher Überlegung“, und um die Angelegenheit abzusch-
liessen. Damit entfällt eine weitere Mängelhaftung der Berufungsklägerin und Be-
klagten, sofern diese nicht eine Möglichkeit betraf, die der Berufungsbeklagte und 
Kläger im Zeitpunkt des Verzichts nicht gekannt hat oder deren Entstehung er we-
nigstens in Betracht gezogen hat bzw. hätte in Betracht ziehen müssen.

Entgegen der Meinung der Vorinstanz können die konkreten Aussagen der 
Expertise D. nicht als Massstab für die Tragweite der Saldovereinbarung hinsichtlich 
des Anspruchsverzichtes der Y. AG betrachtet werden. Denn der Berufungsbe-
klagte und Kläger hatte der Berufungsklägerin und Beklagten ausdrücklich erklärt, 
eine Expertise über offene und verdeckte Mängel in Auftrag gegeben zu haben (kB 
8). Er übernahm damit grundsätzlich das Risiko bezüglich Mängel, die möglicher-
weise nicht von der Expertise aufgedeckt worden wären. Dagegen hätte er sich 
zwar absichern können; sein Vorschlag einer Saldovereinbarung enthielt indes kei-
nen entsprechenden Vorbehalt. Die Erwägung der Vorinstanz, wonach entschei-
dend sei, dass Inhalt und Tragweite der Expertise sich im Wesentlichen aus den 
dem Experten gestellten Fragen ergebe (angefochtene Entscheidung S. 6 E. 3 b), 
verkennt diese Rechtslage.

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Hinzugefügt sei - obwohl dies nach dem soeben Gesagten nicht entschei-
dend ist - dass der Vorinstanz auch nicht darin beizupflichen ist, dass das fehlende 
Dachgefälle nicht von der Expertise D. erfasst gewesen sei. Die Thematik eines 
Gefälles ist auf S. 8 der Expertise (kB 11) klar angesprochen. Auch im Übrigen hatte 
der Auftraggeber der Expertise D. allen Grund, sich gegen noch nicht eingetretene 
Mängelfolgen zu schützen, identifizierte diese doch eine Anzahl von Problemthe-
men (u.a. kB 8 S. 5 und 8) und kam sie zum Schluss, die Spenglerarbeiten hinter-
liessen „gesamthaft einen schlechten Eindruck“ (kB 8 S. 9, vgl. auch S. 11). Zudem 
brachte D. bezüglich der Schalungsabdecklage seine Überzeugung zum Ausdruck 
dass, obwohl ihm keine konkreten Schadensfälle bei der konkret gegebenen Aus-
führung bekannt seien, doch ein - wenn auch geringes - Risiko bestehe (kB 8 S. 7). 
Wenn der Berufungsbeklagte und Kläger sich nach reiflicher Überlegung dazu ent-
schied, trotzdem eine vorbehaltlose Saldovereinbarung abzuschliessen, ist er dabei 
zu behaften. 

d. Die Berufungsbeklagte wendet ein (Plädoyer RA Dr. Pally, S. 2 ff.) die 
Parteien hätten mit der Formulierung „per Saldo aller Ansprüche“ immer 
übereinstimmend gemeint, dass neben dem vereinbarten Pauschalpreis keine 
zusätzlichen Regieforderungen geltend gemacht werden durften. Sie beruft sich 
dabei auf S. 1 des Anhanges zum Werkvertrag (kB 13), wo „per Saldo aller 
Ansprüche“ synoym mit „Pauschale“ verwendet wird. Für die Richtigkeit dieser 
Auslegungsart  im Kontext der Saldovereinbarung, wofür die Berufungsbeklagte die 
Beweislast trägt (Art. 8 ZGB), bestehen indes keinerlei Anhaltspunkte. Sie macht im 
Rahmen des Parteivergleichs auch keinen Sinn. 

4. Ergibt sich somit, dass infolge der Saldovereinbarung eine weitere 
Mängelhaftung der Berufungsklägerin und Beklagten grundsätzlich erloschen ist, so 
bleibt noch zu prüfen ob - wie der Berufungsbeklagte und Kläger geltend macht - 
eine Mängelhaftung doch noch infolge nachträglicher Zusicherungen besteht.

a. Zur Begründung seines diesbezüglichen Vorbringens beruft sich der 
Berufungsbeklagte und Kläger auf die zweifach getane Äusserung der Berufungs-
klägerin und Beklagten, wonach sie voll zu ihrer Arbeit stehe. Im Kontext betrachtet, 
lässt sich dieser Äusserung indes nicht die vom Berufungsbeklagten und Kläger 
daraus abgeleitete Garantieerklärung entnehmen.

b. Die erste Äusserung findet sich im Schreiben kB 14, mit welchem die 
Berufungsklägerin und Beklagte der Saldovereinbarung zustimmte, und zwar im 

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Text vor dem Satz, mit dem sie ihre Zustimmung ausdrücklich gibt, „[u]m die Ange-
legenheit endlich zu beenden.“ Sie taugt demnach zum vorneherein nicht zur Be-
gründung einer nachträglichen Garantiezusage.

c. Die Berufungsklägerin und Beklagte erklärte alsdann in ihrem Schrei-
ben vom 13. Oktober 1997 an Y. (kB 26) ein zweites Mal, sie stehe nach wie vor zu 
der von ihr ausgeführten Arbeiten, führte aber im gleichen Satz wörtlich fort: „[wir] 
lehnen jedoch eine Garantieverlängerung entschieden ab.“ Es ist unerfindlich, wie 
diese Diktion geeignet sein könnte, die Grundlage einer Garantieerklärung zu bil-
den.

5. Somit bleibt noch zu prüfen, inwiefern - wie die Vorinstanz annimmt 
(angefochtene Entscheidung S. E. 3 b) und der Berufungsbeklagte und Kläger in 
der Berufung vorbringt (Plädoyer RA Dr. Pally S. 2) - die Berufungsklägerin und 
Beklagte durch prozessuales Geständnis die Tragweite der materiellrechtlichen Sal-
dovereinbarung zu ihrem Nachteil abgeschwächt habe.

Vorab ist festzuhalten, dass der Rechtsvertreter des Berufungsbeklagten in 
seinem Plädoyer die entscheidende Stelle in der erstinstanzlichen Duplik nicht 
vollständig zitiert (vgl. oben E. 2 b bb). Mag die unvollständig zitierte Stelle in Bezug 
auf die Tragweite der Saldovereinbarung aus der Sicht der Beklagten und Beru-
fungsklägerin Zweifel entstehen lassen, so stellt der darauf folgende Satz klar, wie 
dies gemeint ist, nämlich dass Ansprüche bezüglich aller Mängel verwirkt seien, 
welche „damals bereits dem Kläger bekannt waren und auf Grund der Prüfung des 
Werkes durch den Experten auch bekannt sein mussten resp. hätten bekannt sein 
müssen, andernfalls die Prüfung nicht korrekt erfolgt ist.“ Diese Sichtweise deckt 
sich exakt mit der oben in E. 3 b zugrundegelegten bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung. Der Berufungsbeklagte und Kläger vermag nichts zu seinen 
Gunsten daraus abzuleiten. 

6. a. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht die 
Saldovereinbarung zwischen den Parteien nicht als geeignet betrachtet hat, die 
Mängelrechte des Berufungsbeklagten und Klägers zum Erlöschen zu bringen. 
Demnach ist antragsgemäss Ziffer 1 der angefochtenen Entscheidung  aufzuheben 
und die Klage gutzuheissen.

 b. Damit entfällt auch die Grundlage für die Verpflichtung der Berufungs-
klägerin und Beklagten zur Bezahlung der amtlichen Kosten für das im Juli 2000 
vom Kreispräsidenten Rhäzüns durchgeführte Beweissicherungsverfahren. Dem-

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entsprechend ist Ziffer 2 der angefochtenen Entscheidung antragsgemäss aufzu-
heben. 

7. Bei diesem Verfahrensausgang hat der Berufungsbeklagte und Kläger  
die Kosten des Verfahrens vor dem Kantonsgericht und vor der Vorinstanz zu tragen 
(Art. 122 Abs. 1 ZPO). Dementsprechend ist Ziff. 3 der angefochtenen Entscheidung 
antragsgemäss aufzuheben und der Berufungsbeklagte zu verpflichten, die Verfah-
renskosten von insgesamt Fr. 14'195.-- (Vorinstanz Fr. 10'000.--, Kantonsgericht Fr. 
4'000.-- und eine Schreibgebühr von Fr. 195.--) zu bezahlen. Der Berufungsbe-
klagte hat die Berufungsklägerin zudem ausseramtlich für beide Instanzen mit Fr. 
23'000.-- zu entschädigen (Art. 122 Abs.2 ZPO).

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Demnach erkennt die Zivilkammer :

1. Die Berufung wird gutgeheissen und das angefochtene Urteil aufgehoben.

2. Die Klage wird abgewiesen.

3. Die Kosten des Vermittleramtes Rhäzüns von Fr. 250.--, des Bezirksgerichts 
Imboden von insgesamt Fr. 10'000.-- sowie diejenigen des Berufungsverfah-
rens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.-- und einer Schreib-
gebühr von Fr.  195.--, total somit Fr. 4'195.--, gehen zulasten des Klägers 
und Berufungsbeklagten, der zudem die Beklagte und Berufungsklägerin 
ausseramtlich für beide Instanzen mit Fr. 23'000.-- zu entschädigen hat. 

4. Mitteilung an:

__________

Für die Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar ad hoc