# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb2e426d-d129-5868-91d0-f005403a803a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 08.08.2023 VBE.2023.23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-23_2023-08-08.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2023.23 / ss / nl 
Art. 90 

 

 

Urteil vom 8. August 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiber Siegenthaler 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

vertreten durch MLaw Andreas Hübscher, Rechtsanwalt,  

Bruggerstrasse 69, 5400 Baden    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, 

Dufourstrasse 40, 9001 St. Gallen   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 30. November 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1986 geborene Beschwerdeführer ist seit dem 11. April 2011 als Bank-

mitarbeiter angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegne-

rin obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Am 7. Juli 2019 stürzte er 

mit dem Fahrrad und zog sich dabei unter anderem eine Schulterprellung 

zu. In der Folge erbrachte die Beschwerdegegnerin die gesetzlichen Leis-

tungen (Heilbehandlung), bis sie diese mit Mitteilung vom 25. März 2021 

einstellte. 

 

1.2. 

Am 13. bzw. 28. Oktober 2021 meldete der Beschwerdeführer der Be-

schwerdegegnerin ca. Mitte September 2021 aufgetretene und seither an-

haltende linksseitige Schulterschmerzen als Rückfall zum Unfall vom 7. Juli 

2019. Die Beschwerdegegnerin erbrachte in der Folge erneut Heilbehand-

lungsleistungen. 

 

1.3. 

Mit Schadenmeldung UVG vom 6. Januar 2022 teilte der Beschwerdefüh-

rer der Beschwerdegegnerin mit, am 3. Januar 2022 beim Langlaufen aber-

mals auf die linke Schulter gefallen zu sein und sich dabei verletzt zu ha-

ben. Nach entsprechenden medizinischen Abklärungen verfügte die Be-

schwerdegegnerin am 2. Juni 2022 mit der Begründung, die beiden Unfal-

lereignisse vom 7. Juli 2019 und 3. Januar 2022 seien nicht natürlich kausal 

für die noch bestehenden Schulterbeschwerden, die Einstellung der Leis-

tungen per 1. Juni 2022. Die dagegen am 4. Juli 2022 erhobene Einspra-

che wies die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid vom 30. No-

vember 2022 ab.  

 

2. 

2.1. 

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 16. Januar 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte die folgenden Rechtsbegehren: 

 

" 1. Der Einspracheentscheid vom 30. November 2022 sei aufzuheben, 
dem Beschwerdeführer seien Leistungen der obligatorischen Unfallver-
sicherung zu gewähren und die Sache sei zur Vornahme weiterer Ab-
klärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 
 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich gesetzlicher Mehr-

wertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 17. Februar 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde.  

 - 3 - 

 

 

 

2.3. 

Mit Replik vom 3. März 2023 hielt der Beschwerdeführer an seinen Rechts-

begehren fest. 

 

2.4. 

Mit Duplik vom 14. März 2023 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren 

Rechtsbegehren fest. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin begründete die per 1. Juni 2022 verfügte Leis-

tungseinstellung im Wesentlichen damit, dass gestützt auf die von ihr ein-

geholten Aktenbeurteilungen von Dr. med. B. vom 1. Juni 2022 (Vernehm-

lassungsbeilage [VB] 56) und vom 3. Februar 2023 (VB 88) davon auszu-

gehen sei, dass zwischen den vom Beschwerdeführer noch über den 

31. Mai 2022 hinaus geklagten linksseitigen Schulterbeschwerden und den 

Ereignissen vom 7. Juli 2019 und 3. Januar 2022 mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit kein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe (VB 73 

S. 10 f.; Vernehmlassung Rz. 5 ff.; Duplik). 

 

Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den 

Standpunkt, dass an der Schlüssigkeit der Beurteilungen von Dr. med. B. 

vom 1. Juni 2022 und 3. Februar 2023, insbesondere hinsichtlich der Kau-

salitätsbeurteilung, diverse Zweifel bestünden, weshalb das Dahinfallen 

des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den beiden erlittenen 

Unfällen und den noch über den 31. Mai 2022 hinaus persistierenden Be-

schwerden nicht bewiesen und eine Begutachtung indiziert sei (Be-

schwerde, Ziff. 15 ff., insb. Ziff. 20; Replik).  

 

1.2. 

Streitig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin mit Ein-

spracheentscheid vom 30. November 2022 ihre Leistungen bezüglich der 

Unfälle vom 7. Juli 2019 und 3. Januar 2022 zu Recht per 1. Juni 2022 ein-

gestellt hat. 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass 

zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürli-

cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen 

Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein 

der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen 

 - 4 - 

 

 

 

Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden 

kann (BGE 147 V 161 E. 3.2 S. 163; 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinwei-

sen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 

S. 406). 

 

2.1.2. 

Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 

Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 

worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht 

im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialver-

sicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-

keit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt 

für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Die Sozialversicherungsorgane und das Ge-

richt haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von 

allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen 

(BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). 

 

2.1.3. 

Gemäss Art. 11 UVV werden die Versicherungsleistungen auch für Rück-

fälle und Spätfolgen gewährt. Rückfälle und Spätfolgen können eine Leis-

tungspflicht des (damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwi-

schen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit 

beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher 

und adäquater Kausalzusammenhang besteht (Urteil des Bundesgerichts 

8C_382/2018 vom 6. November 2018 E. 2.2; BGE 118 V 293 E. 2c S. 296). 

 

2.2. 

Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in 

rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-

derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-

kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht 

(mehr) die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens 

darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfrem-

den Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) 

Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Sta-

tus quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schick-

salsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall 

früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinwei-

sen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammen-

hang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten 

Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwie-

genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich hierbei um eine 

anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweis-

last - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher 

 - 5 - 

 

 

 

Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, 

sondern beim Unfallversicherer (BGE 146 V 51 E. 5.1 S. 56).  

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheent-

scheid im Wesentlichen auf die durch sie in Auftrag gegebene Aktenbeur-

teilung von Dr. med. B., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-

tologie des Bewegungsapparates, vom 1. Juni 2022 (VB 56). Dieser führte 

darin sinngemäss aus, der ursprüngliche Gesundheitszustand des Be-

schwerdeführers sei spätestens drei bis vier Wochen nach der am 7. Juli 

2019 erlittenen Kontusion der linken Schulter ohne strukturell objektivier-

bare Befunde wieder erreicht gewesen. Grundlage für diese Einschätzung 

bilde das Ergebnis der MRT-Untersuchung vom 28. Oktober 2019 (VB 56 

S. 6; vgl. VB 4). 

 

Die am 9. Dezember 2019 vom Hausarzt festgestellte Supraspinatusseh-

nenläsion (vgl. VB 8 S. 2) stelle einen "rein degenerativ-engebedingten 

(Subacromialraum nach Bigliani Grad I-II mit degenerativen AC-Gelenks-

veränderungen) Befund dar". Dieser fünf Monate nach dem gemeldeten 

Ereignis erhobene klinische Nebenbefund habe mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit nicht in einem kausalen Zusammenhang zum Unfall gestan-

den und sei weder in der MRT-Untersuchung vom 17. Januar 2022 (vgl. 

VB 35) sichtbar ("Rotatorenmanschette: Intakte Supraspinatus") noch je-

mals klinisch relevant gewesen (VB 56 S. 6). 

 

Dr. med. B. führte sodann aus, dass die am 3. Januar 2022 erlittene AC-

Gelenksdistorsion Rockwood I links (vgl. VB 35), welche gemäss MRT vom 

17. Januar 2022 die Gelenkkapsel der linken Schulter betroffen habe, ohne 

Claviculahochstand und Instabilität, jedoch bei einer vorbestehenden sub-

acromialen Enge bei intakten coraco-claviculären Ligamenten spätestens 

nach acht Wochen ausgeheilt sei. Das "reine symptomatisch werden und 

bleiben krankhafter degenerativ bedingter Befunde [stelle] mit überwiegen-

der Wahrscheinlichkeit keine natürliche Kausalität zu dem Ereignis vom 

03.01.2022 dar." Das von Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chirur-

gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, im Bericht vom 11. April 

2022 erwähnte AC-Gelenksdébridement sowie die in dieser Hinsicht er-

wähnten Therapien (vgl. VB 39 S. 2) seien mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit nicht mehr natürlich kausal zu den Ereignissen vom 7. Juli 2019 

oder 3. Januar 2022, da die MRT-dokumentierte AC-Gelenksveränderung 

keinen Bezug zu diesen aufweise. Eine unfallbedingte dauerhafte Ver-

schlimmerung sei nicht ausgewiesen. Eine AC-Gelenkkapselpartialruptur 

müsse zweieinhalb Monate nach dem Ereignis als ausgeheilt beurteilt wer-

den (VB 56 S. 6). 

 

 - 6 - 

 

 

 

3.2. 

Im mit der Beschwerde eingereichten Operationsbericht vom 19. Septem-

ber 2022 hielt Dr. med. D., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau-

matologie des Bewegungsapparates, bezüglich der am 16. September 

2022 an der linken Schulter durchgeführten AC-Gelenkteilresektion unter 

anderem fest, die Untersuchung der Schulter in Narkose habe ein frei be-

wegliches Gelenk, keine Instabilität und ein stabiles AC-Gelenk ergeben. 

Im Rahmen der Schulterarthroskopie links hätten sich der Supraspinatus 

und der Infraspinatus mit korrekter Spannung im Cable gezeigt. Das AC-

Gelenk selbst habe sich initial normal dargestellt. Die kaudale Gelenkkap-

sel sei intakt gewesen. Als dieses "eröffnet" worden sei, habe sich gezeigt, 

dass der Discus articularis fehle (Beschwerdebeilage [BB] 5 S. 1).  

 

3.3. 

Auf entsprechende Anfrage des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers 

hielt Dr. med. D. in seiner am 6. Januar 2023 verfassten E-Mail fest, dass 

seines Erachtens ein klarer natürlicher Kausalzusammenhang zwischen 

dem Unfallereignis vom 3. Januar 2022 und den darauf folgenden Be-

schwerden, welche zur Operation geführt hätten, bestehe. Im MRI vom 

17. Januar 2022 finde man neu eine Auftreibung der AC-Gelenkkapsel mit 

Knochenmarködem in der lateralen Clavicula bei intakten coracoclaviculä-

ren Ligamenten (vgl. VB 35). Dieser Befund passe zur Diagnose einer nied-

riggradigen posttraumatischen AC-Gelenkinstabilität Typ Rockwood I. 

Diese Veränderungen zeigten sich neu im Vergleich zu den Aufnahmen 

vom 28. Oktober 2019 (vgl. VB 4). Damals sei das AC-Gelenk intakt gewe-

sen und habe keine frischen posttraumatischen Veränderungen wie Bone 

Bruise oder Knochenmarködem gezeigt. Insofern bestünden klare Hin-

weise darauf, dass das Unfallereignis vom 3. Januar 2022 zu den Be-

schwerden geführt habe. Hingegen hätten sich nach dem Unfallereignis 

vom 7. Juli 2019 im darauffolgenden MRI vom 28. Oktober 2019 keine kla-

ren posttraumatischen Veränderungen gezeigt (BB 6 S. 1). 

 

3.4. 

Dr. med. B. hielt nach Kenntnisnahme des Operationsberichts vom 

19. September 2022 (BB 5) und der E-Mail von Dr. med. D. vom 6. Januar 

2023 (BB 6) in seiner Beurteilung vom 3. Februar 2023 im Wesentlichen 

fest, dass "ein symptomatisch werden keine strukturellen Befunde neu ge-

neriert und erzeugt, oder verschlimmert, sondern etwas bereits sehr lange 

vorhanden gewesenes eben nur «symptomatisch» werden [lasse]." Am 

besten lasse sich dies bei Arthrosen erklären, welche seit Jahren vorlägen 

und nach einer Kontusion dauerhaft schmerzen würden. Die natürliche 

Kausalität (zu einem erlittenen Unfall) sei mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit hierbei nicht gegeben, da weder strukturell objektivierbare Befunde 

zustande gekommen seien, noch sich eine Verschlimmerung ereignet 

habe. Dies sei am AC-Gelenk des Beschwerdeführers genauso der Fall 

gewesen. Indem Dr. med. D. intraoperativ am 16. September 2022 ein 

 - 7 - 

 

 

 

äusserlich unauffälliges AC-Gelenk festgestellt habe ("Das AC-Gelenk 

selbst stellt sich initial normal dar" und "die kaudale Gelenkkapsel ist intakt", 

vgl. E. 3.2. hiervor), habe dieser selbst unmissverständlich dokumentiert, 

dass in diesem Zeitpunkt weder eine Auftreibung am Gelenk noch eine 

Kapseldehnung im Rahmen einer Tossy/Rockwood I Läsion vorhanden ge-

wesen sei. Dass die festgestellte Arthrose traumatisch ausgelöst worden 

sei, erscheine aufgrund der vorhandenen medizinischen Berichte als äus-

serst unwahrscheinlich. Es sei daher mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit festzustellen, dass jeweils drei bis vier Wochen nach dem Unfall vom 

7. Juli 2019 bzw. demjenigen vom 3. Januar 2022 ein Status quo ante vel 

sine eingetreten sein müsse. Der genannte Zeitpunkt entspreche klinisch 

und erfahrungsgemäss bei Kontusionen genau diesem Zeitrahmen. Eine 

richtunggebende Verschlimmerung durch eine Traumatisierung der zwei-

fellos bereits vor den beiden Unfällen vorhanden gewesenen Arthrose sei 

durch keinen objektiven Befund dokumentiert (VB 88 S. 5 f.). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 

465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3.  

Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-

dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-

chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

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gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss 

sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2008 vom 9. April 

2009 E. 3.3.1 und U 224/06 vom 1. November 2007 E. 3.5; je mit Hinwei-

sen). 

 

5. 

5.1. 

Gestützt auf die insoweit übereinstimmenden Beurteilungen von Dr. med. 

B. (VB. 56 S. 6 f.; VB 88 S. 5 f.) und Dr. med. D. (BB 6; vgl. auch VB 62 

S. 1) ist davon auszugehen, dass zwischen dem Unfall vom 7. Juli 2019 

(Fahrradsturz) und den nach dem 1. Juni 2022 noch andauernden Be-

schwerden, derentwegen der operative Eingriff vom 16. September 2022 

durchgeführt wurde, kein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Etwas 

Gegenteiliges macht der Beschwerdeführer denn zu Recht – zumindest ex-

plizit – auch nicht geltend. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Was die Frage, ob der am 3. Januar 2022 erlittene Sturz (zumindest teil-

weise) ursächlich für die noch über Ende Mai 2022 hinaus persistierenden 

linksseitigen Schulterbeschwerden gewesen sei, anbelangt, bejahte dies 

Dr. med. D. (einzig) mit der Begründung, die im MRT vom 17. Januar 2022 

festgestellte Auftreibung der AC-Gelenkkapsel mit Knochenmarködem in 

der lateralen Clavicula sei neu im Vergleich zu den Aufnahmen vom 28. Ok-

tober 2019 und passe zur Diagnose einer niedriggradigen posttraumati-

schen AC-Gelenkinstabilität Typ Rockwood I (E. 3.3.). 

 

Davon, dass die fraglichen, am 17. Januar 2022, mithin zwei Wochen nach 

dem Unfall vom 3. Januar 2022, bildgebend festgestellten und als mit einer 

Rockwood I-Verletzung vereinbar bezeichneten (vgl. Bericht MRI der linken 

Schulter vom 17. Januar 2022 [VB 35]) Befunde verglichen mit der Vorun-

tersuchung vom 28. Oktober 2019 neu waren, ging zwar auch Dr. med. B. 

aus. Dieser verwies indes auf den Operationsbericht vom 16. September 

2022 (BB 5), in welchem Dr. med. D. das AC-Gelenk als "initial normal" 

bzw. die Gelenkkapsel als "intakt" beschrieben hatte, und zog daraus die 

– ohne Weiteres einleuchtende – Schlussfolgerung, dass die auf eine 

Tossy/Rockwood I-Läsion hindeutenden Befunde nicht mehr vorhanden 

gewesen seien. Sodann legte er dar, dass die AC-Gelenkarthrose, mit der 

der operative Eingriff Mitte September 2022 zu erklären gewesen sei, we-

der durch den fraglichen Unfall ausgelöst noch dadurch richtunggebend 

verschlimmert worden sei (vgl. VB 88 S. 6). Diese Einschätzung vermag zu 

überzeugen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang einerseits darauf, 

dass der Beschwerdeführer bereits im Oktober 2019 leichte degenerative 

Veränderungen im AC-Gelenk links aufgewiesen hatte (vgl. Bericht MRI 

vom 28. Oktober 2019 [VB 4]) und gemäss dem Bericht von Dr. med. D. 

 - 9 - 

 

 

 

vom 3. September 2020 an Schulterbeschwerden litt, die (auch) mit einer 

funktionellen Problematik aufgrund der Ausübung einer Bürotätigkeit und 

häufigen Radfahrens bzw. – dadurch bedingt – einer Tendenz zum thora-

kalen Rundrücken mit Scapulaprotraktion zu erklären waren (VB 13). An-

dererseits ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer nach der im März 

2021 erfolgten Einstellung der Leistungen im Zusammenhang mit dem Un-

fall vom 7. Juli 2019, gegen die er nicht opponiert hatte, weiterhin wegen 

linksseitiger Schulterbeschwerden in ärztlicher Behandlung stand (vgl. 

VB 13 ff.). Entsprechend ist auch nachvollziehbar, dass Dr. med. B. einen 

natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 3. Januar 

2022 und dem operativen Eingriff am 16. September 2022 als nicht über-

wiegend wahrscheinlich erachtete. Schliesslich begründete er (entgegen 

den entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers [vgl. Replik]) 

auch einleuchtend, weshalb die linksseitige Schulterkontusion, die der Be-

schwerdeführer sich beim Sturz vom 3. Januar 2022 zugezogen habe, bzw. 

die AC-Gelenkkapselpartialruptur – entsprechend der medizinischen Erfah-

rung bei derartigen Läsionen – nach spätestens acht Wochen bzw. 2.5 Mo-

naten ausgeheilt gewesen sei (VB 56 S. 6).  

 

5.2.2. 

Den Akten sind keine weiteren medizinischen Einschätzungen zu entneh-

men, welche gegen die nachvollziehbaren und schlüssigen Einschätzun-

gen von Dr. med. B. sprechen würden. Dass weitere Abklärungen zu einem 

anderen Ergebnis führten (vgl. Beschwerde S. 4 f.), ist nicht anzunehmen, 

weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. 

BGE 148 V 356 S. 366). Die von der Beschwerdegegnerin mit Einsprache-

entscheid vom 30. November 2022 per 1. Juni 2022 vorgenommene Leis-

tungseinstellung ist folglich nicht zu beanstanden. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 
6.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 
 
  

 - 10 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 
 

3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 
 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  
 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 
 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 8. August 2023 
 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 
 

 

 

Roth Siegenthaler