# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f8ae747-90b3-5a6e-94ac-5377a40bcd47
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-04-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.04.2012 D-272/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-272-2012_2012-04-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung IV/sma 

D-272/2012 

 

 

  U r t e i l  v o m  4 .  A p r i l  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Yanick Felley;    

Gerichtsschreiber Patrick Weber. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Eritrea (zur Zeit in Äthiopien),   

vertreten durch Martina Culic, Rechtsanwältin, 

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 

Familienzusammenführung (Asyl); 

Verfügung des BFM vom 21. Dezember 2011 / N (…). 

 

 

D-272/2012 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a. Mit Eingaben vom 13. Mai 2011 und 31. Mai 2011 (Eingang Vorin-

stanz) ihres in der Schweiz als Flüchtling anerkannten Bruders respektive 

Onkels liessen die Beschwerdeführenden beim BFM ein Gesuch um Ein-

reisebewilligung zur Durchführung des Asylverfahrens stellen. Ein solches 

Gesuch ging auch für den Ehemann respektive Vater der Beschwerde-

führenden ein.  

A.b. Darin wurde geltend gemacht, der Ehmann der Beschwerdeführerin 

sei aus dem Militärdienst geflohen. Sie sei deswegen von den eritrei-

schen Behörden unter Druck gesetzt worden und nach C._______ zu ih-

rem Ehemann geflohen. Dort seien die beiden durch D._______ nach 

E._______ entführt worden. Sie seien aus deren Gewahrsam entkommen 

und durch F._______ festgenommen worden. Zusammen mit ihrem Sohn 

befänden sie sich aktuell unter prekären Bedingungen in einem (…) Ge-

fängnis in G._______. Es sei ihnen nicht zuzumuten, den Asylentscheid 

in E._______ abzuwarten. Abgesehen von ihrem Rechtsvertreter hätten 

sie keine Verwandten, weshalb sie auf den Schutz der Schweiz angewie-

sen seien.  

A.c. Den Eingaben lagen zwei Vollmachten (unterzeichnet von der Be-

schwerdeführerin respektive ihrem Gatten), Fotos und ein englischspra-

chiges Schreiben der Beschwerdeführerin bei.  

B.  

B.a. Mit Schreiben vom 25. August 2011 teilte das BFM den Beschwerde-

führenden via ihre Rechtsvertretung mit, im anhängig gemachten Asylver-

fahren werde auf eine Befragung verzichtet. Gleichzeitig forderte es sie 

unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht auf, ergänzende Angaben zum 

Asylbegehren zu machen. 

B.b. Nach gewährter Fristerstreckung machte ihr Rechtsvertreter mit Ein-

gabe vom 5. Oktober 2011 weitere Ausführungen zum Asylgesuch. Die 

Beschwerdeführenden und der Gatte beziehungsweise Vater seien (…) 

nach Äthiopien gebracht worden. Dort befänden sie sich im UNHCR-

Camp in H._______ und litten unter menschenunwürdigen Bedingungen. 

Die Beschwerdeführerin und ihr Kind hätten auch medizinische Probleme.  

B.c. Der Eingabe lagen verschieden Beweismittel in Kopie bei (Heiratsur-

kunde; UNHCR-Dokumente; eritreische Ausweise).  

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Seite 3 

C.  

Mit Schreiben vom 10. November 2011 forderte das BFM die Beschwer-

deführenden auf, ergänzende Angaben zu ihrem Aufenthalt in Äthiopien 

zu machen. Ausserdem ersuchte sie die Vorinstanz um nähere Angaben 

zu den Beweismitteln beziehungsweise deren Übersetzung. Ferner wurde 

ihnen Gelegenheit eingeräumt, eine abschliessende Stellungnahme ein-

zureichen.  

D.  

Am 10. November 2011 übermittelten die Beschwerdeführenden Kopien 

bereits eingereichter Dokumente in besserer Qualität sowie ein Schreiben 

im Original.  

E.  

E.a. In ihrer Eingabe vom 1. Dezember 2011 legten die Beschwerdefüh-

renden dar, in Äthiopien vom UNHCR registriert worden zu sein. Sie hät-

ten indes keinen Flüchtlingsausweis erhalten. Sie hätten lediglich eine 

Registration-Card. In C._______ hätten sie über Flüchtlingsausweise ver-

fügt. Ferner verwiesen sie erneut auf die prekären Bedingungen vor Ort.  

E.b. Der Eingabe lagen ein handschriftliches Schreiben des Rechtsvertre-

ters, Übersetzungen bereits eingereichter Dokumente, eine Registration 

Card (in Kopie), Flugtickets, (…) Flüchtlingsausweise, ein Foto und das 

Original der Heiratsurkunde bei.  

F.  

Am 6. Dezember 2011 übermittelten die Beschwerdeführenden dem BFM 

weitere Übersetzungen von Beweismitteln.  

G.  

G.a. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2011 verweigerte das BFM die Be-

willigung zur Einreise in die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab. Zur 

Begründung führte es aus, die Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts erfordere vorliegend nicht die Anwesenheit der Beschwerdeführen-

den (und ihres Ehemannes respektive Vaters) in der Schweiz. Es liege 

keine unmittelbare Gefährdung vor. Halte sich eine Person, die ein Asyl-

gesuch aus dem Ausland gestellt habe, in einem Drittstaat auf, bedeute 

dies nicht zwingend, dass ihr auch zuzumuten sei, sich dort um Auf-

nahme zu bemühen. Jedoch sei in einem solchen Fall im Sinne einer Re-

gelvermutung davon auszugehen, die betroffene Person habe bereits dort 

anderweitig Schutz gefunden, was in der Regel zur Ablehnung des Asyl-

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gesuchs und zur Verweigerung der Einreisebewilligung führe. Die Prüfung 

der vorliegenden Sachlage habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin 

und ihr Gatte in Eritrea ernstzunehmende Schwierigkeiten mit den hei-

matlichen Behörden gehabt hätten. Aktuell hielten sie sich im UNHCR-

Lager in H._______ auf. Es befänden sich zahlreiche eritreische Flücht-

linge und Asylsuchende in Äthiopien. Ihre Lebensbedingungen seien nicht 

einfach. Sie hätten nicht ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land, 

seien aber einem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie die nötige Versorgung 

– auch in medizinischer Hinsicht – erhielten. Im Weiteren sei es in Äthio-

pien zu Entführungen von eritreischen Staatsangehörigen gekommen. In-

des würden nicht ständig und in grossen Massen Personen entführt. Auf-

grund der Aktenlage sei auch nicht ersichtlich, weshalb ausgerechnet die 

Beschwerdeführenden (und ihr Ehemann respektive Vater) unmittelbar, 

akut und konkret von einer solchen Entführung betroffen sein sollten.  

G.b. Im Weiteren hätten die Beschwerdeführenden keine derartigen ver-

wandtschaftlichen Anknüpfungspunkte zur Schweiz, dass die erforderli-

che Schutzgewährung durch dieses Land wegen der Beziehungsnähe of-

fenkundig wäre. Insgesamt sei ihnen demnach zuzumuten, den Schutz in 

Äthiopien weiterhin in Anspruch zu nehmen (Art. 52 Abs. 2 des Asylge-

setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]).  

G.c. Auch eine Prüfung im Rahmen der Familienzusammenführung im 

Sinne von Art. 51 AsylG falle nicht zu Gunsten der Beschwerdeführenden 

aus. Die in der Schweiz lebenden Verwandten gehörten nicht zur Kern-

familie gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG. Besondere Umstände im Sinne von 

Art. 51 Abs. 2 AsylG seien nicht auszumachen. Die Anträge auf Einreise-

erlaubnis und Gewährung des Asyls seien auch in diesem Lichte besehen 

abzuweisen.  

H.  

Mit Eingabe einer substituierten Rechtvertretung vom 16. Januar 2012 

beantragten die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht 

die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Erteilung einer Einreise-

bewilligung zur Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft sowie in prozes-

sualer Hinsicht die unentgeltliche Prozessführung samt Entbindung von 

der Vorschusspflicht sowie die Entrichtung einer Parteientschädigung 

(Art. 64 Abs. 1 und Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes 

vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]). Zur Begründung legten 

sie dar, ihr Ehemann respektive Vater sei im Dezember 2011 verschwun-

den. Die Beschwerdeführerin habe keine Ahnung, was passiert sei. Sie 

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befürchte, dass er wieder als Geisel genommen oder nach Eritrea depor-

tiert worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht habe in einer vergleich-

baren Fallkonstellation einer Frau und einem Kleinkind die Einreise in die 

Schweiz aus einem äthiopischen Flüchtlingslager bewilligt. In ihrem Lager 

litten die Beschwerdeführenden unter den prekären Verhältnissen. Medi-

zinische Hilfe hätten sie nicht erhalten. Die Erlebnisse hätten der Be-

schwerdeführerin schwer zugesetzt. Sie könne sich kaum um sich und 

noch weniger um ihr Kleinkind kümmern. Ihre Eltern lebten noch in Erit-

rea. Ihre nächsten Familienangehörigen – zwei Brüder – lebten in der 

Schweiz und unterstützen sie auch finanziell. Demnach bestehe entge-

gen der vorinstanzlichen Sichtweise ein enger Bezug zur Schweiz. Die 

Vorinstanz sei im angefochtenen Entscheid ohne hinreichende Abklärun-

gen fälschlicherweise von einem zumutbaren Verbleiben in Äthiopien 

ausgegangen. Der Eingabe lagen eine Substitutionsvollmacht und eine 

Honorarnote bei.  

I.  

Mit Vernehmlassung vom 10. Februar 2012 beantragte das BFM die Ab-

weisung der Beschwerde. Dass der Ehemann respektive Vater der Be-

schwerdeführenden verschwunden sei, erscheine als stereotype und 

durch nichts belegte Behauptung.  

J.  

Nach gewährter Fristerstreckung legte die Rechtsvertretung mit Eingabe 

vom 14. März 2012 dar, es sei trotz verschiedener Bemühungen nicht ge-

lungen, eine Bestätigung für das Verschwinden des Vaters respektive 

Ehemannes zu beschaffen. Es sei der Beschwerdeführerin gleichwohl zu 

glauben, dass ihr Ehemann verschwunden sei und sie sich allein um das 

Kind kümmern müsse.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

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auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-

rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-

nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das 

Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-

miert (Art. 105 und Art. 108 Abs.  1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2. Gemäss Art. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die 

Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet 

werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein 

anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das 

Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische 

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Vertretungen ermächtigen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die 

glaubhaft machen, dass eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben 

oder für die Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 

3.3. Bei diesem Entscheid gelten restriktive Voraussetzungen für die Er-

teilung einer Einreisebewilligung, wobei den Behörden ein weiter Ermes-

sensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne 

von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die 

Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Bezie-

hungsnähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive 

Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen 

Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen 

(vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). 

4.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die asylsuchende Per-

son im Auslandverfahren in der Regel zu befragen. Davon kann nur ab-

gewichen werden, wenn eine Befragung faktisch oder aus organisatori-

schen beziehungsweise kapazitätsmässigen Gründen nicht möglich ist. 

Falls die Befragung nicht durchgeführt werden kann, muss die ein Ge-

such stellende Person - soweit möglich und notwendig - mittels eines in-

dividualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert werden, ihre 

Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen. Dabei ist sie auf die 

allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge Verletzung ihrer 

Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5). Das 

BFM hat keine Befragung durchgeführt und den damit einhergehenden 

Verfahrensumständen im Rahmen der Zwischenverfügungen vom  

25. August 2011 und 10. November 2011 hinreichend Rechnung getra-

gen. 

5.  

5.1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist zunächst festzustellen, 

dass eine flüchtlingsrechtlich relevante Gefährdung der Beschwerdefüh-

renden im Falle ihrer Rückkehr nach Eritrea durchaus gegeben sein 

könnte. Sie befinden sich aktuell indes in Äthiopien, was hinsichtlich der 

bei einem im Ausland gestellten Asylgesuch weiter zu prüfenden Frage, 

ob ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann, zu 

berücksichtigen ist (Art. 52 Abs. 2 AsylG). In Äthiopien sind sie seit (…). 

Gemäss Aktenlage sind sie vom UNHCR registriert worden. Sie machen 

aber geltend, im Lager unter sehr schwierigen Verhältnissen zu leiden. 

Der Vater respektive Ehemann sei verschwunden.  

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5.2. Die Argumente der Beschwerdeführenden vermögen jedoch nicht zu 

überzeugen. Vorab ist auf die ausführlichen Erwägungen des BFM zu ih-

rer konkreten Situation im Lager vor Ort hinzuweisen. Dass die Vorin-

stanz dabei den einzelfallspezifischen Vorbringen im Sinne einer Gehörs-

verletzung nicht gerecht geworden wäre, lässt sich den Erwägungen ent-

gegen den Beschwerdevorbringen nicht entnehmen. Vielmehr hat das 

BFM ausführlich aufgezeigt, dass es der Beschwerdeführerin objektiv 

zumutbar ist, den in diesem Land gegenüber der Verfolgungsgefahr im 

Heimatstaat bestehenden Schutz weiterhin in Anspruch zu nehmen. Die-

se Praxis, wonach im Drittstaat Äthiopien der UNHCR-Schutz von Betrof-

fenen grundsätzlich vorhanden und in Anspruch zu nehmen ist, wird im 

Übrigen auch vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt (vgl. dazu E-

145/2010 vom 11. Februar 2010 und E-2545/2011 vom 7. Juni 2011). So 

ist es der Beschwerdeführerin unbenommen, sich an die örtliche Vertre-

tung des UNHCR zu wenden, falls sie sich bei der Berücksichtigung ge-

sundheitlicher und anderer Probleme benachteiligt fühlen sollte. Dies gilt 

auch in Bezug auf die geltend gemachte Gefahr einer Entführung oder 

einer Deportation nach Eritrea. Konkrete Anhaltspunkte für eine solche 

Gefahr werden in der Beschwerde zwar insofern geltend gemacht, als der 

Ehemann respektive Vater der Beschwerdeführenden verschwunden sein 

soll. Das BFM hält in der Vernehmlassung aber zurecht dagegen, das 

Vorbringen sei lediglich behauptet und nicht belegt. Auch nach gewährter 

Fristerstreckung waren die Beschwerdeführenden nicht in der Lage, ir-

gendwelche beweistauglichen Belege für das Verschwinden beizubrin-

gen. Die Sichtweise des BFM, wonach es sich beim Verschwinden nicht 

um einen tatsächlichen Vorfall handelt, erfährt so eine zusätzliche Be-

rechtigung.  

5.3. Weiter kam das BFM zum Schluss, die Abwägung der Gesamtum-

stände und die Anknüpfung der Beschwerdeführenden zur Schweiz, wel-

che durch die Person der beiden Brüder beziehungsweise Onkel geschaf-

fen werde, führe nicht dazu, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die 

den Schutz der Beschwerdeführenden zu gewähren habe. Dieser Ein-

schätzung der Sachlage und der Feststellung, dass die durch die ver-

wandschaftliche Beziehung zum Rechtsvertreter und bestehende Verbin-

dung nicht eine enge Beziehungsnähe zu Schweiz darstelle, ist zuzustim-

men. Soweit sich die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang auf 

einen gutheissenden Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts beruft 

(D-4952 vom 29. September 2011), ist festzuhalten, dass die dort thema-

tisierte Beziehungsnähe zur Schweiz nicht mit der ihren vergleichbar ist 

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Seite 9 

und sie nach dem Gesagten überdies nicht glaubhaft machen konnte, 

nunmehr alleinerziehend zu sein.  

5.4. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz aufgrund einer entspre-

chenden Schutzbedürftigkeit erscheint somit gestützt auf Art. 52 Abs. 2 

AsylG unter Berücksichtigung aller Umstände nicht als erforderlich.  

5.5. Das BFM hat mithin zu Recht die Einreise der Beschwerdeführenden 

in die Schweiz gestützt auf Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG verweigert und ihr 

Asylgesuch gestützt auf Art. 3 AsylG abgelehnt. 

6.  

6.1. Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine besonderen 

Umstände dagegen sprechen (Art. 51 Abs. 1 AsylG). Andere nahe Ange-

hörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen können in das Familien-

asyl eingeschlossen werden, wenn besondere Gründe für die Familien-

vereinigung sprechen (Ar. 51 Abs. 2 AsylG).  

6.2. In seinem Entscheid hat das BFM die Anforderungen von Art. 51 

AsylG im Falle der in Äthiopien verbliebenen Schwester und Nichte des 

Rechtsvertreters als nicht erfüllt erkannt und die Erteilung einer Einrei-

sebewilligung auch gestützt auf diese Gesetzesbestimmung verweigert. 

Zur Begründung wird vom BFM zur Hauptsache angeführt, es werde nicht 

die Wiedervereinigung einer Kernfamilie im eigentlichen Sinne, sondern 

die Zusammenführung von nahen Verwandten beantragt. In diesem Zu-

sammenhang konnte das BFM keine besonders enge Beziehung der Be-

schwerdeführenden zum Rechtsvertreter (Bruder beziehungsweise On-

kel) im Sinne besonderer Umstände erkennen. Eine solche ist auch den 

Beschwerdeeingaben nicht zu entnehmen. Die geltend gemachte finan-

zielle und moralische Hilfe kann den Beschwerdeführenden weiterhin von 

der Schweiz aus zukommen. Bei dieser Sachlage erübrigt sich auch die 

Prüfung der Frage, ob die erforderliche Trennung durch Flucht überhaupt 

vorliegen würde.  

7.  

Eine Schutzgewährung durch die Schweiz kommt somit auch gestützt auf 

Art. 51 AsylG unter Berücksichtigung aller Umstände nicht in Betracht.  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

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Seite 10 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Ge-

such im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 19. 

Januar 2012 gutgeheissen wurde, ist von der Kostenauflage abzusehen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die 

Schweizerische Vertretung in I._______.  

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber 

 

 

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