# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46c5cc0b-2070-584c-bd46-8e63db3e8923
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-01-18
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 18.01.2005 A 2004 84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2004-84_2005-01-18.pdf

## Full Text

A 04 84

3. Kammer 

URTEIL
vom 18. Januar 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Kantonssteuer

1. … arbeitete seit Jahren als medizinische Praxisassistentin bei Dr. med. … in 

... In der Steuerperiode 2001 machte sie die in den Jahren 1999 und 2000 

angefallenen Kosten für die Ausbildung zur dipl. Akupunkteurin SBO-TCM als 

ausserordentliche Kosten und die im Jahre 2001 hierzu angefallenen Kosten 

als ordentliche Weiterbildungskosten geltend.

Die Kantonale Steuerverwaltung anerkannte in der Veranlagungsverfügung 

2001 vom 24. Februar 2003 weder den ausserordentlichen noch den 

ordentlichen Kostenabzug, mit der Begründung, dass es sich bei diesen 

Kosten nicht um Weiterbildungskosten, sondern um nicht abzugsfähige 

Ausbildungskosten handle.

In der dagegen am 20. März 2003 erhobenen Einsprache verlangte die 

Steuerpflichtige erneut, die geltend gemachten Aufwendungen für die 

Ausbildung zur dipl. Akupunkteurin SBO-TCM seien als berufliche 

Weiterbildungskosten zum Abzug zuzulassen.

Nach einem Vortritt im August 2003 und einem weiteren Schriftenwechsel 

Anfangs 2004 erliess die Kantonale Steuerverwaltung Graubünden am 4. 

August 2004 sowohl für die Kantons- als auch für die direkte Bundessteuer 

2001 je einen anfechtbaren Einspracheentscheid.

2. Gegen den Einspracheentscheid für die Kantonssteuer 2001 liess … am 7. 

September 2004 beim Verwaltungsgericht frist- und formgerecht Rekurs 

erheben mit den Anträgen, es seien die angefochtene Verfügung aufzuheben 

(Ziff. 1) und die Weiterbildungskosten in der Höhe von Fr. 6'456.-- vollständig 

vom Einkommen abzuziehen (Ziff. 2). Zur Begründung liess sie ausführen, 

dass die geltend gemachten Kosten weder im Zusammenhang mit einer 

Grundausbildung noch mit einem Berufswechsel, sondern mit einer 

Weiterbildung stünden, und daher abzugsberechtigt seien.

3. Die kantonale Steuerverwaltung beantragte die Abweisung des Rekurses. 

Angefochten sei nur der Einspracheentscheid betreffend die Kantonssteuer 

2001. In materiell-rechtlicher Hinsicht legte sie unter Hinweis auf Lehre und 

Rechtsprechung noch einmal ausführlich dar, weshalb die streitigen Kosten 

als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten qualifiziert werden müssten.

4. In einem zweiten Schriftenwechsel erhielten die Parteien Gelegenheit, die von 

ihnen eingenommenen Rechtsstandpunkte zu ergänzen und zu vertiefen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Anfechtungsobjekt bildet vorliegend einzig der Einspracheentscheid der 

kantonalen Steuerverwaltung vom 4. August 2004 betreffend die 

Kantonssteuer 2001. Nicht angefochten worden - und entsprechend auch 

nicht Gegenstand des vorliegenden Rekursverfahrens - ist demgegenüber der 

gleichentags ergangene Einspracheentscheid betreffend die Direkte 

Bundessteuer 2001; dieser ist damit unangefochten in Rechtskraft 

erwachsen. 

b) Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Rekursverfahren, ob die von der 

Steuerpflichtigen geltend gemachten Kosten von der Vorinstanz zu Recht als 

nicht abzugsfähige Ausbildungskosten qualifiziert worden sind.

2. a) Laut Art. 31 Abs. 1 lit. c des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG) 

können unselbständig Erwerbende die mit dem Beruf zusammenhängenden 

Weiterbildungskosten (im Umfang von 10% der Erwerbseinkünfte, mind. Fr. 

1‘040.--, höchstens Fr. 2‘600.--) als Berufsunkosten vom Einkommen 

abziehen (analog auch Art. 9 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung 

der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, StHG). Es kann der 

Pauschalbetrag zum Abzug gebracht werden oder die notwendigen 

tatsächlichen Aufwendungen, die die Steuerpflichtige nachweisen kann. Nicht 

abzugsfähig sind demgegenüber gemäss Art. 37 lit. b StG Ausbildungskosten 

und Standesauslagen.

b) Weiterbildungskosten sind praxisgemäss dann zum Abzug zuzulassen, wenn 

sie mit dem gegenwärtig ausgeübten Beruf in engem Sachzusammenhang 

stehen. Abziehbar sollen also nur solche Unkosten sein, die im Rahmen des 

bereits erlernten und ausgeübten Berufs anfallen, nicht abziehbar sind 

indessen Ausbildungskosten für die erstmalige Aufnahme einer 

Berufstätigkeit oder eines neuen Zusatzberufes (BGE 113 Ib 114, Erw. 2a, S. 

117). Der unmittelbare ursächliche Zusammenhang mit dem ausgeübten 

Beruf besteht dann, wenn sich die Weiterbildung auf Kenntnisse bezieht, die 

bei der Berufsausübung erforderlich sind. Dazu gehören nicht nur 

Anstrengungen, um den Stand bereits erworbener Fähigkeiten zu erhalten, 

sondern vor allem auch der Erwerb verbesserter Kenntnisse (z.B. erweiterte 

Informatikkenntnisse, vertiefende Sprachkenntnisse) für die Ausübung des 

gleichen Berufes (vgl. AGVE 1999, S. 411). 

Den Weiterbildungskosten im eingangs umschriebenen Sinne gleichgestellt 

sind Kosten für eine Umschulung, welcher sich eine Steuerpflichtige infolge 

veränderter Wirtschaftslage oder Invalidität unterziehen muss, um ihr 

Erwerbseinkommen zu erhalten (Art. 13 VVzStG); dabei werden Beiträge von 

Dritten (Arbeitgeber, ALV, IV) angerechnet. 

c) E contrario gelten Auslagen für eine Fortbildung, die zum Aufstieg in eine 

eindeutig vom bisherigen Beruf zu unterscheidende höhere Berufsstellung 

(Aufstiegskosten) oder zum Umstieg in einen andern Beruf dienen oder gar 

nur aus Gründen der Liebhaberei, Freizeitgestaltung, Unterhaltung oder der 

Allgemeinbildung dienen, nicht als Weiterbildungskosten und sind 

entsprechend nicht steuerlich absetzbar. Das Gesagte gilt auch, wenn eine 

Ausbildung neben einem bereits ausgeübten Beruf im Hinblick auf einen 

späteren Berufswechsel absolviert wird (vgl. BGE 113 Ib 117; BGE 

2A.277/2003 publiziert in STR 2004, S. 295 f. und in AJP/PJA 2005, S. 224 

ff.; VGU A 04 32). Unter Ausbildung wird daher die Erlernung eines Berufes 

oder die Umstellung bzw. die Umschulung auf einen anderen Beruf 

verstanden. Ausbildung liegt somit - abgesehen von der Vorbereitung auf 

einen Erstberuf - immer dann vor, wenn eine Berufstätige einen eigentlichen 

Berufswechsel vollzieht oder einen Zweitberuf erlernt. 

d) Weil einem Aufstieg im angestammten Beruf regelmässig auch 

Weiterbildungscharakter zukommt, ist die Abgrenzung zwischen Ausbildung 

und Weiterbildung im Einzelfall schwierig (vgl. die in der Zeitschrift für 

Internationales und Schweizerisches Steuerrecht [zsis] vom 30. Juni 2004 

anhand neuerer Entwicklungen in der Rechtsprechung vorgenommene 

Abgrenzung von Aus- und Weiterbildung). Ausschlaggebendes Kriterium für 

die Abgrenzung zwischen Berufsaufstiegs- und Ausbildungskosten ist in der 

Praxis die Frage, ob die Steuerpflichtige mit der Ausbildung eine berufliche 

Veränderung anstrebt, bei der sie immer noch zur Hauptsache die 

ursprünglich erworbenen Kenntnisse einsetzen kann, oder ob die 

Veränderung dazu führt, dass sie anschliessend hauptsächlich die neu 

erworbenen Kenntnisse benötigt. Beabsichtigt eine Steuerpflichtige, in einen 

Beruf zu wechseln, der mehrheitlich die neuerworbenen Kenntnisse und nicht 

resp. nur zu einem Teil die bisherige Ausbildung voraussetzt, so handelt es 

sich nicht um Weiterbildungs- sondern um Ausbildungskosten. Stellen die neu 

erworbenen Kenntnisse demgegenüber lediglich eine Ergänzung und 

Erweiterung der bisherigen Kenntnisse dar, ist von einer Weiterbildung 

auszugehen. Ein Indiz für die Abgrenzung kann in der Dauer der besuchten 

Fortbildung liegen. 

e) Für die Anerkennung von Weiterbildungskosten wird somit verlangt, dass eine 

besonders enge Beziehung zwischen der Art, dem Grund und dem Zweck 

dieser Auslagen zur bisherigen Berufsausübung nachgewiesen wird und die 

Natur der bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit dadurch nicht grundlegend 

verändert wird (ASA 58 [Nr. 6-7/1990] S. 308 ff; StE 1999, B 22.3, Nr. 68). 

Treffen die oben umschriebenen Voraussetzungen nicht zu, sind die 

entsprechenden Kosten steuerlich als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten 

zu qualifizieren. 

3. Im Lichte des oben Ausgeführten ergibt sich nun ohne weiteres, dass die von 

der Rekurrentin geltend gemachten Kosten steuerrechtlich als nicht 

abzugsfähige Ausbildungskosten zu qualifizieren sind. Wie sich nämlich den 

Akten entnehmen lässt, arbeitete die Rekurrentin während Jahren als 

medizinische Praxisassistentin in ... Parallel dazu begann sie 1998 eine 3-

jährige nebenberufliche Ausbildung zur diplomierten Akupunkteurin SBO-

TCM, welche sie im Jahre 2001 mit dem Diplom abschloss. Durch diese 

Ausbildung, mit welcher ihr vertiefte Kenntnisse in der traditionellen 

Chinesischen Medizin (so u.a. in der Kräuterheilkunde, der Akupunktur, im Qi 

Gong, in der Akupressur) vermittelt wurden, erwarb die Rekurrentin erstmals 

die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung des angestrebten 

Berufes. Bei dieser Ausbildung handelt es sich insgesamt betrachtet um eine 

(neue) selbständige Grundausbildung, die in keinem direkten und engen 

Zusammenhang mit der bisher ausgeübten Tätigkeit als medizinische 

Praxisassistentin steht. Angesichts der unterschiedlichen Betätigungsfelder 

ist offenkundig, dass sie die Ausbildung nicht auf sich genommen hat, um in 

ihrem angestammten Beruf auf dem Laufenden zu bleiben bzw. um den 

steigenden oder neuen Anforderungen in ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld zu 

genügen. Mit der neuen Ausbildung hat die Rekurrentin neue und wesentlich 

von der bisherigen Berufstätigkeit abweichende Kenntnisse erworben, mit 

welchen sie Behandlungen durchführen kann, zu deren Durchführung sie mit 

ihrer bisherigen Ausbildung allein gar nicht befugt gewesen wäre (vgl. Art. 39 

der Verordnung über die Ausübung von Berufen im Gesundheitswesen) und 

für welche sie vom zuständigen kantonalen Departement die erforderliche 

Bewilligung/Bestätigung zur Berufsausübung denn auch erhalten hat. Auch 

die Dauer der Ausbildung (3 Jahre) spricht ebenso gegen ihre Auffassung wie 

der Umstand, dass die Rekurrentin zwischenzeitlich eine eigene Praxis für 

traditionelle Chinesische Medizin eingerichtet hat. Im Lichte des Gesagten ist 

daher festzuhalten, dass es den geltend gemachten Auslagen über Fr. 6'456.-

- daher an der verlangten engen Beziehung zur bisherigen Berufsausübung 

fehlt, weshalb sich denn auch die vorinstanzliche Qualifikation als nicht 

abzugsfähige Ausbildungskosten als richtig erweist. Der Einspracheentscheid 

gegen die Kantonssteuer 2001 sowie die ihm zugrunde liegende 

Veranlagungsverfügung sind entsprechend zu schützen und der Rekurs ist 

abzuweisen.

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der Rekurrentin. 

Von der Zusprechung einer aussergerichtlichen Entschädigung an die 

Rekursgegnerin wird praxisgemäss abgesehen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 136.--

zusammen Fr. 1'636.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.