# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aade89a4-87d4-503d-b1a1-11c7ce1abd6a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.05.2024 D-1726/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1726-2022_2024-05-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1726/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richter William Waeber,  

Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Alexis Tzikas, 

HEKS Rechtsschutz (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 11. März 2022 / N (…). 

 

 

 

D-1726/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der damals minderjährige Beschwerdeführer suchte am 9. Januar 

2022 in der Schweiz um Asyl nach. Am 1. Februar 2022 führte das SEM 

eine Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) 

durch. Am 2. März 2022 wurde er zu den Asylgründen angehört.  

A.b Er brachte im Wesentlichen vor, er sei afghanischer Staatsbürger 

paschtunischer Ethnie und in der Ortschaft B._______ (Distrikt C._______, 

Provinz D._______) aufgewachsen. Seine ordentliche Einschulung habe 

sich aufgrund der Präsenz der Taliban als schwierig erwiesen, weswegen 

er erst im Alter von elf Jahren eingeschult worden sei. Aufgrund von Angrif-

fen der Taliban auf die Schule habe er diese noch vor den Abschlussprü-

fungen der vierten Klasse im Alter von 15 Jahren abbrechen müssen. Da-

nach habe er sich zuhause aufgehalten, bis er im Frühjahr 2021 damit be-

gonnen habe, zwecks religiösen Unterrichts zwei Mal täglich die Moschee 

aufzusuchen. Im August 2021 hätten die Taliban die Gegend um 

B._______ eingenommen und sämtliche Regierungsgebäude besetzt. Am 

Tag nach der Invasion sei sein Vater von der Feldarbeit nach Hause ge-

kommen und habe der Familie berichtet, dass der älteste Bruder des Be-

schwerdeführers, E._______, der mit ihm (dem Vater) gemeinsam auf dem 

Feld gearbeitet habe, von den Taliban mitgenommen worden sei. Die Tali-

ban hätten ihm gesagt, dass sie mit E._______ etwas zu besprechen hät-

ten und ihn anschliessend wieder nach Hause entlassen würden. Tags da-

rauf habe sich der Vater zur Distriktbehörde begeben, um sich nach dem 

Verbleib von E._______ zu erkundigen. Die dort anwesenden Taliban hät-

ten ihm den Zugang ins Gebäude verwehrt und mitgeteilt, dass sich 

E._______ – wie viele andere mitgenommene Personen auch – im Ge-

bäude befände, man ihm aber nicht sagen könne, wann er wieder auf freien 

Fuss gesetzt würde. Der Vater sei unverrichteter Dinge nach Hause zu-

rückgekehrt. Als der Beschwerdeführer am nächsten Abend vom Moschee-

besuch zurückgekehrt sei, habe ihm der Vater mitgeteilt, dass sich die Ta-

liban kurz vor seiner Heimkehr nach seinem Verbleib erkundigt hätten, um 

ihm einige Fragen zu stellen. Der Vater habe ihnen gesagt, sein Sohn sei 

in der Moschee und er würde ihn bei seiner Heimkehr informieren. Darauf-

hin hätten sie ihr erneutes Erscheinen für den nächsten Tag angekündigt 

und sich entfernt. Der Vater sei sehr besorgt gewesen und habe ihm ge-

sagt, er schrecke davor zurück, ihn den Taliban zu überlassen, zumal 

E._______ immer noch nicht nach Hause zurückgekehrt sei. Um seiner 

Sicherheit willen würde er ihn von zuhause fortschicken. So habe der 

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Beschwerdeführer B._______ noch in derselben Nacht verlassen. Er sei 

nach F._______ gebracht worden, wo er bei einem seiner beiden dort 

wohnhaften Onkel untergekommen sei. Nach seiner Ankunft habe ihn der 

Vater telefonisch informiert, dass die Taliban am Tag nach seinem Fortgang 

erneut zuhause erschienen seien und sich nach ihm erkundigt hätten. We-

gen seiner Abwesenheit hätten sie ihn wissen lassen, dass sie mit ihm ab-

rechnen würden, sollten sie erfahren, dass er ihn von zuhause fortge-

schickt habe. Nachdem seine Onkel seine Ausreise und deren Finanzie-

rung organisiert hätten, habe er F._______ nach einem dreitägigen Aufent-

halt verlassen und sei mit dem Bus nach G._______ gefahren. Von dort sei 

er mithilfe von Schleppern über H._______ und I._______ nach J._______ 

gereist. Dort sei er erkennungsdienstlich erfasst worden und nach einem 

etwa dreiwöchigen Aufenthalt – immer noch in Begleitung von Schleppern 

– über K._______ via L._______ nach M._______ weitergereist. Von dort 

sei er am 9. Januar 2022 in die Schweiz gelangt. E._______ sei bis zum 

heutigen Zeitpunkt unbekannten Aufenthalts.  

A.c Bei der EB UMA reichte der Beschwerdeführer seine Tazkira ein. 

A.d Am 9. März 2022 händigte das SEM der zugewiesenen Rechtsvertre-

tung den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. Letztere datiert vom 

10. März 2022 und ging am selben Tag beim SEM ein. 

B.  

Mit Verfügung vom 11. März 2022 (Eröffnung gleichentags) stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispo-

sitivziffer 1), lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2) und ordnete die 

Wegweisung an (Dispositivziffer 3). Gleichzeitig erachtete es den Vollzug 

der Wegweisung als nicht zumutbar, verfügte die vorläufige Aufnahme des 

Beschwerdeführers, wies diesen dem Kanton N._______ zu, der mit der 

Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt wurde (Dispositivzif-

fern 4–6), und händigte ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-

zeichnis aus. 

C.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

11. April 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen 

Entscheid. Darin beantragte er, die Ziffern 1–3 der angefochtenen Verfü-

gung seien aufzuheben und es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-

len sowie ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

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ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. April 2022 hiess der Instruktionsrichter 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig wurde 

die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingeladen.  

E.  

Mit Stellungnahme vom 9. Mai 2022 liess sich die Vorinstanz vernehmen.  

F.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 24. Mai 2022.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen 

im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verord-

nung Asyl, SR 142.318; aufgehoben per 15. Dezember 2023] sowie Art. 48 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

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Seite 5 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

4.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen 

der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer vorläufig aufgenommen hat. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügte, die Vorinstanz habe den Untersuchungs-

grundsatz und die Begründungspflicht verletzt. Diese verfahrensrechtli-

chen Rügen sind vorab zu prüfen. 

Er machte geltend, er hätte wegen seines Alters, seines Geschlechts und 

der örtlichen Zugehörigkeit zwangsrekrutiert werden sollen; in Afghanistan 

drohe zudem nur Männern eine Zwangsrekrutierung, was klar an das Un-

terscheidungsmerkmal des Geschlechts anknüpfe. Die Vorinstanz habe 

sich nicht dazu geäussert, aus welchen Gründen das Alter und das Ge-

schlecht nicht als flüchtlingsrelevante Eigenschaften gelten würden. 

Dadurch sei sie ihrer Untersuchungs- und Begründungspflicht nicht genü-

gend nachgekommen. Denn es handle sich bei diesen von den Taliban ge-

suchten Eigenschaften um diskriminierungsrechtlich relevante Eigenschaf-

ten, aufgrund welcher ein gewisser Teil der afghanischen Bevölkerung 

zwangsrekrutiert worden sei und nach wie vor werde. Auch auf die Stel-

lungnahme der Rechtsvertretung zum Entscheidentwurf und den darin ge-

zogenen Vergleich des vorliegenden Falls mit jenem im Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 sei die Vor-

instanz nicht eingegangen. Sie habe sich dazu äusserst knapp geäussert 

und lediglich ausgeführt, dass es sich beim besagten Urteil weder um ein 

Grundsatz- noch um ein Referenzurteil handle, ohne dies weiter zu kom-

mentieren. Dies laufe ebenfalls der Begründungspflicht zuwider. Mit dieser 

sehr knappen Abhandlung lasse es die Vorinstanz nämlich offen, inwieweit 

sie den Standpunkt des Beschwerdeführers vertrete, dass der vorliegende 

Fall mit jenem von E-5072/2018 vergleichbar sei und ob es sich aus ihrer 

Sicht bei den Taliban auch vorliegend um quasi-staatliche Akteure gehan-

delt habe und der Beschwerdeführer demnach einer quasistaatlichen Ver-

folgung ausgesetzt gewesen sei. Falls die Vorinstanz an den Machtverhält-

nissen in dessen Herkunftsregion zum Zeitpunkt der Zwangsrekrutierung 

zweifle, sollte er zur Sicherheitssituation in seinem Dorf ergänzend befragt 

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werden. In der angefochtenen Verfügung fehle eine eingehende Auseinan-

dersetzung mit der Sicherheitslage im Distrikt C._______. Eventualiter sei 

die Sache deshalb zur gehörigen Abklärung und rechtsgenüglichen Be-

gründung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

5.2 Die Begründungspflicht stellt sicher, dass es der von einem Entscheid 

betroffenen Person ermöglicht wird, diesen sachgerecht anfechten zu kön-

nen, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl die betroffene Person als auch 

die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild ma-

chen können. Die Begründungsdichte als solche richtet sich dabei nach 

dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den Interes-

sen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich 

geschützten Interessen des Betroffenen eine sorgfältige Begründung ver-

langt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1 m.w.H.). 

5.3  

5.3.1 Vorweg ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im erstinstanzli-

chen Verfahren keine Zwangsrekrutierung durch die Taliban vorgebracht 

hat. Insofern erübrigt es sich, auf die diesbezüglichen Ausführungen in der 

Beschwerde einzugehen. Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung hinrei-

chend dargelegt, weshalb die geltend gemachte Nachfrage der Taliban 

nach ihm, – auch in Berücksichtigung, dass sich sein Bruder E._______ 

bereits in deren Gewahrsam befinde –, insgesamt nicht asylrelevant sei 

und weshalb kein begründeter Anlass für die Annahme bestehe, dass sich 

die veränderte Lage nach der Machtübernahme der Taliban risikoschär-

fend auf seine persönliche Situation auswirken würde. Es war dem Be-

schwerdeführer möglich, sich ein Bild über die Tragweite des vorinstanzli-

chen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorliegende Be-

schwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2). Die 

Vorinstanz ist damit ihrer Begründungspflicht nachgekommen. Insofern der 

Beschwerdeführer mit der Begründung der Vorinstanz nicht einverstanden 

ist, bezieht sich die Rüge letztlich auf die Frage der rechtlichen Würdigung 

der Sache (dazu nachstehend) und nicht auf die Begründungspflicht. 

5.3.2 In ihrer Vernehmlassung stellte die Vorinstanz die Aussagen des Be-

schwerdeführers, wonach die Taliban zum Zeitpunkt der von ihm geltend 

gemachten Bedrohung durch sie vor Ort die quasi-staatliche Machtherr-

schaft innegehabt hätten, nicht in Abrede. Bereits die vorinstanzliche Ver-

fügung erging vor dem Hintergrund der Machtergreifung der Taliban im Au-

gust 2021 und die Vorbringen des Beschwerdeführers wurden vom SEM 

unter Berücksichtigung der entsprechenden Lageveränderung in Afghani-

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stan geprüft. Damit ist von einem vollständig erstellten Sachverhalt auszu-

gehen. Mithin kann auf eine ergänzende Befragung des Beschwerdefüh-

rers zur Sicherheitssituation in seinem Dorf verzichtet werden. 

5.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Grün-

den aufzuheben und zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Eventual-Rechts-

begehren ist somit abzuweisen. 

6.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung 

an, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. 

Laut seinen Aussagen seien von den Heimsuchungen und Mitnahmen 

durch die Taliban nicht nur er und sein älterer Bruder, sondern viele andere 

Personen aus seinem Dorf und den umliegenden Dörfern betroffen gewe-

sen. Anknüpfungspunkte für die geltend gemachten Heimsuchungen und 

Mitnahmen seien demnach der Ort sowie das Alter und das Geschlecht. 

Dabei handle es sich nicht um in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnte Eigenschaf-

ten, weswegen die von ihm genannten Kontrollmassnahmen der Taliban 

nicht als Verfolgung aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv zu qua-

lifizieren seien. Diesbezüglich verwies das SEM auf die Urteile des Bun-

desverwaltungsgerichts D-3474/2017 vom 25. August 2017, D-7291/2017 

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vom 22. April 2019, E-1521/2018 vom 31. Mai 2019 und D-1257/2020 vom 

16. März 2020. 

Seit der faktischen Machtübernahme durch die Taliban Mitte August 2021 

befinde sich Afghanistan in einer Übergangsphase. Es sei nicht vollständig 

absehbar, wie die Taliban mit spezifischen Personengruppen in der afgha-

nischen Bevölkerung umgehen würden. Dokumentiert seien namentlich 

Übergriffe auf bisherige Gegnerinnen und Gegner der Taliban darunter An-

gehörige der Sicherheitskräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausländi-

scher Streitkräfte und internationaler Organisationen, Journalistinnen und 

Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten. Den Aussagen des Beschwerde-

führers seien keinerlei Hinweise darauf zu entnehmen, dass er sich in sei-

ner Heimat auf eine Art und Weise verhalten hätte, welche die Taliban dazu 

veranlassen könnte, ihm eine oppositionelle Gesinnung zu unterstellen. Es 

sei nicht auszuschliessen, dass ihn die Taliban bei einer Rückkehr nach 

Afghanistan identifizieren würden. Gleichwohl sei aufgrund seines zum 

Zeitpunkt seiner Ausreise jugendlichen Alters und seines unauffälligen Pro-

fils ein allfälliges Interesse der Taliban an seiner Person als äusserst gering 

einzuschätzen. Demnach bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, 

dass sich die Lageveränderung risikoschärfend auf seine persönliche Situ-

ation auswirke und er zum Zeitpunkt des Entscheids bei einer Rückkehr 

nach Afghanistan mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen durch die 

Taliban ausgesetzt sein würde. 

Soweit die Rechtsvertretung in ihrer Stellungnahem unter Verweis auf 

E-5072/2018 geltend gemacht habe, dass die Drohungen seitens der Tali-

ban, dem Beschwerdeführer etwas Schlimmes anzutun, auf eine konkrete 

Verfolgung seiner Person und auf konkrete Rekrutierungsbemühungen 

durch die Taliban schliessen lassen würden, handle es sich beim besagten 

Urteil weder um ein Grundsatz- noch ein Referenzurteil. Der Verweis da-

rauf führe zu keiner anderen Einschätzung hinsichtlich der fehlenden 

flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Vorbringen. 

7.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmitteleingabe, die vier 

von der Vorinstanz zitierten Urteile würden eine andere Konstellation auf-

weisen und seien deshalb nicht mit seinem Fall vergleichbar. Es sei uner-

heblich, ob die zwangsweise Rekrutierung von Minderjährigen durch eine 

quasi-staatliche oder ein «private» Gruppierung erfolge. Eine Zwangsrek-

rutierung sei bei nicht-staatlichen Gruppierungen immer illegitim, und stelle 

im Falle von Minderjährigen eine Verletzung des Völkerrechts dar. 

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Diesbezüglich verwies er auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

E-1144/2018 vom 29. Juni 2020 (insb. E. 7.3.2) betreffend einen UMA aus 

Somalia, der vom somalischen Militär zwangsrekrutiert worden sei.  

Die Zwangsrekrutierung, die ihm durch die Taliban gedroht habe, sei durch-

aus asylrelevant. Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz, wonach er 

nicht wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe im 

Visier für eine Zwangsrekrutierung gestanden sei und verfolgt worden sei, 

sondern lediglich zufällig die gewünschten Eigenschaften erfüllt hätte, die 

ihn zum Kampf gegen die Taliban befähigt hätten, gründe genau darauf, 

dass jemand wegen unabänderlichen Eigenschaften in seiner Person ver-

folgt werde, das Verfolgungsmotiv der Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe. Dabei verwies er auf E-5072/2018 E. 5.7. Darin sei zu-

dem festgehalten worden, dass die drohende Zwangsrekrutierung eines 

Minderjährigen für einen Kampf- oder Kriegseinsatz, für den ihn die örtli-

chen Führer hätten rekrutieren wollen, eine ernsthafte Verfolgungsgefahr 

darstelle – zumindest im Sinne eines unerträglichen psychischen Drucks. 

Auch vorliegend sei der Beschwerdeführer Opfer einer gezielten Verfol-

gung durch die Taliban und habe sich unter ständigem psychischem Druck 

befunden. Des Weiteren könne vorliegend auch das Verfolgungsmotiv der 

politischen Anschauung – aufgrund der Verweigerung, sich den Taliban an-

zuschliessen – in Anlehnung an E-5072/2018 E. 6.2 – nicht von der Hand 

gewiesen werden. Durch das Verhalten des Beschwerdeführers sei es als 

sehr wahrscheinlich zu betrachten, dass ihm die Taliban eine politische Ge-

sinnung – entgegen ihren eigenen Wertvorstellungen – unterstellen und ihn 

auch aus diesem Grund verfolgen würden. 

Die Taliban seien bereits zum Zeitpunkt seiner Ausreise ein quasi-staatli-

cher Akteur in seiner Heimatregion gewesen. Die Vorinstanz habe bestä-

tigt, dass sie faktisch die Macht übernommen hätten. Dementsprechend 

sei der vorliegende Fall mit dem Sachverhalt von E-5072/2018 vergleich-

bar. 

Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer aufgrund der glaubhaft ge-

machten Zwangsrekrutierung durch die Taliban begründete Furcht gehabt, 

von den Taliban als quasi-staatliche Organisation für illegitime Kampfhand-

lungen rekrutiert zu werden, dies aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe. Zudem habe er eine Verfolgung durch die 

Taliban aufgrund seiner politischen Gesinnung zu befürchten gehabt, da er 

sich geweigert habe, sich ihnen anzuschliessen. Damit habe ihm ein ge-

zielter ernsthafter Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG gedroht, dem er sich 

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Seite 10 

in Afghanistan nirgends im Sinne einer Fluchtalternative hätte entziehen 

können. 

7.3 Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung die Aussagen des Be-

schwerdeführers, wonach die Taliban zum Zeitpunkt der geltend gemach-

ten Bedrohung durch sie vor Ort die quasi-staatliche Machtherrschaft inne-

gehabt hätten, nicht in Abrede. Aber gerade dieser Umstand lasse die gel-

tend gemachten Bedrohung in einem anderen Lichte als in jenem einer 

Zwangsrekrutierung erscheinen. Angesichts der Aussagen des Beschwer-

deführers, wonach Afghanistan beziehungsweise die Regierung zu jener 

Zeit gefallen sei und die Taliban sehr viele Jugendliche beziehungsweise 

viele andere Leute mitgenommen und im Distriktgebäude oder andernorts 

festgehalten hätten, seien die geschilderten Massnahmen der Taliban nicht 

als gezielt getroffene Rekrutierungsmassnahmen, sondern als im Rahmen 

des Eroberungsfeldzuges gegen die Zivilbevölkerung gerichtete Ein-

schüchterungsmassnahmen zu betrachten, die wahllos sämtliche vor Ort 

befindlichen jüngeren Männer betroffen hätten. Wo es diesen Einschüch-

terungsmassnahmen an der erforderlichen Zielgerichtetheit einer Verfol-

gungsmassnahme fehle, könne die Frage, ob es sich vorliegend um quasi-

staatliche Massnahmen oder um Massnahmen einer nicht-staatlichen 

Gruppierung handle, offengelassen werden. Ebenso erübrige es sich, das 

Moment der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe erneut zu 

thematisieren, zumal das SEM an seinen diesbezüglichen Erwägungen 

festhalte. 

7.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Replik, der Sichtweise der 

Vorinstanz könne nach wie vor vollumfänglich nicht entsprochen werden. 

Eine Zwangsrekrutierung bei nicht-staatlichen Gruppierungen sei immer il-

legitim und im Falle von Minderjährigen völkerrechtswidrig. Dazu verwies 

er erneut auf E-1144/2018 (insb. E. 7.3.2) und E-5072/2018 (insb. E. 5.7). 

Zudem sei nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen die nicht von der 

Hand zu weisende Zwangsrekrutierung von Minderjährigen durch die Tali-

ban von der Vorinstanz als reiner «Racheakt» oder «Einschüchterungs-

massnahme gegen die Zivilbevölkerung» und somit als gemeinrechtliches 

Delikt abgehandelt werde. Er hielt daran fest, dass das Vorgehen der Tali-

ban vorliegend als Verfolgung im Sinne des Art. 3 AsylG zu qualifizieren 

sei. 

8.  

Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

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Seite 11 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen 

der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-

motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter muss die geltend ge-

machte Gefährdungslage noch aktuell sein (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 

2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor künftiger 

Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu 

beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage 

Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Betrachtungs-

weise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen um 

Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits (staatli-

chen) Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für 

eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 

2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H). 

9.   

9.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im 

Ergebnis zu Recht abgelehnt hat. Es ist nicht davon auszugehen, dass er 

aus heutiger Sicht bei einer hypothetischen Rückkehr in seinem Heimat-

land eine objektiv begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG hätte.  

9.2 Dabei ist vorweg festzuhalten, dass die Taliban inzwischen die Macht 

ergriffen haben und der Beschwerdeführer volljährig geworden ist. Eine all-

fällige zukünftige Rekrutierung wäre deshalb bereits vor diesem Hinter-

grund nicht mehr als illegitim zu bezeichnen.  

9.3 Verschiedene Berichte weisen sodann darauf hin, dass die Taliban im 

Rahmen der Eroberung Afghanistans vorwiegend junge Paschtunen aus 

ländlichen Gebieten zu rekrutieren versuchten, wobei auch die Rekrutie-

rung von Minderjährigen dokumentiert ist. Diesbezüglich ist allerdings um-

stritten, ob sie dabei Gewalt anwandten oder sich auf die Rekrutierung von 

Freiwilligen fokussierten. Gemäss den zur Verfügung stehenden Informati-

onen ist seit der Machtübernahme und -konsolidierung der Taliban im Au-

gust 2021 nicht (mehr) von systematischen Zwangsrekrutierungen auszu-

gehen, wie sie davor offenbar in einigen Regionen vorkamen. Von einer 

hohen Wahrscheinlichkeit einer möglichen zukünftigen Rekrutierung des 

zwischenzeitlich volljährigen Beschwerdeführers ist daher nicht auszu-

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Seite 12 

gehen (vgl. EUAA [European Union Agency for Asylum], Country 

Guidance: Afghanistan [May 2024], https://euaa.europa.eu/sites/default/fi-

les/publications/2024-05/2024_CG_AFG_Final.pdf, S. 39 ff. und S. 81 f., 

abgerufen am 30.05.2024; Urteil des BVGer E-4756/2022 vom 1. Novem-

ber 2022 E. 5.5 m.w.H.).  

9.4 Ferner liegen keine Hinweise dafür vor, dass der Beschwerdeführer, 

indem er sich seinen Angaben zufolge den Taliban durch Ausreise entzo-

gen hat, aktuell in deren Fokus stünde und deshalb bestraft werden könnte. 

Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass er kein besonderes Risikoprofil 

aufweist. Seinen Aussagen kann nicht entnommen werden, dass er 

und/oder seine Familienangehörigen in den Augen der Taliban als religiöse 

oder politische Oppositionelle gegolten hätten. Er ist weder politisch aktiv 

gewesen noch hat er sich anderweitig aufgrund seiner Familie, persönli-

cher Merkmale oder Aktivitäten gegenüber den Taliban besonders expo-

niert. Der Beschwerdeführer vermag auch aus der geltend gemachten 

Festhaltung seines Bruders durch die Taliban nichts zu seinen Gunsten 

abzuleiten. Seinen Angaben zufolge hätten sich die Taliban vor der Macht-

ergreifung nicht im Dorf, sondern in den Bergen, ungefähr 30 bis 40 Minu-

ten vom Dorf entfernt, aufgehalten. Sie hätten das Dorf und die Schule be-

schossen und seien ab und zu in der Nacht ins Dorf gekommen. Sie hätten 

meistens die Posten der Behörden angegriffen. Mit anderen Leuten hätten 

sie sie nicht viel zu tun gehabt. Vor der Machtergreifung hätten sie nieman-

den mitgenommen. Ihm sei nicht klar, weshalb sich die Taliban für seinen 

Bruder interessiert hätten. Wie ihm sein Vater gesagt habe, hätten sie nicht 

nur E._______, sondern viele Jugendliche mitgenommen, aus seinem Dorf 

nicht viele, aber aus anderen Dörfern sehr viele (vgl. SEM-act. […]-20/9 

F17 ff.). Mit diesen Aussagen beschrieb er offenbar die generelle Situation 

in seiner Heimatregion nach der Machtübernahme durch die Taliban. Vor 

diesem Hintergrund dürften die Taliban kaum auf eine oppositionelle Hal-

tung des Beschwerdeführers ihnen gegenüber geschlossen haben.  

9.5 Den Akten sind nach dem Gesagten keine konkreten Anhaltspunkte zu 

entnehmen, die auf eine aktuelle und zielgerichtete Verfolgung des Be-

schwerdeführers (und seiner Familie) aus einem der im Gesetz genannten 

Motive schliessen lassen würde. Unter den gegebenen Umständen kann 

eine vertiefte Auseinandersetzung mit den vom Beschwerdeführer thema-

tisierten Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts E-5072/2018 und 

E-1144/2018, bei denen es sich weder um Grundsatz- noch Koordinations-

urteile handelt, verzichtet werden. 

https://euaa.europa.eu/sites/default/files/publications/2024-05/2024_CG_AFG_Final.pdf
https://euaa.europa.eu/sites/default/files/publications/2024-05/2024_CG_AFG_Final.pdf

D-1726/2022 

Seite 13 

9.6 Auch bei Berücksichtigung der aktuellen Situation in Afghanistan liegen 

keine konkreten Hinweise für die Annahme vor, dass dem Beschwerdefüh-

rer bei einer (hypothetischen) Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit gezielte Nachteile drohen, welche über die allgemeine 

– im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs be-

rücksichtigte – Gefährdungslage hinausgehen. Eine objektiv begründete 

Furcht vor künftiger Verfolgung ist somit nicht zu erkennen. 

9.7 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. Die Vorinstanz hat daher sein Asylge-

such zu Recht abgelehnt.  

10.  

10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

10.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

11.  

11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

11.2 Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 11. März 2022 die vor-

läufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, 

erübrigen sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zu-

mutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. Die vorläufige Auf-

nahme tritt mit dem vorliegenden Entscheid formell in Rechtskraft. 

12.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

 

D-1726/2022 

Seite 14 

13.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer die 

Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Da das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 

13. April 2022 gutgeheissen wurde und keine massgebliche Veränderung 

der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers ersichtlich ist, ist von 

der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1726/2022 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde.  

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

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