# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fac3a9cb-0dd3-5b4d-b6f7-11f28a654b39
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-29
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 29.03.2021 UV 2019/80
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_UV-2019-80_2021-03-29.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2019/80

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 10.09.2021

Entscheiddatum: 29.03.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 29.03.2021
Art. 6, Art. 10, Art. 16, Art. 18, Art. 19 und Art. 24 UVG. Beurteilung der 
Leistungseinstellung und der Adäquanz nach BGE 115 V 133 bei nach einer 
Ohrfeige der Lebenspartnerin beklagtem Tinnitus. Einstellung der 
vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) erfolgte zu 
Recht, da im Einstellungszeitpunkt keine organisch nachweisbaren 
Unfallfolgen mehr bestanden, bezüglich derer von der Fortsetzung der 
ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des 
Gesundheitszustands hätte erwartet werden können. Qualifikation des 
Unfalls als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen. 
Mangels adäquaten Kausalzusammenhangs besteht kein Anspruch auf eine 
Integritätsentschädigung oder übrige Versicherungsleistungen (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. März 2021, UV 
2019/80).

Entscheid vom 29. März 2021

Besetzung

Versicherungsrichter Joachim Huber (Vorsitz), Versicherungsrichterinnen Christiane 

Gallati Schneider und Miriam Lendfers; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Geschäftsnr.

UV 2019/80

Parteien

A.___,

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Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Gaby Meier, Auer Meier Zopfi AG, Postfach 18, 

8750 Glarus,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 

4358, 6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Versicherungsleistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ war als Geschäftsführer in der von ihm beherrschten B.___ GmbH angestellt 

und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als 

ihm seine Lebenspartnerin am 26. Oktober 2017 bei einem Streit mit der Hand auf das 

linke Ohr schlug. Seither leide er an einem Tinnitus (Bagatellunfall-Meldung UVG vom 

24. Januar 2018, UV-act. 1-2; siehe auch die Angaben des Versicherten im am 

21. Februar 2018 ausgefüllten Formular «Hörschädigung Unfallereignis», UV-act. 16). 

Die Suva erbrachte in der Folge Versicherungsleistungen (Übernahme 

Heilbehandlungskosten und Taggeld; siehe etwa UV-act. 3 und UV-act. 43). Gestützt 

auf die von C.___, Arbeitshygieniker/Akustiker, Suva, am 16. März 2018 erstellte 

technische Beurteilung u.a. der Gehörbelastung durch das Ereignis vom 26. Oktober 

2017 (UV-act. 19) ging Dr. med. D.___, Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie, Suva, 

Arbeitsmedizin, davon aus, dass der Versicherte ein Knallereignis erlitten habe. Sie 

empfahl, die Kosten der bisherigen Abklärungen und Heilbehandlung zu übernehmen 

(ärztliche Beurteilung vom 20. März 2018, UV-act. 24). E.___, Oberärztin Psychiatrische 

Dienste F.___, stellte im Rahmen einer ambulanten Erstkonsultation vom 23. April 2018 

A.a. 

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eine depressive Entwicklung beim Versicherten fest, die teilweise mit der 

partnerschaftlichen Problematik sowie mit der verstärkten Belastung durch den 

Tinnitus im Zusammenhang stehen könne. Sie diagnostizierte eine Anpassungsstörung 

(ICD-10: F43.2; UV-act. 32).

Dr. med. G.___, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, stellte im Bericht 

vom 12. Juni 2018 folgende Diagnosen: 1. Verdacht auf reaktive Depression bei 

subakutem Tinnitus Grad 2 nach Knalltrauma durch Schlag auf das Ohr vom 

26. Oktober 2017 mit beginnender Dekompensation durch Schlafstörungen und 

psychisch belastender privater und beruflicher Situation und chronischen 

Nackenverspannungen durch den Schlag mit Status nach Schwindelanfall vom Mai 

2018 und 2. DD: Vestibularisparoxysmie. Sie bescheinigte dem Versicherten eine 

50%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 37). Dr. med. H.___, Facharzt u.a. für Ohren-, 

Nasen- und Halskrankheiten, Suva Arbeitsmedizin, führte in der Stellungnahme vom 

3. August 2018 aus, das von Dr. G.___ durchgeführte Reintonaudiogramm widerspiegle 

abgesehen von einer leichten Schallleitungsschwerhörigkeit im Rahmen einer 

Tubenventilationsstörung ein altersentsprechend normales Gehör beidseits. Dr. G.___ 

führe in ihrem Bericht eine Erschöpfungsdepression auf, die aus ORL-ärztlicher Sicht 

nicht mit der genügend erforderlichen Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang 

mit dem Unfallereignis stehe (UV-act. 47). Daraufhin teilte die Suva dem Versicherten 

am 15. August 2018 mit, sie werde die Kosten der Tinnitusbehandlung weiterhin 

übernehmen. Die von Dr. G.___ bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit werde aber mit 

einer Erschöpfungsdepression begründet, die nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen sei. Daher würden die 

Taggeldleistungen per 31. August 2018 eingestellt (UV-act. 51). Mit der Einstellung der 

Taggeldleistungen zeigte sich der Versicherte nicht einverstanden (siehe die 

Telefonnotiz vom 17. August 2018, UV-act. 52). Dr. D.___ vertrat in der ärztlichen 

Beurteilung vom 29. August 2018 die Auffassung, beim Versicherten bestehe ein 

subjektiver Tinnitus, der gemäss durchgeführtem Tinnitus-Fragebogen mit 35 von 

84 Punkten noch kompensiert sei. Aus ORL-ärztlicher Sicht sei der Versicherte bei 

fehlendem objektivierbarem Systembefund (fehlende C5-Senke im 

Reintonaudiogramm) weiterhin arbeitsfähig (UV-act. 56). Mit Schreiben vom 1. Oktober 

A.b. 

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2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie nehme die Einstellung der 

Taggeldleistungen zurück (UV-act. 70).

Dr. G.___ berichtete am 1. Oktober 2018, der Versicherte leide an einem 

kompensierten Tinnitus auris links Grad 2 bei Schlafstörungen nach Knalltrauma durch 

Schlag auf das Ohr vom 26. Oktober 2017 mit reaktiver Erschöpfung. Wegen der 

Erschöpfung bescheinige sie ihm für 4 Wochen nochmals eine 50%ige 

Arbeitsunfähigkeit. Sie habe mit dem Versicherten besprochen, dass man auf Dauer 

eine Lösung finden müsse, damit er wieder zu seinem normalen beruflichen Alltag 

zurückkehren könne. Es sei geplant, nach 4 Wochen die Arbeitsfähigkeit auf 60 oder 

70% zu erhöhen (UV-act. 71). Am 19. Dezember 2018 bescheinigte Dr. G.___ weiterhin 

eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, da der Tinnitus insgesamt noch nicht rückläufig sei 

(UV-act. 82; vgl. auch den Bericht vom 8. Januar 2019, UV-act. 98). Eine am 

20. Dezember 2018 durchgeführte MRT-Untersuchung des Neurokraniums ergab 

keinen Nachweis einer substanziellen Pathologie (UV-act. 101).

A.c. 

Der Versicherte orientierte die Suva am 16. Januar 2019, dass eine Druckkammer-

Therapie nichts gebracht habe. In der Druckkammer sei der Tinnitus zwar 

verschwunden. Er sei aber danach wieder zurückgekommen. Der Versicherte äusserte 

die Vermutung, dass der Tinnitus im Zusammenhang mit der Höhe des Blutdrucks 

stehe. Insgesamt habe er das Leiden besser im Griff. Er könne nachts auch besser 

einschlafen. Andere Beschwerden ausser dem Tinnitus habe er nicht mehr. Mit seinem 

Einverständnis sei ihm eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden (UV-act. 93).

A.d. 

Dr. D.___ vertrat in der Stellungnahme vom 12. Februar 2019 die Auffassung, es 

könne inzwischen von einem kompensierten Tinnitus ausgegangen werden. Ein 

unfallbedingter, entschädigungspflichtiger Integritätsschaden bestehe nicht. Aus ORL-

ärztlicher Sicht ergäben sich keine weiteren Konsequenzen (UV-act. 108; siehe auch 

die Beurteilung vom 26. März 2019, UV-act. 133). Am 27. Februar 2019 verfügte die 

Suva die Einstellung der Versicherungsleistungen per 15. März 2019. Mangels 

Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere Leistungen 

der Suva in Form einer Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung (UV-

act. 111).

A.e. 

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B.  

Dagegen erhob der Versicherte am 28. Februar 2019 Einsprache (UV-act. 116).B.a. 

Dr. G.___ berichtete am 20. März 2019, Blutdruckmessungen hätten ergeben, 

dass die Höhe des Blutdrucks nicht mit der Tinnitusintensität korreliere (UV-act. 130).

B.b. 

Am 25. März 2019 erhob die Krankenkasse des Versicherten Einsprache gegen 

die Verfügung vom 27. Februar 2019 (UV-act. 131).

B.c. 

Der Versicherte brachte in der Einsprachebegründung vom 30. April 2019 vor, 

dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden sei. Die von der Suva 

vorgenommene Adäquanzprüfung sei zu früh erfolgt (UV-act. 140).

B.d. 

Am 21. Mai 2019 wurde der Versicherte durch Kreisarzt Dr. med. I.___, Facharzt 

für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Dieser diagnostizierte eine atypische 

Anpassungsstörung (ICD-10: F43) bei mehrtägigen Phasen mit starken 

Schlafstörungen, Antriebsverminderung, Konzentrationsstörungen, Bedrücktheit und 

Reizbarkeit und bei chronischem Tinnitus links nach Knalltrauma durch Ohrfeige am 

26. Oktober 2017. Insgesamt sei die Verminderung der Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit auf rund 20 bis 30% zu schätzen (Beurteilung vom 5. Juni 

2019, UV-act. 148). Kreisarzt Dr. I.___ ergänzte am 20. August 2019, aus 

versicherungspsychiatrischer Sicht sei es überwiegend wahrscheinlich, dass ein 

natürlicher teilkausaler Zusammenhang zwischen dem Ereignis vom 26. Oktober 2017 

und den persistierenden psychischen Beschwerden bestehe. Mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit sei der medizinische Endzustand aus psychiatrischer Sicht am 

15. März 2019 erreicht worden (UV-act. 152). Zu den kreisärztlichen Ausführungen 

nahm der Versicherte am 30. September 2019 Stellung. Er hielt an der Auffassung fest, 

dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden sei. Zudem sei die 

Adäquanz zu bejahen (UV-act. 159).

B.e. 

Mit Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2019 wies die Suva die Einsprachen ab 

(UV-act. 160).

B.f. 

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C.  

Der Beschwerdeführer erhob am 8. November 2019 Beschwerde gegen den 

Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2019. Er beantragte dessen Aufhebung. Es sei 

festzustellen, dass die unfallkausale Arbeitsunfähigkeit nach wie vor 30% betrage und 

die Taggelder auch ab 16. März 2019 zu zahlen sowie die weiteren gesetzlichen 

Versicherungsleistungen zu erbringen seien; alles unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung brachte er 

im Wesentlichen vor, dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden 

und die adäquate Unfallkausalität entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin zu 

bejahen sei (act. G 1). Er reichte u.a. einen Bericht von Dr. med. Dr. h. c. J.___, 

Facharzt u.a. für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, vom 27. März 2019 ein, worin beim 

Beschwerdeführer eine leichtgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits, ein 

schwergradiger Tinnitus auris links, eine Hypertonie, eine leichtgradige Depression und 

eine Angststörung gemischt diagnostiziert wurde (act. G 1.5).

C.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 

16. Dezember 2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, insgesamt 

seien die vom Beschwerdeführer geklagten Gesundheitsprobleme aus physischer Sicht 

nicht erklärbar. Aus den Akten ergebe sich denn auch, dass diese vielmehr psychisch 

bedingt seien. Die Prüfung der Adäquanz habe daher nach der «Psycho-Praxis» (BGE 

115 V 133) zu erfolgen. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem 

Unfallereignis und den geklagten Leiden des Beschwerdeführers sei zu verneinen. Da 

keine organisch ausgewiesenen Gesundheitsschäden vorlägen, sei die 

Adäquanzprüfung nicht zu früh erfolgt. Ohnehin sei der medizinische Endzustand der 

anhaltenden organisch nicht ausgewiesenen bzw. psychischen Beschwerden im 

Leistungseinstellungszeitpunkt erreicht gewesen (act. G 3).

C.b. 

Innert mehrmalig erstreckter Frist (siehe etwa die Eingabe des Beschwerdeführers 

vom 28. August 2020, mit der ein Bericht von Prof. Dr. med. K.___, Leitender Arzt an 

der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Zürich, 

vom 19. Mai 2020 eingereicht wurde, act. G 9 und act. G 9.1) reichte der 

Beschwerdeführer am 2. November 2020 eine Replik ein. Die darin enthaltenen Anträge 

lauten im Wesentlichen gleich wie diejenigen der Beschwerde. In Abweichung hierzu 

C.c. 

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Erwägungen

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist sowohl die Einstellung 

der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) als auch die 

Abweisung des Gesuchs um Leistungen für Dauerschäden (insbesondere auf eine 

Integritätsentschädigung; siehe hierzu act. G 1, Rz 15, UV-act. 160-11 und UV-

act. 111-2).

beantragte der Beschwerdeführer eine bis 31. Mai 2020 befristete Auszahlung der 

Taggelder (act. G 11; zu den eingereichten Berichten von Dr. L.___ vom 1. April 2019 

und von Prof. K.___ vom 29. September 2020 siehe act. G 11.1 f.). Am 8. Dezember 

2020 (act. G 13) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. G.___ vom 

7. Dezember 2020 ein, worin diese einen chronisch kompensierten Tinnitus links 

Grad 1 mit kompletter Rückbildung der Schlafstörungen diagnostiziert hatte. Der 

Beschwerdeführer habe auch wieder ausreichend Energie, um zu 100% arbeitsfähig zu 

sein (act. G 13.1).

Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 9. Dezember 2020 unverändert 

an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 15; zur Stellungnahme vom 

10. Dezember 2020 zum Bericht von Dr. G.___ vom 7. Dezember 2020 siehe act. G 16).

C.d. 

Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche 

Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Eine Leistungspflicht des 

Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und 

adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (vgl. dazu BGE 

129 V 181 f. E. 3.1 f.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen 

natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel 

auf Angaben medizinischer Sachverständiger angewiesen. Die Frage nach dem 

adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht 

nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (vgl. Alexandra 

Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum 

Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], 4. Aufl. 2012, S. 55 und 58).

1.1. 

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2.

Zunächst ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der von der Beschwerdegegnerin 

angeordneten Leistungseinstellung auf den 15. März 2019 noch organisch objektiv 

ausgewiesene Unfallfolgen vorlagen.

Der Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und Taggeld (Art. 16 UVG) endet 

spätestens im Zeitpunkt, in dem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine 

namhafte Besserung des unfallbedingt beeinträchtigten Gesundheitszustands der 

versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. Urteile des 

Bundesgerichts vom 8. Dezember 2017, 8C_254/2017, E. 4.3, und vom 18. September 

2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Bei nicht objektivierbaren Beschwerdebildern, deren 

adäquate Unfallkausalität sich nach der sogenannten «Psychopraxis» bestimmt (BGE 

115 V 133), stellen die nach Abschluss der Behandlung von somatischen Unfallfolgen 

noch behandlungsbedürftigen psychischen Leiden nach der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts keinen Grund für einen Aufschub der Einstellung der Heilbehandlungs- 

und Taggeldleistungen dar, da die psychischen Beeinträchtigungen für die Beurteilung 

der Adäquanz bei der Psychopraxis unberücksichtigt zu bleiben haben (Urteil des 

Bundesgerichts vom 29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen). Sollte die 

Prüfung der Kriterien nach BGE 115 V 133 im Zeitpunkt des medizinischen 

Endzustands der unfallbedingten somatischen Gesundheitsschäden jedoch zu einer 

Bejahung der Adäquanz natürlicher unfallkausaler psychischer Leiden führen, hat der 

Unfallversicherer in Nachachtung des in Art. 19 Abs. 1 UVG enthaltenen Grundsatzes 

«medizinische Eingliederung vor Rente» bis zum Erreichen des Endzustands des 

unfallbedingten psychischen Schadens Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen zu 

erbringen. Ist dieser Endzustand erreicht, so ist bezüglich der adäquaten Kausalität 

eines allfälligen psychischen Dauerschadens (Erwerbsunfähigkeit und 

Integritätsschaden) eine neuerliche Adäquanzprüfung vorzunehmen (Entscheid des 

Versicherungsgerichts vom 2. März 2020, UV 2018/10, E. 2.1 mit Hinweisen), wobei 

diesfalls die psychischen Beeinträchtigungen bei der Beurteilung der Adäquanz 

miteinzubeziehen wären.

1.2. 

Der vom Beschwerdeführer im Vordergrund beklagte Tinnitus gilt nicht als 

körperliches bzw. organisch objektiv ausgewiesenes Leiden, sofern er nicht einer 

organischen Ursache zuzuordnen ist (BGE 138 V 257 f. E. 5.10, bestätigt etwa im Urteil 

des Bundesgerichts vom 5. Februar 2020, 8C_620/2019, E. 6.2 am Schluss).

2.1. 

Wie die Beschwerdegegnerin im Einklang mit den Akten zutreffend und 

ausführlich, insbesondere auch bezüglich der von Dr. G.___ beim linken Ohr 

2.2. 

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3.

Vorliegend kann offenbleiben, ob die vom Beschwerdeführer über den 15. März 2019 

beschriebenen Senke von 25 dB bei 4000 Hz (vgl. act. G 1.7), darlegte (siehe etwa act. 

G 3, Rz 4.1), konnte der Tinnitus keiner organischen Ursache zugeordnet werden und 

die in den medizinischen Berichten festgehaltenen Beeinträchtigungen gingen allesamt 

in der (rein subjektiven) Tinnituswahrnehmung des Beschwerdeführers auf (siehe etwa 

den Bericht von Dr. J.___ vom 27. März 2019 mit ausdrücklicher Erwähnung eines 

unauffälligen HNO-Status, act. G 1.5, oder die Berichte von Prof. K.___ vom 19. Mai 

2020, act. G 9.1, und vom 29. September 2020, act. G 11.2). Darauf ist zu verweisen, 

zumal der Beschwerdeführer nichts Substanziiertes dagegen vorbringt. Er hält dieser 

Auffassung denn auch im Wesentlichen bloss entgegen, dass ärztlicherseits ein 

«Knalltrauma» bestätigt worden sei (act. G 11, Rz 7). Diese Einschätzung bezieht sich 

allerdings ausschliesslich auf das Unfallereignis selbst und beschreibt damit lediglich 

die Einwirkung des ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper des 

Beschwerdeführers im Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Sie lässt aber offensichtlich keine 

Rückschlüsse auf die dadurch konkret verursachten Schädigungen der Gesundheit zu.

Die im Zusammenhang mit dem Unfall bzw. dem Tinnitus ärztlicherseits 

festgestellte (eine deutliche Rolle spielende) psychische Überlagerung (Bericht von 

Dr. G.___ vom 20. März 2019, UV-act. 130) bzw. die vom Kreisarzt Dr. I.___ 

bescheinigte atypische Anpassungsstörung (UV-act. 148) stellt eine psychische 

Fehlentwicklung dar und ist folglich keinem organischen Substrat zuzuordnen. Der 

Verdacht auf eine Neuritis vestibularis (UV-act. 130) bestätigte sich nicht und die MRT-

Untersuchung des Neurokraniums am 20. Dezember 2018 ergab keine substanzielle 

Pathologie (UV-act. 101) bzw. keine organische Ursache für das vom 

Beschwerdeführer geklagte Leidensbild.

2.3. 

Nach den soeben dargelegten Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die 

Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt vom 15. März 2019 davon ausging, dass die vom 

Beschwerdeführer geklagten Unfallfolgen nicht mehr einem objektiv nachgewiesenen 

organischen Substrat zugeordnet werden können, welches im Sinn von Art. 19 Abs. 1 

Satz 1 UVG noch behandlungsbedürftig gewesen wäre. Nachdem Dr. H.___ bereits am 

3. August 2018 zutreffend von einem primär psychogenen Geschehen ausging (UV-

act. 47) und Dr. D.___ am 29. August 2018 schlüssig einen objektivierbaren 

Systembefund verneinte (UV-act. 56), erweist sich der Zeitpunkt der Einstellung der 

vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) vielmehr als grosszügig.

2.4. 

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hinaus beklagten nicht objektivierten Leiden in einem natürlichen 

Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 26. Oktober 2017 stehen. Denn die 

im Einstellungszeitpunkt vorzunehmende Adäquanzprüfung fällt zu seinen Ungunsten 

aus, wie sich aus nachfolgenden Überlegungen ergibt.

Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass vorliegend die 

Adäquanzformel nach BGE 115 V 133 Anwendung findet. Deren Ausgangspunkt bildet 

das objektiv erfassbare Unfallereignis. Abhängig von der Unfallschwere sind je 

nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die 

Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich 

dabei entwickelnden, auf die versicherte Person wirkenden Kräften (Urteil des 

Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_899/2013, E. 5.1). Während der adäquate 

Kausalzusammenhang bei schweren Unfällen in der Regel ohne Weiteres bejaht und 

bei banalen sowie leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der 

Adäquanz bei Unfällen im mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein 

schlüssig beantworten. Es sind weitere objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar 

mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon 

erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Bei mittelschweren Unfällen sind 

im Anwendungsbereich von BGE 115 V 133 die folgenden sieben Adäquanzkriterien zu 

beachten: Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit 

des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere 

ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; 

ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; 

ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger 

Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch (nicht 

jedoch der psychisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit. Die Adäquanzkriterien nach BGE 

115 V 133 werden nur aufgrund der organischen Unfallfolgen, unter Ausschluss 

psychischer Aspekte oder als körperlich imponierender, organisch jedoch nicht 

hinreichend erklärbarer Beschwerden geprüft. Je nachdem, wo im mittleren Bereich 

der Unfall einzuordnen ist und unabhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in 

besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten 

Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden. In 

welcher Anzahl und welcher Ausprägung die Kriterien erfüllt sein müssen, um die 

Adäquanz zu bejahen, hängt vom Schweregrad des (mittelschweren) Unfallereignisses 

ab. Im ganzen mittelschweren Bereich kann schon eines der zusätzlich zu beachtenden 

Kriterien genügen, um den Kausalzusammenhang als adäquat zu beurteilen, wenn es 

besonders ausgeprägt erfüllt ist. Wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den 

schweren Fällen im mittleren Bereich zu zählen ist oder sogar als Grenzfall zu einem 

3.1. 

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schweren Unfall zu qualifizieren ist, reicht je nach den konkreten Umständen das 

Vorliegen eines einzigen Kriteriums, um den adäquaten Kausalzusammenhang zu 

bejahen. Bei mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen 

müssen ansonsten mindestens vier der massgeblichen Kriterien und bei 

mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Kriterien erfüllt sein (siehe zum Ganzen 

den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 2. März 2020, UV 2018/10, E. 2.2 mit 

Hinweisen).

Die Beschwerdegegnerin zeigte sowohl im angefochtenen Einspracheentscheid 

vom 7. Oktober 2019 (UV-act. 160-11) als auch im Beschwerdeverfahren begründet 

auf, dass die im Rahmen eines zwischen dem Beschwerdeführer und seiner 

Lebenspartnerin heftigen Streits erhaltene Ohrfeige - wenn überhaupt - höchstens als 

mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen anerkannt werden kann 

und keine genügende Anzahl der Adäquanzkriterien vorliegen und ausserdem keines 

davon in ausgeprägter Weise erfüllt ist (act. G 3, Rz 4.2). Darauf sowie auf das Urteil 

des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts) vom 22. Februar 2001, U 265/1998, worin bei einem 

vergleichbaren Sachverhalt («heftige Ohrfeige») die Adäquanz ebenfalls verneint 

worden war (siehe insbesondere lit. A und E. 3a des Urteils), ist zu verweisen.

3.2. 

Der Beschwerdeführer bringt denn auch gegen die von der Beschwerdegegnerin 

durchgeführte gesonderte Adäquanzprüfung einzig vor, die Begleitumstände des 

Unfalles könnten nicht einfach bagatellisiert werden. So habe er den Schlag auf das 

linke Ohr doch völlig unvermittelt während eines Streits mit seiner Lebenspartnerin 

erhalten. Dies könne sehr wohl prägend sein (act. G 1, Rz 14, und act. G 11, Rz 8, S. 6 

Mitte). Entgegen der nicht näher begründeten Ansicht des Beschwerdeführers stellt der 

Umstand, dass ihn die Ohrfeige unvermittelt getroffen habe, kein im Sinn der 

gesonderten Adäquanzprüfung für sich allein prägendes Merkmal dar. Denn der 

Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG beinhaltet bereits den Aspekt des unvermittelten 

Charakters bzw. der Plötzlichkeit der schädigenden Einwirkung, sodass er keine 

doppelte Berücksichtigung im Rahmen der Adäquanzprüfung finden kann. Andernfalls 

müsste beim Bejahen eines Unfallereignisses zwangsläufig immer von einem in 

ausgeprägter Weise erfüllten Kriterium der dramatischen Begleitumstände bzw. der 

besonderen Eindrücklichkeit ausgegangen werden. Im Übrigen gab der 

Beschwerdeführer selbst an, dass partnerschaftliche Probleme bestanden und sich 

diesbezüglich «sehr viele Konflikte in letzter Zeit» ergeben hätten. «Im Rahmen so eines 

Konfliktes habe es auch Tätlichkeiten innerhalb der Partnerschaft gegeben, wo er von 

der Partnerin einen Schlag abbekommen habe» (UV-act. 32-1 Mitte; zur seit Jahren 

3.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu 

erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültigen, für das 

vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren Fassung). 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

schwierigen Situation siehe auch UV-act. 152-11 und -12). Schliesslich zeigt der 

Beschwerdeführer «Verständnis für diesen Schlag, weil er seine Lebenspartnerin mit 

einer anderen Frau betrügt (was seine Lebenspartnerin offenbar einige Monate vor dem 

Schadenereignis erfahren hatte)» (UV-act. 152-8). Unter dieser bereits vorgängig seit 

längerem konfliktreichen Beziehung kann jedenfalls nicht die Rede davon sein, dass die 

Ohrfeige der Lebenspartnerin oder der damalige Streit von besonderer Eindrücklichkeit 

gewesen wären.

Da die vom Beschwerdeführer über den 15. März 2019 hinaus geklagten Leiden 

nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 26. Oktober 

2017 stehen, hat die Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwerdeführers um 

weitere Versicherungsleistungen, insbesondere um Zusprache einer 

Integritätsentschädigung, zu Recht abgewiesen.

3.4. 

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	Entscheid Versicherungsgericht, 29.03.2021
	Art. 6, Art. 10, Art. 16, Art. 18, Art. 19 und Art. 24 UVG. Beurteilung der Leistungseinstellung und der Adäquanz nach BGE 115 V 133 bei nach einer Ohrfeige der Lebenspartnerin beklagtem Tinnitus. Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) erfolgte zu Recht, da im Einstellungszeitpunkt keine organisch nachweisbaren Unfallfolgen mehr bestanden, bezüglich derer von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands hätte erwartet werden können. Qualifikation des Unfalls als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen. Mangels adäquaten Kausalzusammenhangs besteht kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung oder übrige Versicherungsleistungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. März 2021, UV 2019/80).

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