# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b56fa7de-b4c5-5777-a261-939e2144df7c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-28
**Language:** de
**Title:** Befristete Rentenzusprache; infolge vollständiger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit kein Anspruch auf Invalidenrente mehr (BGE 9C_500/2021)
**Docket/Reference:** IV.2020.00708
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00708.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00708
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Böhme
Urteil
vom
28. Juli 2021
in Sachen
X.____
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt
Rajeevan
Linganathan
Clivia
Wullimann
& Partner, Rechtsanwälte und Notariat
Ludwig-
Schläfli
-Weg 17, Postfach 1594, 3400 Burgdorf
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Unter Hinweis auf
seit
eine
m
Unfall vom 15. Januar 2017 bestehende Kniebe
schwerden meldete die SWICA Krankenversicherung AG
, Kranken
taggeld
ver
sicherer des
1966 geborene
n
X.___
, diesen
am
11. August 2017
(Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/2-8)
.
Die IV-Stelle führte ein Standortgespräch durch (Urk. 8/12) und stellte dem Ver
sicherten mit Vorbescheid vom 16. Oktober 2017 die Abweisung des Leistungs
gesuches in Aussicht (Urk. 8/17). Im Anschluss
an den Einwand des Versicherten (
Einwand
protokoll
vom 23. Oktober 2017, Urk. 8/20
)
holte die IV-Stelle Arzt
berichte ein (Urk. 8/23
, 8/31-34
, 8/45,
8/47,
8/54
, 8/57, 8/59
, 8/72
, 8/82
, 8/87
, 8/112
)
und
zog die Akten des
Krankentaggeld
versicherers bei (Urk. 8/25
, 8/40
)
.
Nach
neuerlichem
Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 9. September 2019 [Urk. 8/71]; Einwand vom 2. Oktober 2019 [Urk. 8/76]; ergänzter Einwand vom 11. November 2019 [Urk. 8/83]) sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Ver
fügung vom 9. September 20
20
eine befristete ganze Invalidenrente für den Zeit
raum vom 1. Februar 2018 bis 31. Juli 2018 zu
und verneinte einen
darüber hin
ausgehenden
Leistungsanspruch
(Urk. 2 [= Urk. 8/91, 8/105])
.
2.
Gegen die Verfügung vom
9. September 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Eingabe vom 12. Oktober 2020
Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache einer unbefristeten ganzen Invali
denrente, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu deren
Lasten (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 18. November 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen,
die medi
zinische Überprüfung habe ergeben, dass beim Beschwerdeführer eine dauerhafte schmerzhafte Funktionseinschränkung des rechten Kniegelenks bestehe, weshalb er in der bisherigen Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit von 15. Januar 2017 bis 16. April 2018 vollständig arbeitsunfähig
gewesen
sei und
ab 1. Februar 2018
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Ab April 2018 sei eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes eingetreten, zudem sei aufgrund des
chronifizier
ten
Verlaufes keine wesentliche Veränderung mehr zu erwarten; der Beschwerde
führer sei in der bisherigen Tätigkeit noch zu 80 % eingeschränkt, in einer opti
mal angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Da der Invaliditätsgrad unter 40 % falle, bestehe ab August 2019
(richtig: 2018)
kein Rentenan
spruch mehr (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer argumentierte demgegenüber,
die IV-Stelle habe sich bloss
ungenügend mit
den Vorbringen
in der Einsprache auseinandergesetzt
und die Verfügung ungenügend begründet
, so dass er dazu unmöglich rechtsgenüglich
Stellung nehmen könne.
A
uch sei angesichts der fortdauernden Behandlung
und mögliche
r
Operation
en
eine
umfassende Abklärung
des Gesundheitszustandes mittels Einholung eines polydisziplinären Gutachtens zwingend notwendig
; da die IV-Stelle dies unterlassen habe, habe sie
den Untersuchungsgrundsatz ver
letzt, zumal von keinem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen
werden könne
und Arztberichte aufzeigten, dass Verbesserung
en
des Gesundheitszustandes je
weils bloss vorübergehend gewesen sei
en
.
Sodann
sei unerklärlich, inwiefern es ihm möglich sein sollte, mittels einer
Verweistätigkeit ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen
erzielen
zu können
.
A
ngesi
chts seiner Einschränkungen
sei schliesslich
der maximal zulässige Leidensabzug von 25 %
zu gewähren
(Urk. 1)
.
3.
3.1
Vorab zu prüfen sind die Rügen des Beschwerdeführers, wonach die IV-Stelle sowohl das rechtliche Gehör als
auch
die
Begründungspflicht
und
den Unter
su
chungsgrundsatz verletzt haben soll (vgl. E. 2.2)
.
3.2
M
it Blick auf die vorgebrachte Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung; Art. 42 ATSG)
ist
zunächst festzuhalten, dass sich die IV-Stelle in der Verfügung vom 9. September 2020 (Urk. 2) mit den vom Beschwer
deführer vorgebrachten Einwänden auseinandergesetzt hat
.
So wies
sie darauf
hin
, dass mit den im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
neu eingereichten medi
zinischen Berichten keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht und die Kniebeschwerden sowie die diesbezüglichen Einschränkungen in der versiche
rungsmedizinischen Beurteilung berücksichtigt worden seien
.
Weiter sei
ange
sichts des
chronifizierten
Verlaufes mit keiner wesentlichen Veränderung des Ge
sundheitszustandes zu rechnen,
auch sei
trotz der laufenden Behandlung eine versicherungsme
dizinische Einschätzung möglich, weshalb
weitere Abklärungen nicht angezeigt seien
. Ebenfalls legte sie dar,
aus welchen Gründen ein Entscheid
unabhängig von demjenigen des Krankentag
geld
versicherers gefällt werden könne
(S. 5). Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die IV-Stelle bloss ungenügend mit den vorgebrachten Einwänden auseinandergesetzt und demzufolge das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt haben sollte
, zumal sie
seine Vorbringen
offensichtlich gehört, geprüft und in der Entscheid
findung berücksichtigt hat (vgl. dazu BGE
136 I 229 E. 5.2;
134 I 83 E. 4.1
)
.
3.3
Im Rahmen der Begründungspflicht
(Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 42 und Art. 43 Abs. 3 ATSG)
ist
weiter
nicht erforderlich, dass sich die Behörde mit allen Partei
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus
drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent
lichen Punkte beschränken, so dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (vgl. BGE
136 I 229 E. 5.2;
134 I 83 E. 4.1). Dies
war dem Beschwerdeführer offensichtlich möglich,
weshalb eine Verletzung der Begründungspflicht vorliegend nicht
ersichtlich
ist
.
3.4
Schliesslich kann der IV-Stelle auch keine Verletzung des Untersuchungsgrund
satzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) vorgeworfen werden,
kann sie doch
auf die Ab
nahme weiterer Beweise dann verzichten, sofern sie nach den von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Über
zeugung gelangt, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich
zu betrachten und weitere Beweismassnahmen könnten an diesem Ergebnis nichts
mehr ändern (antizipierte Beweiswürdigung). Darin liegt weder eine Ver
letzung
des Untersuchungsgrundsatzes noch eine Verletzung des rechtlichen Ge
hörs (Art. 29
Abs. 2 BV; vgl. BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
Davon, dass die von ihr getätigten Abklärungen eine abschliessende Beurteilung des Leistungsan
spruchs des Beschwerdeführers erlaubten, ging die Beschwerdegegnerin – wie nachfolgend zu zeigen ist (E. 5) – zu Recht aus.
4.
4
.1
Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf die folgenden Arztberichte:
4
.
2
Der
bis April 2019 als
Hausarzt des Beschwerdeführers
tätige med. pract.
Y.___
fasste im Bericht vom 5. Oktober 2020 (Urk. 8/112 S. 1) den bisherigen Krankheitsverlauf zusammen
und
führte aus, der Beschwerdeführer habe
sich bei einem Sturz auf Schnee im Janu
ar 2017 das Knie
kontusioniert
. In der Folge sei eine schwere Gonarthrose diagnostiziert worden,
woraufhin er im März 2017 operiert worden sei
(Knie-Totalprothese)
. Seither zeige er einen sehr
zögerlichen
Behandlungsv
erlauf
, gekennzeichnet mit überdeutlicher Schonung des Gelenkes durch den Beschwerdeführer,
mit prolongierter Schwellungsneigung und
Syno
vialreaktion
, welche
knapp ein Jahr später
mittels
Radiosyno
v
i
orthese
behandelt worden sei.
Der Beschwerdeführer berichte diesbezüglich über eine Verschlechte
rung seines Zustandes.
Im Bericht vom 12. Juni 2018 (Urk. 8/40 S. 184)
hatte med. pract.
Y.___
festgehalten
, mittelfristig könne mit einer Besserung der Beschwerden gerechnet werden, ohne dass aktuell eine definitive Prognose gestellt werden könne. Eine
sitzende Tätigkeit sei uneingeschränkt möglich, das Heben, Tragen, Bücken, Trep
pensteigen sowie häufiges Gehen und Stehen seien aktuell nicht möglich und würden zu einer Verschlechterung der Beschwerden führen. Psychosozial sei der Beschwerdeführer durch den Verlust der Arbeitsstelle und d
i
e Abhängigkeit vom Sozialamt beeinträchtigt
, was seine Fähigkeit, sinnvolle Bewältigun
gsstrategien zu entwickeln, verm
indere
.
I
m Bericht vom 8. April 2019 (Urk. 8/54
S. 1-6
)
hatte med. pract.
Y.___
aus
geführt
, der Beschwerdeführer sei
sitzend
voll arbeitsfähig, mit leichter Wechsel
belastung ungefähr
während
vier bis sechs Stunden täglich, in der angestammten Tätigkeit
während
ein bis zwei Stunden täglich.
4.3
Dr. med.
Z.___
, Facharzt Orthopädische Chirurgie, hielt im Rahmen der zuhanden des Krankentaggeldversicherers erstellten Kurzbeurteilung vom 27. November 2017 (Urk. 8/40 S. 135-138) fest, der Beschwerdeführer
klage
über ständige Schmerzen beim Stehen, Sitzen und Gehen sowie über das Gefühl eines steifen Knies, er könne das Knie nicht durchstrecken und nicht voll beugen. Die Beschwerden könnten objektiviert werden, das Resultat acht Monate postoperativ sei äusserst bescheiden. Die Situation werde sich bloss noch unwesentlich ver
bessern, zurzeit sei der Beschwerdeführer in keiner Tätigkeit arbeitsfähig.
4.4
Im Bericht der Praxis für Schmerzmedizin
A.___
vom 5. März 2018 (Urk. 8/32 S. 1-8) führte
med. pract.
B.___
, Facharzt Anästhesiologie,
aus, der Schmerz am Knie sei belastungsabhängig, in der Ruhe und nachts sei er eher geringer. Eine Prognose sei schwierig zu stellen, die angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe sowie Tätigkeiten mit Laufen oder körperlichen Belastungen seien zurzeit nicht möglich.
4.5
Dr. med.
C.___
,
Facharzt Orthopädische Chirurgie, Klinik
D.___
, hielt
im
Bericht vom 13. April 2018 (Urk. 8/33 S. 4) fest, eine teil- oder sogar ganz
zeitige Arbeitstätigkeit mindestens in einer wechselbelastenden Tätigkeit sollte
dem Beschwerdeführer
grundsätzlich wieder möglich sein.
I
m Bericht vom 17. April 2018 (Urk. 8/54 S. 7 f.) hielt Dr.
C.___
, nebst der Diagnose eines Status’ nach Knie-Totalprothese am 17. März 2017 fest, ein Jahr postoperativ sei das Resultat recht ansprechend mit einer knapp genügenden Beweglichkeit, der Beschwerdeführer habe subjektiv und objektiv deutliche Fort
schritte gemacht und nehme bloss noch selten Analgetika ein. Dennoch gebe er Anlaufschmerzen an, gelegentlich auch «
giving
ways
» und Muskelkrämpfe.
4.6
Dr. med.
E.___, Spital F.___
Zürich, Dermatologische Klinik, führte im Bericht vom 13. Juni 2018 (Urk. 8/45 S. 3 f.) aus, die Abklärung nach einer
kontaktallergischen Komponente auf das Prothesenmaterial habe eine Typ IV-Sensibilisierung des Beschwerdeführers gegen Vanadium-Chlorid ergeben.
4
.
7
Dr. med.
G.___
und Dr. med
. univ.
H.___
, Fach
ärzte Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Universi
tätsklinik
I.___
, stellten im Bericht vom 19. Juli 2018 (Urk. 8/54 S. 11 f.) die
Diagnose einer schmerzhaften Knieprothese mit chronischem Erguss rechts mit/bei
einem Status nach Knie-Totalprothesen-Implantation rechts am 17. März 2017 (Spital Wetzikon) sowie eine Typ IV-Allergie gegen Vanadium-Chlorid mit/bei positivem
Epikutantest
am
Spital F.___
im Juni 201
8.
Sie führten aus, die Beschwerden hätten sich nicht verändert, der Beschwerdeführer
klage
über ein Gefühl von Steifigkeit bei langem Sitzen oder Stehen sowie über belas
tungsabhängige Schmerzen, zudem bestünden eine ausgeprägte Schwel
lungsnei
gung sowie Schmerzen insbesondere beim Treppensteigen. Aktuell neh
me er
die
Schmerzmedikamente nicht regelmässig ein, bloss
Novalgintropfen
bis maximal einmal täglich. Im SPECT-CT hätten sich keine Lockerung und eine so
weit kor
rekte
Implantatlage
gezeigt.
Eine weitere chirurgische Massnahme könne die Situation am rechten Knie aktuell nicht verbessern, die Fortführung der Phy
sio
therapie werde jedoch empfohlen.
Dr. med.
J.___
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, Universitätsklinik
I.___
, hielt im Bericht vom 20. Juni
2019 (Urk. 8/57) fest, der Patient berichte weiterhin über sehr starke Schmerzen, das Tragen der
Donjoy
-Schiene führe zu einer deutlichen Besserung, nicht jedoch zu einer Schmerzfreiheit. Ein höher gekoppeltes Prothesensystem könne zu einer Symptomlinderung führen, weshalb auch der Beschwerdeführer die Notwendig
keit eines Revisionseingriffes sehe.
Dr. med.
K.___
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
und Dr. med.
L.___
, Facharzt Radiologie, Universi
tätsklinik
I.___
, führten im Bericht vom 29. August 2019 (Urk. 8/72) aus, die Symptomatik werde vom Beschwerdeführer unverändert beschrieben, seit dem Tragen der
Donjoy
-Schiene seien
indes
keine Stolperstürze mehr erfolgt, klinisch erscheine die Instabilität nicht gravierend. Aktuell führe er keine Physiotherapie mehr durch.
Dr.
K.___
erläuterte im Bericht vom 3. Dezember 2019 (Urk. 8/87), nach der er
folgten Infiltration sei der Schmerz einige Wochen lang etwa um 50 % besser gewesen, aktuell sei er wieder weitgehend ähnlich stark vorhanden. Da das rechte Knie beschwerdeführend sei, komme eine Operation am linken Knie zurzeit nicht in Frage; im Falle einer Revision des rechten Knies würde das linke Knie jedoch infiltriert werden, damit es im Rahmen der Rehabilitation besser belastbar sei.
4.8
PD Dr. med.
M.___
, Facharzt Chirurgie, hielt im Rahmen seiner Ak
tenbeurteilung vom 1. Oktober 2018 (Urk. 8/47 S. 4-8) zuhanden des Kranken
taggeldversicherers fest, die zur Behandlung krankhafter vorbestehender Verän
derungen vorgenommene Implantation einer Knie-Totalprothese habe einen schmer
zhaften Zustand verursacht, wobei derartige Reaktionen bekannt und schwierig zu therapieren seien
.
J
edenfalls sei ein
weiteres
operatives Vorgehen nicht erfolgsversprechend, hingegen sei eine Weiterführung der Physiotherapie empfehlenswert, ind
es mit unsicherem prognostischem
Resultat. Es sei unsicher, ob mit einer namhaften Besserung des Gesundheitszustandes gerechnet werden könne, weitere Abklärungsmassnahmen
würden
nicht empfohlen. Die voll
stän
dige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei nachvollziehbar
, nicht jedoch die vollständige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit; eine vorwiegend sitzende Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer im Umfang von 30-50 % zumutbar
.
4.9
PD Dr. med.
N.___
,
Spital O.___
, Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, hielt im Bericht vom 28. März 2019 (Urk. 8/59) fest, beim Be
schwerdeführer sei eine
Radiosynoviorthese
am rechten Knie durchgeführt wor
den,
welche eine Hospitalisation von 48 Stunden zur Folge gehabt hätte. M
it einem fortschreitenden Therapieeffekt sei bis sechs Monate nach der Behandlung zu rechnen.
5
.
5
.1
Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt ist, dass der Beschwerdeführer an einer persistierenden Schwellung, an Bewegungseinschränkungen sowie an ei
nem Schmerzsyndrom am Knie rechts, Status nach Knie-Totalprothese rechts am 17. März 2017 bei posttraumatischer
Pangonarthrose
, leidet
.
Dies
hielt
auch Dr.
med.
P.___
, Facharzt Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), am 13. Mai 2019
fest
(Urk. 8/69 S. 8)
. Ebenfalls unstrittig ist, dass dem Beschwerdeführer
infolge einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
angestammt und angepasst
für den
Zeitraum vom 1. Februar 2018 bis 31. Juli 2018
eine ganze Invalidenrente
zugesprochen wurde
.
Strittig ist indes
die
Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
ab April 201
8
.
5.2
Aus den
medizinischen Akten
ist ersichtlich, dass sich die
zunächst
wenig
güns
tige
Prognose nach der erfolgten Operation bereits ab
März 2018 positiv verän
derte, zumal med. pract.
B.___
über bloss noch belastungsabhängige Schmer
zen berichtete sowie dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit sowie für Tätigkeiten mit Laufen oder körperlicher Belastung
attestierte, mithin eine Arbeitsfähigkeit in einer rein sitzenden Tätigkeit nicht ausschloss
(vgl. E. 4.4)
. Auch
Dr.
C.___
stellte im April 2018
eine
n
subjektiv
und objektiv
verbesserten Zustand
sowie
bloss noch
belastungsabhängige Schm
er
zen
fest
und
führte aus
, dass der Beschwerdeführer
nur
wenig Analgetika ein
nehme
(vgl. E. 4.5)
, was von den behandelnden Ärzten der Universitätsklinik
I.___
bestätigt wurde
(vgl. E. 4.7).
Er
bescheinigte
dem Beschwerdeführer
eine Arbeits
f
ähigkeit in einer
mindestens
wechselbelastenden Tätigkeit
(vgl. E. 4.5). Mithin
schloss
auch er
eine Arbeitsfähigkeit in rein sitzender Tätigkeit nicht
aus
,
worin RAD-Arzt Dr.
P.___
, angesichts der bloss noch belastungsabhängigen Schmerzen und der fehlenden respektive geringen Einnahme von Analgetika
zu Recht eine Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
ab April 2018
er
kannte (Urk. 8/69 S. 9)
.
Bestätigt wird diese Einschätzung einerseits durch
den damaligen Hausarzt des Beschwerdeführers, med. pract.
Y.___
, welcher dem Beschwerdeführer im Juni 2018 eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer sit
zenden Tätigkeit attestierte und dies im April 2019 ausdrücklich be
stätigte
(vgl. E. 4.2
; vgl. auch Urk. 8/
54 S. 5 sowie Urk. 8/
82 S. 7 und S. 34
).
Hieran vermag nichts zu ändern, dass Dr.
M.___
im Oktober 2018 eine Arbeitsfähigkeit von bloss 30 bis 50 % attestierte (E. 4.8), bezog sich das ent
sprechende Leistungsprofil doch nicht auf ausschliesslich sitzende Tätigkeiten, was aber angesichts der gesundheitlichen Problematik des Beschwerdeführers nach Knietotalprothese von Belang ist. Sodann ist aktenkundig, dass sich die Situation durch das Tragen der
Donjoy
-Schiene insoweit verbessern liess, als sich keine Stolperstürze mehr zutrugen, die Ärzte die Instabilität als nicht gravierend werteten und der Beschwerdeführer auf eine Behandlung mittels Physiotherapie verzichtete (E. 4.7).
Aus
den medizinischen Berichten
geht
ebenfalls
hervor, dass die Beschwerden am rechten Knie weitgehend chronifiziert sind
;
mithin
führte Dr.
M.___
aus, es sei fraglich, ob mit einer namhaften Besserung des Zustandes zu rechnen sei, und auch die Ärzte der
Klinik
I.___
berichteten
mehrfach
über
einen im wesentlichen unveränderten Z
ustand. RAD-Arzt Dr.
P.___
ging im Mai 2019
gestützt auf die Akten
davon aus, dass angesichts des chronischen Verlaufes keine wesent
lichen Veränderungen zu erwarten seien
,
und
attestierte dem Beschwerde
führer in seiner angestammten Tätigkeit als Küchenhilfe eine Arbeitsfähigkeit von 20 %, in einer wechselbelastenden Tätigkeit
aufgrund eines erhöhten Pausenbe
darfes
eine solche von 60 % sowie in einer rein sitzenden Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 100 % (Urk. 8/69 S. 9)
, was in Anbetracht der vorstehenden Aus
führungen
nicht zu
beanstanden ist
.
Dementsprechend schloss RAD-Arzt Dr.
P.___
im Be
lastungsprofil Tätigkeiten mit Geh- und Stehbelastung, Gehen in unebenem Ge
lände, mit Ersteigen von Leitern und Gerüsten, Tragen von schweren Lasten oder häufigem
Treppensteigen als ungeeignet aus, ebenso wie Tätigkeiten mit Zwangs
haltungen des rechten Kniegelenkes sowie motorisch-koordinativen An
for
de
rungen wie beispielsweise dem Bedienen von Pedalen
. Als weitere medizini
sche Massnahme führte er eine Schmerztherapie auf
(Urk. 8/69 S. 8 f.).
An dieser Ein
schätzung hielt er auch am 11. Dezember 2019, nach Eingang der Berichte der
Klinik I.___
von
Juni,
August und Dezember 2019, fest und führte aus, die Kniebeschwerden sowie die diesbezüglichen Einschränkungen seien im Rahmen seiner letzten Stellungnahme berücksichtig
t
worden
, auch sei klar, dass die entsprechende Behandlung weiterlaufe, was jedoch nichts an der versiche
rungsmedizinischen Beurteilung ändere (Urk. 8/89 S. 2).
Auch diese Einschätzung erscheint
einleuchtend
, führte doch Dr.
K.___
im Dezember 2019 aus, das rechte Knie sei beschwerdeführend, aber unverändert, auch wenn Infiltrationen zu einer kurzzeitigen Besserung geführt hätten, womit er den
chronifizierten
Zustand des Beschwerdeführers bestätigte.
Soweit er
zusätzlich
eine
Valgusgonarthrose
am linken Knie diagnostizierte (vgl. Urk.
8/87
)
ist festzuhalten, dass diese Diagnose von RAD-Arzt Dr.
P.___
insoweit berücksichtigt wurde,
als das Vorhandensein einer
Valgusgonarthrose
einer rein sitzenden Tätigkeit nicht entgegensteht
; im Übrigen waren
Beschwerden im linken Knie bereits im Jahr 2017 bekannt (vgl. Urk. 8/82 S. 62, Urk. 8/112 S. 18)
und Dr.
K.___
hielt diesbezüglich ausdrück
lich fest, dass das rechte Knie beschwerdeführend sei und aktuell auf der linken Seite keine operative Therapie in Frage komme (Urk. 8/87 S. 2).
5.3
An der Einschätzung von RAD-Arzt Dr.
P.___
vermögen auch die vom Beschwer
deführer mit Beschwerdeerhebung zu den Akten gelegten medizinischen Berichte nich
ts zu ändern.
Dem Bericht von Dr. med.
Q.___
,
Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und
Dr. med.
R.___
,
Klinik I.___
, vom
6. August 2020 (Urk. 3/3)
sind diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse zu entnehmen, zumal bereits in früheren Berichten von der Möglichkeit einer
operativen
Revision gesprochen worden war (vgl. Urk. 8/
57, 8/
72, 8/87
)
.
D
iesbezüglich
wurden
indes bislang keine weiteren Schritte unter
nommen,
auch sind
die persistierenden Schmerzen bekannt
und
wurden
im Rah
men der Arbeitsfähigkeitseinschätzung durch RAD-Arzt Dr.
P.___
berücksichtigt
.
Schliesslich wurde
im Bericht
ausdrücklich festgehalten, der Beschwerdeführer habe sich mit der
Donjoy
-Schiene konsequent mobilisiert und fühle sich damit wohler.
Dass eine Operation
geplant ist
, welche im Übrigen eher eine Verbesse
rung des Gesundheitszustandes erwarten liesse, ergibt sich aus diesem Bericht
jedenfalls
nicht
, was umso mehr gilt, als
bloss
vermerkt wurde, der Beschwerde
führer werde sich diesbezüglich Gedanken machen.
Die
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. med.
S.___
, Facharzt Innere
Medizin, (Urk. 3/5) sind
mangels Befunde
n
und Diagnosen
von vornherein nicht geeignet, die Einschätzung von RAD-Arzt Dr.
P.___
in Zweifel zu ziehen.
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich Schulterbeschwerden beklagt, finden sich in den Akten keinerlei Hinweise darauf, dass diese seine Arbeitsfähigkeit in relevanter Weise einschränken würden. So
erwähnte er Schulterbeschwerden weder gegenüber seinen behandelnden Ärzten noch gegenüber seinem damaligen Hausarzt, auch fanden diesbezüglich keinerlei Behandlungen statt.
Eine dadurch eingeschränkte Arbeitsfähigkeit ergibt sich auch nicht aus dem MRI-Bericht vom 1. September 2020 (Urk. 3/4).
Im Übrigen steht eine verminderte Schulterbeweg
lichkeit einer leichten Tätigkeit nicht entgegen.
5.4
Nach dem Gesagten
ist mit der IV-Stelle von einer seit April 201
8
bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer rein sitzenden
– mithin optimal angepassten –
Tätigkeit auszugehen.
Da die vorhandenen medizinischen Akten eine schlüssige Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
erlauben, sind von
medizinischen
Weite
rungen
keine
entscheidrelevanten
neuen
Erkenntnisse
zu erwarten.
Die
vom Be
schwerdeführer
beantragte
polydisziplinäre Begutachtung
(Urk. 1 S. 2)
ist
deshalb nicht erforderlich (antizipierte Bewe
iswürdigung, vgl. BGE 136 I 229 E.
5.3 mit Hinweisen
).
6
.
6
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die vollständige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
ab April 2018
in einer rein sitzenden Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6
.2
Bei erwerbs
tätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
6
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1).
Dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) vom
16. Oktober 2017
(Urk.
8/16
) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2016 einen effektiven Jahreslohn von Fr.
48’850
.-- erzielte.
Die IV-Stelle stützte sich zur Er
mittlung des Valideneinkommens auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundes
amt für Statistik
(BFS)
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
mit der Begründung, es handle sich beim zuletzt erzielten Einkommen nicht um ein stabiles Einkommen
(Urk. 8/68 S. 1)
. Dies ist nicht zu beanstanden,
zumal sich ein Abstellen auf die LSE-Tabellenlöhne vorliegend zu Gunsten des Be
schwerdeführers auswirkt,
auch wenn
seinen Angaben
zufolge die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses denkbar
war
(Urk. 8/12, 8/40 S. 21).
Folglich sind mit der IV-Stelle die LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen
.
D
a
grundsätzlich die im Ver
fügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wenden sind
(BGE 143 V 295 E. 2.2 f.), ist vorliegend
auf
die Tabelle LSE 2018,
TA1, Ziffer 55-56, Gastge
werbe/Beherbergung und Gastronomie,
Kompetenzniveau 1
,
Männer,
abzustellen. Dies
führt unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit im Jahr 2018 zu einem Valideneinkommen von Fr.
52'419.--
(Fr. 4
’
121.
-- :
40 x
42.4
x 12; vgl.
Tabelle
T
03.02
_2014-2019
, I, Ziffer 55-56
).
6
.4
Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder je
denfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, kön
nen zur Ermittlung des Invalideneinkommens die
LSE-
Tabellenlöhne herange
zogen werden.
Da der Beschwerdeführer seit seinem Unfall im Jahr 2017 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, sind
mit der IV-Stelle zur Ermittlung des Invalideneinkommens die LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen.
Auch hierbei
ist vorliegend
auf die
im Ver
fügungszeitpunkt aktuellste veröffentliche
Tabelle LSE 2018 abzustellen. Mit Blick
auf das Belas
tungsprofil ist dabei auf die Tabelle LSE 2018, TA1, Kompetenz
niveau 1, Männer, Total, abzustellen.
Der Lohn für Hilfsarbeiten betrug unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit im Jahr 2018 Fr.
67'767.--
(Fr. 5'417.--
: 40 x
41.7
x 12
; vgl.
Tabelle T03.02_2014-2019
, Total
)
.
Davon brachte die IV-Stelle aufgrund der dauerhaften schmerzhaften Funktionsein
schränkung leidensbedingt 10 % in Abzug (Fr. 67'767.-- x 90 %; vgl. Urk. 8/68 S. 2), wodurch ein Invalidenein
kommen von Fr. 60'990.-- resultiert.
Soweit der Beschwerdeführer
in diesem Zusammenhang
vorbringt, er könne
in einer Verweistätigkeit kein rentenausschliessendes Erwerbsteinkommen erzielen (vgl. E. 2.2)
,
und somit eine Unverwertbarkeit seiner Arbeitsfä
higkeit geltend macht, gilt es zu beachten
,
dass das invalidenversicherungsrechtlich festgelegte Invalideneinkommen auf der Grundlage eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes ermittelt wird (vgl. Art. 16 ATSG). Dieser ausgeglichene Arbeitsmarkt ist dabei ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote umfasst und von den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete Arbeitsstelle zu finden, ab
sieht (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1).
Wohl trifft es zu, dass nicht von realitäts
fremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden darf. Indessen umfasst der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen
angebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des Bundesgerichts 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 mit Hinweisen).
Eine Unverwertbarkeit der Rest
arbeitsfähigkeit bejahte das Bundesgericht beispielsweise bei einer faktisch tau
ben Versicherten, die an mehreren Geburtsgebrechen und an einer Depression litt (Urteil des Bundesgerichts 8C_652/2014 vom 9. Januar 2015 E. 3.2.3) oder bei einer Restarbeitsfähigkeit von 20 %, mit einer Leistungsminderung von 40 % (Urteil des Bundesgerichts 9C_446/2012 vom 16. November
2012 E. 3). Derartige Einschränkungen liegen beim Beschwerdeführer jedoch nicht vor
, auch war er im April 2018 erst 52 Jahre alt
. Im Lichte dieser relativ hohen Hürden, welche das Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit stellt, ist daher vorliegend von der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen.
6
.
5
Ein basierend auf der Grundlage von statisti
schen Durchschnittswerten ermit
teltes Invalideneinkommen ist allenfalls zu kür
zen, da persönliche oder berufliche Merkmale wie Lebensalter, Nationalität oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b
/
aa
). Indes soll der Abzug nicht automatisch erfolgen; er ist vielmehr unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 332 E. 5.2).
Zunächst führt die gesundheitlich bedingte Un
möglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer V
erminderung
des hypothetischen Invalidenlohns. Vielmehr ist der Um
stand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2).
Darüber hinaus ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen, ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015
E. 4.3.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2).
I
nsbeson
dere
im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichen
en Arbeits
markt (Art. 16 ATSG)
rechtfertigt sich in der Regel kein Abzug
,
da
sich ein fort
geschrittenes Alter nicht zwin
gend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsar
bei
ten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt
ausserdem
altersun
ab
hängig nachgefragt (Urteile des Bundes
gerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1; 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3).
Schliesslich sind auch mangelnde Sprachkenntnisse oder eine ungenügende Aus
bildung nicht abzugsrelevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kompetenz
niveaus Rechnung zu tragen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Die IV-Stelle stellte zur Berechnung des Invalideneinkommens auf das Kom
pe
tenzniveau 1
ab
und
nahm
auf
grund der dauerhaften schmerzhaften Funk
tions
einschränkung
einen zusätz
lichen leidensbedingten Abzug von 10 % vor
.
Dieses Vorgehen gibt zu keinen Beanstandungen Anlass. Da das Kompetenz
niveau 1 einen breiten Fächer an möglichen
Veweistätigkeiten
umfasst, ist auch einer all
fällig verminderten Schulterbeweglichkeit (E.
5.3) hinreichend Rechnung getra
gen und resultierte selbst bei Gewährung des grösstmöglichen Abzuges von 25 % kein
Anspruch auf eine Invalidenrente (vgl. E. 6.6).
6
.6
Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen (Valideneinkommen
Fr. 52'419.--
, Invalideneinkommen
Fr. 60'990.--
) resultiert
k
eine Erwerbsein
bu
sse, weshalb der I
nvaliditätsgrad
des Beschwerdeführers bei rentenaus
schliessenden
0
%
liegt
(vgl. E. 1.2
[bzw. bei 25 % Leidensabzug Invalideneinkommen: Fr.
45'742.--; IV-Grad gerundet: 13 %]
).
7.
7
.1
Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers entstand gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungs
anspruchs (Anmeldung vom
11
.
August
2017
,
Urk.
8
/
2
) sowie nach Ablauf des sogenannten Wartejahr
e
s (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG; aktenkundige Arbeitsun
fähigkeit seit
15
.
Januar
2017, vgl. Urk.
8
/
5 S. 1
),
aufgrund der verspäteten An
meldung folglich
frühestens am 1
1
.
Februar
201
8.
Angesichts des Umstandes, dass dem Beschwerdeführer bis
April
2018 auch
keine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert wurde, hat er seit
1.
Februar
2018
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (vgl. E. 1 des Sachverhalts).
7
.2
Bei rückwirkender
Zusprache
einer befristeten Invalidenrente sind die für die Rentenrevision geltenden
Art. 17
Abs. 1 ATSG
und
Art. 88a Abs. 1
der Ver
ord
nung über die Invalidenversicherung (
IVV
) über die Änderung des Leistungs
anspruchs bei einer Verbesserung oder Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit
ana
log anzuwenden
, da noch vor Erlass der ersten Rentenverfügung eine an
spruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist
(Urteile des Bundesgerichts
9C_687/2018 vom 16. Mai 2019 E. 2; 8C_94/2013 vom
8. Juli 2013 E.
4.1).
Ge
mäss
Art. 88a Abs. 1 Satz 1 IVV ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berück
sichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne we
sentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Satz 2).
Das Bundesgericht wendet in der
Regel den zweiten Satz von Art. 88a Abs. 1 IVV an und gewährt die bisherige Rente drei Monate über die Veränderung des Ge
sundheitszustandes hinaus (Urteile des Bundesgerichts 9C_
687
/2018 vom
16
.
Mai
2019 E.
2
; 8C_220/2018 vom 14. November 2018 E. 5.3; 9C_112/2018 vom 20. September 2018 E. 4.2; 8C_94/2013 vom 8. Juli 2013 E. 4.1
f.
; 9C_491/2008 vo
m 21. April 2009 E. 2
).
In Anwendung von Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV besteht folglich ab 1.
August
201
8
(
bei einer
ausgewiesenen
Veränderung des Gesundheitszustandes im April 2018)
kein Anspruch auf eine Invalidenrente mehr
.
7
.3
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung vom
9. September
2020
als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8
.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.
-
- festzusetzen
(
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
)
und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Rajeevan
Linganathan
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelBöhme