# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a1977a0-b90d-564b-ad55-5b85e68d5b75
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-05-24
**Language:** de
**Title:** Fahrradsturz; die über die Claviculafraktur hinausgehenden Schulterbeschwerden sind nicht auf den Unfall zurückzuführen. Bei einer unfallkausalen Rotatorenmanschettenruptur wäre eine sofortige Funktionseinbusse zu erwarten gewesen, der Beschwerdeführer fuhr jedoch noch 125 km weiter. Kausalität nicht gegeben; Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2022.00170
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00170.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00170
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger
Urteil
vom
24. Mai 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mario
Thöny
Caviezel
Thöny
Cantieni
Scarpatetti
, Rechtsanwälte
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur
gegen
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Avenue de Cour 41, 1007 Lausanne
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Place de Milan, Case postale 120, 1001 Lausanne
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1970,
war als Inhaber der
Y.___
GmbH bei der VAUDOISE ALLGEMEINE Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Vau
doise) versichert, als er am 14. Juni 2021 von seinem Velo
auf die rechte Schulter
stürzte
und sich
diverse
Verletzungen zu
zog
(
Urk. 3/1/1-2 =
Urk. 8/5/2-3 = Urk. 8/6/1-2).
Nach getätigten Abklärungen teilte die Vaudoise dem Versicherten m
it Verfügung vom 14. April 2022 (
Urk. 3/9 =
Urk. 8/46
/1-2 = Urk. 8/50/6-
7
)
mit, dass einzig die
Clavicularfraktur
rechts als traumatisch und unfallbedingt zu betrachten sei, für die anderweitigen Schulterveränderungen würden keine Leistungen übernom
men werden.
Dagegen erhob die zuständige Krankenversicherung
des Versicher
ten
, die Assura,
am 22. April 2022
vorsorglich Einsprache (Urk. 8/48/1). Am 28. April 2022 zog die Assura ihre Einsprache wieder zurück (Urk. 8/49). Am 23. Mai 2022 erhob der Versicherte Einsprache gegen die erlassene Verfügung (
Urk. 3/11 =
Urk. 8/50/1-5).
Mit Entscheid vom 13. Juli 2022 (Urk. 8/52 = Urk. 2) wies die Vaudoise die Einsprache des Versicherten ab.
2.
Der Versicherte erhob am 14. September 2022 Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom 13. Juli 2022 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihm ergänzend zu den gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung bezüglich der
Claviculafraktur
auch diejenigen gesetzlichen Leistungen der Unfallversicherung bezüglich der Gesundheitsschädigungen am rechten Schulter
gelenk und an der Supraspinatussehne auszurichten. Eventuell sei ein gerichtli
ches medizinisches Gutachten zur Beurteilung der Unfallkausalität einzuholen (Urk. 1 S. 2 Ziff. I.1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2022 (Urk. 7) beantragte die Vaudoise die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem
Beschwerdeführer
am 13. Oktober 2022 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Ren
tenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsent
schädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.
3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_698/2021 vom 3. August 2022 E. 3.1 f.).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
4
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver
lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge
stellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteile des Bundesgerichts 8C_600/2021 vom 3. März 2022 E. 3.2 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leis
tungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1
).
1.
6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Einspracheentscheid (Urk. 2) im Wesentlichen fest,
gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes
vom
23.
Februar 2022
sei
davon auszugehen,
dass die Unfallkausalität der
Claviculaf
rakt
u
r
gegeben sei, die übrigen Schulterbeschwerden des Beschwerdeführers jedoch nicht rechtsgenüglich auf den Sturz vom 14. Juni 2021 zurückzuführen
seien
. Medizinische Argumente, welche geeignet wären, diese schlüssige und nachvollziehbare begründete Beurteilung des beratenden Arztes zu entkräften oder zu widerlegen, seien nicht geltend gemacht worden (S. 6 Ziff. 2.4).
Daran hielt sie mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
Oktober 2022 fest (Urk.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber (Urk. 1) geltend,
dass auf die schlüssigen Berichte des behandelnden Arztes abgestellt werden könne. Die mehr
fachen persönlichen Behandlungen würden eine zuverlässigere Basis als die blosse Aktenbeurteilung des behandelnden (richtig: beratenden) Arztes der Beschwerdegegnerin bilden. Die durch den Unfall vom 14. Juni 2021 erlittenen Verletzungen der rechten Schulter
seien
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als unfallkausal, weshalb die Beschwerdegegnerin – selbst bei Vorliegen einer Teilkausalitä
t
gemäss Art.
36 Abs.
1 UVG – dafür Leistungen aus der obligatori
schen Unfallversicherung zu erbringen habe (S. 8 ff. Ziff. II.B).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer für die über die
Claviculaf
raktur
hinausgehenden Schulterbeschwerden Anspruch auf weitere Leistungen hat und dabei insbesondere das Vorliegen des natürlichen Kausalzu
sammenhangs.
3.
3.1
Der Unfallmeldung vom
16. Juni 2021 (
Urk. 3/1/1-2 =
Urk. 8/5/2-3 = Urk. 8/6/1-2)
ist zu entnehmen, dass de
m
Beschwerdeführer
am 14. Juni 2021 während einer Velotour ein Hund über einen Zaun auf seine Fahrbahn gesprungen sei, er nicht mehr
habe reagieren können
und zu Boden auf die rechte Schulter gestürzt sei.
Dabei habe er sich das rechte Schlüsselbein gebrochen.
3.2
Im
Not
f
allbericht des
Kantonsspitals
Z.___
vom 15. Juni 2021 (Urk. 8/
21
)
wurde ausgeführt
,
dass
der Beschwerdeführer notfallmässig durch den Rettungsdienst zugewiesen worden sei. Er habe am Vortag einen Velostu
r
z gehabt und sei dabei auf die rechte Schulter gestürzt. In der anschliessenden Röntgenkontrolle
sei eine kleine Fissur im mittleren Drittel der Clavicula
festgestellt worden. Am Vorstel
lungstag sei der Beschwerdeführer erneut Fahrrad gefahren und habe plötzlich ein Knacken in der rechten Schulter verspürt. Seither habe er Schmerzen und eine Vorwölbung über der Clavicula bemerkt.
Die vor Ort durchgeführte Röntgen
kontrolle (vgl. Urk. 8/9) zeige nun eine dislozierte
Claviculafraktur
im mittleren Drittel rechts mit Dislokation um mehr als Schaftbreite.
Der Beschwerdeführer werde
der
Privatklinik
A.___
zur operativen Versorgung der Fraktur zuge
wiesen (S. 1).
3.3
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Privatklinik
A.___
,
Arthrose
und Sport
K
lini
k C.___
nannte in seinem Bericht vom 16. Juni 2021 (
Urk. 3/2 =
Urk. 8/8) eine dislozierte
Claviculafraktur
mittleres Schaftdrittel rechts bei Status nach Sturz vom
Rennvelo
am 14. Juni 2021 und bei Status nach Sekundärdislo
kation am 15. Juni 2021 als Diagnose.
Er führte aus, dass der Beschwerdeführer am 14. Juni 2021 von seinem
Rennvelo
gestürzt sei, als er von einem
Hund angefallen worden sei. Er habe sich dabei eine Verletzung an der rechten Schulter zugezogen, welche noch vor Ort radiologisch abgeklärt worden sei. Es habe sich damals eine Fissur gezeigt. Am 15. Juni 2021 habe der Beschwerdeführer seine Radtour fortgesetzt, nach zirka 125 km sei es plötzlich zu einem Knacken mit sekundärer Dislokation gekommen. Die nächste Beurteilung sei dann im Spital
Z.___
mit Nachweis einer dislozierten
Claviculafraktur
erfolgt (vgl. vorstehend E. 3.2). Aufgrund des Dislokationsgrades sei die Indikation zur offenen Reposition und Osteosynthese gegeben. Es werde
für morgen
eine Plattenosteosynthese
hier
in der Privatklinik
A.___
geplant (S. 1).
3.4
Dr.
B.___
führte im Austrittsbericht vom 18. Juni 2021 (Urk. 8/12/1) aus, dass – am 17. Juni 2021 (vgl. hierzu den Operationsbericht vom 18. Juni 2021; Urk. 8/12/2-3) – eine offene Reposition und Plattenosteosynthese der rechten Cla
vicula durchgeführt worden sei.
Der perioperative Verlauf habe sich insgesamt komplikationslos gestaltet.
3.5
In seinem Verlaufsbericht vom 28. Juni 2021 (
Urk. 3/3 =
Urk. 8/14) berichtete Dr.
B.___
von einem zeitgerechten Verlauf bezüglich der
Claviculafraktur
. Der Beschwerdeführer beschreibe zusätzliche Beschwerden auf dem Schultergelenk, welche seit dem Unfall neu aufgetreten seien. Klinisch bestehe ein reproduzier
bares Schnappen (S. 1).
3.
6
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte im ärztlichen Erstbericht vom 2. Juli 2021 (Urk. 8/17) aus,
dass der Beschwerde
führer am 14. Juni 2021 eine Fahrradkollision auf der Strasse mit einem Hund, der plötzlich auf die Strasse gerannt sei, gehabt habe.
Dabei habe sich der Beschwerdeführer eine
Claviculafraktur
rechts, Prellungen
des rechten Handge
lenkes und des rechten Knies sowie multiple Schürfungen zugezogen (S. 1 Ziff. 1, 2 und 5). Es werde eine Ruhigstellung
und Analgesie
empfohlen (S. 2 Ziff. 7).
3.
7
PD Dr. med.
E.___
, Facharzt für Chirurgie und Handchirurgie, nannte in seinem Bericht vom 14. Juli 2021 (Urk. 8/22/2) einen Verdacht auf eine
triquetrale
Kapselbandläsion links (dominant) als Diagnose. Beim Fahrradsturz am 14. Juni 2021 habe sich der Beschwerdeführer neben der
Claviculafraktur
rechts auch eine Handverletzung links zugezogen. Der Beschwerdeführer habe über belastungsabhängige Beschwerden ulnar am proximalen Handrücken berichtet. Es sei von einem rein
ligamentären
Abriss auszugehen, wobei es sich um eine gutmütige Verletzung handle, die spontan abheile, jedoch gerne eine mehrmonatige Restsymptomatik verursachen könne. Der Beschwerdeführer dürfe die Hand nach Massgabe der Beschwerden normal einsetzen.
3.8
Dr.
B.___
führte in seinem Verlaufsbericht vom 23. Juli 2021 (Urk. 8/20) aus, dass die
Claviculafraktur
sechs Wochen postoperativ einen zeitgerechten Verlauf zeige. Seit dem Sturz spüre der Beschwerdeführer zusätzlich auch Schulter
schmerzen rechts und ein subacromiales Schnappen.
Die
Röntgenuntersuchung
der rechten Clavicula
vom 22. Juli 2021 (vgl. Urk. 8/41) habe
identische Stel
lungsverhältnisse gezeigt, es liege keine Osteosynthesemateriallockerung vor. Im Frakturfokus liege eine zunehmende Unschärfe sowie eine zunehmende Konsoli
dation vor (S. 1).
3.
9
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Radiologie, berichtete am 14. September 2021 über die gleichentags durchgeführte MR
Arthrographie
der rechten Schulter
(
Urk. 3/5 =
Urk. 8/26
/2
)
, wobei sich eine leichte ansatznahe
Tendinopathie
der Supraspinatussehne mit kleinerer oberflächlicher
artikulärseitiger
Partialruptur
daselbst (nicht höhe
r
gradig und insbesondere nicht tra
n
smural)
gezeigt habe
, die übrigen
R
otatorenmanschetten
-
Komponenten seien bei guter
Muskel
t
rophik
intakt. Zudem habe sich eine proximale
Tendinopathie
der langen Bizepssehne einschliesslich
Bizepsanker
, ein Knorpeldefekt im anterioren inferioren
Glenoid
mit randständiger Knorpelamination sowie eine leichte Schultergelenksarthrose bei gegen lateral und
posterior
steilen
Akromion
Typ I gezeigt.
3.
10
Dr.
B.___
nannte in seinem
Verlaufsbericht vom 16. September 2021 (
Urk. 3/6 =
Urk. 8/25) folgende
Diagnose (S. 1 Mitte):
-
Status nach ORIF
(Open
Reduction
and Internal Fixation)
einer
Clavicu
lafraktur
rechts am 17. Juni 2021 bei
-
dislozierter
Claviculafraktur
mittleres Schaftdrittel rechts
-
Status nach Sturz vom
Rennvelo
am 14. Juni 2021
-
Status nach Sekundärdislokation am 15. Juni 2021
-
kernspintomografisch frischer posttraumatischer
Supraspinatusriss
und SLAP
(
superior
labral
anterior
posterior
)
-
Läsion (Serie 5 Bild 10) sowie
4.
gradiger traumatischer Knorpelschaden
anteroinferiores
Glenoid
; differentialdiagnostisch GLAD
(
glenolabral
articular
disruption
)
-Läsion (Serie 4 Bild 65)
Da
s am 16. September 2021 (richtig: 14. September 2021)
durchgeführte
Arthro
MRI
der rechten Schulter
(
vorstehend E. 3.
9
) zeige eine subtotale frische Riss
bildung im Bereich der
ventrodistalen
Supraspinatussehne, ein
en
deutliche
n
Kon
trastmitteleintritt in den
Bizepsanker
im Sinne einer SLAP-Läsion und ein
en
Knorpelabriss
anteroinferior
am
Glenoid
mit freien
chondralen
Fragmenten im Recessus. Dr.
B.___
führte aus, dass sich passend zu den bewegungsabhängigen Schulterschmerzen rechts, welche seit dem Unfallereignis neu aufgetreten seien, kernspintomografisch nicht unrelevante Begleitverletzungen am Supraspinatus, der langen Bizepssehne und am
Glenoid
gezeigt hätten
. Dennoch hätten
diese Verletzungen keine dringende Behandlungsrelevanz.
Er schlage vor, den Spon
tanverlauf vorerst zu beobachten und die Fraktur ausheilen zu lassen.
Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Osteosynthesematerialentfernung kommen, könnte dann gleichzeitig eine Schulterarthroskopie zur Behandlung der diagnos
tizierten Begleitverletzungen erfolgen.
3.
11
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Chirurgie, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin,
führte in seiner Stellungnahme vom 20. Oktober 2021 (Urk. 8/32) aus, dass
die
im Bericht von
Dr.
B.___
vom 16. September 2021 «neuen» Verletzungen der rechten Schulter (vgl. vorstehend E. 3.
10
) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ereignis vom 14. Juni 2021 zurückzuführen sei
en. So fänden
sich im MRI (vgl. vorstehend E. 3.
9
)
keine strukturellen Verän
derungen, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis zurückzu
führen seien (S. 1 f. Ziff. 1.2 und 2, S. 2 Ziff. 9.2).
3.
12
In seinem Verlaufsbericht vom 13. Dezember 2021 (
Urk. 3/7 =
Urk. 8/
35) führte Dr.
B.___
aus, dass der Beschwerdeführer ein halbes Jahr postoperativ nicht beschwerdefrei sei. Einerseits bestünden noch Schmerzen über der Clavicula, aber auch ausstrahlend in den Trapezius. Zudem habe er auch bewegungsabhängige Beschwerden im Bereich der rechten Schulter. Die radiologische Untersuchung der rechten Clavicula vom 13. Dezember 2021 (vgl. Urk. 8/39) zeige eine zuneh
mende
endostale
Konsolidation. Es bestehe ein Verdacht auf eine Schraubenlo
ckerung im medialen Anteil der Osteosynthese (S. 1).
Dr.
B.___
führte aus
, dass die Fraktur zunehmende Konsolidationszeichen zeige. Allerdings bestehe möglicherweise eine Lockerung des Osteosynthesematerials.
Es werde deshalb empfohlen, den weiteren Verlauf abzuwarten und auf grössere Belastungen noch zu verzichten. In Bezug auf
die Schulterbeschwerden führte Dr.
B.___
aus, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis keinerlei Beschwerden gehabt habe. Die ärztliche Dokumentation und die entsprechenden Abklärungen seien zeitnah nach dem Unfall mit einer Verzögerung von knapp drei Monaten erfolgt. Zudem habe eine Arbeitsunfähigkeit resultiert. Kernspinto
mographisch zeige sich eine klar abgrenzbare Rissbildung im Bereich der Supra
spinatussehne, seines Erachtens mit einem typischen traumatischen Aspekt (S. 2).
3.
13
Dr.
G.___
hielt
in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2022 (
Urk. 3/8 =
Urk. 8/42)
an seiner Einschätzung vom 20. Oktober 2021 (vorstehend E. 3.
11
) fest.
Er führte aus, dass
Dr.
B.___
in seinem Bericht vom 13. Dezember 2021 (vor
stehend E. 3.
12
)
den Sehnenriss der Supraspinatussehne als
Traumafolge
mit einer
sichtbaren Linie auf einem einzigen MRI Bild (Serie 5 Bild 10)
begründet habe
. Alle anderen Bilder
würden jedoch
keine durchgehende Rissbildung
zeigen
. Eine solche transmurale Rissbildung w
erde
vom Fachradiologen Dr.
F.___
in seinem Bericht vom 14.
September
2021
(vorstehend E. 3.
9
)
explizit verneint. Die
von Dr.
F.___
weiter beschriebene
Tendinopathie
und die
artikulären
Partial
rupturen
der Supraspinatussehne
würden
in der Altersklasse von >40 Jahren ge
häuft vor
kommen
und
entsprächen
einem altersmässig degenerativ ablaufenden Prozess.
Weiter
habe
Dr.
B.___
aus
geführt
, dass auch die Knorpelläsion der Gelenkpfanne unfallbedingt
sei. Eine solche unfallbedingte Knorpelverletzung müsste durch eine erhebliche
Krafteinwirkung von aussen oder durch eine Luxa
tion des Schultergelenkes entstanden
sein. Dies
sei
nachweislich nicht der Fall
gewesen
. Auch
würden
Begleitverletzungen der
benachbarten Strukturen
(bei
spielsweise
Knochenverletzungen
)
fehlen
, die objektiv auf ein solches
Ereignis schliessen lassen würden
(S. 1).
In diesem Fall sei nicht nur entscheidend, welche bildmorphologischen Verände
rungen vorliegen würden, sondern welche Beschwerden und klinischen Befunde unmittelbar nach dem Ereignis vorgelegen hätten
. E
ine akute Zusammen
hangstrennung einer Sehne, ein akuter Anriss einer
Sehnenaufhängung -
welche notabene zum Velofahren benötigt w
erde
-
,
und eine akute
Gelenkschädigung
verursache
sofortige Beschwerden und einen Ausfall der
Schulterfunktion. Dies
sei beim Beschwerdeführer
nicht der Fall
gewesen
. Am Tag nach dem Velosturz
sei
er mit leichten Beschwerden weitere 125
km Velo
gefahren,
bis es zur sekun
dären Dislokation der
Clavi
c
ulafraktur
gekommen sei
. Erst
durch diese Disloka
tion
seien
so starke Schmerzen auf
getreten
, die keine Weiterfahrt mehr
erlaubt
hätten (S. 2 oben).
3.14
In seinem Bericht vom
21. März 2022
(
Urk. 3/10 =
Urk. 8/47
/2-3
)
führte Dr.
B.___
aus,
dass der Beschwerdeführer neun Monate postoperativ nach wie vor Schmer
zen habe und ein Reiben im Bereich der rechten Schulter spüre. Radiologisch zeige sich eine zunehmende Konsolidation im Bereich der
Claviculafraktur
bei gleichzeitiger beginnender Osteosynthesemateriallockerung. Somit sei die Indika
tion zur Osteosynthesematerialentfernung seines Erachtens klar, der Zeitpunkt sei jetzt jedoch sicher noch zu früh. Ein Jahr postoperativ werde nochmals eine kli
nisch-radiologische Verlaufskontrolle geplant. Gleichzeitig müsste dann die Schulterarthroskopie aufgrund der
Supraspinatusruptur
durchgeführt werden (S. 1). Er sei nach wie vor ganz klar der Meinung, dass es sich bei der
Rotatoren
manschetten-Ruptur
ebenfalls um eine traumatische Rissbildung handle und ver
weise diesbezüglich nochmals auf seinen letzten Bericht vom 13. Dezember 2021 (S. 2 oben; vgl. vorstehend E. 3.
12
).
3.15
Dr.
B.___
führte in seinem Bericht vom 13. Juni 2022 (
Urk. 3/12 =
Urk. 8/51) aus,
dass ein Jahr postoperativ
die
Claviculafraktur
ossär konsolidiert zu scheinen sei. Zusätzlich zeige sich die seines Erachtens klar traumatische Ruptur der Supraspi
natussehne. Nach wie vor würde er es als sinnvoll betrachten, im Rahmen einer geplanten Osteosynthesematerialentfernung vorgängig eine Schulterarthroskopie zur Behandlung der
Supraspinatusruptur
durchzuführen (S. 2 oben).
4.
4.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 14. Juni 2021
wäh
rend einer
Fahrrad
tour auf die rechte Schulter stürzte
und sich dabei eine kleine Fissur an der Clavicula zu
gezogen hat
. Am 15. Juni 2021 setzte der Beschwerde
führer seine
Fahrrad
tour fort, als es nach zirka 125
km zu einem Knacken
in der rechten Schulter
gekommen ist
. In der Folge wurde eine
dislozierte
Claviculaf
raktur
im mittleren Drittel rechts mit Dislokation um mehr als Schaftbreite
diag
nos
t
iziert.
Am 17. Juni 2021 wurde eine offene Reposition und Plattenosteosyn
these der rechten Clavicula durchgeführt (
vorstehend E. 3.1-3.
4
, E. 3.6
).
Der behandelnde Arzt Dr.
B.___
berichtete am 28. Juni 2021 erstmals von zusätz
lichen Beschwerden auf dem Schultergelenk, welche nach Angaben des Beschwerdeführers seit dem Unfall neu aufgetreten seien. Klinisch zeigte sich ein reproduzierbares Schnappen (vorstehend E. 3.5
; vgl. vorstehend E. 3.
8
).
Am 14. September 2021
fand eine MR
Arthrographie
der rechten Schulter statt (vorstehend E. 3.9).
4.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die Beurteilung des beratenden Arztes Dr.
G.___
vom 23. Februar 2022 (vgl. vorstehend E. 3.13) davon aus, dass die über die
Claviculafraktur
hinausgehenden Schulterbeschwerden des Beschwerdefüh
rers nicht rechtsgenüglich auf den Sturz vom 14. Juni 2021 zurückzuführen und somit nicht unfallkausal seien (vorstehend E. 2.1).
Der beratende Arzt Dr.
G.___
ist Facharzt für Chirurgie und verfügt daher über den
erforderlichen
Facharzttitel, um die Schulterbeschwerden des Beschwerde
führers fachgerecht zu beurteilen. In
seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2022 (vorstehend E. 3.13)
kam Dr.
G.___
in
schlüssiger und
nachvollziehbarer Weise
zum Schluss, dass
anhand der Befunde der MR
Arthrographie
der rechten Schulter (vgl. vorstehend E. 3.9)
die von Dr.
B.___
auf einem einzigen Bild festgestellte Rissbildung der Supraspinatussehne (vgl. vorstehend E. 3.10, E. 3.12) nicht als erwiesen betrachtet werden könne,
sei doch
eine solche Rissbildung auf allen anderen Bildern nicht zu finden gewesen und vom Fachradiologen Dr.
F.___
sogar explizit ausgeschlossen worden (vgl. vorstehend E. 3.9).
Die von Dr.
F.___
weiter beschriebene
Tendinopathie
und die
artikulären
Partialrupturen der Sup
raspinatussehne würden zudem einem altermässig degenerativ ablaufenden Pro
zess beim 51-jährigem Beschwerdeführer entsprechen.
In Bezug auf die
von Dr.
B.___
erwähnte unfallbedingte Knorpelläsion der Gelenkpfanne (vgl. vorste
hend E. 3.10) führte Dr.
G.___
in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise
aus, dass eine solche nur als unfallbedingt zu betrachten wäre, wenn sie durch eine äussere erhebliche Krafteinwirkung oder durch eine Luxation des Schultergelen
kes entstanden wäre, was vorliegend jedoch sowohl angesichts des Unfallmecha
nismus als auch der objektiven Befunden nicht der Fall gewesen sei. Schliesslich führte Dr.
G.___
aus, dass eine akute Zusammenhangstrennung einer Sehne und eine akute Gelenksschädigung sofortige Beschwerden und einen sofortigen Aus
fall der Schulterfunktionen verursachen würden, was mit einer Weiterfahrt auf dem Velo von 125 km klar unvereinbar sei.
4.
3
Der Beschwerdeführer beruft sich demgegenüber auf die Berichte seines behan
delnden Arztes Dr.
B.___
sowie auf einen Fachartikel von
Lädermann
et al. (Dege
nerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette
, in: Swiss Medical Forum 2019 S. 260 ff.
in
Urk. 3/14 = Urk. 8/
50/9-16
; Urk. 1 S. 8 ff. Ziff. II.B
).
Weder der behandelnde Arzt Dr.
B.___
noch der Beschwerdeführer machten medi
zinische Argumente geltend, welche die Feststellung des beratenden Arztes Dr.
G.___
, dass bei einer Rotatorenmanschettenruptur eine Weiterfahrt mit dem
Rennvelo
nicht mehr möglich gewesen wäre
(vgl. vorstehend E. 4.
2
)
, entkräften könnten. Dr.
B.___
äusserte sich in seinen Berichten (vgl. vorstehend E. 3.
8, E. 3.10, E. 3.12, E. 3.14, E. 3.15
) überhaupt nicht dazu, weshalb
beim Beschwer
deführer
trotz Fehlens
eine
r
sofortige
n
Funktionseinbusse
eine Rotatorenman
schettenruptur
aufgetreten
sein solle und wie sich dies mit einer Weiterfahrt
über
125 km vereinbaren lässt
.
Der
Beschwerdeführer
stellte sich auf den Standpunkt, dass
die Schweizerische Expertengruppe der Schulter- und Ellbogenchirurgie betreffend die Differenzie
rung von degenerativen oder traumatischen Läsionen Kriterien herausgegeben
habe
. So gehe die Expertengruppe davon aus, dass
transmurale
Rotatorenman
schetten
l
äsionen
vor dem 60. Altersjahr nur sehr selten vor
kämen
und zwar in einer Grössenordnung von weniger als 10 %, wobei in diesen Fällen die Supra
spinatussehne zu 85 % betroffen sei
. Sodann halte die Expertengruppe betreffend
Traumahergänge
fest, dass verschiedene Mechanismen in Frage kommen würden und diese nicht generell klar seien
. Zudem sei gemäss Expertengruppe die Atro
phie sowie die fettige Infiltration der
Rotatorenmanschetten
-Muskulatur von aus
serordentlicher Wichtigkeit, um zwischen einer chronischen Läsion und einem Trauma unterscheiden zu können. Im vorliegenden Fall sei keine Atrophie und auch keine fettige Degeneration festgestellt worden, was gegen eine vorbeste
hende Läsion spreche, da die fettige Infiltration der
Rotatorenmanschettenmus
kulatur
in der Bildgebung beim Menschen erst erkennbar sei, wenn die Symptome länger als sechs Monate andauern würde
n
oder kein Trauma vorliege
(Urk. 1 S. 10
f.
Rz 24; vgl.
Lädermann
et al.
, a.a.O., S. 262
ff.
).
Inwiefern sich dadurch auch nur geringer Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilung durch der beratenden Arzt Dr.
G.___
ergeben sollten, ist nicht erkenn
bar.
Schliesslich wird
auch
im vom Beschwerdeführer angerufenen Fachartikel die sofortige Beeinträchtigung der aktiven Mobilität beziehungsweise Entwick
lung einer Pseudoparalyse der Schulter aufgrund einer
Rotatorenmanschettenlä
sion
als einziges typisches Merkmal für eine traumatische Verursachung dieser Schädigung genannt (
Lädermann
et al.,
a.a.O.
,
S.
263).
Auch nach der
bundesge
richtlichen Rechtsprechung stellt eine sofortige erhebliche Funktionseinbusse das typische Merkmal für den Nachweis einer traumatischen Verursachung einer
Rotatorenmanschettenläsion
dar (Urteile des Bundesgerichts 8C_43/2022 vom 24. Mai 2022 E. 5.1 und 8C_253/2021 vom 2. Juli 2021 E. 5.3).
Wie Dr.
G.___
in seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2022 ausdrücklich festgehalten hat, ist eine solche
erhebliche Funktionseinbusse
des Schultergelenks
in den echtzeitli
chen Dokumenten nicht ausgewiesen worden, f
u
hr doch der Beschwerdeführer ein
en
Tag nach dem
Fahrrad
sturz
vielmehr
mit
lediglich
leichten Beschwerden weitere 125
km mit seinem
Rennvelo
, bis es zur sekundären Dislokation der
Cla
viculafraktur
gekommen ist. Erst durch diese Dislokation
des Schlüsselbeinkno
chens
sind so starke Schmerzen aufgetreten, dass der Beschwerdeführer nicht weiterfahren konnte (vorstehend E. 3.13).
Wenngleich der Beschwerdeführer über
am 1
5.
Juni 2021 plötzlich aufgetretene
starke Schmerzen an der
«
Schulter
»
berichtete, gab er die Weiterfahrt wegen der Dislokation
des Knochens
und
somit
nicht wegen einer Funktionseinbusse des Schultergelenks auf
(vgl. das
Einver
nahmeprotokoll
vom 2
0.
Juli 2021;
Urk.
8/29 S. 5
Ziff.
9)
. Weder aufgrund des initialen Sturzes am 1
4.
Juni 2021 noch nach der Weiterfahrt vom 1
5.
Juni 2021 traten Beeinträchtigungen im Sinne der sofortigen typischen Funktionseinbusse
bei
Rotatorenmanschettenläsion
auf.
Dass, wie vom behandelnden Arzt Dr.
B.___
geltend gemacht, der Beschwerdefüh
rer vor dem Ereignis vom 14. Juni 2021 beschwerdefrei gewesen sei und nach dem Velosturz eine Arbeitsunfähigkeit resultiert habe (vorstehend E. 3.12), ver
mag
keine Kausalität darzulegen.
Denn die Argumentation nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, ist beweisrechtlich nicht zulässig und vermag zum Nachweis der Unfallkau
salität nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
4.
4
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin
gestützt auf die überzeugende und nachvollziehbare Beurteilung des beratenden Arztes Dr.
G.___
davon ausgegangen ist, dass die über die
Claviculafraktur
hin
ausgehenden Schulterbeschwerden des
Beschwerdeführer
s nicht rechtsgenüglich auf das Ereignis vom 14. Juni 2021 zurückzuführen
sind
und
die
natürliche Kau
salität v
erneint hat
. Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
Aufgrund der Umstände erübrigt sich die Prüfung eines Leistungsanspruchs gestützt auf Art.
6 Abs.
1 UVG. Ist wie hier nachgewiesen, dass ein Unfallereignis im Sinne von Art.
4 ATSG nicht die Ursache einer diagnostizierten
(möglichen)
Listenverletzung (Sehnenriss; Art.
6 Abs.
2
lit
.
f UVG) ist und besteht kein Hinweis auf ein nach dem Unfall eingetretenes initiales Ereignis als mögliche Verletzungsursache, so ist damit gleichzeitig auch die Bedingtheit der Listenver
letzung durch Abnützung oder Erkrankung erstellt (BGE 146 V 51 Regeste u.
E.
9.2).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mario
Thöny
-
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensPeter-Schwarzenberger