# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88190609-2a0f-59ac-a3ec-2374023ab0aa
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.06.2010 A-7682/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-7682-2009_2010-06-15.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-7682/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Daniel de Vries 
Reilingh, Richterin Salome Zimmermann, 
Gerichtsschreiberin Ursula Spörri.

X._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion (OZD),
Sektion Zollbefreiung und Transite, Monbijoustrasse 40, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Erlass.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-7682/2009

Sachverhalt:

A.
Die X._______ deklarierte durch die Spediteurin Y._______ in der Zeit 
vom  16.  Juni  bis  24.  September  2008  im  e-dec  Verfahren  in  elf 
Zollanmeldungen  Pilzmischungen  unter  der  Tarifnummer  0711.5100 
zum  Zollansatz  von  Fr.  3.--  /  100  kg  brutto  für  die  Einfuhr  in  die 
Schweiz. Die Importe wurden durch die Zollverwaltung als "gesperrt" 
bezeichnet und provisorisch veranlagt. Am 25. September 2008 teilte 
die  Eidgenössische  Zollverwaltung  (EZV)  der  Y._______  mit,  eine 
Überprüfung habe ergeben, dass das Erzeugnis nach der Tarifnummer 
2003.1000 zollpflichtig  sei,  was zu einem Zollansatz  von Fr. 46.80  / 
100 kg brutto führte. Am 15. Oktober 2008 erliess die EZV die entspre-
chenden elf Veranlagungsverfügungen an die Y._______. Die Veranla-
gungsverfügungen erwuchsen in Rechtskraft.

B.
Mit Schreiben vom 23. Juni 2009 gelangte die X._______ mit Tarifbe-
schwerde /  Zollerlassgesuch an die Oberzolldirektion (OZD). Die Be-
schwerde zog sie mit Schreiben vom 23. Juli 2009 wegen der abgelau-
fenen Frist jedoch wieder zurück, am Erlassgesuch hielt sie dagegen 
ausdrücklich fest. Sie machte geltend, die OZD habe ihr mitgeteilt, die 
fraglichen Produkte seien unter der Tarifnummer 0711.5100 einzufüh-
ren. Sie sei durch diese fehlerhafte Information in die Irre geleitet wor-
den. Es sei  nicht  statthaft,  die Ware rückwirkend ohne Anhörung zu 
schlechteren Bedingungen zu verzollen. Entsprechend beantrage sie 
einen Zollerlass und die Ware im Rahmen des bestehenden Kontin-
gents zollfrei und im Übrigen zu einem Zollansatz von Fr. 3.-- / 100 kg 
brutto zu verzollen.

C.
Die OZD wies das Gesuch am 6. November 2009 ab im Wesentlichen 
mit  der  Begründung,  der  Erlass  sei  eine  Äusserung  der  Steuervoll-
streckung und nicht  der Steuerveranlagung. Umstände, die in einem 
Beschwerdeverfahren  zur  Änderung  der  Veranlagungsverfügung  hät-
ten führen können, müssten in einem Erlassverfahren unberücksichtigt 
bleiben. Das Begehren, auf dem Weg des Zollerlasses eine Neuveran-
lagung vorzunehmen, sei ein Antrag auf Änderung der Tarifeinreihung 
und betreffe somit die Abgabenbemessung. Aus diesen Gründen kön-
ne der Erlass nicht gewährt werden.

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D.
X._______  (nachfolgend  Beschwerdeführerin)  reichte  dagegen  am 
9. Dezember  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein 
mit  dem Begehren,  die  angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr 
die  geleisteten Zollabgaben im Umfang von Fr. 71'637.50 zurück  zu 
erstatten,  alles  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolge.  Im 
Wesentlichen begründet sie ihre Beschwerde damit, Pilzmischungen, 
die bis zu 70% Champignons enthielten, könnten seit  der Aufnahme 
Polens  in  die  Europäische  Union  zufolge  der  bilateralen  Zoll-  und 
Handelsabkommen  zollfrei  eingeführt  werden.  Die  Zollstelle  habe 
darüber  am  25. September  2008  eine  falsche  schriftliche  Auskunft 
erteilt, was dazu geführt habe, dass die Y._______ wie sie selbst die 
Sendungen entsprechend deklariert hätten. Sie gehe davon aus, dass 
die  (Veranlagungs)-Verfügungen  trotz  allfälligen  Zahlungen  von 
Abgaben  nichtig  wären  und  dementsprechend  ihr  Rechtsgrund 
weggefallen sei,  sodass die verlangten Zollbeträge mit  Blick auf  das 
effektiv  anzuwendende  Zollregime  der  Zollfreiheit  ohnehin  erstattet 
werden müssten.

E.
Die OZD beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 8. März 2010 die Ab-
weisung der Beschwerde und hält an ihren Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung fest.

F.
Auf die weiteren entscheidrelevanten Begründungen wird das Bundes-
verwaltungsgericht im Rahmen der Erwägungen zurückkommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Entscheide der OZD betreffend den Erlass von Einfuhrabgaben kön-
nen beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (Art. 31 und 
Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht  [Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG,  SR 173.32] 
in Verbindung mit Art. 116 Abs. 4 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 
[ZG, SR 631.0]). Das Verfahren richtet sich – soweit das Verwaltungs-
gerichtsgesetz nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften  des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-

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ren (VwVG, SR 172.021). Die Beschwerdeführerin ist durch den ange-
fochtenen Entscheid der OZD berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an dessen Aufhebung (Art. 48 VwVG). Auf die form- und frist -
gerecht eingereichte Beschwerde ist deshalb einzutreten.

2.
2.1 Steht nach Abschluss des Veranlagungsverfahrens die Zollschuld 
rechtskräftig fest, kann sie aus den in Art. 86 ZG festgelegten Gründen 
erlassen  werden.  Der  Zollerlass  bildet  eine  Massnahme  der  Voll-
streckung an sich rechtskräftiger Zollentscheide und nicht der Veranla-
gung. Eine allfällige Unbegründetheit  der Zollerhebung bzw. die Feh-
lerhaftigkeit des Veranlagungsverfahrens sind nach konstanter Recht-
sprechung im entsprechenden Rechtsmittelverfahren geltend  zu ma-
chen (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2004, veröffentlicht in Ar-
chiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 74 S. 246 ff. E.  3.3; Urtei-
le des Bundesverwaltungsgerichts A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 
E. 2.1,  A-4619/2007 vom 21. Dezember  2009 E. 2.1.1,  A-5264/2008 
vom 27. August 2009 E. 2.1 und 3.3.2, A-1676/2006 vom 9. Oktober 
2007 E. 3.1, A-1699/2006 vom 13. September 2007 E. 2.3.1).

2.2 Ein ganzer  oder  teilweiser  Zollnachlass  ist,  abgesehen  von den 
hier nicht zutreffenden besonderen Fällen von Art. 86 Abs. 1 Bst. a bis 
c ZG, in Bst. d dieses Absatzes vorgesehen. Es handelt sich um eine 
Härteklausel, welche als allgemeiner Auffangtatbestand konzipiert ist, 
der subsidiär zur Anwendung kommt, das heisst, nur dann, wenn der 
Sachverhalt  nicht  bereits  von den  Bst.  a  bis  c  erfasst  wird. Danach 
muss  ein  Zollnachlass  gewährt  werden,  "wenn  aussergewöhnliche, 
nicht die Bemessung der Abgaben betreffende Verhältnisse den Bezug 
als besondere Härte erscheinen liessen". Im Rahmen einer allgemei-
nen  Härteklausel  konkrete  Definitionen  für  das  Vorliegen  ausserge-
wöhnlicher Umstände anzuführen,  bereitet  Schwierigkeiten; eine fall-
weise Aufzählung kann höchstens einen ungefähren Eindruck vermit-
teln (vgl. zum Ganzen HANS BEAT NOSER, Der Zollnachlass nach Art. 127 
ZG - wozu, wie, wann?, in: Zollrundschau 3/90, S. 48). Die drei Voraus-
setzungen  müssen  kumulativ erfüllt  sein,  damit  einem  Zollerlassge-
such stattgegeben werden kann. Liegen sie vor, greift  kein behördli-
ches Ermessen, sondern es besteht ein Anspruch auf Nachlass (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 2A.534/2005 vom 17. Februar 2006 E. 2.1; 
Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts  A-1554/2007 vom 25. Januar 
2010  E.  2.3,  A-4619/2007  vom  21.  Dezember  2009  E. 2.1.4,  A-
5264/2008 vom 27. August 2009 E. 2.3, A-1714/2006 vom 11. August 

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2008 E. 2.3,  A-1676/2006 vom 9. Oktober  2007 E. 3.3). Zu den Vor-
aussetzungen im Einzelnen:

2.2.1 Die aussergewöhnlichen Verhältnisse müssen erstens mit Bezug 
auf  das  Zollverfahren  vorliegen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 E. 2.3.1, A-1676/2006 vom 
9. Oktober  2007  E. 3.3.1,  A-1699/2006  vom  13. September  2007 
E. 2.3.3, A-1698/2006 vom 7. Februar 2007 E. 3.2.1). Wann eine sol-
che Verfahrenssituation gegeben ist,  bedarf der Auslegung. Mit  Blick 
auf Sinn und Zweck dieser Härteklausel ist festzuhalten, dass solche 
Verhältnisse nicht leichthin anzunehmen sind. Eine grosszügige Zulas-
sung  des  Zollerlasses  würde  zu  einer  vom  Gesetzgeber  nicht  be-
zweckten Abschwächung der Rechtskraft von Zollentscheidungen füh-
ren (Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juni 2004, veröffentlicht in ASA 
74 S. 246 ff. E. 3.5). Die Bestimmung soll nicht dazu dienen, die unter 
Umständen erheblichen finanziellen Folgen früherer Fristversäumnisse 
bzw. von Pflichtverletzungen im Veranlagungsverfahren wieder gut zu 
machen.  Ein  Versäumnis,  welches  mit  entsprechender  Vorbereitung 
und Instruktion hätte vermieden werden können, ist nicht als ausserge-
wöhnlich im Sinn dieser Bestimmung zu qualifizieren (vgl. dazu Urteile 
des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1554/2007  vom  25.  Januar  2010 
E. 2.3.2, A-5264/2008 vom 27. August 2009 E. 3.3, A-1883/2006 vom 
4. September 2007 E. 3.2). Ebenso wenig vermögen aussergewöhnli-
che Umstände durch die ordnungsgemässe Anwendung der zollrechtli-
chen Bestimmungen begründet zu werden (vgl. Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-1699/2006 vom 13. September 2007 E. 3.1). 

2.2.2 Diese  aussergewöhnlichen  Verhältnisse  dürfen  zweitens  nicht 
die Bemessung der Abgaben betreffen; ein Zollnachlass darf nicht zur 
Korrektur des Zolltarifs führen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-6619/2008 vom 19. Oktober 2009 E. 14, A-1676/2006 vom 9. Okto-
ber  2007  E. 3.3.2,  A-1699/2006  vom 13. September  2007  E. 2.3.4). 
Das Zollgesetz regelt die Bemessung der Abgaben in den Art.  18 bis 
20 ZG. Ergibt sich beispielsweise der geschuldete Zollbetrag aus der 
Anwendung zweier  unterschiedlicher  Tarifnummern,  nämlich  aus der 
Differenz des zu Unrecht  deklarierten Kontingentszollansatzes (KZA) 
und des korrekterweise anzuwendenden (höheren) Ausserkontingents-
zollansatzes (AKZA), würde ein Zollnachlass im Ergebnis dazu führen, 
dass die zollpflichtige Person ungerechtfertigterweise in den Genuss 
des KZA gelangen würde und fälschlicherweise eine Korrektur der Ab-
gabenbemessung unterlassen bliebe (vgl. dazu auch Urteil  des Bun-

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desverwaltungsgerichts A-1732/2006 vom 8. Mai 2007 E. 3.1). Wer ein 
Gesuch um Zollnachlass stellt,  hat  nachzuweisen,  dass die Gründe, 
das  heisst  die  aussergewöhnlichen Verhältnisse,  ausserhalb der  Be-
messung der Abgaben liegen (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 E. 2.3.2, A-1676/2006 vom 9. Okto-
ber 2007 E. 3.3.2, A-1698/2006 und A-1694/2006, beide vom 7. Febru-
ar 2007, jeweils E. 3.2.2).

2.2.3 Der Bezug der Abgabe muss drittens eine besondere Härte dar-
stellen. Dieses  Kriterium betrifft  die  persönliche  Lage  der  zahlungs-
pflichtigen Person. Der Zollnachlass hat nicht die Aufgabe, finanzielle 
Schwierigkeiten zu lösen, welche die Geschäftstätigkeit mit sich brin-
gen kann und insoweit das unternehmerische Risiko zu decken (Urtei -
le des Bundesverwaltungsgerichts A-1554/2007 vom 25. Januar 2010 
E. 2.3.3, A-6619/2008 vom 19. Oktober 2009 E. 15, A-5264/2008 vom 
27. August 2009 E. 2.3.3, A-1676/2006 vom 9. Oktober 2007 E. 3.3.3, 
A-1698/2006  und  A-1694/2006,  beide  vom 7. Februar  2007,  jeweils 
E. 3.2.3).

3.
Im vorliegenden Fall  ist  durch die nicht  angefochtenen und damit  in  
Rechtskraft erwachsenen Veranlagungsverfügungen die Abgabeforde-
rung  rechtskräftig  festgesetzt  worden.  Die  Beschwerdeführerin  lässt 
vorbringen, die Veranlagung basiere auf einer falschen Auskunft, wel-
che nicht der gesetzlichen Regelung entsprochen habe. Die Veranla-
gungsverfügungen seien daher "je  nach Ansicht"  zumindest  anfecht-
bar, wenn nicht gar nichtig. Eine allfällige Unbegründetheit der Zoller -
hebung bzw. die Fehlerhaftigkeit des Veranlagungsverfahrens können 
hier  jedoch  nicht  mehr  geltend  gemacht  werden. Diese  hätten  aus-
schliesslich im Beschwerdeverfahren vorgebracht werden können (vgl. 
E. 2.1). Die Nichtigkeit kann hingegen jederzeit geltend gemacht wer-
den und ist  von Amtes wegen zu beachten. Vorliegend kann jedoch 
keine Rede davon sein, dass die nicht angefochtenen Veranlagungs-
verfügungen nichtig wären. Nichtigkeit liegt nur in Ausnahmefällen vor, 
wenn  drei  Voraussetzungen  kumulativ  erfüllt  sind;  wenn nämlich  die 
Verfügung  einen  besonders  schweren  Mangel  aufweist,  der  Mangel 
offensichtlich  oder  zumindest  leicht  erkennbar  und  ausserdem  die 
Rechtssicherheit  nicht  ernsthaft  gefährdet  ist  (ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl.,  Zürich/ 
Basel/Genf  2006,  Rz. 956,  PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS 
MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  § 31 

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Rz. 14/15,  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Ver-
waltungsrechtspflege  des Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998,  S. 130,  alle 
mit  Hinweisen auf die Rechtsprechung). Als Nichtigkeitsgründe aner-
kennen Lehre und Rechtsprechung namentlich sachliche Unzuständig-
keit,  schwere Verfahrens-  und Eröffnungsfehler  und ganz ausnahms-
weise (schwerste) inhaltliche Mängel wie offensichtliche Verstösse ge-
gen Grundrechte  (BGE 132  II  21  E. 3.1; Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-6610/2009  vom 21. April  2010  E.  2.3,  A-5011/2009 
vom 18. März  2010  S. 3;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz. 958  ff., 
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER,  a.a.O., § 31 Rz. 16 mit weiteren Hinweisen 
auf die Rechtsprechung). Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden 
Fall nicht erfüllt, denn die Zollverwaltung war sachlich und örtlich zum 
Erlass der  Veranlagungsverfügungen zuständig,  schwere Verfahrens- 
und  Eröffnungsfehler  sind  nicht  erkennbar  und  werden  von  der  Be-
schwerdeführerin  auch  nicht  behauptet  und  (schwerste)  inhaltliche 
Mängel der Veranlagungsverfügungen liegen auch nicht vor.

3.1 Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  allgemein  auf  die  Erlassbe-
stimmungen des Art. 86 ZG und hält ebenfalls Art. 85 ZG für anwend-
bar. Art. 85 ZG erfasst nach dem klaren Wortlaut nicht den Erlass von 
Zollabgaben,  sondern  die  Nachforderung  durch  die  Zollverwaltung, 
falls diese irrtümlich eine von ihr zu erhebende Zollabgabe nicht oder 
zu niedrig oder einen zurückerstatteten Zollabgabebetrag zu hoch fest-
gesetzt hatte (MICHAEL BEUSCH, in: Martin Kocher/Diego Clavadetscher, 
Zollgesetz [ZG], Bern 2009, Art. 85 N 5 ff.). Eine Nachforderung liegt in 
casu nicht vor, weshalb die Beschwerdeführerin ihr Erlassgesuch nur 
auf Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG stützen könnte, gemäss welchem ausser-
gewöhnliche, nicht  die Bemessung der Abgaben betreffende Verhält-
nisse den Bezug der Abgabe als besondere Härte erscheinen lassen 
(E. 2.2). 

3.2 Wie  in  Erwägung  2.2.1  ausgeführt,  können  aussergewöhnliche 
Umstände im Sinn von Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG nicht durch die ord-
nungsgemässe Anwendung der zollrechtlichen Bestimmungen begrün-
det werden. Im Zollrecht besteht eine gewisse Formstrenge für Abferti-
gungsanträge, sodass die EZV gehalten ist, diese gegenüber den Ab-
gabepflichtigen durchzusetzen. Die Beschwerdeführerin war auf Grund 
des Selbstdeklarationsprinzips verpflichtet,  die Ware richtig anzumel-
den  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.457/2000  vom  7.  Februar  2001 
E. 2c; Urteil des Bundesverwaltungsgericht A-1736/2006 vom 16. April 
2007  E. 3.2;  BARBARA SCHMID,  in:  Martin  Kocher/Diego Clavadetscher, 

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Zollgesetz [ZG], Bern 2009, Art. 18 N 3). Die Anwendung der zoll recht-
lichen Bestimmungen durch  die  Verwaltung  vermag keine ausserge-
wöhnlichen Verhältnisse im Sinn von Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG zu be -
gründen. 

3.3 Der Erlass würde im vorliegenden Fall  –  wie die OZD zu Recht 
ausführt – zu einer inhaltlichen Änderung der Bemessung der Zollab-
gaben führen (vgl. oben E. 2.2.2). Tarifierung und anzuwendende Zoll -
sätze gehören zu den Bemessungsgrundlagen, weshalb von vornhe-
rein im vorliegenden Fall Art. 86 Abs. 1 Bst. d ZG nicht angerufen wer-
den kann,  ohne dass es  auf  das  Vorliegen  einer  besonderen  Härte 
noch ankäme (BEUSCH,  a.a.O.,  Art.  86  N 30). Aus der  Sicht  der  Be-
schwerdeführerin mag es zwar als ärgerlich erscheinen, einen früher 
(unabsichtlich oder fahrlässig) begangenen Fehler durch Unterlassung 
einer  (fristgerechten)  Beschwerde  gegen  die  Veranlagungsverfügun-
gen nicht mehr korrigieren zu können; dies hat sie indessen sich selbst 
zuzuschreiben  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.539/2005  vom 
12. April 2006 E. 4.5 ff. mit weiteren Hinweisen). Eine Gutheissung des 
Gesuchs  um  Zollnachlass  würde  vielmehr  einer  Wiedergutmachung 
der  Sorgfaltspflichtverletzungen der  Beschwerdeführerin bei  der  Ein-
fuhr gleichkommen, was nicht Sinn und Zweck eines Erlasses ist. 

3.4 Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde nicht mit der 
Behauptung, die Zahlung würde eine besondere Härte für sie bedeu-
ten (E. 2.2.3). Darauf ist mithin nicht weiter einzugehen; jedenfalls aber 
ist  auch  diese  Voraussetzung  für  einen  Zollerlass  nicht  erfüllt,  was 
eben nicht einmal die Beschwerdeführerin behauptet. Es ist denn auch 
nicht  einzusehen,  wie die blosse Begleichung einer materiell  rechts-
kräftig festgesetzten Zollschuld zu einer solchen Härte führen könnte. 
Ohnehin könnte diese Frage offen bleiben,  da auch die weitere Vor-
aussetzung nicht erfüllt ist, dass der Erlass nicht die Bemessung der 
Zollabgabe betreffen darf (E. 3.3).

3.5 Schliesslich kommt es auch nicht darauf an, ob die Mitteilung der  
Zollverwaltung vom 25. September 2008 falsch war, denn es handelte 
sich dabei nicht um eine Auskunft nach Art. 20 ZG auf eine schriftliche 
Anfrage der  Beschwerdeführerin  (vgl. dazu  MARTIN KOCHER,  in: Martin 
Kocher/Diego Clavadetscher, Zollgesetz [ZG], Bern 2009, Art. 20 N 6), 
auf die sie vertrauen durfte (Art. 20 Abs. 2 ZG), sondern nach erfolgten 
Einfuhren  um die  Mitteilung  der  Zollverwaltung  im  Hinblick  auf  eine 
materielle Nachprüfung im Rahmen einer Beschau gemäss Art. 36 ZG 

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(früher Revision; vgl. dazu PATRICK RAEDERSDORF, in: Martin Kocher/Diego 
Clavadetscher,  Zollgesetz  [ZG],  Bern  2009,  Art.  36  N  5),  die  dazu 
dient,  die  Zollanmeldung auf  ihre  Richtigkeit  zu  überprüfen. Die  Be-
schwerdeführerin hatte deshalb keine Veranlassung, dieser Nachricht 
der Zollverwaltung die Verbindlichkeit einer behördlichen Auskunft auf 
eine schriftliche Anfrage zuzumessen und es hätte ihr  offen gestan-
den, die im Anschluss an das Schreiben vom 25. September 2008 er-
lassenen Veranlagungsverfügungen vom 15. Oktober  2008 innerhalb 
der Rechtsmittelfrist anzufechten.

Auch aus ihrem Einwand, sie habe zum Zeitpunkt der Deklaration nicht 
wissen können, dass es andere Möglichkeiten zur Verzollung gegeben 
hätte, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten. 
Auf Grund des Selbstdeklarationsprinzips (vgl. E. 3.2) ist die Zollpflich-
tige für die korrekte Anmeldung selbst verantwortlich.

3.6 Aus diesem Grund ist die Beschwerde abzuweisen.

4.
Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 2'000.-- sind der Beschwerde-
führerin  aufzuerlegen  und  mit  dem  von  ihr  geleisteten  Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Eine 
Parteientschädigung  an  die  Beschwerdeführerin  ist  nicht  zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).

5.
Dieses Urteil  kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten an das Bundesgericht  weitergezogen werden (Art.  83 
Bst. m des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesge-
richt [BGG, SR 173.110]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'000.- verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus Metz Ursula Spörri

Versand: 

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