# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f1282b3-f2a6-5e5d-94ed-d3b55e042667
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.09.2008 A-1642/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1642-2006_2008-09-15.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1642/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  S e p t e m b e r  2 0 0 8

Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, 
Richter Thomas Stadelmann, 
Gerichtsschreiberin Nadine Mayhall.

X._______, ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (4. Quartal 1999 bis 4. Quartal 2000 und 
1. Quartal 2001 bis 3. Quartal 2005); Umsatz- und 
Vorsteuerkorrekturen; Nichteintreten der 
Einsprachebehörde.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1642/2006

Sachverhalt:

A.
Die  X._______  bezweckt  laut  Handelsregisterauszug  hauptsächlich 
die Führung eines Sport- und Modefachgeschäfts. Sie ist gemäss An-
gaben der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) bei ihr seit dem 
1. Oktober 1999  im  Register  der  Steuerpflichtigen  eingetragen.  Seit 
dem  25. Januar  2006  figuriert  als  Geschäftsführer  mit  Einzelunter-
schrift  A._______, der vom 12. Februar 1999 bis zum 25. Juni 2002 
bereits als Gesellschafter ohne Zeichnungsberechtigung im Handels-
register  eingetragen  war.  A._______  trat  seit  deren  Gründung  als 
Zeichnungsberechtigter für und im Namen der X._______ auf. So sind 
für den  Zeitraum vom 6. Juni 1998 bis zum 19. November 2001 zahl-
reiche, von A._______ unterzeichnete Eingaben der X._______ akten-
kundig, ebenso mehrere Antwortschreiben und Aktennotizen der ESTV 
über  geführte  Telefonate  mit  A._______.  Weitere  Eingaben  der 
X._______ erfolgten am 19. September  2002,  am 16. Mai  2003,  am 
23. Dezember 2003, am 24. Mai 2005 sowie am 31. Dezember 2005. 
Auch auf diesen Eingaben befinden sich teilweise entsprechende Ak-
tennotizen der ESTV. 

Am 24. und 25. Januar 2006 führte die ESTV bei der X._______ eine 
Kontrolle durch. Gestützt darauf wurden zum einen zwei  Ergänzungs-
abrechnungen  (EA)  vom  28. November  2005  (Nrn. 329'111  und 
329'112) mit  Gutschriftsanzeigen vom 7. Februar 2006 (Nrn. 292'948 
und 292'949) storniert. Zum anderen stellte die ESTV am 7. Februar 
2006 folgende vier Ergänzungsabrechnungen aus:

• EA Nr. 292'814 im Umfang von Fr. 6'076.-- (zuz glich Verzugszins) betreffend dasü  

Ergebnis der "Kontrolle ber die Steuerperioden 01.10.1999-31.12.2000" (Ermesü -

senseinschätzung);

• EA Nr. 292'815  im Umfang von  Fr. 10'544.--  (zuz glich  Verzugszins)  betreffendü  

das Ergebnis der "Kontrolle ber die Steuerperioden 01.10.1999-31.12.2000" (Vorü -

steuerkorrekturen);

• EA Nr. 292'816  im Umfang von  Fr. 15'075.--  (zuz glich  Verzugszins)  betreffendü  

das Ergebnis der "Kontrolle ber die Steuerperioden 01.01.2001-30.09.2005" (Erü -

messenseinschätzung);

• EA Nr. 292'817  im Umfang von  Fr. 34'749.--  (zuz glich  Verzugszins)  betreffendü  

das Ergebnis der "Kontrolle ber die Steuerperioden 01.01.2001-30.09.2005" (Vorü -

steuerkorrekturen).

Seite 2

A-1642/2006

Nach  neuerlicher  Korrespondenz  zwischen  der  X._______ und  der 
ESTV erliess diese am 27. März 2006 zwei formelle Entscheide, einen 
betreffend  die  Steuerperioden  01.10.1999-31.12.2000  über 
Fr. 16'620.--  zuzüglich  Verzugszins  ab  31.  August  2000  (Fr. 6'076.-- 
gemäss  EA  Nr. 292'814  plus  Fr. 10'544.--  gemäss  EA  Nr. 292'815), 
den  anderen  betreffend  die  Steuerperioden  01.01.2001-30.09.2005 
über  Fr. 49'824.--  zuzüglich  Verzugszins  ab  29. Februar  2004 
(Fr. 15'075.--  gemäss  EA  Nr. 292'816  plus  Fr. 34'749.--  gemäss  EA 
Nr. 292'817).

B.
Am 10. April 2006 gelangte A._______ für die X._______ an die ESTV. 
Unter Bezugnahme auf die Entscheide der ESTV vom 27. März 2006 
stellte  er  das  Gesuch,  die  ESTV  möge  die  "Rekursfrist"  bis  zum 
29. September  2006  erstrecken.  Im  Rahmen  weiterer  Darlegungen 
führt er aus, er sei selber nicht in der Lage, den Rekurs zu verfassen. 
Sein Sohn, der ihm helfen könnte, sei wegen der Rekrutenschule und 
geplanter Ferien dazu aber erst Mitte September 2006 in der Lage. Mit 
Schreiben  vom 18. Mai  2006  bestätigte  die  ESTV  den  Eingang  der 
"Einsprache". 

Daraufhin  reagierte  A._______  für  die  X._______ am  22. Mai  2006 
und hielt  fest, er habe keine Einsprache vorgenommen, sondern nur 
um Erstreckung der  Frist  zur  Einreichung eines  "Rekurses"  ersucht. 
Auf  dieses  Gesuch  wünsche  er  eine  Antwort.  Mit  Schreiben  vom 
2. Juni 2006 teilte die ESTV unter Verweis auf die gesetzliche Rege-
lung von Art. 64 des Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die 
Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) mit, weshalb die Frist zur Ein-
reichung einer Einsprache nicht bis zum 29. September 2006 erstreckt 
werden könne. Da sie indessen auf  die Eingabe vom 10. April  2006 
erst am 18. Mai 2006 reagiert habe, setze sie der X._______ unpräju-
diziell eine unverlängerbare Nachfrist bis zum 7. Juli 2006 zur Ergän-
zung (Begründung, Beweismittel) der erwähnten Eingabe. Das Schrei-
ben der ESTV wies ausdrücklich darauf hin, bei Nichtwahrnahme der 
gesetzten Frist werde auf die Eingabe nicht eingetreten. 

In  Antwort  auf  dieses  Schreiben  gelangte  A._______  für  die 
X._______ am 12. Juni 2006 neuerlich an die ESTV und ersuchte un-
ter Verweis auf eine Zusage von Bundesrat Z._______ erneut um eine 
Erstreckung der  Frist.  Zusätzlich  stellte  er  verschiedene  Fragen. Mit 
Schreiben  vom 20. Juni  2006  beantwortete  die  ESTV die  gestellten 

Seite 3

A-1642/2006

Fragen und wies erneut  auf  die gesetzlichen Bestimmungen hin. Sie 
bat  um  Zusendung  einer  Kopie  des  Schreibens  von  Bundesrat 
Z._______,  in  dem  dieser  der  X._______ eine  Fristerstreckung 
gewährt  habe. Die  ESTV führte  sodann  aus,  sollte  die  Zusage  von 
Bundesrat  Z._______ nicht  nachgewiesen werden,  so müsse an der 
bis  zum 7. Juli  2006 gesetzten Frist  zur  Einreichung der  Einsprache 
festgehalten  werden.  Auch  dieses  Schreiben  der  ESTV  wies 
ausdrücklich  darauf  hin,  bei  Nichtwahrnahme  der  gesetzten  Frist 
könne auf die Eingabe nicht eingetreten werden. 

Dieses  Schreiben  kreuzte  sich  mit  einem  "Mahnschreiben"  der 
X._______ vom 26. Juni  2006. Am 2. Juni  2007 (recte: 2. Juli  2006) 
schliesslich erneuerte diese das Gesuch um Fristerstreckung bis zum 
30. September  2006. Die von der  ESTV erbetene Kopie des Schrei-
bens  von  Bundesrat  Z._______  lag  der  Eingabe  nicht  bei.  Mit  Ent-
scheid vom 10. August  2006 trat  die  ESTV auf  die Einsprachen der 
X._______ nicht ein.

C.
Gegen diesen Entscheid  erhob die  X._______ (Beschwerdeführerin) 
am 12. September 2006 Beschwerde bei der Eidgenössischen Steuer-
rekurskommission (SRK). Sie hielt unter anderem fest, sie habe ledig-
lich  eine  Fristerstreckung,  und  nicht  eine  Einsprache  gewollt.  Mit 
Schreiben vom 19. September 2006 wies die SRK die Beschwerdefüh-
rerin unter Angabe der einschlägigen gesetzlichen Grundlagen darauf 
hin,  die  Beschwerde  habe  Begehren  und  Begründung  zu  enthalten. 
Richte sie sich gegen einen Nichteintretensentscheid, so sei darzule-
gen, weshalb die Vorinstanz zu Unrecht auf die Einsprache nicht ein-
getreten sei. Zur  entsprechenden Ergänzung der  Beschwerde setzte 
die SRK der Beschwerdeführerin eine Nachfrist von drei Tagen. Letzte-
re antwortete innert Frist am 2. Oktober 2006. Diese Eingabe enthielt 
keine Ausführungen zur Frage der Zulässigkeit des Nichteintretensent-
scheids,  sondern  unter  anderem  Hinweise  auf  den  Gesundheitszu-
stand von A._______. 

Die ESTV schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1. Dezember 2006 auf 
Abweisung der Beschwerde. Am 2. und am 20. Dezember 2006 erfolg-
ten weitere Eingaben der Beschwerdeführerin. Die ESTV verzichtete 
am 21. Dezember 2006 auf weitere Stellungnahmen.

Seite 4

A-1642/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen Einspracheentscheide der 
ESTV  der  Beschwerde  an  die  SRK.  Das  Bundesverwaltungsgericht 
übernimmt, sofern es zuständig ist, die Ende 2006 bei der SRK hängi-
gen Rechtsmittel. Die Beurteilung erfolgt nach neuem Verfahrensrecht 
(Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht [Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]). 
Soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich  gemäss 
Art. 37 VGG das Verfahren nach dem Bundesgesetz vom 20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das 
Bundesverwaltungsgericht ist  zur  Behandlung der Beschwerde sach-
lich wie funktionell zuständig (Art. 31 und 33 Bst. d VGG).

1.2 Die Beschwerdeschrift  hat  die  Begehren,  deren Begründung mit 
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers 
oder seines Vertreters zu enthalten; die Ausfertigung der angefochte-
nen Verfügung und die als  Beweismittel  angerufenen Urkunden sind 
beizulegen,  soweit  der Beschwerdeführer sie in Händen hat. Genügt 
die Beschwerde diesen Anforderungen nicht, oder lassen die Begeh-
ren des Beschwerdeführers oder deren Begründung die nötige Klarheit 
vermissen und stellt sich die Beschwerde nicht als offensichtlich unzu-
lässig heraus, so räumt die Beschwerdeinstanz dem Beschwerdefüh-
rer  eine  kurze  Nachfrist  zur  Verbesserung  ein.  Sie  verbindet  diese 
Nachfrist mit der Androhung, nach unbenutztem Fristablauf auf Grund 
der Akten zu entscheiden oder, wenn Begehren, Begründung oder Un-
terschrift fehlen, auf die Beschwerde nicht einzutreten (Art. 52 VwVG).

1.3 Die ESTV hat in ihrem Einspracheentscheid vom 10. August 2006 
auf Nichteintreten erkannt. Nach der Rechtsprechung des Bundesge-
richts ist derjenige, auf dessen Begehren bzw. Rechtsmittel nicht ein-
getreten worden ist, befugt, durch die ordentliche Beschwerdeinstanz 
überprüfen zu lassen, ob dieser Nichteintretensentscheid zu Recht er-
gangen ist (anstelle vieler: BGE 124 II 499 E. 1, mit weiteren Hinwei-
sen).  Allerdings  kann  in  einer  Beschwerde  gegen einen  Nichteintre-
tensentscheid  nur  geltend  gemacht  werden,  die  Vorinstanz  habe  zu 
Unrecht das Bestehen der Eintretensvoraussetzungen verneint. Damit 
wird  das  Anfechtungsobjekt  auf  die  Eintretensfrage  vor  der 
Einspracheinstanz  beschränkt,  deren  Verneinung  als  Verletzung  von 
Bundesrecht mit Beschwerde gerügt werden kann (BGE 132 V 74 E. 
1.1;  vgl.  auch  statt  vieler  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 

Seite 5

A-1642/2006

A-1471/2006 und A-1472/2006 vom 3. März  2008  E. 1.2). Auf  diese 
Rechtslage wurde die Beschwerdeführerin von der SRK mit Schreiben 
vom 19. September 2006 ausdrücklich aufmerksam gemacht.

1.4 Beim vorliegenden Verfahren hat sich das Bundesverwaltungsge-
richt somit auf die Frage zu beschränken, ob die Vorinstanz zu Recht 
auf die Eingaben vom 10. April  2006 nicht eingetreten ist. Soweit die 
Beschwerdeführerin  also  in  ihrer  Beschwerde  die  Berücksichtigung 
(nachträglich)  eingereichter  Unterlagen und die inhaltliche Auseinan-
dersetzung mit Fragen ihrer Mehrwertsteuerpflicht bzw. der zu entrich-
tenden Mehrwertsteuer verlangt, kann auf die Beschwerde nicht einge-
treten werden.

2.
Die Eingaben der Beschwerdeführerin setzen sich trotz ausdrücklicher 
Aufforderung nicht wirklich mit der im vorliegenden Verfahren einzig zu 
beurteilenden Frage der  Zulässigkeit  des  Nichteinetretensentscheids 
der  ESTV  auseinander  (vgl.  oben  E. 1.3).  Unter  diesen  Umständen 
könnte auf die Beschwerde an sich ohne Weiterungen nicht eingetre-
ten werden (vgl. oben E. 1.2). Da aber vorgebracht wird, die Beschwer-
deführerin habe seinerzeit gar keine Einsprache eingereicht sowie an-
gesichts der Tatsache, dass es sich bei der vorliegenden Beschwerde 
um eine solche eines Laien handelt, sieht das Bundesverwaltungsge-
richt in Weiterführung der diesbezüglich grosszügigen Praxis der SRK 
(vgl. Entscheid der SRK vom vom 28. März 2003, veröffentlicht in Ver-
waltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  67.128  E.  2b)  allerdings 
von einem solchen Schluss ab und behandelt die Beschwerde inner-
halb  des  eingeschränkten  Streitgegenstandes.  Das  Bundesverwal-
tungsgericht prüft nachfolgend mit anderen Worten,  ob die Vorinstanz 
zu Recht auf die "Einsprachen" vom 10. April 2006 nicht eingetreten ist 
(vgl. oben E. 1.3 und 1.4).

3.
3.1 Gemäss Art. 64 Abs. 1 MWSTG können Entscheide der ESTV in-
nert 30 Tagen nach der Eröffnung mit Einsprache angefochten werden. 
Diese ist schriftlich bei der ESTV einzureichen; sie hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel sowie die Unterschrift 
des Einsprechers oder seines Vertreters zu enthalten. Der Vertreter hat 
sich durch schriftliche Vollmacht auszuweisen. Die Beweismittel sollen 
in der Einspracheschrift bezeichnet und ihr beigelegt werden (Art. 64 
Abs. 3 MWSTG). Genügt die Einsprache diesen Anforderungen nicht 

Seite 6

A-1642/2006

oder  lässt  der  Antrag  oder  dessen  Begründung  die  nötige  Klarheit 
vermissen, so räumt die ESTV dem Einsprecher eine kurze Nachfrist 
zur  Verbesserung  ein  (Art.  64  Abs. 4  MWSTG). Sie  verbindet  diese 
Nachfrist mit der Androhung, nach unbenutztem Fristablauf auf Grund 
der Akten zu entscheiden oder, wenn Antrag, Begründung, Unterschrift 
oder  Vollmacht  fehlen,  auf  die  Einsprache  nicht  einzutreten  (Art.  64 
Abs. 5 MWSTG). 

3.2 Das  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  enthält  in 
Art. 52 für das Beschwerdeverfahren eine zu grossen Teilen identische 
Regelung (vgl. oben E. 1.2). Eine Nachfristansetzung nach Art. 52 Abs. 
2 VwVG hat dabei gemäss Rechtsprechung grundsätzlich immer dann 
zu erfolgen, wenn eine Beschwerde den gesetzlichen Anforderungen 
des Abs. 1 nicht genügt, d. h. namentlich auch dann, wenn die Begeh-
ren oder die Begründung vollständig fehlen (BGE 112 Ib 634 E. 2b und 
c; Entscheid der SRK vom 21. August 1998, veröffentlicht in VPB 63.28 
E. 2a/bb). Aus dem Vorgesagten kann indes nicht geschlossen werden, 
dass an die Beschwerdeschrift überhaupt keine Mindestanforderungen 
gestellt  werden. Damit eine Eingabe überhaupt als – wenn auch un-
vollständige – Beschwerde im Sinne von Art. 52 VwVG betrachtet wer-
den  kann,  muss  darin  mindestens  eine  individualisierte  Person  er-
kenntlich  ihren  Willen  zum  Ausdruck  bringen,  als  Beschwerdeführer 
auftreten zu wollen und die Änderung einer bestimmten, sie betreffen-
den  und  mittels  Verfügung  geschaffenen  Rechtslage  anzustreben 
(BGE 117 Ia 126 E. 5c, BGE 112 Ib 634 E. 2b, Urteil des Bundesge-
richts  vom 13. Oktober  1998,  veröffentlicht  in  Archiv  für  Schweizeri-
sches Abgaberecht [ASA] 68 S. 429 E. 3b/cc; Entscheide der SRK vom 
vom 28. März 2003, veröffentlicht in VPB 67.128 E. 2b, vom 21. August 
1998; ANDRÉ MOSER, in André Moser/Peter Uebersax, Prozessieren vor 
eidgenössischen  Rekurskommissionen,  Basel  und  Frankfurt  a.M. 
1998, S. 80 Rz. 2.96). Andernfalls kommt Art. 52 Abs. 2 VwVG betref-
fend Einräumung einer Nachfrist zur Verbesserung mangels genügen-
dem Ausdruck eines Beschwerdewillens nicht zur Anwendung.

3.3 Auch wenn der Wortlaut von Art. 64 Abs. 4 MWSTG mit demjeni-
gen von Art. 52 Abs. 2 VwVG nicht identisch ist und insbesondere die 
Formulierung "... und stellt sich die Beschwerde nicht als offensichtlich 
unzulässig  heraus"  fehlt,  gilt  das zur  rechtswirksamen Eingabe bzw. 
zum genügenden Ausdrucks des Beschwerdewillens Gesagte auch für 
das  Einspracheverfahren  bei  der  ESTV  (Urteil  des  Bundesgerichts 
vom 7. Oktober 1988, veröffentlicht in ASA 60 S. 363 E. 2b; Urteil des 

Seite 7

A-1642/2006

Bundesverwaltungsgerichts  A-1582/2006  vom  25. Januar  2008  E. 2; 
Entscheid  der  SRK vom 4. Januar  1996,  veröffentlicht  in  VPB 61.20 
E. 5a). 

4.
4.1 Im  vorliegenden  Fall  hat  die  Beschwerdeführerin  der  ESTV  am 
10. April  2006,  unter  Bezugnahme auf  den  Entscheid  vom 27. März 
2006,  eine  schriftliche  Eingabe  eingereicht,  mit  dem  sie  um  "Er-
streckung der Rekursfrist"  ersucht. Dem Inhalt  des Briefes lässt sich 
dabei  unmissverständlich  entnehmen,  dass  der  für  die  Beschwerde-
führerin handelnde A._______ den Willen zur Erhebung eines Rechts-
mittels aufweist, dieses aber einzig deshalb nicht selbst einreicht, weil 
er zur Auffassung gelangt war, dazu nicht alleine in der Lage zu sein. 
Die  ESTV  hat  die  erwähnte  Eingabe  vom  10. April  2006  damit  zu 
Recht  als  Einsprache  entgegengenommen  und  ein  entsprechendes 
Verfahren eröffnet. Daran ändert  auch die Eingabe der Beschwerde-
führerin vom 22. Mai 2006 nichts. In dieser hält sie zwar ausdrücklich 
fest,  sie habe keine Einsprache vorgenommen, sondern lediglich ein 
Erstreckungsgesuch zur Einreichung des "Rekurses" gestellt. Aus der 
Korrespondenz  ergibt  sich  indessen  klarerweise  der  weiterhin  be-
stehende  Einsprachewille.  So  wird  im  Schreiben  vom 12. Juni  2006 
ausgeführt,  der  "Sohn [von A._______ wolle]  alles  prüfen und dann 
den  entsprechenden  Rekurs  einreichen".  Erneut  wird  klar,  dass 
A._______  die  Einsprache  für  die  Beschwerdeführerin  nur  deshalb 
nicht selbst bereits eingereicht hatte, weil er ein "Durcheinander" be-
fürchtete. Ohne Belang für die Frage nach dem seinerzeitigen Einspra-
chewillen bleiben bei alledem wesensgemäss die nach dem Einspra-
cheentscheid von der Beschwerdeführerin gemachten Äusserungen.

4.2 Zu prüfen bleibt damit, ob die ESTV zu Recht auf die Einsprache 
nicht eingetreten ist. Dies ist zu bejahen. Das Bundesverwaltungsge-
richt  verkennt  dabei  die  schwierige  gesundheitliche  Situation  von 
A._______ keineswegs. Die  ESTV hat  allerdings das entsprechende 
Verfahren  korrekt  gemäss  den  gesetzlichen  Vorgaben  von  Art. 64 
MWSTG durchgeführt (vgl. oben E. 3.1). Sie hat zudem die Fragen der 
Beschwerdeführerin jedenfalls in diesem Verfahrensstadium stets klar 
und  deutlich  beantwortet  und  hat  der  von  diesem  geschilderten 
schwierigen Situation von A._______ mit einer grosszügigen Frist zur 
Verbesserung  bzw.  Ergänzung  der  Einsprache  Rechnung  getragen. 
Sie hat zudem die entsprechende Säumnisandrohung des Nichteintre-
tens mehrfach und klar  mitgeteilt,  so dass ihr  gar kein anderer Weg 

Seite 8

A-1642/2006

blieb,  als  nach  unbenutztem  Ablauf  der  Verbesserungsfrist  auf  die 
Einsprache nicht einzutreten. Damit war der ESTV auch verwehrt, auf 
die  im  Laufe  des  Verfahrens  sinngemäss  vorgebrachte  Verjährungs-
einrede  weiter  einzugehen  (vgl.  BGE  133  II  366).  Ist  auf  die 
Einsprache  somit  zu  Recht  nicht  eingetreten  worden,  ist  die 
Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 

4.3 Angemerkt  sei  schliesslich,  dass  selbst  die  Annahme,  die  Be-
schwerdeführerin habe seinerzeit keine Einsprache einreichen wollen, 
ihr inhaltlich nicht zu helfen vermöchte. Wäre dem so gewesen, so hät-
te die ESTV zwar kein Einspracheverfahren eröffnen und keinen Ein-
spracheentscheid fällen dürfen (vgl. Urteil  des Bundesverwaltungsge-
richts A-1582/2006 vom 25. Januar 2008 E. 3.3). Alsdann wäre aber 
der Entscheid der ESTV vom 27. März 2006 in Rechtskraft erwachsen.

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die unterliegende Beschwer-
deführerin grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Ange-
sichts der gesamten Umstände des Verfahrens rechtfertigt sich indes-
sen, ihr diese Kosten zu erlassen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art, 6 Bst. b 
des Reglementes vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen  vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE; SR 173.320.2]; 
vgl.  MICHAEL BEUSCH/ANDRÉ MOSER/LORENZ KNEUBÜHLER,  Ausgewählte pro-
zessrechtliche  Fragen  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsge-
richt,  Schweizerisches  Zentralblatt  für  Staats-  und  Verwaltungsrecht 
[ZBl] 2008 36 f.).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerdeführerin 
erlassen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Seite 9

A-1642/2006

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Michael Beusch Nadine Mayhall

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 10