# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b59d4579-4b2e-5762-ac6c-3c69c47bed86
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-05-23
**Language:** de
**Title:** Betriebswohnungen in Industrie- und Gewerbezonen
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0069/2012
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nr._0069-2012.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2012.00011 
0069/2012 

Entscheid vom 23. Mai 2012 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident  Felix  Müller,  Baurichterin  Monika  Spring-Gross,  Bau-
richter Eugen Staub, Gerichtsschreiberin Barbara Eidenbenz     

in Sachen 

Rekurrent 

H. A., [….] 

gegen 

Rekursgegner 

1.  Gemeinderat X, [….]  
2.  R. und E. M., [….] 

betreffend 

Gemeinderatsbeschluss  vom  16.  Dezember  2011;  Baubewilligung  für  Ge-
werbehaus 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 16. Dezember 2011 erteilte der Gemeinderat X. R. und 

E.  B.  die  baurechtliche  Bewilligung  für  die  Erstellung  eines  Gewerbehau-

ses.  

B. 

Hiegegen  wandte  sich  H.  A.  mit  Rekurseingabe  vom  19.  Januar  2012 

rechtzeitig an das Baurekursgericht und beantragte die Aufhebung des Be-

schlusses sowie die Zusprechung einer Umtriebsentschädigung. 

C. 
Mit Präsidialverfügung vom 24. Januar 2012 wurde der Rekurseingang vor-

gemerkt  und  das  Vernehmlassungsverfahren  eröffnet.  In  seiner  Stellung-

nahme vom 1. März 2012 beantragte der Gemeinderat die Abweisung des 

Rekurses, soweit darauf einzutreten sei. 

D. 

In ihrer Replik vom 10. April 2012 und Duplik vom 25. April 2012 hielten H. 

A. und der Gemeinderat an ihren Anträgen fest. 

E. 

Auf die Parteivorbringen wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den 

Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

[….]  

3.1. 
Industrie- und Gewerbezonen sind gemäss § 56 Abs. 1 PBG in erster Linie 

für  die  Ansiedlung  industrieller  und  gewerblicher  Betriebe  der  Produktion, 

der  Gütergrossverteilung,  der  Lagerhaltung  und  des  Transports  bestimmt. 

R3.2012.00011 

 
 
 
Die  Bau-  und  Zonenordnung  kann  auch  Handels-  und  Dienstleistungsbe-

triebe zulassen (§ 56 Abs. 3 PBG). Die Erstellung von Wohnungen in sol-

chen  Zonen  stellt  eine  grundsätzlich  zonenfremde,  insbesondere  aus 

wohnhygienischen  Gründen  möglichst  fernzuhaltende  Nutzung  dar.  Ge-

mäss § 56 Abs. 4 PBG sind daher Wohnungen in Industrie- und Gewerbe-

zonen lediglich für standortgebundene Betriebsangehörige gestattet; ferner 

können  die  Bau-  und  Zonenordnungen  dort für vorübergehend  angestellte 

Personen provisorische Gemeinschaftsunterkünfte zulassen.  

Da  es  sich  bei  diesen  Vorschriften  um  Ausnahmebestimmungen  handelt, 

sind  sie  einschränkend  auszulegen  (vgl.  VB  54/1974  Erw.  2  =  ZBl  1975 

S. 460). Welche Personen im Interesse eines Betriebes in dessen unmittel-

baren  Nähe  wohnen  müssen,  hängt  im  Einzelfall  von  der  Art  des  Unter-

nehmens ab. 

Die blosse Zweckmässigkeit der Einrichtung einer Wohnung auf einem Be-

triebsgelände reicht nicht aus. Vielmehr muss die Anwesenheit von Perso-

nen am Betriebsort über die normalen Arbeitszeiten hinaus aus sachlichen 

Gründen notwendig sein. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn Maschi-

nen oder Anlagen, deren Betrieb keine Unterbrechung duldet, zu bedienen 

oder zu  beaufsichtigen  sind,  oder wenn  die Wahrung  der betrieblichen  Si-

cherheit die mehr oder weniger dauernde  Überwachung  des  Betriebes er-

heischt.  Ob  solche  Voraussetzungen  gegeben  sind,  hängt  wesentlich  von 

der Art des jeweiligen Unternehmens ab und lässt sich deshalb nicht allge-

mein festlegen, sondern ist unter Berücksichtigung aller konkreten Umstän-

de des Einzelfalles zu entscheiden.  

3.2. 

In  der  Vernehmlassung  rechtfertigt  die  Vorinstanz  ihren  Entscheid  damit, 

dass  Betriebswohnungen  heute  primär  aus  Sicherheitsgründen  erstellt 

würden.  Durch  die  dauernde  Anwesenheit  von  Personen  auf  dem  Areal 

werde für die Nutzer der Gewerberäume die Sicherheit in Bezug auf Brän-

de, Diebstahl etc. klar erhöht. Zudem werde die Vermietbarkeit der Gewer-

beräume  verbessert,  da  auch  Betriebe  mit  Notfalldiensten  oder  24h-

Produktionen  eine  entsprechende  Infrastruktur  vorfänden.  Daraus  habe 
sich  die  langjährige  Praxis  entwickelt,  dass  die  Gemeinde  auch  ohne  ent-

sprechendes  Betriebskonzept  pro  Grundstück  eine  Wohneinheit  als  Woh-

nung für standortgebundene Betriebsangehörige bewillige. 

R3.2012.00011 

 
 
 
Das  dargelegte  Sicherheitsbedürfnis  und  die  bessere  Vermietbarkeit  von 

Gewerbebauten  mögen  zwar  die  Erstellung  einer  Betriebswohnung  als 

zweckmässig  erscheinen  lassen.  Diese  Gründe  sind  indessen  allgemeiner 

Natur und lassen die in § 56 Abs. 4 PBG verlangte direkte Betriebsnotwen-

digkeit  vermissen.  Die  von  der  Vorinstanz  offenbar  geübte  Praxis,  auf  je-

dem Grundstück der Industriezone eine Betriebswohnung zu bewilligen, ist 

gesetzwidrig  und  kann  nicht  als Begründung  für die  Bewilligung  der streit-

betroffenen  Wohnung  dienen.  Solange  die  Nutzung  der  Gewerberäume 

noch nicht feststeht und nicht nachgewiesen ist, dass die konkrete Nutzung 

die  ständige  Anwesenheit  einer  Person  am  Betriebsort  erfordert,  besteht 

keine  Standortgebundenheit  im  Sinne  von  §  56  PBG.  In  diesem  Punkt  ist 

der Rekurs gutzuheissen. 

[….] 

R3.2012.00011