# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b030cac-1bb5-577b-9858-24164a107bdc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 E-6972/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6972-2009_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6972/2009

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter François Badoud,   
Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel.

Parteien A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
E._______,
F._______,
Kosovo, 

Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
9. Oktober 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliessen  die  Beschwerdeführenden 
–ethnische Gorani – ihren Heimatstaat am 12. September 2009 in einem 
Personenwagen. Über unbekannte Länder reisten sie am 14. September 
2009  in  die  Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  G._______  um  Asyl  nachsuchten.  Anlässlich 
der Kurzbefragung vom 22. September 2009 und der Anhörung vom 29. 
September  2009  zu  den  Asylgründen  machten  sie  im  Wesentlichen 
Folgendes geltend:

Der Beschwerdeführer legte dar, er stamme aus H._______, wo er bis zu 
seiner Ausreise gelebt habe. Er habe in seiner Heimat im Betrieb seines 
Vaters  als  (…)  gearbeitet.  Ausserdem  sei  er  ausgebildeter  (…).  Zuletzt 
habe  er  zusammen  mit  seinem  Bruder  in  der  (…)  gearbeitet,  da  sein 
Vater  sich  habe  pensionieren  lassen.  Sein  zweiter  Bruder  sei  (…)  und 
beziehe  eine  befristete  Rente.  Vor  Kriegsende  sei  der  Laden  gut 
gelaufen, erst nach Kriegsende hätten sie Probleme mit der Bevölkerung 
bekommen.  So  seien  immer  wieder  Jugendliche  in  den  Laden 
gekommen, hätten getrunken und gegessen und den Laden dann ohne 
zu bezahlen verlassen. Ausserdem hätten sie ihn bedroht. Im (…) sei der 
Laden  von  den  Behörden  abgebrochen  worden,  womit  der 
Beschwerdeführer seine Existenzgrundlage verloren habe. Danach habe 
er  keine  Arbeit  mehr  gefunden.  Seine  Kinder,  die  auf  eine  albanische 
Schule gegangen seien, seien immer wieder von Mitschülern geschlagen 
worden. Mit den Behörden habe er grundsätzlich keine Probleme gehabt. 
Jedoch  sei  er  einmal,  als  er  eine  Anzeige  wegen  seiner  zerstochenen 
Autopneus  habe  machen  wollen,  auf  den  Polizeiposten  mitgenommen 
und dort zwei Stunden festgehalten worden. Er habe ausserdem seit dem 
Abbruch  des  Ladens  gesundheitliche  Probleme,  weshalb  er 
Beruhigungsmittel und Schlaftabletten nehmen müsse. Seine Eltern und 
seine beiden Brüder seien  in H._______ wohnhaft; eine Schwester  lebe 
in Serbien.

Die Beschwerdeführerin brachte vor, sie stamme aus Dragash, sei aber 
nach  ihrer Heirat,  im Alter von (…) Jahren, zum Beschwerdeführer nach 
H._______  gezogen.  Dort  habe  sie  bis  zu  ihrer  Ausreise  gelebt.  Sie 
selber habe keine Probleme mit den Behörden gehabt. Ihre Kinder hätten 
sich in der Schule nicht mehr wohl gefühlt, und ihr jüngster Sohn sei von 
seiner Lehrerin geschlagen worden. Ihr Mann habe oft Probleme mit der 

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Bevölkerung  gehabt.  Die  Elektrogesellschaft  habe  ihn  mehrmals 
aufgefordert,  den  Strom  für  die  Albaner  zu  bezahlen.  Auch  habe  er 
psychische  Probleme  bekommen  und  sei  sehr  nervös  gewesen.  Seine 
gesundheitliche  Versorgung  sei  in  Kosovo  nicht  mehr  gewährleistet 
gewesen.  Die  Albaner  hätten  der  Familie  ausserdem  immer  wieder 
gesagt, sie sollen gehen, für Gorani gäbe es keinen Platz mehr. Auch sie 
sei  deshalb  psychisch  und  physisch  sehr  belastet.  Ihre  Mutter  und  ein 
Bruder  seien  in  I._______  bei  Dragash  wohnhaft.  Ausserdem  habe  sie 
drei Brüder in Serbien und eine Schwester in Italien (ohne Bewilligung). 

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  Identitätskarte  zu 
den  Akten.  Die  Beschwerdeführerin  gab  keine  Beweismittel  ab,  ihre 
Identitätskarte  habe  sie  bei  den  Schwiegereltern  gelassen.  Einen 
Reisepass hätten beide nie besessen. Die Beschwerdeführenden reichen 
ausserdem folgende Beweismittel zu den Akten: Fotografien des Ladens; 
eine Schulbestätigung betreffend die Kinder; einen Patientenrapport; eine 
Bestätigung,  wonach  die  Beschwerdeführenden  Gorani  seien;  eine 
Bewilligung betreffend den Laden; eine Gerichtsvorladung vom (…) plus 
Einstellungsverfügung  vom  (…);  eine  Gerichtsvorladung  vom  (…);  eine 
Stromrechnung vom (…); eine Verfügung der Gemeinde H._______ vom 
(…)  betreffend  Abbruch  des  Ladens;  eine  Gemeinde­Bestätigung  vom 
(…) betreffend Abbruch des Ladens,  die  ausserdem bestätigt,  dass der 
Beschwerdeführer regelmässig Steuern bezahlt habe und nun Sozialhilfe 
empfangen  müsse;  eine  Mittellosigkeitsbestätigung  der  Gemeinde  vom 
(…);  eine  Bestätigung  der  serbischen  Behörde  in  H._______  vom  (…), 
gemäss welcher der Beschwerdeführer eine (…) geführt habe.

B. 
Mit  Verfügung  vom  9.  Oktober  2009  (eröffnet  gleichentags)  lehnte  das 
BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnet  deren 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz 
begründet  ihren  Entscheid  damit,  dass  Gorani  allein  aufgrund  ihrer 
ethnischen  Zugehörigkeit  nicht  auf  asylbeachtliche  Weise  verfolgt 
würden.  Die  Beschwerdeführer  würden  sich  über  ihre  wirtschaftliche 
Situation  beklagen,  was  jedoch  keine  asylbeachtliche  Verfolgung 
darstelle.  Die  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998  (AsylG,  SR  142.31)  deshalb  nicht  stand.  Der  Vollzug  der 
Wegweisung  sei  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Für  die  detaillierte 
Begründung wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen.

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C. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  6.  November  2009  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  beantragen  die  Beschwerdeführenden  die 
Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  sowie  das  Absehen  von  einer  Wegweisung.  In 
prozessualer Hinsicht beantragen sie die Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege. Als Beweismittel reichen sie eine Fürsorgebestätigung vom 
4.  November  2009,  Kopien  ihrer  N­Ausweise  sowie  zahlreiche  Berichte 
aus den Medien über die Lage in Kosovo zu den Akten. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  26.  November  2009  stellt  das 
Bundesverwaltungsgericht  den  legitimen  Aufenthalt  während  des 
Beschwerdeverfahrens  fest und heisst  die Gesuche um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verzicht  auf  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses gut.

E. 
Mit  Vernehmlassung  vom  30.  Dezember  2009,  welche  den 
Beschwerdeführenden  am  31.  Dezember  2009  zur  Kenntnis  gebracht 
wurde,  beantragt  das  BFM  unter  Verweis  auf  seine  bisherigen 
Standpunkte  und  Erwägungen  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Für  die 
detaillierte  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  auf  die  Erwägungen 
verwiesen.

F. 
Am (…) brachte die Beschwerdeführerin in Aarau ihr (…), F._______, zur 
Welt.  Die  Tochter  der  Beschwerdeführenden  wird  in  das  vorliegende 
Beschwerdeverfahren einbezogen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 

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Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m.  Art. 
37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2.
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 

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gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4.

4.1.  Die  Vorinstanz  begründet  ihren  ablehnenden  Asylentscheid  damit, 
dass  Gorani  allein  aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit  in  Kosovo 
nicht  auf  asylbeachtliche  Weise  verfolgt  würden.  Die  von  den 
Beschwerdeführenden  erfahrenen  Benachteiligungen  würden  nicht 
genügen, eine asylrelevante Situation für sie in Kosovo zu schaffen. Indiz 
dafür  sei  auch,  dass  zahlreiche  Familienmitglieder  nach  wie  vor  in 
Kosovo  lebten.  Es  wäre  ausserdem  nachvollziehbarer  gewesen,  wenn 
der  Beschwerdeführer  sein  Geld  anstatt  für  die  Ausreise  dazu  genutzt 
hätte, seine Rechte mit Hilfe eines Anwaltes geltend zu machen – sofern 
er  in  seinen Rechten  überhaupt  verletzt worden  sei. Den Akten  zufolge 
sei  erstellt,  dass  der  Laden  abgerissen  worden  sei.  Aufgrund  der 
Beweismittel  sei  jedoch  nicht  klar,  ob  dies  rechtmässig  geschehen  sei 
und  ob  sich  der  Beschwerdeführer  dagegen  rechtlich  hätte  zur  Wehr 
setzen  können.  Grundsätzlich  stehe  der  Rechtsweg  in  Kosovo  auch 
Angehörigen  von  Minderheiten  offen.  Der  Argumentation  des 
Beschwerdeführers,  eine  Beschwerde  wäre  nutzlos,  weil  alle  Richter 
Albaner  seien,  könne  nicht  gefolgt  werden.  Im  Übrigen  seien 
wirtschaftliche  Gründe  nicht  asylbeachtlich,  sondern  allenfalls  bei  der 
Zumutbarkeit  der  Wegweisung  relevant.  Die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  hielten  deshalb  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  stand,  weshalb  das 
Asylgesuch abzulehnen sei. 

4.2.  In  ihrer Rechtsmitteleingabe wiederholen die Beschwerdeführenden 
die bei der Anhörung geltend gemachten Asylvorbringen und wenden ein, 
das BFM habe den Sachverhalt ungenügend festgestellt und das Gesetz 
verletzt.  Sie  gehörten  der  Minderheit  der  Gorani  an,  welche  seit 
Jahrzehnten  in  Angst  vor  Übergriffen  seitens  der  Albaner  lebten. 
Insbesondere  nach  dem  Kriegsende  und  dem  Abzug  der  serbischen 
Armee  und  Polizei  habe  der  Terror  gegen  die  nichtalbanische 
Bevölkerung stark zugenommen. Die Stadt H._______, in welcher sie bis 
zu  ihrer  Ausreise  gelebt  hätten,  sei  "bereinigt"  von  Serben,  Kroaten, 

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nichtalbanischen  Muslimen,  Ägyptern,  Aschkali,  Torbes  und  Roma. 
Momentan  würden  dort  nur  noch  ungefähr  zehn  serbische  und  zwei 
goranische  Familien  leben.  Von  der  albanischen  Polizei  bekämen  sie 
keinen  Schutz,  sondern  würden  nur  ausgelacht.  Entgegen  der 
Behauptung der Vorinstanz habe sein Vater eine Bewilligung gehabt, den 
Laden  zu  errichten  und  der  Bau  sei  nicht  illegal  gewesen.  Als  er  die 
Gemeindeverwaltung aufgesucht  habe,  um einen anderen Platz  für  den 
Laden zu bekommen – dies sei  im Vertrag vorgesehen – habe man ihm 
gesagt, Gorani hätten nicht die gleichen Rechte wie Albaner. Er habe sich 
dann bei der KFOR gemeldet und den Fall geschildert, es sei daraufhin 
aber  nichts  geschehen.  Es  hätte  ihm  ausserdem  nichts  genützt,  einen 
Anwalt  zu  bezahlen,  um  seine  Rechte  geltend  zu  machen.  In  den 
Gerichten in Kosovo würden nur Albaner sitzen, welche die Nichtalbaner 
aussiedeln  wollten.  Das  BFM werfe  ihnen  vor,  sich  über  ihre  schlechte 
wirtschaftliche  Situation  zu  beklagen,  was  nicht  Inhalt  einer 
asylbeachtlichen  Verfolgung  sein  könne.  Ihre  schlechte  wirtschaftliche 
Situation sei aber durch einen willkürlichen Entscheid verursacht worden, 
der darauf begründe, dass sie Gorani seien. Er habe sich bemüht, seine 
Familie  zu  integrieren  und  seine  Kinder  auf  eine  albanische  Schule 
geschickt. Der ältere Sohn sei dort von anderen Kindern und der jüngere 
sogar  von  der  Lehrerin  geschlagen  worden,  worauf  er  die  Schule 
abgebrochen habe. Auf der Strasse würden die Beschwerdeführenden oft 
beschimpft und bedroht. Sie hätten Angst vor einem Pogrom, wie es  im 
März 2004 stattgefunden habe. Wenn sie die Drohungen bei der Polizei 
melden würden, würden sie nicht ernst genommen und die Polizei gebe 
die  Informationen an die Täter weiter, was die Situation noch schlimmer 
mache.  Als  Nichtalbaner  sei  es  ausserdem  unmöglich  für  den 
Beschwerdeführer,  eine  Stelle  zu  finden.  Auch  in  Dragash  sei  die 
Situation  sehr  schlecht,  die  Menschen  lebten  dort  im  Ghetto.  Eine 
Rückweisung nach Serbien sei ebenfalls nicht zumutbar, da sie auch dort 
Flüchtlinge wären.  In Serbien befänden sich hundertausende Flüchtlinge 
aus  Kroatien,  Bosnien  und  Kosovo,  welche  in  unzumutbaren 
Verhältnissen  lebten.  Von  ihren  Verwandten  könnten  sie  ausserdem 
keine finanzielle Hilfe erwarten, da es diesen selber zu schlecht gehe. In 
ihrem Heimatland gebe es keine Fluchtalternative, da auch Dragash und 
der Norden Kosovos nicht sicher seien. Ihre Vorbringen untermauern die 
Beschwerdeführenden  mit  zahlreichen  Berichten  aus  den  Medien 
bezüglich der Situation der Minderheiten in Kosovo. 

4.3.  Mit  Vernehmlassung  vom  30.  Dezember  2009  macht  das  BFM 
geltend,  die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe 

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rekapituliert, was sie in der Anhörung schon geltend gemacht hätten. Sie 
hätten ihre Vorbringen mit zahlreichen Berichten aus den Medien, welche 
die  Situation  für  nicht  albanisch  sprechende  Minoritäten  in  Kosovo 
aufzeigen solle, unterlegt. Diese Situation sei dem BFM indessen bekannt 
und  im  Wegweisungsentscheid  vom  9.  Oktober  2009  berücksichtigt 
worden.  Es  sei  für  die  Beschwerdeführenden  als  zumutbar  erachtet 
worden,  sich  in  Dragash,  wo  Verwandte  der  Beschwerdeführerin  und 
zahlreiche  Gorani  lebten,  niederzulassen.  Dies  sei  insbesondere  dann 
zumutbar, wenn sie auf Rückkehrhilfe (auch medizinische Rückkehrhilfe) 
sowie  die  Unterstützung  der  im  Ausland  lebenden  Verwandten  zählen 
könnten.  Im  Übrigen  verweist  das  BFM  auf  seine  Erwägungen,  an 
welchen vollumfänglich festgehalten werde, und beantragt die Abweisung 
der Beschwerde.

5.

5.1.  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung  erfüllt  eine  asylsuchende  Person 
die Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie  in  ihrem 
Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, 
Religion, Nationalität, Zughörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe 
oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauung  ernsthaften  Nachteilen 
ausgesetzt  ist  oder  Nachteile  einer  bestimmten  Intensität 
begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund 
bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen 
sie  keinen  ausreichenden  staatlichen Schutz  erwarten  kann  (vgl.  BVGE 
2007/31  E.  5.2  f.  und  2008/4  E.  5,  sowie  die  vom 
Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in  Entscheide  und 
Mitteilungen der ARK [EMARK] 1995 Nr. 2 E. 3a, 2006 Nr. 18 E. 7­10 und 
Nr. 32 E. 8.7).

Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  sind  die 
tatsächlichen Verhältnisse, wie sie sich im Zeitpunkt der Entscheidfällung 
präsentieren.  Ausgangspunkt  der  Prüfung  ist  die  Frage  nach  der  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Furcht  vor  einer  absehbaren 
Verfolgung  im  Heimatstaat.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im 
Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  zugunsten  und 
zulasten  der  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl. 
BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 mit weiteren Hinweisen).

5.2. 

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5.2.1.  Die  ARK  äusserte  sich  in  EMARK  2001  Nr.  13  zur  Frage  der 
Flüchtlingseigenschaft  und zur Gewährung von Asyl  an Angehörige von 
ethnischen  Minderheiten  in  Kosovo  und  führte  dabei  aus,  die  Lage  in 
Kosovo habe sich seit der Intervention der NATO im Jahre 1999 und dem 
Rückzug  der  serbischen Truppen  aus Kosovo  zum Positiven  verändert, 
da unter anderem durch die 1999 eingesetzte Kosovo Force (KFOR) der 
Schutz der ethnischen Minderheiten verbessert worden sei.

Nach den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts sind  in Kosovo 
die  bisher  zuständigen  Behörden  –  im  Rahmen  ihrer  Möglichkeiten – 
systematisch  gegen  Bedrohungen  und  Übergriffe  Dritter  vorgegangen. 
Insoweit  kann  zum  heutigen  Zeitpunkt  vom  Schutzwillen  und  auch  von 
einer weitgehenden Schutzfähigkeit der in Kosovo tätigen nationalen und 
internationalen  Sicherheitsbehörden,  namentlich  der  UNO  Verwaltung 
(UNMIK), des KPS und der KFOR, ausgegangen werden. Diesbezüglich 
kann  auf  die  Lagebeurteilung  verwiesen  werden,  welche  die  ARK  in 
EMARK 2006 Nr. 10 E. 5.4 zur allgemeinen Situation der Minderheiten in 
Kosovo  vorgenommen  hat  und  welche  sich  auch  heute  noch  in  der 
Quintessenz  als  zutreffend  erweist  (vgl.  BVGE  2007/10;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­6712/2009 vom 12. April 2010).

Die  Vertreter  der  neuen Regierung  haben  sich  sodann  im Rahmen  der 
Unabhängigkeitserklärung  im  Februar  2008  verpflichtet,  sämtliche 
Verträge und Absprachen, die sich aus dem "umfassenden Vorschlag zur 
Regelung  des  Kosovostatus"  des  Sondergesandten  des  UNO­
Generalsekre­tärs für den Prozess zur Bestimmung des künftigen Status 
des Kosovos ergeben, vollumfänglich zu erfüllen.

5.2.2. Das  BFM  hat  im  angefochtenen  Entscheid  zu  Recht  festgestellt, 
dass  Gorani  in  Kosovo  allein  aufgrund  ihrer  ethnischen  Zugehörigkeit 
nicht  auf  asylbeachtliche  Weise  verfolgt  werden  und  die  von  den 
Beschwerdeführenden erfahrenen Benachteiligungen nicht genügen, eine 
asylrelevante Situation in Kosovo zu begründen. 

Die Vorbringen  in der Rechtsmitteleingabe vom 6. November 2009 sind 
nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Erkenntnisse  zu 
bewirken.  Der  Argumentation  des  BFM  werden  keine  stichhaltigen, 
substantiierten und vor allem belegten Gründe entgegengehalten. Wie die 
Vorinstanz  in  der  Vernehmlassung  vom  30.  Dezember  2009  zutreffend 
festgestellt hat, rekapituliert die Beschwerdeschrift  im Wesentlichen, was 
die Beschwerdeführenden  in der Anhörung geltend gemacht haben. Die 

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zahlreichen Medienberichte, welche der Beschwerde beigelegt sind, sind 
indessen  nicht  geeignet,  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführenden  zu  belegen,  zumal  ihnen  der  konkrete  Bezug  zu 
den Beschwerdeführenden fehlt. Es handelt sich vielmehr um allgemeine 
Berichte  über  die  Situation  ethnischer  Minoritäten  in  Kosovo  sowie  um 
Berichte betreffend konkrete Übergriffe auf Einzelpersonen.

Das  BFM  hat  in  seiner  Verfügung  festgehalten,  die  im  vorinstanzlichen 
Verfahren eingereichten Beweismittel  zeigten zwar, dass der Laden des 
Beschwerdeführers abgerissen worden sei. Es gehe daraus jedoch nicht 
hervor, ob dies rechtmässig geschehen sei. Ebenfalls ergebe daraus sich 
nicht, ob sich der Beschwerdeführer dagegen hätte wehren können und 
müssen.  Grundsätzlich  stehe  der  Rechtsweg  in  Kosovo  auch 
Angehörigen von Minderheiten offen. Diese Argumentation ist zu stützen, 
da  der  kosovarische  Staat  gemäss  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts grundsätzlich schutzwillig und schutzfähig  ist 
(vgl. beispielhaft die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D­6712/2009 
vom  12.  April  2010  und  E­784/2008  vom  15.  September  2010).  Im 
Übrigen  hat  der Bundesrat mit  Bundesratsbeschluss  vom 6. März  2009 
Kosovo  als  verfolgungssicheren  Staat  ("Safe  Country")  bezeichnet. 
Dieser Beschluss trat am 1. April 2009 in Kraft. Massgebliche Kriterien für 
die Bezeichnung eines Staates als "Safe Country" sind insbesondere die 
Einhaltung  der  Menschenrechte  sowie  die  Anwendung  internationaler 
Konventionen  im  Menschenrechts­  und  Flüchtlingsbereich.  Wenn  der 
Beschwerdeführer tatsächlich in seinen Rechten verletzt worden ist, hätte 
er zumindest versuchen müssen, sich mit rechtlichen Mitteln dagegen zur 
Wehr  zu  setzen.  Die  geltend  gemachten  Gespräche  von  ihm  mit  der 
KFOR  und  der  OSZE  sind  diesbezüglich  nicht  genügend,  zumal  die 
Beschwerdeführenden diese Gespräche nicht belegen können. Auch die 
weiteren  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten 
Benachteiligungen,  wie  etwa  diejenigen  der  Kinder  in  der 
albanischsprachigen  Schule,  sind  nicht  geeignet,  eine  asylrelevante 
Verfolgung zu belegen.

5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  den  Anforderungen  an  die  Asylrelevanz  nicht 
standhalten.  Die  bis  zu  ihrer  Ausreise  aus  Kosovo  erlittenen 
Benachteiligungen  stellen  keine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  dar; 
ebenso  haben  sie  aufgrund  der  bestehenden  Akten  keine  begründete 
Furcht, solche bei einer Rückkehr in Zukunft zu erleiden. Es kann deshalb 
darauf  verzichtet  werden,  auf  weitere  Ausführungen  in  der 

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Beschwerdeschrift  und  die  Beweismittel  näher  einzugehen,  da  sie  am 
Ausgang  des  Verfahrens  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  Asylgesuch 
wurde vom Bundesamt zu Recht abgewiesen. 

6.

6.1.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50).

7.

7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. 

7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 

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einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.2.2.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der 
Beschwerdeführenden in den Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden noch aus den Akten  (inklusive den eingereichten 
Beweismitteln)  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Kosovo  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete 
Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im 
Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 
würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Kosovo 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig. 

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7.3. 

7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 
83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

7.3.2.  Am  17.  Januar  2008  erklärte  Kosovo  die  Unabhängigkeit  von 
Serbien.  Auch  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  Kosovos  ist  die 
internationale  zivile  und militärische  Präsenz  weiterhin  vorgesehen.  Die 
UNMIK  soll  sukzessive  von  der  EU­Mission  (EULEX)  abgelöst  werden. 
Internationale  Sicherheitskräfte  sowie  der  Kosovo  Police  Service  (KPS) 
garantieren die Sicherheit. Es kann durchaus davon gesprochen werden, 
dass  sich  die  Sicherheitslage  in  Kosovo  in  den  vergangenen  Jahren 
verbessert oder zumindest stabilisiert hat. Das Bundesverwaltungsgericht 
erachtet  den  Vollzug  der  Wegweisung  auch  von  Minderheiten  nach 
Kosovo gestützt  auf  die dort  herrschende allgemeine  (Sicherheits­)Lage 
als  in  der  Regel  zumutbar,  sofern  aufgrund  einer  Einzelfallabklärung 
bestimmte  Reintegrationskriterien  (namentlich  berufliche  Ausbildung, 
Gesundheitszustand,  Alter,  ausreichende  wirtschaftliche 
Lebensgrundlage  und Beziehungsnetz  in Kosovo)  als  gegeben  erachtet 
werden  können  (vgl.  dazu  letztmals  BVGE  2007/10,  mit  weiteren 
Hinweisen).

7.3.3. Die Beschwerdeführenden gehören der Minderheit der slawischen 
Muslime  und  innerhalb  dieser  der Untergruppe  der Gorani  an. Was  die 
allgemeine  Lage  der  slawischen  Muslime  betrifft,  so  wurde  ihnen  im 
Vergleich  zu  den  Angehörigen  der  Ethnien  der  Roma,  Ashkali  und 
"Ägypter" sowie den Kosovo­Serben schon  immer eine höhere Toleranz 
entgegengebracht.  Im  Zusammenhang  mit  der  Beurteilung  der 
Vollziehbarkeit  einer  Wegweisung  äusserte  sich  die  ARK  schon  in 
EMARK 2002 Nr. 22 zur Situation der slawischen Muslime in Kosovo. Die 
dort  vorgenommene  Einschätzung,  nämlich  dass  ein  Vollzug  der 
Wegweisung  der  Angehörigen  dieser  Ethnien  in  die  Bezirke  Dragash, 
Prizren,  Gjakove  oder  Pej  zumutbar  sei,  wenn  diese  Personen  ihren 
letzten  Wohnsitz  in  einem  dieser  Bezirke  hatten,  wird  vom 
Bundesverwaltungsgericht  auch  heute  noch  als  richtig  angesehen. 
Darüber  hinaus  ist  gemäss  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­
6712/2009  vom  12.  April  2010  aufgrund  der  verbesserten  Lage  im 

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Übrigen davon auszugehen, dass  im heutigen Zeitpunkt ein Vollzug der 
Wegweisung  für  slawische  Muslime  in  den  gesamten  Kosovo 
(ausgenommen  den  Bezirk  Mitrovica)  zumutbar  ist,  sofern  bestimmte 
Kriterien  (vgl.  E.  7.3.2.)  individuell  überprüft  wurden.  Somit  wird  der 
Vollzug der Wegweisung auch  in den Heimatort des Beschwerdeführers 
als zumutbar erachtet. 

7.3.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  verkennt  nicht,  dass  die 
Lebensbedingungen  in  Kosovo  schwierig  und mit  dem  allgemein  in  der 
Schweiz üblichen Lebensstandard nicht zu vergleichen sind. Der Mangel 
an  Heizmaterial,  ausreichendem  Wohnraum,  Bekleidung  und  anderem 
trifft  jedoch  die  gesamte  Bevölkerung  ungeachtet  ihrer  Ethnie  und  ist 
charakteristisch  für  die  im  Heimatland  der  Beschwerdeführenden 
herrschende Nachkriegssituation. An dieser Stelle ist jedoch noch einmal 
ausdrücklich  darauf  hinzuweisen,  dass  schwierige  Lebensumstände  für 
sich  alleine  gemäss  konstanter  Schweizer  Praxis  nicht  gegen  die 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  sprechen.  Die 
Beschwerdeführenden  sind  in  H._______,  beziehungsweise  Dragash 
aufgewachsen  und  verfügen  an  beiden Orten  über  Familienangehörige. 
Im  Rahmen  der  Anhörung  haben  zwar  beide  Beschwerdeführenden 
psychische Probleme geltend gemacht (vgl. vorinstanzliche Akten A9 F27 
und F37, A10 F53 und F56f.); aufgrund der bestehenden Akten ergeben 
sich jedoch keine Hinweise, dass diese derart gravierend wären, dass sie 
einem  Wegweisungsvollzug  entgegenstehen  würden.  Zudem  war  der 
Beschwerdeführer diesbezüglich offenbar bereits in Kosovo in (zumindest 
medikamentöser)  Behandlung  und  die  Vorinstanz  hat  in  ihrer 
Vernehmlassung  auf  die  Möglichkeit  der  medizinischen  Rückkehrhilfe 
hingewiesen.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  über  jahrelange 
Berufserfahrung  als  Konditor  und  über  eine  Ausbildung  als 
Maschinentechniker  (vgl.  A10,  F5).  Die  Beschwerdeführenden  haben 
ferner ein  familiäres und soziales Beziehungsnetz  in Kosovo  (Vater und 
Brüder  des  Beschwerdeführers,  Mutter  und  Bruder  der 
Beschwerdeführerin).  Dieses  wird  ihnen  die  Wiederintegration  in  ihrer 
Heimat erleichtern.

7.3.5.  Sind  von  einem  allfälligen Wegweisungsvollzug  Kinder  betroffen, 
so  bildet  bei  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 
über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 

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6 E. 6. S. 57  f.).  In diesem Zusammenhang  ist  festzuhalten, dass unter 
dem Aspekt des Kindeswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu 
würdigen sind, die im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug wesentlich 
erscheinen  (vgl.  EMARK 1998 Nr.  13 E.  5e/aa). Der Persönlichkeit  des 
Kindes  und  seinen  Lebensumständen  ist  umfassend  Rechnung  zu 
tragen. Dabei können bei dieser gesamtheitlichen Beurteilung namentlich 
folgende Kriterien von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art 
(Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner  Beziehungen,  Eigenschaften 
seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und  ­
fähigkeit),  Stand  und  Prognose  bezüglich  Entwicklung  und  Ausbildung, 
sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in 
der Schweiz. 

Die Beschwerdeführenden haben vier Kinder im Alter von (…). Sie halten 
sich  seit  etwas mehr als  zwei  Jahren  in  der Schweiz  auf, was nicht  als 
längerer Aufenthalt  in der Schweiz zu beurteilen ist. Ausserdem sind die 
Kinder noch in einem Alter, in welchem sie stark von den Eltern abhängig 
und an diese gebunden sind. Die persönlichkeitsprägenden Jahre stehen 
ihnen also erst bevor. Sie haben – abgesehen von der jüngsten Tochter – 
einen  grossen  Teil  ihrer  Kindheit  im  Heimatland  verbracht,  und  es  ist 
davon  auszugehen,  dass  sie  die  Muttersprache  nach  wie  vor  besser 
beherrschen  als  Deutsch.  Zusammenfassend  ist  nicht  von  einem  sehr 
hohen Grad der Integration auszugehen. 

Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung – 
insbesondere  auch  im  Lichte  der  KRK  und  unter  Berücksichtigung  der 
zahlreichen auf Beschwerdeebene eingereichten Berichte, welche keinen 
direkten Bezug haben zu den Beschwerdeführenden – als zumutbar.

7.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

7.5.  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

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8.
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Verfahrenskosten  den 
unterliegenden  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG).  Mit  Zwischenverfügung  vom  26.  November  2009  wurde  das 
Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen, 
weshalb von der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen ist.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Den Beschwerdeführenden werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel