# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 252da97e-7aca-5ab5-a09d-8492948c5080
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-06
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 06.03.2015 SB140304
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140304_2015-03-06.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB140304-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Ersatzoberrichterin 

lic. iur. Affolter und Ersatzoberrichter lic. iur. Ernst sowie  

Gerichtsschreiberin lic. iur. Karabayir  

 
Urteil vom 6. März 2015 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich,  

Anklägerin und Erstberufungsklägerin 

 

sowie 

 

1. A._____,  
2. B._____,  

Privatklägerinnen und Anschlussberufungsklägerinnen 

 

1, 2 vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____  

 

gegen 

 
C._____,  

Beschuldigter, Zweitberufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____  

 
betreffend mehrfache Förderung der Prostitution etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 23. Januar 2014 
(DG130008) 

-   2   - 

 
Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 15. März 

2014 (Urk. 41) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig  

- der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 

2 und 3 StGB sowie  

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne 

von Art. 117 AuG  

2. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung zum 

Nachteil von B._____ von Schuld und Strafe freigesprochen.  

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 315 

Tage durch Haft erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 9 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 3 Jahre angesetzt. Im Übrigen (6 Monate, welche 

vollumfänglich durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.  

5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Genugtuung von 

Fr. 3'000.– und der Privatklägerin 2 eine solche von Fr. 7'000.– zu bezahlen. 

Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsforderungen der Privatklägerinnen 1 

und 2 abgewiesen.  

6. Es wird dem Grundsatz nach festgestellt, dass der Beschuldigte verpflichtet 

ist, den Privatklägerinnen 1 und 2 den durch seine Straftaten (adäquat) ver-

ursachten Schaden zu ersetzen.  

7. Der Vertreterin der Privatklägerinnen 1 und 2 wird aus der Gerichtskasse ei-

ne pauschale Entschädigung von insgesamt Fr. 10'500.– zugesprochen.  

-   3   - 

8. Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____, …, … [Adresse], wird für seine Bemühungen 

und Barauslagen als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten aus der Ge-

richtskasse wie folgt entschädigt: 

Honorar: Fr. 26'520.–  

Barauslagen: Fr.   544.90 

MwSt 8% auf Fr. 26'955.90 Fr. 2'156.45 

  __________________ 

Total Fr. 29'221.35 

abzüglich Vorbezug Fr.  6'100.– 

 _____________ 
Total Fr. 23'121.35 

9. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf  

Fr.    5'000.–;  die weiteren Kosten betragen:  

Fr.    5'000.-- Gebühr Strafuntersuchung 

Fr.    5'739.08 Auslagen der Strafuntersuchung 

Fr.       120.-- Zeugenentschädigung 

(sowie 

Fr. 56'134.60 totale Kosten der amtlichen Verteidigung 

Fr. 10'500.-- Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerinnen) 

10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden zu 

zwei Dritteln dem Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Staatskas-

se genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-

chen Rechtsvertretung der Privatklägerinnen 1 und 2 werden auf die Ge-

richtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

bleibt vorbehalten.  

11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 18. Ap-

ril 2012 (HD 32/3) beschlagnahmte Barschaft von Fr. 8'850.– wird zur De-

ckung der Verfahrenskosten verwendet.  

 

-   4   - 

Berufungsanträge:  

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 108 S. 24 f.) 

" 1.  Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Förderung der 
Prostitution und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Aus-
ländergesetz freizusprechen.  

 2.  Die Zivilansprüche seien auf den Zivilweg zu verweisen.  

 3.  Die beschlagnahmte Barschaft sei herauszugeben.  
 4.  Dem Beschuldigten sei Schadenersatz und Genugtuung für den 

Freiheitsentzug zuzusprechen.  

 5.  Die Verfahrenskosten und die Kosten für die amtliche Verteidi-
gung seien auf die Staatskasse zu nehmen."  

b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:  

(Urk. 105 S. 1 f.) 

" 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 23. Januar 2014 sei 
bezüglich Ziff. 1 Urteilsdispositiv vollumfänglich zu bestätigen.  

 2.  Der Beschuldigte sei überdies der mehrfachen sexuellen Nöti-
gung zum Nachteil von B._____ im Sinne von Art. 189 Abs. 1 
StGB schuldig zu sprechen.  

 3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 
einer Busse von Fr. 500.00 zu bestrafen, unter Anrechnung der 
erstandenen Haft von 122 Tagen.  

 4.  Es sei über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft zu entschei-
den.  

 5. Dem Beschuldigten seien die Kosten aufzuerlegen."  

c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft: 

(Urk. 106 S. 2, sinngemäss) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 23. Januar 2013 sei be-
treffend der Dispositiv Ziffern 2., 3., 4., 5., und 6. aufzuheben und 
wie folgt abzuändern:  

  a. Der Beschuldigte und Berufungsbeklagte sei im Sinne der 
Anklage der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 
15. März 2013 schuldig zu sprechen und angemessen zu 
bestrafen.  

-   5   - 

  b.  Der Beschuldigte sei zu verpflichten, B._____ eine Genug-
tuungssumme in der Höhe von CHF 35'000.– zuzüglich 5 % 
Zins seit 01. Januar 2011 zu bezahlen. 

  c. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, A._____ eine Genug-
tuungssumme in der Höhe von CHF 20'000.– zuzüglich 5 % 
Zins seit 01. April 2011 zu bezahlen.  

  d.  Der Beschuldigte sei zu verpflichten, B._____ Schadener-
satz in der Höhe von CHF 2'300.– zuzüglich 5 % Zins seit 
01. Januar 2011 zu bezahlen.  

  e.  Der Beschuldigte sei zu verpflichten, A._____ Schadener-
satz in der Höhe von CHF 4'600.– zuzüglich 5 % Zins seit 
01. April 2011 zu bezahlen.  

2. Die Kosten der Untersuchung, des Gerichtsverfahrens und des 
Berufungsverfahrens, insbesondere die Kosten der unentgeltli-
chen Rechtsvertretung der Privatklägerinnen und Berufungsklä-
gerinnen, seien dem Beschuldigten und Berufungsbeklagten auf-
zuerlegen.  

3.  Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerinnen 1 und 
2 seien für Ihre Aufwendungen CHF 1'330.90 (inkl. 8 % MwSt.), 
zuzüglich des zeitlichen Aufwandes für die heutige Hauptverhand-
lung und Wegzeiten sowie für das notwendige Aktenstudium des 
(begründeten) Urteils und für eine Nachbesprechung mit den Pri-
vatklägerinnen (zzgl. MwSt.), aus der Staatskasse zu entrichten.  

 

____________________________ 

-   6   - 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Prozessuales 

 1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 

23. Januar 2014 der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 

Abs. 2 und 3 StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das Ausländer-

gesetz im Sinne von Art. 117 AuG schuldig gesprochen; vom Vorwurf der mehr- 

fachen sexuellen Nötigung zum Nachteil von B._____ wurde er freigesprochen. Er 

wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten unter Anrechnung von 315 Tagen 

Haft verurteilt, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 9 Monaten bei 

einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben und im Übrigen angeordnet wurde, 

mit der Feststellung, dass der zu vollziehende Teil bereits durch Haft erstanden 

sei. Sodann wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin 1 eine Genug-

tuung von Fr. 3'000.– und der Privatklägerin 2 eine solche von Fr. 7'000.– zu be-

zahlen. Im Mehrbetrag wurden die Genugtuungsforderungen der Privatklägerin-

nen 1 und 2 abgewiesen. Zudem wurde dem Grundsatz nach festgestellt, dass 

der Beschuldigte verpflichtet sei, den Privatklägerinnen 1 und 2 den durch seine 

Straftaten (adäquat) verursachten Schaden zu ersetzen (Urk. 89 S. 44 ff.).  

 Gegen das vorinstanzliche Urteil wurde vom Beschuldigten, der Staatsan-

waltschaft II des Kantons Zürich (fortan: Staatsanwaltschaft) und den Privatkläge-

rinnen 1 und 2 fristgerecht die Berufung angemeldet (Urk. 77-79, 84, 85). Die Zu-

stellung des begründeten Urteils an die Parteien erfolgte am 30. Juni 2014 bzw. 

1. Juli 2014 (Urk. 87). Die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft und des 

Beschuldigen wurden fristgerecht eingereicht (Urk. 91 und 93). Die Privatkläge-

rinnen erklärten Anschlussberufung (Urk. 100). Beweisergänzungen wurden keine 

beantragt. 

 2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in 

-   7   - 

Rechtskraft (Art. 437 StPO; SCHMID, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 402 

N 1). 

 Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung einen vollumfäng-

lichen Freispruch, Verweisung der Privatklägerinnen auf den Zivilweg und Her-

ausgabe der beschlagnahmten Barschaft, grundsätzliche Schadenersatzplicht 

des Staates sowie eine angemessene Genugtuung für die erlittene Haft (Urk. 93). 

Die Staatsanwaltschaft beantragt einen Schuldspruch auch wegen mehrfacher 

sexueller Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 1 sowie eine Erhöhung der 

Strafe auf 4 Jahre Freiheitsstrafe und Fr. 500.– Busse (Urk. 91). Mit ihrer An-

schlussberufung beantragen die Privatklägerinnen einen anklagegemässen 

Schuldspruch, Genugtuungszahlungen von Fr. 35'000.– (B._____) bzw. 20'000.– 

(A._____) sowie Schadenersatzzahlungen von Fr. 2'300.– bzw. Fr. 4'600.– 

(Urk. 100).  

 Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die ein-

gangs erwähnten Anträge stellen. 

 Da somit die Dispositivziffern 7 (Entschädigung der Rechtsvertreterin der 

Privatklägerinnen), 8 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers) und 9 (Kosten-

aufstellung) unangefochten blieben, erwächst das Urteil des Bezirksgerichts Hin-

wil bezüglich dieser Dispositivziffern in Rechtskraft, was vorab mittels Beschluss 

festzustellen ist.  

II. Materielles 

A.  Vorwurf der mehrfachen Förderung der Prostitution 

 1.1. Dem Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, er habe als Cabaret- 

betreiber die Privatklägerinnen A._____ (fortan Privatklägerin 1) und B._____ 

(fortan Privatklägerin 2) der Prostitution zugeführt bzw. sie in ihrer Handlungsfrei-

heit bei der Ausübung der Prostitution beschränkt. 

 1.2. Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf. Weder sei er für die Cabarets 

zuständig gewesen, noch sei es dort überhaupt zu sexuellen Handlungen zwi-

-   8   - 

schen den Tänzerinnen und den Cabaretbesuchern gekommen. Auch seien die 

Tänzerinnen nicht von ihm abhängig gewesen (Prot. I S. 15; Prot. II S. 15 f.). 

 1.3. Die Anklage stützt sich auf die Aussagen der Privatklägerinnen und des 

Beschuldigten, auf die Aussagen von Auskunftspersonen und Zeugen sowie auf 

Urkunden, wie Arbeitsverträge, Handelsregisterauszüge, Fotodokumentationen 

etc.. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung und der Aussa-

geanalyse umfassend dargestellt, worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 89 S. 11 - 

13; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 2.1. Was zunächst die (bestrittene) Verantwortlichkeit des Beschuldigten 

für die Tänzerinnen angeht, so kam die Vorinstanz unter Würdigung der Beweis-

mittel zum Schluss, dass der Beschuldigte den Night Club D._____ in E._____ 

(von anfangs März 2010 bis März 2011), die Discothek F._____ an der … in 

E._____ (von Mai 2010 bis März 2011) und das Cabaret G._____ in H._____ 

(vom 1. Dezember 2010 bis Ende März 2011) als faktischer Geschäftsführer leite-

te (Urk. 89 S. 13 - 15, 31 - 34).  

 Die dagegen erhobenen Einwände des Beschuldigten und der Verteidigung 

verfangen nicht (Urk. 71 S. 9; Urk. 108 S. 4-7). Das D._____ und das F._____ 

seien als Firmen immer unter dem Namen seines Sohnes I._____ bzw. seiner 

Ehefrau, J._____, betrieben worden, er habe ihnen nur geholfen, gewisse Funkti-

onen einzunehmen. Das Cabaret G._____ sei von der Firma K._____ GmbH ge-

pachtet worden, bei welcher seine Ehefrau Inhaberin und Geschäftsführerin ge-

wesen sei (Urk. HD 7/12 S. 3 f.; Urk. HD 7/3 S. 3 f; Prot. I S. 19; vgl. Prot. II S. 

15.). Bereits letztere Angabe wird durch den Handelsregisterauszug relativiert: 

Demnach war die L._____ AG, deren alleiniger Verwaltungsrat mit Einzelunter-

schrift seit Februar 2010 der Beschuldigte war, seit 2009 einzige Gesellschafterin 

der K._____ GmbH (Urk. HD 3/4; SHAB … vom tt. August 2009, TR-Nr. …). Auch 

räumte er anlässlich der Berufungsverhandlung selber ein, der einzige Verwal-

tungsrat der L._____ AG gewesen zu sein, nachdem sein Sohn habe weggehen 

müssen. Die L._____ AG sei sodann - zusammen mit seinem Sohn - auch Mitin-

haberin des D._____ (Prot. II S. 15; vgl. Urk. 89 S. 31). Er habe eine solidarische 

Haftung für seine Ehefrau und seinen Sohn übernommen (Prot. II S. 14). Dass die 

-   9   - 

Funktion der Ehefrau als Geschäftsführerin (bzw. seines Sohnes als Geschäfts-

führer) nur formal und vorgeschoben war, ergibt sich sodann aus weiteren Um-

ständen: So erhielt er eigenen Aussagen gemäss von seiner Ehefrau bzw. seinem 

Sohn eine Vollmacht, um verschiedene Sachen zu erledigen (Urk. HD 7/12 S. 4; 

Prot. I S. 16; Prot. II S. 16). Er war zuständig für die Beaufsichtigung, Anstellung 

und Entlöhnung der Tänzerinnen (Urk. HD 7/7 S. 7; Urk. HD 7/12 S. 3 f.; Prot. II 

S. 18). Er hat die Frauen, welche aus Russland kamen, teilweise auch selber 

ausgewählt (Prot. II S. 16), was doch auf eine massgebende Entscheidungsbe-

fugnis hinweist. Insbesondere unterzeichnete er zugegebenermassen (Urk. HD 

7/11 S. 3 ff.) auch die Verträge mit den Tänzerinnen (Urk. HD 3/22, Urk. HD 3/59 

betr. Privatklägerin 2; Urk. HD 3/53 betr. Tänzerin M._____; Urk. HD 3/9 und Urk. 

HD 7/1 S. 5, 7 betr. Tänzerin N._____), was sich im Übrigen teilweise auch aus 

dem Vergleich mit seiner Unterschriftsprobe (Urk. HD 3/3) ergibt. Insofern er-

scheint seine heute gemachte Aussage, wonach er mit den Verträgen nichts zu 

tun gehabt habe, unglaubhaft (Prot. II S. 17). Entlarvend ist seine Aussage, dass 

seine Ehefrau, "die Ärmste", fälschlicherweise gedacht habe, er sei Inhaber des 

"D._____", des "F._____" und des "G._____" (Urk. HD 7/5 S. 8). Offenbar wusste 

sie in ihrer eigenen, ihr vom Beschuldigten zugedachten Funktion als Geschäfts-

führerin, nicht einmal, wer der Inhaber dieser Lokale war. Aufklärend ist sodann 

seine Antwort auf die Frage, ob die Frauen beim Beschuldigten auch eine Um-

satzbeteiligung von 50% am Champagnerkonsum erhielten. So sagte er in der 

Berufungsverhandlung zunächst spontan: "Nicht in meinen", wobei er sich danach 

korrigierte, indem er das Possessivpronomen "meinen" wegliess (Prot. II S. 19). 

Immerhin gibt der Beschuldigte zu, während der Ferienabwesenheit von O._____ 

im Januar 2011 das Cabaret G._____ geführt zu haben (Urk. HD 7/6 S. 9). Er hat-

te auch eine Generalvollmacht von O._____ betreffend Geschäftsführung des 

Cabaret G._____ (Urk. HD 7/7 S. 5). In Widersprüche verwickelt sich der Be-

schuldigte auch beim Nightclub D._____, als der zuständige Patentinhaber 

P._____ ihn wegen eines Problems zwischen  einer Tänzerin und einem Stamm-

kunden (welcher angeblich bestohlen worden war) im Séparée kontaktierte, ob-

wohl er zu dieser Zeit nicht in die Geschäftsführung involviert gewesen sei. Der 

Beschuldigte kürzte daraufhin den Lohn der Tänzerin um den gestohlenen Betrag 

-   10   - 

und auferlegte ihr die Kosten des Champagnerkonsums von Fr. 480.–. Dem 

Stammkunden bezahlte er die Fr. 1'200.– (Urk. HD 7/7 S. 6 f.). Diese Entschei-

dungsbefugnis belegt ebenfalls klarerweise seine Funktion als verantwortlicher 

Geschäftsführer für das D._____ (und nicht nur als für die Lohnzahlungen zu-

ständige Person; Urk. HD 7/7 S. 7). Dazu kommen die Aussagen der Privatkläge-

rin 1 (Aufforderung vom Beschuldigten im G._____, man müsse tanzen und die 

Kunden probieren; ebenfalls Anordnung von Arbeit im F._____ [Urk. HD 11/2 S. 

17 f., 29, 30 und HD 11/3 S. 9]) und der Privatklägerin 2 (Anweisungen des Be-

schuldigten, wie zu tanzen sei, wie viel Champagner zu trinken sei; Animation der 

Männer, ihr Geld auszugeben [Urk. HD 16/3 S. 11]; "C._____ verlangte von uns, 

dass wir mit den Gästen auf Tuchfühlung gehen sollten"; Aufforderung, an Wo-

chenenden im F._____ zu arbeiten [Urk. HD 16/2 S. 8]). Der Zeuge P._____, der 

Patentinhaber des Night Club D._____ im Januar und Februar 2011, bezeichnete 

die Funktion des Beschuldigten unzweideutig als faktischen Geschäftsführer ("ei-

gentlicher Geschäftsführer im D._____"; "für Lohnzahlungen an Tänzerinnen zu-

ständig" [Urk. HD 20/1 S. 4]; "…im D._____ für Tänzerinnen verantwortlich. Er hat 

sie angeleitet und geführt" [Urk. HD 20/2 S. 7]). Diese Umstände widerlegen die 

Behauptung des Beschuldigten, ihn treffe keine Verantwortlichkeit bei der Füh-

rung der Lokale D._____, F._____ und G._____. Insbesondere wird auch die von 

der Verteidigung ebenfalls zitierte (Urk. 108 S. 4) Angabe, O._____ sei im 

G._____ der Verantwortliche gewesen, von der Privatklägerin 1 klar relativiert. 

Aus ihren Aussagen ergibt sich nämlich, dass der Beschuldigte O._____ Anwei-

sungen erteilte, welche dieser dann den Tänzerinnen weiter gab (Urk. HD 11/2 S. 

28, 30; Urk. HD 11/3 S. 10 f.). Ihre Schilderung in der ersten polizeilichen Einver-

nahme, wonach "Q._____" und ihr Ehemann "C._____" für die Geschäftsführung 

verantwortlich gewesen seien bzw. ihr beim Besitzerwechsel im G._____ vom 

bisherigen Besitzer mitgeteilt worden sei, "Q._____" sei nun die Geschäftsführerin 

des G._____ (Urk. HD 11/1 S. 11 f.), ändert an der Einschätzung, dass sie vorge-

schoben wurde – entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 108 S. 4) – 

nichts. Deshalb wollte der Vorbesitzer R._____ auch, dass der Beschuldigte bei 

der Vertragsunterzeichnung durch seine Ehefrau "Q._____" dabei sein solle (Urk. 

HD 11/1 S. 11; vgl. auch Urk. HD 11/2 S. 21). Die Vorinstanz gelangte zum glei-

-   11   - 

chen Ergebnis, wonach die Ehefrau des Beschuldigten vorgeschoben wurde, dies 

indessen unter Einbezug der Aussagen der Ehefrau des Beschuldigten (Urk. 89 

S. 13); diese sind jedoch mangels Konfrontation nicht zulasten des Beschuldigten 

verwertbar (Art. 147 Abs. 4 StPO). Aber auch ohne diese Aussagen ist die Stel-

lung des Beschuldigten im Sinne der Anklageabschnitte I. Abs. 2 - 8 erstellt, d.h. 

der Beschuldigte war in den Etablissements für die Tänzerinnen und insbesonde-

re für die Privatklägerinnen zuständig. Auch die Aussagen des Beschuldigten im 

Berufungsverfahren (Prot. II S. 15 ff.) und diejenigen der Auskunftsperson 

M._____, welche die Verteidigung zitiert (Urk. 108 S. 5), vermögen dieses Be-

weisergebnis nicht umzustossen.  

 2.2. In dieser Eigenschaft - so der weitere bestrittene Vorwurf der Anklage-

schrift - wies der Beschuldigte die Privatklägerinnen in Abweichung der vertrag- 

lichen Abmachungen ("Streaptease (sic!) integral", Urk. HD 3/17 und 3/22) an, die 

Kunden zu animieren und auf deren Kosten Champagner zu trinken sowie auf 

Wunsch der Kunden im Séparée gegen Entgelt sexuell zu Diensten zu stehen. Im 

Weigerungsfall hätten sie den von den Kunden getrunkenen Champagner bzw. 

eine Busse zu bezahlen.  

 Der Beschuldigte führte diesbezüglich an, er habe stellvertretend für seine 

Frau im D._____ mit den Tänzerinnen über das Arbeitssystem gesprochen. Im 

D._____ sei der Geschäftsführer P._____ und im G._____ O._____ Ansprech-

partner der Tänzerinnen gewesen (Urk. HD 7/11 S. 5 f.; Urk. HD 7/12 S. 3 f.). Es 

sei nie jemand zu irgendetwas gezwungen worden. Die Privatklägerinnen hätten 

gewusst, wozu sie ins Cabaret gekommen seien (Prot. I S. 17 f.). Die auf den An-

gaben der Privatklägerinnen basierenden Vorwürfe gegen den Beschuldigten – so 

der amtliche Verteidiger (Urk. 71 S. 3 f; sinngemäss auch in Urk. 108 S. 11) sowie 

der Beschuldigte (Prot. II S. 18 f.) –  seien Folge der ausgebliebenen Lohnzah-

lungen und durch die Hoffnung motiviert gewesen, damit doch noch irgendwie 

den Lohn erhältlich machen zu können. Die Aussagen betreffend Prostitution und 

sexuelle Nötigung (dazu später unter Erw. II.B.) seien erst ein Jahr später bei den 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen erhoben worden (Urk. 71 S. 3 f.; Urk. 108 

S. 15). 

-   12   - 

 2.3. Die Vorinstanz hat die diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerinnen 

zutreffend wiedergegeben, worauf zunächst zu verweisen ist (Urk. 89 S. 16 - 19; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend und vertiefend ist noch Folgendes festzuhalten:
 2.3.1. Die Privatklägerin 1 gab bei der Polizei zwar anfänglich noch an, 

dass im Séparée keine sexuellen Handlungen vorgenommen worden seien ["Im 

Séparée trinkt und redet man mit dem Gast"] (Urk. HD 11/1 S. 16), korrigierte 

dann aber diese Aussage vor der Staatsanwältin: Während zunächst nur von 

"Erotischer Animation", Streicheln des Kunden am ganzen Körper, ohne Ge-

schlechtsteile (Urk. HD 11/2 S. 21 f.) die Rede war, erklärte sie anlässlich der 

zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, es sei im Séparée auch Feinmas-

sage praktiziert worden, d.h. sie habe den Kunden zwecks Steigerung des Cham-

pagnerkonsums auch am Geschlechtsteil massiert (Urk. HD 11/3 S. 12). Dieses 

Aussageverhalten ist nachvollziehbar: es war der Privatklägerin bewusst, dass sie 

nur eine Arbeitsbewilligung als "Artistin" hatte und nicht der Prostitution nachge-

hen durfte, zumal sie damit gegen ausländerrechtliche Bestimmungen verstossen 

hätte. So gab sie denn auch anlässlich der ersten staatsanwaltschaftlichen Ein-

vernahme an, dass sie darüber informiert worden sei, von der Schweiz ausge-

schafft zu werden, wenn man bei einer sexuellen Handlung erwischt werde 

(Urk. HD 11/2 S. 7). Sie behauptete deshalb bis zum Schluss, dass intime Strei-

cheleinheiten keine sexuelle Handlung seien. Geschlechtsverkehr, welchen sie 

nicht angeboten habe, sei im G._____ im Zimmer vollzogen worden (Urk. HD 11/3 

S. 13). Diese Zugaben sind glaubhaft. Im Rahmen der rechtlichen Würdigung ist 

dann zu beantworten, ob eine Feinmassage des Geschlechtsteils eine sexuelle 

Handlung darstellt. Von Anfang an hat die Privatklägerin 1 sodann offenbart, dass 

sie bereits vor der Einreise in die Schweiz gewusst habe, dass ihr Verdienst nicht 

dem vertraglich vereinbarten Lohn entsprechen würde, sondern vom Champag-

ner-Umsatz abhinge. Ihre Schwester, welche zuvor ebenfalls im G._____ für vier 

Monate so gearbeitet hätte, habe ihr dies mitgeteilt (Urk. HD 11/1 S. 15; Urk. HD 

11/3 S. 4-6). Eine zusätzliche Entschädigung für den Aufenthalt im Séparée habe 

es nicht gegeben, da ja anzunehmen gewesen sei, dass man dort wegen des 

Champagners hingehen musste (Urk. HD 11/2 S. 29 f.). Im Séparée habe sie ge-

streichelt, geküsst und anderes gemacht. Das habe sie machen müssen. Denn 

-   13   - 

wenn ein Kunde einen Champagner für Fr. 500.– im G._____ kaufe, so sei anzu-

nehmen, dass er einem nicht nur ins Gesicht schauen wolle (Urk. HD 11/3 S. 12). 

Das Ziel sei gewesen, möglichst viel Champagner zu verkaufen und möglichst viel 

Umsatz zu machen (Urk. HD 11/3 S. 13). Diese Tätigkeit habe sie bereits unter 

dem Vorbesitzer des G._____, R._____, ausgeübt (Urk. HD 11/2 S. 11 f., 22; Urk. 

HD 11/3 S. 6, 9, 13). Anfänglich gab die Privatklägerin 1 sodann an, die Tänzerin-

nen seien nicht dazu angehalten oder genötigt worden, sich zu prostituieren oder 

mit den Gästen ins Séparée zu gehen. Wenn man dies gewollt habe, so habe 

man ins Séparée gehen können (Urk. HD 11/1 S. 16 ff.). Später verdeutlichte sie 

diese Aussage dahingehend, dass das "Probieren" des Kunden, wie das Tanzen, 

zur Pflicht gehörte. Dabei sei das Interesse des Cabaretbetreibers grösser am 

Ersteren. Man müsse zu ihm (dem Kunden) hin, ihn begrüssen und sich vorstellen 

und anfangen, ihn kennenzulernen. Wenn er anbeisse, dann bitte die Tänzerin 

ihn, sie zu einem Champagner einzuladen. Beim gemeinsamen Champagnertrin-

ken komme nebst dem Gespräch auch die erotische Animation ins Spiel (Urk. HD 

11/2 S. 21 f.). Auf Frage hin erklärte die Privatklägerin 1 dann, dass die Tänzerin-

nen ins Séparée gehen müssen, weil sie durch die Chefs (die beiden "…" 

[C._____ und R._____]) dazu verpflichtet würden. Das gebe es in allen Cabarets 

(Urk. HD 11/2 S. 21 f.; Urk. HD 11/3 S. 9). Sie habe dreimal eine Busse von je Fr. 

100.– (von S._____ der Barfrau im G._____) erhalten, als sie sich geweigert ha-

be, Kunden zu "probieren" (Urk. HD 11/3 S. 9). Auf Vorhalt der polizeilichen Aus-

sage, wonach die Tänzerinnen zu nichts gezwungen würden, führte sie aus, man 

werde nicht mit einer Pistole gezwungen. Aber wenn man für 20 % arbeite und 

keinen Champagner trinke, sei die Alternative zu verhungern (Urk. HD 11/2 S. 

33). Diese Aussagen überzeugen durch ihre Detailtreue, Prägnanz und Stimmig-

keit. Aufgrund der Gefühlsumschreibungen und ihrer eindrücklichen Schilde-

rungsweise wirken die Ausführungen selbst erlebt. Sie legte auch sofort ihr an-

fängliches Wissen über die Umsatzbeteiligung am Champagnerkonsum offen. 

Insbesondere sind keine Anzeichen zu erkennen, die auf eine unrichtige bzw. 

übermässige Belastung des Beschuldigten hindeuten. Ihre Aussagen sind glaub-

haft.  

-   14   - 

 Was ihre wirtschaftliche Situation angeht, so kann auf die Ausführungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 17 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie die 

Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, lebte sie in ihrer Heimat nicht in grösster 

Not und musste dank der Vermittlung durch ihre in der Schweiz wohnhafte 

Schwester keine Vermittlungsgebühr bezahlen. Sie hat ein Kind von 2½ Jahren 

(März 2011). Bevor sie in die Schweiz kam, hat sie bei einem Monatslohn von 

Fr. 200.– (knapp 8'000 Pesos) als Sekretärin in einem Hotel gearbeitet. Sie habe 

davon leben können (Urk. HD 11/2 S. 6). Ein normaler Lohn sei allerdings nicht 

genug, um ein gutes Leben zu führen. Das Geld sei immer knapp gewesen. Sie 

habe sich erhofft, dass sich dies ändern liesse, wenn sie als Cabarettänzerin in 

die Schweiz reisen würde (Urk. HD 11/1 S. 7). Das Geld für das Visum (€ 100.–) 

und den Flug (Fr. 2'700.–) habe ihre Schwester ihr ausgeliehen (Urk. HD 11/1 

S. 8). Nebst der wirtschaftlichen Situation im Heimatland spielt für die Frage der 

Abhängigkeit auch die hiesige Arbeitssituation eine Rolle. Die Privatklägerin 1 hat-

te vier Arbeitsverträge für den Zeitraum vom Oktober 2010 bis Januar 2011 

(Urk. HD 3/17). Ihre Aufenthaltsbewilligung L war an diese Arbeitsverträge ge-

knüpft (vgl. Urk. HD 3/28; Urk. HD 3/52). Zwar war zunächst R._____ verantwort-

lich für das G._____. Jedoch wurde dieses gemäss den glaubhaften Angaben der 

Privatklägerin 1 sowie weiterer Auskunftspersonen im Dezember 2010 vom Be-

schuldigten übernommen (Urk. HD 11/2 S. 2, 12, 20-23; Urk. HD 11/3 S. 8 f.; Urk. 

HD 23/1 S. 2-5, 13; Urk. HD 24/1 S. 3; Urk. HD 24/2 S. 2, 5, 10, 16, 19; Urk. HD 

24/3 S. 4; Urk. HD 26/2 S: 8 f., 13). Zahlte der Beschuldigte also ihren Lohn nicht, 

konnte sie nicht wie ein normaler Arbeitnehmer ihre Arbeit einstellen und den Be-

trieb verlassen, da ihre Aufenthaltsbewilligung an die Ausübung dieser Arbeit ge-

knüpft war. Im Rahmen der rechtlichen Würdigung wird zu prüfen sein, wie weit 

die wirtschaftliche Situation ein Abhängigkeitsverhältnis begründet. 

 2.3.2. Die Aussagen der Privatklägerin 2 bestätigen ebenfalls die tatbe-

standsrelevanten Elemente des Sachverhalts. Entgegen der Ansicht der Verteidi-

gung ergibt sich die sexuelle Verknüpfung ihrer Handlungen mit Kunden des 

Nightclub D._____ in E._____ bereits aus ihren Aussagen in der ersten polizeili-

chen Einvernahme, anlässlich welcher sie von Befummeln der Kunden (wenn 

auch nicht zwingend im Intimbereich) spricht (Urk. HD 16/1 S. 11 f.). Dass sie erst 

-   15   - 

ein Jahr später in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme mit "Oralsex" und 

"Penetration" Klartext sprach, ist allenfalls Folge der Befragungstechnik, welche 

nicht suggestiv, sondern situativ den Sachverhalt ermittelte (vgl. Fragenabfolge in 

Urk. HD 16/3 S. 11 f.). Nebst durchaus natürlichen Schamgefühlen der Privatklä-

gerin 2 führte auch der bereits vorstehend erwähnte Grund, dass für sie Prostitu-

tion aufgrund ihrer Artistenbewilligung nicht erlaubt war (Urk. HD 16/3 S. 6, 28; 

vorstehend Erw. 2.3.), zu einem diesbezüglich zurückhaltenden Aussageverhal-

ten. Nicht stichhaltig ist sodann der Einwand des Verteidigers, wonach sich die 

Schilderung dieser Dienstleistungen aufgrund der Ausstattung des Lokals (von 

anderen Gästen einsehbare, nur teilweise durch Vorhänge abgetrennte Sépa-

rées) und der geringen Höhe der Entlohnung (Fr. 50.– bis Fr. 100.–) als unglaub-

haft erweise (Urk. 71 S. 12). Er übersieht, dass die Besucherfrequenz sehr gering 

und die Beleuchtung gedämpft war; die von der Privatklägerin 2 erwähnte Entloh-

nung war sodann für den Gast zusätzlich zum Champagnerkauf (Fr. 500.–) zu 

bezahlen. Die Schilderungen der Privatklägerin 2 überzeugen auch betreffend die 

Frage, ob sie zur Prostitution gezwungen worden seien. Auch hier verneint sie an-

fänglich einen solchen Zwang (Urk. HD 16/2 S. 8), ergänzt indessen gleichzeitig, 

dass der Beschuldigte von ihnen verlangt habe, mit den Gästen auf "Tuchfühlung" 

zu gehen (Urk. HD 16/2 S. 8; ebenso Urk. HD 16/3 S. 12; Urk. HD 16/5 S. 11 f.). 

Im Séparée hätte sie dann machen müssen, was die Kunden verlangt hätten. Sie 

habe ins Séparée gehen müssen, wenn der Beschuldigte anwesend gewesen sei 

(Urk. HD 16/3 S. 13). Es sei Pflicht gewesen, mit jedem Kunden ins Séparée zu 
gehen. Sie habe sich nicht selbst mit ihnen geeinigt; von sich aus wäre sie nie 

mit einem Kunden ins Separée gegangen. Der Beschuldigte habe die Kunden 

für sie ausgewählt (Urk. HD 16/3 S. 22 f.). Sie habe sich nicht weigern können, 
weil sie sonst den Champagner hätte bezahlen müssen (Urk. HD 16/5 S. 12, 16 

f.).  

 Die Verteidigung verwies vor Vorinstanz zur Untermauerung ihrer Position 

auf den Zeugen P._____, den Patentinhaber des D._____ im Februar 2011 

(Urk. 71 S. 13). Demgemäss hätten die Tänzerinnen nur getanzt und seiner Be-

obachtung nach sonst nicht anderes gemacht. Im Lokal habe sich keine der Frau-

en prostituiert (Urk. HD 20/1 S. 7). Er konnte sich auch nicht erinnern, dass die 

-   16   - 

Privatklägerin 2 ins Séparée gegangen sei. Er denke nicht, dass sie viele Male 

gegangen sei. Im Februar sei wirklich nicht viel los gewesen (Urk. HD 20/2 S. 8). 

Diese Aussagen vermögen indessen nicht den Standpunkt des Beschuldigten zu 

stützen, da sie nicht glaubhaft sind. Die Aussagen von P._____ sind kaum detail-

liert, oft beruft er sich auf Erinnerungslücken. Nicht stimmig sind sie sodann, wenn 

ein Gast nur zwecks Gesprächen mit der Tänzerin die VIP-Lounge aufgesucht 

haben soll (Urk. HD 20/1 S. 7 f.). Auffällig ist auch, dass es den Zeugen nicht 

gross interessiert hat, was oder wie etwas zwischen den Gästen und den Tänze-

rinnen abgelaufen sei. Er habe einfach die bestellten Getränke serviert (Urk. HD 

20/1 S. 7). Damit stellt er klar, dass er darüber eigentlich nicht Auskunft geben 

kann und will; typisch dafür sind die den Antworten häufig vorangestellten Wen-

dungen, wie "Soviel ich weiss..", "…meines Wissens und meiner Beobachtung 

nach…", "Ich kann mich nicht erinnern". Auf diese Aussagen zum Aufgabengebiet 

der Tänzerinnen kann nicht abgestellt werden. 

  Was die wirtschaftliche Not der Privatklägerin 2 angeht, so kann auf die 

entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 20; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Gegensatz zur Privatklägerin 1 muss sie finanziell für  

ihre vier Kinder aufkommen und musste sich zur Bezahlung der Vermittlungs- 

gebühr im Ausmass von 300'000 Pesos (ca. Fr. 7'500.–; Umrechnungskurs vom 

Januar 2011 gemäss oanda.com) erheblich verschulden (Urk. HD 16/5 S. 5). Ihr 

kranker Partner verdient monatlich 5'000.– bis 6'000.– Pesos, sie verdiente in der 

Kleiderfabrik 1'000.– Pesos und die Hauskosten betragen 5'000.– Pesos (Urk. HD 

16/3 S. 7 ff.). Daraus erhellt ohne weiteres die wirtschaftliche Not, in der sich die 

Privatklägerin 2 befunden hat. Die Vermittlungsgebühr musste sie sodann der 

"T._____ GmbH" bzw. an die dominikanische Ehefrau des Beschuldigten ablie-

fern, welche die Kontaktperson war (Urk. HD 3/22 [Auf den Arbeitsverträgen ist 

als Vermittlungsagentur "T._____" aufgeführt]; Urk. HD 16/3 S. 5 f.; 8 f.). Diese 

Agentur wiederum wurde von der L._____ AG beherrscht, deren alleiniger Ver-

waltungsrat der Beschuldigte war (Urk. HD 3/4). Dazu kommt – wie die Vorinstanz 

zu Recht erwog –, dass der Beschuldigte über seine Ehefrau mit den Verhältnis-

sen in der Dominikanischen Republik vertraut war und von einer schwierigen wirt-

schaftlichen Situation der Privatklägerin 2 ausgehen musste. Er gab sodann an, 

-   17   - 

dass er mehr Informationen über die von der "T._____"-Agentur vermittelten Tän-

zerinnen hatte, weil er mit dieser Agentur näher zusammengearbeitet habe (Urk. 

HD 7/7 S. 9). Ferner führte der Beschuldigte selbst aus, dass fast jede Tänzerin 

aus der dominikanischen Republik aus ärmlichen Verhältnissen stamme. Um 

hierher zu kommen, müsse eine Tänzerin schon für den Flug und das Visum 

150'000 Pesos bezahlen (Urk. HD 7/5 S. 12; HD 7/6 S. 13). Dass er von der Ver-

schuldung der Privatklägerin 2 und deren desolater finanzieller Lage konkret 

nichts gewusst habe, ist sodann eine Schutzbehauptung, nachdem er ihr mehrere 

Akontozahlungen bei ihrer Tätigkeit im D._____ ausgerichtet hatte, da sie bei ih-

rer Ankunft mittellos gewesen sei (Urk. HD 7/5 S. 6 und 12). Entscheidend ist in-

dessen – so auch die Vorinstanz–, dass die Privatklägerin 2 nicht ohne Weiteres 

den Arbeitsplatz wechseln konnte, da ihre Aufenthaltsbewilligung damit verknüpft 

war. Dies nützte der Beschuldigte auch bewusst aus, wie sich aus den Aussagen 

der Privatklägerin 2 glaubhaft ergibt, indem er ihr bei Arbeitsverweigerung drohte, 

sie würde ihre Aufenthaltsbewilligung verlieren (Urk. HD 16/1 S. 12). Diesen 

Druck konnte er nur ausüben im Wissen, dass die Privatklägerin 2 aus wirtschaft-

lichen Gründen auf diese Stelle angewiesen war.  

 3. Rechtliche Würdigung 

 3.1.1. Der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB 

macht sich schuldig, wer eine Person unter Ausnützung ihrer Abhängigkeit oder 

eines Vermögensvorteils wegen der Prostitution zuführt. Erforderlich ist, dass der 

Täter das Opfer, das weiblich oder männlich sein kann, mit einer gewissen Inten-

sität zur Ausübung der Prostitution bestimmt, was ein über eine blosse Anstiftung 

hinausgehendes Drängen und Insistieren verlangt (WEDER, in: DONATSCH [Hrsg.], 

Kommentar StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, N 4 zu Art. 195). Arbeitet eine Person 

bereits in der Prostitution, so kann sie zwar "geführt", nicht jedoch zugeführt wer-

den (MENG in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht II, 

3. Auflage, Basel 2013, N 13 zu Art. 195 [nachfolgend nur noch BSK StGB II-

AUTOR]).  

 3.1.2. Der Tatbestand der Förderung der Prostitution im engeren Sinne ge-

mäss Art. 195 Abs. 3 StGB setzt voraus, dass der Täter die Handlungsfreiheit des 

-   18   - 

Opfers dadurch beeinträchtigt, dass er es bei dieser Tätigkeit überwacht bzw. Ort, 

Zeit, Ausmass oder andere Umstände der Prostitution bestimmt, wobei nur die 

Förderung, nicht aber die Beschränkung der Prostitution gemeint ist. Geschütztes 

Rechtsgut ist die Entscheidungsfreiheit der sich prostituierenden Person, die nicht 

verletzt werden darf. Hier geht es nicht darum, jemanden, der in seiner Hand-

lungsfreiheit eingeschränkt erscheint, der Prostitution zuzuführen – wie in Art. 195 

Abs. 1 und 2 StGB –, sondern darum, ihn in seiner Freiheit, selber zu bestimmen, 

wo, wie und wann er diesen Beruf ausüben will, einzuschränken. Von der Straf-

bestimmung wird erfasst, wer sich dem Opfer gegenüber in einer Machtposition 

befindet, die es ihm erlaubt, dessen Handlungsfreiheit einzuschränken und festzu-

legen, wie es seiner Tätigkeit im Einzelnen nachzugehen hat, oder in Einzelfällen 

bestimmte Verhaltensweisen von ihm zu erzwingen. Die Strafbarkeit nach Abs. 3 

setzt voraus, dass auf die betroffene Person ein gewisser Druck ausgeübt wird, 

dem sie sich nicht ohne Weiteres entziehen kann, so dass sie in ihrer Entschei-

dung, ob und unter welchen Bedingungen sie dem Gewerbe nachgehen will, nicht 

mehr vollständig frei ist. Es genügt somit nicht, wenn jemand eine sich prostituie-

rende Person nur beschützt, ohne sie in ihrer Tätigkeit in irgendeiner Form zu be-

herrschen. Vielmehr müssen die Überwachung oder die bestimmten Vorgaben 

zur Prostitution ihrem Willen oder ihren Bedürfnissen zuwiderlaufen (BGE 126 IV 

76 E. 2).  

 3.1.3. Ob unzulässiger Druck im Sinne der Bestimmung ausgeübt wird, ent-

scheidet sich nach den Umständen des jeweiligen Falles. Dabei sind insbesonde-

re ausländische illegal arbeitende Personen in der Regel weniger druckresistent. 

Ein solcher Druck kann insbesondere darin bestehen, dass der Täter kontrolliert, 

ob die sich prostituierende Person genügend anschafft, dass er regelmässig  

Rechenschaft über die Einkünfte verlangt oder die Umstände, wie sie ihrer Tätig-

keit nachzugehen hat, näher festlegt. Ein formales Einverständnis der betroffenen 

Person ist unwirksam, wenn ihre Entscheidungsfreiheit durch wirtschaftliche Not 

wesentlich eingeschränkt ist. Die Förderung der Prostitution gewährt denn auch 

Personen strafrechtlichen Schutz, die aufgrund ihrer ausweglosen oder gar ver-

zweifelten wirtschaftlichen und sozialen Lage in ihrem Herkunftsland bereit sind, 

auf ihre Handlungsfreiheit zeitweise zu verzichten, um als Prostituierte zu arbei-

-   19   - 

ten. In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz vorausgesetzt (BGE 129 IV 81 E. 1.4.; Ur-

teil des Bundesgerichts vom 23.07.2004 [6P.39/2004], E. 5.4.; BGE 126 IV 80 

E. 3.; BSK StGB II-MENG, N 23 und N 35 zu Art. 195 StGB). 

 3.2. Die Anklagebehörde würdigt das Verhalten des Beschuldigten zum 

Nachteil der Privatklägerinnen als mehrfache Förderung der Prostitution im Sinne 

von Art. 195 Abs. 2 und 3 StGB, ebenso die Vorinstanz (Urk. 89 S. 20 - 22).  

 3.2.1. Die Verteidigung hält dafür, der Tatbestand der Prostitution sei nicht 

ausgewiesen, da keine sexuellen Handlungen vorgenommen worden seien 

(Urk. 71 S. 8; Urk. 108 S. 3). Vorstehend wurde erstellt, dass im Séparée des 

D._____ nebst Feinmassage auch Oralsex und Geschlechtsverkehr praktiziert 

wurde; im G._____ kam es im Séparée zumindest zu Feinmassage (Ge-

schlechtsverkehr gab es auf den Zimmern). Zutreffend hat die Vorinstanz diese 

von den Privatklägerinnen erbrachten Dienstleistungen gegen Entgelt unter Hin-

weis auf die betreffende Literatur und Rechtsprechung als Prostitution im Sinne 

von Art. 195 StGB bezeichnet (Urk. 89 S. 21; Art. 82 Abs. 4 StGB).  

 3.2.2. Bestritten wird von der Verteidigung sodann das Tatbestandsele-

ment des Zuführens im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB. So sei die Privatklä-

gerin 1 überhaupt nicht vom Beschuldigten "geholt worden", sondern auf Vermitt-

lung ihrer Schwester, R._____ und …. Die Verträge seien mit R._____ abge-

schlossen worden (Urk. 71 S. 9). Entgegen der Vorinstanz ist hier mit der Vertei-

digung zwischen den Privatklägerinnen zu unterscheiden ist. Die Privatklägerin 1 

begann laut Anklageschrift ihre Tätigkeit als Tänzerin im Cabaret G._____ im Ok-

tober 2010 beim damaligen Inhaber R._____. Dieser klärte sie auch über die Ar-

beitsbedingungen auf. Als der Beschuldigte ab Dezember 2010 das G._____ 

übernahm, änderte sich für die Tätigkeit der Privatklägerin 1 nichts, d.h. sie setzte 

ihre bisherige Arbeit als Tänzerin mit sexueller Animation der Kundschaft fort 

(Feinmassage etc.). Sie übte bereits unter dem Vorbesitzer R._____ die Prostitu-

tion in der Schweiz aus. Wie vorstehend ausgeführt (Erw. 3.1.1.) kann eine Per-

son, die bereits in der Prostitution arbeitet, nicht zugeführt werden. Insoweit ent-

fällt bei der Privatklägerin 1 dieser Tatbestand und der Beschuldigte ist diesbe-

-   20   - 

züglich freizusprechen. Anders ist bei der Privatklägerin 2 zu entscheiden, welche 

vom Beschuldigten in die Tätigkeit der Prostitution eingeführt wurde. 

 Zum anderen deklarierte die Verteidigung die vorinstanzlichen Ausführun-

gen, wonach sich die Privatklägerinnen durch Verweigerung der vertraglichen 

Lohnzahlungen gezwungen sahen, sich zur Deckung ihrer Lebenserhaltungskos-

ten zu prostituieren, als rechtlich falsch und gewagt (Urk. 108 S. 7 ff.). Die ent-

sprechenden Erwägungen der Vorinstanz sind in deren Kürze tatsächlich miss-

verständlich (Urk. 89 S. 21). Jedoch ist der Vorinstanz diesbezüglich im Ergebnis 

und die Privatklägerin 2 betreffend aus den nachfolgend ausgeführten Gründen 

beizupflichten:  

 Indem der Beschuldigte entgegen den vertraglichen Abmachungen die Ent-

schädigung der Privatklägerin 2 als Tänzerin vom Champagnerumsatz abhängig 

machte und von ihr dazu sexuelle Animation der Kunden zwecks Umsatzerzielung 

verlangte, liess er ihr keine Alternative, als diesem Druck nachzugeben. Die Pri-

vatklägerin 2 war aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage, auf diese Ein-

künfte zu verzichten, da sie nicht nur ihre Familie unterstützen musste, sondern 

sich zudem erheblich verschulden musste, um überhaupt diese Tänzerinnenbe-

willigung zu erhalten. Sodann hatte sie nur eine Bewilligung für den Nightclub 

D._____; sie konnte nicht ohne Weiteres ihre Arbeitsstelle wechseln. Zudem war 

sie erstmals in der Schweiz und kannte sich in den hiesigen Verhältnissen nicht 

aus. Dazu kam die Drohung des Beschuldigten, im Verweigerungsfalle die Cham-

pagnerkosten übernehmen zu müssen. Der auf sie als wirtschaftlich in Not befind-

liche Person ausgeübte Druck, welchen er mittels seines Sanktionensystems, der 

verweigerten Lohnzahlungen sowie mittels der Verknüpfung von Einnahmen mit 

dem Champagnerkonsum systematisch aufbaute und aufrecht erhielt, erreicht 

damit die tatbestandsmässig geforderte Intensität. Der objektive Tatbestand von 

Art. 195 Abs. 2 StGB ist damit erfüllt. Auch in subjektiver Hinsicht war sich der 

Beschuldigte dieser Drucksituation bewusst. Wenn er nicht im Einzelnen über die 

wirtschaftliche Situation der Privatklägerin 2 im Bilde war, so war ihm doch be-

wusst, dass Personen aus der dominikanischen Republik zufolge ihrer wirtschaft-

lichen Notlage dringend auf einen Verdienst angewiesen waren. Der Beschuldigte 

-   21   - 

liess die Privatklägerin 2 durch sein Verhalten sodann bewusst mehr und mehr 

"aushungern" und erhöhte so willentlich die Abhängigkeit, welche er schliesslich 

ausnutzen wollte. Er nahm damit zumindest in Kauf, dass sie sich deshalb seinem 

Ansinnen, sie der Prostitution zuzuführen, nicht widersetzen werde. Vor diesem 

Hintergrund wich er sodann vorsätzlich von den vertraglichen Bestimmungen ab 

(statt Fixlohn nur Umsatzbeteiligung) und baute mit seinem Sanktionensystem 

den nötigen Druck auf. Dies tat er im Wissen, dass die Arbeitsbewilligung der Pri-

vatklägerin 2 an seinen Betrieb gebunden war, weshalb sie nicht einfach die Stel-

le wechseln konnte. Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.  

 3.2.3. Ebenso lässt der Beschuldigte bestreiten, er habe die Privatklägerin-
nen in ihrer Handlungsfreiheit im Sinne von Art. 195 Abs. 3 StGB beeinträch-

tigt (Urk. 71 S. 10).  

 3.2.3.1. Die Privatklägerin 1 hat der Beschuldigte in ihrer Handlungsfähig-

keit insofern beeinträchtigt, als er ihr keine Wahlfreiheit bei der Auswahl der Kun-

den liess. Er bestimmte sodann auch die Art der Dienstleistung, die sie erbringen 

musste, indem sie die Wünsche der jeweiligen Kunden für sexuelle Dienstleistun-

gen erfüllen musste. Ein Druck, sich diesen Anweisungen zu fügen, ergab sich 

bereits durch die vertragswidrige Änderung der Entlohnung, welche die Privatklä-

gerin zum Mitmachen zwang, ansonsten sie nichts verdienen konnte. Dass sie 

aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation aber auf den Verdienst angewiesen war, 

wurde vorstehend (Erw. 2.3.1.) aufgezeigt. Mit der Drohung sodann, im Weige-

rungsfalle eine Busse bezahlen oder für die Kosten des Champagnerkonsums 

aufkommen zu müssen (immerhin Fr. 500.– für eine Stunde im Séparée), wurde 

dieser Druck verstärkt (Erw. 3.2.2). Dass sie zugestandenermassen bereits vor 

Antritt der Stelle im Oktober 2010 bei R._____ wusste, dass ihr Verdienst vom 

Champagnerumsatz abhängig war, ändert nichts daran, dass der Beschuldigte 

mit der Übernahme dieser Praxis und seinem Sanktionensystem ihre Handlungs-

freiheit bei der Ausübung der Prostitution deutlich einschränkte. Entgegen der An-

sicht der Verteidigung (Urk. 71 S. 9) ist ihre wirtschaftliche Situation sodann nicht 

so, dass sie - insbesondere in der Schweiz - zur Finanzierung ihres Lebensunter-

halts auf andere, eigene Reserven hätte zurückgreifen können. Insbesondere ist 

-   22   - 

auch zu beachten, dass sie sich für die Reise hierher bei ihrer Schwester bereits 

erheblich verschuldet hatte und nicht ohne Weiteres auf sie zurückgreifen konnte. 

Der Beschuldigte, der diese Druckmittel gezielt zur Durchsetzung seines Ge-

schäftsmodells einsetzte bzw. durch Dritte (O._____; S._____, die Barfrau im 

G._____) einsetzen liess, handelte vorsätzlich. Der Tatbestand gemäss Art. 195 

Abs. 3 StGB ist damit erfüllt. 

 3.2.3.2. Die Privatklägerin 2, deren wirtschaftliche Situation prekär war, wur-

de durch die gleichen Mechanismen unter Druck gesetzt und konnte deshalb nicht 

frei darüber entscheiden, ob sie überhaupt der Prostitution nachgehen will und 

gegebenenfalls mit welchem Kunden. Er wies sie an, wie sie sich gegenüber den 

Kunden zu verhalten hatte, wies ihr zeitweise sogar Kunden zu, ohne dass sie 

sich dagegen hätte zur Wehr setzen, da ihr sonst massive finanzielle Nachteile 

drohten. Zusätzlichen Druck übte der Beschuldigte sodann mit der Drohung des 

Stellenverlusts und der Rückkehr in die Heimat aus (Urk HD 16/1 S. 12; 16/2 

S. 9). Auch hier handelte der Beschuldigte vorsätzlich. Der Tatbestand gemäss 

Art. 195 Abs. 3 StGB ist damit erfüllt. 

 3.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte der Förde-

rung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB gegenüber der Privatklä-

gerin 2 sowie der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 

Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen ist. Freizusprechen ist er von Förderung der 

Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 2 StGB gegenüber der Privatklägerin 1. 

B.  Sexuelle Nötigung zum Nachteil der Privatklägerin 2  

 4. Dem Beschuldigten wird in der Anklage mehrfache sexuelle Nötigung zum 

Nachteil der Privatklägerin 2 vorgeworfen. So soll er sie zweimal zu Oralsex genö-

tigt haben. Der Beschuldigte bestritt diese Vorwürfe während des ganzen Verfah-

rens: er habe keinen sexuellen Kontakt mit der Privatklägerin 2 gehabt. Als einzi-

ges Beweismittel dienen die Aussagen der Privatklägerin 2. Die Vorinstanz kam 

nach Würdigung der Aussagen zum Schluss, der Sachverhalt gemäss Anklage 

liesse sich nicht erstellen (Urk. 89 S. 22 - 30). Bedenken ergäben sich hinsichtlich 

der Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 2 zunächst deshalb, weil sie trotz insistie-

-   23   - 

render Aufforderung in der zweiten polizeilichen Einvernahme ausdrücklich ver-

neinte, dass sich - ausser des geschilderten Vorfalls vor dem WC im D._____ 

(Beschuldigter mit entblösstem, erigiertem Glied fordert Privatklägerin 2 zu Oral-

verkehr auf) - weitere Vorfälle ereignet hätten, und erst ein Jahr später diese Vor-

würfe erhob (ebenso die Verteidigung, vgl. Urk. 108 S. 15 f.). Der von der Privat-

klägerin angeführte Grund dafür, nämlich Scham, erstaune - so die Vorinstanz - 

zumal sie den sexuellen Nötigungsversuch vor dem WC im D._____ bereits bei 

den ersten beiden Einvernahmen erwähnt habe. Sodann habe sie einen durchaus 

lockeren sexuellen Umgang gepflegt, wie sich den glaubhaften Aussagen von 

P._____ entnehmen lasse, gemäss welchen sie zweimal Sex mit ihm gehabt ha-

be. Ferner schildere die Privatklägerin 2 diese Vorfälle (erzwungener Oralsex) 

stets ausserordentlich vage, ungenau und gleichförmig. Nebst dem Fehlen von 

Realitätskriterien seien auch deutliche Fantasiesignale auszumachen (farblos, de-

tailarm, jeglicher Individualität entbehrend). Auch die Ungereimtheiten bezüglich 

der Tatzeitpunkte sei ein Fantasiesignal. Des Weiteren sei ihre Beschreibung der 

Waschanlage widersprüchlich. Ferner führte die Vorinstanz an, dass gegen die 

behaupteten Delikte weitere Umstände sprächen: So sei der Beschuldigte von 

N._____ des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Für die zugestandener-

massen sexuelle Beziehung habe der Beschuldigte mit ausserordentlich üblen 

Drohungen und Erpressungsversuchen büssen müssen. Es erscheine deshalb 

lebensfremd, dass der Beschuldigte in dieser Situation ein sexuelles Abenteuer 

mit einer Tänzerin gesucht haben soll. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass 

zur Entstehungsgeschichte der Aussagen nichts bekannt sei. Es sei nicht auszu-

schliessen, dass sie sich mit anderen Personen besprochen und erfahren habe, 

welche Genugtuungen im Falle sexueller Übergriffe zugesprochen würden. Auch 

sei ihre Persönlichkeitsstruktur nicht bekannt, insbesondere ob sie allenfalls zu 

Übertreibungen neige. Es könne deshalb nicht ganz ausgeschlossen werden, 

dass sie eingesehen habe, dass sie den ihr zustehenden Lohn kaum je erhalten 

werde und damit am Beschuldigten, auch wegen seiner sonstigen Demütigungen, 

Rache nehmen wollte.  

 Die Staatsanwaltschaft führte in ihrer Erstberufungsbegründung (Urk. 91; 

Urk. 105) dagegen v.a. an, dass die Privatklägerin 2 aufgrund ihrer intellektuellen 

-   24   - 

Fähigkeiten gar nicht in der Lage sei, den erlebten Übergriff in eigene Worte zu 

fassen. Wie sich aus der Videoaufzeichnung ergebe, fehlten der Privatklägerin 2 

einerseits die sprachlichen Fähigkeiten, einen Sachverhalt einigermassen konzis 

zu schildern und anderseits verfüge sie nur über einen geringen Wortschatz. Ihren 

sprachlichen Inkompetenzen und ihrer unstrukturierten Denkweise sei es auch 

zuzuschreiben, dass sie Ereignisse zeitlich nicht genau habe einordnen können 

und von einem Ereignis zum nächsten gesprungen sei. Diese Sprunghaftigkeit 

spreche für ihre Glaubwürdigkeit. Die von der Vorinstanz georteten Phantasiesig-

nale seien Folge der sprachlichen, psychischen und intellektuellen Prädisposition 

der Privatklägerin 2. Die Vorinstanz würde sodann bei der Beurteilung der Aussa-

gen der Privatklägerin 2 zu den sexuellen Übergriffen die gesamte Situation und 

das Tatumfeld nicht berücksichtigen. Zu Unrecht werde ihr ferner ihr langes 

Schweigen über die sexuellen Übergriffe angelastet. Die Privatklägerin 2 sei of-

fensichtlich kindlich und naiv. Gehe es um die Frage, zu wem sie ein Vertrauens-

verhältnis aufbauen könne, lasse sie sich von ihren Instinkten leiten. Gegenüber 

der Sachbearbeiterin habe sie ihr Selbstbild wahren und sich keine Blösse geben 

wollen. Dass sie sich für die sexuellen Übergriffe geschämt habe, sei offensicht-

lich. Diese von sich aus der jungen und selbstbewussten Sachbearbeiterin zu 

Protokoll zu geben, sei für sie nicht in Frage gekommen. Erst zur befragenden 

Staatsanwältin habe sie dann Vertrauen gefasst. Auch sei das Befragungskon-

zept so angelegt, dass die Sachbearbeiterin v.a. die Arbeitsbedingungen im 

Cabaret erfrage; es sei nicht auf sexuelle Übergriffe ausgerichtet gewesen.  

 5.1. Die Privatklägerin 2 wurde von der polizeilichen Sachbearbeiterin erst-

mals am 18. April 2011 einvernommen (Urk. HD 16/1). Sie wurde bereits damals 

von einer Vertrauensperson des Fraueninformationszentrum (FIZ) begleitet. Als 

Grund für die Anzeige erklärt sie, der Beschuldigte habe sie nicht bezahlt und zu 

(Dienst-)Leistungen/Handlungen gezwungen/veranlasst, welche nicht im Vertrag 

enthalten oder geschrieben gewesen seien. Er habe sie ganz einfach ausgenützt 

und deshalb wolle sie ihn anzeigen (Urk. HD 16/1 S. 2). Nach der Schilderung der 

Arbeitsbedingungen (Tanzen, Animieren der Kunden, Wochenendarbeit im 

F._____) kommt sie von sich aus auf den Vorfall zu sprechen, als der Beschuldig-

te vor der Toilette sein erregtes Glied durch den Hosenschlitz gesteckt und sie 

-   25   - 

aufgefordert habe, ihm einen zu blasen. Im Affekt habe sie ihn als Schwein ("Du 

Schwein") bezeichnet und sei anschliessend die Treppe hochgerannt. Er sei ihr 

gefolgt und habe sie an den Haaren gepackt. Sie habe sich aber losreissen und 

ihm entfliehen können. Dieser Vorfall habe sich nach ca. drei Arbeitswochen, also 

Ende Februar 2011 ereignet (Urk. HD 16/1 S. 12). Die zweite polizeiliche Einver-

nahme erfolgte am 27. April 2011, wiederum in Begleitung der Vertrauensperson 

des FIZ (Urk. HD 16/2). Auch dort nimmt sie Bezug auf diesen Vorfall (die ver-

suchte sexuelle Nötigung) im Zusammenhang mit den vertraglich nicht vorgese-

henen Leistungen. Die konkrete Frage, ob sie vom Beschuldigten noch bei ande-

ren Gelegenheiten in irgendeiner Art und Weise in ihrer physischen (auch sexuel-

len) oder psychischen Integrität angegriffen/verletzt worden sei, verneinte sie. Es 

sei allerdings so gewesen, dass sie immer versucht habe, sich möglichst weit vom 

Beschuldigten aufzuhalten, ihm auszuweichen, wenn er anwesend gewesen sei. 

Sie habe versucht, sich in der Nähe von … (einer anderen Tänzerin) aufzuhalten 

und sich möglichst auch nicht alleine auf die Toilette zu begeben (Urk. HD 16/2 S. 

10 f.). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 13. April 2012 

kam sie nach einer Befragungspause, welche eingelegt worden war, weil die Pri-

vatklägerin 2 stark weinte, auf die fraglichen Vorfälle zu sprechen. Konkret wurde 

sie auf das Weinen angesprochen und gefragt, weshalb sie sich jetzt so schlecht 

fühle. Darauf antwortete sie, dass die Erinnerungen an all das, was der Beschul-

digte ihr angetan habe, wieder hochgekommen seien, als sie diesen nun wieder 

gesehen habe. Es gebe da nämlich etwas, was sie bis jetzt aus Scham nie habe 

erzählen wollen (Urk. HD 16/3 S. 13). Es sei an einem Tag abends gewesen und 

er habe sie angerufen und gesagt, dass sie zum Arzt müsse, denn sie würden 

kontrolliert werden und er müsse eine Arztbestätigung vorweisen können. Sie sei-

en zu einem angeblichen Arzt gegangen, sie wisse aber nicht, ob das wirklich ein 

Arzt gewesen sei. Sie seien dort hingegangen, der Arzt sei nicht dort gewesen 

und er habe zu ihr gesagt, sie werde wieder alleine zurückkommen müssen. Sie 

seien in eine Autowaschanlage. Sie habe im Auto gesessen. Da habe er sein 

Ding ausgepackt, habe sie am Kopf gepackt bei den Haaren und habe sie ge-

zwungen, es zu tun, ohne Gummi. Im D._____ sei auch noch ein Vorfall gewesen. 

In den ersten Tagen dort sei sie die Treppe runter, um ins Badezimmer zu gehen. 

-   26   - 

Als sie aus dem Badezimmer gekommen sei, sei er an der Türe gestanden und 

habe sein Ding draussen gehabt und gesagt: "Komm blasen". Sie habe nein ge-

sagt. Doch er habe sie wieder am Kopf gepackt. Sie wisse nicht, wie es ihr gelun-

gen sei, sich loszureissen und hoch zu rennen. Sie habe sich an die Bar gesetzt, 

um es …, dem Barmann zu erzählen, doch er habe sie nicht verstanden. Sie hät-

ten sprachliche Schwierigkeiten gehabt. Aber er habe sehr wohl gemerkt, was da 

vor sich gegangen sei. An einem anderen Tag, dies sei im F._____ gewesen, da 

habe er sie nach unten gebracht, es sei dunkel gewesen und er habe das Licht 

eingeschaltet und von ihr verlangt, dass sie es erneut mache. Und er habe sie 

gezwungen, wieder das Gleiche mit ihm zu machen (Urk. HD 16/3 S. 14).  

 5.2. Zunächst ist bei der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 2 auf 

den Umstand einzugehen, dass sie nicht bereits bei der polizeilichen Sachbear-

beiterin die beiden anklagerelevanten sexuellen Nötigungshandlungen erwähnte. 

Entgegen der Vorinstanz lässt sich daraus nichts zur Frage der Glaubwürdigkeit 

der Privatklägerin ableiten. Insbesondere verkennt die Vorinstanz den Unter-

schied zwischen Schamgefühlen als Folge einer erlittenen sexuellen Demütigung 

und der sonstigen Einstellung zu sexuellen Fragen. Vor allem ist der von der Vor- 

instanz bemühte Zusammenhang nicht ersichtlich zwischen der Behauptung des 

Barkeepers im D._____, er habe zweimal mit der Privatklägerin 2 geschlechtlich 

verkehrt, und ihrer Angabe, sie habe aus Schamgefühlen den Vorfall nicht er-

wähnt. Der Nötigungsversuch des Beschuldigten war für die Privatklägerin 2 nicht 

demütigend, konnte sie sich wehren und sich ihm entziehen. Deshalb fiel es ihr 

leichter, darüber zu sprechen. Dass sodann taktische Überlegungen im Hinblick 

auf eine höhere Genugtuung eine Rolle gespielt haben könnten, erscheint wenig 

wahrscheinlich, hätte sie diese Vorwürfe doch bereits in den ersten Einvernahmen 

erhoben; dagegen spricht auch, dass sie bei den Einvernahmen von Anbeginn 

von einer Vertrauensperson des FIZ begleitet und wohl auch über die Rechtslage 

betreffend ihrer Ansprüche als Opfer aufgeklärt wurde. Nicht gefolgt werden kann 

der Ansicht der Staatsanwaltschaft, wonach zufolge des Befragungskonzepts der 

Polizei diese Vorfälle gar nicht thematisiert werden konnten, da die Privatklägerin 

2 von sich aus auf den sexuellen Nötigungsversuch zu sprechen kam und die Be-

fragerin zu Recht noch Anschlussfragen nach weiteren solchen Vorfällen stellte.  

-   27   - 

 Schliesslich ist mit der Erstberufungsklägerin festzuhalten und zu berück-

sichtigen, dass die Privatklägerin 2 gestützt auf die Aufzeichnungen offensichtlich 

Mühe hat, sich auszudrücken bzw. das Geschehene verständlich zu schildern, 

weshalb sie oft auf nonverbale Ausführungen zurückgriff, und nicht besonders 

wortgewandt ist (vgl. Urk. 105 S. 5). Entgegen der Verteidigung geht es dabei 

nicht darum, die teilweise unstimmig wirkenden Aussagen der Privatklägerin 2 un-

ter Hinweis auf eine allfällig mangelnde Intelligenz als überzeugenden Beweis für 

die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen gelten und ausreichen zu lassen (Urk. 108 

S. 17 f.). Vielmehr gebietet eine pflichtbewusste und eingehende Aussagenanaly-

se gestützt auf die anerkannten Grundsätze der Aussagenwürdigung es gerade-

zu, auch auf die geistigen Leistungsfähigkeit und Kompetenzen des Aussagenden 

einzugehen (FERRARI, Erkenntnisse aus der Aussagepsychologie, in: plädoyer 

4/09 vom 19. August 2009, S. 37; LUDEWIG/TAVOR/BAUMER, Wie können aussage-

psychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: 

AJP 11/2011 1415-1435, S. 1424 und 1427). Zu guter Letzt sind auch die äusse-

ren Umstände, unter welchen die Privatklägerin 2 ihre Aussagen jeweils deponier-

te, mit zu beachten. Die ersten beiden Einvernahmen erfolgten, als die Privatklä-

gern 2 sich noch in der Schweiz befand und erst ein bis zwei Monate seit den gel-

tend gemachten sexuellen Nötigungen vergangen waren. Die dritte Einvernahme, 

anlässlich welcher sie die Beschuldigungen erhob, wurde durchgeführt, nachdem 

sie sich bereits wieder seit geraumer Zeit in ihrem Heimatland befand, insofern al-

so einen gewissen Abstand zum Beschuldigten gewinnen konnte und nicht mehr 

von diesem abhängig war.  

 5.3.1. Entscheidend ist indessen, worauf auch die Vorinstanz in den allge-

meinen theoretischen Erwägungen zur Beweiswürdigung hingewiesen hat 

(Urk. 89 S. 11 - 13; Art. 82 Abs. 4 StPO), die Glaubhaftigkeit der Darstellung der 

Privatklägerin 2. Dabei fällt zunächst auf, dass die Privatklägerin 2 das Kern- 

geschehen sehr anschaulich schildert: insbesondere kommen klar ihre Gefühle 

von Machtlosigkeit bzw. Ausgeliefertsein und Ekel zum Ausdruck: sie habe sich 

nicht wehren können, er sei aggressiv gewesen, er habe den Reissverschluss 

seiner Hose geöffnet, sein "Ding" ausgepackt und ihren Kopf an den Haaren zu 

sich herabgezogen. Sie habe sich in die Enge getrieben gefühlt. Während der 

-   28   - 

ganzen Zeit habe er sie am Kopf gehalten (Urk. HD 16/3 S. 16 f.). Sie habe es 

aus Angst gemacht (Urk. HD 16/5 S. 18). Ihre Gefühle finden auch auf der non-

verbalen Ausdrucksebene eine eindrückliche Entsprechung, wie sich der visuell 

aufgezeichneten Einvernahme entnehmen lässt (Urk. HD 16/4, Zeitcode: ab 

02:24, insbes. 3:01 als Zeitpunkt der Ejakulation in der Autowaschanlage). Der 

Vorfall im F._____ wird von ihr ebenfalls anschaulich geschildert (der Beschuldig-

te hält die Privatklägerin an der Hand und setzt sie aufs Sofa, öffnet vor ihr ste-

hend den Reissverschluss seiner Hose, nimmt sein Penis heraus, packt sie am 

Kopf, während er seinen Penis hält, und zieht ihren Kopf gegen sich [Urk. HD 

16/3 S. 18; Urk. HD 16/4, Zeitcode ab 04:40 und 08.00]; Urk. HD 16/5 S. 17 f.). Im 

Unterschied zum Auto-Vorfall hält er hier sein Glied mit der Hand, während er ih-

ren Kopf dagegen führt. Ebenso bringt sie hier ihre Ohnmacht zum Ausdruck: "Ich 

war seine Gefangene" (Urk. HD 16/3 S. 18). Dazu kommt, dass der Beschuldigte 

bei diesen Vorfällen kein Präservativ benutzte, was insofern persönlichkeitsadä-

quat erscheint, als der Beschuldigte eigenen Angaben gemäss auch ungeschütz-

ten Geschlechtsverkehr mit der Tänzerin N._____ (genannt …) hatte (Urk. HD 7/4 

S. 15). Nachvollziehbar legt sie auch dar, weshalb sie sich seinem Ansinnen nicht 

durch Flucht entziehen konnte, wie beim Vorfall im D._____: Im Auto war dies 

während des Waschvorgangs nicht möglich (Urk. HD 16/5 S. 21), und im F._____ 

hätte sie nicht gewusst, wohin sie hätte flüchten sollen, da sie sich nicht ausge-

kannt habe und die Sprache nicht spreche (Urk. HD 16/5 S. 19). Im D._____ habe 

sie es gemacht, weil es dort Leute gehabt habe (Urk. HD 16/5 S. 23). Die Einbet-

tung der Ereignisse in den gesamten Ablauf ist ebenfalls stimmig. Ausgangspunkt 

für beide Vorfälle sei der Vorwand des Beschuldigten gewesen, sie müsse den 

Arzt aufsuchen, weshalb er sie mit dem Auto abgeholt habe. Nachdem der Arzt 

jeweils nicht dort gewesen sei, kam es dann zu diesen Vorfällen. Der Arztbesuch 

als Vorwand für den Beschuldigten ist insofern stimmig, als die Privatklägerin 

nach dem Nötigungsversuch im D._____ dem Beschuldigten möglichst auszuwei-

chen versuchte und nicht alleine mit ihm zusammen sein wollte (Urk. HD 16/2 S. 

11). Beim Vorfall im F._____ beschreibt sie sodann die Begleitumstände (Hinter-

eingang, dunkler Raum, wobei der Beschuldigte das Licht einschaltet, Beschrei-

bung der Möblierung, die Art, wie er sie am Arm haltend zum Absitzen auf das 

-   29   - 

Sofa zwang [Urk. HD 16/3 S. 18; HD 16/5 S. 17 f.]). Beim zweiten Vorfall sticht die 

Originalität des Tatorts ins Auge (Autowaschanlage), was ein Realitätskennzei-

chen ist. Sodann wirkt ihre Schilderung lebensnah, wonach der Beschuldigte beim 

Hinausfahren aus der Waschanlage wegen der Mitarbeiter, die das Auto getrock-

net hätten ("…da waren sie schon am trocknen...; Urk. HD 16/3 S. 17), erschro-

cken sei und sie deshalb losgelassen habe. Entgegen der Verteidigung (Urk. HD 

71 S. 22) ist nicht einsichtig, weshalb es nicht gleichzeitig zum Samenerguss ge-

kommen sein soll. Diese Verknüpfung von Ursache und Wirkung ist ein Realitäts-

kriterium.  

 5.3.2. Widersprüchlich erscheinen ihre Zeitangaben betreffend die inkrimi-

nerten Vorfälle. Den (nicht angeklagten) Nötigungsversuch datiert sie bei der Poli-

zei mit ca. dritter Arbeitswoche, also gegen Ende Februar 2011 (Urk. HD 16/1 

S. 12). Bei der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schildert sie zu-

nächst die Ereignisse ohne bestimmte zeitliche Reihenfolge ("Er kam an einem 

Tag abends…" betreffend Autowaschanlage; "An einem anderen Tag…" betref-

fend F._____); einzig den Nötigungsversuch platziert sie auf die ersten Tage ihres 

Aufenthaltes (Urk. HD 16/3 S. 14). Sodann lassen ihre Aussagen den Schluss zu, 

dass der Nötigungsversuch sich vor der vollendeten sexuellen Nötigung im 

F._____ ereignet haben muss. So gibt sie nämlich, gleich im Anschluss an ihre 

Schilderungen bezüglich des Nötigungsversuchs im D._____ an, dass der Be-

schuldigte sie an einem anderen Tag gezwungen habe, wieder das Gleiche zu tun 

(Urk. HD 16/3 S. 14). Den Vorfall in der Autowaschanlage datiert sie auf Nachfra-

ge hin auf den 6. oder 7. Februar. Der Arzt sei damals nicht dort gewesen und der 

Beschuldigte habe ihr gesagt, dass sie am nächsten Tag alleine zum Arzt gehen 

müsse (Urk. HD 16/3 S. 14 f.). Etwas später erklärt sie auf Frage, der Beschuldig-

te habe sie am Nachmittag/Abend (tarde) um ca. 14.00 Uhr abgeholt (Urk. HD 

16/3 S. 26). Im F._____ seien sie ca. um 14.00 Uhr gewesen, es sei ein Arbeits-

tag gewesen, da es geschlossen gewesen sei und sie angeblich samstags geöff-

net hätten (Urk. HD 16/3 S. 18). Bei der zweiten staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme erklärt sie, dass der Beschuldigte beim ersten Mal ständig die Ausrede 

benutzt habe, dass sie zum Arzt müsse. Einmal habe er sie zum Arzt bringen wol-

len, ihr dann aber erklärt, der Arzt sei nicht da und es sei geschlossen. Er habe 

-   30   - 

sie stattdessen ins F._____ verbracht. Die Frage, wie lange dies nach dem Stel-

lenantritt gewesen sei, blieb dann insofern unbeantwortet, als sie ihre Erlebnisse 

seit Anbeginn schildert ["Am Anfang belästigte er mich ständig….."] (Urk. HD 16/5 

S. 17). Aus der gesamten Schilderung lässt sich jedoch die Reihenfolge ablesen: 

Nötigungsversuch, F._____, Autowaschanlage. Auf Frage, ob sie diese zwei Er-

eignisse zeitlich etwas eingrenzen könne, sagte sie, dies sei ca. Mitte Monat oder 

etwas früher gewesen (Urk. HD 16/5 S. 18). Auf Frage der Verteidigung, wie viele 

Vorfälle mit sexueller Handlung es mit dem Beschuldigten gegeben habe, erklärte 

sie zwei. Auf Frage, wann und welcher der erste gewesen sei, gab sie an, der ers-

te sei im D._____ gewesen, aber da sei nichts passiert. Der zweite sei im F._____ 

gewesen, da sei etwas passiert. Dies sei der erste Vorfall gewesen bei dem etwas 

passiert sei. Dies sei im Februar gewesen. Der zeitliche Abstand zum zweiten 

Vorfall könne sie nicht genau angeben, da ständig die Ausrede gewesen sei, dass 

der Beschuldigte sie zum Arzt bringen müsse. Auf Frage, ob sie die Tageszeit des 

zweiten Vorfalls angeben könne, wollte die Privatklägerin wissen, ob Waschanla-

ge oder F._____. Der Verteidiger beharrte auf der Frage nach dem zweiten Vor-

fall, worauf sie erklärte, sie glaube, am Morgen, wobei sie es nicht genau sagen 

könne, da sie so nervös gewesen sei, dass sie sich nicht so viel habe merken 

können (Urk. HD 16/5 S. 24 f.). Aus diesen Angaben erhellt, dass die Privatkläge-

rin 2, was die zeitlichen Abläufe angeht, nicht in der Lage war, zuverlässige An-

gaben zu machen. Es fällt auch auf, dass für sie nicht der Ereigniszeitpunkt ("An 

einem Tag…"; "An einem anderen Tag…") wichtig ist, sondern das Ereignis an 

sich. Dass die Privatklägerin 2 mit Zeitangaben generell Schwierigkeiten hat, wird 

dadurch belegt, dass sie ihre Arbeitsmonate im D._____ verwechselte. So führte 

sie aus, als sie am 1. Februar mit der Arbeit im D._____ habe anfangen wollen, 

hätten sie bereits alles zusammengeräumt. Sie sei im Januar dort gewesen und 

sei im Februar noch ca. 5 Tage geblieben. Erst als sie auf den Irrtum aufmerksam 

gemacht wurde, erklärte sie, sie bringe die Monate durcheinander. Dies alles ma-

che sie sehr nervös (Urk. HD 16/5 S. 13 f.). Ebenso zeigt die vorstehend ausführ-

lich wiedergegebene Befragung durch den Verteidiger, dass die Privatklägerin 2 

Schwierigkeiten mit der zahlenmässigen Zuordnung der Vorfälle hat; dies ist wohl 

auch darauf zurückzuführen, dass auch die Befrager nicht immer sauber zwi-

-   31   - 

schen dem Versuch und den zwei (gemäss ihrer Darstellung) vollendeten Nöti-

gungen unterschieden haben. Im Ergebnis ist jedoch klar, dass die Reihenfolge 

mit dem Versuch im D._____ anfängt, und von den Vorfällen im F._____ und in 

der Autowaschanlage gefolgt wird. Mitnichten können ihre Zeitangaben als Phan-

tasiesignale interpretiert werden, zumal die entscheidende Einvernahme ca. 14 

Monate nach diesen Vorfällen durchgeführt wurde. Entscheidend ist vielmehr, 

dass mit dem Arztbericht vom 20. Dezember 2012 der Besuch der Privatklägerin 

am 18. Februar 2011 bestätigt wird (Urk. HD 17/2). Insofern gewinnen die Anga-

ben der Privatklägerin 2 an Plausibilität betreffend die Arztbesuchsausrede des 

Beschuldigten. Sodann spricht die Tatsache, dass die Privatklägerin 2 die (ge-

mäss ihrer Darstellung) vollendeten Nötigungen mit zeitlichen Komponenten wie 

dem Arztbesuch verknüpfen kann, für die Wiedergabe eines erlebten Ereignisses.  

 Der Beschuldigte selbst wurde zu diesem Vorwurf erstmals am 17. Oktober 

2012 einvernommen (Urk. HD 17/9), also mithin nach ca. eineinhalb Jahren. Er 

sagte diesbezüglich aus, dass die Tänzerinnen, die in die Schweiz kämen, in den 

ersten zwei Wochen eine Arztvisite machen müssten. Er habe mit ihr (der Privat-

klägerin 2) einen Termin vereinbart, um am Montag zum Arzt zu gehen. Er habe 

sie bei ihrem Wohnort abgeholt und vor dem Haus auf sie gewartet. Er habe dann 

das Auto vor der Post … geparkt. Sie seien dann zusammen zu Fuss zum Arzt 

gegangen. Als sie beim Arzt eingetroffen seien, habe es eine Frau gegeben, die 

spanisch gesprochen habe. Sie habe ihm gesagt, dass der Arzt an jenem Tag 

nicht dagewesen sei. Die Frau habe für den darauf folgenden Tag einen Termin 

abgemacht. Er habe die Visite bezahlt. Beim Verlassen des Hauses habe ihn ein 

Freund angerufen, um mit ihm für einen Kaffee abzumachen. Er habe ihm gesagt, 

er solle noch 5 Minuten warten. Er habe anschliessend die Privatklägerin 2 zur 

Tramhaltestelle der Tramlinie … beim … begleitet und ihr ein Ticket gelöst; in die 

richtige Richtung, Richtung …. Er habe ihr gesagt, sobald sie das D._____ sehe, 

müsse sie aussteigen. Sie sei dann angekommen. Er  habe sie zu Fuss begleitet. 

Sie sei nach dem Arztbesuch nicht mehr in seinen Wagen eingestiegen. Er sei 

dann eine halbe Stunde im … einen Kaffee trinken gegangen und habe noch eine 

geraucht. Er sei so verblieben, dass sie am nächsten Tag alleine zu diesem Arzt 

gehen solle, da sie ja gewusst habe, wo er gewesen sei (Urk. HD 7/9 S. 6 f.). In 

-   32   - 

der Schlusseinvernahme fügte er an, er habe die Privatklägerin am 15. Februar 

zum Arzt gebracht, um den Termin abzumachen. Dann sei sie weggegangen 

(Urk. HD 7/12 S. 9). In der Berufungsverhandlung sprach der Beschuldigte hinge-

gen davon, dass seine Ehefrau den Termin mit dem Arzt für die Privatklägerin 2 

telefonisch vereinbart habe (Prot. II S. 20). Abgesehen davon, dass auch der Be-

schuldigte mit Kalenderdaten Schwierigkeiten hat (Montag war der 14. Februar 

2011; Dienstag somit der 15. Februar, der Arztbesuch fand aber am Freitag, dem 

18. Februar, statt), widerspricht er sich zudem, als er zunächst zwecks Arztbe-

suchs mit der Privatklägerin 2 zum Arzt wollte, später aber nur zur Vereinbarung 

eines Termins; was er aber gemäss seiner letzten Aussage überhaupt nicht hätte 

machen müssen, habe doch seine Ehefrau den Termin mit dem Arzt telefonisch 

vereinbart. Gewichtiger ist indessen, dass er mit der Arztgehilfin den Termin für 

den nächsten Tag vereinbart haben will, im Arztbericht aber festgehalten ist, es 

habe eine telefonische Voranmeldung gegeben, was seiner in der Berufungsver-

handlung dargestellten Version entspricht (Urk. HD 17/2). Die Darstellung des 

Beschuldigten steht hier zunächst mit der objektiven Faktenlage im Widerspruch 

und wird später dem Beweisergebnis angepasst (vgl. Urk. HD 29/67). Dazu 

kommt das Bemühen des Beschuldigten, mittels Ausschmückung der Ereignisse 

mit völlig unwichtigen Details den Eindruck von Authentizität zu vermitteln, was 

aber ins Gegenteil verkehrt, eingedenk der Tatsache, dass es höchst ungewöhn-

lich ist, sich nach eineinhalb Jahren bzw. sogar nach vier Jahren noch an solche 

Details zu erinnern. Interessant ist schliesslich die Aussage des Beschuldigten 

anlässlich der Berufungsverhandlung, als er auf diesen unnatürlichen Detailreich-

tum angesprochen wird. So gab er an, dass sich ihm dieses Ereignis ins Gehirn 

eingraviert habe (Prot. II S. 22). Angesichts dessen, dass er im Februar 2011 von 

dem später erhobenen Vorwurf gegen ihn nichts wusste, wirkt diese Aussage mit-

nichten überzeugend. Zu guter Letzt ist der Versuch des Beschuldigten nicht zu 

übersehen, die Privatklägerin 2 auf keinen Fall noch nach dem Arztbesuch mit 

dem Auto in Verbindung zu bringen ("Ich habe sie dann zu Fuss begleitet. Sie ist 

nicht mehr in meinen Wagen gestiegen"). Der Beschuldigte vermag damit keine 

Zweifel an der diesbezüglichen Darstellung der Privatklägerin 2 zu streuen. 

-   33   - 

 5.3.3. Unübersehbar hat die Privatklägerin 2 auch mit der zeitlichen Ein-

schätzung der Abläufe unterschiedliche Angaben gemacht. So soll der Vorfall in 

der Waschanlage 10 bis 15 Minuten gedauert haben. Der Verteidiger verweist da-

rauf, dass gemäss Angaben der Betreiber der Waschstrasse der Waschvorgang 

nur 7 bis 8 Minuten dauert (Urk. 71 S. 21). Es ist indessen eine allgemeine Le-

benserfahrung, dass sich das Zeitgefühl bei traumatischen Erlebnissen eher aus-

dehnt. Sodann ist innert dieser effektiven Zeit der geschilderte Oralverkehr mit 

Ejakulation entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 71 S. 22) durchaus mög-

lich, zumal das Glied des Beschuldigten beim Entblössen bereits erigiert war 

(Urk. HD 16/3 S. 15). Entscheidend ist auch hier, dass - wie bereits erwähnt - das 

Verknüpfen des Endes des Ereignisses mit dem Erschrecken des Beschuldigten 

ob des Erscheinens des Angestellten glaubhaft ist. Ebenso einleuchtend gibt die 

Privatklägerin 2 beim Vorfall im F._____ an, es habe nicht so lange gedauert, da 

der Beschuldigte Putzleute erwartet habe. 

 5.3.4. Die Verteidigung verkennt sodann die Natur der Untersuchungshand-

lung bezüglich des Vorfalls in der Autowaschanlage (Urk. 71 S. 24). Entgegen ih-

rer Ansicht handelt es sich dabei um eine Tatortermittlung, welche die Polizei mit 

der Privatklägerin 2 vorgenommen hat (Urk. HD 1/4), und nicht um einen Augen-

schein, bei dem auch die Parteirechte zu wahren gewesen wären (Art. 193 StPO 

i.V.m. 147 Abs. 1 StPO). Dazu kommt, dass die Anlage, da die Tatortermittlung 

an einem Sonntag stattgefunden hat, gar nicht geöffnet war. Hingegen versteht 

sich von selbst, dass die Angabe der Polizei über die Reaktion der Privatklägerin 

2 bei Anblick der Autowaschanlage für die Frage, ob die vorgeworfene sexuelle 

Nötigung stattgefunden hat, keine verwertbare Untersuchungshandlung darstellt. 

 Die Verteidigung - wie auch die Vorinstanz - monierte, die Aussagen der Pri-

vatklägerin 2 seien bezüglich des Vorfalls in der …-Autowaschanlage unglaub-

haft. So hätte seine Rückfrage bei der … AG ergeben, dass das Trocknen der 

gewaschenen Autos schon immer automatisch durch Gebläse erfolgt sei (Urk. 71 

S. 21 f.). Dies mag zwar sein. Es schliesst indes nicht aus und ist auch nicht un-

gewöhnlich, dass das Auto nach dem automatischen Trocknungsvorgang zur Ent-

fernung von allfällig verbleibenden Streifen bzw. Wasserrückständen zusätzlich 

-   34   - 

noch von einem Angestellten manuell abgetrocknet bzw. poliert wird. Sodann wird 

von der Vorinstanz als Widerspruch angeführt, die Waschanlage sei personell be-

dient und funktioniere nicht mit Münzeinwurf; sie habe sodann Fenster und sei 

einsehbar (Urk. 89 S. 29). Die Privatklägerin 2 verneinte die Frage, ob die Anlage 

von aussen einsehbar sei. Ob die Anlage Fenster gehabt habe, könne sie sich 

nicht erinnern. Man habe die Anlage mit einer Münze bedienen müssen (Urk. 16/3 

S. 27). Dazu ist festzuhalten, dass die Anlage von aussen, d.h. von der Strassen-

seite, tatsächlich nicht einsehbar ist (Urk. HD 1/5). Ferner ist es als Insasse des 

Fahrzeuges während des Waschvorganges aufgrund der unzähligen, stets in Be-

wegung befindlichen Bürsten von Innen schwierig festzustellen, ob die Anlage ei-

ne Fensterfront aufweist. Ihre Aussagen, sie könne sich nicht erinnern, Fenster 

gesehen zu haben, erscheinen deshalb nicht unglaubhaft. Sodann wurde ja ihren 

Angaben gemäss während des ganzen Waschvorgangs ihr Kopf in den Schoss 

des Beschuldigten gedrückt, weshalb ihre Aussage nur folgerichtig erscheint. 

Dass die Angabe des Münzeinwurfs nicht zutrifft, ist ein Nebenpunkt, und vermag 

ihre übrigen Aussagen nicht zu entkräften. Dazu kommt, dass davon auszugehen 

ist, dass sie den Zahlungsvorgang - im Auto sitzend - gar nicht mitbekommen hat. 

Der Umstand, dass der Waschvorgang durch die Scheibe der Waschanlage zu 

beobachten ist, spricht sodann nicht gegen die Darstellung der Privatklägerin 2. 

Zufolge des Waschvorgangs (Bürsten, Wasser, Schaum etc.) ist wohl v.a. das 

Fahrzeug zu sehen, hingegen nicht genau, was sich im Inneren des Fahrzeuges 

abspielt. Gemäss Angaben der Privatklägerin 2 benützte der Beschuldigte sodann 

als Fahrzeug einen schwarzen VW Tourag (Urk. 16/3 S. 27), was der Beschuldig-

te in der Berufungsverhandlung schliesslich auch bestätigte (Prot. II S. 22). Der 

von ihr geschilderte Nötigungsvorgang - Niederdrücken des Kopfes in den Schoss 

des Beschuldigten - ist bei einem solchen Fahrzeug von aussen - selbst ohne die 

vorliegend vorhandenen Sichthindernisse - kaum zu erkennen, da er unter der 

Fensterhöhe des Fahrzeuges stattfindet.  

 5.4. Dass in subjektiver Hinsicht der Beschuldigte wusste, dass er die Pri-

vatklägerin 2 gegen ihren Willen gezwungen hat, ihn oral zu befriedigen, ergibt 

sich aus ihren Aussagen. So erklärte sie glaubhaft, sie habe sich sowohl verbal 

wie auch mit abwehrenden Bewegungen gegen das Ansinnen des Beschuldigten 

-   35   - 

gewehrt (Urk. 16/3 S. 16 f.). Sodann war sie von ihm als Weisung erteilender Chef 

beruflich abhängig und hatte auch Angst vor seinem aggressiven Auftreten. Fer-

ner wusste er vom Vorfall im D._____, bei dem die Privatklägerin 2 flüchten konn-

te, dass sie ihn nicht freiwillig oral befriedigen wollte.  

 5.5. Abschliessend ist festzuhalten, dass sich der Sachverhalt, was den er-

zwungenen Oralverkehr im F._____ und in der Autowaschanlage angeht, so wie 

in der Anklageschrift festgehalten, verwirklicht hat.  

 6. Die rechtliche Würdigung wurde von der Staatsanwaltschaft zutreffend 

vorgenommen. Gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt diesen Tatbestand, wer eine 

Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen 

Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter 

psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Vorliegend wurde 

der sexuelle Oralverkehr durch die Nötigungsmittel der Gewalt (Festhalten des 

Kopfes) und des psychischen Drucks (Angst, Abhängigkeitssituation) erzwungen. 

In subjektiver Hinsicht hat der Beschuldigte sich klar über den auch verbal geäus-

serten Willen der Privatklägerin mit Gewalt und psychischem Druck hinwegge-

setzt und damit zumindest eventualvorsätzlich gehandelt.  

C.  Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz 

 7.1. Dem Beschuldigten wird unter diesem Titel vorgeworfen, er habe die 

Tänzerinnen, die mit einer Aufenthaltsbewilligung L, mit welcher sie für die Ver-

tragsdauer berechtigt waren, als Tänzerinnen nur im jeweiligen Lokal in der 

Schweiz zu arbeiten, verpflichtet zu haben, sich zu prostituieren und zweitweise in 

der Discothek F._____ an der Bar oder im Service zu arbeiten (Anklageziffer IV.).  

 Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten anklagegemäss schuldig (Urk. 89 

S. 30 - 35). Der Beschuldigte lässt den Schuldspruch mangels seiner Funktion als 

Arbeitgeber anfechten. Sämtliche betroffene Personen hätten sodann über eine 

gültige Arbeitsbewilligung verfügt. Die erhobenen Beweise würden sodann nicht 

den Schluss zulassen, dass diese Personen Handlungen vorzunehmen gehabt 

hätten - und schon gar nicht auf Anweisung des Beschuldigten - die von diesen 

-   36   - 

Bewilligungen nicht gedeckt gewesen wären. Sodann liess er noch vor Vorinstanz 

einbringen, das Anklageprinzip im Sinne von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO sei verletzt 

(Urk. 93 S. 3; Urk. 71 S. 25; Urk. 108 S. 13 ff.). 

 7.2. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO hat die Anklage den genau um-

schriebenen Sachverhalt zu enthalten und die der beschuldigten Person zur Last 

gelegte Straftat in ihren Einzelheiten präzis, aber kurz zu umschreiben. Der Ver-

teidiger vertieft indessen nicht, inwiefern das Anklageprinzip verletzt sei. In Ankla-

geziffer IV wird die dem Beschuldigten vorgeworfene strafbare Handlung genü-

gend konkret umschrieben, so dass er in der Lage ist, sich wirkungsvoll zu vertei-

digen. 

 7.3. Was die Funktion des Beschuldigten als Arbeitgeber der in der Anklage 

aufgeführten Tänzerinnen angeht, so hat die Vorinstanz ihre diesbezüglichen 

Aussagen zutreffend zusammengefasst (Urk. 89 S. 32 - 34). Hinzuweisen ist in-

dessen, dass aus prozessualen Gründen (zufolge mangelnder Konfrontation) die 

polizeilichen Aussagen von M._____ (Urk. HD 19/1) und jene von O._____ (Urk. 

HD 26/2) nicht zu Ungunsten des Beschuldigten verwertet werden können. Im Üb-

rigen kann deshalb auf die diesbezüglichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 

82 Abs. 4 StPO). Zusammen mit den vorstehenden Erwägungen (Erw. II.A.2.1.) 

ist damit die Arbeitgeberfunktion zumindest für die Zeitspanne Dezember 2010 bis 

März 2011 für die Cabarets D._____ in E._____ und G._____ in H._____ erstellt. 

Gestützt auf die Aussagen von … ergibt sich sodann auch noch seine Arbeitge-

berfunktion für diese Tänzerin für ihre Zeit im D._____ im Mai 2010, insbesondere 

auch was seine Weisung anbelangte, sie müsse am Wochenende im F._____ ar-

beiten (Urk. 21/2 S. 12 f.). Sodann ist aufgrund der vorstehenden Erwägungen 

(Erw. II.A. 2.2. ff.) erstellt, dass der Beschuldigte entgegen den vertraglichen 

Bestimmungen die Tänzerinnen auch zu sexuellen Dienstleistungen anhielt und 

sie am Wochenende in der Discothek F._____ arbeiten liess.  

 Die Einwände der Verteidigung (Urk. 71 S. 26 ff.) vermögen nicht zu über-

zeugen. Auch wenn aus den Akten nicht klar ersichtlich hervorgeht, in welcher 

Form die Übernahme des Cabaret G._____ im Dezember 2010 stattgefunden hat, 

so ergibt sich aus den Zeugeneinvernahmen klar die Funktion des Beschuldigten 

-   37   - 

als Arbeitgeber. Entgegen dem Verteidiger (Urk. 71 S. 30 und 32; vgl. auch Urk. 

108 S. 14) hatte der Beschuldigte zugegeben, die Verträge für die Privatklägerin 

2, N._____ und M._____ unterschrieben zu haben (Urk. HD 3/22, 3/59 betr. Pri-

vatklägerin 2; Urk. HD 3/53 betr. Tänzerin M._____; Urk. HD 3/9 und Urk. HD 7/1 

S. 5, 7 betr. Tänzerin N._____; Urk. HD 7/11 S. 2-4).Der Einwand sodann, der 

Kundenkontakt zwischen den Tanzeinlagen sei für die Tänzerinnen ein Zeitver-

trieb gewesen, findet in den Aussagen der Betroffenen keine Stütze, ebenso we-

nig die Ansicht des Beschuldigten, die Tänzerinnen hätten in ihrer Freizeit freiwil-

lig die Latino-Disco F._____ besucht (Urk. HD 7/7 S. 8).  

 7.4. Der Sachverhalt ist demnach, soweit für den Tatbestand erforderlich er-

stellt. 

 8.1. Was die rechtliche Würdigung angeht, so richtet sich die Bestimmung 

gemäss Art. 117 AuG gegen Arbeitgeber, wobei die Anwendung der Bestimmung 

nicht auf Arbeitgeber im zivilrechtlichen Sinn (OR Art. 319 ff.) beschränkt ist. Mit 

Rücksicht auf Sinn und Zweck des Tatbestandes ist der Anwendungsbereich weit 

zu fassen. Beschäftigen bedeutet, jemanden gegen Entgelt eine Erwerbstätigkeit 

ausüben zu lassen. Auf die Natur des Rechtsverhältnisses kommt es nicht an, 

(BGE 99 IV 110, 128 IV 175; Urteil des Bundesgerichts vom 16.11.2009 

[2C_357/2009], E. 4.2). So ist auch derjenige Arbeitgeber, der sich von einer 

Drittperson für die Arbeit auf einer Baustelle einen ausländischen Schwarzarbeiter 

«ausleiht» und diesen aufgrund einer mündlichen Vereinbarung arbeiten lässt (Ur-

teil des Bundesgerichts vom 18.02.2010 [6B_815/2009], E. 2.3; vgl. auch Urteil 

des Bundesgerichts vom 12.11.2012 [6B_329/2012]: Beschäftigung einer Putz-

frau in selbstständiger Erwerbstätigkeit). Weiter gilt auch derjenige als Arbeitge-

ber, welcher als angestellter Geschäftsführer eines Massagesalons die dort auf 

eigene Rechnung und weisungsfrei arbeitenden Prostituierten beschäftigt (BGE 

128 IV 170). Dies gilt auch für die Besitzer und Geschäftsführer solcher Etablis-

sements (Sauna-Clubs, Bars), die in ihrem Betrieb Prostituierte anschaffen lassen 

und sich die Bereitstellung der Räume entschädigen lassen (BGE 128 IV 117 = Pr 

91 (2002) Nr. 220, 129 IV 176, 137 IV 159) und zwar auch dann, wenn die Frauen 

gleich wie die Kunden ein Eintrittsgeld zu bezahlen haben (Urteil des Bundesge-

-   38   - 

richts vom 18.02.2003 [1P.566/2002], vom 28.03.2003 [1P.145/2003], vom 

20.08.2004 [6S.222/2004], vom 08.10.2009 [6B_568/2009], vom 26.07.2011 

[6B_115/2011]; SPESCHA/THÜR/ZÜND/ BOLZLI, Kommentar Migrationsrecht, 2012, 

Art. 117 N 1). Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz. Der Täter muss wissen 

oder zumindest in Kauf nehmen, dass der Ausländer, dem er die Möglichkeit zur 

Erwerbstätigkeit bzw. zur Dienstleistungserbringung gibt, nicht über eine entspre-

chende Bewilligung verfügt Kommentar Migrationsrecht, SPESCHA/THÜR/ZÜND/ 

BOLZLI, 2012, Art. 117 N 5). 

 8.2. Vorliegend erfüllte der Beschuldigte die Arbeitgeberfunktion und er wies 

seine Tänzerinnen an, zusätzlich zu den vertraglich verlangten Tanzdarbietungen 

noch sexuelle Dienstleistungen zu erbringen sowie am Wochenende in der Disco-

thek F._____ die Gäste zum Trinken zu animieren und an der Bar mitzuarbeiten.  

Diese zusätzlichen Tätigkeiten waren indessen von der Arbeitsbewilligung der 

Tänzerinnen nicht erfasst, weshalb es sich um bewilligungswidrige Arbeiten han-

delte. Der Beschuldigte, der seit einiger Zeit im Tänzerinnengeschäft tätig war, 

wusste, dass er mit seinen Weisungen gegen diese Bestimmungen verstiess; er 

handelte mithin mit Vorsatz. Der Beschuldigte ist somit der mehrfachen Wider-

handlung gegen das Ausländergesetz im Sinne von Art. 117 Abs. 1 AuG schuldig 

zu sprechen. 

III. Strafzumessung 

 1. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Grundsätze zur Strafzumessung 

zutreffend aufgeführt (Urk. 89 S. 35 f.). Ergänzend ist anzufügen, dass gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Bildung einer Gesamtstrafe nach 

Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestim-

men und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Straf-

rahmens festzusetzen ist. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter Einbezug der 

anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhö-

hen. Das Gericht hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe 

des schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhen-

den und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten Schritt hat es 

die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren. Auch dort muss 

-   39   - 

es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (Urteil des Bundesgerichts vom 

25. März 2010 [6B_865/2009], E. 1.2.2). Als schwerste Tat gilt jene, die gemäss 

abstrakter Strafdrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist (Urteil 

des Bundesgerichts vom 7. März 2011 [6B_885/2010], E. 4.4.1). 

 2. Vorliegend beträgt der Strafrahmen sowohl für die Förderung der Prostitu-

tion wie auch für die sexuelle Nötigung Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder 

Geldstrafe. Die Widerhandlung gegen das Ausländergesetz ist mit einer Freiheits-

strafe bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe belegt. Da keine besonderen Um-

stände vorliegen, ist die Strafe innerhalb des ordentlichen Rahmens festzulegen. 

Auszugehen ist vorliegend vom Tatbestand der Förderung der Prostitution, richtet 

sich diese Tat doch gegen zwei Opfer und wiegt insoweit schwerer; zufolge des 

sehr engen Sachzusammenhanges rechtfertigt sich eine gemeinsame Verschul-

densbemessung.  

 3.1. Die Vorinstanz hat die Faktoren für das objektive Tatverschulden einge-

hend dargestellt. In prozessualer Hinsicht ist allerdings festzuhalten, dass zufolge 

der bereits erwähnten Unverwertbarkeit der Aussagen von O._____ (Urk. HD 

26/2) diese nicht zur Bemessung des Verschuldens zum Nachteil des Beschuldig-

ten beigezogen werden können. Die Vorinstanz hält im Übrigen zu Recht fest, 

dass der Beschuldigte nur einen mittelbaren Zwang auf die Privatklägerinnen 

ausübte, um seine Weisungen durchzusetzen. Dies vermag ihn indessen nicht zu 

entlasten, da er wohlwissend um die prekäre finanzielle Situation davon ausgehen 

konnte, dass ihm die Privatklägerinnen in finanzieller Hinsicht ausgeliefert waren 

und keine Möglichkeit hatten, sich ihm gegenüber zur Wehr zu setzen. Insbeson-

dere die Privatklägerin 2, die auf die vertraglichen Abmachungen vertrauend die-

se Stelle unter Inkaufnahme einer für ihre Verhältnisse massiven Verschuldung 

angenommen hatte, musste sich den Weisungen des Beschuldigten fügen. Er-

schwerend kommt hinzu, dass er wiederholt damit drohte, die Privatklägerin 2 

wieder in ihre Heimat zu schicken. Aus verschiedenen Zeugenaussagen der Pri-

vatklägerinnen und weiteren Tänzerinnen geht sodann hervor, dass auch sein 

Auftreten und seine physische Präsenz gefürchtet war (Urk. HD 11/2 S. 23 f., 

28 f.; Urk. HD , 12/1 S. 12; Urk. HD 12/2 S. 6, 15; Urk. 16/3 S. 11, 16; Urk. 16/5 

-   40   - 

S. 11, 18; Urk. HD 18/2 S. 12, 14), was er ebenfalls gezielt zu ihrer Kontrolle ein-

setzte. Besonders demütigend verhielt er sich sodann gegenüber der Privatkläge-

rin 2, die jeweils nur für ihn tanzen musste. Diese Tätigkeit des Tanzens war zwar 

eigentlicher Gegenstand des Vertrages, allerdings gegenüber den Gästen; sein 

Verhalten war jedoch eine weitere Demonstration ihrer Ohnmacht, um jeglichen 

Widerstand zu brechen. Sie bezeichnete sich auch seine Gefangene. Die Kontrol-

le der Privatklägerinnen, so die Vorinstanz sei nicht engmaschig gewesen. Indes-

sen vermindert dies nicht sein Verschulden, da sie - wie die Vorinstanz ebenfalls 

zu Recht festgehalten hat - ohnehin seinen Weisungen folgen mussten, sei es 

wegen der Umsatzbeteiligung als einziger Verdienstmöglichkeit, sei es wegen des 

Risikos, mit einer saftigen Busse bzw. mit den Kosten des Champagnerkonsums 

bestraft zu werden. Der Umstand, dass die deliktische Tätigkeit gegenüber den 

Privatklägerinnen nur relativ kurze Zeit dauerte, ist auf äussere Umstände und 

nicht auf den Willen des Beschuldigten zurückzuführen, was sich verschuldens-

mässig nicht auswirkt. Im Vergleich zur Privatklägerin 1, die bereits für den Vor-

gänger des Beschuldigten gearbeitet hatte und bereits vor der Einreise in die 

Schweiz ungefähr wusste, was sie erwartete, war der Eingriff in die persönliche 

Integrität bei der Privatklägerin 2 erheblich schwerer, was dem Beschuldigten 

auch bewusst gewesen sein musste. Die objektive Tatschwere, die sich zufolge 

der mehrfachen Tatbegehung (bezüglich zweier Opfer) erhöht, ist angesichts des 

weiten Strafrahmens als nicht mehr leicht zu bewerten.  

 3.2. Das subjektive Tatverschulden ist ebenfalls als nicht mehr leicht zu be-

werten. Nicht zu entlasten vermag ihn dabei seine schlechte finanzielle Situation, 

wälzte er diese durch sein Geschäftsmodell vollständig auf die Privatklägerinnen. 

Wie die Vorinstanz festhielt, handelte er egoistisch und skrupellos, ohne Respekt 

vor den Privatklägerinnen. Es festigt das objektive Tatverschulden.  

 3.3. Eine hypothetische Einsatzstrafe von 18 Monaten erscheint angemes-

sen. 

 4. Diese Einsatzstrafe ist nun zufolge der mehrfachen sexuellen Nötigung 

gegenüber der Privatklägerin 2 zu erhöhen. In objektiver Hinsicht hat der Be-

schuldigte schamlos seine Machtposition als Arbeitgeber ausgenutzt. Nicht nur, 

-   41   - 

dass er die Privatklägerin 2 finanziell ausbeutete, er profitierte auch noch sexuell 

von ihr. Erschwerend ist zu werten, dass er sie ohne Kondom zu Oralsex ge-

zwungen hat. Er hat zwar nicht übermässig Gewalt angewendet, was sich indes-

sen nicht zu seinen Gunsten auswirkt, da bereits seine Machtposition ihren Wi-

derstand erheblich einschränkte. Auch hier kommt die wiederholte Tatbegehung 

verschuldenserhöhend zum Tragen. Die Einsatzstrafe ist in Anwendung des As-

perationsprinzips um 12 Monate zu erhöhen.  

 5. Die mehrfache Widerhandlung gegen das Ausländergesetz ist als "Ne-

benprodukt" verschuldensmässig nicht so stark zu gewichten. Die kriminelle 

Energie war auf die Ausbeutung der Privatklägerinnen und weiteren Tänzerinnen 

gerichtet. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz wird indessen sein Verschulden 

nicht dadurch relativiert, dass dies eine verbreitete Cabaretpraxis darstellt. Die 

Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzips um 2 Monate zu erhö-

hen. 

 6. Was die Täterkomponente angeht, so kann weitgehend auf die Ausfüh-

rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 89 S. 39 f.). Heute fügte der Be-

schuldigte betreffend den persönlichen und finanziellen Verhältnissen noch an, 

dass er seit dem Autounfall arbeitsunfähig gewesen sei und mit einigen wenigen 

Ausnahmen nicht gearbeitet habe. Sodann müsse er Rentenzahlungen, welche 

ihm während seiner Inhaftierung ausbezahlt worden seien, zurückbezahlen. In-

zwischen sei er mit einer Rumänin zusammen (Prot. II S. 11, 13 f.). 

 Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass keine straferhöhenden bzw. straf-

mindernden Faktoren vorliegen. Insbesondere war er nicht geständig und zeigte 

deshalb auch keinerlei Reue. Gegenüber den Privatklägerinnen scheint ihm jeg–

liche Empathie abzugehen. 

 7. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass eine Strafe von 32 Monaten an-

gemessen erscheint.   

-   42   - 

IV. Strafvollzug 

 1. Das Gericht kann gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB den Vollzug einer Frei-

heitsstrafe von mindestens einem und höchstens drei Jahren teilweise aufschie-

ben. Dies ist allerdings nur möglich, wenn in Anlehnung an Art. 42 Abs. 1 StGB 

Anhaltspunkten für eine Wiederholungsgefahr, d.h. für eine ungünstige Prognose, 

fehlen. Dabei darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht über-

steigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Für den aufgeschobenen Teil der Strafe bestimmt 

das Gericht dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 

Abs. 1 StGB). 

 2. Der Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten zu bestra-

fen, so dass ein bedingter Vollzug nicht mehr in Frage kommt. Er weist lediglich 

eine, nicht einschlägige Vorstrafe auf. Diese allein wirkt sich bei der Prognosebe-

urteilung aber nicht zu Lasten des Beschuldigten aus. Für eine günstige Prognose 

spricht demgegenüber der Umstand, dass der Beschuldigte gemäss seinen 

glaubhaften Aussagen nicht mehr im früheren deliktischen Umfeld verkehrt. Des-

halb ist davon auszugehen, dass der vollziehbare Teil der Freiheitsstrafe eine er-

hebliche Warnwirkung auf den Beschuldigten haben und ihn von weiterer Delin-

quenz abhalten wird. Insofern rechtfertigt es sich, den Vollzug der Freiheitsstrafe 

von 32 Monaten im Umfang von 22 Monaten aufzuschieben. Die Probezeit ist auf 

zwei Jahre festzulegen. Um dem keineswegs leichten Verschulden des Beschul-

digten Rechnung zu tragen, ist der Vollzug von 10 Monaten anzuordnen.  

 

V. Zivilrechtliche Forderungen 

 1. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 89 S. 42 f.) ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte beiden Privatklägerinnen im Sinne von Art. 41 OR wider-

rechtlich und schuldhaft einen Schaden zugefügt hat. Dieser ist allerdings zum 

heutigen Zeitpunkt nicht beziffer- und abschätzbar. Der Beschuldigte ist deshalb 

dem Grundsatze nach beiden Privatklägerinnen zum Schadenersatz verpflichtet. 

-   43   - 

Zur genauen Festsetzung der Schadenersatzhöhe sind die Privatklägerinnen auf 

den Zivilweg zu verweisen.  

2.   Die Vorinstanz hat sich sowohl in theoretischer als auch konkreter Hinsicht 

zutreffend geäussert, so dass vollständig auf deren Ausführungen verwiesen wer-

den kann (Urk. 89 S. 41 - 43). Auch der festgesetzten Genugtuungssumme für die 

Privatklägerin 1 in der Höhe von Fr. 3'000.– ist zuzustimmen. Bei der Privatkläge-

rin 2 drängt sich hingegen eine Erhöhung der vorinstanzlich zugesprochenen Ge-

nugtuungssumme von Fr. 7'000.– auf Fr. 12'000.– auf, weil sich der Beschuldigte 

nicht nur der Förderung der Prostitution schuldig gemacht hat, sondern sie auch 

mehrfach sexuell nötigt hat. Der Eingriff in die sexuelle, psychische und physische 

Integrität ist dementsprechend als erheblich schwerer zu gewichten.  

 

VI. Beschlagnahme 

 Die vorinstanzliche Anordnung der Einziehung von Fr. 8'850.– ist zu bestäti-

gen (Urk. 89 S. 43). 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

 1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet 

sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Angesichts des Verfahrensausganges lässt sich die erwähnte Kos-

ten- und Entschädigungsregelung nicht mehr halten. Der Beschuldigte hat mit der 

anklagegemässen zusätzlichen Verurteilung wegen mehrfacher sexueller Nöti-

gung vollumfänglich für die Kosten der Untersuchung und für das erstinstanzliche 

Gerichtsverfahren aufzukommen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Davon ausgenommen 

sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der 

Privatklägerschaft. Diese sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzah-

lungspflicht im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO ist vorzubehalten.   

 2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien gemäss Art. 428 

Abs. 1 StPO nach Massgabe ihres Obsiegens oder ihres Unterliegens. Der Be-

-   44   - 

schuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen fast vollständig. So wurde er 

nur wegen Förderung der Prostitution gemäss Art. 195 Abs. 2 StGB zum Nachteil 

der Privatklägerin 1 freigesprochen. Im Übrigen wurde der vorinstanzliche 

Schuldpunkt bestätigt. Sodann unterliegt der Beschuldigte weitgehend hinsichtlich 

der Zivilansprüche und vollumfänglich in Bezug auf die beschlagnahmte Bar-

schaft. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerschaft unterliegen in einem 

vergleichsweise geringen Umfang. Die Kosten des Verfahrens, mit Ausnahme 

derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-

vatklägerschaft, sind demnach zu vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen 

und zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht 

ist gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von vier Fünfteln vorzubehalten.  

Es wird beschlossen:  

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 23. Ja-

nuar 2014 bezüglich der Dispositivziffern 7 (Entschädigung der Rechtsver-

treterin der Privatklägerinnen), 8 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers) 

und 9 (Kostenaufstellung) rechtskräftig ist.  

2. Schriftliche Mitteilung mit dem nachfolgenden Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte C._____ ist schuldig  

− der Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 Abs. 2 aStGB 
zum Nachteil von B._____,  

− der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 
Abs. 3 aStGB, 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung zum Nachteil von B._____ im Sin-
ne von Art. 189 Abs. 1 StGB sowie 

-   45   - 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne 
von Art. 117 Abs. 1 AuG. 

2. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Förderung der Prostitution im Sinn