# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bdee68d4-75eb-5d73-8bd7-065ded8a229d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-01-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.01.2021 D-693/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-693-2019_2021-01-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-693/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J a n u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Mia Fuchs (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richterin Contessina Theis, 

Gerichtsschreiber Martin Scheyli 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am [...], und 

B._______, geboren am [...], 

sowie deren Kinder  

C._______, geboren am [...], und 

D._______, geboren am [...], 

Syrien,  

vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt,  

Advokatur Kanonengasse,  

[...],  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz 

   

Gegenstand 

 
Asyl;  

Verfügung des SEM vom 9. Januar 2019 

 

 

D-693/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden sind syrische Staatsangehörige kurdischer Eth-

nie mit letztem Wohnsitz in der Stadt Aleppo in der gleichnamigen Provinz. 

Gemäss eigenen Angaben verliessen sie ihren Heimatstaat am 11. Sep-

tember 2015 in Richtung Türkei. Am 9. November 2015 reisten sie aus 

Deutschland kommend unkontrolliert in die Schweiz ein und ersuchten glei-

chentags beim damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen 

um Asyl. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) befragte die Beschwer-

deführenden am 4. Dezember 2015 jeweils zur Person und hörte sie am 

30. Mai 2018 erstmalig sowie am 4. Dezember 2018 ergänzend zu den 

Gründen ihrer Asylgesuche an. Zwischenzeitlich wurden die Beschwerde-

führenden für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Zürich zugewie-

sen. 

B.  

Mit Eingabe vom 10. Januar 2017 zeigte der Rechtsvertreter dem SEM 

seine Mandatsübernahme an und reichte verschiedene Beweismittel ein, 

darunter das syrische militärische Dienstbüchlein des Beschwerdeführers. 

Weiter ersuchte der Rechtsvertreter darum, es seien die Asylverfahrensak-

ten des Bruders des Beschwerdeführers, E._______ [...], beizuziehen, wel-

chem in der Zwischenzeit in der Schweiz Asyl gewährt worden sei. Für den 

Fall eines negativen Asylentscheids in Bezug auf die Beschwerdeführen-

den wurde ausserdem um vorgängige Einsicht in deren Verfahrensakten 

ersucht. 

C.  

C.a Der Beschwerdeführer (Ehemann) machte anlässlich seiner Anhörun-

gen im Wesentlichen geltend, er habe in Aleppo als Geschäftsführer eines 

Hotels gearbeitet. Der Besitzer dieses Hotels habe der syrischen Opposi-

tion angehört und sei in Kuwait wohnhaft gewesen. Der syrische Bürger-

krieg habe in Aleppo im Juni 2012 begonnen, und wegen der Kriegsum-

stände habe das Hotel keine Gäste mehr gehabt. Er habe deshalb dem 

Besitzer des Hotels vorgeschlagen, obdachlose Familien im Hotel unterzu-

bringen. In der Folge hätten viele Familien im Hotel gewohnt, deren Häuser 

durch Bombardierungen ihrer Ortschaften zerstört worden seien. Die Fa-

milien seien auch oftmals ohne Männer gewesen, weil diese im Kampf ge-

gen das staatliche Regime ihr Leben verloren hätten. In den Jahren 2013 

und 2014 sei die Unterbringung dieser Familien im Hotel problemlos gewe-

sen, weil es dem staatlichen syrischen Regime nicht gutgegangen sei und 

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dieses keine Zeit gehabt habe, dagegen vorzugehen. Ende 2014 oder An-

fang 2015 habe jedoch das Regime in diesem Teil der Stadt Aleppo wieder 

die Macht übernommen, und auch die staatlichen Sicherheitsdienste seien 

wieder aktiv geworden. Von jenem Zeitpunkt an hätten die syrischen Si-

cherheitsbehörden ihn unter Druck gesetzt. Beim staatlichen politischen 

Sicherheitsdienst gebe es eine Abteilung, die sich mit der Hotellerie be-

fasse. Von dieser Behörde sei er immer wieder vorgeladen und verhört 

worden, und im Hotel habe es Razzien gegeben. Man habe ihn verdächtigt, 

im Hotel Familien zu beherbergen, deren Männer gegen das Regime 

kämpfen würden, und dadurch terroristische Gruppierungen zu unterstüt-

zen. Er sei unter einem grossen psychischen Druck gestanden und habe 

jederzeit befürchtet, ins Gefängnis gesteckt zu werden. Bei der für die Ho-

tellerie zuständigen Abteilung des staatlichen Sicherheitsdiensts habe ein 

Kurde namens F._______ gearbeitet, den er seit zehn Jahren gut gekannt 

habe und der ihm freundlich gesonnen gewesen sei. Dieser habe ihn im 

Juni 2015 darüber informiert, dass gegen ihn, den Beschwerdeführer, bei 

seiner Abteilung ein Bericht eingereicht worden sei. F._______ habe ihm 

gesagt, er habe den Bericht nicht weitergeleitet, ihm aber gleichzeitig ge-

raten, Aleppo zu verlassen. Im Juli oder August 2015 sei er erneut verhört 

worden, wobei ihm gesagt worden sei, er habe eine Frist, um das Hotel 

vollständig zu räumen. Beim Verlassen der Behörde habe ihm der zustän-

dige Beamte mit den Worten gedroht, er sei nicht mehr als einen Schuss 

wert, und dieser koste nur 100 syrische Pfund. Es habe sich dabei um eine 

Todesdrohung gehandelt. Zuhause habe er sich mit seiner Frau beraten, 

und sie hätten entschieden, dass er sich an ein Gericht wenden solle, bevor 

ein weiterer Bericht gegen ihn verfasst würde. Am folgenden Tag sei er mit 

der Absicht zum Gericht von Aleppo gegangen, eine Klage einzureichen, 

um damit seine Unschuld zu beweisen. Wegen des Verhaltens der Ge-

richtsperson, an die er verwiesen worden sei, seien ihm jedoch Bedenken 

gekommen, und er habe sich noch im Gerichtsgebäude entschlossen, die 

Klage nicht weiter zu verfolgen. Im September 2015 sei er eines Abends 

zuhause von einem Angestellten des Hotels angerufen und gefragt wor-

den, ob drei Männer, die sich als Studenten bezeichnen würden und sonst 

keine Unterkunft gefunden hätten, für eine Nacht ein Zimmer haben könn-

ten. Er habe dem zugestimmt. Am folgenden Tag hätten die drei Studenten 

das Hotel so früh am Morgen wieder verlassen, dass er ihre Registrierung 

nicht habe vornehmen können. Zwei oder drei Tage später, am 5. oder 

6. September 2015, sei er von F._______ angerufen worden. Dieser habe 

ihm mitgeteilt, die drei jungen Männer seien verhaftet worden und hätten 

im Verhör ausgesagt, im Hotel des Beschwerdeführers übernachtet zu ha-

ben. Gegen ihn, den Beschwerdeführer, sei deshalb ein weiterer Bericht 

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eingereicht worden, der bereits bis zum Leiter der Behörde gelangt sei, und 

ihm, F._______, sei es nicht möglich, ihn ein weiteres Mal zu beschützen. 

Er habe unmittelbar um Leib und Leben gefürchtet, deswegen das Haus 

verlassen und sich bei einer befreundeten Familie während fünf Tagen ver-

steckt gehalten, bis es ihm geglückt sei, den vom Regime kontrollierten Teil 

von Aleppo zu verlassen. Im Zeitraum dieser fünf Tage seien Angehörige 

der staatlichen Sicherheitskräfte gewaltsam bei seiner Ehefrau und den 

Kindern eingedrungen, um nach ihm zu suchen. In der gleichen Nacht sei 

auch das Hotel angegriffen und sein Mitarbeiter verhaftet worden. Mit Hilfe 

jener befreundeten Familie habe auch seine Ehefrau mit den Kindern Al-

eppo verlassen können, und gemeinsam sei ihnen die Ausreise in die Tür-

kei gelungen.  

Im Übrigen brachte der Beschwerdeführer vor, er sei seit dem Jahr 2005 

ein Mitglied der syrisch-kurdischen Partei PYD (Partiya Yekitîya Demokrat; 

Demokratische Einheitspartei) gewesen. Dabei habe er sich an Sitzungen 

der Partei beteiligt, sei Mitglied einer Kulturgruppe gewesen und habe 

heimlich die kurdische Sprache unterrichtet. Jedoch habe er im Jahr 2011 

mit diesen Aktivitäten aufgehört, weil ihm seine Kinder wichtiger gewesen 

seien. Wegen seines Engagements für die PYD habe er mit den syrischen 

Behörden keinen konkreten Kontakt gehabt.  

Anlässlich seiner Anhörungen gab der Beschwerdeführer verschiedene 

Beweismittel zu den Akten des Asylverfahrens, darunter Photographien in 

Bezug auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer des genannten Hotels.  

C.b Die Beschwerdeführerin (Ehefrau) bestätigte im Rahmen ihrer Befra-

gungen zum einen die Aussagen ihres Ehemannes betreffend dessen 

Probleme mit den syrischen Sicherheitskräften im Zusammenhang mit der 

Geschäftsführung des Hotels. Zum anderen führte sie insbesondere aus, 

nachdem ihr Ehemann Ende August oder Anfang September 2015 den An-

ruf von F._______ erhalten habe, sei sie mit den Kindern alleine zuhause 

geblieben. In der folgenden Nacht seien fünf Männer in ihre Wohnung ein-

gedrungen, die nach ihrem Ehemann gesucht hätten. Diese Männer, An-

gehörige der syrischen Sicherheitskräfte, hätten sie im Beisein der beiden 

Kinder massiv beschimpft und bedroht, bis sie das Bewusstsein verloren 

habe. Als sie wieder zu sich gekommen sei, sei eine Nachbarin bei ihr ge-

wesen, die gesagt habe, alle Bewohner des Hauses hätten ihr Schreien 

gehört, hätten ihr aber nicht helfen können. Am folgenden Tag sei sie unter 

Schock gestanden, und sie habe gefürchtet, ihren Ehemann nie wieder zu 

sehen. Mit Hilfe ihrer Schwester und einer ihr bis zu diesem Zeitpunkt un-

bekannten Frau – die zu jener Familie gehört habe, die ihrem Ehemann 

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geholfen habe – sei es ihr schliesslich gelungen, aus dem vom Regime 

kontrollierten Teil von Aleppo hinaus zu gelangen und ihren Ehemann wie-

derzufinden.  

D.  

Mit Datum vom 19. Dezember 2018 erging ein erster Asylentscheid des 

SEM betreffend die Beschwerdeführenden. 

E.  

Mit Eingabe an das SEM vom 28. Dezember 2018 machte der Rechtsver-

treter der Beschwerdeführenden geltend, es sei ihm nicht, wie mit der Ein-

gabe vom 10. Januar 2017 beantragt, vorgängig zum Asylentscheid Ein-

sicht in die Verfahrensakten gewährt worden.  

F.  

Mit Verfügung vom 4. Januar 2019 hob das SEM den Asylentscheid vom 

19. Dezember 2018 auf und gewährte dem Rechtsvertreter die beantragte 

Akteneinsicht. 

G.  

Mit Verfügung vom 9. Januar 2019 lehnte das SEM die Asylgesuche der 

Beschwerdeführenden ab. Gleichzeitig ordnete es wegen Unzumutbarkeit 

des Vollzugs der Wegweisung die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an. 

Zur Begründung der Ablehnung der Asylgesuche führte das Staatssekre-

tariat im Wesentlichen aus, die betreffenden Vorbringen der Beschwerde-

führenden seien nicht glaubhaft. 

H.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 8. Februar 2019 fochten die Be-

schwerdeführenden den Asylentscheid des SEM beim Bundesverwal-

tungsgericht an. Dabei beantragten sie hauptsächlich die Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung, soweit die Ablehnung der Asylgesuche und die 

Anordnung der Wegweisung betreffend, ihre Anerkennung als Flüchtlinge 

und die Gewährung des Asyls. Eventualiter sei jedenfalls die Unzulässig-

keit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen. In prozessualer Hinsicht 

beantragten die Beschwerdeführenden die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie der amtlichen 

Rechtsverbeiständung gemäss aArt. 110a des Asylgesetzes (AsylG, SR 

142.31). Mit der Eingabe wurde eine Honorarabrechnung eingereicht. Auf 

die Begründung der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesent-

lich, in den Erwägungen eingegangen. 

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Seite 6 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 14. Februar 2019 hiess die zuständige Instruk-

tionsrichterin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands ‒ als welcher der 

bisherige Rechtsvertreter eingesetzt wurde ‒ gut.  

J.  

Mit Vernehmlassung vom 27. Februar 2019 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. Hiervon wurde den Beschwerdeführenden durch das Bundes-

verwaltungsgericht mit Schreiben vom 5. März 2019 Kenntnis gegeben. 

K.  

Mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 23. April 2019 wurde ein ärztliches 

Zeugnis betreffend die Beschwerdeführerin eingereicht, wonach diese an 

einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-

den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit 

Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-

rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-

gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft 

getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-

gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.  

Die Beschwerdeführenden sind legitimiert; auf ihre frist- und formgerecht 

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eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem 

Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-

ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  

oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von 

Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder 

nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-

liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick-

sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent-

lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor-

kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte-

nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-

chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine 

Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-

lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-

lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-

mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-

stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit 

usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

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Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 S. 142 f., BVGE 

2010/57 E. 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1, EMARK 1996 Nr. 27 

E. 3c/aa, EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a). 

4.  

4.1 Entgegen der Einschätzung des SEM ist festzustellen, dass die soeben 

erwähnten Kriterien der Glaubhaftmachung im vorliegenden Fall offen-

sichtlich erfüllt sind. Die Beschwerdeführenden haben ihre Asylgründe im 

Rahmen ihrer Befragungen durch die Vorinstanz widerspruchsfrei, in nach-

vollziehbarer Weise, inhaltlich substantiiert und mit erheblicher Detaillie-

rung vorgetragen. Diese Einschätzung bezieht sich auf alle wesentlichen 

Aspekte des geltend gemachten Sachverhalts. Zu nennen sind insbeson-

dere die Unterbringung von obdachlosen Familien im Hotel, das der Be-

schwerdeführer leitete, die Verdächtigung seitens der syrischen Behörden, 

damit habe er gegen das staatliche Regime kämpfende Gruppierungen un-

terstützt, die daraus resultierende Bedrohung des Beschwerdeführers, die 

Verhaftung von drei Übernachtungsgästen des Hotels, die darauf folgende 

behördliche Suche nach dem Beschwerdeführer, das damit verbundene 

gewaltsame Vorgehen von Angehörigen der syrischen Sicherheitskräfte 

gegen die Beschwerdeführerin sowie schliesslich die jeweilige Flucht so-

wohl des Beschwerdeführers als auch der Beschwerdeführerin und der 

Kinder aus dem regimekontrollierten Teil der Stadt Aleppo. Die Vorbringen 

des Beschwerdeführers wie auch der Beschwerdeführerin weisen hinsicht-

lich aller erwähnten Gesichtspunkte des Sachverhalts zahlreiche positive 

Glaubhaftigkeitselemente auf, welche jedoch vom SEM völlig unberück-

sichtigt gelassen worden sind. Ein solches Vorgehen ist als unzulässig se-

lektiv zu bezeichnen und bildet keine korrekte Würdigung der zu beurtei-

lenden Sachverhaltsdarstellung. 

4.2 Die Argumente, mit welchen das Staatssekretariat die Glaubhaftigkeit 

der Beschwerdeführenden in Zweifel zu ziehen versucht, sind demgegen-

über als untauglich zu bezeichnen. So wird in der angefochtenen Verfü-

gung ausgeführt, es sei nicht erkennbar, weshalb der Beschwerdeführer 

wegen der blossen Unterbringung von Binnenflüchtlingen in seinem Hotel 

in den Fokus der syrischen Sicherheitsbehörden hätte geraten sollen, 

stelle die Vermietung von Hotelzimmern doch ein gängiges Geschäftsmo-

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Seite 9 

dell vieler Hoteliers dar. Diese Darstellung der Vorbringen des Beschwer-

deführers ist offensichtlich unvollständig und lässt völlig ausser Acht, dass 

er im Rahmen seiner Befragungen aussagte, es habe sich um Familien 

gehandelt, die nicht nur ihre Wohnungen durch Bombardierungen verloren 

hätten, sondern die oftmals auch ohne Männer gewesen seien, weil diese 

im Kampf gegen das staatliche Regime ihr Leben verloren hätten. Im Kon-

text des syrischen Bürgerkriegs liegt es auf der Hand, dass der Beschwer-

deführer durch die Unterbringung der betreffenden Familien in seinem Ho-

tel die Aufmerksamkeit der staatlichen Sicherheitskräfte auf sich zog. Des 

Weiteren stellt sich das SEM auf den Standpunkt, das Vorbringen des Be-

schwerdeführers wirke als äusserst konstruiert. Er sei zwar wegen seiner 

Zugehörigkeit zur kurdischen Ethnie von den syrischen Behörden benach-

teiligt worden, zugleich habe aber ein langjähriger Freund – bei dem es 

sich ebenfalls um einen Kurden gehandelt habe – ausgerechnet in jener 

Abteilung der politischen Sicherheitsbehörde gearbeitet, welche die Hotel-

lerie kontrolliert habe, und dieser sei in der Lage gewesen, ihn zu warnen. 

Auch diesbezüglich ist festzustellen, dass das Vorbringen des Beschwer-

deführers in der angefochtenen Verfügung in verzerrter Weise wiederge-

geben wird. Seinen Aussagen im Rahmen der Anhörungen durch die Vor-

instanz ist unmissverständlich zu entnehmen, dass er die Person namens 

F._______, welche bei der für die Hotellerie zuständigen Abteilung des 

staatlichen Sicherheitsdienstes gearbeitet und ihn zweimal gewarnt habe, 

aufgrund des langjährigen beruflichen Kontakts gekannt habe. Dieser sei 

ihm immer wieder behilflich gewesen, manchmal habe er (der Beschwer-

deführer) ihm mit Geld geholfen, manchmal ohne, und im Laufe der Zeit 

habe sich ein freundschaftliches Verhältnis herausgebildet. Mit Blick auf 

das genannte Vorbringen ist zudem festzuhalten, dass es in der Stadt Al-

eppo, deren Bevölkerung zu einem erheblichen Anteil kurdisch ist, auch in 

keiner Weise als aussergewöhnlich erscheint, dass sowohl der Beschwer-

deführer als auch der genannte Beamte des staatlichen Sicherheitsdiens-

tes der gleichen Ethnie angehören. Angesichts der, wie zuvor erwähnt, 

zahlreichen von den Beschwerdeführenden vorgebrachten und als glaub-

haft zu erachtenden Aspekte ihrer fluchtbegründenden Erlebnisse erübrigt 

es sich, auf weitere Elemente des Sachverhalts einzugehen, die von der 

Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung unvollständig oder missver-

ständlich und darüber hinaus einseitig selektiv wiedergegeben worden 

sind.  

4.3 Zusammenfassend ist es als glaubhaft zu erachten, dass der Be-

schwerdeführer im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit als Ge-

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Seite 10 

schäftsführer eines Hotels in den Verdacht geriet, Angehörige regimekriti-

scher Gruppierungen beherbergt zu haben, wodurch sowohl er selbst als 

auch die Beschwerdeführerin einer asylrechtlich relevanten Gefährdung 

ausgesetzt waren.  

5.  

Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer 

und die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 

AsylG erfüllen. Gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG kommt somit ausserdem 

auch den beiden Kindern ein Anspruch auf Anerkennung als Flüchtlinge zu. 

Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen, die Ziffern 1–3 der angefochte-

nen Verfügung sind aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, die Be-

schwerdeführenden als Flüchtlinge zu anerkennen und ihnen in der 

Schweiz Asyl zu gewähren.  

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

6.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann die Beschwer-

deinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen 

oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-

gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grund-

sätze der Bemessung der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des 

Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-

waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Gestützt 

auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9‒13 VGKE) 

und die als angemessen erscheinende Kostennote des Rechtsvertreters 

vom 8. Februar 2019 sind den Beschwerdeführenden Fr. 2'817.85 (inkl. 

Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Dieser Betrag ist den Be-

schwerdeführenden durch das SEM zu entrichten. 

6.3 Der Anspruch auf amtliches Honorar des als amtlicher Rechtsbeistand 

im Sinne von aArt. 110a AsylG eingesetzten Rechtsvertreters wird damit 

gegenstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, und die Ziffern 1–3 der Verfügung des 

SEM vom 9. Januar 2019 werden aufgehoben. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Den Beschwerdeführenden wird eine Parteientschädigung von 

Fr. 2'817.85 zugesprochen, die ihnen durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Mia Fuchs Martin Scheyli 

 

 

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