# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7bd37255-3fb8-55f6-841f-bae6504eef38
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-15
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 15.05.2024 460 2023 122 (460 23 122)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2023-122_2024-05-15.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, 

vom 15. Mai 2024 (460 23 122) 

___________________________________________________________________ 

 

 

Strafrecht 

 

 

Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung etc. 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Lea Hungerbühler, Richterin Susanne Afheldt (Ref.), 

Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,  

Hauptabteilung Allgemeine Delikte,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde 

 

A.____,  

vertreten durch Advokatin Stéphanie Moser,  

St. Alban-Vorstadt 21, Postfach 530, 4010 Basel,  

Privatkläger und Berufungskläger 

  

gegen 

 

 B.____,  

vertreten durch Advokat Marco Albrecht, 

Hauptstrasse 54, 4132 Muttenz,  

Beschuldigter 

 

C.____,  

vertreten durch Advokat Gabriel Giess,  

Oberwilerstrasse 3, Postfach 312, 4123 Allschwil,  

Beschuldigter 

 

 

Gegenstand Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung etc. 

Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft vom               

21. Dezember 2022 

 
 

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A. Ausgangslage des vorliegenden Verfahrens bildet ein Baustellenunfall am 23. Okto-

ber 2017 in D.____, bei welchem A.____ (nachfolgend: Privat- bzw. Berufungskläger) von 

einem umfallenden Schalungselement erfasst und schwer verletzt wurde. Die Staatsanwalt-

schaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung Allgemeine Delikte (nachfolgend: Staatsanwalt-

schaft), hat daraufhin Ermittlungen aufgenommen, um allfällige strafbare Handlungen im Zu-

sammenhang mit diesem Vorfall zu identifizieren. Sie erliess am 2. Juni 2021 je einen Straf-

befehl gegen B.____ (nachfolgend: Beschuldigter 1), C.____ (nachfolgend: Beschuldigter 2) 

sowie E.____ und verurteilte die Beschuldigten 1 und 2 wegen fahrlässiger Körperverletzung 

mit schwerer Schädigung sowie Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 50 Tagessätzen à CHF 120.00 und 

einer Busse von CHF 1'200.00 (Beschuldigter 1) bzw. zu einer unbedingt vollziehbaren 

Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je CHF 80.00 (Beschuldigter 2). Gegen die entsprechen-

den Strafbefehle haben sowohl der Beschuldigte 1 als auch der Beschuldigte 2 Einsprache 

erhoben, woraufhin das Strafgerichtspräsidium Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafge-

richtspräsidium bzw. Vorinstanz bzw. Vorderrichter), mit Urteil vom 21. Dezember 2022 im 

Wesentlichen beide Beschuldigten in Aufhebung der entsprechenden Strafbefehle von der 

Anklage freigesprochen sowie die Zivilforderungen des Privatklägers auf den Zivilweg ver-

wiesen hat. Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Parteian-

träge wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

B. Gegen das obgenannte Urteil wiederum hat der Privatkläger am 27. Dezember 2022 

die Berufung angemeldet sowie am 10. Juli 2023 die Berufung erklärt, währenddem die 

Staatsanwaltschaft ihre anfänglich am 2. Januar 2023 angemeldete Berufung mit Eingabe 

vom 21. Juni 2023 wieder zurückgezogen hat. Am 9. Oktober 2023 hat der Privatkläger dem 

Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), seine 

Berufungsbegründung übermittelt. 

 

C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 11. Juli 2023 wurde unter anderem der 

vorgenannte Rückzug der Berufung durch die Staatsanwaltschaft festgestellt. Mit weiterer 

kantonsgerichtlicher Verfügung vom 13. Juli 2023 wurde ferner dem Privatkläger die unent-

geltliche Rechtspflege mit Advokatin Stéphanie Moser als unentgeltliche Rechtsbeiständin 

für das Berufungsverfahren bewilligt. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 4. August 

2023 wurde unter anderem festgestellt, dass die Staatsanwaltschaft sowie die beiden Be-

schuldigten weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben. 

 

D. Die Staatsanwaltschaft hat am 16. Oktober 2023 ihre Berufungsantwort eingereicht. 

Die Berufungsantworten der beiden Beschuldigten erfolgten jeweils am 13. Dezember 2023. 

 
 

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Sämtliche Gegenparteien des Privat- und Berufungsklägers haben eine Abweisung von des-

sen Berufung beantragt. 

 

E. Sodann wurde mit letzter Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. Dezember 2022 

der Schriftenwechsel geschlossen. Des Weiteren wurde in Gutheissung der eventualiter ge-

stellten Beweisanträge des Privatklägers gemäss Berufungsbegründung vom 9. Oktober 

2023 die Befragung des Privatklägers als Auskunftsperson wie auch von E.____ als Zeuge 

vor Kantonsgericht angeordnet. Überdies wurden sämtliche Parteien zur kantonsgerichtli-

chen Hauptverhandlung geladen und es wurde eine Aktenzirkulation beim Kantonsgericht 

verfügt.  

 

F. Anlässlich der vom 13. bis zum 15. Mai 2024 stattfindenden Hauptverhandlung vor 

dem Kantonsgericht sind die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwalt Matthias Wal-

ter, der Privat- und Berufungskläger, vertreten durch Advokatin Stéphanie Moser als unent-

geltliche Rechtsbeiständin, der Beschuldigte 1, vertreten durch Advokat Marco Albrecht, der 

Beschuldigte 2, vertreten durch Advokat Gabriel Giess, sowie zwei Übersetzerinnen für die 

Sprachen Spanisch und Französisch (Personalien dem Gericht bekannt), nicht aber der or-

dentlich als Zeuge vorgeladene E.____ erschienen. Die beiden Beschuldigten sind zur Per-

son und – neben dem Privatkläger als Auskunftsperson – eingehend zur Sache befragt wor-

den. Im Übrigen haben die Parteien ihre bereits schriftlich gestellten Anträge und Begrün-

dungen im Wesentlichen wiederholt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 18 ff.).  

 

G. Hinsichtlich der übrigen Prozessgeschichte, auf welcher das vorliegende Beru-

fungsverfahren beim Kantonsgericht basiert, wird grundsätzlich auf die bisher ergangenen, 

den Parteien bekannten Akten sowie, soweit für die Beurteilung der vorliegenden Sache von 

Relevanz, auf die nachstehenden Erwägungen verwiesen.  

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Gemäss Art. 398 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 

2007 (Strafprozessordnung, StPO; SR 312.0) ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstin-

stanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden 

ist. Gestützt auf Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverlet-

zungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweige-

rung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des 

Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit (lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil 

 
 

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in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Vorlie-

gend rügt der Privatkläger eine mangelhafte Abklärung des Sachverhalts, die Vornahme un-

genügender Beweiserhebungen, eine mangelhafte Würdigung der Beweise, eine fehlerhafte 

Subsumtion derselben sowie eine unzutreffende rechtliche Würdigung, womit zulässige Rü-

gegründe vorliegen. Die Legitimation zur Erhebung von Rechtsmitteln ergibt sich allgemein 

aus Art. 381-382 StPO. Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem 

erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich 

anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des be-

gründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

 

2. Mit Blick auf die seitens der Parteien vor Strafgericht wie auch vor Kantonsgericht 

gestellten Anträge ergibt sich die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Ab-

teilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Rechtsmittels aus 

Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung vom 12. März 2009 (EG StPO; SGS 250). Die Legiti-

mation des Privatklägers zur Erhebung der Berufung ist gestützt auf Art. 382 Abs. 1 StPO 

i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO ohne Weiteres gegeben. Aus den Akten geht hervor, dass 

das Urteilsdispositiv des Strafgerichtspräsidiums vom 21. Dezember 2022 dem Privatkläger 

am 22. Dezember 2022 zugestellt worden ist (act. 989). Mit seiner Berufungsanmeldung vom 

27. Dezember 2022 (act. 1095) hat der Privatkläger die zehntägige Frist gemäss Art. 399 

Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 

StPO wurde vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 

21. Dezember 2022 wurde dem Privatkläger am 21. Juni 2023 zugestellt (act. 1063), und mit 

Datum vom 10. Juli 2023 reichte der Privatkläger die Berufungserklärung ein. Was schliess-

lich die Form betrifft, so erfüllen die Eingaben des Privatklägers die Anforderungen von 

Art. 385 Abs. 1 StPO. Es ist demnach auf die Berufung des Privatklägers einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufung 

1. Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Es liegt eine Beru-

fung des Privatklägers vor. Dieser verlangt im Wesentlichen einen Schuldspruch gegen die 

beiden Beschuldigten, die Zusprechung von Schadenersatz von CHF 150'000.-- plus Zins 

und einer Genugtuung von CHF 50'000.-- (Mehrforderung vorbehalten), eine Parteientschä-

digung gemäss Kostennote (eventualiter als unentgeltliche Rechtsvertretung) sowie eine 

Kostenauferlegung zu Lasten der Beschuldigten. Aufgrund des Gegenstandes dieses 

Rechtsmittels steht vorliegend das gesamte Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 21. De-

 
 

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zember 2022 im Streit, nämlich die Freisprüche der beiden Beschuldigten von der Anklage 

der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung sowie der Gefährdung durch 

fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde (Dispositiv-Ziffern I.1 und II.1 des ange-

fochtenen Urteils), die Kostenentscheide betreffend die beiden Beschuldigten (Dispositiv-

Ziffern I.2 und II.2 des angefochtenen Urteils) sowie der Entscheid betreffend die Zivilforde-

rung des Privatklägers und die unentgeltliche Rechtsbeiständin des Privatklägers (Dispositiv-

Ziffer III des angefochtenen Urteils).  

 

2. Laut Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergrif-

fen worden ist (sog. Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt hier zufolge 

der allein seitens des Privatklägers eingelegten Berufung nicht vor. Entsprechend kann das 

Kantonsgericht das vorinstanzliche Urteil nach Massgabe der Anträge des Privatklägers 

entweder mildern, verschärfen oder bestätigen. 

 

3. Das Berufungsgericht ist mit umfassender Kognition ausgestattet (Art. 398 Abs. 2 

und 3 StPO). Die Grundlagen und Motive für die Entscheidung des Tatsachen- und Rechts-

streits müssen sich aus dem Berufungsurteil selbst ergeben, zumal dieses das erstinstanzli-

che Urteil ersetzt (Art. 408 StPO). Das rechtliche Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas-

sung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]) der Person, 

die das Rechtsmittel ergriffen hat, erfordert eine vollständige Begründung (vgl. BGE 141 IV 

244 E. 1.2.3). Aus dem Berufungsentscheid muss mithin hervorgehen, welche Tatsachen 

das Gericht für erwiesen hält, welche es verwirft oder als zweifelhaft einstuft; bestrittene Tat-

sachen und sich widersprechende Beweismittel sind zu würdigen und einer schlüssigen 

Sachverhaltsfeststellung zuzuführen (vgl. GRÉGORY BOVEY, Commentaire de la LTF, 3. Aufl. 

2022, Art. 112 BGG N 24 ff.). Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Gericht nicht auf 

sämtliche, sondern nur auf die relevanten Argumentationspunkte einzugehen hat. Denn in 

Beachtung des Anspruchs der Parteien auf rechtliches Gehör folgt zwar die Verpflichtung der 

Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Indes ist nicht erforderlich, dass sie sich mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich 

widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschrän-

ken (vgl. BGer 1B_273/2022 vom 22. November 2022 E. 3, unter Hinweis auf BGE 142 II 49 

E. 9.2; 136 I 229 E. 5.2; je mit Hinweisen). Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 

Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen zudem, für die tatsächliche und rechtliche Würdi-

gung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, 

wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vorbringen und rechtliche 

Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen werden (vgl. DANIELA 

 
 

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BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, 

Art. 82 N 10). Bei strittigen Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie bei rechtlichen 

Subsumtionen des konkreten Falls kommen Verweisungen nur dann in Frage, wenn die 

Rechtsmittelinstanz den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichtet. Art. 82 

Abs. 4 StPO entbindet die Rechtsmittelinstanzen somit nicht von deren Begründungspflicht 

und findet seine Grenzen, wenn sich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, was die 

massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen der Rechtsmittelinstanz sind 

(BGE 141 IV 244 E. 1.2.3; BGer 6B_310/200 vom 8. Dezember 2022 E. 2.2.1; 6B_130/2022 

vom 8. Dezember 2022 E. 1.3; 6B_275/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.1). Stimmt die 

Rechtsmittelinstanz grundsätzlich zu und hat sie bloss nebensächliche Vorbehalte, kann sie 

indes punktuelle Korrekturen formulieren und im Übrigen auf die vorinstanzliche Begründung 

verweisen (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/ RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, a.a.O., N 11). 

 

Vorliegend wird daher in den angefochtenen Punkten des erstinstanzlichen Urteils, welchen 

die Berufungsinstanz folgt, grundsätzlich – allenfalls durch vereinzelte Hervorhebungen und 

Ergänzungen – auf die Begründung der Vorinstanz verwiesen und überdies nur auf im Beru-

fungsverfahren vorgebrachte Argumente, welche zudem für die Urteilsbildung ausschlagge-

bend sind, im Einzelnen eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Vorfragen bzw. formelle Rügen 

1.1 Verletzung des Anklagegrundsatzes 

1.1.1 Der Beschuldigte 2 beanstandet, wie bereits vor dem Strafgerichtspräsidium, auch 

vor dem Kantonsgericht eine Verletzung des Anklageprinzips (vgl. S. 1 der Berufungsantwort 

vom 13. Dezember 2023).  

 

1.1.2.1 Das Kantonsgericht folgt indessen den überzeugenden und zutreffenden Ausfüh-

rungen der Vorinstanz in Erw. I.2 auf S. 3 f. des angefochtenen Urteils sowohl in dogmati-

scher als auch in fallbezogener Hinsicht, weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO 

grundsätzlich auf diese verwiesen wird.  

 

1.1.2.2 Ergänzend ist zu erwähnen, dass nach dem Anklagegrundsatz die Anklageschrift 

den Gegenstand des Gerichtsverfahrens bestimmt (sog. Umgrenzungsfunktion, vgl. BGer 

6B_171/2022 vom 29. November 2022, unter Hinweis auf Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 

BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. a und b der Europäischen Konvention zum Schutze der Men-

schenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 [EMRK; SR 0.101]; BGE 143 IV 

 
 

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63 E. 2.2; 141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Wie Art. 9 Abs. 1 StPO ausdrücklich fest-

legt, kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen 

eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen 

Gericht Anklage erhoben hat. Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift 

insbesondere möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Ta-

ten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit sowie Art und Folgen der Tatausführung (lit. f) 

und die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der 

anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g). Die Anklage hat die der beschuldigten Person 

zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe 

in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind (BGE 147 IV 

439 E. 7.2; 141 IV 132 E. 3.4.1; je mit Hinweisen). Bei Fahrlässigkeitsdelikten sind sämtliche 

tatsächlichen Umstände anzuführen, aus denen sich die Pflichtwidrigkeit des vorgeworfenen 

Verhaltens sowie die Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des eingetretenen Erfolges erge-

ben sollen. Es ist insbesondere möglichst genau darzulegen, inwiefern die beschuldigte Per-

son die gebotene Sorgfalt oder Vorsicht nicht beachtet hat (BGE 120 IV 348 E. 3c; 116 Ia 

455 E. 3cc; BGer 6B_963/2015 vom 19. Mai 2016 E. 1.3.2; je mit Hinweis). Entscheidend ist, 

dass die betroffene Person genau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und 

wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbe-

reiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen An-

schuldigungen konfrontiert zu werden (sog. Informationsfunktion; vgl. BGE 143 IV 63 E. 2.2 

mit Hinweisen).  

 

1.1.2.3 In casu beschreiben die beiden obgenannten Strafbefehle, welche vorliegend als 

Anklageschrift fungieren (vgl. DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 

4. Aufl. 2023, Art. 9 N 5, m.w.H.), auch nach Überzeugung des Kantonsgerichts, es sei sei-

tens der beiden Beschuldigten unterlassen worden, anzuordnen, die Schalungselemente 

ausreichend gegen Kippen und Wegrutschen zu sichern, indem sie verzichtet hätten, die 

Stützen zug- und druckfest beispielsweise mit Bolzen im Boden verankern bzw. verschrau-

ben bzw. die Elemente unter Verwendung eines Recks oder Rechens sicher hinstellen zu 

lassen. Anschliessend wird im Sachverhalt gemäss Anklage die mangelhafte Sicherung des 

Elements 2 gegen Umkippen bei der Wegnahme von Element 1 beschrieben und vorgewor-

fen, dass keine klaren Arbeitsanweisungen erteilt worden seien, wie die Elemente zu sichern 

seien, und auch nicht überprüft worden sei, ob allfällige Weisungen eingehalten worden sei-

en. Es handelt sich nach Ansicht des Kantonsgerichts damit stets um den Vorwurf der Unter-

lassung. Hinsichtlich der Pflichtwidrigkeit der Lagerung wird in der Anklage zudem erläuternd 

auf das SUVA Factsheet Nr. 33011.d, Stand Dezember 2017, verwiesen, welches eine hori-

zontale Lagerung der Elemente vorsehe und andernfalls eine Sicherung (beispielsweise un-

 
 

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ter Verwendung von Rechen oder Recks bzw. durch eine zug- und druckfeste Veranke-

rung/Verschraubung am Boden, so dass sie nicht kippen oder wegrutschen können, wobei 

auch äussere Einflüsse wie Wind zu berücksichtigen seien) verlange. Insgesamt sind in 

Wahrung der Umgrenzungsfunktion der Anklage mit der erforderlichen Klarheit diese vorge-

worfenen Sorgfaltspflichtverletzungen (ausser einer allfälligen ungenügenden Auswahl der 

Mitarbeiter) umschrieben, so dass den beiden anwaltlich vertretenen Beschuldigten in Wah-

rung der Informationsfunktion stets bewusst war und ist, wie der genaue Vorwurf lautet. Ne-

bensächlichkeiten wie die Angabe, wie oft genau hätte kontrolliert werden müssen, sind in 

casu nicht erforderlich, ergibt sich dies doch aus den konkreten Umständen. Dasselbe gilt 

betreffend die angeblich geschaffene Gefährdung: Wenn im Strafbefehl bzw. in der Anklage 

von "Gefährdung für alle auf der Baustelle tätigen Personen" die Rede ist, dann handelt es 

sich um eine klare Formulierung, welche die allgemeine Gefährdungslage auf der Baustelle 

umfasst. Zusammenfassend ist somit auch nach Ansicht des Kantonsgerichts keinerlei Ver-

letzung des Anklageprinzips gegeben und die entsprechende Rüge des Beschuldigten 2 

nicht zu hören. 

 

1.2 Antrag auf Rückweisung an die Vorinstanz  

Des Weiteren beantragt der Privatkläger die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und 

macht hierfür verschiedene Gründe geltend (vgl. S. 2 ff. der Berufungsbegründung vom 

9. Oktober 2023), welche nachfolgend zu beleuchten sind. 

 

1.2.1 Ungenügende erstinstanzliche Befragung des Privatklägers  

1.2.1.1 Im Rahmen seiner Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023 (S. 2. f.) stellt der 

Privatkläger zunächst die Verwertbarkeit seiner Aussagen vor erster Instanz in Frage, wobei 

er insbesondere diverse "Störmanöver" seitens des Beschuldigten 2 und damit zusammen-

hängend eine beim Privatkläger wie auch bei der Dolmetscherin eingetretene Verwirrung 

geltend macht. Der Privatkläger beantragt deshalb eine Rückweisung der Sache an die Vor-

instanz oder aber eine ergänzende Befragung desselben vor Kantonsgericht.  

 

1.2.1.2 Das Kantonsgericht konstatiert hingegen mit Blick auf den Ablauf der vorinstanzli-

chen Hauptverhandlung, welche im entsprechenden Protokoll festgehalten ist (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Strafgericht, S. 11 ff., act. 835 ff.), dass dort zwar der Beschuldigte 2 wäh-

rend der Befragung des Privatklägers diverse Einwände bzw. Wortbegehren vorgebracht hat. 

Diese Vorbringen des Beschuldigten 2 erreichen aber weder im Einzelnen noch in der Sum-

me ein Ausmass, dass sie geradezu eine Störung bzw. Verwirrung beim Privatkläger bzw. 

der Dolmetscherin ausgelöst haben können. Vielmehr ist festzustellen, dass der Privatkläger 

während der gesamten Befragung bei seiner Kernaussage geblieben ist. Abgesehen davon 

 
 

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sind im besagten Protokoll an keiner Stelle, auch nicht am Ende der Befragung, seitens des 

Privatklägers bzw. dessen Rechtsvertreterin Einwände gegen die Befragung erhoben wor-

den. Auch die Beschuldigten haben keinerlei Kritik an der Befragung geübt. Allfällige Fragen 

oder Unklarheiten beispielsweise in Bezug auf Fachausdrücke und weitere Begrifflichkeiten 

wurden an Ort und Stelle geklärt und bereits die Vorinstanz hat in Erw. I.4 auf S. 7 des ange-

fochtenen Urteils festgestellt, dass in Bezug auf die entscheidrelevanten Fragen keine Un-

klarheiten über den Inhalt der Aussagen bestünden und sich im Übrigen allfällige Missver-

ständnisse im Verlauf der Befragung hätten klären lassen. Selbst wenn von einer mangelhaf-

ten Befragung des Privatklägers vor den Schranken des Strafgerichts auszugehen wäre, so 

gilt es zu beachten, dass gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. nur 

BGE 143 IV 408 E. 6) eine Aufhebung des angefochtenen Urteils und die Rückweisung der 

Sache an die erste Instanz durch das Berufungsgericht nur bei schwerwiegenden, nicht heil-

baren Mängeln des erstinstanzlichen Verfahrens in Betracht kommt, in denen die Rückwei-

sung zur Wahrung der Parteirechte unumgänglich ist. So stellt eine bloss ergänzungsbedürf-

tige Befragung der beschuldigten Person in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung noch 

keinen schwerwiegenden Mangel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO dar (vgl. BGer a.a.O.). 

Insofern erfolgt diesfalls eine Heilung der allfälligen Verletzung des rechtlichen Gehörs vor 

der zweiten Instanz. Diese Rechtsfolge in Bezug auf die beschuldigte Person muss umso 

mehr für die Befragung eines Privatklägers gelten. Nachdem in casu der Privatkläger auch 

vor den Schranken des Berufungsgerichts nochmals eingehend befragt worden ist (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 9 ff.) und damit eine genügende Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhalts vorliegt, ist dessen Rüge somit nicht zu hören, weshalb sein 

diesbezüglicher Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzuweisen ist.  

 

1.2.2 Ungenügende erstinstanzliche Befragung des Zeugen bzw. der Auskunftsper-

son E.____  

1.2.2.1 Überdies beanstandet der Privatkläger, dass der als Zeuge vor Strafgericht vorgela-

dene E.____ lediglich als Auskunftsperson befragt worden sei (vgl. S. 3 f. der Berufungsbe-

gründung vom 9. Oktober 2023).  

 

1.2.2.2 Wie dem Protokoll der Hauptverhandlung vor Strafgericht (S. 19 ff., act. 851 ff.) und 

auch dem strafgerichtlichen Urteil (vgl. Erw. I.3 auf S. 5 f. des angefochtenen Urteils) ent-

nommen werden kann, wurde der ursprünglich als Zeuge geladene E.____ von der Vor-

instanz in der Annahme, der gegen ihn erlassene Strafbefehl vom 2. Juni 2021 sei noch nicht 

ordnungsgemäss eröffnet worden und angesichts dessen noch nicht in Rechtskraft erwach-

sen, sicherheitshalber als Auskunftsperson befragt. Vor dem Strafgericht machte sodann 

E.____ von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. 

 
 

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1.2.2.3 Vor Kantonsgericht legt die Staatsanwaltschaft eine vom 30. März 2023 datierende 

Vollzugsmeldung wie auch eine vom 26. April 2024 datierende 2. Mahnung und Androhung 

des Vollzugs der Ersatzfreiheitsstrafe betreffend E.____ ins Recht (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 6). Daraus geht im Wesentlichen hervor, dass dieser auf Umwand-

lungsbeschluss der Staatsanwaltschaft vom 12. November 2021 hin die ihm mit Strafbefehl 

vom 2. Juni 2021 auferlegte Busse bereits bezahlt hat. Aus diesem Grund ist – entgegen der 

Auffassung der Vorinstanz – von einer zum Zeitpunkt der strafgerichtlichen Hauptverhand-

lung am 28. November und 21. Dezember 2022 bereits erfolgten Eröffnung des Strafbefehls 

auszugehen. Da die Bezahlung der obgenannten Busse einer Anerkennung derselben 

gleichkommt, ist eine eingetretene Rechtskraft des Strafbefehls anzunehmen, was wiederum 

zur Folge hat, dass E.____ schon vor erster Instanz korrekterweise als Zeuge hätte befragt 

werden müssen. Gleichwohl ändert dieser Umstand nichts daran, dass der Antrag auf Rück-

weisung der Sache an die Vorinstanz aufgrund ungenügender erstinstanzlichen Befragung 

von E.____ abzuweisen ist, und zwar aus den nachfolgenden Gründen: 

 

a) Die StPO regelt die Zeuginnen und Zeugen in Art. 162 ff. StPO und die Auskunftsper-

sonen in Art. 178 ff. StPO. Was vorliegend die Verfahrensstellung von E.____ angeht, so 

steht mit Blick auf die Akten (vgl. vorstehend) fest, dass der Strafbefehl vom 2. Juni 2021 

gegen E.____ zwischenzeitlich in Rechtskraft erwachsen ist. Gestützt auf Art. 11 Abs. 1 

StPO darf eine in der Schweiz rechtskräftig beurteilte Person wegen der gleichen Straftat 

nicht erneut verfolgt werden. Das Bundesgericht hat in BGE 144 IV 97 festgehalten, dass 

daher eine Person, die in einem getrennten Verfahren für die abzuklärende oder eine damit 

in Zusammenhang stehende Straftat rechtskräftig verurteilt wurde, grundsätzlich in analoger 

Anwendung von Art. 162 ff. StPO als Zeuge oder Zeugin einzuvernehmen ist (E. 2 und 3). In 

casu besteht für E.____ nach dem rechtskräftigen Abschluss des eigenen Verfahrens durch 

Verurteilung somit dieser Konflikt in der Regel nicht mehr, weshalb dessen Schutzbedürfnis 

als einzuvernehmende Person entfällt. Vorbehalten bleiben gemäss Art. 11 Abs. 2 StPO 

zwar die Wiederaufnahme eines eingestellten oder nicht anhand genommenen Verfahrens 

und die Revision. Neben der Wiederaufnahme (Art. 323 StPO; vgl. auch Art. 310 Abs. 2 

StPO) ist auch die Revision zu Ungunsten der beschuldigten Person möglich (vgl. Art. 410 

Abs. 1 lit. a und Abs. 3 StPO e contrario; vgl. dazu BGE 139 IV 62 E. 1.5.8). Den damit ver-

bundenen Bedenken ist allerdings entgegenzuhalten, dass eine Person gemäss Art. 169 

Abs. 1 StPO das Zeugnis verweigern kann, wenn sie sich mit ihrer Aussage selbst derart 

belasten würde, dass sie strafrechtlich (lit. a; vgl. dazu Urteil 1B_436/ 2011 vom 21. Septem-

ber 2011 E. 2.4) oder zivilrechtlich verantwortlich gemacht werden könnte, und wenn das 

Schutzinteresse das Strafverfolgungsinteresse überwiegt (lit. b; vgl. BGE 144 IV 97 E. 3.2.2, 

unter Hinweis auf ARIANE KAUFMANN, Das abgekürzte Verfahren bei mehreren Tatbeteiligten, 

 
 

11 von 49 

recht 2009 S. 161). Da das Schutzbedürfnis der einzuvernehmenden Person nach ihrer 

rechtskräftigen Verurteilung entfällt, rechtfertigt es sich, sie im konnexen Verfahren als Zeu-

gin einzuvernehmen. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die Aufzählung in Art. 178 

StPO nach dem Willen des Gesetzgebers abschliessend ist (vgl. BGE 144 IV 97 E. 3.2.2, 

unter Hinweis auf BBl 2006 1209 Ziff. 2.4.4). Es ist nicht vorgesehen, generell befangene 

Personen als Auskunftspersonen einzuvernehmen (BGE 144 IV 97 a.a.O. E. 3.3, m.w.H.)  

 

b) In casu wurde im zweitinstanzlichen Verfahren E.____ am 19. Februar 2024 nun-

mehr ordnungsgemäss als Zeuge vorgeladen. Jener ist gleichwohl der Berufungsverhand-

lung ferngeblieben. Es stellt sich somit die Frage, ob auch ohne Aussage von E.____ der 

rechtserhebliche Sachverhalt festgestellt und hernach ein Urteil gefällt werden kann oder 

nicht. Diese Frage ist mit Blick darauf, dass neuerliche Angaben von E.____ als Zeuge po-

tenziell nichts am Beweisresultat zu Lasten der beiden Beschuldigten zu ändern vermocht 

hätten, zu bejahen. So gab E.____ noch in der Voruntersuchung am 29. November 2017 als 

Auskunftsperson befragt im Wesentlichen an, dass die Lagerung der Bauelemente korrekt 

gewesen sei (act. 217 ff.). Diese Einvernahme ist unbestrittenermassen verwertbar. Mit die-

ser Aussage belastete E.____ die beiden Beschuldigten in keiner Weise. Wenngleich keine 

Konfrontation von E.____ mit den Beschuldigten stattfand, so können dessen Aussagen zu 

Gunsten der beiden Beschuldigten gleichwohl verwendet werden. Denn es ist bei einer anti-

zipierten Beweiswürdigung nicht zu erwarten, dass E.____ nunmehr bei einer dritten Befra-

gung vor Kantonsgericht – wenngleich neu als Zeuge – seine Aussagen diametral entgegen-

stehend dazu dahingehend verändert hätte, dass er plötzlich die beiden Beschuldigten 

schwer belastet hätte. Wenn er vor Kantonsgericht gleichwohl neu für die Beschuldigten be-

lastende Depositionen getätigt hätte, wären diese zwar verwertbar, aber im Rahmen der Be-

weiswürdigung angesichts des Widerspruchs zur früheren Aussage wohl eher kritisch zu 

würdigen gewesen. E.____ hat sich im Rahmen seiner obgenannten Befragung in der Vor-

untersuchung mehrheitlich selbst belastet, nicht aber die beiden Beschuldigten. Es ist nahe-

liegenderweise davon auszugehen, dass E.____ – hätte er von den Beschuldigten Anwei-

sungen erhalten, welche zu einer Gefahr auf der Baustelle geführt hätten – derartige belas-

tende Angaben bereits bei dieser Gelegenheit gemacht hätte. Dies gilt insbesondere auch im 

Verfahren vor dem Strafgericht. Denn hätte E.____ den Fehler bei den Beschuldigten gese-

hen, wäre es nur plausibel gewesen, diese Ansicht schon damals kundzutun. Dass E.____ 

vor dem Strafgericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, ist mit 

Blick auf das vorinstanzliche Protokoll der Hauptverhandlung (S. 20, act. S 853) zweifelsoh-

ne und entgegen der Auffassung des Privatklägers darauf zurückzuführen, dass jener sich 

selbst, nicht aber die Beschuldigten schützen wollte. Somit wären zusammenfassend nach 

Ansicht der Berufungsinstanz von einer Zeugenbefragung von E.____ keine neuen Erkennt-

 
 

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nisse zu erwarten, welche die Beschuldigten in irgendeiner Weise belasten würden. Ange-

sichts dessen kann in Anwendung von Art. 389 Abs. 3 StPO e contrario auf eine Zeugenbe-

fragung von E.____ verzichtet werden. Demnach kann der Privatkläger aus der Rüge einer 

ungenügenden erstinstanzlichen Befragung des Zeugen bzw. der Auskunftsperson E.____ 

nichts zu seinen Gunsten ableiten. 

 

1.2.3 Beeinflussung der Auskunftsperson E.____ durch den Beschuldigten 2  

1.2.3.1 Sodann rügt der Privatkläger, der als Auskunftsperson befragte E.____ sei während 

einer vom Beschuldigten 2 erbetenen Toilettenpause vor erster Instanz durch diesen poten-

tiell dahingehend beeinflusst worden, dass jener nach der Pause keine Aussagen mehr getä-

tigt habe (vgl. S. 5 f. der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023).  

 

1.2.3.2 Aus der fraglichen Passage im Protokoll der Hauptverhandlung vor Strafgericht 

(S. 20, act. S 853) geht hervor, dass die Auskunftsperson E.____ gerade ausgesagt hatte, 

sie könne Antworten betreffend den Baustellenunfall vom 23. Oktober 2017 geben, als der 

Beschuldigte 2 beim Gericht anmeldete, dringend auf die Toilette gehen zu müssen. Darauf-

hin wurde die Hauptverhandlung für eine Dauer von 9 Minuten unterbrochen. Im Anschluss 

an diese Pause vermeldete E.____ gegenüber dem Gericht, er mache von seinem Aussage-

verweigerungsrecht Gebrauch, weshalb er aus der Verhandlung verabschiedet wurde. Das 

Kantonsgericht stellt zwar fest, dass diese zeitliche Abfolge auffällt. Gleichwohl ist zu be-

rücksichtigen, dass die Auskunftsperson E.____ erst auf Hinweis der Verfahrensleitung hin, 

wonach er sich mit seinen Aussagen auch selbst belasten könnte, erklärt hat, keine Aussa-

gen zu tätigen. Somit ist nicht davon auszugehen, dass die Auskunftsperson E.____ einzig 

deshalb von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, um den Beschuldig-

ten 2 (zu Unrecht) zu entlasten, sondern in erster Linie, um sich selbst nicht unnötig zu be-

lasten. Abgesehen davon ist auf die vorstehenden Ausführungen in Erw. 1.2.2.3.b) hinzuwei-

sen, wo bereits konstatiert worden ist, dass E.____ schon in der Voruntersuchung die Be-

schuldigten nicht belastet hat und nicht davon auszugehen ist, dass er seine Depositionen 

später im Verfahren plötzlich ändern würde. Somit bestehen in einer Gesamtbetrachtung der 

Aktenlage für die seitens des Privatklägers geltend gemachte Beeinflussung der Auskunfts-

person E.____ durch den Beschuldigten 2 keinerlei konkrete Anhaltspunkte. Im Übrigen ist 

festzustellen, dass der Privatkläger vor Strafgericht nicht interveniert hat, was aber zu erwar-

ten gewesen wäre, wäre die geltend gemachte Beeinflussung tatsächlich so offensichtlich 

gewesen wie behauptet. Und selbst wenn eine derartige Manipulation gegeben wäre – wo-

von das Gericht gerade nicht ausgeht – so wäre diese im Rahmen der Beweiswürdigung zu 

berücksichtigen, weshalb sie keinen Grund für eine Wiederholung der Befragung von E.____ 

 
 

13 von 49 

durch das Kantonsgericht wegen einer Verletzung von Verfahrensrechten dargestellt hätte. 

Der entsprechende Antrag des Privatklägers ist somit abzuweisen. 

 

1.2.4 Beschneidung des Rechts des Privatklägers auf ergänzende Fragen an die 

Auskunftsperson E.____  

1.2.4.1 In einem weiteren Punkt kritisiert der Privatkläger, er sei durch die Vorinstanz aus 

der Hauptverhandlung entlassen worden, bevor es zur Befragung von E.____ als Auskunfts-

person gekommen sei. Damit sei jenem das Recht, an die Auskunftsperson Ergänzungsfra-

gen zu stellen, verwehrt worden (vgl. S. 6 der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023). 

 

1.2.4.2 Art. 341 Abs. 3 StPO regelt die Befragung der beschuldigen Person vor der ersten 

Instanz und Art. 409 Abs. 1 StPO die Voraussetzungen für eine Aufhebung des erstinstanzli-

chen Urteils und eine Rückweisung der Sache an das erstinstanzliche Gericht im Fall von 

wesentlichen Mängeln. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Aufhebung des angefoch-

tenen Urteils und die Rückweisung der Sache an die erste Instanz durch das Berufungsge-

richt nur bei schwerwiegenden, nicht heilbaren Mängeln des erstinstanzlichen Verfahrens in 

Betracht kommt, in denen die Rückweisung zur Wahrung der Parteirechte unumgänglich ist. 

Eine ergänzungsbedürftige Befragung der beschuldigten Person in der erstinstanzlichen 

Hauptverhandlung stellt dabei keinen schwerwiegenden Mangel im Sinne von Art. 409 

Abs. 1 StPO dar (vgl. BGE 143 IV 408 E. 6). Soweit das Kantonsgericht zum Schluss gelan-

gen sollte, die Befragung der Beschuldigten in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sei 

nicht ausreichend gewesen, könnte sie die Einvernahmen der Beschuldigten im Übrigen in 

Anwendung von Art. 389 Abs. 2 lit. b StPO wiederholen (BGE a.a.O. E. 6.3.2, unter Hinweis 

u.a. auf STEFAN KELLER, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 389 N 1). Dabei ginge 

es nicht um eine Nachholung einer gänzlich unterbliebenen Befragung, sondern lediglich um 

deren allfällige Ergänzung. Sofern man mithin einen Verfahrensmangel bejahen wollte, wäre 

dieser vor der Berufungsinstanz ohne Weiteres heilbar. Diesem Ergebnis steht nicht entge-

gen, dass den beschuldigten Personen bei diesem Vorgehen faktisch eine Instanz entgehen 

würde. Denn dies ist nach der gesetzlichen Konzeption auch bei anderen Konstellationen der 

Fall, namentlich etwa, wenn das Berufungsgericht einen Sachverhalt anders subsumiert als 

die erste Instanz und gegebenenfalls einen Freispruch aufhebt. Auch solche Umstände füh-

ren nicht zur Rückweisung, auch wenn sich das Berufungsgericht erstmals zur Strafzumes-

sung äussert (vgl. BGE a.a.O., unter Hinweis auf SVEN ZIMMERLIN, Zürcher Kommentar 

StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 409 N 3). Zudem kann die Berufungsinstanz das Beweisverfahren 

ergänzen und Beweisabnahmen wiederholen oder zusätzliche Beweise erheben (Art. 389 

Abs. 2 und 3 StPO) und ist auch insofern einzige kantonale Instanz. Demzufolge stellen feh-

lerhafte Beweisabnahmen in der Untersuchung oder vor erster Instanz keine wesentlichen 

 
 

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Verfahrensfehler im Sinne von Art. 409 StPO dar, da das Gesetz explizit die Möglichkeit ei-

ner nachträglichen Heilung vorsieht (BGE a.a.O., unter Hinweis auf BGer 6B_253/2013 vom 

11. Juli 2013 E. 1.3). Das zweistufige Verfahren mit einem vollkommenen Rechtsmittel bringt 

es gerade mit sich, dass sich die Berufungsinstanz mit Behauptungen und Beweisen ausei-

nandersetzen muss, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht vorlagen (vgl. BGE a.a.O., unter 

Hinweis auf NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl., 2013, Art. 409 N 3). 

 

1.2.4.3 In casu ist wiederum festzustellen, dass der Privatkläger eine entsprechende Rüge 

nicht bereits vor erster Instanz vorgebracht hat. Abgesehen davon müssen die vorstehenden 

Ausführungen in Erw. 1.2.4.2 in Bezug auf den Beschuldigten selbstredend ohnehin umso 

mehr für den Privatkläger gelten, d.h. selbst bei einer allfälligen Verletzung von Parteirechten 

des Privatklägers zufolge ungenügender bzw. mangelhafter Befragung vor erster Instanz 

könnte dessen Befragung vor der zweiten Instanz zu einer Heilung des Mangels führen. In 

einer Gesamtwürdigung betrachtet liegt somit im hier zu beurteilenden Fall kein Grund für 

eine Rückweisung der Sache an das Strafgerichtspräsidium vor und der entsprechende An-

trag des Privatklägers ist abzuweisen. 

 

1.2.5 Unzulässige Verfahrenstrennung  

1.2.5.1 Schliesslich rügt der Privatkläger, dass die Strafverfahren gegen die beiden Be-

schuldigten einerseits sowie gegen E.____ andererseits nicht hätten getrennt werden dürfen, 

weshalb die Vorinstanz zwecks Abklärung des Sachverhalts und Erhebung sämtlicher Be-

weise die Sache an die Staatsanwaltschaft hätte zurückweisen müssen. Eventualiter sei 

E.____ auch aus diesem Grund durch die Berufungsinstanz zu befragen (vgl. S. 5 der Beru-

fungsbegründung vom 9. Oktober 2023).  

 

1.2.5.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO werden Straftaten gemeinsam verfolgt und beur-

teilt, wenn Mittäterschaft oder Teilnahme vorliegt. Der Grundsatz der Verfahrenseinheit be-

zweckt die Verhinderung sich widersprechender Urteile, sei dies bei der Sachverhaltsfest-

stellung, der rechtlichen Würdigung oder der Strafzumessung. Er gewährleistet somit das 

Gleichbehandlungsgebot (Art. 8 BV). Überdies dient er der Prozessökonomie. Eine Verfah-

renstrennung ist gemäss Art. 30 StPO nur bei Vorliegen sachlicher Gründe zulässig und 

muss die Ausnahme bleiben. Die sachlichen Gründe müssen objektiv sein. Die Verfah-

renstrennung soll dabei vor allem der Verfahrensbeschleunigung dienen bzw. eine unnötige 

Verzögerung vermeiden helfen. In der Literatur werden als sachliche Gründe etwa die bevor-

stehende Verjährung einzelner Straftaten oder die Unerreichbarkeit einzelner beschuldigter 

Personen genannt (BGE 144 IV 97 E. 3.3; 138 IV 29 E. 3.2; 214 E. 3.2; je mit Hinweisen). 

Die Abtrennung des Verfahrens ist unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf ein faires 

 
 

15 von 49 

Verfahren (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK) namentlich bei mutmasslichen Mittätern 

und Teilnehmern besonders problematisch, wenn der Umfang und die Art der Beteiligung 

wechselseitig bestritten ist und somit die Gefahr besteht, dass der eine Mitbeschuldigte die 

Verantwortung dem andern zuweisen will (BGer 1B_553/2018 vom 20. Februar 2019 E. 2.2; 

bezüglich der Rechtslage vor Inkrafttreten der Schweizerischen Strafprozessordnung: BGE 

116 Ia 305 E. 4b). Belasten sich die Mittäter und Teilnehmer gegenseitig und ist unklar, wel-

cher Beschuldigte welchen Tatbeitrag geleistet hat, besteht bei getrennten Verfahren die 

Gefahr sich widersprechender Entscheide, sei es in Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung, 

die rechtliche Würdigung oder die Strafzumessung (BGer 1B_553/2018 vom 20. Februar 

2019 E. 2.2; 1B_467/2016 vom 16. Mai 2017 E. 3.3). Die Verfahrenstrennung ist aus weite-

ren Gründen problematisch. Da gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bezüglich 

der Einvernahmen in separat geführten Verfahren kein Anspruch auf Teilnahme besteht 

(BGE 141 IV 220 E. 4.5; 140 IV 172 E. 1.2.3), geht die getrennte Verfahrensführung mit einer 

massiven Beschränkung der Teilnahmerechte einher. Der separat Beschuldigte hat in den 

abgetrennten Verfahren zudem nicht denselben Anspruch auf Akteneinsicht wie eine Partei 

(Art. 101 Abs. 1 StPO). Er ist dort nötigenfalls als Auskunftsperson zu befragen bzw. als 

nicht verfahrensbeteiligter Dritter zu behandeln. Die Akteneinsicht ist an (nicht verfahrensbe-

teiligte) Dritte nur zu gewähren, wenn diese dafür ein wissenschaftliches oder ein anderes 

schützenswertes Interesse geltend machen und der Einsichtnahme keine überwiegenden 

öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen (Art. 101 Abs. 3 StPO). Diese Ein-

schränkung der Teilnahmerechte von Beschuldigten in getrennten Verfahren im Vergleich zu 

Mitbeschuldigten im gleichen Verfahren ist vom Gesetzgeber implizit vorgesehen und hinzu-

nehmen (BGE 140 IV 172 E. 1.2.3). Durch eine Verfahrenstrennung geht der beschuldigten 

Person (bezogen auf Beweiserhebungen der anderen Verfahren) auch das Verwertungsver-

bot des Art. 147 Abs. 4 StPO verloren, weil sie insoweit keine Verletzung ihres Teilnahme-

rechtes geltend machen kann. Angesichts dieser schwerwiegenden prozessualen Konse-

quenzen ist an die gesetzlichen Ausnahmevoraussetzungen einer Verfahrenstrennung ein 

strenger Massstab anzulegen (BGer 1B_553/2018 vom 20. Februar 2019 E. 2.3 mit Hinwei-

sen). 

 

1.2.5.3 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass der Privatkläger diesen formel-

len Einwand nicht schon vor Strafgericht gerügt hat. Nachvollziehbare Gründe für eine derart 

späte Rüge erst vor Kantonsgericht vermag der Privatkläger nicht anzugeben. Inhaltlich be-

trachtet ist zu konstatieren, dass in Bezug auf die Strafverfahren gegen die Beschuldigten 1 

und 2 einerseits und dasjenige in Bezug auf E.____ andererseits gar keine Verfahrenstren-

nung im Rechtssinn vorliegt. Denn dass mit vorliegendem Urteil allein die Beschuldigten 1 

und 2, nicht aber E.____ zu beurteilen ist, ist allein der Tatsache geschuldet, dass Letztge-

 
 

16 von 49 

nannter gegen den ihn betreffenden Strafbefehl vom 2. Juni 2021 keine Einsprache erhoben 

hat, weshalb es auch nicht zu einem Urteil des Strafgerichts gekommen ist. Hätte E.____ 

hingegen eine Einsprache gegen seinen Strafbefehl erhoben, so ist kein Grund ersichtlich, 

warum sein Fall nicht auch in demselben Verfahren vor Strafgericht behandelt worden wäre. 

Im Übrigen ist nicht erkennbar, worin überhaupt der Nachteil einer formellen Verfahrenstren-

nung – wäre eine solche zu bejahen gewesen – für den Privatkläger liegen soll, handelt es 

sich doch bei der grundsätzlich gemeinsamen Verfahrensführung um einen ausschliesslich 

dem Beschuldigten zur Wahrung seiner Teilnahmerechte zustehenden Anspruch. Das Kan-

tonsgericht sieht folglich keine Gründe dafür, dass die Sache an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen wäre, weshalb auch dieser Antrag des Privatklägers abschlägig zu behandeln ist. 

 

1.2.6 Aus den vorstehenden Ausführungen in Erw. 1.2.1-1.2.5 erhellt, dass – entgegen 

der Auffassung des Privatklägers – im Ergebnis kein Mangel in Bezug auf die Abklärung des 

Sachverhalts bzw. die Beweiserhebung durch die Vorinstanz festzustellen ist, welcher nicht 

spätestens vor zweiter Instanz geheilt werden könnte, was gestützt auf die vorhandene Be-

weislage die Ausfällung eines Urteils ermöglicht. Das Verfahren ist daher in Abweisung 

sämtlicher entsprechender Anträge des Privatklägers nicht an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. 

 

2. Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung und fahrlässige Ge-

fährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde  

2.1 Die Anklage vom 2. Juni 2021 warf zunächst beiden Beschuldigten gemeinsam 

Nachstehendes vor: 

 

"Die Y.____ AG, aus F.____, erstellte im Sommer/Herbst 2017 auf der Baustelle `G.____` 

am X.____weg in D.____ als Generalunternehmerin Mehrfamilienhäuser und beauftragte 

dabei für Schalungsarbeiten die Z.____ AG, aus H.____, als Subunternehmerin.  

 

Zu einem unbekannten Zeitpunkt zwischen dem 13. und 16. Oktober 2017 lagerte der Ge-

schädigte, Bauarbeiter der Z.____ AG, am Rand des Baustellengeländes neben dem Roh-

bau auf dem unbefestigten Naturboden zwei momentan nicht gebrauchte Schalungselemen-

te des Typs Forteko (nachfolgend Element 1 und 2) mit den Massen von je 5.30 x 3.00 Meter 

und einem Gewicht von je ca. 1'000 Kilogramm, indem er sie jeweils auf einer Seite mit zwei 

Stützen versehen mit einer Neigung von jeweils ca. 8° voneinander weggeneigt gegeneinan-

der abstellte, damit im Falle des Kippens eines Elementes, dieses durch das gegenüberlie-

gende aufgefangen worden wäre. Bei der Lagerung der Elemente unterliess es der Geschä-

digte pflichtwidrig, darüberhinausgehend die beiden stehend gelagerten Schalungselemente 

 
 

17 von 49 

ausreichend standsicher gegen das Kippen bzw. Wegrutschen zu sichern, indem er darauf 

verzichtete, die Stützen zug- und druckfest beispielsweise mit Bolzen im Boden zu verankern 

bzw. zu verschrauben bzw. die Elemente unter Verwendung eines Recks oder Rechens si-

cher hinzustellen. 

 

Am Montag, den 23. Oktober 2017, ca. 13:50 Uhr, erhielt der Geschädigte von seinem Vor-

gesetzten der Z.____ AG, Gruppenleiter E.____, den Auftrag, Element 1 für den nächsten 

Einsatz zu reinigen. Nachdem der Geschädigte das Schalungselement 1 an der Kette des 

Krans befestigt hatte, um dieses zur Reinigung etwas zu versetzen, hob der Kranführer 

I.____ dieses mit dem Kran an und stellte es in ca. zwei Meter Entfernung wieder auf den 

Boden, so dass der Geschädigte damit beginnen konnte, das Schalungselement 1 mit einem 

Stosseisen zu reinigen. 

 

Der Geschädigte stand bei der Reinigung von Schalungselement 1 mit dem Rücken zum 

Schalungselement 2. lnfolge der mangelhaften Sicherung von Schalungselement 2 gegen 

das Umkippen - möglicherweise begünstigt durch eine Windböe - kippte dieses in Richtung 

des Geschädigten um, schlug zunächst gegen das nach wie vor am Kranseil angehängte 

Element 1, drückte den Geschädigten zu Boden und schlug anschliessend einseitig auf ein 

Betonelement auf. 

 

Der durch die Schreie des Geschädigten auf die Situation aufmerksam gemachte I.____ hob 

das am Kran hängende Element 1 sofort zu Seite, damit das Schalungselement 2 angeho-

ben und der Geschädigte unter der Last geborgen werden konnte. 

 

Durch den Unfall zog sich der Geschädigte diverse unmittelbar lebensgefährliche Verletzun-

gen, namentlich komplexe Mittelgesichtsfrakturen beiderseitig, einen Bluterguss in der Au-

genhöhle hinter dem Auge mit Abriss eines Augenmuskels und Einblutung ins Auge, einen 

instabilen Thorax bei multiplen Rippenfrakturen und Blut im Brustfellraum, eine Zerreissung 

der Milz mit starker Blutung, Brüche der Wirbelfortsätze, eine Risswunde am After mit Verlet-

zung des Schliessmuskel sowie eine Hypothermie zu, welche eine stationäre Behandlung im 

Universitätsspital H.____ vom 23. Oktober 2017 bis zum 20. November 2017, teilweise auf 

der Intensivstation, sowie eine langandauernde Rehabilitation erforderten, zu. Aufgrund der 

erlittenen schweren Verletzungen wird der Geschädigte voraussichtlich zeitlebens in seiner 

Lebensführung eingeschränkt bleiben. 

 

Gemäss SUVA Factsheet Nr. 33011.d, Stand Dezember 2017, sind Wandschalungselemen-

te zu jedem Zeitpunkt so zu sichern, dass diese nicht umstürzen können. Sie sind grundsätz-

 
 

18 von 49 

lich liegend zu lagern. Müssen die Wandschalungselemente beispielsweise aufgrund der 

engen Platzverhältnisse vertikal bzw. stehend gelagert werden, so sind diese so zu stellen 

und zu sichern (beispielsweise unter Verwendung von Rechen oder Recks bzw. durch eine 

zug- und druckfeste Verankerung/Verschraubung am Boden), dass sie nicht kippen oder 

wegrutschen können. Insbesondere sind äussere Einflüsse wie beispielsweise Wind zu be-

rücksichtigen." 

 

Der an den Beschuldigten 1 gerichtete Vorwurf lautete sodann: 

 

"Der Vorgesetzte ist verpflichtet, klare Arbeitsanweisungen zu erteilen, wie die Elemente zu 

sichern sind und zu kontrollieren, dass die Anweisungen eingehalten werden. 

 

Der Beschuldigte, Hochbaupolier und örtlicher Baustellenchef der Y.____ AG, der über bau-

leitende Funktion und damit Befehlsgewalt über die Ausführenden verfügte und die durch die 

Umstände gebotenen Sicherheitsvorkehrungen anordnen, kontrollieren und generell für die 

Einhaltung der anerkannten Regeln der Baukunde sorgen musste, wäre demgemäss ver-

pflichtet gewesen, klare Arbeitsanweisungen betr. die Zwischenlagerung der im vorliegenden 

Fall vertikal/stehend gelagerten Schalungselemente zu erteilen bzw. wäre gehalten gewesen 

zu kontrollieren, ob die Regeln betr. sichere Lagerung der Elemente eingehalten werden. Bei 

Feststellung der mangelhaften Lagerung, welche ohne Weiteres zu erkennen war, wäre er 

dazu verpflichtet gewesen, mit der Anordnung von Massnahmen, die bis hin zu einem Bau-

stopp hätten reichen können, dafür besorgt zu sein, dass der sachgemässe Zustand, sprich 

eine sichere Lagerung der Schalungselemente, hergestellt wird. 

 

Der Beschuldigte unterliess es in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, Anweisungen zu erteilen, 

wie die Schalungselemente ordnungsgemäss zu lagern sind bzw. dafür zu sorgen, dass die 

unsachgemässe Zwischenlagerung korrigiert wird. Dies, obschon er sich täglich auf der Bau-

stelle aufhielt und er die seit ca. zehn Tagen andauernde fehlerhafte Lagerung der Scha-

lungselemente hätte erkennen können. Das Risiko eines Unfalls mit Verletzten bzw. gar To-

ten aufgrund der unsachgemässen Lagerung war damit für den Beschuldigten erkenn- und 

voraussehbar." 

 

Demgegenüber wurde dem Beschuldigten 2 Folgendes zur Last gelegt: 

 

"Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle in seinem Betrieb beschäftigten 

Arbeitnehmer ausreichend und angemessen informiert und angeleitet werden über die bei 

 
 

19 von 49 

ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren. Zudem hat er dafür zu sorgen, dass die Arbeitneh-

mer die Massnahmen der Arbeitssicherheit einhalten.  

Der Verpflichtung zur Schulung seiner Arbeitnehmer ist der Beschuldigte als lnhaber und 

Geschäftsführer der Z.____ AG nicht nachgekommen, zumal der erst seit knapp 2 Jahren in 

der Firma tätige E.___, Gruppenleiter und Vorgesetzter des Geschädigten, vor dem Unfall 

weder einen Kurs noch eine Schulung zum Thema Arbeitssicherheit absolvierte. Diese 

pflichtwidrige Unterlassung des Beschuldigten führte möglicherweise dazu, dass E.____ 

ausserstande war, die in der fehlerhaften Lagerung der Schalungselemente innewohnende 

Gefahr zu erkennen und geeignete Massnahmen dagegen treffen zu können. 

 

Auch wäre der Beschuldigte verpflichtet gewesen, klare Arbeitsanweisungen betr. die Zwi-

schenlagerung der im vorliegenden Fall vertikal/stehend gelagerten Schalungselemente zu 

erteilen bzw. er wäre gehalten gewesen zu kontrollieren, ob die Regeln betr. sichere Lage-

rung der Elemente eingehalten werden. Bei Feststellung der mangelhaften Lagerung, welche 

ohne Weiteres zu erkennen war, wäre er dazu verpflichtet gewesen, mit der Anordnung von 

Massnahmen, die bis hin zu einem Baustopp hätten reichen können, dafür besorgt zu sein, 

dass der sachgemässe Zustand, sprich eine sichere Lagerung der Schalungselemente, her-

gestellt wird. 

Der Beschuldigte unterliess es in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, Anweisungen zu erteilen, 

wie die Schalungselemente ordnungsgemäss zu lagern sind bzw. dafür zu sorgen, dass die 

unsachgemässe Zwischenlagerung korrigiert wird. Dies, obschon er sich gelegentlich auf die 

Baustelle begab, diese kannte und er die über ca. zehn Tage andauernde fehlerhafte Lage-

rung der Schalungselemente hätte feststellen können. Das Risiko eines Unfalls mit Verletz-

ten bzw. gar Toten aufgrund der unsachgemässen Lagerung war damit für den Beschuldig-

ten erkenn- und voraussehbar. 

Nicht zuletzt in Anbetracht der fehlenden Ausbildung seines Gruppenleiters E.____ und der 

sich daraus ergebenden Gefährdung für alle auf der Baustelle tätigen Personen hätte der 

Beschuldigte der Einhaltung der sicherheitsrelevanten Vorschriften vor Ort ein besonderes 

Augenmerk schenken und die lntervalle seines Erscheinens auf der Baustelle zur Aus-

schliessung einer Gefährdung entsprechend anpassen müssen." 

 

Schliesslich lautete der wiederum an beide Beschuldigte gerichtete Vorwurf: 

 

"Wären die Schalungselemente ordnungsgemäss gelagert bzw. gesichert gewesen, so wäre 

der Unfall vermeidbar gewesen und der Geschädigte mit Sicherheit nicht durch das umfal-

lende Schalungselement getroffen und schwer verletzt worden. 

 
 

20 von 49 

Die pflichtwidrig unvorsichtige(n) Unterlassung(en) des Beschuldigten führte(n) dazu, dass 

der durch das umfallende Schalungselement getroffene Geschädigte schwer verletzt wurde. 

 

Der Beschuldigte erfüllte die Tatbestände der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer 

Schädigung sowie der Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde 

durch pflichtwidriges Unterlassen." 

 

2.2 Das Strafgerichtspräsidium erachtete gestützt auf die vorliegende Beweislage, d.h. 

die Feststellungen an der Unfallstelle, die ärztlichen Berichte betreffend den Privatkläger, die 

Aktenlage betreffend die Verhältnisse der beteiligten Unternehmen und Personen, die Aus-

sagen des Privatklägers, der Auskunftspersonen E.____ und I.____ wie auch die Aussagen 

der beiden Beschuldigten, den Sachverhalt gemäss Anklage dahingehend als erstellt, dass 

das Verhältnis der Generalunternehmerin Y.____ AG zur Subunternehmerin Z.____ AG be-

legt sei sowie dass der Beschuldigte 1 als Polier örtlicher Baustellenchef Y.____ AG und der 

Beschuldigte 2 Geschäftsführer der Z.____ AG gewesen sei, welcher wiederum E.____ als 

Gruppenleiter und Vorgesetzter des Privatklägers eingesetzt habe. Des Weiteren sei erwie-

sen, dass die beiden grossen Schalungselemente zunächst gegenüber und voneinander 

abgeneigt in einer V-Form abgestellt gewesen seien, wobei sie mit montierten Stützen gegen 

ein Kippen nach hinten gesichert gewesen seien. Demgegenüber habe gegen ein Kippen 

nach vorne – entgegen der Neigung – ausser dem gegenüber aufgestellten Schalungsele-

ment keine zusätzliche Sicherung bestanden. Des Weiteren sei belegt, dass der Privatkläger 

eines der beiden Schalungselemente vom Kranführer habe versetzen lassen. Ebenso sei 

erstellt, dass sich der Privatkläger im Bereich vor dem nach vorne nicht gesicherten, umkip-

penden Schalungselement aufgehalten habe, weshalb ihn dieses getroffen habe und was zu 

den dokumentierten Verletzungsfolgen geführt habe. Ob eine Windböe für das Umkippen 

des fraglichen Schalungselementes ursächlich gewesen sei, könne nicht mit Sicherheit ge-

klärt werden und müsse offengelassen werden (vgl. Erw. II.1 auf S. 7-16 des angefochtenen 

Urteils).  

 

In rechtlicher Hinsicht gelangte die Vorinstanz nach Prüfung der einzelnen Verantwortlich-

keitsbereiche auf der Baustelle und einer Subsumtion des rechtlich erheblichen Sachverhalts 

unter die beiden Tatbestände der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 

i.V.m. Art. 125 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 

(StGB; SR 311.0) und der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bau-

kunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB zum Schluss, dass zwar eine schwere Körperverletzung 

beim Privatkläger vorliege, indessen keinem der beiden Beschuldigten eine unfallkausale 

Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden könne, weshalb die angeklagten Tatbestände 

 
 

21 von 49 

nicht erfüllt seien. Infolgedessen sprach der Vorderrichter die beiden Beschuldigten von der 

entsprechenden Anklage frei (vgl. Erw. II.2 auf S. 16-22 des angefochtenen Urteils). 

 

2.3 In seiner Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023 macht hingegen der Privat-

kläger eine falsche Würdigung durch die Vorinstanz sowohl in tatsächlicher als auch in recht-

licher Hinsicht geltend. So gebe es insbesondere in den vorliegenden Aussagen der Beteilig-

ten Widersprüche in Bezug auf die exakte Grösse der Schalungselemente wie auch die La-

gerung der beiden Elemente auf dem dortigen Boden (vgl. S. 7-9 der Berufungsbegründung 

vom 9. Oktober 2023). Rechtlich betrachtet führt der Privatkläger ins Feld, er sei entgegen 

der Auffassung der Vorinstanz gerade kein fachlich in Bezug auf den Umgang von Schalun-

gen versierter Bauarbeiter. Vielmehr sei dem Beschuldigten 2 anzulasten, dass dieser mit 

dem Privatkläger eine sorgfaltswidrige Auswahl betreffend die auf der Baustelle einzuset-

zenden Personen getroffen habe. Zudem hätten sowohl der Beschuldigte 2 via E.____ als 

auch der Beschuldigte 1 gegenüber dem Privatkläger sorgfaltswidrige Instruktionen erteilt. 

Dem Privatkläger könne daher nicht angelastet werden, dass er lediglich die ihm erteilten 

Weisungen umgesetzt habe (vgl. S. 9 f. der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023). Da 

bereits von einer falschen bzw. ungenügenden Lagerung (Bodenbeschaffenheit) und Siche-

rung der beiden Schalungselemente über zwei Wochen vor dem Unfall auszugehen sei, sei 

die Kausalität zwischen sorgfaltswidrigem Verhalten und Schaden den beiden Beschuldigten 

und nicht dem Privatkläger zuzuschreiben (vgl. S. 10-13 der Berufungsbegründung vom 

9. Oktober 2023). 

 

In ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht hält die Rechtsvertreterin des Privatklägers an dieser 

Argumentation fest. So seien insbesondere die Unfallkausalität und die Sorgfaltspflichtverlet-

zung bei der unsachgemässen Lagerung der Elemente wie auch den fehlerhaften Instruktio-

nen und Überwachungen der beiden Beschuldigten zu sehen (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 18, unter Hinweis auf das schriftlich eingereichte Plädoyer, S. 2-6). 

 

2.4.1 Demgegenüber führt der Beschuldigte 1 vor Kantonsgericht ins Feld, unfallkausal 

sei nicht die Lagerung der Schalungselemente, sondern eine kurzzeitige Herbeiführung ei-

nes ungesicherten Zustandes durch Mitarbeiter der Subunternehmerin gewesen. Hierfür tra-

ge der Beschuldigte 1 keine Verantwortung, habe er doch nicht jeden der geschulten und 

erfahrenen Bauarbeiter auf Schritt und Tritt überwachen können. Das Gleiche würde auch für 

den Fall einer nicht optimalen Lagerung gelten, zumal die Subunternehmerin auf diesen Be-

reich spezialisiert gewesen sei und vertragsgemäss hierfür die Verantwortung getragen ha-

be. Offensichtlich sei der Privatkläger selbst allein für den Unfall verantwortlich, indem er 

 
 

22 von 49 

offenbar aus Zeitgründen vor Verschieben des einen Elements eine Sicherung unterlassen 

habe (vgl. S. 2-4 der Berufungsantwort vom 13. Dezember 2023).  

 

An dieser Argumentation hält der Rechtsvertreter des Beschuldigten 1 im Rahmen seines 

Parteivortrages fest (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 19, unter Hinweis auf 

den schriftlich eingereichten Parteivortrag, S. 1-7). 

 

2.4.2 Auch der Beschuldigte 2 vertritt vor Kantonsgericht die Auffassung, dass nicht die 

Lagerung der beiden Elemente an sich, sondern die Handhabung derselben nach Aufhebung 

der Lagerung unfallkausal gewesen sei. Dieser kurzzeitige, unsichere Zustand könne jedoch 

keinem der beiden Beschuldigten zugerechnet werden. Und selbst wenn bereits die Lage-

rung unzulässig gewesen wäre, wären genügend ausgebildete und instruierte Personen vor 

Ort gewesen, die den korrekten Umgang mit den Schalungselementen gekannt hätten, da-

runter auch der Privatkläger. Selbst wenn sodann E.____ ungenügend instruiert gewesen 

sei, sei nicht dies unfallkausal gewesen, sondern einzig die Tatsache, dass der Privatkläger 

das erste Element am Kran angehängt habe, ohne vorgängig wenigstens mit einem Spann-

gurt das zweite Element am Umstürzen zu hindern. Der Beschuldigte 2 habe darauf vertrau-

en dürfen, dass sich seine ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeiter wie auch der Beschul-

digte 1 korrekt verhielten. Im Übrigen habe es sich auch nicht um eine aussergewöhnliche, 

sondern um eine alltägliche Routinearbeit gehandelt, die keiner besonderen Überwachung 

oder Anweisung bedürfe. Der Unfall sei daher für den Beschuldigten 2 auch nicht vorherseh-

bar und vermeidbar gewesen (vgl. S. 2 f. der Berufungsantwort vom 13. Dezember 2023).  

 

In seinem Plädoyer vor Kantonsgericht bleibt der Rechtsvertreter des Beschuldigten 2 eben-

falls bei seiner Argumentation (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 19-21). 

 

2.5 Würdigung durch das Kantonsgericht  

2.5.1 Tatsächliches 

2.5.1.1 Hinsichtlich des Sachverhalts im Allgemeinen ist zunächst auf die Beweiswürdi-

gungsregeln gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO (Grundsatz der freien Beweiswürdigung) und 

Art. 10 Abs. 3 StPO (Maxime "in dubio pro reo") zu verweisen. Das Gericht ist nicht verpflich-

tet, etwas als erwiesen zu erachten, was es nach seiner Überzeugung nicht ist, oder umge-

kehrt etwas als nicht erwiesen anzusehen, worüber für das Gericht kein Zweifel besteht (vgl. 

BGE 133 I 33 E. 2.1). Liegen keine direkten Beweise vor, so ist nach der Rechtsprechung 

auch ein indirekter Beweis zulässig. Indizien sind Tatsachen, von denen auf das Vorliegen 

einer unmittelbar entscheiderheblichen Tatsache geschlossen werden kann. Eine Mehrzahl 

von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf 

 
 

23 von 49 

eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, kön-

nen in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügen-

den Beweis von Tat oder Täterin erlaubt (vgl. BGer 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 

E. 1.2).  

 

Bestreitet eine beschuldigte Person die ihr vorgeworfene Tat, so ist der Sachverhalt aufgrund 

der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein 

gültigen Beweisregeln zu erstellen. Hierbei ist dem Zweifelsgrundsatz gemäss Art. 10 Abs. 3 

StPO Beachtung zu schenken. Als Beweislastregel bedeutet die Maxime "in dubio pro reo", 

dass es Sache der Strafbehörde ist, die Schuld der angeschuldigten Person zu beweisen, 

und nicht diese ihre Unschuld nachweisen muss (ESTHER TOPHINKE, Basler Kommentar 

StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 10 N 80; BGE 127 I 38 E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt 

die Maxime "in dubio pro reo" indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln 

unbesehen auf den für die beschuldigte Person günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Ent-

scheidregel kommt nur zur Anwendung, wenn nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzes 

relevante Zweifel verbleiben (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.1 ff.). Das Gericht darf sich nicht nach 

Gutdünken und rein subjektivem Empfinden von der Schuld der angeklagten Person über-

zeugt erklären. Vielmehr muss die Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung gestützt 

auf alle vorhandenen und verwertbaren Beweise begründbar und für einen verständigen 

Menschen objektiv nachvollziehbar sein. Eine Verurteilung darf nur ergehen, wenn das 

Sachgericht über jeden vernünftigen Zweifel hinaus überzeugt ist, dass sämtliche Strafbar-

keitsvoraussetzungen in tatsächlicher Hinsicht vorliegen. Eine überwiegende Wahrschein-

lichkeit reicht hierfür nicht. Auf der anderen Seite ist absolute Gewissheit angesichts der Un-

vollkommenheit der Erkenntnismittel und des menschlichen Urteilsvermögens nicht erreich-

bar. Gefordert ist indessen ein sehr hoher Grad an Wahrscheinlichkeit oder eine mit an Si-

cherheit grenzende Wahrscheinlichkeit. Wichtige Bedeutung für die Nachvollziehbarkeit der 

Sachverhaltsfeststellung haben neben der Urteilsbegründung Denk- und Naturgesetze, Er-

fahrungssätze, technische und wissenschaftliche Erkenntnisse, gesicherte empirische Be-

funde, Lebenserfahrung und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand (ESTHER 

TOPHINKE a.a.O., N 83, m.w.H.). 

 

2.5.1.2 Als Beweise und Indizien dienen im vorliegenden Fall der Polizeirapport vom 9. Ok-

tober 2018 samt Fotos (act. 93 ff.), die Feststellungen und Massnahme der SUVA vom 

31. Oktober 2017 (act. 173 ff.), der Unfallrapport der SUVA vom 17. November 2017 samt 

Fotos (act. 197 ff.), das forensisch-toxikologische Gutachten des IRM H.____ vom 30. Okto-

ber 2017 (act. 115 ff.), die Arztberichte des Universitätsspitals H.____ vom 10. November 

2017 (act. 131 ff.), 23. Januar 2020 (act. 141 f.), 29. Januar 2020 (act. 149 f.) und 10. Febru-

 
 

24 von 49 

ar 2020 (act. 153 ff.), der Subunternehmervertrag zwischen der Y.____ AG und der Z.____ 

AG vom 11. Mai 2017 (act. 345 ff.), ein Kurszertifikat für den Privatkläger betreffend eine 

Schulung zur Arbeitssicherheit, darunter "Wand- und Deckenschalung", ausgestellt am 

24. Oktober 2015 (act. 207), der Arbeitsvertrag zwischen der Z.____ AG und E.____ vom 

26. Juni 2017 (act. 461), die Kursbestätigung für E.____ betreffend eine Instruktion zum 

Thema Deckenschalung und Wandschalung vom 26. Oktober 2017 (act. 463), eine E-Mail 

des Treuhänders der Z.____ AG an die Staatsanwaltschaft vom 14. August 2020 (act. 457 

f.), die Einvernahme des Privatklägers als Auskunftsperson vom 22. März 2018 (act. 253 ff.), 

die Aussagen des Privatklägers als Auskunftsperson vor den Schranken des Strafgerichts 

(Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 11 ff., act. 835 ff.), die Einvernahme von E.____ als 

Auskunftsperson vom 29. November 2017 (act. 215 ff.), die Einvernahme von I.____ als 

Auskunftsperson vom 29. November 2017 (act. 243 ff.), die Einvernahme des Beschuldigten 

1 als beschuldigte Person vom 1. Juli 2020 (act. 275 ff.) wie auch vor erster Instanz (Prot. 

Hauptverhandlung Strafgericht, S. 4 ff., act. 821 ff.) und vor Kantonsgericht (Prot. Hauptver-

handlung Kantonsgericht, S. 15-17), die Einvernahme des Beschuldigten 2 vom 12. August 

2020 (act. 375 ff.) wie auch vor erster Instanz (Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 4 ff., 

act. 821 ff.) und vor Kantonsgericht (Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 15-17).  

 

In Bezug auf den Inhalt dieser Beweismittel wird zunächst nach Prüfung der Akten auf die 

korrekte Wiedergabe in Erw. II.1.1-1.8 auf S. 7-15 des angefochtenen Urteils verwiesen. 

Hinzu kommen die weiteren Ausführungen der vor Kantonsgericht befragten Beschuldigten 1 

und 2 wie auch des Privatklägers (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 9-17). 

 

2.5.1.3 Was die Beweiswürdigung betrifft, so schliesst sich das Kantonsgericht nach einge-

hender Prüfung der Akten grundsätzlich den Feststellungen der Vorinstanz in Erw. II.1.9 auf 

S. 15 f. des angefochtenen Urteils an, weshalb in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO vorab 

darauf verwiesen wird. Somit ist allein schon mit Blick auf den aktenkundigen Werkvertrag 

vom 11. Mai 2017 (act. 345 ff.) als erstellt anzusehen, dass die Y.____ AG die fragliche Bau-

stelle in D.____ betrieben hat und die Z.____ AG Subunternehmerin war. Gleiches gilt in 

Bezug auf die einzelnen Funktionen und Aufgaben der beteiligten Personen, d.h. der Be-

schuldigten, des Privatklägers und von E.____. Ebenso ist davon auszugehen, dass zwi-

schen dem 13. und dem 16. Oktober 2017 die fraglichen Schalungselemente auf dem La-

gerplatz deponiert waren. Allerdings zeigt das Beweisergebnis nach Durchführung der zweit-

instanzlichen Hauptverhandlung, dass – anders als in der Anklage und im vorinstanzlichen 

Urteil festgehalten – die selbigen Schalungselemente bereits so wie dort beschrieben gela-

gert waren, als der Privatkläger mit diesen zu arbeiten begann; sie wurden demnach nicht 

durch den Privatkläger selbst auf die genannte Weise deponiert (vgl. Aussage des Privatklä-

 
 

25 von 49 

gers vor Kantonsgericht, Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 9). Nicht zuletzt hatte 

bereits E.____ im Rahmen seiner Befragung als Auskunftsperson am 29. November 2017 so 

ausgesagt (vgl. act. 223 f.). Es ist zudem davon auszugehen, dass der konkrete Lagerort – 

wie vom Beschuldigten 1 bestätigt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 15) – von 

diesem zugewiesen worden war. Unter Abstellen auf die entsprechenden Aussagen des Be-

schuldigten 1 und des Privatklägers selbst vor zweiter Instanz (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 10, 15) war dieser Ort zudem genügend befestigt, denn es sei durch-

wachsener Kiesboden gewesen, wo auch Maschinen darübergefahren seien, ohne dass dies 

Spuren hinterlassen habe, und es sei ein Boden wie auch auf anderen Baustellen gewesen. 

Im Weiteren ist nachgewiesen, dass die zwei Schalungselemente, welche je eine Stütze hat-

ten, im Winkel von 8° voneinander weggeneigt einander gegenübergestellt in einer V-Form 

rund zehn Tage dort gelagert waren, bevor es zum Unfall kam. Was sich sodann am Unfall-

tag ganz konkret ereignet hat, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr restlos klären. 

Denn während im Vorverfahren noch davon die Rede war, dass der Privatkläger zumindest 

ein Element bereits gereinigt hatte und hierfür den Auftrag von E.____ erhielt (vgl. Einver-

nahme des Privatklägers vom 22. März 2018, act. 265), entstand an der Befragung vor Kan-

tonsgericht eher der Eindruck, dass das erste Element (noch) nicht gereinigt wurde, gaben 

doch sowohl der Privatkläger als auch der Beschuldigte 1 insofern ähnlich an, dass man vor 

dem Wegheben durch den Kran aufgrund der engen Platzverhältnisse das erste Element gar 

nicht reinigen könne (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10, 14, 17). Es kann 

somit nicht abschliessend geklärt werden, was es mit dieser Reinigung auf sich hatte. Auf 

jeden Fall ist aber erstellt, dass der Privatkläger das erste Schalungselement der beiden in 

einem "V" angeordneten Elemente an den Kran angehängt und der Kranführer dieses weg-

gehoben hat. Gemäss den nachvollziehbaren Aussagen des Privatklägers in der Verhand-

lung vor Kantonsgericht dauerte es bloss rund 30 Sekunden seit Hochheben des ersten 

Elements, bis das zweite Element auf den Privatkläger kippte, sei er doch in diesem Zeit-

punkt noch daran gewesen, zu schauen, dass das erste Element richtig weggehoben werden 

kann (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 12 f.). Ob der Privatkläger nun am 

Reinigen war, reinigen wollte, sichern wollte oder den Wegtransport beobachtete – fest steht 

jedenfalls, dass der Privatkläger im Gefahrenbereich des nun nicht mehr durch ein entge-

gengestelltes Element zusätzlich gesicherten zweiten Schalungselements stand, und zwar 

mit dem Rücken zu diesem zweiten Element, als dieses auf ihn kippte. Wodurch dieses Kip-

pen ausgelöst wurde, bleibt weiterhin offen. Die These, dass es vom ersten Schalungsele-

ment touchiert worden sein könnte, wurde vor Kantonsgericht vom Privatkläger nicht bestä-

tigt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 11). Wenngleich zum Zeitpunkt des Un-

falls kein Wind (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 12) bzw. kein starker Wind 

(vgl. Polizeirapport vom 9. Oktober 2018 samt Fotos act. 93 ff.; Unfallrapport der SUVA vom 

 
 

26 von 49 

17. November 2017 samt Fotos, act. 199) herrschte, wäre dies gleichwohl die plausibelste 

Begründung für das Umkippen (so auch der Beschuldigte 1 in Prot. Hauptverhandlung Kan-

tonsgericht, S. 17). Klar und zweifelsfrei durch die obgenannten ärztlichen Zeugnisse doku-

mentiert sind wiederum die in der Anklageschrift umschriebenen Verletzungen, welche der 

Privatkläger aufgrund des Unfalls erlitt. Vor Kantonsgericht hat der Privatkläger seine persis-

tierenden gesundheitlichen Beschwerden bestätigt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 9, 12). Entgegen der Ansicht des Privatklägers handelt es sich schliesslich bei den 

von diesem in der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023 (S. 7-9) geltend gemachten 

Widersprüchen (zum Beispiel in Bezug auf die genauen Masse der beiden Elemente) gerade 

nicht um entscheidwesentliche Tatsachen, weshalb sich am Beweisergebnis nichts Relevan-

tes ändert. Insgesamt sind damit die wenigen, seitens des Privatklägers ins Feld geführten 

Abweichungen in den Angaben der Beteiligten für das Beweisergebnis nicht ausschlagge-

bend.  

 

2.5.2 Rechtliches 

2.5.2.1 In Bezug auf die beiden Tatbestände der fahrlässigen schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 125 Abs. 1 StGB und der fahrlässigen Gefährdung durch Verlet-

zung der Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB wird zunächst auf die zutref-

fenden dogmatischen Ausführungen der Vorinstanz in Erw. II.2.1.1 und 2.1.2 auf S. 16 f. des 

angefochtenen Urteils verwiesen. Gleiches gilt in Bezug auf die durch den Vorderrichter aus-

führlich und nachvollziehbar dargestellten Verantwortungsbereiche auf Baustellen im Allge-

meinen in Erw. II.2.1.3 auf S. 17-19 des angefochtenen Urteils, denen das Kantonsgericht 

unter Verweis gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO uneingeschränkt folgt. 

 

2.5.2.2  

a) Nach Art. 125 StGB wird bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder 

an der Gesundheit schädigt.  

 

Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht 

bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der 

Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönli-

chen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Das Mass der im Einzelfall zu be-

achtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit die-

nende Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften 

(BGE 145 IV 154 E. 2.1; 143 IV 138 E. 2.1; 135 IV 56 E. 2.1). Die Straftat kann auch durch 

pflichtwidriges Untätigbleiben begangen werden (Art. 11 StGB). Voraussetzung ist in diesem 

Fall eine Rechtspflicht zur Vornahme der unterlassenen Handlung (Garantenstellung) sowie 

 
 

27 von 49 

die Möglichkeit, diese Handlung vorzunehmen (BGE 148 IV 39 E. 2.3.2; 141 IV 249 E. 1.1 

mit Hinweisen). Grundvoraussetzung für die Fahrlässigkeitshaftung bildet die Vorhersehbar-

keit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für den konkreten 

Täter mindestens in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Zunächst ist also zu fra-

gen, ob der Täter eine Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw. er-

kennen können und müssen. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der Massstab der Adä-

quanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und der allgemeinen Lebenserfahrung einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizuführen 

oder mindestens wesentlich zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz 

aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder 

Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht 

gerechnet werden musste (BGE 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen). Die hinzutretende andere 

Ursache muss einen derart hohen Wirkungsgrad aufweisen, dass die an sich adäquate Ur-

sache nach wertender Betrachtungsweise als rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Ent-

scheidend ist die Intensität der beiden Ursachen. Das Verhalten eines Dritten vermag den 

Kausalzusammenhang nur zu unterbrechen, wenn diese Zusatzursache derart ausserhalb 

des normalen Geschehens liegt, derart unsinnig ist, dass damit nicht zu rechnen war (BGE 

142 IV 237 E. 1.5.2 mit Hinweisen). Weitere Voraussetzung der Fahrlässigkeitshaftung ist, 

dass der Erfolg auch vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer Kausalverlauf unter-

sucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben 

wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters mindestens 

mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 140 II 7 

E. 3.4; 135 IV 56 E. 2.1 mit Hinweisen). 

 

b) Nach Art. 229 Abs. 2 StGB macht sich schuldig, wer bei der Leitung oder Ausfüh-

rung eines Bauwerkes oder eines Abbruchs die anerkannten Regeln der Baukunde fahrläs-

sig ausser Acht lässt und dadurch Leib und Leben von Mitmenschen gefährdet.  

 

Hierbei ist grundsätzlich zu beachten, dass bei einer festgestellten Verletzung von Regeln 

der Baukunde die strafrechtliche Verantwortung mehrere Personen gleichzeitig treffen kann. 

Eine Entlastung mit dem Hinweis auf die gleichartige Untätigkeit eines andern ist nicht mög-

lich (siehe ausdrücklich BGer 6B_315/2020 vom 18. Mai 2022 E. 6.3; 6B_543/2012 vom 

11. April 2013 E. 1.3.3 mit Hinweis). Die mit der Leitung und Ausführung eines Bauwerks 

betrauten Personen sind dafür verantwortlich, dass in ihrem Bereich die Regeln der Baukun-

de eingehalten werden. Sie können aber nicht für sämtliche Missachtungen von Vorschriften 

auf einer Baustelle strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, sondern es ist in jedem 

Einzelfall abzuklären, wie weit der Aufgabenkreis und somit der Verantwortungsbereich der 

 
 

28 von 49 

Beteiligten reichen. Dies bestimmt sich aufgrund gesetzlicher Vorschriften, vertraglicher Ab-

machungen oder der ausgeübten Funktionen sowie nach den jeweiligen konkreten Umstän-

den (vgl. BGer 6B_217/2022 vom 15. August 2022 E. 2.3, m.w.H.).  

 

c) Die Pflichten zum Schutz der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz bzw. zur Unfallverhü-

tung ergeben sich unter anderem aus Art. 328 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die 

Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 

30. März 1911 (OR; SR 220), Art. 82 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung 

20. März 1981 (UVG; SR 832.20) sowie der Verordnung über die Verhütung von Unfällen 

und Berufskrankheiten vom 19. Dezember 1983 (Verordnung über die Unfallverhütung, VUV, 

SR 832.30). Darüber hinaus sind die gestützt auf Art. 83 UVG erlassenen Ausführungsvor-

schriften des Bundesrates und die übrigen Richtlinien zu beachten, welche die Pflichten des 

Arbeitgebers konkretisieren und für einzelne Arbeitsbereiche mit erhöhtem Gefahrenpotenzi-

al zum Teil besonders umschreiben. Wird gegen eine solche Vorschrift verstossen, liegt da-

rin zugleich ein Indiz für die Missachtung der Sorgfaltspflicht im Sinne von Art. 12 Abs. 3 

StGB (BGE 114 IV 173 E. 2a). Für die auf dem Bau zu beachtenden Sicherheitsvorschriften 

ist die zum Zeitpunkt des Unfalls geltende Verordnung über die Sicherheit und den Gesund-

heitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten vom 18. Juni 2021 

(Bauarbeitenverordnung, BauAV; SR 832.311.141) massgebend (vgl. Urteil 6B_217/2022 

vom 15. August 2022 E. 2.3 mit Hinweisen).  

 

Allgemein muss der Arbeitgeber zur Wahrung und Verbesserung der Arbeitssicherheit alle 

Anordnungen erteilen und alle Schutzmassnahmen treffen, die den Vorschriften der VUV 

und den für seinen Betrieb zusätzlich geltenden Vorschriften über die Arbeitssicherheit sowie 

im Übrigen den anerkannten sicherheitstechnischen und arbeitsmedizinischen Regeln ent-

sprechen (Art. 3 Abs. 1 VUV). Der Arbeitgeber sorgt gemäss Art. 6 VUV dafür, dass alle in 

seinem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der dort tätigen Arbeitnehmer 

eines anderen Betriebes, ausreichend und angemessen informiert und angeleitet werden 

über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Massnahmen der Ar-

beitssicherheit (Abs. 1 Satz 1), und ferner, dass die Arbeitnehmer die Massnahmen der Ar-

beitssicherheit einhalten (Abs. 3). Hat der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer mit bestimmten 

Aufgaben der Arbeitssicherheit betraut, so muss er ihn nach Art. 7 VUV in zweckmässiger 

Weise aus- und weiterbilden und ihm klare Weisungen und Kompetenzen erteilen (Abs. 1 

Satz 1). Die Übertragung solcher Aufgaben an einen Arbeitnehmer entbindet den Arbeitge-

ber nicht von seinen Verpflichtungen zur Gewährung der Arbeitssicherheit (Abs. 2). Er darf 

Arbeiten mit besonderen Gefahren nur Arbeitnehmern übertragen, die dafür entsprechend 

ausgebildet sind. Wird eine gefährliche Arbeit von einem Arbeitnehmer allein ausgeführt, so 

 
 

29 von 49 

muss ihn der Arbeitgeber überwachen lassen (Art. 8 Abs. 1 VUV). Sind an einem Arbeits-

platz Arbeitnehmer mehrerer Betriebe tätig, so haben deren Arbeitgeber die zur Wahrung der 

Arbeitssicherheit erforderlichen Absprachen zu treffen und die notwendigen Massnahmen 

anzuordnen. Sie haben sich gegenseitig und ihre jeweiligen Arbeitnehmer über die Gefahren 

und die Massnahmen zu deren Behebung zu informieren (Art. 9 Abs. 1 VUV). Der Arbeitge-

ber, der in seinem Betrieb Arbeitskräfte beschäftigt, die er von einem anderen Arbeitgeber 

ausleiht, hat hinsichtlich der Arbeitssicherheit gegenüber diesen die gleichen Pflichten wie 

gegenüber den eigenen Arbeitnehmern (Art. 10 VUV). Der Arbeitnehmer muss die Weisun-

gen des Arbeitgebers in Bezug auf die Arbeitssicherheit befolgen und die allgemein aner-

kannten Sicherheitsregeln berücksichtigen. Er muss insbesondere die persönlichen Schutz-

ausrüstungen benützen und darf die Wirksamkeit der Schutzeinrichtungen nicht beeinträchti-

gen (Art. 11 Abs. 1 VUV). 

 

d) Ist ein Zusammentreffen mehrerer Personen bei risikobehaftetem Tun zu beurteilen, 

so ist ebenso der Vertrauensgrundsatz zu beachten (so allgemein BGer 6B_1332/2016 vom 

27. Juli 2017 E. 3.4.4 mit Hinweisen). Dieses Prinzip begrenzt die Vorsichtspflicht insofern, 

als jeder Beteiligte grundsätzlich darauf vertrauen darf, dass jeder andere sich pflichtgemäss 

verhalten wird, sofern nicht besondere Umstände das Gegenteil erkennen lassen (BGE 120 

IV 300 E. 3d/bb mit Hinweisen). Wer jedoch eine spezifische Kontrollverantwortung innehat, 

muss mit Fehlern rechnen (BGer 6B_174/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4.2). Für die Anwen-

dung des Vertrauensgrundsatzes wird somit vorausgesetzt, dass der Vorgesetzte eine quali-

fizierte Hilfsperson auswählt, dieser die notwendigen Instruktionen erteilt und sie genügend 

überwacht (vgl. BGer 6B_91/2014 vom 31. März 2015 E. 5.2; 6B_1065/2013 vom 23. Juni 

2014 E. 1.1; 6B_437/2008 vom 24. Juli 2009 E. 3.4.2; 6B_675/2007 vom 20. Juni 2008 

E. 2.2.2.1; je mit weiteren Hinweisen). Der Vertrauensgrundsatz greift aber von vornherein 

nicht, wenn die fraglichen Sorgfaltspflichten gerade auf die Überwachung, Kontrolle oder 

Beaufsichtigung des Verhaltens anderer Personen gerichtet sind, mithin gerade deren Fehl-

verhalten entgegenwirken sollen (so allgemein MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MAEDER, 

Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 115 zu Art. 12 StGB; GÜNTER 

STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 4. Aufl. 2011, § 16 N 43 

S. 513).  

 

2.5.2.3  

a) Was die rechtliche Einordnung des rechtserheblichen Sachverhalts in casu betrifft, 

so handelt es sich zunächst im Einklang mit dem Vorderrichter (vgl. Erw. II.2.2 auf S. 19 des 

angefochtenen Urteils) unbestrittenermassen in mehrfacher Hinsicht um schwere Verletzun-

gen i.S.v. Art. 122 StGB, die der Privatkläger davongetragen hat.  

 
 

30 von 49 

b) Ebenso folgt das Kantonsgericht der Auffassung der Vorinstanz, wonach der Be-

schuldigte 1 angesichts seiner Funktion als Polier mit bauleitender Funktion auf der Baustelle 

entsprechende Sorgfaltspflichten einzuhalten hatte, welche wiederum teilweise durch die 

Verpflichtungen des Beschuldigten 2 als Verantwortlicher der Z.____ AG, der für die Aus-

wahl und Ausbildung der Arbeitskräfte wie auch für das eingesetzte Material einzustehen 

hatte, eingeschränkt war (so die Vorinstanz richtig in Erw. II.2.2 auf S. 19 f. des angefochte-

nen Urteils).  

 

c) Zentral ist der Vorwurf einer allfälligen Verletzung von Sorgfaltspflichten seitens der 

beiden Beschuldigten im konkreten Fall. Wie vorstehend in Erw. 2.5.2.2 festgehalten, kann 

sich eine allfällige Sorgfaltspflicht aus Gesetzen, Regulierungen, Verträgen, Gebrauchsan-

weisungen oder der gängigen Praxis ergeben.  

 

ca) Auf den konkreten Fall bezogen ist zunächst der Frage nachzugehen, ob bereits die 

für die Dauer von etwa zehn Tagen vorbestehende, vertikale Lagerung der beiden Scha-

lungselemente so wie angeklagt eine Verletzung von Sorgfaltspflichten darstellt. Diesbezüg-

lich wertet der Vorderrichter (vgl. Erw. II.2.2 auf S. 20 f. des angefochtenen Urteils) zutref-

fend den Zustand der beiden Schalungselemente, solange diese gelagert waren, als konform 

und nicht pflichtwidrig. Denn zunächst zeigt ein Blick auf das SUVA Factsheet Nr. 33011.d 

"Wandschalungen", Stand Dezember 2017 wie auch Stand März 2012 (act. 189 f. bzw. act. 

185 f.), dass Schalungselemente grundsätzlich horizontal, wenn – aufgrund von engen 

Platzverhältnissen – nötig, aber auch vertikal gelagert werden können. Bei einer vertikalen 

Lagerung sind sie so zu stellen, dass sie nicht kippen können, und es haben klare Anwei-

sungen des Vorgesetzten zu erfolgen (vgl. die in casu aufgrund des Datums des Unfalls 

massgebliche Version Stand 2012, act. 187). Auch aus dem von J.____, zuständiger Inspek-

tor der SUVA, verfassten Unfallrapport vom 17. November 2017 samt Auszug der Anleitung 

eines vergleichbaren Produkts (act. 199 i.V.m. act. 205) geht hervor, dass Schalungselemen-

te – beispielsweise bei hohen Windgeschwindigkeiten – zusätzlich zu sichern sind, wobei als 

geeignete Massnahmen unter anderem "Gegenschalung stellen" oder "Schalung gegen eine 

Wand stellen" aufgeführt werden. Demgegenüber gelten die Vorschriften betreffend zug- und 

druckfeste Verlängerung, wie sie die Staatsanwaltschaft für anwendbar erachtet, nur für fixe 

Verankerungen, nicht aber für blosse Zwischenlagerungen (vgl. Fact-sheet SUVA, Stand 

März 2012, act. 185). Sodann hat unter anderem der Privatkläger selbst bestätigt, dass die 

Lagerung der Elemente, wie sie vorliegend stattgefunden hat, in der Praxis üblicherweise als 

genügend angesehen wird. So hat er sowohl in der Voruntersuchung anlässlich seiner Ein-

vernahme vom 22. März 2018 (act. 261 f.) als auch vor den Schranken des Strafgerichts 

(Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 14, act. 841) erklärt, dass die Elemente, so wie sie 

 
 

31 von 49 

gelagert gewesen seien, sich gegenseitig gestützt hätten und nicht hätten kippen können, 

und zwar auch nicht bei Wind. Man habe dies "immer so gelagert". Vor Kantonsgericht ha-

ben sowohl die beiden Beschuldigten als auch der Privatkläger bestätigt, dass die Lagerung 

der Elemente so wie konkret geschehen korrekt gewesen sei, und hierfür nachvollziehbar 

erklärt, dass bei montierten Spriessen ohnehin nur eine vertikale Lagerung möglich gewesen 

sei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 15 f.). Der Beschuldigte 2 hat bereits in 

der Voruntersuchung angegeben, dass das Verwenden von Gestellen für die Lagerung von 

Elementen nicht üblich sei (vgl. Einvernahme vom 12. August 2020, act. 383 f.). Gleiches gilt 

in Bezug auf den am 29. November 2017 als Auskunftsperson befragten E.____, welcher 

angab, für ihn sei die Lagerung gut gewesen (vgl. act. 227). Abweichend zu den obgenann-

ten Regelungen und Ausführungen stellt sich einzig eine Angabe des vorgenannten Inspek-

tors der SUVA, J.____, dar. Dieser hat anlässlich einer telefonischen Rücksprache durch die 

Staatsanwaltschaft vom 21. Februar 2020 die Auffassung vertreten, die Form der Lagerung, 

wie sie in casu vorgelegen habe, sei "zwar stabiler, aber ebenfalls nicht zulässig", da es zu-

sätzlich ein Reck gebraucht habe (vgl. Aktennotiz vom 24. Februar 2020, act. 213). Abgese-

hen davon, dass diese Angabe keine Stütze in den vorgenannten Vorschriften der SUVA 

findet, schmälert die Tatsache, dass es sich hierbei um eine blosse Telefonnotiz handelt, 

deren Beweiswert zusätzlich. Betreffend das Thema zusätzliche Sicherheit bei Zwischenla-

gerung gehen im Übrigen ebenso die Angaben der beiden Beschuldigten wie auch des Pri-

vatklägers vor Kantonsgericht weit auseinander, indem nicht einheitlich und übereinstim-

mend angegeben werden konnte, ob es hierfür Stützen samt Verankerung im Boden, zusätz-

licher Spriesse, eines Spanngurts oder aber eines Betonklotzes bedurft hätte (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 10-13, 16 f.). Angesichts dieser Uneinheitlichkeit sind 

auch diese Angaben mit höchster Zurückhaltung zu würdigen. Im Einklang mit der Vor-

instanz interpretiert das Kantonsgericht die bestehenden Vorschriften der SUVA, auf welche 

in casu abzustellen ist, sowie die Einschätzungen nicht zuletzt der Beschuldigten und des 

Privatklägers selbst vielmehr dahingehend, dass eine Lagerung der Elemente auch bei ho-

hen Windgeschwindigkeiten alternativ ebenso wie vorliegend geschehen geeignet, üblich 

und auch zulässig ist. Folglich ist die vertikale Aufstellung der Elemente mit Gegenüberstel-

lung eines zweiten Schalungselements, ohne dass zusätzlich eine Sicherung wie zum Bei-

spiel eine Verankerung bestand, nicht zu beanstanden. Dies entspricht denn auch Sinn und 

Zweck der vorstehend genannten Vorschriften der SUVA. Auch wenn das Umfallen oder 

Abstürzen von Gegenständen immer durch eine zusätzliche Sicherung verhindert werden 

kann, bedeutet eine blosse Möglichkeit einer Sicherung indessen nicht, dass eine solche 

stets erforderlich wäre. Es sind vielmehr jeweils nur jene Sorgfaltsmassnahmen zu ergreifen, 

die nach den Verhältnissen geboten und technisch möglich sind. Mithin erfassen die Sicher-

heitsvorschriften der SUVA nicht sämtliche Gefahren, die sich bei der Montage schwerer 

 
 

32 von 49 

Bauteile verwirklichen könnten. Dass die vorgenannte Lagerung in Form einer vertikalen Ge-

genüberstellung der Elemente in casu auch genügt hat und lege artis war, zeigt nicht zuletzt 

die Tatsache, dass es während rund zwei Wochen bis zum Unfall eben zu keinerlei Zwi-

schenfall gekommen ist. Somit ist als erstes Fazit zu ziehen, dass hinsichtlich der vorbeste-

henden Lagerung der beiden Elemente niemandem, insbesondere nicht den beiden Be-

schuldigten, eine Sorgfaltspflichtverletzung vorgeworfen werden kann. Angesichts dessen 

nicht von Relevanz und im Übrigen auch nicht angeklagt ist damit die Argumentation des 

Privatklägers (vgl. S. 11 der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023), wonach bereits 

der Boden, auf welchem die beiden Schalungselemente etwa zwei Wochen vor dem Unfall 

gelagert waren, ungeeignet gewesen sei. Dies ergibt sich aus keiner der vorliegenden Aus-

sagen, nicht einmal des Privatklägers selbst (vgl. oben). Gleiches gilt in Bezug auf die sei-

tens des Privatklägers monierte ungenügende Sicherung der beiden Elemente während der 

Zeit der Lagerung (vgl. S. 11 f. der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023). Darum 

kann ebenso wenig den beiden Beschuldigten vorgeworfen werden, sie hätten "alle nur mög-

lichen Sicherungsmassnahmen zu ergreifen" gehabt und daher dafür besorgt sein müssen, 

dass die beiden Elemente während der vertikalen Lagerung zusätzlich mit einer Bodenver-

ankerung gesichert werden (vgl. S. 11 f. der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023). 

Mangels Verneinung einer Sorgfaltspflichtverletzung ist somit – entgegen der Auffassung 

des Privatklägers (vgl. S. 12 f. der Berufungsbegründung vom 9. Oktober 2023) – gerade 

nicht davon auszugehen, dass eine andere Lagerung bzw. Sicherung der beiden Elemente 

während der zehn Tage vor dem Unfall ebendiesen hätte verhindern können, d.h. es fehlt 

damit ebenso ein Kausalzusammenhang.  

 

cb) In einem weiteren Punkt ist zu prüfen, ob die ebenfalls angeklagte Wegnahme des 

ersten Schalungselementes, ohne dass eine Sicherung des zweiten Schalungselementes 

stattgefunden hat, eine Sorgfaltspflichtverletzung darstellt. Denn wie die Vorinstanz (vgl. Erw. 

II.2.2 auf S. 21 f. des angefochtenen Urteils) zutreffend dargelegt hat, wurde erst zum Zeit-

punkt, als eines der beiden Schalungselemente von der vorgenannten Position entfernt wor-

den ist, ein unsicherer Zustand herbeigeführt. Angesichts dessen kann die Ursache für den 

eingetretenen Schaden und damit eine Kausalität allein bei diesem kurzzeitigen, unsicheren 

Zustand ausgemacht werden. Die Vorinstanz geht zwar an genannter Stelle davon aus, dass 

es der Privatkläger – seinen Fähigkeiten wie auch seiner Pflicht entsprechend – unterlassen 

habe, das freistehende Schalungselement vor dem Entfernen des anderen Elements zu si-

chern, weshalb es zum für den Privatkläger folgenschweren Unfall gekommen sei. Allerdings 

ist dem Urteil des Vorderrichters nicht zu entnehmen, woraus sich eine entsprechende Ver-

pflichtung ergeben soll. Denn bezüglich einer Sicherung im Zusammenhang mit einer Weg-

nahme von Elementen ist – im Gegensatz zur Lagerung derselben – keine einschlägige Re-

 
 

33 von 49 

gelung in Reglementen oder sonstigen Quellen ersichtlich. Bis zur Berufungsverhandlung 

konnte auch durch Befragung der Beschuldigten und des Privatklägers nicht geklärt werden, 

ob es überhaupt möglich war, neben dem Neigungswinkel eine zusätzliche Sicherung vor 

der Wegnahme des einen Elements anzubringen. Vielmehr gaben sämtliche vor den 

Schranken befragten Personen an, eine solche Sicherung sei weder möglich noch üblich. 

Eine zusätzliche Sicherung könne vielmehr erst nach Wegnahme des ersten Elements erfol-

gen und sei zudem nur erforderlich, wenn das zweite Element für eine längere Zeit allein 

stehe oder es viel Wind habe (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 11-13, 16 f.). 

In der Voruntersuchung wie auch vor Kantonsgericht hat der Privatkläger nachvollziehbar 

angegeben, er habe gerade das zweite Element durch das Anbringen eines Eisens sichern 

wollen, als es bereits auf ihn gekippt sei; es habe nur Sekunden gedauert (vgl. Einvernahme 

vom 22. März 2018, act. 265; Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 12 f.). Somit ist 

davon auszugehen, dass dem Privatkläger das Risiko, in dem er sich ab dem Moment der 

Wegnahme des ersten Elementes im möglichen Kippbereich befand, bewusst war. Offen-

kundig kippte das zweite Element viel zu schnell um, um dem entsprechenden Risiko noch 

rechtzeitig entgegenwirken zu können. Nachdem vorstehend in Erw. 2.5.2.3.ca) festgestellt 

worden ist, dass die vertikale Lagerung der beiden Elemente in einer V-Form an sich zuläs-

sig war, und zudem nicht ersichtlich ist, ob eine Sicherung in der Phase der Wegnahme 

überhaupt erforderlich bzw. auch nur möglich gewesen wäre, erscheint es als geradezu un-

umgänglich, dass für eine kurze Phase, d.h. während des Hinstellens und Weghebens von 

Elementen, eines der Elemente – neben dem Neigungswinkel als minimale Sicherheitsvor-

kehrung – ohne zusätzliche Sicherung verbleibt. Das Kantonsgericht ist davon überzeugt, 

dass erst bei einer längeren Lagerung derartiger Elemente weitere Sicherungsvorkehrungen 

möglich und auch zwingend notwendig gewesen wären. Aber eine derart kurzfristige Gefah-

rensituation, wie sie vorliegend gegeben war, lässt sich mit Blick darauf, dass eine vertikale 

Lagerung in V-Form grundsätzlich zulässig ist, wohl nicht vermeiden. In diese Richtung ge-

hen denn auch die Depositionen des Privatklägers selbst vor Kantonsgericht, hat dieser doch 

angegeben, er habe auf die weiteren Anweisungen gewartet, d.h., ob das zweite Element an 

derselben Stelle verbleiben solle und damit zusätzlich gesichert werden müsse, oder ob es 

aber ebenfalls innert kürzester Zeit ebenfalls wegzuheben sei wie bereits das erste Element 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 13). Freilich sind Gefahrensituationen wo 

immer möglich zu vermeiden. Mit Blick auf die im Alltag gelebten Realitäten ist indessen hin-

zunehmen, dass nie sämtliche Risiken wie hier auf einer Baustelle hundertprozentig elimi-

niert werden können. Angesichts dessen ist – wiederum leicht abweichend zum vorinstanzli-

chen Urteil – nicht ersichtlich, inwiefern sich der Privatkläger falsch verhalten haben könnte. 

Nachdem bereits betreffend den Privatkläger kein regelwidriges Verhalten, d.h. ein geradezu 

sorgfaltspflichtwidriges Verhalten ausgemacht werden kann, muss dies umso mehr für die 

 
 

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Beschuldigten in ihrer dem Privatkläger übergeordneten Funktion gelten. Die Begründung 

des Vorderrichters an genannter Stelle, wonach mit Blick auf die allgemeinen wie auch kon-

kreten Zuständigkeiten in ihren jeweiligen Funktionen den beiden Beschuldigten kein Vorwurf 

in Bezug auf Auswahl, Instruktion und Überwachung des Privatklägers gemacht werden 

könne, braucht somit nicht näher geprüft zu werden. Im Ergebnis folgt damit das Kantonsge-

richt der Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach keinem der beiden Beschuldigten irgend-

wie geartete Sorgfaltspflichtverletzungen angelastet werden können. Vielmehr ist vorliegend 

von einem äusserst tragischen Unfall auszugehen, für welchen niemand, auch nicht der Pri-

vatkläger selbst, die Verantwortung trägt. 

 

cc) Aus den vorstehenden Erwägungen ca) und cb) erhellt somit, dass der Vorderrichter 

in der Conclusio zutreffend in Bezug auf die beiden Beschuldigten eine Sorgfaltspflicht ver-

neint und angesichts dessen auch nicht die weiteren Voraussetzungen zur Erfüllung der bei-

den Fahrlässigkeitstatbestände Art. 125 StGB und Art. 229 StGB wie insbesondere die Vo-

raussehbarkeit und Vermeidbarkeit (vgl. vorstehend Erw. 2.5.2.2.a) geprüft hat, womit er 

ebenso zu Recht die fraglichen Tatbestände als nicht erfüllt qualifiziert hat.  

 

2.5.3 Zusammenfassung 

Somit ist zusammenfassend in tatsächlicher und rechtlicher Würdigung festzuhalten, dass 

der vorinstanzliche Freispruch der beiden Beschuldigten von der Anklage der fahrlässigen 

Körperverletzung mit schwerer Schädigung sowie der Gefährdung durch fahrlässige Verlet-

zung der Regeln der Baukunde korrekterweise erfolgt ist. Die Berufung des Privatklägers 

dagegen erweist sich damit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. 

 

3. Zivilforderung des Privatklägers  

3.1 Der Vorderrichter hat die Schadenersatz- und Genugtuungsforderung des Privatklä-

gers gegenüber den Beschuldigten in Anwendung von Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO auf den 

Zivilweg verwiesen (vgl. Erw. II.3 auf S. 22 sowie Dispositiv-Ziffer III.1 des angefochtenen 

Urteils). 

 

3.2 Demgegenüber beantragt der Privatkläger in seiner Berufungsbegründung vom 

9. Oktober 2023, die Beschuldigten seien im Falle eines Schuldspruchs in solidarischer Ver-

pflichtung zu verurteilen, dem Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von CHF 150'000.00 

zuzüglich 5% Zins seit dem 24. Oktober 2017 sowie eine Genugtuung in der Höhe von 

CHF 50'000.00 zuzüglich 5% Zins seit dem 24. Oktober 2017 zu bezahlen, wobei sich der 

Privatkläger sowohl bezüglich Schadenersatz als auch Genugtuungsforderung die Geltend-

 
 

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machung einer Mehrforderung ausdrücklich vorbehalte (vgl. S. 13-17 de