# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46f7322b-b79a-5b32-8b3e-6affdf2337fb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-17
**Language:** de
**Title:** Medizinische Aktenlage ungenügend abgeklärt. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00119
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00119.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00119
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
17. Juni 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Flum
Schlegel Kempf Rechtsanwälte
Webernstrasse 5, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1959,
diplomierte Psychologin FH (Urk. 7/17/5) und zuletzt tätig in der
Y.___
(Urk. 7/15 und Urk. 7/13),
meldete sich
am
3.
Oktober 2012 (Eingangsda
tum) bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine chronische Hepatitis C, eine chronische
lymphozytäre
Thyreoi
ditis, eine chronische Migräne und chronische Müdigkeit zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4). Mit Schreiben vom 1
3.
Mai 2013 (
Urk.
7/19) teilte die IV-Stelle der Versicherten nach medizinischen und erwerb
lichen Abklärungen mit, dass sie nicht in ihrer 3-jährigen Weiterbildung zum
Coach/Beraterin
unterstützt werde
, da diese Ausbildung invaliditätsbedingt nic
ht relevant bzw. notwendig sei. Nach weiteren erwerblichen und medizinischen Abklärungen sowie durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
7.
Juni 2014,
Urk.
7/46; Einwand vom 1
6.
Juli 2014,
Urk.
7/52) wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
7.
Januar 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
8.
Januar 2015 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Beschwerde
gegnerin
sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente aus
zurichten und ihr berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter seien weitere Abklärungen durchzuführen und es sei die Sache hierfür zur
Neubeur
tei
lung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Februar 2015 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-59), was der Beschwerde
führerin am 2
7.
Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) dafür, dass zwar seit Jahren eine anhaltende vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit at
testiert werde, diese aber
weder
klinisch noch versicherungsmedizinisch nach
vollziehbar sei. Es seien insbesondere keine relevanten fachärztlichen Diagnosen ausgewiesen.
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor (
Urk.
1), dass die behandelnden Ärzte einhellig zahlreiche Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit stellten und sich einig darüber seien, dass in der ange
stammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Abklärungsbedarf be
stehe allenfalls hinsichtlich der Frage nach dem aktuellen Zumutbarkeitsprofil und der Höhe der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Auf die ge
genteilige Einschätzung des RAD-Arztes, welcher Allgemeinmediziner sei, die Beschwerdef
ührerin nicht selbst untersucht
und seine Beurteilung nicht begrün
det habe, könne nicht abgestellt werden (
Urk.
1 S.
5 ff.). Die Abklärungen bezüglich einer angepassten Tätigkeit seien ungenügend. Würde man dennoch ei
nen Einkommensvergleich vornehmen, so resultiere ausgehend von der letzten Arbeitstätigkeit als
Valideneinkommen
und der entsprechenden Annahme, dass die Beschwerdeführerin diese zu 55
%
ausüben könne sowie unter Berücksich
tigung eines Leidensabzuges von 25
%
ein Invaliditätsgrad von 75
%
. Damit sei der Beschwerdeführerin eine ganze Rente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 8 f.). Da ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege, habe sie auch Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
1 S. 9).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
2.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haup
t für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fen
de Be
weiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entschei
de
nden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Ver
wal
tung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter
dem Aspekt der
Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuwei
sen
, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutach
tli
chen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich im Wesentlichen folgendermassen:
3.1
Die Beschwerdeführerin wurde am
7.
Februar und
6.
März 2012 zur Abklärung von Schultergürtelschmerzen mit Ausstrahlung in den Hinterkopf bei chroni
scher Hepatitis C in der Rheumaklinik des
Universitätsspitals Z.___
(
Z.___
) un
tersucht. Im Arztbericht vom
6.
März 2012 notierten die behand
elnden Ärzte, dass sie die Beschwerden
als mechanisch bedingtes
zervik
ozephales
Schmerz
syndrom
mit ausgeprägten
Myelogelosen
beurteilten. Anlässlich einer
Verlaufs
kontrolle
nach vierwöchiger Einnahme eines NSAR-Präparates u
nd lo
kaler An
wendung von Antiph
logistika habe die Beschwerdeführerin über eine 80%ige Besserung der Schmerzen berichtet. Persistierende
Myelogelosen
seien mit
Lido
cain
infiltriert worden (
Urk.
7/45/19).
3.2
Dr.
med. A.___
, FMH Psychiatrie/Psychotherapie, untersuchte die Be
schwerdeführerin ambulant am 2
9.
Juni
201
2.
In seinem Bericht vom 1
0.
Septe
m
ber 2012 (
Urk.
7/9/6 ff.) diagnostizierte er eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0).
Die Beschwerdeführerin sei psychisch 2007 an einem Burn-out Syndrom und 2010 an einer mit der Hypothyreose assoziierten Depression erkrankt. Aktuell finde sich eine differentialdiagnostisch schwer einzuordnende Symptomatik, welche sich auf der Grenzlinie zwischen Psyche und Soma bewege. So liege
eine enorme Müdigkeit und Erschöpfbarkeit vor, die konstant vorhanden sei und
durch geringe seelische und körperliche Belastungen verschärft werde und einhergehe mit Gefühlen der Resignation und Frustration. Das Leiden erkläre sich einerseits durch die lange körperliche Krankheit und durch die für die Be
schwerdeführerin wiederholt frustrierende Erfahrung, dass sich z.B. die Inter
feron-Therapie hauptsächlich in Form von Nebenwirkungen nieder
geschlagen habe
und die erhoffte Besserung/Heilung ausgeblieben sei. Andererseits seien
ihre Persönlichkeitszüge so ausgelegt, dass ein grosses Bedürfnis bestehe, enorme
Leistungen zu erbringen, was oft über grössere Zeitspannen gelinge, aber auch immer wieder zu Erschöpfung und Selbstüberforderung führe, insbe
sondere wenn die Leistung aus ihrer Sicht nicht oder nicht genügend gewürdigt werde (
Urk.
7/9/7).
Dr.
A.___
konstatierte, seines Erachtens sei der wichtigste Anteil der psy
chiatrischen Therapie der psychotherapeutische. Die bereits etablierte Psycho
therapie solle also unbedingt weitergeführt werden. Er bezweifle aber, ob ein Setting von 1 Stunde alle 2 Wochen ausreichend sei, um die Problematik des Leistens und Einbrechens verbunden mit der grossen Angst nicht gesehen zu werden, gebührend zu bearbeiten. Eine antidepressive Therapie solle versucht werden, er schlage
Efexor
1
bis 3
x 75 mg vor.
3.3
Dr.
med. B.___
, Neurologie FMH, Psychosomatische und Psycho
soziale Medizin (SAPPM), diagnostizierte in ihrem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Arztbericht vom 1
8.
Oktober 2012 (Eingangsdatum) 1) eine
chro
ni
fizierte
Migräne mit und ohne Aura mit Verdacht auf
Medikamentenüber
ge
brauchskopfschmerzen
, 2) eine Hepatitis C, Erstdiagnose 1991 und 3) eine chro
nische
lymphozytäre
Thyreoiditis, 05/2009 mit substituierter Hypothyreose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/9).
Bis anhin habe sie die Ar
beits
fähigkeit nie beurteilt (
Urk.
7/9/1).
Die Beschwerdeführerin sei durch die verminderte Belastbarkeit und
die
häufi
gen Migräneattacken eingeschränkt. Während der Attacken sei sie nicht in der Lage, sich auf Arbeiten zu konzentrieren. Zwischen den Anfällen
erbringe sie die Arbeiten ihren
Fähigkeiten entsprechend. Es sei schwer zu beantworten, wie sich diese Einschränkungen bei der Arbeit auswirkten. Die geringe Belastbarkeit habe dazu geführt, dass sie ihre Arbeit selbst eingeschränkt habe. Sie arbeite als Bürokraft unregelmässig für ihren Ehemann und in Beratungsdiensten. In ihrem gelernten Beruf als Fachhochschulpsychologin sei eine Tätigkeit zur Zeit nur in sehr klein
em Pensum denkbar (
Urk.
7/9/2 f.
).
Es sei längerfristig eine 50%ige Tätigkeit anzustreben, in welcher die Beschwer
deführerin sich zeitlich und räumlich selbst einteilen könne sowie Freizeit für die Entspannung und Entlastung habe. Eine unabhängige selbständige Tätigkeit mit Einsatz ihrer erlernten Fähigkeiten in der psychologischen Bera
tung/
Coa
ching bedürfe einer weiteren Ausbildung. Eine finanzielle Mitbeteili
gung der IV wäre zu überlegen (
Urk.
7/9/3).
3.4
Im zuhanden der Beschwerdegegnerin erstellten Arztbericht vom 1
9.
Oktober 2012 hielt
Dr.
med. C.___
, Fachärztin FMH für Allgemein
medizin und Innere Medizin, 1) eine chronische Hepatitis C, 2) Migräne, 3) ein
chronisches
zervicozephales
Schmerzsyndrom und 4)
einen
rezidivierende
n
Herpes
ge
nitalis
mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit fest. Keine Aus
wir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit h
ab
e die chronisch
lympohozytäre
Thyreo
i
di
tis Hashimoto (
Urk.
7/10/6).
Als Psychologin sei sie vom
1.
März 2008 bis Februar 2009 zu 40
%
arbeits
un
fähig gewesen (sie habe damals als Co-Leiterin in einem Altersheim gearbei
tet), von März bis und mit Mai 2009 sei sie zu 70
%
arbeitsunfähig gewesen. Aus medizinischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit in einem Pensum von höchstens 40
%
(nur am Nachmittag) zumutbar. Dabei bestehe aufgrund der ausgeprägten Müdigkeit in Folge der Hepatitis C insgesamt eine verminderte Leistungsfähig
keit sowie eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Die Be
schwerdeführerin sei aber vor allem durch die häufigen starken Kopfschmerzen deutlich beein
träch
tigt. Durch die chronischen Beschwerden sei sie auch psy
chisch etwas ange
schlagen (
Urk.
7/10/8).
3.5
Med.
pract
. D.___
, Assistenzarzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepa
tologie des
Universitätsspitals Z.___
(
Z.___
), notierte im von der
Beschwer
de
gegnerin
eingeholten Arztbericht vom 2
5.
Oktober 2012 eine chronische He
pa
titis C Genotyp 3, bestehend seit ca. 1990, bei Status nach erfolgloser
antivi
raler
Therapie 2009 (
Relapse
) und Thyreoiditis Hashimoto iatrogen nach Inter
feron 2009
als Diagnosen
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/11). Sie leide intermittierend und seit Jahren unverändert unter Müdigkeit,
Oberbauch
schmerzen
und Blähungen. In der Leberbiopsie von 2007 hätten nur diskrete
Fibrosezeichen
bestanden. Aktuell lägen
sonographisch
und
elastographisch
(
Fibroscan
) keine Anhaltspunkte für eine
Fibroseprogression
vor. Eine Therapie sei aktuell nicht zwingend indiziert, da die Prognose für eine Heilung gut sei, sofern wie erwartet in
3 - 5 Jahren neu
e Therapieoptionen auf den Markt
kämen. Die Hepatitis C schränke weder die Haushalts- noch
die
Erwerbs
fähigkeit ein (
Urk.
7/11).
3.6
In ihrem zuhanden der Beschwerdegegnerin erstellten Verlaufsbericht vom 2
5.
Mai
2013 führte
Dr.
B.___
aus, dass im Januar 2013 ein interdiszipli
näres Kopfschmerzprogramm gestartet worden sei, welches frühzeitig abge
brochen worden sei, da die Beschwerdeführerin aus eigener Initiative ei
nen Klos
teraufenthalt bevorzugt habe
(
Urk.
7/25/3; vgl. Austrittsbericht
RehaClinic
E.___
vom 1
8.
April 2013,
Urk.
7/25/4 f.; Bericht des Neurozentrums
F.___
vom 2
0.
November 2012,
Urk.
7/25/7 f.). Seit dem Klinikaufenthalt habe sie das
Topamax
sukzessiv abgebaut. Bei der letzten Konsultation am 1
8.
März 2013 habe sie über 10 Migränetage und entsprechenden
Triptange
brauch
im Februar berichtet.
Die eigentliche Arbeitsfähigkeit sei nach wie vor schwer einzuschätzen. Die ver
minderte Belastbarkeit und häufigen Migräneanfälle verhinderten eine regel
mässige Tätigkeit. An einem ruhigen Arbeitsplatz, wo sie die Arbeit selbst ein
teilen und so die Selbstüberforderung bremsen könnte, sei zur Zeit höchstens ein minimales Pensum denkbar, zum Beispiel zwei halbe Tage pro Woche. Sie habe sich von ihrem Mann getrennt, wohne jetzt allein in
G.___
und habe aus eigener Initiative eine Ausbildung im
F.___
in
G.___
begonnen, welche sich über drei Jahre hinziehe und so aufgeteilt sei, dass sie die Arbeit grösstenteils in eigener Verantwortung und eigenem Tempo angehen könne (
Urk.
7/25/3).
3.7
Im Arztbericht über die
hepatologische
Jahreskontrolle mit Sonographie des Abdomens vom 2
5.
Juli 2013 notierten die behandelnden Ärzte der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des
Z.___
folgende klinische Angaben (
Urk.
7/45/7):
-
Chronische Hepatitis C Genotyp 3, Erstdiagnose 1991
-
Ätiologie:
whsl
1979 bei
ivDA
-
Leberbiopsie 01/2007: ISHAK 1,
Metavir
F1
-
INF/RBV-Therapie über 24 Wochen im 2009,
Relapse
nach End
of
Tre
atment Response
-
Thyreoiditis Hashimoto
-
iatrogen unter Interferon, substitutionsbedürftig seit 2009
-
Migränekopfschmerzen
-
Chronisches
zervicozephales
Schmerzsyndrom
Die Ärzte
hielten folgende Diagnosen fest:
-
Zeichen der chronischen Hepatopathie
-
hyperechogenes inhomogenes Leberparenchym
-
Lymphknoten Leberhilus, grössenstationär
-
Elastographie
(
Fibroscan
) grenzwertig über der Norm
-
Uterusmyom
-
Ovarielle Zyste links
In Bezug auf die Hepatitis C konstatierten die Ärzte, dass anlässlich der jährli
chen Verlaufskontrolle unverändert eine stark störende Müdigkeit bestehe. Weitere
hepatopathietypische
Symptome oder B-Symptomatik würden verneint.
Sonographisch
fänden sich keine Anhaltspunkte für eine beschleunigte Pro
gression der
Fibrose
/Zirrhose. Die Lebersteifigkeit im
Fibroscan
sei mit der
bioptisch
beschriebenen leichten
Fibrose
vereinbar. Laborchemisch zeigten sich leicht erhöhte
Transaminasen und als Lebersyntheseparameter ein normaler INR. Insgesamt bestehe eine stabile Situation. Bis neue interferonfreie
Therapieoptio
nen
auf dem Markt seien (ca. 2015/2016) würden sie die jährlichen Kontrollen
fortführen. Die Befunde bezüglich des Uterusmyoms und der ovariellen Zyste seien
vorbeschrieben, sie sei in regelmässiger gynäkologischer Kontrolle (
Urk.
7/45/7 f.).
3.8
Dr.
med.
G.___
,
Praxis H.___
,
notierte in ihrem Bericht
vom
5.
September 2013, dass sich in der aktuellen
sonographischen
Verlaufs
kontrolle
bei chronisch
lymphozytärer
Thyreoiditis eine im Vergleich zur Vor
untersuchung vom September 2011 diskret
regrediente
Organgrösse finde. Einzi
g die zystische Läsion rechts kranial habe diskret an Grösse zuge
nommen, an
sonsten seien die Läsionen eher
regredient
. Es lägen keine zwi
schenzeitlich neu
dokumentierbaren
Herdläsionen vor. Die beiden kleinen Läsi
onen rechts seien nicht mehr sicher in allen drei Ebenen abgrenzbar. Eine nächste Kontrolle sei in 18-24 Monaten zu empfehlen. Bei klinischem Wachs
tum könne die Kontrolle jederzeit vorgezogen werden (
Urk.
7/45/5 f.).
3.9
Med.
pract
. I.___
, Praktischer Arzt und Facharzt Arbeitsmedizin, behandelt die Beschwerdeführerin seit August 201
3.
Er notierte in seinem
Arzt
bericht
vom 1
7.
Februar 2014, die Beschwerdeführerin sei aufgrund der ausge
prägten Abgeschlagenheit/Müdigkeit, der heftigen rezidivierenden
Migräneat
tacken
sowie der Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit eingeschränkt. Sie sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Psychologin/Personalentwicklerin und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit seit 2007 bis auf weiteres vollum
fäng
lich arbeitsunfähig (
Urk.
7/45).
4.
4.1
4.1.1
Die Neurologin
Dr.
B.___
führte aus, die Beschwerdeführerin
sei durch die verminderte Belastbarkeit und die häufigen Migräneattacken eingeschränkt und sei während der Attacken nicht in der Lage, sich auf die Arbeiten zu konzent
rieren. Es sei aber schwer zu beantworten, wie sich diese Einschränkungen bei der Arbeit auswirkten. Bezüglich einer angepassten Tätigkeit
führte sie lediglich aus, dass eine 50%ige unabhängige selbständige Tätigkeit mit Einsatz ihrer er
lernten Fähigkeiten anzustreben sei, in welcher sie sich zeitlich und räumlich selbst einteilen könne sowie Freizeit für Entspannung und Entlastung habe.
Warum lediglich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angestrebt werden könne
,
bleibt
ohne weitere Begründung. Auch
bleibt unklar, ob der Beschwerdeführerin aktu
el
l eine angepasste Tätigkeit zumutbar wäre und wie diese allenfalls aussehen müsste (E. 3.3).
Im
Verlaufsbericht vom 2
5.
Mai 2013
konstatierte
Dr.
B.___
, dass die Ar
beitsfähigkeit nach wie vor schwierig einzuschätzen sei und die verminderte Belastbarkeit und die häufigen Migräneanfälle eine regelmässige Tätigkeit ver
hindern würden. Eine weitere Begründung, warum auch an einem ruhigen Arbeitsplatz, wo sie die Arbeit selber einteilen könne und so die
Selbstüberfor
de
rung
bremse könne, zur Zeit höchstens ein minimales Pensum denkbar sei, fehlt
(E. 3.6).
Hinzu kommt, dass i
n Bezug auf
die
Berichte
von
behandelnden Arztpersonen
auf
die Erfahrungstatsache hinzuweisen
ist
, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351
E.
3b/cc), womit nicht auf die Berichte von
Dr.
B.___
abgestellt werden kann
.
4.1.2
Med.
pract
.
D.___
notierte im Bericht vom 2
5.
Oktober 2012 noch, dass die Hepatitis C weder die Haushalts- noch die Erwerbs
fähigkeit einschränke (E. 3.5).
Anlässlich der Jahreskontrolle vom 2
5.
Juli 2013 notierten
die Ärzte der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des
Z.___
(
Dr.
D.___
und
Dr.
med.
J.___
)
lediglich
, dass unverändert eine stark störende Müdigkeit bestehe
, weitere
hepatopathi
e
typische
Symptome oder
eine
B-
Symtpomatik
würden ver
neint (E. 3.7). Eine aktuelle Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit wurde allerdings nicht abgegeben bzw. eingeholt.
4.1.3
Auch gestützt auf die weiteren im Recht liegenden Arztberichte bleiben die Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin und ihre allfälligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
unklar.
Insbesondere kann auch nicht auf den behandeln
den
med.
pract
.
I.___
abgestellt werden, da dieser
in seinem Bericht vom 1
7.
Februar 2014
zwar eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit seit 2007
attes
tiert, er die Beschwerdeführerin allerdings erst seit August 2013 behandelt und eine nachvollziehbare Begründung für die retrospektiv attestierte Arbeitsun
fähigkeit fehlt (vgl. E. 3.9)
.
4.2
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass die seit Jahren attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit weder klinisch noch
versi
cherungsmedizinisch
nachvollziehbar sei. Insbesondere seien keine relevanten fachärztlich-psychiatrischen Diagnosen ausgewiesen. Dabei stützte sie sich auf die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD
)
von m
ed.
pract
.
K.___
,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
vom
1
1.
Juli und
1.
Oktober 2013 (
Urk.
7/49/7 f.) sowie von
Dr.
med. L.___
, Facharzt Allgemeinmedizin, vom 1
7.
Juni
und
1.
Dezember
2014 (
Urk.
7/49/10
und
Urk.
7/55/2
).
Die Stellungnahmen der beiden Allgemeinmediziner sind äusserst kurz und er
folgten ohne eigene Untersuchung. Des Weiteren hielt med.
pract
.
K.___
in seiner zweiten Stellungnahme vom
1.
Oktober 2013
entgegen den im Recht liegenden Akten fest, dass attestierte Arbeitsunfähigkeitszeiten fehlen würden, womit aus versicherungsmedizinischer Sicht keine längerdauernde/dauerhafte Einschrän
kung anzunehmen sei (
Urk.
7/49/8; vgl. E. 3.3 und
Urk.
7/9; E. 3.4; E. 3.6).
Auf seine Beurteilung kann entsprechend nicht abgestellt werden.
Dr.
L.___
konstatierte, dass zusammengefasst in Art, Schwere und Dauer noch kein Gesundheitsschaden leistungsspezifisch für
Art.
28
IVG
ausgewiesen sei,
wohl aber für Eingliederung (
Urk.
7/49/10;
Urk.
7/55/2). Diese Ausführungen sind
allerdings aufgrund der nur äusserst kurz gehaltenen Begründung nicht nach
vollziehbar.
Hinzu kommt, dass die Stellungnahmen der Allgemeinmediziner
Dr.
L.___
und med.
pract
.
K.___
insbesondere
die Einschätzung der neurologischen Fachärztin
Dr.
B.___
-
gerade
auch ohne eigene Untersuchung und mit äusserst kurzer Begründung - nicht zu entkräften vermögen. Entsprechend kann nicht auf die RAD-Stellungnahmen abgestellt werden.
4.3
Zusammenfassend erweist sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurtei
lung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand und di
e Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit
in geeigneter Weise korrekt abklärt und anschliessend über den
Leistungs
anspruch neu verfügt. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf
Fr.
1‘
8
00.-- (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefoch
tene Verfügung vom
7.
Januar 2015 aufgehoben
und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen
wird
, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nun
g und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tomas Kempf
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 9 und Urk. 10/1-2
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler