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**Case Identifier:** 85441fb4-3d73-57da-8441-de8df1785184
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-06
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 06.02.2023 200 2022 539
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-539_2023-02-06.pdf

## Full Text

200 22 539 ALV
SCI/SCC/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 6. Februar 2023

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichterin Mauerhofer
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern
Arbeitslosenkasse, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 7. Juli 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1989 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) 
meldete sich am 25. März 2020 beim Amt für Arbeitslosenversicherung, 
RAV … (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (Dossier des RAV [act. IIB] 32, 40 
f.).

Mit auf den 24. Juni 2020 datiertem Schreiben reichte er bei der Arbeitslo-
senkasse des Kantons Bern (Amt für Arbeitslosenversicherung, Arbeitslo-
senkasse nachfolgend Beschwerdegegner) einen auf den 26. März 2020 
datierten Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (ALE) ein (Eingang 26. Ju-
ni 2020; Dossier der Arbeitslosenkasse [act. II] 986 ff.). Mit Schreiben vom 
30. Juni 2020 forderte darauf die Arbeitslosenkasse den Versicherten auf, 
weitere Unterlagen einzureichen und machte ihn auf die Verwirkungsfrist 
und die Folgen bei Nichteinhaltung der Frist aufmerksam (act. II 939 ff.). 

Am 9. November 2020 (act. II 837- 936), 16. November 2020 (act. II 833-
836) und 29. Dezember 2020 (act. II 747-832) gingen bei der Arbeitslosen-
kasse weitere Unterlagen des Versicherten ein.

Auf die Anfrage per E-Mail des Versicherten vom 17. Januar 2021 hin führ-
te die Arbeitslosenkasse mit E-Mail vom 18. Januar 2021 aus, es bestehe 
kein Anspruch mehr auf ALE von März bis September 2020, da die Unter-
lagen zu spät eingereicht worden seien (act. II 741). Mit E-Mail vom 
19. April 2021 teilte die Arbeitslosenkasse dem Versicherten schliesslich 
mit, die beitragspflichtigen Tätigkeiten ergäben zusammen mit dem Studi-
um nicht monatlich gesamthaft 100 %, weshalb bezüglich des versicherten 
Verdienstes keine Mischrechnung vorgenommen werden könne (act. II 604 
f.). Mit Schreiben vom 28. Juni 2021 verlangte der Versicherte eine an-
fechtbare Verfügung (act. IIA 13), worauf die Arbeitslosenkasse mit zwei 
Verfügungen vom 9. Juli 2021 einen Anspruch auf ALE vom 25. März 2020 
bis 31. August 2020 verneinte, weil die Akten unvollständig gewesen seien 
(act. II 553 ff.; Verfügung Nr. …), und den versicherten Verdienst ab dem 1. 
September 2020 auf Fr. 2'447.-- festlegte (act. II 571 ff.; Verfügung Nr. …). 

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Die hiergegen erhobene Einsprache vom 18. August 2021 (act. II 516 ff.) 
wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 7. Juli 2022 ab (act. II 73 ff.).

B.

Am 11. September 2022 (Postaufgabe 12. September 2022) erhob der 
Versicherte beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde. Er 
beanstandet einerseits die Berechnung des versicherten Verdienstes und 
beantragt sinngemäss, der versicherte Verdienst sei gemäss Art. 23 
Abs. 2bis des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische 
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; 
SR 837.0) zu berechnen. Andererseits beantragt er, es sei ihm auch für die 
Zeit vom 25. März bis 31. August 2020 ALE zuzusprechen, da ihm zu Un-
recht eine Fristverlängerung gemäss Art. 29 Abs. 3 der Verordnung vom 
31. August 1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die 
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) "unterschlagen" worden sei.

Auf Aufforderung des Instruktionsrichters (prozessleitende Verfügung vom 
14. September 2022) reichten der Beschwerdegegner am 16. September 
2022 eine Sendungsnachverfolgung des Einspracheentscheids und der 
Beschwerdeführer am 5. Oktober 2022 Unterlagen ein.

Mit Beschwerdeantwort vom 7. November 2022 schloss der Beschwerde-
gegner auf Abweisung der Beschwerde. Am 16. November 2022 reichte er 
aufforderungsgemäss die RAV-Akten nach.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 

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6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 1 und Art. 119 Abs. 1 
AVIV). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form 
(Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) 
eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 7. Juli 2022 
(act. II 73 ff.), mit welcher die Einsprache gegen die Verfügungen vom 
9. Juli 2021 (Verfügung Nr. … betreffend Ablehnung von ALE vom 25. März 
bis 31. August 2020 [act. II 553 ff.] und Verfügung Nr. … betreffend Festle-
gung des versicherten Verdienstes [act. II 571 ff.]) abgewiesen wurde. 
Streitig und zu prüfen sind der Anspruch auf ALE vom 25. März bis 31. Au-
gust 2020 und die Berechnung des versicherten Verdienstes.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Gemäss Art. 8 AVIG hat der Versicherte Anspruch auf Arbeitslo-
senentschädigung, wenn er: ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a; 
Art. 10); einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (lit. b; Art. 11); in 
der Schweiz wohnt (lit. c; Art. 12); die obligatorische Schulzeit zurückgelegt 
und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersrente der 

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AHV bezieht (lit. d); die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der 
Beitragszeit befreit ist (lit. e; Art. 13 und 14); vermittlungsfähig ist (lit. f; 
Art. 15) und die Kontrollvorschriften erfüllt (lit. g; Art. 17).

2.2 Für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit gelten, sofern die-
ses Gesetz nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen (Art. 9 
Abs. 1 AVIG). Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem 
ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 
Abs. 2 AVIG). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor 
diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG).

2.3

2.3.1 Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem 
Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird. 
Unzustellbare Entschädigungen verfallen drei Jahre nach dem Ende der 
Kontrollperiode (Art. 20 Abs. 3 AVIG). Es handelt sich um eine Verwir-
kungsfrist, die nur bei unverschuldetem Versäumnis wiederhergestellt wer-
den kann. Die Frist ist weder der Erstreckung noch der Unterbrechung 
zugänglich (Art. 40 Abs. 1 ATSG), kann aber unter gewissen Vorausset-
zungen wiederhergestellt werden. Aus der Rechtsunkenntnis kann kein 
Wiederherstellungsgrund hergeleitet werden. Das Begehren um Wieder-
herstellung ist binnen 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses mit ent-
sprechender Begründung und Beweismitteln zu stellen und gleichzeitig die 
Geltendmachung des Entschädigungsantrages nachzuholen (Art. 41 
ATSG; BGE 117 V 244 E. 3a S. 245; vgl. auch Weisung AVIG ALE [AVIG-
Praxis ALE] des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, C192 
[www.arbeit.swiss]). 

Nach der Rechtsprechung tritt die Verwirkungsfolge auch dann ein, wenn 
der Anspruch zwar innert der Anmeldefrist geltend gemacht wird, die versi-
cherte Person aber innerhalb dieses Zeitraums oder einer ihr allenfalls – 
gestützt auf Art. 29 Abs. 3 AVIV – gesetzten Nachfrist nicht alle für die An-
spruchsbeurteilung erforderlichen Unterlagen beibringt. Dies gilt jedoch - da 
die Verweigerung der Leistungen im Säumnisfall eine für den Betroffenen 
schwerwiegende Rechtsfolge darstellt - nur, wenn die Arbeitslosenkasse 
die antragstellende Person ausdrücklich und unmissverständlich auf die 

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Verwirkungsfolge bei verspäteter Einreichung der für die Beurteilung des 
Leistungsanspruchs wesentlichen Unterlagen hingewiesen hat (Urteil des 
Bundesgerichts [BGer] vom 25. Februar 2012, 8C_935/2011, E. 2).

2.3.2 Für die erste Kontrollperiode während der Rahmenfrist sowie bei 
jeder erneuten Arbeitslosigkeit, die nach einem Unterbruch von wenigstens 
sechs Monaten eintritt, macht die versicherte Person ihren Anspruch gel-
tend, indem sie der Kasse einreicht (Art. 29 Abs. 1 AVIV): den Antrag auf 
Arbeitslosenentschädigung (lit. a); die Arbeitgeberbescheinigungen der 
letzten zwei Jahre (lit. b); das Formular "Angaben der versicherten Person" 
(lit. c); die weiteren Informationen, welche die Kasse zur Beurteilung des 
Anspruchs verlangt (lit. d).

Zur Geltendmachung ihres Anspruchs für die weiteren Kontrollperioden legt 
die versicherte Person der Kasse vor (Art. 29 Abs. 2 AVIV): Das Formular 
"Angaben der versicherten Person" (lit. a); die Arbeitgeberbescheinigungen 
über Zwischenverdienste (lit. b); die weiteren Informationen, welche die 
Kasse zur Beurteilung des Anspruchs verlangt (lit. c). Nötigenfalls setzt die 
Kasse der versicherten Person eine angemessene Frist für die Vervollstän-
digung des Dossiers und macht sie auf die Folgen der Unterlassung auf-
merksam (Art. 29 Abs. 3 AVIV; vgl. zum Ganzen Urteil des BGer vom 
19. Oktober 2015, 8C_554/2015, E. 2; BGer 8C_935/2011, E. 2).

Die Schutznorm von Art. 29 Abs. 3 AVIV kommt ihrem Wortlaut entspre-
chend nur dann zum Tragen, wenn es um die Vervollständigung der erfor-
derlichen Dokumente geht. Nicht dem Zweck von Art. 29 Abs. 3 AVIV ent-
spricht es dagegen, das Fehlen jeglicher Unterlagen zu verschleiern; dies-
falls muss die Arbeitslosenversicherung die säumige Person weder mah-
nen noch ihr eine zusätzliche Frist einräumen. Diese Rechtsprechung soll 
einer rechtsmissbräuchlichen Berufung auf die Schutznorm des Art. 29 
Abs. 3 AVIV in jenen Fällen Einhalt gebieten, in welchen sich die leistungs-
ansprechende Person gegenüber den ihr obliegenden Handlungspflichten 
völlig gleichgültig zeigt und entsprechend untätig bleibt. Tritt keinerlei Ab-
sicht zum (weiteren) Leistungsbezug und keinerlei Mitwirkungsbereitschaft 
zutage, wäre es in der Tat stossend, dem Anspruchsuntergang allein unter 
Hinweis auf die Nichterfüllung der Informationspflicht der Kasse gemäss 

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Art. 29 Abs. 3 AVIV entgehen zu können (Urteil des BGer vom 29. Oktober 
2014, 8C_439/2014, E. 4.4).

3.

3.1 Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer in der Zeit vom 25. März bis 
31. August 2020 Anspruch auf ALE hat. Der Beschwerdegegner macht 
geltend, der Anspruch der in dieser Zeit liegenden Kontrollperioden sei 
verwirkt. Der Beschwerdeführer hingegen bringt vor, aufgrund der Anzahl 
der geforderten Dokumente und nach der schriftlichen Äusserung im Be-
gleitschreiben zur Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse wäre eine Fristver-
längerung im Sinne von Art. 29 Abs. 3 AVIG nötig gewesen. Eine zusätzli-
che Frist zur Vervollständigung des Dossiers in 28 Punkten sei ihm nicht 
gewährt worden, was jedoch angesichts der Situation zwingend gewesen 
wäre (Beschwerde S. 4 f.).

3.2 Es ist erstellt und unbestritten, dass der Beschwerdeführer sich am 
25. März 2020 (act. IIB 40 ff.) beim RAV zur Arbeitsvermittlung angemeldet 
hat. Zutreffend wurden die Rahmenfristen für die Beitragszeit auf die zwei 
vorangehenden Jahre und für den Leistungsbezug ab dem 25. März 2020 
festgelegt (act. II 231, 709) und in den Abrechnungen seitens des Be-
schwerdegegners später in dieser Weise berücksichtigt. Auf einzelnen Do-
kumenten findet sich ein (durchgestrichener) Datumsstempel 
"24. März 2020". Wie es sich damit verhält, braucht mangels Entscheidre-
levanz jedoch nicht näher geklärt zu werden.

Am 4. Mai 2020 erfolgte das Eintrittsgespräch mit der Arbeitsvermittlung. 
Anlässlich der folgenden Beratungsgespräche mit der Arbeitsvermittlung 
vom 4. Mai und 22. Juni 2020 (je telefonisch zufolge der Corona-
Pandemie) wurde die Einreichung der Unterlagen bei der Arbeitslosenkas-
se thematisiert (vgl. Protokolle des RAV [act. IIB 1]). Dabei wurde im Ge-
spräch vom 22. Juni 2020 explizit die bald auslaufende Verwirkungsfrist 
angesprochen, worauf der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 24. Ju-
ni 2020 ein auf den 26. März 2020 datiertes Formular "Antrag auf Arbeitslo-
senentschädigung" (act. II 987) zusammen mit verschiedenen Unterlagen 
(act. II 950 ff.) bei der Arbeitslosenkasse einreichte (Eingang bei der Ar-

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beitslosenkasse am 26. Juni 2020 [act. II 985]). Im Begleitschreiben führte 
der Beschwerdeführer aus, er wisse, dass einzelne Teile fehlten, wobei er 
entsprechende Unterlagen auflistete; er möchte um die Möglichkeit ersu-
chen, diese in den kommenden Tagen nachzureichen. Er sei sehr zuver-
sichtlich, dass ihm die Komplettierung in den kommenden Wochen gelinge 
(act. II 985). Daraufhin forderte der Beschwerdegegner den Beschwerde-
führer mit Schreiben vom 30. Juni 2020 auf, von ihm namentlich genannte 
Unterlagen rasch einzureichen und machte ihn auf die Verwirkungsfrist 
aufmerksam (act. II 939 ff.).

3.2.1 Erstellt ist, dass der Beschwerdeführer für die erste Kontrollperiode 
(März 2020) in den letzten Tagen vor Ablauf der Verwirkungsfrist von drei 
Monaten beim Beschwerdegegner den Antrag auf Arbeitslosenentschädi-
gung gestellt hat. Die Verwirkungsfrist ist damit grundsätzlich gewahrt. Mit 
der Anmeldung reichte der Beschwerdeführer jedoch offensichtlich unvoll-
ständige Unterlagen ein. Mit Blick auf die bereits früh erfolgte Aufklärung 
durch die Arbeitsvermittlung liegt die rudimentäre Eingabe des Beschwer-
deführers an der Grenze zu einem Verhalten, das keinen Rechtsschutz im 
Sinne von Art. 29 Abs. 3 AVIV mehr verdient (vgl. E. 2.3.2 vorstehend). 
Dabei ist jedoch auch zu beachten, dass die Verwirkungsfrist im Zeitpunkt 
des Schreibens vom 24. Juni 2020 einzig hinsichtlich der Kontrollperiode 
März 2020 auslaufend war, für die Folgeperioden April und Mai noch länger 
andauerte und die Situation mit der beginnenden Corona-Pandemie gewis-
se Erschwernisse in der Unterlagenbeschaffung mit sich brachte. Der Be-
schwerdegegner war deshalb gehalten, dem Beschwerdeführer hinsichtlich 
der Kontrollperiode März 2020 entsprechend Art. 29 Abs. 3 AVIV die Gele-
genheit zur Verbesserung zu geben. Zu Recht forderte er den Beschwerde-
führer deshalb unmittelbar nach Eingang des Schreibens vom 24. Juni 
2020 am 30. Juni 2020 zur Einsendung der für die Beurteilung notwendigen 
Dokumente auf. Dabei wurde der Beschwerdeführer unter Zitierung des 
Wortlauts des Art. 20 Abs. 3 AVIG ausdrücklich auf die dreimonatige Ver-
wirkungsfrist aufmerksam gemacht. Der Beschwerdegegner legte dem Be-
schwerdeführer zudem eine verständliche und einlässliche Auflistung der 
verlangten Unterlagen vor und bat um rasches Einreichen. 

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Zutreffend hat der Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass der Be-
schwerdegegner ihm keine näher bestimmte Frist zur Einreichung der Un-
terlagen gesetzt hat. Dies ändert jedoch nichts daran, dass im vorliegenden 
Fall die Ansprüche (weitgehend [vgl. zur Ausnahme E. 3.2.4 nachfolgend]) 
verwirkt sind. Denn zunächst ist zu beachten, dass damals einzig hinsicht-
lich der Kontrollperiode März 2020, für welche die Verwirkungsfrist unmit-
telbar nach Erlass des Schreibens vom 30. Juni 2020 des Beschwerde-
gegners abgelaufen ist, eine Nachfrist zu gewähren war (zu den Kontrollpe-
rioden April bis August 2020 vgl. E. 3.2.2 bis 3.2.4 nachfolgend). Der Be-
schwerdegegner verlangte dabei zutreffend die rasche Einreichung der 
Unterlagen. Unbesehen dieser Aufforderung reichte der Beschwerdeführer 
erst Monate später, am 9. November 2020 (act. II 837-936) und 16. No-
vember 2020 (act. II 833-836) Akten nach (act. II 837-936). Die letzten Un-
terlagen gingen schliesslich am 29. Dezember 2020 beim Beschwerdegeg-
ner ein (act. II 747-832).

Auch wenn dem Beschwerdeführer im Schreiben vom 30. Juni 2020 kein 
konkretes Datum genannt worden war, bis zu welchem er die Unterlagen 
hätte einreichen müssen, kann er angesichts der Tatsache, dass er in sei-
nem Schreiben vom 24. Juni 2020 selbst die Einreichung in den nächsten 
Tagen (Einleitung des Schreibens) bzw. nächsten Wochen (Schluss des 
Schreibens) in Aussicht stellte und eine rasche Einreichung verlangt wor-
den war, sich heute nicht auf den Standpunkt stellen, die Unterlagen hätten 
von ihm noch zu jedem beliebigen Zeitpunkt nachgereicht werden können. 
Vielmehr musste dem Beschwerdeführer, der einen Anspruch auf von der 
Gemeinschaft der Versicherten solidarisch getragene Sozialversicherungs-
leistungen geltend macht und dem damit (neben der Eigenverantwortung) 
die gesetzliche Mitwirkungspflicht nach Art. 28 Abs. 1 und 29 ATSG obliegt, 
nach Erhalt des einlässlichen und verständlichen Schreibens des Be-
schwerdegegners vom 30. Juni 2020 klar sein, dass er die Unterlagen für 
den Monat März 2020 innert Tagen, zumindest aber innert den von ihm 
selbst genannten Wochen hätte einreichen müssen. Dies tat er nicht.

Dass der Beschwerdeführer heute geltend macht, die Suche nach den um-
fangreichen Unterlagen sei schwierig gewesen, hilft ihm nicht. Das Gericht 
verkennt nicht, dass die Liste der notwendigen Akten umfangreich war, was 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 10

jedoch vorab dem Umstand geschuldet ist, dass der Beschwerdegegner 
sich nicht auf eine allgemeine kurze Nennung von Unterlagen beschränkt 
hat, sondern zu Gunsten des Beschwerdeführers die einzelnen Dokumente 
im Detail beschrieben hat. Unter den verlangten Unterlagen befindet sich 
schliesslich eine grosse Zahl von Dokumenten, die der Beschwerdeführer 
ohne weiteres bei sich verfügbar haben müsste oder die innert kurzer Frist 
extern erhältlich zu machen gewesen wären (z.B. Kopie der Anmeldung 
beim RAV, Kopie Abschlussdiplom, Lohnabrechnungen aus dem Jahr 
2018, Arbeitsverträge, Kopie Dienstbüchlein). Selbst diese Dokumente hat 
der Beschwerdeführer jedoch nicht umgehend eingereicht. Die Corona-
Pandemie war zu diesem Zeitpunkt (Sommer 2020) mit vorübergehend 
weitgehender Aufhebung der Massnahmen schliesslich ebenfalls kein Hin-
derungsgrund.

Nachdem der Beschwerdeführer nach Erhalt des Schreibens vom 30. Ju-
ni 2020 die unmittelbar verfügbaren Unterlagen nicht sofort bzw. anschlies-
send fortlaufend eingereicht hat und auch die behaupteten Probleme bei 
der Beschaffung gewisser letzter Dokumente echtzeitlich gegenüber dem 
Beschwerdegegner nie konkretisiert, geschweige denn belegt hat, ist die 
Einreichung der Unterlagen erst im November 2020, mithin mehr als sieben 
Monate nach Ablauf der Kontrollperiode und mehr als vier Monate nach 
Ablauf der Verwirkungsfrist, offensichtlich verspätet. Der Anspruch auf ALE 
für die Kontrollperiode März 2020 ist verwirkt.

3.2.2 Hinsichtlich der Kontrollperioden April und Mai 2020 stand im Zeit-
punkt des Schreibens vom 30. Juni 2020 des Beschwerdegegners eine 
Verwirkung noch ausser Frage, womit von vornherein auch keine Frist an-
zusetzen war. Anders entscheiden würde bedeuten, für nicht verlängerbare 
Verwirkungsfristen eine Verlängerungsmöglichkeit einzuführen. Der Be-
schwerdeführer war spätestens nach dem Schreiben vom 30. Juni 2020 
(vgl. im Übrigen bereits die früher erhaltenen Formulare "Angaben der ver-
sicherten Person für den Monat" mit entsprechender Erwähnung) in Kennt-
nis der Verwirkungsfrist und hatte hinreichend Zeit, die im Detail genannten 
zusätzlich notwendigen Unterlagen, einzureichen. Dabei schadet nicht, 
dass in dem am 30. Juni 2020 erlassenen Schreiben die Unterlagen für den 
Monat Juni 2020 an sich noch gar nicht hätten abgemahnt werden müssen, 

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weil die Kontrollperiode zu diesem Zeitpunkt gerade noch nicht abgelaufen 
und die Verwirkungsfrist noch nicht ausgelöst war.

Der Beschwerdeführer hat dem Beschwerdegegner am 9. November 2020 
für die Kontrollperiode April 2020 das (auf den 30. April 2020 offensichtlich 
rückdatierte) Formular "Angaben der versicherten Person für den Monat 
April 2020" zugestellt (act. II 929) und damit den Anspruch erstmals geltend 
gemacht (vgl. Art. 29 Abs. 2 AVIV). Dies erfolgte weit mehr als drei Monate 
nach Ablauf der Verwirkungsfrist (Ende Juli 2020) und der Anspruch ist 
verwirkt. Hinsichtlich der Kontrollperiode Mai 2020 legte der Beschwerde-
führer das notwendige Formular zur Geltendmachung eines Anspruchs 
seinem Schreiben vom 24. Juni 2020 bei (act. II 992). Auch diese Kontroll-
periode betreffend reichte er die geforderten weiteren Unterlagen jedoch – 
obwohl mit Schreiben vom 30. Juni 2020 hierzu aufgefordert – nicht vor 
dem 9. November 2020 und damit mehr als zwei Monate nach Ablauf der 
Verwirkungsfrist ein. Auch der Anspruch für den Monat Mai 2020 blieb 
dementsprechend ungenügend dokumentiert und ist verwirkt.

Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 
spätestens mit dem Schreiben vom 30. Juni 2020 rechtsgenüglich über die 
geltenden Fristen und die Rechtsfolgen informiert war. Bei dergestalt aus-
reichend informiertem Beschwerdeführer bedurfte es hinsichtlich der Kon-
trollperioden April und Mai 2020 weder vor Ablauf der (noch laufenden) 
Verwirkungsfrist einer weiteren Ermahnung noch danach einer zusätzlichen 
förmlichen Fristansetzung. Die Ansprüche auf ALE für die Kontrollperioden 
April und Mai 2020 sind verwirkt.

3.2.3 Für die Kontrollperioden Juni 2020 und Juli 2020, für welche die 
dreimonatige Verwirkungsfrist Ende September bzw. Ende Oktober abge-
laufen ist, machte der Beschwerdeführer seine Ansprüche (act. II 874, 931) 
erstmals am 9. November 2020 mit (jeweils wiederum rückdatierten) For-
mularen geltend. Die Geltendmachung der Ansprüche erfolgte offensicht-
lich verspätet und die Ansprüche auf ALE für die Kontrollperioden Juni und 
Juli 2020 sind verwirkt. Die Ansetzung einer Nachfrist war bei dieser Aus-
gangslage von vornherein ausgeschlossen (vgl. E. 2.3.2). 

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3.2.4 Hinsichtlich der Kontrollperiode August 2020 reichte der Beschwer-
deführer das Formular "Angaben der versicherten Person für den Monat 
August 2020" am 9. November 2020 und damit vor Ablauf der dreimonati-
gen Verwirkungsfrist Ende November 2020 ein (act. II 863). Die Verwir-
kungsfrist ist für diese Kontrollperiode damit grundsätzlich gewahrt. Der 
Beschwerdegegner war gehalten, weil die Verpflichtung aus Art. 29 Abs. 3 
AVIG für jede Kontrollperiode jeweils einzeln zu prüfen ist, dem Beschwer-
deführer für die Kontrollperiode August 2020 Gelegenheit zur Verbesse-
rung zu geben, wenn er die Eingabe für unvollständig erachtete. Eine ent-
sprechend schriftliche Aufforderung erfolgte nicht; hingegen fand offenbar 
am 11. Dezember 2020 eine telefonische Absprache zwischen Beschwer-
degegner und Beschwerdeführer statt, worauf der Beschwerdeführer am 
29. Dezember 2020 weitere Unterlagen einreichte (act. II 775 ff.). Im Ein-
spracheentscheid hat der Beschwerdegegner diesbezüglich ausgeführt, 
dass am 29. Dezember 2020 die verlangten Unterlagen (mit Ausnahme 
zweier Dokumente) eingegangen seien und der Anspruch damit rückwir-
kend auf drei Monate, d.h. ab dem 1. September 2020 geprüft und die 
Rahmenfrist per 1. September 2020 eröffnet werde. Dabei übersah der 
Beschwerdegegner jedoch, dass der Beschwerdeführer mit der Nachrei-
chung der Unterlagen auch für den Monat August 2020 seinen Anspruch 
hinreichend geltend gemacht hat und dementsprechend er auch für diesen 
Monat, sofern und soweit die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, An-
spruch auf ALE hat. Insoweit ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sa-
che an den Beschwerdegegner zurückzuweisen, damit er die weiteren Vor-
aussetzungen (vgl. insbesondere E. 2.1 vorstehend) für einen Anspruch 
des Beschwerdeführers auf ALE im Monat August 2020 prüfe und hierüber 
anschliessend neu verfüge. 

4.

4.1 Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt die Beitragszeit (vgl. E. 2.2 vorste-
hend), wer innerhalb der Rahmenfrist während mindestens zwölf Monaten 
eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Was eine beitrags-
pflichtige Beschäftigung ist, ergibt sich aus Art. 2 Abs. 1 lit. a AVIG. Danach 
ist für die Arbeitslosenversicherung beitragspflichtig, wer nach AHVG versi-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 13

chert und für Einkommen aus unselbstständiger Tätigkeit beitragspflichtig 
ist (BGE 122 V 249 E. 2b S. 251). Angerechnet werden u.a. auch schwei-
zerischer Militär, Zivil- und Schutzdienst (Art. 13 Abs. 2 lit. b AVIG).

Gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG von der Erfüllung der Beitragspflicht be-
freit sind Personen, die innerhalb der Rahmenfrist während insgesamt 
mehr als zwölf Monaten wegen Schulausbildung, Umschulung oder Wei-
terbildung nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und deshalb die Bei-
tragszeit nicht erfüllen konnten. Zwischen dem Befreiungsgrund und der 
Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammenhang bestehen. 
Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten bestanden 
haben. Denn bei kürzerer Verhinderung bleibt der versicherten Person 
während der zweijährigen Rahmenfrist genügend Zeit, um eine ausrei-
chende beitragspflichtige Beschäftigung auszuüben. Da eine Teilzeitbe-
schäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbe-
schäftigung gleichgestellt ist (Art. 11 Abs. 4 Satz 1 AVIV), liegt die erforder-
liche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem 
der in Art. 14 Abs. 1 AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zu-
mutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (BGE 141 V 625 E. 2 
S. 627, 674 E. 4.3.1 S. 678, 139 V 37 E. 5.1 S. 38; ARV 2020 S. 382 
E. 3.3.1).

Bei genügender Beitragszeit, d.h. wenn die versicherte Person innerhalb 
der Rahmenfrist während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige 
Beschäftigung ausgeübt hat, kommt die Befreiungsregelung nicht zum Zug 
(BGE 126 V 384 E. 2b S. 387; ARV 2012 S. 86 E. 7.2, S. 207 E. 5.2).

4.2 Als versicherter Verdienst gilt der massgebende Lohn im Sinne von 
Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- 
und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) i.V.m. Art. 7 der Ver-
ordnung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinterlassenenversi-
cherung (AHVV; SR 831.101), der während eines Bemessungszeitraumes 
aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wur-
de. Darin eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen 
Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenien-
zen darstellen (Art. 23 Abs. 1 AVIG; BGE 144 V 195 E. 4.1 S. 198). Der 
versicherte Verdienst bemisst sich nach dem Durchschnittslohn der letzten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 14

sechs Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug 
(Art. 37 Abs. 1 AVIV). Er bemisst sich nach dem Durchschnittslohn der letz-
ten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbe-
zug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Abs. 1 
(Art. 37 Abs. 2 AVIV). Massgeblich für die Ermittlung des versicherten Ver-
dienstes sind die tatsächlichen Lohnbezüge, nicht die arbeitsvertraglich 
festgelegten Löhne (ARV 2020 S. 280 E. 4.1). Für Zeiten, die nach Art. 13 
Abs. 2 lit. b - d AVIG als Beitragszeit angerechnet werden, ist derjenige 
Lohn massgebend, den der Versicherte normalerweise erzielt hätte (Art. 39 
AVIV).

Für Versicherte, die im Anschluss an eine Berufslehre Arbeitslosenent-
schädigung beziehen, sowie für Personen, die von der Erfüllung der Bei-
tragszeit befreit sind, setzt der Bundesrat Pauschalansätze als versicherten 
Verdienst fest. Er berücksichtigt dabei insbesondere das Alter, den Ausbil-
dungsstand sowie die Umstände, die zur Befreiung von der Erfüllung der 
Beitragszeit geführt haben (Art. 14; Art. 23 Abs. 2 AVIG). 

Haben Personen, die von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind, inner-
halb der Rahmenfrist für die Beitragszeit während mindestens zwölf Mona-
ten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt, so bestimmt sich der 
versicherte Verdienst auf Grund des erzielten Lohnes und des um den Be-
schäftigungsgrad gekürzten Pauschalansatzes (Art. 23 Abs. 2bis AVIG). Der 
bisherige Beschäftigungsgrad und der Verhinderungsgrad müssen zusam-
men einer Vollzeitbeschäftigung entsprechen (Art. 40c AVIV; BGer vom 
14. September 2007, 8C_263/2007, E. 3.2).

5.

5.1 Der Beschwerdeführer absolvierte an der Universität … ein Studium 
in …; während acht Semestern war er für den Bachelor und während elf 
Semestern für den Master (Herbstsemester 2014 bis Herbstsemester 2019) 
immatrikuliert (act. II 120 ff., 175, 232). Am 10. März 2020 erlangte er den 
Titel "…" (act. II 232). Während der Zeit der Immatrikulation bestand damit 
gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. a AVIG grundsätzlich die Möglichkeit einer 
Befreiung von der Beitragspflicht. Gleichzeitig erfüllte der Beschwerdefüh-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 15

rer jedoch unbestritten bereits aufgrund seiner Erwerbstätigkeit während 
des Studiums die Beitragszeit (vgl. Art. 13 Abs. 4 AVIG; act. IIA 145 f.). Die 
Befreiungstatbestände sind im Verhältnis zur Beitragszeit subsidiär. Eine 
Kumulation von Beitragsbefreiung und Beitragszahlung ist nicht vorgese-
hen und zur Festlegung einer Anspruchsberechtigung im vorliegenden Fall 
auch gar nicht nötig (vgl. E. 4.1 in fine). 

Hingegen besteht aufgrund der Konstellation von Erwerbstätigkeit und po-
tentiellem Befreiungsgrund gestützt auf die Sonderregelung von Art. 23 
Abs. 2bis AVIG die Möglichkeit, dass der versicherte Verdienst auf Grund 
des erzielten Lohnes und des um den Beschäftigungsgrad gekürzten Pau-
schalansatzes zu bestimmen ist. Voraussetzung ist, dass der bisherige 
Beschäftigungsgrad und der Verhinderungsgrad zusammen einer Vollzeit-
beschäftigung entsprechen (vgl. E. 4.2 in fine), was hier umstritten ist.

5.2 Zur umstrittenen Berechnung gemäss Art. 23 Abs. 2bis AVIG i.V.m. 
Art. 40c AVIV hielt der Beschwerdegegner fest, beim Masterstudium ergä-
ben 30 ECTS-Punkte pro Semester (120 ECTS-Punkte / 4 Semester) ein 
Vollzeitstudium. Da der Beschwerdeführer gemäss ECTS-Übersicht am 
31. Mai 2017 die vorletzten Punkte geholt habe und er seit diesem Zeit-
punkt bis zur Exmatrikulation Ende Januar 2020 die Masterarbeit geschrie-
ben habe, ergäbe dies einen Beschäftigungsgrad von 40 % (5 [HS 2017 bis 
HS 2019] Semester à 30 ECTS-Punkte = 150 / 60 effektive ECTS-Punkte 
für die Masterarbeit [150 / 100 x 60]). Zusammen mit dem Beschäftigungs-
grad in den Arbeitsverhältnissen (18.96 % [act. II 231]) resultierten somit 
nicht 100 %, weshalb keine Mischrechnung erfolgen könne (vgl. Beschwer-
deantwort S. 5).

Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, für 
die Masterarbeit habe er ursprünglich 22.5 Monate (vom 1. März 2018 bis 
17. Januar 2020) Zeit gehabt. Wegen dem zu absolvierenden Zivildienst 
(4.5 Monate) seien ihm 18 Monate für die Masterarbeit verblieben. Als Be-
rechnungsgrundlage für das massgebende Pensum für die Masterarbeit 
sollten seines Erachtens rund 18 Monate beigezogen werden. 60 ECTS 
verteilt darauf ergäben ein Pensum von rund 67 % (Beschwerde S. 4). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 16

5.3 Es steht fest, dass der Beschwerdeführer sein Masterstudium in-
nerhalb von elf Semestern (5 ½ Jahre) absolvierte. Die Regelstudiendauer 
beträgt vier Semester (2 Jahre), innert denen 120 ECTS-Punkte – davon 
60 ECTS-Punkte für die Masterarbeit – zu erzielen sind (act. II 121, 140 
[Art. 44 Studienplan für die Studienprogramme …], act. IIA 165). Die Uni-
versität …, … Fakultät, hielt diesbezüglich fest: "Das Masterstudium in … 
im Umfang von 120 ECTS gilt als Vollzeitstudium, wenn es innerhalb der 
Regelstudienzeit von 4 Semestern absolviert wird".

5.3.1 Im Vergleich zur normalen Studienzeit benötigte der Beschwerde-
führer mit elf Semestern das 2.75fache des regulären Zeitbedarfs, weshalb 
bei der von ihm gewählten Ausgestaltung seines Studiums von vornherein 
nicht von einem Vollzeitstudium gesprochen werden kann. Mit der Argu-
mentation, die Masterarbeit sei binnen 18 Monaten, mit einer allfälligen 
Verlängerung auf maximal 24 Monate, abzuschliessen, verkennt der Be-
schwerdeführer schliesslich, dass wie im Reglement vorgesehen (act. II 
140) und von der Universität ausdrücklich bestätigt (act. IIA 165) bei Daue-
rimmatrikulation das gesamte Masterstudium inklusive Masterarbeit auf 
(maximal) 24 Monate ausgelegt ist. Dementsprechend ist der Beschäfti-
gungsgrad im Studium auf die gesamte Dauer aufzuteilen. Dies ergibt ei-
nen effektiven durchschnittlichen Beschäftigungsgrad während des Studi-
ums von 36.36 % (100 % / 2.75). Ergänzt um den vom Beschwerdegegner 
in nicht zu beanstandender Weise erhobenen Beschäftigungsgrad im Er-
werb von rund 19 % (act. IIA 157) ergibt sich keine Vollbeschäftigung im 
Sinne von Art. 40c AVIV. Selbstredend kann bei der Ausdehnung der Stu-
diumsdauer – gerade wenn sie wie vorliegend in ausgeprägtem Mass er-
folgt – der Umfang der tatsächlichen Befassung mit den Studien nicht stets 
gleich sein. Welche Bedeutung diesem Umstand zukommt, braucht hier 
jedoch nicht abschliessend geklärt zu werden. Selbst wenn der Pensums-
berechnung des Beschwerdeführers für die Erstellung der Masterarbeit 
gefolgt werden könnte, würde sich am Fehlen einer Vollbeschäftigung 
nichts ändern.

5.3.2 Gemäss dem vom Beschwerdeführer wie vom betreuenden Dozen-
ten unterzeichneten Formular "Beginn Masterarbeit …" wurde der Beginn 
auf den 1. März 2018 gelegt (Beschwerdebeilage 3). Die Arbeit wurde vom 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 17

Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben (spätestens) am XX. Janu-
ar 2020 abgeschlossen und eingereicht (Beschwerde S. 3). Dies ergibt eine 
Bearbeitungsdauer von rund 22 ½ Monaten. Werden davon die in dieser 
Zeit geleisteten knapp 4 ½ Monate Zivildienst abgezogen, so resultiert eine 
Bearbeitungsdauer von gut 18 Monaten. Könnte der Berechnung des Be-
schwerdeführers gefolgt werden, so ergäbe dies eine Befassung von auf-
gerundet 67 % je Monat, was in Ergänzung zur effektiven Arbeitstätigkeit 
von aufgerundet 19 % keine Vollbeschäftigung ergibt. Dabei wäre bei einer 
solchen Betrachtung schliesslich aber auch zu berücksichtigen, dass der 
Beschwerdeführer mit der Abgabe der Masterarbeit am XX. Januar 2020 
bzw. auf jeden Fall spätestens am 31. Januar 2020 mit der Exmatrikulation 
am Ende des Herbstsemesters 2019 (act. IIA 165) nicht mehr in Ausbildung 
stand und ab diesem Zeitpunkt kein Befreiungsgrund mehr vorlag. Entspre-
chend kann er für (mindestens) die Zeit vom 1. Februar bis zum 24. März 
2020 keinen Befreiungsgrund mehr geltend machen und sich auch keinen 
entsprechenden Beschäftigungsgrad anrechnen lassen. Dass die Mastera-
rbeit von den Zuständigen der Universität erst per XX. Februar 2020 bewer-
tet wurde (act. IIA 47), ändert daran nichts. Schliesslich ändert auch der 
vom 1. Juli 2019 bis zum 9. Oktober 2019 geleistete Zivildienst nichts. 
Denn zunächst hat der Beschwerdeführer bei seiner Berechnung diese Zeit 
bereits von der Studiendauer abgezogen und wäre während der entspre-
chenden Zeit im besten Fall eine 100%ige Betätigung im Zivildienst Bei-
tragszeit bildend und zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung einer durch 
Kumulation errechneten Beschäftigung von mehr als 100 % für einen Mo-
nat oder den Teil eines Monats fällt von vornherein ausser Betracht. Selbst 
wenn also während der Zeit vom 1. Juli 2019 bis zum 9. Oktober 2019 ein 
100%-Pensum in der Berechnung eingesetzt werden könnte, würde dies 
deshalb am Ergebnis nichts ändern, weil in den Monaten davor und danach 
keine (kumulierte) Vollbeschäftigung bestand. Die Berechnung stellt sich 
wie folgt dar:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 18

Die Sonderregelung gemäss 23 Abs. 2bis AVIG kommt für die Berechnung 
des versicherten Verdienstes nicht zur Anwendung.

5.4 Der Beschwerdegegner berechnete den versicherten Verdienst ba-
sierend auf dem Durchschnittslohn der letzten sechs Monate auf dem vom 
Beschwerdeführer beim "B.________" (Arbeitsvertrag [act. II 239]), bei der 
C.________ (Freelance-Vereinbarung [act. II 373]) und bei der D.________ 
(befristeter Arbeitsvertrag [act. II 972]) erzielten Lohn und legte ihn auf 
Fr. 2'447.-- fest (act. II 79, 231). Gegen diese Berechnung bringt der Be-
schwerdeführer weder Einwände vor noch gibt es Hinweise, dass diese 
nicht korrekt wäre und die Beschwerde ist, soweit gegen die Berechnung 
des versicherten Verdienstes gerichtet, vollumfänglich abzuweisen. 

6.

Nach dem Dargelegten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde der 
angefochtene Einspracheentscheid vom 7. Juli 2022 (act. II 73 ff.) insoweit 
aufzuheben, als dem Beschwerdeführer für den Monat August 2020 ein 
Anspruch auf ALE zufolge Verwirkung abgesprochen wurde. Die Sache 
geht zur Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen für einen An-

Erwerb Studium Zivildienst
25. - 31.3.2019 8.39 1.9 67 15.1 0 17.00
April 2019 8.39 67 0 75.39
Mai 2019 28.39 67 0 95.39
Juni 2019 28.39 67 0 95.39
Juli 2019 8.39 67 100 100.00
August 2019 8.39 67 100 100.00
September 2019 8.39 67 100 100.00
Oktober 2019 23.39 16.6 47.5 47.5 100 29 93.10
November 2019 23.39 67 0 90.39
Dezember 2019 23.39 67 0 90.39
Januar 2020 23.39 67 0 90.39
Februar 2020 23.39 0 0 23.39
1. - 24.3.2020 23.39 18.1 0 0 18.10
Total pro Jahr 988.93
Durchschnitt / Monat 82.41

Pro rata Arbeit/Studium 22 Tage / Zivildienst 9 Tage
Pro rata der effektiven Beitragszeit März 2019 7 Tage / März 2020 24 Tage

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 19

spruch auf ALE im Monat August 2020 und anschliessender diesbezüglich 
neuer Verfügung zurück an den Beschwerdegegner. Soweit weitergehend 
ist die Beschwerde abzuweisen.

7.

7.1 Verfahrenskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. 
Art. 61 lit. a ATSG).

7.2 Trotz seines teilweisen Obsiegens hat der Beschwerdeführer nach 
konstanter Praxis keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da der 
Aufwand den Rahmen dessen nicht überschreitet, was der Einzelne übli-
cher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen 
Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat (BGE 127 V 205 E. 4b 207).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheent-
scheid insoweit aufgehoben, als dem Beschwerdeführer für den Monat 
August 2020 ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zufolge 
Verwirkung abgesprochen wurde. Die Sache geht zur Prüfung der wei-
teren Anspruchsvoraussetzungen für einen Anspruch auf Arbeitslo-
senentschädigung im Monat August 2020 und anschliessender dies-
bezüglich neuer Verfügung zurück an den Beschwerdegegner. Soweit 
weitergehend wird die Beschwerde abgewiesen.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Feb. 2023, ALV/22/539, Seite 20

3. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Arbeitslosen-

kasse  
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst
- Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.