# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b8f3ad5a-b829-5597-acf0-fc5dc3a9ba30
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1393/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1393-2009_2012-02-08.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­1393/2009/sed

U r t e i l   v om   8 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérard Scherrer;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…), dessen Ehefrau B._______, 
geboren am (…),
sowie den Kindern
C._______, geboren am (…),
und D._______, geboren am (…),
Kosovo,
(…),
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 5. Februar 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführenden  –  ethnische  Serben  aus  dem  Kosovo – 
verliessen  ihre  Heimat  eigenen  Angaben  zufolge  gemeinsam  mit  ihren 
beiden Kindern am 23. August 2008 und gelangten am 25. August 2008 
via Serbien und weitere  ihnen unbekannte Länder  illegal  in die Schweiz, 
wo sie noch am selben Tage um Asyl nachsuchten. Am 28. August 2008 
erhob das BFM im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen 
ihre  Personalien  und  befragte  sie  zu  ihrem  Reiseweg  sowie – 
summarisch – zu den Ausreisegründen. Am 12. Januar 2009 befragte sie 
das BFM einlässlich zu ihren Asylgründen.

Im  Wesentlichen  machten  die  Beschwerdeführenden  A._______  und 
B._______ geltend, sie seien im Dorf E._______ (Gemeinde F._______) 
aufgewachsen  und  hätten  dort  bis  zu  ihrer  Ausreise  in  die  Schweiz 
gelebt.  Seit  dem  Jahr  1999  seien  sie  wegen  ihrer  serbischen 
Volkszugehörigkeit  massiven  Belästigungen,  Bedrohungen  und 
Provokationen  durch  die  albanische  Bevölkerung  ausgesetzt. 
Verschiedentlich  seien  sie  auch  bestohlen  worden.  So  seien  ihnen 
beispielsweise  im  Jahre  2001  ein  Traktor,  Kühe  und  Ziegen  entwendet 
worden.  Die  Behelligungen  seien  insbesondere  von  albanischen 
Nachbarskindern  ausgegangen,  welche  sie  tagtäglich  mit  dem  Tode 
bedroht  und  immer  wieder  aufgefordert  hätten,  ihr  Haus  und  Land  zu 
verlassen.  Auch  ihre  beiden  Kinder  seien  auf  dem  Schulweg  immer 
wieder  von  albanischen  Kindern  belästigt  worden.  Überdies  sei  es  bei 
Festivitäten  seitens  der  albanischen  Dorfbewohner  immer  wieder  zu 
Schiessereien  gekommen,  was  ihre  Kinder  stark  verängstigt  habe.  Als 
Folge  dieses  Klimas  anhaltender  Angst  habe  ihr  Sohn  C._______  im 
März  2004  zehn  Tage  lang  nicht  mehr  gesprochen.  Seither  habe  er 
psychische  Probleme  und  schulische  Schwierigkeiten.  Wegen  der 
schlechten  Sicherheitslage  und  namentlich  der  persönlichen  Situation, 
welche sich trotz mehrfacher Anzeigen bei den Behörden nicht gebessert 
habe,  hätten  sie  sich  schliesslich  dazu  entschlossen,  ihre  Heimat 
endgültig zu verlassen.

Die Beschwerdeführenden A._______ und Gordana B._______  reichten 
im  Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  ihre  serbischen 
Identitätskarten,  zwei  von  der  UNMIK  (United  Nations  Interim 
Administration  Mission  in  Kosovo)  am  4. Oktober  2006  für  sie 
ausgestellte  Identitätsausweise,  einen  Eheschein,  zwei  Geburtsscheine 

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bezüglich ihrer beiden Kinder sowie eine Wohnsitzbescheinigung ein. Im 
Weiteren sandten sie dem BFM eine Einladung zum Gespräch bezüglich 
ihres  Sohnes  C._______  durch  die  psychiatrischen  Dienste  G._______ 
vom  17. Dezember  2008  sowie  zwei  gleichlautende  Schreiben  der 
Gemeindekanzlei F._______ vom 3. August 2008 beziehungsweise vom 
7. August 2008 zu.  In den  letzterwähnten Schreiben wird bestätigt, dass 
die Beschwerdeführenden, welche bis im August 2008 im Dorf E._______ 
gelebt hätten, sich wegen ihren Problemen mit Albanern mehrmals an die 
UNMIK  gewandt  hätten  und  dass  sie  in  ihrem  Haus  nicht  mehr  sicher 
leben könnten.

B. 
Mit  Verfügung  vom  5. Februar  2009  –  eröffnet  am  6. Februar  2009 – 
stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  ihre  Asylgesuche  ab.  Zur 
Begründung  führte  das  BFM  namentlich  aus,  die  Vorbringen  genügten 
den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Hinsichtlich  der 
geltend gemachten Belästigungen, Drohungen und Übergriffe seitens der 
Albaner  sei  zwar  festzuhalten,  dass  es  in  Kosovo  in  den  vergangenen 
Jahren  vereinzelt  zu  schwerwiegenden  Übergriffen  auf  Angehörige  der 
ethnischen  Minderheiten,  namentlich  der  Serben,  gekommen  sei.  Es 
könne jedoch nicht von allgemeinen Vertreibungen ausgegangen werden. 
Nach der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei in Kosovo 
weiterhin eine  internationale zivile und militärische Präsenz vorgesehen, 
wobei eine sukzessive Ablösung der UNO­Verwaltung (UNMIK) durch die 
EU­Mission (EULEX) vorgesehen sei. Auch in den Siedlungsgebieten der 
Kosovo­Serben garantierten internationale Sicherheitskräfte und teilweise 
serbische  Angehörige  des  KPS  (Kosovo  Police  Service)  die  Sicherheit. 
Am 15. Juni 2008 sei die neue kosovarische Verfassung in Kraft getreten, 
welche  den  Minderheiten  umfassende  Rechte  zugestehe.  Die 
internationalen  Sicherheitskräfte  und  der  KPS  seien  in  der  Lage,  die 
ethnischen Minderheiten in Kosovo zu schützen. Die polizeiliche Präsenz 
sei  gut  sichtbar  sowie  flächendeckend.  Strafgerichtsbarkeit  und 
Strafvollzug  funktionierten  grösstenteils.  Bei  Übergriffen  würden  die 
Sicherheitskräfte  regelmässig  intervenieren  und  Straftaten  gegen 
Angehörige  von  Minderheiten  würden  geahndet.  Da  demnach  vom 
Vorhandensein  eines  im  heutigen  Zeitpunkt  adäquaten  Schutzes  durch 
den Heimatstaat auszugehen sei, seien die geltend gemachten Übergriffe 
im vorliegenden Fall in asylrechtlicher Hinsicht nicht relevant. Im Übrigen 
bestehe  für  Serben  und  serbischsprachige  Roma  aus  den  südlichen 
Bezirken  ohnehin  eine  valable  innerstaatliche  Fluchtalternative  im 

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Staatsgebiet von Serbien ausserhalb von Kosovo, was die Anerkennung 
der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  ausschliesse. 
Gleichzeitig  verfügte  das  BFM  die  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der 
Wegweisung an. Diesbezüglich hielt das BFM fest, die Wahrscheinlichkeit 
einer  konkreten  Gefährdung  könne  für  serbische  Familien  aus  dem 
südlichen Bezirk F._______ nicht ausgeschlossen werden, weshalb eine 
Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  in  diesen  Bezirk  oder  in  den 
Norden  Kosovos,  wo  sie  über  keine  konkreten  Anknüpfungspunkte 
verfügten,  aktuell  unzumutbar  sei.  Indessen  stehe  den 
Beschwerdeführenden  in  Serbien  eine  Aufenthaltsalternative  offen,  da 
Serbien  sie  auch  nach  der  Unabhängigkeit  von  Kosovo  als  serbische 
Staatsbürger  betrachten  würde.  Im  Weiteren  stellten  die  psychischen 
Probleme  des  Sohnes  C._______  kein  Wegweisungshindernis  nach 
Serbien dar, da dort die medizinische Grundversorgung  für die gesamte 
Bevölkerung  gewährleistet  sei  und  psychische  Probleme  praktisch 
flächendeckend  in  staatlichen  psychiatrischen  Kliniken, 
neuropsychiatrischen  Abteilungen  von  grösseren  Spitälern  sowie  bei 
privaten Psychiatern und Kliniken behandelt werden könnten.

C. 
Mit  Eingabe  vom  4. März  2009  beantragten  die  Beschwerdeführenden, 
die angefochtene Verfügung sei  in allen Punkten aufzuheben und  ihnen 
zumindest die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren, bis sich 
die Situation für die Serben in ihrem Dorf (E._______, Bezirk F._______) 
wieder  normalisiert  habe.  Zur  Begründung  führten  sie  im  Asylpunkt 
namentlich aus, sie hätten als Angehörige einer ethnischen Minderheit in 
Kosovo  etliche Morddrohungen  durch  Albaner  erhalten,  die  ihnen  auch 
einen Traktor und Vieh aus ihrem Stall gestohlen hätten. Die Polizei habe 
jeweils verlauten lassen, sie könne hiergegen nichts unternehmen. Allein 
in  ihrem  Dorf  E._______  seien  bis  heute  schon  über  40  Leute  von 
Albanern  umgebracht  oder  gekidnappt  worden,  ohne  dass  je  ein  Täter 
verurteilt worden sei. Auch die Folgerung des BFM, sie könnten sich als 
Serben nach Serbien ausserhalb Kosovos begeben, entbehrten jeglicher 
menschlichen Vernunft, komme dies doch  im Ergebnis einer  juristischen 
Billigung ethnischer Säuberungen gleich. Ein Wegweisungsvollzug nach 
Serbien ausserhalb Kosovos erscheine auch als unzumutbar,  da  in den 
dortigen Flüchtlingslagern katastrophale sanitäre Bedingungen herrschen 
würden.  Ausserdem  leide  ihr  Sohn  C._______  noch  heute  unter 
posttraumatischen Stressreaktionen, weshalb ein weiterer Wechsel oder 
eine  Unterbringung  in  provisorischen  Unterkünften  laut  dem  der 

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Beschwerde  beigelegten  Behandlungsbericht  des  Kinder­  und 
Jugendpsychiatrischen  Dienstes/  Ambulatorium  G._______  vom 
18. Februar  2009  dessen  seelische  Entwicklung  gefährden 
beziehungsweise  zur  Verstärkung  der  psychischen  Symptomatik  führen 
würden.

Zur  Untermauerung  ihrer  Gesamtvorbringen  reichten  die 
Beschwerdeführenden  im Weiteren  einen Artikel  aus  der  (in H._______ 
erscheinenden,  in  serbischer  Sprache  abgefassten)  Zeitung  I._______ 
vom  19. Februar  2009  sowie  das  bereits  im  Rahmen  des 
erstinstanzlichen  Verfahrens  eingereichte  Bestätigungsschreiben  der 
Gemeindekanzlei  F._______  vom 3. August  2008  (vgl.  Sachverhalt  Bst. 
A) zu den Akten.

D. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  13. März  2009  hielt  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  die 
Beschwerdeführenden  dürften  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten. Gleichzeitig  forderte  er  diese  auf,  bis  zum  30. März 
2009  einen  Kostenvorschuss  im  Betrage  von  Fr. 600.–  einzuzahlen, 
ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.

E. 
Am  18. März  2009  zahlten  die  Beschwerdeführenden  den 
Kostenvorschuss ein.

F. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  6. April  2011  lud  das 
Bundesverwaltungsgericht  die  Vorinstanz  zur  Vernehmlassung  bis  zum 
21. April 2011 ein.

G. 
Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  11. April  2011  fest,  die 
psychischen  Probleme  des  Sohnes  C._______  der 
Beschwerdeführenden  stellten  –  wie  bereits  in  der  angefochtenen 
Verfügung  festgestellt  –  kein  Wegweisungshindernis  dar.  Durch  seinen 
Aufenthalt  in  der  Schweiz  sei  das  Kind  zudem  bereits  in  den  Genuss 
einer länger dauernden psychiatrischen Betreuung gekommen, die – wie 
erwähnt  –  bei  Bedarf  auch  in  Serbien  weitergeführt  werden  könne. 
Gesundheitliche Probleme würden  überdies  nur  dann  zur Bejahung  der 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  führen,  wenn  sich  aufgrund 

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eines  Mangels  an  angemessenen  Behandlungsmöglichkeiten  im 
Heimatland  der  betroffenen  Person  deren  Gesundheitszustand  derart 
verschlechtern  würde,  dass  ihr  Leben  in Gefahr  geriete.  Da  von  einem 
Wegweisungsvollzug nach Serbien ausgegangen werde, erscheine auch 
die Gefahr einer Retraumatisierung als nicht überwiegend wahrscheinlich. 
Da  das  BFM  die  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Serbien 
festgestellt  habe,  vermöge  dem  Zeitungsartikel  vom  19. Februar  2009 
und der Bestätigung vom 3. August 2008 kein Beweiswert zuzukommen. 
Im  Übrigen  verwies  die  Vorinstanz  auf  ihre  Erwägungen,  an  denen  sie 
vollumfänglich festhielt, und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

H. 
Am  14.  April  2011  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  den 
Beschwerdeführenden die Vernehmlassung des BFM vom 11. April 2011 
zur Kenntnisnahme zu.

I. 
Am  3. Mai  2011  gingen  dem  Bundesverwaltungsgericht  ein  ärztlicher 
Bericht  von  Dr.  med.  J._______,  Kinder­  und  Jugendpsychiatrischer 
Dienst,  Ambulatorium  G._______  vom  2. Mai  2011  sowie  eine 
Stellungnahme der Logopädin K._______ vom 27. April 2011 zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  –  was  vorliegend  nicht  zutrifft  –  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerdeführenden  haben  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  27  VGG  und  Art. 48 
Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
(Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 52  VwVG)  ist – 
nachdem  der  Kostenvorschuss  fristgerecht  eingezahlt  wurde – 
einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken 
(Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

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4.1. Die Beschwerdeführenden sind aufgrund der Aktenlage einerseits als 
Staatsangehörige  der  Republik  Kosovo  zu  betrachten.  Infolge  der 
serbischen Abstammung und Geburt auf  (ehemaligem) Staatsgebiet der 
Republik  Serbien  verfügen  sie  andererseits  gemäss  dem  serbischen 
Gesetz über die Staatsbürgerschaft Nr. 135/04 vom 21. Dezember 2004 
auch über die serbische Staatsangehörigkeit (vgl. BVGE 2010/41 E. 6.4.2 
S. 580).

4.2. Gestützt auf Art. 1 A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen von 
der Anerkennung  der Rechtsstellung  als  Flüchtling  ausgeschlossen,  die 
mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen  und  die  den  Schutz  von 
wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen  können.  Soweit 
verfügbar, hat der Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  eine 
Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem  internationalen  Schutz 
beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen  Drittstaat  (siehe  UNHCR, 
Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106 f.;  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des 
Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M.  1990,  S. 35).  Den 
Beschwerdeführenden  steht,  wie  soeben  dargelegt,  neben  der 
kosovarischen  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  zu,  weshalb  sie 
sich  nach  Serbien  begeben  und  dort  aufgrund  der  bestehenden 
Niederlassungsfreiheit  Wohnsitz  nehmen  können.  Die 
Beschwerdeführenden machen keine Fluchtgründe geltend,  die  sich auf 
das  Territorium  des  serbischen  Staates  (in  der  heute  international 
anerkannten,  also  die  ehemalige  Provinz  Kosovo  nicht  mehr 
einschliessenden  Ausdehnung)  beziehen.  Der  Hinweis  in  der 
Beschwerde, sie würden sich und ihren Kindern einen Aufenthalt in einem 
serbischen  Flüchtlingslager  gerne  ersparen,  weil  dort  katastrophale 
sanitäre  Bedingungen  herrschen würden  (vgl.  Beschwerde  S.  2  unten), 
vermag  jedenfalls  keine  flüchtlingsrelevante  Gefährdung  im  Sinne  von 
Art. 3  AsylG  zu  begründen.  Nachdem  sie  somit  mit  Bezug  auf  Serbien 
keine  asylrelevante  Verfolgung  geltend  machen  können,  sind  die 
Beschwerdeführenden nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen.

4.3.  Bei  dieser  Sachlage  kann  die  Frage  der  flüchtlingsrechtlichen 
Relevanz  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden,  in  E._______ 
(Kosovo)  aufgrund  ihrer  serbischen  Ethnie  anhaltend  diskriminiert  und 
bedroht  worden  zu  sein,  offenbleiben.  Denn  selbst  wenn  eine  derartige 
lokal  begrenzte  Gefährdung  anzunehmen  wäre,  sind  sie  im  Sinne  des 
Subsidiaritätsprinzips nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen, da 

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sie – wie dargelegt – als serbische Staatsangehörige in Serbien Zuflucht 
nehmen  können.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  entsprechenden 
Ausführungen in der Beschwerde näher einzugehen.

4.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu machen. Das BFM hat  ihre 
Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733  mit 
weiteren Hinweisen).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

6.2. Die  vorstehend erwähnten Bedingungen  für  einen Verzicht  auf  den 
Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit, 
Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist 
der  Vollzug  der Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die 
weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748, 
EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f., EMARK 2001 Nr. 1 E. 6a S. 2). Gegen 
eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem 
weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art.  105  i.V.m.  Art.  44  Abs.  2  AsylG), 
wobei  in  jenem  Verfahren  sämtliche  Vollzugshindernisse  von  Amtes 
wegen  und  nach  Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse 

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von Neuem  zu  prüfen  sind  (vgl.  BVGE 2009/51 E.  5.4 S.  748, EMARK 
2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).

6.3. Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht 
zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende Person  bei  einer Rückkehr  in 
ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese 
Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das 
heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher 
Verfolgung weder  die Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch 
jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch 
wegen der Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner 
Gewalt  nicht  in  ihren  Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im  Weiteren 
findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr 
ebenfalls einer  konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil  sie die absolut 
notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder – aus 
objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich  in völlige Armut gestossen würden, 
dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres 
Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 
wären (vgl. EMARK 2005 Nr. 12 E. 10.3 S. 114, EMARK 2005 Nr. 24 E. 
10.1  S.  215,  jeweils  mit  weiteren  Hinweisen).  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
vom über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 
3818).

6.4. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so 
bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus  einer  völkerrechtskonformen  Auslegung  von  Art. 83  Abs. 4  AuG  im 
Lichte von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die 
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls 
sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die 
im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (BVGE 2009/51 
E. 5.6 S. 749, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f.; EMARK 2005 Nr. 6 E. 6. 
S. 55 ff.).

6.5. 
6.5.1. Das BFM erachtete  in  der  angefochtenen Verfügung den Vollzug 
der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  nach  Kosovo  als  nicht 
zumutbar,  ging  jedoch  davon  aus,  die  Beschwerdeführenden  würden 

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aufgrund  ihrer  guten  Ausbildungen,  ihrer  Berufserfahrung  und  dreier  in 
Serbien wohnhafter L._______ die Voraussetzungen mit sich bringen, um 
sich  in  Serbien  eine  neue  Existenz  aufbauen  zu  können.  Auch  die 
gesundheitliche  Situation  ihres  Sohnes  C._______  stelle  kein 
Wegweisungshindernis  dar.  Dieser  Einschätzung  kann  indessen  –  wie 
nachstehend auszuführen sein wird – nicht gefolgt werden:

6.5.2. Zwar  ist  im Allgemeinen davon auszugehen, dass der Vollzug der 
Wegweisung  nach  Serbien  für  Angehörige  der  serbischen  Volksgruppe 
aus  Kosovo  zumutbar  ist.  Indessen  kann  sich  der Wegweisungsvollzug 
im  konkreten  Einzelfall  aufgrund  einer  Abwägung  der  massgeblichen 
Kriterien als unzumutbar erweisen  (BVGE 2010/41 E. 8.3.3.6 S. 588  f.). 
Zu  berücksichtigen  sind  dabei  insbesondere  die  Möglichkeit  der 
wirtschaftlichen Existenzsicherung, das Vorhandensein einer individuellen 
Verbindung  zu  Serbien  (nicht  zuletzt  eines  tragfähigen  familiären  oder 
sonstigen  sozialen  Beziehungsnetzes)  sowie  die  Möglichkeit  der 
gesellschaftlichen  Integration.  Im  Rahmen  dieser  Kriterien  sind  ferner 
weitere Faktoren in die Erwägungen einzubeziehen, so insbesondere das 
Alter,  der  Gesundheitszustand  und  die  berufliche  Ausbildung  der 
betroffenen  Personen.  Ausserdem  ist  dem  Kindeswohl  Rechnung  zu 
tragen.

6.5.3.  Im  Hinblick  auf  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführenden  für  sich 
und  ihre  beiden  minderjährigen  Kinder  im  Falle  eines  Vollzugs  der 
Wegweisung  nach  Serbien  das  wirtschaftliche  Existenzminimum 
sicherstellen  könnten,  ist  zunächst  generell  auf  die  Lebensbedingungen 
von  Binnenflüchtlingen  in  diesem  Land  hinzuweisen:  Nachdem  in  einer 
ersten  Phase  noch  eine  gewisse  Unterstützung  durch  internationale 
Organisationen und private Hilfswerke geflossen war, wurde die weitere 
Betreuung  von  aus  Kosovo  vertriebenen  Angehörigen  der  serbischen 
Volksgruppe  bald  den  staatlichen  Behörden  übertragen.  Diese  lassen 
indessen ein konkretes Interesse an der Erleichterung der Integration der 
kosovarischen Serben weitgehend vermissen, da sie grundsätzlich nach 
wie  vor  (auf  der  Basis  der  Auffassung,  Kosovo  bilde  einen  territorialen 
Bestandteil Serbiens) davon ausgehen, dass diese Personen längerfristig 
wieder  in  ihre  ursprünglichen  Herkunftsorte  in  Kosovo  zurückkehren 
werden. Insofern sind die Bedingungen für Binnenflüchtlinge zum Aufbau 
einer  neuen  wirtschaftlichen  Existenz  von  vornherein  ungünstig  (BVGE 
2010/41  E.  8.3.3.1  ff.  S.  584  ff.).  Wie  es  sich  damit  im  vorliegenden 
konkreten Einzelfall  verhält,  kann  jedoch  in  casu offengelassen werden, 
da  ein  Wegweisungsvollzug  der  Beschwerdeführenden  insbesondere 

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wegen  der  gesundheitlichen  Probleme  des  Sohnes  C._______  sowie 
unter dem Aspekt des Kindeswohls als nicht zumutbar erscheint.

6.5.4.  Aus  den  ärztlichen  Berichten  vom  18. Februar  2009 
beziehungsweise vom 2. Mai 2011 geht hervor, dass sich der Sohn der 
Beschwerdeführenden  seit  dem  20. Januar  2009  wegen  einer 
posttraumatischen  Belastungsstörung  mit  Ängsten,  Schlafstörungen, 
elektivem Mutismus und ausgeprägtem Stottern  in  kinderpsychiatrischer 
Behandlung  befindet.  Als  mutmassliche  Ursache  der  diagnostizierten 
posttraumatischen  Belastungsstörung  (ICD­10:  F43.1)  mit  Tendenz  zu 
depressiver  Verarbeitung,  des  Stotterns  (ICD­10:  F98.5)  und  des 
elektiven Mutismus (ICD­10: F94.0) nennt die behandelnde Ärztin die von 
C._______  über  Jahre  hinweg  erlebte  Situation  andauernder 
Schiessereien  und  lebensbedrohlicher  Gefährdung  seiner 
Familienangehörigen  in  Kosovo. Wiewohl  Dr.  med.  J._______  in  ihrem 
ärztlichen Bericht vom 2. Mai 2011 konstatiert, dass sich die psychische 
Verfassung  ihres  Patienten  im  Laufe  der  psychotherapeutischen 
Behandlung  deutlich  stabilisiert  habe,  hält  sie  gleichzeitig 
unmissverständlich  fest,  im  Falle  einer Wegweisung  nach  Kosovo  oder 
Serbien  bestünde  aus  kinderpsychiatrischer  Sicht  eine  massive 
Traumatisierungsgefahr  für  C._______,  welche  mit  hoher 
Wahrscheinlichkeit  dazu  führen  würde,  dass  er  in  seiner  Entwicklung 
wieder stark zurückfallen würde. Ausserdem wäre mit einer Wegweisung 
für  ihn  auch  die  erhebliche  Gefahr  einer  chronischen  psychischen 
Erkrankung  verbunden.  Ein  erneuter  Aufbau  eines  medizinischen 
Vertrauensverhältnisses  als  Grundbasis  für  eine  erfolgversprechende 
kinderpsychiatrische  Betreuung  in  der  Heimat  stelle  für  C._______ 
aufgrund  seiner  erheblichen  persönlichen  Schwierigkeiten  eine  klare 
Überforderung dar. Als  Indiz  für  ihre Prognosen wertet die behandelnde 
Ärztin  implizit  die  Tatsache,  dass  C._______  aktuell  (also  im  Zeitpunkt 
des Verfassens des vorliegenden ärztlichen Berichts)  bereits wieder mit 
einer  starken  Zunahme  seiner  Ängste  reagiere,  laut  eigenen  Aussagen 
nicht mehr  schlafen  und  sich  auf  nichts mehr  konzentrieren  könne. Die 
meiste  Zeit  sitze  er  nur  noch  stumm da. Dr. med.  J._______  zieht  aus 
dieser Verhaltensweise  ihres Patienten den Schluss, dass  für diesen  im 
Falle seiner Wegweisung auch die Gefahr einer depressiven Entwicklung 
mit  möglicher  suizidaler  Gefährdung  bestehe.  Im  Weiteren  weist  sie 
darauf  hin,  dass  C._______  weiterhin  einer  regelmässigen 
kinderpsychiatrischen  Behandlung  bedürfe,  um  eine  weitere 
Verbesserung  der  Symptomatik  zu  erreichen.  Auch  die  Logopädin 
K._______  hält  in  ihrem  Schreiben  vom  27. April  2001  fest,  dass  die 

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nachhaltige  Verbesserung  des  immer  noch  massiven  Stotterns  ihres 
Patienten  ein  förderliches  Umfeld  bedinge  und  dass  sich  eine 
Wegweisung  C._______  aus  der  Schweiz  mit  aller  Wahrscheinlichkeit 
sehr  negativ  auf  sein  Stottern  und  auf  seine  psychische  Verfassung 
auswirken würde.

6.5.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  in  Würdigung  der 
vorerwähnten  ärztlichen  beziehungsweise  logopädischen  Berichte  zum 
Schluss, dass eine zwangsweise Ausschaffung von C._______ für diesen 
mit  erheblichen  psychischen  Belastungen  verbunden  sein  und  darüber 
hinaus  die  Gefahr  bestehen  dürfte,  dass  er  als  Folge  der  Gefahr  einer 
Retraumatisierung  auch  akut  in  einen  Zustand  von  Suizidalität  geraten 
könnte.  Bereits  vor  diesem  Hintergrund  erscheint  ein 
Wegweisungsvollzug von C._______ als schwerlich zumutbar.

6.5.6. Hinzu  tritt die Tatsache, dass die  Integration der beiden Kinder  in 
der Schweiz, welche sich im Alter von 16 beziehungsweise 11 Jahren in 
der  Adoleszenz  respektive  an  deren  Schwelle  befinden,  aufgrund  der 
Akten bereits weit  fortgeschritten  ist und sich der Lebensmittelpunkt der 
Familie  in  jeder  Hinsicht  in  die  Schweiz  verlagert  hat.  So  weist 
Dr. med. J._______  in  ihrem  ärztlichen  Bericht  vom  2. Mai  2011  auch 
darauf  hin,  dass  beide  Kinder  der  Beschwerdeführenden  nur  in  der 
Schweiz eine Perspektive erblicken und  in der Schule bestens  integriert 
sind.  Die  behandelnde  Ärztin  bezeichnet  C._______  als  äusserst  gut 
angepassten und lernwilligen Jugendlichen. Bezüglich dessen Schwester 
D._______  hat  die  Logopädin  K._______  in  ihrem  Schreiben  vom 
27. April  2011  festgehalten,  diese  habe  sehr  schnell  Schweizerdeutsch 
gelernt  und  verschiedentlich  die  Rolle  übernommen,  als  Dolmetscherin 
für  ihre Eltern  zu  fungieren. Bei  dieser Sachlage  besteht  für  die  beiden 
Kinder die konkrete Gefahr, dass die mit einem Vollzug der Wegweisung 
verbundene Entwurzelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in der 
Schweiz  einerseits  und  die  sich  gleichzeitig  abzeichnende  Problematik 
einer  (Re­)  Integration  in  die  ihnen  fremd  gewordene  Kultur  und 
Umgebung  im Heimatland andererseits,  zu starken Belastungen  in  ihrer 
jugendlichen Entwicklung führen würden, die mit dem Schutzanliegen des 
Kindeswohls nicht zu vereinbaren wären.

6.5.7. Bei  einer  gesamtheitlichen Betrachtung  der Situation  der  Familie, 
der  gesundheitlichen  Situation  des  Kindes  C._______,  der  unter  dem 
Blickwinkel  des  Kindeswohls  zu  beachtenden  Aspekte  sowie  unter 
Berücksichtigung  des  Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  (vgl.  Art.  44 

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Abs.  1  AsylG;  EMARK  2004  Nr.  12  E.  7b  S.  77)  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  gegenüber  den  Beschwerdeführenden  und  ihren  beiden 
Kindern  zum  heutigen  Zeitpunkt  als  unzumutbar  im  Sinne  von  Art.  83 
Abs. 4 AuG zu erachten ist. Nachdem sich aus den Akten keine Hinweise 
auf  das Vorliegen  von Ausschlussgründen  im Sinne  von Art.  83 Abs.  7 
AuG  ergeben,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme erfüllt.

7. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  gutzuheissen  ist, 
soweit sie die Frage des Wegweisungsvollzugs betrifft. Im Übrigen ist die 
Beschwerde  abzuweisen.  Die  Ziffern  4  und  5  der  angefochtenen 
Verfügung vom 5. Februar 2009 sind demnach aufzuheben und das BFM 
ist  anzuweisen,  den  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden  nach  den 
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 
44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG).

8. 
8.1. Bei  diesem Ausgang  des Verfahrens  sind  die  reduzierten Kosten – 
das  Bundesverwaltungsgericht  geht  bei  der  vorliegenden  Konstellation  
von  einem  hälftigen  Durchdringen  aus  –  den  Beschwerdeführenden 
aufzuerlegen  und  auf  Fr. 300.–  festzusetzen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). 
Diese sind durch den von den Beschwerdeführenden am 18. März 2009 
geleisteten Kostenvorschuss  in selber Höhe gedeckt und mit diesem zu 
verrechnen. Der Restbetrag von Fr. 300.–  ist den Beschwerdeführenden 
zurückzuerstatten.

8.2.  Wiewohl  die  Beschwerdeführenden  mit  ihren  Anträgen  teilweise 
durchgedrungen  sind,  sind  ihnen  mangels  Bestellung  einer 
Rechtsvertretung  keine  notwendigen  Kosten  entstanden,  weshalb  keine 
Parteientschädigung auszurichten  ist  (vgl. Art. 8 Abs. 1 des Reglements 
vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs 
gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom 
5. Februar  2009  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  die 
vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden anzuordnen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  in  Höhe  von  Fr. 300.–  werden  den 
Beschwerdeführenden  auferlegt.  Diese  sind  durch  den  geleisteten 
Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  gedeckt  und  werden  mit  diesem 
verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 300.– wird den Beschwerdeführenden 
zurückerstattet.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Philipp Reimann

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