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**Case Identifier:** 3b043e8b-7341-5103-9aa0-3944a0a31093
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-02
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 02.02.2023 BB.2022.42
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2022-42_2023-02-02.pdf

## Full Text

Verfügung vom 2. Februar 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Daniel Kipfer Fasciati, als Einzelrichter, 

Gerichtsschreiber Stefan Graf 

   
 

Parteien 

  

A., Rechtsanwalt, 

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

OBERGERICHT DES KANTONS BERN, 1. Strafkam-

mer, 

 

Beschwerdegegnerin 

 

 

Gegenstand  Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

(Art. 135 Abs. 3 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2022.42  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Rechtsanwalt A. war der amtliche Verteidiger von B. Das Regionalgericht 

Bern-Mittelland, Einzelgericht (nachfolgend «Regionalgericht»), sprach den 

Beschuldigten B. mit Urteil vom 3. Februar 2021 u.a. der Widerhandlungen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen durch gewerbsmässigen 

Handel mit Marihuana und Haschisch schuldig. Es verurteilte ihn zu einer 

Freiheitsstrafe von 14 Monaten, wovon 6 Monate zu vollziehen waren. Die 

amtliche Entschädigung von RA A. legte das Regionalgericht auf 

Fr. 6'905.30 fest (31.83 Stunden à Fr. 200.–, zzgl. Auslagen und MwSt.; 

act. 1.1, S. 2 ff.). 

 

 

B. B. liess gegen dieses erstinstanzliche Urteil Berufung erklären, wobei er den 

Schuldspruch wegen gewerbsmässigen Widerhandlungen gegen das Be-

täubungsmittelgesetz, inkl. Sanktion und die Kosten- und Entschädigungs-

folgen anfocht (Verfahrensakten des Obergerichts des Kantons Bern 

SK 2021 154 [nachfolgend «Vorakten»], pag. 359 ff.; act. 1.1, S. 4). Das 

Obergericht bestätigte mit Urteil SK 21 154 vom 20. Januar 2022 die Verur-

teilung durch das Regionalgericht (act. 1.1, S. 26 ff.).  

 

RA A. machte gemäss Kostennote vom 20. Januar 2022 und gestützt auf 

den tatsächlich geleisteten Zeitaufwand für das Berufungsverfahren eine 

amtliche Entschädigung von insgesamt Fr. 5'531.45 (25.25 Stunden à 

Fr. 200.– ausmachend Fr. 5'050.–, nebst Auslagen von Fr. 86.– und MwSt. 

von Fr. 395.45), geltend (Vorakten, pag. 433 ff.). Das volle Honorar bezifferte 

er auf insgesamt Fr. 6'891.15 (inkl. Auslagen und MwSt.). 

 

Das Obergericht bestimmte in Ziff. IV.2 des Urteilsdispositivs die amtliche 

Entschädigung auf Fr. 3'539.– und das volle Honorar auf Fr. 4'400.60 (beides 

inkl. Auslagen und MwSt.; act. 1.1, S. 25 und S. 29). Es hatte einerseits den 

von RA A. für die Teilnahme an der Hauptverhandlung vom 20. Januar 2022 

geltend gemachten Aufwand von fünf Stunden auf die effektive Dauer der 

Verhandlung von rund drei Stunden gekürzt. Weiter befand das Obergericht, 

der verbleibende geltend gemachte Aufwand sei in Anbetracht «des gebote-

nen Zeitaufwands, der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des 

Prozesses sowie dem Umstand, dass der Aufwand für das oberinstanzliche 

Verfahren maximal 50 % des Aufwandes für das erstinstanzliche Verfahren 

betragen kann […]» noch immer zu hoch. Daher legte sie den zu entschädi-

genden Aufwand pauschal auf 16 Stunden fest. Das Urteil wurde RA A. am 

22. März 2022 zugestellt (Vorakten, pag. 481). 

  

- 3 - 

 

 

C. Gegen diesen Entschädigungsentscheid erhob RA A. am 31. März 2022 Be-

schwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts (act. 1). Er 

beantragt: 

 

1. Ziff. IV.2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Bern, 1. Strafkammer, Kollegialge-

richt, vom 20. Januar 2022 (SK 21 154) sei aufzuheben und die Entschädigung für die 

amtliche Verteidigung von B. im oberinstanzlichen Verfahren sei festzusetzen auf total 

Fr. 5'100.65 (amtliche Entschädigung inkl. Auslagen und MwSt.) sowie Fr. 6’352.70 

(volles Honorar inkl. Auslagen und MwSt.), unter Festlegung der Rückerstattungs-

pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang der Differenz zwischen der amtlichen 

Entschädigung und dem vollen Honorar von Fr. 1'252.05. 

2. Eventualiter: Ziff. IV.2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Bern, 1. Strafkammer, 

Kollegialgericht, vom 20. Januar 2022 (SK 21 154) sei aufzuheben und im Sinne der 

Erwägungen zur Neuentscheidung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, gemäss 

Ausgang dieses Verfahrens, an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 

 

 

D. Mit Beschwerdeantwort vom 11. April 2022 hält das Obergericht an seiner 

Festsetzung des amtlichen Honorars im Urteil vom 20. Januar 2022 fest und 

beantragt die Abweisung der Beschwerde (act. 3, S. 2). RA A. hält mit Be-

schwerdereplik vom 25. April 2022 vollumfänglich an seiner Beschwerde fest 

(act. 5). Die Beschwerdekammer brachte dem Obergericht die Replik am 

26. April 2022 zur Kenntnis (act. 6). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen den Entschädigungsentscheid einer kantonalen Berufungs- oder Be-

schwerdeinstanz kann die amtliche Verteidigung bei der Beschwerdekam-

mer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 

ff. StPO erheben (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG; 

BGE 141 IV 187 E. 1.2; 140 IV 213 E. 1.7). Die amtliche Verteidigung zählt 

nicht zu den Verfahrensparteien (Art. 104 Abs. 1 StPO). Ihre Rechtsmittelle-

gitimation ergibt sich aus Art. 135 Abs. 3 StPO. Sie muss deshalb in eigenem 

Namen Beschwerde führen (BGE 140 IV 213 E. 1.4; 139 IV 199 E. 5.6 

- 4 - 

 

 

S. 204). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Ent-

scheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen 

(Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Frist für die Beschwerde beginnt mit der Eröff-

nung des schriftlich begründeten Entscheids (BGE 143 IV 40 E. 3.4.4).  

 

1.2 Der Beschwerdeführer erhielt als amtlicher Verteidiger von der Beschwerde-

gegnerin eine tiefere Entschädigung zugesprochen, als er beantragt hatte. 

Er ist zur vorliegenden Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

 

1.3 Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfah-

rensleitung die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen Neben-

folgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als 

Fr. 5'000.– zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Zu den wirtschaftli-

chen Nebenfolgen im Sinne dieser Bestimmung gehört auch die Entschädi-

gung der amtlichen Verteidigung (Urteil des Bundesgerichts 6B_477/2018 

vom 2. November 2018 E. 1.1 mit Hinweis). 

 

1.4 Nachdem der Streitwert vorliegend die gesetzliche Grenze von Fr. 5‘000.– 

nicht erreicht, ist die Beschwerde durch den Einzelrichter zu beurteilen (vgl. 

auch die Verfügungen des Bundesstrafgerichts BB.2022.59 vom 9. Mai 

2022; BB.2021.49 vom 13. Oktober 2021 E. 1.2; BB.2020.90 vom 15. Okto-

ber 2020 E. 2.2). 

 

 

2.  

2.1 Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Bundes oder des-

jenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde 

(Art. 135 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht 

legen die Entschädigung am Ende des Verfahrens fest (Art. 135 Abs. 2 

StPO). 

 

2.2 Für den Kanton Bern gelten diesbezüglich Art. 42 ff. des Kantonalen An-

waltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG/BE; BSG 168.11). Demnach be-

zahlt der Kanton Bern den amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälten eine 

angemessene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand 

bemisst und höchstens dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Par-

teikostenersatz gemäss Art. 41 KAG/BE entspricht. Bei der Festsetzung des 

gebotenen Zeitaufwands sind die Bedeutung der Streitsache, die Schwierig-

keit der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse und der Aktenumfang zu 

berücksichtigen (Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 20 151 

vom 28. Mai 2020 E. 7). Auslagen und Mehrwertsteuer werden zusätzlich 

- 5 - 

 

 

entschädigt (siehe zum Ganzen Art. 42 Abs. 1 KAG/BE). Der Regierungsrat 

regelt den Stundenansatz durch Verordnung. Dieser beträgt mindestens 

Fr. 190.– und höchstens Fr. 260.– (Art. 42 Abs. 4 KAG/BE). Gestützt auf 

diese Bestimmung hat der Regierungsrat in Art. 1 der Verordnung über die 

Entschädigung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte des Kantons Bern 

vom 20. Oktober 2010 (EAV/BE; BSG 168.711) den Stundenansatz für die 

Entschädigung der amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälte auf Fr. 200.– 

festgesetzt.  

 

Die Anwältin oder der Anwalt darf von der Klientschaft kein Honorar fordern 

(Art. 42a Abs. 1 KAG/BE). Sie oder er hat jedoch ein Nachforderungsrecht 

nach den Bestimmungen über die unentgeltliche Rechtspflege. Nachforder-

bar ist der Betrag, der sich aus der Differenz zwischen der Entschädigung 

und dem Honorar gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz ge-

mäss Art. 41 KAG/BE ergibt (Art. 42a Abs. 2 KAG/BE).  

 

2.3 Der Regierungsrat regelt durch Verordnung auch die in Art. 42 Abs. 1 und 

Art. 42a Abs. 2 KAG/BE erwähnte Tarifordnung für die Bemessung des Par-

teikostenersatzes durch die Gerichte und Verwaltungsjustizbehörden 

(Art. 41 Abs. 1 KAG/BE). Die Tarifordnung besteht aus Rahmentarifen für 

die Zivilrechts-, Verwaltungsrechts- und Strafrechtssachen (Art. 41 Abs. 2 

KAG/BE). Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz 

nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand und der Bedeutung der 

Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 lit. a und b 

KAG/BE). Die gestützt auf Art. 41 Abs. 1 KAG/BE erlassene Verordnung 

über die Bemessung des Parteikostenersatzes des Kantons Bern vom 

17. Mai 2006 (Parteikostenverordnung, PKV/BE; BSG 168.811) sieht in 

Art. 17 Abs. 1 in Strafrechtsachen grundsätzlich die folgenden Honorare vor: 

 

a […] 

b in Verfahren vor dem Einzelgericht des Regionalgerichts 500 bis 25 000 Fran-

ken, 

c […] 

d […] 

e […] 

f in Rechtsmittelverfahren (Art. 379 bis 415 der Schweizerischen Strafprozess-

ordnung vom 5. Oktober 2007 [StPO]) […], 10 bis 50 Prozent des Honorars 

gemäss den Buchstaben b bis e, 

g […] 

h […] 

 

- 6 - 

 

 

2.4 Nach der verfassungsrechtlichen Minimalgarantie von Art. 29 Abs. 3 BV um-

fasst der Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand nicht alles, was für 

die Wahrnehmung der Interessen des Mandanten von Bedeutung ist. Ein 

verfassungsrechtlicher Anspruch besteht gemäss Art. 29 Abs. 3 BV vielmehr 

einzig, soweit es zur Wahrung der Rechte notwendig ist. Der Begriff der Not-

wendigkeit bestimmt nicht nur den qualitativen Anspruch (die Bestellung ei-

nes Rechtsbeistands), sondern auch den quantitativen (sprich den Umfang 

der Vergütung). Entschädigungspflichtig sind jene Aufwendungen, die in ei-

nem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Verfahren 

stehen und notwendig und verhältnismässig sind. Nur in diesem Umfang 

lässt es sich rechtfertigen, die Kosten der Staatskasse und qua Rückzah-

lungsverpflichtung der beschuldigten Person aufzuerlegen. Allerdings muss 

das Honorar so festgesetzt werden, dass der unentgeltlichen Rechtsvertre-

tung ein Handlungsspielraum verbleibt und das Mandat wirksam ausgeübt 

werden kann (vgl. BGE 141 I 124 E. 3.1; Urteile des Bundesgerichts 

1B_96/2011 vom 6. Juni 2011 E. 2.2; 6B_856/2009 vom 9. November 2009 

E. 4.1; 6B_130/2007 vom 11. Oktober 2007 E. 3.2.5). 

 

 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer beschreibt in seiner Kostennote vom 20. Januar 2022 

auf gut 1.5 Seiten seine zwischen dem 9. Februar 2021 und dem 20. Ja-

nuar 2022 erbrachten Leistungen (Verfahrensakten, pag. 433 = act. 1.2). Er 

stellt dabei in der Regel pro Tag chronologisch die Art der Tätigkeit und den 

Zeitaufwand dar. Die Honorarnote weist insgesamt einen Aufwand von 

25.25 Stunden aus, zu einem Ansatz von Fr. 200.– pro Stunde. Zusammen 

mit den Auslagen und der Mehrwertsteuer ergibt dies eine amtliche Entschä-

digung von Fr. 5'531.45 und ein volles Honorar von Fr. 6'891.15.  

 

3.2 Zur vorgenommenen Honorarkürzung fügte die Beschwerdegegnerin dem 

Urteil die folgende Kurzbegründung bei (act. 1.1, S. 25):  

 

Nach Art. 42 KAG bemisst sich die Entschädigung für amtlich bestellte Anwältinnen 

und Anwälte nach dem gebotenen Zeitaufwand und entspricht höchstens dem Ho-

norar gemäss Tarifordnung für den Parteikostenersatz (vgl. Art. 41 KAG). Gemäss 

Art. 17 Abs. 1 lit. b PKV beträgt das Honorar in Verfahren vor dem Einzelgericht des 

Regionalgerichts zwischen Fr. 500.– und Fr. 25'000.–. In Rechtsmittelverfahren be-

tragt das Honorar 10 bis höchstens 50 % des erstinstanzlichen Honorars (Art. 17 

Abs. 1 lit. f PKV). 

Mit Blick auf Art. 41 Abs. 3 KAG i.V.m. Art. 17 Abs. 1 lit. f PKV sowie unter Berück-

sichtigung der für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochenen Entschädigung 

(basierend auf geleistete 32 Stunden gemäss erstinstanzlicher Kostennote vom 

- 7 - 

 

 

3. Februar 2021 […]) erscheint der oberinstanzlich geltend gemachte Aufwand von 

25.25 Stunden als übersetzt bzw. als über dem gebotenen Aufwand liegend. Vorab 

ist die geltend gemachte Dauer für die «Teilnahme an HV» am 20. Januar 2022 von 

5 Stunden auf die effektive Zeit von rund 3 Stunden zu kürzen. In Anbetracht des 

gebotenen Zeitaufwands, der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro-

zesses sowie dem Umstand, dass der Aufwand für das oberinstanzliche Verfahren 

maximal 50 % des Aufwandes für das erstinstanzliche Verfahren betragen kann, ist 

der damit nach Kürzung noch verbleibende Zeitaufwand von 22.75 Stunden immer 

noch als zu hoch einzustufen. Der gebotene Zeitaufwand wird damit pauschal auf 

16 Stunden gekürzt. 

 

Im Resultat entschädigt die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer im 

angefochtenen Entscheid mit Fr. 3'539.– (inkl. Auslagen und MwSt.).  

 

 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerdeschrift eine Verletzung 

des rechtlichen Gehörs geltend. Die Beschwerdegegnerin habe ihn bezüg-

lich der massiven Kürzung seines amtlichen Honorars nicht angehört. Aus-

serdem nenne die Begründung des Obergerichts nur allgemeine Kriterien 

und gehe nebst der Dauer der Hauptverhandlung nicht ansatzweise auf die 

einzelnen Positionen der eingereichten, detaillierten Honorarnote ein (act. 1, 

S. 14 f.).  

 

4.2  

4.2.1 Die Parteien bzw. die Verfahrensbeteiligten haben Anspruch auf rechtliches 

Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO). Sie haben nach Art. 107 

Abs. 1 StPO namentlich das Recht, Akten einzusehen (lit. a), sich zur Sache 

und zum Verfahren zu äussern (lit. d) und Beweisanträge zu stellen (lit. e). 

Das rechtliche Gehör bezieht sich vor allem auf den Sachverhalt. Das Recht 

der Parteien, zu rechtlichen Fragen befragt zu werden, wird nur zurückhal-

tend anerkannt (BGE 145 I 167 E. 4.1 S. 171 mit Hinweis).  

 

4.2.2 Das rechtliche Gehör erstreckt sich grundsätzlich nicht auf die ins Auge ge-

fasste Entscheidung. Die Behörde ist also nicht gehalten, den Parteien zum 

Voraus die Überlegungen, die sie anstellen wird, zur Stellungnahme zu un-

terbreiten. Wenn sie indessen ihren Entscheid mit einem Rechtssatz oder 

einem Rechtstitel zu begründen beabsichtigt, der im bisherigen Verfahren 

nicht herangezogen wurde, auf den sich die Parteien nicht berufen haben 

und mit dessen Erheblichkeit sie im konkreten Fall nicht rechnen konnten, 

haben die Parteien Anspruch auf eine diesbezügliche Anhörung (vgl. zum 

Ganzen BGE 145 I 167 E. 4.1 S. 171 m.w.H.). 

  

- 8 - 

 

 

4.2.3 Dementsprechend hielt auch die Beschwerdekammer bereits fest, dass der 

Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verlangt, dass der Verteidigung vor ei-

ner allfälligen Kürzung der Honorarnote Gelegenheit zur Stellungnahme ein-

geräumt wird. Die Festsetzung erfolgt von Amtes wegen in Anwendung der 

massgebenden gesetzlichen Bestimmungen, welche als bekannt vorausge-

setzt werden dürfen (Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2017.125 vom 

15. März 2018 E. 6.3 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 

6B_74/2014 vom 7. Juli 2014 E. 1.3.2; siehe auch die Verfügung des Bun-

desstrafgerichts BB.2017.198 vom 14. Februar 2018 E. 2.5 sowie den Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BB.2013.182 vom 16. April 2014 E. 4, wo-

nach auch eine erhebliche Kürzung des geltend gemachten Honorars keinen 

Anspruch auf vorgängige Anhörung begründet). In neueren Beschlüssen er-

achtete es die Beschwerdekammer zwar auf jeden Fall sinnvoll, wenn die 

Gründe für die Rechnungsstellung und allfällige Fragen oder Einwendungen 

des Gerichts dazu zwischen den Parteien bereits vor der Festsetzung des 

Honorars ausgetauscht würden und nicht erst im Beschwerdeverfahren. 

Dies gilt insbesondere dann, wenn der amtliche Verteidiger seine Honorar-

note vor oder während der Verhandlung einreicht und anwesend ist. Im Falle 

eines Verzichts auf eine vorgängige Anhörung müsse aber nicht von einer 

Gehörsverletzung ausgegangen werden (Beschluss des Bundesstrafge-

richts BB.2020.79 vom 28. Juni 2022 E. 3.2; Verfügung des Bundesstrafge-

richts BB.2020.69 vom 28. Juni 2022 E. 4.2). 

 

4.3  

4.3.1 Der Beschwerdeführer reichte der Beschwerdegegnerin im Rahmen der 

Hauptverhandlung von sich aus eine Honorarnote ein, in welcher er seinen 

im Rahmen des Berufungsverfahrens geleisteten Aufwand in tatsächlicher 

Hinsicht bezifferte und substantiierte. Damit ist dem Anspruch des Be-

schwerdeführers auf rechtliches Gehör im Sinne der Art. 107 Abs. 1 lit. d und 

e StPO im Verfahren zur Festsetzung seines Honorars Genüge getan (Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BB.2013.182 vom 16. April 2014 E. 4). Ein 

darüber hinaus gehender Anspruch auf Einräumung der Gelegenheit zur 

Stellungnahme zum von der Beschwerdegegnerin beabsichtigten Entscheid 

besteht nach dem oben Ausgeführten nicht (siehe E. 4.2.2 und 4.2.3).  

 

4.3.2 Die Beschwerdegegnerin hat das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers 

nicht verletzt, indem sie ihn vor dem Entscheid betreffend Entschädigung 

nicht nochmals angehört hat. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt 

als unbegründet.  

 

  

- 9 - 

 

 

4.4  

4.4.1 Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV 

leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Plicht der Behör-

den ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (BGE 126 I 97 E. 2b 

S. 102). Die Begründung muss so verfasst sein, dass die betroffenen Perso-

nen sie gegebenenfalls sachgerecht anfechten können. Dies ist nur möglich, 

wenn sich sowohl diese Personen, als auch die Rechtsmittelinstanz über die 

Tragweite der Verfügung ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen 

wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Be-

hörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 129 I 232 

E. 3.2 S. 236; 126 I 97 E. 2b S. 102; Beschlüsse des Bundesstrafgerichts 

BB.2014.163 vom 9. Juni 2015 E. 2.3.1; BB.2012.167 vom 17. Juli 2013 

E. 3.1; je m.w.H.).  

 

4.4.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Seine Verletzung 

führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst 

zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben Fälle, in 

denen die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch ge-

heilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor 

einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechtsfragen un-

eingeschränkt überprüft (BGE 135 I 279 E. 2.6.1 m.w.H.).  

 

4.5  

4.5.1 Dem Wortlaut des angefochtenen Urteils ist zu entnehmen, dass es sich bei 

der Festlegung des gebotenen oberinstanzlichen Aufwands des Beschwer-

deführers auf 16 Stunden um eine pauschale Bemessung der Entschädi-

gung handelt (act. 1.1, S. 25). Sie scheint auf der generellen Regel zu beru-

hen, dass für das zweitinstanzliche Verfahren der halbe zeitliche Aufwand 

des erstinstanzlichen Verfahrens richtig und angemessen ist (halbierter Ge-

bührenrahmen, gleicher «Ausschöpfungsgrad»).  

 

4.5.2 Hat die Rechtsvertretung ihren Aufwand für die Verteidigung in allen Einzel-

heiten ausgewiesen, ist das Gericht, wenn es diesen nicht unbesehen über-

nimmt, unter dem Gesichtspunkt von Art. 29 Abs. 2 BV verpflichtet, sich da-

mit auseinanderzusetzen und in Bezug auf die konkreten, geltend gemach-

ten Aufwendungen nachvollziehbar darzulegen, aus welchem Grund es 

diese als sachfremden oder übertriebenen Aufwand nicht entschädigt (Ur-

teile des Bundesgerichts 6B_108/2010 vom 22. Februar 2011 E. 9.1.3; 

6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 2.3). Wird eine detaillierte Honorarnote 

eingereicht und steht der geltend gemachte Zeitaufwand zum Umfang und 

der Schwierigkeit des Falles in einem offensichtlichen Missverhältnis, dann 

darf nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Strafsachen die 

- 10 - 

 

 

Entschädigung pauschal bemessen werden (Urteil des Bundesgerichts 

6B_224/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.5 f.; Verfügungen des Bundesstraf-

gerichts BB.2021.49 vom 13. Oktober 2021 E. 3.1; BB.2019.256 vom 5. Feb-

ruar 2020 E. 3.1). Das Vorliegen eines offensichtlichen Missverhältnisses ist 

jedoch mit entsprechenden Erläuterungen darzutun (Urteil des Bundesge-

richts 6B_224/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.5 f.; vgl. auch die Beschlüsse 

des Bundesstrafgerichts BB.2021.38 vom 28. Juni 2022 E. 5.1; Verfügungen 

des Bundesstrafgerichts BB.2021.154 vom 29. November 2022 E. 3.3; 

BB.2021.146 vom 27. Oktober 2022 E. 4.2). 

 

4.5.3 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ihre Auffassung, wonach 

der geltend gemachte Zeitaufwand «zu hoch» sei, im Entscheid nicht hinrei-

chend begründet. Sie gesteht selbst ein, ihre Begründung sei «etwas rudi-

mentär» (act 3, S. 1). Im Wesentlichen beschränkt sich die Begründung der 

Kürzung im angefochtenen Entscheid auf einen einzelnen, aus pauschali-

sierten Begründungselementen bestehenden Satz («In Anbetracht des ge-

botenen Zeitaufwands, der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des 

Prozesses sowie dem Umstand, dass der Aufwand für das oberinstanzliche 

Verfahren maximal 50 % des Aufwandes für das erstinstanzliche Verfahren 

betragen kann, ist der damit nach Kürzung noch verbleibende Zeitaufwand 

von 22.75 Stunden immer noch als zu hoch einzustufen» (siehe oben E. 3.2; 

act. 1.1, S. 25). 

 

4.5.4 Diese Kurzbegründung ist abstrakt und generisch und nimmt keinen Bezug 

auf die in Rechnung gestellten konkreten Aufwendungen des Anwalts. Sie 

verunmöglicht dem Beschwerdeführer damit eine sachgerechte Anfechtung. 

Es ist kein offensichtliches Missverhältnis zwischen beantragter und ange-

messener Entschädigung dargetan, welches im Sinne der bundesgerichtli-

chen Rechtsprechung (vgl. obige Erwägung 4.5.2) eine pauschale Honorar-

festsetzung erlauben würde (siehe auch Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2019.269 vom 5. Februar 2020 E. 3.5). Da die Beschwerdegegnerin ihrer 

Begründungspflicht in dieser Hinsicht nicht nachgekommen ist, hat sie den 

Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt.  

 

4.5.5 Ob diese Gehörsverletzung im vorliegenden Beschwerdeverfahren geheilt 

werden kann, darf angesichts der nachfolgenden Erwägungen offenbleiben.  

 

 

5.  

5.1  

5.1.1 Den Kantonen steht bei der Bemessung des Honorars der amtlichen Vertei-

digung ein weiter Ermessensspielraum zu. Es ist Sache der kantonalen 

- 11 - 

 

 

Behörde, die Angemessenheit anwaltlicher Bemühungen zu beurteilen. Das 

Bundesgericht (oder Bundesstrafgericht) greift nur ein, wenn sie ihr Ermes-

sen klarerweise überschritten oder missbraucht hat oder wenn die Festset-

zung des Honorars ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den vom 

Anwalt geleisteten Diensten steht und in krasser Weise gegen das Gerech-

tigkeitsgefühl verstösst (BGE 141 I 124 E. 3.2; Urteile des Bundesgerichts 

6B_1278/2020 vom 27. August 2021 E. 6.3.2; 6B_950/2020 vom 25. Novem-

ber 2020 E. 2.3.2; 6B_1115/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.3; Verfügung 

des Bundesstrafgerichts BB.2021.84 vom 28. Juni 2022 E. 2.3).  

 

5.1.2 Ermessensmissbrauch liegt vor, wenn das Ermessen nach unsachlichen, 

dem Zweck der massgebenden Vorschriften fremden Gesichtspunkten be-

tätigt wird oder allgemeine Rechtsprinzipien verletzt werden (HÄFELIN/MÜL-

LER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, N. 434). Ein 

qualifizierter Ermessensfehler liegt auch in einer sog. Ermessensunter-

schreitung. Dabei schöpft die Behörde einen Ermessensspielraum nicht aus 

oder handhabt diesen auf unnötig schematisierende Weise. Sie verzichtet 

von vornherein auf die Ermessensausübung oder wähnt sich gebunden, ob-

wohl ihr das Gesetz Ermessen einräumt (TSCHANNEN/MÜLLER/KERN, Allge-

meines Verwaltungsrecht, 5. Aufl. 2022, N. 596). 

 

5.2  

5.2.1 In der Beschwerdeantwort legt die Beschwerdegegnerin anhand zusätzli-

cher Aspekte dar, weshalb die Notwendigkeit des geltend gemachten Auf-

wands ihres Erachtens nicht nachgewiesen ist und eine pauschale Kürzung 

vorzunehmen sei. So führt sie aus, in den vor- und oberinstanzlichen Ver-

fahren habe es sich um dieselbe Angelegenheit gehandelt. Es seien keine 

zusätzlichen Schwierigkeiten aufgetaucht. Im oberinstanzlichen Verfahren 

habe der Prozessgegenstand lediglich aus Ziff. III.1 des vorinstanzlichen Ur-

teilsdispositivs inkl. der entsprechenden Sanktion und der Kosten- und Ent-

schädigungsfolge bestanden. Im erstinstanzlichen Verfahren habe das Ein-

zelgericht den unterinstanzlichen Honorarrahmen zu 26 % ausgeschöpft 

(gutgesprochen worden sei eine amtliche Entschädigung von Fr. 6'366.65 

[Stundenansatz Fr. 200.– ohne Auslagen und MwSt.] bei einem Honorarrah-

men von Fr. 200.– bis Fr. 25'000.–). Das vom Beschwerdeführer für das 

oberinstanzliche Verfahren geltend gemachte volle (!) Honorar von 

Fr. 6'312.50 (Stundenansatz Fr. 250.– ohne Auslagen und MwSt.) würde 

demgegenüber bei 50 % des oberinstanzlichen Rahmentarifs von Fr. 50.– 

bis Fr. 12'500.– liegen. Der gebotene Zeitaufwand habe eine Erhöhung des 

Ausschöpfungsgrads aber nicht gerechtfertigt, weshalb die Beschwerdegeg-

nerin auch oberinstanzlich implizit von einem gleichbleibenden 

- 12 - 

 

 

Ausschöpfungsgrad von rund 26 % ausgegangen sei und das Honorar auf 

Fr. 3'200.– festgesetzt habe (act. 3, S. 2). 

 

5.2.2 Die Beschwerdeantwort endet mit einer Schlussfolgerung. Darin führt die Be-

schwerdegegnerin aus, sie habe «konkret zwar 50 % des vorinstanzlichen 

Honorars zugesprochen, faktisch entspricht dies gleichzeitig auch 50 % des 

für das oberinstanzlich anzuwendende Honorarrahmens bei gleichbleiben-

dem Ausschöpfungsgrad». Demzufolge spiele es im Ergebnis keine Rolle, 

ob die Obergrenze für das oberinstanzlich auszurichtende Honorar von 50 % 

mit Blick auf das vorinstanzlich ausgesprochene Honorar oder mit Blick auf 

den Tarifrahmen festgesetzt worden sei (act. 3, S. 2). 

 

5.2.3 Der Beschwerdekammer erschliesst sich in diesem Zusammenhang nicht, 

was die Beschwerdegegnerin mit der in ihrer Beschwerdeantwort erwähnten 

Ausschöpfung von «50 % des für das oberinstanzlich anzuwendende Hono-

rarrahmens bei gleichbleibendem Ausschöpfungsgrad» meint. Immerhin 

wäre hierbei zu fordern, dass die Beschwerdegegnerin bei allfälligen Erwä-

gungen bzw. Vergleichen des von der amtlichen Verteidigung geltend ge-

machten Ausschöpfungsgrads für das erst- und das oberinstanzliche Ver-

fahren, anders als im vorliegenden Fall, beide Male vom selben Stundenan-

satz für die amtliche Verteidigung in der Höhe von Fr. 200.– ausgehen 

müsste.  

 

5.3  

5.3.1 Die von der Beschwerdegegnerin angeführten Kriterien zur Kürzung der amt-

lichen Entschädigung sind nicht sachgerecht. Dass das vor- und ober-

instanzliche Verfahren dieselbe Angelegenheit zum Gegenstand haben und 

keine «neuen Schwierigkeiten» auftauchen, ist dem Berufungsverfahren im 

Allgemeinen inhärent. Diese beiden Begründungselemente liegen grund-

sätzlich immer vor, wenn ein amtlicher Verteidiger ein Urteil weiterzieht. Sie 

sind folglich wenig geeignet zu klären, ob eine konkrete Honorarnote über-

höht sei und dürfen daher nicht zur Rechtfertigung einer pauschalen Kürzung 

des Verteidigeraufwands herangezogen werden (Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BB.2019.269 vom 5. Februar 2020 E. 3.5).  

 

5.3.2 Der erstinstanzliche Aufwand oder die erstinstanzliche Entschädigung sind 

ebenfalls keine tauglichen Kriterien, um zu klären, ob eine konkrete Hono-

rarnote überhöht sei. Die Beschwerdegegnerin kann folglich die vorinstanz-

liche Entschädigung nicht heranziehen, um Aufwand aus ihrem Verfahren zu 

entschädigen oder pauschaliert als unnötig zu bezeichnen. Lässt sie sich 

dennoch davon leiten, so übt sie ihr Ermessen anhand von sachfremden 

- 13 - 

 

 

Kriterien aus (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2021.243 vom 

4. Juli 2022 E. 4.3).  

 

5.3.3 Massgeblich für die Entschädigung des Beschwerdeführers ist, ob die kon-

kreten Rechts- und Tatfragen den geltend gemachten Aufwand im Beru-

fungsverfahren selbst rechtfertigen (Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2019.269 vom 5. Februar 2020 E. 3.6). Die Beschwerdegegnerin lässt 

diese Frage unbeantwortet. Sie setzt sich mit den spezifischen Eigenheiten 

des oberinstanzlichen Verfahrens nur oberflächlich auseinander, indem sie 

festhält, dass der Prozessgegenstand lediglich aus Ziff. III.1 des vorinstanz-

lichen Urteilsdispositivs inkl. der entsprechenden Sanktion und der Kosten- 

und Entschädigungsfolge bestanden habe. Inwiefern diese Einschränkung 

gegenüber dem erstinstanzlichen Verfahren Einfluss auf die anwaltschaftli-

chen Aufwendungen haben musste, legt sie nicht dar. Überhaupt fehlt jegli-

che Auseinandersetzung mit der Honorarnote des Beschwerdeführers (vgl. 

hierzu oben E. 4.5.2). Es wird nicht klar, welcher Aufwand sachfremd oder 

übertrieben sei, was die Verteidigung hätte tun oder unterlassen sollen. 

Stattdessen scheint die Beschwerdegegnerin – je nach abgegebener Be-

gründung – stark darauf bedacht gewesen zu sein, das Honorar für das ober-

instanzliche Verfahren auf maximal 50 % des erstinstanzlichen Honorars 

festzusetzen (act. 1.1, S. 25) bzw. den unterinstanzlichen Ausschöpfungs-

grad von rund 26 % des Tarifrahmens nicht zu erhöhen (act. 3, S. 2). Auf 

diese Weise wird nicht transparent, wo der Beschwerdeführer konkret wel-

chen unnötigen Aufwand betrieben haben soll.  

 

5.3.4 Generell läuft die Beschwerdegegnerin das Risiko, bei einer systematischen 

Deckelung der oberinstanzlichen Entschädigung der amtlichen Verteidigung, 

der Anwaltschaft einen Anreiz zu setzen, ab oder bereits vor Erreichen des 

massgeblichen Schwellenbetrags den Verteidigungsaufwand so gering wie 

möglich zu halten. Solches dürfte aber in Widerspruch zu den anwaltlichen 

Berufspflichten stehen und auch dem Anspruch der amtlich verteidigten Be-

schuldigten auf angemessene Verteidigung nicht genügen (vgl. Beschluss 

des Bundesstrafgerichts BB.2020.165 vom 28. Juni 2022 E. 4.3). 

 

5.3.5 Nach dem Gesagten erfolgte die Bemessung der Entschädigung des Be-

schwerdeführers nicht nach sachgerechten und konkret auf das Berufungs-

verfahren bezogenen Kriterien, sondern nach einer generellen, auf das erst-

instanzliche Honorar bezogenen Regel. Damit beging die Beschwerdegeg-

nerin eine Ermessensunterschreitung, was einen qualifizierten Ermessens-

fehler darstellt (vgl. obige Erwägung 5.1.2). Folglich ist die Beschwerde gut-

zuheissen und Dispositiv Ziff. IV.2 des angefochtenen Urteils ist aufzuheben. 

 

  

- 14 - 

 

 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer verlangt mit seinem Rechtsbegehren bei Gutheis-

sung der Beschwerde die Festlegung der Entschädigung für die amtliche 

Entschädigung im oberinstanzlichen Verfahren sowie der Rückerstattungs-

pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

 

6.2 Beantragt ist damit ein reformatorischer Entscheid, was gemäss Art. 397 

Abs. 2 StPO zulässig ist und dann Sinn macht, wenn nach der konkreten 

Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des Beschwerdeentscheids ein Ent-

scheid in der Sache möglich ist und der Fall spruchreif ist (GUIDON, Basler 

Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 397 StPO N. 5). 

 

6.3 Vorliegend begründet der Beschwerdeführer in der Beschwerde seinen Auf-

wand auf rund eineinhalb Seiten (act. 1, S. 12 ff.). Er bringt vor, mit dem 

Studium des begründeten erstinstanzlichen 37-seitigen Entscheides 

(1.5 Stunden), der knapp berechneten Dauer für die Erstellung der Beru-

fungsbegründung (1.33 Stunden), der Erstellung des Entwurfs des Plädo-

yers (6 Stunden), der Fertigstellung des Plädoyers und Vorbereitung der Be-

rufungsverhandlung (4.5 Stunden), des Studiums des Urteils des Oberge-

richts (1.5 Stunden) und der verschiedenen notwendigen Korrespondenzen 

mit dem Obergericht, seien die von der Beschwerdegegnerin als angemes-

sen erachteten 16 Stunden bereits fast aufgebraucht, dies ohne jeglichen 

Kontakt und Absprache mit dem Klienten. Eine sorgfältige Mandatsführung 

setzte jedoch geradewegs einen regelmässigen, informativen Kontakt mit 

Klienten voraus. Nach Berücksichtigung des tatsächlichen Aufwands für die 

Teilnahme an der Hauptverhandlung sei richtigerweise von 23.25 Stunden 

Aufwand auszugehen (act 1, S. 6 ff., 13 f.).  

 

6.4 Die Beschwerdegegnerin setzt sich auch in ihrer Beschwerdeantwort weder 

mit den einzelnen Posten der eingereichten Honorarnote noch mit den Aus-

führungen des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren näher ausei-

nander (act. 3). Die Darlegung des Beschwerdeführers ist nachvollziehbar 

und vertretbar. Es ist ihr bei dieser Sachlage zu folgen. 

 

6.5 Damit ist der Beschwerdeführer, gemäss seiner Honorarnote und nach Vor-

nahme der unstrittigen Kürzung des Aufwands für die Teilnahme an der 

Hauptverhandlung, für 23.25 Stunden Aufwand à Fr. 200.–, ausmachend 

Fr. 4'650.– zzgl. Auslagen von Fr. 86.– und MwSt. von Fr. 364.65, mit insge-

samt Fr. 5'100.65 zu entschädigen. Das volle Honorar des Beschwerdefüh-

rers beläuft sich auf Fr. 6'352.70 (23.25 Stunden à Fr. 250.–, ausmachend 

Fr. 5'812.50 zzgl. Auslagen von Fr. 86.– und MwSt. von Fr. 454.20). B. ist 

verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Differenz zwischen der amtlichen 

- 15 - 

 

 

Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend Fr. 1'252.05, zu er-

statten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 lit. b StPO).  

 

 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Gerichtskosten zu erheben 

(Art. 423 Abs. 1 StPO).  

 

7.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdegegnerin 

dem Beschwerdeführer eine Entschädigung für seine Aufwendungen im Be-

schwerdeverfahren auszurichten (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 434 Abs. 1 

StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_1284/2015 vom 2. März 2016 E. 2.4). 

Diese ist festzusetzen auf Fr. 1'500.– (Art. 10 und 12 Abs. 2 des Reglements 

des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren 

und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren; BStKR, SR 173.713.162). 

 

- 16 - 

 

 

Demnach erkennt der Einzelrichter: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

 

2. Dispositiv Ziff. IV.2 des Urteils des Obergerichts des Kantons Bern, 1. Straf-

kammer vom 20. Januar 2022 (SK 21 154) wird aufgehoben und ersetzt wie 

folgt: 

 

2. Obere Instanz 

 

Leistungen 

 

 Stunden Satz   

amtliche Entschädigung 23.25 200.00 CHF 4'650.00 

Auslagen MWST-pflichtig   CHF 86.00 

Mehrwertsteuer 7.7 % auf CHF 4'736.00 CHF 364.65 

Auslagen OHNE MWST   CHF 0.00 

Total, vom Kanton BE auszurichten   CHF 5'100.65 

     

volles Honorar  250.00 CHF 5'812.50 

Auslagen MWST-pflichtig   CHF 86.00 

Mehrwertsteuer 7.7 % auf CHF 5’898.50 CHF 454.20 

Auslagen ohne MWST   CHF 0.00 

Total   CHF 6'352.70 

     

nachforderbarer Betrag   CHF 1'252.05 

 

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt A. für die amtliche Verteidigung von B. mit 

CHF 5'100.65. 

 

B. hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschädigung 

von insgesamt CHF 5'100.65 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt A. die Differenz zwischen der 

amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 1'252.05, zu erstatten, 

sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

3. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.  

 

4. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Pro-

zessentschädigung von Fr. 1'500.– zu bezahlen.  

 

 

  

- 17 - 

 

 

Bellinzona, 2. Februar 2023 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt A.  

- Obergericht des Kantons Bern, 1. Strafkammer 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.