# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 444198e4-ffbb-5436-a18a-aa3540af482c
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 21.06.2017 BB.2017.90
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2017-90_2017-06-21.pdf

## Full Text

Beschluss vom 21. Juni 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Bruno Steiner,  

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

B., Staatsanwalt des Bundes,  

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Ausstand der Bundesanwaltschaft 

(Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2017.90 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 

 

- die Staatsanwältin des Bundes C. das von ihr gegen A. geführte Strafverfah-

ren mit Verfügung vom 2. Dezember 2013 einstellte (vgl. act. 1 S. 32; act. 2 

S. 2); 

 

- hierbei der Entscheid über Entschädigung und Genugtuung des vormals Be-

schuldigten vertagt worden ist (vgl. act. 2 S. 2); 

 

- es im März 2015 zu einem Handwechsel in der Verfahrensleitung kam und 

neu der Staatsanwalt des Bundes B. mit dem Entscheid über die Entschädi-

gungs- und Genugtuungsforderungen von A. betraut wurde (vgl. act. 2 S. 2); 

 

- es am 12. August 2015 diesbezüglich zu einer ersten Vergleichsverhandlung 

mit B. kam (vgl. act. 2 S. 2); 

 

- A. im Rahmen seiner an B. gerichteten Eingabe vom 28. Februar 2017 nebst 

anderem beantragt, der bis anhin zuständige Verfahrensleiter (B.) sei infolge 

eines offenkundigen Interessenkonflikts seiner Aufgabe zu entheben (act. 1); 

 

- B. das gegen ihn gerichtete Ausstandsbegehren am 12. Mai 2017 der Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts übermittelte (act. 2); 

 

- er dessen Abweisung beantragt, soweit darauf eingetreten werden könne, 

unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 2 S. 2); 

 

- A. mit Replik vom 6. Juni 2017 an seinem Gesuch festhält (act. 5), was B. 

am 7. Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 6).  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- sie u. a. die Bundesanwaltschaft betreffende Gesuche beurteilt, wenn ein 

Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht wird (Art. 59 

Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG); 

 

- eine Partei der Verfahrensleitung ein Ausstandsgesuch ohne Verzug zu stel-

len hat, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat (Art. 58 Abs. 1 StPO); 

 

- wer einen Ablehnungsgrund nicht unverzüglich nach dessen Kenntnisnahme 

geltend macht, den Anspruch auf seine spätere Anrufung verwirkt (BGE 140 

- 3 - 

 

 

I 271 E. 8.4.3; 139 III 120 E. 3.2.1 S. 124; 138 I 1 E. 2.2 S. 4; Urteil des 

Bundesgerichts 1B_58/2017 vom 5. April 2017, E. 2.3); 

 

- unverzüglich nach der Rechtsprechung ein Geltendmachen des Anspruchs 

binnen maximal sechs bis sieben Tagen bedeutet und ein zweiwöchiges Zu-

warten bereits klarerweise unzulässig ist (Urteile des Bundesgerichts 

1B_58/2017 vom 5. April 2017, E. 2.3; 6B_973/2016 vom 7. März 2017, 

E. 3.3.2); 

 

- der Gesuchsteller sinngemäss erneut den Ausstandsgrund des grundsätzli-

chen Interessenkonflikts vorbringt (vgl. bereits den ebenfalls den Gesuch-

steller betreffenden Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2014.139 vom 

2. Dezember 2014) und er sich spätestens seit der ersten Vergleichsver-

handlung am 12. August 2015 bewusst sein musste, dass der Gesuchsgeg-

ner über seine Entschädigungs- und Genugtuungsansprüche entscheiden 

werde; 

 

- sich das rund eineinhalb Jahre später gegen den Gesuchsgegner gerichtete 

Ausstandsbegehren nach dem Gesagten offensichtlich als verspätet erweist; 

 

- auf das Gesuch nicht einzutreten ist; 

 

- die Beurteilung aller übrigen in der Eingabe vom 28. Februar 2017 gestellten 

Verfahrensanträge der zuständigen Verfahrensleitung der Bundesanwalt-

schaft überlassen bleibt;  

 

- der Gesuchsteller im Übrigen offenbar verkennt, dass Art. 429 StPO eine 

Kausalhaftung des Staates begründet (BGE 142 IV 237 E. 1.3.1 S. 239);  

 

- der Staat deshalb für den durch das eingestellte Strafverfahren kausal ver-

ursachten Schaden des Gesuchstellers Entschädigung zu leisten hat, ganz 

unabhängig davon, ob sich die vormalige Verfahrensleiterin C. allenfalls Feh-

ler zu Schulden kommen liess oder nicht (Urteile des Bundesgerichts 

6B_740/2016 vom 2. Juni 2017, E. 3.1; 6B_118/2016 vom 20. März 2017, 

E. 3);  

 

- die vom Gesuchsgegner gemachten Erwägungen betreffend Beurteilung des 

eigenen Fehlverhaltens durch die Bundesanwaltschaft (vgl. act. 1 S. 11 f.) 

bzw. Vertuschungsgefahr bezüglich des Verschuldens von C., der dieser ge-

genüber bestehenden Loyalität (vgl. act. 1 S. 12) usw. für die Frage der Ent-

schädigung und Genugtuung des Gesuchstellers somit irrelevant sind; 

 

- 4 - 

 

 

- bei diesem Ausgang des Verfahrens der Gesuchsteller die Gerichtskosten 

zu tragen hat (Art. 59 Abs. 4 StPO); 

 

- die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 800.– festzusetzen ist (Art. 73 StBOG 

i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); 

- 5 - 

 

 

und erkennt: 

 

1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 800.– wird dem Gesuchsteller auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 21. Juni 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Bruno Steiner  

- Bundesanwaltschaft, B., Staatsanwalt des Bundes 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.