# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a86f6ea-230c-5877-a0e1-9f4c86cf337d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.09.2011 D-4250/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4250-2009_2011-09-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­4250/2009/sed

U r t e i l   v om   1 5 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo, Richter Bendicht Tellenbach,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien A.______, geboren am _______,
B._______, geboren am _______,
C._______, geboren am _______,
Serbien beziehungsweise Kosovo,  
vertreten durch _______, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 29. Mai 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A.a. 
Eigenen Angaben  zufolge  verliessen  die Beschwerdeführenden Serbien 
am 19. Juli 2008 auf dem Landweg und gelangten über ihnen unbekannte 
Länder  am  21.  Juli  2008  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl 
nachsuchten.  Am  _______  wurde  die  Beschwerdeführerin  von  ihrem 
Sohn entbunden. Am 4.  respektive 12. August 2008 führte das BFM die 
Summarbefragungen  durch.  Die  Anhörungen  fanden  am  11.  Dezember 
2008 statt.

A.b.  Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  serbischer 
Staatsangehöriger  und  seit  Sommer  2007  nach  Brauch  verheiratet  zu 
sein.  Er  gehöre  der  Ethnie  der  Ashkali/Äegypter/Majup  (Roma)  an.  Er 
habe von Geburt an meist in _______ gelebt und unter Diskriminierungen 
gelitten. Auch in Kosovo habe er Verwandte. Als Strassenhändler sei ihm 
wiederholt die Ware behördlich beschlagnahmt worden. Im Sommer 2007 
sei  er mit  einem anderen Händler  in Konflikt  geraten. Bei  einem Angriff 
durch dessen Sohn sei  sein Bein verletzt worden.  Im Frühjahr 2008 sei 
die  Ware  des  mit  ihm  verfeindeten  Strassenhändlers  beschlagnahmt 
worden.  Tags  darauf  habe  er  versucht,  auf  dem  Markt  etwas  zu 
verkaufen, und sei durch seinen Feind geschlagen worden. Dieser habe 
ihn beschuldigt, bei den Behörden eine Anzeige gemacht zu haben, und 
ihn  mit  dem  Tode  bedroht.  Zwei  Polizisten  hätten  seinen  Peiniger 
aufgefordert, mit den Schlägen aufzuhören, ansonsten aber nichts gegen 
diesen  unternommen.  Von  diesem  Zeitpunkt  an  habe  er  nicht  mehr 
versucht,  auf  dem  Markt  etwas  zu  verkaufen.  Sein  Feind,  welcher  der 
Mafia  zuzuordnen  sei,  habe  nach  ihm gesucht,  und  dessen Sohn  habe 
seine Wohnung ausfindig gemacht und zusammen mit anderen Personen 
während seiner Abwesenheit dort vorgesprochen. Er habe 3000 Euro von 
seiner  Mutter  verlangt.  Ferner  legte  der  Beschwerdeführer  dar,  seine 
Gattin stamme aus dem Kosovo und spreche kein Serbisch, weshalb sie 
sich  ihrerseits  vor  Übergriffen  gefürchtet  habe.  Aus  den  genannten 
Gründen und der gesundheitlichen Situation hätten sie sich zur Ausreise 
entschlossen. In medizinischer Hinsicht machte er geltend, an Dystrophie 
zu  leiden. Seine Krankheit  sei  nicht  adäquat  behandelt worden. Die  ihn 
betreffenden  Anträge  auf  Sozialhilfe  seien  abgewiesen  worden;  man 
habe  ihm  seine  Arbeits­  beziehungsweise  Gehfähigkeit 
entgegengehalten.  Auch  Anträgen  für  verschiedene  Therapien  sei  nicht 
entsprochen worden. Die Krankheit werde sich aber noch verschlimmern. 

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Namentlich  im Winter  leide er an starken Schmerzen bei der Arbeit, auf 
welche  er  für  den  Lebensunterhalt  angewiesen  sei.  Durch  die 
Behandlung  in  der  Schweiz  ergebe  sich  möglicherweise  eine 
Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation. 

A.c. Die  Beschwerdeführerin  –  ebenfalls  eine  Ashkali  beziehungsweise 
Roma  –  machte  geltend,  aus  _______  (Kosovo)  zu  stammen.  Sie  sei 
serbische  Staatsangehörige.  Im  Sommer  2007  sei  sie  zu  ihrem Gatten 
nach _______ gezogen. Bei einer Busfahrt habe ein Unbekannter sie und 
ihren Mann beschimpft, weil  sie  albanisch gesprochen hätten.  Ihr Gatte 
sei  wegen  einer  angeblichen  Anzeige  gegen  einen  anderen 
Strassenhändler  bei  der  Polizei  durch  diesen  zusammengeschlagen 
worden.  Es  seien weitere Racheakte  zu  befürchten.  Sie  selbst  spreche 
kein  Serbisch  und  habe  deshalb  in  _______  keine 
Schwangerschaftskontrollen  durchführen  können.  Eine  schwangere 
Ashkali  ohne Serbischkenntnisse  sei  in einem Krankenhaus  in _______ 
wegen mangelnder Behandlung zusammen mit ihrem Kind gestorben. Sie 
habe  befürchtet,  im  Falle  eines  Spitaleintritts  dasselbe  Schicksal  zu 
erleiden. Ausserdem habe sie eine schwergradige Skoliose. Sie sei aus 
finanziellen  Gründen  nicht  in  der  Lage  gewesen,  sich  eine  allfällige 
medizinische Behandlung zu leisten. 

A.d.  Für  die  im  vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichten  ärztlichen 
Unterlagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen  (vgl.  die  Auflistung  auf  dem 
vorinstanzlichen Beweismittelumschlag A 25/1). 

B. 
Mit Verfügung vom 29. Mai 2009 – eröffnet am 2. Juni 2009 – stellte das 
BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und  lehnte  die  Asylgesuche  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Wegweisungsvollzug.  Die 
Vorinstanz  erwog,  der  angeblich  mafiöse  Hintergrund  des  mit  dem 
Beschwerdeführer verfeindeten Strassenhändlers sei nicht glaubhaft. Es 
könne  nicht  nachvollzogen  werden,  dass  seine  Waren  beschlagnahmt 
worden  wären,  wenn  tatsächlich  mafiöse  Verbindungen  zur  Polizei 
bestanden hätten. Beim geltend gemachten Angriff handle es sich mithin 
um  ein  gemeinrechtliches  Delikt,  das  in  Serbien  zur  Anzeige  gebracht 
werden  könne  und  strafrechtlich  verfolgt  würde.  Festzuhalten  sei,  dass 
sich  die  Lage  der  ethnischen  Minderheiten  in  Serbien  im  Rahmen  des 
demokratischen  Wandels  entspannt  habe.  Vereinzelte  Übergriffe  durch 
Drittpersonen  auf  Roma  könnten  zwar  nicht  restlos  ausgeschlossen 

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werden. Solchen Vorfällen komme in der Regel indes keine asylrelevante 
Intensität  zu. Die  vom Beschwerdeführer  geschilderten Übergriffe  durch 
Dritte  würden  in  Serbien  staatlich  weder  gebilligt  noch  unterstützt  und 
grundsätzlich strafrechtlich geahndet. Ein allfälliges Fehlverhalten lokaler 
Behörden  (Nichteinleitung  von  Untersuchungsmassnahmen)  könne  auf 
dem  Rechtsweg  geltend  gemacht  werden.  Es  könne  von  einem 
adäquaten Schutz durch den Heimatstaat ausgegangen werden, weshalb 
die Asylrelevanz besagter Vorbringen zu verneinen sei. Ausserdem gebe 
es  keine  Hinweise  darauf,  dass  Personen,  die  ursprünglich  aus  dem 
Kosovo  stammten,  in  Serbien  mit  asylrelevanten 
Verfolgungsmassnahmen  zu  rechnen  hätten.  Der  von  den 
Beschwerdeführenden  erwähnte  Todesfall  im  Spital  sei  als  blosse 
Behauptung  nicht  geeignet,  systematische  Übergriffe  auf 
albanischsprachige  Personen  in  Serbien  glaubhaft  zu  machen. 
Schliesslich  stelle  die  geltend  gemachte  generell  schlechte  Lage  in 
Serbien verbunden namentlich mit finanziellen Problemen ebenfalls keine 
asylbeachtliche  Verfolgung  dar.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  in  den 
Heimatstaat  erachtete  das  BFM  für  zulässig,  zumutbar  und  möglich. 
Namentlich  gäbe  es  keine  individuellen  Gründe,  welche  gegen  eine 
Wegweisung  nach  Serbien  sprechen  würden.  Der  Beschwerdeführer 
verfüge  dort  über  ein  tragfähiges  soziales  Netz  und  könne  als  Händler 
eine neue Existenz aufbauen. Auch eine Unterstützung von Verwandten 
aus dem Ausland komme in Betracht. Die gesundheitlichen Probleme der 
Beschwerdeführenden  hätten  schon  vor  der  Flucht  bestanden.  Das 
Leiden des Beschwerdeführers sei schon vor dessen Ausreise behandelt 
worden, und es sei von einer nach der Rückkehr dort weiterhin möglichen 
Therapie  auszugehen.  Die  Beschwerdeführerin  spreche  eigenen 
Angaben  zufolge  zwar  kein  Serbisch,  sei  aber  in  Serbien  legal 
angemeldet  gewesen  und  habe  rund  ein  Jahr  in  _______  gelebt. 
Entsprechend sei auch ihr die Rückkehr dorthin zuzumuten. 

C. 
C.a. 
Mit  Eingabe  vom  1.  Juli  2009  beantragten  die  Beschwerdeführenden 
beim  Bundesverwaltungsgericht  durch  ihre  Rechtsvertretung  die 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung in den Dispositivziffern 3 bis 5, 
die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der 
Schweiz sowie in prozessualer Hinsicht für den Fall des Unterliegens die 
unentgeltliche  Rechtspflege  (Art. 65  Abs.  1  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  [VwVG, 

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SR 172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht.  Sie  machten 
geltend,  die  ökonomische,  soziale  und  kulturelle  Situation  der  Roma  in 
Serbien  sei  gemäss  übereinstimmenden  Quellen  nach  wie  vor  sehr 
prekär. Ein Hauptproblem der Roma sei  die Beschaffung  von Papieren, 
welche  ihnen  Zugang  zu  den  Sozialversicherungssystemen  verschaffen 
würden. In zwei Publikationen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) 
aus  dem  Jahr  2003  beziehungsweise  2005  werde  darauf  hingewiesen, 
dass deshalb und wegen der extremen Armut vieler Roma deren Zugang 
zu medizinischer Versorgung praktisch ausgeschlossen sei. Komplexere 
Fälle,  welche  eine  eingehendere  Behandlung  bedingten,  seien  bei 
unversicherten Personen mit  enorm hohen Kosten  verbunden. De  facto 
würden  Behandlungskosten  von  Bedürftigen  wie  der  Roma  allenfalls  in 
der  Primärversorgung  übernommen,  nicht  aber,  wenn  es  sich  um 
komplexe  und  kostspielige  Therapien  handle.  Das  öffentliche 
Kliniksystem  werde  ebenfalls  weitgehend  durch  Barzahlungen  der 
Patienten  an  Ärzte  und  anderes  Personal  finanziert.  Die 
Beschwerdeführenden  hätten  gesundheitliche  Beschwerden,  welche 
operative  Eingriffe  bedingten.  Der  Beschwerdeführer  leide  unter  einer 
beidseitigen  senso­motorischen  Neuropathie  ("Charcot­Marie­Tooth­
Erkrankung"), also an einer Erkrankung der periphären Nerven, und zwar 
mit ungewöhnlich schwerem Verlauf. Neuromuskuläre Krankheiten dieser 
Art  seien  chronisch  voranschreitender  Natur;  der  Muskelschwund  sei 
nicht  heilbar. Mit  der Zeit  sei  eine weiter  zunehmende Beeinträchtigung 
der Bewegungsfreiheit zu erwarten. Die Symptome der Krankheit könnten 
hingegen mehr oder weniger erfolgreich behandelt werden, so etwa wie 
erwähnt  durch  operative  Eingriffe  oder  auch  eine  Kombination  von 
ärztlicher  Behandlung,  Physiotherapie  und  Pflege.  Die 
Beschwerdeführerin  leide  an  einer  massiven  idiopathischen  Skoliose 
(schwere Verkrümmung  der Wirbelsäule).  Diese  könne  nur  durch  einen 
operativen Eingriff korrigiert werden, was zur Zeit wegen des Kleinkindes 
indes  nicht  empfohlen  werde.  Nach  dem  Gesagten  litten  beide 
Beschwerdeführenden  unter  starken  körperlichen  Beschwerden,  welche 
nicht  durch  einfache  Therapien  behandelt  werden  könnten,  sondern 
kostspielige  Eingriffe  und  eine  langjährige  medizinische  Begleitung 
erforderten. Die Beschwerdeführenden hätten gemäss ihren Angaben pro 
Monat  300  bis  500  Euro  verdient.  In  ihrem  Heimatland  seien  sie  nicht 
versichert gewesen und hätten entsprechend auch keinen Anspruch auf 
eine IV­Rente. Ausserdem seien die mehrmaligen Anträge auf Sozialhilfe 
sowie  verschiedene  Therapien  zur  Behandlung  der  Krankheit  ohne 
konkrete Begründung abgewiesen worden. Der Beschwerdeführer sei  in 
Serbien  nie  adäquat  medizinisch  behandelt  worden.  Die  einzige 

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Behandlung,  die  er  erhalten  habe,  seien Spritzen  zur Minderung  akuter 
Rückenschmerzen gewesen. Besagte Spritzen habe er  selber  bezahlen 
müssen. Die einzigen Kosten, welche die serbischen Sozialeinrichtungen 
übernommen  hätten,  seien  die  bei  der  Diagnose  der  Krankheit 
entstandenen.  Seine  wiederholten  Anträge  auf  eine  therapeutische 
Behandlung  wie  namentlich  Physiotherapie  seien  trotz  ärztlicher 
Empfehlung  immer  abgelehnt  worden.  Im  Weiteren  seien  ihm  zwar 
Tabletten verschrieben worden, die er sich aber aus finanziellen Gründen 
nicht habe beschaffen können. Auch eine Operation der Hände (wie von 
einem  Arzt  in  der  Schweiz  vorgeschlagen)  wäre  in  Serbien  privat  zu 
bezahlen,  was  unter  anderem  auch  durch  die  eine,  bereits  zitierte 
Publikation  der  SFH  bestätigt  werde.  Im  Weiteren  verkenne  das  BFM, 
dass es dem Beschwerdeführer in Serbien nicht möglich sein werde, eine 
neue  Existenz  aufzubauen.  Er  sei  auf  dem Markt  durch  einen  anderen 
Händler  tätlich  angegriffen  worden.  Dessen  Sohn  habe  sein  Haus 
aufgesucht.  Es  sei  ihm  danach  nicht  mehr  möglich  gewesen,  auf  dem 
Markt  zu  arbeiten.  Das  BFM  erachte  dieses  Vorbringen  zwar  nicht  als 
asylrelevant,  ziehe  es  aber  nicht  in  Zweifel.  Vor  diesem  Hintergrund 
würde sich auch seine ökonomische Situation  im Falle der Rückkehr als 
prekär darstellen. Er verfüge lediglich über eine bescheidene Schul­ und 
keine  Berufsausbildung.  Die  Beschwerdeführerin  sei  Analphabetin  und 
aufgrund  ihrer  starken  Behinderung  arbeitsunfähig.  Zudem  spreche  sie 
kein Serbisch. Das am _______ in der Schweiz geborene Kind erschwere 
die  Arbeitsintegration  zusätzlich.  Der  Beschwerdeführer  müsse  nun  für 
ein  weiteres  Familienmitglied  aufkommen.  Da  aufgrund  seiner 
voranschreitenden Krankheit die Arbeitsfähigkeit in zunehmendem Masse 
eingeschränkt  sei  und der  finanzielle Bedarf  durch das älter werdenden 
Kind wachse, werde dies zu einer  immer prekäreren und schlussendlich 
existenziell  bedrohlichen  Situation  führen.  Ausserdem  sei  das  soziale 
Netz  vor  Ort  nicht  als  tragfähig  zu  erachten.  Der  in  _______  lebende 
Vater  des  Beschwerdeführers  arbeite  nicht  mehr;  die  Mutter  leide  an 
Diabetes. Der ältere Bruder  sei  verheiratet,  habe zwei Kinder,  finde nur 
temporär  Arbeit  und  könne  seine  eigene  Familie  kaum  versorgen.  Der 
jüngere  Bruder  sei  ebenfalls  verheiratet  und  habe  zwei  Kinder;  als 
Arbeitsloser  sei  auch  er  nicht  in  der  Lage,  die  Familie  der 
Beschwerdeführenden  zu  unterstützen.  Ein  Onkel  des 
Beschwerdeführers  sei  zwar  erwerbstätig,  müsse  aber  für  eine 
vierköpfige Familie sorgen und habe den Beschwerdeführer bisher noch 
nie  unterstützt.  Zu  den Tanten  im Ausland, welche  keine Unterstützung 
leisten könnten, habe er keinen Kontakt. Auch zu den Verwandten in der 
Schweiz  bestünden  kaum  Kontakte.  Zusätzlich  sei  fraglich,  ob  der 

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Wegweisungsvollzug  mit  dem  Kindswohl  zu  vereinbaren  wäre.  Wegen 
des  Lebens  seiner  Eltern  in  schwerer  Armut  wäre  ihr  Sohn  mit 
entsprechenden  Konsequenzen  wie  sozialem  Ausschluss,  prekärer 
Gesundheit,  psychischer  Belastung  und  mangelhafter  Ernährung 
konfrontiert.  Später  wäre  wegen  der  dargelegten  Situation  mit 
überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  keine 
Einschulung  erfolgen  könne.  Zusammenfassend  sei  festzuhalten,  dass 
die Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr nach Serbien mangels 
existenzsichernder Perspektive  (progredient  verlaufende Krankheit  ohne 
Therapiemöglichkeit;  keine  Berufsausbildung;  unqualifizierte 
Erwerbstätigkeit  mit  minimalem  Lohn;  schwere  Behinderung  der 
Beschwerdeführerin, was  ihr  praktisch  verunmögliche,  einen Beitrag  zur 
beruflichen  und  sozialen  Unterstützung  der  Familie  zu  leisten)  einer 
konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 des Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, 
SR 142.20) ausgesetzt wären. 

C.b.  Der  Eingabe  lagen  drei  Arztberichte  (datierend  vom  31.  Oktober 
2008, 19. Dezember 2008 und 11. Februar 2009) bei. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  16.  Juli  2009  stellte  das 
Bundesverwaltungsgericht  fest,  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens 
sei einzig die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen oder ob anstelle 
des Vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen sei. Auf die Erhebung 
eines Kostenvorschusses wurde verzichtet und betreffend Entscheid über 
das  Gesuch  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren 
Zeitpunkt verwiesen.  Im Weiteren setzte der damalige  Instruktionsrichter 
Frist zur Nachreichung von weiteren Arztzeugnissen an.

E. 
Am  22.  Juli  2009  ersuchte  die  Rechtsvertretung  der 
Beschwerdeführenden  um  Fristerstreckung  zur  Einreichung  eines  den 
Beschwerdeführer betreffenden Arztberichts. Dem Gesuch entsprach das 
Bundesverwaltungsgericht am 23. Juli 2009. 

F. 
Am  4.  August  2009  wurde  ein  die  Beschwerdeführerin  betreffender 
Arztbericht  vom  19.  Dezember  2008  (erneut)  eingereicht.  Im 
Begleitschreiben  wies  die  Rechtsvertretung  darauf  hin,  dass  ihre 
Mandantin seit dem       19. Dezember 2008 nicht mehr in Behandlung sei 

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und das vorgeschlagene Procedere – die Operation – keiner Dringlichkeit 
unterliege.  Aus  diesem  Grund  seien  die  verantwortlichen  Ärzte  nicht 
bereit  gewesen,  einen  ausführlicheren  Bericht  zu  schreiben.  Trotzdem 
werde ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig und in der 
Betreuung  des  Kleinkinds  stark  eingeschränkt  sei.  Ihr  Mann  sei  alleine 
verantwortlich für das Erwerbseinkommen der Familie. 

G. 
Mit Eingabe vom 17. August 2009 gab die Rechtsvertretung einen  ihren 
Mandanten betreffenden Arztbericht vom 13. August 2009 (und erneut die 
unter Bst. C erwähnten Berichte vom 31. Oktober 2008 sowie 11. Februar 
2009)  zu  den  Akten.  Die  Resultate  zur  genetischen  Prädisposition  als 
Grundlage  für die angemessene Behandlung  lägen zwar noch nicht vor. 
Gemäss Bericht vom 13. August 2009 bestehe aber die Möglichkeit einer 
orthopädischen  Korrekturoperation.  Der  behandelnde  Arzt  gehe  von 
einem  chronischen  Leiden  aus.  Wie  in  der  Beschwerdeschrift  bereits 
erwähnt,  sei  die  Behandlung  komplexer  gesundheitlicher  Probleme  in 
Serbien  für  den  mittellosen  Beschwerdeführer  nicht  möglich,  da  die 
Therapien  privat  finanziert  werden  müssten.  Die  im  erwähnten  Bericht 
erneut  festgehaltene  Prognose,  wonach  die  Krankheit  chronischer  und 
progredienter  Natur  sei  und  sich  der  Gesundheitszustand  des 
Beschwerdeführers  entsprechend  zunehmend  verschlechtern  werde, 
bestätige die Beschwerdevorbringen. 

H. 
Mit Vernehmlassung vom 15. September 2009 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde. Die Krankheit des Beschwerdeführers habe 
schon  in  Serbien  bestanden  und  könne  dort  weiterbehandelt  werden. 
Zudem  sei  er  offenbar  in  der  Lage  gewesen,  die  Behandlung  zu 
bezahlen.   Es  sei  davon  auszugehen,  dass  er  dies  auch  nach  der 
Rückkehr noch könne. Die Beschwerdeführenden hätten für die Ausreise 
3000  Euro  –  eine  für  serbische  Verhältnisse  sehr  hohe  Geldsumme – 
beschaffen  können.  Dieses  Geld  hätte  der  Beschwerdeführer  auch  für 
medizinische Belange einsetzen können. Es sei mithin zu erwarten, dass 
er auch für gesundheitliche Zwecke Geld zu beschaffen in der Lage sein 
werde. Schliesslich sei den Beschwerdeführenden unbenommen, bei der 
Rückkehrhilfe des BFM ein Gesuch einzureichen.

I. 
Mit Replik vom 28. September 2009 hielten die Beschwerdeführenden an 
den  bisherigen  Vorbringen  fest.  Das  BFM  verkenne  den  progredienten 

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Charakter  des  Leidens  des  Beschwerdeführers.  Mit  der  Zeit  werde  die 
schon  jetzt  stark  eingeschränkte  Bewegungsfähigkeit  weiter 
beeinträchtigt  sein.  Operative  Eingriffe  und  eine  Kombination  von 
verschiedenen  permanenten  Therapien  vermöchten  die  Symptome  der 
Krankheit  teilweise  zu  bekämpfen  und  den  Verlauf  etwas  zu 
verlangsamen, auch wenn es keine Chance auf vollumfängliche Heilung 
gebe.  In  Serbien  habe  er  keine  angemessene  Behandlung  erhalten. 
Vielmehr seien Anträge auf entsprechende Therapien abgelehnt worden. 
Die Symptombehandlung der Krankheit  in Serbien wäre mit  sehr hohen 
Kosten  verbunden. Da der Erwerbsfähigkeit  des Beschwerdeführers mit 
der  Zeit  noch  eingeschränkter  sein  werde  und  die  Kosten  wegen  des 
heranwachsenden  Kindes  steigen  würden,  sei  die  längerfristige 
Existenzsicherung  deutlich  in  Frage  gestellt.  Aufgrund  seiner  Herkunft 
und der Tatsache, dass er  in Serbien nie Versicherungsbeiträge gezahlt 
habe,  könne  er  keine  staatliche  Hilfe  erwarten,  was  die  erwähnte 
Ablehnung  mehrmaliger  Anträge  auf  Sozialhilfe  belege.  Auch  mit  dem 
Geld, mit  welchem  die  Beschwerdeführenden  die  Reise  in  die  Schweiz 
bezahlt  hätten,  wäre  keine  längerfristige  Existenzsicherung  möglich 
gewesen. Das Geld stamme aus dem vom Beschwerdeführer über Jahre 
Gesparten  und  sei  von  ihm  nicht  kurzfristig  beschafft  worden.  Diese 
Reserve  sei  nun  aufgebraucht,  was  die  ökonomische  Situation  der 
Beschwerdeführenden  weiter  schwäche.  Entgegen  der  Sichtweise  der 
Vorinstanz sei mithin von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
auszugehen. 

J. 
Am _______ heirateten die Beschwerdeführenden in der Schweiz. In der 
Trauungsmitteilung  der  Schweizer  Behörden  wurde  im  Hinblick  auf  die 
Staatsangehörigkeit  beim  Beschwerdeführer  Serbien,  bei  der 
Beschwerdeführerin und dem gemeinsamen Sohn Kosovo vermerkt. 

K. 
Mit Schreiben vom 7. Dezember 2010 ersuchte die Beschwerdeführerin 
das  BFM,  ihre  Staatsangehörigkeit  von  Serbien  auf  Kosovo  zu 
korrigieren. Das BFM entsprach diesem Gesuch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

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gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4. Wie das Bundesverwaltungsgericht mit der Zwischenverfügung vom 
16. Juli  2009  festgestellt  hat,  sind  die  Ziff.  1­3  des  Dispositivs  der 
angefochtenen  Verfügung  in  Rechtskraft  erwachsen.  Gegenstand  des 
Beschwerdeverfahrens bildet im Folgenden einzig die Frage, ob das BFM 
den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat oder ob anstelle des 
Vollzugs  die  vorläufige Aufnahme anzuordnen  ist  (Art.  44 Abs.  2 AsylG 
i.V.m. Art. 83 AuG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Im  Hinblick  auf  die  Frage,  ob  der  Vollzug  der Wegweisung  in  den 
Heimat­  oder  in  den Herkunftsstaat  beziehungsweise  in  einen Drittstaat 

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möglich,  zulässig  oder  zumutbar  ist,  muss  zunächst  die  Herkunft 
respektive  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  geklärt 
werden.  Diesbezüglich  erklärte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der 
Summarbefragung,  von  Geburt  an  in  _______  gelebt  zu  haben.  Unter 
Staatsangehörigkeit  wurde  "Republik"  Serbien  vermerkt  (A  1/9  S.  1). 
Seine Familie  stammt  aber  offenbar  aus  dem Kosovo  (A  37/15 Antwort 
86;  A  38/9  Antwort  33).  Die  Beschwerdeführerin  legte  dar,  bis  August 
2007  in  _______  (Kosovo)  gelebt  zu  haben  und  in  der  Folge  zu  ihrem 
Gatten  nach  _______  gezogen  zu  sein.  Dort  war  sie  offenbar  regulär 
angemeldet.  Gemäss  Protokoll  der  Summarbefragung  wurde  sie 
zunächst  ebenfalls  als  serbische  Staatsbürgerin  erfasst  (A  2/9  S.  1;  A 
37/15 Antwort 97). Im Rahmen der in der Schweiz erfolgten Heirat wurde 
in  der  Trauungsmitteilung  der  Schweizer  Behörden  im  Hinblick  auf  die 
Staatsangehörigkeit  bei  ihr  und  ihrem  Sohn  indes  Kosovo  vermerkt. 
Ihrem  Ersuchen  an  das  BFM,  die  Staatsangehörigkeit  von  Serbien  auf 
Kosovo zu korrigieren, entsprach die Vorinstanz in der Folge. 

3.2.  Gemäss  dem  kosovarischen  Gesetz  über  die  Staatsbürgerschaft 
Nr. 03/L­034  vom  20. Februar 2008  wird  als  kosovarische 
Staatsangehörige  eine  Person  anerkannt,  die  am  1.  Januar  1998  die 
jugoslawische  Nationalität  besass  und  zu  diesem  Zeitpunkt  im  Kosovo 
ihren Wohnsitz hatte. Dies trifft auf die Beschwerdeführerin gemäss ihren 
Angaben  offensichtlich  zu,  weshalb  sie  zum  einen  als  kosovarische 
Staatsangehörige  anzusehen  ist. Gemäss  dem  serbischen Gesetz  über 
die  Staatsbürgerschaft  Nr. 135/04  vom  21.  Dezember  2004  werden 
Personen,  die  serbischer Abstammung  sind oder  auf  dem  (ehemaligen) 
Staatsgebiet der Republik Serbien geboren wurden,  indes als serbische 
Staatsangehörige  aufgefasst.  Die  Beschwerdeführerin  ist  offensichtlich 
auf dem (ehemaligen) Staatsgebiet der Republik Serbien geboren. Zwar 
ist sie nicht serbischer Ethnie, war aber gemäss Aussagen ihres Gatten in 
_______  registriert  worden.  Dies  dürfte  ihr  ermöglichen,  auch  die 
serbische  Staatsangehörigkeit  zu  erlangen  (vgl.  BVGE  2010/41).  Der 
Beschwerdeführer  war  im  für  die  kosovarische  Staatsbürgerschat 
relevanten  Zeitpunkt  indes  ausserhalb  von  Kosovo  wohnhaft;  er 
bezeichnete sich als serbischen Staatsbürger (was gemäss Gesetzeslage 
zutreffen  dürfte)  und  legte  nie  dar,  auch  die  kosovarische 
Staatsbürgerschaft  zu  besitzen.  Allerdings  dürfte  für  ihn  als  Ehemann 
einer Kosovarin ein  legaler Aufenthalt  in Kosovo grundsätzlich ebenfalls 
in Frage kommen. Zu prüfen ist im Folgenden demnach grundsätzlich ein 
Vollzug der Wegweisung nach Serbien wie auch nach Kosovo.

D­4250/2009

Seite 12

4. 
4.1.  Ist der Vollzug nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so 
regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

4.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind 
alternativer  Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 Nr.  6  E.  4.2.  S. 
54  f.,  wobei  zu  berücksichtigen  ist,  dass  die  Bestimmung  über  die 
vorläufige  Aufnahme  zufolge  einer  schwerwiegenden  persönlichen 
Notlage  i.S.  von  Art.  44  Abs.  3  AsylG  per  1.  Januar  2007  aufgehoben 
worden  ist).  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme 
steht der (ab­ und weggewiesenen) Asyl suchenden Person wiederum die 
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 112 Abs. 1 
AuG  i.V.m.  Art.  31  ff.  VGG),  wobei  in  jenem  Verfahren  sämtliche 
Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  und  nach  Massgabe  der 
dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu  prüfen  sind  (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2. S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).

4.3. Gemäss Art.  83 Abs.  4 AuG  ist  der Vollzug  der Wegweisung  nicht 
zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende Person  bei  einer Rückkehr  in 
ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese 
Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das 
heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher 
Verfolgung weder  die Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch 
jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch 
wegen  den  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation 
allgemeiner Gewalt  nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im 
Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer 
Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die 
absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder 
– aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit 
grosser Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige Armut gestossen 
würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres 
Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 

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wären (EMARK 2005 Nr. 12 E. 10.3 S. 114; 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, 
jeweils mit weiteren Hinweisen).

4.4. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so 
bildet  im  Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung des Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Licht von Art. 3 Abs. 1 der Konvention vom 20. November 1989 über die 
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls 
sind demnach sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die 
im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen (BVGE 2009/51 
E. 5.6 S. 749, BGE 2009/28 E. 9.3.2 S. 367 f).

5. 
5.1. Zuerst  ist – wie vom BFM vorgenommen – insbesondere zu prüfen, 
ob  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Serbien,  wo  sich  der 
Beschwerdeführer  seit  seiner  Kindheit  und  seine  Gattin  seit  der  Heirat 
aufgehalten haben, zumutbar erscheint. 

5.1.1. Auch in Serbien leben Roma unter schwierigen Bedingungen, was 
umso  mehr  gelten  muss,  wenn  es  sich  um  Angehörige  der  Minderheit 
handelt,  die  ursprünglich  aus  Kosovo  stammen.  Die  Situation  ist  von 
extrem  hoher  Arbeitslosigkeit  (ca.  60%)  und  dem  allgemeinen 
Zusammenbruch  der  Sicherungssysteme  geprägt.  Die  Hälfte  der  Roma 
lebt  unter  der  Armutsgrenze,  hat  Unterschlupf  in  improvisierten, 
informellen  Siedlungen,  wo  sie  unter  sehr  harten  Bedingungen  ohne 
Elektrizität,  fliessendes  Wasser  oder  Abwassersystem  leben.  Gemäss 
UNHCR existierten in Serbien und Montenegro im Jahre 2004 586 solche 
inoffizielle  Siedlungen  der  Roma,  Ashkali  und  Ägypter.  Diese  Ethnien 
waren  in  der  Vergangenheit  auch  immer  wieder  Opfer  von 
Zwangsräumungen  nach  Privatisierungsprozessen,  was  regelmässig 
Obdachlosigkeit, Schulabbruch und – sofern vorhanden – den Verlust der 
Arbeitsstelle  zur  Folge  hatte.  Neben  den  Problemen,  die  mit  der 
Erlangung  eines  gesicherten  rechtlichen  Status  verbunden  sind,  sehen 
sich  die  Roma,  Ashkali  und  Ägypter  generell  einem  Klima  der 
behördlichen  Diskriminierung  einerseits  und  der  Feindseligkeiten  und 
Angriffe eines Teils der Gesellschaft andererseits ausgesetzt. So werden 
sie  regelmässig  Opfer  physischer  und  verbaler  Gewalt  und  von 
Sachbeschädigung.  Der  Zugang  zur  Gesundheitsfürsorge  und  anderen 
sozialen Diensten  ist wesentlich erschwert. Zahlreiche Quellen berichten 
auch  von  aktiver  polizeilicher  Gewalt  oder  von  deren  Passivität  und 

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Seite 14

mangelndem Schutzwillen  (BVGE  2009/51 E.  5.7.2  S.  751  f.;  vgl.  auch 
die Publikation "analysis of  the main problems in access of Roma to the 
rights  to  health  and  health  care"  einer  in  Serbien  tätigen 
Nichtregierungsorganisation vom Juli 2011 [www.praxis.org.rs]).

5.1.2. Neben den Ausführungen zur allgemeinen Situation, in welcher die 
Roma in Serbien leben, sind bei der Prüfung der Frage der Zumutbarkeit 
im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  individuelle  Faktoren  –  namentlich 
das  Vorhandensein  beziehungsweise  Fehlen  eines  familiären  oder 
sozialen Netzes und von Wohneigentum, das Alter, die Gesundheit, das 
Geschlecht und allfällige familiäre Verpflichtungen – zu gewichten.

5.1.3. Die Beschwerdeführerin stammt aus _______. Von August 2007 an 
lebte  sie  in  _______  bei  ihrem  Gatten  und  war  ordnungsgemäss 
behördlich  registriert.  Der  Beschwerdeführer  lebte  gemäss  seinen 
Angaben  Zeit  seines  Lebens  meist  in  _______.  Eine  Rückkehr  dorthin 
kommt mithin  für beide Beschwerdeführenden grundsätzlich  in Betracht, 
zumal  der  Beschwerdeführer  vor  Ort  über  ein  gewisses  soziales  Netz 
verfügt und die Wohnfrage offenbar befriedigend gelöst werden konnte. 

5.1.4.  Unbestritten ist aber auch die Erkrankung des Beschwerdeführers. 
Er  leidet  gemäss  Beschwerdevorbringen,  welche  sich  auf  die 
eingereichten und nicht zu beanstandenden Arztzeugnisse stützen, unter 
einer  beidseitigen  senso­motorischen  Neuropathie  ("Charcot­Marie­
Tooth­Erkrankung"),  also  an  einer  Erkrankung  der  periphären  Nerven, 
und zwar mit ungewöhnlich schwerem Verlauf (vgl. Arztberichte _______ 
vom  31.  Oktober  2008  und  13.  August  2009  _______;  Bericht 
_______vom  11.  Februar  2009  _______  ).  Die  reduzierte 
Nervenleitgeschwindigkeit  hat  einen  starken Muskelschwund  zur  Folge, 
was  sich  bei  ihm  vor  allem  bei  der  intrinsischen  Fuss­  und 
Handmuskulatur  mit  Einbezug  der  Unterschenkel­  und 
Unterarmmuskulatur  zeigt.  Insbesondere  seine  Hände  sind  in 
zunehmendem  Masse  nicht  mehr  funktionell.  Neuromuskuläre 
Krankheiten  dieser  Art  sind  chronisch  voranschreitender  Natur;  der 
Muskelschwund ist nicht heilbar. Mit der Zeit ist eine weiter zunehmende 
Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit zu erwarten. Die Symptome der 
Krankheit  können  hingegen  mehr  oder  weniger  erfolgreich  behandelt 
werden.  Die  Resultate  zur  genetischen  Prädisposition  (im  Hinblick  auf 
eine  allfällige  Operation)  lagen  im  Zeitpunkt  der  letzten  Eingabe  der 
Beschwerdeführenden  noch  nicht  vor.  Ein  Abwarten  dieser  Ergebnisse 
erübrigt  sich  aber  aus  den  nachfolgenden  Gründen.  So  wurde  bereits 

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festgehalten,  dass  der  Zugang  zur  Gesundheitsfürsorge  und  andere 
soziale Dienste  für Roma  in Serbien wesentlich erschwert  ist. Soweit  in 
der Beschwerde unter Bezugnahme auf eine – mittlerweile einige Jahre 
alte  –  SFH­Publikation  die  Papierlosigkeit  der  Roma  als  Grund  für 
Diskriminierungen  erwähnt  wird,  ist  aber  festzuhalten,  dass  dem 
Beschwerdeführer im Juni 2008 durch die serbischen Behörden ein zehn 
Jahre  lang  gültiger  Pass  ausgestellt  wurde  (A  1/9  S.  3  unten  f.).  Im 
Weiteren  wurden  gemäss  Anamnese  im  Arztbericht  vom  11.  Februar 
2009  seine  Füsse  in  Serbien  wiederholt  operiert.  Wegen  der 
Rückenschmerzen  begab  er  sich  immer  wieder  zum  Arzt  und  erhielt 
Spritzen.  Gewisse  Therapien wurden  offenbar  durchgeführt  und  andere 
nicht  bewilligt  (vgl.  A  37/15  Antworten  1  ff.).  Insgesamt  entsteht  so  der 
Eindruck, dass der Beschwerdeführer  in Serbien zumindest ansatzweise 
die benötigte medizinische Hilfe erhielt. In diesem Zusammenhang und in 
Berücksichtigung  der  dortigen  Situation  erscheint  aber  auch  die 
weitgehende  Abhängigkeit  benötigter  Massnahmen  von  seiner 
Finanzkraft  als  glaubhaft,  wobei  vorab  weitgehend  auf  die 
Beschwerdevorbringen verwiesen werden kann. Auch aus den  in diesen 
Punkten glaubhaften Aussagen des Anhörungsprotokolls ergibt sich, dass 
die  Anträge  auf  Sozialhilfe  abgewiesen  worden  seien;  man  habe  dem 
Beschwerdeführer  seine  Arbeitsfähigkeit  beziehungsweise  sogar  die 
Gehfähigkeit vorgehalten. Er sei angewiesen worden, nicht mehr auf dem 
entsprechenden Amt  vorzusprechen  (A  37/15  Antworten  31,  42  und  78 
ff.). Ein Beschreiten des Rechtswegs durch den Beschwerdeführer wäre 
zwar wohl möglich, aber  innert nützlicher Frist kaum erfolgversprechend 
gewesen. Demzufolge wäre er für die benötigte medizinische Versorgung 
auch  in Zukunft  auf  die  eigene oder  die Finanzkraft  ihn unterstützender 
Personen angewiesen. Trotz seiner Behinderung war er vor der Ausreise 
in der Lage, als Strassenhändler ein gewisses Auskommen zu erzielen. 
Der Streit mit  einem anderen Strassenhändler mag  ihn dabei  zusätzlich 
eingeschränkt haben; dass er aus diesem Grund generell nicht mehr als 
Verkäufer hätte  in Erscheinung treten können, vermag in Anbetracht der 
in  diesem  Punkt  nachvollziehbaren  Erwägungen  des  BFM  zur 
Vorgehensweise  der  staatlichen  Behörden  im  Falle  von  Repressalien 
durch Drittpersonen indes nicht zu überzeugen. Ins Gewicht fällt aber die 
aufgrund der Krankheit fortschreitende Erschwernis bei der Ausübung der 
Erwerbstätigkeit.  So  legte  der  Beschwerdeführer  dar,  sich  an  gewissen 
Tagen  so  schlecht  zu  fühlen,  dass  er  nicht  arbeiten  könne.  Seine 
Existenzgrundlage  werde  zunehmend  unsicher  (A  37/15  Antworten  67 
und  107).  Diese  Einschätzung  wird  durch  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  bestätigt  (A  38/9  Antwort  22).  Eine  medizinische 

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Massnahme  wie  allenfalls  eine  (in  der  Schweiz  durchgeführte) 
Handoperation  würde  zwar  möglicherweise  eine  gewisse  Entlastung, 
aber  in  Anbetracht  des  fortschreitenden  Charakters  des  Leidens  keine 
Änderung  der  Grundsituation  herbeiführen.  In  Berücksichtigung  dieser 
Faktoren ist davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführer, welcher 
über  keine  Berufsausbildung  verfügt,  in  absehbarer  Zukunft  nicht  mehr 
schaffen  wird,  in  Serbien  für  seine  Familie  aus  eigener  Kraft  eine 
genügende Existenzgrundlage zu schaffen. 

5.1.5. Die Beschwerdeführerin  leidet  an  einer  schwergradigen Skoliose. 
Eine  Operation  scheint  indes  –  so  auch  mangels  erheblicher 
Beschwerden ­ nicht  im Vordergrund zu stehen (vgl. Arztbericht vom 19. 
Dezember 2008). Hingegen ist sie offensichtlich kaum in der Lage, einen 
Beitrag  für  die  Existenzgrundlage  der  Familie  zu  leisten  und 
möglicherweise  schon  durch  die  Betreuung  ihres  Kindes  überfordert. 
Ausserdem soll sie kein Serbisch sprechen. 

5.1.6. Schliesslich  trifft  wie  erwähnt  zu,  dass  der  Beschwerdeführer  vor 
Ort über soziale Anknüpfungspunkte verfügt. Eine gewisse Unterstützung 
– so etwa auch bei der Betreuung des Sohnes der Beschwerdeführenden 
– dürfte  realistisch  sein.  Hingegen  erscheint  eine  erhebliche  finanzielle 
Unterstützung  der  Beschwerdeführenden  namentlich  auch  in  Bezug  auf 
kostspielige  ärztliche  Massnahmen  als  kaum  realistisch.  In  der 
Beschwerde  werden  diesbezüglich  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der 
Verwandten ausführlich dargelegt. Anhaltspunkte, dass diese Vorbringen 
tatsachenwidrig sein könnten, sind in Berücksichtigung der Aktenlage und 
der Gesamtumstände des Falles nicht auszumachen. 

5.1.7. Zudem gilt es zu bedenken, dass die Beschwerdeführenden einen 
Sohn  im Alter  von  _______  Jahren,  der  ausschliesslich  in  der  Schweiz 
aufgewachsen  ist,  haben.  Allgemein  zugänglichen  Quellen  zufolge 
besuchen nur gerade 40 Prozent der Kinder der erwähnten Minderheiten 
die  Primarschule,  wobei  gemäss  offiziellen  Erhebungen  wiederum  nur 
zirka 40 Prozent einen Primarschulabschluss erreichen. Ein Vollzug der 
Wegweisung würde  aufgrund  der  gegebenen Umstände wie  namentlich 
auch der erheblichen gesundheitlichen Probleme der Eltern sowie deren 
finanziellen  Schwäche  zu  grossen  Zweifeln  an  einer  kindgerechten 
Entwicklung des Sohnes in Serbien führen. 

5.1.8. Aufgrund  der  sich  für  Roma  in  Serbien  generell  präsentierenden 
Lage,  der  dargestellten  persönlichen  Voraussetzungen  des 

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beschwerdeführenden  Ehepaares  sowie  in  Anbetracht  der  Gefährdung 
des  Wohles  des  Kindes  muss  davon  ausgegangen  werden,  dass  die 
Familie  im  Falle  des  Vollzugs  der  Wegweisung  in  eine 
existenzgefährdende  Lage  geraten  würde.  In  Würdigung  dieser 
Umstände gelangt das Bundesverwaltungsgericht deshalb zum Schluss, 
dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  und 
ihres Sohnes nach Serbien als nicht zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 
4 AuG erweist.

5.2.  Im  Folgenden  ist  noch  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der Wegweisung 
nach Kosovo als zumutbar erscheint. 

5.2.1. Die Vorinstanz hat eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den 
Kosovo  nicht  geprüft,  obwohl  –  wie  oben  aufgeführt  –  die 
Beschwerdeführerin  vor  der  Heirat  in  _______  lebte  und  ihr  Gatte  als 
Ehemann einer Kosovarin mutmasslich ebenfalls legal dort leben könnte. 
Der  Vollzug  der  Wegweisung  von  albanischsprachigen  Roma,  Ashkali 
und Ägyptern in den Kosovo ist in der Regel zumutbar, sofern auf Grund 
einer  Einzelfallabklärung  (insbesondere  durch  vor  Ort­Untersuchungen 
durch  das  Verbindungsbüro  im  Kosovo)  feststeht,  dass  bestimmte 
Reintegrationskriterien  –  wie  berufliche  Ausbildung,  Alter,  ausreichende 
wirtschaftliche Lebensgrundlage und Beziehungsnetz im Kosovo – erfüllt 
sind.  Auch  dem  Gesundheitszustand  der  Betroffenen  ist  Rechnung  zu 
tragen  (BVGE  2007/10).  Diese  Einzelfallabklärung  vor  Ort  hat  das 
Bundesamt nicht vorgenommen.  Insofern besteht Ungewissheit darüber, 
welche  Lebensbedingungen  die  Beschwerdeführenden  bei  einem 
Wegweisungsvollzug nach Kosovo antreffen würden, auch wenn gewisse 
Familienangehörige  der  Beschwerdeführerin  noch  im  Kosovo  unter 
offenbar erträglichen Bedingungen leben sollen (A 38/9 Antworten 12 ff.). 
Auch  Verwandte  des  Beschwerdeführers  sollen  sich  noch  in  Kosovo 
aufhalten  (A 37/15 Antworten 19, 27  ff.,  86 und 89). Den Ausführungen 
des  Beschwerdeführers,  welcher  offenbar  nur  mässige  Kenntnisse  der 
albanischen  Sprache  hat,  ist  aber  zu  entnehmen,  dass  keine  grossen 
Kontakte zu diesen Verwandten bestehen. Letztlich kann jedoch aufgrund 
der  Akten  auf  eine  Abklärung  vor  Ort  ohnehin  verzichtet  werden.  Die 
Anknüpfungspunkte der Beschwerdeführerin im Kosovo erscheinen zwar 
eher als tragfähig im Vergleich zu denjenigen ihres Gatten, welcher ja in 
Serbien  lebte.  Hingegen  stünde  nach  dem  Gesagten  namentlich  der 
Gesundheitszustand  des  Beschwerdeführers  verbunden  mit  dem 
drohenden Abgleiten der Familie in eine existenzgefährdende Lage einer 
Wohnsitznahme  in  Kosovo  unter  den  gemäss  Praxis  erforderlichen 

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strengen  Bedingungen  offensichtlich  entgegen.  Aufgrund  der  gesamten 
Aktenlage ist angesichts der schwierigen Verhältnisse von Roma auch in 
Kosovo  entsprechend  nicht  davon  auszugehen,  die 
Beschwerdeführenden  mit  ihrem  Kleinkind  vermöchten  dort  eine  neue 
Existenz aufzubauen. 

5.3.  Demnach  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  der 
Beschwerdeführenden  nach  Serbien  wie  auch  nach  Kosovo  als 
unzumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG.  Ausschlussgründe  im 
Sinne  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  sind  nicht  ersichtlich.  Deshalb  sind  die 
Voraussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt. Bei 
dieser  Sachlage  kann  davon  abgesehen  werden,  auf  weitere 
Beschwerdevorbringen einzugehen. 

6. 
Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen.  Die 
vorinstanzliche  Verfügung  vom  29.  Mai  2009  wird  demnach  soweit  die 
Frage  des  Wegweisungsvollzuges  betreffend  (Ziffern  4  und  5  des 
Dispositivs)  aufgehoben  und  die  Vorinstanz  angewiesen,  die 
Beschwerdeführenden  und  ihren  Sohn  in  der  Schweiz  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen.

7. 
7.1.  Den  Beschwerdeführenden  werden  infolge  des  Obsiegens  keine 
Verfahrenskosten  auferlegt  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Das  Gesuch  um 
unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  somit 
gegenstandslos.

7.2. Die Rechtsvertretung machte mit Eingabe vom 1. Juli 2009 Kosten in 
der Höhe von Fr. 760.— geltend. Auf die Nachreichung einer Kostennote 
für  das  ganze  Verfahren  kann  verzichtet  werden,  da  sich  der 
Vertretungssaufwand  hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt.  In 
Berücksichtigung der massgeblichen Faktoren  ist die Entschädigung auf 
Fr. 1'200.­­  (inkl. Spesen und allfällige MWST)  festzusetzen  (vgl. Art. 10 
und 14 Abs. 2 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  der 
vorinstanzlichen Verfügung vom 29. Mai 2009 werden aufgehoben. Das 
BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung von Fr. 1'200.­­ zu entrichten.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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