# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 536139ab-40e1-5bbb-a8f9-7b15a32dd1d9
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-31
**Language:** de
**Title:** Körperliche Folgen des Sturzes in RS bald abgeheilt; erneut gemeldete Beschwerden sind nicht auf (unfallkausale) Borreliose, sondern auf – in keinem adäquat kausalen Zusammenhang mit dem dienstlichen Unfall stehende – psychische Beeinträchtigung zurückzuführen und zeitigen ohnehin keine Arbeitsunfähigkeit; Abweisung. (BGE 8C_3/2015)
**Docket/Reference:** MV.2012.00010
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/MV.2012.00010.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
MV.2012.00010
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Fischer
Urteil
vom
31. Oktober 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
Goecke Laur Reger-
Wyttenbach
Zürcher & Meier Rhein Rechtsanwälte
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich
gegen
Suva, Abteilung Militärversicherung
Laupenstrasse
11, Postfach 8715, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1984 geborene
X.___
zog sich bei einem am 4. Juli 2007 während de
r
– als Durchdiener absolvierten
(vgl. Urk. 9/39 S. 2)
–
Rekruten
schule
(RS)
erlittenen Sturz
Frakturen am linken Ellbogen (nicht dislozierte
Ra
diusköpfchenfraktur
) und am linken Handgelenk (
Scaphoidfraktur
) sowie eine lumbale Kontusion mit Abschürfung zu (
Urk. 9/9,
Urk. 9/10).
Nachdem die
Mi
litärversicherung
ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem fraglichen Ereignis mit Schreiben vom 12. September 2007 (Urk. 9/14) anerkannt hatte,
wurde die fachärztliche
Behandlung am 24. Oktober 2007
abgeschlossen
und dem
Versicherten
betreffend die linke Hand und den linken Ellbogen wieder eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert
(Urk. 9/32.
1
).
Wegen verschie
dener, von den Ärzten im Rahmen einer psychischen Störung interpretierter Symptome stand d
ieser
in der Folge weithin in – auch stationärer – Behandlung
und wurde ab November 2007 von einem Case Manager betreut (vgl. Urk. 9/36, Urk. 9/39)
.
Am 21. Februar 2008 teilte die Militärversicherung dem Versicherten mit, dass sie aufgrund der Entlassung aus
der
Y.___
bei voller Ar
beitsfähigkeit Anfang März 2008 ab der auf den Klinikaustritt folgenden Woche keine Taggelder mehr ausrichten werde (Urk. 9/66 S. 1).
In der Folge bezog dieser auf einer 100%igen Vermittelbarkeit basierende Taggelder der Arbeitslo
senversicherung (vgl. Urk. 9/71,
Urk.
9/
86.1 f.
, Anhang zu Urk. 9/87
).
Mit Schreiben vom 31. März 2008 (Urk. 9/80) teilte
die Militärversicherung
dem Versicherten mit, dass die Frakturen des linken Ellbogens und des linken Hand
gelenks sowie die lumbale Kontusion mit Abschürfung
en
weiterhin versichert seien. Weitere physiotherapeutische Massnahmen oder medizinische Abklärun
gen seien, nachdem
der Versicherte
das am 19. März 2008
vorgesehene neuro
logische
Konsilium abgesagt habe, nicht indiziert.
Sie werde
den sich
aus der Differenz des bei der Arbeitslosenversicherung versicherten Verdienstes und des (höheren) mutmasslichen Jahresverdienst
e
s
ergebende
n Taggeldbetrag an den Sozialdienst seiner
Wohnsitzgemeinde überweisen.
Am 15. April 2008 beschied die Militärversicherung
X.___
,
dass sie angesichts seiner 100%igen Arbeitsfähigkeit und Vermittelbarkeit ab 1. März 2008 ab diesem Datum keine Taggelder mehr leisten werde (Urk. 9/82
; vgl.
hiezu
auch Urk. 9/85.10
).
Die Kosten der in der Folge noch durchgeführten, teilweise von ihr veranlassten medizinischen Abklärungen übernahm sie weiterhin, und auch d
as
Case Management
führte sie weiter
(vgl. Urk.
9
/85)
.
Unter Hinweis darauf, dass das MRI des Gehirns vom 5. Dezember 2008 (Urk. 9/107) einen normalen Befund ergeben habe, teilte die Militärversicherung
dem
Versicherten
, der zwi
schenzeitlich vom 1. September
bis 28. November 2008 im Pensum von 100 % als Chauffeur Kat. C gearbeitet hatte (Urk. 9/113.2-5),
am 23. Februar 2009 mit, dass sie nach wie vor von einer vollen Arbeitsfähigkeit und Vermittelbarkeit ausgehe (Urk. 9/111).
Am 22. Juni 2009 ersuchte die seit 16. April 2009 behandelnde Psychiaterin die Militärversicherung – unter Hinweis
darauf, dass der Fall verfrüht abgeschlos
sen worden und der Versicherte
seit dem Unfall vom 4. Juli 2007 anhaltend
zu 100 % arbeitsunfähig sei
–
ihrer Leistungspflicht
wieder
nachzukommen (Urk. 9/117)
.
Daraufhin lehnte di
e Militärversicherung ihre Haftung für die am 22. Juni und 25. August 2009 gemeldete psychische Störung mit Arbeitsunfä
higkeit seit 4. Juni 2009 mit
Vorbescheid vom 12. Oktober 2009 (Urk. 9/127)
beziehungsweise
mit Verfügung vom 21. Januar 2010 (Urk. 9/137)
mangels ei
nes adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
fragliche
n
Gesundheits
schaden
und dem
dienstlichen Unfall
ab
.
Nachdem sie ihn am 1. und 16. September 2010 von Dr. med.
Z.___
,
Fachärztin FMH für Psychiat
rie und Psychotherapie, SUVA Versicherungsmedizin,
hatte
untersuchen lassen (Urk. 9/144)
und Einsicht in das von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eingeholte polydisziplinäre Gutachten des
A.___
vom 15. Juni 2011 (Urk. 9/155) genommen ha
tte, wies die Militärversicherung
die vom Versicher
ten gegen diesen Entscheid erho
bene Einsprache (Urk. 9/139, Urk. 9/163)
am 4. Oktober 2012 ab (Urk. 2).
1.2
Zwischenzeitlich hatte sich der Versicherte a
m 16. April 2010 zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversi
cherung (IV) angemeldet
(Urk. 8/10 im Prozess Nr. IV.2013.00402)
. Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin erwerbliche, berufliche sowie medizinische Abklärungen und zog – wiederholt - die Akten der Militärversicherung bei. Im März 2011 liess sie den Versicherten von den Ärzten des
A.___
polydisziplinär begutachten (vgl. Expertise vom 15. Juni 2011, Urk.
9/155
). In Bestätigung ihres Vorbescheids vom 22. Oktober 2012 (Urk. 8/46 im Prozess Nr. IV.2013.00402) verfügte sie daraufhin am 20. März 2013 – unter Hinweis darauf, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege – die Abweisung des Leistungsgesuchs (Urk. 2 im Prozess Nr. IV.2013.00402). Betref
fend die von
X.___
am 6. Mai 2013 im Prozess Nr. IV.2013.00402 gegen diese Verfügung am hiesigen Gericht erhobene Be
schwerde mit dem Antrag, die IV-Stelle sei zu verpflichten, umfassende medizi
nische Abklärungen vorzunehmen und hernach über seinen Leistungsanspruch neu zu befinden (Urk. 1 S. 2 im Prozess Nr. IV.2013.00402), ergeht ebenfalls mit heutigem Datum das Urteil.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
der Militärversicherung vom 4. Oktober 2012 (Urk. 2) liess
X.___
am 7. November 2012 mit folgenden Anträ
gen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
In Gutheissung der Beschwerde seien der
Einspracheentscheid
der
Be
schwerdegegnerin
vom 4. Oktober 2012 sowie die Verfügung vom 21. Januar 2010 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu ver
pflichten, dem Beschwerdeführer weiterhin die ihm aufgrund des Un
falles vom 4. Juli 2007 aus MVG zustehenden Leistungen zu erbringen;
2.
eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zusätzliche me
dizinische Abklärungen durchzuführen;
alles unter Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer z
ulasten der
Be
schwerdegegnerin
.
Dem Beschwerdeführer sei für das
Einwandverfahren
[richtig wohl:
Be
schwerdeverfahren
]
die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen und es sei ihm die Unterzeichnende als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestel
len.“
Die Militärversicherung schloss am 14. Dezember 2012 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 8). Nachdem dem Versicherten mit Verfügung vom 8. Januar 2013 (Urk. 12) die unentgeltliche
Rechtsverbeistän
dung
bewilligt worden war,
hielte
n die Parteien
replicando
(Urk.
15) und
dupli
cando
(Urk. 18) an ihren Anträgen fest. Am 12. Dezember 2013 nahm die
Mili
tärversicherung
Stellung
(Urk. 24)
zum vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Dezember 2013 (Urk. 20) eingereichten Bericht der
B.___
vom 18. November 2013 (Urk. 21), was dem Beschwerdeführer am 16. Dezember 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 25).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede
Gesundheitsschädi
gung
, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie festgestellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher
nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschä
digung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a geforderte Beweis erbracht, dagegen nicht der
jenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung (Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung angemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädigung
handelt (Art. 6 MVG).
1.2
Die eine Haftung begründende Verschlimmerung kann auslösender Natur sein, indem sie eine latente Gesundheitsschädigung in eine klinisch manifeste Form überführt, oder sie kann eine klinisch manifeste Gesundheitsschädigung un
günstig beeinflussen. Im zweiten Fall kann die vorbestandene
Gesundheitsschä
digung
stationär oder labil (allenfalls auch progredient) gewesen sein. Die Ver
schlimmerung selbst kann vorübergehend oder dauernd sein; sie kann auch richtunggebend sein. Ist die Verschlimmerung dauernd (oder richtunggebend), haftet die Militärversicherung auf unbestimmte Zeit, ist sie lediglich vorüberge
hend, kann die Haftung befristet werden. Voraussetzung für eine zeitliche Be
grenzung der Haftung ist, dass die Verschlimmerung mit Sicherheit behoben ist (vgl. Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, N 40 und N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die Verschlimmerung gilt als behoben, wenn der "Status quo ante" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte vor dem Dienst befunden hat) oder der "Status quo sine" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er den Einwirkungen während des Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) er
reicht ist (
Maeschi
, a.a.O., N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen).
1.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammen
hang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der
Gesundheits
schädigung
vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausgeschlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat
kausaler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
1.4
Rückfälle und Spätfolgen versicherter Gesundheitsschäden stellen insofern ei
nen Sonderfall dar, als sie kraft ausdrücklicher gesetzlicher Vorschrift der
Be
weisregel
von Art. 6 MVG unterliegen. Die Haftung für Rückfälle und Spätfol
gen greift Platz, wenn trotz Identität der Gesundheitsschädigung ein neuer Versicherungsfall anzunehmen ist. Ein neuer Versicherungsfall liegt vor, wenn die nachdienstlich gemeldete Gesundheitsschädigung nicht zum Symptomkreis der versicherten Gesundheitsschädigung gehört (das Krankheitsgeschehen me
dizinisch somit keine Einheit bildet). Bei gleicher Gesundheitsschädigung wird praxisgemäss ein neuer Versicherungsfall angenommen, wenn ein längeres be
schwerdefreies Intervall vorliegt, welches auf eine Abheilung der ursprüngli
chen Gesundheitsschädigung schliessen lässt, und keine Brückensymptome vorhanden sind, die auf ein kontinuierliches Fortbestehen des als versichert an
erkannten Leidens schliessen lassen (zu den Anforderungen an
Brückensymp
tome
insbesondere bei Rückenleiden vgl.
Debrunner
/
Ramseier
, Die Begutach
tung von Rückenschäden in der schweizerischen sozialen Unfallversicherung, Bern 1990, S. 64 f.). Liegt kein neuer Versicherungsfall vor, gilt bei Identität der Gesundheitsschädigung weiterhin die bisherige Haftung nach Art. 5 oder Art. 6 MVG. Werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, ist daher vorab zu prüfen, ob ein neuer Versicherungsfall gegeben ist (
Maeschi
, a.a.O., N 43 zu Vorbemerkungen zu Art. 5 - 7 MVG, N 12 und N 23 zu Art. 6 MVG, S. 78, S. 94 und S. 97, je mit Hinweisen).
Nach dem Wortlaut des Gesetzes besteht bei Rückfällen und Spätfolgen auch insofern eine Besonderheit, als sich die vorausgesetzte Kausalität auf den Zu
sammenhang mit der versicherten ursprünglichen Gesundheitsschädigung be
zieht. Schon im Hinblick darauf, dass für Spätfolgen und Rückfälle auch
nach
dienstliche
zivile Einwirkungen ursächlich sein können, kann die Identität der gemeldeten Spätfolge oder des Rückfalls mit der ursprünglichen
Gesundheits
schädigung
für sich allein jedoch nicht haftungsbegründend sein. Vielmehr be
darf es darüber hinaus eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs der Spätfolgen oder des Rückfalls mit Einwirkungen während des Dienstes (
Ma
eschi
, a.a.O., N 24 zu Art. 6 MVG, S. 97 f.).
1.5
Die Leistungspflicht des Militärversicherers
für einen während des Dienstes erlitte
nen Unfall
setzt einen natürlichen und
adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1040/2012 vom 15. März 2013 E. 2 mit Hinweisen).
Ursa
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten ge
dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bezie
hungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
Als adäquate Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis nach der Rechtsprechung dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereig
nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a, 123 V 98 E. 3d, 139 E. 3c, 122 V 415 E. 2a, 121 V 45 E. 3a mit Hinweisen; RKUV 1997 Nr.
U 272 S. 172 E. 3a).
1.6
1.6.1
Um zu entscheiden, ob zwischen dem Unfall und
einer psychischen
Störung ein
adäquater
Kausalzusammenhang besteht, sind in der
Militärversicherung
diesel
ben Grundsätze anzuwenden, die von der Rechtsprechung im
Unfallversiche
rungsbereich
entwickelt worden sind. Im
Sozialversicherungsrecht
spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzu
sammenhang ergebenden Haftung des Militärversicherers im Bereich klar aus
gewiesener organischer Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adä
quate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt. Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Be
schwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen
Ge
schehensablauf
auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Nach der für
psychische
Fehlentwicklungen nach Un
fall erarbeiteten sogenannten Psycho-Praxis werden diese Adäquanzkriterien unter Ausschluss
psychischer
Aspekte geprüft
, während nach der bei
Schleu
dertraumen
und äquivalenten Ver
letzungen der HWS sowie
Schädel-
Hirntrau
men
anwendbaren sogenannten Schleudertrauma-Praxis auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1040/2012 vom 15. März 2013 E. 2 mit Hinwei
sen).
1.6.2
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versiche
rungsmässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133
E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352
E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.6.3
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352
E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549
S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.6.4
Bei banalen Unfällen wie z.B. bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B. einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres ver
neint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
1.6.5
Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenser
fahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheits
schäden
zu bewirken (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b).
1.6.6
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine
Ge
samtwürdigung
einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109
E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346
S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV
Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem
Grenz
bereich
zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
mitbe
günstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10
E. 2).
2.
2.1
Die Militärversicherung begründete die Ablehnung der Haftung
-
unter Hinweis auf das Gutachten des
A.___
vom 15. Juni 2011 (Urk. 9/155) -
damit, dass die beim Sturz vom 4. Juli 2007 erlittenen Verletzungen
bis 24. Oktober 2007 wie
der
komplikationslos abgeheilt seien. Für die depressive Episode und die nar
zisstische Persönlichkeitsstörung bestehe aufgrund des Fehlens eines
rechts
genüglichen
Kausalzusammenhangs zum Unfall keine Leistungspflicht (Urk. 2 S. 7 ff., Urk. 8 S.
2 ff.,
Urk. 18,
Urk. 24
).
Nämliches gelte für eine allfällige Bor
reliose, welche mit dem Bericht der Ärzte der
B.___
vom 18. November 2013 (Urk. 21) jedenfalls nicht nachgewiesen sei (Urk. 24)
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
auf das Gutachten des
A.___
vom 15. Juni 2011 (Urk. 9/155)
könne – aufgrund formeller wie auch materieller Mängel - nicht abgestellt werden. Da seine
psychischen Beschwerden
, die medizinisch schwer fassbar seien und je nach Arzt unter die Diagnose einer Anpassungsstörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung und/oder einer
Somatisierungsstörung
zu subsumieren seien,
sowohl in einem natürlichen als auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zu
m
Unfall vom 4. Juli 2007 stünden, sei die Militärversicherung leistungspflichtig dafür
(Urk. 1 S
.
9 ff., Urk. 15 S. 2 ff.).
Zu
berücksichtigen sei auch, dass zwischenzeit
lich eine chronische Borreliose festgestellt worden sei (Urk. 20).
3.
3.1
Die nach dem Unfall vom 4. Juli 2007 notfallmässig (ambulant) konsultierten Ärzte des
C.___
,
Orthopädische Klinik, stellten in ihrem Bericht vom nämlichen Datum folgende Diagnosen (Urk. 9/10 S. 1):
-
Nicht dislozierte Radiusköpfchenfraktur
-
Scaphoidfraktur
links
-
Kontusion lumbal mit Abschürfung
Der Beschwerdeführer sei beim Aufbauen eines Gerüsts infolge einer
Fehlbewe
gung
aus zirka zwei bis drei Metern auf einen Betonbogen auf die linke Kör
perseite gestürzt, wobei er sich nach eigenen Angaben mit dem linken Arm ab
gefangen habe. Es sei zu keinem
Kopfanprall gekommen, und auch eine
Be
wusstlosigkeit und Erbrechen
seien nicht aufgetreten. Der Beschwerdeführer, der keine Amnesie aufweise, habe bei der Untersuchung einen GCS von 15 aufge
wiesen und sei zu allen Qualitäten orientiert gewesen.
3.2
Dr. med
.
D.___
,
Facharzt FMH für Chirurgie und Handchirurgie, gab am 21. September 2007 an, beide Frakturen seien nach konservativer Be
handlung mit Gipsruhigstellung komplikationslos abgeheilt. Es bestünden noch eine Bewegungseinschränkung des Handgelenks und ein Streckdefizit des Ell
bogens von 20°; nun erfolge eine Mobilisation. Die Behandlung könne voraus
sichtlich in ein bis zwei Monaten – bei wieder uneingeschränkter Arbeitsfähig
keit – abgeschlossen werden (Urk. 9/20).
3.3
Med.
pract
.
E.___
,
Facharzt
FMH
für Allgemeine Medizin,
hielt am 22. Oktober 2007 telefonisch fest, es sei noch ein weiterer Kontrolltermin vorgesehen. Es sei sinnvoll, wenn die Militärversicherung diesen Fall im Auge behalte. Da
s
Ver
halten des Beschwerdeführers sei auffallend. Dieser führe jetzt alles auf den Unfall, seit dem für ihn eine Welt zusammengebrochen zu sein scheine, zurück. Er – med.
pract
.
E.___
– habe noch eine neurologische Abklärung veranlasst (Urk. 9/31).
3.4
Dr.
D.___
berichtete am 25. Oktober 2007, unter Gipsruhigstellung für acht Wochen sei es zu einem radiologischen
Durchbau
der beiden beim Un
fall erlittenen Frakturen gekommen. Zur Mobilisation des Ellbo
g
ens sei in der Folge eine Physiotherapie durchgeführt worden; die Han
d
gelenksbeweglichkeit habe sich ohne Therapie wieder normalis
i
ert. Derzeit best
ehe noch ein gewisser
Kraftverl
u
s
t in der linken Hand, der sich aber ohne Behandlung
normalisieren sollte (Urk. 9/32.1 S. 1, Urk. 9/32.2 S. 1). Betreffend die offenbar noch vorhan
denen Lumbalgien, Konzentrationsmängel und Magenprobleme stehe der Be
schwerdeführer nicht bei ihm in Behandlung (Urk. 9/32.1 S. 2, Urk. 9/32.2 S. 2). In Bezug auf die Hand und den Ellbogen sei daher
am
24. Oktober 2007 der
Be
handlungsabschluss
erfolgt und dem Beschwerdeführer ab dem 25. Oktober 2007 wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden (
Urk. 9/32.1 S. 1 f.,
Urk. 9/32.2 S. 2).
3.5
Im Hinblick auf eine arbeitsorientierte Rehabilitation (vgl. Urk. 9/39 S. 1) liess sich der Beschwerdeführer vom 26. November bis 19. Dezember 2007 stationär von den Ärzten der
Y.___
behandeln. Diese stellten im
Austritts
bericht
vom 8. Januar 2008 folgende Diagnosen (Urk. 9/54 S. 1):
-
Nicht dislozierte Radiusköpfchen-
Meisselfraktur
linker Ellbogen
-
Sc
aphoidfraktur
links
-
Kontusion lumbal mit Hautschürfung
-
Anpassungsstörung; Verdacht auf
beginnende
undifferenzierte
Somatisie
rungsstörung
(ICD-10 F45.1)
Es bestünden nachstehende aktuelle Probleme:
-
Schmerzen im linken Handgelenk
-
Belastungsabhängige Schmerzen im linken Ellbogen
-
Nicht abgeschlossene Lehre zum Multimediaelektroniker
-
Konzentrationsstörungen, schnelle Ermüdbarkeit, Sehstörung,
Ohrrau
schen
-
Kopfschmerzen
-
Myofasziale
Beschwerden im Schultergürtelbereich
Während die im linken Ellbogen und
im
Bereich des
linken Handgelenks
angege
benen
Beschwerden noch als
während der Heilungsphase nach
Radius
köpfchen-Meissel
- und
Scaphoidfraktur
bestehende posttraumatische Beein
trächtigung erklärt werden könnten, seien die weiteren geklagten Symptome am ehesten im Rahmen einer Anpassungsstörung zu interpretieren (Urk. 9/54 S. 2). Eine p
sychische Störung mit Krankheitswert
weise der Beschwerdeführer indes nicht
auf. Bis zur ab 23. Januar 2008 geplanten stationären Therapie (
Work
hardening-Programm
) auf der Abteilung Ergonomie sei noch von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 9/54 S. 1 f.). Aus unfallkausaler Sicht sei aufgrund der Untersuchungsbefunde mit dem Wiedererlangen einer
vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu rechnen (Urk. 9/54 S. 3).
3.
6
Nachdem sie den Beschwerdeführer vom 23. Januar bis 27. Februar 2008 erneut stationär behandelt hatten, stellten die Ärzte der
Y.___
im
Aus
trittsbericht
vom 5. März 2008 nachstehende Diagnosen (Urk.
9/78 S. 1
):
-
Nicht dislozierte Radiusköpfchen-
Meisselfraktur
linker Ellbogen
-
Sc
aphoidfraktur
links
-
Kontusion lumbal mit Hautschürfung
-
Anpassungsstörung mit Angst und leichter depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22) auf der Schwelle zur Entwicklung einer undifferenzierten
Soma
tisierungsstörung
(ICD-10 F45.1); diagnostiziert am 27. Dezember 2007
Derzeit bestünden folgende Probleme:
-
Persistierende, multiple Schmerzen bei undifferenzierter
Somatisierungs
störung
, so unter anderem Schmerzen im linken Handgelenk,
belas
tungsabhängige
Schmerzen im linken Ellbogen, Kopfschmerzen und
myofasziale
Beschwerden im Schultergürtelbereich
-
Konzentrationsstörungen, schnelle Ermüdbarkeit, Sehstörungen,
Ohren
rauschen
-
Weiterhin unklare berufliche Zukunft bei nicht abgeschlossener Lehre zum
Multimediaelektroniker
Infolge Selbstlimitierung und ungenügender Kooperation im Ergonomie
-
trainings
programm
hätten die zu erwartenden Verbesserungen be
treffend Funktion und Belastbarkeit nicht ganz erreicht werden können. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den wenig relevanten objektivierbaren pathologischen Befunden und den gestellten Diagnosen aus somatischer Sicht nur
in sehr unzureichendem Mass
erklären (Urk.
9/78 S. 2
f.). Es liege keine psychische Störung mit Krankheitswert vor. Auch aus physischer Sicht sei dem Beschwerdeführer, der sich für gänzlich ar
beitsunfähig halte, jede (auch schwere) Tätigkeit zu 100 % zumutbar (
Urk. 9/78 S. 2
).
3.7
Am 10. April 2008 wurde der Beschwerdeführer von Dr. med.
F.___
,
Fach
arzt FMH für Neurologie, untersucht. Dieser stellte in seinem Bericht vom 11. April 2008 nachstehende Diagnosen (Urk. 9/90 S. 1):
-
Chronischer Kopfschmerz
-
chronischer Spannungskopfschmerz
-
medikamentenindizierter Kopfschmerz bei Überkonsum von Migräne-
Kranit
-
mögliche
somatoforme
Komponente im Rahmen einer möglichen post
traumatischen Anpassungsstörung
-
Status nach nicht
dislozierter Radiusköpfchenfraktur links und
S
c
aphoid
fraktur
links sowie Kontusion lumbal anlässlich eines Sturzes am 4. Juli 2007 während
des
Militärdienst
s
-
rein konservative Therapie
Die Befunde der klinischen Untersuchung seien unauffällig. Betreffend die ge
klagten Kopfschmerzen bestehe allenfalls eine
somatoforme
Komponente im Rahmen einer möglichen Anpassungsstörung nach dem Unfall. Dass der Be
schwerdeführer sich beim fraglichen Ereignis ein Schädel-Hirn-Trauma zugezo
gen habe, sei aufgrund der echtzeitlichen Arztberichte und der Tatsache, dass er unmittelbar nach dem Sturz noch in der Lage gewesen sei, mit dem Lastwagen von
G.___
nach
H.___
zu fahren, unwahrscheinlich. Die Konzentrations- und vegetativen Störungen seien wohl im Rahmen der Spannungskopfschmer
zen zu interpretieren (Urk. 9/90 S. 3).
3.
8
Die Ärzte der
I.___
,
Obere Extremitäten, hielten am 23. September 2008 fest, die bisherige Behandlung der Schulter-/Ellbogenverletzung sei regel
recht erfolgt und habe zu einer Ausheilung der Frakturen im Bereich des
Radi
usköpfchens
und des
Scaphoides
geführt. Weitere Therapien diesbezüglich
seien
aus orthopädischer Sicht nicht indiziert. Betreffend die noch geklagten thora
kalen Schmerzen sei eine Untersuchung durch einen Arzt der Abteilung Wir
belsäule veranlasst worden (Urk.
9/98 S. 2
).
3.
9
Nach Kenntnisnahme der medizinischen Akten teilten die Ärzte der
I.___
,
Neurologie, der Militärversicherung am 20. Oktober 2008 mit, dass von einem weiteren neurologischen Konsilium weder in diagnostischer noch in the
rapeutischer Hinsicht neue relevante Erkenntnisse zu erwarten seien, weshalb davon abgesehen werde (Urk. 9/103).
3.10
Die MRI-Untersuchung des Gehirns vom 5. Dezember 2008 ergab einen norma
len Befund (Urk.
9/107
).
3.11
Die
n
europsy
chologische Untersuchung vom 4.
Juni 2009
zeigte
insgesamt mit
telschwere Defizite in der Aufmerksamkeit sowie in
mnestischen
und exekuti
ven Teilfunktionen, ein langsames Arbeitstempo und einen reduzierten Antrieb; die Minderleistungen seien unspezifisch. Da ein Bewusstseinsverlust sowie schwere kognitive Beeinträchtigungen aufgrund der Anamnese unwahrschein
lich und die Befunde der bildgebenden Untersuchungen unauffällig seien, be
stünden keine Anhaltspunkte
für
hirnorganische Beeinträchtigungen. Die Defi
zite seien am ehesten mit der depressiven Stimmungslage zu erklären. Ange
sichts der sich aus der Anamnese, dem klinischen Bild und dem Fragebogen er
gebenden reaktiven depressiven Symptome und der Hinweise auf eine mögliche posttraumatische Belastungsstörung sei eine umfassende psychiatrische Abklä
rung mit anschliessender Beratung und Therapie angezeigt (vgl. Bericht
J.___
,
Neurologische Klinik
, vom 8. Juni 2009, Urk. 9/123 S. 2).
3.12
Am 22. Juni 2009 ersuchte
Dr. med.
K.___
,
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
die Militärversicherung, ihren Verpflichtungen nach dem
vorschnellen Fallabschluss wieder nachzukommen.
Die multiplen und schwer
wiegenden Beschwerden zeitigten nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit und führten zu folgenden
Differentiald
iagnosen:
-
Posttraumatische Belastungsstörung
-
Status nach Hirnverletzung (plötzliche Abbremsung nach 4-5 m Höhe)
-
Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS)
-
Sonstige Wirbelsäulenverletzung
Die am 4. Juni 2009 erfolgte neuropsychologische Untersuchung des – seit 16. April 2009 bei ihr in Behandlung stehenden – Beschwerdeführers habe mit
telschwere Defizite in der Aufmerksamkeit sowie in
mnestischen
und exekuti
ven Teilfunktionen, ein langsames Arbeitstempo sowie einen reduzierten An
trieb ergeben.
Der Fall
sei medizinisch
überhaupt nicht abgeschlossen
. Der Be
schwerdeführer habe nach dem Militärunfall im Jahr 2007, der ursächlich für sämtliche differentialdiagnostisch festgestellten Gesundheitsstörungen sei, die Arbeitsfähigkeit nicht wieder erlangt
(Urk. 9/117 S. 1)
.
3.13
Am 25. August 2009 stellte Dr.
K.___
nachstehende Diagnosen (Urk. 9/124 S. 5):
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) seit Unfall vom 4. Juli 2007
-
Status nach Radiusköpfchen-
Meisselfraktur
Ellbogen links und
Scaphoid
fraktur
links
-
Status nach Kontusion lumbal
Differentialdiagnostisch f
alle
ausserdem ein Schleudertrauma
der HWS in Be
tracht.
Seit dem 4. Juni 2009 bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Sämtli
che Gesundheitsstörungen wären ohne den Unfall vom 4. Juli 2009 nicht auf
getreten. Um weitere
seelische Verletzungen zu vermeiden, sei es wichtig, dass die Militärversicherung das Leiden des Beschwerdeführers anerkenne.
Dies sei eine Voraussetzung dafür, dass die Belastungsstörung wieder
abklinge
und der Beschwerdeführer sich mit der Zeit neuen Perspektiven (insbesondere berufli
cher Art) zuwenden könne.
3.14
Gestützt auf die Akten gelangte med.
pract
.
L.___
,
Facharzt FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, Versicherungspsychiatrischer Dienst der SUVA, am 1. Oktober 2009 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer an einer
Anpassungs
störung
mit Angst und einer längeren depressiven Reaktion
sowie
mit Störung anderer Gefühle und des sozialen Verhaltens (ICD-10 F43.2) leide. Die zudem beschriebenen tranceähnlichen beziehungsweise dissoziativen Phänomene lies
sen sich derzeit nicht eindeutig
klassifizieren
. Die chronischen Spannungskopf
schmerzen könnten als Stressreaktion verstanden werden. Phänomenologisch betrachtet lägen keine Anhaltspunkte für eine posttraumatische
Belastungsstö
rung
vor. Differentialdiagnostisch habe vorübergehend eine nicht näher be
zeichnete
somatoforme
Störung (ICD-10 F45.9) bestanden (Urk.
9/126 S. 6
). Ursächlich für die psychische Symptomatik sei mit überwiegender Wahrschein
lichk
eit der Unfall vom 4. Juli 200
7.
Aufgrund der diagnostischen Unklarheiten lasse sich die Arbeitsfähigkeit derzeit nicht beurteilen
(Urk.
9/126 S. 7
).
3.15
Die Ärzte der
M.___
,
die den Be
schwerdeführer vom 16. August bis 20. Oktober 2010 teilstationär behandelt hatten, stellten am 25. Oktober 2010 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/22 S. 2 f.
im Prozess Nr. IV.2013.00402
):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0); wahrscheinlich Entwicklung nach Unfall vom 4. Juli 2007
-
Undifferenzierte
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1); Entwicklung nach Unfall vom 4. Juli 2007
-
Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (ICD-10 F 44.6); Entwicklung nach Unfall vom 4. Juli 2007
-
Verdacht auf akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10 F60.8); wahrscheinlich seit Jahren bestehend
Der Beschwerdeführer sei – aufgrund der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und der durch den Unfall während der RS erfahrene
n
Kränkungen, in deren Anschluss er eine dissoziative Störung und ein depressives Zustandsbild entwi
ckelt habe – längerfristig nicht arbeitsfähig (Urk. 8/22 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.16
Dr.
K.___
stellte am 1. November 2010 nachstehende Diagnosen mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/23 S. 5
im Prozess Nr. IV.2013.00402
):
-
Status nach Sturz au
s
zirka 4 m Höhe beim Beladen eines
Militärlastwa
gens
mit Radiusköpfchenfraktur linker Ellbogen,
Scaphoidfraktur
linkes Handgelenk, Kontusion mit Abschürfung lumbal am 4. Juli 2007
-
Mittelschwere neuropsychologische Defizite (Untersuchung vom 4. Juni 2009)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit vielfältigen körper
lichen, seelischen und geistigen Symptomen wie massiver Depres
sion, Antriebsschwäche, Ängste
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten die seit dem Unfall bestehenden Potenzprobleme und der Umstand, dass der Beschwerdeführer sehr darunter leide, dass durch den Unfall all seine Lebensträume (Familie, kleines Haus, gute Arbeit, Auto etc.) zerstört worden seien (Urk. 8/23 S. 6
im Prozess Nr. IV.2013.00402
). Die psychische Symptomatik sei durch den dienstlichen Unfall ausgelöst worden und dann – nach wiederholten Traumatisierungen – mit einer Latenz aufgetreten (Urk. 8/23 S. 9
im Prozess Nr. IV.2013.00402
). Seit dem Unfall vom 4. Juli 2007 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der vor dem Eintritt in den Mi
litärdienst
den mündlichen Teil der Lehrabschlussprüfung als
Multimedia
elektroniker
nicht bestanden habe
, nach erfolgreicher psychotherapeutischer und neuropsychologischer Behandlung wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sein werde
(Urk. 8/23 S. 8
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.
17
Nachdem sie den Beschwerdeführer am 1. und 16. September 2010 untersucht hatte, stellte Dr. med.
Z.___
in ihrem Bericht vom 2. November 2010 folgende Diagnosen (Urk.
9/144
S. 10):
-
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0) mit dissoziativen Anteilen (ICD-10 F44.6)
-
Episodisch-paroxysmale Angst (Panikattacken, ICD-10 F41.0)
-
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
Sozialver
halten
(ICD-10 F43.25)
Die psychischen Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 4. Juli 2007 und die damit verbundenen schweren Kränkungen zurückzuführen (Urk.
Urk. 9/144
S. 13).
3.
18
Der seit 8. September 2010 behandelnde Hausarzt med.
pract
.
E.___
,
Fach
arzt
FMH
für
Allgemeine Medizin, stellte am 10
. November 2010 nachstehende, durch den am 4. Juli 2007 erlittenen dienstlichen Unfall bedingte Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/26 S. 6
im Prozess Nr. IV.2013.00402
):
-
Radiusköpfchenfraktur links
-
Scaphoidfraktur
links
-
L
umbale Kontusion
-
Posttraumatische Stö
rung mit Kopfschmerzen frontal
-
Konzentrationsstörung mit Merkschwierigkeiten
Als
Multimediaelektroniker
sei der Beschwerdeführer – aufgrund von Angstzu
ständen sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen – zu 100 % arbeitsunfähig. Ob diese Tätigkeit aus medizinischer Sicht noch zumutbar sei, müsse überprüft werden (Urk. 8/26 S. 7
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.
19
Am 2
1.
und 24. März 2011 wurde der Beschwerdeführer von den Ärzten des
A.___
polydisziplinär untersucht. In ihrem Gutachten vom 15. Juni 2011 stellten diese
folgende
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
9/155
S. 42):
-
Status nach nicht dislozierter
Radiusköpfchenfraktur
links vom 4. Juli 2007
-
Status nach
Scaphoidfraktur
links am 4. Juli 2007
-
Blockaden im Bereich der Lendenwirbelsäule
-
Leichte depressive Episode, ICD-10 F32.00
-
Akzentuierung von narzisstischen Persönlichkeitszügen, ICD-10 Z73.1
Seit dem 20. Dezember 2007 sei der Beschwerdeführer wieder uneingeschränkt arbeitsfähig (
Urk. 9/155
S. 46 f.).
3.
20
Dr. med.
N.___
,
Facharzt FMH für Chirurgie, Chiroprakt
ik
SAMM,
Schmerzthera
pie
SSIPM, gab am 30. Januar 2013 an, der Beschwerdeführer leide an einer Depression und sei daher arbeitsunfähig. Die diagnostizierte Stö
rung trete in der Familie des Beschwerdeführers gehäuft auf (Urk. 8/57 S. 5
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.
21
In ihrem Verlaufsbericht vom 20. Februar 2013 stellte die Psychiaterin Dr.
K.___
nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 8/58 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
):
-
Posttraumatische Belastungsstörung nach Militärunfall am 4. Juli 2007 mit neuropsychologischen Defiziten
-
Chronische Borreliose-Symptome seit kurz nach dem Militärunfall
Weil sie in einen anderen Kanton gezogen sei, habe sie der Beschwerdeführer zwischen Mai 2010 und
dem
13. Juli 2013 nicht mehr konsultiert.
Dieser habe sich, n
achdem sich seine Symptome in der Zwischenz
eit noch verschlechtert hätten,
in einem beunruhigend schlechten Gesundh
eitszustand gezeigt. Da sie im Jahr
2012 ein intensives Selbststudium betreffend chronische Borreliose ab
solviert habe, habe sie mit dem Beschwerdeführer die Checkliste nach Dr.
med.
O.___
durchgearbeitet. Aufgrund der vorhandenen Symptome habe sich
– trotz negativer Serologie -
ein hoher Verdacht auf chronische Borreliose erge
ben (Urk. 8/58 S.
1 f.
im Prozess Nr. IV.2013.00402
). Seit dem 23. Januar 2013
erfolge nun eine intensive antibiotische Behandlung. Ursächlich für die 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 4. Juli 2007 seien der Sturz während des Mili
tärdienstes und die durch einen - allenfalls ebenfalls während des Militärdiens
tes erlittenen – Zeckenbiss
erfolgte
Ansteckung mit chronischer Borreliose. Sie habe im Übrigen bei verschiedenen
Borr
e
liosepatienten
festgestellt, dass sich eine vorbestehende Borreliose im Anschluss an eine Belastung, in Form etwa einer sonstigen Krankheit oder vor allem eines Unfalls, häufig massiv ver
schlimmere (Urk. 8/58 S.
2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.
22
Dr. med.
P.___
,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, stellte am 22. Februar 2013 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/59 S. 1
im Prozess Nr. IV.2013.00402
):
-
Posttraumatisches POS/ADHS (Militärunfall), bestehend seit 2007
-
Differentialdiagnose
:
Borreliose, Zeitpunkt der Infektion unklar, beste
hend seit 2007
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten nachstehende, seit dem im Jahr 2007 erlittenen Unfall bestehende Diagnosen:
-
Gelegentliche Armschmerzen links nach Handgelenk- und
Ellbogenfraktu
ren
-
Rückenschmerzen
Als
Multimediaelektroniker
und als Lastwagenfahrer sei der Beschwerdeführer seit dem Unfall im Jahr 2007 zu 0 % [richtig wohl 100 %] arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Seine Leis
tungsfähigkeit sei insofern eingeschränkt, als er einen absolut unstrukturierten Alltag, teilweise mit Umkehr von Tag und Nacht, aufweise und sich kaum um seine Familie kümmere (Urk. 8/59 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
). Betref
fend die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit seien entspre
chende Abklärungen seitens der IV-Stelle indiziert. Eine Verbesserung des Leistungsvermögens lasse sich allenfalls durch eine Behandlung mit Ritalin und mit Antibiotika erzielen (Urk. 8/59 S. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
3.
23
In seiner auf den Akten beruhenden Stellungnahme vom 14. März 2013 (Urk. 8/61 S. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
) gelangte der RAD-Arzt Dr. med.
Q.___
,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Häma
tologie,
- unter Hinweis auf die
negative Labortestung
und darauf, dass
die
(
im Wesentlichen unspezifische Symptome enthaltende
)
„Checkliste nach Dr.
O.___
“ gemäss
dem Verfasser
selbst gerade nicht als
Diag
noseinstru
ment
zu verstehen sei – zum Schluss, dass
eine Borreliose beziehungsweise ein daraus
resultierender Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nicht ausgewiesen
sei
.
3.
24
Gestützt auf die Ergebnisse der erneuten neuropsychologischen Untersuchung vom 11. April 2013 (Urk. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
) stellten die Ärzte des
J.___
,
Klinik für Neurologie, in ihrem gleichentags verfass
ten Bericht folgende Diagnosen:
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
-
Differentialdiagnose
n
: ADHS, reaktive Depression, (chronische Borreli
ose)
Subjektiv hätten sich die Beschwerden seit der letzten Testung am 4. Juni 2009 nicht verbessert. Der Beschwerdeführer klage weiterhin über verminderten An
trieb, Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Frustra
tion, Trauer über seine Situation und Aggression. Die aktuelle Testung habe ein im Wesentlichen unverändertes neuropsychologisches Leistungsprofil mit un
spezifischen leicht- bis
mässiggradigen
kognitiven Einschränkungen ergeben. Bei Hinweisen auf eine depressive Stimmungslage sei nach wie vor am ehesten von einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer reaktiven Depression auszugehen. Eine chronische Borreliose als Ursache der Symptomatik sei – bei negativer
IgG
- und
IgM
-
Borrelien
-Serologie – nicht anzunehmen.
3.
25
Die Ärzte der
B.___
,
Schul- und Komplementärmedizin, stellten am 18. November
2013 folgende Diagnosen (Urk. 21
):
-
Chronische Borreliose in aktiviertem Zustand
-
Beckenschiefstand, Skoliose und Fehlhaltung im Bewegungsapparat nach Unfall
-
Posttraumatische Belastungsstörung mit neuropsychologischen Defiziten
-
ADHS-Syndrom
Die Arbeitsfähigkeit des erst seit kurzem in der Klinik in Behandlung stehenden Beschwerdeführers lasse sich zwar nur teilweise beurteilen. Fest stehe allerdings, dass das von diesem vorgelegte orthopädische Gutachten nicht korrekt sei. Eine nicht behandelte chronische Borreliose sei mit einer deutlichen
Leistungsver
minderung
verbunden.
4.
4.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten
(Urk. 1, Urk. 15, Urk. 20)
, dass die beim Sturz vom 4. Juli 2007 erlittenen Frakturen am linken Ellbogen und der linken Hand sowie die lumbale Kontusion schon bald wieder abheilten
und keine Leistungseinbusse mehr zeitigten (
Urk.
9/78 S. 2,
Urk. 9/98 S. 2, Urk. 9/155 S. 42
). Aufgrund der Ergebnisse der fundierten entsprechenden Un
tersuchungen ist sodann davon auszugehen, dass der weiterhin geklagten Symptomatik kein organisch objektivierbarer Gesundheitsschaden, insbesondere keine Verletzung des Gehirns (Urk.
9/107
), zu Grunde liegt (vgl. auch Urk.
9/155 S. 24 f.
). Dass eine Distorsion der HWS, wie sie die Psychiaterin Dr.
K.___
am 22. Juni 2009 diagnostizierte (Urk. 9/117 S. 1), (teil-)ursächlich sei für die Beschwerden, ist angesichts der Tatsache, dass kein anderer Arzt eine derartige – nicht in den Fachbereich der genannten Ärztin fallende - Störung auch nur differentialdiagnostisch festgestellt und sich der Beschwerdeführer am 4. Juli 2007 aktenkundig im Lenden- und nicht im Halswirbelsäulenbereich verletzt hatte, auszuschliessen. Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer eine psychi
sche Störung und/oder eine chronische Borreliose
aufweist,
deretwegen
er An
spruch auf
weitere
Leistungen der Militärversicherung hat
.
4.2
Aufgrund der zitierten medizinischen Berichte sind die seit dem Unfall vom 4. Juli 2007 anhaltenden multiplen Beschwerden vor dem Hintergrund einer psychischen Störung zu sehen. Dass der Beschwerdeführer, dem kein
Zecken
stich
erinnerlich ist, seit Sommer 2007 an einer chronischen Borreliose leidet, ist nicht anzunehmen. So beruht die von der Psychiaterin Dr.
K.___
am 20. Februar 2013 gestellte
entsprechende Diagnose einzig auf der Checkliste nach Dr. med.
O.___
(
Urk. 8/58 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
).
Damit, dass
der Beschwerdeführer, nachdem die Militärversicherung ihre am 21. Januar 2010 (Urk. 9/137) verfügte Leistungsverweigerung mit
Einspracheentscheid
vom 4. Oktober 2012 bestätigt (Urk. 2) und ihm die IV-Stelle mit Vorbescheid
vom 22. Oktober 2012 (Urk. 8/46
im Prozess Nr. IV.2013.00402
) die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht gestellt hatte, auf Befragung (fast) sämtliche in der Liste angeführten (unspezifischen) Symptome bejahte (Urk. 8/58 S. 4 f.
im Pro
zess Nr. IV.2013.00402
),
ist
eine – zuvor während knapp sechs Jahren von kei
nem der behandelnden und untersuchenden Ärzte auch nur
differentialdiagnos
tisch
in Betracht gezogene - Borreliose jedenfalls nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen
. Dass Dr.
K.___
trotz des negativen Be
fundes der Laboruntersuchung (Urk. 8/58 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
; vgl.
hiezu
auch Urk. 8/61 S. 3 und Urk. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
) und trotz der Tatsache, dass die Checkliste nach Dr. med.
O.___
explizit kein Diagnoseinstrument darstellt, sondern lediglich für öffentliche Erhebungen be
stimmt ist (vgl.
hiezu
http://www.lymenet.de/BurrD.htm#DIAGNOSTIC CRITERIA
und Urk. 8/61 S. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
), an der fraglichen Diagnose festhielt, vermag nicht einzuleuchten (vgl.
hiezu
auch Bericht
des
J.___
,
Klinik für Neurologie, vom 11. April 2013 [Urk. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
] und Stellungnahme
von
RAD-Arzt Dr.
Q.___
vom 14. März 2013 [Urk. 8/61 S. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
]). Offenbar brachte denn die am 23. Januar 2013 begonnene intensive antibiotische Behandlung des fraglichen Leidens (vgl. Urk. 8/58 S. 2
im Prozess Nr. IV.2013.00402
) auch keine wesentliche Besserung (vgl. Urk.
21
). Auf den Bericht der
B.___
vom 18. November 2013 (Urk.
21
) kann insofern nicht abgestellt werden, als die Ärzte, die sich aufgrund der erst kurzen Behandlungsdauer zu einer
Arbeitsfä
higkeitsbeurteilung
ausserstande sahen, die von ihnen (unter anderem) gestellte Diagnose einer chronischen Borreliose in aktivem Zustand nicht begründeten.
Anzumerken ist, dass eine chronische Borreliose als Grund für die anhaltende Symptomatik ohnehin keinen (weiteren) Leistungsanspruch gegenüber der
Mi
litärversicherung
zu begründen vermöchte, da aufgrund der Ausführungen des Beschwerdeführers und der medizinischen Akten jedenfalls von keiner überwie
gend wahrscheinlichen dienstlichen Ursache beziehungsweise Verschlimmerung der fraglichen Gesundheitsstörung auszugehen wäre
(Urk. 8/58 S. 2 und Urk. 8/59 S. 1 im Prozess Nr. IV.2013.00402)
.
4.
3
4.3.1
Hinsichtlich der Natur der psychischen Störung und deren Auswirkungen auf das Leistungsvermögen ging die Militärversicherung gestützt auf das Gutachten
des
A.___
vom 15. Juni 2011 (Urk. 9/155) davon aus, dass der Beschwerdeführer an einer leichten depressiven Episode sowie einer Akzentuierung von narzissti
schen Persönlichkeitszügen leide
t
und dadurch nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
ist
(Urk. 2, Urk. 8).
Dass die fragliche Expertise von
der
IV-Stelle und nicht von
der
Militärversicherung eingeholt wurde (Urk. 1 S. 11), ist inso
fern ohne Belang, als sämtliche
vorhandenen
Gesundheitsstörungen
miteinbe
zogen
wurden
.
Die Expertise des
A.___
enthält eine umfassende Stellungnahme zu den vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/155 S. 42 ff.), beruht auf
einer
fundierten orthopädisch-chirurgischen (Urk. 9/155 S. 22 ff.), neuropsychologischen (Urk. 9/155 S. 26 ff.) und psychiatrischen (Urk. 9/155 S. 33) Untersuchung, erging in Kenntnis der
Vorakten
(Urk. 9/155 S. 2 ff.) und berücksichtigt die ge
klagten Beschwerden (Urk. 9/155 S. 44 f.; zum Beweiswert eines medizinischen Gutachtens vgl. BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Dabei gingen auch die Experten des
A.___
davon aus, dass aus organischer Sicht kein sich auf die Ar
beitsfähigkeit auswirkender Gesundheitsschaden bestehe (Urk. 9/155 S. 42 ff.). Der begutachtende Psychiater des
A.___
gelangte – aufgrund der im Rahmen seiner
eingehenden
(auch testpsychologischen) Untersuchung erhobenen Be
funde (Urk. 8/35 S. 37) und unter Berücksichtigung nicht nur der vom Be
schwerdeführer geschilderten Beschwerden (Urk. 9/155 S. 33 ff.), sondern auch der telefonischen Angaben des damals behandelnden Psychiaters Dr. med.
R.___
vom 25. März 2011 (Urk. 9/155 S. 40) – zum einleuchtenden Schluss, dass die psychische Symptomatik unter die Diagnosen einer leichten depressiven Episode und einer Akzentuierung von narzisstischen
Persönlich
keitszügen
zu subsumieren sei und keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (Urk. 9/155 S. 41 ff.). Entgegen den entsprechenden Ausführungen des Be
schwerdeführers (Urk. 1 S. 11) legte er überzeugend dar, dass die von den Ärz
ten zuvor diagnostizierten beziehungsweise vermuteten anderen psychischen Störungen nicht (mehr) vorlägen. Namentlich führte er dabei nachvollziehbar aus, dass eine posttraumatische Belastungsstörung, wie sie Dr.
K.___
fest
gestellt hatte, mangels entsprechender Anhaltspunkte sowohl in den medizini
schen Akten (einschliesslich der Berichte von
Dr.
K.___
selbst) als auch im Rahmen der gutachterlichen Untersuc
hung auszuschliessen sei (Urk. 9
/
155
S. 41). Die ebenfalls von Dr.
K.___
gestellte Diagnose einer dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörung lasse sich - auch aufgrund der Ausfüh
rung der genannten Psychiaterin selbst - in keiner Weise nachvollziehen. Auch eine – von verschiedenen Ärzten festgestellte beziehungsweise vermutete –
So
matisierungsstörung
verneinte er mit der nachvollziehbaren Begründung, dass sich die Schmerzschilderungen und das Verhalten des Beschwerdeführers an
lässlich der Begutachtung mit einer derartigen Störung nicht vereinbaren lies
sen. Das Vorliegen der von Dr.
Z.___
am 2. November 2010, mithin über drei Jahre nach dem Unfall vom 4. Juli 2007, diagnostizierten
Anpas
sungsstörung
mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten ne
gierte er schliesslich – angesichts der entsprechenden Diagnosekriterien nach ICD-10 zutreffend - deshalb, weil eine derartige Störung definitionsgemäss nach dem auslösenden Ereignis nicht länger als zwei Jahren diagnostiziert werden könne (Urk.
9
/
155
S. 38).
Was sodann die neuropsychologischen Defizite anbelangt, ergab die neuropsy
chologische Begutachtung durch das
A.___
zwar - aufgrund des
Aggravations
verhaltens
des Beschwerdeführers – keine verwertbaren Ergebnisse (Urk. 9/155 S. 26 ff.; Urk. 1 S. 11). Die – bei unveränderter Symptomatik – am 4. Juni 2009 (Urk. 9/123) und am 11. April 2013 (Urk. 3 im Prozess Nr. IV.2013.00402) im
J.___
durchgeführten neuropsychologischen Untersuchungen ergaben indes übereinstimmend unspezifische leichte bis
mässiggradige
kogni
tive Einschränkungen, welche am ehesten im Rahmen einer posttraumatischen
Belastungsstörung oder einer reaktiven Depression interpretiert wurden. Letzt
genannte Störung wurde denn von den Gutachtern des
A.___
– anders als die posttraumatische Störung - auch bestätigt; die Experten des
A.___
legten indes überzeugend dar, dass die Arbeitsfähigkeit dadurch nicht beeinträchtig werde (Urk. 9/155 S. 46). Etwas Gegenteiliges geht auch aus den beiden fraglichen Be
richten der Neuropsychologen des
J.___
nicht hervor (Urk. 9/123 sowie Urk. 3 im Prozess Nr. IV.2013.00402).
Der Umstand, dass
de
r
Psychiater des
A.___
zwar sein Teilgutachten (Urk.
9/154 S. 10
), nicht aber das Gesamtgutachten (Urk.
9/155
S. 49) unterzeichnete (Urk. 1 S. 11), tut der Be
weiskraft der Expertise
schliesslich ebenfalls
keinen Abbruch. Einerseits hatte
er
nämlich Kenntnis vom Ergebnis der weiteren Untersuchungen (vgl. Urk.
9/155
S. 38), und andererseits wurde seine Einschätzung im Gesamtgutachten unver
ändert übernommen.
Ein
ADHS beziehungsweise POS
als Ursache der Sympto
matik
, wie dies
– erst nach der Begutachtung durch das
A.___
– vom Allge
meinmediziner Dr.
P.___
und von den Ärzten der
B.___
vermutet beziehungsweise festgestellt
wurde (Urk.
8/59 S. 1 im Prozess Nr. IV.2013.00402 und Urk. 21
), ist insofern nicht anzunehmen, als die genannten Ärzte nicht darlegten, weshalb sie die – seit Jahren unveränderten
und
zuvor von keinem Arzt im Rahmen einer derartigen Störung interpretierten
– Beschwerden unter die fragliche Diagnose subsumierten. Ein ADHS wäre, selbst wenn es sich auf die Arbeits
f
ähigkeit auswirkte, für die Leistungspflicht der Militärversicherung im Übrigen schon deshalb irrelevant, weil –
bereits
aufgrund der Natur dieser Störung – nicht von einer überwiegend wahrscheinlichen dienstlichen Verursa
chung oder Verschlimmerung ausgegangen werden könnte.
4.3.2
Nach dem Gesagten ging die
Militärversicherung
zu Recht von einer seit
24. Oktober beziehungsweise
20. Dezember 2007 bestehenden uneingeschränk
ten Arbeitsfähigkeit aus (Urk. 2, Urk.
8
). Dass weitere medizinische Abklärungen (Urk. 1 S. 2) zu einem anderen Ergebnis führen
würden
, ist nicht anzunehmen, weshalb davon abgesehen werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen). Anzumerken bleibt, dass der Beschwer
deführer, der sich selbst seit dem 4. Juli 2007 als gänzlich arbeitsunfähig be
trachtet (vgl. etwa Urk.
9/78 S. 2, Urk. 9/155 S. 5, Urk. 3 S. 1 im Prozess Nr. IV.2013.00402
), tatsächlich ab 1. März 2008 für eine volle Vermittelbarkeit beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemeldet war (Urk.
9/82
) und vom 1. September bis 28. November 2008 – gemäss Arbeitszeugnis vom 28. November 2008 selbständig, zuverlässig und zur vollen Zufriedenheit der Arbeitgeberin - vollzeitlich als Chauffeur Kat. C arbeitete (
Urk. 9/97,
Urk.
9/113.2-5
). Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte, weil er sich
nach eigenen Angaben – aufgrund der immer noch gleich vorhandenen Symp
tome (Urk. 9/113) - schlecht gefühlt und daher nicht mehr zu arbeiten getraut hatte (Urk. 9/112); eine Arbeitsunfähigkeit war ihm damals echtzeitlich nicht attestiert worden.
4.4
Eine Leistungspflicht der Militärversicherung für die am 22. Juni beziehungs
weise 25. August 2009 gemeldete psychische Symptomatik fällt im Übrigen schon deshalb ausser Betracht, weil diese in keinem adäquaten Kausalzusam
menhang zum am 4. Juli 2007 erlittenen dienstlichen Unfall steht.
Dieser ist angesichts der Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer
, wie dargelegt,
weder ein Schleudertrauma noch eine äquivalente Verletzung der HWS oder ein Schä
del-Hirntrauma zugezogen hat, nicht nach
den
betreffend diese Beeinträchti
gungen in BGE 117 V 359 entwickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten, sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychische
Fehlentwicklungen nach einem Un
fall aufgestellten Kriterien zu prüfen.
Angesichts des augenfälligen Geschehensablaufs sowie der dabei wirkenden Kräfte hat die
Militärversiche
rung
den fraglichen Sturz
von einem Gerüst aus zwei bis drei Metern Höhe auf die linke Körperseite (vgl. etwa Urk. 9/9
,
Urk. 9/10 S.1, Urk. 9/54 S. 1)
zu Recht als
Unfall im eigentlich
mittelschwer
en Bereich
taxiert (Urk. 2 S.
9
)
, was denn auch der Beschwerdeführer anerkannte (Urk. 1 S. 10)
.
Damit müssen zur Beja
hung der Adäquanz mindestens drei der massgebenden Kriterien oder eines in besonders ausgeprägter Weise vorliegen (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_318/2013 vom 18. September 2013 E. 5.3 mit Hinweisen
).
Der Beschwerdeführer stürzte
am 4. Juli 2007 beim Beladen eines Lastwagens
nach einer Fehlbewegung auf einen Betonbogen, wobei er sich mit dem linken Arm abfangen konnte und auf die linke Seite fiel, ohne mit dem Kopf anzu
prallen (Urk. 9/10); nach dem Unfall war er noch in der Lage, mit dem Lastwa
gen von
G.___
nach
H.___
zu fahren
(
Urk.
9/90 S.
3
, Urk. 9/124 S. 5 f.
)
.
Da die
geschilderten Begleitumstände nicht wesentlich von den bei Stürzen übli
chen Gegebenheiten abweichen, wurde das
– objektiv zu beurteilende – Krite
rium
der besonders dramatischen Begleitumstände beziehungsweise der beson
deren Eindrücklichkeit des Unfalls
zu Recht verneint. Sodann zog sich der Be
schwerdeführer mit der
dislozierte
n Radiusköpfchenfraktur, der
Scaphoidfraktur
und der lumbalen Kontusion
keine schwere
n
oder besonders geartete
n
Verlet
zung
en
zu, die sich erfahrungsgemäss eignete
n
, eine psychische Fehlentwick
lung auszulösen.
Auch das Kri
terium des Grades und der Dauer der
– entgegen seinen Ausführungen
(Urk. 1 S. 10)
ausschliesslich zu berücksichtigen
den
-
physisch
bedingten
Arbeitsunfähigkeit
ist nicht erfüllt
.
So konnte die Behand
lung der körperlichen Unfallfolgen bereits am 25. Oktober 2007, mithin knapp
vier Monate nach dem Sturz, abgeschlossen werden
(Urk. 9/32.1 S. 1, Urk. 9/32.2 S. 1)
; ab diesem Zeitpunkt, spätestens aber ab 20. Dezember 2007
(Urk. 9/155 S. 46 f.)
bestand auch wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
An
halts
punkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheb
lich verschlimmert hätte, und für einen schwier
igen Heilungsverlauf bezie
hungs
weise erhebliche Komplikationen, gibt es in den Akten keine. Angesichts des Umstands, dass die vom Beschwerdeführer seit dem Unfall geklagten soma
tischen Beeinträchtigungen
schon nach
K
urzem
psychischer Genese waren
und die über den 25. Oktober 2007 hinaus erfolgten therapeutischen Massnahmen ihre Grundlage nicht mehr in organisch objektivierbaren Gesundheitsschäden hatten
, sind das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Be
handlung und dasjenige der körperlichen Dauerschmerzen
ebenfalls nicht
er
füllt.
4.5
Nach dem Gesagten hat die
am 22. Juni beziehungsweise 25. August 2009 gemel
dete
(Urk. 9/117, Urk. 9/
124
)
Symptomatik
ihre Ursache weder
in durch den
Sturz
vom 4. Juli 2007 bedingten organisch objektivierbaren
Gesundheits
schäden
noch in einer (unfallkausalen) Borreliose, sondern ist vor dem Hinter
grund einer – in keinem adäquat kausalen Zusammenhang
zum
dienstlichen Unfall stehenden
, sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden
– psychi
schen Beeinträchtigung
zu sehen
. Da demnach weder unter dem Titel Rückfall noch im Rahmen von Spätfolgen eine erneute Leistungspflicht der
Militärversi
cherung
besteht, ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
D
ie unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
machte am 28. Oktober
2014
einen Aufwand von
9,6
Stunden und Barauslagen im Betrag von Fr.
80
.
--
geltend
(vgl. Telefonnotiz vom 28. Oktober 2014, Urk
.
26
)
.
Der verrechnete Zeitaufwand erscheint angemessen. Unter Berücksichtigung eines praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 200.-- sowie der Barauslagen von Fr.
80
.-- (je zuzüglich Mehr
wertsteuer) ist die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers mit einem Betrag von Fr.
2‘1
60.--
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
, Zürich,
wird mit
Fr. 2‘1
60.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht ge
mäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Ursula Reger-
Wyttenbach
-
Suva, Abteilung Militärversicherung, unter Beilage je einer Kopie von Urk.
8/58, Urk. 8/59, Urk. 8/61 und Urk. 3
im Prozess Nr. IV.2013.00402
-
Bundesamt für Gesundheit, Aufsicht Militärversicherung
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubFischer