# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8dbf773f-2397-515d-973e-8ba0fe78ebff
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-04-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.04.2016 D-1942/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1942-2016_2016-04-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1942/2016, D-1944/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  A p r i l  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichterin Contessina Theis,  

mit Zustimmung von Richter Markus König;  

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien 

 
A._______ (Beschwerdeführerin), geboren am (…),  

B._______ (Beschwerdeführer), geboren am (…),  

beide Gambia,   

beide vertreten durch MLaw Silke Scheer,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügungen des SEM vom 8. März 2016 / N (…) und  

N (…) 

 

  

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 2 

 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass die Beschwerdeführenden am 7. Februar 2016 in der Schweiz um 

Asyl nachsuchten, wobei sie vortrugen, beide aus Gambia zu stammen, 

religiös getraut zu sein und ihr erstes Kind zu erwarten, 

dass sie Gambia im September 2014 verlassen hätten und über den Se-

negal, Mali, Niger und Libyen nach Italien gereist seien, wo sie im Dezem-

ber 2015 in Italien Asyl beantragt hätten,  

dass die Versorgung der schwangeren Beschwerdeführerin dort jedoch 

sehr schlecht gewesen sei, weshalb sie sich im Februar 2016 in die 

Schweiz begeben hätten, 

dass das SEM mit zwei separaten Verfügungen vom 8. März 2016 – beide 

eröffnet am 18. März 2016 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht eintrat, die Wegweisung aus 

der Schweiz nach Italien anordnete und die Beschwerdeführenden auffor-

derte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu 

verlassen, 

dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den Ent-

scheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändigung 

der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerde-

führenden verfügte, 

dass die Vorinstanz für den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 76a Abs. 2 

Bst. b AuG (SR 142.20) die Ausschaffungshaft anordnete, da die Ausreise 

nach Italien innerhalb der kommenden sechs Wochen organisiert werden 

könne und der Beschwerdeführer Italien während seines dort laufenden 

Asylverfahrens verlassen habe, was darauf schliessen lasse, er habe sich 

behördlichen Anordnungen widersetzt, indem er sich den italienischen Be-

hörden nicht zur Verfügung gehalten habe, 

dass die Beschwerdeführenden durch ihre Rechtsvertreterin (legitimiert 

durch Vollmacht vom 24. März 2016) mit gleichlautenden Eingaben vom 

29. März 2016 gegen diese Entscheide beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erhoben und beantragten, die vorinstanzlichen Verfügungen 

seien aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, sich für ihre Asylgesuche 

gestützt auf Art. 17 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europä-

ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 3 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(Neufassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO)  

in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylG zuständig zu erklären und auf die 

Asylgesuche einzutreten, 

dass eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur rechts-

genüglichen Abklärung, insbesondere zur Einholung einer rechtsgenügli-

chen Garantie betreffend eine angemessene Unterkunft für den Zeitpunkt 

der Geburt des Kindes, sowie zwecks erneuter Entscheidung beantragt 

wurde,  

dass ferner die aufschiebende Wirkung der Beschwerde beantragt wurde, 

dass in prozessualer Hinsicht die unentgeltliche Rechtspflege beantragt 

wurde, einhergehend mit dem Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses, 

dass angeregt wurde, die Beschwerdeführenden als Familie zu betrachten 

und die Verfahren zu vereinigen, 

dass die vorinstanzlichen Akten am 1. April 2016 beim Bundesverwaltungs-

gericht eintrafen (Art. 109 Abs. 1 AsylG), 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-

gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-

gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-

treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG), 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 4 

dass dem Antrag auf Vereinigung der Beschwerdeverfahren D-1942/2016 

(N […]) und D-1944/2016 (N […]) stattgegeben wird, da das Bundesver-

waltungsgericht – wie grundsätzlich auch die Vorinstanz – davon ausgeht, 

dass es sich bei den Beschwerdeführenden um ein nach Brauch verheira-

tetes Paar handelt, das ein gemeinsames Kind erwartet,  

dass die sich gemäss Aktenlage ergebenden Ungereimtheiten bezüglich 

des Zeitpunktes der Asylantragstellung und der Dauer des Aufenthaltes 

des Beschwerdeführers in Italien diesem Entscheid nicht entgegenstehen, 

dass das Bundesverwaltungsgericht vorliegend die Verfahren der Be-

schwerdeführenden mit Rücksicht auf die Einheit der Familie vereinigt,  

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich, 

wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb der Be-

schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet wurde, 

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG), 

dass diesbezüglich die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist, 

(nachfolgend: Dublin-III-VO) zur Anwendung kommt, 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 5 

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird, 

dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-

geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Antrag auf interna-

tionalen Schutz gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO), 

dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: Take charge) 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der Situ-

ation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsuchende 

erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verord-

nung, Wien 2014, K4 zu Art. 7), 

dass im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: Take back) 

demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach 

Kapitel III stattfindet (vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.), 

dass gemäss Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO der die Zuständig-

keit prüfende Mitgliedstaat für die Durchführung des Asylverfahrens zu-

ständig wird, falls es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller in den 

eigentlich zuständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grund-

rechte der Europäischen Union (ABl. C 364/1 vom 18.12.2000, nachfol-

gend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, und nach den Regeln der 

Dublin-III-VO kein anderer zuständiger Mitgliedstaat bestimmt werden 

kann, 

dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO), was betreffend den Beschwerdeführer der Fall war,  

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 6 

dass der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat verpflichtet ist, 

einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt 

wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat  

oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-

haltstitel aufhält, nach Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzu-

nehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO), was betreffend die Beschwer-

deführerin der Fall war,  

dass jeder Mitgliedstaat abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen kann, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht), 

dass ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank 

ergab, dass der Beschwerdeführer am 24. September 2014 und die Be-

schwerdeführerin am 6. Dezember 2015 in Italien Asylgesuche eingereicht 

hatten,  

dass das SEM die italienischen Behörden am 22. Februar 2016 mit zwei 

getrennten Anfragen um Wiederaufnahme der Beschwerdeführenden ge-

stützt auf Art. 23 oder 24 Dublin-III-VO ersuchte, wobei es auf den Umstand 

hinwies, es handle sich um ein Ehepaar und die italienischen Behörden 

auch über die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin informierte,  

dass die italienischen Behörden die Übernahmeersuchen innert der in 

Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, wo-

mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2  

Dublin-III-VO), 

dass die Beschwerdeführenden nicht bestreiten, in Italien Asylgesuche ein-

gereicht zu haben,  

dass die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Befragung zur Person im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ vom 16. Februar 

2016 jedoch ausführte, in Italien kümmere sich niemand um die Asylsu-

chenden, es sei ihr schlecht gegangen, die medizinische Versorgung sei 

ungenügend gewesen, sie habe ihre Schwangerschaft nur selbst festge-

stellt, man habe ihr im Spital Blut abgenommen, aber ihr nie das Untersu-

chungsergebnis mitgeteilt, es sei ausserdem sehr schmutzig gewesen, 

weshalb sie sich eine Infektion geholt habe, 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 7 

dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragung zur Person im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ vom 16. Februar 

2016 ausführte, er sorge sich sehr um seine schwangere Frau, als junges 

Paar benötigten sie Unterstützung, die medizinische Betreuung in der 

Schweiz sei viel besser als in Italien, wo man zwar leicht einen Status er-

halte, sich aber danach niemand kümmere; sie wollten daher bleiben und 

für die Gesellschaft nützlich sein, 

dass die Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist, 

dass die Beschwerdeführenden mit ihrem Vorbringen, die Schwanger-

schaftsversorgung der Beschwerdeführerin sei in Italien schlecht gewesen 

wie überhaupt die Aufnahmebedingungen unzureichend gewesen seien 

und sie dort auch keine Perspektive für ihre Zukunft hätten, die Anwendung 

der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das 

Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von 

Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 

142.311) fordern, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre, 

dass ferner geltend gemacht wurde, die Vorinstanz hätte aufgrund der 

Schwangerschaft der Beschwerdeführerin die im Urteil des Europäischen 

Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) vom 4. November 2014 in Sa-

chen Tarakhel gegen die Schweiz (nachfolgend Urteil Tarakhel) niederge-

legten Grundsätze berücksichtigen müssen, wonach die Vorinstanz vor-

gängig hätte abklären müssen, wie sie als vulnerable Person in Italien un-

tergebracht, betreut und medizinisch versorgt werde und entsprechende 

Garantien bei den italienischen Behörden hätte einholen müssen, 

dass die im Entscheid des SEM erwähnte Liste mit Unterkunftsplätzen 

nicht geeignet sei, genügend konkret sicherzustellen, dass den Beschwer-

deführenden im Fall der Überstellung eine angemessene Unterkunft zu-

gänglich sein werde, insbesondere weil aufgrund der aktuellen Entwicklun-

gen eine weitere Zunahme von Asylgesuchen in Italien zu erwarten sei und 

das Misstrauen in das italienische Asylsystem weiterhin gerechtfertigt sei, 

dass, das SEM seine Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt habe, 

weil es die erforderlichen Garantien nicht eingeholt habe, 

dass eine Überstellung ohne die vorgängige Einholung von Garantien ge-

mäss Rechtsprechung Art. 3 EMRK verletze,  

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 8 

dass die Vorinstanz in ihrem Entscheid vom 8. März 2016 dagegen ausge-

führt hatte, das italienische Dublin-Office habe dem SEM am 15. Februar 

2016 eine aktualisierte Liste der eigens für Familien reservierten Erstauf-

nahmeplätze in den Sistema di Protezione per Richiedenti Asilo e Rifugiati 

(SPRAR) übermittelt und man habe die italienischen Behörden auch be-

reits über die Schwangerschaft der Beschwerdeführerin informiert,  

dass das SEM, falls das Kind vor der Überstellung nach Italien zur Welt 

komme, bei den italienischen Behörden eine Garantie einholen werde, da-

mit eine geeignete Unterkunft sichergestellt werde,  

dass sich die Beschwerdeführenden andererseits für den Fall der Überstel-

lung vor der Niederkunft der Beschwerdeführerin nicht auf die Rechtspre-

chung betreffend Familien mit minderjährigen Kindern berufen könnten, 

dass der Vorinstanz zwar die merklichen Probleme betreffend die Aufnah-

mebedingungen von Asylsuchenden in Italien bekannt seien, jedoch ange-

sichts der konkreten, überprüfbaren und somit justiziablen Informationen 

hinsichtlich der Unterbringung von Familien keine Hinweise vorlägen, wo-

nach die italienischen Behörden die Beschwerdeführenden nach der Ge-

burt des Kindes nicht in einer angemessenen Struktur aufnehmen würden, 

dass auch keine weiteren Gründe vorlägen, weshalb sich die Schweizer 

Behörden für die Gesuche der Beschwerdeführenden zuständig erklären 

sollten, weshalb der Nichteintretensentscheid zu Recht ergangen sei, 

dass das Bundesverwaltungsgericht die Einschätzung der Vorinstanz teilt, 

dass die Beschwerdeführenden kein Risiko dargetan haben, die italieni-

schen Behörden würden sich weigern sie wieder aufzunehmen und ihre 

Anträge auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Ver-

fahrensrichtlinie prüfen, sondern lediglich die schlechten Aufnahmebedin-

gungen kritisiert hatten, 

dass es jedoch keine wesentlichen Gründe für die Annahme gibt, das Asyl-

verfahren und die Aufnahmebedingungen für Antragsteller in Italien würden 

systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmensch-

lichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–

Grundrechtecharta mit sich bringen (vgl. BVGE 2015/4 E. 4.1), 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 9 

dass Italien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nachkommt, 

dass auch davon ausgegangen werden darf, dieser Staat anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben, 

dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 

Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist, 

dass den Akten auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen sind, 

Italien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-

ten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben 

oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist 

oder in dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land 

gezwungen zu werden,  

dass die Beschwerdeführenden keine konkreten Hinweise für die Annahme 

dargetan haben, Italien würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Aufnah-

merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten, 

und sie sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Übrigen nöti-

genfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihnen zustehenden 

Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnten 

(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie), 

dass die Beschwerdeführerin schwanger ist, ihre Schwangerschaft bisher 

jedoch weitgehend unproblematisch verlaufen ist und weder sie noch ihr 

Partner substanziiert darlegen konnten, die Überstellung nach Italien setze 

sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und verletze damit Art. 3 EMRK,  

dass dem Arztbericht des Spitals D._______ vom 26. Februar 2016 

(vgl. act. A16/2) zu entnehmen ist, die Beschwerdeführerin werde wegen 

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 10 

einer [Krankheit] behandelt und müsse Magnesium sowie ein Eisenpräpa-

rat einnehmen, 

dass Italien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt und 

die Versorgung mit diesen Medikamenten sowie die nötigen Schwanger-

schaftskontrollen auch dort sichergestellt sein dürften, 

dass die Mitgliedstaaten den Antragstellenden die erforderliche medizini-

sche Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt er-

forderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-

rungen umfasst, zugänglich machen müssen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahme-

richtlinie), und den Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen die er-

forderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich erforderlichen-

falls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren haben 

(Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie),  

dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefochten 

Verfügung beauftragt sind, ihre italienischen Partner auch bereits auf die 

Schwangerschaft der Beschwerdeführerin hingewiesen haben,  

dass die Vollzugsbehörden – wie im Entscheid angekündigt – der Schwan-

gerschaft  der Beschwerdeführerin bei der Bestimmung der konkreten Mo-

dalitäten der Überstellung Rechnung tragen und die italienischen Behör-

den vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen 

Umstände informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO),  

dass die Beschwerdeführenden als Ehepaar gemeinsam und koordiniert 

nach Italien zurückkehren werden und sich allein aus dem Umstand der 

Schwangerschaft der Beschwerdeführerin noch keine besondere Verletz-

lichkeit ergibt, 

dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 Ermessen 

zukommt (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine 

gesetzeswidrige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) 

durch die Vorinstanz zu entnehmen sind, 

dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer 

Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,  

dass es nach dem Gesagten keinen Grund für eine Anwendung der Ermes-

sensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt und an dieser Stelle festzuhal-

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 11 

ten bleibt, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3), 

dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist 

und – weil die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufent-

halts- oder Niederlassungsbewilligung sind – in Anwendung von Art. 44 

AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a AsylV 1),  

dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss 

Art. 83 Abs. 3 und 4 AuG (SR 142.20) nicht mehr zu prüfen sind, da das 

Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des Nicht-

eintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (vgl. BVGE 

2015/18 E. 5.2 m.w.H.),  

dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist und die Verfü-

gung des SEM zu bestätigen ist,  

dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist, 

weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als 

gegenstandslos erweist, 

dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-

ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt 

sind, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1‒

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1942/2016 
D-1944/2016 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerdeverfahren D-1942/2016 und D-1944/2016 werden verei-

nigt. 

2.  

Die Beschwerden werden abgewiesen. 

3.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG werden abgewiesen. 

4.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Susanne Bolz 

 

 

Versand: