# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49a79e62-fdc1-5c68-9678-19a006daeee0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.04.2021 SK 2020 365
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-365_2021-04-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 365

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. April 2021 

Besetzung Oberrichter Guéra (Präsident i.V.) 
Oberrichter Gerber und Oberrichterin Sanwald
Gerichtsschreiberin Baronian

Verfahrensbeteiligte A.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern  

und

B.________

Strafklägerin

Gegenstand Beschimpfung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 19. Juni 2020 (PEN 20 84)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Einzelgericht; nachfolgend: 
Vorinstanz) vom 19. Juni 2020 (pag. 79 ff.) wurde A.________ (nachfolgend: Be-
schuldigter) der Beschimpfung, begangen am 10. Oktober 2019, zum Nachteil von 
B.________ (nachfolgend: Strafklägerin), in Bern schuldig erklärt und zu einer 
Geldstrafe von 6 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 180.00, verurteilt. 
Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre 
festgesetzt. Ferner wurde er zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
von CHF 1'920.00 verurteilt.  

2. Berufung

Gegen das besagte Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 22. Juni 2020 
(eingegangen am 30. Juni 2020) form- und fristgerecht Berufung an (pag. 83). Die 
schriftliche Urteilsbegründung vom 12. August 2020 wurde den Parteien mit Verfü-
gung vom 13. August 2020 (pag. 96 f.) zugestellt. Mit Eingabe vom 8. September 
2020 (pag. 100) erklärte der Beschuldigte sodann form- und fristgerecht die Beru-
fung. Das Urteil wurde vom Beschuldigten vollumfänglich angefochten. Mit Verfü-
gung vom 9. September 2020 gewährte die Verfahrensleistung der Strafklägerin 
sowie der Generalstaatsanwaltschaft die Gelegenheit, innert Frist Anschlussberu-
fung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. 
Die Strafklägerin hat sich diesbezüglich nicht vernehmen lassen (pag. 109). Mit 
Schreiben vom 28. September 2020 verzichtete die Generalstaatsanwaltschaft auf 
die Teilnahme am oberinstanzlichen Verfahren (pag. 107 f.). Die Verfahrensleitung 
stellte mit Verfügung vom 5. Oktober 2020 die Durchführung des schriftlichen Ver-
fahrens in Aussicht und forderte die Parteien auf innert 10 Tagen zu erklären, ob 
sie mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden sind (pag. 109 
f.). Mit Eingabe vom 11. Oktober 2020 (eingegangen am 13. Oktober 2020) gab der 
Beschuldigte sein Einverständnis bekannt (pag. 113). Da die Strafklägerin sich 
diesbezüglich erneut nicht hat vernehmen lassen, wurde sie mit Verfügung vom 22. 
Oktober 2020 nochmals aufgefordert innert zehn Tagen mitzuteilen, ob sie mit der 
Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstanden ist (pag. 115 f.). Nach-
dem sich die Strafklägerin wiederum nicht hat vernehmen lassen, wurde sie letzt-
mals aufgefordert innert zehn Tagen mitzuteilen, ob sie mit dem schriftlichen Ver-
fahren einverstanden ist oder nicht - unter Hinweis darauf, dass Stillschweigen als 
Zustimmung gelte (pag. 118 f.). Mangels Mitteilung der Strafklägerin wurde mit Ver-
fügung vom 22. Dezember 2020 (pag. 125) die Durchführung des schriftlichen Ver-
fahrens angeordnet. Gleichzeitig forderte die Verfahrensleitung den Beschuldigten 
zur Einreichung einer schriftlichen Berufungsbegründung auf (pag. 125) und orien-
tierte die Parteien über die vorgesehene Zusammensetzung des Gerichts sowie 
über die Beweisergänzungen von Amtes wegen (pag. 126). Die Berufungsbegrün-
dung des Beschuldigten folgte mit Eingabe vom 24. Januar 2021 (pag. 134; einge-

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gangen am 26. Januar 2021), unter Hinweis auf die Eingabe vom 8. September 
2020 (pag. 100). Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 (pag. 139) wurde der Straf-
klägerin Gelegenheit geboten, innert 30 Tagen ab Zustellung der Verfügung eine 
Stellungnahme zu den Eingaben des Beschuldigten (pag. 100 und 134) einzurei-
chen. Die Strafklägerin reichte ihre Stellungnahme (datiert vom 28. Februar 2021) 
am 1. März 2020 (persönliche Abgabe beim Obergericht des Kantons Bern um 
11:30 Uhr; pag. 142 f.) verspätet ein. Mit Verfügung vom 4. März 2021 stellte die 
Verfahrensleitung fest, dass kein weiterer Schriftenwechsel angeordnet wird und 
allfällige Schlussbemerkungen innert 10 Tagen einzureichen sind (pag. 146 f.). Der 
Beschuldigte reichte seine Schlussbemerkungen mit Eingabe vom 12. März 2021 
ein (pag. 150; eingegangen am 15. März 2021). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Die Verfahrensleitung holte von Amtes wegen mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 
(pag. 125 f.) einen aktuellen Strafregisterauszug (pag. 131) sowie einen aktuellen 
Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse (pag. 129) des Beschuldigten ein. 

4. Oberinstanzliche Anträge der Parteien

Der Berufungsbegründung bzw. den Ausführungen in der Berufungserklärung vom 
8. September ist sinngemäss zu entnehmen, dass der Beschuldigte beantragt, er 
sei vom Vorwurf der Beschimpfung, begangen am 10. Oktober 2019 in Bern, frei-
zusprechen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). Das erstinstanzliche Urteil wurde vollumfänglich angefochten und ist des-
halb von der Kammer vollumfänglich zu überprüfen. 

Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 
398 Abs. 3 StPO). Sie hat das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochte-
nen Punkte umfassend zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Da lediglich der Be-
schuldigte Berufung eingereicht hat, ist die Kammer an das Verschlechterungsver-
bot (Verbot der sog. «reformatio in peius») nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, 
d.h. sie darf das Urteil nicht zu seinen Ungunsten abändern.

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Strafantrag / Vorwurf gemäss Strafbefehl

Mit Erklärung vom 10. Oktober 2019 (pag. 06 f.) hat B.________ form- und fristge-
recht Strafantrag gestellt und sich als Strafklägerin konstituiert.

Im Strafbefehl vom 17. Dezember 2019, welcher in casu als Anklageschrift gilt (Art. 
356 Abs. 1 StPO), wird dem Beschuldigten Folgendes vorgeworfen (pag. 28):

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Der Beschuldigte hatte seit längerer Zeit Streit mit den Nachbarn, welche oberhalb von ihm 
wohnten, weil diese seiner Meinung nach übermässigen Lärm verursachten. Deswegen ging 
der Beschuldigte auch am 10.10.2019, ca. 13:15 Uhr bis 13:30 Uhr bei diesen Nachbarn zur 
Türe. Hinter der Türe stand die Geschädigte, B.________, welche die Türe aber nicht öffnete.

Der Beschuldigte trat mehrfach gegen die Türe, ohne diese zu beschädigen, sprach laut und 
wütend durch die Türe und sagte dabei zu den Bewohnern der Wohnung der Geschädigten 
"Saupack". Durch diese Worte verletzte der Beschuldigte bewusst den Anspruch der Geschä-
digten auf menschlich-sittliche Geltung.»

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der sich zwischen den Parteien ereignete Vorfall vom 10. Oktober 2019 ist im We-
sentlichen unbestritten. So gibt der Beschuldigte zu, an die Tür der Strafklägerin 
getreten und anschliessend «Saupack» geschrien zu haben. 

Bestritten und somit im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung zu prüfen 
bleibt einzig, ob der Beschuldigte die Äusserung «Saupack» an die Strafklägerin 
und deren Mutter gerichtet hat oder nicht. 

8. Beweismittel

Der Kammer liegen der Anzeigerapport vom 6. November 2019 (pag. 1 f.), die Ein-
vernahme der Strafklägerin vom 10. Oktober 2019 (pag. 3 ff.), die Einvernahme 
des Beschuldigten vom 18. Oktober 2019 (pag. 8 ff.) sowie die anlässlich der 
Hauptverhandlung vom 19. Juni 2020 gemachten Aussagen der Parteien sowie 
des Zeugen C.________ zur Würdigung vor (pag. 63 ff.). Der Sachverhalt ist vorab 
aufgrund der Aussagen zu ermitteln.

9. Vorbringen der Parteien

Der Beschuldigte bringt in der Berufungsbegründung vom 8. September 2020 (pag. 
100 f.) im Wesentlichen vor, seine Eingaben seien nicht berücksichtigt und es sei 
davon ausgegangen worden, dass die Äusserungen der Strafklägerin der Wahrheit 
entsprechen. Er habe niemanden beschimpft, sondern im Ärger für sich «Saupack» 
gerufen, als er zurückgegangen sei. «Saupack» sei eine allgemein verwendete Be-
zeichnung für Personengruppen, die sich absichtlich sehr asozial verhalten würden 
und andere Menschen absichtlich schädigen. Die Aussagen des Zeugen bezüglich 
der Lautstärke seien nicht wahr. Bei der Liftsanierung sei absichtlich Lärm verur-
sacht worden. Die Liftmonteure hätten sich über mehrere Stockwerke über lautes 
Sprechen verständigt. Die weiteren Vorbringen des Beschuldigten haben keine er-
sichtliche Relevanz für das vorliegende Verfahren. 

Gleich verhält es sich mit den Vorbringen der Strafklägerin in ihrer Stellungnahme 
vom 28. Februar 2021 (pag. 142 ff.). Die Strafklägerin lässt sich darin über ver-
schiedene Vorfälle mit dem Beschuldigten aus, die nicht im Zusammenhang mit der 
vorliegend zu beurteilenden Beschimpfung stehen und einzig ein Bild über das zwi-
schen den Parteien herrschende missliche Nachbarschaftsverhältnis zeichnen. 
Darüber hinaus sind auch die Vorbringen der Strafklägerin ohne ersichtliche Rele-
vanz.

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10. Würdigung durch die Kammer

11. Vorbemerkungen

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach 
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass 
jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweiswürdigung geschöpften Über-
zeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen soll. Die 
freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logi-
schen Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse 
Vermutung stützen (HOFER, in: Basler Kommentar Strafprozessordnung, 2. Auflage 
2014, N 58 und 61 zu Art. 10 StPO m.w.H.). Bestehen unüberwindliche Zweifel an 
der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das 
Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 
3 StPO).

Der Grundsatz «in dubio pro reo» als Beweiswürdigungsregel besagt, dass sich 
das Gericht nicht von einem für die angeklagte Person ungünstigen Sachverhalt 
überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich 
der Sachverhalt so verwirklicht hat. Dabei sind bloss abstrakte und theoretische 
Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewiss-
heit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und nicht zu unter-
drückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen. Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis 
zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittel-
bar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmit-
telbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche 
für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder 
die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen 
lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild 
erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich 
der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bundesgerichts 6B_781/2010 vom 
13. Dezember 2010 E. 3.2; 6B_300/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 3.2.2; 
6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.8).

11.1 Aussagen der Strafklägerin

Die Aussagen der Strafklägerin wurden von der Vorinstanz zutreffend zusammen-
gefasst; es kann auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (pag. 
88, S. 3 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Ergänzend ist festzuhalten, dass die Strafklägerin auf Vorhalt der Aussagen des 
Beschuldigten - wonach dieser das Wort nicht bei der Tür gesagt habe, sondern 
auf dem Rückweg zu seiner Wohnung und nicht an die Strafklägerin adressiert - zu 
Protokoll gab, zu wem er es denn sonst gesagt haben soll. Wenn man vor der Tür 
stehe und fluche, an wen gehe es dann (pag. 68, Z. 23 f.). Das Wort «Saupack» sei 
während des Geschreis gefallen (pag. 68, Z. 26). 

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11.2 Aussagen des Zeugen C.________

Die Aussagen des Zeugen wurden von der Vorinstanz zutreffend zusammenge-
fasst; es kann auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (pag. 88, 
S. 3 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Ergänzend ist festzuhalten, dass der Zeuge anlässlich der Hauptverhandlung äus-
serte, er sei im Schacht etwas am Montieren gewesen und habe dann gehört, wie 
es extrem laut geworden sei (pag. 63, Z. 35 ff.). Weil er im Schacht gewesen sei, 
habe er den Wortlaut nicht ganz verstanden. Es sei sehr laut gewesen für ihn (pag. 
63, Z. 36 ff.). Er habe nur eine Stimme gehört (pag. 64, Z. 11). Auf Frage, ob die 
Arbeiten im Liftschacht Lärm verursacht haben, äusserte der Zeuge, ja, es habe 
massiven Lärm verursacht, sodass sich deswegen verschiedene Leute beschwert 
hätten. Der Beschuldigte habe sich bei ihn nicht darüber beklagt (pg. 65, Z. 21 f.). 

11.3 Aussagen des Beschuldigten

Die Aussagen des Beschuldigten wurden von der Vorinstanz zutreffend zusam-
mengefasst und wiedergegeben; es kann auf die entsprechenden Ausführungen 
verwiesen werden (pag. 88 f., S. 3 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

Der Beschuldigte gab zu Protokoll, er hätte nicht durch die Tür hindurch «Saupack» 
gesagt. Er habe zuerst mit lauter Stimme geschrien, damit man ihn durch die Tür 
hindurch höre, sie sollen die Schuhe ausziehen oder aufhören mit den Stühlen her-
umzureissen oder noch wahrscheinlicher aufhören mit dem Lärm (pag. 73, Z. 8 ff.). 
Auf Frage, wie laut er anschliessend das Schimpfwort geschrien habe, gab er zu 
Protokoll, er habe dies relativ laut gesagt. Man müsse sich vorstellen, dass er sich 
ja abgewendet habe und in dieser Situation flüstere man ja nicht (pag. 73, Z. 29 f.). 

11.4 Konkrete Würdigung

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, hat die Strafklägerin anlässlich ihrer ersten 
Einvernahme zu Protokoll gegeben, die Bezeichnung «Saupack» gehört zu haben. 
Vom Beschuldigten wird denn auch nicht bestritten, anlässlich der verbalen Aus-
einandersetzung diese konkrete Ausdrucksweise verwendet zu haben. Die Straf-
klägerin konnte den Begriff «klar und deutlich» (pag. 68, Z. 17) hören und der 
Stimme des Beschuldigten zuordnen. Schliesslich gab der Beschuldigte auch zu, 
das Schimpfwort relativ laut gesagt zu haben und bereits vorgängig geschrien zu 
haben, damit man ihn durch die Tür hindurch höre (pag. 73, Z. 9 ff.). Der Beschul-
digte äusserte das Schimpfwort, bevor er die Treppe hinunter zu seiner Wohnung 
stieg und damit im Zeitpunkt, als er sich noch auf dem Stockwerk der Strafklägerin 
befand - was er schliesslich auf Vorhalt der Aussagen des Zeugen auch zugab, 
wonach der Beschuldigte beim Runterlaufen nichts mehr gesagt habe (pag. 74, Z. 
14 ff.). Dies steht im Widerspruch zu seinen bisherigen Aussagen, wonach er sich 
abgewendet und angefangen habe, in Richtung seiner Wohnungstüre zurückzulau-
fen und erst beim Herunterlaufen der Treppe für sich «Saupack» gesagt habe (pag. 
73, Z. 18 f.; vgl. auch pag. 9, Z. 29; pag. 9, Z. 52).

Die Kammer erachtet es aufgrund der Lautstärke, des Zeitpunkts und Kontexts der 
Äusserung als naheliegend, dass der Beschuldigte das Schimpfwort gegen die 
Strafklägerin und deren Mutter richtete. Immerhin gaben zu diesem Zeitpunkt kei-

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nerlei andere Personen im Haus Anlass zur Bemerkung des Beschuldigten. Der 
Beschuldigte gab selbst zu, beim Äussern des Worts «Saupack» aufgebracht ge-
wesen zu sein und «diese Situation» im Kopf gehabt zu haben (pag. 73, Z. 19 f.). 
Die Unmutsäusserung des Beschuldigten erfolgte – vor dem Hintergrund eines seit 
längerer Zeit belasteten Nachbarschaftsverhältnisses – im Rahmen einer verbalen 
Auseinandersetzung mit der Strafklägerin und ihrer Mutter bzw. den angeblich aus 
deren Wohnung stammenden Lärmgeräuschen, weshalb die Aussagen der Betei-
ligten keinen anderen Schluss zulassen, als dass das Schimpfwort klar gegen die 
Strafklägerin und deren Mutter gerichtet war und auch bewusst in einer hörbaren 
Lautstärke ausgesprochen wurde.

11.5 Beweisergebnis und rechtserheblicher Sachverhalt

Die Kammer stellt auf die glaubhaften Aussagen der Strafklägerin und des Zeugen 
C.________ ab und erachtet – in Ergänzung zum unbestrittenen Sachverhalt – fol-
genden Sachverhalt als erwiesen:

Der Beschuldigte ärgerte sich mehrfach über angebliche Lärmgeräusche, welche 
aus der Wohnung der Strafklägerin herrührten. Der Beschuldigte begab sich des-
halb zur Wohnungstür der Strafklägerin, trat mehrfach dagegen und schrie herum, 
wobei das gegen die Strafklägerin und deren Mutter gerichtete Schimpfwort «Sau-
pack» fiel. Danach begab er sich zurück zu seiner Wohnung.

III. Rechtliche Würdigung

12. Theoretische Grundlagen

Der Beschimpfung nach Art. 177 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs 
(StGB; SR 311.0) macht sich auf Antrag strafbar, wer jemanden in anderer Weise 
durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift. In 
«anderer Weise» bedeutet auf andere als in den Art. 173 und 174 StGB umschrie-
benen Arten. Die Ehrverletzungstatbestände gemäss Art. 173 ff. StGB schützen 
den Ruf, ein ehrbarer Mensch zu sein, d.h. sich so zu benehmen, wie nach allge-
meiner Anschauung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2016 vom 28. März 2017 E. 6.3). 

Art. 177 StGB ist ein Auffangtatbestand, in den sämtliche ehrverletzenden Äusse-
rungen fallen, die sich nicht als Tatsachenbehauptungen gegenüber Dritten darstel-
len lassen. Darunter sind primär die alltäglichen Schimpfworte einzuordnen (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1270/2017 vom 24. April 2018 E. 2.2). Vom Tatbestand 
werden mithin Ehrverletzungen (Tatsachenbehauptungen oder gemischte Wertur-
teile) unter vier Augen (d.h. nur dem Opfer gegenüber) und Ehrverletzungen in 
Form von Formalinjurien (reines Werturteil) gegenüber dem Opfer oder gegenüber 
Dritten erfasst (RIKLIN, in: Basler Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N 3 zu Art. 
177 StGB mit Hinweisen). 

Eine Formal- oder Verbalinjurie (d.h. ein reines Werturteil) ist ein blosser Ausdruck 
der Missachtung, ohne dass sich die Aussage erkennbar auf bestimmte, dem Be-
weis zugängliche Tatsachen stützt (RIKLIN, a.a.O., N 4 zu Art. 177 StGB mit Hin-
weisen), was bedeutet, dass Werturteile – im Gegensatz zu Tatsachenbehauptun-

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gen – einer Wahrheitsprüfung nicht zugänglich sind. Bei einem gemischten Wertur-
teil hat eine Wertung einen erkennbaren Bezug zu Tatsachen. Ob ein reines oder 
ein gemischtes Werturteil vorliegt, muss aus dem ganzen Zusammenhang der 
Äusserung erschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1270/2017 vom 
24. April 2018 E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Wie die Vorinstanz richtigerweise 
ausführte, wurde der Begriff «braunes Pack» vom Bundesgericht als gemischtes 
Werturteil und «Pack» als reines Werturteil qualifiziert (Urteil des Bundesgerichts 
6B_43/2017 vom 23. Juni 2017 E.2.5.3). 

Soweit Äusserungen auf Tatsachenbasis gemacht werden, inklusive die gemisch-
ten Werturteile, sind die Entlastungsbeweise nach Art. 173 Ziff. 2 und 3 StGB an-
wendbar, nicht aber bei reinen Werturteilen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_1270/2017 vom 24. April 2018 E. 2.2).

In subjektiver Hinsicht muss Vorsatz vorliegen, wobei Eventualvorsatz genügt. 
Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, 
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (direkter Vorsatz). Vorsätzlich handelt 
bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Eventu-
alvorsatz). Subjektiv muss sich der Vorsatz bei der Beschimpfung durch Werturteil 
nur darauf richten, dass die Äusserung an die Ehre rührt, nicht auch darauf, dass 
sie nicht vertretbar ist (RIKLIN, a.a.O., N 14 zu Art. 177 StGB). 

13. Qualifikation der Äusserung «Saupack»

Bezüglich der Qualifikation der Äusserung des Beschuldigten führte die Vorinstanz 
Folgendes aus (pag. 91, S. 6 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Gemäss Duden werden die Begriffe «Sau» und «Pack» abwertend und derb, bzw. salopp in folgen-
dem Sinn verwendet (www.duden.de zuletzt besucht am 24.07.2020):

«Sau, die […] 2.a. jemand, der schmutzig und ungepflegt ist, der keinen Wert auf Sauberkeit 
legt, dessen Verhalten als anstößig, abstoßend oder ekelerregend empfunden wird (auch als 
Schimpfwort);

b. jemand, dessen Verhalten man als gemein o.ä. empfindet, über den man wütend ist, sich 
ärgert, den man hasst (auch als Schimpfwort).» 

«Pack, das […] Gruppe von Menschen, die als asozial, verkommen o. Ä. verachtet, abgelehnt 
wird.»

Die Begriffe «Sau» und «Pack» gelten sowohl für sich allein als auch in Kombina-
tion miteinander als reines Werturteil, zumal sie nicht auf Tatsachen basieren und 
einer Wahrheitsprüfung nicht zugänglich sind. 

14. Subsumtion

Der für die Beschimpfung erforderliche Strafantrag wurde am 10. Oktober 2019 
(pag. 6) von der antragsberechtigten Person form- und fristgerecht gestellt (Art. 304 
Abs. 1 StPO und Art. 30 ff. StGB).

Indem der Beschuldigte die Äusserung «Saupack» an die Strafklägerin und ihre 
Mutter richtete, griff er diese durch Wort in ihrer Ehre an. Es handelt sich mithin um 

http://www.duden.de

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ein direkt gegen das Opfer gerichtetes reines Werturteil, womit der objektive Tatbe-
stand der Beschimpfung erfüllt ist. 

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit der konkreten 
Auseinandersetzung im Kopf – gemäss eigenen Aussagen «relativ laut» – das 
Werturteil «Saupack» an die Adresse der Strafklägerin und ihrer Mutter richtete. Er 
hat damit zumindest für möglich gehalten und in Kauf genommen, dass die Straf-
klägerin sein Geschimpfe vernimmt und als gegen sich selbst gerichtet wahrnimmt. 
Schliesslich musste sich der Beschuldigte der Ehrenrührigkeit seiner Äusserung 
bewusst sein. Damit ist auch der subjektive Tatbestand der Beschimpfung erfüllt.

Zumal es sich vorliegend, wie bereits unter Ziff. 12 festgestellt wurde, um ein reines 
Werturteil handelt, sind die Entlastungsbeweise nach Art. 173 Ziff. 2 und 3 StGB 
nicht zu diskutieren. 

Im Übrigen sind keine Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe ersicht-
lich oder dargetan worden. 

IV. Strafzumessung

15. Fakultative Strafbefreiung nach Art. 177 Abs. 2 StGB

Es kann zunächst auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den, denen sich die Kammer anschliesst (pag. 92 f., S. 7 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). 

Die vorinstanzlichen Ausführungen ergänzend hält die Kammer fest, dass es sich 
bei der sog. Provokation und Retorsion um fakultative Strafbefreiungsgründe han-
delt und nicht um Rechtfertigungsgründe, wobei Provokation und Retorsion nach 
dem Grundsatz ex maiore ad minus auch bloss als Strafmilderungsgründe zum 
Zuge kommen können, wenn sich keine vollumfängliche Strafbefreiung aufdrängt 
(RIKLIN, a.a.O. N 19 ff. zu Art. 177 StGB mit weiteren Hinweisen sowie TRECH-
SEL/LIEBER in: TRECHSEL/PIETH (Hrsg.), Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxis-
kommentar, 3. Aufl., N 7 f. zu Art. 177).

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Strafklägerin im Zeitpunkt der angebli-
chen Lärmverursachung aufgrund von Zahnschmerzen auf dem Sofa lag. Der 
Fernseher sei nicht an gewesen und ihre Mutter habe sich für die Arbeit zurecht-
gemacht (pag. 4, Z. 54 f.). Auch der Zeuge C.________ bestätigte, keinen Lärm 
aus der Wohnung der Strafklägerin vernommen zu haben. Seine Arbeit am Lift ha-
be am meisten Lärm im Gebäude verursacht (pag. 2). Die Strafklägerin hat dem 
Beschuldigten zudem weder die Tür geöffnet noch sich durch die Tür hindurch mit 
ihm verständigt, was von ihm denn auch bestätigt wurde (pag. 74, Z. 3). Es beste-
hen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Strafklägerin zur Beschimpfung unmit-
telbar Anlass gegeben hat. Auch wenn beispielsweise der Fernseher gelaufen oder 
sie in der Wohnung umhergelaufen wäre, würde dies in Anbetracht der Tages- und 
Uhrzeit noch immer nicht ausreichen, um das Verhalten des Beschuldigten zu 
rechtfertigen bzw. ihn von der Strafe zu befreien oder diese zu mindern. Der Vorfall 
ist in eine Reihe seit längerer Zeit bestehender nachbarschaftlicher Querelen unter 
den Parteien einzuordnen.

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16. Strafrahmen

Es kann auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, welche 
Folgendes ausführte (pag. 93, S. 8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Der Strafrahmen für eine Beschimpfung nach Art. 177 StGB reicht von einem bis zu neunzig Tages- 

sätzen Geldstrafe. 

Die Richtlinien des Verbands Bernischer Richter/innen und Staatsanwälte/innen empfehlen die Be-

strafung des Referenzsachverhaltes – «Der Täter bezeichnet den Geschädigten in Anwesenheit einer 

kleinen Gruppe anderer Personen (bis 10) als "Arschloch", „Wixer“ und „Dumme Siech“» – mit zehn 

Strafeinheiten. Erfolgt die Äusserung ausschliesslich gegenüber dem Geschädigten alleine, so seien 

fünf Strafeinheiten angemessen (vgl. VBRS-Richtlinien, Stand 01.01.2020). 

17. Tatkomponenten

Auch bezüglich der Tatkomponenten kann auf die zutreffenden Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen werden, welche Folgendes ausführte (pag. 93, S. 8 der erst-
instanzlichen Urteilsbegründung):

Vorliegend bezeichnete der Beschuldigte die Privatklägerin und die weiteren Bewohner ihrer Woh-
nung als «Saupack», nachdem er diese durch die Türe hindurch angeschrien und die Türe mit Tritten 
traktiert hatte. Er tat dies sehr laut und im Gang des Wohnblocks, so dass andere Personen hätten 
davon Kenntnis nehmen können. Er selber hat auch zugegeben, dies getan zu haben, um auf seine 
Problematik aufmerksam zu machen. Tatsächlich hat denn auch der Zeuge C.________ das Verhal-
ten des Beschuldigten als sehr bedrohlich und unangebracht miterlebt. Die Beschimpfung selbst hatte 
er allerdings nicht gehört, mutmasslich, weil er sich zu diesem Zeitpunkt noch im Liftschacht am Ar-
beiten befunden hatte. Ob auch die Mutter der Privatklägerin oder andere Hausbewohner das Wort 
«Saupack» gehört hatten, ist nicht klar. Die Tat reiht sich ein in zahlreiche ähnliche Vorfälle, d.h. in 
seit Jahren schwelende Streitereien wegen angeblichen Lärms. Bislang gab es zwar gegenseitige 
Anzeigen, aber noch keine Verurteilungen.

Bei der objektiven Tatschwere ist damit davon auszugehen, dass die Formalinjurie nur von der Privat-
klägerin zur Kenntnis genommen wurde, der Beschuldigte sie aber so platzierte, dass sie auch andere 
hätten hören können. Überdies trat er dabei extrem aggressiv auf. Objektiv liegt das angemessene 
Strafmass damit etwas höher als der geringfügigere Referenzsachverhalt gemäss den VBRS-
Richtlinien, d.h. bei sechs Strafeinheiten.

Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Strafklägerin mit seinem 
Verhalten derart einschüchterte, dass diese ihre Mutter – aus Angst dem Beschul-
digten zu begegnen – zum Lift begleiten musste. Dennoch weist sein Verhalten 
keine besondere Verwerflichkeit auf. Er ging ferner nicht planmässig vor, sondern 
handelte im Sinne einer Spontanreaktion aus einer Wut heraus.

Der Beschuldigte beschimpfte die Strafklägerin und ihre Mutter, weil er sich über 
sie bzw. den angeblichen Lärm ärgerte. Seine Beweggründe vermögen ihn deshalb 
nicht zu entlasten. Die Aussagen der Strafklägerin verdeutlichten zudem mehrfach, 
dass es für den Beschuldigten ein Leichtes gewesen wäre, zunächst das Gespräch 
mit den Nachbarinnen zu suchen und von seinem unangemessenen Verhalten ab-
zusehen.

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17.1 Fazit Tatverschulden

Das (Gesamt-)Tatverschulden ist – in Relation zum Strafrahmen bis zu 90 Tages-
sätzen – als leicht einzustufen, so dass eine Strafe im unteren Drittel bzw. die von 
der Vorinstanz festgesetzten sechs Strafeinheiten angemessen erscheinen. 

18. Täterkomponenten und Fazit

Die Vorinstanz führte bezüglich der Täterkomponenten Folgendes aus (pag. 93, S. 
8 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung):

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen alleinstehenden Mann. Im Jahr 2018 arbeitete er als 
D.________ und am 18.10.2019 gab er an, arbeitslos zu sein. Er ist nicht vorbestraft und es ist keine 
erhöhte Strafempfindlichkeit auszumachen. 

Im Verfahren bestritt er den Vorfall zwar nicht grundsätzlich, versuchte sich aber herauszureden und 
behauptet, er habe nicht zu B.________ «Saupack» gesagt. Vor diesem Hintergrund hätte er sich 
konsequenterweise für das angebliche Missverständnis entschuldigen können, was er aber nicht ge-
tan hat. Insofern rechtfertigt sich kein Geständnisrabatt.

Die Kammer schliesst sich diesen zutreffenden Feststellungen an. Anlässlich der 
Erhebung der wirtschaftlichen Verhältnisse vom 4. Januar 2021 (pag. 129 f.) gab 
der Beschuldigte an, auf Arbeitssuche zu sein bzw. es seien Bestrebungen im 
Gange, sich selbständig zu machen. 

Im Ergebnis wirken sich die Täterkomponenten neutral aus, also weder strafer-
höhend noch strafmindernd. 

19. Konkrete Strafe, Tagessatzhöhe und Strafvollzug

Unter Berücksichtigung der Tat- und der Täterkomponenten resultiert somit eine 
Geldstrafe von sechs Tagessätzen. 

Der Beschuldigte erzielt weiterhin kein Erwerbseinkommen (pag. 129). Seine wirt-
schaftlichen Verhältnisse haben sich – soweit ersichtlich – seit dem erstinstanzli-
chen Urteil nicht verändert. Die von der Vorinstanz auf CHF 30.00 festgesetzte Ta-
gessatzhöhe ist damit zu bestätigen. 

Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe von 
höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht not-
wendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Ver-
gehen abzuhalten. Die Gewährung des bedingten Strafvollzugs verlangt demnach 
das Fehlen einer ungünstigen Prognose. 

Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für den bedingten Strafvollzug der Gelds-
trafe bejaht und eine Probezeit von zwei Jahren festgesetzt. Sie hat ferner von der 
Ausfällung einer Verbindungsbusse abgesehen. Mit Blick auf das zu beachtende 
Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat die Kammer sowohl die Ge-
währung des bedingten Strafvollzugs als auch das Absehen von einer Verbin-
dungsbusse zu bestätigen.

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20. Fazit Strafmass

Insgesamt wird die Beschimpfung somit mit einer Geldstrafe von 
sechs Tagessätzen zu CHF 30.00 sanktioniert, unter Gewährung des bedingten 
Strafvollzugs bei einer Probezeit von zwei Jahren. 

V. Kosten und Entschädigung

21. In erster Instanz

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 
auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 
Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verur-
teilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO).

Der Beschuldigte wird wegen Beschimpfung verurteilt. Die Höhe der erstinstanzlich 
festgesetzten Verfahrenskosten ist nicht zu beanstanden. Der Beschuldigte hat 
somit die gesamten erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1’920.00 zu tra-
gen. 

22. In oberer Instanz

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend werden die Kos-
ten für das oberinstanzliche Verfahren auf CHF 1’500.00 festgesetzt. Der Beschul-
digte ist mit seiner Berufung vollumfänglich unterlegen und hat daher die gesamten 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschuldigten keine Entschädigung 
auszurichten. 

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VI. Dispositiv

Die 1. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt 

der Beschimpfung, begangen am 10. Oktober 2019 in Bern, zum Nachteil von 
B.________

und in Anwendung der 
Art. 30, 34, 42 Abs. 1, 44, 47, 177 Abs. 1 StGB
Art. 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 und 3 StPO

verurteilt:

1. zu einer Geldstrafe von sechs Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total 
CHF 180.00. 

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre 
festgesetzt.

2. zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1'920.00.

3. zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 1’500.00.

II.

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer
- der Strafklägerin 
- der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (KOST; nur Dispositiv, nach unbenutztem Ab-

lauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

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Bern, 16. April 2021 Im Namen der 1. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Guéra
i.V. Oberrichter Gerber

Die Gerichtsschreiberin:

Baronian

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.