# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2ee5d374-4904-5150-90f0-67d7ff7a382e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 E-6754/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6754-2011_2011-12-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­6754/2011

U r t e i l   v om   2 2 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Markus König,
mit Zustimmung von Richter Gérard Scherrer;
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
alias B._______,
Georgien, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2011 / N (…).

E­6754/2011

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  am  15.  Juli  2001  in  der  Schweiz  das  erste 
Mal um Asyl nachgesucht hatte und das Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, 
heute:  BFM)  mit  –  unangefochten  gebliebener  –  Verfügung  vom  10. 
Oktober 2001 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. c des Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  wegen  schuldhafter  grober 
Verletzung der Mitwirkungspflicht auf dieses Asylgesuch nicht eintrat,

dass der Beschwerdeführer am 22. August 2011 in der Schweiz unter der 
Identität  "A._______"  zum zweiten Mal  um Asyl  nachsuchte  und dieses 
Gesuch  anlässlich  seiner  Befragungen  vom  5.  September  2001  und  2. 
November  2011  im  Wesentlichen  mit  einer  Verfolgung  durch  den 
heimatlichen Geheimdienst begründete,

dass  die  Schweizer  Botschaft  in  Tiflis  dem  BFM  am  1.  Oktober  2011 
mitteilte,  die  wahre  Identität  des  Beschwerdeführers  laute  "B._______", 
wozu dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör gewährt wurde,

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung vom 2. November 
2011  gesundheitliche  Probleme  geltend  machte,  das  BFM  ihn  mit 
Verfügung  vom  3.  November  2011  dazu  aufforderte,  bis  zum  23. 
November  2011  einen  aussagekräftigen  Arztbericht  zu  den  Akten  zu 
reichen,  und  der  Beschwerdeführer  diese  Frist  ungenutzt  verstreichen 
liess,

dass das Bundesamt für Migration mit Verfügung vom 6. Dezember 2011 
– eröffnet am 8. Dezember 2011 – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. 
a AsylG wegen Nichtabgabe von Reise­ oder Identitätspapieren auch auf 
das  zweite  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  es  zur  Begründung  seines  Nichteintretensentscheids  im 
Wesentlichen  anführte,  der  Beschwerdeführer  habe  den Behörden  trotz 
Aufforderung  innert  48  Stunden  keine  Identitätsdokumente  eingereicht 
und hierfür keine entschuldbaren Gründe glaubhaft zu machen vermocht,

dass die Verfolgungsvorbringen ferner den Anforderungen gemäss Art. 3 
und  7 AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  eines  asylbegründenden 
Sachverhalts offensichtlich nicht genügen würden, der Beschwerdeführer 
daher die Flüchtlingseigenschaft offenkundig nicht erfülle und zusätzliche 

E­6754/2011

Seite 3

Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses nicht erforderlich seien,

dass  mit  Bezug  auf  die  Durchführbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festgehalten wurde, der Beschwerdeführer habe zwar behauptet, am HI­
Virus  erkrankt  zu  sein,  indessen  innert  Frist  den  einverlangten 
medizinischen  Bericht  nicht  eingereicht,  weshalb  dieses  Vorbringen  an 
Bedeutung verliere, und in Georgien die allenfalls benötigte medizinische 
Behandlung im Übrigen zur Verfügung stehe,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Dezember 2011 diesen 
Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfocht  und  dabei  inhaltlich 
die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Anweisung  der 
Vorinstanz,  das  Asylgesuch  materiell  zu  prüfen,  und  eventualiter  die 
Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs beantragte,

dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  im  Wesentlichen  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  nach  Art.  65  Abs.  1  des 
Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR 
172.021)  und  der  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
beantragt wurden,

dass der Beschwerdeführer weiter darum ersucht, es sei  ihm durch das 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Nachfrist  zur  Einreichung  ärztlicher 
Berichte zu setzen,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  19.  Dezember  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), 

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 19. Dezember 2011 einen 
ausführlichen ärztlichen Bericht des Universitätsspitals C._______ zu den 
Akten  reichte  und  die  Nachreichung  eines  Berichts  betreffend  seine 
Methadon­Behandlung für Januar 2012 in Aussicht stellte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass  es  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  über  Beschwerden  gegen 
Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des BFM entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m. 

E­6754/2011

Seite 4

Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 
2007/8 E. 2.1), bei Beschwerden gegen auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG 
abgestützten  Verfügungen  aufgrund  der  besonderen  gesetzlichen 
Konstellation  indessen  auch  die  Flüchtlingseigenschaft 
Prozessgegenstand bildet (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73), 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  das BFM dem Beschwerdeführer  am 3. November  2011  eine  fast 
dreiwöchige  Frist  zur  Einreichung  eines  Arztberichts  setzte,  die  dieser 
ohne jede Erklärung ungenutzt verstreichen liess,

E­6754/2011

Seite 5

dass die Notwendigkeit der Einreichung eines solchen Beweismittels dem 
Beschwerdeführer  seit  eineinhalb Monaten  bekannt  sein musste  und  er 
bezeichnenderweise  sein  Versäumnis  auch  in  der  Beschwerde  nicht 
nachgeholt  hat,  sondern  bloss  das  Setzen  einer  neuen  Frist  beantragt, 
was den Eindruck erweckt, er versuche auf diese Weise sein Verfahren in 
die Länge zu ziehen,

dass  das  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  die  Ärzte  des 
Beschwerdeführers  seien  nicht  in  der  Lage,  "innert  der  kurzen 
Beschwerdefrist"  einen  medizinischen  Bericht  zu  verfassen,  ebenfalls 
nicht überzeugt, nachdem er bereits anlässlich seiner zweiten Anhörung 
die  Diagnosen  seiner  Ärzte  erwähnt  hatte  (vgl.  Protokoll  der  Anhörung 
vom 2. November 2011 S. 13),

dass  der  förmliche  Antrag  auf  Ansetzen  einer  neuen  Frist  unter  diesen 
Umständen abzuweisen und  im Übrigen davon Kenntnis zu nehmen  ist, 
dass  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  am  19. 
Dezember 2011 bereits  von sich aus einen ausführlichen Arztbericht  zu 
den Akten gereicht hat,

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende den 
Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs 
Reise­ oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG),

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die 
Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 Bst. b AsylG) oder 
sich auf Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  c 
AsylG), 

dass  der  Beschwerdeführer  innert  48  Stunden  keine  rechtsgenüglichen 
Identitätsdokumente  eingereicht  und  offensichtlich  auch  keine 
entsprechenden Bemühungen unternommen hat, 

dass  das  BFM  überzeugend  dargelegt  hat,  weshalb  für  das 
Nichteinreichen von Reise­ oder Identitätspapieren keine entschuldbaren 
Gründe  vorliegen  würden,  und  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen 
sei,  dass  der  Beschwerdeführer  gegenüber  den  hiesigen  Asylbehörden 

E­6754/2011

Seite 6

eine  falsche  Identität  angegeben  habe  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang 
auch Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG), 

dass  zwecks  Vermeidung  von  Wiederholungen  vollumfänglich  auf  die 
Erwägungen  des  BFM  verwiesen  werden  kann,  zumal  diesbezüglich  in 
der  Beschwerde  keine  weiteren  Entgegnungen  entnommen  werden 
können,

dass der Beschwerdeführer somit nicht glaubhaft darzulegen vermag, er 
sei  durch  nicht  selbst  zu  verantwortende  Umstände  an  der 
unverzüglichen  Einreichung  von  Reise­  oder  Identitätspapieren  im  Sinn 
von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gehindert worden (Art. 32 Abs. 3 Bst. a 
AsylG),

dass  in  der  angefochtenen  Verfügung  unter  Hinweis  auf  diverse 
Aussagewidersprüche und Ungereimtheiten überzeugend dargelegt wird, 
dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht 
erfülle,

dass in der Beschwerde auch diesen Erwägungen nichts Überzeugendes 
entgegen  gehalten  wird,  soweit  auf  diese  überhaupt  Bezug  genommen 
wird,

dass  bei  der  vorliegenden  Aktenlage  kein  Anlass  zur  Vornahme 
zusätzlicher Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft oder 
eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  besteht  und  bestand  (bei  der 
Überprüfung der Personalien des Beschwerdeführers über die Schweizer 
Botschaft  im  Heimatland  handelt  es  sich  praxisgemäss  nicht  um 
Abklärungen im Sinn von Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG, vgl. BVGE 2009/50 
E. 7.1 S. 727 f.),

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG auf  das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht  eingetreten  ist, 
und  die  Frage  offen  bleiben  kann,  ob  vorliegend  der 
Nichteintretenstatbestand  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  (Täuschung 
über die Identität) zur Anwendung hätte kommen können,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer  solchen  besteht  (vgl.  BVGE  2009/50  E.  9),  weshalb  die  verfügte 

E­6754/2011

Seite 7

Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  bezüglich  des  Geltendmachens  von  Wegweisungshindernissen 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser 
[Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148),

dass  der  Beschwerdeführer  nicht  bestreitet,  dass  der  Vollzug  seiner 
Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und 
landesrechtlichen Bestimmungen  zulässig  und möglich  ist, weshalb  hier 
auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  angefochtenen  Verfügung 
verwiesen werden kann,

dass  in  der  Beschwerde  indessen  die  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  geltend  gemacht  und  zur  Begründung  auf  die 
Erkrankung des Beschwerdeführers hingewiesen wird,

dass  aus medizinischen Gründen  nach  Lehre  und  Praxis  nur  dann  auf 
Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  zu  schliessen  ist, wenn  eine 
notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung 
steht  und  die  Rückkehr  zu  einer  raschen,  lebensgefährdenden 
Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustands  der  betroffenen  Person 
führen würde  (wobei  diejenige Behandlung massgebend  ist, welche  zur 
Gewährleistung  einer  menschenwürdigen  Existenz  minimal  erforderlich 
ist)  und  Unzumutbarkeit  jedenfalls  dann  noch  nicht  vorliegt,  wenn  im 
Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  nicht  dem  schweizerischen  Standard 
entsprechende medizinische Behandlung möglich  ist  (vgl. BVGE 2009/2 
E. 9.3.2 mit weiterem Hinweis),

dass  der  Beschwerdeführer  konkret  vorbringt,  er  leide  an  einer  HIV­
Erkrankung  und  befinde  sich  aufgrund  seiner  Opiatsabhängigkeit  in 

E­6754/2011

Seite 8

einem  Methadon­Programm  sowie  in  ambulanter  psychiatrischer 
Behandlung,

dass diese Behauptungen  vom Beschwerdeführer  zunächst  nicht weiter 
substanziiert  worden  sind,  jedoch  am  19.  Dezember  2011  ein 
ausführlicher Arztbericht des Universitätsspitals C._______ zu den Akten 
gereicht worden ist,

dass  in  diesem  Bericht  vom  14.  Dezember  2011  die  Diagnosen  einer 
HIV­1­Infektion  im  Stadium  A2,  einer  Chronischen  Hepatitis  C­  sowie 
einer  Chronischen  (minimal  replikativen)  Hepatitis  B­Infektion,  eines 
Status'  nach  Polytoxikomanie  sowie  eines  Status'  nach 
Lungentuberkulose mit Pleuritis 2003 gestellt wurden,

dass  der  behandelnde Arzt  ergänzend  ausführte,  es  sei  vorliegend  von 
einer relativ schnellen Progression der HIV­Erkrankung auszugehen und 
(insbesondere)  eine  Unverträglichkeitsreaktion  des  Patienten  habe  zur 
Folge, dass eine gesamte Medikamentenklasse nicht verwendet werden 
könne,  weshalb  die  Auswahl  möglicher  antiretroviralen  Substanzen  auf 
wenige, meist  teurere, Medikamente  zweiter Wahl  eingeschränkt  werde 
(zudem  sei  wahrscheinlich,  dass  das  neue  Medikament,  mit  dem  der 
Beschwerdeführer  heute  behandelt  werde,  in  Georgien  nicht  zur 
Verfügung stehe),

dass  nach  konstanter  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts 
der  Vollzug  der  Wegweisung  eines  abgewiesenen,  HIV­positiven 
Asylgesuchstellers  in  der  Regel  als  grundsätzlich  zumutbar  qualifiziert 
wird, solange die HIV­Infektion das Stadium C noch nicht erreicht hat (vgl. 
etwa BVGE 2009/2 E. 9.3.4 mit weiteren Hinweisen),

dass Georgien nach Kenntnis des Bundesverwaltungsgerichts über eine 
ausgebaute medizinische Infrastruktur verfügt,

dass  insbesondere  die  (für  den  Patienten  kostenlose)  Behandlung  von 
HIV/AIDS  im  AIDS­Zentrum  von  Tbilisi  und  in  verschiedenen  im  Land 
verteilten  Zweigstellen  angeboten  wird  und  drogenabhängige  Personen 
ihre  Sucht  mit  Hilfe  von  (grösstenteils  ebenfalls  kostenlosen) 
Substitutionsprogrammen bekämpfen können,

dass  die  HIV­Erkrankung  des  Beschwerdeführers,  wie  erwähnt,  im 
Stadium  A2  steht  und  er  in  Georgien  über  ein  gewisses  familiäres 
Beziehungsnetz verfügt, 

E­6754/2011

Seite 9

dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  den  gegebenen 
Umständen  der  Argumentation  das BFM  anschliesst,  die medizinischen 
Behandlung  des  Beschwerdeführers  sei  auch  im  Heimatland  möglich, 
zumal  er  selber  davon  auszugehen  scheint,  seine  gesundheitlichen 
Probleme könnten grundsätzlich auch in Georgien behandelt werden (vgl. 
Beschwerde S. 2 f.),

dass  an  dieser  Feststellung  auch  nichts  zu  ändern  vermag,  dass  die 
medikamentöse  Behandlung  der  HIV­Infektion  offenbar  insbesondere 
durch  eine  Unverträglichkeitsreaktion  des  Beschwerdeführers 
eingeschränkt  ist  und  der  individuelle  Verlauf  dieser  Erkrankung 
möglicherweise relativ progressiv ist,

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  auch  zu  Recht  darauf 
hingewiesen hat, es stehe dem Beschwerdeführer  frei, einen Antrag auf 
Gewährung  medizinischer  Rückkehrhilfe  zu  beantragen  (vgl.  Art.  93 
Abs. 1  Bst.  d  AsylG  und  Art.  75  der  Asylverordnung 2  vom  11. August 
1999 über Finanzierungsfragen [AsylV 2, SR 142.312]),

dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  nach  dem 
Gesagten auch als zumutbar zu qualifizieren und zu bestätigen ist,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststelle oder 
unangemessen  sei  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.– 
(Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG),

dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege – 
unbesehen  der  ebenfalls  bloss  behaupteten  Bedürftigkeit  –  abzuweisen 
ist, da sich die Beschwerdebegehren gemäss vorstehenden Erwägungen 
als  aussichtslos  präsentieren,  was  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  die 
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ausschliesst,

dass das Gesuch um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht mit dem 
vorliegenden Direktentscheid gegenstandslos wird.

E­6754/2011

Seite 10

E­6754/2011

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 
Migrationsbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand: