# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ada641ab-9cc9-5c5b-93f1-312ac9cc23a3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 E-3740/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3740-2010_2012-01-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­3740/2010

U r t e i l   v om   4 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Jean­Pierre Monnet;  
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

Parteien A._______,
Türkei,  
vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 22. April 2010 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland 
am 14. März 2010 auf dem Landweg verliess, am 17. März 2010  in die 
Schweiz gelangte und gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass  er  am  7.  April  2010  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
Kreuzlingen  befragt  und  am  14.  April  2010  durch  das  BFM  zu  den 
Asylgründen angehört wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im 
Wesentlichen  geltend  machte,  er  sei  im  Oktober  2008  Mitglied  der 
Demokratic  Toplum  Partisi  (DTP)  geworden  und  habe  sich  namentlich 
zugunsten  des  Jugendflügels  der  Partei  engagiert,  indem  er 
Kundgebungen,  Versammlungen  und  Feierlichkeiten  organisiert  und  bei 
Wahlen mitgeholfen habe,

dass  im  September  2009  der  Präsident  der  DTP­Jugendfraktion,  ein 
Verwandter (Cousin  im weiteren Sinn) des Beschwerdeführers, verhaftet 
worden sei,

dass der Beschwerdeführer  im Oktober  2009  von  vier Polizisten  in Zivil 
angehalten, in einem Auto ausserhalb der Stadt gebracht und von diesen 
unter  Todesdrohungen  aufgefordert  worden  sei,  die  Aktivitäten  für  die 
DTP einzustellen,

dass  er  den Polizisten  gegenüber  auf  ihre  Forderung  eingewilligt  habe, 
worauf er laufen gelassen worden sei,

dass  er  am  5.  Januar  2010  telefonisch  erfahren  habe,  dass  türkische 
Sicherheitskräfte  eine  Parteikollegin  festgenommen  hätten  und  auch  in 
seine Wohnung gewaltsam eingedrungen seien,

dass  ihm  am  6.  Januar  2010  telefonisch  mitgeteilt  worden  sei,  dass 
Gendarmen  bei  seinen  Eltern  vorstellig  geworden  seien  und  eine 
Hausdurchsuchung  vorgenommen  hätten,  sowie  nach  ihm  und  seiner 
Schwester,  die  ebenfalls  bei  der  Jugendfraktion  der  DTP  mitgearbeitet 
habe, gesucht hätten,

dass sein Vater unter Drohungen aufgefordert worden sei, ihn und seine 
Schwester den Behörden auszuliefern,

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dass  er  und  seine  Schwester  sich  umgehend  nach  Istanbul  abgesetzt 
hätten,

dass er sich bis zu seiner Ausreise aus dem Heimatland bei einer Tante 
in Istanbul versteckt gehalten habe,

dass  für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  im  Einzelnen  auf  die  Akten 
verwiesen wird,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  22.  April  2010  feststellte,  der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  sein 
Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz, sowie deren 
Vollzug anordnete,

dass es zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
nicht standhalten,

dass aus der Ablehnung des Asylgesuches in der Regel die Wegweisung 
aus  der  Schweiz  folge  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  zulässig, 
zumutbar und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  mit  Eingabe 
vom  25.  Mai  2010  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  in materieller Hinsicht 
die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  in 
Feststellung  der  Unzulässigkeit,  allenfalls  der  Unzumutbarkeit  der 
Wegweisung die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragte,

dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses ersuchte,

dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren,  soweit 
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 
2010 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter 
Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung guthiess und die 
Vorinstanz einlud, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen,

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dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  10.  Juni  2010  eine 
Fürsorgebestätigung zu den Akten reichte,

dass  das  BFM mit  Vernehmlassung  vom  15.  Juni  2010  die  Abweisung 
der Beschwerde beantragte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  die 
Vernehmlassung des BFM am 18. Juni 2010 zur Kenntnis brachte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  im Bereich des Asyls  in der Regel ­ 
so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen 
(Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist   
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  zu 
Recht eingetreten wurde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. 
Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird 
(Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1 
AsylG), wobei als Flüchtlinge Personen gelten, die  in  ihrem Heimatstaat 

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oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft 
gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde 
ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben 
hält,

dass die Erwägungen des BFM in der angefochtenen Verfügung den vom 
Beschwerdeführer  vorgebrachten  Sachverhalt  in  seinen 
entscheidwesentlichen  Aspekten  in  ausgewogener  und  überzeugender 
Form beurteilen und somit zu bestätigen sind,

dass das BFM richtigerweise feststellt, der Beschwerdeführer habe einen 
Nüfus  zu  den  Akten  gereicht,  der  am  15.  Februar  2010  in  Istanbul 
ausgestellt worden ist,

dass gemäss eigenen Angaben des Beschwerdeführers der Nüfus zwar 
von  einer  Drittperson  abgeholt  worden  sei,  er  diesen  jedoch  selbst 
beantragt und legal bekommen habe (Akten BFM A1/10 S. 5),

dass das BFM in der angefochtenen Verfügung zutreffend folgerte, dass 
der  Beschwerdeführer  den  Kontakt  mit  den  türkischen  Behörden  mit 
Bestimmtheit  gescheut  hätte,  wenn  er  tatsächlich  von  diesen  gesucht 
worden wäre,

dass das BFM weiter zu Recht ausführte, falls sich eine gesuchte Person 
einen  Identitätsausweis  auf  illegale  Weise  beschafft  beziehungsweise 
erschleicht (vgl. A6/13 F82), diesen nicht auf die eigenen Personendaten 
ausstellen lassen würde,

dass  die  Entgegnung  in  der  Rechtsmitteleingabe,  bei  der  Passage  im 
Protokoll, wonach der Beschwerdeführer den Nüfus selbst beantragt und 
legal bekommen habe, müsse es sich um ein Missverständnis zwischen 
ihm  und  dem Dolmetscher  handeln,  nicht  stichhaltig  ist  und  als  blosser 
Versuch  gewertet  werden  muss,  unglaubhafte  Sachvorbringen 
anzupassen,

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dass auch der Einwand  in der Rechtsmitteleingabe, es sei  in der Türkei 
durchaus möglich, durch einen Schlepper und durch Schmiergeld einen 
Nüfus  zu  beschaffen,  die  zutreffenden  Einschätzungen  in  der 
angefochtenen Verfügung  zu den  vorliegenden Sachumständen nicht  in 
einen anderen Licht erscheinen lässt,

dass auch den Ausführungen des BFM zu  folgen  ist, wonach mit Recht 
davon  auszugehen  sei,  dass  eine  polizeilich  gesuchte  Person  sich  mit 
Sicherheit  nicht bei engen Verwandten versteckt gehalten hätte,  da das 
Risiko  erheblich  gewesen  wäre,  dass  die  Sicherheitskräfte  im  Rahmen 
ihrer Fahndungsmassnahmen dort vorstellig geworden wären,

dass  auch  der  diesbezügliche  Einwand  in  der  Rechtsmitteleingabe,  die 
zuständigen  Behörden  hätten  nicht  merken  können,  ob  sich  der 
Beschwerdeführer  in  Istanbul  oder  irgend  anderswo  in  der  Türkei 
aufhalten  würde  und  er  sei  sich  einigermassen  sicher  gewesen,  dass 
man  ihn  in    Istanbul  nicht  suchen  würde,  offenkundig  nicht  zu 
überzeugen vermag, nachdem sich der Beschwerdeführer gerade  in der 
Zeitspanne, in der er angeblich landesweit polizeilich gesucht worden sei 
(A6/13  F  56),  in       Istanbul  einen  neuen  Identitätsausweis  auf  seine 
Personaldaten hat ausstellen lassen, 

dass  der  Beschwerdeführer  zudem  weder  im  Verlaufe  des 
vorinstanzlichen  Verfahrens  noch  auf  Rechtsmittelebene Dokumente  zu 
den Akten gegeben hat, die seine behördliche Suche stützen würden,

dass  es  gemäss  den  Kenntnissen  des  Gerichts  möglich  ist,  von 
türkischen  Strafverfolgungsbehörden  durchgeführte 
Untersuchungsmassnahmen  ohne  erheblichen  Aufwand  mit 
beweistauglichen Unterlagen zu dokumentieren,

dass es aufgrund der Aktenlage auch nicht ersichtlich  ist, dass sich der 
Beschwerdeführer  auch  nur  darum  bemüht  hätte,  diesbezüglich 
Unterlagen beizubringen und ein entsprechendes Desinteresse nicht  für 
eine ernsthaft begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen durch die 
türkischen Behörden spricht,

dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmitteleingabe  die  Einreichung 
einer  Bestätigung  der  früheren  DTP  in  Aussicht  stellte,  die  seine 
Aktivitäten  für  die  Partei  und  seine  Verfolgungssituation  hätte 
dokumentieren sollen, diesbezüglich jedoch ebenfalls nichts zu den Akten 

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gab,  obwohl  dies  für  ihn  gemäss  eigenen  Ausführungen  in  der 
Rechtsmitteleingabe ein Leichtes gewesen wäre,

dass  ebenso  keine  Beweismittel  bezüglich  der  geltend  gemachten 
Verhaftungen des Cousins des Beschwerdeführers vom September 2009 
und der Parteikollegin vom 5. Januar 2010 zu den Akten gereicht wurden, 
obschon  entsprechende  Massnahmen  der  türkischen  Behörden  gegen 
politisch nicht genehme Akteure  in den einschlägigen türkischen Medien 
regelmässig  mit  Nachdruck  publik  gemacht  und  öffentlich  diskutiert 
werden,

dass freilich höchst fraglich erscheint, ob der Beschwerdeführer aus den 
geltend  gemachten  Verhaftungen  dieser  Personen  für  das  vorliegende 
Verfahren  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  etwas  für  sich  abzuleiten 
vermöchte,

dass vielmehr aus den Akten hervorgeht, dass der Beschwerdeführer im 
Nachgang der geltend gemachten Verhaftung des Cousins im September 
2009  für  seine  Person  jedenfalls  keine  entsprechenden 
Sicherheitsvorkehren getroffen hat,

dass  dem  wiederum  die  Einschätzung  in  der  Rechtsmitteleingabe 
zumindest  bezüglich  die  Situation  des  Beschwerdeführers  widerspricht, 
wonach  seine  Familie  und  Verwandtschaft  den  türkischen  Behörden 
aufgrund  ihrer  politischen  Aktivitäten  sehr  gut  bekannt  und  stigmatisiert 
seien, weshalb sie bei  jeden politischen Ereignis  in der Region behelligt 
würden,

dass,  falls  die  türkischen  Sicherheitskräfte  ein  ernsthaftes  Interesse 
gehabt hätten, dem Beschwerdeführer habhaft zu werden, anlässlich der 
Fahndungsmassnahmen vom 5. Januar 2010 ein weniger dilettantisches 
Vorgehen zu erwarten gewesen wäre, als in Aufsehen erregender Weise 
bei seiner Abwesenheit am Abend die Wohnungstüre einzuschlagen, um 
am  nächsten  Morgen  in  seinem  Elternhaus  ­  wie  vorauszusehen 
gewesen wäre ­ wiederum erfolglos nach ihm zu suchen,

dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  weiter  geltend  gemacht  wird,  der 
Beschwerdeführer  sei  aufgrund  seiner  Zugehörigkeit  zu  seiner  Familie 
einer  Reflexverfolgung  ausgesetzt,  da  zahlreiche  nahe  und  entfernte 
Verwandte  aus  politischen  Gründen  und  aufgrund  ihrer  ethnischen 
Herkunft  verfolgt  und  mehrere  seiner  Verwandten  in  der  Schweiz  als 
Flüchtlinge anerkannt worden seien,

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dass  in  der Rechtsmitteleingabe  insoweit  zu Recht  ausgeführt  wird,  die 
schweizerische  Rechtsprechung  anerkenne  die  Existenz  der 
Reflexverfolgung durch türkische Behörden,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  ausgeht,  dass  in  der  Türkei 
staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen 
Aktivisten  angewendet  werden,  die  als  so  genannte  Reflexverfolgung 
flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG sein können,

dass selbstredend die Bejahung einer Reflexverfolgung die Erfüllung aller 
Elemente des Flüchtlingsbegriffs nach Art. 3 AsylG voraussetzt,

dass  die Wahrscheinlichkeit  einer Reflexverfolgung  und deren  Intensität 
stark von den konkreten Umständen des Einzelfalls abhängen (vgl. zum 
Ganzen:  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.2.3.  S.  199  f.,  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­5163/2007  vom  2.  März  2011  E.  7,  E­
4754/2006 vom 22. April 2010, mit weiteren Hinweisen),

dass  es  nach  den  obigen  Erkenntnissen  und  Erwägungen  nicht 
hinreichend wahrscheinlich  erscheint,  dass  die  türkischen Behörden  ein 
Interesse daran haben, den Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr in 
die  Türkei  mit  Nachteilen  zu  überziehen,  die  einer  flüchtlingsrechtlich 
relevanten Intensität genügen könnten,

dass  in  diesem  Zusammenhang  auch  zu  beachten  ist,  dass  das 
Engagement  und  das  Interesse  des  Beschwerdeführers  für  die  frühere 
DTP als nicht intensiv einzuschätzen ist, wenn er anlässlich der Anhörung 
vom    7. April 2010 im EVZ die DTP als legale Partei bezeichnete (A1/10 
S. 6), nachdem sie vom türkischen Verfassungsgericht am 11. Dezember 
2009 für illegal erklärt und verboten wurde und das Gericht unter anderen 
den  Parteipräsidenten  der  DTP,  Ahmet  Türk,  persönlich  mit  einem 
Politikverbot für die nächsten fünf Jahre belegte,

dass  die  blosse  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Familie 
und  einem  Verwandtschaftsumfeld,  aus  dessen  Kreis  sich  zahlreiche 
Personen  durch  politische  Oppositionstätigkeit  unduldsamen 
Massnahmen  der  türkischen  Behörden  ausgesetzt  sehen  mussten  und 
als  Flüchtlinge  anerkannt  wurden,  den  Anforderungen  an  die 
Voraussetzungen der Erfüllung einer Reflexverfolgung nicht zu genügen 
vermag,

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dass  es  zwischen  der  türkischen  Regierungspartei  AKP  (Adalet  ve 
Kalkınma  Partisi;  Partei  für  Gerechtigkeit  und  Aufschwung)  und  der 
Nachfolgepartei der DTP, der BDP (Barış ve Demokrasi Partisi; Partei für 
Frieden  und  Demokratie),  auch  in  jüngster  Zeit  zu  heftigen 
Auseinandersetzungen  kommt  und  es  zu  verschiedenen  Verhaftungen 
von BDP­Exponenten und Anhängern der Partei gekommen ist,

dass  die  allgemeine  politische  Situation  in  der  Türkei  jedoch  keine 
entscheidwesentlichen  Rückschlüsse  auf  eine  Gefährdungslage  des 
Beschwerdeführers und somit auf das vorliegende Verfahren zulassen,

dass  aufgrund  der  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte 
erkennbar  sind,  wonach  der  Beschwerdeführer  aus  flüchtlingsrechtlich 
relevanten  Motiven  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  war  oder  in 
absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  ausgesetzt  sein 
könnte  und  vor  diesem  Hintergrund  die  Beschwerde  offensichtlich 
unbegründet erscheint,

dass  die  weiteren  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe  aufgrund  der 
Aktenlage keine andere Beurteilung zulassen,

dass auch die vom Gericht beigezogenen Asylakten der Schwester des 
Beschwerdeführers (N (…)) an der Sachlage nichts zu ändern vermögen,

dass  der  Beschwerdeführer  somit  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht 
nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen  vermag,  weshalb 
das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen 
Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]),

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dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn 
völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der 
Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen 
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, 
da der Beschwerdeführer eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nicht 
nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen vermag, weshalb das  in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte 
für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art.  3  der 
Konvention  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  vom 
4. November  1950  (EMRK,  SR  0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­ 
oder Herkunftsstaat droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar 
erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass  in  der  Türkei  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht, 
weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird,

dass den Akten auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür zu entnehmen 
sind, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr  in sein Heimatland 
aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher  und  sozialer  Natur  in  eine 
existenzbedrohende Situation geraten würde,

dass  das  BFM  aufgrund  der  Aktenlage  zu  Recht  zum  Schluss  kommt, 
dass der Vollzug der Wegweisung zulässig und zumutbar ist,

dass vollumfänglich auf die Erwägungen des BFM gemäss angefochtener 
Verfügung verwiesen werden kann,

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dass  der  Vollzug  der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Hei­
matstaat schliesslich möglich  ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen 
(Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der 
Beschaffung  vollzugstauglicher  Papiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4 
AsylG),

dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass  der  Beschwerdeführer  demnach  nicht  darzutun  vermag,  inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen 
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist 
(Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten (Art. 16 Abs. 1 Bst. 
a VGG  i.V.m. Art.  1­3  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG),

dass  sich  die  Beschwerde  im  Ergebnis  zwar  als  offensichtlich 
unbegründet,  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeerhebung  jedoch  nicht 
geradezu  als  aussichtslos  erwiesen  hat  und  nach  wie  vor  von  der 
Prozessbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen  ist,  weshalb 
nicht  angezeigt  ist,  auf  die  Zwischenverfügung  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 1. Juni 2010 bezüglich Gutheissung der 
unentgeltlichen Rechtspflege zurückzukommen,

dass demnach keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

E­3740/2010

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

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