# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 77b1b4f6-29b8-53fe-877d-6e2b646ab29c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-11-20
**Language:** de
**Title:** Gestützt auf Gutachten mindestens 70 % arbeitsfähig angestammt. Leidensabzug nicht gerechtfertigt. Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2019.00156
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00156.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00156
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Casanova
Urteil
vom
2
0.
November 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
Swiss Claims Network
Rte
de la
Fonderie
2, 1700 Fribourg
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1978 und
bei der Erstanmeldung am 2
7.
Juli 2012 (Eingangsdatum) zulet
zt tätig als
kaufmännische
Sachbearbeiterin, meldete sich unter Hinweis auf einen Unfall vom 1
6.
Juni 2010 und einer
darauf folgenden
Fussoperation bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/5).
Die IV-Stelle gewährte der Versicherten Bera
tung und Unterstützung bei der Stellensuche von Dezember 2012 bis längstens 3
0.
Juni 2013 (Mitteilung vom 2
8.
November 2012,
Urk.
6/25). Die Versicherte trat per
1.
Oktober 2013 eine Festanstellung
bei einer Spitex-Organisation
an und die IV-Stelle übernahm in diesem Zusammenhang Ausbildungskosten für einen
Tarmed
-Grundkurs sowie eine
Spitas
-Schulung (Mitteilung vom 2
2.
Oktober 2013,
Urk.
6/41) und schloss die berufliche Eingliederung ab. Die Arbeitsstelle wurde der Versicherten per 3
1.
März 2014 wieder gekündigt (vgl. hierzu Schluss
bericht
Z.___
vom 1
5.
April 2014,
Urk.
6/49). Im Mai 2014 nahm sie eine An
stellung bei
A.___
auf, woraufhin
die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
9.
Dezember 2014 einen Anspruch auf eine Invalidenrente verneinte (
Urk.
6/55).
Nachdem der Versicherten die Arbeitsstelle bei
A.___
per 3
1.
Januar 2016 gekündigt wurde (
Urk.
6/57), meldete sich die Versicherte am 3
1.
März 2016 (Eingangsdatum) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/58).
Am 2
8.
November 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine berufli
chen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
6/80).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte insbesondere das polydis
ziplinäre Gutachten des Zentrums B.___
vom 2
4.
August 2018 ein (
Urk.
6/119). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Vorbescheid vom 1
1.
Oktober 2018,
Urk.
6/123; Einwand vom
6.
November 2018,
Urk.
6/124; ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
6.
Januar 2019,
Urk.
6/132)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
Ja
nuar 2019
einen Rentenanspruch
(
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte
mit vom
3.
September 2018
datierter Eingabe
Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine
In
validenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, den medizinischen Sachverhalt im Rahmen der Offizialmaxime erneut um
fassend abzuklären
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
März 2019 (
Urk.
5
unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
6/1-137) schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab
weisung der Beschwerde, worüber die Beschwerdeführerin am
1.
April 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür,
dass gestützt auf das polydisziplinäre Gut
achten eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
in der Tätigkeit als Sachbearbeiterin Buch
haltung gegeben sei. Da ihr die angestammte Tätigkeit damit in einem Umfang von 75
%
zumutbar
sei
, resultiere ein Invaliditätsgrad von 25
%
. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit in Wechselbelastung an einem ruhigen Ar
beitsplatz wäre ihr auch zu 90
%
zumutbar (
Urk.
2
und
Urk.
5
).
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass sie aufgrund der andauernden Beschwerden durch den
Reizdarm
nicht mehr arbeits
fähig sei, was auch von
Dr.
C.___
, Facharzt für Allgemeinmedizin,
bestätigt werde. Entsprechend bestehe eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit, was zu einem Invaliditätsgrad von 100 % führe.
Würde
den Ausführungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes
ge
folg
t
, wonach die Beschwerdeführerin zu 70
%
arbeitsfähig sei
,
resultiere unter Berücksichtigung eines Leidensabzuges von 15
%
ein Invaliditätsgrad von 40.5
%, so dass sie Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe (
Urk.
1).
2.
2.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über
die
Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Ar
beitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfäl
ligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der
Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 E. 3.1).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
2
8.
Januar 2019
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten
der
B.___
vom 2
4.
August 2018
ab. Darin werden die bis zur Begutachtung der Beschwerdefüh
rerin aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
6/119/12 ff
.), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genom
men.
Die Gutachter der
B.___
hielten einen Colon
Irritabile
(
IBS
-D) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest. Des Weiteren
erhoben
sie folgende
Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit,
Urk.
6/119/6 f.):
-
Längere depressive Reaktion (
ICD-10
F43.21)
-
Status nach
Cholezystektomie
07/2008 nach
biliärer
Pankreatitis
-
Status nach diagnostischer Laparoskopie 09/2009
-
Lebersteatose, Verdacht auf nicht-alkoholische Fettlebererkrankung
-
Status nach
Helicobacter
pylori
-Gastritis und
Eradikationstherapie
11/2015
-
Laktoseintoleranz 11/2015
-
Leichte
Fructoseintoleranz
06/2016
-
Bakterielle Fehlbesi
edlung des Dünndarms 10/2016
-
Senk-Sprei
z-Platz-Knickfuss beidseits
-
Adipositas per magna (BMI
43.5 kg/m2)
Aus psychiatrischer Sicht leide die Beschwerdeführerin
seit etwa drei Jahren an einer gastrointestinalen Beschwerdesymptomatik, deren Ursache bis dato nicht befriedigend
habe
geklärt werd
en können
(
Urk.
6/119/5 f.)
. Im Zusammenhang mit der anhalte
nden Beschwerdesymptomatik sei
die Möglichkeit einer psycho
somatischen Störung diskutiert
worden
, ohne dass bislang allerdings eine weiter
gehende psychiatrische oder psychothe
rapeutische Behandlung erfolgt sei
. Die aktu
elle Exploration offenbare
keine relevante unbewältigte Konfliktkonstella
tion, welche als mögliche Ursache einer mehrjährigen neurotischen Fehlentwick
lung in Frage käme. Das Persönlichkeitsprofil erschein
e
unauffällig, so dass die vorgetragenen depressiven Verstimmungen im Sinne einer länger andauernden depressiven Anpassungsstörung vor dem Hintergrund der unbefriedigenden ak
tuellen Lebenskonstellation erklärt
seien
. Die Kriterien einer längeren depressiven Reaktion (
ICD-10 F43.21) seien
erf
ü
llt
.
Merkmale einer schwerwiegenden depres
siven Erkrankung im Sinne einer Antriebsstörung, eines sozialen Rückzugs, In
suffizienzge
fühlen oder Versagensängsten lä
gen nicht vor. Die beschriebene leicht
e Störung der Affektivität führe
unter Berücksichtigung aller Aspekte zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Gastroenterologisch
bestünden
b
ei der 40-jährigen
Beschwerdeführerin (B
ü
ro
fachfrau)
seit einer Kroatienreise 2015 gastrointestinale Symptome wie krampf
artige O
berbauchschmerzen und Durchfälle (i
nitial auch Fieber). Entsprechende endoskopische Abklärung
en und entsprechende funktionelle Labordiagnostik hätten
ausser einer
Helicobacter
pylori
-Gastritis (
Helicobacter
wurde
eradiziert
), einer Laktoseintoleranz, einer leichten
Fructoseintoleranz
und einer möglichen bakteriellen Dünndarmüberwucher
ung keine eindeutige Pathologie ergeben
, so
dass nach heutigem Wissen ein
Reizdarmsyndrom (IBS-D) bestehe
un
d auch ent
sprechend behandelt wo
rde
n sei
. Allerdings persistier
t
en Beschwerden wie krampfartige Oberbauchschmerzen und Durchfälle.
Befragt nach ihren
orthopädischen
Beschwerden seitens des Stütz- und Bewe
gungsapparates,
habe sie
belastungsabhängige Schwellungen des rechten Fusses an
gegeben
. Im Rahmen der orthopädisch-
traum
atologischen
Untersuchung habe
sich ein frei bewegliches oberes und unteres Sprunggelenk rechts
gezeigt, eine Schwellneigung habe
nicht
bestanden. Das Gangbild sei
flüssig. Der aktuell er
hobene orthopädisch-
traumatologisc
he
Untersuchungsbefund habe
keine Hin
weise auf relevante Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin erbracht
.
Aus internistischer Sicht bestünden be
i der
Beschwerdeführerin
unklare chroni
sche Bauchschmerzen seit etwa 10 Jahren,
möglicherweise bestehe
ein Reizdarmsyndrom (irritable
bowel
syndrome
,
diarrhea-predominant
= ISB-
D). Es we
rd
e
hierzu auf das
gastroenterologische
Gutachten verwiesen. Aus allgemein-internistischer
Sicht sei festzustellen, dass eine all
gemein-inte
rn
istische Erkran
kung mit eventueller Beteiligung des Magen-Darm-Traktes nicht vorlieg
e. Ebenso sei
festzustellen, dass sich anamnestisch, klinisch und laborchemisch kein Anhalt für das Vorliegen einer Infektion bzw. e
iner parasitären Erkrankung ergebe. An
sonsten sei
aus internistischer Sicht in erster Linie eine A
dipositas mit einem BMI
von 43.55 kg/m2 erwähnenswert - entsprechend eine
r
Adipo
sitas Grad
3.
Unstrit
tig bedinge
eine derartige Adipositas zahlreiche Risiken und Komplikati
onen, als Hauptkomplikationen wü
rden
folgende angesehen: P
athologische Glukosetole
ranz und Insulinresistenz, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom (einschliess
lich Störungen von Gerinnung und
Fibrinolyse
), arterielle Hypertonie,
Hyperlipi
dämie
, Hyperurikämie und Gicht, koronare
Herzkrankheit und
zerebrovaskul
äre
Krankheiten. Auch das Skelettsystem w
e
rd
e
durch das Vorliegen von Überg
ewicht stark beansprucht - es we
rd
e
diesbezüglich auf das orthopädische Gutachten ver
wiesen. Es sollte also geklärt werden, ob ein multimodales Therapiekonzept zur Gewichtsreduktion möglich wäre mit vermehrter Bewegung und Verhaltensthe
rapie, eine
Ernährungsumstell
ung auf eine Low-
FODMAP
(
„
fermentab
l
e
oligo
-, di-
and
monosaccharides
and
polyols
")
-
Diät wäre aus
gastr
o
enterologischer
Sicht empfehlenswert. Es resultier
t
en aus der Adipositas per se keine Einschränkungen der Ar
beitsfähigkeit (
Urk.
6/119/5 f.).
Die
Beschwerdeführerin leide
seit Mitte 2015 unter abdominell
en Beschwerden, die aus
gastroenterologischer
Sicht unter Berücksichtigung aller Zusammenhänge als Reizdarmsyndrom (Bauchschmerzen, Durchfällen und Erschöpfungszustän
den) interpretiert
wü
rden.
Hieraus schlussfolgernd bestehe
eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 20 bis 30
%
. Der interni
stische Gutachter diagnostiziere
in diesem Zusammenhang keine weiteren Erkrankungen mit Auswirkung auf
die
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht
lasse sich die in der Aktenl
age disku
tierte Option einer Somatisierungsst
örung nicht bestätigen, es liege
lediglich im Rahmen der mehrjährigen Entwicklung eine längere reaktive depressive Störung im Sinne einer Anpassungsstörung vor, die die Arbeitsfähigk
eit nicht beeinträch
tige
. Zur selben Einschätz
ung der Arbeitsfähigkeit gelange die orthopä
dische Gut
achterin, da sie auf diesem Fachgebiet keine die Arbeitsfähigkeit einschränke
nden Erkrankungen diagnostiziere (
Urk.
6/119/7)
.
Im Prinzip könne die Beschwerdeführerin bei Zugang zur Toilette und entspre
chender symptomatischer Therapie in ihrem angestammten Beruf (Bürofachfrau) tätig sein. Ein Wiedereinstieg mit Teilzeitbeschäftigung sei wünschenswert (
Urk.
6/119/7).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit lieg
e
gesamthaft in der Grössen
ordnung von 70 bis 80
%
.
Die
Beschwerdeführerin sei seit 2
4.
Juli
2015 zu 100
%
arbeitsunfähig
geschrieben
. Diese Einschränkung sei
nicht begründbar
. Seit Herbst 2015 we
rd
e
eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
auf
20 bis 30
%
ein
geschätzt.
D
ie Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
betrage
ge
samthaft 90
%
.
Seit Herbst 2015 we
rd
e
in einer leidensadaptierten Tätigkeit
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10
%
eingesc
hätzt.
Die Einsc
hränkung der Arbeitsfähigkeit sowohl angestammt als auch adaptiert we
rd
e
bedingt durch ein Reizdarmsyndrom mit Bauchschmerzen, Durchf
ällen und Erschöpfungszu
ständen (
Urk.
6/119/8).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre Gutachten der
B.___
vom 2
4.
August
2018
erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlagen (vgl. E. 2.
4
). Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gutachter (
Urk.
6/119/22 ff.;
Urk.
6/119/39
f.
;
Urk.
6/119/
51 ff.
;
Urk.
6/119/
69 ff.
) und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(
Urk.
10/90 S.
6 ff.
; vgl. auch
Urk.
6/119/78 ff.
) abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arzt
berichte sor
gfältig. Es berücksichtigt die von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden
(
Urk.
6/119/22 ff.; 6/119/37 f.;
Urk.
6/119/48;
Urk.
6/119/66 ff.)
und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge ist einleuchtend und das Gutachten ist schlüssig.
4.2
Die Beschwerdeführerin brachte gegen das Gutachten vor,
dass gemäss Bericht von
Dr.
C.___
vom 2
1.
Dezember 2018 die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit un
zumutbar sei. Die Beschwerden träten unabhängig von der ausgeübten Tätigkeit ein, so dass auch keine Verweistätigkeit denkbar sei. Damit sei eine volle Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen (
Urk.
1).
Dr.
C.___
führte in seinem Bericht vom 2
1.
Dezember 2018 aus (
Urk.
6/131), dass er der Meinung sei, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Leiden nicht mehr arbeiten könne. Dies habe die Beobachtung der vergangenen drei Jahre gezeigt. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei 0
%
, da sie immer wieder Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen habe. Zeitweise habe die Beschwer
deführerin auch Fieber. Eine leidensgerechte Tätigkeit sehe er nicht.
Dr.
C.___
begründete seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit lediglich mit der Beobachtung der Beschwerdeführerin - objektive Befunde, welche eine funktio
nelle Einschränkung überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen würden, feh
len in seinem Bericht. Des Weiteren
ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach der Umstand allein, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten abweichende Meinung äussern, nicht Anlass zu weiteren Abklärungen gibt oder das Gutachten in Frage zu s
tellen
vermögen
; anders würde es sich verhalten, wenn die behandelnden Ärzte konkrete, objektiv fassbare Aspekte namhaft machen, die dem ärztlichen Experten entgangen sind oder mit denen er sich nicht befasst hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 U 58/06 E. 2.2) - was vorliegend allerdings nicht der Fall ist.
4.3
Der psychiatrische Gutachter stellte des Weiteren ausführlich und nachvollzieh
bar dar, warum das Vorliegen einer psychosomatischen Störung zu verneinen ist und dass die Merkmale einer schwerwiegenden depressiven Erkrankung nicht vorlägen. Des Weiteren begründete er schlüssig, dass die Kriterien einer längeren depressiven Reaktion erfüllt sei
en
, welche allerdings unter Berücksichtigung aller Aspekte zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe (
Urk.
6/119/29 ff.).
Zusammenfassend verneinte der psychiatrische Gutachter e
ine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen nachvollzieh
bar und schlüssig
,
was auch seitens der Beschwerdeführerin unbestritten blieb (
Urk.
1). Entsprechend kann auf
ein
struk
turiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 verzichtet werden (vgl. E. 2.3.3).
4.4
Gestützt auf das Gutachten des
B.___
vom 2
4.
August 2018 ist damit von einer maximalen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in Höhe von 20 bis 30
%
auszu
gehen. Dabei ist der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass diese Einschätzung durch den
gastroenterologischen
Gutachter
getroffen
wurde. Dieser konstatierte,
dass die Leistungsfähigkeit um 20-30
%
eingeschränkt sei aufgrund rezidivieren
der Bauchschmerzen und Durchfällen bei einer Präsenzzeit von 8.5 Stunden. Bei unmittelbarem Toilettenzugang, wenig Stress und Publikumsverkehr sei lediglich von einer 10%igen Einschränkung der Leistungsfähigkeit wegen Bauchschmerzen und Durchfällen auszugehen (
Urk.
6/119/42).
Damit ist die attestierte Einschränkung im Bereich von 20-30
%
als äusserst grosszügig zu beurteilen. In
casu
kann allerdings
offen bleiben
, ob von einer 10 oder maximal 30%igen Einschränkung auszugehen ist, da dies - wie im Folgen
den gezeigt wird - keine Auswirkungen auf den Ausgang des Verfahrens hat
.
5.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der maximal um 30
%
einge
schränkten Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit.
5.1
5.1.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75 (vgl. SVR 2017 IV Nr. 71 S. 219, 9C_675/2016 E. 3.2.1).
5.1.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) al
lenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le
bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
5.2
Die angestammte Tätigkeit ist der Beschwerdeführerin in einem Umfang von min
destens 70
%
weiterhin zumutbar, so dass eine Erwerbseinbusse und ein entspre
chender Invaliditätsgrad von maximal 30
%
resultiert.
Bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit wurden die gesundheitlichen Ein
schränkungen bereits vollumfänglich und - ausgehend von einer maximalen Ein
schränkung von 30
%
- äusserst grosszügig mitberücksichtigt. Ein Leidensabzug ist damit
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin
klarerweise zu ver
neinen.
5.3
Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt
gestützt auf das
B.___
-Gutachten vom 2
4.
August 2018
als genügend abgeklärt. Demnach ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich seit der Verfügung vom
1
9.
De
zember 2014
(Urk.
6/55
) keine anspruchsbeeinflussende Änderung der tatsächli
chen Verhältnisse ergeben hat
, da
es der
Beschwerdeführer
in
weiterhin zumutbar ist, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
Die angefochtene Verfü
gung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich ab
zuweisen.
6.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verwei
gerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) auf
Fr.
800.-- festzusetzen und der
un
terliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstCasanova