# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 27a38184-9603-58f4-8b04-cae6044b286d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2005-04-06
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission für die Staatshaftung 06.04.2005 JAAC 69.77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_020_JAAC-69-77--_2005-04-06.pdf

## Full Text

JAAC 69.77

Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für
die Staatshaftung vom 6. April 2005 in Sachen X [HRK
2004-005]

Responsabilité de l’Etat. Illicéité. Examen de la légalité de décisions et
d’ar­rêtés entrés en force. Lien de causalité.

Art. 3 al. 1, art. 12 LRCF. Art. 6 § 1 CEDH.

- Dans le cadre d’une procédure en responsabilité, il doit être admis
de se prévaloir d’une partie de la prétention en se réservant le droit
d’agir ultérieurement pour le solde. La prétention additionnelle ne peut
toutefois pas être invoquée directement en procédure de recours, mais
doit respecter les dispositions procédurales ressortant de l’art. 20 LRCF
s’agis­sant d’une demande complémentaire de dommages-intérêts ou
d’indemnité à titre de réparation morale (consid. 1c).

- L’exclusion de l’examen de décisions, d’arrêtés et de jugements ayant
force de chose jugée dans le cadre d’une procédure en responsabilité ne
viole l’pas art. 6 § 1 CEDH (con­sid. 3a et b).

- Les normes existantes en matière d’assistance judiciaire
internationale visent à réglementer les relations entre les Etats
parties et leurs droits de souveraineté et ne visent pas la protection du
patrimoine d’une personne (consid. 4).

- Si une activité officielle conduit, non pas directement, mais seulement
indirectement à une atteinte à la personnalité, celle-ci n’est illicite que
pour autant qu’elle viole une norme de protection (consid. 4).

- Application de la jurisprudence selon laquelle la responsabilité pour
omission suppose que l’autorité ait un devoir d’agir, que ce devoir ait
pour but de protéger les intérêts atteints et que le dommage ait pu être
évité en tout ou partie si l’autorité avait agi (consid. 6).

1

Staatshaftung. Widerrechtlichkeit. Überprüfbarkeit der
Rechtmässigkeit rechts­kräftiger Verfügungen und Entscheide.
Kausalzusammenhang.

Art. 3 Abs. 1, Art. 12 VG. Art. 6 Abs. 1 EMRK.

- Im Verantwortlichkeitsverfahren ist die Zulässigkeit der
Geltendmachung eines Teilanspruchs mit Nachklagevorbe­halt zu
bejahen. Der weiter gehende Anspruch kann jedoch nicht direkt im
Rechtsmittelverfahren geltend gemacht werden, vielmehr sind für
ein zusätzliches Begehren auf Schadenersatz und Genugtuung die
prozessualen Vorschrif­ten von Art. 20 VG einzuhalten (E. 1c).

- Der Ausschluss der Überprüfbarkeit formell rechtskräftiger
Verfügungen, Entscheide und Urteile im Verantwortlichkeits­verfahren
verstösst nicht gegen Art. 6 Abs. 1 EMRK (E. 3a und b).

- Normen im Bereich der internationalen Rechtshilfe dienen der
Regelung des Verkehrs zwischen den beteiligten Staaten und ihrer
Souveränitätsrechte und nicht dem Schutz des Vermögens einer Person
(E. 4).

- Führt eine amtliche Tätigkeit nicht unmittelbar, sondern bloss
mittelbar zu einer Persönlichkeitsverletzung, so gilt auch insoweit, dass
die entsprechende amtliche Tätigkeit nur dann widerrechtlich ist, wenn
sie gegen eine Schutznorm verstösst (E. 4).

- Anwendung der Rechtsprechung, wonach eine Haftung für
Unterlassung voraussetzt, dass für die Behörde eine Pflicht zum
Handeln bestanden hätte, diese Pflicht zum Schutz der verletzten
Interessen bestimmt gewesen wäre und die Schädigung im Falle des
Tätigwerdens der Behörde nicht oder nicht vollständig eingetreten wäre
(E. 6).

Responsabilità dello Stato. Illiceità. Possibilità di controllare la legalità
di decisioni e sentenze cresciute in giudicato. Nesso causale.

Art. 3 cpv. 1, art. 12 LResp. Art. 6 § 1 CEDU.

- Nella procedura per responsabilità è ammessa la possibilità di far
valere solo una parte della pretesa, riservandosi la possibilità di
agire ulteriormente per il saldo. La pretesa addizionale non può però
essere fatta valere direttamente nella procedura ricorsuale, perché
per una richiesta aggiuntiva di risarcimento dei danni e di indennità
per torto morale devono essere rispettate le regole processuali stabilite
dall’art. 20 LResp (consid. 1c).

- L’esclusione della possibilità di controllare, nella procedura di
responsabilità, decisioni, decreti e sentenze cresciuti in giudicato
formalmente non viola l’art. 6 § 1 CEDU (consid. 3a e b).

- Le norme nell’ambito dell’assistenza giudiziaria internazionale
servono a regolare i rapporti fra gli Stati coinvolti e i loro diritti
di sovranità e non alla protezione del patrimonio di una persona
(consid. 4).

2

- Se l’esercizio di un’attività ufficiale non porta direttamente ma solo
indirettamente ad una lesione della personalità, l’attività ufficiale è
illecita solo se viola una norma di protezione (consid. 4).

- Applicazione della giurisprudenza, secondo cui una responsabilità
per omissione esige che l’autorità abbia l’obbligo di agire, che questo
obbligo sia destinato a proteggere gli interessi violati e che il danno
avrebbe potuto essere evitato completamente o parzialmente in caso di
azione dell’autorità (consid. 6).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Am 5. November 2001 ersuchte der Staatsanwalt des Bezirks Belgrad
die Schweizer Behörden um die Sperre der Konten von X. bei Schweizer
Banken und um Herausgabe der Kontounterlagen. Mit Eintretens- und
Zwischenverfügung vom 12. Februar 2002 entsprach das Bundesamt für Justiz
dem Rechtshilfeersuchen. Es verpflichtete die Bank A., betreffend die Konten,
Depots und Schliessfächer, welche auf X. lauteten oder an denen dieser
berechtigt war, sämtliche Unterlagen einzureichen. Es wies die A. überdies
an, die genannten Konten, Depots und Schliessfächer sofort zu sperren. Mit
Schlussverfügung vom 19. April 2002 ordnete das Bundesamt für Justiz die
Herausgabe der ihm von der A. eingereichten Unterlagen an die ersuchende
Behörde an. Das Bundesamt für Justiz verfügte überdies die Aufrechterhaltung
der bereits angeordneten Konto- und Depotsperre. Am 14. Juni 2002 gab das
Bundesamt für Justiz die Bankunterlagen der ersuchenden Behörde heraus.

B. X. liess gegen die Schlussverfügung des Bundesamtes für Justiz vom
19. April 2002 mit Eingabe vom 30. Juli 2002 Verwaltungsgerichtsbeschwerde
beim Bundesgericht erheben. Mit Urteil vom 8. Oktober 2002 trat das
Bundesgericht darauf nicht ein. Es begründete dies damit, dass die
Beschwerde verspätet sei. Das Bundesgericht legte jedoch ergänzend mit
einlässlicher Begründung dar, dass die Beschwerde materiell unbegründet
gewesen wäre.

C.Mit Eingabe vom 6. März 2003 liess X. beim Eidgenössischen
Finanzdepartment (EFD) ein Gesuch um Schadenersatz und Genugtuung
einreichen. Er beantragte, es sei ihm Schadenersatz und Genugtuung
im Umfang von einstweilen Fr. 1.- zu bezahlen, unter Vorbehalt des
Nachklagerechts.

Mit Verfügung vom 20. April 2004 wies das EFD das Schadenersatz- und
Genugtuungsbegehren ab, soweit darauf einzutreten war und soweit dieses
nicht gegenstandslos geworden war.

D. Dagegen lässt X. (Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 14. bzw. 27. Mai
2004 bei der Eidgenössischen Rekurskommission für die Staatshaftung
(HRK) Beschwerde führen mit dem Antrag, die Verfügung des EFD vom
20. April 2004 sei aufzuheben, und es seien die Anträge und Gesuche vom
20. September 2002, 6. März 2003, 17. April 2003, 28. April 2004 und 14. Mai
2004 gutzuheissen. Eventuell sei die Sache zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.

3

In seiner Vernehmlassung vom 16. August 2004 beantragt das EFD die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

E. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat der HRK am 27. August
2004, 17. September 2004 sowie 13. Oktober 2004 unaufgefordert weitere
Eingaben eingereicht.

F. Am 28. Februar 2005 führte die HRK in Anwesenheit der Parteien bzw.
ihrer Vertreter eine mündliche und öffentliche Verhandlung durch. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers änderte bzw. ergänzte das gestellte
Rechtsbegehren in dem Sinne, dass die Verfügung des EFD vom 20. April
2004 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.
Eventuell seien dem Beschwerdeführer der liquide Schadenersatz von
Fr. 109’043.- sowie eine Genugtuung von Fr. 150’000.-, beides zuzüglich
Zins seit dem 24. September 2001, zuzusprechen. Im Mehrbetrag sei
gemäss dem Rückweisungsantrag zu verfahren. Der Vertreter des
Beschwerdeführers beantragte überdies, es sei eine schriftliche Stellungnahme
des Beschwerdeführers, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der
Verhandlung teilnehmen könne, verlesen zu lassen.

Aus den Erwägungen:

1.a. + b. (…)

1.c. Das Bundesgesetz über die Verantwortlichkeit des Bundes
sowie seiner Behördemitglieder und Beamten vom 14. März 1958
(Verantwortlichkeitsgesetz [VG], SR 170.32) enthält keine ausdrückliche
Regelung darüber, ob sich ein Begehren auf Schadenersatz und Genugtuung
vorerst auf einen Teil des gesamten Anspruchs beschränken und ob für
eine weiter gehende Geltendmachung ein Nachklagevorbehalt gemacht
werden kann. Das Gleiche gilt für das Bundesgesetz vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welches auf das
Verantwortlichkeitsverfahren Anwendung findet. Die Zulässigkeit eines
solchen Vorgehens ist aber gleichwohl zu bejahen, da Ansprüche aus dem
Verantwortlichkeitsgesetz dem Verfügungsgrundsatz (Dispositionsmaxime)
unterstehen und es dem Kläger damit frei steht, einen teilbaren Anspruch
vorerst nur teilweise zu erheben. Soweit der Beschwerdeführer einen
Anspruch geltend gemacht und das EFD darüber verfügt hat, ist auch
die Beschwerde an die HRK zulässig. Die grundsätzliche Zulässigkeit der
Geltendmachung eines blossen Teils des Anspruchs und des Vorbehalts der
Nachklage bedeutet jedoch nicht, dass der weiter gehende Anspruch direkt
im Rechtsmittelverfahren und dort gar nach Abschluss des Schriftenwechsels
an der mündlichen und öffentlichen Verhandlung gemäss Art. 6 Abs. 1 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom
4. November 1950 (Europäische Menschenrechtskonvention [EMRK], SR 0.101)
vorgebracht werden kann. Vielmehr gelten für ein zusätzliches Begehren auf
Schadenersatz und Genugtuung (Nachklage) die prozessualen Vorschriften von
Art. 20 VG.

1.d. (…)

2. (…)

3.a. Für den Schaden, den ein Beamter in Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit
Dritten widerrechtlich zufügt, haftet der Bund gemäss Art. 3 Abs. 1 VG
ohne Rücksicht auf das Verschulden des Beamten. Die Widerrechtlichkeit

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einer schädigenden Handlung ergibt sich dabei daraus, dass entweder
ein absolutes Recht des Geschädigten verletzt wird, ohne dass dabei ein
Rechtfertigungsgrund vorliegt (Erfolgsunrecht), oder aber eine reine
Vermögensschädigung durch Verstoss gegen eine Norm bewirkt wird, die nach
ihrem Zweck vor derartigen Schäden schützen soll (Handlungsunrecht; BGE
123 II 581 E. 4c mit Hinweisen; Jost Gross, Schweizerisches Staatshaftungsrecht,
2. Aufl., Bern 2001, S. 188). Wird eine Pflicht zur Leistung von Schadenersatz
oder Genugtuung aus einer Unterlassung hergeleitet, so setzt dies in Bezug
auf die Widerrechtlichkeit voraus, dass eine Pflicht zum Tätigwerden
bestanden hätte (BGE 123 II 583 E. 4d ff.). Gemäss Art. 12 VG kann die
Rechtmässigkeit formell rechtskräftiger Verfügungen, Entscheide und Urteile
im Verantwortlichkeitsverfahren jedoch nicht überprüft werden. Damit
soll verhindert werden, dass der Betroffene eine ihm unbequeme, aber
rechtskräftig gewordene Verfügung oder Entscheidung auf dem Umweg
über das Verantwortlichkeitsverfahren erneut angreifen kann. Wer eine
Verfügung erfolglos bis vor oberster Instanz angefochten oder die für die
Anfechtung der Verfügung offen stehenden Mittel gar nicht oder nicht frist-
oder formgerecht genutzt hat, soll die Rechtmässigkeit dieser Verfügung nicht
(nochmals) in einem Verantwortlichkeitsprozess bestreiten bzw. überprüfen
lassen können (BGE 126 I 147 E. 2a, BGE 119 Ib 212 E. 3c, mit Hinweisen). Die
Beschränkung von Art. 12 VG findet nach der Rechtsprechung allerdings
namentlich dann keine Anwendung, wenn eine Verfügung bloss mündlich
und ohne Rechtsmittelbelehrung eröffnet und sofort vollzogen worden ist,
so dass ein Beschwerdeverfahren gar keine Korrektur der schädigenden
Handlung mehr hätte bringen können, sondern in einer blossen Feststellung
hätte enden müssen (BGE 100 Ib 11 E. 2b, BGE 119 Ib 212 E. 3c) oder wenn die
ursprüngliche Verfügung nicht vor ein Gericht hätte gebracht werden können,
das den Anforderungen von Art. 6 Abs. 1 EMRK genügt (BGE 126 I 152 E. 3c).

b. Gemäss Art. 191 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) sind Bundesgesetze und
Völkerrecht für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden
Behörden massgebend. Der Beschwerdeführer rügt, dass Art. 12 VG keine
Massgeblichkeit beanspruchen könne, weil diese Bestimmung in Widerspruch
zu Art. 6 Abs. 1 EMRK stehe. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
gilt, dass im Konfliktfall das Völkerrecht dem Landesrecht prinzipiell vorgeht,
mit der Folge, dass eine völkerrechtswidrige Norm des Landesrechts im
Einzelfall nicht angewendet werden kann (BGE 125 II 420 E. 4, insbesondere
E. 4d, S. 425 mit Hinweis auf abweichende Konfliktlösungen; vgl. auch Yvo
Hangartner, St. Galler Kommentar zu Art. 191 BV, Rz. 28 ff.). Wie es sich
damit verhält, braucht hier jedoch nicht im Einzelnen erörtert zu werden,
da keinerlei Anlass zur Annahme besteht, dass Art. 12 VG in der Anwendung,
wie sie nach der oben dargestellten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
geboten ist, gegen Art. 6 Abs. 1 EMRK oder eine andere völkerrechtliche
Norm verstosse, die dem Schutz der Menschenrechte dient. Konnte der
ursprüngliche Streit vor ein Gericht getragen werden, das den Anforderungen

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von Art. 6 Abs. 1 EMRK genügte, so steht es mit der Konvention nicht in
Widerspruch, wenn die Rechtmässigkeit der ursprünglichen Verfügung im
Staatshaftungsprozess nicht mehr überprüft wird (BGE 126 I 150 ff. E. 3).

c. Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, dass das Bundesamt für
Justiz ihm Schaden verursacht und seine Persönlichkeit verletzt habe,
indem widerrechtlich Rechtshilfe geleistet und das Bankkonto bei der A. zu
Unrecht gesperrt worden sei. Diese geltend gemachte Schädigung beruht
ausschliesslich auf den Rechtshilfeverfügungen des Bundesamtes für Justiz,
mit denen sowohl die Konto- und Depotsperre als auch die Herausgabe der
Rechtshilfeakten an die ersuchende Behörde angeordnet worden ist. Die
entsprechenden Rechtshilfeverfügungen, nämlich die Zwischenverfügung
vom 12. Februar 2002 und die Schlussverfügung vom 19. April 2002, sind
rechtskräftig geworden. Was die Schlussverfügung betrifft, so ist das
Bundesgericht auf eine dagegen erhobene Beschwerde wegen Verspätung
nicht eingetreten. Es hat überdies mit einlässlicher Begründung erklärt, dass
die Beschwerde sich auch bei einer materiellen Prüfung als unbegründet
erwiesen hätte. Die Schlussverfügung des Bundesamtes für Justiz ist damit
rechtskräftig geworden. Bei dieser Sachlage war es zutreffend, wenn die
Vorinstanz das Begehren auf Schadenersatz bzw. Genugtuung - soweit
dieses auf die Konto- und Depotsperre bzw. die Leistung der Rechtshilfe
an die ersuchende Behörde gerichtet war - ohne weitere Untersuchung der
Frage der Widerrechtlichkeit des staatlichen Verhaltens und der weiteren
Haftungsvoraussetzungen bereits gestützt auf Art. 12 VG abwies (BGE 126 I
147 E. 2a). Im vorliegenden Fall waren keine Sachverhalte gegeben, bei denen
Art. 12 VG keine Anwendung findet. War das Begehren mit Bezug auf die
Konto- und Depotsperre bereits gestützt auf Art. 12 VG abzuweisen, so hatte
die Vorinstanz auch die eigentlichen Rechtshilfeakten nicht beizuziehen. Die
Rüge des Beschwerdeführers, dass dieser Beizug nicht erfolgt sei und er keine
Einsicht in diese Akten erhalten habe, ist deswegen unbegründet. Das Gleiche
gilt mit Bezug auf die Konto- und Depotsperre und die Leistung der Rechtshilfe
an die ersuchende Behörde für die im vorliegenden Verfahren gestellten,
identischen Anträge.

d. Die Vorinstanz war sodann nicht gehalten, das
Verantwortlichkeitsverfahren zu sistieren, weil der Beschwerdeführer
gegen das Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2002 eine Beschwerde
beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht hatte. Es
verhält sich entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers auch nicht
so, dass das Verantwortlichkeitsverfahren tatsächlich sistiert gewesen und
einseitig wieder aufgenommen worden wäre. Der Beschwerdeführer selber
hat einen Antrag auf Sistierung in seinem Begehren um Schadenersatz
und Genugtuung vom 6. März 2003 nur eventualiter gestellt. Für den
Beschwerdeführer ergab sich aus der unterbliebenen Sistierung im Übrigen
auch kein Nachteil. Das EFD hat an der mündlichen und öffentlichen
Verhandlung zu Protokoll gegeben, dass die beim Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte eingereichte Beschwerde in der Zwischenzeit für
unzulässig erklärt worden sei. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
hat erklärt, dass er nicht befugt sei, dazu Auskunft zu geben. Das ist ein
befremdliches Verhalten, hat doch der Beschwerdeführer selber gestützt
auf jene Beschwerde im Verfahren vor dem EFD einen prozessualen Antrag
gestellt und im vorliegenden Verfahren Rügen erhoben. Für die HRK besteht

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denn auch kein vernünftiger Anlass, die Richtigkeit der Darstellung des EFD
in Zweifel zu ziehen. Ob ein Entscheid über die Zulässigkeit der Beschwerde
vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in der Zwischenzeit
ergangen sei, ist indes ohnehin unerheblich. Selbst wenn sich auf Grund eines
Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Anschluss
an das Verantwortlichkeitsverfahren ergeben hätte, dass die Konto- und
Depotsperre sowie die Leistung von Rechtshilfe an die ersuchende Behörde
gegen die EMRK verstossen hätten, so wäre in Anwendung von Art. 139a
des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege vom
16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110) zu verfahren gewesen. Danach ist
die Revision eines Entscheides des Bundesgerichts oder einer Vorinstanz
zulässig, wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte oder
das Ministerkomitee des Europarates eine Individualbeschwerde wegen
Verletzung der EMRK und deren Protokolle gutgeheissen hat und eine
Wiedergutmachung nur durch eine Revision möglich ist. In der Folge hätte
Art. 12 VG einem Begehren auf Schadenersatz oder Genugtuung nicht mehr
entgegengestanden.

4. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Unterlagen, die Gegenstand der
Rechtshilfe bildeten, entgegen der Schlussverfügung vom 19. April 2002
vom Bundesamt für Justiz nicht an die ersuchende Behörde, sondern an
den jugoslawischen Finanzminister B. übermittelt worden seien. Das habe
die Weitergabe der Bankunterlagen und deren Veröffentlichung in den
jugoslawischen Massenmedien bewirkt. Diese Rügen sind aus der Luft
gegriffen, wie sich aus den Akten ergibt, die den Vollzug der Rechtshilfe
dokumentieren. Die Akten, die Gegenstand der Rechtshilfe bildeten, wurden
vom Bundesamt für Justiz entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers
nicht dem jugoslawischen Finanzminister ausgehändigt, sondern direkt
der ersuchenden Stelle übergeben, nämlich dem Staatsanwalt des Bezirks
Belgrad, dem gemäss der rechtkräftigen Schlussverfügung vom 19. April 2002
Rechtshilfe zu leisten war. Nachdem sich die ursprünglich erhobene Rüge,
die Rechtshilfeakten seien nicht der ersuchenden Behörde, sondern dem
jugoslawischen Finanzminister übermittelt worden, als haltlos erwiesen
hatte, beanstandete der Beschwerdeführer, dass die Rechtshilfeakten
der ersuchenden Behörde direkt übergeben und dieser nicht auf dem
diplomatischen Weg übermittelt worden seien. Im vorliegenden Fall
waren für die Erteilung der Rechtshilfe Art. XIV des Auslieferungsvertrages
zwischen der Schweiz und Serbien vom 28. November 1887 (im Folgenden:
Auslieferungsvertrag, SR 0.353.981.8) und subsidiär das Bundesgesetz vom
20 März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz
[IRSG], SR 351.1) massgebend. Das Europäische Übereinkommen über
die Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR, SR 0.351.1) ist
für die Bundesrepublik Jugoslawien bzw. den Nachfolgestaat Serbien
erst am 29. Dezember 2002 und damit nach der Erteilung der Rechtshilfe
in Kraft getreten. Gemäss Art. XIV des Auslieferungsvertrags soll ein
Begehren um Rechtshilfe (Rogatorium; Requisitorial) auf diplomatischem
Wege eingesandt werden und es soll diesem ungesäumt Folge gegeben
werden gemäss den Gesetzen dieses Landes. Das Bundesamt für Justiz hat
geltend gemacht, auf welchemWege die Rechtshilfeakten (Rückleitung
der erledigten Ersuchen samt Erledigungsakten) zu übermitteln sind,
sei weder im Auslieferungsvertrag noch im IRSG geregelt. Wie es sich
damit verhält, braucht hier nicht im Einzelnen geprüft zu werden.

7

Selbst wenn anzunehmen wäre, dass die Rechtshilfeakten gleich wie das
Rechtshilfebegehren auf dem diplomatischen Weg hätten übermittelt
werden müssen, so wäre mit der direkten Übergabe an die ersuchende
Behörde allenfalls gegen eine Norm verstossen worden, welche den Verkehr
zwischen den beteiligten Staaten und ihre Souveränitätsrechte regelt,
nicht jedoch gegen ein Gebot der Rechtsordnung, das dem Schutz des
Vermögens des Beschwerdeführers gedient hätte (BGE 123 II 581 E. 4d
mit Hinweisen). Führt eine amtliche Tätigkeit nicht unmittelbar, sondern
bloss mittelbar zu einer Persönlichkeitsverletzung, so gilt auch insoweit,
dass die entsprechende amtliche Tätigkeit nur dann widerrechtlich ist,
wenn sie gegen eine Schutznorm verstösst. Von einer Widerrechtlichkeit
im Bereich der Staatshaftung könnte allein aus dem Umstand, dass die
Rechtshilfeakten direkt der ersuchenden Behörde übergeben und dieser
nicht auf dem diplomatischen Wege übermittelt wurden, von vornherein
nicht gesprochen werden. Eine Haftpflicht würde überdies einen natürlichen
sowie einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der entsprechenden
Tätigkeit und der Vermögensschädigung bzw. Verletzung in den persönlichen
Verhältnissen voraussetzen. Auch daran würde es fehlen. Die natürliche
Kausalität ist gegeben, wenn die Ursache (d. h. die widerrechtliche amtliche
Tätigkeit) unabdingbare Voraussetzung für das Resultat ist, das heisst nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch das Resultat (d. h. der Schaden
bzw. die Persönlichkeitsverletzung) entfällt (BGE 128 III 177 E. 2b, BGE
184 E. 2d, BGE 121 III 357 E. 7a). Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist
sodann adäquat und damit rechtserheblich, wenn er nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen
Schaden von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des
Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 113
Ib 424 E. 3; vgl. auch BGE 123 III 112 E. 3a). Im vorliegenden Falle sind die
Rechtshilfeakten der ersuchenden Behörde übergeben worden, der nach der
rechtskräftigen Schlussverfügung des Bundesamtes für Justiz vom 19. April
2002 Rechtshilfe zu leisten war. In der Folge sind Teile der Rechtshilfeakten
in den Medien veröffentlicht worden. Die ersuchende Behörde hätte diese
Rechtshilfeakten auch dann erhalten, wenn sie auf dem diplomatischen
Weg übermittelt worden wären. Es ist nicht zu sehen, aus welchem Grunde
eine Veröffentlichung der Rechtshilfeakten in den Medien in diesem Fall
unterblieben wäre. Das gilt um so mehr, als - wie bereits das Bundesgericht
im Verfahren betreffend die Zulässigkeit der Rechtshilfe festgehalten hat
- es eine Frage des jugoslawischen Rechts ist, wieweit die jugoslawischen
Strafbehörden befugt sind, Akten des Strafverfahrens einem Mitglied der
Regierung und der Presse zur Kenntnis zu bringen (Urteil des Bundesgerichts
vom 8. Oktober 2002 i.S. X. [1A.158/2002], E. 2.7). Bei der direkten Übergabe
der Rechtshilfeakten an die ersuchende Behörde anstelle der Übermittlung
dieser Akten an die ersuchende Behörde über den diplomatischen Weg
war überdies nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen
Lebenserfahrung nicht zu erwarten, dass deswegen die Akten widerrechtlich
in den Medien veröffentlicht würden.

5. Es ergibt sich demnach, dass die Rechtshilfe an die ersuchende
jugoslawische Behörde in Übereinstimmung mit der rechtskräftigen
Schlussverfügung vom 19. April 2002 geleistet wurde. Wenn die übermittelten
Unterlagen in der Folge an die jugoslawischen Massenmedien gelangten, so
ist das nicht auf die widerrechtliche Ausübung einer amtlichen Tätigkeit

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_128_III_177&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_III_357&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_113_Ib_424&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_113_Ib_424&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_III_112&resolve=1

durch einen Beamten des Bundes zurückzuführen, sondern auf das
Handeln jugoslawischer Behörden. Eine Haftung des Bundes gestützt auf
das Verantwortlichkeitsgesetz setzt voraus, dass ein Beamter des Bundes
in Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit Dritten widerrechtlich Schaden
zugefügt hat. Auf das Verhalten ausländischer Behörden in deren eigenem
Aufgabenbereich findet das Verantwortlichkeitsgesetz von vornherein keine
Anwendung.

6. Unbegründet ist schliesslich der Einwand, die schweizerischen
Rechtshilfebehörden hätten nichts vorgekehrt, als sie auf die
Veröffentlichungen der Unterlagen in den jugoslawischen Massenmedien
und die damit verbundene Kampagne gegen den Beschwerdeführer
aufmerksam gemacht worden seien. Dieses Vorbringen bezieht sich - im
Gegensatz zur Weitergabe der Rechtshilfe-Unterlagen an die Medien durch
jugoslawische Behörden - auf das Verhalten von Beamten des Bundes.
Solches Verhalten ist grundsätzlich geeignet, zu einer Haftung des Bundes
zu führen. Eine Haftung setzt jedoch unter anderem voraus, dass für die
Behörden eine Pflicht zum Handeln bestanden hätte und diese Pflicht zum
Schutz der verletzen Interessen bestimmt gewesen wäre (BGE 123 II 583
E. 4d ff.). Eine Haftung besteht bei einer Unterlassung zudem nur dann,
wenn die Schädigung im Falle der Tätigkeit der Behörde nicht oder nicht
vollständig eingetreten wäre (hypothetische Kausalität). Wie sich aus den
Akten ergibt, ersuchte das Bundesamt für Justiz den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit Schreiben vom 26. Juli 2002 um Hinweise, falls
die jugoslawischen Behörden die übermittelten Akten in Widerspruch
zu den Auflagen der Schlussverfügung verwenden sollten, damit eine
Intervention erfolgen könne. Das Bundesamt wies aber zugleich darauf
hin, dass es ihm im Übrigen nicht zustehe, den jugoslawischen Behörden
vorzuschreiben, wie ihr eigenes Strafverfahren zu führen und welche
Informationen der Presse weiterzugeben seien. Wie es sich damit und mit
den übrigen Haftungsvoraussetzungen verhält, kann im vorliegenden Fall
dahingestellt bleiben, da eine entsprechende Unterlassung nach der bekannt
gewordenen Veröffentlichung der Bankunterlagen in jugoslawischen Medien
von vornherein nicht kausal für den behaupteten Schaden und die behauptete
Persönlichkeitsverletzung gewesen wäre. Der behauptete Schaden und die
behauptete Persönlichkeitsverletzung waren mit der Veröffentlichung in den
Medien eingetreten. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine nachträgliche
Intervention der schweizerischen Behörden daran etwas hätte ändern können.
Im Übrigen gilt auch hier, dass es - wie bereits oben ausgeführt - eine Frage
des jugoslawischen Rechts war, wieweit die jugoslawischen Strafbehörden
befugt waren, Akten des Strafverfahrens einem Mitglied der Regierung
und der Presse zur Kenntnis zu bringen. Wie bereits das Bundesgericht im
Verfahren betreffend die Zulässigkeit der Rechtshilfe ausgeführt hat, ging es
nicht darum, dass die jugoslawischen Behörden die erhaltenen Dokumente
entgegen ihrer Zusicherung und der sich aus dem Spezialitätsvorbehalt
ergebenen Verwendungsbeschränkung zur Verfolgung oder Bestrafung von
Taten verwendet hätten, für die ein Ausschlussgrund bestanden hätte (Urteil
des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2002 i.S. X., a.a.O., E. 2.7).

7.a. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen
ist, soweit darauf eingetreten werden kann. Auf die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Zulässigkeit der Rechtshilfe und zu den behaupteten

9

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_583&resolve=1

Formfehlern bei der Bewilligung der Rechtshilfe, die mit dem Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Oktober 2002 ihren Abschluss fand, ist im vorliegenden
Verantwortlichkeitsverfahren nicht einzugehen. Diese Rügen sind für
die massgeblichen Rechtsfragen nicht erheblich. Das Gleiche gilt für die
an der mündlichen Verhandlung beantragten Zeugeneinvernahmen, mit
welchen Mängel des mit Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober 2002
rechtskräftig abgeschlossenen Rechtshilfeverfahrens, die Vorgänge rund um
die Veröffentlichung der Rechtshilfeakten in jugoslawischen Massenmedien,
unrechtmässige Verfahren im Zusammenhang mit dem Unternehmen
E. und Schaden bzw. Persönlichkeitsverletzung des Beschwerdeführers
im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Rechtshilfeakten in den
jugoslawischen Medien bewiesen werden sollen. Die entsprechenden
Beweise sind schon mangels Erheblichkeit nicht abzunehmen (BGE 122 II
469 E. 4c; vgl. auch Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 320).

7.b. (…)

10

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_122_II_469&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_122_II_469&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 69.77 - Entscheid der  Eidgenössischen Rekurskommission für die Staatshaftung

vom 6. April 2005 in Sachen X   [HRK 2004-005]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2005
Année

Anno

Band 69
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid der Eidgenössischen Rekurskommission für die Staatshaftung vom 6. April 2005 in Sachen X [HRK 2004-005]