# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e6c55bce-ce4a-51ea-a9fa-9459e805cdd4
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 16.03.2016 RR.2015.293
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2015-293_2016-03-16.pdf

## Full Text

Entscheid vom 16. März 2016 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Jüsi,  

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung,  

Beschwerdegegner 

 

Gegenstand  Auslieferung an die Türkei 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2015.293 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Note vom 5. Oktober 2011 übermittelte die türkische Botschaft in Bern 

der Schweiz das Auslieferungsersuchen der Oberstaatsanwaltschaft Gazi-

antep vom 15. August 2011. Darin ersuchten die türkischen Behörden um 

Auslieferung des türkischen Staatsangehörigen A. muslimischen Glaubens 

und kurdischer Ethnie im Hinblick auf die Vollstreckung einer lebenslängli-

chen Freiheitsstrafe (Restfreiheitsstrafe von 34 Jahren, 4 Monaten und 

10 Tagen; bedingte Entlassung möglich nach 6 Jahren, 4 Monaten und 

10 Tagen) wegen vorsätzlicher Tötung aus dem rechtskräftigen Urteil des 

2. Schwurgerichts in Gaziantep vom 2. Mai 1989 i.V.m. dem Beschluss der 

Strafkammer des türkischen Kassationsgerichts vom 23. Oktober 1989 

(act. 7.1 und 7.1a). Hinsichtlich des weiteren Sachverhaltes wird auf die  

Erwägungen B. – S. des Entscheids des Bundesstrafgerichts 

RR.2014.208+227 vom 7. Mai 2015 verwiesen. 

 

 

B. Mit Auslieferungsentscheid vom 18. Juli 2014 bewilligte das Bundesamt für 

Justiz (nachfolgend "BJ") die Auslieferung von A. an die Türkei für die dem 

Auslieferungsersuchen zugrunde liegenden Straftaten unter Vorbehalt des 

Entscheids des Bundesstrafgerichtes über die Einrede des politischen De-

likts (act. 7.25). Die dagegen erhobene Beschwerde sowie die Einrede des 

politischen Deliktes wies das Bundesstrafgericht mit Entscheid 

RR.2014.208+227 vom 7. Mai 2015 ab. 

 

 

C. Mit Urteil 1C_274/2015 vom 12. August 2015 hiess das Bundesgericht die 

dagegen erhobene Beschwerde teilweise gut und wies u.a. die Sache zur 

neuen Beurteilung an das BJ zurück.  

 

 

D. Nachdem das BJ weitere Abklärungen bei der Schweizerischen Botschaft in 

Ankara, beim Staatssekretariat für Migrationen (nachfolgend "SEM") und 

über die türkische Botschaft in Bern beim türkischen Ministerium für Justiz 

getätigt hatte, bewilligte es mit Entscheid vom 13. Oktober 2015 erneut die 

Auslieferung von A. an die Türkei (act. 7.49). 

 

 

E. Dagegen gelangte A. mit Beschwerde vom 13. November 2015 an die Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt folgendes (act.1): 

 

- 3 - 

 

 

"1.  Der Auslieferungsentscheid vom 13. Oktober 2015 sei vollumfänglich aufzuhe-

ben. 

 

2.  Das Auslieferungsgesuch der Türkischen Republik betreffend den Beschwer-

deführer sei abzuweisen. 

 

3.  Das Bundesamt für Justiz sei anzuweisen, den Beschwerdeführer aus der Aus-

lieferungshaft zu entlassen. 

 

4.  Das Bundesamt für Justiz sei anzuweisen, die geleistete Kaution freizugeben 

und zuzüglich Zins von 5% ab 29.1.2014 (Eingang Entscheid des BFM betref-

fend materielle Flüchtlingseigenschaft bei der Vorinstanz) dem Beschwerdefüh-

rer zu überweisen. 

 

5.  Das Bundesamt für Justiz sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Ge-

nugtuung für erstandene Auslieferungshaft im Betrag von Fr. 300.-- pro Tag 

Auslieferungshaft zu bezahlen. 

 

6.  Es sei mit Blick auf die bestehenden Kaution und den Verwendungsentscheid 

zur Deckung der Verfahrenskosten und die noch vorzunehmende neue Kosten-

auflage aus dem letzten Entscheid des Bundesstrafgerichts auf die Kostenvor-

schusserhebung für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu verzichten. 

 

7.  Alles unter Entschädigungs- und Kostenfolge zu Lasten des Bundesamtes für 

Justiz." 

 

 

F. In seiner Beschwerdeantwort vom 26. November 2015 beantragt das BJ die 

kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 7). In seiner Replik vom 

11. Dezember 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest und 

ergänzt sie wie folgt (act. 11): 

 

"1.  Es sei ein Verlaufsbericht über den psychischen Zustand von A. über die Zeit 

seit seiner Einlieferung in das Gefängnis in Z. anzufordern. 

 

2.  Es seien mir [dem Rechtsvertreter] der Verlaufsbericht und sämtliche medizini-

schen Akten, Aufzeichnungen, Unterlagen etc. über gesundheitliche, insbeson-

dere psychische Beschwerden des Inhaftierten A. offen zu legen." 

 

Die Replik wurde dem BJ am 14. Dezember 2015 zur Kenntnis zugestellt 

(act. 12). 

 

- 4 - 

 

 

G. Mit unaufgeforderter Eingabe vom 14. Dezember 2015 reichte der Be-

schwerdeführer Dokumente ins Recht, wonach eine damalige Belastungs-

zeugin ihre Aussagen im Prozess gegen den Beschwerdeführer widerrufen 

habe (act. 13, 13.1 und 13.2). Gleichentags stellte er beim BJ ein Haftentlas-

sungsgesuch (act. 13.3), welches das BJ am 18. Dezember 2015 auch unter 

Hinweis auf einen ärztlichen Bericht des Forensisch-Psychiatrischen Diens-

tes der Universität Bern vom 17. Dezember 2015 abwies (act. 15, 15.1 und 

15.2). Aus einem weiteren ärztlichen Bericht des Inselspitals Bern vom 

22. Dezember 2015 geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 23. Dezem-

ber 2015 in gebessertem Allgemeinzustand ins Regionalgefängnis Z. zurück 

verlegt werden konnte (act. 16.1). Am 18. Januar 2016 (act. 17) beantragt 

A., es sei bei der Schweizer Botschaft in der Türkei eine neue Lageeinschät-

zung diesmal unter Beilage des Asyldossiers von A. einzuholen. Am 5. Feb-

ruar 2016 tätigte A. eine weitere Eingabe (act. 20). Mit Schreiben vom 

19. Februar 2016 beantragt A. sodann ein ärztliches Gutachten hinsichtlich 

Folterspuren bei seinem Bruder (act. 21). 

 

 

H. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und der Türkei sind pri-

mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1) und das hierzu ergangene zweite Zusatzpro-

tokoll vom 17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12), welchem beide Staaten 

beigetreten sind, massgebend. 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-

suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesge-

setz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Ver-

ordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsa-

chen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11). Das innerstaatliche Recht 

gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn die-

ses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 140 IV 123 E. 2 

S. 126; 137 IV 33 E. 2.2.2 S. 40 f.; 136 IV 82 E. 3.1; 122 II 140 E. 2 S. 142). 

http://links.weblaw.ch/BGE-122-I-139

- 5 - 

 

 

Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 

E. 2.3; 123 II 595 E. 7c S. 617; TPF 2008 24 E. 1.1 S. 26).  

 

 

2. Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innerhalb von 30 Tagen nach 

Eröffnung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-

richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG). Der Auslieferungsentscheid 

wurde dem Beschwerdeführer am 15. Oktober 2015 eröffnet (act. 7.50). 

Seine am 13. November 2015 hiergegen erhobene Beschwerde erweist sich 

als fristgerecht, weshalb grundsätzlich auf sie einzutreten ist. Auf die erneut 

erhobenen Rügen der Verfolgungsverjährung, der Mängel des türkischen 

Strafverfahrens, der Verletzung des Spezialitätsgrundsatzes und des politi-

schen Delikts, die durch das Bundesgericht bereits rechtskräftig beurteilt und 

abgewiesen worden sind, ist hingegen nicht einzutreten.  

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren der Gewäh-

rung der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die 

aus der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 

E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009, E. 1.6; 

TPF 2011 97 E. 5). Ebenso wenig muss sich die urteilende Instanz nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit allen Parteistandpunkten einläss-

lich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerle-

gen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschrän-

ken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen 

nennt, von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt 

(Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2, mit weite-

ren Hinweisen). 

 

4.  

4.1 Das Bundesgericht kommt in seinem Urteil 1C_274/2015 vom 12. Au-

gust 2015 (E. 6.3.6) mit Blick auf Art. 3 Ziff. 2 zweiter Teilsatz EAUe zum 

Schluss, dass keine genügend gesicherte Erkenntnisgrundlage vorliege, die 

ein allfälliges Abweichen von den Entscheiden der Asylbehörden, wonach 

dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder 

Behandlung drohe, rechtfertigen könne. Zum einen hätte abgeklärt werden 

müssen, weshalb die Fichierung des Beschwerdeführers als "unbequeme 

Person" erfolgt und wann und weshalb sie aufgehoben worden sei. Auch der 

http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595
http://links.weblaw.ch/BGE-132-II-81
http://links.weblaw.ch/BGE-130-II-337
http://links.weblaw.ch/1A.1/2009
http://links.weblaw.ch/TPF_2011_97
http://links.weblaw.ch/1A.59/2004

- 6 - 

 

 

Zeitpunkt des Auslieferungsersuchens wecke gewisse Zweifel an dessen 

Motivation. Offenbar sei die türkische Polizei bereits im Jahr 1995 davon 

ausgegangen, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz befinde, hin-

gegen habe sie seine genaue Adresse nicht gekannt. Es bleibe unklar, wes-

halb die Unkenntnis der genauen Adresse die türkischen Behörden davon 

abgehalten habe, ein Auslieferungsersuchen zu stellen. Zu diesen Fragen 

hätte das BJ weitere Abklärungen treffen müssen, wobei sachdienliche Hin-

weise wohl insbesondere auch ein Amtsbericht des SEM hätte geben kön-

nen. Im Übrigen verwarf das Bundesgericht die weiteren Einwendungen des 

Beschwerdeführers gegen eine Auslieferung (E. 6.3.7). 

 

4.2 Mit Schreiben vom 28. August 2015 (act. 7.38) über die türkische Botschaft 

in Bern ersuchte das BJ die türkischen Behörden um Mitteilung, weshalb die 

Schweiz erst im Jahre 2011 um Auslieferung des Verfolgten ersucht wurde, 

obwohl seit dem Jahre 1995 bekannt gewesen sei, dass sich dieser in der 

Schweiz aufhalte. Weiter wurde um Mitteilung darüber gebeten, welche ge-

nauen Interventionen die türkischen Behörden vor der Stellung des Auslie-

ferungsersuchens unternommen hätten und ob gegen den Verfolgten nach 

seiner Flucht allenfalls eine internationale Fahndung eingeleitet worden sei. 

Abschliessend wurde um Angaben darüber gebeten, ob gegen den Verfolg-

ten noch weitere Strafverfahren hängig seien, bzw. ob Strafurteile vorlägen, 

welche nicht Gegenstand des vorliegenden Auslieferungsersuchens seien 

sowie ob auch andere Verfahren oder Eintragungen in Datenbanken exis-

tierten, welche die Situation des Verfolgten im Falle einer Auslieferung in ir-

gendeiner Weise beeinträchtigen könnten. 

 

4.3 Das türkische Justizministerium teilte mit Schreiben vom 8. September 2015 

(act. 7.41) folgendes mit: Bis zum Jahr 2011 sei kein Auslieferungsersuchen 

gestellt worden, weil die genaue Adresse des Beschwerdeführers in der 

Schweiz nicht bekannt gewesen sei. Hingegen sei er zuvor schon landesweit 

gesucht worden. Eine internationale Fahndung habe hingegen nicht bestan-

den. Eine andere Fahndungseintragung gegen den Beschwerdeführer, aus-

ser diejenige, die dem Auslieferungsersuchen zugrunde liegt, bestünde 

nicht. 

 

4.4 Bei der schweizerischen Botschaft in Ankara sowie bzw. beim SEM erkun-

digte sich das BJ mit Schreiben vom 31. August 2015 (act. 7.39) nach den 

rechtlichen Grundlagen für das Allgemeine Informationssystem (GBTS), der 

Art von Eintragungen die in diesem System erfasst werden, welches die Vo-

raussetzungen für eine Löschung sind und welche Behörden Einsicht in 

diese Datenbank haben. Ganz konkret wurde angefragt, ob in Erfahrung ge-

bracht werden kann, wann und weshalb die Fichierung des Verfolgten als 

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"unbequeme Person" erfolgte und wann und weshalb sie aufgehoben wurde. 

Abschliessend wurde die Frage gestellt, ob konkrete Gründe erkennbar sind, 

dass der Verfolgte im Falle einer Rückkehr in die Türkei Benachteiligungen 

im Sinne von Art. 3 EMRK zu erwarten hätte und gegebenenfalls welche. 

 

4.5 Das SEM kommt in seinem Schreiben vom 2. September 2015 (act. 7.40) 

zum Schluss, dass eine allfällige Auslieferung des Beschwerdeführers an die 

Türkei klarerweise mit Art. 3 EMRK zu vereinbaren sei, trotz der insbeson-

dere seit Juli 2015 zu beobachtenden politischen und gesellschaftlichen Ver-

härtungen in der Türkei, die jedoch offenkundig keinen Bezug zur Person 

des Beschwerdeführers aufwiesen. 

 

4.6 Die schweizerische Botschaft in der Türkei teilte mit Schreiben vom 17. Sep-

tember 2015 (act. 7.43) im Wesentlichen mit, dass der Beschwerdeführer im 

GBTS lediglich wegen des rechtskräftigen Urteils des 2. Gerichts für schwere 

Straftaten in Gaziantep wegen "Mord aufgrund Blutrache" verzeichnet sei. 

Es bestehe kein Indiz, in welchem eine Löschung eines Eintrags vermerkt 

wird und es hätten keine Daten zu einem Eintrag als "unbequeme Person" 

in der Datenbank festgestellt werden können. 

 

4.7 Der Beschwerdeführer geht auf die vom Beschwerdegegner getätigten Ab-

klärungen nur indirekt ein. Er wirft dem Beschwerdegegner vor, sich zu wei-

gern, beim SEM einen Amtsbericht über die Entscheidungsgrundlagen ein-

zuholen, aufgrund welcher konkreten Einschätzungen bzw. Merkmalen oder 

Profileigenschaften des Beschwerdeführers es von seiner materiellen 

Flüchtlingseigenschaft ausgeht und weshalb es die Gefahr für Folter oder 

unmenschliche Behandlung für den Fall einer unter dem Asylregime erfolg-

ten Wegweisung in die Türkei trotz damaliger Kenntnis der diplomatischen 

Garantien der Türkei als gross angesehen hat (act. 1, Ziff. 2.2.7). 

 

Dem ist entgegen zu halten, dass das SEM in seinem obgenannten Schrei-

ben (act. 7.40, S.3) als entscheidendes Element die im Auslieferungsverfah-

ren abgegebenen diplomatischen Garantien ansieht. Deren Einhaltung sei 

für die Schweiz und durch das BJ jederzeit überprüfbar. Demgegenüber ver-

fügten die Asylbehörden über keine derartigen Kontrollinstrumente. Daraus 

ergebe sich demnach auch, dass die Beurteilung eines Sachverhaltes und 

namentlich eines Gefährdungsprofils durch die Auslieferungsbehörden von 

einer rein asylrechtlichen Einschätzung eines Sachverhaltes bzw. Gefähr-

dungsprofils in einem Einzelfall im Resultat durchaus abweichen könne, 

ohne dass deshalb von einer "unzutreffenden Einschätzung" durch die an-

dere beurteilende Behörde gesprochen werden müsste. 

 

- 8 - 

 

 

4.8 Weiter wendet der Beschwerdeführer ein, dass der Türkei mindestens seit 

1995 bekannt gewesen sei, dass er sich in der Schweiz aufhalte. Die Türkei 

habe aber gewusst, dass einer Auslieferung von der Schweiz nicht stattge-

geben würde, solange ein Datenblatt als unbequeme Person existiere. Des-

halb habe die Türkei den Beschwerdeführer bei Interpol ausgeschrieben, 

woraufhin es 1997 in Bulgarien gegen ihn ein Auslieferungsverfahren gege-

ben habe (act. 1, Ziff. 2.3.1 und 2.3.3). 

 

Ganz abgesehen davon, dass das behauptete Auslieferungsverfahren in 

Bulgarien aktenmässig nicht erstellt ist, könnte daraus auch nicht abgeleitet 

werden, wie dies der Beschwerdeführer wohl insinuiert, dass die Türkei das 

besagte Datenblatt nur deshalb gelöscht hat, um eine Auslieferung aus der 

Schweiz zu ermöglichen.  

 

4.9 Was die Eingabe des Beschwerdeführers vom 14. Dezember 2015 (act. 18) 

anbetrifft, wonach eine Belastungszeugin im Mordprozess gegen die Brüder 

A. ihre Aussagen widerrufen habe, ist dem entgegen zu halten, dass die Tür-

kei ihr Auslieferungsersuchen nicht zurückgezogen hat. 

 

4.10 Hinsichtlich des beantragten ärztlichen Gutachtens betreffend den Bruder 

des Beschwerdeführers hinsichtlich Folterspuren ist darauf hinzuweisen, 

dass dies nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet (vgl. 

Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2014.208+227 vom 7. Mai 2015, 

E. 5.7). 

 

 

5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die vom Beschwerde-

gegner getätigten Abklärungen zusammen mit den bereits von den türki-

schen Behörden abgegebenen Zusicherungen ausreichend sind, um davon 

auszugehen, dass dem Beschwerdeführer bei seiner Auslieferung an die 

Türkei keine Benachteiligungen im Sinne von Art. 3 EMRK drohen. Die da-

hingehenden Rügen gehen fehl. Mit Bezug auf die weiteren Einwendungen 

des Beschwerdeführers gegen die Auslieferung ist auf die Ausführungen im 

Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2014.208 und 227 vom 7. Mai 2015 

sowie das Urteil des Bundesgerichts 1C_274/2015 vom 12. August 2015 zu 

verweisen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf einzutreten 

ist.  

 

 

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist 

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auf Fr. 3'000.-- festzusetzen, unter Anrechnung des geleisteten Kostenvor-

schusses in gleicher Höhe (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie 

Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 

  

- 10 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt un-

ter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

 

Bellinzona, 17. März 2016 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Bernhard Jüsi 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).