# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38ab6b47-1d68-54d3-8f3b-25c8e3d8f515
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2011 B-2197/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-2197-2011_2011-10-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung II
B­2197/2011

U r t e i l   v om   1 8 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz),
Richterin Vera Marantelli, Richter David Aschmann,  
Gerichtsschreiberin Laura Melusine Baudenbacher.

Parteien A._____,
vertreten durch Dr. Andreas Güngerich und/oder Anita Buri, 
Rechtsanwälte, Kellerhals Anwälte, Kapellenstrasse 14, 
Postfach 6916, 3001 Bern,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Schweizerische Bundesbahnen SBB, 
Hochschulstrasse 6, 3000 Bern 65, 
Infrastruktur­Projekte Durchmesserlinie, 
Kasernenstrasse 95, 8021 Zürich, 
Vergabestelle. 

Gegenstand Beschaffungswesen ­ Projekt Zürich HB, Durchmesserlinie, 
A 2, Fahrtreppen.

B­2197/2011

Seite 2

Sachverhalt:

A. 

A.a  Am  16.  Juli  2010  schrieb  die  Schweizerische  Bundesbahnen  AG, 
Infrastruktur  –  Projekte  (im  Folgenden:  SBB  AG  oder  Vergabestelle), 
einen  Auftrag  für  Lieferung,  Montage  und  Wartung  von  Verkehrs­
Fahrtreppen  im  Hauptbahnhof  (HB)  Zürich  auf  der  Internetseite 
SIMAP.CH öffentlich aus (Meldungsnummer 512817). Für die detaillierten 
Teilnahmebedingungen  und  technischen  Vorgaben  wurde  auf  die 
Ausschreibungsunterlagen  verwiesen.  Bis  zum  Ende  der 
Offerteingabefrist vom 1. September 2010 gingen drei Angebote bei der 
Vergabestelle ein.

A.b  Die  A._____,  reichte  keine  Offerte  ein,  äusserte  indessen  mit 
Schreiben vom 2. September 2010 ihr Bedauern über den Umstand, dass 
die  Ausschreibung  "versteckt  platziert"  gewesen  sei,  und  bemängelte 
ausserdem  unnötige  technische  Vorgaben, mittels  welcher  die  A._____ 
faktisch  "von  einer  wettbewerbsfähigen  Teilnahme  an  der  Submission 
ausgeschlossen" worden sei.

A.c Auf das Schreiben der A._____ vom 2. September 2010 antwortete 
die  Vergabestelle  am  9.  September  2010,  wobei  sie  die  Vorwürfe  der 
A._____ vollumfänglich zurückwies. 

A.d  Am  20.  Januar  2011  gelangte  die  A._____  erneut  an  die 
Vergabestelle,  um  die  ihres  Erachtens  rechtswidrigen  Vorgaben  in  den 
Ausschreibungsunterlagen  mit  Blick  auf  nicht  eingehaltene 
sicherheitstechnische  Normen  und  diskriminierende  technische 
Anforderungen  zu  rügen.  Sie  forderte  die  Vergabestelle  auf,  das 
Verfahren  abzubrechen  und  die  Beschaffung  rechtskonform  neu 
auszuschreiben. 

A.e Mit Schreiben vom 28. Januar 2011 antwortete die Vergabestelle, es 
bestehe aus ihrer Sicht keine Veranlassung, das Verfahren abzubrechen 
und neu auszuschreiben.

B. 
Am 25. März 2011 publizierte die Vergabestelle die Zuschlagserteilung an 
die B._____ (im Folgenden: Zuschlagsempfängerin) auf der Internetseite 
SIMAP.CH (Meldungsnummer 612797).

B­2197/2011

Seite 3

C. 
Gegen den Zuschlag an die B._____ erhob die A._____ (im Folgenden: 
Beschwerdeführerin) mit Eingabe  vom 13. April  2011 Beschwerde beim 
Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte zur Hauptsache, der Zuschlag 
sei  aufzuheben  und  die  Vergabestelle  sei  anzuweisen,  bezüglich  der 
Vergabe  "Zürich  HB,  Durchmesserlinie,  A  2,  Fahrtreppen"  ein 
rechtskonformes  Vergabeverfahren  durchzuführen.  In  prozessualer 
Hinsicht  beantragte  sie,  der  Beschwerde  sei  –  zunächst 
superprovisorisch  –  die  aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren.  Im 
Weiteren  sei  der  Beschwerdeführerin  nach  gewährter  Akteneinsicht 
Gelegenheit zu geben, ihre Beschwerde zu ergänzen.

D. 
Mit  Verfügung  vom  14.  April  2011  wurde  der  Beschwerde 
superprovisorisch  die  aufschiebende  Wirkung  erteilt  und  der 
Vergabestelle  jegliche  Vollzugshandlungen,  namentlich  den 
Vertragsschluss mit der Zuschlagsempfängerin, untersagt.

E. 
In  ihrer  Stellungnahme  vom  2.  Mai  2011  brachte  die 
Zuschlagsempfängerin  innert  erstreckter  Frist  vor,  der 
Beschwerdeführerin könne bereits mangels Legitimation zur Beschwerde 
keine Akteneinsicht gewährt werden. Zudem ersuchte sie um Ansetzung 
einer Frist zwecks Erklärung, ob sie sich als Partei konstituieren wolle.

F. 
Gleichentags  reichte  die  Vergabestelle  ihre  Stellungnahme  zu  den 
prozessualen Anträgen der Beschwerdeführerin ein. Sie beantragte,  auf 
die Beschwerde  sei mangels  Legitimation  der Beschwerdeführerin  nicht 
einzutreten  und  die  superprovisorische  Erteilung  der  aufschiebenden 
Wirkung sei zu widerrufen. Im Falle eines Eintretens auf die Beschwerde 
sei  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  das  Gesuch  um  Erteilung  der 
aufschiebenden  Wirkung  und  in  der  Hauptsache  die  Beschwerde 
abzuweisen. Im Falle eines Eintretens sei zudem das Akteneinsichtsrecht 
der Beschwerdeführerin insofern zu beschränken, als ihr keine Einsicht in 
die Offertunterlagen der an der Ausschreibung beteiligten Anbieterinnen 
und  in  den Vergabeantrag,  bzw.  nur  beschränkte Einsicht  in  die  für  die 
vorliegende  Fragestellung  relevanten  Passagen  der 
Verhandlungsprotokolle  (Auszug  der  relevanten  Fragen)  zu  gewähren 
sei.  Zur  Begründung  des  Antrags  auf  Abweisung  des  Gesuchs  um 
Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  machte  die  Vergabestelle 
namentlich die Dringlichkeit der in Frage stehenden Beschaffung geltend.

B­2197/2011

Seite 4

G. 
Mit  Verfügung  vom  3.  Mai  2011  wurde  der  Beschwerdeführerin 
einstweilen  Einsicht  gewährt  in  die  Aktenstücke  betreffend  die  oben 
beschriebene Korrespondenz zwischen der Beschwerdeführerin und der 
Vergabestelle.

H.  
Mit  Eingabe  vom  9.  Mai  2011  erklärte  die  Zuschlagsempfängerin  ihren 
ausdrücklichen Verzicht auf eine Beteiligung am Verfahren als Partei und 
führte  aus,  dass  die  bisher  erfolgten  Ausführungen  zur  Sache  lediglich 
unter  dem  Blickwinkel  der  mangelnden  Legitimation  der 
Beschwerdeführerin  –  und  damit  zur  Begründung,  weshalb  keine 
Akteneinsicht gewährt werden könne – erfolgt seien.

I. 
Am  10.  Mai  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  eine  unaufgeforderte 
Stellungnahme  zu  den  Ausführungen  der  Vergabestelle  und  der 
Zuschlagsempfängerin  vom  2.  Mai  2011  ein,  mit  welcher  sie  geltend 
machte,  kein  Anbieter  sei  in  der  Lage  gewesen,  ein  den  einschlägigen 
Normen entsprechendes Angebot abzugeben.

J.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Mai  2011  wies  das 
Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um 
Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  mit  der  Begründung  ab,  der 
Beschwerdeführerin  müsse  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  die 
Beschwerdelegitimation  abgesprochen  werden.  Die 
Akteneinsichtsbegehren  der  Beschwerdeführerin  wurden  vorerst 
abgewiesen, soweit diesen nicht bereits entsprochen worden war. 

K.  Mit  Verfügung  vom  26.  Mai  2011  beschränkte  das 
Bundesverwaltungsgericht  den  Schriftenwechsel  einstweilen  auf  die 
Eintretensfrage. Zudem räumte das Gericht der Beschwerdeführerin Frist 
bis  zum  24.  Juni  2011  ein,  um  ihre  Beschwerde  vom  13.  April  2011 
hinsichtlich  der  Eintretensfrage  zu  ergänzen  und  diesbezügliche 
Akteneinsichtsbegehren  zu  stellen  bzw.  die  gestellten 
Akteneinsichtsbegehren zu substantiieren.

L. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 21. Juni 2011 
vollumfänglich  an  den  Rechtsbegehren  gemäss  Beschwerde  vom  13. 
April  2011  fest. Zur Begründung bekräftigte  sie erneut,  sie  sei  aufgrund 
diverser  technischer  Vorgaben  sowie  der  Nichteinhaltung 
sicherheitsrelevanter Normen durch die Vergabestelle an einer Teilnahme 

B­2197/2011

Seite 5

gehindert  worden.  Zudem  habe  die  Beschwerdeführerin  nicht  auf  die 
weitere  Teilnahme  am  Verfahren  verzichtet  und  sei  somit 
beschwerdelegitimiert.  Ihre  ausführliche  Beanstandung  des 
Vergabeverfahrens  könne  nur  als  Interesse  am  vorliegenden  Auftrag 
gedeutet werden. Die Beschwerdeführerin verzichtete ausserdem darauf, 
im Rahmen der Eintretensfrage neue Akteneinsichtsbegehren zu stellen 
oder gestellte Begehren zu substanziieren.

M.  Die  Vergabestelle  beantragte  in  ihrer  Stellungnahme  vom  14.  Juli 
2011  auf  die  Beschwerde  sei  mangels  Legitimation  der 
Beschwerdeführerin  nicht  einzutreten.  Eventualiter  sei  die  Beschwerde 
vollumfänglich abzuweisen. An  ihrer Eingabe vom 2. Mai 2011 halte sie 
vollumfänglich  fest.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  die 
Beschwerdeführerin  sei  keineswegs  wegen  der  Unauffindbarkeit  der 
Unterlagen  an  der  Marktteilnahme  gehindert  worden,  was  sich  nicht 
zuletzt  daraus  ergebe,  dass  drei  Angebote  bei  der  Vergabestelle 
eingegangen  seien.  Zudem  habe  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem 
Schreiben  vom 2. September  2010  klar  auf  eine weitere Teilnahme am 
Verfahren  verzichtet.  Somit  fehle  der  Beschwerdeführerin  offensichtlich 
die  Legitimation.  Ansonsten  würde  eine  für  Vergabestellen  nicht 
zumutbare Rechtsunsicherheit geschaffen.

N.  In  ihrer  Stellungnahme  vom  16.  August  2011  hielt  die 
Beschwerdeführerin  vollumfänglich  an  den  Rechtsbegehren  gemäss 
Beschwerde  vom  13.  April  2011  fest.  Zur  Begründung  bekräftigte  sie 
erneut,  sie  sei  aufgrund  diverser  technischer  Vorgaben  sowie  der 
Nichteinhaltung sicherheitsrelevanter Normen durch die Vergabestelle an 
einer  Teilnahme  gehindert  worden  und  habe  nicht  auf  die  weitere 
Verfahrensteilnahme  verzichtet.  Ihr  Aufwand  in  der  Analyse  der 
Ausschreibungsunterlagen lege als einzig möglichen Schluss nahe, dass 
ihr  an  die Vergabestelle  gerichtetes Schreiben  vom 2. September  2010 
so zu verstehen sei, dass sie nach wie vor am Zuschlag interessiert sei.

O.    Mit  Verfügung  vom  17.  August  2011  wurde  die  Stellungnahme  der 
Beschwerdeführerin der Vergabestelle zur Kenntnis zugestellt.

P. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, 
in den Erwägungen eingegangen.

B­2197/2011

Seite 6

B­2197/2011

Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1 Ob  die  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind  und  entsprechend  auf 
die Beschwerde einzutreten  ist, prüft das Bundesverwaltungsgericht von 
Amtes wegen und mit freier Kognition (BVGE 2007/6, E. 1 mit Hinweisen; 
BVGE 2008/61, nicht publizierte E. 2.1).

1.2 Im  Anwendungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
1994  über  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BöB,  SR  172.056.1)  ist 
gegen  einen  Zuschlag  im  Vergabeverfahren  die  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  zulässig  (Art.  29 Bst.  a  i.V.m.  Art.  27 Abs.  1 
BöB;  vgl.  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­1687/2010  vom 
21. Juni 2011, E. 5.1 mit Hinweisen).

1.3 Dass die Vergabestelle  in casu dem BöB gemäss Art. 2 BöB  i.V.m. 
Art. 2a Abs. 2 Bst. b der Verordnung vom 11. Dezember 1995 über das 
öffentliche Beschaffungswesen  (VöB, SR 172.056.11)  unterstellt  ist  und 
auch der für Bauaufträge geltende Schwellenwert von Art. 6 Abs. 1 Bst. c 
BöB i.V.m. Art. 1 Bst. c der Verordnung des EVD über die Anpassung der 
Schwellenwerte  im  öffentlichen  Beschaffungswesen  für  das  zweite 
Semester  des  Jahres  2010  und  das  Jahr  2011  (SR  172.056.12) 
überschritten  wird,  wurde  bereits  mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Mai 
2011  (E.  1.2)  festgestellt.  Die  in  Frage  stehende  Beschaffung  von 
Fahrtreppen  fällt  damit  in  den  Anwendungsbereich  des  BöB,  womit 
zugleich die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zu bejahen ist.

1.4 Das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  bestimmt  sich 
nach  dem  Bundesgesetz  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  BöB  und  das 
Verwaltungsgerichtsgesetz  vom 17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32)  nichts 
anderes bestimmen (Art. 26 Abs. 1 BöB und Art. 37 VGG).

2.  

2.1 Das  vorliegende  Verfahren  ist  angesichts  des  Umstands,  dass  das 
Gericht mit  Zwischenentscheid  vom  19. Mai  2011  erwogen  hat,  auf  die 
Beschwerde  könne  prima  facie  aufgrund  mangelnder  Legitimation  der 
Beschwerdeführerin  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  nicht  eingetreten 
werden,  mit  Verfügung  vom  26.  Mai  2011  auf  die  Eintretensfrage 
beschränkt  worden.  Gegenstand  des  vorliegenden  Entscheides  ist 
demnach  die  Frage  der  Beschwerdelegitimation,  welche  mangels 

B­2197/2011

Seite 8

spezialgesetzlicher  Regelung  im  BöB  nach  dem  allgemeinen 
Verfahrensrecht  zu  beurteilen  ist  (Art.  26  Abs.  1  BöB; 
GALLI/MOSER/LANG/CLERC, a.a.O., Rz. 850). Gemäss Art. 48 Abs. 1 Bst. b 
und  c  VwVG  wird  von  Konkurrenten,  soweit  ihnen  nicht 
Anbietereigenschaft zukommt, ein genügend naher Bezug zur Streitsache 
verlangt  (vgl.  in  Bezug  auf  die  Anfechtung  eines  Zuschlages  im 
freihändigen Verfahren das Urteil B­3402/2009 vom 6. Juli 2009, insb. E. 
3.2.2). Auch wer im offenen Verfahren ohne Einreichung einer Offerte wie 
ein  Verfügungsadressat  behandelt  zu  werden  wünscht,  wie  dies 
vorliegend auf  die Beschwerdeführerin  zutrifft, muss dieser Anforderung 
genügen. Indessen ist im vorliegenden Fall unbestritten, dass es sich bei 
der  Beschwerdeführerin  um  eine  etablierte  Anbieterin  von  Fahrtreppen 
handelt,  welche  ohne  weiteres  in  der  Lage  ist,  Aufträge  wie  den 
vorliegenden  auszuführen,  selbst  soweit  dies  die  Anpassung  von 
Standardprodukten  im  Sinne  von  Einzelanfertigungen  bedeutet 
(Stellungnahme der Vergabestelle vom 2. Mai 2011, insb. S. 8).

2.2 Nach  Art.  48  Abs.  1  Bst.  a  VwVG  ist  zur  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht berechtigt, wer durch Teilnahme am Verfahren 
vor der Vorinstanz formell beschwert ist (VERA MARANTELLI­SONANINI/SAID 
HUBER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.], 
Praxiskommentar  zum  VwVG,  Zürich/Basel/Genf  2009,  Art.  48  N.  22; 
PETER GALLI/ANDRÉ MOSER/ELISABETH LANG/EVELYNE CLERC,  a.a.O.,  Rz. 
850). Dabei sind auch die nicht berücksichtigten Mitbewerber  im offenen 
Verfahren direkte Verfügungsadressaten (Entscheid der Eidgenössischen 
Rekurskommission  für  das  öffentliche  Beschaffungswesen  (BRK)  vom 
13. Juni  1997,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bundesbehörden 
(VPB) 62.16, E. 2b; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 
Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S.  50  f., 
Rz.  2.74).  HÄNER  spricht  insoweit  von  einem  "Verwaltungsakt  mit 
kehrseitiger  Wirkung"  (ISABELLE  HÄNER,  Die  Beteiligten  im 
Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsprozess,  Zürich  2000,  S.  258  f., 
Rz.  539).  Beschwerdeberechtigt  ist  im  offenen  Verfahren  grundsätzlich 
nur,  wer  sich  durch  Einreichung  eines  Angebots  am 
Beschaffungsverfahren  beteiligt  hat  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  B­3402/2009  vom  6.  Juli  2010,  E.  3.1  mit 
Hinweisen;  GALLI/MOSER/LANG/CLERC,  a.a.O.,  Rz.  854;  vgl.  dazu 
ausführlich  E.  4  hiernach).  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht 
demgegenüber sowohl in Bezug auf die freihändige Vergabe als auch die 
Anfechtung  einer  Ausschreibung  davon  aus,  dass  dem  Erfordernis  der 
formellen  Beschwer  gemäss  Art.  48  Abs.  1  Bst.  a  VwVG  keinerlei 
Bedeutung  zukommt  (BVGE  2009/17  E.  2;  Urteile  des 

B­2197/2011

Seite 9

Bundesverwaltungsgerichts  B­1470/2010  vom  29.  September  2010,  E. 
1.6  mit  Hinweisen,  und  B­3402/2009  vom  6.  Juli  2010,  E.  3.1  mit 
Hinweisen). BEYELER spricht diesbezüglich von potentiellen Anbietern, die 
aufgrund  einer  Vergaberechtswidrigkeit  zum  Verfahren  gar  nicht  erst 
zugelassen  werden  (MARTIN  BEYELER,  Öffentliche  Beschaffung, 
Vergaberecht  und  Schadenersatz,  Zürich/Basel/Genf  2004,  Rz.  400). 
Dies entspricht auch der Zielsetzung des zweiten Halbsatzes von Art. 48 
Abs.  1  Bst.  a  VwVG  in  der  Fassung  des 
Bundesverwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (AS 2006 2197, 
insb.  S.  2224),  wonach  zur  Beschwerde  berechtigt  ist,  wer  keine 
Möglichkeit zur Teilnahme (am Verfahren) erhalten hat (BGE 134 V 306, 
E.  3.3.1  mit  Hinweisen;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­
3402/2009  vom  6.  Juli  2010,  E.  3.1).  Im  Rahmen  der  Botschaft  zum 
insoweit  gleichlautenden  Art.  89  BGG  (bzw.  Art.  83  VE  BGG)  wird  in 
diesem  Zusammenhang  darauf  hingewiesen,  dass  der  Gesetzgeber 
insbesondere  die  explizite  Verweigerung  von  Parteirechten  erfassen 
wollte  (vgl.  Botschaft  zur  Totalrevision  der  Bundesrechtspflege  vom  28. 
Februar  2001,  BBl  2001  4202,  insb.  S.  4329).  Auch  in  dieser  Situation 
wird  aber  vom  Betroffenen  verlangt,  dass  er  sich  mit  angemessener 
Diligenz  verhält.  So  rechtfertigt  es  sich  etwa,  im Falle  einer  zu Unrecht 
unterlassenen  Beiladung  zu  verlangen,  dass  der  Betroffene  innert 
nützlicher  Frist  nach  Kenntnis  des  Mangels  die  Eröffnung  des 
Einspracheentscheids beantragt (BGE 134 V 306, E. 4.3).

2.3 Verzichtet  eine  an  sich  legitimierte  Partei  auf  die  Teilnahme  am 
Verfahren, kann sie nach den Regeln des allgemeinen Verfahrensrechts 
nicht  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  das  Beteiligungsrecht  verlangen 
(ISABELLE  HÄNER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler 
[Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG],  Zürich  2008,  Art.  48  N.  8).  Dies  gilt  etwa  für  den  Fall,  dass 
jemand vor der Vorinstanz auf eine Teilnahme verzichtet hat, weil andere, 
welche  die  gleiche  Stossrichtung  verfolgen,  sich  dort  in  seinem  Sinne 
(aber  nicht  in  seinem  Namen)  beteiligt  haben  (HANSJÖRG  SEILER,  in: 
Hansjörg  Seiler/Nicolas  von  Werdt/Andreas  Güngerich, 
Bundesgerichtsgesetz (BGG), Bern 2007, Rz. 14 zu Art. 89 BGG; ebenso 
ALAIN  WÜRZBURGER,  in:  Bernard  Corboz/Alain  Würzburger/Pierre 
Ferrari/Jean­Maurice  Frésard/Florence  Aubry  Girardin,  Commentaire  de 
la LTF, Rz. 21 zu Art. 89 BGG). 

B­2197/2011

Seite 10

3. 

3.1 Im vorliegenden Falle ist gestützt auf das in Erwägung 2 Gesagte zu 
prüfen,  ob  das  an  die  Vergabestelle  gerichtete  Schreiben  der 
Beschwerdeführerin  vom  2.  September  2010  als  Verzicht  zu  beurteilen 
ist, welcher zum Verlust der Legitimation führt. In diesem Zusammenhang 
ist  vorab  festzuhalten,  dass, wie  bereits  in  der  Zwischenverfügung  vom 
19. Mai  2011 ausgeführt,  der Beschwerdeführerin  die  Legitimation nicht 
per se deswegen abzusprechen ist, weil sie keine Offerte eingereicht hat 
(vgl. Zwischenverfügung vom 19. Mai 2011, E. 4.4). Denn es kann einer 
Anbieterin  tatsächlich  nicht  immer  zugemutet  werden,  ein  Angebot 
einzureichen (vgl. Entscheid der BRK 1998­5 vom 4. August 1998, E. 2b). 
In diesem Sinne wird etwa in Bezug auf das deutsche Recht festgehalten, 
dass es Fälle gibt,  in welchen der Antragsteller vorträgt, dass er von der 
Abgabe eines Angebotes gerade durch den gerügten Verstoss gehindert 
worden  sei  (KLAUS  WILLENBRUCH/KRISTINA  WIEDDEKIND, 
Kompaktkommentar  Vergaberecht,  2.  Auflage,  Köln  2011,  Rz.  27  zu  § 
107 GWB mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Derartige Ausnahmen 
vom  Erfordernis,  dass  nur  die  Anbieterqualität  aufgrund  eingereichter 
Offerte  zur  Beschwerde  berechtigt,  sind  indessen  nur  mit  grosser 
Zurückhaltung  anzunehmen.  Im  vorliegenden  Fall  macht  die 
Beschwerdeführerin  geltend,  sie  habe  aus  Diligenzgründen  auf  die 
Einreichung  einer  Offerte  für  eine  solch  normwidrige, 
gesundheitsgefährdende  Fahrtreppe  verzichtet  (Beschwerde,  S.  5;  vgl. 
auch das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 20. Januar 2011, S. 6). 
Die  Vergabestelle  trägt  demgegenüber  vor,  im  Sinne  einer 
massgeschneiderten  Lösung  seien  von  allen  Anbietern 
Anpassungsleistungen zu erbringen gewesen. Sie führe den Verzicht auf 
Einreichung  einer  Offerte  auf  die  mangelnde  Flexibilität  der 
Beschwerdeführerin zurück (Stellungnahme der Vergabestelle vom 2. Mai 
2011, S. 6). Wie es sich diesbezüglich verhält, kann indessen angesichts 
der  nachfolgenden  Erwägungen  offen  bleiben.  Will  eine  potentielle 
Anbieterin  ihre  Beschwerdelegitimation  wahren,  ohne  eine  Offerte 
einzureichen, muss  sie  zumindest  ihr  Interesse  an  der  Ausführung  des 
konkreten  Auftrags  erklären.  In  vergleichbarer  Weise  hat  etwa  das 
Verwaltungsgericht  des  Kantons  Zürichs  entschieden,  ein  Anbieter, 
welcher eine freihändige Vergabe angreife, soll nicht nur in der Lage sein, 
einen  Auftrag  der  betreffenden  Art  zu  übernehmen  (vgl.  dazu  E.  2.1 
hiervor), sondern müsse auch Interesse an der Ausführung des konkreten 
Auftrags glaubhaft machen (Entscheid VB.2001.00166 vom 9. September 
2011, E. 2c). In diesem Sinne hat ein Anbieter im offenen Verfahren, der 
sich ausserstande  sieht  zu offerieren,  gegenüber  der Vergabestelle  klar 

B­2197/2011

Seite 11

zu  kommunizieren,  dass  er  so  behandelt  werden möchte,  wie  wenn  er 
offeriert  hätte.  Denn  ist  das  Verhalten  eines  potentiellen  Anbieters  als 
Verzicht  auf  die  Teilnahme  am  Verfahren  zu  interpretieren,  verliert  er 
damit die Legitimation auch dann, wenn diese nicht schon aufgrund der 
fehlenden  Offerte  zu  verneinen  ist  (vgl.  E.  2.3  hiervor  sowie  die 
Zwischenverfügung vom 19. Mai 2011, E. 4.5). 

3.2 Die Beschwerdeführerin bringt zur Frage der Beschwerdelegitimation 
mit  Stellungnahme  vom  21.  Juni  2011  vor,  sie  habe  nicht  auf  die 
Verfahrensteilnahme  verzichtet.  In  ihrem  Schreiben  vom  2.  September 
2010  habe  sie  sich  vielmehr  detailliert  mit  der  Ausschreibung 
auseinandergesetzt  und  die  Vergabestelle  auf  die  aus  ihrer  Sicht 
vorliegenden  Probleme  in  der  Ausschreibung  aufmerksam  gemacht. 
Damit habe sie ungeachtet der abgelaufenen Eingabefrist ihr Interesse an 
der  vorliegenden  Submission  deutlich  gemacht.  Dies  gelte  umso mehr, 
als  sich  die  Beschwerdeführerin  überdies  bereit  erklärt  habe,  weitere 
problematische Punkte  im Gespräch mit  der Vergabestelle  zu erläutern. 
Die  Vergabestelle  habe  somit  das  Schreiben  der  Beschwerdeführerin 
nicht anders verstehen dürfen, als dass sie nach wie vor  in die  laufende 
Submission  habe  einbezogen  werden  wollen.  Schliesslich  hätte  die 
Vergabestelle  die  Pflicht  gehabt,  aufgrund  der  Hinweise  der 
Beschwerdeführerin  das  rechtsfehlerhafte  Verfahren  abzubrechen  und 
dieses  erneut  und  rechtskonform  durchzuführen.  Die  Verletzung  dieser 
Pflicht könne der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil gereichen. 

3.3 Die Vergabestelle  führt  in  ihrer Eingabe vom 14.  Juli  2011 aus, die 
Beschwerdeführerin  sei  nicht  an  der  Marktteilnahme  gehindert  worden. 
Diese  habe  die  Ausschreibungsunterlagen  trotz  wiederholten 
telefonischen  Hinweises  auf  die  Ausschreibung  erst  über  einen  Monat 
nach  erfolgter  Ausschreibung  angefordert. Nach Ablauf  der Eingabefrist 
habe sie in ihrem Schreiben vom 2. September 2010 mitgeteilt, dass sie 
insbesondere  wegen  der  Unauffindbarkeit  der  Ausschreibung  keine 
Offerte  eingereicht  habe  und  sich  demzufolge  freuen würde,  in  Zukunft 
wieder mit der Vergabestelle zusammen arbeiten zu können. Damit liege 
zweifelslos ein Verzicht auf Teilnahme am Ausschreibungsverfahren vor 
bzw.  fehle  es  am  Nachweis  eines  Interesses  an  der  Ausführung  des 
vorliegenden Auftrages. Entsprechend habe die Beschwerdeführerin mit 
dem Betreff des Schreibens vom 2. September 2010 "Submission Zürich 
HB, Durchmesserlinie – Abschnitt 2, BKP 262 ­ Fahrtreppen; Verzicht auf 
Teilnahme  und  Information"  klar  zum  Ausdruck  gebracht,  dass  sie  am 
Zuschlag  im  vorliegenden Vergabeverfahren  nicht mehr  interessiert  sei. 
Der Vorwurf, diverse technische Vorgaben hätten die Beschwerdeführerin 

B­2197/2011

Seite 12

an  einer  Offerteinreichung  gehindert,  sei  nur  vorgeschoben  und  treffe 
zudem  nicht  zu.  Alle  anderen  Anbieter  seien  in  der  Lage  gewesen, 
fristgerecht  ein  rechtsgültiges  Angebot  einzureichen.  Der  wesentliche 
Grund, warum die Beschwerdeführerin keine Offerte eingereicht habe, sei 
die  nicht  zeitgerechte  Anforderung  der  Unterlagen,  was  seitens  der 
Beschwerdeführerin  bis  heute  durch  Stillschweigen  ausgeklammert 
werde. Ausserdem sei  von einem Abbruch und einer Wiederholung des 
Verfahrens bis zum 20. Januar 2011 keine Rede gewesen.

3.4 Aufgrund  der  vorstehenden  Ausführungen  stellt  sich  die  Frage,  ob 
das  Schreiben  der  Beschwerdeführerin  vom  2.  September  2010  als 
Verzicht  auf  die  Teilnahme  am  Verfahren  zu  verstehen  ist.  Dabei  ist 
vorauszusetzen, dass eine Verlautbarung einer Anbieterin gegenüber der 
Vergabestelle  während  des  Beschaffungsverfahrens  wie  im  Privatrecht 
nach  dem  Vertrauensprinzip  auszulegen  ist  (vgl.  dazu  in  Bezug  auf 
verwaltungsrechtliche  Verträge  etwa  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2583/2007  vom  17.  Dezember  2007,  E. 
5.4.3;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1103).

3.5 Zunächst  ist  zum  relevanten  Sachverhalt  festzuhalten,  dass  im 
vorliegenden  Fall  die  Ausschreibung  am  16.  Juli  2010  publiziert  wurde. 
Die  Beschwerdeführerin  forderte  bei  der  Vergabestelle  am  19.  August 
2010  die  Ausschreibungsunterlagen  an.  Am  2.  September  2010,  also 
einen Tag nach Ablauf der Angebotsfrist am 1. September 2010, gelangte 
die  Beschwerdeführerin  schriftlich  an  die  Vergabestelle  unter  der 
Überschrift "Submission Zürich HB, Durchmesserlinie – Abschnitt 2, BKP 
262  –  Fahrtreppen;  Verzicht  auf  Teilnahme  und  Information".  Sie 
informierte  die  Vergabestelle  dahingehend,  dass  sie  darauf  verzichtet 
habe, innert der gesetzten Frist am Vergabeverfahren teilzunehmen. Dies 
begründete sie einerseits damit, dass die Ausschreibung nicht auffindbar 
gewesen  sei. Andererseits  hätten die  restriktiven  technischen Vorgaben 
eine  wettbewerbsfähige  Teilnahme  verunmöglicht.  Insbesondere  seien 
etwa Massvorgaben  nach  ihrem  Dafürhalten  auf  einen Mitkonkurrenten 
zugeschnitten.  Tatsache  sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund 
dieser  einengenden  und  ihres  Erachtens  unnötigen  Vorgaben  faktisch 
von  einer  wettbewerbsfähigen  Teilnahme  an  der  Submission 
ausgeschlossen  worden  sei.  Dies  sei  sicher  nicht  im  Sinne  des 
Wettbewerbsrechts.  Ausserdem  sei  die  Frist  für  die  Anfechtung  der 
Ausschreibung  bereits  abgelaufen.  Aus  diesem  Grund  habe  sie  sich 
schliesslich dafür entscheiden müssen, auf die Teilnahme zu verzichten. 
Sie  würde  sich  freuen,  in  Zukunft  wieder  mit  der  Vergabestelle 

B­2197/2011

Seite 13

zusammenzuarbeiten.  Dies  sei  ihr  jedoch  nur  möglich,  wenn  ihr  eine 
tatsächliche,  echte  Chance  gegeben  werde,  an  den  Submissionen  der 
Vergabestelle so  teilnehmen zu können, dass ein Zuschlag möglich sei. 
Mit  Schreiben  vom  20.  Januar  2011 machte  die  (inzwischen  anwaltlich 
vertretene) Beschwerdeführerin ergänzende Ausführungen bezüglich der 
aus  ihrer  Sicht  diskriminierenden  technischen  Anforderungen  sowie  der 
Nichteinhaltung sicherheitstechnischer Normen. Ausserdem  trug sie vor, 
es gelte, das Verfahren abzubrechen und neu auszuschreiben.

3.6 Die Beschwerdeführerin ist mit Zwischenentscheid vom 19. Mai 2011 
(E.  4.6)  darauf  hingewiesen  worden,  dass  ihre  Behauptung,  sie  habe 
bereits mit Schreiben vom 2. September 2010 geltend gemacht, dass nur 
eine  neue  Ausschreibung  den  Massgaben  des  Beschaffungsrechts 
Rechnung  tragen  könne  (Beschwerde  vom  13.  April  2011,  S.  5), 
aktenwidrig  sei.  Dieser  Umstand  wird  denn  auch  mit  den  im 
Hauptverfahren erstatteten Stellungnahmen nicht bestritten. Das Gericht 
hat  im  Rahmen  des  Zwischenentscheides  (ebenfalls  E.  4.6)  weiter 
festgehalten, dass die Vergabestelle die Beschwerdeführerin bzw. deren 
Eingabe vom 2. September 2010 prima facie nicht so verstehen musste, 
dass sie  trotz unterlassener Einreichung einer Offerte weiterhin wie eine 
Anbieterin  im  vorliegenden  Verfahren  behandelt  werden  möchte.  Dies 
bestreitet  die  Beschwerdeführerin  im  Hauptverfahren  neu  mit  dem 
Hinweis,  sie  habe mit  dem  in Frage  stehenden Schreiben  vielmehr  klar 
dokumentiert,  dass  sie  sehr  an  der  in  Frage  stehenden  Submission 
interessiert sei. Nur so lasse sich erklären, dass sie sich im Detail mit den 
Ausschreibungsunterlagen befasst habe. Dies ergebe sich auch aus dem 
Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 2. September 
2011 ihre Bereitschaft bekundet habe, weitere problematische Punkte im 
Gespräch mit der Vergabestelle zu erörtern (Stellungnahme vom 21. Juni 
2011, S. 4).

3.7 Zu  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  ist  zunächst 
festzuhalten,  dass  bereits  die  Betreffzeile  des  Schreibens  vom  2. 
September  2011  den  Begriff  "Verzicht  auf  Teilnahme  und  Information" 
enthält.  Zwar  ist  der  Beschwerdeführerin  zuzugestehen,  dass  das 
Schreiben  entgegen  der  Darstellung  der  Vergabestelle  nicht  nur  eine 
Klage über die versteckte Platzierung der Ausschreibung, sondern auch 
Rügen  betreffend  "restriktive  technische  Vorgaben"  und  die  dadurch 
versuchte  "Behinderung  des Wettbewerbs"  enthalten  hat.  Entscheidend 
ist  indessen,  dass  die  Anbieterin  darauf  hinweist,  dass  die  Frist  zur 
Anfechtung der Ausschreibung "leider" abgelaufen ist. Demnach geht sie 
am 2. September 2010 – zutreffend oder nicht – sinngemäss davon aus, 

B­2197/2011

Seite 14

sich  vor  Gericht  gegen  die  Ausschreibung  und  damit  wohl  auch  die 
Ausschreibungsunterlagen  nicht mehr wehren  zu  können. Entscheidend 
ist  aber  der  Satz,  wonach  sich  die  A._____  freuen  würde,  "in  Zukunft 
wieder" mit  der Vergabestelle  zusammenarbeiten  zu  können. Dies  sei – 
so die Beschwerdeführerin  –  "jedoch nur möglich", wenn  ihr  "auch eine 
tatsächliche,  echte Chance  gegeben werde",  an  den  Submissionen  der 
Vergabestelle "so teilnehmen zu können, dass ein Zuschlag möglich ist". 
In  diesem  Sinne  wird  mit  Schreiben  vom  2.  September  2010  um  eine 
Stellungnahme  innert  30  Tagen  ersucht. Wenn  die  Beschwerdeführerin 
nun  mit  Stellungnahme  vom  21.  Juni  2011  behauptet,  ihre  Erklärung 
könne  entgegen  den  mit  Zwischenentscheid  vom  19.  Mai  2011 
getroffenen Feststellungen nur so verstanden werden, dass sie an der in 
Frage  stehenden  Submission  interessiert  war,  so  könnte  das  allenfalls 
unter der Prämisse stimmen, dass hier eine einzigartige Vergabe in Frage 
steht,  mit  welcher  einmalig  eine  ganz  besondere  Leistung  nachgefragt 
wird,  welche  sich  in  den  nächsten  Jahren  so  nicht  wiederholt.  Davon 
gehen  indessen  weder  die  Beschwerdeführerin  noch  die  Vergabestelle 
aus.  Vielmehr  sind  beide  Seiten  nach  übereinstimmender  Erklärung 
langfristig  an  einer  Zusammenarbeit  in  Bezug  auf  kommende 
Beschaffungen  von  Fahrtreppen  interessiert.  Damit  lässt  sich  aber  das 
Schreiben vom 2. September 2010, was der Wortlaut bereits nahe  legt, 
auch  aufgrund  der  tatsächlichen  Umstände  ohne  Weiteres  so 
interpretieren,  dass  die  Beschwerdeführerin  für  die  Zukunft  an  einem 
Verhalten  der  Vergabestelle  interessiert  ist,  welches  zu  möglichst  viel 
Wettbewerb unter den Anbietern von Fahrtreppen führt. Dazu passt auch 
die  Bemerkung  der  Beschwerdeführerin,  das  gerügte  Verhalten  der 
Vergabestelle  sei  "sicher  nicht  im  Sinne  des Wettbewerbsrechts".  Eine 
Zusammenarbeit sei jedoch nur möglich, wenn der Beschwerdeführerin – 
meint: in Zukunft – auch eine "tatsächliche, echte Chance gegeben wird", 
an  den  Submissionen  der  SBB  so  teilnehmen  zu  können,  dass  ein 
Zuschlag  möglich  ist.  Auch  das  Ersuchen  um  eine  Stellungnahme 
innerhalb 30 Tagen lässt sich ohne Weiteres so verstehen, dass man im 
Sinne  eines  Debriefing  nach  Verzicht  noch  gewisse  Punkte  klären 
möchte.  Dies  beispielsweise  um  vertiefte  Erkenntnisse  darüber  zu 
gewinnen,  ob  die  Vergabestelle  versucht  hat,  bestimmte  Anbieter  zu 
bevorzugen,  was  die  Vergabestelle  mit  Schreiben  vom  9.  September 
2011  bestreitet  und  für  die  Vertrauensbasis  zwischen  Anbieterin  und 
Vergabestelle  durchaus  bedeutungsvoll  sein  kann.  Auch  in  diesem 
Zusammenhang  lässt  sich  der  seitens  der  Beschwerdeführerin  mit 
Eingabe vom 16. August 2011 noch einmal betonte Aufwand im Rahmen 
der  Analyse  der  Ausschreibungsunterlagen  in  nahe  liegender  Weise 
begründen. Demnach  führt die  tatsächliche Ausgangslage entgegen der 

B­2197/2011

Seite 15

Annahme  der  Beschwerdeführerin  nicht  dazu,  dass  die Würdigung  des 
Erklärungsgehalts  des  Schreibens  vom  2. September  2010,  wie  sie mit 
dem Zwischenentscheid vom 19. Mai 2011 vorgenommen worden  ist,  in 
Frage zu stellen ist. Vielmehr ist  in diesem Schreiben ein klarer Verzicht 
auf  den  Status  als  interessierte  und  zur  Anfechtung  des  Zuschlags 
befugte Anbieterin  zu sehen. Diese Stellung  lässt  sich – wie bereits mit 
Zwischenentscheid vom 19. Mai 2011 (E. 4.6)  festgehalten – nach einer 
Verzichtserklärung  auch  nicht  wiederherstellen.  Demnach  hilft  es  der 
Beschwerdeführerin  nichts, wenn  sie  später  nach Beizug  eines Anwalts 
mit Schreiben vom 20. Januar 2011 ausgeführt hat, sie behalte sich die 
Anfechtung des Zuschlags  vor  für  den Fall,  dass die Vergabestelle  ihre 
Auffassung,  das  vorliegende  Verfahren  sei  abzubrechen,  nicht  teile. 
Damit  wusste  der  Rechtsvertreter  aber  auch,  welche  Formulierungen 
jedenfalls genügen würden, um das Interesse, weiterhin als  interessierte 
Anbieterin  behandelt  zu  werden,  zu  bekunden.  Auch  vor  diesem 
Hintergrund  überzeugen  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin, 
wonach das Gericht in nicht realitätsnaher Weise quasi wörtlich auf einer 
Formulierung  beharre,  derzufolge  die  Beschwerdeführerin  "wie  ein 
Offerent behandelt zu werden" wünsche, in keiner Weise (Stellungnahme 
vom  21.  Juni  2011,  S.  5).  Klar  ist  indessen,  dass  auch  unter 
Berücksichtigung  der  Tatsache,  dass  die  regelmässig  im 
Beschaffungsmarkt  agierende  Anbieterin  nicht  anwaltlich  vertreten  war, 
ein  blosser  Hinweis  auf  Mängel  des  Verfahrens,  etwa  diskriminierende 
technische  Spezifikationen,  nicht  genügt.  Zusammenfassend  ergibt  sich 
demnach, dass auf die Beschwerde bereits aufgrund der Auslegung der 
an die Vergabestelle gerichteten Eingabe der Beschwerdeführerin vom 2. 
September  2010  mangels  Beschwerdelegitimation  nicht  einzutreten  ist. 
Demnach  kann  offen  bleiben,  ob  die  Beschwerdeführerin  nicht 
ausserdem gehalten gewesen wäre, ihre Rügen bis zur Offerteingabefrist 
vom 1. September 2010 vorzubringen.

B­2197/2011

Seite 16

4. 

4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 4bis VwVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 des Reglements 
vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  richten  sich  die 
Verfahrenskosten  nach  dem  Umfang  und  der  Schwierigkeit  der 
Streitsache, der Art der Prozessführung sowie der  finanziellen Lage der 
Parteien.  Angesichts  des  Vergabevolumens  von  ca.  Fr.  11'300'000.­ 
sowie der Verfahrenserledigung durch Nichteintreten (vgl. Entscheid des 
Bundesverwaltungsgerichts B­2561/2009 vom 20. Juli 2009, E. 7) sind im 
Sinne  von  Art. 4  VGKE  die  Verfahrenskosten  für  den  Entscheid  in  der 
Hauptsache auf Fr. 10'000.­ festzusetzen. Damit ist auch der in Ziff. 5 des 
Dispositivs  des  Zwischenentscheides  vom  19.  Mai  2011  vorbehaltene 
Aufwand  des  Entscheides  betreffend  das  Begehren  um  Erteilung  der 
aufschiebenden  Wirkung  mitumfasst.  Da  auf  die  Beschwerde  nicht 
eingetreten wird, gilt die Beschwerdeführerin als unterliegende Partei und 
es sind ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

4.2 Die  Beschwerdeführerin  hat  als  unterliegende  Partei  keinen 
Anspruch  auf  Parteientschädigung  für  die  ihr  erwachsenen Kosten  (Art. 
64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Der Vergabestelle ist 
aufgrund  von  Art.  7  Abs.  3  VGKE  ebenfalls  keine  Parteientschädigung 
zuzusprechen. Dasselbe  gilt  für  die  Zuschlagsempfängerin, welche  sich 
nicht als Partei konstituiert hat. 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  10'000.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe 
verrechnet.

3. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

B­2197/2011

Seite 17

4. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Rechtsvertreter; Gerichtsurkunde)
– die Vergabestelle (Ref­Nr. SIMAP 612797; Gerichtsurkunde)
– die Zuschlagsempfängerin (Rechtsvertreter; Einschreiben)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Marc Steiner Laura Melusine Baudenbacher

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der 
Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene 
Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in 
Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

Versand: 20. Oktober 2011