# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69a6fae6-71cb-5e3b-a5d5-3085f7448c90
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-27
**Language:** de
**Title:** Attikageschoss. Dachaufbauten. Massgebliche Fassadenlänge bei recht- und spitzwinklig aneinanderstossenden Fassadenabschnitten.
**Docket/Reference:** BRGE I Nrn. 0155-0156/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/2020-7.pdf

## Full Text

BRGE  I  Nrn.  0155/2017  und  0156/2017  vom  27.  Oktober  2017  in  BEZ  2020  
Nr. 7 

(Bestätigt mit VB.2017.00802 vom 19. Juli 2018; dieser bestätigt mit BGr  
1C_461/2018 vom 22. Oktober 2019.) 

Das  vom  strittigen  Bauvorhaben  betroffene  Baugrundstück  lag  in  der 
dreigeschossigen  Wohnzone  W3.  Es  war  mit  zwei  Wohngebäuden  mit 
unterschiedlichen,  asymmetrischen  Grundrissen  überstellt.  Die  Bauherrschaft 
beabsichtigte, die beiden Gebäude um je ein Attikageschoss aufzustocken. Mit 
dem  vorliegend  angefochtenen  Beschluss  bewilligte  die  Vorinstanz  dieses 
Bauvorhaben  unter  der  Auflage,  vor  Baubeginn  abgeänderte  Pläne  der 
Attikageschossgestaltung  einzureichen,  da  das  Projekt  an  den  Nordfassaden 
gegen die Drittelsregelung von § 292 lit. b PBG verstosse.  

Zur Veranschaulichung hier die Grundrisse der Attikageschosse: 

Gebäude A 

Gebäude B 

•  Oben:  Von  der  Baubehörde  (zumindest  vom  Prinzip  her)  verlangte 

Lösung: Drittelsmass in jedem Fassadenabschnitt einzuhalten. 

•  Unten:  Von  der  Bauherrschaft  beantragte, 

im  Bauentscheid 
verweigerte  Lösung.  Die  zulässige  maximale  Gesamtbreite  der  beiden 
Dachaufbauten  errechnet 
sich  auf  Basis  der  Gesamtlänge  aller 
Fassadenabschnitte  auf  der  Nordseite  des  Gebäudes.  Die  Aufteilung  und 

 
 
 
 
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Positionierung  der  Dachaufbauten 
Gesichtspunkten. 

richtet  sich  nach  gestalterischen 

Aus den Erwägungen: 

7.4.1  Der  in  §  292  PBG  verwendete  Begriff  der  «betreffenden  Fassaden 
länge»  ist  nicht  ohne  weiteres  im  gleichen  Sinn  zu  verstehen  wie  in  den 
Bestimmungen  über  die  Abstände,  die  Gebäudelänge  und  die  Gebäudebreite 
(vgl.  dazu  §  260  PBG  und  §§  23  ff.  ABV).  Als  massgebend  sind  vielmehr 
diejenigen  Fassadenteile  anzusehen,  die  als  zur 
fraglichen  Dachfläche 
zugehörig erscheinen bzw. mit dieser eine optische Einheit bilden. Hierbei kann 
die  Fassade  geradlinig  verlaufen  oder  auch  kleinere  Rücksprünge  aufweisen. 
Eine  optische  Einheit  kann  auch  dann  noch  gegeben  sein,  wenn  zwei 
Fassadenelemente  schiefwinklig  aneinanderstossen  oder  die  Fassade  seitlich 
gegliedert ist. Entscheidend sind  – mit Blick auf die ästhetische Motivation der 
Regelung – letztlich die konkreten Verhältnisse im Einzelfall.  

Bei der Bestimmung von § 292 PBG handelt es sich um eine Ästhetiknorm, 
welche  bezweckt,  dass  Dach  und  Dachaufbauten  in  einem  abgerundeten 
harmonischen  Bild  als  ein  aufeinander  abgestimmtes  Ganzes  erscheinen. 
Insbesondere  sollen  überdimensionierte,  dem  Dachbereich  ein  Übergewicht 
verleihende  Aufbauten  verhindert  werden.  Das  Verwaltungsgericht  hat  sich 
stets vom Sinn und Zweck dieser gesetzlichen Vorschrift leiten lassen, dass die 
Dachgeschosse  noch  als  solche  erkennbar  sind  und  nicht  den  Eindruck  eines 
Vollgeschosses  vermitteln  (vgl.  zum  Ganzen  VGr,  6.  November  2014, 
VB.2014.00206,  E.  4.1;  VGr,  21.  März  2012,  VB.2011.00535,  E.  3.1; 
VB.2011.00539,  E.  3.1  =  BEZ  2012  Nr.  19;  VGr,  29.  Oktober  2008, 
VB.2008.00286, E. 5.2; VB.2006.00150, E. 3.2 = BEZ 2006 Nr. 43 = RB 2006 
Nr.  69;  VB.2004.00481,  E.  3.1  =  BEZ  2005  Nr.  22  und  VGr,  21.  Mai  2003, 
VB.2003.00005, E. 2a, jeweils mit weiteren Hinweisen). 

7.4.2  Nach  dem  vorstehend  Ausgeführten  ist  bei  der  Anwendung  von  § 
292  PBG  stets  eine  Einzelfallbeurteilung  vorzunehmen.  Entgegen  der  Ansicht 
der  Vorinstanz  führt  daher  der  Umstand,  dass  Fassadenelemente  recht-  oder 
spitzwinklig aneinanderstossen oder Rücksprünge aufweisen, nicht automatisch 
dazu,  dass  das  Drittelsmass  für  jeden  Fassadenabschnitt  separat  eingehalten 
werden  muss.  Die  Erwägung  der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid, 
wonach  gemäss  ständiger  Praxis  einzelne  Fassadenabschnitte  nur  bei 
stumpfwinklig  aneinanderstossenden  Fassaden  addiert  und  entsprechend 
einseitig  angeordnet  werden  dürfen,  vermag  daher  nicht  zu  überzeugen.  Eine 
solche Regel wäre zwar der Rechtssicherheit zuträglich. Sie könnte jedoch bei 
Gebäuden  mit  asymmetrischen  Grundrissen  oder  spitzwinklig  aneinander 
stossenden  Fassadenelementen  eine  unerwünschte  Zerstückelung  des 
Dachgeschosses  und  damit  eine  Verschlechterung  der  optischen  Erscheinung 
des Gebäudes zur Folge haben. Damit würde sie § 292 PBG, der auch zum Ziel 
hat, die Dachgestaltung ruhig zu halten, zuwiderlaufen. Das Verwaltungsgericht 
hat  denn  auch  wiederholt  festgehalten,  die  Anwendung  von  §  292  PBG  dürfe 
nicht dazu führen, dass die gesetzlichen Anforderungen an die Gestaltung nicht 
mehr  optimal  erfüllt  werden  können  bzw.  dürfe  nicht  zu  einer  diesbezüglichen 

 
 
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Verschlechterung  führen  (VGr,  31.  August  2017,  VB.2017.00337,  E.  3.6, 
m.w.H.).  

Dies  gilt  auch  im  vorliegenden  Fall.  Entgegen  der  Vorinstanz  führt  das 
streitgegenständliche Bauvorhaben nicht zu einer unerwünschten Konzentration 
der Dachaufbauten auf der Nordseite. Vielmehr stellt die Positionierung der das 
Profil  durchstossenden  Dachaufbauten  eine  sinnvolle  Gliederung  des 
Gesamtvolumens  dar,  die  insgesamt  ausgewogen  erscheint.  Der  Umstand, 
dass  die  Profildurchstossungen  auf  zwei  Bereiche  beschränkt  werden,  wirkt 
sich hinsichtlich der ruhig zu haltenden Dachfläche positiv aus und trägt bei den 
vorliegend  streitbetroffenen  Gebäuden  mit  stark  unregelmässigem  Grundriss 
massgeblich  zur  Verhinderung  der  verpönten  Zerstückelung  des  Dachge 
schosses  bei.  Er  erlaubt  es  überdies,  auf  den  hypothetischen  Traufseiten 
längere  zusammenhängende  Fassadenabschnitte  «freizuhalten»,  was  die 
Ablesbarkeit  des  Dachgeschosses  deutlich  verbessert.  Eine  andere  Aufteilung 
und  Positionierung  der  Dachaufbauten  wäre  zwar  ebenfalls  denkbar,  jedoch 
würde  dadurch  in  gestalterischer  Hinsicht  nichts  gewonnen.  So  ist  nicht 
einzusehen,  inwiefern  vorliegend  die  Verkleinerung  einer  der  Dachaufbauten 
die  Ablesbarkeit  des  Dachgeschosses  insgesamt  verbessern  sollte,  wenn  im 
Gegenzug  eine  zusätzliche,  das  Profil  an  anderer  Stelle  durchstossende 
Dachaufbaute  geschaffen  würde.  Die  Dachaufbauten  sind  bereits  so 
positioniert,  dass  sie  an  keiner  Stelle  überdimensioniert  wirken  oder  dem 
Dachbereich  ein  Übergewicht  verleihen.  Aufgrund  der  aussergewöhnlichen 
Grundrisse  der  streitbetroffenen  Gebäude  trägt  die  projektierte  Ausgestaltung 
der Attikageschosse der ratio legis von § 292 PBG im vorliegenden Fall besser 
jedes  rechtwinklig  aneinander 
Rechnung,  als  dies  bei  einer  Drittelung 
stossenden Fassadenabschnitts der Fall wäre.