# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f66d3fb0-e451-5dbb-b9b8-4e230c6aaeb9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-12-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 09.12.2005 A 2005 80
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_A-2005-80_2005-12-09.pdf

## Full Text

A 05 80
3. Kammer 

URTEIL
vom 9. Dezember 2005

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Kantons- und direkte Bundessteuer

1. … war bis zum 1. April 2003 bei der … in … als kaufmännische Angestellte 

unselbständig erwerbstätig. Diese Erwerbstätigkeit gab sie freiwillig auf. Die 

Steuerpflichtige entschloss sich, im Anschluss an die erwähnte 

unselbständige Erwerbstätigkeit beim Zentrum für berufliche Weiterbildung, 

St. Gallen, eine Vollzeit-Ausbildung zur diplomierten Technikerin HF, 

Fachrichtung Informatik, zu absolvieren. In der Steuererklärung 2003 machte 

sie in der Folge im Formular für Berufsauslagen Fr. 30'681.-- 

(Kantonssteuern) resp. Fr. 31'729.-- (direkte Bundessteuer) als berufs-

bedingte Weiterbildungskosten geltend. Mit den am 6. Juni 2005 eröffneten 

Veranlagungsverfügungen für die Kantons- und die direkte Bundessteuer 

2003 wurden die fraglichen Auslagen nicht zum Abzug zugelassen mit der 

Begründung, dass es sich dabei nicht um abziehbare Weiterbildungs-, 

sondern um nicht absetzbare Ausbildungskosten handle. Die von der 

Steuerpflichtigen dagegen erhobene Einsprache wies die Steuerverwaltung 

mit Entscheid vom 30. September 2005 ab. 

2. Dagegen erhob … am 17. Oktober 2005 Rekurs bzw. Beschwerde an das 

Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die geltend gemachten Abzüge für 

Weiterbildungskosten zuzulassen. Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin 

(im Folgenden: Rekurrentin) macht im Wesentlichen geltend, die Ausbildung 

zur dipl. Technikerin HF sei eine vom Bund anerkannte Weiterbildung. Auch 

im kaufmännischen Bereich seien heute Informatikkenntnisse unerlässlich.

3. Die kantonale Steuerverwaltung beantragte in ihrer Vernehmlassung die 

Abweisung von Rekurs und Beschwerde. Sie bringt im Wesentlichen 

dieselben Argumente vor wie schon im angefochtenen Einspracheentscheid.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Rekurs- bzw. Beschwerdegegenstand bildet einzig die Frage, ob der geltend 

gemachte Steuerabzug für Berufsauslagen zu Recht mit der Begründung 

verweigert wurde, es handle sich dabei um Ausbildungskosten.

2. a) Laut Art. 31 Abs. 1 lit. c des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG) 

bzw. der entsprechenden Bestimmung in Art. 26 Abs. 1 lit. d des Gesetzes 

über die Direkte Bundessteuer (DBG) können unselbständig Erwerbende die 

mit dem Beruf zusammenhängenden Weiterbildungskosten als 

Berufsunkosten vom Einkommen abziehen. Es kann der Pauschalbetrag zum 

Abzug gebracht werden oder die notwendigen tatsächlichen Aufwendungen, 

die der Steuerpflichtige nachweisen kann. Nicht abzugsfähig sind 

demgegenüber gemäss Art. 37 lit. b StG bzw. Art. 34 lit. b DBG die 

Ausbildungskosten. Umschulungskosten gelten dann nicht als 

Ausbildungskosten, wenn der Steuerpflichtige durch äussere Umstände zur 

Umschulung veranlasst wird. So bestimmt etwa Art. 13 der 

Vollziehungsverordnung zum StG (VVzStG), dass die Umschulung, der sich 

der Steuerpflichtige infolge veränderter Wirtschaftslage oder Invalidität 

unterziehen muss, als Weiterbildung gilt. 

b) Weiterbildungskosten sind praxisgemäss dann zum Abzug zuzulassen, wenn 

sie mit dem gegenwärtig ausgeübten Beruf in engem Sachzusammenhang 

stehen. Abziehbar sollen also nur solche Unkosten sein, die im Rahmen des 

bereits erlernten und ausgeübten Berufs anfallen, nicht abziehbar sind 

indessen Ausbildungskosten für die erstmalige Aufnahme einer 

Berufstätigkeit oder eines neuen Zusatzberufes (BGE 113 Ib 114, E.2a, S. 

117). Der unmittelbare ursächliche Zusammenhang mit dem ausgeübten 

Beruf besteht dann, wenn sich die Weiterbildung auf Kenntnisse bezieht, die 

bei der Berufsausübung erforderlich sind. Dazu gehören nicht nur 

Anstrengungen, um den Stand bereits erworbener Fähigkeiten zu erhalten, 

sondern vor allem auch der Erwerb verbesserter Kenntnisse (z.B. erweiterte 

Informatikkenntnisse, vertiefende Sprachkenntnisse) für die Ausübung des 

gleichen Berufes (vgl. AGVE 1999, S. 411).

c) E contrario gelten Auslagen für eine Fortbildung, die zum Aufstieg in eine 

eindeutig vom bisherigen Beruf zu unterscheidende höhere Berufsstellung 

(Aufstiegskosten) oder zum Umstieg in einen andern Beruf dienen oder gar 

nur aus Gründen der Liebhaberei, Freizeitgestaltung, Unterhaltung oder der 

Allgemeinbildung dienen, nicht als Weiterbildungskosten und sind 

entsprechend nicht steuerlich absetzbar. Das Gesagte gilt auch, wenn eine 

Ausbildung neben einem bereits ausgeübten Beruf im Hinblick auf einen 

späteren Berufswechsel absolviert wird (vgl. BGE 113 Ib 117; BGE 

2A.277/2003 publiziert in STR 2004, S. 295 f. und in AJP/PJA 2005, S. 224 

ff.; VGU A 04 32). Unter Ausbildung wird daher die Erlernung eines Berufes 

oder die Umstellung bzw. die Umschulung auf einen anderen Beruf 

verstanden. Ausbildung liegt somit - abgesehen von der Vorbereitung auf 

einen Erstberuf - immer dann vor, wenn eine Berufstätige einen eigentlichen 

Berufswechsel vollzieht oder einen Zweitberuf erlernt.

d) Weil einem Aufstieg im angestammten Beruf regelmässig auch  

Weiterbildungscharakter zukommt, ist die Abgrenzung zwischen Ausbildung 

und Weiterbildung im Einzelfall schwierig (vgl. die in der Zeitschrift für 

Internationales und Schweizerisches Steuerrecht [zsis] vom 30. Juni 2004 

anhand neuerer Entwicklungen in der Rechtsprechung vorgenommene 

Abgrenzung von Aus- und Weiterbildung). Ausschlaggebendes Kriterium für 

die Abgrenzung zwischen Berufsaufstiegs- und Ausbildungskosten ist in der 

Praxis die Frage, ob die Steuerpflichtige mit der Ausbildung eine berufliche 

Veränderung anstrebt, bei der sie immer noch zur Hauptsache die 

ursprünglich erworbenen Kenntnisse einsetzen kann, oder ob die 

Veränderung dazu führt, dass sie anschliessend hauptsächlich die neu 

erworbenen Kenntnisse benötigt. Beabsichtigt eine Steuerpflichtige, in einen 

Beruf zu wechseln, der mehrheitlich die neuerworbenen Kenntnisse und nicht 

resp. nur zu einem Teil die bisherige Ausbildung voraussetzt, so handelt es 

sich nicht um Weiterbildungs- sondern um Ausbildungskosten. Stellen die neu 

erworbenen Kenntnisse demgegenüber lediglich eine Ergänzung und 

Erweiterung der bisherigen Kenntnisse dar, ist von einer Weiterbildung 

auszugehen. Ein Indiz für die Abgrenzung kann in der Dauer der besuchten 

Fortbildung liegen. 

e) Für die Anerkennung von Weiterbildungskosten wird somit verlangt, dass eine 

besonders enge Beziehung zwischen der Art, dem Grund und dem Zweck 

dieser Auslagen zur bisherigen Berufsausübung nachgewiesen wird und die 

Natur der bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit dadurch nicht grundlegend 

verändert wird (ASA 58 [Nr. 6-7/1990] S. 308 ff; StE 1999, B 22.3, Nr. 68). 

Treffen die oben umschriebenen Voraussetzungen nicht zu, sind die 

entsprechenden Kosten steuerlich als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten 

zu qualifizieren.

3. Im Lichte des oben Ausgeführten ergibt sich nun ohne weiteres, dass die von 

der Rekurrentin geltend gemachten Kosten steuerrechtlich als nicht 

abzugsfähige Ausbildungskosten zu qualifizieren sind. Die Rekurrentin 

arbeitete bis zum 1. April 2003 bei einer kantonalen Anstalt als kaufmännische 

Angestellte. Per 10. April 2003 nahm sie beim Zentrum für berufliche 

Weiterbildung, St. Gallen, eine zwei Jahre dauernde vollzeitliche Ausbildung 

zur diplomierten Technikerin HF, Fachrichtung Informatik, auf. Der Stunden- 

resp. Lektionenplan zeigt, dass lediglich die allgemeinen Fächer mit Sprachen 

und Rechnungswesen mit dem bisherigen Beruf als kaufmännische 

Angestellte im Zusammenhang stehen. Hingegen zielen sämtliche übrigen 

Fächer, nämlich jene der technischen Grundlagen, der Fachausbildung, der 

Prozessortechnik, der Steuerungstechnik/Automation und der Business 

Informatik ganz klar in eine andere, von der bisherigen Berufstätigkeit 

abweichende Richtung. Die Lektionen der zuletzt genannten Fächer machen 

mehr als 80 % der gesamten Ausbildung aus. Wie die Vorinstanz zu Recht 

geltend macht, ist damit unschwer erkennbar, dass nicht von einem engen 

Sachzusammenhang zwischen diesem Lehrgang und dem ursprünglichen 

Beruf als kaufmännische Angestellte gesprochen werden kann. Weder die Art, 

noch der Grund und der Zweck der Auslagen stehen im Zusammenhang mit 

ihrer bisherigen Tätigkeit. Durch den Lehrgang, der nicht weniger als zwei 

Jahre dauert, eröffnet sich der Rekurrentin ein völlig neues Berufsfeld, das mit 

dem ursprünglichen kaum mehr etwas zu tun hat. Da die Ausbildung 

ausschliesslich auf Freiwilligkeit beruht, kann auch von einer Umschulung, 

deren Kosten abzugsberechtigt wären, nicht gesprochen werden. 

Steuerrechtlich unerheblich ist schliesslich, dass das Bundesamt für 

Berufsbildung die fragliche Ausbildung als Weiterbildung bezeichnet. Je nach 

vorher ausgeübter Tätigkeit kann der Lehrgang eine Weiterbildung oder eine 

Ausbildung sein. Für die Rekurrentin trifft nach dem Gesagten Letzteres zu. 

Rekurs und Beschwerde sind daher abzuweisen.

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der Rekurrentin. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Beschwerde wird abgewiesen.

3. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 126.--

zusammen Fr. 1'626.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.