# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a0a040ff-044f-5d57-b220-e3a94ef11bc1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-22
**Language:** de
**Title:** Rückwirkend abgestufte Rente, Gutachten sind beweiswertig, Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2020.00748
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00748.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00748
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiberin Lienhard
Urteil
vom
22. Juli 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Kurt Pfau
Stadthausstrasse 12, Postfach 2197, 8401 Winterthur
dieser substituiert durch Rechtsanwalt Peter Egli
Stadthausstrasse 12, Postfach 2197, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1975, war zuletzt als Produktionsmitarbeiterin bei der
Y.___
AG tätig (Urk. 6/18). Am 17. März 2015 (Urk. 6/7) meldete sie sich wegen Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung an. Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und holte
bei der
Z.___
ein polydisziplinäres
Gutachten ein, das am 7. Juni 201
6 erstattet wurde (Urk. 6/45). Mit Schreiben
vom 27. September 2016 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine Schaden
minderungspflicht in Form einer stationären psychosomatischen Rehabilitations
behandlung (Urk. 6/47). Am 9. November 2016 nahm ein Gutachter der
Z.___
ergänzend Stellung (Urk. 6/55).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/63-64; Urk. 6/67; Urk. 6/73; Urk. 6/81
; Urk. 6/111-112; Urk. 6/119
), in dessen Rahmen die IV-Stelle ein
weiteres polydisziplinäres Gutachten einholte (Urk. 6/106; Gutachten des
A.___
vom 9. Juli 2019), sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung
en
vom 23. September 2020 eine von November 2015 bis Juni 2018 befristete halbe Rente und
ab Oktober 2019
eine
Viertelsrente
zu (Urk. 6/126; Urk. 6/153; Urk. 6/146
= Urk. 2
/1-2
).
2.
Am 26. Oktober 2020 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügungen vom 23. September 2020 (Urk. 2
/1-2
) und beantragte deren Aufhebung, die
Zu
sprache
einer ganzen Rente sowie die Veranlassung eines
bidisziplinären
Ober
gut
achtens (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Dezember 2020 (Urk. 5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwerdeführerin am 14. Dezember 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 7). Am 12. April 2021
fand die von der Beschwerdeführ
erin beantragte öffentliche Hauptverhand
lung statt (vgl. Protokoll S. 3-5).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der ge
richtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E.
2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegenständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Verfü
gun
gen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bun
des
gerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a der Verordnung über die Inva
li
den
versicherung, IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fern
er kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heits
zustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr
eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April
2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2/1-2) wie folgt: Gestützt auf die medizinischen Unterlagen sei davon auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin seit November 2014 nicht mehr zumutbar sei. Eine körperlich leichte Tätigkeit sei unter gewissen Bedin
gungen ab 16. Februar 2015 zu 50 % zumutbar gewesen. Somit habe die Be
schwerdeführerin nach Ablauf des gesetzlichen Wartejahrs Anspruch auf eine halbe Rente. Ab 22. März 2018 habe eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit bestanden, weshalb die Rente bis Ende Juni 2018 befristet werde. Ab
Oktober 2019 sei ein Pensum von 65 % in einer angepassten Tätigkeit zumutbar, womit die Beschwerdeführerin ab Oktober 2019 Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe (Verfügungsteil 2).
In ihrer anlässlich der Verhandlung vom 12. April 2021 vorgetragenen Duplik (vgl. S. 3-5 des Protokolls)
hielt die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen fest, es habe nach Austritt der Beschwerdeführerin aus der stationären psychiatrischen Behandlung eine leichte Symptomatik bestanden, womit nach Erfüllung der Schadenminderungspflicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 % angepasst und kein Anlass für Integrationsmassnahmen bestanden habe. Das zweite Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, weil das erste aus dem Jahr 2016 nichts über die Jahre 2017 bis 2019 enthalten haben könne. Die Beschwerdeführerin könne sich jeder
zeit für Integrationsmassnahmen melden (S. 4).
2.2
Dem hielt
die Beschwerdeführerin im Wesentlichen entgegen (Urk. 1), im
Z.___
-Gutachten sei ihr in der angestammten und in angepassten Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden, wobei man sich erhofft habe, mit entspre
chenden medizinischen und beruflichen Massnahmen die Arbeitsfähigkeit steigern
zu können. Leider hätten die medizinischen Massnahmen nicht die erhoffte Bes
serung erbracht, und die Beschwerdegegnerin habe die Empfehlungen betreffend berufliche Massnahmen ignoriert (S. 5). Dementsprechend habe sie ab November
2015 bis zum erneuten Gutachtenszeitpunkt Anspruch auf eine ganze Rente (S. 6)
. Auf das
A.___
-Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen nicht abgestellt
werden (S. 6 ff.), so habe der orthopädische Gutachter zwar eine bildgebend aus
gewiesene Verschlechterung bestätigt, gehe aber dennoch davon aus, dass sich der Gesundheitszustand seit dem ersten Gutachten nicht wesentlich verändert habe (S. 6 unten f.). Der psychiatrische Gutachter habe nicht plausibel erklärt, weshalb er von einer Arbeitsfähigkeit von
80 % ausgehe (S. 7). Weiter sei in der
Konsensbeurteilung festgehalten worden, dass sich die Arbeitsunfähigkeit von 20
%
aus orthopädischer und von 20 % aus psychiatrischer Sicht addiere, weshalb eine Gesamtarbeitsunfähigkeit von 40 % und nicht wie im Gutachten angeführt 35 % resultiere (S. 8). Es sei auf das Gutachten der
Z.___
abzustellen (S. 9).
In ihrer anlässlich der Verhandlung vom 12.
April 2021 vorgetragenen Replik (Urk. 11) machte die Beschwerdeführerin zusätzlich insbesondere geltend, es seien Massnahmen zur sozialberuflichen Integration einzuleiten (S. 4 unten).
In ihrer Triplik (vgl. S. 4 des Protokolls) wiederholte sie im Wesentlichen ihre bisherigen Angaben.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr. med.
B.___
, Oberarzt am
Spital C.___
, stellte mit Bericht vom 3. März 2015 (Urk. 6/8/4-6) zuhanden der Taggeldversicherung fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
begleitend muskuläre
Dysbalance
-
bilaterale Facetten-Arthrose LWK 4/5
-
Facettengelenksinfiltration am 16. Januar 2015
-
70 % Schmerzreduktion
Aufgrund der
Spondylarthrose
seien Überkopfarbeiten zu vermeiden und ebenso wiederholtes Bücken und Heben von Lasten körperfern von Gewichten von maxi
mal 15 kg. Weiter sollten Zwangshaltungen und Kauern vermieden werden. Wechselbelastende Tätigkeiten oder Tätigkeiten im Sitzen, bei denen der Be
schwerdeführerin genügend Zeit gelassen werde, um gelegentlich aufzustehen, seien per se rückenschonend und gut vorstellbar. Eine solche Tätigkeit sei in vollem Umfang bis zu 8 Stunden täglich zumutbar und könne nach Abschluss der medizinischen Trainingstherapie, die drei Monate dauern solle, aufgenommen werden (S. 2). Die Beschwerdeführerin sei vom 13. bis 25. J
anuar 2015
zu 100 % und vom
26. Januar bis 15. Februar 2015
zu 30 % arbeitsunfähig
(S. 3)
.
3.2
In einem weiteren Bericht vom 18. Mai 2015 (Urk. 6/22/1-5) stellten die Ärzte des
Spitals C.___
folgende, hier gekürzt wiedergegebene, Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
arterielle Hypertonie
-
depressive Episode
Grundsätzlich sei eine stationäre Rehabilitation empfohlen, die Kostengutsprache sei jedoch abgelehnt worden (Ziff. 1.5). In der angestammten Tätigkeit in der
Storenmontage
sei die Beschwerdeführerin von Januar bis Mai 2015 zwischen 100 und 50 % arbeitsunfähig gewesen (Ziff. 1.6). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (Ziff. 1.7). Im Anschluss an eine stationäre Reha
bili
tation sollte eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit möglich sein (Ziff. 1.8).
3.3
Vom 22. Juni bis 6. Juli 2015 war die Beschwerdeführerin zur multimodalen Kom
plextherapie hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 7. Juli 2015 (Urk. 6/27/11-15)
stellten die Ärzte des
Spitals C.___
folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches,
myofaszial
geprägtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
-
ausgeprägte muskuläre
Dysbalance
gluteal
beidseits
-
bilaterale Facettengelenksarthrose L4/L5 beidseits, Spinalkanalstenose L4/L5 (asymptomatisch)
-
Status nach Facettengelenksinfiltration am 16. Januar 2015 mit 70%iger Schmerzreduktion
-
Status nach Facettengelenksinfiltration am 24. April 2015 mit nur dis
kreter Schmerzlinderung
-
Differentialdiagnostisch (DD) zusätzlich ISG-Dysfunktion bei mögli
c
her Beckenringinstabilität (fokales Knochenmarksödem am infe
rioren/
anterioren
ISG links)
-
anamnestisch keine Hinweise für
inflammatorische
Schmerz
kom
po
nente
-
fear
avoidance
, Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung
-
arterielle Hypertonie
-
depressives Zustandsbild
Von 22. Juni bis 21. Juli 2015 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von
100 %. Für wechselbelastende Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vom 22. bis 24. Juli 2015 (S. 3).
Im Verlaufsbericht vom 14. August 2015 (Urk. 6727/17-18) wurde festgehalten, dass subjektiv durch den stationären Aufenthalt keine Verbesserung der Schmerz
symptomatik aufgetreten sei (S. 1). Es bestehe weiterhin ein chronisch
myo
fas
zialgeprägtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits ohne Hinweise für eine
radikuläre
Reizsymptomatik oder
Claudicatiospinalissymptomatik
. Weiterhin bestehe eine
fear
avoidance
mit Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung. Ab dem 17. August bis 30. September 2015 sei eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte wechselbelastende Tätigkeiten attestiert (S. 2).
3.4
Mit Bericht vom 18. September 2015 (Urk. 6/29/8-9) diagnostizierte Dr.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11)
,
und eine Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0; S. 1). Die Beschwer
deführerin stehe seit
dem
8. Juni 2015 bei ihm in Behandlung (S. 1). Bereits im März 2013 habe die Beschwerdeführerin über
eine
depressive Stimmungslage,
Angst und Spannungszustände geklagt. Durch eine konsequente Behandlung seien
die Symptome deutlich rückläufig gewesen. Im Rahmen einer somatischen Erkran
kung sei es im November 2014 zu einem Rückfall der Depression gekommen. Aktuell fänden Gesprächstermine einmal pro Woche statt. Die Psychophar
ma
ko
therapie werde ausgebaut (S. 2).
3.5
Dr.
E.___
, Facharzt für Neurochirurgie, diagnostizierte mit Bericht
vom 18. November
2015 (Urk. 6/30/7-8)
eine chronische Lumbago,
Spondylar
thro
sen
L4/5 mit
Bandscheibenprotrusion
und
Recessus
lateralis
-Stenosen, eine
Spon
dylolisthese
Grad I L4/5 und eine chronische Depression (S. 1).
Es sei eine weiter
führende konservative Therapie zu empfehlen. Bei den Angaben der Pati
entin über den Effekt der Infiltrationen sei es nicht sinnvoll, diese zu wiederholen. Eine operative Indikation bestehe
zur Zeit
nicht (S. 2).
3.6
Die Gutachterin und die Gutachter der
Z.___
stellten in ihrem am 7. September 2016 (Urk. 6/45) nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, psychiatrischen und rheumatologischen Untersuchung erstatteten Gutachten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 5.1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
mittelgradige Depression bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10 F33.0)
-
mit Somatisierung
-
unter Medikation mit
Venlafaxin
in Remission begriffen
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom beidseits, linksbetont
, mit und bei
-
Wirbelsäulenfehlhaltung/Haltungsinsuffizienz bei
Dekonditionierung
-
Schon- und
Meideverhalten
bei «
fear
avoidance
»
-
bilaterale Facettengelenksarthrose
L4/5 beidseits, Spinalkanalstenose L4/5
-
Status nach Facettengelenksinfiltrationen ohne anhaltende Schmerz
reduktion
-
DD zusätzlich ISG-Dysfunktion bei möglicher Beckenringinstabilität (fokales Knochenmarksödem am inferioren-
anterioren
ISG links)
-
anamnestisch kein Hinweis für
inflammatorische
Schmerzkomponente
-
Status nach ISG-Infiltration ohne Effekt
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 5.2):
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73)
-
arterielle Hypertonie
-
Vitamin D-Insuffizienz
-
Nikotinabusus
-
Status nach
Cholezystektomie
2003
Aus polydisziplinärer Sicht stellten die Gutachterin und die Gutachter fest, dass die von der Explorandin
g
eklagten lumbalen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung
in das Gesäss und das linke Bein, welche seit längerer Zeit vorhanden und seit 20
14
exazerbiert
seien, durch ein chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyn
drom beidseits erklärt werden könnten. In der klinischen Untersuchung hätten sich deutliche Zeichen einer
myofaszialen
Symptomatik mit Bewegungsein
schrän
kungen im Bereich der Wirbelsäule sowie schmerzhaften Muskelpalpationen, je
doch keine
neuromeningealen
Reizerscheinungen gezeigt. Radiologisch könnten eine Spinalkanalstenose L4/5 sowie Facettengelenks-Arthrosen L4/5 beidseits festgestellt werden, die Beschwerden hätten somit ein organisches Korrelat. Es fänden sich aber auch Inkonsistenzen in der klinischen Untersuchung. So habe zum Beispiel das Schonhinken links beim Gang ins Untersuchungszimmer thea
tralisch gewirkt und auch nicht zu den Befunden in der gezielten orthopädischen Untersuchung gepasst, in der der
Einbeinstand
gut möglich gewesen sei.
Auch bestehe eine Diskrepanz zwischen den von der Explorandin
g
eklagten massiven Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und den nur mässig ausgeprägten organi
schen Befunden, so dass der organische Kern der Symptomatik durch eine Schmerzverarbeitungsstörung überlagert sein dürfte (S. 10 unten f.).
Aufgrund der Schmerzschilderung in der psychiatrischen Untersuchung mit an
hal
tenden therapieresistenten ausgeprägten, subjektiv unbeeinflussbaren Schmer
zen,
der theatralischen Schmerzdarbietung, des Schonverhaltens mit inkonsi
sten
ter Selbstlimitierung sowie des durch hypochondrische Befürchtungen geprägten Denkens könne
psychiatrischerseits
eine solche chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakturen bestätigt werden. Diese Schmerzstörung wirke sich führend auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus, welche durch eine mittelgradige Depression als
komorbide
Störung zusätzlich vermindert sei. Gesamthaft liessen sich in der psychiatrischen Untersuchung zwei der Haupt- und drei der Zusatzsymptome zur Diagnose einer Depression objektivieren. Unter der Psychotherapie in Verbindung mit
Venlafaxin
habe sich der Zustand zwar ver
bessert, die depressive Episode sei somit in Remission begriffen, aber noch nicht remittiert. Die Depression sei weiterhin mittelgradig ausgeprägt (S. 11).
Wegen des chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms bei nachweis
baren radiologischen Befunden bestehe eine verminderte Belastbarkeit der Wirbel
säule für Tätigkeiten mit der Notwendigkeit des Hebens und Tragens von schweren Lasten sowie für Arbeiten in wirbelsäulenbelastenden Zwangspo
si
tionen ohne Möglichkeit zu regelmässigen Positionswechseln sowie für Arbeiten mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien und Arbeiten im Überkopfbereich. Aufgrund der durch die psychiatrischen Störungen bestehenden gedanklichen Einengungen und Krankheitsüberzeugungen, ihrer Ängstlichkeit, Affektlabilität und ihres Schmerzerlebens sei die Beschwerdeführerin in ihrer Flexibilität und Umstellungsfähigkeit und in ihrer Durchhaltefähigkeit deutlich, in ihrer Kon
taktfähigkeit zu Dritten und in Gruppen und in ihrer Selbstbehauptungsfähigkeit leicht eingeschränkt.
Als Belastungsfaktoren seien die wirtschaftlichen und finanziellen Konsequenzen infolge des Arbeitsplatzverlustes zu nennen. Aufgrund des organischen Krank
heitskonzeptes scheine die Beschwerdeführerin aktuell nur über geringe Res
sourcen zur Erkennung einer psychischen Mitbeteiligung an den Beschwerden zu verfügen. Es liessen sich weiter zwanghafte und ängstlich-vermeidende Züge erkennen. Diese seien aber nicht so stark ausgeprägt, dass eine Persönlich
keits
störung diagnostiziert werden könnte. Es resultierten aber Defizite im Selbstwert, der Durchsetzungsfähigkeit und dem angemessenen Umgang mit eigenen Bedürf
nissen und Grenzen. Es resultiere eine ängstliche Verstärkung somatischer Be
schwerdepräsentationen mit depressiver Verarbeitung (S. 11).
Zur Konsistenz wurde festgehalten, dass Aktenlage und Anamnese konsistent geschildert würden. In allen Untersuchungen würden dieselben Beschwerden ge
schildert. Die Beschwerdeschilderung und die Darbietung sowie die Darstellung des Alltags erschienen zumindest in Teilen inkonsistent. So erwähne die Be
schwerdeführerin
in der internistischen Untersuchung, dass sie im Haushalt höchstens die leichten Tätigkeiten durchführen könne, in der orthopädischen Untersuchung jedoch, dass sie den ganzen Haushalt erledigen würde. Auch be
stünden gewisse Diskrepanzen zwischen ihrem Tagesablauf und den geschil
derten Beschwerden. Diese diskrepante Schilderung beruhe aber nicht auf einer bewusst
seinsnahen Aggravation, sondern entspreche dem authentisch vorgetragenen Selbsterleben, weshalb diese Diskrepanzen Eingang in die psychiatrischen Dia
gnosen fänden (S. 12 oben).
Die angestammte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar, dies aufgrund der Exazer
bation der Rückenschmerzen im November 2014. Gegenwärtig bestehe aufgrund der Krankheitsüberzeugung, einhergehend mit Selbstlimitierung, aufgrund der chronischen Schmerzstörung und der mittelgradigen Depression auch in einer an
gepassten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit. Rein theoretisch sei aber nach Durchführung von medizinischen Massnahmen eine 50%ige Präsenzfähigkeit und Leistungsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit möglich. Es werde empfohlen, diese medizinischen Massnahmen durchzuführen und danach eine schrittweise Wiedereingliederung in den freien Arbeitsmarkt anzustreben. Sinn
voll wäre eine erneute Begutachtung in etwa 2 Jahren nach erfolgter Reinte
gra
tion. Aus rheumatologischer Sicht seien körperlich leichte bis gelegentlich auch mittelschwer belastende Tätigkeiten
zumutbar
, die mit der Möglichkeit zu kör
perlichen Wechselpositionen verbunden sein sollten. Ungünstig sei eine Gehbe
lastung für grössere Strecken oder in unebenem Gelände. Ausserdem sollte Treppensteigen vermieden werden. Eine solche Tätigkeit wäre theoretisch aus rheumatologischer Sicht in einem 80 bis 100%igem Pensum möglich. Aus psy
chiatrischer Sicht wären Tätigkeiten ohne Zeit- und Leistungsdruck und in begrenzter Anforderung an Konzentration und Aufmerksamkeit mit einem ge
wissen Spielraum an eigener Pausengestaltung zumutbar.
Dies schliesslich in einem 50 %-Pensum wegen der noch vorhandenen Depression. Da es sich bei dieser Erkrankung um eine gut behandelbare handelt, dürfe aber unter Weiter
führung der Therapie mit einer weiteren Verbesserung gerech
net werden (S. 13).
Zur Erreichung
der theoretischen 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit sollte zunächst eine psychosomatische Rehabilitationsbehandlung durch
geführt werden. Anschliessend sei eine schrittweise niederschwellige beruf
liche Integration im Sinne eines Arbeitstrainings indiziert, welches über
einen aus
reichend langen Zeitraum in Folgen und durch verhaltenstherapeutische Mass
nahmen begleitet werden sollte. Unter einer solchen Therapie sollte die Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit doch recht günstig sein, da die Störung erst seit knapp zwei Jahren bestehe. Eine komplette
Chronifizierung
sei also noch nicht einge
treten (S. 14).
3.7
Dipl. med
. F.___
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 26. September 2016 (Urk. 6/61/7) zum
Z.___
-Gutachten fest, das psychiatrische Teilgutachten sei nur teilweise nachvollziehbar und in sich nicht plausibel. Die Psychiaterin dia
gnos
tiziere eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren. Da Schmerzen bestünden, sei dies nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin habe jedoch eine deutlich übertriebene Symptompräsentation und eine ausge
prägte Selbstlimitierung gezeigt, im Sinne einer subjektiven Invaliditäts
über
zeu
gung. Die Gutachterin attestiere aufgrund der subjektiven Krankheits
über
zeu
gung eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, was weder mit objektiven Befunden begründet noch nachvollziehbar sei.
Zudem bestünden erhebliche Inkonsistenzen, so werde zum Beispiel der Schmerz auf der visuellen Analogskala mit 8 bis 10 angegeben, was
sehr starken bis vernichtenden Schmerz bedeute, dennoch werde die Libido als erhalten und der Geschlechtsverkehr als mit geringen Einschrän
kungen möglich beschrieben. Auch fänden sich keine Hinweise für eine de
pres
sive Symptomatik, dennoch werde eine depressive Störung, wenn auch remittiert, angenommen. Hier sei eher eine depressive Auslenkung im Rahmen der Schmerz
störung zu diskutieren. Der Psychiaterin könne jedoch gefolgt werden, dass nicht alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft seien. Somit sei dringend eine psychosomatische Rehabilitationsbehandlung zu fordern.
3.8
Ergänzend hielt der rheumatologische Gutachter der
Z.___
am 9. November 2016 (Urk. 6/55) fest,
es sei ab November 2014 aus somatischen Gründen zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gekommen. Ein Arbeitsversuch vom 26. Januar bis 15. Februar 2015 in der angestammten Tätigkeit sei gescheitert. Die Beschwer
deführerin sei seit dem 15. Februar 2015 nur noch in leidensangepassten Tätig
keiten arbeitsfähig (S. 1), dies zu 50 %, medizinisch-theoretisch aufbaufähig bis zu einem Pensum von 80 bis 100 % (S. 2).
3.9
Die Ärzte der Klinik
G.___
führten mit der Beschwerdeführerin ein diagnostisches
Abklärungsgespräch durch und stellten mit Bericht vom 27.
Januar
2017 (Urk.
6/58
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
depressive Störung, gegenwärtig leicht (ICD-10 F.32)
-
Verdacht auf generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
Symptomerhaltend wirkten dysfunktionale Bewältigungsstrategien sowie eine angespannte finanzielle Situation. Die Klinik baue ihr Behandlungskonzept auf den drei Pfeilern Entspannung, Bewegung und psychotherapeutische Gespräche auf. Die Beschwerdeführerin berichte, dass aktivierende und entspannende Mass
nahmen in der Vergangenheit keine Erleichterung erbracht, sondern die Schmerz
symptomatik eher verschlimmert hätten. Auf Basis ihrer eingeschränkten verba
len Ausdrucksmöglichkeiten in der deutschen Sprache erwarte man mässige psy
chotherapeutische Einflussmöglichkeiten. Das Angebot der Klinik entspreche nich
t den Bedürfnissen der Beschwerdeführerin. Als Alternative sei eine Schmerz
klinik mit Spezialisierung in
muskuloskelettaler
Rehabilitation zu empfehlen (S. 2).
3.10
Dr.
D.___
stellte mit Bericht vom 7. September 2017 (Urk. 6/80) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
Es sei aufgrund der eingeschränkten verbalen Ausdrucksmöglichkeiten nicht zum Eintritt in die Klinik
G.___
gekommen. Es sei ein Eintritt in die Klinik
H.___
,
Psychiatrie I.___
, geplant (S. 1). Aktuell betrage der Ab
stand zwischen den Gesprächsterminen etwa 3 Wochen (S. 2).
3.11
Die stationäre Behandlung in der Klinik
H.___
fand vom 23. Februar bis 22.
März
2018 statt. Mit Austrittsbericht vom 28.
März
2018 (Urk. 6/91/4-7) stellten die Fachpersonen folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
selbstunsicher-vermeidende und abhängige Persönlichkeitsakzentuierung
-
flache
Protrusion
L3-S1, mittelschwere Facettenarthrose L4/L5 beidseits
-
mittelschwere zentrale Spinalkanalstenose L4/L5
und
Recessus
lateralis
, Stenosen L5 beidseits mit entsprechend Beeinträchtigung der L5-Nerven
wurzeln
Es handle sich bei der Beschwerdeführerin um eine sympathische, aufgestellte Frau mit guter familiärer Einbettung (S. 1). Bei Eintritt habe sich testdiagnostisch eine leichte depressive Symptomatik und bei Austritt eine unauffällige Sympto
matik gezeigt. Medikamentös sei eine Reduktion des Antidepressivums nicht möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin dies abgelehnt habe. Die Dosis des Schmerzmittels
Novalgin
habe aber halbiert werden können. Die Beschwerde
führerin verfüge über eingeschränkte kognitive Fähigkeiten, geringe
Coping
stra
tegien
und eine verminderte Reflexions- und Introspektionsfähigkeit. Es bestün
den geringe therapeutische Einflussmöglichkeiten, da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei, sich therapeutisch mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zusammenfassend lasse sich eine rezidivierende depressive Störung mit struk
turellen Defiziten erkennen. Es werde zudem ein deutlicher Krankheitsgewinn vermutet (S. 2).
3.12
Dr.
D.___
stellte in seinem Bericht vom 22. November 2018 (Urk. 6/97) folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
selbstunsicher-vermeidende und abhängige Persönlichkeitsakzentuierung
Die angestammte Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit wäre höchstens bis 50 % zumutbar (Ziff. 2.1).
Gesprächstermine fänden alle zwei Wochen statt. Die Beschwerdeführerin sei nicht eingliederungsfähig, da ihr Zustand nach wie vor instabil
sei
. In geschütztem Rahmen fühle sie sich unter
stützt. Auf dem ersten Arbeitsmarkt würde sie schnell unter Leistungsdruck kom
men, was ihre Gesundheitssituation verschlechtern würde (Ziff. 4.2).
3.13
Die Gutachterinnen und Gutachter des
A.___
stellten in ihrem am 9. Juli 2019 nach Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung erstatte
ten Gutachten (Urk. 6/106) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (letzte Tätigkeit; S. 8 Ziff. 4.2):
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits, linksbetont, mit links
konvexer Wirbelsäulen-Fehlhaltung ohne Hinweis auf
radikuläre
Defizit-Symptomatik
-
leichte depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.0) unter Medikation mit
Venlafaxin
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.42)
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit; S. 8 Ziff. 4.2):
-
Persönlichkeitsakzentuierung
mit ängstlich-vermeidenden Persönlich
keits
zügen
-
arterielle Hypertonie
-
Vitamin D - Insuffizienz
-
Nikotinabusus
-
Status nach
Cholezystektomie
-
Adipositas, BMI 30 kg/m
2
Zu den funktionellen Auswirkungen wurde ausgeführt, dass a
us orthopädischer Sicht die degenerative Veränderung der Lendenwirbelsäule deutliche Beeinträch
tigungen auf die körperliche
Leistungsfähigkeit
verursache
. Insbesondere sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin aufgehoben, da die Be
schwerdeführerin nicht mehr in der Lage sei, ganztägige stehende oder gehende Tätigkeiten durchzuführen. Anderseits führten die chronischen Rückenschmerzen zu einer Verminderung der Produktivität und Schnelligkeit und damit zu einer Leistungsminderung in einem Ausmass von 20 %. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit ebenfalls um 20 % einge
schränkt. Es seien insbesondere die Fähigkeiten zur selbständigen und verant
wortungsvollen Planung und Durchführung von Tätigkeiten leicht beeinträchtigt, die Stresstoleranz sei leicht- bis mittelgradig und die Flexibilität und Um
stellungsfähigkeit seien ebenfalls mittelgradig beeinträchtigt (S. 8 unten). Zu den
Persönlichkeitsaspekten wurde festgehalten, dass die psychobiographischen Merk
male der Persönlichkeitsentwicklung, die besonderen Umstände während der Kindheit und die Art der Anpassungsfähigkeit den Verdacht auf eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit zuliessen. Die Merkmale erreichten jedoch nicht die Voraussetzung für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung. Darüber hinaus würden sich deutliche Merkmale für eine depressive
somatisierende
Verarbeitung von Belastungen bemerkbar machen (S. 9 oben).
Zu Belastungsfaktoren und Ressourcen hielten die Gutachterinnen fest, dass Tätigkeiten überwiegend bis ständig im Stehen oder Gehen als nicht zumutbar eingeschätzt würden. Jedoch seien körperlich leichte Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu 10 kg vorzugsweise im Sitzen mit der Möglichkeit zum
Haltungswechsel zumutbar. Tätigkeiten unter Zwangshaltung (ständige Vor
beuge
), Tätigkeiten unter dem Einfluss extremer Temperaturschwankungen wie Hitze, Kälte und Nässe sollten ebenfalls vermieden werden. Psychiatrisch seien die Res
sourcen und die Restfähigkeiten der Beschwerdeführerin begrenzt. Sie seien im Moment in ihrer stabilen familiären Umgebung, der gesunden Beziehung zu ihrem Ehemann und ihren Kindern zu sehen. Negativ seien die finanzielle Situa
tion, das Vorhandensein von Schulden und die Abhängigkeit von Drittpersonen, um den Alltag zu finanzieren. Aus gutachterlicher Sicht sei eine Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sinnvoll, um das
e
rreichte
The
ra
pieniveau zu halt
en.
Das Belastungsprofil sei psychiatrisch leicht bis mittel
schwer im Bereich der Flexibilität, der Umstellungs- und Entscheidungsfähigkeit und dem selbständigen Planen und Führen von Mitarbeitern beeinträchtigt (S. 9 Mitte).
Zur Konsistenz wurde ausgeführt, die dargestellten Einschränkungen des
Aktivi
tätenniveaus
, die Funktionseinschränkung mit leichter
Ventralisierung
des Kör
perschwerpunktes und die eingeschränkte Gehfähigkeit wiesen auf den Beginn einer
Claudicatio
spinalis
Symptomatik hin. Der Leidensdruck scheine indes nicht hoch zu sein, da aktuell keine Behandlungsstrategie erkennbar umgesetzt werde. Die durchgeführten Massagebehandlungen würden als nicht zielführend einge
schätzt. Psychiatrisch würden nach Aktenlage und Anamnese die Symptome kon
sistent geschildert. Es bestünden keine Verdeutlichungs- und Aggravations
ten
denzen (S. 9 unten).
In der bisherigen überwiegend bis ausschliesslich stehend ausgeübten Tätigkeit bestehe aufgrund der somatischen Diagnosen seit November 2014 keine Arbeits
fähigkeit mehr. In leidensangepassten Tätigkeiten habe ab dem
Z.___
-Gutachten vom September 2016 bis zur Entlassung aus der Klinik
H.___
eine Arbeits
fähigkeit von 50 % bestanden. Ab Entlassung im März 2018 bis heute bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Mit der heutigen Begutachtung führten jedoch Einschränkungen auf orthopädischem und psychiatrischem Gebiet von je 20 % zu einer Arbeitsfähigkeit von etwa 65 %. Die Teilarbeitsunfähigkeiten würden sich addieren. Orthopädisch würden derzeit keine weiteren konservativen Mass
nahmen empfohlen, da die bisherigen Therapien keine Linderung erbracht hätten. Mittelfristig sei wahrscheinlich eine lumbale Dekompression zu erwarten. Psy
chiatrisch seien aus heutiger Sicht alle den Leitlinien entsprechenden Therapien durchgeführt worden. Die Fortführung der Therapie helfe zur Stabilisierung der Gesundheit, aber nicht zu einer völligen Rückbildung der Symptome (S. 10).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht leidet die Beschwerdeführerin im Wesentlichen an einem
chronischen
lumbospon
dylogenen
Schmerzsyndrom, welches unbestrittener
massen
zu einer vollen Arbeits
un
fähigkeit in der hauptsächlich stehend ausge
führten angestammten Tätigkeit als
Storenmonteurin
(vgl. Urk. 6/18/6) führt
e
. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten ging Dr.
B.___
im März 2015 davon aus, dass wechselbelastende Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten, wiederholtes Bücken und Heben von Lasten körperfern von Gewichten über 15 kg, ohne Zwangshaltungen und Kauern und mit der Mög
lichkeit zum Sitzen und gelegentlich Aufstehen voll zumutbar seien
, dies nach Abschluss einer medizinischen Trainingstherapie (vgl. vorstehend E. 3.1).
S
eitens des
Spitals C.___
wurde sodann
im Mai 2015 festgehalten, das
s
eine behinde
rungs
an
gepasste Tätigkeit nicht möglich sei;
jedoch habe
zwischenzeitlich eine Arbeits
fä
higkeit von 50 % bestanden. Nach Abschluss einer stationären Rehabilitation wurde sogar eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erwartet
(vgl. vorstehend E. 3.2).
Nach Austritt aus der stationären Rehabilitation im
Spital C.___
bestand im Juli 2015 eine Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von zu
nächst 50 % und ab August 2015 von 100 %, wobei die Ärzte die Einschätzung bis September 2015 begrenzten (vgl. vorstehend E. 3.3). Dr.
E.___
äusserte sich im November 2015 nicht zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (vgl. vor
stehend E. 3.5). Ein Schon- und
Meideverhalten
wurde anlässlich der stationären Rehabilitation festgestellt (vgl. vorstehend E. 3.3) und im
Z.___
-Gutachten be
stä
tigt. Dieses wurde unter Berücksichtigung der massgeblichen Beweiskri
te
rien (vgl. vorstehend E. 1.6) erstattet, weshalb grundsätzlich darauf abgestellt wer
den kann. Zur somatischen Situation wurde die bisher gestellte Diagnose be
stätigt und ein organisches Korrelat für die Beschwerden festgestellt.
Dabei zeigten sich
erheb
liche Diskrepanzen.
So habe die Beschwerdeführerin ein theatralisches Schon
hinken gezeigt, welches nicht zu den Befunden in der gezielten Untersuchung gepasst habe, in der der
Einbeinstand
gut möglich gewesen sei. Es wurde eine Diskrepanz zwischen den von der Beschwerdeführerin
g
eklagten massiven Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit und den tatsächlich vorhandenen, mässig aus
geprägten Befunden festgestellt, und die Beschwerdeführerin habe einerseits be
richtet, im Haushalt bloss leichte Tätigkeiten durchführen zu können, gleichzeitig aber erwähnt, dass sie den ganzen Haushalt erledigen würde. Es vermag deshalb zu überzeugen, dass aus rein somatischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % in einer behinderungsangepassten Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 3.3) bezie
hungsweise ein Anfangspensum von 50 %, ausbaufähig auf 80 bis 100 %, ange
nommen wurde (vgl. vorstehend E. 3.8). Diese Einschätzung wurde im
A.___
-Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.13), welches den praxisgemässen Anforderungen an eine medizinische Expertise (vgl. vorstehend E. 1.6) ebenfalls zu genügen ver
mag, geteilt und
aus rein orthopädischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit in behin
de
rungsangepassten Tätigkeiten von 80 % ab März 2018 - der Entlassung aus der
Klinik
H.___
, wo eine Behandlung der psychischen Beeinträchtigung ange
strebt wurde (vgl. vorstehend E. 3.11) - und im Gutachtenszeitpunkt angenom
men. Auch in dieser orthopädischen Begutachtung wurden Inkonsistenzen fest
gestellt. So wurde bei der Prüfung der Inklination ein Finger-Boden-Abstand von 36cm, im
Langsitz
jedoch ein Abstand von 15cm erreicht (Urk. 6/106/30 Mitte). Ausgeprägte
Verhornungen
an den Füssen zeugten von einer hohen Stand- und Gehaktivität, und der Barfussgang sei in der Untersuchung links deutlich hinkend präsentiert worden, jedoch sei das Gangbild beim Verlassen des Raumes und angezogen deutlich flüssiger gewesen. Weiter seien die differenzierten Gang- und
Standarten wie Zehenspitzen-/Fersengang beidseits unsicher demonstriert worden
, der
Einbeinstand
sei indes beidseitig demonstrierbar gewesen.
Unter Berücksich
tigung dieser Beobachtungen erhält die Beurteilung einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
aus somatischer Sicht in angepassten Tätigkeiten eine hohe Plausibilität. Im Übrigen trifft es zu, dass der orthopädische Fachgutachter bildgebend eine Ver
schlechterung feststellte. Er wies aber zu Recht darauf hin, das
s
sich der Ge
sundheitszustand klinisch seit dem Gutachten 2016 nicht wesentlich verändert hat und nicht Bildbefunde zur Diagnose erhoben werden, sondern das klinische Erscheinungsbild mit den Funktionseinschränkungen, Ausfällen und Abweichun
gen von Normalbefunden über die Arbeitsfähigkeit entscheiden (vgl. Urk. 6/106/33
Mitte).
4.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht gilt das Fol
gende.
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen
)..
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
4.5
In psychischer Hinsicht wurde eine rezidivierende depressive Störung, im Schweregrad zwischen mittel- und leichtgradig ausgeprägt, sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, von Dr.
D.___
zusätzlich eine Panikstörung festgestellt (vgl. vorstehend E. 3.4, 3.6, 3.9-13).
Letztere wurde jedoch in der vertieften psychiatrischen Begutachtung nicht bestätigt (vgl. Urk. 6/45
/
37 Ziff. 6.3; Urk. 6/106/48 oben).
Die
Z.___
-Gutachterin erachtete die Schmerzstörung als führend für die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht, diese werde durch eine mittelgradige Depression zusätzlich vermindert.
Zu den Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 4.4) wurde Stellung genommen (vgl. vorstehend E. 3.6
sowie Urk.
6/45/37 ff.
), wobei die Gutachterin aufgrund der Krankheitsüberzeugung, eingehend mit Selbstlimitierung, aufgrund der chronischen Schmerzstörung und der mittelgradigen Depression auch in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeits
fähigkeit, rein theoretisch jedoch eine solche von 50 % nach psychosomatischer Rehabilitationsbehandlung annahm. Hierzu ist festzuhalten, dass die Prüfung der Funktionsstörungen lediglich in den Bereichen Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit sowie Durchhaltefähigkeit eine mittelgradige und ansonsten lediglich leichte bis keine Beeinträchtigungen ergab (vgl. Urk. 6/45/32 unten f.).
Die BDI-Testung ergab jedoch Werte einer mittelgradigen Depression (vgl. Urk. 6/45/33 Mitte). Die Beschwerdeschilderung und -darbietung sowie die Darstellung der Alltagsgestaltung erschienen in Teilen inkonsistent (vgl. Urk.6/45/38 oben). Dazu
führte
die Beschwerdeführerin
aus
, sie habe einen Enkelsohn, darüber freue sie sich und sei stolz. Der Sohn lebe noch zu Hause. Sie habe eine gute Nachbarschaft,
sei mit der Lage und dem Umfeld, in dem sie lebe, zufrieden, habe gute Kollegen. Im Haushalt bewältige sie das Kochen, wobei sie einen Stuhl in der Nähe behalte, und sie staube ab. Sie begleite Mann und Sohn beim Einkaufen (Urk. 6/45/31 oben). Sie habe viele Freundinnen und Bekannte und habe viel und oft Besuch, was ihr sehr helfe. Als Hobby gebe sie Lesen und Fernsehen an (Urk. 6/45/6).
Damit sind Ressourcen vorhanden. Als Komorbidität ist die somatische Diagnose zu nennen, deren Auswirkungen jedoch - wie anhand der Inkonsistenzen ersicht
lich ist - objektiv
geringgradig
sind.
Zur Erreichung der theoretischen Arbeitsfähigkeit von 50 % sei eine psy
choso
matische Rehabilitationsbehandlung nötig. Diese fand im Februar und März 2018 statt und zeigte einen sehr guten Erfolg, war doch bei Austritt eine unauffällige Symptomatik vorhanden (vgl. vorstehend E. 3.11). Unter Berücksichtigung des massgeblichen Indikators Konsistenz ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin nicht von einer vollen Arbeitsunfähigkeit,
wie im
Z.___
-Gutachten genannt,
sondern von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepassten Tätigkeiten ausging, denn eine gleichmässige Einschränkung in allen Lebens
bereichen kann nicht bejaht werden. Die gute Therapierbarkeit wurde bereits im
Z.___
-Gutachten bejaht (vgl. vorstehende E. 3.6) und zeigte sich bei der statio
nären Behandlung.
Dort wurde
zudem
ein deutlicher Krankheitsgewinn festge
stellt (vgl. vorstehend E. 3.11). Eine Arbeitsfähigkeit von 50 % wurde auch vom behandelnden Therapeuten bestätigt (vgl. vorstehend E. 3.12).
4.6
Bei der
A.___
-Begutachtung wurde in psychiatrischer Hinsicht nebst der chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren eine leichte depressive Episode mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt (vgl. vor
stehend E. 3.13), welche aus rein psychiatrischer Sicht zu einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % in angepassten Tätigkeiten führe, da die Fähigkeiten zur selbständigen und verantwortungsvollen Planung und Durchführung von Tätigkeiten leicht, die Stresstoleranz leicht- bis mittelgradig und die Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit mittelgradig beeinträchtigt seien, was einen geringen Schweregrad der Beeinträchtigung darstellt. Ressourcen seien begrenzt und in der stabilen familiä
ren Umgebung sowie der gesunden Beziehung zu Ehemann und Kindern
zu sehen. Negativ seien die finanzielle Situation. Die depressiven Symptome waren
nun
lediglich leicht ausgeprägt (vgl. Urk. 6/106/4
8), was im Vergleich zu der Beur
tei
lung von 2016 bei einer damals bestehenden mittelgradigen depressiven Episode die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von nun
mehr lediglich 20 % nachvollziehbar erklärt.
4.7
Zusammenfassend bestand somit nach Ablauf des Wartejahrs im November 2015 in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr. In angepassten Tätig
keiten bestand eine Arbeitsfähigkeit von 50 % aus psychischen Gründen. Diese hatte sich nach der Behandlung in der Klinik
H.___
im März 2018 so weit verbessert, dass bei Austritt eine unauffällige psychische Symptomatik bestand, was ab Juni 2018 zu berücksichtigen ist. Zu diesem Zeitpunkt war aus soma
ti
schen Gründen weiterhin von der im
Z.___
-Gutachten attestierten Arbeitsfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten im Umfang von 80 bis 100 % auszugehen. Ab der Be
gutachtung im
A.___
im Juli
2019
bestand eine Arbeitsunfähigkeit von je 20 % aus somatischer und psychiatrischer Sicht, welche zu addieren sei. Es ergibt sich somit eine Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von 60 und nicht 65 %.
Diese Verschlechterung war ab Oktober 2019 zu berücksichtigen.
Auf weitere Abklärungen kann in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu be
stimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.2
Die Beschwerdegegnerin ermittelte einen Invaliditätsgrad von 56 % für den Zeitraum von November 2015 bis März 2018 und von 30 % von April bis Juni 2018 (vgl. Urk. 2/1 Verfügungsteil 2
; Urk. 6/108/1), was von der
Beschwerde
füh
rer
in
grundsätzlich nicht bestritten wurde und nicht zu beanstanden ist. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60 % (vgl. vorstehend E. 4.7) ergibt sich ab Oktober 2019 ein Invaliditätsgrad von
47.4 %,
was jedoch, wie seitens der Beschwerdegegnerin gestützt auf den von ihr errechneten Invaliditätsgrad von 43 % verfügt (Urk. 2/2), ebenfalls in einem Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab 1. Oktober 2019 resultiert
.
5.3
Es trifft zu, dass seitens der Beschwerdegegnerin
Eingliederungsmassnahmen
nicht aktiv gefördert wurden. Jedoch hat auch die Beschwerdeführerin diese nicht
mit genügend Nachdruck verlangt, hat sie doch in erster Linie eine ganze Rente und erst bei wesentlich verbessertem Gesundheitszustand Eingliederungsmass
nahmen verlangt (vgl. Urk. 6/81). Seitens ihres behandelnden Psychiaters wurde eine Eingliederungsfähigkeit verneint (vgl. Urk. 6/94-96; Urk. 6/97 Ziff. 4.2). Einer Bemühung um Eingliederung steht jedoch nichts im Wege, denn auch
Ren
tenbezüger
innen
mit Eingliederungspotential sind nicht nur berechtigt, son
dern
auch verpflichtet, an zumutbaren Massnahmen aktiv teilzunehmen. Die Teilnah
m
e an den Wiedereingliederungsmassnahmen
ist
somit nicht in das Belieben der ren
tenbeziehenden Person gestellt.
Dabei wird d
ie subjektive Eingliederungs
fähig
keit, also die Bereitschaft zur Durchführung der Massnahmen, nicht voraus
ge
setzt, obwohl die Eingliederungswirksamkeit bei deren Vorhandensein zweifel
los grösser ist
(
BGE 145
V 2).
Die Beschwerdegegnerin hat denn auch Bereitschaft
für die Veranlassung entsprechender Massnahmen signalisiert (vgl. vorstehend E.
2.
1).
5.4
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 1’000.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1’000
.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein
werden der Kostenpflichtigen
nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Peter Egli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen
diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensLienhard