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**Case Identifier:** 825925fa-18db-5b1e-a0d9-968656a08311
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-17
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 17.11.2022 200 2022 530
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-530_2022-11-17.pdf

## Full Text

200 22 530 IV
JAP/SCC/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 17. November 2022

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch Fürsprecher B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 19. Juli 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1967 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
arbeitete vom 9. Juli 2018 bis 30. September 2020 als Mitarbeiterin des ... 
für die C.________ AG, ... (Akten der Invalidenversicherung [act. II] 13). 
Sie meldete sich am 24. Juni 2020 (fehlende Unterschrift; act. II 1) bzw. 1. 
Juli 2020 (act. II 6) bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) 
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Nach Einholung 
der Berichte der behandelnden Ärzte (act. II 11/8, 21, 23) nahm Dr. med. 
D.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionaler Ärztlicher 
Dienst (RAD), am 15. Oktober 2020 eine Aktenbeurteilung vor (act. II 25/4 
ff.). Gegen den gestützt darauf erlassenen Vorbescheid vom 23. Oktober 
2020 (act. II 26) erhob die Versicherte am 20. November 2020 Einwände 
(act. II 29). Nach Stellungnahme des RAD vom 18. März 2021 (act. II 37/2 
ff.) erfolgte eine polydisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS 
E.________ (MEDAS-Gutachten vom 6. Oktober 2021 [act. II 53.1 ff.]) und 
eine Abklärung im Haushalt durch den Abklärungsdienst (Abklärungsbe-
richt Haushalt/Erwerb vom 22. Dezember 2021 [act. II 57]). Mit Eingabe 
vom 6. Januar 2022 äusserte sich der Rechtsvertreter der Versicherten 
zum MEDAS-Gutachten und zum Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb 
(act. II 61). Gegen den Vorbescheid vom 11. Januar 2022, mit welchem die 
IVB bei einem Invaliditätsgrad von 36 % die Ablehnung einer Rente in Aus-
sicht gestellt hatte (act. II 62), erhob die Versicherte Einwände (act. II 63). 
Am 25. April 2022 nahmen die Gutachter der MEDAS E.________ zu den 
Einwänden Stellung (act. II 68). Mit Verfügung vom 19. Juli 2022 lehnte die 
IVB bei einem Invaliditätsgrad von 36 % den Anspruch der Versicherten auf 
eine Rente ab (act. II 71).

B.

Mit Eingabe vom 12. September 2022 erhob die Versicherte, vertreten 
durch Fürsprecher B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 19. Juli 2022 sei auf-

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zuheben, ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten, namentlich 
zumindest eine halbe Rente. Eventualiter sei die Sache zurückzuweisen, 
unter Anordnung eines polydisziplinären (onkologischen, orthopädischen, 
psychiatrischen) Obergutachtens.

Mit Beschwerdeantwort vom 7. Oktober 2022 beantragt die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Zusammen mit der Kostennote reichte der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführerin am 18. Oktober 2022 (unaufgefordert) eine Stellungnahme ein.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde – unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 19. Juli 2022 (act. II 
71). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Rente.

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Soweit sich die Beschwerdeführerin in den Rechtsbegehren auf andere 
gesetzliche Leistungen als eine Rente bezieht, welche nicht Anfechtungs-
gegenstand (BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164; SVR 2011 UV Nr. 4 S. 13 
E. 2.1) bilden, ist darauf nicht einzutreten.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG (Weite-
rentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) in 
Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich be-
sonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die angefochte-
ne Verfügung vom 19. Juli 2022 nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung 
vom 19. Juni 2020. Indessen liegt der frühestmögliche Zeitpunkt der poten-
tiellen Entstehung des Rentenanspruchs – mit Blick auf die Anmeldung von 
Juni 2020 (act. II 1) bzw. Juli 2020 (act. II 6), die Wartezeit gemäss Art. 28 
Abs. 1 lit. b IVG und die halbjährige Karenzfrist (Art. 29 Abs. 1 IVG) – vor 
dem 1. Januar 2022, weshalb dieser nach den bis 31. Dezember 2021 gel-
tenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen ist (vgl. dazu auch Rz. 9101 des 
Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungsrecht über Inva-
lidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]).

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-

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werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.1.1 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). 

2.1.2 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach-
tungsweise von der grundsätzlichen "Validität" der versicherten Person 
auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295). Die Sachverständigen 
sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollzie-
hen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten 
sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss 
höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer 
Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken ver-
mag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters 
(BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtli-
che psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

2.2 Nach aArt. 28a Abs. 3 IVG (in der bis 31. Dezember 2021 gültig 
gewesenen Fassung) wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig 
sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin 
mitarbeiten, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. 
Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität 
für diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt 

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(aArt. 28a Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fas-
sung). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent-
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der 
Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditäts-
grad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Methode; BGE 145 
V 370 E. 4.1 S. 373, 144 I 21 E. 2.1 S. 23).

2.2.1 Bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach 
Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, werden für die Bestimmung des Invaliditäts-
grads der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invali-
ditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich summiert 
(aArt. 27bis Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invaliden-
versicherung [IVV; SR 831.201]), in der bis 31. Dezember 2021 gültig ge-
wesenen Fassung).

2.2.2 Die Berechnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die Erwerbs-
tätigkeit richtet sich nach Art. 16 ATSG. Dabei sind Validen- und Invaliden-
einkommen auf der Grundlage einer hypothetischen Vollzeittätigkeit zu 
ermitteln (BGE 145 V 370). Die prozentuale Erwerbseinbusse wird 
schliesslich anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte, wenn 
sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet (aArt. 27bis Abs. 3 IVV in der bis 
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung).

2.2.3 Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betäti-
gung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen 
bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die 
versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Er wird anhand 
des Anteils des Aufgabenbereichs gewichtet (aArt. 27bis Abs. 4 IVV in der 
bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung).

2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 

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Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

3.

3.1 Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Fol-
gende zu entnehmen: 

3.1.1 Im Bericht vom 27. Mai 2020 diagnostizierte Dr. med. F.________, 
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie 
Praktischer Arzt, G.________, ein pseudoradikuläres LWS Syndrom mit 
akuten Lumboischialgien, eine chronische myeloische Leukämie in chroni-
scher Phase und eine mittelgradige bis schwergradige depressive Episode. 
Die Patientin sei seit dem 15. April 2020 in Behandlung wegen der chroni-
schen Lumboischialgie (act. II 11/8).

3.1.2 Im Bericht vom 24. August 2020 diagnostizierte die behandelnde Dr. 
med. H.________, Oberärztin (im Medizinalberuferegister ohne Facharztti-
tel verzeichnet), Psychiatrische Dienste I.________, eine mittelgradige de-
pressive Episode (ICD-10 F31.1; Erstdiagnose Mai 2020), 
aggraviert durch den Tod des Ehemannes (act. II 21/3). Insgesamt bestehe 
zurzeit eine reduzierte Belastbarkeit aufgrund der depressiven Symptoma-
tik sowie der Schulter-/Rückenschmerzen, welche sich vor allem in der 
zweiten Tageshälfte bemerkbar machten (act. II 21/4). Aktuell sei die bishe-
rige und eine angepasste Tätigkeit zu vier Stunden pro Tag zumutbar (act. 
II 21/5).

3.1.3 Im Bericht vom 7. September 2020 diagnostizierte Dr. med. 
J.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Hämatologie, eine 
chronische myeloische Leukämie unter Therapie mit Tasigna mit chroni-
schen Medikamenten-Nebenwirkungen im Sinne einer verminderten Belas-
tungsfähigkeit, verminderten Konzentrationsfähigkeit und vermehrter Mü-
digkeit (Erstdiagnose Dezember 2015, Therapie mit Tasigna seither mit 

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kurzem Unterbruch [act. II 23/3 Ziff. 2.5]). Eine angepasste Tätigkeit sei zu 
vier bis fünf Stunden pro Tag zumutbar (act. II 23/5 Ziff. 4.2).

3.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich auf das MEDAS-Gutachten 
der Dres. med. K.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und 
Hämatologie, L.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, M.________, Facharzt für 
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Oktober 2021 (act. II 53.1), das 
onkologische Teilgutachten von Dr. med. K.________ vom 15. August 
2021 (act. II 53.3), das internistische Teilgutachten von Dr. med. 
K.________ vom 4. August 2021 (act. II 53.4), das orthopädisch-
/traumatologische Teilgutachten von Dr. med. L.________ vom 4. August 
2021 (act. II 53.5), das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. 
M.________ vom 26. August 2021 (act. II 53.6) sowie die Ergänzung vom 
25. April 2022 (act. II 68).

3.2.1 In der interdisziplinären Konsensbeurteilung des MEDAS-
Gutachtens vom 6. Oktober 2021 diagnostizierten die Experten mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit das Folgende (act. II 53.1/9):

1. Fatiguesyndrom unter Tasignatherapie

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie das Folgende 
(act. II 53.1/9):

1. Chronische myeloische Leukämie, Erstdiagnose Dezember 2015, derzeit 
unter Tasignatherapie ohne Krankheitsaktivität 

2. Dyslipidämie
3. Zustand nach Hysterektomie ca. 2018 
4. Zustand nach Cholezystektomie ca. 2014
5. Zustand nach mehrfacher Pneumonie, zuletzt vor ca. drei bis vier Jahren 
6. Zustand nach Myopathie unter Statintherapie 
7. Varikosis beidseits 
8. Chronische Lumbalgie/Lumboischialgie bei statisch ungünstiger Hyperlor-

dose 
9. Arthralgie rechte Schulter, Ausschluss Omarthrose, AC-Gelenksarthrose
10. Vitamin-D-Mangel 
11. Adipositas (BMI 30.4 kg/m2)

Die Gutachter hielten zur Begründung fest, bei der Beschwerdeführerin 
liege eine chronische myeloische Leukämie (CML) vor in chronischer Pha-
se mit Erstdiagnose im Dezember 2015, seither unter Tasignatherapie (mit 
mehrmonatiger Unterbrechung im Jahr 2020) mit gutem Therapieanspre-

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chen und guter Krankheitskontrolle ohne nachweisbare Krankheitsaktivität. 
Bei nicht nachweisbarer Krankheitsaktivität sei von Seiten der CML per se 
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festzustellen. Allerdings leide die 
Beschwerdeführerin, wie angegeben, unter verstärkter Müdigkeit und mus-
kulären Beschwerden, die zeitlich eng mit der Medikamentengabe korrelier-
ten. Die Diagnosestellung des Fatigue-Syndroms, auch CrF (cancer related 
fatigue syndrome), gestalte sich in der Begutachtungssituation gewohnt 
schwierig. Hierbei handle es sich um ein multifaktorielles Geschehen, wel-
ches sich (je nach Autor) bei 33 bis 99 % der Tumorpatienten finde und bei 
bestimmten Tumorentitäten (z.B. Mammaca., Pankreasca., Lymphomen) 
gehäuft beobachtet werde, bzw. auch nach bestimmten Therapieformen 
der onkologischen Behandlung. Selbst bei Patienten mit langem rezidiv-
freiem Überleben könne das CrF noch Jahre nach Abschluss der Therapie 
fortbestehen und sich erheblich auf die Lebensqualität der Patienten aus-
wirken (act. II 53.1/6). Chronische Müdigkeit im Sinne eines Fatiguesyn-
droms sei möglicher Teil des Nebenwirkungsspektrums einer Therapie mit 
Tyrosinkinaseinhibitoren, wobei die Medikation aus dieser Medikamenten-
gruppe in aller Regel gut vertragen werde. Zwar sei die Tasignatherapie 
ätiologisch ein plausibler Teilaspekt des Müdigkeitssyndroms, vielmehr 
dürfte es sich jedoch um ein komplexeres Problem eines Fatiguesyndroms 
handeln aus einer Kombination an medikamentös-therapeutischen, berufli-
chen und sozialen Aspekten, darüber hinaus bestehe der Verdacht auf eine 
(differenzialdiagnostische belastungs- oder medikamentös bedingte) mus-
kuläre Schädigung z.B. durch eine weiterhin applizierte Statintherapie. 
Nichtsdestotrotz bestehe die Fatiguesymptomatik nachvollziehbar zumin-
dest im zeitlichen Zusammenhang mit der Tasignamedikation. Der Einfluss 
der Tasigna-Nebenwirkung auf die Arbeitsfähigkeit erscheine aus onkologi-
scher Sicht ätiologisch plausibel, hingegen sollten weitere differenzialdia-
gnostische Ursachen ausgeschlossen werden (z.B. Statintherapie). Auf-
grund des Anteils möglicher (oben diskutierter) sozialer Aspekte werde die 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit allein aus gutachterlicher hämato-
onkolologischer Sicht etwas niedriger, d.h. bei etwa 40 % (bezogen auf ein 
100%-Pensum) eingeschätzt, diese entspreche einem aus hämato-
onkologisch gutachterlicher Sicht zumutbaren Pensum von fünf Stunden 
pro Tag (act. II 53.1/7).

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In der Vorgeschichte fänden sich anamnestisch viermal Lungenentzündun-
gen (ohne klinische Residuen), zuletzt vor drei bis vier Jahren, eine Myopa-
thie unter Statintherapie, eine Varikosis, eine Dyslipidämie. Anamnestisch 
werde zusätzlich von einer Hysterektomie ca. 2018 sowie einer Cholezys-
tektomie ca. 2014 berichtet. Aus den vorliegenden Laborwerten könne nicht 
abgeleitet werden, ob ausserhalb des möglichen Nebenwirkungsspektrums 
der Tasignatherapie zusätzlich zu den mässiggradigen Veränderungen 
eine kurz zuvor erfolgte körperliche Belastung zugrunde liege oder ander-
weitige Ätiologie, wie z.B. derzeitige nicht-onkologische medikamentöse 
Therapie. Aus den vorliegenden Diagnosen und Laborwerten ergäben sich 
aus internistischer Sicht keine zwingend zusätzlichen Einschränkungen der 
Arbeitsfähigkeit über die onkologische und psychiatrische Einschätzung 
heraus (act. II 53.1/8). 

In der orthopädischen Evaluation klage die Beschwerdeführerin über rezi-
divierende Lumbalgien/Lumboischialgien, die sich in der Vergangenheit 
durch eine muskuläre Kräftigung verbesserten. Die nachgereichte Bildge-
bung der LWS zeige keine dem Alter vorauseilende Degeneration der LWS 
bei statisch ungünstiger Hyperlordose der LWS. Seitens des rechten Schul-
tergelenkes werde eine belastungsabhängige Schmerzsymptomatik ange-
geben. Klinisch stelle sich die Funktion nicht eingeschränkt dar. Hinweise 
auf eine lmpingementsymptomatik ergäben sich zum Zeitpunkt der Unter-
suchung nicht. Das radiologische Bild zeige keine dem Alter vorauseilende 
Degeneration. Die auf orthopädischem Gebiet vorliegenden Gesundheits-
störungen schränkten die Beschwerdeführerin in der Arbeitsfähigkeit nicht 
ein (act. II 53.1/8). 

Auf Basis der aktuell erhobenen Befunde, eigenanamnestischer Angaben 
sowie der zum Untersuchungszeitpunkt verfügbaren Aktenlage liesse sich 
weder aktuell noch retrospektiv eine originäre Krankheitsentität des psych-
iatrischen Fachgebietes im definierten Sinne der ICD-10-Klassifikation psy-
chischer Störungen verifizieren. Es seien keine der im entsprechenden 
Katalog festgelegten Kriterienkonstellationen in ausreichender Form erfüllt 
gewesen (act. II 53.1/8). Die beklagten deprimierten Gemütszustände seien 
einer von verschiedenen psychosozialen Belastungsfaktoren (schwere so-
matische Erkrankung, Tod des Ehemannes nach längerer Pflegebedürftig-

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keit) geprägten Lebenssituation geschuldet und hätten rein reaktiven Be-
stand. Zwar wäre vor entsprechendem Hintergrund eine gewisse Kraftmin-
derung mit konsekutiv rascherer Ermüdbarkeit durchaus erklärbar, jedoch 
nicht in dem eigenanamnestisch beschriebenen Ausmass. Zudem habe 
sich das rein affektive Funktionsniveau der Beschwerdeführerin zum Unter-
suchungszeitpunkt insgesamt unauffällig dargestellt (act. II 53.1/9).

Aus rein hämatologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeits-
fähigkeit von maximal 40 % im Rahmen eines komplexeren Ursachenspek-
trums des chronischen Müdigkeitssyndroms. Die Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit gelte in der zuletzt ausgeübten, wie auch in einer leidensad-
aptierten Tätigkeit. Ansonsten bestehe aus internistischer, orthopädischer 
und psychiatrischer Sicht über die onkologische Erkrankung hinaus keine 
zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (act. II 53.1/10).

3.2.2 In der Ergänzung vom 25. April 2022 hielten die Gutachter fest, rich-
tig sei, dass der radiologische Befund des Morbus Baastrup nicht als Dia-
gnose erhoben worden sei, jedoch mit dem nachgereichten Röntgenbefund 
vom 8. März 2021 beschrieben werde. Somit sei auch der Morbus Baastrup 
Gegenstand des Gutachtens. Zu spezifischen Funktionseinschränkungen 
komme es nicht, lediglich eine Schmerzhaftigkeit bei Hyperextension sei 
provozierbar, die jedoch beim Arbeitsprozess nicht vorkomme. 

Bezüglich der Kritik, die Varikosis sei bei der Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit ungenügend berücksichtigt worden, führten die Gutachter aus, der in-
ternistische Gutachter sei neben der internistischen Fachausbildung auch 
Arzt für Betriebs- und Sozialmedizin und nehme Leistungsbewertungen 
sowie Zumutbarkeitsprüfungen von Arbeitsplätzen nahezu täglich vor. Zwar 
beinhalte die Tätigkeit einer ... auch zeitweilig schwere Arbeitselemente, 
grundsätzlich handle es sich jedoch um einen Arbeitsplatz mit mittlerer Ar-
beitsschwere analog z.B. einer ... oder .... Die Tätigkeit sei eine überwie-
gend stehende, intermittierend auch gehende Tätigkeit. Langes Stehen sei 
bei Varikosis zwar prinzipiell ungünstig, daher eher zu vermeiden, schliesse 
aber eine Arbeitsfähigkeit im ...bereich nicht grundsätzlich aus. Im Gutach-
ten sei dieser Umstand gewürdigt worden. Es bestehe die Möglichkeit, um-
herzulaufen und sich zwischenzeitlich hinzusetzen; dies sei keineswegs 
gleichbedeutend mit einer sitzenden Tätigkeit. Auch bestehe in der ... 

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grundsätzlich ….exposition (v.a. im Oberkörperbereich), in Bezug auf die 
Varikosis sei die Exposition jedoch ausreichend und zumutbar kontrollier-
bar. Insgesamt werde die Varikosis für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 
als nicht relevant einschränkend, sowie die Tätigkeit als ... aus internisti-
scher Sicht als zumutbar gewertet.

In einer entsprechend angepassten Tätigkeit spiele die Erkrankung darüber 
hinaus keine Rolle. Einzig im Bericht der Psychiatrischen Dienste 
I.________ vom 25. August 2020 werde das potenzielle Vorliegen einer 
mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) bestätigt. Jene Ein-
schätzung werde aus gutachterlicher Sicht nicht geteilt, da weder aktuell 
noch retrospektiv die für eine entsprechende Krankheitsentität seitens der 
ICD-10 definierten Kriterien in ausreichender Form erfüllt gewesen seien 
(act. II 68).

3.3

3.3.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.3.2 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-
chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; 
SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 13

3.3.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4 Das MEDAS-Gutachten vom 6. Oktober 2021 (act. II 53.1), die Teil-
gutachten (act. II 53.3-53.6) und die Ergänzung vom 25. April 2022 (act. II 
68) erfüllen die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen 
Gutachtens (vgl. E. 3.3.1 hiervor). Die darin enthaltenen Ausführungen und 
Feststellungen beruhen auf eingehenden fachärztlichen Ausführungen und 
wurden in Kenntnis der Vorakten (act. II 53.2) sowie unter Berücksichtigung 
der geklagten Beschwerden getroffen. Basierend darauf stellten die Exper-
ten die medizinischen Befunde, die Diagnosen und die Schlussfolgerungen, 
die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen oder einer eingepassten 
Tätigkeit zu 60 % arbeitsfähig, nachvollziehbar und einleuchtend dar. So-
dann ist überzeugend dargelegt, dass die Arbeitsfähigkeit ausschliesslich 
von der onkologischen Einschränkung getragen ist und durchgängig seit 
der Erstdiagnose der chronischen myeloischen Leukämie im Dezember 
2015 gilt (act. II 53.1/11). Was die Beschwerdeführerin hiergegen vorbringt, 
vermag das schlüssige MEDAS-Gutachten wie nachfolgend aufgezeigt 
nicht in Zweifel zu ziehen:

3.4.1 Mit Verweis auf die Beurteilung der behandelnden Psychiaterin Dr. 
med. H.________, welche eine mittelgradige depressive Episode diagnos-
tizierte und eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (vier Stunden pro Tag) attes-
tierte (act. II 11/8), macht die Beschwerdeführerin geltend, es lägen nicht 
bloss depressive Verstimmungszustände vor (Beschwerde S. 6 Ziff. III Ziff. 
4). Der psychiatrische Gutachter hat sich ausführlich zu den psychischen 
Beschwerden in Kenntnis des Berichts der behandelnden Psychiaterin 
geäussert; die Einschätzung, weder aktuell noch retrospektiv seien die für 
eine entsprechende Krankheitsentität seitens der ICD-10 definierten Krite-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 14

rien erfüllt gewesen, überzeugt (act. II 53.6/8, 53.1/8, 68/3). Die Beschwer-
deführerin bringt weiter vor, der psychiatrische Gutachter befürworte eine 
Fortführung der psychotherapeutischen Behandlung (act. II 53.6/8), wes-
halb nicht nachvollziehbar sei, dass die Beschwerden keinen Einfluss auf 
die Arbeitsfähigkeit hätten (Beschwerde S. 6 Ziff. III Ziff. 4). Daraus, dass 
Dr. med. M.________ die Fortführung der bereits etablierten supportiven 
gesprächstherapeutischen Begleitung mit Blick auf die psychische Instabi-
lität als "durchaus zweckmässig" erachtete (act. II 53.6/8 Ziff. 7.2), vermag 
die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Der Sachver-
ständige zeigte nachvollziehbar auf, dass medizinisch-theoretisch in psych-
iatrischer Hinsicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht und dementspre-
chend medizinische Massnahmen und Therapien keine Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit haben können (act. II 53.6/10 f. Ziff. 8).

3.4.2 Die Beschwerdeführerin moniert, die MEDAS-Gutachter hätten den 
Bericht der behandelnden Oberärztin Dr. med. H.________ vom 17. De-
zember 2020 nicht gewürdigt (Beschwerde S. 7 Ziff. III Ziff. 4). Der an den 
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin adressierte Bericht vom 17. De-
zember 2020 (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 4) kann schon deshalb 
nicht im Aktenauszug des Gutachtens (act II 53.2) erwähnt worden sein, 
weil er erst im Beschwerdeverfahren eingereicht worden ist, obwohl der 
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ihn bereits mit der Einwandbe-
gründung vom 4. Januar 2021 hätte ins Recht legen können (act. II 33). 
Letztlich ändert sich auch mit diesem nichts, denn Dr. med. H.________ 
vermochte darin ohnehin keine Aspekte zu benennen, die im Rahmen der 
Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2021 IV 
Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3). Weiter spricht ihre Aussa-
ge, die vorliegende depressive Episode sei am ehesten psychosozial be-
dingt und daher nicht IV-relevant, nicht gegen die Beurteilung des psychia-
trischen Gutachters, geht doch auch dieser davon aus, die beklagten de-
primierten Gemütszustände hätten rein reaktiven Bestand (vgl. act. II 
53.1/9 oben). Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin verfügten die 
Sachverständigen über die lückenlosen Akten. Eine vertiefte Auseinander-
setzung mit jedem einzelnen Bericht ist ohnehin nicht in jedem Fall erfor-
derlich (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 9. Februar 2022, 
8C_663/2021, E. 5.6.3).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 15

3.4.3 Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 6 
Ziff. III Ziff. 4) wurde der Röntgenbefund (act. II 53.9/1) eines beginnenden 
M. Baastrup im orthopädischen Teilgutachten aufgenommen (act. II 53.5/7 
Ziff. 4.3) und die ungünstige Hyperlordose der LWS im Rahmen der dia-
gnostischen Beurteilung berücksichtigt (act. ll 53.5/7 Ziff. 6). Trotz des ge-
stützt auf die Bildgebung wohl möglichen Aneinanderreibens der Dornfort-
sätze zeigten sich in der klinischen Exploration (act. ll 53.5/7; vgl. auch 
act. II 53.5/16), welche bei Gesundheitsschäden im Bereich der Wirbelsäu-
le die wichtigste und feinste Prüfung darstellt (Entscheid des BGer vom 13. 
August 2021, 9C_234/2021, E. 3.2 m.w.H.), keine spezifischen Befunde, 
welche von der diagnostizierten chronischen Lumbalgie/Lumboischialgie 
bei statisch ungünstiger Hyperlordose nicht erfasst wären. Dies wurde in 
der Ergänzung vom 25. April 2022 (act. ll 68) zusätzlich einleuchtend erläu-
tert.

3.4.4 Die Beschwerdeführerin moniert, der Titel eines Arztes für Betriebs- 
und Sozialmedizin sei keiner der FMH, zumindest biete diese keinen sol-
chen Facharzttitel an (Beschwerde S. 7 Ziff. III Ziff. 4). Der Kritik an der 
fachlichen Qualifikation von Dr. med. K.________ kann nicht gefolgt wer-
den. Bezüglich der sinngemäss aufgeworfenen Frage, ob mit Blick auf die 
seit Januar 2022 geltenden Gesetzesbestimmungen Dr. med. K.________ 
mit seinen ... Titeln überhaupt noch (zur Begutachtung) berechtigt sei, ist 
zu bemerken, dass es sich beim Gutachten vom 6. Oktober 2021 (act. II 
53.1) um ein altrechtliches handelt. Dass Dr. med. K.________ nicht über 
einen in der Schweiz anerkannten spezifischen Facharzttitel für Medizini-
sche Onkologie verfügt und damit die seit 1. Januar 2022 massgebenden 
Anforderungen nach Art. 7m Abs. 1a der Verordnung vom 11. September 
2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 
830.11) nur für die Allgemeine Innere Medizin bzw. Hämatologie erfüllt, ist 
deshalb irrelevant (vgl. für im Ausland erworbene Qualifikationen: SVR 
2020 IV Nr. 64 S. 224). Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin bezüglich 
der SIM-Zertifizierung richtigerweise auf die fünfjährige Übergangsfrist hin-
gewiesen (Beschwerdeantwort S. 3 lit. C Ziff. 6), wobei diese auch neu-
rechtlich nicht für die Fachdisziplin der Medizinischen Onkologie (welche 
ein Teilgebiet der Inneren Medizin darstellt [vgl. etwa FLORIAN LORDICK, in 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 16

GIRNDT/MICHL {Hrsg.}, Innere Medizin hoch2, 1. Aufl. 2022, S. 247]) erfor-
derlich wäre (vgl. Art. 7m Abs. 2 ATSV [Umkehrschluss]). 

3.4.5 Bezüglich der Varikosis beanstandet die Beschwerdeführerin, diese 
sei wegen ihrer schweren, stehenden Arbeit als ... und der … in der ... bei 
der Beurteilung ungenügend berücksichtigt worden (Beschwerde S. 7 f. 
Ziff. III Ziff. 4). Dr. med. K.________ berücksichtigte die Einschränkungen 
durch die Krampfadern im Zumutbarkeitsprofil und zeigte überzeugend auf, 
dass – und weshalb – eine Tätigkeit im ...bereich damit vereinbar ist (act. ll 
53.3/8 Ziff. 6, 53.3/10 f. Ziff. 8, 68/2). Es ist konsequent, dass er die Variko-
sis den Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit zuordnete (act. II 
53.4/7), wirken sich die qualitativen Einschränkungen (act. II 53.4/10 Ziff. 8) 
doch weder in der angestammten noch in einer Verweisungstätigkeit quan-
titativ aus. 

3.4.6 Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % in der ange-
stammten und einer angepassten Tätigkeit beruht damit einzig und allein 
auf somatischen Gründen. Unter diesen Umständen besteht für das Gericht 
keine Veranlassung zur Durchführung eines strukturierten Beweisverfah-
rens (vgl. E. 2.1.2 hiervor).

3.5 Weitere medizinische Sachverhaltserhebungen, namentlich die An-
ordnung eines Obergutachtens (Ziff. 3 der Rechtsbegehren), erübrigen sich 
in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 144 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 
E. 4b S. 94). Es steht fest, dass der Beschwerdeführerin die angestammte 
Tätigkeit als ... oder eine angepasste Tätigkeit seit Dezember 2015 zu 60 
% zumutbar ist (act. II 53.1/11 Ziff. 4.7, 4.8).

4.

4.1 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenan-
spruchs als auch anlässlich einer Rentenrevision stellt sich unter dem Ge-
sichtspunkt von Art. 8 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditäts-
bemessungsmethode (Art. 16 ATSG sowie aArt. 28a Abs. 2 und 3 IVG in 
der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 17

Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig Erwerbstätige 
oder als Nichterwerbstätige einzustufen ist – was je zur Anwendung einer 
anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, 
Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt –, ergibt sich aus der Prü-
fung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine 
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 141 V 15 E. 3.1 S. 20). 
Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versi-
cherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in 
welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 144 I 28 E. 2.3 
S. 30; SVR 2020 IV Nr. 72 S. 251 E. 4.1.1).

4.2 Die Beschwerdegegnerin geht im Abklärungsbericht Haus-
halt/Erwerb vom 22. Dezember 2021 (act. II 57) von einem Status von 
90 % im Erwerb und 10 % im Haushalt aus (act. II 57/5 Ziff. 4). Die Be-
schwerdeführerin macht geltend, sie sei seit 2001 zu 100 % angestellt ge-
wesen, die Aussage im Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb sei falsch. Die 
Reduktion des Pensums kurz vor der Invalidität habe nicht ihrem Willen 
entsprochen, mehr habe die Arbeitgeberin nicht anbieten können. Ab Juli 
2018 habe sie als ... bzw. Mitarbeiterin des ... bei der C.________ AG in 
einem Pensum von 90 % gearbeitet. Auch hier habe sie zu 100 % arbeiten 
wollen, aber die Stelle sei nur bis maximal 90 % besetzbar gewesen (Be-
schwerde S. 3). 

Es steht fest, dass die Beschwerdeführerin langjährig (von 2001 bis Mai 
2018) für die N.________ als ... arbeitete (act. II 57/4 f. Ziff. 3.2 + 3.4). Wie 
sie gegenüber der Abklärungsperson angab, sei sie in einem Pensum von 
80 % tätig gewesen (act. II 57/5 Ziff. 3.4). Gemäss dem eingereichten Zwi-
schenzeugnis vom 24. Januar 2018 arbeitete sie in der N.________ zeit-
weise auch zu 100 % (act. I 3). Ab Juli 2018 war sie als ... für die 
C.________ AG tätig. Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin gegenüber 
dem Abklärungsdienst arbeitete die Beschwerdeführerin vom 1. Januar bis 
30. September 2019 zu 90 %, ab Oktober 2019 zu 80 % und ab November 
2019 zu 60 %; die Reduktion sei aus familiären Gründen (schwere Krank-
heit des Ehemannes, verstorben im … 2020) erfolgt (act. II 57/5 Ziff. 3.4). 

In der Stellungnahme vom 18. Oktober 2022 machte der Rechtsvertreter 
der Beschwerdeführerin geltend, die "Aussage der ersten Stunde" sei 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 18

falsch, die Beschwerdeführerin habe ab Mai 2001 zu 100 % gearbeitet. Es 
kann hier offenbleiben, ob die Aussage der Beschwerdeführerin gegenüber 
der Abklärungsperson "ehemals habe sie ja 80 % gearbeitet, bei der 
N.________" zutrifft. Entscheidend ist, dass sie bei der letzten Arbeitgebe-
rin ab 1. Januar 2019 zu 90 % arbeitete und die Reduktion ab Oktober 
2019 zuerst auf 80 % und ab November auf 60 % aus familiären Gründen 
(schwere Krankheit des Ehemannes) erfolgte. Es ist mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei 
guter Gesundheit nach dem Tod des Ehemannes ihr Pensum wiederum auf 
90 % erhöht hätte. Sie gibt denn auch an, wenn sie gesund wäre, würde sie 
sicher reduziert arbeiten, sie würde vermutlich noch bei der C.________ 
AG arbeiten (act. II 57/5 Ziff. 3.4). Daran ändert auch die Angabe, die Re-
duktion des Pensums kurz vor der Invalidität habe nicht dem Willen der 
Beschwerdeführerin entsprochen (vgl. Stellungnahme vom 18. Oktober 
2022), nichts.

5.

5.1

5.1.1 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222).

5.1.2 Die Ärzte attestierten ab 15. April 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 
100 % (act. II 1/3 Ziff. 4.4, 11/8, 21/2 Ziff. 1.3,). Nach der Anmeldung vom 
24. Juni 2020 (ohne Unterschrift; act. 1/7) bzw. 1. Juli 2020 (mit Unter-
schrift; act. II 6/8) sowie unter Berücksichtigung des Ablaufs der Wartezeit 
und Karenzfrist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 2 IVG) ist nicht 
zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Einkommensvergleich 
per April 2021 vornahm (vgl. act. II 57/6 Ziff. 5.2).

5.2

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 19

5.2.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

5.2.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 
E. 3.2).

5.3 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens stellte die Beschwerde-
gegnerin auf das Einkommen ab, welches die Beschwerdeführerin als ... für 
die C.________ AG erzielte und rechnete dies auf ein Pensum von 100 % 
auf (vgl. E. 2.2.2 hiervor), was nicht zu beanstanden ist (act. II 57/6 Ziff. 
5.2). 

5.4 Beim Invalideneinkommen ist zu berücksichtigen, dass der Be-
schwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als ... weiterhin in einem Pen-
sum von 60 % zumutbar ist (act. II 53.1/10 Ziff. 4.3). Die Beschwerdeführe-
rin arbeitet aktuell für die O.________, ..., als ... in einem Pensum von 50 
%; dieses Pensum entspricht jedoch nicht dem zumutbaren Pensum von 
60 %. Als ... könnte sie nicht nur im ..., sondern – wie bisher – beispiels-
weise auch in .../... anderer Wirtschaftszweige arbeiten. Würde die LSE 
herangezogen, wäre somit wohl nicht die Tabelle TA1, sondern eher die 
Tabelle T17 massgebend (vgl. dazu etwa Entscheid des BGer vom 
17. März 2022, 8C_735/2021, E. 4.1), wobei die Beschwerdeführerin als ... 
der Berufsuntergruppe Ziff. 512 der ISCO-08 zuzuordnen wäre (vgl. die von 
der ILO herausgegebenen Publikation ISCO-08, Vol. I, International 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 20

Standard Classification of Occupations, Structure, group definitions and 
correspondence table, S. 238). Es ist jedoch das Folgende zu berücksichti-
gen: Die Beschwerdeführerin war zuletzt aus familiären Gründen mit einem 
Beschäftigungsgrad von 60 % bei der C.________ AG angestellt und wur-
de als ... im ... eingesetzt (act. II 1/6 Ziff. 11, 6/6 Ziff. 11, 13/3 Ziff. 2.3, 58). 
Die im Juli 2020 arbeitgeberseitig ausgesprochene Kündigung (act. II 14.5) 
stand offensichtlich im Zusammenhang mit der ab 15. April 2020 attestier-
ten vollständigen Arbeitsunfähigkeit (act. II 1/3 Ziff. 4.4, 6/3 Ziff. 4.4, 11/8), 
wobei nunmehr feststeht, dass ihr diese angestammte Tätigkeit eigentlich 
durchgehend mit dem bisherigen Pensum von 60 % (bzw. 25 Stunden 
wöchentlich) zumutbar war (vgl. E. 3.4 hiervor). Vor diesem Hintergrund 
durfte die Beschwerdegegnerin davon ausgehen, dass die Restarbeits-
fähigkeit im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns bei der bisheri-
gen Arbeitgeberin mit unverändertem Beschäftigungsgrad und Bruttolohn 
verwertbar war. Dass die Verwaltung im Rahmen der Invaliditätsbemes-
sung für beide Vergleichseinkommen auf die Angaben der früheren Arbeit-
geberin abstellte, wurde seitens der Beschwerdeführerin denn auch nicht 
gerügt.

5.5 Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben 
Lohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsun-
fähigkeit (vgl. zur Rechtsprechung ausgehend vom selben Tabellenlohn: 
SVR 2018 UV Nr. 29 S. 103 E. 5.2), hier von 40 %. Dies ergibt bei einem 
Status im Erwerb von 90 % eine gewichtete Einschränkung im Erwerb von 
36 % (40 x 0.9).

6.

6.1 Für den Beweiswert eines Abklärungsberichts sind verschiedene 
Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer 
qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis der örtlichen und räumli-
chen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge-
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Anga-
ben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Mei-
nungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 21

schliesslich muss plausibel begründet und bezüglich der einzelnen Ein-
schränkungen angemessen detailliert sein und in Übereinstimmung mit den 
an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Ab-
klärungsbericht voll beweiskräftig. Das Gericht greift in das Ermessen der 
die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehlein-
schätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die 
fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist 
als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2.1 
S. 547, 130 V 61 E. 6.2 S. 63; SVR 2018 IV Nr. 69 S. 224 E. 3.2).

6.2 Es erfolgte eine telefonische Abklärung im Haushalt, mit welcher die 
Beschwerdeführerin sich einverstanden erklärte (act. II 57/2). Laut Ab-
klärungsbericht Haushalt ist sie bei der Führung ihres 1-Personen-
Haushalts nicht eingeschränkt, weshalb bei einem Status von 10 % im 
Haushalt eine Einschränkung von 0 % besteht (vgl. act. II 57/8 ff. Ziff. 7.2, 
8), was von der Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet wird.

7.

Bei einer Einschränkung im Erwerb von 36 % und einer solchen im Haus-
halt von 0 % resultiert ein Gesamtinvaliditätsgrad von 36 %. Damit hat die 
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente. Die angefochtene 
Verfügung vom 19. Juli 2022 (act. II 71) ist somit nicht zu beanstanden und 
die Beschwerde ist abzuweisen.

8.

8.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Nov. 2022, IV/22/530, Seite 22

lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent-
nommen.

8.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Fürsprecher B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern (zusammen mit der Eingabe der Beschwerdeführerin 

vom 18. Oktober 2022)
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.