# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b60edbe-b361-5a39-9aba-28c37e5e9a9f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-12-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 09.12.2004 AC040055
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC040055_2004-12-09.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC040055/U/cap

Mitwirkende: die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Bernhard Gehrig,

Andreas Donatsch, die Kassationsrichterinnen Sylvia Frei und

Yvona Griesser sowie der Sekretär Benedikt Hoffmann

Zirkulationsbeschluss vom 09. Dezember 2004

in Sachen

A.,

Angeklagter, Appellant und Beschwerdeführer

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
8001 Zürich,

Anklägerin, Appellatin und Beschwerdegegnerin

2. B.,

Geschädigte und Beschwerdegegnerin

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil der II. Strafkammer des Oberge-
richts des Kantons Zürich vom 10. Februar 2004 (SB030019/U/cb)

-   2   -

Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Am 9. April 2002 erhob die Bezirksanwaltschaft C. Anklage gegen A. (Ange-

klagter und Beschwerdeführer) wegen mehrfacher Vergewaltigung sowie des

mehrfachen Versuches hierzu, der mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern

und der mehrfachen sexuellen Nötigung zu Lasten der 1988 geborenen B. (Ge-

schädigte und Beschwerdegegnerin 2) sowie der Widerhandlung gegen Art. 23

Abs. 1 al. 5 ANAG (BG HD act. 20).

2. Mit Urteil des Bezirksgerichtes C. vom 4. Juli 2002 wurde der Beschwerdefüh-

rer anklagegemäss schuldig gesprochen und mit 6 Jahren Zuchthaus bestraft (BG

act. 45 = OG act. 53).

3. Dagegen gelangte der Beschwerdeführer am 29. Juli 2002 mit Berufung ans

Obergericht (BG act. 44). Dessen II. Strafkammer bestätigte am 10. Februar 2004

das erstinstanzliche Erkenntnis im Schuldpunkt und verurteilte den Beschwerde-

führer zu einer Zuchthausstrafe von 4 ½ Jahren (OG act. 73 = KG act. 2).

4. Der Beschwerdeführer meldete gegen das vorinstanzliche Urteil am

17. Februar 2004 rechtzeitig kantonale Nichtigkeitsbeschwerde an (OG act. 75 =

KG act. 4) und begründete diese ebenfalls fristwahrend mit Eingabe vom 1. Juni

2004 (KG act. 1). Sowohl die Vorinstanz als auch die Staatsanwaltschaft (Be-

schwerdegegnerin 1) verzichteten auf Vernehmlassung zur Beschwerde bzw. Be-

schwerdeantwort (KG act. 9 und 10). Die Geschädigtenvertreterin verzichtete mit

Schreiben vom 20. Juli 2004 ebenfalls auf Beschwerdeantwort und verwies auf

die Erwägungen der Vorinstanzen (KG act. 11).

5. Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde wurde - soweit ersichtlich - nicht erho-

ben (vgl. KG act. 5).

-   3   -

 II.

1. Im vorliegenden Nichtigkeitsprozess geht es um den Vorwurf, der Beschwer-

deführer habe sich in der Zeit von Mai 1999 bis Mai 2000 mehrfach an der Ge-

schädigten sexuell vergangen, wobei die Vorinstanz entscheidend auf die Aussa-

gen der Geschädigten abstellt (vgl. KG act. 2 Erw. II.4.a S. 13).

2. Glaubwürdigkeitsgutachten

2.1. Die Verteidigung bringt vor, die Vorinstanz setze sich mit der Rechtsprechung

zur Frage auseinander, unter welchen Umständen ein Glaubwürdigkeitsgutachten

zu erstellen sei. Sie gelange dabei zur Erkenntnis, dass vorliegend die Aussagen

der Geschädigten ohne Beizug eines Sachverständigen verständlich und bewert-

bar seien. Entgegen dieser Ansicht sei jedoch der Beizug eines Experten ange-

zeigt gewesen. Sodann nennt die Verteidigung eine Reihe einzelner Umstände,

die ihrer Meinung nach eine Begutachtung indizieren. Abschliessend hält sie fest,

die Abklärung des Zusammenhangs zwischen dem kulturellen Hintergrund der

Geschädigten, der zudem von ihrer altersmässigen Entwicklung abhängig sei,

und dem Bedürfnis nach Lob bedinge die Fachkompetenz eines Gutachters (KG

act. 1 Ziff. 5-7 S. 3-8).

2.2. Die Vorinstanz stellt die Rechtslage hinsichtlich der Frage der Anordnung von

Glaubwürdigkeitsgutachten über Kinder ausführlich und zutreffend dar, was auch

von der Verteidigung zu Recht nicht beanstandet wird. Auf die entsprechenden

Ausführungen kann in Anwendung von § 161 GVG verwiesen werden (vgl. KG

act. 2 Erw. II.5.b S. 22f.). Hervorzuheben ist in diesem Kontext, dass ein Gutach-

ten nur angeordnet werden muss, wenn das Aussageverhalten durch organische

oder psychische Krankheiten beeinträchtigt sein könnte, oder wenn der Richter

aus anderen Gründen nicht in der Lage ist, die Aussage ohne zusätzliche Erläute-

rungen einer Fachperson zu würdigen. Mit anderen Worten ist ein Gutachten nicht

bei Defiziten bei der Aussagequalität, sondern wegen Problemen bei der Beurteil-

barkeit durch den Richter beizuziehen. Ergänzend zu erwähnen ist auch, dass

Glaubwürdigkeitsgutachten über Kinder mit Zurückhaltung anzuordnen sind (ZR

98 Nr. 17).

-   4   -

2.3. Vorab ist festzuhalten, dass die Verteidigung nicht geltend macht, es würden

bei der Geschädigten organische oder psychische Krankheiten vorliegen, die ein

Glaubwürdigkeitsgutachten als angezeigt erscheinen lassen würden. Nicht vorge-

bracht wird ferner, die zur Zeit der Einvernahme bereits fast 12-jährige Geschä-

digte habe sich in kindlich-unverständlicher Weise geäussert. Vielmehr bringt die

Verteidigung Umstände vor, die aus ihrer Sicht auf Ungereimtheiten (z.B. Wider-

sprüche) im Aussageverhalten der Geschädigten hindeuten und/oder Motive für

eine Falschaussage (z.B. das Bedürfnis nach Lob) darstellen könnten (KG act. 1

Ziff. 6.c-l S. 4-7). Die Beurteilung solcher Umstände ist charakteristisch für jede

Beweiswürdigung und damit typischerweise Aufgabe des Gerichtes. Die Pflicht

zur Einholung eines Gutachtes ergibt sich daraus noch nicht.

Auch aus der angeblich "bewegten" Geschichte der Geschädigten in ihrer Heimat

kann keine Pflicht zum Beizug eines Experten abgeleitet werden (KG act. 1

Ziff. 6.a S. 4). Einer Würdigung der Aussagen der Geschädigten nach den übli-

chen Kriterien steht auch angesichts dieser Umstände nichts entgegen.

Weiter ist in diesem Kontext darauf hinzuweisen, dass ebenso der von der Vertei-

digung ins Feld geführte "enorme kulturelle Gegensatz" zwischen der Heimat der

Geschädigten (Sri Lanka) und der Schweiz (KG act. 1 Ziff. 6.a S. 4) keinen Anlass

zum Beizug eines Gutachters darstellt. Die Regeln der Aussageanalyse sind

weitestgehend universeller Natur (etwa im Gegensatz zu möglichen Motivlagen,

falsche Aussagen zu machen), da sie auf der Struktur und teilweise auch der Lo-

gik der Aussagen basieren. Angesichts dieses Umstandes hatte die Vorinstanz

auch keinen Grund, auf die Frage der Kultur der Geschädigten näher einzugehen.

Schliesslich bringt die Verteidigung vor, die Gefühlswelt der Geschädigten habe

völlig durcheinander gewesen sein müssen, und das unabhängig davon, ob die

eingeklagten Übergriffe passiert seien oder nicht. Sie sei in die Schweiz zu einem

Ehepaar gekommen, das sie "Mami" und "Papi" genannte habe, obschon ihr habe

klar sein müssen, dass der Beschwerdeführer nicht ihr richtiger Vater habe sein

können. Ab der zweiten Einvernahme habe sie den Beschwerdeführer nur noch

"A." und ihre Mutter "Tante" genannt (KG act. 1 Ziff. 6.b S. 4). Die Verteidigung

belegt jedoch keine gefühlsmässige Irritation, auf Grund welcher sich die Einho-

lung einer Expertise aufdrängen würde. Eine solche ergibt sich insbesondere

-   5   -

nicht allein daraus, dass die Geschädigte einmal von "Mami" und Papi" und ein-

mal von "Tante" und "A." sprach. Zum einen wird die sprachliche Klarheit und

Bewertbarkeit der Depositionen der Geschädigten dadurch nicht tangiert. Zum

andern wird kein eigentlicher geisteskranker Zustand nachgewiesen (oder auch

nur behauptet).

2.4. In einer gesamthaften Betrachtung der von der Verteidigung genannten Ele-

mente (also der bewegten Geschichte, des kulturellen Hintergrundes sowie des

Kennens des Wortes "Vergewaltigung" von Sri Lanka her und der durcheinander

geratenen Emotionen) könnte sich dagegen ergeben, dass allenfalls die Einho-

lung eines Gutachtens notwendig wäre. Sie liesse nämlich die Möglichkeit nahe-

liegend erscheinen, dass sich die Geschädigte in einem nach Sri Lanka zurück-

reichenden, kaum überschaubaren Beziehungsgeflecht befunden habe, welches

von allenfalls kulturspezifischen Verhaltensweisen (wie z.B. besonderen Loyali-

tätsverhältnissen und damit zusammenhängenden Verdrängungsmechanismen)

geprägt sein könnte. Der Verteidigung gelingt jedoch nicht, ein derartiges, im

Rahmen der normalen Beweiswürdigung nicht durchschaubares Beziehungsge-

flecht nachzuweisen, wie nachstehend (Ziff. II.2.5.) zu zeigen sein wird.

2.5. Die von der Verteidigung angerufene Aussage, die Geschädigte sei in ihrer

Heimat von einem Ort zum andern geschoben worden, weshalb sie eine bewegte

Geschichte habe, stellt eine Behauptung des Beschwerdeführers dar (BG HD

act. 4/10 S. 4). Einerseits ist diese angesichts der Interessenlage des Beschwer-

deführers ohnehin mit Vorsicht zu würdigen. Anderseits geht aus der entspre-

chenden Aussage hervor, dass der Beschwerdeführer über die von ihm geltend

gemachten Angaben nicht aus eigener Anschauung berichtete, sondern nur Mut-

massungen anstellen konnte. Ferner sagte die Geschädigte entgegen den Aus-

führungen der Verteidigung anlässlich ihrer Befragung vom 16. Mai 2000 nicht

aus, sie wisse von Sri Lanka, was "Vergewaltigung" bedeute. An der von der

Verteidigung benannten Stelle auf dem Videoband 58a sagte die Übersetzerin le-

diglich: "Das weiss ich schon lange, sri lankisch sagt man so". Dass die Geschä-

digte über den Begriff der Vergewaltigung "von Sri Lanka" Bescheid gewusst ha-

be, wird damit nicht gesagt.

-   6   -

Folglich entfallen entscheidende Momente, die zusammen mit anderen Hinweisen

ein Gutachten notwendig erscheinen lassen könnten. Die emotional schwierige

Lage der Geschädigten sowie ihr kultureller Hintergrund sind alleine bzw. ohne

weitergehende Indizien keine hinreichenden Gründe, um eine Expertise in Auftrag

zu geben. Diesbezüglich kann auf die bereits unter Ziff. II.2.3. (vgl. die beiden

letzten Absätze) vorstehend gemachten Ausführungen verwiesen werden, wobei

sich an der dort festgehaltenen Einschätzung auch bei einer gemeinsamen Be-

trachtung der beiden geltend gemachten Umstände nichts ändert.

3. Beweiswürdigung / Unschuldsvermutung

3.1.1. Die Verteidigung macht weiter geltend, die Vorinstanz habe den Grundsatz

"in dubio pro reo" verletzt.

3.1.2. Die Beweiswürdigung des vorinstanzlichen Sachrichters kann nach der

Praxis des Kassationsgerichtes aufgrund von § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO dann mit

Erfolg gerügt werden, wenn sie sich nicht mehr im Rahmen des Gesetzes hält,

sondern willkürlich, d.h. offensichtlich abwegig ist und einer missbräuchlichen

Handhabung des richterlichen Ermessens gleichkommt (ZR 64 Nr. 54). Die Ver-

neinung eines den Freispruch bedingenden Zweifels wird als Kassationsgrund

angesehen, wenn diese bei ernsthafter Abwägung des "Für" und "Wider"

schlechthin unverständlich ist (Schmid, in Donatsch/Schmid, Kommentar zur

Strafprozessordnung des Kantons Zürich, N 21 zu § 430). Es ist zu berücksichti-

gen, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der

Beweisführung erreicht werden kann; daher muss genügen, dass das Beweiser-

gebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (BGE 124 IV 88 E. 2a mit

Hinweisen; ZR 72 Nr. 80, 69 Nr. 50; von Rechenberg, Die Nichtigkeitsbeschwerde

in Zivil– und Strafsachen nach zürcherischem Recht, 2. Auflage, Zürich 1986, S.

34). Weiter geht auch die Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 6 Ziff. 2 EMRK

und Art. 4 Abs. 1 aBV bzw. Art. 32 Abs. 1 BV nicht, denn diese Bestimmungen

schliessen einen Schuldspruch nur dann aus, wenn bei objektiver Betrachtung er-

hebliche und unüberwindliche Zweifel am Tat– oder Schuldbeweis zurückbleiben

(BGE 120 Ia 35 ff. mit Hinweisen).

-   7   -

3.1.3. Festzuhalten gilt es auch, dass sich der Nichtigkeitskläger konkret mit dem

angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und den behaupteten Nichtigkeits-

grund in der Beschwerdeschrift selbst nachweisen muss (§ 430 Abs. 2 StPO; ZR

91/92 Nr. 6; vgl. auch BGE 127 I 42 E. 3b sowie ZR 81 Nr. 88 E. 6; Schmid,

a.a.O., N 32 zu § 430; von Rechenberg, a.a.O., S. 16 ff.).

3.2.1. Konkret bringt die Verteidigung zunächst vor, die Geschädigte habe erklärt,

dass sie am 12. Juni 1999 mit dem "Papi" auf einer Bank gesessen sei, während

die Zeugin D. eindeutig von einer Betonröhre gesprochen habe. Die Glaubwürdig-

keit der Geschädigten werde dadurch beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung rüh-

re vor allem daher, dass sie - die Geschädigte - überhaupt meine, solch detail-

lierte Angaben zu einem absolut normalen Vorfall machen zu können (KG act. 1

Ziff. 8.a S. 8). In diesem Zusammenhang verweist die Verteidigung auf Ziff. 6.c

der Beschwerde (KG act. 1 S. 4f.). An dieser Stelle wird auch ins Feld geführt, die

Geschädigte habe sich anfänglich an den 12. Juni 1999 nicht erinnern können,

habe aber später die Geschehnisse sehr detailliert geschildert, obschon sich nach

ihren Schilderungen keine Besonderheiten zugetragen hätten. Ferner verweist die

Verteidigung darauf, es sei deutlich, dass die Geschädigte das ausgesagt habe,

von dem sie angenommen habe, die befragende Polizistin wolle es hören. Als

Beispiel nennt die Verteidigung die Aussagen der Geschädigten zur Frage, ob sie

den Penis des Beschwerdeführers habe in den Mund nehmen müssen.

3.2.2. Die Verteidigung weist nur die Aussagen der Geschädigten nach, in denen

sie zu Protokoll gab, sie könne sich an den fraglichen Vorfall nicht erinnern. Nicht

belegt wird jedoch, wo die Geschädigte unglaubhaft ausführlich darüber berichtet

haben soll. Insofern wird auch der Widerspruch zwischen der Geschädigten und

der Zeugin D. nicht nachgewiesen. Auf die Rüge kann insofern nicht eingetreten

werden. Mit Bezug auf den Einwand, die Geschädigte habe das ausgesagt, was

ihr vorgesprochen worden sei, ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz hierzu

Stellung nimmt und erwägt, die Geschädigte habe durchaus gewisse Vorhalte (im

konkreten Fall bezüglich analer Praktiken) verneint (KG act. 2 Erw. II.6.a S. 28).

Damit setzt sich die Verteidigung nicht auseinander, weshalb auch in dieser Hin-

sicht auf die Rüge nicht eingetreten werden kann.

-   8   -

3.3.1. Die Verteidigung fährt fort, die Geschädigte habe klar ausgesagt, dass die

ersten beiden Vorfälle bereits im Mai 1999 vorgekommen seien. Ein Irrtum sei

hier ausgeschlossen. Ferner habe sie behauptet, es sei 15-20 Mal zu vollendeten

und zusätzlich 20 Mal zu versuchten Übergriffen gekommen. Diese Aussage der

Geschädigten könne jedoch nicht stimmen. Sie habe nämlich auch ausgesagt,

dass es immer nur am Mittwochabend zu Übergriffen gekommen sei, wenn die

Mutter den Deutschkurs besucht habe. Nachgewiesenermassen habe dieser Kurs

erst am 8. Dezember 1999 begonnen. Dabei habe E. als Zeuge ausgesagt, dass

er bis April 2000 jeden Mittwoch, wenn die Ehefrauen im Deutschkurs gewesen

seien, mit seinen Kindern beim Beschwerdeführer geweilt habe, was die Geschä-

digte selber bestätigt habe. Mit nichts belegt und unzutreffend sei die Annahme

der Vorinstanz, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers noch einen anderen

Kurs habe besucht haben können. Die Verteidigung fährt fort, selbst wenn die Vo-

rinstanz nur noch von zumindest fünf Mittwochabenden mit den eingeklagten

Vorfällen ausgehe, so berücksichtige sie nicht bzw. zu wenig, dass die generelle

Glaubwürdigkeit der Geschädigten durch die unmöglichen Angaben über den

Zeitpunkt und Anzahl der Vorfälle massiv beeinträchtigt werde (KG act. 1 Ziff. 8.b

S. 8f.).

3.3.2. Die Vorinstanz geht auf die von der Verteidigung aufgeworfene Fragestel-

lung ein und macht Ausführungen zu Problemen der zeitlich korrekten Einordnung

der eingeklagten Handlungen (KG act. 2 Erw. II.6.h S. 35), womit sich die Vertei-

digung nicht auseinandersetzt. Daher kann grundsätzlich auf die Rüge nicht ein-

getreten werden. Der Vollständigkeit halber ist jedoch darauf hinzuweisen, dass

die Feststellung der Vorinstanz nicht zu beanstanden wäre, wonach nicht ausge-

schlossen werden könne, dass die Mutter der Geschädigten auch noch andere

Kurse besucht habe als diejenigen, welche am 8. Dezember 1999 begonnen hät-

ten (KG act. 2 Erw. II.6.h S. 35). Die Vorinstanz geht nämlich nicht davon aus,

dass die Mutter der Geschädigten solche anderen Kurse tatsächlich besucht ha-

be. Sie hält diesen Umstand nicht einmal für wahrscheinlich ("... kann indes nicht

vollends ausgeschlossen werden ..."). Sie hält lediglich fest, dass die im Recht

liegenden Unterlagen zu Kursen ab Dezember 1999 mit den Aussagen der Ge-

schädigten in keinem unauflöslichen Widerspruch stehen, was durchaus nach-

vollziehbar und damit nicht willkürlich wäre.

-   9   -

3.4.1. Die Verteidigung moniert sodann, die Angaben der Geschädigten, sie habe

den Beschwerdeführer im Sommer 1999 auf dem Balkon u.a. unter der Badehose

am Penis mit Sonnencreme einreiben müssen, seien unglaubhaft. Der Beschwer-

deführer wäre dabei ein enormes Risiko eingegangen, entdeckt zu werden, u.a.

weil der Sichtschutz auf dem Balkon gerade nicht gross sei, wie sich aus BG HD

act. 39 ergebe. Nicht stichhaltig sei ferner das Argument der Vorinstanz, wonach

der Beschwerdeführer keinen allzu grossen Respekt davor gehabt habe, bei sol-

chen Handlungen in der Öffentlichkeit gesehen zu werden. Es sei nämlich etwas

Anderes, ein Kind während des Spielens am Busen und zwischen den Beinen zu

berühren als ein Kind zu zwingen, den Penis unter der Badehose zu reiben. Fer-

ner habe der Beschwerdeführer auf dem Balkon fürchten müssen, von seiner

Frau entdeckt zu werden (KG act. 1 Ziff. 8.c S. 9).

3.4.2. Zunächst ist festzuhalten, dass die Vorinstanz nicht dafür hält, dass auf

dem Balkon des Beschwerdeführers ein grosser Sichtschutz bestehe. Sie zieht

bloss in Betracht, dass der Balkon "eine gewisse" Sichtbarriere aufweise (KG

act. 2 Erw. II.6.e S. 32). Das wird von der Verteidigung (angesichts von BG HD

act. 39 zu Recht) nicht in Abrede gestellt. Im Übrigen beschränkt sich die Vertei-

digung darauf, ihre Interpretation der zitierten Beweismittel zu präsentieren, weist

jedoch nicht nach, dass die Erwägungen der Vorinstanz völlig abwegig und damit

willkürlich sein sollten. Sofern sie auf die Ausführungen der Vorinstanz eingeht,

kann sie sich bei deren Ablehnung bloss auf eigene (zumal nicht durch konkrete

Akten erhärtete) Wertungen stützen, welche den vorinstanzlichen Standpunkt

nicht zu widerlegen vermögen. Auf derlei appellatorische Kritik kann im Kassati-

onsverfahren nicht eingetreten werden.

3.5. Sodann macht die Verteidigung Ausführungen zu Aussagen der Geschädig-

ten betreffend "Frauenfilme" und Filme mit nackten Frauen. Sie legt dar, weshalb

sie der Ansicht sei, dass die Geschädigte in dieser Hinsicht unglaubhaft ausge-

sagt habe. Sie bezieht sich weder auf konkrete Erwägungen der Vorinstanz, um

deren Unhaltbarkeit nachzuweisen, noch macht sie geltend, die Vorinstanz sei auf

den von ihr vorgebrachten Widerspruch in den Aussagen der Geschädigten nicht

eingegangen (KG act. 1 Ziff. 8.d S. 9f.). Unter diesen Umständen kann auf die

Rüge nicht eingetreten werden.

-   10   -

3.6.1. Weiter führt die Verteidigung ins Feld, die Geschädigte habe ausgesagt,

der Beschwerdeführer habe manchmal Kondome verwendet. Dieser habe jedoch

zu Protokoll gegeben, er habe keine Kondome zu Hause. Bei einer Hausdurchsu-

chung seien denn auch keine Kondome zum Vorschein gekommen. Wenn die Vo-

rinstanz nun ausführe, es gebe viele Gründe, weshalb Kondome benützt würden

(nicht nur zur Schwangerschaftsverhütung), so sei damit noch nicht erklärt, wes-

halb keine Kondome gefunden worden seien (KG act. 1 Ziff. 8.e S. 10).

3.6.2. Die Vorinstanz verweist bei ihren Ausführungen betreffend Kondome auf

die Erwägungen der ersten Instanz (KG act. 2 Erw. II.6.e S. 31f. mit Hinweis auf

OG act. 53 S. 16f.). Diese hält fest, es treffe zu, dass bei der Hausdurchsuchung

keine Kondome gefunden worden seien. Dies belege aber keineswegs, dass sol-

che nie in der Wohnung des Beschwerdeführers gewesen seien, v.a. im Kontext,

dass die Geschädigte ausgesagt habe, es seien nur manchmal Kondome ver-

wendet worden. Mit diesen Erwägungen, welche die Vorinstanz Kraft Verweises

zu ihren eigenen macht, setzt sich die Verteidigung nicht auseinander, weshalb

auf die Rüge nicht eingetreten werden kann.

3.7.1. Die Verteidigung hält ferner fest, gemäss den Erwägungen der Vorinstanz

seien die Aussagen der Geschädigten in der ersten Befragung zu relativieren und

nicht von massgeblicher Bedeutung. Diese Würdigung sei nicht stichhaltig. Bei ih-

rer ersten Befragung sei die Geschädigte zwar unvorbereitet gewesen, und die

Einvernahme sei sicher unangenehm gewesen. Diese Umstände seien jedoch

kein Grund dafür, nicht die Wahrheit zu sagen. Die Widersprüche in den Aussa-

gen der Geschädigten könnten so nicht einfach übergangen werden (KG act. 1

Ziff. 8.f. S. 10). Zudem sei zu berücksichtigen, dass Aussagen nah am Tatge-

schehen nach den allgemeinen Regeln zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit von

grösserer Bedeutung seien als solche, die später deponiert würden (KG act. 1

Ziff. 6.h S. 6).

3.7.2. Es trifft zwar zu, dass die Tatnähe einer Aussage ein Kriterium bei der

Würdigung von Aussagen bildet. Es gilt jedoch - gerade im Hinblick auf den

Grundsatz der freien Beweiswürdigung - nicht absolut. Es können mithin Gründe

vorliegen, welche eine tatnahe Aussage weniger glaubhaft erscheinen lassen

können als später gemachte Ausführungen. Einen solchen Grund macht die Vo-

-   11   -

rinstanz insofern namhaft, als sie darauf hinweist, dass sich die Geschädigte an-

lässlich ihrer ersten Aussage in einem akuten Gewissens- und Loyalitätskonflikt

befunden habe, und dass sie offensichtlich eine gewisse Zeit und Distanz zum

Beschwerdeführer und zur Mutter gebraucht habe, bis sie sich freier habe äu-

ssern können (KG act. 2 Erw. II.5.c S. 25). Diese Begründung wird von der Ver-

teidigung zwar teilweise angesprochen, eine Auseinandersetzung damit findet je-

doch in keiner Weise statt. Auf die Rüge kann damit nicht eingetreten werden.

3.8.1. In der Folge geht die Verteidigung auf den plötzlich und unzusammenhän-

gend erhobenen Vorwurf der Geschädigten anlässlich ihrer ersten Einvernahme

ein, der Beschwerdeführer habe sie vergewaltigt. Ihre Ausführungen zur Bedeu-

tung des Wortes "Vergewaltigung", und woher sie diesen Begriff kenne, seien

nicht überzeugend. Gleiches gelte für den Erklärungsversuch der Vorinstanz, wo-

nach die Geschädigte vielleicht gerade begonnen habe, den Beschwerdeführer zu

belasten, sich dann aber wieder zurückgezogen habe. Genauso gut könne man

behaupten, die Geschädigte habe ihre überraschende Aussage später mit Bei-

spielen bestätigen müssen (KG act. 1 Ziff. 8.g S. 10).

3.8.2. Diesbezüglich kann zunächst auf die unter Ziff. II.2.3. vorstehend gemach-

ten Ausführungen hierzu verwiesen werden. Sodann kann dahin gestellt bleiben,

wie es sich mit der Begründung der Vorinstanz verhält, die Geschädigte habe

vielleicht gerade begonnen, den Beschwerdeführer zu belasten. Sie hält nämlich

davon unabhängig fest, der plötzliche Vorwurf der Vergewaltigung anlässlich der

ersten Einvernahme könne durchaus so verstanden werden, dass die Geschä-

digte einen Ausdruck verwendet habe, der nicht das bedeute, was sie tatsächlich

habe sagen wollen (KG act. 2 Erw. II.6.b S. 28f.). Die erste Instanz, auf welche

die Vorinstanz verweist (KG act. 2 Erw. II.6.b S. 28 mit Verweis auf OG act. 53

S. 14), erläutert diese Erwägung genauer und führt diesen Umstand auf das Alter

und die Fremdsprachigkeit der Geschädigten sowie die Tatsache zurück, dass sie

diesen Ausdruck zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr benutzt habe. Mit die-

sen entscheidenden Erwägungen setzt sich die Verteidigung nicht auseinander,

weshalb auf die Rüge nicht eingetreten werden kann.

-   12   -

 III.

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, sofern auf

sie überhaupt eingetreten werden kann. Der Beschwerdeführer wird damit für das

Kassationsverfahren (inkl. amtliche Verteidigung) kostenpflichtig. Der Geschä-

digten und Beschwerdegegnerin 2 ist mangels Umtrieben keine Entschädigung

zuzusprechen.

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 1'000.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 297.--   Schreibgebühren,

Fr. 228.--   Zustellgebühren und Porti.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens (inkl. derjenigen der amtlichen Vertei-

digung) werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. Schriftliche Mitteilung.

______________________________________

KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: