# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3112e5cb-5a70-57d0-9365-37c0cec086b5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.01.2015 SB130481
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130481_2015-01-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB130481-O/U/eh 
 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Präsident, und lic. iur. Ch. Prinz, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Maurer 

 

Urteil vom 23. Januar 2015 
 

in Sachen 

 

A._____,  
 

Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ 

ab 27.01.2015 erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X2._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft See/Oberland,  
vertreten durch Stv. Leitenden Staatsanwalt lic. iur. M. Kehrli 

 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend  

mehrfacher Menschenhandel etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom  
20. Juni 2013 (DG120034) 

-   2   - 

Anklage:  

Die Zusatzanklage der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 27. August 2012 

(Urk. HD 27), inkl. Berichtigung (Urk. HD 34), ist diesem Urteil beigeheftet.  

 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 68 S. 186ff.) 

Es wird erkannt:  

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− des mehrfachen Menschenhandels gemäss aArt. 196 StGB (ND 1-4, 6, 8 und 9),  

− der mehrfachen Förderung der Prostitution gemäss Art. 195 Abs. 3 StGB (ND 1-4, 6, 
8 und 9 sowie ND 7 Anklageziffern 5.14-5.18) und Art. 195 Abs. 4 StGB (ND 1, 3 und 
4), 

− der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 7 Ziff. 5.2), sowie 

− der Gehilfenschaft zu Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 i.V.m. Art. 25 StGB (ND 11). 

2. Von den Vorwürfen des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution zum Nachteil 

der Privatklägerin B._____ (ND 5) sowie vom Vorwurf der Hehlerei gemäss Art. 160 Ziff. 1 

StGB (ND 10) wird die Beschuldigte freigesprochen. 

3. Die Verfahren betreffend mehrfache Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 4 ANAG (ND 5, 6, 

8, 9) werden eingestellt.  

4. Die Beschuldigte wird mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren, wovon 510 Tage durch Polizei- 

und Untersuchungshaft bereits erstanden sind (gerechnet vom 12. Januar 2007 bis zum  

5. Juni 2008), sowie mit einer Busse von Fr. 5'000.– bestraft. 

5. a) Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin C._____ Fr. 10‘000.– als Scha-

denersatz zu bezahlen, unter solidarischer Haftung mit all-fälligen Mittätern.  

b) Auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._____ wird nicht eingetreten. 

c) Die Beschuldigte wird dem Grundsatz nach verpflichtet, der Privatklägerin E._____ 

Schadenersatz zu bezahlen, unter solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern. Zu 

dessen genauer Bezifferung wird die Privatklägerin E._____ auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.  

6. a) Die Privatklägerin B._____ wird mit ihren Zivilansprüchen auf den Zivilweg verwiesen. 

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b) Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin E._____ Fr. 10'000.– zuzüglich 

Zins zu 5 % seit 15. Oktober 2005 (mittlerer Verfall) als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

Der Betrag gilt im Umfang des der Privatklägerin zuzusprechenden Betrags gemäss 

Disp. Ziff. 7 c) als abgegolten.  

c) Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin F._____ Fr. 20'000.–  

zuzüglich Zins zu 5 % seit 15. Oktober 2006 (mittlerer Verfall) als Genugtuung zu  

bezahlen, unter solidarischer Haftung mit allfälligen Mitttätern.  

Der Betrag gilt im Umfang des der Privatklägerin zuzusprechenden Betrags gemäss 

Disp. Ziff. 7 c) als abgegolten. 

d) Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin G._____ Fr. 20'000.–  

zuzüglich Zins zu 5 % seit 1. Oktober 2006 (mittlerer Verfall) als Genugtuung zu  

bezahlen, unter solidarischer Haftung mit allfälligen Mitttätern. 

Der Betrag gilt im Umfang des der Privatklägerin zuzusprechenden Betrags gemäss 

Disp. Ziff. 7 c) als abgegolten. 

7. a) Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. November 

2008 (HD act. 17/2) und 29. Oktober 2009 (ND 10 act. 17/4) beschlagnahmten Fotos 

und Einzahlungsbelege werden eingezogen und als Beweismittel zu den Akten  

genommen. 

b) Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

29. Oktober 2009 beschlagnahmte Handy Motorola IMEI ... sowie der Pfefferspray 

(ND 10 act. 17/4) werden eingezogen und vernichtet.  

c) Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 29. Oktober 

2009 (ND 10 act. 17/4) beschlagnahmte Barvermögen in Höhe von Fr. 40'565.70, 

Kuna 280.– und Euro 400.– wird zu je 40 % den Privatklägerinnen F._____ und 

G._____ sowie zu 20 % der Privatklägerin E._____ zugesprochen.  

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8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr.  12'000.–  ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 10'016.20 Auslagen Vorverfahren 

Fr. 12'000.– Gebühr Strafuntersuchung  

Fr. 1'100.– Kosten der Kantonspolizei Zürich 

Fr. 5'827.20 unentgeltliche Verbeiständung (Kostenanteil Beschuldigte; bereits verrechnet) 

Fr. 8'859.25 
unentgeltliche Verbeiständung (festgesetzt mit Ergänzungsurteil 
vom 30. August 2013 sowie mit Verfügung vom 12. November 
2013) 

Fr. 27'743.85 amtliche Verteidigung (bereits verrechnet) 

Fr. 34'771.15 amtliche Verteidigung (festgesetzt mit Ergänzungsurteil vom 30. August 2013) 

Fr. 112'317.65  Total 

9. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

für die amtliche Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen 

Verteidigung indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung 

bleibt vorbehalten. 

Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerinnen B._____ und 

E._____ werden der Beschuldigten zur Hälfte auferlegt, jedoch einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Eine Nachforderung bleibt vorbehalten. 

10. (Mitteilungen) 

11. (Rechtsmittel) 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 19ff.) 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten A._____: 

 (Urk. 159 S. 1f.) 

1. In Aufhebung von Ziff. 1 des Urteils: 

Freispruch in Bezug auf Menschenhandel, Förderung der Prostitution und 

Freiheitsberaubung. 

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2. In Abänderung von Ziff. 4 des Urteils: 

Reduktion der Strafe auf eine bedingte Freiheitsstrafe von max.  

acht Monaten.  

Probezeit nach Ermessen des Gerichts 

Anrechnung der erstandenen Haft. 

Zuerkennung einer Genugtuung für erstandene Überhaft nach Ermessen 

des Gerichts. 

3. In Aufhebung von Ziff. 5c sowie Ziff. 6 des Urteils: 

Abweisung der Zivilforderungen der Geschädigten bzw. Nichteintreten. 

4. In teilweiser Aufhebung von Ziff. 7a und b des Urteils: 

Herausgabe von Fotos, Zahlungsbelegen und Handy an die Beschuldigte. 

In Aufhebung von Ziff. 7c des Urteils:  

Definitive Einziehung eines entsprechend den Teilfreisprüchen reduzierten 

Teils des beschlagnahmten Barvermögens und Verwendung desselben für 

die Deckung der auferlegten Kosten.  

Herausgabe des Rests an die Beschuldigte. 

Im Fall des Erfolgs der Berufung: 

Zusprechen einer Entschädigung nach Ermessen für Anwaltskosten. 

5. Anpassung der erstinstanzlichen Regelung der Kostenfolgen entsprechend 

den Teilfreisprüchen.  

Ausgangsgemässe Regelung der zweitinstanzlichen Kostenfolgen. 

Eventualantrag (für den Fall der umfassenden Bestätigung der erstinstanzlichen 

Schuldsprüche): 

In Aufhebung von Ziff. 4 sei die Strafe zu reduzieren auf vier Jahre und auch 

die Busse angemessen herabzusetzen.  

 Anrechnung aller erstandener Haft. 

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Bei Teilfreisprüchen: 

 Entsprechende Zwischenvariante. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 161 S. 1f.) 

1. Die Beschuldigte A._____ sei schuldig zu sprechen 

− des mehrfachen Menschenhandels im Sinne von aArt. 196 StGB 
(ND 1-4, 6, 8, 9) 

− der mehrfachen Förderung der Prostitution im Sinne von Art. 195 
Abs. 3 StGB (ND 1-4, 6, 8, 9 sowie ND 7 Ziff. 5.14-5.18) und Art. 195 
Abs. 4 StGB (ND 1, 3, 4) 

− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 
(ND 7 Ziff. 5.2.) 

− der Gehilfenschaft zu Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in  
Verbindung mit Art. 25 StGB (ND 11) 

2. (…) 

3. Die Beschuldigte A._____ sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu be-

strafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft.  

4. (…) 

5. Die Regelung der Einziehungen sowie der Entschädigungs- und Genug-

tuungsforderungen gemäss vorinstanzlichem Dispositiv seien zu bestätigen, 

jedoch mit folgenden Abweichungen/Ergänzungen: 

a) Die Einzahlungsbelege (Dispositiv Ziff. 7a) seien der Beschuldigten 

A._____ heraus zu geben, sofern sie nicht darauf verzichtet. 

b) Der bei den Akten liegende Reisepass der Beschuldigten A._____ sei 

zu beschlagnahmen und der Beschuldigten erst nach Antritt des Straf-

vollzugs unter Aufhebung der Beschlagnahme zu den Effekten zu ge-

ben.  

-   7   - 

6. Das vorinstanzliche Kostendispositiv sei zu bestätigen und die Kosten des 

Berufungsverfahrens den Beschuldigten anteilsmässig aufzuerlegen. 

c) Des Vertreters der Privatklägerin E._____: 

(Urk. 162 S. 1) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 20. Juni 2013 (DG120033 

bzw. DG120034) sei zu bestätigen und die Berufungen der Beschuldigten 

und Berufungsklägerin bzw. des Beschuldigten und Berufungsklägers seien 

abzuweisen, soweit sie die straf- als auch die zivilrechtlichen Ansprüche der 

Geschädigten betreffen.  

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt) zulasten der 

bzw. des Beschuldigten. 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte / Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Am 12. Januar 2007 wurde die Beschuldigte A._____ verhaftet, weil sie ver-
dächtigt wurde, am gleichentags verübten Raubüberfall in H._____ beteiligt  

gewesen zu sein (vgl. Urk. HD 20/1). Nach Eingang der Zusatzanklage vom 

27. August 2012 der Staatsanwaltschaft See/Oberland betreffend Menschen-

handel etc. – dies zur Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons  

Zürich vom 17. Dezember 2008 gegen I._____ und Mitbeteiligte – fällte das Be-

zirksgericht Winterthur am 20. Juni 2013 sein Urteil, mit welchem es die  

Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren (und Busse) verurteilte. Bezüg-

lich des genauen Verfahrensverlaufs bis zu diesem Zeitpunkt kann auf die um-

fassenden und zutreffenden Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 68 S. 11ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

-   8   - 

1.2. Gegen das mündlich eröffnete und im Dispositiv übergebene Urteil (Prot. I 
S. 28) liess die Beschuldigte rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 56). Nach  

Zustellung des begründeten Urteils am 4. Oktober 2013 (Urk. 65) reichte die Ver-

teidigung am 24. Oktober 2013 innert Frist ihre Berufungserklärung ein (Urk. 70). 

Mit Schreiben vom 28. Oktober 2013 sowie identischem Schreiben vom 

26. November 2013 liess die Beschuldigte mitteilen, dass Rechtsanwalt Dr. iur. 

X1._____ ihre (erbetene) Verteidigung übernommen habe und reichte eine ent-

sprechende Vollmacht ein (Urk. 72; Urk. 74; Urk. 76; Urk. 78). Mit Präsidial-

verfügung vom 4. Dezember 2013 wurde die Berufungserklärung der Beschuldig-

ten der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerschaft zugestellt unter Hinweis 

auf die Möglichkeit einer Anschlussberufung oder eines Nichteintretensantrags.  

Zudem wurde dem bisherigen amtlichen sowie dem erbetenen Verteidiger Frist 

angesetzt mitzuteilen, ob die erbetene Verteidigung anstelle oder neben der amt-

lichen Verteidigung tätig sein werde (Urk. 79). Der amtliche Verteidiger gab in der 

Folge bekannt, es entspreche dem Wunsch der Beschuldigten, dass die erbetene 

Verteidigung inskünftig anstelle der amtlichen Verteidigung amte (Urk. 81). Nach-

dem Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 

14. Januar 2014 bestätigte, die erbetene Verteidigung solle an die Stelle der bis-

herigen amtlichen Verteidigung treten, wurde mit Präsidialverfügung vom 

17. Januar 2014 der bisherige amtliche Verteidiger der Beschuldigten entlassen 

und entschädigt (Urk. 96).  

1.3. Die Beschuldigte beantragte zunächst einen vollumfänglichen Freispruch 
(Urk. 70 S. 2). Die Staatsanwaltschaft erhob mit Eingabe vom 12. Dezember 2013 

innert Frist Anschlussberufung, welche sich auf den Freispruch vom Vorwurf der 

Hehlerei sowie die Bemessung der Strafe beschränkte (Urk. 83). Mit Präsidial-

verfügung vom 17. Dezember 2013 wurde die Anschlussberufungserklärung der 

Staatsanwaltschaft der Beschuldigten sowie der Privatklägerschaft zugestellt  

sowie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um mitzuteilen, wie das Dispositiv 

des zu fällenden Berufungsurteils zu lauten habe (Urk. 88), welcher Aufforderung 

mit Eingabe vom 19. Dezember 2013 nachgekommen wurde (Urk. 90). Kurz vor 

der Berufungsverhandlung teilte die Verteidigung mit, dass die Berufung der  

Beschuldigten im Hinblick auf den Vorwurf der Gehilfenschaft zu Raub zurück-

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gezogen und dieser Anklagepunkt nicht mehr angefochten werde (Urk. 143). 

Demgemäss wurde auch die solidarische Verpflichtung der Beschuldigten zur 

Leistung von Fr. 10'000.– Schadenersatz an die C._____ gemäss Ziff. 5a) des vo-

rinstanzlichen Dispositivs als rechtskräftig anerkannt (Prot. II S. 16; Urk. 159 S. 1). 

In der Folge zog auch die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung bezüglich 

des Vorwurfs der Hehlerei zurück (nicht aber betreffend Strafzumessung; 

Urk. 145). Von keiner Seite angefochten wurden der Freispruch der Beschuldigten 

vom Vorwurf des Menschenhandels und der Förderung der Prostitution zum 

Nachteil der Privatklägerin B._____ (ND 5) sowie die Einstellung der Ver- 

fahren betreffend mehrfache Widerhandlung gegen das ANAG (Ziff. 2 Teil 1 und 

Ziff. 3 des vorinstanzlichen Dispositivs). Keine Einwendungen wurden auch gegen 

die Regelung der Zivilforderungen, soweit der Privatklägerschaft nichts zuge-

sprochen wurde, sowie gegen die Kostenaufstellung gemäss Ziff. 8 des vor-

instanzlichen Urteilsdispositivs erhoben (Urk. 70 S. 2, Urk. 159 S. 1f.). Daher ist 

im Sinne von Art. 404 Abs. 1 StPO vorab festzustellen, dass der erstinstanzliche 

Entscheid in diesen Punkten in Rechtskraft erwachsen ist.  

2. Öffentlichkeit 

Die Vorinstanz hat auf Antrag von drei Privatklägerinnen die Publikumsöffentlich-

keit von der Gerichtsverhandlung vom 8. Mai 2013 ausgeschlossen, jedoch die 

akkreditierten Medienschaffenden mit Auflagen zugelassen (Urk. 40). Wird kein 

abweichender Antrag gestellt, wird grundsätzlich angenommen, dass die gleiche 

Regelung auch im Berufungsverfahren Geltung haben soll. Die Vertreterin der 

Privatklägerin E._____ stellte sodann explizit den Antrag, es sei diesbezüglich wie 

vor Vorinstanz vorzugehen (Urk. 122A). Mit Verfügung vom 1. Juli 2014 wurde 

demgemäss auch für das Berufungsverfahren die Publikumsöffentlichkeit ausge-

schlossen. Die akkreditierten Gerichtsberichterstatter wurden wiederum unter der 

Auflage zugelassen, dass sie jegliche Angaben zur Identität der Privatklägerinnen 

unterlassen (Urk. 123). Demgemäss wurde die Berufungs-verhandlung vom 

19./20. Januar 2015 so gestaltet, dass die drei Beschuldigten zwar zusammen 

verhandelt wurden, die nicht öffentlichen Teile der Berufungsverhandlung jedoch 

zeitlich von den öffentlichen abgetrennt wurden (Prot. II S. 15ff.).  

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3. Anklageberichtigung 

Mit Eingabe vom 4. März 2013 teilte der zuständige Staatsanwalt mit, dass in der 

Zusatzanklageschrift vom 27. August 2012 bei der Nummerierung der Neben-

dossiers ein Fehler unterlaufen sei. Er hielt fest, dass der Fall E._____ in ND 7 

(und nicht ND 5), der Fall B._____ in ND 5 (und nicht ND 6) sowie der Fall 

J._____ in ND 6 (und nicht ND 7) behandelt würden (Urk. 34). Von dieser Berich-

tigung ist im Folgenden – wie bereits vor Vorinstanz – auszugehen. 

4. Verwertbarkeit, Beweisergänzungen 

4.1. Die Vorinstanz hat sich zur Verwertbarkeit der vorliegenden Beweise zutref-
fend und umfassend geäussert. Darauf kann zwecks Vermeidung von Wieder-

holungen vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 68 S. 15ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Zu Recht hat die Vorinstanz sodann das abgehörte Mobiltelefon mit der Nummer 

076 […] ... zumindest teilweise auch der Beschuldigten zugeordnet (a.a.O. S. 16, 

Urk. ND 10/6/13 S. 12).  

4.2. Die Beschuldigte beantragte im Berufungsverfahren die Zeugeneinvernahme 
von K._____ sowie von L._____ (Urk. 94). Der Beweisantrag der Beschuldigten 

auf Einvernahme des Zeugen K._____ wurde mit Präsidialverfügung vom 18. Juli 

2014 abgewiesen (Urk. 130). Hingegen wurde der Beweisantrag auf Einvernahme 

des Zeugen L._____ gutgeheissen und zudem eine ergänzende Einvernahme der 

Privatklägerin E._____ angeordnet (Urk. 116). Die Unterlagen über die getätigten 

Beweiserhebungen gingen in der Folge am 17. Juni 2014 hierorts ein (Urk. 118; 

Urk. 120/1-7) und wurden mit Präsidialverfügung vom 20. Juni 2014 den Parteien 

zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt (Urk. 121). Darauf wird im Folgenden 

an geeigneter Stelle zurückzukommen sein. Mit Schreiben vom 10. Oktober 2014 

wurde schliesslich die Übersetzung eines Auszuges von Urk. HD 3/5/1 vom Kroa-

tischen in die deutsche Sprache angeordnet (Urk. 132 und Urk. 133), welche der 

Verteidigung anschliessend zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 134). Im Verfahren 

des Mitbeschuldigten I._____ wurden keine Beweisergänzungsanträge gestellt. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Beschuldigte keine Beweis-

ergänzungsanträge mehr (Urk. 159 S. 1f. und S. 31). 

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5. Mit Verfügung vom 5. Juni 2008 wurde der Beschuldigten im Sinne einer  
Ersatzmassnahme für Untersuchungshaft (unter anderem) untersagt, zu gewissen 

Geschädigten sowie deren Familien Kontakt aufzunehmen und die Schweiz zu 

verlassen. Weiter wurde ihr die Pflicht auferlegt, sich regelmässig zu melden und 

allfällige Adresswechsel sofort anzuzeigen. Zu diesem Zweck wurde der kroati-

sche, noch bis ins Jahr 2021 gültige Reisepass Nr. ... der Beschuldigten be-

schlagnahmt (Urk. HD 20/22), welcher sich noch immer als Urk. HD 20/26 in den 

Akten befindet. Die Ersatzmassnahmen waren gemäss Verfügung vom 5. Juni 

2008 auf drei Monate befristet und wären im Bedarfsfalle verlängert  

worden. Eine solche Verlängerung findet sich nicht in den Akten. Seitens der  

Anklagebehörde wurde nun anlässlich der Berufungsverhandlung beantragt, es 

sei der bei den Akten liegende Reisepass der Beschuldigten zu beschlagnahmen 

und ihr erst nach Antritt des Strafvollzugs zu den Effekten zu geben (Urk. 161 S. 2 

und S. 7f.). Über diesen Antrag resp. die erforderliche Fluchtgefahr ist im  

Anschluss an die Urteilsberatung mittels Präsidialverfügung zu entscheiden (vgl. 

Art. 237 Abs. 1 und Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 232 Abs. 1 StPO; vgl. Urk. 165). 

6. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde die Beschuldigte sodann im Ver-
fahren gegen I._____ und M._____ als Zeugin zum Vorfall vom 10. Januar 2007 

einvernommen, nachdem sie in diesem Punkt – nach dem Rückzug ihrer diesbe-

züglichen Berufung – bereits rechtskräftig verurteilt war (Urk. 154). In ihrem eige-

nen Verfahren verzichtete sie auf eine mündliche Urteilseröffnung, weshalb das 

am 23. Januar 2015 gefällte Urteil gleichentags per Fax im Dispositiv eröffnet 

wurde (Prot. II S. 18; Urk. 166). 

II. Sachverhalt 

Einleitung 

1. Der Beschuldigten werden in der (Zusatz-)Anklage verschiedene Delikte vor-
geworfen. Die Beschuldigte zeigte sich von Anfang an bis heute nicht geständig 

(Urk. 157 S. 2) – mit Ausnahme der nunmehr anerkannten Gehilfenschaft zu 

Raub (ND 11), auf welche zurückzukommen sein wird. Somit müssen ihr die ein-

geklagten Sachverhalte aufgrund der übrigen Beweismittel und Indizien nachge-

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wiesen werden, um zu einem Schuldspruch gelangen zu können. Der Vorwurf der 

Hehlerei (ND 10) ist aufgrund des Rückzugs der diesbezüglichen Anschluss-

berufung der Staatsanwaltschaft nicht mehr zu prüfen. 

2. Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung hat die Vorinstanz umfassende und 
zutreffende Erwägungen gemacht, auf welche zwecks Vermeidung von Wieder-

holungen vollumfänglich verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbeson-

dere hat die Vorinstanz auch aufgezeigt, wie beim Fehlen von direkten Beweisen 

resp. beim Vorliegen von Indizien vorzugehen ist, und wie Aussagen von Zeugen 

und Mitbeteiligten richtig zu würdigen sind (Urk. 68 S. 20-25). Zu Recht hat sie 

auch darauf hingewiesen, dass gemäss ständiger Bundesgerichtspraxis nicht  

erforderlich ist, dass sich das urteilende Gericht mit allen Parteistandpunkten  

einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wider-

legt. Vielmehr muss die Begründung so abgefasst sein, dass sich der Betroffene 

über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis 

der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen 

wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde 

hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (anstatt vieler: BGE 136 I 

229 Erw. 5.2. mit Hinweisen). 

Auf die detaillierten Ausführungen der Vorinstanz kann vorab auch ganz grund-

sätzlich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Wo davon abgewichen wird, 

wird dies im Folgenden explizit erwähnt. Die nachstehenden Ausführungen sind 

somit überwiegend ergänzender und präzisierender Natur.  

Menschenhandel und Förderung der Prostitution  

1. Allgemeines 

1.1. An dieser Stelle ist vorab nochmals auf die Berichtigung der Nummerierung 
der Nebendossiers in der Zusatzanklage hinzuweisen (Urk. HD 34). Mit der Vor-

instanz sind sodann die Vorwürfe betreffend E._____ (ND 7) im Anschluss ge-

sondert zu prüfen, da der Beschuldigten bezüglich dieser Privat-klägerin neben 

Förderung der Prostitution auch andere Delikte vorgeworfen werden.  

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1.2. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz die Beschuldigte zu 
Recht von den Vorwürfen betreffend B._____ – nunmehr rechtskräftig – freige-

sprochen hat, nachdem diese lediglich polizeilich ausgesagt hatte, diese Aussa-

gen jedoch nicht zum Nachteil der Beschuldigten verwertet werden dürfen 

(Urk. 68 S. 17). Wenn die Vorinstanz bei ihren allgemeinen Erwägungen an weni-

gen Stellen dennoch auf die Aussagen von B._____ abstellte, sind diese – soweit 

belastend – nicht verwertbar und nicht zu hören. Letztlich ändert dies jedoch 

nichts an den grundsätzlichen Feststellungen der Vorinstanz, welche sich auch 

auf weitere Aussagen der übrigen Geschädigten stützt. Festzuhalten ist indes, 

dass sich die polizeilichen Aussagen von B._____ jedenfalls nicht entlastend für 

die Beschuldigte auswirken, indem sie etwa die Situation vollends anders als die 

weiteren Geschädigten geschildert hätte.  

1.3. Bezüglich der Verwertbarkeit der Aussagen der übrigen Beteiligten kann voll-
umfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 68 S. 18). Wenn die Vorinstanz den eingeklagten Sachverhalt an einigen 

Stellen zu Gunsten der beiden Beschuldigten korrigiert hat, tat sie das mit zu-

treffender Begründung (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 68 S. 102). So ist ihr zuzustim-

men, dass sich nicht erstellen lässt, dass I._____ im Bordell von einem gewissen 

"N._____" vertreten wurde, während er in Kroatien im Gefängnis weilte (Urk. 68 

S. 54). Nicht erstellt ist auch, dass I._____ persönlich jeweils Geld von den Frei-

ern entgegen nahm, wie dies die Anklageschrift in Ziff. 0.7 festhält (Urk. 68 S. 72). 

Schliesslich ist die Vorinstanz zu Gunsten der Beschuldigten auch davon ausge-

gangen, dass der Geschädigten O._____ ihr Reisepass nicht bereits nach zwei 

Wochen, sondern erst anlässlich eines Streits ungefähr eine Woche vor ihrer 

Rückkehr weggenommen wurde (Urk. 68 S. 85). Von diesen Präzisierungen des 

Sachverhalts ist auszugehen und darf zu Lasten der Beschuldigten nicht mehr 

abgewichen werden. 

1.4. Die Beschuldigte hat (schliesslich) anerkannt, zusammen mit I._____ zur 
fraglichen Zeit ein Bordell an der ...strasse ... in ... Zürich betrieben und eine ge-

meinsame Kasse geführt zu haben (entgegen der Behauptung der Verteidigung 

vor Vorinstanz, Urk. 50/8 S. 6 oben). Sie bestätigte auch, dass vom vereinbarten 

-   14   - 

Betrag von Fr. 150.– pro Freier jeweils Fr. 50.– für die jeweilige Geschädigte und 

der Rest für sie und I._____ – sowie zur Kostendeckung – bestimmt waren 

(Urk. 50/3 S. 6-8 und S. 16, Urk. 157 S. 2ff.). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung hielt sie erneut fest, sie habe mit I._____ zusammen arbeitsteilig gearbeitet; 

sie seien beide zusammen die Chefs des Bordells gewesen (a.a.O., vgl. auch 

Urk. 158 S. 2f.). Daher kann bereits an dieser Stelle den diversen Ausführungen 

des Verteidigers, welcher die Beschuldigte als "graues Entchen" bezeichnete, das 

sich der Aura von I._____ nicht entziehen konnte und nur begrenzt das Sagen im 

Bordell gehabt habe (Urk. 159 S. 9-15), widersprochen werden. Solches wurde 

von keiner Seite im gesamten Verfahren je behauptet. Unzutreffend ist in diesem 

Zusammenhang auch die Behauptung der Verteidigung, I._____ sei der Beschul-

digten allmählich unheimlich geworden; im Sommer 2006 sei dieser nach seiner 

Haft in Kroatien aber wieder in Zürich erschienen (Urk. 159 S. 15). Gemäss den 

Aussagen von J._____, welche zur fraglichen Zeit an der ...strasse ... war, war es 

vielmehr so, dass A._____ den Beschuldigten nach seinem Gefängnisaufenthalt 

in Kroatien abgeholt habe und mit diesem am 16. Juli 2006 in der Wohnung in Zü-

rich angekommen sei (Urk. ND 6/2 S. 7). Der Versuch der Verteidigung, die 

Hauptverantwortung für die Geschehnisse auf I._____ abzuschieben und die Be-

schuldigte als naive Mitläuferin darzustellen, überzeugt daher in keiner Weise. Im 

Übrigen hielt die Beschuldigte von Anfang an fest, sämtliche der in der Anklage 

genannten Frauen seien freiwillig und in der Absicht, sich zu prostituieren in die 

Schweiz gekommen. Sie hätten sich alle bereits in Kroatien prostituiert und seien 

bereits in Kroatien vollständig darüber informiert gewesen, dass sie in Zürich der 

Prostitution nachgehen sollten (vgl. dazu auch Urk. 50/3 S. 10ff., Urk. HD 6/7 

S. 2ff., Urk. 157 S. 5ff.).  

2. Aussagen der Geschädigten 

2.1. Die Vorinstanz hat die in der Zusatzanklage unter den Ziffern 0.1-0.9 einge-
klagten Sachverhalte – mit Ausnahme der bereits oben erwähnten Korrekturen – 

aufgrund der Aussagen der Geschädigten als erstellt erachtet (Urk. 68 S. 51ff.; 

auf die einzelnen NDs wird weiter unten eingegangen). Zutreffend hat sie dazu 

ausgeführt, die Zeuginnen – ohne Berücksichtigung von B._____ immerhin sieben 

-   15   - 

Frauen – hätten alle im Wesentlichen deckungsgleich ausgesagt, ohne abgespro-

chen zu wirken, was besonders für die Glaubhaftigkeit der Aussagen spreche 

(Urk. 68 S. 33). Dabei würdigte die Vorinstanz äusserst sorgfältig die sogenann-

ten Realitätskriterien respektive mögliche Lügensignale in den Ausführungen der 

Geschädigten. Auf diese umfassenden Erwägungen kann zwecks Vermeidung 

von Wiederholungen vorab verwiesen werden (Urk. 68 S. 28ff.; Art. 82 Abs. 4 

StPO).  

2.2. Während bei einem sogenannten Vieraugendelikt Aussage gegen Aussage 
steht, was eine besonders kritische Hinterfragung bezüglich möglicher Motive für 

eine Falschaussage erfordert, werden die Beschuldigte und I._____ vorliegend 

von sieben verschiedenen Frauen belastet, die sich untereinander grösstenteils 

nicht kannten. Wenn überhaupt, dann kannten sie nur jene Frau, die gleichzeitig 

mit ihnen im Bordell an der ...strasse ... tätig war, wo grundsätzlich stets zwei 

Frauen zur Verfügung standen (vgl. Urk. ND 8/5/5 S. 3 und S. 13) – gemäss Aus-

sagen der Beschuldigten an der Berufungsverhandlung sogar meist nur eine 

(Urk. 157 S. 5, vgl. Urk. 159 S. 28). Obwohl sich die ersten Geschädigten (zur 

Hauptsache; vgl. unten zu ND 2) ab Frühling 2003 an der ...strasse ... aufhielten 

und die letzten erst im Jahre 2006 dort tätig waren, deponierten sie dennoch im 

Kernpunkt die gleichen Aussagen über ihre Anwerbung und die Vorgänge im Bor-

dell. Sollte es sich dabei um Falschaussagen handeln, müsste daher ein eigentli-

ches Komplott geschmiedet worden sein, was die Vorinstanz mit zutreffenden Ar-

gumenten verworfen hat (Urk. 68 S. 25ff. i.V.m. S. 44). Auch die Verteidigung 

scheint nicht mehr davon auszugehen (Urk. 159 S. 28ff.). Dass sich die Geschä-

digten im Laufe der Untersuchung möglicherweise einmal begegneten (Urk. 159 

S. 30), ändert nichts daran, denn sie sagten von Anfang an bereits bei der Polizei 

in Vielem deckungsgleich aus. Wären Absprachen getroffen worden, so wären 

Aussagen zu erwarten, die auch in den Details genau übereinstimmen, was nicht 

der Fall ist. Die Schilderungen der Geschädigten wirken vielmehr authentisch, 

selbsterlebt und nicht auswendig gelernt. Zu Recht hat die Vorinstanz auch auf 

die glaubhaft geschilderten Emotionen der Geschädigten hingewiesen (vgl. 

Urk. 68 S. 41ff.). Insbesondere können auch finanzielle Motive ausgeschlossen 

werden: Wäre es um Geld gegangen – etwa um ausstehenden Dirnenlohn oder 

-   16   - 

Erhalt einer möglichst hohen Genugtuung –, so wären zweifellos allseits entspre-

chende Forderungen im Strafprozess gestellt worden. Als Privatklägerinnen ha-

ben sich von den sieben hier interessierenden Frauen jedoch nur gerade zwei 

konstituiert und Zivilforderungen geltend gemacht (F._____ und G._____); und 

auch diese beiden haben nicht selbst Anzeige erstattet (Urk. 68 S. 25f.). Weshalb 

sämtliche Geschädigten die beiden Beschuldigten unabhängig voneinander derart 

zu Unrecht hätten belasten sollen, wenn sie völlig freiwillig und selbstbestimmt in 

deren Bordell gearbeitet und keinerlei Drohungen oder Gewalt erfahren hätten, ist 

vielmehr nicht ersichtlich. Insbesondere wäre nicht einzusehen, weshalb die Ge-

schädigten auch die Beschuldigte gleichermassen belastet haben, wenn sie ledig-

lich die freundliche "Puffmutter" gewesen wäre, die mit den Geschädigten wie in 

einer WG zusammenlebte und nur aus Liebe zu I._____ mitmachte, wie die Ver-

teidigung behauptet (Urk. 159 S. 13f.). Die Geschädigten zeichnen ein ganz ande-

res Bild der Beschuldigten und einige von ihnen haben explizit erklärt, auch vor ihr 

Angst gehabt zu haben (Urk. ND 8/5/5 S. 5f., Urk. ND 6/4/4 S. 10 oben; vgl. 

Urk. 159 S. 21 oben).  

2.3. Die Verteidigung und auch die Beschuldigte machten dazu immer wieder gel-
tend, die Geschädigten hätten ihr Umfeld – und insbesondere auch ihre Familien 

– aus Scham über ihre eigentliche Tätigkeit im Dunkeln gelassen (vgl. Urk. 50/3 

S. 10 unten) und hätten sich daher eine fiktive Tätigkeit in der Schweiz ausge-

dacht. Bei der Prostitution handle es sich immerhin um eine in Kroatien nach wie 

vor verbotene Arbeit. Frauen, die dieser Tätigkeit illegal nachgehen würden, wür-

den sozial geächtet (Urk. 50/8 S. 9 und S. 10f.; Urk. HD 6/1 S. 14 und S. 16; 

Urk. HD 6/7 S. 29, Urk. 159 S. 28ff., Urk. 157 S. 8ff.). Diese These überzeugt in-

des nicht: Hätten die Geschädigten – ob nun abgesprochen oder völlig unabhän-

gig von einander – die Beschuldigte zu Unrecht einer Straftat beschuldigen und 

eine Zwangslage schildern wollen, der sie sich in keiner Weise widersetzen oder 

entziehen konnten, so wären in der Untersuchung deutlichere Worte und An-

schuldigungen von den Geschädigten zu erwarten gewesen. Wer zu diesem 

Zwecke Aussagen frei erfindet, würde zweifellos möglichst schwerwiegende 

Druckmittel schildern und etwa von Todesdrohungen, Missbrauch oder schwerer 

Prügel berichten. Ein Anlass, sich diesbezüglich irgendwelche Zurückhaltung auf-

-   17   - 

zuerlegen, bestünde bei einer falschen Anschuldigung nicht. Wie die Vorinstanz 

mit diversen Beispielen richtig aufgezeigt hat, haben indes alle Geschädigten zu-

rückhaltend und differenziert ausgesagt und die Beschuldigten nicht über-mässig 

belastet (Urk. 68 S. 33ff.). Die Ansicht der Verteidigung, die Geschädigten hätten 

einfach Schwarzmalerei betrieben (Urk. 159 S. 3f.), trifft nicht zu. Die Aussagen 

der Geschädigten lassen mit der Vorinstanz in keiner Weise den Schluss zu, sie 

hätten damit nur den eigenen Ruf retten wollen. Dies ergäbe auch aus anderem 

Grund keinen Sinn: Wären die Geschädigten tatsächlich bereits in ihrer Heimat 

als Prostituierte tätig gewesen, was von der Beschuldigten geltend gemacht wird 

(Urk. 50/3 S. 10f., Urk. HD 5/3 S. 6, Urk. 6/7 S. 3 und S. 6, Urk. 157 S. 5), so gäbe 

es keinerlei Grund, weshalb sich die Frauen ausgerechnet bezüglich ihrer Zeit in 

der Schweiz als Opfer von Menschenhandel hätten darstellen sollen. Sie hätten 

solches, um ihren Ruf zu retten, vielmehr auch bezüglich ihrer Heimat behaupten 

müssen, wo – gemäss Beschuldigten (a.a.O.) – bereits alle von der Tätigkeit als 

Prostituierte gewusst hätten. Wären die Geschädigten hingegen erst in der 

Schweiz der Prostitution nachgegangen, so hätten sie das überhaupt nie preisge-

ben müssen. Wie die Vorinstanz richtig aufzeigte, waren die Frauen sehr darum 

bemüht, dass niemand in der Heimat resp. ihre Familien etwas davon erfahren 

sollten (Urk. 68 S. 27). So hielt u.a. auch P._____ fest, sie wolle lieber nicht aus-

sagen und alles vergessen (Urk. ND 1/2 S. 3); es sei immer darum gegangen, 

dass niemand von der Familie etwas erfahren dürfe. Sie hätte um keinen Preis 

von sich aus eine Anzeige gemacht (Urk. ND 1/4/4 S. 11). Auch Q._____ bestä-

tigte, sie hätte nie eine Anzeige gemacht, wenn sie nicht von der kroatischen Poli-

zeibeamtin kontaktiert worden wäre (Urk. ND 2/3/4 S. 12). In der Tat erstatteten 

nur E._____ (dazu nachfolgender Komplex) sowie J._____, welche gewusst hat-

te, dass sie als Prostituierte tätig sein würde, unabhängig von einander und von 

sich aus Anzeige bei der Polizei (vgl. Urk. 68 S. 26). Die anderen Frauen machten 

erst belastende Aussagen, als sie durch die kroatische Polizei angefragt wurden. 

Aber auch nach diesem Aufruf durch die Polizei bestand für die Geschädigten 

keinerlei Notwendigkeit, von sich aus über ihre Tätigkeit als Prostituierte an der 

...strasse ... mit allen Details – wie Preise, Anzahl Freier etc. – Auskunft zu geben, 

wenn sie einzig das Ziel verfolgt hätten, ihren Ruf zu retten. Genau so gut hätten 

-   18   - 

sie jegliche Aussage verweigern oder schlicht lügen können, sie würden die bei-

den Beschuldigten nicht kennen oder seien lediglich dort zu Besuch gewesen 

usw. Dies wäre fraglos einfacher gewesen, als die Straftat der falschen Anschul-

digung resp. des falschen Zeugnisses zu begehen und ihre Vergangenheit als 

Prostituierte, die sie jahrelang möglichst verheimlichen wollten, im Detail offen zu 

legen. Wenn die Beschuldigte ausführt, irgendjemand habe die Geschädigten 

überzeugt, bestimmte Aussagen zu machen, damit sie selbst weniger Probleme 

bekämen (Urk. 157 S. 8), ist nicht nachvollziehbar, wen oder was sie damit meint. 

Und selbst wenn allenfalls eine der Geschädigten unter Zugzwang geraten wäre – 

etwa weil in ihrem Umfeld etwas bekannt geworden wäre – so hätten mit Sicher-

heit nicht gleich sämtliche Frauen die gleichen "Ausreden" erfunden. Diese 

Scham über die Geschehnisse erklärt denn auch ohne weiteres, weshalb nur zwei 

der Geschädigten bei der Polizei schliesslich Anzeige erstatteten (Urk. HD 1/1; 

Urk. ND 6/2). Insgesamt lässt das Verhalten der Geschädigten in keiner Hinsicht 

den Verdacht aufkommen, sie hätten die eingeklagten Vorwürfe rundweg erfun-

den, um sich selbst als Opfer der Beschuldigten darzustellen und in ein besseres 

Licht zu rücken.  

2.4. Die Vorinstanz hat aufgezeigt, dass die Aussagen der Geschädigten bei der 
Polizei und bei der Jahre später erfolgten Zeugeneinvernahme auffallend konstant 

blieben und lebensnahe Details enthalten, was für deren Glaubhaftigkeit spricht 

(Urk. 68 S. 40). Ihre Aussagen stimmen – wie erwähnt – auch untereinander in 

vielen Punkten überein (vgl. a.a.O. S. 28ff.). So gaben alle Geschädigten – ausser 

J._____ – unabhängig von einander deckungsgleich an, unter falschen Ver-

sprechungen in die Schweiz gelockt worden zu sein, nämlich einige zwecks Arbeit 

als Kindermädchen oder Kellnerinnen, andere für eine Telefonsexhotline. Wenn 

von der Verteidigung und der Beschuldigten geltend gemacht wird, die Frauen 

hätten aus Scham zu Hause verschwiegen, dass sie als Prostituierte arbeiten 

würden und sich eine fiktive Tätigkeit ausgedacht (Urk. HD 6/7 S. 29; vgl. auch 

Urk. 50/8 S. 9), so ist nicht recht einzusehen, weshalb nicht für alle das gleiche 

"Alibi" erfunden wurde. Ganz und gar lebensfremd erscheint aber, dass dabei 

mehrfach die Arbeit bei einer Sextelefonhotline genannt worden sein soll (vgl. 

Urk. HD 6/7 S. 23 betr. F._____ gegenüber ihrer Mutter). Hätten sich die Frauen 

-   19   - 

aus Angst vor den Reaktionen in der Heimat bzw. aus Scham vor ihrer Familie 

möglichst vom Sexgewerbe distanzieren wollen, so wäre es geradezu absurd, 

ohne Not eine Telefonsexhotline als Grund für die Reise in die Schweiz anzuge-

ben und sich damit wieder in die Nähe einer zwielichtigen Tätigkeit zu rücken. Viel 

plausibler erscheint es, dass die Geschädigten so mit einem lukrativen und plau-

siblen Job-Angebot angelockt werden sollten (vgl. Urk. ND 9/5/1 S. 6), zumal sich 

die Beschuldigte in diesem Gewerbe auskannte (Urk. 153 S. 4). Restlos absurd 

wird das angebliche Alibi der Sexhotline gegenüber F._____s Mutter, wenn die 

Geschädigte überzeugend ausführte, sie habe mit den Beschuldigten – soweit 

plausibel – abgemacht, sie werde gegenüber der Polizei in Kroatien erzählen, 

dass sie als Babysitterin arbeite und in der Schweiz bei Familienangehörigen 

wohne; dies, um die Polizeisuche nach ihr zu beenden (Urk. ND 8/2 S. 12). Wenn 

die Behauptungen der Beschuldigten stimmen würden und alles auf Freiwilligkeit 

basiert hätte, so hätte F._____ keinerlei Grund gehabt, bei der Polizei dann doch 

von dieser einstudierten Geschichte abzuweichen und von einer Telefonsexhot-

line zu berichten. Dies ergibt schlicht keinen Sinn. Die Beschuldigte kann auch 

nicht geltend machen, sie habe nichts von diesen falschen Versprechungen ge-

genüber den Geschädigten gewusst, denn in allen relevanten Fällen war – entge-

gen der Verteidigung (Prot. II S. 27, Urk. 157 S. 19) – sie es, die die Geschädig-

ten gemäss deren Aussagen in die Schweiz lockte. Die Aussagen der Geschädig-

ten decken sich sodann auch betreffend weiterer relevanter Punkte wie die Art der 

ausgestossenen Drohungen, die mindestens zeitweise Wegnahme der Ausweis-

papiere, die untypische Einräumung einer anfänglichen Bedenkzeit usw., was 

wiederum für deren Glaubhaftigkeit spricht. Damit trifft die Ansicht der Verteidi-

gung gerade nicht zu, die Geschädigten hätten bei ihren Aussagen bloss Wissen 

mit Nichtwissen und Freiwilligkeit durch Unfreiwilligkeit ersetzen müssen, weshalb 

es nicht schwierig gewesen sei, übereinstimmende Angaben zu machen (Urk. 159 

S. 28f.). Die deckungsgleichen Darstellungen der Geschädigten sind indes viel 

detaillierter als das.  

2.5. Insgesamt betrachtet bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich die 
Geschädigten im Sinne eines Komplotts abgesprochen haben könnten, um die 

beiden Beschuldigten zu Unrecht zu belasten oder sich selbst in ein besseres 

-   20   - 

Licht zu rücken. Ihre Aussagen enthalten vielmehr zahlreiche Realitätskriterien 

und wirken selbsterlebt, plausibel und – angesichts der Umstände – sehr zurück-

haltend. Dass die in den wesentlichen Punkten übereinstimmenden Schilderun-

gen auch gewisse Abweichungen und Unklarheiten aufweisen, ist angesichts des 

Zeitablaufs zwischen dem Erlebten und den Aussagen nicht aussergewöhnlich 

und spricht gerade gegen Absprachen der Zeuginnen. Mit der Vorinstanz kann 

festgehalten werden, dass sich die Darstellungen sämtlicher Geschädigter letzt-

lich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen, weshalb auf ihre Aussagen 

abgestellt werden kann (Urk. 68 S. 44).  

3. Aussagen der Beschuldigten 

Zum Aussageverhalten der Beschuldigten fällt zunächst auf, dass sie wenig  

kooperativ war (vgl. Urk. HD 6/1 S. 8) und selten konkrete und überprüfbare Aus-

sagen machte. Die Vorinstanz hat dazu zutreffend ausgeführt, dass sich die  

Beschuldigte betreffend den Kernsachverhalt stets bedeckt gehalten und oft nur 

Aussagen gemacht habe, wo es um Sachverhalte gegangen sei, die keine  

Relevanz hinsichtlich eines strafbaren Verhaltens gehabt hätten. Auf viele Fragen 

habe sie ausweichend reagiert oder sie gar nicht beantwortet (vgl. Urk. HD 6/1 

S. 17, Urk. HD 6/6 S. 11, Urk. HD 6/7 S. 5 unten, S. 21f., Urk. 50/3 S. 11 unten, 

Urk. ND 2/5/1 S. 8). Dies trifft – nebenbei bemerkt – auch vollends auf ihre Aus-

sagen an der Berufungsverhandlung zum Vorwurf der Gehilfenschaft zu Raub zu 

(vgl. unten). Realkennzeichen wie Wiedergabe von Gesprächen, Schilderungen 

eigener psychischer Vorgänge, spontane Verbesserung der eigenen Aussage, 

Selbstbelastungen etc. seien nicht zu finden (Urk. 68 S. 45). Diesen Ausführun-

gen ist vollumfänglich beizupflichten. Teilweise antwortete die Beschuldigte auch 

trotzig, indem sie beispielsweise auf entsprechende Frage angab, die Frauen  

hätten sich zwar alleine bewegen können, aber "wohin hätten diese auch gehen 

sollen?" (Urk. ND 4/5/1 S. 6). Wenig überzeugend erscheint auch ihre Aussage, 

sie – die den seit Jahren im Prostitutionsmilieu tätigen I._____ schon  

länger kennt – habe "in der Zeitung gelesen", dass Prostitution in Kroatien ver-

boten sei (Urk. HD 6/7 S. 29). Ebenso wenig nachvollziehbar ist die Behauptung 

der Beschuldigten, sie habe zwar das Geld einiger Geschädigter auf deren 

-   21   - 

Wunsch hin verwaltet, eine Buchhaltung oder Abrechnung darüber habe sie aber 

nicht geführt (Urk. 50/3 S. 17, Urk. HD 6/7 S. 15, Urk. ND 3/5/1 S. 6). In einem 

Geschäft, in dem es vorrangig um Geld geht, hätte es die Beschuldigte mit  

Sicherheit nicht einfach den Geschädigten überlassen zu sagen, wie viel sie ihnen 

am Ende bei der Abreise noch schuldete.  

Erheblich gegen die Beschuldigte spricht, dass sie mehrfach zunächst Sachver-

halte bestritt, die sie im späteren Verlauf der Untersuchung zugab, was im ange-

fochtenen Entscheid richtig aufgezeigt und mit mehreren Beispielen untermauert 

wurde (Urk. 68 S. 45ff., vgl. u.a. Urk. HD 6/7 S. 22). Dieses Aussageverhalten 

zeigt sich eindrücklich an den Antworten der Beschuldigten betreffend Führung 

eines Bordells. Zunächst bestritt sie ausdrücklich, an der ...strasse ... ein Bordell 

betrieben zu haben, um unmittelbar danach auszuführen, ab und zu sei bei ihr ein 

Mädchen gewesen, welches Kundschaft empfangen habe. Bereits in der Antwort 

auf die nächste Frage gab sie zu, es seien ab und zu zwei Mädchen gewesen, 

aber nicht immer und nicht lange, und einige Fragen später beteuerte sie, es sei-

en gesamthaft vier Frauen gewesen und nicht mehr (Urk. HD 6/1 S. 11f.). Dass 

diese Angaben nicht der Wahrheit entsprachen, gab die Beschuldigte in den fol-

genden Einvernahmen bekanntlich unumwunden zu (vgl. Urk. 50/3 S. 6). Bereits 

diese kurze Episode steht exemplarisch für das Aussageverhalten der Beschul-

digten: Sie passte dieses immer wieder den Vorhalten und neuen Beweismitteln 

an (vgl. auch Urk. 50/3 S. 13). Zudem konnte sie auf viele Fragen keine plausib-

len und schlüssigen Antworten liefern. So antwortete sie beispielsweise auf die 

Frage, weshalb sie die – angeblichen – Entwendungen der Geschädigten 

G._____ nicht der Polizei gemeldet habe, mit der Gegenfrage, was sie denn bei 

der Polizei hätte sagen sollen (Urk. ND 9/6/1 S. 11). An anderer Stelle beantwor-

tete sie dieselbe Frage dahingehend, dass sie die Geschädigte dann einfach nach 

Hause geschickt habe (Urk. HD 6/1 S. 14), während sie später – zögerlich – 

schliesslich einräumen musste, dass G._____ überraschend weggegangen sei 

(Urk. HD 6/7 S. 27f., Urk. 50/3 S. 26).  

Insgesamt vermögen die Aussagen der Beschuldigten in keiner Weise zu über-

zeugen und sind nicht geeignet, Zweifel an der grundsätzlichen Richtigkeit der 

-   22   - 

Aussagen der Geschädigten zu erwecken. Was die Aussagen des Mitbeschuldig-

ten I._____ betrifft, kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen 

verwiesen werden (Urk. 68 S. 47ff.). Entlastend sind sie nicht von Bedeutung, da 

ebenso wenig überzeugend wie jene der Beschuldigten, und auch belastend 

ergaben sie nichts Relevantes (vgl. auch Urk. 158).  

4. Einzelne Anklagevorwürfe 

4.1. Somit ist noch zu prüfen, ob die einzelnen Elemente der Anklage – soweit 
nicht bereits erörtert – mit den glaubhaften Aussagen der Geschädigten nach-

gewiesen werden können. Die Vorinstanz hat im Wesentlichen das Notwendige 

dazu ausgeführt; darauf ist zu verweisen (Urk. 68 S. 51ff.).  

4.2. Wenn die Verteidigung ausführte, die Behauptung der Frauen, über den  
wahren Hintergrund ihrer Tätigkeit in der Schweiz nicht informiert gewesen zu 

sein, würde sich als unglaubhaft erweisen, insbesondere weil keine der Frauen  

irgendwelche Fragen über ihre künftige Tätigkeit in der Schweiz gestellt und keine 

auf einem schriftlichen Arbeitsvertrag bestanden habe (Urk. 50/8 S. 7ff.), so hat 

dem die Vorinstanz zu Recht widersprochen (Urk. 68 S. 56). Zum einen musste 

den Geschädigten bewusst sein, dass sie mit der Reise in die Schweiz allenfalls 

Aufenthaltsbestimmungen verletzen würden (vgl. z.B. Urk. ND 1/4/4 S. 2), wes-

halb sie kaum auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag pochen konnten. Andererseits 

haben sich einige von ihnen sehr wohl über die Bedingungen der angebotenen 

Stelle erkundigt. Für P._____ beispielsweise kam es offenbar sehr überraschend, 

als man ihr erst auf der Reise mitteilte, die Beschuldigte habe einen Mann in  

Zürich; sie war bis dahin davon ausgegangen, dass die Beschuldigte alleine lebte 

(Urk. ND 1/4/4 S. 2), was beim Entscheid mit einer ihr nicht näher bekannten Frau 

mitzufahren durchaus eine Rolle gespielt haben dürfte. Mit der Vorinstanz ist auch 

festzuhalten, dass in dieser Branche selbstredend gezielt eher naive, wenig  

widerstandsfähige Frauen – bei denen nicht mit dem Stellen kritischer Fragen  

gerechnet werden muss – ausgesucht werden, die zuhause nicht in den besten 

Umständen leben (vgl. u.a. auch Urk. ND 1/5/1 S. 9 oben; Urk. ND 4/3/3 S. 8 

oben und S. 16). Zu diesen konkreten Verhältnissen der Geschädigten in der 

Heimat hat sich die Vorinstanz ebenfalls bereits umfassend und im Einzelnen  

-   23   - 

geäussert. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 68 S. 57ff.). Bezüglich der  

Geschädigten P._____ führte die Beschuldigte selbst aus, diese habe keine feste 

Stelle gehabt und viel Geld verdienen wollen (Urk. HD 6/7 S. 3 und S. 5).  

Ähnliches gilt für die Geschädigte G._____. Jene habe ihr erzählt, dass sie kein 

Geld und keine Arbeit habe (Urk. HD 6/1 S. 16). Auch von der Geschädigten 

Q._____ wusste die Beschuldigte immerhin, dass es möglich sei, dass sie arbeits-

los gewesen sei, und dass sie sich vor einigen Monaten von ihrem Partner ge-

trennt habe (Urk. HD 6/7 S. 11). Und bezüglich F._____ machte die Beschuldigte 

geltend, diese habe ihr gesagt, sie könne nur noch wenige Tage in der Kaffeebar 

arbeiten und finde sonst nichts mehr (Urk. ND 8/7/1 S. 2 unten und S. 4). Bezüg-

lich der übrigen Geschädigten ist festzuhalten, dass die Beschuldigte – sollten 

diese Umstände in rechtlicher Hinsicht überhaupt eine Rolle spielen (vgl. nachfol-

gende Ausführungen zum Rechtlichen) – zumindest in Kauf genommen haben 

musste, dass auch diese Frauen sich aus einer wie auch immer gearteten missli-

chen Lage heraus zur Einreise in die Schweiz entschlossen haben könnten. 

4.3. Nach ihrer Einreise wurde mehreren Geschädigten von den beiden Beschul-
digten erwiesenermassen eine Bedenkzeit eingeräumt, ob sie nach Hause zu-

rückkehren oder als Prostituierte tätig sein wollten. Die Vorinstanz hält dazu fest, 

dass eine Überlegungszeit gerade dann keinen Sinn ergebe, wenn die Geschä-

digten ja bereits in Kroatien über alles informiert worden wären, denn dann wäre 

eine Einwilligung in Zürich nicht mehr nötig gewesen (Urk. 68 S. 62f. und S. 66). 

Die Verteidigung schien vor Vorinstanz daraus zu schliessen, dass eine solche 

Bedenkfrist gerade dafür spreche, dass die Frauen schon in Kroatien Bescheid 

gewusst hätten, welche Art Arbeit sie hier erwartete (Urk. 50/8 S. 9). Beide  

Ansichten überzeugen nicht. Auch bei dieser Art von Tätigkeit kann wie bei  

normalen arbeitsrechtlichen Verhältnissen eine "Probezeit" vereinbart werden, in 

der man die konkreten Arbeitsbedingungen vor Ort kennenlernt und sich dann  

allenfalls um- bzw. anders entscheidet. So erklärte I._____ die fragliche Bedenk-

zeit denn auch (Urk. ND 8/6/1 S. 5). Allerdings ist genau so denkbar, dass den 

nichts ahnenden Geschädigten vordergründig eine Bedenkzeit respektive die 

Möglichkeit einer Rückkehr eingeräumt wurde, um sich eben nicht dem Vorwurf 

des Menschenhandels auszusetzen und Freiwilligkeit vorzutäuschen, im Wissen 

-   24   - 

darum, dass die in einem fremden Land ohne Geld angekommenen Frauen – aus 

den nicht eben besten Verhältnissen – sich dem aufgebauten Druck beugen wür-

den. Dies wird durch die äusserst glaubhafte, da lebensnahe, Aussage von 

F._____ untermauert: I._____ habe ihr erläutert, er habe die wahre Natur der Ar-

beit absichtlich in Kroatien noch nicht erwähnt, weil gemäss seiner Erfahrung "bis 

jetzt 99% der Mädchen sich auf diese Weise bereit erklärt" hätten, zu bleiben und 

als Prostituierte zu arbeiten (Urk. ND 8/2 S. 7f.). Dies zeigt klar, dass die Geschä-

digten – ausser J._____ – vorher keine Kenntnis davon hatten, sondern getäuscht 

wurden. Wie diese vordergründige Einwilligung einiger Geschädigten zu würdigen 

ist, wird beim Rechtlichen zu prüfen sein. Schliesslich betonte die Verteidigung, 

dass es vollkommen überflüssig gewesen wäre, Frauen mit falschen Verspre-

chungen in die Schweiz zu locken, weil sich angesichts der schlechten Wirt-

schaftslage in Kroatien jederzeit genug prostitutionswillige Frauen gefunden  

hätten (Urk. 159 S. 7 und S. 24). Wäre dem zwingend so, gäbe es den internatio-

nalen Menschenhandel schlicht nicht, denn dieser basiert geradezu darauf,  

Frauen aus ärmeren Ländern, welche dadurch weniger Widerstand zu leisten in 

der Lage sind, anzulocken, fern der Heimat vor vollendete Tatsachen zu stellen 

und auszubeuten. Wenn sich in ärmeren Ländern stets zahlreiche Freiwillige  

finden liessen, ergäbe auch der Hinweis der Verteidigung keinen Sinn, wonach in 

vielen Herkunftsländern Frauen über die Tricks der Menschenhändler aufgeklärt 

und davor gewarnt würden (Urk. 159 S. 29). Das Gleiche gilt für die wenig über-

zeugende Behauptung der Verteidigung, Freier seien derart aufmerksam, dass 

sie es merken würden, wenn Frauen zur Prostitution gezwungen würden, und sich 

schwer damit tun (Urk. 159 S. 6f.). Würde dies zutreffen, dürfte es den internatio-

nalen Menschenhandel mit Frauen nicht geben, da er sich schlicht nicht lohnen 

würde. Hinzu kommt, dass Frauen, welche sich aus Angst vor Repressalien  

prostituieren, wohl gut daran tun, ihren Widerwillen nicht offen zu zeigen und  

keine Probleme mit ihrem Zuhälter zu riskieren. Dies erklärt ohne weiteres auch, 

weshalb nur gerade eine Geschädigte wagte, sich einem Freier zu offenbaren  

(G._____). An den übereinstimmenden Aussagen der Geschädigten, sie seien mit 

einem falschen Job-Angebot in die Schweiz gelockt worden, ist daher nicht zu 

zweifeln.  

-   25   - 

4.4. Fraglos ist, dass es die Beschuldigten waren, die den Dirnenlohn von 
Fr. 150.– sowie dessen Aufteilung zu 2/3 und 1/3 bestimmten (vgl. u.a. Urk. 

ND 8/2 S. 8 und ND 8/5/5 S. 7). Aufgrund des abgehörten Telefongesprächs vom 

27. Dezember 2006 sowie den Aussagen I._____s ist davon auszugehen, dass 

es die beiden Beschuldigten – und nicht die Geschädigten – waren, die die Preise 

festlegten (Urk. ND 8/3/2/25, Urk. ND 2/4/1 S. 13, vgl. Urk. 50/3 S. 17f. und 

Urk. 68 S. 69f.). Dies – ebenso wie die geltenden Arbeitszeiten – vermag indes 

noch keine illegale Form der Zuhälterei zu belegen. Denn genau wie bei normalen 

arbeitsrechtlichen Verträgen wäre es grundsätzlich denkbar, dass sich die Ge-

schädigten mit solchen, ihnen im Voraus bekannt gegebenen Arbeitsbedingungen 

hätten einverstanden erklären können, selbst wenn diese für sie nicht eben güns-

tig ausfielen (vgl. Urk. 159 S. 5). Davon kann im vorliegenden Fall jedoch keine 

Rede sein. Die Bedingungen wurden ihnen gemäss überein-stimmenden Aussa-

gen (ausser bei J._____) erst nach ihrer Ankunft und in einem Klima von Angst 

und Drohungen diktiert, sodass sie sich nicht zu widersetzen wagten. Die Vo-

rinstanz hat zutreffend aufgezeigt, wie der Verdienst der Beschuldigten in der 

fraglichen Zeit ausgefallen sein muss und wie lebensfremd die Behauptung ist, 

man habe damit nur gerade die Fixkosten decken respektive knapp überleben 

können (Urk. 68 S. 71f.). Selbst wenn die Aussagen von I._____ an der Beru-

fungsverhandlung, wonach es pro Tag durchschnittlich nur drei Kunden gegeben 

habe, mithin nicht drei Kunden pro Frau pro Tag (Urk. 158 S. 4), zutreffen sollten 

– was aber wohl kaum gerechtfertigt hätte, jeweils möglichst zwei Frauen anbie-

ten zu können – wäre der Verdienst der beiden nach wie vor recht erheblich ge-

wesen. Nicht zu überzeugen vermag die neue Darstellung der Beschuldigten, es 

sei meist jeweils nur eine Frau im Bordell gewesen (Urk. 157 S. 5 und S. 14). Inte-

ressant ist auch, dass weder die Beschuldigte noch I._____ hier, wo es um ihre 

Einkünfte geht, die angeblich häufig  geleisteten Escort-Dienste der Frauen er-

wähnen (a.a.O. S. 3, Urk. 158 S. 4). Solche wurde denn auch von keiner der Ge-

schädigten je geschildert. Die Aufteilung des Dirnenlohns, wonach der die eigent-

liche Leistung erbringenden Person lediglich ein Drittel zufiel und sie nicht einfach 

einen Beitrag an die Fixkosten zu leisten, sondern vielmehr eine Art Gewinnbetei-

ligung abgeben musste, weist mit aller Deutlichkeit auf eine Ausbeutung dieser 

-   26   - 

Frauen hin. Schlicht unerfindlich bleibt, was die Verteidigung aus ihren langwieri-

gen Ausführungen über die engen Platzverhältnisse an der ...strasse ... ableiten 

will (Urk. 159 S. 22ff.). 

4.5. Weiter haben praktisch alle Geschädigten davon berichtet, dass sie auf  
irgendeine Weise kontrolliert wurden, sei es, dass ihre Telefongespräche mitge-

hört und ihre Bewegungen überwacht, ihre Sachen durchsucht oder zumindest 

zeitweise das Handy und/oder der Pass weggenommen wurden. Davon, dass die 

Geschädigten sich völlig frei bewegen, ihre Arbeitsmodalitäten selbst bestimmen, 

Freier jederzeit ohne Grund ablehnen, sich Ferientage nehmen oder jederzeit 

nach Hause reisen konnten, kann aufgrund der gesamten Umstände nicht ernst-

haft ausgegangen werden. Die Vorinstanz hat das Notwendige dazu ausgeführt 

(Urk. 68 S. 67ff.). Die Verteidigung machte sodann geltend, die Geschädigten  

hätten – im Falle einer effektiven Zwangssituation – ja weglaufen, sich an die 

Nachbarn oder die Behörden wenden oder ihre Bezugspersonen um Hilfe  

ersuchen können (Urk. 50/8 S. 10, Urk. 159 S. 19f.). Dem ist mit der Vorinstanz 

(Urk. 68 S. 63-66) entgegen zu halten, dass die Geschädigten teilweise davon 

ausgingen, dass die Beschuldigten viele Kontakte hatten, so z.B. auch zu den 

Buschauffeuren (vgl. Urk. ND 4/3/3 S. 11, Urk. ND 9/2 S. 5, Urk. HD 5/3 S. 20), 

weshalb sie weder den vorwiegend kroatischen Nachbarn trauen noch einfach in 

den nächsten Bus nach Kroatien steigen konnten, sofern sie ihren Pass über-

haupt auf sich hatten. Nach der gut geplanten Flucht von G._____, auf welche 

näher unter ND 9 eingegangen wird, wurde sie von den Beschuldigten denn of-

fenbar auch sofort am Busbahnhof gesucht. Und was die Nachbarn in der gemäss 

Verteidigung fast schon als kroatische Kolonie zu bezeichnenden Gegend betrifft 

(Urk. 159 S. 19), so brauchen diese, selbst wenn sie das Bordell gekannt hätten, 

nicht gewusst zu haben, dass die dort tätigen Frauen zur Prostitution gezwungen 

wurden. Zum andern wäre mehr als denkbar, dass sich die Nachbarn nicht in die 

Angelegenheit ihrer Landsleute einmischen wollten. Es ging an der ...strasse ... 

offenkundig nicht darum, dass die Geschädigten primär physisch in der Wohnung 

festgehalten wurden. Dies war gar nicht nötig. Sie wurden vielmehr mit Drohun-

gen und/oder Schlägen gefügig gemacht und hatten – nebst der bereits erwähn-

ten Scham – auch Angst, dass ihnen oder ihren Angehörigen etwas passieren 

-   27   - 

würde, wenn sie zur Polizei gehen oder fliehen würden, zumal sie aus kleinen 

Ortschaften stammen, wo es sich nicht leicht untertauchen lässt. Hier sei an ein 

paar der konkreten Drohungen I._____s erinnert: Er würde die Geschädigte 

P._____ an einen Albaner verkaufen; er würde die jüngere Schwester einer weite-

ren dort tätigen Frau vergewaltigen; der Bruder von R._____ könnte eines Tages 

nicht mehr von der Schule heimkehren; er wisse, wo die Geschädigte F._____ 

und ihre Familie lebe, und er würde ihr alle Knochen brechen; oder die Geschä-

digte G._____ sei tot, bevor sie es bis nach Kroatien schaffen und ihre Türschwel-

le überschreiten könnte usw. Damit ist es unwesentlich, dass die Geschädigten 

allenfalls hätten davonrennen, telefonieren oder vom Balkon aus um Hilfe rufen 

können; ebenso, dass sie offenbar teilweise alleine in der näheren Umgebung 

spazieren gingen oder vor dem Haus sassen (vgl. bspw. Urk. ND 3/3/3 S. 8). Die 

Beschuldigte und I._____ wussten offenbar genau, bei welcher Frau welches 

Mass an Druck notwendig war, um sie an der kurzen Leine halten zu können. So 

reichte bei einigen ein eher subtiles Drohen bereits aus, während andere – wie 

etwa die offenkundig aufmüpfige G._____ – immer wieder geschlagen wurden. Es 

darf als gerichtsnotorisch bezeichnet werden, dass Opfer häufig nicht zufällig zu 

Opfern werden, sondern von der Täterschaft im Rotlicht-milieu gezielt, u.a. nach 

dem Kriterium der Manipulierbarkeit, ausgewählt werden. 

4.6. Insgesamt ist der eingeklagte Sachverhalt in den Ziffern 0.1-0.9 – mit den 
eingangs genannten Ausnahmen – somit erstellt. Der zusammenfassenden, 

überzeugenden Schlusswürdigung der Vorinstanz (Urk. 68 S. 101f.) kann vollum-

fänglich zugestimmt werden. Dass das Bordell während des Kroatienaufenthalts 

der Beschuldigten weiterlief, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 159 S. 18), 

ist vorliegend nicht von Bedeutung, denn zu dieser Zeit waren bloss B._____ und 

J._____ (hierzu Freispruch der Beschuldigten) sowie E._____ auf Abruf (blosses 

Drohen mit Nacktfotos) an der ...strasse tätig (vgl. das Nachfolgende).  

-   28   - 

5. Zu den einzelnen Geschädigten (NDs) 

ND 1: P._____ 

Diese Geschädigte soll durch die Beschuldigte unter dem Vorwand, sie könne bei 

einer Telefonsexhotline arbeiten, in die Schweiz gelockt worden sein. Zu diesem 

angeblichen "Alibi" wurde bereits oben das Notwendige gesagt. P._____ führte 

sowohl bei der Polizei als auch rund vier Jahre später als Zeugin überein-

stimmend aus (Urk. ND 1/2 und ND 1/4/4), wie sie durch Drohungen, Schläge und 

Bewegungseinschränkungen dazu gezwungen worden sei, sich an der …strasse 

unter dem Namen "…" zu prostituieren, wo sie aus Angst rund 11 Monate geblie-

ben sei, weil sie als schönste der Frauen quasi als "Goldhenne" gedient habe 

(vgl. Urk. ND 1/3 S. 1), was auch die Beschuldigte bestätigte (Urk. HD 6/7 S. 6). 

Die Geschädigte schilderte eindrücklich, wie sie am liebsten alle Erlebnisse im 

Bordell vergessen und nicht mehr aussagen möchte, wie dies ein dunkles Kapitel 

in ihrem Leben sei und sie psychisch und physisch misshandelt worden sei, wie 

sie einfach keine Wahl gehabt habe. Für sie sei P._____, also ihr wahres Ich, ein-

fach tot gewesen; sie habe nur versucht, nicht anzuecken, damit ihr Leben nicht 

zerstört werde und ihre Familie nichts davon erfahre (Urk. ND 1/4/4 S. 4 und 

S. 11). Sie habe sich wahnsinnig vor I._____ (also I._____) gefürchtet; wenn sich 

jemand dermassen monströs verhalte, fürchte man sich sogar vor dem eigenen 

Schatten. Er habe ihr auch gedroht, sie ansonsten den Albanern zu überlassen 

(a.a.O. S. 7 und S. 14). P._____ bestätigte auch, dass die beiden Beschuldigten 

arbeitsteilig im Bordell tätig waren (a.a.O. S. 9).  

Die Vorinstanz ist auch auf die Vorbringen der Verteidigung detailliert eingegan-

gen und hat diese zu Recht verworfen (Urk. 68 S. 75f.). Den angeblichen Wider-

spruch, von wem die Geschädigte bedroht worden sei, wurde stimmig aufgelöst, 

nämlich, dass I._____ in erster Linie die Drohungen aussprach und die Beschul-

digte diese subtil unterstützte, indem sie der Geschädigten riet zu gehorchen. 

Schliesslich ist der Umstand, dass die Geschädigte R._____ ausführte, ihnen sei 

"später gesagt worden", dass P._____ freiwillig dort sei, mit dem Ziel ein Jahr 

lang zu bleiben und einen bestimmten Geldbetrag für eine Wohnung oder etwas 

ähnliches zu verdienen (Urk. ND 4/3/3 S. 9), ohne Bedeutung. Gleiches führte 

-   29   - 

zwar auch die Beschuldigte aus (Urk. HD 6/7 S. 5, Urk. 157 S. 6), aber genau 

deshalb ist mehr als denkbar, dass sie und I._____ es waren, die R._____ und 

andern dies erzählten, um den Anschein von Legalität und selbst-bestimmtem Ar-

beiten zu erwecken. Sodann ist die Tatsache, dass P._____ auf gewissen Fotos 

mit ihren Kolleginnen auch mal fröhlich wirkte, ohne weiteres nachvollziehbar, 

zumal sie mehrfach ausführte, sie habe sich während der 11 Monate schliesslich 

irgendwann mit der Situation abgefunden (Urk. 68 S. 75f., vgl. Urk. 159 S. 34). 

Und dass die Frauen gegenüber Freiern oder Bekannten der beiden Beschuldig-

ten positiv bzw. zumindest nicht negativ über diese sprachen (Urk. HD 7/16 S. 4f.; 

Urk. HD 7/18 S. 5f.), vermag – entgegen der Verteidigung (Urk. 50/8 S. 13) – 

ebenfalls nicht wirklich zu überraschen. Die Aussagen der Beschuldigten zu die-

ser Geschädigten sind alles anderen als glaubhaft: So bestätigte sie zwar sofort, 

P._____ zu kennen, räumte indes erst gut 30 Fragen später ein, dass sich diese 

bei ihr prostituiert habe (Urk. ND 1/6/1). Dabei machte sie damals noch geltend, 

I._____ habe nichts damit zu tun gehabt und sie habe kein Geld von P._____ er-

halten (a.a.O. S. 6). Im Übrigen hat die Vorinstanz alles Notwendige dargelegt. 

Darauf ist zu verweisen. Der eingeklagte Sachverhalt gemäss ND 1 ist erstellt.  

ND 2: Q._____  

Vorab ist hierzu festzuhalten, dass Q._____ entgegen der Anklageschrift nicht im 

Jahre 2002, sondern vielmehr 2003 an der ...strasse gewesen sein musste. Sie 

selbst sprach von 2002 oder 2003 (Urk. ND 2/2 S. 2) respektive 2003 (Urk. 

ND 2/3/4 S. 2). Auch die beiden Beschuldigten sowie die Geschädigte O._____ 

bestätigten, dass Q._____ (alias "…") erst 2003 in Zürich war (Urk. ND 2/4/1 S. 1; 

Urk. ND 3/3/3 S. 18; Urk. HD 5/3 S. 17; Urk. HD 6/7 S. 5). Die Anklage ist somit in 

dieser Hinsicht zu korrigieren; dies ist aber letztlich irrelevant.  

Die Geschädigte Q._____ soll mit dem Versprechen, hier als Kindermädchen  

arbeiten zu können, nach Zürich gelockt worden sein, was die Beschuldigte auch 

telefonisch bestätigt habe. Es kann also keine Rede davon sein, dass die  

Beschuldigte nicht um die relevanten Umstände gewusst hätte (Prot. II S. 27). 

Auch Q._____ führte zweimal weitgehend deckungsgleich aus, wie es dazu ge-

kommen war. Sie räumte ein, sie habe die beiden Beschuldigten von Kroatien her  

-   30   - 

gekannt, wo I._____ – angesichts seiner Vorstrafen wenig überraschend – als 

Krimineller bekannt gewesen sei. Sie habe aber erst bei ihrer Ankunft in Zürich 

gemerkt, dass sie es mit diesen beiden zu tun habe (Urk. ND 2/2 S. 3; Urk. 

ND 2/3/4 S. 7). Als man ihr eröffnet habe, sie müsse sich prostituieren, habe sie 

gedacht, sie müsse sterben. Sie habe nicht gewusst, was sie tun solle, weil man 

ihr gesagt habe, es gebe kein Zurück, sie solle nur gehorsam sein, dann werde ihr 

nichts geschehen (Urk. ND 2/2 S. 3f.). Damit ist auch die Frage der Verteidigung, 

worin die subtilen Drohungen gemäss Anklageschrift bestanden haben sollen 

(Urk. 50/8 S. 16), beantwortet. Man habe gewusst, wie man sich zu verhalten ha-

be, und aus Angst davor, wie man enden würde, keine Flucht unternommen. Es 

sei gar nicht notwendig gewesen, sie physisch zu misshandeln, denn sie habe zu 

viel Angst gehabt und sich deshalb nicht widersetzt (Urk. ND 2/2 S. 5f.; Urk. 

ND 2/3/4 S. 2 und S. 6). I._____ habe immer in drohendem Ton gesprochen und 

alles kontrolliert (Urk. ND 2/2 S. 6). Sie habe zur eigenen Sicherheit strengstens 

darauf geachtet, nie zu provozieren, weshalb bei ihr vermutlich einiges akzeptiert 

worden sei, wie z.B. wenn sie einen Freier ablehnte (Urk. ND 2/3/4 S. 7f.). Den-

noch ist nicht ausser Acht zu lassen, dass auch sie bedroht, unter Druck gesetzt 

und regelmässig kontrolliert wurde (a.a.O. S. 8, vgl. auch S. 12 betreffend Foto-

grafien). Auch diese Geschädigte erzählte ihrer Familie nicht die Wahrheit, son-

dern die Geschichte von der Stelle als Kindermädchen (Urk. ND 2/2 S. 5). Wes-

halb sie dann ohne Not bei der Polizei davon abweichen und die Beschuldigten zu 

Unrecht – und erst noch in derart zurückhaltender Weise (vgl. u.a. Urk. ND 2/3/4 

S. 6) – hätte beschuldigen sollen, ist nicht ansatzweise zu erkennen. Zu Recht hat 

bereits die Vorinstanz darauf hingewiesen, wie emotional sie als Zeugin reagierte 

und wie schwer es ihr fiel, die verdrängten Geschehnisse zu schildern (Urk. 68 

S. 78; Urk. ND 2/3/4 S. 3). Eindrücklich war etwa ihre Aussage: "Als ich dort an-

gekommen bin und diesen Mann [I._____] sah, war mir klar, dass es dort nicht um 

Kinderhüten ging (…), dass dies nichts Gutes bedeutet." (Urk. ND 2/3/4 S. 2). 

Dieses Aussageverhalten spricht deutlich für die Glaubhaftigkeit der Aussagen.  

Auch hier hat sich die Vorinstanz hinreichend mit den Argumenten der Verteidi-

gung auseinandergesetzt (Urk. 68 S. 79f.). Dass die Geschädigte im Bordell of-

fenbar einen Mann namens S._____ kennenlernte, diesen (bei seiner Mutter) im 

-   31   - 

Spital und später im Aargau besuchte respektive kurz bei ihm wohnte, ist irrele-

vant und betrifft zudem die Zeit nach der ...strasse, nachdem die Geschädigte be-

reits einmal nach Kroatien zurückgekehrt war (Urk. ND 2/3/4 S. 11f.; Urk. 

ND 2/6/1 S. 2 und S. 6). Somit kam Q._____ danach zwar wieder für 2-3 Monate 

in die Schweiz (zu S._____), nicht aber, um sich erneut an der ...strasse zu prosti-

tuieren (Urk. 50/8 S. 16). Obwohl I._____ letzteres bis anhin behauptet hatte (Urk. 

ND 2/4/1 S. 5 und S. 11; Urk. HD 5/3 S. 14), hat er es anlässlich der Berufungs-

verhandlung klar verneint (Urk. 158 S. 20). Auch die Beschuldigte konnte sich 

nicht an solches erinnern (Urk. 50/3 S. 22 und Urk. ND 2/5/1 S. 10). Aus der Be-

hauptung der Beschuldigten, die Geschädigte habe früher bereits einmal in Lu-

zern in einem Cabaret als Prostituierte gearbeitet (Urk. ND 2/5/1 S. 1, Urk. HD 6/7 

S. 11, Urk. 157 S. 6) bzw. I._____s Darstellung, die Geschädigte habe sich früher 

bereits einmal in Luzern prostituiert, weshalb sie auch gut deutsch könne, lässt 

sich zu Gunsten der Beschuldigten nichts ableiten. Insbesondere die Behauptun-

gen I._____s, er sei dagegen gewesen, dass sich Q._____ bei ihm prostituiere, 

weil er vor ihr und ihrem Vater, den er schon lange kenne, Respekt gehabt habe 

(Urk. HD 5/3 S. 13f.), respektive weil er das Gefühl gehabt habe, sie eigne sich 

von der Figur her nicht für diese Arbeit (Urk. ND 2/4/1 S. 5) – wobei die beiden 

Begründungen schon in sich widersprüchlich sind –, überzeugen in keiner Weise, 

wenn Q._____ ja bereits zuvor in Luzern dieser Arbeit nachgegangen sein soll. 

Nicht zu verkennen ist, dass die Aussage der Geschädigten, sie habe einzig beim 

TV-Schauen so gut Deutsch gelernt (Urk. ND 2/3/4 S. 11), offenkundig unwahr-

scheinlich ist. Die wohl richtige Erklärung dafür lieferte I._____ vielmehr selbst, 

wonach der Vater (und der Ex-Freund) der Geschädigten in Deutschland gelebt 

hätte (Urk. ND 2/4/1 S. 11; Urk. HD 5/3 S. 14). Dass die Geschädigte offenbar 

keine Lust hatte, diese privaten Details bekannt zu geben und auf die Ergän-

zungsfrage des Verteidigers knapp und etwas trotzig antwortete (Urk. ND 2/3/4 

S. 10f.), schmälert die Glaubhaftigkeit ihrer übrigen Aussagen jedenfalls nicht. 

Insgesamt ist somit auch der Sachverhalt gemäss ND 2 rechtsgenügend erstellt. 

-   32   - 

ND 3 und 4: O._____ und R._____ (geb. …) 

Diese beiden Geschädigten waren befreundet und kamen gemeinsam nach Zü-

rich, um hier als Kellnerinnen in einer Kaffeebar zu arbeiten. Dass beide Geschä-

digten bestätigen, diesbezüglich getäuscht worden zu sein, obwohl ihre weiteren 

Aussagen nicht gerade deckungsgleich ausfielen, zeigt klar, dass sie sich eben 

nicht abgesprochen haben. Gerade hier geht die These der Verteidigungen, wo-

nach die Geschädigten aus Scham fiktive Tätigkeiten erfunden hätten (Urk. 50/8 

S. 9), nicht auf: Es ist nicht ansatzweise einzusehen, weshalb man als nur angeb-

liches Opfer betreffend die Umstände der Reise nach Zürich – abgesprochen – 

lügen, dann aber doch behaupten sollte, quasi freiwillig als Prostituierte gearbeitet 

zu haben (vgl. O._____ nachstehend). Auffällig ist, dass O._____ äusserst zöger-

lich und augenscheinlich beschönigend aussagte, während R._____ die Ereignis-

se detailliert schilderte und dabei teilweise möglicherweise etwas übertrieben hat, 

was auch die Staatsanwaltschaft festhielt (Urk. HD 50/6 S. 12f.; vgl. auch Urk. 68 

S. 84). Dennoch stimmen sie in diversen Kernpunkten überein und lassen nicht 

darauf schliessen, die Geschädigten seien freiwillig und in voller Kenntnis der 

Umstände eingereist und an der ...strasse geblieben. O._____ und R._____ führ-

ten übereinstimmend aus, sie seien gemeinsam mit der Beschuldigten von Zag-

reb in die Schweiz gereist, was diese allerdings bestreitet (Urk. ND 3/5/1 S. 5; 

Urk. ND 4/5/1 S. 3). Entgegen der Anklageschrift seien sie am Tag nach ihrer An-

kunft von den beiden Beschuldigten, nicht P._____, darüber informiert worden, 

dass es um Prostitution gehe (Urk. ND 3/2 S. 3f.; Urk. ND 4/2 S. 4; Urk. ND 4/3/3 

S. 7). Obwohl O._____ die Geschehnisse so darstellte, als hätte sie freiwillig in 

diese Arbeit eingewilligt und als hätte zumindest anfänglich keinerlei Zwang be-

standen, finden sich Aussagen, die vom Gegenteil zeugen. So hielt sie fest, die 

neue Situation in Zürich hätte sie bestürzt; es sei ein Schock gewesen und sie 

habe sicherlich Angst gehabt. Sie hätten ihren Spitznamen von den Beschuldigten 

erhalten und ihn benützen müssen; sie habe die Geschehnisse dieser Zeit tief in 

sich unterdrückt, befinde sich in einer ständigen Phase der Negation und habe in 

ihren Beziehungen zu Männern immer noch Schwierigkeiten deshalb, was sie al-

lerdings an der Zeugeneinvernahme wieder abschwächte. Nach einer anfängli-

chen freundlichen Phase sei dann aber auch gemäss O._____ Druck aufgebaut 

-   33   - 

worden: Man sei überwacht worden, man habe nur in Anwesenheit der Beschul-

digten telefonieren oder die Wohnung verlassen dürfen, bei einem Streit sei ihr 

der Reisepass weggenommen und sie sei geschlagen worden (Urk. ND 3/2; Urk. 

ND 3/3/3). Symptomatisch schliesslich erscheint ihre Aussagen, sie habe dann 

endlich von I._____ "die Erlaubnis" erhalten zu gehen (Urk. ND 3/3/3 S. 11). Mit 

der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass die Geschädigte O._____ offenkundig 

insgesamt beschönigend aussagte (Urk. 68 S. 84).  

Zieht man die Aussagen der gleichzeitig anwesenden Geschädigten R._____ bei, 

entsteht ein anderes Bild. Für den Fall, dass sie und O._____ nicht bleiben wür-

den, sei ihnen damit gedroht worden, sie an jemand anderen weiterzugeben, der 

nicht so gut zu ihnen wäre und bei dem es schrecklich wäre, was sie verängstigt 

habe (Urk. ND 4/2 S. 5). Als sie nicht hätten bleiben wollen, habe I._____ gedroht, 

er wisse, wo sie leben würden und habe ihre Familie erwähnt, sodass sie keine 

Wahl gehabt hätten (Urk. ND 4/3/3 S. 7). So habe I._____ mehrfach angedroht, 

ihr Bruder könnte eines Tages einfach nicht mehr von der Schule heimkommen 

(a.a.O. S. 10). Sie hätten sich nicht frei bewegen dürfen, seien ständig kontrolliert 

und Telefonanrufe seien mitgehört worden; der Pass sei ihr erst bei der Rückreise 

wieder gegeben worden, man habe sie nur gehen lassen, weil sie sonst an einem 

Hochzeitsfest gefehlt hätte, was Probleme mit der Polizei usw. bewirkt hätte (Urk. 

ND 4/2; Urk. ND 4/3/3 S. 4f., S. 11, S. 16). Dies erklärt denn auch plausibel, wes-

halb man sie nach so kurzer Zeit wieder weg liess. Wenngleich R._____ bezüg-

lich ihrer Fluchtmöglichkeiten – wie erwähnt – vermutlich etwas übertrieben haben 

dürfte (u.a. betreffend Schweizer Kunden, Urk. ND 4/3/3 S. 8 und S. 16, vgl. auch 

S. 17f.), wohl um ihre Zwangslage zu verdeutlichen, belastete sie die beiden Be-

schuldigten ebenfalls äusserst zurückhaltend. So hielt sie mehrfach fest, sie sei 

nie geschlagen oder malträtiert worden (a.a.O. S. 4, S. 5, S. 10), was zu behaup-

ten ein Leichtes gewesen wäre. Sodann führte sie auch aus, I._____ habe ihnen 

beigestanden, wenn ein Kunde sich den Frauen gegenüber schlecht verhalten 

habe (a.a.O. S. 8). Überzeugend legte sie dar, die Aufteilung des Dirnenlohns sei 

ihre letzte Sorge gewesen, sie habe einzig so schnell als möglich nach Hause zu-

rückkehren wollen (a.a.O. S. 11). Auch hier hätte die Geschädigte die Gelegen-

heit nutzen können, ihren Anteil von Fr. 50.– als unfair und ausbeuterisch zu be-

-   34   - 

zeichnen. Sie tat es nicht. Vielmehr legte sie schlüssig dar, sie hätte nie in diese 

Art von Arbeit eingewilligt. Sie habe zwar keine physischen Folgen davongetra-

gen, die psychischen seien aber immer präsent. Sie habe es nach ihrer Rückkehr 

nicht melden, sondern einfach alles vergessen wollen (a.a.O. S. 12). Die Vo-

rinstanz hat im Übrigen auch hierzu das Notwendige bereits ausgeführt, worauf zu 

verweisen ist (Urk. 68 S. 83ff.). 

Der unter ND 3 und 4 eingeklagte Sachverhalt ist somit – mit der erwähnte Aus-

nahme (vgl. oben Ziff. 1.3.) – erstellt. 

ND 6: J._____ 

Bezüglich der Geschädigten J._____ ist vorab festzuhalten, dass sie als einzige 

gewusst haben will, dass sie in Zürich als Prostituierte arbeiten würde, und ihr die 

Bedingungen weitgehend im Voraus mitgeteilt wurden (Urk. ND 6/2 S. 2f., v.a. 

S. 7; Urk. ND 6/4/4 S. 2ff.). Sie führte zwar aus, sie habe nicht unter Zwang ge-

standen und habe die Wohnung jederzeit frei verlassen können. Anderseits bestä-

tigte sie, dass sie mit dem Tod bedroht worden sei und man gewusst habe, was 

einem erwarte, wenn jemand etwas Falsches tue. Die Beschuldigten hätten auf 

alle aufgepasst, damit niemand habe wegfliehen können (Urk. ND 6/4/4 S. 9). So-

dann war sie auch beim Sturz von B._____ vom Balkon anwesend (a.a.O. 

S. 10ff.), der – auch gemäss Aussagen der Beschuldigten – wegen eines Streits 

mit I._____ geschehen sei (Urk. HD 6/7 S. 16ff. und S. 21f., Urk. 157 S. 14f.). 

Damit unterstützt auch J._____ die glaubhaften Aussagen der übrigen Geschä-

digten zu den Gepflogenheiten und Geschehnissen im Bordell.  

Selbst wenn die Ausführungen der Vorinstanz zu den Aussagen von J._____ 

überzeugend sind (Urk. 68 S. 87ff.) und nicht ausgeschlossen werden kann, dass 

sie aus Angst keine konkreten Belastungen bezüglich ihrer Tätigkeit im Bordell 

machte, kann der Beschuldigten letztlich nur das angelastet werden, was ihr in 

der Anklage vorgeworfen wird. Diesbezüglich wird einzig erwähnt, die Geschädig-

te J._____ habe sich vor den beiden Beschuldigten gefürchtet und sich deshalb 

nicht getraut, wegen des Abzugs der Vermittlungsgebühr von Fr. 1'500.– für 

N._____ aufzubegehren (Urk. HD 27 S. 22). Dass die Geschädigte aufgrund der 

-   35   - 

Drohungen durch die Beschuldigte auch hinsichtlich ihrer (grundsätzlich freiwilli-

gen) Tätigkeit als Prostituierte in ihrer Handlungs- oder Bewegungsfreiheit einge-

schränkt gewesen sei resp. diese ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr freiwil-

lig ausgeübt habe, wird in der Anklage nicht behauptet. Dies lässt sich somit nicht 

erstellen. Und auch wenn die Geschädigte ausführte, sie habe Eheprobleme ge-

habt und ihr Kleinkind eigentlich nicht allein lassen wollen (Urk. ND 6/2 S. 3), so 

kann daraus nicht zwingend geschlossen werden, sie habe unter einem enormen 

Druck gestanden, in die Schweiz zu reisen und sich zu prostituieren (vgl. Urk. 68 

S. 88, vgl. Urk. ND 6/4/4 S. 2 unten). J._____ hatte sich bereits ein Jahr zuvor 

entschlossen, in das Bordell der Beschuldigten zu gehen, dies aber wegen ihrer 

Schwangerschaft verschoben. Als sie sich schliesslich von ihrem Ehemann davon 

schlich und mit N._____ traf, mit welchem sie offenbar ein intimes Verhältnis hat-

te, habe dieser sie nochmals gefragt, ob sie denn tatsächlich beschlossen habe, 

in die Schweiz zu gehen, was sie bejaht habe (Urk. ND 6/2 S. 4). Es kann – mit 

der Verteidigung vor Vorinstanz (Urk. 50/8 S. 23) – somit nicht einfach davon 

ausgegangen werden, die Geschädigte sei – zeitlich oder anderweitig – derart un-

ter Druck geraten, dass sie den Entscheid, sich in der Schweiz zu prostituierten – 

jedenfalls in diesem Zeitpunkt – nicht mehr frei habe fällen können.  

Bezüglich der Frage der Vermittlungsgebühr erweisen sich die Aussagen von 

J._____ sodann als zu unklar. Insbesondere hat sie an keiner Stelle geltend ge-

macht, sie habe aus Angst auf diesen Lohnanteil verzichtet. Zunächst führte sie 

aus, sie habe bei ihrer Rückreise Fr. 2'500.– erhalten, wobei man ihr noch 

Fr. 1'500.– schulden würde. I._____ habe ihr später telefonisch mitgeteilt, sie 

würde das restliche Geld erhalten, wenn sie niemandem etwas erzähle (Urk. 

ND 6/2 S. 7). Ob es sich dabei um die an N._____ als Vermittlungsgebühr bezahl-

ten Fr. 1'500.– handelte, steht nicht fest, ist aber wohl zu vermuten (a.a.O. S. 6). 

Als Zeugin hielt sie demgegenüber fest, sie habe "so gegen Fr. 3'000.–" verdient 

und auch vollständig erhalten (Urk. ND 6/4/4 S. 5). Als man sie auf den Wider-

spruch zur polizeilichen Aussage hinwies, führte sie aus, sie hätte damals doch 

gesagt, sie hätte Fr. 2'500.– bar auf die Hand erhalten. Sie sei von ihrem Mann 

überredet worden zu sagen, man schulde ihr noch Geld (a.a.O. S. 6). Die 

Fr. 1'500.– Vermittlungsgebühr seien ihr abgezogen worden, d.h. sie habe diese 

-   36   - 

abverdient (a.a.O. S. 7 und S. 9). Sie sei damit einverstanden gewesen resp. was 

sie denn sonst hätte tun sollen (a.a.O. S. 9). Selbst wenn insgesamt der Verdacht 

bleibt, dass die Geschädigte J._____ sich nur unter Druck mit dem Abzug der 

Fr. 1'500.– einverstanden erklärte, bleibt letztlich unklar, ob sie dem nicht doch – 

wie auch den anderen Bedingungen, wie etwa ihrem Anteil von jeweils Fr. 50.– 

(a.a.O. S. 9) – nicht einfach zustimmte. Die Behauptung in der Anklage, sie habe 

sich aus Angst vor den beiden Beschuldigten nicht gegen den Abzug gewehrt, 

lässt sich so jedenfalls nicht erstellen. Davon ist nachfolgend bei der Prüfung der 

rechtlichen Fragen auszugehen.  

Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass eine – von der Geschädigten an sich 

glaubhaft geltend gemachte – Drohung resp. Nötigung der Beschuldigten gegen-

über J._____ (Urk. ND 6/4/4 S. 10 oben) bereits verjährt wäre. Die Geschädigte 

war von März bis August 2006 im Bordell tätig, das vorinstanzliche Urteil stammt 

vom 20. Juni 2013. Zu Gunsten der Beschuldigten müsste daher davon ausge-

gangen werden, dass die in Ziff. 7.4 der Anklage erwähnten Drohungen resp. Nö-

tigungen vor dem 20. Juni 2006 geschahen (Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB).  

ND 8: F._____ 

Auch die Geschädigte F._____ soll unter dem Vorwand der Tätigkeit bei einer Te-

lefonsexhotline nach Zürich gelockt worden sein (Urk. ND 8/2 S. 2 und Urk. 

ND 8/5/5 S. 9). Dies wurde von J._____ als Zeugin bestätigt: F._____ habe ihr er-

zählt, man habe ihr gesagt, es gehe um Sex-Telefone, man habe sie auf diese Art 

dorthin gebracht. Als F._____ erfahren habe, worum es wirklich gehe, habe sie 

unter Schock gestanden und nach Hause gehen wollen (Urk. ND 6/4/4 S. 7; vgl. 

auch Urk. ND 8/5/5 S. 5). Wäre F._____ in voller Kenntnis der Umstände ins Bor-

dell gekommen und hätte die Geschichte von der Telefonhotline lediglich als Alibi 

gegenüber ihrer Familie gedient, so wäre nicht einzusehen, weshalb sie dies so 

auch ihrer Kollegin, die dort zugegebenermassen freiwillig der Prostitution nach-

ging, hätte erzählen sollen (vgl. Urk. ND 8/2 S. 8 und S. 10). J._____s Aussagen 

bestätigen vielmehr, dass F._____ wie von ihr behauptet unter falschen Ver-

sprechungen, bei denen übrigens beide Beschuldigten anwesend waren (vgl. Urk. 

ND 8/2 S. 3), nach Zürich gelockt worden war. Wie schon oben erwähnt wurde 

-   37   - 

später vereinbart, F._____ solle gegenüber der Polizei sagen, sie habe als Baby-

sitterin gearbeitet; sie habe sich dann aber entschlossen, die Wahrheit zu sagen 

(Urk. ND 8/2 S. 12). Dies ergibt durchaus Sinn.  

Wie die anderen Geschädigten schilderte auch F._____, wie sie aus Angst vor 

den Beschuldigten und der Befürchtung, ihre Familie könnte etwas erfahren, im 

Bordell geblieben sei. Ihr sei zeitweise auch das Handy kontrolliert respektive 

weggenommen worden, ebenso wie kurzzeitig der Reisepass. Man habe sie psy-

chisch an diese Wohnung gebunden und unter Kontrolle gehalten (Urk. ND 8/2 

S. 11 und S. 13f.; Urk. ND 8/5/5 S. 8, S. 10 und S. 12f.). Gleich zu Beginn habe 

sie erfahren, dass I._____ ein anderes Mädchen vom Balkon gestossen habe, 

sodass ihre Angst immer grösser geworden sei. Später seien auch Drohungen ihr 

gegenüber dazu gekommen und sie habe bei I._____ eine Pistole gefunden (Urk. 

ND 8/5/5 S. 5f.). Sie bestätigte explizit, sich vor beiden Beschuldigten gefürchtet 

zu haben (a.a.O. S. 12). Die Geschädigte F._____ hörte auch Telefongespräche 

mit, welche der wütende I._____ nach der Flucht von G._____ geführt hatte, in 

denen es darum gegangen sei, G._____ die Knochen zu brechen etc., weshalb 

sie definitiv aufgegeben habe zu fliehen (a.a.O. S. 6, S. 8 und S. 11, vgl. auch 

Urk. ND 9/2 S. 8). Dass solche Gespräche stattfanden, ist durch die Akten belegt 

(Urk. ND 9/3/2/2 S. 3 und S. 9). Die Aussagen von F._____ sind somit auch hier 

glaubhaft. Auch ihre Schilderung, wonach man ihr vor der Reise gesagt habe, sie 

müsse bei der Hotline fast 24 Stunden am Tag arbeiten und werde die Wohnung 

nicht verlassen (Urk. ND 8/5/5 S. 5), ist – entgegen der Verteidigung (Urk. 50/8 

S. 27f.) – nicht derart unplausibel, sondern zeigt einfach, dass sie davon ausging, 

während einiger Monate zwar sehr viel arbeiten zu müssen, aber so eben auch 

gut verdienen zu können. Die Behauptung der Beschuldigten, die Mutter von 

F._____ sei nicht in die Schweiz gereist, weil sie misstrauisch geworden sei, son-

dern weil sie (die Beschuldigte) verlangt habe, dass die Mutter die Geschädigte, 

welche Heimweh gehabt habe, abhole (Urk. ND 8/7/1 S. 9), ist völlig absurd. Zum 

einen war die Mutter von Anfang an misstrauisch gewesen (Urk. ND 8/2 S. 4); 

zum andern ist nicht einzusehen, weshalb die erwachsene Geschädigte nicht al-

leine in die Heimat hätte zurückreisen können. Bemerkenswert ist vielmehr, dass 

sich F._____ erst beim Besuch ihrer Mutter sicher genug fühlte, um mit dieser 

-   38   - 

nach Hause zu fahren, wobei sie gegenüber den Beschuldigten aus Angst so tat, 

als würde sie zurückkehren wollen (Urk. ND 8/5 S. 10 f., Urk. ND 8/5). Auch dies 

zeigt wiederum deutlich, dass sie eben nicht frei war zu kommen und zu gehen, 

wie sie wollte. Wenn die Verteidigung schliesslich ausführte, es sei auffällig, wie 

F._____ K._____ mit einer Selbstverständlichkeit des Verbreitens von Lügen be-

zichtige, obwohl sie diesen gar nicht kenne (Urk. 159 S. 31), so zielt dies offen-

kundig ins Leere. Dieser K._____ soll – gemäss der Verteidigung – ausgesagt 

haben, F._____ sei bereits in Kroatien als Prostituierte tätig gewesen. Wenn dies 

aber nicht zutrifft, konnte die Geschädigte F._____ selbstverständlich mit Fug be-

haupten, K._____ lüge, auch wenn – oder gerade weil – sie diesen nicht kennt. 

Es war auch nicht an ihr, ein Motiv für die Falschaussage des ihr unbekannten 

K._____ darzulegen (Urk. 159 S. 31, Urk. 111/1). Es besteht kein Anlass, an den 

Aussagen von F._____ zu zweifeln. Die Vorinstanz hat im Übrigen das Notwendi-

ge zu dieser Geschädigten ausgeführt (Urk. 68 S. 94ff.). Auch der Sachverhalt 

gemäss ND 8 ist erstellt. 

ND 9: G._____ 

Dass auch diese Geschädigte unter dem Vorwand, bei einer Telefonsexhotline 

arbeiten zu können, nach Zürich gelockt wurde, wird nicht nur durch ihre eigenen 

Aussagen, sondern auch durch jene von F._____ belegt (vgl. Urk. ND 8/2 S. 10; 

Urk. ND 9/2 S. 2f.). Wenn die Geschädigte G._____ dies anlässlich der staatsan-

waltschaftlichen Einvernahme verneinte und von einer Hotline für "psychologische 

Hilfe" sprach, so geschah dies offenkundig, um sich – und die Entscheidung, in 

die Schweiz zu reisen – in ein besseres Licht zu rücken. Die vor-instanzliche In-

terpretation überzeugt hingegen nicht (Urk. 68 S. 100). Auf Nachfrage entschul-

digte sich die Geschädigte umgehend und bestätigte ihre ursprüngliche (für sie 

weniger günstige) Aussage als richtig (Urk. ND 9/4/1 S. 18). Die entsprechende 

Argumentation der Verteidigung zielt daher ins Leere (vgl. Urk. 50/8 S. 29). Dieser 

Umstand lässt jedenfalls nicht darauf schliessen, dass die Aussagen von G._____ 

in globo unglaubhaft sind.  

Die Vorinstanz hat sodann richtig ausgeführt, dass die Geschädigte G._____ – 

entgegen der Behauptung der Verteidigung vor Vorinstanz (Urk. 50/8 S. 30) – 

-   39   - 

nicht gelogen hatte, als sie ausführte, sie sei nicht vorbestraft, zumal das fragliche 

Urteil erst rund 2 Jahre nach ihrer Befragung erging (Urk. 68 S. 27f., Urk. 33/5-6). 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz lässt diese Vorstrafe die allgemeine Glaub-

würdigkeit von G._____ heute zwar als reduziert erscheinen (Urk. 68 S. 28); we-

sentlich ist indes ohnehin die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Schliesslich spricht 

auch der Umstand, dass G._____ unumwunden ausführte, die Beschuldigten sei-

en ihre grossen Feinde, weil sie sie nicht nach Hause gehen liessen (Urk. 

ND 9/4/1 S. 2), nicht gegen die Glaubwürdigkeit der Geschädigten, denn es dürfte 

nicht selten vorkommen, dass Opfer einer Straftat gegenüber ihren Peinigern Wut 

empfinden. Wesentlich ist – wie gesagt – vielmehr die Glaubhaftigkeit der Aussa-

gen, und diese fielen durchaus differenziert und nicht übertrieben belastend aus 

(vgl. Urk. 68 S. 98f.). Es stellt sich auch die Frage, weshalb die Geschädigte, hät-

te sie freiwillig für die Beschuldigte und I._____ gearbeitet, wäre gut behandelt 

und vollständig bezahlt worden, wie diese geltend machten (Urk. HD 5/3 S. 27-32; 

Urk. 6/7 S. 25-29, Urk. ND 9/5/1 S. 10, Urk. ND 9/6/1 S. 9), später aus Wut oder 

Rachegefühlen heraus falsche Aussagen gegen sie machen sollte. Völlig un-

glaubhaft ist im Übrigen die Behauptung der beiden Beschuldigten, G._____ habe 

ihnen Geld und teuren Schmuck gestohlen und sei deshalb weggegangen, wobei 

die Beschuldigte einmal aussagte, G._____ habe sie und die Freier bestohlen, 

während sie heute geltend macht, G._____ habe nur I._____ etwas gestohlen 

(Urk. ND 9/5/1 S. 10, Urk. HD 5/3 S. 29f., Urk. 50/5 S. 11f.; Urk. HD 6/1 S. 14; vgl. 

aber Urk. HD 6/7 S. 27f.; Urk. 158 S. 10 und S. 18f.; Urk. 157 S. 18). Hätte 

G._____ eine Gelegenheit abgewartet, diesen Diebstahl zu begehen, wie I._____ 

geltend macht, so wäre sie zweifellos nicht noch zuerst mit dem Diebesgut in der 

Tasche mit der Beschuldigten zum Shoppen gefahren und von dort aus weg-

gelaufen, wenn sie ja die Wohnung jederzeit und unkontrolliert hätte verlassen 

können. Auf die weiteren widersprüchlichen Aussagen der Beschuldigte dazu, 

wurde bereits oben hingewiesen: Während sie zunächst behauptete, G._____ 

aufgrund der Diebstähle einfach nach Hause geschickt zu haben (Urk. HD 6/1 

S. 14), musste sie später einräumen, dass G._____ überraschend weggegangen 

sei (Urk. HD 6/7 S. 27f., Urk. 50/3 S. 26). Aufgrund der sehr authentischen Schil-

derung von G._____ ist vielmehr erstellt, dass sie ihre Flucht vorgängig plante 

-   40   - 

und schliesslich mit Hilfe eines Freiers umsetzen konnte (Urk. ND 9/4/1 S. 14). 

Gerade diese Flucht zeigt exemplarisch, dass G._____ keineswegs freiwillig im 

Bordell tätig war.  

Die Beschuldigte – und auch I._____ (vgl. Urk. ND 9/5/1 S. 12) – liessen keine 

Gelegenheit aus, die Geschädigte schlecht zu machen, was als klassisches Lü-

gensignal gilt. So machte die Beschuldigte u.a. auch geltend, G._____ habe all-

gemein immer Probleme mit der Polizei und sei auch ein paar Mal in der Psychiat-

rie gewesen; sie habe keinen richtigen Beruf, sondern sei immer mit Kriminellen 

zusammen (Urk. ND 9/6/1 S. 16). Während dies alles mangels Kenntnis zwar 

nicht ausgeschlossen werden kann, ergeben die Aussagen von G._____ durch-

aus Sinn und passen ins Gesamtbild der übrigen glaubhaften Aussagen der ande-

ren Frauen, welche wohl auch nach Ansicht der Beschuldigten nicht allesamt psy-

chisch krank sind. So machte auch G._____ überzeugend geltend, bedroht, genö-

tigt, ein paar Mal geschlagen und – unter zeitweiliger Wegnahme von Pass und 

Handy – kontrolliert worden zu sein (Urk. ND 9/2 S. 6ff.; Urk. ND 9/4/1 S. 7, S. 9 

und S. 15). Wieso die Geschädigte gemäss eigenen Aussagen drei Wochen vor 

ihrer Flucht mit der Prostitution aufgehört habe, hat sie überzeugend dargelegt 

("Tod oder Leben", Urk. ND 9/4/1 S. 12ff. und S. 21). Wären ihre Aussagen nicht 

wahr, hätte sie dieses untypische Detail auch nicht erfinden müssen. Die Vo-

rinstanz hat zutreffend aufgezeigt, dass dies nichts an der Unfreiwilligkeit ihres 

Aufenthalts im Bordell ändere, was G._____s Flucht deutlich mache (Urk. 68 

S. 100f.). Schliesslich steht fest, dass es nach der Rückkehr der Geschädigten 

G._____ nach Kroatien zu Streitigkeiten zwischen ihr und I._____ kam. Dass sie 

dabei die Mutter der Beschuldigten besuchte, ist unbestritten (Urk. ND 9/4/1 

S. 19). Durch nichts nachgewiesen ist hingegen die Behauptung der beiden Be-

schuldigten, G._____ habe die Mutter auch bedroht, erpresst, das Telefonkabel 

durchgeschnitten und deren Hund getötet (Urk. ND 9/6/1 S. 12, Urk. ND 9/5/1 

S. 4, Urk. HD 6/7 S. 28f., Urk. HD 5/3 S. 29, Urk. 50/8 S. 29; auch nicht durch Urk. 

ND 10/22/3 S. 3 = "…"). Durch die abgehörten Telefongespräche ist hingegen er-

stellt, dass I._____ – wie von G._____ geltend gemacht (Urk. ND 9/2 S. 8-10; Urk. 

ND 9/4/1 S. 15) – Leute nach Kroatien schickte, um sie zu bedrohen (Urk. 

ND 9/3/2/2ff.; von I._____ bestritten in Urk. HD 5/3 S. 31). Selbst wenn G._____ 

-   41   - 

der Mutter der Beschuldigten tatsächlich Unannehmlichkeiten bereitet haben soll-

te, um ihren – wegen der Flucht – noch ausstehenden Dirnenlohn zu erhalten, 

was aus gewissen Gesprächen hervorgeht (vgl. Urk. HD 9/3/2/7-8), kann daraus 

nichts bezüglich der Ereignisse in Zürich vor diesem Streit abgeleitet werden. 

Dass sie offenbar, aufmüpfig, als einzige wagte, aufzubegehren und sich zur 

Wehr zu setzen, zeigt bereits ihre Flucht und spricht nicht gegen sie. Insgesamt 

ist damit auch der Sachverhalt gemäss ND 9 erstellt.  

Delikte z.N. von E._____ (ND 7) 

1. Der Beschuldigten wird in ND 7 einerseits vorgeworfen, E._____ – in Mittäter-
schaft mit I._____ – ihrer Freiheit beraubt und sie entführt zu haben. Andererseits 

habe sie auch bezüglich dieser Geschädigten den Tatbestand der Förderung der 

Prostitution erfüllt. Die Beschuldigte bestreitet nicht, dass sich E._____ im einge-

klagten Zeitraum bei ihr im Bordell an der …strasse prostituiert hat. Sie macht in-

des geltend, diese habe das freiwillig und ohne Druck getan. Von Nacktfotos woll-

te die Beschuldigte nichts wissen. Zudem soll E._____ den grössten Teil des 

Lohns für sich behalten haben. Es treffe auch nicht zu, dass sie E._____ im Au-

gust 2004 gegen deren Willen bis in die frühen Morgenstunden zusammen mit 

I._____ in ihrer Wohnung festgehalten habe (Urk. 50/3 S. 26ff.; Urk. 157 S. 11f.). 

Die Anklagevorwürfe basieren demnach insbesondere auf den Aussagen von 

E._____, weshalb diese einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen sind. Was die 

theoretischen Grundsätze der Beweiswürdigung betrifft, hat die Vorinstanz das 

Notwendige bereits ausgeführt (Urk. 68 S. 20ff. und S. 120). 

2. In einem ersten Teil hat sich die Vorinstanz mit der Glaubwürdigkeit von 
E._____ auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, dass ihr eine gute 

allgemeine Glaubwürdigkeit bescheinigt werden könne (Urk. 68 S. 124). Darauf 

kann – mit Ausnahme der folgenden Präzisierungen und Ergänzungen – verwie-

sen werden.  

2.1. Die Vorinstanz hat zunächst richtig ausgeführt, dass die von E._____ er-
wähnten Hassgefühle und Rachegelüste gegenüber den Beschuldigten nur dann 

hellhörig machen müssten, wenn sie auf anderen als den eingeklagten Begeben-

-   42   - 

heiten beruhen würden, mithin etwa auf einer vorbestehenden Feindschaft 

(Urk. 68 S. 121ff.). Dafür finden sich in den Akten keine Anhaltspunkte. Dass ein 

Opfer einer schweren Straftat Hass gegenüber seinem Peiniger empfindet, sich 

eine gerechte Strafe für ihn oder gar dessen Tod wünscht, dürfte keine Seltenheit 

sein und basiert somit gerade auf den geschilderten Straftaten. Hier ist darauf zu 

achten, ob die Aussagen im Laufe der Untersuchung immer mehr zu Lasten eines 

Beschuldigten ausfallen oder generell übertrieben wirken. Darauf wird weiter un-

ten eingegangen. Sollten die negativen Gefühle von E._____ gegenüber I._____ 

darauf beruhen, dass dieser sie – wie dieser vor Vorinstanz geltend gemacht hat 

(Urk. 50/5 S. 12, S. 13 und S. 16) – als Freundin oder Geliebte letztlich ver-

schmäht haben sollte, so liesse sich damit noch in keinster Weise erklären, wes-

halb E._____ auch die Beschuldigte zu Unrecht dermassen massiv anschuldigen 

und Hassgefühle ihr gegenüber haben sollte (vgl. Urk. ND 7/3/2 S. 2). Demge-

mäss erscheint auch als irrelevant, dass E._____ anlässlich ihrer Verhaftung am 

Grenzübergang in Kroatien im Dezember 2005 I._____ als ihren Freund bezeich-

net haben soll (Urk. 50/8 S. 26f.), da sie dort erwähnt habe, F._____ sei die Ehe-

frau ihres Freundes (Urk. HD 3/5/2 S. 3). Aus der vom Gericht erneut eingeholten 

Übersetzung geht indes hervor, dass das Wort "Freund" wie in der deutschen 

Sprache verschieden interpretiert werden kann und nicht zwingend auf einen In-

timfreund hinweist, sondern auch ein Freund bedeuten kann (Urk. 132-133). Zu-

dem sind diese in völlig anderem Zusammenhang gemachten Aussagen nicht von 

ausschlaggebender Bedeutung, zumal sich die Privatklägerin dort wohl einfach 

möglichst aus der Affäre ziehen wollte. Dies belegt jedenfalls nicht, dass E._____ 

die Geliebte von I._____ war, was von der Beschuldigten an der Berufungsver-

handlung übrigens auch nicht bestätigt wurde (Urk. 157 S. 10f.). Wie eingangs 

erwähnt, würde dies auch nicht ansatzweise erklären, welches Motiv die Privat-

klägerin für eine derart massive Falschbelastung der Beschuldigten A._____ ha-

ben könnte. Gegen eine Strafanzeige als Racheaktion von E._____ spricht – mit 

der Vorinstanz – sodann die Tatsache, dass sie erst am 7. August 2006, mithin 

Monate nach Ende ihrer Tätigkeit an der ...strasse, Anzeige erstattete. Weshalb 

sie sich nun plötzlich ohne konkreten Anlass zu derart belastenden Aussagen hät-

te hinreissen lassen sollen, ist nicht ersichtlich. Plausibel und zeitlich logisch er-

-   43   - 

scheint hingegen ihre Darstellung, wonach sie u.a. wegen der Geschichte mit 

dem Balkonsturz ihrer Freundin B._____ Angst bekommen habe, I._____ – der 

nun wieder in der Schweiz weilte – könnte auch ihr etwas antun (Urk. ND 7/1/18 

S. 18f.). Die Vorinstanz hat das Notwendige dazu ausgeführt (Urk. 68 S. 123).  

2.2. Insofern geltend gemacht wird, es sei seltsam, dass weder ihre Eltern noch 
ihre kleinere Schwester noch ihr damaliger Freund etwas von den körperlichen 

Übergriffen durch I._____ oder von der Tätigkeit als Prostituierte mitbekommen 

haben (Urk. 50/8 S. 25f.), ist festzuhalten, dass dies E._____ offenbar aus Scham 

verhindern wollte und für sie kein Anlass bestand, ihrer Familie oder ihrem Freund 

gegenüber eine Erklärung abzugeben. So hielt sie fest, niemand wisse etwas von 

dieser Sache, sie habe es immer vertuschen können (Urk. ND 7/1/1 S. 12), ihrem 

Freund habe sie nur erzählt, dass sie verprügelt worden sei (Urk. ND 7/1/19 S. 9). 

Sodann ist der Geschädigtenvertreterin zuzustimmen, dass – selbst wenn her-

ausgekommen wäre, dass sich E._____ prostituiert hat – es genügt hätte, wenn 

sie einfach gegenüber ihrer Familie und/oder ihrem Freund behauptet hätte, sie 

sei dazu gezwungen worden (Urk. 50/7 S. 13). Eine Notwendigkeit, solche Vor-

würfe zu Unrecht in derartigen Details mehrfach gegenüber den Behörden zu 

schildern, bestand jedenfalls nicht. Schliesslich kommt hinzu, dass E._____ – wie 

erwähnt – im Anzeigezeitpunkt seit geraumer Zeit nicht mehr im Bordell tätig war 

und auch keinen Kontakt mehr zur Beschuldigten oder zu I._____ hatte. E._____ 

hätte somit im August 2006 die Vergangenheit ohne weiteres einfach auf sich be-

ruhen lassen können. 

2.3. Auch ein finanzielles Motiv für eine Falschaussage ist nicht auszumachen. 
Zwar stellte E._____ ein Genugtuungsbegehren über Fr. 35'000.–. Dies ist indes 

ihr gutes Recht und wurde betragsmässig offenbar von der Geschädig-

tenvertreterin festgelegt (Prot. I S. 18). Es kann offensichtlich nicht angehen, je-

dem Opfer einer Straftat, welches eine Genugtuung verlangt, von vornherein jeg-

liche Glaubwürdigkeit abzusprechen. Sodann ist die Tatsache, dass sich die Pri-

vatklägerin mit B._____ per SMS über die Möglichkeit von Schadenersatz unter-

hielt, – entgegen der Verteidigung vor Vorinstanz (Urk. 50/8 S. 26) – unverdäch-

tig, da dies erst nach der Anzeigeerstattung und Erläuterung der Opferhilfebe-

-   44   - 

stimmungen erfolgte (Urk. ND 7/1/13 S. 3). Dass auch gewisse finanzielle Inte-

resse im Spiel sind, ist daher bei der Beweiswürdigung zwar zu beachten, aber 

nicht per se geeignet, die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin herabzusetzen. 

Leicht reduziert erscheint diese indessen – entgegen der Einschätzung der Vor-

instanz (Urk. 68 S. 122f.) – aufgrund des Umstandes, dass E._____ im April 2004 

an mehrfach versuchtem Raub mit K.O.-Tropfen beteiligt war, was sie allerdings 

unumwunden zugab (Urk. ND 7/4/1-2). Diese Delikte haben nichts mit den vorlie-

gend zur Debatte stehenden Vorfällen gemein. Insbesondere handelte es sich 

nicht um Rechtspflegedelikte (vgl. Urk. ND 7/1/17 S. 2). Hingegen ist die Tatsa-

che, dass sich die Privatklägerin in der Vergangenheit nicht an die Rechtsordnung 

gehalten hat, nicht gänzlich ohne Bedeutung. Die Glaubwürdigkeit einer unbe-

scholtenen Person ist zweifellos höher zu gewichten.  

2.4. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin 
E._____ leicht eingeschränkt ist, weshalb ihre Behauptungen mit Vorsicht zu wür-

digen sind. Indes ist nicht die Glaubwürdigkeit, sondern die Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussagen von ausschlaggebender Bedeutung. Festzuhalten ist an die-

ser Stelle jedenfalls, dass kein Motiv von E._____ für eine falsche Anschuldigung 

der Beschuldigten (und I._____s) ersichtlich ist.  

3. Die Vorinstanz hat sich sodann zutreffend mit der Glaubhaftigkeit der A