# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cff6a7db-9ec9-54cb-ad39-0742961524e8
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 25.01.2022 SST.2021.181
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-181_2022-01-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

 

SST.2021.181 
(ST.2020.266; StA.2020.6727) 

 

 

Urteil vom 25. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiber Bastian        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

Privatklägerin   A._____, 

[...] 

    
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1963, von Deutschland, 

[...] 

 

  

 
 

Gegenstand  Nötigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 7. Dezember 2020 erliess die Staatsanwaltschaft Baden gegen den 

Beschuldigten folgenden Strafbefehl (STA3 ST.2020.6727): 

 

" Sachverhalt: 

 
Nötigung  
 

Der Beschuldigte nötigte jemanden unter Androhung ernstlicher Nachteile dazu, 
etwas zu tun. 
 
Am 20.02.2020 erwarb der Beschuldigte von A., [...], via Onlineplattform ricardo.ch 
ein Konzertticket zum Preis von CHF 18.00 zzgl. CHF 1.00 für das Porto des 
Versands. Nach Bezahlung des Kaufpreises sandte die Geschädigte das 
Konzertticket am 27.02.2020 mit der Post an den Beschuldigten. 
 
Da das Konzert im Nachgang zum 27.02.2020 aufgrund der COVID-Pandemie ab-
gesagt wurde, wandte sich der Beschuldigte zwischen dem 27.02.2020 und dem 
02.03.2020 mehrfach per Mail an die Geschädigte und forderte diese auf, ihm den 
Kaufpreis zurückzuerstatten. Namentlich führte der Beschuldigte am 27.02.2020, 
12.45 Uhr, in Q., gegenüber der Beschuldigten aus, dass – falls sie ihm das Ticket 
nicht schicke – er ihr grosse Probleme bereiten könne. Ebenso schrieb er ihr am 
02.03.2020, 20.27 Uhr, dass die R.-S.-Connection aufgeflogen sei. Zur Not werde 
"morgen früh, im Schulhaus die Polizei kommen und alles Weitere Klären". Durch 
diese Äusserung wurde die Geschädigte dermassen in Schrecken und Angst 
versetzt, dass sie sich um das Wohlergehen ihrer Kinder sorgte und dem 
Beschuldigten den Kaufpreis von CHF 19.00 zurückerstattete. 
 
Der Beschuldigte wusste, dass die Geschädigte keine Rechtspflicht dazu hatte, 
ihm den Kaufpreis für das inzwischen ohne Verschulden der Geschädigten abge-
sagte Konzert zurückzuerstatten. Ebenso wusste er, dass er psychischen Druck 
auf die Geschädigte aufsetzte und diese in Schrecken oder Angst versetzte, zu-
mindest hielt er dies für möglich und nahm es in Kauf. Gleichwohl handelte er wie 
dargelegt. 
 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 

Art. 181 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. 
Art. 106 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 StGB" 

 

Die Staatsanwaltschaft Baden bestrafte den Beschuldigten dafür mit einer 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, bedingt aufgeschoben bei 

einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von Fr. 300.00.  

 

1.2. 

Der Beschuldigte erhob am 16. Dezember 2020 gegen den Strafbefehl 

Einsprache, worauf die Staatsanwaltschaft Baden ihn mit Verfügung vom 

 - 3 - 

 

 

 

21. Dezember 2020 zur Anklage erklärte und die Akten zur Durchführung 

des Hauptverfahrens an das Bezirksgericht Baden überwies. 

 

2. 

2.1. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden führte am 24. Februar 2021 die 

Hauptverhandlung mit Befragung des Beschuldigten durch und erkannte 

gleichentags: 

 

" 1. 
Der Beschuldigte ist schuldig 
-  der Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 
Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB und Art. 106 StGB 
 
mit 30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.00, d.h. total Fr. 900.00, 
 
und einer Busse von Fr. 300.00 bestraft. 
 
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 
10 Tage auszusprechen.  
 
3. 
Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB aufgeschoben. Die 
Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 
 
4. 
4.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr Fr. 800.00 
b) der Anklagegebühr Fr. 800.00 
c) den Spesen Fr.  122.40 
d) den Kosten der Urteilsbegründung Fr. 45.00 
Total Fr.  1'767.40 
 
4.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die Kosten gemäss 
lit. c) und d) im Gesamtbetrag von Fr.  1'767.40 auferlegt. 
 
5. 
Der Beschuldigte hat seine Parteikosten selber zu tragen." 

 

2.2. 

Der Beschuldigte meldete mit Eingabe vom 10. März 2021 Berufung an, 

worauf ihm das begründete Urteil am 22. Juli 2021 zugestellt wurde. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte beantragte mit (begründeter) Berufungserklärung vom 

9. August 2021 einen Freispruch vom Vorwurf der Nötigung. 

 

 - 4 - 

 

 

 

3.2. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 25. Januar 2022 hielt der 

Beschuldigte sinngemäss an seinen Anträgen fest. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der Nötigung zum Nachteil der 

Privatklägerin schuldig gesprochen. Der Beschuldigte beantragt mit 

Berufung einen Freispruch von diesem Vorwurf. Das angefochtene Urteil 

ist somit vollumfänglich zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt, wie er im von der Staatsanwaltschaft 

als Anklage überwiesenen Strafbefehl aufgeführt wurde, als erstellt 

erachtet (Urteil E. 4.5).  

 

2.2. 

Danach soll der Beschuldigte am 20. Februar 2020 von der Privatklägerin, 

via Onlineplattform ricardo.ch ein Konzertticket zum Preis von Fr. 18.00 

zuzüglich Fr. 1.00 Porto erworben haben. Nach Bezahlung des Kaufpreises 

habe die Privatklägerin dem Beschuldigten das Konzertticket am 

27. Februar 2020 per Post zukommen lassen. 

 

Da das Konzert im Nachgang zum 27.02.2020 aufgrund der COVID-

Pandemie abgesagt worden sei, habe sich der Beschuldigte zwischen dem 

27. Februar 2020 und dem 2. März 2020 mehrfach per Mail an die 

Privatklägerin gewandt und sie aufgefordert, ihm den Kaufpreis zurück-

zuerstatten. Namentlich habe der Beschuldigte am 27. Februar 2020 

gegenüber der Privatklägerin ausgeführt, dass – falls sie ihm das Ticket 

nicht schicke – er ihr grosse Probleme bereiten könne. Ebenso habe er ihr 

am 2. März 2020 geschrieben, dass die R.-S.-Connection aufgeflogen sei. 

Zur Not werde "morgen früh, im Schulhaus die Polizei kommen und alles 

Weitere Klären". Durch diese Äusserung sei die Privatklägerin dermassen 

in Schrecken und Angst versetzt worden, dass sie sich um das 

Wohlergehen ihrer Kinder gesorgt und dem Beschuldigten den Kaufpreis 

von Fr. 19.00 zurückerstattet habe. 

 

Der Beschuldigte habe gewusst, dass die Privatklägerin keine Rechtspflicht 

dazu gehabt habe, ihm den Kaufpreis für das inzwischen ohne ihr 

Verschulden abgesagte Konzert zurückzuerstatten. Ebenso habe er 

gewusst, dass er psychischen Druck auf die Privatklägerin aufgesetzt und 

diese in Schrecken oder Angst versetzt habe, zumindest habe er dies für 

 - 5 - 

 

 

 

möglich gehalten und es in Kauf genommen. Gleichwohl habe er wie 

dargelegt gehandelt. 

 

2.3. 

Der Beschuldigte bestritt – soweit er überhaupt Aussagen zur Sache 

gemacht hat – den ihm vorgeworfenen Sachverhalt.  

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Staatsanwaltschaft hat dem Beschuldigten in der Anklage 

zusammengefasst vorgeworfen, die Privatklägerin durch E-Mail-

Nachrichten in Angst und Schrecken versetzt und sie so zur Rückerstattung 

des Kaufpreises für das Konzertticket genötigt zu haben. Dies kann aus 

nachfolgenden Gründen – gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin und 

entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft sowie der Vorinstanz – 

nicht erstellt werden: 

 

2.4.2. 

Die Privatklägerin meldete sich am 23. März 2020 bei der Kantonspolizei 

Bern in T. und erstattete Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen 

Nötigung. Zudem stellte sie Strafantrag wegen Drohung und konstituierte 

sich als Privatklägerin (act. 13 ff.). Am 5. Juni 2020 wurde sie in der Folge 

polizeilich einvernommen und gab zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihr 

am 28. Februar 2020, also nach dem Versand des Tickets an den 

Beschuldigten am 25. Februar 2020, geschrieben, dass das Konzert 

abgesagt worden sei. Am gleichen Tag habe er ihr ein langes E-Mail 

geschrieben. Darin habe er sie aufgefordert, dass sie ihm das Geld 

zurücküberweisen solle, ansonsten sie grosse Probleme bekäme. Er habe 

mit Anwälten gedroht. Er habe gedroht, dass die Polizei in die Schule ihrer 

Kinder gehe. Sie habe wirklich Angst. Danach habe sie den Beschuldigten 

auf Ricardo gemeldet, da sie sein Verhalten nicht akzeptieren könne. Das 

habe den Beschuldigten noch wütender gemacht. Er habe ihr dann am 

2. März 2020 ein Mail mit folgendem Wortlaut gesendet: 

 

"Schönen Gruss an D. / E. oder wie immer Sie sich auch nennen. Die R.-S.-
Connection ist aufgeflogen. Zur Not wird morgen früh, im Schulhaus die Polizei 
kommen und alles Weitere klären. Ich glaube es geht noch. 
 
Freundliche Grüsse  
[...] 
 
PS: 
Und schönen Gruss an Herrn F., Ihre angebl. Wohnadresse. Sie sollten wirklich 
aufhören, mit diesen miesen Spielchen, denn Sie sehen, dass das Ganze in einer 
rechtlichen Dimension gelandet ist, für die Sie und Andere sich bald verantworten 
müssen. Als erstes und ernstes Zeichen sähe ich die Löschung der Bewertung." 

 

 - 6 - 

 

 

 

Sie sei über dieses Mail sehr geschockt gewesen. Sie sei im Recht 

gewesen mit ihrer Bewertung im Ricardo. Der Beschuldigte habe schon 

andere schlechte Bewertungen auf Ricardo gehabt.  

 

Auf Nachfrage der einvernehmenden Polizistin, wie es dann weiter-

gegangen sei, antwortete die Privatklägerin, sie habe dem Beschuldigten 

das Ticket zurückerstatten wollen. Sie habe die Angelegenheit erledigen 

wollen. Sie habe es aber vergessen, da sie momentan viel um die Ohren 

habe mit ihren Kindern und ihrem Ex-Mann. Sie habe danach am 27. Mai 

2020 eine E-Mail erhalten von G. (der ursprüngliche Verkäufer der Tickets). 

Der Beschuldigte habe wohl G. kontaktiert gehabt. Ihr sei das Ticket von 

G. auf ihre Kreditkarte zurückerstattet worden und sie sei informiert worden, 

dass ihr rechtliche Schritte drohten, falls sie das Ticket weiterverkauft habe. 

Noch am gleichen Tag, also am 27. Mai 2020, habe sie dem Beschuldigten 

die Fr. 19.00 zurückbezahlt (act. 18). 

 

2.4.3. 

Die Privatklägerin hat also – nach ihren eigenen Aussagen – auf die E-Mail 

des Beschuldigten vom 2. März 2020 nicht mit der Rückerstattung der 

Fr. 19.00 an den Beschuldigten reagiert, sondern – und dies auch erst drei 

Wochen später – mit einer Strafanzeige. Die Rückzahlung des Kaufpreises 

an den Beschuldigten nahm sie – ebenfalls nach ihren Aussagen – erst vor, 

als ihr selbst, offenbar auf Zutun des Beschuldigten, am 27. Mai 2020 vom 

Veranstalter der Kaufpreis für das Ticket zurückerstattet worden war und 

ihr von diesem rechtliche Schritte angedroht worden seien. Folglich hat die 

in der Anklage als Nötigungsmittel aufgeführte E-Mail-Korrespondenz 

zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten diese nicht unmittelbar 

zur Rückerstattung des Kaufpreises bewogen. Sie hat zwar angegeben, sie 

habe dem Beschuldigten nach Erhalt der E-Mail vom 2. März 2020 das 

Geld für das Ticket zurückgeben wollen, dies dann aber wieder vergessen. 

Ursächlich dafür, dass sie letztlich den Kaufpreis an den Beschuldigten 

zurückerstattet hat war demnach erst die Androhung von rechtlichen 

Schritten seitens des Veranstalters.  

 

2.4.4. 

In der Anklage ist demgegenüber ausdrücklich festgehalten, dass die 

Privatklägerin durch die Aussage des Beschuldigten im E-Mail vom 2. März 

2020, wonach die "R.-S.-Connection aufgeflogen" sei und "zur Not [...] 

morgen früh, im Schulhaus die Polizei kommen und alles Weitere Klären" 

werde, dermassen in Schrecken und Angst versetzt worden sei, dass sie 

sich um das Wohlergehen ihrer Kinder gesorgt und dem Beschuldigten den 

Kaufpreis von Fr. 19.00 zurückerstattet habe. Dieser angeklagte 

Sachverhalt, der einen direkten und ursächlichen Zusammenhang 

zwischen dem E-Mail vom 2. März 2020 und der Rückerstattung des 

Kaufpreises von Fr. 19.00 an den Beschuldigten beschreibt, kann somit 

gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin nicht erstellt werden.  

 - 7 - 

 

 

 

 

2.5. 

Sodann ist gestützt auf die von der Privatklägerin eingereichte E-Mail-

Korrespondenz zwar erstellt, dass der Beschuldigte ihr am 27. Februar 

2020 geschrieben habe, dass er ihr grosse Probleme bereiten könne, falls 

sie ihm das Ticket nicht schicke. Allerdings kann sich diese Nachricht gar 

nicht auf die Rückerstattung des Kaufpreises beziehen. Das Konzert war 

zu jenem Zeitpunkt gar noch nicht abgesagt (vgl. act. 32). Vielmehr war 

dies eine Aufforderung, nun das Ticket zu schicken, nachdem der 

Beschuldigte den Kaufpreis bereits beglichen hatte. Dies steht aber mit der 

dem Beschuldigten einzig im Hinblick auf die Kaufpreisrückerstattung 

vorgeworfenen Nötigung in keinem Zusammenhang.  

 

2.6. 

Auszugehen ist deshalb von folgendem Sachverhalt: 

 

Der Beschuldigte erwarb am 20. Februar 2020 von der Privatklägerin via 

Onlineplattform ricardo.ch ein Konzertticket zum Preis von Fr. 18.00 zzgl. 

Fr. 1.00 Porto. Nach Bezahlung des Kaufpreises sandte die Geschädigte 

das Konzertticket am 27. Februar 2020 mit der Post an den Beschuldigten. 

Das Konzert wurde in der Folge aufgrund der COVID-19-Pandemie 

abgesagt. Deshalb wandte sich der Beschuldigte zwischen dem 

27. Februar 2020 und dem 2. März 2020 mehrfach per Mail an die 

Geschädigte und forderte diese auf, ihm den Kaufpreis zurückzuerstatten. 

Am 2. März 2020 schrieb er ihr, dass die R.-S.-Connection aufgeflogen sei. 

Zur Not werde "morgen früh, im Schulhaus die Polizei kommen und alles 

Weitere Klären". Die Privatklägerin bezahlte in der Folge die vom 

Beschuldigten geforderten Fr. 19.00 nicht, sondern erstattete am 23. März 

2020 Strafanzeige gegen den Beschuldigten. Nachdem sie am 27. Mai 

2020 eine E-Mail vom Konzertveranstalter erhalten hatte, in dem sie darauf 

hingewiesen wurde, dass ihr der Kaufpreis für das Ticket auf die Kreditkarte 

zurücküberwiesen worden sei und ihr rechtliche Schritte angedroht worden 

waren für den Fall, dass sie das Ticket weiterverkauft habe, erstattete sie 

gleichentags dem Beschuldigten den vom ihm bezahlten Kaufpreis von 

Fr. 19.00. 

 

3. 

Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer 

jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch 

andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu 

unterlassen oder zu dulden. Bei der Androhung ernstlicher Nachteile stellt 

der Täter dem Opfer ein Übel in Aussicht, dessen Eintritt er als von seinem 

Willen abhängig erscheinen lässt. Es kommt nicht darauf an, ob der Täter 

die Drohung wahrmachen will, sofern sie nur als ernst gemeint erscheinen 

soll. Ernstlich sind Nachteile, wenn ihre Androhung nach einem objektiven 

Massstab geeignet ist, auch eine besonnene Person in der Lage des 

 - 8 - 

 

 

 

Betroffenen gefügig zu machen und so seine Freiheit der Willensbildung 

oder -betätigung zu beschränken. Die Drohung muss eine gewisse 

Intensität aufweisen, die von Fall zu Fall und nach objektiven Kriterien 

festzulegen ist. Misslingt die Bestimmung von Willensbildung oder -

betätigung, bleibt es beim Versuch. Ob eine Äusserung als Drohung zu 

verstehen ist, beurteilt sich nach den gesamten Umständen, unter denen 

sie erfolgte (Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2019 vom 17. September 

2019 E. 3.2).  

 

Eine Nötigung ist nur unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck 

unerlaubt ist, wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen 

Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich 

zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder 

sittenwidrig ist. Letzteres trifft insbesondere zu, wenn zwischen dem 

Gegenstand der Drohung und demjenigen der Forderung kein sachlicher 

Zusammenhang besteht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1447/2020 vom 

13. April 2021 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen).   

 

4. 

4.1. 

Gestützt auf obiges Beweisergebnis (E. 2.4.4) kann dem Beschuldigten 

nicht nachgewiesen werden, dass die von ihm am 27. Februar 2020 und 

am 2. März 2020 an die Privatklägerin geschickten E-Mail-Nachrichten sie 

unmittelbar zur (erst am 27. Mai 2020 erfolgten) Rückerstattung des 

Kaufpreises für das Konzertticket an den Beschuldigten, also zu einer 

Vermögensdisposition, bestimmt haben. Das Verhalten des Beschuldigten 

hat die Beschuldigte mithin nicht – wie angeklagt – zu einem Tun im Sinne 

von Art. 181 StGB veranlasst. Der objektive Tatbestand von Art. 181 StGB 

ist bereits deshalb nicht erfüllt.    

 

4.2. 

4.2.1. 

Im Übrigen war das in der Anklage beschriebene Verhalten des 

Beschuldigten aber auch nicht geeignet, die Privatklägerin durch 

Androhung ernster Nachteile zu einem vom ihr nicht erwünschten 

Verhalten zu bewegen.  

 

4.2.2. 

Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO verankerten Anklagegrundsatz bestimmt 

die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenz-

ungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last 

gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die 

Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. 

Die sich aus dem Anklagegrundsatz ergebende Umgrenzungsfunktion der 

Anklage verbietet dem Gericht, zuungunsten der beschuldigten Person 

über den angeklagten Sachverhalt hinauszugehen. Hingegen ist es dem 

 - 9 - 

 

 

 

Gericht nicht untersagt, zugunsten der beschuldigten Person von einem 

günstigeren Sachverhalt auszugehen, wenn in der Anklageschrift nicht 

umschriebene entlastende Umstände vorliegen (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_205/2019 vom 9. August 2019 E. 1.2.1). 

 

4.2.3. 

In der Anklage ist beschrieben, dass sich der Beschuldigte zwischen dem 

27. Februar 2020 und dem 2. März 2020 mehrfach per E-Mail an die 

Privatklägerin gewandt und diese aufgefordert habe, ihm den Kaufpreis für 

das Konzert-Ticket zurückzuerstatten. Dann erwähnt die Anklageschrift 

zwei konkrete E-Mails, nämlich eines vom 27. Februar 2020 und eines vom 

2. März 2020, und zitiert Textpassagen aus diesen beiden Nachrichten. 

Diese lauten wie folgt: 

 

- Der Beschuldigte habe am 27. Februar 2020 gegenüber der 

Beschuldigten ausgeführt, dass – falls sie ihm das Ticket nicht schicke 

– er ihr grosse Probleme bereiten könne. 

- Ebenso habe er ihr am 2. März.2020 geschrieben, dass die R.-S.-

Connection aufgeflogen sei. Zur Not werde "morgen früh, im Schulhaus 

die Polizei kommen und alles Weitere Klären". 

 

Die Staatsanwaltschaft hat damit das von ihr als strafwürdig im Sinne von 

Art. 181 StGB erachtete Verhalten des Beschuldigten abschliessend 

eingegrenzt.  

 

4.2.4. 

Die Vorinstanz hat demgegenüber erwogen, um die Privatklägerin zur 

Zahlung von Fr. 19.00 zu bewegen, habe der Beschuldigte ihr mit der 

Polizei sowie Anwälten gedroht und in Aussicht gestellt, an der Schule ihrer 

Kinder aufzutauchen. Ferner habe er ziemlich unmissverständlich ange-

deutet, ihr Probleme betreffend ihren Aufenthaltsstatus in der Schweiz 

bereiten zu können. Die der Privatklägerin angedrohten Konsequenzen 

hätten in keinem Verhältnis zum Betrag von Fr. 19.00 gestanden. Selbst 

eine besonnene Person hätte sich in der gleichen Lage in ihrer 

Entscheidungsfreiheit eingeschränkt gefühlt (Urteil E. 5.3).   

 

4.2.5. 

Mit dieser Würdigung hat sich die Vorinstanz in unzulässiger Weise vom 

angeklagten Sachverhalt entfernt bzw. diesen ergänzt und interpretiert. So 

ergibt sich aus der Anklage weder, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 

mit Anwälten gedroht noch, dass er angedeutet habe, der Privatklägerin 

Probleme betreffend ihren Aufenthaltsstatus in der Schweiz bereiten zu 

können. Diese Sachverhaltselemente hat die Vorinstanz aus diversen 

anderen E-Mail-Nachrichten zusammengetragen (vgl. act. 29 ff.), deren 

Inhalt aber in der Anklage nicht ausdrücklich erwähnt war und deshalb für 

die Staatsanwaltschaft offensichtlich nicht als für die Erfüllung des 

 - 10 - 

 

 

 

Tatbestands der Nötigung relevant angesehen wurden. Die Vorinstanz hat 

mithin den Anklagegrundsatz verletzt, soweit sie nicht angeklagte 

Sachverhaltselemente in ihre rechtliche Würdigung miteinbezogen hat. 

Gleiches gilt auch, soweit sie die tatsächlich in der Anklage aufgeführte 

Aussage des Beschuldigten, wonach "zur Not [...] morgen früh, im 

Schulhaus die Polizei kommen und alles Weitere Klären" werde, dahin-

gehend in ihre Würdigung miteinbezog, der Beschuldigte habe in Aussicht 

gestellt, an der Schule der Kinder der Privatklägerin aufzutauchen. Weder 

hat der Beschuldigte die Kinder der Privatklägerin erwähnt, zumal nicht 

einmal klar ist, dass er überhaupt gewusst hat, dass die Privatklägerin 

Mutter ist, noch hat er in Aussicht gestellt, selbst "im Schulhaus" zu 

erscheinen. Vielmehr erscheint es als möglich, dass er davon ausging, es 

handle sich bei der Privatklägerin um eine Schülerin. Etwas anderes lässt 

sich dem Beschuldigten jedenfalls nicht nachweisen.  

 

4.3. 

Damit verbleibt als einziger relevanter Tatvorwurf die Androhung, die 

Polizei zur Klärung der Sachlage in einem nicht näher bezeichneten 

Schulhaus beizuziehen. Inwiefern dies geeignet sein sollte, eine 

besonnene Person in ihrer Entscheidungsfreiheit hinsichtlich der Rück-

erstattung des Ticketpreises einzuschränken, ist nicht ersichtlich. Dies war 

im Übrigen – bei genauer Betrachtung – auch bei der Privatklägerin nicht 

der Fall. Denn sie reagierte auf die Androhung des Beschuldigten weder 

mit der Bezahlung der Fr. 19.00 an den Beschuldigten noch unmittelbar mit 

einer Strafanzeige. Diese erstattete sie erst am 23. März 2020, also drei 

Wochen nach dem Vorfall. Da aber in der E-Mail von "morgen früh", also 

vom 3. März 2020, die Rede war, wäre – sofern sie tatsächlich, so wie dies 

in der Anklage festgehalten worden ist, durch die E-Mail vom 2. März 2020 

in Angst und Schrecken versetzt worden wäre – zu erwarten gewesen, 

dass sie sofort die Polizei verständigt hätte.  

 

Der objektive Tatbestand der Nötigung ist somit auch hinsichtlich der 

objektiven Tatbestandsvoraussetzung der Androhung ernstlicher Nachteile 

nicht erfüllt.  

 

5. 

5.1. 

Schliesslich ist entgegen der Auffassung der Vorinstanz auch der 

subjektive Tatbestand der Nötigung nicht erfüllt. Diese hat erwogen, in 

subjektiver Hinsicht habe der Beschuldigte mindestens in Kauf genommen, 

die Privatklägerin mit der Androhung ernstlicher Nachteile gegen ihren 

Willen zur Zahlung zu zwingen (Urteil E. 5.3). 

 

5.2. 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit Vorsatz 

handelt, d.h. dass er, im Bewusstsein um die Unrechtmässigkeit seines 

 - 11 - 

 

 

 

Verhaltens, sein Opfer zu einem bestimmten Verhalten zwingen will; 

Eventualvorsatz genügt (Urteil des Bundesgerichts 6B_979/2018 vom 

21. März 2019 E. 1.2.4) 

 

5.3. 

Nachdem in objektiver Hinsicht feststeht, dass der Beschuldigte der 

Privatklägerin keine ernstlichen Nachteile angedroht hat, kann auch nicht 

davon ausgegangen werden, dass er dies in Kauf genommen hat.  

 

Zudem erscheint es verständlich, dass der Beschuldigte, der in Erfahrung 

gebracht hatte, dass die Privatklägerin selbst rückerstattungsberechtigt für 

das von ihr gekaufte Ticket war und dies der Privatklägerin auch mitgeteilt 

hatte (vgl. act. 29), die Privatklägerin zur Rückzahlung des Kaufpreises 

bewegen wollte. Nachdem sie auf seine ersten beiden diesbezüglichen 

Mitteilungen (die inhaltlich, da nicht angeklagt, nicht weiter zu werten sind) 

vom 28. Februar 2020 nicht reagiert hatte, durfte der Beschuldigte davon 

ausgehen, dass seine anschliessende Androhung mit dem Einschalten der 

Polizei am 2. März 2020 nicht unrechtmässig war. Immerhin bestand aus 

seiner Sicht die Gefahr, dass die Privatklägerin den von ihr bezahlten 

Kaufpreis vom Veranstalter zurückerhalten und gleichzeitig auch den vom 

Beschuldigten bezahlten Kaufpreis behalten, sich also um diesen 

bereichert hätte.  

 

5.4. 

Der subjektive Tatbestand von Art. 181 StGB ist folglich ebenfalls nicht 

erfüllt, weshalb auch eine allfällige Strafbarkeit des Beschuldigten wegen 

Versuchs entfällt.  

 

6. 

Es ergibt sich somit zusammengefasst, dass der Beschuldigte in 

Gutheissung seiner Berufung vom Vorwurf der Nötigung freizusprechen ist. 

Es braucht deshalb auf seine (ohnehin haltlosen, vgl. die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Urteil E. 4.4 f.) in der 

Berufung sinngemäss gegen die Privatklägerin erhobenen Vorwürfe, sie 

habe die von ihr eingereichte E-Mail-Korrespondenz gefälscht und er habe 

gar nie mit ihr Kontakt gehabt und auch kein Konzertticket von ihr erworben, 

nicht weiter eingegangen zu werden.  

 

7. 

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten erster- und zweiter Instanz 

auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO, Art. 428 Abs. 3 

StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 2 StPO). Dem nicht anwaltlich vertretenen 

Beschuldigten ist sodann weder im erstinstanzlichen noch im Berufungs-

verfahren ein entschädigungsfähiger Aufwand entstanden.  

 

  

 - 12 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Nötigung freigesprochen.  

 

2. 

Die erst- und zweitinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die 

Staatskasse genommen.  

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

 

 

 Zustellung an:  

[...] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
 

 

  

Aarau, 25. Januar 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Plüss     Bastian