# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 475ac721-04cd-52c4-881b-b6654bbe1179
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-07-18
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 18.07.2018 BB.2018.18
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2018-18_2018-07-18.pdf

## Full Text

Beschluss vom 18. Juli 2018 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Roy Garré, 

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A. AG IN LIQUIDATION, vertreten durch Advokat 

Caspar Zellweger,  

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

1. BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

2. B., vertreten durch Advokat Jörg Honegger,  

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Einstellung des Verfahrens (Art. 322 Abs. 2 StPO) / 

«classement implicite» 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2018.18 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Die Bundesanwaltschaft führte seit Oktober 2004 im Zusammenhang mit C. 

und dem finanziellen Zusammenbruch der «D.»-Gruppe eine umfangreiche 

und komplexe Strafuntersuchung. Diese ist sachlich und persönlich vielseitig 

verästelt und setzt sich primär aus dem Sachverhaltsbereich «Anlagebetrü-

gereien/Anschlussgeldwäscherei» sowie aus verschiedenen Nebensachver-

halts- und Vorwurfsbereichen zusammen. 

 

 

B. Im sog. Sachverhaltskomplex «E.-Deal» geht es um die zwischen Frühsom-

mer und September 2004 erfolgte Herauslösung des Gesellschaftskapitals 

der A. AG in der Höhe von rund Fr. 30 Mio. Diesbezüglich erfolgte am 6. Juni 

2008 die Eröffnung der Strafverfolgung gegen B. wegen des Verdachts der 

ungetreuen Geschäftsbesorgung nach Art. 158 StGB, eventuell der Misswirt-

schaft nach Art. 165 StGB (Akten EAII.04-0277, pag. 1-02-002). Die A. AG 

in Liq. erklärte, sich am Strafverfahren gegen B. im sie betreffenden Teilbe-

reich als Straf- und Zivilklägerin im Sinne von Art. 118 StPO beteiligen zu 

wollen (vgl. Akten EAII.04.0277, pag. 15.1150 000033). 

 

 

C. In der Folge erhob die Bundesanwaltschaft im Hauptsachverhaltsbereich 

«Anlagebetrügereien/Anschlussgeldwäscherei» am 9. Oktober 2015 An-

klage gegen C. Zeitgleich wurden die verbleibenden Nebensachverhalts- 

und Vorwurfsbereiche – darunter der Sachverhaltskomplex «E.-Deal» – 

förmlich abgetrennt und unter neuer Verfahrensnummer fortgeführt (Akten 

SV.15.1349, pag. 1.01 000001 ff.).  

 

 

D. Mit Strafbefehl vom 2. Februar 2018 wurde B. im Zusammenhang mit dem 

Sachverhaltskomplex «E.-Deal» wegen Misswirtschaft gemäss Art. 165 

Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen (act. 1.1).  

 

 

E. Dagegen erhob die A. AG in Liq. am 13. Februar 2018 bei der Bundesan-

waltschaft Einsprache. Darin beantragt sie in erster Linie, B. sei im Teilsach-

verhalt «E.-Deal» zusätzlich zur Misswirtschaft auch wegen qualifizierter un-

getreuer Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 

StGB oder wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 

Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen (act. 1.4). 

 

 

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F. Gleichentags gelangte sie gegen den Strafbefehl mit Beschwerde an die Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (act. 1). Darin beantragt sie Fol-

gendes: 

 

1.  

a) Es sei B. im Teilsachverhalt «E.-Deal» zusätzlich zur Misswirtschaft auch wegen qualifi-

zierter ungetreuer Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB oder 

wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 2 StGB schuldig zu spre-

chen. 

b) Eventualiter sei die Sache zur Schuldigsprechung von B. im Teilsachverhalt «E.-Deal» zu-

sätzlich zur Misswirtschaft auch wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung im 

Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB oder wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung im 

Sinne von Art. 158 Ziff. 2 StGB an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

2. Es sei der Strafbefehl vom 2. Februar 2018 in der Strafuntersuchung SV.15.1349 gegen B. 

im Übrigen (unter Vorbehalt der bei der Bundesanwaltschaft beantragten Entschädigung nach 

Art. 433 StPO) zu bestätigen. 

3. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten von B. 

 

In ihrer Beschwerdeantwort vom 15. März 2018 schliesst die Bundesanwalt-

schaft auf kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzu-

treten sei (act. 8). B. beantragt, die Beschwerde sei vollumfänglich abzuwei-

sen, soweit darauf einzutreten sei, und die Beschwerdeführerin sei zu verur-

teilen, sämtliche Verfahrenskosten zu übernehmen und ihm eine Parteient-

schädigung von Fr. 1‘624.95 zu leisten (act. 9). 

 

Mit Replik vom 23. April 2018 hält die A. AG in Liq. an ihren Beschwerdean-

trägen fest (act. 14). Die Replik wurde den Beschwerdegegnern am 24. April 

2018 zur Kenntnis gebracht (act. 15). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde er-

hoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und 

Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder 

andere Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes 

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Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides 

haben (Art. 382 Abs. 1 StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Verein-

heitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde ge-

gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen 

schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt 

werden können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, ein-

schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverwei-

gerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 

 

 

2. Gegen den Strafbefehl können u.a. die beschuldigte Person sowie weitere 

Betroffene (wie die Privatklägerschaft; siehe hierzu BGE 141 IV 231) bei der 

Staatsanwaltschaft innert 10 Tagen schriftlich Einsprache erheben (Art. 354 

Abs. 1 lit. a und b StPO). Wird Einsprache erhoben, so nimmt die Staatsan-

waltschaft die weiteren Beweise ab, die zur Beurteilung der Einsprache er-

forderlich sind (Art. 355 Abs. 1 StPO). Nach Abnahme der Beweise entschei-

det die Staatsanwaltschaft, ob sie am Strafbefehl festhält, das Verfahren ein-

stellt, einen neuen Strafbefehl erlässt oder Anklage beim erstinstanzlichen 

Gericht erhebt (Art. 355 Abs. 3 StPO). Hält die Staatsanwaltschaft am Straf-

befehl fest, so überweist sie die Akten unverzüglich dem erstinstanzlichen 

Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens. Der Strafbefehl gilt in die-

sem Fall als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 StPO). 

 

 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin macht zusammengefasst geltend, der angefoch-

tene Strafbefehl beinhalte den Sachverhaltsbereich «E.-Deal» betreffend 

eine Verurteilung wegen Misswirtschaft, äussere sich aber nicht zum eben-

falls Gegenstand der Untersuchung gewesenen Vorwurf der ungetreuen Ge-

schäftsbesorgung. Mit dem Strafbefehl sei damit das Verfahren betreffend 

ungetreue Geschäftsbesorgung implizit eingestellt worden. Ein solches 

«classement implicite» unterliege nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

der Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO (act. 1, Rz. 3, 5 und 10; act. 14, 

Rz. 8 ff.). 

 

3.2 Die Einstellung des Strafverfahrens muss durch eine beschwerdefähige, for-

melle Einstellungsverfügung erfolgen. Wenn die Staatsanwaltschaft durch 

Strafbefehl nur einen Teil der inkriminierten Taten (im Sinne von Lebens-

sachverhalten) ahndet, muss sie sowohl einen Strafbefehl als auch eine Ein-

stellungsverfügung erlassen (BGE 138 IV 241 E. 2.5). Wenn die Staatsan-

waltschaft nicht zwei separate Entscheide fällt, sondern nur einen Strafbefehl 

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erlässt, der eine implizite Einstellung enthält, ist diese mit Beschwerde und 

nicht mit Einsprache anzufechten (BGE 138 IV 241 E. 2.6). Erachtet die 

Staatsanwaltschaft jedoch in Bezug auf einen inkriminierten Lebenssachver-

halt einen von mehreren in Betracht fallenden Straftatbeständen als nicht 

erfüllt, so hat sie insoweit nicht eine (Teil-)Einstellung des Verfahrens anzu-

ordnen. Eine solche kommt grundsätzlich nur in Betracht, wenn mehrere Le-

bensvorgänge oder Taten im prozessualen Sinne zu beurteilen sind, die ei-

ner separaten Erledigung zugänglich sind. Soweit es sich hingegen um eine 

andere rechtliche Würdigung ein und desselben Lebensvorgangs handelt, 

scheidet eine teilweise Verfahrenseinstellung aus. Wegen ein und derselben 

Tat im prozessualen Sinne kann nicht aus einem rechtlichen Gesichtspunkt 

verurteilt und aus einem anderen das Verfahren eingestellt werden. Es muss 

darüber einheitlich entschieden werden (siehe hierzu die Urteile des Bun-

desgerichts 6B_654/2017 vom 27. Februar 2018 E. 2.3; 6B_756/2017 vom 

20. September 2017 E. 5.2.1; 6B_425/2015 vom 12. November 2015 E. 1.4; 

6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.2). Entsprechend ist die Privatkläger-

schaft nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch zur Einsprache 

gegen einen Strafbefehl legitimiert, wenn sie eine strengere rechtliche Qua-

lifikation des Sachverhalts anstrebt (BGE 138 IV 241 E. 2.6; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_981/2017 vom 7. Februar 2018 E. 2.2).  

 

3.3 Im vorliegenden Fall führt die Beschwerdeführerin selber aus, die Beschwer-

degegnerin habe im Rahmen ihres Strafbefehls eine mildere rechtliche Qua-

lifikation desselben rechtlichen Sachverhalts vorgenommen (act. 1, Rz. 3, 

12). Der dem Strafbefehl zu Grunde liegende Sachverhalt stimme ohne Ab-

weichung mit dem bereits mit Strafanzeige (auch wegen ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung) geltend gemachten Sachverhalt überein (act. 1, Rz. 7). 

Damit ergibt sich aber bereits aufgrund der eigenen Ausführungen der Be-

schwerdeführerin und aufgrund der geschilderten Rechtsprechung, dass es 

sich vorliegend nicht um eine implizite (Teil-)Einstellung des Verfahrens han-

delt. Die Beschwerdeführerin macht gerade nicht geltend, die Beschwerde-

gegnerin habe mit ihrem Strafbefehl einen (anderen) Lebenssachverhalt kei-

ner Beurteilung zugeführt. Vielmehr rügt sie, der Lebenssachverhalt, wie er 

dem Strafbefehl zu Grunde liege, sei rechtlich anders (und im möglichen 

Strafmass strenger) zu qualifizieren. Dieses Anliegen hat sie nach dem Ge-

sagten aber auf dem Wege der Einsprache gegen den Strafbefehl zu verfol-

gen. Die Art des Konkurrenzverhältnisses zwischen verschiedenen anwend-

baren Strafbestimmungen ist – entgegen den Vorbringen der Beschwerde-

führerin (act. 1, Rz. 10) – für die Annahme einer impliziten Einstellung nicht 

von Relevanz. Entscheidend für die Möglichkeit einer impliziten (Teil-)Ein-

stellung ist allein das Vorliegen mehrerer Lebensvorgänge.  

 

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4. Fehlt es vorliegend an einer implizit erfolgten (Teil-)Einstellung des gegen 

den Beschwerdegegner geführten Strafverfahrens, so fehlt es auch an 

einem für das Beschwerdeverfahren notwendigen Anfechtungsobjekt. Auf 

die Beschwerde ist demnach nicht einzutreten. 

 

 

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der unterlie-

genden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Ge-

richtsgebühr ist auf Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 

8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 

über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren 

[BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvor-

schusses in derselben Höhe (act. 2 und 3). 

 

 

6.  

6.1 Wird das ausschliesslich von der Privatklägerschaft erhobene Rechtsmittel 

abgewiesen, hat sie die durch die adäquate Wahrnehmung der Verfahrens-

rechte entstandenen Verteidigungskosten der beschuldigten Person zu tra-

gen (Urteil des Bundesgerichts 6B_273/2017 vom 17. März 2017 E. 2 

m.w.H.).  

 

6.2 Grundlage zur Bemessung der Entschädigung bildet gestützt auf Art. 10 und 

12 Abs. 1 BStKR grundsätzlich die vom Beschwerdegegner eingereichte Ho-

norarnote (act. 9.1). Der ausgewiesene Stundenaufwand erscheint als ange-

messen. Die von der Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner für das 

vorliegende Verfahren auszurichtende Parteientschädigung beläuft sich da-

her auf Fr. 1‘624.95 (inkl. Auslagen und MwSt.). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.  

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1‘500.– wird der Beschwerdeführerin auferlegt, 

unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

3. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschwerdegegner für das vorliegende Ver-

fahren eine Parteientschädigung von Fr. 1‘624.95 zu bezahlen. 

 

 

Bellinzona, 18. Juli 2018 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Advokat Caspar Zellweger 

- Bundesanwaltschaft 

- Advokat Jörg Honegger 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.