# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e874c820-e1f8-5928-b4ef-4058368a7f56
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.04.2024 F-2011/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2011-2024_2024-04-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2011/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Gregor Chatton, 

mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas;   

Gerichtsschreiber Matiu Dermont. 

   

Parteien 

 
A._______, 

geboren am (…),  

c/o BAZ Arlesheim, (…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM 

vom 28. März 2024. 

 

 

 

F-2011/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der afghanische Beschwerdeführer A._______ (geboren 2002) ersuchte 

am 18. Februar 2024 in der Schweiz um Asyl. 

B.  

Mit Verfügung vom 28. März 2024 trat die Vorinstanz in Anwendung von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz 

nach Frankreich an und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf 

der Beschwerdefrist zu verlassen. Im Weiteren händigte sie ihm die editi-

onspflichtigen Akten aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde 

gegen die Verfügung keine aufschiebende Wirkung zukomme.  

C.  

Mit Beschwerde vom 3. April 2024 (Datum des Poststempels) gelangte der 

Beschwerdeführer an das Bundesverwaltungsgericht. In der Sache bean-

tragte er die Aufhebung der genannten Verfügung und die Durchführung 

des Asylverfahrens in der Schweiz. In prozessualer Hinsicht ersuchte er 

um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Am 4. April 2024 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstellung 

gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 ff. VGG ist das Bun-

desverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet 

des Asyls zuständig und entscheidet in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3. Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

daher einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

F-2011/2024 

Seite 3 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt wird – als of-

fensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schrif-

tenwechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 

des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-

legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens 

(Art. 23–25 Dublin-III-VO) – und damit in der vorliegenden Konstellation – 

findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III 

Dublin-III-VO statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2019 VI/7 E. 4-6; 2017 VI/5 E. 

6.2 und 8.2.1). 

4.3. Ein bereits erfolgter negativer Asylentscheid stellt kein Überstellungs-

hindernis dar. Nach rechtskräftigem Abschluss des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens bleibt der prüfende Staat nach Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dub-

lin-III-VO bis zu einem allfälligen Wegweisungsvollzug oder einer Regelung 

des Aufenthaltsstatus zuständig. Nachdem die französischen Behörden 

der Wiederaufnahme des Beschwerdeführers innert der in Art. 25 Abs. 1 

Dublin-III-VO vorgesehenen Frist zugestimmt haben (vgl. SEM-act. 17/2), 

F-2011/2024 

Seite 4 

ist die grundsätzliche Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben. Es bleibt zu prüfen, ob 

Gründe für eine Übernahme der sachlichen Zuständigkeit vorliegen. 

5.  

Der Beschwerdeführer machte diesbezüglich während des Dublin-Ge-

sprächs (vgl. SEM-act. 13/3) und in seiner Beschwerdeschrift geltend, er 

habe in Frankreich auf sein Asylgesuch hin einen negativen Entscheid er-

halten. Ihm drohe dort eine Rückschiebung nach Afghanistan, was eine 

Verletzung des in den Art. 25 BV und Art. 33 des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) 

festgelegten Non-Refoulement-Gebots darstelle. Dazu reicht er auf Be-

schwerdeebene einen unvollständigen Entscheid eines französischen Ge-

richts ein (Cour nationale du droit d'asile [BVGer-act. 1, Beilage 2]).  

 

6.  

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weist das 

Asylverfahren in Frankreich keine systemischen Schwachstellen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf (vgl. zuletzt etwa die Urteile des BVGer 

D-1029/2024 vom 23. Februar 2024 E. 7, D-6755/2023 vom 13. Dezember 

2023 E. 5.2, F-6666/2023 vom 11. Dezember 2023 E. 6). Frankreich ist 

Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 

gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende 

Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), der FK und des Zusatzprotokolls 

der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) und kommt seinen diesbe-

züglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach. Es darf davon ausge-

gangen werden, dieser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich 

für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und 

des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für 

die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. 

Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung 

von Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz 

beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben. Daran vermögen auch die 

Ausführungen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Die Anwendung 

von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO fällt somit nicht in Betracht. 

7.  

7.1. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Schweiz – wie vom Beschwerdefüh-

rer implizit gefordert – das Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1 Satz 1 

Dublin-III-VO (konkretisiert in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1) auszuüben hat. 

F-2011/2024 

Seite 5 

Im Rahmen des Dublin-Systems gilt die Vermutung, dass alle Mitgliedstaa-

ten des Dublin-Raums ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkom-

men. Diese Vermutung kann jedoch durch ernsthafte Hinweise dafür, dass 

die Behörden des zuständigen Dublin-Staats im konkreten Fall das inter-

nationale Recht nicht respektieren, widerlegt werden (vgl. BVGE 2010/40 

E. 7.4 f.). Dies gelingt dem Beschwerdeführer nicht. Allein aus dem Um-

stand, dass die französischen Asylbehörden sein Asylgesuch offenbar be-

reits abgelehnt haben, lässt sich nicht ableiten, deren Entscheid sei nicht 

im Rahmen eines rechtsstaatlich korrekten Verfahrens ergangen. Es liegen 

auch keine Anhaltspunkte vor, die darauf schliessen lassen, Frankreich 

habe im Falle des Beschwerdeführers den Grundsatz des Non-Refoule-

ment gemäss Art. 33 FK und Art. 3 EMRK nicht beachtet und beabsichtige, 

ihn nach Afghanistan zurückzuschaffen, ohne geprüft zu haben, ob ihm 

dort die flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung oder eine menschen-

rechtswidrige Behandlung drohen würde. Der Beschwerdeführer hat im 

Übrigen die Möglichkeit, nach seiner Überstellung nach Frankreich ein 

Mehrfach- oder Wiedererwägungsgesuch zu stellen (Art. 40 ff. Verfahrens-

richtlinie) und sich solcherart um eine Überprüfung des negativen Asyl- und 

Wegweisungsentscheides beziehungsweise dessen Vollzugs zu bemühen. 

7.2. Entgegen der im Dublin-Gespräch und in der Beschwerde erhobenen 

Behauptungen die Unterbringung und die medizinische Versorgung betref-

fend gibt es auch keinen Grund zur Annahme, die ihn bei einer Rückfüh-

rung erwartenden Bedingungen in Frankreich seien derart schlecht, dass 

sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta (GRC; ABl. C 

364/1 vom 18. Dezember 2000), Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könn-

ten. Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-

nahme dargetan, Frankreich würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnah-

merichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei 

einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übri-

gen an die dortigen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnah-

mebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahme-

richtlinie). Schliesslich leidet der Beschwerdeführer– jedenfalls ergibt sich 

aus den Akten nichts Gegenteiliges – an keinen schwerwiegenden gesund-

heitlichen Beeinträchtigungen, welche bei einer Überstellung nach Frank-

reich zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könnten. 

7.3. Die Vorbringen des Beschwerdeführers stehen nach dem Gesagten 

einer Überstellung nach Frankreich nicht entgegnen, weshalb die Vo-

rinstanz das Selbsteintrittsrecht von Art. 17 Dublin-III-VO sowie Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt hat. Weder ist die Schweiz 

F-2011/2024 

Seite 6 

völkerrechtlich verpflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen 

humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden.  

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat in 

Anwendung von Art. 44 AsylG die Wegweisung nach Frankreich angeord-

net. Die Beschwerde ist abzuweisen und die angefochtene Verfügung zu 

bestätigen.  

9.  

Mit vorliegendem Urteil in der Hauptsache sind die Gesuche um Gewäh-

rung der aufschiebenden Wirkung (nach Art. 107a Abs. 2 AsylG) und um 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) 

gegenstandslos geworden. Der am 4. April 2024 verfügte Vollzugsstopp 

fällt mit dem vorliegenden Urteil dahin.  

10.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-

sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt 

– als aussichtslos zu bezeichnen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

Angesichts des Ausgangs des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

F-2011/2024 

Seite 7 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gregor Chatton Matiu Dermont 

 

 

Versand: