# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** be0222bc-3be1-5982-9fe1-2bf5ff12d9e6
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 11.06.2014 SK1 2014 8
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2014-8_2014-06-11.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 11. Juni 2014 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 14 8 [nicht mündlich eröffnet] 12. August 2014

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
Richter Michael Dürst und Pritzi
Aktuar Hitz

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Angeklagter und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. 
iur. Wilfried Caviezel, Masanserstrasse 35, 7001 Chur, 

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Albula vom 10. Januar 2014, im Dispositiv mitgeteilt 
am 14. Januar 2014, schriftlich begründet und mitgeteilt am 17. Februar 2014, in 
Sachen der S t a a t s a n w a l t s c h a f t  G r a u b ü n d e n , Sennhofstrasse 17, 
7001 Chur, Anklägerin und Berufungsbeklagte, gegen den Angeklagten und Beru-
fungskläger,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. X._____ wurde am _____1952 in O.1_____ geboren. Er wuchs bis ca. zu 
seinem fünften Lebensjahr in O.2_____ und O.3_____ bei seinen Eltern zusam-
men mit einer Schwester und zwei Brüdern auf. Danach zog die Familie nach 
O.4_____. In O.4_____ besuchte er die Grundschule und das Gymnasium. Da-
nach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Im Jahre 1979 
zog er nach O.5_____ und war in der Folge als Aktuar am Kantonsgericht von 
Graubünden tätig. Im Jahre 1980 erlangte er das Anwaltspatent und ist seither als 
Anwalt in O.4_____ tätig. Sein monatliches Nettoeinkommen beträgt mehr als 
Fr. 10'000.00. Die Rente an seine geschiedene Ehefrau ist vom Einkommen be-
reits abgezogen. Er besitzt einige Immobilien und Wertschriften. Sein Nettovermö-
gen beläuft sich auf mehr als Fr. 4 Mio. Aus seiner ersten von 1979 bis 2006 dau-
ernden Ehe gingen vier Kinder (Jahrgänge 1980, 1982, 1984 und 1987) hervor. 
Diesen gegenüber leistet er keine finanzielle Unterstützung mehr. X._____ ist ver-
heiratet mit A._____. 

X._____ ist weder im Schweizerischen Strafregister noch im Register für Adminis-
trativmassnahmen (ADMAS) verzeichnet. 

B. Am 14. Juli 2008 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen 
X._____ eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln. 
Diese wurde mit Verfügung vom 16. Januar 2009 geschlossen. Mit Schreiben vom 
2. Juni 2009 reichte der private Verteidiger von X._____ unter anderem ein Privat-
gutachten, erstellt von B._____, Fahrzeugtechnische Gutach-
ten/Verkehrsunfallanalysen, vom 2. Juni 2009 ins Recht. Mit Verfügung vom 13. 
Januar 2010 wurde X._____ wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 aSVG in Anklagezu-
stand versetzt. Die Sache wurde dem Bezirksgericht Albula zur Beurteilung über-
wiesen. Der Anklage liegt gemäss Anklageschrift vom 13. Januar 2010 folgender 
Sachverhalt zugrunde:

"Am 6. Juni 2008 fuhr der Angeklagte mit seinem Audi Avant A6 Quattro, 
GR_____, von O.6_____ in Richtung O.7_____. Der Angeklagte fuhr in ei-
ner Kolonne von mehreren Fahrzeugen an dritter Stelle. Die Kolonne wurde 
von C._____ angeführt. An vierter Stelle fuhr der Polizeibeamte D._____. 

C._____ fuhr mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 bis 35 km/h durch das 
Dorf O.6_____. Ausgangs O.6_____ bildet die Fahrbahn eine kurze Gera-
de, welche in eine langgezogene, übersichtliche Linkskurve übergeht. An-
schliessend folgt eine unübersichtliche Rechtskurve, welche über eine 
Kuppe führt, auf die wiederum eine kurze Gerade und eine unübersichtliche 
Rechtskurve folgen. 

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Der unmittelbar hinter C._____ fahrende Personenwagenlenker überholte 
diese korrekt ausgangs des Dorfes im Bereich der kurzen Geraden und der 
folgenden übersichtlichen Linkskurve. Der Angeklagte fuhr nun direkt hinter 
C._____ mit einer Geschwindigkeit von mind. 60 km/h auf die unübersicht-
liche Rechtskurve, welche über eine Kuppe führt, zu. In dieser Kurve öffnet 
sich dann der Blick auf die genannte zweite kurze Gerade. Die Sichtdistanz 
auf die nächste unübersichtliche Rechtskurve beträgt maximal 220 Meter. 
Ausgangs der Kurve, welche über die mehrgenannte Kuppe führt, d.h. ca. 
180 Meter vor der nachfolgenden unübersichtlichen Kurve, setzte dann der 
Angeklagte zum Überholmanöver an. Für das Überholmanöver benötigte 
der Angeklagte ca. 100 Meter, so dass er sein Fahrzeug erst ca. 80 Meter 
vor der nächsten unübersichtlichen Rechtskurve wieder auf die rechte 
Fahrbahn zurückgelenkt hatte. Gegenverkehr herrschte zum Zeitpunkt des 
Überholmanövers keiner."

C. Die Hauptverhandlung mit vorgängigem Augenschein fand am 10. Januar 
2014 statt. Die Schlussanträge der Parteien lauteten wie folgt:

"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:

1. X._____ sei der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen. 

2. X._____ sei zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 260.--, 
Probezeit 2 Jahre, und zur Bezahlung einer Busse von CHF 1'000.--, 
ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 4 Tagen, zu verurteilen. 

3. Kostenfolge sei die gesetzliche."

"Rechtsbegehren angeklagte Person:

1. Der Angeklagte sei hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 2 SVG von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates."

D. Gegen das am 10. Januar 2014 gefällte und am 14. Januar 2014 im Dispo-
sitiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Albula meldete X._____ am 15. Januar 
2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Albula den Parteien das begrün-
dete Urteil am 17. Februar 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:

"1. X._____ ist der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG (recte: Art. 90 Abs. 2 
SVG) schuldig.

2. a)Dafür wird X._____ mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 
CHF 260.00 bestraft.

    b)Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 
Jahren aufgeschoben. 

3. a)Dafür wird X._____ zudem mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft.

    b)Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 4 Tage. Sie tritt an die 
Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird. 

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4. a)Die Kosten des Verfahrens von CHF 7'327.00 (Untersuchungsge-
bühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 
2'827.00 und Gerichtsgebühren CHF 4'500.00) gehen zu Lasten von 
X._____.

    b)X._____ schuldet dem Bezirksgericht Albula folglich:

Busse CHF 1'000.00

Verfahrenskosten CHF 7'327.00

Total CHF 8'327.00

In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 
30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Ein-
zahlungsschein zu bezahlen. 

5. (Rechtsmittelbelehrung).

6. (Mitteilung)."

E. Mit Berufungserklärung vom 7. März 2014 stellte X._____ folgende Rechts-
begehren:

"A. Materielle Anträge

1. Es seien die Dispositiv-Ziffern

• 1

• 2a und 2b

• 3a und 3b

• 4a und 4b

des Urteils des Bezirksgerichtes Albula vom 10.01.2014, im Dispositiv 
mitgeteilt am 14.01.2014, in begründeter Form der Post übergeben am 
17.02.2014, beim Unterzeichneten eingegangen am 18.02.2014, zu 
kassieren und durch folgende Neuregelung zu ersetzen:

"1.1. X._____ wird vom Vorwurf der groben Verletzung von Verkehrs-
regeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 
2 SVG von Schuld und Strafe freigesprochen: 

1.2. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 7'327.00 (Untersuchungsge-
bühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 
2'827.00 und Gerichtsgebühren des Bezirksgerichtes Albula Fr. 
4'500.00) werden vom Kanton Graubünden übernommen. 

1.3. X._____ wird für das Verfahren vor Staatsanwaltschaft Graubün-
den und Bezirksgericht Albula vom Kanton Graubünden ausser-
amtlich mit Fr. 16'864.30 (inkl. Mehrwertsteuer) entschädigt."

2.1. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten Kantons 
Graubünden für das Berufungsverfahren.

B. Beweisergänzungsanträge

1. Hiermit wird beantragt, die Expertise des Ingenieur-Büros B._____ 
vom 02.06.2009 mittels Zusatzexpertise wie folgt zu ergänzen und die 

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nachstehenden Fragen durch einen gerichtlich eingesetzten Experten 
abklären zu lassen:

1.1. Wie lange (in Sekunden und Metern) benötigt das Fahrzeug des 
Verurteilten, um bei einer Kolonnengeschwindigkeit von 45 km/h 
auf die Höhe des überholten Fahrzeuges zu gelangen, wenn der 
Angeklagte sein Fahrzeug maximal beschleunigt?

1.2. Kann der Überholvorgang in diesem Zeitpunkt (Höhe überholtes 
Fahrzeug) noch gefahrlos abgebrochen werden? Bis wann 
(räumlich) kann das Manöver gegebenenfalls gefahrlos abgebro-
chen werden?

1.3. Wenn sich in diesem Zeitpunkt aus der Gegenrichtung ein Fahr-
zeug mit maximal 90 km/h nähert und der Verurteilte sein Fahr-
zeug weiter auf 80 km/h respektive auf 100 km/h beschleunigt:

• Wie lange (in Sekunden und Metern) benötigt das Fahrzeug 
des Verurteilten, um den Überholvorgang abzuschliessen und 
auf die Normalspur zu wechseln? Die Beantwortung dieser 
Frage hat im Hinblick auf eine Beschleunigung bis maximal 
80 km/h und separat im Hinblick auf eine Beschleunigung bis 
maximal 100 km/h zu erfolgen.

• Welche Strecke legt das auf der Gegenrichtung herannahen-
de Fahrzeug in dieser Zeit zurück (ab dem Zeitpunkt, in dem 
sich das Fahrzeug des Verurteilten auf gleicher Höhe mit dem 
überholten Fahrzeug befindet)?

• Wie weit (in Sekunden und Metern) sind die Fahrzeuge des 
Verurteilten und des sich aus der Gegenrichtung heranna-
henden Fahrzeuglenkers noch voneinander entfernt, wenn 
der Verurteilte mit seinem Fahrzeug wieder auf die Normal-
spur einschwenkt? Die Antwort hat im Hinblick auf eine Be-
schleunigung des Fahrzeuges des Verurteilten bis 80 km/h 
und separat bis 100 km/h zu erfolgen."

F. Das Bezirksgericht Albula verzichtete mit Eingabe vom 12. März 2014 unter 
Hinweis auf das angefochtene Urteil vom 10. Januar 2014 auf die Einreichung ei-
ner Stellungnahme. 

G. Die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichtete mit Eingabe vom 24. März 
2014 ebenfalls auf die Einreichung einer Stellungnahme gemäss Art. 400 Abs. 3 
StPO. Der Antrag auf Einholung einer Zusatzexpertise sei bereits bei der Vorberei-
tung zur Hauptverhandlung gestellt und an der Hauptverhandlung wiederholt wor-
den. Der verfahrensleitende Erstrichter und das Bezirksgericht hätten sich mit dem 
Antrag auseinandergesetzt und ihn abgewiesen. Dabei seien sie dem Antrag der 
Staatsanwaltschaft gefolgt. Die Einholung einer Expertise erscheine aus Sicht der 
Staatsanwaltschaft auch heute nicht erforderlich. X._____ werde der Vorwurf ge-
macht, der für die Durchführung eines korrekten Überholmanövers erforderliche 

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Raum sei bereits bei Beginn seines Manövers nicht genügend überblickbar gewe-
sen. 

H. Am 11. Juni 2014 fand die mündliche Berufungsverhandlung vor der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt. Anwesend waren 
X._____ in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried 
Caviezel, sowie der stellvertretende Erste Staatsanwalt lic. iur. Claudio Riedi. An-
stelle von Kantonsgerichtspräsident Dr. iur. Norbert Brunner nahm stellvertretend 
Kantonsrichter Dr. iur. Albert Pritzi Einsitz in die I. Strafkammer. Einwände gegen 
die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichts wurden nicht erhoben, 
woraufhin der Vorsitzende das Gericht für legitimiert erklärte. Im Anschluss an die 
persönliche Befragung des Berufungsklägers durch den Vorsitzenden hinsichtlich 
seiner persönlichen Verhältnisse und in Bezug auf die ihm zur Last gelegte Ver-
kehrsregelverletzung verzichteten die Parteien auf das Verlesen von Aktenstü-
cken. In Bezug auf die in der Berufungserklärung gestellten Beweisanträge führte 
der Vorsitzende aus, dass über diese im Rahmen der Urteilsberatung entschieden 
werden soll. Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried Caviezel erklärte sich mit diesem Vor-
gehen einverstanden. In der Folge nahmen der Verteidiger und der stellvertreten-
de Erste Staatsanwalt in ihren Plädoyers zu der Berufung Stellung. Dabei hielt der 
Verteidiger an den Anträgen gemäss Berufungserklärung fest, während der stell-
vertretende Erste Staatsanwalt die kostenfällige Abweisung der Berufung bean-
tragte. Im Rahmen seiner Replik wies der Verteidiger daraufhin, die Anklage-
behörde übersehe, dass es aufgrund der Unschuldsvermutung an ihr gelegen wä-
re, den über jeden Zweifel erhabene Beweis hinsichtlich der einzelnen Tatbe-
standsmerkmale zu führen. Nach der Anklage seien nur zwei Parameter unbestrit-
ten und hätten als beweismässig erstellt zu gelten: (1.) Der Angeklagte habe das 
Überholmanöver an der in act. 4/3 bezeichneten Örtlichkeit ausgeführt; (2.) Für 
das Überholmanöver sei dem Angeklagten eine einsehbare Überholstrecke von 
220 m zur Verfügung gestanden. Alle anderen Parameter seien nicht bekannt und 
auch nicht mit der notwendigen Gewissheit nachweisbar. Der Angeklagte sei nie, 
zu keinem Zeitpunkt konkret und zu Protokoll befragt worden, wo genau er das 
Überholmanöver begonnen habe. Mit dieser Frage sei er nie konfrontiert worden. 
Erst ein halbes Jahr nach dem Vorfall sei ihm plötzlich unterstellt worden, er habe 
praktisch auf den Meter genau angegeben, wo er das Überholmanöver begonnen 
habe, was aber überhaupt nicht zutreffe. Die Staatsanwaltschaft könne den Be-
weis nicht erbringen, wo der Angeklagte das Überholmanöver durch Beschleuni-
gen seines Fahrzeuges und Aufschliessen auf das zu überholende Fahrzeug be-
gonnen habe, weshalb diesbezüglich von der Version des hierzu erst von der Vor-

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instanz befragten Angeklagten auszugehen sei. Der Beginn des Überholmanövers 
sei beim Beginn der Geraden gewesen, als der Angeklagte sein Fahrzeug be-
schleunigt und auf das zu überholende Fahrzeug aufgeschlossen habe. Zu Guns-
ten des Angeklagten sei schliesslich von einer Geschwindigkeit des überholten 
Fahrzeuges von 45 km/h auszugehen. Der stellvertretende Erste Staatsanwalt 
stellte duplicando noch einmal klar, dass, selbst wenn davon ausgegangen wer-
den könnte, dass bereits bei Beginn der Kuppe überholt worden wäre, die Distanz 
nicht ausgereicht hätte. Nachdem dem Berufungskläger das letzte Wort erteilt 
worden war, wurde die mündliche Berufungsverhandlung geschlossen. Die Partei-
en verzichteten auf eine mündliche Urteilsverkündung, weshalb das Urteilsdisposi-
tiv gemäss Art. 84 Abs. 2 StPO innert fünf Tagen zugesendet wurde.

I. Auf das Ergebnis der persönlichen Befragung des Berufungsklägers durch 
den Vorsitzenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden, auf 
die weitere Begründung der Anträge anlässlich der mündlichen Berufungsver-
handlung sowie auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil wird, soweit erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

II. Erwägungen

1. a) Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit de-
nen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (vgl. Art. 398 
Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Die Berufung 
bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell 
befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie auf Urteile, die auf 
Verurteilung oder Freispruch lauten und den Fall vor der ersten Instanz damit ab-
schliessen (vgl. Luzius Eugster, in: Marcel Alexander Niggli/Marianne Heer/Hans 
Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, Basel 2011, N. 2 zu Art. 398 StPO [zit. Basler Kommentar zur StPO]). 
Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht in-
nert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll 
anzumelden, worauf das erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausferti-
gung des begründeten Urteils zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht als 
Berufungsinstanz übermittelt (vgl. Art. 399 Abs. 2 StPO; Art. 22 des Einführungs-
gesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 350.100]). 
Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, die Berufung angemeldet hat, dem 
Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine 
schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzugeben hat, ob sie das Urteil 

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vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche Abänderungen des erstin-
stanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Beweisanträge sie stellt (lit. c). 

b) Gegen das am 14. Januar 2014 im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirks-
gerichts Albula meldete der Berufungskläger am 15. Januar 2014 die Berufung an 
(vgl. act. I.1). Nach Mitteilung des begründeten Urteils am 17. Februar 2014 reich-
te der Berufungskläger alsdann fristgerecht am 7. März 2014 seine Berufungser-
klärung ein (vgl. act. I.2). Da auch alle anderen Zulässigkeitsvoraussetzungen ge-
geben sind, ist auf die Berufung einzutreten. 

2. Als Berufungsgericht kann das Kantonsgericht von Graubünden das erstin-
stanzliche Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (vgl. Art. 
398 Abs. 2 StPO). Die Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit wel-
chem erstinstanzliche Urteile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hin-
sicht mit freier Kognition überprüft werden können (vgl. Niklaus Schmid, Schweize-
rische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N. 
1 zu Art. 398 StPO [zit. Praxiskommentar]; Markus Hug, in: Andreas Do-
natsch/Thomas Hansjakob/Viktor Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO], Zürich 2010, N. 14 zu Art. 398 StPO [zit. Do-
natsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO]). Das Berufungsgericht überprüft 
das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (vgl. Art. 404 Abs. 1 
StPO). Die nicht angefochtenen Punkte sind rechtskräftig geworden und stehen 
damit nicht länger zur Diskussion (vgl. Luzius Eugster, in: Basler Kommentar zur 
StPO, a.a.O., N. 3 zu Art. 404 StPO). Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung 
ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt (vgl. Art. 408 
StPO). Weist das erstinstanzliche Verfahren aber Mängel auf, die im Berufungs-
verfahren nicht geheilt werden können, so hebt das Berufungsgericht das ange-
fochtene Urteil auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptver-
handlung und zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht 
zurück (vgl. Art. 409 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Fall kann indessen das Beru-
fungsgericht – wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt – selber ein 
Urteil fällen. 

3. a) Gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO nehmen die Strafbehörden die Strafverfahren 
unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne unbegründete Verzögerung zum 
Abschluss. Art. 5 StPO enthält den Grundsatz der Beschleunigung (sogenannte 
Konzentrationsmaxime). Eine sehr lange Verfahrensdauer stellt eine Gefährdung 
der Rechtsanwendung dar und ist rechtsstaatlich problematisch. Betroffen ist 
primär die beschuldigte Person. Im Fall eines Freispruchs nach vielen Jahren Pro-

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zessdauer lebte sie lange Zeit zu Unrecht in Unsicherheit. Im Fall einer Verurtei-
lung ist eine Strafe unter Umständen aus der Sicht der Strafzwecke fragwürdig. Es 
gibt viele Gründe für die oft lange Dauer von Prozessen. Zu erwähnen sind fakti-
sche Probleme (bei komplexen Sachverhalten), institutionelle Gründe, so insbe-
sondere verfahrensrechtliche Sicherungen wie namentlich prozessuale Mitwir-
kungsrechte der Parteien und Rechtsmittel und schliesslich "vermeidbare" Ursa-
chen wie Überlastung, Trölerei, Frist der Anwaltschaft etc. Das Beschleunigungs-
gebot gilt für alle Verfahrensstufen, so zwischen Anklage und Hauptverhandlung. 
Entscheidend ist jedoch die Gesamtdauer des Verfahrens, nicht der einzelnen 
Prozesshandlungen. Dass eine einzelne Verfahrenshandlung zu einem früheren 
Zeitpunkt hätte vorgenommen werden können, verletzt das Beschleunigungsgebot 
für sich allein gesehen noch nicht. Erforderlich ist, dass die Behörden bei objekti-
ver Betrachtung des Einzelfalles in der Lage gewesen wären, den Fall als solchen 
innert wesentlich kürzerer Zeit abzuschliessen. Dies ist dann anzunehmen, wenn 
das Verfahren über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg nicht betrieben 
wurde. Dass die Strafverfolgungsbehörden und/oder Gerichte unzweckmässig 
organisiert sind, entschuldigt Verzögerungen ebenso wenig wie eine unzureichen-
de personelle und/oder sachliche Ausstattung, es sei denn, es handelt sich um 
bloss vorübergehende und nicht vorhersehbare Engpässe. Überlängen des Ver-
fahrens haben grundsätzlich eine Reduktion des Strafmasses zur Folge, die bis 
hin zu einem Absehen von Strafe reichen kann und die im Urteil ausdrücklich of-
fenzulegen ist. In extremen Fällen, bei denen die Strafreduktion nicht ausreicht, 
um den Verstoss gegen den Anspruch auf Aburteilung innerhalb angemessener 
Frist adäquat zu kompensieren, hat als ultima ratio eine Einstellung des Verfah-
rens zu erfolgen. Für die Wahl der Sanktionierung des prozessualen Fehlers ist 
entscheidend, wie stark die beschuldigte Person durch die Verfahrensverzögerung 
getroffen wurde. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt eine Fest-
stellung einer Verletzung des Beschleunigungsgebots, wenn es sich um keine 
schwere Verletzung handelt beziehungsweise wenn die Verzögerung keine be-
sondere Belastung verursachte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 
2010 1P.338/2000 E. 4 = Pra 2001 Nr. 3, 18 ff.). Als angemessene Sanktion der 
Verletzung des Beschleunigungsgebots wird in der Rechtsprechung aber die Re-
duktion der Strafhöhe gesehen (vgl. BGE 124 I 139; 122 IV 103, E. 1.4; Urteil des 
Bundesgerichts vom 17. März 2004 1P_722/2003; zum Ganzen auch BGE 117 IV 
124; Franz Riklin, Kommentar StPO, 2. Aufl., Zürich 2014, N. 1 ff. zu Art. 5; Ni-
klaus Schmid, Praxiskommentar, a.a.O., N. 1 f. zu Art. 5; Wolfgang Wohlers, in: 
Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 8 ff. zu Art. 5 mit 

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zahlreichen Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung; Sarah Sum-
mers, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 15 ff. zu Art. 5). 

b) Der Berufungskläger beging die ihm vorgeworfene Verkehrsregelverletzung 
am 6. Juni 2008. Die Eröffnungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden 
erging am 14. Juli 2008, die Anklageverfügung am 13. Januar 2010 (vgl. act. 
V./1.1 und 1.19). Mit prozessleitender Verfügung der Vorinstanz vom 1. Februar 
2010 wurde X._____ und der Staatsanwaltschaft Graubünden Frist angesetzt, um 
Anträge auf Ergänzung der Untersuchung zu stellen (vgl. act. V.2/16). Mit Schrei-
ben vom 17. Februar 2010 beantragte und begründete der Rechtsvertreter von 
X._____ eine Ergänzung des bereits eingereichten Privatgutachtens vom 2. Juni 
2009 (vgl. act. V.2/15). Die Staatsanwaltschaft Graubünden stellte am 3. März 
2010 den Antrag auf Abweisung der Beweisergänzung (vgl. act. V.2/13). Mit pro-
zessleitender Verfügung vom 16. Oktober 2013 wurde der Beweisergänzungsan-
trag von der Vorinstanz abgelehnt (vgl. act. V.2/11). Am 22. Oktober 2013 wurde 
zur Hauptverhandlung vom 10. Januar 2014 vorgeladen (vgl. act. V./2/10). Das 
Verfahren zwischen Anklage und Hauptverhandlung vor der Vorinstanz dauerte 
ziemlich genau fast vier Jahre. Diese Verfahrensdauer ist zweifelsfrei als unange-
messen zu taxieren. Weder die Komplexität noch der Umfang der vorliegenden 
Verkehrsregelverletzung rechtfertigen eine solche Zeitspanne. Es ist nicht ersicht-
lich, weshalb das Bezirksgericht Albula nicht in der Lage gewesen wäre, den Fall 
innert wesentlich kürzerer Zeit abzuschliessen. Es ist insbesondere nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die Vorinstanz für die Abweisung des am 17. Februar 2010 ge-
stellten Beweisantrages mehr als dreieinhalb Jahre brauchte, zumal sie in dieser 
Zeit keine weiteren Verfahrenshandlungen anordnete und das Verfahren gar nicht 
betrieben wurde. Verzögerungen aufgrund allfälliger personeller Ressourcen ent-
schuldigen die lange Verfahrensdauer grundsätzlich nicht. Die Gesamtdauer von 
der Anklage bis zum vorinstanzlichen Urteil von vier Jahren ist damit als unver-
hältnismässig zu qualifizieren, womit das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 
Abs. 1 StPO verletzt wurde. Anzumerken bleibt, dass eine Intervention der Staats-
anwaltschaft bei der Vorinstanz hätte hilfreich sein können. Die Verletzung von 
Art. 5 Abs. 1 StPO wiegt vorliegend nun aber nicht derart schwer, dass diese eine 
Verfahrenseinstellung rechtfertigen würde, zumal eine solche auch die Ausnahme 
bilden soll. Der Berufungskläger war während der ganzen Verfahrensdauer im Be-
sitz seines Führerausweises und damit fahrberechtigt. Es ist nicht ersichtlich, dass 
X._____ durch die Verfahrensverzögerung sehr schwer getroffen worden wäre. 
Nichts desto trotz gilt es der Verletzung des Beschleunigungsgebotes für den Fall 

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Rechnung zu tragen, dass X._____ verurteilt würde. In diesem Fall wäre eine Re-
duktion des Strafmasses vorzunehmen. 

4. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) verlangt, dass die Behörde die 
Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsäch-
lich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. BGE 136 I 229 E. 
5.1 S. 236; BGE 124 I 49 E. 3a; BGE 124 I 241 E. 2, je mit Hinweisen). Daraus 
folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es 
nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan-
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie 
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung 
muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Ent-
scheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere 
Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überle-
gungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die 
sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.1; BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit 
Hinweisen). Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht gemäss Art. 82 Abs. 4 
StPO für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des angeklagten Sachver-
halts auf die Begründung der Vorinstanz verweisen. 

5. a) Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach sei-
ner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis 
zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Be-
stehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person 
günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus 
der derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldig-
ten Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden ver-
pflichtet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 6 zu Art. 10). An die-
sen Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine 
blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach 
der aus Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und Art. 10 Abs. 3 StPO 
fliessenden Beweiswürdigungsregel "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter 
jedoch nicht von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhal-
tes überzeugt erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächli-
chen Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 

Seite  12 — 41

IV 86 E. 2.a). Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht mass-
gebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 
werden kann. Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende 
Zweifel handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage 
aufdrängen (vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2.c). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bin-
dung an Beweisregeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit 
Überzeugung für einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung 
der Überzeugung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des An-
geklagten muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die ver-
nünftige Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (vgl. PKG 
1987 Nr. 12; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, Eine Einführung auf der Grundla-
ge des Strafprozessrechts des Kantons Zürich und des Bundes, 4. Aufl., Zürich 
2004, N. 294 f.). Diese allgemeine Rechtsregel kommt nicht schon dann zur An-
wendung, wenn Aussage gegen Aussage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher 
sich aus den Akten ergebenden Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der 
Anklage oder jene des Angeklagten den Richter zu überzeugen vermag. Erst 
wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung 
zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz "in dubio pro reo" der für den An-
geklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden. In diesem Fall hat ein 
Freispruch zu erfolgen. 

b) Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (vgl. Niklaus Schmid, Praxiskommen-
tar, a.a.O., N. 5 zu Art. 10). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz der 
Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen der 
Parteien aus (vgl. ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeugen, 
Auskunftspersonen und Angeklagten vollgültige Beweismittel mit derselben Be-
weiseignung. Auch wenn der Angeklagte am Verfahren direkt beteiligt ist, stellt 
seine Aussage gleichwohl ein Beweismittel dar und sind seine Aussagen richter-
lich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung ist 
nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der 
Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall entschei-
dend (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Straf-
prozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N. 5), wobei nicht in erster Linie die 
Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner 
konkreten Aussage im Vordergrund steht. Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer 
Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Dar-
stellung des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des 

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Erlebten zu werten (vgl. im Detail: Arntzen/Michaelis-Arntzen, Psychologie der 
Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993).

c) Lehre und Rechtsprechung anerkennen, dass die Strafverfolgungsbehör-
den nicht alle möglichen Beweise zusammenzutragen haben. Vielmehr kann auf 
die Erhebung weiterer Beweise dann verzichtet werden, wenn die für die Beurtei-
lung der Sache erforderlichen Tatsachen bereits aufgrund der vorhandenen Be-
weismittel feststehen und nicht zu erwarten ist, dass neue Beweismittel das Er-
gebnis der freien Würdigung der vorhandenen Beweismittel zu erschüttern vermö-
gen (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.3; BGE 129 I 151 E. 5; BGE 125 I 127 E. 6c/aa; 
Thomas Hofer, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 67 ff. zu Art. 10). Das 
Gericht hat nur solchen Beweisanträgen zu folgen, die nach seiner Würdigung 
rechts- und entscheiderheblich sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_655/2012 
vom 15. Februar 2013 E. 2.2).

d) Anzumerken bleibt schliesslich, dass der "Aussage der ersten Stunde" der 
Parteien und allfälliger Zeugen vor der Polizei besondere Aufmerksamkeit gebührt, 
erfolgt sie doch zeitnah zum Geschehen und ist sie weniger mit Erinnerungslücken 
und allfälligen Absprachen behaftet als eine Aussage, welche Wochen oder Mona-
te später erfolgt (vgl. dazu auch PKG 1991 Nr. 39 sowie im Bereich des Sozialver-
sicherungsrechts: BGE 121 V 47, wonach die spontanen "Aussagen der ersten 
Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als die späteren Dar-
stellungen). 

6. Der Berufungskläger führt in seinem Plädoyer für die Hauptverhandlung 
vom 11. Juni 2014 vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
(vgl. act. IV.6) aus, D._____ habe ein persönliches Interesse daran gehabt, dass 
es zu einer Verurteilung komme und er hätte die Einvernahme unbedingt einem 
unbeteiligten Drittbeamten überlassen müssen. Die polizeilichen Ermittlungen, bei 
denen der Zeuge gleichzeitig einvernehmender Beamter sei, würden den allge-
meinen Verfahrensgarantien widersprechen und dürften nicht im Sinne der Ankla-
ge verwendet werden. Der Berufungskläger bringt damit sinngemäss zum Aus-
druck, dass der Polizeibeamte D._____ während der Strafuntersuchung in den 
Ausstand hätte treten müssen. Gemäss Art. 56 lit. b StPO tritt eine in einer Straf-
behörde tätige Person in den Ausstand, wenn sie in einer anderen Stellung, ins-
besondere als Mitglied einer Behörde, als Rechtsbeistand einer Partei, als Sach-
verständige oder Sachverständiger, als Zeugin oder Zeuge, in der gleichen Sache 
tätig war. Die Zeugeneigenschaft muss tatsächlich gegeben sein. Die Involvierung 
im Verfahren als Auskunftsperson schliesst die spätere Tätigkeit in derselben Sa-

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che unter dem Gesichtspunkt von Art. 56 lit. b StPO nicht aus. Die Person muss 
als Zeuge ferner tatsächlich befragt worden sein, unabhängig davon, ob sie Aus-
sagen zur Sache machen konnte. Dass sie als Zeuge bloss angerufen oder gela-
den, nicht aber vernommen worden ist, schafft keinen Grund für den Ausstand 
(vgl. Markus Boog, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 22 zu Art. 56). 
D._____ hat im Strafverfahren gegen X._____ sowohl den Berufungskläger als 
auch C._____ polizeilich einvernommen (vgl. act. V./4.4 und 4.6). Diese Einver-
nahmen wurden am 6. beziehungsweise 8. Juni 2008 durchgeführt. Als Zeuge 
wurde D._____ hingegen erst am 13. November 2008 im Konfrontverhör mit 
X._____ einvernommen (vgl. act. V./4.9). Zum Zeitpunkt der polizeilichen Befra-
gungen war D._____ noch nicht als Zeuge einvernommen worden. Es ist somit 
nicht ersichtlich, weshalb D._____ gestützt auf Art. 56 lit. b StPO bereits bei den 
polizeilichen Befragungen in den Ausstand hätte treten müssen. Er durfte die Ein-
vernahmen von X._____ und C._____ daher ohne weiteres vornehmen. Die Frage 
eines allfälligen Ausstandes hätte sich höchstens dann gestellt, wenn D._____ 
nach seiner Einvernahme vom 13. November 2008 als Zeuge weitere Untersu-
chungshandlungen in derselben Strafsache getätigt hätte. Dies war vorliegend 
aber gerade nicht der Fall. Es wurden somit in abweichender Meinung zum Beru-
fungskläger keine Verfahrensrechte verletzt. Weitere Ausstandsgründe sind nicht 
ersichtlich. Insbesondere ist nicht ersichtlich, inwiefern D._____ ein persönliches 
Interesse in der Sache gehabt hätte. Dies wäre nur dann der Fall, wenn er in 
spürbarer persönlicher Beziehungsnähe zum Streitgegenstand stehen würde. 
Dass das Verfahren die Interessen der Person nur in allgemeiner Weise berührt, 
genügt nicht (vgl. dazu auch Art. 56 lit. a StPO und Markus Boog, in: Basler Kom-
mentar zur StPO, a.a.O., N. 15 zu Art. 56). Die blosse Aussage von D._____, das 
Überholmanöver von X._____ sei "ahndungswürdig", lässt somit den Schluss ei-
ner persönlichen Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei weitem nicht zu. 

7. a) Der Berufungskläger stellt in seiner Berufungserklärung vom 7. März 2014 
(vgl. act. I.2) den Beweisantrag, die Expertise des Ingenieur-Büros B._____ vom 
2. Juni 2009 mittels Zusatzexpertise zu ergänzen und die im Rahmen der Ergän-
zung gestellten Fragen durch einen gerichtlichen Experten abklären zu lassen. 
Dieser Antrag wurde bereits im vorinstanzlichen Verfahren gestellt (vgl. act. 
V.2/15) und der Berufungskläger hielt an diesem Beweisantrag auch anlässlich 
der mündlichen Berufungsverhandlung vom 11. Juni 2014 fest. Damit ist vorab 
über diesen Antrag zu befinden. Wie die Vorinstanz in ihrem angefochtenen Urteil 
vom 10. Januar 2014 zu Recht festhielt, ist es für die vorliegend nach Art. 35 Abs. 
2 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG; SR 741.01) zu ahndende Verkehrsregel-

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verletzung nicht relevant, ob der Berufungskläger das eingeleitete Überholmanö-
ver hätte abbrechen können oder nicht. Die für das Überholen notwendige freie 
und übersichtliche Sichtdistanz muss bereits bei Einleitung des Manövers vorlie-
gen. Derjenige, der überholen will, muss von Anfang an und jederzeit die Gewiss-
heit haben, sein Unterfangen sicher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu 
können (vgl. dazu unten E. 13.). Gemäss den nachfolgenden Erwägungen war die 
Überholstrecke, selbst wenn man diese zugunsten des Berufungsklägers auf 220 
m festsetzt, unter den nachfolgend darzulegenden Geschwindigkeiten und Ab-
ständen nicht übersichtlich und frei genug, um ein verkehrsregelkonformes Über-
holmanöver gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG durchführen zu können. Art. 35 Abs. 2 
SVG war damit selbst dann verletzt, wenn der Berufungskläger das Manöver bei 
Auftauchen von Gegenverkehr unter Erhöhung seiner Geschwindigkeit auf 80 re-
spektive 100 km/h möglicherweise hätte beenden oder abbrechen können. Ein 
entgegenkommendes Fahrzeug wäre in jedem Fall gefährdet worden. An diesen 
Umständen vermag die beantragte Zusatzexpertise nichts zu ändern und es ist 
nicht ersichtlich, inwiefern neue entscheidrelevante Erkenntnisse aus einer sol-
chen zu erwarten wären. Das Einholen einer Zusatzexpertise ist somit für das vor-
liegende Urteil nicht notwendig, weshalb die Beweisanträge des Berufungsklägers 
abzuweisen sind. Damit erübrigt sich auch der Beizug der beantragten sachver-
ständigen Person gemäss Art. 182 StPO. 

b) In Bezug auf den Einwand des Berufungsklägers in seinem Plädoyer vom 
11. Juni 2014 (vgl. act. IV.6), D._____ habe seinen Antrag auf Einvernahme weite-
rer Auskunftspersonen zu Unrecht abgelehnt, bleibt festzuhalten, dass er einen 
solchen Antrag um Einvernahme jederzeit nochmals hätte stellen können. Da der 
Berufungskläger dies nicht getan hat, erübrigen sich weitere Ausführungen dazu. 
Seinen übrigen Einwänden im Zusammenhang mit den Aussagen von C._____ 
und D._____ gilt es, sofern erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Beweis-
würdigung Rechnung zu tragen. Beweiserhebungen von Amtes wegen drängen 
sich – wie die nachstehenden Ausführungen zeigen – nicht auf (vgl. Art. 389 Abs. 
3 StPO). 

8. Der Berufungskläger wurde von der Vorinstanz der groben Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG 
(recte: Art. 90 Ziff. 2 aSVG) schuldig gesprochen und dafür mit einer Geldstrafe 
von 20 Tagessätzen zu je Fr. 260.00, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, 
sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 1'000.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung 
derselben mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen, bestraft. Mit der vorlie-
genden Berufung verlangt X._____ die Aufhebung der Ziffern 1, 2a und 2b, 3a und 

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3b und 4a und 4b des angefochtenen Urteils und damit einhergehend einen 
vollständigen Freispruch vom Vorwurf des ihm zur Last gelegten Strassenver-
kehrsdeliktes. Darüber hinaus seien die Verfahrenskosten vollumfänglich auf die 
Staatskasse zu nehmen und ihm sei für das vorinstanzliche Verfahren eine Partei-
entschädigung in der Höhe von Fr. 16'864.30 (inkl. MwSt.) zuzusprechen. 

Art. 90 SVG betreffend die Verletzung von Verkehrsregeln wurde gestützt auf das 
Bundesgesetz vom 15. Juni 2012 über die Änderung des Strassenverkehrsgeset-
zes (AS 2012 6291 ff.) per 1. Januar 2013 neu gefasst. Mit Ausnahme von redak-
tionellen Anpassungen (neu Art. 90 Abs. 1 und 2 SVG statt Art. 90 Ziff. 1 und 2 
aSVG) blieben die Bestimmungen betreffend einfache und grobe Verkehrsregel-
verletzung materiell unverändert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_121/2013 vom 
8. April 2013 E. 2). Da die vorliegende Verkehrsregelverletzung vor Inkrafttreten 
der modifizierten SVG-Bestimmungen begangen worden ist, wird im Folgenden 
stets von der damals geltenden Fassung und damit von Art. 90 Ziff. 2 aSVG die 
Rede sein. 

9. a) Die Vorinstanz führte aus, es sei erstellt, dass X._____ am 6. Juni 2008 mit 
seinem Audi Avant A6 Quattro, Kennzeichen GR_____, von O.6_____ in Richtung 
O.7_____ gefahren sei. Bezüglich seiner Stellung innerhalb der Fahrzeugkolonne 
habe X._____ selbst ausgeführt, ausgangs O.6_____ sehr wahrscheinlich an drit-
ter Stelle gefahren zu sein. Dies hätten D._____ und C._____ bestätigt. Bezüglich 
der von C._____ durch das Dorf O.6_____ gefahrenen Geschwindigkeit sei von 
30 bis 35 km/h auszugehen. X._____ habe das Überholmanöver auf der Geraden 
nach der ersten Kuppe ausgeführt. Zugunsten von X._____ sei davon auszuge-
hen, dass C._____ zum Zeitpunkt des Überholmanövers mit ca. 40 bis 50 km/h – 
und damit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 45 km/h – gefahren sei. 
Gestützt auf Art. 34 Abs. 4 SVG habe der unmittelbar hinter C._____ herfahrende 
X._____ bei einer von C._____ gefahrenen Geschwindigkeit von 45 km/h einen 
Abstand von 22.5 m (halber Tacho) einhalten müssen. Einen genügenden Ab-
stand von 22.5 m hätte X._____ auch beim Wiedereinbiegen beachten müssen. 
Somit seien für die Ausschwenk- und die Einbiegestrecke je 22.5 m zu berücksich-
tigen. Des Weiteren könne von einer einsehbaren Strecke von 220 m ausgegan-
gen werden. X._____ habe den Überholvorgang 20 Meter nach erlangter Einsicht 
auf die Gerade begonnen. Der Punkt, an welchem er den Überholvorgang einge-
leitet und sein Fahrzeug beschleunigt habe, liege somit zwischen Null und 20 Me-
ter ab erlangter Einsicht auf die Gerade. Es müsse zu Gunsten von X._____ da-
von ausgegangen werden, dass er das Überholmanöver umgehend, folglich bei 
Null eingeleitet habe. Er habe sein Fahrzeug im Zuge seines Überholmanövers 

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auf 80 km/h beschleunigt. Der von ihm zurückgelegte Überholweg (Ausschwenk-
strecke mindestens 22.5 m, Länge beider Fahrzeuge 9 m, Einbiegestrecke min-
destens 22.5 m) habe insgesamt 54 m betragen. Mit einer Differenzgeschwindig-
keit zwischen den beiden Fahrzeugen von 35 km/h habe er damit mindestens 5.55 
s für das gesamte Überholmanöver benötigt. In dieser Zeit habe er selbst mit einer 
Geschwindigkeit von durchschnittlich 80 km/h rund 123 m zurückgelegt. Ein sich 
auf der Gegenfahrbahn mit 80 km/h bewegendes Fahrzeug hätte während der 
Dauer des Überholmanövers von X._____ von 5.55 s insgesamt ebenfalls rund 
123 m zurückgelegt. Die Strecke, welche vor Einleiten des Überholmanövers hätte 
überblickbar und frei sein müssen, erhöhe sich damit auf rund 246 m. Zwischen 
dem Wiedereinbiegen des überholenden Fahrzeugs und dem Kreuzen mit einem 
allfällig entgegenkommenden Fahrzeug sei gemäss Lehre und Rechtsprechung 
eine Sicherheitsmarge von mindestens zwei Sekunden einzuhalten. X._____ habe 
mit seiner durchschnittlich gefahrenen Geschwindigkeit während des Überhol-
manövers von 80 km/h in zwei Sekunden rund 44 m zurückgelegt. Dieser Sicher-
heitsabstand sei zur notwendigerweise freien und überblickbaren Strecke zu ad-
dieren, die sich damit auf mindestens rund 290 m erhöhe. Damit sei ausgewiesen, 
dass eine Strecke von 220 m bei Weitem nicht ausgereicht habe, um das von 
X._____ durchgeführte Überholmanöver unter Einhaltung der Verkehrsregeln 
(genügender Abstand vor dem Ausschwenken und beim Wiedereinbiegen zum 
überholten Fahrzeug, Einhalten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit) vorzu-
nehmen. X._____ habe nicht die Gewissheit gehabt, rechtzeitig und ohne Behin-
derung anderer Verkehrsteilnehmer – so insbesondere eines allfällig entgegen-
kommenden Fahrzeugs – das Manöver beenden zu können. Dies gelte auch vor 
dem Hintergrund, dass X._____ sich konstant auf den Standpunkt gestellt habe, er 
habe das Überholmanöver nach seiner Wahrnehmung vor der Hälfte der Geraden 
abgeschlossen. Bei einer einsehbaren Strecke von 220 m belaufe sich die halbe 
Distanz auf rund 110 m. Für den allfällig nahenden Gegenverkehr sei inklusive 
Sicherheitsmarge eine Strecke von rund 160 m zu berücksichtigen, um ein ver-
kehrsregelkonformes Überholmanöver durchführen zu können. Diese Strecke wä-
re auch beim Einschwenken auf die Gegenfahrbahn vor der Hälfte der Geraden 
nicht mehr gegeben gewesen. Damit habe sich X._____ der groben Verletzung 
von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 
aSVG schuldig gemacht. 

b) Der Berufungskläger bringt vor, dass ihm in der Anklageschrift nicht vorge-
worfen werde, er habe vor dem Überholmanöver gegenüber dem überholten 
Fahrzeug einen ganz bestimmten zu geringen Abstand eingehalten und er sei mit 

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einem ganz bestimmten zu geringen Abstand vor dem überholten Fahrzeug wie-
der auf die Normalspur eingebogen. Zu diesem Thema enthalte die Anklageschrift 
rein gar nichts. Nach der Aktenlage sei einzig unbestritten und auch beweismässig 
erstellt, dass er das Überholmanöver auf dem in act. 4.3 bezeichneten Strecken-
abschnitt durchgeführt und die einsehbare Strecke bei diesem Streckenabschnitt 
220 Meter betragen habe. Über die genaue Stelle des Beginns des Überholmanö-
vers, die Geschwindigkeit des vorausfahrenden respektive überholten Fahrzeu-
ges, die Differenzgeschwindigkeit zwischen überholendem und überholtem Fahr-
zeug sowie den Abstand seines Fahrzeuges zum vorausfahrenden Fahrzeug un-
mittelbar vor Beginn des Überholmanövers und den Abstand, mit dem er zum 
überholten Fahrzeug wieder auf die Normalspur eingebogen sei, würden keinerlei 
in einem Strafprozess genügende Beweise respektive Beweisabnahmen vorlie-
gen. Dementsprechend habe auch die Vorinstanz in diesen Punkten auf seine An-
gaben abstellen und die für ihn günstigsten Varianten annehmen müssen, näm-
lich, dass erstens der Beginn des Überholmanövers ganz zu Beginn der einsehba-
ren Überholstrecke von 220 Metern anzusiedeln sei, zweitens das überholte Fahr-
zeug vor, während und nach dem Überholvorgang mit einer durchschnittlichen 
konstanten Geschwindigkeit von 45 km/h gefahren sei und drittens er mit einer 
durchschnittlichen Geschwindigkeit von 80 km/h überholt habe. Die Erkenntnis der 
Vorinstanz sei in diesen Punkten nicht zu beanstanden und werde von ihm auch 
gar nicht angefochten. Zu seinen Gunsten sei von einem Abstand von 10 m seines 
Fahrzeuges zum vorausfahrenden Fahrzeug auszugehen und das Nämliche gelte 
beim Wiedereinbiegen, obschon er sich mangels Gegenverkehr Zeit gelassen ha-
be und erst gegen Mitte des Streckenabschnittes wiedereingebogen sei. Die Vor-
instanz sei hingegen gestützt auf Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV von 
einem einzuhaltenden Mindestabstand von 22.5 m vor dem Überholen und einem 
ebenso grossen Abstand vor dem Wiedereinbiegen nach dem Überholen ausge-
gangen. Diese Vorgehensweise der Vorinstanz widerspreche dem Akkusations-
prinzip. Die Anklageschrift enthalte keinerlei Schilderungen darüber, wie gross der 
Abstand seines Fahrzeuges zum überholten Fahrzeug unmittelbar vor der Einlei-
tung des Überholmanövers gewesen und mit welchem Abstand zum überholten 
Fahrzeug er wieder auf die Normalspur eingebogen sei. Er habe vor der Vor-
instanz angegeben, dass sein Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug kurz vor 
Einleitung des Überholmanövers rund acht bis zehn Meter betragen habe. Sie hät-
te somit zu seinen Gunsten von seinen Angaben ausgehen müssen, wonach der 
Abstand jeweils zehn Meter betragen habe. Die Vorinstanz habe aber aus Art. 34 
Abs. 4 SVG und der sogenannten Regel des halben Tachos abgeleitet, es habe 
sich um einen Abstand von je 22.5 Metern handeln müssen. Eine solche Be-

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weisabnahme zu einer Sachverhaltsfrage, die von der Anklagebehörde nie unter-
sucht worden sei, widerspreche dem Prinzip der Unschuldsvermutung in eklatan-
ter Weise. Da somit auf seine Angaben abgestellt werden müsse, ergebe sich aus 
der Überholwegberechnung, dass das Überholmanöver absolut gefährdungsfrei 
hätte durchgeführt werden können. Die Überholstrecke würde 66.28 m betragen. 
Um diesen Weg mit 80 km/h zurückzulegen, bedürfe es 2.98 s. Ein von der Ge-
genseite herannahendes Fahrzeug lege in 2.98 s + 2 Sekunden (Sicherheitsmarge 
des Kantonsgerichts), somit in 4.98 s bei 80 km/h eine Wegstrecke von 110.66 m 
zurück. Dies ergebe zusammen 176.94 m. Vorliegend seien aber 220 m zur Ver-
fügung gestanden. Selbst bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit des überholen-
den Fahrzeuges von 80 km/h und einem Tempo des Gegenverkehrs von 90 km/h 
würde der Überholweg mit 190.78 m noch unter den 220 m liegen. 

10. a) Die Vorinstanz bringt vor, zur Bemessung der Länge der Ausschwenk- und 
der Einbiegestrecke könne der Abstand des Fahrzeugs von X._____ zum zu 
überholenden Fahrzeug unmittelbar vor Beginn des Überholvorgangs und unmit-
telbar nach dem Wiedereinbiegen auf die Fahrbahn herangezogen werden. Bei 
einer von C._____ gefahrenen Geschwindigkeit von 45 km/h müsste der unmittel-
bar hinter ihr fahrende X._____ mindestens einen Abstand von 22.5 m einhalten. 
Damit seien für die Ausschwenk- und die Einbiegestrecke je mindestens 22.5 m 
zu berücksichtigen. Die Vorinstanz stützte sich dabei auf Art. 34 Abs. 4 SVG, wo-
nach gegenüber allen Strassenbenützern ein ausreichender Abstand zu wahren 
sei, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hinterein-
anderfahren. Der Berufungskläger bringt nun vor, dass die Vorgehensweise der 
Vorinstanz zu diesem Punkt dem Akkusationsprinzip widersprechen würde. 

b) Nach dem Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 StPO kann eine Straftat nur 
gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte 
Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Ge-
richt Anklage erhoben hat. Das Bundesgericht hat bereits vor Inkrafttreten der 
Schweizerischen Strafprozessordnung in langjähriger Rechtsprechung aus Art. 29 
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK 
Inhalt und Tragweite des Anklagegrundsatzes abgeleitet. Diese Grundsätze behal-
ten auch unter Art. 9 StPO Gültigkeit. Demnach bestimmt die Anklageschrift den 
Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die 
der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzi-
se zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genü-
gend konkretisiert sind. Es muss aus ihr erkennbar sein, inwiefern die inkriminierte 
Handlung den objektiven und subjektiven Tatbestand des angerufenen Straftatbe-

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standes erfüllt. Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachver-
halt gebunden, nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklage-
behörde (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den 
Schutz der Verteidigungsrechte der angeschuldigten Person und dient dem An-
spruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f. mit 
Hinweisen). Das Akkusationsprinzip hat somit eine Bindung des Gerichts an den 
Inhalt der Anklage und an die angeklagte Person zur Folge. Die beschuldigte Per-
son darf an der Hauptverhandlung nicht mit neuen Anschuldigungen überrascht 
werden (vgl. Franz Riklin, a.a.O., N. 6 zu Art. 9). 

c) Wie bereits erwähnt, ging die Vorinstanz von der Annahme aus, dass der 
Abstand des Fahrzeuges des Berufungsklägers zum zu überholenden Fahrzeug 
unmittelbar vor Beginn des Überholvorganges und unmittelbar nach dem Wieder-
einbiegen auf die Normalspur mindestens 22.5 Meter betragen habe, ansonsten 
X._____ gegen Art. 34 Abs. 4 SVG verstossen hätte. X._____ wurde gemäss An-
klageschrift vom 13. Januar 2010 (vgl. act. V./1.20) der groben Verletzung von 
Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 aSVG 
angeklagt. Im Anklagesachverhalt wurde unter anderem ausgeführt, dass der un-
mittelbar hinter C._____ fahrende Personenwagenlenker diese korrekt ausgangs 
des Dorfes O.6_____ im Bereich der kurzen Geraden und der folgenden über-
sichtlichen Linkskurve überholt habe. Der Angeklagte sei nun direkt hinter 
C._____ mit einer Geschwindigkeit von mind. 60 km/h auf die unübersichtliche 
Rechtskurve, welche über eine Kuppe führe, zugefahren. In dieser Kurve öffne 
sich dann der Blick auf die genannte zweite kurze Gerade. Die Sichtdistanz auf die 
nächste unübersichtliche Rechtskurve betrage maximal 220 Meter. Ausgangs der 
Kurve, welche über die mehrgenannte Kuppe führe, ca. 180 Meter vor der nach-
folgenden unübersichtlichen Rechtskurve, habe dann der Angeklagte zum Über-
holmanöver angesetzt. Für das Überholmanöver habe der Angeklagte ca. 100 Me-
ter benötigt, so dass er sein Fahrzeug erst ca. 80 Meter vor der nächsten unüber-
sichtlichen Rechtskurve wieder auf die rechte Fahrspur zurückgelenkt habe. 
X._____ wird in der Anklageschrift einzig vorgeworfen, dass die ihm zur Verfügung 
gestandene Überholstrecke von 220 m nicht ausreichend frei und überblickbar im 
Sinne von Art. 35 Abs. 2 SVG gewesen sei, um ein verkehrsregelkonformes Über-
holmanöver ausführen zu können. Die Vorinstanz wirft dem Berufungskläger nicht 
vor, auch gegen Art. 34 Abs. 4 SVG verstossen zu haben. Eine Verletzung des 
Anklagegrundsatzes ist damit nicht ersichtlich, geht die Vorinstanz doch eben ge-
rade von keiner Verletzung von Art. 34 Abs. 4 SVG aus. Wenn das Bezirksgericht 
Albula nun aber in seiner Erwägung 4. c) zur Bemessung der Länge der Aus-

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schwenk- und Einbiegestrecke aus Art. 34 Abs. 4 SVG ableitet, der Abstand des 
Fahrzeuges des Berufungsklägers zur mit 45 km/h vorausfahrenden C._____ ha-
be mindestens einen halben Tacho, somit mindestens 22.5 m betragen müssen, 
und dass dieser Abstand auch beim Wiedereinbiegen auf die Normalspur einzu-
halten gewesen sei, so ist diese Feststellung nicht haltbar, da diese nicht weiter 
belegt werden kann. Es trifft, wie der Berufungskläger zu Recht vorbringt, zu, dass 
die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden keinerlei Schilderungen 
darüber enthält, wie gross der Abstand des Fahrzeuges des Berufungsklägers 
zum Fahrzeug von C._____ unmittelbar vor der Einleitung des Überholmanövers 
war und mit welchem Abstand zum überholten Fahrzeug der Berufungskläger 
wieder auf die Normalspur eingebogen ist. Zu den konkreten Abständen vor und 
nach dem Überholen wurden weder von der Staatsanwaltschaft Graubünden noch 
von der Vorinstanz Beweiserhebungen vorgenommen. Aus dem Fehlen solcher 
Feststellungen kann nun aber nicht gestützt auf Art. 34 Abs. 4 SVG der Schluss 
gezogen werden, X._____ habe einen Abstand zu C._____ von jeweils 22.5 m 
eingehalten. Es kann durchaus sein, dass sich der Berufungskläger, wie von ihm 
vorgebracht, bis 10 m dem zu überholenden Fahrzeug genähert hat. Das Nämli-
che gilt für den Wiedereinbiegevorgang. Jedenfalls ist der Schluss der Vorinstanz, 
X._____ habe vor und nach dem Überholmanöver zu C._____ einen Abstand von 
22.5 m einhalten müssen, nicht haltbar. Es gilt daher losgelöst von Art. 34 Abs. 4 
SVG anhand der vorliegenden Akten im Rahmen der Beweiswürdigung festzustel-
len, welche Abstände X._____ beim Aus- und Wiedereinbiegen eingehalten hat. 
Doch selbst wenn X._____ einen Abstand von jeweils 10 m eingehalten hätte, so 
ist die Frage, ob er damit gegen Art. 34 Abs. 4 SVG verstossen hätte, mangels 
Anklage im vorliegenden Verfahren nicht weiter zu prüfen.  

11. Der Berufungskläger anerkennt den in der Anklageschrift widergegebenen 
Ort des Überholmanövers (vgl. Plädoyer für die Hauptverhandlung vom 11. Juni 
2014, S. 3 [act. IV.4]), womit auf die entsprechenden Akten verwiesen werden 
kann (vgl. act. V./4.2; 4.3; 4.9; 4.11). Es ist somit erstellt, dass X._____ am 6. Juni 
2008 als Lenker des Fahrzeuges mit der Nummer GR_____ die vor ihm fahrende 
C._____ auf dem besagten Streckenabschnitt nach O.6_____ überholt hat. Nach-
folgend gilt es festzustellen, mit welcher Geschwindigkeit X._____ hinter C._____ 
vor dem Überholmanöver fuhr beziehungsweise er sie überholte und wie gross die 
Abstände vor dem Überholen und beim Wiedereinbiegen waren. Schliesslich wird 
zu klären sein, wo der Berufungskläger sein Überholmanöver begonnen hat. 

a) Bezüglich der von X._____ unmittelbar vor dem Überholmanöver gefahren-
en Geschwindigkeit ging die Staatsanwaltschaft Graubünden von mindestens 60 

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km/h aus. Die Vorinstanz ging aufgrund der widersprüchlichen Aussagen von 
C._____, sie sei mit 75-80 km/h (vgl. act. V./4.6) beziehungsweise mit exakt 70 
km/h (vgl. act. V./4.8) gefahren, zu Gunsten von X._____ von dessen Aussagen 
(vgl. act. V./4.7 und 4.12) aus und setzte die Geschwindigkeit von C._____, als sie 
von X._____ überholt wurde, auf durchschnittlich 45 km/h fest. Dieses Vorgehen 
ist nicht zu beanstanden. Die Staatsanwaltschaft Graubünden bringt in ihrem Plä-
doyer anlässlich der Hauptverhandlung vom 11. Juni 2014 (vgl. act. IV.5) vor, die 
Aussagen von X._____ seien widersprüchlich, da er in der ersten untersuchungs-
richterlichen Einvernahme die Geschwindigkeit von C._____ auf 50 bis 60 km/h 
beziffert habe, um dann später von bloss noch 40 bis 50 km/h zu sprechen. Dem-
gegenüber habe D._____ konstant ausgesagt, weshalb auf seine Aussagen abzu-
stellen sei. D._____ führte aus, er sei mit ca. 60 bis 70 km/h auf die Kuppe zuge-
fahren (vgl. act. V./4.9). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, bezieht sich die von 
ihm angegebene Geschwindigkeit auf das von ihm selbst gefahrene Tempo. Der 
anfänglich hinter C._____ fahrende Personenwagen überholte diese noch vor der 
Kuppe. Dadurch entstand eine Lücke, weshalb die nachfolgenden Fahrzeuge – so 
auch D._____ – ihre Geschwindigkeit erhöhen konnten, um diese Lücke zu 
schliessen. Aus der von D._____ gefahrenen Geschwindigkeit kann demnach 
nicht ohne weiteres auf eine von C._____ respektive vom Berufungskläger (wel-
cher sich zu diesem Zeitpunkt hinter ihr befand und demnach in etwa die gleiche 
Geschwindigkeit aufweisen müsste wie sie) gefahrene Geschwindigkeit von 60 
km/h geschlossen werden. Ein solcher Schluss ergibt sich auch nicht aus den 
Aussagen von C._____, da sich ihre Ausführungen als widersprüchlich erweisen. 
C._____ gab anlässlich ihrer ersten polizeilichen Einvernahme vom 8. Juni 2008 
(vgl. act. V./4.6) zu Protokoll, spontan würde sie sagen, mit ca. 75 bis 80 km/h ge-
fahren zu sein, schneller sicher nicht und langsamer auch nicht. X._____ habe sie 
nach der ersten nach O.6_____ folgenden Kuppe überholt. Vor dem Untersu-
chungsrichteramt O.4_____ gab sie während des Konfrontverhörs mit X._____ 
vom 13. November 2008 (vgl. act. V./4.8) demgegenüber an, sie habe auf den 
Tacho geschaut, als sie vom Beschuldigten überholt worden sei. Sie sei mit exakt 
70 km/h gefahren. C._____ hat damit ihre erste Aussage vom 8. Juni 2008, die 
zeitlich viel näher am Geschehen liegt, in einem wesentlichen Punkt abgeändert. 
Es erscheint in der Tat nicht nachvollziehbar, dass C._____ zum Zeitpunkt des 
Überholmanövers von X._____ auf ihren Tacho geschaut haben soll, wenn sie 
gemäss ihren ersten Aussagen vom 8. Juni 2008 (vgl. act. V./4.6) sehr erschro-
cken gewesen sein soll, als der Berufungskläger vor ihr eingeschwenkt sei. Ihr 
Aussageverhalten lässt damit starke Zweifel an der Glaubhaftigkeit an den von ihr 
im Rahmen der Strafuntersuchung gemachten Aussagen bezüglich der gefahren-

Seite  23 — 41

en Geschwindigkeiten aufkommen. Es liegen daher erhebliche Zweifel vor, dass 
C._____ mit einer Geschwindigkeit von mindestens 60 km/h auf die besagte Kup-
pe zufuhr. Diese Zweifel können auch durch die Aussagen von D._____ nicht 
ausgeräumt werden, da sich die von ihm angegebene Geschwindigkeitsschätzung 
wie erwähnt auf das von ihm selbst gefahrene Tempo bezieht. Der Berufungsklä-
ger führte zu der vor dem Überholmanöver gefahrenen Geschwindigkeit von 
C._____ anlässlich seiner ersten Einvernahme vor dem Untersuchungsrichteramt 
O.4_____ vom 5. August 2008 aus (vgl. act. V./4.7), sie sei schätzungsweise mit 
ca. 50 bis 60 km/h gefahren, es sei aber schwierig zu sagen. Im Rahmen der un-
tersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 15. Januar 2009 (vgl. act. V./4.12) 
führte X._____ aus, dass C._____ höchstens mit 40 bis 50 km/h gefahren sei. An-
lässlich der Einvernahme vor der Vorinstanz vom 10. Januar 2014 (vgl. act. V.2/3) 
bestätigte X._____, dass C._____ sehr langsam gefahren sei, ansonsten er sie 
nicht überholt hätte. Auch anlässlich der Einvernahme vor der I. Strafkammer des 
Kantonsgerichts von Graubünden vom 11. Juni 2014 führte der Berufungskläger 
aus, dass er sich entschlossen habe, bei der nächsten oder übernächsten Gera-
den zu überholen, wenn das vor ihm fahrende Fahrzeug immer noch so langsam 
fahren würde. Da somit nicht mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit erstellt 
werden kann, dass C._____ tatsächlich mit mindestens 60 km/h auf die besagte 
Kuppe zufuhr, kann auch X._____, welcher ja hinter C._____ fuhr und dem die 
von ihr gefahrene Geschwindigkeit für die kurze Zeit unmittelbar vor dem Über-
holmanöver ebenfalls zugerechnet werden müsste, nicht unterstellt werden, er sei 
mit 60 km/h hinter ihr auf die Kuppe zugefahren. Der Schluss der Vorinstanz, es 
sei zugunsten des Berufungsklägers gestützt auf seine Aussagen davon auszuge-
hen, dass C._____ mit ca. 40 bis 50 km/h – und Folge dessen mit einer durch-
schnittlichen Geschwindigkeit von 45 km/h – gefahren sei, lässt sich daher nicht 
beanstanden. Bezüglich der von X._____ gefahrenen Geschwindigkeit während 
des Überholvorgangs kann in Übereinstimmung mit der Vorinstanz, der Staatsan-
waltschaft Graubünden und den Ausführungen des Berufungsklägers von einer 
durchschnittlichen Geschwindigkeit von 80 km/h während des gesamten Überhol-
manövers ausgegangen werden (vgl. act. IV.5, S. 2; V./4.7 und 4.12 und ange-
fochtenes Urteil S. 14). 

b) In Bezug auf den Abstand vom hinteren zum vorderen Fahrzeug zu Beginn 
des Überholmanövers und dem Abstand der Fahrzeuge beim Wiedereinbiegen 
kann wie oben festgestellt nicht gestützt auf Art. 34 Abs. 4 SVG von je 22.5 m 
(halber Tacho von 45 km/h) ausgegangen werden. Die Anklageschrift enthält hier-
zu keinerlei Angaben. X._____ sagte anlässlich seiner untersuchungsrichterlichen 

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Einvernahme vom 5. August 2008 (vgl. act. V./4.7) aus, er wisse nicht, wie nahe er 
hinter dem roten Golf von C._____ hergefahren sei, als er zum Überholen ange-
setzt habe. Er könne es nicht schätzen. Er wisse auch nicht, wie viele Meter er 
nach dem Fahrzeug wieder eingebogen sei. An der Hauptverhandlung vom 10. 
Januar 2014 vor der Vorinstanz gab X._____ an, die Distanz zwischen ihm und 
dem zu überholenden Fahrzeug habe kurz vor dem Beschleunigen schätzungs-
weise acht bis zehn Meter betragen (vgl. act. V.2/3). An diesen Abständen hielt 
der Berufungskläger auch an der Berufungsverhandlung vor der I. Strafkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden vom 11. Juni 2014 fest (vgl. Plädoyer vom 
11. Juni 2014 [act. IV.4]). D._____ führte anlässlich seines untersuchungsrichterli-
chen Konfrontverhörs mit X._____ vom 13. November 2008 (vgl. act. V./4.9) aus, 
er könne nicht sagen, nach wie vielen Metern X._____ nach dem Fahrzeug von 
C._____ wieder auf die Normalspur zurückgelenkt habe. Weitere Angaben lassen 
sich aus den Akten nicht entnehmen. Es ist daher auf die Aussagen des Beru-
fungsklägers abzustellen, wonach sowohl der Abstand vom hinteren zum vorderen 
Fahrzeug zu Beginn des Überholmanövers als auch der Abstand zwischen den 
Fahrzeugen beim Wiedereinbiegen zehn Meter betrug. An dieser Feststellung än-
dert der Umstand nichts, dass X._____ gemäss seinen Aussagen erst gegen Mitte 
des Streckenabschnittes wieder auf die Normalspur eingebogen ist. 

c) Zu prüfen ist weiter, an welchem Punkt der Berufungskläger zum Überholen 
ansetzte respektive wann er das Überholmanöver begann. Diesbezüglich beste-
hen Widersprüche. Die Staatsanwaltschaft Graubünden geht gemäss Anklage-
schrift davon aus, dass X._____ rund 40 m nachdem die Strecke ausgangs der 
Kurve einsehbar wurde – und damit 180 m vor der nachfolgenden Kurve – zum 
Überholmanöver ansetzte. Für diese Annahmen stützte sie sich auf die Aussagen 
von D._____, der sich im Rahmen des untersuchungsrichterlichen Konfrontver-
hörs mit X._____ vom 13. November 2008 (vgl. act. V./4.9) und anlässlich des 
Augenscheins vom 13. November 2008 dahingehend äusserte, dass der Überhol-
beginn ca. 44 m nach dem Beginn der einsehbaren Geraden gewesen sei. Das 
Überholende sei bei ca. 140 m gewesen, womit der Überholweg 96 m betragen 
hätte (vgl. act. V./4.9 und 4.11). D._____ sagte weiter aus, dass sich X._____ und 
er beim kurz nach dem Vorfall erfolgten ersten Augenschein vom 6. Juni 2008 be-
züglich des Überholbeginns einig gewesen seien. Dieser habe sich im Bereich des 
Ausstellplatzes befunden, wie er dies eingezeichnet habe (vgl. act. V./4.9). Diese 
Ausführungen bestätigte der am Augenschein vom 13. November 2008 ebenso 
anwesende Polizist E._____ sowohl vor dem Untersuchungsrichteramt O.4_____ 
(vgl. act. V./4.10) als auch anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 8. Juni 

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2008 (vgl. act. V./4.5). X._____ führte demgegenüber aus, dass er mit dem von 
D._____ bezeichneten Beginn des Überholmanövers nicht einverstanden gewe-
sen sei. Er habe D._____ bereits unmittelbar nach dem Vorfall gesagt, dass, wenn 
er an dieser Stelle überholt hätte, er sicherlich nicht erst 30 oder 40 m, nachdem 
die Strecke frei überblickt werden konnte, mit dem Überholmanöver begonnen 
hätte, zumal kein Gegenverkehr geherrscht habe (vgl. act. V./4.9). Er habe nichts 
anerkannt, sondern einzig zu D._____ gesagt, dass, wenn er es so sage, es wohl 
stimmen würde. Sonst habe er nichts gesagt (vgl. act. V./4.10). Anlässlich seiner 
Einvernahme vor der Vorinstanz führte X._____ aus, dass die 44 m, welche 
D._____ erwähnt habe, eine grobe Schätzung seien und nicht stimmen würden. 
Seiner Meinung nach seien es eher 24 m als 44 m gewesen (vgl. act. V.2/3). Im 
Rahmen seines Schlusswortes anlässlich der Hauptverhandlung vor der I. Straf-
kammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 11. Juni 2014 führte der Beru-
fungskläger aus, dass die Aussage, er hätte das Überholmanöver erst nach 44 m 
begonnen, nicht zutreffe (vgl. act. IV.6). Die Vorinstanz stellte ihrerseits fest, dass 
der Punkt, an welchem X._____ den Überholvorgang eingeleitet und sein Fahr-
zeug beschleunigt habe, zwischen Null und 20 m ab erlangter Einsicht auf die Ge-
rade liege. Da der genaue Punkt nicht erstellt werden könne, sei zugunsten von 
X._____ davon auszugehen, dass er das Überholmanöver umgehend eingeleitet 
habe. Somit seien ihm für das Überholmanöver maximal 220 m zur Verfügung ge-
standen. Die Vorinstanz ging somit zu Gunsten des Berufungsklägers davon aus, 
dass er sein Überholmanöver beim Punkt Null begonnen hat.

d) Bevor nun die Stelle des Überholbeginns ermittelt wird, wird vorliegend zu-
erst die vom Berufungskläger zurückgelegte Überholstrecke bestimmt. Wie oben 
erwähnt, ist zu Gunsten des Berufungsklägers von einem Abstand zwischen den 
Fahrzeugen zu Beginn und am Ende des Überholmanövers von je 10 m auszuge-
hen. Dieser Abstand entspricht der Aus- und Einbiegestrecke beim Überholmanö-
ver. Die beiden Fahrzeuglängen können willkürfrei mit total 9 m eingesetzt wer-
den. Der Berufungskläger überholte C._____, welche mit einer Geschwindigkeit 
von 45 km/h unterwegs war, an der besagten Örtlichkeit mit einer durchschnittli-
chen Geschwindigkeit von 80 km/h. Die massgebende Differenzgeschwindigkeit 
der beiden Fahrzeuge beträgt somit 35 km/h (80 km/h – 45 km/h). Der Überhol-
weg besteht aus der Ausbiegestrecke, dem Parallelweg und der Einbiegestrecke. 
Er ist abhängig von den Längen und Geschwindigkeiten der beteiligten Fahrzeu-
ge. Die Länge des Überholwegs kann gemäss Giger annäherungsweise wie folgt 
berechnet werden (vgl. Hans Giger, Kommentar SVG, 8. Aufl., Zürich 2014, N. 10 
zu Art. 35): Überholweg = Durchschnittliche Geschwindigkeit des überholenden 

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Fahrzeuges x (Aus- + Einbiegestrecke in m + Länge des überholenden Fahrzeu-
ges + Länge des überholten Fahrzeuges) / (durchschnittliche Geschwindigkeit des 
überholenden Fahrzeuges in km/h – durchschnittliche Geschwindigkeit des über-
holten Fahrzeuges in km/h). Obwohl das Kantonsgericht von Graubünden bereits 
mehrfach festgestellt hat, dass sich die Giger-Formel in vieler Hinsicht als unge-
nau erweist, so kann mit ihr jedoch immerhin auf eine einfache Art und Weise ein 
Annährungswert berechnet werden, so dass dieser Wert durchaus im Sinne einer 
Richtschnur Anwendung finden kann. Dies rechtfertigt sich insbesondere, weil in 
den wenigsten Fällen der genaue Überholvorgang und damit der exakte Überhol-
weg für den fraglichen Zeitpunkt rekonstruiert und errechnet werden kann (vgl. 
dazu das Urteil des Kantonsgerichtsausschusses SB 02 42 vom 23. Januar 2003, 
S. 19 f; Urteil des Kantonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005). 
Schliesslich stützt sich auch der Berufungskläger im Rahmen seiner Berechnung 
des Überholweges auf diese Formel. Gestützt auf die oben gemachten Angaben 
resultiert somit ein Überholweg zu Gunsten des Berufungsklägers von 66.28 m [80 
x (10 + 10 + 4.5 + 4.5) / (80 – 45) = 66.28].

e) Der Berufungskläger führte mehrfach aus, dass er sein Überholmanöver auf 
halber Sichtdistanz hätte beenden können beziehungsweise beendet habe (vgl. 
act. IV.6; V./4.4; 4.7; 4.12). So sagte er bereits anlässlich seiner ersten polizeili-
chen Einvernahme vom 6. Juni 2008 (vgl. act. V./4.4) aus, dass er seines Erach-
tens mindestens auf halber Sichtdistanz wieder eingeschwenkt sei. Diese Aussa-
ge bestätigte er in den nachfolgenden Befragungen und an der Hauptverhandlung 
vom 11. Juni 2014 mehrfach (vgl. act. V./4.7; 4.12). D._____ führte anlässlich sei-
nes untersuchungsrichterlichen Konfrontverhörs mit X._____ vom 13. November 
2008 (vgl. act. V./4.9) aus, der Überholbeginn sei bei ca. 44 m und das Überho-
lende bei ca. 140 m gewesen. Auf die Frage hin, dass X._____ ausgesagt habe, 
er habe nach dem Überholmanöver nicht direkt auf die Normalspur zurückgelenkt, 
sondern das Überholmanöver erst einige Zeit später abgeschlossen, weil kein Ge-
genverkehr geherrscht habe, führte D._____ aus, dass ein solches Verhalten an-
gesichts der kurzen Überholstrecke und angesichts der schlecht überblickbaren 
Rechtskurve gar nicht möglich sei. Er müsse dabei aber mutmassen. Zudem kön-
ne er nicht beziffern, nach wie vielen Metern nach dem Fahrzeug von C._____ 
X._____ sein Fahrzeug auf die Normalspur zurückgelenkt habe. Dies sei aus sei-
nem Blinkwinkel schwer zu rekonstruieren. Auch wenn die Staatsanwaltschaft 
Graubünden zutreffend festhält, dass D._____ als erfahrener Verkehrspolizist im 
Beobachten und Beurteilen von Verkehrssituationen besonders geschult und er-
fahren ist, so kann vorliegend in Bezug auf das Wiedereinbiegen von X._____ 

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nicht auf seine Sachverhaltsschilderung abgestellt werden. D._____ machte zwar 
Angaben zum Ende des Überholmanövers, doch gilt es zu beachten, dass er zu 
dem Zeitpunkt, als X._____ die Kuppe befahren und freien Blick auf die Gerade 
hatte, die Sicht von D._____ auf diese Gerade noch nicht gegeben und damit ein-
geschränkt war. Hinzu kommt, dass ein Überholmanöver ein dynamischer Vor-
gang ist und die Distanzschätzung einzelner Punkte auch deswegen zusätzlich 
erschwert ist. D._____ führte selber aus, dass er in Bezug auf das Wiederein-
schwenken nach dem Überholmanöver nur mutmassen und die Distanz nicht be-
ziffern könne. Demgegenüber führte X._____ bereits in seiner ersten Einvernahme 
vom 6. Juni 2008 aus, sein Überholmanöver in etwa der Hälfte der überblickbaren 
Strecke beendet zu haben. Geht man nun gestützt auf die Angaben von X._____ 
davon aus, dass er sein Überholmanöver auf halber Sichtdistanz der Strecke und 
damit nach 110 m beendet hat und der Überholweg 66.28 m betrug, so liegt der 
Beginn des Überholmanövers nicht bei Null, sondern bei 43.72 m. Diese Feststel-
lung deckt sich in etwa mit derjenigen der Staatsanwaltschaft Graubünden, die 
den Beginn des Überholmanövers auf ca. 40 m, nachdem die Überholstrecke ein-
sehbar wurde, festsetzte. Die Feststellung der Vorinstanz, der Beginn des Über-
holmanövers liege bei Null, ist damit nicht haltbar. Weiter ist festzuhalten, dass der 
Berufungskläger den Einwand, der Überholbeginn sei bei Null festzusetzen, erst 
im Berufungsverfahren und nachdem die Vorinstanz erstmals diese Annahme traf, 
vorbrachte und sich darauf berief. Bis dahin ging offensichtlich auch der Beru-
fungskläger nicht davon aus, sein Überholmanöver bei Null begonnen zu haben. 
So führte er sogar noch anlässlich der Einvernahme vor der Vorinstanz vom 10. 
Januar 2014 (vgl. act. V.2/3) aus, dass der Beginn wohl eher bei 24 m als 44 m 
festzulegen sei. Würde man den Beginn des Überholmanövers bei Null ansetzen, 
würde dies ja bedeuten, dass der Berufungskläger unmittelbar bei der Kuppe nach 
der unübersichtlichen Rechtskurve zu Beginn der Geraden gewissermassen blitz-
artig ohne hinreichende Vergewisserung nach vorn auf die Gegenfahrbahn aus-
schwenkte. Dies kann nicht sein und wird nicht einmal vom Berufungskläger gel-
tend gemacht. Der Berufungskläger führte anlässlich seiner Einvernahme vom 10. 
Januar 2014 (vgl. act. V.2/3) aus, er habe auf der Geraden zu C._____ (wohl auf 
den Abstand von zehn Metern) aufgeschlossen, als er den Überblick gehabt habe 
und sie dann überholt. Indem sich der Berufungskläger auf der Kuppe nach dem 
Passieren der unübersichtlichen Rechtskurve zuerst einen Überblick über die 
nachfolgende gerade Strecke verschaffen musste, um allfällig entgegenkommen-
den Verkehr wahrzunehmen, bevor er überhaupt das Überholmanöver beginnen 
und auf die Gegenfahrbahn ausschwenken konnte, legte er logischerweise 
zwangsläufig noch eine gewisse Strecke über den Nullpunkt hinaus zurück. Damit 

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wird umso mehr augenscheinlich, dass X._____ das Überholmanöver bei ca. 40 m 
begonnen haben muss. Es ist nach diesen Ausführungen daher nicht willkürlich, 
wenn die Stelle, an der X._____ sein Überholmanöver mit dem Ausschwenken auf 
die Gegenfahrbahn begann, in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft 
Graubünden, bei 40 m festgesetzt wird. Aufgrund dieser Ausführungen steht eben-
falls in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft Graubünden fest, dass die für 
das Überholmanöver verfügbare überblickbare Strecke noch insgesamt 180 m 
betragen hat. 

Der Berufungskläger bringt vor, dass das Überholmanöver dann beginne, wenn 
das überholende Fahrzeug sein Tempo beschleunige, um das zu überholende 
Fahrzeug in der Absicht, es zu überholen, einzuholen beginne, nicht aber erst 
dort, wo das sich in Beschleunigung befindliche Fahrzeug auf die Überholspur 
ausschwenke. Mit dieser Argumentation versucht der Berufungskläger, den so-
eben festgestellten Beginn des Überholmanövers bei 40 m zurückzusetzen. Als 
Überholen wird der Verkehrsvorgang bezeichnet, bei welchem ein Fahrzeug an 
einem sich langsamer in gleicher Richtung bewegenden anderen Verkehrsteil-
nehmer links- oder rechtsseitig vorfährt und vor diesem die Fahrt fortsetzt (vgl. 
BGE 101 IV 73; 114 IV 55 E. 1 mit Hinweisen). Die Bewegung des Aus- und Wie-
dereinbiegens gehört nicht notwendig zum Begriff des Überholens. Muss vorgän-
gig ausgeschwenkt werden, beginnt das unter Art. 35 SVG fallende Manöver, 
wenn der Überholende seine ursprüngliche Spur zum Zwecke des Vorfahrens ver-
lässt. Das Überholmanöver beginnt somit, wer in der Absicht, einem anderen vor-
zufahren, auf die neben diesem verlaufende Fahrbahn ausbiegt und ihn einzuho-
len beginnt (vgl. Hans Giger, a.a.O., N. 7 zu Art. 35; BGE 124 IV 219 E. 3a und 
sinngemäss Urteil des Bundesgerichts 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013, E. 1.3; wei-
ter René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrsrechts, 
Band I, 2. Aufl., Bern 2002, N. 711 und BGE 101 IV 72 ff.). Der Berufungskläger 
hatte gemäss seinen eigenen Aussagen anlässlich der Einvernahme vor der I. 
Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 11. Juni 2014 klar die 
Absicht, C._____ bei der nächsten ihm bietenden Gelegenheit zu überholen. Es 
war somit nicht so, dass er sich, nachdem er die mehrfach genannte Kuppe pas-
siert hatte, C._____ spontan näherte, um sodann auf die linke Strassenseite aus-
zuschwenken, um die zum Überholen nötige Strecke zu überblicken und die Sicht- 
und Verkehrsverhältnisse abklären zu können, womit das eigentliche Überholen 
erst vorbereitet, aber noch nicht begonnen worden wäre (vgl. BGE 102 IV 113 f. 
und René Schaffhauser, a.a.O., N. 710). Dafür wäre die Strecke mit einer Länge 
von 220 m auch viel zu kurz gewesen. Das Überholmanöver begann in abwei-

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chender Meinung zum Berufungskläger im vorliegenden Fall somit nicht dann, als 
er sein Fahrzeug beschleunigte, sondern zu dem Zeitpunkt, als er seine ursprüng-
liche Spur zum Zwecke des Vorfahrens verliess. Dies war vorliegend nach 40 m 
nach erlangter Einsicht auf die Gerade und Prüfung derselben der Fall. Es trifft 
zwar zu, dass weder das Ausschwenken noch das Wiedereinbiegen eine notwen-
dige Voraussetzung des Überholens bilden. Die dazu vom Berufungskläger ange-
führten BGE 114 IV 55 und 115 IV 244 standen aber jeweils mit einem unzulässi-
gen Rechtsüberholen einer stockenden Fahrzeugkolonne bei dichtem parallelem 
Verkehr auf der Autobahn im Zusammenhang und die Urteile können daher nicht 
auf das vorliegende Überholmanöver von X._____ übernommen werden, da die-
ser, um zu Überholen, eben gerade auf die Gegenfahrbahn ausschwenken muss-
te. 

12. Es ist somit für die I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
erstellt, dass der Berufungskläger unmittelbar vor seinem Überholmanöver mit 
einem Abstand von zehn Meter hinter C._____ mit einer Geschwindigkeit von 45 
km/h fuhr, er sein Überholmanöver 40 m nach der Kuppe begann, ihm für das 
Überholmanöver eine freie und überblickbare Strecke von 180 m zur Verfügung 
stand und er für das mit 80 km/h ausgeführte Überholmanöver 66.28 m benötigte. 
Es stellt sich somit die Frage, ob die für das Überholmanöver noch zur Verfügung 
gestandene Strecke von 180 m für ein verkehrsregelkonformes Überholmanöver 
ausreichte beziehungsweise übersichtlich und frei genug war oder ob X._____ mit 
seinem Verhalten gegen Art. 35 Abs. 2 SVG verstossen hat.

13. Das Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen ist gemäss Art. 35 Abs. 2 
SVG nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Ge-
genverkehr nicht behindert wird. Frei ist der nötige Raum, wenn er frei von Hin-
dernissen ist und mit dem Auftauchen von solchen auch nicht gerechnet werden 
muss (vgl. René Schaffhauser, a.a.O., N. 722). Ein korrekt durchgeführtes Über-
holmanöver setzt somit unter anderem voraus, dass die Gegenfahrbahn über die 
eigentliche Überholstrecke hinaus frei überblickbar ist und in diesem Bereich auch 
kein Fahrzeug entgegen fährt. Konkret bedeutet dies, dass nicht nur die für den 
Überholvorgang benötigte Wegstrecke übersichtlich und frei sein muss, sondern 
zusätzlich auch jene, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu diesem Punkt 
zurücklegt oder zurücklegen könnte, wo der Überholende die linke Strassenseite 
wieder freigibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 
1.1). Das Überholmanöver muss soweit vor diesem Punkt beendet sein, dass ein 
während des Überholvorgangs allenfalls auf der Gegenfahrbahn auftauchendes 
Fahrzeug seinen Weg unter Einhaltung einer angemessenen Geschwindigkeit 

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fortsetzen kann, ohne gefährdet zu werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_272/2010 vom 9. Juli 2010 E. 4; BGE 121 IV 235 E. 1b; BGE 109 IV 134 E. 2; 
Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Bundesge-
richtspraxis, Zürich 2011, N. 11 zu Art. 35). Dabei muss derjenige, der überholt, 
berücksichtigen, dass ein Fahrzeug mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 
entgegen kommen könnte, wobei allenfalls damit gerechnet werden muss, dass 
diese Höchstgeschwindigkeit leicht überschritten wird, ausserorts allenfalls bis 90 
km/h (vgl. dazu sinngemäss BGE 118 IV 277, E. 5). Erkennt der Überholende 
während des Überholmanövers, dass er es nicht gefahrlos zu Ende fahren kann, 
so ist er verpflichtet, das Manöver abzubrechen und sich hinter dem zu Überho-
lenden in den Verkehr einzuordnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 
vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1; 6B_508/2012 vom 3. Mai 2013 E. 1.1). Der Überho-
lende muss aber von Anfang an die Gewissheit haben, sein Überholmanöver si-
cher und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können, das heisst, er muss 
sich vergewissern, dass die gesetzlichen Voraussetzungen in dem Zeitpunkt erfüllt 
sind, wo er zum Überholen ansetzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1209/2013 
vom 26. Juni 2014 E. 1.1.1). Wer keine Gewissheit hat, bevor er das Überhol-
manöver einleitet, gefahrlos vor dem Ende des für ihn sichtbaren Raums wieder 
einbiegen zu können, verletzt somit Art. 35 Abs. 2 SVG (vgl. BGE 129 IV 155 E. 
3.2.1; PKG 1997 Nr. 24 mit weiteren Hinweisen; Philippe Weissenberger, a.a.O., 
N. 17 zu Art. 35 SVG; René Schaffhauser, a.a.O., N. 551). Weiter ist beim Been-
den des Überholvorgangs ein Sicherheitsabstand sowohl gegenüber dem überhol-
ten Fahrzeug als auch gegenüber dem allenfalls entgegenkommenden Fahrzeug 
einzuhalten. Was den Abstand zum entgegenkommenden Fahrzeug betrifft, hat 
das Kantonsgericht von Graubünden in Anlehnung an Jürg Boll wiederholt ausge-
führt, dass ein Sicherheitsabstand von mindestens 2 Sekunden einzuhalten ist. So 
führte der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden in seinem Urteil SB 02 45 vom 
23. Januar 2003 in E. 4 und 5 mit überzeugender Begründung aus, dass ein Ab-
stand von zwei Sekunden der Sache angemessen sei (Rechtsprechung bestätigt 
mit Urteil des Kantonsgerichtsausschusses SB 04 41 vom 13. April 2005 E. 7b; 
sodann auch Urteil der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 
14. März 2012 SK1 11 39 E. 7b; vgl. auch Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverlet-
zung, Davos 1999, S. 84). Es wird somit verlangt, dass zwischen dem Zeitpunkt 
des Wiedereinbiegens nach dem Überholmanöver und dem Kreuzen eines (allfäl-
lig) entgegenkommenden Fahrzeuges eine gewisse Sicherheitsmarge bestehen 
muss, damit nicht die Gefahr droht, dass der (allfällig) entgegenfahrende Fahr-
zeuglenker sich aufgrund einer drohenden Frontalkollision falsch verhalten und 
dadurch einen Unfall verursachen könnte. Es ist vorliegend kein Grund ersichtlich, 

Seite  31 — 41

von dieser Rechtsprechung abzuweichen. Die Sicherheitsmarge von 2 Sekunden 
wird denn auch vom Berufungskläger anerkannt (vgl. Plädoyer vom 11. Juni 2014, 
S. 10 [act. IV.4]). 

14. Werden die soeben gemachten Ausführungen auf den vorliegend zu beur-
teilenden Sachverhalt zur Anwendung gebracht, ergibt sich Folgendes: Geht man 
davon aus, dass X._____ die vor ihm fahrende C._____ mit einer Geschwindigkeit 
von 80 km/h überholte, so legte er in zwei Sekunden 44 m zurück. Für ein entge-
genkommendes Fahrzeug darf vorliegend ohne weiteres eine Geschwindigkeit 
von 80 km/h angenommen werden, da mit solchen Geschwindigkeiten, wie oben 
festgestellt, ausserorts gerechnet werden muss. Dies vorliegend umso mehr, als 
auf der 220 m langen und übersichtlichen Strecke bei optimalen Sicht- und Stras-
senverhältnissen, wie sie im vorliegenden Fall unbestrittenermassen herrschten, 
problemlos mit 80 km/h gefahren werden kann. Davon geht auch der Berufungs-
kläger selber aus (vgl. Plädoyerreplik vom 11. Juni 2014 [act. IV.4], Ziff. 3., S. 2). 
Ein entgegenkommendes Fahrzeug hätte daher mit 80 km/h in 2 Sekunden eben-
falls 44 m zurückgelegt. Somit würden die beiden Fahrzeuge in den zwei Sekun-
den zusammen 88 m zurückgelegen. Diese Strecke von 88 m ist nun als reine 
Sicherheitsdistanz von der noch zur Verfügung stehenden Überholstrecke von 180 
m in Abzug zu bringen. Damit steht bereits fest, dass die X._____ zur Verfügung 
gestandene Strecke von 180 m nicht ausreichend frei und überblickbar war. Es 
fehlten rund 40 m. Um verkehrsregelkonform überholen zu können, hätte für 
X._____ zu Beginn des Überholmanövers 40 m nach dem Passieren der Kuppe 
noch eine Strecke von mindestens 220 m sicher überblickbar und frei sein müs-
sen; diese für das Überholmanöver notwendige freie und überblickbare Strecke 
setzt sich zusammen aus seinem eigenen Überholweg von ca. 66 m, dem Weg, 
den ein entgegenkommendes Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h in 
dieser Zeit zurückgelegt hätte, nämlich ebenfalls ca. 66 m, sowie dem Sicher-
heitsabstand gegenüber dem herannahenden Fahrzeug von 88 m. X._____ hat 
daher in objektiver Hinsicht gegen Art. 35 Abs. 2 SVG verstossen. Doch selbst 
wenn der Beginn des Überholmanövers, wie X._____ selbst ausführte, bei 24 m 
angesetzt würde (vgl. act. V.2/3), wäre die Strecke von dann 196 m nicht ausrei-
chend überblickbar und frei gewesen. Es ist somit unabhängig vom genauen Be-
ginn des Überholmanövers (nach rund 40 m oder rund 24 m) erstellt, dass 
X._____ mit seinem Überholmanöver in jedem Fall objektiv gegen Art. 35 Abs. 2 
SVG verstossen hat. Da X._____ bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit ohne weite-
res hätte bemerken müssen, dass die ihm für das Überholmanöver zur Verfügung 
gestandene Strecke nicht genügend überblickbar und frei gewesen ist, ist ihm zu-

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mindest Fahrlässigkeit vorzuwerfen, weshalb der Tatbestand von Art. 35 Abs. 2 
SVG auch in subjektiver Hinsicht zweifellos erfüllt ist. Das Überholen erfordert er-
höhte Vorsicht und Rücksichtnahme. Es muss jederzeit damit gerechnet werden, 
dass plötzlich ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 80 oder sogar 90 km/h 
herannahen könnte. Insofern der Berufungskläger vorbringt, er hätte das Über-
holmanöver bei auftauchendem Gegenverkehr gefahrlos abbrechen können, ist 
festzuhalten, dass dieser Einwand unbehilflich ist. X._____ hätte gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung in dem Moment, als er das Überholmanöver begon-
nen hatte, die Gewissheit haben müssen, dass die Voraussetzungen für ein ge-
fahrloses Überholmanöver gegeben waren (vgl. dazu auch das Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1209/2013 vom 26. Juni 2014 E. 1.3.2). Dies war, wie vorliegend nun 
aufgezeigt, eben gerade nicht der Fall. Es kann nicht einfach zum Überholen an-
gesetzt werden, ohne dass die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, weil 
darauf vertraut wird, dass das Überholmanöver bei allfällig herannahendem Ge-
genverkehr abgebrochen werden kann. 

15. a) Ist erstellt, dass die verfügbare Strecke nicht übersichtlich und frei genug für 
ein verkehrsregelkonformes Überholmanöver war und X._____ gegen Art. 35 Abs. 
2 SVG verstossen hat, ist nun die Frage zu prüfen, ob der Berufungskläger den 
Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 aSVG erfüllt hat. Gemäss dieser Bestimmung wird, 
wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Si-
cherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-
ren oder mit Geldstrafe bestraft. Der qualifizierte Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 
aSVG ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objek-
tiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Ei-
ne ernstliche Gefährdung für die Sicherheit anderer ist nicht erst bei einer konkre-
ten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben (vgl. BGE 
130 IV 32 E. 5.1; 123 IV 88 E. 3a, je mit Hinweisen). Objektiv grob ist ein Verstoss 
gegen die Verkehrsregeln immer dann, wenn eine wichtige Verkehrsvorschrift in 
gravierender Weise betroffen ist, das heisst, wenn der Verstoss nach den konkre-
ten Umständen als schwerwiegend bezeichnet werden muss (vgl. PKG 1989 Nr. 
39 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Ob eine konkrete, 
eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, hängt von 
der Situation ab, in welcher die Verkehrsregelverletzung begangen wird. Wesentli-
ches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der 
Verwirklichung (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2). Die allgemeine Möglichkeit der Ver-
wirklichung einer Gefahr genügt demnach nur zur Erfüllung des Tatbestands von 
Art. 90 Ziff. 2 aSVG, wenn in Anbetracht der Umstände des Einzelfalles – Tages-

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zeit, Verkehrsdichte, Sichtverhältnisse – der Eintritt einer konkreten Gefährdung 
oder gar eine Verletzung nahe liegt (vgl. BGE 123 IV 88 E. 3a; BGE 118 IV 285 E. 
3a). 

Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 aSVG nach der Rechtspre-
chung ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, 
das heisst ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe 
Fahrlässigkeit (vgl. BGE 130 IV 32 E. 5.1; BGE 126 IV 192 E. 3; BGE 123 IV 88 E. 
2a und E. 4a). Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefähr-
lichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kann 
aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 
pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst fahrlässig gehandelt 
hat (vgl. BGE 130 IV 32 E. 5.1 mit Hinweis; BGE 126 IV 192 E. 3; BGE 106 IV 49). 
In solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn das Nichtbedenken 
der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht (vgl. 
BGE 118 IV 285 E. 4 mit Hinweisen). Rücksichtslosigkeit ist unter anderem ein 
bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in 
einem blossen (momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen 
bestehen (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2; BGE 130 IV 40; BGE 106 IV 49 f.; Urteile 
des Bundesgerichts 6B_616/2010 vom 19. Oktober 2010 E. 3.1; 6S.11/2002 vom 
20. März 2002 und 6S.56/1994 vom 11. April 1994 sowie 6S.100/2004 vom 29. 
Juli 2004). 

b) Das Überholen gehört – insbesondere auf Strassen mit Gegenverkehr – zu 
den gefährlichsten Fahrmanövern überhaupt und ist deshalb nur gestattet, wenn 
keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden. Die Regeln 
über das Überholen bezwecken, die damit verbundenen Risiken zu minimieren. 
Wer sich über diese Normen hinwegsetzt, handelt den Verkehrsvorschriften 
grundsätzlich in grober Weise zuwider. Der von X._____ missachtete Art. 35 Abs. 
2 SVG ist deshalb eine für die Gewährleistung der Sicherheit im Strassenverkehr 
wichtige Bestimmung (vgl. BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; BGE 121 IV 235 E. 1 c; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_616/2010 vom 19. Oktober 2010 E. 3.2.2 und Philippe 
Weissenberger, a.a.O., N. 69 zu Art. 90 SVG). X._____ hat diese wichtige Ver-
kehrsregel offensichtlich in objektiv schwerwiegender Weise missachtet. Wie be-
reits festgestellt, hätte für ein verkehrsregelkonformes Überholen eine Strecke von 
mindestens 220 m überblickbar und frei sein müssen. Die dem Berufungskläger 
zur Verfügung gestandene Strecke von 180 m oder allenfalls 196 m genügte vor-
liegend nicht, um ein für andere Verkehrsteilnehmer gefahrloses Überholen zu 
garantieren, denn es konnte jederzeit aus dem nicht einsehbaren Streckenteil 

Seite  34 — 41

überraschend ein Fahrzeug auftauchen, was die nahe Möglichkeit einer konkreten 
Gefährdung oder gar einer Verletzung – das heisst einer Kollision mit dem entge-
genkommenden Fahrzeug – in sich geschlossen hätte. X._____ setzte also eine 
erhöhte abstrakte Gefahr und damit die naheliegende Möglichkeit einer konkreten 
Gefährdung der Verkehrssicherheit. Die festgestellte objektive Schwere der Tat ist 
nun ein Indiz dafür, dass X._____ auch subjektiv ein schweres Verschulden trifft 
(vgl. BGE 126 IV 192 E. 3; BGE 118 IV 285 E. 4). Je schwerer die Verkehrsregel-
verletzung objektiv wiegt, desto eher wird die Rücksichtslosigkeit zu bejahen sein, 
sofern nicht besondere Indizien dagegen sprechen. X._____ führte anlässlich der 
Einvernahme vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 
11. Juni 2014 aus, er habe den Überholvorgang aus seiner Sicht problem- und 
reibungslos abschliessen können. Er habe dem Überholvorgang gar keine Beach-
tung geschenkt und er habe sein Fahrzeug, obwohl er das Überholmanöver be-
reits in halber Sichtdistanz beendet hatte und problemlos wieder auf die Normal-
spur hätte zurücklenken können, etwas länger auf der Überholspur ausrollen las-
sen, weil kein Gegenverkehr geherrscht habe. Es sei insgesamt ein reibungsloser 
und normaler Überholvorgang gewesen. X._____ war sich anscheinend der poten-
tiellen Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer gar nicht bewusst. Seine Aus-
führungen lassen darauf schliessen, dass er zu keinem Zeitpunkt seines Überhol-
manövers daran gedacht hat, dass er durch sein Verhalten ein entgegenkommen-
des Fahrzeug gefährden könnte. Er hat in grobfahrlässiger Weise nicht in Betracht 
gezogen, mit seinem Überholmanöver die Verkehrssicherheit anderer ernsthaft zu 
gefährden, womit er zweifelsfrei auch den subjektiven Tatbestand von Art. 90 Ziff. 
2 aSVG erfüllt hat. Damit ist X._____ wegen grober Verletzung von Verkehrsre-
geln gemäss Art. 90 Ziff. 2 aSVG zu verurteilen. 

16. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Berufungskläger eine wichtige 
Verkehrsbestimmung in objektiv grober Weise missachtete und die Verkehrssi-
cherheit ernstlich gefährdete. Er handelte zudem rücksichtslos, indem er die all-
gemeine Gefährlichkeit seines verkehrsregelwidrigen Manövers nicht bedachte. 
Der Berufungskläger vermag nichts vorzubringen, was für den beantragten Frei-
spruch sprechen könnte. Somit hat sich X._____ eine grobe Verkehrsregelverlet-
zung gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 aSVG zuschul-
den kommen lassen. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist daher zu bestätigen. Da 
aber, wie bereits oben in Erwägung 8. ausgeführt, die vorliegende Verkehrsregel-
verletzung vor Inkrafttreten der modifizierten SVG-Bestimmungen vom 1. Januar 
2013 begangen worden ist, ist die Ziffer. 1 des angefochtenen Urteils vom 10. Ja-
nuar 2014 aufzuheben und dahingehend neu zu formulieren.

Seite  35 — 41

17. Der Verteidiger von X._____ hat sich in seinem Plädoyer zur Strafzumes-
sung durch die Vorinstanz nicht geäussert für den Fall, dass der vorliegenden Be-
rufung kein Erfolg beschieden sein sollte. Da X._____ jedoch auch die Aufhebung 
der Ziffern 2. und 3. des vorinstanzlichen Urteils (beinhaltend die ausgesprochene 
Strafe) beantragt hat, womit er zu erkennen gegeben hat, dass er auch die vorin-
stanzliche Strafzumessung überprüft haben möchte, und der Strafpunkt neben der 
Schuldfrage wesentliches Element des Strafurteils bildet, rechtfertigt es sich im 
vorliegenden Fall nicht zuletzt auch wegen der festgestellten Verletzung des Be-
schleunigungsgebotes, die vorinstanzliche Strafzumessung einer Prüfung zu un-
terziehen. 

a) Gemäss Art. 47 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) 
misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Unter dem Be-
griff des Verschuldens ist das Mass an Vorwerfbarkeit des Rechtsbruchs zu ver-
stehen; der Begriff bezieht sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der 
Straftat (vgl. BGE 134 IV 1 E. 5.3.3 mit Hinweis) und ist damit das wesentliche 
Strafzumessungskriterium (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a). Die Bewertung des Ver-
schuldens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahingehend präzisiert, dass dieses nach 
der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach 
der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters so-
wie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Ne-
ben dem Verschulden hat der Richter jedoch auch das Vorleben, die persönlichen 
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berück-
sichtigen (vgl. Art. 47 Abs. 1 StGB). Analog Art. 48 lit. e StGB wirkt der Ablauf ei-
ner erheblichen Zeitspanne nach der Tat strafmindernd (vgl. BGE 102 IV 209). Die 
Verletzung des Beschleunigungsgebotes muss ebenfalls im Rahmen von Art. 47 
StGB strafmindernd berücksichtigt werden (vgl. dazu unten E. 17. c) und BGE 130 
IV 55; Stefan Trechsel/Heidi Affolter-Eijsten, in: Stefan Trechsel/Mark Pieth 
[Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, 
N. 25 zu Art. 47 und N. 24 zu Art. 48 [zit. Praxiskommentar zum StGB]; Hans Wi-
prächtiger/Stefan Keller, in: Marcel Alexander Niggli/Hans Wiprächtiger [Hrsg.], 
Strafrecht I, Art. 1-110 StGB, 3. Aufl., Basel 2013, N. 43 zu Art. 48). 

b) Das Verschulden von X._____ darf nicht bagatellisiert werden. Durch sein 
Verhalten hat er eine Situation geschaffen, die nur durch Zufall, nämlich den von 
X._____ nicht beeinflussbaren Umstand, dass kein Gegenverkehr nahte, nicht in 
eine konkrete Gefährdung oder gar einen Unfall gemündet hat. Es wäre dem Be-
rufungskläger ohne weiteres möglich gewesen, hinter dem von C._____ gelenkten 

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Fahrzeug herzufahren und eine andere Gelegenheit für ein Überholmanöver mit 
einer genügend freien und überblickbaren Strecke abzuwarten. Es ist im Weiteren 
kein Grund ersichtlich, der sein Verhalten in einem günstigeren Licht erscheinen 
lassen würde. Entgegen den Ausführungen im angefochtenen Urteil wirkt der un-
getrübte automobilistische Leumund nicht zu Gunsten von X._____, da grundsätz-
lich von den Rechtsunterworfenen erwartet werden darf, dass sie sich an die Ge-
setze halten und vorliegend kein Grund ersichtlich ist, welcher den ungetrübten 
automobilistischen Leumund zu einer besonders zu honorierenden Leistung ma-
chen würde (vgl. BGE 136 IV 1). Straferhöhende und strafschärfende Gründe sind 
keine ersichtlich. Erheblich strafmindernd wirken sich im vorliegenden Berufungs-
verfahren der Ablauf einer Zeitspanne von über sechs Jahren nach der Tat und 
vor allem die festgestellte Verletzung des Beschleunigungsgebotes durch die Vor-
instanz aus. Die Vorinstanz selber hätte den Umstand des langen Zeitablaufs 
nach der Tat bereits strafmindernd berücksichtigen müssen, was sie aber nicht 
getan hat. Folge dessen wäre die von ihr ausgesprochene Geldstrafe von 20 Ta-
gessätzen zu je Fr. 260.00 zu reduzieren und die I. Strafkammer des Kantonsge-
richts von Graubünden müsste unter besonderer Berücksichtigung der strafmin-
dernden Gründe die Geldstrafe neu festlegen. Da nun aber im Rahmen der noch 
vorzunehmenden Strafmilderung gemäss Art. 48 lit. e StGB auf das Aussprechen 
einer Geldstrafe verzichtet wird, erübrigt es sich vorliegend, diese neu festzuset-
zen. 

c) Das Gericht muss gemäss Art. 48 lit. e StGB die Strafe mildern, wenn das 
Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert 
ist und der Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Verhältnismässig lange Zeit 
im Sinne dieser Bestimmung ist grundsätzlich dann verstrichen, wenn zwei Drittel 
der Verfolgungsverjährungsfrist abgelaufen sind. Ob die Strafverfolgung der Ver-
jährung zu zwei Dritteln nahe ist, entscheidet sich im Zeitpunkt der Ausfällung des 
Sachurteils. Da der Berufung Suspensivwirkung zukommt, ist der Zeitpunkt der 
oberinstanzlichen Beurteilung massgebend (vgl. sinngemäss BGE 115 IV 96 und 
Art. 402 StPO; Stefan Trechsel/Heidi Affolter-Eijsten, in: Praxiskommentar zum 
StGB, a.a.O., N. 24 zu Art. 48). Der Strafmilderungsgrund ist in jedem Fall zu be-
achten, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind. Die Verletzung des 
prozessualen Beschleunigungsgebotes beansprucht neben Art. 48 lit. e StGB 
selbständige Bedeutung. Sie ist, wie bereits oben erwähnt, im Rahmen von Art. 47 
StGB strafmindernd zu berücksichtigen (vgl. BGE 132 IV 1; Urteil des Bundesge-
richts 6B_14/2009 vom 11. Juni 2009 E. 2.