# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 921d0bf0-8af0-5c94-83eb-fc8b256ff7a5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.05.2010 D-3195/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3195-2010_2010-05-14.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3195/2010
law/joc/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A.________, geboren (...),
Somalia,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 29. April 2010 / N (...),

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3195/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  aus  Z._______  stammender 
Somalier – gemäss eigenen Angaben am 30. September 2009 illegal in 
die Schweiz  gelangte,  wo er  am 2. Oktober  2009 im  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) X._______ um Asyl nachsuchte,

dass das BFM im EVZ am 7. Oktober 2009 die Personalien des Be-
schwerdeführers  erhob und ihn summarisch zum Reiseweg sowie zu 
den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes befragte,

dass er dabei unter anderem erklärte, er sei im März 2009 von Libyen 
mit  einem Boot nach Italien gelangt,  wo er bis am 6. August 2009 in 
einem Flüchtlingslager in Kalabrien untergebracht gewesen sei, 

dass  er  dieses  Lager  indessen  nach  Erteilung  einer  Aufenthalts-
bewilligung durch die italienischen Behörden habe verlassen müssen, 
daher nach Rom gefahren sei, wo er ohne Unterkunft gewesen sei und 
Hunger gelitten habe, weshalb er schliesslich am 29. September 2009 
nach Milano und von dort am 30. September 2009 in die Schweiz ge-
langt sei, wo er über eine Tante väterlicherseits verfüge,

dass das BFM dem Beschwerdeführer – im Beisein einer Vertreterin der 
kantonalen Vormundschaftsbehörde – am 27. Oktober 2009 das recht-
liche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien gewährte, 

dass  der  Beschwerdeführer  erklärte,  nach  Erhalt  Aufenthalts-
bewilligung habe man ihn in einen Zug nach Rom gesetzt, wo er sich 
selber  habe  durchschlagen  müssen,  weshalb  er  nicht  nach  Italien 
zurück wolle, da er dort keine Unterkunft hätte, Hunger leiden müsste 
und zudem auch über keine Arbeitsmöglichkeiten verfügen würde, 

dass dem – eigenen Angaben zufolge – minderjährigen Beschwerde-
führer  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  in  Anwendung  von 
Art. 17  Abs.  3  Bst.  c  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) i.V.m. Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV  1,  SR 142.311)  am 4. November 
2009 eine Vertrauensperson beigeordnet wurde, 

dass  das  BFM  die  zuständigen  italienischen  Behörden  am 
25. November 2009 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO (Ver-

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ordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung 
von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für 
die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitglied-
staat gestellten Asylantrags zuständig ist) um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers ersuchte, 

dass das BFM den italienischen Behörden am 23. Dezember 2009 mit-
teilte, in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO sei Italien für 
die Prüfung des Asylantrages des Beschwerdeführers zuständig, 

dass das BFM mit Verfügung vom 29. März April 2010 in Anwendung 
von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerde-
führers  vom 2. Oktober  2009 nicht  eintrat,  die  Wegweisung aus der 
Schweiz verfügte, den Beschwerdeführer aufforderte, die Schweiz bis 
spätestens nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den Kanton 
B._______ mit  dem Vollzug der  Wegweisung beauftragte,  feststellte, 
einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu, 
und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss 
Aktenverzeichnis aushändigte, 

dass der Beschwerdeführer mit  – am darauffolgenden Tag per Telefax 
übermittelten  – Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  4. Mai  2010 
(Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerde  erheben  und  dabei  beantragen  liess,  die  an-
gefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  ihm  in  der  Schweiz  ein 
Bleiberecht zu gewähren, 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht sinngemäss um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021) ersuchen liess, 

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 5. Mai 2010 den 
Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  einer 
vorsorglichen Massnahme (Art. 56 VwVG) aussetzte,

und zieht in Erwägung,

dass das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM 

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entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungs-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]); Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer,  stellt  man  auf  seine  vom BFM nicht  in 
Zweifel gezogenen Angaben zum Alter ([...] [vgl. act. A/5 S. 1)] ab, als 
Minderjähriger zu betrachten ist, 

dass  das  Einreichen  eines  Asylgesuchs  sowie  das  Ergreifen  von  in 
diesem Kontext stehenden Rechtsmitteln höchstpersönliche Rechte im 
Sinne von Art. 19 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 
10. Dezember  1907  (ZGB,  SR  210)  darstellen,  welche  ein  urteils-
fähiger Unmündiger auch ohne Zustimmung seines gesetzlichen Ver-
treters auszuüben vermag  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1996  Nr. 3  E.  2 
S. 19 ff.),

dass sich aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte ergeben, welche An-
lass zu Zweifeln an der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers geben 
würden, weshalb von seiner Prozessfähigkeit auszugehen ist,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass  auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzu-
treten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und 52 Abs. 1 VwVG),

dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens,  die  unrichtige  oder 
unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  ent-
schieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie 
nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Be-

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schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 
AsylG),

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  bei  unbegleiteten  minderjährigen  Asylsuchenden  gemäss 
Art. 53a  AsylV 1  eine  erstinstanzliche  Verfügung  sowohl  der  Ver-
trauensperson  als  auch  der  unbegleiteten  minderjährigen  asyl-
suchenden  Person  zu  eröffnen  ist,  sofern  letztere  nicht  über  einen 
Vormund, einen Beistand oder über eine Rechtsvertretung verfügt,

dass  in  einem  solchen  Fall  die  Beschwerdefrist  mit  dem  auf  die 
spätere Eröffnung dieser Verfügung folgenden Tag zu laufen beginnt 
(vgl. Art. 53a AsylV 1 letzter Satz), 

dass dem Beschwerdeführer durch die zuständige kantonale Behörde 
am 4. November 2009 eine Vertrauensperson beigeordnet wurde (vgl. 
A/13), die angefochtene Verfügung an diese adressiert (vgl. A/22 S. 1) 
und gemäss deren Angaben auf Beschwerdeebene am 30. April 2010 
eröffnet  wurde,  was  durch  den  am  12.  Mai  2010  zu  den  Akten 
gelangten Rückschein bestätigt wird,

dass  hingegen  dem  minderjährigen  Beschwerdeführer  gegenüber 
keine eigentliche Eröffnung der Verfügung durch das BFM erfolgte, und 
aus den Akten auch nicht ersichtlich ist, ob dieser über einen Rechts-
vertreter  verfügte  oder  ihm formell  ein  Beistand  oder  ein   Vormund 
beigeordnet wurde, 

dass  demnach  davon  auszugehen  ist,  die  Verfügung  sei  dem  Be-
schwerdeführer durch das BFM nicht entsprechend der Formvorschrift 
von Art. 53a AsylV 1 eröffnet worden,

dass  gemäss  Angaben  der  Vertrauensperson  bzw.  des  Rechtsver-
treters  in  der  Beschwerde  dem  Beschwerdeführer  die  angefochtene 
Verfügung am 4. Mai 2010 mittels eines amtlichen Dolmetschers ein-

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gehend erläutert  wurde und die Vertrauensperson auf ausdrücklichen 
Wunsch des Beschwerdeführers Beschwerde erhob, 

dass somit der Beschwerdeführer ab dem 4. Mai 2010 sichere Kennt-
nis vom Inhalt  der angefochtenen Verfügung hatte und  mittels seiner 
Vertrauensperson  noch  am  gleichen  Tag  und  innert  laufender 
Rechtsmittelfrist Beschwerde erheben konnte,

dass deshalb dem Beschwerdeführer durch die mangelhafte Eröffnung 
der Verfügung kein Nachteil erwachsen ist (Art. 38 VwVG),

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass gestützt auf die einleitenden Bestimmungen sowie Art. 1 Abs. 1 
DAA  (Dublin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68)  i.V.m. 
Art. 29a  Abs.  1  AsylV 1)  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zu-
ständigkeit zur Behandlung eines Asylgesuches nach den Kriterien der 
Dublin-II-VO zu erfolgen hat, 

dass Art. 34 Abs. 2 Bst. d  AsylG im Weiteren voraussetzt,  dass der 
staatsvertraglich  zuständige  Staat  einer  Übernahme  der  asyl-
suchenden Person zugestimmt hat (vgl. Art. 29a Abs. 2 AsylV 1),

dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-II-VO die Mitgliedstaaten jeden Asyl-
antrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im 
Hoheitsgebiets  eines  Mitgliedstaates  stellt,  wobei  der  Antrag  von 
einem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des 
Kapitels III Dublin-II-VO als zuständiger Staat bestimmt wird, 

dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates 
eingeleitet wird, sobald ein Asylantrag erstmals in einem Mitgliedstaat 
gestellt wurde (Art. 4 Abs. 1 Dublin-II-VO), wobei die Kriterien in der in 
Kapitel III der Dublin-II-VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5-14 Dublin-
II-VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem 
der Asylbewerber erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat stellt, 
auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin-II-VO), 

dass sich den Akten entnehmen lässt, dass der Beschwerdeführer in 
D._______  (Italien)  am 23.  März  und  in  E._______  (Italien)  am 16. 

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April 2009 daktyloskopisch registriert wurde und dort bereits um Asyl 
ersucht hatte (vgl. act. A/4 S. 1 und 3 f., act. A/10 S. 1), 

dass somit die erste Asylantragsstellung i. S. von Art. 4 Abs. 1 Dublin-
II-VO in Italien erfolgte, weshalb dieses Land den Asylantrag zu prüfen 
hat, 

dass damit das Zuständigkeitsprüfungsverfahren im Sinne des Kapitels 
III  der  Dublin-II-VO nicht  weiter  zu  verfolgen  ist,  sondern  durch  die 
Schweiz  als  Aufenthaltsstaat  des  Beschwerdeführers  ein  Wiederauf-
nahmeersuchen gestellt werden kann  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA 
SPRUNG,  Dublin  II-Verordnung,  Das  Europäische  Asylzuständigkeits-
system, 3. Aufl., Wien-Graz 2010, Art. 4, K3, S. 80), 

dass  demnach  das  BFM zu  Recht  die  zuständigen  italienischen  Be-
hörden am 25. November 2010 gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-
II-VO um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers ersuchte (vgl. act. 
A/17 S. 2), 

dass die italienischen Behörden die Frist zur Stellungnahme ungenutzt 
verstreichen  liessen  (vgl.  act.  A/19),  weshalb  angesichts  der 
Verfristung  eine  stillschweigende  Zusage  zur  Rückübernahme  des 
Beschwerdeführers gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO vorliegt,

dass  im  Rahmen  des  Wiederaufnahmeverfahrens  keine  neuerliche 
Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-II-VO stattfindet, 

dass deshalb vorliegend – entgegen der dahingehenden Einschätzung 
des BFM in der angefochtenen Verfügung – Art. 6 Dublin-II-VO nicht 
zur Anwendung gelangt, 

dass trotz der grundsätzlichen Verantwortlichkeit eines Mitgliedstaates 
dem Umstand,  dass  ein unbegleiteter  Minderjähriger  im Aufenthalts-
staat  über  Familienangehörige  verfügt,  unter  Berücksichtigung  von 
Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Rahmen 
des Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO Rechnung 
getragen werden kann (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA SPRUNG,  a.a.O., 
Art. 3 K10 S. 75, Art. 4 K3 S. 81; Art. 6 K7 S. 90), 

dass sich in vorliegender Fallkonstellation die Definition des Familien-
angehörigen respektive des Familienlebens nach Art. 8 der Konvention 

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vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  und  nicht  etwa  –  wie  vom  BFM  an-
genommen –  nach  der  gegenständlichen Definition  von Art.  2  Bst. i 
Dublin-II-VO  bestimmt,  da  diese  nur  im  Anwendungsbereich  der 
zwingenden Zuständigkeitsbestimmungen des Kapitels III  der Dublin-
II-VO gilt  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER,  ANDREA SPRUNG,  a.a.O., Art.  2  lit.  i 
K 22 S. 68), 

dass Ehegatten und deren minderjährige Kinder, mithin also die Kern-
familie, als Familie im Sinne von Art. 8 EMRK zu verstehen sind, wobei 
die in eheähnlicher Gemeinschaft  lebenden Personen den Ehegatten 
gleichgestellt sind,

dass über die Kernfamilie hinausgehend der Familienbegriff  auch die 
Beziehungen  zwischen  allen  nahen  Verwandten,  die  in  der  Familie 
eine wesentliche Rolle spielen können, erfasst werden, 

dass  die  Strassburger  Organe  als  solchermassen  erweitertes 
Familienleben das Verhältnis zwischen Grosseltern und ihren Enkeln 
beziehungsweise  Enkelinnen,  zwischen  Onkeln/Tanten  sowie  ihren 
Nichten und Neffen sowie auch zwischen Geschwistern anerkennen, 
sofern eine nahe,  echte und tatsächlich gelebte Beziehung zwischen 
den  Angehörigen  besteht  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.;  CARONI 
MARTINA,  Schriften  zum  Europäischen  Recht,  Band  58,  Privat-  und 
Familienleben zwischen Menschenrecht und Migration, S. 25 und S. 35 
mit  Hinweisen  auf  Urteile  des  Europäischen  Gerichtshofs  für 
Menschenrechte, Strassburg), 

dass allerdings im Verhältnis zwischen diesen Verwandten ausserhalb 
der  Kernfamilie  die  Berufung auf  den Grundsatz  der  Familieneinheit 
gemäss  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgericht  –  nebst 
einer nahen, echten und tatsächlich gelebten Beziehung – grundsätz-
lich  ein  besonderes  Abhängigkeitsverhältnis  voraussetzt  (BVGE 
2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.), 

dass  der  minderjährige Beschwerdeführer  im  vorinstanzlichen  Ver-
fahren erklärte,  von seiner Grossmutter  aufgezogen worden zu sein, 
und eine in Somalia lebende Tante mütterlicherseits und eine hier in 
der  Schweiz  lebende  Tante  väterlicherseits  (namens  D._______) 
erwähnte (vgl. act. A/1 S. 3, 5 und 8),

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dass jedoch aufgrund dieser Angaben nicht geschlossen werden kann, 
er  habe mit  seiner Tante väterlicherseits  in  seiner  Heimat oder aber 
nach seiner Ankunft hier in der Schweiz zusammengelebt oder werde 
durch diese hier etwa in finanzieller oder persönlicher Hinsicht unter-
stützt, 

dass auch keine Anhaltspunkte vorliegen,  die auf  ein Abhängigkeits-
verhältnis bzw. eine  tatsächlich gelebte Beziehung zwischen dem Be-
schwerdeführer  und  der  in  der  Beschwerde  erwähnten  Tanten 
F._______ (bei welcher es sich allenfalls um die zuvor erwähnte Tante 
D._______  handeln  dürfte)  und  G._______  bzw.  dem  Onkel 
H._______, hindeuten würden, zumal er letztere bezeichnenderweise 
im  vorinstanzlichen  Verfahren  nicht  erwähnte  und  auch  die 
Behauptung in  der  Beschwerde,  er  pflege zu diesen eine sehr  gute 
Beziehung, nicht weiter belegt ist,

dass somit  weder  von einer  nahen,  echten und tatsächlich gelebten 
Beziehung  des  minderjährigen  Beschwerdeführers  zu  seinen  in  der 
Schweiz  lebenden  Verwandten  noch  von  einem  besonderen  Ab-
hängigkeitsverhältnis gesprochen werden kann, 

dass hinsichtlich der in der Beschwerde aufgeführten grundsätzlichen 
Vorbehalte gegenüber der Behandlung Asylsuchender  in Italien fest-
zuhalten ist, dass diese zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und dem 
Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  Schwierigkeiten  ausgesetzt 
sein können,

dass aber entscheidend ist, dass Italien unter anderem Signatarstaat 
des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),  der EMRK und des Übereinkommens 
vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  un-
menschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 
0.105) ist und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, dieses Land 
werde  sich  im  vorliegenden  Fall  nicht  an  die  aus  diesen  Überein-
kommen resultierenden Verpflichtungen halten,

dass  Dublin-Rückkehrende  betreffend  Unterbringung  von  den 
italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich – neben 
den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfs-
organisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen 
annehmen,

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dass  beispielsweise  die  Organisation  "Arci  con  Fraternità"  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
(Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechts-
beratung anbietet,

dass unter diesen Umständen und mangels anderweitiger, über blosse 
Mutmassungen  des  Beschwerdeführers  hinausgehende  konkreter 
Anhaltspunkte kein Grund für die Annahme besteht, der Beschwerde-
führer  würde  im  Fall  seiner  Rückkehr  nach  Italien  in  eine  existenz-
bedrohende  Notlage  geraten  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungs-
gerichts  E-4109/2009  vom  17.  August  2009,  E-6195/2009  vom 
30. Oktober 2009),

dass  auch  der  Umstand,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um 
einen  unbegleiteten  Minderjährigen  handelt,  nicht  gegen  eine  Rück-
führung des Beschwerdeführers nach Italien spricht, da Italien – nebst 
den erwähnten völkerrechtlichen Vertragswerken – auch das Überein-
kommen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, 
SR 0.107) ratifiziert hat, 

dass  Italien  –  wie  alle  Mitgliedstaaten  –  zur  besonders  sorgfältigen 
Betreuung  Minderjähriger  verpflichtet  ist,  und  keine  konkreten  An-
haltspunkte  darauf  hinweisen,  dass  die  italienischen  Behörden  dem 
Umstand  der  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  nicht  in  aus-
reichendem  Masse  Rechnung  tragen  würden,  weshalb  davon  aus-
gegangen  werden  kann,  die  Verpflichtungen  aus  der  KRK  würden 
durch  Italien  eingehalten  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER,  ANDREA SPRUNG, 
a.a.O., Art. 6 K8 S. 90), 

dass  unbegleitete  Minderjährige  nach  Kenntnis  des  Bundesver-
waltungsgerichts  in  Italien  beispielsweise  einen  Anspruch  auf  Be-
herbergung durch die Gemeinde haben, weshalb der Einwand in der 
Beschwerde,  der  Beschwerdeführer  verfüge  dort  über  keine  Unter-
kunft,  nicht  stichhaltig  erscheint,  zumal  es  dem  weitgehend  selb-
ständigen,  bald  volljährigen  Beschwerdeführer  zuzumuten  ist,  sich 
mittels  Hilfsorganisation  respektive  juristischer  Hilfe  um  die  Durch-
setzung seiner diesbezüglichen Ansprüche zu bemühen, 

dass aufgrund des Gesagten keine Gründe ersichtlich sind, die einen 
Selbsteintritt  des BFM gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahegelegt 
hätten, 

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dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, 

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat  (Art. 44  Abs. 1 AsylG),  vorliegend der  Kanton keine Aufenthalts-
bewilligung  erteilt  hat  und  zudem kein  Anspruch auf  Erteilung einer 
solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht 
und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Aus-
länderinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete,

dass es dem Beschwerdeführer demzufolge nicht gelungen ist darzu-
tun,  inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen die Beschwerde als 
aussichtslos erweist, weshalb – ungeachtet der belegten Bedürftigkeit 
des Beschwerdeführers  – das Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen 
wären (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), 

dass angesichts der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers gestützt 
auf Art. 6 Bst. b VGKE auf die Auferlegung von Verfahrenskosten ver-
zichtet wird. 

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Auf die Auferlegung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...)

(per Kurier; in Kopie)
- die zuständige kantonale Behörde 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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