# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1ef24c36-82c2-5c48-8631-7ba3a42975ca
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-02
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 02.02.2024 SK2 2023 34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2023-34_2024-02-02.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Beschluss vom 2. Februar 2024

Referenz SK2 23 34

Instanz II. Strafkammer 

Besetzung Hubert, Vorsitzender
Bergamin und Richter
Gabriel, Aktuarin

Parteien Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur
Gesuchstellerin

gegen

Regionalgericht A._____
Gesuchsgegner

B._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Suenderhauf
Gäuggelistrasse 16, Postfach 580, 7001 Chur 

C._____
Privatklägerin
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Silvia Däppen
Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur 

Gegenstand Einsetzung eines unabhängigen Gerichts

Mitteilung 9. Februar 2024

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Sachverhalt

A. In einer gegen B._____ geführten Strafuntersuchung stellte die Staatsan-
waltschaft Graubünden mit Parteimitteilung vom 13. April 2023 die Anklageerhe-
bung wegen sexueller Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) und Vergewaltigung 
(Art. 190 Abs. 1 StGB), eventualiter wegen Ausnützung einer Notlage (Art. 193 
Abs. 1 StGB), sowie wegen mehrfacher sexueller Belästigung (Art. 198 StGB) zum 
Nachteil von C._____ in Aussicht (VV.2022.1074/CG).

B. Am 2. Juni 2023 gelangte die Staatsanwaltschaft an das Kantonsgericht 
von Graubünden und ersuchte im Hinblick auf die angekündigte Anklageerhebung 
um Einsetzung eines unabhängigen Gerichts. Sie ist der Ansicht, bei jedem ein-
zelnen Mitglied des zuständigen Regionalgerichts A._____ lägen Umstände vor, 
die den Anschein der Befangenheit begründen würden.

C. Am 6. Juni 2023 forderte der Vorsitzende der II. Strafkammer das Regio-
nalgericht A._____ und die Parteien zur Einreichung einer Stellungnahme auf. 
Ausserdem ersuchte er B._____ (nachfolgend: Beschuldigter) gestützt auf Art. 127 
Abs. 2 StPO, eine der zwei von ihm beigezogenen Rechtsvertretungen (Rechts-
anwalt Martin Suenderhauf oder Rechtsanwältin D._____) für das vorliegende 
Verfahren als Hauptvertretung zu bezeichnen. Dieser Aufforderung kam der Be-
schuldigte mit Schreiben vom 14. Juni 2023 nach, indem er Rechtsanwalt Martin 
Suenderhauf als seinen Hauptvertreter bezeichnete.

D. Das Regionalgericht A._____ reichte am 19. Juni 2023 eine Stellungnahme 
ein. Es ergänzte den von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Sachverhalt hin-
sichtlich des Regionalrichters E._____. Im Übrigen verzichtete es auf eine weitere 
Stellungnahme und die Stellung eines Antrags.

E. Der Beschuldigte liess sich am 30. Juni 2023 vernehmen und beantragte, 
es sei auf das Gesuch nicht einzutreten. Eventualiter sei dieses abzuweisen und 
die Zuständigkeit des Regionalgerichts A._____ zu bestätigen. Subeventualiter 
beantragte er, es sei ihm Frist für die Einreichung einer weiteren Stellungnahme 
anzusetzen, bevor die Zuständigkeit an ein anderes Gericht verfügt werde. Dies 
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Kantons Graubünden 
(Staatsanwaltschaft Graubünden), eventualiter der Privatklägerschaft.

F. C._____ (nachfolgend: Privatklägerin) liess in ihrer Stellungnahme vom 
3. Juli 2023 ausführen, es sei angezeigt, dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu 
folgen. Sie ersuche daher, ein unabhängiges Gericht einzusetzen, wobei allfällige 

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Verbindungen zwischen dem Beschuldigten und den Richtern sorgfältig zu prüfen 
seien.

G. Bereits am 6. Juni 2023 hatte der Vorsitzende der II. Strafkammer, Kan-
tonsrichter F._____, infolge Vorliegens eines möglichen Ausstandsgrundes bei der 
als Berufungsgericht zuständigen I. Strafkammer des Kantonsgerichts (Art. 59 
Abs. 1 lit. c StPO) eine Ausstandsanzeige gemäss Art. 57 StPO erstattet. In der 
Folge führte die I. Strafkammer ein Ausstandsverfahren durch. Mit Beschluss vom 
23. November 2023 stellte sie fest, dass für Kantonsrichter F._____ kein 
Ausstandsgrund vorliege (KGer GR SK1 23 59 v. 23.11.2023).

H. Die Sache ist spruchreif. Auf die weiteren Ausführungen in den Eingaben 
wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen

1.1. In Art. 56 lit. a-f StPO sind die Gründe aufgeführt, aufgrund derer eine in 
einer Strafbehörde tätige Person von sich aus oder auf Gesuch einer Partei hin in 
den Ausstand zu treten hat. Wird ein Ausstandsgrund nach Art. 56 Abs. 1 lit. a 
oder f StPO geltend gemacht oder widersetzt sich eine in einer Strafbehörde tätige 
Person dem Ausstandsgesuch einer Partei, welches sich auf Art. 56 lit. b-e StPO 
abstützt, so entscheidet ohne weiteres Beweisverfahren und endgültig die Be-
schwerdeinstanz, wenn die Staatsanwaltschaft, die Übertretungsstrafbehörden 
oder die erstinstanzlichen Gerichte betroffen sind (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO). 

1.2. Die Staatsanwaltschaft weist in ihrem Gesuch darauf hin, dass die dem Be-
schuldigten vorgeworfenen und für die örtliche Zuständigkeit massgebenden 
Handlungen mutmasslich im Gerichtssprengel A._____ verübt worden seien und 
daher ordentlicherweise erstinstanzlich durch das dafür zuständige Regionalge-
richt A._____ zu beurteilen wären. Auch wenn das Regionalgericht nicht in Sa-
chen eines seiner Mitglieder oder seiner Mitarbeiter zu urteilen habe, so würden 
doch andere Umstände vorliegen, welche für jedes einzelne Mitglied des Regio-
nalgerichts A._____ den Anschein von Befangenheit zu begründen vermöchten, 
weshalb ein unabhängiges Gericht einzusetzen sei (act. A.1, Ziff. 2.b). Da die 
Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass Konstellationen vorliegen, welche unter 
den Ausstandsgrund von Art. 56 lit. f StPO fallen (siehe dazu E. 3.1 ff. hiernach), 
ist die Beschwerdeinstanz für die Beurteilung des vorliegenden Ausstandsgesuchs 
zuständig.

1.3. Der Kanton Graubünden hat gestützt auf Art. 14 Abs. 2 StPO und gemäss 
Art. 22 EGzStPO (BR 350.100) sowie Art. 10 Abs. 1 KGV (BR 173.100) das Kan-

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tonsgericht, genauer dessen II. Strafkammer, als Beschwerdeinstanz bezeichnet. 
Ausstandsgesuche betreffend ein Strafverfahren – auch solche, bei welchen sich 
der Ausstand auf sämtliche Mitglieder eines Gerichts erstreckt und demzufolge die 
Einsetzung eines Ersatzgerichtes zu prüfen ist –, sind nicht etwa gestützt auf 
Art. 40 Abs. 2 GOG (BR 173.000) von der Justizaufsichtskammer, sondern in An-
wendung von Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO von der als strafrechtliche Beschwerdein-
stanz waltenden II. Strafkammer des Kantonsgerichts zu behandeln (vgl. dazu 
PKG 2012 Nr. 18; KGer SK2 23 27 v. 29.11.2023 E. 1.3; KGer GR SK2 21 59 v. 
11.8.2021; SK2 16 23 v. 22.6.2016 E. 1b). Das vorliegende Gesuch um Einset-
zung eines unabhängigen Gerichts ist folglich von der II. Strafkammer des Kan-
tonsgerichts entgegenzunehmen und zu beurteilen. 

2.1. Die Staatsanwaltschaft stützt ihr Gesuch um Einsetzung eines unabhängi-
gen Gerichts auch auf Art. 40 Abs. 2 GOG, wonach das Kantonsgericht ein Regi-
onalgericht durch Richterinnen und Richter eines Nachbargerichts ergänzen oder 
ein anderes Gericht als zuständig erklären kann, wenn sich die Besetzung des 
Regionalgerichts mit seinen eigenen Richterinnen und Richtern als unmöglich er-
weist (act. A.1, Ziff. 2.a, 3). Hieran stösst sich der Beschuldigte und wendet ein, 
Art. 40 Abs. 2 GOG diene nicht dazu, dass eine Verfahrenspartei sich direkt an 
das Kantonsgericht wende. Vielmehr sei die Ausstandsthematik sowohl materiell 
als auch verfahrensrechtlich bundesrechtlich in Art. 56 ff. StPO geregelt. Die 
Staatsanwaltschaft Graubünden werde im Hauptverfahren erst nach Anklageerhe-
bung Verfahrenspartei. Bisher sei keine Anklage erfolgt und das Verfahren sei 
auch bei keinem Gericht rechtshängig. Die Staatsanwaltschaft sei damit zu einem 
Gesuch um Einsetzung eines unabhängigen Gerichts beim jetzigen Verfahrens-
stand nicht berechtigt und es könne darauf nicht eingetreten werden (act. A.3, 
Ziff. II.1c). Nach der Anklageerhebung müsse sich das zuständige Gericht gestützt 
auf Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO an die Beschwerdeinstanz wenden, da in diesen Fäl-
len ein Selbstausstand von Gesetzes wegen nicht möglich sei. Die Staatsanwalt-
schaft könne vor dem Hintergrund von Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO die Zuständigkeit 
des Regionalgerichts A._____ nicht umgehen, indem sie sich als Untersuchungs-
behörde noch ohne Parteistellung direkt an das Kantonsgericht wende und sich 
auf Art. 40 Abs. 2 GOG berufe und den teils unbegründeten Ausstand sämtlicher 
Richterpersonen des Regionalgerichts verlange und damit erst einen potentiellen 
Ausstandsgrund setze. Genauso wenig könne eine beschuldigte Person noch vor 
Anklageerhebung gestützt auf Art. 40 Abs. 2 GOG beim Kantonsgericht eine Er-
gänzung des Spruchkörpers oder die Zuweisung der Zuständigkeit an ein anderes 
Regionalgericht beantragen. Einzig das Regionalgericht A._____ könne gestützt 
auf Art. 40 Abs. 2 GOG beim Kantonsgericht ein Gesuch um Ergänzung des 

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Spruchkörpers oder um Zuweisung der Zuständigkeit an ein anderes Regionalge-
richt stellen (act. A.3, Ziff. II.1.e-h). 

2.2. Der Einwand, es sei lediglich das Regionalgericht gestützt auf Art. 40 
Abs. 2 GOG berechtigt, ein Gesuch um Ergänzung des Spruchkörpers oder um 
Zuweisung der Zuständigkeit an ein anderes Regionalgericht zu stellen, findet im 
Gesetz keine Stütze und wird vom Beschuldigten auch nicht näher begründet. Im 
Weiteren ist festzuhalten, dass die Staatsanwaltschaft ihr Gesuch auf Ausstands-
gründe von Art. 56 StPO abstützt, welche sie gegen jedes einzelne Mitglied des 
Regionalgerichts geltend macht. Für solche Gesuche gelten die Verfahrensregeln 
nach Art. 58 f. StPO. Gemäss diesen Bestimmungen ist die Staatsanwaltschaft 
grundsätzlich zur Stellung eines Ausstandsgesuchs berechtigt (zu ihrer Parteistel-
lung E. 2.3 sogleich). Dies auch dann, wenn eine Bejahung der Ausstandsgründe 
darauf hinauslaufen würde, dass (in Anwendung von Art. 40 Abs. 2 GOG) ein an-
deres Regionalgericht eingesetzt werden müsste (vgl. in diesem Zusammenhang 
PKG 2012 Nr. 18, insb. E. 3, wonach der Ausstand ganzer Gerichtskörper in ei-
nem Strafverfahren keinen Sonderfall darstellt, dem verfahrensmässig in besonde-
rer Weise Rechnung getragen werden müsste).

2.3. Die Staatsanwaltschaft erlangt im Hauptverfahren Parteistellung (Art. 104 
Abs. 1 lit. c StPO). Die Rechtshängigkeit des erstinstanzlichen Hauptverfahrens 
wird mit Eingang der Anklageschrift begründet (Art. 328 Abs. 1 StPO). Vorliegend 
wurde am 13. April 2023 eine Parteimitteilung im Sinne von Art. 318 Abs. 1 StPO 
erlassen, in welcher die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten und der Privatklä-
gerin den Abschluss der Strafuntersuchung mitgeteilt und die Anklageerhebung in 
Aussicht gestellt hat (act. B.1). Die in der Schlussverfügung angekündigte Art des 
Abschlusses ist für die Staatsanwaltschaft nicht verbindlich (vgl. Botschaft zur 
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, 
BBl 2006 1085 ff., S. 1271). Wie der Beschuldigte zurecht ausführen liess, folgt 
daraus, dass die beschuldigte Person Ausstandsgründe gegen Richterpersonen 
des erstinstanzlichen Gerichts erst nach Anklageerhebung anhängig machen 
kann. Anders verhält es sich jedoch in Bezug auf die Staatsanwaltschaft. Zwar hat 
diese bis zur Anklageerhebung keine Parteistellung, doch kommt ihr die Herr-
schaft über das Verfahren – insbesondere über die Art des Abschlusses – zu (vgl. 
auch Art. 61 lit. a StPO). Wenn die Staatsanwaltschaft bei jedem einzelnen Mit-
glied des Regionalgerichts A._____ einen Anschein von Befangenheit erkennt 
(act. A.1, Ziff. 2.b), erscheint es daher naheliegend und prozessökonomisch gebo-
ten, dass sie im Hinblick auf das Hauptverfahren bereits vor Anklageerhebung ein 
Gesuch um Einsetzung eines unabhängigen Gerichts stellt. Das vorliegende Ge-

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such bezieht sich denn auch ausdrücklich auf das einzuleitende Hauptverfahren, 
in dem die Staatsanwaltschaft Partei sein wird. Zu beachten ist in diesem Zusam-
menhang überdies Art. 58 Abs. 1 StPO, wonach eine Partei, welche den Ausstand 
einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangt, der Verfahrensleitung ohne 
Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stellen hat, sobald sie vom Ausstands-
grund Kenntnis hat. Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint es geradezu ge-
boten, ein Ausstandsgesuch umgehend zu stellen, sobald feststeht, dass und bei 
welchem Gericht Anklage erhoben werden soll. Das Vorgehen der Staatsanwalt-
schaft ist im Lichte dieser Überlegungen nicht zu beanstanden (vgl. auch KGer GR 
SK2 20 53 v. 30.11.2020). Wie sich noch zeigen wird, sind vorliegend allerdings 
höchstens bei einem Regionalrichter Ausstandsgründe zu bejahen, so dass es 
unabhängig von der Eintretensfrage bei der Zuständigkeit des Regionalgerichts 
A._____ bleibt. Die Frage, ob die Staatsanwaltschaft zu Recht bereits vor Ankla-
geerhebung ein Ausstandsgesuch gestellt hat, braucht daher nicht abschliessend 
beurteilt zu werden.

2.4. Zutreffend ist der Einwand, dass das Gesuch bei der Verfahrensleitung des 
Regionalgerichts hätte eingereicht werden müssen, worauf diese es gestützt auf 
Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht hätte weiter-
leiten müssen (Art. 58 StPO). Die Rechte der Parteien werden durch diesen rein 
verfahrensrechtlichen Mangel allerdings nicht tangiert. Vorliegend macht die 
Staatsanwaltschaft Ausstandsgründe im Sinne von Art. 56 lit. f StPO geltend, wo-
mit in dieser Sache in jedem Fall die Beschwerdeinstanz zu entscheiden hat 
(Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO). Hinzu kommt, dass das Regionalgericht A._____ in 
das vorliegende Verfahren miteinbezogen worden ist (vgl. die Stellungnahme vom 
19. Juni 2023, act. A.2). Auf das Gesuch nur aufgrund dieses Mangels nicht einzu-
treten, wäre nach dem Gesagten überspitzt formalistisch und daher nicht gerecht-
fertigt (vgl. dazu auch KGer GR SK2 20 16 v. 20.5.2020 E. 3; KGer GR SK2 19 12 
v. 26.4.2019).

3.1.1. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrem Gesuch nicht auf einen konkre-
ten Ausstandsgrund, sondern verweist pauschal auf Art. 56 lit. a-f StPO, in wel-
chen die im Strafverfahren zu beachtenden Ausstandsgründe geregelt werden. 
Aufgrund der von ihr aufgeführten Umstände, die den Anschein einer Befangen-
heit begründen sollen, kommt indessen einzig der in Art. 56 lit. f StPO aufgeführte 
Ausstandsgrund in Frage. Dabei handelt es sich um eine Generalklausel, die Fälle 
betrifft, in denen eine in einer Strafbehörde tätige Person aus anderen als den in 
Art. 56 lit. a-e StPO aufgeführten Gründen, insbesondere wegen Freundschaft 
oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könn-

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te. Die Bestimmung entspricht Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Danach 
hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, un-
voreingenommenen und unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Um-
stände entschieden wird. Die Rechtsprechung nimmt Voreingenommenheit und 
Befangenheit an, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die 
Unparteilichkeit des Richters zu erwecken. Dabei ist nicht auf das subjektive Emp-
finden einer Partei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit 
muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen. Es genügt, wenn Um-
stände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit 
und Voreingenommenheit erwecken. Nicht erforderlich ist die tatsächliche Befan-
genheit des Richters (BGE 148 IV 137 E. 2.2; 147 I 173 E. 5.1; 144 I 234 E. 5.2; 
143 IV 69 E. 3.2). Es muss gewährleistet sein, dass der Prozess aus Sicht aller 
Betroffenen als offen erscheint (BGE 139 I 121 E. 5.1). Entscheidend ist dabei der 
Gesamteindruck im Zeitpunkt des Verfahrens; einzelne Indizien sind bloss Teile 
des Gesamtbildes, wobei für deren Aussagekraft auch eine Rolle spielt, wie lange 
die zur Diskussion stehenden Berührungspunkte zurückliegen (Niklaus 
Schmid/Daniel Jositsch, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 
4. Aufl., Zürich 2023, N 14 zu Art. 56 StPO m.H. auf BGer 1B_230/2019 v. 
8.10.2019 E. 2.4 f.).

3.1.2. Der Anschein der Befangenheit und Voreingenommenheit kann sich aus 
dem Verhältnis einer Richterin oder eines Richters zu einer Partei (oder der Par-
teivertretung) ergeben. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts kön-
nen ein Freundschaftsverhältnis oder eine Feindschaft einen objektiven Anschein 
der Parteilichkeit schaffen, vorausgesetzt sie weisen eine bestimmte Intensität auf 
(BGE 144 I 159 E. 4.3 = Pra 2019 Nr. 51). So kann Voreingenommenheit des 
Richters oder der Richterin nur bei Vorliegen spezieller Umstände und mit Zurück-
haltung angenommen werden. Erforderlich wäre, dass die Intensität und Qualität 
der beanstandeten Beziehung vom Mass des sozial Üblichen abweicht und bei 
objektiver Betrachtung geeignet ist, sich auf die Partei selbst und deren Prozess 
auszuwirken, und derweise den Anschein der Befangenheit hervorzurufen vermag 
(BGE 139 I 121 E. 5.1 m.w.H.). Mit anderen Worten fällt nicht schon jede persönli-
che Alltagsbekanntschaft bzw. gesellschaftliche und persönliche Verbundenheit 
als besondere, den Anschein der Parteilichkeit begründende persönliche Zunei-
gung oder Abneigung in Betracht (Boog, a.a.O., N 40 zu Art. 56 StPO). So be-
gründet auch ein bloss kollegiales Verhältnis beziehungsweise eine lediglich be-
rufliche Beziehung zwischen der in einer Strafbehörde tätigen Person und einer 
Verfahrenspartei oder deren Rechtsbeistand noch keinen Ausstandsgrund, sofern 
keine weiteren, konkreten Umstände auf mangelnde Unvoreingenommenheit 

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schliessen lassen (vgl. BGer 7B_156/2022 v. 7.9.2023 E. 4.5.1; BGE 144 I 159 
E. 4.4). Würde anders davon ausgegangen, dass die geringste Verbindung zwi-
schen einer Richterperson und einer Partei reichen würde, um einen Anschein der 
Befangenheit zu begründen und zur Ablehnung der betreffenden Magistratsperson 
führen, wäre der normale Gerichtsbetrieb gefährdet (so auch BGE 144 I 159 
E. 4.4).

3.1.3. Besondere Nähebeziehungen der Richterinnen und Richter zu anderen 
Verfahrensbeteiligten als den Parteien können die Unabhängigkeit und Unbefan-
genheit beeinträchtigen, wenn sich aus eben diesem Umstand dem berechtigten 
Anschein nach Einwirkungen auf die Entscheidfindung ergeben. Dies ist ganz be-
sonders dann der Fall, wenn die Beziehungsnähe eines Richters oder einer Rich-
terin zu einer Person besteht, deren Interessen mit jenen der Parteien überein-
stimmen oder aber ihnen diametral entgegenlaufen (Regina Kiener, Richterliche 
Unabhängigkeit, Verfassungsrechtliche Anforderungen an Richter und Gerichte, 
Bern 2001, S. 132). Entscheidendes Kriterium ist, ob der Ausgang des Verfahrens 
auch bei den problematischen Konstellationen bei objektiver Betrachtung noch als 
offen erscheint (KGer GR SK2 23 27 v. 29.11.2023 E. 2.4).

3.2.1. Den Präsidenten des Regionalgerichts, G._____, erachtet die Staatsan-
waltschaft dem Anschein nach für befangen. Der Beschuldigte habe in seiner 
Funktion als Leiter der Abteilung H._____ des Kantons Graubünden naturgemäss 
häufige und enge Kontakte mit dem I._____amt der Region A._____ gehabt, des-
sen langjähriger Leiter G._____ gewesen sei (act. A.1, Ziff. 2.b.cc m.H. auf 
act. B.4). 

3.2.2. Wie gesehen genügt eine lediglich beruflich bedingte Bekanntschaft zwi-
schen einer Verfahrenspartei und einem Richter nicht, um den Anschein der Vor-
eingenommenheit und Parteilichkeit eines Richters zu begründen. Dafür, dass es 
sich bei den Kontakten zwischen dem Beschuldigten als ehemaligem Leiter der 
Abteilung H._____ und dem Regionalgerichtspräsidenten als ehemaligem Leiter 
des I._____amts A._____ um ein intensiveres, das in diesem Rahmen sozial übli-
che Mass übersteigendes Freundschaftsverhältnis handeln soll, gibt es keinerlei 
konkrete Anhaltspunkte. Den Akten sind nicht ansatzweise Hinweise auf die Natur 
der Kontakte zu entnehmen und es bleibt unklar, wie häufig diese tatsächlich 
stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft begnügt sich mit der reinen Behaup-
tung, die Kontakte hätten naturgemäss häufig stattgefunden und seien eng gewe-
sen. Dies genügt nicht, um für den Präsidenten des Regionalgerichts A._____ ei-
nen Anschein der Befangenheit zu begründen.

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3.3. Die Staatsanwaltschaft will ferner im Umstand, dass der Beschuldigte bis 
Ende 2014 einige Jahre lang Präsident der J._____ gewesen ist, einen Grund für 
die Befangenheit der Richterinnen und Richter des Regionalgerichts A._____ er-
kennen. Bei der Besetzung von Richterstellen werde in der Regel ein Parteipro-
porz berücksichtigt. Daher hätten Parteien und damit insbesondere deren Präsi-
denten Einfluss auf die zu besetzenden Richterstellen (act. A.1, Ziff. 2.b.aa m.H. 
auf act. B.6). Generell gilt die Mitgliedschaft in einer politischen Partei per se nicht 
als Ausstandsgrund (vgl. Markus Boog, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 
3. Aufl., Basel 2023, N 40 zu Art. 56 StPO). Der Beschuldigte gab an, die J._____ 
während "einiger Jahre" bis 2014 präsidiert zu haben (siehe act. A.3, Ziff. II.3.c; 
act. B.6, S. 2). Seine Tätigkeit als Präsident der K._____partei liegt mithin fast 
zehn Jahre zurück. Inwiefern dem Beschuldigten heutzutage im parteipolitischen 
Umfeld der Region A._____ eine derart wichtige Rolle zukommen soll, dass er auf 
die Richterwahlen entscheidenden Einfluss ausüben kann, legt die Staatsanwalt-
schaft nicht dar. Nur weil – respektive selbst wenn – der Beschuldigte selbst da-
von ausgegangen sein sollte, er könne das Nominationsverfahren für die Richter-
wahlen am Regionalgericht A._____ "steuern" (so die Aussage des Vaters des 
Partners der Privatklägerin, act. B.8), ist damit nicht gesagt, dass er diese Mög-
lichkeit objektiv gesehen auch tatsächlich hatte. Im Gegenteil erscheint es fraglich, 
dass dem Beschuldigten parteipolitisch eine derartige Möglichkeit zur Einfluss-
nahme wirklich zukommt. Dies zumal allgemein bekannt ist, dass die J._____ 
nicht mehr existiert und die heutige L._____ neu zusammengesetzt ist. Die Wahr-
scheinlichkeit, dass der Beschuldigte als ehemaliger Parteifunktionär der J._____ 
bei der dereinstigen Nomination der Richterpersonen für das Regionalgericht 
A._____ einen massgeblichen Einfluss ausüben könnte, ist aus objektiver Sicht so 
gering, dass sie für keine der amtierenden Richterpersonen den Anschein der Be-
fangenheit zu begründen vermag.

3.4. Die Staatsanwaltschaft bringt in ihrem Gesuch weiter vor, dass der Be-
schuldigte dem Partner der Privatklägerin, M._____, angeboten haben soll, sich 
dafür einzusetzen, dass er hauptamtlicher Richter am Regionalgericht A._____ 
werde (vgl. act. A.1, Ziff. 2.b.dd mit Verweis auf act. B.7; B.8; B.9; B.10). Der Vater 
des Partners der Privatklägerin, N._____, erklärte in seiner Zeugeneinvernahme 
am 21. Februar 2023: "Er (der Beschuldigte) telefonierte mir und fragte, ob 
M._____ Richter am Regionalgericht A._____ werden möchte. Er sagte, dass er 
dies einrichten könne" (act. B.10). In der polizeilichen Einvernahme vom 24. März 
2022 sagte N._____, der Beschuldigte habe gesagt "er könne das steuern" 
(act. B.8). Der Beschuldigte selbst gab in der polizeilichen Einvernahme vom 

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30. März 2022 an, N._____ gefragt zu haben, ob die Richterstelle etwas für seinen 
Sohn wäre (act. B.9). M._____ sagte bei seiner polizeilichen Einvernahme am 23. 
März 2022, der Beschuldigte habe sich bei seinem Vater gemeldet und gesagt, 
dass beim Regionalgericht A._____ eine ordentliche Richterstelle frei werde und 
ihn gefragt, ob er nicht seinen Namen ins Spiel bringen solle (act. B.7). Sollte der 
Beschuldigte das Angebot für M._____ dessen Vater tatsächlich in der von diesem 
wiedergegebenen Weise unterbreitet haben, liesse dies zwar auf die beim Be-
schuldigten subjektiv vorhandenen Annahme schliessen, er verfüge über die ent-
sprechende Möglichkeit zur Einflussnahme. Nichts gesagt ist damit darüber, ob 
diese Möglichkeit objektiv auch tatsächlich bestanden hätte (vgl. auch E. 3.3 hie-
vor). Im Übrigen hat M._____ erklärt, das ihm mutmasslich unterbreitete Angebot 
nicht angenommen zu haben (act. B.7; B.8; B.10). Entsprechend ist davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte keine Vorkehren zur Erfüllung seines Angebots ge-
troffen hat. Mitnichten kann aus alledem gefolgert werden, der Beschuldigte habe 
mit den derzeit amtierenden Richterinnen und Richtern des Regionalgerichts 
A._____ in diesem Zusammenhang Kontakt gehabt. Solche Gegebenheiten wären 
aber auch nicht ausreichend, um für einzelne oder gar sämtliche Richterinnen und 
Richter des Regionalgerichts A._____ den Anschein der Befangenheit zu begrün-
den.

3.5.1. Als ausstandsrelevant qualifiziert die Staatsanwaltschaft sodann den Um-
stand, dass die Lebenspartnerin des Beschuldigten und Mutter seiner beiden Kin-
der, O._____, als __________ Vermittlerin beim Vermittleramt der Region 
A._____ amtet. Ihre Wahl erfolge durch das Regionalgericht A._____ (act. A.1, 
Ziff. 2.b.ee m.H. auf Art. 46 GOG und act. B.5).

3.5.2. Der Beschuldigte bestätigt, dass seine Lebenspartnerin _____ Vermittlerin 
beim Vermittleramt der Region A._____ sei. Allerdings könne daraus kein An-
schein der Befangenheit abgeleitet werden. Eine Subordination oder eine gleich-
wertige Zusammenarbeit zwischen Regionalgericht und Vermittleramt bestehe 
nicht. Die Aufsicht über die Vermittlerämter habe das Kantonsgericht und nicht das 
Regionalgericht inne (Art. 65 ff. GOG). Abgesehen von einer administrativen An-
gliederung des Vermittleramts an das Regionalgericht sei das Vermittleramt unab-
hängig und fachlich eigenständig (Art. 45 Abs. 2 GOG). Im Übrigen sei die Wahl 
nicht durch das Gesamtgericht, sondern durch die Verwaltungskommission erfolgt 
(wie dies ausdrücklich gesetzlich so in Art. 42 Abs. 1 GOG geregelt sei). Die Ver-
waltungskommission bestehe aus fünf ordentlichen Mitgliedern. Ein Anschein der 
Befangenheit könne allein aufgrund der Tatsache, dass O._____ von der Verwal-

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tungskommission als _____ Vermittlerin gewählt worden sei, nicht bestehen (act. 
A.3, Ziff. II.3.h). 

3.5.3. Das Interesse von O._____ am Ausgang des einzuleitenden Hauptverfah-
rens deckt sich vermutungsweise mit demjenigen ihres Lebenspartners B._____ 
als beschuldigter Person. Allein aufgrund der von der Verwaltungskommission des 
Regionalgerichts A._____ vorgenommenen Wahl von O._____ als _____ Vermitt-
lerin für die Region A._____ kann nicht auf das Bestehen eines besonderen 
ausstandsrelevanten Näheverhältnisses zwischen den betreffenden Richterperso-
nen und O._____ geschlossen werden. Dass und inwiefern O._____ über den 
Wahlakt hinaus Kontakte mit den Richterinnen und Richtern des Regionalgerichts 
A._____ gehabt hat, ergibt sich nicht aus den Akten. Wie der Beschuldigte zutref-
fend ausführt, ist das Vermittleramt eigenständig und dem Regionalgericht ledig-
lich administrativ angegliedert (es kann auf die vom Beschuldigten angeführten 
gesetzlichen Grundlagen verwiesen werden, siehe E. 3.5.2 soeben). Hinweise auf 
eine über die berufliche Alltagsbekanntschaft hinausgehende persönliche Verbin-
dung von O._____ zu einer oder mehreren Richterpersonen sind den Akten eben-
falls nicht zu entnehmen. Folglich erscheint der Verfahrensausgang bei objektiver 
Betrachtung trotz der Funktion der Lebenspartnerin des Beschuldigten als _____ 
Vermittlerin für die Region A._____ als offen. Der Umstand ist folglich nicht 
ausstandsrelevant.

3.6. Weiter bringt die Staatsanwaltschaft vor, der nebenamtliche Richter 
Q._____ sei in der zweiten Jahreshälfte ____ Substitut beim R._____gericht 
Graubünden gewesen (act. A.1, Ziff. 2.b.gg mit Verweis auf act. B.2). Zu diesem 
Zeitpunkt sei der Beschuldigte Richter am R._____gericht gewesen. Auch mit 
Blick auf diese Konstellation gilt das zuvor Gesagte: Es mangelt an weiteren kon-
kreten Umständen, wonach die zwischen Q._____ als ehemaligem Praktikant und 
dem Beschuldigten als ehemaligem R._____richter entstandene berufliche Be-
kanntschaft darüber hinausgehend als Freundschaft zu qualifizieren wäre. Alleine 
die Bekanntschaft im Rahmen des kurzzeitigen Praktikumsverhältnisses lässt für 
den nebenamtlichen Richter der Strafkammer des Regionalgerichts A._____, 
Q._____, nicht den Anschein der Voreingenommenheit entstehen.

3.7.1. Sodann hält die Staatsanwaltschaft die der Strafkammer des Regionalge-
richts A._____ zugehörende nebenamtliche Richterin S._____ dem Anschein nach 
für befangen. S._____ sei mit T._____ verheiratet. Dieser sei langjähriger Richter 
am R._____gericht Graubünden gewesen und habe in dieser Funktion auch eng 
mit dem Beschuldigten zusammengearbeitet (act. A.1, Ziff. 2.b.hh m.H. auf act. 

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B.2). Auch der Beschuldigte selbst beantragt den Ausstand von S._____, ohne der 
Begründung der Staatsanwaltschaft noch etwas beizufügen (act. A.3, Ziff. II.3.h). 

3.7.2. Der Jahresbericht des R._____gerichts für das Jahr ____ zeigt auf, dass 
der Beschuldigte und T._____ gleichzeitig dem Gesamtgericht des 
R._____gerichts angehörten. Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft 
folgt daraus nicht ohne Weiteres, der Beschuldigte und T._____ hätten eng zu-
sammengearbeitet. Mit dem Fehlen weiterer Hinweise zu diesem Verhältnis ist 
davon auszugehen, dass es sich um nicht mehr als ein kollegiales Verhältnis unter 
Richtern handelte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung begründet die 
blosse Kollegialität unter Gerichtsmitgliedern keine Ausstandspflicht (BGE 
139 I 121 E. 5 f.; 133 I 1 E. 6.4.4 und 6.6.3 i.f.; BGer 6B_611/2017 v. 9.3.2018 
E. 2.2; 1B_324/2018 v. 7.3.2019 E. 4.4; 2C_852/2019 v. 20.11.2020 E. 3.3; so 
auch Boog, a.a.O., N 40a zu Art. 56 StPO). Das Kantonsgericht übt demgegenü-
ber insoweit eine gegenläufige Praxis, als es regelmässig und insbesondere ohne 
die individuellen Nähebeziehungen unter den einzelnen Richterpersonen am glei-
chen Regionalgericht abzuklären, befunden hat: Richter urteilen nicht über Ange-
legenheiten von Richtern, die mit ihnen zur selben Zeit beim selben Gericht im 
Amt sind (siehe KGer GR JAK 14 6 v. 3.3.2014 E. 2b m.H. auf JAK 11 1 v. 
31.1.2011 E. 2.3 und passim mit eingehender und überzeugender Begründung, 
jeweils in Bezug auf den im Wortlaut zu Art. 56 lit. f StPO identischen Art. 47 lit. f 
ZPO). Diese Rechtsprechung ist für die vorliegende Konstellation jedoch nicht ein-
schlägig, zumal diese völlig anders gelagert ist: Es ist nicht T._____ selbst, son-
dern seine Ehefrau S._____, die als Regionalrichterin über den Beschuldigten 
voraussichtlich zu urteilen hat. Der Beschuldigte war ausserdem nicht am Regio-
nalgericht A._____, sondern am R._____gericht tätig. Darüber hinaus legt die 
Staatsanwaltschaft weder in ihrem Gesuch dar, dass S._____ und der Beschuldig-
te ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, noch finden sich Hinweise dafür in 
den Akten. Folglich ist auch für S._____ kein Ausstandsgrund ersichtlich.

3.8. Für den Vizepräsidenten des Regionalgerichts A._____, U._____, erachten 
sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte einen Ausstandsgrund 
gemäss Art. 56 lit. f StPO für gegeben. Dies weil die Schwester des Beschuldigten 
während rund 13 Jahren im Anwaltsbüro von U._____ als Sekretärin gearbeitet 
habe (act. A.1, Ziff. 2.b.bb; act. A.3, Ziff. II.1.d). Laut den Darlegungen der Staats-
anwaltschaft besteht zwischen U._____ und dem Beschuldigten zudem eine 
Freundschaft, die früher enger gewesen sei als heute (act. A.1, Ziff. 2.b.bb m.H. 
auf act. B.11). Die Frage, ob diese Umstände für U._____ den Anschein der Be-
fangenheit zu begründen vermöchten, kann offengelassen werden. Gemäss der 

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im Internet publizierten Konstituierung des Regionalgerichts A._____ ist U._____ 
nämlich nicht ordentlicher Richter der Strafkammer, sondern kommt höchstens als 
Stellvertreter zum Zug (die Konstituierung ist auf der Homepage des Regionalge-
richts publiziert und kann abgerufen werden unter <htt-
ps://_____________________________________> [zuletzt besucht am 29. Janu-
ar 2024]). Im einzuleitenden Hauptverfahren dürfte U._____ daher nicht zum Ein-
satz gelangen, zumal bei den übrigen Richterinnen und Richtern des Regionalge-
richts, und namentlich auch bei jenen, die der Strafkammer zugeteilt sind, kein 
Ausstandsgrund glaubhaft dargelegt wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt fehlt es daher 
für die abschliessende Beurteilung des Ausstands von U._____ an einem Rechts-
schutzinteresse. 

3.9. Das soeben Gesagte gilt sinngemäss auch für den nebenamtlichen Richter 
V._____. V._____ ist ebenfalls nur Stellvertreter in der Strafkammer des Regio-
nalgerichts A._____. Neben ihm und U._____ stehen genügend weitere Richterin-
nen und Richter als Stellvertreter der Strafkammer zur Verfügung, soweit über-
haupt auf Stellvertreter zurückgegriffen werden muss. Somit kommt V._____ im 
Hauptverfahren voraussichtlich ebenfalls nicht zum Einsatz. 

Ein Ausstandsgrund wurde aber auch nicht glaubhaft dargelegt. Nach Auffassung 
der Staatsanwaltschaft ergibt sich für V._____ ein Anschein der Befangenheit aus 
seiner Tätigkeit als Aktuar ad hoc am R._____gericht Graubünden. In dieser Funk-
tion habe V._____ eng mit dem Beschuldigten zusammengearbeitet (act. A.1, 
Ziff. 2.b.ff m.H. auf act. B.3). Neben dem beruflichen Kontakt des heutigen neben-
amtlichen Richters mit dem Beschuldigten und ehemaligen R._____richter sind 
keine weiteren Gegebenheiten auszumachen, aufgrund derer auf das Bestehen 
eines den objektiven Anschein der Parteilichkeit schaffenden intensiveren Freund-
schaftsverhältnisses geschlossen werden müsste. Von der Zusammenarbeit zwi-
schen V._____ als Aktuar ad hoc und dem Beschuldigten als R._____richter kann 
nicht per se auf eine besondere Nähebeziehung geschlossen werden, zumal die 
Zusammenarbeit – soweit ersichtlich – auch nicht etwa besonders häufig erfolgt 
ist.

3.10. Der Beschuldigte beantragt sodann den Ausstand der Regionalrichterin 
W._____, da diese ein gemeinsames Kind mit Rechtsanwalt X._____ habe und 
allenfalls noch mit diesem liiert sei. Im laufenden Strafverfahren gegen den Vater 
der Privatklägerin trete X._____ als Verteidiger von Y._____, dem Vater der Pri-
vatklägerin, auf (act. A.3, Ziff. II.3.k). Auch W._____ ist lediglich Stellvertreterin in 
der Strafkammer und dürfte daher nicht zum Einsatz gelangen. Dessen unbese-
hen sei festgehalten, dass vom Beschuldigten nicht dargetan wird, inwiefern sich 

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das Strafverfahren gegen den Vater der Privatklägerin auf das einzuleitende 
Hauptverfahren auswirken könnte. Für das Kantonsgericht ist kein relevanter Kon-
nex zwischen den beiden Verfahren erkennbar. Mit anderen Worten ist der Verfah-
rensausgang im Strafverfahren gegen den Vater der Privatklägerin für das vorlie-
gend relevante Strafverfahren nicht entscheidend. Somit hat X._____ als Rechts-
vertreter des Vaters der Privatklägerin im vorliegend einzuleitenden Hauptverfah-
ren auch kein persönliches Interesse, jedenfalls wird ein solches weder von der 
Gesuchstellerin noch vom Beschuldigten substantiiert dargetan. Dementspre-
chend erscheint die Unabhängigkeit und Unbefangenheit der zu ihm in einem 
Näheverhältnis stehenden W._____ nicht beeinträchtigt, womit für diese kein 
Ausstandsgrund gegeben wäre.

3.11. Das Regionalgericht A._____ wies in seiner Stellungnahme darauf hin, 
dass der vollamtliche Regionalrichter E._____ und die Verteidigerin des Beschul-
digten, D._____, in der gleichen Klasse die Kantonsschule in Z._____ absolviert 
und anschliessend gleichzeitig an der Universität Z._____ Rechtswissenschaften 
studiert hätten (act. A.2). Wie U._____ ist auch E._____ lediglich stellvertretender 
Vorsitzender der Strafkammer, womit er nicht zum Einsatz gelangen dürfte. Der 
Vollständigkeit halber kann indessen festgehalten werden, dass der Besuch der 
gleichen Gymnasialklasse und das anschliessend zeitgleiche Absolvieren des 
Rechtsstudiums an der gleichen Universität – ohne dass weitergehende private 
Kontakte stattgefunden hätten – aus einer objektiven Betrachtungsweise vernünf-
tigerweise nicht den Anschein einer Befangenheit begründen. Auch für den Regi-
onalrichter E._____ besteht demnach insoweit kein Ausstandsgrund.

3.12. Zusammenfassend zeigen die im Gesuch der Staatsanwaltschaft vorge-
brachten Umstände auf, dass es zwischen dem Beschuldigten und einzelnen 
Richterpersonen, welche aufgrund der Konstituierung Teil des Spruchkörpers im 
Hauptverfahren bilden könnten, in der Vergangenheit Berührungspunkte gab. Da-
bei ist für die jeweiligen Kontakte zu den Richterpersonen nicht ersichtlich, dass 
sie über die sozial üblichen beruflichen und kollegialen Kontakte hinausgehend 
freundschaftliche oder feindschaftliche Züge angenommen hätten und den An-
schein der Befangenheit oder Voreingenommenheit begründen würden. Folglich 
ist das Gesuch um Einsetzung eines unabhängigen Gerichts abzuweisen, soweit 
darauf einzutreten ist.

4. Nicht weiter eingegangen werden braucht auf die Ausführungen des Be-
schuldigten zu der "möglichen Amtsgeheimnisverletzung" durch die Staatsanwalt-
schaft (act. A.3, Ziff. II.2), zumal diese für die sich stellende(n) Ausstandsfrage(n) 
nicht von Relevanz sind. Aus dem Inhalt der Aktennotiz vom 1. Juni 2023 

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(act. B.11), ist auch nicht ersichtlich, inwieweit Amtsgeheimnisse offenbart worden 
sein sollen.

5.1. Die Verfahrenskosten gehen bei Abweisung des Gesuchs zu Lasten der 
gesuchstellenden Person (Art. 59 Abs. 4 StPO sowie Art. 428 StPO analog). Die 
Gerichtsgebühr für den vorliegenden Zwischenentscheid richtet sich gemäss 
Art. 12 VGS (BR 350.210) nach dem Aufwand für die Beurteilung und ist auf 
CHF 1'500.00 festzulegen. Ausgangsgemäss – und da die Staatsanwaltschaft Ge-
suchstellerin ist – gehen die Verfahrenskosten vollumfänglich zu Lasten des Kan-
tons Graubünden.

5.2. Für die Zusprechung einer Parteientschädigung gelten die Regeln von Art. 
416 ff. StPO sinngemäss (vgl. auch BGer 1B_227/2013 v. 15.10.2013 E. 6.2). Der 
Entschädigungsentscheid richtet sich dabei grundsätzlich ebenfalls nach dem Ob-
siegen oder Unterliegen (Art. 429 ff. StPO) und folgt demnach dem Kostenent-
scheid. Der Beschuldigte ist mit seinem Eventualantrag auf Abweisung des Ge-
suchs vollumfänglich durchgedrungen und hat in analoger Anwendung von 
Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der vereinbarte 
Stundenansatz von CHF 260.00 (act. G.1) bewegt sich im Rahmen des Üblichen 
(Art. 3 Abs. 1 HV [BR 310.250]). Der Rechtsvertreter des Beschuldigten, Rechts-
anwalt Martin Suenderhauf, weist einen Aufwand von 13.3 Stunden aus (act. G.2). 
In Berücksichtigung, dass es sich beim vorliegenden Ausstandsverfahren um eine 
einfache Angelegenheit ohne komplexe Fragestellungen handelt, erscheint dieser 
Aufwand unangemessen hoch. Die Stellungnahme des Beschuldigten enthält di-
verse Ausführungen, die für das vorliegende Ausstandsverfahren nicht von Rele-
vanz sind und daher für die Prozessführung nicht erforderlich waren. Dies gilt ins-
besondere für die Ausführungen auf den S. 4 ff. zum Verdacht auf eine mögliche 
Amtsgeheimnisverletzung und Verletzung elementarer Verfahrensrechte durch die 
Staatsanwaltschaft. Ebenfalls nicht erforderlich erscheinen mit Blick auf die sich 
stellenden Fragen 1.5 Stunden Aufwand für Korrespondenzen und Telefonate mit 
der Klientschaft. Dies notabene zusätzlich zu zwei Instruktionsbesprechungen von 
rund zwei Stunden mit dem (rechtskundigen) Klienten. Aufgrund der sich stellen-
den Sach- und Rechtsfragen erscheint ein Zeitaufwand von max. 9 Stunden an-
gemessen (Art. 2 Abs. 1 HV), was bei einem Stundenansatz von CHF 260.00 ein 
Honorar von CHF 2'340.00 ergibt. Zu kürzen ist ebenfalls die geltend gemachte 
pauschale Spesenentschädigung (siehe act. G.2), da im Kanton Graubünden pra-
xisgemäss eine Pauschale in Höhe von 3% des Honorars nach Zeitaufwand fest-
gesetzt wird, was im vorliegenden Fall auch angemessen ist (statt vieler vgl. KGer 
GR SK1 23 58 v. 17.7.2023 E. 2 m.w.H.). Zuzüglich 7.7% Mehrwertsteuer ergibt 

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dies eine Entschädigung in der Höhe von CHF 2'595.80, die der Kanton Graubün-
den dem Beschuldigten zu entrichten hat.

5.3. Die Privatklägerin macht keine Parteientschädigung geltend, weshalb ihr 
auch keine solche zuzusprechen ist.

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Demnach wird erkannt:

1. Das Gesuch um Einsetzung eines unabhängigen Gerichts wird abgewie-
sen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 1'500.00 gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

3. B._____ wird eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 2'595.80 (inkl. 
Spesen und MwSt.) zu Lasten des Kantons Graubünden zugesprochen.

4. Gegen diesen selbständig eröffneten Zwischenentscheid über eine 
Ausstandsfrage kann gemäss Art. 92 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 78 ff. 
BGG Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die 
Beschwerde ist dem Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, 
schriftlich innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der 
Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzu-
reichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vor-
aussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 
ff. und 90 ff. BGG.

5. Mitteilung an: