# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04f9ef60-83f3-58b7-af53-9fa8421681ab
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 16.01.2024 VBE.2023.312
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-312_2024-01-16.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

VBE.2023.312 / mt / fi  
Art. 5 

 

 

Urteil vom 16. Januar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin 

Oberrichter Kathriner 

Oberrichterin Peterhans 

Gerichtsschreiberin i.V. Tschan  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 Öffentliche Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau, 

Bahnhofstrasse 78, 5001 Aarau  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 12. Juni 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der Beschwerdeführer meldete sich am 29. Juli 2022 beim Regionalen Ar-

beitsvermittlungszentrum (RAV) Z._____ zur Arbeitsvermittlung an und 

stellte am 4. August 2022 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung per 

29. Juli 2022. Mit Verfügung vom 1. September 2022 stellte die 

Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer ab dem 1. April 2022 

während 29 Tagen in seiner Anspruchsberechtigung ein, weil dieser durch 

eigenes Verschulden arbeitslos geworden sei. Die vom Beschwerdeführer 

dagegen erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit 

Einspracheentscheid vom 12. Juni 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Juni 2023 erhob der Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 3. Juli 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Es sei die Verfügung der Öffentlichen Arbeitslosenkasse vom 1. Sep-
tember 2022 aufzuheben, von den verfügten 29 Einstelltagen sei ab-
zusehen und die Taggeldansprüche seien seit Beginn der Anspruchs-
berechtigung nachzuzahlen. 

2. Eventualiter sei das angelastete Verschulden neu als leicht zu bewer-
ten und die Anzahl Einstelltage seien dementsprechend zu reduzieren. 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Öffent-
lichen Arbeitslosenkasse." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 10. August 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 17. August 2023 verzichtete der Beschwerdeführer auf 

eine Stellungnahme und verwies auf seine Beschwerde vom 3. Juli 2023. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdefüh-

rer mit Einspracheentscheid vom 12. Juni 2023 (Beschwerdebeilage 

[BB] 1) zu Recht aufgrund selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab dem 

1. April 2022 für 29 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat. 

 

 - 3 - 

 

 

2. 

2.1. 

Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchs-

berechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos 

ist. Die Arbeitslosigkeit gilt unter anderem dann als selbstverschuldet, wenn 

die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, 

ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das 

Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 

Abs. 1 lit. b AVIV).  

 

2.2. 

Die Frage der Zumutbarkeit beurteilt sich anhand der Kriterien von Art. 16 

Abs. 2 AVIG. Dabei wird in beweisrechtlicher Hinsicht die Zumutbarkeit des 

Verbleibens an der Arbeitsstelle vermutet (Urteil des Bundesge-

richts 8C_513/2018 vom 7. November 2018 E. 2.2 mit Hinweis auf ARV 

2012 Nr. 13 S. 294, 8C_872/2011 E. 3.2). Bei der Frage der Unzumutbar-

keit des Verbleibens am Arbeitsplatz ist praxisgemäss ein strenger Mass-

stab anzulegen (BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238; Urteil des Bundesge-

richts 8C_584/2020 vom 17. Dezember 2020 E. 4). 

 

Ein schlechtes Arbeitsklima und Meinungsverschiedenheiten mit Vorge-

setzten oder Arbeitskollegen können grundsätzlich keine Unzumutbarkeit 

der Fortführung des Arbeitsverhältnisses begründen. Belegt die versicherte 

Person allerdings durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls 

durch andere geeignete Beweismittel), dass ihr die Weiterarbeit aus ge-

sundheitlichen Gründen nicht mehr möglich gewesen ist, ist grundsätzlich 

von einer Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen auszugehen 

(BGE 124 V 234 E. 4b/bb S. 238 f.; Urteil des Bundesgerichts 8C_66/2017 

vom 9. Juni 2017 E. 2). 

 

3. 

3.1. 

Der Beschwerdeführer kündigte am 22. Dezember 2021 sein seit dem 

1. Juni 2013 bestehendes, unbefristetes Arbeitsverhältnis mit [...] per 

31. März 2022 (VB 229). Dass ihm eine andere Stelle verbindlich 

zugesichert gewesen wäre, macht er nicht geltend. Es bleibt somit zu 

prüfen, ob ihm das Verbleiben an der bisherigen Stelle unzumutbar war. 

 

3.2. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, das Verbleiben an der bisherigen 

Arbeitsstelle sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar 

gewesen. Es handle sich in seinem Fall jedoch nicht um ein medizinisches 

Problem, da eine abakterielle Prostatitis medizinisch nicht nachgewiesen 

werden könne. Daher könne er auch kein Arztzeugnis vorlegen. Er habe 

daher offen und ehrlich dargelegt, wie es gewesen sei, und dazu als Nach-

weis seine Akten vom Geburtsgebrechen beigelegt.  

 - 4 - 

 

 

 

3.3. 

Seiner Stellungnahme zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses vom 24. Au-

gust 2022 ist zu entnehmen, seine Vorgesetzte habe ihn ungerecht behan-

delt und ihn vor dem Team schlecht gemacht, so auch zweimal im Dezem-

ber 2021. Dies sei für ihn sehr belastend gewesen und als er dies vor den 

Weihnachtsferien mit ihr habe besprechen wollen, habe seine Chefin ge-

meint, dass dies auch noch im neuen Jahr genügen würde. Er leide an 

einer abakteriellen chronischen Prostatitis, die sich bei grossem Stress und 

seelischem Schmerz bemerkbar mache. Seine Prostataprobleme hätten im 

Herbst 2021 wieder stark zugenommen, sodass er im Dezember 2021 

mehrmals ins Bett uriniert habe. Daraufhin habe er sich aus gesundheitli-

chen Gründen gezwungen gesehen, seine Stelle zu kündigen. Zudem habe 

er im November 2021 eine Gürtelrose bekommen; es sei bekannt, dass 

Stress oder seelischer Schmerz eine Gürtelrose auslösen könne (Be-

schwerdebeilage [BB] 2; VB 184 ff.). 

 

3.4. 

Dem Beschwerdeführer wurden mit Verfügung vom 21. Juli 1989 zur Be-

handlung des Geburtsgebrechens Nr. 103 medizinische Massnahmen zu-

gesprochen. Mit ca. 15 Jahren wurde er an der Harnröhre operiert. Gemäss 

Bericht des Spitals B._____ vom 7. Dezember 2016 wurde bei ihm eine 

irritative Miktionsstörung bei Verdacht auf eine rezidivierende (abakterielle) 

Prostatitis diagnostiziert. Ein körperliches, pathologisches Korrelat konnte 

nicht nachgewiesen werden. Am 23. November 2021 wurde im Rahmen 

einer notfallmässigen Behandlung zudem der Verdacht auf Herpes Zoster 

Nasenrücken geäussert (BB 2).  

 

Dass es dem Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen über den 

31. März 2022 hinaus bis zum Abschluss eines neuen Arbeitsvertrags nicht 

zumutbar gewesen wäre, beim [...] weiterzuarbeiten, ist damit jedoch nicht, 

wie rechtsprechungsgemäss gefordert (vgl. E. 2.2. hiervor), mit einem 

ärztlichen Zeugnis oder anderen geeigneten Beweismitteln ausgewiesen. 

Aus dem Vorliegen gesundheitlicher Probleme kann weder geschlossen 

werden, dass diese in Zusammenhang mit einem Arbeitsplatz stehen, 

noch, dass der Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz deshalb nicht mehr 

zumutbar gewesen wäre.  

 

Soweit der Beschwerdeführer diesbezüglich geltend macht, es sei auf 

seine glaubwürdigen Angaben abzustellen, ist darauf hinzuweisen, dass 

die Arbeitslosenkasse sich aus Gründen der Rechtssicherheit nicht mit 

blossen Behauptungen begnügen darf, sondern zweckdienliche Beweis-

mittel benötigt, die der Beschwerdeführer im Rahmen der ihm obliegenden 

Mitwirkungspflicht beim Abklären des Sachverhalts beizubringen hat, zu-

mal in beweisrechtlicher Hinsicht die Zumutbarkeit des Verbleibens an der 

Arbeitsstelle vermutet wird (E. 2.2. hiervor). 

 - 5 - 

 

 

 

Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einstellung in der An-

spruchsberechtigung ist damit nicht zu beanstanden. 

 

4. 

4.1. 

Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens 

(Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Ta-

ge bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden 

(Art. 45 Abs. 3 AVIV). Nach Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV ist die Aufgabe einer 

zumutbaren Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle ohne 

entschuldbaren Grund in der Regel als schweres Verschulden zu qualifi-

zieren und demnach mit einer Einstellungsdauer von 31 bis 60 Tagen zu 

sanktionieren. Liegen besondere Umstände im Einzelfall vor, kann dieser 

Rahmen unterschritten werden. Vorausgesetzt ist dabei ein entschuldbarer 

Grund, der das Verschulden nicht als schwer, sondern lediglich als mittel-

schwer oder leicht erscheinen lässt. Dieser kann die subjektive Situation 

der betroffenen Person oder eine objektive Gegebenheit (z.B. Befristung 

der Stelle) beschlagen. Auch ist das Gesamtverhalten der versicherten 

Person mit einzubeziehen, wozu beispielsweise eine bereits vor der Kün-

digung begonnene Stellensuche zählen kann (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_522/2018 vom 25. Juni 2019 E. 4.4). 

 

4.2. 

Der Beschwerdeführer kündigte das ihm aus objektiver Sicht zumutbare 

Arbeitsverhältnis ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle. Dies stellt 

grundsätzlich ein schweres Verschulden dar (Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV). Bei 

der Überprüfung der Angemessenheit der verfügten Einstelldauer ist je-

doch der Grundsatz zu beachten, dass das Sozialversicherungsgericht sein 

Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwal-

tung setzen darf. Das Gericht muss sich auf Gegebenheiten stützen kön-

nen, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender 

erscheinen lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2017 vom 

28. August 2017 E. 4.2 mit Hinweisen). Ein schlechtes Arbeitsklima, wie 

dies der Beschwerdeführer vorliegend geltend macht (vgl. BB 2), kann das 

Verschulden, die Stelle ohne Zusicherung einer neuen gekündigt zu haben, 

in einem milderen Licht erscheinen lassen (vgl. Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts C 161/06 vom 6. Dezember 2006 E. 3.2). 

 

4.3. 

Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Umstand, dass ein weiterer 

Verbleib am Arbeitsplatz für den Beschwerdeführer eine gewisse Belastung 

dargestellt hätte, trotz mangelnder Beweise schuldmindernd berücksichtigt 

(VB 11). Die angeordnete Einstelldauer von 29 Tagen ist unter Berücksich-

tigung der Gegebenheiten des Falles zwar als grosszügig zu erachten, aber 

nicht zu beanstanden. 

 - 6 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG). 

 

5.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 

 

  

 - 7 - 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 16. Januar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin    Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Gössi     Tschan