# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7598673-3db1-5672-9de9-ef49514cca3f
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-22
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 22.04.2016 200 2014 954
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-954_2016-04-22.pdf

## Full Text

200 14 954 IV
SCP/ZID/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 22. April 2016

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Schwegler, Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch B.________, lic.iur. C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 8. September 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1961 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im Mai 2012 unter Hinweis auf eine Depression 
bzw. allenfalls ein Burnout, bestehend seit der Erhöhung ihres Arbeitspen-
sums von 30 auf 50% im Frühling 2011, bei der IV-Stelle Bern (nachfol-
gend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an (Akten der 
IVB, Antwortbeilage [AB] 1). Diese veranlasste in der Folge erwerbliche 
und medizinische Abklärungen (AB 11 ff.). Am 12. Juni 2013 teilte die Ver-
sicherte mit, dass bei ihr Brustkrebs diagnostiziert worden sei (AB 34); 
auch in diesem Zusammenhang tätigte die IVB Abklärungen (AB 35 ff.). 
Nach Einholung eines psychiatrischen Gutachtens (Expertise vom 25. April 
2014; AB 58.1) stellte die IVB mit Vorbescheid vom 12. Juni 2014 (AB 62) 
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Auf Einwand (AB 64, 
68) und Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; AB 70) 
hin verfügte die IVB am 8. September 2014 dem Vorbescheid entspre-
chend und wies das Leistungsbegehren ab (AB 71). 

B.

Hiergegen lässt die Versicherte, vertreten durch B.________, lic.iur. 
C.________, am 9. Oktober 2014 Beschwerde erheben und beantragen, 
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die Arbeitsfähigkeit in 
psychiatrischer Hinsicht näher abzuklären und hiernach sei erneut über den 
Rentenanspruch zu befinden, unter Entschädigungsfolge. Gleichzeitig stellt 
sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das kantonale Be-
schwerdeverfahren. Zur Begründung wird im Wesentlichen unter Verweis 
auf Stellungnahmen der Beschwerdeführerin (Akten der Beschwerdeführe-
rin, Beschwerdebeilage [BB] 2) und des behandelnden Psychiaters (BB 4) 
zum psychiatrischen Gutachten vom 12. Juni 2014 (AB 58.1) geltend ge-
macht, die Ausführungen im psychiatrischen Gutachten seien nicht korrekt 
bzw. darauf könne nicht abgestellt werden. Mit Eingabe vom 21. Oktober 
2014 wurden die in der Beschwerde in Aussicht gestellten (weiteren) Be-

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weismittel nachgereicht (Bericht ambulantes Erstgespräch des psychiatri-
schen Dienstes des Spitals D.________ vom 18. November 1999 [BB 5], 
Bericht Notfall-Konsultation im psychiatrischen Dienst des Spitals 
E.________ [BB 6] und entsprechende Verlaufsberichte [BB 7]).

Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf 
eine ausführliche Stellungnahme in Form einer Beschwerdeantwort und 
schliesst auf Abweisung der Beschwerde.

Mit prozessleitender Verfügung vom 2. Februar 2016 stellte der Instrukti-
onsrichter fest, dass sich die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 
24. November 2015 nach dem Stand des Verfahrens erkundigt und sich 
dabei vorbehalten habe, per Mitte Dezember 2015 einen aktuellen Arztbe-
richt einzureichen, wovon sie in der Folge keinen Gebrauch gemacht habe.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 

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i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 8. September 2014 (AB 71). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine 
Rente der Invalidenversicherung.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vorliegens 
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt 
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 
Abs. 2 ATSG).

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2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und 
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän-
kungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung 
allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv 
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50, 130 V 352 E. 2.2.1 S. 353; 
SVR 2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der 
versicherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die 
Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft 
tragbar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prü-
fen (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281).

Im Rahmen der juristischen Beurteilung der noch zumutbaren Arbeitsleis-
tung ist zu beachten, dass es zur Annahme einer Invalidität in jedem Fall 
ein medizinisches Substrat braucht, das (fach)ärztlicherseits schlüssig fest-
gestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 
wesentlich beeinträchtigt. Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren las-
sen sich oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. 
Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche 
Beeinträchtigungen im Sinne des Gesetzes verstanden werden, weil der 
gesetzliche Invaliditätsbegriff selber klar zwischen der versicherten Person 
als Trägerin des (invalidisierenden) Gesundheitsschadens und der durch 
ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können 
psychische Störungen, welche durch soziale Umstände verursacht werden 
und bei Wegfall der Belastung wieder verschwinden, nicht zur Invalidenren-
te berechtigen. Zwar kann einer fachgerecht diagnostizierten psychischen 
Krankheit der invalidisierende Charakter nicht mit dem blossen Hinweis auf 
eine bestehende psychosoziale Belastungssituation abgesprochen werden. 
Je stärker aber psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in 
den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto aus-
geprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von 
Krankheitswert vorhanden sein (BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV 
Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und soweit psychosoziale und soziokultu-

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relle Faktoren einen derart verselbstständigten Gesundheitsschaden auf-
rechterhalten oder seine – unabhängig von den invaliditätsfremden Ele-
menten bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar 
invaliditätsbegründend auswirken (BGE 139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 
2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2). In diesem Sinn werden Wechselwirkungen 
zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und 
der sozialen Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark 
als nach dem in der Medizin verbreiteten bio-psycho-sozialen Krankheits-
modell (SVR 2008 IV Nr. 62 S. 204 E. 4.2).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und 
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Vier-
telsrente.

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei einer erwerbs-
tätigen versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt 
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und 
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit 
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt 
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 
geworden wäre (Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die 
im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätig-
keit nicht zugemutet werden kann (Art. 5 Abs. 1 IVG und Art. 8 Abs. 3 
ATSG), wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 
ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufga-

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benbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; spezifische Methode [Betäti-
gungsvergleich]; BGE 141 V 15 E. 3.2 S. 20, 125 V 146 E. 2a S. 149).

Nach Art. 28a Abs. 3 IVG wird bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbs-
tätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegat-
tin mitarbeiten, für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. 
Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität 
für diese Tätigkeit gestützt auf einen Betätigungsvergleich ermittelt 
(Art. 28a Abs. 2 IVG). In diesem Falle sind der Anteil der Erwerbstätigkeit 
oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehe-
gattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der 
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (sog. gemischte Metho-
de; BGE 141 V 15 E. 3.2 S. 20, 125 V 146 E. 2a S. 150).

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

2.6 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1).

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3.

3.1 Bezüglich des Gesundheitszustandes sowie der Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist den medizinischen Akten im We-
sentlichen das Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Der die Beschwerdeführerin seit 19. Dezember 2011 ambulant 
behandelnde Dr. med. F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 27. März 2012 (AB 11.3/1 ff.) 
eine mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psychotische 
Symptome bei Bipolar-II-Störung. Erste Beschwerden seien im Frühling 
2011 und nunmehr im Dezember 2011 aufgetreten. Es habe sich schlei-
chend ein psychosomatischer Erschöpfungszustand entwickelt, zunächst 
ausschliesslich mit funktionellen Beschwerden und dann mit massiven 
Schlafstörungen und Angstzuständen (phobischer, sozialphobischer und 
sensitiver Art). Die Beschwerdeführerin leide unter einer extremen Müdig-
keit, einem Motivationsverlust und Konzentrationsstörungen. Nach Krisen-
interventionen und einer integrierten psychiatrischen Behandlung seien die 
funktionellen Beschwerden zurückgegangen, auch die Angstzustände. Es 
sei von einer mehrmonatigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und die Wie-
deraufnahme der bisherigen Tätigkeit sei praktisch ausgeschlossen; seit 
8. Dezember 2011 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Mittel- bis 
langfristig könne die Prognose als gut bezeichnet werden.

Mit Schreiben vom 16. August 2012 (AB 21/9 f.) an die Krankentaggeldver-
sicherung erachtete der behandelnde Psychiater die von der Krankentag-
geldversicherung veranlasste Begutachtung als kontraproduktiv. In Anbe-
tracht der komplexen Erkrankung der Beschwerdeführerin, deren Behand-
lung viel Erfahrung und Engagement brauche, erachte er es als seine 
Pflicht, die weiteren Schritte durch einen nicht therapeutisch tätigen Exper-
ten vorzubesprechen. Seine Aussage, dass eine Rückkehr an den bisheri-
gen Arbeitsplatz ausgeschlossen sei (vgl. AB 11.3/2 Ziff. 11), habe eine 
rein therapeutische Bedeutung gehabt. Die Beschwerdeführerin habe viel 
Herzblut in ihre Arbeitstätigkeit gesteckt. Es habe zunächst eine Konfronta-
tion mit der Perspektive benötigt, dass der Arbeitsplatz in der bestehenden 
Konstellation nicht als Grundlage für die Zukunftssicherung zu halten sei. In 
der Zwischenzeit habe die Beschwerdeführerin wesentliche Fortschritte 

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gemacht, sie könne im Oktober 2012 wieder ein Arbeitspensum von 30% 
aufnehmen und eine weitere Steigerung könne anfangs 2013 ins Auge ge-
fasst werden.

Im Bericht bzw. Begleitschreiben vom 14. September 2012 (AB 21/2 ff.) 
diagnostizierte der behandelnde Psychiater eine mittelschwere bis schwere 
Episode mit anflugsweise psychotischer Symptomatik (ICD-10 
F32.11/F32.2/32.3), einen Verdacht auf Bipolare-II-Störung (ICD-10 F31.8), 
eine atypische PTBS (ICD-10 F43.1) sowie – potentiell – eine Arthrose, 
komplexe Augenprobleme und multiple Allergien. Der Beginn des Krank-
heitsgeschehens könnte allzu leicht als 'einfache' Midlife-Crisis verstanden 
werden. Das 'Burn-out' der bisherigen Anpassungsstrategien an eine offen-
sichtlich traumatisierende Jugendzeit und eine viel subtiler unterdrückend-
traumatisierende Ehezeit hätten jedoch eine tiefere Problematik zutage 
geführt.

3.1.2 Gemäss Einschätzung des RAD-Arztes Dr. med. G.________, 
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 27. Februar 2013 
(AB 29) entspreche das derzeit ausgeübte Arbeitspensum dem Zumutbar-
keitsprofil von ca. 15%. Morgentief, eintretende Erschöpfung und nachlas-
sende Konzentration seien Symptome einer mittelgradigen depressiven 
Episode. Im Grossen und Ganzen seien die Dokumente plausibel. Die Be-
schwerdeführerin stehe in Psychotherapie lege artis.

3.1.3 Dr. med. H.________, Facharzt für Medizinische Onkologie und 
Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 5. Novem-
ber 2013 (AB 50) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nebst einem Bur-
nout-Syndrom mit anhaltender Belastungssituation ein invasives duktales 
Mammakarzinom rechts. Dieses sei im Rahmen einer Core-Biopsie vom 
24. Mai 2013 entdeckt und anlässlich eines stationären Aufenthalts im Spi-
tal I.________ vom 16. - 18. Juli 2013 resektiert worden; vom 4. September 
bis 23. Oktober 2013 sei eine adjuvante Radiotherapie der rechten Mamma 
erfolgt (zumal die Beschwerdeführerin eine adjuvante Chemotherapie ab-
gelehnt habe) und aktuell sei eine antihormonelle adjuvante Behandlung 
mit Arimidex aufgenommen worden. Aus rein onkologischer Sicht bestehe 
eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 16. Juli bis voraussichtlich Ende Dezem-
ber 2013. Aufgrund der antihormonellen Behandlung könnten vermehrt 

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Gelenk- und Muskelschmerzen und Konzentrationsstörungen auftreten, 
was zu einem verminderten Arbeitstempo und rascherem Ermüden führen 
könne.

3.1.4 Mit Bericht vom 13. Juni 2013 (AB 38) ging der behandelnde Psych-
iater von einem stationären bzw. verschlechterten Gesundheitszustand 
aus. Die Konfrontation mit der Diagnose Mammakarzinom im Mai 2013 
habe zusätzlich intensivierte integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische 
Behandlung und Stützung benötigt. Langfristig werde maximal eine Arbeits-
fähigkeit von 40 - 50% erreicht werden können.

Gemäss Verlaufsbericht des behandelnden Psychiaters vom 18. November 
2013 (AB 55) müssten die früheren depressiven Episoden unter der Dia-
gnose einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.2) definiert 
werden; die Diagnose einer Bipolar-II-Störung und einer atypischen PTBS 
seien allenfalls dieser Diagnose zu subsumieren. Die komplexe Augener-
krankung und die Gelenkserkrankung hätten zumindest teilweise einen 
Einfluss auf eine hypothetisch volle Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der an sich 
lebensfrohen Grundlage und dem seit der Kindheit eingeübten Kampf um 
Autonomie und Selbstbestimmung bestehe betreffend Erreichen eines sta-
bileren psychosomatischen Gleichgewichts eine relativ günstige Langzeit-
prognose. Die Restarbeitsfähigkeit werde in Zukunft nicht über 30% betra-
gen. Es werde ab dem 24. Juni 2013 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestätigt. 
Körperlich bestünden Einschränkungen durch die komplexe Augenerkran-
kung, die rheumatischen und arthrotischen Gelenkerkrankungen und multi-
plen Allergien. Psychisch bestehe eine chronifizierte Fragilität des psycho-
somatischen Gleichgewichts, eine Stressintoleranz mit permanenter innerer 
Selbstüberforderung und nicht mehr kompensierbarer Abwehr der Angst 
vor Autonomieverlust.

3.1.5 Im psychiatrischen Gutachten vom 25. April 2014 (AB 58.1) dia-
gnostizierte Dr. med. J.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie FMH, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit neurasthenische 
Phänomene, vorwiegend in Stresssituationen (Differentialdiagnose: Reakti-
on auf psychosoziale Stressoren), und ohne Auswirkung auf die Arbeits-
fähigkeit akzentuierte Persönlichkeitszüge und eine schwere psychosoziale 
Problematik mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten und Verbitterung 

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nach einer Trennung vom Ehemann vor zehn Jahren sowie schwierige be-
rufliche Einstiegsmöglichkeiten nach längerer beruflicher Untätigkeit. Fach-
fremd und ebenfalls ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien ein 
Status nach operativer Entfernung eines Mamma-Ca, ein multilokuläres 
Schmerzsyndrom, eine Myopie (korrigiert) und ein Verdacht auf Glaukom 
mit leicht erhöhten Augendruckwerten und geringgradigen Gesichtsfeldaus-
fällen zu nennen (S. 20 oben). Gemäss telefonischen Auskünften beim 
Augenarzt und bei den Hausärzten bestehe aus somatischer Sicht kein 
Leiden, das Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die Prognose der 
Mamma-Ca-Erkrankung sei gut. Bei der Laboruntersuchung habe sich eine 
geringgradige Erhöhung der antinukleären Antikörper gezeigt; dieser Be-
fund sei für eine rheumatische Erkrankung nicht beweisend. Bei der aktuel-
len Untersuchung hätten sich keine Anhaltspunkte für hypomanische Pha-
sen finden lassen; die Differentialdiagnose bipolare Störung sei in der Zwi-
schenzeit durch den behandelnden Psychiater ausgeschlossen worden. 
Die Diagnosekriterien einer PTBS gemäss ICD-10 seien bei der Beschwer-
deführerin nicht erfüllt. Für die Diagnose eines Burnouts spreche die Anga-
be der Beschwerdeführerin, dass sie durch die Arbeitstätigkeit vollständig 
erschöpft worden sei; gegen diese Diagnose sprächen der Verlauf und die 
Beschreibung der Symptomatik. Aufgrund der anamnestischen Angaben, 
der gegenwärtigen Untersuchungsbefunde und der Akten sei es nicht mög-
lich, die Diagnose einer depressiven Episode beziehungsweise einer rezi-
divierenden depressiven Störung von mittelgradigem bis schwerem Aus-
mass zu bestätigen. Die Beschwerdeführerin beschreibe in erster Linie eine 
verminderte Belastbarkeit und eine Stressintoleranz. Gegen eine depressi-
ve Störung sprächen die vielen Interessen und die gute affektive Modulati-
on. Die Stimmungslage sei in Krisensituationen eher dysphorisch als de-
pressiv. Für eine depressive Episode fehlten Insuffizienz- und Schuldge-
fühle (sie stecke vielmehr voller Schuldzuweisungen). Sie habe ihren 
Haushalt immer besorgen können, pflege Kontakte und das Gewicht sei 
stabil geblieben. Wie in der Kindheit bestehe bis heute ein Vermeidungs-
verhalten. Aus ihrer Schilderung heraus sei von einer erhöhten Kränkbar-
keit auszugehen, sie neige in Konfliktsituationen dazu, psychisch zu de-
kompensieren. Sie habe den Eindruck hinterlassen, dass sie in derartigen 
Situationen ebenso austeile, obschon sie selbst meine, sie habe sich im-
mer anpassen müssen und habe nie etwas zu sagen gehabt. Der psycho-

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sozialen Belastungssituation komme bei den psychischen Beschwerden ein 
grosses Gewicht zu. Bei der aktuellen Tätigkeit und Therapie ergäben sich 
multiple Verstrickungen zwischen den involvierten Personen (S. 23 ff.): Mit 
ihrem Arbeitgeber habe sie während 1½ Jahren eine partnerschaftliche 
Beziehung gepflegt (S. 22 unten); von ihrem behandelnden Psychiater sei 
sie zur Untersuchung gebracht worden, dieser sei für sie aktuell wie ein 
väterlicher Freund (S. 18 Mitte). Nach Ansicht der Gutachterin sei seit dem 
beruflichen Wiedereinstieg bezogen auf ein 100% Arbeitspensum von einer 
Leistungseinschränkung von maximal 30% auszugehen. Die unterschiedli-
che Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei auf den Umstand zurückzuführen, 
dass aus gutachterlicher Sicht eine andere Diagnose erstellt worden sei 
und die IV-fremden Faktoren in die Beurteilung eingeflossen seien (S. 26 f. 
je unten).

3.1.6 Dr. med. H.________ stellte im Bericht vom 28. Mai 2014 (AB 61) 
bezüglich des onkologischen Leidens (Mammakarzinom) keine relevante 
Änderung fest. Er erwähnte, dass die antihormonelle Behandlung mit ei-
nem Aromatasehemmer wegen Unverträglichkeit habe gestoppt werden 
müssen. Die durch den Aromatasehemmer erneut ausgelöste depressive 
Grundstimmung mit massiven Konzentrationsstörungen, Einbruch der Leis-
tungsfähigkeit und damit passagerer Unfähigkeit der Arbeitswiederaufnah-
me habe Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Aus onkologischer Sicht sei die 
Beschwerdeführerin arbeitsfähig; eine gesundheitlich begründete Arbeits-
unfähigkeit sei vom Hausarzt und Psychiater festzulegen.

3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

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3.2.1 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Unter-
suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 
E. 3b bb S. 353; SVR 2009 IV Nr. 50 S. 154 E. 4.3).

3.2.2 Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeu-
tisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amt-
lich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein 
medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stel-
len und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan-
delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten 
bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil 
die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher In-
terpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Be-
gutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2008 IV 
Nr. 15 S. 44 E. 2.2.1).

In Bezug auf Atteste von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfah-
rungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf 
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten 
ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV 
Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). Dies gilt nicht nur für den allgemein praktizieren-
den Hausarzt, sondern ebenso für den behandelnden Spezialarzt und erst 
recht für den schmerztherapeutisch tätigen Arzt mit seinem besonderen 
Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den geklagten Schmerz 
zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Entscheid des Eidgenössischen 
Versicherungsgerichts [EVG; heute: Bundesgericht {BGer}] vom 20. März 
2006, I 655/05, E. 5.4).

3.3 Mit der angefochtenen Verfügung (AB 71) ist die Beschwerdegeg-
nerin davon ausgegangen, dass weder die Krebserkrankung noch andere 
somatische Leiden die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdefüh-
rerin beeinträchtigen. Die Beschwerdeführerin lässt diese Schlussfolgerung 
unbeanstandet und auch aufgrund der medizinischen Aktenlage ergeben 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 14

sich, soweit die Verhältnisse im Verfügungszeitpunkt betreffend, keine An-
haltspunkte für eine anderweitige Annahme (vgl. dazu insbesondere den 
schlüssigen und voll beweiskräftigen [vgl. E. 3.2 hiervor] onkologischen 
Bericht vom 28. Mai 2014 [AB 61; vgl. E. 3.1.6 hiervor]). Es ist damit davon 
auszugehen, dass die Brustkrebsoperation zu einer bloss vorübergehen-
den Beeinträchtigung des funktionellen Leistungsvermögens geführt hat 
(vgl. insb. AB 50/8 Ziff. 1.6). Aus den von der Beschwerdeführerin im Rah-
men der psychiatrischen Begutachtung gemachten Angaben ist denn auch 
zu schliessen, dass sie trotz dieser Erkrankung und den entsprechenden 
Behandlungsmassnahmen ein erhebliches Aktivitätsniveau beibehalten hat 
(vgl. insb. AB 58.1/11 oben, 58.1/14 unten, 58.1/15 f.). Soweit die Be-
schwerdeführerin (BB 2) bzw. der sie behandelnde Psychiater (BB 4; vgl. 
bereits AB 21/2 ff., 55) anzudeuten versuchen, die Augenerkrankung, die 
Gelenkserkrankung und die multiplen Allergien könnten sich auf die Ar-
beitsfähigkeit auswirken, kann ihm nicht gefolgt werden. Seine fachfremde 
Äusserung widerspricht den Aussagen der behandelnden Ärzte und es 
wäre von ihm zu erwarten gewesen, dass er aktuelle spezialärztliche Un-
tersuchungen veranlasst hätte, was aber unterblieben ist. So oder anders 
verneinen der Augen- und die Hausärzte diesbezüglich eine Einschränkung 
auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. AB 58.1/8 oben).

3.4 Vorliegend ist denn auch hauptsächlich streitig, inwiefern die Be-
schwerdeführerin durch die psychiatrischen Befunde in ihrem funktionellen 
Leistungsvermögen eingeschränkt wird.

3.4.1 Das psychiatrische Gutachten vom 25. April 2014 (AB 58.1) erfüllt 
die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines 
medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.2 hiervor), 
weshalb diesem volle Beweiskraft zukommt (vgl. E. 3.2.1 hiervor). Die darin 
enthaltenen Feststellungen beruhen auf eigenen Abklärungen (so nebst 
anamnestischen Erhebungen [AB 58.1/8 ff.] auch Untersuchungsbefunde 
und Beobachtungen zu den Äusserlichkeiten [AB 58.1/18 ff.]) und sind in 
Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Be-
schwerden getroffen worden. Zudem setzt sich die Gutachterin überzeu-
gend mit der abweichenden Meinung des behandelnden Psychiaters (vgl. 
E. 3.4.2 nachfolgend) auseinander; eine Diskreditierung, wie dies die Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 15

schwerdeführerin in der Beschwerde, S. 4, geltend macht, ist nicht ersicht-
lich. Wenn nun in diesem Zusammenhang die Beschwerdeführerin die 
Aussage der Gutachterin beanstandet, es bestünden bei der aktuellen The-
rapie multiple Verstrickungen zum behandelnden Psychiater (vgl. 
AB 58.1/26), so ist doch anzumerken, dass die Beschwerdeführerin diesen 
selber als väterlichen Freund bezeichnet hat und dessen Begleitung zu 
einer Begutachtung nicht mehr als eigentliche Therapiemassnahme be-
trachtet werden kann (vgl. AB 58.1/18 Mitte). Ihre diesbezüglich relativie-
renden Aussagen (BB 2) vermögen daran nichts zu ändern.

3.4.2 Die Gutachterin erläutert im Gutachten (AB 58.1) auf den Seiten 
24 f. in nachvollziehbarer Weise, weshalb die Diagnosen einer bipolaren 
Störung (vom behandelnden Psychiater ohnehin als blosse Verdachtsdia-
gnose gestellt [AB 21/7 oben] und in der Folge von ihm selber verworfen 
[AB 55/1 unten]), einer atypischen posttraumatischen Belastungsstörung 
(AB 21/7 oben; zwischenzeitlich vom behandelnden Psychiater ebenfalls 
verworfen [AB 55/1 unten]) und einer depressiven Störung (mittelschwer 
bis schwer [AB 21/6 unten]; vgl. auch AB 55/1 unten) als nicht gegeben 
betrachtet werden können. In diesem Zusammenhang ist erneut auf das 
doch erhebliche Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin hinzuweisen (vgl. 
bereits E. 3.3 hiervor). Allein schon deshalb erscheinen dieses Diagnosen 
als nicht angezeigt. Insoweit kann auch dem behandelnden Psychiater 
nicht gefolgt werden, wenn er im Bericht vom 14. September 2012 
(AB 21/6 ff.; vgl. E. 3.1.1 dritter Abschnitt hiervor) davon ausgeht, der Be-
ginn des Krankheitsgeschehens könnte allzu leicht als 'einfache' Midlife-
Crisis verstanden werden, habe doch das 'Burn-out' eine tiefere Problema-
tik im Sinne der gestellten Diagnosen zutage gefördert. Vielmehr zeigt die 
Gutachterin in einer sorgfältigen Würdigung der Krankheitsanamnese und 
des erhobenen Psychostatus nachvollziehbar auf, dass es sich bei der Be-
schwerdeführerin um eine "schillernde, eigenwillige" und erhöht kränkbare 
Persönlichkeit handelt (vgl. insb. die entsprechende Herleitung in 
AB 58.1/21 f.), die in psychosozial schwierigen Verhältnissen lebt und in 
Konfliktsituationen dazu neigt, psychisch zu dekompensieren (AB 58.1/25). 
Dies wird durch Auflage der Arztberichte aus den Jahren 1999 (BB 5) und 
2004 (BB 6) ausdrücklich bestätigt. Denn sowohl im Jahre 1999 als auch 
im Jahr 2004 waren es Beziehungsprobleme, welche zu einer vorüberge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 16

henden Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion führten. Damit ist 
allgemein hinsichtlich der in solchen Situationen auftretenden Depressio-
nen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es 
sich dabei um ein reaktives und damit therapierbares Geschehen handelt; 
entsprechend ist vom behandelnden Psychiater mittlerweile attestierte rezi-
divierende depressive Störung (vgl. AB 55/1 unten) – welche die Gutachte-
rin jedoch zu Recht ausschloss (AB 58.1/25) – vorliegend schon von daher 
unbeachtlich (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299). All dessen war sich der 
RAD-Arzt Dr. med. G.________ seinerzeit nicht bewusst, als er die Dia-
gnose einer mittelgradigen depressiven Episode einzig gestützt auf Berich-
te des behandelnden Psychiaters (vgl. E. 3.1.1 hiervor) und ohne eigene 
Untersuchung der Beschwerdeführerin im Grossen und Ganzen als plausi-
bel erachtete (AB 29; vgl. E. 3.1.2 hiervor); entsprechend vermag die Be-
schwerdeführerin hieraus (vgl. Beschwerde, S. 3 Ziff. V.3.b) nichts zu ihren 
Gunsten abzuleiten.

3.4.3 Insoweit überzeugt vielmehr die gutachterliche Beurteilung, dass es 
sich bei der beklagten anhaltenden Erschöpfungssymptomatik um eine 
neurotische Störung (Neurasthenien sind unter den anderen neurotischen 
Störungen zu subsumieren; vgl. ICD-10 F48.0) handelt, die sich zwar durch 
die schwierige Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin erklären lässt, 
indessen eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht zu be-
gründen vermag. Die Gutachterin begründet denn auch überzeugend, 
weshalb diesen Persönlichkeitszügen entgegen der im Bericht vom 1. Juni 
2004 (BB 6) gestellten, jedoch nicht näher begründeten und auch aufgrund 
der erhobenen psychopathologischen Befunde nicht nachvollziehbaren 
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung eben nicht ein solches Ausmass 
beizumessen ist (AB 58.1/25 f.). 

3.4.4 Dieser Einschätzung scheint im Kern auch der behandelnde Psych-
iater beizupflichten, wenn er in der E-Mail an die Gutachterin (AB 60/2) eine 
Rentenzusprechung nicht mit den psychopathologischen Befunden, son-
dern als symbolische Anerkennung des von der Beschwerdeführerin seit 
früher Jugend gezeigten Willens, kein Sozialfall zu werden, befürwortet. 
Soweit er damit der Invalidenrente einen therapeutischen Effekt beizumes-
sen scheint, steht dies in Widerspruch zur höchstrichterlichen Rechtspre-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 17

chung, welche hinsichtlich der Zumutbarkeitsbeurteilung bei psychogenen 
Gesundheitsbeeinträchtigungen einen objektivierten Massstab anlegt, mit-
hin sich dabei nicht vom weiter gefassten bio-psycho-sozialen Krankheits-
modell leiten lässt (vgl. E. 2.2 hiervor; vgl. auch MEYER/REICHMUTH, Bun-
desgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, Art. 4 N. 21 
ff.). Soweit sich der behandelnde Arzt in seiner Stellungnahme vom 29. 
September 2014 (BB 4) auf seine 25-jährige Erfahrung als Leiter eines so-
zialpsychiatrischen Dienstes beruft und kritisiert, die Gutachterin werde der 
Persönlichkeit seiner Klientin nicht gerecht, bestätigt dies die Feststellung 
hiervor, dass er sich bei seinen Einschätzungen vom hier nicht massgebli-
chen bio-psycho-sozialen Krankheitsbegriff leiten lässt.

3.5 Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin den rechtser-
heblichen medizinischen Sachverhalt genügend abgeklärt. Von den be-
schwerdeweise beantragten weiteren Abklärungen sind keine neuen Er-
kenntnisse zu erwarten, womit darauf zu verzichten ist (antizipierte Be-
weiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d S. 162). Entsprechend dem psychia-
trischen Gutachten ist – soweit überhaupt (vgl. E. 2.2 hiervor) – von einer 
Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit von maximal 30% 
(AB 58.1/27 lit. C Ziff. 6) auszugehen, was mangels Erreichens der erfor-
derlichen Erheblichkeitsschwelle von 40% (vgl. E. 2.3 hiervor) nicht zu ei-
ner Invalidenrente berechtigt.

Die Beschwerdegegnerin hat das Leistungsbegehren somit zu Recht ab-
gewiesen. Die Verfügung vom 8. September 2014 (AB 71) lässt sich nicht 
beanstanden und die hiergegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 18

Im vorliegenden Fall sind die Verfahrenskosten auf Fr. 700.-- festzusetzen 
und – unter Vorbehalt der unentgeltlichen Rechtspflege – der unterliegen-
den Beschwerdeführerin zur Bezahlung aufzuerlegen. 

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin 
keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

4.3 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann einer Partei überdies ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die 
tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtfertigen (Art. 61 lit. f 
ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV Nr. 22 S. 61 E. 2).

Die Bedürftigkeit im Sinne der Prozessarmut ist aktenkundig (vgl. schon 
prozessleitende Verfügung vom 13. Oktober 2014). Zudem kann das Ver-
fahren als nicht von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Das Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege ist demnach gutzuheissen. Somit ist 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss 
Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 
(Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272) i.V.m. Art. 113 VRPG – von der Zah-
lungspflicht betreffend die Verfahrenskosten zu befreien.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. April 2016, IV/14/954, Seite 19

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.