# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c000fa03-33fa-5759-b7eb-7600a440f69e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-30
**Language:** de
**Title:** keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit; Abstellen auf von der IV-Stelle eingeholtes polydisziplinäres Gutachten;
**Docket/Reference:** IV.2014.00701
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00701.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00701
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Vogel
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Brügger
Urteil
vom
30. Oktober 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Flum
Schlegel Kempf Rechtsanwälte
Webernstrasse 5, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1984, erhielt von der Invalidenversicherung wegen der Geburtsgebrechen Ziffer 496
der Verordnung über Geburts
gebrechen (
GgV
)
(
Neonatale
Suc
htmittelabhängigkeit, sofern ei
ne Intensivb
ehandlung begonnen
werden muss)
, Ziffer 425
GgV
(Angeborene Refraktionsanomalien, mit
Visus
ver
minderung
auf 0,2 oder weniger an einem Auge [mit Korrektur] oder
Visus
ver
minderung
an beiden Augen auf 0,4 oder weniger [mit Korrektur]
)
und Ziffer 427
GgV
(Strabismus und Mikrostrabismus
concomitans
monolateralis
, wenn eine
Amblyopie
von 0,2 oder weniger [mit Korrektur] vorliegt
)
in den Jahren 1985, 1991
bzw. 1994 Leistungen
(medizinische Massnahmen)
zugesprochen
(
Urk.
6/1)
.
1.2
Wegen eines
durch einen Autounfall vom 2
5.
Juli 2006 erlittenen
Schleuder
traumas
meldete sich
X.___
am
6. Juni
2007
(Eingangsdatum)
bei der
Invaliden
versi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/5).
Die
Sozial
versiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der Versicherten die Über
nahme der Kosten für eine berufliche Abklärung in der
Klinik Y.___
vom
3
0.
Juni 2007 bis zum 3
1.
August 2007 zu (vgl. Mitte
ilung vom 2
2.
August 2007,
Urk.
6/15).
Am 2
8.
Juni 2007
(
Urk.
6/8)
, 11. Ju
l
i 2007 (Urk. 6/101-4)
bzw. 1
6.
August 2007 (
Urk.
6/13)
erstatte
te
die
Klinik Y.___
darüber Bericht
.
Die IV-Stelle holte ausserdem d
ie
Arzt
be
richte
von
Dr.
med.
Z.___
, FMH Allgemeine Medizin, vom 11. September 2007
(
Urk.
6/19/1-6) und von
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
1.
September 2007 (
Urk.
6/26) sowie die Arbeitgeberbericht
e
der
B.___
(
Urk.
6/25)
und der
C.___
GmbH vom
2
8.
September 2007 (
Urk.
6/27)
ein.
Am
3.
Oktober 2007 teilte die IV-Stelle
X.___
mit, sie über
nehme die Kosten für die berufliche Abklärung in der
D.___
für die Zeit vom
8.
Oktober 2007 bis zum 1
6.
November 2007 (Urk.
6/33).
Der Bericht über diese Massnahme erstattete die
D.___
am 7. Dezember 2007 (
Urk.
6/42). Die IV-Stelle übernahm in der Folge die Mehr
kosten für die Fortführung der erstmaligen beruflichen Ausbildung Infor
matik (Richtung Systemtechnik) bei der
D.___
für die Dauer vom 17. November 2007 bis zum 3
0.
April 2008 (vgl. Mitteil
ung vom 1
7.
Dezember 2007, Urk.
6/44).
Am 1
4.
Mai 2008 verlängerte die IV-Stelle die
Kos
tengutsprache
bis zum 3
1.
Mai 2008 (vgl. Mitteilung vom 1
4.
Mai 2008,
Urk.
6/56). Am 2
8.
Mai 2008 erfolgte der
Abschlussbericht der
D.___
(
Urk.
6/64).
Am
8.
März 2010 teilte di
e IV-Stelle
X.___
mit, die berufliche Mass
nahme werde abgeschlossen, da sie die Ausbildung im Informatikbereich erfolg
reich beendet habe (
Urk.
6/80). Am 2
0.
Juli 2010 stellte die
„
Zürich
“
Versi
cherungs
-
Gesellschaft der IV-Stelle die Unfallakten der Versicherten zu (
Urk.
6/87/1-67). Ab dem 1. Juli 2009 ar
beitete
die Versicherte als Infor
mati
ke
rin bei der
E.___
AG zu einem Pensum von 50
%
(
Urk.
6/89). Die IV-Stelle holte die weiteren Berichte von
Dr.
Z.___
vom 2
9.
Oktober 2010 (
Urk.
6/94/6-7) und von
Dr.
med.
F.___
,
F
achärztin FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 1
4.
Dezember 2010 (
Urk.
6/95) sowie der neuen
Arbeit
geberin, der
E.___
AG, vom 1
6.
Februar 2011 (
Urk.
6/96) ein. In der Folge bemühte sich die IV-Stelle um Koordination ihrer Leistungen mit dem obligatorischen Unfall
versicherer, der „Zürich“. Diese stellte mit Verfügung vom 2
7.
Februar 2013 sämtliche Leistungen per 2
5.
Oktober 2006 ein, da sie zum Ergebnis gelangte, dass bei der Versicherten keine
Gesundheits
schädi
gung
en
mehr vorhanden seien, welche in einem adäquaten Kausal
zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 2
5.
Juli 2006 stünden (
Urk.
6/115).
Die IV-Stelle liess darauf
hin
das
poly
disziplinäre
Gutacht
en der
MEDAS
G.___
vom 10.
Dezember 2013 (
Urk.
6/133
) erstellen. Mit Vorbescheid vom 1
7.
März 2014 teilte sie der Versi
cherten mit, ihr Leistungsbegeh
ren müsse abgewiesen werden,
da
es ihr zumut
bar sei, zu 100
%
als Informatikerin tätig zu sein
,
und sie somit ein
rentenaus
schliessendes
Einkommen erzielen könne (
Urk.
6/139).
Dagegen erhob die Versi
cherte am 3
0.
April 2014 durch Rechtsanwalt Tomas Kempf Ein
wand (
Urk.
6/147). Die IV-Stelle hielt jedoch daran fest, dass kein Anspruch auf
eine Invalidenrente besteht
,
und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
2
8.
Mai 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X.___
durch Rechtsanwalt Kempf am 3
0.
Juni 2014 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„1.
Es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2014 aufzu
he
ben und es sei der Beschwerdeführerin insbesondere eine unbe
fristete Rente zuzusprechen;
2.
Eventualiter seien weitere Abklärungen durchzuführen und es sei die Sache hierfür zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurück zu weisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt
) zu Lasten der
Beschwer
degegnerin
.“
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 2
1.
August 2014 um Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am 2
5.
August 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
7). Am 2
2.
Mai 2015 (
Urk.
11) liess die Beschwerdeführerin den Arzt
bericht von
H.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
1
2.
Mai 2015 (
Urk.
12/1), den Biomarker-Report der
I.___
vom 1
8.
Febru
ar 2015 (
Urk.
12
/2) sowie eine Beschreibung
ihre
r
persönliche
n
Situa
tion (
Urk.
12/3) einreichen. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu am
8.
Juni 2015
Stellung (
Urk.
15).
Die Stellungnahme wurde der Beschwerdeführerin am 9. Juni 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit Art. 8 ATSG
bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und
damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschrän
kung
en
der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das
Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen
ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem aus
geglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächtigung vereinbar ist.
Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbs
un
fähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss
eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhan
den
sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren
, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unte
r
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähig
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt,
welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sie
render psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3. März 2009 E. 2).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem
sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen ein
ander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen,
ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986
S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psy
chischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
perte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.5
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftrags
rechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Be
gutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170
E.
4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten
stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn
die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schät
z
ungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chen
de Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wich
tige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benen
nen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Ur
teil
des
Bun
desgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinwei
sen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss dem Bericht der
Klinik Y.___
vom 1
1.
Juli 2007 (
Urk.
6/10/1-4) wurde die Beschwerdeführerin am 2
5.
Juli 2006 auf der Autobahn als PKW-Len
kerin von einem Lastwagen seitlich angefahren, wobei ihr Auto herum
ge
schleudert worden sei und die Beschwerdeführerin ein atypisches
kranio
zervi
kales
Beschleunigungstrauma QTF II und ein
e
Commotio cereb
r
i erlitten habe. Es bestünden ein
zevikovertebrales
, teils -
zephales
Schmerzsyndrom sowie eine leichte bis mittelschwere kognitive Störung, welche sich im Verlauf der Rehabi
litation deutlich gebessert habe. Bei der Ausübung der bisherigen beruflichen Tätigkeit als Informatikerin seien zum aktuellen Zeitpunkt infolge Tendenz zu
Beschwerdekumulation im Tagesverlauf
zusätzliche Pausen von zwei Stunden, am ehesten in Form von mehreren, über den Tag verteilten
Kurz
pausen
not
wendig
. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Beschwerde
führerin bei weiterhin günstigem Verlauf ein Vollpensum erreichen könne. Grundsätzlich sei ihr eine leichte bis mittelschwere Arbeit ohne längerdauernde Tätigkeiten über Brust
höhe oder mit verdrehter Rumpfposition ganztags zumutbar. Es seien weitere Abklärungen hinsichtlich beruflicher Eingliederung durchzuführen.
2.1.2
Im Bericht vom 1
6.
August 2007 stellte die
Klinik Y.___
fest, dass in der zweimonatigen vertieften beruflichen Abklärung keine Steigerung der An
wesenheitstage habe erzielt werden können
. An den Tagen, an welchen die Be
schwerdeführerin anwesend gewesen sei, habe die Arbeitszeit aufgrund von vermehrten Schmerzen einige Male verkürzt oder oft durch zusätzliche Pausen un
ter
brochen werden müssen. Infolge der fehlenden Konstanz und dem
Nicht
er
reichen
einer konstanten minimalen 4-stündigen Arbeitszeit könne keine weiter
führende berufliche Massnahme vorgeschlagen werden. Wenn die Be
schwer
d
eführerin gearbeitet habe, habe sie jeweils eine gute Leistung erbracht. Es werde ein Arbeitstraining in geschütztem Rahmen empfohlen. Sollte die er
hoffte Stabilität erreicht werden, könnte die Beschwerdeführerin mit Unterstüt
zung der Invalidenversicherung den Berufsabschluss als Informatikerin nach
holen
(Urk. 6/13)
.
2.2
2.2.1
Laut dem Arztbericht von
Dr.
Z.___
an die Beschwerdegegnerin
vom 1
1.
Septem
ber 2007 (
Urk.
6/19
/1-6
)
besteht
bei der
Beschwerdeführerin
neu seit
Juli
2007
eine bipolare Störung.
Im beigelegten Überweisungsschreiben an Dr.
A.___
vom 29. Oktober 2007 (Urk. 6/19/7) führte Dr.
A.___
aus, der
Unfall habe sie völlig aus der Bahn geworfen und sie habe die Lehre als Informatikerin nicht fortsetzen können. Im Verlauf des Jahres 2007 seien initial häufig psycho-vege
tative Beschwerden mit Verdauungs
stö
rungen, Nervosität, Schlafstörungen und häufiger
Infektanfälligkeit
aufgetreten. Im Sommer seien nun plötzlich starke Stimmungsschwankungen mit Tagen von übersprudelnder Euphorie und Selbst
überschätzung abwechselnd mit Tagen von Traurigkeit, anhaltendem
Weinen, Perspektivlosigkeit und fehlender Motivation aufgetreten.
Familien
anam
nestisch
leide die jüngere Schwester der Beschwerdeführerin unter einer bipolaren Stö
rung, welche nun mit
Lamictal
behandelt werde. Er habe bei der Beschwerde
führerin nun ebenfalls
Lamictal
eingesetzt mit nun doch einsetzen
der stabiler Stimmungslage. Aus versicherungstechnischen Gründen müsse die Beschwerde
füh
rerin an einen Psychiater (oder delegiert) angegliedert sein.
2.2.2
Im Verlaufsbericht vom 2
9.
Oktober 2010 (
Urk.
6/94/6-7) hielt
Dr.
Z.___
fest, die Symptome hätten sich nicht wesentlich gebessert. Die Beschwerde
füh
r
erin habe grosse Anstrengungen unternommen und verschiedene Therapien aus
probiert. Die Prognose sei
eher
stationär. Versuche, das Arbeitspensum zu stei
gern
, seien gescheitert. Seit dem
1.
Juli 2008 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Die Beschwerdeführerin gebe chronische Schmerzen im Bereich des Nackens und der Schultergegend an. Geringe Belastbarkeit und Konzentrations
schwäche führten zu häufigen Pausen während der Arbeit. Die Beschwerde
füh
rerin arbeite 20 Stunden pro Woche, an fünf Vormittagen.
2.3
Der Psychiater
Dr.
A.___
hielt im Bericht vom 2
1.
September 20
07 (Urk. 6/26)
fest, es bestehe
bei der Beschwerdeführerin eine bipolare Affektpsychose bei Status
nach Schädelhirn- und HWS-Schleudertrauma am 2
5.
Juli 200
6.
Die Ar
beitsfähigkeit könne aufgrund der einmaligen Konsultation nicht beurteilt wer
den. Die Beschwerdeführerin habe keine auffällige Psychopathologie gezeigt und
fühle sich
seit rund einem Monat wieder in ihrer normalen Verfassung. Unter
der Voraussetzung, dass der Erfolg der bisherigen Behandlung anhalte, sollte dem
Abschluss der Informatiklehre aus psychiatrischer Sicht nichts entgegenstehen. Der Lehrabschluss würde vermutlich wesentlich zur psychischen Stabilisierung beitragen.
2.4
Die „Zürich“ liess die Beschwerdeführerin orthopädisch (
Dr.
med.
J.___
, FMH Orthopädische Chirurgie,
Urk.
6/87/2-8, 2
6.
Januar 2009), rheu
matologisch (
Dr.
med.
K.___
, Rheumatologie FMH,
Urk.
6/87/11-23,
2.
März 2009), neurologisch (
Dr.
med.
L.___
, Facharzt Neurologie FMH
,
Urk.
6/87/24-45
, 2
2.
Juli 2009
) und psychiatrisch (
M.___
, Fachärztin
für Psychiatrie und
Psychotherapie, Urk. 6/87/47-67
, 1
4.
Juli 2009
) begutach
ten.
Der Orthopäde Dr.
J.___
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 26. Januar
2009 eine
Osteochondrose
C6/C7 mit beginnender
Spondylarthrose
(Urk. 6/87/7).
Der Rheumatologe Dr.
K.___
erhob in seinem Gutachten vom 2.
März 2009
ein
Cervikalsyndrom
bei
Osteochondrose
C6/7 mit/bei geringer linkssei
tiger
Band
scheibenprotrusion
und Verkehrsunfall vom 25. Juli 2006 (Urk. 6/87/20). Di
e Psychiaterin
M.___
diagnostizierte im psychiatrischen Gutachten vom 14. Juli 2009 eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige de
pressive Episode (ICD-10 F31.3) mit erster manischer Episode im Sommer/Herbst
2006 nach Verkehrsunfall mit
kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma und
trau
matic
life
-event vom 25. Juli 2006 (ICD-10 F09) und anamnestisch
schwer
gra
diger
depressiver Episode im Herbst 2008, ein pseudo-neurasthenisches Syndrom und chronisches Schmerzsyndrom nach
kraniozervikalem
Beschleuni
gungstrauma
vom 25. Juli 2006 (ICD-10 F09), eine leichte kognitive Störung im Rahmen einer Schmerzinterferenz und bipolar affektiven Erkrankung (ICD-10 F06.7) sowie eine Migräne ohne Aura. Sie verneinte das Vorliegen
unfall
frem
der
psychiatrischer Ursachen und hielt bezüglich der Arbeitsfähigkeit fest, die Beschwerdeführerin könne längere
konzentrative
Tätigkeiten über mehr als 45 Minuten ohne Unterbrechung aufgrund der unfallbedingten gesundheitlichen
Be
einträchtigun
gen nicht ausführen. Die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit wäh
rend der Heilphase in ihrem Beruf als Informatikerin an ihrem angestam
mten
Arbeitsplatz liege bei maximal 50 %. Sollte sich die bipolare Störung erneut ver
schlechtern, so könne die Arbeitsfähigkeit jedoch auch wieder auf 0 % sinken. Von einer weiteren Behandlung sei eine Besserung zu erwarten (Urk. 6/87/62-64)
. Der Neurologe Dr.
L.___
führte in seinem „Neurologischen Gutachten mit inter
disziplinärer Zusammenfassung“ vom 22. Juli 2009 (vgl. Urk. 6/87/24) als neu
ro
logische Diagnose eine Migräne ohne Aura gemäss ICHD-II-Code 1.1 an. Er hielt im Weiteren
fest, während der Heilphase nach dem Unfall vom 2
5.
Juli 2006 sei unter Be
rücksichtigung der orthopädisch/rheumatologischen Situation über sechs Wo
chen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Informatikerin nach
vollziehbar. Da
nach wäre unter Berücksichtigung des natürlichen
Heilungs
ver
laufs
eine schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit, beginnend mit 50
%
in den folgen
den sechs Wochen zu erwarten gewesen. Spätestens drei Monate (12 Wochen) nach dem Ereignis wäre mit einer rein unfallbedingten Arbeitsun
fähig
keit von 0
%
zu rechnen gewesen (
Urk.
6/87/43).
2.5
Laut dem Arztbericht der Psychiaterin
Dr.
F.___
vom 1
4.
Dezember 2010
(
Urk.
6/95)
bestehen bei der Beschwerdeführerin ein atypisches
Beschleuni
gungs
trauma
, eine leichte trau
matische Hirnverletzung, eine posttraumatische
Belas
tung
sstörung
(ICD-10 F43.1) und ein
Verdacht auf Zyklothymie (ICD-10 F31.0).
Die Beschwerde
führerin s
ei
als Informatikerin seit Jahren und bis auf weiteres nur zu 50
%
arbeitsfähig. Sie sei eingeschränkt durch Konzentrations
störungen, Ver
krampfungen und fehlende Belastbarkeit. Bei Überlastung rea
giere sie durch so
fortige Krankheit und Ausfälle am Arbeitsplatz. Mehr als das aktuell ausge
übte Arbeitspensum von 50
%
könne sie nicht leisten.
2.6
Gemäss dem polydisziplinären Gutachten der M
EDAS
G.___
vom 10. Dezem
ber 2013 (
Urk.
6/133/46) bestehen bei der Beschwerdeführerin
mit Einschränkung auf die Arbeitsfähigkeit ein panvertebrales Schmerzsyndrom mit
anamnestisch
cervicocephaler
Komponente bei Unfall mit HWS-Beteiligung 2001
(Rückwärtssturz beim Snowboarden), atypischem
craniocervicalem
Be
schleu
ni
gungstrauma
QTF II und Commotio cerebri am 2
5.
Juli 2006 (
Auto
schleu
der
un
fall
),
Osteochondrose
C6/7 > C5/6, leichte
r
Spondylarthrose
C5/6 bis C6/Th1,
Discusprotrusion
C6/7
mediolateral
bis lateral link
s ohne Neuro-/
Myelon
kom
pression
(MRI 2
8.
Januar 2009), unauffälligem MRI Gehirn 1
1.
April 2007,
cervicaler
Streckfehlhaltung, Skoliose, leicht akzentuierter tho
rakaler Kyphose,
muskulärer
Dysbalance
, mehrsegmentaler Dysfunktionen, ge
neralisierter musku
lärer Hypotrophie bei untergewichtiger Versicherter, mus
ku
lärer
Dekonditio
nie
rung
und Haltungsinsuffizienz, tendenzieller
ligamentärer
Hyperlaxität
sowie ohne wesentliche Einschränkung der Arbeits
fähigkeit chro
nisches Untergewicht (BMI 16,8 kg/m
2
), Migräne ohne Aura, intermittierend auftretende Sensibilitäts
störungen an beiden Armen ohne motorische Ausfälle (keinem peripheren Nerven
oder einem Nervensegment entsprechend), anam
nestisch
Lactoseintole
ranz
, anam
nestisch Knietorsions
trauma rechts 1998 und anamnestisch
Clavicula
frak
tur
links ca. 198
9.
Aus polydisziplinärer Sicht be
stehe keine Arbeitsunfähigkeit in der von der Beschwerdeführeri
n aktuell
aus
geübten Tätigkeit als Informati
kerin. Spätestens drei Monate nach dem HWS-Trauma vom 2
5.
Juli 2006 lasse
sich keine Arbeitsunfähigkeit mehr nach
voll
ziehen. Aus rheumatologischer Sicht
nachvollziehbar sei eine Beein
trächtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit
betreffend überwiegend mittelschwerer und jeglicher schwerer körperlicher Tätig
keiten. In körperlich leichten bis gelegent
lich mittelschweren beruflichen Tätig
keiten bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 6/133/51)
.
2.7
Laut dem Bericht des Psychiaters
H.___
vom 1
2.
Mai 2015 (Urk. 12/1
) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung, ge
gen
wärtig mittel (ICD-10 F33.1), Differentialdiagnose: Bipolar affek
tive Stö
rung (ICD-10 F31) sowie ein ADHS (ICD-10 F90). Das Krank
heitsbild s
ei
vielschichtig und eine diagnostische Einordnung dementsprechend schwierig. Unter medika
men
töser Behandlung sei es zu einer Verbesserung der depressiven Sympto
ma
tik
und einer Stabilisierung des Stimmungszustandes gekommen. Dieser sei jedoch nie wirklich gut und ausreichend gewesen, die Beschwerde
führerin habe weiter
hin
über massive und ausgeprägte
Konzen
trationsstörun
gen
, sehr schnelle
Er
schöpfbarkeit
, innere Unruhe und
Merkfähig
keitsstörungen
geklagt. Es bestehe auch eine positive Diagnostik auf ADHS. Die deswegen auf
genommene medi
ka
mentöse Behandlung habe eine deutliche Verbesserung er
bracht.
Trotz Behand
lung sei
en
die Leistungsfähigkeit und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin dauerhaft deutlich eingeschränkt. Es liege eine Ein
schränkung von wenig
s
tens 50
%
vor.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin gelangte gestützt auf die Beurteilung der MEDAS
G.___
zum Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin spätestens drei Monate nach
dem HWS-Trauma vom 2
5.
Juli 2006 in der Tätigkeit als Informatikerin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr erleide. Es sei deshalb spätestens nach Abschluss der Ausbildung im Frühjahr 2008 von einer vollen Ar
beitsfä
higkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen, womit keine
Erwerbs
ein
busse
vor
liege. Es sei der Beschwerdeführerin zumutbar, ihr Arbeitspensum von 50
%
auf 100
%
zu erhöhen, weshalb sie keine
gesund
heitsbedingte
Einkom
menseinbusse
erleide
und sie keinen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung, ins
be
sondere eine Invalidenrente, habe
(
Urk.
2)
.
3.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin geltend
machen, sämtliche be
han
deln
den
und auch die von der „Zürich“ mit der Begutachtung beauf
tragten Ärzte
attestierten ihr eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Auf das zu einem gegen
teiligen Schluss kommende Gutachten der MEDAS
G.___
könne nicht ab
gestellt werden, da es diverse Mängel aufweise. Es sei damit davon aus
zugehen, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit mit dem gegenwär
tigen 50%-Pensum vollumfänglich ausschöpfe. Da sie bei Gesundheit zu 100
%
erwerbs
tätig wäre, habe sie mindestens Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (
Urk.
1).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre
Gutachten
der
MEDAS
G.___
vom 10. Dezember 2013
(
Urk.
6/133)
basiert auf fachärztlichen Untersuchungen (internistischen, rheum
a
tologisch, neurologisch,
psychiatrisch und neuropsychologisch),
beantwortet die gestellten Fragen umfassend, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin ge
klag
ten Beeinträchtigungen, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt und ist in der Darlegung der medizinischen Zustände und
Zu
sammenhänge einleuchtend. Ebenso wurden die gezogenen Schluss
folge
rung
e
n in nachvollziehbarer Weise hergeleitet. Das Gut
achten wird damit den von der Rechtsprechung entwickelten Anforderungen an eine beweis
kräftige medizi
ni
sche Stellungnahme (BGE 125 V 352 E. 3a) ge
recht. Ihm ist volle Beweiskraft zuzuerkennen, falls keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex
per
tise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/
bb
vgl. E. 1.3).
4.2
In Bezug auf die von der Einschätzung der MEDAS
G.___
abweichenden Berichte der behandelnden Ärzte ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen
(vgl. E.
1.5).
Die von den behandelnden Ärzten vorgenommene Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit, welche sie durchgehend mit 50
%
beziffern, entspricht denn auch in erster Linie der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
, wel
che von den Ärzten der MEDAS
G.___
nicht nachvollzogen werden konnte
. Insbe
sondere liessen sich die
in den neuropsychologischen Tests festge
stellten Defi
zite nicht objektivieren und validieren (
Urk.
6/133/51).
4.3
Es trifft zu, dass im Gutachten der MEDAS
G.___
der Umstand, dass die Be
schwerdeführerin wegen Geburtsgebrechen von der Beschwerdegegnerin Leis
tungen bezogen hat (
Urk.
6/1)
,
keine Erwähnung findet. Zumal darüber aber keine
detaillierten Angaben
- insbesondere keine medizinischen Berichte -
mehr vorhanden sind
und sich aus dieser Zeit kaum mehr Akten bz
w. medizinische Berichte
beibringen lassen
, stellt dies kein
en
gravierende
n
Mangel am Gutach
ten dar. Die
Gutachter haben
eine ausführliche Anamnese erhoben und den aktuel
len Gesundheitszustand sowie dessen
Verlauf seit dem Unfall vom 25.
Juli 2006 umfassend und sorgfältig abgeklärt.
Ausserdem haben sie sich mit den medizi
nischen
Vorakten
detailliert auseinandergesetzt.
Im Übrigen findet sich in kei
nem
der
vorhandenen
ärztlichen Bericht
e
ein
Hinweis
darauf, dass
sich
die
Geburtsgebre
chen
- insbesondere die
neonatale
Such
t
mittelabhängigkeit
–
nega
tiv
auf den aktuellen Gesundheitszustand und die damit verbundene Arbeits
fähigkeit auswirken.
Solches lässt sich auch den von der Beschwerde
führerin nachträglich eingereichten Berichten (
Urk.
12/1-2) nicht entnehmen. Es ist zwar
zusätzlich ein ADHS diagnostiziert worden
(Urk. 12/1 S. 1, Urk. 12/2 S. 4 und 5)
,
ein Zusammenhang zur
neonatalen
Suchmit
telabhängigkeit
ergibt sich dagegen auch aus diesen Berichten nicht. Ausserdem hat sich das ADHS laut den An
gaben des Psychiaters
H.___
unter entspre
chender Medikation deutlich ver
bessert (
Urk.
12/1 S. 2).
4.4
Die Beschwerdeführerin lässt im
W
eiteren am Gutachten der MEDAS
G.___
bemängeln, dass dieses die v
on früheren Gutachten gestellte
Diagnose der bi
po
laren Störung nicht widerlege.
Es begnüge sich vielmehr mit Moment
auf
nah
men, was bei bipolaren Störungen nicht zulässig sei.
Hierzu gilt es anzu
merken
, dass
Dr.
A.___
die Diagnose einer bipolaren Affektpsychose auch le
diglich auf
grund einer einmaligen Konsultation gestellt hat
(Urk. 6/26/2; vgl. Urk. 6/87/49)
,
nachdem ihm die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf eine diesbezügliche familiäre Vorbe
las
tung von starken Stimmungsschwankungen berichtet hat
te
. Im Zeitpunkt der Konsultation
(10. September 2007)
konnte
Dr.
A.___
dagegen weder eine depressive noch eine ma
nische Phase beobachten, vielmehr wies die
Beschwerdeführerin keine auffällige Psychopathologie auf (
Urk.
6/26/3).
Die Psy
chiaterin
M.___
(Urk. 6/87/60)
konnte ebenso wenig eine manische Phase direkt beobachten, sondern sie h
ie
lt vielmehr
fest, eine erste manische Episod
e habe im Sommer/Herbst 2006 stattgefunden (
Urk.
6/87/61). Die
laut der Psychiaterin
M.___
"
sehr differenzierten
"
Ausführungen des Vaters der Beschwer
deführerin
haben aber lediglich ergeben, dass die Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem
Unfall im Sommer 2006 nicht aus
zuhalten gewesen sei, während er sie an
lässlich eines Besuchs im Herbst 2006 deutlich verändert erlebt habe, mit ge
reiz
ter
Stimmung, geringerem Schlafbe
dürfnis, höherer Aktivität, beschleunigtem Denken
, Rededrang, Red
seligkeit und vermehrten Geldausgaben als üblich. „Das eindeutig positive Manische habe aber sicher gefehlt“. Mittlerweilen sei sie auch beinahe wieder die alte, aller
dings noch etwas belastet (
Urk.
6/87/
58). Soweit
Dr.
F.___
sodann gegen
über der Psychiaterin
M.___
ausgeführt hat, an der Diagnose eine
r
bipolaren Störung habe sie keine Zweifel (
Urk.
6/87/58), steht
dies im Widerspruch zu ih
rem Bericht vom 1
6.
Februar 2011 (
Urk.
6/95/1), wo si
e lediglich den Verdacht auf eine Zyklothymie
(ICD-10
F31.0
[richtig
F34.01
]
)
äussert.
Im nach Erlass der angefochtenen Verfügung er
stellten Bericht des Psy
chiaters
H.___
vom 1
2.
Mai 2015 (
Urk.
12/1) wird die bipolare Stö
rung sodann nur im Sinne eine
r
Differentialdiagnose ge
stellt.
Es lässt sich somit entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht feststellen, die anderweitig erhobene Diag
nose einer bipolaren Störung fusse auf einer zuverlässigeren Grundlage als das Gutachten der MEDAS
G.___
. Wenn
der
psychiatrische
Gutachter d
er MEDAS
G.___
aufgrund der Umstände
, dass die Beschwer
de
führerin
über
keine hypomanischen und manischen Episoden
be
richtet und das Auftreten der depressiven Symptome selber in einen Zusam
menhang mit
psy
chosozialen
Be
lastungsfaktoren
(finanzielle Probleme,
Part
nerschaftskon
flikt
)
gestellt hat, zum
Ergebnis gelang
t
e, dass die Voraussetzun
gen zur Stellung der Diagnose eine
r
bipo
laren Störung nicht gegeben sind (
Urk.
6/133/34), ers
cheint dies durchaus
schlüssig.
Gleiches gilt für seine Beurteilung, wonach auch die weiteren akten
kun
digen psychiatrischen Diagnosen nicht nachvollziehbar seien (Urk. 6/133/32-36).
4.5
Gemäss den ebenfalls schlüssigen Angaben im psychiatrischen Teilgutachten sowie in der interdisziplinären Zusammenfassung verfügt die
Beschwerde
füh
rer
in auch über positive Ressourcen wie die ausgeübte anspruchsvolle Berufs
tätigkeit, die soziale Integration und die re
gelmässige Teilnahm
e an Therapien
(Urk. 6/133/36 und Urk. 6/133/51).
Dass die Beschwerdeführerin sozial gut integriert ist, ist auch bereits dem Gut
achten von Psychiaterin
M.___
vom 14. Juli 2009 zu entnehmen (Urk. 6/87/52).
Zu den bislang durchgeführten Behandlungen der geltend gemachten psychi
schen Beschwerden ist anzumerken, dass der Beschwerdeführerin zwar im Sommer/
Herbst 2007 von ihrem Hausarzt Dr.
Z.___
Lamictal
verabreicht wurde (vgl. E. 2.2.1). Einen Facharzt (Dr.
A.___
, vgl. E. 2.3) hat sie aber in diesem
Jahr lediglich einmalig aufgesucht (Urk. 6/87/49). Im Zeitpunkt der Begutachtung durch Psychiaterin
M.___
(Februar/März 2009) wurde sie zwar wei
terhin mit
Lamictal
behandelt (Urk. 6/87/54). Sie ging aber laut ihren Anga
ben - erst - seit knapp einem Jahr und - lediglich - im Abstand von zwei bis vier
Wochen in eine psychiatrische Gesprächstherapie bei Dr.
F.___
(Urk.
6/87/53).
Im Zeitpunkt der Begutachtung in der MEDAS
G.___
(Okto
ber 2013) fanden die Gespräche bei Dr.
F.
___
sogar nur noch alle drei Monate statt (Urk. 6/133/30). Eine (teil-)stationäre psychiatrische Behandlung wurde offenbar bislang nicht durchgeführt. Dies lässt zum einen nicht auf einen ausgeprägten psychischen Leidensdruck schliessen. Zudem hat sie bislang die Behandlungsmöglichkeiten bei weitem nicht voll ausgeschöpft.
Schliesslich geht aus den Akten, namentlich auch aus den von der Beschwer
deführerin im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Unterlagen (Urk. 12/2 S. 20, Urk. 12/3), auch hervor, dass sie durch - invaliditätsfremde (vgl.
E.
1.1) - psychosoziale Faktoren, insbesondere finanzielle Probleme, erheb
lich belastet war und ist.
Aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht besteht daher kein Grund, die Beur
teilung der MEDAS-Gutachter in Frage zu stellen. Vielmehr kann gestützt darauf
ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass es der Beschwerdeführerin - trotz ihrer schwierigen persönlichen Situation (vgl. Urk. 12/3) - bei Aufbietung allen guten Willens und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht all
ge
mein geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht zuzumuten war und ist, ganztags eine ihren somatischen Beschwerden angepasste Tätigkeit auszu
üben.
4.6
Nach dem Gesagten ist aus invalidenversicherun
gsrechtlicher Sicht davon aus
zu
gehen,
dass die Beschwerdeführerin
– zumindest seit dem Ende der beruf
li
chen Eingliederung (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.2; Taggeldzahlungen bis Ende Mai 2008 [Urk. 6/24, Urk. 6/38, Urk. 6/48 und Urk. 6/60]; vgl. Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG) -
in körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren beruflichen Tätig
keiten und insbesondere auch in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Informati
ke
rin vollumfänglich arbeitsfähig
war und
ist.
5.
Da die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Informatikerin zu 100
%
arbeitsfähig ist, erleidet sie keine gesundheitsbedingte Einkommens-
e
in
busse
.
Der Invaliditätsgrad beträgt 0
%
. Die
s führt zur Abweisung der
Be
schw
erde.
6.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das
Be
schwerdeverfahren
bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Verweigerung
von IV-Leistungen vor dem kantona
len Versicherungsgericht kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitw
ert im Rahmen von 200-1000 Fran
ken
festgelegt.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tomas Kempf
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstBrügger