# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 196b7237-9dda-5e02-88a7-e132fdcb3b56
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-07-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.07.2023 D-3633/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3633-2023_2023-07-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3633/2023  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  J u l i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Walter Lang, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry; 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Kerstin Krüger, 

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Nordwestschweiz, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 19. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

D-3633/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger, suchte am 

11. März 2023 in der Schweiz um Asyl nach und gab dabei an, er sei am 

(…) (nach afghanischem Kalender; Anm. des Gerichts) geboren. 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der europäi-

schen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass der 

Beschwerdeführer am 6. März 2023 in Österreich um Asyl ersucht hatte. 

C.  

C.a Da das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum vom SEM 

fälschlicherweise als «(…)» gelesen wurde, fand am 28. März 2023 das 

persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 

des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-

legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der 

für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-

ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), durch. 

C.b Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei auf der Durchreise in Ös-

terreich festgenommen worden und habe die Fingerabdrücke abgeben 

müssen. Jedoch habe er dort nicht um Asyl ersucht. Er sei unter beschwer-

lichen Umständen in die Schweiz gekommen und wünsche, hier zu bleiben. 

In Österreich fühle er sich nicht wohl, in der Schweiz schon. Sein Reiseziel 

sei von Anfang an die Schweiz gewesen. Ausserdem sei er erst (…) Jahre 

alt und somit minderjährig, was seine Tazkira beweise. Wie er bereits sei-

ner Rechtsvertretung erklärt habe, habe ein Iraner für ihn das Personalien-

blatt ausgefüllt. Dieser habe ihn falsch verstanden und ein unrichtiges Ge-

burtsdatum angegeben. Schliesslich gab er an, gesund zu sein. 

D.  

Das SEM ersuchte die österreichischen Behörden am 12. Mai 2023 um 

Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der 

Dublin-III-VO. Diese lehnten das Ersuchen am 15. Mai 2023 ab mit der Be-

gründung, der Beschwerdeführer sei in Österreich als minderjährige Per-

son registriert. 

  

D-3633/2023 

Seite 3 

E.  

E.a Am 24. Mai 2023 fand die Erstbefragung UMA (EB) statt, anlässlich 

welcher der Beschwerdeführer ausführte, er sei im Jahre (…) geboren. Das 

genaue Geburtsdatum stehe auf dem Impfausweis. Er könne jedoch nicht 

lesen. Sein Vater habe ihm das Datum mitgeteilt, aber er habe es verges-

sen. Er sei, wie ihm sein Vater etwa einen Monat nach der Einreise in die 

Schweiz mitgeteilt habe, aktuell (…) Jahre und etwa einen Monat alt. In 

Afghanistan sei sein Alter nie ein Thema gewesen. Er habe nie eine Schule 

besucht, weil seine Familie arm sei. Er habe mit einem (…) gekauft und 

weiterverkauft. Die Taliban hätten nach der Machtübernahme die «(…)» 

nicht mehr arbeiten lassen. Deshalb sei er ausgereist. In Österreich habe 

er das Alter gesagt, das er ungefähr gewusst habe, beziehungsweise habe 

er irgendetwas sagen müssen und deshalb «(…)» gesagt. Das Personali-

enblatt habe ein Iraner für ihn ausgefüllt. Er habe diesem gesagt, er habe 

keine Ahnung, wie alt er sei. 

E.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Kopien seiner Tazkira 

und seines Impfausweises zu den Akten. Laut Tazkira, ausgestellt am 

27.08.1395, sei er im Jahr 1395 (2016/17) gemäss Aussehen (…) Jahre alt 

gewesen. Dem Impfausweis ist das Geburtsdatum (…) ([…]) zu entneh-

men. 

F.  

In seinem Gutachten vom 1. Juni 2023 kam das Institut für Rechtsmedizin 

(IRM) der Universität B._______ zum Ergebnis, es könne in Zusammen-

schau der Befunde von einem Mindestalter des Beschwerdeführers von 

(…) Jahren ausgegangen werden. Er habe mit an Sicherheit grenzender 

Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet. 

G.  

In der Folge ersuchte das SEM die österreichischen Behörden am 2. Juni 

2023 um erneute Prüfung des Übernahmeersuchens (Remonstrationsver-

fahren). Am 5. Juni 2023 erging die explizite Zustimmung Österreichs zur 

Übernahme des Beschwerdeführers. 

H.  

Am 5. Juni 2023 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das rechtliche 

Gehör zu seiner Absicht, dessen Geburtsdatum im Zentralen Migrationsin-

formationssystem (ZEMIS) auf den (…) (mit Bestreitungsvermerk) anzu-

passen. Gleichzeitig erhielt er Gelegenheit, sich zu allfälligen Gründen zu 

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Seite 4 

äussern, welche gegen eine Überstellung nach Österreich sprechen könn-

ten. 

I.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Juni 2023 hielt der Beschwer-

deführer an seinen Ausführungen fest und wies erneut darauf hin, er sei 

(…) Jahre alt. Er möchte auf keinen Fall nach Österreich zurückkehren. 

Sein Ziel sei immer die Schweiz gewesen. In Österreich habe man ihn ge-

gen seinen Willen gezwungen, die Fingerabdrücke abzugeben. 

J.  

Noch am gleichen Tag teilte das SEM der Rechtsvertretung mit, dass das 

Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (…) (mit Bestrei-

tungsvermerk) angepasst worden sei. Die Altersanpassung werde im Rah-

men des Verfahrens mit dem Entscheid verfügt. 

K.  

Mit Verfügung vom 19. Juni 2023 – eröffnet am 20. Juni 2023 – trat das 

SEM gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-

such des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Österreich) und forderte 

den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwer-

defrist zu verlassen, ansonsten könne er inhaftiert und unter Zwang in den 

für ihn zuständigen Dublin-Mitgliedstaat zurückgeführt werden. Der Kanton 

C._______ wurde mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt (Dispositiv-

ziffern 1, 3, 4 und 5). Sodann stellte es fest, im ZEMIS sei der (…) mit 

Bestreitungsvermerk als Geburtsdatum registriert (Dispositivziffer 2), hän-

digte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-

verzeichnis aus (Dispositivziffer 6) und hielt fest, einer allfälligen Be-

schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu (Dispositivziffer 7). 

L.  

Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

27. Juni 2023 beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Verfügung des 

SEM Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung 

sei aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzu-

treten und in der Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei der Beschwerde die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörde sei unverzüg-

lich anzuweisen, von einer Überstellung nach Österreich abzusehen, bis 

das Bundesverwaltungsgericht über die Erteilung der aufschiebenden 

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Seite 5 

Wirkung entschieden habe. Sodann sei die unentgeltliche Prozessführung 

zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten. 

Der Beschwerde lagen eine Vollmacht, die angefochtene Verfügung, das 

Protokoll des Dublin-Gesprächs, das Schreiben des Bundesamts für Frem-

denwesen und Asyl vom 15. Mai 2023, die Tazkira, der Impfausweis und 

das rechtsmedizinische Gutachten des IRM der Universität B._______ 

vom 1. Juni 2023 bei (alle in Kopie). 

M.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 28. Juni 2023 setzte der Instruk-

tionsrichter den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist daher 

einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

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Seite 6 

2.3 Die von der Vorinstanz verfügte Anpassung des Geburtsdatums im 

ZEMIS (vgl. Dispositivziffer 2 der angefochtenen Verfügung) wurde vorlie-

gend nicht angefochten (vgl. Sachverhalt Bst. L). Ein diesbezüglicher Be-

schwerdewille ergibt sich auch nicht aus der Begründung der Rechtsmitte-

leingabe. Unter Berücksichtigung der diesbezüglich noch laufenden Be-

schwerdefrist wird folglich davon ausgegangen, die vorliegende Be-

schwerde richte sich ausschliesslich gegen den verfügten Nichteintretens-

entscheid. 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei-

ten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriften-

wechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a 

Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Im Rahmen eines Wiederaufnahmever-

fahrens (engl.: take back) wie im vorliegenden Fall findet grundsätzlich 

keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Gan-

zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prü-

fen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig 

bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VI/5

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Seite 7 

4.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht 

ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 

2010/45 E. 8.3). 

4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a 

Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch 

«aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss 

Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völker-

rechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. 

BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

4.6 Im Falle einer unbegleiteten minderjährigen Person ohne familiäre An-

knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 

Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem jene einen Antrag auf inter-

nationalen Schutz gestellt hat. Als minderjährig gilt ein Drittstaatsangehöri-

ger unter 18 Jahren (Art. 2 Bst. i Dublin-III-VO; Art. 1a Bst. d AsylV 1). Un-

begleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenom-

men (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-Verordnung, 

Das europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K15 f. zu Art. 8 Dublin-

III-VO, m.w.H.). 

5.  

5.1 In der angefochtenen Verfügung wird die behauptete Minderjährigkeit 

des Beschwerdeführers betreffend ausgeführt, die in Kopie eingereichten 

Dokumente, nämlich die Tazkira und der Impfausweis, würden keinerlei 

überprüfbaren Sicherheitsmerkmale aufweisen und seien erfahrungsge-

mäss ohne grösseren Aufwand auch anderweitig beschaffbar. Deshalb 

würden sie keinerlei handfeste Beweiskraft entfalten. Da der Beschwerde-

führer im Asylverfahren zudem überaus vage und widersprüchliche alters-

spezifische Angaben gemacht habe und sein Äusseres subjektiv ein 

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Seite 8 

deutlich höheres Alter als das angegebene suggeriere, habe er die angeb-

liche Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen können. Das rechtsmedizini-

sche Gutachten habe ergeben, dass er die Volljährigkeit mit an Sicherheit 

grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht habe und das Mindestalter (…) 

Jahre betrage. 

5.2 In der Beschwerde wird bestritten, dass keine Indizien für das Vorliegen 

der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers präsentiert worden seien, wel-

che geeignet wären, das Resultat in einer Gesamtbetrachtung zu seinen 

Gunsten zu ändern. Die behauptete Minderjährigkeit sei zumindest mit 

dem Einreichen der Tazkira sowie des Impfausweises glaubhaft gemacht 

worden. Das rechtsmedizinische Gutachten sei hinsichtlich des Befundes 

der Ossifikation sehr ungenau. Ausserdem sei diese Beurteilung wider-

sprüchlich, da ein Mindestalter von (…) Jahren festgestellt werde, obwohl 

die vollständige Ossifikation bei Knaben normalerweise ab einem minima-

len Alter von 16.1 Jahren vorliege. Die zahnärztliche Untersuchung ergebe 

sodann ein Alter von 16 Jahren (Mittelwert; betreffend Zähne 1 bis 7 im 

3. Quadranten) beziehungsweise 17 respektive 16.9 Jahren (Mindestalter; 

betreffend Weisheitszähne). Dem Fazit des Gutachtens könne deshalb 

nicht gefolgt werden. 

5.3 Die Altersangaben des Beschwerdeführers sind übereinstimmend mit 

den diesbezüglichen Erwägungen des SEM, denen in der Beschwerde 

nichts Stichhaltiges entgegengehalten wird, als vage und widersprüchlich 

zu qualifizieren. Sodann kann der Beschwerdeführer seine Identität und die 

von ihm behauptete Minderjährigkeit nicht durch Vorlage eines diesbezüg-

lich aussagekräftigen Dokuments beweisen. Ein solches wäre insbesonde-

re ein gültiges Reise- oder Identitätspapier (Pass oder Identitätskarte). Af-

ghanische Tazkiras – jedenfalls in der vom Beschwerdeführer vorgelegten 

veralteten Form – werden lediglich gestützt auf Parteiangaben ausgestellt, 

weshalb alleine damit praxisgemäss nicht ein rechtsgenüglicher Nachweis 

der Identität erbracht werden kann (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2; 2013/30 

E. 4.2.2). Auch der lediglich als Kopie eingereichte Impfausweis stellt kein 

rechtsgenügliches Identitätspapier dar. 

5.4  

5.4.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellen 

medizinische Altersabklärungen – je nach Ergebnis – unterschiedlich zu 

gewichtende Indizien für das Alter einer Person dar. Die Schlüsselbein- 

respektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung sind 

dabei grundsätzlich, anders als die Handknochenanalyse und die ärztliche 

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Seite 9 

Untersuchung, zum Beweis geeignet. Das Bundesverwaltungsgericht hat 

in dieser Hinsicht Grundsätze zur Gewichtung der Resultate der Untersu-

chungen definiert (eingehend hierzu: BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.; vgl. Ur-

teile des BVGer A-4775/2020 vom 31. März 2021 E. 6.2.4 und 

A-1455/2020 vom 13. Oktober 2020 E. 6.1.1). Darüber hinaus sind die üb-

lichen verfahrensrechtlichen Regeln der Beweiswürdigung zu beachten, 

wobei es umso weniger auf eine Gesamtwürdigung der Beweise ankommt, 

je stärker die medizinischen Abklärungen ein Indiz für das Vorliegen des 

streitigen Alters darstellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E 4.2.2 f., 2019 I/6 

E. 6.1 ff.). 

5.4.2 Das Altersgutachten des IRM der Universität B._______ vom 1. Juni 

2023 kommt in Zusammenschau der Befunde zum Ergebnis, dass der Be-

schwerdeführer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 

18. Lebensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht hat, wobei von ei-

nem Mindestalter von (…) Jahren auszugehen sei. Der radiologische Be-

fund der linken Hand entspreche dem Referenzbild eines (…)-jährigen Jun-

gen. Der Befund der Ossifikation der medialen Schlüsselbeinepiphysen 

entspreche einem Stadium 3c nach Kellinghaus et al., was bei Jungen ei-

nem mittleren Alter von 22.9 ± 1.8 Jahren entspreche. Das minimale Alter, 

bei welchem das vorliegende Stadium noch habe gesehen werden können, 

liege – je nach Studie – bei (…) beziehungsweise (…) Jahren. Das maxi-

male Alter liege bei 30 Jahren. Die zahnärztliche Untersuchung an den 

Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadranten habe einen vollständigen Abschluss des 

Wurzelwachstums ergeben, welcher nach Demirjian ab einem Alter von 

16 Jahren zur Beobachtung komme. Da in der angegebenen Studie keine 

Streuungsmasse angegeben seien, könne dies nur als Mittelwert und nicht 

als Minimum gewertet werden. An den 3. Molaren (Weisheitszähnen) habe 

sich ein Mineralisationsstadium von «H» nach Demirjian gefunden, was ei-

nem vollständigen Abschluss des Wurzelwachstums entspreche. Es könne 

daher nur noch ein Mindestalter angegeben werden, welches bei 17 bezie-

hungsweise 16.9 Jahren für eine männliche Population aus Europa liege. 

Eine Referenzstudie für eine männliche Population aus Afghanistan liege 

nicht vor (vgl. SEM-Akte […]-29/6). 

5.4.3 Gestützt auf BVGE 2018 VI/3 ist eine medizinische Altersabklärung 

als sehr starkes Indiz für die Volljährigkeit zu werten, wenn das Mindestal-

ter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und der zahn-

ärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt. Liegt das Mindestalter bei 

der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen 

Untersuchung über 18 Jahren und überlappen sich die anhand der beiden 

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Seite 10 

Analysen ergebenden Altersspannen, ist dies ein starkes Indiz für die Voll-

jährigkeit. Lediglich ein schwaches Indiz für die Volljährigkeit liegt vor, wenn 

das Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse 

oder der zahnärztlichen Untersuchung über 18 Jahren liegt und sich die 

anhand der beiden Analysen ergebenden Altersspannen nicht überlappen, 

wobei es dafür eine plausible medizinische Erklärung gibt. Ein sehr schwa-

ches oder gar fragliches Indiz für die Volljährigkeit ist gegeben, wenn das 

Mindestalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse oder 

der zahnärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren liegt und die sich anhand 

der beiden Analysen ergebenden Altersspannen nicht überlappen, ohne 

dass es dafür eine plausible medizinische Erklärung gibt. Wenn das Min-

destalter bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und der 

zahnärztlichen Untersuchung unter 18 Jahren liegt, lässt sich – ähnlich wie 

bei der Handknochenaltersanalyse – anhand der medizinischen Altersab-

klärung keine Aussage zur Minder- respektive Volljährigkeit einer Person 

machen (selbst wenn das Maximalalter bei beiden oder einer Methode dar-

über liegt; vgl. a.a.O. E. 4.2.2). 

5.4.4 Gemäss dem Gutachten des IRM der Universität B._______, wel-

ches von ärztlichen Fachpersonen nach wissenschaftlichen Kriterien ver-

fasst worden ist und den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Fo-

rensische Altersdiagnostik der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin 

(AGFAD) folgt, liegt das Mindestalter bei der Schlüsselbeinanalyse über 

18 Jahren ([…] beziehungsweise […] Jahre), bei der zahnärztlichen Unter-

suchung unter 18 Jahren. Da bei der Mineralisation der Weisheitszähne 

nur ein Mindestalter von 17 beziehungsweise 16.9 Jahren festgestellt 

wurde und die zahnärztliche Untersuchung der Zähne 1 bis 7 im 3. Quad-

ranten lediglich einen Mittelwert von 16 Jahren ergab, überlappen sich die 

Altersspannen zwar insofern nicht, als dass im Rahmen dieser Untersu-

chung keine konkrete Altersspannen angegeben werden. Die Ergebnisse 

stehen demgegenüber entgegen der in der Beschwerde geäusserten An-

sicht auch nicht im Widerspruch zueinander. Angesichts des Fazits des 

Gutachtens, insbesondere des Befundes am Schlüsselbein, ist das Alters-

gutachten, welches zwar nicht vollumfänglich ins Schema der erwähnten 

bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung passt, im Rahmen der 

Gesamtwürdigung als Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu 

berücksichtigen. 

5.5 In einer Gesamtwürdigung ist festzuhalten, dass die vom Beschwerde-

führer behauptete Minderjährigkeit weder belegt noch glaubhaft ist. Art. 8 

D-3633/2023 

Seite 11 

Abs. 4 Dublin-III-VO fällt daher nicht als Kriterium zur Bestimmung des für 

das Asylverfahren zuständigen Mitgliedstaats in Betracht. 

6.  

Vorliegend ergab ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers 

mit der Eurodac-Datenbank, dass dieser am 6. März 2023 in Österreich um 

Asyl ersucht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die österreichischen Behör-

den um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Nachdem diese dem 

Ersuchen um Wiederaufnahme nach der Remonstration des SEM zuge-

stimmt haben, ist die Zuständigkeit Österreichs zur Durchführung des Asyl-

verfahrens grundsätzlich gegeben. 

7.  

7.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, gibt es keine Gründe 

für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Asylsuchende in Österreich würden systemische Schwachstellen im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen, die eine 

Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne 

des Art. 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden (vgl. hierzu 

statt vieler Urteil des BVGer D-2668/2023 vom 9. Juni 2023 E. 7.2).  

7.2 Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Des Weiteren darf die Schweiz davon ausgehen, dieser 

Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus 

den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU 

vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und 

Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

7.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

 

 

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Seite 12 

8.  

8.1 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes 

Risiko dargetan, dass die österreichischen Behörden in seinem Fall den 

erwähnten völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen würden. 

Sodann liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asyl-

gesuchs mangelhaft vorgenommen würde. Den Akten sind ferner auch 

keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Österreich werde in seinem 

Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise 

in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus 

einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr 

laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. 

Ausserdem hat er nicht geltend gemacht, die ihn bei einer Rückführung 

erwartenden Bedingungen in Österreich seien derart schlecht, dass sie zu 

einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder 

Art. 3 FoK führen könnten. Der Beschwerdeführer hat weiter keine konkre-

ten Hinweise für die Annahme dargelegt, Österreich würde ihm dauerhaft 

die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedin-

gungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung 

könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die österreichischen Behörden 

wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts-

weg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). 

8.2 Zusammenfassend ist kein Grund für eine zwingende Anwendung der 

Ermessensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO ersichtlich. Auch ist den Akten 

nicht zu entnehmen, dass das SEM sein Ermessen bei der Prüfung von 

allfälligen Überstellungshindernissen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

nicht korrekt ausgeübt hätte. 

9.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 

und hat – weil er nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung ist – in Anwendung von Art. 44 AsylG die Überstellung 

nach Österreich angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

D-3633/2023 

Seite 13 

11.  

Die Gesuche um Gewährung der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werden mit dem vorliegenden 

Urteil gegenstandslos. 

12.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-

weisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen 

ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

13.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3633/2023 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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