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**Case Identifier:** a676aad4-55dc-5a00-8300-b2820eff7c04
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-23
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht Anwaltsaufsichtskommission 23.11.2017 OG AAK-17-6
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_007_OG-AAK-17-6_2017-11-23.pdf

## Full Text

Obergericht Appenzell Ausserrhoden  
Anwaltsaufsichtskommission  
 

Entscheid vom 23. November 2017  
 

Mitwirkende Präsident E. Zingg 
Oberrichterin S. Rohner 
Oberrichter P. Louis 
Rechtsanwalt P. Giuliani, F. Ludwig 
Aktuarin B. Widmer  
 
 
 

Verfahren Nr. AAK 17 6 
 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 
 

  
Verzeigter A___, Dr. iur. Rechtsanwalt 

 
 
 
 

Gegenstand Verletzung von Berufsregeln (Disziplinarverfahren)  

 

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Die Anwaltsaufsichtskommission stellt in tatsächlic her und rechtlicher Hinsicht fest: 
 

1. Das Obergericht Appenzell Ausserrhoden bestätigte mit Urteil vom 11. Dezember 2013 

ein vom Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden am 20. Februar 2012 gegen C___, in 

B___ verfügtes zeitlich unbeschränktes Tierhalteverbot. Die von seinem Verteidiger RA 

Dr. A___ gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde an das Bundesgericht wurde mit 

Urteil 2C_958/2014 vom 31. März 2015 abgewiesen (act. 2/1). Das Veterinäramt erliess 

am 7. Mai 2015 gegenüber C___ bzw. dessen Rechtsvertreter eine Verfügung zwecks 

Vollstreckung des rechtskräftig gewordenen Tierhalteverbots (act. 2/2). Am 9. Juni 2015 

kam es zum Abschluss eines Kauf- und Darlehensvertrags zwischen C___ und seiner 

Frau D___ (act. 2/3), worin festgehalten wurde, C___ sei mit einem Tierhalteverbot 

belegt, deshalb verkaufe er seinen gesamten Tierbestand mit Wirkung ab 1. Juni 2015 an 

D___ für CHF 75‘000.00 (Ingress und Ziff. 1). Der Verkäufer gewähre der Käuferin den 

Kaufpreis als Darlehen (Ziff. 4). Für das Darlehen sei kein Zins geschuldet (Ziff. 5, recte: 

7). Am 10. Juni 2015 wurde zudem zwischen D___ (Arbeitgeberin) und C___ 

(Arbeitnehmer) ein Einzelarbeitsvertrag abgeschlossen. Letzterer wurde von seiner Frau 

als landwirtschaftlicher Mitarbeiter ohne Tierbetreuung angestellt. Der Beginn des 

Arbeitsverhältnisses wurde auf den 1. Juni 2015 festgesetzt (act. (2/4). RA Dr. A___ 

vertritt gemäss Vollmacht vom 11. April 2016 ebenfalls die Interessen von D___ (act. 2/5, 

2/7). Das Veterinäramt erliess am 15. Juli 2016 eine neue Verfügung an das Ehepaar 

C___-D___ bzw. deren Rechtsvertreter zur Herstellung des rechtmässigen Zustands (act. 

2/8). 

  

Am 6. Februar 2017 wurde zwischen D___ und E___ ein Kaufvertrag abgeschlossen (act. 

2/10), worin festgehalten wurde, weil D___ vom Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden 

verpflichtet worden sei, den Tierbestand zu veräussern, verkaufe sie diesen mit Wirkung 

ab 1. Februar 2017 an E___ für CHF 75‘000.00 (Ingress und Ziff. 1). Die Verkäuferin 

gewähre dem Käufer den Kaufpreis als Darlehen (Ziff. 4). Für das Darlehen sei kein Zins 

geschuldet (Ziff. 7). Am 10. März 2017 wurde E___ vom Veterinäramt zur Tierhaltung in 

B___ befragt und es wurde darüber ein Protokoll erstellt. E___ erschien zur Befragung mit 

RA Dr. A___ und bezeichnet ihn als seinen Rechtsvertreter (act. 2/14). Am 16. März 2017 

erging ein Schreiben des Veterinäramtes an Dr. A___, wonach festgestellt werde, dass 

dieser aufgrund der Angaben im Kaufvertrag zwischen D___ und E___ im 

Verwaltungsverfahren sowohl die Käuferschaft als auch die Verkäuferschaft vertrete. 

Zudem habe er an der Besprechung vom 10. März 2017 angegeben, den Kaufvertrag 

erstellt zu haben. Nach Ansicht des Veterinäramtes liege bei dieser Konstellation ein 

Interessenkonflikt im Sinne von Art. 12 lit. c BGFA vor. RA Dr. A___ werde aufgefordert, 

eines der beiden Mandate niederzulegen (act. 2/15). RA Dr. A___ reichte am 27. März 

 

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2017 dem Veterinäramt die schriftliche Vollmacht von E___ ein (act. 2/17) und bat um 

Zustellung der Akten des Verwaltungsverfahrens, damit er prüfen könne, ob tatsächlich 

eine Interessenkollision vorliege (act. 2/16). Das Veterinäramt schickte RA Dr. A___ am 

29. März 2017 das Protokoll der Befragung vom 10. März 2017 und räumte Frist zur 

Stellungnahme ein (act. 2/18 und 2/19). Am 10. April 2017 schickte RA Dr. A___ je ein 

Schreiben für E___ und das Ehepaar C___-D___ an das Veterinäramt, worin er 

ausführte, weil es sich bei den Verfahren gegen C___ und E___ offenbar um zwei 

verschiedene handle, deren genauen Inhalt und Stossrichtung er nicht kenne, könne er 

nur aufgrund der Akten beurteilen, ob es sich um eine zulässige Doppelvertretung handle 

oder ob tatsächlich eine Interessenkollision vorliege. Er könne sich zum Protokoll erst 

äussern, wenn diese Frage definitiv geklärt sei. Er bitte daher um die Akten der beiden 

genannten Verwaltungsverfahren (act. 2/20+21). 

 

Mit Schreiben des Veterinäramtes vom 12. April 2017 wurde RA Dr. A___ darüber 

informiert, dass gleichentags bei der Anwaltsaufsichtskommission Meldung über eine 

mutmassliche Verletzung von Art. 12 lit. c BGFA erstattet worden sei. Zudem wurden RA 

Dr. A___ die geforderten Akten zugestellt und dieser aufgefordert, zum Protokoll bis zum 

22. April 2017 Stellung zu nehmen (act. 2/22).  

 

 

2. Mit Eingabe vom 12. April 2017 meldete das Veterinäramt gestützt auf Art. 15 Abs. 1 

BGFA der Anwaltsaufsichtskommission betreffend RA Dr. A___ eine mutmassliche 

Verletzung von Art. 12 lit. c BGFA und ersuchte die Anwaltsaufsichtskommission, 

aufsichts- und/oder disziplinarrechtliche Massnahmen zu prüfen oder die vorliegende 

Meldung an die zuständigen Behörden weiterzuleiten (act. 1). Am 13. April 2017 setzte 

die Anwaltsaufsichtskommission RA Dr. A___ über die Anzeige in Kenntnis und gab ihm 

Gelegenheit zur Stellungnahme (act. 3). Mit Eingabe vom 1. Mai 2017 (act. 6) nahm RA 

Dr. A___ zu den Vorwürfen des Veterinäramtes Stellung und stellte folgende Anträge: 

„1. Der angezeigte Rechtsanwalt Dr. iur. A___ sei für das vorliegende Verfahren vor der 

Anwaltsaufsichtskommission des Kantons Appenzell A. Rh. bis zum rechtskräftigen 

Abschluss des Verfahrens vom Berufsgeheimnis als Rechtsanwalt zu entbinden. Von 

einer Weitergabe der offenbarten Informationen an das Veterinäramt des Kantons 

Appenzell Ausserrhoden sei abzusehen. 2. Das Disziplinarverfahren gegen den 

Angezeigten Dr. iur. A___ sei einzustellen. 3. Eventualiter sei von der Verhängung einer 

Disziplinarstrafe gegen den Angezeigten Dr. iur. A___ abzusehen. 4. Unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zu Lasten des Veterinäramts des Kantons Appenzell 

Ausserrhoden, eventualiter des Kantons Appenzell Ausserrhoden.“ Mit Schreiben der 

Anwaltsaufsichtskommission vom 9. Mai 2017 teilte diese RA Dr. A___ bezüglich des 

 

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Rechtsbegehrens Ziff. 1 mit, dass gestützt auf die massgebliche Lehre aus ihrer Sicht im 

vorliegenden Disziplinarverfahren eine Entbindung vom Berufsgeheimnis nicht erforderlich 

sei (act. 8). Mit Schreiben vom 9. Mai 2017 an die Anwaltsaufsichtskommission wies RA 

Dr. A___ darauf hin, dass das Veterinäramt der Anwaltsaufsichtskommission laufend 

Unterlagen eines hängigen Verfahrens zukommen lasse und bat um Mitteilung, ob Dr. 

med. vet. G___ bezüglich dieses Verfahrens gegenüber der Anwaltsaufsichtskommission 

vom Amtsgeheimnis entbunden worden sei (act. 9). In Ihrem Antwortschreiben vom 

15. Mai 2017 teilte die Anwaltsaufsichtskommission RA Dr. A___ mit, dass er sich 

bezüglich Fragen zur Entbindung des Kantonstierarztes vom Amtsgeheimnis an das dafür 

zuständige Departement Gesundheit und Soziales wenden müsste. Falls die Zustellung 

von Unterlagen aus laufenden Verfahren durch das Veterinäramt tatsächlich über die 

Meldepflicht nach Art. 15 Abs. 1 BGFA hinausgehen würde, wäre dies von der 

Anwaltsaufsichtskommission im Rahmen ihres Entscheides entsprechend zu würdigen 

(act. 10). Eine Ergänzung der Stellungnahme von RA Dr. A___ datiert vom 26. Mai 2017 

(act. 11). Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen 

werden; soweit für die Beurteilung erforderlich, ist im Rahmen der nachfolgenden 

Erwägungen darauf einzugehen.  

 

 

 

3. Örtliche und sachliche Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtskommission 

 Jeder Kanton bezeichnet eine Behörde, welche die Anwältinnen und Anwälte 

beaufsichtigt, die auf seinem Gebiet Parteien vor Gerichtsbehörden vertreten (Art. 14 des 

Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte, Anwaltsgesetz, 

BGFA; SR 935.61). Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wird die Aufsicht über die 

Anwältinnen und Anwälte vom Obergericht durch eine Aufsichtskommission ausgeübt 

(Art. 6 und 8 Anwaltsgesetz, bGS 145.52). Disziplinarentscheide der Aufsichtskommission 

können mit Beschwerde beim Obergericht angefochten werden (Art. 8a Anwaltsgesetz). 

Das Verfahren richtet sich nach Art. 14 ff. BGFA. Im Übrigen gelten sinngemäss die 

Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege. Die Aufsichtskommission 

ermittelt den Sachverhalt und erhebt die erforderlichen Beweise von Amtes wegen. Sie 

kann insbesondere Zeugen einvernehmen (Art. 27 Abs. 1 und 2 Anwaltsgesetz).  

 

Bezüglich der örtlichen Zuständigkeit ist darauf hinzuweisen, dass der verzeigte 

Rechtsanwalt im Anwaltsregister des Kantons St. Gallen eingetragen ist. Aus den Akten 

geht hervor, dass es vorliegend um die Anwaltstätigkeit von RA Dr. A___ für C___ und 

D___ sowie für E___ in einem Vollstreckungsverfahren vor dem Veterinäramt Appenzell 

Ausserrhoden geht.  

 

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 Die Aufsicht knüpft an die Vertretungstätigkeit vor den Gerichtsbehörden an, erfasst 

jedoch darüber hinaus auch die übrigen Tätigkeiten eines Anwalts, somit auch jene 

ausserhalb des Anwaltsmonopols (TOMAS POLEDNA, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], 

Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 8 zu Art. 14 BGFA; HANS NATER, in: 

Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 8 zu Art. 2 

BGFA). Von der Aufsicht der kantonalen Behörde werden nicht allein im kantonalen 

Anwaltsregister eingetragene Personen erfasst, sondern auch ausserkantonal registrierte 

Personen, sobald diese im Rahmen eines Verfahrens vor einer Gerichts- oder 

Verwaltungsbehörde des betreffenden Kantons tätig werden (Urteil des Bundesgerichts 

2C_551/2014 vom 9. Februar 2015 E. 3.3). Daraus folgt klar, dass die 

Anwaltsaufsichtskommission Appenzell Ausserrhoden zur Behandlung der vom 

Veterinäramt gemeldeten Vorkommnisse örtlich und sachlich zuständig.  

 

 

4. Stellung des Veterinäramtes Appenzell Ausserrhoden 

Die kantonalen Gerichts- und Verwaltungsbehörden melden der Aufsichtsbehörde ihres 

Kantons unverzüglich Vorfälle, welche die Berufsregeln verletzen könnten (Art. 15 Abs. 1 

BGFA). Das Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden hat ausdrücklich gestützt auf Art. 15 

Abs. 1 BGFA Meldung an die Anwaltsaufsichtskommission erstattet. Welche Stellung hat 

das Veterinäramt im vorliegenden Verfahren? Dritte sind gemäss BGFA nicht am 

Verfahren beteiligt, so insbesondere nicht die Anzeige erstattende Person (TOMAS 

POLEDNA, a.a.O., N. 11 zu Art. 17 BGFA). Da es sich beim Veterinäramt nicht um eine 

Anzeigerin handelt, sondern um eine Behörde, die ihrer Meldepflicht nachgekommen ist, 

muss nicht geprüft werden, ob dem Veterinäramt allenfalls gestützt auf Art. 27 Abs. 3 

Anwaltsgesetz, also kantonales Recht, eine Parteistellung zukommt. Der Vollständigkeit 

halber ist festzuhalten, dass das Veterinäramt weder eine Anzeige eingereicht noch 

Parteistellung beansprucht hat.  

 

Welche Rechte kommen der meldenden Behörde zu? Gemäss BRUNNER/HENN/KRIESI 

wird der verzeigenden Behörde lediglich der Eingang der Verzeigung bestätigt. Weitere 

Verfahrensrechte kommen ihr nicht zu (Anwaltsrecht, 2015, Rz. 25 zu Kap. 7). Gemäss 

Auffassung der Anwaltsaufsichtskommission ergibt sich vorliegend aus der Sache selbst, 

dass der Ausgang des Disziplinarverfahrens dem Veterinäramt mitzuteilen ist, da dies 

Voraussetzung für eine ordnungsgemässe Weiterführung des Vollstreckungsverfahrens 

ist.    

 

 

 

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5. Entbindung vom Berufsgeheimnis 

RA Dr. A___ hat in Ziff. 1 seiner Stellungnahme vom 1. Mai 2017 die Entbindung vom 

Berufsgeheimnis für das vorliegende Verfahren beantragt (act. 6).  

 

Gestützt auf die massgebliche Lehre ist die Anwaltsaufsichtskommission der Auffassung, 

dass in einem Disziplinarverfahren vor der Anwaltsaufsichtskommission eine Entbindung 

vom Berufsgeheimnis nicht erforderlich ist, was RA Dr. A___ mit Schreiben vom 9. Mai 

2017 (act. 8) mitgeteilt wurde. So vertreten NATER/ZINDEL diese Ansicht unter Verweis auf 

die Zürcher Praxis, wonach ein Anwalt vertrauliche Informationen offenlegen darf, sofern 

er dadurch eine Sanktion abwehren kann. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Klient oder 

ein Dritter den Anwalt bei der Anwaltsaufsichtskommission anzeigt, da dem 

Anzeigeerstatter in der Regel keine Parteistellung zukommt und er keine Kenntnis der 

offengelegten Informationen erhält (in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum 

Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 169, 170 und 74 zu Art. 13 BGFA; KASPAR SCHILLER, 

Schweizerisches Anwaltsrecht, 2009, Rz. 658). Gegenüber der Aufsichtsbehörde über die 

Anwälte selber ist der Anwalt nicht an das Berufsgeheimnis gebunden, insoweit er dieser 

im Rahmen eines gegen ihn geführten Disziplinarverfahrens Rechenschaft über sein 

Verhalten abzulegen hat (BRUNNER/HENN/KRIESI, a.a.O., Rz. 26 zu Kap. 5; WALTER 

FELLMANN, Anwaltsrecht, 2. Aufl. 2017, N. 671 zu § 2).  

 

Somit kann gestützt auf die aufgeführte Rechtsprechung auf eine Entbindung verzichtet 

werden, zumal das Veterinäramt als meldende Behörde keine Kenntnis der von RA 

Dr. A___ vorliegend offenbarten Informationen erhält.  

 

 

6. Materielles 

Das Veterinäramt führt in seiner Meldung an die Anwaltsaufsichtskommission aus, die 

Mehrfachvertretung rund um die Nutztierhaltung in B___ insbesondere auch die 

Vorbereitung der Vertragsdokumente, werde als mit Art. 12 lit. c BGFA (Vermeidung von 

Interessenkonflikten) nicht vereinbar erachtet. Es könne nicht ausgeschlossen werden, 

dass sich RA Dr. A___ einzig und allein von C___s Interessen leiten lasse, sich in 

tatsächlicher Hinsicht nicht von den Tieren trennen zu müssen und die zwangsweise 

Durchsetzung des Tierhalteverbots so lange wie möglich zu verhindern. Die bisherigen 

Erkenntnisse des Veterinäramtes würden vermuten lassen, dass auch E___ – wie einst 

D___ – nur zum Schein vorgeschoben werde. Durch die Mehrfachvertretung werde es 

dem Veterinäramt stark erschwert, den rechtserheblichen Sachverhalt festzustellen. Bei 

einem ausgewiesenen Interessenkonflikt von RA Dr. A___ müsse das Veterinäramt gar 

 

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damit rechnen, gewisse Sachverhaltsabklärungen zu wiederholen, womit das Verfahren 

zum Nachteil der Tiere noch weiter verzögert werde.  

RA Dr. A___  bringt vor, den Hinweis des Veterinäramtes vom 16. März 2017 auf einen 

möglichen Interessenkonflikt habe er pflichtgemäss geprüft und eine zulässige 

Doppelvertretung festgestellt. Der Vorwurf, er vertrete einseitig nur die Interessen einer 

Partei, entspreche nicht den Tatsachen, zeige aber die Befangenheit des Amtes 

überdeutlich auf. Gemäss Ziff. 13 der Begründung des Veterinäramtes wolle dieses einen 

missliebigen Rechtsanwalt aus dem Verfahren ausschalten. Er habe sich zu Recht beim 

Kantonstierarzt erkundigt, worum es im Verfahren gegen E___ als Käufer und Halter der 

Tiere gehe. Trotz des Vorwurfs der Interessenkollision habe sich das Veterinäramt 

geweigert, das Verfahren solange zu sistieren, bis diese Frage geklärt sei. Bei der 

Anwendung von Art. 12 lit. c BGFA sei zwischen einer unzulässigen Interessenkollision 

und einer zulässigen Doppelvertretung zu unterscheiden. Diese Bestimmung schütze nur 

den Klienten selbst, keine Drittpersonen. Die Interessenwahrung mehrerer Klienten in der 

gleichen Sache mit gleicher Zielrichtung werde als zulässig angesehen. Dies setze 

voraus, dass der Rechtsanwalt die Interessen der parallel vertretenen Klienten geprüft 

habe und jede Interessenkollision ausschliessen könne. Gemäss der Sach- und 

Rechtslage liege vorliegend eine zulässige Doppelvertretung und keine 

Interessenkollision vor.  

 

Gemäss Art. 12 lit. c BGFA meidet der Anwalt jeden Konflikt zwischen Interessen seiner 

Klientschaft und den Personen, mit denen er geschäftlich oder privat in Beziehung steht. 

Art. 12 lit. c BGFA verbietet dem Anwalt nach heutiger Praxis nicht, ein Mandat zu 

übernehmen, in dem ein Interessenkonflikt theoretisch möglich ist. Auch der Anschein 

eines Interessenkonflikts erfüllt den Tatbestand nicht. Ein Anwalt darf demnach zwei 

Personen zugleich vertreten, selbst wenn ein Konflikt in Zukunft entstehen könnte 

(Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 151 zu Kap. 4). Art. 12 lit c BGFA verbietet lediglich 

konkrete Interessenkonflikte. Solche entstehen, wenn ein Anwalt ein Mandat annimmt, bei 

welchem er die Klienteninteressen nicht objektiv und uneingeschränkt vertreten kann, weil 

er gleichzeitig entgegengesetzte Ziele berücksichtigen muss (Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., 

Rz. 157 und 170 zu Kap. 4; Urteil des Bundesgerichts 1B_263/2016 vom 4. Oktober 2016 

E. 2.1). Umgekehrt ist aber nicht erforderlich, dass sich das konkrete Risiko realisiert hat 

und der Anwalt sein Mandat schlecht oder zum Nachteil des Klienten ausgeführt hat 

(Urteil des Bundesgerichts 2C_814/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1). Tritt der Konflikt 

später zu Tage, muss der Anwalt sämtliche betroffenen Mandate niederlegen 

(Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 157 zu Kap. 4). Für einen konkreten Konflikt genügt, 

wenn zwischen den jeweiligen Interessen ein sachlicher Konnex besteht, wenn sich also 

die jeweiligen Vorstellungen gegenseitig beeinflussen (Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 

 

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158 zu Kap. 4). Die Kompetenz der Aufsichtsbehörde beschränkt sich darauf, einen 

unzulässigen Konflikt festzustellen und disziplinarisch zu ahnden (Brunner/Henn/Kriesi, 

a.a.O., Rz. 162 zu Kap. 4). Sind bei Doppelvertretungen die Interessen der Klienten 

gleichgerichtet oder gar deckungsgleich, kann ein Anwalt beide vertreten 

(Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 167 zu Kap. 4). Eine unzulässige Doppelvertretung liegt 

vor, wenn ein Anwalt in der gleichen Streitsache zwei Parteien vertritt, deren Interessen 

sich widersprechen (Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 170 zu Kap. 4).   

 

Nach Auffassung der Anwaltsaufsichtskommission liegt – zumindest im heutigen 

Zeitpunkt und anhand der derzeitigen Informationen – eine zulässige Doppelvertretung 

vor. Theoretisch birgt zwar die Konstellation, dass RA Dr. A___ gleichzeitig den mit einem 

Tierhalteverbot belegten C___, dessen Ehefrau und den Käufer der Tiere anwaltlich 

vertritt, die Gefahr, dass sich die Interessen des Ehepaars C___-D___ und diejenigen von 

E___ widersprechen. Beispielsweise könnte ein Streit zwischen ihnen über einzelne 

Punkte im Kaufvertrag, z. B. bezüglich der Höhe des Kaufpreises oder 

Gewährleistungsansprüche des Käufers, ausbrechen. Weitere Konflikte sind ohne 

weiteres denkbar. Jedoch liegen offenbar zwischen den von RA Dr. A___ rund um die 

Tierhaltung in B___ vertretenen Personen derzeit keine sich widersprechenden 

Interessen vor; solches wird auch vom Veterinäramt nicht behauptet. Falls sich jedoch die 

Interessen der Vertretenen im Laufe der Vollstreckungsverfahren gegenläufig entwickeln 

sollten, hätte RA Dr. A___ alle Mandate per sofort niederzulegen. Ein untaugliches 

Argument ist das Vorbringen des Veterinäramtes, die Mehrfachvertretung erschwere die 

Sachverhaltsfestellung. Genau so gut kann argumentiert werden, das Verfahren 

vereinfache die Feststellung des Sachverhaltes, weil ein Rechtsvertreter als 

Ansprechsperson für alle Beteiligte fungiert. 

 

Gestützt auf die vorstehenden Überlegen wird festgestellt, dass zur Zeit keine unzulässige 

Doppelvertretung vorliegt, welche gegen Art. 12 lit. c BGFA verstösst.  

 

 

7. a) Das Verfahren richtet sich nach Art. 14 ff. BGFA. Im Übrigen gelten sinngemäss die 

Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (Art. 27 Abs. 1 

Anwaltsgesetz). Die Art. 14 ff. BGFA sprechen sich über die Kostenfolgen nicht aus. 

Das Disziplinarverfahren gleicht einem Rechtsmittelverfahren, so dass bei der 

Kostenauflage auf das Obsiegen oder Unterliegen im Sinne von Art. 19 Abs. 3 des 

Verwaltungsrechtspflegegesetzes (bGS 143.1) abgestellt werden kann.  

 

 

Seite 9 

 Nachdem die Prüfung der gemeldeten Vorfälle keine disziplinarrechtlichen 

Verstösse von RA Dr. A___ gegen die Berufsregeln ergeben, sind ihm keine Kosten 

aufzuerlegen.  

 

 

b) RA Dr. A___ beantragt die Zusprechung einer Parteientschädigung nach 

pflichtgemässem Ermessen (act. 6, S. 6; act. 11, S. 5). Praxisgemäss ist von der 

Zusprechung einer Parteientschädigung abzusehen, da RA Dr. A___ seine 

Interessen selbst wahrgenommen hat (zur Zürcher Praxis, die im Ergebnis 

übereinstimmt: Brunner/Henn/Kriesi, a.a.O., Rz. 47 zu Kap. 7).  

 

 

 

 

Seite 10 

 

Die Anwaltsaufsichtskommission erkennt:  

 
 
1. Es wird festgestellt, dass im Vollstreckungsverfahren gegen C___ bzw. in den Verfahren 

betreffend die Nutztierhaltung in B___ vor dem Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden zur 
Zeit kein Verstoss von RA Dr. A___ gegen die Berufsregeln im Sinne von Art. 12 lit. c 
BGFA vorliegt.  

 
2. Es werden keine Kosten erhoben. 
 
 
3. Es werden keine Entschädigungen zugesprochen.  
 
 
4. Rechtsmittel:   

Innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides steht die schriftliche Beschwerde an 
das Obergericht Appenzell Ausserrhoden, 9043 Trogen, offen (Art. 8a Anwaltsgesetz) 
 

 
5. Zustellung am: 27. November 2017 an: 

 - RA Dr. iur. A___, eingeschrieben 
 - Kantonsgericht St. Gallen, Anwaltskammer, St. Gallen, A-Post 

- Nach Eintritt der Rechtskraft: Mittelung an das Veterinäramt Appenzell Ausserrhoden mit 
separatem Schreiben 

 

 

Der Präsident: 
 
 
 
lic. iur. Ernst Zingg 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 
Barbara Widmer, Fürsprecherin