# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** afccb90a-2889-5d2b-96f2-2a32825a4e17
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-02
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 02.11.2021 SK 2020 413
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-413_2021-11-02.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 20 413

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 2. November 2021 

Besetzung Oberrichter Guéra (Präsident i.V.) 
Oberrichterin Falkner und Oberrichter Gerber
Gerichtsschreiberin Ragonesi

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin

und

C.________
amtlich vertreten durch Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Berufungsführerin

Gegenstand Vergewaltigung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Kolle-
gialgericht) vom 26. Mai 2020 (PEN 2020 103)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 26. Mai 2020 sprach das Regionalgericht Oberland (nachfolgend 
Vorinstanz) A.________ (nachfolgend Beschuldigter) frei von der Anschuldigung 
der Vergewaltigung, angeblich begangen am 8. November 2019 in E.________, 
zum Nachteil von C.________ (nachfolgend Privatklägerin). Dies unter Ausrichtung 
einer Genugtuung von CHF 24'560.00 an den Beschuldigten für die besonders 
schweren Verletzungen seiner persönlichen Verhältnisse (Haftentschädigung) so-
wie unter Auferlegung der Verfahrenskosten von insgesamt CHF 22'776.75 an den 
Kanton Bern. Für die Wahlverteidigung sowie die amtliche Verteidigung des Be-
schuldigten wurde Rechtsanwalt B.________ eine Entschädigung von 
CHF 20'301.45 ausgerichtet. Ferner wurde festgehalten, dass der Beschuldigte be-
treffend amtliche Entschädigung und Differenz zum vollen Honorar von Rechtsan-
wältin F.________ keine Rück- und/oder Nachzahlungspflicht treffe und es wurde 
die amtliche Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatkläge-
rin festgelegt. Die Zivilforderung der Privatklägerin wurde auf den Zivilweg verwie-
sen, wobei für die Beurteilung der Zivilklage keine Kosten ausgeschieden wurden. 
Schliesslich wurde verfügt, dass der Beschuldigte aus der Sicherheitshaft zu ent-
lassen sei, dass die Löschung des erstellten DNA-Profils und der erhobenen bio-
metrischen erkennungsdienstlichen Daten keine Zustimmung benötige sowie die 
Festplatte nach Rechtskraft des Urteils zur Löschung und Wiederverwendung an 
die Kantonspolizei Bern gehe (pag. 628 ff.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldeten die Privatklägerin, vertreten durch Rechtsanwältin 
D.________, und die Staatsanwaltschaft Region Oberland am 3. bzw. 4 Juni 2021 
fristgerecht die Berufung an (pag. 638, pag. 643). Nach Eröffnung der schriftlichen 
Urteilsbegründung mit Verfügung vom 15. September 2020 (pag. 691 f.) erklärten 
die Generalstaatsanwaltschaft am 30. September 2020 (pag. 703 f.) und die Privat-
klägerin am 6. Oktober 2020 (pag. 708 ff.) form- und fristgerecht die vollumfängli-
che Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil. Dem Beschuldigten bzw. der Ge-
neralstaatsanwaltschaft und der Privatklägerin wurde mit Verfügung vom 7. Okto-
ber 2020 Gelegenheit geboten, innert Frist die Anschlussberufung zu erklären oder 
begründet ein Nichteintreten auf die Berufungen zu beantragen (Beschuldigter) 
bzw. schriftlich und begründet ein Nichteintreten auf die Berufung der jeweils ande-
ren Partei (Generalstaatsanwaltschaft sowie Privatklägerin) zu beantragen. Gleich-
zeitig wurden die Parteien aufgefordert, zum Parteistatus der Privatklägerin bzw. zu 
deren Konstituierung Stellung zu nehmen (pag. 714 f.). Mit Eingabe vom 12. Okto-
ber 2020 teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass kein Nichteintreten auf die 
Berufung der Privatklägerin beantragt werde und deren Status nicht in Frage stehe 
(pag. 718 ff.). Die Privatklägerin liess mit Schreiben vom 30. Oktober 2020 aus-
führen, dass kein Nichteintreten auf die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft 

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beantragt werde und sie sich gültig als Straf- und Zivilklägerin konstituiert habe 
(pag. 722 f.). Mit Eingabe vom 2. November 2020 verzichtete der Beschuldigte auf 
die Erhebung einer Anschlussberufung und beantragte die Durchführung eines 
Abwesenheitsverfahrens sowie die Beschränkung des Parteistatus der Privatkläge-
rin als reine Strafklägerin (pag. 725 ff.). 

Mit Verfügung vom 5. November 2020 wurde den Parteien erneut Gelegenheit ge-
boten, zu den Ausführungen in den Parteieingaben Stellung zu nehmen (pag. 729 
f.). Die Generalstaatsanwaltschaft verwies in ihrer Eingabe vom 11. November 
2020 – unter einigen zusätzliche Anmerkungen – auf ihre Ausführungen vom 
12. Oktober 2020 (pag. 734 f.). Die Privatklägerin hielt – ebenfalls unter zusätzli-
chen Anmerkungen – mit Eingabe vom 18. November 2020 an ihrer Stellung als 
Straf- und Zivilklägerin fest. Sie ergänzte, dass die Frage der Durchführbarkeit ei-
nes Abwesenheitsverfahrens dem Gericht überlassen werde, aus Sicht der Privat-
klägerschaft aber nichts gegen ein solches einzuwenden sei (pag. 736 f.). Der Be-
schuldigte hielt mit Eingabe vom 23. November 2020 – unter zusätzlichen Anmer-
kungen – an seinen Ausführungen betreffend Parteistatus der Privatklägerin fest 
und stellte die Anträge, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung 
von Rechtsanwältin D.________ im oberinstanzlichen Verfahren nicht zu ge-
währen, das Rechtsbegehren Nr. 7 der Berufungserklärung der Privatklägerin sei 
abzuweisen und auf die Rechtsbegehren Nr. 2 bis 4 sei nicht einzutreten, eventua-
liter seien diese kostenfällig abzuweisen (pag. 739 ff.). Mit Beschluss vom 3. De-
zember 2020 wurde die Privatklägerin weiterhin als Straf- und Zivilklägerin zuge-
lassen, dies unter Weiterführung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Beiordnung 
von Rechtsanwältin D.________ als amtliche Vertretung. Weiter wurde festgehal-
ten, dass seitens der Generalstaatsanwaltschaft und der Privatklägerin keine Ein-
wendungen gegen ein Abwesenheitsverfahren vorgebracht wurden. Die Parteien 
wurden ersucht, innert Frist mitzuteilen, ob sie sich in Anbetracht der vorliegenden 
besonderen Konstellation mit der Durchführung eines schriftlichen Verfahrens ein-
verstanden erklären (pag. 748 ff.). 

Die Privatklägerin erklärte sich mit Eingabe vom 18. Dezember 2020 mit der Durch-
führung des schriftlichen Verfahrens einverstanden. Gleichzeitig stellte sie den An-
trag, bei den psychiatrischen Diensten der G.________ einen aktuellen Bericht 
über die Privatklägerin einzuholen (pag. 752 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft er-
klärte sich mit Schreiben vom 18. Dezember 2020 und der Beschuldigte mit 
Schreiben vom 21. Dezember 2020 ebenfalls mit dem schriftlichen Verfahren ein-
verstanden (pag. 755 f., pag. 757). Mit Verfügung vom 18. Januar 2021 wurde die 
Durchführung des schriftlichen Verfahrens angeordnet (pag. 759 f.). Die General-
staatsanwaltschaft und die Privatklägerin wurden mit Verfügung vom 10. Februar 
2021 aufgefordert, innert Frist schriftliche Berufungsbegründungen einzureichen 
(pag. 770 f.). Am 1. März 2021 reichte die Generalstaatsanwaltschaft (pag. 774 ff.) 
und am 12. März 2021 die Privatklägerin (pag. 795 ff.) ihre schriftliche Berufungs-
begründung zu den Akten. Der Beschuldigte nahm mit Eingabe vom 19. April 2021 
hierzu Stellung (pag. 820 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft replizierte mit Eingabe 
vom 6. Mai 2021 (pag. 844 ff.) und die Privatklägerin mit Eingabe vom 11. Mai 
2021 (pag. 850 ff.). Nach dreimalig erstreckter Frist reichte der Beschuldigte mit 
Eingabe vom 9. Juli 2021 seine Duplik zu den Akten (pag. 874 ff.).

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Mit Verfügung vom 13. Juli 2021 erachtete die Verfahrensleitung den Schriften-
wechsel als abgeschlossen und stellte den schriftlichen Entscheid der Kammer in 
Aussicht (pag. 886 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Verfügung vom 18. Januar 2021 wurden ein aktueller Strafregisterauszug (pag. 
766) sowie ein aktueller Bericht der psychiatrischen Dienste G.________ (pag. 764 
f.) eingeholt. 

Die von den Parteien eingereichten Unterlagen (Privatklägerin: ärztliche Bescheini-
gung der Arbeitsunfähigkeit, Arztbericht vom 11. Mai 2020, Zahlungserinnerung 
vom 4. August 2020, pag. 810 ff.; Beschuldigter: diverse Bildkataloge, pag. 833 ff.) 
wurden zu den Akten erkannt.

4. Oberinstanzliche Anträge der Parteien

4.1 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete mit schriftlicher Berufungs-
begründung vom 1. März 2021 folgende Anträge (pag. 775; Hervorhebungen im 
Original):

1. A.________ sei schuldig zu sprechen der Vergewaltigung, begangen am 8. November 2019, 
nachmittags, in E.________, H.________ (Weg), zum Nachteil von C.________

und in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen

2. zu verurteilen zu:

2.1. einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft. Der Vollzug sei aufzuschieben mit einer Probezeit von 
zwei Jahren;

2.2. Es sei eine Landesverweisung von 5 Jahren auszusprechen und im SIS anzuordnen.

2.3. der Bezahlung der Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von CHF. 700.00 gemäss Art. 
21 Abs. 1 lit. b VKD).

3. Es seien die üblichen Verfügungen zu erlassen (amtliches Honorar etc.).

4.2 Privatklägerin

Die Privatklägerin stellte und begründete mit schriftlicher Berufungsbegründung 
vom 12. März 2021 folgende Anträge (pag. 796):

1. Das Urteil vom 26. Mai 2020 des Regionalgerichts Oberland sei aufzuheben und der Beschul-
digte sei zu verurteilen wegen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StPO begangen am 
8. November 2019 in E.________ z.N. C.________.

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Straf- und Zivilklägerin / Berufungsführerin Schadener-
satz in der Höhe von CHF 1'714.35 für entgangene Arbeitsentschädigung zu bezahlen.

3. Sofern diese Kosten nicht unter dem Titel Parteikostenentschädigung entschädigt werden, sei 
der Beschuldigte zu verpflichten, der Straf- und Zivilklägerin / Berufungsführerin Schadenersatz 

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in der Höhe von CHF 212.35 für die Kosten der Erstellung des Arztberichts vom 11. Mai 2020 
durch med. pract. I.________ zu bezahlen.

4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Straf- und Zivilklägerin / Berufungsführerin eine Genug-
tuung von CHF 15'000.00 zu bezahlen.

5. Dem Beschuldigten seien sämtliche Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Verfahrens aufzuer-
legen und er sei zu verpflichten, der Straf- und Zivilklägerin / Berufungsführerin eine Parteikos-
tenentschädigung in der Höhe von CHF 9'048.15 für das erstinstanzliche Verfahren zu bezahlen. 
Von der verlangten Parteientschädigung wurden Rechtsanwältin D.________ bereits CHF 
6'180.80 im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege vom Kanton Bern ausbezahlt. In der 
Höhe dieses Betrages sei dem Kanton Bern ein Nachforderungsrecht gegenüber dem Beschul-
digten zu gewähren.

6. Dem Beschuldigten seien sämtliche Verfahrenskosten des oberinstanzlichen Verfahrens aufzu-
erlegen und er sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin eine Parteikostenentschädigungen in 
noch zu bestimmender Höhe für das oberinstanzliche Verfahren zu bezahlen. Für den Fall der 
Nichteinbringlichkeit sei das amtliche Honorar von Rechtsanwältin D.________ festzulegen.

4.3 Beschuldigter

Der Beschuldigte stellte mit Stellungnahme vom 19. April 2021 folgende Anträge 
(pag. 820):

1. Es sei die Berufungen abzuweisen und es sei das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen.

2. Es sei dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung und Genugtuung 
nach Art. 429 Abs. 1 lit. b und c StPO nach richterlichem Ermessen zuzusprechen.

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWST) zulasten der Staatskasse.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Infolge der vollumfänglichen Berufung der Generalstaatsanwaltschaft und der Pri-
vatklägerin hat die Kammer das gesamte erstinstanzliche Urteil zu überprüfen (Art. 
398 Abs. 2 StPO). Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über vol-
le Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Das Verschlechterungsverbot gilt nicht, d.h. 
das Urteil darf auch zu Ungunsten des Beschuldigten abgeändert werden (vgl. Art. 
391 Abs. 2 StPO e contrario).

II. Formelles

6. Verfahrensrügen der Verteidigung

Die Verteidigung rügte – wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat – während 
des gesamten Verfahrens verschiedene Verfahrensmängel. So sei das Verfahren 
gegen den Beschuldigten von Beginn weg nicht korrekt geführt worden. Die 
Staatsanwaltschaft sei ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen gemäss Art. 36 Ziff. 
1 Bst. b und c des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen (SR 
0.191.02) nicht nachgekommen, der Verteidigung seien mehrfach Verfahrensakten 
vorenthalten worden und der telefonische Kontrakt zum Beschuldigten sei mit ei-
nem lapidaren Hinweis auf die Hausordnung des Regionalgefängnisses verweigert 

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worden. Ebenfalls sei das Beschleunigungsgebot nach Art. 5 StPO, das Recht auf 
ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 Ziff. 3 UNO Pakt II sowie 
die Unschuldsvermutung nach Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 14 Ziff. 2 UNO-Pakt II 
verletzt worden (vgl. etwa pag. 297 f., pag. 303 f., pag. 317 ff., pag. 386 ff., pag. 
408 ff. und pag. 596 ff.). Diese formellen Rügen werden im Berufungsverfahren 
nicht mehr vorgebracht. Ergänzt wird allerdings, dass die koreanische Botschaft auf 
politischer Ebene interveniert und mit «diplomatischer Zurückhaltung» ihren Unmut 
über die Vorgehensweise der Berner Strafverfolgungsbehörden zum Ausdruck ge-
bracht habe. Dass die erste amtliche Verteidigerin den Beschuldigten – ohne jegli-
che Vorbesprechung – zwei Mal habe einvernehmen lassen, müsse aus rechtss-
taatlicher Optik zu denken geben (pag. 826).

Hinsichtlich der bis zum Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens vorgebrachten 
Verfahrensrügen kann auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (S. 3 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 
658 ff.). Diese Ausführungen haben nach Ansicht der Kammer nach wie vor Gel-
tung. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass die Botschaft der Republik Korea 
in Bern – gemäss Angaben der Verteidigung – die Vorgehensweise der Strafverfol-
gungsbehörden offenbar mit Befremden aufgenommen hat. Ob die besagte Vorge-
hensweise mit Blick auf die diplomatischen Beziehungen im Ergebnis angemessen 
respektive ausreichend sind bzw. waren, ist eine politische Frage, welche es an 
dieser Stelle nicht zu klären gilt. Die Vorinstanz durfte sich darauf beschränken, die 
gesetzliche Grundlage und die dazu bestehende Gerichtspraxis für die Vorge-
hensweise der Strafverfolgungsbehörden zu prüfen. Eine Verletzung der anwaltli-
chen Pflichten der ersten amtlichen Verteidigung – wie dies von der Verteidigung 
beiläufig angetönt, aber nicht im Detail begründet wird – ergibt sich für die Kammer 
aus den vorliegenden Akten nicht.

7. Verfahrensrüge der Privatklägerschaft

7.1 Vorbringen der Privatklägerin

Die Privatklägerin beantragt, der von der Verteidigung anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung eingereichte schriftliche Parteivortrag sei aus den Akten zu 
weisen. Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass der umfangreiche 
Parteivortrag der Verteidigung ohne Vorankündigung und ohne Aufforderung des 
Gerichts eingereicht worden sei, nachdem die Staatsanwaltschaft und die Vertrete-
rin der Privatklägerin schon plädiert hätten. Ihnen sei damit die Möglichkeit ge-
nommen worden, ebenfalls eine schriftliche Version des Parteivortrags einzurei-
chen, da zu diesem Zeitpunkt kein Vergleich mit dem gesprochenen und geschrie-
benen Wort mehr habe erfolgen können. Es entspreche der gängigen Praxis des 
Regionalgerichts Oberland und des Bernischen Obergerichts, dass keine Plädoy-
ernotizen zu den Akten genommen würden. Die Vorinstanz habe mit der Entge-
gennahme Art. 3 Abs. 2 Bst. c StPO verletzt (pag. 797 f., pag. 853 f.).

7.2 Grundlagen

Gemäss Art. 346 Abs. 1 StPO haben die Parteien nach Abschluss des Beweisver-
fahrens das Recht auf einen Parteivortrag, in dem sie ihre Anträge stellen und be-
gründen. Dieses Recht ist Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 

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Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 Bst. c StPO; Urteile des Bundesgerichts [BGer] 
6B_422/2017 vom 12. Dezember 2017 E. 3.3.1. und 1B_407/2011 vom 21. No-
vember 2011 E. 2.3). Parteivorträge sind nach den allgemeinen Bestimmungen von 
Art. 76 Abs. 1 StPO zu protokollieren (vgl. auch den Beschluss der Strafabteilungs-
konferenz des Obergerichts des Kantons Bern vom 27. März 2017), wobei neben 
den Anträgen der Parteien auch die wesentlichen Punkte der mündlichen Begrün-
dung im Protokoll festzuhalten sind. Auch wenn dies nicht der Bernischen Ge-
richtspraxis entspricht, können sogenannte «Plädoyernotizen» ausnahmsweise zu 
Beginn des Parteivortrags zu den Akten genommen werden, wobei sie von der pro-
tokollführenden Person während des Vortrags mitgelesen und gegebenenfalls er-
gänzt werden (vgl. Urteil des BGer 6B_161/2015 vom 8. Juli 2015 E. 1.2; NÄPFLI, 
in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014 N 9 zu 
Art. 76 StPO; SCHMID/JOSITSCH, in: Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis-
kommentar, 3. Aufl. 2017, N 1 zu Art. 346 StPO). Die Verfahrensleitung ist dafür 
verantwortlich, dass die Verfahrenshandlungen vollständig und richtig protokolliert 
werden (Art. 76 Abs. 3 StPO; vgl. BGE 143 IV 408 E. 8.2; Urteile des BGer 
6B_893/2015 vom 14. Juni 2016 E. 1.4.3; 6B_492/2012 vom 22. Februar 2013 
E. 1.4). Es besteht in mündlichen Verfahren keine rechtliche Verpflichtung zur Ent-
gegennahme von Plädoyernotizen. Das Einverständnis der anderen Parteien stellt 
indes keine Voraussetzung für die Zulassung von Plädoyernotizen dar.

Nach Art. 3 Abs. 2 Bst. c StPO beachten die Strafbehörden in allen Verfahrenssta-
dien namentlich das Gebot, alle Verfahrensbeteiligten gleich und gerecht zu be-
handeln und ihnen rechtliches Gehör zu gewähren. Mit dem Anspruch auf gleiche 
und gerechte Behandlung ist der Grundsatz des «Fair Trial» nach Art. 6 EMRK 
gemeint (THOMMEN, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 
2. Aufl. 2014, N 97 ff. zu Art. 2 StPO).

7.3 Erwägungen der Kammer

Nach Ansicht der Kammer besteht vorliegend kein Anlass, den im Rahmen der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung von der Verteidigung schriftlich eingereichte 
Parteivortrag aus den Akten zu weisen. Zunächst ist der Privatklägerin zuzustim-
men, wenn sie auf die im Strafverfahren stets zu beachtende Waffengleichheit im 
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Bst. c StPO verweist. Vorliegend bestehen jedoch keine 
konkreten Anhaltspunkte, wonach diese im vorliegenden Verfahren nicht gewahrt 
worden ist. So sind die erstinstanzlich protokollierten Parteivorträge (inkl. Replik) 
der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft gut viereinhalb Seiten lang. Dass 
hierbei wesentliche Punkte nicht protokolliert worden sind, wird von der Privatkläge-
rin nicht geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Zu bemerken 
ist in diesem Zusammenhang ferner, dass sowohl die Privatklägerin als auch die 
Staatsanwaltschaft im Rahmen ihrer Repliken auf die Entgegennahme der schriftli-
chen Parteivorträge der Verteidigung hätten eingehen können. Solches ist gemäss 
dem erstinstanzlichen Verhandlungsprotokoll allerdings unterblieben. Der guten 
Ordnung halber ist festzuhalten, dass sich aus den Akten bzw. insbesondere aus 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung keine Anhaltspunkte entnehmen lassen, 
wonach sich der Umstand der Entgegennahme des schriftlichen Parteivortrags in 
besonderem Masse günstig für den Beschuldigten ausgewirkt hätte. Entsprechend 

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erachtet es die Kammer vorliegend nicht für angezeigt, den schriftlich eingereichten 
Parteivortrag aus den Akten zu weisen.

III. Sachverhalt und Beweiswürdigung

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 19. März 2020 folgender Sach-
verhalt vorgeworfen (pag. 430 f.):

A.________ besuchte C.________ auf deren Einladung hin am 08.11.2019 in deren Wohnung. Die 
beiden hatten sich ein paar Tage zuvor via Chat kennengelernt. Sie verabredeten ein gemeinsames 
Mittagessen in der Wohnung von C.________. Nach dem Mittagessen gab A.________ an, müde zu 
sein, worauf ihm C.________ vorschlug, er könne sich im Schlafzimmer ausruhen. Auf Aufforderung 
des A.________ begab sich dann auch C.________ ins Schlafzimmer, wo sie miteinander sprachen 
und im Fernsehen einen Film schauten.

Auf dem Bett begann A.________ dann, C.________ zu küssen, obwohl sie ihm sagte, er solle damit 
aufhören, das wolle sie nicht, und sich ihm zu entziehen und ihn wegzustossen versuchte. Er drückte 
sie weiter auf das Bett, zog ihr T-Shirt und Büstenhalter aus, berührte sie an Brust, Hüfte und Gesäss, 
leckte ebenfalls mit der Zunge an ihrer Brust, obwohl sie ihm sagte, er solle damit aufhören, was er 
jedoch nicht beachtete. Anschliessend zog er sein T-Shirt aus und legte sich auf C.________, wobei 
diese ihn abwehrte und sagte, sie wolle dies nicht. Er zog danach die Hose und ebenfalls die Unter-
hose aus, was sie dagegen zu verhindern versuchte und die Unterhose immer wieder hochzog, bis es 
ihm schliesslich doch gelang, ihr die Unterhose auszuziehen. Auf ihr liegend rieb er sein Geschlechts-
teil an ihrem Körper, wobei sie die ganze Zeit ihre Beine zusammenpresste und übereinanderschlug 
um ihn so abzuwehren. Er drückte ihr jedoch die Beine weg und drang mit dem Finger und danach mit 
dem Penis mindestens einmal vaginal in sie ein, während sie ihn wegzudrücken versuchte, schrie und 
ihm sagte, es tue ihr stark weh, worauf er jedoch nicht reagierte, sondern weitermachte und sich in ihr 
bewegte. Schliesslich ejakulierte er auf ihren Bauch. C.________ erlitt dabei eine blutende Verletzung 
des Jungfernhäutchens sowie einen kleinen wenige Millimeter langen Schleimhauteinriss der hinteren 
Kommissur.

Indern A.________ C.________ gegen ihren Willen und gegen ihren Widerstand auf das Bett drückte, 
ihr gegen ihren Willen und Widerstand die Kleider auszog, sich gegen ihren Willen und Widerstand 
auf sie legte und die Beine wegdrückte, wandte er gegen C.________ Gewalt an und machte sie zum 
Widerstand unfähig. Er nötigte sie so wissentlich und willentlich dazu, das vaginale Eindringen seines 
Fingers und seines Penis sowie das Ejakulieren auf ihren Körper zu dulden.

9. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz wies kein Beweisergebnis bzw. -fazit als solches aus. Zusammen-
fassend hielt sie im Rahmen ihrer Beweiswürdigung jedoch fest, dass keine rele-
vanten Zweifel daran bestehen würden, dass es zu einem einvernehmlichen Aus-
tausch von sexuellen Handlungen gekommen sei, auch wenn die Privatklägerin 
den Beschuldigten nicht für Sex eingeladen gehabt habe. Im Verlaufe der sexuellen 
Handlungen, welche auf Initiative des Beschuldigten stattgefunden hätten, habe die 
Privatklägerin dem Beschuldigten auch explizit erklärt, sie wolle keinen Sex. Der 
Beschuldigte habe sie dennoch immer wieder von Neuem zu überreden versucht 

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und es sei ihm auch gelungen, die Privatklägerin zu entkleiden, bis sie nackt gewe-
sen sei. Der Beschuldigte habe selbst geschildert, er sei, als er seinen Penis an ih-
rer Vagina gerieben habe, hängen geblieben und sie habe gesagt, es mache ihr 
weh, worauf er aufgehört und ihr auf den Bauch gespritzt habe. Auch die Privatklä-
gerin habe auf den Vorhalt dieser Aussage bestätigt, dass es sein könne, dass er 
ausgerutscht/hängengeblieben sei. Dazu passe auch ihre Schilderung, wonach der 
Schmerz nur am Anfang gewesen sei. Zudem habe sie erklärt, sie habe nicht ge-
sehen, wie er in ihr drin gewesen sei. Nach dem Gesagten spreche alles dafür, 
dass der Beschuldigte hängen geblieben sei und aufgehört habe, als die Privatklä-
gerin ihm gesagt habe, es tue ihr weh. In diesen Kontext passe des Weiteren auch 
ihr Verhalten im Vorfeld sowie im Nachgang des Treffens (vgl. im Detail S. 27 ff. 
der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 681 ff.).

10. Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

10.1 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt zusammengefasst vor, die Vorinstanz habe 
die im Grundsatz bejahte Glaubwürdigkeit der Privatklägerin zu Unrecht mit dem 
Argument relativiert, dass vieles in ihren Aussagen unklar geblieben sei. Unter den 
gegebenen Umständen könne ferner nicht ernsthaft die Rede davon sein, dass 
dem Beschuldigten die Grenzen des Erlaubten unklar gewesen seien. Abgesehen 
davon, dass es ein «typisches» Täterverhalten nicht gebe, habe die Vorinstanz of-
fenbar verkannt, dass nicht eine plötzliche, gewissermassen aus dem Nichts her-
aus erfolgte Vergewaltigung in Frage stehe. Selbst die Anklage gehe nicht davon 
aus, dass der Beschuldigte von Anfang an beabsichtigt habe, die Privatklägerin zu 
vergewaltigen. Die Vorinstanz habe der Privatklägerin weiter attestiert, bei der 
Staatsanwaltschaft reflektierte Aussagen gemacht zu haben. Anstelle einer inhaltli-
chen Prüfung habe sie aber lediglich moniert, dass unklar bleibe, warum sie nicht 
bereits bei der Polizei so ausgesagt habe. 

Die Vorinstanz habe sich teils auch in reine Spekulationen zu Ungunsten der Pri-
vatklägerin verstiegen. So habe sie beispielweise erwogen, dass die Feststellungen 
des Ehemannes, wonach die Privatklägerin nach dem Vorfall völlig durcheinander 
gewesen sei und Tränen in den Augen gehabt habe, «eher» dafür spreche, dass 
sie etwas gemacht habe, was sie im Nachhinein bereue. Bei welchem Zustand auf 
eine Vergewaltigung geschlossen werden könne, lasse die Vorinstanz bezeichnen-
derweise offen. Aus dem Umstand, dass die Privatklägerin nach dem Vorfall keine 
Angst vor dem Beschuldigten gehabt habe, lasse sich ferner nichts zu dessen 
Gunsten ableiten. Seine Aussagen würden sich zudem in einem zentralen Punkt 
als unlogisch erweisen. So habe er zu Protokoll gegeben, dass er nicht in die Vagi-
na der Privatklägerin eingedrungen sei. Wenn sie in der Vagina geblutet hätte, so 
hätte an seinem Penis ebenfalls Blut sein müssen. Die Frage, ob allenfalls Blut aus 
der Scheide der Privatklagen ausgetreten sei, stelle sich aber klarerweise nur im 
Falle einer vaginalen Penetration. Ferner solle die Privatklägerin ihm erlaubt haben, 
ihren ganzen Körper anzufassen. Der Beschuldigte habe zunächst angegeben, er 
habe sie dazu überreden müssen, ihr den Slip auszuziehen. In der Hauptverhand-
lung habe er ausgesagt, er habe ihr die Unterhosen ausziehen können, ohne dass 

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sie sich gewehrt habe. Die Vorinstanz habe weiter festgestellt, dass die Aussagen 
des Beschuldigten insbesondere bei der Polizei sehr detailliert und nachvollziehbar 
ausgefallen seien, wobei er anlässlich der Hauptverhandlung merklich «abtem-
piert» gewesen sei und abgestritten habe, mit seinem Penis an der Vagina der Pri-
vatklägerin hängen geblieben zu sein. Eine dermassen «abtempierte» Aussage in 
so einem zentralen Punkt sei kaum der Zeit bzw. dem Vergessen geschuldet. Es 
falle zudem auf, dass seine Angaben zum Rahmengeschehen viel detaillierter aus-
gefallen seien als diejenigen zum Kerngeschehen. Bei der Privatklägerin habe sich 
die Vorinstanz massgeblich auf die Aussagen der Hauptverhandlung abgestützt 
und Erinnerungslücken zu ihren Ungunsten gewertet. Indem die Vorinstanz die 
Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin mit unterschiedlichen Ellen 
messe, sei sie in Willkür verfallen. Die Vorinstanz habe zu Ungunsten der Privat-
klägerin weiter aufgeführt, dass sie bei der Staatsanwaltschaft «diverse neue Sa-
chen» vorgebracht habe. Dass der Beschuldigte noch an der Hauptverhandlung 
neue Details zu Protokoll gegeben habe, scheine für die Vorinstanz nicht erwäh-
nenswert. Eine erwähnte Tendenz zur Aggravation sei im Übrigen auch beim Be-
schuldigten auszumachen. So habe er anlässlich der Hauptverhandlung erstmals 
dargestellt, dass die Privatklägerin die Initiative ergriffen, ihn zurückgedreht und 
sogleich unter der Hose massiert habe. Die Vorinstanz habe weiter die Frage of-
fengelassen, weshalb sie von Geschlechtsverkehr ausgehe, wenn der Beschuldigte 
– auf dessen Darstellung sie ihr Urteil gestützt habe – einen solchen bestritten und 
lediglich von einem Hängenbleiben gesprochen habe. Mit einem blossen Hängen-
bleiben lasse sich das Verletzungsbild kaum in Einklang bringen. Weshalb es zu 
einer derart stark blutenden Verletzung am Jungfernhäutchen habe kommen kön-
nen, wenn angeblich keine Gewalt angewendet worden sei, begründe die 
Vorinstanz nicht.

Offengelassen habe die Vorinstanz ferner die Frage, weshalb die Privatklägerin zu 
einvernehmlichen sexuellen Handlungen mit einer Zufallsbekanntschaft hätte bereit 
sein sollen, wenn sie zeitgleich – als sie sich mit dem Beschuldigten im Schlafzim-
mer befunden habe – mit ihrem Ehemann wegen eines Arbeitseinsatzes gechattet 
habe. Dass keine Spermien hätten festgestellt werden können, vermöge nichts zu 
Ungunsten oder zu Gunsten des Beschuldigten zu beweisen. Schliesslich sei be-
treffend Chatverkehr festzuhalten, dass nicht ernsthaft von Flirten die Rede sein 
könne. Wenn die Privatklägerin tatsächlich einen Seitensprung mit dem Beschul-
digten hätte begehen wollen, so wäre es für sie ein Leichtes gewesen, entspre-
chende Vorkehren zu treffen, um damit einhergehende Risiken einer ungewollten 
Schwangerschaft zu verhindern (im Detail, pag. 716 ff.). 

Im Rahmen ihrer Replik ergänzt die Generalstaatsanwaltschaft kurz zusammenge-
fasst, dass die Verteidigung Gedankenakrobatik betreibe, wenn sie von dem von 
der Privatklägerin geäusserten Respekt für Bodybuilder auf ein konkretes sexuelles 
Interesse an der Person des Beschuldigten schliesse. Massgeblich sei aber ohne-
hin, was die Privatklägerin zum fraglichen Tatzeitpunkt gewollt und ob sie ihren Wil-
len entsprechend kundgetan habe. Ihr aufgrund der Wahl eines Pseudonyms se-
xuelle Absichten zu bekunden, sei vermessen. Sie habe ferner schlüssig erklärt, 
weshalb es nicht zum Ausflug nach Luzern gekommen sei (Besorgungen für ihren 
Mann) und auch ihr Ehemann habe schlüssig ausgesagt, weshalb die Privatkläge-

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rin ihre Ehe verheimliche. Von einem optimierten Selfie auf ein sexuelles Motiv zu 
schliessen, schiesse über das Ziel hinaus. Eine übertriebene Opferrolle habe die 
Privatklägerin nicht eingenommen. Aus dem Umstand, dass sich der Übergriff we-
der in einem Bluterguss noch in Rötungen der Haut manifestiert habe, lasse sich 
nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableiten und die Privatklägerin habe ihre Bril-
le abgenommen, weshalb sie unbeschädigt geblieben sei. Die Staatsanwaltschaft 
habe einen Antrag auf Sicherheitshaft gestellt, zum Zweck der Sicherung des Voll-
zugs. Dieser Zweck sei mit dem Freispruch allerdings hinfällig geworden. Ferner 
schliesse es eine zuvor erfolgte Vergewaltigung nicht aus, wenn die Privatklägerin 
dem Beschuldigten danach Essen mitgegeben habe, ein Normverhalten nach einer 
Vergewaltigung gebe es nicht (im Detail, pag. 845 ff.).

10.2 Privatklägerin

Die Privatklägerin bringt im Wesentlichen vor, dass die Vorinstanz zunächst den 
Chatverlauf einseitig zu Lasten der Privatklägerin gewertet habe. Dieser sei voll-
kommen neutral und enthalte keine sexuellen Andeutungen. Die Vorinstanz habe 
nur Teile des Chats wiedergegeben. So habe die Privatklägerin angegeben, sie 
finde Bodybuilder «amazing», «cuz they’re so healthy», womit sie ein Kompliment 
zum Lebensstil und zu der Tatsache gemacht habe, dass Bodybuilding eine sportli-
che Aktivität sei. Wenn sie hätte flirten wollen, wären wohl Wörter wie «sexy Body» 
oder ähnliches gefallen. Die Beantwortung der Frage, dass sie Koreaner möge, 
lasse nicht darauf schliessen, dass sie sich dabei nur auf koreanische Männer be-
zogen habe. Aus dem Chat mit ihrem Ehemann werde ferner klar ersichtlich, wes-
halb die Privatklägerin nicht nach Luzern gefahren sei und den Beschuldigten zu 
sich nach Hause eingeladen habe. Auf dem ihm geschickten Bild sehe man, dass 
die Privatklägerin nicht aufgebrezelt sei. Dass es sich beim besagten Foto um ein 
objektives herziges Foto im «Asiatenstil» handle, sei pures Abschreiben aus dem 
schriftlichen Parteivortrag der Verteidigung. Objektiv betrachtet handle es sich ein-
fach um ein Foto der Privatklägerin, auf welchem sie lächle, was angesichts der 
Tatsache, dass sie den Beschuldigten das erste Mal getroffen habe, nicht unnatür-
lich sei. Dafür, dass die Privatklägerin von ihrem Bruder anstatt von ihrem Ehe-
mann gesprochen habe, gebe es auch andere Erklärungen (z.B. zum Schutz der 
Privatsphäre). Es sei nicht ersichtlich, dass einzig sexuelle Absichten hierzu geführt 
hätten. Die Begründung der Vorinstanz hinsichtlich der Entschuldigung strapaziere 
den Interpretationsspielraum zu Gunsten des Beschuldigten erheblich. Wenn er 
das Gefühl gehabt habe, sich für etwas zu entschuldigen, dann eher deshalb, weil 
er etwas gegen den Willen der Privatklägerin gemacht habe. Der Chat zwischen 
der Privatklägerin und ihrem Ehemann zeige ferner, dass es sich um eine normale, 
liebevolle Diskussion zwischen einem intakten Paar handle. Es sei unwahrschein-
lich, dass sie mit ihm während der Anwesenheit des Beschuldigten noch Nachrich-
ten ausgetauscht hätte, wenn sie ihren Ehemann hätte betrügen wollen. Aus dem 
Gutachten bzw. Zusatzgutachten des IRM gehe hervor, dass der Riss am Saum 
des Jungfernhäutchens und der Schleimhautriss an der hinteren Kommissur durch 
das Eindringen mit dem Finger entstanden sein könne und es unwahrscheinlich 
sei, dass dieser Riss durch Reibung am äusseren Vaginalbereich entstanden sei. 
Wenn die Vorinstanz davon ausgehe, dass der Riss durch ein Hängenbleiben ent-
standen sei, so könne dies nichts Anderes bedeuten, als dass der Beschuldigte 

12

seinen Penis in der Vagina der Privatklägerin gehabt habe. Da das Eindringen 
ganz am Schluss stattgefunden habe und beide Parteien direkt aufgestanden sei-
en, sei auch nachvollziehbar, weshalb keine Blutspuren auf dem Bett zu finden ge-
wesen seien. 

Schliesslich sei die Sprachnachricht an den Ehemann ein objektives Beweismittel, 
auf welches die Vorinstanz nur mit einem Satz eingegangen sei und diesen auch 
noch falsch wiedergegeben habe. Die Privatklägerin habe nie das Wort «vergewal-
tigen» benutzt. Diese Nachricht sei kurz nach dem Weggang des Beschuldigten 
verschickt worden, die Privatklägerin habe keine Zeit gehabt, sich ein entsprechen-
des Lügengebilde auszudenken und dies noch so überzeugend rüberzubringen. 
Unerwähnt lasse die Vorinstanz auch die Tatsache, dass der Beschuldigte bei der 
Verhaftung gesagt habe, er wisse, warum ihn die Polizei abhole. Im Übrigen habe 
die Vorinstanz eine willkürliche Würdigung der Aussagen zu Gunsten des Beschul-
digten vorgenommen. Sie stelle ferner ein fragliches Frauenbild zur Schau. Inwie-
fern die Aussagen des Beschuldigten glaubhafter sein sollten als diejenigen der 
Privatklägerin sei nicht klar. Sie erzähle sprunghaft und detailreich, nenne Details, 
könne ihre Emotionen beschreiben und belaste den Beschuldigten nicht übermäs-
sig. Die Privatklägerin sei zudem sexuell unerfahren, was dafür spreche, dass sie 
nicht einfach wahllos ein sexuelles Abenteuer eingegangen sei. Wenn der Privat-
klägerin vorgeworfen werde, sie habe bei der Staatsanwaltschaft reflektierter aus-
gesagt, so sei festzuhalten, dass die Einvernahme bei der Polizei am Abend der 
Tat von 23:00 Uhr bis 01:50 Uhr gedauert habe. Die Vorinstanz werfe der Privat-
klägerin Erinnerungslücken anlässlich der Hauptverhandlung vor, währendem sie 
auf die Aussagen des Beschuldigten aufgrund der Zeitdauer nicht abstellen wolle. 
Es sei zudem davon auszugehen, dass der psychische Zustand der Privatklägerin 
einen Einfluss auf ihre Aussagen gehabt habe. Dass sich eine Frau zu einem Mann 
ins Bett lege, bedeute schliesslich nicht, dass sie mit sexuellen Handlungen einver-
standen sei. Betreffend das «unübliche Verhalten nach einer Vergewaltigung» sei 
festzuhalten, dass es hierbei kein Muster gebe, wie man sich danach verhalte. Mit 
Blick auf den Arztbericht vom 27. Januar 2021 sei weiter festzuhalten, dass die 
Psychiaterin schwerwiegende psychische Folgen aus dem Vorfall bestätige. Bei ei-
nem einvernehmlichen Seitensprung würde die Privatklägerin kaum an langanhal-
tenden Folgen leiden (im Detail, pag. 798 ff.).

Im Rahmen ihrer Replik lässt die Privatklägerin zusammengefasst ausführen, dass 
das Bestreiten des Eindringens dazu führe, dass die Position des Beschuldigten als 
Ganzes unglaubwürdig werde. Die von der Verteidigung eingereichten Fotografien 
seien undatiert und es handle sich nicht um Screenshots seines Instagram-Profils 
vom November 2019. Es würden auch keine Beweise vorliegen, wonach es sich 
bei dem Mann überhaupt um den Beschuldigten handle. Es werde bestritten, dass 
die Privatklägerin mit ihrem Profil auf «J.________» das Interesse des Beschuldig-
ten habe gewinnen wollen. Dieses sei bereits vor der Kontaktaufnahme mit dem 
Beschuldigten eröffnet worden. Sie habe den Beschuldigten nur auf freundschaftli-
cher Ebene kennenlernen wollen. Die Verteidigung sei nicht qualifiziert, irgendwel-
che Ausführungen zu Nebenwirkungen von Medikamenten zu machen und selbst 
wenn von der unbewiesenen Behauptung ausgegangen werde, dass die Privatklä-
gerin unter Medikamenteneinfluss (und deren Nebenwirkungen) gestanden habe, 

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so lasse sich daraus nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableiten. Die Privatklä-
gerin habe nie von Gewaltanwendung gesprochen und von einer übertriebenen 
Opferrolle könne keine Rede sein. Die fehlende Gewaltanwendung habe auch dazu 
geführt, dass die Privatklägerin nach dem erzwungenen Geschlechtsverkehr nicht 
mehr die gleiche Angst verspürt habe wie während der Tat. An der Verhandlung sei 
ein Vertreter des koreanischen Konsulats anwesend gewesen und der Fall sei 
gemäss den Ausführungen der Verteidigung auch politisch diskutiert worden. Dies 
lege nahe, dass dadurch die Objektivität des erstinstanzlichen Gerichts berührt 
worden sei (im Detail, pag. 851 ff.).

10.3 Beschuldigter

Der Beschuldigte lässt im Wesentlichen ausführen, die Privatklägerin habe seine 
ganzen Profilfotos auf Instagram angeschaut, wobei er auf vielen dieser Fotos nur 
mit einer Unterhose bekleidet oder mit entblösstem Oberkörper zu sehen sei. Dies 
zeige, dass sie ein grosses – wahrscheinlich sexuelles – Interesse an seinem Kör-
per gehabt habe. Sie habe daraufhin über den koreanischen Messenger-Dienst 
«J.________» als «K.________» mit ihm Kontakt aufgenommen und habe diesen 
Namen gezielt und bewusst gewählt, um das Interesse des Beschuldigten zu we-
cken. Bereits mit der ersten Kontaktaufnahme habe sie demnach einen ersten Flirt-
versuch gestartet. Sie habe den Beschuldigten zu sich nach Hause eingeladen, of-
fensichtlich sei es ihr also nicht um die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten ge-
gangen. Sie habe ihre Ehe verheimlicht und behauptet, sie wohne mit ihrem Bru-
der, wobei sie diese Lüge mit eindeutig als Flirt einzustufenden Ergänzungen «so 
don’t worry», «We will be alone» ergänzt habe. Das von ihr an den Beschuldigten 
verschickte Foto sei ein weiterer Hinweis auf einen angestrebten Flirt, handle es 
sich doch unzweifelhaft um Flirt-Stereotypien, wie sie junge Koreanerinnen und Ko-
reaner kennen würden. Typisch sei dabei das weite Aufreissen der Augen und die 
Positionierung der Hand neben dem Gesicht. Ein typisches Verhaltensmuster sei 
auch die Aussage, dass sie sich entschuldige, falls sie hässlich aussehe («Im sorry 
if I look ugly»). Sie habe den Beschuldigten dann sogar ins Ehebett eingeladen, 
obwohl ja auch im Wohnzimmer hätte ferngesehen werden können. Die Vorinstanz 
habe die vorbestehende psychische Erkrankung und die Nebenwirkungen des ein-
genommenen Antidepressivums kaum oder zu wenig gewürdigt. Trotz allenfalls 
vorhandener Realkennzeichen sei nicht auf die Aussagen der Privatklägerin abzu-
stellen, da sie sich nach dem Weggang des Beschuldigten konsequent in eine voll-
kommen übertriebene Opferrolle versetzt habe. Keine ihrer Aussagen habe sich 
durch objektive Beweismittel nur ansatzweise untermauern lassen und die leichten 
Verletzungen könnten – gemäss Bericht des IRM – auch durch die unumstrittener-
massen erfolgte Vaginalpenetration mit den Fingern erfolgt sein. Alle ihre Kleider 
und ihre Brille seien unversehrt geblieben und niemand habe sie im Mehrfamilien-
haus schreien gehört. 

Offensichtlich sei die Staatsanwaltschaft von der ausführlichen mündlichen Be-
gründung der Vorinstanz überzeugt gewesen, hätte sie doch ansonsten eine Forts-
etzung der Sicherheitshaft beantragen müssen. Die Generalstaatsanwaltschaft wi-
derspreche ferner den inkriminierten Handlungen und räume faktisch ein, dass kei-
nerlei nötigende Handlung vorgelegen habe. Der Privatklägerin habe es nach der 

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angeblichen Vergewaltigung nicht nur an jeglicher Angst gefehlt, sie sei gegenüber 
dem Beschuldigten äusserst zuvorkommend gewesen und habe ihm noch das rest-
liche Essen abgepackt. Der Beschuldigte habe das Geschehen sehr detailliert 
schildern können, weil er ziemlich genau 200 Tage in Haft und damit in kompletter 
sozialer Isolation gewesen sei. Aggravation sei in erster Linie bei der Privatklägerin 
auszumachen. Dass die Privatklägerin zeitgleich zu den sexuellen Handlungen 
noch mit ihrem Ehemann gechattet habe, zeige eindeutig auf, dass es zu keinerlei 
ungewollten Handlungen gekommen sei. Im vorliegenden Fall würden unüber-
brückbare Zweifel verbleiben, womit «in dubio pro reo» ein Freispruch zu erfolgen 
habe (im Detail, pag. 822 ff.).

Im Rahmen der Duplik lässt der Beschuldigte zusammengefasst ausführen, es ge-
be vorliegend keinen exakten «Tatzeitpunkt», auch das Kerngeschehen habe über 
einen längeren Zeitraum gedauert. Das Fazit der Vorinstanz, wonach der Beschul-
digte die Privatklägerin im Schlafzimmer dazu habe überreden können, sich nackt 
aneinander zu reiben, sei das einzig schlüssige Resultat. Es sei realitätsnah, dass 
eine Person, welche Lust auf Sex habe, die andere dazu zu überreden versuche. 
Die Privatklägerin habe initial und proaktiv mit dem Beschuldigten geflirtet. Die 
Aussagen des Ehemannes seien kontaminiert, habe er vor seiner Befragung doch 
sämtliche Einvernahmeprotokolle gelesen. Die Erklärung der Privatklägerin, wes-
halb sie den Beschuldigten hinsichtlich ihres Ehemannes angelogen habe, sei alles 
andere als logisch und nachvollziehbar. Aufgrund der dünnen Beweislage müsse 
das Geschehen im Vorfeld und im Nachgang mitberücksichtigt werden. Dass die 
Privatklägerin bei der Verabschiedung geweint habe, sei eine reine Partei- und 
Schutzbehauptung und ihre Behauptung, wonach der blutende Riss im Saum des 
Jungfernhäutchens nur durch das Eindringen des Penis in die Scheide entstanden 
sein könne, sei reine Spekulation und widerspreche dem rechtsmedizinischen Gut-
achten. Ein Beweis dafür, dass das J.________-Konto der Privatklägerin schon vor 
der Kontaktaufnahme bestanden habe, fehle und werde bestritten. Die Privatkläge-
rin hätte den Beschuldigten nach dem Essen kaum ins eheliche Bett eingeladen, 
wenn sie mit ihm effektiv die Stadt E.________ hätte ansehen wollen. Es sei ferner 
eine aktenkundige Tatsache, dass sie das Medikament Duloxetin eingenommen 
habe, wobei die mit dem Medikament verbundenen Nebenwirkungen auf dem Bei-
packzettel dargelegt und damit beweismässig erstellt seien. Schliesslich entbehre 
der Vorwurf an die Vorinstanz, ihre Objektivität sei durch die blosse Anwesenheit 
des Konsularbeamten «berührt» gewesen, jeglicher Grundlage (im Detail, pag. 874 
ff.).

11. Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Vorliegend ist unbestritten, dass die Privatklägerin den Beschuldigten am 7. No-
vember 2019 unter dem Pseudonym «K.________» über den koreanischen Mes-
senger «J.________» anschrieb und sich ihm als Guide anerbot, um ihm die Stadt 
Luzern zu zeigen. Am nächsten Morgen teilte sie ihm mit, dass sie zu wenig Geld 
für eine Reise nach Luzern habe und schlug ihm vor, stattdessen zu ihr nach Hau-
se zu kommen, wo sie für ihn koche. Anlässlich des Chataustauschs gab die Pri-
vatklägerin an, sie wohne mit ihrem Bruder, welcher am besagten Tag jedoch nicht 
zu Hause sein werde. Unbestritten ist ferner, dass die Privatklägerin den Beschul-

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digten am 8. November 2019 gegen 13:00 Uhr am Bahnhof E.________ abholte, 
die beiden zu ihr nach Hause fuhren und sie dort für ihn mexikanisch kochte. Nach 
dem Essen gab der Beschuldigte an, dass er von der Reise müde sei, worauf die 
Privatklägerin ihm vorschlug, er solle sich doch im Schlafzimmer etwas hinlegen. In 
der Folge küsste der Beschuldigte die Privatkläger, entkleidete diese (zunächst 
teilweise) und auch sich selber, drang mit den Fingern vaginal in sie ein, als die 
Privatklägerin noch Unterhosen trug und rieb nach dem gänzlichen Entkleiden sein 
Glied an ihr, wobei er schlussendlich auf ihren Bauch ejakulierte. Nach wie vor um-
stritten ist, ob die Küsse und sexuellen Handlungen einvernehmlich vonstattenge-
gangen sind bzw. sich die Privatklägerin dagegen verbal und körperlich zur Wehr 
setzte. Umstritten ist ferner, ob und inwieweit der Beschuldigte mit seinem Ge-
schlechtsteil vaginal in die Privatklägerin eingedrungen ist.

Unbestritten ist schliesslich – wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat – dass 
die Privatklägerin nach den Geschehnissen im Schlafzimmer für längere Zeit im 
Badezimmer verschwand um sich zu duschen, wobei der Beschuldigte sich mehr-
fach bei ihr erkundigte, ob alles in Ordnung sei. Er selbst wusch sich mit ihrem Ein-
verständnis im Lavabo des Badezimmers. Anschliessend verabschiedeten sich die 
beiden, wobei die Privatklägerin den Beschuldigten umarmte und ihm die Reste 
des Mittagessens aushändigte. Kurze Zeit später meldete sich der Beschuldigte bei 
der Privatklägerin und schrieb ihr, dass es ihm leid tue und sie sehr freundlich ge-
wesen sei. Die Privatklägerin schrieb ihm daraufhin, sie denke, sie sei schwanger 
und sie wolle sich mit ihm treffen.

Die Geschehnisse vor und nach dem fraglichen Vorfall im Schlafzimmer bilden 
zwar nicht Gegenstand der Anklage, sind aber für den Gesamtzusammenhang von 
Bedeutung. 

12. Beweismittel

Der Kammer liegen eine Fotodokumentation mit Chatauszügen vom 9. November 
2019 (pag. 226 ff.), der Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes (KTD) vom 
2. Dezember 2019 (inkl. Material- und Spurenverzeichnis; pag. 112 ff.) und vom 
10. Januar 2020 (inkl. Material- und Spurenverzeichnis; pag. 122 ff.), die Berichts-
rapporte vom 11. Dezember 2019, 12. Dezember 2019 und 14. April 2020 (pag. 
133 f., pag. 222 f., pag. 496 f. [inkl. E-Mail Audiodatei und Chatauszüge]), das 
rechtsmedizinische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) der Universität 
Bern zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten vom 11. November 2019 
(pag. 194 ff.), die forensisch-toxikologischen Berichte des IRM betreffend den Be-
schuldigten vom 13. November 2019 und 2. Dezember 2019 (pag. 198 ff., pag. 201 
ff.), das rechtsmedizinische Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung der 
Privatklägerin vom 20. November 2019 (pag. 206 ff.), die forensisch-
toxikologischen Berichte des IRM betreffend die Beschuldigte vom 13. November 
2019, 2. Dezember 2019 und 20. Dezember 2019 (pag. 212 ff., pag. 215 f., pag. 
217 ff.), das rechtsmedizinische Aktengutachten des IRM betreffend die Privatklä-
gerin vom 28. Februar 2020 (pag. 400 ff.) sowie diverse von der Privatklägerin und 
dem Beschuldigten eingereichte Unterlagen (pag. 538 ff., pag. 833 ff.) vor.

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Ferner liegen der Kammer die Aussagen des Beschuldigten (pag. 135 ff., pag. 143 
ff., pag. 569 ff.), der Privatklägerin (pag. 149 ff., pag. 160 ff., pag. 560 ff.) und des 
Zeugen L.________ (pag. 183 ff.) vor.

Die Vorinstanz brachte die objektiven und subjektiven Beweismittel korrekt ins Ver-
fahren ein und gab diese zutreffend und umfassend wieder. Darauf kann an dieser 
Stelle verwiesen werden (S. 10 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 665 ff.). Soweit notwendig wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdi-
gung näher darauf eingegangen. 

13. Erwägungen der Kammer

13.1 Theoretische Ausführungen

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung im Allgemeinen und der 
Aussagenanalyse im Besonderen kann auf die zutreffenden Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen werden (S. 6 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 
661 ff.). 

13.2 Konkrete Beweiswürdigung

13.2.1 Würdigung der objektiven Beweismittel

Vorab ist festzustellen, dass sich aus den vorliegenden objektiven Beweismitteln 
nur bedingt Rückschlüsse in Bezug auf das relevante Kerngeschehen ziehen las-
sen. So konnten gemäss rechtsmedizinischem Gutachten vom 11. November 2019 
anlässlich der körperlichen Untersuchung des Beschuldigten etwa keine frischen 
Verletzungen festgestellt werden (pag. 195) und der forensisch-toxikologische Ab-
schlussbericht vom 2. Dezember 2019 ergab keine Hinweise auf den Konsum von 
Alkohol, Drogen oder Medikamenten (pag. 200). Im Rahmen der körperlichen bzw. 
gynäkologischen Untersuchung der Privatklägerin konnten gemäss rechtsmedizini-
schem Gutachten vom 20. November 2019 ebenfalls keine äusseren Verletzungen, 
jedoch ein blutender Riss im Saum des Jungfernhäutchens und ein feiner, ober-
flächlicher Riss in der Schleimhaut der hinteren Kommissur festgestellt werden. In 
diesem Zusammenhang wurde festgehalten, dass diese Befunde zeitlich mit dem 
geltend gemachten Ereigniszeitpunkt vereinbar seien und im Rahmen eines gewoll-
ten oder ungewollten Geschlechtsverkehrs (z.B. durch Penetration und/oder Mani-
pulation) entstanden sein könnten. Spermien konnten nicht nachgewiesen werden, 
wobei der fehlende Nachweis von Spermien in den Scheidenabstrichen keinen 
stattgehabten Samenerguss ausschliesse (pag. 207 ff., vgl. auch pag. 131 f.), wo-
mit sich aus dieser Feststellung nichts zu Gunsten oder Ungunsten des Beschul-
digten ableiten lässt. Dem Aktengutachten vom 28. Februar 2020 betreffend die 
Privatklägerin ist ferner zu entnehmen, dass die festgestellten Verletzungen auch 
durch Eindringen mit den Fingern in den Vaginalbereich entstanden sein könnten. 
Der oberflächliche Schleimhautriss könne durch Reiben des Penis am äusseren 
Vaginalbereich ohne Eindringen entstanden sein. Der blutende Riss am Saum des 
Jungfernhäutchens sei aber dadurch nicht nachvollziehbar. Das Gleiche gelte auch 
für intensives Waschen, insbesondere der blutende Riss am Saum des Jungfern-
häutchens sei auch bei intensivem Waschen in der Regel nicht zu erwarten. Es sei 
nicht auszuschliessen, dass beide Verletzungen durch irgendeine Handlung der 

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Privatklägerin selbst verursacht worden seien. Weder beim Abstrich des Schamhü-
gels, des Penisschafts, der Eichel noch der beiden Handflächen des Beschuldigten 
sei von Auge sichtbares Blut dokumentiert worden (pag. 400 ff.). Nach dem Gesag-
ten kommen gestützt auf die rechtsmedizinischen Gutachten sowohl der vom Be-
schuldigten als auch der von der Privatklägerin geschilderte Geschehensablauf in 
Frage bzw. lässt sich weder die eine noch die andere Sachverhaltsschilderung be-
legen oder widerlegen. Nichts Anderes lässt sich auch daraus ableiten, dass an 
den von den Parteien getragenen Kleidern keine Besonderheiten festgestellt wer-
den konnten. 

Gemäss den forensisch-toxikologischen Untersuchungen konnte in der Blutprobe 
der Privatklägerin kein Alkoholkonsum nachgewiesen werden und es liessen sich 
auch keine Hinweise auf gängige Drogen oder häufig missbrauchte Medikamente 
entnehmen. Hingegen wurde Duloxetin (Antidepressivum) festgestellt (pag. 214, 
pag. 220). In Bezug auf die vorliegenden ärztlichen Berichte betreffend den Ge-
sundheitszustand der Privatklägerin wird auf die nachfolgende Gesamtwürdigung 
verwiesen.

Der dokumentierte Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 
im Messenger «J.________» lässt ebenfalls keine bzw. nur ganz bedingt Rück-
schlüsse auf das Kerngeschehen zu. Ob die Privatklägerin ein (sexuelles) Interes-
se am Beschuldigten hatte und ihn deswegen anschrieb bzw. gemäss Vorbringen 
der Verteidigung gar mit ihm flirtete, kann offenbleiben. Massgebend ist nur der 
Wille bzw. dessen Kundgabe zum fraglichen Tatzeitpunkt. Nach dem Treffen 
schrieb der Beschuldigte der Privatklägerin gleichentags um 17:12 Uhr: «I’m sorry, 
you are very kind». Die Privatklägerin antwortete daraufhin um 17.30 Uhr: «Where 
you, I need to talk. I think I’m getting pregnant». Der Beschuldigte antwortete: «No, 
how, it can be, can’t». Die Privatklägerin wollte wissen, wo der Beschuldigte sei 
und wohin er gehe. Der Beschuldigte antwortete daraufhin, dass er nach 
M.________ gehe, worauf die Privatklägerin ihn fragte, ob sie ihn besuchen kom-
men könne. Der Beschuldigte antwortete darauf mit: «No… Don’t worry never do li-
ke that. Never! I didn’t inside» (pag. 244). Auffällig ist an diesen Nachrichten 
zunächst, dass sich der Beschuldigte offenbar entschuldigte. Entgegen der Auffas-
sung der Generalstaatsanwaltschaft und der Privatklägerin lässt sich daraus aber 
noch nichts Abschliessendes ableiten, zumal der Beschuldigte auf ihre Chatnach-
richt betreffend eine allfällige Schwangerschaft antwortete: «No, how, it can be, 
can’t» bzw. «No… Don’t worry never do like that. Never! I didn’t inside». 

Schliesslich lassen auch die vorliegenden Chat-Nachrichten zwischen der Privat-
klägerin und ihrem Ehemann (pag. 500 ff.) keine Rückschlüsse auf das eigentliche 
Kerngeschehen zu. Daraus ergibt sich im Wesentlichen, dass der Ehemann der 
Privatklägerin über ihre am 8. November 2019 stattfindende Verabredung Bescheid 
wusste, sie vorab noch Erledigungen für ihren Ehemann zu tätigen hatte, die bei-
den zwischen 14:29 Uhr und 15:35 Uhr – also während der Anwesenheit des Be-
schuldigten – immerhin zehn Nachrichten austauschten und die Privatklägerin ih-
rem Ehemann um 16:59 Uhr schrieb, sie müsse mit ihm reden. Etwas merkwürdig 
erscheinen die von ihr um 22:08 Uhr gleichentags verschickten Nachrichten, wo-
nach sie nicht schwanger sei. Die Nachfrage ihres Ehemannes, ob man dies denn 

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so schnell sehen könne, bejahte die Privatklägerin nur wenige Minuten später (pag. 
508). Es darf allerdings als bekannt gelten, dass eine Schwangerschaft nicht so 
schnell nachgewiesen werden kann. Entsprechend finden sich auch keine Hinwei-
se auf einen anlässlich der Untersuchung der Privatklägerin durchgeführten 
Schwangerschaftstest bzw. irgendwelche Aussagen in diesem Zusammenhang. 
Angemerkt wurde lediglich, dass unter anderem die «Pille danach» abgegeben 
worden sei, was in Anbetracht der Schilderungen der Privatklägerin nachvollzieh-
bar ist. 

Betreffend die sichergestellte Sprachnachricht der Privatklägerin an ihren Ehemann 
wird auf die nachfolgende Aussagenanalyse bzw. Gesamtwürdigung verwiesen. 
Festzuhalten ist an dieser Stelle lediglich, dass die Privatklägerin ihrem Ehemann 
erzählte, was anlässlich des Treffens mit dem Beschuldigten geschehen sei (pag. 
498).

Unter den gegebenen Umständen hat die Kammer in ihrer Würdigung das Augen-
merk auf die im Verfahren gemachten Aussagen der beteiligten Personen, begin-
nend mit dem Beschuldigten, zu richten. Die Urteilsbegründung der Vorinstanz ist 
ausführlich und detailliert ausgefallen. Es kann vorweggenommen werden, dass 
sich die Kammer in vielen Punkten den Argumenten der Vorinstanz anschliesst und 
auf die sorgfältig zitierten Aussagen und deren Würdigung verwiesen werden kann. 
Die rechtsmedizinischen Untersuchungen vermögen den angeklagten Sachverhalt 
weder auszuschliessen noch ihn über das Gesagte hinaus zu bestätigen. Gleiches 
gilt auch für die vorliegenden Chat-Nachrichten (pag. 102 ff.).

13.2.2 Beschuldigter

Hinsichtlich des allgemeinen Aussageverhaltens ist festzuhalten, dass der Be-
schuldigte zum eigentlichen Kerngeschehen grundsätzlich konstante und detaillier-
te Angaben machte. So gab er bereits anlässlich der polizeilichen Einvernahme 
vom 9. November 2019 zu Protokoll, dass er die Privatklägerin im Schlafzimmer 
auf dem Bett gefragt habe, ob er sie küssen dürfe. Sie hätten sich anschliessend 
einen Zungenkuss gegeben. Während des Küssens habe er ihr das Oberteil aus-
gezogen, wobei sie weder nein gesagt noch sich dagegen gewehrt habe (pag. 138 
Z. 107 ff.). Er habe ihr die Brüste liebkost, mit der Hand ihre Genitalien angefasst 
und sei mit den Fingern bei ihr vaginal eingedrungen. Sie habe ihm seinen Penis 
massiert. Danach habe er ihr die Unterhosen ausgezogen (pag. 138 Z. 122 ff.). Der 
Beschuldigte betonte von sich aus, dass ihm die Privatklägerin gesagt habe, er 
könne ihren ganzen Körper anfassen, sei wolle einfach keinen Sex (pag. 138 Z. 
111 ff., vgl. auch pag. 138 Z. 99 ff.) und wie er versucht habe, sie dennoch zum 
Sex zu überreden. Er habe sie dann überredet, die Unterhosen auszuziehen und 
sie ihr auch ausgezogen. Er sei auch nackt gewesen, habe sich aber selber ausge-
zogen (pag. 138 Z. 112 ff., vgl. auch pag. 137 Z. 70 ff.). Anschliessend hätten sie 
dann miteinander die Genitalien gerieben. Auf Nachfrage habe sie ihm geantwortet, 
dass sie nicht bereit für Sex sei (pag. 137 Z. 73 f.). Er habe seinen Penis am obe-
ren Teil ihrer Vagina gerieben und sei dort hängengeblieben. Er sei aber nicht in 
sie eingedrungen. Sie habe ihm gesagt, es mache ihr weh und er vermute, dass er 
mit seinem Penis den Eingang der Vagina berührt habe. Daraufhin habe er auf-
gehört, sei mit dem Glied auf ihren Bauch gerutscht und habe anschliessend auf ih-

19

ren Bauch ejakuliert (pag. 140 Z. 185 ff., vgl. auch pag. 138 Z. 94 ff., Z. 125 f.). Bei 
diesen Aussagen fällt auf, dass der Beschuldigte kein defensives Verhalten an den 
Tag legte und auch nicht versuchte, den Vorfall zu beschönigen. Im Gegenteil: So 
räumte er ein, dass er mehrfach versucht habe, die Privatklägerin zum Sex zu 
überreden, obwohl er wusste, dass sie keinen haben wollte. Ebenfalls erklärte er: 
«Ich sagte ihr, dass, wenn eine Frau einen Mann zum Essen einlädt, gibt es Sex», 
womit er seine sexuellen Absichten klar offenlegte und sich damit auch selber be-
lastete. Sodann erklärte er von sich aus, dass es ihr weh gemacht habe und mut-
masste hierzu, dass er mit seinem Penis wohl den Eingang der Vagina berührt ha-
be. Eingedrungen sei er allerdings nicht (pag. 138, Z. 96 f., pag. 140, Z. 185 ff.). 
Der Beschuldigte machte nicht nur zum eigentlichen Kerngeschehen detaillierte 
Angaben, sondern gab überdies auch Nebensächlichkeiten zu Protokoll. So erklär-
te er etwa, welchen Bus er genommen habe (pag. 138, Z. 85), dass er sich nach 
den Geschehnissen beim Lavabo gewaschen habe und ihm die Privatklägerin an-
schliessend die Reste des Mittagessens eingepackt habe (pag. 137, Z. 78 ff.). Fer-
ner schilderte der Beschuldigte auch konkrete Gesprächsinhalte, so etwa, dass er 
die Privatklägerin gefragt habe, ob sie bereit für Sex sei, worauf sie nein gesagt 
habe (pag. 137, Z, 74), sie ihm gesagt habe, er dürfe sie am ganzen Körper anfas-
sen, sie wolle aber keinen Sex (pag. pag. 137, Z. 74 f.), sie schäme sich und sei 
noch nicht bereit für Sex (pag. 137, Z. 68). Oder als sie ihm gesagt habe, es mache 
ihr weh, als er mit seinem Penis an ihrer Vagina hängen geblieben sei (pag. 140, Z. 
185 ff.). All diese Realkennzeichen sprechen für ein reales, selbst erlebtes Ge-
schehen. Nennenswerte spontane Selbstkorrekturen, Zugeben von Erinnerungslü-
cken und Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Aussagen sind in diesen tatnächs-
ten Aussagen des Beschuldigten kaum auszumachen. 

Gleiches gilt grundsätzlich auch für die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der 
gleichentags stattgefundenen Hafteinvernahme bei der Staatsanwaltschaft. Seine 
Aussagen betreffend das Kerngeschehen blieben konstant und grundsätzlich wi-
derspruchsfrei, wenn auch nicht gleich detailliert wie die nur wenige Stunden zuvor 
gemachten Erstaussagen bei der Polizei, wobei der Beschuldigte auch nur punktu-
ell befragt wurde. Er wiederholte seine Aussagen zum Kerngeschehen, wonach die 
Privatklägerin keinen Sex gewollt habe (pag. 146, Z. 87, Z. 93 f.), er dennoch ver-
sucht habe sie zu überreden (pag. 146, Z. 96 f., pag. 147, Z. 124 f.), sie sich nicht 
gewehrt habe (pag. 146, Z. 106 ff.), er nie eingedrungen sei (pag. 146, Z. 114, pag. 
147, Z. 128 ff., Z. 134), er sie während des Bewegens mit dem Penis irgendwo 
berührt habe und sie gesagt habe, es tue ihr weh (pag. 147, Z. 129 ff.). Dass der 
Beschuldigte anlässlich dieser Einvernahme noch erklärte, er selbst habe an sei-
nem Penis kein Blut bemerkt, was er doch hätte müssen, wenn sie aus der Vagina 
geblutet habe (pag. 147 Z. 134 ff.), vermag seine ansonsten glaubhaften Aussagen 
nicht zu beeinflussen, gab der Beschuldigte doch selber an, dass die Beiden ihre 
Genitalien aneinander gerieben hätten und er mit seinem Penis allenfalls den Ein-
gang ihrer Vagina berührt habe bzw. hängengeblieben sei. 

Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte der Beschuldigte 
grundsätzlich seine Aussagen zum Kerngeschehen und gab wiederum an, er habe 
der Privatklägerin geholfen ihre Kleidungsstücke auszuziehen (pag. 570 Z. 44 ff.). 
Sie hätten sich dann liebkost, wobei sie bis auf den BH und die Unterhose ausge-

20

zogen gewesen sei. Er betonte erneut, dass er vorgeschlagen habe, dass sie mit-
einander Sex haben könnten. Wie bereits anlässlich der sechs Monate zuvor statt-
gefundenen polizeilichen Einvernahme gab der Beschuldigte an, dass die Beschul-
digte keinen Sex gewollt und er sie hierzu habe überreden wollen. Er wiederholte in 
diesem Zusammenhang auch, dass die Privatklägerin immer wieder gesagt habe, 
dass sie sich schäme und sie scheu sei (pag. 570 f. Z. 47, Z. 1 f., «I’m too shy to 
have sex», pag. 575, Z. 23 ff.). Dennoch schrieb er ihr nunmehr eine aktivere Rolle 
zu. So habe sie ihm etwa beim Ausziehen geholfen, indem sie beide Arme hoch-
gehalten habe (pag. 572 Z. 13 ff. pag. 575 Z. 9 ff.), sie habe leicht gestöhnt, als er 
mit seinen Fingern in ihre Vagina eingedrungen sei (pag. 572 Z. 26 f., vgl. auch 
pag. 575 Z. 3 f.) oder er (der Beschuldigte) habe sich enttäuscht auf die Seite ab-
gedreht, worauf sie ihn zurückgedreht, ihre Hand unter seine Hose gesteckt und 
ihn massiert habe (pag. 575, Z. 25 ff.). Auch sprach er nicht mehr direkt davon, 
dass er mit seinem Penis den «Eingang ihrer Vagina» berührt habe bzw. hängen-
geblieben sei. Von einem eigentlichen «Bestreiten» kann indes nicht gesprochen 
werden, gab der Beschuldigte auf Vorhalt seiner diesbezüglichen früheren Aussage 
doch an, er sei in der Voruntersuchung sehr nervös gewesen. Er wisse nicht, was 
er alles ausgesagt habe. Er sei aber nicht eingedrungen. Er sei mit seinem Glied 
unter ihrem Bauchnabel etwas geknickt und hängen geblieben und sie habe ihm 
gesagt, es mache ihr weh (pag. 573 Z. 10 ff.). Es ist nicht zu verkennen, dass der 
Beschuldigte seine Aussagen – um es in den Worten der Vorinstanz zu sagen – im 
Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung etwas «abtempiert» hat. Aller-
dings sprach er wiederum von einem «Hängenbleiben», wenn auch nicht mehr di-
rekt im Zusammenhang mit der Vagina der Privatklägerin. Dass die Privatklägerin 
seinen Penis massiert habe, erwähnte der Beschuldigte ferner bereits anlässlich 
seiner ersten Einvernahme, wobei er nunmehr aber betonte, dass dies auf ihre In-
itiative hin geschehen sei. Im Übrigen wiederholte er, dass die Privatklägerin ihre 
Unterhose noch angehabt habe, als er sie darunter angefasst und mit seinen Fin-
gern in ihre Vagina eingedrungen sei (pag. 572, Z. 26 ff.) und dass er seinen Penis 
zwischen ihrem Bauchnabel und ihren Genitalien gerieben (pag. 572, Z. 34) sowie 
ihr gesagt habe, er dringe nicht ein, sondern «reibe bloss» (pag. 572, Z. 44 ff., pag. 
573, Z. 7 f.). Der Beschuldigte gab ferner auch Nebensächlichkeiten zu Protokoll, 
zum Beispiel, dass die Privatklägerin nach seinem Samenerguss sofort ins Bad 
gegangen sei (pag. 571 Z. 16; vgl. auch pag. 573 Z. 32 ff.) und er sie mehrfach ge-
fragt habe, ob alles in Ordnung sei, weil sie ziemlich lange im Bad gewesen sei. 
Hierbei handelt es sich um Details, welche der Beschuldigte übereinstimmend zu 
seinen Erstaussagen erneut zu Protokoll gab und auch mit den Aussagen der Pri-
vatklägerin übereinstimmen.

Insgesamt finden sich in den Aussagen des Beschuldigten einige Unstimmigkeiten. 
Seine Aussagen fielen im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung relati-
vierend aus und er schrieb der Privatklägerin klar eine aktivere Rolle im Schlaf-
zimmer zu. Die vorliegenden Unstimmigkeiten in seinen Aussagen, insbesondere 
betreffend die Frage des «Hängenbleibens», vermögen an der grundsätzlichen 
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen allerdings nichts zu ändern. Es ist notorisch, dass 
die tatnächsten Aussagen erfahrungsgemäss regelmässig zuverlässiger sind als 
jene, welche in späteren Einvernahmen gemacht werden. So auch im konkreten 

21

Fall. Der Beschuldigte befand sich im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung seit gut sechs Monaten in Untersuchungshaft und hatte entsprechend 
Zeit, sich auf seine Einvernahme vorzubereiten. Auf seine diesbezüglichen Aussa-
gen ist daher nur abzustellen, soweit sie mit seinen früheren Aussagen überein-
stimmen. Insgesamt kommt die Kammer damit zu keinem anderen Schluss als die 
Vorinstanz. Die erwähnten Unstimmigkeiten vermögen die Glaubwürdigkeit des 
Beschuldigten als Person bzw. die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht entschei-
dend in Frage zu stellen.

13.2.3 Privatklägerin

Die Privatklägerin machte anlässlich der polizeilichen Einvernahme detaillierte An-
gaben zum Kerngeschehen. So führte sie etwa aus, dass es im Schlafzimmer so 
ausgesehen habe, als wolle der Beschuldigte etwas von ihr, weshalb sie versucht 
habe, etwas Abstand zu ihm zu halten (pag. 151, Z. 67 ff.). Oder wie er von sich 
erzählt und ihr seine Hand gezeigt habe und sie da bereits gedacht habe 
«Phu….der will Sex von mir haben» (pag. 151, Z. 72 f.). Er habe begonnen ihre 
Hand zu nehmen, diese habe sie dann weggezogen. Nachdem er sein T-Shirt aus-
gezogen habe, habe er sich auf sie gelegt bzw. sei auf sie gesprungen. Er habe sie 
dann geküsst, es seien zwei bis drei Zungenküsse gewesen. Sie sei dabei scho-
ckiert gewesen, gewehrt habe sie sich aber gar nicht. Sie habe weder etwas gesagt 
noch gemacht und sei «wie eingefroren» gewesen, als er ihr danach das T-Shirt 
und den BH ausgezogen habe. Sie habe ein bisschen gegrinst. Es sei so eine 
«ängstliche Lache» gewesen (pag. 156 Z. 324 ff.). Der Beschuldigte habe sie 
überall angefasst, worauf sie ihm gesagt habe, er solle damit aufhören bzw. ihn 
mehrmals geschubst, also weggedrückt habe. Der Beschuldigte habe in diesem 
Moment glaublich gar nicht bemerkt, dass sie das nicht wolle und sich belästigt 
fühle (pag. 151 Z. 79 ff.). Sie habe ihre Kleidung immer wieder hochgezogen und 
ihn weggedrückt, so dass er sie nicht habe ausziehen können. Er habe sie dann 
aber so auf das Bett gedrückt, dass sie nicht mehr habe ausweichen können und 
«wie im Bett gefesselt» gewesen sei. Sie habe sich nicht wehren können und habe 
angefangen zu weinen (pag. 151 Z. 89 f., pag. 156 Z. 348 f.). Der Beschuldigte ha-
be einfach weitergemacht und gar nicht bemerkt, dass sie geweint habe. Er habe 
gesagt, dass er mit seinem Geschlechtsteil nicht in ihre Vagina gehe, nur auf den 
Bauch. Plötzlich sei sein Geschlechtsteil in ihr gewesen. Sie habe versucht, ihn mit 
ihrem Bein wegzudrücken. Das habe sie aber nicht geschafft, weil der Beschuldigte 
ihr Bein einfach weggedrückt habe. Er sei in ihr drin gewesen, bis er einen Erguss 
bekommen habe (pag. 151 Z. 89 ff.). Er sei nur so ca. fünf Sekunden in ihr gewe-
sen. Sie habe versucht, ihn wegzudrücken, sie habe sich aber nicht wehren kön-
nen. Sie habe geschrien. Also nicht richtig geschrien, sondern gesagt «Aua es tut 
weh» (pag. 157, Z. 366 ff.). Er habe einfach weitergemacht und als er fertig gewe-
sen sei, seien seine Spermien auf ihrem Bauch gewesen (pag. 157, Z. 374 ff.), wo-
bei er nach der Befriedigung nochmals in ihren Vaginalbereich habe eindringen 
wollen (pag. 157, Z. 392 f.). Er habe weiter «runtergehen» wollen und sei mit sei-
nem Geschlechtsteil in ihre Vagina, worauf sie gesagt habe: «Stopp hör auf jetzt» 
(pag. 157, Z. 396 ff.). Nachdem sie die Spermien auf sich gesehen habe, sei sie 
sofort ins Bad gelaufen und habe sich diese ab ihrem Bauch und ihrer Scheide ge-
putzt, wobei sie gesehen habe, dass sie aus der Scheide blute (pag. 151, Z. 99 ff.). 

22

Auf Nachfrage erklärte die Privatklägerin ferner, dass der Beschuldigte auch mit 
seinen Fingern in ihre Vagina eingedrungen sei und versucht habe, sie zu befriedi-
gen. Er habe sie mehrmals gefragt, ob sie zu einem Orgasmus gekommen sei, ob 
sie etwas spüre. Sie habe darauf nichts gesagt. Sie sei wie paralysiert gewesen. 
Sie habe nichts rausbekommen (pag. 157 Z. 381 ff.). Die ersten Aussagen der Pri-
vatklägerin fielen nicht nur detailreich aus, sie enthielten auch Beschreibungen ei-
gener psychischer Vorgänge (geschilderte Angst und Panik), verbale Interaktionen 
mit dem Beschuldigten sowie Nebensächlichkeiten bzw. überflüssige Details, d.h. 
Einzelheiten, die mit dem Tathergang selbst nichts zu tun haben und für das Kern-
geschehen unnötig sind. So etwa, dass sie beim Treffen mit dem Beschuldigten ei-
ne «labberige» Hose und eine schwarze Jacke getragen habe (pag 154 Z. 243 ff.) 
oder dass er ihr seine rauen Hände gezeigt und erklärt habe, dies sei vom Body-
building und vom harten Training (pag. 151, Z. 73 f.). Allerdings enthalten die 
Erstaussagen der Privatklägerin auch gewisse Unstimmigkeiten und Fragezeichen. 
So erkannte sie die sexuellen Absichten des Beschuldigten eigenen Angaben zu-
folge relativ früh (pag. 151, Z. 67 ff.). Es stellt sich daher die Frage, weshalb sie 
sich nicht deutlich(er) positioniert oder das Bett verlassen hat. Ferner fällt auf, dass 
sich die Privatklägerin auch nicht festlegen konnte bzw. wollte, ob sie sich nun ver-
bal bzw. körperlich gegen den Beschuldigten zur Wehr gesetzt hatte respektive ob 
er ihre verbale und/oder körperliche Ablehnung bzw. Gegenwehr wahrgenommen 
hat. So führte sie – wie bereits erwähnt – etwa aus, dass der Beschuldigte gar nicht 
bemerkt habe, dass sie dies nicht gewollt und sich belästigt gefühlt habe (pag. 151, 
Z. 83 ff., Z. 90, pag. 155, Z. 274 ff., pag. 156, Z. 331 f.). Hätte sie sich – wie anläss-
lich dieser ersten Einvernahme eben auch ausgesagt – mehrfach ausdrücklich ver-
bal und körperlich gewehrt, so müsste dies dem Beschuldigten, selbst unter 
Berücksichtigung der Sprachbarriere, aufgefallen sein. Wenig Sinn macht denn 
auch ihre Aussage, wonach der Beschuldigte nach der Befriedigung nochmals in 
ihren Vaginalbereich habe eindringen wollen bzw. eingedrungen sei (pag. 157, Z. 
392 f., Z. 396 ff.). Es handelt sich überdies um eine Sachverhaltsversion, welche im 
Laufe des weiteren Verfahrens nicht mehr vorgebracht wurde.

Anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft bestätigte die Privatklägerin 
im Wesentlichen ihre Aussagen. Auffallend ist jedoch, dass sich die Privatklägerin 
nunmehr stärker gegen den Beschuldigten gewehrt haben will. So gab sie etwa zu 
Protokoll, sie habe ihre Hand nicht nur weggezogen, sondern dem Beschuldigten 
auch gesagt, sie wolle dies nicht (pag. 164, Z. 132 f.). Auch habe sie ihm bereits 
beim Küssen gesagt, sie wolle dies nicht, habe sich gewehrt und ihn an der Brust 
wegzustossen versucht, währendem sie anlässlich der ersten Einvernahme hierzu 
noch ausgesagt hatte, sie sei schockiert gewesen, gewehrt habe sie sich aber gar 
nicht (pag. 155, Z. 273 f., Z. 279 ff., pag. 167, Z. 264 ff., pag. 168, Z. 284 ff.). Auf 
Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, sie habe sich nicht gewehrt und sie habe 
gesagt, es sei ok, wenn er ihren ganzen Körper anfasse, sie wolle einfach keinen 
Sex, erklärte sie, sie habe ihm ganz klar gesagt, dass sie dies nicht wolle (pag. 171 
f. Z. 430 ff.). Gleichzeitig erklärte sie aber wiederum, sie glaube nicht, dass er dies 
wahrgenommen bzw. gesehen habe, dass sie weine (pag. 164, Z. 153 f., pag. 171, 
Z. 404 ff., Z. 420 f.) und gab darüber hinaus gar zu Protokoll, es sei ihm scheisse-
gal gewesen (pag 171 Z. 404). Bei der Staatsanwaltschaft gab sie sodann erstmals 

23

zu Protokoll, dass sie dem Beschuldigten im Bett noch Vorwürfe gemacht habe, 
bevor sie duschen gegangen sei (pag. 170, Z. 382 ff.). Abweichend zu ihren 
Erstaussagen führte sie ferner aus, sie habe bemerkt, dass der Beschuldigte Sex 
wolle, als er sie geküsst habe (währendem sie dies bei ihrer Erstaussage bereits 
beim Ergreifen ihrer Hand bemerkt haben will, pag. 167, Z. 251 f.). Auch sprach sie 
bei der Staatsanwaltschaft erstmals davon, dass der Beschuldigte sie zu ihrem 
Sexleben befragt und sie ihm gesagt habe, dass ihre erste richtige Beziehung die-
se mit ihrem Mann sei (pag. 164 Z. 137 ff.). Weshalb die – eigenen Angaben zufol-
ge – sexuell unerfahrene Privatklägerin dieses Gespräch erst an ihrer zweiten Ein-
vernahme erwähnte, erschliesst sich der Kammer nicht. Unklar bleibt auch, wes-
halb sie dem Beschuldigten gegenüber nun auch ihren Ehemann erwähnt haben 
will. In den vorab verschickten Chatnachrichten gab die Privatklägerin nämlich noch 
an, sie wohne mit ihrem Bruder (« I live with my brother but he’s working not 
home», «So don’t worry», «We will be alone», pag. 240). Ihre hierzu bei der 
Staatsanwaltschaft vorgebrachte Erklärung, sie würde aus der Türkei verstossen, 
wenn bekannt würde, dass sie mit einem Nichttürken verheiratet sei und sie des-
halb jedem sage, sie wohne mit ihrem Bruder (vgl. pag. 173 Z. 487 ff.), überzeugt 
nicht. Einerseits gab die Privatklägerin – wie bereits erwähnt – nur kurz zuvor sel-
ber an, sie habe dem Beschuldigten von ihrem Ehemann erzählt. Andererseits gab 
Letzterer auch zu Protokoll, dass die Familie der Privatklägerin und viele andere 
Bekannte wissen würden, dass sie verheiratet sei bzw. sie würden kein Geheimnis 
daraus machen (vgl. Ziff. 13.2.4 hiernach). Hinzu kommt, dass mit der Frage nach 
einer Ehe bzw. dem Zusammenleben die Staatsangehörigkeit eines Partners bzw. 
einer Partnerin noch nicht geklärt ist und es die erweiterte Familie der Privatkläge-
rin – wie die Vorinstanz treffend festgestellt hat – kaum erfahren würde, wenn sie 
einem Koreaner auf der Durchreise von ihrer Ehe erzählt. Die Erklärung der Privat-
klägerin ist demnach – entgegen der Auffassung der Generalstaatsanwaltschaft 
und der Privatklägerin – alles andere als nachvollziehbar. Auch die oberinstanzlich 
vorgebrachte Erklärung (Privatsphäre) vermag nicht zu überzeugen, hat die Privat-
klägerin den ihr zuvor unbekannten Beschuldigten doch auch gleich zu sich nach 
Hause eingeladen. 

Nur wenig überzeugend fiel auch ihre Erklärung dafür aus, weshalb sie sich zum 
Beschuldigten ins Bett gelegt habe. So gab sie hierzu an, sie habe nach ihm 
schauen wollen. Sie sei ein Mensch, der sich um viele Menschen sorge. Sie sei 
hilfsbereit. Wenn Menschen in Not seien, sei sie immer da (pag. 166 Z. 231 ff.). 
Den Akten sind keine Hinweise zu entnehmen, wonach es dem Beschuldigten 
schlecht gegangen wäre, solches wird von der Privatklägerin allerdings auch nicht 
direkt geltend gemacht. Es hätte – wie bereits die Vorinstanz erkannte – damit völ-
lig ausgereicht, kurz ins Schlafzimmer zu gehen und nach dem Beschuldigten zu 
sehen. Die Privatklägerin hätte ihm zudem ohne Weiteres auch das Sofa anbieten 
können. 

Die Privatklägerin stellte den Beschuldigten im Rahmen ihrer zweiten Einvernahme 
ferner deutlich schlechter dar als bisher und sprach etwa davon, dass es für ihn 
einfach «Ich will sie ficken und flachlegen» (pag. 167 Z. 270) gewesen sei bzw. 
sich dieser wohl gesagt habe: «[… ], ist mir scheissegal, was die sagt. Ich will sie 
einfach nur ficken» (pag. 171, Z. 404 f.). Sie erklärte abweichend von ihren 

24

Erstaussagen, wonach der Beschuldigte zuerst «gar nicht rein» gewollt und nur ca. 
fünf Sekunden in ihr gewesen sei, nunmehr, dass sich der Beschuldigte auf sie ge-
legt und versucht habe, seinen Penis in sie zu stecken (pag. 169, Z. 331 ff.) und er 
beim vaginalen Eindringen «vor und zurückgegangen» sei (pag. 169, Z. 322 f.). Der 
verspürte Schmerz bezeichnete sich nunmehr auch als «extrem» (pag. 164, Z. 156 
f.), später hingegen wieder als ein «Ziehen», «so ähnlich wie ein Zwicken», nur am 
Anfang (pag. 169, Z. 336, Z. 340) Ferner sprach sie erstmals davon, dass ihr Kopf 
nach hinten gebeugt gelegen sei und sie fast nichts habe sehen können (pag. 164 
Z. 154 f.). Darüber hinaus erwähnte sie neu auch, dass es sein könne, dass der 
Beschuldigte ausgerutscht bzw. hängengeblieben sei, sie habe aber gespürt, dass 
er eingedrungen sei (pag. 172, Z. 448 f.).

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte die Privatklägerin ihre 
bisherigen Aussagen. Sie schilderte die von ihr erlebten Geschehnisse grundsätz-
lich detailreich und gab wiederum Interaktionen mit dem Beschuldigten und eigene 
psychologische Vorgänge wieder. So erklärte sie etwa, was sie sich beim Gang ins 
Bad gedacht habe: «Er dachte sich, warum rennt sie jetzt ins Bad. Warum wohl? 
Wenn du jemand vergewaltigt hast, obwohl sie dies nicht wollte. Weshalb rennt sie 
wohl ins Klo. Ich fragte mich, bist du bescheuert, du hast mich gerade vergewaltigt. 
Ich fragte mich, weshalb hast du mich psychisch verletzt. Weshalb hast du das 
gemacht. Ich wollte ihm die Stadt zeigen». Weshalb sie diese Überlegungen nicht 
bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Verfahren zu Protokoll gab, bleibt indes un-
klar. Auffällig oft vermochte (oder wollte) sie sich anlässlich der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung auch nicht mehr an die damaligen Geschehnisse zu erinnern 
(vgl. etwa pag. 560 Z. 25 ff., Z. 42 f., pag. 561 Z. 42 f., pag. 562 Z. 23 ff., pag. 563 
Z. 36 ff., Z. 43 ff., pag. 564 Z. 7 f., Z. 31 ff., Z. 42 ff., pag. 565, Z. 1). Im Gegensatz 
zu ihren vorherigen Aussagen gab die Privatklägerin neu zu Protokoll, dass sie ge-
dacht habe, dem Beschuldigten sei heiss, als er sein T-Shirt ausgezogen habe 
bzw. sie habe nicht gewusst, weshalb er dies gemacht habe (pag. 566, Z 13 ff.). 
Anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme erklärte sie demgegenüber noch, sie 
habe sich schon bevor er ihre Hand genommen habe gedacht «Phu…der will Sex 
von mir» (pag. 151, Z. 73). Die Privatklägerin konnte – wie die Vorinstanz zu Recht 
ausführte – auch im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht darüber 
aufklären, ob und wo sie sich verbal und/oder körperlich wehrte, wo sie weinte und 
wo sie nur dachte, sie weine und schreie bzw. was der Beschuldigte hiervon über-
haupt mitbekommen hat. So gab sie bei der Vorinstanz diesbezüglich etwa an, sie 
habe sich bei allem, was der Beschuldigte getan habe, gewehrt (pag. 563 Z. 10 f.). 
Sie habe «angefangen zu weinen, was das soll» (pag. 564, Z. 5). Kurz vorher er-
klärte sie noch, sie habe keinen Laut von sich geben können, sie sei wie «stumm 
gelegt» gewesen (pag. 561, Z. 30 f.). Sie glaube, er habe nicht gesehen, dass sie 
geweint habe. Sie habe in ihrem Innern geschrien (pag. 562 Z. 11 ff.). Auf Nachfra-
ge erklärte sie ferner auch, es sei richtig, dass er nicht bemerkt habe, dass sie ihn 
weggestossen habe (pag. 565 Z. 9 ff.). Damit ergibt sich auch für die Kammer 
nicht, wann sie sich gegenüber dem Beschuldigten tatsächlich verbal und/oder kör-
perlich zur Wehr setzte, damit der Beschuldigte hätte merken müssen, dass er die 
Grenze der Einvernehmlichkeit überschreitet. Abweichend von ihren früheren Aus-
sagen führte die Privatklägerin denn auch aus, dass der Beschuldigte «ungefähr 

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zwei Minuten oder so» mit seinem Penis in ihrer Vagina gewesen sei und stossen-
de Bewegungen gemacht habe (pag. 564 Z. 16 ff.). Von einem «Reiben» war nicht 
mehr die Rede, vielmehr gab die Beschuldigte an, der Beschuldigte habe sich aus-
gezogen und versucht, sein Geschlechtsteil in sie reinzubekommen (pag. 561, 
Z. 26 ff.).

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin zum 
Rahmen- und Kerngeschehen zwar sehr detailreich ausfielen, diese allerdings 
auch wesentliche Widersprüche und Unstimmigkeiten sowie eine gewisse Aggra-
vierungstendenz enthielten. Aus diesem Grund bestehen bei der Kammer erhebli-
che Zweifel daran, ob sich das Ganze tatsächlich wie von der Privatklägerin ge-
schildert zugetragen hat. Daran vermag auch die von ihr an ihren Ehemann ver-
schickte Sprachnachricht vom 8. November 2019 nichts zu ändern. Hierbei schil-
derte sie zwar einen sexuellen Übergriff bzw. eine Vergewaltigung (auch wenn sie 
dies nicht explizit so benannt hat) durch den Beschuldigten. Es fällt allerdings auf, 
dass sie zunächst sagt, sie hoffe er (ihr Ehemann) sei jetzt nicht «irgendwie sau-
er». Sodann schilderte sie ihm, wie der Beschuldigte direkt auf ihre Abwehrversu-
che reagiert habe («Ich habe gesagt, er soll aufhören, weil ich das nicht möchte. 
Und er so, ja, ja, ist schon ok, ist schon ok»), was ihren teilweisen früheren Aussa-
gen widerspricht, wonach er ihre Gegenwehr nicht wahrgenommen habe. Etwas 
merkwürdig erscheint auch ihre Beschreibung, wonach sie den Beschuldigten habe 
wegdrücken müssen und er dann «irgendwie angefangen habe, sie anzumachen 
und mit ihr Sex zu haben». Die besagte Sprachnachricht vermag die Zweifel an der 
von der Privatklägerin geschilderten Sachverhaltsversion nicht zu beseitigen.

13.2.4 L.________

Vorab ist festzuhalten, dass es sich bei L.________ um den Ehemann der Privat-
klägerin handelt und dieser während des Besuchs des Beschuldigten nicht anwe-
send war. Seine Aussagen helfen zur Klärung des umstrittenen Kerngeschehens 
nicht bzw. nur sehr bedingt weiter. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang 
auch, dass er vor seiner Einvernahme offenbar die Protokolle der polizeilichen Ein-
vernahmen gelesen hat (vgl. pag. 187 Z. 165 ff.). L.________ erklärte, dass er am 
besagten Tag um ca. um 17.10 Uhr oder 17.15 Uhr nach Hause gekommen sei, die 
Privatklägerin völlig durcheinander angetroffen habe und sie ihm zuerst nicht habe 
sagen wollen, was geschehen sei (pag. 186, Z. 114 ff.). Im Übrigen gab 
L.________ zu Protokoll, dass die Privatklägerin seit dem Vorfall Albträume und 
Schwierigkeiten beim Schlafen habe (pag. 189 Z. 211 ff.). Diese Aussagen spre-
chen zwar eher für einen entsprechenden Vorfall, allerdings ist auch möglich, dass 
die Privatklägerin nach den Geschehnissen in Panik geraten ist und nachträglich 
nicht mehr mit den entsprechenden Handlungen einverstanden war (vgl. die nach-
folgende Gesamtwürdigung). 

L.________ erklärte ferner, dass seine Schwiegereltern zu Beginn Probleme ge-
habt hätten, ihre Beziehung zu akzeptieren. Mittlerweile sei aber alles problemlos 
und die meisten wüssten, dass sie verheiratet seien. Sie würden kein Geheimnis 
daraus machen (pag. 184 Z. 41 ff., pag. 189 Z. 207 ff.). Dies widerspricht der Aus-
sage der Privatklägerin, wonach viele nicht von ihrer Heirat wüssten bzw. sie nie-
manden davon erzähle.

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13.2.5 Gesamtwürdigung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschuldigte in seinen 
beiden ersten Einvernahmen detaillierte und nachvollziehbare Aussagen machte, 
wobei in diesem Zusammenhang festzuhalten ist, dass diese Einvernahmen glei-
chentags stattgefunden haben. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
relativierte er seine früheren Aussagen dahingehend, dass er nunmehr nicht mehr 
davon sprach, mit seinem Penis in den Bereich der Vagina der Privatklägerin ge-
kommen zu sein und Letzterer darüber hinaus auch eine aktivere Rolle zusprach. 
Er versuchte, sich im Rahmen der nunmehr zu beurteilenden Geschehnisse weni-
ger stark zu belasten. Dennoch betonte er – in Wiederholung seiner früheren Aus-
sagen – wiederum, dass er die Privatklägerin zum Sex habe überreden wollen, ob-
wohl sie ihm gesagt hatte, dass sie dies nicht wolle. Er betonte mehrfach, dass er 
mit seinem Penis nicht in ihre Vagina eingedrungen sei, er diesen aber auf ihrem 
Körper bzw. an ihrem Geschlechtsteil gerieben habe und da auch hängengeblieben 
sei. Er gab auch von Beginn weg zu, dass die Privatklägerin ihm gegenüber 
Schmerzen geäussert habe und mutmasste sogleich, er sei mit seinem Penis mög-
licherweise an den Eingang ihrer Vagina gekommen. Auch die Privatklägerin 
bestätigte auf Vorhalt dieser Aussage, es könne sein, dass der Beschuldigte aus-
gerutscht/hängengeblieben sei. Dazu passt auch ihre Schilderung, wonach der 
verspürte Schmerz nur am Anfang gewesen sei. Der Beschuldigte versuchte im 
vorliegenden Verfahren nicht, sich übermässig zu entlasten. Vielmehr belastete er 
sich aufgrund seiner Aussagen selber und legte seine sexuellen Absichten von Be-
ginn weg offen. Seine Schilderungen lassen sich ferner mit den objektiven Be-
weismitteln in Einklang bringen bzw. diese stehen seiner Version der Geschehnis-
se zumindest nicht entgegen. So sind die bei der Privatklägerin festgestellten vagi-
nalen Verletzungen gemäss Gutachten ebenfalls durch Manipulation mit den Fin-
gern erklärbar oder können – zumindest teilweise – auch durch das sog. «Hängen-
bleiben des Penis» entstanden sein. Schliesslich spricht auch die Chatnachricht 
des Beschuldigten, in welcher er der Privatklägerin auf ihre Nachricht, dass sie be-
fürchte, schwanger zu sein, schrieb «No…Don’t worry, never do like that» «Never! I 
didn’t inside» dafür, dass er gemäss seinen konstanten Schilderungen mit seinem 
Penis nicht in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen ist. Dass er sich noch bei 
der Privatklägerin entschuldigte, könnte indes auch in einer allfälligen Vergewalti-
gung und der nachträglichen Reue darüber begründet liegen. Gemäss Ansicht der 
Kammer ist es in Anbetracht der Gesamtumstände allerdings wahrscheinlicher, 
dass die Privatklägerin dem Beschuldigten durch ihre lange Anwesenheit im Bad 
das Gefühl vermittelte, etwas sei nicht in Ordnung und es ihm leidtat, weil er wuss-
te, dass sie nicht zum Sex bereit gewesen war und er dennoch mehrmals versucht 
hatte, sie zu überreden und er ihr auf den Bauch ejakuliert hatte. Zumindest lässt 
sich daraus nicht direkt auf eine erfolgte Vergewaltigung schliessen. Es erscheint 
denn auch naheliegend, weshalb der Beschuldigte bei der Verhaftung eigenen An-
gaben zufolge wusste, weshalb er abgeholt wurde. Musste ihm doch spätestens 
gestützt auf die nach dem Treffen verschickten Nachrichten der Privatklägerin klar 
sein, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Die Aussagen der Privatklägerin fielen ebenfalls detailreich aus. Sie gab darüber 
hinaus Gesprächsinhalte wieder, schilderte Nebensächlichkeiten und eigene emo-

27

tionale Vorgänge. Ihre Aussagen wiesen jedoch einige Unstimmigkeiten auf, wel-
che Zweifel an der von ihr geschilderten Sachverhaltsversion aufkommen lassen. 
So blieb bis zuletzt unklar, wie und wann sie sich gegen den Beschuldigten zur 
Wehr setzte und ob er dies überhaupt bewusst wahrnahm bzw. ihre Abwehr er-
kannte. Sie machte unterschiedliche Angaben dazu, wann sie sein sexuelles Inter-
esse an ihr erkannt habe und wie der Vorfall im Schlafzimmer im Detail abgelaufen 
sei (etwa ihre Position, einmaliges oder zweimaliges vaginales Eindringen bzw. 
Versuch dazu, Dauer der vaginalen Penetration, gemachte bzw. nicht gemachte 
Vorwürfe vor dem Gang ins Badezimmer etc.). Dabei weisen ihre Aussagen eine 
leichte Aggravierungstendenz auf. Auch sprechen die Aussagen der Privatklägerin 
hinsichtlich des Verhaltens des Beschuldigten während der angeblichen Vergewal-
tigung in der Tendenz gegen eine solche, auch wenn es hierbei keinen «standardi-
sierten» Ablauf gibt. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang etwa die Aussagen 
der Privatklägerin, wonach der Beschuldigte sie zum Sex überreden wollte, was in-
des unbestritten ist, sein mehrmaliges Betonen, wonach er nicht in sie eindringe, 
seine Nachfrage betreffend Orgasmus und der von der Privatklägerin geschilderte 
Versuch des Beschuldigten, sie zu befriedigen. Zu beachten ist ferner auch das 
Verhalten der Privatklägerin während bzw. im Nachgang des Vorgangs. Der Kam-
mer ist bekannt, dass es kein «typisches Opferverhalten» gibt. Allerdings ist es 
durchaus möglich, dass gewisse Verhaltensweisen in der Tendenz eher für oder 
gegen einen sexuellen Übergriff sprechen. So ist in diesem Zusammenhang und in 
Bezug auf den vorliegenden Fall anzumerken, dass die Privatklägerin während der 
Anwesenheit des Beschuldigten sich noch mit ihrem Ehemann austauschte, den 
Beschuldigten nach dem Vorfall unbestrittenermassen zum Abschied umarmte, ihm 
die Reste des Mittagessens abpackte und ihn gar noch fragte, ob sie jetzt noch zu-
sammen rausgehen wollten, da dies ursprünglich so geplant gewesen sei (pag. 
176, Z. 584 ff.). Der Privatklägerin fehlte es nach den Geschehnissen in ihrem 
Schlafzimmer nicht nur an der von ihr geschilderten Angst und Panik. Vielmehr war 
ihr Verhalten gegenüber dem Beschuldigten – wie die Verteidigung zu Recht fest-
hielt – sogar äusserst zuvorkommend. Dies obwohl sie selber auch angab, sie ha-
be nach dem Vorfall nur noch gewollt, dass der Beschuldigte gehe (pag. 170, Z. 
374 f.). Hinzu kommt, dass die Privatklägerin den Beschuldigten trotz der erhobe-
nen schweren Vorwürfe ursprünglich auch nicht anzeigen wollte (pag. 177, Z. 645 
f.).

Die Kammer hält indes für durchaus möglich, dass sich sowohl die Geschehnisse 
als auch das hängige Strafverfahren – quasi rückwirkend - belastend auf die psy-
chisch bereits vorbelastete Privatklägerin ausgewirkt haben. So etwa in Bezug auf 
die offenkundige Angst vor einer Schwangerschaft, die Versuche des Beschuldig-
ten, die Privatklägerin zum Sex zu überzeugen, die Angst vor einem wütenden 
Ehemann etc. In diesem Sinne sind die vorliegenden ärztlichen Berichte ohne Wei-
teres nachvollziehbar. Letztlich sagen sie jedoch nichts über den Ablauf des Kern-
geschehens aus (pag. 544 f., pag. 546 f., pag. 764 f.). Den Akten sind nach Ansicht 
der Kammer schliesslich keine Hinweise zu entnehmen, wonach die Privatklägerin 
anlässlich des Vorfalls sowie im Rahmen ihrer Einvernahmen unter Nebenwirkun-
gen ihrer medikamentösen Behandlung gelitten hätte. Wie bereits angetönt, kön-
nen die Verletzungen der Privatklägerin durch das vaginale Eindringen mit den 

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Fingern oder auch – zumindest der oberflächliche Schleimhautriss an der hinteren 
Kommissur – durch ein Hängenbleiben des Penis entstanden sein. Letztlich konnte 
im Aktengutachten auch eine Verletzung durch intensives Waschen des Vaginalbe-
reichs nicht gänzlich ausgeschlossen werden, auch wenn dies eher unwahrschein-
lich sei (pag. 401). Die festgestellten Verletzungen lassen sich damit nicht nur mit 
der von der Privatklägerin geschilderten Sachverhaltsversion erklären. Dass sich 
auf der Decke keine Blutspuren befunden haben, kann schliesslich auch darauf 
zurückzuführen sein, dass die Privatklägerin – eigenen Angaben zufolge – direkt 
danach ins Badezimmer gegangen ist und sich duschte. Nach dem Gesagten ist 
auf die vom Beschuldigten geschilderte Sachverhaltsversion abzustellen, zumal 
diese der Kammer nach Würdigung der vorliegenden Beweismittel glaubhafter er-
scheint. Es verbleiben damit – wie bereits die Vorinstanz festgestellt hat – keine re-
levanten Zweifel daran, dass es am 8. November 2019 im Schlafzimmer – auf In-
itiative des Beschuldigten hin – zu einem einvernehmlichen Austausch von sexuel-
len Handlungen gekommen ist, auch wenn die Privatklägerin den Beschuldigten 
nicht für Sex eingeladen hatte. Die Privatklägerin erklärte dem Beschuldigten von 
Beginn weg, dass sie keinen Sex wolle. Für Küsse und gegenseitiges Anfassen 
war sie jedoch bereit bzw. äusserte sich dem Beschuldigten gegenüber zumindest 
nicht anderweitig und wehrte sich dagegen auch nicht körperlich. Der Beschuldigte 
versuchte sie immer wieder zum Sex zu überreden. Er führte seine Finger in die 
Vagina der Privatklägerin ein, rieb seinen Penis unter anderem an ihrer Vagina 
(blieb dort auch hängen) und ejakulierte schliesslich auf ihren Bauch. Die Privatklä-
gerin ging schliesslich ins Badezimmer, wo sie sich reinigte und duschte. Ansch-
liessend verabschiedete sie sich vom Beschuldigten, umarmte diesen und gab ihm 
noch die Reste des Mittagessens mit. Nach seinem Weggang kontaktierte sie ihn 
erneut über «J.________» und äusserte ihm gegenüber die Befürchtung, schwan-
ger zu sein. Dies wurde vom Beschuldigten als unmöglich abgetan, bevor er die 
Privatklägerin schliesslich blockierte.

IV. Rechtliche Würdigung

14. Grundlagen zu Art. 190 StGB
Betreffend die theoretischen Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbe-
stand der Vergewaltigung (Art. 190 StGB) verweist die Kammer vorab auf die kor-
rekten vorinstanzlichen Erwägungen (S. 28 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 683 f.). 

Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, na-
mentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt 
oder zum Widerstand unfähig macht, verwirklicht den Tatbestand der Vergewalti-
gung (Art. 190 Abs. 1 StGB). Als Tathandlung kommt einzig der Beischlaf, also 
«die naturgemässe Vereinigung der Geschlechtsteile» in Frage. Andere sexuelle 
Handlungen fallen unter Art. 189 StGB. Damit kommen als Opfer nur Personen 
weiblichen Geschlechts und als Täter nur Personen männlichen Geschlechts in 
Frage. Die Nötigungsmittel sind identisch mit denjenigen nach Art. 189 StGB und 
umfassen unter anderem Gewalt. Gewalt liegt dann vor, wenn auf das Opfer mit 

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chemisch oder physikalisch fassbaren Mitteln eingewirkt oder physisch in seine 
Rechtssphäre eingegriffen wird. Dabei schaltet der Täter entweder den Widerstand 
des Opfers aus (Einwirkung auf die Willensbetätigung) oder verhindert eine allfälli-
ge Gegenwehr, bevor das Opfer reagieren kann (Einwirkung auf die Willensbil-
dung). Eine gewisse Einwirkung auf den Körper des Opfers ist erforderlich, wobei 
die notwendige Intensität nach relativen Kriterien zu bestimmen ist. Gewalt im Sin-
ne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der 
Täter ein grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug 
des Akts notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung 
über die Gegenwehr des Opfers hinwegsetzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe 
Gewalt oder Brutalität etwa in Form von Schlägen und Würgen ist indes nicht erfor-
derlich. Es genügt jenes Mass an Kraftanwendung, die nötig war, um das konkrete 
Opfer gefügig zu machen. Es genügt, wenn der Täter seine überlegene Kraft ein-
setzt, indem er die Frau festhält oder sich mit seinem Gewicht auf sie legt. Vom 
Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mitteln zu weh-
ren versucht. Dieses muss sich nicht auf einen Kampf einlassen oder Verletzungen 
in Kauf nehmen. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers 
meint eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter un-
missverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden 
zu sein. Der Tatbestand der sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung ist auch er-
füllt, wenn das Opfer unter dem Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf 
Widerstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher Abwehr aufgibt (Urteil des BGer 
6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.3. mit Verweisen; MAIER, in: Basler 
Kommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, N 20 zu Art. 189 
StGB). Gewalt als Nötigungsmittel wurde vom Bundesgericht in einem Fall bejaht, 
bei dem die Frau erfolglos versuchte, den Täter mit den Armen wegzudrücken und 
dieser trotz der Gegenwehr der Frau deren Hosen herunterzog, sich auf dem Bett 
auf sie setzte, sodass sie fixiert war und sich nicht mehr wehren konnte (Urteil des 
BGer 6S.126/2007 vom 7. Juni 2007 E. 6.2 f.). Weitere Voraussetzung ist die Kau-
salität zwischen der Nötigungshandlung und dem Beischlaf, d.h. dass der Täter das 
Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringt, den Geschlechtsverkehr zu er-
dulden (Urteil des BGer 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.2).

In subjektiver Hinsicht muss der Täter den Beischlaf wollen. Darüber hinaus muss 
der Täter wissen, dass das Opfer mit dem Beischlaf nicht einverstanden ist. Es 
genügt jedoch auch ein Eventualvorsatz: Wer es für möglich hält, dass das Opfer 
mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden ist, und dies in Kauf nimmt, be-
geht eventualvorsätzlich eine Vergewaltigung. An die Begründung des Eventual-
vorsatzes dürfen keine höheren Anforderungen als bei anderen Delikten gestellt 
werden (MAIER, a.a.O., N 17 zu Art. 190 StGB).

15. Subsumtion

Die Kammer kann sich auch betreffend die rechtliche Subsumtion den Erwägungen 
der Vorinstanz anschliessen. Zunächst ist festzuhalten, dass zufolge des «Hän-
genbleibens» des Penis des Beschuldigten an der Vagina der Privatklägerin von 
einem Vollzug des Geschlechtsverkehrs im rechtlichen Sinne auszugehen ist. Er-
forderlich ist nicht ein vollständiges Eindringen. Es genügt, wenn der Penis in den 

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Scheidenvorhof oder in den Anfang der weiblichen Scheide eindringt, weil dadurch 
die «Gefahr» der Zeugung geschaffen wird. Mit der Vorinstanz ist hingegen von ei-
nem Fehlen eines erforderlichen Tatmittels auszugehen. Der Beschuldigte versuch-
te zwar, die Privatklägerin zum Sex zu überreden, es liess sich jedoch beweismäs-
sig nicht erstellen, dass er sie bedrohte, sie unter psychischen Druck setzte, zum 
Widerstand unfähig machte oder Gewalt anwendete. Für das Tatmittel der Gewalt 
ist zwar – wie bereits erwähnt – keine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder 
Brutalität erforderlich (etwa in Form von Schlägen und Würgen). Dennoch muss 
sich der Beschuldigte mit körperlicher Kraftentfaltung über die Gegenwehr des Op-
fers hinwegsetzen, was vorliegend zu verneinen ist. Gemäss Beweisergebnis hat 
die Privatklägerin am besagten Tag bei ihr im Schlafzimmer verbal und körperlich 
für den Beschuldigten nicht oder zu wenig erkennbar zum Ausdruck gebracht, dass 
sie mit den sexuellen Handlungen nicht einverstanden war. Damit ist das Verhalten 
des Beschuldigten – wie bereits von der Vorinstanz erkannt – nicht tatbestands-
mässig. Es erübrigt sich daher, auf die weiteren Kriterien des objektiven Tatbe-
stands sowie auf den subjektiven Tatbestand einzugehen.

Der Beschuldigte ist daher vom Vorwurf der Vergewaltigung gemäss Art. 190 
StGB freizusprechen.

V. Zivilpunkt

16. Die Privatklägerin beantragt oberinstanzlich die Zusprechung von Schadenersatz in 
der Höhe von CHF 1'926.70 sowie eine Genugtuung in der Höhe von 
CHF 15'000.00 und gründet ihren Anspruch auf den Vorwurf der Vergewaltigung 
(pag. 806 ff.). 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen (vgl. dazu 
die Ausführungen unter Ziff. 15. hiervor.). Damit entfällt die Anspruchsgrundlage für 
die Zusprechung von Schadenersatz und Genugtuung. 

Für die Beurteilung des Zivilpunktes sind keine ausscheidbaren Mehrkosten ent-
standen (Verfahrens- und Parteikosten). 

VI. Kosten und Entschädigungen

17. Verfahrenskosten

17.1 Erstinstanzliches Verfahren

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 
auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 
StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Bei einem Freispruch trägt grundsätzlich der Kanton Bern 
die Verfahrenskosten (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

Da der Beschuldigte freizusprechen ist, sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
von insgesamt CHF 22'776.75 vom Kanton Bern zu tragen.

https://www.swisslex.ch/doc/aol/6fc6b1c0-a324-40cf-a988-05faee293a65/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
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17.2 Oberinstanzliches Verfahren

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO sind die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach 
Massgabe des Obsiegens und Unterliegens zu verlegen, wobei sich dieses nach 
den A