# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1773f79b-ae71-50a0-99d1-35c98a2f1850
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-12-31
**Language:** de
**Title:** Adjuvante Dauer-Physiotherapie bei dementer Versicherter zur Vermeidung von Dekubitusproblemen sowie Einüben von Bewegungsabläufen zur Vermeidung von Stürzen ist von Krankenkasse zu übernehmen, soweit die Therapie über die Grundpflege hinausgeht.
**Docket/Reference:** KV.2011.00007
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/KV.2011.00007.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
KV.2011.00007
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub als Einzelrichter
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
31. Dezember 2013
in Sachen
Erben der
X.___
, gestorben am
1.
September 2009
nämlich:
1
.
Y.___
2
.
Z.___
3
.
A.___
Beschwerdeführende
alle
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Hübner
Business Center
Badenerstrasse
414, 8004 Zürich
gegen
Genossenschaft KRANKENKASSE SLKK
Hofwiesenstrasse 370, Postfach, 8050 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1932, wohnte seit 2006 im Alters- und Pflegeheim
B.___ in C.___
und war im Rahmen der obligatorischen Krankenpflege
versicherung bei der Genossenschaft KRANKENKASSE SLKK (früher: SLKK Schweizerische Lehrerkrankenkasse; nachfolgend: SLKK) versichert (vgl.
Urk.
2/3/2).
Nachdem die SLKK
zunächst
die Kosten für Physiotherapie übernommen hatte, er
teilte sie der Versicherten am 3
1.
August 2007 „letztmalige Kostengutsprache"
für weitere sechs Behandlungen Physiotherapie
(
Urk.
2/7/12; vgl. Urk. 2/7/18-
19).
Mit Verfügung vom 21. Januar 2008 verneinte sie eine Leistungspflicht für weiter
gehende physio
therapeutische Leistungen (Urk.
2/7/26), was sie
auf Ein
sprache der Versicherten vom 2
1.
Februar 2008 hin (
Urk.
2/7/27)
mit
E
ntscheid vom 2
7.
März 2008 bestätigte (
Urk.
2).
2.
2.1
Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingabe vom 3
0.
April 2008
Beschwerde
(
Urk.
2/1)
, in welches Verfahren die Erben nach ihrem Tod
am
1.
September 2009
eintraten (
Urk.
2/13
,
Urk.
2/15
). Mit Urteil vom
3.
März 2010 wies das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
die Beschwerde ab (
Urk.
2/17; KV.2008.00021).
Die dagegen geführte Beschwerde hiess das Bundesgericht
mit Urteil vom 23.
Dezember 2010 gut und wies die Sache zu weiteren Abklärungen und neuem Entscheid
ans hiesige Gericht zurück
(
Urk.
1).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht zog daraufhin mit Verfügung vom 2
4.
Januar 2011 bei der SLKK Erkundigungen ein (
Urk.
3,
Urk.
5-6), zu denen die Beschwerdeführenden am 2
2.
Februar 2011 Stellung nahmen und ihrerseits die Akten ergänzten (
Urk.
9-11).
Hierzu
äusserte sich die SLKK am
1.
März 2011 (
Urk.
14).
2.3
Mit Verfügung vom 1
8.
April 2011 unterbreitete das Gericht der behandelnden Physiotherapeutin Fragen (
Urk.
17-18), welche diese am 2. Mai 2011 beantwor
tete (
Urk.
20-21). Die Parteien liessen sich dazu am 2
5.
Mai und am 2
1.
Juni 2011 vernehmen (
Urk.
24-25), welche Eingaben der Gegenpartei am 5. September 2011 zur Kenntnis gebracht wurden (
Urk.
26).
Am 2
0.
Januar 2012 reichten die Beschwerdeführenden eine Eingabe sowie Un
terlagen nach (
Urk.
27-28), wovon der Beschwerdegegnerin am 2
3.
Januar 2012 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
29).
Der Einzelrichter
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Die massgebenden gesetzlichen Bestimmungen wurden sowohl im Urteil
des hiesigen Gerichts
vom 3. März 2010
(
Urk.
2/17 E. 1.1-4) als auch im Urteil
des Bundesgerichts
vom 2
3.
Dezember 2010
(
Urk.
1 E. 2.1-3 und E. 3.2) umfassend dargestellt. Darauf wird verwiesen.
2.
Das Bundesgericht
führte
i
m Urteil vom 2
3.
Dezember 2010
(
Urk.
1)
aus
, es sei
letztinstanzlich
von den Beschwerdeführenden
bestritten
worden
, dass die
Be
schwerdegegnerin
bereits für 36 Physiotherapiesitzungen aufgekommen sei.
Es fehle jedoch an der
aktenmässigen Grundlage
über die bereits übernommenen Kosten,
weshalb entsprechende Abklärungen vorzunehmen seien (E. 3.3).
Mit Blick auf die Wirksamkeit der Behandlung
erwog das Bundesgericht,
bei der
Versicherten
sei nebst anderen Leiden ein
Verdacht auf
eine
Lewy
-Body-
Erkrankung
diagnostiziert worden.
Die
se
Demenz-Erkrankung zeichne sich u
nter anderem
aus durch Symptome, wie sie auch typischerweise bei der Par
kinson-Krankheit auftr
ä
ten. So habe denn auch die Versicherte namentlich an einem Muskeltremor und
-
rigor
an Armen und Beinen sowie
einer Stand- und Gangunsicherheit gelitten (neurologischer Bericht
von
Dr.
med.
D.___
, Neu
rologie FMH,
vom 2
7.
November 2007; Urk.
6/1).
Soweit mit der Physiotherapie gemäss Bericht des
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für
Physikalische
Medizin & Rehabilitation,
vom 2
1.
August 2007
(
Urk.
2/7/9)
eine Stabilisierung der Ver
hältnisse, eine Verbesserung der Mobilität und das Vermeiden von Komplika
tionen wie Kontrakturen und
Decubitalproblemen
angestrebt
worden sei
, k
önne
ihr die Wirksamkeit nicht abgesprochen werden, zumal sie auch als allgemeine Therapieform bei Patienten mit Parkinson-Syndrom angewendet w
e
rd
e
(
E. 4.3
).
Weiter
führte das Bundesgericht aus, dass zwar die durch das Pflegeheim zu erbringende Grundpflege Leistungen wie das Durchführen von Bewegungs
übun
gen, Mobilisieren, Massnahmen zur
Decubitusprophylaxe
und zur Verhü
tung von Hautschäden umfasse. Dies sei bei der Beurteilung der Wirtschaftlich
keit insofern zu berücksichtigen, als Leistungen nach
Art.
7 Abs. 2 der Verordnung über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
(KLV)
nicht
alternativ oder kumulativ - im Rahmen einer Physiotherapie zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung beansprucht werden könn
t
en.
Es fehle eine nachvollziehbare und einleuchtende Auseinandersetzung mit der
Frage, ob sich aus den spezifischen neurologischen Problemen der Versicherten eine darüber hinaus gehende Therapiebedürftigkeit ergeben könne. Weiter erschei
ne es fraglich, ob angesichts der neurologischen Leiden mit der
Grund
pflege
und der Physiotherapie die gleichen Behandlungsziele erreichbar sein. Schliesslich erlaube die Aktenlage keine Feststellungen zu Notwendigkeit und gegebenenfalls Umfang einer über die Grundpflege hinaus gehenden physio
therapeutischen Behandlung im Hinblick auf die angestrebten Ziele; diesbezüg
liche habe das hiesige Gericht eine fachärztliche Meinung einzuholen (E. 4.4-5).
3.
3.1
Gemäss höchs
trichterlichem
Urteil ist zunächst zu prüfen, ob die
Beschwerde
gegnerin
vor den hier strittigen Physiotherapiesitzung
en
bereits 36 Behandlun
gen übernommen hatte, so dass die Kosten weiterer Behandlungen nur unter den Voraussetzungen von
Art.
5
Abs.
4
KLV
zu übernehmen wären.
3.2
Mit Eingabe vom
8.
Februar 2011 (
Urk.
5) reichte die Beschwerdegegnerin eine Übersicht über die ab Januar 2000 bis zum hier fraglichen Zeitpunkt übernom
menen Physiotherapieleistungen ein (
Urk.
6/3). Zudem machte sie geltend, es sei für sie nicht nachvollziehbar, ob die Physiotherapiesitzungen bereits Anfang Oktober 2007 beendet worden seien, da ihr bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
am 2
8.
Januar 2008 keine Rechnungen mehr vorgelegt worden seien (
Urk.
5 S. 2).
Dagegen legten die
Beschwerdeführenden
mit Eingabe vom 2
2.
Februar 2011 dar, die Beschwerdegegnerin habe bereits mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2007 und nicht erst am 2
8.
Januar 2008 eine weitere Kostenübernahme abge
lehnt, weshalb ihr auch keine weiteren Rechnungen mehr eingereicht worden seien
(
Urk.
9 S. 3)
.
Sodann legten sie
eine Aufstellung
(
Urk.
9 S. 1 f.)
sowie die entsprechenden Rechnungen
(
Urk.
10/1-14)
ins Recht, wonach in der Zeit vom 2
6.
Juni 2007 bis am 2
0.
August 2009 erbrachte Leistungen für Physiotherapie im Gesamtbetrag von
Fr.
6'081.-- von der Beschwerdegegnerin nicht übernom
men worden seien (
Urk.
5).
Dem hielt die Beschwerdegegnerin am
1.
März 2011
(
Urk.
14)
entgegen, sowohl die Rechnung vom 2
3.
Oktober 2007 (
Urk.
10/2) als auch jene vom 1
5.
August 2007 (
Urk.
10/1) habe sie übernommen. Den Beschwerdeführenden hielt sie vor, sie wollten eine unrechtmässige Doppelzahlung erwirken (
Urk.
14), was diese am 2
1.
Juni 2011 in Abrede stellten und an ihrer Darstellung festhielten (
Urk.
25 S. 2
Ziff.
5).
3.3
Wie es sich damit genau verhält, kann vorliegend offen bleiben.
E
rstellt ist, dass die Beschwerdegegnerin die Sitzungen ab Rechnungsstellung März 2000 (
Urk.
6/3 S. 2) bis
1
4.
September
2007 (
Urk.
6/3 S. 1) übernommen hat.
Dabei handelt es sich gesamthaft um 126 Physiotherapie-Sitzungen. Nach einer gut einjährigen Pause ab Oktober 2005 setzten die Sitzungen im No
v
ember 2006
wieder
ein und wurden regelmässig durchgeführt
mit Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin bis
2.
Oktober 2007 (
Urk.
6/2)
. In dieser
jüngsten Phase wurden insgesamt 42 Sitzungen von der Beschwerdegegnerin übernommen.
Damit kommt eine weitere
Leistungszusprache
grundsätzlich nur unter der Voraussetzung von
Art.
5
Abs.
4 KLV in Frage. Darnach hat der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin dem
Vertrauensarzt
oder der Vertrauensärztin zu berichten und ei
n
en
begründeten Vorschlag über die Fortsetzung der Thera
pie zu unterbreiten, wenn die Physiotherapie nach einer Behandlung, die 36 Sitzungen entspricht, zu Lasten der Versicherung fortgesetzt werden soll.
Der Ver
trauensarzt oder die Vertrauensärztin prüft den Vorschlag und beantragt, ob, in welchem Umfang (und für welche Zeitdauer [Fassung ab
1.
Januar 2009]) bis zum nächsten Bericht die Physiotherapie zu Lasten der Krankenversicherung fortgesetzt werden kann.
3.4
Dem Erfordernis der Berichterstattung und des Therapievorschlags für die wei
tere Behandlung kam der behandelnde Arzt am
6.
Februar 2007 (
Urk.
10/15) nach, als er gegenüber der
Beschwerdegegnerin
ausführlich über den Gesund
heitszustand der Versicherten berichtete, eine infauste Prognose
stellte
und nebst regelmässige
r
Überwachung und Kontrolle der pharmakologischen Thera
pie eine regelmässige physiotherapeutische Betreuung als notwendig erachtete, da sonst eine absolute Immobilität auftreten könne (S. 5). Am 2
1.
August 2007 (
Urk.
2/7/9) berichtete er erneut und verwies auf eine Stabilisierung der Ver
hältnisse unter Therapie, womit erneute Komplikationen wie Kontrakturen,
Decubitalprobleme
etc. vermieden werden könnten (S. 2). In der Folge äusserte sich der Vertrauensarzt der
Beschwerdegegnerin
am 3
0.
August 2007 (
Urk.
2/7/11), hernach folgten weitere Schreiben des behandelnden Arztes und des Vertrauensarztes.
4.
4.1
Dr.
med.
D.___
, Neurologie FMH, berichtete am 2
7.
November 2007 (
Urk.
6/1) zu Händen des behandelnden
Dr.
E.___
und diagnostizierte eine kortikal/subkortikale Demenz, eine Gangunsicherheit bei schwerer
extrapyraler
Symptomatik mit aufgehobenen
posturalen
Reflexen sowie REM-Schlaf-Ver
haltensstörung mit Erstmanifestation ca. 200
0.
Differenzialdiagnostisch verwies sie auf eine
Lewy
-Body-Demenz.
In neuropsychologischer Hinsicht verwies sie auf
mnestische
Defizite, eine
visuo
-konstruktive
Apraxie
, eine
Dysgraphie
, eine
Dyskalkulie
, eine erheblich ein
geschränkte kognitive Flexibilität, eine aufgehobene kognitive Urteilsfähig
keit, Schwierigkeiten bei der Rechts-/Linksunterscheidung, eine verminderte Prosodie sowie Hinweise auf eine Balkentransferstörung. Sie führte aus, diese Befunde liessen sich zusammen mit dem Verhaltenssyndrom
(
mit psychomoto
rischer Verlangsamung und Perseverationen sowie erheblich eingeschränkten Aufmerksamkeitsleistungen
)
Minderfunktionen
bifrontaler
, temporaler und parietaler Hirnareale, deutlich rechtshemisphärisch akzentuiert, zuordnen. Im Vergleich zur Voruntersuchung im August 2006 zeige sich eine deutliche Pro
gredienz: Das Ausmass der aktuellen Befunde entspreche einem gemischten kortikal/subkortikalen demenziellen Zustandsbild mässiger bis mittelschwerer Ausprägung.
Eindrücklich sei die massive Verschlechterung auch der klinisch-neurologischen Befunde mit Zunahme der extrapyramidalen Symptomatik im Vergleich zur Voruntersuchung vor einem Jahr, positiven Primitivreflexen und massiver Gangunsicherheit mit praktisch aufgehobenen
posturalen
Reflexen, wodurch die Selbständigkeit der Versicherten im Alltag erheblich beeinträchtigt sei.
Zusammenfassend hielt
Dr.
D.___
fest, die klinisch-neurologischen und verhaltensneurologischen Befunde zusammen mit der früher beschriebenen REM-Schlaf-Verhaltensstörung seien suggestiv für das Vorliegen eines den
Synuk
leinopathien
zuzuordnenden Krankheitsbildes, wobei sich klinisch am ehesten eine
Lewy
-Body-Erkrankung abzeichne. Klinisch auffallend seien zu
dem inter
mittierende hyperkinetische/
choreatiforme
Bewegungsstörungen des Oberkör
pers, am ehesten medikamenteninduziert.
Dr.
D.___
empfahl – nebst medikamentösen Anpassungen - eine regelmässige physiotherapeutische Behandlung als
adjuvante
Dauertherapie, dies unter Hin
weis auf die Schwere der klinisch-neurologischen Befunde zur Verbesserung der Stand- und Gangfähigkeit (Sturzprophylaxe, Vermeiden von Kontrakturen).
4.2
Am 2
0.
Dezember 2011 (
Urk.
28) berichtete der behandelnde Arzt
Dr.
E.___
zu Händen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden und führte aus, auf
grund des Charakters der vorliegenden Krankheit sei es nachvollziehbar, dass ähnlich wie bei einer Multiplen Sklerose ein schubartiger Verlauf zu einer deut
lichen Verschlechterung innerhalb einer relativ kurzen Zeit führen könne. Tat
sächlich habe seit 2002 vielleicht vier Mal beobachtet werden können, wie die Versicherte mit scheinbar alltäglichen Problemen plötzlich nicht mehr zurande
gekommen sei. Ebenso hätten sich die feinmotorischen Fähigkeiten der Versi
cherten im Sommer in kurzer Zeit deutlich verschlechtert. Beispielsweise habe sie immer häufiger Gegenstände fallen lassen und diese zum Teil nicht mehr richtig anfassen können. Wegen Selbstgefährdung sei sie ins Spital eingewiesen worden. Wenn eine Patientin eine solche Entwicklung mit zunehmender Ten
denz zu Stürzen und motorischen Störungen zeige, müsse eine schwerwiegende gesundheitliche Einschränkung vorliegen. Aufgrund der in der Krankenge
schichte festgehaltenen Notizen könnten die schwierigen Verhältnisse belegt werden. Zudem dürften die nicht spezifischen Beschwerden (Schwindel,
Bein
schwäche
) der Versicherten nicht unterschätzt werden, gegen welche keine spe
zifische Therapie habe verordnet werden können (S. 2 f.).
Dr.
E.___
hielt sinngemäss - unter Hinweis auf die Angaben des Heimleiters - weiter fest, es gehöre gerade nicht zu den definierten Aufgaben der Pflegenden eines Pflegeheimes, die Bewohner in der Erhaltung ihrer Lebensaktivitäten zu unterstützen. So hätten die Pflegenden weder eine Ausbildung nach Bobath (Physiotherapie-Prinzipien für Hirngeschädigte oder –kranke) noch die erfor
der
liche Zeit, ferner seien solche Anleitungen auch nicht durch physiotherapeu
tische Instruktion erlernbar (S. 5 oben).
Zur Notwendigkeit der Schulung von Bewegungsabläufen erwähnte
Dr.
E.___
, die Versicherte habe ab Frühsommer 2007 (nach einer
Hospitali
sation
) ohne entsprechende Sicherheitsmassnahmen je länger je weniger alleine gelassen werden können. So seien ein neues pneumatisches Bett mit
Sicher
heitsabschrankungen
, ein speziell für hirnkranke Menschen geeigneter Stuhl samt Rolltisch angeschafft und Schuhe sowie Kleidungsstücke den Bedürfnissen angepasst worden. Mit diesen Massnahmen habe das Risiko erneuter Stürze erheblich gesenkt werden können. Nach Sommer 2007 seien praktisch keine Stürze mehr aufgetreten, was vor allem der regelmässig zur Sicherheit der Ver
sicherten beitragenden Physiotherapie zu verdanken sei.
Dr.
E.___
verwies sodann auf sein Betreuungskonzept und die regelmässig (wöchentliche) stattfin
dende Physiotherapie sowie seine Überwachung der Therapie (S. 5 Mitte).
Je besser eine solche Physiotherapie greife, desto grösser sei die
Wahrschein
lich
keit, dass sich dadurch Stürze oder
Decubitalprobleme
vermeiden liessen, ins
be
sondere
bei Patienten, welche durch neurologische Störungen der Schmerz
emp
findung litten. Es sei mit der Physiotherapeutin eine – bedarfsweise – auch zweimal wöchentlich stattfindende Behandlung abgesprochen worden, was sich als richtig und angemessen erwiesen habe. Die Versicherte
habe
sich gar noch nach dem Eintritt ins Pflegeheim gegen die Feststellung gewehrt, sie habe ein neurologisches Problem und es bestehe eine Sturzgefahr, weil sie dies nicht
habe wahrhaben wollen. Damit sei hinreichend belegt, dass sie seit Längerem für verschiedene alltägliche Aktivitäten erheblich eingeschränkt gewesen sei (S.
6 oben).
Tatsache bleibe, dass es bereits wenige Monate nach dem Eintritt ins Pfleg
e
heim (Ende 2006) wieder zu einem Krankheitsschub gekommen sei, was zu einer erheblichen Verschlechterung der Stabilisierung beim Stehen und Gehen geführt habe. Die Versicherte habe von nun an akzeptieren müssen, dass das alleinige Benutzen des Rollators oder das alleinige Aufstehen aus dem Bett nicht mehr möglich sei, sondern sehr gefährlich. Ab Ende 2006 hätten sich Stürze ereignet, weshalb sie Anfang 2007 zweimal habe operiert werden müssen (Hämatom mit Gangrän und
Infektbildung
bei der Harnblase). Als Massnahme sei eine physi
otherapeutische Behandlung verordnet worden (S. 6 Mitte).
Dr.
E.___
schloss, dank der Physiotherapie habe das Leben der Versicherten dahingehend erleichtert werden können, dass sie dank dem entsprechenden Aktivierungs- und Verbesserungsprogramm mit der dadurch verbesserten Koor
di
nation der Bewegungsabläufe die Dosierung der erforderlichen Schmerzmittel habe reduzieren können (S. 6 unten).
5.
5.1
Aus diesen fachärztlichen Einschätzungen geht hervor, dass es sich bei der von
Dr.
E.___
angeordneten Physiotherapie nicht um pflegerische Massnahmen im Sinne von
Art.
7
Abs.
2 KLV handelte. So verwies vorweg die Neurologin
Dr.
D.___
- angesichts der Schwere der klinisch-neurologischen Befunde (extrapyramidale Symptomatik, positive Primitivreflexe, massive
Gangunsicher
heit
mit praktisch aufgehobenen
posturalen
Reflexen, hyperkine
tische/
choreati
forme
Bewegungsstörungen des Oberkörpers) - auf die Notwen
digkeit einer nicht bloss pflegerischen, sondern einer regelmässigen physio
therapeutischen Behandlung im Sinne einer
adjuvanten
Dauertherapie (E.
4.1). Dass diese man
gels notwendiger fachlicher Kenntnisse nicht durch das pflege
rische Personal des Pflegeheims erbracht werden k
a
nn, legte
Dr.
E.___
nach
vollziehbar dar.
Weiter ist den ärztlichen Angaben zu entnehmen, dass sich die physiotherapeu
tischen Massnahmen nicht
im blossen Durchführen von
Bewegungsübungen, Mobilisieren sowie
in Massnahmen zur
Decubitusprophylaxe
und zur Verhü
tung von Hautschäden
erschöpften
. Vielmehr ging es dabei um die Schulung von Bewegungsabläufen zur Vermeidung von Stürzen und
Decubitalproblemen
, welche gesondert instruiert werden mussten
. In diesem Zusammenhang verwies
Dr.
E.___
insbesondere
auf die neurologische Komponente der Problematik,
namentlich die Störung der Schmerzempfindung und die
Koordinationsschwie
rigkeiten
.
5.2
Angesichts dieser
fachärztlichen Einschätzungen ist erstellt, dass
es sich bei den
angeordneten
Physiotherapiemassnahmen nicht um Leistungen der Grundpflege handelte, welche durch das Pflegeheim zu erbringen gewesen wäre. Namentlich unterscheiden sich die Massnahmen von jenen nach
Art.
7
Abs.
2 KLV, insbe
sondere derjenigen nach
lit
. c (Massnahmen der Grundpflege), da es um eine der neurologischen Erkrankung angepasste spezifische fachliche Therapie (Instruk
tion von Bewegungsabläufen und -übungen) ging.
So findet sich in der Verord
nung zur Physiotherapie vom
8.
Januar 2007 (
Urk.
21/1) namentlich der Hin
weis au
f das Erlernen des richtigen Au
fstehens und Abliegens, welche Übungen die Versicherte jeweils wieder vergesse und sich später phasenweise wieder erinnere. Solches geht über die Grundpflege hinaus.
Sodann ist aufgrund der medizinischen Aktenlage an der Notwendigkeit der entsprechenden Physiotherapie
ebenso wenig
zu zweifeln wie am
angeordneten
Umfang der
über die Grundpflege hinaus gehenden physiotherapeutischen Be
handlung im Hinblick auf die angestrebten Ziele
, nämlich
zur Verbesserung der Stand- und Gangfähigkeit (Sturzprophylaxe, Vermeiden von Kontrakturen)
im Sinne einer
adjuvante
n
Dauertherapie
.
Die
ein- bis zweimal pro Woche stattfindenden Physiotherapien (bei wenigen Phasen etwas längerer Abstände,
Urk.
10/1-14) erscheinen auch umfangmässig
als
angemessen, handelte es sich doch um eine Dauertherapie einer teilweise dementen Patientin, welche unter Anleitung die verordneten Übungen immer wieder neu durchführen musste.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen
für eine
Über
nahme der Leistungen für die angeordneten Physiotherapiesitzungen
auch nach der letztmaligen Kostengutsprache (letzte Sitzung am
2.
Oktober 2007,
Urk.
6/2)
gegeben sind.
Die Beschwerde ist demgemäss gutzuheissen.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, de
n
Beschwerdeführe
nden
eine Prozessentschädigung auszurichten (
§
34
GSVGer
). Diese
ist
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
3‘000
.-- (inkl. Barauslagen und Mehr
wertsteuer) fest
zulegen
.
Der Einzelrichter
erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der
angefochtene
Einspracheentscheid
vom
2
7.
März 2008
aufgehoben, und es wird festgestellt, dass die
Genossenschaft KRANKENKASSE SLKK
die Kosten für die
Physiotherapie der Versicherten auch nach dem
2.
Oktober 2007
zu übernehmen hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
den Beschwerdeführenden
eine
Prozess
entschädigung
von
Fr.
3'000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Peter Hübner
-
Genossenschaft KRANKENKASSE SLKK
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der EinzelrichterDer Gerichtsschreiber
GräubSonderegger