# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f92a942-ee09-5cdf-b805-f8f88a8de47f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 17.10.2017 RR.2017.252
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2017-252_2017-10-17.pdf

## Full Text

Entscheid vom 17. Oktober 2017 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Roy Garré und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
 

Parteien 

  

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung,  

Antragsteller 

 

 gegen 

   

A., vertreten durch Rechtsanwalt Alain Joset, 

Antragsgegner 

 

Gegenstand  Auslieferung an Mazedonien  

 

Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 IRSG) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2017.252 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Aufgrund einer Interpol-Ausschreibung Mazedoniens vom 31. Dezem-

ber 2015 liess das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") A. am 22. No-

vember 2016 in Basel festnehmen. A. stimmte im Rahmen seiner Einver-

nahme vom 23. November 2016 keiner vereinfachten Auslieferung zu. Das 

BJ erliess am 24. November 2016 den Auslieferungshaftbefehl (act. 1.1–

1.4).  

 

B. Mazedonien ersuchte die Schweiz am 22. Dezember 2016, A. auszuliefern 

zur Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von drei Jahren aus einem in Abwe-

senheit ergangenen Urteil des Amtsgerichts Skopje vom 11. Februar 2015 

(act. 1.5). 

 

C. Das BJ ernannte am 3. Januar 2017 RA Alain Joset zum unentgeltlichen 

Rechtsbeistand von A. (act. 1.6).  

A. wurde am 10. Januar 2017 erneut einvernommen und war unverändert 

nicht mit einer Auslieferung an Mazedonien einverstanden (act. 1.7). In der 

Stellungnahme vom 24. Januar 2017 erhebt er sinngemäss die Einrede des 

politischen Delikts (act. 1.8 S. 6 f.).  

 

 

D. Das BJ gelangte am 1. Februar 2017 an Mazedonien und suchte bis zum 

15. Februar 2017 die Zusicherung, dass A. ein neues Gerichtsverfahren ver-

langen könne. Da beim BJ innert verlängerter Frist keine Zusicherung ein-

ging, verfügte das Amt am 24. Februar 2017 die Entlassung von A. aus der 

Auslieferungshaft (act. 1.9–1.12).  

Am 9. März 2017 traf beim BJ ein Schreiben des mazedonischen Justizmi-

nisteriums vom 24. Februar 2017 ein, welches die Zusicherung des Amtsge-

richts Skopje vom 16. Februar 2017 betreffend Wiederaufnahme des Ge-

richtsverfahrens enthielt (act. 1.14).  

 

 

E. A. wurde am 10. Juni 2017 bei seiner Einreise in die Schweiz erneut festge-

nommen und in provisorische Auslieferungshaft versetzt. Bei seiner Einver-

nahme vom 11. Juni 2017 erklärte er, mit einer Auslieferung nach Mazedo-

nien nicht einverstanden zu sein. Das BJ erliess am 13. Juni 2017 erneut 

einen Auslieferungshaftbefehl. Am 7. Juli 2017 reichte A. eine ergänzende 

Stellungnahme ein (act. 1.18–1.22).  

- 3 - 

 

 

F. Das BJ erliess am 30. August 2017 den Auslieferungsentscheid. Dieser be-

willigte die Auslieferung von A. an Mazedonien für die dem Auslieferungser-

suchen des mazedonischen Justizministeriums vom 22. Dezember 2016, er-

gänzt am 24. Februar 2017, zugrunde liegenden Straftaten (act. 1A Disposi-

tiv Ziffer 1). Der Auslieferungsentscheid steht unter dem Vorbehalt des Ent-

scheids der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts über die Einrede 

des politischen Delikts (Dispositiv Ziffer 2).  

 

G. Mit Schreiben vom 30. August 2017 überwies das BJ die Akten an die Be-

schwerdekammer mit dem Antrag, die Einrede des politischen Delikts sei 

abzuweisen (act. 1).  

Das BJ leitete dem Gericht am 27. September 2017 das Schreiben von RA 

Alain Joset vom 25. September 2017 zu. Darin liess A. erklären, an Maze-

donien ausgeliefert werden zu wollen. Im Begleitschreiben erwähnte das BJ, 

daher den Vollzug der Auslieferung in die Wege zu leiten (act. 3, 3.1).  

 

RA Alain Joset erklärte auf Nachfrage des Gerichtes mit Schreiben vom 

2. Oktober 2017, die Einrede des politischen Deliktes zurückzuziehen 

(act. 4, 5).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Mazedonien sind 

primär massgebend das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 

13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), dem beide Staaten beigetreten 

sind, sowie das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene 

erste Zusatzprotokoll (1. ZP; SR 0.353.11), das am 17. März 1978 ergan-

gene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12) und das am 10. November 

2010 ergangene dritte Zusatzprotokoll (3. ZP; SR 0.353.13). 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-

suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesge-

setz vom 20. März 1981 über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen 

- 4 - 

 

 

(Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 

24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11; Art. 1 Abs. 1 

lit. a IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1; vgl. auch 

Art. 54 StPO). Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprin-

zip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die 

Auslieferung stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 

136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; 122 II 140 E. 2; ZIMMERMANN, La 

coopération judiciaire internationale en matière pénale, 4. Aufl., Bern 2014, 

N. 229). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 139 II 

65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; Urteil des Bun-

desgerichts 1C_274/2015 vom 12. August 2015, E. 6.1; ZIMMERMANN, 

a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 681 ff.). 

Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten 

sind darüber hinaus die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. De-

zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensge-

setz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b des Bundesgeset-

zes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bun-

des [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 

404 E. 8.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273). 

 

2. Macht der Verfolgte (vgl. Art. 11 Abs. 1 IRSG) geltend, er werde eines politi-

schen Deliktes bezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte 

Gründe für den politischen Charakter der Tat, so entscheidet die Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts. Das Bundesamt unterbreitet die Akten 

dem Gericht mit seinem Antrag. Der Verfolgte erhält Gelegenheit, dazu Stel-

lung zu nehmen (Art. 55 Abs. 2 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1.1.1; 128 II 355 

E. 1.1.1; TPF 2008 24 E. 1.2). Das Verfahren der Beschwerde nach Art. 25 

IRSG ist dabei sinngemäss anwendbar (Art. 55 Abs. 3 IRSG). Die Beschwer-

dekammer hat nur über die Einrede des politischen Delikts in erster Instanz 

zu befinden und dem BJ den Entscheid über die übrigen Auslieferungsvo-

raussetzungen zu überlassen (BGE 130 II 337 E. 1.1.2; 128 II 355 E. 1.1.3, 

1.1.4; TPF 2008 24 E. 1.2 m.w.H.).  

 

 

3.  

3.1 Der Antragsgegner, der in die Auslieferung einwilligt und seine Einrede zu-

rückzieht, gilt grundsätzlich als unterliegende Partei und hat folglich gemäss 

Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 StBOG die Gerichtskosten zu tra-

gen (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts RR.2012.49 vom 23. Mai 

2012).  

- 5 - 

 

 

3.2 Die Einrede des politischen Delikts wird vom Antragsgegner mit Schreiben 

vom 25. September 2017 an das BJ als hinfällig erklärt. Gegenüber dem 

Gericht bestätigt er am 2. Oktober 2017, dass die Einrede damit zurückge-

zogen wird und dass er nach Mazedonien ausgeliefert werden möchte 

(act. 3.1, 5). Das Verfahren ist damit grundsätzlich zufolge Rückzugs der 

Einrede des politischen Delikts gegenstandslos geworden. Ernsthafte 

Gründe für den politischen Charakter der Tat (vgl. Art. 55 Abs. 2 IRSG) sind 

nicht ersichtlich. 

3.3 Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 500.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG 

i.V.m. Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des 

Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und 

Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 

 

 

- 6 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Das Verfahren wird zufolge Rückzugs der Einrede des politischen Delikts ab-

geschrieben. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Antragsgegner auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 17. Oktober 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

- Rechtsanwalt Alain Joset 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde einge-
reicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Be-
schwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Ge-
genständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbe-
reich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein 
besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass 
elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere 
Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).