# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ad43347-a8b4-5f68-b438-3bf4d04d638a
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-10-11
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2017 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2017
**Docket/Reference:** DB.2019.101
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2019.101--1-st.2019.131.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2019.101 
1 ST.2019.131 

Entscheid 

 11. Oktober 2019 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident  Walter  Balsiger,  Steuerrichter  Michael  Ochsner,  Steuerrichterin 
Christina Hefti und Gerichtsschreiber Benjamin Briner 

A,    

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Süd,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2017 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2017 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. In seiner Steuererklärung 2017 deklarierte A (nachfolgend der Pflichtige) für 

die  direkte  Bundessteuer  ein  steuerbares  Einkommen  von  Fr.  79'200.-  bzw.  für  die 

Staats-  und  Gemeindesteuern  ein  solches  von  Fr.  72'100.-  und  ein  steuerbares  Ver-

mögen von Fr. 362'000.-. Dabei machte er den Kinderabzug und den zusätzlichen Ver-

sicherungsprämienabzug für seine beiden Kinder B, Jahrgang 2014, und C, Jahrgang 

2017,  vollumfänglich  geltend.  Zusammen  mit  der  Steuererklärung  reichte  er  ein  von 

ihm  selbst  und  von  seiner  Konkubinatspartnerin  und  Kindesmutter  unterzeichnetes 

Gesuch ein, dies gemäss Deklaration vorzunehmen. 

Mit  Veranlagungs-  und  Einschätzungentscheid  vom  20.  Mai  2019  reduzierte 

das  kantonale  Steueramt  die  deklarierten  Kinder-  und  zusätzliche  Versicherungsprä-

mienabzüge  auf  die  Hälfte  mit  der  Begründung,  dass  die  Kinder  unter  gemeinsamer 

elterlicher Sorge stünden und beide Elternteile über ein Einkommen verfügten, weswe-

gen die Abzüge auf beide hälftig aufzuteilen seien.  

B. Hiergegen erhob der Pflichtige am 4. Juni 2019 Einsprache und beantragte, 

deklarationsgemäss  veranlagt  bzw.  eingeschätzt  zu werden.  Die Kindesmutter  erziele 

keinerlei  Erwerbs-,  Ersatz-  oder  Renteneinkünfte.  Sie  habe  lediglich  einen  Zinsertrag 

von Fr. 5.- aus Bankguthaben. 

Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen am 13. Juni 2019 ab. 

C.  Mit  Beschwerde und Rekurs  vom  13.  Juni  2019  wiederholte  der  Pflichtige 

den  Einspracheantrag.  Das  kantonale  Steueramt  schloss  mit  Beschwerde-  und  Re-

kursantwort  vom  23.  Juli  2019  auf  Abweisung  der  Rechtsmittel.  Die  Eidgenössische 

Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.  

Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  sofern rechtserheblich,  in  den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

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Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. Aufgrund der vorliegend gegebenen Voraussetzungen (Fall von grundsätz-

licher Bedeutung) von § 114 Abs. 3 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) ist die 

Sache  vom  Steuerrekursgericht  in  Dreierbesetzung  zu  entscheiden,  auch  wenn  der 

Streitwert weniger als Fr. 20'000.- beträgt. 

2. a) Gemäss Art. 35 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die direkte Bun-

dessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) können für minderjährige Kinder unter elter-

licher  Sorge  oder  Obhut  des  Steuerpflichtigen  je  Fr. 6'500.-  vom  Reineinkommen  ab-

gezogen werden. Bei nicht gemeinsam besteuerten Eltern wird der Kinderabzug hälftig 

aufgeteilt, wenn das Kind unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht und keine Unter-

haltsbeiträge nach Art. 33 Abs. 1 lit. c DBG für das Kind geltend gemacht werden. Der 

Kanton sieht in § 34 Abs. 1 lit. a StG eine gleichlautende Regelung vor, mit Ausnahme 

von der Tatsache, dass sich der Abzug je Kind auf Fr. 9'000.- bemisst.  

Laut  Art.  33  Abs.  1bis  lit.  b  DBG  erhöht  sich  der  Versicherungsprämienabzug 

um  Fr. 700.-  für  jedes  Kind  oder  jede  unterstützungsbedürftige  Person,  für  die  der 

Steuerpflichtige einen Abzug gemäss Art. 35 Abs. 1 lit. a DBG beanspruchen kann. Im 

Kanton  erhöht  sich  der  Versicherungsprämienabzug  um  Fr. 1'300.-  (§ 31  Abs.  1  lit.  g 

StG).  Wird  bei  nicht  gemeinsam  besteuerten  Eltern  der  Kinderabzug  gemäss  Art.  35 

Abs. 1 lit. a DBG bzw. § 34 Abs. 1 lit. a StG hälftig aufgeteilt, gilt dies auch für die Er-

höhung der Abzüge für jedes Kind um Fr. 700.- bzw. Fr. 1'300.-. 

Das  ab  Steuerperiode  2015  geltende  Merkblatt  des  kantonalen  Steueramtes 

über die Gewährung von Sozialabzügen und die Anwendung der Steuertarife bei Fami-

lien  (ZStB  Nr. 20/013;  nachfolgend  Merkblatt)  hält  in  Rz. 2.1.2.2.1  (nicht  gemeinsam 

besteuerte  Eltern/minderjährige  Kinder/gemeinsame  elterliche  Sorge/ohne  Unterhalts-

beiträge/gemeinsamer Haushalt der Eltern) unter Fussnote 3 fest: 

"§ 34 Abs. 1 lit. a al. 2 StG: Wenn das Kind unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht 
und keine Unterhaltsbeiträge geltend gemacht werden, wird der KA und der VA unter 
den Eltern  hälftig  aufgeteilt.  Erzielt  nur  ein [Elternteil]  ein Einkommen,  so kann  dieser 
bei Einverständnis beider [Elternteile] den ganzen KA und VA geltend machen." 

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Unter  Fussnote  10  wird  dasselbe  für  den  Anwendungsbereich  von  Art.  35 

Abs. 1 lit. a DBG festgehalten.  

Das  Kreisschreiben  Nr.  30  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV) 

über die Ehepaar- und Familienbesteuerung nach dem Bundesgesetz über die direkte 

Bundessteuer  vom  21.  Dezember  2010  sieht  keine  entsprechende  "Billigkeitslösung" 

für den Fall, dass nur ein Elternteil ein Einkommen erzielt, vor. 

b) In den Einspracheentscheiden (R-act. 4 und 5) erwog das kantonale Steu-

eramt,  dass  die  im  Merkblatt aufgeführte  Regel nur  dann  zum  Zug komme,  wenn der 

andere Elternteil gar kein Einkommen erziele. Die klare gesetzliche Regelung sehe vor, 

dass  der  Kinderabzug  ausnahmslos  hälftig  aufzuteilen  sei,  sofern  das  Kind  unter  ge-

meinsamer elterlicher Sorge stehe und keine Unterhaltsbeiträge geleistet würden. So-

mit sei die im Merkblatt vorgesehene "Billigkeitsausnahme" sehr restriktiv anzuwenden.  

An  diesem  Standpunkt  hält  das  kantonale  Steueramt  in  der  Rekursantwort 

vom 23. Juli 2019 fest (R-act. 7). 

c)  Zur  Begründung  seines  Rekurses  macht  der  Pflichtige  geltend,  dass  der 

Vermögensertrag von Fr. 5.- der Kindesmutter als belanglos zu betrachten und keines-

falls  einem  Einkommen  gleichzusetzen  sei.  Des  Weiteren  verrechne  die  Schwyzer 

Kantonalbank monatliche Kontoführungsgebühren von Fr. 3.- und Versand- und Verar-

beitungsgebühren  von  Fr.  12.-  zu  Lasten  der  Kindesmutter,  womit  letztlich  ein  Netto-

aufwand anstelle eines Ertrags resultiere (R-act. 2, mit Verweis auf R-act. 3/5-6). 

3.  a)  Sozialabzüge und Sozialtarife  bezwecken die  –  schematische  –  Anpas-

sung der Steuerlast an die besondere persönlich-wirtschaftliche Situation von Gruppen 

von Steuerpflichtigen. In diesem Bereich muss die gesetzliche Regelung aufgrund der 

Vielzahl der zu berücksichtigenden individuellen  Verhältnisse notwendigerweise sche-

matisch sein, was aber – wie das Bundesgericht wiederholt erkannt hat – nicht gegen 

Art. 127  der  Bundesverfassung  vom  18. April  1999  (BV)  bzw.  den  darin  enthaltenen 

Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  verstösst. 

Denn  aus  praktischen  Gründen  ist  es  nicht  durchführbar,  jeden  Steuerpflichtigen  

mathematisch genau gleich zu behandeln, weshalb der Gesetzgeber befugt ist, sche-

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matische Lösungen zu wählen (vgl. BGE 141 II 338 = Pra 2016 Nr. 45; BGE 133 II 305 

= Pra 2008 Nr. 39; BGr, 7. Mai 2010, 2C_835/2009; je mit Hinweisen).  

b) Im Fall der gemeinsamen elterlichen Sorge von nicht gemeinsam besteuer-

ten  Eltern  statuiert  die  bundesrechtliche  Regelung  in  Art. 35  Abs. 1  lit. a  Satz  2  DBG 

seit Beginn der Steuerperiode 2011 die hälftige Aufteilung des Kinderabzugs. Demge-

genüber  sah  die  kantonalrechtliche  Regelung  bis  Ende  Steuerperiode  2014  in  § 34 

Abs. 1  lit. a  al. 2  StG  noch  vor,  dass  in  Fällen,  in  denen  Kinder  unter  gemeinsamer  

elterlicher Sorge nicht gemeinsam besteuerter Eltern stehen, der Kinderabzug demje-

nigen Elternteil zustehe, aus dessen versteuerten Einkünften der Unterhalt des Kindes 

zur Hauptsache bestritten werde. Mit Gesetzesänderung vom 5. Mai 2014 wurde diese 

Bestimmung mit Wirkung per 1. Januar 2015 aufgehoben resp. durch die bundesrecht-

liche Regelung ersetzt. Der revidierte § 34 Abs. 1 lit. a al. 2 StG lautet wie folgt: 

"Bei nicht gemeinsam besteuerten Eltern wird der Kinderabzug hälftig aufgeteilt, wenn 
das Kind unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht und keine Unterhaltsbeiträge nach 
§ 31 Abs. 1 lit. c für das Kind geltend gemacht werden." 

Der  Gesetzeswortlaut  ist  eindeutig  und  lässt  auch  aufgrund  seiner  Entste-

hungsgeschichte  keinen  Auslegungsspielraum  offen.  Mit  der  bewussten  Abkehr  von 

der  früheren  Ordnung  und  der  Übernahme  der  bundesrechtlichen  Regelung,  welche 

aufgrund  des  verfassungsrechtlichen  Anwendungsgebots  in  Art. 190  BV  massgebend 

ist, hat der Kanton Zürich den Aspekten der Veranlagungsökonomie und der Rechtssi-

cherheit  Rechnung  getragen.  Die frühere  Ordnung  führte  etwa  dann  zu Schwierigkei-

ten, wenn das Einkommen eines der beiden Partner – etwa im Fall einer Veranlagung 

nach pflichtgemässem Ermessen – nicht klar zu ermitteln war oder wenn diese in ver-

schiedenen Kantonen mit unterschiedlicher Regelung des Kinderabzugs wohnten.  

c) Nach dem Gesagten stützt der klare Gesetzeswortlaut im Ergebnis die dem  

Einspracheentscheid  zugrundeliegende  Auffassung  des  kantonalen  Steueramts.  Es 

fragt  sich  nun,  ob  der  Pflichtige  aus  dem  Merkblatt  mit  der  vorne  in  E. 2a  zitierten  

Regelung etwas zu seinen Gunsten ableiten kann. 

aa) Bei erwähnten Merkblatt handelt es sich um eine Verwaltungsverordnung, 

d.h.  um  die  Dienstanweisung  einer  Behörde,  mit  der  eine  einheitliche,  gleichmässige 

und  sachgerechte  Praxis  des  Gesetzesvollzugs  sichergestellt  werden  soll.  Als  blosse 

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Verwaltungsverordnungen  statuieren  derartige  Weisungen,  Kreisschreiben  und  Merk-

blätter keine  Rechte  und  Pflichten  der  Privaten  und  sind  sie keine  Rechtsquellen  des 

Verwaltungsrechts  (vgl.  Häfelin/Müller/Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  7. A., 

2016,  Rz 81 ff.  mit  Hinweisen).  Das  Steuerrekursgericht  ist  als  Gericht  bei  der  Ausle-

gung des Gesetzes nicht an diese Dienstanweisungen gebunden, sondern prüft allein, 

ob  die  Veranlagung  mit  dem  Steuergesetz  übereinstimmt.  Es  berücksichtigt  Verwal-

tungsverordnungen bei seiner Entscheidung allerdings, soweit diese eine dem Einzel-

fall gerecht werdende Auslegung der massgeblichen Bestimmung zulässt, weil es nicht 

ohne  Not  von  einer  einheitlichen  Praxis  der  Verwaltungsbehörden  abweichen  will 

(BGE 122 V 19, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 132 V 200). 

bb)  Angesichts  des  in  E. 3b  Ausgeführten  erscheint  zweifelhaft,  ob  die  vom 

kantonalen Steueramt in Rz. 2.1.2.2.1 unter Fussnote 3 vorgenommene Relativierung 

von § 34 Abs. 1 lit. a al. 2 StG in Fällen, in denen nur ein Elternteil ein Einkommen er-

zielt, mit dem Legalitätsprinzip vereinbar ist (ebenso die in Fussnote 10 vorgenomme-

ne selbige Relativierung von Art. 35 Abs. 1 lit. a Satz 2 DBG). Denn damit wird die vom 

Gesetzgeber angestrengte und mit der Gesetzesrevision erreichte klare und praktikab-

le  Lösung  wieder  teilweise  zunichtegemacht,  indem  ein  quantitatives  Kriterium  hinzu-

gefügt  wird,  mit dem  zwangsläufig  neue  Ungleichheiten geschaffen  werden (wie  etwa 

vorliegend  beabsichtigt  die  unsinnige  unterschiedliche  Behandlung  von  einem  Ein-

kommen  von  Fr.  0.-  und  einem  solchen  von  Fr.  5.-).  Die  Frage  wurde  bislang  vom 

Steuerrekursgericht offen gelassen (StRG, 19. Dezember 2017, ST.2017.82). 

cc)  Auszugehend  vom  Wortlaut  der  formellgesetzlichen  Grundlagen  ist  zu-

nächst festzuhalten, dass eine "Billigkeitslösung" im Sinn der Zuweisung des gesamten 

Kinder-  bzw.  zusätzlichen  Versicherungsprämienabzugs  an  einen  einzigen  Ehegatten 

bei der vorliegenden Konstellation (gemeinsame elterliche Sorge, keine Unterhaltsbei-

träge, Konkubinat) nicht vorgesehen ist. Der klare Wortlaut des Gesetzes lässt diesbe-

züglich keinen Raum für eine andere Auslegung.  

Im Gegenteil, die ausnahmslose Aufteilung des Kinderabzugs und des zusätzli-

chen  Versicherungsprämienabzugs  wurde  gemäss  Eidgenössischen  Materialien  einer 

abgestuften Lösung bewusst vorgezogen. So lässt sich der Botschaft zum Bundesge-

setz über die steuerliche Entlastung von Familien mit Kindern vom 20. Mai 2009 (BBl 

2009 4729 ff.) entnehmen: 

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"Im  DBG  kann  grundsätzlich  derjenige  Elternteil  den  Kinderabzug  beanspruchen,  bei 

welchem das unmündige Kind wohnt (Art. 213 Abs. 1 Bst. a DBG). Diesem wird auch 

der Tarif für Verheiratete gewährt (Art. 214 Abs. 2 DBG). Die Zuteilung des Kinderab-

zugs  sowie  des  anzuwendenden  Tarifs  wird  im  Kreisschreiben  Nr.  7  vom  20.  Januar 

2000  «Familienbesteuerung  nach  dem  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bundessteuer 

(DBG); Übertragung der gemeinsamen elterlichen Sorge auf unverheiratete Eltern und 

die  gemeinsame  Ausübung  elterlicher  Sorge  durch  getrennte  oder  geschiedenen  El-

tern» weiter ausgeführt. Für die Fälle, in denen sich das Kind in alternierender Obhut 

beider Elternteile befindet und keine Beiträge von einem Elternteil an den anderen für 

den  Unterhalt  des  Kindes  fliessen,  sieht  das  Kreisschreiben  vor,  dass  das  Ausmass 

der Obhut jedes Elternteils das massgebende Kriterium für die Zuteilung des Kinderab-

zugs und für die Gewährung des Verheiratetentarifs ist. Demjenigen Elternteil, der den 

bedeutenderen  Anteil  an  der  tatsächlichen  Betreuung  übernimmt,  werden  der  Kin-

derabzug  sowie  der  mildere  Tarif  gewährt.  Wenn  beide  Elternteile  in  gleichem  Aus-

mass die tatsächliche Betreuung übernehmen, bildet das höhere Einkommen das ent-

scheidende  Kriterium  für  die  Zuteilung.  Bezahlt  trotzdem  einer  der  Elternteile  dem 

anderen einen Unterhaltsbeitrag, so wird dieser Fall so geregelt, wie wenn keine alter-

nierende  Obhut  vorläge."  (Ziff.  1.2.3.3.1,  zur  bis  Ende  2010  geltenden  Bundesrege-

lung). 

und weiter: 

"Für  diese  Fälle  schlug  der  Bundesrat  in  der  Vernehmlassung  eine  Änderung  bei  der 

Zuteilung des Kinderabzuges vor. Jeder Elternteil sollte den halben Abzug geltend ma-

chen können, sofern keine Abzüge für Unterhaltsbeiträge an die Kinder nach Artikel 33 

geltend gemacht werden.  Die letztgenannte  Voraussetzung ist  notwendig,  damit  nicht 

eine doppelte Entlastung (Kinderabzug und Abzug für Alimente) stattfindet. Im Hinblick 

auf  eine  vollzugstaugliche  Lösung  soll  dies  unabhängig  davon  erfolgen,  ob  sich  das 

Kind in alternierender Obhut befindet oder nicht. Dies deshalb, weil der Veranlagungs-

behörde  nicht  zugemutet  werden  kann,  den  effektiven  Anteil  jedes  Elternteils  an  der 

Obhut  des  Kindes  zu  ermitteln.  Die  Aufteilung  des  Kinderabzugs,  wie  sie  in  der  Ver-

nehmlassungsvorlage  vorgeschlagen  ist,  stösst  sowohl  in  den  Kantonen  als  auch  bei 

vielen  anderen  Vernehmlassungsteilnehmerinnen  und  -teilnehmern  auf  Ablehnung; 

dies einerseits aus Praktikabilitätsgründen und andererseits, weil individuellere Lösun-

gen  gefordert  werden.  Trotzdem  scheint  es  aus  Gründen  der  rechtlichen  Gleichbe-

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handlung angebracht, unter bestimmten vollzugstauglichen Voraussetzungen eine hälf-

tige Zuteilung des Kinderabzuges, wie sie in der Vernehmlassungsvorlage vorgeschla-

gen wurde, einzuführen." (Ziff. 1.2.3.3.2, zur Gesetzesänderung des DBG). 

Der Regierungsrat des Kantons Zürich folgte in der Wahl des Wortlauts in sei-

nem  Antrag  vom  30.  April  2013  (RRB  Nr.  490)  der  Eidgenössischen  Regelung,  mit 

Ausnahme der Höhe des abzuziehenden Betrags.  Die Eidgenössische und die kanto-

nale Regelung stützen sich auf dieselben Überlegungen und sind mithin gleich auszu-

legen. 

dd)  Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  sich  die  streitbetroffenen 

Regelungen  gemäss  Merkblatt  als  gesetzwidrig  erweisen.  Die  vom  Pflichtigen  bean-

spruchte  vollumfängliche  Gewährung  des  Kinderabzugs  und  zusätzlichen  Versiche-

rungsprämienabzugs ist daher zu verweigern.  

ee) Anzumerken bleibt schliesslich, dass das Abweichen vom Gesetz seitens 

der  unteren  Behörde  grundsätzlich  den  Entscheid  der  Rechtsmittelbehörde  nicht  zu 

präjudizieren vermag, solange anzunehmen ist, dass die Rechtsauffassung der oberen 

Behörde  im  Anschluss  an  deren  Entscheid  auf  von  der  unteren  Behörde  befolgt  wird 

(BGE 90 I 159 = Pra 53 Nr. 135). Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass 

die  Einschätzungsbehörde  inskünftig  weiterhin  die  streitbetroffenen  Regelungen  an-

wenden wird.  

e) Zwar ist das Anliegen des Pflichtigen verständlich, dass die ihm und seiner 

Lebenspartnerin  zustehenden  Kinderabzüge  (sowie  die  damit  einhergehenden  Versi-

cherungsprämienabzüge)  möglichst  vollständig  ausgeschöpft  werden.  Denn  mit  dem 

Kinderabzug soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass Steuerpflichtige, die 

mit Kindern zusammenleben oder diese in ihrer Ausbildung finanziell unterstützen, im 

Verhältnis  zu  Steuerpflichtigen  mit  gleichem  Einkommen,  aber  ohne  derartige  Ver-

pflichtungen, eine unterschiedliche steuerliche Leistungskraft aufweisen (Baumgartner/ 

Eichenberger  in:  Kommentar  zum  Schweizerischen  Steuerrecht,  Bundesgesetz  über 

die  direkte  Bundessteuer,  3.  A.,  2017,  Art. 35  N  6).  Eine  Korrektur  von  sich  aus  dem 

Gesetz ergebenden möglichen Ungleichheiten im Zusammenhang mit den beiden ge-

nannten Abzügen ist jedoch dem Gesetzgeber vorbehalten. Hinzu kommt, dass Eltern 

an sich selbst wählen, welches Familienmodell gelebt bzw. wie der Unterhalt der Kin-

der bestritten werden soll (Ehe/Konkubinat, Einverdiener-/Doppelverdienerfamilie etc.). 

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In  diesem  Zusammenhang  hat  das  Bundesgericht  schon angeführt,  dass  se-

parat besteuerte Eltern innerhalb der Grenzen der Steuerumgehung nichts daran hin-

dert,  ihre  Situation  und  die  sich  daraus  ergebenden  finanziellen  Verpflichtungen  hin-

sichtlich  der  steuerlichen  Auswirkungen  so  zu  regeln,  dass 

im  Rahmen  der 

gemeinsamen  elterlichen  Sorge  und  der  alternierenden  Obhut  ihrer  jeweiligen  wirt-

schaftlichen  Leistungsfähigkeit  am  besten  Rechnung  getragen  wird  (BGE  133  II  305, 

E. 9.1 in fine und E. 9.2 in fine).  

4. Diese Erwägungen führen zur Abweisung von Beschwerde und Rekurs. Die 

Kosten sind der Beschwerdegegnerin/dem Rekursgegner aufzuerlegen, da einzig das 

widerrechtliche Merkblatt und dessen inkonsequente Anwendung (die Abzüge wurden 

dem  Pflichtigen  im  Vorjahr  gestützt  auf  dasselbe  Merkblatt  gewährt)  Anlass  zum 

Rechtsmittelverfahren  gegeben  haben  (Hunziker,  Mayer-Knobel,  Art.  144  N  12  DBG 

und  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3.  A., 

2013, § 151 N 16a StG). 

Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

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