# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d163f800-56f9-50f7-a903-ca6562832e90
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-01-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.01.2019 E-6028/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6028-2016_2019-01-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6028/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  J a n u a r  2 0 1 9   

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,  

Richter William Waeber;    

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  

Advokatur Kanonengasse, (…) 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;   

Verfügung des SEM vom 31. August 2016 / N (…). 

 

 

 

E-6028/2016 

 

Seite 2 

 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am (…) August 2014 in der Schweiz um Asyl 

nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 26. August 2014 und 

der Anhörung vom 5. Juli 2016 machte er im Wesentlichen Folgendes gel-

tend:  

Er sei eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer Ethnie, in B._______ ge-

boren und habe bis zu seiner Rekrutierung im (…) beziehungsweise bis zu 

seinem Ausbildungsbeginn im (…) dort gewohnt. Er habe die 11. Klasse im 

Jahre (…) in B._______ abgeschlossen und danach das 12. Schuljahr – 

„Kunstabteilung“ – in Sawa besucht. Dort habe er anlässlich einer Sitzung 

seine Meinung zur (…), weswegen er vom Chef der Divison verwarnt und 

vom Bataillonschef militärisch bestraft worden sei. Nach Abschluss der Ma-

turitätsprüfung, der militärischen Ausbildung und einem dreimonatigen Ur-

laub in B._______ sei er der Berufsausbildung als (…) zugewiesen worden. 

Dies obwohl er (…) bevorzugt habe. Als er nach Sawa zurückgekehrt sei, 

habe er sich dagegen zur Wehr gesetzt und sich, nach ineffektiver Be-

schwerung beim direkten Vorgesetzten C._______, an den obersten Chef 

D._______ gewandt. C._______ habe ihn im Nachhinein für die Nichtein-

haltung der Hierarchiestufen während sechs Tagen bestraft. Danach sei er 

gemeinsam mit fünf Freunden am (…) desertiert und habe sich in den Su-

dan abgesetzt. Für die Flucht nach Kassala hätten sie vier Tage benötigt, 

wobei sie unterwegs auf Angehörige des (…) Volkes gestossen seien, die 

sie unterstützt hätten. Im Jahre 2014 sei er schliesslich in die Schweiz ein-

gereist, wo er ein Asylgesuch gestellt habe.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine eritreische Identitäts-

karte im Original, eine Taufurkunde (Original und Farbkopie) und zwei Aus-

weise des UNHCR und des Roten Kreuzes im Original aus dem Sudan ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 31. August 2016 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleich-

zeitig ordnete es seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.  

E-6028/2016 

 

Seite 3 

 

C.  

Mit Beschwerde vom 30. September 2016 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsfeststellung sowie zur neuen Entscheidung. 

Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu 

gewähren. Subeventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen.   

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie um die Bestellung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltli-

chen Rechtsbeistand.  

Der Beschwerde legte er ein Zusatzblatt zum Kurzbericht des Hilfswerk-

vertreters (HWV) vom 9. Juli 2016, ein Foto der Urlaubsbestätigung des 

Ministry of Defence vom (…) sowie eine Fürsorgebestätigung der Ge-

meinde (…) vom 9. September 2016 bei.  

D.  

Mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 hiess der damals zuständige Instrukti-

onsrichter des Bundesverwaltungsgerichtes die Gesuche um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete dem Be-

schwerdeführer den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbei-

stand bei.  

E.  

Mit Schreiben vom 24. Oktober 2017 erkundigte sich der Rechtsvertreter 

nach dem Verfahrensstand und bat um möglichst rasche Fällung eines 

Entscheids. Dem Schreiben legte er eine Honorarnote bei. 

F.  

Die zwischenzeitlich zuständige Instruktionsrichterin beantwortete die Ver-

fahrensstandanfrage mit Schreiben vom 30. Oktober 2017 und teilte mit, 

dass eine koordinierte Behandlung eines Verfahrens mit anderen Be-

schwerden angezeigt erscheine, weshalb es derzeit noch nicht absehbar 

sei, wann das Urteil vorliegen werde.  

E-6028/2016 

 

Seite 4 

 

G.  

Mit Verfügung vom 9. Oktober 2018 bot die Instruktionsrichterin der Vor-

instanz an, sich zur Beschwerde vernehmen zu lassen. Diese nahm die 

Gelegenheit mit Eingabe vom 23. Oktober 2018 fristgerecht wahr.  

H.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Schreiben vom 16. November 2018 

und legte diesem ein Gutachten des German Institute of Global and Area 

Studies (GIGA) vom 15. April 2018, einen Ausweis seiner Lebenspartnerin, 

ein Foto seines Kindes sowie die aktualisierte Honorarnote des Rechtsver-

treters bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend - endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

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2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer beantragt, dass mittels einer weiteren Anhörung 

mit Hilfe eines neuen Dolmetschers der asylrelevante Sachverhalt festge-

stellt werden solle, sollte das Gericht nicht zum Schluss kommen, dass 

seine Aussagen als überwiegend glaubhaft zu qualifizieren seien.  

3.2 Der Beschwerdeführer erläutert nicht, inwiefern der Sachverhalt nicht 

genügend abgeklärt worden sein sollte. Im Gegenteil führt er selber aus, 

dass er seine Vorbringen im Wesentlichen habe schildern können. Dass 

die Vorinstanz dabei zu einer andern Einschätzung gekommen ist als er, 

ist keine Verletzung des rechtlichen Gehörs, sondern beschlägt die mate-

rielle Frage, weshalb auch der Antrag, es sei eine weitere Anhörung durch-

zuführen, abzulehnen ist. 

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids befand die Vor- 

instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers aufgrund grosser logischer 

Lücken und Widersprüchen als nicht glaubhaft und asylrechtlich unbeacht-

lich. Die einzelnen Vorkommnisse habe er auch auf Nachfrage hin nicht in 

eine konsistente zeitliche Abfolge gliedern können, weshalb erhebliche 

Zweifel an seinen Vorbringen bestünden. So widerspreche er sich sowohl 

hinsichtlich der Sitzung, anlässlich welcher er sich gewehrt habe, als auch 

des Zeitpunkts der Berufswahl beziehungsweise der beruflichen Zuteilung. 

Die Zweifel an seinen Vorbringen würden durch unsubstanziierte und ober-

flächliche Angaben zu den angeblichen Ereignissen weiter bestärkt. So 

habe er den obersten Chef, bei welchem er sich beschwert habe, nur sehr 

ungenau zu beschreiben vermocht. Auf Nachfrage habe er ausgesagt, der 

„Kapitän“ habe die Uniform der (...) Runde getragen. Weshalb der Chef der 

(…) Runde eine Uniform der (...) Runde tragen sollte, habe er nicht erklären 

können. An der Anhörung sei insbesondere aufgefallen, dass seine Darle-

gung zum angeblichen verlängerten Urlaub und der darauffolgenden Rück-

kehr nach Sawa von Widersprüchen und grossen logischen Lücken ge-

prägt gewesen sei. Es sei ungeklärt geblieben, wie es zu der Verlängerung 

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gekommen sei und wie er von der Verlängerung und dem neuen Zeitpunkt 

der Einrückung Kenntnis erlangt habe. Die Schilderungen über den angeb-

lichen zweiten Aufenthalt in Sawa seien mehrheitlich unsubstanziiert und 

äusserst ungenau ausgefallen. Sie würden sich in ihrer Konsistenz und 

Dichte zu den Berichten zum ersten Aufenthalt in Sawa unterscheiden. 

Auch bezüglich der Flucht aus Sawa und der anschliessenden Flucht aus-

ser Landes sei es zu unvereinbaren Angaben und grossen logischen Lü-

cken gekommen. So sei nicht nachvollziehbar, wie er und seine Kollegen 

in unterschiedliche „Orientierungen“ hätten weggehen und sie sich nach 

mehreren Stunden trotzdem wieder hätten treffen können. Zudem habe er 

gesagt, neben dem Proviant nichts mitgenommen zu haben. In der Folge 

habe er jedoch geschildert, Geld für den Transport dabei gehabt zu haben. 

Ausserdem habe er nicht überzeugend dargelegt, warum er vier Tage bis 

an die Grenze Eritreas benötigt habe. Die erhobenen Zweifel liessen sich 

auch nicht durch angebliche sprachliche Verständigungsschwierigkeiten in 

der Anhörung schmälern.  

Gemäss den vorliegenden Akten habe der Beschwerdeführer weder den 

Nationaldienst verweigert, noch sei er aus dem Nationaldienst desertiert. 

Da er demnach nicht gegen die Proclamation on National Service von 1995 

verstossen habe und seinen Akten auch sonst nichts zu entnehmen sei, 

wonach er bei einer Rückkehr nach Eritrea ernsthafte Nachteile zu gewär-

tigen habe, seien die Anforderungen an die Feststellung einer begründeten 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung nicht erfüllt. Seine Vorbringen bezüglich 

der illegalen Ausreise seien somit asylrechtlich unbeachtlich.  

4.2 Auf Beschwerdeebene legte der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter dar, dem Protokoll der HWV sei klar zu entnehmen, dass 

der Dolmetscher nicht über genügende Kenntnisse der deutschen Sprache 

verfüge, um seiner Rolle als Übersetzer im Asylverfahren gerecht zu wer-

den. Die HWV habe schliesslich auch zu einer erneuten Befragung ange-

regt, was allerdings nicht gemacht worden sei. Auf die zentrale Rolle des 

Dolmetschers werde auch im Handbuch des SEM hingewiesen. Vorliegend 

bestünden erhebliche Zweifel daran, dass eine korrekte Übersetzung er-

folgt sei, weshalb die Argumentation der Vorinstanz, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, nicht legitim sei. Auch die Be-

merkungen der HWV auf dem Zusatzblatt zum Kurzbericht liessen klar da-

rauf schliessen, dass weder die Übersetzungsleistung des Dolmetschers 

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genügend gewesen sei, noch die Befragungsleitung ein angemessenes 

Befragungsklima zu erreichen vermocht habe. Es sei nach Ansichten des 

HWV vielmehr der Eindruck entstanden, dass sich die Befragungsleitung 

schon früh entschieden habe, ihm keinen Glauben zu schenken. So sei der 

HWV auch nicht erlaubt worden, Ergänzungsfragen zu stellen. In der 

Pause habe die Befragungsleitung der HWV ausgeführt, „sie habe nicht 

gewollt, dass der Gesuchsteller argumentieren konnte, dass er sich nicht 

mehr daran erinnern könne, weil es zu lange her sei“. Auf die Nachfrage 

der HWV betreffend die ungenügenden Sprachkenntnisse des Dolmet-

schers habe die Befragungsleitung hinzugefügt, „dass die Vorbringen so 

oder so nicht aufgehen würden“, und damit impliziert, dass die Sprach-

kenntnisse in casu nicht wesentlich seien. Unabhängig von der Meinung 

der HWV falle auf, dass die befragende Person regelmässige habe nach-

fragen und die Frage wiederholen müssen. Vor diesem Hintergrund müss-

ten auch die Vorbringen des Beschwerdeführers gewürdigt werden. Es er-

staune ebenfalls, dass die Befragungsleitung ihn am Schluss der Anhörung 

zwei Mal auf vermeintliche Widersprüche zur BzP angesprochen habe, 

welche tatsächlich nicht bestünden. Im Übrigen sei darauf hinzuweisen, 

dass er anlässlich der BzP mehrmals darauf hingewiesen worden sei, sich 

kurz zu fassen. Ferner sei der Umstand zu berücksichtigen, dass sowohl 

die fluchtauslösenden Ereignisse als auch die illegale Ausreise im Zeit-

punkt der BzP bereits zwei Jahre (recte: fast fünf Jahre) und im Zeitpunkt 

der Anhörung gar sechseinhalb Jahre zurückgelegen hätten. Dass die Er-

innerungen nach so langer Zeit schwinden würden, sei absolut nachvoll-

ziehbar und im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksichtigen. 

Bei dieser dürfe im Übrigen nicht einzig auf Widersprüche abgestellt wer-

den, sondern sie müsse alle relevanten Kriterien umfassen. 

Hinsichtlich des Vorwurfs, die Vorbringen nicht in eine konsistente zeitliche 

Abfolge gebracht zu haben, wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass 

er sich bereits im Jahr (…) beklagt habe, dass er (…), weshalb er vom 

Vorgesetzten verwarnt worden sei. Als er sich schliesslich im (…) an den 

obersten Chef gewandt habe, um sich nochmals über (…) zu beschweren, 

sei er von seinem direkten Vorgesetzten bestraft worden. Auch wenn die 

Abfolge der Geschehnisse beim Durchlesen der Protokolle nicht gleich von 

Beginn an gänzlich klar sei, so würden seine Ausführungen alle mit der 

geschilderten Abfolge übereinstimmen. Die Beschreibung des obersten 

Chefs sei entgegen der Meinung der Vorinstanz genau ausgefallen und 

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würde zeigen, dass er ein klares Bild von ihm vor Augen gehabt habe. Dass 

er keine Kenntnisse der Gründe, welche zur Urlaubsverlängerung geführt 

hätten, gehabt habe, sei durchaus plausibel und nachvollziehbar. Er sei 

erst 18-jährig und einfach froh gewesen, dass er noch mehr Zeit mit seinen 

Eltern habe verbringen können. Er habe überdies geschildert, dass er die 

entsprechende Liste im Büro des Schulministers gesehen habe. Auf diese 

Weise habe er sowohl von der Verlängerung des Urlaubs als auch vom 

Zeitpunkt der Einrückung erfahren. Hinsichtlich des Vorwurfs der Vo-

rinstanz, die Ausführungen zum zweiten Aufenthalt in Sawa seien unsub-

stanziiert und ungenau, sei darauf hinzuweisen, dass es sich bei den vor-

gebrachten Textpassagen um Nachfragen der HWV handle, welche sich 

vergewissert habe, alles richtig verstanden zu haben. Die Fragen seien da-

bei so formuliert worden, dass ein „genau“ oder „ja“ genügt habe. Die de-

taillierte Schilderung habe bereits zuvor stattgefunden. Dass er behauptet 

habe, er sei bei seiner Flucht allein weitergelaufen, habe danach aber sei-

nen Kollegen um Wasser gebeten, sei tatsächlich nicht von der Hand zu 

weisen. Allerdings handle es sich um einen vermeintlichen Widerspruch, 

da dieser in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen erfolgt sei. Dies weise stark 

darauf hin, dass es sich um ein Missverständnis, einen Denkfehler oder 

einen Übersetzungsfehler handle. Und schliesslich sei ihm das rechtliche 

Gehör dazu nicht gewährt worden. Für ihn sei klar, dass er es nicht speziell 

erwähnenswert gefunden habe, dass er Geld mit auf die Reise mitgenom-

men habe. Die entsprechenden Fragen hätten sich im Übrigen auf die 

Fluchtvorbereitung bezogen, nicht darauf, was er alles mitgenommen 

habe. Zur Dauer der Flucht habe er mehrmals ausgeführt, dass es sich um 

ungefähre Angaben handle. Der Umstand, dass die Flucht bereits über fünf 

Jahre zurückgelegen habe, sei nicht berücksichtigt worden. Es sei allein 

aufgrund zeitlicher Angaben auf die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen 

geschlossen worden, wobei die zahlreichen Details nicht in einer umfas-

sende Abwägung berücksichtigt worden seien. Insgesamt habe er das Er-

lebte frei geschildert, Namen nennen können, seine Erzählungen mit direk-

ter Rede, Skizzen und Gesten untermauert. Diese Merkmale seien als Re-

alkennzeichen zu qualifizieren. Überdies würden seine Aussagen mit gesi-

cherten Länderkenntnissen übereinstimmen. Durch seine Desertion habe 

er gegen die Proclamation on National Service von 1995 verstossen und 

seine illegale Ausreise werde in Eritrea als politische Opposition gewertet, 

weshalb er bei einer Rückkehr nach Eritrea begründete Furcht vor einer 

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zukünftigen Verfolgung habe, wobei Letztere als subjektiver Nachflucht-

grund gelte und zur vorläufigen Aufnahme als Flüchtling führen müsse.  

4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass hinsichtlich der 

angeblich durch sprachliche Probleme bedingten Widersprüche festzustel-

len sei, dass es sich dabei um sachliche Diskrepanzen handle, die nicht 

durch eine ungenaue Übersetzung des Dolmetschers erklärbar seien. So-

wohl in der BzP als auch in der Anhörung habe der Beschwerdeführer die 

Richtigkeit des übersetzten Protokolls mit seiner Unterschrift bestätigt. Es 

sei festzustellen, dass dem Beschwerdeführer eine kohärente zeitliche 

Verortung der fluchtbegründenden Ereignisse erst auf die Suggestivfragen 

der HWV hin gelungen sei. Angesichts der älteren dienstleistenden (…) 

dürfte der Beschwerdeführer über den Ablauf der Zuteilungsprozedere in-

formiert gewesen sein. Dass er hiernach überrascht worden sei, dass die 

Behörden ihm eine Funktion zugewiesen hätten, vermöge nicht zu über-

zeugen. Insbesondere scheine schleierhaft, weshalb er angesichts der Zu-

teilung während des ersten Aufenthalts trotzdem ein zweites Mal einge-

rückt sei, sei doch der verweigerte Berufswunsch Hauptmotiv für seine De-

sertion gewesen. Bezeichnenderweise sei bezüglich der erst in der Anhö-

rung angeführten Sanktion durch den Vorgesetzten darauf zu verweisen, 

dass der Beschwerdeführer in der BzP auf Nachfrage verneint habe, sich 

bezüglich des unerwünschten Berufswunsches an jemanden gewandt zu 

haben. Die hierzu aufgekommenen Vorbehalte würden sich angesichts der 

unvereinbaren Angaben zur Ausreise erhärten. Es liege vielmehr die Ver-

mutung nahe, dass er unter anderen Umständen als den genannten aus-

gereist sei.  

4.4 In seiner Replik merkte der Beschwerdeführer an, es sei höchst frag-

lich, inwiefern er mit seiner Unterschrift die Korrektheit der deutschen Über-

setzung des Dolmetschers bestätigt haben könne, da er ja gerade aufgrund 

seiner damals ungenügenden Deutschkenntnisse auf einen Dolmetscher 

angewiesen gewesen sei. Schliesslich sei die Rückübersetzung vom sel-

ben Dolmetscher übernommen worden, was das Erkennen von Überset-

zungsfehlern praktisch verunmögliche. Für ihn sei es durch die Verwen-

dung der korrekten tigrinischen Begriffe unmöglich gewesen, die falsche 

deutsche Übersetzung zu bemerken. Inwiefern die Dolmetscherprobleme 

nicht für sachliche und inhaltliche Unklarheiten verantwortlich sein sollten, 

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sei nicht ersichtlich. Durch das Weglassen von Satzteilen oder Überset-

zungsproblemen würden sachliche Widersprüche produziert, was auch die 

HWV bestätigt habe. Zudem sei es kein Geheimnis, dass es gerade im 

eritreischen Kontext immer wieder zu schwerwiegenden Dolmetscherprob-

lemen komme, da eine Vielzahl der Übersetzer der eritreischen Regierung 

nahe stehen würden oder ihr direkt unterstellt seien, so dass sie oftmals 

absichtlich falsch übersetzen oder wichtige Teile der Erzählungen weglas-

sen würden. Dass es ihm erst nach suggestiven Fragen der HWV gelungen 

sei, die Abfolge der Ereignisse kohärent darzustellen, stimme nicht. Dies 

untermauerte er durch die Angabe diverserer Protokollstellen, wo er seine 

Biographie dargelegt habe, bevor die HWV überhaupt Zusatzfragen ge-

stellt habe. Die Dolmetscherprobleme und das angespannte sowie ein-

schüchternde Anhörungsklima hätten zu einer katastrophalen Qualität der 

Anhörung geführt.  

Ihm könne nicht vorgeworfen werden, dass er trotz der Erfahrungen seiner 

(…) und dem ersten Aufenthalt in Sawa weiterhin darauf gehofft habe, doch 

noch seinen Traumberuf ausüben zu können. Ausserdem sei die Flucht 

aus dem eigenen Land keine leichtfertige Entscheidung und er habe Angst 

vor den drohenden Konsequenzen gehabt, falls er nicht wie angeordnet 

nach Sawa zurückgekehrt wäre. Sein Ausreisemotiv sei schliesslich auch 

nicht alleinig die Tatsache, nicht seinen Traumberuf ausüben zu können, 

gewesen, sondern auch die zutiefst entwürdigende und unmenschliche Be-

strafung durch seinen Vorgesetzen. Gerade aufgrund dieser höchst ent-

würdigenden Bestrafung habe er diese anlässlich der BzP noch nicht er-

wähnen können, was menschlich nachvollziehbar sei. Zudem sei er auch 

immer wieder darauf hingewiesen worden, sich kurz zu halten. Anlässlich 

der Anhörung habe er die Situation dann auch detailliert beschrieben und 

die Erzählungen mit vielen Realkennzeichen versehen.   

Die illegale Ausreise sei auch nach neuer bundesverwaltungsgerichtlicher 

Rechtsprechung asylrechtlich relevant, da aufgrund seiner Desertion wei-

tere Faktoren vorliegen würden, die ihn als missliebige Person erscheinen 

liessen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken.  

Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder 

Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht 

haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG). 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen 

ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck 

noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehen-

den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung der FK vor-

behalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 

Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduzier-

tes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und 

Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die 

Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdar-

stellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte 

Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaft-

machung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse be-

treffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete 

Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schil-

derung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch 

Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstim-

mung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere 

bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine 

Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-

sentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, 

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persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 [als 

Referenzurteil publiziert] m.w.H.).  

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die Vorbringen des Beschwer-

deführers insgesamt angesichts zahlreicher Realkennzeichen als überwie-

gend glaubhaft gemacht. Es besteht für das Gericht kein Zweifel daran, 

dass der Beschwerdeführer sein 12. Schuljahr in Sawa absolviert hat, was 

denn von der Vorinstanz auch nicht in Frage gestellt wurde. Die Vorinstanz 

bezweifelt indessen insbesondere, dass der Beschwerdeführer im Jahr 

(…) – während des zweiten Aufenthalts in Sawa – desertiert ist. Nachfol-

gend wird auf die von der Vorinstanz angeführten Unglaubhaftigkeitsele-

mente und die vom Beschwerdeführer diesbezüglich entgegneten Argu-

mente beziehungsweise Aussagen anlässlich der BzP und Anhörung ein-

gegangen.   

6.2 Wie der Beschwerdeführer darstellt, scheint es tatsächlich Probleme 

bei der Übersetzung seiner Aussagen gegeben zu haben. Indizien dafür, 

dass der Dolmetscher als Teil der eritreischen Regierung die Anhörung be-

einflussen wollte, liegen jedoch nicht vor. Gemäss den Anmerkungen der 

HWV zum Protokoll der Anhörung sollen seine Deutschkenntnisse unge-

nügend gewesen sein, um wortgetreue Übersetzungen zu erbringen. Dies 

ist insbesondere für ein Fachgebiet wie das vorliegende, wo eine detailge-

treue und wortwörtliche Übersetzung von entscheidender Bedeutung für 

die Zukunft des Beschwerdeführers sein kann, problematisch. Da gewisse 

Ungenauigkeiten im vom Beschwerdeführer Dargelegten vorliegen, dürfte 

dieser Vorwurf zutreffen. Für weitere Hinweise auf Übersetzungsprobleme 

kann auf die Darlegungen des Beschwerdeführers beziehungsweise die 

Anmerkungen des HWV (vgl. A16 Anhang sowie Beschwerdebeilage Ziff. 

3) verwiesen werden. Die Schilderung der Begebenheiten ist daher vor 

dem Hintergrund der eben genannten Verständigungsprobleme zu be-

trachten.   

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6.3 So ist hinsichtlich des Zeitpunkts der Mitteilung an den Beschwerde-

führer, welcher Ausbildung er schliesslich tatsächlich zugeführt werde, kein 

Widerspruch zu erkennen. Vielmehr korrigierte der Beschwerdeführer die 

protokollierte Angabe, wonach er bereits vor seinem Urlaub die definitive 

Zuteilung gekannt habe, bei der Rückübersetzung dahingehend, dass er 

erst bei der Rückkehr nach Sawa davon erfahren habe (vgl. A16 F146 und 

Korrektur in Anmerkungen zur Rückübersetzung auf S. 25). Die Aussage, 

„als ich nach Sawa kam, habe ich gewusst, dass ich in eine andere Abtei-

lung eingeteilt werde“ (vgl. A16 F99) dürfte der ungenauen Übersetzung 

zuzusprechen sein, da es gut möglich ist, dass er von „erfahren“ und nicht 

„wissen“ sprach. Dies würde sich auch mit seiner Antwort auf Frage 96 

(A16) decken, welcher auch dieser Zeitpunkt zu entnehmen ist.  

6.3.1 Dem Vorwurf der Vorinstanz, wonach der Beschwerdeführer nicht in 

der Lage gewesen sei, die Geschehnisse betreffend die Schwierigkeiten 

mit seinen Vorgesetzten in eine kohärente Reihenfolge zu bringen, ist 

ebenfalls nicht zuzustimmen. Der Beschwerdeführer bringt in seinem freien 

Bericht anlässlich der Anhörung vor, sowohl nach der Wortmeldung an der 

Sitzung im Jahr (…) als auch nach der Kontaktierung des obersten Chefs 

im Jahr (…) militärisch bestraft worden zu sein. Er unterscheidet dabei 

deutlich zwischen diesen beiden Vorfällen, wobei auch die Namen der vor-

gesetzten, ihn bestrafenden Personen divergieren (vgl. A16 F65, F68, F96-

100 und F165 ff.). Auch die HWV scheint die Darlegung so verstanden zu 

haben (vgl. Zusatzblatt zum Kurzbericht, S. 2). Die Vorinstanz vermischt 

diese beiden unterschiedlichen Vorfälle und konstruiert so erst Widersprü-

che. Seinem freien Bericht sind sodann zahlreiche Details zu entnehmen. 

Im 12. Schuljahr, als er der „Kunstabteilung“ angehörte, nahm er an einer 

Sitzung teil, wo auch sein General E._______ anwesend war und ihnen 

mitteilte, dass (…). Da der Beschwerdeführer an dieser Sitzung seine Mei-

nung kundgetan hatte, wurde er vom Chef der Division namens F._______ 

verwarnt und von seinem Bataillonschef G._______ militärisch hart bestraft 

(vgl. A16 F65). Als er nach seiner Rückkehr nach Sawa erfuhr, dass er de-

finitiv einer anderen Ausbildung zugeteilt wurde, wandte er sich an die zu-

ständige Person C._______ und danach an den obersten Chef bezie-

hungsweise Kapitän der Soldaten namens D._______. C._______ be-

strafte ihn für dieses unerlaubte Vorgehen während sechs Tagen (vgl. A16 

F68, F99 und F170 ff.). Diese Strafe führt er nicht weiter aus. Er wird aller-

dings auch nicht mehr danach gefragt, da die Vor-instanz, wie dargelegt, 

E-6028/2016 

 

Seite 14 

 

nicht verstanden haben dürfte, dass es sich dabei um zwei verschiedene 

Vorfälle gehandelt hat. 

6.3.2 Es erscheint zwar merkwürdig, dass dieser oberste Chef die Uniform 

der (...) Runde getragen hat (vgl. A16 F182). Allerdings stellt gerade dieses 

ausgefallene Detail ein Realkennzeichen dar und spricht für die Glaubhaf-

tigkeit der Aussage, zumal der Beschwerdeführer auch eine einfachere und 

naheliegendere Lösung hätte vorbringen können (vgl. LUDEWIG/BAU-

MER/TAVOR, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, 

Staatsanwälten und Anwälten helfen? In: Aktuelle Juristische Praxis 

(AJP)/Pratique Juridique Actuelle (PJA), 11/2011). Auch ist im eritreischen 

Kontext nicht ausgeschlossen, dass Vorgesetzte, die in einer anderen 

Runde ihren Militärdienst absolvierten, ihre damalige Uniform beibehalten 

haben, weshalb nicht von der Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens auszu-

gehen ist. 

6.3.3 Die Vorinstanz erblickte sodann Widersprüche und grosse logische 

Lücken in den Darlegungen zum verlängerten Urlaub. Das Bundesverwal-

tungsgericht kann auch diesem vermeintlichen Unglaubhaftigkeitsgrund 

nicht folgen. Der Beschwerdeführer legte klar dar, dass zunächst nach der 

dreimonatigen militärischen Ausbildung ein einmonatiger Urlaub von den 

militärischen Behörden und sodann eine zweimonatige Verlängerung vom 

Schulministerium gewährt wurde (vgl. A16 F20 f., F91 ff., F149 ff. und F190 

ff.). Auch wenn die Urlaubsbestätigung nur als Fotografie und ohne Über-

setzung vorliegt, obschon diese in Aussicht gestellt wurde, besteht kein An-

lass, dieser Aussage nicht zu glauben, entspricht es doch den Länder-

kenntnissen des Gerichts, dass die Schule und die militärische Ausbildung 

in Sawa jeweils eigenen Direktoren unterstehen (vgl. Shabait.com [Eritrean 

Ministry of Information], Warsay-Yekealo School: 2018/2019 academic 

year begins, 27. August 2018, http://www.shabait.com/news/local-

news/26937-warsay-yekealo-school-20182019-academic-year-begins, 

abgerufen am 13. Dezember 2018; Landinfo, Report Eritrea: National Ser-

vice, 20. Mai 2016, https://landinfo.no/asset/3382/1/3382_1.pdf, abgerufen 

am 13. Dezember 2018). Wer für die Berufsschule zuständig ist, konnte 

nicht in Erfahrung gebracht werden. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, 

dass dies im Aufgabenbereich des Schulministeriums liegt, wie es vom Be-

schwerdeführer dargelegt wurde. Der Unterricht beginnt dabei bekannter-

weise erst ungefähr im November. Dass eine Verlängerung an diversen 

http://www.shabait.com/news/local-news/26937-warsay-yekealo-school-20182019-academic-year-begins
http://www.shabait.com/news/local-news/26937-warsay-yekealo-school-20182019-academic-year-begins
https://landinfo.no/asset/3382/1/3382_1.pdf

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Seite 15 

 

Orten im Dorf – und ohne weitere Begründung – ausgehängt wird, er-

scheint durchaus nachvollziehbar (vgl. A16 F190 ff.), zumal viele Schüler 

des ganzen Landes gleichzeitig informiert werden müssen.  

6.3.4 Hinsichtlich der Darstellung der Flucht aus der Ausbildungsstätte in 

Sawa ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer gelingt, diese mit 

ausgefallenen Details zu beschreiben, welche nicht erfunden scheinen, wie 

etwa der abgetrennte, noch blutendende Kopf einer Frau, welchen sie ent-

deckt und begraben haben (vgl. allgemein A16 F102-141 zu Proviant, 

schmerzende Hände, Schüsse auf zwei Freunde, Durst und Übelkeit, Hilfe 

durch Angehörige des (...) Volkes und der Verständigung auf Arabisch mit 

diesen etc.). Sie sind zwei Nächte unterwegs gewesen ohne den Weg zu 

kennen und nach 38 Stunden auf Angehörige des (...) Volkes gestossen. 

Dort haben sie einen Tag verbracht, bevor sie von einem Auto abgeholt 

worden sind. Nach ungefähr zwei Stunden haben sie vor einem Kontroll-

posten aussteigen müssen. Jemand hat sie vor dem Ort H._______ ge-

warnt, weshalb sie diesen Ort rechts liegen lassen haben und nach einem 

weiteren Tag Fussmarsch in Kassala angekommen sind, wo sie von Si-

cherheitskräften aufgegriffen wurden (vgl. A16 F120-129, F133 f. und 

F162 f.). Dass die Freunde in unterschiedliche Richtungen davon gelaufen 

sind, bedeutet nicht unbedingt, dass sie sich aus den Augen verloren ha-

ben müssen. Auch dass der Beschwerdeführer es nicht speziell erwäh-

nenswert fand, Geld mitgenommen zu haben, erscheint plausibel, zumal 

er nicht danach gefragt wurde, was er alles mitgenommen hatte. Die vier-

tägige Flucht von Sawa nach Kassala scheint der Vorinstanz zu lange, zu-

mal die Fliehenden ein Stück weit mit dem Auto hätten fahren können und 

Sawa nahe an der Grenze liege. Sie wirft dem Beschwerdeführer vor, es 

sei nicht möglich, dass sie von Sawa nach H._______ vier Tage gebraucht 

hätten, da er angegeben habe, diesen Ort während des 12. Schuljahres 

innert drei Stunden erreicht zu haben (vgl. A16 F162 f.). Allerdings hat der 

Beschwerdeführer seine Aussage bei der Rückübersetzung dahingehend 

korrigiert, indem er sagte, er sei damals nicht mittags sondern vormittags 

losgelaufen und gegen drei Uhr nachmittags angekommen (vgl. A16 F141, 

F163 sowie Korrektur auf S. 25). Das heisst der Marsch hätte auch zehn 

Stunden dauern können, wenn sie sich beispielsweise um fünf Uhr mor-

gens auf den Weg gemacht hätten. Überdies war es den Fliehenden nicht 

möglich sich tagsüber fortzubewegen und die Hauptstrasse zu benutzen, 

E-6028/2016 

 

Seite 16 

 

zumal sie sich versteckt halten mussten (vgl. A16 F162). Ebenfalls erwäh-

nenswert ist, dass der Beschwerdeführer jeweils von der Strecke von Sawa 

bis nach Kassala zu sprechen scheint, während die Vorinstanz von der 

Strecke von Sawa bis zur eritreischen Grenze beziehungsweise der Ort-

schaft H._______ in der Nähe der Grenze ausgeht (vgl. A16 F120 f., F128 

und F163 sowie Asylentscheid Ziff. 1 S. 4). Es geht aus den Protokollen 

überdies nicht klar hervor, wann sie diesen Ort „rechts liegen“ lassen ha-

ben. Ausserdem liegen zwischen Sawa und Kassala ungefähr 70 Kilometer 

Luftlinie. Folgt man der Strasse sind es ungefähr 104 Kilometer (vgl. 

https://www.luftlinie.org/15.445586012676871,36.37839660979808/1 

5.685993936785982,36.97662276215851, abgerufen am 20. Dezember 

2018). Dass die vier Freunde zwei Nächte und einen Tag lang gelaufen 

sowie zwei Stunden gefahren sind, um eine Strecke von ungefähr 104 Ki-

lometern (ausgehend von der Befahrung der Strasse, nicht Fussweg quer-

feldein) zu bewältigen, scheint daher unter den gegeben Umständen 

durchaus möglich.  

6.4 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung und nach Durchsicht der Akten ist 

den Erwägungen der Vorinstanz, wonach die Vorfluchtgründe des Be-

schwerdeführers insgesamt unglaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG seien, 

nicht beizupflichten. Die einzelnen Schilderungen der Ereignisse weisen 

zwar nicht immer gleich viele Details, Interaktionen und inhaltliche Beson-

derheiten auf. Es trifft überdies zu, dass die Aussagen zum zweiten Aufent-

halt in Sawa etwas weniger substanziiert sind. Entgegen der Darstellung in 

der Beschwerde und der Replik ist den Protokollen überdies klar zu ent-

nehmen, dass der Beschwerdeführer zwei Mal bestraft worden ist. Da dies 

der Vorinstanz während der Befragung nicht aufgefallen ist, wurde der Be-

schwerdeführer jedoch nicht näher dazu befragt, weshalb es im Rahmen 

der Glaubhaftigkeitsprüfung nicht zu seinen Ungunsten gewertet werden 

darf. Es ist auch plausibel, dass der Beschwerdeführer das zweite Jahr in 

Sawa angetreten hat. Es wäre nicht nachvollziehbar, dass er einen zweiten 

Aufenthalt erfinden sollte, obwohl die Flucht aus dem glaubhaft dargeleg-

ten 12. Schuljahr bereits asylrelevant wäre. Dasselbe gilt auch für das Ar-

gument der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe ältere (…), welche in 

den Militärdienst eingezogen worden seien. Zudem sind den Aussagen 

zum zweiten Aufenthalt trotz der geringeren Dichte einige Details zu ent-

nehmen, wie etwa die Beschreibung des lockereren Regimes, der häufige-

https://www.luftlinie.org/15.445586012676871,36.37839660979808/15.685993936785982,36.97662276215851
https://www.luftlinie.org/15.445586012676871,36.37839660979808/15.685993936785982,36.97662276215851

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Seite 17 

 

ren Gewährung von Freizeit sowie der Nennung des Namens seiner Vor-

gesetzten und seiner Unterkunft (vgl. A16 F68, F106 f. und F185 f.). Gene-

rell sind die Vorbringen übereinstimmend und nachvollziehbar dargetan 

worden. Die protokollierten Angaben zeichnen sich insgesamt durch einige 

detailreiche und lebhaft beschriebene Erfahrungen aus. Der Beschwerde-

führer untermauerte seine Erzählungen mit Skizzen und viele Gesten (vgl. 

insbesondere Beschreibung der Art der Bestrafung sowie wie schwerwie-

gend er diese empfunden hat: A16 F65 ff.; vgl. auch A16 F77, F106 ff.). 

Letztlich sind auch die Länge der Anhörung sowie die lange Zeitspanne 

zwischen dem Erlebten und den Befragungen zu berücksichtigen. Für an-

dere Hypothesen, wie der Beschwerdeführer den Nationaldienst verlassen 

haben könnte, liegen keine konkreten Hinweise vor. Daran vermögen auch 

die beigebrachten Ausweisdokumente nichts zu ändern, obschon diesbe-

züglich auffällt, dass die Karte, die er angeblich nach der Einreise in den 

Sudan erhalten hat (vgl. A4 Ziff. 2.01), erst im Jahr (...) ausgestellt worden 

ist. Beide Flüchtlingsausweise weisen zudem einen falschen Namen auf. 

Bei der Ausstellung der Identitätskarte wurden zwei unterschiedliche Ku-

gelschreiber benutzt. Zu all diesen Punkten wurde der Beschwerdeführer 

jedoch nicht befragt. Selbst wenn er aber erst im Februar (...) ausgereist 

wäre, ist dies ein ungenügender Hinweis für eine frühzeitige Entlassung 

aus dem Militärdienst, da eine solche nach Kenntnissen des Gerichts frü-

hestens nach fünf Jahren in Frage kommt (vgl. Urteil D-2311/2016 vom 

17. August 2017, E. 12.5 und E. 13.3, als Referenzurteil publiziert). Die 

Gründe, welche für die Richtigkeit der vorgebrachten Sachverhaltsdarstel-

lung sprechen, überwiegen daher, weshalb vom eingangs geschilderten 

Sachverhalt (Bst. A) auszugehen und die erfolgte Desertion aus dem Mili-

tärdienst vorliegend zu bejahen ist.  

7.  

7.1 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-

sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-

rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-

nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt 

ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

Dienst stand und desertierte. Darüber hinaus ist jeglicher Kontakt zu den 

Behörden relevant, aus dem erkennbar wird, dass die betroffene Person 

rekrutiert werden sollte (z.B. Erhalt eines Marschbefehls). In diesen Fällen 

droht grundsätzlich nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung 

E-6028/2016 

 

Seite 18 

 

unter unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regel-

mässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird 

von den eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit auf-

gefasst. Demzufolge sind Personen, die begründete Furcht haben, einer 

solchen Bestrafung ausgesetzt zu werden, als Flüchtlinge im Sinn von 

Art. 1A Abs. 2 FK und Art. 3 Abs. 1–3 AsylG anzuerkennen (vgl. zum Gan-

zen Entscheidungen und Mitteilungen der ehemaligen Asylrekurskommis-

sion [EMARK] 2006 Nr. 3; jüngst beispielsweise bestätigt in Urteil des 

BVGer E-1740/2016 vom 9. Februar 2018 E. 5.1). 

7.2 Durch seine Ausreise aus Eritrea während seines aktiven Militärdiens-

tes in Sawa, hat sich der Beschwerdeführer aus Sicht der eritreischen Be-

hörden der Desertion schuldig gemacht, weswegen er als Feind des Re-

gimes betrachtet wird.  

8.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den Beschwerde-

führer davon auszugehen ist, dass ihm bei einer allfälligen Rückkehr nach 

Eritrea die reelle Gefahr einer unverhältnismässig strengen Bestrafung we-

gen Desertion drohen würde. Eine innerstaatliche Fluchtalternative besteht 

nicht. Damit sind die Kriterien von Art. 3 AsylG als erfüllt zu betrachten und 

ist der Beschwerdeführer demzufolge als Flüchtling anzuerkennen. Dem-

entsprechend ist ihm mangels Anzeichen für das Vorliegen eines Aus-

schlussgrundes (Art. 53 AsylG) in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 

49 AsylG). 

9.  

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 

31. August 2016 ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, die Flüchtlings-

eigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewäh-

ren.  

 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

E-6028/2016 

 

Seite 19 

 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 16. November 

2018 eine aktualisierte Kostennote ein. Der darin für seine Bemühungen 

ausgewiesene Aufwand von 14.75 Stunden erscheint angemessen. Auch 

der Stundenansatz von Fr. 300.– ist angesichts des Ausgangs des Verfah-

rens nicht zu beanstanden (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Unter Hinzurech-

nung der ausgewiesenen Auslagen im Umfang von Fr. 25.20 und der Mehr-

wertsteuer beläuft sich das Honorar des Rechtsvertreters des Beschwer-

deführers auf gerundet Fr. 4‘802.–. Die Vorinstanz wird angewiesen, dem 

Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in genannter Höhe auszurich-

ten.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6028/2016 

 

Seite 20 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 31. August 2016 wird aufgehoben. Das 

SEM wird angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 4‘802.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Regina Seraina Goll 

 

 

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