# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25be7dca-4f36-5f2f-9ea5-d5ab3707ede9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-05-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.05.2018 D-3613/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3613-2015_2018-05-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3613/2015 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  M a i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Vijitha Schniepper-Muthuthamby,  

Advokatin, Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 6. Mai 2015 / N (…). 

 

 

 

D-3613/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, gemäss eigenen Angaben ein eritreischer Staats-

angehöriger der Volksgruppe Tigrinya mit letztem Wohnsitz in B._______ 

(Subzoba C._______, Zoba D._______), verliess seinen Heimatstaat im 

Oktober 2013 illegal zu Fuss in Richtung Sudan. Am 10. März 2014 brach 

er Richtung Libyen auf und reiste via Italien am 20. Mai 2014 in die Schweiz 

ein, wo er bei der Grenzbehörde um Asyl nachsuchte.  

B.  

Am 26. Juni 2014 erhob das damalige Bundesamt für Migration (BFM; heu-

tige SEM) die Personalien des Beschwerdeführers und befragte ihn zum 

Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen des Heimat-

landes. Am 10. März 2015 hörte das SEM den Beschwerdeführer einläss-

lich zu den Asylgründen an. 

Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Asylgesuches im We-

sentlichen aus, er sei im Sudan geboren und im zweiten Lebensjahr mit 

seinen Eltern nach Eritrea gekommen. Er habe die 10. Klasse in 

E._______ abgeschlossen und sei dann eines Tages halbseitig gelähmt 

gewesen, weshalb er die 11. Klasse im Januar 2011 habe abbrechen müs-

sen. Nach zwei Monaten sei er traditionell behandelt worden und wieder 

gesund geworden. Der Wiedereinstieg in die Schule sei ihm aber verwehrt 

worden, weshalb er im Jahr 2012 als Coiffeur zu arbeiten begonnen habe. 

Im Mai 2013 habe er eine schriftliche Vorladung von der Verwaltung in 

B._______ für den Militärdienst erhalten. Er habe daraufhin die Arbeit nie-

dergelegt und Eritrea im Oktober 2013 verlassen. 

Der Beschwerdeführer reichte eine Identitätskarte und eine Wohnsitzbe-

stätigung – beide in einem stark in Mitleidenschaft gezogenen Zustand – 

ein. 

C.  

Mit Verfügung vom 6. Mai 2015 (eröffnet am 26. Mai 2015) stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und 

lehnte sein Asylgesuch vom 20. Mai 2014 ab. Gleichzeitig verfügte es die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

 

D-3613/2015 

Seite 3 

D.  

Mit Eingabe vom 5. Juni 2015 liess der Beschwerdeführer, handelnd durch 

seine Rechtsvertreterin, gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefoch-

tene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und 

ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-

nahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die 

Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht liess er zudem beantragen, es sei die unentgeltli-

che Prozessführung und Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 110a AsylG (SR 142.31) unter Beiordnung der 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin zu gewähren und auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

Mit der Beschwerde wurde ein Schulzeugnis der 8. Klasse und eine Kopie 

der Identitätskarte des Vaters des Beschwerdeführers eingereicht. 

E.  

Am 10. Juni 2015 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorgebe-

stätigung vom 9. Juni 2015 ein. 

F.  

Der Instruktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts stellte mit Verfü-

gung vom 29. Juni 2015 fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang 

des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung hiess er gut. Er 

ordnete dem Beschwerdeführer die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtli-

che Rechtsbeiständin bei und gab dem SEM Gelegenheit, zur Beschwerde 

Stellung zu nehmen. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 14. Juli 2015 hielt das SEM vollumfänglich an 

seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

H.  

Am 17. September 2015 reichte der Beschwerdeführer eine Replik und 

eine Kostennote ein. 

  

D-3613/2015 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet 

sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

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Seite 5 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). 

Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zu-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden 

kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7 S. 1017 ff.; 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f.; 

2008/4 E. 5.2 S. 37 f.). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlings-

eigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen 

Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im 

Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der 

Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der 

objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 

sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Per-

son zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4 S. 38 f., WALTER STÖCKLI, 

Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2009, 

Rz. 11.17 und 11.18). 

3.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen 

des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht 

sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-

tend. 

3.4 Subjektive Nachfluchtgründe begründen die Flüchtlingseigenschaft im 

Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus-

schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche 

subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, 

als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 

3.5 Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 

Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen, 

die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus-

druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-

stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten 

können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller-

dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung der 

Flüchtlingskonvention relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 

 

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Seite 6 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung vom 6. Mai 2015 

aus, der Beschwerdeführer sei nicht im Stande gewesen, seine Asylvor-

bringen annähernd anschaulich zu schildern. Er habe nichts über die an-

geblich erhaltene Vorladung oder die Gesamtumstände zu berichten ge-

wusst. Seine Ausführungen seien von einer derart krassen Oberflächlich-

keit geprägt, dass sie in dieser Form ohne weiteres von einer beliebigen 

Drittperson nacherzählt werden könnten. Des Weiteren sei nicht nachvoll-

ziehbar, weswegen den Behörden nicht bereits zu einem früheren Zeit-

punkt aufgefallen sei, dass er die Schule nicht mehr besucht habe, zumal 

er eigens vom Schuldirektor von der Schule verwiesen worden sei. Eben-

falls unplausibel sei, dass er nach Erhalt der Vorladung zwar seine Arbeit 

niedergelegt habe, sich stattdessen jedoch am für die Behörden nahelie-

gendsten Ort – namentlich zu Hause und auf seinen eigenen Feldern – 

aufgehalten habe. Überdies habe er nicht zu erklären vermocht, weswegen 

er trotz des Festnahmerisikos erst rund fünf Monate nach Erhalt der Vorla-

dung ausgereist sei. Gesamthaft habe er seine Asylvorbringen nicht sub-

stantiiert und plausibel dargelegt, weshalb sie nicht geglaubt werden könn-

ten. Mit derselben bereits zuvor angesprochenen Substanzlosigkeit habe 

er über seine illegale Ausreise aus Eritrea berichtet. Diese habe er trotz 

mehrmaliger Aufforderung zur detaillierten Schilderung und beharrlichen 

Nachfragens nicht bildlich darlegen können. Bereits die fehlenden Vorbe-

reitungen und Vorsichtsmassnahmen vor und während seiner Ausreise wi-

dersprächen der allgemeinen Erfahrung, insbesondere im Hinblick auf die 

Bedeutung einer illegalen Ausreise aus Eritrea. Dem Protokoll seien ferner 

auch keine näheren Angaben zum konkreten Ablauf seiner Ausreise zu ent-

nehmen. Seine Ausführungen liessen jegliche persönliche Komponente 

vermissen, welche auch nur ansatzweise vermuten liessen, dass er die 

geltend gemachte illegale Grenzüberquerung tatsächlich erlebt habe. Auf-

grund seiner äusserst knappen, wiederholenden sowie ausweichenden 

Aussagen sei er zudem nicht in der Lage gewesen, seinen Aufenthalt im 

Sudan, weder jenen im Flüchtlingslager F._______ noch die vier bis fünf 

Monate in G._______, glaubhaft darzustellen. Die geltend gemachte ille-

gale Ausreise aus seinem Heimatland sei somit unglaubhaft, womit das 

SEM davon ausgehe, dass er Eritrea auf eine andere als der von ihm dar-

gelegte Art verlassen habe und nach Europa gereist sei. 

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer habe anlässlich der Befragungen entgegen der Auffassung 

der Vorinstanz widerspruchsfrei darlegen können, dass er eine Vorladung 

des Militärs durch die Verwaltung im Mai 2013 erhalten habe. Er habe die 

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Vorladung während seiner Arbeit von zwei Personen der Verwaltung bezie-

hungsweise Soldaten in Zivil erhalten, welche bei der Verwaltung tätig 

seien. Er habe ausgeführt, dass er gemäss Vorladung bei der Verwaltung 

erscheinen müsse. Er habe zwar nach Erhalt der Vorladung noch seinen 

Arbeitstag beendet, sei jedoch danach nicht mehr in den Coiffeur-Salon 

gegangen. Die Umstände, weshalb ihn die Verwaltung wegen des Schul-

verweises nicht bereits früher vorgeladen habe, liege ausserhalb seines 

Wissens. Somit habe er die diesbezüglichen Fragen selbstverständlich nur 

mit Vermutungen beantworten können. Es sei ihm bekannt, dass lokale 

Behörden Schulabbrecher und Schüler mit Schulverweis aufspüre. Es sei 

sehr wahrscheinlich, dass die lokale Behörde nicht jeden der genannten 

Schüler umgehend einberufe. Auch wenn seine Ausführungen kurz seien, 

habe er plausibel und ohne Widersprüche darlegen können, dass er nach 

Erhalt der Vorladung einer konkreten Verfolgungsgefahr ausgesetzt gewe-

sen sei. Obwohl die Sachbearbeiterin teilweise die Fragen wiederholt 

habe, habe er nicht ganz verstanden, was und wie er hätte erzählen sollen. 

Er sei offensichtlich überfordert gewesen. Anlässlich der Vorbesprechung 

der Beschwerde, habe er erst nach mehrmaligen Nachfragen weitere Aus-

führungen machen können. Es sei ihm sehr schwer gefallen, Einzelheiten 

zu erzählen. Es sei davon auszugehen, dass die kurze Art der Erzählung 

auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen sei. Er habe nachvollziehbar 

und glaubhaft dargelegt, dass er aufgrund der Vorladung des Militärs der 

konkreten Gefahr ausgesetzt gewesen sei, gesucht und zum Militärdienst 

gezwungen zu werden. Er habe den Weg seiner Flucht beschrieben und 

die verschiedenen Stationen genannt. Nach langem in Betracht ziehen, sei 

er im Oktober 2013 von B._______ zu Fuss mit einem Kollegen los gelau-

fen. Das Dorf liege sehr nahe bei der Grenze des Sudans sowie von Äthi-

opien. Nach zirka zwei bis drei Stunden sei er in H._______ im Sudan an-

gekommen. Dort sei er und der Kollege von sudanesischen Soldaten auf-

gegriffen und mit einem Fahrzeug zum Roten Kreuz und anschliessend in 

das Flüchtlingslager F._______ gebracht worden. Nach zwei oder drei Tra-

gen sei er mithilfe von Schleppern nach G._______ und etwa vier bis fünf 

Monate später von dort weiter nach Libyen gereist. Den Ausführungen an-

lässlich der Anhörung sei zu entnehmen, dass er extrem Mühe gehabt 

habe, die Fragen zu verstehen und entsprechend darauf zu antworten. So-

bald er allgemeine Fragen gestellt erhalten habe, sei er überfordert gewe-

sen. So habe er die Sachbearbeiterin gebeten, sie solle fragen, was sie 

genau wissen möchte. Den Weg bis an die Grenze habe er gekannt, da er 

aus früheren Tagen mit Tieren auch in dieser Gegend unterwegs gewesen 

sei. Bei seiner Ausreise habe er in der Nähe der Grenze Angst vor einer 

Festnahme gehabt. Er habe gewusst, dass Soldaten patrouillieren, aber er 

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Seite 8 

habe sein Glück versuchen wollen. Da es Nacht gewesen sei, habe er ge-

dacht, die Bäume seien Soldaten. Er habe immer wieder zurückgehen wol-

len und schliesslich die Grenze sehr schnell überquert. Die weitere Reise 

von F._______ aus sei für ihn fürchterlich gewesen. Über Schlepper seien 

er und andere Flüchtlinge von einem Fahrzeug in das nächste und so wei-

ter gesteckt worden und sie hätten teilweise stundenlang ohne Licht, ohne 

Essen und ohne Trinken ausharren müssen. Sie hätten meist nicht ge-

wusst, wo sie sich befunden hätten. Entscheidend sei eine Gesamtwürdi-

gung. Dabei sei es genügend, wenn die Angaben insgesamt als überwie-

gend glaubhaft gemacht würden. Er habe glaubhaft dargelegt, dass er Erit-

rea illegal verlassen habe. Zwar seien seine Antworten kurz ausgefallen, 

was aber auf seine Überforderung und wahrscheinlich auf einen traumati-

schen Hintergrund zurückzuführen sei. Es sei ihm unbekannt, dass Eritrea 

überhaupt legal verlassen werden könne. Als damals (…)-jähriger habe er 

weder einen Reisepass gehabt noch habe er aufgrund seines Alters ein 

Ausreisevisum erhalten. Somit sei ein legales Verlassen von Eritrea auch 

gar nicht möglich gewesen. Es bestünden zudem keine Indizien für eine 

legale Ausreise. Weder er noch seine Familie hätten die Möglichkeit zum 

behördlichen Kontakt. Die illegale Ausreise könne somit mit genügender 

Sicherheit widerlegt werden. Ebenfalls sei zu beachten, dass er sich im 

militärdienstpflichtigen Alter befinde. Er habe aufgrund der Vorladung Erit-

rea illegal verlassen. Die eritreischen Behörden würden solchen Personen 

grundsätzlich eine regierungsfeindliche Haltung unterstellen und diese bei 

der Rückkehr nach Eritrea sehr streng bestrafen, wobei sich die Strafmas-

snahmen mitunter durch ein hohes Mass an Brutalität auszeichnen wür-

den. Entsprechend habe er begründete Furcht, bei einer Rückkehr nach 

Eritrea ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu 

werden. Er erfülle somit die Flüchtlingseigenschaft. Zudem verletze die Vo-

rinstanz das rechtliche Gehör. Sie hätte ihm die Verneinung einer illegalen 

Ausreise und die daraus folgenden Konsequenzen anlässlich der Anhö-

rung mitteilen und ihm die Möglichkeit zur Äusserung geben müssen. Denn 

für eritreische Staatsangehörige sei es völlig klar, dass eine Ausreise nur 

illegal erfolgen könne. Sie würden nicht davon ausgehen, dass dies von 

den schweizerischen Behörden in Zweifel gezogen werden könnte.  

4.3 In der Vernehmlassung führte das SEM aus, es gingen weder aus dem 

Befragungs- und dem Anhörungsprotokoll noch aus den übrigen dem SEM 

vorliegenden Akten Hinweise auf eine Traumatisierung des Beschwerde-

führers hervor. Er sei mehrfach nach seinem gesundheitlichen Befinden 

gefragt worden, worauf er stets erwidert habe, es gehe ihm gut. Ferner 

befinde er sich bereits seit über einem Jahr in der Schweiz, weswegen im 

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Seite 9 

Falle von einer tatsächlich psychischen Beeinträchtigung im geltend ge-

machten Ausmass davon ausgegangen werden dürfe, dass er sich in psy-

chotherapeutische Behandlung begeben hätte und die Behauptungen in 

der Beschwerde mit medizinischen Unterlagen untermauern könnte. Man-

gels Hinweisen während des erstinstanzlichen Verfahrens sowie aufgrund 

des Fehlens von medizinischen Akten müsse angenommen werden, dass 

es sich bei der vorgebrachten allfälligen Traumatisierung um eine nachge-

schobene Schutzbehauptung handle, welche eine Änderung der angefoch-

tenen Verfügung nicht zu rechtfertigen vermöge. Bereits die Vorgeschichte 

der geltend gemachten militärischen Vorladung entbehre jeglicher Sub-

stanz und habe kein stimmiges Bild vermittelt. Der Beschwerdeführer habe 

keine Angaben zum Beginn seiner gesundheitlichen Beschwerden ge-

macht. Des Weiteren mache er widersprüchliche Aussagen zur Dauer sei-

ner Erkrankung. Während er in der Erstbefragung zu Protokoll gegeben 

habe, er sei nach zwei Monaten traditionell behandelt worden, erkläre er in 

der Anhörung, insgesamt nur etwa zwanzig Tage krank gewesen zu sein. 

Ebenfalls keine Kenntnisse habe er über die etwaige Dauer der Behand-

lung. Obwohl dem Beschwerdeführer jeweils mehrfach die Gelegenheit 

dazu geboten worden sei, habe er weder den konkreten Ablauf des Schul-

verweises im Januar 2011 noch seine Arbeitsaufnahme anfangs des Jah-

res 2012 anschaulich darlegen können. Ausserdem sei es ihm nicht mög-

lich gewesen, den Erhalt der Vorladung sowie seine Reaktion darauf nach-

vollziehbar zu schildern. Selbst auf wiederholte Nachfrage hin habe sich 

seine Aussage darauf beschränkt, zwei Soldaten hätten ihm das Papier im 

Coiffeur-Salon überreicht und er habe es entgegengenommen. Seine An-

gaben über den Inhalt der Vorladung seien sodann äusserst spärlich ge-

wesen. In Bezug auf die Ausreise sei festzuhalten, dass das SEM eine il-

legale Ausreise im vorliegenden Fall nicht per se ausschliesse. Wie im Ent-

scheid jedoch festgehalten, könne eine illegale Ausreise, so wie sie vom 

Beschwerdeführer geschildert worden sei, nicht geglaubt werden. Demzu-

folge müsse davon ausgegangen werden, dass er Eritrea auf eine andere 

als der von ihm dargelegten Weise verlassen habe. Ob die tatsächliche 

Ausreise legaler oder illegaler Art gewesen sei, entziehe sich den Kennt-

nissen des SEM. Aufgrund der Untersuchungsmaxime sei das SEM ver-

pflichtet, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Diese Untersu-

chungspflicht finde jedoch nach Treu und Glauben ihre vernünftigen Gren-

zen an der Mitwirkungspflicht eines Gesuchstellers, welcher im Übrigen 

auch die Substanziierungslast trage. Durch die Verschleierung seiner wah-

ren Ausreiseumstände verletze der Beschwerdeführer seine Mitwirkungs-

pflicht, weswegen es nicht Sache des SEM sein könne, nach hypotheti-

schen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen.  

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Seite 10 

4.4 In der Replik wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe bisher 

keinen Arzt aufgesucht, da er selber nicht von einer „Krankheit“ ausgehe. 

Er habe anlässlich der Besprechung mit der Rechtsvertreterin ausgeführt, 

dass es ihm psychisch nicht gut gehe, aber einen Arzttermin erhalte er des-

wegen nicht durch die kantonale Unterkunft. In der Beschwerde sei von 

traumatischen Erlebnissen ausgegangen worden, da der Beschwerdefüh-

rer sichtlich Mühe gehabt habe, seine Erlebnisse ausführlich darzulegen. 

Erst nach mehrmaligem Nachfragen durch die Rechtsvertreterin habe er 

detaillierter berichten können, sei aber nach den Gesprächen völlig verun-

sichert und niedergeschlagen gewesen. Es sei offen zu lassen, ob die Art 

des Erzählens schlussendlich auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen 

sei. Es sei jedoch ersichtlich und auch nachvollziehbar, dass er in gedrück-

ter Stimmung seine Erlebnisse geschildert habe. Die Vorinstanz habe es 

im angefochtenen Entscheid unterlassen, zu verdeutlichen, welche Aussa-

gen zu ihrer Schlussfolgerung der Substanzlosigkeit und Unglaubhaftigkeit 

geführt hätten. Zu beachten sei, dass er sehr wortkarg sei, weil in Eritrea 

die Rechte zum Reden sozusagen verwehrt würden. Er lebe vor sich hin, 

müsse sich den Situationen anpassen, habe nichts hinterfragen oder dis-

kutieren können und habe keine Wahl über seinen Lebensalltag zu ent-

scheiden gehabt. Er habe in einer Routine gelebt ohne Perspektiven. Er, 

wie auch andere junge Menschen in Eritrea würden mit dem täglichen Ri-

siko leben, eines Tages zum Militärdienst aufgefordert zu werden. Sie 

wüssten auch, dass sie sich dagegen nicht wehren könnten. Mit diesem 

Hintergrund sei es für den Beschwerdeführer unmöglich und unvorstellbar, 

die Beamten nach dem Grund zu fragen, weshalb ihm eine Vorladung zum 

Militärdienst gegeben worden sei. Es sei eine Gesamtwürdigung der Vor-

bringen vorzunehmen. Dementsprechend werde ersichtlich, dass er glaub-

haft habe darlegen können, dass er eine militärische Vorladung erhalten 

habe und gestützt darauf der konkreten Gefahr ausgesetzt gewesen sei, 

verhaftet, gefoltert und für unbestimmte Zeit inhaftiert zu werden. 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird gerügt, das SEM habe das rechtliche Gehör 

verletzt, weil es dem Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung keine 

Möglichkeit gegeben habe, zur unglaubhaften illegalen Ausreise und die 

daraus folgenden Konsequenzen Stellung zu nehmen. Ferner habe das 

SEM es unterlassen, hinreichend zu verdeutlichen, welche Aussagen zu 

ihrer Schlussfolgerung der Substanzlosigkeit und Unglaubhaftigkeit geführt 

hätten. 

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Seite 11 

5.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die 

Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft 

und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der 

Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). 

Ferner soll die Abfassung der Begründung den Betroffenen ermöglichen, 

den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall 

ist, wenn sich sowohl die Betroffenen als auch die Rechtsmittelinstanz über 

die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die 

verfügende Behörde allerdings nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständli-

chen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen 

muss, sondern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken 

kann. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungsge-

genstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, 

wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interes-

sen des Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Flücht-

lingseigenschaft – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. BVGE 

2008/47 E. 3.2 S. 674 f.). 

5.3 Das SEM hat den Beschwerdeführer sowohl anlässlich der Erstbefra-

gung wie auch anlässlich der Anhörung zur Ausreise befragt. Während es 

bei der Erstbefragung um die verschiedenen Reisetappen ging und Fragen 

im Zusammenhang mit einem allenfalls möglichen Dublin-Verfahren ge-

stellt wurden, wurde der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung einge-

hend zu den Reiseumständen befragt (vgl. Akte A19/25 S. 11-19). Der Be-

schwerdeführer hatte mithin ausreichend Gelegenheit, die behauptete ille-

gale Ausreise darzulegen. Die mit der Anhörung befasste Mitarbeiterin des 

SEM hat ihn zudem ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, er gebe 

zwar an, er sei illegal ausgereist, könne aber keine näheren Angaben dazu 

machen, und fügte die Frage an: „Warum sollen wir Ihnen glauben?“ Auf 

die Gegenfrage des Beschwerdeführer, warum man ihm nicht glaube, ent-

gegnete die Mitarbeiterin des SEM wiederum, dass er ja nichts erzähle und 

das SEM nur mit den Angaben arbeiten könne, die er ihm gebe, und er die 

Konsequenzen zu tragen habe, wenn er weiterhin so dünne Angaben ma-

che (vgl. Akte A19/25 F134 ff.). Der Beschwerdeführer war sich demnach 

anlässlich der Anhörung sehr wohl bewusst, dass er ausführlicher über die 

illegale Ausreise berichten muss. Schliesslich hat das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung dargelegt, dass es aufgrund der oberflächlichen, sub-

stanzlosen Schilderung des Beschwerdeführers von der Unglaubhaftigkeit 

seiner Asylvorbringen ausgehe. Bezüglich der Ausreise führte es weiter 

aus, dass die fehlenden Vorbereitungen und Vorsichtsmassnahmen vor 

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Seite 12 

und während der Ausreise der allgemeinen Erfahrung widersprächen, er 

keine Angaben zum konkreten Ablauf der Ausreise habe machen und nur 

sehr knapp über den Aufenthalt im Sudan habe berichten können. Eine 

Verletzung des rechtlichen Gehörs und insbesondere der Begründungs-

pflicht kann vor diesem Hintergrund nicht festgestellt werden. Der Rück-

weisungsantrag an die Vorinstanz ist deshalb abzuweisen. 

6.  

6.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der 

gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder 

nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesent-

liche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschick-

sals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substantiierte, im Wesent-

lichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vor-

kommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlitte-

nen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinrei-

chende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine 

Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüch-

lichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurtei-

lung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Ele-

mente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Sub-

stantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit 

usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine 

Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die 

Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-

bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-

sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-

haltsdarstellung sprechen (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-

richts D-5779/2013 vom 23. Februar 2015 E. 5.6.1 m.w.H.). 

6.2 Wie das SEM zu Recht festgestellt hat, vermochte der Beschwerdefüh-

rer weder die Ereignisse, die ihn zur Ausreise aus dem Heimatland bewo-

gen haben, noch die angeblich illegal erfolgte Ausreise anschaulich und 

detailliert zu schildern. Die Substanzlosigkeit seiner Schilderungen lässt 

sich weder mit der Art und Weise der Durchführung der Anhörung noch mit 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers erklären, zu-

mal die mit der Befragung betraute Sachbearbeiterin des SEM sehr wohl 

D-3613/2015 

Seite 13 

auf den Beschwerdeführer einging. Schon zu Beginn der Anhörung be-

merkte sie dessen gedrückte Stimmungslage und fragte ihn, was los sei 

(vgl. Akte A19/25 F3 ff.). Der Beschwerdeführer antwortete darauf, dass 

alles in Ordnung sei. Auch gegen Ende der Anhörung wurde er nochmals 

gefragt, wie es ihm gesundheitlich gehe, woraufhin er die Frage mit „gut“ 

beantwortete (vgl. Akte A19/25 F227). Auch die anwesende Hilfswerkver-

tretung hatte keine Beobachtungen, Anregungen oder Einwände anlässlich 

der Anhörung angemerkt. Er liegen mithin keine Anhaltspunkte vor, die da-

rauf hindeuten, dass die Substanzlosigkeit seiner Angaben bei der Anhö-

rung auf eine schlechte gesundheitliche Verfassung oder eine traumati-

sche Erfahrung des Beschwerdeführers zurückzuführen sein könnte. Mit-

hin ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer nicht in der Lage 

war, über die Geschehnisse, die in dazu bewogen haben, die Heimat zu 

verlassen, detaillierter und anschaulicher zu berichten. Der Eindruck, die 

Angaben des Beschwerdeführers seien deshalb substanzarm, weil er nicht 

auf in der Erinnerung verhaftete Erlebnisse und Vorfälle zurückgreifen 

konnte, wird auch dadurch bestärkt, dass seine Angaben kaum über Real-

kennzeichen oder etwa Ausführungen dazu enthalten, wie seine Eltern auf 

die Vorladung reagiert haben. Er wusste auch nicht anschaulich darüber 

zu berichten, wie er schliesslich den Entschluss gefasst hat, auszureisen. 

Auch seine Angaben zum Inhalt der Vorladung waren bescheiden. Er 

wusste zwar, dass er sich bei einem I._______ auf der Verwaltung in 

B._______ melden müsse, konnte aber weder zum Zeitpunkt noch zum 

Datum oder zu die Konsequenzen im Falle des Nichtbefolgens der Vorla-

dung konzise Angaben machen (vgl. Akte A19/25 F106). Entgegen der Auf-

fassung in der Beschwerde konnte der Beschwerdeführer auch nicht plau-

sibel darlegen, dass er sich nach dem Erhalt der Vorladung im Mai 2013 

und dem Nichterscheinen bei der Verwaltung von einer Verfolgung gefürch-

tet hat. Er hielt sich nach Erhalt der Vorladung noch weitere fünf Monate 

bis im Oktober 2013 zu Hause auf, wo es für die Behörden ein Leichtes 

gewesen wäre, ihn aufzuspüren, was der Beschwerdeführer denn auch 

selber einräumte (vgl. Akte A19/25 F120). Offenbar haben ihn die eritrei-

schen Behörden nach seiner Ausreise zu Hause auch nicht aufgesucht. 

Jedenfalls gab der Beschwerdeführer an, nach seiner Ausreise sei zu 

Hause nichts mehr passiert (vgl. Akte A6/22 S. 8). Dem Beschwerdeführer 

ist es deshalb nicht gelungen, glaubhaft dazulegen, dass er ein Aufgebot 

für den Militärdienst erhalten hat, dem er keine Folge leistete und deshalb 

im Zeitpunkt der Flucht im Oktober 2013 begründete Furcht vor einer Ver-

folgung durch die eritreischen Behörden hatte.  

D-3613/2015 

Seite 14 

6.3 An dieser Beurteilung vermag auch das eingereichte Schulzeugnis und 

die Kopie der Identitätskarte des Vaters nichts zu ändern. Weder das Ab-

stammungsverhältnis noch die eritreische Staatsangehörigkeit wurden 

vom SEM bezweifelt. Hinsichtlich des Schulzeugnisses bestehen hingegen 

Zweifel daran, dass dieses tatsächlich dem Beschwerdeführer gehört. Auf 

dem Schulzeugnis weicht – wie in der Beschwerde eingeräumt wird – nicht 

nur das Geburtsdatum von den Angaben des Beschwerdeführers ab, son-

dern auch der Name der Schule. So gab der Beschwerdeführer anlässlich 

der Anhörung an, er habe die achte Klasse in B._______ in der Schule 

J._______ besucht (vgl. Akte A19/25 F44 und F52). Auf dem Schulzeugnis 

ist jedoch die Schule K._______ aufgeführt. Das Zeugnis betrifft sodann 

das Jahr 2009 und die 8. Klasse. Der Beschwerdeführer hatte jedoch die 

8. Klasse und das Wiederholungsjahr der 8. Klasse in den Jahren 2007 

und 2008 besucht, wenn er im Januar 2011 die 11. Klasse abgebrochen 

hat. Er befand sich demnach im Jahr 2009 bereits in der 9. Klasse. Auf-

grund dieser Unstimmigkeiten ist davon auszugehen, dass das einge-

reichte Schulzeugnis nicht dem Beschwerdeführer gehört. 

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat seine bisherige Praxis in Bezug auf 

Eritrea, namentlich auch die Praxis betreffend die illegale Ausreise aus die-

sem Land, im Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 überprüft. 

Unter Bezugnahme auf die konsultierten Quellen hat es festgestellt, dass 

die bisherige Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlings-

eigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Aus der im 

Urteil vorgenommenen Analyse ergebe sich, dass zahlreiche Personen, 

welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, relativ problemlos in ihre Hei-

mat hätten zurückkehren können. Daher sei nicht mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer 

illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe. Eine 

geltend gemachte Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

AsylG erscheine allein aufgrund einer illegalen Ausreise nicht mehr als ob-

jektiv begründet. Ein erhebliches Risiko einer Bestrafung bei einer Rück-

kehr gestützt auf asylrelevante Motive sei nur dann anzunehmen, wenn 

neben der illegalen Ausreise weitere Faktoren zu bejahen seien, welche 

die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Behörden als miss-

liebige Person erscheinen lassen würden (vgl. a.a.O. E. 5.1).  

7.2 In Anbetracht der geänderten Rechtsprechung kann die Frage der – 

vom SEM festgestellten – Unglaubhaftigkeit der illegalen Ausreise des Be-

D-3613/2015 

Seite 15 

schwerdeführers vorliegend offen gelassen werden, da in seinem Fall zu-

sätzliche Faktoren, welche sein Profil schärfen könnten, gestützt auf die 

konkreten Sachumstände zu verneinen sind. Die Asylvorbringen des Be-

schwerdeführers sind unglaubhaft. Er ist weder Deserteur noch Refraktär. 

Andere Anknüpfungspunkte, welche ihn in den Augen des eritreischen Re-

gimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, sind ebenfalls 

nicht ersichtlich.  

8.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keine Verfol-

gung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder zumindest glaubhaft ma-

chen konnte und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Das 

SEM hat demnach sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.  

9.  

Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-

such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen (vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte 

Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 

und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet. 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-

länderinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-

desgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 

10.2  

10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).  

D-3613/2015 

Seite 16 

10.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hingewiesen, dass das flüchtlingsrechtliche Gebot des Non-Refoule-

ments nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. 

Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-

liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in 

Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-

den Verfahren keine Anwendung finden. 

10.2.3 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und Art. 3 EMRK darf 

niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder 

Behandlung unterworfen werden. Nach der Praxis des Europäischer Ge-

richtshof für Menschenrechte (EGMR) müsste der Beschwerdeführer eine 

konkrete Gefahr („real risk“) nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 

im Falle einer Rückschiebung in seinen Heimatstaat Folter oder unmensch-

liche Behandlung drohen würde. 

10.2.4 Im Zusammenhang mit der Frage einer drohenden Verletzung von 

Art. 3 EMRK und somit der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach 

Eritrea ist insbesondere in Erwägung zu ziehen, ob die betroffene Person 

bei ihrer Rückkehr mit einem Einzug in den eritreischen Nationaldienst 

rechnen muss. Dieser Gesichtspunkt wurde durch das Bundesverwal-

tungsgericht jüngst im Rahmen des Referenzurteils D-2311/2016 vom 

17. August 2017 (vgl. E. 12 f.) eingehend analysiert.  

10.2.5 Demnach sind diesbezüglich drei hauptsächliche Personenkatego-

rien zu unterscheiden:  

Bei Personen, die noch keinen Nationaldienst geleistet haben, ohne davon 

befreit worden zu sein ‒ mithin insbesondere bei Personen, die vor Vollen-

dung des achtzehnten Lebensjahres aus Eritrea ausgereist sind ‒, ist da-

von auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr eingezogen würden. Mit an-

deren Worten ist davon auszugehen, dass Asylsuchende, die im Rahmen 

ihrer Ausführungen glaubhaft darlegen können, dass sie vor dem dienst-

pflichtigen Alter ausgereist sind oder dass sie aus anderen Gründen bis zu 

ihrer Ausreise keine Aufforderung zur Leistung des Dienstes erhalten ha-

ben, im Falle der Rückreise verpflichtet sind, den Nationaldienst zu leisten. 

Dabei kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie vorgängig mit 

Haft dafür bestraft werden, sich nicht für den Dienst bereitgehalten zu ha-

D-3613/2015 

Seite 17 

ben. Die Haftbedingungen sind in Eritrea generell als prekär zu bezeich-

nen, und es ist zu erwarten, dass die Haftdauer aussergerichtlich und will-

kürlich festgelegt wird (vgl. a.a.O. E. 13.2). 

Bei Personen, die ihre Dienstpflicht bereits erfüllt haben, ist davon auszu-

gehen, dass es regelmässig zu Entlassungen aus dem Nationaldienst 

kommt (vgl. a.a.O. E. 13.3). Dies dürfte insbesondere bei verheirateten 

Frauen der Fall sein. Bei Männern wie auch bei Frauen, die erst mit Mitte 

zwanzig oder älter aus Eritrea ausgereist sind, ist die Frage zu stellen, ob 

sie den Nationaldienst bereits geleistet haben, ist doch von einer grund-

sätzlich möglichen Dienstentlassung nach fünf bis zehn Jahren auszuge-

hen. Personen, die nach Erfüllung ihrer Dienstpflicht ausgereist sind, ha-

ben in diesem Zusammenhang wohl keine Strafe zu gewärtigen. Bei Per-

sonen, die ihren Dienst bereits geleistet haben, ist zudem auch nicht davon 

auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Eritrea erneut eingezogen 

würden.  

Schliesslich ist zu prüfen, ob andere Gründe dagegen sprechen, dass die 

wegzuweisende Person im Falle ihrer Rückkehr nach Eritrea in den Natio-

naldienst eingezogen würde (vgl. a.a.O. E. 13.4). So gibt es Personengrup-

pen, die vom Nationaldienst befreit werden können, wobei diesbezüglich 

allerdings konkrete Hinweise vorhanden sein müssen. Weiter können in 

diese Kategorie auch Personen fallen, die sich bereits seit mehr als drei 

Jahren im Ausland aufhalten und bei denen davon auszugehen ist, dass 

sie ihre Situation mit den heimatlichen Behörden durch einen sogenannten 

„Diaspora-Status“ ‒ welcher die Bezahlung einer 2%-Steuer und die Un-

terzeichnung eines Reuebriefes voraussetzt ‒ geregelt haben. Es ist davon 

auszugehen, dass Personen mit dem „Diaspora-Status“ von der Dienst-

pflicht befreit sind und Eritrea nach erfolgter Rückkehr ohne Ausreisevisum 

wieder verlassen dürfen.  

10.2.6 Der Beschwerdeführer hat Eritrea im Oktober 2013 im Alter von (…) 

Jahren verlassen. Gemäss seinen Angaben anlässlich der Anhörung hat 

er im Januar 2011 die 11. Klasse abgebrochen. Demgegenüber gab er an-

lässlich der Erstbefragung an, er habe im Jahr 2012 die 10. Klasse abge-

schlossen. Auf diesen Widerspruch angesprochen, bestätigte er nur, dass 

er die 11. Klasse nicht abgeschlossen habe, konnte aber die Unstimmigkeit 

nicht auflösen (vgl. Akte A19/25 F62 ff.). Wie bereits festgestellt (vgl. 

E. 6.3), stehen auch die Angaben auf dem eingereichten Zeugnis mit den-

jenigen Beschwerdeführers nicht in Einklang. Es bestehen deshalb erheb-

liche Zweifel an den Angaben des Beschwerdeführers bezüglich seines 

D-3613/2015 

Seite 18 

Lebenslaufs. Angeblich soll er die Vorladung erst im Mai 2013 erhalten ha-

ben. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass der Beschwerdeführer erst mit 

(…) Jahren das erste Mal von den eritreischen Behörden aufgefordert wor-

den ist, Militärdienst zu leisten, nachdem er mehr als zwei Jahre zuvor die 

Schule abgebrochen hat. Zudem befand er sich damals längst im dienst-

pflichtigen Alter, weshalb die eritreischen Behörden ihn damals im Coiffeur-

Salon kaum bloss die Vorladung übergeben, sondern ihn sogleich mitge-

nommen hätten. Da in Eritrea normalerweise mit 18 Jahren die militärische 

Grundausbildung beginnt und nach fünf Jahren Entlassungen aus dem Na-

tionaldienst möglich sind, drängt sich der Schluss auf, der Beschwerdefüh-

rer habe mit 18 Jahren den Nationaldienst angetreten und diesen bis zu 

seiner Ausreise im Oktober 2013 geleistet, zumal vorliegend keine Hin-

weise für eine Dienstuntauglichkeit oder eine Befreiung vom Nationaldienst 

vorliegen. Damit wäre der Beschwerdeführer fast fünf Jahre im National-

dienst gewesen respektive hätte diesen damit wohl bereits absolviert oder 

vorzeitig beenden können. Demnach würde er unter jene Personenkatego-

rie fallen, die nach Erfüllung ihrer Dienstpflicht ausgereist ist und daher in 

diesem Zusammenhang wohl keine Strafe zu gewärtigen hätte. Bei diesem 

Szenario wäre auch nicht zu erwarten, dass er bei einer Rückkehr nach 

Eritrea erneut in den Nationaldienst eingezogen würde. Der Beschwerde-

führer hat indessen unglaubhafte Angaben zu seinem Lebenslauf gemacht 

und es liegen auch keine Dokumente vor, welche die von ihm absolvierten 

Schuljahre oder aber den von ihm dargelegten Ausreisezeitpunkt belegen 

würden. Die Anzahl allenfalls von ihm bereits absolvierter Schul- und/oder 

Dienstjahre stehen damit nicht mit Sicherheit fest. Es kann somit nicht mit 

Sicherheit festgestellt werden, dass er tatsächlich Nationaldienst geleistet 

hat. Der Beschwerdeführer hat indes die Folgen seiner mangelhaften Mit-

wirkung zu tragen. Es ist daher – angesichts des von ihm angegebenen 

Alters sowie mangels gegenteiliger Anhaltspunkte – davon auszugehen, er 

habe seine Dienstpflicht im Rahmen des eritreischen Nationaldiensts erfüllt 

und sei erst danach aus Eritrea ausgereist.  

10.2.7 Zusammenfassend ergibt sich somit, dass im Falle des Beschwer-

deführers die Zulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung zu bejahen ist. 

Zum einen findet der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-

schiebung keine Anwendung. Zum anderen ist – entgegen den Ausführun-

gen in der Beschwerde – nicht davon auszugehen, dass dem Beschwer-

deführer im Fall seiner Ausschaffung nach Eritrea mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotener Strafe  

oder Behandlung droht. Weder ist zu befürchten, dass der Beschwerdefüh-

rer bei der Rückkehr nach Eritrea – da davon auszugehen ist, dass er den 

D-3613/2015 

Seite 19 

Nationaldienst bereits geleistet hat – wegen allfälliger Missachtung der 

Dienstpflicht inhaftiert oder erneut in den Nationaldienst eingezogen 

würde, noch sind andere Gründe für eine drohende Haftstrafe zu erkennen. 

10.3  

10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 

und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 

medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-

dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläu-

fige Aufnahme zu gewähren.  

10.3.2 Nach erwähntem Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 

ist mit Bezug auf Eritrea zum heutigen Zeitpunkt weder von einem Krieg, 

Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen noch lie-

gen sonstige Gründe für eine generelle Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs vor (vgl. a.a.O. E. 16 ff.). Die Annahme einer konkreten Gefähr-

dung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG rechtfertigt sich in der Regel nicht 

schon deshalb, weil die wirtschaftliche Situation und damit die allgemeinen 

Lebensbedingungen im betreffenden Staat schwierig sind und dort bei-

spielsweise Wohnungsnot oder hohe Arbeitslosigkeit herrschen (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 7.6). Zwar ist die wirtschaftliche Lage in Eritrea nach wie 

vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua-

tion, der Zugang zu Wasser und auch der Zugang der Bevölkerung zu Bil-

dung haben sich aber verbessert. Der kriegerische Konflikt mit dem Nach-

barland Äthiopien ist seit vielen Jahren beendet, und auch im Inneren sind 

keine ernsthaften ethnischen oder religiösen Konflikte zu verzeichnen. Zu 

erwähnen sind des Weiteren die umfangreichen Zahlungen aus der eritre-

ischen Diaspora im Ausland, von denen ein grosser Teil der Bevölkerung 

profitiert. Das Bundesverwaltungsgericht zieht aus diesen Umständen den 

Schluss, dass die erhöhten Anforderungen an den Wegweisungsvollzug, 

wie sie gemäss der früheren Praxis vor dem Hintergrund der damaligen 

wirtschaftlich und gesellschaftlich prekären Lage in Eritrea Bedingung wa-

ren (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12), heute nicht mehr gerechtfertigt 

sind. Dabei vermag auch die Situation in Bezug auf die anhaltende Über-

wachung der Bevölkerung nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs zu führen. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes 

muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus-

gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Die Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs bleibt im Einzelfall zu prüfen. 

D-3613/2015 

Seite 20 

10.3.3 Solch besondere Umstände, aufgrund derer von einer Existenz-

bedrohung im Falle der Rückkehr des Beschwerdeführers nach Eritrea 

ausgegangen werden müsste, liegen nicht vor. Beim Beschwerdeführer 

handelt es sich um einen jungen gesunden Mann. In Eritrea verfügte er mit 

seinen Eltern, vier Geschwistern und mehreren Onkel und Tanten über ein 

Beziehungsnetz. Vor seiner Ausreise hatte er bereits als Coiffeur gearbeitet 

(vgl. Akte A6/12 S. 4 f. und Akte A17/19 F95). Es sind damit keine persön-

lichen Gründe ersichtlich, die es als wahrscheinlich erscheinen liessen, 

dass er im Falle seiner Rückkehr nach Eritrea in eine existentielle Notlage 

geraten könnte. Der Vollzug der der Wegweisung erweist sich somit nicht 

als unzumutbar. 

10.4 Mit Blick auf die Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung im Sinne 

von Art. 83 Abs. 2 AuG ist zwar festzustellen, dass zwangsweise Rückfüh-

rungen nach Eritrea derzeit generell nicht möglich sind. Jedoch steht es 

dem Beschwerdeführer offen, freiwillig in seinen Heimatstaat zurückzukeh-

ren, was praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs entgegensteht. Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei 

der zuständigen Vertretung seines Heimatstaats die für eine Rückkehr not-

wendigen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch 

BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist folglich auch als 

möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

10.5 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-

hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und 

sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi-

gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt sowie den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

und vollständig feststellt (Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde 

ist folglich abzuweisen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten an sich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Indes-

sen wurde der mit der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltli-

che Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfü-

gung vom 29. Juni 2015 gutgeheissen. Somit hat der Beschwerdeführer 

keine Verfahrenskosten zu tragen. 

D-3613/2015 

Seite 21 

12.2 Mit Verfügung vom 29. Juni 2015 ordnete das Bundesverwaltungsge-

richt die Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin bei (Art. 110a 

Abs. 1 AsylG), deren Aufwand zu entschädigen ist, soweit dieser sachlich 

notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Kostennote vom 17. Sep-

tember 2015 weist einen Betrag von Fr. 2942.70 (inklusive Auslagen von 

Fr. 42.70) aus. Das Gericht geht indessen praxisgemäss bei amtlicher Ver-

tretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– 

für Anwältinnen und Anwälte und von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-an-

waltliche Vertreterinnen und Vertreter aus. Bei Anwältinnen und Anwälten, 

die in einer Rechtsberatungsstelle tätig sind, wird praxisgemäss von einem 

Stundenansatz von Fr. 200.– ausgegangen (vgl. BVGer D-8113/2015 vom 

26. März 2018). Der zeitliche Aufwand scheint jedoch dem vorliegenden 

Verfahren nicht vollumfänglich angemessen. Der in der Kostennote ver-

rechnete Stundenansatz von Fr. 300.– respektive der im Falle des Unter-

liegens geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 220.– ist entsprechend 

auf Fr. 200.– zu reduzieren. Die Aufwendungen für das Fristerstreckungs-

gesuch und das Verfassen der Kostennote sind zudem nicht zu berück-

sichtigen. Der Rechtsvertreterin ist demnach durch die Gerichtskasse ein 

amtliches Honorar in Höhe von Fr. 1842.70 (inklusive die ausgewiesenen 

Auslagen) zu vergüten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3613/2015 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der Rechtsvertreterin wird durch die Gerichtskasse ein amtliches Honorar 

von Fr. 1842.70 vergütet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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