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**Case Identifier:** a9b72752-a5e8-55e5-a0a4-39391ff4c5c9
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.10.2023 SST.2022.217
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-217_2023-10-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2022.217 
(ST.2021.171; StA.2019.3469) 

 

 

Urteil vom 24. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Egloff  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiberin Wanner 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

Privatkläger   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Christian Jaeggi,  

[…]   

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1952, von Winterthur, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Patrick Bürgi,  

[…]   

 

 

 
 

Gegenstand  Fahrlässige schwere Körperverletzung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erliess gegen den Beschuldigten am 

6. September 2021 folgende Anklageschrift: 

 

In der Strafsache: 
 
[…] 
 

wird wie folgt Anklage erhoben: 

I. Zur Last gelegte strafbare Handlungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) 

1. Fahrlässige schwere Körperverletzung, Art. 125 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 31 Abs. 2 
SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV  

2. Fahren in fahrunfähigem Zustand, Art. 91 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG 
i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV  

3. Grobe Verletzung von Verkehrsregeln, Art. 90 Abs. 2 i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG 
i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV 

 
 

 
1. Fahrlässige schwere Körperverletzung 

Der Beschuldigte hat fahrlässig, durch Fahren in fahrunfähigem Zustand und 
ungenügendem Rechtsfahren, einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit 
schwer geschädigt. 

Am 23.05.2019, ca. 15.10 Uhr, fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen 
«Mercedes Benz ML 500», [Kennzeichen], von Ehrendingen kommend auf der 
Surbtalstrasse in Richtung Niederweningen. Auf dem Gemeindegebiet in Ehrendingen 
geriet der Beschuldigte in einen Sekundenschlaf, worauf er seinen Personenwagen 
über die Leitlinie hinaus auf die Gegenfahrbahn in Richtung des in korrekter Fahrweise 
entgegenkommenden Personenwagens, gelenkt durch C._____, lenkte und es 
schliesslich zu einer frontalen Kollision mit dem ebenfalls in korrekter Fahrweise 
entgegenkommenden, durch A._____ gelenkten Motorrad, «Moto Guzzi V85 TT», 
[Kennzeichen], kam. Durch den Aufprall wurde das Motorrad in das angrenzende 
Wiesland geschleudert. A._____ erlitt ein Polytrauma: Rippenserienfraktur (beidseits), 
ein Wirbelsäulentrauma (Deckplattenimpressionfraktur des 5 Brustwirbelkörpers), 
Unterarmbruch links, am linken Bein eine kombinierte Schenkelhalsfraktur und ein 
offener, Oberschenkelknochenbruch, eine mehrfragmentäre Sprunggelenksfraktur des 
Innenknöchels, ein Sprungbeinbruch (Thalusfraktur) sowie einen Fersenbeinbruch 
(Kalkaneusfraktur).  

Die Verletzungen führten zu einem mehrmonatigen Spitalaufenthalt mit multiplen 
Eingriffen (23.05.2019 – bis 09.07.2019 Kantonsspital Baden bzw. Universitätsspital 
Zürich, 09.07.2019 – 09.10.2019 Rehaklinik Bellikon). Seit dem Unfalltag bis 
04.12.2019 war A._____ aufgrund der Unfallfolgen zu 100%, ab 05.12.2019 bis 
02.08.2019 zu 50%, ab 03.08.2020 bis 23.08.2020 zu 100%, ab 24.08.2020 bis 
04.10.2020 zu 50%, ab 12.11.2020 bis 25.01.2021 zu 40%, ab 26.01.2021 bis 
31.01.2021 zu 100%, ab 01.02.2021 bis 10.02.2021 zu 40%, ab 11.02.2021 bis 
16.02.2021 zu 100% arbeitsunfähig. Seit dem 17.02.2021 beträgt die 
Arbeitsunfähigkeit 40%.  

 - 3 - 

 

 

Weil der Beschuldigte übermüdet war, verfügte er nicht über die erforderliche 
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, weshalb er unmittelbar vor bzw. im 
Zeitpunkt des Unfalls fahrunfähig war und kein Fahrzeug hätte führen dürfen. Da er 
dies trotzdem tat, verstiess er gegen Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV. Durch 
das Fahren in einem fahrunfähigen Zustand, kam der Beschuldigte seiner 
Vorsichtspflicht nicht mehr nach und verlor die Beherrschung über sein Fahrzeug. Dies 
führte dazu, dass er auf die Gegenfahrbahn kam und dort beinahe eine Kollision mit 
einem Personenwagen bzw. schliesslich die Kollision dem Motorrad verursachte.  

Der Beschuldigte hat die Verletzungen des Geschädigten pflichtwidrig unvorsichtig 
verursacht, indem er trotz seines übermüdeten Zustands mit seinem Personenwagen 
fuhr und dabei die Verkehrsregeln verletzte. Aufgrund seines regelwidrigen Verhaltens 
war es für ihn voraussehbar, einen Unfall mit Verletzten zu verursachen, was er hätte 
vermeiden können, wenn er sein Fahrzeug nicht in übermüdetem Zustand gelenkt und 
folglich nicht auf die Gegenfahrbahn geraten wäre. 

Der Beschuldigte wusste um seinen übermüdeten und nicht fahrfähigen Zustand bzw. 
musste mindestens damit rechnen. Trotzdem führte er zur genannten Zeit wissentlich 
und willentlich ein Motorfahrzeug und nahm damit mindestens in Kauf, ein 
Motorfahrzeug in übermüdetem Zustand zu lenken. 

 
 
2. Fahren in fahrunfähigem Zustand 

Der Beschuldigte hat vorsätzlich in fahrunfähigem Zustand ein Motorfahrzeug geführt.  
 

Zum Sachverhalt vgl. Ziff. 1 hiervor. 
 

Der Beschuldigte wusste, hielt es aber zumindest für möglich und nahm es in Kauf, 
dass er sich infolge Müdigkeit in fahrunfähigem Zustand befand, und lenkte dennoch 
das Fahrzeug willentlich weiter. 

 
 
3. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln 

Der Beschuldigte hat vorsätzlich durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine 
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen. 

 
Zum Sachverhalt vgl. Ziff. 1 hiervor. 

 
Indem der Beschuldigte das Fahrzeug in übermüdetem Zustand führte und nicht über 
die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügte, schuf er 
wissentlich und willentlich eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer bzw. nahm 
er eine solche Gefahr zumindest in Kauf.  

 

 Anträge 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 

2. Er sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu bestrafen mit 

einer Gesamtstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 100.00, unbedingt vollziehbar. 

3. Es sei der dem Beschuldigten mit Urteil der Staatsanwaltschaft Brugg- Zurzach vom 
20.07.2017 (120 Tagessätze à CHF 80.00) gewährte bedingte Strafvollzug in 
Anwendung von Art. 46 Abs. 1 StGB unter Bildung einer Gesamtstrafe zu widerrufen.  

4. Unter den üblichen Kostenfolgen. 
 

 Weitere Angaben 

 - 4 - 

 

 

1. Höhe der bisher entstandenen Untersuchungskosten: CHF 9003.30  

2. Die Anklagegebühr beträgt CHF 900.00.  
 

Auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung wird verzichtet. 

 

1.2. 

Am 19. Mai 2022 fand die Hauptverhandlung mit Befragung des 

Privatklägers als Auskunftsperson, der Gutachterin Dr. med. D._____ 

sowie der Zeugen E._____ und Dr. med. F._____ vor dem Präsidenten des 

Bezirksgerichts Baden statt.  

 

Mit gleichentags gefälltem Urteil, welches dem Beschuldigten am 25. Mai 

2022 schriftlich im Dispositiv eröffnet wurde, erkannte der Präsident des 

Bezirksgerichts Folgendes: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- des Fahrens in fahrunfähigem Zustand i.S.v. Art. 91 Abs. 2 lit. b. SVG i.V.m. Art. 31 

Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV; 

- der groben Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 31 

Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV. 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 125 

Abs. 2 StGB. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 

Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB und Art. 106 StGB bestraft mit  

 

120 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 100.00, d.h. total Fr. 12'000.00, und einer Busse von 

Fr. 3'000.00. 

 

Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 

30 Tagen auszusprechen. 

 

4. 

Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB aufgeschoben. Die 

Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 4 Jahre festgesetzt. 

 

5. 

Der dem Beschuldigten mit Urteil der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 20. Juli 2017 

für die Geldstrafe (120 Tagessätze à Fr. 80.00) gewährte bedingte Strafvollzug wird nicht 

widerrufen. Stattdessen wird der Beschuldigte gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verwarnt 

und es wird die Probezeit von 2 Jahren um 1 Jahr verlängert. 

6. 

Der Beschuldigte hat dem Strafkläger die gerichtlich auf Fr. 9'771.25 festgesetzte 

Prozessentschädigung zu entrichten (Art. 433 Abs. 1 StPO). 

 

 - 5 - 

 

 

7. 

7.1. 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr Fr. 3'100.00 

b) der Anklagegebühr Fr. 900.00 

c) den Beweiskosten des Gerichts Fr. 612.15 

d) den Kosten für das Gutachten Fr.  5'289.10 

e) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr.  3'714.10 

f) den Spesen Fr.  240.00 

Total Fr.  13'855.35 

 

7.2. 

Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die Kosten gemäss 

lit. c-f) im Gesamtbetrag von Fr. 13'855.35 auferlegt. 

 

8. 

Der Beschuldigte hat seine Parteikosten selber zu tragen. 

 

1.3. 

Mit Eingabe vom 3. Juni 2022 meldete der Beschuldigte gegen dieses 

Urteil Berufung an. Das begründete Urteil wurde ihm in der Folge am 

12. September 2022 zugestellt. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte reichte am 29. September 2022 die Berufungserklärung 

mit folgenden Anträgen ein: 

 

1. 

Das Urteil des Bezirksgerichts Baden, Gerichtspräsidium, vom 19. Mai 2022 (ST.2021.171) 

sei in den Dispositiv-Ziffern 2, 3, 4 und 5 aufzuheben und der Beschuldigte sei von Schuld 

und Strafe freizusprechen. 

 

2. 

Das Urteil des Bezirksgerichts Baden, Gerichtspräsidium, vom 19. Mai 2022 (ST.2021.171) 

sei in Dispositiv-Ziffer 6 aufzuheben und neu festzustellen, dass der Strafkläger seine 

Parteikosten selbst zu tragen habe. 

 

3. 

Das Urteil des Bezirksgerichts Baden, Gerichtspräsidium, vom 19. Mai 2022 (ST.2021.171) 

sei in den Ziffern 7.2. und 8 dahingehend abzuändern, als dass die Kosten auf die 

Staatskasse zu nehmen seien und dem Beschuldigten dessen Parteikosten von 

CHF 15'649.90 aus der Staatskasse zu entschädigen sind.  

 

4. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Auslagen und MWST) für das 

Berufungsverfahren zu Lasten der Staatskasse. 

 

 - 6 - 

 

 

2.2. 

Der Privatkläger verzichtete mit Eingabe vom 24. Oktober 2022 auf die 

Erhebung einer Anschlussberufung. 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 7. November 2022 teilte der Beschuldigte mit, dass die 

Berufung anlässlich der Berufungsverhandlung mündlich begründet werde. 

 

2.4. 

Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 21. August 2023 die 

Abweisung der Berufung des Beschuldigten und verwies auf die ihrer 

Meinung nach zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz. 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 31. August 2023 verzichtete der Beschuldigte auf das 

Stellen von Beweisanträgen. 

2.6. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten und des 

Privatklägers als Auskunftsperson fand am 24. Oktober 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei von Schuld und Strafe 

freizusprechen. Nicht angefochten und somit nicht zu überprüfen sind die 

erstinstanzlichen Freisprüche (Art. 404 Abs. 1 StPO). Da lediglich der 

Beschuldigte Berufung erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben 

wurde, ist das Obergericht an das Verschlechterungsverbot (Art. 391 

Abs. 2 StPO) gebunden. 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz sah es u.a. aufgrund der verschiedenen Zeugenaussagen 

(UA [Untersuchungsakten] 340; 368 ff.; GA [Gerichtsakten] 43 ff.) sowie der 

Gutachten zur Fahrfähigkeit des Beschuldigten (UA 20 f.; 507 ff.) als 

erstellt, dass die Kollision darauf zurückzuführen sei, dass der Beschuldigte 

in übermüdetem Zustand ein Fahrzeug geführt habe, die auftretenden 

Symptome der Müdigkeit/Schläfrigkeit ignoriert resp. nicht geeignete 

Gegenmassnahmen ergriffen habe und schliesslich in einen Sekunden-

schlaf geraten sei, weshalb er sein Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn 

gelenkt habe. Bei pflichtgemässer Vorsicht wäre es mit an Sicherheit 

grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu der Kollision gekommen 

(vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.2.3 ff. und E. II.3). Das Bezirksgericht 

sprach ihn daher der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss 

 - 7 - 

 

 

Art. 125 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 2 VRV 

schuldig (vgl. vorinstanzliches Urteil E. II.3.5). 

 

2.2. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der 

fahrlässigen Körperverletzung freizusprechen (Berufungserklärung S. 3). 

Er macht im Wesentlichen geltend, dass es für ihn nicht erklärbar sei, wie 

es überhaupt zum Unfall gekommen sei. Die Ursache des fraglichen Unfalls 

bzw. der kurzzeitige Bewusstseinsverlust am Steuer sei für ihn unerklärbar, 

nicht vorhersehbar und somit nicht vermeidbar gewesen. Der Vorfall sei 

plötzlich und überraschend gekommen, da er sich zu keinem Zeitpunkt 

müde oder fahrunfähig gefühlt und er zu keinem Zeitpunkt Anzeichen einer 

Schläfrigkeit oder Müdigkeit gehabt habe. Überdies sei das schwergradige 

gemischt-förmige Schlafapnoe-Syndrom, welches unbehandelt zu einer 

Schläfrigkeit führen könne, erst nach dem Unfall diagnostiziert worden. 

Mangels Voraussehbarkeit sei auch die Vermeidbarkeit zu verneinen, 

weshalb vorliegend keine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit vorliege und 

entsprechend der Vorwurf der Fahrlässigkeit dahinfalle. Überdies sei das 

Gutachten des IRM vom 11. Januar 2021 schlicht unbrauchbar, da es 

schwammige Schlüsse ziehe, verallgemeinere und zu einem nicht nach-

vollziehbaren Resultat komme. Die Gutachterin des IRM, Dr. D._____, sei 

Verkehrsmedizinerin, und habe als Querschnittsspezialistin im Gegensatz 

zu Dr. F._____ kein spezifisches Fachwissen zum Sekundenschlaf oder 

zur Schlafapnoe. Bei widersprüchlichen Einschätzungen sei deshalb der 

medizinischen Meinung von Dr. F._____ zu folgen (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 8). 

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft verweist auf die ihrer Meinung nach zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz und beantragt die Abweisung der Berufung 

des Beschuldigten (Eingabe Staatsanwaltschaft vom 21. August 2023). 

 

3. 

3.1. 

Der fahrlässigen schweren Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB 

macht sich strafbar, wer fahrlässig einen Menschen schwer am Körper oder 

an der Gesundheit schädigt.  

 

Schwer im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB ist eine Schädigung dann, wenn 

sie Art. 122 StGB entspricht (BGE 109 IV 18 E. 2.a; 105 IV 179; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_20/2021 vom 17. März 2021 E. 2.2; je mit weiteren 

Hinweisen). Eine schwere Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung 

begeht, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1); 

wer vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines 

Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar 

macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder 

 - 8 - 

 

 

geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt 

(Abs. 2); wer vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des Körpers 

oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen 

verursacht (Abs. 3) (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 6B_20/2021 

vom 17. März 2021 E. 2.2 mit Hinweisen).  

 

Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger 

Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. 

Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht 

beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen 

Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch 

wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt voraus, dass der Täter den 

Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Wo 

besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein 

bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der zu 

beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 148 IV 

39 E. 2.3.3; 145 IV 154 E. 2.1; je mit Hinweisen). Ein Verhalten ist sorgfalts-

widrig, wenn der Täter im Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie 

seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefährdung der Rechtsgüter des 

Opfers hätte erkennen können und müssen, und wenn er zugleich die 

Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Die Zurechenbarkeit des 

Erfolgs bedingt die Vorhersehbarkeit nach dem Massstab der Adäquanz. 

Weitere Voraussetzung ist, dass der Erfolg vermeidbar war. Dabei wird ein 

hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei 

pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Für die 

Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten des Täters 

mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des 

Erfolgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1; statt vieler: Urteile des Bundes-

gerichts 6B_1066/2022 vom 12. Januar 2023 E. 2.1.1 und 6B_407/2022 

vom 23. Mai 2022 E. 4.1; je mit Hinweisen). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Im Strassenverkehr richtet sich der Umfang der zu beachtenden Sorgfalt 

nach den Bestimmungen des Strassenverkehrsgesetzes und der dazu-

gehörenden Verordnungen. Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG hat der Führer das 

Fahrzeug ständig so zu beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten 

nachkommen kann. Er muss jederzeit in der Lage sein, in der jeweils 

erforderlichen Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr 

ohne Zeitverlust zweckmässig zu reagieren. Wer wegen Alkohol-, 

Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Gründen 

nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit 

verfügt, gilt während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug 

führen (Art. 31 Abs. 2 SVG). Insbesondere darf auch kein Fahrzeug führen, 

wer übermüdet ist (Art. 2 Abs. 1 VRV). 

 

 - 9 - 

 

 

3.2.2. 

Die Übermüdung ist ein Stadium der Ermüdung. Ursache der Ermüdung 

können mannigfach sein, namentlich lange Zeit ohne Schlaf, Hunger oder 

Völlegefühl, aber auch unterschiedliche und anstrengende Verkehrs-

verhältnisse. Das Stadium der Übermüdung ist dann erreicht, wenn der 

Fahrzeuglenker den Leistungsabfall an Aufmerksamkeit, Konzentrations-

fähigkeit und sachgerechtem Reaktionsvermögen, der durch die Ermüdung 

ausgelöst wird, nicht mehr durch Veränderung der Fahrweise oder 

erhöhten Willenseinsatz zu kompensieren vermag. Übermüdet i.S.v. Art. 2 

Abs. 1 VRV ist mit anderen Worten, wer jederzeit vom Schlaf «übermannt» 

zu werden droht. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Übermüdung 

oder auch ein anderer kurzer Aussetzer als Unfallursache keinem direkten 

Beweis zugänglich ist, da es sich dabei um einen inneren Zustand, mithin 

eine innere Tatsache handelt. Indizien für eine Übermüdung können eine 

auffällige, ruppige und unerklärlich unausgeglichene Fahrweise oder ein 

unerklärlicher Unfall ohne Anhaltspunkte auf Alkohol-, Drogen- oder 

Medikamenteneinfluss sein (ANDREAS ROTH, in: Basler Kommentar, 

Strassenverkehrsgesetz, 2014, N. 21 ff. zu Art. 31 SVG). Nach der bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung zum Sekundenschlaf lassen sich charakter-

istische Symptome unterschiedlich starker Ermüdung unter anderem in der 

Person oder Situation des Fahrzeugführers (Alleinfahrt, ununterbrochen 

langsame Fahrt, Bekanntheit der Strecke, voller Magen, Alkohol, 

dämpfende Medikamente, Krankheit, Rekonvaleszenz) und in der Fahr-

weise (verzögerte Reaktionen, Abweichen von der Fahrspur, verlorenes 

Geschwindigkeitsgefühl) feststellen. Bei einem gesunden und nicht aus 

anderen Gründen fahrunfähigen Fahrzeugführer kann ein Einschlafen am 

Steuer ohne vorgängige subjektiv erkennbare Ermüdungserscheinungen 

ausgeschlossen werden (vgl. BGE 126 II 206 E. 1.a; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_26/2016 vom 16. Juni 2016 E. 3.5; je mit weiteren Hinweisen). 

 

3.3. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio 

pro reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, 

weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt 

werden kann (BGE 145 IV 154 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_323/2021 vom 11. August 2021 E. 1.3, nicht publ. in: BGE 147 IV 534). 

Der Grundsatz «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus 

Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und 

ausgewertet worden sind. Nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel vermag eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu 

begründen (BGE 144 IV 345, Regeste; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 - 10 - 

 

 

 

4. 

4.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt, dass der Beschuldigte am 23. Mai 2019 

um ca. 15:10 Uhr von Ehrendingen kommend auf der Surbtalstrasse in 

Richtung Niederweningen auf dem Gemeindegebiet in Ehrendingen sein 

Fahrzeug lenkte und schliesslich frontal mit einem Motorradfahrer 

(Privatkläger) kollidierte. Dem Bericht und Bilddokumentation der Kantons-

polizei Aargau, Verkehrstechnik und Unfallgruppe, vom 23. Juli 2019 ist 

insbesondere zu entnehmen, dass (erst) von der Kollisionsstelle her 

Reifenspuren sichtbar waren, welche bogenförmig die Fahrbahn nach links 

verlassen und hangaufwärts verlaufend bis zum Endstand des 

Personenwagens des Beschuldigten führen (UA 376 ff.). Dieses Spuren-

bild stimmt mit den Aussagen des Zeugen E._____ überein, wonach der 

Geländewagen des Beschuldigten, auf die Gegenfahrbahn gekommen und 

dort ungebremst sowie ohne Ausweichversuch in einem langsamen Bogen 

in das Motorrad hineingefahren sei (UA 340, GA 46). Vergleichbares 

schilderte auch der Zeuge C._____, der vor dem Privatkläger gefahren war 

und den Unfall im Rückspiegel gesehen hatte (vgl. UA 370). Es ist somit 

ausgewiesen und im Übrigen vom Beschuldigten auch nicht bestritten (vgl. 

GA 58), dass er auf die Gegenfahrbahn kam und dort mit dem korrekt 

fahrenden Motorradfahrer (Privatkläger) kollidierte. Durch den Aufprall 

wurde das Motorrad in das angrenzende Wiesland geschleudert. Der 

Privatkläger erlitt dabei unbestrittenermassen (vgl. GA 76; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 2 ff.) schwere Verletzungen im Sinne von 

Art. 125 Abs. 2 StGB. Es kann diesbezüglich auf die zutreffende vor-

instanzliche Erwägung II.3.3 zum tatbestandsmässigen Erfolg verwiesen 

werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

4.2. 

Umstritten und zu prüfen ist hingegen, wie und weshalb es zu diesem Unfall 

oder «Aussetzer», wie es der Beschuldigte bei der vorinstanzlichen 

Verhandlung nannte (GA 53), gekommen war. 

 

4.2.1. 

Die Staatsanwaltschaft hat das Institut für Rechtsmedizin (IRM) beauftragt, 

ein Gutachten zur Fahrfähigkeit des Beschuldigten im Zeitpunkt des Ver-

kehrsunfalls zu erstellen (UA 485 ff.). Daraufhin erstattete 

Dr. med. D._____, Fachärztin für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizinerin 

SGRM, IRM, ein Gutachten, das vom 11. Januar 2021 (UA 513 ff.) datiert 

und wozu sie bei der vorinstanzlichen Verhandlung befragt wurde (GA 61 

ff.). Die Gutachterin legte aufgrund der zur Verfügung gestellten Akten 

(UA 509 ff.) sowie nach Untersuchung und Begutachtung des 

Beschuldigten (UA 513 ff.) dar, eine echte, kurzzeitige Bewusstseins-

störung durch einen Schlaganfall, einen epileptischen Anfall, eine Herz-

 - 11 - 

 

 

rhythmusstörung, eine Störung der Kreislaufregulation, eine Unter-

zuckerung oder eine Intoxikation könne ausgeschlossen werden 

(UA 519 f.). Sie begründete dies schlüssig, insbesondere indem sie aus-

führte, der Beschuldigte sei nach der Kollision sofort wieder orientiert 

gewesen und habe das Fahrzeug selbständig verlassen und Hilfe leisten 

können, was nicht zu einer echten kurzzeitigen Bewusstseinsstörung passe 

(UA 519, GA 62 [Rückseite]). Dieses Geschehen erachtete die Gutachterin 

aber als typisch für eine kurze Einschlafepisode mit Weckreaktion (UA 519, 

521). Sie führte für eine Übermüdung und ein Einschlafen am Steuer des 

Beschuldigten auch verschiedene Indizien an: So sei beim Beschuldigten 

nach dem Unfall ein Schlafapnoesyndrom diagnostiziert worden, wobei er 

im Rahmen dieser Abklärungen und in Diskrepanz zu seinen Angaben bei 

der Begutachtung angegeben habe, dass er in monotonen Situationen 

durchaus schon einnicke und es sich bei der vom Beschuldigten 

befahrenen Strecke im Unfallzeitpunkt um eine monotone Situation 

gehandelt habe (UA 520; vgl. auch UA 472). Weiter verwies die 

Gutachterin auf die kurze Ruhezeit von weniger als 6 Stunden in der Nacht 

vor dem Unfall, was eine Müdigkeit grundsätzlich begünstigt habe (UA 520; 

vgl. hierzu die nächtlichen Chat-Nachrichten des Beschuldigten vom  

21.-23. Mai 2019, die eine Schlafenszeit von [maximal] 5 bzw. 4 Stunden 

belegen [UA 53 ff.]). Hinzu käme ferner noch, dass der Beschuldigte vor 

dem Unfall zu Mittag gegessen und dabei Alkohol konsumiert habe 

(UA 520; vgl. Aussage des Beschuldigten, wonach er 0.65 l Bier trank 

[UA 348 f.]). Weiter legte die Gutachterin dar, dass beim Beschuldigten im 

Zeitpunkt des Unfallgeschehens das Medikament Pregabalin analytisch 

nachgewiesen worden sei (vgl. UA 20 ff.), das ein Einschlafereignis 

ebenfalls begünstigt haben könnte (UA 520). Die Gutachterin kam 

angesichts der Gesamtumstände zum Schluss, der Unfall lasse sich durch 

ein kurzes Einnicken am Steuer widerspruchsfrei erklären (UA 521). Diese 

gutachterliche Beurteilung, die mit der Einschätzung des behandelnden 

Schlafmediziners Dr. med. F._____ übereinstimmt (GA 65, Rückseite) und 

welche den Unfallhergang, die Bremsspuren ab der Kollisionsstelle sowie 

die übrigen Umstände berücksichtigt, ist überzeugend. Das Gutachten ist 

entgegen der Ansicht des Beschuldigten weder unpräzis (UA 84) noch 

werden darin schwammige Schlüsse verallgemeinert (UA 83). Dass die 

Gutachterin gestützt auf die festgestellte Übermüdung zum Schluss kam, 

der Beschuldigte sei im Unfallzeitpunkt nicht fahrfähig gewesen, ist auch 

nicht absurd (UA 84), sondern ist mit Blick auf Art. 2 Abs. 1 VRV in keiner 

Art und Weise zu beanstanden. Ebenso wenig wird der Beweiswert des 

Gutachtens in Frage gestellt, weil es sich dabei um eine «ex post», «ex 

ante» Beurteilung handelt (UA 84), war es doch gerade Aufgabe der 

Gutachterin nachträglich festzustellen, weshalb es zum Unfall gekommen 

ist. Indem die Gutachterin die Übermüdung durch Ausschluss von anderen 

Ursachen und der weiteren Umstände als am Wahrscheinlichsten erachtet 

hat (GA 62), bestehen für das Obergericht – gleich wie für die Vorinstanz – 

keine massgeblichen Zweifel, dass der Beschuldigte wegen Übermüdung 

 - 12 - 

 

 

am Steuer kurz eingenickt ist und dadurch den Unfall verursacht hat. Der 

Einwand des Beschuldigten, dass die gutachterlichen Angaben dem 

geforderten Beweismassstab nicht genügten (vgl. GA 85), verfängt nicht, 

reichen doch rein abstrakte und theoretische Zweifel nicht aus (vgl. E. 3.3 

hiervor). Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten bestehen für das 

Obergericht auch keine Zweifel an der fachlichen Qualifikation der 

Gutachterin Dr. D._____. Insbesondere bestehen keine Anhaltspunkte 

dafür, dass die betreffende Gutachterin über zu wenig medizinisches 

Fachwissen oder praktische Erfahrung hinsichtlich der Thematik 

Sekundenschlaf verfügt. Dr. D._____ ist seit 2011 als Gutachterin in der 

Verkehrsmedizin bei der Universität Zürich bzw. beim IRM angestellt und 

bezeichnet sich selber als erfahrene Gutachterin, welche ca. 15 Gutachten 

zur Fahrfähigkeit erstellt habe (GA 62). Vor Vorinstanz gab sie zu Protokoll, 

dass der Sekundenschlaf zwar nicht das Kerngeschäft der Verkehrs-

mediziner sei. Er stelle aber bei den Bewusstseinsstörungen dar. Sie hätten 

als Verkehrsmediziner regelmässig damit zu tun (GA 63, Rückseite). Für 

das Obergericht ist damit erstellt, dass Dr. D._____ auch hinsichtlich der 

Thematik «Sekundenschlaf» qualifiziert ist. Das Gutachten ist inhaltlich 

dann auch vollständig und im Ergebnis schlüssig. Es besteht daher für das 

Obergericht kein Anlass, von den nachvollziehbaren gutachterlichen 

Schlussfolgerungen abzuweichen (vgl. zum Ganzen statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_567/2020 vom 6. Dezember 2021 E. 2.3.2, nicht publ. 

in: BGE 148 IV 57). Es ist festzustellen, dass der Beschuldigte den Unfall 

infolge Übermüdung und dadurch bestehender Fahrunfähigkeit verursacht 

hat.  

 

4.2.2.  

4.2.2.1. 

Der Beschuldigte gab zum Unfall an, er habe erst gemerkt, dass etwas 

passiert sei, als es «geklöpft» habe. Der Knall habe ihn aus der Schwärze 

geholt, wobei für ihn unklar sei, ob dieser durch die Explosion des Airbags 

oder durch den Aufprall des Motorradlenkers ausgelöst worden sei 

(UA 346 f.; GA 58). Am Unfalltag nach dem Mittagessen und den kon-

sumierten Bieren (0.4 l und 0.25 l) habe er sich ganz normal gefühlt. Es 

habe zu keinem Zeitpunkt ein Anzeichen von Schläfrigkeit oder Müdigkeit 

gegeben (vgl. UA 348 f., UA 353, GA 53, 57 ff.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 7 ff.). Er sei um 05:30 Uhr erwacht und um ca. 06:40 Uhr 

aufgestanden, wobei er am Vortag um ca. 21:40 Uhr ins Bett gegangen sei. 

Bezüglich der Fahrfähigkeit habe er sich optimal gefühlt, müde sei er nicht 

gewesen (UA 348). An der Hauptverhandlung vor Vorinstanz und auch vor 

Obergericht ergänzte der Beschuldigte, dass er sehr wenig Schlaf brauche 

und mit fünf bis sechs Stunden auskomme. Grundsätzlich erwache er nach 

fünf Stunden Schlaf und sei fit (GA 56 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 8).  

 

 - 13 - 

 

 

Dem stehen die Ausführungen der Dr. med. D._____ im von ihr erstellten 

Gutachten zur Fahrfähigkeit des Beschuldigten vom 11. Januar 2021 

(UA 507 ff.) und ihre Aussage bei der vorinstanzlichen Verhandlung 

(GA 61 ff.) gegenüber. Danach würden Symptome der Schläfrigkeit vor 

einem kurzen Einnicken obligat auftreten, wobei die Anzeichen dafür 

subjektiv verschieden sein könnten. Die Symptome des drohenden 

Einnickens am Steuer seien vielfältig und könnten vom schläfrigen Lenker 

ohne weiteres wahrgenommen werden. Es sei möglich, dass diese 

Symptome erst während der Fahrt auftreten würden. Für den Umstand, 

dass trotz den obligat auftretenden Müdigkeits- oder Schläfrigkeits-

symptomen weitergefahren werde, gebe es verschiedene Erklärungs-

möglichkeiten. Häufig würden die Symptome der Schläfrigkeit in ihrem 

Ausmass und in ihrer Gefährlichkeit falsch eingeschätzt werden. Man 

merke, dass man schläfrig sei, aber nicht wie sehr. Dabei werde in der 

konkreten Situation der Schläfrigkeit die Möglichkeit und die Wahr-

scheinlichkeit des Einschlafens am Steuer erheblich unterschätzt. Überdies 

werde das Vorhandensein von gewissen vegetativen Sensationen wie 

Müdigkeit oder Schläfrigkeit im Gehirn ausserordentlich schlecht abge-

speichert. Hinzu komme eine unbewusste Verdrängung der Schläfrigkeits-

symptome nach einem stattgehabten Unfallereignis (UA 521 f.) Der 

chronische Schlafmangel und die Schlafapnoe hätten sicher dazu geführt, 

dass der Beschuldigte sich an den Zustand einer reduzierten Leistungs-

fähigkeit gewöhnt habe. Auch dass der Beschuldigte trotz Behandlung der 

Schlafapnoe keine Verbesserung bemerkt habe, zeige seine Gewöhnung 

an eine verminderte Leistungsfähigkeit (GA 62 f.). Die Wahrnehmung der 

Symptome könne abnehmen, was zu einer Fehleinschätzung der eigenen 

Leistungsfähigkeit führen könne (GA 63).  

 

4.2.2.2. 

Die gutachterliche Annahme – die auch Eingang in die Rechtsprechung 

fand (vgl. E. 3.2.2 hiervor) – dass dem Sekundenschlaf obligat Müdigkeits-

symptome vorausgingen entspricht gemäss der Gutachterin dem aktuellen 

wissenschaftlichen Konsens (GA 63). Dies bestätigte auch 

Dr. med. F._____, indem er bei der vorinstanzlichen Verhandlung aus-

führte, es sei für ihn eher unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte mit zur 

Zeit des Unfalls unbehandelter schwerer Schlafapnoe und nach dem 

Mittagessen keine Schläfrigkeit verspürt habe (GA 66 f.). Dieser hielt es 

zudem generell für sehr selten, dass Patienten wie der Beschuldigte (mit 

zur Zeit des Unfalls unbehandelter schwerer Schlafapnoe) mit nur sechs 

Stunden Schlaf auskämen (GA 66 Rückseite). Dass der Beschuldigte sich 

an eine Müdigkeit vor dem Unfall nicht mehr zu erinnern vermag, kann – 

wie die Gutachterin darlegte – auf eine bewusste Verdrängung oder die 

übliche schlechte Speicherung dieser Sensationen zurückzuführen sein. 

Für ein Verdrängen spricht, dass der Beschuldigte nach dem Unfall 

mehrere Umstände beschönigte, die auf eine Übermüdung hinweisen. Zu 

erwähnen sind zunächst seine Angaben zum Schlafverhalten in der Nacht 

 - 14 - 

 

 

vor dem Unfall. Die ersten Aussagen des Beschuldigten, wonach er um 

21:40 Uhr ins Bett gegangen und um 5:30 Uhr erwacht sei (UA 348), 

müssen als Schutzbehauptungen eingestuft werden. Denn die Auswertung 

seines Mobiltelefons ergab, dass er in der Nacht vor dem Unfall um 

22:48 Uhr noch eine Whatsapp-Nachricht las und am Morgen bereits ab 

4:05 Uhr wieder rege alle paar Minuten Whatsapp-Nachrichten sendete 

(UA 54). Ein vergleichbares Aussageverhalten zeigt sich betreffend den 

Bierkonsum zum Mittagessen. Zunächst gab der Beschuldigte auf der 

Unfallstelle an, dass er ein Bier (0.5 l) getrunken habe (UA 27). Erst auf 

erneutes Nachfragen erwähnte er ein zweites (kleines) Bier (0.4 l und 

0.25 l; UA 349). Als gewichtigstes Indiz für ein bewusstes Beschönigen der 

massgeblichen Umstände durch den Beschuldigten spricht aber 

schliesslich, dass er bei der Begutachtung – anders als bei der Anamnese-

erhebung durch seinen Arzt («In monotonen Situationen sei es jedoch 

durchaus möglich, dass er einnicke.», UA 472) – von einer Einschlaf-

neigung in monotonen Situationen bei der polizeilichen Einvernahme am 

23. Mai 2019 und der gutachterlichen Anamneseerhebung nichts mehr 

wissen wollte («Waren Sie müde? Nein, es war kein Grund vorhanden 

gewesen[,] müde zu sein», UA 348 Ziff. 38; «Er [der Beschuldigte] habe 

sich auch nie tagsüber müde gefühlt oder schläfrig», UA 514). Das 

Obergericht hat daher keine Zweifel, dass beim Beschuldigten, wie im 

Gutachten dargelegt, vor dem Unfall Müdigkeitssyndrome vorhanden 

waren, denen er nicht die möglich und notwendige Aufmerksamkeit 

zukommen liess. Daran vermag nichts zu ändern, dass die schwere 

Schlafapnoe erst nach dem Unfall diagnostiziert wurde. Die aus dieser 

Krankheit bedingte erhöhte Tagesmüdigkeit konnte der Beschuldigte bei 

der gebotenen Sorgfalt nämlich gleichwohl erkennen. Es ist daher für das 

Obergericht erstellt, dass der Beschuldigte unmittelbar vor dem Unfall am 

23. Mai 2019 Müdigkeitssymptome ignorierte, obwohl er von seiner 

Einschlafneigung in monotonen Situationen wusste, in den beiden Nächten 

vor dem Unfall nur rund fünf bzw. vier Stunden geschlafen hatte, seit 

einigen Wochen ein neues müdigkeitsauslösendes Medikament einnahm 

(vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7 f.: Pregabalin, welches er ein 

paar Tage nach dem Unfall wieder absetzte) und ihm das mögliche 

Auftreten von Müdigkeit nach einem Mittagessen mit Alkoholkonsum 

bekannt war. Nach dem Massstab der Adäquanz hätte er somit auch die 

Gefahr eines Sekundenschlafs und die damit einhergehenden Unfallrisiken 

mit Schwerverletzten erkennen können und sollen.  

 

4.2.3.  

Der Beschuldigte hätte bei kleinsten Anzeichen einer sich anbahnenden 

Fahrunfähigkeit seine Fahrt sofort unterbrechen müssen, was er nicht 

getan hat. Aus verkehrsmedizinischer Sicht ist es nach der gutachterlichen 

Einschätzung unwahrscheinlich, dass für den Beschuldigten die Zeit 

zwischen der ersten subjektiven Wahrnehmung der Schläfrigkeit/Müdigkeit 

und dem Eintreten des Sekundenschlafes so kurz gewesen sei 

 - 15 - 

 

 

(vergleichbar mit einem plötzlichen, nicht vorhersehbaren Schwarz-

werden), dass dieser keine Reaktionsmöglichkeit zur Verhinderung des 

Verkehrsunfalles gehabt habe. Denn auch beim Schlafapnoesyndrom 

werde davon ausgegangen, dass die Schläfrigkeit subjektiv wahr-

genommen werde, bevor die Fahrfähigkeit am Steuer schwerwiegend 

beeinträchtigt sei. Durch das Schlafapnoesyndrom könne sich die 

Schläfrigkeit sehr rasch verstärken, sodass die Gegenmassnahmen 

schneller ergriffen werden sollten. Durch entsprechende Gegen-

massnahmen könne man aber derartigen Unfallereignissen 

entgegenwirken (UA 520 f.). Der Beschuldigte hätte demnach die drohende 

Gefahr des Einnickens am Steuer rechtzeitig erkennen und die 

entsprechenden, zweckmässigen Massnahmen (Unterbruch oder Abbruch 

der Fahrt) rechtzeitig treffen können. Bei pflichtgemässem Beachten und 

ernst nehmen der Schläfrigkeitssymptome durch zweckmässiges 

Verhalten hätte die Kollision mit dem Privatkläger sowie dessen 

folgenschwere Verletzungen vermieden werden können. 

 

Im Übrigen kann der Beschuldigte auch nichts zu seinen Gunsten ableiten, 

wenn er den hier zu beurteilenden Sachverhalt mit dem Fall SST.2021.124 

vergleicht, da es sich entgegen seiner Behauptung eben genau nicht um 

dieselbe Ausgangslage handelt: Im Verfahren SST.2021.124 gab es 

keinerlei Anzeichen eines Sekundenschlafs mit Weckreaktion (zu kurze 

Autofahrt um Einzuschlafen; kein Erwachen trotz Überfahren von mehreren 

massiven Pollern, zwei Fussgängerinnen und eines Zauns; keine Reaktion 

wie Gegenlenken oder Abbremsen; erst von einem Baum gestoppt etc.).  

 

4.3. 

Mit der Vorinstanz erachtet es das Obergericht als erstellt, dass der 

Beschuldigte in übermüdetem Zustand ein Fahrzeug führte, die auf-

tretenden Symptome der Müdigkeit/Schläfrigkeit ignorierte resp. nicht 

geeignete Gegenmassnahmen ergriff und schliesslich in einen 

Sekundenschlaf geriet, weshalb er sein Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn 

lenkte. Bei pflichtgemässer Vorsicht wäre es mit an Sicherheit grenzender 

Wahrscheinlichkeit nicht zu der Kollision mit dem Privatkläger gekommen. 

Der Schutzzweck des Strassenverkehrsrechts liegt in der Vermeidung von 

Gefahren im Strassenverkehr, mithin bezwecken die erwähnten 

Bestimmungen, einen sicheren und unfallfreien Strassenverkehr zu 

gewährleisten. Somit war die Pflichtwidrigkeit für den Erfolgseintritt 

relevant. Es liegen keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe 

vor. Der Beschuldigte ist damit der fahrlässigen schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 2 

VRV schuldig zu sprechen.  

 

 - 16 - 

 

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h. total Fr. 12'000.00, Probezeit 4 Jahre, 

und zu einer Busse von Fr. 3'000.00, ersatzweise 30 Tage Freiheitsstrafe, 

verurteilt (vorinstanzliches Urteil E. III). Der Beschuldigte setzt sich in 

seiner Berufung nicht mit der vorinstanzlichen Strafzumessung aus-

einander, sondern bemängelt diese einzig als Konsequenz des ange-

fochtenen Schuldspruches. 

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; 144 IV 313 E. 1.2; 141 IV 61 

E. 6.1.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). Darauf kann verwiesen 

werden  

 

5.3. 

Die Vorinstanz hat die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen 

richtigerweise als erheblich qualifiziert (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. III.1.4). Denn der Privatkläger ist trotz 15 Operationen nach wie vor teil-

weise arbeitsunfähig und wird eine bleibende Mobilitätseinschränkung am 

linken Bein behalten (vgl. UA 405; GA 48 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 2 ff.). Sie berücksichtigte zugunsten des Beschuldigten, 

dass die Kollision nicht durch eine rücksichtslose Fahrweise, sondern durch 

ein kurzzeitiges Einnicken am Steuer verursacht worden sei. Dennoch sei 

ihm vorzuwerfen, dass er nach den ersten Müdigkeitssymptomen nicht 

entsprechende Gegenmassnahmen ergriffen habe. Gesamthaft geht die 

Vorinstanz zutreffend von einem mittleren Tatverschulden aus (vgl. 

vorinstanzliches Urteil E. III.1.5), zumal Art. 125 StGB hinsichtlich der 

einfachen und schweren fahrlässigen Körperverletzung den gleichen Straf-

rahmen vorsieht. Bezüglich der Täterkomponente erwog das Bezirks-

gericht, der getrübte automobilistische Leumund wirke sich leicht straf-

erhöhend aus (vorinstanzliches Urteil E. III.1.6). Auch das ist nicht zu 

beanstanden. Daraus folgerte die Vorinstanz unter Berücksichtigung der 

noch auszusprechenden Verbindungsbusse, es sei eine Geldstrafe von 

120 Tagessätzen als dem Verschulden des Beschuldigten angemessen 

auszusprechen. Bei einem mittelschweren Tatverschulden und straf-

erhöhender Täterkomponente ist eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen, die 

sich im untersten Bereich des ordentlichen Strafrahmens von bis zu drei 

Jahren Freiheitsstrafe bewegt, mild, hat doch die dem Verschulden 

entsprechende Strafe mit der Abstufung des Unrechtsgehalts der Straftat 

übereinzustimmen, wie sie durch den gesetzlichen Strafrahmen 

vorgegeben ist (BGE 136 IV 55 E. 5.7; Urteile des Bundesgerichts 

6B_763/2010 vom 26. April 2011 E. 4.1; 6B_1096/2010 vom 7. Juli 2011 

E. 4.2). Dass sich der Beschuldigte beim Privatkläger sowohl per Brief als 

 - 17 - 

 

 

auch persönlich vor Obergericht entschuldigte (vgl. Protokoll der Be-

rufungsverhandlung S. 4 und S. 7), ist zwar zu seinen Gunsten zu berück-

sichtigten, lässt aber gesamthaft nicht auf eine eigentliche Einsicht und 

Reue des Beschuldigten schliessen. Die von der Vorinstanz ausgefällte 

Geldstrafe kann somit unter keinem Titel herabgesetzt werden. Gleiches 

gilt für die ausgefällte Busse von Fr. 3’000.00, insbesondere wenn 

berücksichtigt wird, dass das Einnicken am Steuer in der gerichtlichen 

Praxis in der Regel als grobe Verkehrsregelverletzung i.S.v. Art. 90 Abs. 2 

SVG qualifiziert wird (BGE 126 II 206 E. 1b). Es hat wegen des Ver-

schlechterungsverbots dabei jedoch auch sein Bewenden.  

 

5.4. 

Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den 

persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters zum Zeitpunkt 

des Urteils (hier Berufungsurteil) zu bemessen. Massgebende Kriterien für 

die Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen 

und der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten 

und persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 

315 E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung). 

Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des 

Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm 

zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). Das Verschlechterungsverbot gilt 

vorliegend nicht (BGE 144 IV 198). 

 

Die Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 100.00 fest, unter 

Berücksichtigung der damaligen Einkommens- und Vermögens-

verhältnisse des Beschuldigten sowie dessen Lebensaufwand (Art. 34 

Abs. 2 StGB). Unter Berücksichtigung der anlässlich der Berufungs-

verhandlung eingereichten Bescheinigung der SVA Aargau vom 3. Oktober 

2023 sowie der Aussagen des Beschuldigten zu seinen persönlichen 

Verhältnissen (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5 f.) gibt es 

keinen Grund zur Annahme, dass sich die finanziellen Verhältnisse des 

Beschuldigten seither massgeblich verändert haben, weshalb es bei dieser 

Tagessatzhöhe bleibt. 

 

Entsprechend dem festgesetzten Tagessatz beträgt die 

Ersatzfreiheitsstrafe 30 Tage, falls die Verbindungsbusse vom 

Beschuldigten schuldhaft nicht bezahlt wird (Art. 106 Abs. 2 StGB; 

BGE 134 IV 60 E. 7.3.3).  

 

5.5. 

Die Gewährung des bedingten Vollzugs der Geldstrafe (Art. 42 Abs. 1 

StGB) ist aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu überprüfen 

(Art. 391 Abs. 2 StPO). Die von der Vorinstanz angesetzte Probezeit von 

vier Jahren ist zudem angemessen. Denn nachdem sich der Beschuldigte 

rund zwei Jahre vor dem hier zu beurteilenden Unfall bereits einer 

 - 18 - 

 

 

schweren Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gemacht hat und im Jahr 

2013 wegen Betrugs verurteilt wurde, bestehen doch gewisse Bedenken, 

dass er sich zukünftig an die geltenden Vorschriften halten wird. Zumal der 

Beschuldigte bei der vorinstanzlichen Verhandlung angab, gewisse 

Einnahmen, die zur Verurteilung wegen Betrugs geführt hätten, in der 

Steuererklärung nach wie vor nicht zu deklarieren (GA 54, 55 Rückseite).  

 

5.6. 

Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach vom 20. Juli 2017 für die Geldstrafe (120 Tagessätze à Fr. 80.00) 

gewährte bedingte Strafvollzug wurde von der Vorinstanz nicht widerrufen. 

Stattdessen wurde er gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verwarnt und die 

Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr verlängert (vgl. vorinstanzliches 

Urteil E. III.4).  

 

Gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB darf der Widerruf nicht mehr angeordnet 

werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind. 

Diese Probezeit ist in casu abgelaufen. Es ist daher von einer Verwarnung 

und einer Verlängerung der Probezeit abzusehen (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 6B_733/2019 vom 15. November 2019 mit weiteren Hinweisen).  

 

6. 

6.1. 

Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinem Antrag auf 

Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung. In 

Bezug auf den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

20. Juli 2017 obsiegt er marginal, indem eine Verwarnung und eine 

Verlängerung der Probezeit aufgrund Fristablauf nicht mehr angeordnet 

werden darf. Es handelt sich hierbei jedoch um einen vergleichsweise 

untergeordneten Punkt. Damit wird der vorinstanzliche Entscheid nicht 

wesentlich abgeändert. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die 

Kosten des obergerichtlichen Verfahrens dem Beschuldigten voll-

umfänglich aufzuerlegen (§ 18 VKD; Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). Bei 

diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschuldigte seine Parteikosten 

selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e 

contrario).  

 

6.2. 

Der Privatkläger hat für das obergerichtliche Verfahren keine 

Entschädigung geltend gemacht (vgl. Art. 433 Abs. 2 StPO). Es sind denn 

auch aufgrund seiner Eingaben keine massgeblichen Aufwände ersichtlich. 

Er hat demnach seine Parteikosten selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO 

i.V.m. Art. 433 StPO).  

 

 - 19 - 

 

 

7. 

7.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 426 StPO). Die erstinstanzliche Kosten- und Ent-

schädigungsregelung bedarf keiner Änderung, da es bei der Verurteilung 

des Beschuldigten bleibt. Der Beschuldigte trägt die Verfahrenskosten und 

die Kosten für seinen frei gewählten Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren selbst (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO e contrario). 

 

7.2. 

Die Höhe der Entschädigung des Vertreters des Privatklägers für das 

erstinstanzliche Verfahren ist im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4). Der 

Beschuldigte ist zu verpflichten, dem Privatkläger für das Vorverfahren und 

das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 9'771.25 

zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO).  

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

-  des Fahrens in fahrunfähigem Zustand i.S.v. Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG 

i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV; 

- der groben Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG 

i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRV. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen schweren Körperverletzung 

i.S.v. Art. 125 Abs. 2 StGB. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmung sowie Art. 47 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 

StGB, Art. 44 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h. total 

Fr. 12'000.00, Probezeit 4 Jahre, 

 

 - 20 - 

 

 

und zu einer Busse von Fr. 3'000.00, ersatzweise 30 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

4. 

Der dem Beschuldigten mit Urteil der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vom 20. Juli 2017 für die Geldstrafe (120 Tagessätze à Fr. 80.00) gewährte 

bedingte Strafvollzug wird nicht widerrufen.  

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 2’000.00 sowie den Auslagen von Fr. 154.00, gesamthaft 

Fr. 2'154.00, werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

5.2. 

Der Beschuldigte hat seine zweitinstanzlichen Parteikosten selbst zu 

tragen. 

 

5.3. 

Der Privatkläger trägt seine zweitinstanzlichen Parteikosten selber.  

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Gesamtbetrag von 

Fr. 13'855.35 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 900.00) werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Der Beschuldigte trägt seine erstinstanzlichen Parteikosten selber. 

 

6.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger für das Vorverfahren 

und das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe 

von Fr. 9'771.25 zu entrichten. 

 

 

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Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

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nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 
 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 24. Oktober 2023 

 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss     Wanner