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**Case Identifier:** 3dbd7ff7-f867-5e07-97f6-6eb4707c4828
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 12.06.2020 IV 2018/189
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2018-189_2020-06-12.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2018/189

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 31.08.2020

Entscheiddatum: 12.06.2020

Entscheid Versicherungsgericht, 12.06.2020
Art. 28 und 29 IVG. Beweiswert eines Administrativgutachtens. Die von den 
Arztberichten der Behandler abweichenden Diagnosen der Gutachter sind 
vorliegend nachvollziehbar und einleuchtend. Eine Fremdanamnese, 
namentlich der Beizug von Akten der Kindesschutzbehörde oder Gespräche 
mit der Pflegemutter des Beschwerdeführers, war vorliegend nicht 
erforderlich (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 
vom 12. Juni 2020, IV 2018/189). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
8C_515/2020.

Entscheid vom 12. Juni 2020

Besetzung

Versicherungsrichterinnen Michaela Machleidt Lehmann (Vorsitz), Karin Huber-

Studerus und Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

IV 2018/189

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Florian Weishaupt, MLaw, Küng Rechtsanwälte & Notare 

AG, Haldenstrasse 10, 9200 Gossau SG,

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gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich am 6. März 2015 (Posteingang) bei der IV-Stelle zum Bezug 

von Leistungen an (IV-act. 7), nachdem seine damalige Krankentaggeldversicherung 

ihn zur Früherfassung angemeldet hatte (siehe IV-act. 1 bis 5).

A.a. 

Vom 7. April 2015 bis 3. Juni 2015 befand sich der Versicherte in stationärer 

Behandlung in der Klinik Z.___, welche in psychiatrischer Hinsicht eine mittelgradige 

depressive Episode und einen Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung 

diagnostizierte (IV-act. 47-5).

A.b. 

Anschliessend begab der Versicherte sich im Psychiatriezentrum Y.___ ab 5. Juni 

2015 zuerst in ambulante und ab 7. Juli 2015 bis 9. November 2015 in teilstationäre 

tagesklinische Behandlung, wobei ihm eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig 

mittelgradige depressive Episode, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, eine 

einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, ein Tinnitus aurium und ein 

beidseitiger Hörverlust durch Schallempfindungsstörung diagnostiziert und ab 5. Juni 

2015 eine mehrmonatige 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Bericht vom 

5. August 2015, act. G4.2/11-3 f.).

A.c. 

Mit psychiatrischem Gutachten vom 10. September 2015, in Auftrag gegeben von 

der Krankentaggeldversicherung, hielt Dr. med. B.___, FMH Psychiatrie und 

Psychotherapie Psychosomatik, fest, die Befunderhebung habe sich wegen der 

spärlichen, vagen, widersprüchlichen und inkonsistenten Angaben des Versicherten 

A.d. 

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sowie seiner exzessiven Symptompräsentation schwierig gestaltet. Sie schilderte einen 

eindrucksvollen psychopathologischen Befund bei einem exzessiv aggravierenden, 

wenn nicht simulierenden Versicherten. Insbesondere wegen der Inkonsistenzen sowie 

unklarer und lückenhafter Angaben hätten sich deutliche Hinweise auf 

bewusstseinsnahe Simulationstendenzen (und bezüglich Suchtmittelgebrauch 

Dissimulationstendenzen) ergeben. Die Symptompräsentation sei so dominant und 

eindrucksvoll gewesen, dass eventuell vorhandene bewusstseinsnahe 

Symptompräsentationen nicht sicher hätten erschlossen werden können. Bei 

insgesamt flacher Affektamplitude seien die Affektäusserungen (Weinen) maskenhaft. 

Der Versicherte habe während der gesamten Befunderhebung unauthentisch und 

wenig spürbar gewirkt. Sichere Hinweise für eine depressive Stimmungslage hätten 

sich trotz seiner exzessiven Jammrigkeit daher nicht gefunden. Der Versicherte sei 

nicht durch eine allfällig vorhandene Hörminderung beeinträchtigt gewesen. Eine 

sichere Diagnose sei wegen exzessiver Aggravations- und Demonstrationstendenzen 

nicht möglich. Es bestehe ein dringender Verdacht auf Simulationsverhalten mit 

bewusstseinsnaher unklarer und aggravierender Symptompräsentation. Zu erwägen 

wäre eine negative therapeutische Reaktion im Sinne eines Behandlungsartefakts nach 

Beginn der psychiatrischen Behandlung vor dem Hintergrund einer bewusstseinsnahen 

Symptompräsentation mit Leistungsbegehren und/oder einer hysteriformen 

Persönlichkeitsakzentuierung. In keinem Fall würde eine dieser diagnostischen 

Erwägungen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben (act. G4.2/13, insbesondere 

act. G4.2/13-6 f.). Sollte die Einschätzung eines exzessiven Aggravationsverhaltens mit 

Simulation zutreffen, so würde rein medizinisch-theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit 

in jeder für den Exploranden geeigneten Tätigkeit vorliegen (act. G4.2/13-8).

Mit Arztbericht vom 5. Oktober 2015 diagnostizierte Dr. C.___, Oberarzt, 

Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Psychiatriezentrum Y.___, eine narzisstische 

Persönlichkeitsstörung (F60.80) und eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) 

sowie nicht näher bezeichnete Rückenschmerzen. Der Beschwerdeführer sei in der 

bisherigen Tätigkeit 100% arbeitsunfähig und bei weiterer Behandlung voraussichtlich 

ab Januar 2016 in einer angepassten Tätigkeit 50% arbeitsfähig (IV-act. 57).

A.e. 

Mit Stellungnahme vom 8. Dezember 2015 ging der RAD in Übereinstimmung mit 

Dr. B.___ von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit spätestens ab Gutachtenszeitpunkt aus 

A.f. 

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(IV-act. 60). Mit Vorbescheid vom 8. Dezember 2015 stellte die IV-Stelle dem 

Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 63).

Im Abschlussbericht über die teilstationäre Behandlung vom 2. Juli bis 

9. November 2015 vom 14. Dezember 2015 diagnostizierte Dr. C.___ eine mittelgradige 

depressive Episode, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, einen Tinnitus aurium 

und einen beidseitigen Hörverlust durch Schallempfindungsstörung. Im Verlauf hätten 

narzisstische Persönlichkeitsanteile im Sinne einer inadäquat anmutenden 

Selbstüberhöhung, Externalisierungsneigung und Tendenz zur bereitwilligen Einnahme 

einer Opfer- bzw. Krankenrolle rasch imponiert. Der Versicherte habe die Schwere und 

Dysfunktionalität seiner Störung (u.a. selbstinvalidisierende Krankenrolle, narzisstische 

Selbstüberhöhung) nur teilweise erkennen können, weshalb eine stationäre 

Psychotherapie in der Psychiatrischen Klinik X.___ aufgegleist worden sei. Der 

Versicherte habe den Eintrittstermin um einen Monat verzögert und plötzlich über 

täglichen, teils extensiven Alkoholkonsum sowie eine Freundin gesprochen, die ihm im 

November bei Aufräumarbeiten behilflich sein würde. In dieser Situation sei, wie 

phasenweise auch schon zuvor, der Eindruck von fehlender Transparenz gegenüber 

dem Behandlungsteam entstanden. In den letzten Wochen bis zum geplanten Übertritt 

in die Psychiatrische Klinik X.___ sei es zu vielen Fehlzeiten gekommen, wobei der 

Versicherte sich schliesslich gar nicht mehr in der Tagesklinik gemeldet habe. Der 

Versicherte leide unter einer schweren Persönlichkeitsstörung, die sich im 

teilstationären Setting nur bedingt habe behandeln lassen, unter anderem aufgrund 

fehlender Behandlungskontinuität und teils fehlender Offenheit des Patienten mit 

Tendenz zur „doppelten Buchführung“. Der zweifellos grosse Leidensdruck des 

Beschwerdeführers mit immer wieder depressiven Einbrüchen habe teils gemildert 

werden können (IV-act. 71-6 ff.).

A.g. 

Mit Einwand vom 18. Januar 2016 und Ergänzung vom 21. Januar 2016 ersuchte 

der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt J. Jakob, um Rentenzusprache und 

reichte weitere medizinische Unterlagen ein. Er teilte insbesondere mit, er sei seit 

28. Dezember 2015 für drei Monate in stationärer Behandlung in der Psychiatrischen 

Klinik X.___ (IV-act. 68 und 71).

A.h. 

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Mit Austrittsbericht vom 29. März 2016 über den stationären Aufenthalt vom 

28. Dezember 2015 bis 21. März 2016 attestierten die Behandler der Psychiatrischen 

Klinik X.___ dem Versicherten als Hauptdiagnosen eine narzisstische 

Persönlichkeitsstörung sowie einen schädlichen Gebrauch von Alkohol. Zum 

Entlassungszeitpunkt wurde der Versicherte als zu 100% arbeitsunfähig über 14 Tage 

beurteilt (IV-act. 88). Auf Nachfrage der IV-Stelle ergänzten die Behandler am 4. Mai 

2016, bei der Entlassung sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen 

worden. Die Arbeitsfähigkeit könne aber stufenweise, beginnend bei 40% mit 

prognostisch erreichbarer vollständiger Leistungsfähigkeit sowohl für den Bezugsberuf 

als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wiederhergestellt werden (IV-act. 93-5).

A.i. 

Mit Stellungnahme vom 2. September 2016 hielt der RAD fest, die 

versicherungsmedizinische Relevanz der gestellten Diagnosen sei unklar. Es sei 

deshalb eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben (IV-act. 109). Die 

Begutachtung erfolgte durch die ABI Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI; 

vgl. IV-act. 104, 108 und 113).

A.j. 

Mit Gutachten vom 27. März 2017 stellten die ABI-Gutachter folgende Diagnosen 

mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits 

(H90.3), Tinnitus beidseits (H93.1) und Hyperakusis beidseits (H93.2). Als Diagnosen 

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie insbesondere eine leichte 

depressive Episode, Störung durch Cannabinoide bei anhaltendem Konsum, 

akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge, ein chronisches panvertebrales 

Schmerzsyndrom ohne fassbare radikuläre Symptomatik und anamnestisch Asthma 

bronchiale (IV-act. 121-31 f.). Der Beschwerdeführer sei in einer körperlich leichten bis 

mittelschweren adaptierten Tätigkeit (keine Tätigkeiten unter gesteigertem 

Umgebungsgeräuschpegel oder Tätigkeiten, welche ein gutes Sprachverständnis unter 

Störlärm voraussetzten, keine Tätigkeiten in staubiger Umgebung) ab 2014 

durchgehend 90% arbeitsfähig (90% Leistungsfähigkeit wegen vermehrter 

Ruhepausen zwecks Erholung, vollschichtig realisierbar; IV-act. 121-33 f. und 121-30 

f.). Es bestehe eine Diskrepanz zwischen der gutachterlichen Beurteilung und der 

Selbsteinschätzung des Versicherten, welcher sich kaum oder nicht mehr arbeitsfähig 

fühle. Der abgenommene Medikamentenspiegel für Quetiapin sei im 

subtherapeutischen Bereich gelegen, was Hinweis für eine mangelnde Compliance sein 

A.k. 

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B.  

könne (IV-act. 121-33). Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne nicht bestätigt 

werden. Der Versicherte sei vor seiner Erkrankung in der Sozialisation recht wenig 

auffällig gewesen (IV-act. 121-18). Beruflich wäre eine Reintegration dringend 

anzustreben, jedoch aufgrund der ausgeprägten Krankheits- und 

Behinderungsüberzeugung nicht erfolgsversprechend (IV-act. 121-34).

Mit Mitteilung vom 29. August 2017 wurden berufliche Massnahmen abgewiesen, 

da der Beschwerdeführer sich nicht in der Lage fühlte, an Eingliederungsmassnahmen 

mitzuwirken (IV-act. 140).

A.l. 

Mit Vorbescheid vom 18. September 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten 

die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 143). Dagegen erhob der 

Versicherte, nun vertreten durch Rechtsanwalt Florian Weishaupt, am 7. November 

2017 Einwand (IV-act. 147). Nach Rückfrage bei den ABI-Gutachtern (vgl. IV-act. 151) 

stellte die IV-Stelle dem Versicherten erneut die Abweisung seines Rentenbegehrens in 

Aussicht (IV-act. 153).

A.m. 

Mit Verfügung vom 26. April 2018 wies die IV-Stelle das Gesuch um Invalidenrente 

ab (IV-act. 154).

A.n. 

Gegen diese Verfügung erhebt A.___ am 30. Mai 2018 Beschwerde. Er beantragt, 

ihm sei ab 6. März 2016 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ein neutrales 

Obergutachten in Auftrag zu geben, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Das 

ABI-Gutachten könne den Widerspruch zwischen seiner Beurteilung und den 

zahlreichen kohärenten Arztberichten, welche den Beschwerdeführer als 100% 

arbeitsunfähig wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung beurteilten, nicht 

erklären. Die Gutachter hätten keine umfassende Familienanamnese erhoben, womit 

das Gutachten in dieser Hinsicht mangelhaft sei. Stattdessen stütze das Gutachten 

sich vorbehaltlos auf die Exotenmeinung von Dr. B.___, welche lediglich einen Verdacht 

geäussert habe. Wann ein Verhalten nur verdeutlichend und wann die Grenze zur 

Aggravation überschritten sei, bedürfe einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung. 

Der Beschwerdeführer habe sich nicht von sich aus bei der Beschwerdegegnerin 

angemeldet. Eine bewusste Verdeutlichungsabsicht sei daher nicht anzunehmen. Es 

B.a. 

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bestünden keine Anhaltspunkte für eine Aggravation. Der Beschwerdeführer sei von 

den Ärzten, welche ihn über längere Zeit behandelt hätten, zu 100% arbeitsunfähig 

geschrieben worden, wobei diese keine Diskrepanzen zwischen subjektiver 

Beschwerdeschilderung und objektivierbaren Befunden dokumentiert hätten. Eine 

Vielzahl von Hinweisen, welche von den ABI-Gutachtern völlig ignoriert worden seien, 

würden darauf hindeuten, dass der Beschwerdeführer bereits seit der Kindheit an 

verschiedenen schweren Persönlichkeitsstörungen gelitten habe. Die Überforderung, 

als Erwachsener funktionieren zu müssen, zeige sich beim Beschwerdeführer sehr 

deutlich. Als eindrückliches Beispiel sei das Gespräch des 

Eingliederungsverantwortlichen mit ihm und seiner damaligen Arbeitgeberin zu nennen, 

in welchem der Beschwerdeführer aus Sicht des Eingliederungsverantwortlichen mit 

seinen unhaltbaren Behauptungen und selbstüberschätzenden Äusserungen 

Irritationen bei der Arbeitgeberin ausgelöst habe. Der Beschwerdeführer sei immer 

fleissig und arbeitsam gewesen. Er habe sich vollkommen auf den beruflichen Erfolg 

konzentriert, bis es irgendwann einfach nicht mehr gegangen sei. Zusammenfassend 

sei das ABI-Gutachten weder umfassend (fehlende Familienanamnese) noch in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend (krasser, unzureichend 

begründeter Widerspruch zur Beurteilung der Behandler). Der Beschwerdeführer habe 

deshalb Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (act. G1).

Mit Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Im Gegensatz zu behandelnden Ärzten klammere das ABI 

Leiden ohne Krankheitswert bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung konsequent aus. Die 

Berichte der Behandler seien genügend gewürdigt worden. Im Weiteren sei der 

Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer 

auftragsrechtlichen Stellung überwiegend zugunsten ihrer Patienten aussagen würden. 

Im ABI-Gutachten werde dargelegt, dass die Sozialisation des Beschwerdeführers 

recht wenig auffällig gewesen sei, bis zu dessen Eintritt in die psychiatrische Klinik 

Z.___ keine psychischen Erkrankungen oder Behandlungen bekannt gewesen seien 

und sich die Berufsbiographie nicht auffällig gezeigt habe. Dass die 

Persönlichkeitsstörung im späten Kindesalter oder in der Adoleszenz begonnen habe, 

sei demnach nicht nachgewiesen. Vor diesem Hintergrund sei die Diagnose einer 

Persönlichkeitsstörung zu Recht verneint worden. Ob eine Fremdanamnese nötig sei, 

B.b. 

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Erwägungen

1.  

sei in erster Linie eine medizinische Ermessensfrage. Auch aus den Qualitätsleitlinien 

der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie für 

versicherungspsychiatrische Gutachten ergebe sich nichts Anderes. Somit mindere das 

Nichteinholen einer Fremdanamnese den Beweiswert des ABI Gutachtens nicht 

(act. G4).

Mit Replik vom 6. September 2018 betont der Beschwerdeführer, es würden 

eindeutig Hinweise bestehen, dass er bereits früher an verschiedenen, schweren 

Persönlichkeitsstörungen gelitten habe. Die Behauptung des psychiatrischen 

Teilgutachters, wonach der Beschwerdeführer vor seiner Erkrankung wenig auffällig 

gewesen sei, sei falsch. Er habe an einer zerrütteten Kindheit gelitten und sei 

fremdplatziert worden. Eine Fremdanamnese in Form einer Befragung der Pflegemutter 

dränge sich unter diesen Umständen geradezu auf (act. G6).

B.c. 

Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G8).B.d. 

Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich 

die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. 

Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist 

(Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.1. 

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Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die 

versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie 

mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht 

ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% 

ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach 

Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).

1.2. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, 

auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob 

die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit 

Hinweisen).

1.3. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den 

Anforderungen der Rechtsprechung genügenden Gutachten externer Spezialärzte 

(sogenannte Administrativgutachten) darf voller Beweiswert zuerkannt werden, solange 

nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (Urteil des 

Bundesgerichts vom 20. August 2018, 9C_86/2018, E. 5.1, mit Hinweisen). Gemäss der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht es einer Erfahrungstatsache, dass 

behandelnde Ärztinnen und Ärzte mit Blick auf ihre auftragsrechtliche 

Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen und ihre 

Berichte deshalb zurückhaltend zu werten sind (vgl. hierzu etwa BGE 125 V 351 E. 3b/

cc oder BGE 135 V 465 E. 4.5). Dabei handelt es sich um eine Richtlinie, die als solche 

mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) vereinbar ist. Die 

unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen 

(Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten 

fachmedizinischen Experten anderseits lässt nicht zu, ein Administrativ- oder 

Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu 

nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. 

Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil 

die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation 

1.4. 

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2.  

entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder 

ungewürdigt geblieben sind (Entscheid des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 

9C_24/2008, E. 2.3.2 mit Hinweisen). Zudem ist auch dem Umstand, dass die ärztliche 

Beurteilung von der Natur der Sache her unausweichlich Ermessenszüge trägt, 

Rechnung zu tragen (Entscheid des Bundesgerichts vom 23. Januar 2019, 

9C_804/2018, E. 2.2 mit Hinweisen).

Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und 

Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a). 

Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den 

streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben 

Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen 

stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der 

Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte 

hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat 

das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, 

nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 

353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).

1.5. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, das ABI-Gutachten sei mangelhaft. Auf die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die ABI-Gutachter könne nicht abgestellt 

werden. Stattdessen sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen oder ein 

neutrales Obergutachten in Auftrag zu geben. Es ist deshalb zu prüfen, ob das ABI-

Gutachten die rechtlichen Anforderungen erfüllt und eine rechtsgenügliche Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt.

2.1. 

Das ABI-Gutachten stützt sich unstreitig auf die vollständigen Vorakten sowie auf 

persönlichen Untersuchungen durch die Gutachter der Fachdisziplinen Allgemeine 

Innere Medizin, orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

Oto-Rhino-Laryngologie und Psychiatrie und Psychotherapie. Eine Notwendigkeit für 

den Beizug weiterer Fachgebiete ergibt sich aus den Akten nicht und wurde auch von 

den Gutachtern nicht als erforderlich erachtet. Die Gutachter setzten sich mit den 

Angaben des Beschwerdeführers sodann auseinander, indem sie seine Ausführungen 

zusammengefasst wiedergaben und anhand ihrer Untersuchungsbefunde sowie der 

Vorakten in ihre Beurteilung einfliessen liessen. Somit erfüllt das Gutachten die 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/16

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Anforderungen, die geklagten Beschwerden berücksichtigt zu haben und in Kenntnis 

der Vorakten erfolgt zu sein. Zu prüfen bleibt, ob das Gutachten auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und 

der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

genügend begründet sind.

Der Beschwerdeführer rügt, das ABI-Gutachten erkläre nicht ansatzweise den 

Widerspruch in der Beurteilung gegenüber früheren Arztberichten, namentlich der 

Kliniken Z.___, Y.___ und X.___ sowie der Arztpraxis W.___.

2.3. 

Der Beschwerdeführer trat im Jahr 2015 zur Behandlung seines Tinnitus in die 

Klinik Z.___ ein (vgl. auch IV-act. 88-4, wo der Beschwerdeführer selbst angab, er sei in 

der Klinik Z.___ auf der Tinnitusstation behandelt worden). Demensprechend legte die 

Klinik Z.___ den Fokus sowohl ihrer Abklärungen als auch ihrer Behandlung auf diese 

Erkrankung. Eine allfällige depressive Erkrankung war lediglich von untergeordneter 

Bedeutung. Auffällig ist, dass die depressive Symptomatik bei Eintritt klinisch 

unauffällig war und bei Austritt als leicht eingestuft wurde, obwohl sich die Stimmung 

des Beschwerdeführers aufgehellt hatte (IV-act. 47-4 f.). Die seitens der Klinik Z.___ 

gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ist deshalb nicht 

nachvollziehbar. Die Klinik Z.___ stellte sodann bloss eine Verdachtsdiagnose auf eine 

narzisstische Persönlichkeitsstörung. Aufgrund der relativ kurzen Behandlungsdauer 

und des Behandlungsschwerpunktes, welcher auf den Tinnitus gelegt wurde, wäre 

etwas anderes auch nicht überzeugend. Die blosse Verdachtsdiagnose einer 

narzisstischen Persönlichkeitsstörung weckt somit keine Zweifel am Ergebnis des ABI-

Gutachtens.

2.3.1. 

Der Beschwerdeführer verweist auf den Arztbericht vom 5. Oktober 2015, mit 

dem Dr. C.___ vom Psychiatriezentrum Y.___ ihm eine narzisstische 

Persönlichkeitsstörung attestierte. Dr. C.___ war damit der erste Facharzt, der diese 

Störung nicht bloss als Verdachtsdiagnose stellte. Er prognostizierte jedoch gleichzeitig 

eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit und sah den Beschwerdeführer ab Januar 2016 als 

zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 57). Zudem hielt Dr. C.___ in seinem Abschlussbericht vom 

14. Dezember 2015 fest, das Auftreten des Beschwerdeführers habe nach aussen auch 

klar theatralische und nicht ganz stimmig wirkende Elemente gehabt. Phasenweise sei 

der Eindruck von fehlender Transparenz gegenüber dem Behandlungsteam 

entstanden. Der Beschwerdeführer habe eine Tendenz zur „doppelten 

Buchführung“ (IV-act. 71-6 ff.). Gegenüber Dr. B.___ äusserte Dr. C.___, der 

Beschwerdeführer verhalte sich manipulativ. Unoffenheit und Kalkül würden mit 

2.3.2. 

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hineinspielen. Dr. C.___ sei nicht sicher, ob er den Beschwerdeführer in die 

Psychiatrische Klinik X.___ zuweisen solle (vgl. act. G4.2/13-4). Dr. C.___ sprach 

teilweise lediglich von narzisstischen Persönlichkeitsanteilen (IV-act. 57) statt von einer 

Persönlichkeitsstörung. Zwar gelangte er zum Schluss, es liege eine narzisstische 

Persönlichkeitsstörung vor. Aus seinen Berichten und den Angaben gegenüber 

Dr. B.___ gehen jedoch gerade auch das manipulative und das dramatisierende 

Verhalten des Beschwerdeführers hervor, welche zwar zum Krankheitsbild einer 

narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehören können, aber auch zu Unsicherheiten in 

der medizinischen Einschätzung beitrugen, sodass Dr. C.___ zeitweise sogar unsicher 

war, ob er den Beschwerdeführer an die Psychiatrische Klinik X.___ zuweisen solle.

In diesem Zusammenhang ist mit dem RAD festzuhalten, dass die Behandler ihre 

Einschätzung als Therapeuten auf das bio-psycho-soziale Modell abstützen, 

wohingegen die Gutachter aus versicherungsmedizinischer Sicht keine 

krankheitsfremden Faktoren berücksichtigen dürfen. Zudem ist der Übergang von einer 

blossen Persönlichkeitsakzentuierung zu einer Persönlichkeitsstörung fliessend. Die 

Einstufung als das eine oder das andere beinhaltet deshalb bis zu einem gewissen 

Grad ärztliches Ermessen. Selbst bei Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung ist nicht 

per se eine Arbeitsunfähigkeit gegeben. Invalidenversicherungsrechtlich kommt es 

grundsätzlich nicht auf die Diagnose an, sondern darauf, welche Auswirkungen eine 

Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (vgl. IV-act. 149-2 f.; zum vorrangigen 

Beweiswert von Administrativgutachten E. 1.4 vorstehend; zur Relevanz einer Diagnose 

für die Arbeitsfähigkeit Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juni 2018, 9C_273/2018, 

E. 4.2 mit Hinweisen).

2.3.3. 

Vorliegend ging auch Dr. C.___ von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers 

(vorderhand im Umfang von 50%) aus. Die im Psychiatriezentrum Y.___ ebenfalls 

gestellte Diagnose einer bipolaren affektiven Störung wurde von den späteren 

Behandlern nicht bestätigt. Die ärztliche Einschätzung Dr. C.___s, wonach eine 

Persönlichkeitsstörung vorliegt, vermag nach dem Gesagten keine erheblichen Zweifel 

an jener des ABI-Gutachtens, in welchem lediglich von akzentuierten narzisstischen 

Persönlichkeitszügen ausgegangen wird, zu wecken.

2.3.4. 

Der Beschwerdeführer beruft sich sodann auf die Berichte der Psychiatrischen 

Klinik X.___. Er lässt dabei unerwähnt, dass die Behandler der Psychiatrischen Klinik 

X.___ ihm nach einer kurzen Vorlaufphase von 14 Tagen eine Arbeitsfähigkeit von 

vorderhand 40%, rasch steigerbar auf eine volle Leistungsfähigkeit, sowohl in der 

angestammten Tätigkeit als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt attestierten (IV-

2.3.5. 

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act. 88 und 93-5). Wiederum ist zu berücksichtigen, dass die Berichte der 

Psychiatrischen Klinik X.___ von Behandlern ausgestellt wurden, welche sich im Zweifel 

erfahrungsgemäss eher zugunsten ihrer Patienten äussern und den therapeutischen 

Blickwinkel vertreten (E. 1.4 vorstehend). Die unterschiedliche Einschätzung der 

gezeigten Symptomatik als Persönlichkeitsstörung im Gegensatz zur blossen Diagnose 

einer Persönlichkeitsakzentuierung zerstört damit den Beweiswert des ABI-Gutachtens 

nicht.

Der Beschwerdeführer nimmt sodann Bezug auf die Arztberichte der 

behandelnden Arztpraxis W.___. Dort befindet der Beschwerdeführer sich seit dem 

6. April 2016 in Behandlung. Im Arztbericht vom 20. Juli 2016 antwortete med. prakt. 

W.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, auf die Frage, in welchem Umfang eine 

angepasste Tätigkeit dem Beschwerdeführer möglich sei: "Ich kann es noch nicht 

beurteilen. Zurzeit steht die medizinische Behandlung im Vordergrund." (IV-act. 99-4). 

Daraus wie auch aus den übrigen Angaben dieses Berichtes ergibt sich, dass zu jenem 

Zeitpunkt eine Arbeitsfähigkeit aus therapeutischen Gründen verneint wurde. Aspekte, 

welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären, 

ergeben sich hingegen nicht, sodass sich eine Abweichung vom ABI-Gutachten 

gestützt darauf nicht rechtfertigt. Hinzu kommt, dass die von med. prakt. W.___ 

delegierte Psychotherapeutin lic. phil. / M SC UZH D.___ im Zusammenhang mit den 

ursprünglich geplanten beruflichen Massnahmen mit E-Mail vom 13. Juni 2017 

mitteilte, der Beschwerdeführer sehe sich in der Lage, mit wenigen Stunden pro Tag zu 

starten (IV-act. 129). Dies ergibt nur Sinn, wenn auch die Behandler davon ausgingen, 

dass beim Beschwerdeführer innert absehbarer Zeit zumindest eine teilweise 

Arbeitsfähigkeit vorliege. Andernfalls hätten sie interveniert und dargelegt, weshalb 

berufliche Massnahmen ihres Erachtens nicht möglich seien. Dass med. prakt. W.___ 

kurze Zeit später eine vorläufig volle Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 99-8) ist in 

dem Kontext zu sehen, dass der Beschwerdeführer sich selbst seit 2015 stets mit 

grossem Nachdruck als weitgehend bzw. vollständig arbeitsunfähig bezeichnete (vgl. 

beispielhaft IV-act. 71-7, wo von einer "selbstinvalidiserenden Krankheitsrolle" die 

Rede ist).

2.3.6. 

Zusammenfassend ist die Diskrepanz zwischen dem ABI-Gutachten und den 

Berichten der Behandler nicht so gross, wie der Beschwerdeführer geltend macht. Die 

Einschätzung der Gutachter ist nachvollziehbar und aus den im Recht liegenden 

Berichten der Behandler drängt sich keine abweichende Beurteilung auf.

2.3.7. 

Der Beschwerdeführer bringt vor, das ABI-Gutachten sei mangelhaft, weil keine 

Fremdanamnese, namentlich keine Befragung seiner Pflegemutter und kein Beizug von 

2.4. 

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Akten der Kindesschutzbehörde stattgefunden habe. Die Argumentation des ABI-

Gutachtens, wonach die Sozialisation wenig auffällig gewesen sei, sei falsch.

Dem ist entgegenzuhalten, dass aus den Berichten der Behandler ebenfalls keine 

Fremdanamnese ersichtlich ist, auf welche die ABI-Gutachter hätten eingehen müssen. 

Auch hat der Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung nicht von sich aus 

umfassendere Angaben zu seiner Kindheit und Jugend sowie der Zeit bei Pflegeeltern 

gemacht – wozu er ohne weiteres Gelegenheit gehabt hätte. Der Beschwerdeführer hat 

aber einen Lebenslauf mitgebracht (IV-act. 121-17), woraus zu folgern ist, dass er 

durchaus in der Lage gewesen wäre, relevante Fakten aus der Kindheit vorzubringen, 

zu substantiieren und zu belegen. Zudem ergibt sich aus den Akten und ist unstreitig, 

dass der Beschwerdeführer sich erstmals 2015 – und damit im Alter von __ Jahren – in 

psychiatrische Behandlung begeben hat (IV-act. 88-2; vgl. auch IV-act. 43-2). Da der 

Beschwerdeführer zuvor nie psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen hat, 

bestand auch kein Grund für eine vertiefte Anamnese oder Fremdanamnese zu seiner 

Kindheit und Jugend.

2.4.1. 

Der Beschwerdeführer hat die obligatorische Schulzeit auf Sekundarschulniveau 

abgeschlossen und im Jahr 2002 ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als 

Detailhandelsangestellter erworben (IV-act. 9-2). Danach war er bis __ bei der V.___ 

angestellt und machte verschiedene Weiterbildungen im Verkauf und der 

Lehrlingsausbildung. Ab __ arbeitete er als Kundenberater bei der T.___, wobei er __ 

ein Zertifikat als Versicherungsvermittler VBV des Berufsbildungsverbands der 

Versicherungswirtschaft erlangte (IV-act. 4-2 f., 6 und 9-1; vgl. auch IV-act. 121-16). Da 

er vor seiner Krankschreibung ab 4. August 2014 in einer Festanstellung zu 100% 

berufstätig war, kann die Arbeitsunfähigkeit frühestens dann eingetreten sein. Dabei ist 

zu beachten, dass der Beschwerdeführer ursprünglich im Jahr 2014 und zu Beginn des 

Jahres 2015 nicht wegen einer psychischen Beeinträchtigung, sondern wegen einer 

protrahierten Rhinosinusitis teilweise vollständig, teilweise zu 50% arbeitsunfähig 

geschrieben worden ist (vgl. etwa act. G4.2/1-6). Erstmals aus psychischen Gründen 

krankgeschrieben wurde der Beschwerdeführer im Jahr 2015. Die Aussage der ABI-

Gutachter, wonach die Sozialisation wenig auffällig gewesen sei, ist demnach nicht zu 

beanstanden.

2.4.2. 

Zwar ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen, wenn er vorbringt, dass er 

mehrere Jahre gearbeitet habe, lasse nicht ohne Weiteres den Schluss zu, dass keine 

psychische Störung vorbestanden habe. Offenkundig war der Beschwerdeführer aber 

während mehr als 15 Jahren (Lehrzeit eingeschlossen) in der Lage, berufstätig zu sein, 

2.4.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

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sodass jedenfalls keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit vorlag. 

Persönlichkeitsstörungen manifestieren sich sowohl nach der Definition von ICD-10 als 

auch DSM-5 in der Regel in der Kindheit und Jugend. Vorliegend traten die 

narzisstischen Persönlichkeitszüge des Beschwerdeführers jedoch erst in seinem 

33. Lebensjahr im Zusammenhang mit seiner Arbeitsfähigkeit medizinisch in 

Erscheinung, sodass auch aus diesem Grund nicht zu beanstanden ist, dass das ABI-

Gutachten eine blosse Persönlichkeitsakzentuierung diagnostizierte. Dass der 

Beschwerdeführer, wie er vorbringt, nur dadurch erwerbstätig sein konnte, weil er sich 

vollkommen auf den beruflichen Erfolg konzentrierte, ist angesichts der Tatsache, dass 

er über 15 Jahre lang berufstätig war, nicht überwiegend wahrscheinlich. Seine 

Behauptung, es würden sich eine Vielzahl von Hinweisen darauf finden, dass er bereits 

früher an verschiedenen, schweren Persönlichkeitsstörungen gelitten habe, findet in 

den Akten keine Stütze. Insbesondere werden in dem von ihm in diesem 

Zusammenhang angeführten Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik X.___ (IV-

act. 88) lediglich seine eigenen Angaben gegenüber den Behandlern wiedergegeben. 

Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführer auch gegenüber seinen 

Behandlern teilweise wenig transparent war und sich widersprüchlich verhielt oder 

äusserte (vgl. etwa IV-act. 71-6 ff.), erwecken diese Angaben keinen Zweifel an der 

ABI-Begutachtung. Die von ihm besonders betonte Behauptung, er sei 

beziehungsgestört (was für sich genommen ohnehin keine Arbeitsunfähigkeit 

begründet), wird weder von den ABI-Gutachtern noch den Behandlern in dieser Form 

bestätigt.

Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, ihm werde zu Unrecht Aggravation 

bzw. Simulation unterstellt. Dr. B.___ habe diesbezüglich lediglich einen Verdacht 

geäussert. Der psychiatrische ABI-Gutachter hielt jedoch lediglich fest, die bereits von 

Dr. B.___ beobachtete nach aussen gerichtete Beschwerdedarstellung habe sich auch 

in seiner Untersuchung gezeigt. Der Beschwerdeführer habe dabei wenig Rücksicht auf 

den Untersucher genommen und sich in seiner Selbstdarstellung schliesslich selber 

erschöpft, was im Rahmen von narzisstischen Persönlichkeitszügen mit wenig 

Einfühlungsvermögen und deutlicher Überzeugtheit von sich selber gesehen werden 

könne. Eine Simulation könne letztlich nur durch eine Beobachtung im wirklichen 

Leben festgestellt werden (IV-act. 121-19). Der psychiatrische ABI-Gutachter attestierte 

mithin weder Aggravation noch Simulation, sondern stellte lediglich eine nach aussen 

gerichtete Beschwerdedarstellung fest (siehe auch IV-act. 121-20). Folglich hat er nicht 

etwa wegen einer (vermuteten) Aggravation oder Simulation das Vorliegen einer 

Persönlichkeitsstörung verneint. Somit kommt die Rechtsprechung zu dieser Thematik 

im vorliegenden Fall nicht zur Anwendung.

2.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

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3.  

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Der Beschwerdeführer bezahlt unter Anrechnung des Kostenvorschusses von 

Fr. 600.-- die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600.--.

Nach dem Gesagten ist das ABI-Gutachten umfassend (eine vertiefte Anamnese 

war nicht erforderlich) und leuchtet in seinen Schlussfolgerungen ein. Es ist demnach 

beweiskräftig, sodass darauf abzustellen ist.

2.6. 

Nachdem auf das ABI-Gutachten vollumfänglich abzustellen ist, ist der 

Beschwerdeführer als zu 90% arbeitsfähig in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit wie auch 

in jeder anderen adaptierten Tätigkeit anzusehen. Unstreitig resultiert bei einer solch 

hohen Arbeitsfähigkeit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, selbst wenn ein 

Tabellenlohnabzug vorgenommen würde. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.

3.1. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 

Der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.

3.2. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

3.3. 

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	Entscheid Versicherungsgericht, 12.06.2020
	Art. 28 und 29 IVG. Beweiswert eines Administrativgutachtens. Die von den Arztberichten der Behandler abweichenden Diagnosen der Gutachter sind vorliegend nachvollziehbar und einleuchtend. Eine Fremdanamnese, namentlich der Beizug von Akten der Kindesschutzbehörde oder Gespräche mit der Pflegemutter des Beschwerdeführers, war vorliegend nicht erforderlich (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Juni 2020, IV 2018/189). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_515/2020.

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		2025-07-19T03:49:41+0200
	"9001 St.Gallen"
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