# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da886311-4075-5de3-a0bf-ac62ca0e7695
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.05.2024 F-2704/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2704-2024_2024-05-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2704/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Yannick Antoniazza-Hafner (Vorsitz), 

Richter Manuel Borla, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sandra Hutter. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Russland,   

vertreten durch Marek Wieruszewski, Solidaritätsnetz Bern, 

Quartiergasse 12, 3013 Bern,  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 18. April 2024. 

 

 

 

F-2704/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 22. Januar 2024 in der Schweiz um 

Asyl. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-

druck-Datenbank (Eurodac) ergab, dass sie am 20. Dezember 2023 in  

Kroatien um Asyl ersucht hatte. 

B.  

Mit Verfügung vom 18. April 2024 (eröffnet am 23. April 2024) trat das SEM 

in Anwendung des Dublin Abkommens auf das Asylgesuch nicht ein, ord-

nete ihre Überstellung nach Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-

fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-

ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-

bende Wirkung zu. 

C.  

Mit Schreiben vom 30. April 2024 (Datum Postaufgabe) erhob die  

Beschwerdeführerin gegen die obgenannte Verfügung Beschwerde und 

beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Eventualiter 

sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Am 2. Mai 2024 ordnete der Instruktionsrichter einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Verfahren richtet sich grundsätzlich nach dem VwVG, dem VGG 

und dem BGG, (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG [SR 142.31]).  

Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht ist vorliegend zulässig  

(Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzun-

gen sind erfüllt (Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG; Art. 108 Abs. 3 AsylG).  

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.2. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG verzichtet das Gericht auf die 

Durchführung eines Schriftenwechsels. 

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Seite 3 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). Ge-

mäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzigen 

Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8-15 Dub-

lin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 7 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats 

wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-

stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-

verfahrens (Art. 23-25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (erneute) 

Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). Der Mitgliedstaat, bei dem der 

erste Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, ist gehalten, einen 

Antragsteller, der sich ohne Aufenthaltstitel im Hoheitsgebiet eines anderen 

Mitgliedstaats aufhält oder dort einen Antrag auf internationalen Schutz ge-

stellt hat, nachdem er seinen ersten Antrag noch während des Verfahrens 

zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zurückgezogen hat, nach 

den Bestimmungen der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen, um 

das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats zum Ab-

schluss zu bringen (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). 

3.2. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylge-

such «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür ge-

mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser 

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Entscheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsge-

richt darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 

2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

3.3. Hat der Antragsteller einen Familienangehörigen – ungeachtet der 

Frage, ob die Familie bereits im Herkunftsland bestanden hat – der in  

seiner Eigenschaft als Begünstigter internationalen Schutzes in einem Mit-

gliedstaat aufenthaltsberechtigt ist, so ist dieser Mitgliedstaat für die Prü-

fung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig, sofern die betref-

fenden Personen diesen Wunsch schriftlich kundtun (Art. 9 Dublin-III-VO). 

Praxisgemäss ist für die Beurteilung, ob jemand als Familienangehöriger 

im Sinne von Art. 9 Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 2 Bst. g Dublin-III-

VO gilt, auf die Rechtsprechung zum Schutzbereich des grundrechtlichen 

Anspruchs auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK zurück-

zugreifen (vgl. anstatt vieler Urteil des BVGer D-2343/2023 vom 4. Mai 

2023 E. 5.2 m.H.). 

3.4. Ist ein Antragsteller wegen schwerer Krankheit, ernsthafter Behinde-

rung oder hohen Alters auf die Unterstützung seines Kindes, dass sich 

rechtmäßig in einem Mitgliedstaat aufhält, angewiesen, so entscheiden die 

Mitgliedstaaten in der Regel, den Antragsteller und dieses Kind nicht zu 

trennen beziehungsweise sie zusammenzuführen, sofern die familiäre Bin-

dung bereits im Herkunftsland bestanden hat, das Kind, in der Lage ist, die 

abhängige Person zu unterstützen und die betroffenen Personen ihren 

Wunsch schriftlich kundgetan haben (Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO). Die 

Nichtanwendung der Zuständigkeitsbestimmung von Art. 16 Abs. 1 Dublin-

III-VO kann im Einzelfall menschenrechtswidrig sein und einen Ermes-

sensmissbrauch darstellen. Sind die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 

Dublin-III-VO gegeben und halten sich die betroffenen Personen in dem-

selben Mitgliedstaat auf, hat sich die entscheidende Behörde für zuständig 

zu erklären (vgl. Urteil des BVGer F-280/2021 vom 22. Juli 2021  

E. 6 m.w.H.). 

4.  

4.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke ergab, dass die Beschwerdeführerin 

am 20. Dezember 2023 in Kroatien daktyloskopisch erfasst wurde. Glei-

chentags stellte sie gemäss Auszug aus der «Eurodac»-Datenbank ein 

Asylgesuch. Die kroatischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmeer-

such der Vorinstanz gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO fristgerecht zu 

(Vorakten [SEM-act.] 14). Somit sind sowohl die Antragsstellung in Kroa-

tien als auch der Umstand, dass das kroatische Verfahren zur Bestimmung 

des für das Asylgesuchs der Beschwerdeführerin zuständigen 

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Mitgliedstaats gemäss Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO noch nicht abgeschlos-

sen wurde, als erstellt zu betrachten mit der Folge, dass das Verfahren 

nach einer Rücküberstellung der Beschwerdeführerin fortgesetzt wird  

(Urteil des BVGer E-6460/2023 vom 1. Dezember 2023 E. 4.3). 

4.2. Sämtliche Dublin-Mitgliedstaaten sind von Gesetzes wegen dazu ver-

pflichtet, Personen, die internationalen Schutz beantragen, beziehungs-

weise Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, die beim illegalen Über-

schreiten einer Aussengrenze aufgegriffen werden, den Abdruck aller Fin-

ger abzunehmen (Art. 9 Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EU] Nr. 

603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 

[Eurodac-Verordnung]). Die schweizerischen Behörden dürfen grundsätz-

lich darauf vertrauen, dass die Einträge in der Eurodac-Datenbank korrekt 

sind. Andererseits sieht das Gericht nicht ein, wieso die kroatischen Behör-

den diesbezüglich falsche Angaben machen würden (vgl. Urteile des 

BVGer F-2134/2020 vom 29. April 2020; E-2222/2017 vom 20. April 2017 

S. 6; F-3426/2022 vom 20. Dezember 2022 E. 4.5.2). Es ist somit davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Kroatien um Asyl ersucht hat.  

4.3. Indem die Beschwerdeführerin geltend macht, ihre volljährige Tochter 

und ihre drei Enkelkinder lebten in der Schweiz, vermag sie nichts zu ihren 

Gunsten abzuleiten. Gemäss Art. 2 lit. g Dublin-III-VO umfasst der Begriff 

der Familienangehörigen nur die Kernfamilie, das heisst Ehegatten, Leben-

spartnerinnen und Lebenspartner sowie minderjährige Kinder. Ihre in der 

Schweiz lebende Familienangehörigen fallen somit nicht in die Kategorie 

der Familienangehörigen im Sinne der Dublin-III-VO. Ein besonderes Ab-

hängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO liegt nicht 

vor (siehe dazu E 4.4 unten). Ein Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz 

zur Durchführung des Asylverfahrens lässt sich gestützt auf Art. 9 Dublin-

III-VO (Schutz der Familieneinheit) ebenfalls nicht begründen. Die Fami-

lienangehörigen in der Schweiz fallen nämlich nicht unter den Schutzbe-

reich des grundrechtlichen Anspruchs auf Achtung des Familienlebens ge-

mäss Art. 8 EMRK. 

4.4. Die Beschwerdeführerin behauptet ein Abhängigkeitsverhältnis im 

Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu ihrer in der Schweiz lebenden 

Tochter und eine daraus abzuleitende Zuständigkeit der Schweiz.  

Zur Bewertung der Hilfsbedürftigkeit von Familienangehörigen sind nach 

Möglichkeit objektive Schriftstücke heranzuziehen. Sind diese nicht verfüg-

bar oder können diese nicht beigebracht werden, kann das Vorliegen hu-

manitärer Gründe nur dann als gegeben angesehen werden, wenn die 

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Beteiligten dies durch entsprechende Angaben glaubhaft machen können 

(Art. 11 Abs. 2 der Durchführungsverordnung [EU] Nr. 118/2014 der Kom-

mission vom 30. Januar 2014 zur Änderung der Verordnung [EG] Nr. 

1560/2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung [EG] Nr. 

343/2003 des Rates zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig 

ist). Zur Beurteilung, ob ein rechtlich relevantes Abhängigkeitsverhältnis 

besteht, ist auf eine Gesamtwürdigung des konkreten Einzelfalls, unter Ein-

bezug der individuellen und soziokulturellen Lebenssituation der betroffe-

nen Personen abzustellen (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskommentar zum 

Europäischen Asylzuständigkeitssystem, 2018, Art. 16 N. 8; CHRISTIAN 

FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, 2014, K3 zu Art. 16). 

Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, dass sie aufgrund ihres Ge-

sundheitszustandes (vgl. E. 7.3.1 und 7.3.2) Unterstützung benötige.  

Die familiäre Bindung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer recht-

mässig in der Schweiz lebenden Tochter dürfte (naturgemäss) bereits im 

Herkunftsstaat bestanden haben. Ein hinreichendes Abhängigkeitsverhält-

nis zwischen den Beiden ist jedoch im Rahmen einer Gesamtbetrachtung 

zu verneinen. Es ist bei der Beschwerdeführerin nicht auf eine schwere 

Krankheit, geschweige denn auf eine ernsthafte Behinderung im Sinne von 

Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu schliessen (vgl. E. 7.3). Fachärztlich wurde 

zwar festgestellt, dass sie gewisse medizinische Dienstleistungen, vor al-

lem Medikamente, benötigt (vgl. E. 7.3.1 und 7.3.2). Deren Sicherstellung 

bedingt aber nicht eine räumliche Nähe zu der in der Schweiz ansässigen 

Tochter. Den Akten entnehmen sich auch keine Hinweise, dass die Be-

schwerdeführerin für die Bewältigung ihrer gesundheitlichen Beeinträchti-

gungen oder ihres Alltags auf eine notwendige und dauernde Unterstüt-

zung ihrer Tochter angewiesen ist (statt vieler: Urteile des BVGer E-

4383/2018 vom 9. August 2018 E. 7.3; F-2090/2018 vom 5. Juli 2018 E. 

3.10). Es fehlt demnach an einem eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis 

und wird ein solches in der Beschwerde auch nicht näher begründet. Auch 

kann sie aus dem Umstand, dass die Vorinstanz eine vorübergehende Pri-

vatunterbringung der Beschwerdeführerin bei der Tochter genehmigte (vgl. 

SEM-act. 23), nichts für sich ableiten. 

In ihrem Dublin-Gespräch gab die Beschwerdeführerin ferner an, dass sie 

in die Schweiz gekommen sei, um ihre gesundheitlich angeschlagene 

Tochter mit den drei Kindern zu unterstützen. Diese Intentionen stehen in 

einem offenen Widerspruch zum in der Beschwerde geltend gemachten 

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Mass an gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Abhängigkeiten (vgl. 

Urteil des BVGer D-652/2015 vom 29. Mai 2015 E. 5.5). In Gesamtbetrach-

tung ihrer Lebenssituation erscheint die Beschwerdeführerin nicht als der-

art verletzlich, dass die Zusammenführung respektive die Nicht-Trennung 

von ihrer Tochter als humanitäre Pflicht erscheinen würde (vgl. FILZWIE-

SER/SPRUNG, K3 zu Art. 16). Überdies kann aufgrund der Angaben bezüg-

lich des Gesundheitszustandes der Tochter allgemein daran gezweifelt 

werden, ob diese überhaupt in der Lage wäre, die Beschwerdeführerin zu 

unterstützen (vgl. E. 3.4).  

4.5. Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den  

ihren Antrag prüfenden Staat selbst auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45  

E. 8.3). Die persönliche Präferenz der Beschwerdeführerin ist somit uner-

heblich. 

4.6. Die Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asylverfahrens 

ist somit grundsätzlich gegeben.  

5.  

5.1. Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin am 3. Juli 

2021 in Litauen um Asyl ersucht hatte. Laut Angaben der Beschwerdefüh-

rerin (vgl. SEM-act. 11/1) erhielt sie dort einen negativen Asylentscheid und 

kehrte im Frühjahr 2022 nach Russland zurück.  

5.2. Die Beschwerdeführerin brachte als Argument gegen die beabsichtigte 

Überstellung nach Kroatien in ihrem Dublin-Gespräch vom 29. Januar 2024 

und in ihrer Beschwerde vor, dass es dort viele Tschetschenen gebe, wel-

che sie finden und anschliessend wieder nach Russland zurückbringen 

könnten. Sie sei froh, dass es hier im Camp keine Tschetschenen gebe. 

Zudem sei das Camp in Kroatien extrem schmutzig gewesen und es habe 

dort viele Kakerlaken gegeben. Das Camp sei so schmutzig gewesen, dass 

sie und die mit ihr reisende Nichte es verlassen und stattdessen eine Woh-

nung gemietet hätten. Sie selbst sei hierhergekommen um ihre in der 

Schweiz lebende Tochter mit den drei Kindern zu unterstützen. Sie sei be-

sonders verletzlich und würde eine Wegweisung nach Kroatien und eine 

Trennung von der Tochter sicherlich eine weitere Verschlechterung ihrer 

Gesundheit mit sich bringen. Sie selbst nehme zwei eigene Medikamente 

zur Beruhigung der Nerven und sie habe aufgrund von Schlägen durch 

Tschetschenen Probleme mit ihrem linken Arm und der linken Schulter. 

6.  

Gemäss Referenzurteil des BVGer E-1488/2020 vom 22. März 2023 

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weisen das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien keine 

systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter 

Satz Dublin-III-VO auf. Es wird demnach vermutet, dass das Land die Si-

cherheit der Asylbewerber garantiert und ihre Rechte gemäss dem interna-

tionalen Recht einhält (namentlich die EMRK, das Übereinkommen vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], das Abkom-

men vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 

0.142.30]; die Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes [sog. Verfahrens-

richtlinie] sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen 

für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen 

[sog. Aufnahmerichtlinie]).  

Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit – auch unter Berücksichtigung 

kritischer Berichte nationaler und internationaler Organisationen sowie der 

diesbezüglich in der Beschwerde zitierten Quellenhinweise – nicht davon 

aus, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen in Kroatien wiesen 

systemische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dub-

lin-III-VO auf. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass 

Kroatien seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen ge-

genüber Personen in der Situation des Beschwerdeführers nachkommt 

und insbesondere auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus 

der Verfahrens- und Aufnahmerichtlinie ergeben. Diese Vermutung kann 

im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernst-

hafter Hinweise, die von der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind. 

Wie dies bei der Prüfung von Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO dargelegt 

wird, gelingt dies der Beschwerdeführerin vorliegend jedoch nicht. 

7.  

Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz vom Selbsteintrittsrecht  

gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV hätte  

Gebrauch machen müssen. 

7.1. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, es sei aufgrund der Anwesen-

heit von Tschetschenen in Kroatien nicht ungefährlich für sie, wurden von 

ihr nicht belegt. Sie tätigte hierzu in ihrem Dublin-Gespräch (vgl. SEM-act. 

11/2) lediglich pauschale Ausführungen und sie legte nicht dar, warum  

– von ihr nicht näher bestimmte – Tschetschenen sie in Kroatien finden und 

dann nach Russland zurückzubringen sollten. Insgesamt sind die 

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Ausführungen der Beschwerdeführerin als wenig konkret und als nicht 

glaubhaft anzusehen. Überdies ist darauf hinzuweisen, dass Kroatien ein 

Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem und Polizeibehörden ist. 

Sollte sie sich durch Personen – beispielsweise den von ihr genannten 

Tschetschenen – rechtswidrig behandelt oder bedroht fühlen, könnte sie 

eine Anzeige erstatten. 

7.2. Sollte sich die Beschwerdeführerin mit ihren Ausführungen über ihre 

Tochter und die Enkelkinder implizit auf Art. 8 EMRK berufen, ist Folgendes 

festzuhalten: 

Gemäss dieser Vorschrift hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Pri-

vat- und Familienlebens. Der Schutzbereich dieser Bestimmung umfasst 

dabei neben der Kernfamilie auch weitere verwandtschaftliche Bande. So 

kann eine solche Beziehung ebenfalls darunterfallen, sofern eine nahe, 

echte und tatsächlich gelebte Beziehung vorliegt. Nach der Rechtspre-

chung setzt dies indessen zusätzlich voraus, dass zwischen diesen Perso-

nen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis besteht (vgl. zum Ganzen 

BVGE 2008/47 E. 4.1.1). Da die Beziehung zwischen den sich in der 

Schweiz aufhaltenden Familienangehörigen und der Beschwerdeführerin 

nicht unter den Begriff der Kernfamilie fällt und auch kein Abhängigkeits-

verhältnis besteht (vgl. E. 4.4 oben), ist der Anspruch auf Achtung des Fa-

milienlebens gemäss Art. 8 EMRK vorliegend nicht verletzt. 

7.3. Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, ihr Gesundheitszustand 

stehe einer Überstellung entgegen. Damit macht sie geltend, die Überstel-

lung nach Kroatien setze sie einer Gefahr für ihre Gesundheit aus und ver-

letze damit Art. 3 EMRK. 

7.3.1. In Bezug auf ihren physischen Gesundheitszustand ist aktenkundig, 

dass sie an einer arteriellen Hypertonie und Tinnitus leidet. Sie war im  

B._______ vom 29. Januar 2024 bis zum 5. Februar 2024 wegen einer 

«chronischen anterioren Luxation inverse Schulterprothese links mit Metal-

los nach Sturz» in Behandlung. Dort wurde sie am 1. Februar 2024 deswe-

gen operiert. Im Austrittsbericht wurde diesbezüglich vermerkt, dass sie im 

Jahr 2019 eine proximale mehrfragmentäre Humerusfraktur erlitt und eine 

inverse Schulterprothese erhielt. Postoperativ wurden regelmässige 

Wundkontrollen und Fadenentfernung, eine Fortführung der antibiotischen 

Therapie, eine Nachkontrolle, Hilfsmittel (Gilchrist, Mobilisation) vorgese-

hen. Man verschrieb ihr beim Austritt vier Medikamente (Co-Amoxi Mepha 

[1'000 mg]; Dafalgan [500 mg]; Minalgin [500 mg]; Valverde Entspannung).  

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Die Beschwerdeführerin wurde am 5. Februar 2024 in gutem Allgemeinzu-

stand entlassen (vgl. SEM-act 19/3 f.). 

7.3.2. In Bezug auf ihren psychischen Gesundheitszustand ist aktenkun-

dig, dass sie erstmalig am 5. Februar 2024 wegen Suizidgedanken bei 

C._______ vorstellig wurde. Der behandelnde Arzt empfahl eine stationäre 

Krisenintervention und antidepressive Behandlung (SEM-act. 20), welche 

sie am 12. Februar 2024 antrat. Gemäss dem Austrittsbericht des Psychi-

atriezentrums vom 21. März 2024 leidet sie an einer rezidivierenden de-

pressiven Störung mit gegenwärtig schwerer Episode ohne psychotische 

Symptome (F33.2) und es besteht der Verdacht auf eine posttraumatische 

Belastungsstörung. Beim Austritt am 14. März 2024 wurde ihr die tägliche 

Einnahme von vier Medikamenten (Sertralin [100 mg]; Quilonorum Retard 

[12.2 mmol]; Minalgin [500 mg]; Doxazosin [4 mg]) vorgeschrieben. Aus 

dem Austrittsbericht sowie dem Bericht vom 5. Februar 2024 geht hervor, 

dass die Suizidgedanken bereits im Heimatland bestanden. Die depressive 

Störung mit den wiederkehrenden Suizidgedanken sei in Russland deswe-

gen von einem Psychiater ambulant medikamentös und psychotherapeu-

tisch behandelt worden. Sie habe immer wieder Momente, in denen sie 

sich an die Folter erinnere und bekomme dann einen starken Schwindel. 

Seit sie sich in der Schweiz aufhalte, habe sie keine Medikamente mehr 

bekommen. 

Am 14. März 2024 wurde sie bei fehlenden Hinweisen auf Selbst- oder 

Fremdgefährdung aus der Spitalpflege und in die ambulante Betreuung 

beim Hausarzt entlassen (vgl. SEM-act. 22). 

7.3.3. Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen  

Art. 3 EMRK dar. Eine vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwer-

kranke, die durch die Abschiebung – mangels angemessener medizini-

scher Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert wür-

den, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden 

oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde 

(vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.; bestätigt durch Savran ge-

gen Dänemark 7. Dezember 2021, Grosse Kammer 57467/15, §§ 121 ff.). 

7.3.4. Von einem derart gravierenden Krankheitsbild, welches die Annah-

me der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne der zitierten re-

striktiven Rechtsprechung rechtfertigen würde, kann bei der 

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Seite 11 

Beschwerdeführerin nicht ausgegangen werden (vgl. Urteile des BVGer D-

5096/2023 vom 10. November 2023 E. 8.2.4.1 ff.; E-1775/2023 vom 6. Ap-

ril 2023 E. 7.2.4; E-4348/2021 vom 15. Dezember 2022 E. 7.3.2 ff.). Die 

dokumentierten physischen und psychischen Leiden sind auch in Kroatien 

behandelbar, wo eine ausreichende medizinische Infrastruktur für sämtli-

che Dublin-Rückkehrenden zur Verfügung steht. Die Mitgliedstaaten – und 

so auch Kroatien – sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche 

medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-

dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychi-

schen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnah-

merichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erfor-

derliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer 

geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-

nahmerichtlinie; vgl. Referenzurteil E-1488/2020 E. 10.2 und E. 10.3; so-

wie statt vieler: Urteil des BVGer D-2991/2023 vom 3. November 2023 

E. 11.4.1 m.w.H.). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Kroatien der Be-

schwerdeführerin eine adäquate medizinische Behandlung verweigern 

würde.  

7.3.5. Bezüglich der geltend gemachten Labilität der Beschwerdeführerin 

ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung Suizidalität grund-

sätzlich kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil BGer 2C_221/2020 vom 

19. Juni 2020 E. 2 sowie statt vieler: Urteile des BVGer F-5061/2022 vom 

15. März 2023 E. 8.2 in fine; D-2804/2022 vom 9. Februar 2023 E. 7.3.5). 

Die Geltendmachung eines Suizidrisikos verpflichtet die Behörden nicht, 

von einer Ausschaffung abzusehen (Entscheid des EGMR Al-Zawatia  

gegen Schweden vom 22. Juni 2010, 50068/08, § 57 f.). 

Zu berücksichtigen ist ferner, dass sich der Gesundheitszustand der Be-

schwerdeführerin im Rahmen der stationären Behandlung verbessert hat, 

konnte sie doch aus der stationären Pflege entlassen werden, da keine 

Selbst- oder Fremdgefährdung mehr vorlag. Über die eingeleitete medika-

mentöse Behandlung hinaus wurde in der Schweiz keine begleitende The-

rapie begonnen.  

7.3.6. Es ist daher insgesamt nicht davon auszugehen, dass der Be-

schwerdeführerin bei einer Überstellung nach Kroatien eine ernste, rasche 

und unwiederbringliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

droht, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Le-

benserwartung und damit einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen würde. 

F-2704/2024 

Seite 12 

7.3.7. Die schweizerischen Behörden, die mit dem Vollzug der angefoch-

tenen Verfügung beauftragt sind, werden den medizinischen Umständen 

bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung der Be-

schwerdeführerin Rechnung zu tragen und die kroatischen Behörden vor-

gängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen Umstände 

informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Der Suizidalität beziehungsweise 

einer Akzentuierung suizidaler Tendenzen bei einem zwangsweisen Weg-

weisungsvollzug ist sodann bei der Festlegung des Überstellungszeitpunk-

tes durch geeignete Massnahmen in Form einer medizinisch begleiteten 

Ausreise (Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Rückfüh-

rung) nach Kroatien Rechnung zu tragen. Um einen Unterbruch bei der 

Medikamenteneinnahme zu vermeiden, ist der Beschwerdeführerin ein 

entsprechender Medikamentenvorrat mitzugeben. 

7.4. Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Unterbringung 

in kroatischen Aufnahmelagern – insbesondere in Hinblick auf hygienische 

Standards – belastend sein kann. Bei einer allfälligen vorübergehenden 

Einschränkung der der Beschwerdeführerin zustehenden Aufnahmebedin-

gungen kann sie sich jedoch an die kroatischen Behörden wenden und ihre 

Rechte auf dem Rechtsweg einfordern. Im Übrigen steht ihr die Möglichkeit 

offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren (Urteil 

des BVGer F-4551/2023 vom 11. März 2024 E.7.5.7). 

7.5. Sie vermag kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzutun, die  

Behörden würden sich weigern, sie aufzunehmen und einen allfälligen An-

trag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfah-

rensrichtlinie zu prüfen. Die Behörden haben ihrer Aufnahme explizit zuge-

stimmt. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu ent-

nehmen, Kroatien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoule-

ment missachten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, 

ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-

fährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches 

Land gezwungen zu werden.  

7.6. Soweit die Beschwerdeführerin das Vorliegen von «humanitären Grün-

den» geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:  

7.6.1. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM 

bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Das Gericht 

beschränkt seine Beurteilung im Wesentlichen darauf, ob das SEM den 

Sachverhalt diesbezüglich korrekt und vollständig erhoben, allen 

F-2704/2024 

Seite 13 

wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspiel-

raum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

7.6.2. Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu 

beanstanden; weder sind Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder 

ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens dargetan noch sind 

solche den Akten zu entnehmen.  

7.7. Demnach besteht kein Grund für eine Anwendung der Ermessensklau-

seln von Art. 17 Dublin-III-VO. Weder ist die Schweiz völkerrechtlich ver-

pflichtet, auf das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe 

vor, welche einen Selbsteintritt nahelegen würden.  

Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO und 

ist verpflichtet, die Beschwerdeführerin wiederaufzunehmen. 

8.  

Das SEM ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf 

das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Die Überstel-

lung nach Kroatien wurde in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu 

Recht angeordnet.  

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Verfügung des SEM zu bestätigen. 

9.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. Der am  

2. Mai 2024 verfügte einstweilige Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden 

Urteil dahin. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde die Beschwerdeführerin grund-

sätzlich kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die in der Rechtsmittelein-

gabe formulierten Begehren waren allerdings nicht als aussichtslos zu  

betrachten und die prozessuale Bedürftigkeit ist hinreichend erstellt. Das 

Begehren um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist daher gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin wird somit von der 

Bezahlung der Verfahrenskosten befreit. 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

  

F-2704/2024 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, medizinische Begleitmassnahmen, die im Zeit-

punkt der Überstellung der Beschwerdeführerin nach Kroatien notwendig 

erscheinen, sicherzustellen (vgl. E. 7.3.7). 

 

3.  

3.1. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von  

Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3.2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Yannick Antoniazza-Hafner Sandra Hutter 

 

 

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