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**Case Identifier:** dc0d3da0-d1b6-5543-a825-a28b720f0519
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-01-29
**Language:** de
**Title:** Staats- und Gemeindesteuern 2012
**Docket/Reference:** ST.2015.198
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2015_198_ri.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2015.198 

Entscheid 

29. Januar 2016 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiberin Andrea Schmid 

1.  A ,  
2.  B ,    

Nr. 2 vertreten durch Nr. 1,  

In Sachen 

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Konsum,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekurrenten,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Staats- und Gemeindesteuern 2012 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige) führte als Einzelfirma den C, welcher D ver-

trieb. Mit Vertrag vom … 2012 verkaufte er diesen an die E AG für Fr. 1,3 Mio. Zudem 

betrieb er umfangreiche Börsengeschäfte. In der Steuererklärung 2012 deklarierten er 

und  seine  Ehefrau  B  (nachfolgend  zusammen  die  Pflichtigen)  Brutto-Einkünfte  aus 

selbstständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 693'500.-.  

Am 17. März 2014 wurde eine steueramtliche Buchprüfung mit Bezug auf die 

Steuerperioden 2011 und 2012 durchgeführt. Dabei stellte die Revisorin fest, dass sich 

die  deklarierten  Einkünfte  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  von  Fr.  693'500.-  zu-

sammensetzten aus den Positionen Kundenzahlungen C von Fr. 152'147.-, dem Erlös 

aus dem Verkauf des C von Fr. 1,3 Mio. sowie einem Verlust aus Wertschriftenhandel 

von Fr. 758'647.-. Mit Auflage vom 18. März 2014 verlangte sie in Bezug auf den Wert-

schriftenhandel eine detaillierte Aufstellung aller im Prüfungszeitraum vorgenommener 

Börsentransaktionen  samt  Bankbelegen,  Kauf-/Verkaufsabrechnungen  etc.  Weiter 

stellte  sie  fest,  dass  vor  Ort  keine  Post-/Bankunterlagen  vorhanden  waren,  und  ver-

langte diese ebenfalls ein. Die Auflage wurde am 8. April 2014 gemahnt, welche sich 

allerdings  mit  Unterlagen  der  Pflichtigen  (Eingang  9.  April  2014)  kreuzte.  Am  28.  Ap-

ril 2014 wurde die Mahnung wiederholt.  

Mit Einschätzungsvorschlag vom 19. Mai 2014 stellte die Revisorin die von ihr 

ermittelten  Faktoren  für  die  Einschätzung  der  Staats-  und  Gemeindesteuern  2012  in 

Aussicht.  Darin  schätzte  sie  die  Einkünfte  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  nach 

pflichtgemässem  Ermessen  auf  Fr.  1'368'000.-.  Den  geltend  gemachten  Verlust  aus 

dem Wertschriftenhandel liess sie nicht zum Abzug zu. Die Pflichtigen antworteten mit 

Eingabe vom 13. Juni 2014. Darin führten sie aus, dass es sich bei der Börsentätigkeit 

um eine selbstständige Erwerbstätigkeit gehandelt habe und der daraus resultierende 

Verlust deshalb zu berücksichtigen sei.  

Am  5.  Januar  2015  schätzte  der  Steuerkommissär  die  Pflichtigen  entspre-

chend  dem  Einschätzungsvorschlag  für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  2012  mit 

einem steuerbaren Einkommen von Fr. 1'348'800.- und einem steuerbaren Vermögen 

von Fr. 706'000.- ein.  

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B. Hiergegen erhoben die Pflichtigen am 2. Februar 2015 Einsprache mit dem 

Antrag, die Verluste aus dem Börsenhandel als gewerbsmässigen Wertschriftenhandel 

zu berücksichtigen. Weiter beantragten sie eine Anhörung. Nach Durchführung dersel-

ben reichte der Pflichtige am 22. Juni 2015 eine Aufstellung seiner Börsenverluste ein, 

welche  für  den  Zeitraum  …  2012  bis  …  2013  einen  reduzierten  Betrag  von 

Fr. 600'154.40 ergab.  

Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 30. Juni 2015 ab.  

C. Mit Rekurs vom 29./30. Juli 2015 beantragten die Pflichtigen, das steuerba-

re Einkommen auf Fr. 990'400.- herabzusetzen. Zudem stellten sie ein Gesuch um die 

Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege.  Neu  bezifferten  sie  die  Verluste  2012 

aus gewerbsmässigem Wertschriftenhandel nunmehr auf Fr. 358'385.-.  

Das  kantonale  Steueramt  schloss  am  28.  August  2015  auf  Abweisung  des 

Rekurses.  

Mit Verfügung vom 30. Oktober 2015 setzte das Rekursgericht den Pflichtigen 

Frist an, um eine substanziierte Sachdarstellung in Bezug auf die getätigten Börsenge-

schäfte  sowie  die  eingesetzten  Fachkenntnisse  abzugeben.  Diese  antworteten  am 

18./19.  November  2015.  Das  kantonale  Steueramt  liess  sich  hierzu  nicht  mehr  ver-

nehmen.  

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) aa) Nach § 16 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) unter-

liegen "alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte" der Einkommenssteuer. Steu-

erfrei sind nach § 16 Abs. 3 StG die Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privat-

vermögen.  §  18  Abs.  1 StG  bestimmt,  dass  alle  Einkünfte  aus  einem  Handels-, Indu-

strie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem freien Beruf sowie jeder 

anderen  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  steuerbar  sind.  Zu  den  Einkünften  aus 

selbstständiger Erwerbstätigkeit gehören nach § 18 Abs. 2 StG auch alle Kapitalgewin-

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ne  aus  Veräusserung,  Verwertung  oder  buchmässiger  Aufwertung  von  Geschäftsver-

mögen.  

bb)  Nach  der  Praxis  des  Bundesgerichts  unterliegen  Gewinne  aus  der  Ver-

äusserung von Vermögensgegenständen – namentlich Liegenschaften, Wertpapieren, 

Edelmetallen und Devisen – als Erwerbseinkommen der direkten Bundessteuer, wenn 

dabei eine Tätigkeit entfaltet wird, die in ihrer Gesamtheit auf Erwerb gerichtet ist (vgl. 

statt vieler: BGE 122 II 446 E. 3; BGE 125 II 113 E. 5 S. 120 ff.). Demnach sind steuer-

freie private  Kapitalgewinne im  Sinn  §  16  Abs. 3  StG  nur  diejenigen Gewinne,  die  im 

Rahmen  der  schlichten  Verwaltung  privaten  Vermögens  entstehen,  also  ohne  beson-

dere,  in  ihrer  Gesamtheit  auf  Erwerb  gerichtete  Tätigkeit  des  Steuerpflichtigen  (BGE 

125 II 113 E. 5e S. 123; BGr, 31. März 2003, 2A.486/2002, E. 2.4, www.bger.ch). 

Die Rechtsprechung umschreibt die selbstständige Erwerbstätigkeit allgemein 

zusammenfassend wie folgt:  

- Die Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgt auf eigenes Risiko;  

- der Steuerpflichtige setzt Arbeitskraft und Kapital ein;  

- die Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgt in einer von ihm selber frei bestimmten Or-

  ganisation;  

- sie ist auf die Erzielung eines Gewinns ausgerichtet;  

- der Steuerpflichtige nimmt in einer qualifizierten, d.h. planmässigen und anhaltenden 

  (nachhaltigen) Weise am wirtschaftlichen Verkehr teil. 

Ob einfache Vermögensverwaltung oder auf Erwerb gerichteter Wertschriften-

handel vorliegt, ist unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu 

beurteilen. Als Indizien für eine selbstständige Erwerbstätigkeit fallen nach der langjäh-

rigen Praxis des Bundesgerichts etwa in Betracht: Systematische oder planmässige Art 

und  Weise  des  Vorgehens,  Häufigkeit  der  Transaktionen,  kurze  Besitzdauer,  enger 

Zusammenhang  mit  der  beruflichen  Tätigkeit  der  steuerpflichtigen  Person,  Einsatz 

spezieller  Fachkenntnisse  oder  erheblicher  fremder  Mittel  zur  Finanzierung  der  Ge-

schäfte,  Verwendung  der  erzielten  Gewinne  bzw.  deren  Wiederanlage  in  gleichartige 

Vermögensgegenstände (vgl. dazu BGr, 2. Dezember 1999 = ASA 69 S. 788, mit Hin-

weisen).  Jedes  dieser  Indizien  kann  zusammen  mit  andern,  unter  Umständen  jedoch 

auch allein zur Annahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ausreichen. Dass ein-

zelne  typische  Elemente  einer  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  im  Einzelfall  nicht  er-

füllt sind, kann durch andere Elemente kompensiert werden, die besonders ausgeprägt 

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vorliegen (vgl. zur Gewichtung der einzelnen  Kriterien jedoch  BGr, 23. Oktober 2009, 

2C_868/2008,  E. 2.7,  www.bger.ch).  Nicht  von  entscheidender  Bedeutung  ist,  ob  der 

Steuerpflichtige  die  Wertschriftengeschäfte  selber  oder  durch  einen  bevollmächtigen 

Dritten abwickelt, erfordert es in der Regel doch ohnehin den Beizug fachkundiger Per-

sonen, deren Verhalten dem Steuerpflichtigen zugerechnet wird (BGE 122 II 446 E. 3b 

S.  450  mit  Hinweis).  Entscheidend  ist,  dass  die Tätigkeit  in  ihrem  gesamten  Erschei-

nungsbild auf Erwerb ausgerichtet ist (BGE 125 II 113 E. 3c S. 118 f.; BGr, 2. Dezem-

ber 1999 = ASA 69, S. 788; BGr, 12. November 2002 = ASA 73 S. 299; BGr, 13. No-

vember 2002 = ASA 73 S. 473 sowie BGr, 31. März 2003 = StE 2003 B 23.1 Nr. 55). 

cc) Mit Leitentscheid vom 23. Oktober 2009 (2C_868/2008, www.bger.ch) hat 

das Bundesgericht seine Rechtsprechung mit Bezug auf den Wertschriftenhandel wei-

ter verdeutlicht. Demnach hätten in den letzten Jahren bestimmte Kriterien durch eine 

dynamische Entwicklung an den Finanzmärkten, welche in immer schnellerem Rhyth-

mus neue Finanzprodukte anbieten würden, an Bedeutung verloren, derweil sich ande-

re Kriterien oder Indizien gleichzeitig als gewichtiger und entscheidender erwiesen hät-

ten.  Das  Kriterium  der  "systematischen  und  planmässigen  Vorgehensweise"  sei 

deshalb  nicht  mehr  zeitgemäss;  diese  Voraussetzung  erfülle  heute  nämlich  wohl  fast 

jede Person, die sich – privat oder gewerbsmässig – mit Wertschriftenhandel befasse. 

Das  Gleiche  gelte  für  die  "speziellen  Fachkenntnisse".  Diese  beiden  Kriterien  hätten 

nur noch eine untergeordnete Bedeutung, namentlich im Sinn von Ausschlusskriterien. 

Dagegen  träten  die  beiden  Kriterien  der  "Höhe  des  Transaktionsvolumens"  (betrags-

mässige  Summe  aller  Käufe  und  Verkäufe)  sowie  der  "Einsatz  erheblicher  fremder 

Mittel zur Finanzierung der Geschäfte" in den Vordergrund und seien fortan stärker zu 

gewichten. Diese beiden Kriterien beruhten auf objektiven und quantifizierbaren Gege-

benheiten,  was  ihre  Anwendung  wesentlich  erleichtere.  Zudem  würden  diese  beiden 

Voraussetzungen  von  der  Praxis  –  wenn  auch  mit  Vorbehalten  –  als  die  tauglichsten 

erachtet (vgl. etwa Fritz Müller, Der Quasi-Wertschriftenhandel, ST 2007 S. 406).  

Im genannten  Fall  schloss  das  Bundesgericht  alsdann  auf gewerbsmässigen 

Wertschriftenhandel,  weil  der  Steuerpflichtige  im  betroffenen  Steuerjahr  insgesamt 

mindestens  184  Transaktionen  (d.h.  eine  jeden  zweiten  Tag)  durchgeführt  und  dabei 

ein Volumen von Fr. 35'000'000.- umgesetzt hatte, was dem zehnfachen Wert seines 

Vermögens  entsprach.  Durchgeführt  wurden  in  erster  Linie  kurzfristige  Wertschriften-

geschäfte;  dabei  diente  der  Handel  mit  Derivaten  nicht  der  Absicherung  des  Aktien-

vermögens, sondern war spekulativer Natur, und im Verhältnis zum Gesamtvermögen 

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war ein grosses Volumen umgesetzt worden. Die getätigten Transaktionen mit Devisen 

waren  zudem  mit  beträchtlichen  Risiken  verbunden  und  fanden  sehr  kurzfristig  statt. 

Dazu kam, dass auch Fremdmittel (Erhöhung der Hypothek) eingesetzt wurden. Damit 

waren die erwähnten Kriterien erfüllt.  

Dies  bedeutet  nach  dem  Bundesgericht  aber  nicht,  dass  es  einem  Steuer-

pflichtigen nicht möglich sein sollte, in seiner Freizeit neben der Ausübung der (im vol-

len Pensum verrichteten) Haupterwerbstätigkeit sein Vermögen nach modernen Anla-

gestrategien und mithilfe moderner Anlageformen zu verwalten, ohne als selbstständig 

Erwerbstätiger  qualifiziert  zu  werden.  Im  zu  beurteilenden  Fall  sprachen  jedoch  vor 

allem das grosse Umsatzvolumen und der Einsatz von Fremdmitteln für die Annahme 

einer selbstständigen Erwerbstätigkeit.  

dd) Mit Entscheid vom 22. Mai 2013 (SB.2012.00165, www.vgrzh.ch) hat das 

Verwaltungsgericht  ebenfalls  auf  gewerbsmässigen  Wertschriftenhandel  geschlossen 

in einem Fall, in welchem der Steuerpflichtige mit Futures auf den SMI (FSMI) handelte 

und  während  vier  Monaten  174  Transaktionen  mit  482  FSMI-Kontrakten  durchführte, 

welche  insgesamt  einen  Kontraktwert  von  rund  Fr.  25  Mio.  aufwiesen,  obschon  kein 

Fremdkapital eingesetzt wurde.  

b) Gemäss Schilderung in der Eingabe vom 18. November 2015 handelte der 

Pflichtige ausschliesslich mit sogenannten Warrants. Dabei handelt es sich um struktu-

rierte, gehebelte Produkte,  welche  dem  Anleger das  Recht geben,  den Basiswert  ge-

gen Bezahlung des Ausübungspreises während der Ausübungsfrist bzw. am Verfalltag 

zu kaufen (call) bzw. zu verkaufen (put). Als Basiswert dienten Aktien, welche im SMI 

gelistet  waren.  Gemäss  dem  vorgelegten  Bankkontoauszug  F  erzielte  der  Pflichtige 

2012 einen Umsatz von Fr. 14'479'387.- (Soll) bzw. Fr. 14'361'690.- (Haben, vgl. Ord-

ner,  Register  3,  Kontoauszug  F,  S.  63).  Hiervon  sind  die  auf  einem  separaten  Blatt 

aufgelisteten, nicht mit der Börsentätigkeit im Zusammenhang stehenden Geldbezüge 

(Fr. 270'000.-) und Einzahlungen (Fr. 660'538.-) abzuziehen, sodass ein Transaktions-

volumen im Zusammenhang mit Wertschriftengeschäften von rund Fr. 27,9 Mio. resul-

tiert. 2012 erfolgten zwischen 700 und 800 Transaktionen. Mit Bezug auf seine persön-

lichen Qualifikationen führte der Pflichtige aus, er habe sich seit vielen  Jahren für die 

Aktienmärkte interessiert und mit ca. 20 Jahren den Handel mit Warrants durch Freun-

de kennen gelernt. Ab Mitte 2011, als sich eine berufliche Neuorientierung abzeichne-

te, habe er sich intensiver mit dem Aktienmarkt zu befassen begonnen.  

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c) Eine selbstständige Erwerbstätigkeit setzt nach dem Gesagten als Kernge-

halt voraus, dass die Tätigkeit auf eigenes Risiko stattfindet. Im vorliegenden Fall hat 

der  Pflichtige den  Kauf der Warrants  mit  eigenen  Mitteln finanziert,  welche  bei  einem 

Fehlschlag  der  Investition  jeweils  verloren  waren.  Mithin  ist  diese  Voraussetzung 

grundsätzlich erfüllt.  

Warrants  sind  indessen  wie  andere  derivative  Produkte  auch  bei  Privatanle-

gern verbreitet.  Um  von  einem  Unternehmerrisiko zu  sprechen,  muss deshalb ein er-

höhtes Engagement eingegangen worden sein. Dies ist hier in Anbetracht der Vielzahl 

von Transaktionen und des umgesetzten Transaktionsvolumens erfüllt. Gemäss Dekla-

ration  der  Pflichtigen  betrug  ihr  Vermögen  per  31.  Dezember  2012  Fr. 706'284.-,  per 

Ende Vorjahr gemäss Einschätzung Fr. 243'000.- (vgl. beigezogene Einschätzungsak-

ten  2011).  Das  Verhältnis  zwischen  Transaktionsvolumen  und  Vermögen  übersteigt 

damit das bei Privatanlegern übliche Engagement erheblich.  

d) Weiter hat der Steuerpflichtige Arbeitskraft einzusetzen. Mit Bezug auf sein 

Arbeitsvolumen führte der Pflichtige aus, er habe jeweils die Aktienmärkte durchschnitt-

lich  13  Stunden  pro  Tag  verfolgt.  Nebst  der  ständigen  Kursabfrage  von  8  bis  22  Uhr 

habe er vor allem  verschiedene Tageszeitungen und Publikationen im Bereich Finan-

zen  und  Wirtschaft  gelesen  sowie  jeden  Morgen  verschiedene  Börsenbriefe  und  ein-

schlägige  Internetseiten  durchgesehen.  Wie  bereits  festgehalten,  gehen  aus  den 

Bankunterlagen  für  2012  zwischen  700  bis  800  Transaktionen  hervor.  Damit  hat  der 

Pflichtige  einen  erheblichen  Arbeitseinsatz  erbracht,  wenn  dieser  auch  nicht  genauer 

quantifiziert werden kann. Zudem war er dabei nicht in eine fremde Arbeitsorganisation 

eingebunden, sondern bestimmte den Ort und den zeitlichen Aufwand selber. Damit ist 

auch diese Voraussetzung erfüllt.  

e)  aa)  Der  Begriff  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  setzt  weiter  voraus, 

dass  der  Pflichtige  mit  Gewinnerzielungsabsicht  tätig  war.  Dieses  Kriterium  dient  der 

Abgrenzung  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  insbesondere  von  der  Liebhaberei 

bzw. vom Hobby. Es handelt sich dabei um ein subjektives Kriterium, auf dessen Vor-

handensein  nur  durch  Indizien  (nämlich  erkennbare  Umstände)  geschlossen  werden 

kann  (StRK  IV,  8.  April 1998  =  StE 1999  B  23.1  Nr.  42).  Wer  eine  Tätigkeit  ausübt, 

welche auf Dauer nichts einbringt, betreibt diese nicht als Erwerbstätigkeit, sondern als 

Liebhaberei  oder  aus  einem  andern  nicht  kommerziellen  Grund  (BGr,  4.  Juni  2004, 

2A.68/2004,  www.bger.ch).  Allerdings  muss  nicht  jedes  einzelne  mit  einem  Verlust 

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abgeschlossene Jahr oder selbst die Tatsache, dass während mehrerer Jahre Verlust 

erzielt worden ist, zum Schluss zwingen, es handle sich um eine Liebhaberei. Ob sich 

nämlich  eine  Tätigkeit  lohnt,  lässt  sich  methodisch  richtig  nur  nach  Betrachtung  des 

Gewinns aus der gesamten Betriebstätigkeit von deren Aufnahme bis zu ihrer Beendi-

gung  beurteilen.  Der  Entscheid über  den  steuerlichen Charakter  einer Tätigkeit  hängt 

deshalb von einer Prognose über den zu erwartenden Totalgewinn ab (vgl. auch Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3.  A.,  2013,  §  18  

N  38).  Stehen  dem  Steuerpflichtigen  anderweitige  hohe  Einkünfte  zur  Verfügung,  die 

ihn in die Lage versetzen, eine Aktivität trotz anhaltend hoher Verluste über einen län-

geren Zeitraum zu führen, stellt dieser Umstand auch ein gewichtiges Indiz dafür dar, 

dass die verlustbringende Tätigkeit eine vom wirtschaftlichen Erfolg unabhängige per-

sönliche Passion zum Ausdruck bringt (BGr, 19. September 2007 = StR 2008, 36).  

Die  steuerrechtliche  Qualifikation  der  Tätigkeit  ist  eine  Frage,  die  grundsätz-

lich für jede Veranlagungsperiode neu überprüft werden kann, wobei unter Umständen 

die  Verhältnisse  in  den  Vorjahren  bzw.  in  den  auf  das  Steuerjahr  folgenden  Jahren 

gewisse  Anhaltspunkte  liefern  können  (BGr,  31. August  2005,  2A.46/2005,  E. 2.2.2, 

www.bger.ch,  mit  Hinweisen  zum  Ganzen).  Wie  lang  die  wirtschaftliche  Betätigung 

verlustreich sein darf, bis eine natürliche Vermutung dafür spricht, dass der finanzielle 

Erfolg  auf  Dauer  ausbleiben wird, kann  nicht  allgemein gesagt  werden. Im  Sinn  einer 

Faustregel wird in der Literatur die Auffassung vertreten, der Umstand, dass innerhalb 

von fünf bis zehn Jahren kein nennenswerter Gewinn erzielt werde, bilde ein gewichti-

ges  Indiz  für  das Fehlen  der  Gewinnstrebigkeit.  Dem  Steuerpflichtigen  steht  aber  der 

Gegenbeweis  offen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 18  N  38).  Im  Einzelfall  kommt 

es  namentlich  auf  die  Art  der  Tätigkeit  und  die  konkreten  Verhältnisse  an  (RB  2000 

Nr. 118). 

bb) Die Gewinnstrebigkeit ist hier zu bejahen, war doch der Börsenhandel auf 

das  Erzielen  von  Spekulationsgewinnen  ausgerichtet.  Der  Pflichtige  macht  indessen 

selber geltend, dass er nicht nur 2012, sondern auch in den folgenden Jahren massive 

Verluste erlitten hat. Für 2014 macht er einen Verlust von Fr. 500'000.- geltend. Wird 

auf diese Sachdarstellung abgestellt, stellt sich die Frage, ob eine kaufmännisch han-

delnde Person in Anbetracht dieser Verluste die Aktivitäten nicht möglichst bald wieder 

eingestellt hätte, und der Pflichtige nur deshalb weiter gemacht hat, weil ihm mit dem 

Verkaufserlös von Fr. 1,3 Mio. hohe Mittel zur Verfügung gestanden haben und seinem 

Handeln deshalb nicht  mehr  eine  rationale  Gewinnerwartung  zu Grunde gelegen  hat. 

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Diesem  Schluss  steht  indessen  entgegen,  dass  –  wie  ihm  Folgenden  zu  zeigen  ist  – 

über  die  Höhe  der  Verluste  2012  keine  Gewissheit  besteht.  Überdies  muss  sich  die 

Erfolglosigkeit  über  einen  gewissen  Zeitraum  ergeben;  mithin  kann  bei  Verlusten  im 

ersten Geschäftsjahr noch nicht endgültig gesagt werden, die Aktivität sei bei rationaler 

Betrachtung nicht mehr verantwortbar gewesen.  

f)  Ein  weiteres  Merkmal  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  besteht  darin, 

dass  der  Steuerpflichtige  in  einer  qualifizierten,  d.h.  planmässigen  und  anhaltenden 

(nachhaltigen)  Weise  am  wirtschaftlichen  Verkehr  teilnimmt  (VGr,  22.  Mai  2013, 

SB.2012.00165,  E.  6.1,  www.vgrzh.ch,  auch  zum  Folgenden).  Indizien  in  diese  Rich-

tung liegen vor, wenn erhebliche Fremdmittel eingesetzt werden, der erzielte Gewinn in 

gleichartige Vermögensgegenstände angelegt wird, spezielle Fachkenntnisse zum Ein-

satz kommen, wenn ein enger Zusammenhang mit der sonstigen beruflichen Tätigkeit 

des Steuerpflichtigen besteht, eine kurze Besitzesdauer oder die Ausübung der Tätig-

keit im Rahmen einer Personengesellschaft. Planmässig ist die Tätigkeit zudem auch 

dann, wenn sie nicht bloss bei sich zufällig bietender Gelegenheit erfolgt, sondern an-

haltend. Erforderlich ist eine Tätigkeit, die auf eine gewisse Dauer und auf Wiederho-

lung  ausgerichtet  ist.  Nachhaltigkeit  auf  dem  Gebiet  des  Wertschriftenhandels  setzt 

eine im Verhältnis zur Grösse und Diversifikation des Wertschriftenportfolios angemes-

sene Bewirtschaftung voraus.  

Eine  Beurteilung  aufgrund  dieses  Kriteriums  führt  zu  einem  durchzogenen 

Ergebnis.  Zum  einen  wurden  die  erzielten  Gewinne  sogleich  wieder  investiert  und  ist 

die  Tätigkeit  des  Pflichtigen  von  einer  hohen  Investitionsfrequenz  gekennzeichnet. 

Weiter hat Letzterer das gesamte Jahr den Markt beobachtet und im Durchschnitt 2 – 3 

Transaktionen pro Tag durchgeführt, weshalb auch von einer andauernden und damit 

nachhaltigen Tätigkeit  auszugehen  ist.  Zum  andern  verfügte  der  Pflichtige  als  G  über 

keine eigentlichen, im Beruf eines Wertschriftenhändlers erworbenen Fachkenntnisse. 

Dennoch fällte er die Anlageentscheide selber und nahm mithin hierfür keine Beratung 

von  Fachleuten  in  Anspruch.  Das  Kriterium  des  Marktauftritts  ist  bereits  durch  Bean-

spruchung eines Effektenhändlers zwecks Abschluss der Transaktionen erfüllt.  

Fremdmittel hatte der Pflichtige keine eingesetzt und musste dies auch nicht, 

da ihm in Form des erwähnten Verkaufserlöses Fr. 1,3 Mio. zuflossen. Zudem ist frag-

lich,  ob  dem  Einsatz  von Fremdkapital  bei fortwährendem spekulativen  Börsenhandel 

tatsächlich eine grosse Bedeutung zukommen kann. Verschuldung zwecks Weiterfüh-

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rung  von  verlustreichen  Börsengeschäften  ist  nämlich  geradezu  ein  Merkmal  einer 

Spielsucht, was gerade das Gegenteil einer rationalen, auf Gewinn ausgerichteten Er-

werbstätigkeit darstellt.  

g)  Damit  sind  aber  die  Merkmale  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  mehr-

heitlich erfüllt. Dabei fällt insbesondere ins Gewicht, dass die Aktivitäten des Pflichtigen 

sowohl  in Bezug  auf  die  Höhe des  Transaktionsvolumens  als  auch  auf die  Häufigkeit 

der  Geschäfte  mit  den  Sachverhalten  der  beiden  oberinstanzlichen  Präjudizien  ver-

gleichbar sind. Einzig dagegen spricht die fehlende Fremdfinanzierung, welche aber im 

bundesgerichtlichen  Präjudiz  nur  in  geringem  Masse  und  im  verwaltungsgerichtlichen 

Präjudiz gar nicht in Anspruch genommen wurde. Damit ist die Tätigkeit des Pflichtigen 

als gewerbsmässiger Wertschriftenhandel zu qualifizieren.  

2.  a)  Von  den  steuerbaren  Einkünften  aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit 

werden die geschäfts- und berufsmässig begründeten Kosten abgezogen (§ 27 Abs. 1 

StG). Dazu gehören insbesondere die eingetretenen und verbuchten Verluste auf Ge-

schäftsvermögen  (§  27  Abs.  2  lit.  c  StG).  Geschäftsverluste  können  somit  nach  dem 

Wortlaut nur dann steuerlich anerkannt werden, wenn sie "verbucht" worden sind, was 

vorauszusetzen scheint, dass der Steuerpflichtige kaufmännisch Buch führt. Indessen 

können  bei  der  selbstständigen  Erwerbstätigkeit  Wertschriftenverluste  grundsätzlich 

ungeachtet der Buchführungspflicht (im handelsrechtlichen Sinn) berücksichtigt werden 

(vgl. BGr, 13. Dezember 2003 = StE 2004 B.23.9 Nr. 7, E. 4, mit Hinweisen). Voraus-

setzung  ist  diesfalls  aber,  dass  vom  Steuerpflichtigen  Aufstellungen  über  Aktiven  und 

Passiven,  Einnahmen  und  Ausgaben  sowie  Privatentnahmen  und  Privateinlagen  bei-

gebracht werden. Die Führung von solchen Aufstellungen ist nicht buchführungspflich-

tigen Selbstständigerwerbenden in § 134 Abs. 2 StG ausdrücklich vorgeschrieben.  

Mit Bezug auf die Buchführungspflicht gilt 2012 noch das frühere Recht. Ge-

mäss  diesem  war  der  Pflichtige  handelsrechtlich  nicht  zur  Führung  einer  kaufmänni-

schen  Buchhaltung  verpflichtet,  da  er  kein  eigentliches  Gewerbe  betrieb  (vgl. 

Art. 957 aOR  i.V.m.  Art. 934 Abs.  1  OR  sowie  Art.  36  Abs.  1  der  Handelsregisterver-

ordnung  vom  17.  Oktober  2007).  Mithin galt  für  ihn  lediglich die  erwähnte  allgemeine 

Aufzeichnungspflicht (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 134 N 20). Die Anforderungen 

an diese richten sich nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach der Art 

der  Geschäftstätigkeit  und  deren  Umfang.  Erforderlich  sind  in  jedem  Fall  geeignete 

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Aufzeichnungen, die Gewähr für die vollständige und zuverlässige Erfassung des Ge-

schäftseinkommens  und  -vermögens  bieten  und  eine  zumutbare  Überprüfung  durch 

die Steuerbehörden ermöglichen (vgl.  Martin Zweifel, in: Kommentar zum Schweizeri-

schen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 125 N 30 f. DBG). 

b) Die Revisorin hat mit Auflage vom 18. März 2014 vom Pflichtigen eine Auf-

stellung  aller  2012  vorgenommenen  Börsentransaktionen  sowie  die  Vorlage  aller  zu-

gehöriger  Bankbelege,  Kauf-/Verkaufsabrechnungen,  Depotauszüge  etc.  verlangt. 

Darüber hinaus hat sie generell sämtliche Post- und Bankunterlagen des Prüfungszeit-

raums eingefordert.  

aa)  Die  Pflichtigen  haben  darauf  am  5.  April  2014  keine  eigentlichen  Auf-

zeichnungen eingereicht, sondern nur Vermögensübersichten der Bank  F per 31. De-

zember 2011 und 31. März 2013, enthaltend ein Privatkonto sowie diverse Wertschrif-

ten  (Warrants).  Weiter  haben  sie  sämtliche  Kontoauszüge  des  betreffenden  Privat-

kontos  vorgelegt  (vgl.  Ordner,  Register  3).  Gemäss  ihren  Angaben  wurden  sämtliche 

Börsentransaktionen über dieses Konto abgewickelt. Auf einer weiteren Liste haben sie 

sämtliche nicht mit dem Börsenhandel im Zusammenhang stehenden Überweisungen 

auf diesem Konto aufgeführt. Indessen fehlt der Bestand des Wertschriftendepots per 

31. Dezember  2012,  weshalb die Aufstellung unvollständig  ist  und  sich  das  Jahreser-

gebnis 2012 gar nicht ermitteln lässt. Soweit die Pflichtigen mit Einreichung des Wert-

schriftenbestandes per 31. März 2013 ein überjähriges Geschäftsjahr geltend machen 

wollten,  wäre  2012  ohnehin  kein  Verlust  zu  berücksichtigen,  da  diesfalls  das  Ge-

schäftsergebnis erst in die Steuererklärung 2013 einfliesse würde. Aus ihren späteren 

Vorbringen (Geltendmachung nur des Verlusts 2012) ist daher zu schliessen, dass sie 

daran nicht mehr festhalten.  

bb)  Mit  der  Einsprache  reichten  die  Pflichtigen  eine  weitere  Kontoübersicht 

ein, gemäss welcher der Depotsaldo per 31. Dezember 2012 Fr. 286'350.- betrug. Ein 

entsprechender Depotauszug fehlte indessen; wurde von ihnen aber als Beilage Nr. 2 

erwähnt. Die Beilagen sind nicht aktenkundig. Mit dem Rekurs haben sie eine Vermö-

gensübersicht  der  F  nachgereicht,  aus  welcher  dieser  Betrag  hervorgeht.  Per  Anfang 

bzw. Ende Jahr geben die Pflichtigen mit Bezug auf die Konten F nunmehr folgende, 

mit den entsprechenden Bankauszügen belegte Vermögensstände an:  

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31.12.2011  

31.12.2012 

 Fr.  

 Fr.   

136'500.-  

286'350.- 

  43'370.-  

179'870.-  

- 74'326.- 

212'024.- 

32'154.-. 

Depot F (…) 

Saldo Konto F 
(CH …) 

Total  

Zuwachs  

Gemäss einer beiliegenden Liste wurden vom Konto F Fr. 270'000.- bezogen 

und darauf Fr. 660'538.- einbezahlt,  was Einzahlungen von netto Fr. 390'538.- ergibt. 

Zieht man hiervon den festgestellten Zuwachs von Fr. 32'154.- ab, ergibt sich der be-

hauptete Verlust von Fr. 358'384.-. Dies erscheint soweit als schlüssig und nachgewie-

sen.  

Damit sind aber die Vermögensverhältnisse der Pflichtigen noch nicht transpa-

rent dargetan, sind doch die effektiven Vermögensstände per 31. Dezember 2011 und 

2012 unklar. In den Wertschriftenverzeichnissen wurden jeweils folgende Werte dekla-

riert:  

H  

I 

J 

F "…" 

F "…" 

31.12.2011  

31.12.2012 

Fr.  

0.-  

2'022.- 

20'369.- 

221'352.-  

k.A. 

Fr.  

280.- 

635'659.- 

k.A. 

k.A. 

70'345.-. 

Per Ende 2011 sind demnach weder das Privatkonto F (CH …) mit einem Be-

stand  von  Fr. 43'370.-  noch  das  Depot  F  (…)  von  Fr.  136'500.-  aufgeführt;  allenfalls 

sind sie im deklarierten Betrag F von Fr. 221'352.- enthalten. Per 31. Dezember 2012 

erscheint neu ein Konto F "…" mit einem Saldo von Fr. 70'345.-; tatsächlich handelt es 

sich dabei um die Summe des F-Kontos und -depots per 31. März 2013, welcher zeit-

lich nicht relevant ist (Ordner, Register 3, Vermögensübersicht per 31. März 2013). Per 

Ende 2012 betrug der Saldo F (Konto und Depot) Fr. 212'024.-.  

Mit  Bezug  auf  die  übrigen Konten  sind keine  Unterlagen  eingereicht  worden, 

und das  J-Konto wird im Wertschriftenverzeichnis  2012  nicht mehr  aufgelistet.  Hierzu 

1 ST.2015.198 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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findet  sich  zwar  ein  Bleistift-Vermerk,  wonach  dieses  saldiert  worden  sei;  dieser  Ver-

merk dürfte aber anlässlich der Kontrolle durch die Steuerbehörde angebracht worden 

sein (vgl. die ebenfalls mit Bleistift angebrachten "??" in der Spalte A). Als Beilage zum 

nachstehend zu behandelnden Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird zudem 

wieder  ein  anderes  J-Konto  (CH  …)  aufgeführt.  Die  Situation  des  J-Kontos  per  Ende 

2012 ist aber von besonderem Interesse, da der Erlös aus dem Verkauf des C auf die-

ses  überwiesen  wurde.  Der  Vollzug  des  Kaufvertrags  erfolgte  nämlich  am  …  2012 

(Ordner, Register 6, Memorandum zum Vollzug), und am selben Tag wurde der Kauf-

preis von Fr. 1,3 Mio. (plus allfällige Mehrwertsteuer) auf das J-Konto (CH …) überwie-

sen.  Der  Verbleib  dieses  Geldes  geht  aus  den  Akten  nicht  hervor.  Selbst  wenn  man 

davon ausginge, dass alle Überweisungen bzw. Einzahlungen auf das F-Konto ab Sep-

tember 2012 von diesem Konto stammten (rund Fr. 505'000.-, Ordner, Register 3, Kon-

toauszug F, S. 30 ff.), und der Rest auf das I-Konto übertragen wurde, verblieben rund 

Fr. 160'000.-, deren Verbleib unbekannt ist.  

Diese  Unklarheit  vermögen  auch  die  vom  Pflichtigen  eingereichten  Bankbe-

stätigungen  nicht  zu  beheben.  So  bestätigt  die  J  am  24.  Juni  2015  einzig,  dass  die 

Firma  "C"  kein  Wertschriftendepot  geführt  habe.  Ein  solches  Depot  der  Einzelfirma 

steht indessen auch gar nicht zur Diskussion.  

cc)  Zusammenfassend  ist  damit  festzustellen,  dass  zwar  einerseits  der  auf 

dem  F-Konto verzeichnete  Verlust  von  Fr.  358'384.-  ausgewiesen ist.  Andrerseits  be-

stehen  jedoch  mit  Bezug  auf  die  Vollständigkeit  der  Vermögensdeklarationen  sowohl 

per Ende 2011 als auch per Ende 2012 Unklarheiten, indem konkrete Hinweise vorlie-

gen, dass nicht angegebene Vermögenswerte vorhanden sind. Diese Mängel sind von 

den Pflichtigen trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht ausgeräumt worden. Damit be-

steht  eine  erhebliche  Unsicherheit  darüber,  ob  die Wertschriftentransaktionen  wirklich 

vollständig offen gelegt wurden. Der Aktenstand vermag beim Gericht nicht die Über-

zeugung zu erwecken, damit werde der Sachverhalt rund um die Börsengeschäfte voll-

ständig wiedergegeben.  

Indessen ist nicht zu übersehen, dass der Verlust von Fr. 358'384.- ausgewie-

sen ist und eine beträchtliche Höhe aufweist. Die Feststellung der Höhe eines Verlusts 

aus  selbstständiger  Erwerbstätigkeit  erfolgt  nach  denselben  Regeln  wie  ein  Gewinn, 

d.h.  hierüber  ist  eine  Schätzung  nach pflichtgemässem  Ermessen  im  Sinn  von  § 139 

Abs. 2 StG zu treffen, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein solcher eingetre-

1 ST.2015.198 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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ten ist, dieser sich aber quantitativ nicht eindeutig bestimmen lässt. Aufgrund des vor-

liegenden  Aktenstands  erscheint  es  als  unwahrscheinlich,  dass  der  Verlust  in  dieser 

Höhe vollständig durch nicht deklarierte Wertschriftengewinne kompensiert wurde, wie 

die Vorinstanz im Ergebnis annimmt. Umgekehrt ist es in Anbetracht der aufgezeigten 

Unklarheiten auch nicht gerechtfertigt, ihn in voller Höhe zur Verrechnung zuzulassen, 

wie die Pflichtigen verfechten. Wo genau die Linie zu ziehen ist, lässt sich aus den Ak-

ten letztlich nicht mit Sicherheit herleiten. Das Gericht schätzt deshalb den verrechen-

baren Verlust auf Fr. 200'000.-. Insofern erweist sich die Schätzung der Vorinstanz als 

offensichtlich  unrichtig,  sodass  sie  entsprechend  zu  korrigieren  ist  (vgl.  §  140  Abs.  2 

StG). Dies führt zu einem steuerbaren Einkommen 2012 von Fr. 1'148'800.-. 

3. Beim steuerbaren Vermögen ist – wie bereits erwähnt – der im Wertschrif-

tenverzeichnis 2012 deklarierte Kontostand F per 31. März 2013 von Fr. 70'345.- durch 

den  korrekten  Betrag  per  31.  Dezember  2012  von  Fr.  212'024.-  zu  ersetzen,  was  zu 

einer Erhöhung von Fr. 706'000.- auf Fr. 847'000.- führt. Da es sich um eine Korrektur 

unmittelbar  gestützt  auf  eine  Selbstangabe  der  Pflichtigen  handelt,  sind  diese  hierzu 

nicht mehr anzuhören.  

4. a) Aufgrund dieser Erwägungen ist der Rekurs teilweise gutzuheissen. Bei 

diesem  Ausgang  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  anteilsmässig  aufzuerlegen  (§  151 

Abs. 1 StG).  

b) Die Pflichtigen haben für den Fall der Kostenpflicht ein Gesuch um unent-

geltliche Prozessführung gestellt.  

aa)  Privaten  ist  auf  Ersuchen die Bezahlung  von  Verfahrenskosten  und Kos-

tenvorschüssen  zu  erlassen,  wenn  ihnen  die  nötigen  Mittel  fehlen  und  ihre  Begehren 

nicht offensichtlich aussichtslos erscheinen (§ 115 StG i.V.m. § 16 Abs. 1 des Verwal-

tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997 [VRG]). Neben dieser kan-

tonalen  Vorschrift  leitet  das  Bundesgericht  aus  Art.  29  Abs.  3  der  Bundesverfassung 

vom  18.  April  1999  unter  den  nämlichen  Voraussetzungen  ein  Recht  auf  unentgeltli-

ches  Verfahren  für  alle  staatlichen  Verfahren  ab  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  

§ 151 N 32 ff., auch zum Folgenden). Beide Voraussetzungen (Bedürftigkeit und feh-

lende Aussichtslosigkeit) müssen kumulativ erfüllt sein. 

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Bedürftig  ist  eine  Partei,  wenn  sie  zur  Leistung  der  Prozesskosten  Mittel  zur 

Deckung  des  Grundbedarfs  für  sich  und  ihre  Familie  angreifen  müsste.  Bedürftigkeit 

liegt somit vor, wenn der Gesuchsteller die für das Verfahren erforderlichen Mittel nicht 

innert  wenigen  Monaten  aus  seinem  realisierbaren  Einkommen,  abzüglich  der  für  ihn 

und seine Familie notwendigen Lebenshaltungskosten, aufbringen kann (BGE 109 Ia 5 

=  Pra  72  Nr.  233).  Bedürftigkeit  darf  dabei  nicht  schematisch  mit  dem  betreibungs-

rechtlichen Existenzminimum gleichgesetzt werden; es kann auch Bedürftigkeit vorlie-

gen,  wenn  das  betreibungsrechtliche  Existenzminimum  (leicht)  überschritten  wird. 

Massgebend  sind  die  konkreten  Umstände  des  Einzelfalls.  Die  Bedürftigkeit  ist  auf-

grund  der  gesamten  Verhältnisse,  namentlich  der  Einkommenssituation,  der  Vermö-

gensverhältnisse  und  allenfalls  der  Kreditwürdigkeit  zu  beurteilen  (Kaspar  Plüss,  in: 

Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A., 2014, § 16 

N 19 ff. mit Hinweis). Massgebend ist die Situation zur Zeit der Entscheidfällung.  

bb) Die Pflichtigen haben dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung das 

Formular,  welches  von  der  Internetseite  des  Steuerrekursgerichts  heruntergeladen 

werden kann, beigelegt. Beim Pflichtigen selber handelt es sich zudem um einen aus-

gebildeten  Juristen.  Die  Pflichtigen  waren  damit  über  ihre  Verfahrenspflichten  im  Zu-

sammenhang  mit  ihrem  Gesuch  informiert,  weshalb  keine  behördliche  Hinweispflicht 

besteht.  Die  Frage  der  Mittellosigkeit  ist  deshalb  ohne  weiteres  gestützt  auf  die  ge-

machten Angaben und vorgelegten Unterlagen zu beurteilen (Plüss, § 16 N 39 ff.).  

Die Vermögensverhältnisse werden von den Pflichtigen nicht transparent dar-

getan.  Als  einzige  Vermögenswerte  geben  sie  Bankkonten  bei  der  I  und  der  J  ohne 

nennenswerte Beträge an. Der Auszug I ist nahezu unleserlich; in beiden Auszügen ist 

zudem der Vermögensstand nicht datiert. Die Konten bei der F werden nicht erwähnt; 

ebenso wenig das H-Konto. In Anbetracht des Streitgegenstands war es für die Pflich-

tigen  ersichtlich  und  zumutbar,  dass  sie  hierüber  konkrete  Angaben  machen  und  bei 

Aufgabe der Bank- und H von sich aus die entsprechenden Saldierungsbelege einrei-

chen.  Dasselbe  gilt  umso  mehr,  als  ihnen  im  September  2012  ein  Betrag  von  

Fr.  1,3  Mio.  zugeflossen  war,  weshalb  an  den  Nachweis  vollständiger  Mittellosigkeit 

erhöhte Anforderungen zu stellen sind, was ihnen auch ohne ausdrückliche Aufforde-

rung  eigentlich  klar  sein  müsste.  Somit  wurde  die  Bedürftigkeit  bereits  aus  diesem 

Grund nicht nachgewiesen. 

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Die  Angaben  zum  Einkommen  und  zu  den  Auslagen  sind  ebenfalls  sehr  lü-

ckenhaft. Als einzige Einkünfte geben die Pflichtigen Leistungen der Arbeitslosenversi-

cherung von Fr. 7'500.- monatlich an. Gemäss den Richtlinien des Obergerichts für die 

Berechnung  des  betreibungsrechtlichen  Notbedarfs  vom  16.  September  2009  ist  von 

folgenden Lebenshaltungskosten auszugehen:  

Grundbetrag   Ehepaar  

2 Kinder 

Mietzins 

Nebenkosten   

Telefon 

Fr.  

1'700.- 

800.- 

2'332.- 

310.- 

100.- 

Krankenkasse (keine Angaben, geschätzt) 

   800.- 

Total 

6'042.-. 

Damit  verbleiben  rund  Fr.  1'400.-  monatlich,  sodass  auch  in  Bezug  auf  die 

Einkommenssituation nicht von einer Mittellosigkeit ausgegangen werden kann.  

cc) Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist daher 

mangels Nachweis der Bedürftigkeit abzuweisen.  

Demgemäss beschliesst die Kammer: 

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wird abgewiesen; 

und erkennt:  

1.  Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen. Die Rekurrenten werden für die Steuerpe-

riode 2012 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 1'148'800.- und einem steu-

erbaren Vermögen von Fr. 847'000.- eingeschätzt (Tarif gemäss § 35 Abs. 2 bzw.  

§ 47 Abs. 2 StG; Verheiratetentarif). 

[…] 

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