# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f97c88ee-364a-5063-a693-4639f5f9f551
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-13
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 13.01.2022 SST.2021.101
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-101_2022-01-13.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.101 
(ST.2020.121; StA.2018.8750) 

 

 

Urteil vom 13. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Ersatzrichterin Jacober 

Gerichtsschreiber Meier 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Carmen Emmenegger,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1979, von der Türkei, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Cyrille Diem,  

[...] 

 

 

 
 

Gegenstand  Schändung, sexuelle Handlungen mit einem Kind, Pornografie usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhob am 4. Juni 2020 gegen den 

Beschuldigten Anklage wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem 

Kind, mehrfacher Schändung, mehrfacher sexueller Belästigung, Porno-

grafie, mehrfacher Nötigung, mehrfacher versuchter Drohung, wiederholter 

Tätlichkeiten sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Aarau erkannte mit Urteil vom 26. August 2020: 

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf  
- der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB, 
- der mehrfach versuchten Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB, 
- der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB, 
- der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB, 
- der mehrfachen sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB, 
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Übertretung) 
 nach Art. 19a Ziff. 1 BetmG, teilweise i.V.m. Art. 19 Abs. 1 lit. a und d BetmG.  
  
3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 al. 1-3 erwähnten Bestimmungen und 
gestützt auf Art. 40, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3.2. 
Die Untersuchungshaft von 71 Tagen (1. November 2018 – 10. Januar 2019) wird gestützt 
auf Art. 51 StGB auf die unbedingte Freiheitsstrafe angerechnet.  
 
4. 
4.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 al. 4 und 5 erwähnten Bestimmungen 
und gestützt auf Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 2'000.00 verurteilt. 
 
4.2 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 
vollzogen. 
 
5. 
5.1. 
Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 23. November 2015 für 
180 Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 100.00 gewährte bedingte 
Vollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB widerrufen. 

  

 - 3 - 

 

 

 

5.2. 
Die widerrufene Geldstrafe von total Fr. 18'000.00 ist zu bezahlen. Wird die Geldstrafe nicht 
bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 180 Tagen vollzogen. 
 
6. 
Auf die Anordnung einer strafvollzugsbegleitenden, ambulanten therapeutischen Mass-
nahme gemäss Art. 63 StGB wird verzichtet. 
 
7. 
Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes verwiesen. 
 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 
im Schengener Informationssystem angeordnet. 
 
8. 
8.1. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 67 Abs. 3 lit. a und b StGB für die Dauer von 
10 Jahren ein Tätigkeitsverbot für jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche 
Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, auferlegt. 
 
8.2. 
Der Anteil der Strafe, die das Tätigkeitsverbot nach sich zieht, beträgt 3 Jahre Freiheits-
strafe. 
 
8.3. 
Gestützt auf aArt. 67 Abs. 7 und Art. 93 StGB wird die Bewährungshilfe angeordnet. 
 
9. 
Von einem Kontakt- und Rayonverbot gegenüber der Zivil- und Strafklägerin 1 wird abge-
sehen. 
 
10.  
10.1. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1 und 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
vernichtet: 
 
- 50.1 Gramm Marihuana (beim Polizeikommando Aargau, Betäubungsmittelgruppe) 
- 1 Hanfmühle 
- 1 BM-Waage 
- 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy A5 
- 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy S8+ 
 
10.2. 
Das beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone wird der Zivil- und Strafklägerin 1 
zurückgegeben. 
 
Das Mobiltelefon Apple iPhone kann von der Zivil- und Strafklägerin 1 innert 30 Tagen nach 
Rechtskraft des Urteils auf Voranmeldung auf der Gerichtskanzlei abgeholt werden. Bei 
unbenutztem Ablauf dieser Frist wird der Gegenstand vernichtet. 
 
10.3. 
Der Antrag der Zivil- und Strafklägerin 1 auf Herausgabe ihres Laptops wird zufolge 
fehlender Beschlagnahmung dieses Gegenstandes abgewiesen. 

  

 - 4 - 

 

 

 

11. 
11.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 Fr. 2'306.85 als 
Schadenersatz zu bezahlen. 
 
11.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 1 Fr. 8'000.00, zzgl. 
Verzugszins zu 5 % seit 1. Mai 2016, als Genugtuung zu bezahlen. 
 
12. 
12.1. 
Die Schadenersatzansprüche der Zivil- und Strafklägerin 2 werden abgewiesen. 
 
12.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin 2 Fr. 1'000.00, zzgl. 
Verzugszins zu 5 % seit dem 1. Mai 2016, als Genugtuung zu bezahlen. 
 
12.3.  
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 2 40 % der gerichtlich auf Fr. 4'819.60 
(inkl. Fr. 344.60 MwSt.), d.h. Fr. 1'927.85 (inkl. Fr. 133.85 MwSt.) festgesetzten 
Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
13.  
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.00 
b) der Anklagegebühr von Fr. 2'400.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung ohne 
 Übersetzungskosten von Fr.  22'784.25 
d) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr.  13'181.70 
e) den Kosten für Übersetzungen von Fr.  2'230.20 
f) den Kosten für Gutachten von Fr.  11'925.00 
g) andere Auslagen Fr.  1'906.00 
Total Fr. 58'427.15 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. f) und g) von Total Fr. 20'231.00 zu 80 %, d.h. im Umfang von Fr. 16'184.80 
auferlegt. 
 
14.  
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 23'775.65 (inkl. Fr. 1'699.85 MwSt. und 
Kosten für die Übersetzung von Fr. 991.40) werden einstweilen von der Gerichtskasse 
bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung von Fr. 22'784.25 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
15.  
Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Zivil- und Strafklägerin 1 im 
Gesamtbetrag von Fr. 13'181.70 (inkl. gesamthaft Fr. 925.40 MwSt.), bestehend aus der 
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertreterin lic. iur. Eva Wirth im Umfang von 
Fr. 7'085.25 (inkl. Fr. 506.51 MwSt.) und aus der Entschädigung für die unentgeltliche 
Rechtsvertreterin Carmen Emmenegger im Umfang von Fr. 6'069.45 (inkl. Fr. 418.90 
MwSt.), werden von der Gerichtskasse bezahlt. 

  

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16.  
16.1.  
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 23'775.65 
(inkl. Fr. 1'699.85 MwSt.) abzüglich Teilzahlung inkl. MwSt. von Fr. 14'876.81, somit 
Fr. 8'898.84 zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  
 
16.2.  
Der bis am 1. Juni 2020 als unentgeltliche Rechtsvertreterin der Zivil- und Strafklägerin 1 
tätig gewesenen lic. iur. Eva Wirth, Rechtsanwältin, wird eine Entschädigung von 
Fr. 7'085.25 (inkl. Fr. 506.51 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  
 
16.3.  
Der ab dem 1. Juni 2020 als unentgeltliche Rechtsvertreterin der Zivil- und Strafklägerin 1 
tätig gewesenen lic. iur. Carmen Emmenegger, Rechtsanwältin, wird eine Entschädigung 
von Fr. 6'069.45 (inkl. Fr. 418.90 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. April 2021 beantragte der Beschuldigte: 

 

1. 
Dispositivziff. 2, mit Ausnahme des letzten Alineas der Dispositivziff. 2, Dispositivziff. 3.1, 
3.2, 4.1, 4.2, 5.1, 5.2, 7, 8.1, 8.2, 8.3 sowie 11.1, 11.2 und schliesslich 12.2, 13 und 14 des 
Urteils vom 26. August 2020 des Bezirksgerichts Aarau seien aufzuheben; 
 
2. 
Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind 
im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB, 
der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und der mehrfachen sexuellen Belästigung 
gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB freizusprechen; 
 
3. 
Der Beschuldigte sei für den Anbau, Herstellung und Besitz von Marihuana für den 
Eigenkonsum zu einer Busse von CHF 300 zu verurteilen; 
 
4. 
Es sei dem Beschuldigten im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO eine angemessene 
Genugtuung in der Höhe von CHF 14'200.00 zzgl. 5% Verzugszins ab 01. November 2018 
für die Dauer der Untersuchungshaft von 71 Tagen auszurichten; 
 
5. 
Die Zivilforderungen der Privatklägerin 1 und 2 seien abzuweisen; 
 
6. 
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien durch die 
Staatskasse zu tragen; 
 
7. 
Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. 

 

3.2. 

Die Berufungsverhandlung fand am 13. Januar 2022 statt. 

 

  

 - 6 - 

 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das vorinstanzliche Urteil wurde nur teilweise angefochten. In den nicht 

angefochtenen Punkten erfolgt keine Überprüfung (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei von den Vorwürfen der 

Schändung, der sexuellen Handlungen mit einem Kind und der sexuellen 

Belästigung freizusprechen. 

 

2.1. 

Wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es 

zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine sexuelle Handlung 

einbezieht, ist nach Art. 187 Ziff. 1 StGB strafbar. Derweil macht sich nach 

Art. 191 StGB der Schändung schuldig, wer eine urteilsunfähige oder eine 

zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum 

Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen 

Handlung missbraucht. Wer jemanden tätlich oder in grober Weise durch 

Worte sexuell belästigt, wird, auf Antrag, mit Busse bestraft (Art. 198 Abs. 2 

StGB). 

 

2.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach der objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio pro reo»). 

Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil 

solche immer möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt 

indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf 

den für den Beschuldigten günstigeren Beweis abzustellen wäre. Die 

Entscheidregel «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus 

Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und aus-

gewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem 

relevante Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich 

erheblicher Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu 

begründen vermag (BGE 144 IV 345; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 

Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das 

Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer 

Aussagen sind zwei Aspekte der Glaubwürdigkeit zu unterscheiden: Die 

personenbezogene Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaub-

haftigkeit. Die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer 

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Persönlichkeit, ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation ab-

schätzen. Sie bildet aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse 

und darf deshalb nie alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Über-

prüfung des Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht 

deshalb die Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem 

Inhalt bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Die dem Beschuldigten vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum 

Nachteil von A. sollen sich im Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis 30. Oktober 

2018 zugetragen haben. A., geboren am tt.mm.jjjj, war damals zwischen 11 

und 13 Jahre alt. 

 

2.3.2. 

A. schilderte im Vorverfahren und vor Vorinstanz, der Beschuldigte habe 

sich mehrfach neben sie aufs Bett hingelegt. Mindestens zwei Mal habe er 

sie dabei angefasst (Untersuchungsakten [UA] act. 512 f.; 691). Er habe 

sie mit seiner Hand in ihrem Intimbereich (über den Kleidern) berührt und 

damit gespielt. Durch Reibbewegungen sei es warm (UA act. 514, 691) 

bzw. heiss (UA act. 517) geworden. Sie sei dann jeweils aufgestanden bzw. 

habe ihn angeschrien, woraufhin er erschrocken sei und das Zimmer 

verlassen habe (UA act. 514, 691). Sodann schilderte sie, es sei einmal 

vorgekommen, dass sie aufgewacht sei und bemerkt habe, dass der 

Beschuldigte hinter ihr auf ihrem Bett gelegen sei. Als sie ihn gefragt habe, 

was er hier mache und ihn weggestossen habe, habe sie bemerkt, dass 

dessen Hosen «nass» gewesen seien (UA act. 515). 

 

A. hat sodann ausgeführt, dass der Beschuldigte sie mehrfach auf den 

Mund und zwischendurch auf den Nacken geküsst habe. Sie habe jeweils 

gesagt, dass sie das nicht möchte. Er habe jedoch trotzdem weiter-

gemacht. Ebenfalls habe er sie wiederholt auf den Hintern geschlagen (UA 

act. 516) und sie im Schlaf fotografiert (UA act. 514). Er habe ihr zudem 

diverse Kleider wie Unterwäsche und Nachthemden gekauft, die unter 

anderem die Aufschriften «touch me» getragen hätten (UA act. 516; 694). 

Ferner habe er ihr Chatnachrichten wie «ich chan mich ned i der inne 

entleere», sie sei in seinen Träumen und er würde sie schlecken, gesendet 

(UA act. 513, 515, 517). 

 

2.3.3. 

Die Einvernahme von A. im Vorverfahren wurde auf Video aufgezeichnet 

und ermöglicht dem Gericht nicht nur eine inhaltliche Würdigung ihrer 

Aussagen, sondern zeigt auch optisch und im Originalton (damals noch 

Türkisch), wie sie die Aussagen gemacht hat. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung hat das Obergericht A. erneut einvernommen und 

konnte dadurch zusätzlich einen persönlichen Eindruck von deren 

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Aussagen (nunmehr in Deutsch und ohne Dolmetscher) und 

Aussageverhalten gewinnen. Sodann konnten auch Unklarheiten geklärt 

werden. 

 

Die Aussagen von A. sind konstant, detailliert geschildert und weisen keine 

nennenswerten Widersprüche auf. Sie zeigte im Rahmen der 

Videoeinvernahme im Untersuchungsverfahren (vgl. UA act. 517), indem 

sie die Reibbewegungen mit Fingern und Händen zeigte, wie der Beschul-

digte sie berührt haben soll. Ferner schilderte sie, sie habe jeweils eine Zeit 

benötigt, um realisieren zu können, was geschehen war (UA act. 515) und 

sie sei in einem solchen Stress gewesen, dass sie gezittert habe (UA 

act. 691). Sie habe sodann manchmal einen Stuhl an ihre Zimmertür 

gelehnt, damit der Beschuldigte ihr Zimmer nicht habe betreten können (UA 

act. 513). Diese Schilderungen deuten auf tatsächlich erlebte Situationen 

hin. Übertreibungen oder Überzeichnungen, wie sie bei bewussten Falsch-

aussagen eher zu erwarten sind, sind dabei nicht ersichtlich. Im Gegenteil 

hat A. beispielsweise ausgesagt, dass der Beschuldigte sie über der 

Kleidung berührt habe (UA act. 516), womit sie ihn nicht stärker als nötig 

belastete. Ihre Schilderungen waren sodann altersadäquat. So zögerte sie, 

ihren Intimbereich genau zu benennen und verwendete stattdessen 

Bezeichnungen wie «Das esch mis Ding» oder «Min bsondere Ort» (UA 

act. 514). Auch die Schilderung, die Hosen des Beschuldigten seien 

«nass» gewesen, entspricht einem damals altersangemessenen Sprach-

gebrauch. Es sind sodann keine Hinweise vorhanden, wonach A. von einer 

Drittperson instruiert oder zu den Aussagen bewogen worden wäre.  

 

Die Aussagen decken sich auch mit der übrigen Beweislage. So sind Chat-

verläufe aktenkundig, in welchen A. dem Beschuldigten beispielsweise 

schrieb, es sei pervers, dass er ihr Ding berührt habe, als sie am Schlafen 

gewesen sei. Daraufhin antwortete der Beschuldigte, es sei ungewollt 

passiert (UA act. 321). Im Weiteren schrieb sie ihm per WhatsApp, er habe 

seine Hand auf ihr «Ding» gelegt, worauf hin er entgegnete: «Du verstehst 

mich nicht» oder «Du willst mich nicht verstehen». Sodann schrieb er «ich 

entschuldige mich». Ferner schrieb sie ihm: «Erzähle mir nur, warum Du 

während ich schlief zu mir gekommen und mein Ding berührt hast». Der 

Beschuldigte entgegnete daraufhin «Ich entschuldige mich für alles». 

Nachdem A. fragte: «Wie soll ich Dir vertrauen, nachdem du solche 

perverse Sachen gesagt hast», antwortete er: «Ich dachte Du willst» (UA 

act. 322). In den Akten finden sich sodann Fotos von Unterwäsche mit den 

Aufschriften «FUCK ME» und «TOUCH ME» (UA act. 531 f.). Nachdem A. 

den Beschuldigten per WhatsApp die Nachricht «Du hast mir Unterhosen 

gekauft» sandte, antwortete dieser mit: «Suç», was von der Dolmetscherin 

mit «Schuld/Fehler» übersetzt wurde (UA act. 324). In der Auswertung der 

Chatverläufe finden sich im Weiteren Nachrichten wie «ich würde nicht in 

Dich hinein ejakulieren Es ist Haram in unserer Religion» (UA act. 304), 

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«es war für Dich», «Du hättest nicht aufwachen sollen» und «Du hättest 

einen schönen Traum gesehen» (UA act. 302). 

 

Der Beschuldigte hat die Vorwürfe, die A. per WhatsApp an ihn richtete, 

während der WhatsApp-Konversation nicht explizit bestritten, sondern 

entschuldigte sich teilweise oder gab diffuse, mehrdeutige Antworten. Vor 

Vorinstanz hat er zugegeben, dass er sich ein oder zweimal dicht hinter A. 

gelegt habe (UA act. 711). Ebenfalls bestreitet er nicht, dass er A. ein bis 

zweimal auf den Mund (UA act. 478) und zudem auf den Nacken geküsst 

hatte (UA act. 479). Er konnte jedoch insbesondere keine nachvoll-

ziehbaren Gründe nennen, weshalb er A. dazu aufforderte, gewisse Chat-

nachrichten zu löschen bzw. ihre Zimmertüre nicht abzuschliessen (vgl. UA 

act. 305). Wenig glaubhaft ist sodann, dass er lediglich aus Vaterliebe und 

aus Mitleid zu ihr ins Zimmer gegangen sein soll und dann geweint habe 

(UA act. 376) bzw. die Aussage, die Fotos, die er von der schlafenden A. 

gemacht habe, habe er als Erinnerung für sich selbst gemacht (UA act. 

486). Diese Aussagen sind als blosse Schutzbehauptungen zu werten. 

 

Das Obergericht erachtet die Aussagen von A. bei einer Gesamtwürdigung 

als glaubhaft. Auch der persönliche Eindruck, welcher im Rahmen der 

Berufungsverhandlung gewonnen werden konnte, spricht dafür, dass ihre 

Schilderungen erlebnisbasiert sind. Nach dem Gesagten bestehen für das 

Obergericht keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass sich der 

Sachverhalt so abgespielt hat, wie er von A. geschildert worden ist und der 

Anklage zugrunde liegt. 

 

2.3.4. 

2.3.4.1. 

Das an zwei verschiedenen Tagen erfolgte Berühren der schlafenden und 

somit zum Widerstand unfähigen A. in deren Intimbereich stellt eine 

eindeutig sexualbezogene Handlung dar, auch wenn die Berührungen 

ausschliesslich über den Kleidern erfolgt sind, und erfüllt somit den 

objektiven Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 StGB. Subjektiv hat 

der Beschuldigte im Bewusstsein darum gehandelt, dass A. am Schlafen 

war (siehe UA act. 472, 710) und sich somit in einem Zustand befand, der 

eine Widerstandsunfähigkeit mit sich bringt. Sodann hat er mit dem Willen 

gehandelt, diesen Zustand von A. auszunutzen, um sie im Intimbereich zu 

berühren bzw. eine sexuelle Handlung vorzunehmen, womit er auch den 

subjektiven Tatbestand erfüllt hat. Der Beschuldigte hat sich somit der 

mehrfachen Schändung schuldig gemacht. 

 

2.3.4.2. 

A. war im Tatzeitraum (1. Mai 2016 bis 30. Oktober 2018) zwischen elf und 

dreizehn Jahre alt und somit ein Kind im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB. 

Der Beschuldigte hat sich mehrfach dicht hinter die in seitlicher Lage 

liegende A. gelegt und dabei auch deren Intimbereich berührt. Wie bereits 

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oben ausgeführt, handelt es sich beim Berühren des Intimbereichs über 

den Kleidern von A. durch den Beschuldigten um eine sexuelle Handlung. 

Er hat im Wissen um das Alter von A. und im Bewusstsein gehandelt, dass 

den Berührungen im Intimbereich eine sexuelle Bedeutung zukommt, was 

er denn auch wollte. Damit hat der Beschuldigte sowohl den objektiven als 

auch subjektiven Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB mehrfach erfüllt. 

 

Das Obergericht geht gestützt auf die Aussagen von A., dass sie bemerkt 

habe, dass die Hose des Beschuldigten «nass» gewesen sei (UA act. 515) 

und ihren diesbezüglich klaren Aussagen, dass es sich um Sperma 

gehandelt habe bzw. er gekommen sein müsse (siehe Protokoll der 

Berufungsverhandlung), davon aus, dass der Beschuldigte zu einem 

anderen Zeitpunkt als den Berührungen im Intimbereich mindestens einmal 

zum Samenerguss gekommen ist, als er neben A. lag. Als 

Tatbestandsvariante von Art. 187 Ziff. 1 StGB kommt diesbezüglich einzig 

ein «Einbeziehen» in Frage. Erforderlich ist hierzu indes, dass der Täter ein 

Kind gezielt zum Zuschauer seiner sexuellen Handlungen und dadurch 

zum Sexualobjekt macht. Ferner muss das Kind den äusseren Vorgang der 

sexuellen Handlung als Ganzes unmittelbar sinnlich wahrnehmen (BGE 

129 IV 168 E. 3.1 f.). Gemäss Aussage von A. nahm sie die nassen Hosen 

des Beschuldigten jedoch erst wahr, als sie sich (nachdem sie wach 

geworden ist) umgedreht hatte. Somit kann nicht davon ausgegangen 

werden, dass sie hinsichtlich des Samenergusses zur Zuschauerin 

gemacht worden wäre und den äusseren Vorgang der sexuellen Handlung 

als Ganzes unmittelbar wahrgenommen hat. Vielmehr hat sie nur das 

Resultat im Sinne eines Spermaflecks wahrgenommen. Unter diesen 

Umständen ist der objektive Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB 

hinsichtlich der «nassen Hose» nicht erfüllt. 

 

Die übrigen Vorfälle, in welchen sich der Beschuldigte in seitlicher Lage 

hinter A. gelegt hat, ohne sie dabei in ihrem Intimbereich zu berühren, 

können nicht zweifelsfrei als sexuell motiviert betrachtet werden. Was 

schliesslich die gegen den Willen von A. erfolgten Küsse auf deren Mund, 

Nacken und Wangen bzw. das Schlagen auf deren Gesäss betrifft, ist mit 

der Vorinstanz davon auszugehen, dass diese Handlungen die für die 

Annahme einer sexuellen Handlung notwendige Intensität nicht erreicht 

haben (vgl. BGE 125 IV 58 E. 3b S. 62). 

 

2.3.4.3. 

Zwischen den Tatbeständen der sexuellen Handlungen mit einem Kind 

(Art. 187 StGB) und der Schändung (Art. 191 StGB) besteht in der vor-

liegenden Konstellation echte Konkurrenz, denn die beiden Strafnormen 

schützen unterschiedliche Rechtsgüter: Art. 187 StGB will die «Gefährdung 

der Entwicklung von Minderjährigen» (1. Untertitel zum Fünften Titel des 

Strafgesetzbuches) verhindern, das heisst die ungestörte Entwicklung des 

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Kindes schützen, bis es die notwendige Reife erreicht hat, die es zur 

verantwortlichen Einwilligung in sexuelle Handlungen befähigt. Nach dem 

Gesetz ist diese Reife vor dem 16. Altersjahr immer zu verneinen. Art. 191 

StGB wiederum soll Personen schützen, die seelisch oder körperlich nicht 

in der Lage sind, sich gegen sexuelle Zumutungen zu wehren. Gegen ein 

alternatives Verhältnis von Art. 187 und Art. 191 StGB spricht, dass durch 

die Anwendung bloss einer dieser Strafnormen das deliktische Verhalten 

nicht vollständig erfasst und abgegolten wäre. In der Ausnützung der 

Hilflosigkeit des urteilsunfähigen Kindes liegt eine Rechtsgutverletzung, die 

mit der Bestrafung wegen sexueller Handlungen mit einem Kind nicht 

berücksichtigt ist. Umgekehrt umfasst der Tatbestand der Schändung nicht 

den Schaden, welcher der Entwicklung des Kindes zugefügt wird (statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2020 vom 15. September 2021 

E. 1.3 mit Hinweisen; BGE 120 IV 194 E. 2) 

 

2.3.4.4. 

Der Beschuldigte hat sodann den Tatbestand der sexuellen Belästigung 

gemäss Art. 198 StGB mehrfach erfüllt: Als klar sexuell motiviert zu werten 

sind die WhatsApp-Chatnachrichten des Beschuldigten an A., sie hätte 

schöne Träume gesehen, wenn sie nicht aufgewacht wäre, und er hätte 

nicht in sie rein ejakuliert, dies würde er nur mit seiner Mutter machen. 

Selbiges gilt für den Vorwurf, der Beschuldigte habe A. über die App 

«Signal» geschrieben, dass sie in seinen Träumen sei und er sie schlecken 

würde (vgl. UA act. 517) bzw. betreffend die Unterwäsche mit den 

Aufschriften «Touch me» und «Fuck me», welche der Beschuldigte A. 

geschenkt hatte. Der Beschuldigte hat dabei zweifellos im Wissen darum 

gehandelt, dass seine Äusserungen bzw. die Aufschriften auf der 

Unterwäsche sexuellen Charakter haben und zudem bei A. mindestens 

möglicherweise zu einem Ärgernis bzw. Ablehnung führen würden. 

 

2.3.5. 

Zusammengefasst hat sich der Beschuldigte der mehrfachen Schändung 

gemäss Art. 191 StGB, der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen sexuellen Belästigung 

gemäss Art. 198 StGB schuldig gemacht. Die Berufung des Beschuldigten 

erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

2.4. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der Porno-

grafie freizusprechen. 

 

2.4.1. 

Wer pornografische Schriften, Ton-, Bildaufnahmen, Abbildungen, andere 

Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen einer Person 

unter 16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht oder durch 

 - 12 - 

 

 

 

Radio oder Fernsehen verbreitet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft (Art. 197 Abs. 1 StGB). 

 

2.4.2. 

A. führte aus, der Beschuldigte habe ihr an einem nicht mehr exakt 

feststellbaren Zeitpunkt im Zeitraum zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 

4. März 2018 ein Pornovideo gezeigt. Auch dieses Geschehen schildert A. 

detailreich. So sagte sie bei der Einvernahme im Untersuchungsverfahren 

aus, er habe ihr das Video in Q. gezeigt. Auf dem Video sei ein nackter 

Mann und eine nackte Frau sichtbar gewesen. Die Frau habe 

anschliessend das «Ding» des Mannes in den Mund genommen. Der 

Beschuldigte habe nur ein Video geöffnet und danach sofort wieder 

geschlossen, als sie gesagt habe, er solle es schliessen (UA act. 519). 

Anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung wiederholte sie, dass sich das 

Ganze in Q. abgespielt habe (UA act. 696). Auch in diesem 

Zusammenhang sind die Aussagen von A. konstant, schlüssig und 

nachvollziehbar. Hinweise darauf, dass sie den Vorfall nur erfunden hätte 

oder instruiert worden wäre, wahrheitswidrig auszusagen, liegen keine vor. 

 

2.4.3. 

Indem der Beschuldigte der im Tatzeitpunkt unter 16 Jahre alten A., deren 

Alter er kannte, wissentlich und willentlich ein Video zeigte, in welchem eine 

Frau den Penis eines Mannes in den Mund nahm, hat er den Tatbestand 

der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB erfüllt. Die Berufung des 

Beschuldigten erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte ist der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB, 

der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 

StGB, der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB und der mehrfachen 

sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen 

und dafür angemessen zu bestrafen. 

 

Die Vorinstanz hat eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren und eine Busse von 

Fr. 2'000.00 ausgesprochen. Der Beschuldigte hat für den Fall, dass seine 

Berufung im Schuldpunkt ganz oder teilweise abgewiesen wird, keinen 

Antrag zum Strafmass gestellt. 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_1233%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-IV-61%3Ade&number_of_ranks=0#page61
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6b_1233%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

 - 13 - 

 

 

 

3.3. 

Die Tatbestände der Schändung (Art. 191 StGB), der sexuellen Handlung 

mit einem Kind (Art. 187 Ziff. 1 StGB) und der Pornografie (Art. 197 Abs. 1 

StGB) sehen als Strafe alternativ eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor. 

 

Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtigstes Kriterium die Zweck-

mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und 

sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1027/2019 vom 11. Mai 2020 E. 1.1 mit 

Verweis auf BGE 134 IV 97 E. 4.2). Erkennt das Gericht an Stelle einer 

Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe, hat es diese Wahl näher zu begründen 

(BGE 144 IV 313 E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_986/2020 vom 

6. Januar 2021 E. 4.3). 

 

Vorliegend erweist sich eine Geldstrafe, insoweit eine solche bei einer 

isolierten Einzelbetrachtung der jeweiligen Straftaten aufgrund der 

Schwere des Verschuldens infrage kommen würde, nicht als angemessene 

und zweckmässige Sanktion: Der Beschuldigte weist zwei teilweise 

einschlägige Vorstrafen auf. Mit Strafbefehl vom 27. Juni 2012 wurde er 

von der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wegen Fahrens in fahrun-

fähigem Zustand sowie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a BetmG zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen 

à Fr. 100.00, d.h. Fr. 2'000.00, sowie zu einer Busse von Fr. 800.00 

verurteilt. Von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wurde er sodann mit 

Strafbefehl vom 23. November 2015 wegen sexueller Handlungen mit 

Kindern zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00, 

d.h. Fr. 18'000.00, Probezeit 3 Jahre, und einer Verbindungsbusse von Fr. 

3'600.00 verurteilt. Diese für den Beschuldigten erheblichen Strafen hielten 

ihn nicht davon ab, bereits in der Probezeit erneut einschlägig zu 

delinquieren. Es ist damit offensichtlich, dass er sich durch die Ausfällung 

einer weiteren Geldstrafe nicht beeindrucken lassen würde. Angesichts 

dieser Ungerührtheit des Beschuldigten gegenüber dem hiesigen Straf- 

und Vollzugssystem kommt als angemessene und zweckmässige Sanktion 

nicht eine Geldstrafe, sondern nur eine Freiheitsstrafe in Frage (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_782/2011 vom 3. April 2012 E. 4.1). 

 

Für die Übertretungen (sexuelle Belästigungen gemäss Art. 198 StGB und 

die Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a 

BetmG) ist seine separate Busse auszusprechen. 

 

3.4. 

Die Einsatzstrafe ist für die konkret schwerste der begangenen Schändun-

gen festzusetzen. 

 

Der Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 StGB sieht eine 

Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine – hier nicht zweckmässige 

 - 14 - 

 

 

 

(siehe oben) – Geldstrafe vor. Das Gericht misst die Strafe innerhalb des 

ordentlichen Strafrahmens nach dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). 

Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die Schwere der 

Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Art. 191 StGB schützt die sexuelle Selbstbestimmung von Perso-

nen, die nicht in der Lage sind, sich gegen sexuelle Zumutungen zu wehren 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2020 vom 15. September 2021 E. 1.3; 

BGE 133 IV 49 E. 7.2). 

 

Der Beschuldigte setzte sich an einem nicht mehr genau bestimmbaren 

Datum zwischen März und Oktober 2018 neben die in seitlicher Lage 

schlafende A. und berührte sie über den Kleidern in ihrem Intimbereich. Zu 

berücksichtigten ist zunächst, dass A., die durch die Berührungen wach 

wurde, betreffend den Geschehensablauf schilderte, es sei warm (UA act. 

514) bzw. heiss (UA act. 517) geworden, als der Beschuldigte mit ihrem 

Intimbereich gespielt (UA act. 515) bzw. daran gerieben (UA act. 517) 

habe. Die Berührungen waren somit nicht bloss sehr oberflächlich oder von 

ganz kurzer Dauer. Auch wenn jeder sexuelle Missbrauch gravierend ist, 

stehen vorliegend im vergleichsweise grossen Spektrum möglicher Sexual-

straftaten jedoch nicht die schwersten Vorwürfe im Raum (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 1.3). Insbesondere 

drang der Beschuldigte mit den Fingern nicht in A. ein und wendete auch 

keine Gewalt an. Der Beschuldigte hörte sodann damit auf, als A. erwachte 

und die Berührungen realisierte. Verschuldenserhöhend ist zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte als Stiefvater und damit 

Bezugsperson von A. das darauf basierende Vertrauensverhältnis 

ausnutzte und dieses erschütterte. 

 

Der Schändung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation 

immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember 

2002 E. 7.4.2). Der Beschuldigte verfügte jedoch über ein sehr hohes Mass 

an Entscheidungsfreiheit. Je leichter es aber für den Beschuldigten ge-

wesen wäre, die sexuelle Selbstbestimmung von A. zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das 

Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen). 

 

Unter Berücksichtigung des weiten ordentlichen Strafrahmens bis zu 

10 Jahren Freiheitsstrafe und den davon erfassten Tatvorgehen und Tat-

umständen, ist für die Schändung vorliegend aufgrund der Tatumstände 

von einem vergleichsweise noch leichten Verschulden und einer dafür 

angemessenen Einsatzstrafe von 4 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen. 

 

 - 15 - 

 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

In Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist die 

Einsatzstrafe von 4 Monaten Freiheitsstrafe nun aufgrund der zweiten 

Schändung sowie der weiteren Straftaten (sexuelle Handlungen mit einem 

Kind, Pornografie), für welche ebenfalls eine Freiheitsstrafe auszusprechen 

ist (siehe dazu oben), angemessen zu erhöhen. 

 

3.5.2. 

Betreffend die zweite Schändung vom 9. Oktober 2018 ist anzumerken, 

dass diese im Wesentlichen gleich ablief, wie die erste und somit 

diesbezüglich ebenfalls von einem vergleichsweise noch leichten 

Verschulden auszugehen ist. Im Rahmen der Asperation ist zudem zu 

beachten, dass beide Schändungen insofern in einem Zusammenhang 

stehen, als dass sich beide gegen A. gerichtet haben und jeweils auf 

ähnliche Art und Weise begangen worden sind. Es kann im Übrigen aber 

nicht von einem besonders engen Zusammenhang gesprochen werden, 

weshalb der Gesamtschuldbeitrag jeder Schändung entsprechend hoch zu 

veranschlagen ist. Insgesamt rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe von 4 

Monaten Freiheitsstrafe aufgrund des Gesamtschuldbeitrags angemessen 

um 2 Monate auf 6 Monate zu erhöhen. 

 

3.5.3. 

In Bezug auf die sexuellen Handlungen mit einem Kind (Art. 187 Ziff. 1 

StGB) für welche die Strafe in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB 

zusätzlich zu erhöhen ist, ergibt sich Folgendes: 

 

Sexuelle Handlungen mit einem Kind werden mit Freiheitsstrafe bis zu 

5 Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 187 Ziff. 1 StGB). Der Tatbestand 

will die Gefährdung der sexuellen Entwicklung von Unmündigen 

verhindern, das heisst die ungestörte Entwicklung des Kindes schützen, bis 

es die notwendige Reife erreicht hat, die es zur verantwortlichen 

Einwilligung in sexuelle Handlungen befähigt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_518/2020 vom 15. September 2021 E. 1.3). 

 

Der Beschuldigte hat den Intimbereich der damals noch nicht 16-jährigen 

A. mehrfach über den Kleidern berührt, so dass diese aufgewacht ist. 

Insgesamt sind die sexuellen Handlungen weder einzeln noch in ihrer 

Gesamtheit zu bagatellisieren. Es kann allerdings auch nicht von einer 

schweren oder nachhaltig auf diese Vorfälle zurückzuführende Beein-

trächtigung der ungestörten sexuellen Entwicklung von A. ausgegangen 

werden. Verschuldenserhöhend ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte als Stiefvater und damit Bezugsperson von A. über ein sehr 

grosses Mass an Entscheidungsfreiheit verfügte. 

 

 - 16 - 

 

 

 

Bei isolierter Betrachtung wäre für die Vorfälle mit Berührungen eine 

Einzelstrafe von je 2 Monaten gerechtfertigt. Aufgrund des engen Zu-

sammenhangs mit der Schändung ist die Einsatzstrafe unter Berück-

sichtigung des Asperationsprinzips insgesamt um 3 Monate zu erhöhen. 

 

3.5.4. 

Hinsichtlich der Pornografie, für welche die Strafe in Anwendung von 

Art. 49 Abs. 1 StGB zusätzlich zu erhöhen ist, ergibt sich was folgt: 

 

Pornografie sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe 

vor (Art. 197 Abs. 1 StGB). Der Tatbestand schützt die sexuelle Integrität 

und Selbstbestimmung, insbesondere die ungestörte sexuelle Entwicklung 

von Kindern und Jugendlichen (ISENRING/KESSLER, in: Basler Kommentar, 

Strafrecht II, 4. Auflage, N. 7 zu Art. 197 StGB). 

 

Der Beschuldigte zeigte A. an einem nicht mehr genau feststellbaren 

Datum ein Video mit pornografischem Inhalt. Nachdem A. erklärt hatte, 

dass sie das Video nicht sehen wolle, hat er das Video wieder gestoppt. Mit 

Blick auf die kurze Dauer des Vorspielens und den Inhalt des Videos 

(insbesondere keine sog. harte Pornografie) sowie die weiteren unter Art. 

197 Abs. 1 StGB fallenden Verhaltensweisen ist von einer vergleichsweise 

noch leichten Form der Tatausführung auszugehen, welche – für sich 

alleine – nicht zu einer schweren oder nachhaltigen Störung der sexuellen 

Entwicklung von A. geführt hat. Verschuldenserhöhend ist wiederum zu 

berücksichtigen, dass der Beschuldigte auch hinsichtlich dieser Straftat 

über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit verfügte. Insgesamt 

ist jedoch von einem vergleichsweise noch leichten Verschulden und einer 

dafür angemessenen Einzelstrafe von einem Monat auszugehen. 

 

Ein gewisser Zusammenhang zu den weiteren Straftaten ist erkennbar, 

weshalb unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine Erhöhung 

der Einsatzstrafe um ½ Monat angemessen ist. 

 

3.6. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist, wie bereits erwähnt, mehrfach und zum Teil einschlägig vorbestraft. 

Dies wirkt sich straferhöhend aus, da der Beschuldigte offensichtlich nicht 

genügende Lehren aus seinem Fehlverhalten gezogen hat (BGE 136 IV 1 

E. 2.6.2). Es ist jedoch zu beachten, dass aus dem täterbezogenen Straf-

zumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein tatbezogenes 

Kriterium gemacht wird. Mithin dürfen diese Vorstrafen nicht wie eigen-

ständige Delikte gewürdigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.4). Das Wohlverhalten des Be-

schuldigten seit der Tatbegehung kann nicht strafmindernd berücksichtigt 

werden, denn ein solches wird allgemein erwartet und vorausgesetzt (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_291/2017 vom 16. Januar 2018 E. 2.2.4). 

 - 17 - 

 

 

 

 

Der Beschuldigte hat die ihm vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum 

Nachteil von A. auch noch im Berufungsverfahren bestritten. Eine 

erhebliche Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen, 

einsichtigen und nachhaltig reuigen Täter möglich ist, ist somit ausge-

schlossen. Daran ändert auch nichts, dass er sich grundsätzlich kooperativ 

verhalten und eine Therapie begonnen hat (UA act. 718). 

 

Weitere relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten 

sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist nicht von einer erhöhten Straf-

empfindlichkeit auszugehen, denn es liegen keine aussergewöhnlichen 

Umstände vor (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1079/2016 vom 

21. März 2017 E. 1.4.5; 6B_249/2016 vom 19. Januar 2017 E. 1.4.4; 

6B_243/2016 vom 8. September 2016 E. 3.4.2; 6B_748/2015 vom 

29. Oktober 2015 E. 1.3). 

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren aufgrund der Vorstrafen, so 

dass sich die Täterkomponente im Umfang von ½ Monat straferhöhend 

auswirkt. Die angemessene Freiheitsstrafe ist somit auf 10 Monate 

festzusetzen. 

 

3.7. 

Der Beschuldigte moniert schliesslich eine lange Verfahrensdauer von über 

3 Jahren (Berufungsbegründung N. 23). Er führt allerdings keine konkrete 

Verletzung des Beschleunigungsgebots ins Feld, sondern bringt vor, das 

Strafverfahren hänge wie ein Damoklesschwert über seinem Kopf. 

 

In Anbetracht des Anklagesachverhalts und der notwendigen Unter-

suchungshandlungen erweist sich die Verfahrensdauer von etwas über 

3 Jahren bis zum Vorliegen des obergerichtlichen Urteils nicht als 

übermässig lang. Weder liegt ein langer Zeitablauf im Sinne von Art. 48 

lit. e StGB vor (vgl. BGE 140 IV 145), noch ist eine Verletzung des 

Beschleunigungsgebot durch krasse Verfahrensstillstände oder Zeitlücken 

ersichtlich (siehe dazu statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5), zumal es nicht Sache des Obergerichts ist, 

die Akten ohne präzise Rüge danach zu durchsuchen, ob die Straf-

behörden das Verfahren in allen Stadien ohne Verzug behandelt haben 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1036/2013 vom 1. Mai 2014 E. 3.4.2). 

 

3.8. 

3.8.1. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe 

von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe 

nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). 

 

 - 18 - 

 

 

 

Die Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr 

bietet, setzt eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände voraus. 

In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch 

das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige 

Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten einer 

Bewährung zulassen. Die persönlichen Verhältnisse sind dabei bis zum 

Zeitpunkt des Entscheids miteinzubeziehen (BGE 134 IV 140 E. 4.4). Der 

Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger 

Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der Un-

gewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). Bei einer Schlechtprog-

nose ist ein Aufschub der Strafe ausgeschlossen (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1). 

 

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-

gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, 

so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der 

Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Da der Beschuldigte die neuen Straftaten 

während der laufenden dreijährigen Probezeit begangen hat, ist auch der 

Widerruf des ihm mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm 

vom 23. November 2015 für die Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 

Fr. 100.00, d.h. Fr. 18'000.00, gewährten bedingten Strafvollzugs zu 

prüfen. Das Nebeneinander von zwei Sanktionen (neue Strafe und Wider-

rufsstrafe) erfordert eine Beurteilung in Varianten: Möglich ist, dass der 

Vollzug der neuen Strafe erwarten lässt, der Verurteilte werde dadurch von 

weiterer Straffälligkeit abgehalten, weshalb es nicht notwendig erscheine, 

den bedingten Vollzug der früheren Strafe zu widerrufen. Umgekehrt kann 

der nachträgliche Vollzug der früheren Strafe dazu führen, dass eine 

Schlechtprognose für die neue Strafe im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB 

verneint und diese folglich bedingt ausgesprochen wird (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_808/2018 vom 6. Mai 2019 E. 2.3 mit Hinweisen). 

 

3.8.2. 

Der Beschuldigte weist zwei (teils einschlägige) Vorstrafen auf. Eine 

frühere Verurteilung wegen sexueller Handlungen mit einem Kind gemäss 

Art. 187 StGB hielt ihn nicht davon ab, eine erneute, ähnlich gelagerte 

Straftat noch während der Probezeit zu begehen. Dieser Umstand ist bei 

der Prognosestellung ungünstig zu werten. Des Weiteren wurde dem 

Beschuldigten im Gutachten vom 15. November 2019 ein leicht erhöhtes 

Risiko von distanzlosem Verhalten bis hin zu sexuellen Grenzüber-

schreitungen in gewissen Situationen attestiert. Sollte er sich in der Rolle 

eines Vaters oder Stiefvaters wiederfinden, so bestehe gar ein leicht bis 

moderates Risiko von sexuell motivierten Grenzüberschreitungen (UA 

act. 58.78). Dem Beschuldigten wäre somit eigentlich eine eigentliche 

Schlechtprognose zu stellen. Die persönlichen Umstände des Beschul-

digten haben sich nicht so verändert, dass diese die ihm zu stellende 

Schlechtprognose entfallen lassen könnte. Diese kann vorliegend nur 

deshalb (knapp) verneint werden, weil die früher bedingt ausgesprochene 

 - 19 - 

 

 

 

Geldstrafe von Fr. 18'000.00 nunmehr zu vollziehen ist. Es handelt sich um 

einen für den Beschuldigten sehr erheblichen Betrag, der ihn hart treffen 

wird und eine Verbesserung der Legalprognose erlaubt. Somit kann die 

neue Strafe bedingt ausgesprochen werden. Den trotz Vollzug der Wider-

rufsstrafe noch bestehenden Bedenken an der Legalbewährung ist mit 

einer erhöhten Probezeit von 4 Jahren angemessen Rechnung zu tragen 

(Art. 44 StGB). 

 

3.8.3. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 71 Tagen (1. November 2018 

bis 10. Januar 2019) ist auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB 

i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB). Nachdem die ausgestandene Untersuchungs-

haft vollständig auf die ausgefällte Freiheitsstrafe angerechnet wird, entfällt 

ein Genugtuungsanspruch des Beschuldigten (Art. 431 Abs. 2 StPO 

e contrario). 

 

3.9. 

Die vom Beschuldigten begangenen Übertretungen (sexuelle Belästigun-

gen gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB, Widerhandlungen gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG) sind mit Busse von 

maximal Fr. 10'000.00 (Art. 106 Abs. 1 StGB) zu sanktionieren. Die Busse 

ist nach den Verhältnissen des Täters zu bemessen, so dass dieser die 

Strafe erleidet, die seinem Verschulden und seinen persönlichen Verhält-

nissen angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB). 

 

Die Vorinstanz hat eine Busse von insgesamt Fr. 2'000.00 ausgesprochen. 

Diese Busse kann unter keinem Titel herabgesetzt werden. Der Beschul-

digte hat A. mitunter mit sehr expliziten sexuellen Aussagen, dass sie in 

seinen Träumen sei und er sie schlecke bzw. er nicht in sie 

hineinejakulieren könne sowie mit der Unterwäsche mit den Aufschriften 

«Touch me» und «Fuck me» sexuell belästigt. Dabei verfügte er über ein 

sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit. Entsprechend hoch erscheint 

das mit den sexuellen Belästigungen einhergehende Verschulden. 

 

Der Beschuldigte züchtete bzw. pflanzte sodann im Zeitraum vom 

März/April bis November 2018 mindestens 6 Hanfpflanzen (34.6 Gramm 

Marihuana) bzw. 10 Setzlinge (0.7 Gramm Marihuana) für seinen Eigen-

bedarf an. Das in der Folge geerntete und getrocknete Marihuana, insge-

samt mindestens 14.8 Gramm, bewahrte er bei sich zu Hause auf und 

rauchte es teilweise (1 Joint). Ferner hat er im Zeitraum von Januar 2018 

bis Februar 2019 mindestens 15 Gramm Marihuana konsumiert. Die 

Tathandlungen erfolgten zur Deckung des Eigenbedarfs. Dies ist indes 

bereits durch die Anwendung des privilegierten Tatbestandes von Art. 19a 

BetmG berücksichtigt. Zu berücksichtigen ist auch, dass überhaupt nur 

strafbar ist, wer mehr als eine geringfügige Menge, d.h. mehr als 10 Gramm 

Marihuana (Art. 19b Abs. 2 BetmG) für den eigenen Konsum vorbereitet. 

 - 20 - 

 

 

 

Täter, die lediglich (einmalig) eine geringfügige Menge Cannabis 

konsumieren, werden mit einer Ordnungsbusse von jeweils Fr. 100.00 

bestraft (Art. 28b Abs. 2 BetmG bzw. seit 1. Januar 2020 gemäss Art. 1 

OBG i.V.m. Art. 14 OBG und Ziff. 8001 Anhang OBV). Das Verschulden 

des Beschuldigten, der nicht bloss konsumiert hat, wiegt klar schwerer. 

 

Insgesamt wäre auch unter Berücksichtigung der ungünstigen finanziellen 

Verhältnisse eine Busse von deutlich mehr als Fr. 2'000.00 auszusprechen 

gewesen, zumal der Beschuldigte hinsichtlich der Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG einschlägig 

vorbestraft ist. Aufgrund des Verschlechterungsverbots fällt eine Erhöhung 

der Busse allerdings ausser Betracht (Art. 391 Abs. 2 StPO). Es bleibt damit 

bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Busse von Fr. 2'000.00 sowie 

der Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen. 

 

4. 

Die Vorinstanz hat gestützt auf Art. 67 Abs. 3 StGB in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung ein Tätigkeitsverbot für die Dauer von 10 Jahren 

auferlegt und für diese Dauer die Bewährungshilfe angeordnet. 

 

Gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB in der seit 1. Januar 2019 geltenden Fassung 

verbietet das Gericht einem Beschuldigten zwingend lebenslänglich jede 

berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen 

regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, unter anderem dann, 

wenn er wegen einer sexuellen Handlung mit Kindern nach Art. 187 StGB 

(lit. b) oder wegen Schändung nach Art. 191 StGB (lit. c) verurteilt wird. 

Nach dem im Zeitpunkt der Tatbegehung geltenden Recht war bei einer 

Verurteilung aufgrund dieser Tatbestände lediglich die Anordnung eines 

10-Jährigen Tätigkeitsverbots möglich (aArt. 67 Abs. 3 lit. a und b StGB). 

 

Die vorliegend zu beurteilenden Taten wurden vor dem 1. Januar 2019 

begangen. Die Vorinstanz hat deshalb aufgrund des strafrechtlichen Rück-

wirkungsverbots zurecht zu Gunsten des Beschuldigten auf die im Tatzeit-

punkt geltende Fassung von Art. 67 StGB abgestellt. 

 

5. 

5.1. 

Die Tatbestände der Schändung (Art. 191 StGB) und der sexuellen 

Handlungen mit einem Kind (Art. 187 StGB) stellen Katalogtaten der obliga-

torischen Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB dar. 

 

Gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB verweist das Gericht den Ausländer 

unabhängig von der Höhe der Strafe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz, 

wenn er wegen einer oder einer Kombination der in Abs. 1 aufgeführten 

strafbaren Handlungen verurteilt wird (obligatorische Landesverweisung). 

Gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB kann das Gericht ausnahmsweise von einer 

 - 21 - 

 

 

 

Landesverweisung absehen, wenn diese für den Ausländer einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind. Die Härtefallklausel dient der 

Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 

146 IV 105 E. 3.4.2; BGE 144 IV 332 E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist restriktiv 

anzuwenden (BGE 144 IV 332 E. 3.3.1). Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls im 

Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über 

den «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der 

Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und 

Erwerbstätigkeit (VZAE) heranziehen. Da die Landesverweisung 

strafrechtlicher Natur ist, sind auch strafrechtliche Elemente wie die 

Aussichten auf soziale Wiedereingliederung des Täters in die Interessen-

abwägung miteinzubeziehen. Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad 

der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre 

Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthalts-

dauer und Resozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und 

wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. In die Härtefall- bzw. 

Verhältnismässigkeitsprüfung miteinzubeziehen ist auch die Zumutbarkeit 

einer Rückkehr in das Herkunftsland. Die rechtliche Durchführbarkeit der 

Landesverweisung ist zu prüfen, soweit sie definitiv bestimmbar ist (vgl. 

BGE 145 IV 455 E. 9). Im Übrigen ist dem Non-refoulement-Gebot und 

anderen völkerrechtlich zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des 

Vollzugs Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_260/2021 

vom 20. Juli 2021 E. 1.1.1 mit Hinweisen). 

 

Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 

StGB ist in der Regel bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in 

den Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK 

verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens auszugehen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1306/2019 vom 15. Oktober 2020 E. 2.3 mit 

Hinweisen). Das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht auf 

Achtung des Familienlebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- 

oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte 

familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberech-

tigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne weiteres möglich 

bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 

144 I 226 E. 3.3 S. 272; BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 12; je mit Hinweisen). Die 

Interessenabwägung im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 

StGB hat sich an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 

EMRK zu orientieren (BGE 145 IV 161 E. 3.4 S. 166; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.4). Liegt eine 

aufenthaltsbeendende oder -verweigernde Massnahme im Schutz- und 

 - 22 - 

 

 

 

Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich diese als zulässig, falls 

sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im Sinne von Art. 8 

Ziff. 2 EMRK entspricht (Schutz der nationalen oder öffentlichen Sicherheit, 

Aufrechterhaltung der Ordnung, Verhütung von Straftaten usw.) und 

verhältnismässig ist (BGE 143 I 21 E. 5.1; 142 II 35 E. 6.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.3.3). 

 

5.2. 

Der heute 42 Jahre alte Beschuldigte ist türkischer Staatsangehöriger. Er 

lebt seit seinem 16. Altersjahr in der Schweiz (UA act. 54), reiste also vor 

rund 27 Jahren in die Schweiz ein. Schulen hat er in der Schweiz keine 

besucht, jedoch hat er eine Lehre als Bäcker absolviert. Seit dem Jahr 2016 

arbeitet er in einer Festanstellung bei der D. in R. (UA act. 55). Er hat einen 

17-jährigen Sohn aus erster Ehe, welcher früher zusammen mit dessen 

Mutter in der Schweiz (S.) wohnte. Aufgrund einer neuen Beziehung der 

Mutter und damit einhergehender verminderter Platzverhältnisse in der 

Wohnung der Mutter wohnt der Sohn des Beschuldigten seit nunmehr rund 

2 Jahren mit ihm zusammen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). 

Betreffend die übrige Familie führte der Beschuldigte aus, seine Mutter 

sowie eine seiner beiden Schwestern würden in der Schweiz wohnen, sein 

Vater und die zweite Schwester jedoch in der Türkei (UA act. 716). 

 

Stark ins Gewicht fällt vorliegend, dass der Beschuldigte einen 17 Jahre 

alten Sohn hat, der sich noch in Ausbildung befindet und zu welchem er ein 

gutes Verhältnis pflegt. Mit diesem lebt er nunmehr bereits seit zwei Jahren 

zusammen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass dessen Mutter 

zwischenzeitlich ein weiteres Kind geboren hat, aktuell erneut schwanger 

ist und lediglich in einer Dreizimmerwohnung lebt. Sein Sohn habe in dieser 

Wohnung keinen Platz mehr (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13). 

Somit wäre es diesem nicht ohne weiteres möglich, sein Familienleben 

andernorts zu pflegen. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen eines 

Härtefalles bei einer Gesamtwürdigung zu bejahen. 

 

5.3. 

Zu prüfen bleibt gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB in einem zweiten Schritt, 

ob das private Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz das öffentliche Interesse an einem Verlassen der Schweiz über-

wiegt. Das private Interesse ist umso höher zu gewichten, je länger der 

Betroffene in der Schweiz wohnhaft ist, je komplizierter sich die 

Reintegration im Heimatland gestaltet und je wahrscheinlicher es zum 

Scheitern einer Resozialisierung im Heimatland kommen wird. Ausschlag-

gebende Kriterien zur Ermittlung der Höhe des öffentlichen Interesses sind 

insbesondere die ausgefällte Strafe, die Art der begangenen Straftat und 

eine erhebliche Rückfallgefahr. Nach der gesetzlichen Systematik ist die 

obligatorische Landesverweisung anzuordnen, wenn die Katalogtat einen 

Schweregrad erreicht, so dass die Landesverweisung zur Wahrung der 

 - 23 - 

 

 

 

inneren Sicherheit notwendig erscheint. Diese Beurteilung ist strafrechtlich 

dergestalt vorzunehmen, dass massgebend auf die verschuldensmässige 

Natur und die Schwere der Tatbegehung, die sich manifestierende Gefähr-

lichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose 

abgestellt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_748/2021 vom 8. September 

2021 E. 1.1.1). 

 

Der Beschuldigte lebt seit rund 27 Jahren in der Schweiz. Das Bundes-

gericht hat zwar bereits mehrfach festgehalten, dass bei einer Härte-

fallprüfung nicht schematisch ab einer gewissen Aufenthaltsdauer eine 

Verwurzelung in der Schweiz angenommen werden kann (BGE 146 IV 105 

E. 3.4.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_1428/2020 vom 19. April 2021 

E. 2.6.1). Er hat indes auch einen massgeblichen Teil seiner Adoleszenz-

phase in der Schweiz verbracht und hier eine Lehre als Bäcker absolviert. 

Des Weiteren geht er bereits seit Jahren einer Erwerbstätigkeit nach. Auch 

wenn es sich hierbei zu einem beträchtlichen Teil um Temporärjobs 

handelte, lässt dies doch auf eine gewisse berufliche Integration 

schliessen. Zu beachten ist allerdings auch, dass er mit seiner Einzelfirma 

E. bereits nach kurzer Zeit Konkurs gegangen ist. Seine sprachliche 

Integration ist mangelhaft. Er spricht zwar recht ordentlich Deutsch. 

Dennoch war er – trotz seiner langen Anwesenheitsdauer in der Schweiz – 

auch anlässlich der Berufungsverhandlung mehrfach auf einen 

Dolmetscher angewiesen, vor allem, weil er die Fragen nicht immer richtig 

verstanden hat. Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Verfehlungen 

bewegen sich, wie bereits dargelegt, im unteren Bereich des Strafrahmens 

des entsprechenden Tatbestandes und sein Verschulden ist 

vergleichsweise als leicht einzustufen. Gemäss Gutachten vom 

15. November 2019 liegt ein leicht bis moderates Risiko sexuell motivierter 

Grenzüberschreitungen vor. Somit ist zumindest nicht von einem erheb-

lichen Rückfallrisiko auszugehen. Eine Reintegration in sein Heimatland 

wäre, auch wenn er sich nunmehr lange in der Schweiz aufgehalten hat, 

problemlos möglich. Zu beachten ist auch im Rahmen der Interessen-

abwägung, dass er nunmehr seit rund 2 Jahren mit seinem noch nicht 

mündigen und in Ausbildung stehenden Sohn zusammenwohnt. Insgesamt 

kommt das Obergericht zum Schluss, dass das private Interesse des 

Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse 

an einer Landesverweisung ganz knapp überwiegt. Unter diesen 

Umständen ist von einer Landesverweisung abzusehen. 

 

6. 

Die Vorinstanz hat die beschlagnahmten Drogen und Gegenstände mit 

Ausnahme eines iPhones von A. gestützt auf den Antrag der 

Staatsanwaltschaft eingezogen und deren Vernichtung angeordnet. 

 

Hinsichtlich der 50.1 Gramm Marihuana sind die Voraussetzungen von 

Art. 69 StGB erfüllt. Hinsichtlich der Mobiltelefone Galaxy A5 und Samsung 

 - 24 - 

 

 

 

Galaxy S8+, der Waage und der Hanfmühle verkennt die Vorinstanz 

jedoch, dass eine Einziehung gemäss Art. 69 StGB nicht nur voraussetzt, 

dass ein beschlagnahmter Gegenstand zur Begehung einer Straftat 

gedient hat, dazu bestimmt war oder durch eine Straftat hervorgebracht 

worden ist. Vielmehr kommt nach dem klaren Wortlaut von Art. 69 StGB 

eine Einziehung nur infrage, wenn ein solcher Gegenstand zusätzlich die 

Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung 

gefährdet. Mithin genügt ein Deliktkonnex alleine für eine Einziehung noch 

nicht. Dass diese Voraussetzungen vorliegend erfüllt sind, ist hinsichtlich 

der eingezogenen Mobiltelefone, der Waage und der Hanfmühle nicht 

ersichtlich. Es handelt sich dabei um Gegenstände, die von jedermann 

legal erworben werden können und die auch nicht gestohlen oder ander-

weitig unrechtmässig in den Besitz des Beschuldigten gelangt sind. Eine 

Einziehung muss immer auch verhältnismässig, d.h. geeignet und 

erforderlich sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_355/2020 vom 19. Mai 

2021 E. 5.2). Der blosse Umstand, dass ein Täter mit einem solchen 

Gegenstand erneut eine Tat begehen bzw. organisieren könnte, rechtfertigt 

die Einziehung nicht. Da die genannten Gegenstände jederzeit und voraus-

setzungslos von jedermann und damit auch vom Beschuldigten erworben 

werden können, ist die Zwecktauglichkeit einer Einziehung nicht gegeben, 

womit von der Einziehung abzusehen ist, zumal sich auch der Beschuldigte 

auf die Eigentumsgarantie berufen kann und eine Einziehung nicht der 

Bestrafung dient. Entgegen der Vorinstanz spielt keine Rolle, ob der 

Beschuldigte gegen die Einziehung opponiert hat oder nicht, da die Voraus-

setzungen für die Einziehung gemäss Art. 69 StGB von Amtes wegen zu 

prüfen sind und nicht der freien Disposition der Verfahrensparteien unter-

steht. Die gesetzeswidrig erfolgte Einziehung ist auch im Berufungs-

verfahren zu beachten. 

 

7. 

7.1. 

Gemäss Art. 122 Abs. 1 StPO kann eine geschädigte Person zivilrechtliche 

Ansprüche (Schadenersatz, Genugtuung) aus der Straftat als Privatkläger-

schaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen. Gemäss Art. 49 

OR hat Anspruch auf Genugtuung, wer in seiner Persönlichkeit wider-

rechtlich verletzt wird, sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und 

diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist. 

 

Die geschädigte Person muss ihre Ansprüche selbst geltend machen 

(Dispositionsmaxime) und trägt dafür die (objektive und subjektive) 

Beweislast. Ihre Behauptungs-, Substantiierungs- und Beweisführungslast 

ist aber dadurch gemindert, dass sie von den Ergebnissen der Straf-

untersuchung profitieren und darauf verweisen kann (ANNETTE DOLGE, in: 

Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, 

N. 23 zu Art. 122 StPO). 

 

 - 25 - 

 

 

 

7.2. 

7.2.1. 

A. war im Nachgang zu den sexuellen Handlungen in psychologischer 

Behandlung bei der Fachpsychologin F. und nahm bis zum 25. August 

2020 an 17 Therapiesitzungen teil. Aktuell geht sie keiner Therapie mehr 

nach, diese habe ihr nicht viel gebracht (siehe Protokoll der 

Berufungsverhandlung). Die damalige Psychologin ging vom Vorliegen von 

Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung aus und hielt eine 

Weiterführung der psychotherapeutischen Begleitung bis zum Lehrbeginn 

für angezeigt. Es sei unter anderem zu erwarten, dass die Belastungen und 

die Symptomatik im Zusammenhang mit intimen Freundschaften, 

praktizierter Sexualität oder Familiengründung erneut aktiviert werde. A. 

hat vor Obergericht ausgesagt, einen Freund zu haben. Mit dem 

körperlichen Kontakt sei es aber schwierig. Eine Persönlichkeitsverletzung 

von A. ist vor diesem Hintergrund zu bejahen. Die übrigen 

Voraussetzungen von Art. 49 OR sind ebenfalls erfüllt, weshalb der 

Beschuldigte A. eine Genugtuung auszurichten hat. 

 

Dem Obergericht erscheint die von der Vorinstanz festgelegte Genug-

tuungssumme von Fr. 8'000.00 zzgl. Zins zu 5 % unter den vorliegenden 

Umständen jedoch als deutlich überhöht. In Anbetracht der eher geringen 

Eingriffsintensität – im Rahmen der Tathandlungen wurde weder Gewalt 

noch Zwang angewandt und die Berührungen von beschränkter Intensität 

und Dauer fanden nur über den Kleidern statt – ist die angemessene 

Genugtuung auf Fr. 1'000.00 festzusetzen. Dabei ist vor dem biografischen 

Hintergrund von A. auch zu berücksichtigen, dass nur ein Teil ihrer 

damaligen und heutigen Probleme mit Gewissheit auf ein strafbares 

Verhalten des Beschuldigten zurückzuführen sind. 

 

7.2.2. 

Die Vorinstanz sprach G., der Mutter von A., eine Genugtuung in der Höhe 

von Fr. 1'000.00 zu. Sie ist davon ausgegangen, G. sei durch das 

Ermittlungs- und Strafverfahren enormem Aufwand und psychischen 

Belastungen ausgesetzt gewesen sei. Ferner sei sie durch ihre 

Abhängigkeit vom Beschuldigten und aufgrund dessen Ver-

trauensmissbrauch schwer in ihrer Persönlichkeit beeinträchtigt worden. 

 

Auch durch eine Schadenshandlung indirekt Betroffene können eine 

Genugtuung i.S.v. Art. 49 OR beanspruchen, sofern sie in ihrer eigenen 

Persönlichkeit verletzt worden sind. Darunter fallen z.B. Angehörige einer 

körperlich schwer verletzten Person (KESSLER, in: Basler Kommentar, 

Obligationenrecht, 7. Aufl. 2020, N. 6 zu Art. 49 OR). Nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung muss der erlittene seelische Schaden 

aussergewöhnlich sein. Die Ansprecher müssen in ihrer Persönlichkeit 

widerrechtlich verletzt und gleich schwer oder schwerer betroffen sein als 

 - 26 - 

 

 

 

im Falle der Tötung eines Angehörigen (BGE 125 III 412 E. 2a S. 417; Urteil 

des Bundesgerichts 4A_608/2017 vom 30. April 2018 E. 3.1). 

 

Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Entgegen der 

Vorinstanz sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach G. durch die 

Handlungen des Beschuldigten zum ausschliesslichen Nachteil von A. 

dermassen gravierend in ihrer Persönlichkeit verletzt worden wäre, dass 

von einem aussergewöhnlichen Schaden im Sinne der oben genannten 

Rechtsprechung auszugehen wäre. G. war bei keiner der vorgefallenen 

Taten anwesend, nahm diese also nicht persönlich wahr. Sodann erlangte 

sie erst einige Zeit nach den Taten überhaupt erst Kenntnis vom 

Vorgefallenen. Es ist auch nicht bekannt, dass sie an einer psychischen 

Erkrankung leiden oder dass sie entsprechend eine psychologische oder 

psychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen würde. Die von der 

Rechtsprechung verlangte Schwere der Betroffenheit, die mit der Tötung 

eines Angehörigen vergleichbar sein oder gar schwerer wiegen muss, wird 

vorliegend daher klarerweise nicht erreicht. G. hat somit keinen Anspruch 

auf eine Genugtuung. 

 

7.3. 

7.3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin A. Fr. 

2'306.85 als Schadenersatz zu bezahlen. Sie ist davon ausgegangen, dass 

der Opferhilfe Aargau ein Schaden in der Höhe von Fr. 2'306.86 entstanden 

und zu deren Geltendmachung A. bevollmächtigt worden sei. 

 

Der Kanton Aargau (und nicht die Opferhilfestelle oder der Kantonale 

Sozialdienst) ist zwar gestützt auf Art. 121 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 7 Abs. 1 

OHG hinsichtlich staatlicher Regressansprüche gegen einen Beschul-

digten zufolge gesetzlicher Subrogation zur adhäsionsweisen Zivilklage 

zugelassen (vgl. BGE 140 IV 162 E. 4.9.4). Dazu muss er sich aber selber 

konstituieren bzw. in den Strafprozess eintreten. Mithin ist es ausge-

schlossen, dass die Privatklägerin im Strafverfahren als Privatperson 

adhäsionsweise Regressansprüche für den Kanton geltend macht. 

Vielmehr ist die Privatklägerin A. hinsichtlich von Kosten, die im Rahmen 

der Opferhilfe vom Kanton übernommen worden sind, nicht legitimiert. A. 

ist denn auch gar kein Schaden für Kosten, die von der Opferhilfe 

übernommen worden sind, entstanden. Nach dem Gesagten ist auf die 

Zivilklage der Privatklägerin hinsichtlich dieses Betrags nicht einzutreten. 

 

7.3.2. 

Der Antrag von G. auf Schadenersatz wurde von der Vorinstanz 

abgewiesen, was im Berufungsverfahren unbestritten geblieben ist und 

worauf nicht zurückzukommen ist. 

 

 - 27 - 

 

 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). 

 

Die Berufung des Beschuldigten wird im Schuldpunkt grösstenteils abge-

wiesen. Im Übrigen obsiegt er jedoch zu einem massgeblichen Teil. Unter 

anderem erwirkt er mit der nun ausgesprochenen bedingten Freiheitsstrafe 

von 10 Monaten und dem Verzicht auf eine Landesverweisung gegenüber 

dem Entscheid der Vorinstanz ein wesentlich günstigeres Ergebnis. 

Entsprechend sind die Berufungsanträge der Staatsanwaltschaft 

überwiegend abzuweisen. Die Privatklägerin A., die sich aktiv am 

Verfahren beteiligt und Anträge gestellt hat, unterliegt in den sie 

betreffenden Punkten weitgehend. Insbesondere ist die ihr zugesprochene 

Genugtuung erheblich zu reduzieren und auf ihre Schadenersatzklage ist 

nicht einzutreten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, 

die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) zu ¼ 

mit Fr. 1'000.00 dem Beschuldigten und zu ¼ der Privatklägerin A. 

aufzuerlegen. Im Übrigen sind sie auf die Staatskasse zu nehmen. 

Aufgrund der A. gewährten unentgeltlichen Rechtspflege sind ihr die auf 

die entfallenden Verfahrenskosten einstweilen vorzumerken. 

 

8.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. § 9 AnwT). Es ist in erster 

Linie Sache der kantonalen Behörden, die Angemessenheit anwaltlicher 

Bemühungen zu beurteilen. Entschädigungspflichtig sind nur jene Bemü-

hungen, die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der 

Rechte im Strafverfahren stehen und die verhältnismässig sind. Als Mass-

stab bei der Beantwortung der Frage, welcher Aufwand für eine ange-

messene Verteidigung im Strafverfahren angemessen ist, hat der erfahrene 

Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen Strafrechts und des Straf-

prozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt und deshalb seine 

Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen kann (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.3.1 mit 

Hinweis). 

 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten reichte anlässlich der 

Berufungsverhandlung eine Kostennote ein, in welcher er einen Aufwand 

von 21.45 Stunden à Fr. 200.00 sowie Auslagen von Fr. 95.90 und die 

gesetzliche Mehrwertsteuer, gesamthaft Fr. 4'723.60, geltend machte. Dies 

erweist sich als überhöht und ist zu kürzen. Für den Eingang des 

 - 28 - 

 

 

 

Urteilsdispositivs, die Berufungsanmeldung und einen Brief an seinen 

Klienten wird ein Aufwand von 0.65 Stunden geltend gemacht. Inwiefern 

der Eingang des Urteilsdispositivs entschädigungspflichtig sein soll, ist 

nicht ersichtlich, weshalb die entsprechende Position auf 0.5 Stunden zu 

kürzen ist. Bei den Aufwendungen für die Berufungsanmeldung handelt es 

sich im Übrigen um einen Posten, der – auch wenn er nur geschätzt werden 

kann – im erstinstanzlichen Verfahren geltend zu machen ist und nicht im 

Berufungsverfahren vor Obergericht, welches erst die Aufwendungen ab 

Erklärung der Berufung erfasst. Die damit einhergehenden Posten 

«Eingang begründetes Urteil; Studium; Notizen» usw. sind zu kürzen. 

Sodann sind die Aufwandpositionen «Eingang Verfügung OGer AG» von 

je 0.5 Stunden für den 26. April 2021 bzw. den 18. November 2021 zu 

streichen, handelt es sich bei der Kenntnisnahme von Verfügungen doch 

um einen Kürzestaufwand, der nicht zu entschädigen ist. Angesichts des 

Umstandes, dass der amtliche Verteidiger an der Berufungsverhandlung 

im Wesentlichen die gleiche Strategie wie vor Vorinstanz verfolgt hat und 

keine wesentlichen neuen Vorbringen geltend gemacht hat, ist sodann der 

Aufwand von 1.75 Stunden für die Position «Fortsetzung Erstellen 

Berufungsbegründung» zu streichen. Gesamthaft ergibt sich somit ein 

angemessener Aufwand von gerundet 17.8 Stunden, woraus sich zuzüglich 

der Auslagen und der Mehrwertsteuer eine Entschädigung von gerundet 

Fr. 4'000.00 ergibt. 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von ¼ zurück-

zufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Der 

Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger im Umfang von ¼ die 

Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz 

Fr. 200.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) und dem vollen Honorar 

(Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) zu 

erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 100.00, sobald es seine wirtschaft-

lichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).  

 

8.3. 

Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin ist aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1, Abs. 3 und 

Abs. 3bis AnwT). Sie hat mit an der Berufungsverhandlung eingereichter 

Kostennote einen Aufwand von 14.55 Stunden (inklusive 4 Stunden 

Berufungsverhandlung) bei einem Stundenansatz von Fr. 200.00, Aus-

lagen in der Höhe von Fr. 109.20 zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer geltend 

gemacht. 

 

Der geltend gemachte Zeitaufwand erscheint unter Berücksichtigung der 

ihr als unentgeltliche Rechtsbeiständin in erster Linie obliegenden Aufgabe, 

nämlich der Durchsetzung der Zivilansprüche (so ausdrücklich Art. 136 

Abs. 1 StPO), als deutlich überhöht. In ihrem Plädoyer äusserte sie sich zu 

einem massgeblichen Teil zum Schuldpunkt, was zwar Voraussetzung für 

 - 29 - 

 

 

 

eine Genugtuung war. Sie verkennt jedoch, dass nicht sie, sondern die 

Staatsanwaltschaft Anklägerin ist. Der Strafanspruch wird grundsätzlich 

von der Staatsanwaltschaft wahrgenommen. Die angemessenen und zu 

entschädigenden Aufwendungen hinsichtlich des Schuldpunkts müssen 

sich deshalb in engen Grenzen halten. Anders verhält es sich nur, wenn 

die Staatsanwaltschaft ihre Aufgabe nicht wahrnimmt oder an der 

Berufungsverhandlung überhaupt nicht teilnimmt, was vorliegend beides 

nicht der Fall war. Der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 3 ¼ 

Stunden für die Ausarbeitung bzw. Fertigstellung des Plädoyers für die 

Berufungsverhandlung ist vor diesem Hintergrund deutlich überhöht. Zu 

kürzen ist sodann der Aufwand von 1 Stunde und 20 Minuten für die Be-

sprechung mit A. vor der Berufungsverhandlung, zumal nicht die 

Privatklägerin, sondern der Beschuldigte die Berufung erhoben hatte und 

auch keine Anschlussberufung erklärt worden war. Ebenfalls zu hoch 

angesetzt ist die letzte geltend gemachte Aufwandposition von 2.5 Stunden 

für den Fallabschluss. Insgesamt erscheint ein Aufwand von 6.5 Stunden 

und somit eine Entschädigung von gerundet Fr.1'500.00 (inkl. Auslagen 

und Mehrwertsteuer) als angemessen. Sodann ist darauf hinzuweisen, 

dass die Aufwendungen im Hinblick auf die Schadenersatzklage, auf die 

zum vornherein nicht einzutreten ist (siehe dazu oben), an sich gar nicht zu 

entschädigen wären. Davon kann vorliegend ausnahmsweise abgesehen 

werden, da dies auch von der Vorinstanz nicht erkannt worden war. 

 

Gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG erfolgt keine Rückforderung dieser 

Entschädigung von der Privatklägerin A. (BGE 141 IV 262). 

 

Diese Kosten sind auch nicht vom Beschuldigten (im Umfang seines 

Unterliegens) zurückzufordern, da er sich nicht in günstigen 

wirtschaftlichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

9. 

9.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Kosten, wenn sie verurteilt 

wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Wird sie teilweise freigesprochen, so sind ihr 

die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. 

 

Der Beschuldigte wurde erstinstanzlich vom Vorwurf der Tätlichkeiten, der 

mehrfach versuchten Drohung und der mehrfachen Nötigung freige-

sprochen, im Übrigen wurde er gemäss Anklage schuldig gesprochen. 

Entsprechend der Gewichtung der einzelnen Anklagepunkte hat die 

Vorinstanz dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskosten nur 

zu 80 % auferlegt, was nicht zu beanstanden ist. 

 

 - 30 - 

 

 

 

9.2. 

Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das erstinstanzliche 

Verfahren von Fr. 22'784.25 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) ist im 

Berufungsverfahren unangefochten geblieben und damit keiner Über-

prüfung zugänglich (Urteil des Bundegerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019 E. 2). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 80 % zurück-

zufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 lit. a StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger 

im Umfang seines Unterliegens die Differenz zwischen der amtlichen Ent-

schädigung (Stundenansatz Fr. 200.00 und darauf berechnete Mehrwert-

steuer) und dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf be-

rechnete Mehrwertsteuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt 

Fr. 1'761.00, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen 

(Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO). 

 

9.3. 

Die auffällig hohe Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsbeiständin 

von A. für das erstinstanzliche Verfahren von gesamthaft Fr. 13'181.70 

(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) ist im Berufungsverfahren unange-

fochten geblieben und damit keiner Überprüfung zugänglich (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2). 

 

Gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG erfolgt keine Rückforderung dieser 

Entschädigung von der Privatklägerin A. (BGE 141 IV 262). 

 

Diese Kosten sind auch nicht vom Beschuldigten (im Umfang seines 

Unterliegens) zurückzufordern, da er sich nicht in günstigen wirtschaft-

lichen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). 

 

9.4. 

Die Privatklägerin G. hat sich im vorinstanzlichen Verfahren freigewählt 

vertreten lassen. Gemäss Art. 433 StPO hat die Privatklägerschaft 

gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene 

Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie 

obsiegt, oder wenn die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO 

kostenpflichtig ist. 

 

Der Beschuldigte wird von sämtlichen Strafpunkten, welche G. betreffen, 

freigesprochen. Des Weiteren wird auch deren Genugtuungsforderung 

abgewiesen. Somit liegt ihrerseits kein Obsiegen vor. Es liegt auch kein 

Anwendungsfall von Art. 426 Abs. 2 StPO vor. Die Privatklägerin G. hat ihre 

Parteikosten somit selbst zu tragen. 

 

 - 31 - 

 

 

 

10. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der mehrfachen Tätlichkeiten 

- der mehrfachen versuchten Drohung 

- der mehrfachen Nötigung 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB 

- der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB 

- der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 1 StGB 

- der mehrfachen sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB 

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG [in Rechtskraft erwachsen] 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, Probezeit 4 Jahre, und 

einer Busse von Fr. 2'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

3.2. 

Die Untersuchungshaft von 71 Tagen (1. November 2018 bis 10. Januar 

2019) wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

3.3. 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 

23. November 2015 für die Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00, 

d.h. Fr. 18'000.00, gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf Art. 46 

Abs. 1 StGB widerrufen. 

 

 - 32 - 

 

 

 

4. 

Es wird von einer Landesverweisung gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB 

abgesehen. 

 

5. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67 Abs. 3 lit. a und b StGB [in der 

im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] für die Dauer von 10 Jahren ein 

Tätigkeitsverbot für jede berufliche und organisierte ausserberufliche 

Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, 

auferlegt. 

 

Für die Dauer des Tätigkeitsverbots wird Bewährungshilfe angeordnet. 

 

6. 

6.1. 

Folgende beschlagnahmten Drogen werden eingezogen und vernichtet:  

 

- 50.1 Gramm Marihuana 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6.2. 

Folgende beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten auf 

Verlangen herausgegeben: 

 

- 1 Waage 

- 1 Hanfmühle 

- 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy A5 

- 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy S8+ 

 

Werden die obgenannten Gegenstände nicht innert 30 Tagen seit Eintritt 

der Rechtskraft bei der Vorinstanz herausverlangt, trifft die Staatsanwalt-

schaft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6.3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das beschlagnahmte Mobiltelefon Apple iPhone wird A. zurückgegeben. 

 

Wird es nicht innert 30 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft bei der Vorinstanz 

herausverlangt, trifft die Staatsanwaltschaft die sachgemässen Verfü-

gungen. 

 

7. 

7.1. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin A. eine Genugtuung 

von Fr. 1'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 1. Mai 2016 zu bezahlen. 

 

 - 33 - 

 

 

 

Auf die Schadenersatzforderung der Privatklägerin A. wird nicht 

eingetreten. 

 

7.2. 

Die Zivilklage der Privatklägerin G. wird abgewiesen. 

 

8. 

8.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden zu ¼ mit 

Fr. 1'000.00 dem Beschuldigten und zu ¼ mit Fr. 1'000.00 der 

Privatklägerin A. auferlegt; im Übrigen werden sie auf die Staatskasse 

genommen. 

 

Der auf die Privatklägerin A. entfallende Anteil wird ihr aufgrund der ihr 

gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt. 

 

8.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten eine Entschädigung von Fr. 4'000.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu ¼ mit Fr. 1'000.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger ¼ der Differenz zwischen 

der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, d.h. gerundet 

Fr. 100.00, zu erstatten, sobald es seine finanziellen Verhältnisse zulassen. 

 

8.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin 

der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 1'500.00 auszurichten. 

 

9. 

9.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 20'231.00 werden dem 

Beschuldigten zu 80 % mit Fr. 16'184.80 auferlegt. 

 

9.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – sofern noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 22'784.25 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 80 % 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 34 - 

 

 

 

Der Beschuldigte hat dem amtlichen Verteidiger 80 % der Differenz 

zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, d.h. 

gerundet Fr. 1'761.00, zu erstatten, sobald es seine finanziellen 

Verhältnisse zulassen. 

 

9.3. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – sofern noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Rechtsbeiständin von A. für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 13'181.70 

auszurichten. 

 

9.4. 

Die Privatklägerin G. hat ihre erstinstanzlichen Parteikosten selbst zu 

tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 - 35 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 13. Januar 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six Meier