# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b712ea5c-112c-55d6-8b53-bae709d49f37
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-01-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 21.01.2011 SK1 2010 57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2010-57_2011-01-21.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 21. Januar 2011 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 10 57 [nicht/mündlich eröffnet]

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Präsident Brunner und Kantonsrichterin Michael Dürst
Redaktion Aktuarin ad hoc Hunger

In der strafrechtlichen Berufung

der A., Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter Portmann, 
Goldgasse 11, 7002 Chur, 

gegen

die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Z. vom 20. Oktober 2010, mitge-
teilt am 22. Oktober 2010, in Sachen gegen B., Berufungsbeklagter, vertreten 
durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Alfred Castelberg, Masanserstrasse 40, Villa 
Zambail, 7000 Chur,

betreffend fahrlässige Körperverletzung und Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Am 26. Mai 2009 um 12:34 Uhr kam es auf der Hauptstrasse zwischen D. 
und E. im Gebiet F. zu einem Verkehrsunfall zwischen einem Fahrzeug und einem 
Motorrad. B. fuhr am besagten Tag mit seinem Fahrzeug mit dem Kennzeichen GR 
X. von D. herkommend Richtung E.. Vor ihm fuhr ein Motorrad mit dem Kennzei-
chen TG Y., welches von C. gelenkt wurde; mit ihm als Beifahrerin fuhr die Beru-
fungsklägerin A.. C. beabsichtigte auf der linken Strassenseite auf einen Ausstell-
platz zu fahren. Gemäss seinen Aussagen fuhr er sehr langsam, setzte den linken 
Blinker und spurte ein. Nach Darstellung von B. fuhr das vor ihm fahrende Motor-
rad sehr langsam, hatte aber weder den Blinker gesetzt noch eingespurt. Da die 
Stelle übersichtlich gewesen und das Motorrad langsam gefahren ist, entschloss 
sich B., das Motorrad zu überholen. Während des Überholmanövers kam es in der 
Mitte der linken Fahrspur zwischen dem Fahrzeug von B. und dem Motorrad zu 
einer Streifkollision. Dabei verletzte sich die Berufungsklägerin schwer (komplexe 
schwere offene Mittelfussverletzung mit anschliessender Teilamputation).

B. Am 15. Juli 2009 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine Strafun-
tersuchung gegen B. wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung im Sinne von 
Art. 125 Abs. 2 StGB sowie wegen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 5 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG. Mit Mandatsantrag bei Verbre-
chen und Vergehen gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a und Art. 172 Abs. 1 StPO überwies 
die Staatsanwaltschaft die Akten am 2. Februar 2010 an das Kreisamt Z. und be-
antragte, B. sei der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB 
sowie der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 5 SVG in Verbin-
dung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen und mit einer Geldstrafe von 15 
Tagessätzen zu je Fr. 140.00 bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie 
mit einer Busse von Fr. 400.00, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen, 
zu bestrafen.

C. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2010, mitgeteilt am 22. Oktober 2010, stellte 
der Kreispräsident Z. das Verfahren gegen B. wegen fahrlässiger Körperverletzung 
und Verkehrsregelverletzung ein und überband die Kosten der Untersuchung und 
des Kreisamtes dem Kreis Z.. Der Kreispräsident Z. führte dabei aus, es stehe klar 
fest, dass es keinerlei stichhaltige Beweise gegen B. gebe, welche für eine Verur-
teilung des Angeschuldigten ausreichen würden. Die Angaben und Aussagen der 
Parteien würden sich diametral widersprechen und kein Zeuge habe sachdienliche 
Aussagen zum Unfallhergang machen können. Das Verschulden von B. könne 
nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden.

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D. Gegen diese Einstellungsverfügung liess A. am 12. November 2010 beim 
Kantonsgericht Graubünden Berufung mit folgenden Rechtsbegehren einlegen:

„1. Ziff. 1 der angefochtenen Einstellungsverfügung sei aufzuheben, 
und der Angeschuldigte sei schuldig zu sprechen der fahrlässi-
gen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie der 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 3 und 5 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG, und hierfür sei der 
Angeschuldigte angemessen zu bestrafen.

2. Eventuell sei die Angelegenheit zur Überarbeitung an die 
Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 

3. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge für das strafrecht-
liche Rechtsmittelverfahren zu Lasten des Staates.“

In der Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass die Einstel-
lungsverfügung keine Begründung enthalte. Der Kreispräsident habe nicht ausge-
führt, weshalb er es als erwiesen erachte, dass C. nicht angezeigt habe, nach links 
abbiegen zu wollen. Nur aufgrund fehlender Zeugen für die Frage, ob C. im fragli-
chen Moment den linken Blinker gesetzt habe, dürfe die Strafuntersuchung gegen 
den Unfallverursacher nicht eingestellt werden. Wenn der Sachrichter den manda-
tierten Tatbestand für nicht hinreichend abgeklärt halte, so habe er die Sache 
gemäss Art. 172 Abs. 2 StPO an die Untersuchungsbehörde zurückzuweisen. Vor-
liegend sei offensichtlich Art. 35 SVG verletzt. Der Kreispräsident hätte die Sache 
an die Untersuchungsbehörde zurückweisen müssen, da eher Art. 35 Abs. 3 SVG 
verletzt sei statt wie im Mandatsantrag aufgeführt Art. 35 Abs. 5 SVG. Weiter wird 
gerügt, dass kein verkehrstechnischer Bericht über den Unfallhergang erstellt wor-
den sei, obwohl sich eine schwere Körperverletzung ereignet habe. Dies könne 
wohl nur damit erklärt werden, dass aus Sicht der Untersuchungsbehörde der Be-
rufungsbeklagte sowohl objektiv als auch subjektiv den ihm vorgeworfenen Tatbe-
stand erfüllt habe.

E. In seiner Berufungsantwort vom 16. Dezember 2010 liess B. beantragen: 

„1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungs-

folgen.“

In der Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass der 
Kreispräsident die Einstellungsverfügung begründet habe, indem er ausführte, 
dass die Aussagen der Beteiligten sich diametral widersprechen würden und dass 
kein Zeuge anwesend gewesen sei, der sachdienliche Aussagen hätte machen 
können. C. würde darauf beharren, dass er den Blinker gesetzt habe und dass er 

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eingespurt gewesen sei. B. sei sich des Gegenteils ebenso sicher. Gemäss Zeuge 
K. sei das Motorrad vom Parkplatz G. wieder in die Kantonsstrasse eingefahren. 
Es sei für B. deshalb umso weniger ersichtlich gewesen, dass C. auf die andere 
Strassenseite wollte. Das langsame Tempo könne nicht als Indiz für ein Abbiege-
manöver gewertet werden. Es gäbe viele Gründe, weshalb ein Motorrad unmittel-
bar nach dem Einbiegen von einem Parkplatz relativ langsam unterwegs sei. Für 
B. sei die geringe Geschwindigkeit des Motorrades, welches gerade in die Kan-
tonsstrasse eingebogen war, nicht verdächtig gewesen, zumal weder ein Blinker 
gesetzt gewesen sei noch eingespurt worden sei. Zudem habe die Berufungsklä-
gerin in ihrer Zeugenaussage nicht sagen können, ob C. den linken Blinker gesetzt 
hatte oder ob er links eingespurt war. Somit gäbe es tatsächlich keine Zeugen, 
welche über diese entscheidende Frage sachdienliche Angaben machen könnten. 
Da sich C. nicht daran erinnern könne, dass er vom Campingparkplatz in die Kan-
tonsstrasse einbog, habe es für den Sachrichter keinen Grund gegeben, der Aus-
sage von C. mehr Gewicht beizumessen als der gegenteiligen Aussage von B.. 
Der Kreispräsident habe somit absolut korrekt das Strafverfahren gegen B. einge-
stellt. Eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft hätte keine neuen Erkenntnisse 
bringen können, nachdem dort alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien. 

F. Das Kreisamt Z. verzichtete mit Schreiben vom 21. November 2010 auf eine 
Vernehmlassung, ebenso die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Schreiben vom 
2. Dezember 2010, welche die Akten einreichte.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie im angefochte-
nen Urteil wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.

II. Erwägungen

1. Die angefochtene Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Z. wurde am 
20. Oktober 2010 und damit vor der per 1. Januar 2011 in Kraft getretenen eid-
genössischen Strafprozessordnung ausgefällt, so dass die dagegen erhobene Be-
rufung nach bisherigem Recht, von den bisher zuständigen Instanzen, beurteilt 
wird (Art. 453 Abs. 1 der eidgenössischen Strafprozessordnung; SR 312.0). Dem-
zufolge gelangt im vorliegenden Verfahren weiterhin die bündnerische Strafpro-
zessordnung (nachfolgend StPO) zur Anwendung.

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2. a) Vorliegend stellt sich zunächst die Frage, ob gegen eine Einstellungsverfü-
gung des Kreispräsidenten im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbre-
chen das Rechtsmittel der Berufung oder aber der Beschwerde gegeben ist. Gene-
relles Abgrenzungskriterium zwischen diesen beiden Rechtsmitteln bildet das Sta-
dium, in dem das Anfechtungsobjekt erlassen wurde. Demgemäss ist nach ständi-
ger Rechtsprechung (PKG 2000 Nr. 20 E. 2 S. 103; PKG 1994 Nr. 46 S. 150 mit 
Hinweisen) im Stadium der Untersuchung und der Anklage die Beschwerde gege-
ben, währenddem Entscheide und Verfügungen nach Anklageerhebung mittels 
Berufung anzufechten sind. Im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbre-
chen erfolgt zwar keine Anklageerhebung im Sinne von Art. 98 StPO. Dennoch ist 
auch in diesem Verfahren von einer klaren Trennung zwischen dem Untersu-
chungs- und dem Erkenntnisverfahren auszugehen. Die Funktion der Anklage und 
damit der Abgrenzung zwischen untersuchender und erkennender Behörde über-
nimmt dabei der Mandatsantrag der Staatsanwaltschaft gemäss Art. 172 StPO 
(vgl. Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden 
[StPO], 2. Aufl., Chur 1996, S. 362, 439/440, 442 sowie PKG 2000 Nr. 20 E. 2 
S. 103; GRP 1973/74 S. 56 ff. und 280). Mit diesem überweist die Staatsanwalt-
schaft, sobald sie den Tatbestand für hinreichend abgeklärt erachtet, den Fall dem 
Kreispräsidenten, welcher in der Folge über die Sache zu befinden hat (Art. 172, 
173 StPO). Dem Kreispräsidenten kommt somit gemäss Lehre und gefestigter 
Praxis des Kantonsgerichts im Strafmandatsverfahren bei Vergehen und Verbre-
chen gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a StPO die Funktion eines Sachrichters und nicht 
diejenige eines Untersuchungsrichters zu (vgl. PKG 2000 Nr. 20; PKG 1980 Nr. 40; 
PKG 1985 Nr. 54; Padrutt, a.a.O., S. 362, 439/440 und 442/443). Die Funktion des 
Kreispräsidenten als Sachrichter im Mandatsverfahren bei Vergehen und Verbre-
chen ergibt sich auch aus den entsprechenden Bestimmungen in der StPO, enthal-
ten doch insbesondere die Art. 172 und 173 StPO im Gegensatz zu Art. 170 StPO, 
der das Strafmandatsverfahren bei Übertretungen regelt, keinen Auftrag an den 
Kreispräsidenten, den Sachverhalt festzustellen. Mit dem Mandatsantrag bei Ver-
gehen und Verbrechen ist der Kreispräsident also in seiner alleinigen Funktion als 
Sachrichter angerufen, wobei er in dieser Eigenschaft ohne Zweifel auch die Be-
fugnis zur Einstellung des Verfahrens besitzt (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 439, 442/443; 
PKG 2000 Nr. 20 E. 1 S. 102). Bei einer vom Kreispräsidenten nach Eingang eines 
Mandatsantrags gemäss Art. 172 Abs. 1 StPO verfügten Einstellung handelt es 
sich folglich um einen Akt im richterlichen Verfahren, so dass dagegen gemäss 
Art. 141 Abs. 1 StPO die Berufung an das Kantonsgericht (und nicht die Be-
schwerde nach Art. 176a StPO) zu erheben ist (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 443 sowie 
PKG 2000 Nr. 20; PKG 1980 Nr. 40; PKG 1985 Nr. 54).

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Die vorliegend zu beurteilende Rechtsmitteleingabe richtet sich gegen eine 
Einstellungsverfügung, welche der Kreispräsident Z. nach überwiesenem Man-
datsantrag der Staatsanwaltschaft erlassen hat. Für die Anwendung von Art. 176a 
StPO bleibt somit kein Raum mehr. Nach dem Gesagten liegt vielmehr eine in ver-
fahrensmässiger Hinsicht nicht zu beanstandende, das Verfahren abschliessende 
Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten vor, welche gemäss Art. 141 Abs. 1 
StPO mit Berufung anzufechten ist. Die Rechtsmittelbelehrung der Vorinstanz er-
weist sich daher als fehlerhaft. 

b) Gegen Verfügungen der Kreispräsidenten können gemäss Art. 141 Abs. 1 
StPO der Verurteilte, das Opfer und der Staatsanwalt beim Kantonsgericht Beru-
fung einlegen. Als Opfer ist nach Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 23. März 
2007 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR 312.5) jede Person anzuse-
hen, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Inte-
grität unmittelbar beeinträchtigt worden ist. A. erlitt bei der Kollision zwischen dem 
Fahrzeug des Berufungsbeklagten und dem Motorrad, auf welchem sie sich be-
fand, eine komplexe schwere offene Mittelfussverletzung. Ein Teil ihres linken Fus-
ses musste amputiert werden. A. ist somit in ihrer körperlichen Integrität unmittel-
bar beeinträchtigt und ist demnach ein Opfer im Sinne von Art. 2 Abs. 1 OHG. Sie 
ist damit nach Art. 141 Abs. 1 StPO legitimiert, Berufung zu erheben.

c) Gemäss Art. 142 Abs. 1 StPO ist die Berufung innert zwanzig Tagen seit der 
schriftlichen Eröffnung des angefochtenen Entscheides einzureichen; sie ist zu be-
gründen und hat darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheids gerügt 
werden und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile davon angefochten werden. 
Diesen Anforderungen vermag die vorliegende Berufungsschrift zu genügen. Auf 
die frist- und formgerecht eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

3. a) Im erweiterten Strafmandatsverfahren bei leichten Fällen von Vergehen und 
Verbrechen nach Art. 49 Abs. 1 lit. a StPO obliegt die Untersuchung ausschliess-
lich dem Untersuchungsrichter. Nachdem der Tatbestand hinreichend abgeklärt 
worden ist, formuliert der Untersuchungsrichter einen Antrag, den er über die 
Staatsanwaltschaft, die nach Art. 43 Abs. 3 StPO in diesem Verfahren das Auf-
sichtsrecht ausübt, an das Kreisamt zu leiten hat. Mit dem Mandatsantrag ist der 
Kreispräsident in seiner alleinigen Funktion als Sachrichter angerufen. In dieser 
Eigenschaft ist er gemäss Art. 172 Abs. 2 StPO ausschliesslich zuständig zum Er-
lass des Strafmandates oder einer Einstellungsverfügung (Padrutt, a.a.O., S.439 f., 
442). Aus Art. 172 Abs. 2 StPO ergibt sich ebenfalls, dass der Kreispräsident ein 
Strafmandat nur dann erlassen darf, wenn er den Tatbestand für hinreichend ab-

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geklärt erachtet. Ansonsten hat er die Akten an die Staatsanwaltschaft zurückzu-
weisen. Wenn die Einstellungsverfügung vom 20. Oktober 2010, mitgeteilt am 
22. Oktober 2010, zu Unrecht erlassen worden ist, ist diese aufzuheben und an die 
Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Gleiches hat zu gelten, wenn weitere Ab-
klärungen erforderlich sind.

b) Wird ein Verfahren von der Rechtsmittelinstanz oder vom Bundesgericht zur 
neuen Beurteilung zurückgewiesen, so ist gemäss Art. 453 Abs. 2 eidgenössische 
StPO neues Recht anwendbar. Die neue Beurteilung erfolgt durch die Behörde, die 
nach diesem Gesetz für den aufgehobenen Entscheid zuständig gewesen wäre. 
Folglich ist für die neue Beurteilung die Staatsanwaltschaft zuständig.

4. Vorliegend gilt es zu prüfen, ob der Kreispräsident Z. das Strafverfahren ge-
gen B. zu Recht eingestellt hat. Die I. Strafkammer des Kantonsgerichts überprüft 
dabei den erstinstanzlichen Entscheid in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht im 
Rahmen der gestellten Anträge frei (Art. 146 Abs. 1 StPO). Sie besitzt eine umfas-
sende, uneingeschränkte Kognitionsbefugnis.

5. Die Behörden sind verpflichtet, ihre Verfügungen und Entscheide zu be-
gründen. Aus den Verfahrensgarantien gemäss Art. 29 BV und Art. 6 Abs. 1 der 
Europäischen Menschenrechtskonvention fliesst der Anspruch auf rechtliches 
Gehör. Daraus wird unter anderem abgeleitet, dass die Parteien Anspruch haben, 
in einem begründeten Entscheid die Gründe für den Entscheid einer Justizbehörde 
zu erfahren (PKG 1994 Nr. 44). Die Begründungspflicht gilt auch für Einstellungs-
verfügungen in einem Strafverfahren. Sie beeinflusst die Rechtsstellung des Ver-
fügungsadressaten sowie eventuell schützenswerte Interessen verfahrensbeteilig-
ter Dritter, da sie sich über die strafrechtliche Nichtschuld eines Rechtsunterworfe-
nen ausspricht. Die Einstellungsverfügung berührt daher deren Gehörsanspruch. 
Der Hinweis auf sich widersprechende Aussagen genügt selbstredend nicht. Für 
den Betroffenen muss ersichtlich sein, um welches Ergebnis es sich handelt, von 
welchen tatsächlichen Annahmen der Kreispräsident ausgeht und welche 
Rechtssätze er angewendet hat (PKG 1983 Nr. 43). Die ungenügende Begründung 
verletzt somit den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 129 I 
232 E. 3.2 236 f.; PKG 1994 Nr. 44). Die Einstellungsverfügung des Kreispräsiden-
ten Z. ist daher bereits wegen formeller Rechtsverweigerung aufzuheben. 

In materieller Hinsicht drängen sich gleichwohl folgende Bemerkungen auf:

6. Gemäss Art. 35 Abs. 3 SVG muss derjenige, der überholt, auf die übrigen 
Strassenbenützer besonders Rücksicht nehmen, namentlich auf jene, die er über-

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holen will. Nach Art. 35 Abs. 5 SVG dürfen Fahrzeuge nicht überholt werden, wenn 
der Führer die Absicht anzeigt, nach links abzubiegen. Der Linksabbiegende hat 
gegenüber demjenigen, der überholen will, Vortritt (BGE 125 IV 83 E. 1a). Hinge-
gen dürfen Fahrzeuge, die zum Abbiegen nach links eingespurt sind, rechts über-
holt werden (Art. 35 Abs. 6 SVG).

7. Einer fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB macht 
sich schuldig, wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit 
schädigt. Ist die Schädigung schwer, wird der Täter von Amtes wegen verfolgt 
(Abs. 2). Schwer ist eine Körperverletzung, wenn eine schwere Schädigung des 
Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen erfolgt 
ist. In Art. 122 StGB, der die vorsätzliche schwere Körperverletzung behandelt und 
bezüglich des objektiven Tatbestandes Art. 125 Abs. 2 StGB entspricht, hat der 
Gesetzgeber zunächst Beispiele von schweren Schädigungen aufgezählt, die den 
Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllen. Unter anderem nennt der Ge-
setzgeber zum Beispiel eine lebensgefährliche Verletzung oder die Verstümme-
lung eines wichtigen Organs oder Gliedes. Aus den Akten ergibt sich, dass die Be-
rufungsklägerin eine komplexe schwere offene Vor-/Mittelfussverletzung sowie ei-
ne offene Unterschenkelfraktur erlitten hat. Ein Teil des linken Fusses musste am-
putiert werden (act. 4.7). Anlässlich der Befragung vom 15. Oktober 2009 gab sie 
gegenüber dem Untersuchungsrichter zu Protokoll, dass es ihr nicht gut gehe (act. 
4.18). Da die Verstümmelung eines Gliedes vorliegt, gilt die Verletzung der Beru-
fungsklägerin als schwer.

8. a) Der Kreispräsident Z. stellte das Strafverfahren gegen B. mit der Begrün-
dung ein, dass keine stichhaltigen Beweise vorhanden seien, die für eine Verurtei-
lung ausreichen würden. Die Angaben und Aussagen der Parteien würden sich 
diametral widersprechen und kein Zeuge habe sachdienliche Aussagen zum Un-
fallhergang machen können. Ein Verschulden von B. könne nicht rechtsgenüglich 
nachgewiesen werden. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung (Art. 
125 Abs. 2 StGB) und Verkehrsregelverletzung (Art. 35 Abs. 5 SVG) werde des-
halb eingestellt.

b) Die Berufungsklägerin macht demgegenüber geltend, dass der Kreispräsi-
dent in der Einstellungsverfügung nicht dargelegt habe, weshalb er es als bewie-
sen erachte, dass der Motorradlenker nicht angezeigt habe, nach links abbiegen 
zu wollen. Es sei nicht erwiesen, dass der linke Richtungsanzeiger nicht gestellt 
gewesen sei, ebenso wenig, dass das Motorrad zum Linksabbiegen nicht ordent-
lich eingespurt habe. Der Motorradlenker habe die Fahrt verlangsamt, den linken 

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Blinker gesetzt und ordnungsgemäss eingespurt. Aufgrund der polizeilich erstellten 
Fotoaufnahmen sowie des polizeilichen Situationsplans sei erstellt, dass C. ordent-
lich die Fahrt verlangsamt habe und zum Linksabbiegen eingespurt gewesen sei. 
Im Zeitpunkt der Kollision habe sich das Motorrad bereits über, mindestens jedoch 
in der Mitte der richtungsgetrennten Fahrbahn befunden. Nach der Kollision habe 
das führerlose Motorrad seine Fahrtrichtung behalten und sei 60 Meter weiterge-
fahren.

c) Der Berufungsbeklagte führt dagegen aus, dass keine Anzeichen einer ge-
planten Richtungsänderung des Motorrades erkennbar gewesen seien, da weder 
der linke Richtungsanzeiger gestellt gewesen sei noch ein Einspurmanöver stattge-
funden habe. Nichts habe auf ein Abbiegemanöver hingedeutet. Die langsame 
Fahrt des Motorrades sei kein Indiz für ein bevorstehendes Linksabbiegen. Es gä-
be viele Gründe, wieso ein Motorrad unmittelbar nach dem Einbiegen in die Haupt-
strasse langsam unterwegs sei.

9. In den Akten finden sich bezüglich Unfallhergangs die Aussagen von B., C. 
sowie die Aussage der Zeugin A..

a) C. sagte bei seiner polizeilichen Einvernahme vom 27. Mai 2009 (act. 4.5) 
aus, dass er und die Berufungsklägerin beabsichtigt hätten, beim Restaurant H. 
eine Pause einzulegen. Da dieses jedoch geschlossen hatte, habe er sich ent-
schlossen, den Ausstellplatz, welcher sich ca. 50-100 Meter weiter vorne befand, 
anzusteuern. Ca. 50 Meter vor dem Ausstellplatz sei er gegen die Mittellinie gefah-
ren und habe den linken Richtungsanzeiger gestellt. Er sei zudem langsam unter-
wegs gewesen. Ca. 10 Meter vor dem Ausstellplatz sei es dann zur Kollision ge-
kommen. Anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 15. Oktober 
2009 (act. 4.14) erklärte C., dass er eingespurt habe, um links abzubiegen; als er 
bereits am rechten Rand der linken Strassenseite gefahren sei, habe er plötzlich 
einen „Klapf“ wahrgenommen. Er sei nach hinten vom Motorrad gefallen und habe 
gesehen wie dieses „alleine“ geradeaus weitergefahren sei.

b) B. sagte bei seiner polizeilichen Einvernahme vom 26. Mai 2009 (act. 4.4) 
aus, dass das Motorrad mit Lenker und Mitfahrerin vom Parkplatz des Restaurant 
H. in die Hauptstrasse eingebogen und einige Meter sehr langsam (ca. 30 km/h) 
gefahren sei. Nachdem er sich vergewissert habe, dass sich weder von hinten 
noch von vorne Fahrzeuge näherten, habe er den linken Richtungsanzeiger ge-
stellt und zum Überholen angesetzt. Das Motorrad sei dann plötzlich nach links 
ausgeschert, weil es zum talseitig gelegenen Ausstellplatz habe gelangen wollen. 

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Der Richtungsanzeiger des Motorrades sei nicht gestellt gewesen. In der untersu-
chungsrichterlichen Konfronteinvernahme vom 15. Oktober 2009 (act. 4.14) gab B. 
zu Protokoll, dass er mit weniger als den erlaubten 80 km/h unterwegs gewesen 
sei. Vor sich, in der Mitte der rechten Fahrbahn, sei ein Motorrad langsam unter-
wegs gewesen. Da er keine Anzeichen eines Richtungswechsels – wie Blinker 
oder Einspuren – habe feststellen können, habe er sich zu überholen entschlos-
sen. Als er sich auf gleicher Höhe mit dem Motorrad befunden habe, habe dieses 
eine leichte Lenkbewegung nach links gemacht und sei ihm vorne rechts in den 
Kotflügel gefahren. Das Motorrad sei unmittelbar nach der Kollision umgefallen und 
danach irgendwie wieder auf die Räder gekommen und weitergefahren. 

c) A. sagte am 15. Oktober 2009 gegenüber dem Untersuchungsrichter als 
Zeugin aus (act. 4.18). Sie konnte keine Angaben darüber machen, ob C. den 
Blinker gestellt hatte bzw. ob er das Motorrad einspurte. Sie wisse nur noch, dass 
er nach hinten schaute, nachdem er mit ihr gesprochen hatte.

10. a) Nach dem Gesagten trifft es zu, dass die Aussagen von C. und B. divergie-
ren. Sie stimmen lediglich in einem Punkt überein: Beide gaben zu Protokoll, dass 
das Motorrad langsam (um die 30 km/h) unterwegs gewesen sei. Mit der Feststel-
lung, dass sich die Aussagen diametral widersprechen würden, lässt sich eine Ein-
stellung des Verfahrens jedoch nicht begründen. Bei den Akten liegen auch noch 
polizeilich erstellte Fotoaufnahmen, eine Unfallskizze und Arztberichte, welche in 
die Beweiswürdigung mit einzubeziehen sind und möglicherweise geeignet sind, 
die Richtigkeit einer der verschiedenen Aussagen zu bestätigen. 

b) Auf dem Foto Nr. 1 des Fotoblattes der Kantonspolizei Graubünden (act. 
4.2, S. 1) ist eine gerade übersichtliche Strasse zu erkennen auf dessen linker 
Strassenseite sich eine Holzhütte befindet. Foto Nr. 2 (act. 4.2, S. 2, vgl. auch act. 
4.3) zeigt die Höhe des Unfallortes, die Pneudruckspur herstammend vom Fahr-
zeug von B. sowie die Schleif- und Rutschspuren, welche von C. und A. stammen. 
Die beiden Spuren verlaufen parallel zueinander in Fahrtrichtung gegen die Mitte 
der linken Fahrspur. Foto Nr. 3 und 4 (act. 4.2, S. 3, 4) zeigen die Endlage des Mo-
torrades. Dabei ist ersichtlich, dass das führerlose Motorrad einige Meter in Fahrt-
richtung weiterfuhr bevor es auf einer kleinen Böschung mit Front Richtung D. um-
kippte. Die Unfallskizze (act. 4.3) bestätigt dies. Das Motorrad fuhr rund 60 Meter 
in Richtung E. weiter. Auf dem Foto Nr. 5 (act. 4.2, S. 5) sind die Schäden am 
Fahrzeug von B. erkennbar. Das Fahrzeug ist längs auf der rechten Seite beschä-
digt. So wurde bspw. der rechte Rückspiegel abgerissen. Auch das Motorrad weist 
Spuren des Unfalls auf der linken Seite auf (vgl. act. 4.2, S. 6).

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c) Die Höhe des Unfallortes ist durch Foto Nr. 2 (act. 4.2, S. 2) erstellt. Der Un-
fall ereignete sich vor dem Ausstellplatz gegen die Mitte der linken Fahrspur. So-
wohl der Wagen von B. als auch das Motorrad weisen auf der Seite Spuren des 
Unfalls auf. Wäre das Motorrad nur vorne rechts in den Kotflügel gefahren, wie von 
B. anlässlich der untersuchungsrichterlichen Konfronteinvernahme vom 15. Okto-
ber 2009 behauptet, so wäre der rechte Rückspiegel wohl unbeschädigt geblieben, 
zudem hätte es die beiden Motorradfahrer wohl eher nach vorne über die Kühler-
haube des Wagens geschleudert (vgl. auch act. 4.14, S. 6). C. und A. blieben je-
doch parallel zur Pneudruckspur des Wagens auf der Strasse liegen (vgl. act. 4.3). 
Auch müsste das Motorrad wohl Unfallspuren am vorderen Rad aufweisen. Nach 
der Kollision fuhr das Motorrad führerlos weiter bis es bei einer leicht ansteigenden 
Böschung, mit Front Richtung D. zu liegen kam (vgl. act. 4.1, S. 3; act. 4.2, S. 3, 4). 
Die Tatsache, dass das Motorrad führerlos in Fahrtrichtung weiterrollen konnte, 
spricht eher dafür, dass eine seitliche Kollision erfolgt sein musste. Die Aussage 
von B., dass das Motorrad unmittelbar nach der Kollision umgefallen sei und nach-
her irgendwie wieder auf die Räder kam, um dann weiterzufahren, ist nicht nach-
vollziehbar. Ferner weisen auch die Verletzungen – komplexe schwere offene Mit-
telfussverletzung mit anschliessender Teilamputation des linken Fusses – der Be-
rufungsklägerin daraufhin, dass die Kollision seitlich stattgefunden haben muss 
(act. 4.7). Das Gesagte und das Unfallbild sprechen somit eher dafür, dass das 
Motorrad zur Mittellinie hin eingespurt war und sich vor dem Unfall kaum in der Mit-
te der rechten Fahrbahn befunden haben kann, hätte doch diesfalls bei einer Len-
kung des Motorrades von der Mitte der rechten Fahrbahn nach links wohl ein ande-
rer Aufprallwinkel geherrscht und kaum eine seitliche Kollision stattgefunden. 

d) Bei Strassen mit Gegenverkehr gehört Überholen zu den gefährlichsten 
Fahrmanövern. Es ist deshalb nur gestattet, wenn es keine anderen Verkehrsteil-
nehmer behindert oder gefährdet (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 04. No-
vember 2003, 6S.301/2003 E. 3). Der Kreispräsident Z. hat sich weder damit aus-
einandergesetzt, ob der Motorradlenker nach links eingespurt ist noch, ob der linke 
Blinker gesetzt worden ist. Aus den Akten ist ersichtlich, dass das Motorrad lang-
sam und wohl eher gegen die Strassenmitte hin als in der Mitte der rechten Fahr-
bahn auf einer geraden Strasse fuhr. Ferner ist erstellt, dass sich der Unfall auf der 
Höhe des Ausstellplatzes ereignet hatte. Im Gegensatz zum Motorrad war der Be-
rufungsbeklagte relativ schnell unterwegs. Zudem befand sich – für den Fahrzeug-
lenker erkennbar – auf der linken Seite ein Ausstellplatz mit einer Holzhütte darauf. 
Der Kreispräsident Z. hat sich aufgrund der oben aufgezeigten Fakten nicht an-
satzweise mit der Frage auseinandergesetzt, ob nicht eine unklare und gefahren-

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trächtige Situation vorlag, die von B. ein risikoarmes Verhalten gefordert hätte (vgl. 
Entscheid des Bundesgerichts vom 04. November 2003, 6S.301/2003 E. 4). Es 
hätte die Frage gestellt werden müssen, ob B. mit Blick auf Art. 35 Abs. 3 SVG, 
eventuell Art. 35 Abs. 5 SVG, das Überholmanöver hätte durchführen dürfen oder 
nicht. Selbst wenn der Motorradlenker tatsächlich den Blinker nicht gesetzt haben 
sollte und sich C. beim Linksabbiegen seinerseits allenfalls sorgfaltswidrig verhal-
ten haben sollte, vermöchte dies den Berufungsbeklagten nicht ohne weiteres zu 
entlasten, weil das Strafrecht keine Schuldkompensation kennt. Ob sich – wie vom 
Berufungsbeklagten geltend gemacht wird – allenfalls auch C. in Zusammenhang 
mit dem zu beurteilenden Verkehrsunfall den Vorwurf eines Fehlverhaltens gefallen 
lassen müsste, braucht folglich mit Blick auf die fehlende Schuldkompensation im 
Strafrecht nicht geprüft zu werden.

11. a) Die Berufungsklägerin rügt, dass, obwohl sich eine schwere Körperverlet-
zung ereignet habe, kein verkehrstechnischer Bericht über den Unfallhergang er-
stellt worden sei. 

b) Dazu gilt es festzuhalten, dass es im pflichtgemässen Ermessen liegt, 
Sachverständige beizuziehen, welche aufgrund ihrer besonderen beruflichen oder 
privaten Kenntnisse zur Beurteilung der jeweiligen Fachfragen geeignet erschei-
nen. Vorliegend wurde auf die Erstellung eines verkehrstechnischen Berichts ver-
zichtet. Würde man die Akten zur Klärung der offenen Fragen als nicht ausrei-
chend erachten, so stellt sich die Frage, ob nicht ein verkehrstechnisches Gutach-
ten aufgrund der Beschädigungen am Fahrzeug und am Motorrad und aufgrund 
des Unfallablaufs (Fallen der Motorradfahrer, Weiterfahren des Motorrades, Verlet-
zungen der Berufungsklägerin) Aufschluss über den Unfallhergang geben könnte.

12. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine Auseinanderset-
zung mit den oben dargestellten Fragen nicht ansatzweise erfolgt ist. Jedenfalls 
kann bei einer Gesamtwürdigung der Beweise nicht ohne Begründung und nicht 
ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass eine Verurteilung auszuschlies-
sen ist. Die Berufung ist daher gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzu-
heben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft zurück-
zuweisen (vgl. Art. 453 Abs. 2 eidgenössische StPO). 

13. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Berufungsver-
fahrens zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher die Berufungsklägerin zu-
dem eine angemessene aussergerichtliche Entschädigung auszurichten hat 
(Art. 160 StPO). Die I. Strafkammer erachtet – zumal eine Bezifferung in der Beru-

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fung nicht erfolgt ist – eine Entschädigung von Fr. 1'000.00 inkl. MWSt. als ange-
messen. Auch wenn der Berufungsbeklagte den Weiterzug der angefochtenen 
Einstellungsverfügung nicht zu vertreten hat, kann ihm gleichwohl keine ausser-
amtliche Entschädigung zugesprochen werden, da er sich der Berufung widersetzt 
hat und somit als unterliegende Partei zu betrachten ist.

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 III. Demnach wird erkannt

1. Die Berufung wird gutgeheissen. Die Einstellungsverfügung des Kreispräsi-
denten Z. vom 20. Oktober 2010 wird aufgehoben und die Sache im Sinne 
der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.00 gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden, welcher die Berufungsklägerin für das Berufungsver-
fahren mit Fr. 1'000.00 inkl. MWSt. zu entschädigen hat.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesge-
richt, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundes-
gericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausferti-
gung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen 
Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die 
weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die 
Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: