# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3036c37a-6366-52fd-8b6f-4c0be8436126
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-05
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 05.12.2023 SK 2022 559
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-559_2023-12-05.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 559

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 5. Dezember 2023 

Besetzung Oberrichter Horisberger (Präsident i.V.), Oberrichterin Weingart, 
Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiberin Windler

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Einzelgericht) vom 30. August 2022 (PEN 21 296)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 30. August 2022 erklärte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau 
(Einzelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) den Beschuldigten/Berufungsführer 
A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) der Tierquälerei, eventualvorsätzlich be-
gangen am 9. Mai 2020 in C.________, schuldig und verurteilte ihn in Anwendung 
der einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu einer bedingt vollziehbaren Geldstra-
fe von 16 Tagessätzen zu CHF 90.00, ausmachend total CHF 1'440.00, unter An-
setzung einer Probezeit von 2 Jahren, zu einer Verbindungsbusse von 
CHF 360.00, unter Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung auf 4 Tage, sowie zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt 
auf CHF 3'766.50 (pag. 350 ff.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Fürsprecher B.________ namens und auftrags des 
Beschuldigten fristgerecht die Berufung an (pag. 355 ff.). Die Berufungserklärung 
folgte frist- und formgerecht am 26. Oktober 2022 (pag. 399 ff.). Die Generalstaats-
anwaltschaft des Kantons Bern und das Amt für Veterinärwesen teilten mit Einga-
ben vom 31. Oktober 2022 bzw. 3. November 2022 den Verzicht auf die Teilnahme 
am oberinstanzlichen Verfahren mit (pag. 411 f. und pag. 413 f.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Der Beschuldigte stellte und begründete in seiner Berufungserklärung vom 25. Ok-
tober 2023 die Beweisanträge, es seien anlässlich der Berufungsverhandlung 
Dr. med. vet. D.________ als Zeuge und Prof. Dr. med. vet. E.________ als sach-
verständiger Zeuge einzuvernehmen (pag. 402 ff.). Diese Beweisanträge wies die 
Kammer mit Beschluss vom 3. Januar 2023 begründet ab (pag. 417 ff.). Mit Einga-
be vom 24. Januar 2023 wiederholte der Beschuldigte die mit Berufungserklärung 
gestellten Beweisanträge (pag. 421 ff.), worauf wiederum deren begründete Abwei-
sung mit Beschluss der Kammer vom 1. März 2023 folgte (pag. 424 f.).

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden über den Beschuldigten von Am-
tes wegen ein aktueller Strafregisterauszug, datierend vom 15. November 2023 
(pag. 438), sowie ein Leumundsbericht inkl. Bericht über die wirtschaftlichen Ver-
hältnisse, datierend vom 9. November 2023 (pag. 432 ff.), eingeholt.

An der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte einvernommen 
(pag. 444 ff.). Nach dieser Einvernahme wiederholte Fürsprecher B.________ na-
mens und auftrags des Beschuldigten die bereits mit Berufungserklärung vom 
25. Oktober 2022 und Eingabe vom 24. Januar 2023 gestellten Beweisanträge, 
Dr. med. vet. D.________ und Dr. med. vet. E.________ als Zeugen einzuverneh-
men. Die Kammer wies diese Beweisanträge in der Folge begründet ab (pag. 461).

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4. Anträge des Beschuldigten

Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte und begründete der Beschuldigte die 
folgenden Anträge (pag. 466; Hervorhebungen im Original):

1. Das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau vom 30. August 2022 im Verfahren 
PEN 21 296 sei aufzuheben und der Beschuldigte bzw. Berufungsführer A.________ sei von der 
Anschuldigung der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz, angeblich begangen am 09. Mai 
2020 in C.________, von Schuld und Strafe freizusprechen.

2. Sämtliche Verfahrenskosten der ersten und oberen Instanz seien auf die Staatskasse zu nehmen.

3. Dem Beschuldigten und Berufungsführer sei zu Lasten der Staatskasse eine Entschädigung für 
die Kosten seiner Verteidigung im Verfahren vor erster Instanz (inkl. Voruntersuchung) im Umfang 
von CHF 8'381.15 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten, ausgewiesen in der Kos-
tennote der Verteidigung vom 30. August 2022, eingereicht an der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung.

4. Dem Beschuldigten und Berufungsführer sei weiter zu Lasten der Staatskasse eine Entschädi-
gung für dessen anwaltliche Verteidigung für das Berufungsverfahren vor Obergericht des Kan-
tons Bern auszurichten, zu bestimmen im Umfang der entsprechenden Kostennote der Verteidi-
gung nach Eingang derselben (Kostennote wird nachgereicht nach Schluss der Parteiverhandlun-
gen via Telefax bzw. via Email).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Urteil der Vorinstanz wurde durch den Beschuldigten vollumfänglich angefoch-
ten. Die Kammer hat infolge der umfassenden Berufung durch den Beschuldigten 
den Schuld- und Sanktionspunkt sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu 
überprüfen. Sie verfügt dabei in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht über volle 
Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldig-
ten ist die Kammer an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in pei-
us) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h., sie darf das Urteil nicht zu Un-
gunsten des Beschuldigten abändern. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung wird auf die korrekten Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 365, Ziff. III.1. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung).

7. Vorwurf gemäss Strafbefehl vom 2. Juli 2021

Gemäss Strafbefehl vom 2. Juli 2021, der als Anklageschrift gilt (Art. 356 Abs. 1 
StPO), wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich am 9. Mai 2020 in C.________, 
folgendermassen verhalten zu haben:

Der Beschuldigte beauftragte F.________ eine seiner Kühe, welche sich gemäss tierärztlichem Attest 
in transportunfähigem Zustand befand (hochgradige Hangbeinlahmheit) und für welche eine Not-
schlachtung angeordnet wurde, dem Schlachthof bzw. der Metzgerei in G.________ zuzuführen. Da 

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die Kuh erheblich nervös war, konnte ihr dort kein Bolzenschuss angesetzt werden. Folglich wurde die 
Kuh durch F.________ dem Beschuldigten auf dessen Landwirtschaftsbetrieb zurückgebracht. Der 
Beschuldigte missachtete wissentlich und willentlich das tierärztliche Attest bzw. die ärztlichen Anord-
nungen und liess zu, dass die Kuh durch den Transport unnötig gequält und ihr somit grosses Leid 
zugefügt wurde.

8. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass Dr. med. vet. H.________ bei der fraglichen Kuh am 9. Mai 
2020, ohne die Kuh im Gehen gesehen zu haben, folgende Diagnose/Indikation 
beschrieb: «Lahmheit VL steht nicht auf Bein, Schulterluxation oder Schulterblatt-
fraktur, vermehrte Beweglichkeit, 38,5°C» (pag. 26). In diesem Attest steht nebst 
dieser Diagnose unter «Therapie» die Bemerkung «Zeugnis für Notschlachtung» 
(pag. 26); es fehlt – entgegen dem Anzeigerapport (pag. 3) – ein Hinweis auf die 
Transportfähigkeit. Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 9. Mai 2020 
I.________ beauftragte, eine seiner Kühe dem Schlachthof bzw. der Metzgerei in 
G.________ zuzuführen (pag. 37, Z. 72 f.; pag. 298, Z. 43 f.). Die Kuh lief unbestrit-
tenermassen in den Transporter, worauf der Metzger die Kuh zum Schlachthof 
bzw. der Metzgerei in G.________ zuführte. In der Folge verzichtete er mit Einver-
ständnis des Beschuldigten auf eine Schlachtung und brachte die Kuh auf dessen 
Geheiss wieder zurück auf den Hof (pag. 36, Z. 39 ff.; pag. 299, Z. 2 ff.). Unbestrit-
ten ist schliesslich, dass die Kuh, die bereits am 9. Mai 2020 hätte notgeschlachtet 
werden sollen, am 11. Mai 2020 notgeschlachtet wurde.

Bestritten ist, dass die gestellte Verdachtsdiagnose korrekt und die Kuh hochgradig 
lahm gewesen sei (pag. 36, Z. 29 ff. und 33 f., pag. 298, Z. 26 ff.) und der Kuh 
durch den Verlad und Transport unnötige Schmerzen zugefügt worden seien 
(pag. 301, Z. 21 f. und 33 ff.; pag. 302, Z. 8 f.).

9. Beweismittel

Für die vorhandenen Beweismittel kann zunächst auf die Auflistung der Vorinstanz 
verwiesen werden (pag. 366 f., Ziff. III.2.3. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte erneut ein-
vernommen (pag. 444 ff.).

Auf die Vorbringen des Beschuldigten und – soweit von Relevanz – auf die Be-
weismittel wird im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung eingegangen.

10. Konkrete Beweiswürdigung

10.1 Tierärztliche Diagnose und Lahmheitsgrad der Kuh

Hinsichtlich der tierärztlichen Diagnose und des Lahmheitsgrads der Kuh bleiben 
nach Überzeugung der Kammer mehrere Fragen unbeantwortet. Ursache hierfür 
sind insbesondere die Widersprüche zwischen den Beurteilungen von Dr. med. vet. 
H.________ vom 9. Mai 2020 und Dr. med. vet. J.________ vom 11. Mai 2020. Für 
den vorliegend interessierenden Sachverhalt ist der Zustand der Kuh am 9. Mai 
2020 massgeblich und nicht jener vom 11. Mai 2020. Dennoch darf grundsätzlich 
vom Gesundheitszustand am 11. Mai 2020 auf jenen 2 Tage zuvor geschlossen 
werden.

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Gemäss Dr. med. vet. H.________ stand die Kuh nicht auf ihr Bein («Zertifikat» 
pag. 26, Bericht: «Die Kuh nahm bereits im Stehen kein Gewicht auf die Gliedmas-
se», pag. 28); sie kam zur Vermutung der Luxation oder Fraktur des Schulterblatts 
(pag. 26 und 28). Ein Hinweis auf eine Hangbeinlahmheit lässt sich weder dem 
«Zertifikat» noch ihrem Bericht entnehmen. Anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung wurde sie mit der Diagnose der Hangbeinlahmheit konfrontiert, worauf 
sie keine klare Antwort gab, sondern im Wesentlichen festhielt, dass die Kuh die-
ses Bein gegen vorne und aussen richtig in der Luft gehabt habe (pag. 309, 
Z. 23 ff.).

Dr. med. vet. J.________ beschrieb in seinem Bericht eine hochgradige Hangbein-
lahmheit vorne links (pag. 23). Weiter führte er aus, die Gliedmasse sei gegen aus-
sen gestellt und es sei möglichst wenig Gewicht aufgenommen worden. Die Kuh 
sei zur Bewegung motiviert worden und es habe sich eine hochgradige Hangbein-
lahmheit vorne links gezeigt. Sowohl Vorführ- wie auch Rückführphase der Schritt-
bewegung seien eingeschränkt, schmerzhaft, gewesen (pag. 23). Anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung sagte er aus, die Kuh habe die betroffene 
Gliedmasse belasten können; die Schritte seien verkürzt und der Gang asymme-
trisch gewesen (pag. 317, Z. 20 ff.). Ferner führte er aus, im Verlauf des Berichts 
habe er einmal «hochgradig» geschrieben und an einem anderen Ort habe er be-
schrieben, dass sie Gewicht auf das Bein genommen habe. Das sei für den Gut-
achter [gemeint ist Prof. Dr. med. vet. E.________] nicht klar gewesen, denn eine 
Kuh, die hochgradig lahm sei, stehe gar nicht auf das Bein. Wegen dieser beiden 
Sätze habe der Gutachter [gemeint ist wiederum Prof. Dr. med. vet. E.________] 
gesagt, es sei nicht ganz klar formuliert. Dr. med. vet. J.________ hielt fest, dabei 
zu bleiben, dass dieses Tier eine hochgradige Lahmheit gehabt habe. Bei einer 
Klauenbeinfraktur würde das Tier vermeiden, Gewicht aufzusetzen. Das sei hier 
nicht der Fall gewesen. Er habe es als Hangbeinlahmheit beschrieben. Das heisse, 
nicht das Aufsetzen mache den Schmerz, sondern die Bewegung des Beins nach 
vorne und hinten (pag. 316, Z. 29 ff.). Widersprüchlich mutet deswegen bereits an 
dieser Stelle seine spätere Aussage an, wonach die Kuh in einem Netz aufgehängt 
hätte transportiert werden können (pag. 318, Z. 11 f.).

Im Wesentlichen hält Dr. med. vet. H.________ somit fest, die Kuh habe das Bein 
nicht belastet, sondern in der Luft gehalten. Demgegenüber habe sie das Bein laut 
Dr. med. vet. J.________ belastet und nicht durch dessen Aufsetzen Schmerz 
empfunden, sondern durch dessen Bewegung nach vorne und hinten. Diese bei-
den Schilderungen sind offensichtlich nicht miteinander vereinbar. Mit Prof. Dr. 
med. vet. E.________ bleibt insbesondere der Lahmheitsgrad der Kuh unklar 
(pag. 62). Letzterer legte in seinem Gutachten zuhanden der Haftpflichtversiche-
rung der Grosstierpraxis J.________ und D.________ dar, dass die Lahmheitsun-
tersuchung durch Dr. med. vet. H.________ nicht vollständig gewesen sei, da sie 
die Kuh nicht im Gehen beobachtet habe, die Klauen und die digitalen Gliedmas-
sengelenke nicht selber untersucht habe und die Untersuchung des Ellbogenge-
lenks nicht durchgeführt worden sei, sofern ihr Bericht vollständig sei (pag. 61). 
Auch die Lahmheitsuntersuchung durch Dr. med. vet. J.________ sei nicht lücken-
los erfolgt. Sofern dessen Bericht vollständig sei, habe er die Untersuchung der 
Klauen mit der Klauenuntersuchungszange sowie die spezielle Untersuchung des 

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Ellbogengelenks nicht durchgeführt. Der Lahmheitsgrad der Kuh sei unklar: Einer-
seits nehme die Kuh «möglichst wenig Gewicht auf» und andererseits «zeigte sich 
eine hochgradige Hangbeinlahmheit» (pag. 62). Diese Ausführungen von Prof. Dr. 
med. vet. E.________ sind schlüssig.

Für die Unvollständigkeit der Untersuchung spricht auch, dass das Amt für 
Veterinärwesen die Gründe für die Lahmheit der Kuh anhand der Akten ebenfalls 
nicht abschliessend beurteilen konnte (pag. 177). Die Vollständigkeit der Untersu-
chung wurde im Übrigen weder durch Dr. med. vet. H.________ noch durch 
Dr. med. vet. J.________ behauptet. Letzterer gab im Gegenteil unter anderem an, 
ohne die Kuh im Gehen zu sehen, sei der Untersuchungsgang nicht komplett 
(pag. 320, Z. 21 ff.). Die Erklärung von Dr. med. vet. H.________, sie habe auf-
grund der Tatsache, dass es sich bei der Kuh um eine Mutterkuh gehandelt habe, 
welche man nicht am Halfter habe führen können, darauf verzichtet, die Kuh 
während des Laufens anzuschauen (pag. 31, Z. 47 ff.), ist nicht nachvollziehbar. 
Desgleichen gilt für ihre davon abweichende Begründung anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung, sie habe Angst gehabt, dass die Kuh in Panik gera-
te, im Laufen umfalle und weitere Schäden entstehen könnten und die Kuh gar 
nicht mehr aufstehen könnte (pag. 308, Z. 46 ff.). Immerhin ging es hier um die 
Frage, ob eine Notschlachtung einer Mutterkuh mit Kalb nötig ist, weshalb eine 
eingehende Untersuchung zu erwarten gewesen wäre. Dahingehend äusserte sich 
auch Prof. Dr. med. vet. E.________ in seinem Gutachten, der auch wegen des 
jungen Kalbs der Mutterkuh eine besondere Situation gegeben sah, die eine um-
fassende Absicherung der Entscheidung erforderlich machte (pag. 62).

Sodann darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass Dr. med. vet. H.________ 
am 9. Mai 2020 noch andere Optionen als die Notschlachtung in Erwägung zog. 
Offenbar hatte man die Spritze mit den Schmerzmitteln bereits fast gesetzt (Aussa-
gen von Dr. med. vet. H.________: pag. 31, Z. 57 ff.). Sie führte im Übrigen auch 
aus, die Ehefrau des Beschuldigten hatte, nachdem die Kuh auf den Hof zurückge-
bracht wurde, versucht, sie anzurufen, und sie konnte ihr zurückrufen, nachdem 
diese bei Dr. med. vet. D.________ in der Praxis Schmerzmittel abgeholt hatte 
(pag. 29). Dann habe man abgemacht, dass man schaue, wie die Kuh auf das 
Schmerzmittel reagiere und sonst solle sich die Ehefrau des Beschuldigten am 
Montag, 11. Mai 2020, melden (pag. 32, Z. 102 f.). Entgegen der vorangehenden 
Einschätzung von Dr. med. vet. H.________, wonach die Kuh leide und die Not-
schlachtung hätte durchgeführt werden sollen, erachtete sie dies nun offenbar nicht 
mehr als dringend an. Dieses Verhalten steht auch mit ihrer Aussage anlässlich der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung im Widerspruch, wonach keine Hoffnung mehr 
bestanden habe (pag. 310, Z. 3). Vorweggenommen kann daher bereits an dieser 
Stelle, dass auch Dr. med. vet. H.________ die Schmerzen der Kuh offenbar nicht 
derart schlimm einschätzte; andernfalls wäre zu erwarten gewesen, dass sie den 
Vollzug der Notschlachtung nachdrücklicher durchgesetzt hätte.

Auch andere ihrer Aussagen sind widersprüchlich. Einerseits führte sie aus, eine 
Mutterkuh, die ohne Kalb in einem Anhänger transportiert werde, würde sicher 
grossen Stress haben (pag. 308, Z. 5 f.). Aber das Einladen der Kuh in den Trans-
porter und die damit verbundene Trennung vom Kalb war laut ihr offenbar in Ord-

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nung (pag. 33, Z. 158 ff.). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab sie dies-
bezüglich an, man lasse sich manchmal dazu verleiten, weil sie ja auch wisse, wie 
schwierig es für einen Metzger sei, die Kuh aus dem Stall heraus zu seilen 
(pag. 305, Z. 40 ff.). Deren Untersuchung, ohne sie im Gehen zu sehen, habe Dr. 
med. vet. H.________ aber gemäss der Begründung anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung aus Angst davor, dass die Kuh umfällt und weitere Schä-
den entstehen könnten und sie gar nicht mehr aufstehen könnte, nicht durchgeführt 
(pag. 308, Z. 46 ff.). Wieso sie dieselben Sorgen, als sie dem Beschuldigten er-
laubte, die Kuh in den Transporter laufen zu lassen, nicht hatte, ist nicht nachvoll-
ziehbar. In Anbetracht dessen, dass die Kuh hierbei eine Rampe hochlaufen muss-
te (vgl. pag. 450, Z. 37), ist die Entscheidung, auf die Untersuchung der Kuh im 
Gehen zu verzichten, umso weniger verständlich. Mit ihrer Erlaubnis, die Kuh in 
den Transporter laufen zu lassen, widerspricht sie im Übrigen auch der eigenen 
Angabe, sie habe das Kreuz bei Betäubung und Notschlachtung im Stall gesetzt 
(pag. 28). Insofern war bereits die Anzeige nicht ganz korrekt, denn da führte Dr. 
med. vet. J.________ aus, bei der Untersuchung am 9. Mai 2020 habe die Kuh ei-
ne hochgradige Hangbeinlahmheit gezeigt, welche eben gerade nicht diagnostiziert 
wurde, und die Tierärztin habe die Besitzer informiert, dass die Kuh im Stall vom 
Metzger betäubt werden müsse (pag. 8). Auch das stimmt so nach dem Gesagten 
nicht.

Das Amt für Veterinärwesen führt aus, es sei vorliegend fraglich, wie ausgeprägt 
die Lahmheit gewesen sei und ob eine Transportfähigkeit bestanden habe. Die be-
auftragten Ärzte würden keine korrekte Diagnose für die Lahmheit schulden 
(pag. 177). Dies mag grundsätzlich sein; anders verhält es sich für die im Strafver-
fahren zu prüfenden Fragen.

Die gestellten Verdachts- und Differentialdiagnosen liessen sich auch anhand der 
Untersuchung des Schlachtkörpers nicht bestätigen (pag. 63; pag. 301, Z. 42 ff.; 
pag. 302, Z. 6 ff.; pag. 335). Die beiden Tierärzte gaben an, die Muskeln und Bän-
der seien bereits ausgebeint gewesen und hätten nicht umfassend untersucht wer-
den können (pag. 16, Z. 119 ff.; pag. 17, Z.124 ff.; pag. 32 f., Z. 121 ff. und 
Z. 128 ff.; pag. 308, Z. 31 ff.; pag. 309, Z 38 ff.). Dass diese Schlachtkörperunter-
suchung der Beweisführung nicht dienen könne (pag. 63), mag zwar zutreffen. Dies 
kann man dem Beschuldigten jedoch nicht anlasten. Fakt ist, man hat im Nachhin-
ein nichts festgestellt, was die Diagnose per 9. Mai 2020 bestätigt hätte.

Zweifel an den Einschätzungen von Dr. med. vet. H.________ vom 9. Mai 2020 er-
geben sich auch gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten, welche in diesem 
Zusammenhang besondere Glaubhaftigkeit zukommt. Detailreich und strukturgleich 
schilderte er, wieso er an der Diagnose von Dr. med. vet. H.________ zweifelte 
(pag. 36, Z. 29 ff.; pag. 298, Z. 25 ff.; pag. 449, Z. 36 ff.). Er bestritt hierbei insbe-
sondere nicht, dass die Kuh lahm war bzw. «etwas hat» (pag. 36, Z. 27 f.; pag. 39, 
Z. 186; pag. 298, Z. 19 f.; pag. 300, Z. 8); auch beschönigte er nicht. Er beschrieb 
den Lahmheitsgrad indessen abweichend von Dr. med. vet. H.________ und Dr. 
med. vet. J.________ (pag. 36, Z. 27 f.; pag. 39, Z. 186; pag. 298, Z. 19 f.; 
pag. 301, Z. 13; pag. 456, Z. 13 ff.). Seine diesbezüglichen Ausführungen sind 
nachvollziehbar und lebensnah.

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Insgesamt ist aufgrund der unvollständigen Untersuchung der Kuh nicht erstellt, 
wie die tierärztliche Diagnose lautete. Die Kuh war zwar lahm; unklar ist indessen 
der Lahmheitsgrad. 

10.2 Schmerzen der Kuh und Transportfähigkeit

Auch bezüglich des Umfangs der tatsächlich erlittenen Schmerzen der Kuh und de-
ren Transportfähigkeit bleiben diverse Fragen ungeklärt.

Der Beschuldigte bestreitet nicht grundsätzlich, dass die Kuh unter Schmerzen litt, 
jedoch geht er davon aus, dass diese Schmerzen nicht besonders gross waren 
(pag. 301, Z. 21 f., pag. 302, Z. 8 f.; pag. 460, Z. 1 ff.). Er führte dazu aus, dass 
sich starke Schmerzen bei einer Kuh durch Fieber (pag. 303, Z. 35), erhöhte Atem-
frequenz (pag. 303, Z. 36), Nahrungsverweigerung (pag. 303, Z. 38), Festliegen 
(pag. 303, Z. 39), Nasenfluss (p. 303 Z. 39), Schäumen (pag. 303, Z. 40) oder 
Schreien (pag. 303, Z. 44 f.) äussern würden und die Kuh keines dieser Symptome 
aufgewiesen habe (pag. 303, Z. 40 f.). Auch I.________ und K.________ konnten 
gemäss ihren Aussagen keine solche Symptome beobachten (pag. 325, Z. 23 ff., 
pag. 332, Z. 36). 

Allerdings hielten Dr. med. vet. H.________ und Dr. med. vet. J.________ fest, 
dass es nicht notwendig sei, dass sich Schmerzen mit den vom Beschuldigten be-
schriebenen Symptomen äusserten (pag. 306, Z. 5 ff., pag. 316, Z. 12 ff.). Im Rah-
men der (unvollständigen) Untersuchungen hätten sie Schmerzzeichen erkannt 
(vgl. pag. 31, Z. 27 f. und 42 f., pag. 306, Z. 5 ff., pag. 306 Z. 6 und Z. 10 ff.; vgl. 
pag. 15, Z. 59 ff. und 62 ff., pag. 16, Z. 75 f. und 80 ff., pag. 315, Z. 10 ff., 14 f. und 
18 ff.). Diesbezüglich ist wiederum an die Widersprüche ihrer Beurteilungen zu er-
innern (vgl. E. 10.1.). Laut Dr. med. vet. H.________ habe die Kuh durch das Auf-
setzen des Beins Schmerzen gehabt (pag. 31, Z. 43 f.; pag. 33, Z. 154 f.) und laut 
Dr. med. vet. J.________ habe sie es belastet, aber dessen Bewegung nach vorne 
und hinten habe Schmerzen verursacht (pag. 316, Z. 29 ff.). Die Schlüssigkeit ihrer 
Ausführungen ist demnach deutlich infrage gestellt. Dieser Einschätzung der 
Kammer widersprechen auch die Ausführungen von Prof. Dr. med. vet. 
E.________ nicht. Unter der Annahme, dass die Diagnosen der beiden Tierärzte 
stimmen, gelangt er ebenfalls zum Schluss, dass ein stark schmerzhaftes Problem 
vorliege. In seinem Gutachten zeigt er indessen eingehend auf, inwiefern die Un-
tersuchungen unvollständig waren und welche Fragen insbesondere hinsichtlich 
der Diagnosen offenblieben (pag. 60 ff.).

Massgebend müssen in diesem Zusammenhang die anschaulichen und schlüssi-
gen Ausführungen des Metzgers I.________ sein, wonach man am toten Tier ganz 
klar ansehe, ob es grosse Schmerzen gehabt habe. Es könne PSE (nass, bleich, 
«gschluderig») oder DFD (dunkel, klebrig und trocken) aufweisen. Das seien zwei 
Faktoren, mit der sie Fleischqualität beurteilen könnten. Das Fleisch der Kuh habe 
keine solche Merkmale aufgewiesen, sonst hätten sie dem Beschuldigten die Kuh 
nicht abgekauft. Schlussendlich sei die Fleischqualität entscheidend. Aus solchem 
Fleisch könne man keine anständigen Produkte mehr machen; «Dann hätten wir 
den Schaden gehabt» (pag. 332, Z. 38 ff.; vgl. auch seine Aussagen an der polizei-
lichen Einvernahme: pag. 75, Z. 148 ff.). Diese Ausführungen sind schlüssig. Es ist 

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insbesondere kein Interesse von I.________ ersichtlich, diesbezüglich nicht die 
Wahrheit zu sagen. Zum Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung war er 
insbesondere bereits rechtskräftig verurteilt (edierte Akten EO 20 13745, Strafbe-
fehl vom 2. Juli 2021). Dass das Fleisch verwertbar war, konnte der Beschuldigte 
anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigen (pag. 459, Z. 28 f.). Im Übrigen 
sind die Aussagen von I.________ zur Beschreibung des Zustands der Kuh auch 
aus anderen Gründen glaubhaft: Als Metzger gilt sein Interesse primär dem Fleisch 
und dessen Qualität. Er hatte die Kuh bereits zum Schlachthof transportiert und 
hätte die Kuh bereits zu diesem Zeitpunkt ohne Weiteres schlachten können. Statt-
dessen entschied er sich aufgrund des Zustands der Kuh dafür, diese zurückzu-
bringen (pag. 329, Z. 12 ff.). Er habe noch Freude gehabt, dass er das gemacht 
habe, sei stolz darauf gewesen und habe das Gefühl gehabt, er hätte einmal etwas 
studiert und mitgedacht (pag. 329, Z. 20 ff.). Diese Beschreibung seiner inneren 
Vorgänge spricht ebenfalls für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.

Auch hinsichtlich der Frage nach der Transportfähigkeit der Kuh am 9. Mai 2020 
blieb angesichts der unvollständigen Untersuchung Einiges ungeklärt. Gestützt auf 
den «Leitfaden: Beurteilung der Transportfähigkeit von kranken und verletzten 
Schlachttieren» (pag. 224 f.) ist offensichtlich, dass der Umfang des Lahmheits-
grads hierbei eine massgebende Rolle spielt. Dieser wiederum wurde vorliegend 
ebengerade nicht vollständig untersucht, wie dies in E. 10.1. eingehend dargelegt 
wurde. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die ausweichende und praktisch 
nichtssagende Antwort von Dr. med. vet. J.________ auf die Frage, ob die Trans-
portfähigkeit ohne Beobachtung der Kuh im Gehen sicher geklärt werden könne: Er 
habe es dann erweitert, habe sie einige Schritte laufen sehen und sei um die zu-
sätzliche Information froh gewesen; offenbar habe sie [gemeint ist Dr. med. vet. 
H.________] das so für sich entschieden (pag. 319, Z. 28 ff.). Die Aussage von 
Dr. med. vet. J.________ auf Vorhalt der Dokumente «Leitfaden: Beurteilung der 
Transportfähigkeit von kranken und verletzten Schlachttieren» (pag. 222 ff.) und 
«Merkblatt: Abstufung Lahmheitsgrade beim Rind und deren Einfluss auf die 
Transportfähigkeit betroffener Schlachttiere» (pag. 232 ff.), wonach er trotzdem zu 
einer Transportunfähigkeit tendiere (pag. 317, Z. 19), ist doch weit weg von einer 
klaren Feststellung. Mit Blick auf seine Diagnose der hochgradigen Hangbeinlahm-
heit ist denn auch seine Aussage, wonach man die Kuh in einem Netz aufgehängt 
hätte transportieren können (pag. 318, Z. 11 f.), nicht nachvollziehbar, müsste doch 
genau dies zu zusätzlichen Schmerzen führen, wenn sich ein Bein beim Transport 
unkontrolliert hin und her bewegt.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die Einschätzung von Prof. Dr. med. 
vet. E.________, der die Transportfähigkeit an eine Klinik zur Erweiterung der dia-
gnostischen Möglichkeit als gegeben erachtete (pag. 62). So kann es für die Frage 
der unnötigen Schmerzen nicht zwingend darauf ankommen, ob die Kuh nun zum 
Schlachter oder zu Abklärungen geführt wird. Demnach muss er die Schmerzen 
der Kuh nicht als derart stark eingestuft haben, ansonsten doch eine andere Ein-
schätzung zu erwarten gewesen wäre.

Zweifel an den tierärztlichen Diagnosen und an der attestierten Transportunfähig-
keit werden auch durch die Beobachtungen des Beschuldigten sowie von 

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I.________ und K.________ aufgeworfen. Diese drei Herren, die am 9. Mai 2020 
vor Ort waren, sind alle in einer Weise vom Fach resp. den Umgang mit Tieren ge-
wohnt: der Beschuldigte und K.________ halten auf ihren Bauernhöfen unter ande-
rem Kühe und I.________ ist Metzger. Übereinstimmend sagten sie aus, dass die 
Kuh in den Transporter gelaufen sei und wieso sie daher an den tierärztlichen Dia-
gnosen der Schulterblattfraktur oder –luxation und der attestierten Transportun-
fähigkeit zweifelten (Aussagen des Beschuldigten: pag. 36, Z. 26 f. und 29 ff., 
pag. 298, Z. 21 und 25 ff. und pag. 449, Z. 36 ff.; Aussagen von I.________: 
pag. 327, Z. 22 f. und pag. 328, Z. 2; Aussagen von K.________: pag. 323, Z. 9 ff., 
39 und 46 f. und pag. 324, Z. 1 ff.). Besonders I.________ beschrieb lebensnah, 
dass eine Kuh mit einer Fraktur nicht so auf das Bein stehe (pag. 329, Z. 15 f.). 
Auch der Beschuldigte schilderte detailreich, dass die Kuh die beobachteten Be-
wegungen nicht mehr hätte machen können (pag. 36, Z. 29 ff.; pag. 298, Z. 20 f.; 
pag. .458, Z. 31 f.). Die Kuh konnte in der Zeit vom 9. Mai 2020 bis zu ihrer 
Schlachtung am 11. Mai 2020 weiterhin im Stall von der Liegefläche über den 
Gang zu den Fanggittern mit dem Futter laufen (pag. 297, Z. 21 und 26 ff.; 
pag. 458, Z. 31 f.). Sie sei von Samstag auf Montag mehrmals aufgestanden und 
abgelegen (pag. 453, Z. 5 f.; pag. 458, Z. 38 f.). Die Kuh sei, wenn auch etwas 
lahm, vom Stall in den Transporter gelaufen (pag. 36, Z. 26 f.; pag. 298, Z. 19 ff.). 
Dass die drei Herren in diesem Moment die Diagnose der Tierärztin und die attes-
tierte Transportunfähigkeit anzweifeln, als sie das Tier töten wollen (Aussagen des 
Beschuldigten: pag. 36, Z. 29 ff.; pag. 298, Z. 25 ff.; pag. 449, Z. 36 ff.; Aussagen 
von I.________: pag. 327, Z. 22 f.; Aussagen von K.________: pag. 323, Z. 9 ff.; 
pag. 323, Z. 46 f.; pag. 324, Z. 1 ff.), ist gestützt auf ihre Beobachtungen verständ-
lich. Am 8. Mai 2020, also am Tag vor der Untersuchung durch Dr. med. vet. 
H.________, hatte zudem ein Klauenpfleger die Kuh untersucht. Auch dieser hatte 
offenbar nichts gefunden (pag. 36, Z. 48 ff.).

Deutlich wird im Übrigen, dass dem Beschuldigten das Wohl des Tiers offensicht-
lich sehr am Herzen liegt. Anlässlich der Berufungsverhandlung erläuterte er, wie 
seine Ehefrau und er mit den Tieren zusammenleben würden. Sie hätten im Jahr 
2010 eine Kuh gekauft und mit ihr mit Herzblut die Herde von 6 Kühen aufgezogen 
(pag. 445, Z. 12; pag. 460, Z. 15 ff.). Da es ein kleiner Betrieb sei, seien sie immer 
sehr nah bei den Tieren (pag. 445, Z. 16 f.). Sie würden für diese Tiere leben; sie 
seien nicht nur als reine Geldgewinnung da, sondern sie würden auch noch etwas 
mehr für diese Tiere machen (pag. 458, Z. 12 f.). Diese Haltung wird durch das 
Verhalten des Beschuldigten eindeutig. Er setzte sich von Anfang an für eine ein-
gehende Untersuchung der Kuh ein, indem er beispielsweise noch einen Chiro-
praktor und ehemaligen Tierarzt anrufen liess, um ihn zu fragen, ob man da nichts 
machen könne. Erst nachdem ihm dieser unter der Annahme einer Schulterblatt-
fraktur oder -luxation gesagt habe, dass man nichts machen könne, habe er sich 
mit der Notschlachtung abgefunden (pag. 37, Z. 99 ff.; pag. 298, 1 ff.; pag. 458, 
Z. 20 f.). Wäre ihm das Tierwohl nicht wichtig, würde bei einem Nutztier kaum ein 
Chiropraktor kontaktiert werden. Er organisierte dann auch die Seilwinde; die Not-
schlachtung im Stall war initial mithin durchaus geplant. Die Darstellung von Dr. 
med. vet. J.________, wonach der Beschuldigte Druck auf den Metzger ausgeübt 
und diesen dazu gebracht habe, das Tier dennoch zu transportieren (pag. 24), trifft 

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demnach offensichtlich nicht zu. Dieser hatte die Geschehnisse vom 9. Mai 2020 
ohnehin nicht selber erlebt. Dass der Beschuldigte und seine Ehefrau gegenüber 
der Grosstierpraxis J.________ und D.________ Schadenersatz geltend machten 
(pag. 25), spricht ebenfalls nicht gegen die Einschätzung, wonach dem Beschuldig-
ten das Wohl des Tiers wichtig ist. Vielmehr zeigen die edierten Unterlagen der 
Versicherung der Grosstierpraxis J.________ und D.________, dass der Zustand 
der Kuh auch aus ihrer Sicht nicht derart klar war. Andernfalls hätte sich die Gross-
tierpraxis J.________ und D.________ wohl nicht auf die Entschädigungsvereinba-
rung eingelassen, wonach sie den Beschuldigten pauschal mit CHF 2'000.00 ent-
schädigen mussten (pag. 108).

Insgesamt ist wiederum aufgrund der unvollständigen Untersuchung der Kuh nicht 
erstellt, inwiefern die Kuh Schmerzen hatte und am 9. Mai 2020 transportunfähig 
war.

11. Oberinstanzliches Beweisergebnis

Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel erachtet die Kammer folgenden Sachver-
halt als erstellt:

Der Beschuldigte beauftragte I.________ eine seiner Kühe, welche sich gemäss 
tierärztlichem Attest in transportunfähigem Zustand befand (Lahmheit vorne links, 
Schulterluxation oder Schulterblattkopf frakturiert) und für welche eine Notschlach-
tung angeordnet wurde – nachdem auch andere Optionen wie 2 Tage Medikamen-
te verabreichen diskutiert wurden –, dem Schlachthof bzw. der Metzgerei in 
G.________ zuzuführen. Dies wurde entsprechend organisiert, auch die entspre-
chende Seilwinde wurde organisiert. Die Kuh war vor Ort zu unruhig, sodass man 
sie in den Transporter geladen hat, was mit der Ärztin auch so als Möglichkeit ab-
gesprochen worden war. Entgegen der Anweisung wurde die Kuh dann aber zum 
Schlachthof transportiert, konnte dort jedoch auch im Transporter nicht betäubt 
werden. Da der Metzger I.________ die Diagnose eines Bruchs in Zweifel zog, 
wurde die Kuh durch diesen dem Beschuldigten auf dessen Landwirtschaftsbetrieb 
zurückgebracht. Der Beschuldigte missachtete wissentlich und willentlich das 
tierärztliche Attest bzw. die ärztlichen Anordnungen. Nicht erstellt ist, dass die Kuh 
nicht transportfähig war und welches Leiden die Kuh hatte und ob ihr durch das 
Vorgehen Schmerzen zugefügt wurde oder ob alles hätte vermieden werden kön-
nen, wenn Dr. med. vet. H.________ eine genauere Untersuchung gemacht hät-
te/nicht erlaubt hätte, dass die Kuh noch in den Transporter geladen wird. Bei kor-
rekter Diagnose wäre möglicherweise auch die Betäubung im Fahrzeug möglich 
gewesen und es ist nicht auszuschliessen, dass I.________ seine Aufgabe nicht 
wahrnehmen konnte, weil er – wie vorerst diagnostiziert – von einem Bruch ausge-
gangen ist, der nicht erstellt ist und ziemlich sicher auch nicht vorlag.

Der Sachverhalt gemäss Strafbefehl vom 2. Juli 2021 ist somit aufgrund diverser 
unüberwindlicher Zweifel nicht rechtsgenüglich erstellt, weshalb der Beschuldigte 
freizusprechen ist.

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III. Kosten und Entschädigung

12. Verfahrenskosten

12.1 Erstinstanzliches Verfahren

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 
auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 
StPO). Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Bei einem Freispruch trägt grundsätzlich der Kanton Bern 
die Verfahrenskosten (Art. 423 Abs. 1 StPO).

Da der Beschuldigte freizusprechen ist, sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
von CHF 3'766.50 vom Kanton Bern zu tragen.

12.2 Oberinstanzliches Verfahren

Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO sind die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach 
Massgabe des Obsiegens und Unterliegens zu verlegen, wobei sich dieses nach 
den Anträgen bestimmt.

Der Beschuldigte wird oberinstanzlich antragsgemäss vollumfänglich vom Vorwurf 
der Tierquälerei freigesprochen und hat demnach obsiegt. Die Kosten des oberin-
stanzlichen Verfahrens werden bestimmt auf CHF 3'500.00 (Art. 24 Abs. 1 Bst. a 
VKD) und dem Kanton Bern zur Bezahlung auferlegt.

13. Entschädigung

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfolgen. Bei Auferlegung der 
Kosten ist grundsätzlich keine Entschädigung auszurichten. Umgekehrt hat die be-
schuldigte Person Anspruch auf Entschädigung, soweit die Kosten von der Staats-
kasse übernommen werden (BGE 137 IV 352 E. 2.4.2; Urteile des Bundesgerichts 
6B_877/2016 vom 13. Januar 2017 E. 5.4 und 6B_1247/2015 vom 15. April 2016 
E. 1.3 mit Hinweisen).

Die Kostennote von Fürsprecher B.________ vom 30. August 2022 (pag. 338 ff.) – 
mit einem Gesamthonorar von CHF 8'381.15 – für die Verteidigung im erstinstanz-
lichen Verfahren gibt zu keinen Beanstandungen Anlass. Dasselbe gilt für den 
Aufwand, den Fürsprecher B.________ anlässlich der Berufungsverhandlung für 
die Verteidigung im oberinstanzlichen Verfahren auf pauschal CHF 4'000.00 (inkl. 
Auslagen und MwSt.) bezifferte (pag. 463).

Die Entschädigung für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte des Be-
schuldigten wird für das erstinstanzliche Verfahren demnach auf CHF 8'381.15 (in-
kl. Auslagen und MwSt.) und für das oberinstanzliche Verfahren auf CHF 4'000.00 
(inkl. Auslagen und MwSt.) bestimmt.

IV. Verfügungen

Für die Verfügungen wird auf das nachfolgende Dispositiv verwiesen.

13

V. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird freigesprochen von der Anschuldigung der Tierquälerei, angeblich 
begangen am 9. Mai 2020 in C.________,

unter Auferlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 3'766.50 sowie der 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 3'500.00 an den Kanton Bern und

unter Ausrichtung einer Entschädigung für die angemessene Ausübung seiner Verfahrens-
rechte von CHF 8'381.15 (inkl. Auslagen und MwSt.) im erstinstanzlichen Verfahren und 
CHF 4'000.00 (inkl. Auslagen und MwSt.) im oberinstanzlichen Verfahren.

II.

Weiter wird verfügt:

1. Mündlich eröffnet und begründet:
- dem Beschuldigten, v.d. Fürsprecher B.________

Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten, v.d. Fürsprecher B.________
- der Generalstaatsanwaltschaft
- dem Amt für Veterinärwesen

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (Urteilsdispositiv; 

innert 10 Tagen)
- der Koordinationsstelle Strafregister (Urteil mit Begründung; nach unbenutztem Ab-

lauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

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Bern, 5. Dezember 2023
(Ausfertigung: 13. März 2024)

Im Namen der 2. Strafkammer

Der Präsident i.V.:

Oberrichter Horisberger

Die Gerichtsschreiberin:

Windler

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.