# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b72a9a3-084c-5696-92f1-1dc3752344b2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-21
**Language:** de
**Title:** Festhalten an Beschwerde nach Androhung einer unechten reformatio in peius; Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen, namentlich in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit (auch für den Zeitraum der befristeten Rentenzusprache).
**Docket/Reference:** IV.2022.00588
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00588.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00588
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Würsch
Urteil
vom
21. September 2023
in Sache
n
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Dr.
iur
. Ruedi Portmann
Rechtsanwalt und Notar
Zürichstrasse
9, Postfach 72, 6000 Luzern 6
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1977,
ist Mutter von drei Kindern (Jahrgänge 2002, 2004 und 2011)
und hat keine berufliche Ausbildung absolviert (
Urk.
6/3, 6/30).
Unter Hinweis auf Schmerzen am Arm
meldete sie sich am 2
5.
April 2013 erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen, wobei sie insbesondere beim
Y.___
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag gab (
Y.___
-Gutachten vom 2
2.
Mai 2014,
Urk.
6/46).
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2014 wies sie das Leistungsbegehren ab (
Urk.
6/52)
.
D
ieser Entscheid
erwuchs
unange
fochten in Rechtskraft.
1.2
Vom
1.
Januar 2017 bis 1
8.
November 2018 war die Versicherte
bei der
Z.___
GmbH,
A.___
, als Verkäuferin in einem Teilzeit
pensum angestellt (Urk. 6/58/68, 6/73).
Zusätzlich war sie
ebenfalls in einem Teilzeitpensum
vom 1
4.
Juni 2017 bis 2
8.
Februar 2019 für die
B.___
als Unterhaltsreinigerin tätig (
Urk.
6/58/58, 6/71).
Am 1.
Januar 2018 zog sie sich eine
Bimalleolarfraktur
mit Volkmann-Beteiligung am linken oberen Sprunggelenk
(OSG)
zu, als sie einen Abhang hinunterstürzte. Diese wurde am
6.
Januar
und 2
1.
Juni
2018 im Kantonsspital
C.___
operativ ver
sorgt (
Urk.
6/58/147-148,
6/58/181-186
und
6/58/243
).
Die Suva erbrachte als zuständiger Unfallversicherer die gesetzlichen Leistungen (vgl. Urk.
6/58/5, 6/58/235).
Am
6.
Februar 2019 (Eingangsdatum; vgl.
Urk.
6/56/1) meldete sich die Versi
cherte unter Hinweis auf die
erlittene
Fussverletzung erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/53).
Die IV-Stelle holte unter anderem
die Akten der Suva (
Urk.
6/58) sowie Arbeitgeberberichte ein (Urk. 6/71, 6/73).
Am 2
6.
März 2019 orientierte sie die Versicherte da
rüber
, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und
der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
6/61).
Am 1
3.
Mai 2019 und 1
1.
Oktober 2021 unterzog sich die Ver
sicherte jeweils einem weiteren operativen Eingriff am linken Fuss (
Urk.
6/78/183-188, 6/91/10-14).
Die IV-Stelle zog weitere Akten der Suva bei (
Urk.
6/78, 6/84 und 6/91),
holte Berichte der behandelnden Ärzte der Universitäts
klinik
D.___
ein (
Urk.
6/92/7-10, 6/93/7-9) und gelangte wiederholt
an den
r
egionalen
ä
rztlichen Dienst (RAD; Stellungnahmen vom
4.
September 2021, 2
5.
Februar 2022 und
4.
April 2022 [
Urk.
6/95/6-11]).
Zudem veranlasste sie eine Haushaltsabklärung (Bericht vom
4.
November 2021,
Urk.
6/90).
Mit Vor
bescheid vom
8.
Juni 2022 stellte
sie
der Versicherten die Zusprechung einer hal
ben Invalidenrente für den befristeten Zeitraum vom
1.
August 2019 bis 30.
April
2020 in Aussicht (
Urk.
6/98). Am
5.
Oktober 2022 verfügte sie im angekündigten Sinne (
Urk.
2 =
Urk.
6/104 und 6/108).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
7.
November 2022 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Beschwerde
gegnerin
sei zu verpflichten, ihr die gesetzlich zustehenden Versicherungs
leistungen
auszurichten
. Eventualiter sei zuvor ein gerichtliches Gutachten zur Frage der Arbeitsfähigkeit einzuholen beziehungsweise
sei die Sache
«zur Ergänzung des Verfahrens» und
zur Neubeurteilung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Dezember 2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 13.
Dezember 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Mit Beschluss des hiesigen Gerichts vom 2. Mai 2023 wurde die Beschwerdeführerin auf eine mögliche Schlechterstellung im Urteilsfall hingewiesen (
reformatio
in
peius
;
Urk.
8), worauf sie mit Eingabe vom 3
1.
Mai 2023 mitteilte, an ihrer Beschwerde festzuhalten. Am 2
1.
August 2023 führte das Sozialversicherungsgericht eine Instruktions
verhandlung durch
, anlässlich derer
der Beschwerdeführerin eine Frist bis zum
4.
September 2023 angesetzt
wurde
, um dem Gericht mitzuteilen, ob sie die Beschwerde zurückziehe oder daran festhalte (vgl. Prot. S.
4
).
Mit Eingabe vom
4.
September 2023
orientierte die Beschwerdeführerin das Gericht darüber, dass sie das Verfahren fortführen wolle (
Urk.
15).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Damit wurde der Beschwerdeführerin
für den befristeten Zeitraum vom
1.
August 2019 bis 30. April 2020
eine halbe Invalidenrente zugesprochen. Sowohl der Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs als auch derjenige der für die Rentenaufhebung massgebende
n
Änderung liegen somit vor dem
1.
Januar 202
2.
Folglich sind die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden (vgl. auch
Rz
. 9100-9102 des
Kreisschreiben
s
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], Stand
:
1.
Juli 202
3
).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streitgegen
ständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Ver
fügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesgerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1.5
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
5.
Oktober 2022 im Wesentlichen,
die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerde
führerin
seit
1.
Januar 2018 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Bei guter Gesundheit wäre sie in einem 44%-Pensum erwerbstätig; die restlichen 56
%
ent
fielen in den Bereich Haushalt.
Bei Ablauf des gesetzlichen Wartejahres sei ihr aus gesundheitlichen Gründen keine Erwerbstätigkeit möglich gewesen.
Die Haushaltabklärung habe eine Einschränkung von 26.2
%
für den Bereich Haushalt
führung/Betreuung von Kindern ergeben. Bei einem Gesamtinvaliditäts
grad von gerundet 59
%
bestehe ab dem
1.
August 2019
sechs Monate nach Eingang der Anmeldung
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (
Urk.
2
S. 4 f.).
Im weiteren Verlauf habe sich der Gesundheitszustand verbessert
. Zwar seien der Beschwerdeführerin die bisherigen Tätigkeiten im Verkauf und in der Reinigung weiterhin nicht möglich. Spätestens seit dem
7.
Januar 2020 sei sie jedoch für optimal behinderungsangepasste Tätigkeiten wieder voll arbeitsfähig.
Während für den Erwerbsbereich keine Einschränkung mehr resultiere, belaufe sich
diese
für den Hauhaltbereich weiterhin auf 26.2
%
.
Bei einem Gesamtinvaliditätsgrad von 15
%
bestehe ab
1.
Mai 2020
drei Monate nach Eintritt der Verbesse
rung
kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 S. 5). Nach der Ope
ration vom 1
1.
Oktober 2021 sei die Beschwerdeführerin vorübergehend noch
mals
während
kurze
r
Zeit für alle Tätigkeiten eingeschränkt gewesen.
Nach zwölf Wochen seien ihr behinderungsangepasste Tätigkeiten allerdings wieder zu 100
%
zumutbar gewesen, weshalb die vorübergehende Verschlechterung der gesundheitlichen Situation nicht berücksichtigt werden könne (
Urk.
2 S. 6).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 7. November 2022 zusammengefasst geltend,
auf die RAD-Beurteilung könne nicht abgestellt werden.
Diese sei einerseits ausschliesslich anhand der Akten und ohne persönliche Untersuchung erfolgt; andererseits sei das Belastungsprofil widersprüchlich definiert worden. Grosszügig übersehen habe der RAD überdies die Anamnese der Universitätsklinik
D.___
, aus welcher hervorgehe, dass Dauer
schmerzen am linken Fuss vorhanden seien.
Der erhebliche Ruheschmerz vermöge sowohl das Wohlbefinden als auch die Konzentrationsfähigkeit stark zu beeinträchtigen. Sie könne ihre Arbeit lediglich im Sitzen verrichten und sei dabei
aufgrund der starken Dauerschmerzen
zusätzlich
stark beeinträchtigt. Es sei nicht nachvollziehbar, wie der RAD angesichts dieser Tatsachen eine vollständige Arbeitsfähigkeit für
gegeben
erachte.
Da
jener
zwangsläufig auf der Seite der Beschwerdegegnerin stehe und deshalb die Sache nicht neutral beurteilen könne, werde zur Bestimmung des effektiven Grades der Arbeitsfähigkeit die Erstellung eines Gerichtsgutachtens beantragt, welches mindestens die beiden Disziplinen Orthopädie und Rheumatologie umfassen sollte (
Urk.
1 S. 3-5).
3.
3.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts I
659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1).
Bei einer Neuanmeldung der versicherten Person bei der IV-Stelle sind die Revisionsregeln demnach analog anwendbar (BGE 141 V 585 E. 5.3 in
fine
, 133 V 108 E. 5.2, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2022 vom 7. September 2022 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.2
Mit Verfügung vom
1
4.
Oktober 2014 beurteilte die Beschwerdegegnerin den
Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin letztmals materiell (
Urk.
6/52).
Dieser rechtskräftige Entscheid bildet damit den zeitlichen Ausgangspunkt für die Beur
teilung, ob sich
die tatsächlichen Verhältnisse seither in einem für den Renten
anspruch erheblichen Mass verändert haben (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_556/2021
vom 3. Januar 2022 E. 2.1 mit Hinweis). In medizinischer Hinsicht diente damals hauptsächlich das polydisziplinäre
Y.___
-Gutachten vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
6/46)
als Grundlage
.
Die Gutachter stellten keine Diagnose mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/46/40), wes
halb die IV-Stelle davon ausging, dass kein invalidenversicherungsrechtlich rele
vanter Gesundheitsschaden vorliege und dementsprechend kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung besteh
e.
3.3
3.3.1
Nach erneuter Anmeldung zum Leistungsbezug
am
6.
Februar 2019 (
Urk.
6/53, 6/56) zog die Beschwerdegegnerin die Akten der Suva bei. Diesen ist zu entneh
men, dass die Beschwerdeführerin
am
1.
Januar 2018
einen Abhang hinunter
fiel
und sich dabei eine
Bimalleolarfraktur
mit Volkmann-Beteiligung am linken
OSG
zuzog (
Urk.
6/58/185, 6/58/243). Gemäss Austrittsbericht des
C.___
vom 1
0.
Januar 2018
habe
sich nach
der
operative
n
Versorgung
vom
6.
Januar 2018
ein komplikationsloser Verlauf gezeigt (Urk. 6/58/181).
Rund fünf Monate post
operativ habe sich d
ie Fraktur gemäss Verlaufsbericht vom 1
2.
Juni 2018 zwar radiologisch konsolidiert gezeigt; allerdings hätten
Schmerzen persistiert und der Belastungsaufbau sei unmöglich gewesen (
Urk.
6/58/152
f.
).
Daraufhin sei laut Operationsbericht vom 2
2.
Juni 2018 störendes Osteosynthesematerial am Sprunggelenk entfernt worden (Urk. 6/58/147 f.).
3.3.2
Am
4.
September 2018 wurde die Beschwerdeführerin erstmals kreisärztlich untersucht.
Med.
pract
.
E.___
, Fachärztin für Chirurgie,
hielt
im diesbe
züglichen Bericht insbesondere fest, die Beschwerdeführerin habe über eine Schmerzprogredienz unter vermehrter Belastung sowie eine Schwellneigung
g
eklagt. Die Stockbenutzung sei weiterhin notwendig.
Objektiv
habe
sich eine mässiggradige Schwellneigung des linken
OSG
gezeigt. Bei kaum untersuchbarem OSG habe eine diffuse
Druckdolenz
bestanden
. Nicht ganz nachvollziehbare
und diffuse
Schmerzangaben seien
in Bezug auf
den
Malleolus
lateralis
/
medialis
sowie die
ligamentären
Strukturen erfolgt.
Gesamthaft
bestünden sicherlich Rest
beschwerden und eine Schwellneigung. Die beklagten Beschwerden würden jedoch das Mass übersteigen, das anhand der objektivierbaren Befunde zu erwar
ten wäre. Es
sei
von der Diagnose
eines gemischt neuropathisch-nozizeptiven Schmerzsyndroms auszugehen; ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) könne demgegenüber heute nicht verifiziert werden, da die Budapest-Kriterien klar nicht erfüllt seien. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
wäre eine stationäre Rehabilitation empfehlenswert
,
namentlich auch zur Entwöhnung von den Stöcken
.
Diesem Vorschlag stehe die Beschwerdeführerin allerdings insbe
sondere wegen der Kinderbetreuung eher ablehnend gegenüber. Unbedingt weiter trainiert werden müsse die Beweglichkeit
.
A
ktuell sei eine Spitzfusshaltung und -stellung ohne Fersenbelastung erkennbar, die durch das lange Schonverhalten der Beschwerdeführerin zu erklären sei. Derzeit müsse überwiegend wahrschein
lich davon ausgegangen werden, dass von einer weiteren Behandlung noch eine namhafte Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes erwartet und somit auch eine Arbeitsfähigkeit als Reinigungskraft beziehungsweise ste
hend/gehend im Tankstellenshop wieder erreicht werden könne (
Urk.
6/58/108).
3.3.3
Aufgrund anhaltender Beschwerden befand sich die Beschwerdeführerin
weiter
hin im
C.___
in Behandlung, wobei
am
9.
Oktober 2018 eine Kortison-Infiltration am linken OSG erfolgte (
Urk.
6/58/76)
. Gemäss Bericht vom 5. November 2018 sei eine Besserung jedoch ausgeblieben, weshalb nicht von einer intraartikulären Pathologie ausgegangen werde. Anamnestisch und klinisch seien vielmehr Zei
chen eines neuropathischen Schmerzsyndroms aufgefallen (
Urk.
6/58/71 f.).
Im weiteren Verlauf wurde dringend eine stationäre Rehabilitation zur Optimierung
der Schmerzeinstellung empfohlen. Darüber hinaus wurde ein angepasstes Schuhwerk
verordnet
(
Urk.
6/58/40,
6/58/50).
Gemäss Verlaufsbericht des
C.___
vom
9.
März 2019
habe die Beschwerdeführerin das angepasste Schuhwerk getragen,
sei jedoch
auch mit diesem vollständig über dem
Vorfuss
gelaufen
und
habe
die Ferse nicht ab
gesetzt
. Die stationäre Rehabilitation sei
wahrscheinlich
wegen
der noch kleinen Tochter
nicht
durchgeführt worden (
Urk.
6/78/218).
Am 1
3.
Mai 2019 wurde die Beschwerdeführerin ein weiteres Mal im
C.___
operiert
(vgl.
Urk.
6/78/183-187).
Sechs Monate postoperativ
habe sich laut Bericht des
C.___
vom 2
6.
November 2019 ein protrahierter Heilungsverlauf mit persistieren
den Schmerzen im Bereich des linken OSG ohne Besserung unter einer CRPS-Therapie gezeigt. Die Beschwerden seien am ehesten im Rahmen eines persistie
renden
multilokulären
Schmerzsyndroms zu erklären
, wobei präoperativ bereits die gleiche Symptomatik bestanden habe (
Urk.
6/78/126 f.).
3.3.4
Am
7.
Januar 2020 wurde die Beschwerdeführerin erneut durch med.
pract
.
E.___
kreisärztlich untersucht.
Inspektorisch
habe die untere Extremität insbesondere betreffend Muskelvolumina und Kolorit symmetrisch imponiert. Die Narbensitu
ation im Bereich des linken OSG sei unauffällig, etwas livid, aber gesamthaft reizlos gewesen. Eine relevante Schwellung am linken OSG habe sich am Nach
mittag der Untersuchung nicht feststellen lassen; die Venenzeichnung im Bereich des Fussrückens sei symmetrisch gut zu erkennen gewesen. Die Sensibilität der linken unteren Extremität sei im Wesentlichen unauffällig gewesen, mit Aus
nahme des Versorgungsareals des
Nervus
peroneus
superficialis
, wo eine diskrete Hyposensibilität vorgelegen habe.
Die Füsse seien beidseits normotherm gewesen.
Die Fussflächen hätten sich beidseits trocken ohne Hinweis auf Hyperhidrose prä
sentiert. Die plantare
Beschwielung
sei beidseits kräftig ausgeprägt gewesen, rechts jedoch stärker. Insbesondere im Vorfussbereich links habe sich gar nicht so eine erhebliche
Beschwielung
finden lassen, wie eigentlich zu erwarten wäre. Auffallend sei gewesen, dass sich auch im Rückfussbereich links durchaus eine gewisse
Beschwielung
eher innenseitig gezeigt habe.
Eher spangenförmig vom anterioren Gelenkspalt ziehend hätten sich diffuse schmerzhafte Triggerpunkte finden lassen. Ferner hätten schmerzhafte Triggerpunkte im Bereich der Unterschenkel
muskulatur bestanden, während der Ansatzbereich der Achilles
sehne kaum schmerzhaft gewesen sei (
Urk.
6/78/108).
R
ückblickend auf die letzten zwei Jahre seit dem Unfallereignis habe keine der durchgeführten Interventionen jemals eine dauerhafte oder namhafte Besserung der Beschwerdeproblematik erbracht
. Die Beschwerdeführerin
präsentiere
ein vorfuss
belastendes Gangbild mit einer Spitzfussproblematik und zeige sich auf zwei Gehstöcke angewiesen.
Überwiegend wahrscheinlich sei nicht mehr davon
auszugehen, dass noch eine namhafte Besserung eintreten werde. Die ste
hend/gehend ausgeübte
n
angestammte
n
Tätigkeit
en
im Tankstellenshop und als Putzfrau sei
en
der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Eine wechselbelas
tende Tätigkeit mit überwiegend sitzendem Anteil sei ihr jedoch theoretisch
in voller Präsenz
zumutbar (
Urk.
6/78/109 f.).
3.3.5
Nach Zuweisung durch die Suva zwecks Einholung einer Zweitmeinung
wurde
die Beschwerdeführerin
ab Juli 2020
in der Universitätsklinik
D.___
untersucht und
behandel
t (vgl.
Urk.
6/78/70).
Insbesondere wurde am 25. August 2020 eine neurologische und neurophysiologische Untersuchung durchgeführt, wobei
sich gemäss
Bericht vom darauffolgenden Tag
zusammengefasst bei anhaltendem, chronisch gemischt neuropathischem nozizeptivem Schmerzsyndrom des oberen OSG links eine belegbare neurogene Ursache mit axonalen Schädigungszeichen von mässiger Ausprägung des
Nervus
peroneus
sowie geringerer Ausprägung des
Nervus
tibialis
gezeigt habe.
Empfehlenswert sei namentlich die Wiederaufnahme einer neuropathischen Schmerztherapie. Bei nun zweieinhalbjährigem Verlauf sei hinsichtlich der Nervenschädigung allerdings von einem Endzustand der leicht
gradigen Nervenläsion auszugehen, sodass keine weiteren Kontrollen mehr geplant seien
(
Urk.
6/78/4
3
f.
).
Im Rahmen weiterer Verlaufskontrollen habe sich das Beschwerdebild im Wesentlichen unverändert gezeigt (vgl. Urk. 6/78/11, 6/78/18 und 6/84/71).
3.3.6
In seiner RAD-Stellungnahme vom
4.
September 2021
ging
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, in diagnostischer Hinsicht im Wesentlichen von persistierenden, gemischt nozizeptiv-neuropathi
schen Schmerzen am linken OSG aus.
Der rein unfallbedingte Gesundheitsscha
den sei mittlerweile auf niedrigem Niveau weitgehend stabil.
Den
zuletzt ausge
übten Tätigkeiten (Verkäuferin in einem Tankstellenshop und Reinigungskraft)
werde überwiegend stehend und gehend nachgegangen. Diesbezüglich bestehe seit dem Unfalltag (
1.
Januar 2018) durchgehend und medizinisch-theoretisch auf Dauer keine Arbeitsfähigkeit mehr. Für eine leidensangepasste Tätigkeit sei erst
mals im kreisärztlichen Untersuchungsbericht vom
7.
Januar 2020 bei Beachtung eines entsprechenden Belastungsprofils (körperlich leicht, wechselbelastend, vor
wiegend sitzend) eine ganztägige Arbeitsfähigkeit für zumutbar erachtet worden. Diese Einschätzung sei dann auch anderthalb Jahre später in die Abschlussver
fügung der Suva übernommen worden. Aus versicherungsmedizinisch-orthopä
discher Sicht sei diese Beurteilung ohne Weiteres nachvollziehbar, was bedeute, dass für solche Tätigkeiten medizinisch-theoretisch retrospektiv seit Januar 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (
Urk.
6/95/6 f.).
3.3.7
Am 1
1.
Oktober 2021
wurde die Beschwerdeführerin
in der Universitätsklinik
D.___
erneut am linken Fuss
operiert
(ventrale OSG-Arthroskopie mit
Arthro
lyse
und
Entfernung
Tightrope
;
Urk.
6/91/10).
Gemäss Austrittsbericht vom
18. Oktober 2021 sei der
peri
- und postoperative Verlauf problemlos gewesen. Die Beschwerdeführerin sei in gutem Allgemeinzustand mit reizlosen Wundver
hältnissen entlassen worden (
Urk.
6/91/14).
Auf Nachfrage der Beschwerde
gegnerin teilten die behandelnden Ärzte mit Bericht vom
7.
Februar 2022 mit,
e
s zeige sich nun anhaltend
eine Schmerzpersistenz. Aus fusschirurgischer Sicht sei nicht davon auszugehen, dass mit einer erneuten Operation mit neuerlicher Sta
bilisierung eine ausreichende Schmerzlinderung erzielt werden könne. Eine neu
rologische Abklärung vom 1
1.
Januar 2022 habe ein neuropathisches Schmerzsyndrom gezeigt, welches zum aktuellen Zeitpunkt nicht adäquat thera
piert sei.
V
om 1
1.
Oktober bis
7.
November 2021
sei
eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit attestiert worden.
Prognostisch könne die Arbeitsfähigkeit nicht abge
schätzt werden. Bei gemischt neuropathischem und nozizeptivem Schmerzsyndrom sei jedoch von einem längeren Ausfall auszugehen. Für sitzende Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin arbeitsfähig
(
Urk.
6/92/8 f.).
Einem weite
ren Bericht
der Universitätsklinik
D.___
vom 2. März 2022 ist ferner zu entneh
men, dass die Beschwerdeführerin weiterhin
von
invalidisierende
n
Dauerschmer
zen
im linken Fuss berichtet habe. Diese träten vor allem bei Bewegung und Belastung sowie während der Nacht auf. Die aktuellen Schmerzen beliefen sich auf der Visuellen Analogskala (VAS) auf 5/10 (Ruheschmerz) bis 10/10 (unter Belastung
;
Urk.
6/93/8). In der Gesamtschau bestünden keine Anhaltspunkte für ein florides CRPS am linken Fuss. Die Beschwerden seien im Rahmen eines nozi
zeptiv neuropathischen Schmerzsyndroms zu interpretieren
(
Urk.
6/93/9).
3.3.8
Nachdem ihm die Berichte der Universitätsklinik
D.___
vorgelegt worden waren, bezog
der RAD-Arzt
Dr.
F.___
am
2
5.
Februar und
4.
April 2022
erneut Stellung zur Sache.
Dabei bestätigte er grundsätzlich seine Beurteilung vom 4.
September 2021, namentlich
hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit.
Für die bisheri
gen Tätigkeiten bestehe unverändert eine
dauerhaft
vollständige Arbeitsunfähig
keit. Leidensangepasste Tätigkeiten seien seit Januar 2020 bis auf Weiteres zu 100
%
zumutbar. Davon ausgenommen sei die postoperative Phase von medizi
nisch-theoretisch maximal drei Monaten nach dem letzten Eingriff
vom 1
1.
Oktober 202
1.
Überwiegend wahrscheinlich habe auch in einer optimal ange
passten, rein sitzenden Tätigkeit anfangs für etwa sechs Wochen gar keine und danach für nochmals sechs Wochen nur eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit (50
%
) bestanden. Seit 1
1.
Januar 2022 sei aber medizinisch-theoretisch überwie
gend wahrscheinlich
wieder
eine körperlich leichte, rein sitzende Tätigkeit ohne
Notwendigkeit häufigen Treppensteigens oder Gehens auf unebenem Untergrund zeitlich uneingeschränkt möglich (
Urk.
6/95/8-11).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Ver
fügung für den befristeten Zeitraum vom
1. August 2019 bis 30. April 2020
eine
halbe
Invalidenrente
auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 59
%
zuge
sprochen.
Dabei ging sie davon aus, dass
der Beschwerdeführerin
nach Ablauf des gesetzlichen Wartejahres aus gesundheitlichen Gründen keine Erwerbstätig
keit zumutbar gewesen sei.
Nach einer Verbesserung des Gesundheitszustandes im weiteren Verlauf sei sie jedoch spätestens ab
7.
Januar 2020 für körperlich leichte, wechselbelastende und vorwiegend sitzende Tätigkeiten wieder
voll arbeitsfähig gewesen
(
Urk.
2 S. 4 f.).
4.2
Zunächst ist nochmals zu betonen, dass unbestrittene Bezugszeiten
nicht
von der gerichtlichen Beurteilung auszuklammern sind (vgl. vorstehende E. 1.4). Ferner
ist daran zu erinnern, dass angesichts der massgeblichen Art. 7 und 16 ATSG für die Bestimmung des Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich nicht allein auf die ärztlich eingeschätzte vollständige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf abgestellt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_73/2015 vom 15. April 2015 E. 3.3).
4.3
Die Parteien gehen
implizit
davon aus, dass der Beschwerdeführerin die
überwie
gend stehend/gehend ausgeübten
angestammten Tätigkeiten als Verkäuferin
in einem Tankstellenshop
und Unterhaltsreinigerin
seit dem Unfall vom
1.
Januar 2018 dauerhaft nicht mehr zumutbar sind
.
Dies leuchtet angesichts der
anhalten
den Schmerzpersistenz am linken Fuss
ein und wurde insbesondere von der Kreis
ärztin
med.
pract
.
E.___
und
vom RAD-Arzt Dr.
F.___
übereinstimmend
konstatiert (
Urk.
6/78/110, 6/9
5/7 und 6/95/9 f.).
A
ufgrund der medizinischen Aktenlage
ist
allerdings fraglich, wie es sich mit de
m Verlauf der
Arbeitsfähigkeit in einer lei
densadaptierten Tätigkeit verhält
, wobei dies
namentlich
den Zeitraum betrifft, für welchen der Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente zugesprochen wurde.
So
äusserte sich
die Kreisärztin bereits am 7.
Januar 2019 dahingehend, dass von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegan
gen werden könne (Urk. 6/58/47).
Eine Begründung
für diese Einschätzung ent
hält die Stellungnahme jedoch nicht.
Nach persönlicher Untersuchung der Beschwerdeführerin gelangte
med.
pract
.
E.___
sodann
am
8.
Januar 2020
zum Schluss, dass wechselbelastende leichte Tätigkeiten mit überwiegend sitzendem Anteil theoretisch
in voller Präsenz
zumutbar seien
. Zum
retrospektiven
Verlauf dieser Arbeitsfähigkeit wurde sie allerdings nicht befragt und
gab dementspre
chend auch keine Einschätzung hierzu ab (
Urk.
6/78/110).
Der kreisärztlichen Beurteilung ist jedoch zu entnehmen, dass rückblickend auf die letzten zwei Jahre seit dem Unfallereignis keine der durchgeführten Interventionen jemals zu einer dauerhaften oder namhaften Besserung der Beschwerdeproblematik geführt
hat
. Weder analgetisch noch mit Lyrica, Infiltration, Kortison, Lokalanästhetika der
mal oder durch diverse Therapie- und Therapeutenansätze habe sich eine Besse
rung erzielen lassen (
Urk.
6/78/109).
Dies steht im Widerspruch
zur Feststellung in der angefochtenen Verfügung, wonach sich der Gesundheitszustand bis Januar 2020 gebessert habe (
Urk.
2 S. 5)
und
stellt zumindest ein Indiz
dafür dar
, dass bereits zuvor
eine
(teilweise)
Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit bestanden haben könn
t
e.
Gestützt auf die
aktuelle
medizinische Aktenlage lässt sich dies aber mit dem
im Sozialversicherungsrecht massgebenden
Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit
weder
bestätigen noch
widerlegen
, da in diesem Zusammenhang auch die RAD-Stellungnahmen
(Urk. 6/95/6-11)
nicht aussage
kräftig sind.
Aus den zahlreichen Berichten der
behandelnden Arztpersonen
geht ebenfalls
wenn überhaupt
keine
hinreichend substantiierte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten hervor.
Demjenigen der Universitäts
klinik
D.___
vom
7.
Februar 2022 kann zwar entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin für sitzende Tätigkeiten arbeitsfähig sei (
Urk.
6/92/9)
; allerdings wurde
auch hier
nicht näher darauf eingegangen
,
wie es sich damit retrospektiv verhält.
5
.
Nach dem Gesagten
erweist sich der medizinische Sachverhalt als nicht rechts
genüglich abgeklärt, da sich insbesondere die Arbeitsfähigkeit in einer leidens
angepassten Tätigkeit und deren
Entwicklung
ab dem Zeitpunkt des frühestmög
lichen Rentenbeginns (
1.
August 2019)
und des Wartejahres
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit beurteilen lässt. Weitere medizinische Abklä
rungen sind daher in Nachachtung des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) unumgänglich, bevor über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin entschieden werden kann.
Es ist in erster Linie Aufgabe des Versicherungsträgers, von Amtes wegen die notwendigen Abklärungen vorzu
nehmen, um den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig festzustellen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_125/2023 vom 8. August 2023 E. 5.7 [zur Publi
kation vorgesehen] und 9C_8/2022 vom 6. März 2023 E. 5.3, je mit Hinweisen).
Mit Blick auf die Aktenlage fällt vorderhand die Einholung eines Gutachtens in den
Fachd
isziplinen Orthopädie und/oder Neurologie in Betracht.
Die Einord
nung, welche
Disziplinen
an
der
Begutachtung zu beteiligen sind, obliegt
aller
dings
grundsätzlich dem RAD und letztverantwortlich den beauftragten medizi
nischen Sachverständigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_150/2022 vom 7. November 2022 E. 10.2 und 8C_431/2021 vom 26. Januar 2022 E. 4.1 mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung vom
5.
Oktober 2022 (
Urk.
2)
ist
somit
aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen
eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den
gesamten
Leistungsanspruch erneut verfüge.
Zu bemerken bleibt in diesem Zusammenhang, dass nach dem Gesagten
der rückwirkende
Verlauf der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
gutachterlich zu beurteilen
sein wird
; es
erscheint
daher
nicht
als
gerechtfertigt, gestützt auf die aufliegenden versicherungsinternen Beurteilungen und
auf den
Bericht des behandelnden Arztes
- welche übereinstimmend eine vollständige Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit postulieren -
mit diesem Entscheid
abschliessen
d
darüber zu befinden
, wie es sich
mit dem Leistungsanspruch
ab dem
Zeitpunkt der Einstellung der Rente verhält.
Vielmehr drängt sich auf
, den Gutachtern die Frage über die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit bis zum Zeitpunkt der Begutachtung zu unterbreiten
, dies
verbunden mit der Frage, ob
und wann
im fraglichen Zeitraum revisionserhebliche gesundheitliche Verände
rungen
eingetreten
sind
, welche sich auf den Rentenanspruch auswirk
en können
(Urteil des Bundesgerichts 9C_26/2022 vom 3
0.
Mai 2022 E. 4.1).
6
.
6
.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
800.--
anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Als weitere Bemessungskriterien nen
nen die kantonalen Vorschriften das Mass des Obsiegens, den Zeitaufwand und die Barauslagen (§ 34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
sowie
§
7
der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht
[
GebV
SVGer
]
).
Mangels
Vorliegens einer Honorarnote ist die P
artei
entschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien
und
namentlich des
im Zusammenhang mit der
am 2
1.
August 2023
durchgeführten
Instruktionsverhandlung
entstandenen
A
ufwands
hat die Beschwerdegegnerin der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung von Fr. 2’700.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
5
.
Oktober
2022 aufge
hoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den
Leistungsa
nspruch der Beschwerde
führerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine P
artei
entschä
digung von Fr.
2
’
7
00.-- (inkl. Barauslagen und MWS
T
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Dr.
iur
. Ruedi Portmann
unter Beilage
einer Kopie des Protokolls der Instruktionsver
handlung vom 21. August 2023 (Prot. S.
4
)
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage
je einer Kopie
von
Urk.
15
und des Protokolls der Instruktionsverhandlung vom 21. August 2023 (Prot. S.
4
)
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrWürsch