# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f15f35b-1c7f-5530-b70b-7ac28e22f0df
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-01-12
**Language:** de
**Title:** Auf versicherungsinterne Beurteilung kann vorliegend nicht abgestellt werden. Voraussehbare Verschlimmerung im Sinne von Art. 36 Abs. 4 UVV ungenügend abgeklärt. Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung.
**Docket/Reference:** UV.2014.00263
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2014.00263.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2014.00263
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Käch als Einzelrichterin
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
12. Januar 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Martin
Keiser
Peyer Alder
Keiser
Lämmli
, Rechtsanwälte
Pestalozzistrasse 2, Postfach 1126, 8201 Schaffhausen
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1986, war seit dem
8.
Mai 2006 als Polymechaniker bei der
Y.___
AG,
Z.___
,
tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 2
0.
August 2011 als Motorradfahrer mit einem Bus kollidierte (Schadenmeldung vom 2
5.
August 201
1,
Urk.
9/1
). Mit der REGA wurde er zur Erstversorgung an das Spital
A.___
zugewiesen, wo ein Schädelhirntrauma Grad 1, eine Fraktur der Querfortsätze HWK 7 und BWK 1, Sensibilitätsstörungen der Finger II bis IV der rechten Hand, eine Distorsion des rechten Handgelenks, eine Kontusion der rechten Schulter und des Beckens festgestellt wurde (Austrittsbericht Spital
A.___
vom 2
9.
August 2011,
Urk.
9/17
, vgl. auch
Urk.
9/13
).
Am
7.
Oktober 2011 diagnostizierte
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für Handchirurgie und Orthopädische Chirurgie, eine
perilunäre
Luxationsfraktur
respektive
Capitatumluxationsfraktur
mit Luxation des distalen
Capitatuman
teils
und des
Hamatums
nach dorsal und LT- und SL-Bandläsionen rechts. Weiter wurde eine schwere Kontusion des
Ne
r
vus
medianus
im Karpaltunnel rechts diagnostiziert (vgl.
Urk.
9/18).
Am 1
1.
Oktober 2011 erfolgte eine Spaltung des
Retinakulum
flexorum
mit
Neu
ro
lyse
des
Nervus
medianus
rechts sowie eine
Arthrolyse
intermetacarpal
rechts mit offener Reposition/Osteotomie
Capitatum
, Reposition
Hamatum
und tem
p
oräre
r
Arthrodese
Triquetrum
/
Hamatum
sowie
Osteosynthese der
C
apitat
umfraktur
mit
Herbertschraube
(
Urk.
9/28).
Am
7.
Februar 2012 wurde nach
Osteosynthesematerialentfernung
eine zusätzliche
Arthrotomie
und
Arthrolyse
des dorsalen Handgelenks rechts durchgeführt (
Urk.
9/78). Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Am 21. November 2012 wurde der Versicherte
von
Dr.
med.
C.___
,
Fach
ärztin
für Neurochirurgie,
krei
särztlich untersucht (Urk. 9/130
).
Am 1
2.
März 2014 schätzte
die Kreisärztin
den Integritätsschaden
auf 5
%
e
ntsprechend einer leichten bis
mässigen
Handwurzel
knochen
arthrose (
Urk.
9/
173
).
Mit Verfügung vom 1
3.
März 2014 (Urk. 9/174) sp
rach die SUVA dem Ver
sicher
ten
bei einer
Integritätseinbusse
von 5 % eine Entschädigung von Fr. 6‘300.-- zu. Die dagegen am 1
0.
April und am 1
4.
August 2014 erhobene
n
Einsprache
n
des Versicherten (Urk. 9/178 und
Urk.
9/188) wies die SUVA mit
Einspracheentscheid
vom 13. Oktober 2014 (
Urk.
9/190 = Urk. 2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am 1
1.
November 2014 gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
3.
Oktober 2014 (
Urk.
2) Beschwerde und beantragte, ihm sei eine
Integ
ritätsentschädigung
von mindestens 10
%
zuzusprechen und es sei eine gericht
liche Begutachtung anzuordnen oder es sei die Sache zu weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Dezember 2014 beantragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7) und reichte eine
weitere
medizinische Beurteilung (
Urk.
8) ein. Mit Rep
lik vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
11) und mit Duplik vom
3.
Februar 2015 (
Urk.
14) hielten die Parteien an ihren gestellten Anträgen fest.
Am 1
8.
Februar 2015 wurde dem Beschwerdeführer die Duplik zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
15).
Die Einzelrichterin
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach Art. 24 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene
Integritätsent
schädi
gung
, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör
perlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Ent
schädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfä
higkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.3
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens. Diese beurteilt sich nach dem
medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der
Integritäts
schaden
für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen. Die Integritätsentschädigung der Unfallversicherung unterscheidet sich daher von der privatrechtlichen Genugtuung, mit welcher der immaterielle Nachteil indivi
duell unter Würdigung der besonderen Umstände bemessen wird. Es lassen sich im Gegensatz zur Bemessung der Genugtuungssumme im Zivilrecht (vgl. BGE 112 II 131 E. 2) ähnliche Unfallfolgen miteinander vergleichen und auf medizinischer Grundlage allgemein gültige Regeln zur Bemessung des
Integri
tätsschadens
aufstellen; spezielle Behinderungen der Betroffenen durch den Integritätsschaden bleiben dabei unberücksichtigt. Die Bemessung des
Integri
tätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalles ab; auch geht es bei ihr nicht um die Schätzung erlittener Unbill, sondern um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1, 113 V 218 E. 4b mit Hinweisen; RKUV 2001 Nr. U 445 S.
555 ff.).
Gemäss
Art.
36
Abs.
4 UVV werden voraussehbare Verschlimmerungen
des
Inte
gri
tätsschadens
angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Aus
nahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war.
1.4
Die Medizinische Abteilung SUVA hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog.
Fein
raster
) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala ange
gebene Prozentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, gestützt auf die schlüssige kreisärztliche Einschätzung von
Dr.
C.___
vom 1
2.
März 2014 sei von einer verbleibenden leichten Einschränkung der
Hand
gelenksbeweglichkeit
im Seitenvergleich auszugehen und die degenerativen Veränderungen im Bereich der Handwurzelknochen mit Betonung
des Os
luna
tum
und Os
capitatum
seien
mit 5
%
zu werten. Auch den übrigen ärztlichen Beurteilungen liessen sich keine schwer
eren Einschränkungen entnehmen
. Schliesslich fänden sich keine Hinweise, dass eine Verschlechterung mit über
wiegender Wahr
scheinlichkeit eintreten werde
(S. 3 f.
Ziff.
2).
Im Hinblick auf die allfällige Verschlechterung sei eine Integritätsentschädigung wie bei einer mässigen Arthrose ausgerichtet worden. Eine Verschlimmerung
über dieses Stadium hinaus sei aufgrund der Beurteilung von
Dr.
C.___
und
Dr.
B.___
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht anzunehmen
(
Urk.
14 S. 1)
.
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, die Beschwerdegegnerin habe das Ausmass der Funktionseinschränkungen an der rechten Hand und der sich abzeichnenden Arthrose-Entwicklung in einem Ausmass bagatellisiert, das durch den Ermessenssp
ielraum nicht mehr gedeckt sei
. So sei die Gebrauchshand nur noch sehr eingeschränkt beug- und drehbar. Allein die sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit abzeichnende Entwick
lung einer Arthrose lege es nahe, bei den in der Tabelle 5.2 genannten 5 bis 10
%
an die obere Grenze zu
gehen (S. 4
Ziff.
1-2). Es gehe
nicht an, die diffe
renzierten Feststellungen von Fachärzten zu ignorieren und auf die
versiche
rungsinterne
Beurteilung einer fachfremden Spezialistin abzustellen (S. 4 f.
Ziff.
3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Höhe der auszurichtenden
Integritätsentschädi
gung
.
3.
3.1
Dr.
B.___
stellte
in ihrem Bericht vom 2
7.
November 2013 (
Urk.
9/169)
folgende Diagnosen (S. 1)
-
Osteotomie und Osteosynthese und Rekonstruktion einer
perilunären
Luxa
tions
- respektive
Capitatumluxationsfraktur
rechts und Dekom
pression und
Neurolyse
des
Nervus
medianus
rechts bei schwerer post
traumatischer Schädigung vom 1
1.
Oktober 2011
-
Status nach
Herbertschraubenentfernung
Capitatum
rechts
,
7.
Februar 2012
Dr.
B.___
führte
aus, bei der Nachkontrolle vom 2
1.
November 2013 habe sich eine flüssige freie Langfinger- und Daumenbeweglichkeit gezeigt. Die Narbe in der
palma
manus
sei kaum mehr sichtbar. Die Handgelenks Fle
xion/Extension rechts sei 30/0/70°, die Pro-/
Supination
sei 90/0/90° und die
Ulnar
-/
Radialduktion
25/0/5° (S. 1).
D
as
Röntgen des rechten Handgelenks
dorso
-plantar
(
dp
)
seitlich und
dp
in Fle
xion und Extension zeige, dass der Mineralisationsgehalt zugenommen habe. Im
dp
Strahlengang erscheine das Gelenk zwischen
Lunatum
,
Scaphoid
und proxi
malen
Capitatumpol
gut erhalten. Die Fraktur könne nur noch erahnt werden. Im seitlichen Strahlengang bestehe eine deutliche Gelenkspaltverschmälerung zwischen
Lunatum
und
Capitatum
, je nach Projektion auch nicht sicher
abgrenzbar mit einem etwas entrundeten proximalen
Capitatumpol
und kleinen Ausziehungen dorsal am
Lunatum
und wahrscheinlich auch am
Triquetrum
. In den Funktionsaufnahmen zeige sich, dass die Flexions- und
Extensionsbewe
gung
vor allem in der ersten Gelenk
s
reihe stattfinde, während nur wenige Grade Beweglichkeit in der zweiten Gelenksreihe bestünden.
Dr.
B.___
führte aus, in Anbetracht der Schwere der Verletzung und der postprimären Versorgung derselben sei der Gesamtverlauf recht günstig und für den Beschwerdeführer habe sich das Leben nach dem schweren Unfall wei
t
ge
hend normalisiert. Einerseits aufgrund der leichten degenerativen Veränderun
gen im Bereich der intercarpalen Gelenksreihe, andererseits wegen des fragli
chen Nutzens nach dem Versuch einer
Arthrolyse
und drittens unter dem Aspekt, dass der Beschwerdeführer nicht für längere Zeit durch eine
Reopera
tion
erneut aus seinem Alltag heraus gerissen werden sollte, habe sie von einer
Arthrolyse
abgeraten. Die Behandlung sei heute abgeschlossen worden. Zu klä
ren bleibe die Frage der Integritätsentschädigung und der bleibenden Arbeits
unfähigkeit. Nach Abschluss der Weiterbildung sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 100%ig arbeitsfähig sein werde (S. 2).
3.
2
Am 1
2.
März 2014 nahm Kreisärztin
Dr.
C.___
eine Beurteilung des
Int
egritäts
schadens
vor (
Urk.
9/173
).
Dr.
C.___
führte aus, es sei eine leichte Einschrän
kung der Handgelenksbeweglichkeit im Seitenvergleich verblieben. Das vorliegende Röntgenbild vom 2
1.
November 2013 zeige leichte bis mässige dege
nerative Veränderungen der Handwurzelknochen mit vor allem
Gelenk
spalt
ver
schmälerung
zwischen Os
lunatum
und Os
capitatum
.
Sie schätze den Integritätsschaden auf 5
%
. So werde gemäss Feinrastertabelle 5 „Integritätsschaden bei Arthrosen“ eine mässige Handwurzelarthrose mi
t
5 bis 10
%
gewertet. Angesichts der degenerativen Veränderungen im Bereich der Handwurzelknochen mit Betonung des
Os
lunatum
und Os
capitatum
würden
die vorliegenden degenerativen Veränderungen mit 5
%
gewertet (S. 1
Ziff.
1-
3).
3.
3
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, führte in seinem Bericht vom 2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
9/193 =
Urk.
3/4) aus, bei der Kreisärztin der SUVA handle es sich um eine Fachärztin für Neurochirurgie. Es sei fraglich, ob sie mit der speziellen Anatomie der feinmotorischen Handbewegung ausge
bildet sei.
Dr.
C.___
habe den Patienten am 2
1.
November 2012 gesehen und schreibe von einer ei
ngeschränkten Beweglichkeit im S
peziellen der Beugung des rechten Handgelenkes. Ohne weitere Befunderhebungen habe sie sich auf die Untersuchung von
Dr.
B.___
abgestützt. Im letzten Untersuchungsbe
richt von
Dr.
B.___
mit den Ergebnissen der klinischen Untersuchung vom November 2013 werde immerhin noch von einer deutlich eingeschränkten Beu
gung des
Handgelenkes von nur 30° rechts bei normal fast 90°
Flexionsfähig
keit
gesprochen (S. 1).
Dr.
D.___
führte aus, im Röntgen werde von einer deutlichen Gelenkspalver
schmälerung zwischen
Lunatum
und
Capitatum
gesprochen, sowie einem etwas entrundeten proximalen
Capitatumpol
mit dorsalen Ausziehungen - im Sinne einer beginnenden Arthrose - am
Triquetrum
und am
Lunatum
. In den Funk
tionsaufnahmen zeige sich, dass die Flexion-Extension vor allem in der ersten Handwurzelreihe stattfinde und nur wenige Grade Beweglichkeit in der zweit
en Reihe stattfänden
. Dies sei für einen handchirurgisch ausgebildeten Mediziner die klassische Situation einer zu prognostizierenden Entwicklung einer Arthrose in den Handwurzelgelenken.
Dr.
D.___
führte aus, für ihn liege hier eine Prognose in den nächsten 10
Jahren vor. Die Entwicklung der Arthrose könne sicher mit einer über
wiegenden Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden. Er glaube auch nicht wie
Dr.
B.___
, dass es 40 Jahre brauchen werde, bis sich die Arthrose
entwi
ckeln werde. Er sei selbst
gutachterlich intensiv tätig und bei diversen Versi
cherungsgesellschaften in Folge seiner fairen Beurteilungen recht bekannt. Er selbst würd
e hier betreffen
d
die Tabelle 5.2
der Feinrasterbeantwortung der Handwurzel Arthrose
5-10
%
sicher die 10
%
einsetz
en, weil die Entwicklung voraussehbar sei. Der Beschwerdeführer könne seinen erlernten Beruf als
Poly
mechaniker
nicht mehr ausüben. Es gehe bei der Beurteilung einer
Integritäts
entschädigung
um Fairness.
Dr.
C.___
habe den Patienten nicht mehr gesehen und nur eine schriftliche Stel
lungnahme abgegeben. Eine erneute medizinische Beurteilung habe nicht mehr stattgefunden. Hier müsse man sich für den Patienten einsetzen und eine
Integri
tätsentschädigung
von 10
%
beantragt
werden mit der Durchführung eines spezifischen handchirurgischen Gutachtens
zu Lasten des
Unfallv
ersiche
rers
. Die medizinische Begründung sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben
,
und die Verschlechterung in naher Zukunft könne prognostiziert wer
den (S. 2).
3.
4
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Chirurgie, führte in ihrer zu
Handen
der Beschwerdegegnerin erstellten chirurgischen Beurteilung vom
2.
Dezember 2014 (
Urk.
8) aus,
die Bewegungseinschränkung im Handgelenk für die Beugung entspreche nicht der Wertung in Tabelle 1 UVG (Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den oberen Extremitäten). Die Hand sei nicht in Streckstellung und Pro-
Supination
steif oder in Beugung beziehungsweise Stre
ckung von 45°. Zu bemerken sei, dass die Bewegungen im Bereich des Handge
lenks vorwiegend (60
%
) im proximalen Handgelenk (zwischen Speiche/Elle und
den Handwurzelknochen
Scaphoid
,
Lunatum
,
Triquetrum
) erfolgten. In den übrigen Handwurzelgelenken fänden synergistische Flexions- und
Extensions
bewegungen
statt (S. 3 Mitte).
Dr.
E.___
führte aus, b
asierend auf den Untersuchungsbefunden der behandelnden Handchirurgin
Dr.
B.___
vom 2
1.
November 2013 (
Arzt
bericht
vom 2
7.
November 2013) und den vorliegenden Röntgenbildern des rechten Handgelenks in verschiedenen Ebenen vom 2
1.
November 2013
bestehe beim Versicherten nach
C
apitatum
-Luxationsfraktur vom 2
0.
August 2011 eine lokalisierte, beginnende bis allenfalls moderate Arthrose zwischen den beiden Handwurzelknochen
Lunatum
und
Capitatum
. Die Einschätzung des
Integri
tätsschadens
durch die Kreisärztin vom 1
2.
März 2013 sei mit 5
%
korrekt, da zwei Knochen moderat betroffen seien. Eine weitere Progredienz der Arthrose sei aus klinischer Sicht anzunehmen. Dabei handle es sich jedoch um eine Ver
mu
tung. Eine Aussage bezüglich des
Zeitrahmen
s
, in welchem die Arthrose weiter fortschreite, sei aus medizinischer Sicht nicht möglich und abhängig von verschiedenen Faktoren. Eine Arthrose-Progredienz zeige keine lineare Beziehung zu der jeweiligen Gelenkfunktion und implementiert nicht automa
tisch eine Verschlechterung der funktionellen Einschränkung (S. 4).
4.
4.1
Während die Beschwerdegegnerin entsprechend der kreisärztlichen Ein
schätzung von
Dr.
C.___
vom März 2014 (vorstehend E. 3.2)
und der Ein
schätz
u
ng von
Dr.
E.___
vom Dezember 2014 (vorstehend E. 3.4)
eine Integritätsentschädigung gestützt auf eine Integritätseinbusse von 5
%
festlegte, machte de
r Beschwerdeführer geltend, es
seien sowohl die vorhande
nen Bewegungseinschränkungen als auch die sich abzeichnende Arthrose nur ungenügend berücksichtigt worden und es sei ihm eine
Integritätsentschädi
gung
basierend auf einer Integritätseinbusse von mindestens 10
%
zuzuspre
chen. Insbesondere seien fachärztliche Einschätz
ungen einfach ignoriert worden
(vorstehend E. 2.1-2)
.
4.2
Zu betonen bleibt, dass Berichten versicherungsinterner medizinischer
Fach
perso
nen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zukommt, wie einem gericht
li
chen oder einem im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versicherungs
träger in Auftrag gegebenen Gutachten. Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswür
digung
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E.
4.4 S. 496 f. mit Hinweis auf BGE 122 V 157 E. 1d S. 162 f.)
4.3
Gemäss
Art.
36
Abs.
4 UVV sind voraussehbare Verschlimmerungen des
Integri
tätsschadens
angemessen zu berücksichtigen
(vorstehend E. 1.
3
)
. Eine voraus
sehbare Verschlimmerung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschädigung eine Verschlimmerung als wahrscheinlich prognosti
ziert und damit auch geschätzt werden kann. Die blosse Möglichkeit einer Ver
schlimmerung des Integritätsschadens genügt hingegen nicht (vgl. RKUV 1995 Nr. U 228 S. 192, U 23/93 E. 3a). Diese Prognose im Sinne einer fallbezogenen medizinischen Beurteilung über die voraussichtliche künftige Entwicklung der Gesundheitsbeeinträchtigung ist, genauso wie die Beurteilung der einzelnen Integritätsschäden an sich, eine Tatfrage, die ein Mediziner zu beurteilen hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_244/2012 vom 1
4.
Januar 2013, E. 4.2, Urteil 8C_32/2010 v
om
6.
September 2010 E. 2.6.2).
4.4
Dr.
C.___
äusserte sich in ihrer kreisärztlichen Beurteilung vom
März 2014
nicht zu einer allfälligen zukünf
tigen Progredienz der Arthrose.
Damit fehlt es bei ihrer Einschätzung an einer gemäss
Art.
36
Abs.
4 UVV notwendigen prognosti
schen Beurteilung einer eventuellen Verschlimmerung. Ihre Ausführungen
las
sen
Zweifel aufkommen, ob sich
Dr.
C.___
überhaupt bewusst gewesen war
, dass eine voraussehbare
Verschlimmerung des Integrität
sschadens angemessen
zu berücksichtigen gewesen wäre.
Eine solche Einschätzung wurde dann
nachträglich
erst im Rahmen der
Beschwer
deantwort
von
Dr.
E.___
im Dezember 2014
vorgenom
men.
Deren Angaben
zur Progredienz der Arthrose verm
ögen jedoch nicht zu genügen. So
handelt es sich
doch
bei jeder prognostischen
Einschätzung
ledig
lich
um eine Vermutung, was nicht bedeutet, dass keine Eins
chätzung vorge
nommen werden könnte
.
Die behandelnde Handspezialistin
Dr.
B.___
äusserte sich in ihrem Bericht vom November 2013 (vorstehend E. 3.1) nicht
zu
der prognostischen Entwick
lung der Arthrose
, was auch darauf zurückzuführen ist, dass sie nicht explizit dazu befragt wurde.
Dass
Dr.
B.___
- wie
Dr.
D.___
im Oktober 2014 (vorstehend E. 3.3) erwähnte - ausgeführt haben solle, es sei erst in 40 Jahren mit einer
Arthroseentwicklung
zu rechnen, lässt sich so den vorliegenden Akten nicht entnehmen.
A
uch auf den Bericht von
Dr.
D.___
kann
nicht abschl
iessend abgestellt wer
den. Zum einen
erscheint sein Bericht nicht gänzlich unbefangen (vgl. auch
Urk.
9/33
), zum anderen
ist seine Eins
chät
zung
zu wenig detailliert.
Hingegen kritisierte
Dr.
D.___
zu Recht
,
dass die Beschwerdegegnerin es bis
lang trotz der vorliegenden komplexen gesundheitlichen Situation unterlassen habe, eine
Einschätzung durch einen Handspezialis
ten vorzunehmen, welcher insbesondere mit den speziellen Bewegungsabläufen vertraut
gewesen
wäre.
4.5
Insgesamt bestehen damit Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, und es genügt keine der
vor
liegenden
ärztlichen Beurteilungen für sich allein, um zweifelsfrei auf sie abstellen zu können.
Der Sachverhalt erweist sich damit als u
ngenügend abgeklärt, weshalb der
ange
fochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese mittels ei
nes externen handchirurgischen Gutachtens die Höhe der
Integri
tätsentschädigung
unter Berücksichtigung allfälliger voraussehbarer zukünftiger Verschlimmerungen neu festsetze.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten (
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses wird diese auf
Fr.
2'0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgelegt.
Die Einzelrichterin erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass der angefoc
htene
Einsprache
ent
scheid
vom 1
3.
Oktober 2014
aufgehoben und die Sache an die S
UVA
zurück
gewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, neu verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozess
ent
schä
digung
von
Fr.
2‘000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Martin
Keiser
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die EinzelrichterinDie Gerichtsschreiberin
KächSchucan