# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ca92bdf0-caeb-53d2-b1a4-84828783f5a7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.03.2022 200 2021 777
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-777_2022-03-23.pdf

## Full Text

200 21 777 IV
JAP/ZID/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. März 2022

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichterin Mauerhofer
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 7. Oktober 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1967 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
zuletzt als ... (...) in einem Pensum von 60 % tätig, meldete sich im Januar 
2017 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungs-
bezug an (Akten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Ant-
wortbeilage [AB] 2, 5; vgl. auch AB 14, 91). Im Rahmen erwerblicher und 
medizinischer Abklärungen liess die IVB die Versicherte auf Empfehlung 
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; AB 43) und unter Aufforderung 
zur Mitwirkung (AB 63, 71, 74) interdisziplinär (rheumatologisch und psych-
iatrisch) begutachten (Expertisen der Dres. med. C.________, Facharzt für 
Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, und D.________, Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Juni 2018 [AB 76.1, 77.1]) 
und einen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb erstellen (Bericht vom 20. 
Juni 2018 [AB 98]). Gestützt darauf stellte sie mit Vorbescheid vom 
11. März 2019 bei in Anwendung der gemischten Methode (60 % Erwerbs-
tätigkeit und 40 % Haushalt) ermittelten Invaliditätsgraden von 2 % (ab Juli 
2017), 13 % (ab Januar 2018) und 25 % (ab April 2018) die Abweisung des 
Leistungsbegehrens in Aussicht (AB 99).

Auf Einwand hin (AB 101 f., 108, 110, 113, 118, 126) empfahl der RAD ein 
polydisziplinäres Gutachten (AB 127 f.). Gestützt auf die Expertise der 
MEDAS E.________ (MEDAS) vom 8. Februar 2021 (AB 212.1) sowie ei-
nen aktuellen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb vom 13. April 2021 
(AB 215; vgl. auch AB 214) stellte die IVB mit neuem Vorbescheid vom 
14. April 2021 bei in Anwendung der gemischten Methode (60 % Erwerbs-
tätigkeit und 40 % Haushalt) ermittelten Invaliditätsgraden von 0 % (ab Au-
gust 2017) und 10 % (ab April 2018) die Abweisung des Leistungsbegeh-
rens hinsichtlich einer Rente in Aussicht (AB 216). Auf Einwand der Versi-
cherten (AB 219, 221, 226 ff., 232; vgl. auch die als "Einwand" bezeichnete 
Eingabe der behandelnden Psychiaterin vom 6. Juni 2021 [AB 225]) und 
Stellungnahmen des RAD (AB 230 f.) hin verfügte die IVB am 7. Oktober 
2021 wie in Aussicht gestellt (AB 233).

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B.

Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. 
B.________, mit Eingabe vom 8. November 2021 Beschwerde erheben 
und "die Aufhebung der Verfügung und ein Gerichtsgutachten" beantragen. 
Zudem ersuchte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. November 
2021 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, welches Gesuch 
sie auf zweimalige Aufforderung des Instruktionsrichters hin mit Eingabe 
vom 27. Dezember 2021 präzisierte.

Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2021 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Mit Eingaben vom 27. Februar und 9. März 2022 legte die Beschwerdefüh-
rerin weitere Unterlagen ins Recht (Akten der Beschwerdeführerin, Be-
schwerdebeilage [BB] 11-14).

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 

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über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 7. Oktober 2021 
(AB 233). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf eine Invalidenrente und in diesem Zusammenhang insbesondere die 
Vollständigkeit der Sachverhaltsabklärung.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin zunächst eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs dahingehend geltend, dass ihr die Einsicht in 
den im Rahmen der Begutachtung durchgeführten Beschwerdenvalidie-
rungstest und das erhobene Persönlichkeitsinventar verweigert worden sei; 
dadurch werde ihr jegliche kritische Würdigung des Gutachtens verunmög-
licht (Beschwerde, S. 2; Eingabe vom 10. November 2021, S. 1).

2.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 
der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Das rechtliche Gehör dient einerseits 
der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mit-
wirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, 
die ihre Rechtsstellung betreffen. Als dessen Teilgehalt umfasst der An-
spruch auf rechtliches Gehör auch das Recht, Einsicht in sämtliche verfah-
rensbezogenen Akten zu nehmen, die geeignet sind, Grundlage eines 
späteren Entscheids zu bilden (BGE 143 V 71 E. 4.1 S. 72; SVR 2021 AHV 
Nr. 17 S. 53 E. 2.1). Aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich nach ständiger 
Rechtsprechung indessen kein Anspruch auf Einsicht in rein interne Akten, 

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die für die interne Meinungsbildung bestimmt sind und welchen kein Be-
weischarakter zukommt (BGE 129 V 472 E. 4.2.2 S. 478, 125 II 473 E. 4a f. 
S. 474, 115 V 297 E. 2g/aa S. 303). Dementsprechend besteht auch im 
Rahmen einer Begutachtung grundsätzlich kein Anspruch auf Einsicht in 
die der internen Meinungsbildung dienenden Notizen des Gutachters oder 
generell in das Gutachten vorbereitende Arbeitsunterlagen, wie Hilfsmittel 
für die Erstellung eines Gutachtens, etwa schriftliche Aufzeichnungen über 
Testergebnisse oder andere Befunde. Das Gericht kann indessen zum Bei-
zug solcher Dokumente verpflichtet sein, wenn dies im Einzelfall zur Über-
prüfung der Grundlagen und Schlussfolgerungen eines Gutachtens ange-
zeigt erscheint (zum Ganzen: SVR 2011 IV Nr. 47 S. 142; Entscheid des 
Bundesgerichts [BGer] vom 9. November 2017, 8C_466/2017 E. 4.1.2 
m.w.H.).

2.2 Nach dem Dargelegten besteht grundsätzlich kein Anspruch auf 
Einsicht in schriftliche Aufzeichnungen über Testergebnisse bzw. die Roh-
daten der durchgeführten Testbatterien (TOMM bzw. FPI [AB 212.5/8 
Ziff. 4.3]). In nachvollziehbarer Weise bezeichnete die MEDAS ihre diesbe-
zügliche 'Geheimhaltung' im Schreiben vom 31. Mai 2021 als "allgemein 
übliches Vorgehen", zumal zum Bezug dieser Tests gegenüber dem Anbie-
ter zum Schutz vor Missbrauch durch unkontrollierte Weiterverbreitung eine 
Berufsurkunde bzw. ein -diplom oder ein vergleichbarer Nachweis vorzule-
gen seien (AB 222). Mit Schreiben vom 7. Juni 2021 hielt sie weiter konklu-
dent fest, es handle sich bei den Tests nicht um eine Interpretation, son-
dern um eine Auswertung, wobei die genannten Informationen es einer 
Fachperson erlaubten, uneingeschränkt nachzuvollziehen, warum es so-
wohl im TOMM als auch im FPI zu den im Gutachten referierten Ergebnis-
sen gekommen sei (AB 224). Dementsprechend erscheint der Beizug die-
ser Dokumente – wie nachfolgend aufgezeigt wird – zur Überprüfung der 
Grundlagen und Schlussfolgerungen des Gutachtens denn auch vorliegend 
nicht angezeigt.

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3.

Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG (Weite-
rentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hin-
sicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grund-
sätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der Erfüllung des 
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Gel-
tung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213) und 
die angefochtene Verfügung vor dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 
19. Juni 2020 datiert, ist der Rentenanspruch nach den bis 31. Dezember 
2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen.

3.1

3.1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

3.1.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begrün-
den, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikato-

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rischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 
127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtspre-
chung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine 
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand 
eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 
427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störun-
gen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

3.2 Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem IV-Grad 
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem IV-Grad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

3.3

3.3.1 Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Erwerbseinkommen, 
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch-
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass-
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits-
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, 
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 
ATSG).

3.3.2 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

3.3.3 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 

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nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 
E. 5.1.3).

Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, 
die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich 
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern 
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-
schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei-
nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 
S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass 
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und 
beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein-
schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be-
schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein-
kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wo-
bei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 135 V 
297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 148 
E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medi-
zinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen 
nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen 
und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen 
dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

3.4 Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und 
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind 
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können 
(BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV Nr. 27 
S. 87 E. 4.2.1). 

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4.

4.1 Die angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht auf 
dem polydisziplinären (Allgemeine Innere Medizin, Nephrologie, Kardiolo-
gie, Rheumatologie, Psychiatrie) MEDAS-Gutachten vom 8. Februar 2021 
(AB 212.1). Die Sachverständigen diagnostizierten mit Auswirkung auf die 
Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes generalisiertes Weichteilschmerzsyn-
drom (DD ausgeprägtes primäres Fibromyalgie-Syndrom [Somatisierungs-
störung]) und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aktenanamnestisch 
eine Polymyalgia rheumatica (PMR [entzündliches Muskelrheuma]; zurzeit 
unter immunosuppressiver Medikation), eine beginnende bilaterale Femo-
ropatellarthrose, eine formal hypertensive Kardiopathie mit mittelschwerer, 
konzentrischer linksventrikulärer Hypertrophie (normale systolische LV-
Funktion, kein Klappenfehler), anamnestisch ein paroxysmales Vorhofflim-
mern, kardiovaskuläre Risikofaktoren, eine IgA-Nephritis (Stadium G3a 
A2), den Verdacht auf NSAR-bedingte Antrumläsionen und auf atrophe 
Gastritis (anlässlich Gastroskopie im Juli 2020; unter eingesetzter Medika-
tion aktuell beschwerdefrei), eine leichte Varikosis, einen Vitamin-B12-
Mangel und einen Vitamin-D-Mangel (je substituiert) sowie eine Aspirinun-
verträglichkeit (AB 212.1/8 f.). Kardiologisch seien die angegebenen Be-
schwerden und Befunde nicht konklusiv in Bezug auf die entsprechenden 
Diagnosen. Der nephrologische Verlauf sei bisher asymptomatisch gewe-
sen; aktuell bestehe eine moderate Nierenfunktionseinschränkung ohne 
sichere Hinweise auf einen progredienten Verlauf und im vorliegenden 
Krankheitsstadium seien keine Beschwerden oder Leistungseinschränkun-
gen zu erwarten. Rheumatologisch entspreche das Weich-
teilschmerzsyndrom einem chronic widespread pain syndrome ohne Hin-
weise auf eine Aktivität des unter Leflunomid, low-dose-Corticosteroiden 
und einem TNF-alpha-Blocker stehenden Polymyalgie-Syndroms. Trotz der 
generalisierten Schmerzen sei die funktionelle Kapazität der peripheren 
Gelenke intakt, an der Achse bestünden leichtgradige Bewegungsrestrikti-
onen an der HWS und LWS, wobei diese teilweise durch eine Selbstlimitie-
rung erklärt werden könnten. Die Schmerzen im Bereich des vorderen Ab-
schnitts beider Kniegelenke dürften zumindest aufgrund der anamnesti-
schen Angaben und der klinischen Untersuchungsbefunde Ausdruck einer 
beginnenden Femoropatellarthrose sein. Seitens der rheumatologischen 

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Beurteilung müsse man davon ausgehen, dass eine leichte bis knapp mit-
telgradige Einschränkung der allgemeinen Leistungsfähigkeit bestehe: Für 
die zuletzt praktizierte Tätigkeit dürfte diese 50 % betragen, dies in Folge 
der Dekonditionierung (Notwendigkeit zur vermehrten Pausenbildung). 
Demgegenüber könne man der Beschwerdeführerin eine dem Leiden an-
gepasste Tätigkeit in einem Umfang von 8.5 Stunden pro Tag zumuten mit 
einer rheumatologisch begründbaren Einschränkung der Leistungsfähigkeit 
von maximal 20 %, auch hier wieder begründbar durch eine anzunehmen-
de allgemeine Dekonditionierung, durch die Notwendigkeit zu vermehrten 
Pausenbildungen und durch die Notwendigkeit, die Körperposition immer 
wieder verändern zu können. Aus psychiatrischer Sicht sei bei der Be-
schwerdeführerin keine Diagnose zu vergeben gewesen und die bisher 
gestellten Diagnosen hätten nicht verifiziert werden können. Anknüpfungs-
tatsache hierfür sei das divergierende Auftreten der Beschwerdeführerin, 
ihr vager Beschwerdevortrag sowie die erheblichen Auffälligkeiten, die sich 
im Rahmen der Beschwerdevalidierung gezeigt hätten. Eine Einschränkung 
der Arbeitsfähigkeit lasse sich aus psychiatrischer Sicht nicht begründen 
(AB 212.1/6 ff.). Massgebend für die Gesamt-Arbeitsunfähigkeit sei somit 
der rheumatologische Fachbereich; diese Einschätzung dürfte Gültigkeit 
haben ab Aufgabe der beruflichen Tätigkeit im Jahr 2018 und die Arbeits-
fähigkeit hiervor dürfte im Rahmen der Anstellungsbedingungen gelegen 
haben, d.h. bei 80 % für die bisherige Tätigkeit und bei 100 % für eine dem 
Leiden angepasste Tätigkeit (AB 212.1/11 f.).

4.2 Im Rahmen eines MRI der LWS nativ vom 10. März 2021 wurde von 
der Klinik F.________ folgende Beurteilung erhoben: "Im Segment L5/S1 
Osteochondrose mit foraminaler Hernie rechts, so dass hier gut eine L5-
Wurzelaffektion denkbar ist bei kranialer Verlagerung der L5-Wurzel rechts, 
jedoch auch Prolapskomponente rechts paramedian mit Kontakt und Dor-
salverlängerung der S1-Wurzel rechts, rezessale Enge links, so dass hier 
eine S1-Affektion denkbar ist sowie auch foraminaler Kontakt der Band-
scheibe zur L5-Wurzel links" (AB 213/2).

4.3 Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. G.________, Fachärztin für 
Psychiatrie und Psychotherapie, bezeichnete in ihrer Stellungnahme vom 
17. Mai 2021 das psychiatrische (Teil-)Gutachten als wenig fundiert, un-

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vollständig und in sich nicht schlüssig. Dies sei möglicherweise mit der ein-
geschränkten Informationsübermittlung im Rahmen der gutachterlichen 
Untersuchung sowie einem teilweise ausgeprägten Verleugnungsmodus 
der Beschwerdeführerin erklärbar. Aus ihrer Sicht müsste ganz klar eine 
komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; aufdrängende, be-
lastende Erinnerungen an Ereignisse wie wiederholende sexuelle Miss-
bräuche und Gewaltszenen [ein eindeutiges Vermeiden von Auslösereizen 
für diese Erinnerungen persistiere bis zum heutigen Zeitpunkt], kognitive 
und affektive Einschränkungen [im Zusammenhang mit der Traumafolge-
störung]) diagnostiziert und entsprechend eine Arbeitsunfähigkeit von 
100 % attestiert werden (AB 221/10 ff. = BB 6).

Mit Eingabe vom 6. Juni 2021 erhob Dr. med. G.________ Einwand gegen 
den Vorbescheid vom 14. April 2021 (AB 216) und begründete diesen ins-
besondere mit einer "komplexen psychischen Trauma- und Re-Traumati-
sierung und dessen Folgestörungen", was eine volle Arbeitsunfähigkeit zur 
Folge habe (AB 225).

4.4 Zur Frage nach der Therapieindikation bei Vorhofflimmern wurde 
die Beschwerdeführerin in der Praxis H.________ am 24. Juni 2021 (ambu-
lant) kardiologisch untersucht. Dabei zeigte sich ein Befund mit Status nach 
erhöhten Blutdruckwerten und leichter Vorhofdilatation links, wobei ein 
Vorhofflimmern 2013 deutlich nachgewiesen worden sei (AB 228/3 = BB 5).

4.5 Dr. phil. I.________ führte am 10. August 2021 eine psychodiagnos-
tische Untersuchung durch. Hinsichtlich der Persönlichkeitsdiagnostik habe 
die Beschwerdeführerin im klinischen Interview SKID-5PD die Fragen zu 
den geforderten symptomatischen Verhaltensweisen der emotional instabi-
len Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus, dahingehend beantwortet, 
dass der Verdacht auf die Diagnose ICD-10 F60.31 erhärtet werden könne, 
dies vor dem Hintergrund der langanhaltenden Traumatisierung als Kind 
und Jugendliche sowie retraumatisierenden Erlebnissen als Erwachsene, 
Lebensumstände also, die typisch für die Entwicklung einer Borderline-
Persönlichkeitsstörung seien (AB 232/3 = BB 4/2).

4.6 In der Aktennotiz vom 26. August 2021 wies die RAD-Ärztin Dr. 
med. J.________, Fachärztin für Neurologie, darauf hin, dass zum Zeit-

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punkt des Gutachtens keine radikulären Zeichen (Zeichen einer Nerven-
wurzelkompression bei der Bandscheibe) bestanden hätten und die Ende 
Februar 2021 beklagten linksseitigen Schmerzen im Lumbalbereich mit 
Ausstrahlung in das linke Bein (vgl. dazu im Verlauf der Konsultationen bei 
Dr. med. K.________, Praktische Ärztin und Fachärztin für Allgemeine In-
nere Medizin, vom 9. November 2020 bis 18. Mai 2021 die Konsultation 
vom 25. Februar 2021 [AB 227/6]) schon früher episodisch aufgetreten und 
selbstlimitierend gewesen seien. Das MRI, welches neben degenerativen 
Veränderungen auch Bandscheibenvorfälle mit möglichen Wurzelaffektio-
nen beidseits zeige (vgl. E. 4.2 hiervor), müsse in Bezug zu den geklagten 
Schmerzen gesetzt werden: Ein MRI-Befund alleine sei wenig hilfreich; bei 
vollständig asymptomatischen Personen könnten Bandscheibenvorfälle mit 
Kompression der Wurzel zur Darstellung kommen. Das MRI zeige auch 
keinen eindeutigen Befund und selbst wenn, müsste dieser mit den Sym-
ptomen korrelieren. Darüber hinaus könne selbst ein klinisch relevanter 
Bandscheibenvorfall behandelt werden und bedeute keine anhaltende Ar-
beitsunfähigkeit. Folglich könne weiterhin auf das rheumatologische Gut-
achten abtgestellt werden (AB 230/2; vgl. auch AB 231/2 f.).

4.7 Zu den kardiologischen Untersuchungsergebnissen vom 24. Juni 
2021 (vgl. E. 4.4 hiervor) nahm RAD-Ärztin med. pract. L.________, 
Fachärztin für Arbeitsmedizin, am 1. September 2021 dahingehend Stel-
lung, dass sich bis auf einen erhöhten BMI unauffällige klinische Befunde 
fänden. Sowohl im Gutachten als auch im neuerlichen Untersuchungsbe-
richt werde eine eingeschränkte Echoqualität beschrieben. Es liege keine 
wesentliche Veränderung der gemessenen Parameter vor. Unbestritten sei, 
dass der linke Herzmuskel verdickt sei. Dies habe keine Auswirkung auf 
das funktionelle Leistungsvermögen bei erhaltener Pumpfunktion 
(AB 231/3).

4.8 Prof. em. Dr. med. M.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin, für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumato-
logie, Zentrum N.________, diagnostizierte im Sprechstundenbericht vom 
24. Januar 2022 ein chronic widespread pain syndrome zufolge generali-
sierter konstituioneller Hyperlaxizität (BB 11).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 13

5.

5.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

5.1.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

5.1.2 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-
chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). Die unterschiedliche Natur von Behand-
lungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begut-
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander-
seits lässt es nicht zu, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgut-
achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu 
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzun-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 14

gen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende 
Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht 
rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benen-
nen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie-
ben sind (SVR 2021 IV Nr. 10 S. 29 E. 5.7, 2019 UV Nr. 31 S. 117 E. 3).

5.1.3 Die Rechtsprechung hat die Qualitätsleitlinien für psychiatrische 
Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung der Schweizeri-
schen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) als aner-
kannten Standard für eine sachgerechte und rechtsgleiche (versicherungs-) 
psychiatrische Begutachtung bezeichnet. Sie verstehen sich als Empfeh-
lung, wovon im begründeten Einzelfall abgewichen werden kann. Ein sich 
formal und inhaltlich nach den Leitlinien richtendes Gutachten soll demnach 
den Regelfall bilden. Als Standard bei der Begutachtung sind die Leitlinien 
dem Rechtsanwender bei der Beurteilung der Gutachtensqualität nützlich 
(BGE 140 V 260 E. 3.2.2 S. 262). Sie sollen die gutachterliche Ermessens-
ausübung strukturieren und diese – insbesondere für die Rechtsanwen-
dung – nachvollziehbar machen. Ein Gutachten verliert jedoch nicht auto-
matisch seine Beweiskraft, wenn es sich nicht an die Leitlinien anlehnt oder 
(zeitlich) noch gar nicht anlehnen konnte. Der Nichtbefolgung der Begut-
achtungsleitlinien ist aber bei der Beurteilung des Beweiswertes Rechnung 
zu tragen, wobei massgebend bleibt, ob ein Gutachten gesamthaft gese-
hen nachvollziehbar begründet und überzeugend ist (SVR 2018 IV Nr. 27 
S. 87 E. 3.3).

5.1.4 Unabhängig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische 
Pathologie oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt eine An-
spruchsberechtigung stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der 
Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit voraus. Dabei können – insbesondere unklaren Beschwerdebil-
dern inhärente – Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichti-
gung weiterer Lebens- und Aktivitätsbereiche wie etwa Freizeitverhalten 
oder familiäres Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschrän-
kungen zu plausibilisieren, wobei auch fremdanamnestische Angaben zu 
berücksichtigen sind. Ohne Einbezug solcher Indizien, wie sie im Rahmen 
der festen Praxis zu den organisch nicht nachweisbaren unklaren Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 15

schwerdebildern (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303, 130 V 352) regelmässig 
zu berücksichtigen sind, ist eine ärztliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht 
beweiskräftig (BGE 140 V 290 E. 3.3.2 S. 297)

5.2 Das MEDAS-Gutachten vom 8. Februar 2021 (AB 212.1) erfüllt die 
vorerwähnten Anforderungen der Rechtsprechung an eine beweiskräftige 
versicherungsmedizinische Expertise (vgl. E. 4.1 hiervor), weshalb ihm 
volle Beweiskraft zukommt. Die darin enthaltenen Ausführungen und Fest-
stellungen beruhen auf eingehenden fachärztlichen Abklärungen und sind 
in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Ein-
schränkungen getroffen worden. Gestützt darauf haben die Gutachter die 
medizinischen Zusammenhänge einleuchtend und die daraus gezogenen 
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand sowie zur Frage des Zumut-
barkeitsprofils überzeugend dargestellt. Insbesondere setzten sie sich auch 
eingehend und nachvollziehbar mit der Expertise der Dres. med. 
C.________ und D.________ (AB 76 f.) sowie den übrigen Vorakten (vgl. 
dazu Eingabe der Beschwerdeführerin vom 10. November 2021, S. 2 oben) 
auseinander: Internistisch (AB 212.3/11 Ziff. 7.3) und rheumatologisch 
(AB 212.4/11 Ziff. 7.3) liessen sich keine Divergenzen feststellen. Auf 
psychiatrischem Fachgebiet wies der psychiatrische Gutachter darauf hin, 
dass das tadellose Auftreten der Beschwerdeführerin, deren Verhalten und 
beispielsweise die Tatsache, dass sie im Vorjahr nach ... gereist sei, gegen 
eine relevante depressive Symptomatik spreche (vgl. dazu E. 5.1.4 hier-
vor). Gegen eine relevante Traumafolgestörung spreche, dass sie zwi-
schen 1990 und 2018 faktisch durchgehend am Berufsleben teilgenommen 
habe. Auch aufgrund dieser Auffälligkeiten sei (anders als anlässlich der 
Begutachtung 2018) ein Beschwerdevalidierungsverfahren durchgeführt 
worden, das hochauffällige Ergebnisse zu Tage gefördert habe; laut Test-
manual sei vom zielgerichteten Vortäuschen einer nicht vorhandenen Sym-
ptomatik auszugehen. Seitens der Behandler, insbesondere auch Dr. med. 
G.________, seien die Angaben der Beschwerdeführerin (offenbar) unkri-
tisch übernommen worden (AB 212.5/10 Ziff. 7.3). Aus kardiologsicher 
Sicht könne man zwar eine mässige Hypertrophie der linksventrikulären 
Muskulatur feststellen, die durch hohe Blutdruckwerte erklärt werden kön-
ne, sonst aber liege ein weitgehend normaler echokardiographischer Be-
fund vor. Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit sei nicht mit ausreichender 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 16

Wahrscheinlichkeit kardial erklärbar; es handle sich vielmehr um Dekondi-
tionierung und Demotivation (AB 212.7/10 ff. Ziff. 7.2 f.).

Was die Beschwerdeführerin gegen die Schlüssigkeit des MEDAS-Gutach-
tens vorbringt, verfängt nicht:

5.2.1 Die Testverfahren (TOMM/FPI) stellen – entgegen der Beschwerde, 
S. 2 – keine psychometrischen Untersuchungen dar, welche der neuropsy-
chologischen Fachdisziplin vorbehalten wären (vgl. Entscheide des Bun-
desgerichts vom 26. Juni 2018, 8C_909/2017, E. 7.2, und des Eidgenössi-
schen Versicherungsgerichts [EVG; heute BGer] vom 14. Juni 2004, 
I 36/04, E. 4.3, wo entsprechende, durch einen psychiatrischen Fachgut-
achter veranlasste Untersuchungen in die Urteilsfindung miteinbezogen 
wurden). Ihnen kommt überdies bloss eine ergänzende Funktion zu und die 
Sachverständigen stützen ihre Schlussfolgerungen nicht allein auf die Er-
gebnisse der Beschwerdevalidierung bzw. des Persönlichkeitsinventars, 
sondern auf die im Rahmen der klinischen Exploration erhobenen Befunde. 
Einerseits zeigten sich bereits bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, 
die nicht vollumfänglich objektiviert werden konnten (AB 212.5/6 Ziff. 4.3, 
212.5/9 f. Ziff. 7.3, 224/2 etc.), andererseits traten weder Anhaltspunkte für 
eine eigentliche Persönlichkeitsstörung zu Tage (AB 212.5/7 Ziff. 4.3), noch 
wird das Vorliegen einer solchen fachärztlich schlüssig hergeleitet. Zwar 
postuliert nunmehr Dr. phil. I.________ eine Borderline-Persönlichkeits-
störung (ICD-10 F60.31; AB 232/2 f. = BB 4), belässt es aber bei einer (ih-
ren Ausführungen zufolge zwar erhärteten, aber dennoch blossen) Ver-
dachtsdiagnose, welcher ohnehin eine ärztlich nachvollziehbare Bestäti-
gung fehlt. Soweit Dr. med. G.________ von einer PTBS ausgeht (insbes. 
AB 221/10 ff. = BB 6), ist darauf hinzuweisen, dass die psychiatrischen 
Gutachter übereinstimmend eine solche Erkrankung ausgeschlossen ha-
ben (AB 77.1/27, 212.5/10 Ziff. 7.3). Dr. med. G.________ vermag damit 
keine wesentlichen Aspekte zu benennen, die im Rahmen der Begutach-
tung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. dazu E. 5.1.2 hier-
vor). Zudem trat Dr. med. G.________ advokatorisch auf und nahm fak-
tisch die Interessen der Beschwerdeführerin wahr ("Hiermit erhebe ich Ein-
wand gegen diesen vorgesehenen Entscheid" [AB 225]), womit ein eigentli-
cher Rollenwechsel von der behandelnden Ärztin zur Parteivertreterin statt-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 17

fand. Ihren diesbezüglichen Ausführungen kann deshalb von vornherein 
nur sehr begrenzter Beweiswert zukommen (Entscheid des BGer vom 
6. Juni 2018, 8C_79/2018, E. 4.2).

5.2.2 Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin in den Einga-
ben vom 10. November 2021 und 27. Februar 2022 (je S. 2) lässt sich aus 
dem Ergebnis des Beck-Depressions-Inventar (BDI; vgl. AB 212.5/8) dia-
gnostisch nicht auf das Bestehen einer psychischen Erkrankung schlies-
sen, handelt es sich dabei doch um ein reines (eindimensionales) Selbst-
beurteilungs-Verfahren (vgl. ROLF-DIETER STIEGLITZ, Diagnostik und Klassi-
fikation in der Psychiatrie, 2008, S. 72; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörter-
buch, 267. Aufl. 2017, S. 219). Eine neuropsychologische Begutachtung 
war 
– ebenso wie zusätzliche spezifische PTBS-Testungen – weder vorgese-
hen noch erforderlich, da entsprechenden Feststellungen ohnehin lediglich 
Hilfscharakter zukäme, weil die neuropsychologischen Testresultate nicht 
ausreichen, um Diagnosen zu stellen und die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen 
(vgl. SVR 2019 IV Nr. 78 S. 255; Entscheid des BGer vom 17. Oktober 
2014, 8C_578/2014, E. 4.2.7; UELI KIESER, Neuropsychologie, in: KIE-
SER/LENDFERS [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, 
S. 173 f.).

5.2.3 Kardiologisch ergeben sich, anders als in der Beschwerde, S. 2, 
und in der Eingabe vom 10. November 2021, S. 1, suggeriert, keine rele-
vanten Diskrepanzen. Dr. med. O.________, Facharzt für Allgemeine Inne-
re Medizin sowie für Kardiologie, Praxis H.________, ging im Konsiliarbe-
richt vom 28. Juni 2021 (AB 228 = BB 5) zwar diagnostisch von einem Vor-
hofflimmern aus, er stützte sich aber nicht auf das neue EKG vom 24. Juni 
2021, sondern auf ein solches aus dem Jahre 2013. Ob eine orale Antiko-
agulation mit Xarelto® indiziert ist oder nicht (vgl. dazu AB 212.7/12 Ziff. 3), 
stellt eine rein therapeutische Frage ohne Auswirkung auf die funktionelle 
Leistungsfähigkeit dar bzw. wäre höchstens beim Zumutbarkeitsprofil (als 
Ausschluss von Arbeiten mit erhöhtem Verletzungsrisiko wegen Blutver-
dünnung) zu berücksichtigen. Die von Dr. med. O.________ am 16. Febru-
ar 2022 durchgeführte Untersuchung des Langzeitblutdrucks (BB 13) 
bestätigte die von den Sachverständigen bereits als kardiovaskulären Risi-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 18

kofaktor berücksichtigte und den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit zugeordnete Hypertonie (AB 212.1/9 Ziff. 5, 212.7/9 Ziff. 6). 
Soweit die Beschwerdeführerin gestützt auf eine Internetrecherche (BB 14) 
von einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden schweren Form des Blut-
hochdrucks ausgeht und eine eingetretene Gesundheitsverschlechterung 
postuliert (Eingabe vom 9. März 2022), fehlt hierfür eine fachärztliche 
Bestätigung und betrifft dies ohnehin einen Zeitraum jenseits des hier 
massgebenden gerichtlichen Überprüfungshorizonts (vgl. BGE 131 V 242 
E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140).

5.2.4 Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde, S. 2 (vgl. auch 
Eingabe vom 27. Februar 2022, S. 2), waren im Rahmen der rheumatologi-
schen Begutachtung bildgebende Zusatzuntersuchungen bezüglich Ge-
lenk- bzw. Rückenbeschwerden, deren Anordnung ohnehin im Ermessen 
des Gutachters liegen, nicht zwingend, da bei Gesundheitsschäden an der 
Wirbelsäule die klinische Untersuchung die wichtigste und feinste Prüfung 
darstellt (Entscheid des BGer vom 29. Juni 2018, 9C_470/2017, E. 3). Al-
lein subjektiv geltend gemachte Schmerzen genügen ohnehin auch im 
Rahmen einer Begutachtung nicht als medizinische Indikation für radiologi-
sche Zusatzabklärungen, zumal die Explorandin nicht ohne Not einer damit 
einhergehenden Strahlenbelastung ausgesetzt werden soll (vgl. WISMÜL-
LER/SCHMID/PFEIFER, Risiken einzelner radiologischer Untersuchungsver-
fahren, in: LEINSINGER/HAHN [Hrsg.], Indikatoren zur bildgebenden Diagnos-
tik, 2001, S. 25 ff.). Auch Prof. em. Dr. med. M.________ vom Zentrum 
N.________ hat anlässlich der Sprechstunde vom 20. Januar 2022 keine 
bildgebenden Zusatzuntersuchungen veranlasst und – übereinstimmend 
mit den MEDAS-Gutachtern (AB 212.1/7) – ein chronic widespread pain 
syndrome diagnostiziert (BB 11). Bei dieser (von Prof. em. Dr. med. 
M.________ erst nach Verfügungserlass gestellten) Diagnose (vgl. dazu 
auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Eingabe vom 
27. Februar 2022) handelt es sich somit nicht um einen wesentlichen 
Aspekt, der im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt 
geblieben wäre (vgl. dazu E. 5.1.2 hiervor); zudem äussert sich Prof. em. 
Dr. med. M.________ auch nicht zu einer allenfalls aus dieser Diagnose 
resultierenden Arbeitsunfähigkeit.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 19

5.3 Eine relevante Änderung trat nach der MEDAS-Begutachtung 
gemäss den überzeugenden RAD-Aktenbeurteilungen (AB 230 f.) bis zur 
vorliegend angefochtenen Verfügung nicht ein. In antizipierter Beweiswür-
digung (vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 
E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4) erübrigen sich weitere 
Sachverhaltserhebungen, insbesondere in Form eines Gerichtsgutachtens 
(vgl. Beschwerde S. 2 i.f. und Eingabe vom 27. Februar 2022, S. 3 i.f.). 
Mangels psychiatrischer Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
ist die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 
141 V 281 (vgl. E. 3.1.2 hiervor) obsolet. 

5.4 Nach dem Dargelegten liegt bei der Beschwerdeführerin im Wesent-
lichen ein chronifiziertes generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom vor 
(AB 212.1/8 f.). Diese gesundheitliche Beeinträchtigung schränkt die Ar-
beits- und Leistungsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als ... (...) zu 
50 % und in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit um maximal 20 % ein. 
Diese Einschätzung gilt ab April 2018; zuvor hat die Arbeitsfähigkeit in der 
bisherigen Tätigkeit 80 % und in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit 
100 % betragen (AB 212.1/11 f.; vgl. auch AB 212.5/4).

6.

6.1 In der angefochtenen Verfügung vom 7. Oktober 2021 ging die Be-
schwerdegegnerin von einem frühestmöglichen Rentenbeginn per August 
2017 (AB 233/1 unten; vgl. zum Wartejahr [Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG] 
AB 215/4 Ziff. 1.2 und AB 215/9 Ziff. 5.2 i.f. sowie auch Rz. 2017 ff. und 
Anhang II des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Inva-
lidenversicherung [KSIH]; vgl. zur Karenzfrist [Art. 29 Abs. 1 IVG] AB 5) und 
bei der Ermittlung des IV-Grades von einem Status von 60 % Erwerb und 
40 % Haushalt (AB 233/1 f.) aus. Ersteres ist grundsätzlich nicht zu bean-
standen, wobei rein gestützt auf das MEDAS-Gutachten die Wartezeit nach 
Ablauf der Karenzfrist eigentlich nicht erfüllt war. Mit Blick auf die Aussagen 
der Beschwerdeführerin "der ersten Stunde" (vgl. dazu BGE 143 V 168 
E. 5.2.2 S. 174, 121 V 45 E. 2a S. 47) im Intake-Gespräch vom 25. Januar 
2017 (AB 14/3) ist fraglich, ob sie im hypothetischen Validitätsfall per Au-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 20

gust 2017 teilerwerbstätig (AB 214, 215/7 Ziff. 3.4) oder vollerwerbstätig 
(Beschwerde, S. 1 f.; Eingabe vom 27. Februar 2022, S. 3) wäre. Der Sta-
tus kann jedoch offen bleiben, da – wie die Beschwerdegegnerin in der 
Beschwerdeantwort, S. 3 lit. C Ziff. 9, zutreffend ausführt – selbst aus einer 
IV-Bemessung anhand des Einkommensvergleichs (vgl. E. 3.3 hiervor) kein 
Rentenanspruch resultiert: Per August 2017 ergibt sich ein IV-Grad von 
0 % (AB 216/3 oben; vgl. auch AB 215/9 f.) bzw. per April 2018 ein solcher 
von höchstens 16 % (AB 216/3 unten; vgl. auch AB 215/10; zur Rundung: 
BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123; SVR 2019 IV Nr. 61 S. 198 E. 7.1). 
Ein zusätzlicher Abzug beim Invalideneinkommen vom Tabellenlohn (vgl. 
E. 3.3.3 hiervor) ist hier nicht gerechtfertigt (und wurde von der Beschwer-
degegnerin zu Recht auch nicht vorgenommen) bzw. ein solcher würde 
sich ohnehin nicht rentenrelevant auswirken.

6.2 Folglich besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente (vgl. E. 3.2 
hiervor). Die angefochtene Verfügung vom 7. Oktober 2021 (AB 233) ist 
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuwei-
sen.

7.

7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin – vorbehält-
lich der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – zur Bezahlung auf-
erlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). 

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 21

7.3 Zu prüfen bleibt das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 

7.3.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

7.3.2 Da die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin mit Blick auf Sozialhil-
febedürftigkeit (BB 10) erstellt ist, das Verfahren nicht zum vornherein als 
aussichtslos erschien und die anwaltliche Verbeiständung geboten ist, sind 
die Voraussetzungen für die Erteilung des Rechts auf unentgeltliche 
Rechtspflege erfüllt. Das entsprechende Gesuch der Beschwerdeführerin 
ist somit gutzuheissen und es ist ihr Rechtsanwältin Dr. B.________ als 
amtliche Anwältin beizordnen.

7.4 Festzusetzen bleibt das amtliche Honorar von Rechtsanwältin Dr. 
B.________. Gemäss Art. 42 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 
28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) bezahlt der Kanton den amtlich bestell-
ten Anwältinnen und Anwälten eine angemessene Entschädigung, die sich 
nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst und höchstens dem Honorar 
gemäss der Tarifordnung für den Parteikostenersatz entspricht. Bei der 
Festsetzung des gebotenen Zeitaufwandes sind die Bedeutung der Streit-
sache und die Schwierigkeit des Prozesses zu berücksichtigen. Auslagen 
und Mehrwertsteuer werden zusätzlich entschädigt (Abs. 1). Die Aufwen-
dungen für die Erlangung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege sind 
nach den gleichen Regeln zu entschädigen (Abs. 3). Nach Art. 42 Abs. 4 
KAG i.V.m. Art. 1 der Verordnung vom 20. Oktober 2010 über die Entschä-
digung der amtlichen Anwältinnen und Anwälte (EAV; BSG 168.711) be-
trägt der Stundenansatz Fr. 200.--. 

Mit am 10. März 2022 eingegangener Kostennote macht Rechtsanwältin 
Dr. B.________ ein Honorar von Fr. 2'950.-- (11.8h à Fr. 250.--; richtiger-
weise hat Rechtsanwältin Dr. B.________ den Aufwand im Zusammen-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 22

hang mit dem Fristversäumnis betragsmässig nicht geltend gemacht [Tel. 
vom 17. Dezember 2021; Summe "0.00"], weshalb der entsprechende 
Stundenaufwand von 0.25 vom ausgewiesenen Totalaufwand [12.05h] zu 
subtrahieren ist) zuzüglich Auslagen von Fr. 76.10 und Mehrwertsteuer 
(MWST) von Fr. 233.-- geltend, was nicht zu beanstanden ist. Demnach 
wird der tarifmässige Parteikostenersatz auf Fr. 3'259.10 (inkl. Auslagen 
und MWST) festgesetzt. Davon ist Rechtsanwältin Dr. B.________ nach 
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse ein amtliches 
Honorar von Fr. 2'360.-- (11.8h à Fr. 200.--) zuzüglich Auslagen von 
Fr. 76.10 und MWST von Fr. 187.60 (7.7 % von Fr. 2'436.10), total somit 
eine Entschädigung von Fr. 2'623.70, auszurichten. Vorbehalten bleibt die 
Nachzahlungspflicht der Beschwerdeführerin gegenüber dem Kanton Bern 
entsprechend den Voraussetzungen von Art. 113 VRPG i.V.m. Art. 123 der 
Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO; 
SR 272). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung von 
Rechtsanwältin Dr. B.________ als amtliche Anwältin wird gutgeheis-
sen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege wird 
die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 
gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. März 2022, IV/21/777, Seite 23

5. Der tarifmässige Parteikostenersatz der amtlichen Anwältin wird in die-
sem Verfahren auf Fr. 3'259.10 (inkl. Auslagen und MWST) festge-
setzt. Davon wird Rechtsanwältin Dr. B.________ nach Eintritt der 
Rechtskraft dieses Urteils aus der Gerichtskasse eine auf Fr. 2'623.70 
festgesetzte Entschädigung (inkl. Auslagen und MWST) vergütet. Vor-
behalten bleibt die Nachzahlungspflicht nach Art. 123 ZPO.

6. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern (samt Eingaben der Beschwerdeführerin vom 27. Fe-

bruar und 9. März 2022)
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.