# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d8a0b9d-55b7-5ca6-9e99-0e0b2965f376
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-06-24
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 24.06.2009 SK 2008 484
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2008-484_2009-06-24.pdf

## Full Text

SK-Nr.  2008/484 

Urteil der 3. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern

unter Mitwirkung von Oberrichter Messer (Präsident), Oberrichterin Schnell und Oberrichterin

Wüthrich-Meyer sowie Kammerschreiberin Nussbaum

vom 15. April 2009

in der Strafsache gegen 

A. 

amtlich vertreten durch Fürsprecher Z. 

wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung

Generalprokuratur des Kantons Bern

Angeschuldigter/Anschlussappellant

Appellantin

Regeste
Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Frage der qualifizierten Begehungsform dieser 

Tatbestände beim Einsatz eines Messers mittlerer Grösse:

Ein Messer mittlerer Grösse ist ohne Weiteres geeignet, durch einen relativ kleinen Schnitt am 

Hals eine lebensbedrohliche Situation herbeizuführen. Unter diesen Umständen hat der 

Angeschuldigte einen gefährlichen Gegenstand eingesetzt und in Kombination mit der 

fortdauernden Bedrohung mit dem Messer am Hals des Opfers die geforderte Intensität für eine 

qualifizierte Begehungsform der Vergewaltigung bzw. sexuellen Nötigung erfüllt.

Redaktionelle Vorbemerkungen: 
Der Angeschuldigte A. suchte ein Bordell auf und nötigte die Prostituierte B. u.a. durch Vorhalt 

eines Sackmessers mittlerer Grösse zu sexuellen Handlungen. Er missbrauchte das Opfer rund 

eine Stunde lang sexuell, wobei er in der Hand ein Messer hielt. Er drohte, das

Messer einzusetzen, wenn sich B. seinen Anordnungen nicht fügen würde. Während des 

Geschehens hielt er das Messer auch in die gefährliche Nähe des Halses und des Kopfes 

des Opfers. Die Vorinstanz ging vom Einsatz eines „sehr kleinen Sackmessers" aus und 

verneinte die qualifizierte Begehungsweise. Auf staatsanwaltschaftliche Appellation hin waren 

oberinstanzlich die Schuldsprüche wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu 

überprüfen, insbesondere die Frage der qualifizierten Begehungsform.

Auszug aus den Erwägungen: 

Ill. RECHTLICHES

1.3 Qualifikation 

Die Qualifikation ist bei der sexuellen Nötigung und bei der Vergewaltigung gleich lautend 

und wie folgt umschrieben: Handelt der Täter grausam, verwendet er namentlich eine 

gefährliche Waffe oder einen anderen gefährlichen Gegenstand, ist die Strafe Freiheitsstrafe 

nicht unter drei Jahren (Art. 189 Abs. 3 bzw. Art. 190 Abs. 3 StGB).

Wer eine gefährliche Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand einsetzt, handelt 

grausam im Sinne von Art. 189 Abs. 3 StGB bzw. Art. 190 Abs. 3 (BSK STGB-II MAIER, 

Art. 189 StGB N 45). Gefährliche Gegenstände sind solche, die — wenn sie 

entsprechend eingesetzt werden — zu einem hohen Risiko der Tötung oder der 

schweren Körperverletzung führen. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist ein 

Gegenstand dann gefährlich, wenn er objektiv geeignet ist, eine schwere 

Gesundheitsschädigung herbeizuführen, wobei es neben seiner Beschaffenheit auch auf 

die Art der Verwendung im Einzelfall ankommt. „Wer ein 26 cm langes Fleischmesser mit 

10,5 cm Klingenlänge seinen Opfern an den Hals hält und gleichzeitig droht, benutzt eine 

gefährliche Waffe" (MAIER, a.a.O., Art. 189 StGB N 49).

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2. Subsumtion

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, sind vorliegend die Grundtatbestände der 

sexuellen Nötigung sowie der Vergewaltigung erfüllt. Auf die diesbezüglichen 

Ausführungen der Vorinstanz ist zu verweisen (pag. 427). 

Hinsichtlich der Qualifikation der Tatbestände der sexuellen Nötigung und der 

Vergewaltigung ist Folgendes festzuhalten: 

Die Kammer weicht diesbezüglich von der Einschätzung der Vorinstanz ab, welche 

lediglich den Einsatz eines „sehr kleines Sackmesser" annahm (insbes. pag. 428). 

Gestützt auf die Aussagen der Beschwerdeführerin erachtet die Kammer den Einsatz 

eines Messers mittlerer Grösse als erwiesen. Der Angeschuldigte hat die Privatklägerin 

rund eine Stunde lang mit einem solchen Messer in der Hand sexuell missbraucht und 

dabei immer wieder gedroht, das Messer einzusetzen, wenn sie sich seinen 

Anordnungen nicht fügen würde. Dabei hat er teilweise das Messer an ihren Hals 

gehalten bzw. es war nicht zu vermeiden, dass er während des Geschehens teilweise 

auch unabsichtlich in gefährliche Nähe des Halses und des Kopfes der Privatklägerin 

gekommen ist. Die Privatklägerin fürchtete dabei um ihr Leben. Es ist gerichtsnotorisch, 

dass am Hals bereits relativ kleine Schnittwunden zu starken Blutungen und zum Tod 

eines Menschen führen können. So hat die 3. Strafkammer im Urteil SK 08137 vom 25. 

Juni 2008 hinsichtlich der Qualifikation bei der sexuellen Nötigung Folgendes 

ausgeführt: „Der Einsatz eines Messers mit ca. handtellergrosser Klinge im Bereich des 

Halses stellt eine grausame Tatbegehung durch Verwendung einer gefährlichen Waffe 

dar. Bereits ein relativ kleiner Schnitt am Hals kann zu einer lebensbedrohlichen 

Situation führen. Damit bestand durch die Verwendung des Messers das Risiko einer 

Tötung oder einer schweren Körperverletzung." Im konkreten Fall wurde die 

Qualifikation bejaht (E. III./A./2.). 

Die Kammer hält dafür, dass eine Waffe oder ein Gegenstand gefährlich im Sinn des 

Gesetzes ist, wenn sie objektiv geeignet sind, eine schwere Gesundheitsschädigung 

herbeizuführen. Es kommt insbesondere auf die Art der Verwendung im Einzelfall an (so 

auch WIPRÄCHTIGER, Aktuelle Praxis des Bundesgerichts zum Sexualstrafrecht, ZStrR 

1999, 121, 139, mit Hinweis auf einen unveröffentlichten Entscheid des Bundesgerichts 

vom 15. September 1997). Vorliegend wurde — wie erwähnt — ein Messer mittlerer 

Grösse verwendet. Ein solches ist ohne Weiteres geeignet, durch einen relativ kleinen 

Schnitt am Hals eine lebensbedrohliche Situation herbeizuführen. Unter diesen 

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Umständen hat der Angeschuldigte einen gefährlichen Gegenstand eingesetzt und in 

Kombination mit der fortdauernden Bedrohung mit dem Messer die geforderte Intensität für 

eine qualifizierte Begehungsform erreicht. In Anwendung der erwähnten Praxis kann hier 

kaum zweifelhaft sein, dass hier eine qualifizierte Form der Vergewaltigung bzw. sexuellen 

Nötigung vorliegt. 

Der Angeschuldigte ist daher der qualifizierten Vergewaltigung und der qualifizierten 

sexuellen Nötigung schuldig zu sprechen.

Anmerkung: Gegen dieses Urteil wurde Beschwerde an das Bundesgericht erhoben.