# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a4ee2bcc-0f07-5288-8e2b-ed7c4e2eafe6
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-04
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 04.05.2022 SST.2021.75
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-75_2022-05-04.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.75 
(ST.2019.46; StA.2018.2918) 

 

 

Urteil vom 4. Mai 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Albert 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, 

Kloster-Südflügel, Seetalstrasse 8, 5630 Muri AG  

 

 
    

Beschuldigte   C._____,  

geboren am tt.mm.1982, von Aarwangen und Wohlen AG, […] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Thomas Fingerhuth,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 26. September 2019 erhob die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

Anklage gegen die Beschuldigte wegen bandenmässiger Einfuhr von 

Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 

lit. b BetmG, bandenmässigem Handel von Betäubungsmitteln (schwerer 

Fall) gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a und lit. b 

BetmG, bandenmässigem Anstaltentreffen zum Betäubungsmittelverkauf 

(schwerer Fall) gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a 

und lit. b BetmG und mehrfachem Konsum von Betäubungsmitteln gemäss 

Art. 19a Ziff. 1 BetmG.  

 

2. 

Mit Urteil vom 19. November 2020 beschloss und erkannte das 

Bezirksgericht Bremgarten: 

 

Das Gericht beschliesst einstimmig: 
 
Das Verfahren betreffend Konsum von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a BetmG wird 
infolge Verjährung für den Zeitraum vom 26.09.2016 bis 19.11.2017 eingestellt 
(Anklageziffer I.4.). 
 
 
Das Gericht erkennt einstimmig: 
 
1. 
Die Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage 
- des Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a BetmG (Anklageziffer I.4.)  
 
2. 
Die Beschuldigte wird schuldig gesprochen  
- der bandenmässigen Einfuhr von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b i.V.m. 
 Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG (Anklageziffer I.1.) 
- des bandenmässigen Handels mit Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c i.V.m. 
 Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG (Anklageziffer I.2.) 
- des bandenmässigen Besitzes von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d 
 i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG (Anklageziffer I.3.) 
 
3. 
3.1. 
Die Beschuldigte wird gestützt auf Art. 40, Art. 46 Abs. 1 Satz 2, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 
StGB zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3.2. 
Die Haft von 63 Tagen (21.02.2018 - 24.04.2018) wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die 
Freiheitsstrafe angerechnet.  
 
3.3. 
Der Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 und Art. 43 StGB für 18 Monate Freiheitsstrafe 
der bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 
4 Jahre festgesetzt. Der zu verbüssende Teil der Freiheitsstrafe macht somit 18 Monate 
abzüglich 63 Tage aus.  

 - 3 - 

 

 

 

 
4. 
Der mit Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden vom 17.09.2015 für eine Freiheitsstrafe von 
20 Monaten gewährte bedingte Vollzug wird gestützt auf Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB 
widerrufen. 
 
Die widerrufene Freiheitsstrafe bildet zusammen mit der neuen Strafe die Gesamtstrafe 
gemäss Ziff. 3.1. 
 
5. 
Auf den Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten vom 20.04.2017 für 
150 Tagessätze Geldstrafe zu einem Tagessatz von je Fr. 80.00 gewährten bedingten 
Vollzugs wird gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verzichtet. 
 
Die Probezeit wird um 1 Jahr verlängert. 
 
6. 
6.1. 
Folgende Gegenstände werden wieder freigegeben und sind von der Beschuldigten innert 
30 Tagen seit Rechtskraft dieses Urteils bei der Gerichtskanzlei abzuholen, andernfalls 
darüber verfügt wird: 
- 1 iPhone 7 
- 1 Etui weiss, ohne Inhalt 
 
6.2. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
vernichtet: 
- 1 Notizbuch grün 
- 1 Notizbuch braun 
 
6.3. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
vernichtet: 
- 41.1 Gramm Crystal Meth 
- 2 Tabletten (2mg) Tizanidin 
- 2 Tabletten Ecstasy (je 0.5 Gramm) 
- 4 Tabletten (je 20 mg) Ritalin 
- 2 Tabletten (je 10 mg) Ritalin 
 
6.4. 
Gestützt auf Art. 267 Abs. 3 StPO wird folgender Vermögenswert eingezogen: 
- CHF 100.20 
 
6.5. 
Die eingezogenen Vermögenswerte werden in absteigender Priorität zur Deckung der 
entsprechenden Positionen herangezogen: 
- Gerichtskosten gemäss Ziffer 7. 
- Kosten für die amtliche Verteidigung gemäss Ziffer 8. 
 
Eine allfällige Restanz wird der Beschuldigten nach Rechtskraft des Verfahrens 
herausgegeben. 
 
7. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
Anklagegebühr Fr. 2'250.00 
½ der Gerichtsgebühr  Fr. 1'500.00 
Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 5'707.45 

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Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 1'518.00 
½ andere Auslagen Fr. 45.00 
 
Total Fr. 11'020.45 
 
Der Beschuldigten werden die Verfahrenskosten - ausgenommen die amtliche 
Verteidigung - auferlegt, somit insgesamt Fr. 5'313.00. 
 
8. 
Dem amtlichen Verteidiger, lic. iur. Matthias Fricker, […], der Beschuldigten wird eine 
Entschädigung von Fr. 5'707.45 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu Lasten der Staatskasse 
zugesprochen. 
 
Die Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
9. 
Die Beschuldigte trägt ihre Kosten selber. 
 

3. 

Das Urteil wurde der Beschuldigten sowie der Staatsanwaltschaft Muri-

Bremgarten am 23. November 2020 zugestellt. Die Beschuldigte meldete 

am 3. Dezember 2020 die Berufung an. Eine Berufungsanmeldung der 

Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten ist nicht aktenkundig. 

 

4. 

Am 16. März 2021 reichte die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten eine als 

«Berufungserklärung» bezeichnete Eingabe ein, in welcher sie beantragte, 

die Beschuldigte sei des Konsums von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a 

BetmG schuldigzusprechen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

3.5 Jahren und einer Busse von Fr 200.00, Ersatzfreiheitsstrafe 2 Tage, zu 

verurteilen.  

 

5. 

Mit Berufungserklärung vom 17. März 2021 beantragte die Beschuldigte, 

sie sei vollumfänglich freizusprechen. Weiter beantragte sie, ihr seien die 

sichergestellten Gegenstände und Vermögenswerte, mit Ausnahme der 

sichergestellten Substanzen, herauszugeben. Sodann sei ihr eine 

Haftentschädigung von Fr. 12'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 21. Februar 

2019 auszurichten.  

 

6. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung der Beschuldigten sowie des 

Mitbeschuldigten A. fand am 4. Mai 2022 statt. 

  

 - 5 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die «Berufungserklärung» der Staatsanwaltschaft ist unzulässig. Die 

Berufung kann nur erklären, wer sie vorher angemeldet hat (Art. 399 Abs. 3 

StPO). Den Akten lässt sich keine Berufungsanmeldung der 

Staatsanwaltschaft entnehmen (vgl. GA act. 601 ff.). Gemäss den 

Aktenvorgängen im vorinstanzlichen Urteil hat denn auch nur die 

Beschuldigte die Berufung angemeldet (GA act. 607). Auf telefonische 

Nachfrage hin hat die Staatsanwaltschaft bestätigt, die Berufung bei der 

Vorinstanz nicht angemeldet zu haben (Telefonnotiz vom 30. März 2022). 

Unter diesen Umständen kann auf die Berufung der Staatsanwaltschaft 

nicht eingetreten werden. Ausgeschlossen ist auch eine Entgegennahme 

der «Berufungserklärung» als Anschlussberufungserklärung, ist eine 

solche nach dem klaren Wortlaut von Art. 400 Abs. 3 StPO doch erst nach 

Zustellung der Berufung möglich. Einer verfrühten Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft kommt keine Wirkung zu, zumal es sich bei der 

Staatsanwaltschaft um eine professionelle Behörde handelt, welche die 

gesetzlichen Abläufe des Berufungsverfahren und die Fristen kennt. 

 

Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen sämtliche vorinstanzlich 

ergangenen Schuldsprüche und damit zusammenhängend gegen die 

Strafe sowie die Einziehungen. Weiter beantragt sie eine 

Haftentschädigung von Fr. 12'000.00 zzgl. Zins zu 5% seit 21. Februar 

2019. Die übrigen, nicht angefochtenen Punkte des vorinstanzlichen Urteils 

sind – unter Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – nicht zu überprüfen 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). Da lediglich die Beschuldigte rechtsgültig Berufung 

erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben worden ist, ist das 

Obergericht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in 

peius gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden. 

 

2.  

2.1. 

Die Vorinstanz hat die Beschuldigte wegen bandenmässiger Einfuhr von 

Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. b 

BetmG, bandenmässigem Handel mit Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 

Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG und (aufgrund eines 

Würdigungsvorbehalts, vgl. E. 2.6) bandenmässigem Besitz von 

Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. b 

BetmG schuldiggesprochen (vorinstanzliches Urteil E. 1 ff.). 

 

Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, sie sei vollumfänglich 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2; Plädoyer Verteidigung S. 2 f.). 

 

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2.2. 

Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sich zwischen dem 1. Januar 2016 

und dem 4. Februar 2018 der bandenmässigen Einfuhr von 

Betäubungsmitteln strafbar gemacht zu haben, indem sie im August oder 

September 2017 mit dem Mitbeschuldigten A. in dessen Personenwagen 

nach V., Tschechien, gefahren sei, um Crystal Meth in die Schweiz 

einzuführen. Im Februar und November 2018 (recte: November 2017 und 

Februar 2018; vgl. GA act. 510) seien die beiden erneut nach V. gefahren, 

wozu sie ein Fahrzeug bei «Europcar» gemietet hätten. Die Beschuldigte 

habe bereits im Jahr 2016 mindestens einmal mit dem Mitbeschuldigten A. 

Crystal Meth im Ausland gekauft. Insgesamt hätten die beiden mindestens 

255 Gramm Crystal Meth mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von 

64% Methamphetamin-Base für insgesamt EUR 9'000.00 erworben, im 

Fahrzeug versteckt und danach in die Schweiz eingeführt (Anklageziffer 

I.1.). 

 

Der Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, sich zwischen dem 1. Februar 

2017 und dem 21. Februar 2018 des bandenmässigen Handels von 

Betäubungsmitteln (schwerer Fall) strafbar gemacht zu haben, indem sie 

vom 1. August 2017 bis 21. Februar 2018 zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten A. von der gemäss Anklageziffer I.1. eingeführten Menge 

an Crystal Meth an der B.-Strasse in X. insgesamt ca. 100 Gramm Crystal 

Meth an drei bis vier Abnehmer für durchschnittlich ca. Fr. 100.00 pro 

Gramm (bei einem Einkaufspreis von ca. Fr. 40.00) verkauft habe. Der 

Preis pro Gramm habe jeweils zwischen Fr. 80.00 bis Fr. 120.00 

geschwankt. Von der gesamthaft verkauften Menge seien ca. 70 Gramm 

Crystal Meth an G. gegangen, der als Zwischenhändler fungiert habe. Die 

Beschuldigte habe das Crystal Meth vor dem Verkauf jeweils zusammen 

mit dem Mitbeschuldigten A. gewogen, in Minigripsäckchen verpackt und 

anschliessend weitergegeben (Anklageziffer I.2.).  

 

Schliesslich wirft die Anklage der Beschuldigten vor, sich des 

bandenmässigen Anstaltentreffens zum Betäubungsmittelverkauf 

(schwerer Fall) strafbar gemacht zu haben, indem am 21. Februar 2018 

anlässlich ihrer Verhaftung an der B.-Strasse in X. insgesamt 51.91 Gramm 

Crystal Meth, zwei Tabletten Ecstasy sowie sieben Tabletten mit 

rezeptpflichtigen, betäubungsmittelhaltigen Arzneimittel (100 Milligramm 

Ritalin und 4 Milligramm Tizanidin) hätten sichergestellt werden können. 

Sie habe beabsichtigt, diese Betäubungsmittel zusammen mit dem 

Mitbeschuldigten A. zu verkaufen (Anklageziffer I.3.). 

 

2.3. 

Der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz macht sich unter 

anderem strafbar, wer Betäubungsmittel unbefugt einführt (Art. 19 Abs. 1 

lit. b BetmG), veräussert (Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG) oder besitzt (Art. 19 

Abs. 1 lit. d BetmG). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat 

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lediglich ein Schuldspruch wegen Verkaufs zu erfolgen, wenn ein Täter 

Betäubungsmittel im Ausland erwirbt, in die Schweiz einführt und 

anschliessend an Konsumenten veräussert (Urteil des Bundesgerichts 

6B_518/2014 vom 14. Dezember 2014 E. 10.4.3). Der qualifizierten 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz macht sich unter 

anderem strafbar, wer als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur 

fortgesetzten Ausübung des unerlaubten Betäubungsmittelhandels 

zusammengefunden hat (Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG). Bandenmässigkeit ist 

anzunehmen, wenn zwei oder mehr Täter sich mit dem ausdrücklich oder 

konkludent geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung 

mehrerer selbständiger, im Einzelnen noch unbestimmter Straftaten 

zusammenzuwirken (BGE 147 IV 176 E. 2.4.2). 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Beschuldigte begründet den von ihr mit Berufung beantragten 

vollumfänglichen Freispruch damit, dass aus den Akten nicht hervorgehe, 

wie G. habe identifiziert werden können und deshalb sämtliche darauf 

erhobenen Beweise unverwertbar seien. Ihre Identifizierung im Rahmen 

der verdeckten Fahndung gegen G. stelle einen klassischen Zufallsfund 

dar. Sodann könne den Akten weder entnommen werden, auf wen das 

Mobiltelefon des Fahnders gelautet habe, noch um welche Telefonnummer 

es sich handelte. Entsprechend sei davon auszugehen, dass die 

Registrierung unter Verwendung fingierter Urkunden erfolgt und damit der 

Bildung einer Legende gedient habe. Weiter würden mit der Art und Weise 

der Kontaktaufnahme des verdeckten Fahnders mit G., der Dauer des 

Kontaktes und dem kollegialen Umgangston Anhaltspunkte dafür 

bestehen, dass eine vertrauensvolle und über den blossen Drogenkauf 

hinausgehende Beziehung bestanden habe. Ob die Ermittlungen 

tatsächlich den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses bezweckten bzw. 

solches gar gelungen sei, könne im Übrigen nicht überprüft werden, da die 

Dokumentation der Kontakte zwischen G. und dem verdeckten Fahnder in 

den Akten offensichtlich unvollständig sei. Da es jedoch den Behörden 

obliegen würde, die entsprechenden Anhaltspunkte zu entkräften und 

solches vorliegend nicht gelungen sei, müsse die von der 

Staatsanwaltschaft angeordnete «verdeckte Fahndung» als verdeckte 

Ermittlung qualifiziert werden, mit der Konsequenz, dass die gewonnenen 

Erkenntnisse mangels richterlicher Genehmigung nicht verwertbar seien. 

Schliesslich seien die Beweismittel auch deshalb unverwertbar, weil der 

verdeckte «Fahnder» über die staatsanwaltschaftliche Genehmigung bis 

zum 26. Januar 2018 hinaus Ermittlungen getätigt habe, wie sich aus dem 

Amtsbericht vom 21. Februar 2018 ergebe (GA act. 461 ff.; Plädoyer des 

Verteidigers Rz. 9 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7). 

 

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2.4.2. 

Eine verdeckte Ermittlung liegt vor, wenn Angehörige der Polizei oder 

Personen, die vorübergehend für polizeiliche Aufgaben angestellt sind, 

unter Verwendung einer durch Urkunden abgesicherten falschen Identität 

(Legende) durch täuschendes Verhalten zu Personen Kontakte knüpfen 

mit dem Ziel, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und in ein kriminelles 

Umfeld einzudringen, um besonders schwere Straftaten aufzuklären 

(Art. 285a StPO). 

 

Eine verdeckte Fahndung liegt dagegen vor, wenn Angehörige der Polizei 

im Rahmen kurzer Einsätze in einer Art und Weise, dass ihre wahre 

Identität und Funktion nicht erkennbar ist, Verbrechen und Vergehen 

aufzuklären versuchen und dabei insbesondere Scheingeschäfte 

abschliessen oder den Willen zum Abschluss vortäuschen. Verdeckte 

Fahnder werden nicht mit einer Legende i.S.v. Art. 285a StPO ausgestattet 

(Art. 298a StPO). Die Staatsanwaltschaft und, im Ermittlungsverfahren, die 

Polizei können eine verdeckte Fahndung anordnen, wenn der Verdacht 

besteht, ein Verbrechen oder Vergehen sei begangen worden und die 

bisherigen Ermittlungs- oder Untersuchungshandlungen erfolglos 

geblieben sind oder die Ermittlungen sonst aussichtslos wären oder 

unverhältnismässig erschwert würden. Hat eine von der Polizei 

angeordnete verdeckte Fahndung einen Monat gedauert, so bedarf ihre 

Fortsetzung der Genehmigung durch die Staatsanwaltschaft (Art. 298b 

StPO). Die Staatsanwaltschaft teilt der beschuldigten Person spätestens 

mit Abschluss des Vorverfahrens mit, dass gegen sie verdeckt gefahndet 

worden ist (Art. 298d Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 298 Abs. 1 und 3 StPO). 

Soweit Polizeiangehörige zwar ihre wahre Funktion nicht offenlegen, sich 

dabei aber nicht falscher Urkunden bedienen, kein eigentliches 

Vertrauensverhältnis aufbauen, die Massnahme nicht auf längere Dauer 

angelegt ist und der Aufklärung von Verbrechen oder Vergehen dient, sind 

grundsätzlich nicht die Regeln über die verdeckte Ermittlung, sondern jene 

über die verdeckte Fahndung massgebend (BGE 143 IV 27 E. 2.4). 

 

2.4.3. 

2.4.3.1. 

In casu lag keine verdeckte Ermittlung, sondern eine verdeckte Fahndung 

nach Art. 298a StPO vor: 

 

Mit Verfügung der Kantonspolizei vom 18. September 2017 wurde eine 

verdeckte Fahndung gegen unbekannt angeordnet. Dies, weil gemäss 

allgemeinen polizeilichen Informationen am Bahnhof Brugg Heroin und 

Methamphetamin (Crystal Meth) erworben werden könne und bisherige 

Ermittlungen zu Händlern erfolglos verlaufen seien. Die verdeckte 

Fahndung wurde auf die Dauer von maximal einem Monat begrenzt, 

beginnend mit dem ersten Kontakt. Ziel war die Aufklärung des durch die 

Zielperson(en) begangenen resp. sich im Gange befindlichen Delikte 

 - 9 - 

 

 

 

(UA act. 343 f.). Gemäss dem Amtsbericht des verdeckten Fahnders vom 

18. September 2017 habe er gleichentags am Bahnhof Brugg Kontakt zu 

einem Verkäufer von Crystal Meth herstellen können, welcher sich als Herr 

H. vorgestellt und dessen Telefonnummer er erhalten habe (UA act. 349). 

In seinem Amtsbericht vom 27. September 2017 hielt der verdeckte 

Fahnder fest, dass er am 21. September 2017 zuerst per «WhatsApp» und 

danach telefonisch Kontakt zu H. aufgenommen habe, um Crystal Meth zu 

erwerben. Er habe sich anschliessend mit diesem im Einkaufszentrum Telli 

in Aarau getroffen und für Fr. 40.00 ein Minigrip mit einer kristallinen 

Substanz erworben (UA act. 351). Dem Amtsbericht vom 16. Oktober 2017 

zufolge, habe der verdeckte Fahnder, nachdem er H. per «WhatsApp» 

kontaktiert habe, diesen gleichentags in Aarau abgeholt und sei mit ihm 

zusammen nach X. zur Bushaltestelle D. gefahren. Dort angekommen sei 

der Betäubungsmittelhändler (gemeint: G.) erschienen und habe H. zwei 

kleine Minigrip mit Crystal Meth übergeben. Daraufhin seien sie alle in die 

Wohnung von G. gegangen, wo der verdeckte Fahnder Fr. 300.00 für das 

Crystal Meth bezahlt habe. Anschliessend habe er die Mobiltelefonnummer 

von G. erhalten und H. zurück nach Aarau gefahren (UA act. 353). Am 

26. Oktober 2017 ordnete die Staatsanwaltschaft die verdeckte Fahndung 

für die Zeit vom 17. Oktober 2017 bis 17. Januar 2018 im Strafverfahren 

gegen G. schriftlich an. Ziel der verdeckten Fahndung sei die eindeutige 

Identifizierung des Verkäufers (gemeint ist G.) des Crystal Meth anhand 

von ein bis zwei Kleinkäufen sowie die Verifizierung der Versandmethode 

und die Lokalisierung des Produktions- bzw. Bezugsortes gewesen (UA 

act. 347). Gemäss dem Amtsbericht des verdeckten Fahnders vom 1. 

Dezember 2017 habe er am 28. November 2017 per «WhatsApp» zwei 

Gramm Crystal Meth bei G. bestellt. Er sei dann am 1. Dezember 2017 mit 

diesem zusammen vom Bahnhof Wohlen nach X. zur Wohnung von G. 

gefahren. In der Küche habe sich eine unbekannte weibliche Person 

(gemeint: die Beschuldigte) befunden. Für die zwei Gramm Crystal Meth 

habe G. Fr. 290.00 verlangt, da beim Bezug der Ware bei den Asiaten mehr 

habe bezahlt werden müssen. Die Beschuldigte habe daraufhin zwei 

Minigrip Crystal Meth gebracht, wofür der verdeckte Fahnder Fr. 290.00 

bezahlt habe. Danach habe er G. zum Bahnhof Wohlen zurückgefahren 

(UA act. 355 f.). Mit Verfügung vom 12. Januar 2018 verlängerte die 

Staatsanwaltschaft die verdeckte Fahndung um weitere drei Monate bis 

zum 17. April 2018 (Verfahren ST.2019.7, G.: UA act. 194). Dem 

Vorbringen der Beschuldigten, wonach die verdecke Fahndung aufgrund 

der fehlenden Verlängerung am 25. Januar 2018 abgelaufen sei, kann 

somit nicht gefolgt werden. Gemäss dem Amtsbericht vom 21. Februar 

2018 habe der verdeckte Fahnder seit dem 9. Dezember 2017 einige Male 

Kontakt per «WhatsApp» mit G. gehabt. Da dieser jedoch nur sehr 

sporadisch geantwortet habe, sei es bis zum 21. Februar 2018 zu keinem 

persönlichen Treffen mehr gekommen. Die beiden hätten dann ein Treffen 

für den 21. Februar 2018 abgemacht, woraufhin sie sich an diesem Tag im 

Fahrzeug des verdeckten Fahnders vor der Wohnung in X. getroffen 

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hätten. G. habe ein Minigrip Crystal Meth in den Getränkehalter der 

Mittelkonsole gelegt und dafür Fr. 1'200.00 verlangt. Anschliessend hätten 

sie sich über H. unterhalten und G. habe dem verdeckten Fahnder 

mitgeteilt, dass er daran nichts verdienen würde, weil die Ware seiner 

Kollegin gehöre (UA act. 357).  

 

2.4.3.2. 

Aus dem Vorgenannten geht hervor, dass die für die Dauer von einem 

Monat polizeilich angeordnete verdeckte Fahndung gegen unbekannt 

angeordnet wurde (UA act. 343). In der anschliessend durch die 

Staatsanwaltschaft angeordneten und verlängerten verdeckten Fahndung 

wurde G. als Beschuldigter und Zielperson aufgeführt (UA act. 347; 

Verfahren ST.2019.7, G.: UA act. 194). Aufgrund dessen richtete sich die 

verdeckte Fahndung im Zeitpunkt, in welchem die Beschuldigte ins Visier 

der Ermittlungen geriet, nämlich am 1. Dezember 2017, lediglich gegen G., 

nicht jedoch gegen die Beschuldigte. Das Strafverfahren gegen die 

Beschuldigte wurde als Ergebnis der verdeckten Fahndung eröffnet. Dies 

geht klar aus dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung der 

Untersuchungshaft vom 23. Februar 2018 hervor, in welchem festgehalten 

wurde, dass die Beschuldigte im Zuge der gegen G. durchgeführten 

verdeckten Fahndung ins Blickfeld geraten sei (UA act. 164).  

 

2.4.3.3. 

Dass es sich vorliegend um eine verdeckte Fahndung, nicht jedoch um eine 

verdeckte Ermittlung handelt, ergibt sich einerseits daraus, dass der 

verdeckte Fahnder zu G. kein Vertrauensverhältnis aufgebaut, sondern 

jeweils nur zum Zweck des Erwerbs von Crystal Meth Kontakt 

aufgenommen hat. Dies geht aus den zwischen G. und dem verdeckten 

Fahnder versendeten «WhatsApp»-Nachrichten hervor (vgl. Verfahren 

ST.2019.7, G.: UA act. 191 ff.). Weiter gegen das Vorliegen einer 

verdeckten Ermittlung spricht die Tatsache, dass G. insgesamt vier 

Personen Crystal Meth und sechs bis sieben Personen Heroin verkauft hat 

(vgl. Verfahren ST.2019.7, G.: GA act. 368; 296; 327). Dies zeigt, dass er 

bereit war jedermann Drogen zu verkaufen, ohne zu diesen in einem 

Vertrauensverhältnis zu stehen. Diesbezüglich gilt es zu berücksichtigen, 

dass anders als die Zielperson der verdeckten Fahndung, welche mit einem 

beliebigen Geschäftspartner delinquiert, die Zielperson der verdeckten 

Ermittlung nur dann ein kriminelles Geschäft abschliesst, wenn sie mit 

ihrem Geschäftspartner in einem Vertrauensverhältnis steht, dieser also 

gewisse Barrieren überwunden hat. Ist die Zielperson dazu bereit, mit 

jedermann ein kriminelles Geschäft abzuschliessen, sind die 

Voraussetzungen für eine verdeckte Ermittlung nicht gegeben, da kein 

Vertrauensverhältnis aufgebaut werden muss (KNODEL, in: Basler 

Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, N. 12 zu Art. 285a StPO). Nachdem G. 

dazu bereit war, jedermann Crystal Meth zu verkaufen, benötigte es keine 

Schaffung eines Vertrauensverhältnisses.  

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Sodann vermag auch die gesamte Dauer der verdeckten Fahndung und 

die Anzahl an stattgefundenen Treffen keine verdeckte Ermittlung zu 

begründen. Zwar dauerte die verdeckte Fahndung insgesamt fünf Monate 

(18. September 2017 bis 21. Februar 2018), wobei diesbezüglich zu 

berücksichtigen ist, dass zwischen dem 2. Dezember 2017 und dem 

21. Februar 2018 beinahe kein Kontakt per «WhatsApp» sowie keinerlei 

persönliche Treffen stattgefunden haben. Insgesamt haben fünf 

persönliche Treffen stattgefunden, wobei die zwei ersten Treffen lediglich 

mit H. stattgefunden haben, nicht jedoch mit G., mit welchem es insgesamt 

zu drei Treffen gekommen ist. Dies vermag keine Qualifikation der 

verdeckten Fahndung als verdeckte Ermittlung zu begründen. Dass 

verdeckte Fahndungen denn auch länger dauern können, ergibt sich 

bereits aus der gesetzlichen Regelung in Art. 298b Abs. 2 StPO, wonach 

eine von der Polizei angeordnete verdeckte Fahndung nach der Dauer von 

einem Monat zu ihrer Fortsetzung der Genehmigung durch die 

Staatsanwaltschaft bedarf.  

 

Sodann ist der Staatsanwaltschaft dahingehend beizupflichten (vgl. GA 

act. 534; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 f.), dass weder die 

kollegiale Anrede, noch die spontane Herausgabe der eigenen 

Mobiltelefonnummer durch G. an den verdeckten Fahnder ein 

Vertrauensverhältnis zu begründen vermag, da es üblich ist, dass 

Drogenhändler ihren Kunden ihre Telefonnummer mitteilen, um 

Kontaktaufnahmen für weitere Verkäufe sicherzustellen. Betreffend das 

durch den verdeckten Fahnder verwendete Mobiltelefon ist festzuhalten, 

dass – entgegen dem Vorbringen der Beschuldigten – diesbezüglich keine 

Verwendung einer Legende erkennbar ist und der verdeckte Fahnder denn 

auch explizit dahingehend instruiert wurde, keine Legende verwenden zu 

dürfen (vgl. UA act. 344 f.). Diesbezüglich gilt es die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung zu beachten, wonach man unter einer Legende eine durch 

Urkunden abgesicherte falsche Identität versteht. Konkret geht es darum, 

eine Scheinidentität mit fingierten Urkunden zu untermauern. Der 

polizeiliche Ermittler soll bei einer verdeckten Ermittlung mit einer fiktiven 

Biographie ausgestattet werden, die einer gewissen, nicht mehr nur 

oberflächlichen Überprüfung standhält. Dahingegen schliesst die verdeckte 

Fahndung die Verwendung einer durch Urkunden abgesicherten Legende 

aus. Indes muss auch der verdeckte Fahnder milieuangepasst oder 

szenentypisch auftreten können. Er darf sich dabei einer untergeordneten 

Legendierung bedienen, die durchaus auch raffiniert sein kann, solange sie 

nicht urkundengestützt ist. Wer über Namen, Wohnort und Alter unwahre 

Angaben macht sowie eine Telefonnummer verwendet, die auf einen 

falschen Namen lautet, braucht sich nicht mit Urkunden zu identifizieren. 

Derart simple Legendierungselemente schaffen jedenfalls keine durch 

Urkunden abgestützte Legende im Sinne von Art. 285a StPO und machen 

eine verdeckte Fahndung nicht zu einer bewilligungspflichtigen verdeckten 

Ermittlung. Weiter muss beachtet werden, dass die Bekanntgabe einer 

 - 12 - 

 

 

 

Mobiltelefonnummer nicht den geringsten Rückschluss auf die Person des 

Nummerninhabers zulässt. Dadurch wird weder Vertrauen geschaffen 

noch gewonnen (vgl. BGE 143 IV 27 E. 4.1.2 ff.). Der Umstand, dass die 

Telefonnummer möglicherweise auf eine bestimmte Person registriert ist, 

vermag daran nichts zu ändern. Denn entgegen den Vorbringen der 

Beschuldigten lässt die fehlende Angabe der verwendeten Telefonnummer 

sowie der Vertragsdaten nicht ohne Weiteres darauf schliessen, dass für 

die Registrierung eine fiktive Identität bzw. falsche Urkunden verwendet 

worden wären. Vielmehr ist unter Verweis auf den von der Beschuldigten 

angeführten Bundesgerichtsentscheid davon auszugehen, dass die 

Nummer auf eine staatliche Körperschaft oder Behörde registriert ist (vgl. 

BGE 143 IV 27 E. 4.1.4). Ohnehin sind die entsprechenden Vertragsdaten 

vorliegend nicht weiter von Belang, zumal alleine die Verwendung einer auf 

jemand anderen eingelösten Telefonnummer keine urkundlich abgestützte 

Täuschungshandlung begründet. Insofern die Beschuldigte daher mit 

Berufung die Edition der entsprechenden Telefonnummer sowie der 

Vertragsdaten verlangt (vgl. Plädoyer der Verteidigung Rz. 29), ist der 

entsprechende Beweisantrag mangels Relevanz abzuweisen (Art. 139 

Abs. 2 StPO). 

 

Wie bereits vorgängig erwähnt, diente die gesamte stattgefundene 

Kommunikation über das Mobiltelefon des verdeckten Fahnders denn auch 

einzig dem Zweck des Erwerbs von Crystal Meth. Unter Berücksichtigung 

der gesamten Umstände lag kein intensiver persönlicher Kontakt vor, 

welcher den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwecks Eindringen in 

ein kriminelles Umfeld begründen könnte. So gilt es betreffend den per 

Mobiltelefon stattgefundenen Kontakt zwischen dem Fahnder und G. die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung zu berücksichtigen, wonach selbst 

180 gegenseitig versendete SMS-Nachrichten noch kein 

Vertrauensverhältnis zu begründen vermögen (BGE 143 IV 27 E. 4.2.3). 

Der Beschuldigten ist zwar insofern beizupflichten, als dass grundsätzlich 

sämtliche Untersuchungshandlungen und damit auch einzelne 

Textnachrichten in den Akten zu dokumentieren sind (Art. 100 StPO; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7). Nichtsdestotrotz begründet der 

Umstand, dass vorliegend einzelne Nachrichten nur zusammengefasst, 

nicht jedoch im Original wiedergegeben sind, keinen Anhaltspunkt für einen 

Kontakt, der umfangmässig unter Verweis auf die zitierte Rechtsprechung 

auch nur ansatzweise auf die Bildung eines Vertrauensverhältnisses 

hingedeutet hätte. Auch inhaltlich bestehen wie erwähnt keinerlei 

Anhaltspunkte dafür, dass die entsprechenden Nachrichten über die 

Abwicklung der Drogenverkäufe hinausgegangen wären. Vor diesem 

Hintergrund kann auf die mit Berufung beantragte Befragung des 

verdeckten Fahnders, dessen Führungsperson mbV E., G. und H. (vgl. 

Plädoyer der Verteidigung Rz. 29) verzichtet werden und der 

entsprechende Beweisantrag ist abzuweisen (Art. 139 Abs. 2 StPO).  

 

 - 13 - 

 

 

 

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass eine verdeckte Fahndung 

nach Art. 298a StPO und nicht eine verdeckte Ermittlung vorgelegen hat.  

 

2.4.3.4. 

Offenbleiben kann, ob die Identifizierung der Beschuldigten im Rahmen der 

verdeckten Fahndung gegen G. einen verwertbaren Zufallsfund darstellt. 

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung beurteilt sich die Frage der 

Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter Beweismittel im Rahmen einer 

verdeckten Fahndung nach Massgabe der allgemeinen Bestimmung in 

Art. 141 StPO (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_404/2021 vom 

19. Oktober 2021 E. 5.3 [Publikation vorgesehen]). Entsprechend dürfen 

zur Aufklärung schwerer Straftaten selbst Beweise verwertet werden, die 

Strafbehörden in strafbarer Weise oder unter Verletzung von 

Gültigkeitsvorschriften erhoben haben (Art. 141 Abs. 2 StPO). Nachdem 

vorliegend die Verwertung sämtlicher Beweise zur Aufklärung einer 

qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss 

Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG – bei welcher es sich um eine schwere Straftat 

handelt – unerlässlich ist, dürfen diese gestützt auf Art. 141 Abs. 2 StPO 

selbst bei vorangegangener Verletzung von Gültigkeitsvorschriften 

verwertet werden. Dasselbe gilt im Übrigen betreffend die versäumte 

Mitteilung über die Beendigung der verdeckten Fahndung gemäss Art. 

298d Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 298 Abs. 1 und Abs. 3 StPO. Zwar hätte die 

Beendigung der verdeckten Fahndung – entgegen dem Vorbringen der 

Staatsanwaltschaft (GA act. 517; 533) – der Beschuldigten mitgeteilt 

werden müssen, da das gegen sie eröffnete Strafverfahren das Ergebnis 

der verdeckten Fahndung gegen G. war (vgl. hierzu oben). Die Verletzung 

dieser Bestimmung führt jedoch, unter Berücksichtigung von Art. 141 Abs. 

2 StPO, nicht zur Unverwertbarkeit der in diesem Strafverfahren erlangten 

Beweismittel. 

 

2.5. 

2.5.1. 

Die Beschuldigte bringt mit Berufung weiter vor, dass sämtliche delegierten 

Einvernahmen von ihr sowie des Mitbeschuldigten A. in Verletzung der 

nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung erforderlichen doppelten 

Belehrung erfolgt seien. Bereits anlässlich ihrer ersten Befragung durch die 

Polizei habe sie angegeben, dass A. ihr Lebenspartner sei. Dennoch seien 

weder sie noch A. auf ihr gegenseitiges Zeugnisverweigerungsrecht 

gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. a StPO aufmerksam gemacht worden. In der 

Konsequenz seien sämtliche Aussagen gesamthaft unverwertbar. In 

Ermangelung anderer Beweismittel sei sie von den angeklagten 

Tatvorwürfen freizusprechen (Plädoyer der Verteidigung Rz. 31 ff.).  

  

 - 14 - 

 

 

 

2.5.2. 

Gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. a StPO kann das Zeugnis verweigern, wer mit 

der beschuldigten Person eine Ehe oder faktische Lebensgemeinschaft 

führt. Eine faktische Lebensgemeinschaft liegt dann vor, wenn zwischen 

zwei Personen eine auf Dauer oder längere Zeit angelegte, umfassende 

Lebensgemeinschaft mit Ausschliesslichkeitscharakter besteht, welche 

sowohl eine geistig-seelische als auch wirtschaftliche Komponente 

aufweist, wobei die gesamten Umstände des Zusammenlebens von 

Bedeutung sind (Urteil des Bundesgerichts 6C_967/2019 vom 7. Mai 2020 

E. 2.3.4). Um eine faktische Lebensgemeinschaft von einer 

vorübergehenden Beziehung bzw. vom bloss temporären Zusammenleben 

eines Liebespaares zu unterscheiden, ist eine gefestigte Situation, d.h. eine 

gewisse Stabilität und Beständigkeit vorauszusetzen. Notwendig ist eine 

Beziehung von einer gewissen Intensität und Dauer (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_201/2018 vom 15. Oktober 2018 E. 4.4.4). Um sich auf 

das Zeugnisverweigerungsrecht berufen zu können, muss die faktische 

Lebensgemeinschaft zum Zeitpunkt der Einvernahme bestehen (vgl. 

DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 

3. Aufl. 2020, N. 21 zu Art. 168 StPO).  

 

2.5.3. 

Die polizeilichen Einvernahmen der Beschuldigten und A. wurden im 

Zeitraum vom 21. Februar 2018 bis zum 24. April 2018 durchgeführt (vgl. 

UA act. 200 ff. und act. 277 ff.). Zum damaligen Zeitpunkt waren die 

Beschuldigte und A. eigenen Aussagen zufolge zwar ein Liebespaar (UA 

act. 202 und 207). Sie waren jedoch weder verheiratet, noch waren die 

Voraussetzungen für die Annahme einer eheähnlichen Gemeinschaft 

erfüllt.  

 

Die Beschuldigte und A. kannten sich eigenen Angaben zufolge seit Juli 

2016, d.h. seit rund 1 ½ Jahren (UA act. 265). Eine hinreichend lange 

dauernde Gemeinschaft lag damals bereits aufgrund des zeitlichen 

Elements somit nicht vor. Weiter war die Beschuldigte im Zeitpunkt der 

Einvernahme in QS. gemeldet, wo sie in einer Wohngemeinschaft lebte. 

Anlässlich ihrer Befragung führte die Beschuldigte aus, offiziell erst ab März 

2018 in X. bei A. zu wohnen. Sie habe erst Mitte Februar 2018 ihr Bett von 

QS. in die 3.5-Zimmerwohnung nach X. verbracht, in der seit Februar 2017 

auch G. wohnen würde. Zuvor habe sie sich ungefähr seit Beginn ihrer 

Arbeitslosigkeit im Juli 2017 jeweils zur Hälfte der Woche in QS. und in X. 

aufgehalten (UA act. 202 f.). Damit ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht 

keine Verflechtung erkennbar, welche über diejenige einer 

Wohngemeinschaft hinausgehen würde. Andere Anhaltspunkte für eine 

besondere seelisch-geistige Verbundenheit bestanden nicht, so dass in 

Anbetracht der Gesamtumstände nicht von einer faktischen 

Lebensgemeinschaft auszugehen war, zumal sie offiziell sogar erst per 1. 

Mai 2018 nach X. zugezogen ist. Damit war ihnen eine Berufung auf das 

 - 15 - 

 

 

 

Zeugnisverweigerungsrecht gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. s StPO ohnehin 

verwehrt. Dass die beiden heute, mithin mehrere Jahre später, die 

Gründung einer Familie planen, ist mit Blick auf die 

Belehrungserfordernisse der damals durchgeführten Einvernahmen 

irrelevant (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 und 5). 

 

2.6. 

Die Beschuldigte ficht die vorinstanzlich ergangenen Schuldsprüche nur mit 

der bereits vorgängig abgehandelten formellen Begründung der 

Unverwertbarkeit der Beweismittel an, ohne weitergehende Vorbringen 

geltend zu machen. Es kann deshalb auf den vorinstanzlich korrekt 

festgestellten Sachverhalt abgestellt werden (vgl. vorinstanzliches Urteil 

E. III. f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

 

Indem die Beschuldigte zusammen mit dem Mitbeschuldigten A. zwischen 

dem 1. Januar 2016 und dem 4. Februar 2018 insgesamt 250 Gramm 

Crystal Meth (wovon aufgrund der nachfolgenden Veräusserung von 100 

Gramm noch 150 Gramm zu berücksichtigen sind) in die Schweiz 

eingeführt und davon zusammen mit dem Mitbeschuldigten A. zwischen 

dem 1. August 2017 und dem 21. Februar 2018 100 Gramm an G. sowie 

an zwei bis drei weitere Personen verkauft hat, hat sie sich der qualifizierten 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 

lit. b BetmG strafbar gemacht. 

 

Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung eröffnete der 

Gerichtspräsident den Anwesenden, dass betreffend Anklageziffer I.3. eine 

Würdigung des Sachverhalts i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Betracht 

gezogen werde (GA act. 510). Diesbezüglich bleibt festzuhalten, dass sich 

die Beschuldigte – entgegen der Vorinstanz – nicht der qualifizierten 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 

lit. b BetmG durch bandenmässigen Besitz von 41.1 Gramm Crystal Meth 

strafbar gemacht hat, da dieses bereits von der Einfuhr miterfasst wird und 

die Tathandlung des Besitzes als Auffangtatbestand konzipiert ist 

(FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, in: OF-Kommentar BetmG, 3. Aufl. 2016, 

N. 159 zu Art. 19 BetmG). 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den mit Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden vom 

17. September 2015 für eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten gewährten 

bedingten Vollzug widerrufen und als Gesamtstrafe eine teilbedingte 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren und einem bedingt zu 

vollziehenden Anteil von je 18 Monaten ausgesprochen (vorinstanzliches 

Urteil E. V.).  

 

 - 16 - 

 

 

 

In der Berufung finden sich für den Fall der Abweisung der Berufung im 

Schuldpunkt keine Ausführungen zur Strafzumessung. Nachdem der durch 

die Vorinstanz angeordnete Widerruf jedoch nicht mehr möglich ist und 

damit auch die Bildung einer Gesamtstrafe entfällt (siehe hierzu 

nachfolgend), ist die Strafzumessung neu vorzunehmen.  

 

3.2. 

Die Beschuldigte hat sich der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG strafbar 

gemacht. Dafür ist sie angemessen zu bestrafen.  

 

3.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

Am 1. Januar 2018 ist das teilrevidierte Sanktionenrecht in Kraft getreten. 

Wie zu zeigen sein wird, zeitigt es auf die auszusprechende Strafe jedoch 

keine konkreten Auswirkungen. Es erweist sich mithin nicht als milder 

(vgl. sog. «lex mitior», Art. 2 Abs. 2 StGB). Entsprechend findet das im 

Zeitpunkt der Taten geltende Recht Anwendung (Art. 2 Abs. 1 StGB). 

  

3.4. 

Gemäss Art. 47 StGB ist die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu 

bemessen. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des 

Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach 

bestimmt, wie weit er nach den inneren und äusseren Umständen in der 

Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Grundlage für 

die Bemessung der Schuld bildet demnach die Schwere der Tat 

(BGE 136 IV 55 E. 5.5). Bei Drogendelikten sind im Rahmen der 

Strafzumessung zusätzlich Art und Menge der umgesetzten Drogen zu 

berücksichtigen. Je grösser die Menge und je schädlicher die Art der vom 

Täter gehandelten Betäubungsmittel erscheint, desto gewichtiger erweist 

sich die von ihm mit der Tatverübung geschaffene gesundheitliche 

Gefährdung Dritter.  

Die Beschuldigte führte zusammen mit dem Mitbeschuldigten A. als 

Mitglied einer Bande zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 4. Februar 

2018 insgesamt 250 Gramm Crystal Meth aus Tschechien in die Schweiz 

ein und verkaufte davon zwischen dem 1. August 2017 und dem 21. 

Februar 2018 100 Gramm an G. sowie an zwei bis drei weitere Personen. 

Folglich sind ihr die Einfuhr von 150 Gramm Crystal Meth sowie der Verkauf 

von 100 Gramm Crystal Meth vorzuwerfen. Der Reinheitsgrad belief sich 

auf 78% Methamphetamin-Hydrochlorid (UA act. 193; vgl. vorinstanzliches 

Urteil E. V.4.3.2.), weshalb es sich um reines Crystal Meth in einer Menge 

 - 17 - 

 

 

 

von insgesamt 195 Gramm (resp. 117 Gramm eingeführtes reines Crystal 

Meth und 78 Gramm verkauftes reines Crystal Meth) handelte. Der für die 

Qualifikation als schwerer Fall erforderliche Grenzwert von 12 Gramm 

reinem Methamphetamin-Hydrochlorid (BGE 145 IV 312 Regeste) wurde 

somit um mehr als das 16-fache überschritten. Entsprechend hoch ist die 

davon ausgehende Gefährdung der Gesundheit der Drogenkonsumenten. 

Der Drogenmenge ist zwar keine vorrangige, aber auch nicht eine 

untergeordnete Bedeutung zuzumessen. Es wäre verfehlt, im Sinne eines 

Tarifs überwiegend oder gar allein auf dieses Kriterium abzustellen. Falsch 

wäre aber auch die Annahme, diesem Strafzumessungselement komme 

eine völlig untergeordnete oder gar keine Bedeutung zu. Eine erhebliche 

Drogenmenge darf – wie vorliegend – bei der Festsetzung der Strafe 

innerhalb des qualifizierten Strafrahmens verschuldenserhöhend gewichtet 

werden (BGE 118 IV 342 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 6B_286/2011 

vom 29. August 2011 E. 3.4.1). Auch wenn es im Drogenhandel teilweise 

um deutlich grössere Drogenmengen geht, handelt es sich doch um eine 

erhebliche Menge, welche nicht zu bagatellisieren ist.  

 

Die Art und Weise des Handelns ist nicht wesentlich über die Erfüllung des 

qualifizierten Tatbestands hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. 

 

Hinsichtlich der Beweggründe ist zwar zu berücksichtigen, dass die 

Beschuldigte während des Tatzeitraums eigenen Angaben zufolge 

methamphetaminabhängig war (UA act. 212; 238 f.). Der Marktwert der 

250 Gramm Crystal Meth lag jedoch gemäss dem bei der Beschuldigten 

gebräuchlichen Verkaufspreis zwischen Fr. 80.00 und Fr. 120.00 pro 

Gramm (UA act. 48) bei Fr. 20'000.00 bis Fr. 30'000.00. Auch unter 

Berücksichtigung der Tatsache, dass dieser Erlös mit dem 

Mitbeschuldigten A. geteilt werden musste, ging dieses potenzielle 

Einkommen deutlich über das hinaus, was für die Finanzierung des 

eigenen Konsums notwendig gewesen wäre. Insofern kann ein gewisses 

monetäres Motiv nicht von der Hand gewiesen werden. Die Beschuldigte 

verfügte über ein erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit. 

Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass sie sich ernsthaft darum gekümmert 

hätte, ihren Lebensunterhalt auf andere Weise zu finanzieren. Mit der 

Beschaffung der Drogen in Tschechien zum späteren teilweisen Verkauf 

hat die Beschuldigte den aus ihrer Sicht einfachsten Weg gewählt, um 

zukünftig an Geld zu gelangen. Eine Strafminderung gestützt auf Art. 19 

Abs. 3 lit. b BetmG kommt unter diesen Umständen nicht infrage. Vielmehr 

ist zu beachten, dass, je leichter es für sie gewesen wäre, die Normen der 

Betäubungsmittelgesetzgebung zu respektieren, desto schwerer die 

Entscheidung gegen sie verschuldensmässig wiegt (vgl. BGE 117 IV 112 

E. 1 mit Hinweisen). 

  

 - 18 - 

 

 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der von der qualifizierten Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz erfassten Betäubungsmittel, 

Drogenmengen, Handlungsweisen und Beweggründen von einem 

vergleichsweise noch knapp leichten Verschulden und in Relation zum 

weiten Strafrahmen von 1 bis 20 Jahren Freiheitsstrafe von einer dafür 

angemessenen Strafe von 3 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.  

 

3.5. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Die Beschuldigte 

ist mehrfach vorbestraft, was sich straferhöhend auswirkt (BGE 136 IV 1 

E. 2.6.2). So wurde sie mit Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden vom 

17. September 2015 wegen mehrfacher Vergehen gegen das Betäubungs-

mittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG sowie wegen mehrfacher 

Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19a BetmG zu 

einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Mit Urteil des 

Gerichtspräsidiums Muri vom 3. August 2016 wurde sie wegen Fahrens in 

fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG sowie wegen 

Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes nach Art. 19a BetmG zu 

gemeinnütziger Arbeit von 240 Stunden sowie einer Busse von Fr. 200.00 

verurteilt. Schliesslich wurde sie mit Urteil des Gerichtspräsidiums 

Bremgarten vom 20. April 2017 wegen falscher Anschuldigung gemäss 

Art. 303 Ziff. 1 StGB, Begünstigung gemäss Art. 305 Abs. 1 StGB sowie 

wegen Überlassens eines Motorfahrzeugs an einen Führer ohne 

erforderlichen Ausweis gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. e SVG mit einer bedingten 

Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 80.00 sowie einer Verbindungsbusse 

von Fr. 2'000.00 bestraft (vgl. Strafregisterauszug). Die Vorstrafen haben 

die Beschuldigte offensichtlich unbeeindruckt gelassen, und sie hat daraus 

nicht die nötigen Lehren gezogen.  

 

Die Beschuldigte beruft sich im Berufungsverfahren, wie bereits im 

erstinstanzlichen Verfahren, auf die Unverwertbarkeit der im vorliegenden 

Strafverfahren erlangten Beweismittel. Eine Strafminderung, wie sie bei 

einem von Anfang an geständigen, nachhaltig einsichtigen und reuigen 

Täter möglich wäre, kommt unter diesen Umständen nicht in Frage 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.6). 

 

Weitere Umstände, welche sich straferhöhend oder strafmindernd 

auswirken würden, sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist nicht von einer 

erhöhten Strafempfindlichkeit oder vom Vorliegen aussergewöhnlicher 

Umstände auszugehen. 

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren deutlich, weshalb die Täter-

komponente im Umfang von 3 Monaten Freiheitsstrafe straferhöhend zu 

berücksichtigen wäre. Aufgrund des geltenden Verschlechterungsverbots 

hat es jedoch bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe 

von 3 Jahren sein Bewenden. 

 - 19 - 

 

 

 

3.6. 

Die Vorinstanz hat die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 3 Jahren 

teilbedingt bei einem vollziehbaren und einem bedingt zu vollziehenden 

Anteil von je 18 Monaten sowie eine Probezeit von 4 Jahren 

ausgesprochen.  

 

Das Gericht kann den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem 

Jahr und höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben, wenn dies 

notwendig ist, um dem Verschulden genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 

Abs. 1 StGB). Ergeben sich ganz erhebliche Bedenken an der 

Legalbewährung des Täters, die bei einer Gesamtwürdigung aller 

Umstände eine eigentliche Schlechtprognose noch nicht zu begründen 

vermögen, so kann das Gericht den Vollzug der Freiheitsstrafe teilweise 

aufschieben (BGE 134 IV 60 E. 7.4 mit Hinweis auf BGE 134 IV 1 E. 5.5.2). 

Auf diesem Wege kann das Gericht im Bereich höchst ungewisser 

Prognosen dem Dilemma «Alles oder Nichts» entgehen. 

 

Die Vorstrafen der Beschuldigten sind bei der Prognosestellung als 

erheblich ungünstige Elemente zu gewichten. Ihr wurde bereits mehrfach 

die Chance gewährt sich zu bewähren, indem zwei der drei Vorstrafen 

bedingt ausgesprochen worden sind (vgl. Strafregisterauszug). Dennoch 

wurde sie im zu beurteilenden Zeitraum wieder rückfällig, dies sogar noch 

während zwei laufenden Probezeiten. Die Probezeit für die bedingte 

Freiheitsstrafe von 20 Monaten wegen mehrfachen Vergehens gegen das 

Betäubungsmittelgesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmit-

telgesetzes musste bereits früher wegen Nichtbewährung verlängert 

werden. Negativ wirkt sich sodann der Umstand aus, dass die Beschuldigte 

mit der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

eine deutlich schwerwiegendere Straftat begangen hat und sich diese über 

etwas mehr als zwei Jahre erstreckte. 

 

Das Verhalten der Beschuldigten weist auf ein mangelhaftes 

Unrechtsbewusstsein hin. Zwar lebt sie in stabilen persönlichen 

Verhältnissen, wobei sie jedoch kein Erwerbseinkommen hat. Die stabilen 

Verhältnisse haben sie aber bereits in der Vergangenheit nicht von der 

Begehung von neuen Straftaten abhalten können. 

 

Nach dem Gesagten bestehen vorliegend ganz erhebliche Zweifel an der 

Legalbewährung der Beschuldigten. Die Beschuldigte ist zwar bis anhin 

noch nicht zu einer unbedingten Geld- oder Freiheitsstrafe verurteilt 

worden, dennoch konnten sie auch eine bedingte Freiheitsstrafe von 

20 Monaten sowie eine gemessen an ihren finanziellen Verhältnissen hohe 

bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. Fr. 12'000.00, 

sowie eine Verbindungsbusse von Fr. 2'000.00 nicht von der Begehung 

neuer Delinquenz abhalten. In Gesamtwürdigung aller Umstände wäre der 

Beschuldigten daher entgegen der Vorinstanz eine eigentliche 

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 - 20 - 

 

 

 

Schlechtprognose zu stellen und die gesamte Freiheitsstrafe zu vollziehen. 

Angesichts des vorliegend geltenden Verschlechterungsverbots (Art. 391 

Abs. 2 StPO) muss es an dieser Stelle jedoch mit dem vorinstanzlich 

gewährten teilbedingten Vollzug von 18 Monaten und einer erhöhten 

Probezeit von 4 Jahren sein Bewenden haben. 

 

3.7. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 63 Tagen (21. Februar 2018 

bis 24. April 2018; UA act. 163; 179) ist der Beschuldigten auf die 

Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB). 

 

3.8. 

3.8.1. 

Die Vorinstanz hat den mit dem Urteil des Kantonsgerichts Nidwalden vom 

17. September 2015 für die Freiheitsstrafe von 20 Monaten gewährten 

bedingten Strafvollzug widerrufen. Auf einen Widerruf des mit Urteil des 

Bezirksgerichts Bremgarten vom 20. April 2017 für die Geldstrafe von 

150 Tagessätzen à Fr. 80.00 gewährten bedingten Vollzug hat die 

Vorinstanz verzichtet, jedoch die Probezeit um 1 Jahr verlängert.  

 

3.8.2. 

Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder 

Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben 

wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil 

der Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). Nach Art. 46 Abs. 5 StGB darf der Widerruf 

nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei 

Jahre vergangen sind. Massgebend für die Einhaltung der Frist nach 

Art. 46 Abs. 5 StGB ist das Urteil der Berufungsinstanz, soweit es das 

erstinstanzliche Urteil auch betreffend den Widerruf ersetzt (vgl. BGE 143 

IV 441 E. 2.2). 

 

Die Beschuldigte hat das vorliegend zur Beurteilung stehende Delikt im 

Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis 21. Februar 2018 begangen. Die mit Urteil 

des Kantonsgerichts Nidwalden vom 17. September 2015 angesetzte 

Probezeit von 2 Jahren, welche anschliessend mit Urteil des 

Gerichtspräsidiums Muri vom 3. August 2016 um 1 Jahr verlängert worden 

ist, ist im September 2018 verstrichen. Die dreijährige Frist gemäss Art. 46 

Abs. 5 StGB ist im heutigen Zeitpunkt somit bereits verstrichen. Nach dem 

Gesagten ist ein Widerruf vorliegend nicht mehr möglich, womit auch die 

Bildung einer Gesamtstrafe entfällt.  

 

Ein Widerruf des mit Urteil des Bezirksgerichts Bremgarten vom 20. April 

2017 für die Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 80.00 gewährten 

bedingten Vollzug fällt bereits aufgrund des zu beachtenden 

Verschlechterungsverbots ausser Betracht. Die mit vorgenanntem Urteil 

angesetzte Probezeit von 2 Jahren ist im April 2019 verstrichen. Nachdem 

 - 21 - 

 

 

 

die dreijährige Frist gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB im heutigen Zeitpunkt 

bereits abgelaufen ist, ist auch keine Verlängerung der Probezeit gemäss 

Art. 46 Abs. 2 StGB mehr möglich. 

 

3.9. 

Ausgangsgemäss sind die Voraussetzungen für die von der Beschuldigten 

beantragten Zusprechung einer Genugtuung für die ausgestandene 

Untersuchungshaft nicht erfüllt. 

 

4.  

4.1. 

Die Vorinstanz hat gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB die Einziehung und 

Vernichtung eines grünen sowie eines braunen Notizbuchs angeordnet. 

Weiter hat sie gestützt auf Art. 267 Abs. 3 StPO den Vermögenswert von 

Fr. 100.20 zur Deckung der Verfahrenskosten eingezogen. 

 

Die Beschuldigte beantragt mit Berufung, die obengenannten 

Gegenstände sowie der Vermögenswert seien ihr herauszugeben 

(Berufungserklärung S. 2; Plädoyer Verteidigung Rz. 36).  

 

4.2. 

Eine Einziehung von Gegenständen gemäss Art. 69 Abs. 1 StGB setzt 

erstens voraus, dass diese Gegenstände zur Begehung einer Straftat 

gedient haben oder bestimmt waren oder durch eine Straftat 

hervorgebracht worden sind, und zweitens, dass diese Gegenstände die 

Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung 

gefährden.  

 

Es ist nicht ersichtlich, dass die beiden Notizbücher – nach Entfernen der 

Seiten mit den deliktrelevanten Notizen – eine Gefährdung für die 

Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung 

darstellen, zumal es sich um Alltagsgegenstände handelt, die jederzeit 

wiederbeschafft werden können. Die beiden Notizbücher sind – nach 

Entfernen der Seiten mit den deliktrelevanten Notizen – der Beschuldigten 

antragsgemäss herauszugeben. 

 

4.3. 

Der im Rahmen der Hausdurchsuchung bei der Beschuldigten 

beschlagnahmte Bargeldbetrag von Fr. 100.20 ist gestützt auf Art. 267 Abs. 

3 StPO i.V.m. Art. 268 StPO zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten 

zu verwenden. 

  

 - 22 - 

 

 

 

5.  

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Sind mehrere 

beteiligte Personen kostenpflichtig, so werden die Kosten anteilsmässig 

auferlegt (Art. 418 Abs. 1 StPO). 

 

Die Beschuldigte erwirkt mit ihrer Berufung insofern einen für sie 

günstigeren Entscheid, als dass der Vollzug der Vorstrafe vom 

17. September 2015 nicht mehr möglich ist und ihr die beiden Notizbücher 

herauszugeben sind. Es handelt sich dabei aber um vergleichsweise 

untergeordnete Punkte und das vorinstanzliche Urteil wird nur unwesentlich 

abgeändert. Insbesondere bleibt es auch ohne Widerruf bei der 

vorinstanzlich festgesetzten Strafe. Im Übrigen ist die Berufung der 

Beschuldigten denn auch abzuweisen. Unter diesen Umständen 

rechtfertigt es sich, der Beschuldigten die obergerichtlichen 

Verfahrenskosten vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). 

Davon ausgenommen sind einzig die Kosten, welche im Zusammenhang 

mit der Berufung der Staatsanwaltschaft, auf welche nicht einzutreten ist, 

angefallen sind. 

 

Die für das gemeinsam geführte Berufungsverfahren der Beschuldigten 

(SST.2021.75) und des Mitbeschuldigten A. (SST.2021.76) 

festzusetzenden Verfahrenskosten belaufen sich auf Fr. 8'000.00 (§ 18 

VKD). Fr. 500.00 sind auf die Staatskasse zu nehmen. Der auf die 

Beschuldigte entfallende hälftige Anteil von Fr. 7'500.00, d.h. Fr. 3'750.00, 

ist der Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 137 IV 

352 E. 2.4.2). Ausgangsgemäss hat die Beschuldigte ihre Parteikosten im 

Berufungsverfahren für ihren freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt 

Fingerhuth, selber zu tragen, nachdem ihr hinsichtlich der Berufung der 

Staatsanwaltschaft, auf welche nicht eingetreten wurde, kein 

nennenswerter Aufwand entstanden ist (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. 

Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

5.2.2. 

Dem früheren amtlichen Verteidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt 

Fricker, sind im Berufungsverfahren keine zu entschädigenden 

Aufwendungen entstanden (Eingabe des früheren amtlichen Verteidigers 

vom 22. März 2021).  

 

 - 23 - 

 

 

 

5.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie bei mehreren 

angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber 

freigesprochen oder wird das Verfahren in einem oder mehreren 

Anklagepunkten eingestellt, sind die Verfahrenskosten anteilsmässig 

aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit sich die verschiedenen 

Anklagekomplexe klar auseinanderhalten lassen. Die anteilsmässig auf 

einen Freispruch oder eine Verfahrenseinstellung entfallenden Kosten 

verbleiben beim Staat. Vollumfänglich kostenpflichtig werden kann die 

beschuldigte Person bei einem teilweisen Schuldspruch nur, wenn die ihr 

zur Last gelegten Handlungen in einem engen und direkten 

Zusammenhang stehen und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich 

jedes Anklagepunkts notwendig waren (Urteile des Bundesgerichts 

6B_993/2016 vom 24. April 2017 E. 5.3; 6B_904/2015 vom 27. Mai 2016 

E. 7.4 f.). 

 

Nachdem sich die Anklagekomplexe vorliegend nicht klar 

auseinanderhalten lassen, da es auch beim Konsum von 

Betäubungsmitteln um das Betäubungsmittel Crystal Meth ging, erweist 

sich die vorinstanzliche Kostenverlegung als zutreffend. Der Beschuldigten 

sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'313.00 

vollumfänglich aufzuerlegen.  

 

5.4. 

5.4.1. 

Die dem früheren amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt Fricker, für das 

erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Entschädigung von Fr. 5'707.45 

ist mit Berufung nicht angefochten worden, weshalb darauf im 

Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden kann (Urteil des 

Bundegerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4). 

 

Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss von der Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es ihre finanziellen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 StPO). Die Beschuldigte hat zudem dem früheren amtlichen 

Verteidiger die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung 

(Stundenansatz Fr. 200.00 und darauf berechnete Mehrwertsteuer) und 

dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete 

Mehrwertsteuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 500.00, sobald 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO). 

 

 - 24 - 

 

 

 

5.4.2. 

Ausgangsgemäss hat die Beschuldigte keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren. Sie hat ihre 

Parteikosten für ihren freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt Fingerhuth, 

für das erstinstanzliche Verfahren selbst zu tragen (Art. 429 Abs. 1 StPO 

e contrario). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wird nicht eingetreten.  

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird hinsichtlich des Vorwurfs des mehrfachen Konsums 

von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a BetmG für den Zeitraum 

26. September 2016 bis 19. November 2017 infolge Verjährung eingestellt. 

 

3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Beschuldigte wird vom Vorwurf des mehrfachen Konsums von 

Betäubungsmitteln gemäss Art. 19a BetmG freigesprochen (Zeitraum 

20. November 2017 bis 21. Februar 2018). 

 

4. 

Die Beschuldigte ist der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG schuldig. 

 

5. 

5.1. 

Die Beschuldigte wird hierfür gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG sowie in 

Anwendung von Art. 26 BetmG, Art. 47 StGB, Art. 40 StGB, Art. 43 StGB 

und Art. 44 Abs. 1 StGB 

 

zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit einem vollziehbaren 

und einem bedingt zu vollziehenden Anteil von je 18 Monaten, Probezeit 

4 Jahre, verurteilt. 

 

5.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 63 Tagen wird auf die 

Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

 - 25 - 

 

 

 

6. 

6.1. 

Folgende Gegenstände sind der Beschuldigten zurückzugeben: 

- iPhone 7 

- Etui weiss, ohne Inhalt 

- Notizbuch grün (nach Entfernen der Seiten mit den deliktrelevanten 

Notizen) 

- Notizbuch braun (nach Entfernen der Seiten mit den deliktrelevanten 

Notizen) 

 

Werden sie nicht innert 30 Tagen nach Rechtskraft des Urteils auf 

Voranmeldung auf der vorinstanzlichen Gerichtskanzlei abgeholt, so trifft 

die Staatsanwaltschaft die sachgemässen Verfügungen.  

 

6.2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Folgende Betäubungsmittel werden eingezogen und vernichtet: 

- 41.1 Gramm Crystal Meth 

- 2 Tabletten Ecstasy  

- 2 Tabletten Tizanidin 

- 6 Tabletten Ritalin  

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6.3. 

Die beschlagnahmten Fr. 100.20 werden zur Deckung der 

Verfahrenskosten verwendet. 

 

7. 

7.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten werden der Beschuldigten im 

Umfang des auf sie entfallenden Kostenanteils von Fr. 3'750.00 auferlegt. 

 

7.2. 

Die Beschuldigte hat ihre Parteikosten des Berufungsverfahrens für ihren 

freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt Fingerhuth, selbst zu tragen. 

 

8. 

8.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'313.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 2'250.00) werden der Beschuldigten auferlegt. 

 

8.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem früheren amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt 

Fricker, für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'707.45 auszurichten.  

 - 26 - 

 

 

 

 

Diese Entschädigung wird von der Beschuldigten zurückgefordert, sobald 

es ihre finanziellen Verhältnisse erlauben. Die Beschuldigte hat zudem dem 

früheren amtlichen Verteidiger die Differenz zwischen der amtlichen 

Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, d.h. Fr. 500.00, 

sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. 

 

8.3. 

Die Beschuldigte hat ihre erstinstanzlichen Parteikosten für ihren 

freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt Fingerhuth, selbst zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

 - 27 - 

 

 

 

Aarau, 4. Mai 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     Albert