# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fb92336-b330-54b0-b02b-31ed757c8d5d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.06.2020 F-3148/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3148-2020_2020-06-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3148/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn,  

mit Zustimmung von Richter Gregor Chatton,   

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, geboren (…), Beschwerdeführer 1 

2. B._______, geboren (…), Beschwerdeführerin 2 

3. C._______, geboren (…), Beschwerdeführerin 3  

4. D._______, geboren (…), Beschwerdeführerin 4, 

alle angolanische Staatsangehörige, 

Bundesasylzentrum (BAZ) Zürich, 8005 Zürich, 

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 16. Juni 2020 / (…). 

 

 

F-3148/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer 1 und die Beschwerdeführerin 2 reichten am 

12. Februar 2020 im Bundesasylzentrum in Zürich für sich und ihre min-

derjährige Tochter C._______ (Beschwerdeführerin 3) Asylgesuche ein. 

Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, 

dass die portugiesische Botschaft in Luanda dem Beschwerdeführer 1 ein 

vom 15. August 2019 bis 10. Februar 2020 gültiges und der Beschwerde-

führerin 2 ein vom 4. November 2019 bis 18. Dezember 2019 gültiges Vi-

sum ausgestellt hatte (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] 14 bzw. 16). 

B.  

Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 21. Februar 2020 gewährte das 

SEM dem Beschwerdeführer 1 und der Beschwerdeführerin 2 das rechtli-

che Gehör zur Zuständigkeit Portugals für die Durchführung der Asyl- und 

Wegweisungsverfahren, zu einer allfälligen Rückkehr dorthin sowie zum 

medizinischen Sachverhalt. Der Beschwerdeführer 1 führte hierzu aus, 

nicht nach Portugal zurückkehren zu wollen. Er habe eine Familie, für wel-

che er die Verantwortung trage. In Portugal gebe es keine guten Bedingun-

gen, viel Rassismus und die Polizei schlage Migranten. Er sei dort kein 

normaler Bürger und benötige für sich und die ganze Familie Schutz und 

Sicherheit. Ausserdem sei er noch jung. Hier in der Schweiz könnte er ar-

beiten und dann auch Steuern bezahlen. Zum Gesundheitszustand gab er 

an, bereits einen Arzttermin gehabt zu haben, bei welchem ihm Blut- und 

Urinproben abgenommen worden seien. Zwecks Besprechung der Labor-

resultate sei auf den 11. März 2020 ein weiterer Termin angesetzt. Zudem 

sei ein Röntgen geplant. Er sei nämlich angegriffen worden, wobei man 

ihm den Arm gebrochen habe. Ferner plagten ihn Schmerzen an der Wir-

belsäule (SEM act. 26). 

Die Beschwerdeführerin 2 ihrerseits erklärte, keinesfalls nach Portugal zu-

rückkehren zu wollen, da es dort viele Angolaner und viel Rassismus gebe. 

Zum medizinischen Sachverhalt machte sie geltend, sie habe sich schon 

ein paar Untersuchungen unterzogen, die Resultate seien aber noch aus-

stehend. Der nächste Arzttermin stehe am 3. März 2020 an. Sodann sei 

sie in der dreissigsten Woche schwanger. Ihre Tochter C._______ habe 

man noch nicht untersucht. Sie leide an Verdauungsproblemen, könne 

nicht defäkieren und benötige immer Zäpfchen (SEM act. 24). 

C.  

Wegen der angegebenen gesundheitlichen Probleme begaben sich die 

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Seite 3 

Beschwerdeführenden 1 – 3 in den folgenden Wochen mehrmals in ambu-

lante ärztliche Behandlung (vgl. SEM act. 31, 32, 37, 45 – 50, 61 – 64 sowie 

72).  

D.  

Am 21. April 2020 ersuchte die Vorinstanz die portugiesischen Behörden 

um Übernahme der Beschwerdeführenden 1 – 3 gemäss Art. 12 Abs. 4 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-

tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

E.  

Am 1. Mai 2020 kam das Kind D._______ (Beschwerdeführerin 4) zur Welt 

(SEM act. 58 – 60). Das SEM orientierte die portugiesischen Behörden am 

2. Juni 2020 über die Geburt des Kindes und bat darum, dies im bereits 

übermittelten Übernahmeersuchen zu berücksichtigen (SEM act. 38). 

F.  

Soweit die Beschwerdeführenden 1 – 3 betreffend, stimmten die portugie-

sischen Behörden dem Übernahmeersuchen am 3. Juni 2020 zu (SEM 

act. 39 – 42).  

G.  

Vom 2. Juni 2020 bis 6. Juni 2020 befand sich der Beschwerdeführer 1 

aufgrund einer Operation (laparoskopische Hernienplastik) im Stadtspital 

X._______ in stationärer Behandlung (SEM act. 50 – 54). 

H.  

Auf entsprechende Nachfrage sandte das SEM den portugiesischen Be-

hörden am 9. Juni 2020 die Geburtsbestätigung des Kindes D.______ 

(SEM act. 65 – 67).  

I.  

Am 12. Juni 2020 stimmten die portugiesischen Behörden auch dem Ersu-

chen um Übernahme der Beschwerdeführerin 4 zu (SEM act. 68/69).  

J.  

Mit Verfügung vom 16. Juni 2020 (gleichentags eröffnet) trat die Vorinstanz 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asyl-

gesuche der Beschwerdeführenden nicht ein, verfügte ihre Überstellung 

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Seite 4 

nach Portugal und forderte sie – unter Androhung von Zwangsmassnah-

men im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das SEM den Kanton 

Zürich mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte den Beschwerdeführen-

den die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte 

fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine auf-

schiebende Wirkung zukomme (SEM act. 74). 

K.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 18. Juni 2020 be-

antragen die Beschwerdeführenden, die angefochtene Verfügung sei auf-

zuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt aus-

zuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erklä-

ren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchen sie um Erteilung der auf-

schiebenden Wirkung, Erlass vorsorglicher Massnahmen, Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses (BVGer act. 1).   

L.  

Am 19. Juni 2020 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG 

den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus (BVGer act. 2). 

Gleichentags lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten des SEM in 

elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 3 AsylG).  

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von 

Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33 

Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und 

so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teil-

genommen, sind durch die angefochtene Verfügung berührt und haben ein 

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Seite 5 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-

führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu 

behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.H.). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

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Seite 6 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall 

eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-

tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten 

Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-

punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegen-

über grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III 

statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). 

4.3 Gemäss Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO ist derjenige Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig, welcher der an-

tragstellenden Person ein Visum erteilt hat, das seit weniger als sechs Mo-

naten abgelaufen ist, wobei im betreffenden Staat nicht zusätzlich ein Asyl-

gesuch gestellt worden zu sein braucht. Der nach der Dublin-III-VO zustän-

dige Mitgliedstaat ist verpflichtet, eine asylsuchende Person, die in einem 

anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach Massgabe der Arti-

kel 21, 22 und 29 aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). Die 

Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein, den ihren Antrag 

prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

5.  

5.1 Gemäss einem Abgleich mit dem CS-VIS erhielt der Beschwerdeführ-

er 1 von Portugal ein vom 15. August 2019 bis 10. Februar 2020 gültiges 

Visum, der Beschwerdeführerin 2 stellte die portugiesische Botschaft in 

Luanda ein Visum aus, welches vom 4. November 2019 bis 18. Dezember 

2019 gültig war (SEM act. 14 und 16). Die portugiesischen Behörden hies-

sen das Übernahmeersuchen betreffend die Beschwerdeführenden 1 – 3 

am 3. Juni 2020 gestützt auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO gut. Am 12. Juni 

2020 erklärten sie sich auch mit der Übernahme der Beschwerdeführerin 4 

einverstanden (SEM act. 39 und 68). Die grundsätzliche Zuständigkeit Por-

tugals ist somit gegeben und wird von den Beschwerdeführenden nicht be-

stritten.  

5.2 Nachfolgend ist demnach im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu 

prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren 

und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Portugal würden sys-

temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-

chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-

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Seite 7 

Grundrechtecharta mit sich bringen würden (E. 6) und ob nach Art. 17 

Abs. 1 Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist (E. 7). 

6.  

6.1 Portugal ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne 

und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-

sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), er-

geben. 

6.2 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Die Beschwerdeführenden führen in der sehr summarisch gehaltenen 

Rechtsmitteleingabe vom 18. Juni 2020 aus, aufgrund gesundheitlicher 

Leiden seien sie auf eine angemessene medizinische Versorgung ange-

wiesen. Zudem käme es derzeit in Portugal zu vielen rassistischen Über-

griffen gegenüber Angolanern. Aus diesen Gründen seien sie mit der an-

gefochtenen Verfügung nicht einverstanden und verlangten hinsichtlich der 

persönlichen Sicherheit der Familie sowie des Zugangs zu medizinischer 

Infrastruktur entsprechende schriftliche Garantien von Portugal. Damit for-

dern sie im Hauptbegehren implizit die Anwendung der Ermessensklausel 

von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der das Selbsteintrittsrecht im 

Landesrecht konkretisierenden Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asyl-

verordnung vom 11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311). 

7.2 Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, steht es den Beschwerdeführen-

den nach erfolgter Überstellung nach Portugal offen, dort um Asyl nachzu-

suchen und damit Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu 

erhalten. Die Betroffenen haben in diesem Zusammenhang kein konkretes 

und ernsthaftes Risiko dargetan, die portugiesischen Behörden würden 

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Seite 8 

sich weigern, sie aufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz 

unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten 

sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Portugal 

werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und 

sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre 

Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in 

dem sie Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Ausserdem haben die Beschwerdeführenden nicht darge-

tan, die sie bei einer Rückführung zu erwartenden Bedingungen in Portugal 

seien derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-

Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. 

hierzu etwa Urteil des BVGer F-2789/2788/2020 vom 5. Juni 2020, S. 6 

m.H.). 

7.3 Des Weiteren gibt es auch keine Hinweise für die Annahme, Portugal 

würde den Beschwerdeführenden dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahme-

richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei ei-

ner allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnten sie sich nötigen-

falls an die portugiesischen Behörden wenden und die ihnen zustehenden 

Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Auf-

nahmerichtlinie). Bei Portugal handelt es sich um einen Rechtsstaat mit 

funktionierendem Justizsystem. Sodann verfügt das Land über eine Poli-

zeibehörde, die sowohl als schutzwillig als auch als schutzfähig gilt und 

deren Hilfe die Beschwerdeführenden im Falle einer tatsächlichen Bedro-

hung durch Dritte (beispielsweise rassistische Übergriffe) in Anspruch neh-

men könnten. Für das Einholen individueller Garantien besteht folglich kein 

Anlass. 

7.4 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Eine 

vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-

schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-

staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen 

und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen 

Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, 

§§ 180–193 m.w.H.). 

F-3148/2020 

Seite 9 

7.5 Eine solche Situation ist vorliegend nicht gegeben. Die gesundheitli-

chen Probleme des Beschwerdeführers 1 sind in mehreren ärztlichen Be-

richten des Ambulatoriums Y._______ und des Stadtspitals X._______ 

festgehalten. Die fraglichen medizinischen Unterlagen beinhalten u.a. fol-

gende Diagnosen: Vorwiegend durch Geschlechtsverkehr übertragene 

Krankheiten (nicht klassifiziert), Hühneraugen, Fraktur im Bereich der 

Schultern und des Oberarms, Radikulopathie im Lumbalbereich, Dis-

kushernie, Luxation, Verstauchung und Zerrung des Kniegelenks und von 

Bändern des Kniegelenks, nicht näher bezeichnete Bauchschmerzen, 

Krankheiten des Hodens und Nebenhodens, nicht näher bezeichnete Ver-

letzungen der Knöchelregion und des Fusses, chronische Virushepatitis B, 

akute Virushepatitis A, Vitamin-D-Mangel. Zur Behandlung der aufgeführ-

ten Beschwerden wurden ihm in der Zeitspanne vom 19. Februar 2020 bis 

27. April 2020 zwei Injektionen und insgesamt neun Medikamente ver-

schrieben (zum Ganzen vgl. Zusammenstellung unter SEM act. 49). Am 

2. Juni 2020 unterzog sich der Beschwerdeführer 1 im Stadtspital 

X._______ zudem einem operativen Eingriff (laparoskopische Hernien-

plastik aufgrund symptomatischer Inguinalhernien beidseits), weshalb er 

dort bis zum 6. Juni 2020 hospitalisiert blieb. Der Eingriff verlief reibungs-

los. Postoperativ erhielt der Patient zwei Schmerzmittel (Dafalgan, Noval-

gin), verbunden mit der Anweisung zu regelmässigen Wundkontrollen und 

hausärztlicher Fadenentfernung zirka zwei Wochen nach der Operation 

(vgl. SEM act. 50 – 52). Aus den in den aktenkundigen Arztberichten figu-

rierenden Diagnosen ergibt sich mithin, dass sich der Beschwerdeführer 1 

aus medizinischer Sicht nicht zwingend in der Schweiz aufhalten muss, 

sondern eine adäquate Behandlung der festgestellten Leiden in Portugal 

möglich ist. Dies gilt auch hinsichtlich der Fortführung der jeweiligen Medi-

kationen sowie der Nachkontrollen zur Leistenoperation. Dementspre-

chend gelingt es dem Beschwerdeführer 1 nicht, nachzuweisen, dass er 

nicht reisefähig sei oder eine Überstellung nach Portugal seine Gesundheit 

ernsthaft gefährden würde. Sein Gesundheitszustand vermag eine Unzu-

lässigkeit im Sinne dieser restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtferti-

gen. 

7.6 Nicht anders verhält es sich mit den anderen Beschwerdeführenden. 

Die Beschwerdeführerin 2 hat am 1. Mai 2020 die Tochter D._______ ge-

boren. Die Geburt verlief ohne Komplikationen. Festgestellt wurden bei der 

Kindsmutter ferner Hepatitis B und Streptokokken (SEM act. 58 – 60). Das 

Neugeborene ist gesund (SEM act. 63/64). Bei dem inzwischen 2-jährigen 

Kind C._______ (Beschwerdeführerin 3) wurden am 29. Februar 2020 eine 

Obstipation, eine Erkältung mit Rhinitus, trockene Hautstellen und eine 

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Seite 10 

Stuhlwalze im linken Oberbauch diagnostiziert und medikamentös behan-

delt (SEM act. 61/62). Was die damals ebenfalls beobachteten psychi-

schen Beschwerden und Verhaltensauffälligkeiten anbelangt, informierte 

die zuständige Gesundheitsbetreuung das SEM am 15. Juni 2020 darüber, 

dass es nicht als notwendig erachtet worden sei, deswegen einen weiteren 

Arzttermin anzusetzen (SEM act. 72). Wie beim Beschwerdeführer 1 sind 

die gesundheitlichen Beeinträchtigungen demnach auch bei den übrigen 

Familienmitgliedern nicht von einer derartigen Schwere, dass im Falle ei-

ner Überstellung nach Portugal mit dem Risiko einer ernsten, raschen und 

unwiederbringlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes gerech-

net oder aus humanitären Gründen von einer Überstellung abgesehen wer-

den müsste.  

7.7 Wie angetönt, ist im Übrigen allgemein bekannt, dass Portugal über 

eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten 

sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versor-

gung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Be-

handlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, 

zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstel-

lern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder 

sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologi-

schen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es lie-

gen keine Hinweise vor, wonach Portugal den Beschwerdeführenden eine 

adäquate medizinische Behandlung (konkret routinemässige Nachkontrol-

len zur Leistenoperation bzw. zur Geburt) verweigern würde. Zusätzlicher 

Garantien bedarf es auch in dieser Hinsicht nicht.  

7.8 Anzumerken ist, dass die schweizerischen Behörden, die mit dem Voll-

zug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den medizinischen Um-

ständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der Überstellung 

der Beschwerdeführenden Rechnung tragen und die portugiesischen Be-

hörden vorgängig in geeigneter Weise über die spezifischen medizinischen 

Umstände informieren (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Dies ist vorliegend ge-

schehen, sind die jeweiligen Diagnosen in den Überstellungsmodalitäten 

doch detailliert aufgelistet (SEM act. 75) 

7.9 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorin- 

stanz bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermes-

sensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist 

unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Ak-

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Seite 11 

ten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- res-

pektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält 

sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

7.10 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Portugal der für 

die Behandlung allfälliger Asylgesuche der Beschwerdeführenden zustän-

dige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO. 

8.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. 

Weil die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- 

oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Portu-

gal in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 

Bst. a AsylV 1). 

9.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG unter diesen 

Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen. 

11.  

Der am 19. Juni 2020 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem 

Urteil dahin. 

12.  

Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses sind, soweit mit vorliegendem Entscheid nicht gegenstandslos 

geworden, abzuweisen, da die Begehren gemäss vorstehenden Ausfüh-

rungen als aussichtslos zu bezeichnen sind, weshalb die Voraussetzungen 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. Die Verfahrenskosten sind daher 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) und 

auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

F-3148/2020 

Seite 12 

 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

 

F-3148/2020 

Seite 13 

 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführenden (durch Vermittlung des Bundesasylzent-

rums Zürich, gegen Empfangsbestätigung; Beilage: Einzahlungs-

schein) 

– das SEM, Bundesasylzentrum Zürich 

– das Migrationsamt des Kantons Zürich (in Kopie)