# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07d590cf-759e-516a-a89e-04417f654eae
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-16
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 16.06.2023 HG210238
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG210238_2023-06-16.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 

Geschäfts-Nr.: HG210238-O U 

 
 

Mitwirkend: Oberrichterin Dr. Claudia Bühler, Präsidentin, und Oberrichter Ro-

land Schmid, Vizepräsident, die Handelsrichterinnen Verena Preisig, 

Nathalie Lang und Dr. Ursina Pally Hofmann sowie die Gerichts-

schreiberin Susanne Roesler 

Urteil vom 14. Juni 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Beklagter 

 

vertreten durch Fürsprecher Y._____ 

 

sowie 

 

C._____ AG,  
Nebenintervenientin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Z._____ 

 

- 2 - 

betreffend Forderung 
 
 
 

************************** 
 
 

Rechtsbegehren: 
(act. 1 S. 2) 

"1. Es sei die [recte: der] Beklagte zu verpflichten, der Klägerin unter 
dem Titel „Genugtuung" den Betrag von CHF 70'000.00 plus 
Schadenszins von 5 % ab dem tt.mm.jjjj zu bezahlen. 

 2. Es sei die Klägerin von der Bezahlung eines Kostenvorschusses 
zu befreien. 

 3 Eventualiter sei vom angerufenen Handelsgericht des Kantons 
Zürich nur ein Teil der mutmasslichen Gerichtskosten als Kosten-
vorschuss von der Klägerin zu verlangen. 

 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu-
lasten der Beklagten." 

- 3 - 

Übersicht 
 

Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 4 
A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................... 4 

a. Parteien und ihre Stellung ....................................................................... 4 
b. Prozessgegenstand ................................................................................ 4 

B. Prozessverlauf ................................................................................................ 5 
Erwägungen: ......................................................................................................... 6 
1. Formelles ...................................................................................................... 6 

1.1. Sachurteilsvoraussetzungen ................................................................... 6 
1.2. Anwendbares Recht ................................................................................ 7 
1.3. Einfache Streitverkündung und Nebenintervention ................................. 7 
1.4. Qualifikation Parteigutachten .................................................................. 9 
1.5. Editionsantrag ......................................................................................... 9 

2. Vorbemerkungen ........................................................................................ 12 
3. Haftung des Beklagten ............................................................................... 13 

3.1. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................... 13 
3.2. Streitpunkte ........................................................................................... 16 
3.3. Rechtliches ............................................................................................ 18 
3.3.1.  Halterhaftung ........................................................................................ 18 
3.3.2.  Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion ............................................ 19 
3.3.2.1. Grundsätze ......................................................................................... 19 
3.3.2.2. Selbstverschulden im Besonderen ...................................................... 20 
3.3.2.3. Beweislast und Beweismass ............................................................... 21 
3.4. Subsumtion ........................................................................................... 22 
3.4.1.  Halterhaftung ........................................................................................ 22 
3.4.2.  Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion ............................................ 23 
3.4.2.1. Kein Verschulden des Halters ............................................................. 23 
3.4.2.2. Keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs ................................ 23 
3.4.2.3. Verschulden des Fahrzeuglenkers ...................................................... 24 
3.4.2.4. Fazit .................................................................................................... 40 

4. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen ....................................... 41 
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................... 41 

5.1. Gerichtskosten ...................................................................................... 41 
5.2. Parteientschädigung.............................................................................. 42 

 

 

  

- 4 - 

Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Am tt.mm.jjjj ereignete sich am Bahnübergang 'D._____' in E._____ im Kanton 

F._____ ein Verkehrsunfall, anlässlich dessen die Klägerin, eine in G._____ 

[Staat im Mittleren Osten] wohnhafte natürliche Person, schwer, und ihr Ehe-

mann, der das Fahrzeug lenkte, tödlich verletzt wurden (act. 1 A.2.1 und A.3.1). 

Der Beklagte ist ein im Handelsregister eingetragener Verein mit Sitz in Zürich, 

der die in den Art. 74 und 76b Strassenverkehrsgesetz (SVG) genannten gesetz-

lichen Aufgaben wahrnimmt. Namentlich kommt er für Schäden auf, die durch 

ausländische Motorfahrzeuge und Anhänger in der Schweiz verursacht werden, 

soweit nach dem SVG eine Versicherungspflicht besteht (Art. 74 Abs. 2 lit. a 

SVG). Die Nebenintervenientin ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in H._____ im 

Kanton F._____. Sie bietet Dienstleistungen an im Bereich des öffentlichen regio-

nalen Personen- und Güterverkehrs vorwiegend im Raum I._____, F._____, 

J._____ und K._____ und kann zu diesem Zweck insbesondere Eisenbahnlinien 

bauen, erwerben, betreiben, mitbetreiben oder den Betrieb ihres Netzes oder ei-

nes Teils desselben einer anderen Bahnunternehmung übertragen. 

b. Prozessgegenstand 

Gegenstand des Verfahrens ist das erwähnte Unfallereignis vom tt.mm.jjjj am 

Bahnübergang 'D._____', anlässlich dessen ein durch eine achtköpfige … Reise-

gruppe [aus G._____] in Italien gemieteter Kleinbus der Marke L._____ mit einer 

Zugskomposition der Nebenintervenientin kollidierte. Infolge der Kollision verstar-

ben der Fahrzeuglenker und zwei weitere Insassen des Kleinbusses; die Klägerin 

und die vier weiteren Insassen wurden teilweise schwer verletzt. Mit der vorlie-

genden Klage verlangt die Klägerin vom Beklagten als gesetzlicher Haftpflichtver-

sicherer des unfallbeteiligten Motorfahrzeugs eine Genugtuung aus dem Verlust 

ihres Ehegatten. Mit der Begründung, dass der Verstorbene den besagten Ver-

kehrsunfall grobfahrlässig verursacht habe, schliesst der Beklagte demgegenüber 

– ebenso wie die Nebenintervenienten – auf Abweisung der Klage. 

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B. Prozessverlauf 

Am 24. November 2021 (Datum Poststempel) machte die Klägerin ihre Klage am 

Handelsgericht des Kantons Zürich rechtshängig (act. 1; act. 2; act. 3/2-45). Mit 

Verfügung vom 26. November 2021 wurde ihr Frist angesetzt einerseits zur Leis-

tung eines antragsgemäss einstweilen reduzierten Kostenvorschusses und ande-

rerseits zur Bezeichnung ihrer genauen Adresse und zur Einreichung eines er-

gänzten Beweismittelverzeichnisses (act. 4). Nachdem die Klägerin innert Frist 

sämtlichen an sie gerichteten Aufforderungen nachgekommen war (act. 7; act. 8; 

act. 9/46), wurde dem Beklagten mit Verfügung vom 13. Januar 2022 Frist zur Er-

stattung der Klageantwort angesetzt (act. 10). Der Beklagte reichte die Klageant-

wort vom 16. März 2022 fristgemäss ins Recht (act. 12; act. 13; act. 14/2-6); 

gleichzeitig verkündete er der C._____ AG den Streit (act. 13 S. 2). Mit Verfügun-

gen je vom 30. März 2022 wurde die Prozessleitung des vorliegenden Verfahrens 

an die heutige Präsidentin des hiesigen Gerichts als Instruktionsrichterin delegiert 

(act. 15) und die Streitberufene über die Streitverkündung informiert (act. 17). 

Nachdem sich die Streitberufene in der Folge nicht vernehmen liess, wurden die 

Klägerin und der Beklagte auf den 4. Mai 2022 zur Vergleichsverhandlung vorge-

laden (act. 20). Mittels Eingabe vom 2. Mai 2022 liess die Streitberufene ausfüh-

ren, aufgrund eines internen Versehens sei ihr die Streitverkündung erst am 

29. April 2022 zur Kenntnis gelangt, weshalb es ihr nicht möglich sei, sich kurzfris-

tig über einen Prozessbeitritt auszusprechen bzw. an der Vergleichsverhandlung 

teilzunehmen (act. 21; act. 22). Unter dem 3. Mai 2022 informierte das hiesige 

Gericht die Streitberufene darüber, dass der Prozess ohne Rücksicht auf sie fort-

gesetzt werde, solange sie sich nicht als Nebenintervenientin daran beteilige 

(act. 23; act. 25/1-4). An der Vergleichsverhandlung vom 4. Mai 2022 nahmen – 

nachdem das Dispensationsgesuch der Klägerin infolge ihres ausländischen 

Wohnsitzes bewilligt worden war (vgl. act. 19) – seitens der Klägerin allein deren 

Rechtsvertretung und seitens des Beklagten dessen Rechtsvertretung und 

M._____, …-Schadeninspektor der N._____ AG, teil (Prot. S. 11). Eine Einigung 

konnte nicht erzielt werden (Prot. S. 12). Auf Begehren der Klägerin (vgl. act. 27) 

wurde in der Folge mit Verfügung vom 18. Mai 2022 ein zweiter Schriftenwechsel 

angeordnet und der Klägerin Frist einerseits zur Leistung eines zusätzlichen Kos-

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tenvorschusses und andererseits zur Erstattung der schriftlichen Replik angesetzt 

(act. 28). Innert jeweiliger Frist bezahlte die Klägerin den zusätzlichen Kostenvor-

schuss (act. 30) und reichte die Replik ins Recht (act. 31; act. 32/47-52). Mit Ver-

fügung vom 24. August 2022 wurde dem Beklagten Frist angesetzt, um eine Dup-

lik einzureichen (act. 33). Mit Eingabe vom 21. Oktober 2022 erklärte die Streitbe-

rufene innert Duplikfrist den Prozessbeitritt als Nebenintervenientin und reichte 

eine Stellungnahme ins Recht (act. 35; act. 36; act. 37/2-12). Am 24. Oktober 

2022 erstattete der Beklagte innert Frist die Duplik (act. 38; act. 39/7). Mit Verfü-

gung vom 26. Oktober 2022 wurde der Klägerin unter Beilage beider eingegange-

nen Schriften mitgeteilt, dass der Aktenschluss eingetreten sei (act. 40). Mit 

Schreiben vom 27. Oktober 2022 ersuchte die Klägerin um Ansetzung einer an-

gemessenen Frist zur Erstattung einer Triplik (act. 42), welcher Antrag mit Verfü-

gung vom 28. Oktober 2022 abgewiesen wurde (act. 44). In der Folge reichte die 

Klägerin am 7. November 2022 eine Stellungnahme ins Recht (act. 46; act. 47/53-

56). Diese wurde dem Beklagten und der Nebenintervenientin in der Folge je zu-

gestellt (Prot. S. 20). Weitere Eingaben erfolgten nicht. Mit Verfügung vom 18. Ap-

ril 2023 wurde den Parteien Frist angesetzt, zu erklären, ob sie auf die Durchfüh-

rung der mündlichen Hauptverhandlung – unter Vorbehalt der Durchführung eines 

Beweisverfahrens – verzichteten (act. 49). Die Parteien verzichteten in der Folge 

auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung (act. 51; act. 52; 

act. 53).  

Das Verfahren erweist sich als spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die einzelnen 

Parteivorbingen sowie auf die Akten ist in den nachfolgenden Erwägungen einzu-

gehen, soweit sich dies zur Entscheidfindung als notwendig erweist. 

Erwägungen: 

1. Formelles 

1.1. Sachurteilsvoraussetzungen 

Die internationale und örtliche Zuständigkeit der Zürcher Gerichte zur Beurteilung 

der vorliegenden Klage ergibt sich aus Art. 1 Abs. 2 IPRG i.V.m. Art. 9 Abs. 1 lit. a 

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und Art. 11 Abs. 2 LugÜ i.V.m. Art. 38 Abs. 1 ZPO (vgl. act. 3/6). In sachlicher 

Hinsicht ist das Handelsgericht des Kantons Zürich zuständig (Art. 6 Abs. 2 und 3 

ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG; act. 3/6). Beides ist unbestritten geblieben (act. 1 

Rz. A.3.2; act. 13 S. 3 Rz. 2 und S. 8 Rz. 15). Die übrigen Sachurteilsvorausset-

zungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass (vgl. auch act. 1 Rz. A.4.1 und 

act. 13 S. 9 Rz. 16). 

1.2. Anwendbares Recht 

Da vorliegend die haftpflichtrechtlichen Folgen eines in einen internationalen 

Sachverhalt eingebetteten und sich auf schweizerischem Hoheitsgebiet ereigne-

ten Verkehrsunfalls zu beurteilen sind, ergibt sich die Anwendbarkeit des Schwei-

zer Rechts aus Art. 1 Abs. 2 IPRG i.V.m. Art. 3 und Art. 11 des Übereinkommens 

über das auf Strassenverkehrsunfälle anzuwendende Recht (SR. 0.741.31; in 

Kraft getreten für die Schweiz am 2. Januar 1987). Die Anwendbarkeit schweize-

rischen Rechts ist unbestritten (act. 1 Rz. A.3.1; act. 13 S. 8 Rz. 14 f.). 

1.3. Einfache Streitverkündung und Nebenintervention 

1.3.1. Mit der Klageantwort verkündete der Beklagte der C._____ AG den Streit 

gemäss Art. 78 ff. ZPO (act. 13 S. 2). Die Streitverkündung wurde der Streitberu-

fenen mit Verfügung vom 30. März 2022 mitgeteilt (act. 17). Gleichzeitig wurde sie 

über ihre Rechte zu intervenieren oder den Prozess anstelle des Streitverkünden-

den zu führen informiert und darauf hingewiesen, dass der Prozess ohne Erklä-

rung ihrerseits ohne Rücksicht auf sie fortgesetzt würde (vgl. Art. 79 ZPO). 

1.3.2. Am 21. Oktober 2022, mithin nach Erstattung der Replik, erklärte die Streit-

berufene ihren Prozessbeitritt als Nebenintervenientin (vgl. act. 35). Dadurch er-

mächtigte sie sich ohne Nachweis eines rechtlichen Interesses oder Zustimmung 

der Klägerin, zur Unterstützung des Beklagten alle Prozesshandlungen vorzu-

nehmen, die nach dem Stand des Verfahrens zulässig waren, insbesondere alle 

Angriffs- und Verteidigungsmittel geltend zu machen (Art. 79 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Art. 76 Abs. 1 ZPO; vgl. FREI, in: Basler Kommentar ZPO, 3. Aufl., Basel 2017, 

Art. 78 N 4 f.): Eine Intervenientin kann Anträge zur Sache oder zum Verfahren 

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stellen, Tatsachenbehauptungen vorbringen, substantiieren und bestreiten, Be-

weisanträge stellen oder der Hauptpartei zustehende materiell-rechtliche Einre-

den erheben (GRABER, in: Basler Kommentar ZPO, a.a.O., Art. 76 N 1). Das von 

ihr Vorgebrachte gilt als von der Hauptpartei erklärt, sofern es nicht mit deren 

Prozesshandlungen in Widerspruch steht (Art. 76 Abs. 2 ZPO). Direkte Rechtsfol-

gen zeitigt das Urteil für eine Nebenintervenientin dabei erst in einem allfälligen 

Folgeprozess (Art. 80 i.V.m. Art. 77 ZPO; STAEHELIN/SCHWEIZER, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil-

prozessordnung, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 77 N 1). 

Die Vorbringen der Nebenintervenientin sind folglich insofern zu beachten, als sie 

in Bezug auf die streitgegenständliche Frage der Haftbarkeit des Beklagten des-

sen (strittigen) Standpunkt ergänzen. Mangels Relevanz für das vorliegende Ver-

fahren unbeachtlich sind ihre Vorbringen, soweit sie sich nur mit ihrer eigenen 

Haftung befassen, namentlich Ausführungen in Bezug auf ein allfälliges Verschul-

den oder eine erhöhte Betriebsgefahr ihrerseits. 

1.3.3. Mit Verweis auf den Prozesseintritt der Nebenintervenientin im bereits fort-

geschrittenen Verfahrensstadium führt die Klägerin aus, das hiesige Gericht hätte 

ihr eine angemessene Frist ansetzten müssen, um zu deren "erstmaligen und 

ausführlichen Ausführungen" Stellung zu nehmen (act. 46 S. 3). Dazu ist festzu-

halten, dass die ZPO weder eine Frist nennt, innerhalb der die Streitverkündung 

erfolgen, noch eine innerhalb der sich die Streitberufene erklären muss (FREI, 

a.a.O., Art. 78 N 10). Solange der Prozess noch nicht rechtskräftig abgeschlossen 

ist, ist somit beides möglich (DOMEJ, Kurzkommentar ZPO, 3. Aufl., Basel 2021, 

Art. 78 N 7). Selbiges ergibt sich aus dem Umstand, dass Hintergrund der einfa-

chen Streitverkündung die Unterstützung des Streitverkündenden ist (Art. 78 

Abs. 1 ZPO): Solange sich der Beklagte unbeschränkt äussern kann, muss dies 

auch die Nebenintervenientin tun können. Für die Klägerin, welche sich bereits 

zwei Mal unbeschränkt zur Sache äussern konnte, ergibt sich daraus indessen 

kein weiterer unbeschränkter Vortrag im Sinne einer Triplik (vgl. Art. 225 ZPO), 

weshalb ihr entsprechender Antrag – unter Hinweis auf das unbedingte Replik-

recht und die Voraussetzungen zur Einbringung neuer Tatsachen oder Beweismit-

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tel – vom hiesigen Gericht abgewiesen wurde (vgl. act. 42 und act. 44). Wenn die 

Klägerin ausführt, dadurch, dass sie innert 10 Tagen eine Stellungnahme einzu-

reichen hatte, sei sie in eine prozessual stark benachteiligte Position versetzt 

worden, verkennt sie, dass ihr gar nie eine entsprechende Frist angesetzt wurde. 

Tatsächlich wurde sie aufgefordert, die von ihr angekündigte Stellungnahme in-

nert einer "angemessen erscheinenden Frist" einzureichen (vgl. act. 44). Damit 

war es an ihr, die Dauer der angemessenen Frist zu bestimmen und zu begrün-

den – abhängig davon, ob sie sich im Rahmen ihres allgemeinen Replikrechts 

oder zu neuen Tatsachen oder Beweismitteln im Sinne von Noven äussern wollte. 

Demnach ist ihr keine weitere Frist zur Stellungnahme anzusetzen. 

1.4. Qualifikation Parteigutachten 

Mit der Duplik resp. mit der Stellungnahme reichten sowohl der Beklagte als auch 

die Nebenintervenientin ein verkehrstechnisches Gutachten ins Recht, welches 

die Nebenintervenientin eingeholt hatte (vgl. act. 37/2 und act. 39/7). Dabei han-

delt es sich um ein reines Parteigutachten. Als solches ist ihm gemäss konstanter 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht die Qualität eines Beweismittels, son-

dern die einer blossen Behauptungen beizumessen (vgl. BGE 141 III 433 E. 2.3 

oder BGE 140 III 24 E. 3.3.3; so auch die Klägerin: act. 46 S. 8 f. und S. 15 ff.). 

Wie zu zeigen sein wird, bleiben die Ausführungen im Gutachten indessen ohne 

Relevanz für den Ausgang des vorliegenden Verfahrens, weshalb die von den 

Parteien diskutierten Fragen, inwiefern die Klägerin zum Gutachten Stellung 

nehmen kann und ob das Gutachten die Verhältnisse korrekt abbildet, letztlich of-

fengelassen werden können (vgl. act. 35 Rz. 9 f. und act. 46 S. 17 ff. und 

S. 26 ff.). 

1.5. Editionsantrag 

1.5.1. Mit ihrer Replik beantragt die Klägerin, die O._____ S.P.A. in P._____ 

[Stadt], Italien, welche dem verstorbenen Lenker Q._____ das Unfallfahrzeug 

vermietet habe, sei gestützt auf Art. 160 Abs. 1 lit. b ZPO zu verpflichten, eine 

Kopie des abgeschlossenen Mietvertrags herauszugeben (act. 31 Rz. 5; act. 46 

S. 11). Ihren Antrag stützt sie auf Art. 40 Abs. 3 Verkehrsversicherungsverord-

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nung (VVV) und begründet ihn damit, dass nicht ausgeschlossen werden könne, 

dass der Mietvertrag für den Umfang der Haftung des Beklagten insofern von Re-

levanz sein könnte, als allenfalls im Mietvertrag eine Klausel bestehe, wonach die 

N._____ … selbst bei Vorliegen einer Grobfahrlässigkeit Versicherungsleistungen 

zu erbringen hätte (act. 31 Rz. 5; act. 46 S. 11). Der Beklagte wendet ein, da die 

Begründung der Klägerin lediglich Mutmassungen und Spekulationen beinhalte, 

handle es sich um eine "fishing expedition", auf welche von Vornherein nicht ein-

zugehen sei (act. 38 Rz. 13). Hinzu komme, dass auch im (bestrittenen) Fall des 

Bestehens einer vertraglichen Deckungserweiterung für den hängigen Prozess 

gegen den Beklagten nichts gewonnen wäre: Solche allenfalls nach italienischem 

Vertragsrecht vereinbarten Klauseln wären einerseits ohnehin nur unter den Ver-

tragsparteien wirksam und andererseits vor einem dafür zuständigen Gericht ein-

zuklagen. Die Haftbarkeit des Beklagten beschränke sich angesichts des Ver-

kehrsunfalls in der Schweiz auf Haftlichtansprüche nach schweizerischem Recht. 

Auf die Einforderung des Vertrags könne daher auch darum verzichtet werden, 

weil dieser keine zweckdienlichen Informationen liefern könnte. 

1.5.2. Betreffend den konkreten Deckungsanspruch statuiert Art. 40 Abs. 2 VVV 

den Grundsatz, dass die Deckung durch das B._____ im gleichen Umfang bean-

sprucht werden kann, wie wenn der Unfall durch ein schweizerisches Fahrzeug 

verursacht worden wäre. Zu diesem Grundsatz bestehen zwei Ausnahmen: Ers-

tens muss der Beklagte über die schweizerische Mindestdeckung hinausgehen, 

wenn das schädigende Fahrzeug aus einem Staat stammt, der eine höhere ge-

setzliche Mindestdeckung vorschreibt (Art. 40 Abs. 3 lit. a VVV). Zweitens muss 

er die Mindestdeckung übersteigende Ansprüche dann befriedigen, wenn für das 

schädigende Fahrzeug aufgrund der Versicherungspolice eine höhere Deckung 

besteht und aus dem Ausland die entsprechende Deckungszusage vorliegt 

(Art. 40 Abs. 3 lit. b VVV; EICHENBERGER/WERNLI, in: Basler Kommentar SVG, 

1. Aufl., Basel 2014, Art. 74 N 22). Somit entscheidet der ausländische Versiche-

rer im Fall der vertraglichen Gewährung einer höheren Deckung, ob der Diffe-

renzbetrag bei ihm im Ausland eingeklagt werden muss oder ob der Beklagte er-

mächtigt wird, in diesem erweiterten Umfang den Fall zu regulieren (FUHRER, 

Überblick über wichtige neue Entscheide des Bundesgerichts zum Privatversiche-

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rungsrecht, HAVE 2009, S. 130 ff, S. 131, in: Anton K. Schnyder [Hrsg.], Interna-

tionales Forum zum Privatversicherungsrecht 2008, 2009). 

1.5.3. Selbst wenn – was vorliegend offengelassen werden kann – Art. 40 Abs. 3 

lit. b VVV, auf den sich die Klägerin beruft, für eine nicht die Mindestversiche-

rungssumme im Sinne von Art. 3 VVV betreffende Deckungserweiterung an-

wendbar wäre und sich aus dem edierten Mietvertrag eine Ausweitung auf Grob-

fahrlässigkeit ergeben würde, setzt die genannte Gesetzesvorschrift wie gezeigt 

zweierlei voraus: Während die beweisbelastete Klägerin die erste Voraussetzung 

der höheren (resp. inhaltlich erweiterten) Deckung durch die ausländische Police 

behauptet, macht sie vor Eintritt der Novenschranke keinerlei Ausführungen zur 

zweiten Voraussetzung, der Deckungszusage aus dem Ausland (vgl. act. 31 

Rz. 5). Auch in ihrer Eingabe vom 7. November 2022 führt sie dazu – im Übrigen 

ohne aufzuzeigen, weshalb sie ihre diesbezüglichen Behauptungen nicht bereits 

vor Aktenschluss machen konnte, weshalb sie ohnehin nicht zuzulassen wären –

 lediglich aus, es sei stossend, wenn sich die N._____ AG, welche als Vertreterin 

des Beklagten die Schadenregulierung vornehme, weigere, bei der Muttergesell-

schaft N._____ in Italien die Versicherungsdeckung herauszuverlangen (act. 46 

S. 11). Weder behauptet die Klägerin, eine Deckungszusage aus dem Ausland 

erhalten zu haben, noch reicht sie eine solche ins Recht. Damit erweist sich ihr 

Editionsgesuch in Bezug auf die erste gesetzliche Voraussetzung von Art. 40 

Abs. 3 lit. b VVV mangels vorgebrachter Behauptung in Bezug auf die zweite ge-

setzliche Voraussetzung im Vornherein als nicht sachdienlich, weshalb die Edition 

ohne Nachteile unterbleiben kann. 

Ohnehin wäre zweifelhaft, ob die vorliegend als blosse Vermutung formulierte Be-

gründung der Klägerin den Anforderungen an eine substantiierte Behauptung 

standhalten würde (so auch der Beklagte: act. 31 Rz. 5): Denn damit eine Be-

weisabnahme nicht zu einem verpönten Suchbeweis, einer "fishing expedition", 

wird, muss eine Partei darlegen, weshalb von einem angebotenen Beweismittel 

mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Beweisergebnis erwartet werden kann 

(vgl. BGer Urteil 4A_494/2020 vom 24. Juni 2022 E. 5.3.2.). Mit Blick auf das vor-

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stehend Ausgeführte kann die Frage, ob die Klägerin diesen Anforderungen ge-

recht wird, unbeantwortet bleiben. 

2. Vorbemerkungen 

Das Gericht darf sein Urteil nur auf die von den Parteien behaupteten Tatsachen 

stützen (vgl. Art. 55 Abs. 1 ZPO) und kann weder mehr als verlangt noch weniger 

als anerkannt noch anderes zusprechen, als von den Parteien explizit beantragt 

wird (vgl. Art. 58 Abs. 1 ZPO; SUTTER-SOMM/SEILER, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivil-

prozessordnung, a.a.O., Art. 58 N 9). Es ist an der Person, welcher die Beweislast 

obliegt (vgl. Art. 8 ZGB), die Tatsachen hinreichend darzutun und zu beweisen, 

aus deren Vorliegen sie ihren Anspruch herleitet. Inwieweit Tatsachen zu behaup-

ten und zu substantiieren sind, ergibt sich einerseits aus den Tatbestandsmerk-

malen der angerufenen Norm und andererseits aus dem prozessualen Verhalten 

der Gegenpartei (BGE 127 III 365 E. 2.b). Der Behauptungslast ist durch das Auf-

stellen eines schlüssigen, vollständigen Tatsachenvortrags Genüge getan. Das 

heisst, dass eine Partei diejenigen Tatsachen widerspruchsfrei und vollständig 

angeben muss, auf die sie ihr Begehren stützt, so dass der Tatsachenvortrag bei 

Unterstellung, er sei wahr, den Schluss auf die anbegehrte Rechtsfolge zulässt 

(SUTTER-SOMM/SCHRANK, in: SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER [Hrsg.], 

Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, a.a.O., Art. 55 N 21 m.H.). 

Als Gegenstück zur Behauptungslast trifft die nicht beweisbelastete Partei die Be-

streitungslast. Sie hat im Einzelnen darzutun, welche Tatsachen anerkannt und 

welche bestritten werden (vgl. Art. 222 Abs. 2 ZPO). Je detaillierter die Behaup-

tungen sind, desto höher sind die Anforderungen an die Bestreitungen (BGE 141 

III 433 E. 2.6). Bestreitet die Gegenpartei die Vorbringen der behauptungsbelaste-

ten Partei substantiiert, trifft diese eine über die Behauptungslast hinausgehende 

Substantiierungslast. Die erforderlichen Tatsachenbehauptungen müssen so kon-

kret und bestimmt vorgebracht werden, dass darüber Beweis abgenommen wer-

den kann (BGer Urteil 4C.211/2006 vom 26. Juni 2007 E. 3.1; WILLISEGGER, in: 

Basler Kommentar ZPO, a.a.O., Art. 221 N 29). Der nicht substantiiert vorgetra-

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gene Sachverhalt ist dem nicht bewiesenen gleichgestellt (WILLISEGGER, a.a.O., 

Art. 222 N 24). 

3. Haftung des Beklagten 

3.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Am Morgen des tt.mm.jjjj lenkte Q._____ den bei O._____ S.P.A. in P._____, Ita-

lien, gemieteten Kleinbus der Marke L._____ mit dem Kontrollschild … (I) von 

E._____ im Kanton F._____ in Richtung R._____ im Kanton J._____ auf einer 

Kantonsstrasse (act. 1 Rz. A.2.1 und Rz. B.1.2.1; act. 13 S. 6 Rz. 6 und S. 12 

Rz. 27). Die Fahrt auf besagter Strasse verlief auf einer längeren Geraden parallel 

zu Bahngleisen (act. 1 Rz. B.1.2.2 i.V.m. act. 3/11 S. 8; act. 13 S. 12 Rz. 31; 

act. 35 Rz. 16). Der Kleinbus war mit dem Lenker, dessen Ehefrau, der Klägerin, 

sowie drei weiteren befreundeten Ehepaaren aus G._____ voll besetzt (act. 1 

Rz. A.2.1; act. 13 S. 11 Rz. 25; act. 31 Rz. 24; act. 38 Rz. 7). Allen Fahrzeugin-

sassen war die Örtlichkeit unbekannt (act. 1 Rz. B.1.1.4 und B. 1.3.5; act. 13 S. 5 

Rz. 1 und S. 20 Rz. 45; act. 31 Rz. 39 und Rz. 49; act. 38 Rz. 16). Zur Überque-

rung der Gleise stand zum damaligen Zeitpunkt in E._____ ein unbewachter, 

(einzig) auf der Westseite mit einem Andreaskreuz gesicherter Bahnübergang zur 

Verfügung (act. 1 Rz. B.1.2.3, B.1.3.1 und B.1.3.7; act. 13 S. 13 Rz. 32; act. 31 

Rz. 30; act. 38 Rz. 9). Mangels Einspurstrecke mussten Fahrzeuge, um den 

Bahnübergang zu traversieren, auf der Kantonsstrasse anhalten (act. 1 

Rz. B.1.3.3; act. 13 S. 19 Rz. 43 i.V.m. act. 3/11 S. 8; act. 31 Rz. 32; act. 35 

Rz. 19). Ein herannahender Zug war für einen Autolenker vor der Kreuzung wäh-

rend mehrerer Sekunden sichtbar (act. 13 S. 19 Rz. 41; act. 31 Rz. 28 und 

Rz. 39; act. 35 Rz. 46 ff.; act. 38 Rz. 12, Rz. 18, Rz. 22 und Rz. 25). Als Q._____ 

um ca. 08.35 Uhr rechts blinkte und den Bahnübergang passieren wollte, nahm er 

die sich von hinten rechts, das heisst in gleicher Fahrtrichtung, nähernde Zugs-

komposition der Nebenintervenientin nicht wahr, wodurch es zu einer schweren 

Kollision zwischen der Lokomotive der Zugskomposition und dem Kleinbus kam 

(act. 1 Rz. B.1.2.3, B.1.2.8 und B.1.3.4; act. 13 S. 16 Rz. 39; act. 31 Rz. 31; 

act. 35 Rz. 49; act. 38 Rz. 9; act. 46 S. 28). Dadurch verstarben der Lenker sowie 

- 14 - 

zwei weitere Insassen auf der Stelle; die Klägerin und die vier weiteren Fahrzeu-

ginsassen erlitten teilweise schwere Verletzungen (act. 1 A.2.1; act. 13 S. 6 Rz. 6; 

vgl. die bildlichen Darstellungen aus act. 3/11 S. 5 resp. S. 14 [sowohl durch die 

Klägerin als auch durch den Beklagten offeriert]): 
 
 

 
 
 

 
 
 
 
 
 

- 15 - 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Mit Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft F._____ vom 

15. Februar 2017 wurde das Verfahren gegen Q._____ wegen Versterbens und 

gegen den unfallbeteiligten Lokomotivführer S._____ mangels Anhaltspunkten für 

das Begehen einer Straftat nicht an Hand genommen (vgl. act. 3/2 und act. 14/3). 

Bezüglich des Lokomotivführers ist unstrittig, dass dieser mit der Zugskomposition 

in der erlaubten Geschwindigkeit von 75 km/h unterwegs war (act. 31 Rz. 30 und 

act. 38 Rz. 23 f. je i.V.m. act. 3/11 S. 9) und dass er zwei Achtungssignale abge-

geben hatte – das erste auf der Höhe der "Pfeiftafel", das zweite unmittelbar vor 

der Kollision –, bevor er eine Schnellbremsung einleitete (act. 13 S. 14 Rz. 34; 

act. 31 Rz. 24 und Rz. 27 f. i.V.m. act. 3/11 S. 4 und S. 10). 

Unbestritten ist sodann, dass Q._____ das bei dem Beklagten gesetzlich haft-

pflichtversicherte Fahrzeug gemietet hatte und zum Unfallzeitpunkt lenkte (act. 1 

Rz. A.2.3, B.1.1.4 und B.1.2.2; act. 13 S. 6 Rz. 6; act. 31 Rz. 24). Selbiges gilt für 

sein unfallkausales Versterben (act. 1 Rz. A.2.1; act. 13 S. 6 Rz. 6). Für ihre Haft-

pflichtansprüche aus unfallkausal erlittener eigener Körperverletzung erhielt die 

Klägerin mit Entschädigungs-Vereinbarung vom 12. Oktober 2020 eine Entschä-

digung in der Höhe von CHF 100'000.00 (act. 13 S. 9 Rz. 19; act. 31 Rz. 10; 

act. 14/5). Davon nicht erfasst ist der vorliegend geltend gemachte Genugtuungs-

anspruch der Klägerin aus dem Verlust ihres Ehepartners (act. 13 S. 6 Rz. 7; 

act. 31 Rz. 10). Unbestritten ist schliesslich die Passivlegitimation des Beklagten 

und das direkte Forderungsrecht der Klägerin gegenüber dem Beklagten (Art. 74 

Abs. 2 lit. a SVG; Art. 76b Abs. 1 SVG; Art. 41 Abs. 1 VVV; act. 1 B.2.1; act. 13 

S. 6 Rz. 9, S. 7 Rz. 11, S. 30 Rz. 73). 

Im Übrigen stellen beide Hauptparteien für Ihre Vorbringen auf den von der Kläge-

rin sub act. 3/11 zu den Akten gereichten Schlussbericht der Schweizerischen Si-

cherheitsuntersuchungsstelle SUST vom 15. Dezember 2016 ab (fortan Bericht 

SUST). Entsprechend wird die Beweiskraft des Untersuchungsergebnisses der 

- 16 - 

staatlichen Behörde der Schweizerischen Eidgenossenschaft, welche den Auftrag 

hat, Unfälle und gefährliche Ereignisse von Bahnen, Luftfahrzeugen und Schiffen 

zu untersuchen, nicht in Frage gestellt. Sowohl die Klägerin als auch der Beklagte 

brachten zudem die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft 

F._____ vom 15. Februar 2017 ins Verfahren ein (vgl. act. 3/2 und act. 14/3). 

3.2. Streitpunkte 

Zentraler Streitpunkt des vorliegenden Verfahrens ist die Frage, ob dem verstor-

benen Fahrzeuglenker, Q._____, für den Unfall ein schweres Verschulden ange-

lastet werden kann: Der beweisbelastete Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, 

der Lenker habe "angesichts seines rücksichtslosen und gänzlich sorglosen Fahr-

verhaltens nicht nur die ihm anvertrauten immerhin sieben Insassen im vortrittsbe-

lasteten Motorfahrzeug gefährdet, sondern zudem auch Verletzungen und psychi-

sche Belastungen beim Lokomotivführer sowie den gänzlich unbeteiligten Zugin-

sassen in Kauf genommen" (act. 13 S. 21 Rz. 48; vgl. auch act. 13 S. 13 Rz. 32 

und act. 38 Rz. 9). So ergebe sich aus dem erstellten Sachverhalt, dass sich der 

Lenker mit "gänzlich nicht angemessenem Fahrmanöver" grobfahrlässig verhalten 

habe (act. 13 S. 29, Rz. 68; vgl. auch act. 13 S. 15 Rz. 35 oder act. 38 Rz. 7 und 

Rz. 20). Entschuldbare Gründe für dieses Fahrverhalten könnten ausgeschlossen 

werden (act. 13 S. 29 Rz. 68; act. 38 Rz. 7, Rz. 9 und Rz. 17), zumal die örtlichen 

Verhältnisse sehr übersichtlich und die Gefahrensituation – insbesondere infolge 

der langen Parallelität der Bahnlinie mit der Strasse – offensichtlich erkennbar 

gewesen seien (act. 13 S. 17 Rz. 41, S. 22 Rz. 49 und S. 29 Rz. 68; act. 38 

Rz. 7). Namentlich sei ein herannahender Zug für mehr als 12 Sekunden sichtbar 

gewesen (act. 13 S. 18 Rz. 41; act. 38 Rz. 12 und Rz. 22). Der Beklagte bestrei-

tet, dass der Lenker das Fahrzeug vor dem Abbiegen bis ganz zum Stillstand ge-

bracht habe (act. 13 S. 13 Rz. 33); in jedem Fall sei der Bahnübergang befahren 

worden, ohne dass sich der Lenker vorab ausreichend über den vortrittsberechtig-

ten Schienenverkehr vergewissert habe (act. 38 Rz. 4 und Rz. 18). 

Die Nebenintervenientin schliesst sich den Ausführungen des Beklagten an 

(act. 35 Rz. 6). Ergänzend bringt sie in Bezug auf den vorliegenden Streitgegen-

stand mit Verweis auf das von ihr eingeholte Parteigutachten vor, das durch den 

- 17 - 

Fahrzeuglenker hörbare Pfeifgeräusch des herannahenden Zuges sei 74 bis 76 

dB laut und während zweier Sekunden hörbar gewesen (act. 35 Rz. 29), und es 

habe kein toter Winkel bestanden (act. 35 Rz. 25). 

Die Klägerin führt aus, der Fahrzeuglenker habe angesichts der schwierigen, un-

übersichtlichen und gefährlichen Unfallörtlichkeit alles ihm Zumutbare getan, um 

ein sorgfältiges Rechtsabbiegen zu garantieren (act. 1 Rz. B.1.3.1; act. 31 Rz. 6, 

Rz. 12, Rz. 16, Rz. 18, Rz. 22, Rz. 30 f., Rz. 34, Rz. 37 ff. und Rz. 42 act. 46 

S. 5). So habe er vor dem Traversieren des Bahnübergangs vollständig angehal-

ten und einen Kontrollblick ausgeführt; den Zug habe er dabei aufgrund der unge-

nügenden Sicht nicht erblickt (act. 1 Rz. B.1.2.8; act. 31 Rz. 26, Rz. 28 und 

Rz. 33; act. 46 S. 5): Angesichts des Winkels des Rückspiegels sei der in die glei-

che Richtung fahrende Zug auf der parallelen Fahrt nur eingeschränkt, resp. so-

weit er sich im toten Winkel befunden habe, gar nicht, sichtbar gewesen (act. 1 

Rz. B.1.3.2 und Rz. B.1.3.9 f.; act. 31 Rz. 26 und Rz. 39). Gleichzeitig habe die 

Anwesenheit der weiteren sieben Fahrzeuginsassen eine Einschränkung der 

Sicht bewirkt (act. 1 B.1.2.6; act. 31 Rz. 18). Ein herannahender Zug sei nicht vor 

dem, sondern erst beim Befahren des Bahnübergangs für mehr als zwölf Sekun-

den sichtbar gewesen (act. 31 Rz. 28; act. 46 S. 28). Auch habe das Fehlen einer 

Einspurstrecke das Risiko eines Auffahrunfalles in sich geborgen und einen er-

heblichen Druck erzeugt (act. 1 Rz. B.1.3.3; act. 31 Rz. 20 und Rz. 32). Dadurch, 

dass sich das Andreaskreuz auf der von der Hauptstrasse abgewandten Westsei-

te des Bahnübergangs befunden habe, sei dessen Sichtbarkeit stark einge-

schränkt gewesen (act. 1 Rz. B.1.3.1; act. 31 Rz. 36; act. 46 S. 24). Ohnehin ha-

be der Bahnübergang nicht den gesetzlichen Signalisations- und Sicherheitsan-

forderungen entsprochen und sei sanierungsbedürftig gewesen (act. 1 

Rz. B.1.3.11 ff.; act. 31 Rz. 30 und Rz. 41). Ferner habe im Auto eine "derart hohe 

Geräuschkulisse" vorgeherrscht, dass das Pfeifsignal des Zuges nicht hörbar ge-

wesen sei (act. 1 B.1.2.9; vgl. auch act. 31 Rz. 25). Das erste Pfeifsignal sei auch 

wegen der weiten Entfernung zwischen der Pfeiftafel und dem Bahnübergang 

nicht hörbar gewesen und das zweite Pfeifsignal sei zu spät abgegeben worden 

(act. 31 Rz. 28 f.; act. 46 S. 10). Daher treffe den Lokomotivführer am Unfall ein 

leichtes Verschulden (act. 31 Rz. 29). Zu Gunsten des Lenkers zu beachten sei 

- 18 - 

schliesslich dessen Ortsunkundigkeit (act. 1 B.1.3.5; act. 31 Rz. 32, Rz. 34 und 

Rz. 39). Insgesamt sei ihm höchstens ein leichtes Verschulden anzulasten 

(act. 31 Rz. 34 und Rz. 62). 

3.3. Rechtliches 

3.3.1. Halterhaftung 

Art. 58 Abs. 1 SVG statuiert eine (verschuldensunabhängige) strenge Kausalhaf-

tung für Motorfahrzeughalter für Schäden, die auf den Betrieb des Fahrzeugs zu-

rückzuführen sind (vgl. Urteil HGer ZH HG110264 vom 12. September 2013 

E. 3.1.1.). Diese Gefährdungshaftung findet ihre Legitimation im Umstand, dass 

ein Motorfahrzeug wegen seines Gewichts und seiner potentiellen Geschwindig-

keit ein Schädigungsrisiko mit sich bringt (PROBST, in: Basler Kommentar SVG, 

a.a.O., Art. 58 N 153). Voraussetzung der Haftung ist folglich ein hinreichender 

funktionaler Zusammenhang zwischen der Betriebsgefahr des Motorfahrzeugs 

und dem eingetretenen Schaden (PROBST, a.a.O., Art. 58 N 187). Halter eines 

Fahrzeugs ist die Person, in deren Interesse bzw. auf deren Rechnung und Ge-

fahr der Betrieb des Motorfahrzeugs erfolgt und die über das Fahrzeug und des-

sen Benutzer das unmittelbare Verfügungs- bzw. Bestimmungsrecht hat (BGE 

129 III 410 E. 4.; REY/WILDHABER, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 5. Aufl., 

Zürich 2018, Rz. 1584; vgl. auch PROBST, a.a.O., Art. 58 N 225 ff. m.w.H.). Halter 

eines für kurze Dauer gemieteten Motorfahrzeugs ist regelmässig der Vermieter, 

da dessen Interesse höher zu gewichten ist als dasjenige des Mieters (BGE 70 II 

179; PROBST, a.a.O., Art. 58 N 231 f.; BREHM, Motorfahrzeughaftpflicht, Bern 

2008, Rz. 80 f.). Bei einer langfristigen Mietdauer wird der Mieter indessen zum 

Halter (BGE 62 II 189). Ab welcher Dauer eine Miete langfristig ist, wurde höchst-

richterlich noch nicht abschliessend entschieden. Das Bundesgericht hat in der 

Vergangenheit immerhin erwogen, dass eine acht- bis zehntägige Mietdauer für 

eine Qualifikation des Mieters als Halter noch nicht ausreichen (vgl. BGE 127 III 

446 E. 4). In der Lehre wird eine Mindestmietdauer von einem Monat vorgeschla-

gen (vgl. BREHM, a.a.O., Rz. 82, KELLER, Haftpflicht im Privatrecht, 6. Aufl., Bern 

2002, S. 298 oder STARK, Ausservertragliches Haftpflichtrecht: Skriptum, 2. Aufl., 

Zürich 1988, Rz. 900). 

- 19 - 

Mehrere Schädiger haften gestützt auf Art. 60 SVG solidarisch, sofern mindestens 

einer von ihnen nach Art. 58 SVG haftbar ist. Zu beachten ist entsprechend, dass 

Art. 60 SVG keine eigenständige Haftungsnorm darstellt, sondern die individuelle 

Haftung der Unfallbeteiligten voraussetzt (BGer Urteil 6S.346/2005 vom 2. Febru-

ar 2006 E. 2.1; GIGER, in: OFK - Orell Füssli Kommentar SVG, 9. Aufl., Zürich 

2022, Art. 60 N 1). Damit ist ein Motorfahrzeughalter dann solidarisch haftpflichtig, 

wenn sich die Betriebsgefahr des Fahrzeugs im Sinne von Art. 58 Abs. 1 SVG 

verwirklicht hat und er sich davon weder entlasten noch befreien kann (BGE 95 II 

333 E. 3). 

3.3.2. Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion 

3.3.2.1. Grundsätze 

Da die Haftungsordnung des SVG auf dem Gedanken beruht, dass die Betriebs-

gefahr des Motorfahrzeugs für sich allein eine hinreichende Haftungsgrundlage 

setzt, wenn ihretwegen ein Schaden entsteht (REY/WILDHABER, a.a.O., Rz. 1538), 

sind an die Entlastung von der Halterhaftung hohe Anforderungen zu stellen (Ur-

teil HGer ZH HG140117 vom 5. April 2018 E. 2.3.2.). Zu unterscheiden ist zwi-

schen der vollständigen Haftungsbefreiung und der Reduktion der Haftung: Die 

Haftungsbefreiung nach Art. 59 Abs. 1 SVG setzt voraus, dass der Motorfahr-

zeughalter einen dreifachen Beweis erbringt. Erstens muss er beweisen, dass ihn 

selber oder Personen für die er verantwortlich ist, kein Verschulden trifft (PROBST, 

a.a.O., Art. 59 N 32 f.). Zweitens obliegt ihm der Beweis, dass keine fehlerhafte 

Beschaffenheit des Fahrzeugs zum Unfall beigetragen hat (PROBST, a.a.O., 

Art. 59 N 34 ff.). Und drittens hat der Halter zu beweisen, dass der adäquate Kau-

salzusammenhang zufolge höherer Gewalt, grobem Selbstverschulden des Ge-

schädigten oder grobem Verschulden eines Dritten unterbrochen worden ist 

(FELLMANN, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band II, Bern 2013, Rz. 631 ff. 

m.w.H.; BREHM, a.a.O., Rz. 399 ff.). Dabei muss dieser Faktor so sehr überwie-

gen, dass andere Komponenten, namentlich die Betriebsgefahr, als rechtlich nicht 

mehr beachtlich erscheinen resp. "von derart untergeordneter Bedeutung [sind], 

dass sie nur noch als eine zufällige, unbedeutende Teilursache des Schadens" 

erscheinen (BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 3.5.). Misslingt eine 

- 20 - 

dieser drei Beweiskomponenten, bleibt es bei der Halterhaftung (Art. 59 Abs. 1 

SVG). 

Liegt seitens des Geschädigten ein leichtes oder mittleres Verschulden, mithin ei-

ne Mitursache für den Schaden vor, führt dies zu einer Haftungsermässigung 

(Art. 59 Abs. 2 SVG; PROBST, a.a.O., Art. 59 N 42 ff.; FELLMANN/KOTTMANN, 

Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band I, Bern 2012, Rz. 565 f.). Die Ersatzpflicht 

ist durch das Gericht in Würdigung sämtlicher Umstände festzulegen, wobei als 

Kriterien die Betriebsgefahr und das Verschulden der Beteiligten im Vordergrund 

stehen (Urteil HGer ZH HG140117 vom 5. April 2018 E. 2.3.2.; PROBST, a.a.O., 

Art. 59 N 45 ff.). 

3.3.2.2. Selbstverschulden im Besonderen 

Grobe Fahrlässigkeit und damit ein unbeabsichtigtes, schweres Verschulden liegt 

vor, wenn eine fehlbare Person elementare Sorgfaltsregeln ausser Acht lässt, de-

ren Beachtung sich jedem vernünftigen Menschen in derselben Lage aufdrängt 

(BGE 148 III 343 E. 3.4.; BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 3.2.) resp. 

sie die Sorgfalt, welche die Verkehrssitte von ihr verlangt, in besonders schwerer 

Weise vermissen lässt oder in missbilligender Weise wesentlich davon abweicht 

(Urteil HGer ZH HG110264 vom 12. September 2013 E. 3.1.2.2.; ROBERTO, 

Schweizerisches Haftpflichtrecht, 2002, Rz. 237). Je grösser das Ausmass der 

Abweichung vom Durchschnittsverhalten ist, desto schwerer wiegt das Verschul-

den (BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 3.2.). Bei Fehlverhalten im 

Verkehr ist grobe Fahrlässigkeit in der Regel dann anzunehmen, wenn in ursäch-

lichem Zusammenhang mit dem Unfall eine elementare Verkehrsvorschrift oder 

mehrere wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt wurden (BGE 148 III 

343 E. 4.3.3.). Dabei genügt, dass der Betroffene das Risiko hätte erkennen müs-

sen (Urteil HGer ZH HG140117 vom 5. April 2018 E. 2.3.3.; FELLMANN/KOTTMANN, 

a.a.O., Rz. 563). Das fragliche Verhalten muss nicht zwangsläufig waghalsig oder 

mutwillig sein oder die Inkaufnahme von Unfällen bedeuten (BGer Urteil 

4A_234/2021 vom 9. September 2021 E. 2.4.4.; BGer Urteil 4C.286/2003 vom 

18. Februar 2004 E. 3.1). Wird die für die Unterbrechung des Kausalzusammen-

hangs erforderliche Intensität zwischen Schaden und Betrieb nicht erreicht, so 

- 21 - 

kommen weiterhin ein haftungsreduzierendes mittleres oder leichtes Verschulden 

in Frage (Urteil HGer ZH HG110264 vom 12. September 2013 E. 3.1.2.1.). 

In Erinnerung zu rufen ist, dass sich ein Haftpflichtiger gemäss SVG selbst bei 

schwerem Selbstverschulden des Geschädigten nur von seiner Haftung befreien 

kann, wenn ihn selbst oder Personen, für die er verantwortlich ist, kein Verschul-

den trifft und nicht eine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs zum Unfall bei-

getragen hat (vgl. Art. 59 Abs. 1 SVG; vgl. indessen für die – entgegen dem Ge-

setzeswortlaut von Art. 40c EBG [resp. vor dessen Aufhebung im Jahr 2010: 

Art. 1 Abs. 1 EHG] – von der Rechtsprechung entwickelte Haftung des Eisen-

bahnunternehmens BGE 102 II 363 E. 3., BGer Urteil 4A_453/2008 vom 

22. Dezember 2008 E. 3.2  

oder BGer Urteil 5C.7/2001 vom 20. Juli 2001 E. 4.). 

3.3.2.3. Beweislast und Beweismass 

Soweit sich der Halter auf die Anwendbarkeit von Art. 59 Abs. 1 und Abs. 2 SVG 

beruft, obliegt ihm der Beweis der entsprechenden Voraussetzungen (Urteil HGer 

ZH HG140117 vom 5. April 2018 E. 2.3.2.). Im Grundsatz gilt ein Beweis als er-

bracht, wenn das Gericht vernünftigerweise und nach objektiven Gesichtspunkten 

von der Wahrheit der rechtserheblichen Tatsachenbehauptung so überzeugt ist, 

dass allfällige Zweifel als unerheblich erscheinen (Art. 157 ZPO; BGE 130 III 321 

E. 3.2). Ausnahmen von diesem Regelbeweismass ergeben sich einerseits aus 

dem Gesetz und sind andererseits durch Rechtsprechung und Lehre herausgear-

beitet worden (BGE 140 III 610 E. 4.1). Für das Verschulden im Zusammenhang 

mit Verkehrsunfällen kann das Beweismass des Anscheinsbeweises zur Anwen-

dung kommen, sog. "richterliche Beweiswürdigung aufgrund typischer Gesche-

hensabläufe" (WALTER, in: Berner Kommentar. Einleitung, Art. 1-9 ZGB, Bern 

2012, Art. 8 N 79; vgl. BGer Urteil 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016 

E. 4.4.2.2.). Dieser Beweis ist erbracht, wenn die Typizität des rechtserheblichen 

Geschehens nach allgemeiner Lebenserfahrung eine behauptete Tatsache als 

wahr resp. als einzige vernünftige Erklärung erscheinen lässt, weil Abweichendes 

ausserhalb jeder vernünftigen Betrachtungsweise liegt. Vorausgesetzt wird, dass 

dem Verunfallten auch bei jedem alternativen Geschehensablauf ein grobes kau-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/05f51872-7580-493b-a3eb-f7eb5f2580d4/citeddoc/d30ce115-5196-488c-9b39-ac0517f2edad/source/document-link

- 22 - 

salitätsunterbrechendes Verschulden im Sinne von Art. 59 Abs. 1 SVG zukom-

men würde. Liegen indessen ausserhalb seines Herrschaftsbereichs Elemente, 

welche den Unfall in mehr oder weniger massgeblicher Weise mitverursacht ha-

ben, kann der Anscheinsbeweis nicht gelingen (BGer Urteil 4A_290/2018 vom 11. 

Oktober 2018 E. 2.4.1.). Zu beachten ist, dass der Anscheinsbeweis lediglich das 

Beweisthema verschiebt (BGer Urteil 4A_262/2016 vom 10. Oktober 2016 

E. 4.4.2.1.). 

3.4. Subsumtion 

3.4.1. Halterhaftung 

Der Unfallhergang ist im Wesentlichen unbestritten geblieben (vgl. Ziff. 3.1.): Fest 

steht, dass der Ehegatte der Klägerin, Q._____, am tt.mm.jjjj den in Italien gemie-

teten Kleinbus mit dem Kontrollschild … (I) auf einen Bahnübergang in E._____ 

lenkte, wo er mit einem Zug kollidierte. Infolge dieser Kollision verstarb der Lenker 

noch auf der Unfallstelle. Folglich resultierte der zu beurteilende Todesfall aus 

dem Betrieb des gefahrenen Motorfahrzeugs. 

Für die durch den Betrieb eines Motorfahrzeugs entstandenen Entschädigungs-

ansprüche haftet in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 SVG der Halter. Vorliegend 

wurde das Unfallfahrzeug bei der O._____ S.P.A. gemietet (vgl. Ziff. 3.1.). Wäh-

rend sich die Klägerin zur genauen Mietdauer nicht vernehmen lässt (act. 1 und 

act. 31 je in contrario), aber eine faktische Haltereigenschaft gleichwohl bestreitet 

(act. 31 Rz. 14), spricht der Beklagte von einer Ferienreise von zwei Wochen 

(act. 38 Rz. 19). Diese Mietdauer ist jedenfalls zu kurz, als dass mit dem Beklag-

ten angenommen werden könnte (act. 13 S. 12 Rz. 28), das Interesse des Mieters 

am Betrieb des Fahrzeugs sei höher zu gewichten als dasjenige der Vermieterin, 

wodurch der Mieter zum faktischen Fahrzeughalter geworden wäre (vgl. 

Ziff. 3.3.1.; vgl. auch act. 31 Rz. 14). Alleinige Halterin des Unfallfahrzeugs blieb 

die ausländische Vermieterin, weshalb der Beklagte gestützt auf Art. 74 Abs. 2 

lit. a SVG direkt für die Deckung allfälliger Ansprüche zuständig ist. Gemäss 

Art. 76b Abs. 1 SVG hat die Klägerin als Geschädigte ein direktes Forderungs-

- 23 - 

recht gegen den Beklagten. Beides blieb im Grundsatz unbestritten (act. 1 B.2.1; 

act. 13 S. 6 Rz. 9). 

Demgemäss hat der Beklagte für Genugtuungsansprüche (vgl. BGE 124 III 182 

E. 4.d) der Klägerin aus dem Unfalltod ihres Ehemannes einzustehen, soweit er 

sich nicht gestützt auf Art. 59 Abs. 1 SVG von der Haftung befreien kann. 

3.4.2. Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion 

Der Beklagte stellt sich primär auf den Standpunkt, dass er gegenüber der Kläge-

rin aus Verlust deren Ehepartners nicht haftet (act. 13 S. 4 Rz. 2; act. 38 Rz. 7). 

Er ist wie aufgezeigt beweispflichtig dafür, dass erstens den Halter kein Verschul-

den trifft (vgl. Ziff. 3.4.2.1.), zweitens keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahr-

zeugs zum Unfall beigetragen hat (vgl. Ziff. 3.4.2.2.) und drittens entweder die 

Kausalität unterbrechende höhere Gewalt, ein entsprechend grobes Verschulden 

eines Dritten  

oder – wie er es behauptet (act. 13 S. 29 Rz. 68 und S. 31 Rz. 74; act. 38 Rz. 7, 

Rz. 18 und Rz. 20) – des Geschädigten selbst zum Unfall geführt hat (vgl. 

Ziff. 3.3.2. ff.). Subsidiär macht der Beklagte ein zumindest haftungsreduzieren-

des Verschulden des Fahrzeuglenkers geltend (act. 13 S. 5 Rz. 4). 

3.4.2.1. Kein Verschulden des Halters 

Der ausländischen Fahrzeughalterin O._____ S.P.A. oder deren Hilfspersonen 

kann für den zu beurteilenden Unfall kein Verschulden vorgeworfen werden. Ge-

genteiliges wurde auch von keiner Seite vorgebracht (vgl. act. 13 S. 25 Rz. 59 

und S. 29 Rz. 68; act. 31 Rz. 46 e contrario). 

3.4.2.2. Keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs 

Der Beklagte führt aus, es gebe keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Beschaf-

fenheit des Motorfahrzeugs im Sinne einer Abweichung von einem einwandfreien 

Zustand (act. 13 S. 25 Rz. 59 und S. 29 Rz. 68). Abweichendes macht auch die 

Klägerin nicht geltend (act. 31 Rz. 46 e contrario). Daher ist von einer fehlerfreien 

Beschaffenheit des Unfallfahrzeugs auszugehen. 

- 24 - 

3.4.2.3. Verschulden des Fahrzeuglenkers 

3.4.2.3.1. Im Vordergrund des vorliegenden Verfahrens steht die Frage, ob dem 

verstorbenen Fahrzeuglenker, Q._____, im Zusammenhang mit dem Unfall ein 

Verschulden anzulasten ist. Die Sorgfaltswidrigkeit ergibt sich dabei aus dem 

Vergleich seines tatsächlichen Verhaltens mit dem hypothetischen Verhalten ei-

nes durchschnittlich sorgfältigen Menschen in der gleichen Situation (BGer Urteil 

4A_131/2021 vom 11. Februar 2022 E. 1.2.). Wie aufgezeigt, führt nur schweres 

Verschulden resp. grobe Fahrlässigkeit, mithin die Ausserachtlassung elementa-

rer Sorgfaltsregeln, deren Beachtung sich jedem vernünftigen Menschen in der-

selben Lage aufgedrängt hätte, zum gänzlichen Ausschluss einer Haftung des 

Beklagten (BGE 148 III 343 E. 3.4.; BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 

E. 3.2.). Dem Beklagten obliegt die Behauptungs- und Beweislast. 

3.4.2.3.2. In Bezug auf die äusseren Rahmenbedingungen des Unfallgeschehens 

sind sich die Parteien überwiegend einig (vgl. Ziff. 3.1.). Auch bezeichnen beide 

Hauptparteien die streitgegenständliche Verkehrssituation als gefährlich (act. 1 

Rz. B.1.3.11 ff.; act. 13 S. 13 Rz. 32; act. 31 Rz. 41 f.; act. 38 Rz. 9). Während 

aber der Beklagte geltend macht, das Rechtsabbiegen über den Bahnübergang 

wäre erst zulässig gewesen, nachdem sich der Fahrzeuglenker zweifelsfrei ver-

gewissert hätte, dass kein vortrittsberechtigtes Schienenfahrzeug nahte; dass der 

Lenker dieser elementarsten Vorsichtspflicht nicht nachgekommen sei, sei eine 

schwere Verletzung der Verkehrsregeln und ihm als besonders rücksichtsloses 

Fahrverhalten vorzuwerfen (act. 13 S. 13 Rz. 32; act. 38 Rz. 9), das mit der ge-

setzlichen Forderung an eine verkehrssichere Fahrweise nicht zu vereinbaren sei 

(act. 13 S. 21 Rz. 48), lastet die Klägerin dem Fahrzeuglenker angesichts dessen, 

dass er den vortrittsberechtigten Zug nicht gesehen habe, höchstens ein leichtes 

Verschulden an (vgl. act. 1 Rz. B.1.2.8, act. 31 Rz. 34 und Rz. 62). 

3.4.2.3.3. In Übereinstimmung mit den Ausführungen des Beklagten ist grobe 

Fahrlässigkeit bei Fehlverhalten im Verkehr in der Regel dann anzunehmen, 

wenn in ursächlichem Zusammenhang mit dem Unfall eine elementare Verkehrs-

vorschrift oder mehrere wichtige Verkehrsregeln schwerwiegend verletzt worden 

sind (BGE 148 III 343 E. 4.3.3.; vgl. Ziff. 3.3.2.2.; vgl. act. 13 S. 27 Rz. 64 und 

- 25 - 

act. 38 Rz. 10). Es gebietet sich daher, die mutmasslich betroffenen Bestimmun-

gen zu beleuchten: Gemäss Art. 26 Abs. 1 SVG muss sich im Verkehr jedermann 

so verhalten, dass er andere in der ordnungsgemässen Benützung der Strasse 

weder behindert noch gefährdet. Art. 31 Abs. 1 SVG verpflichtet den Fahrzeug-

lenker, das Fahrzeug ständig so zu beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflich-

ten nachkommen kann. Daher muss er bspw. an unübersichtlicher Stelle (vgl. 

Art. 32 Abs. 1 SVG) so langsam fahren, dass er in der Lage ist, auf eine Gefahr 

ohne Zeitverlust zweckmässig zu reagieren und auf die erforderliche Weise auf 

das Fahrzeug einzuwirken (BGer Urteil 4C.3/2001 vom 26. September 2001 

E. 4.a). Ferner muss der Lenker seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Ver-

kehr zuwenden und dafür sorgen, dass diese nicht beeinträchtigt wird (Art. 3 

Abs. 1 VRV). Im Zusammenhang mit Bahnübergängen gilt, dass vor diesen anzu-

halten ist, wenn Schranken sich schliessen oder Signale Halt gebieten, und, wo 

solche fehlen, wenn Eisenbahnfahrzeuge herannahen (Art. 28 SVG). Sind Andre-

askreuze nicht mit Blinklichtsignalen oder Lichtsignalen ausgerüstet, so muss sich 

der Strassenbenützer selbst vergewissern, dass kein Schienenfahrzeug naht und 

der Übergang frei ist (Art. 93 Abs. 4 lit. b SSV). Schliesslich ist beim Überqueren 

von Bahnübergängen jede Verzögerung zu vermeiden (Art. 24 Abs. 2 VRV) und 

ist das freiwillige Halten auf Bahnübergängen untersagt (Art. 18 Abs. 2 lit. f VRV). 

3.4.2.3.4. Mit Blick auf den unbestrittenen Sachverhalt ergibt sich, dass der Fahr-

zeuglenker vorliegend, indem er das Fahrzeug vor dem Bahnübergang nicht an-

gehalten hat, bis die Zugskomposition vorbeigefahren war, gegen die in Art. 26 

Abs. 1 und Art. 28 SVG statuierten Sorgfaltspflichten verstossen hat. Nicht ent-

scheidend ist dafür, ob er das Fahrzeug vor dem Bahnübergang, wie von der Klä-

gerin behauptet (act. 1 Rz. B.1.2.4; act. 31 Rz. 21), ganz zum Stillstand oder ob er 

es, wie vom Beklagten geltend gemacht (act. 13 S. 13 Rz. 33; act. 38 Rz. 4), nur 

praktisch bis zum Stillstand gebracht hat: Ohnehin hätte er mit der Weiterfahrt 

abwarten müssen, bis der vortrittsberechtigte Zug vorbeigefahren gewesen wäre. 

Da nach übereinstimmenden Ausführungen der Parteien (nur) ein einfaches An-

dreaskreuz am Bahnübergang 'D._____' befestigt war (act. 1 Rz. B.1.2.3; act. 13 

S. 13 Rz. 32; act. 31 Rz. 30; act. 38 Rz. 9), hätte er sich gemäss Art. 93 Abs. 4 

lit. b SSV selber vergewissern müssen, dass kein Schienenfahrzeug nahte und 

- 26 - 

der Übergang frei ist: Hätte er sich vergewissert, hätte er die herannahende 

Zugskomposition sehen müssen, wenn sie in Sichtweite war, und das Fahrzeug 

noch rechtzeitig anhalten können (vgl. Art. 31 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 

VRV; Art. 32 Abs. 1 SVG). Sofern die Zugskomposition noch nicht in Sichtweite 

war, hätte der Lenker genügend Zeit gehabt, um den Bahnübergang ohne Kollisi-

on zu überqueren, sofern er zügig genug gefahren wäre. Hätte der Lenker den 

Bahnübergang zu zögerlich überquert, hätte er gegen die in Art. 24 Abs. 2 VRV 

statuierten Sorgfaltspflichten verstossen. Hätte er gar auf dem Bahnübergang an-

gehalten, so hätte er Art. 18 Abs. 2 lit. f VRV verletzt. Folglich hat der Fahrzeug-

lenker mit seinem tatsächlichen Verhalten in allen denkbaren Geschehensabläu-

fen gegen in den Verkehrsvorschriften statuierte Sorgfaltspflichten verstossen und 

sich gemessen am Verhalten eines durchschnittlich sorgfältigen Menschen in sei-

ner Situation sorgfaltswidrig verhalten. Am streitgegenständlichen Unfall ist ihm 

demnach ein Verschulden anzulasten. 

Die Qualifikation der Sorgfaltsverletzung resp. des Verschuldens als leicht, mittel 

oder schwer stellt eine Rechtsfrage dar, welche das Gericht im Einzelfall frei beur-

teilt (BGE 115 II 283 E. 1.a). Als Wertungsmassstab dient die ergangene bundes-

gerichtliche Rechtsprechung, wobei die vorliegende Sorgfaltsverletzung, da die 

betroffenen Verkehrsbestimmungen wichtig sind, vermutungsgemäss schwer 

wiegt (BGE 148 III 343 E. 4.3.3.). Indessen sind die gesamten Umstände, insbe-

sondere die tatsächliche Abweichung vom hypothetischen Durchschnittsverhal-

ten, zu würdigen, und es ist zu prüfen, ob Entlastungsgründe vorliegen, die das 

Verschulden des Fahrzeuglenkers in einem milderen Licht erscheinen lassen und 

die Vermutung der Grobfahrlässigkeit umzustossen vermögen (BGer Urteil 

4C.286/2003 vom 18. Februar 2004 E. 3.1; BGer Urteil 2A.585/2004 vom 11. Ja-

nuar 2005 E. 4.3). Nachfolgend ist daher anhand der bestehenden Kasuistik und 

der Vorbringen der Parteien zum konkreten Unfallgeschehen – seitens der Kläge-

rin namentlich auch zur Voraussehbarkeit und allfälligen Vermeidbarkeit der Ge-

schehnisse – die Sorgfaltsverletzung des Fahrzeuglenkers rechtlich einzuordnen. 

3.4.2.3.5. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung im Bereich der Kollision von 

Fahrzeugen gemäss SVG mit vortrittsberechtigen Schienenfahrzeugen auf Bahn-

- 27 - 

übergängen offenbart zunächst, dass das Bundesgericht in der Vergangenheit 

das Verhalten von Fahrzeuglenkern, die auf unbewachten Bahnübergängen mit 

einer Zugskomposition kollidiert waren, regelmässig als grobfahrlässig resp. 

schwer verschuldet qualifiziert hat (vgl. BGE 55 II 336, BGE 57 II 363, BGE 71 II 

117, BGE 87 II 301, BGE 93 II 111, BGer Urteil vom 27. Juni 1983 JdT 1984 I 

419, BGer Urteil 5C.7/2001 vom 20. Juli 2001, BGer Urteil 4A_453/2008 vom 

22. Dezember 2008; Verschulden als sehr erheblich ["faute en soi très importan-

te"] bezeichnet in: BGer Urteil 5C.276/2002 vom 8. April 2003; Verschulden ver-

neint in: BGE 69 II 401; Verschulden bejaht, aber Qualifikation offen gelassen in: 

BGE 67 II 183 und BGE 69 II 150; so auch der Beklagte: act. 38 Rz. 10). So hat 

es bereits in BGE 55 II 336 zu Gunsten der Eisenbahn erwogen, den "blind und 

unbekümmert um alle Warnungszeichen in die Gefahr hinein[fahrenden]" Auto-

mobillenker treffe ein derart schweres Selbstverschulden an der Kollision mit der 

Bahn auf dem weder durch optische noch durch akustische Signale gesicherten 

Bahnübergang, dass die erhöhte Betriebsgefahr nicht als relevante Mitursache 

des Unfalls gewertet werden könne (E. 3.). Kurz darauf befand es in BGE 57 II 

363, wenn ein ortskundiger Fahrer den Zug erst im letzten Augenblick vor dem 

Zusammenstoss sehe, könne dies – trotz "nicht gerade übersichtlich[em]" Bahn-

übergang und hochgezogener Barriere – "auf nichts anderes als darauf" zurück-

geführt werden, als dass dieser blindlings, mit einer kaum zu überbietenden Sorg-

losigkeit auf den Bahnübergang zugefahren sei (S. 365). Den Motorradfahrer, der 

auf einem ihm bekannten, aber unübersichtlichen und nicht signalisierten Bahn-

übergang mit der Strassenbahn Arth-Goldau kollidiert war, traf ein erhebliches 

Verschulden (vgl. BGE 67 II 183 E. 3.) und den Lenker in BGE 69 II 150 traf ein 

(nicht näher qualifiziertes) unbestrittenes Verschulden an seiner Kollision mit der 

Eisenbahn am unbewachten und lediglich mit einem kreuzförmigen Warnsignal 

gesicherten Bahnübergang (E. 1.). Den 13-jährigen Velofahrer in BGE 71 II 117, 

den Autolenker in BGE 87 II 301 und den Lastwagenfahrer in BGE 93 II 111 tra-

fen je ein grobes Verschulden an ihren jeweiligen Kollisionen mit der Bahn. Der 

Schulbusfahrer, der auf einem unbeschrankten, aber durch optische und akusti-

sche Signale und ein Andreaskreuz gesicherten Bahnübergang mit einem Zug 

kollidiert war, hatte den ihn betreffenden Unfall durch schweres Verschulden ver-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/05f51872-7580-493b-a3eb-f7eb5f2580d4/citeddoc/d30ce115-5196-488c-9b39-ac0517f2edad/source/document-link

- 28 - 

ursacht (BGer Urteil vom 27. Juni 1983 JdT 1984 I 419 E. 1.-2.b). Das Verhalten 

einer Fahrzeuglenkerin, die ohne Abklärung der Verkehrsverhältnisse auf einen 

unbewachten, nicht signalisierten Bahnübergang gefahren war, welcher sich an 

unübersichtlicher Stelle befunden hatte, bezeichnete das Bundesgericht als grob-

fahrlässig (BGer Urteil 5C.7/2001 vom 20. Juli 2001 E. 2.c-d und E. 3.a), und das 

Verschulden einer anderen Lenkerin, die bei schlechten Witterungsverhältnissen 

langsam und mit konstanter Geschwindigkeit auf einen unbewachten, mit Andre-

askreuz gesicherten Bahnübergang zugefahren war, bevor sie mit einem Zug kol-

lidiert war, als sehr erheblich (BGer Urteil 5C.276/2002 vom 8. April 2003 E. 4.). 

Schliesslich hatte eine Fahrzeuglenkerin elementare Sorgfaltspflichten verletzt, 

als sie ungebremst, sich mit der Beifahrerin unterhaltend und ohne Vornahme ei-

nes Kontrollblicks auf einen unbewachten, einzig mit einem Andreaskreuz gesi-

cherten Bahnübergang zugefahren war und dabei jegliche Aufmerksamkeit ver-

missen liess, weil der Unfall bei Wahrung der üblichen Aufmerksamkeit vermeid-

bar gewesen wäre (BGer Urteil 4A_453/2008 vom 22. Dezember 2008 E. 6.). 

Auch in seiner jüngsten Rechtsprechung hatte sich das Bundesgericht – wenn 

auch vor etwas weniger verwandten Sachverhaltskonstellationen – mit Kollisionen 

von Personen und vortrittsberechtigten Schienenfahrzeugen auseinanderzuset-

zen. Dabei hat es insbesondere im vergangenen Jahr sowohl das Verhalten eines 

Velofahrers als auch dasjenige eines durch sein Mobiltelefon abgelenkten Fuss-

gängers, die je mit einer Strassenbahn zusammengestossen waren, als grobfahr-

lässig beurteilt (BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 4. ff. resp. BGE 148 

III 343 E. 4.3.3.). Beiden Betroffenen wurde vorgeworfen, dass sie "die einfachste 

Vorsichtsmassnahme […], mithin vorher Ausschau zu halten, ob der Bahnkörper 

gefahrlos überquert werden könne" missachtet hätten (BGer Urteil 4A_91/2022 

vom 31. Mai 2022 E. 3.6., vgl. auch BGE 148 III 343 E. 4.3.1.). 

Zwar ist zu beachten, dass in ausnahmslos allen dargelegten Entscheiden infolge 

der jeweils im Streit stehenden Haftbarkeit der Bahn als Haftungsgrundlage das 

EBG resp. das EHG diente, während vorliegend Ansprüche gegenüber dem Be-

klagten geltend gemacht werden, weshalb die Normen des SVG anwendbar sind. 

Da aber sowohl die Haftung der Eisenbahn als auch diejenige des Halters als Ge-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/05f51872-7580-493b-a3eb-f7eb5f2580d4/citeddoc/d30ce115-5196-488c-9b39-ac0517f2edad/source/document-link

- 29 - 

fährdungshaftung ausgestaltet sind, die beide durch grobes Verschulden des Ge-

schädigten unterbrochen werden können, können die ergangenen Entscheide oh-

ne Weiteres für die Beurteilung des Verschuldens des Fahrzeuglenkers herange-

zogen werden. Bemerkenswert ist, dass ein Ausschluss der Halterhaftung in der 

vorliegenden Konstellation überhaupt nur deshalb möglich ist, weil der Lenker 

dadurch, dass er das Fahrzeug kurzzeitig gemietet hat, nicht selber Halter wurde. 

Dies erklärt, weshalb keiner der erwähnten Entscheide eine Halterhaftung behan-

delt. 

3.4.2.3.6. Der streitgegenständliche Sachverhalt lässt sich in die aufgezeigte Wer-

tungslinie des Bundesgerichts einreihen: Dem pflichtgemäss aufmerksamen 

Fahrzeuglenker musste, nachdem er auf einer langen Geraden parallel zu Glei-

sen gefahren war – was für ihn erkennbar war (act. 31 Rz. 15 und Rz. 39), –

 bewusst sein, dass er, wenn er auf die andere Seite der Gleise kommen wollte, 

diese Gleise überqueren musste (vgl. act. 13 S. 17 Rz. 41; act. 35 Rz. 35). Ge-

nauso musste ihm bekannt sein, dass auf den Gleisen vortrittsberechtigte Züge 

fahren könnten (act. 13 S. 18 Rz. 41 ff.; act. 35 Rz. 8 ff.). In Gefahrensituationen 

wie der Überquerung eines unbewachten Bahnübergangs – die Klägerin bezeich-

net den Bahnübergang 'D._____' selbst gar als extrem gefährlich (act. 1 

Rz. B.1.3.13; act. 31 Rz. 42; act. 46 S. 13 und S. 22 f.) – ist die geforderte Auf-

merksamkeit erhöht (vgl. BGE 93 II 111 E. 10., 4A_453/2008 vom 22. Dezember 

2008 E. 6. oder BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 4.2.). Das Überque-

ren des – vom Lenker als solchen erkannten (act. 46 S. 32) – Bahnübergangs er-

forderte dementsprechend bereits im Grundsatz eine besondere Sorgfalt; 

dadurch, dass der Bahnübergang 'D._____' jedoch nur durch ein einfaches An-

dreaskreuz gesichert war, musste der Lenker vorliegend sehr vorsichtig sein. Da-

her ist dem Beklagten, der ausführt, das Nichtwahrnehmen des grossen und vor-

trittsberechtigten Zuges durch den Lenker sei bei Wahrung der geforderten Auf-

merksamkeit nicht nachvollziehbar und eine Verletzung elementarer Sorgfalts-

pflichten, beizupflichten (act. 13 S. 13 Rz. 32, S. 19 Rz. 44 und S. 21 Rz. 48; 

act. 38 Rz. 9). Fraglich ist, ob als Ursache für die Kollision einzig die Unachtsam-

keit des Lenkers in Betracht kommt (so der Beklagte: act. 38 Rz. 9; und die Ne-

benintervenientin: act. 35 Rz. 49), oder ob bedeutsame Entlastungsgründe vorlie-

- 30 - 

gen, die dessen Verschulden in einem milderen Licht erscheinen lassen (so die 

Klägerin: act. 1 B.1.3.1; act. 31 Rz. 26, Rz. 32, Rz. 34, Rz. 39 f. und Rz. 42). 

Mit Verweis auf den Bericht SUST behauptet die Klägerin zu Gunsten des Fahr-

zeuglenkers zu berücksichtigende, durch die Parallelität der Strasse und der Glei-

se bedingte, "schlechte" resp. "eindeutig erschwerte" Sichtverhältnisse an der Un-

fallstelle (act. 31 Rz. 28 und Rz. 30 f. i.V.m. act. 3/11). Demgegenüber stellen sich 

sowohl der Beklagte als auch die Nebenintervenientin mit Verweis auf denselben 

Bericht auf den Standpunkt, die Unfallörtlichkeit sei durch die lange Parallelität der 

Strasse und der Bahngleise als sehr übersichtlich zu bezeichnen (act. 13 S. 18 

Rz. 41 und act. 35 Rz. 25 je i.V.m. act. 3/11). Auch habe keine Sichtbehinderung 

durch Bauten oder Vegetation und keine Sichteinschränkung durch die Witte-

rungsverhältnisse bestanden (act. 13 S. 17 Rz. 4 und act. 35 Rz. 17 je i.V.m. 

act. 3/11; act. 38 Rz. 9). Der von allen Parteien angerufene Bericht SUST hält 

fest, dass sich der Bahnübergang 'D._____' "auf einer längeren Gerade an einer 

übersichtlichen Stelle" befunden habe (act. 3/11 S. 10). Hindernisse, welche die 

Sicht von der Strasse in Richtung der Bahn behindert hätten, seien keine vorhan-

den gewesen (act. 3/11 S. 8). Die Sichtverhältnisse seien durch die Witterung 

nicht beeinflusst worden. Beim Befahren des Bahnübergangs von oder nach der 

Hauptstrasse sei ein Zug, der mit der maximalen Streckengeschwindigkeit von 

75 km/h verkehrt sei, für einen Autolenker in beiden Fahrtrichtungen während 

mehr als 12 Sekunden sichtbar gewesen. Bei Parallelfahrten habe die Sicht auf 

den Zug (teilweise) eingeschränkt sein können; je nach Winkel des Rückspiegels 

hätten die in die gleiche Richtung fahrenden Schienenfahrzeuge nur schlecht er-

kannt werden können (act. 3/11 S. 11 f.). Aus dem Bericht SUST erhellt folglich, 

dass die potentiell eingeschränkte Sicht mangels anderweitiger Sichtbehinderun-

gen an der Unfallstelle allein auf das Phänomen des toten Winkels zurückzufüh-

ren war. Im Übrigen werden die Verhältnisse in Übereinstimmung mit den Be-

hauptungen des Beklagten und der Nebenintervenientin als übersichtlich be-

zeichnet. Allein aus dem allfälligen Bestehen eines toten Winkels kann die Kläge-

rin angesichts der von einem Automobillenker geforderten Aufmerksamkeit im 

Strassenverkehr (vgl. Art. 26 Abs. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG oder Art. 3 Abs. 1 

VRV) indessen nichts Entschuldigendes bezüglich des Verhaltens des Fahrzeug-

- 31 - 

lenkers ableiten (vgl. act. 1 B.1.3.2 und B.1.3.9; act. 31 Rz. 26 und Rz. 38 f.): Die 

Existenz des toten Winkels muss jedem Strassenbenützer bekannt sein, der ge-

halten ist, der damit einhergehenden Unsicherheit mittels Seiten- bzw. Kontroll-

blicks zu begegnen (so auch der Beklagte: act. 13 S. 18 Rz. 42 und S. 22 Rz. 50; 

act. 38 Rz. 25). Unterliess der Lenker den Seitenblick, verhielt er sich – und zwar 

gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sogar bei eigenem Vortrittsrecht 

(BGer Urteil 4C.435/2005 vom 5. Mai 2006 E. 4.2.3), was vorliegend nicht einmal 

der Fall war – sorgfaltswidrig. Tätigte er den Kontrollblick, so wie es die Klägerin 

geltend macht (act. 1 B.1.2.8; act. 31 Rz. 26 und Rz. 32; act. 46 S. 28) und der 

Beklagte und die Nebenintervenientin je bestreiten (act. 13 S. 16 Rz. 39; act. 35 

Rz. 26), muss er sich als Pflichtwidrigkeit weiterhin vorwerfen lassen, dass er das 

Vortrittsrecht der Eisenbahn missachtete und ohne abschliessend Gewissheit zur 

Frage erlangt zu haben, ob ein vortrittsberechtigter Zug herannahte, auf den 

Bahnübergang 'D._____' fuhr – was sich entgegen der Ansicht der Klägerin im 

Übrigen bereits aus der Tatsache ergibt, dass es zur Kollision mit dem Zug kam 

(act. 13 S. 14 Rz. 33 und S. 22 Rz. 51; act. 31 Rz. 16 und Rz. 18; act. 35 Rz. 28; 

act. 38 Rz. 18; vgl. BGer Urteil 4C.435/2005 vom 5. Mai 2006 E. 4.2.3 und BGer 

Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 4.2.). Unerheblich ist daher, ob der Len-

ker das Fahrzeug vor dem Abbiegen vollständig anhielt oder nicht (act. 1 

Rz. B.1.2.4; act. 13 S. 13 Rz. 33; act. 31 Rz. 19 und Rz. 21; act. 38 Rz. 4 und 

Rz. 18). Angesichts der übersichtlichen Verhältnisse ausserhalb des Fahrzeugs 

hätte er bei pflichtgemäss aufmerksamem Verhalten den Zug herannahen sehen 

müssen. In Bezug auf die konkrete Sichtbarkeitsdauer des herannahenden Zuges 

für den Fahrzeuglenker behauptet die Klägerin eine vom Bericht SUST sowie den 

darauf gestützten Behauptungen des Beklagten und der Nebenintervenientin 

(act. 13 S. 18 Rz. 41 und act. 35 Rz. 25 je i.V.m. act. 3/11 S. 8) abweichende, 

kürzere Zeitdauer, welche zu Gunsten des Lenkers zu berücksichtigen sei (act. 31 

Rz. 28 und Rz. 39; act. 46 S. 28). Jedoch laufen beide Argumentationslinien der 

Klägerin ins Leere: Einerseits führt sie erneut das Bestehen eines toten Winkels 

an, was wie bereits aufgezeigt nicht verfängt (act. 31 Rz. 28). Andererseits be-

gründet sie ihr Vorbringen mit der Dauer der Abgabe des Pfeifgeräuschs durch 

den Lokomotivführer bis der Zug den Bahnübergang erreichte. Inwiefern sich die-

- 32 - 

se Zeitangabe indessen auf die Sichtbarkeit (und nicht die Hörbarkeit) des Zuges 

bezieht, erhellt aus ihren Ausführungen nicht, zumal sie sich selber auf den 

Standpunkt stellt, beim Befahren des Bahnübergangs sei ein Zug während 

12 Sekunden sichtbar gewesen (act. 31 Rz. 28; act. 46 S. 28). Damit erübrigen 

sich Erwägungen zu den Fragen, ab welchem Winkel zu den Gleisen der Lenker 

den Zug während 12 Sekunden (oder gar während 14 Sekunden, vgl. act. 35 

Rz. 48 und act. 38 Rz. 22) sehen konnte und ob eine Sichtbarkeitsdauer von 

7 Sekunden einem pflichtgemäss aufmerksamen Fahrzeuglenker nicht zur Über-

querung des Übergangs ausgereicht hätte, zumal ein Bahnübergang ohne Verzö-

gerung passiert werden muss (vgl. act. 31 Rz. 28; Art. 24 Abs. 2 VRV). 

Die Sichtverhältnisse im Innern des Fahrzeugs, sprich eine für den Seitenblick 

genügende Sicht durch die Seitenfester oder auf die Spiegel, liegen im Verant-

wortungsbereich des Lenkers: Sollte seine Sicht, wie es die Klägerin darstellt 

(act. 1 B.1.2.6; act. 31 Rz. 18, Rz. 23 und Rz. 32; act. 46 S. 14) und die Nebenin-

tervenientin bestreitet (act. 35 Rz. 26), durch die Anwesenheit der anderen Fahr-

zeuginsassen eingeschränkt gewesen sein, so hätte er ausreichende Sichtver-

hältnisse schaffen müssen; bspw. durch Anweisung der Mitinsassen, sich zurück-

zulehnen oder durch deren Einbindung als Hilfspersonen (vgl. BGE 76 II 321 E. 2 

oder BGer Urteil 4A_527/2007 vom 25. Februar 2008 E. 5.2.2; so auch der Be-

klagte: act. 13 S. 15 Rz. 36 ff. und S. 18 Rz. 42; act. 38 Rz. 8 und Rz. 19; und die 

Nebenintervenientin: act. 35 Rz. 28). Daran ändert nichts, dass der Kleinbus ge-

mäss der Klägerin "vertragsgemäss und gesetzeskonform" verwendet worden war 

oder dass behauptungsgemäss keiner der Fahrzeuginsassen den Zug gesehen 

hatte (act. 31 Rz. 24, Rz. 26 und Rz. 31), denn die Sorgfaltspflichten des verant-

wortlichen Fahrzeuglenkers sind in Bezug auf eine genügende Sicht weitgehend: 

So hätte eine Fahrzeuglenkerin, die den Zug infolge des schlechten Wetters nicht 

gesehen hatte, anhalten und die Fenster ihres Autos herunterlassen müssen, um 

sich zu vergewissern, dass sich kein Zug näherte (BGer Urteil 5C.276/2002 vom 

8. April 2003 E. 4.), und hatte sich eine andere Fahrzeuglenkerin, die ohne Abklä-

rung der Verkehrsverhältnisse auf einen unbewachten Bahnübergang gefahren 

war, welcher sich an unübersichtlicher Stelle befunden hatte, grobfahrlässig ver-

halten, da es vernünftigerweise geboten gewesen wäre, vor der Abfahrt auszu-

- 33 - 

steigen und zu Fuss an das Gleis heranzutreten (BGer Urteil 5C.7/2001 vom 20. 

Juli 2001 E. 2.c-d). Nichts anderes ergibt sich auch aus dem von der Klägerin an-

gerufenen Entscheid 1C_23/2012 vom 2. Juli 2012, in welchem das Bundesge-

richt zum toten Winkel ausführt, wer ein Motorfahrzeug lenke, dessen Aussen-

spiegel und Seitenfenster bis auf zwei kleine Gucklöcher vorne rechts schneebe-

deckt seien, sodass er im Wesentlichen nur durch die Frontscheibe und über den 

Innenspiegel durch die Heckscheibe sehen könne, nehme eine nicht zu unter-

schätzende abstrakte Gefährdung der Verkehrssicherheit in Kauf (E. 3.2; vgl. 

act. 31 Rz. 39). Im vorliegend zu beurteilenden Fall hatte der Lenker die Ge-

schwindigkeit des Fahrzeugs ohnehin aus zunächst voller Fahrtgeschwindigkeit 

auf mindestens fast stillstehend reduziert (act. 1 Rz. B.1.2.4; act. 13 S. 13 Rz. 33; 

act. 31 Rz. 19; act. 38 Rz. 4), während der Zug weiterhin mit einer Geschwindig-

keit von 75 km/h gefahren war (vgl. act. 31 Rz. 30 i.V.m. act. 3/11 S. 10). Allein 

aus den verschiedenen Fahrtgeschwindigkeiten der beiden Transportmittel lässt 

sich schliessen, dass es unmöglich ist, dass der Fahrzeuglenker die Zugskompo-

sition die ganze Zeit nicht sehen konnte: Sofern sich diese im Augenblick, als das 

Auto (fast) stillstand tatsächlich im toten Winkel des Fahrzeugführers befand, 

musste sie zuvor, als das Auto auf der Parallelfahrt in normaler Geschwindigkeit 

gefahren war, für den aufmerksamen Fahrzeugfahrer im Innenrückspiegel bereits 

sichtbar gewesen sein. Offen gelassen werden können daher die aufgeworfenen 

Fragen, ob ein derart langes Objekt wie ein Zug von 136 Metern vollständig im to-

ten Winkel verschwinden kann (vgl. act. 35 Rz. 25 i.V.m. act. 3/11 S. 6), und ob 

sich die Bahngleise überhaupt im toten Winkel des Lenkers befunden haben (vgl. 

act. 35 Rz. 25 und act. 38 Rz. 25), zumal es nach konstanter Rechtsprechung 

nicht notwendig ist, dass der Fahrer ein Schienenfahrzeug ununterbrochen sehen 

kann (vgl. BGE 55 II 336 E. 1., BGE 57 II 363 S. 366, BGE 71 II 117 E. 3.b, BGE 

87 II 301 E. 5.c oder BGE 93 II 111 E. 11.c). Damit kann die Klägerin weder aus 

dem möglichen Vorliegen eines toten Winkels, der behaupteten Vornahme des 

Seitenblicks, dem fraglichen vollständigen Anhalten des Fahrzeugs noch der al-

lenfalls beschränkten Sicht durch die Autofenster etwas das Verhalten des Fahr-

zeuglenkers Entschuldbares ableiten. Hinsichtlich der von ihr behaupteten ver-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/05f51872-7580-493b-a3eb-f7eb5f2580d4/citeddoc/d30ce115-5196-488c-9b39-ac0517f2edad/source/document-link

- 34 - 

kürzten Sichtbarkeitsdauer des Zuges laufen ihre Behauptungen zudem von 

Vornherein ins Leere. 

Entgegen der Ansicht der Klägerin lässt auch die Tatsache, dass vor dem Bahn-

übergang keine Einspurstrecke vorhanden war (act. 1 Rz. B.1.3.3; act. 31 

Rz. 20 f. und Rz. 32; act. 46 S. 24; vgl. auch: act. 13 S. 19 Rz. 43 und act. 35 

Rz. 19), das Verschulden des Lenkers nicht in einem milderen Licht erscheinen: 

Wie sie mit Verweis auf den Bericht SUST selber ausführt, ist das durchschnittli-

che Verkehrsaufkommen auf dem betroffenen Bahnübergang mit weniger als acht 

Personen pro Stunde als schwach zu bezeichnen (act. 31 Rz. 30 i.V.m. act. 3/11 

S. 9). Selbst wenn ein anderes Fahrzeug hinter demjenigen des Fahrzeuglenkers 

anhalten musste (vgl. act. 31 Rz. 19 und Rz. 32; act. 13 und act. 38 e contrario), 

ist nicht einzusehen, weshalb dieses im Strassenverkehr übliche Vorkommen, 

den Fahrzeuglenker unter "erhebliche[n] Druck" hätte bringen sollen (vgl. act. 31 

Rz. 32; so auch der Beklagte: act. 13 S. 19 Rz. 43). Das Fehlen der Einspurstre-

cke war keine Unfallursache (so auch die Nebenintervenientin: act. 35 Rz. 19). 

Selbiges gilt für die Platzierung des Andreaskreuzes auf der von der Hauptstrasse 

abgewandten Westseite des Bahnübergangs: Infolge der in der vorliegenden Si-

tuation geforderten Aufmerksamkeit genügte es, dass das Andreaskreuz grund-

sätzlich wahrnehmbar war, zumal die Sicht im Zeitpunkt des Unfalls durch die Wit-

terung nicht eingeschränkt war und der Fahrzeuglenker den Bahnübergang als 

solchen erkannt hatte (vgl. Art. 26 Abs. 1 und Art. 28 SVG; act. 13 S. 17 Rz. 41; 

act. 31 Rz. 30 e contrario; act. 35 Rz. 18; act. 38 Rz. 9; act. 46 S. 6, S. 24 und 

S. 32). Offen bleiben kann daher, ob das Verkehrssignal, wie es die Klägerin gel-

tend macht (act. 1 Rz. B.1.3.1; act. 31 Rz. 30 und Rz. 36; act. 46 S. 24), durch 

seine Platzierung nur eingeschränkt sichtbar war oder ob es, wie der Beklagte 

behauptet, dadurch sogar besser erkennbar war (act. 13 S. 17 Rz. 41 und S. 21 

Rz. 47; act. 38 Rz. 9). 

Das Bundesgericht hat festgehalten, dass wer als Fahrzeuglenker das Pfeifsignal 

eines Zuges nicht hört, den Motor abstellen und sich mit dem Ohr vergewissern 

müsse (vgl. BGE 55 II 336 E. 1.), das Verdeck zurückschlagen müsse (BGE 57 II 

363 S. 366) oder das Geräusch des Motors dämpfen müsse (BGE 69 II 150 

- 35 - 

E. 1.). Ferner hat es erwogen, dass von der Bahn aus Rücksicht auf die Allge-

meinheit nicht verlangt werden könne, die akustischen Signale so zu verstärken, 

dass auch der Führer eines Lastwagens mit starkem Eigenlärm diese deutlich hö-

ren könne (BGE 93 II 111 E. 10.; vgl. auch BGer Urteil 4A_453/2008 vom 

22. Dezember 2008 E. 5.2). Wenn demnach bereits der betriebsnotwendige Ei-

genlärm eines Fahrzeugs keinen Rechtfertigungsgrund darstellt, einen Warnpfiff 

nicht zu hören, muss dies umso mehr für laute Unterhaltungen der Fahrzeugin-

sassen gelten: Wie es der Beklagte dartut (act. 13 S. 16 Rz. 38 und S. 17 Rz. 40; 

act. 38 Rz. 21), ergäbe sich daher aus der seitens der Klägerin geltend gemach-

ten (hohen) Geräuschkulisse im Auto, welche das vorschriftsgemäss abgegebene 

Pfeifsignal des Zuges übertönt habe (act. 1 B.1.2.9; act. 31 Rz. 22, Rz. 25 und 

Rz. 27 f.; bestritten durch die Nebenintervenientin: act. 35 Rz. 32 f.), nichts zur 

Entlastung des Fahrzeuglenkers, zumal ein solcher im Bedarfsfall seine Fahrgäs-

te aufzufordern hat, alles zu unterlassen, was seine Aufmerksamkeit beeinträch-

tigt (vgl. Art. 31 Abs. 3 SVG; act. 35 Rz. 33; act. 38 Rz. 8). Unerheblich ist folglich 

auch, ob die anderen Fahrzeuginsassen das Pfeifsignal ebenfalls nicht hörten 

(vgl. act. 31 Rz. 27 f.; bestritten durch die Nebenintervenientin: act. 35 Rz. 31 f.), 

wie laut das abgegebene Pfeifgeräusch genau war und für wie lang es abgege-

ben wurde (vgl. act. 35 Rz. 29 ff. und act. 46 S. 30 f.). 

Unbestritten ist schliesslich, dass der … Fahrzeuglenker [aus dem Staat G._____ 

ortsunkundig war (act. 1 B.1.3.5; act. 13 S. 20 Rz. 45; act. 31 Rz. 39; act. 35 

Rz. 20; act. 38 Rz. 16; act. 46 S. 7). Die Klägerin führt aus, die Ortsunkundigkeit 

sei zu Gunsten des Lenkers zu würdigen: Dieser habe die genaue Situation vor 

Ort nicht kennen und auch nicht lange vor dem Abbiegemanöver die Gefahrensi-

tuation vollends einschätzen können (act. 31 Rz. 15, Rz. 31, Rz. 34 und Rz. 39; 

act. 46 Rz. 12). Indem er ein Navigationsgerät zur Hilfe genommen habe, sei er 

seinen Pflichten in Bezug auf eine vorsichtige und vorausschauende Fahrweise 

nachgekommen (act. 31 Rz. 34; act. 46 S. 28). Demgegenüber führt der Beklagte 

aus, bei Ortsunkundigkeit sei eine besonders vorsichtige und vorausschauende 

Fahrweise gefordert, auf welche sich der Lenker dank des Navigationsgeräts 

auch hätte konzentrieren können, was er aber nicht gemacht habe, wodurch er 

sich grobfahrlässig verhalten habe (act. 13 S. 20 Rz. 45). Die Nebenintervenientin 

- 36 - 

stellt sich darüber hinaus auf den Standpunkt, der Fahrzeuglenker habe aufgrund 

des Navigationsgeräts nicht mehr auf die Strasse resp. die Bahngleise geschaut 

(act. 35 Rz. 27; von der Klägerin bestritten: act. 46 S. 28 und S. 35). Aus der kon-

stanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ergibt sich, dass sich eine Ortskun-

digkeit zu Ungunsten eines nicht aufmerksamen Geschädigten auswirkt, der "den 

ihm bekannten Gefahren durch erhöhte Vorsicht Rechnung tragen" hätte müssen 

(BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 2022 E. 4.2.; vgl. auch BGE 57 II 363 

S. 365, BGE 69 II 150 E. 1 f., BGE 88 II 448 E. 4.; BGE 148 III 343 E. 4.3.5., BGer 

Urteil vom 27. Juni 1983 JdT 1984 I 419 E. 2.a, BGer Urteil 5C.276/2002 vom 

8. April 2003 C.c oder BGer Urteil 4A_453/2008 vom 22. Dezember 2008 E. 6.). 

Daraus scheint die Klägerin abzuleiten, dass sich eine Ortsunkundigkeit zu Guns-

ten eines Geschädigten auswirkt (vgl. act. 31 Rz. 49). Ein solches Verständnis 

drängt sich indessen nicht auf und würde über einen Umkehrschluss hinausge-

hen. Am ehesten lässt sich aus der aufgezeigten Rechtsprechung schliessen, 

dass ein ortskundiger Geschädigter neue, ihm unbekannte Gefahren nicht erwar-

ten muss. Ob die Ansicht der Klägerin unter gewissen Umständen, namentlich in 

komplexen Situationen, in welchen eine Person gezwungen ist, schnell einen Ent-

scheid zu treffen, gleichwohl einschlägig sein kann, braucht vorliegend nicht beur-

teilt zu werden (ebenfalls offen gelassen in BGE 148 III 343 E. 4.3.6.), denn we-

der handelte es sich bei der vorliegenden Überquerung des Bahnübergangs um 

eine komplexe Situation, in der verschiedene Faktoren für einen Entscheid be-

rücksichtigt werden mussten, noch war der Fahrzeuglenker für das Rechtsabbie-

gen unter (nachvollziehbarem) Zeitdruck. Bemerkenswert vergleichbar mit der 

vorliegenden Ausgangslage ist BGE 87 II 301, in welchem das Bundesgericht er-

wogen hat, dass unerheblich sei, ob der (ebenfalls) … Staatsangehörige [aus 

dem Staat G._____], der ein Fahrzeug auf einen unbewachten Bahnübergang ge-

lenkt hatte und in der Folge mit der …-Bahn kollidiert war, die von ihm übertrete-

nen Verkehrsvorschriften gekannt und gewusst hatte, dass das Blinklicht das An-

halten vor dem Übergang geboten hätte (E. 3). Eine allfällige Unkenntnis hätte ihn 

nicht entschuldigen können; denn wer in einem fremden Land eine Autofahrt un-

ternehmen wolle, müsse sich mit den dort geltenden Verkehrsregeln vertraut ma-

chen. Dass bei der Annäherung an einen Bahnübergang erhöhte Vorsicht anzu-

- 37 - 

wenden und die Geschwindigkeit zu ermässigen sei, verstehe sich für einen ver-

nünftigen Autofahrer von selber. Im erwähnten Entscheid hat das Bundesgericht 

das Verhalten des Fahrzeuglenkers als grobfahrlässig qualifiziert und eine Haf-

tung der beklagten Bahn verneint (E. 5.d). Dieser Entscheid reiht sich mühelos in 

die jüngere Rechtsprechung ein: So hat das Bundesgericht als nicht willkürlich 

beurteilt, dass die Ortsunkundigkeit einer vortrittsbelasteten Mutter, die unvermit-

telt mit ihrer Tochter auf eine befahrene Strasse getreten war, nicht stärker be-

rücksichtigt worden war, als ihr Verhalten als grobfahrlässig eingeschätzt worden 

war (BGer Urteil 4A_234/2021 vom 9. September 2021 E. 2.4.4.). Das Bundesge-

richt erwog dazu, die Mutter habe die Strasse unter ungünstigen Umständen und 

an ungeeigneter Stelle überqueren wollen, woraus von der Vorinstanz habe ge-

folgert werden können, dass sie besonders Acht hätte geben müssen. Einen 

Schritt weiter ging das höchste Schweizer Gericht, als es mit der Vorinstanz von 

einem schweren Selbstverschulden des Beschwerdeführers ausging, der unter 

Berücksichtigung der Sicht- und Geländeverhältnisse in einer völlig unangepass-

ten Art gefahren sei, "zumal er ortsunkundig" gewesen sei (BGer Urteil 

4A_385/2013 vom 20. Februar 2014 E. 4.2.). Sodann hat die strafrechtliche Abtei-

lung des Bundesgerichts vor Kurzem festgestellt, dass ein Fahrzeuglenker auf-

grund seiner Ortsunkundigkeit "gar ein besonderes Augenmerk auf die Strassen-

schilder" zu richten gehabt hätte (BGer Urteil 6B_1039/2021 vom 14. Januar 2022 

E. 1.4.2.). Ohnehin helfen Ortskenntnisse für das Erkennen der von Gleisanlagen 

ausgehenden Grundgefahr oder eines toten Winkels wenig: Es ist im Einzelfall mit 

besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob ein vortrittsberechtigter Zug herannaht (vgl. 

Art. 31 Abs. 1 SVG; vgl. auch act. 38 Rz. 14). Ausserdem existiert auch in 

G._____ schienengebundener Verkehr, weshalb dem Fahrzeuglenker die grund-

sätzliche Gefahrenlage bekannt sein musste (act. 35 Rz. 20; act. 38 Rz. 14 und 

Rz. 26; so auch die Klägerin: act. 46 S. 25) – zumal er erkannt hatte, dass er pa-

rallel zu Gleisen gefahren war (act. 31 Rz. 15 und Rz. 39). Zudem werden die 

hiesigen Strassenverkehrsregeln und Signale jedem Fahrzeugführer auf Schwei-

zer Strassen als bekannt vorausgesetzt (vgl. Art. 14 und Art. 27 Abs. 1 SVG; 

BGer Urteil 6B_1039/2021 vom 14. Januar 2022 E. 1.4.2.; act. 38 Rz. 26). Des-

halb musste das Vorhandensein des Andreaskreuzes entgegen der Ansicht der 

- 38 - 

Klägerin (act. 31 Rz. 16 und Rz. 44; act. 46 S. 16 und S. 25) auch den ortsunkun-

digen Fahrzeuglenker, der in seiner Heimat gemäss übereinstimmenden Partei-

ausführungen im Übrigen als … [Funktion] für die … Polizei [des Staates 

G._____] tätig gewesen war (act. 1 A.4.3 und B.1.1.2 f.; act. 31 Rz. 10; act. 38 

Rz. 14 und Rz. 26), zu besonderer Vorsicht ermahnen (so auch der Beklagte: 

act. 13 S. 13 Rz. 32). Folglich ist dem Beklagten und der Nebenintervenientin da-

hingehend zuzustimmen, dass die mangelnden Ortskenntnisse des Fahrzeuglen-

kers keine Rechtfertigung für sein unvorsichtiges Handeln bieten können, mithin 

nichts an der Qualifikation seines Verhaltens als grobfahrlässig zu ändern vermö-

gen (act. 13 S. 20 Rz. 45 und act. 35 Rz. 20). 

3.4.2.3.7. Aus der Einzelfallbetrachtung des Unfallgeschehens unter Berücksichti-

gung der Wertungslinie des Bundesgerichts ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

um das Verhalten des Fahrzeuglenkers anders als grobfahrlässig qualifizieren zu 

können. Namentlich gelingt es der Klägerin nicht, Gründe vorzubringen, die sein 

Verschulden in einem milderen Licht erscheinen lassen könnten. Damit erübrigt 

sich ein Beweisverfahren. Der verstorbene Fahrzeuglenker Q._____ war dafür 

verantwortlich sicherzustellen, dass er mit dem Kleinbus die Gleise gefahrlos pas-

sieren konnte. Gleichwohl ist er auf den Bahnübergang gefahren, ohne zuvor ab-

schliessende Gewissheit hinsichtlich allfälligem herannahendem Schienenverkehr 

erlangt zu haben. Die elementare Sorgfalt, deren Beachtung sich jedem vernünf-

tigen Menschen in derselben Lage aufgedrängt hätte, hat er dabei ausser Acht 

gelassen (vgl. BGE 148 III 343 E. 3.4. oder BGer Urteil 4A_91/2022 vom 31. Mai 

2022 E. 3.6.; act. 13 S. 21 Rz. 48; act. 35 Rz. 36; act. 38 Rz. 9). Das Risiko der in 

der Folge eingetretenen Kollision hätte er ohne Weiteres erkennen müssen (vgl. 

Urteil HGer ZH HG140117 vom 5. April 2018 E. 2.3.3.). Mit seinem Verhalten hat 

er nicht nur seine Insassen erheblich gefährdet, sondern auch den Lokomotivfüh-

rer und die Zugpassagiere (vgl. act. 13 S. 21 Rz. 48 und act. 38 Rz. 9). Am vorge-

fallenen Unfall trifft ihn ein grobes Selbstverschulden. 

3.4.2.3.8. Anzufügen bleibt, dass es für die zu beurteilende Frage der Haftbarkeit 

des Beklagten irrelevant ist, ob die Nebenintervenientin selber oder den Lokomo-

tivführer als ihre Hilfsperson – wie von der Klägerin vorgebracht (act. 31 Rz. 29; 

- 39 - 

act. 46 S. 33 f.) – am Unfall ein Verschulden trifft. Hinsichtlich des Lokomotivfüh-

rers ist nichtsdestotrotz festzustellen, dass ihm die Staatsanwaltschaft F._____ in 

Übereinstimmung mit dem Bericht SUST und den Ausführungen des Beklagten 

und der Nebenintervenientin kein Verschulden moniert (act. 3/2; act. 3/11 S. 6 

und S. 10; act. 35 Rz. 22, Rz. 37 ff. und Rz. 48; act. 38 Rz. 23), er vorschriftsge-

mäss auf Höhe der Pfeiftafel ein Pfeifsignal abgab und dieses wiederholte, als er 

sah, dass das Fahrzeug im Begriff war, über den Bahnübergang zu fahren 

(act. 13 S. 14 Rz. 34 f.; act. 35 Rz. 48; so auch die Klägerin: act. 31 Rz. 24 und 

Rz. 28 f.). Im unmittelbaren Anschluss leitete er die Vollbremsung ein (act. 31 

Rz. 28; act. 35 Rz. 42). Entgegen den Ausführungen der Klägerin ist ihm nicht 

vorzuwerfen, dass er nicht damit rechnete, dass der vortrittsbelastete, bereits 

(fast) stillstehende Wagen noch über die Gleise fahren würde (vgl. act. 1 B.1.2.5, 

act. 31 Rz. 29 und act. 46 S. 34 f.), denn nach bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung ist der Lokomotivführer, der auf einen unbewachten Bahnübergang zufährt, 

erst dann zur (nochmaligen) Betätigung der Warnpfeife verpflichtet, wenn er man-

gels Verlangsamung der Fahrt des herannahenden Motorfahrzeugs annehmen 

muss, dass der Lenker das Vortrittsrecht der Bahn missachten werde (BGer Urteil 

4A_453/2008 vom 22. Dezember 2008 E. 5.2; vgl. auch act. 35 Rz. 45). Daraus, 

dass der Fahrzeuglenker den Blinker bereits gesetzt hatte, ergibt sich nichts Ge-

genteiliges, da die Richtung pflichtgemäss im Voraus anzuzeigen ist (Art. 39 

Abs. 1 SVG; vgl. act. 1 B.1.2.3, act. 31 Rz. 29 und act. 46 S. 34 f.). Ebenso uner-

heblich für die Beurteilung der Haftbarkeit des Beklagten sind die seinerseits und 

seitens der Nebenintervenientin bestrittenen Vorbringen der Klägerin dazu, dass 

der Bahnübergang nicht den gesetzlichen Signalisations- und Sicherheitsanforde-

rungen entsprochen habe (act. 1 Rz. B.1.3.13; act. 13 S. 18 Rz. 41, S. 21 Rz. 47 

und S. 24 Rz. 56; act. 31 Rz. 16 und Rz. 30; act. 35 Rz. 21 ff. und Rz. 35; act. 38 

Rz. 15 und Rz. 24; act. 46 S. 32) und als sanierungsbedürftig angesehen worden 

sei (act. 1 B.1.3.11; act. 13 S. 18 Rz. 14; act. 31 Rz. 30 und Rz. 41; act. 35 

Rz. 11 ff.; act. 38 Rz. 24), weshalb ein Abzweigen nach rechts überhaupt hätte 

verboten werden müssen (act. 1 Rz. B.1.3.13; act. 13 S. 24 Rz. 55), denn diese 

Behauptungen zielen auf eine erhöhte Betriebsgefahr der Nebenintervenientin ab 

(act. 38 Rz. 23; so im Übrigen auch die Klägerin: act. 31 Rz. 30 und Rz. 49 und 

- 40 - 

act. 46 S. 15). Gleichwohl ist daran zu erinnern, dass ein unbewachter Bahnüber-

gang allein keine erhöhte Betriebsgefahr darstellt (BGer Urteil 4A_453/2008 vom 

22. Dezember 2008 E. 3.2; so auch die Nebenintervenientin: act. 35 Rz. 36) und 

auch aus dem Umstand, dass in Bezug auf einen Bahnübergang Sanierungsar-

beiten eingeleitet worden sind, noch keine erhöhte Betriebsgefahr des betroffenen 

Bahnübergangs resultiert (BGer Urteil 4A_453/2008 vom 22. Dezember 2008 

E. 4.2.2). Schliesslich ist die Beseitigung von (unbeschrankten) Bahnübergängen 

zeit- und kostenintensiv und die Frage, ob (bereits) eine Schranke hätte ange-

bracht werden müssen, einer Einzelfallbetrachtung zu unterziehen (BGer Urteil 

vom 27. Juni 1983 JdT 1984 I 419 E. 3.c; so auch der Beklagte: act. 13 S. 23 

Rz. 52). Während diese beiden Komponenten, ein Verschulden und eine erhöhte 

Betriebsgefahr der Nebenintervenientin, wie bereits aufgezeigt, unter gewissen 

Umständen trotz grobem Selbstverschulden des Fahrzeuglenkers zu einer Haft-

barkeit der Nebenintervenientin führen könnten, vermögen sie nichts an der Quali-

fikation des Verhaltens des Fahrzeuglenkers als grobfahrlässig oder an der Ex-

kulpation des Beklagten von seiner Haftung unter SVG zu ändern, weshalb sie für 

das vorliegende Verfahren ohne Relevanz sind. Auf die Abnahme der diesbezüg-

lich durch die Klägerin offerierten Beweismittel, namentlich auf die Edition des 

Reglements über den Fahrdienst der C._____ AG, kann folglich verzichtet werden 

(vgl. act. 31 Rz. 29 f.). 

3.4.2.4. Fazit 

Dem Beklagten gelingt die Erbringung des dreifachen Entlastungbeweises: Ers-

tens trifft die Fahrzeughalterin kein ihr zurechenbares Verschulden an den vorge-

fallenen Ereignissen, zweitens lag keine fehlerhafte Beschaffenheit des Unfall-

fahrzeugs vor und drittens verschuldete der Fahrzeuglenker den Unfall, wobei 

sein Verhalten in Anbetracht der tatsächlichen Vorkommnisse und gemessen an 

der Wertungslinie des Bundesgerichts als grobfahrlässig qualifiziert werden muss. 

Entsprechend kann sich der Beklagte von seiner Haftung befreien. 

Infolge der Voraussetzung der eigenständigen Haftung der Haftungssubjekte 

schadet ihm auch die in Art. 60 Abs. 1 SVG vorgesehene solidarische Haftbarkeit 

- 41 - 

nicht. Folglich braucht nicht beurteilt zu werden, ob sich auch die Nebeninterveni-

entin von ihrer Haftung exkulpieren könnte. 

4. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen 

Den Beklagten trifft für den Verkehrsunfall vom tt.mm.jjjj eine Halterhaftung nach 

Art. 58 Abs. 1 SVG. Indessen gelingt ihm der Entlastungsbeweis von seiner Haf-

tung. Namentlich überwiegt das Selbstverschulden des vortrittsbelasteten Fahr-

zeuglenkers die Betriebsgefahr des Halterfahrzeugs in einem Ausmass, dass die-

se nicht mehr ins Gewicht fällt und als adäquate Unfallursache ausgeschaltet 

wird: Dadurch, dass der verstorbene Fahrzeuglenker Q._____ auf den Bahnüber-

gang fuhr, ohne zuvor abschliessende Gewissheit darüber erlangt zu haben, ob 

ein vortrittsberechtigtes Schienenfahrzeug herannahte, hat er wichtige Verkehrs-

regeln schwer verletzt und elementare Regeln der Sorgfalt missachtet. Sein Ver-

halten lässt sich weder entschuldigen noch rechtfertigen. Im Gegenteil wären die 

Geschehnisse bei Einhaltung der elementarsten Vorsichtsgebote nicht nur vo-

raussehbar, sondern auch vermeidbar gewesen. Daher ist die Genugtuungsforde-

rung der Klägerin vollumfänglich abzuweisen. 

5. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

5.1. Gerichtskosten 

Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des 

Obergerichts (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG). Sie richtet sich in 

erster Linie nach dem Streitwert, dem Zeitaufwand des Gerichts sowie der 

Schwierigkeit des Falles (§ 2 Abs. 1 lit. a, lit. c und lit. d GebV OG). Der Streitwert 

beläuft sich vorliegend auf CHF 70'000.–. Unter Berücksichtigung von § 4 Abs. 1 

und Abs. 2 GebV OG beträgt die ordentliche Gerichtsgebühr CHF 7'200.–. Sie ist 

aufgrund des Zeitaufwands sowie der Komplexität des Falles auf CHF 9'500.– zu 

erhöhen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der vollumfänglich unterlie-

genden Klägerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO) und aus dem von ihr geleis-

teten Kostenvorschuss zu beziehen. 

- 42 - 

5.2. Parteientschädigung 

Die Höhe der Parteientschädigung bestimmt sich nach der Verordnung des Ober-

gerichts über die Anwaltsgebühren (AnwGebV; Art. 105 Abs. 2 i.V.m. Art. 96 

ZPO). Sie richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a Anw-

GebV). Beim vorliegenden Streitwert beträgt die nach § 4 Abs. 1 AnwGebV ermit-

telte Grundgebühr CHF 8'800.–. Unter Berücksichtigung des Aufwands für die 

Vergleichsverhandlung und die zweite Rechtsschrift ist eine Erhöhung der Gebühr 

auf CHF 12'400.– angezeigt (§ 11 Abs. 1 und Abs. 2 AnwGebV). Ausgangsge-

mäss ist die Klägerin entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Neben dem 

Beklagten hat auch die Nebenintervenientin sinngemäss die Zusprechung einer 

Entschädigung zzgl. Mehrwertsteuer beantragt (act. 13 S. 2 und act. 35 S. 2). 

Zwar obsiegen sowohl der Beklagte als auch die Nebenintervenientin mit ihren 

jeweiligen Anträgen vollumfänglich. Indessen wird einer Nebenintervenientin in 

Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis, welche sich auf die Erkenntnis stützt, 

eine Nebenintervenientin nehme keine im Rechtverhältnis der Hauptparteien be-

gründeten Interessen wahr, in der Regel gemäss Art. 107 ZPO keine Parteient-

schädigung zugesprochen (BGE 130 III 571 E. 6.; BGer Urteil 4A_295/2022 vom 

16. Dezember 2022 E. 9.2.; SCHMID/JENT-SØRENSEN, Kurzkommentar ZPO, 

a.a.O., Art. 106 N 10). Vorliegend rechtfertigt es sich mangels Billigkeitsgründen 

nicht, von der genannten Praxis abzuweichen. Dem entgegenstehende Ausfüh-

rungen macht im Übrigen auch die Nebenintervenientin nicht (vgl. act. 35). Die 

unterliegende Klägerin hat die Parteientschädigung entsprechend (allein) dem 

Beklagten zu entrichten. Der Nebenintervenientin ist keine solche zuzusprechen. 

Der Beklagte hat die Zusprechung der Mehrwertsteuer beantragt (act. 13 S. 2), 

jedoch nicht nachgewiesen, dass er die auf das Anwaltshonorar bezahlte Mehr-

wertsteuer nicht als Vorsteuerabzug geltend machen kann, weshalb ihm der be-

antragte Mehrwertsteuerzusatz praxisgemäss nicht zuzusprechen ist (act. 13 und 

act. 38 e contrario; BGer Urteil 4A_552/2015 vom 25. Mai 2016 E. 4.5.). 

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Das Handelsgericht erkennt: 

1. Die Klage wird abgewiesen. 

2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 9'500.–. 

3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt und aus dem von ihr geleisteten 

Kostenvorschuss gedeckt. 

4. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von 

CHF 12'400.– zu bezahlen. 

Der Nebenintervenientin wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und die Nebenintervenientin. 

6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb 
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-

wert beträgt CHF 70'000.–. 

Zürich, 14. Juni 2023 
 

Handelsgericht des Kantons Zürich 
 

Die Vorsitzende: 
 
 
 

Dr. Claudia Bühler 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

Susanne Roesler 
 

	Urteil vom 14. Juni 2023
	Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
	Sachverhalt und Verfahren
	A. Sachverhaltsübersicht
	a. Parteien und ihre Stellung
	b. Prozessgegenstand

	B. Prozessverlauf
	Erwägungen:
	1. Formelles
	1.1. Sachurteilsvoraussetzungen
	1.2. Anwendbares Recht
	1.3. Einfache Streitverkündung und Nebenintervention
	1.4. Qualifikation Parteigutachten
	1.5. Editionsantrag

	2. Vorbemerkungen
	3. Haftung des Beklagten
	3.1. Unbestrittener Sachverhalt
	3.2. Streitpunkte
	3.3. Rechtliches
	3.3.1. Halterhaftung
	3.3.2. Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion
	3.3.2.1. Grundsätze
	3.3.2.2. Selbstverschulden im Besonderen
	3.3.2.3. Beweislast und Beweismass
	3.4. Subsumtion
	3.4.1. Halterhaftung
	3.4.2. Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion
	3.4.2.1. Kein Verschulden des Halters
	3.4.2.2. Keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs
	3.4.2.3. Verschulden des Fahrzeuglenkers
	3.4.2.4. Fazit

	4. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
	5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	5.1. Gerichtskosten
	5.2. Parteientschädigung

	Das Handelsgericht erkennt:
	1. Die Klage wird abgewiesen.
	2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 9'500.–.
	3. Die Kosten werden der Klägerin auferlegt und aus dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
	4. Die Klägerin wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von CHF 12'400.– zu bezahlen.
	Der Nebenintervenientin wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
	5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und die Nebenintervenientin.
	6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff...