# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9434769-0bc8-57df-b8ce-a5adad5e4d67
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-02
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 02.11.2016 100 2015 319
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2015-319_2016-11-02.pdf

## Full Text

100.2015.319U   publiziert in BVR 2017 S. 105
MUT/MAM/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 2. November 2016

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichterin Steinmann 
Verwaltungsrichter Daum, Müller und Rolli
Gerichtsschreiberin Marti

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführerin

gegen

Kanton Bern 
handelnd durch die Gesundheits- und Fürsorgedirektion, Rathausgasse 1, 
3011 Bern
Beschwerdegegner 

betreffend Opferhilfe; Höhe der Genugtuung (Verfügung der Gesundheits- 
und Fürsorgedirektion des Kantons Bern vom 6. Oktober 2015; 2014-
12301)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
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Sachverhalt:

A.

A.________ (geb. ….1965) arbeitet seit dem 1. August 2006 bei den 
Verkehrsbetrieben B.________ als Buschauffeurin. Sie war auch 
unregelmässig als Fahrkartenkontrolleurin im Einsatz. Am 2. April 2013 
wurde sie im Anschluss an die Fahrkartenkontrolle von einem 
Schwarzfahrer angegriffen. Dieser versetzte ihr einen Faustschlag ins 
Gesicht und stach mit einem Messer auf sie ein. A.________ stürzte und 
verletzte sich am Hinterkopf. Weiter erlitt sie eine potenziell 
lebensgefährliche Durchstichverletzung am linken Oberarm, die eine 
Lähmung der Fingerstreck- und teilweise auch der 
Handgelenksstreckmuskulatur zur Folge hatte. Der Heilungsverlauf 
gestaltete sich langwierig, aber erfolgreich. Am 3. Februar 2014 nahm 
A.________ ihre Arbeit als Buschauffeurin mit einem Pensum von 50 % 
wieder auf. Seit dem 10. März 2014 arbeitet sie wieder Vollzeit. 

Mit Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 5. November 
2014 wurde der Täter wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig ge-
sprochen und zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt, welche 
zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben 
wurde. Weiter wurde er verurteilt, A.________ Schadenersatz von 
Fr. 20ʹ069.75 und eine Genugtuung von Fr. 25ʹ000.-- zuzüglich Zins zu 
bezahlen.

B.

Am 4. Dezember 2014 stellte A.________ bei der Gesundheits- und 
Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) Opferhilfegesuche um Aus-
richtung einer Entschädigung und einer Genugtuung. Mit Verfügung vom 
6. Oktober 2015 hiess die GEF die Gesuche teilweise gut und sprach 
A.________ eine Genugtuung von Fr. 8ʹ000.--, eine Entschädigung von 
Fr. 2ʹ040.-- sowie unter dem Titel der längerfristigen Hilfe Dritter einen Be-
trag von Fr. 276.-- (Fahrspesen) zu und übernahm die Anwaltskosten im 

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Umfang von pauschal Fr. 800.--. Soweit weitergehend wies sie die Ge-
suche ab.

C.

Am 23. Oktober 2015 hat A.________ Verwaltungsgerichtsbeschwerde 
erhoben mit folgenden Anträgen in der Sache:

«1. Es sei Ziffer 1 Dispositiv der Verfügung der Gesundheits- und Für-
sorgedirektion des Kantons Bern vom 6. Oktober 2015 insoweit auf-
zuheben, als der Beschwerdeführerin eine Genugtuung von ledig-
lich CHF 8ʹ000.-- zugesprochen wurde.

2. Es sei der Beschwerdeführerin eine Genugtuung von mindestens 
CHF 20ʹ000.-- zuzusprechen.»

Mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2015 hat der Kanton Bern die 
Abweisung der Beschwerde beantragt. 

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 15 des Einführungsgesetzes vom 
2. September 2009 zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Strafta-
ten [EG OHG; BSG 326.1]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung be-
sonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG).

1.2 Im Streit liegt einzig die Höhe der Genugtuung. Die Beschwerde-
führerin beantragt eine Genugtuung von «mindestens Fr. 20ʹ000.--» anstatt 
der zugesprochenen Fr. 8ʹ000.-- (vgl. vorne Bst. B und C). Der Streitwert 

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beträgt somit zumindest Fr. 12ʹ000.--. Da sich – ungeachtet des Streitwerts 
– Fragen von grundsätzlicher Bedeutung stellen, urteilt das Gericht in 
Fünferbesetzung (Art. 56 Abs. 2 Bst. a des Gesetzes vom 11. Juni 2009 
über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft 
[GSOG; BSG 161.1]).

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen und Unangemessenheit hin (Art. 80 VRPG i.V.m. 
Art. 29 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an 
Opfer von Straftaten [Opferhilfegesetz, OHG; SR 312.5]).

2.

Die GEF hat der Beschwerdeführerin eine Genugtuung von Fr. 8ʹ000.-- zu-
gesprochen. Ausgehend von der konkreten Beeinträchtigung (potenziell 
lebensgefährliche Stichverletzung) hat sie zwei Fälle aus der eigenen und 
drei Fälle aus der ausserkantonalen Praxis zum Vergleich beigezogen. Die 
Vergleichsfälle sind unter dem neuen Opferhilferecht ergangen und sehen 
Genugtuungssummen zwischen Fr. 5ʹ500.-- und Fr. 10ʹ000.-- vor (vgl. an-
gefochtene Verfügung E. 2.4.2 «Vergleichsfälle»). Weiter hat die GEF 
vergleichend gewürdigt, dass der Heilungsverlauf langwierig, die Be-
wegungsfähigkeit der Hand lange Zeit eingeschränkt und die Beschwerde-
führerin während neun Monaten in ihrem angestammten Beruf als 
Buschauffeurin zu 100 % arbeitsunfähig war (vgl. angefochtene Verfügung 
E. 2.4.3 «In concreto»).

3.

In verfahrensrechtlicher Hinsicht macht die Beschwerdeführerin zunächst 
sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. 

3.1 Sie beanstandet, aus der angefochtenen Verfügung gehe weder 
hervor, von welcher Basisgenugtuung die GEF ausgegangen sei 
noch welche Umstände sie in welchem Ausmass genugtuungserhöhend 
bzw. -mindernd gewertet habe. Die GEF habe zudem die während 

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20 Wochen bestehende Einschränkung in der Haushaltsarbeit, die 
bleibende Einschränkung der Hand hinsichtlich Kraft und Beweglichkeit 
sowie die psychische Beeinträchtigung als genugtuungserhöhende 
Faktoren nicht berücksichtigt. 

3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bun-
desverfassung (BV; SR 101), Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons 
Bern (KV; BSG 101.1) und Art. 21 Abs. 1 VRPG verlangt, dass die Behörde 
die Vorbringen der betroffenen Person tatsächlich hört, prüft und in der 
Entscheidfindung berücksichtigt (statt vieler BGE 141 IV 249 E. 1.3.1, 
137 II 266 E. 3.2; BVR 2012 S. 109 E. 2.3.3). Daraus folgt die Verpflichtung 
der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (vgl. auch Art. 52 Abs. 1 Bst. b 
VRPG und dazu BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1). Generell gilt, dass die Be-
gründung so abgefasst sein muss, dass sich die betroffene Person über die 
Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis 
der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn müs-
sen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich 
die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt; nicht 
erforderlich ist dagegen, dass sich die Behörde mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (BVR 2015 S. 234 E. 3.2, 2012 S. 109 E. 2.3.3).

3.3 Mit Beschwerdeantwort wies die GEF darauf hin, dass sie bei der 
Bemessung der Genugtuung nicht (mehr) die Zweiphasentheorie, sondern 
die Präjudizienvergleichsmethode anwende. Bei Letzterer werde die Höhe 
der Genugtuung anhand vergleichbarer, bereits beurteilter Fälle unter Wür-
digung der konkreten Umstände des Einzelfalls festgesetzt (S. 2). Sie 
räumt aber auch ein, «die Einschränkungen in der Haushaltsarbeit während 
20 Wochen, die bleibende Einschränkung der Hand hinsichtlich Kraft und 
Beweglichkeit trotz grundsätzlich normaler Funktionstüchtigkeit sowie die 
psychische Beeinträchtigung (während der Tat erlittene Todesangst und 
monatelange Befürchtungen betreffend erhebliche Funktionsbeeinträchti-
gung des Arms bzw. der Hand) in der angefochtenen Verfügung nicht ex-
plizit als Faktoren bei der Bemessung der Genugtuung erwähnt» zu haben 
(S. 4). Weiter begründet sie, weshalb auch in Berücksichtigung dieser 
Faktoren die zugesprochene Genugtuungssumme von Fr. 8ʹ000.-- ange-

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messen ist (S. 4 f.). – Somit räumt die GEF mindestens implizit ein, sich mit 
wesentlichen Faktoren nicht auseinandergesetzt und insoweit den An-
spruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt zu haben. 
Nicht von Bedeutung ist dabei, nach welcher Methode – Zweiphasentheorie 
oder Präjudizienvergleichsmethode – die GEF bei der Bemessung der Ge-
nugtuung vorgegangen ist (zur Methode hinten E. 5). Denn unter Gehörs-
aspekten massgeblich ist, dass die Beschwerdeführerin – ungeachtet der 
zum Zug kommenden Methode – mit ihren entscheidwesentlichen Vorbrin-
gen gehört wird. 

3.4 Zwar wird der Anspruch auf rechtliches Gehör als formeller An-
spruch bezeichnet, so dass eine Verletzung grundsätzlich ungeachtet der 
Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache zur Aufhebung des ange-
fochtenen Entscheids führen müsste. Praxisgemäss kann eine nicht beson-
ders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs jedoch als geheilt 
gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer 
Rechtsmittelinstanz zu äussern, welche die strittige Frage mit derselben 
Kognition wie die Vorinstanz überprüfen kann. Von einer Rückweisung der 
Sache an die Vorinstanz ist insbesondere abzusehen, wenn und soweit 
dies zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerun-
gen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse an 
einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären 
(BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5, 2007 S. 395 E. 5.3.1; vgl. auch BGE 138 II 77 
E. 4). – Vorliegend handelt es sich nicht um eine schwere Gehörsver-
letzung. Ausserdem hat die GEF mit Beschwerdeantwort begründet, wes-
halb auch unter Berücksichtigung der in der Verfügung nicht gewürdigten 
Faktoren keine höhere Genugtuungssumme gerechtfertigt sei (S. 4). Die 
Beschwerdeführerin hat sich hierzu nicht (mehr) geäussert, was sie aber 
hätte tun können. Somit konnte sie ihre Rechte im verwaltungsgerichtlichen 
Verfahren wirksam wahrnehmen, sich zu allen entscheidwesentlichen 
Punkten äussern und damit die vorinstanzliche Verfügung sachbezogen 
anfechten. Das Verwaltungsgericht überprüft die strittige Frage zudem mit 
derselben Kognition wie die Vorinstanz (vgl. vorne E. 1.3 und hinten 
E. 5.2). Schliesslich würde die Rückweisung einen prozessualen Leerlauf 
darstellen, hat die GEF doch mit Beschwerdeantwort dargelegt, dass die 
zugesprochene Genugtuungssumme auch unter Berücksichtigung der 

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weiteren Faktoren angemessen sei. Die Sache ohne materielle Prüfung zur 
erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, würde folglich nur 
zu unnötigen Verzögerungen führen, ohne dass sich am Ergebnis letztlich 
etwas zu Gunsten der Beschwerdeführerin ändern könnte, was mit dem – 
auf dem Gebiet der Opferhilfe auch spezialgesetzlich anerkannten – Inte-
resse an einer beförderlichen und prozessökonomischen Verfahrens-
gestaltung nicht zu vereinbaren wäre (Art. 29 Abs. 1 OHG; vgl. allgemein 
BVR 2012 S. 121 [VGE 2010/375 vom 19.9.2011], nicht publ. E. 2.2.2; 
jüngst etwa VGE 2015/236 vom 10.6.2016, E. 2.5, 2015/335 vom 
22.4.2016, E. 2.2). Die Gehörsverletzung wird demnach im vorliegenden 
Verfahren geheilt. Da die behördliche Fehlleistung für die Betroffenen auch 
im Kostenpunkt keine Nachteile zeitigen darf, ist die Heilung der Gehörs-
verletzung aber als besonderer Umstand bei der Kostenverlegung zu be-
rücksichtigen (vgl. hinten E. 7 und zum Ganzen 
Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, 
Art. 108 N. 9).

4.

In der Sache sind sich die Parteien einig, dass die Beschwerdeführerin 
Anspruch auf eine Genugtuung hat; umstritten ist einzig deren Höhe.

4.1 Das Opfer hat gestützt auf Art. 22 Abs. 1 OHG Anspruch auf eine 
Genugtuung, wenn die Schwere der durch eine Straftat erfolgten Be-
einträchtigung es rechtfertigt; Art. 47 und 49 des Schweizerischen Obligati-
onenrechts (OR; SR 220) sind sinngemäss anwendbar. Die Genugtuung 
soll die immaterielle Unbill abgelten, die dem Opfer aus der Straftat und 
deren Folgen erwächst (vgl. Peter Gomm, in Gomm/Zehntner [Hrsg.], 
Kommentar zum Opferhilfegesetz, 3. Aufl. 2009, Art. 22 N. 7). Sie wird 
weiterhin nach der Schwere der Beeinträchtigung bemessen (Art. 23 Abs. 1 
OHG; vgl. zum alten Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über die Hilfe an 
Opfer von Straftaten [Opferhilfegesetz, aOHG; AS 1992 S. 2465] 
BGE 132 II 117 E. 2.2.2). Neu ist indessen, dass die opferhilferechtliche 
Genugtuung durch Höchstbeträge begrenzt wird. Nach Art. 23 Abs. 2 OHG 

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beträgt sie für das Opfer höchstens Fr. 70'000.-- (Bst. a), für Angehörige 
Fr. 35'000.-- (Bst. b). 

4.2 Die Festlegung von Höchstbeträgen bringt den gesetzgeberischen 
Willen zum Ausdruck, bei der Bemessung klar tiefer anzusetzen als die 
zivilrechtliche Praxis (Botschaft des Bundesrats zur Totalrevision des Bun-
desgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten, in BBl 2005 S. 7165 ff., 
7226 [nachfolgend Botschaft OHG]; BGer 1C_542/2015 vom 28.1.2016, 
E. 3.2). Aus der Botschaft OHG geht hervor, dass der Betrag von 
Fr. 70ʹ000.-- ungefähr zwei Dritteln des üblichen haftpflichtrechtlichen 
Grundbetrags bei dauernder Invalidität entspricht, der bei Fr. 100ʹ000.-- 
angesetzt wird (S. 7225). Daraus ist zu schliessen, dass die opferhilfe-
rechtlichen Genugtuungen nach neuem Recht ungefähr 30 bis 40 % tiefer 
ausfallen werden als jene nach aOHG oder nach Privatrecht (vgl. 
JTA 2014/49 vom 30.10.2014, E. 5.2.2; Empfehlungen der Schweizeri-
schen Verbindungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz [SVK-OHG] vom 
21.1.2010, S. 43). Ein zwingender Automatismus im Sinn einer «Zwei-Drit-
tel-Regel» ergibt sich daraus aber nicht (vgl. BGer 1C_542/2015 vom 
28.1.2016, E. 4.2; vgl. VGE 2015/133 vom 24.9.2015, E. 4.5 bezüglich 
einer schematischen Kürzung um 30-40 %). Schliesslich hat der Gesetz-
geber die Plafonierung der opferhilferechtlichen Genugtuung einer propor-
tionalen Kürzung der nach Zivilrecht bemessenen Genugtuung vorgezogen 
(Botschaft OHG S. 7187). Die opferhilferechtliche Genugtuung ist vielmehr 
nach einer degressiven Skala festzusetzen, die von den nach Privatrecht 
zugesprochenen Beträgen unabhängig ist. Die nach Privatrecht üblicher-
weise gewährten Beträge können jedoch einen Hinweis darauf geben, 
welche Beeinträchtigungen höhere Genugtuungen rechtfertigen (vgl. Bot-
schaft OHG S. 7226). Die zivilrechtlichen Bemessungsgrundsätze gelten 
damit nach wie vor, nimmt doch Art. 22 Abs. 1 OHG ausdrücklich auf 
Art. 47 und 49 OR Bezug (vgl. auch Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 N. 19). 
Angesichts der Höchstbeträge ist der Spielraum allerdings deutlich geringer 
als im Privatrecht, weshalb die Höchstsummen für die schwersten Verlet-
zungen vorbehalten sind (vgl. Botschaft OHG S. 7226).

4.3 Gestützt auf Art. 45 Abs. 3 OHG kann der Bundesrat unter anderem 
Vorschriften zur Ausgestaltung der Genugtuung erlassen und insbesondere 

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Pauschalen oder Tarife festlegen. Davon hat er vorerst nicht Gebrauch 
gemacht, aber in der Botschaft OHG und dem Anhang zum Leitfaden des 
Bundesamts für Justiz zur Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfege-
setz vom Oktober 2008 (nachfolgend: Leitfaden OHG) ist ein «Bemes-
sungsrahmen» im Sinn einer Richtlinie vorgesehen. Die Genugtuungs-
summen für Opfer, die in ihrer körperlichen Integrität verletzt wurden, sollen 
sich demnach in folgenden Bandbreiten bewegen (Anhang Ziff. 1):

«Grad 1: Bis zu Fr. 20ʹ000.-- für mässig schwere Beeinträchtigungen 
(z.B. Verlust eines Fingers oder des Geruchssinns)

Grad 2: Fr. 20ʹ000.-- bis Fr. 40ʹ000.-- für eingeschränkte Bewegungs-
fähigkeit, Verlust einer Funktion oder eines wichtigen Organs (z.B. 
Verlust eines Arms oder eines Beins, sehr starke und schmerzhafte 
Verletzung der Wirbelsäule, deutliche und bleibende Narben im Ge-
sicht)

Grad 3: Fr. 40ʹ000.-- bis Fr. 55ʹ000.-- für starke Einschränkung der 
Bewegungsfähigkeit und/oder der intellektuellen und sozialen Fähig-
keiten (z.B. Paraplegie, vollständige Erblindung, Verlust des Gehörs)

Grad 4: Fr. 55ʹ000.-- bis Fr. 70ʹ000.-- für sehr starke Einschränkung 
der Bewegungsfähigkeit und/oder der intellektuellen und sozialen Fä-
higkeiten (z.B. Tetraplegie).»

Innerhalb dieser Bandbreiten ist den Besonderheiten des Einzelfalls Rech-
nung zu tragen. Folgende Faktoren können sich genugtuungserhöhend 
oder genugtuungsmindernd auswirken (Leitfaden OHG S. 6): 

«Das Alter des Opfers, die Dauer des Spitalaufenthalts, schmerzhafte 
Operationen, bleibende Narben, die Auswirkungen auf das berufliche 
und das private Leben, die Intensität und Dauer der psychischen Fol-
gen, die Abhängigkeit von Dritten, wiederholte Taten, der Umstand, 
dass der Täter oder die Täterin nicht ermittelt und verurteilt worden 
ist.»

Da es sich bei der opferhilferechtlichen Genugtuung um eine staatliche 
Hilfeleistung handelt, dürfen subjektive, täterbezogene Merkmale nicht be-
rücksichtigt werden. Somit spielen weder die Art der Straftat noch das Ver-
schulden der Täterin oder des Täters eine Rolle (Leitfaden OHG S. 6; Bot-
schaft OHG S. 7224).

4.4 Das Verhalten des Opfers kann zu einer Herabsetzung oder zum 
Ausschluss der Genugtuung führen (vgl. Art. 27 Abs. 1 OHG). Gemäss 
Art. 28 OHG sind für die Genugtuung keine Zinsen geschuldet. 

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5.

Zur Bemessung der Genugtuung ergibt sich was folgt:

5.1 Die Bemessung der Summe, die als Ausgleich erlittener seelischer 
Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern 
nur schätzen. Sie ist eine Entscheidung nach Billigkeit. Es gibt nicht nur 
eine richtige Entscheidung, sondern in einer gewissen Bandbreite eine 
Mehrzahl von angemessenen, der Billigkeit entsprechenden Lösungen 
(BGE 131 II 656 [BGer 1A.228/2004 vom 3.8.2005], nicht publ. E. 11.2, 
123 II 210 E. 2c; BVR 2006 S. 241 E. 4.2). – Vor diesem Hintergrund macht 
die GEF geltend, ihr komme bei der Bemessung der Genugtuung ein 
grosser Ermessensspielraum zu, welcher im Wesentlichen durch das 
Gleichbehandlungsgebot und das Willkürverbot begrenzt sei (Beschwerde-
antwort S. 2). Sie setze die Genugtuung nicht (mehr) im Rahmen der Zwei-
phasentheorie, sondern der Präjudizienvergleichsmethode fest. Danach 
werde anhand vergleichbarer Fälle und unter Würdigung der konkreten 
Umstände die Genugtuungssumme im Einzelfall bestimmt. Auf die im 
Leitfaden OHG vorgesehenen Bandbreiten sei in der angefochtenen Ver-
fügung «nicht speziell» Bezug genommen worden; diese würden aber 
«nicht ausser Acht» gelassen (Beschwerdeantwort S. 3).

5.2 Die GEF scheint zunächst zu übersehen, dass das Verwaltungs-
gericht nicht nur die Sachverhaltsfeststellungen und die Rechtsanwendung 
der verfügenden Behörde überprüfen kann, sondern auch die Angemes-
senheit der angefochtenen Verfügung (vgl. vorne E. 1.3). Insoweit ist ihr 
Ermessensspielraum nicht nur durch das Gleichbehandlungsgebot und das 
Willkürverbot begrenzt. Das Verwaltungsgericht darf gegebenenfalls sein 
Ermessen an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 123 II 210 
E. 2c; Peter Gomm, a.a.O., Art. 29 N. 21). Die volle Überprüfungsbefugnis 
hindert das Verwaltungsgericht aber nicht daran, in Ermessensfragen einen 
Entscheidungsspielraum der Verwaltung zu respektieren. Es kann sich da-
her damit begnügen, die Angemessenheit der von der Verwaltungsbehörde 
getroffenen Entscheidung zu kontrollieren, und – soweit diese der Billigkeit 
entspricht – von einer Abänderung der angefochtenen Verfügung absehen, 
auch wenn es selbst als erstinstanzliche Behörde möglicherweise nicht die 
gleiche Lösung wählen würde (vgl. zum aOHG VGE 22016 vom 31.1.2005, 

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E. 3.4; BGE 123 II 210 E. 2c; BGer 1C_106/2008 vom 24.9.2008, in 
ZBl 2008 S. 614, nicht publ. E. 3.1). Die Zurückhaltung geht allerdings nicht 
so weit, dass das Verwaltungsgericht erst bei einer rechtsfehlerhaften 
Ermessensausübung eingreift (vgl. BGer 5.3.1999, in BVR 1999 S. 486 
E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 80 N. 14).

5.3 Ermessenshandeln ist immer pflichtgemässes Handeln. Ermessens-
betätigung heisst somit nicht Entscheidung nach Gutdünken; die Behörde 
muss sich vielmehr an den vorgegebenen Rahmen halten, die Rechtsprin-
zipien beachten und gestützt auf sachliche Kriterien eine den Verhältnissen 
des Einzelfalls angemessene Lösung treffen (vgl. BVR 1999 S. 285 E. 3c; 
Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 80 N. 12, Art. 66 N. 26). 

5.4 Als gesetzliche Leitlinie bei der Ermessensausübung ist zunächst 
die Höchstgrenze für Opfer von Fr. 70ʹ000.-- zu beachten (Art. 23 Abs. 2 
Bst. a OHG). Anknüpfend an diese Höchstgrenze sieht der Leitfaden OHG 
für den Bereich der Körperverletzungen «Bemessungsrahmen» mit Band-
breiten von Genugtuungssummen vor. Diese im Leitfaden OHG, einer Ver-
waltungsverordnung (Richtlinie), vorgesehenen Bandbreiten richten sich in 
erster Linie an die Vollzugsbehörden; für das Verwaltungsgericht sind sie 
mangels Gesetzeskraft zwar nicht verbindlich, aber insoweit zu beachten, 
als deren Anwendung nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstösst 
und eine einzelfallgerechte Auslegung der anwendbaren gesetzlichen 
Bestimmungen zulässt bzw. eine überzeugende und praktikable Konkreti-
sierung der rechtlichen Vorgaben darstellt (vgl. zur Wirkung von Verwal-
tungsverordnungen: BVR 2013 S. 183 E. 3.3 [Wegleitung zum Sportfonds], 
2012 S. 193 E. 3.2.2 [Wegleitung zur Einbürgerung], 2010 S. 59 E. 3.3 
[zum Kreisschreiben Nr. 11 der Eidg. Steuerverwaltung]; ferner 
BGE 141 III 401 E. 4.2.2 [zu kantonalen Pflegegeld-Richtlinien], 133 V 346 
E. 5.4.2). Die Hauptfunktion des Leitfadens OHG besteht darin, eine ein-
heitliche, gleichmässige und sachrichtige Praxis des Gesetzesvollzugs 
sicherzustellen (vgl. Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder, Genugtuungs-
praxis Opferhilfe, in Jusletter 1.6.2015, S. 4). 

5.5 Für den Bereich der Körperverletzungen sieht der Leitfaden vier – je 
nach Grad der Beeinträchtigung – abgestufte Bandbreiten vor und ermög-
licht damit, die Genugtuung nach einer degressiven Skala zu bemessen 

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(vorne E. 4.2). Ausgehend vom Grad der Beeinträchtigung und damit der 
objektiven Schwere der Integritätsverletzung ist die konkrete Bandbreite zu 
bestimmen, die unter neuem Recht zur ersten Einordnung dient. Die Band-
breiten lassen im Übrigen genügend Spielraum, um im Einzelfall eine an-
gemessene Genugtuung festzulegen (vgl. Charlotte Schoder, Opferhilfe-
leistungen im Lichte des revidierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Op-
fer von Straftaten vom 23. März 2007, in AJP 2008 S. 1483 ff., 1495; ferner 
Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 N. 21, der dem Bemessungsrahmen im Be-
reich der Körperverletzungen gar die Funktion eines Tarifrahmens bei-
misst). Mit Blick auf die gesetzlichen Vorgaben, die Rechtsgleichheit und 
Rechtssicherheit erscheint der im Leitfaden OHG vorgesehene Bemes-
sungsrahmen jedenfalls für Opfer, die in ihrer physischen Integrität verletzt 
wurden, als überzeugende und praktikable Konkretisierung. Das Verwal-
tungsgericht hat ihn folglich auch früher schon zur Anwendung gebracht 
(vgl. VGE 2015/14 vom 13.5.2015, E. 3.1, 3.4). Die GEF ist damit gehalten, 
die im Leitfaden OHG vorgesehenen Bandbreiten für Opfer, die in ihrer 
physischen Integrität verletzt wurden, künftig nicht nur implizit zu beachten, 
sondern in der Begründung ihrer Verfügungen transparent darzulegen. 

5.6 Innerhalb dieser Bandbreite gilt es sodann die angemessene Ge-
nugtuung im Einzelfall zu finden.

5.6.1 Das Bundesgericht hat es stets abgelehnt, dass sich die Bemes-
sung der Genugtuung nach schematischen Massstäben richten soll. Die 
Genugtuungssumme darf nicht nach festen Tarifen festgesetzt, sondern 
muss dem Einzelfall angepasst werden (vgl. BGE 132 II 117 E. 2.2.3, 
127 IV 215, E. 2e; BGer 6B_544/2010 vom 25.10.2010, E. 3.1). Dieser 
Grundsatz der höchstrichterlichen Rechtsprechung hat bislang weder den 
Rückgriff auf Präjudizien im Sinn eines Richtwerts ausgeschlossen noch 
die Vornahme der Bewertung der immateriellen Beeinträchtigung in zwei 
Phasen, nämlich einer objektiven Berechnungsphase mit einem Basisbe-
trag als Orientierungspunkt, und einer nachfolgenden Phase, in der die 
Besonderheiten des Einzelfalls berücksichtigt werden (BGE 132 II 117 
E. 2.2.3 [Zweiphasentheorie], 127 IV 215 E. 2e [Präjudizenvergleichs-
methode]; BGer 6B_544/2010 vom 25.10.2010, E. 3.1). Das Bundesgericht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 13

hat bisher keiner Methode den Vorzug gegeben und stets die Einzelfall-
gerechtigkeit betont (vgl. Peter Gomm, a.a.O., Art. 23 N. 1). 

5.6.2 Das Verwaltungsgericht wendet demgegenüber die Zweiphasen-
theorie an (BVR 2006 S. 241 E. 4.2 m.w.H.). Auch unter neuem Recht hat 
es die angemessene Genugtuung im Einzelfall gestützt auf die Zwei-
phasentheorie festgelegt (vgl. VGE 2015/14 vom 13.5.2015, E. 3.4, 
2015/133 vom 24.9.2015, E. 5.1), gelten doch aufgrund der gesetzlichen 
Konzeption die zivilrechtlichen Bemessungsgrundsätze nach wie vor (vgl. 
vorne E. 4.2). Die zweiphasige Berechnungsmethode ist klar vorzuziehen, 
weil sie eine objektiv überprüfbare Berechnungsmethode darstellt (vgl. 
auch Hütte/Landolt, Genugtuungsrecht, Band 2, 2013, S. 118; Schoder, 
a.a.O., S. 1494; Alexandre Guyaz, Le tort moral en cas d’accident: une 
mise à jour, in SJ 2013 II p. 215 ff., 241 ff.). Vor diesem Hintergrund ist es 
angezeigt, dass auch die GEF die Genugtuungssumme anhand der Zwei-
phasentheorie festlegt, obschon nicht gefolgert werden kann, die Präjudizi-
envergleichsmethode führe zu geradezu rechtswidrigen Ergebnissen (vgl. 
BGer 6B_544/2010 vom 25.10.2010, E. 3.1, wobei das Bundesgericht nur 
Rechtskontrolle ausübt). Es ist nicht zielführend, wenn das Opfer Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde erheben müsste, damit die Genugtuungssumme 
vom Verwaltungsgericht anhand der zweiphasigen Berechnungsmethode 
überprüft und gegebenenfalls im Rahmen der Ermessenskontrolle erhöht 
wird. Das Verwaltungsgericht, das über volle Kognition verfügt (vgl. vorne 
E. 1.3), hätte die von der GEF nach der Präjudizienvergleichsmethode 
festgelegte Genugtuung in diesem Fall stets erstmals nach der Zwei-
phasentheorie zu überprüfen. Ein solches methodisches Hin und Her er-
schwert daher einen wirksamen Rechtsschutz und muss vermieden wer-
den. Nach dem Gesagten ist die GEF gehalten, die Praxis des Verwal-
tungsgerichts und damit die zweiphasige Berechnungsmethode zu über-
nehmen. 

5.7 Bei der Bemessung der Genugtuung ist folglich in einem ersten 
Schritt gestützt auf die objektive Schwere bzw. den Grad der Körperverlet-
zung die massgebliche Bandbreite zu bestimmen (vgl. vorne E. 5.5). In 
einem zweiten Schritt ist innerhalb dieser Bandbreite die dem Fall ange-
passte Genugtuung festzulegen. Dabei wird nach der Zweiphasentheorie in 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 14

einer ersten Phase, der sog. Hauptberechnungsphase, aufgrund 
objektivierbarer Kriterien das Ausmass des Eingriffs erfasst. In einer 
zweiten Phase, der Bemessungsphase, wird die ermittelte 
Basisgenugtuung den besonderen Umständen des Einzelfalls 
entsprechend nach oben oder nach unten angepasst. Im Vordergrund 
stehen hier die besonderen Auswirkungen der Straftat auf die Person des 
Opfers und Umstände, die bei der Festsetzung der Basis noch nicht 
berücksichtigt worden sind. Es ist daher sorgfältig zu prüfen, welche 
Faktoren in die Berechnung (Basis) und welche in die Bemessung 
(Anpassung der Basis) einfliessen (vgl. Roland Brehm, Berner Kommentar, 
4. Aufl. 2013, Art. 47 OR N. 62b). Schliesslich sind allfällige 
Herabsetzungs- oder Ausschlussgründe zu beachten (vgl. vorne E. 4.4). 

6.

6.1 Die GEF hat der Beschwerdeführerin eine Genugtuung von 
Fr. 8ʹ000.-- zugesprochen und somit gegenüber der zivilrechtlichen Ge-
nugtuung von Fr. 25ʹ000.-- eine Reduktion um Fr. 17ʹ000.-- bzw. 68 % vor-
genommen. – Die Beschwerdeführerin verlangt eine Genugtuung von min-
destens Fr. 20ʹ000.-- (vgl. vorne Bst. C und E. 1.2). Zur Begründung bringt 
sie vor, die GEF habe den Besonderheiten ihres Falls nicht hinreichend 
Rechnung getragen. Sie habe während 20 Wochen keine Arbeiten im 
Haushalt verrichten können. Zudem habe die GEF ausser Acht gelassen, 
dass die Hand zwar wieder weitgehend normal funktionstüchtig sei, aber 
hinsichtlich Kraft und Beweglichkeit ein Restschaden bleibe. Ausserdem 
habe die Beschwerdeführerin unter Todesangst gelitten und sich damit 
befassen müssen, dass ihre Hand gelähmt bleibe. Schliesslich sei sie 
traumatisiert und könne in der Fahrkartenkontrolle nicht mehr eingesetzt 
werden (Beschwerde S. 6 f.).

6.2 Zur Beeinträchtigung der körperlichen und psychischen Integrität 
der Beschwerdeführerin ergibt sich aus den Akten Folgendes:

6.2.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 2. April 2013 im Anschluss an 
eine Fahrkartenkontrolle von einem Schwarzfahrer angegriffen. Letzterer 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
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versetzte ihr zunächst einen Faustschlag ins Gesicht und stach sodann mit 
einem Messer (Klingenlänge etwa 8,5 cm) auf sie ein (Anzeigerapport vom 
26.6.2013, act. 4B pag. 99 ff.). Die Beschwerdeführerin stürzte und ver-
letzte sich am Hinterkopf. Sie hatte eine stark blutende Wunde am linken 
Oberarm. Aufgrund des hohen Blutverlusts geriet sie in Panik und hatte 
Todesangst. Ihren Arm spürte sie nicht mehr (Begründung des Strafurteils 
vom 5.11.2014 S. 8; Beschwerdebeilage 3). Die Beschwerdeführerin wurde 
im Spitalzentrum Biel erstversorgt und anschliessend ins Inselspital Bern 
verlegt, wo sie notfallmässig operiert wurde (Notfallbericht Spitalzentrum 
Biel vom 2.4.2013, act. 4B pag. 86 [Rückseite]). 

6.2.2 Die Beschwerdeführerin erlitt eine Durchstichverletzung im linken 
Oberarm. Mit dem Messer wurde die Trizepsmuskulatur durchstochen, eine 
tiefe Oberarmschlagader (Arteria profunda brachii) vollständig und der 
Nervus radialis zu 30 % durchtrennt (Austrittsbericht Inselspital vom 
8.4.2013, act. 4B pag. 123 [Rückseite]). Die Stichverletzung führte 1 bis 
3 cm an der Hauptschlagader des Oberarms vorbei. Ohne operative Be-
handlung hätte die Beschwerdeführerin im Verlauf von Stunden verbluten 
können. Aufgrund der teilweisen Durchtrennung des Nervus radialis erlitt 
sie eine Lähmung der Fingerstreckmuskulatur sowie teilweise der Hand-
gelenksstreckmuskulatur. Die Beschwerdeführerin hatte infolge des starken 
Blutergusses zeitweise weitere Nervenausfälle zu beklagen. Am 5. April 
2013 konnte sie nach Hause entlassen werden. Der behandelnde Arzt 
vermochte über allfällige bleibende Schäden keine Prognose abzugeben, 
da der Heilungsverlauf von Nervenverletzungen 18 bis 24 Monate in An-
spruch nehmen kann (Stellungnahme Inselspital vom 22.4.2013, act. 4B 
pag. 36 f.). 

6.2.3 Der Heilungsverlauf gestaltete sich erwartungsgemäss langwierig. 
Die ersten drei Monate nach der Straftat verspürte die Beschwerdeführerin 
starke Schmerzen, musste oft liegen und konnte die Hand kaum gebrau-
chen. Sie hatte rund um die Uhr eine Schiene zu tragen und war auf Hilfe 
im Haushalt angewiesen (Begründung des Strafurteils vom 5.11.2014 S. 8; 
Beschwerdebeilage 3). Die Beschwerdeführerin hatte mehrmals täglich 
Übungen zur Verbesserung der Handfunktion zu machen und zweimal wö-
chentlich die Ergotherapie zu besuchen (Opening-Erstgespräch SUVA vom 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 16

1.5.2013, act. 4B pag. 118 [Rückseite]). Auch fanden regelmässige Ver-
laufskontrollen im Inselspital statt. Erst seit Dezember 2013 war die Be-
schwerdeführerin wieder in der Lage, die Hand zu öffnen (Case-Manage-
ment SUVA vom 28.1.2014, act. 4B pag. 66). Ab Januar 2014 musste sie 
die Schiene nicht mehr ständig tragen. Sie ging aber weiterhin in Therapie, 
insbesondere um den Daumen zu aktivieren (Telefonnotiz SUVA vom 
13.1.2014, act. 4B pag. 70 [Rückseite]). Ein Jahr nach der Straftat konnte 
der behandelnde Arzt einen sehr guten Verlauf der Nervenregeneration 
feststellen (Konsultationsbericht Inselspital 9.4.2014, act. 4B pag. 54 
[Rückseite]). Die Handgelenksstreckmuskulatur hatte sich vollständig er-
holt, nicht aber die Fingerstreckmuskulatur, die Daumenstreck- und die 
Daumenabspreizungsmuskulatur. Die Kraft blieb im Gegensatz zur Sensi-
bilität eingeschränkt (Stellungnahme Inselspital vom 2.5.2014, act. 4B 
pag. 40). Die Beschwerdeführerin beklagte sich aber nach wie vor über 
Muskelverhärtungen (Konsultationsbericht Inselspital 9.4.2014, act. 4B 
pag. 54 [Rückseite]; Telefonnotiz SUVA vom 17.7.2014, act. 4B pag. 51 
[Rückseite]). Per Ende September 2014 regenerierten sich die Nerven 
weiter und auch die Muskelkraft steigerte sich nochmals. Die Beschwerde-
führerin war beschwerdefrei, weshalb die Nachbehandlung abgeschlossen 
werden konnte. Der behandelnde Arzt sprach – trotz nicht vollständiger 
Nervenregeneration – von einem subjektiv und objektiv sehr guten Resultat 
(Verlaufsbericht Inselspital vom 24.9.2014, act. 4B pag. 48). Nach ärztlicher 
Einschätzung ist die Beschwerdeführerin weder in ihrer beruflichen Tätig-
keit noch im Privatleben eingeschränkt (act. 4B pag. 54 [Rückseite]).

6.2.4 Die Beschwerdeführerin nahm am 3. Februar 2014 ihre Tätigkeit als 
Buschauffeurin zu 50 % wieder auf; seit dem 10. März 2014 arbeitet sie mit 
einem Pensum von 100 %. In einer angepassten Tätigkeit wäre sie aller-
dings bereits seit dem 1. Oktober 2013 wieder zu 50 % arbeitsfähig gewe-
sen (Ärztliches Zeugnis vom 1.10.2013, act. 4B pag. 75). 

6.2.5 Auf psychologische Hilfe hat die Beschwerdeführerin sowohl unmit-
telbar nach der Straftat als auch danach verzichtet (Opening-Erstgespräch 
SUVA vom 1.5.2013, act. 4B pag. 118 [Rückseite]). Gegenüber der Unfall-
versicherung gab sie an, mit dem Täter «weitgehend inneren Frieden ge-
schlossen» zu haben. Sie denke wenig an den Vorfall zurück und werde 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 17

auch nicht von Alpträumen geplagt (Situationsanalyse SUVA vom 
10.7.2013, act. 4B pag. 97). Die Straftat prägte die Beschwerdeführerin 
aber insoweit, als sie auch künftig nicht mehr in der Lage ist, in der Fahr-
kartenkontrolle tätig zu sein (act. 4B pag. 90, 97, 119). Beim Wiedereintritt 
in den Berufsalltag fürchtete sie sich vor der ersten Nachtschicht und da-
vor, am Unfallort vorbeizufahren. Diese Ängste haben sich indes gelegt 
(Telefonnotiz SUVA vom 3.3.2014, act. 4B pag. 62 [Rückseite]). 

6.2.6 Der Sachverhalt ist damit hinreichend klar. Es bestehen weder 
Zweifel an dessen Vollständigkeit noch Richtigkeit. Das Verwaltungsgericht 
ist deshalb gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung zum Schluss 
gelangt, dass auf die Edition der Strafakten verzichtet werden kann. Der 
entsprechende Beweisantrag wird abgewiesen.

6.3 Ausgehend vom konkreten Grad (Ausmass) der Körperverletzung 
ist die Bandbreite zu bestimmen: Da die Beschwerdeführerin weder in ihrer 
Bewegungsfähigkeit eingeschränkt noch eine Funktion oder ein wichtiges 
Organ verloren hat, liegt mit Blick auf den Leitfaden OHG eine mässig 
schwere Beeinträchtigung (Grad 1) vor. Der Leitfaden OHG sieht hierfür 
eine Bandbreite von 0 bis Fr. 20'000.-- vor (vgl. vorne E. 4.3). 

6.4 Innerhalb dieser Bandbreite ist die dem konkreten Fall angepasste 
Genugtuung festzulegen. Ausgangspunkt für die Festlegung einer Basis 
bilden Vergleichsfälle (vgl. BVR 2006 S. 241 E. 5.1). Da der Anspruch auf 
Genugtuung nach OHG bundesrechtlich geregelt ist, sind auch ausser-
kantonale Vergleichsfälle zu berücksichtigen. Die Praxis der bernischen 
Opferhilfebehörde ist insoweit massgebend, als sie sich im Licht der dar-
gelegten Rahmenbedingungen als haltbar erweist (vgl. vorne E. 4). 

6.4.1 Es sind in erster Linie Präjudizien heranzuziehen, in denen die 
Opfer ebenfalls (potenziell) lebensgefährliche Stichverletzungen erlitten 
haben. In solchen Fällen wurden unter geltendem OHG folgende opferhilfe-
rechtlichen Genugtuungssummen zugesprochen:

 Fr. 8ʹ000.-- für ein Opfer, das mit einem Klappmesser durch zwei Stiche 
in den Bauch verletzt wurde. Ohne ärztliche Versorgung wäre das Opfer 
verblutet. Kein ausserordentlich langer Heilverlauf oder Komplikationen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 18

Allerdings hat das Opfer nach der Straftat an einer psychischen Störung 
gelitten (Anpassungsstörung), weshalb es im Verlauf des Jahres seine 
Arbeitsstelle verloren hat und es zur Trennung von seiner Ehefrau ge-
kommen ist. Die Symptomatik klang ab. Geblieben ist eine erhöhte psy-
chische Verletzlichkeit (BGer 1C_542/2015 vom 28.1.2016).

 Fr. 8ʹ000.-- für ein Opfer, dem von einem jugendlichen Täter nach einem 
Streit unvermittelt in den Bauch gestochen wurde. Es erlitt eine Stich-
verletzung an der Leber mit unmittelbarer Lebensgefahr. Nach einer 
Notoperation erfolgten 9 weitere Operationen. Spitalaufenthalt von ins-
gesamt 2 Monaten, anschliessend 2 Monate in der Reha. Arbeitsun-
fähigkeit von 13 Wochen zu 100 % und 3 Wochen zu 50 %. Grosse 
Narbe im Bauchraum. Mögliche Spätfolgen: Darmlähmung und psychi-
sche Beeinträchtigungen (9.8.2011, ZH 290/2011, in Baumann/
Anabitarte/Müller Gmünder, Genugtuungspraxis Opferhilfe, in Jusletter 
vom 1.6.2015, S. 24 Nr. 46).

 Fr. 8ʹ000.-- für ein Opfer, das sich mit seiner Freundin im Bett befand, 
als der Täter (Ex-Partner der Freundin) auftauchte. Der Täter verprü-
gelte das Opfer zunächst. Als dieses den Täter am Gehen hindern 
wollte, stach der Täter mehrmals mit dem Messer zu (alle standen unter 
Alkoholeinfluss). Das Opfer erlitt Stichverletzungen an Hals, Darm und 
Leber sowie eine Oberkniefraktur und Verletzungen im Gesicht und an 
den Zähnen. Keine Lebensgefahr. Spitalaufenthalt von 9 Tagen. Ar-
beitsunfähigkeit von 6 Monaten zu 100 % und 10 Monaten zu 70 %. Mit-
verschulden wegen Verschlimmerung der Situation (8.4.2013, TI LAV 
390, in Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder, a.a.O., S. 24 Nr. 48).

 Fr. 9'000.-- für ein Opfer, das zwei Stichverletzungen im oberen Rücken 
erlitten hat. Als Folge dieser Stichverletzungen ist es zu einer Eröffnung 
der rechten Brusthöhle und anschliessend zu einem Kollaps des rechten 
Lungenflügels gekommen. Das Opfer hat sich in akuter Lebensgefahr 
befunden. Die Stichverletzungen verheilten ohne bleibende Komplikatio-
nen. Das Opfer leidet weiterhin unter Atembeschwerden, aber auch an 
psychischen Beschwerden, wobei eine psychiatrische Behandlung nicht 
erforderlich war (Sozialversicherungsgericht ZH 26.1.2015, 
OH.2013.00013).

 Fr. 12ʹ000.-- für ein Opfer, das vom getrennt lebenden Ehemann drei 
Mal mit einem Messer in den Oberbauch gestochen wurde. Stichverlet-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
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zungen im rechten Oberbauch mit Eröffnung der Bauchhöhle, im Brust-
korb links mit Verletzung der linken Lunge (kollabierte) und auf der Höhe 
der Lendenwirbelsäule links bis zur Rückenmuskulatur, Operation, Ein-
lage einer Drainage in der Lunge, 2 Monate Pflege und Betreuung, Ein-
weisung in die Psychiatrie (psychische Vorbelastung), gut sichtbare 
Narben (30.11.2011, ZH 282/2009, in Baumann/Anabitarte/Müller 
Gmünder, a.a.O., S. 25 Nr. 53).

6.4.2 Aus der Bernischen Praxis sind folgende Vergleichsfälle zu berück-
sichtigen, auf die auch die GEF verwiesen hat (vgl. angefochtene Verfü-
gung E. 2.4.2): 

 Fr. 5ʹ500.-- für ein Opfer, das bei seiner Arbeit als Betreuer von einem 
Heimbewohner mit einem Küchenmesser tätlich angegriffen wurde. 11-
12 cm tiefe Stichverletzung in den Bauch. Ohne ärztliche Versorgung 
tödlicher Ausgang möglich. Notoperation, 8 Tage Spital, intensive Nach-
behandlung, Folgeoperation, erneut 8 Tage Spital, insgesamt knapp 
3 Monate zu 100 % arbeitsunfähig (Verfügung GEF 2010-10975 vom 
31.10.2011).

 Fr. 8ʹ000.-- für ein Opfer, dem vom Täter mit einem Messer in den Hals 
gestochen und das an der Hand verletzt wurde. Die Schnittverletzung 
am Hals war etwa 10 cm lang mit 5-6 cm langem Stichkanal. Ohne so-
fortige ärztliche Versorgung/Operation tödlicher Ausgang. Die Schnitt-
verletzung an der Hand war 8 cm lang. Spitalaufenthalt von einigen 
Tagen. Handschiene für 6 Wochen. Insgesamt 3 Monate zu 100 % 
arbeitsunfähig. Bleibende Schädigungen: Streckkraft der Finger bleibt 
teilweise eingeschränkt (Verfügung GEF 2011-11350 vom 19.6.2014).

6.4.3 Die Analyse der Vergleichsfälle zeigt, dass in ähnlichen Fällen 
Genugtuungssummen zwischen Fr. 5ʹ500.-- und Fr. 12ʹ000.-- zuge-
sprochen wurden. Gemäss der Fallsammlung Baumann/Anabitarte/Müller 
Gmünder liegen die Genugtuungssummen bei Verletzungen mit längerem, 
komplexerem Heilungsverlauf und auch möglichen Spätfolgen zwischen 
Fr. 5ʹ000.-- und Fr. 10ʹ000.--. Beträge zwischen Fr. 10ʹ000.-- und 20ʹ000.-- 
kommen in Betracht, wenn die Verletzungen lebenslange Folgen nach sich 
ziehen (vgl. Baumann/Anabitarte/Müller Gmünder, a.a.O., S. 27). Aufgrund 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 20

dieser Analyse und Würdigung erachtet das Verwaltungsgericht eine Basis-
genugtuung von Fr. 8ʹ000.-- als angemessen.

6.5 Ausgehend von der Basisgenugtuung ist den besonderen Umstän-
den des Einzelfalls Rechnung zu tragen. Im Vordergrund stehen die be-
sonderen Auswirkungen des kriminellen Übergriffs auf die Person des Op-
fers, welche nicht bereits in die Berechnung (Basis) eingeflossen sind (vgl. 
vorne E. 4.3 und 5.7). Nicht massgeblich ist die Art der Straftat und das 
Verschulden der Täterin oder des Täters (vgl. BGer 1C_542/2015 vom 
28.1.2016, E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 132 II 117 E. 2.2.4; vgl. auch vorne 
E. 4.3).

6.5.1 Die 51-jährige Beschwerdeführerin musste nach der Straftat vom 
2. April 2013 notfallmässig operiert werden. Bereits am 5. April 2013 konnte 
sie aus dem Spital entlassen werden. Ihr linker Arm war gelähmt und der 
Heilungsverlauf ungewiss. Die Beschwerdeführerin hatte insbesondere in 
den ersten drei Monaten starke Schmerzen und war im Haushalt auf Hilfe 
angewiesen. Die Nervenregeneration beanspruchte nicht nur viel Zeit, son-
dern auch viel Therapie. Erst im Dezember 2013 war die Beschwerdeführe-
rin wieder in der Lage, die Hand zu öffnen. Am 3. Februar 2014 nahm sie 
ihre Arbeit als Buschauffeurin wieder zu 50 % auf. Seit dem 10. März 2014 
arbeitet sie wieder Vollzeit. Die medizinische Nachbehandlung konnte erst 
Ende September 2014 abgeschlossen werden. Vor diesem Hintergrund 
stimmen die Parteien zu Recht darin überein, dass die lange Heilungsdauer 
und die lange Arbeitsunfähigkeit als besondere Umstände zu werten sind, 
die sich genugtuungserhöhend auswirken. 

6.5.2 Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, die psychischen 
Folgen der Tat nicht berücksichtigt zu haben. Insbesondere erblickt sie in 
der erlittenen Todesangst, im ungewissen Heilungsverlauf und im Um-
stand, dass sie nicht mehr in der Fahrkartenkontrolle tätig sein kann, erhö-
hende Faktoren (Beschwerde S. 7). Die GEF ist der Ansicht, die Todes-
angst sei bereits bei der Auswahl der Vergleichsfälle berücksichtigt worden 
und könne nicht zusätzlich genugtuungserhöhend berücksichtigt werden. 
Zudem sei eine über das übliche Mass hinausgehende, therapiebedürftige 
psychische Beeinträchtigung nicht belegt (Beschwerdeantwort S. 5). – Da 
der Täter eine tiefe Oberarmschlagader der Beschwerdeführerin durch-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 21

trennte, blutete diese unbestrittenermassen sehr stark. Ohne ärztliche Ver-
sorgung hätte die Beschwerdeführerin innert Stunden verbluten können. 
Somit ist von traumatischen Umständen auszugehen, selbst wenn die Tat 
bei der Beschwerdeführerin keine psychischen Probleme ausgelöst hat, die 
eine Behandlung erfordert hätten. Im Vergleich zu den beigezogenen Prä-
judizien wiegt der vorliegende Fall aber nicht schwerer. Auch die Präjudi-
zien betreffen Fälle, in denen die Opfer mittelbare oder sogar unmittelbare 
Todesangst auszustehen hatten. Insoweit kann der GEF gefolgt werden, 
wenn sie einwendet, diesem Umstand bereits bei der Auswahl der Ver-
gleichsfälle Rechnung getragen zu haben. Die erlittene Todesangst wurde 
damit bei der Festlegung der Basisgenugtuung berücksichtigt. Gleiches gilt 
für den ungewissen Heilungsverlauf und damit verbunden die Angst um 
ihre berufliche Zukunft und die Tatsache, dass sich die Beschwerdeführe-
rin, die sich wegen des Vorfalls nie in psychiatrische Behandlung begab, 
nicht mehr in der Lage fühlt, in der Fahrkartenkontrolle tätig zu sein. 

6.5.3 Die Beschwerdeführerin wirft der GEF weiter vor, nicht berücksich-
tigt zu haben, dass sie während 20 Wochen auf Hilfe im Haushalt angewie-
sen war. Der Strafrichter habe den normativen Haushaltsschaden von 
Fr. 16'200.-- anerkannt (vgl. Beschwerde S. 6). – Ein Haushaltsschaden ist 
grundsätzlich nicht durch Genugtuung auszugleichen, soll diese doch die 
immaterielle Unbill abgelten. In die Bemessung hat aber einzufliessen, 
dass die Lähmung der Fingerstreck- und teilweise auch der Handgelenks-
streckmuskulatur sich nicht nur auf das berufliche, sondern auch auf das 
private Leben ausgewirkt hat (vgl. vorne E. 6.5). Die GEF stellt nicht in Ab-
rede, dass die Beschwerdeführerin in ihrem privaten Leben beeinträchtigt 
war. Sie hält aber dafür, diesem Umstand sei bereits mit Berücksichtigung 
der Arbeitsunfähigkeit hinreichend Rechnung getragen worden (vgl. Be-
schwerdeantwort S. 4). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz verhält es 
sich hier nicht so, dass mit Berücksichtigung der Auswirkungen auf das 
berufliche Leben auch jene auf das private Leben abgegolten wären, da die 
Beschwerdeführerin auf Hilfe Dritter angewiesen war. Unter diesen Um-
ständen kommt die Auswirkung auf das private Leben als Erhöhungsfaktor 
in Betracht.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
Seite 22

6.5.4 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin, die GEF habe nicht 
berücksichtigt, dass die geschädigte Hand zwar weitgehend wieder normal 
funktionstüchtig sei, aber hinsichtlich Kraft und Beweglichkeit eine Ein-
schränkung bleibe (Beschwerde S. 7). – Die bleibende Einschränkung be-
einträchtigt die Beschwerdeführerin weder in ihrer beruflichen Tätigkeit 
noch in ihrem Privatleben (vgl. vorne E. 6.2.3); sie ist daher nicht als ge-
nugtuungserhöhender Faktor zu werten. 

6.5.5 Soweit die Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass sie vom 
Täter «grundlos» und «aus heiterem Himmel» angegriffen wurde, etwas zu 
ihren Gunsten ableiten will (vgl. Beschwerde S. 6), ergibt sich was folgt: 
Dass der Täter die Beschwerdeführerin grundlos angegriffen hat, ist bei der 
Bemessung der Genugtuung nicht zu berücksichtigen, richtet sich die Höhe 
der Genugtuung doch nicht nach dem Unrecht der Tat, sondern dem Leid 
der Betroffenen oder des Betroffenen (vgl. vorne E. 6.5).

6.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass die erlittene Todesangst und 
die Angst um die Funktionsfähigkeit des Arms die Beschwerdeführerin be-
lastete. Im Vergleich mit den Präjudizien fallen diese Faktoren indes nicht 
entscheidend ins Gewicht; ihnen wurde bei der Festlegung der Basis-
genugtuung Rechnung getragen. In Bezug auf die Heilungsdauer, die 
Dauer der Arbeitsunfähigkeit und die Einschränkungen im Privatleben lie-
gen indes besondere Umstände vor, die sich genugtuungserhöhend aus-
wirken. Auch gilt es den Umstand zu würdigen, dass die Beschwerdeführe-
rin in den ersten drei Monaten nach der Straftat unter starken Schmerzen 
litt. Die Basisgenugtuung von Fr. 8ʹ000.-- ist damit entsprechend zu erhö-
hen. Im Vergleich mit den Präjudizien und insbesondere den Berner Fällen 
erscheint die zugesprochene Genugtuung von Fr. 8ʹ000.-- somit als zu 
knapp bemessen. Angemessen ist eine Genugtuungssumme von 
Fr. 10ʹ000.--. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als teilweise 
begründet, weshalb diese dahingehend gutzuheissen ist, als Ziffer 1 der 
angefochtenen Verfügung aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine 
Genugtuung von Fr. 10ʹ000.-- zuzusprechen ist. Soweit weitergehend ist 
die Beschwerde abzuweisen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
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7.

7.1 Das Verfahren ist unter Vorbehalt mutwilliger Prozessführung 
kostenlos (Art. 30 Abs. 1 und 2 OHG). Verfahrenskosten sind demnach 
keine zu erheben.

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang ist die Beschwerdeführerin – ge-
messen an ihrem Antrag (vgl. vorne Bst. C und E. 1.2) und mit Blick auf die 
Gehörsverletzung (vgl. vorne E. 3) – insgesamt zu einem Drittel obsiegend 
zu betrachten. Im Umfang ihres Obsiegens hat sie Anspruch auf vollen 
Ersatz ihrer Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird dahin gutgeheissen, dass Ziffer 1 der Verfügung 
der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern vom 
6. Oktober 2015 aufgehoben und der Beschwerdeführerin eine Genug-
tuung von Fr. 10ʹ000.-- zugesprochen wird. Soweit weitergehend wird 
die Beschwerde abgewiesen.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Der Kanton Bern (Gesundheits- und Fürsorgedirektion) hat der Be-
schwerdeführerin die Parteikosten für das Verfahren vor dem Verwal-
tungsgericht, bestimmt auf insgesamt Fr. 3ʹ158.45 (inkl. Auslagen und 
MWSt), zu einem Drittel, ausmachend Fr. 1ʹ052.80, zu ersetzen.

4. Zu eröffnen:
- der Beschwerdeführerin
- dem Beschwerdegegner
- dem Bundesamt für Justiz

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 02.11.2016, Nr. 100.2015.319U, 
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Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.