# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a827a261-3ea3-5516-b629-3b0e72dfd761
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-11
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 11.06.2020 VG.2019.00079 (VG.2020.940)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2019-00079_2020-06-11.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 11. Juni 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2019.00079

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die am […] geborene C.______sel. war seit dem
  10. Oktober 1989 bei der D.______AG arbeitstätig und daher bei der
  Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG gegen die Folgen von Berufs- und
  Nichtberufsunfällen versichert. Am 4. Dezember 1990 stürzte sie mit
  ihrem Fahrrad. 

  
	
   

  
	
  1.2 Am 6. Dezember 1990 begab sich C.______sel.
  erstmals in ärztliche Behandlung, anlässlich welcher eine Distorsion der HWS
  diagnostiziert wurde. C.______sel. wurde ab dem 5. Dezember 1990 vollständig
  krankgeschrieben. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG teilte am 20.
  Dezember 1990 mit, für die Folgen des Nichtberufsunfalls die gesetzlichen
  Leistungen zu erbringen. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG kam in
  der Folge für die Heilbehandlung auf und leistete Taggeldzahlungen. Am 21.
  Juli 1992 schloss sie den Fall ab. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am 3. Januar 1997 stürzte
  C.______sel. beim Skifahren, wobei sie sich eine Redistorsion der
  Halswirbelsäule zuzog. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG kam für
  die Kosten der unfallbedingten Therapie auf. 

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Am 27. Dezember 1999 wurde der Zürich
  Versicherungs-Gesellschaft AG ein Rückfall zum Unfall vom 4. Dezember
  1990 gemeldet. Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG übernahm die
  dafür angefallenen Versicherungsleistungen. Mit Verfügung vom 25. Oktober
  2000 sprach sie C.______sel. mit Wirkung ab Januar 1997 eine Invalidenrente
  von monatlich Fr. 568.-, basierend auf einem Invaliditätsgrad von
  20 %, sowie eine Integritätsentschädigung von Fr. 34'856.- zu. 

  
	
   

  
	
  3.2 Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG sagte
  am 26. April 2001 zu, zur Linderung der weiterhin bestehenden Schmerzen ein
  bis zwei Serien Physiotherapie pro Jahr zu übernehmen. Am 9. Januar 2003
  bestätigte sie erneut, die Kosten von jährlich einer Sitzung Physiotherapie
  zu tragen. Am 19. Januar 2006 bekräftigte sie abermals, jährlich für die
  Kosten von zwei bis drei Serien Physiotherapie aufzukommen. 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Mit Schreiben vom 10.
  Februar 2017 leitete die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG ein
  Revisionsverfahren ein. Nach dem Einholen verschiedener ärztlicher Berichte
  kam die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG zum Schluss, dass sich
  keine Änderung des Invaliditätsgrads ergeben habe, weshalb C.______sel. die
  bisherige Invalidenrente weiterhin zustehe. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Gestützt auf eine versicherungsinterne Beurteilung
  teilte die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG C.______sel. am 4. Mai
  2018 mit, dass die noch vorhandenen Beschwerden nicht mehr auf das
  Unfallereignis vom 4. Dezember 1990 zurückzuführen seien. Sie stellte in
  Aussicht, keine Leistungen für Heilbehandlungen mehr zu erbringen.
  C.______sel. äusserte sich dazu am 13. August 2018, wobei sie weiterhin
  um Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen ersuchte und eventualiter die
  Ausstellung einer einsprachefähigen Verfügung verlangte. 

  
	
   

  
	
  5.2 Mit Verfügung vom 30. November 2018 stellte die
  Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG die Heilbehandlungen wie auch die
  Ausrichtung der Invalidenrente per Ende Dezember 2018 ein. Dagegen erhob
  C.______sel. am 16. Januar 2019 Einsprache, welche die Zürich
  Versicherungs-Gesellschaft AG am 23. Mai 2019 abwies. 

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Dagegen gelangte C.______sel. mit Beschwerde vom
  24. Juni 2019 ans Verwaltungsgericht. Sie beantragte, den Einspracheentscheid
  vom 23. Mai 2019 und die Verfügung vom 30. November 2018 aufzuheben. Ihr
  seien weiterhin die gesetzlichen Leistungen, insbesondere die Invalidenrente
  und die Kosten der Physiotherapie, zu entrichten; unter Entschädigungsfolge
  zu Lasten der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG. Letztere beantragte
  am 7. August 2019 die Abweisung der Beschwerde. 

  
	
   

  
	
  6.2 Am 28. September 2019 verstarb C.______sel.
  A.______ als einziger Erbe von C.______sel. teilte dem Verwaltungsgericht am
  17. Dezember 2019 mit, das Verfahren fortzuführen.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG) i.V.m.
  Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1 des
  Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden
  Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt
  sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Die Beschwerdegegnerin stellte ihre Leistungen per
  31. Dezember 2018 ein. Verfahrensgegenstand bildet damit vorliegend die
  Frage der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin vom 1. Januar 2019 bis zum
  Todestag von C.______sel. am 28. September 2019 bzw. bis Ende
  September 2019 (vgl. Art. 19 Abs. 3 ATSG).

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Wiedererwägung einer
  formell rechtskräftigen Verfügung hat zu erfolgen, wenn diese zweifellos unrichtig
  ist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2
  ATSG). Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel
  erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzutreffend
  verstandener Rechtsregeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen
  nicht oder unrichtig angewandt wurden. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn
  kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig
  war. Es ist nur ein einziger Schluss, derjenige auf die Unrichtigkeit der
  Verfügung, denkbar. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im
  Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen – beispielsweise des
  Kausalzusammenhangs – liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte
  und Elemente notwendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die
  Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher
  Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie
  sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar,
  scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Es genügt für das
  Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung über
  sozialversicherungsrechtliche Leistungsansprüche und insbesondere auf die
  Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs sowie der diesbezüglich
  massgeblichen Kriterien nicht, dass der Sozialversicherungsträger oder das
  Gericht einfach sein Ermessen an die Stelle desjenigen der ursprünglich
  verfügenden oder urteilenden Behörde setzt, sofern die damalige Ermessensausübung
  vertretbar war. Vielmehr muss die neue Ermessensausübung als die klarerweise
  einzig richtige erscheinen (BGer-Urteil 8C_73/2015 vom 15. April 2015
  E. 2, mit Hinweisen; 8C_171/2011 vom 1. September 2011 E. 3,
  mit Hinweisen). Eine Rentenzusprache für ein Schleudertrauma nach einem
  Verkehrsunfall erweist sich nicht als zweifellos unrichtig, wenn bei der
  Zusprechung die nach der damaligen Praxis erforderlichen Abklärungen
  getroffen wurden (Thomas Flückiger, in
  Ghislaine Frésard-Fellay/Barbara Klett/Susanne Leuzinger [Hrsg.], Basler
  Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, Art. 53
  N. 68, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  2.2
  Von der
  Wiedererwägung ist die prozessuale Revision von Verwaltungsverfügungen im
  Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG zu unterscheiden. Danach ist die
  Verwaltung verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung
  zurückzukommen, wenn neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden,
  die geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen (vgl. BGE 138 V 63 E. 4.1).

  
	
   

  
	
  2.3 Die in Art. 53 ATSG geregelte Revision sowie
  die darin umschriebene Wiedererwägung betreffen Fälle, in welchen der
  ursprünglich getroffene Entscheid anfänglich unrichtig war. Im Gegensatz dazu
  bezieht sich die in Art. 17 ATSG geregelte Anpassung auf eine nachträgliche
  Änderung des massgeblichen Sachverhalts (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. A.,
  Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 17 N. 5 f.). Entsprechend ordnet
  Art. 17 Abs. 2 ATSG eine Erhöhung, Herabsetzung oder Aufhebung einer formell
  rechtskräftigen Dauerleistung an, wenn sich der ihr zu Grunde liegende
  Sachverhalt nachträglich erheblich verändert.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt
  die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
  Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Im Rahmen der
  Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich
  Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu.
  Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage.
  Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt so weit zu
  ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (BGer-Urteil
  8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1).

  
	
   

  
	
  3.2 Bei anspruchsaufhebenden Tatfragen liegt die
  Beweislast nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (BGer-Urteil 8C_847/2008 vom 29. Januar 2009
  E. 2, U 290/06 vom 11. Juni 2007 E. 3.3). Allerdings tragen
  die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur
  insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
  Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte
  ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als
  unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
  Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
  Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGer-Urteil
  8C_295/2016 vom 6. September 2016 E. 2.3, mit Hinweisen). 

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, es obliege
  der Beschwerdegegnerin, zu beweisen, dass zur Zeit des Verfügungserlasses im
  Jahr 2000 keine Prüfung der Adäquanz vorgenommen worden sei. Da sie
  diesen Beweis nicht erbringe, habe sie die Folgen der Beweislosigkeit zu
  tragen, handle es sich doch um eine anspruchsaufhebende Tatsache. Die
  Beschwerdegegnerin argumentiere damit, dass kein schriftlicher Beleg
  vorhanden sei, welcher eine Adäquanzprüfung beinhalte. Damit suggeriere sie,
  dass im Jahr 2000 standardmässig eine explizite schriftliche Prüfung der
  Adäquanz vorgenommen worden sei, was sie jedoch nicht mit entsprechenden
  Schriftstücken, beispielsweise aus Vergleichsfällen, belege. Nur aus dem
  Fehlen eines schriftlichen Belegs betreffend die Prüfung der Adäquanz könne
  nicht der Schluss gezogen werden, dass eine Prüfung der Adäquanz nicht
  stattgefunden habe. Sodann werde im Einspracheentscheid der massgebliche
  Sachverhalt nur unvollständig wiedergegeben. Insbesondere seien keine
  Ausführungen zu den Rückfällen von C.______sel. enthalten, obwohl dadurch
  belegt werde, dass sie seit dem Unfallereignis nicht mehr beschwerdefrei
  gewesen sei. Auch würden keine Ausführungen dazu gemacht, dass die
  Beschwerdegegnerin mehrmals die ihr obliegende Leistungspflicht überprüft
  habe, ohne ihre Leistungen abzuändern. Werde heute geltend gemacht, eine
  Adäquanzprüfung sei bei der Leistungszusprache unterblieben, müsste daraus
  folgen, dass diese auch in den nachfolgenden Leistungsüberprüfungen jeweils
  unterlassen worden sei, was nicht glaubhaft sei. Überdies sei gemäss den
  Akten im Jahr 2005 eine Prüfung der Kausalität ausdrücklich vorgenommen
  worden. Werde im Übrigen die Adäquanz geprüft, sei deren Vorliegen zu
  bejahen. Denn anlässlich des Unfallereignisses hätten grosse Kräfte auf
  C.______sel. eingewirkt, weshalb von einem mittelschweren bis schweren Unfall
  auszugehen sei. Seit dem Unfall habe C.______sel. konstant unter dessen
  Folgen gelitten und sei deshalb seither immer wieder ärztlich behandelt worden,
  womit die Kriterien der Dauerbeschwerden und der ungewöhnlich langen
  ärztlichen Behandlung erfüllt seien. Ebenso seien ein schwieriger
  Heilungsverlauf wie auch erhebliche Komplikationen zu bejahen. Dabei sei zu
  beachten, dass C.______sel. ihr Arbeitspensum aufgrund der verbliebenen
  gesundheitlichen Einschränkungen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen
  reduziert habe. 

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin bringt hingegen vor, beim
  Erlass der Verfügung vom Oktober 2000 keine explizite oder zumindest
  implizite Adäquanzprüfung vorgenommen zu haben, was sich daraus ergebe, dass
  im gesamten Dossier keine Ausführungen zur Adäquanz zu finden seien. Insofern
  ein Sachbearbeiter gemäss den vorliegenden Unterlagen ein Gutachten zwecks
  Kausalitätsprüfung eingeholt habe, beziehe sich dies einzig auf die
  natürliche Kausalität. Hätte eine Adäquanzprüfung stattgefunden, hätte der
  zuständige Sachbearbeiter dies im Dossier vermerkt. Somit habe sie Leistungen
  zugesprochen, ohne sämtliche rechtlichen Voraussetzungen einzeln geprüft zu
  haben, weshalb die damalige Verfügung rechtsfehlerhaft sei. Da eine korrekte
  Rechtsanwendung dazu führe, dass sämtliche Leistungen eingestellt werden
  müssten, erübrige sich die Prüfung eines Revisionsgrunds nach Art. 17 ATSG.
  Daraus folge jedoch nicht, dass die versicherungsinterne Stellungnahme von
  Dr. med. E.______, Fachärztin FMH für Innere Medizin und
  Rheumatologie, nicht haltbar sei. Stattdessen habe sich Dr. E.______ mit
  den Vorakten auseinandergesetzt und die degenerativen Veränderungen nachvollziehbar
  und schlüssig dargelegt. Im Übrigen sei das Unfallereignis als mittelschwer
  im Grenzbereich zu leicht einzustufen, denn ein direktes Trauma der HWS und
  des Genicks habe nicht stattgefunden. Dass C.______sel. an erheblichen
  Beschwerden gelitten habe, ergebe sich aus den Akten nicht, zudem zeigten die
  von ihr ausgeübten Freizeitbeschäftigungen wie Skifahren und Baden im
  Alpamare, dass ihre Beschwerden nicht hätten erheblich sein können. Auch
  werde bestritten, dass C.______sel. ihr Arbeitspensum aus gesundheitlichen
  Gründen reduziert habe, da diesbezüglich echtzeitliche Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen
  in den Akten nicht zu finden seien. Somit seien vorliegend höchstens zwei
  Adäquanzkriterien erfüllt, woraus folge, dass der adäquate Kausalzusammenhang
  nicht gegeben sei. Hinzuweisen sei schliesslich darauf, dass die
  Unfallversicherung verpflichtet sei, vorgenommene Abklärungen und
  Überlegungen schriftlich im Dossier festzuhalten, was auch für eine
  vorgenommene Adäquanzprüfung gelte. Liege kein Vermerk vor, sei erstellt,
  dass eine entsprechende Prüfung nicht stattgefunden habe, womit ein weiterer
  Beweis nicht nötig sei, zumal ein solcher auch nicht erbracht werden könne. 

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den
  Standpunkt, die leistungszusprechende Verfügung von Oktober 2000 sei
  fehlerhaft ergangen, da die adäquate Kausalität als Leistungsvoraussetzung
  nicht geprüft worden sei. Damit ist nachfolgend zu klären, ob eine
  ursprüngliche Fehlerhaftigkeit der genannten Verfügung, welche allenfalls die
  Voraussetzungen der Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG zu erfüllen
  vermag, vorliegt. Nicht zu prüfen ist hingegen eine prozessuale Revision nach
  Art. 53 Abs. 1 ATSG, da von der Beschwerdegegnerin keine nachträglich
  aufgefundenen, erhebliche neuen Tatsachen oder Beweismittel angerufen werden,
  welche die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung als fehlerhaft
  erscheinen lassen.

  
	
   

  
	
  5.2 

  
	
  5.2.1 Die leistungszusprechende Verfügung der
  Beschwerdegegnerin datiert vom 25. Oktober 2000. Im Zeitpunkt des
  Verfügungserlasses lagen mehrere Berichte von behandelnden, begutachtenden
  wie auch von versicherungsinternen Ärzten vor. So führte der behandelnde
  Hausarzt, Dr. med. F.______, am 3. Januar 1997 aus, C.______sel.
  sei aufgrund des anlässlich des Unfallereignisses im Jahr 1990
  erlittenen Schleudertraumas in Bezug auf die Hals- und Nackenmuskulatur nie
  mehr ganz beschwerdefrei gewesen. Er habe C.______sel. seither mehrmals wegen
  Unfallbeschwerden behandeln müssen. Dr. med. G.______, Spezialarzt
  für Physikalische Medizin, spez. Rheumatologie, begutachtete
  C.______sel. am 2. Dezember 1999. Dabei kam er zum Schluss, dass das
  noch bestehende Beschwerdebild und die gesundheitlichen Störungen dem
  Unfallereignis vom 4. Dezember 1990 anzulasten seien. Zum gleichen Ergebnis
  kam Dr. med. H.______, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, am
  24. September 2000. Dr. med. I.______, beratender Arzt der
  Beschwerdegegnerin, war am 12. Oktober 2000 ebenfalls davon überzeugt, dass
  für die damaligen Beschwerden das Unfallereignis aus dem Jahre 1990
  verantwortlich war. Folglich hat die Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des
  Verfügungserlasses über ein umfangreiches medizinisches Dossier verfügt,
  welches sich ausführlich mit der Frage der Beschwerdeursache und damit der
  Kausalität auseinandersetzte. Die berichtenden Ärzte umschrieben die
  damaligen Beschwerden von C.______sel. und sahen deren Ursache
  übereinstimmend im Unfallereignis aus dem Jahre 1990. Gestützt auf diese
  verschiedenen ärztlichen Einschätzungen liess sich der Gesundheitszustand von
  C.______sel. zuverlässig beurteilen. Dies sah auch die Beschwerdegegnerin so,
  schloss sie doch den Fall mit Verfügung vom 25. Oktober 2000, mit
  welcher sie C.______sel. unter Hinweis auf die einschlägigen Rechtsgrundlagen
  eine Invalidenrente wie auch eine Integritätsentschädigung zusprach, ab.
  Entsprechend anerkannte sie in Kenntnis des damaligen Gesundheitszustandes
  von C.______sel. die ihr obliegende Leistungspflicht (vgl. BGer-Urteil
  8C_425/2016 vom 16. Dezember 2016 E. 4.3.1, mit Hinweisen). Zwar machte
  die Beschwerdegegnerin in der leistungszusprechenden Verfügung keine
  Ausführungen zur Adäquanz, worauf die Beschwerdegegnerin sachrichtig
  hinweist. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, die Beschwerdegegnerin
  habe die Adäquanz nicht geprüft, da sie nicht gehalten war, ihre Verfügung
  weiter zu begründen. Vielmehr umfasste die Anerkennung der Leistungspflicht
  implizit auch die dafür vorausgesetzte Bejahung der Adäquanz der geklagten
  Beschwerden (vgl. BGer-Urteil 8C_618/2014 vom 19. Dezember 2014 E. 4.2, 8C_171/2011 vom 1. September 2011
  E. 4.3).

  
	
   

  
	
  5.2.2 Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, sie habe
  die Adäquanz nicht geprüft, was sich daraus ergebe, dass diese im gesamten
  Dossier nicht erwähnt sei, verfängt im Übrigen wegen den nachfolgenden
  Überlegungen nicht. So sind in der leistungszusprechenden Verfügung vom
  25. Oktober 2000 neben der Adäquanz ein Grossteil der für eine
  Leistungszusprache zu erfüllenden Voraussetzungen nicht erwähnt. Es sind
  darin beispielsweise keine Ausführungen zur Definition des Unfallereignisses
  enthalten, ebenso finden sich darin keine Erwägungen zur natürlichen
  Kausalität oder aber zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dennoch stellt
  sich die Beschwerdegegnerin nicht auf den Standpunkt, diese Leistungsvoraussetzungen
  nicht geprüft zu haben, obwohl sich diesbezüglich zu einem grossen Teil auch
  keine schriftlichen Hinweise für deren Prüfung in der Verfügung bzw. in
  den Akten finden. Entsprechend kann aus dem Umstand, dass keine schriftliche
  Erwähnung der vorgenommenen Adäquanzprüfung im Dossier zu finden ist, nicht
  pauschal geschlossen werden, dass keine solche vorgenommen worden war. 

  
	
   

  
	
  Würde der Argumentation
  der Beschwerdegegnerin gefolgt, könnte dies sodann dazu führen, dass
  C.______sel. aus allfälligen Unterlassungen der Beschwerdegegnerin bei der
  ihr obliegenden Aktenführung Nachteile entstehen könnten. Dies gründet
  massgeblich darin, dass Art. 46 ATSG, welcher den Versicherungsträger
  verpflichtet, alle massgeblichen Unterlagen systematisch zu erfassen, zur
  Zeit der Ausstellung der rentenzusprechenden Verfügung im Oktober 2000
  noch nicht in Kraft war. Das damalig in Kraft stehende UVG enthielt keine
  Regelungen in Bezug auf eine systematische und vollständige Aktenführung.
  Eine solche war im damaligen Zeitpunkt auch im Bereich der Unfallversicherung
  anwendbaren Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember
  1968 nicht enthalten (vgl. Art. 96 UVG i.V.m. Art. 26 ff.
  VwVG, jeweils in der im Oktober 2000 geltenden Fassung). Hätte nun die
  Beschwerdegegnerin eine ihrerseits vorgenommene Adäquanzprüfung nicht im
  Dossier vermerkt, ihre Leistungspflicht jedoch gestützt auf die implizit
  vorgenommene Adäquanzprüfung bejaht, wäre dies aus den Akten nicht erkennbar.
  In einem späteren Zeitpunkt könnte sich die Beschwerdegegnerin jedoch auf den
  Standpunkt stellen, sie habe es unterlassen, im Verfügungszeitpunkt die
  Adäquanz zu prüfen, weshalb die Verfügung ursprünglich fehlerhaft sei, was
  sie zu einer Wiedererwägung und damit zu einer Neuprüfung ihrer Leistungspflicht
  berechtige. Dies würde sich massgeblich zu Lasten von C.______sel. als
  unfallversicherte Person auswirken, da sie jederzeit einer allfälligen
  Aufhebung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ausgesetzt wäre. Ein
  solches Vorgehen würde dem Gebot der Rechtssicherheit diametral
  widersprechen. Zudem müssten die unfallversicherten Personen für allfällige
  Verfehlungen der Unfallversicherungsanstalten einstehen, obliegt doch
  Letzteren die Pflicht, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (Art. 12
  VwVG in der im Oktober 2000 geltenden Fassung; Art. 43 Abs. 1
  ATSG). 

  
	
   

  
	
  5.2.3 Ausserdem fällt ins Gewicht, dass die
  Beschwerdegegnerin auch nach dem Erlass der Verfügung vom 25. Oktober 2000
  Leistungen für die Heilbehandlung von C.______sel. übernahm und überdies die
  Voraussetzungen der Rentenzusprache anlässlich eines Revisionsverfahrens
  überprüfte, worauf der Beschwerdeführer zu Recht hinweist. Dabei kam die
  Beschwerdegegnerin insbesondere im Rahmen des Revisionsverfahrens zum
  Schluss, dass sich die Anspruchsvoraussetzungen nicht geändert hätten,
  weshalb die bisherige Invalidenrente weiterhin ausgerichtet wurde. Es oblag
  der Beschwerdegegnerin, im Rahmen des Revisionsverfahrens die
  Leistungsvoraussetzungen zu überprüfen. Hätten sich diese verändert, wäre die
  Beschwerdegegnerin berechtigt und verpflichtet gewesen, die ursprünglich
  zugesprochenen Leistungen anzupassen. Stattdessen kam die Beschwerdegegnerin
  zum Ergebnis, dass sich keine Veränderung ergeben hatte, weshalb C.______sel.
  die bisherigen Leistungen unverändert zustanden. Auch daraus kann einzig der
  Schluss gezogen werden, dass die Beschwerdegegnerin zumindest eine implizite
  Prüfung der Leistungsvoraussetzungen, wozu auch der adäquate
  Kausalzusammenhang zählt, vorgenommen hatte. Schliesslich ist es wenig
  wahrscheinlich, dass die Beschwerdegegnerin sowohl im ursprünglichen,
  rentenzusprechenden Verfahren, im Rahmen der nachträglichen Zusprache von
  Leistungen für Physiotherapien wie auch im Revisionsverfahren alle
  Leistungsvoraussetzungen mit Ausnahme der Adäquanz prüfte.

  
	
   

  
	
  Folglich ist davon
  auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht anerkannte und
  dabei eine implizite Adäquanzprüfung vornahm. Eine zweifellos unrichtige
  Verfügung, welche die Beschwerdegegnerin zu einer Wiedererwägung ermächtigen
  würde, liegt nicht vor. Demnach ist die von der Beschwerdegegnerin angeführte
  bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGer-Urteil 8C_117/2019 vom 21. Mai
  2019 E. 6.1, 8C_525/2017 vom 30. August 2018 E. 7.3)
  vorliegend nicht einschlägig. 

  
	
   

  
	
  5.3 

  
	
  5.3.1 Zu prüfen bleibt, ob die Bejahung der Adäquanz zur
  Zeit der ursprünglichen Leistungszusprache im Rahmen des bei sämtlichen
  Kriterien bestehenden Beurteilungsspielraums vertretbar war
  (vgl. BGer-Urteil 8C_425/2016 vom 16. Dezember 2016 E. 4.3.1).

  
	
   

  
	
  Ein Ereignis hat
  dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem
  gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich
  geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der
  Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt
  erscheint (BGE 117 V 359 E. 5a). Die Bejahung des adäquaten
  Kausalzusammenhangs bei einem Unfall mit einem Schleudertrauma ohne organisch
  nachweisbare Funktionsausfälle setzt grundsätzlich voraus, dass dem
  Unfallereignis für die Entstehung der Erwerbsunfähigkeit eine massgebende
  Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn es objektiv eine gewisse Schwere
  aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die
  Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei –
  ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – eine Katalogisierung der
  Unfälle in leichte (banale), im mittleren Bereich liegende und schwere
  Unfälle vorzunehmen ist. Bei leichten Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang
  zwischen Unfall und nachfolgenden Gesundheitsstörungen in der Regel ohne
  Weiteres verneint, bei schweren Unfällen hingegen bejaht werden. Bei Unfällen
  aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage nicht auf Grund des Unfalls
  allein beantworten. Weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar
  mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte
  Folgen davon erscheinen, sind in eine Gesamtwürdigung
  einzubeziehen. Als adäquanzrelevant im Zusammenhang mit einem Schleudertrauma
  der Halswirbelsäule gelten dabei folgende Kriterien: besonders dramatische
  Begleitumstände oder die besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere
  oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; die ungewöhnlich lange Dauer
  der ärztlichen Behandlung; Dauerschmerzen; eine ärztliche Fehlbehandlung,
  welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein schwieriger
  Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; sowie der Grad und die Dauer
  der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit (vgl. BGE 117 V 359
  E. 6a, 115 V 133 E. 6 f.).

  
	
   

  
	
  5.3.2 Um das vorliegende
  Unfallereignis entsprechend seiner Schwere einzuordnen, ist ein Blick auf die
  bundesgerichtliche Rechtsprechung zu werfen. So wurde den mittelschweren
  Unfällen im Grenzbereich zu einem leichten Unfall ein Ereignis zugeteilt, bei
  welchem eine Fahrradfahrerin von einem überholenden Personenwagen an der
  Lenkstange touchiert wurde und deshalb stürzte, wobei sie mit dem
  helmgeschützten Kopf aufschlug (BGer-Urteil 8C_768/2008 vom 3. Juni 2009
  E. 4.1). Ein mittelschwerer Unfall lag vor, als ein Fahrradfahrer einem
  überholenden Auto ausweichen musste, dabei in eine Wasserrinne geriet, auf
  die linke Schulter stürzte und den Kopf am Boden aufschlug (BGE 117 V 369 E.
  5a). Das vorliegende Unfallereignis ist mit den beiden vorstehend genannten
  mittelschweren Unfallereignissen vergleichbar. So stürzte C.______sel.
  aufgrund eines vor ihr unverhofft abbremsenden Lastwagens von ihrem Fahrrad
  auf das Trottoir, wobei sie mit dem rechten Ellbogen und Knie aufprallte und
  sich dabei ein Schleudertrauma der HWS zuzog. Hinweise auf übermässig grosse
  Krafteinwirkungen auf C.______sel., welche über das bei einem Fahrradsturz
  übliche Mass hinausragen würden, sind keine vorhanden, womit keine
  Anhaltspunkte für das Vorliegen eines schweren Unfallereignisses vorhanden
  sind. Stattdessen ist von einem mittelschweren Unfall auszugehen.

  
	
   

  
	
  Bei
  einem mittelschweren Unfallereignis ist die Adäquanz zu bejahen, wenn ein
  einzelnes der unfallbezogenen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise
  gegeben ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter
  oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 117 V 359 E. 6b).

  
	
   

  
	
  5.3.3 Bezüglich der
  ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung zeigt sich, dass
  C.______sel. seit dem Unfallereignis im Dezember 1990 immer wieder in
  ärztlicher Behandlung stand. Zur Bewältigung ihrer Beschwerden war sie auf
  medikamentöse wie auch auf physiotherapeutische Behandlungen angewiesen.
  Überdies befand sie sich auch in stationärer Rehabilitation mit dem Ziel,
  ihre Beschwerden zu lindern. Entsprechend durfte das Kriterium der
  ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung bejaht werden
  (vgl. BGer-Urteil U 286/2006 vom 31. August 2007 E. 6.2.3). Weiter ergibt sich aus den
  medizinischen Unterlagen, dass C.______sel. seit dem Unfallereignis unter
  teilweise erheblichen Kopf- und Nackenschmerzen, Schmerzen an der
  Brustwirbelsäule wie auch an Schwindel litt. Die Kopfschmerzen waren dauernd
  vorhanden. Diese Beschwerden erschwerten ihren Arbeitsalltag, womit auch ihre
  Lebensqualität glaubhaft beeinträchtigt wurde. Entsprechend durfte das
  Kriterium der Dauerbeschwerden als erfüllt angesehen werden
  (vgl. BGer-Urteil 8C_571/2011 vom 23. Dezember 2011 E. 6.2.4).
  Dies gilt ebenso für das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs, war doch
  C.______sel. bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses im Oktober 2000
  seit zehn Jahren regelmässig in ärztlicher und physiotherapeutischer
  Behandlung, ohne dass sich ihre Beschwerden langanhaltend verbessert hätten. Schliesslich war
  C.______sel. seit dem Unfallereignis in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
  Zwar hatte sie nach der erstmaligen vollständigen Krankschreibung ihre
  Arbeitstätigkeit wieder aufgenommen, doch musste sie diese in einem späteren
  Schritt aufgrund ihrer Unfallbeschwerden reduzieren. Entsprechend
  attestierten ihr die begutachtenden Ärzte eine Arbeitsunfähigkeit von 40 –
  50 % bzw. von 20 %, womit eine langandauernde physisch
  bedingte Arbeitsunfähigkeit im Zeitpunkt des Verfügungserlasses im Oktober 2000
  vorlag.

  
	
   

  
	
  Aus
  obigen Erwägungen folgt, dass zumindest vier der vorstehend umschriebenen
  Adäquanzkriterien erfüllt waren, womit sich eine Prüfung der restlichen
  Kriterien erübrigt. Stattdessen ist festzuhalten, dass die Adäquanzkriterien
  als in gehäufter Weise vorkommend angesehen werden durften, weshalb die im
  Oktober 2000 vorgenommene Rentenzusprache an C.______sel. im Lichte der
  damaligen Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359 zumindest als
  vertretbar einzustufen ist. Eine zweifellose Unrichtigkeit der damaligen
  Verfügung ist damit zu verneinen.

  
	
   

  
	
  5.4

  
	
  5.4.1 Zu prüfen bleibt, ob allenfalls ein Revisionsgrund
  gegeben ist, welcher eine nachträgliche Anpassung der leistungszusprechenden
  Verfügung von Oktober 2000 gestützt auf Art. 17 ATSG rechtfertigen
  würde. 

  
	
   

  
	
  Ein Revisionsgrund,
  d.h. eine für den Rentenanspruch massgebliche Veränderung der
  Verhältnisse, ist unter anderem bei einer Besserung oder Verschlechterung des
  Gesundheitszustands gegeben, aber auch bei einer Erhöhung oder Verminderung
  des massgeblichen Validen- oder Invalideneinkommens sowie bei einer Änderung
  der spezifischen Arbeitsfähigkeit. Keinen Revisionsgrund stellt hingegen eine
  nur vorübergehende Änderung des Gesundheitszustands oder die unterschiedliche
  Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten (medizinischen) Sachverhalts
  dar (BGer-Urteil 9C_767/2008 vom 3. Oktober 2008 E. 1.2). Bei
  gleich gebliebenen tatsächlichen Verhältnissen muss ein Revisionsgrund,
  welcher zur Herabsetzung oder zur Aufhebung der Invalidenrente führt, somit
  aktenmässig zuverlässig ausgewiesen sein (BGer-Urteil 9C_552/2007 vom
  17. Januar 2008 E. 3.1.2).

  
	
   

  
	
  5.4.2 Dr. E.______ und J.______, dipl. Pflegefachfrau
  HF, führten im Rahmen einer versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 13.
  März 2018 aus, dass das Szinti-SPECT-CT vom 12. Mai 2016 eine aktivierte
  Arthrose auf der Höhe C0/1 links, C6/7 links, Th1/Th2 und Th3/Th4 links sowie
  eine aktivierte Unkarthrose der HWK 5/6 links zeige. Diese Befunde seien
  nicht mehr überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 4. Dezember
  1990 zurückzuführen, stattdessen würden degenerative Veränderungen deren
  Ursache bilden.  

  
	
   

  
	
  5.4.3 Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin
  findet sich in den Akten kein ärztlicher Beleg, welcher eine Verbesserung des
  Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und damit einen Revisionsgrund
  belegen würde. Soweit sich die Beschwerdegegnerin diesbezüglich auf den
  ärztlichen Bericht von Dr. E.______ beruft, ist sie darauf hinzuweisen,
  dass sich der genannte Bericht einzig auf das Szinti-SPECT-CT vom
  12. Mai 2016 stützt. Dieser bildgebende Befund fand jedoch bereits
  Eingang in die ärztlichen Stellungnahmen vom Dr. med. K.______,
  Innere Medizin FMH, vom 14. März 2017 sowie den ärztlichen Bericht von
  Dr. med. L.______, Chefärztin Rheumatologie und Rehabilitation der
  Klinik M.______, vom 13. März 2017. Die beiden ärztlichen Berichte wurden von
  der Beschwerdegegnerin aufgrund eines von ihr eingeleiteten
  Revisionsverfahren eingeholt. In Kenntnis dieser beiden Berichte kam die
  Beschwerdegegnerin am 22. März 2017 zum Schluss, dass sich keine
  rentenrelevante Änderung des Gesundheitszustands ergeben habe, weshalb
  C.______sel. weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe. Die
  Beschwerdegegnerin erkannte damals, dass kein Revisionsgrund vorhanden war.
  Indem nun Dr. E.______ gut ein Jahr später dasselbe Bildmaterial ihrer
  versicherungsmedizinischen Beurteilung zugrunde legt und dieses abweichend
  von den beiden behandelnden Ärzten würdigt, liegt eine unterschiedliche
  Beurteilung des gleich gebliebenen Sachverhalts vor, womit eben kein
  Revisionsgrund gegeben ist. Nicht weiter einzugehen ist folglich auf die
  Frage, ob der versicherungsinterne Bericht von Dr. E.______ verwertbar
  ist oder ob daran zumindest geringe Zweifel bestehen, welche weitere Abklärungen
  nötig machen würden (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4,
  125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c). Der Vollständigkeit halber hinzuweisen bleibt
  einzig darauf, dass das Vorliegen von degenerativen Veränderungen die
  Unfallkausalität der noch bestehenden Beschwerden nicht generell
  ausschliesst. Stattdessen können durch die zusätzlichen degenerativen
  Veränderungen beispielsweise neue Beschwerden verursacht oder die bestehenden
  Beschwerden verschlimmert werden. Folglich hätte Dr. E.______
  nachvollziehbar begründen müssen, weshalb die noch bestehenden Beschwerden
  nicht mehr vom Unfall stammten, sondern in den degenerativen Veränderungen
  gründeten, was sie jedoch nicht macht. 

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  Zusammenfassend zeigt
  sich, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht anerkannte, wobei
  keine zweifellos unrichtige Verfügung vorliegt, welche zu einer
  Leistungseinstellung im Rahmen einer Wiedererwägung ermächtigen würde.

  
	
   

  
	
  Die Beschwerde ist daher
  gutzuheissen.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m.
  Art. 61 lit. a ATSG). Da der Beschwerdeführer obsiegt, steht ihm
  eine angemessene Parteientschädigung zu, welche auf pauschal Fr. 2'000.-
  (inkl. Mehrwertsteuer) festzusetzen ist (Art. 1 Abs. 1 UVG
  i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen und der Einspracheentscheid der
    Beschwerdegegnerin vom 23. Mai 2019 wird aufgehoben. 

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    in der Höhe von Fr. 2'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]