# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75f3850e-5599-5ce9-9501-b8f4c0d99509
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-17
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 17.01.2023 IV 2022/8
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2022-8_2023-01-17.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2022/8

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 27.02.2023

Entscheiddatum: 17.01.2023

Entscheid Versicherungsgericht, 17.01.2023
Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines 
polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 17. Januar 2023, IV 2022/8). Bestätigt durch Urteil 
des Bundesgerichts 8C_111/2023.

Entscheid vom 17. Januar 2023

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Corinne 

Schambeck; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2022/8

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, 

Dorfstrasse 33, 9313 Muolen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

IV-Leistungen

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Juni 2011 unter Hinweis auf einen im Dezember 2010 

erlittenen Unfall zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er 

machte keine Angaben zu seiner beruflichen Ausbildung und seinen beruflichen 

Tätigkeiten. Im September 2011 berichtete die B.___ AG (IV-act. 23), sie beschäftige 

den Versicherten seit Juni 2001 als Maschinenführer im Vollpensum. Der Jahreslohn 

betrage 58’110 Franken. Nach einer Untersuchung des Versicherten am 20. Dezember 

2011 hielt der Chirurg Dr. med. C.___ vom kreisärztlichen Dienst der Suva fest 

(Fremdakten), der Versicherte habe am 22. Dezember 2010 einen Auffahrunfall erlitten, 

bei dem er sich ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule zugezogen habe. Am 2. 

Januar 2011 habe er sich bei einem Sturz eine Fraktur an der rechten Hand zugezogen. 

Bereits im Februar 2011 sei auf eine erhebliche Symptomausweitung hingewiesen 

worden. In einem Austrittsbericht vom 11. April 2011 habe die Rehaklinik Bellikon 

festgehalten, dass eine somatoforme Symptomatik, eine Anpassungsstörung sowie der 

Verdacht auf ein regressives maladaptives Verhaltensmuster bestünden und dass das 

Ausmass der demonstrierten physischen und kognitiven Einschränkungen mit den 

objektivierbaren Befunden nicht erklärbar sei. Bei der aktuellen kreisärztlichen 

Untersuchung habe sich die Halswirbelsäule aufgrund von ausgeprägten 

Schmerzangaben mit einem entsprechend demonstrativen Verhalten nur rudimentär 

untersuchen lassen. Dieses Verhalten könne nur im Rahmen einer 

Schmerzverarbeitungsstörung erklärt werden, da die bildgebenden Befunde unauffällig 

seien. Bei fehlenden strukturellen unfallbedingten Läsionen liege aus somatischer Sicht 

kein Integritätsschaden vor. Bezüglich der rechten Hand hätten sich keinerlei 

funktionelle Einschränkungen ergeben. Auch diesbezüglich liege kein 

Integritätsschaden vor. Bezüglich einer zumutbaren Tätigkeit habe die Handverletzung 

A.a. 

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keine Auswirkungen. Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung erstattete die Klinik 

D.___ am 25. Mai 2012 ein orthopädisches, neurologisches und psychiatrisches 

Gutachten (IV-act. 66). Die Sachverständigen hielten fest, dass der objektive klinische 

Befund sowohl aus orthopädischer als auch aus neurologischer Sicht weitestgehend 

unauffällig gewesen sei. Der Versicherte leide aber an einer dissimulierten 

schwergradigen depressiven Episode mit einer Somatisierung, weshalb eine stationäre 

psychiatrische Behandlung mit einer leitliniengerechten antidepressiven Medikation für 

vier Wochen zu empfehlen sei. Zurzeit sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. 

Bereits ab Ende März 2012 hatte der Versicherte eine einmonatige sozialberufliche 

Rehabilitationsmassnahme durchgeführt; im Anschluss hatte er seine angestammte 

Tätigkeit wieder mit einem Pensum von 50 Prozent aufgenommen (vgl. IV-act. 38 ff., 

48, 54, 55, 56, 63, 65 und 67). Ab Dezember 2012 arbeitete er wieder im Vollpensum 

an seinem bisherigen Arbeitsplatz (IV-act. 74). Mit einer Verfügung vom 28. Mai 2013 

wies die IV-Stelle das Begehren um weitere berufliche Massnahmen und das 

Rentenbegehren ab (IV-act. 79). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in formelle 

Rechtskraft.

Im März 2019 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-

act. 81). Er gab an, er habe seine angestammte Tätigkeit als Maschinenführer bis zum 

16. Februar 2018 ausgeübt und vom 17. Februar 2018 bis zum 31. Dezember 2018 als 

Betriebsleiter für einen Gastronomiebetrieb gearbeitet. Der Monatslohn habe 8’000 

Franken betragen. Am 18. Februar 2018 sei es zu einer Traumatisierung durch einen 

gewalttätigen Überfall an der Arbeitsstelle gekommen. Die IV-Stelle forderte den 

Versicherten am 15. März 2019 auf, eine relevante Sachverhaltsveränderung seit dem 

28. Mai 2013 glaubhaft zu machen (IV-act. 83). Am 25. März 2019 teilte der 

Allgemeinmediziner Dr. med. E.___ der IV-Stelle mit (IV-act. 86), der Versicherte sei seit 

einem Überfall „mit lebensbedrohlichem Erlebnis“ am 18. Februar 2018 vollständig 

arbeitsunfähig. Er leide an einem depressiven Syndrom. Zudem bestehe der Verdacht 

auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Im Juni 2019 notierte Dr. med. F.___ 

vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), aus psychiatrischer Sicht könne 

eine Veränderung des Gesundheitszustandes seit Mai 2013 nicht ausgeschlossen 

werden; zur Sachverhaltsermittlung seien weitere Abklärungen notwendig (IV-act. 95). 

Die Tagesklinik G.___ berichtete am 11. Juni 2019 (IV-act. 103–3 f.), der Versicherte sei 

A.b. 

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vom 29. Januar 2019 bis zum 11. Juni 2019 tagesklinisch psychiatrisch behandelt 

worden. Er leide an einer posttraumatischen Belastungsstörung und an einer 

mittelgradigen depressiven Episode. In der Einzeltherapie habe er sich offen und 

gesprächig, jedoch sehr dünnhäutig und wenig belastbar gezeigt, was den Zugang zu 

den tiefgreifenden Problemen und Belastungen erschwert habe. Durch zusätzliche 

Belastungen in der Herkunftsfamilie habe der Versicherte ein starkes 

Rückzugsverhalten, eine Hoffnungslosigkeit und eine innere Leere gezeigt, weshalb 

man ihm – auch unter Berücksichtigung der anhaltenden Symptomatik – eine 

stationäre Behandlung empfohlen habe. Im Oktober 2019 gab der Bruder des 

Versicherten, für den dieser ab dem 17. Februar 2018 gearbeitet hatte, mittels des 

„Ergänzungsblattes R“ an (IV-act. 109), der Versicherte sei am Abend des 18. Februar 

2018 von mehreren bewaffneten Personen angegriffen und verletzt worden. Die Täter 

seien in der Folge festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt worden. Der Fall 

werde derzeit vom Gericht bearbeitet. Im Mai 2020 berichtete der behandelnde 

Psychiater med. pract. H.___ (IV-act. 139), der Versicherte leide an einer 

posttraumatischen Belastungsstörung, an einer mittelgradigen depressiven Episode 

sowie an Sehstörungen und chronischen Cephalgien infolge des Unfallereignisses. Er 

imponiere depressiv zurückgezogen, er leide an starken Ängsten und Befürchtungen, 

er zeige ein auffällig ängstlich-schreckhaftes Zustandsbild mit einem starken 

Vermeidungsverhalten und er weise durchgehend grobe Verhaltensauffälligkeiten auf. 

Die Stresstoleranz sei äusserst gering. Eine genaue Prognose sei nicht möglich, da die 

Akutbehandlung der posttraumatischen Belastungsstörung im Vordergrund stehe. Der 

Beizug einer psychiatrischen Spitex habe sich als sehr förderlich erwiesen. Der 

psychopathologische Zustand habe sich leicht stabilisiert, der Behandlungsbedarf sei 

aber immer noch sehr hoch. Der Versicherte sei vollständig arbeits- und 

eingliederungsunfähig. Mit einer Mitteilung vom 8. Juni 2020 wies die IV-Stelle das 

Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen mit der Begründung ab, aktuell 

stünden medizinische Behandlungsmassnahmen im Vordergrund; aufgrund des 

Gesundheitszustandes seien berufliche Massnahmen zurzeit nicht möglich (IV-act. 

143).

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die GA eins AG am 30. August 2021 ein 

polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 177). Der fallführende internistische 

A.c. 

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Sachverständige hielt fest, der Versicherte sei am 16. Mai 2021 wegen einer akuten 

Appendizitis operiert worden. Bei der aktuellen Untersuchung sei der objektive 

klinische Befund unauffällig gewesen. Aus allgemein-internistischer Sicht sei keine 

Gesundheitsbeeinträchtigung zu diagnostizieren. Der Versicherte sei rein internistisch 

gesehen uneingeschränkt arbeitsfähig. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, 

der Versicherte habe einen leidenden Eindruck hinterlassen. Er habe mit einer etwas 

verwaschenen Stimme gesprochen, die zum Teil aber auch bebend und lauter 

geworden sei. Die Mimik und die Gestik seien normal ausgeprägt gewesen. Die 

affektive Modulation sei eingeschränkt und durchwegs zum depressiven Pol hin 

gelenkt gewesen. Während der Exploration habe der Versicherte keine Zeichen einer 

Beschwerdewahrnehmung gezeigt. Die Anamnese habe erhoben werden können. 

Auffällig sei allerdings gewesen, dass der Versicherte keine Angaben mit genauen 

Lebensdaten habe machen können, was schwer nachvollziehbar und als eine 

Verdeutlichungstendenz zu interpretieren sei. Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und 

das Gedächtnis seien intakt gewesen. Der Versicherte habe posttraumatische 

Symptome geschildert. Aufgrund des Querschnittes der objektiven klinischen Befunde 

sei eine leichte bis mittelgradige depressive Episode zu diagnostizieren. Rein formal 

seien die Kriterien einer mittelgradigen depressiven Episode erfüllt, aber im 

Vordergrund stehe dabei eine Prägung durch die subjektive Befindlichkeit des 

Versicherten, weshalb nur die Diagnose einer leichten bis mittelgradigen depressiven 

Episode gerechtfertigt sei. Auch die diagnostischen Kriterien einer posttraumatischen 

Belastungsstörung seien rein vom Querschnittsbefund her erfüllt. Der ICD-10 fordere 

aber für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ein deutlich 

schwereres traumatisches Ereignis, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung 

hervorrufen würde. Der Versicherte habe die posttraumatischen Symptome zudem 

doch deutlich für seinen geltend gemachten Gesundheitsschaden instrumentalisiert. 

Die rein formal zu diagnostizierende posttraumatische Belastungsstörung könne sich 

objektiv nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Sie wirke sich aber in der Interaktion 

mit der depressiven Symptomatik im Sinne einer Chronifizierung negativ aus. Die 

Selbstlimitierung des Versicherten verstärke die Chronifizierung zusätzlich. Die 

Laboranalyse deute auf einen übermässigen Alkoholkonsum hin, belege diesen aber 

nicht eindeutig, da die Werte grenzwertig ausgefallen seien. Bezüglich allfälliger 

Inkonsistenzen sei darauf hinzuweisen, dass der Versicherte nach wie vor kurze 

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Strecken mit dem Auto zurücklege und dass er zusammen mit der Familie im Auto 

Reisen in sein Herkunftsland unternehme. Der Umstand, dass er keiner 

Erwerbstätigkeit mehr nachgehe und auch im Haushalt nicht helfe, sei auf eine 

Selbstlimitierung zurückzuführen. Eine anhaltende höhergradige Arbeitsfähigkeit könne 

nicht begründet werden. Die vorliegenden psychischen Störungen seien gut 

behandelbar. Der Versicherte sollte sich seinen Ängsten stellen; mit seinem Rückzug 

verschlimmere er die Symptomatik nur noch mehr. Aufgrund der durch die affektive 

Symptomatik verursachten erhöhten Ermüdbarkeit sei eine Leistungseinschränkung 

von 30 Prozent zu attestieren. Das gelte retrospektiv – abgesehen von kurzen, 

vorübergehenden Phasen mit einer allfällig tieferen Arbeitsfähigkeit – gemittelt für den 

gesamten Verlauf seit Februar 2018. Der orthopädische Sachverständige hielt fest, der 

– im Gutachten ausführlich beschriebene – objektive klinische Befund sei 

weitestgehend unauffällig gewesen. Zudem habe der Versicherte angegeben, dass er 

von Seiten des Bewegungsapparates nicht an relevanten Einschränkungen leide. 

Diagnostisch lägen ein chronisch intermittierendes cervico-vertebrales 

Schmerzsyndrom sowie chronisch intermittierende Handbeschwerden rechts vor. Die 

Arbeitsfähigkeit werde dadurch aber nicht eingeschränkt. Aus orthopädischer Sicht sei 

der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Der neurologische Sachverständige 

führte aus, der – im Gutachten detailliert beschriebene – objektive klinische Befund sei 

weitgehend unauffällig gewesen. Gemäss den Akten sei davon auszugehen, dass der 

Versicherte am 18. Februar 2018 ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitten habe. 

Aufgrund der anamnestischen Angaben seien rein formell die Kriterien der 

Internationalen Kopfschmerzgesellschaft IHS für die Diagnose eines posttraumatischen 

Kopfschmerzes erfüllt. Daneben bestehe jedoch auch eine Analgetika-induzierte 

Komponente, da der Versicherte regelmässig Analgetika einnehme. Zum Verlauf der 

Kopfschmerzen könne der Versicherte nur vage Angaben machen. Insbesondere seien 

ihm keine Einflussfaktoren auf den Verlauf bekannt. Eine körperliche Beanspruchung 

führe nicht zu einer Zunahme der Kopfschmerzen. Eine relevante Einschränkung 

aufgrund der Kopfschmerzen lasse sich aus den Angaben des Versicherten nicht 

ableiten. Bezüglich der vom Versicherten angegebenen Visusschwäche links seit dem 

Unfall sei auf einen Bericht vom 14. März 2018 zu verweisen, wonach sich keinerlei 

Hinweise auf eine posttraumatische Störung der Augenfunktion hätten objektivieren 

lassen. Aus neurologischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. 

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Nach der Konsensbesprechung hielten die Sachverständigen fest, der Versicherte leide 

an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig leichten bis 

mittelgradigen Episode sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem 

persistierenden posttraumatischen Kopfschmerz, an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung, an einem chronisch intermittierenden cervico-vertebralen 

Schmerzsyndrom und an chronisch intermittierenden Handbeschwerden rechts. 

Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihm zu 70 Prozent zumutbar. Die Einschränkung 

von 30 Prozent resultiere aus der von der affektiven Symptomatik verursachten 

erhöhten Ermüdbarkeit. Der RAD-Arzt Dr. med. I.___ qualifizierte das Gutachten als 

überzeugend (IV-act. 180).

Mit einem Vorbescheid vom 16. September 2021 teilte die IV-Stelle dem 

Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 183). Dagegen liess der nun 

anwaltlich vertretene Versicherte am 19. Oktober 2021 einwenden (IV-act. 194), der 

psychiatrische Sachverständige habe weder die „lange Chronifizierung“ noch die 

Vorbelastung durch den „überfallmässigen Unfalltod“ des Vaters berücksichtigt. Der 

Rechtsvertreter könne sich noch an die damalige ausserordentliche Betroffenheit der 

Familie und der damals noch jungen Kinder erinnern, die beim Gespräch mit dem 

Versicherten noch immer mitschwinge. Der psychiatrische Sachverständige habe es 

versäumt, die „äusserst tragische Wiederholung der Ereignisse“ in die Beurteilung 

einzubeziehen. Unverständlich sei, dass er das Vorliegen einer posttraumatischen 

Belastungsstörung negiert, aber dennoch die Behandlung der posttraumatischen 

Belastungsstörung empfohlen habe, denn: „Was es nicht gibt, muss nicht behandelt 

werden“. Das Valideneinkommen sei deutlich zu tief angesetzt worden, denn der 

Versicherte habe an seinem neuen Arbeitsplatz einen Lohn von 96’000 Franken pro 

Jahr erhalten. Sollte die IV-Stelle eine Wiedereingliederung als möglich und sinnvoll 

erachten, werde um eine Kontaktaufnahme gebeten. Mit einer Verfügung vom 

7. Dezember 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 198). 

Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten hielt sie fest, der RAD habe keine 

Veranlassung zu weiteren medizinischen Abklärungen gesehen. Der Tod des Vaters im 

Jahr 2005 habe keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten gehabt. 

A.d. 

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B.  

Für die Bestimmung des Valideneinkommens sei der im Jahr vor dem Unfall erzielte 

Lohn massgebend, also der Jahreslohn 2017.

Am 24. Januar 2022 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 7. Dezember 2021 erheben (act. G 1). Sein 

Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Rückweisung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Durchführung 

von beruflichen Massnahmen und eventualiter die Zusprache mindestens einer halben 

Rente. Zur Begründung führte er aus, das Gutachten der GA eins AG leide an 

„krassen“ Widersprüchen. Die Sachverständigen hätten das Vorliegen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung negiert, aber dennoch die Behandlung der 

angeblich inexistenten Störung empfohlen. Sie hätten behauptet, der 

Beschwerdeführer pflege soziale Kontakte, aber gleichzeitig festgehalten, er 

„verkrieche“ sich. Sie hätten sich zudem nicht mit der Frage befasst, ob der Versicherte 

eher zu den „Rossnaturen“ oder zu den „Hypersensiblen“ zähle respektive wie er die 

beiden tragischen Erlebnisse – den Tod des Vaters und den Überfall – verarbeitet habe. 

Die Beschwerdegegnerin habe das Valideneinkommen deutlich zu tief angesetzt. Im 

Jahr 2007 habe der Beschwerdeführer noch einen Zusatzverdienst erzielt. Im Zeitpunkt 

des Überfalls habe er einen Jahreslohn von 96’000 Franken gehabt. Der Lohnausweis 

für das Jahr 2017 weise einen Jahreslohn von 67’255 Franken aus. Der Eingabe lag 

eine Kopie eines Strafurteils des Thurgauer Obergerichtes vom 8. Juli 2021 betreffend 

den Vorfall vom 18. Februar 2018 bei (act. G 1.4).

B.a. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. März 2022 die Abweisung der 

Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei (act. G 4). Zur Begründung führte 

sie an, die beruflichen Massnahmen gehörten nicht zum Gegenstand der 

angefochtenen Verfügung und könnten deshalb auch nicht Gegenstand dieses 

Beschwerdeverfahrens bilden. Der psychiatrische Sachverständige der GA eins AG 

habe das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht negiert. Die 

Angabe zu den sozialen Kontakten des Beschwerdeführers habe sich ausdrücklich auf 

Kontakte innerhalb der Familie beschränkt. Das Valideneinkommen sei korrekt 

festgesetzt worden.

B.b. 

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Erwägungen

1. Da sich der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens in der Überprüfung der 

angefochtenen Verfügung auf deren Rechtmässigkeit erschöpft, kann sein Gegenstand 

nicht weiter als jener des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens sein. Dieses hat 

sich nach der Abweisung des Begehrens um berufliche Eingliederungsmassnahmen 

am 8. Juni 2020 auf die Prüfung des Rentenbegehrens beschränkt. Berufliche 

Massnahmen können folglich nicht zum Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens 

gehören, weshalb auf den entsprechenden Beschwerdeantrag nicht eingetreten 

werden kann.

2.  

Der Beschwerdeführer liess am 21. Juni 2022 an seinen Anträgen festhalten und 

zusätzlich eine Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Entscheid respektive 

Abschluss der beruflichen Eingliederungsmassnahmen beantragen (act. G 8). Die 

Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 10).

B.c. 

Das Versicherungsgericht forderte die Beschwerdegegnerin am 26. 

September 2022 auf anzugeben, ob eine berufliche Massnahme laufe oder ob geplant 

sei, in der näheren Zukunft eine berufliche Massnahme in Angriff zu nehmen (act. G 11). 

Die Beschwerdegegnerin antwortete am 27. September 2022, sie führe weder 

berufliche Massnahmen durch noch plane sie, berufliche Massnahmen in Angriff zu 

nehmen (act. G 12). Mit einem Zwischenentscheid vom 30. September 2022 wies das 

Versicherungsgericht den Antrag des Beschwerdeführers um Sistierung des 

Beschwerdeverfahrens ab (act. G 14).

B.d. 

Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht auf die Neuanmeldung zum Rentenbezug 

eingetreten, da mit dem Hinweis auf die gesundheitlichen Folgen des am 18. 

Februar 2018 erlittenen Überfalls am Arbeitsplatz eine relevante 

Sachverhaltsveränderung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV glaubhaft gemacht gewesen 

ist.

2.1. 

Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf 

eine Rente der Invalidenversicherung, wenn ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert 

werden kann, wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/14

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dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der 

Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt 

der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen bei einer ausgeglichenen 

Arbeitsmarktlage durch eine ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

Der Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert. Nach dem 

Abschluss der Schulbildung hat er verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet. Am 17. 

Februar 2018, also einen Tag vor dem Überfall, der dazu geführt hat, dass er nicht 

mehr gearbeitet hat, hat der Beschwerdeführer eine neue Arbeitsstelle als 

Geschäftsführer eines Gastronomiebetriebes angetreten, an der er einen Lohn von 

96’000 Franken erhalten hätte. Der Beschwerdeführer ist für diese Tätigkeit nicht 

qualifiziert gewesen, denn er hat weder über eine entsprechende Ausbildung noch über 

eine einschlägige Berufserfahrung verfügt. Der ökonomische Wert seiner 

Arbeitsleistung als Geschäftsführer kann deshalb gar nicht 96’000 Franken betragen 

haben, weil der Beschwerdeführer auch als Geschäftsführer – mangels Ausbildung und 

Berufserfahrung in der Gastronomie – nur ein unqualifizierter Hilfsarbeiter gewesen sein 

kann. Der Eigentümer des Betriebes ist sein Bruder gewesen, weshalb die vereinbarte 

Lohnhöhe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erheblich von der familiären Bindung 

beeinflusst gewesen ist, also nicht dem ökonomischen Marktwert der Arbeitsleistung 

des Beschwerdeführers als Geschäftsführer ohne jede berufliche Qualifikation 

entsprochen hat. Also hätte kein anderer Arbeitgeber dem Beschwerdeführer einen 

Lohn von 96’000 Franken bezahlt. Deshalb kann nicht auf den mit dem Bruder 

vereinbarten Lohn von 96’000 Franken als Valideneinkommen abgestellt werden. Vor 

dem Antritt dieser Arbeitsstelle hat der Beschwerdeführer knapp 17 Jahre lang für ein 

und dieselbe Arbeitgeberin gearbeitet. Im Jahr 2017 hat er einen Bruttolohn von 67’255 

Franken erzielt (vgl. IV-act. 88–11), was dem statistischen Zentralwert der 

Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2017 von 67’102 Franken (vgl. die von der Informationsstelle 

AHV/IV herausgegebene Textausgabe des IVG, 11. Aufl. 2022, Anh. 2) entsprochen hat. 

Der Beschwerdeführer ist folglich als ein typischer Hilfsarbeiter zu qualifizieren, was 

bedeutet, dass der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne als 

Valideneinkommen zu berücksichtigen ist. Der Umstand, dass der effektive Lohn um 

rund 150 Franken pro Jahr höher gewesen ist, ist als eine sich aus den Umständen auf 

dem invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten tatsächlichen Arbeitsmarkt 

entspringende Zufälligkeit zu qualifizieren, der keine Beachtung zu schenken ist.

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/14

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Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

ausschlaggebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus 

versicherungsmedizinischer Sicht in welchem Umfang zumutbar sind. Zur 

Beantwortung dieser Frage hat die Beschwerdegegnerin die GA eins AG mit der 

Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Die Sachverständigen der GA 

eins AG haben den Beschwerdeführer umfassend persönlich untersucht und sie haben 

die medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt. Nichts deutet darauf hin, dass sie 

eine relevante Tatsache übersehen oder ignoriert hätten. Das gilt namentlich auch für 

den Umstand, dass der Beschwerdeführer seinen Vater im Jahr 2005 durch ein 

offenbar bis dato ungeklärtes Tötungsdelikt verloren hat, denn diese Tatsache wird im 

Gutachten der GA eins AG (wie auch in den Vorakten) mehrfach erwähnt. Entgegen der 

Darstellung des Rechtsvertreters ist der Beschwerdeführer damals kein „junges Kind“, 

sondern bereits 25 Jahre alt gewesen. In jenem Zeitpunkt hatte er bereits rund vier 

Jahre lang für die letzte Arbeitgeberin gearbeitet. Die Akten enthalten keinen Hinweis 

darauf, dass seine Arbeitsfähigkeit durch den Tod des Vaters eine länger dauernde 

Einschränkung erfahren hätte. Selbst der Hausarzt hat angegeben, dass sich der 

Beschwerdeführer vollständig erholt habe und beschwerdefrei arbeitsfähig gewesen sei 

(vgl. IV-act. 86). Gemäss dem IK-Auszug hat er in der Zeit von Juni 2001 bis und mit 

Dezember 2010 (also bis zum Auffahrunfall, der zur ersten IV-Anmeldung geführt hatte) 

ein konstantes, sich über die Jahre langsam steigerndes Erwerbseinkommen erzielt. Im 

Jahr 2007 hat er aus einer selbständigen Nebenerwerbstätigkeit sogar noch ein 

Zusatzeinkommen erzielt, das etwa 40 Prozent des Lohnes aus der unselbständigen 

Haupterwerbstätigkeit entsprochen hat. Abgesehen davon, dass eine erhebliche 

Traumatisierung des Beschwerdeführers durch die Tötung seines Vaters dadurch als 

höchst unwahrscheinlich erscheint, ist letztlich ohnehin nur entscheidend, wie 

ausgeprägt die posttraumatische Belastungsstörung im hier massgebenden Zeitraum 

nach dem Überfall im Februar 2018 gewesen ist. Im Gegensatz zu den behandelnden 

Fachärzten hat sich der psychiatrische Sachverständige der GA eins AG bei der 

Beantwortung dieser Frage vom versicherungsmedizinisch massgebenden objektiven 

klinischen Befund und nicht von den subjektiven Schilderungen des 

Beschwerdeführers leiten lassen. Der objektive klinische Befund ist mehrheitlich 

unauffällig gewesen. Daraus hat der psychiatrische Sachverständige den 

überzeugenden Schluss gezogen, dass keine posttraumatische Belastungsstörung 

vorgelegen hat, die so schwergradig gewesen wäre, dass sie sich auf die 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ausgewirkt hätte. Entgegen der Behauptung 

des Rechtsvertreters hat der psychiatrische Sachverständige das Vorliegen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung nicht „negiert“. Er hat vielmehr eine 

entsprechende Diagnose gestellt und er hat sowohl die Diagnose als auch den 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/14

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Umstand, dass er dieser Störung keinen relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

beigemessen hat, eingehend und überzeugend begründet. Aus der 

Sachverhaltsschilderung des vom Beschwerdeführer eingereichten Strafurteils gegen 

die beiden Männer, die den Beschwerdeführer am 18. Februar 2018 angegriffen haben, 

geht hervor, dass es sich bei jenem Ereignis nur um eine „Kneipenschlägerei“ 

gehandelt hat. Zwar leuchtet ein, dass der Beschwerdeführer zeitweise um sein Leben 

gefürchtet hat, weil die Angreifer mit einem Messer und einem Schlagstock bewaffnet 

gewesen sind, aber letztlich ist der Angriff relativ harmlos verlaufen. Der 

Beschwerdeführer hat keine ernsthaften Verletzungen davon getragen. Das Trauma 

kann, wie der psychiatrische Sachverständige der GA eins AG überzeugend aufgezeigt 

hat, nicht mit jenen im ICD-10 beispielhaft als typische Traumata bezeichneten 

Ereignissen (Folter, Vergewaltigung oder schweres Katastrophenereignis) verglichen 

werden, die bei fast jedem Menschen eine tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen 

würden. Klinisch haben sich denn auch keine relevanten Symptome einer 

posttraumatischen Belastungsstörung objektivieren lassen. Objektiv klinisch haben 

lediglich die Symptome einer leicht- bis mittelgradig ausgeprägten depressiven 

Störung vorgelegen. Der psychiatrische Sachverständige der GA eins AG hat 

überzeugend aufgezeigt, dass rein formal die Kriterien für die Diagnose einer 

mittelgradigen depressiven Störung erfüllt gewesen seien, der objektive Befund aber 

klinisch als weniger gravierend beeinträchtigt imponiert habe, weshalb keine mittel-, 

sondern eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung zu diagnostizieren sei. 

Ebenso überzeugend hat er begründet, dass die affektive Symptomatik eine erhöhte 

Ermüdbarkeit zur Folge habe, was die Arbeitsfähigkeit um 30 Prozent einschränke. Die 

Argumentation des psychiatrischen Sachverständigen ist stringent, widerspruchsfrei, 

nachvollziehbar und überzeugend. In den Akten findet sich nichts, das objektive 

Zweifel an der Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen 

Sachverständigen der GA eins AG wecken würde. Ebenso überzeugend und im 

Übrigen unbestritten geblieben ist das Attest einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit 

aus internistischer, orthopädischer und neurologischer Sicht. Gestützt auf das 

Gutachten der GA eins AG steht folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer im hier 

massgebenden Zeitraum ab Februar 2018 (abgesehen von kürzeren, vorübergehenden 

Phasen, insbesondere die ersten Wochen nach dem Überfall) für ideal 

leidensadaptierte Tätigkeiten zu 70 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.

Da der massgebende allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt 

definitionsgemäss einen breiten Fächer an ideal leidensadaptierten Hilfsarbeiten bereit 

hält und da kein statistischer Nachweis dafür existiert, dass körperlich leichte 

2.5. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/14

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Hilfsarbeiten schlechter als körperlich anstrengende Hilfsarbeiten entlöhnt würden, 

entspricht der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens 

dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne und damit dem 

Valideneinkommen. Der genaue Betrag kann deshalb bei der Berechnung des 

Invaliditätsgrades mathematisch gar keine Rolle spielen, weshalb der Invaliditätsgrad 

anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen ist. Er entspricht folglich 

dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen dem sogenannten 

Tabellenlohnabzug analogen Abzug. Die am 1. Januar 2022 in Kraft getretene 

Änderung des IVG und der IVV ist irrelevant, da ein „altrechtlicher“ Rentenanspruch zu 

prüfen ist, der bereits am 1. September 2019 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) entstanden sein 

kann. Ein dem Tabellenlohnabzug analoger Abzug ist folglich zu berücksichtigen, weil 

davon ausgegangen werden muss, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit 

nicht mit demselben ökonomischen Erfolg verwerten kann wie eine gesunde, im selben 

Pensum tätige Person, denn es ist anzunehmen, dass ein strikt ökonomisch-

betriebswirtschaftlich denkender, also keinen Soziallohn ausrichtender Arbeitgeber 

dem Beschwerdeführer keinen durchschnittlichen, sondern nur einen 

unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen würde, um seinen aus der Anstellung des 

Beschwerdeführers resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen dem 

ökonomischen Wert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten Lohn- und 

Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen. Der 

Beschwerdeführer könnte aber nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen 

Mehrwert generieren, denn die indirekten Lohnkosten oder die Lohnnebenkosten 

wären überdurchschnittlich hoch, weshalb für den Arbeitgeber nur ein 

unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultieren würde. Ein strikt 

betriebswirtschaftlich operierender Arbeitgeber würde das nicht hinnehmen, sondern 

diese „Einbusse“ auf den Beschwerdeführer überwälzen, indem er ihm nur einen 

unterdurchschnittlichen Lohn bezahlen würde, sodass für den Arbeitgeber ein 

durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultieren würde. Der Beschwerdeführer kann 

zwar ganztags arbeiten, aber er kann keine volle Arbeitsleistung erbringen, weil er 

vermehrte Pausen benötigt und weil seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Um 

seine Arbeitsfähigkeit voll auszuschöpfen, muss er jedoch seinen Arbeitsplatz den 

ganzen Tag belegen. Angesichts der depressiven Störung ist mit überdurchschnittlich 

starken Schwankungen der Arbeitsleistung und überdurchschnittlich vielen 

krankheitsbedingten Ausfällen zu rechnen. Ein strikt ökonomisch denkender 

Arbeitgeber sieht sich folglich mit einer unterdurchschnittlichen Amortisation der 

Arbeitsplatzkosten konfrontiert. Zudem muss er das Risiko der überdurchschnittlichen 

Leistungsschwankungen und der überdurchschnittlich häufigen Absenzen 

einkalkulieren. Das hat eine „Einbusse“ zur Folge, die allerdings nicht allzu hoch 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/14

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3. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken 

festzusetzenden Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer 

aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 

Franken gedeckt. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Auf das Begehren um berufliche Massnahmen wird nicht eingetreten.

2.

Die Beschwerde gegen die das Rentenbegehren abweisende Verfügung vom 7. 

Dezember 2021 wird abgewiesen.

3.

Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; diese sind 

durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.

4.

Das Begehren um eine Parteientschädigung wird abgewiesen.

ausfallen kann, sodass sich insgesamt jedenfalls kein Abzug von mehr als zehn Prozent 

rechtfertigt. Der Invaliditätsgrad beträgt folglich maximal 37 Prozent (= 100% – 90% × 

70%). Da erst ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent ein Anspruch auf 

eine Rente besteht, erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtmässig, weshalb 

die Beschwerde abzuweisen ist.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 17.01.2023
	Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Würdigung eines polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. Januar 2023, IV 2022/8). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 8C_111/2023.

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		2025-07-19T01:14:01+0200
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