# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2128191b-50ff-5936-81c1-4faed8ce6f8e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-04-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.04.2017 D-3434/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3434-2016_2017-04-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3434/2016 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  A p r i l  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, 

Richterin Claudia Cotting-Schalch, 

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

gemäss eigenen Angaben Volksrepublik China (Tibet), 

vertreten durch Dr. iur. Hans-Martin Allemann, Rechtsanwalt, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. April 2016 / N (…). 

 

 

 

D-3434/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin verliess ihren angeblichen Heimatstaat eigenen 

Angaben zufolge am 9. August 2012 und reiste über Nepal und ihr unbe-

kannte Länder am 8. Januar 2013 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags 

um Asyl nachsuchte. Am 21. Januar 2013 wurde sie vom damaligen Bun-

desamt für Migration (BFM; heute SEM) summarisch befragt und am 2. Juli 

2014 einlässlich zu den Asylgründen angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuches führte sie im Wesentlichen aus, sie 

sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie aus dem Bezirk 

B._______ in der Präfektur C._______ in der Provinz D._______ in Tibet. 

Ihre Eltern seien gestorben, als sie sieben oder acht Jahre alt gewesen sei, 

weshalb sie bei ihrer Tante in Lhasa aufgewachsen sei. Später habe sie 

einen eigenen Laden gehabt, wo sie bis zur Ausreise gelebt und gearbeitet 

habe. Sie habe in ihrem Laden mehrere CDs und Bilder vom Dalai Lama 

versteckt gehabt. Diese habe sie mit Freundinnen zusammen manchmal 

angeschaut. Am 1. August 2012 habe sie eine Pilgerfahrt in die Nähe von 

E._______ gemacht. Ihre Tante habe den Laden gehütet. Am gleichen Tag 

habe die Polizei den Laden kontrolliert, wo sie die CDs und Bilder vom 

Dalai Lama gefunden habe, weswegen ihre Tante festgenommen worden 

sei. Dies habe ihr der Onkel telefonisch mitgeteilt. Aus Angst ebenfalls fest-

genommen zu werden, habe sie sich zur Ausreise entschlossen. Sie sei 

nicht mehr nach Lhasa zurückgekehrt, sondern am 3. August 2013 von 

E._______ nach F._______ geflüchtet, wo sie sich fünf Tage aufgehalten 

habe. Von dort sei sie zu Fuss über die Grenze nach G._______ gegangen 

und weiter mit einem Auto nach H._______ gereist. Am 6. Januar 2014 

habe sie mit einem Flugzeug Nepal verlassen.  

B.  

Mit Verfügung vom 6. August 2014 stellte die Vorinstanz fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Voll-

zug – unter Ausschluss der Volksrepublik China – an.  

C.  

Mit Eingabe vom 8. September 2014 erhob die Beschwerdeführerin – han-

delnd durch ihren Rechtsvertreter – gegen die Verfügung vom 6. August 

2014 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser wurde in der 

Hauptsache beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei 

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festzustellen, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft er-

füllt, und das Asylgesuch sei gutzuheissen; eventuell sei festzustellen, 

dass bei der Beschwerdeführerin subjektive Nachfluchtgründe vorliegen 

und es sei ihr die vorläufige Aufnahme als Flüchtling zu gewähren. 

Im Beschwerdeverfahren reichte die Beschwerdeführerin zwei Fotoalben 

inklusive Zustellcouvert aus China im Original und ein Schreiben einer ge-

bürtigen Chinesin, welche die mündlichen Chinesisch Kenntnisse der Be-

schwerdeführerin bestätigt, ein. 

D.  

Mit Urteil D-5020/2014 vom 25. Juni 2015 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht die Beschwerde gut, hob die vorinstanzliche Verfügung vom 6. Au-

gust 2014 auf und wies die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurück.  

Zur Begründung führte es mit Verweis auf BVGE 2015/10 im Wesentlichen 

aus, dass die Vorinstanz auch bei der von ihr neu eingeführten Methode 

der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie – bei der nicht 

mehr eine Analyse der Fachstelle LINGUA durchgeführt, sondern im Rah-

men der eingehenden Anhörung durch den Sachbearbeiter respektive die 

Sachbearbeiterin des SEM vertiefte Fragen zu den Länderkenntnissen und 

zum Alltagswissen der asylsuchenden Person gestellt würden – verpflichtet 

sei, die Vorbringen der Betroffenen in einer auch für die Beschwer-

deinstanz nachvollziehbaren Weise sorgfältig und ernsthaft zu prüfen, an-

sonsten der Untersuchungsgrundsatz und der Anspruch auf rechtliches 

Gehör verletzt würden. Vorliegend seien die Mindestanforderungen an die 

neu eingeführte Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibeti-

scher Ethnie (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.2.2.2 ff.) nicht erfüllt, weshalb die 

Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.  

E.  

In der Folge erstellte ein Experte im Auftrag der Fachstelle LINGUA basie-

rend auf einem mit der Beschwerdeführerin geführten Telefoninterview vom 

20. August 2015 eine linguistische Analyse und eine Evaluation ihrer lan-

deskundlich-kulturellen Kenntnisse. Im LINGUA-Bericht vom 5. Oktober 

2015 gelangte dieser zum Schluss, dass die Sozialisation der Beschwer-

deführerin sehr wahrscheinlich in der exiltibetischen Gemeinschaft aus-

serhalb der Volksrepublik China und sehr wahrscheinlich nicht in der Stadt 

Lhasa, im Autonomen Gebiet Tibet in der Volksrepublik China stattgefun-

den habe. 

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Seite 4 

F.  

Mit Schreiben vom 9. November 2015 gewährte das SEM der Beschwer-

deführerin das rechtliche Gehör zu den Ergebnissen der LINGUA-Analyse.  

G.  

In ihrer Eingabe vom 25. November 2016 bezog die Beschwerdeführerin, 

handelnd durch ihren Rechtsvertreter, Stellung zu den Ergebnissen der 

LINGUA-Analyse.  

H.  

Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 27. April 2016 stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

ihr Asylgesuch vom 8. Januar 2013 erneut ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz sowie deren Vollzug – unter Ausschluss der Volksrepublik 

China – an. 

I.  

Mit Eingabe vom 30. Mai 2016 liess die Beschwerdeführerin, handelnd 

durch ihren Rechtsvertreter, gegen diese Verfügung Beschwerde erheben. 

In dieser wurde in der Hauptsache erneut beantragt, der angefochtene Ent-

scheid sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 

die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, und das Asylgesuch sei gutzuheissen; 

eventuell sei festzustellen, dass bei der Beschwerdeführerin subjektive 

Nachfluchtgründe vorliegen und es sei ihr die vorläufige Aufnahme als 

Flüchtling zu gewähren. Weiter wurde beantragt, es seien ihre chinesi-

schen Sprachkenntnisse, der tibetische Dialekt und die Ortskenntnisse 

durch eine unabhängige Fachperson im Sinne einer Oberexpertise abzu-

klären und eine Expertise zur Überprüfung der Echtheit der eingereichten 

Fotografien und zur Bestimmung des Zeitrahmens der Fotoaufnahmen an-

zuordnen. Weiter sei Frau I._______ aus J._______ als Zeugin zu befra-

gen und der Beschwerdeführerin Gelegenheit zu einer ergänzenden Stel-

lungnahme einzuräumen, sobald die Ergebnisse der Beweiserhebung vor-

lägen. Schliesslich wurde beantragt, es sei der Beschwerde die aufschie-

bende Wirkung zuzuerkennen, die unentgeltliche Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung zu gewähren und eine mündliche Verhandlung mit 

richterlicher Befragung der Beschwerdeführerin durchzuführen. 

J.  

Am 2. Juni 2016 reichte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertre-

ter eine Fürsorgebestätigung vom 31. Mai 2016 und eine Erklärung von 

I._______ aus J._______ vom 29. Mai 2016 ein. 

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Seite 5 

K.  

Mit Verfügung vom 7. Juni 2016 stellte der zuständige Instruktionsrichter 

des Bundverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführerin könne den 

Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut, verzichtete auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses und ordnete der Beschwerdeführerin 

den rubrizierten Rechtsvertreter bei. Gleichzeitig gab er dem SEM Gele-

genheit, zur Beschwerde eine Vernehmlassung einzureichen. 

L.  

Am 15. Juni 2016 nahm das SEM Stellung. Mit Eingabe vom 13. Juli 2016 

reichte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter eine Replik 

ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

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Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, die Evaluation der lan-

deskundlich-kulturellen Kenntnisse habe ergeben, dass die Beschwerde-

führerin zu den geografischen Angaben zu Lhasa befragt, richtige Angaben 

gemacht habe. Sie sei in der Lage gewesen, Distanzen innerhalb der Stadt 

korrekt wiederzugeben. Allerdings hätten ihre Kenntnisse zur Stadt auch 

auffällige Lücken bezüglich ihrer ersten Adresse in Lhasa und einer Bus-

nummer, welche an ihrem Arbeitsort vorbeifahre, aufgewiesen. Ausserdem 

habe sie realitätsfremde Angaben zu ihren angeblichen Mietkosten ge-

macht. Auch ihre Aussagen, dass ihr Laden keinen Namen gehabt oder wie 

sie ihren Personalausweis erhalten habe, seien wirklichkeitsfremd ausge-

fallen. Ebenso habe sie fälschlicherweise gesagt, die Grundschule dauere 

lediglich fünf Jahre. Obschon sie angegeben habe, sie habe Waren in ih-

rem Laden verkauft, habe erstaunt, dass sie teilweise äusserst niedrige 

Preise für Waren angegeben habe. Gemäss LINGUA-Experte seien ihre 

Kenntnisse zur Landeskunde und Kultur unbefriedigend und lückenhaft, so 

dass eine Hauptsozialisation in Lhasa, wo sie angeblich seit ihrem zehnten 

Lebensjahr gelebt haben soll, sehr unwahrscheinlich erscheine. Sie könne 

Lhasa schon einmal besucht haben. Der LINGUA-Experte habe aufgrund 

ihrer Angabe erwartet, dass sie fast muttersprachlich den tibetischen Dia-

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lekt von Lhasa spreche und über gute Chinesisch Kenntnisse verfüge. Da-

her habe er sie zu Beginn des Gesprächs gebeten, dass sie ihren Heimat-

dialekt spreche. In ihrer Sprache seien aber Merkmale zu beobachten ge-

wesen, die nicht zum Lhasa-Tibetischen gehören würden. Besonders auf-

fallend seien ihre morphologischen Vereinfachungen gewesen, welche ty-

pisch für das Tibetisch seien, welches im Exil gesprochen werde. Des Wei-

teren führe der Experte aus, sie habe zwar gut Hochchinesisch gespro-

chen, aber ihr Wortschatz habe Lücken aufgewiesen, was erstaunt habe, 

da sie ja angegeben habe, 26 Jahre in Lhasa gelebt zu haben. Der Experte 

sei in seinem Gutachten zum Resultat gekommen, dass sie sehr wahr-

scheinlich nicht wie angegeben in der Stadt Lhasa hauptsozialisiert worden 

sei, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksre-

publik China. Ihre Geographiekenntnisse liessen aber annehmen, dass sie 

Lhasa schon besucht habe. 

Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Resultat des Gutachtens habe 

der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingewendet, dass das Chi-

nesisch der sachverständigen Person (LINGUA-Experte) nicht besonders 

gut gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe die Frage nach dem letzten 

Wohnsitz missverstanden und deshalb falsch beantwortet. Sie habe irrtüm-

lich eine falsche Buslinie angegeben und ihr Irrtum sei auf Nervosität ab-

zustellen. Ihr Laden habe tatsächlich keinen Namen gehabt. Ihr Personal-

ausweis sei wie geschildert ausgestellt worden. Sie habe lediglich fünf 

Jahre die Schule besucht und sei daher von der Annahme ausgegangen, 

dass dies die Regel sei. Zu den niedrigen Preisen der Waren habe ihr 

Rechtsvertreter angegeben, dass sie die Waren tatsächlich zum angege-

benen Preis in ihrem Laden verkauft habe und dass es im Übrigen in Lhasa 

verschiedene Preisniveaus gebe. Sie spreche zwar ein einfaches Tibe-

tisch, dies sei aber dem Umstand geschuldet, dass sie nicht zur Schule 

gegangen sei. Ausserdem sei gemäss seinen eigenen Erfahrungen das Ti-

betisch, welches in Lhasa gesprochen werde, stark von auswärtigen Ein-

flüssen geprägt und mit anderen tibetischen Dialekten vermischt. Daher 

seien die Ausführungen der sachverständigen Person unzutreffend. Ihr 

Chinesisch Wortschatz sei auf den mangelnden Schulunterricht und auf 

ihren Umgang mit Tibetern zurückzuführen. Die Würdigung durch die sach-

verständige Person sei insgesamt falsch. Der Rechtsvertreter habe zur Un-

termauerung der Vorbringen der Beschwerdeführerin Fotografien einge-

reicht, auf welchen sie in Lhasa zu sehen sei. Obschon in der Stellung-

nahme unter „Beweis“ eine Expertise zur Überprüfung der Echtheit der Fo-

tos aufgelistet gewesen sei, sei eine solche Expertise nicht unter den Akten 

gewesen. Die Stellungnahme vermöge das Resultat des Gutachtens nicht 

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umzustossen. In der Stellungnahme würden keine nachvollziehbaren Er-

klärungen geliefert, welche ihre mangenden Geografie-, Kultur- und 

Sprachkenntnisse begründen würden. Der Experte sei genügend qualifi-

ziert und durchaus in der Lage, ein korrektes linguistisches Gutachten zu 

erstellen. Auch die eingereichten Fotografien vermöchten die Erkenntnisse 

des Gutachtens nicht zu widerlegen. Hierzu sei bereits in der Vernehmlas-

sung vom 3. Dezember 2014 sowie bei der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs zur LINGUA-Analyse vom 9. November 2015 ausgeführt worden, 

dass die Eventualität, dass sie Lhasa als Touristin bereist haben könnte, 

nicht ausgeschlossen werde. Dies erkläre auch, wieso sie einige richtige 

Angaben zu Lhasa habe machen können. Am Resultat des Gutachtens 

werde daher festgehalten. Im Weiteren sei auf die Ausführungen in der Ver-

fügung des SEM vom 21. Mai 2015 (recte: 6. August 2014) und die Ver-

nehmlassung des SEM vom 22. Juli 2014 (recte: 3. Dezember 2014) zu 

verweisen.  

Das Ergebnis des Gutachtens entziehe ihren Asylgründen und ihren Aus-

sagen zur Ausreise jegliche Grundlage. Ihre Asylgründe und die von ihr 

geschilderte Ausreise seien daher nicht glaubhaft. Vielmehr sei mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerde-

führerin vor ihrer Ankunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, 

sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. In Anwendung der gel-

tenden Praxis sei somit davon auszugehen, dass keine flüchtlings- und 

wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen 

Aufenthaltsort bestünden. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, das SEM sei den klaren Vor-

gaben im Urteil D-5020/2014 vom 25. Juni 2015 in keiner Weise nachge-

kommen und habe keinerlei Ausführungen zu den als korrekt erachteten 

Antworten gemacht, keine Quellen angegeben und den wesentlichen Inhalt 

der Herkunftsuntersuchung nicht bekannt gegeben. Damit verletze die an-

gefochtene Verfügung den Anspruch der Beschwerdeführerin auf die Ge-

währung des rechtlichen Gehörs und den Untersuchungsgrundsatz. Es 

werde beantragt, dass das Bundesverwaltungsgericht in der Sache selber 

entscheiden möge. Die Beschwerdeführerin spreche gut Chinesisch. Wäre 

sie ausserhalb Chinas aufgewachsen und hätte sie ausserhalb Chinas ge-

lebt, wäre sie des Chinesischen nicht kundig, zumindest nicht auf diesem 

Niveau. In Nepal oder Indien sozialisierte Exiltibeter sprächen kein Chine-

sisch. Selbst der LINGUA-Experte habe ihr gutes Hochchinesisch beschei-

nigt, aber dann behauptet, der Wortschatz habe Lücken aufgewiesen. Dies 

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werde bestritten. Der Experte sei nicht chinesischer Muttersprache gewe-

sen und habe gemäss den Feststellungen der Beschwerdeführerin man-

gelhaftes Chinesisch aufgewiesen, weshalb er nicht geeignet sei, ihre chi-

nesischen Sprachkenntnisse zu beurteilen. Die im ersten Beschwerdever-

fahren eingereichte Bestätigung einer gebürtigen Chinesin bescheinige ihr 

hingegen sehr gute mündliche Chinesisch Kenntnisse. Da Tibeter in Tibet 

möglichst unter sich bleiben würden und nur so viel Chinesisch sprächen 

wie unbedingt nötig, seien die Chinesisch Kenntnisse von Tibetern aus den 

unteren Schichten gewöhnlich beschränkt oder würden sogar ganz fehlen. 

Ihre Chinesisch Kenntnisse seien überdurchschnittlich gut für jemanden 

aus einfachen Verhältnissen. Der Experte habe dem faktischen Sprachge-

brauch von Tibetern aus einfachen Verhältnissen nicht Rechnung getragen 

und sei für die chinesische Sprache selber nicht ausreichend qualifiziert 

und habe ihren Wortschatz zu Unrecht kritisiert. Bezeichnend sei im Übri-

gen, dass das telefonische Interview hauptsächlich auf Chinesisch und 

nicht auf Tibetisch geführt worden sei. Das wäre bei einem unzureichenden 

chinesischen Wortschatz nicht möglich gewesen. Um ihre chinesischen 

Sprachkenntnisse objektiv, unvoreingenommen zu überprüfen, sei daher 

eine Oberexpertise unerlässlich. Ihr tibetischer Dialekt sei typisch für das 

heutige Lhasa, der viele chinesische Wörter aufweise, wie das bei Exiltibe-

tern nicht vorkomme. Der Dolmetscher habe anlässlich der Anhörung vom 

2. Juli 2014 denn auch viele dieser Wörter und chinesischen Orts- und 

Sachbezeichnungen nicht verstanden. Der Experte behaupte, ihre Spra-

che weise Merkmale auf, welche nicht zum Lhasa-Tibetischen gehörten, 

und sei morphologisch vereinfacht, was ein Standardsatz der LINGUA-Mit-

arbeiter sei. Die pauschalen Behauptungen seien nicht konkretisiert oder 

mit Beispielen belegt worden und seien schlicht falsch. Ihr tibetischer 

Lhasa-Dialekt könne von einer sachkundigen Person ohne weiteres fest-

gestellt werden. Ein entsprechendes Sprachgutachten sei daher unerläss-

lich, um den Sachverhalt richtig abzuklären, zumal die Vorinstanz gemäss 

„einer internen Triage betreffend Identitätskategorie“ selbst festgestellt 

habe, „es bestünden keine sprachlichen Hinweise auf eine Herkunft aus 

einem anderen Land“. Eine aus Lhasa stammende Tibeterin, Frau 

I._______, sei als Zeugin einzuvernehmen. Die Ortskenntnisse betreffend 

Lhasa würden pauschal in Zweifel gezogen und nicht nachvollziehbar be-

gründet. Eine konkrete Auseinandersetzung mit der Stellungnahme vom 

25. November 2015 unterbleibe, worin zur Frage nach dem Wohnsitz, der 

Busnummer, dem Namens des Ladens, dem Personalausweis, den Anga-

ben zur Primarschule und den Verkaufspreisen, Stellung genommen wor-

den sei. Die Verfügung gebe den Sachverhalt falsch wieder, indem ausge-

führt werde, die Beschwerdeführerin habe fünf Jahre die Schule besucht. 

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Die angefochtene Verfügung verweise zur Begründung auf eine Verfügung 

vom 21. Mai 2015 und der Vernehmlassung vom 22. Juli 2014. Diese bei-

den Dokumente seien ihr nicht bekannt. Die Vorinstanz gehe auf die Argu-

mente in der Stellungnahme vom 25. November 2015 nicht ein. Die Be-

schwerdeführerin habe zahlreiche Fotos eingereicht, welche sie über meh-

rere Jahre hinweg in Lhasa zeige. Diese Fotos seien echt und würden auch 

ihren altersbedingten Veränderungsprozess über einen längeren Zeitraum 

hinweg aufzeigen. Auf mehreren Fotos seien Gebäude zu erblicken, die 

eindeutig Lhasa zuzuordnen seien. Sie würden eindeutig beweisen, dass 

sie sich über lange Zeit in Lhasa aufgehalten und dort gelebt habe. Man 

sehe das Restaurant, wo sie gearbeitet habe, ebenso ihren Verkaufsladen. 

Der ersichtlich grosse Zeitrahmen widerspreche der These, wonach sie 

sich als Touristin oder Fremdarbeiterin in Lhasa aufgehalten haben könnte. 

Eine Expertise könne feststellen, dass die Fotos echt seien. Die Vorinstanz 

habe sich damit nicht konkret auseinandergesetzt. Eine richterliche Befra-

gung in einer Gerichtsverhandlung ermögliche es dem Gericht, sich einen 

unmittelbaren Eindruck von der Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin 

zu machen. Dies gelte umso mehr, als die Vorinstanz den Sachverhalt nicht 

genügend abgeklärt habe. Sie habe eine alte Identitätskarte, die ihr Onkel 

vor vielen Jahren in einer ländlichen Gegend besorgt habe, die jährlich zu 

erneuernde Aufenthaltsbewilligung für Lhasa sowie eine Zulassungsbewil-

ligung für das Geschäft, welche sich allesamt im Laden befunden hätten, 

bei der überstürzten Flucht nicht mehr holen können und seien wohl bei 

der Durchsuchung von der Polizei konfisziert worden. Das Familienbüch-

lein halte ihr Onkel, der den Besitz ihrer Eltern übernommen habe, zurück. 

Das SEM lege nicht dar, weshalb der Vorgang der Identitätskartenbeantra-

gung damals so nicht möglich und weshalb dieses Vorgehen in ländlichen 

Verhältnissen nicht üblich gewesen sei. Sie habe anlässlich der Anhörung 

detailliert und konkret beschrieben, mit welchen Unterlagen und auf wel-

chen chinesischen Amtsstellen, an welcher Adresse sie die Bewilligung für 

den Betrieb ihres Ladens beantragt und auch erhalten habe. Die pauschale 

Unterstellung der Vorinstanz, sie habe die Mietkosten und Warenpreise 

falsch angegeben, sei unbegründet. Sie habe die Preise diverser Artikel 

wie auch die Mietkosten korrekt angegeben. Die von ihr angegebenen 

Preise entsprächen auch dem, was sie in ihrem Laden verlangt habe. Es 

gebe in Lhasa verschiedene Preisniveaus, weshalb die Preise zum Teil er-

heblich variieren würden. Sie habe den ersten Wohnort mit K._______ und 

den letzten in der (…)strasse richtig angegeben. Viele andere kleine Läden 

in Lhasa hätten auch keinen Namen. Die Tochter ihrer Tante habe fünf 

Jahre die Schule besucht, bevor sie in die nächst höhere Stufe gewechselt 

habe. Da sie sonst keine Erfahrungen mit der Primarschule habe, habe sie 

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angenommen, dass dies die Regel sei. Im Schreiben des SEM vom 9. No-

vember 2016 sei zugegeben worden, dass sie vielfach richtige Angaben 

zur Geographie gemacht habe, Distanzen innerhalb Lhasas, den Unter-

richtsstoff der Grundschule sowie manche gängige Preise richtig habe an-

geben können und ein relativ gutes Hochchinesisch spreche. Dies sei bei 

der Entscheidfindung der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden. Sie 

nenne die Währungseinheit Gormo, was unter Tibetern für Yuan gebräuch-

lich sei, sie gebe den Reis für eine Tasse süssen Tee mit fünf Moza richtig 

an, nenne richtige Zigarettenmarken und deren Portionierungen, sowie den 

richtigen Preise eines Zigarettenpäckchens der Marke Chungme. Sie er-

wähne richtige Getränkemarken und gebe den richtigen Preis eines Shübi 

an. Sie bezeichne das Familienbüchlein Hukou korrekt und die Preise für 

Reis und Mehl habe sie zutreffend angegeben. Die administrative Ge-

bietseinteilung des chinesischen Staates in Tibet habe sie nur beschränkt 

benennen können. Dies sei bei nicht-gebildeten Tibetern üblich. Überra-

schend wäre es, wenn sie diese Fragen hätte beantworten können. Bei der 

Frage nach dem Familienbüchlein sei sie sich nicht sicher gewesen, weil 

sie dieses vor Jahren letztmals gesehen habe und sich daher nicht im De-

tail habe erinnern können. Die Fragen betreffend Orts- und Landeskunde 

habe sie, wie es von einer nicht gebildeten Einwohnerin Lhasas zu erwar-

ten sei, beantwortet. Er (der Rechtsvertreter) habe selber ein halbes Jahr 

in Lhasa gelebt und habe die Beschwerdeführerin bei der Instruktion genau 

befragen können. Sie habe ihm zahlreiche Örtlichkeiten, Gebäude, Abläufe 

des täglichen Lebens und kleine Details korrekt nennen können, die je-

mand, der nicht selber in Lhasa gelebt habe, unmöglich kennen könne. Es 

sei in diesem Fall vollkommen klar und sicher, dass die Beschwerdeführe-

rin in Lhasa gelebt habe. Selbst bei einem Ferienaufenthalt von ein paar 

Wochen habe sie sich die an den Tag gelegten Kenntnisse nicht alle an-

eignen können. Da die unbegründeten Zweifel der Vorinstanz auf mangeln-

den Kenntnisse derselben beruhen würden, erweise sich eine Begutach-

tung betreffend Orts- und Landeskenntnisse durch eine neutrale Fachper-

son als unumgänglich. Das Bundesverwaltungsgericht habe im Urteil D-

5020/2014 vom 25. Juni 2015 festgestellt, dass sie anlässlich der Anhö-

rung (recte: Befragung im EVZ) jede Frage beantwortet habe und nichts 

darauf hindeuten würde, dass ihre Antworten falsch wären. Der Vorwurf, 

sie habe unrichtige Angaben betreffend ihre Identitätskarte gemacht, sei 

nicht gerechtfertigt. Sie habe diese nicht selber besorgt, sondern durch ei-

nen Onkel und habe sich offenkundig nicht näher mit diesem Dokument 

befasst. Sie habe bei der Befragung deshalb zuerst unpräzise geantwortet. 

Sie habe sich daran erinnern können, dass diese vor etwa zehn Jahren 

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Seite 12 

ausgestellt und ungefähr zwanzig Jahre gültig gewesen sei. Die Verwechs-

lung der Busnummer betreffe nicht das Kerngeschehen. Zum Kerngesche-

hen würden hingegen die Durchsuchung des Ladens, die Verhaftung der 

Tante am Tag der Pilgerreise und der Grenzübertritt gehören. Dazu habe 

sie ausführliche, konstante und widerspruchsfreie Aussagen gemacht. 

Diese seien vereinbar mit der allgemeinen Erfahrung betreffend Lage in 

Tibet und der Flucht. Ihre Aussagen seien daher glaubhaft. Die Vorinstanz 

sei den asylbegründenden Gesichtspunkten nicht nachgegangen und habe 

den Sachverhalt daher unvollständig, qualifiziert falsch und willkürlich er-

mittelt. Unter Berücksichtigung des vollständigen Sachverhalts, erfülle die 

Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft, da sie in Tibet infolge ihrer 

politischen Anschauungen und Betätigungen in ihrer Freiheit sowie an Leib 

und Leben bedroht wäre und mit menschenrechtswidriger Behandlung 

rechnen müsste. Ergänzend sei festzustellen, dass sie durch ihre illegale 

Flucht ohne Reisepass Richtung Nepal in die Schweiz im Sinne von Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

(EMARK) 2006 Nr. 1 E. 6.1 ff. aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen 

zum Flüchtling geworden sei. 

4.3 In der Vernehmlassung führt das SEM aus, es stelle das Resultat der 

LINGUA-Analyse nicht in Frage, weshalb es eine Oberexpertise nicht für 

nötig erachte. Die Erklärung von Frau I._______, welche bestätige, dass 

die Beschwerdeführerin wie Tibeter aus Lhasa spreche, sei nicht dazu ge-

eignet, die Erkenntnisse des SEM umzustossen. Es handle sich hierbei um 

ein Gefälligkeitsschreiben, das keinen Beweiswert habe. 

4.4 In der Replik wird geltend gemacht, das SEM gehe in der Vernehmlas-

sung mit keinem Wort auf die in der Beschwerde vorgetragenen Rügen ein 

und lasse nach wie vor jegliche Antwort zu den im Urteil des Bundesver-

waltungsgerichts D-5020/2014 vom 25. Juni 2015 gestellten Fragen ver-

missen. Die Vernehmlassung schweige sich zu den in der angefochtenen 

Verfügung herangezogenen Dokumenten vom 21. Mai 2015 und 22. Juli 

2014 aus. Das SEM tue das nachgereichte Schreiben von Frau I._______ 

ohne Begründung als Gefälligkeitsschreiben ab. Dabei müsse das SEM sie 

ja aus dem Aufenthaltsbewilligungs- und Einbürgerungsverfahren kennen. 

5.  

5.1 In der Beschwerde wird eingewendet, das SEM habe das rechtliche 

Gehör und den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Das SEM sei den Vorga-

ben im Urteil D-5020/2014 vom 25. Juni 2015 nicht nachgekommen, weil 

D-3434/2016 

Seite 13 

es keinerlei Ausführungen zu den als korrekt erachteten Antworten ge-

macht, keine Quellen angegeben und den wesentlichen Inhalt der Her-

kunftsuntersuchung nicht bekannt gegeben habe. 

5.2 Die Vorinstanz hat einerseits die Pflicht, für die richtige und vollständige 

Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG 

i.V.m. Art. 6 AsylG) und hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten 

Umstände abzuklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. 

Dabei hat sie alle sach- und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ergeb-

nisse in den Akten festzuhalten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Ande-

rerseits ergibt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 20 Abs. 2 

BV) das Recht der Parteien auf vorgängige Äusserung und Anhörung, wel-

ches den Betroffenen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sach-

verhalts sichert, sowie die Pflicht der Behörde, die Vorbringen der Parteien 

sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie in der Entscheidfindung zu berück-

sichtigen. Unerlässliches Gegenstück dazu bildet die Pflicht der Parteien, 

an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 AsylG).  

5.3 Das SEM gab nach der Rückweisung der Sache durch das Bundesver-

waltungsgericht eine LINGUA-Analyse in Auftrag (vgl. Bst. E). Anders als 

bei der vom SEM neu eingeführten Methode der Herkunftsabklärung für 

Asylsuchende tibetischer Ethnie, welche bei der Beschwerdeführerin im 

ersten Verfahren angewendet worden sei, wurde nunmehr im Auftrag der 

Fachstelle LINGUA von amtsexternen sachverständigen Person, deren 

Kompetenz mittels ihres aktenkundigen Ausbildung und Werdegangs über-

prüfbar und folglich einschätzbar ist, eine linguistische Analyse und eine 

Evaluation der landeskundlich-kulturelle Kenntnisse der Beschwerdeführe-

rin durchgeführt. Eine LINGUA-Analyse muss deshalb nicht dieselben Min-

destanforderungen erfüllen, wie die vom SEM neu eingeführte Methode 

der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer Ethnie. 

5.4 Zwar stellt eine LINGUA-Analyse als solche kein Sachverständigengut-

achten (Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. De-

zember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 

VwVG), sondern eine schriftliche Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c 

VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG) dar. Sofern bestimmte Anforde-

rungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Ex-

perten wie auch an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit 

der Analyse erfüllt sind, ist ihr jedoch erhöhter Beweiswert beizumessen 

(vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1). Die Rechtsprechung definierte ferner Min-

D-3434/2016 

Seite 14 

deststandards, denen die Gewährung des rechtlichen Gehörs und der Ak-

teneinsicht betreffend LINGUA-Analysen zu genügen hat. Zwar stünden 

der nach Art. 26 VwVG grundsätzlich zuzugestehenden Einsicht in ein LIN-

GUA-Gutachten überwiegende öffentliche und private Geheimhaltungsin-

teressen entgegen, die eine Verweigerung der vollumfänglichen Offenle-

gung des Gutachtens an die Asylsuchenden rechtfertigen (Art. 27 Abs. 1 

VwVG). Dazu seien namentlich die Verhinderung eines Lerneffektes und 

einer missbräuchlichen Weiterverbreitung des Fragekatalogs, wodurch 

ähnliche Abklärungen in zukünftigen Verfahren erschwert oder verunmög-

licht würden, sowie der Sicherheitsanspruch des Sachverständigen zu zäh-

len. Zur Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör muss der asylsu-

chenden Person aber vom wesentlichen Inhalt des Gutachtens Kenntnis 

gegeben werden, mit der Möglichkeit, sich dazu zu äussern (Art. 30 VwVG) 

und Gegenbeweise zu bezeichnen (Art. 28 VwVG). Dazu muss die Be-

hörde der asylsuchenden Person in zusammenfassender Weise die von 

der Fachperson gestellten Fragen und den wesentlichen Inhalt der darauf 

erhaltenen Antworten sowie die weiteren in den Akten enthaltenen Bewei-

selemente, auf welche die Fachperson ihre Einschätzung stützt, offenle-

gen, sei es in einer aktenkundigen schriftlichen Notiz, sei es anlässlich der 

Gewährung des rechtlichen Gehörs im Rahmen einer zu protokollierenden 

mündlichen Anhörung. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör ist gemäss 

Rechtsprechung überdies nur dann Genüge getan, wenn den Betroffenen 

im Rahmen der LINGUA-Abklärung Herkunft, Dauer und Zeitraum des Auf-

enthalts der sachverständigen Person im umstrittenen Herkunftsland oder 

-gebiet sowie deren Werdegang, auf den sich ihre Sachkompetenz ab-

stützt, zur Kenntnis gebracht wird. Nur so können sich die Betroffenen und 

im Übrigen auch das Gericht klare Vorstellungen über die gutachterliche 

Qualifikation machen (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1).  

5.5 Das SEM gewährte der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 9. No-

vember 2015 das rechtliche Gehör zur LINGUA-Analyse und legte diesem 

auch den Werdegang und die Qualifikation des LINGUA-Experten bei. Es 

fasste die wesentlichen Fragen und Antworten thematisch so detailliert zu-

sammen, dass es der Beschwerdeführerin möglich war, in ihrer Stellung-

nahme vom 25. November 2015 konkrete Einwände anzubringen. In der 

Beschwerde werden die Chinesisch Kenntnisse des LINGUA-Experten be-

mängelt. Dieser verfügt aber über analyserelevante Sprachkenntnisse in 

Tibetisch und Chinesisch sowie über ein (…) und er hat sich (…) Jahre in 

der Volksrepublik China, vor allem in L._______, M._______ und 

N._______ aufgehalten und Kontakt mit jenen Sprachen gehabt. Der LIN-

GUA-Experte wird deshalb als fachlich ausreichend qualifiziert erachtet, 

D-3434/2016 

Seite 15 

um die Sprachkenntnisse der Beschwerdeführerin zu beurteilen. So hat 

dieser im Gutachten der Beschwerdeführerin auch relativ gute hochchine-

sische Sprachkenntnisse attestiert, dann aber auch detailliert erklärt, inwie-

fern sie im Tibet häufig gebrauchte chinesische Begriffe beziehungsweise 

Namen nicht habe analysieren können, weshalb er Zweifel hatte, ob die 

Beschwerdeführerin ihr Chinesisch tatsächlich in Tibet gelernt hat. Der LIN-

GUA-Experte hielt im Gutachten fest, dass das Lexikon der Beschwerde-

führerin weitgehend dem des Lhasa-Dialektes entspreche und auf phone-

tisch/phonologischer Ebene kaum Abweichungen zum Dialekt von Lhasa 

aufzeige, jedoch besonders in der Morphologie Merkmale zu beobachten 

seien, die nicht zum Lhasa-Tibetischen gehören würden. Er behauptete 

dies nicht nur, wie in der Beschwerde vorgebracht, mit einem Standard-

satz, sondern begründete dies eine A4-Seite lang damit, dass eine Reduk-

tion von Kasus, Abweichungen in der Verbalmorphologie, eine Vereinfa-

chung der Zahlwörter und eine weitere Abweichung zum Lhasa-Tibeti-

schen zu beobachten seien. Es ergehen aus dem Gutachten auch keine 

Hinweise, dass der Experte voreingenommen gewesen wäre. Seine Ein-

schätzung ist als objektiv begründet zu erachten. Inhaltlich ist die Analyse 

als ausgewogen zu bezeichnen, indem bei der Einschätzung der landes-

kundlichen Kenntnisse sowie der sprachlichen Fähigkeiten der Beschwer-

deführerin auch ihrem angeblichen biografischen Hintergrund, insbeson-

dere dem geringen Bildungsstand Rechnung getragen wurde. Des Weite-

ren wurden nicht nur die Aspekte abgehandelt, welche gegen eine Soziali-

sation in der angeblichen Heimatregion sprechen, sondern auch diejeni-

gen, welche dafür sprechen. In Würdigung sämtlicher Elemente wurde 

schliesslich das Fazit gezogen, dass die Beschwerdeführerin sehr wahr-

scheinlich nicht in der Stadt Lhasa in Tibet, sondern in einem exiltibetischen 

Milieu hauptsozialisiert worden sei. Wie sich bereits aus dem Fazit des Be-

richts ergibt, erscheine aber ein Aufenthalt der Beschwerdeführerin in 

Lhasa insbesondere aufgrund ihrer geografischen Kenntnisse durchaus 

möglich.  

5.6 Unter diesen Umständen hat das SEM mit der Durchführung einer LIN-

GUA-Analyse und der Möglichkeit zur Stellungnahme dem Untersuchungs-

grundsatz wie auch dem Anspruch auf rechtliches Gehör hinreichend 

Rechnung getragen. Bei der in der angefochtenen Verfügung (S. 5) erfolg-

ten falschen Datierung der mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-5020/2014 vom 25. Juni 2015 aufgehobenen Verfügung des SEM 

(21. Mai 2015 statt [recte] 6. August 2014) und der in jenem Beschwerde-

verfahren vom SEM eingereichten Vernehmlassung (22. Juli 2014 statt 

D-3434/2016 

Seite 16 

[recte] 3. Dezember 2014) sowie des Umstandes, dass in der angefochte-

nen Verfügung (S. 4) unzutreffend erwähnt wird, die Beschwerdeführerin 

habe im Rahmen des ihr gewährten rechtlichen Gehörs geltend gemacht, 

sie habe die Schule lediglich fünf Jahre besucht, handelt es sich im Ge-

samtkontext nicht um gravierende Fehler, denen entscheidwesentliche Be-

deutung beigemessen werden müsste. Das SEM hat demnach – von den 

vorerwähnten Ausnahmen abgesehen – den Sachverhalt hinreichend ab-

geklärt und das rechtliche Gehör nicht verletzt. 

5.7 In Anbetracht dessen, dass der Sachverhalt durch die Vorinstanz voll-

ständig festgestellt wurde, ist der Antrag auf Erstellung einer Oberexpertise 

betreffend die chinesischen und tibetischen Sprachkenntnisse durch eine 

unabhängige Fachperson abzuweisen. Da der LINGUA-Experte festge-

stellt hat, dass die Beschwerdeführerin Lhasa-Tibetisch spricht, ist auch 

eine Zeugenbefragung von Frau I._______ nicht nötig, und der entspre-

chende Antrag ist ebenfalls abzuweisen. Auch hinsichtlich der Ortskennt-

nisse der Beschwerdeführerin bestehen keine Zweifel, zumal der LINGUA-

Experte aufgrund der geografischen Kenntnisse einen Aufenthalt in Lhasa 

durchaus für möglich hält. Der Antrag, es seien die Ortskenntnisse der Be-

schwerdeführerin durch eine weitere Expertise abklären zu lassen, ist des-

halb abzuweisen. Im Übrigen besteht kein Grund, an der Echtheit der ein-

gereichten Fotos zu zweifeln, weshalb der Antrag, es sei diesbezüglich 

eine Expertise anzuordnen, ebenfalls abzuweisen ist.  

6.  

6.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 

dann, wenn sie genügend substantiiert, in sich schlüssig und plausibel 

sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentli-

chen Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren 

und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widerspre-

chen. Darüber hinaus muss die gesuchstellende Person persönlich glaub-

würdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre 

Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, aber 

auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch 

darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder 

unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder 

die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im 

Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des 

Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung 

D-3434/2016 

Seite 17 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung des Asylsu-

chenden sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte 

Sichtweise abzustellen (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; BVGE 2010/57 E. 2.3). 

6.2 Einleitend ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin 

nicht feststeht. Sie hat im bisherigen Verfahren weder Ausweispapiere 

noch andere Beweismittel eingereicht, die geeignet wären, etwas zur Klä-

rung ihrer Identität und ihrer Herkunft beizutragen. Den Akten sind keine 

Anhaltspunkte für Bemühungen ihrerseits zur Beibringung von Identitäts-

papieren zu entnehmen. Ihre Angaben zum Verbleib des Familienbüchleins 

sind angesichts der Wichtigkeit des Hukou im täglichen Leben nicht plau-

sibel. Betreffend den Verbleib der Identitätskarte gab die Beschwerdefüh-

rerin anlässlich der Befragung zur Person (BzP) und der Anhörung an, 

diese befinde sich noch in ihrem Laden (vgl. Akte A6/12 S. 6, A11/20 F30). 

In der Beschwerde wird in einer weiteren Version geltend gemacht, diese 

sei wohl von der Polizei konfisziert worden (vgl. Beschwerde S. 16). Ferner 

erklärte die Beschwerdeführerin, sie nehme die Identitätskarte nur selten 

mit, wenn sie den Laden verlasse; sie nehme sie nur mit, wenn es wichtig 

sei. Wenn sie sie mitnehme, mache sie normalerweise eine Kopie der Iden-

titätskarte und nehme nur diese mit (vgl. Akte A11/20 F32). Dass sie jedoch 

zur Pilgerreise weder die Identitätskarte noch eine Kopie von dieser mitge-

nommen und auch auf die Flucht keine Reisepapiere bei sich getragen hat, 

obwohl ihr der Onkel mit dem Geld und dem Essen zur Flucht zugleich 

auch ihre Identitätskarte oder zumindest die Kopie davon hätte mitgeben 

können (vgl. Akte A11/20 F108), ist realitätsfremd. Die Angaben der Be-

schwerdeführerin zu ihren Identitätspapieren sind vor diesem Hintergrund 

als unglaubhaft zu erachten. 

6.3 Auch in ihren Angaben zur Asylbegründung lassen sich Unstimmigkei-

ten feststellen. Einerseits gab sie an der BzP an, die Pilgerreise sei nur für 

einen Tag geplant gewesen. Wegen des Telefonanrufs ihres Onkels habe 

sie nicht wie die anderen Mitreisenden zurückkehren können und sich ei-

nen Tag länger in E._______ aufgehalten. Gemäss ihren Angaben hat ihr 

Onkel sie zudem zwei Mal angerufen. Einmal um 20:30 Uhr und einmal in 

der Nacht, wo er ihr bereits mitgeteilt habe, sie solle mit einem Auto, das 

er besorge, nach F._______ flüchten (vgl. Akte A6/12 S. 8). Demgegenüber 

gab sie anlässlich der Anhörung an, auch die Mitreisenden seien eine 

Nacht in E._______ geblieben und seien erst tags darauf nach Lhasa zu-

rückgekehrt, sie selber sei zwei Nächte geblieben und ihr Onkel habe nur 

einmal angerufen (vgl. Akte A11/20 F35 und F84, F91, F101). Ferner ist 

nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin trotz regelmässiger 

D-3434/2016 

Seite 18 

Polizeikontrollen in ihrem Laden ausgerechnet dort die Videos und Fotos 

des Dalai Lamas versteckt gehalten habe. Ausserdem waren ihre Ausfüh-

rungen, warum es gerade bei der Polizeikontrolle, bei der sie nicht anwe-

send gewesen sei, zu einer Ladendurchsuchung gekommen sei, wenig 

substantiiert (vgl. Akte A11/20 F58) und es ist nicht nachvollziehbar, dass 

sie anlässlich der Anhörung vom 2. Juli 2014 immer noch nicht wusste, was 

mit ihrer Tante am 1. August 2012 geschehen ist. Es bestehen deshalb 

auch überwiegende Zweifel an den zur Begründung des Asylgesuchs gel-

tend gemacht Vorbringen.  

6.4 Die Schilderung der Ausreise der Beschwerdeführerin ist zwar mit eini-

gen Details und Realkennzeichen versehen. Sie gab an, wie sie gekleidet 

gewesen sei, dass sie eine Brücke überquert habe mit vielen Polizisten, 

Portiers mit Gepäck und Lastwagen, und dass sie Angst gehabt habe (vgl. 

Akte A11/20 F115 ff.). Realitätsfremd und damit unglaubhaft ist jedoch, 

dass sie erst vor der Brücke und dem unmittelbaren Passieren der Grenze 

von den zwei Schleppern nach einem Foto von sich gefragt worden sei. 

Die Herstellung eines (gefälschten oder verfälschten) Passes mit ihrem 

Foto müsste früher erfolgt sein. Auch hinsichtlich der Finanzierung der 

Reise hat sie sich widersprochen. So führte sie anlässlich der BzP aus, sie 

habe die Reise finanziert (vgl. Akte A6/12 S. 7). Anlässlich der Anhörung 

gab sie dann an, der Mann ihrer Tante sei für die Reise aufgekommen (vgl. 

Akte A11/20 F104 ff.). Auf den Widerspruch angesprochen, wich sie aus 

und gab schliesslich an, dass sie die Frage vielleicht falsch verstanden 

habe. Aufgrund der detaillierten Beschreibung ist es zwar möglich, dass die 

Beschwerdeführerin den betreffenden Grenzübergang passiert haben 

kann. Allerdings bestehen aufgrund der Ungereimtheiten betreffend die 

Ausreisemodalitäten Zweifel, dass sie die Grenze mit einem gefälschten 

Pass unter den von ihr geschilderten Umständen überquert hat. 

6.5 Wie bereits festgehalten (vgl. E. 5.5) erfüllt die vorliegende LINGUA-

Analyse den Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objektivität und 

Neutralität des Experten, ist inhaltlich schlüssig und nachvollziehbar, wes-

halb ihr erhöhter Beweiswert beizumessen ist. Der mit der Erstellung der 

LINGUA-Analyse beauftragte Experte gelangte zum Schluss, dass die Be-

schwerdeführerin aufgrund der linguistischen Analyse sehr wahrscheinlich 

nicht wie angegeben in der Stadt Lhasa hauptsozialisiert worden sei, son-

dern in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik 

China. Die Ergebnisse der Evaluation der landeskundlich-kulturellen 

Kenntnisse der Probandin würden das Resultat der linguistischen Analyse 

stützen, da die Beschwerdeführerin bis auf den Bereich der geografischen 

D-3434/2016 

Seite 19 

Angaben zu Lhasa in allen besprochenen Bereichen Wissenslücken auf-

weise, die als Summe zu schwerwiegend seien, um eine Hauptsozialisa-

tion in Lhasa annehmen zu können. Ein Aufenthalt der Beschwerdeführerin 

in Lhasa erscheine insbesondere aufgrund ihrer geografischen Kenntnisse 

jedoch durchaus möglich.  

Das Ergebnis des Lingua-Experten ist nicht eindeutig und es wird festge-

stellt, dass die Beschwerdeführerin etliche Fragen des Lingua-Experten 

hat beantworten können und sich geographisch in Lhasa gut auskennt. Zu-

dem reichte sie zwei Fotoalben mit Fotos ein, auf welchen sie in verschie-

denem Alter zu verschiedenen Jahreszeiten in Tibet zu sehen ist. Damit 

belegt sie, dass sie sich in Lhasa aufgehalten hat, wovon der LINGUA-

Experte in seinem Bericht ja auch ausgegangen ist, und dies erklärt ihre 

örtlichen Kenntnisse von Lhasa. Allerdings sind sie kein Beleg dafür, dass 

sie auch in Lhasa hauptsozialisiert worden ist. Das SEM hat diesbezüglich 

zu Recht festgehalten, dass sich die Beschwerdeführerin als Touristin in 

Lhasa aufgehalten haben könnte. Bezüglich der Hauptsozialisierung der 

Beschwerdeführerin legte der LINGUA-Experte sodann überzeugend dar, 

dass in der Sprache der Beschwerdeführerin eine ganze Reihe von mor-

phologischen Vereinfachungen zu verzeichnen seien, die typisch seien für 

Koineisierungen, wie sie im tibetischen Exil gesprochen würden und deren 

Aneignung lange daure oder gar nie auftrete. Der LINGUA-Experte hat da-

mit überzeugend dargelegt, dass sich die Beschwerdeführerin zwar in 

Lhasa aufgehalten haben kann, aber ihre Hauptsozialisierung nicht in Tibet 

stattgefunden hat und sie deshalb Tibet nicht in der von ihr angegebenen 

Zeitabfolge verlassen haben kann.  

6.6 In einer Gesamtbetrachtung sind bezüglich der vom SEM getätigten 

Abklärungen keine Mängel auszumachen, die überwiegende Zweifel an 

deren inhaltlichen Richtigkeit und Vollständigkeit aufkommen liessen und 

das Ergebnis in Frage stellen würden. Die Beschwerdeführerin hat sowohl 

zur vorgebrachten Verfolgung als auch zu den Ausreisemodalitäten wider-

sprüchliche und somit unglaubhafte Aussagen gemacht. Die Schlussfolge-

rung des LINGUA-Experten, sie sei sehr wahrscheinlich nicht innerhalb der 

Volksrepublik China hauptsächlich sozialisiert worden, steht somit mit der 

übrigen Aktenlage in Übereinstimmung. 

6.7 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist der Schluss zu ziehen, 

dass die Beschwerdeführerin entsprechend dem Ergebnis der LINGUA-

Analyse tibetischer Ethnie ist, ihre Vorbringen jedoch hinsichtlich des Ortes 

D-3434/2016 

Seite 20 

ihrer hauptsächlichen Sozialisation, der illegalen Ausreise aus Tibet und 

der ihr drohenden Verfolgung insgesamt unglaubhaft sind. 

 

6.8  

6.8.1 Aufgrund der Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit da-

von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der 

Schweiz längere Zeit in der exiltibetischen Diaspora gelebt hat. Namhafte 

exiltibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der Schweiz und Nordame-

rika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist daher zu vermuten, dass sie in 

Indien oder Nepal aufgewachsen ist beziehungsweise dort während vieler 

Jahre gelebt hat.  

6.8.2 Angesichts dieser Ausgangslage wäre von Bedeutung, ob sie über 

die chinesische Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Dritt-

staatsregelung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 AsylG zur Folge hätte, oder 

ob sie die Staatsangehörigkeit von Indien oder Nepal erlangt hat, in wel-

chem Fall das Vorliegen einer asylrechtlich relevanten Gefährdung im be-

treffenden Staat zu prüfen wäre. 

6.8.3 Die Beschwerdeführerin hat – wie bereits vorstehend erwogen – 

keine Identitätspapiere oder anderen Dokumente eingereicht, die Rück-

schlüsse über ihre Staatsangehörigkeit (und damit einen Teilaspekt ihrer 

Identität) zuliessen. Da sie auch keinerlei Bemühungen aufzeigte, entspre-

chende Beweismittel beizubringen, hat sie die ihr gemäss Art. 8 AsylG ob-

liegende Mitwirkungspflicht verletzt und dadurch den Behörden nähere Ab-

klärungen und eine Rückschaffung in ihren tatsächlichen Heimatstaat ver-

unmöglicht. Durch die Verletzung dieser Pflicht verhindert sie auch die Ab-

klärung, welchen effektiven Status sie in Indien oder Nepal innehat. Sie hat 

die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten und es ist vermutungsweise 

davon auszugehen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen 

Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestehen 

(vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). 

6.9 Soweit in der Beschwerde beantragt wird, es sei im Rahmen einer Ge-

richtsverhandlung eine richterliche Befragung durchzuführen, um einen un-

mittelbaren Eindruck von der Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin zu 

erhalten, ist festzuhalten, dass die Identität der Beschwerdeführerin nicht 

D-3434/2016 

Seite 21 

feststeht. Eine richterliche Befragung würde es angesichts dieser Aus-

gangslage mithin nicht erlauben, zuverlässige Rückschlüsse auf die Iden-

tität der Beschwerdeführerin zu ziehen. Der Antrag ist somit abzuweisen.  

6.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin 

keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen vermag und deshalb nicht als Flüchtling anerkannt 

werden kann. Die Vorinstanz hat ihre Flüchtlingseigenschaft zu Recht ver-

neint und das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Es erübrigt sich auf die wei-

teren Ausführungen in den Eingaben auf Beschwerdeebene im Einzelnen 

einzugehen, da sie an der Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern 

vermögen.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht 

findet ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführerin. Es 

ist nicht Aufgabe der Behörden, bei fehlenden Hinweisen nach etwaigen 

Wegweisungsvollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu 

forschen. Vielmehr hat die Beschwerdeführerin, welche ihre wahre Her-

kunft verschleiert beziehungsweise verheimlicht, die Folgen ihres Verhal-

tens zu verantworten. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass 

keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort, wobei insbesondere Nepal 

oder Indien in Betracht fallen, bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10). Ein 

D-3434/2016 

Seite 22 

Vollzug der Wegweisung in die Volksrepublik China ist im angefochtenen 

Entscheid (Dispositivziffer 5) ausdrücklich ausgeschlossen worden. Es ob-

liegt sodann der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen Vertretung 

des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu 

beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 

Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch als möglich (Art. 83 

Abs. 2 AuG). 

8.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete. Eine An-

ordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit nicht in Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwi-

schenverfügung vom 7. Juni 2016 die unentgeltliche Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten 

aufzuerlegen. 

10.2 Das Honorar des vom Gericht eingesetzten amtlichen Rechtsbeistan-

des ist bei diesem Verfahrensausgang durch die Gerichtskasse zu vergü-

ten. Rechtsanwalt Hans-Martin Allemann hat keine Kostennote eingereicht. 

Das Honorar ist deshalb auf Grund der Akten festzusetzen. Dem Rechts-

vertreter ist zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von Fr. 2000.- 

(inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) auszurichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3434/2016 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand Rechtsanwalt Hans-Martin Allemann wird 

ein amtliches Honorar zulasten der Gerichtskasse in der Höhe von 

Fr. 2000.- ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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