# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 22d2db5e-0c86-5452-8c25-f66534d8fddb
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1995-11-06
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 06.11.1995 JAAC 60.34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_031_JAAC-60-34--_1995-11-06.pdf

## Full Text

JAAC 60.34

Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 6. November 1995

Décision de principe de la Commission suisse de recours en matière
d’asile[22].

Art. 17 al. 1er LAsi. Unité de la famille (précision de jurisprudence).

1. Personnes comprises dans la notion de famille. Notion d’«unité de la
famille» dans la loi sur l’asile (consid. 7).

2. La portée de l’art. 17 al. 1er LAsi n’est pas limitée aux seuls cas
où, selon la jurisprudence du TF, il existerait un droit de résidence
(consid. 8-9).

3. L’art. 17 al. 1er LAsi implique que l’admission provisoire d’un membre
de la famille conduit en règle générale à l’admission provisoire de toute
la famille (consid. 10-11).

Grundsatzentscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission[21].

Art. 17 Abs. 1 AsylG. Einheit der Familie (Präzisierung der
Rechtsprechung).

1. Begriff der Familie in personeller Hinsicht, Begriff der «Einheit der
Familie» im AsylG (E. 7).

2. Die Tragweite von Art. 17 Abs. 1 AsylG beschränkt sich nicht auf jene
Fälle, in denen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch ein
eigentlicher Anspruch auf Anwesenheitsberechtigung bestünde (E. 8-9).

3. Art. 17 Abs. 1 AsylG beinhaltet, dass die vorläufige Aufnahme des
einen Familienmitglieds in der Regel zur vorläufigen Aufnahme der
ganzen Familie führt (E. 10-11).

1

Decisione di principio della Commissione svizzera di ricorso in materia
d’asilo[23].

Art. 17 cpv. 1 LAsi. Unità della famiglia (precisazione della
giurisprudenza).

1. Persone comprese nella nozione di famiglia. Concetto d’«unità della
famiglia» nella legge sull’asilo (consid. 7).

2. La portata dell’art. 17 cpv. 1 LAsi non è limitata ai soli casi per i
quali secondo la giurisprudenza del TF è dato un diritto alla residenza
(consid. 8-9).

3. Giusta l’art. 17 cpv. 1 LAsi l’ammissione provvisoria di un membro
della famiglia conduce di regola all’ammissione provvisoria di tutti i
membri della famiglia (consid. 10-11).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

Die Beschwerdeführerin verliess Sri Lanka am 6. Juli 1994 und stellte am
11. Juli 1994 in der Schweiz ein Asylgesuch.

Am 9. Dezember 1994 verheiratete sich die Beschwerdeführerin mit dem
srilankischen Staatsangehörigen J. J.

Mit Verfügung vom 11. Januar 1995 lehnte das Bundesamt für Flüchtlinge
(BFF) das Asylgesuch des Ehemannes der Beschwerdeführerin ab und ordnete
gleichzeitig dessen Wegweisung aus der Schweiz an. Da Herr J. J. mehrere
Male deliktisch in Erscheinung getreten sei, rechtfertige es sich, ihn vom
Anwendungsbereich des Bundesratsbeschlusses vom 20. April 1994 über die
vorläufige Aufnahme abgewiesener Asylbewerber aus Sri Lanka, deren Gesuch
vor dem 1. Juli 1990 eingereicht wurde (hiernach: BRB), auszunehmen. Dieser
Entscheid wurde von J. J. mit Beschwerde angefochten.

Mit Verfügung vom gleichen Datum lehnte das BFF ebenfalls das Asylgesuch
der Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz
an.

Mit Eingabe vom 6. Februar 1995 beantragte die Beschwerdeführerin durch
ihren Vertreter, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei Asyl
in der Schweiz zu gewähren. Eventuell sei sie wegen Unzumutbarkeit der
Rückschaffung vorläufig aufzunehmen.

Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 28. März 1995 auf
Abweisung der Beschwerde.

Mit Urteil vom 13. September 1995 hiess die Schweizerische
Asylrekurskommission (ARK) die Beschwerde des Ehemannes der
Beschwerdeführerin teilweise gut und wies das BFF an, J. J. in Anwendung des
BRB vom 20. April 1994 vorläufig aufzunehmen.

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Die ARK heisst die Beschwerde von Frau N. J. teilweise gut, soweit sie den
Vollzug der Wegweisung betrifft; im übrigen weist sie die Beschwerde ab.

Aus den Erwägungen:

1.-3. (Prozessuales und Rechtsgrundlagen)

4. (Verweigerung des Asyls und Verneinung der Flüchtlingseigenschaft)

5., 6.a (Wegweisung)

6.b. Die Frage, inwiefern der Vollzug der Wegweisung in Berücksichtigung
der aktuellen Situation in Sri Lanka zumutbar ist, kann mit Rücksicht auf die
nachstehenden Erwägungen offengelassen werden. Die ARK ist mit Urteil
vom 13. September 1995 in Würdigung der Gesamtsituation des Ehemannes
der Beschwerdeführerin - J. J. - zum Schluss gelangt, dass die von diesem im
Jahre 1991 begangenen Delikte einen Ausschluss vom Anwendungsbereich
des BRB vom 20. April 1994 nicht rechtfertigen, wonach srilankische
Asylbewerber, die ihr Asylgesuch vor dem 1. Juli 1990 gestellt haben und
denen keine Härtefallbewilligung gemäss Art. 13f der V vom 6. Oktober 1986
über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (BVO, SR 823.21) erteilt wird,
bei Nichtanerkennung der Flüchtlingseigenschaft wegen Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen sind. In teilweiser
Gutheissung der Beschwerde wurde das BFF deshalb angewiesen, den
Ehemann der Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen. Zu prüfen bleibt
somit, inwiefern dieser Umstand unter dem Blickwinkel des Grundsatzes
der Einheit der Familie Auswirkungen auf den Wegweisungsvollzug der
Beschwerdeführerin hat.

7. Das Asylgesetz vom 5. Oktober 1979 (AsylG, SR 142.31) nimmt auf die
Familie und die Familieneinheit in Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 (Familieneinheit
und Familienvereinigung bei Personen, die als Flüchtling anerkannt
worden sind), Art. 14a Abs. 3 (Berücksichtigung der Familieneinheit bei
der Verteilung der Asylbewerber auf die Kantone) und Art. 17 Abs. 1
(Berücksichtigung der Familieneinheit bei der Anordnung der Wegweisung
und des Wegweisungsvollzuges) Bezug.

In personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei den Ehepartner
und die minderjährigen Kinder (Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 1 AsylG),
wobei der in dauerhafter eheähnlicher Gemeinschaft lebende Partner dem
Ehepartner gleichzustellen ist (VPB 58.28) und der Begriff der Minderjährigkeit
sich nach schweizerischem Recht, nicht nach dem jeweiligen Heimatrecht
der betreffenden Person bestimmt (VPB 59.43). Bei Vorliegen besonderer
Umstände, die ein Verhältnis von Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit
bewirken, kann der Begriff der Familie auch weitere nahe Verwandte
umfassen (Art. 7 Abs. 2 AsylG; Art. 3 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 22. Mai
1991 über Verfahrensfragen [AsylV 1], SR 142.311) (VPB 59.45 und 59.44;
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1994 Nr. 8 und 9; Urteil der ARK vom 9. Oktober 1992, publiziert
in ASYL 1992/4, S. 67 f.; zur Rechtsprechung des Bundesgerichts, welches
bei Vorliegen besonderer Umstände, namentlich bei Verhältnissen der
Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit, den Begriff der Familie im Sinne
von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der

3

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002108.pdf?ID=150002108
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002660.pdf?ID=150002660
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002666.pdf?ID=150002666

Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK], SR 0.101 ebenfalls über den
Kreis von Ehepartnern und minderjährigen Kindern hinaus umschreibt,
vgl. BGE 115 Ib 1 ff. [Beziehung zwischen Eltern und ihrem volljährigen
behinderten Kind] und BGE 120 Ib 257 ff. [Beziehung zwischen Geschwistern
bzw. Halbgeschwistern]). Es ist davon auszugehen, dass der Familienbegriff
im Asylgesetz in personeller Hinsicht einheitlich verwendet wird, dass mithin
auch bei der Auslegung der Art. 14a Abs. 3 AsylG und Art. 17 Abs. 1 AsylG vom
Familienbegriff auszugehen ist, wie ihn Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 1 und 2
AsylG statuieren (vgl. in diesem Zusammenhang VPB 59.43, wo zur Auslegung
des Familienbegriffs von Art. 3 Abs. 3 AsylG u. a. auf die entsprechende
Auslegung von Art. 14a Abs. 3 AsylG zurückgegriffen wird.).

Unter dem Begriff der «Einheit der Familie» ist zu verstehen, dass
Familienmitglieder nicht voneinander getrennt werden, sondern faktisch
zusammen leben können, und dass der Familie nach Möglichkeit ein
einheitlicher Rechtsstatus eingeräumt wird (Zimmermann Peter, Der Grundsatz
der Familieneinheit im Asylrecht der Bundesrepublik Deutschland und der
Schweiz, Berlin 1991, S. 94;Werenfels Samuel, Der Begriff des Flüchtlings
im schweizerischen Asylrecht, Bern u. a. 1987, S. 141, 377; Botschaft zum
Asylgesetz vom 31. August 1977, BBl 1977 III 117).

8. Das Bundesgericht anerkennt in seiner mit BGE 109 Ib 183 ff. eingeleiteten
und seither bestätigten Rechtsprechung, dass Art. 8 EMRK unter
gewissen Voraussetzungen einem Ausländer einen - nur unter den
Voraussetzungen von Art. 8 Abs. 2 EMRK beschränkbaren - Anspruch
auf eine Anwesenheitsberechtigung in der Schweiz verleiht. Dies ist
der Fall, wenn eine Ehe oder ein Elternverhältnis (auch zwischen dem
Kind und dem Elternteil, der die elterliche Gewalt und Obhut nicht
besitzt) tatsächlich gelebt wird und intakt erscheint und wenn ein
Familienmitglied in der Schweiz ein gefestigtes Anwesenheitsrecht - die
schweizerische Staatsangehörigkeit, die Niederlassungsbewilligung oder
eine Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein Anspruch besteht -
besitzt (vgl. zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend Art. 8
EMRK: Koller Alfred, Die Reneja-Praxis des Bundesgerichts, Schweizerisches
Zentralblatt für Staats- und Gemeindeverwaltung [ZBl] 1985, S. 513 ff.;
Koller Alfred, Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen die Verweigerung
einer Aufenthaltsbewilligung, Schweizerische Jurististen-Zeitung [SJZ] 1990,
S. 353 ff.; Kottusch Peter, Zur rechtlichen Regelung des Familiennachzugs
von Ausländern, ZBl 1989, S. 342 ff.;Wildhaber Luzius / Breitenmoser
Stephan, Kommentierung von Art. 8 EMRK, Internationaler Kommentar
zur Europäischen Menschenrechtskonvention, Köln u. a. 1992, S. 154 f.,
Rz. 425 ff.; Breitenmoser Stephan, Das Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens in der Schweizer Rechtsprechung zum Ausländerrecht,
Europäische Grundrechte Zeitschrift [EuGRZ] 1993, S. 537 ff.;Mock Peter,
Mesures de police des étrangers et respect de la vie privée et familiale,
Zeitschrift für Schweizerisches Recht [ZSR] 1993, S. 95 ff.). Seit der Revision
des Bürgerrechtsgesetzes und der damit verbundenen Teilrevision des
BG vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(ANAG, SR 142.20) vom 23. März 1990, in Kraft getreten am 1. Januar 1992,
gewähren die Art. 7 und 17 Abs. 2 ANAG einen Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung für den Ehepartner eines
Schweizer Bürgers oder eines in der Schweiz Niedergelassenen (sowie

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_115_Ib_1&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_Ib_257&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002660.pdf?ID=150002660
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_109_Ib_183&resolve=1

einen Anspruch für ledige Kinder unter 18 Jahren auf Einbezug in die
Niederlassungsbewilligung der Eltern [Art. 17 Abs. 2 ANAG]); weiterhin direkt
aus Art. 8 EMRK ergibt sich, mangels gesetzlicher Regelung im ANAG, der
Anspruch des (nicht verheirateten oder geschiedenen) Elternteils auf eine
Anwesenheitsberechtigung, der sich auf seine gelebte und intakte Beziehung
zu seinem in der Schweiz ein gefestigtes Anwesenheitsrecht besitzenden Kind
beruft (vgl. BGE 120 Ib 1 ff.).

9. Keine aus Art. 8 EMRK fliessenden Ansprüche kann gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Ausländer geltend machen, dessen
Familie in der Schweiz nicht über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt,
sondern lediglich eine Aufenthaltsbewilligung besitzt oder hier vorläufig
aufgenommen worden ist (so ausdrücklich BGE 119 Ib 91 ff.; BGE vom 6. April
1993, publiziert in EuGRZ 1993, S. 573 ff.; BGE vom 20. Januar 1993, publiziert
in EuGRZ 1993, S. 571 ff.; BGE vom 27. Februar 1990, publiziert in ASYL 1990/2,
S. 13 f.). In diesem Zusammenhang kommt Art. 17 Abs. 1 AsylG eine Tragweite
zu, die über die vom Bundesgericht aus Art. 8 EMRK abgeleiteten eigentlichen
Rechtsansprüche auf Erteilung einer Anwesenheitsberechtigung hinausgeht:
Die Asylbehörden können bei der Prüfung des Wegweisungsvollzuges von
Familienangehörigen vorläufig aufgenommener Personen diese Angehörigen,
gestützt auf Art. 17 Abs. 1 AsylG, ebenfalls vorläufig aufnehmen, obwohl
gleichzeitig ein Wegweisungsvollzug im Hinblick auf Art. 8 EMRK, in
Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Praxis, als völkerrechtlich
zulässig erklärt wird (dazu nachstehend E. 11).

Zur Auslegung asylrechtlicher Normen - so auch des Art. 17 Abs. 1
AsylG -, welche auf die Achtung des Familienlebens Bezug nehmen,
kann die bundesgerichtliche Rechtsprechung nämlich nicht in dem Sinn
beigezogen werden, dass diese Rechtsprechung zu einer restriktiven
Auslegung verpflichten würde und die entsprechenden asylrechtlichen
Bestimmungen nur insofern eine Bedeutung haben könnten, als ein
Verwandter eines Asylbewerbers über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht
im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Schweiz verfüge.
Vielmehr tragen im Asylrecht - nebst Art. 17 Abs. 1 AsylG - verschiedene
Bestimmungen dem in Art. 8 EMRK statuierten Anspruch auf Achtung des
Familienlebens Rechnung, ohne dass eigentliche Rechtsansprüche im Sinne
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bestehen würden (vgl. etwa Art. 14a
Abs. 3 AsylG, wonach die Einheit der Familie bei der Kantonszuweisung
der Asylbewerber zu berücksichtigen ist, oder Art. 4 Abs. 2 Bst. a AsylV 1,
wonach einem Asylbewerber die Einreise in die Schweiz gestattet wird,
wenn er enge Beziehungen zu hier lebenden Personen hat, ebenso Art. 3
Abs. 3 AsylG, wonach auch beim Vorliegen von Asylausschlussgründen die
Familienangehörigen einer als Flüchtling anerkannten Person in dessen
Flüchtlingseigenschaft und vorläufige Aufnahme einzubeziehen sind [vgl.
VPB 58.28]). Diese Regelungen würden ihres wesentlichen Inhalts beraubt,
wollte man sie jeweils im restriktiven Sinne auslegen, dass sie nur Bedeutung
entfalten könnten in jenen - statistisch seltenen - Fällen, in denen ein
Angehöriger zumindest über eine Niederlassungsbewilligung in der Schweiz
verfüge.

10. Art. 17 Abs. 1 AsylG beinhaltet, dass die vorläufige Aufnahme des einen
Familienmitglieds in der Regel zur vorläufigen Aufnahme der ganzen Familie
führt (nachfolgend E. 11).

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_Ib_1&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_119_Ib_91&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002108.pdf?ID=150002108

In der asylrechtlichen Literatur äussert sich in diesem Sinn namentlich
Bersier: «La commission du Conseil national qui a introduit l’obligation de
tenir compte du principe de l’unité de la famille lors du renvoi (Art. 17 al. 1
in fine LAsi) n’a pas explicité cette prescription ...; sans doute s’agit-il de ne
pas renvoyer les membres d’une famille et non les autres, ni de renvoyer
les membres d’une famille en ordre dispersé.» (Bersier Roland, Droit d’asile
et statut du réfugié en Suisse, Lausanne 1991, S. 167). Achermann Alberto /
Hausammann Christina beziehen sich nur auf den Aspekt der Koordinierung
der Ausreisefristen, wenn sie ausführen: «Im übrigen muss bei verheirateten
Asylsuchenden mit dem Vollzug der Wegweisung wohl zugewartet werden, bis
auch das Gesuch des Partners rechtskräftig entschieden worden ist, wenn
die Entscheide nicht gleichzeitig ergehen.» (Achermann/Hausammann,
a. a. O., S. 336. Im übrigen diskutieren Achermann/Hausammann, a. a. O.,
S. 336, wie auch Kälin Walter, Grundriss, S. 202 f., Art. 17 Abs. 1 AsylG
lediglich im Zusammenhang mit jenen Asylbewerbern, die gestützt auf
Art. 8 EMRK einen eigentlichen Rechtsanspruch auf Erteilung einer
Anwesenheitsbewilligung geltend machen können.). Im Ergebnis die selbe
Auffassung vertreten - allerdings unter Bezugnahme nicht auf Art. 17 Abs. 1,
sondern auf Art. 19 Abs. 1 AsylG - Alexandra Gerber / Béatrice Métraux: «Il
faut cependant ici indiquer que les membres de la famille qui sont entrés
en Suisse avec le demandeur d’asile ou même après (...) peuvent attendre
en Suisse avec le requérant la fin de la procédure, recours y compris.»
(Alexandra Gerber / Béatrice Métraux, Le regroupement familial des réfugiés
et des personnes admises provisoirement, Droit des réfugiés, Fribourg 1991,
S. 81; Gerber/Métraux fügen schliesslich an: «Ils auront également le statut de
requérant»; angesichts dieser Äusserung gehen sie offensichtlich davon aus,
dass Asylgesuche von Familienangehörigen zu einem gleichzeitigen Abschluss
gebracht werden, beziehungsweise dass alle Familienmitglieder ins bereits
hängige Asylgesuch ihres Angehörigen einbezogen werden.).

11.a. Es entspricht ständiger Praxis des BFF und der ARK, dass in jenen Fällen
von Asylbewerberfamilien, wo das eine Familienmitglied die Voraussetzungen
zur vorläufigen Aufnahme erfüllt, in der Regel die ganze Familie vorläufig
aufgenommen wird. Rechtsansprüche aus Art. 8 EMRK im Sinne der
bundesgerichtlichen Praxis - wonach ein Familienmitglied über ein gefestigtes
Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen muss, was bei einer vorläufigen
Aufnahme nicht bejaht wird - könnten in diesen Fällen nicht bejaht werden;
vielmehr kommt Art. 17 Abs. 1 AsylG hier eine weitergehende Bedeutung zu.

aa. Sofern das vorläufig aufgenommene Familienmitglied die
Flüchtlingseigenschaft erfüllt, ist die ganze Familie gemäss Art. 3 Abs. 3 AsylG
- welcher nur die Flüchtlingseigenschaft, nicht dagegen die Asylgewährung
voraussetzt - in die Flüchtlingseigenschaft des Angehörigen und (sofern nicht
in eigener Person die Voraussetzungen von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG erfüllt
sind) in dessen vorläufige Aufnahme miteinzubeziehen (vgl. EMARK 1993 Nr.
23; VPB 58.28).

bb. Sofern das vorläufig aufgenommene Familienmitglied dagegen die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und aus einem Grund, der nicht ohnehin
für die ganze Familie erfüllt ist (beispielsweise wenn alle Familienmitglieder
als Gewaltflüchtlinge anerkannt werden), vorläufig aufgenommen wird, hat
dies praxisgemäss in der Regel ebenfalls die vorläufige Aufnahme der ganzen
Familie zur Folge. Dogmatisch wird die beim vorläufig Aufgenommenen

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002108.pdf?ID=150002108

erfüllte Schranke des Wegweisungsvollzuges - die Unzumutbarkeit
oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges - auf die ganze Familie
ausgedehnt; die völkerrechtliche Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs der
Familienangehörigen im Hinblick auf Art. 8 EMRK wäre demgegenüber, in
Anlehnung an die bundesgerichtliche Rechtsprechung, nicht zu verneinen.

b. In analoger Weise zu Art. 3 Abs. 3 AsylG - wo die anerkannte
Flüchtlingseigenschaft einer Person sich auf ihre Familie ausdehnt, auch wenn
die Voraussetzungen in eigener Person nicht erfüllt wären, und wo der ganzen
Familie ein einheitlicher Rechtsstatus vermittelt wird - weitet die Praxis
mithin gestützt auf Art. 17 Abs. 1 AsylG den Status einer Person, die vorläufig
aufgenommen worden ist, ebenfalls auf deren Familie aus. Unerheblich ist
- wiederum analog zur Rechtslage bei Art. 3 Abs. 3 AsylG (VPB 59.43 60.31[24]) -
die zeitliche Reihenfolge, in der die Familienmitglieder in die Schweiz gelangt
sind; auch der erst nachträglich eingereiste Familienangehörige ist in die
Rechtsstellung des in der Schweiz vorläufig Aufgenommenen einzubeziehen.
Unerheblich ist auch, ob die Familie bereits vor der Flucht bestanden hat oder
erst hier in der Schweiz gegründet worden ist; der Asylbewerber, der sich erst
in der Schweiz mit einer vorläufig aufgenommenen Person verheiratet, ist
ebenfalls in die vorläufige Aufnahme seines Ehepartners einzubeziehen.

Vordergründig widersprüchlich mag es erscheinen, dass mithin der
Ehepartner einer vorläufig aufgenommenen Person in dessen vorläufige
Aufnahme miteinbezogen werden kann, während dies demgegenüber beim
Ehepartner einer Person mit fremdenpolizeilicher Aufenthaltsbewilligung
nur unter den Voraussetzungen von Art. 38-40 BVO möglich ist. In diesem
Zusammenhang ist indessen auf die unterschiedlichen Zielsetzungen des
Fremdenpolizeirechts einerseits und des Asylrechts andererseits hinzuweisen;
während das Fremdenpolizeirecht namentlich die Sicherstellung eines
ausgewogenen Verhältnisses zwischen dem Bestand der schweizerischen
und der ausländischen Wohnbevölkerung bezweckt und die Bedürfnisse
des Arbeitsmarktes und die Integration der Ausländer berücksichtigt, ohne
humanitäre Überlegungen ausser Acht zu lassen (vgl. Art. 16 Abs. 1 ANAG,
Art. 1 BVO; vgl. Kottusch Peter, Das Ermessen der kantonalen Fremdenpolizei
und seine Schranken, ZBl 1990, S. 168), orientiert sich das Asylrecht allein
an Prinzipien der Schutzgewährung und der humanitären Tradition
(Zutreffend weisen sodann, in anderem Zusammenhang, Gerber/Métraux,
a. a. O., S. 110, darauf hin, dass die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme
in zahlreichen Fällen aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen der
Schweiz erfolgt.). Das Fremdenpolizeirecht und das Asylrecht, deren
Zielsetzungen sich lediglich teilweise überschneiden, können einander nicht
generell gegenübergestellt werden. Festzuhalten bleibt, dass eine vorläufig
aufgenommene Person - unabhängig davon, ob die vorläufige Aufnahme
im Rahmen eines Asylverfahrens oder im Anschluss an die Verweigerung
einer fremdenpolizeilichen Aufenthaltsbewilligung und der Anordnung der
Wegweisung verfügt wird - des Schutzes der Schweiz in einem weiten Sinn
bedarf, weil ein Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar oder unmöglich
ist. Diese Umstände haben mit Rücksicht auf den in Art. 17 Abs. 1 AsylG
festgehaltenen Grundsatz der Einheit der Familie unmittelbare Auswirkungen
auf allfällig sich in der Schweiz befindliche Familienmitglieder einer im
Zuge des Asylverfahrens vorläufig aufgenommenen Person. Demgegenüber

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002660.pdf?ID=150002660

kann sich ein Ausländer, welcher im Rahmen eines fremdenpolizeilichen
Wegweisungsverfahrens vorläufig aufgenommen wurde, auf keine analoge
Bestimmung im Ausländerrecht berufen.

c. Aus demWortlaut von Art. 17 Abs. 1 AsylG, wonach bei der Wegweisung
und beimWegweisungsvollzug der Grundsatz der Familieneinheit «zu
berücksichtigen» ist, lässt sich ableiten, dass vom dargelegten Grundsatz,
im Falle der vorläufigen Aufnahme des einen Familienmitglieds sei die ganze
Familie vorläufig aufzunehmen, Ausnahmen möglich sind.

Es wird Aufgabe der Praxis sein, anhand konkreter Fälle und Fallgruppen
zu konkretisieren, welche Gründe zu einer Ausnahme vom Grundsatz des
Art. 17 Abs. 1 AsylG führen können, unter welchen Umständen also ein
Familienmitglied - obwohl Art. 17 Abs. 1 AsylG grundsätzlich den Einbezug
in die vorläufige Aufnahme vorsieht - nicht in die vorläufige Aufnahme der
ganzen Familie einbezogen wird. Denkbar ist dies etwa, wenn das betreffende
Familienmitglied in seiner Person die Voraussetzungen von Art. 14a Abs. 6
ANAG erfüllt; ebenso könnte eine Ausnahme - wie die ARK dies bereits
angedeutet hat (VPB 58.29, 59.52) - in jenen Fällen angenommen werden,
in denen eine Familienvereinigung ohne weiteres im Ausland möglich ist.
Schliesslich sind Ausnahmen von der Berücksichtigung der Familieneinheit in
eigentlichen Missbrauchsfällen denkbar, wobei indessen die blosse Tatsache,
dass weitere Familienmitglieder ein (erfolgloses) Asylgesuch stellen, für sich
allein nicht genügt, um diesbezüglich eine rechtsmissbräuchliche Umgehung
der Familiennachzugsvorschriften anzunehmen (vgl. unveröffentlichtes Urteil
der ARK vom 13. August 1992 i. S. M. D.).

12. Bezogen auf den vorliegenden Fall ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin in Anwendung des Grundsatzes der Familie gemäss
Art. 17 Abs. 1 AsylG ebenfalls vorläufig aufzunehmen ist, zumal aufgrund
der Aktenlage keine Gründe ersichtlich sind, die eine Ausnahme von diesem
Grundsatz nahelegen würden.

[21] Vgl. oben Fussnote 1, S. 239.
[22] Cf. ci-dessus note 2, p. 240.
[23] Cfr. sopra nota 3, pag. 242.
[24] Vgl. oben S. 280.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002111.pdf?ID=150002111

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 60.34 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission

vom 6. November 1995

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1996
Année

Anno

Band 60
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Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

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	Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 6. November 1995
	Zusammenfassung des Sachverhalts:
	Aus den Erwägungen: