# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 975ea00c-328f-5b14-b53c-a3ccbb4eb81a
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-11
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 11.09.2018 VSBES.2017.118
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2017-118_2018-09-11.html

## Full Text

AQ.___AQ.___

 

 

 

 

 

Urteil vom 11. September 2018

Es wirken mit:

Vizepräsidentin Weber-Probst 

Oberrichter Kiefer 

Oberrichter Marti    

Gerichtsschreiberin Jäggi

In Sachen

A.___, vertreten durch Rechtsanwalt und Notar Claude Wyssmann

Beschwerdeführerin 

 

gegen

IV-Stelle Kt. Solothurn, Postfach, 4501 Solothurn, 

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Invalidenrente
und berufliche Massnahmen (Verfügung vom 7. März 2017)

 

zieht das Versicherungsgericht
in Erwägung:

I.     
 

 

1.

1.1     Die 1958 geborene A.___ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) meldete sich am 28. Oktober 2013 bei der IV-Stelle des
Kantons Solothurn (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zur Früherfassung an
(IV-St. Beleg Nr. [IV-Nr.] 1). Nach der Durchführung des Intake-Gesprächs
vom 21. November 2013 (IV-Nr. 6) meldete sich die Beschwerdeführerin
am 3. April 2014 (Eingang: 7. April 2014, IV-Nr. 15) bei der
Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf Gelenk- und Rückenschmerzen, Rheuma –
erymathodes Lupus, ein HWS- und LWS-Syndrom, psychische Belastung und eine
Senkblase zum Leistungsbezug an. 

 

1.2     Nach dem Einholen eines
Arbeitsunfähigkeitszeugnisses, eines medizinischen Berichts und des Lebenslaufs
der Beschwerdeführerin (IV-Nrn. 18 ff.), stellte die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 11. April 2014 (IV-Nr. 21)
die Abweisung ihrer Leistungsbegehren auf eine Invalidenrente und berufliche
Massnahmen in Aussicht. So sei ihr gesundheitliches Leiden behandel- und
besserbar. Es bestehe zum aktuellen Zeitpunkt kein Verdacht auf ein
invalidisierendes Leiden. 

 

1.3     Dagegen erhob die Beschwerdeführerin
am 7. Mai 2014 Einwände (IV-Nr. 24). Zu den sowohl durch die
Beschwerdegegnerin mit Eingaben vom 12. Mai 2014 und 12. August 2014
eingereichten (IV-Nrn. 26, 34) als auch durch die Beschwerdegegnerin
selbst eingeholten medizinischen Berichten (IV-Nrn. 32 f., 35, 37 f.) nahm
Dr. med. B.___, Facharzt Allgemeine Medizin FMH, Regionaler Ärztlicher
Dienst (RAD), am 2. Oktober 2014 (IV-Nr. 39 S. 2 ff.) Stellung. Er
äusserte sich sodann mit Stellungnahmen vom 30. März 2015 (IV-Nr. 59
S. 2) und 27. Mai 2015 (IV-Nr. 67 S. 2 f.) auch zu den
weiter eingeholten medizinischen Akten (IV-Nrn. 41 f., 46 ff., 53 f.,
sowie 60 f. und 63 f.), woraufhin die Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom
29. Mai 2015 (IV-Nr. 68) davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass zur
Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Abklärung (voraussichtlich:
Rheumatologie und Psychiatrie) notwendig sei. Mit Rentenbescheid vom
25. September 2015 (IV-Nr. 78) wurde der Beschwerdeführerin von der C.___
vom 1. September 2014 bis 31. August 2017 eine befristete Rente
zugesprochen. Das bidisziplinäre Gutachten wurde in der Folge von Prof. Dr. med.
D.___, Chefarzt i.R. Rheumatologie FMH, und Dr. med. E.___, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Begutachtungsinstitut F.___, G.___, am 15. Oktober
2015 erstattet (IV-Nrn. 79.1 - 79.4). Zu diesem liessen sich die
Beschwerdeführerin am 10. November 2015 (IV-Nr. 81 S. 3) und der
RAD-Arzt Dr. med. B.___ am 4. Dezember 2015 (IV-Nr. 83 S. 2 f.) vernehmen.
Letzterer äusserte sich am 18. Mai 2016 (IV-Nr. 95) auch zu dem durch
die C.___, in Auftrag gegebenen «nervenärztlichen und sozialmedizinischen Gutachten»
von Prof. Dr. med. Dr. phil. H.___, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, vom 13. August 2015 (IV-Nr. 86
S. 3 ff.) sowie zu weiter eingereichten medizinischen Berichten (IV-Nrn. 88
f., 91). Zum Arztbericht der Hausärztin Dr. med. I.___, Fachärztin FMH für
Allgemeine Innere Medizin, vom 4. April 2016 (IV-Nr. 91) nahm die
Beschwerdeführerin am 17. Mai 2016 Stellung (IV-Nr. 96). Daraufhin
stellte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom
28. Juni 2016 (IV-Nr. 97) aufgrund eines errechneten IV-Grades von
5 % die Abweisung ihrer Leistungsbegehren auf eine Invalidenrente und auf berufliche
Massnahmen in Aussicht. Dagegen liess die Beschwerdeführerin am 24. August
2016 und 23. September 2016 (IV-Nrn. 101, 103) Einwände erheben. Zum
Bericht von Dr. med. J.___, Chefarzt, K.___, Rehabilitations- und
Rheumazentrum, vom 8. November 2016 (IV-Nr. 104 S. 2 ff.) nahm
Dr. med. B.___, RAD, am 31. Januar 2017 Stellung (IV-Nr. 106). Mit
Verfügung vom 7. März 2017 (A.S. [Akten-Seiten] 1 ff.) hielt die
Beschwerdegegnerin an ihrem Vorbescheid fest. 

 

2.       Dagegen lässt die
Beschwerdeführerin am 27. April 2017 (A.S. 7 ff.) beim Versicherungsgericht
des Kantons Solothurn (nachfolgend: Versicherungsgericht) fristgerecht
Beschwerde erheben und die folgenden Rechtsbegehren stellen:

 

1.    Die Verfügung der IV-Stelle Solothurn
vom 7. März 2017 sei aufzuheben.

2.    a) Der Beschwerdeführerin seien ab wann
rechtens die gesetzlichen IVG-Leistungen (weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen, Invalidenrente) bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % zzgl. einem Verzugszins von 5 % auszurichten. 

b) Eventualiter: Es sei
ein medizinisches polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen.

c) Subeventualiter: Die
Beschwerdesache sei zur medizinischen Neubegutachtung und zu
beruflich-erwerbsbezogenen Abklärungen an die IV-Stelle Solothurn
zurückzuwiesen. 

3.    Dem unterzeichneten Rechtsanwalt seien
aufgrund kurzfristiger Mandatierung und Aktenzustellung, des vielschichtigen
Prozessstoffes und fehlender Instruktionen eine Frist von 30 Tagen zur
Ergänzung der Beschwerdebegründung anzusetzen.

4.    Es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung
nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK mit Publikums- und Pressenanwesenheit
einzuberufen und durchzuführen. 

5.    Der Beschwerdeführerin sei die volle unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung unter gleichzeitiger Einsetzung des
unterzeichneten Rechtsanwalts als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu gewähren.

6.    Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 

U.K.u.E.F.

 

3.       Im Rahmen der
Beschwerdeergänzung vom 30. Mai 2017 (A.S. 17 ff.) lässt die
Beschwerdeführerin an den Rechtsbegehren und Ausführungen in der Beschwerde vom
27. April 2017 vollumfänglich festhalten und folgende Anträge stellen:

 

1.    Es sei der beiliegende Bericht von Dr.
med. L.___, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Gelenkchirurgie, [...], vom 10. März 2017 in Kopie als Urkunde 4 zu den
Akten zu nehmen und zum Beweis zuzulassen.

2.    Es sei der beiliegende Befundbericht der
Radiologie Spital M.___ über die am 29. März 2017 durchgeführte
MR-Untersuchung der LWS als Urkunde 5 zu den Akten zu nehmen und zum Beweis
zuzulassen. 

3.    Es sei das beiliegende Fachreferat
«Schmerzsyndrome und Breitensport – biomechanische und neurophysiologische Aspekte»
als Urkunde 6 zu den Akten zu nehmen und zum Beweis zuzulassen.

4.    Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

 

4.       Mit Eingabe vom 26. Juli
2017 (A.S. 40 f.) lässt die Beschwerdeführerin folgende Beweisanträge
stellen:

 

1.    Es sei der beiliegende Bericht von Dr.
med. L.___, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Gelenkchirurgie, [...], vom 1. Juli 2017 in Kopie als Urkunde 7 zu den
Akten zu nehmen und zum Beweis zuzulassen.

2.    Es sei der beiliegende Bericht von Dr.
med. L.___, Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Gelenkchirurgie, [...], vom 21. April 2017 in Kopie als Urkunde 8 zu den
Akten zu nehmen und zum Beweis zuzulassen.

3.    Es sei der beiliegende Bericht von Dr.
med. N.___, Facharzt FMH für Lungenkrankheiten und Innere Medizin, vom
11. Juli 2017 in Kopie als Urkunde 9 zu den Akten zu nehmen und zum Beweis
zuzulassen.

4.    Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

 

5.       Im Rahmen der Beschwerdeantwort
vom 1. September 2017 (A.S. 47) verzichtet die Beschwerdegegnerin auf
Bemerkungen zur Beschwerde und schliesst auf Abweisung derselben. Sie nimmt indes
zu den mit der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 26. Juli 2017 eingereichten
Unterlagen (vgl. E. I. 4 hiervor) Stellung. 

 

6.       Mit Verfügung vom
7. September 2017 (A.S. 48 f.) bewilligt der Instruktionsrichter des
Versicherungsgerichts der Beschwerdeführerin ab Prozessbeginn die
unentgeltliche Rechtspflege und bestellt Rechtsanwalt Claude Wyssmann als
unentgeltlichen Rechtsbeistand. 

 

7.       Mit Replik vom
12. September 2017 (A.S. 51 f.) lässt die Beschwerdeführerin die
Ausführungen in der Beschwerdeantwort vom 1. September 2017 vollumfänglich
bestreiten und darauf hinweisen, dass sie aufgrund des Rentenbescheids der C.___
vom 16. August 2017 wegen voller Erwerbsminderung eine Dauerrente erhalte.
Die ebenfalls eingereichte Kostennote geht mit Verfügung vom 13. September
2017 (A.S. 56) zur Kenntnisnahme an die Beschwerdegegnerin. 

 

8.

8.1     Mit Verfügung vom 3. Mai
2018 (A.S. 57 f.) werden die Parteien zur öffentlichen Verhandlung auf den
11. September 2018, 14.00 Uhr, vorgeladen.

 

8.2     Die im Rahmen der öffentlichen
Verhandlung vom 11. September 2018 (vgl. Protokoll, A.S. 60 ff.) gestellten
Beweisanträge, wonach die Urkunden 11 bis 17 zu den Akten zu nehmen und zum
Beweis zuzulassen seien, werden gutgeheissen. Die beantragten Erkundigungen
betreffend die Berufsausübungsbewilligung von Prof. Dr. med. D.___ werden
abgewiesen. Auch der Beweisantrag, wonach die Beschwerdegegnerin aufzufordern
sei, dem Gericht mitzuteilen, wie oft Prof. Dr. med. D.___ und Dr. med. E.___
mit einem Gutachten betraut worden seien und wie oft sie eine
Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen hätten, wird
abgewiesen. Die Beschwerdeführerin lässt ihre bisherigen Rechtsbegehren wie
folgt modifizieren:

 

1.    Die Verfügung der IV-Stelle Solothurn
vom 7. März 2017 sei aufzuheben.

2.    a) Der Beschwerdeführerin seien ab wann
rechtens die gesetzlichen IVG-Leistungen (weitere berufliche
Eingliederungsmassnahmen, Invalidenrente) bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % zzgl. einem Verzugszins von 5 % auszurichten. 

b) Eventualiter: Es sei
ein medizinisches polydisziplinäres Gerichtsgutachten (internistisch,
orthopädisch, rheumatologisch, neurologisch, schlafmedizinisch, pneumologisch,
psychiatrisch) einzuholen.

c) Subeventualiter: Die
Beschwerdesache sei zur medizinischen Neubegutachtung und zu
beruflich-erwerbsbezogenen Abklärungen an die IV-Stelle Solothurn zurückzuweisen.

3.    Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 

 

Schliesslich hält der Vertreter der
Beschwerdeführerin sein Plädoyer. In der Folge schliesst die Vizepräsidentin
des Versicherungsgerichts die öffentliche Verhandlung. Im Nachgang zur
Verhandlung reicht der Vertreter der Beschwerdeführerin eine ergänzende Kostennote
ein (A.S. 63 f.). 

 

9.       Auf die weiteren Ausführungen
der Parteien wird nachfolgend, soweit erforderlich, eingegangen. Im Übrigen
wird auf die Akten verwiesen.

 

II.    
 

 

1.       Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

 

2.       Für die Beurteilung eines
Falles hat das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 7. März 2017)
eingetretenen Sachverhalt abzustellen (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243,
121 V 366 E. 1b).

 

3.       Nach Art. 28 Abs. 1
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) haben jene
Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können
(lit. a) und zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1])
gewesen sind (lit. b) sowie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person
mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

 

3.1     Invalidität ist die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als
eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 IVG).

 

3.2     Um den Invaliditätsgrad bemessen
zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im
Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 196, 132 V 93 E. 4 S. 99
f., 125 V 261 E. 4).

 

3.3     Bei erwerbstätigen Versicherten
ist der Invaliditätsgrad aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Für den Einkommensvergleich sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und
allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum
Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 142 V 178 E. 2.2
S. 182, 129 V 222).

 

3.4     Nach Art. 8 Abs. 1 IVG
haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a); und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).

 

4.

4.1     Sowohl im Verwaltungsverfahren
wie auch im kantonalen Sozialversicherungsprozess gilt der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c
ATSG). Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des
streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht.
Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und
Gerichtsstufe geltenden – Grundsatz der freien Beweiswürdigung auf. Führen die
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden
Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender,
sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393
E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend
wahrscheinlich (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit weiteren
Hinweisen) zu betrachten, und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem
feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme
weiterer Beweise keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
(antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148, 124 V 90
E. 4b S. 94). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit
und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist
weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue
wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteile des Bundesgerichts
9C_360/2015 vom 7. April 2016 E. 3.1 mit Hinweis, 9C_662/2016 vom
15. März 2017 E. 2.2). 

 

4.2     Versicherungsträger und
Sozialversicherungsrichter haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
(Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V 352 E. 3a). Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er
auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Der
Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 E. 3a S. 352).

 

5.       Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 7. März 2017 (A.S. 1 ff.)
die Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente
und / oder berufliche Eingliederungsmassnahmen zu Recht abgewiesen
hat. Zur Beurteilung sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen Akten
relevant:

 

5.1     Dr. med. J.___, Chefarzt, K.___,
Rehabilitations- und Rheumazentrum, hielt im Bericht vom 7. Februar 2013
(IV-Nr. 32 S. 28 f.) folgende Diagnosen fest: 

 

−    
Fibromyalgie
(Chronic Central Pain Syndrome)

−    
Hohlrundrücken

−   
Konventionell radiologisch
Spondylarthrosen L3-S1, Chondrosen thorakal, Hyperkyphose thorakal und
Spondylosen thorakal anterior bei leichter Skoliose, Sacrum acutum 

−    
Abortive Hypermotilität
(Ellbogen, Kniegelenke)

−    
Zystische Mastopathie

−   
Zystenentfernungen 1974 und
2001 links

−    
Status nach Hysterektomie

−    
Adipositas Grad I (BMI
33,6)

 

Die konventionell radiologische
Untersuchung zeige die obengenannten Befunde. Das Gesamtbeschwerdebild sei
gekennzeichnet vom Bild einer Fibromyalgie im Sinne eines Central Pain
Syndroms. Der Beschwerdeführerin sei das Krankheitsbild erklärt und aufgrund
des Hohlrundrückens mit Fehlhaltung bzw. auch Fehlstellung mit Sacrum acutum
eine Physiotherapie verschrieben worden. Dies vor dem Hintergrund der Hypermotilität
mit dem Ziel, die muskuläre Stabilisation der Wirbelsäule zu verbessern, ebenso
die Haltung.

Sicherlich wäre auch eine Therapie im
Bad sinnvoll. Es stelle sich angesichts der langjährigen Beschwerden und der
Fehlstellung der Wirbelsäule mit degenerativen Veränderungen die Frage nach
einer Kur. Dies sei indiziert, falls die ambulanten Therapien ungenügend wirkten.
Eine Laborwertkontrolle (Vorschlag: BSR, Hb, Leukozyten, Thrombozyten,
alkalische Phosphatase, Kalzium, Albumin, anorganisches Phosphat, Kreatinin,
TSH basal, CRP und Vitamin D3) sei angesichts der chronischen Beschwerden
anlässlich eines Checkup indiziert. Da intermittierend auch in der Sprechstunde
Laboruntersuchungen durchgeführt würden, sei aktuell darauf verzichtet worden.

 

5.2     Aufgrund der MR-Halswirbelsäule
vom 9. Oktober 2013 stellte Dr. med. O.___, FMH für Radiologie, P.___, im
Befundbericht vom 9. Oktober 2013 folgende Beurteilung (IV-Nr. 32
S. 26): Diskrete Chondrose C5/6. Kein Hinweis auf eine neurale
Beeinträchtigung. Wahrscheinlich kleine Schilddrüsen Zysten.

 

5.3     Anlässlich der
MR-Lendenwirbelsäule vom 22. Oktober 2013 hielt Dr. med. Q.___, FMH für
Radiologie, P.___, im Bericht vom 22. Oktober 2013 folgende Beurteilung
fest (IV-Nr. 2): Leichte Mehretagendiscopathien. Ubiquitäre Fazettengelenksarthrose
leicht- bis mässiggradig meist ausgeprägt L4/5. Verdacht auf eine Isthmuslyse
L5 rechts und hypoplastischer Isthmus L5 links. Keine Listhesis in Rückenlage,
normal weiter Spinalkanal und Neuroforamina.

 

5.4     Dr. med. L.___, Facharzt für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, stellte im
Untersuchungsbericht vom 4. November 2013 (IV-Nr. 32 S. 23 f.,
Urkunde 12) aufgrund der Untersuchungen vom 4., 18. und 28. Oktober 2013 folgende
Diagnosen:

 

−    
Statisch-Muskuläres
Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler Belastungshaltung nach Brügger unter vermehrter
BWS-Kyphose und LWS-Lordose

−    
Osteochondrose C5/C6 mit
Fazettengelenksarthrose

−    
Mehretagendiscopathien der
LWS mit Fazettenarthrose am stärksten L4/L5

−    
Impingement rechte Schulter
durch Tendinosis calcarea

−    
Tendovaginitis stenosans de
Quervain linkes Handgelenk und Verdacht auf CTS rechts

−    
Impingement rechte Hüfte

 

Es werde eine konservative Therapie
durchgeführt. Die Beschwerdeführerin leide seit vielen Jahren an HWS- und LWS-Beschwerden
mit Ausstrahlung in die Arme und Beine. Aktuell auch Schwäche und Schmerzen in
beiden Händen, besonders links. Ausserdem Schmerzen in den ersten drei Fingern
der rechten Hand. Beim Heben des rechten Oberarms Schmerzen der Schulter mit
Ausstrahlung in den Oberarm. Zusätzlich Schmerzen und Schwäche in beiden Beinen
beim Treppensteigen und nach circa 15 Minuten Gehen. Dann müsse sie sich
hinsetzen und circa 20 Minuten warten. Besonders im Sitzen und beim Treppensteigen
Schmerzen des rechten Hüftgelenks. Wegen des Verdachts auf eine rheumatische
Grunderkrankung würden noch Laboruntersuchungen laufen.

Bei der klinischen Untersuchung
Verspannung der Schulter-, Nackenmuskulatur. Endgradige Bewegungseinschränkung
der HWS. Impingement Symptomatik rechte Schulter mit isometrischer Schwäche des
Supraspinatus. Am rechten Handgelenk positives Hoffmann-Tinel-Zeichen und
auslösbares Phalen-Zeichen. Keine Atrophie des Daumenballens. Am linken
Handgelenk Druckschmerz des 1. Strecksehnenfaches und Schmerzen beim
Finkelstein-Test. Druckschmerz und Verspannung der Muskulatur an HWS und LWS
bei Kyphose der BWS mit Hyperlordose der LWS. Bei passiver Beseitigung der
sternosymphysalen Belastungshaltung Schmerzangabe im Pectoralis beidseits als
Ausdruck der schmerzhaften Verkürzung. Beckengeradstand mit äusserlich geraden
Beinachsen. Am rechten Hüftgelenk Impingement bei Beugung und Innenrotation
ohne Anhalt für Piriformissyndrom. Knie unauffällig. Periphere Sensibilität und
Durchblutung ungestört.

Die Befunde des Röntgens der rechten
Schulter in drei Ebenen, einer Beckenübersicht und der rechten Hüfte axial, der
MRI HWS vom 9. Oktober 2013 (vgl. E. II. 5.2 hiervor) und der MRI LWS vom
22. Oktober 2013 (vgl. E. II. 5.3 hiervor) seien der Beschwerdeführerin
demonstriert und ausführlich mit ihr besprochen worden. Bezüglich der
Wirbelsäulenproblematik bestehe die Indikation zu einer stationären
Rehabilitation mit Rumpf- und Rückenkräftigung sowie einer Rückenschule. Eine
Instruktion zu eigenen Übungen sei unerlässlich. An der rechten Schulter lasse
sich ein Impingement-Syndrom nachweisen. Sollte die Physiotherapie nicht zum
Erfolg führen, sei eine Abklärung mittels MRI und eventuell eine subakromiale
Dekompression vorzunehmen. Die Schmerzen in der rechten Hand sollten durch eine
Messung der Nervenleitgeschwindigkeit abgeklärt werden. Bei einem bestätigten
CTS (Carpaltunnelsyndrom) solle primär eine konservative Behandlung und
sekundär eine Spaltung des Ligamentums carpi transversum volare erfolgen. In
der linken Hand liege eine eindeutig nachweisbare Tendovaginitis de Quervain
vor. Eine Cortisoninjektion könne schnell zur Linderung führen. Dies wolle sich
die Beschwerdeführerin überlegen. Das milde CAM-Impingement der rechten Hüfte sei
einer Physiotherapie zugänglich. Bei anhaltenden Beschwerden sollten ein MRI
und ein weiteres Vorgehen nach dem Befund vorgenommen werden. Bei einer Labrumläsion
bestehe die Indikation zur arthroskopischen Besserung der Situation. 

 

5.5     Dr. med. R.___, Leitender Arzt, K.___,
Institut für Medizinische Radiologie, hielt im Bericht vom 14. November
2013 (IV-Nr. 48 S. 21 f.) aufgrund der durchgeführten
2-Phasen-Ganzkörper-Skelettszintigrafie mit 696 MBq Tc-99m DDP folgende
Beurteilung fest: Skelettszintigraphisch zeigten sich keine entzündlich
bedingten Mehranreicherungen bzw. Hinweise auf eine aktivierte Arthrose bzw.
Arthritis. Geringe degenerative Veränderungen im rechten Handwurzelbereich
sowie im Schultergürtelbereich beidseits. Initiale bilaterale
Femoropatellararthrose. Wohl chronische Sinusitis maxillaris beidseits.

 

5.6     Dr. med. J.___ hielt im Bericht
vom 28. März 2014 betreffend die ambulante Untersuchung vom 25. März
2014 folgende Diagnosen fest (IV-Nr. 19 S. 1 ff.):

 

−    
Hochgradiger Verdacht auf
systemischen Lupus erythematodes

−      
DD: undifferenzierte
Konnektivitis

−      
Krankheitsbeginn Herbst
2012 mit entzündlichen Arthralgien

−      
ANA-Positivität niedrigtitrig,
Anti-dsDNA-Positivität, Rheumafaktor- und Anti-CCP-Negativität

−      
Handgelenksarthritiden rechtsbetont

−      
humorale
Entzündungsaktivität August 2013 und November 2013

−      
Glukokortikoid-Therapie mit
deutlicher Beschwerdelinderung

−      
Antimalarikum-Therapie seit
Februar 2014

−      
aktuell: Arthralgien
Handgelenk links, Schmerzen Rücken, Knie mit gleichzeitiger Fatigue (im Rahmen
des Chronic Central pain-Syndroms)

−    
Vitamin
D3-Mangel November 2013

−    
Fibromyalgie
(Chronic Central pain-Syndrome)

−    
Hohlrundrücken

−    
Abortive Hypermotilität
(Ellbogen, Kniegelenke)

−    
Zystische Mastopathie

−   
Zystenentfernungen 1974 und
2001 links

−    
Status nach Hysterektomie

−    
Adipositas Grad I (BMI 33,6)

 

In der Zwischenzeit habe die
Beschwerdeführerin die Antimalarikum-Therapie durchgeführt. Eine
ophthalmologische Kontrolle habe in der Klinik S.___ stattgefunden. Es zeigten
sich keine Kontraindikationen. Die Beschwerdeführerin sei offensichtlich bis
zum 26. März 2014 krankgeschrieben. Sie klage über Rücken-, Knie-,
Handgelenksschmerzen über Tage dauernd, plötzlich auftretend ohne Trauma mit
guttuender Wärme. Der Beschwerdeführerin sei eine Physiotherapie in [...]
verschrieben worden. Dabei könne auch eine Balneo-Therapie eingesetzt werden. 

Der Beschwerdeführerin sei nochmals
dargelegt worden, dass sie längerfristig für eine leichte bis maximal leicht
bis mittelschwere Arbeit arbeitsfähig sei. Die Situation zeige heute einen
Hohlrundrücken mit Hyperlordose lumbal und Extensionsschmerz und myofaszialen
Befunden im Becken. Deswegen sei die Physiotherapie indiziert.
Zentralschmerzmodulierend sei der Beschwerdeführerin eine
Johanniskraut-Therapie vorgeschlagen und verordnet worden. Zudem seien ihr
Assan Thermo lokal und Soufrolbäder verschrieben worden. Regelmässig sollte
eine körperliche Aktivität durchgeführt werden.

Eine stationäre Rehabilitation sei nicht
gutgeheissen worden. Eine ambulante Behandlung werde durchgeführt. Betreffend die
Arbeitsfähigkeit sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit unbedingt
durchzuführen. Dies sei wichtig, um die Arbeits- und Leistungsfähigkeit
verlässlich und objektiviert beurteilen zu können. 

 

5.7     Im Untersuchungsbericht vom
15. April 2014 (IV-Nr. 24 S. 8, Urkunde 13) stellte Dr. med. L.___
die Diagnose «akutes HWS-Syndrom bei Osteochondrose C5/C6 mit
Facettengelenksarthrose und statischer Überbelastung der HWS durch vermehrte
BWS Kyphose». Die Beschwerdeführerin berichte über eine heftige
Beschwerdezunahme der Halswirbelsäule mit Kopfschmerzen und Ausstrahlung in die
Schultern, besonders links. Bei der klinischen Untersuchung
Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule bei einer Beweglichkeit für Drehen
rechts / links 50/0/40°, Seitneigung rechts / links
45/0/30° und einem Kinn Jugulum Abstand von 2 cm sowie einem Kinn-
Schulterabstand rechts / links 2/5 cm. Heftiger Druckschmerz der
Wirbelsäulenlängsmuskulatur sowie der Ansätze am Hinterhaupt. Myogelosen der
HWS und Schultermuskulatur. Periphere Sensibilität und Durchblutung ungestört.

Röntgen HWS in 2 Ebenen: Seitverbiegung
nach links. Beidseits Stummelrippe am 7. Halswirbelkörper. Unkovertebralarthrose
der unteren Segmente der Halswirbelsäule mit Osteochondrosis intervertebralis zwischen
C5/C6/C7. Die restlichen Zwischenabstände der Wirbelkörper seien unauffällig. Es
sei Physiotherapie verordnet worden. 

 

5.8     Dr. med. T.___, FMH Radiologie,
Klinik U.___, Institut für Radiologie, hielt aufgrund der MR HWS vom
23. April 2014 (IV-Nr. 32 S. 10 f.) folgende Beurteilung fest:
Leichte degenerative Diskopathie HWK5/6 mit breitbasiger dorsaler
Diskusprotrusion und kleinen Hernien rezessaI beidseits; links mehr als rechts.
Vor allem der Befund rezessal links könne zusammen mit den klinischen Angaben
durchaus zu einer Reizung des weiter kaudal austretenden Spinalnervs C6 links
Anlass geben.

 

5.9     Dr. med. J.___ bestätigte im
Bericht vom 7. Mai 2014 (IV-Nr. 26 S. 2 ff.) die bereits im
Bericht vom 28. März 2014 (vgl. E. II. 5.6 hiervor) ausgewiesenen
Diagnosen, wobei er bei der Hauptdiagnose des «hochgradigen Verdachts auf
systemischen Lupus erythematodes hinzufügte «aktuell: im Vordergrund stehendes
Central pain-Syndrome». Ausserdem stellte er neu die Hauptdiagnose «radiologisch
Osteochondrose C5/6 mit Fazettenarthrose April 2014» und hielt bei der
Hauptdiagnose «Vitamin D3-Mangel» fest: «aktuell: Mangel Mai 2014». Die
Hauptdiagnose der Adipositas Grad II ergänzte er zudem wie folgt: «(BMI 35,9
Mai 2014)». 

Von Seiten des systemischen Lupus
erythematodes bestehe klinisch eine Remission, wobei die Beschwerdeführerin
heute eine humorale Aktivität aufweise, im Vordergrund stünden jedoch
myalgische Beschwerden und eine diffuse Druckdolenz am ganzen Körper bei normalem
CK-Wert (Creatinkinase-Wert) und normalem TSH basal-Wert. Auch fehle eine
Anämie, Leukopenie oder Thrombopenie, wie sie bei systemischem Lupus
erythematodes gesehen werden könne. Auch fehle eine nephritische Aktivität im Urinstatus.

Es fehlten typische Symptome für eine
Konnektivitis bis auf die Arthralgien, ohne dass aber heute Synovialitiden
getastet werden könnten. Die Beschwerdeführerin werde am 23. Juni 2014
angesichts der komplexen Situation mit Central pain-Syndrome, Konnektivitis
eine Rehabilitation in V.___ beginnen.

Die Plaquenil-Medikation werde
weitergeführt und bei Persistenz der Entzündung gesteigert und allenfalls durch
eine weitere Basistherapie ergänzt. In der Zwischenzeit habe die
Beschwerdeführerin selbstständig noch Dr. med. L.___ aufgesucht, der sie am
11. April 2014 untersucht habe (vgl. E. II. 5.7 hiervor). Dabei hätten
sich degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule C5-7 feststellen lassen.
Das Gesamtbeschwerdebild sei jedoch durch diese Veränderungen nicht erklärt.
Auch Dr. med. L.___ habe eine physiotherapeutische Behandlung favorisiert.

Die gelernte Betriebsschlosserin und
gelernte Bürokraft (Diplome aus [...]) sei trotz eines SRK-Kurses mit
Ausbildung zur Pflegehelferin aktuell nicht berufstätig. Aufgrund der
Gesamtsituation sei eine Arbeitsfähigkeit als Betriebsschlosserin nicht
gegeben. Als Kauffrau dürfe die Beschwerdeführerin jedoch im Verlauf aus
rheumatologischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit haben. Als Pflegehelferin
sei die Beschwerdeführerin ebenfalls aktuell nicht arbeitsfähig. Es werde dem
RAD empfohlen, den Entscheid bis nach den rehabilitativen Massnahmen im Juni
2014 hinauszuzögern. Sollte im Verlauf eine realistische / überprüfte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfolgen, werde eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit empfohlen. Arbiträr lägen die Gewichte aktuell höchstens bei
5 - 10 kg, was einer leichten Tätigkeit entspreche. Ungünstig sei die
Gewichtszunahme von 6 kg seit Januar 2013. Dieser Punkt sei anlässlich des
Rehabilitationsaufenthalts mit einer Ernährungsberatung und entsprechendem
Erlernen eines Verhaltens anzugehen. Weiterhin werde die Beschwerdeführerin die
Schulungsinhalte der Psychologie, die sie im April 2014 am Rehabilitations- und
Rheumazentrum gehabt habe inkl. progressiver Muskelrelaxation weiterführen.

 

5.10   Aufgrund der MR-Schultergelenk
links (Arthro) vom 30. Mai 2014 hielt Dr. med. W.___, FMH für
Radiologie, P.___, folgende Beurteilung fest (IV-Nr. 32 S. 9):
Leichtgradige AC-Gelenksarthrose. Einriss an der Basis des Labrums von
anterosuperior 11.30 Uhr nach anterior 08.00 Uhr mit begleitendem
Knorpelschaden bandförmig am Glenoidrand. PHS calcarea mit Kalkdepot im Ansatz
der der Infraspinatussehne.

 

5.11   Dr. med. J.___ wies im mit
Schreiben vom 5. Juni 2014 folgende «Beurteilung / Procedere» aus
(IV-Nr. 48 S. 19 f.): Nachdem die Beschwerdeführerin, wie im Brief
vom 7. Mai 2014 erwähnt (vgl. E. II. 5.9 hiervor), eine humorale
Entzündungsaktivität aufgewiesen habe, habe er am 30. Mai 2014 nochmals
eine klinische Kontrolle vorgenommen. Auch habe er eine Laboruntersuchung
durchgeführt. Diese bestätige eine grenzwertige, minim erhöhte CRP-Erhöhung bei
unveränderten Arthralgien und Myalgien leichten Grades bei allerdings
Überlappung durch ein Chronic Central Pain-Syndrome. Angesichts auch einer
diskreten Alpha-Dysproteinämie in der Eiweisselektrophorese vom 6. Mai
2014 und der Dolenz insbesondere der Handgelenke vor allem radial palmar habe
er bei der Beschwerdeführerin eine Sonographie durchgeführt. Diese zeige ein Sehnenscheidenganglion
der Sehne des Musculus flexor pollicis longus etwas proximal des Os trapezium.
Der Durchmesser betrage circa 4 mm und sei septiert. Dieser Befund sei der
Beschwerdeführerin mitgeteilt und ihr empfohlen worden, weiterhin
nichtsteroidale Entzündungshemmer lokal anzuwenden. Auf eine Punktion der
Sehnenscheide werde aktuell verzichtet. Möglicherweise könne im Rahmen der
Rehabilitation auch eine vermehrte antientzündliche Behandlung des
Sehnenscheidenganglions vorgenommen werden. Rechtsseitig liege kein
Sehnenscheidenganglion im Bereich dieser Sehne vor. Im Vordergrund stehe jedoch
das Central Pain-Syndrome. Eine Besprechung der Situation sei mit der
Beschwerdeführerin im August 2014 vereinbart worden. Die Beschwerdeführerin
werde die Antimalarikum-Therapie leicht erhöhen und sich wiederum zur
opthalmologischen Kontrolle melden.

 

5.12   Dr. med. L.___ hielt in seinem
Arztbericht vom 10. Juli 2014 (IV-Nr. 32 S. 5 ff.) folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 

−    
Statisch muskuläres
Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler Belastungshaltung nach Brügger unter
vermehrter BWS-Kyphose und LWS-Lordose

−    
Osteochondrose C5/C6 mit
Facettengelenksarthrose und rezidivierenden Schmerz-Syndromen

−    
Mehretagendiskopathie der
LWS mit Facettenarthrose am stärksten L4/L5 und chronisch rezidivierenden
LWS-Syndromen 

−    
Impingement rechte Schulter
durch Tendinosis calcarea

−    
Tendovaginitis stenosans de
Quervain linke Hand und Verdacht auf CTS rechts

−    
Impingement rechte Hüfte

 

Es gebe keine Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Seniorenbetreuerin sei die Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober 2013 bis
auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei
stationär. Es seien berufliche Massnahmen angezeigt. Bei der bisherigen
Tätigkeit bestünden aufgrund der gesundheitlichen Störung eine Schwäche und
Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule sowie der oberen und unteren
Extremitäten. Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht mehr
zumutbar und könne auch nicht durch mögliche Eingliederungsmassnahmen
verbessert werden. 

 

5.13   Dr. med. L.___ hielt im
Untersuchungsbericht vom 24. Juli 2014 (IV-Nr. 61 S. 11) betreffend
die Untersuchungen vom 14. Mai und 23. Juli 2014 folgende Diagnose
fest: «Impingement linke Schulter und Tendinosis calcarea der
Supraspinatussehne bei AC-Arthrose». Es erfolge eine konservative Therapie. Die
Beschwerdeführerin berichte über eine Besserung der Beschwerden an der linken
Schulter mit endgradiger Bewegungseinschränkung durch die Behandlung in V.___.
Bei der Untersuchung typisches Impingement der linken Schulter mit
isometrischer Schwäche für den Supraspinatus. Die periphere Sensibilität und
Durchblutung seien ungestört gewesen. Die in der MRI der linken Schulter vom
30. Mai 2014 (P.___, vgl. E. II. 5.10 hiervor) festgestellten Befunde seien
der Beschwerdeführerin demonstriert und ausführlich mit ihr besprochen worden. Aktuell
sei sie nach den Anwendungen in der Reha-Klinik V.___ nahezu beschwerdefrei.
Aus diesem Grund sei aktuell keine spezifische Therapie erforderlich. 

 

5.14   Aufgrund der Abklärung und
Behandlung der Beschwerdeführerin in der Klinik X.___, V.___, hielten die
Fachärztin für Innere Medizin FMH und Pneumologie FMH Y.___, und der Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Neurologie FMH Z.___, im Arztbericht
vom 31. Juli 2014 die folgenden Diagnosen fest (IV-Nr. 42 S. 3
ff.):

 

1. Geringgradiges obstruktives Schlafhypopnoe-Syndrom (ICD-10
G47.31)

-    
lautes Schnarchen in allen
Lagen fremdanamnestisch, jede Nacht

-    
häufige Nykturie

2. PLMS und möglicherweise RLS

3. Lupus erythematodes (Erstdiagnose Februar 2014, Dr. med. J.___
in [...])

4. Harninkontinenz bei Senkblase

5. Hysterektomie bei Zysten

6. HWS- und LWS-Schmerzsyndrom, DD: im Rahmen von Lupus
erythematodes

7. Rezidivierende Bronchitiden

 

Beurteilung: Schwierigkeiten mit dem
Einschlafen. Phasenweise Schnarchen, im Vordergrund Flattening, wenige
Hypopnoen mit Aufwachreaktionen, im REM / Rückenlage auch tiefe
zyklische Entsättigungen. Vermehrte Aufwachreaktionen aufgrund von alleinigem
Schnarchen und Flattening. Drei Phasen der periodischen Beinbewegungen. Abends
berichte die Beschwerdeführerin über Muskelspannung in den Beinen, die einer RLS-Symptomatik
entsprechen könne. Bei fast durchgehendem Flattening sei es schwierig gewesen,
bei den Arousals zwischen den bewegungsbedingten und atmungsbedingten Phasen zu
differenzieren. Es sei zunächst eine HNO-Untersuchung zur Beurteilung der
oberen Atemwege und Beratung über Alternativen zum CPAP vorgeschlagen worden. Die
Beschwerdeführerin rufe an, wenn sie sich zur CPAP-Therapie entscheide, um eine
Einstellungsnacht zu vereinbaren. Aufgrund der Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen
usw. sei die CPAP-Therapie, wenn auch probatorisch, sehr empfehlenswert. Auch
die Differenzierung zwischen möglicherweise noch vorhandenen phasischen
Sauerstoffabfällen wäre dadurch gut möglich. Im zweiten Schritt, nach der CPAP Einstellung,
würden auch die periodischen Beinbewegungen noch besser beurteilt und behandelt
werden können.

 

5.15   Im Arztbericht vom 8. August
2014 (IV-Nr. 33 S. 5 ff.) bestätigte Dr. med. J.___ aufgrund der
ambulanten Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 30. Mai 2014 die
bereits im Bericht vom 7. Mai 2014 festgestellten Diagnosen (vgl. E. II.
5.9 hiervor), welchen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zukämen. Dabei
präzisierte er bei der unter die Hauptdiagnose des «hochgradigen Verdachts auf
systemischen Lupus erythematodes» aufgeführten Diagnose einer «humoralen
Entzündungsaktivität August 2013, November 2013 und Mai 2014» und hielt
in Bezug auf diese Hauptdiagnose fest: «aktuell: Alpha-Dysproteinämie sowie
Sehnenscheidenganglion M. flexor pollicis longus links, Erhöhung der
Antimalarikum-Therapie». 

Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin sei besserungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen verbessert werden. Es seien berufliche Massnahmen
angezeigt. Die gesundheitliche Störung wirke sich bei der bisherigen Tätigkeit
wie folgt aus: Von Seiten des Lupus erythematodes bestünden entzündliche
Veränderungen mit Arthritiden und Arthralgien, welche eine manuelle Belastung
ungünstig erscheinen liessen. Von Seiten des Hohlrundrückens bestehe eine
verminderte Belastbarkeit ebenfalls im Rahmen einer generalisierten
Dekonditionierung bei auch Adipositas. Zudem bestehe bei Hypermotilität im
Bereich der Ellbogen und der Kniegelenke die Gefahr von Überlastungen bei
übermässigem Gewichtseinsatz. Der Beschwerdeführerin sei die bisherige
Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Sie sei als Betriebsschlosserin (Diplom aus [...])
und Pflegehelferin nicht arbeitsfähig. Als Kauffrau (Diplom aus [...]) sei eine
zumindest teilweise Tätigkeit vorstellbar. Längerfristig solle die
Beschwerdeführerin mit der entsprechenden Rehabilitation, Schulung und der
entsprechenden Medikation wieder zumindest zu 75 % arbeitsfähig sein
können. Dabei bestehe wahrscheinlich nur eine unwesentlich verminderte
Leistungsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz bzw. im
bisherigen Tätigkeitsbereich könne verbessert werden. Dies mit medizinischen
Massnahmen, die eine multimodale Rehabilitation, wie sie bereits eingeleitet
worden sei, umfasse. Zudem mit einer Intensivierung der antientzündlichen
Behandlung und der zentralschmerzmodulierenden Behandlung. Begleitende
Massnahmen im Sinne einer Unterstützung durch ein Case-Management seien bereits
eingeleitet worden. Die Arbeitsfähigkeit sollte durch Anpassungen der
statischen Belastungen und der Gewichtsbelastungen in zumindest 75%igem Umfang
wieder möglich sein. Der Beschwerdeführerin seien andere Tätigkeiten zumutbar.
Dabei sei zu beachten, dass diese keine gelenkbelastenden Tätigkeiten mit
Verminderung von hohen Belastungen für Hände, Schultern, Ellbogen, Knie und
Rücken, beinhalteten.

 

5.16   Im korrigierten Austrittsbericht
vom 25. August 2014 (IV-Nr. 37) bestätigten prakt. med. AA.___,
Oberarzt, prakt. med. AB.___, Assistenzarzt, und lic. phil. AC.___, Leitung
Schmerzzentrum / Psychosomatik, AD.___, betreffend den Aufenthalt der
Beschwerdeführerin vom 23. Juni bis 21. Juli 2014 die bereits durch
Dr. med. J.___ im Bericht vom 7. Mai 2014 (vgl. E. II. 5.9 hiervor)
festgestellten Diagnosen. Die Beschwerdeführerin sei am 23. Juni 2014 zur
stationären Rehabilitation im Rahmen des [...]-Programms (Behandlungsprogramm
für Patienten mit chronischen Schmerzen) zugewiesen worden. Sie leide seit
vielen Jahren an HWS- und LWS-Beschwerden mit Ausstrahlungen in die Arme und
Beine. Des Weiteren habe sie über Gelenkbeschwerden fast von allen Gelenken
sowie allgemeine Kraftlosigkeit und eingeschränkte Belastbarkeit geklagt. Beim
Eintritt sei die Beschwerdeführerin ohne Hilfsmittel klinikmobil gewesen. Es
hätten myalgische Beschwerden sowie diffuse Druckdolenz am ganzen Körper
bestanden. Die durchschnittliche Schmerzintensität habe sie mit VAS 8/10
angegeben. Die Beschwerden persistierten bis heute in unverändertem Ausmass, so
dass die Beschwerdeführerin nur leichteste Tätigkeiten übernehmen könne, es
bestehe seit September 2013 eine Arbeitsunfähigkeit als Pflegerin.

Die Rehabilitationsziele seien die
Verbesserung der Schmerzsymptomatik, die Steigerung der Belastbarkeit sowie die
muskuläre Rekonditionierung gewesen. Die Beschwerdeführerin sei ins multimodale
Therapieprogramm eingegliedert worden. Im Rahmen des interdisziplinär
ausgelegten Schmerzprogramms sei ein besonderes Augenmerk der Rehabilitation
auf eine Verbesserung der allgemeinen Kondition, insbesondere auf die Mobilisation
und den Aufbau der rumpfstabilisierenden Muskulatur gelegt worden. Daneben seien
eine begleitende psychologische Betreuung mit Vermittlung von
Schmerz-Copingstrategien sowie entspannenden Übungen, eine individuell
angepasste Einzelphysiotherapie, progressive Muskelrelaxation, Qi-Gong,
Tai-Chi, Moor, Herz-Kreislauftraining und Gespräche bei der klinischen
Psychologin, erfolgt. Die Heublumenwickel seien wegen Unverträglichkeit
abgesetzt worden. Innerhalb der Therapie seien isometrische Übungen zur
Kräftigung der Rumpf- sowie der Rückenmuskulatur im MTT durchgeführt worden.
Die Beschwerdeführerin sei allen angebotenen Therapien gegenüber aufgeschlossen
und motiviert gewesen. Sie habe ihr Therapieprogramm sehr ernst genommen und
gute Fortschritte hinsichtlich der Verbesserung der Schmerzsymptomatik bis auf
VAS 4-3/10 und einer Gewichtsabnahme erreichen können. Im Verlauf sei es zu
einer ersten Veränderung des Verhaltens gegenüber sich selbst gekommen, vor
allem in Bezug auf die Akzeptanz ihrer eigenen Grenzen. Sie habe sich Grenzen
gesetzt und sich Pausen eingeteilt. Dazu sei sie auch mobiler und belastbarer
geworden. Die Beschwerdeführerin habe sich während ihres stationären Aufenthalts
stets kardiopulmonal stabil und internistisch sowie laborchemisch unauffällig
gezeigt. Sie hätten die Beschwerdeführerin bei einem reduzierten Schmerzniveau
in gutem Allgemeinzustand am 21. Juli 2014 wieder nach Hause entlassen
können (S. 2 f.). In einer leichten Tätigkeit bestehe eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (S. 4). 

 

5.17   Im Bericht vom 1. September
2014 (IV-Nr. 61 S. 8 ff.) bestätigte Dr. med. J.___ aufgrund der
Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 25. August 2014 die bereits im
Bericht vom 8. August 2014 (vgl. E. II. 5.15 hiervor) gestellten Diagnosen,
wobei er betreffend die Hauptdiagnose eines «hochgradigen Verdachts auf
systemischen Lupus erythematodes» hinzufügte: «aktuell: Fatigue, generalisierte
Beschwerden im Rahmen auch eines Central pain syndroms, humorale
Entzündungsaktivität August 2014». Im Weiteren wurde neu die Hauptdiagnose: «Impingement
Schulter links bei Tendinitis calcarea Supraspinatussehne» mit den
Unterdiagnosen «MRI Schulter links Mai 2014: Tendinitis calcarea Ansatz
Infraspinatussehne, Akromion Typ II nach Bigliani mit geringer
AC-Gelenksarthrose» und «konservative Therapie» ausgewiesen.

Die Beschwerdeführerin sei in der
Rehabilitationsklinik V.___ zur Behandlung gewesen, wobei es ihr während des
Aufenthalts etwas besser gegangen sei. Aktuell bestünden jedoch wieder
unveränderte Beschwerden wie vor dem Rehabilitationsaufenthalt im Sinne einer
Fatigue, einer Leistungsminderung sowie generalisierten Beschwerden nicht nur
im Schultergürtel-Nackenbereich, wo degenerative Veränderungen bestünden,
sondern auch im Becken-Beinbereich. Auch klage die Beschwerdeführerin über
intermittierende lnkontinenz, weshalb am 10. September 2014 eine
urodynamische Untersuchung geplant sei. Aktuell sei auch noch eine Abklärung im
Schlaflabor in V.___ vorgesehen. Die Beschwerdeführerin befinde sich noch in
Betreuung bei Dr. med. AD.___. Aktuell zeige sich von Seiten des systemischen
Lupus erythematodes eine leichte humorale Entzündungsaktivität ohne Hinweise
für einen renalen Befall. Auch hämatologisch bestünden keine Auffälligkeiten im
Blutbild. Die Schilddrüse sei im Normbereich. Zur Bestätigung seien nochmals Anti-ds-DNA-Antikörper
bestimmt worden. Diese seien nach wie vor, wie bereits November 2013, positiv. In
diesem Sinne sei eine Steigerung der Plaquenil-Medikation indiziert, was der
Beschwerdeführerin auch so dargelegt worden sei.

Eine zentral schmerzmodulierende
Behandlung sei wünschenswert und sinnvoll. Es sei der Beschwerdeführerin
geraten worden, Solevita, Venlafaxin oder Citalopram einzusetzen. Die jährliche
ophthalmologische Kontrolle bei Dr. med. AD.___ unter Antimalarika sei am
5. September 2014 geplant. Bei fehlendem Effekt von Seiten des
Antimalarikums bzw. nach wie vor humoraler Entzündungsaktivität und bestehenden
Beschwerden sei eine Intensivierung der lmmunsuppression überlegenswert. Die
Beschwerdeführerin habe noch Fotografien der Haut vom 19. August 2014
zukommen lassen. Dabei zeige sich eine Rötung vor allem im oberen
Thoraxbereich, möglicherweise verstärkt durch vermehrte Sonnenexposition auch
im Gesichtsbereich. Heute sei jedoch die Hautveränderung nicht nachweisbar.

 

5.18   Dr. med. B.___, Facharzt
Allgemeine Medizin FMH, RAD, hielt in seiner Stellungnahme vom 2. Oktober
2014 (IV-Nr. 39 S. 2 ff.) folgende versicherungsmedizinische
Beurteilung fest: Das Hauptproblem der Beschwerdeführerin sei das
Fibromyalgiesyndrom mit Fatigue. Wie der letzte Bericht von Dr. med. J.___
zeige (vgl. E. II. 5.17 hiervor), habe auch der stationäre Aufenthalt in V.___
keine nachhaltige Wirkung gezeigt. Die Fibromyalgie könne jedoch
versicherungsmedizinisch keine Arbeitsunfähigkeit begründen. Die
Arbeitsfähigkeit sei aber für mittelschwere bis schwere Arbeiten durch den
Lupus erythematodes eingeschränkt. Leichte und leicht-mittelschwere Tätigkeiten
seien gemäss Dr. med. J.___ zu mindestens 75 % zumutbar. Doch beziehe er
wohl das chronische Schmerzsyndrom in seine Beurteilung mit ein. Rein bezogen
auf den remittierten Lupus gebe es keinen Grund, warum eine leichte Tätigkeit
nicht zu 100 % zumutbar sein sollte. Eine solche Tätigkeit sei auch unter
Berücksichtigung der Schulterschmerzen links und der degenerativen
Veränderungen der Wirbelsäule (s. Dr. med. L.___) vollumfänglich zumutbar
(S. 3). Die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit, wie
Büroarbeit, sei immer gegeben gewesen, dies bis auf eine leichte vorübergehende
Einschränkung von November 2013 - April 2014, d.h. bis die Krankheit
auf das Antimalarikum angesprochen habe. Hingegen bestehe für mittelschwere und
schwere Arbeiten, also auch als Pflegehelferin, aktenkundig ab dem
17. Februar 2014 (Arztzeugnis Dr. med. I.___, Dossier 9.5.14
S. 4) eine Arbeitsfähigkeit von 0 %. Doch aufgrund des
Intake-Gesprächs vom 22. November 2013 und dem rheumatologischen Bericht
vom 19. November 2013 (Dossier 14.6.14 S. 16) mit der erstmaligen
Verdachtsdiagnose des Lupus, müsse der Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf
November 2013 festgelegt werden.

 

Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit seien:

−    
Hochgradiger Verdacht auf
systemischen Lupus erythematodes

−   
DD undifferenzierte
Konnektivitis

−   
Krankheitsbeginn Herbst
2012 mit entzündlichen Arthralgien

−   
ANA-Positivität
niedrigtitrig, Anti-DNA-Positivität, Rheumafaktor und Anti-CCP-Negativität

−   
Handgelenksarthritiden
rechtsbetont

−   
humorale
Entzündungsaktivität August 2013 und November 2013

−   
Glukokortikoid-Therapie mit
deutlicher Beschwerdelinderung

−   
Remission unter
Antimalarikum-Therapie seit Februar 2014 

−   
aktuell: im Vordergrund
stehendes Central pain Syndrome

 

Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit seien:

−    
Periarthropathia
humeroscapularis calcarea links

−    
Radiologisch Osteochondrose
C5/6 mit Facettenarthrose April 2014

−    
Vitamin D3 Mangel

−     Fibromyalgie (Chronic Central
pain Syndrome)

−    
Hohlrundrücken

−    
Abortive Hypermobilität (Ellbogen,
Kniegelenke)

−    
Zystische Mastopathie

−    
Status nach Hysterektomie

−    
Adipositas Grad II (BMI 39,5)

 

In der angestammten Tätigkeit als
Pflegerin bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0 % ab November 2013. In einer
dem Leiden angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
Es sei keine zusätzliche Leistungseinschränkung zu berücksichtigen. Es sei eine
länger als ein Jahr andauernde Arbeitsunfähigkeit von 20 % und mehr
ausgewiesen. Es könnten berufliche Massnahmen erfolgsversprechend durchgeführt
werden. Die Fibromyalgie habe sich als therapierbar erwiesen. Der Lupus sei
erfolgreich behandelt.

 

5.19   Dr. med. I.___, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin FMH, hielt im «ausführlichen ärztlichen Bericht» vom
30. November 2014 (IV-Nr. 48 S. 2 ff.) zur medizinischen
Anamnese wiederkehrende Rückenschmerzen und eine Schwellung am Handgelenk fest.
Zurzeit seien Handgelenksschmerzen vorhanden. Seit dem 17. Februar 2014
sei die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig. Es wurden folgende Diagnosen
gestellt: «Hochgradiger Verdacht auf Lupus erythematodes; Fibromyalgie;
Hohlrundrücken; Impingement Schulter links bei Tendinitis calcarea». 2014 seien
teigige Schwellungen der Handgelenke vorhanden gewesen, wobei die Beweglichkeit
der Handgelenke in alle Richtungen eingeschränkt gewesen sei. Im Vergleich zur
Voruntersuchung vom Frühjahr 2014 habe sich der Zustand gebessert. Die
Beschwerdeführerin könne mittelschwere und leichte Tätigkeiten noch regelmässig
verrichten (S. 9). Diese dürften keine Nässe, Kälte, kein
Bücken / Heben / Tragen von Lasten enthalten und kein
Klettern oder Steigen. Die Arbeitsleistung sei herabgesetzt, weil die
Beschwerdeführerin in der Gebrauchsfähigkeit der Hände und des Rückens
eingeschränkt sei. Die Beschwerdeführerin könne indes eine Bildschirmarbeit und
Arbeiten am Arbeitsplatz ohne Hilfe einer anderen Person verrichten. Zu Hause
könne die Beschwerdeführerin die Arbeit ebenfalls ohne Hilfe einer anderen
Person ausführen (S. 10). Die letzte Tätigkeit in der Pflege könne die
Beschwerdeführerin nicht vollschichtig verrichten. Diese sei der
Beschwerdeführerin höchstens für 4 - 5 Stunden täglich zumutbar. Eine
angepasste Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin indes vollschichtig ausüben.
Die festgestellten Einsatzbeschränkungen bestünden auf Dauer seit 2014. Der
derzeitige Gesundheitszustand könne durch Medikamente verbessert werden
(S. 11). Eine Besserung der Leistungsfähigkeit könne durch berufliche
Rehabilitation bewirkt werden. Es sei keine Nachuntersuchung erforderlich
(S. 12).

 

5.20   Dr. med. B.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 30. März 2015 (IV-Nr. 59 S. 2) Folgendes
fest: Der kleine gynäkologische Eingriff wegen der Blaseninkontinenz habe
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 3. November 2014,
IV-Nr. 53 S. 5). Dasselbe gelte für das leichte obstruktive
Schlafapnoesyndrom (Bericht Schlafmedizin vom 31. Juli 2014, vgl. E. II.
5.14 hiervor). Eine Änderung des Gesundheitszustands sei jedoch offensichtlich
dadurch entstanden, als es wegen des Absetzens von Plaquenil zu einer
Verschlechterung des Lupus erythematodes gekommen sein könne (s. Mitteilung von
Dr. med. I.___ vom 22. Januar 2015, IV-Nr. 54 S. 2). Plaquenil habe
gemäss dem augenärztlichen Bericht der Klinik S.___ vom 15. Oktober 2014
wegen den Nebenwirkung einer Gesichtsfeldveränderung sistiert werden müssen.
Die Untersuchung in der Augenklinik des AE.___ vom 12. Dezember 2014 (vgl.
IV-Nr. 53 S. 3 f.) habe Befunde ergeben, die gegen eine medikamentös
toxische Maculopathie sprächen und die Wiederaufnahme der Plaqueniltherapie sei
wieder gestattet worden. Ob diese nun wieder aufgenommen oder eine
Ersatztherapie installiert worden sei, sei unbekannt. Anhand eines
Verlaufsberichts müsse nun man von Dr. med. I.___ und nach Möglichkeit auch vom
Rheumatologen des K.___ Dr. med. J.___ wissen, ob Beschwerdeführerin nun wieder
eine sog. Basistherapie erhalte und ob sich damit der Zustand bezüglich des
Lupus erythematodes wieder gebessert habe.

 

5.21   Dr. med. I.___ bestätigte im
Bericht vom 8. April 2015 (IV-Nr. 60) folgende Diagnosen: «Lupus
erythematodes, Haltungsinsuffizienz (fixierte Brustkyphose), Arterieller
Hypertonus, Dyslipidämie, Tendinitis calcarea, Inkontinenz, Depression».
Betreffend des muskulo-skelettalen Systems bestünden diese Krankheiten. Insbesondere
der Lupus führe zu Schwellungen an den Handgelenken. Zudem habe sich nun auch
eine recht ausgeprägte Depression entwickelt. Aktuell sei keine Arbeitsfähigkeit
gegeben. Unter intensiver Therapie sei es jedoch möglich, dass sich wieder eine
Teilarbeitsfähigkeit entwickle.

 

5.22   Dr. med. J.___ hielt im Arztbericht
vom 21. April 2015 (IV-Nr. 63 S. 3 ff.) folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 

−    
 Systemischer Lupus
erythematodes

−
DD: undifferenzierte
Konnektivitis

−
Krankheitsbeginn Herbst
2012 mit entzündlichen Arthralgien

−
ANA-Positivität
niedrigtitrig, Anti-dsDNA-Positivität (November 2013, Mai 2014),
Rheumafaktor und Anti-CCP-Negativität

−
Handgelenksarthritiden
rechtsbetont

−
humorale
Entzündungsaktivität August 2013 und November 2013

−
Glukokortikoid-Therapie mit
deutlicher Beschwerdelinderung

−
keine Hinweise für toxische
Makulopathie, Wiederaufnahme der Plaquenil-Behandlung März 2015

−
humorale
Entzündungsaktivität seit November 2013

−
Plaquenil-Therapie Februar
2014 - September 2014, Wiederbeginn April 2014

−
aktuell: Wiedereinleiten
der Plaquenil-Behandlung bei humoraler Entzündungsaktivität, Chronic central
pain-Syndrome

−    
Fibromyalgie
(Chronic central pain-Syndrome)

−    
Mittelschwere Depression 

−    
Adipositas Grad III (BMI 36,61 kg/m2
März 2015)

−    
Impingement Schulter links
bei Tendinitis calcarea

−
MRI Schulter links Mai 2014:
Tendinitis calcarea Ansatz Infraspinatussehne, Akromion Typ II nach Bigliani
mit geringer AC-Gelenksarthrose, Einriss Labrumbasis
anterior / superior

−
konservative Therapie

−    
MRI HWS April 2014 ([...]):
Chondrose C5/6 mit Diskusherniation ohne neurale Affektion

−    
Hohlrundrücken

−
MRI LWS Oktober 2013:
leichte Diskopathie L3-S1, Fazettenarthrosen L2-S1, Verdacht auf Spondylolyse
L5 rechts, keine Listhesis, keine Spinalstenose

 

Diagnosen ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit seien:

−    
Vitamin D3-Mangel November
2013 

−
aktuell: Mangel Mai 2014

−    
Leichtes obstruktives
Schlaf-Hypopnoe-Syndrom, Diagnose Juli 2014

−    
Abortive Hypermotilität
(Ellbogen, Kniegelenke)

−    
Zystische Mastopathie

−
 Zystenentfernungen 1974
und 2001 links

−    
Status nach Zystopexie bei
Blasensenkung

−
 vermehrte Belastungs-Inkontinenz

−
 Inkontinenz-Schlingen-Einlage
November 2014

−    
Tendovaginitis stenosans de
Quervain links und Verdacht auf CTS rechts

−    
Dyslipidämie

−    
Arterielle Hypertonie

 

Die Beschwerdeführerin sei in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betriebsschlosserin 100 %, als gelernte
Bürokraft (Diplom aus [...]) 25 % und als Pflegehelferin (SRK-Kurs)
100 % arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei aktuell sich
verschlechternd. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen
verbessert werden. Es seien berufliche Massnahmen und ergänzende medizinische
Abklärungen im Sinne einer Begutachtung notwendig. 

Die gesundheitliche Störung wirke sich
bei der bisherigen Tätigkeit durch intermittierend bestehende entzündliche
Veränderungen mit Arthritiden und Arthralgien von Seiten des systemischen Lupus
erythematodes aus. Zudem bestünden degenerative Veränderungen und eine
Adipositas, welche erhebliche Belastungen auch vor dem Hintergrund der
generalisierten Dekonditionierung ungünstig erscheinen liessen. Eine
mittelschwere oder sogar schwere Arbeit sei aufgrund dieser Situation
sicherlich nicht zumutbar. Inwieweit die chronische Schmerzproblematik aus
psychologischer / psychiatrischer Sicht überwindbar sei, könne nicht
beurteilt werden. Die bisherige Tätigkeit im Sinne der Arbeit als
Betriebsschlosserin und Pflegehelferin sei nicht mehr zumutbar. Als gelernte
Bürokraft bestehe eine sicherlich verwertbare Arbeitsfähigkeit. Aus
rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin für eine Büroarbeit zu 100 %
arbeitsfähig. Dabei bestehe nur eine unwesentliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit.

Die Arbeitsfähigkeit am bisherigen
Arbeitsplatz bzw. im bisherigen Tätigkeitsbereich könne verbessert werden. Dies
mit dem Weiterführen der immunsuppressiven Behandlung sowie Durchführung einer
Psychotherapie sowie unterstützenden Massnahmen im Sinne eines
Case-Managements, das die Beschwerdeführerin von der Case-Management-Stelle [...]
erhalten sollte. Diese sei bisher involviert gewesen. 

Aus rheumatologischer Sicht sollten mit
der Basistherapie und den zentral schmerzmodulierenden Massnahmen sowie der
psychotherapeutischen Begleitung einerseits die Arthritisschübe und die Müdigkeit
positiv beeinflusst werden, ebenso sollten sich die Schmerzen durch die
letztgenannten Tätigkeiten mindern. Der Beschwerdeführerin seien andere
Tätigkeiten zumutbar. Dabei sollte es sich um eine leichte bis maximal
mittelschwere Arbeit ausserhäuslich handeln. Die Haushaltführung sei für eine
maximal mittelschwere Tätigkeit zumutbar, da die Arbeitsabläufe eingeteilt
werden könnten. Bei den Tätigkeiten sollten das Hantieren von schweren Lasten
sowie das Verharren in monotonen Körperpositionen vermieden werden. Dabei
bestehe eine unwesentlich verminderte Leistungsfähigkeit.

 

5.23   Der die Beschwerdeführerin seit
4. Oktober 2013 behandelnde Dr. med. L.___ hielt aufgrund der letzten
Untersuchung vom 10. September 2014 im Arztbericht vom 26. April 2015
(IV-Nr. 61 S. 1 ff.) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit fest:

 

−    
Statisch muskuläres
Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler Belastungshaltung nach Brügger unter
vermehrter BWS-Kyphose und LWS-Lordose

−    
Osteochondrose C5/C6 mit
Facettengelenksarthrose und rezidivierenden Schmerzsyndromen

−    
Mehretagendiskopathie der
LWS mit Facettenarthrose am stärksten L4/L5 und chronisch rezidivierendem
LES-Syndrom

−    
Impingement rechte Schulter
durch Tendinosis calcarea 

−    
Impingement linke Schulter
und Tendinosis calcarea der Supraspinatussehne bei AC-Arthrose

−    
Tendovaginitis stenosans de
Quervain linke Hand und Verdacht auf CTS rechts

−    
Impingement rechte Hüfte
mit initialer Koxarthrose

−    
Systemischer Lupus
erythematosus (Herbst 2012)

−    
Vitamin D3-Mangel

−    
Fibromyalgie

 

Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit seien:

−    
Zystische Mastopathie

−    
Adipositas

−    
Status nach Hysterektomie

 

In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Seniorenbetreuerin sei die Beschwerdeführerin von 1. Oktober 2013 bis auf
Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei stationär.
Die gesundheitliche Störung wirke sich bei der bisherigen Tätigkeit aufgrund
einer bestehenden Schwäche und Bewegungseinschränkung der gesamten Wirbelsäule
sowie der oberen und unteren Extremitäten aus. Damit sei die bisherige
Tätigkeit nicht mehr ausführbar. Die Arbeitsfähigkeit am bisherigen
Arbeitsplatz bzw. im bisherigen Tätigkeitsbereich könne nicht verbessert
werden. Der Beschwerdeführerin seien keine anderen Tätigkeiten zumutbar. Es
bestehe eine umfassende Belastungsinsuffizienz des gesamten Bewegungsapparats.

 

5.24   Der die Beschwerdeführerin seit dem
23. Januar 2015 behandelnde Dr. med. AF.___, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, hielt im Arztbericht vom 11. Mai 2015 (IV-Nr. 64)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 

Mittelgradige depressive
Episode (ICD-10 F32.10), zumindest seit Januar 2015

 

Die Beschwerdeführerin sei in ihrer
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betreuerin seit dem 1. Januar 2015 zu
100 % arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei sich verschlechternd. Es
seien berufliche Massnahmen angezeigt. Es bestehe eine vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten, wobei eine verminderte
Leistungsfähigkeit von 100 % bestehe. Ein Versuch einer
Wiedereingliederung in eine körperlich nicht belastende Tätigkeit wäre nach
Stabilisierung der derzeit vorliegenden Symptomatik vorstellbar. Dies zu
2 - 4 Stunden täglich. Dabei bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit von 30 - 50 % aufgrund der chronischen
Schmerzen. 

 

5.25   Dr. med. B.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 27. Mai 2015 (IV-Nr. 67 S. 2 f.) die
folgende versicherungsmedizinische Verlaufsbeurteilung fest: Aus den zitierten
Berichten ergebe sich ein widersprüchliches Bild der Beschwerdeführerin und
deren Arbeitsfähigkeit. Während der Bericht von Dr. med. J.___ vom
21. April 2015 (vgl. E. II. 5.22 hiervor) ausführliche Befunde enthalte
und seine Beurteilung nachvollziehbar begründet werde, treffe dies auf den
psychiatrischen Bericht von Dr. med. AF.___ vom 11. Mai 2015 (vgl. E. II.
5.24 hiervor) nicht zu. Dr. med. L.___s Bericht vom 26. April 2015 (vgl.
E. II. 5.23 hiervor) sei nicht aktuell und entspreche seiner bereits bekannten
Stellungnahme mit nicht nachvollziehbarer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.
Entsprechend der Empfehlung von Dr. med. J.___ und aufgrund der neu gestellten
möglichen Diagnose einer Depression müsse die Beschwerdeführerin nun
bidisziplinär rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet werden.

 

5.26   Prof. Dr. med. Dr. phil. H.___, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, hielt in seinem
nervenärztlichen und sozialmedizinischen Gutachten vom 13. August 2015
(IV-Nr. 86 S. 3 ff.) zuhanden der C.___ welches der
Beschwerdegegnerin am 8. Februar 2016 zugestellt wurde (vgl.
IV-Nr. 86 S. 1), folgende Diagnosen fest (S. 20):

 

−    
Dringender Verdacht auf
systemischen Lupus erythematodes (lCD-10 M32)

−    
DD: Undifferenzierte
Konnektivitis / Kollagenose (lCD-10 M35.9)

−    
Erschöpfungssyndrom / Fatigue-Syndrom / depressive
Störung (lCD-10 F43.2 / G93.3)

−    
Verdacht auf kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, emotional instabilen und
abhängigen Anteilen (lCD-10 F61)

−    
Adipositas
per magna (lCD-10 E66.99)

−    
Verdacht auf
Polyneuropathie-Syndrom (im Rahmen der Kollagenose?) (lCD-10 G62.9)

−    
Intelligenz im unteren
Normbereich

 

Zusammenfassung und Beurteilung
(S. 20 ff.): Die Beschwerdeführerin beklage eine Kombination aus polytoper
Schmerz- und Erschöpfungs- bzw. depressiver Symptomatik. Seit 2013 hätten sich
diese Beschwerden zugespitzt: Die Beschwerdeführerin beschreibe Schmerzen im
Bereich der gesamten Wirbelsäule, der Hüftgelenke, der Hände und Füsse – «eigentlich
überall». Internistischerseits sei im Jahr 2013 der dringende Verdacht auf das
Vorliegen eines Lupus erythematodes gestellt worden (diese Diagnose werde
letztlich serologisch gestellt, die Befundkonstellation sei, soweit
diesbezüglich Informationen vorgelegen hätten, nicht eindeutig, weise aber
durchaus in diese Richtung). Die Beschwerdeführerin werde deswegen auch
medikamentös behandelt. Sie befinde sich in fachrheumatologischer Behandlung,
sollte auch weiterhin in engmaschiger Behandlung verbleiben. Sie werde dagegen
nicht von nervenärztlicher Seite behandelt, eine Psychotherapie habe sie nach
wenigen Sitzungen abgebrochen, da sie diese Versuche als wenig aussichtsreich
beurteilt habe. Psychopathologisch schildere die Beschwerdeführerin eine
Kombination aus depressiver und Erschöpfungssymptomatik. Ein
Erschöpfungssyndrom bzw. Fatigue-Syndrom komme durchaus gehäuft im Rahmen einer
Kollagenose wie eines Lupus erythematodes vor, auch ZNS Komplikationen könnten
auftreten. Bisher sei, so die Beschwerdeführerin, keine cMRT Serie angefertigt
worden. Auch cerebrale Komplikationen seien im Rahmen einer
Kollagenose / eines Lupus erythematodes durchaus zu befürchten. 

Die Beschwerdeführerin beschreibe ein
Störungsbild mit Herabgestimmtheit, Antriebsminderung und partieller Anhedonie.
Neben diesen Kardinalsymptomen schildere sie Durchschlafstörungen, eine
negative Zukunftsperspektive, eine reduzierte Selbstwertzuschreibung, Gedanken
von Lebensüberdruss, Konzentrationsstörungen, fraglich auch
Merkfähigkeitsstörungen. Die Symptomatik überlagere sich mit dem Erschöpfungssyndrom.
Übergänge zum sog. Fibromyalgie-Syndrom lägen nahe, liessen sich beim
gegenwärtigen Stand medizinischen Wissens aber nicht absichern. Möglicherweise
habe die rigide Ordnung des real existierenden sozialistischen Systems der
ehemaligen DDR für die Beschwerdeführerin auch Stabilität und Sicherheit
bedeutet, eine Unterstützung, die nach dem Zusammenbruch dieses Systems 1989
weggefallen sei. Die Biografie der Beschwerdeführerin sei seither von
Ungerichtetheit, Instabilität, ja Chaos gekennzeichnet. In den letzten zwei
Jahren sei die Situation zunehmend dekompensiert. Es sei ursächlich in der
Kombination aus komplexer Persönlichkeitsstörung, depressiver Entwicklung,
Erschöpfungssyndrom zu suchen.

Die Beschwerdeführerin benötige
wahrscheinlich eher soziotherapeutische / sozialpädagogische Hilfe
denn psychotherapeutische Unterstützung. Auch ihr Tagesablauf habe an Struktur
verloren, die Aufrechterhaltung ihres Haushalts gelinge ihr nur noch schwer.

Bezüglich des qualitativen
Leistungsvermögens wurde folgendes festgehalten: Möglich seien noch körperlich
leicht belastende Tätigkeiten unter Ausschluss von Arbeiten in Nacht- bzw.
Wechselschichtrhythmus und unter Zeitdruck. Hintergrund für diese Einschätzung
bilde das oben kurz skizzierte komplexe Störungsbild. Zum quantitativen
Leistungsvermögen wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei kaum noch in der
Lage, ihren Haushalt und ihren Alltag zu bewältigen. Dass vor diesem
Hintergrund eine regelmässige Erwerbstätigkeit dauerhaft durchführbar wäre, sei
wenig wahrscheinlich und wenig plausibel. Die letzten Arbeitsversuche der
Beschwerdeführerin lägen Jahre zurück und seien jeweils kurzfristig
gescheitert. Zur Zweckmässigkeit einer stationären Rehabilitationsmassnahme
wurde festgehalten, dass sich durch die Behandlung in einer
psychosomatisch / psychotherapeutisch ausgerichteten
Rehabilitationsklinik wesentliche Verbesserungen des Zustandsbildes der
Beschwerdeführerin erreichen liessen, müsse eher skeptisch gesehen werden.
Kollagenosen hätten die Tendenz, im Verlauf weitere Beschwerden mit sich zu
ziehen. Im Fall der Beschwerdeführerin sei also durchaus mit weiteren
Einschränkungen, Komplikationen zu rechnen. Eine Reevaluation des
Beschwerdebildes in zwei Jahren solle deswegen an dieser Stelle angeregt werden
(S. 23 f.).

 

5.27   Im Rahmen des bidisziplinären
Gutachtens vom 15. Oktober 2015 (IV-Nrn. 79.1 - 79.4)
hielten Prof. Dr. med. D.___, Chefarzt i.R., Innere Medizin und Rheumatologie
FMH, und Dr. med. E.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, G.___,
Begutachtungsstelle F.___, folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit fest:

 

1.    Spondylose des Axialskeletts, am meisten
LWS (ICD-10 M47.817), aber auch an BWS (ICD-10 M47.814) und HWS (ICD-10
M47.812)

2.    Tendinitis calcarea der linken Schulter
Infraspinatus mit leichtgradiger AC-Gelenkarthrose

3.    Verdacht auf atypische und undifferenzierte
Kollagenosen

 

Folgende Diagnosen seien ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit:

 

1.    Achse I (klinische Störungen)

−   
Leichte depressive Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01), Beginn im Mai / Juni 2013 in
Form einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1), mittlerweile
weitgehend rekompensiert, klinisch noch wirksam als leichte depressive Episode

2.    Achse II (deskriptive Strukturdiagnose)

−   
Akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit Selbstwertproblematik (ICD-10 Z73)

3.    Achse III (medizinische
Krankheitsfaktoren)

−   
siehe somatische Diagnosen
im rheumatologischen Teilgutachten Prof. Dr. med. D.___

4.    Achse IV (psychosoziale und
umgebungsbedingte Belastungen)

−   
Bei der Beschwerdeführerin
bestünden berufliche Probleme (nach der Kündigung durch den Arbeitgeber auf
Oktober 2013 sei sie arbeitslos, die berufliche Perspektive sei noch nicht
geklärt); des Weiteren bestünden in diesem Kontext Probleme mit dem sozialen
Umfeld, wirtschaftliche Probleme und, länger zurückliegend, Probleme mit der
Hauptbezugsgruppe (ihrer Familie, Kontaktabbruch mit dem Ex-Ehemann und den
beiden Kindern).

5.    Achse V (globale Erfassung des
Funktionsniveaus GAF)

−   
Der Score für GAF (= Global
Assessment of Functioning) liege bei 61 - 70, was bedeute: es bestünden
einige, krankheitsbedingte, leichtere Symptome (eine depressive Stimmungslage,
die Schlafstörungen usw.), welche die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit
jedoch nur minim beeinträchtigten, diese Funktionen seien ansonsten im
Allgemeinen verfügbar und relativ gut abrufbar, zudem handle es sich hier um
ein kurativ angehbares Leiden (die laufende Behandlung könne dementsprechend
noch verbessert werden).

6.    Bilaterale patellofemorale beginnende
Arthrose

7.    Beginnende Arthrose am rechten
Handgelenk

Weitere siehe PA

 

Als Pflegerin oder Betriebsschlosserin
sei die Beschwerdeführerin 100 % arbeitsunfähig für schweres Heben oder
längeres Stehen und Drehen. Dies wegen mechanischen Rückenbeschwerden und der Schulter-Tendinitis.
Zum «Beginn der Arbeitsunfähigkeit» wurde festgehalten, dass schon am 11. April
2014 ein ablehnender Vorbescheid ergangen sei. Es seien mit Einwand der
Beschwerdeführerin vom 7. Mai 2014 weitere medizinische Abklärungen und
die Rentenprüfung verlangt worden. Gemäss RAD-Bericht vom 2. Oktober 2014 (vgl.
E. II. 5.18 hiervor) wäre die angestammte Tätigkeit als Pflegerin seit November
2013 nicht mehr zumutbar, eine Verweistätigkeit sei jedoch zumutbar. Dieser
Einschätzung werde vollumfänglich zugestimmt. In einer angepassten Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin 100 % arbeitsfähig für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten, insbesondere wenn die Arbeitsabläufe eingeteilt
werden könnten und das Verharren in monotonen Körperpositionen vermieden werden
könne (S. 6). 

Aus rheumatologischer Sicht wurde
betreffend die medizinischen Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit festgehalten,
dass die erhöhten Akutphasen (Blutsenkung, CRP, C3 und C4) in diesem Fall etwas
unerklärt blieben. Die grenzwertigen Autoantikörper gegen ANA und dsDNA seien
auch nicht diagnostisch. Eine Wiederholung der Serumelektrophorese, die am
19. November 2013 gemacht worden sei, werde empfohlen, zusammen mit einer
Urin-Eiweisselektrophorese und quantitativer lgG- (inkl. lgG 4), lgM- und IgA-Messung.
Eine CT des Thorax und Abdomens sei wegen der unklaren
Axialskelettschmerzen-Komponente auch empfohlen, um eine retroperitoneale
Fibrosis (Morbus Ormond) oder andere entzündliche Prozesse auszuschliessen.
Diese seien unwahrscheinlich, aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Die Beschwerdeführerin sei seit Anfang
des Jahres 2014 in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Ausser
den dort durchgeführten psychotherapeutisch stützenden Gesprächen sei eine milde
antidepressive Pharmakotherapie mit einem pflanzlichen Arzneimittel für
depressive Verstimmungszustände (ein Johanniskraut-Extrakt) gestartet worden,
wobei jedoch genauere Dosisangaben für das verordnete Solevita forte fehlten
(entsprechende Studien mit solchen Präparaten verwiesen darauf, dass diese bei
leichten und mittelschweren depressiven Episoden nur dann eine Wirkung zeigen
könnten, wenn ausreichend, d.h. mit mindestens 800 mg / Tag
dosiert werde, was also als Mindestkriterium zu fordern sei). Mittlerweile sei
es, jedenfalls nach dem Bericht der Beschwerdeführerin, zu Unstimmigkeiten in
dieser psychiatrischen Fachbehandlung gekommen, es werde aktuell ein neuer
Fachbetreuer gesucht, wozu zu raten sei, ebenso zu einer Verbesserung bzw.
Überwachung der laufenden Therapie (ausreichende Dosierung und regelhafte
Einnahme). Massnahmen dieser Art seien dann ausreichend und geeignet, den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, auch bei den Belastungen durch die
berufliche Wiedereingliederung, die prinzipiell möglich sei und sofort begonnen
werden könne, zu begleiten und zu stützen. Darüber hinaus könne die
Beschwerdeführerin durch eine Berufsberatung seitens der AG.___ und / oder
der zuständigen IV-Stelle einen Benefit haben, wobei, jedenfalls aus psychiatrischer
Sicht, dieses Prozedere von der Beschwerdeführerin auch alleine in Eigenregie
eingeleitet und durchgeführt werden könne. Wenn diese Kautelen beachtet und das
angesprochene Prozedere konsequent und alsbald umgesetzt werde, seien sowohl
die medizinische wie auch die damit zusammenhängende Erwerbs- und
Sozialprognose aus psychiatrischer Sicht als gut einzuschätzen. Diese
Vorgehensweise sei mit einem äusserst geringen Nebenwirkungsspektrum behaftet
und somit der Beschwerdeführerin zumutbar. Auch seien die üblichen, für eine
Behandlung zu fordernden WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und
Wirtschaftlichkeit) erfüllt; gegebenenfalls spreche ausserdem nichts dagegen,
für die Beschwerdeführerin eine Schadenminderungspflicht SMP zu formulieren, da
eine versicherte Person ja alles ihr zumutbare zu unternehmen habe, um ihren
Gesundheitszustand zu verbessern bzw. wie im Falle der Beschwerdeführerin, wenn
die Arbeitsfähigkeit von 100 % schon wieder erreicht sei, dieses Niveau
auch künftig dauerhaft zu erhalten (S. 6 f.).

 

5.28   Dr. med. B.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 4. Dezember 2015 (IV-Nr. 83 S. 2 f.)
betreffend das bidisziplinäre rheumatologische und psychiatrische Gutachten der
Begutachtungsstelle F.___ vom 15. Oktober 2015 (vgl. E. II. 5.27 hiervor) Folgendes
fest: Das Gutachten sei insgesamt schlüssig, ausführlich, klar begründend und
demzufolge nachvollziehbar. Die sehr ausführliche Diagnoseliste könne dem
Gutachten (S. 4) entnommen werden. Zu beachten sei, dass die zuvor
gestellte Diagnose eines Lupus erythematodes nicht gesichert sei und
stattdessen die Verdachtsdiagnose einer atypischen, undifferenzierten
Kollagenose gestellt werde. Auch die früher gestellte Diagnose der Fibromyalgie
werde widerlegt. Ferner könne keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Gemäss der neuen Rechtsprechung würden
die Standartindikatoren (S. 7) zusammenfassend abgehandelt.

Die Arbeitsfähigkeit werde analog der
RAD-Stellungnahme vom 2. Oktober 2014 (vgl. E. II. 5.18 hiervor) beurteilt:
0 % in der angestammten Tätigkeit ab November 2013, dies besonders wegen
der arbeitseinschränkenden Spondylose der Wirbelsäule, dem Verdacht auf
Kollagenose und der Schulterproblematik links. Eine leichte bis mittelschwere
angepasste Tätigkeit ohne Verharren in monotonen Körperpositionen sei zu 100 %
zumutbar. Dies gelte durchgehend mit Unterbrüchen von beschränkter Dauer, da
sich eine längere Arbeitsunfähigkeit im Verlauf nicht begründen lasse (s.
S. 5). Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sei im Gutachten
nachvollziehbar und schlüssig aufgeführt. Es sei eine wesentliche Veränderung
des Gesundheitszustands (Verbesserung / Verschlechterung) mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten, entsprechend den bereits in der
Stellungnahme vom 2. Oktober 2014 gemachten Feststellungen. In einer dem
Leiden angepassten Verweistätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit durchgehend
100 %. In Bezug auf die Frage, ob Försterkriterien ausgewiesen würden, hielt
Dr. med. B.___ fest, diese würden nicht mehr angewandt. Berufliche Massnahmen
könnten erfolgversprechend durchgeführt werden, sie seien von den Gutachtern
auch dringend empfohlen worden. Der aktuelle Gesundheitszustand werde sich kaum
mehr sehr verändern. 

 

5.29   Die die Beschwerdeführerin seit
7. September 2015 behandelnde Dr. med. AH.___, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, AI.___, wies im Arztbericht vom 18. März
2016 (IV-Nr. 89) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aus:

 

Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), gemäss Beschwerdeführerin
seit circa Anfang 2015

 

Die Beschwerdeführerin sei in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Seniorenbetreuerin von 7. September 2015
bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Ihr Gesundheitszustand sei
besserungsfähig. Durch medizinische Massnahmen könne ihr Gesundheitszustand
verbessert werden. Die gesundheitliche Störung wirke sich bei der bisherigen
Tätigkeit durch Einschränkungen im Rahmen des depressiven Syndroms aus:
verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, reduzierte
Ausdauer / Belastbarkeit in Kombination mit erhöhter Ermüdbarkeit.
Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdegegnerin noch zumutbar. Bei einer
Verbesserung des depressiven Syndroms könne mit einer schrittweisen Steigerung
der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Wann dies genau der Fall sein werde,
könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden. Inwieweit eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der somatischen Vorerkrankungen
gegeben sei, könne durch die Unterzeichnende nicht beurteilt werden. Dabei
bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit im Sinne einer verminderten
Aufmerksamkeit und Konzentration, reduzierter
Ausdauer / Belastbarkeit in Kombination mit erhöhter Ermüdbarkeit.
Die Arbeitsfähigkeit am bisherigen Arbeitsplatz bzw. im bisherigen
Tätigkeitsbereich könne verbessert werden. So könne es durch eine integrierte
ambulante psychiatrische Behandlung zu einer Verbesserung des depressiven
Syndroms kommen, was wiederum eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mit sich
bringe. Die genannten Defizite seien globale Einschränkungen und beeinflussten
damit alle relevanten Arbeitsaktivitäten. 

 

5.30   Im Arztbericht vom 4. April
2016 (IV-Nr. 91) hielt Dr. med. I.___ folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit fest:

 

−  Lupus erythematodes

−  Haltungsinsuffizienz

 

Folgende Diagnosen hätten keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:

−  arterieller Hypertonus und Dyslipidämie

 

Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin sei besserungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen verbessert werden. Es seien berufliche Massnahmen
angezeigt. In der bisherigen Tätigkeit als Betreuerin würden sich die
gesundheitlichen Störungen durch Antriebslosigkeit, Schmerzen, Traurigkeit und
Überforderung auswirken. Die Beschwerdeführerin könne leichte Arbeiten, z.B.
Büro, zu 60 - 80 % machen. Dabei bestehe eine verminderte
Leistungsfähigkeit, da die Beschwerdeführerin mehr Pausen benötige. Eine
berufliche Integration über die Beschwerdegegnerin wäre sinnvoll. Es wären der
Beschwerdeführerin andere Tätigkeiten zu 60 - 80 % zumutbar,
z.B. Büroarbeiten. Unter «Vorschläge, weitere Fragen» wurde festgehalten: schwierige
soziale Situation, kein soziales Netz, wenig Motivation, depressiv, traurig,
hilflos, passiv, ängstlich, überfordert.

 

5.31   Dr. med. B.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 18. Mai 2016 (IV-Nr. 95) bezüglich des
Gutachtens von Prof. Dr. med. Dr. phil. H.___ vom 13. August 2015 (vgl. E.
II. 5.26 hiervor) fest, dessen Fachrichtung sei auf der Titelseite des
Gutachtens nicht lesbar. Da es sich um ein Rehabilitationszentrum für psychisch
Kranke handle, könne es sich bei ihm um einen Psychiater handeln. Doch werde
das Gutachten als nervenärztlich und sozialmedizinisch bezeichnet, also sei er
vielleicht auch Neurologe. Als psychiatrische Diagnose stelle er den Verdacht
auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, ohne diese zu begründen. Ferner
vermische er ein Fatigue-Syndrom, Erschöpfungssyndrom und eine depressive
Störung. Zudem stelle er rheumatologische Diagnosen und äussere den Verdacht
auf eine Polyneuropathie. Aus den Beurteilungen auf S. 23 sei zu
schliessen, dass der Gutachter die Beschwerdeführerin eigentlich nicht mehr für
arbeitsfähig halte. Das Gutachten sei nicht nachvollziehbar, da vage oder nicht
bzw. schlecht begründend. Es vermöge die ausführlichen Erhebungen, Diskussionen
und Begründungen im Gutachten der Begutachtungsstelle F.___ nicht in Frage zu
stellen.

Zum psychiatrischen Bericht von Dr. med.
AH.___ des AI.___ vom 18. März 2016 (vgl. E. II. 5.29 hiervor) wurde
festgehalten, dass durch den Gutachter der Begutachtungsstelle F.___ eine
leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert worden sei
und Dr. med. AH.___ die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit
aktuell mittelgradiger Episode stelle. Die am 7. September 2015 und
14. März 2016 erhobenen psychopathologischen Befunde seien jedoch nicht
mit einer mittelgradigen depressiven Episode vereinbar. Sie deckten sich
weitgehend mit den Befunden des psychiatrischen Gutachters (S. 8), wobei
dessen Befunderhebung weitaus gründlicher erfolgt sei. Unverständlich sei, wie
Dr. med. AH.___ aufgrund der genannten Symptome zur Einschätzung einer
gänzlichen Arbeitsunfähigkeit gelangte. Insgesamt müsse man annehmen, dass ihre
Beurteilung einer anderen Wahrnehmung des gleichen Zustands (Gutachten der
Begutachtungsstelle F.___ und Erstbeurteilung Dr. med. AH.___ im gleichen
Zeitraum erfolgt) entspreche. Sie könne jedoch die Beurteilung des Gutachters der
Begutachtungsstelle F.___ nicht in Frage stellen. 

Betreffend den Kurzbericht der
Hausärztin Dr. med. I.___ vom 4. April 2016 (vgl. E. II. 5.30 hiervor) sei
aus den Angaben insbesondere ein psychosoziales Fehlverhalten erkennbar. Die
Hausärztin halte die Beschwerdeführerin für leichte Arbeiten zu 60 - 80 %
arbeitsfähig. Es würden keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht,
welche berücksichtigt werden müssten. Es könne an der RAD-Beurteilung vom 4. Dezember
2015 (vgl. E. II. 5.28 hiervor) festgehalten werden.

 

5.32   Dr. med. J.___ hielt aufgrund der
ambulanten Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 26. Oktober 2016 im
Bericht vom 8. November 2016 folgende Diagnosen fest (IV-Nr. 104
S. 2 ff.): 

 

−    
 Systemischer Lupus
erythematodes

−
DD: undifferenzierte
Konnektivitis

−
Krankheitsbeginn Herbst
2012 mit entzündlichen Arthralgien

−
ANA-Positivität
niedrigtitrig, Anti-dsDNA-Positivität (November 2013, Mai 2014), Rheumafaktor
und Anti-CCP-Negativität

−
Handgelenksarthritiden rechtsbetont

−
humorale
Entzündungsaktivität August 2013 und seit November 2013

−
Glukokortikoid-Therapie mit
deutlicher Beschwerdelinderung

−
Plaquenil-Therapie Februar 2014 - September
2014 (keine Hinweise für toxische Makulopathie Dezember 2014 und Januar 2016),
seit Mai 2016

−
April 2016 und Mai 2016
persistierende humorale Entzündungsaktivität

−
aktuell: weiterhin leichte
humorale Entzündungsaktivität, kein nephritisches Urinsediment, Myalgien und
Arthralgien wahrscheinlich im Rahmen der Diagnose 2

−    
Fibromyalgie
(chronic central pain syndrome)

−    
Rezidivierende depressive
Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode

−    
Adipositas Grad III (BMI
37,54 kg/m2 Mai 2016)

−    
Impingement Schulter links
bei Tendinitis calcarea

−
MRI Schulter links Mai 2014:
Tendinitis calcarea Ansatz Infraspinatussehne, Akromion Typ II nach Bigliani
mit geringer AC-Gelenksarthrose, Einriss Labrumbasis anterior / superior

−
konservative Therapie

−
aktuell: keine Hinweise für
Rotatorenmanschettenläsion oder Impingement bei periarthropathischen
Beschwerden Schulter links

−    
Cholezystolithiasis

−
laparoskopische
Cholezystektomie 13. September 2016

−    
August 2016
Koronarangiographie ohne relevante Pathologie

− RF: familiär, arterielle Hypertonie,
Dyslipidämie (AGLA Risk Score 8,6 %), Adipositas

−    
MRI HWS April 2014 ([...]):
Chondrose C5/6 mit Diskusherniation ohne neurale Affektion

−    
Vitamin D3-Mangel November
2013 und Mai 2014

−    
Leichtes obstruktives
Schlaf-Hypopnoe-Syndrom, Diagnose Juli 2014

−    
Hohlrundrücken

−
 MRI LWS Oktober 2013:
leichte Diskopathie L3-S1, Fazettenarthrosen L2-S1, Verdacht auf Spondylolyse
L5 rechts, keine Listhesis, keine Spinalstenose

−    
Abortive Hypermotilität
(Ellbogen, Kniegelenke)

−    
Zystische Mastopathie

−
 Zystenentfernungen 1974
und 2001 links

−    
Status nach Zystopexie bei
Blasensenkung

−
 vermehrte
Belastungsinkontinenz

−
 lnkontinenzschlingen-Einlage
November 2014

−    
Tendovaginitis stenosans de
Quervain links und Verdacht auf CTS rechts

 

Beurteilung: Nach wie vor klage die
Beschwerdeführerin über vielfältige Beschwerden, so über Ganzkörperschmerzen,
insbesondere vom 23. zum 24. Oktober 2016 ohne Fieber bei oftmals
auftretenden Kopf- und Rückenschmerzen sowie Kältegefühl und Schwitzen im
Wechsel, bei gut verlaufener Cholezystektomie im September 2016. Die
Laboruntersuchung am 18. Oktober 2016 habe eine leichte humorale
Entzündungsaktivität gezeigt, die auch im Rahmen des systemischen Lupus
erythematodes gesehen werden könne, aber auch im Rahmen der Adipositas. An
einen Zusammenhang mit einer noch residuellen Entzündung im Bereich des
Operationssitus denke Dr. med. J.___ nicht, da sich der Entzündungswert im
Bereich der früheren Entzündungen halte und die Beschwerdeführerin abdominal nicht
über Beschwerden klage. Angesichts der Entzündung wäre eine Basistherapie mit
z.B. Methotrexat möglich und sinnvoll. Für eine Belimumab-Medikation
qualifiziere sich die Beschwerdeführerin nicht. Dabei stelle sich die von Dr. med.
I.___, insbesondere auch mit dem Mail vom 23. September 2016 (?),
gestellte Frage nach der Compliance hinsichtlich der Antimalarikum-Einnahme.

Die Beschwerdeführerin habe Dr. med. J.___
im Verlaufe der Jahre wiederholt um Rezeptausstellungen gebeten. Er habe diese
aber nicht immer kopiert, so dass er über die Gesamtmenge der allenfalls bezogenen
Antimalarikum-Medikamente nicht Auskunft geben könne. Die Fibromyalgie sei jedoch
im Vordergrund. Die Beschwerdeführerin habe sowohl Surmontil wie offensichtlich
auch Saroten sistiert und auch Duloxetin nicht eingenommen, da sie über Diarrhö
geklagt habe. 

 

5.33   Dr. med. B.___, RAD, hielt in
seiner Stellungnahme vom 31. Januar 2017 (IV-Nr. 106) zum Bericht der
Rheumatologie des K.___ vom 8. November 2016 (vgl. E. II. 5.32 hiervor) fest,
es würden bis auf den Zustand nach Cholecystektomie, was keine längere
Arbeitsunfähigkeit begründe, keine neuen medizinischen Tatsachen geltend
gemacht. Hervorzuheben sei, dass Dr. med. J.___ das Hauptproblem der
Schmerzsymptomatik in der Fibromyalgie sehe. Diese sei im Gutachten der Begutachtungsstelle
F.___ von Prof. Dr. med. D.___ verneint und die allgemeinen
Bewegungsapparatschmerzen durch Weichteil- und beginnende Arthrosesymptome
erklärt worden, für die Fibromyalgie fehlten einige Kriterien. Doch ungeachtet
leicht unterschiedlicher diagnostischer Interpretationen sei
versicherungsmedizinisch entscheidend, dass sich am klinischen Zustand nichts
geändert habe. Es könne an der RAD-Beurteilung vom 4. Dezember 2015 bzw.
18. Mai 2016 (vgl. E. II. 5.29 und 5.31 hiervor) festgehalten werden.

 

5.34   Im Konsultationsbericht vom
10. März 2017 (Beschwerdebeilage Nr. 4) hielt Dr. med. L.___ folgende
Diagnosen fest: «Statisch-Muskuläres Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler
Belastungshaltung bei vermehrter BWS-Kyphose und LWS-Lordose». Es bestehe eine Kombination
aus einer sternosymphysalen Belastungshaltung nach Brügger mit Schmerzen der
gesamten Wirbelsäule und Verspannungen der Schulter-Nackenmuskulatur und
Verschleisserscheinungen der LWS bei Spondylose und Spondylarthrose besonders
L4/L5. Neu fortgeleiteter Schmerz in den rechten Oberschenkel. Zum Ausschluss
einer Wurzelkompression Überweisung zum MRI der LWS mit anschliessender
Wiedervorstellung zur Besprechung der Befunde und des weiteren Vorgehens. 

 

5.35   Aufgrund der am 29. März
2017 durchgeführten MR der Lendenwirbelsäule hielt Dr. med. AJ.___, FMH
Radiologie, AK.___, im Bericht vom 29. März 2017 (Beschwerdebeilage
Nr. 5) folgende Beurteilung fest: Hyperlordose der LWS mit neu Bandscheibenprotrusion
im Segment LWK 4/5 paramedian links ohne allerdings ersichtliche Tangierung
der Nervenwurzel L5 am rezessalen Abgang in Rückenlage. Progression der
Bandscheibenprotrusion in stehender Position? Versuch einer PRT? Im Segment LWK 4/5
betonte Facettengelenksarthrose.

 

5.36   Im Konsultationsbericht vom
21. April 2017 (Beschwerdebeilage Nr. 8) hielt Dr. med. L.___
folgende Diagnose fest:

 

Statisch-Muskuläres
Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler Belastungshaltung bei vermehrter
BWS-Kyphose und LWS-Lordose mit rezidivierendem L5 Syndrom bei Protrusion L4/L5
links

 

Prozedere / Beurteilung: Im
MRI Protrusion L4/L5 links mit rezessaler Enge. Unter Belastung wäre eine
Reizung der Wurzel L5 in diesem Bereich denkbar und würde die Beschwerden der Beschwerdeführerin
erklären. Bei anhaltenden Problemen oder Verschlechterung Indikation zur PRT (periradikuläre
Therapie) der Wurzel L5 links zwischen L4/L5. Die Beschwerdeführerin absolviere
aktuell eine Behandlung im Thermalbad in Verbindung mit einer
Triggerpunkttherapie, welche fortgesetzt werden solle. 

 

5.37   Dr. med. L.___ hielt in seinem
fachärztlichen Bericht vom 1. Juli 2017 folgende Diagnosen fest
(Beschwerdebeilage Nr. 7):

 

−    
Rezidivierendes L5 Syndrom
bei Protrusion L4/L5 links

−    
Statisch-Muskuläres
Wirbelsäulensyndrom bei sternosymphysaler Belastungshaltung bei vermehrter BWS-Kyphose
und LWS-Lordose

−    
Impingement beide Schultern
und Tendinosis calcarea Supraspinatussehne links bei AC-Arthrose

−    
Impingement rechte Hüfte

−    
Systemischer Lupus
erythematodes (Herbst / 2012)

−    
Status
nach Tendovaginitis stenosans de Quervain links

 

Die Behandlung habe vom 4. Oktober
2013 bis zum 21. April 2017 gedauert. Aktuell fänden monatliche
Konsultationen statt. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
betrage 50 % bei einer Leistungseinschränkung von 50 %.

 

5.38   Dr. med. N.___, Facharzt FMH für
Lungenkrankheiten und Innere Medizin, führte im Bericht vom 11. Juli 2017
(Beschwerdebeilage Nr. 9) aus, die Beschwerdeführerin habe sich am
17. Mai 2017 und 6. Juni 2017 in Behandlung befunden. Sie habe über
einen chronischen Reizhusten, der nach einer Grippe im Februar begonnen habe,
sowie über eine chronische Müdigkeit und Kopfschmerzen bei seit 2014 bekannter
Schlafapnoe geklagt. Lungenfunktionell habe sie eine mittelschwere bronchiale
Hyperreaktivität bei normalem exhalierten NO und negativem Methacholintest aufgewiesen.
Die respiratorische Polygraphie vom 31. Mai 2017 habe die bekannte
mittelschwere obstruktive Schlafapnoe mit einem Apnoe- / Hypopnoeindex
von 25,8/h und einem Desaturationsindex von 25,6/h bestätigt. Es wurde die
Diagnose «mittelschweres obstruktives Schlafapnoesyndrom» und «chronischer
Husten, DD: Postinfektiös» festgestellt. Die Hustensymptomatik sei inzwischen
unter einer vorübergehenden Inhalationsbehandlung mit Axotide abgeklungen, was
einen postinfektiösen Husten bestätige. Bezüglich dem obstruktiven
Schlafapnoesyndrom sei die Anpassung einer nächtlichen CPAP-Therapie im
Schlaflabor der AL.___ in [...] vorgesehen. Sowohl der inzwischen abgeklungene
Husten als auch das Schlafapnoesyndrom hätten keine Arbeitsunfähigkeit zur
Folge.

 

5.39   Im Konsultationsbericht vom
16. Mai 2018 (Urkunde 14) hielt Dr. med. L.___ die Diagnose eines
«rezidivierenden L5 Syndroms bei Protrusion L4/5 links» fest. Es erfolge eine
konservative Therapie. Prozedere / Beurteilung: Die von der
Beschwerdeführerin in das linke Hüftgelenk projizierten Schmerzen seien
vertebrogenen Ursprungs. Es bestehe eine Protrusion des Bandscheibenfaches
L4/L5 mit Reizung der L5 Wurzel unter Belastung. Obwohl radikuläre Symptome im
linken Bein fehlten, könne das Hüftgelenk als Schmerzursache ausgeschlossen
werden. Radiologisch bestehe allenfalls eine diskrete zentrale
Gelenkspaltverschmälerung ohne osteophytäre Randanbauten bei ansonsten gut
abgrenzbarem Gelenkspalt. Bei der klinischen Untersuchung sei die Hüfte ohne
jeglichen Schmerz. Die Befunde seien der Beschwerdeführerin demonstriert und
ausführlich mit ihr besprochen worden. Ihr sei eine periradikuläre Therapie
vorgeschlagen worden. Zu dieser Massnahme habe sie sich aktuell nicht
entschliessen können. Verordnung von Physiotherapie. Gegen die Schmerzen sei
Tilur retard verordnet worden.

 

5.40   Mit Schreiben vom 16. August
2018 (Urkunde 11) bestätigte Dr. med. AM.___, Assistenzärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, AI.___, die Beschwerdeführerin habe sich vom
7. September 2015 bis 1. Mai 2018 in ambulanter psychiatrischer
Behandlung befunden. Eine erneute ambulante psychiatrische Behandlung im AI.___
bestehe seit dem 14. August 2018. Es wurde die Diagnose einer
«rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD10
F33.19)» festgehalten. Der Vertreter der Beschwerdeführerin hielt auf dem
Schreiben handschriftlich fest, der Unterbruch der Behandlung ab dem 1. Mai
2018 sei aufgrund der Schwangerschaft von Dr. med. AH.___ erfolgt.

 

6.       Es ist zunächst auf das durch
die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutachten bei der
Begutachtungsstelle F.___ vom 15. Oktober 2015 (vgl. E. II. 5.27 hiervor) einzugehen
und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf dieses abgestellt hat
(A.S. 3).

 

6.1     Das von Prof. Dr. med. D.___,
Chefarzt i.R., Innere Medizin und Rheumatologie FMH, und Dr. med. E.___,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstellte bidisziplinäre
Gutachten (IV-Nrn. 79.1 - 79.4) wird den von der Rechtsprechung
entwickelten Anforderungen (Vollständigkeit, Schlüssigkeit,
Nachvollziehbarkeit; vgl. II. E. 4.2 hiervor) gerecht. So wurde die
Beschwerdeführerin je einer ausführlichen rheumatologischen und psychiatrischen
Exploration unterzogen (IV-Nrn. 79.3 S. 1 ff. und 79.4
S. 2 ff.). Damit sind auch ihre geklagten Beschwerden in die
gutachterlichen Beurteilungen miteingeflossen. Zudem beruht das Gutachten auf
allseitigen Untersuchungen. So wurden eine labormedizinische Untersuchung / Immunologie
(IV-Nr. 79.2) und eine klinische rheumatologische Untersuchung inkl.
Zusatzuntersuchungen (IV-Nr. 79.3 S. 4 f.) durchgeführt und zudem wurde
der psychische Befund nach AMDP (IV-Nr. 79.4 S. 7 ff.) erhoben. Durch
das Aufführen der medizinischen Vorakten ab dem 7. Februar 2013 in
chronologischer Reihenfolge (IV-Nr. 79.1 S. 10 ff.) wurde das
Gutachten zudem in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt. Ferner leuchten
die medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation
ein: So führte der rheumatologische Gutachter aus, die Beschwerdeführerin habe klar
degenerative mechanische Axialskelettschmerzen, am meisten im BWS- und
LWS-Bereich, welche mit ausstrahlenden pseudoradikulären Schmerzen verbunden
seien, ohne Hinweise klinisch oder bildgebend für neurologische Involvierung
(IV-Nr. 79.3 S. 5). Diese Einschätzung überzeugt aufgrund der an der
BWS und LWS erhobenen rheumatologischen Befunde. So befinde sich wegen den
Schmerzen der Endpunkt bei der Rotation der BWS rechts bei 45 ° und links
bei 60 °. Zudem seien an der LWS diffuse Bewegungseinschränkungen wegen
Schmerzen, insbesondere lateral, vorhanden (IV-Nr. 79.3 S. 4). Aufgrund
der beschriebenen rheumatologischen Untersuchungsbefunde leuchtet zudem ein,
wenn der Gutachter von einem Missverhältnis zwischen stark behindernden
Schmerzen und minim objektiven Befunden ausging, welches er auf eine gewisse
emotionale Überlagerung zurückführte (IV-Nr. 79.3 S. 5). Denn bei der
Untersuchung der Beschwerdeführerin überwog das Schmerzverhalten: So habe die Beschwerdeführerin
über seit Jahren bestehende Schmerzen im Knie, in der Schulter, in der Hüfte,
am Axialskelett HWS, der BWS und LWS sowie über Rücken- und Gesässchmerzen geklagt
(IV-Nr. 79.3 S. 2 f.). Im Vergleich dazu wurden bei der
rheumatologischen Untersuchung u.a. folgende Befunde festgestellt: Keine Weichteilschwellungen
oder objektive Synovialitis, beidseitig negativer Finkelstein-Test für de
Quervain Tenosynovitis, patellofermorale Schmerzen mit positivem Clark-Test
beidseits mit Crepitus ohne Erguss oder Entzündung, suggestiver abduktionsabhängiger
Schmerz aktiv und passiv, keine Leistenschmerzen, negativer Mennell-Test,
inkonsistent reduzierte Bewegungen der Schulter und am Axialskelett HWS, keine
Auslösung einer Wurzelsymptomatik, diffuse Bewegungseinschränkungen der LWS. Somit
ist eine Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin und
den erhobenen gutachterlichen Befunden plausibel. Im Rahmen der psychiatrischen
Exploration führte der psychiatrische Gutachter diesbezüglich aus, die
Beschwerdeschilderung sei weitgehend adäquat, leichte Verdeutlichungstendenzen seien
spürbar, wie häufig in solchen Untersuchungssituationen (IV-Nr. 79.4
S. 9). Es gebe indes keine Anhalte für Simulation oder Aggravation, auch
nicht umgekehrt für ein dissimulatives Verhalten. Aufgrund der anlässlich der psychiatrischen
Exploration festgestellten Befunde ist die Darlegung des psychiatrischen
Gutachters nachvollziehbar, wonach gemäss den operationell definierten
Leitlinien der ICD-10 derzeit noch das klinische Bild einer «leichten
depressiven Episode mit somatischem Syndrom» vorliege (IV-Nr. 79.4
S. 11). So wurde die Beschwerdeführerin bei der Exploration u.a. als wach,
bewusstseinskl