# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67741003-82d4-54ba-bf3e-2c5e81c08e1c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2021 E-3093/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3093-2021_2021-07-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3093/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Karin Fischli,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

Bundesasylzentrum, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 3. Juni 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3093/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am 24. Februar 2021 in der Schweiz um 

Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 4. März 2021 und der An-

hörung nach Art. 29 AsylG vom 25. Mai 2021 machte er im Wesentlichen 

Folgendes geltend:  

Er sei afghanischer Staatsangehöriger, ethnischer Paschtune und stamme 

aus B._______, wo er mit seiner Familie bis zu seinem (…) Lebensjahr 

gelebt habe. Sein Vater sei während der Najib-Herrschaft Kommandant ei-

ner Regierungstruppe gewesen, bis er bei einem Bombenanschlag ums 

Leben gekommen sei. In der Folge sei seine Familie nach C._______, Pa-

kistan, geflüchtet, wo sein Bruder und er – unter anderem auch mit Mitglie-

dern der Taliban und anderer extremistischer Gruppierungen – eine Mad-

rasa besucht hätten. Als der Beschwerdeführer (…) oder (…) Jahre alt ge-

wesen sei, sei seine Familie nach Afghanistan zurückgekehrt, wo sie fortan 

im Dorf D._______, Distrikt E._______, Provinz F._______ gelebt hätten. 

Sein Bruder habe den (…)club «(…)» in G._______ eröffnet, in welchem 

der Beschwerdeführer als stellvertretender Chef fungiert habe. Nach (…), 

(…) Jahren habe er die Leitung des Clubs übernommen, nachdem sein 

Bruder den Taliban an einen anderen Ort gefolgt sei, um dort Sport zu un-

terrichten. Er (der Beschwerdeführer) habe sodann für das afghanische 

(…) Team während mehrerer Jahre an Turnieren teilgenommen.  

Im Jahr 2019 sei sein Bruder zusammen mit zwei weiteren Personen aus 

dem Dorf getötet worden. Ungefähr eine Woche nach der Beerdigung hät-

ten die Taliban den Beschwerdeführer aufgefordert, dessen Platz bei ihnen 

einzunehmen und diesen zu rächen. Auch hätten sie ihm gesagt, sie seien 

in Pakistan für den Lebensunterhalt seiner Familie aufgekommen, was ihm 

seine Mutter bestätigt habe. Er hätte den Schülern einer Madrasa Sportun-

terricht geben sollen, was jedoch nur ein Vorwand gewesen sei, weshalb 

er das Angebot abgelehnt habe. Insgesamt seien die Taliban drei Mal zu 

ihm gekommen – wobei er sich beim dritten Mal versteckt gehalten habe 

und sie nur mit seiner Mutter gesprochen hätten – und hätten ihm schliess-

lich einen Brief zukommen lassen, in welchem ihm vorgeworfen worden 

sei, er habe sich an die Behörden gewandt und sei somit für den Tod seines 

Bruders und der anderen zwei Personen verantwortlich. Im Brief sei fest-

gehalten gewesen, dass er getötet würde, sollte er sich nicht beim Stütz-

punkt der Taliban melden. Dieses Schreiben habe er dem Dorfvorsteher 

übergeben, worauf dieser ihm zur Ausreise geraten habe, zumal er auch 

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seitens der Brüder der mit seinem Bruder getöteten Dorfbewohner, die 

ebenfalls Taliban seien, bedroht werden könne. Daraufhin habe er Afgha-

nistan – dank eines in Kabul ausgestellten Reisepasses mit iranischem Vi-

sum – auf legalem Weg in Richtung Iran verlassen. Seine Ehefrau lebe mit 

den gemeinsamen Kindern aktuell bei seinem Schwiegervater in 

H._______, Kabul. 

Der Beschwerdeführer reichte seine Tazkara, die Tazkara seiner Ehefrau 

und seiner Mutter, die Karte einer Madrasa, die Geburtsurkunde seines 

Sohnes und einer seiner Töchter (alles im Original), sowie Kopien von Fo-

tos betreffend seine sportlichen Aktivitäten zu den Akten.  

B.  

Das SEM unterbreitete der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers am 

1. Juni 2021 einen Entwurf des vorgesehenen Asylentscheides. Diese liess 

sich am 2. Juni 2021 dazu vernehmen. 

C.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 3. Juni 2021 stellte das SEM 

fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung an, schob den 

Wegweisungsvollzug indes infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vor-

läufigen Aufnahme auf. Gleichzeitig wurden ihm die editionspflichtigen Ak-

ten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.  

D.  

Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer gegen diese 

Verfügung durch seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung 

von Asyl; eventualiter sei er durch das angerufene Gericht anzuhören und 

die Vorinstanz anzuweisen, ihn als Flüchtling anzuerkennen und ihm Asyl 

zu gewähren; subeventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung 

des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtli-

cher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in-

klusiv Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

E.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Juli 

2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 4 

F.  

Am 8. Juli 2021 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht bestätigt.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG sowie Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Mass-

nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Covidvirus [Covid-19-

Verordnung Asyl, SR 142.318], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-

gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Weg-

weisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläu-

fig aufgenommen hat. Damit sind die beiden anderen Bedingungen für ei-

nen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit und Unmög-

lichkeit) wegen ihrer alternativen Natur – ist eine Bedingung erfüllt, ist der 

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Seite 5 

Vollzug der Wegweisung undurchführbar – ebenfalls nicht mehr zu prüfen 

(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).  

2.2 Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme 

würde dem betroffenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das 

Bundesverwaltungsgericht offenstehen (vgl. Art. 105 AsylG), wobei in je-

nem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe 

der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen 

wären (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 

im Sinne von Art. 7 AsylG nicht zu erfüllen vermöchten. Seine Angaben 

seien in wesentlichen Aspekten vage, wenig substantiiert und teilweise wi-

dersprüchlich ausgefallen. Sowohl seine Angaben zum ersten Besuch der 

Taliban als auch zu seiner Absage würden – trotz vereinzelter Wiedergabe 

von Auszügen direkter Rede – an Substanz vermissen lassen. Auf Nach-

fragen hin habe er ausweichend geantwortet und erklärt, bereits von den 

Geschehnissen berichtet zu haben. Auch die Angaben bezüglich des zwei-

ten Besuchs der Taliban seien vage und unsubstantiiert geblieben. Zudem 

habe er sich uneinheitlich geäussert, indem er einerseits erklärt habe, ruhig 

geworden zu sein, als der dritte Talib interveniert habe, und andererseits 

auf die Frage, wie dies zu verstehen sei, erklärt habe, er habe gezittert und 

Angst gehabt. Zwar habe er bezüglich des zweiten Besuchs einzelne De-

tails erwähnt und sei auf seine Emotionen eingegangen, seine Angaben 

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würden indes auch in diesem Zusammenhang nicht die Dichte an Real-

kennzeichen aufweisen, welche auf eigenes Erleben schliessen liesse. 

Dasselbe gelte auch für seine Ausführung zum Gespräch mit seiner Mutter, 

welches er im Anschluss an den zweiten Besuch der Taliban geführt habe.  

Seine Angaben zu den Personen, die zu ihm gekommen seien beziehungs-

weise denen sich sein Bruder angeschlossen habe, seien wenig konkret 

geblieben. Seine Ausführungen dazu, woran er erkannt habe, dass sie Mit-

glieder der Taliban seien, seien weitgehend stereotyp und ohne Substanz 

ausgefallen. Somit sei nicht nur unklar geblieben, von wem er sich bedroht 

gesehen habe, sondern auch inwiefern es sich dabei um ihm bekannte 

Personen beziehungsweise Dorfbewohner gehandelt haben soll. Seine An-

gabe, wenn man einen Talib bei den Behörden rapportiere, könne man in 

eine andere Gegend ziehen, nicht jedoch, wenn man mit den Dorfbewoh-

nern Probleme habe, sei vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar. Es 

wären von ihm differenziertere und substantiiertere Angaben zu erwarten 

gewesen, zumal sein Bruder über (…) Jahre mit diesen Personen verkehrt 

haben soll.  

Hinsichtlich des Inhalts des Drohbriefs habe er zwar erwähnt, dass die Ta-

liban ihm unterstellt hätten, sich an die Behörden gewandt zu haben. Das 

Interesse der Taliban an seiner Person habe er indes ausschliesslich damit 

begründet, dass diese ihn in Pakistan finanziert gehabt hätten und an ihm 

als Sportler interessiert gewesen seien. Näher zu den Problemen mit den 

Dorfbewohnern – beziehungsweise der Verwandten der zusammen mit 

seinem Bruder getöteten Dorfbewohnern – befragt, habe er ausgeführt, al-

les, was er im Dorf zurückgelassen habe, sei von den Dorfbewohnern mit-

genommen worden. Konkrete Vorfälle vor seinem Weggang aus dem Dorf 

habe er verneint. Seine Furcht vor allfälligen Übergriffen seitens der Dorf-

bewohner habe er einzig mit dem Brief begründet, demzufolge er für den 

Tod dieser Personen verantwortlich sei, da er sich an die Behörden ge-

wandt haben soll. Schliesslich habe er auch keine Angaben dazu machen 

können, ob sein Bruder und die zwei anderen Getöteten, von den Taliban 

oder den Behörden getötet worden seien. Er habe somit nicht nachvoll-

ziehbar und substantiiert darlegen können, inwiefern er sich von den Dorf-

bewohnern bedroht gesehen haben wolle.  

5.2 Auf Beschwerdeebene wiederholt der Beschwerdeführer seine Vorbrin-

gen und hält daran fest, dass seine Aussagen insgesamt ausführlich, 

durchaus substantiiert und detailliert, widerspruchsfrei, sowie mit hoher lo-

gischer Konsistenz (trotz achronologischer Erzählweise) ausgefallen 

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seien. Dass er auf die Aufforderung hin, etwas nochmals zu schildern, 

mehrfach darauf verwiesen habe, bereits davon erzählt zu haben, lasse ein 

grundlegendes Verständnisproblem, was die Absicht der Fragen betroffen 

habe, ersichtlich werden, und es sei nicht gerechtfertigt, ihm dies entge-

genzuhalten. Die von der Vorinstanz als uneinheitlich interpretierten Ant-

worten des Beschwerdeführers hinsichtlich seines Gemütszustands an-

lässlich des zweiten Besuchs der Taliban könnten durchaus erklärt werden. 

So sei er ruhig geworden, nachdem (…) die anderen zwei Personen beru-

higt habe, welche ihn am Kragen gepackt hätten, und sie davon abgehalten 

habe, ihn mitzunehmen. Dass er dabei ruhiger geworden sei, jedoch trotz-

dem gezittert und weiterhin Angst gehabt habe, sei nicht widersprüchlich, 

sondern vielmehr verständlich angesichts der angespannten Situation. Er 

habe sich ausserdem bemüht, Informationen zu den Verfolgern zu liefern 

und Details anzugeben, insofern ihm dies möglich gewesen sei. Die Tatsa-

che, dass er nur (…), nicht aber die anderen beiden persönlich gekannt 

habe, und auch, dass er die Taliban, mit denen sein Bruder verkehrt habe, 

zu wenig gekannt habe, könne ihm nicht vorgehalten werden. Ferner habe 

er nicht wissen oder erklären können und müssen, was in den Köpfen sei-

ner Verfolger vorgegangen sei. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsge-

richts könne angeblich unlogisches oder inkohärentes Verhalten der Ver-

folger nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden. Dass er ausgeführt 

habe, nicht sicher zu sein, wer die Täter gewesen seien, zeuge zudem für 

die Glaubhaftigkeit, da er Unsicherheiten ausführe und begründe. Relevant 

sei sodann insbesondere, dass die Taliban und die Dorfbewohner davon 

ausgegangen seien, dass es die Behörden gewesen seien, welche seinen 

Bruder und die anderen Dorfbewohner getötet hätten. Dies sei schlüssig 

mit dem Vorwurf gegenüber dem Beschwerdeführer, dass er die Behörden 

informiert haben solle und es deshalb zum Tode des Bruders und der an-

deren Dorfbewohner gekommen sei, worauf seine Verfolgung basiere. Er 

werde als Verräter gesehen, welcher sich nicht den Taliban und dem Got-

tesstaat unterstelle. 

Die Verfolgung durch die Taliban beziehungsweise die den Taliban nahe-

stehenden beziehungsweise angehörigen Dorfbewohner – namentlich die 

Besuche sowie den Drohbrief – sei gezielt auf den Beschwerdeführer ge-

richtet. Die Taliban hätten ihm mit dem Tod gedroht, womit die Verfolgung 

auch intensiv sei. Im Zeitpunkt der Ausreise sei die Verfolgung imminent 

gewesen und drohe ihm auch zum jetzigen Zeitpunkt noch immer. Das Mo-

tiv bestehe darin, dass er von den Taliban als Person, welche gegen ihre 

Normen verstosse beziehungsweise deren Befolgung verweigere, einge-

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stuft werde. Er gehöre zu einer Risikogruppe im Sinne der UNHCR-Richt-

linie zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghanischer Asyl-

suchender vom 30. August 2018, wonach sich Gruppen von Personen de-

finieren lassen würden, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien, da er sich konsequent den Aufforde-

rungen zu Unterrichtstätigkeiten für die Taliban widersetzt habe, ein ange-

sehener (…)lehrer und (…)clubführer seiner Region gewesen sei und 

mehrfach an nationalen und internationalen Wettbewerben für das afgha-

nische Team teilgenommen habe, womit er sich klar als regierungsfreund-

lich positioniert habe beziehungsweise so wahrgenommen worden sei. Zu-

dem sei sein Onkel mütterlicherseits von den Taliban als den Amerikanern 

nahestehende Person eingestuft worden. Insgesamt liege eine gezielte 

asylrelevante Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG vor.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Verfügung des SEM betreffend die Fluchtgründe im Er-

gebnis zu bestätigen ist. Vorab kann festgestellt werden, dass das Bundes-

verwaltungsgericht die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verfol-

gungssituation vor seiner Ausreise aus Afghanistan, namentlich durch die 

Taliban respektive die Dorfbewohner, grundsätzlich nicht in Frage stellt. 

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Eine asylrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers kann zum heutigen 

Zeitpunkt indes nicht angenommen werden. 

Als Wesentlich wird Folgendes erachtet: 

7.2  

7.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mehrfach festgestellt, dass in Af-

ghanistan gewisse Gruppen von Personen aufgrund ihrer Exponiertheit ei-

nem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien. Dazu gehören Perso-

nen, welche der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemein-

schaft inklusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder als Un-

terstützer derselben wahrgenommen werden sowie westlich orientierte 

oder der afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht 

entsprechende Personen. Einem besonders hohen Risiko sind gemäss 

verschiedenen Quellen Personen ausgesetzt, die regelmässig bei den Mi-

litärbasen gesehen werden und eng mit den Militärangehörigen zusam-

menarbeiten. Diese sind besonders gefährdet, weil extremistisch oder fa-

natisch eingestellte Gruppierungen – insbesondere die Taliban – Muslime, 

welche für die ihrer Meinung nach ungläubigen Besetzer im Land arbeiten, 

als Verräter betrachten, die es hart zu bestrafen gelte (vgl. beispielsweise 

das Urteil des BVGer E-4907/2019 vom 26. März 2020 E. 5.3.2).  

7.2.2 Der Beschwerdeführer gab zwar an, er habe für das afghanische 

Team mehrfach an internationalen (…)wettkämpfen teilgenommen. Aus 

seinen Schilderungen geht jedoch hervor und davon geht er auch selber 

aus, dass das Interesse der Taliban an seiner Person darin gründe, dass 

diese ihn in Pakistan finanziert hätten und an ihm als Sportler interessiert 

gewesen seien (vgl. SEM-Akten [act.] A31 F130 ff.). Seinen Aussagen sind 

keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass die Taliban ihn wegen einer 

regierungsfreundlichen Haltung hätten unter Druck setzen wollen. Die 

Massnahmen der Taliban waren in diesem Lichte betrachtet – entgegen 

der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – nicht politisch motiviert. 

Eine besondere Exponiertheit im Sinne der obgenannten Rechtsprechung, 

welche mit einem erhöhten Verfolgungsrisiko einhergeht, sowie andere 

Verfolgungsmotive im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsylG sind vorliegend eben-

falls nicht ersichtlich.  

7.3 Schliesslich kann indes offengelassen werden, ob die Verfolgungs-

massnahmen der Taliban politisch motiviert gewesen sind, weil es keinen 

Grund zur Annahme gibt, der Beschwerdeführer hätte nicht an einem an-

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Seite 10 

deren Ort – insbesondere in Kabul – Zuflucht finden können. Er führte an-

lässlich der Anhörung selber aus, dass Problemen mit den Taliban durch 

einen Wegzug aus dem Dorf ausgewichen werden könne (vgl. act. A31 

F137). Was seine Befürchtungen betrifft, dass seine Familienangehörigen 

von den Dorfbewohnern überall erkannt werden könnten (vgl. act. A31 

F137 ff.), ist festzuhalten, dass seine Frau und Kinder seit seiner Ausreise 

bei seinem Schwiegervater in Kabul leben (vgl. act. A31 F20 f.) und seinen 

Aussagen keine Hinweise darauf zu entnehmen sind, dass sie seither – 

abgesehen von der Hausplünderung im Heimatdorf – Probleme seitens der 

Dorfbewohner erhalten hätten (vgl. act. A31 F52). Insgesamt ist somit nicht 

davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe bei einer (angesichts der 

vorläufigen Aufnahme gänzlich hypothetischen) Rückkehr nach Afghanis-

tan im heutigen Zeitpunkt begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im 

Sinn von Art. 3 AsylG.  

7.4 Soweit im Anschluss an die materiell-rechtlichen Vorbringen in der Be-

schwerde gerügt wird, das SEM habe den Sachverhalt ungenügend erho-

ben, weshalb als Subeventualbegehren eine Rückweisung beantragt 

werde, ist festzuhalten, dass das SEM die massgeblichen Vorbringen des 

Beschwerdeführers erfasst und gewürdigt hat. Dass nach den Befragun-

gen gewisse Punkte Fragen oder Unklarheiten aufwerfen, liegt nicht am 

ungenügend erhobenen Sachverhalt, sondern ergibt sich aus der materiell-

rechtlichen Würdigung der Aussagen durch die Vorinstanz. Diese Würdi-

gung wurde von der Vorinstanz – wie oben ausgeführt – rechtskonform 

vorgenommen. Eine Rückweisung an die Vorinstanz zur Abklärung des 

Sachverhalts fällt somit ausser Betracht. Die formelle Rüge ist unbegründet 

und der entsprechende Subeventualantrag abzuweisen. Es besteht in die-

sem Zusammenhang auch kein Grund für das Gericht, den Beschwerde-

führer nochmals anzuhören, weshalb dieser Eventualantrag ebenfalls ab-

zuweisen ist.  

7.5 Der geschilderten Gefährdungssituation hat das SEM mit der Anord-

nung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen, gleichzeitig aber die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und das 

Asylgesuch abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

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Seite 11 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

10.  

10.1 Nach diesen Ausführungen erweisen sich die Rechtsbegehren des 

Beschwerdeführers als aussichtslos. Das Gesuch um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung im Sinn von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher  

– ungeachtet der Frage der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – abzu-

weisen. Der Antrag auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit 

dem Entscheid in der Sache gegenstandslos. 

10.2 Die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Janine Sert 

 

 

Versand: