# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eec69260-e94f-52ce-8526-2b5f122cef35
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.03.2015 E-979/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-979-2014_2015-03-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-979/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  M ä r z  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Einzelrichterin Esther Karpathakis, 

mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach, 

Gerichtsschreiber Peter Jaggi. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Beschwerdeführer, 

und (…) 

B._______, geboren (…), 

C._______, geboren (…), 

Äthiopien, 

p.A. Schweizerische Botschaft in Khartum (Sudan), 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 

Verfügung des BFM vom 20. September 2013 / N (…). 

 

 

E-979/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Mit undatierter, am 30. März 2011 bei der Schweizerischen Botschaft 

in Khartum (nachfolgend: die Botschaft) eingelangter englischsprachiger 

Eingabe ersuchte der Beschwerdeführer, ein äthiopischer Staatsangehöri-

ger, sinngemäss für sich und seine Kinder um Bewilligung der Einreise in 

die Schweiz und um die Gewährung von Asyl. 

A.b Das BFM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 5. Juli 2013 

mit, gemäss einer Mitteilung der Botschaft vom 23. März 2010 sei eine Be-

fragung vor Ort aus sicherheitstechnischen, strukturellen und organisatori-

schen Gründen nicht möglich, weshalb von einer solchen abgesehen 

werde. Gleichzeitig wies es darauf hin, das eingereichte schriftliche Asyl-

gesuch lasse noch einige für den Entscheid relevante Fragen offen, wes-

halb der Beschwerdeführer aufgefordert werde, zur Vervollständigung des 

rechtserheblichen Sachverhalts auf schriftlichem Weg eine Reihe von Fra-

gen zu seiner Person und seinen Verhältnissen in der Heimat, zu allfälligen 

Beziehungen zu Drittstaaten oder zur Schweiz, zu seinen Asylgründen so-

wie zu den Umständen seines Aufenthalts im Sudan zu beantworten. Auf 

Ausführungen zur allgemeinen Lage in Äthiopien oder im Sudan könne ver-

zichtet werden, weil diese dem Amt bekannt sei. Zudem räumte es ihm im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs die Möglichkeit ein, zu einer allfälligen 

Nichtbewilligung der Einreise in die Schweiz und Ablehnung seines Asyl-

gesuchs Stellung zu nehmen. Seine Kinder seien im Falle ihrer Minderjäh-

rigkeit in sein Asylgesuch eingeschlossen. Für den Fall, dass sie eigene 

Asylgründe geltend machen möchten oder bei Volljährigkeit würden sie ge-

beten, den Fragebogen separat zu beantworten und zu unterschreiben. 

A.c Mit Schreiben vom 28. August 2013 beantwortete der Beschwerdefüh-

rer die ihm unterbreiteten Fragen und legte zur Stützung seiner Vorbringen 

(…) bei. 

A.d Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen geltend, er sei äthiopischer Staatsangehöriger aus dem Ort 

(...). Von (…) bis (…) habe er als (…) gearbeitet. Unter dem Derg-Regime 

sei er in seiner Eigenschaft als (…) verwundet worden. Ausserdem sei er 

bis zu deren Verbot durch die sudanesische Regierung im Jahr (…) Mit-

glied der (…) gewesen. (…) sei er nach der Machtergreifung durch die Ti-

gray People's Liberation Front (TPLF) in den Sudan geflüchtet, wo ihn das 

UNHCR als Flüchtling registriert habe. Nach einem (…) Aufenthalt im 

E-979/2014 

Seite 3 

Flüchtlingslager (...) sei er nach Khartum gegangen, weil es dort Arbeit ge-

geben habe. Seit dem Tod seiner Frau müsse er alleine für den Unterhalt 

seiner Kinder aufkommen, sein sporadischer Lohn als Tagelöhner reiche 

für ihre Schulbildung nicht aus. Der Hauptgrund für das Einreichen des 

Asylgesuches liege in der Zukunftssicherung seiner Kinder. 

B.  

Mit am 8. Januar 2014 eröffneter Verfügung vom 20. September 2013 ver-

weigerte das BFM dem Beschwerdeführer und seinen (...) die Einreise in 

die Schweiz und lehnte sein Asylgesuch ab. 

Zur Begründung führte es an, die Schilderungen des Beschwerdeführers 

liessen darauf schliessen, dass er ernstzunehmende Schwierigkeiten mit 

den äthiopischen Behörden gehabt habe. Im Folgenden sei zu prüfen, ob 

einer Asylgewährung durch die Schweiz der Asylausschlussgrund von 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG (SR 142.31) entgegenstehe, wonach einer Person 

das Asyl verweigert werden könne, wenn ihr zuzumuten sei, sich in einem 

anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Zwar sei die Lage der äthiopi-

schen Flüchtlinge und Asylbewerber im Sudan angesichts deren Anzahl 

nicht einfach. Flüchtlinge im Sudan, die vom UNCHR registriert worden 

seien, verfügten nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land, 

sondern würden einem Flüchtlingslager zugeteilt, wo sie sich aufzuhalten 

hätten und die nötige Versorgung erhielten. Es sei ihm daher zuzumuten, 

beim UNHCR um Schutz zu ersuchen, sollte seine Situation tatsächlich 

kritisch sein. Der Beschwerdeführer lebe nunmehr seit (…) Jahren im Su-

dan, wobei die Hürden für eine zumutbare Existenz in Khartum in seinem 

Fall nicht unüberwindbar seien. Zudem lebe im Sudan eine grosse äthiopi-

sche Diaspora, die für in Not geratene Landsleute bereitstehe und weitge-

hende Unterstützung biete. Es sei nicht in Abrede zu stellen, dass sich der 

Beschwerdeführer als alleinerziehender Vater in einer schwierigen Situa-

tion befinde, eine schwierige Lebenssituation und insoweit humanitäre 

Überlegungen stellten indes keinen Grund für die Bewilligung der Einreise 

in die Schweiz dar. Vorliegend sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit von einer akuten Gefährdung des Beschwerdeführers auszugehen. Da 

weder nahe Verwandte noch sonstige Bezugspersonen des Beschwerde-

führers in der Schweiz lebten und sich aus den Akten auch sonst keine 

Hinweise auf allfällige Anknüpfungspunkte zur Schweiz ergeben würden, 

sei keine besondere Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben. Folgedessen 

benötige der Beschwerdeführer den zusätzlichen Schutz der Schweiz 

nicht, vielmehr sei ihm zuzumuten, im Sudan zu verbleiben. 

E-979/2014 

Seite 4 

C.  

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer mit englischsprachi-

ger Eingabe vom 17. Januar 2014 (Eingang bei der Botschaft: 21. Januar 

2014) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte sinn-

gemäss deren Aufhebung und die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

Zur Begründung verwies er im Wesentlichen auf die bereits bei der Vo-

rinstanz dargelegten Ereignisse. Es sei ihm wegen dem Tod seiner Frau 

nicht möglich, alleine im Sudan zu überleben und für seine (...) zu sorgen. 

Er erhalte auch keine Unterstützung vom UNHCR und die Behauptung, 

man erhalte als registrierter Flüchtling in den Flüchtlingscamps die nötige 

Obhut und Unterstützung, treffe nicht zu. Sein Antrag beim UNHCR auf 

Ausstellung von Identitätspapieren für seine (...) sei bis heute unbeantwor-

tet geblieben. Die sudanesischen Behörden würden sie deshalb festneh-

men und nach der Bezahlung einer Gebühr wieder auf freien Fuss setzen. 

Um solche Probleme loszuwerden, sei ihm Asyl zu gewähren. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 

20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behör-

den nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal-

tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 

173.110]). 

1.2 Die Beschwerde wurde in englischer Sprache und somit nicht in einer 

Amtssprache des Bundes abgefasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Be-

schwerdeverbesserung oder auf die Einholung einer Übersetzung kann in-

dessen aus prozessökonomischen Gründen praxisgemäss verzichtet wer-

den, zumal der Eingabe des Beschwerdeführers genügend klare, sinnge-

mässe Rechtsbegehren sowie deren Begründung zu entnehmen sind und 

ohne Weiteres darüber befunden werden kann.  

E-979/2014 

Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und in der Form akzeptiert eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist nach dem Gesagten einzutreten. 

2.  

Gestützt auf Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG ergeht der vorlie-

gende Entscheid in deutscher Sprache. 

3.  

Im Asylbereich richtet sich die Kognition und die Rügemöglichkeiten nach 

Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. zur Frage der Auswirkung der Streichung von 

aArt. 106 Abs.1 Bst. a AsylG [Beschwerdegrund der Unangemessenheit] 

auf das Beschwerdeverfahren in Auslandverfahren das zur Publikation vor-

gesehene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-103/2014 vom 21. Ja-

nuar 2015, E. 4 ff.). 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111 

Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um 

eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-

gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

Das vorliegende Verfahren ergeht gestützt auf die Übergangsbestimmung 

zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (von der Bun-

desversammlung als dringlich erklärt und am 29. September 2012 in Kraft 

getreten), wonach für Asylgesuche, die im Ausland vor dem Inkrafttreten 

der Änderung vom 28. September 2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 

19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der bisherigen Fassung des Asylge-

setzes Geltung haben. 

6.  

Vorliegend wurde auf eine Befragung durch die Botschaft mangels entspre-

chender Kapazitäten verzichtet und dem Beschwerdeführer – zwecks 

E-979/2014 

Seite 6 

Wahrung des rechtlichen Gehörs – ein schriftlicher Fragenkatalog zuge-

stellt. Vor dem Hintergrund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von 

Asylgesuchen aus dem Ausland sowie unter Berücksichtigung der gesam-

ten Aktenlage ist festzustellen, dass auf eine Befragung des Beschwerde-

führers verzichtet werden durfte und den massgeblichen verfahrensrecht-

lichen Anforderungen mit der Aufforderung zur Beantwortung des Fragen-

katalogs Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30). Zudem wurde 

den Kindern mit der Zustellung des schriftlichen Fragebogens an den Be-

schwerdeführer und dem Hinweis, sie müssten ihn im Falle ihrer Volljährig-

keit und bei eigenen Asylgründen separat beantworten und unterschreiben, 

die Möglichkeit eingeräumt, selbständig um Asyl nachzusuchen, wovon sie 

indessen keinen Gebrauch gemacht haben. Nach einer Durchsicht der Ak-

ten ist festzustellen, dass das SEM den dem Asylgesuch des Beschwerde-

führers zugrunde liegenden Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt 

hat. 

7.  

7.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht an 

das Bundesamt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG); das Gesuch kann auch 

direkt beim BFM eingereicht werden (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3; zum Ver-

fahren vgl. D-103/2014 vom 21. Januar 2015, E. 3). 

7.2 Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz 

zur Abklärung des Sachverhalts, wenn ihnen nicht zugemutet werden 

kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen 

Staat auszureisen (aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Unzumutbar ist ein Verbleib na-

mentlich dann, wenn die asylsuchende Person schutzbedürftig ist. Schutz-

bedürftig im Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimat-

staat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Reli-

gion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder 

wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer-

den. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, 

Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychi-

schen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

7.3 Das BFM kann einer Person, die sich im Ausland befindet, Asyl – und 

damit auch die Einreise in die Schweiz – verweigern, wenn keine Hinweise 

auf eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr 

E-979/2014 

Seite 7 

zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 

Abs. 2 AsylG). 

7.4 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG 

sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG nament-

lich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die Mög-

lichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche sowie 

die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in 

Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilli-

gung ist die Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, mithin die Prü-

fung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft 

gemacht wird und ob ihr der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der 

Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BGVE 2011/10 E. 3.3 

S. 126). 

7.5 Hält sich die Person, die ein Asylgesuch aus dem Ausland gestellt hat, 

in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer Vermutung davon auszuge-

hen, die betreffende Person habe in diesem Drittstaat bereits Schutz vor 

Verfolgung gefunden oder könne ihn dort erlangen, weshalb auch anzu-

nehmen ist, es sei ihr zuzumuten, dort zu verbleiben beziehungsweise sich 

dort um Aufnahme zu bemühen. Diese Vermutung kann sich jedoch sowohl 

in Bezug auf die Schutzgewährung durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 

Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch die Zumutbarkeit der Inanspruchnahme 

des Schutzes im Drittstaat als unzutreffend erweisen. Es ist deshalb zu 

prüfen, ob die asylsuchende Person im Drittstaat Schutz vor Verfolgung 

gefunden hat oder erlangen kann, und – falls dies zu bejahen ist – ob der 

asylsuchenden Person die Inanspruchnahme des Schutzes des Drittstaa-

tes und somit der Verbleib in diesem Staat objektiv zugemutet werden 

kann. In jedem Falle sind die Kriterien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme 

in diesem Drittstaat als zumutbar erscheinen lassen, und diese sind mit 

einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. Es gilt also zu 

prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es 

gerade die Schweiz ist, die einer Person den erforderlichen Schutz gewäh-

ren soll (vgl. BVGE 2011/10 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa S. 139 

f.). 

 

8.  

E-979/2014 

Seite 8 

8.1 Vorliegend geht das SEM in seiner Verfügung davon aus, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund seiner Vorbringen in seinem Heimatstaat Äthio-

pien Schwierigkeiten mit den heimatlichen Behörden gehabt hat. Ob er bei 

einer allfälligen Rückkehr nach Äthiopien einer flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Gefährdung ausgesetzt sein könnte, kann vorliegend offen gelassen 

werden, weil es ihm im Ergebnis, wie das SEM zutreffend ausführt, gemäss 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG zugemutet werden kann, im Sudan zu verbleiben und 

damit den Schutz der Schweiz nicht benötigt (vgl. dazu das zur Publikation 

vorgesehene Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-103/2014 

vom 21. Januar 2015 E. 7.). 

8.2 Der Beschwerdeführer hält sich gegenwärtig im Drittstaat Sudan auf. 

Wie bereits das SEM festgehalten hat, ist die dortige Situation für äthiopi-

sche Flüchtlinge generell nicht einfach, zumal es sich beim Beschwerde-

führer um einen alleinerziehenden Vater mit zwei Kindern handelt. Den-

noch bestehen keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme, ein weite-

rer Verbleib im Sudan sei nicht zumutbar oder nicht möglich. Der Be-

schwerdeführer befindet sich nunmehr seit über (…) Jahren im Sudan, wo 

er beim UNHCR registriert ist. Folglich verfügt er über die erforderliche 

(temporäre) Bewilligung, um sich im Sudan aufhalten zu können, und ge-

niesst weitgehend Schutz vor einer Abschiebung nach Äthiopien. Mit die-

sem Schutz ist allerdings nicht ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze 

Land verbunden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Beschwerde-

führer im Sudan Schutz gefunden und die Möglichkeit hat, sich in das ihm 

zugewiesene Flüchtlingslager zurückzubegeben, sofern er einen weiteren 

Aufenthalt in der Region Khartum nicht mehr in Betracht zieht (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts E-3273/2013 vom 22. Juli 2013 E. 7). 

8.3 Auch die Gefahr einer Deportation des Beschwerdeführers nach Äthi-

opien kann vorliegend verneint werden. Der Beschwerdeführer hält sich 

nunmehr seit rund (…) Jahren im Sudan auf, ohne von den sudanesischen 

Behörden diesbezüglich behelligt worden zu sein. Zwar sind Deportationen 

äthiopischer Flüchtlinge nicht generell ausgeschlossen, aber es bestehen 

keine konkreten Anhaltpunkte dafür, dass solche Deportationen systema-

tisch oder grossflächig durchgeführt würden. Im Sudan als Flüchtlinge re-

gistrierte beziehungsweise anerkannte Flüchtlinge werden in der Regel 

nicht in ihr Heimatland zurückgeführt. Verhaftungen von in Khartum leben-

den Flüchtlinge kommen zwar vor, sind aber dadurch bedingt, dass sie sich 

gemäss sudanesischem Gesetz in den Flüchtlingslagern aufzuhalten ha-

ben und sich ihr Aufenthaltsrecht nicht auf das ganze Land, namentlich 

nicht auf den Grossraum Khartum, erstreckt (vgl. auch hierzu Urteil des 

E-979/2014 

Seite 9 

Bundesverwaltungsgerichts E-3273/2013 vom 22. Juli 2013 E. 7.3 m.w.H.). 

Vor diesem Hintergrund vermag der Beschwerdeführer mit seinem Vorbrin-

gen in der Rechtsmitteleingabe, sein Antrag beim UNHCR auf Ausstellung 

von Identitätspapieren für seine (…) sei bis heute unbeantwortet geblieben, 

die sudanesischen Behörden würden sie deshalb festnehmen und nach 

der Bezahlung einer Gebühr wieder auf freien Fuss setzen, nichts zu sei-

nen Gunsten abzuleiten. Zudem ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich das 

UNHCR bei ordnungsgemässer Anmeldung der (…) in einem Flüchtlings-

lager weigern sollte, sie als Flüchtlinge zu registrieren. Auch aufgrund sei-

ner ehemaligen Mitgliedschaft bei der (…) muss der Beschwerdeführer 

nicht mit einem erhöhten Deportationsrisiko rechnen, zumal er gemäss ei-

genen Angaben seit (…) nicht mehr Mitglied ist und sich aus den Akten 

keine diesbezüglichen Probleme seitens der sudanesischen oder äthiopi-

schen Behörden ergeben. Damit bestehen vorliegend keine konkreten Hin-

weise auf ein Deportationsrisiko. 

8.4 Das SEM hat sodann zutreffend ausgeführt, dass sich aus der schwie-

rigen Lebenssituation des Beschwerdeführers keine einreise-relevante 

akute Gefährdung ableiten lässt. Er ist einem Flüchtlingscamp zugewiesen 

worden, hat es jedoch den Akten zufolge vorgezogen, sich in Khartum auf-

zuhalten. Auch wenn sich die Sicherung des Lebensunterhalts für einen 

verwitweten Mann mit zwei Kindern dort als schwierig erweist, ergibt sich 

aus den Akten immerhin, dass er Gelegenheitsarbeiten ausführen kann. 

Dabei ist in diesem Zusammenhang auch auf die grosse äthiopische Ge-

meinschaft in Khartum zu verweisen, die eine weitere Eingliederung eben-

falls erleichtert. Sollten die finanziellen Mittel zur Deckung des Existenzbe-

darfs nicht genügen, könnte der Beschwerdeführer und seine beiden Kin-

der einer allfälligen Versorgungsnotlage dadurch entgehen, dass sie sich 

erneut an das UNHCR wenden und sich einem Flüchtlingslager zuteilen 

lassen würden, wo sie zumindest den erforderlichen Schutz beanspruchen 

und mit einer ausreichenden Grundversorgung rechnen können. Schliess-

lich hat das SEM zu Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer keine 

in der Schweiz lebenden Angehörigen hat und keine besondere Bezie-

hungsnähe zur Schweiz besteht. 

8.5 Aufgrund dieser Erwägungen erscheint es für den Beschwerdeführer 

objektiv zumutbar, den im Sudan gegenüber einer allfälligen Verfolgungs-

gefahr in seinem Heimatstaat Äthiopien bestehenden Schutz weiterhin in 

Anspruch zu nehmen. Eine Schutzgewährung durch die Schweiz erscheint 

somit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände, welche mit 

dem Aufenthalt des Beschwerdeführers im Sudan und seinem dortigen 

E-979/2014 

Seite 10 

Status als registrierter Flüchtling verbunden sind, nicht erforderlich. Zu-

sammenfassend ergibt sich, dass das SEM zu Recht und mit zutreffender 

Begründung festgestellt hat, eine Abwägung der Gesamtumstände im 

Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG führe zum Schluss, dass dem Beschwer-

deführer ein weiterer Verbleib im Sudan zuzumuten ist. Unter diesen Um-

ständen hat das Bundesamt zu Recht die Einreise in die Schweiz nicht 

bewilligt und das Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass sich die angefochtene Verfügung 

als rechtmässig erweist und die Beschwerde abzuweisen ist. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aus verwaltungs-

ökonomischen Gründen sowie in Anwendung von Art. 63 Abs. 1 in fine 

VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) ist indessen auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu ver-

zichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-979/2014 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die schweize-

rische Vertretung in Khartum. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Esther Karpathakis Peter Jaggi 

 

 

Versand: