# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c5c2ce57-67cb-596f-bb06-71a8bfb7f2c3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1998-06-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Verwaltungsgericht 17.06.1998  SB.1998.00011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Verwaltungsgericht/ZH_VG_001_-SB-1998-00011_1998-06-17.html

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				Geschäftsnummer: 	SB.1998.00011	 
	Entscheidart und -datum: 	Endentscheid vom 17.06.1998
	Spruchkörper: 	
	Weiterzug: 	Dieser Entscheid ist rechtskräftig.
	Rechtsgebiet: 	Steuerrecht
	Betreff: 

	Einschätzung 1995

	
StG 19/StG 24 Abs.1 lit.a: Dass die Rekurskommission die Zuwendung von Fr. 500'000.-, die eine liechtensteinische Stiftung der Pflichtigen hatte zukommen lassen, als steuerbare Einkunft gewürdigt hat, wurde vom VGr unter dem Gesichtswinkel der Willkürprüfung als vertretbar erachtet: die Substanzierung der Pflichtigen erlaubte es zwar durchaus, die Zuwendung als Schenkung auf den Todesfall bzw. Vermächtnis zu würdigen; hingegen liess sich nicht eindeutig feststellen, ob der von der Pflichtigen bezeichnete Schenkgeber auch der Stifter bzw. der Gründer der Stiftung gewesen war, die der Pflichtigen die Zuwendung hatte zukommen lassen.
(vgl. SB.97.00004: 1. Rechtsgang).
Zum Ausstand v. Mitgliedern des VGr: hier abgelehnt.

			 	
				Stichworte:
	
						AUSSTAND
BEWEISLAST
EINSCHÄTZUNG UND EINSCHÄTZUNGSGRUNDLAGEN
LIECHTENSTEINISCHE STIFTUNG
SCHENKUNG
STEUERBARE EINKUNFT
STIFTER
SUBSTANZIIERUNG
VERMÄCHTNIS
WAHRSCHEINLICHKEITSNACHWEIS
WILLKÜRKOGNITION/-PRÜFUNG
ZUWENDUNG

					
	
	Rechtsnormen:
	
						§ 19 aStG
§ 24 lit. Ia aStG
§ 29 lit. II aStG
lit. I VRG

					
	
	Publikationen:
	
						- keine -
					
	Gewichtung:

					(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
	
						Gewichtung: 3
					

			 

	 	
			

			

	
  Verwaltungsgericht

  des Kantons Zürich

  2.
  Abteilung

  	
   

  	
  

  

 

SB.98.00011

 

 

 

Entscheid

 

 

 

                                                            der
2. Kammer

 

 

 

Sitzung
vom 17. Juni 1998

 

 

 

Mitwirkend: Abteilungspräsident Martin Zweifel
(Vorsitz), Verwaltungsrichter Andreas Frei, Verwaltungsrichter Peter Andreas Sträuli,
Gerichtssekretärin Christina Walser.

 

 

 

In
Sachen

 

 

A,vertreten durch RA B,

Beschwerdeführerin,

 

 

gegen

 

 

Staat Zürich, 

vertreten durch das
Kantonale Steueramt, 

Beschwerdegegner,

 

 

betreffend
Steuereinschätzung 1995,

hat sich ergeben:

 

 

 

I. Die 1927 geborene, verwitwete Pflichtige
deklarierte für das Steuerjahr 1995 ein Rein­einkommen von Fr. … und ein
Reinvermögen von Fr. … Auf dem Steu­erer­klärungsformular wies sie unter
anderem auf eine "Erhöhung durch steuerfreie Schen­kung gemäss Beilage Fr. …"
hin. Im beigelegten Schreiben vom 5. Sep­tem­ber 1994 bestätigte C der
Pflichtigen, dass die Firma D vom Stiftungsrat einer Stiftung im
Land J beauftragt worden sei, ihr ei­nen Be­trag von Fr. … zukommen
zu lassen. Der Stifter, welcher der Pflichtigen be­kannt sei, habe ausdrücklich
verfügt, dass die Zuwendung anonym zu erfolgen habe. Dem­zu­folge sei weder die
Pflichtige noch die erwähnte Firma befugt, den Namen des Stifters oder der Stif­tung
bekanntzugeben. Aus dem ebenfalls der Steuererklärung beigefügten Bank­auszug
ging her­vor, dass dem Konto der Pflichtigen am 14. September 1994 Fr. …
gut­ge­schrie­ben worden waren.

 

Im Einschätzungsverfahren verlangte der
Steuerkommissär Angaben über Name, Sitz und Statuten der zuwendenden Stiftung
sowie einen Auszug aus dem Protokoll des Stif­tungsrats, woraus die
Auszahlungsgründe ersichtlich würden. Die Pflichtige kam die­ser Aufforderung
nicht nach und reichte lediglich ei­nen Bankbeleg ein, dem zu entnehmen war,
dass die erwähnte Gutschrift auftrags der F-Corporation er­folgt war. Der
Steuerkommissär stellte sich auf den Standpunkt, bei der fraglichen Zuwen­dung
hand­le es sich nicht um eine Schenkung, sondern um eine einkommenssteuerpflich­ti­ge
Einkunft. Er schätzte die Pflichtige auf dieser Grundlage am 27./31. Oktober
1995 für das Steu­erjahr 1995 mit einem Reineinkommen von Fr. … (Zürich
und Gesamt) und ei­nem Reinvermögen von Fr. … (Zürich) bzw. Fr. …
(Gesamt) ein.

 

Die Steuerkommission G gelangte aufgrund eines
ihr anlässlich der Sit­zung vorgelegten Auszugs aus den
"Regulations" der "H-Foundation", I (Land J), wonach diese
nach Ableben des unbekannten Stifters der Pflichtigen einen Betrag von
Fr. … auszurichten habe, zum Schluss, die Zuwendung sei als einkom­menssteuer­freie
Schenkung zu würdigen. Gestützt darauf hiess die Kommission die Einspra­che der
Pflich­tigen mit Entscheid vom 25. Januar 1996 gut, wobei sie das Reineinkom­men
dekla­ra­tionsgemäss auf Fr. … (Zürich und Gesamt) festlegte.

 

II. Die Steuerrekurskommission III wies den
hiergegen erhobenen Rekurs des Steu­er­kommissärs am 31. Oktober 1996 ab. 

 

III. Mit Entscheid vom 6. Mai 1997
(SB.97.00004) hiess das Verwaltungsgericht die Be­schwerde des Kommissärs
teilweise gut und wies die Sache zur Anhörung der Par­teien und zum
Neuentscheid im Sinn der Erwägungen an die Rekurskommission III zu­rück.
Das Gericht erwog, dem Bankkonto der Pflichtigen sei am 14. September 1994 der
Betrag von Fr. … im Auftrag der F-Corporation, I (Land J) gutge­schrie­ben
worden. Nach Darstellung der Pflichtigen sei ihr der erwähnte Betrag im Auftrag
der Stiftung H-Foundation mit Sitz in I, Land J überwiesen worden. Diese
ha­be ihr dadurch eine Schenkung gemacht, und zwar auf­grund der Bestimmung des
verstor­be­nen Stifters, dessen Namen sie nicht preisgeben dürfe. Mit diesem,
einem im Land K wohnhaft gewesenen ledigen Landsmann von K namens N, der
nie Wohnsitz in der Schweiz gehabt habe und in den 50er-Jahren ein
Geschäftsfreund ihres verstorbenen Ehe­manns gewesen sei, sei sie immer
befreundet gewesen. Zwar sei nach der Aktenlage erwiesen, dass der streitbetrof­fene
Betrag von Fr. … der Pflichtigen im Auftrag der Stiftung H-Foundation im
Land J überwiesen worden sei. Doch liege entgegen der Annahme der Re­kurskommission III
keine Schen­kung dieser Stiftung an die Pflichtige vor. Denn die Stif­tung habe
jedenfalls nicht freiwillig und damit nicht aus eigenem Schenkungswillen ge­han­delt,
sondern in Erfüllung einer ihr auf­erlegten Recht­spflicht, weil sie laut
Ziff. III.5. der Regu­lations (Reglement) ver­pflich­tet gewesen sei, den
er­wähn­ten Betrag nach dem Tod des unbekannten Stifters der Pflichti­gen zu­zu­wenden.
Demzufolge sei die Ausrich­tung des fraglichen Geldbetrags lediglich
treuhänderisch im Auftrag des unbekannten Stif­ters erfolgt und komme es für
die rechtliche Würdigung der Zuwendung ein­zig auf den beim Stifter liegenden
Rechtsgrund hierfür an, was die Re­kurs­kommission III rechtsver­letzend
ausser Betracht gelassen habe. Die Vorinstanz werde daher im zweiten Rechtsgang
nach noch­ma­li­ger An­hörung der Parteien zu beurteilen haben, ob in diesem
Licht ein ge­mäss § 24 Abs. 1 lit. a des Steuergesetzes vom
8. Juli 1951 (StG) ein­kom­menssteuer­frei­er Ver­mö­gens­zu­gang aus
Erbschaft oder Vermächt­nis (bzw. eine Schenkung auf den To­des­fall) vor­lie­ge.
Sie habe dabei insbesondere der Tatsache Rechnung zu tragen, dass in Miss­ach­tung
von § 72 Abs. 2 StG nicht nur der Name des Stifters unbekannt
geblieben sei, son­dern des­we­gen auch die Angaben zu dessen Person nicht
überprüfbar seien. Ferner werde sie in ihre Über­le­gun­gen die Vorbringen des
Vertreters der Pflichtigen vor der Steu­er­kom­mis­sion G mit einbeziehen müs­sen,
wonach der ver­stor­bene Ehemann an­geb­lich ein Ge­schäfts­freund des Stifters
gewesen sei und sich gegenüber der Pflichtigen da­hin­ge­hend ge­äus­sert habe,
dass für ihren Lebensabend vorgesorgt sein wer­de; denn dies kön­ne mög­li­cher­wei­se
auch bedeuten, dass der wirkliche Grund für die fragliche Zuwen­dung in den Ge­schäfts­be­ziehungen
der beiden Männer zu suchen sei. Sollte die Rekurs­kom­mis­sion III zum
Schluss kommen, es sei ungewiss, ob ein Vermö­genszugang aus Erb­schaft oder
Ver­mächt­nis oder ein solcher aus ei­nem andern Grund vorliege, so werde sie
zu Un­gun­sten der beweisbelasteten Pflichtigen auf einen im Sinn von § 19
StG steuerbaren Wert­zu­fluss er­ken­nen müssen.

 

Die Rekurskommission III nahm das Verfahren
im zweiten Rechtsgang wieder auf und traf nach Anhörung der Parteien ihren
Neuentscheid am 11. Dezember 1997. Sie hiess nun­mehr den Rekurs des
Steuerkommissärs gut und schätzte die Pflichtige für das Steuer­jahr 1995 mit
einem Reineinkommen von Fr. … (Zürich und Gesamt) und einem Rein­vermögen
von Fr. … (Zürich) bzw. Fr. … (Gesamt) ein. Die Kom­mis­sion gelangte
zum Schluss, die Pflichtige habe den Beweis nicht geleistet, dass die in Fra­ge
stehende Zuwendung von Fr. … auf einem Legat oder einer Schenkung be­ru­he.
Diese Beweislosigkeit schlage zum Nachteil der beweisbelasteten Pflichtigen
aus.

 

IV. Mit Beschwerde vom 18. März 1998 liess die
Pflichtige dem Verwaltungs­gericht beantragen, sie sei für das Steuerjahr 1995
mit einem Reineinkommen von Fr. … einzuschätzen, da es sich bei der
erwähnten Zuwendung um eine Schenkung bzw. ein Vermächtnis handle; eventuell
sei die Zahlung von Fr. … als Kapitalabfin­dung für wiederkehrende
Leistungen im Sinn von § 32 Abs. 4 StG zu besteuern. Schliess­lich
forderte sie die Zusprechung einer Parteientschädigung.

 

Die Rekurskommission III und der
Steuerkommissär schlossen auf Abweisung des Rechtsmittels. 

 

 

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:

 

 

1. Entsprechend § 5a Abs. 1 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997 (VRG) haben
die Mitglieder des Verwaltungsgerichts in den Ausstand zu treten, wenn sie in
der Sache persönlich befangen erscheinen, insbesondere in der Sache ein
persönliches Interesse haben (lit. a), mit einer Partei in gerader Linie
oder in der Sei­ten­linie bis zum dritten Grade verwandt oder verschwägert oder
durch Ehe, Verlobung oder Kindesannahme verbunden sind (lit. b) oder
Vertreter einer Partei sind oder für eine Par­tei in der gleichen Sache tätig
waren (lit. c). Mit Bezug auf einen als Richter amtenden An­walt hat
schliesslich das Bundesgericht ent­schie­den, ein solcher erscheine befangen,
wenn zu einer Partei noch ein offenes Mandat be­stehe oder er für eine Partei
mehrmals an­walt­lich tätig gewesen sei (BGE 116 Ia 485 Erw. 3).

 

Derartige Gründe liegen beim erkennenden
Spruchkörper nicht vor. Die diesbezüg­li­chen Andeutungen in der
vorinstanzlichen Vernehmlassung erweisen sich als haltlos.

 

2. Mit der Steuerbeschwerde an das
Verwaltungsgericht kann laut § 95 Abs. 2 und 3 StG nur geltend
gemacht werden, dass Rechts­vor­schrif­ten verletzt oder Tatsachen recht­lich
un­richtig beurteilt worden seien oder dass sich der Ent­scheid der
Rekurskommission auf ei­ne aktenwidrige Annahme stütze. Neue tat­säch­liche
Behauptungen und Beweismit­tel sind nach § 95 Abs. 4 StG
ausgeschlossen.

 

Hieraus folgt, dass das Verwaltungsgericht im Be­schwerdeverfahren
nicht befugt ist, die steuerlich erheb­lichen Tatsachen von Grund auf zu
untersuchen, die ihm als ge­bo­ten erscheinenden Beweise zu erheben, die
bereits erhobenen Beweise frei zu würdi­gen und ei­ne als angemessen erachtete
Schätzung zu treffen. Soweit die Tatsachenfest­stellun­gen der Re­kurskommission,
wozu auch die Beweiswür­digung und die Schätzung gehö­ren, auf zu­tref­fender
Rechts­grundlage beruhen, ohne Verletzung der Untersu­chungs­pflicht und ohne
Gehörsverweigerung zustande gekommen sind und sich weder als akten­wid­rig noch
als will­kür­lich erweisen, haftet ihnen kein Rechtsmangel an, der im Be­schwer­deverfah­ren
zu behe­ben wäre (RB 1978 Nr. 58). 

 

3. Steuerbar sind nach dem Ingress von § 19
StG die gesamten Einkünfte, welche in den mit der Wendung
"insbesondere" eingeleiteten Bestimmungen von lit. a bis i
lediglich bei­spiel­haft nach Einkommensquellen aufgeführt sind. Aus der
gesetzlichen Ordnung er­gibt sich somit, dass alle Wertzuflüsse (Einkünfte)
beim Steuerpflichtigen ohne Rück­sicht auf ihre Quellen steuerbar sind, sofern
sie das Gesetz nicht ausdrücklich von der Be­steue­rung ausnimmt (vgl. RB 1987
Nr. 29 = StE 1988 B 24.4 Nr. 11, Reimann/Zuppinger/ Schärrer,
Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 2. Band, Bern 1963, Vorbemerkungen zu
§§ 19 - 32 N. 6 ‑ 8). 

 

Der Einkommenssteuer nicht unterworfen sind
kraft § 24 Abs. 1 lit. a StG der Ver­mö­genszuwachs aus
Erbschaft, Vermächtnis oder Schenkung. Macht der Steuerpflichtige gel­tend, ein
Vermögenszufluss stamme aus Erbschaft, Ver­mächtnis oder Schenkung, so ist er
hierfür beweisbelastet (vgl. auch § 29 Abs. 2 StG) und hat er die
seiner Behauptung zu­grundeliegenden steuermindernden Tatsachen von sich aus
durch eine substanzierte Sach­darstellung darzulegen, aus welcher sich ohne
weitere Un­tersuchung der Schluss auf das Vorliegen einer Schenkung ziehen
lassen muss (vgl. RB 1987 Nr. 35, auch zum folgen­den). Des weiteren
hat er für den Wahrheitsgehalt seiner Dar­stellung Beweismittel beizu­brin­gen
oder solche genau zu bezeichnen. Fehlt es daran, so ist der Beweis nicht
gehörig an­getreten und hat eine Beweiserhebung zu unterbleiben mit dem
Ergebnis, dass zu Un­gun­sten des Steuerpflichtigen anzunehmen ist, der behaup­te­te
Sach­ver­halt habe sich nicht verwirklicht. Lediglich dann, wenn ihm Substanziierung
und/oder Beweisleistung nicht mög­lich oder nicht zuzumuten sind, kann sich der
Steuer­pflich­tige auf Schätzun­gen, das heisst auf
Wahrscheinlichkeitsschlüsse, berufen, sofern seine Sach­darstellung we­nig­stens
hinreichende Schätzungsgrundlagen enthält. 

 

a) Die Pflichtige hat im zweiten Rechtsgang vor
Rekurskommission III ausgeführt, ihr 1982 vorverstorbener Ehemann, ein
deutscher Staatsangehöriger, sei zu Beginn des Zwei­ten Weltkriegs im
Land L berufstätig gewesen. Nach dem Überfall der Deutschen 1940 sei er ebendort
in M interniert und dort bei einer Bombardierung dieser Stadt durch die
Deutschen verletzt worden. 1943 sei er zur deutschen Wehrmacht eingezogen
worden und 1945 in russische Gefangenschaft geraten, aus der er um 1946
todkrank freigekommen sei. Die­se Ereignisse hätten ihn sehr geprägt, und er
habe die Zeit danach als ein Geschenk emp­funden. Seine erste Reise in das
Land K 1950 und die Begegnung mit Landsleuten von K, die ihn freundlich
empfangen hätten, seien ihm unvergesslich geblieben. Anlässlich der Beer­di­gung
eines Schweizer Freundes im Jahr 1976 hätten die Pflichtige und ihr Ehemann an
ei­nem Tisch gesessen, an welchem nur Englisch gesprochen worden sei. Ein Tisch­nach­bar,
der im Land K wohnhaft gewesene, 1994 verstorbene N, ha­be sich als jener Mann
herausgestellt, den der Ehemann 26 Jahre zuvor im Land K ge­trof­fen
habe. Es habe sich eine lose Freundschaft ergeben, die sich später nach dem Tod
des Ehe­mannes zu einer wertvollen menschlichen Beziehung entwickelt habe. Die
Pflichtige sei in der Folge auch mehrere Male ins Land K eingeladen
worden. N sei un­ver­hei­ratet gewesen und habe offensichtlich keine nahen
Verwandten gehabt. Anlässlich ei­nes Besuchs der Pflichtigen im Land K
habe er diese über seine Absicht in Kenntnis ge­setzt, ihr ein Vermächtnis zukommen
zu lassen. Das in Aussicht gestellte Vermächtnis sei der Grund für die
Dankesworte, welche die Pflichtige in ihrem Brief an N vom 18. Dezember 1989
eingefügt habe. N habe die Stiftung "H-Foundation" im Land J
errichtet. Durch diese Stiftung habe er der Pflichtigen nach seinem Tod mit­tels
der F-Corporation in I, Land J, den streitbetroffenen Be­trag von
Fr. … als Schenkung zukommen lassen. 

 

b) Entgegen der insoweit rechtsverletzenden
Auffassung der Rekurskommission III ge­nügen die vorstehenden Ausführungen
den Anforderungen, welche die verwaltungsge­richt­liche Rechtsprechung an die
Substanziierung geltend gemachter steueraufhebender und ‑mindernder
Tatsachen stellt. Denn die von der Pflichtigen gegebene Darstellung ent­hält
hinsichtlich Art, Motiv und Rechtsgrund all jene Tatsachenbehauptungen, die ‑ ohne
wei­tere Untersuchung, aber unter Vorbehalt der Beweiserhebung ‑ die
rechtliche Wür­di­gung der zugeflossenen Zahlung von Fr. … als Schenkung
auf den Todesfall bzw. Ver­mächt­nis erlauben (vgl. RB 1992 Nr. 32). 

 

Des weiteren ergibt sich aus der der
Rekurskommission III im zweiten Rechtsgang vor­gelegten Korrespondenz
zweifelsfrei, dass zwischen der Pflichtigen und N ein freundschaftliches
Verhältnis bestanden hat. Mangels anderer Anhaltspunkte in den Ak­ten ist
deshalb offenkundig, dass die in Frage stehende Vermögenszuwendung als Schen­kung
auf den Todesfall bzw. Vermächtnis gewürdigt werden müsste, falls sie von N als
Stifter der "H-Foundation" stammte. Soweit die Vorinstanz gegen­tei­lige
Feststellungen getroffen hat, sind sie sachlich unhaltbar und da­her
willkürlich.

 

c) Trotz dieser Rechtsmängel erweist sich der
angefochtene Entscheid im Ergebnis als rechtsbeständig: 

 

Die Pflichtige ist nach ihren eigenen Angaben
nicht in der Lage, irgendwelche Ur­kun­den oder andere Beweismittel
beizubringen oder zu nennen, welche ihre Behauptung, N sei der Stifter der
"H-Foundation", stützen könnten. Dass die Vorin­stanz auf diesem
Beweis bestanden hat, ist entgegen der Ansicht der Pflichtigen zu Recht und im
Einklang mit der im Rückweisungsentscheid enthaltenen Anordnung des Verwal­tungs­gerichts
erfolgt, wonach die Identität des unbekannten Stifters der "H-Foundation"
zu ermitteln sei.  

 

Auch wenn mit der Pflichtigen davon ausgegangen
wird, dass sie sich in einem un­ver­schuldeten Beweisnotstand befindet, so
ändert dies nichts daran, dass selbst bei einer dies­falls gebotenen
Herabsetzung des Beweismasses auf Wahrscheinlichkeitsüberle­gun­gen (vgl.
Martin Zweifel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Basel
und Frank­furt am Main 1997, Art. 46 N. 30 mit Hinweisen) der von der
Rekurs­kommis­sion III gezogene Schluss, es könne nicht festgestellt
werden, ob N der Stifter der "H-Foundation" sei, nicht sachwidrig
oder unvernünftig, mithin nicht willkürlich ist. Dass sich die Pflichtige in
ihrem Schreiben vom 18. Dezember 1989 bei N für dessen Gross­zügigkeit und
Freundlichkeit, welche eine grosse Überraschung sei, be­dankt hat, lässt zwar
durchaus als möglich erscheinen, dass damit die streitbetroffene Be­gün­sti­gung
in den zwei Monate zuvor, am 18. Oktober 1989, erlassenen
"Regulations" der "H-Foundation" gemeint war. Doch sind die
Angaben der Pflichtigen im erwähn­ten Brief zu vage, um der
Rekurskommission III vorwerfen zu können, es sei haltlos gewe­sen, dass
sie nicht gestützt auf die im Brief enthaltenen Dankesworte angenommen hat, N
sei der wahrscheinliche Stifter der "H-Foundation" gewesen. Im­mer­hin
kann angemerkt werden, dass auch der gegenteilige Schluss unter dem gebotenen
en­gen Ge­sichtswinkel der Willkürprüfung vertretbar gewesen wäre.

 

Infolgedessen hat die Vorinstanz zu Recht zu
Ungunsten der beweisbelasteten Pflich­tigen annehmen dürfen, N sei nicht der
Stifter der "H-Foundation" ge­wesen und die Zuwendung an die
Pflichtige stamme daher nicht von ihm.

 

Ist aber der Vermögenszufluss von Fr. …
nicht als einkommenssteuerfreie un­entgeltliche Zuwendung im Sinn von § 24
Abs. 1 lit. a StG zu würdigen und wird weder be­hauptet noch bestehen
Anhaltspunkte dafür, dass der Zufluss aus andern gesetzlichen Grün­den von der
Steuer befreit sein könnte, erweist er sich kraft § 19 (Ingress) StG als
steu­erbare Einkunft.

 

4. Laut § 32 Abs. 4 StG wird die
Einkommenssteuer, sofern zu den Einkünften Ka­pi­talabfindungen für
wiederkehrende Leistungen gehören, unter Berücksichtigung der üb­ri­gen
Einkünfte und der zulässigen Abzüge zu dem Steuersatz berechnet, der sich er­gäbe,
wenn anstelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung
ausge­richtet wür­de. Mit dieser Bestimmung soll verhindert werden, dass eine
wiederkehrende und so­mit grund­sätzlich periodisch zu besteuernde Leistung im
Fall, wo sie mit einer einmaligen Ka­pi­talleistung erbracht wird, aufgrund
eines der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Steu­erpflichtigen nicht
entsprechenden und insofern überhöhten Steuersatzes zu ver­steu­ern ist. Eine
Kapitalabfindung für wiederkehrende Leistungen ist grundsätzlich gege­ben, wenn
eine Kapitalleistung vorliegt, welche bestehende oder frühere Ansprüche oder An­wart­schaf­ten
abgilt und ein ausserordentliches, nicht regelmässig wiederkehrendes Ein­kom­men
dar­stellt (vgl. Reimann/Zuppinger/Schärrer, § 32 N. 4; vgl. auch
Zuppin­ger/Schärrer/Fess­ler/Reich, Kommentar zum Zür­cher Steuergesetz,
Ergänzungsband, 2. A., Bern 1983, § 32 N. 5).

 

Es ist aufgrund der Akten nicht feststellbar,
aus welchem andern als dem von der Pflichtigen behaupteten, jedoch nicht
nachgewiesenen Rechtsgrund der Geldbetrag von Fr. … ausgerichtet wurde
(vgl. E. 3 hiervor). Demzufolge lässt sich erst recht nicht ermitteln, ob
der Betrag dazu bestimmt war, bestehende oder frühere Ansprüche oder An­wart­schaf­ten
der Pflichtigen oder ihres Ehemannes abzugelten. Auch diese Beweislosig­keit
muss, da sie steuermindernde Tatsachen betrifft, zu Ungunsten der
beweisbelasteten Pflichtigen ausschlagen.

 

Das führt zur Abweisung der Beschwerde.

 

5. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten
der Pflichtigen aufzuerlegen (§ 80 Abs. 1 StG) und steht ihr keine
Parteientschädigung zu (§ 80bis StG in der Fassung vom
8. Juni 1997).

Demgemäss entscheidet das Verwaltungsgericht:

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

Fr. 7'500.‑‑; die übrigen Kosten betragen:

Fr.      60.‑‑  Zustellungskosten,

Fr. 7'560.‑‑  Total der Kosten. 

 

3.    Die Gerichtskosten werden der
Beschwerdeführerin auferlegt.

 

4.    Eine Parteientschädigung wird nicht
zugesprochen.

 

5.    Mitteilung an:

a)    die Parteien;

b)    die Steuerrekurskommission III;

c)    das Steueramt der Gemeinde G;

d)    das Sekretariat des kantonalen Steueramts.