# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e4d70d00-e273-5527-b78b-0a01aa9798b2
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-31
**Language:** de
**Title:** Schreckereignis, adäquate Kausalität zwischen Unfallereignis und psychischen Beschwerden nach der allgemeinen Adäquanzformel zu verneinen.
**Docket/Reference:** UV.2022.00187
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00187.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00187
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Stadler
Urteil
vom
31. August 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
gegen
ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG
Bahnhofstrasse 13, 7302 Landquart
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Philipp
Hartbertstrasse
11, Postfach 611, 7001 Chur
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1980
, arbeitete als
Geigen- und
Musiklehrerin an
verschie
denen Musikschulen, unter anderem an
der Musikschule
Y.___
,
und war dadurch
bei der
ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG
gegen die Fol
gen von Unfällen versichert
(vgl. Urk. 8/79, Urk. 8/82)
, als
sie
am
11.
März 2021 als Lenkerin des Personenwagens in einen Verkehrsunfall verwickelt war
.
Gemäss Unfallmeldung reagierte sie mit einem dissoziativen Stupor (Urk. 8/1)
. Es folgte eine
Hospitalisation
im Spital
Z.___
, wo eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert und der Verdacht auf eine post
traumatische Belastungsstörung ge
äussert wurde
(vgl. Arztbericht
vom 31. Mai 2021
,
Urk.
8/
17
). Die ÖKK erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld)
, wobei sie die Geldleistungen aufgrund des Verdachts, dass die Versicherte unmittelbar vor der Kollision eine
die Bedienung des Fahr
zeuges beeinträchtigende
Verrichtung
vor
genommen hatte,
anfänglich
um 20 % kürzte (vgl. Verfügung vom 10. September 2021, Urk. 8/45)
. N
ach erfolgter Ein
sprache vom
9.
November 2021
(Urk. 8/63) zog die ÖKK die Verfügung vom 10. Sep
tember 2021 in Wiedererwägung und erbrachte die gesetzlichen Taggeld
leistungen vollumfänglich (vgl. Verfügung vom 10. Dezember 2021, Urk. 8/97).
Von einer bloss vorübergehenden Verschlimmerung des psychischen Gesund
heits
zustandes der Versicherten ausgehend
stellte die
ÖKK
mit Verfügung vom 13. April 2022
die Heilkosten- und Taggeldleistungen per
3
0.
April 2022
ein (Urk.
8/142
). Dagegen erhob
die
Versicherte am
5.
Mai
2022 Einsprache (Urk.
8/152
), welche die
ÖKK
mit
Einspracheentscheid
vom 8.
September
2022 abwies (
Urk.
8/168
=
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am
6.
Oktober 2022 Beschwerde und be
an
tragte, der
Einspracheentscheid
vom 8. September 2022 sei aufzuheben und die Be
schwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen, insbeson
dere Heilbehandlung, Taggeld, Rente und Integritätsentschädigung zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Durchführung eines zweiten Schrif
tenwechsels (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. November 2022 (Urk. 7) unter Hinwe
i
s
auf die von ihr eingereichten Akten (Urk.
7
/1-
170
) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
1
5.
November
2022 wurde
der
Beschwerdeführer
in
die Beschwerdeantwort
zugestellt
und gleichzeitig ein zwei
ter Schriftenwechsel angeordnet
(Urk.
10
).
Am
6.
März 2023 reichte die Be
schwer
deführerin ihre Replik ein, wobei sie an den bereits gestellten Rechts
be
gehren vollumfänglich festhielt (Urk. 13).
Die Beschwerdegegnerin reichte am 3.
April 2023 ihre Duplik ein, in der sie auf ihre Ausführungen in der Beschwer
de
antwort vom 1
0.
November 2022 verwies (
Urk.
17)
, was der Beschwerdeführe
rin mit Verfügung vom
4.
April 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden –
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein
wirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_305/2022 vom 13. April 2023 E. 3.1).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan
spruches nicht (BGE 142 V 435 E. 1, 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_698/2021 vom 3. Au
gust 2022 E. 3.4).
1.4
Praxisgemäss werden schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche (sog. Schreckereignisse) als Einwirkungen auf den menschlichen Körper im Sinne des Unfallbegriffs (Art. 4
ATSG
) anerkannt.
Die Annahme als Unfall setzt voraus
, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Person sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Hef
tigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des see
li
schen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie beispiels
weise Lähmungen oder Herzschlag) hervorzurufen. An den Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, an die Aussergewöhnlichkeit dieses Er
eignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind strenge Anforde
rungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_376/2013 vom
9.
Oktober 2013 E. 3.1 unter Hinweis unter anderem auf BGE 129 V 177). Als typische Schreck
ereignisse gelten demnach etwa Brand- oder Erdbebenkatastrophen, Eisenbahn- oder Flugzeugunglücke, eine schwere Autokollision, ein Brückeneinsturz, ein Bombenabwurf, ein verbrecherischer Überfall oder eine sonstige plötzliche To
des
-
gefahr sowie Seebeben
(Urteile des Bundesgerichts 8C_584/2010 vom 1
1.
März 2011 E. 4.1 und 8C_387/2007 vom 2
5.
Februar 2008 E. 5.2.1).
Die Adäquanz zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetretenen psychischen Störungen ist nach der allge
meinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung) zu beurteilen. Diese Rechtsprechung trägt der Tatsache Rechnung, dass bei Schreck
ereignissen
–
anders als im Rahmen üblicher Unfälle
–
die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann. Aus diesem Grund ist die (analoge) Anwendung der in BGE 115 V 133 entwickelten Adäquanzkrite
rien ebenso ungeeignet wie diejenige der so genannten
Schleudertraumapraxis
(BGE 134 V 109, 117 V 359; Urteile des Bundesgerichts 8C_551/2022 vom 31. März 2023 E. 2.2.2 und 8C_367/2021 vom 10. Januar 2022 E. 4.3.1). Nicht anders verhält es sich, wenn die versicherte Person zwar körperlich verletzt wird, die somatischen Beeinträchtigungen indessen lediglich von untergeordneter Be
deutung sind und im Vergleich zum erlittenen psychischen Stress in den Hinter
grund treten (Urteil des Bundesgerichts 8C_298/2016 vom 30. November 2016 E. 4.3 mit Hinweisen). Dabei ist gemäss Rechtsprechung nicht allein auf den psy
chisch gesunden Versicherten, sondern auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen und dabei im Allgemeinen kein allzu strenger, sondern ein realitäts
gerechter Massstab anzulegen. So bilden in diesem Rahmen auch solche Versi
cherte Bezugspersonen für die Adäquanzbeurteilung, welche im Hinblick auf die Verarbeitung eines Unfalls zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht «optimal» reagieren. An den
–
aufgrund der allgemeinen Adäquanzformel zu prüfenden
–
Kausalzusam
-
menhang
zwischen psychischen Beschwerden und den sogenannten Schreck
ereignissen im Speziellen werden jedoch hohe Anforderungen gestellt. Dabei stehen insbesondere der Beweis der Tatsachen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, und die Aussergewöhnlichkeit des fraglichen Ereignisses sowie der entsprechende psychische Schock im Vordergrund (Urteile des Bundesgerichts 8C_551/2022 vom 31. März 2023 E. 2.2.2 f. und 8C_53/2021 vom 9. April 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen auf BGE 129 V 177 E. 3.3 und E. 4.2).
Nach der Recht
sprechung besteht die übliche und
einigermassen
typische Reaktion auf solche Ereignisse
erfahrungsgemäss
darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwun
den wird (Urteile des Bundesgerichts 8C_720/2007 vom 3. Sep
tember 2007 E. 6.3 und E. 7.3, 8C_266/2013 vom 4. Juni 2013 E. 2 und E. 3.2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid
im Wesent
li
chen
damit, dass
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung nicht damit zu rechnen sei, dass
das Unfallereignis zu einer langandauernden Arbeitsunfähigkeit führe. Selbst unter Berücksichtigung des la
bilen psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin sei das Schreck
ereignis nach mehr als einem Jahr nicht mehr adäquat kausal zu den geltend gemachten psychischen Beschwerden. Im Übrigen gehe aus den ärzt
lichen Be
richten hervor, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Ereignis unter psy
chischen Beschwerden gelitten habe und sich in Behandlung befunden habe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde vom 6. Ok
tober 2022 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
das Unfallereignis habe sie derart verstört, dass
sie bis heute unter einem dissoziativen Stupor mit Amnesie an das Unfallereignis leide.
Die Beurteilung der Adäquanz zwischen Schreckereignissen und psychischen Schäden hätten nach der allgemeinen Adäquanzformel zu er
folgen, wobei gemäss Rechtsprechung ein realitätsgerechter Massstab angelegt werden müsse.
Im Sinne eines realitätsgerechten Massstabes seien die Un
fallfol
gen der Beschwerdeführerin nach wie vor adäquat-kausal zum Unfall
ereignis vom 1
1.
März 2021, weshalb die Leistungspflicht
über den 30. April 2022
hinaus gegeben
sei.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
0.
November 2022 (Urk. 7) ergänzte die Be
schwerdegegnerin, Ursache der Beschwerden seien nicht (mehr) das Schreck
ereignis vom 1
1.
März 2021, sondern vielmehr das ständige Wissen, schuldhaft einen Verkehrsunfall verursacht zu haben und für die schweren Verletzungen des Motorradfahrers verantwortlich zu sein. Dabei handle es sich aber nicht um ein Schreckereignis im Sinne der UVG-Rechtsprechung. Vielmehr handle es sich um eine psychische Dauerbelastung, die sich negativ auf die Gesundheit der Be
schwerdeführerin auswirke. Es fehle an der Plötzlichkeit, weshalb nicht von Un
fall, sondern von Krankheit zu sprechen sei.
Die Intensität des Schockereignisses sei für die Beschwerdeführerin hingegen nicht sehr hoch gewesen, könne sie sich doch weder an den Unfallhergang noch an die Begleitumstände erinnern.
2.4
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin
replicando
vor,
die Beschwerdegegnerin könne nicht aus den Unfallfolgen
–
nicht Erinnern-Können
–
ableiten, es würden keine Unfallfolgen vorliegen. Dass
sie sich nicht willentlich an das Unfallereignis erinnern könne, sei Ausdruck der Unfallfolgen, nämlich
der
Dissoziation
(Urk. 13)
.
2.5
In ihrer Duplik vom
3.
April 2023 (
Urk.
17) führte die Beschwerdegegnerin aus, es sei bis heute ungeklärt und lasse sich auch nicht mehr klären, was die Be
schwer
deführerin tatsächlich miterlebt habe. Sie selbst habe von einer möglichen Absenz gesprochen. Die Beweislosigkeit gehe zu Lasten der Be
schwerde
führerin. Auch wenn erwiesen wäre, dass die Beschwerdeführerin das Unfallgeschehen mit schwersten Verletzungsfolgen unmittelbar erlebt hätte, wäre die Adäquanz nach mehreren Monaten nicht mehr gegeben. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung, sei das Ereignis vom 1
1.
März 2021 nicht geeignet
,
das seelische Gleichgewicht über mehr als ein Jahr derart stark zu be
einträchtigen.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
kollidierte
am
1
1.
März 2021
in ihrem Personenwagen
frontal
mit einem Motorrad
,
dessen Fahrer
sich
dabei
schwere Verletzungen zu
zog
(vgl. Schaden
meldung vom 3
0.
März 2021
[
Urk. 8/1
] sowie Protokoll der ärztlichen Untersuchung vom 1
1.
März 2021 [Urk. 8/28]
).
Bei psychischem Aus
nahme
zustand erfolgte eine Rettungsdienstzuweisung ins
Spital
Z.___
, wo die Be
schwerde
führerin bis am 1
8.
März 2021
, anfänglich auf der Inten
siv
station,
hospitalisiert war.
Die Ärzte
konstatierten,
CT-graphisch
seien keine
Trauma
fol
gen
nachweislich,
die Beschwerde
führerin
habe
vielmehr
das Bild eines dis
sozia
tiven Stupors
gezeigt. Im Verlauf sei sie langsam aufgeklart und in Ge
sprächen besser zu
gänglich geworden. Der aktuelle Zustand sei durch den trau
matischen Verkehrs
unfall ausgelöst worden, wobei mehrere Schicksals
schläge in vor
an
ge
henden Wochen bereits zu einem labilen psychischen Gleich
gewicht geführt hät
ten. Aus psychiatrischer Sicht habe eine latente Suizidalität nicht ausgeschlossen werden können, weshalb eine 24h
-
Sitzwache während der ge
samten
Hospitalisa
tion
nötig gewesen sei. Eine Verlegung in die integrierte Psychiatrie
A.___
zur weiteren stationären psychiatrischen Stabi
li
sierung habe die Beschwer
deführerin abgelehnt.
Sie habe eine ambulante psycho
logische Anbindung ge
wünscht.
Betreffend die
anamnestisch angegebene
Herz
rhythmus
störung
seien klinisch keine wegweisenden Befunde nachweislich. Das EKG habe einen Sinus
rhythmus gezeigt.
Die Ärzte hielten in ihrem Austritts
bericht vom 1
4.
April 2021 (Urk. 8/8; vgl. auch
Urk.
8/7) folgende Diagnosen fest:
-
Dissoziativer Stupor
-
am ehesten posttraumatisch nach Verkehrsunfall
-
11.03.2021 CT Polytrauma: unauffällig
-
11.03.2021 bis 12.03.2021 Intensivstation
-
Akute Belastungssituation
-
Substituierte Hypothyreose
-
Anamnestisch Herzrhythmusstörungen
-
Computertomographisch unklare Veränderung im Endometrium.
3.2
Auf Zuweisung des Hausarztes wurde die Beschwerdeführerin im Spital
B.___
vorstellig, wo der neurologische Facharzt mit Blick auf die Anamnese und auch
elektroenzephalographisch
eine epileptische Genese verneinte.
Ebenso
fänden sich trotz der vorgängigen Trauer keine Hinweise für eine Tagesschläfrigkeit als Ur
sache für den Unfall. Aufgrund des offenbar schon vorher bestehenden ge
le
gent
lichen Schwindels habe er eine Schwindelabklärung durchgeführt, jedoch keine Hin
weise für peripher- oder gar zentral-vestibuläre Dysfunktionen oder einen Lage
rungs
schwindel erheben können. Allenfalls käme ein Morbus
Menière
in Frage, wofür auch das angegebene vorbestehende Rauschen rechts sprechen könnte (vgl. Arztbericht vom 2
7.
April 2021, Urk. 8/13). Gegenüber
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Kardiologie, äusserte die Beschwerdeführerin, dass sie seit Jahren immer wieder Synkopen und Präsyn
ko
pen habe. Sie bemerke ein Geräusch in den Ohren und müsse sich dann hinsetzen. In letzter Zeit spüre sie auch wenige Sekunden dauernde Ausset
zer/
Stolperer des Pulses. Ein Geräusch im Ohr und angedeuteter Schwindel und Unsicherheit sei
en
jetzt praktisch täglich vorhanden. Aufgrund dessen fand vom 2
0.
bis 2
9.
April 2021 eine Langzeit-EKG
-
Untersuchung statt, im Rahmen derer keine relevanten Rhythmusstörungen ersichtlich
waren
und die Extrasystole sehr gering
ausfiel
.
Damit
finde sich
laut Einschätzung von
Dr.
C.___
kein Korrelat zur Symptomatik, die auch anam
nestisch gegen kardiale Synkopen sprechen würde. Durch das traumatisierende Unfallereignis, möglicherweise ver
stärkt durch die Neuroleptika-Therapie, schei
ne eine orthostatische Dysregu
lation mit
zuspielen (vgl. Arztbericht vom 1
1.
Mai 2021, Urk. 8/15).
3.3
Seit April 2021 ist die Beschwerdeführerin bei
MHSc
.
m
ed.
pract
.
D.___
, Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
in psychologischer Behandlung.
Ihr gegenüber habe die Beschwerdeführerin angegeben
,
bereits seit 2000 wegen psycho
somatischen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Reizdarm in psycho
log
i
scher Behandlung gewesen zu sein. Kurz vor dem Unfall am 11.
März 2021 sei sie durch den Tod ihres Vaters
im Februar 2021
sehr deprimiert gewesen. Ausserdem sei sie aufgrund einer Auseinandersetzung mit ihrem Chef sehr mit
genommen gewesen. Zusätzlich sei sie durch die chronischen gesundheitlichen Probleme ihrer Tochter sehr im Stress gewesen.
Sie
habe
am Unfalltag zum Haus
arzt gewollt
, da sie sich nicht gut gefühlt habe. Dies habe jedoch nicht geklappt. Als sie mit dem Auto gefahren sei, habe sie Kinder den Berg herunterkommen gehört und plötzlich sei der Unfall passiert (vgl. Arztbericht vom 2
1.
Mai 2021,
Urk. 8/90).
Med.
pract
.
D.___
hielt fest, die Beschwerdeführerin wirke depressiv
, teilweise sehr geistesabwesend
und ihr Antrieb sei reduziert.
Ihre Stimmung sei weinerlich-depressiv, die Psychomotorik überwiegend ruhig.
Das Denken sei for
mal geordnet, inhaltlich jedoch auf den Verkehrsunfall eingeengt. Anhalts
punkte für Ich-Störungen, Wahn oder Halluzi
nationen gebe es keine
,
ebenso wenig für Zwänge, Suizidalität, Eigen- oder Fremdgefährdung. Auf Stress reagiere die Be
schwerdeführerin mit Schwindel, wobei sie sich auf den Boden gleiten lasse, dabei jedoch nicht be
wusstlos sei. Die Beschwerdeführerin habe ausserdem über
Kon
zentrations
- und Schlafstörungen sowie Albträume und gelegentliche Flashbacks berichtet. Med.
pract
.
D.___
diagnostizierte eine mittel
gradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und äusser
te den Verdacht auf eine posttraumatische Belastungs
störung (ICD-10: F43.1).
Sie
verw
ies
auf die vom Hausarzt attestierte
100%ige Arbeitsunfähigkeit,
vermerkte jedoch eine gute
Prognose (vgl. Arztbericht
e vom 20.
April 2021 [Urk. 8/88] und
31. Mai 2021
[
Urk. 8/17
]
).
3.4
Der beratende Arzt
der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
E.___
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seiner Stellungnahme vom 2
8.
Juni 2021 (Urk. 8/18) aus, das Unfallereignis vom 1
1.
März 2021 habe zu einer vorübergehenden Ver
schlimmerung der vorbestehenden Beschwerden ge
führt sowie zu einzelnen post
traumatischen Symptomen. Die für die Diagnose einer posttraumatischen Be
las
tungs
störung erforderlichen diagnostischen Krite
rien seien allerdings nicht er
füllt. Ein natürlicher Kausalzusammenhang sei im Sinne einer Teilkausalität ge
geben
, da weder der Status quo ante noch der Status quo sine
erreicht sei
.
3.5
Die Fachärzte der
p
sychiatrischen
K
linik
F.___
diagnostizier
ten eine posttraumatische Belastungsstörung als Folge des Unfalls vom 11.
März 2021
sowie eine mittelgradige depressive Episode
. Sie beschrieben
Paramnesien
im Sinne von sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks Unfall) sowie den Unfall betreffend eine partielle Amnesie. Im Denken sei die Beschwerdeführerin leicht verlangsamt mit mittelgradigem Grübeln sowie Gedankendrängen an be
lastende Lebensereignisse. Berichtet wurde ausserdem über phobische Ängste vor Spitälern sowie Vermeidungs
verhalten
bezüglich Verkehrsmittel
.
Ferner liege eine diffuse Ängstlichkeit vor, dass etwas Schlimmes eintreten könnte und ihre Existenz gefährdet werden könnte.
Die Beschwerdeführerin habe pessimistische Zukunftsgedanken
und sei im Affekt niedergeschlagen, leicht ratlos und innerlich angespannt. Sie habe von Ein- und Durchschlafstörungen, Schlafstörungen auf
grund von Albträumen, Antriebsarmut und sozialem Rückzug berichtet.
Aktuell befände sich die Beschwerdeführerin in einem
Arbeitsversuch mit einem Pensum von 30.35 %. Bei positivem Verlauf des Arbeitsversuchs sei ab 10.
No
vember
2021 von einer 30.35%ige
n
Arbeitsfähigkeit auszugehen
(vgl. Arztbericht vom 2. No
vember 2021, Urk. 8/74).
Im Verlauf hätte
n
sich, l
aut Fachärzten der
F.___
,
die depressive Symptomatik sowie die allgemeine Symptom
belastung im Alltag rückläufig gezeigt. Weiterhin bestehen würden jedoch starke Einschränkungen durch Intrusionen und eine erhöhte Alarmbereit
schaft, die durch Verkehrsmittel getriggert werde. Behand
lungs
ziel sei eine weite
re Symptomreduktion in diesem Kontext, die ausserdem zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit beitragen würde. Hierzu seien insbesondere weiterhin exposi
tions
basierte Methoden in Form der Einzeltherapie sowie Spitex-unterstützende Konfrontation
en
mit Verkehrsmitteln vorgesehen. In diesem Sinne sei
die Fort
führung der
psychotherapeutische
n
und
traumafokussierte
n
Behandlung
an
ge
zeigt
. Aktuell sei die Beschwerdeführerin
zu
40 % arbeitsfähig
.
Dies entspreche dem
an der Musikschule in
G.___
und dem
H.___
in
I.___
geleisteten Pensum.
Einhergehend mit Verbesserungen der Wegefähigkeit sei auch eine Zunahme der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Für eine weitere Steigerung des Arbeitspensums werde die Fort
setzung der Psycho
therapie, der Pharmakotherapie und der Spitex empfohlen
(vgl. Arztbericht vom
23.
März 2022
,
Urk. 8/135
).
4.
4.1
Unbestritten ist, dass sich die Beschwerdeführerin beim Autounfall
a
m 11. März 2021 keine körperlichen schwerwiegenden Verletzungen zugezogen hat
(vgl. auch E. 3.1)
.
Ebenfalls einig sind sich die Verfahrensbeteiligten darüber, dass es sich beim Ereignis vom 1
1.
März 2021 um ein Schreckereignis handelt.
Die Be
schwerdegegnerin anerkannte dementsprechend die Leistungspflicht.
Strittig und zu prüfen ist, ob
das von der Beschwerdeführerin beklagte psychische Be
schwer
de
bild
als adäquat-kausale Unfallfolge zu quali
fizieren ist, mithin
die Be
schwer
degegnerin für die geltend gemachten
psy
chi
schen
Beschwerden auch über den
30.
April 2022
hinaus leistungspflichtig ist.
4.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die Einstellung der Leistungen
per 3
0.
April 2022
im Wesentlichen damit, dass
das Unfallereignis nach der allgemeinen Adä
quanzformel
(
gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung
)
nicht mehr geeignet sei, die
zu diesem Zeitpunkt
von der
Beschwerdeführer
in noch
geltend gemachten
psychischen
Einschränkungen
zu verursachen
, weshalb unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung
zu Schreckereignissen
deren Adä
quanz entfalle (vorstehend E.
2.1, E. 2.3 und E. 2.5)
.
4.3
Aus
dem
Polizeirapport
ergibt sich, dass
die Beschwerdeführerin mit dem Auto von
J.___
auf der
K.___-Strasse
in
Richtung
L.___
unterwegs war, als sie in
einer
langgezogenen Rechtsk
urve plötzlich auf die Gegenfahrbahn
geriet
und es zu einer Kollision mit einem Motorradfahrer kam
.
Die Beschwerdeführerin sei aus ihrem Wagen ausgestiegen und habe den hinter ihr fahrenden Autolenker an
ge
wiesen, den Notruf zu wählen
(vgl. Urk. 8/26)
. Dieser gab an,
den Rettungs
dienst verständigt
und
sich um den verunfallten Motorradfahrer ge
kümmert zu haben. Ein ansässiger Nachbar sei mit dem Feuerlöscher zur Hilfe gekommen und habe das brennende Motorrad ge
löscht.
Mit der Beschwerde
führerin habe er sich nur kurz unterhalten und sie gefragt, ob sie eine Be
gleit
person im Auto hätte, was sie verneint habe. Das sei alles gewesen. Vor dem Unfall sei
ihm
die
Be
schwerde
füh
rerin aufgrund ihrer langsamen und hektischen Fahr
weise auf
gefallen (Urk. 8/32).
In der Einvernahme gab die Beschwerde
führerin
zu Proto
koll
, sie könne sich
nicht an
die Zeit
spanne
unmittelbar
vor
dem
Unfall vom 11.
März 2021 erinnern.
Es sei einfach schwarz.
Sie gehe davon aus, dass sie langsam gefahren sei. Sie sei immer vorsichtig unterwegs, da sie Angst vor Kindern auf der Strasse habe.
Sie wisse, dass sie von rechts etwas gehört habe, sie habe jedoch keine Erinnerungen mehr.
Sie habe Flashbacks vom
Körper
gefühl des
Aufprall
s
. Nach dem Aufprall sehe sie es klar, vorher sei alles ver
schwommen und schwarz. Sie ver
mute des
halb, dass sie kurz in Ohn
macht ge
fallen sein könnte.
Dies sei schon vorgekom
men
(vgl. Urk. 8/68
S.
3
ff.
).
Das Vorliegen kardialer Synkopen konnte medizi
nisch jedoch nicht nachgewiesen werden.
Ebenso wurde eine epileptische Genese verneint (E. 3.2).
Sodann steht fest, dass
die Beschwer
deführerin nach der Kolli
sion
neben dem Auto auf der Wiese sitzend vorgefunden und nach einmaliger Antwort und anschliessend aus
blei
bender Reaktion gegen
über dem Rettungs
dienst
in einem Schock
zustand in das Spital
Z.___
ge
bracht wurde
,
wo
ein dissoziativer Stupor diagnostiziert
w
u
rde (vgl.
E.
3.1,
Urk. 8/7 S.
5
).
Der verun
fallte Motor
radfahrer hingegen erlitt eine Gehirn
erschütterung, schwere Verlet
zungen des Brustkorbes mit inneren Blu
tungen, eine Stichver
letzung der Milz und Leber, Brüche des rechten Unterarms und des rechten Wadenbeins, eine Verschie
bung der Brust
wirbelkörper 8 und 9 mit Rücken
marks
durchtrennung, aufgrund derer er von der Brust abwärts kom
plett gelähmt und dauerhaft auf einen Roll
stuhl angewiesen sein wird, sowie eine Schädigung der Blase und des Darms, weshalb er dauerhaft auf abführende Mass
nahmen ange
wiesen sein wird (vgl. Urk. 8/68 S. 7).
Während der Einvernahme darauf ange
sprochen, fing die Be
schwerde
führerin zu weinen an und
entschuldigt sich. Sie wisse nicht, wie es dazu habe kommen können (Urk. 8/68 S. 9).
Die Be
schwerde
führerin gab zu Pro
tokoll, an die ersten Tage nach dem Unfall keine Erinnerungen mehr zu haben (Urk. 8/68 S. 12).
4.5
Soweit die Beschwerdegegnerin in Frage stellte, ob die psychischen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Autounfall vom 11. März 2021 tatsächlich Folge des vorliegend relevanten Ereignisses und nicht vielmehr der späteren Gewissheit, schuldhaft einen Verkehrsunfall verursacht zu haben und für die schweren Ver
letzungen des Motorradfahrers verantwortlich zu sein, sind (E. 2.3), so ist zu be
achten, dass dieser Faktor (ausgeprägte Schuldgefühle) aus dem Unfallereignis resultiert
,
dadurch beeinflusst wird
und in diesem Sinn in die Adäquanzbeurtei
lung einzufliessen hat
.
4.6
Für die Beurteilung der Adäquanz ist
nicht allein das Ereignis entscheidend. Die prätraumatische Persönlichkeitsstruktur der versicherten Person ist ebenfalls in
soweit miteinzubeziehen, als auch solche Versicherte Bezugspersonen für die Adä
quanz
beurteilung bilden, die im Hinblick auf die erlebnismässige Verar
bei
tung eines Unfalls nicht «optimal» reagieren (vgl. E. 1.4 hiervor). In diesem Sinne ist die konstitutionelle Prädisposition der versicherten Person gleichfalls relevant
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_551/2022 vom 3
1.
März 2023 E. 4.3.2 mit Hin
weisen)
.
Gemäss behandelnder Ärzte der
F.___
hatten
bereits vor dem Unfall
ereig
nis aufgrund einer komplikationsreichen Schwanger
schaft 2017, einer un
fallbe
dingten Schulterverletzung (Februar 2020) mit anschliessender vorüber
gehender Berufsunfähigkeit und aufgrund von Mobbing
erfahrungen am Arbeits
platz sowie dem plötzlichen Versterben des Vaters (Februar 2021) Belastungen be
standen, die bei der Beschwerdeführerin zu einem zunehmenden Stresserleben und Sorgen ge
führt hätten (Urk. 8/135). Auch der Ehemann der Beschwerde
führerin
hat
von einer erhöhten Reizschwelle seit dem Tod des Vaters berichtet (vgl. Urk. 8/7). In
sofern ist es nach der Erfahrung des Lebens nachvollziehbar, dass eine Person
in
der hier vorliegenden
Lebenssituation
im Hinblick auf die
Unfall
verarbeitung nicht bestmöglich reagiert und nach dem gewöhn
lichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung einen psychischen Gesund
heitsschaden erleide
t
.
Mit Blick auf die bundesgerichtliche Recht
sprechung
ist
ein langanhaltender und nachhaltiger psychischer Gesund
heitsschaden jedoch nicht
adäquat kausal
.
Be
jaht hat das Bundesgericht die Adäquanz im Fall
eines Mannes, der
als Lenker eines Personenwagens einen Verkehrsunfall erlitt, bei dem seine Ehefrau in des
sen Beisein sowie in An
wesenheit der Tochter noch am Unfallort verstarb (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_593/2013 vom 11.
De
zember 2013)
,
sowie im Fall
einer Frau,
die mit dem Auto auf dem Pannenstreifen stand und miterleben musste, wie
ihre
Tochter
im eigenen Auto
von einem nach
folgenden
Personen
wagen
mit hoher Geschwin
digkeit
er
fasst wurde und
dabei schwerste Verletzun
gen mit Todesfolge erlitt
.
D
a
bei hatte d
ie Mutter mitbe
kom
men, wie die Rettungs
kräfte
versuchten
,
ihre
Tochter zu re
animieren
(vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_367/2021 vom 10.
Ja
nuar 2022).
Der
Unterschied zu
die
sen
dargelegten
Kon
stellationen, in welchen das Bundesgericht eine adä
quate Kausalität bejahte,
liegt unter anderem im Ver
lust eines den Betroffenen nahe
stehenden Familienmit
glieds sowie
dem Umstand, dass
jeweils keine vollständige
antero
- oder retro
grade Amnesie vorlag,
die Intensität des Schreck
ereignisses entsprechend hoch war.
4.
7
Dem Ereignis vom 1
1.
März 2021 ist sicherlich eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen und es ist auch nachvollziehbar, dass die Gewissheit, schuld
haft einen Verkehrsunfall verursacht zu haben und für die schweren Verletzungen des Motorradfahrers verantwortlich zu sein, von der Beschwerdeführerin sub
jek
tiv als belastend empfunden wird. Dennoch ist es nach dem Gesagten nicht ge
eignet, langjährige psychische Störungen mit vollständiger Erwerbsunfähigkeit auszulösen, zumal an den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychi
schen Beschwerden und Schreckereignissen hohe Anforderungen gestellt werden
(vgl. E. 1.4 hiervor)
.
Im Übrigen
ist
es der Beschwerdeführerin
möglich, Teilzeit ihrer angestammten Tätigkeit als
Musikl
ehrerin nachzugehen
(
E. 3.5;
vgl. Urk. 8/
104)
, insofern die psychische Belastung
bei der Ausübung ihres Berufes keine einschränkende Rolle mehr spielt
.
Hierbei
ist darauf hinzuweisen, dass ge
mäss Bericht der Fachärzte der
F.___
vom 2
3.
März 2022 (
Urk.
8/135) sich die depressive Symptomatik und die allgemeine Symptombelastung im Alltag rück
läufig zeigten. Zu diesem Zeitpunkt bestanden nur noch durch Verkehrsmittel getriggerte Einschränkungen in Form von Intrusion und einer erhöhten Alarm
bereitschaft, was zwar laut fachärztlicher Einschätzung weiterhin in Zusammen
hang mit dem Unfallereignis stand, jedoch lediglich eine Wegunfähigkeit verur
sachte. Mit einer Verbesserung der Wegfähigkeit erwarteten die Fachärzte auch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Folgerichtig dazu attestierten sie eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit für die in Wohnortnähe ausgeübten Tätigkeiten als Mu
siklehrerin (
G.___
und
I.___
), nicht jedoch für die in
M.___
zu gebenden Musikstunden, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln von ihrem Wohnort nur be
schwerlich in eindreiviertel Stunden und mit zweimaligem Umsteigen (Bus- und Tramfahrten sowie Gehzeiten zum/vom Bahnhof aus nicht miteingerechnet) zu erreichen sind. Damit bestand zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Arbeitsunfähig
keit mehr als Mu
siklehrerin, zumal die Beschwerdeführerin selber ihre Erwerbs
tätigkeit als grosse Ressource betrachtet (vgl.
Urk.
8/104). Im Rahmen des im Sozialversicherungs
recht geltenden, allgemeinen Grundsatzes
der Schadenmin
derungspflicht (BGE 123 V 230 E. 3c, 117 V 275 E. 2b, 400, je mit Hinweisen; Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, Freiburg 1999, S. 57, 551 und
572; Landolt, Das Zumutbarkeitsprinzip im schweizerischen Sozialversicherungs
recht,
Diss
. Zürich 1995, S. 61)
ist es der Beschwerdeführerin zuzumuten, ihre grundsätzlich beste
hende Arbeitsfähigkeit
als Musiklehrerin
im Rahmen ihrer Wegfähigkeit auszu
schöpfen
, analog auch der Bestimmung von
Art.
6 ATSG, wo
nach bei längerer Arbeitsunfähigkeit die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga
benbereich zu berücksichtigen ist. Besteht indes gestützt auf den Bericht vom 2
3.
März 2022 keine eigentliche Arbeitsunfähigkeit mehr und ist nach über einem Jahr der adäquate Kausalzusammenhang der weiterhin geklag
ten Beschwerden zum Unfall zu verneinen, ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per 3
0.
April 2022 einstellte.
5.
Nach diesen Erwägungen erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
8.
September 2022 als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Sebastian Lorentz
-
Rechtsanwalt
Dr.
Peter Philipp
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstStadler