# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8947368b-087d-5754-8525-511eb27d30b6
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-12-17
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Unterschutzstellung eines beweglichen Objektes.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0378/2004
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_0378_2004_42.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 0378/2004 vom 17. Dezember 2004 in BEZ 2005 Nr. 24

Am  20.  Februar  2004  stellte  der  Stadtrat  von  Zürich  ausgewählte  Anlageteile, 
Grabstätten  und  Grabmäler  verschiedener  Friedhöfe  unter  Denkmalschutz.  Mit  Bezug 
auf  den  Friedhof X wurden einerseits die Gesamtanlage in ihrer heutigen Ausdehnung 
mit Mauern, Einfriedungen und Toren, anderseits einzeln bezeichnete Grabstätten – so 
auch das Familien-Mietgrab Nr. Y – integral unter Schutz gestellt. Hiergegen rekurrierte 
A als Mieter des besagten Grabes an die Baurekurskommission I und stellte den Antrag, 
es sei die auf diesem Grab stehende Bronzestatue des Bildhauers Aristide Maillol nicht 
unter Schutz zu stellen. Gegen die Unterschutzstellung der Grabstätte als solcher hat er 
nichts einzuwenden.

Aus den Erwägungen:

3. (...) Auf dem Familiengrab Nr. Y liess der Vater des Rekurrenten im Jahre 1948
eine  Bronzefigur  (...)  von  Aristide  Maillol  (1861  - 1944)  aufstellen.  Die  klassische  Har-
monie  ausstrahlende  Figur  ist  zweifellos  von  hohem  künstlerischem  Wert  und  kommt, 
wie schon damals von der Friedhofsverwaltung festgehalten worden ist, «als Kunstwerk 
eines grossen Meisters der ganzen Anlage sehr zu statten». Neben Auguste Rodin gilt 
der  ebenfalls  aus  Frankreich  stammende  Maillol  als  der  bedeutendste  französische 
Bildhauer des angehenden 20. Jahrhunderts. (...)

6. Die  gesellschaftlichen  und  kulturellen  Werte  einer  Epoche  finden  ihren  Nieder-
schlag  auch  in  der  Friedhofs- und  Grabmalgestaltung.  Insofern  vermögen  einzelne 
Grabgestaltungen (Art der Bepflanzungen, Grabmale) wie auch Friedhofsanlagen in ih-
rer Gesamtheit zweifellos Zeugnis kultureller und gesellschaftlicher Entwicklung abzule-
gen,  und  zwar  sowohl  hinsichtlich  des  Umgangs  der  Menschen  mit  dem  Tod  wie  auch 
mit  Blick  auf  die  künstlerischen  Ausdrucksformen.  Die  Ablesbarkeit  dieser  Elemente 
setzt, wie die Vorinstanz richtig bemerkt, nicht nur den Bestand der eigentlichen Fried-
hofsanlage,  sondern  auch  das  Vorhandensein  von  Grabstätten  voraus.  Diese  Erkennt-
nisse  allein  vermögen  allerdings  die  für  eine  dahingehende  Unterschutzstellung  not-
wendige gesetzliche Grundlage nicht zu ersetzen.

Die  Schutzobjekte  des  Natur- und  Heimatschutzes  sind  in  §  203  PBG  abschlies-
send enumeriert. Als Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG gelten Ortsker-
ne, Quartiere, Strassen und Plätze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zuge-
hör  von  solchen,  die  als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen 
oder baukünstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaften oder Sied-
lungen  wesentlich  mitprägen,  samt  der  für  ihre  Wirkung  wesentlichen  Umgebung. 
Schutzobjekte im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. f PBG sind «Parkanlagen, wertvolle Bäume, 
Baumbestände, Feldgehölze und Hecken». Die Tatbestände von § 203 Abs. 1 lit. c und f 
PBG unterscheiden sich dadurch, dass bei den unter lit. c fallenden Schutzobjekten de-

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ren  historischer  Gehalt,  d.h.  ihre  Aussagekraft  als  wichtiger  Zeuge  einer  bestimmten 
Epoche ausschlaggebend ist. Bei den in lit. f genannten wertvollen Park- und Gartenan-
lagen,  Bäumen,  Baumbeständen,  Feldgehölzen  und  Hecken  dagegen  spielen  histori-
sche Umstände keine Rolle, sondern kommt es auf die heute vorhandene Substanz und 
das gegenwärtige Erscheinungsbild an.

Im  angefochtenen  Beschluss  wird  (auch)  hinsichtlich  des  Friedhofs  X  zwischen 
dem  Schutz  der  Anlage  als  solcher,  den  Hochbauten  und  den  Grabmälern  unterschie-
den. Der Friedhof X wird, wie erwähnt, als Schutzobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c 
und f PBG erklärt. Hinsichtlich der Grabmäler wird nebst einem «grossartigen Bronzetor 
mit Darstellung des jüngsten Gerichts» auch der «vom international berühmten Bildhau-
er Aristide Maillol (...) geschaffene weibliche Akt auf dem Grab der Familie A» der Kate-
gorie  3  zugeteilt.  Das  bedeutet,  dass  die  Streitgegenstand  bildende  Statue  im  Gegen-
satz zu den den Kategorien 4 bis 6 zugeteilten Grabmälern, die als wichtige Bestandtei-
le  der  schützenswerten  Friedhofsanlage unter Schutz gestellt werden, als schutzwürdi-
ges «Einzelobjekt» bewertet und damit als ein eigenständiges Denkmal betrachtet wird. 
Demgemäss geht die Vorinstanz hinsichtlich der von Aristide Maillol geschaffenen Sta-
tue  ausdrücklich  von  einem  wegen  seiner  künstlerischen  Qualitäten  schützenswerten 
Einzelobjekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG aus.

Das  Familiengrab  ist  (vorläufig)  bis  im  Jahre  2026  gemietet.  Gemäss  der  Verord-
nung des Regierungsrates über die Bestattungen vom 7. März 1963 bleiben die Grab-
zeichen  Eigentum  der  verfügungsberechtigten  Angehörigen  (§  44  Abs.  1  der  Verord-
nung).  Bei  der  Räumung  der  Grabfelder  (d.h.  bei  Privatgräbern  gemäss  §  37  der  Ver-
ordnung  bei  Ablauf  der  Mietdauer)  darf  die  Gemeinde  über  die  Grabzeichen  verfügen, 
sofern sie auf öffentlichen Aufruf hin nicht innert Monatsfrist abgeholt werden (§ 44 Abs. 
2 der Verordnung). Die Vorgaben der kantonalen Verordnung werden in den einschlägi-
gen  städtischen  Verordnungen  bestätigt  und  konkretisiert  (vgl.  Verordnung  über  das 
Bestattungswesen  und  die  Friedhöfe  vom  25.  Juni  1971 und  Vorschriften  über  die 
Grabmäler vom 11. Dezember 1964). 

Daraus ergibt sich, dass der Rekurrent nach wie vor Eigentümer der Statue ist und 
diese nach Ablauf der Mietdauer zu entfernen ist. Die von der Vorinstanz unter Schutz 
gestellte Statue stellt demgemäss ein mobiles Objekt dar.

8. Gegenstand der Denkmalpflege sind Denkmäler. Allen sicht- und tastbaren Ge-
genständen,  die  in  irgendeiner  Weise  vom  Menschen  geschaffen  worden  sind,  kommt 
potenziell Denkmalcharakter zu. Ausgeschlossen sind einerseits Gegenstände, die nicht 
vom Menschen geschaffen wurden (Findlinge oder wildwachsende Bäume etc.) und an-
dererseits  nicht  körperliche  Schöpfungen.  Dem  Denkmal  kommt  Zeugnischarakter  zu; 
durch  sein  Vorhandensein  vermittelt  es  politische,  wirtschaftliche,  soziale  oder  bau-
künstlerische  Vergangenheit.  Als  Denkmal  kommen  nicht  nur  unbewegliche  Sachen, 
sondern grundsätzlich auch Mobilien in Frage (vgl. J. Rohrer, Kommentar NHG, 1997, 1. 
Kap., Rz. 35; J. Hess, Der Denkmalschutz im zürcherischen Planungs- und Baugesetz, 
1986, S. 93).

Was im Einzelnen Schutzobjekt der Denkmalpflege sein kann, bestimmt sich nach 
kantonalem  Recht  (Rohrer,  Rz.  40,  auch  zum  Folgenden).  Im  Gegensatz  zu  anderen 
kantonalen  Regelungen  (vgl.  etwa  das  basellandschaftliche  Denkmal- und  Heimat-
schutzgesetz  [§§  3  und  4  des  Gesetzes  über  den  Denkmal- und  Heimatschutz  vom  9. 
April 1992]) schliesst das zürcherische Planungs- und Baugesetz bewegliche Sachen in 

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den  Denkmalbegriff  nicht  mit  ein  (vgl.  Hess,  S.  132).  Hinsichtlich  der  Baudenkmäler 
werden  gemäss  ausdrücklicher  gesetzlicher  Regelung  auch  Bestandteils- bzw.  Zuge-
hörscharakter  aufweisende  Gegenstände  miterfasst  (vgl.  §  203  Abs.  1  lit.  c  PBG,  §  23 
Abs.  3  der  kantonalen  Natur- und Heimatschutzverordnung; vgl. insbesondere zur Ent-
stehungsgeschichte dieser Bestimmung Hess, S.93 f.).

Auch wenn der Statue ausnehmende Schönheit zu attestieren ist und sie der Fried-
hofsanlage  zweifellos  «sehr  zustatten  kommt»,  geht  ihr  als  beweglichem  Objekt  dem-
gemäss zum vornherein die Denkmaleigenschaft ab. Im Weiteren muss ihr auch eine für 
die  Qualifizierung  als  Zugehör  vorausgesetzte  dauernde  Bestimmung  für  die  Zwecke 
der  Hauptsache  abgesprochen  werden.  Die  Zweckverbindung  ist  vielmehr  eine  bloss 
vorübergehende, da die spätere Aufhebung von vornherein beabsichtigt und als sicher 
anzunehmen ist. Deshalb ist es auch unerheblich, ob die Statue «von Anfang an» nach 
dem  «klaren  Willen  des  Eigentümers  als  Grabmal  bestimmt  worden»  war.  Auf  die  da-
hingehende, vom Rekurrenten bestrittene Behauptung der Vorinstanz kommt daher zum 
vornherein nichts an. Unter diesen Umständen braucht sodann nicht geprüft zu werden, 
ob einer Statue mit Bezug auf eine Friedhofsanlage überhaupt Zugehörseigenschaft im 
Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zukommen kann.