# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd501ff5-5b74-5868-9641-fd6cc7190b8d
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-10
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 10.11.2022 VG.2022.00037 (VG.2022.1183)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2022-00037_2022-11-10.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 10. November 2022

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Walter Salvadori,
  Verwaltungsrichter Samuel Bisig und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2022.00037

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Prof.
    Dr. Hardy Landolt, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______, geboren am […], meldete sich am 14.
  Oktober 2013 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Daraufhin
  gewährte ihm die IV-Stelle Glarus in den Jahren 2015 bis 2017 berufliche
  Massnahmen. Am 16. September 2016 ersuchte er erneut um Leistungen der
  Invalidenversicherung. Am 21. Dezember 2017 zeigte die IV-Stelle den
  Abschluss der beruflichen Massnahmen und eine Rentenprüfung an.

  
	
   

  
	
  1.2 In der Folge klärte die IV-Stelle den medizinischen
  Sachverhalt ab und gab insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten bei der
  B.______GmbH in Auftrag, welches am 18. November 2020 erstattet wurde.
  Gestützt darauf stellte sie A.______ mit Vorbescheid vom 11. August 2021 die
  Zusprache einer halben Invalidenrente ab dem 1. Januar 2018 in Aussicht,
  woran sie trotz der von ihm dagegen erhobenen Einwände mit Verfügung vom
  17. Mai 2022 festhielt.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  A.______ gelangte mit
  Beschwerde vom 16. Juni 2022 ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab dem 1. Januar 2018.
  Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle sowie unter
  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
  Die IV-Stelle schloss am 13. September 2022 auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69
  Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
  19. Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
  zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 1. Januar 2022 trat die Änderung des IVG vom 19.
  Juni 2020 (Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft. Erfolgt
  die Verfügung über die erstmalige Rentenzusprache nach diesem Inkrafttreten
  und begründet gleichzeitig aber einen Rentenanspruch vor diesem Zeitpunkt,
  sind die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung
  über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV) indessen in
  der bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Fassung massgebend (Kreisschreiben
  über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]) vom
  1. Januar 2022, Rz. 9101). Vorliegend ist ein Rentenanspruch ab dem
  1. Januar 2018 zu beurteilen, weshalb nach dem oben Dargelegten die
  Bestimmungen des IVG und der IVV in der Fassung bis zum 31. Dezember
  2021 zur Anwendung gelangen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Gemäss
  Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist
  Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
  oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch
  eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
  verursachte und nach zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende
  ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
  kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

  
	
   

  
	
  2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad
  von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem solchen
  von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 % auf
  eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70 % auf eine ganze Rente.
  Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrads
  bei erwerbstätigen Versicherten das Erwerbseinkommen, das die versicherte
  Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
  Behandlung und allfälligen Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
  Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, dem
  Erwerbseinkommen gegenüberzustellen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
  invalid geworden wäre.

  
	
   

  
	
  2.3 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität
  keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht gemäss Art.
  26 Abs. 1 IVV das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen
  könnte, den folgenden nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich
  aktualisierten Medianwerts gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für
  Statistik (LSE): vor Vollendung von 21 Altersjahren 70 %; nach
  Vollendung von 21 Altersjahren und vor Vollendung von
  25 Altersjahren 80 %; nach Vollendung von 25 Altersjahren und
  vor Vollendung von 30 Altersjahren 90 %; danach 100 %.
  Geburts- und Frühinvalide im Sinne von Art. 26 Abs. 1 IVV sind
  Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit an einem Gesundheitsschaden
  leiden und deshalb keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben
  konnten. Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität
  überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso gehören
  dazu Versicherte, welche zwar eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls
  auch abschliessen, zu Beginn der Ausbildung jedoch bereits invalid sind und
  mit dieser Ausbildung nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten realisieren
  können wie eine nichtbehinderte Person mit derselben Ausbildung (BGer-Urteil 9C_233/2018 vom 11. April 2019
  E. 1.2; Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität
  und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab
  1. Januar 2015, Rz. 3035).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Nach
  dem für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren
  geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
  Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
  förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für
  das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel,
  unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
  entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
  des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere
  darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
  nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
  anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
  abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Im
  Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid nach dem Beweisgrad
  der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines
  bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat
  vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
  Geschehensabläufen als die Wahrscheinlichste würdigt
  (BGE 119 V 7 E. 3c/aa, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  3.2 Es ist Aufgabe des Arztes oder der
  Ärztin, sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Unfalls auf den
  Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu
  nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie
  arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige
  Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
  versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch
  zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4).

  
	
   

  
	
  3.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines
  ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der
  gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
  geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
  abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zustände und
  Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen in einer Weise begründet
  sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie
  ob nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die
  Beantwortung der Fragen erschweren, gegebenenfalls deutlich gemacht werden. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
  somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
  eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
  Gutachten, sondern
  dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351
  E. 3a). Dennoch
  hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
  vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
  Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des
  Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärztinnen und
  -ärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
  nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der
  Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung
  volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
  Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210
  E. 1.3.4).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe
  aufgrund der seit Geburt bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  keine ordentliche schulische Ausbildung absolvieren und nur mit grosser Mühe,
  Unterstützung und dank dem grossen Entgegenkommen der Vorgesetzten die
  Anlehre abschliessen können. Danach sei es ihm aufgrund der
  Entwicklungsstörung und der stark eingeschränkten Intelligenz nicht möglich
  gewesen, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Hilfsarbeitertätigkeit auszuführen
  bzw. eine solche Stelle zu finden. Die im B.______-Gutachten
  festgehaltene Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit mit einem Rendement
  von 50 % sei nicht korrekt. Einerseits hätten die Gutachter diese
  lediglich daraus abgeleitet, dass er die Anlehre im Detailhandel absolviert
  habe. Andererseits seien sie davon ausgegangen, dass er in angestammter
  Tätigkeit weiterhin arbeitsfähig sei. Dies obschon eine solche nicht
  vorhanden sei, da er nach der Anlehre beruflich nicht tätig gewesen sei.
  Folglich könne auf diese Einschätzungen nicht abgestellt werden. Sodann
  hätten sich die Gutachter weder mit dem Umstand, dass die Berufsberater der
  Beschwerdegegnerin seine Arbeitsleistung auf dem konkreten Arbeitsmarkt als
  wirtschaftlich nicht verwertbar taxiert hätten noch mit seinen gescheiterten
  Arbeitsbemühungen auseinandergesetzt. Ferner hätten sie nicht näher
  begründet, weshalb von einem Rendement von 50 % auszugehen sei. Schliesslich
  sei ihm bei der Invaliditätsbemessung der maximale Abzug vom Tabellenlohn zu
  gewähren. Da er aber ohnehin keine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
  verwerten könne, sei ihm im Ergebnis eine ganze Invalidenrente zu gewähren.

  
	
   

  
	
  4.2 Die Beschwerdegegnerin macht geltend, dem
  B.______-Gutachten könne aus versicherungsmedizinischer Sicht gefolgt werden.
  Insbesondere sei die darin festgelegte Arbeitsfähigkeit verwertbar, zumal für
  Hilfsarbeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Ausbildung erforderlich
  sei. Ein soziales Entgegenkommen des Arbeitgebers führe sodann nicht zur
  Verneinung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit. Diverse Berichte
  zeigten zudem, dass der Beschwerdeführer gute Arbeitsleistungen mit der
  notwendigen Motivation habe erbringen können. So sei es ihm auch in Hinblick
  auf seine Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht zuzumuten, eine
  vollzeitliche Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu suchen und auszuüben.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1

  
	
  5.1.1 Die B.______-Gutachter Dr. med. C.______ und Dr. med. D.______
  stellten in den
  rheumatologischen sowie allgemeininternistischen Teilgutachten keine
  Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Aus rheumatologischer Sicht bestünden keine
  funktionellen Einschränkungen.

  
	
   

  
	
  5.1.2 Dr. med. E.______ stellte im
  psychiatrischen Teilgutachten als Diagnosen mit Auswirkung auf
  die Arbeitsfähigkeit einen verminderten IQ und eine Entwicklungsstörung mit
  mangelnder Strukturierungsfähigkeit, Probleme in Verbindung mit Ausbildung
  und Bildung, mangelnde schulische Fertigkeiten mit Status nach Problemen in
  Verbindung mit Ausbildung und Bildung sowie einen Status nach Herauslösen aus
  dem Elternhaus in der Kindheit und Jugend mit Heimaufenthalt. Es bestehe eine komplexe
  Entwicklungsbeeinträchtigung. Der Versicherte funktioniere nicht auf dem
  Niveau eines […]-jährigen Mannes, sondern zeige eine verminderte kognitive
  sowie intellektuelle Leistungsfähigkeit. Ausserdem bestünden
  Beeinträchtigungen in der Sozialkompetenz und in der Fähigkeit zu Anpassungen
  an Regeln und Routinen. Er sei vermindert belastbar, brauche häufig
  Anweisungen sowie Überwachung und sei auf repetitive Tätigkeiten sowie
  wohlwollende Führung angewiesen.

  
	
   

  
	
  5.1.3 Lic. phil. F.______ diagnostizierte im
  neuropsychologischen Teilgutachten eine leichte bis mittelschwere
  neuropsychologische Funktionsstörung. Im Vordergrund stünden Defizite im
  Bereich Lernen/Gedächtnis, in schulischen Fertigkeiten und in exekutiven
  Funktionen.

  
	
   

  
	
  5.1.4 In der Konsensbeurteilung kamen die B.______-Gutachter zum
  Schluss, der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit als
  Hilfsarbeiter oder als PRA-Praktiker zu 50 % arbeitsfähig, wobei er
  ganztags mit einem um 50 % verminderten Rendement eingesetzt werden
  könne.

  
	
   

  
	
  5.2

  
	
  5.2.1 Das polydisziplinäre Gutachten erweist sich als
  nachvollziehbar und in sich schlüssig. Die Gutachter haben sich mit der
  gesamten medizinischen Aktenlage befasst und diese bei ihrer Würdigung,
  welche sich als überzeugend erweist, miteinbezogen. Das Gutachten beruht auf
  allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten Beschwerden, setzt
  sich mit dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander, ist in der
  Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen begründet
  und lässt sich von der Rechtsanwenderin nachvollziehen. Gestützt werden die
  Ergebnisse vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Die Gutachter haben die
  Rückfragen der Beschwerdegegnerin betreffend Suchtmittelproblematik sodann
  zwar nicht abschliessend beantwortet. Indessen ergibt sich aus den im Recht
  liegenden Unterlagen kein Verdacht auf einen wiederholten und für die
  Arbeitsfähigkeit relevanten Konsum. Die Gutachter haben die psychischen und
  neurologischen Einschränkungen darüber hinaus vertieft dargelegt, womit die
  Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auch in Bezug auf diesen Aspekt ohne
  Weiteres möglich ist, was vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird.
  Schliesslich ist entgegen seinen Ausführungen verständlich und
  nachvollziehbar, dass die Gutachter als angestammte Tätigkeit die
  Ausbildungsstelle im Detailhandel sowie die Hilfsstelle im […] zugrunde
  legten.

  
	
   

  
	
  5.2.2
  Dementsprechend erfüllt das
  B.______-Gutachten im Ergebnis die Anforderungen an den Beweiswert eines
  Gutachtens. Ein Abweichen von den darin enthaltenen Ausführungen ist folglich
  nur angezeigt, wenn konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
  Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4). Lediglich vollständigkeitshalber ist darauf
  hinzuweisen, dass dem Antrag des Beschwerdeführers auf weitere medizinische
  Abklärungen nicht gefolgt werden kann, da das im Recht liegende Gutachten
  bereits eine genügende Auseinandersetzung hinsichtlich seines
  Gesundheitszustands sowie dessen Auswirkungen enthält und von weiteren
  Abklärungen keine entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu erwarten sind. Die
  weiteren im Recht liegenden Unterlagen vermögen den erhöhten Beweiswert des
  B.______-Gutachtens schliesslich nicht in Zweifel zu ziehen. Der
  Beschwerdeführer bezieht sich denn auch nicht auf weitere medizinische
  Berichte, sondern bietet Unterlagen aus der beruflichen Ausbildung und Beratung
  als Beweis dafür an, dass bei ihm keine Resterwerbsfähigkeit von 50 %
  vorliege. Letztere geben jedoch lediglich ihre Einschätzungen zur
  Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit ab und äussern sich nicht zur
  medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit. Damit sind ihre Ausführungen als
  Einschätzung von medizinischen Laien anzusehen, welche nicht geeignet sind,
  Zweifel an der Einschätzung der Gutachter zu erwecken (vgl. aber
  untenstehende E. II/6.3). Als Zwischenfazit ist damit festzuhalten, dass
  der Beschwerdeführer im Rahmen des gutachterlich festgelegten
  Tätigkeitsprofils mit überwiegender Wahrscheinlichkeit mit einem Rendement
  von 50 % arbeitsfähig ist.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Gestützt auf die Einschätzung der
  Arbeitsfähigkeit gemäss B.______-Gutachten ist sodann die
  Invaliditätsbemessung vorzunehmen, wobei zunächst die Verwertbarkeit dieser
  Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu prüfen ist. Während
  der Beschwerdeführer eine solche
  verneint, erachtet die Beschwerdegegnerin diese aus versicherungsmedizinischer
  Sicht als gegeben.

  
	
   

  
	
  6.2

  
	
  6.2.1 Der für die Bestimmung des Invalideneinkommens
  massgebliche ausgeglichene Arbeitsmarkt ist durch ein gewisses Gleichgewicht
  zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften gekennzeichnet und weist
  einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf. Das gilt sowohl bezüglich der
  dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als auch
  hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Dabei ist nicht von realitätsfremden
  Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die
  unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten
  des Einzelfalls zumutbar sind. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
  sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
  welchen Versicherte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des
  Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann indessen nicht
  mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so
  eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
  praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen
  eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer
  entsprechenden Stelle daher von vornherein ausgeschlossen erscheint (BGer-Urteil
  9C_277/2016 vom 15. März 2017 E. 4.1, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  6.2.2 Im vorliegenden Fall stehen sich widersprechende
  Einschätzungen zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit gegenüber. So ging
  der RAD im Jahr 2014 einerseits davon aus, dass eine Ausbildung für den
  Beschwerdeführer nur im geschützten Rahmen umsetzbar sei. Letzterer konnte
  die praktische Ausbildung nach INSOS sodann nur mit Unterstützung bei der
  Arbeit und im Rahmen eines betreuten Wohnens absolvieren. Nach seinem
  Abschluss konnte er im ersten Arbeitsmarkt aufgrund seiner Einschränkungen
  bislang nicht Fuss fassen. Es wurde ihm für die Arbeitssuche und
  Tagesstruktur überdies ein Beistand zur Seite gestellt. Der letzte
  Einsatzbetrieb des Beschwerdeführers sowie die IV-Berufsberatung nahmen an,
  dass der Beschwerdeführer auf einen geschützten Arbeitsplatz angewiesen sei.
  Die Gutachter und die Beschwerdegegnerin sahen ebenfalls Bedarf nach
  beruflicher Unterstützung und Vermittlungsdiensten. Schliesslich weisen die
  beschriebenen Einschränkungen gemäss neuropsychologischem und psychiatrischem
  Teilgutachten ebenfalls auf einen hohen Unterstützungsbedarf hin, da der
  Beschwerdeführer im Lernprozess erheblich verlangsamt und in der
  Sozialkompetenz sowie der Anpassungsfähigkeit bei Regeln/Routinen massgeblich
  beeinträchtigt sei. Andererseits wurden dem Beschwerdeführer im Rahmen
  seiner Ausbildung und der Arbeitsversuche wiederholt positive Rückmeldungen
  ausgestellt und es scheint weiterhin trotz der gesundheitlichen
  Einschränkungen noch Potential bei der beruflichen Eingliederung zu bestehen.
  Der Beschwerdeführer äusserte selbst mehrfach seinen
  Wiedereingliederungswillen und die Beschwerdegegnerin stellte in ihrer
  Rentenverfügung diesbezügliche Massnahmen in Aussicht.

  
	
   

  6.3 Im Ergebnis verbleiben damit erhebliche Zweifel, ob
  bzw. inwiefern der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit von
  50 % auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten kann. Die
  Beschwerdegegnerin hat die sich aus den verschiedenen Unterlagen ergebenden
  Widersprüche nicht aufgelöst und sich mit der Frage der Verwertbarkeit der
  Restarbeitsfähigkeit nicht rechtsgenüglich auseinandergesetzt, sondern
  hierfür einzig auf die medizinische Einschätzung verwiesen. Diese ist jedoch
  zur Klärung der Frage der Verwertbarkeit nicht geeignet. Dementsprechend
  beantwortete RAD-Arzt pract. med. G.______ diese Frage denn auch nicht explizit, sondern
  verwies hierfür auf den Rechtsanwender. Da der Beschwerdeführer auf
  spezifische unterstützende Rahmenbedingungen angewiesen scheint, wäre
  aufgrund der oben dargelegten Widersprüche vertieft abzuklären gewesen, ob
  seine Restarbeitsfähigkeit noch verwertbar ist oder nicht.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1
  Gemäss bundesgerichtlicher
  Rechtsprechung können die Sozialversicherungsgerichte nicht mehr frei
  entscheiden, ob sie eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die Verwaltung
  zurückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein
  Gerichtsgutachten einzuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren
  anderweitig erhobenen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig
  hält oder wenn ein Administrativgutachten in einem rechtserheblichen Punkt
  nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt hingegen
  möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig
  ungeklärten Frage begründet ist oder, wenn lediglich eine Klarstellung,
  Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist
  (BGE 137 V 210 E. 4.4.1).

  
	
   

  
	
  7.2 Die Beschwerdegegnerin hat es im
  Verwaltungsverfahren unterlassen, die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
  des Beschwerdeführers abzuklären. Sie hat hierfür lediglich pauschal auf die
  medizinischen Unterlagen verwiesen, welche diese Frage jedoch nicht
  beantworten. Da es nicht Aufgabe des kantonalen Sozialversicherungsgerichts
  sein kann, im Verwaltungsverfahren versäumte Abklärungen zu veranlassen,
  erweist sich eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin als zulässig. Damit
  erübrigen sich weitere Ausführungen betreffend Invaliditätsbemessung und
  einem allfälligen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. zum Ganzen: BGer-Urteil
  9C_277/2016 vom 15. März 2017 E. 4.3, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  Dies führt zur teilweisen
  Gutheissung der Beschwerde. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
  17. Mai 2022 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an
  diese zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 134 Abs. 1 lit.
  c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im
  Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Als Obsiegen
  gilt hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolge auch die Rückweisung
  der Sache an den Versicherungsträger mit offenem Ausgang (Ueli Kieser,
  ATSG-Kommentar, 4. A., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 61
  N. 224), weshalb die Gerichtskosten von pauschal Fr. 600.- der
  Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind. Sie ist überdies zu verpflichten, dem
  Beschwerdeführer eine angemessene Parteientschädigung in der Höhe von
  pauschal Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen
  (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e
  contrario).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 VRG befreit
  die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen, um neben dem Lebensunterhalt
  für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin
  ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das
  Verfahren nicht aussichtslos ist. Unter denselben Voraussetzungen weisen die
  kantonalen Behörden der Partei auf Gesuch hin oder von Amtes wegen einen
  Anwalt als Rechtsbeistand zu, sofern ein solcher für die gehörige
  Interessenwahrung erforderlich ist (Art. 139 Abs. 2 VRG). Der
  Nachweis der Bedürftigkeit obliegt der gesuchstellenden Partei (Art. 139
  Abs. 3 VRG).

  
	
   

  
	
  2.2 Da die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin
  aufzuerlegen sind, ist das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

  
	
   

  
	
  2.3 Der Beschwerdeführer beantragt zudem die Gewährung
  der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Die Mittellosigkeit des
  Beschwerdeführers erscheint aufgrund der Aktenlage als gegeben und seine
  Begehren sind nicht als aussichtslos zu qualifizieren. Daneben erweist sich
  der Beizug eines Rechtsbeistands als erforderlich. Folglich ist sein Gesuch
  gutzuheissen und es ist ihm in der Person von Rechtsanwalt
  Prof. Dr. Hardy Landolt ein
  unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser ist mit Fr. 1'500.- (inkl.
  Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Daran anzurechnen ist die
  Parteientschädigung seitens der Beschwerdegegnerin in gleicher Höhe.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Gegen diesen Entscheid
  steht die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans
  Bundesgericht nur nach Massgabe von Art. 93 Abs. 1 des
  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG) offen.

  
	
  Demgemäss
  beschliesst die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Das
    Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
    Prozessführung wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

    
	
    2.

    	
    Das
    Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
    Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. Ihm wird in der Person von
    Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt ein unentgeltlicher
    Rechtsbeistand bestellt.

    
	
    3.

    	
    Der Rechtsbeistand wird zu Lasten der
    Gerichtskasse mit Fr. 1'500.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)
    entschädigt. Daran angerechnet wird die Parteientschädigung seitens der
    Beschwerdegegnerin in gleicher Höhe.

    

  und
  erkennt sodann:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Verfügung der
    Beschwerdegegnerin vom 17. Mai 2022 wird aufgehoben und die Sache im Sinne
    der Erwägungen an diese zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 600.- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert
    30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung
    von Fr. 1'500.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]