# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74ef7e01-6b54-5c92-b900-3bf4bc222068
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2020 E-208/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-208-2020_2020-08-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-208/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A u g u s t  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______ geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Esther Potztal, HEKS Rechtsberatungsstelle 

für Asylsuchende (…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft  

(ohne Wegweisungsvollzug; Mehrfachgesuch);  

Verfügung des SEM vom 11. Dezember 2019 / N (…). 

 

 

 

E-208/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 25. September 2015 erstmals in der 

Schweiz um Asyl nach. Mit Verfügung vom 3. Februar 2016 verneinte die 

Vorinstanz seine Flüchtlingseigenschaft und lehnte sein Asylgesuch ab. 

Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der Schweiz, welche je-

doch zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. Der 

Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

B.  

Am 18. April 2017 reichte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz ein Ge-

such um Berichtigung der Personendaten ein, da sein Geburtsdatum im 

Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) nicht korrekt erfasst sei. 

Mit Verfügung vom 18. Juli 2017 lehnte die Vorinstanz dieses Gesuch ab. 

Auch dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

II. 

C.  

Am 22. Februar 2018 stellte der Beschwerdeführer ein zweites Asylgesuch 

(Mehrfachgesuch). Am 25. September 2018 wurde in dieser Sache eine 

erneute Anhörung durchgeführt. Der Beschwerdeführer begründete sein 

Mehrfachgesuch wie folgt: 

Während seines Aufenthalts in der Schweiz sei er in Kontakt mit Anhängern 

der christlichen Religion gekommen und habe begonnen, ebenfalls die Kir-

che zu besuchen. Er habe sich immer mehr vom Islam abgewandt und 

Gefallen am Christentum gefunden. Am (…) 2017 habe er sich taufen las-

sen. In der Folge seien ohne sein Einverständnis Fotos und Videoaus-

schnitte seiner Taufe auf Instagram und Facebook geteilt worden. Er gehe 

davon aus, dass ein bei der Taufe anwesender Freund die Bilder gemacht 

und einer Gruppe in Schweden zugespielt habe, welche die Fotos dann ins 

Internet gestellt habe. Aus Angst habe er daraufhin seinen Facebook-Ac-

count gelöscht. Dadurch habe eine Person namens B._______ von seiner 

Konversion erfahren. Dieser habe schon vorher geahnt, dass er sich dem 

Christentum zugewandt habe. B._______ habe im Iran im selben Dorf ge-

lebt und befinde sich nun ebenfalls in der Schweiz. Durch ihn habe seine 

Familie in Afghanistan und im Iran von seiner Konversion erfahren, wes-

halb sie ihn beschimpft und bedroht habe. Mittlerweile habe er den Kontakt 

E-208/2020 

Seite 3 

zu seiner Familie abgebrochen. Seinen Glauben frei leben zu können sei 

zu einem unverzichtbaren Bestandteil seiner religiösen Identität geworden. 

Der Verzicht darauf würde für ihn einen unerträglichen psychischen Druck 

bedeuten. Um nicht Gefahr zu laufen, als Apostat und Christ enttarnt zu 

werden, müsste er in Afghanistan ein riskantes Doppelleben führen und 

wäre dazu gezwungen, weiterhin an religiösen Handlungen der muslimi-

schen Mehrheitsbevölkerung teilzunehmen. 

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Auszüge der Facebook-

Gruppe des C._______ sowie der D._______, Fotografien seiner Taufe, 

Printscreens von Videos seiner Taufe sowie eine Kopie seines Taufbe-

kenntnisses zu den Akten. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. Dezember 2019 – eröffnet tags darauf – verneinte 

die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch ab (Dispositivziffern 1 und 2). Gleichzeitig verfügte 

es seine Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) und stellte fest, 

dass die am 3. Februar 2016 angeordnete vorläufige Aufnahme weiterhin 

bis zu deren Aufhebung oder Erlöschen bestehen bleibe (Dispositivziffer 

4). 

E.  

Mit Beschwerde vom 13. Januar 2020 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung in den Dispositivpunkten 1-3 und die Anerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

inklusive Kostenvorschussverzicht. 

F.  

Mit Schreiben vom 20. Januar 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt dem Beschwerdeführer den Eingang seiner Beschwerde. 

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das 

Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

 

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Seite 5 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen in verschiedenen 

Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1 m.w.H.). 

5.  

5.1 Seine ablehnende Verfügung begründete das SEM mit der Unglaub-

haftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Konversion zum 

Christentum. In seinen Aussagen sei kein innerer Prozess erkennbar, der 

ihn zum neuen Glauben geführt hätte. Bereits vier Monate nach seinem 

ersten Besuch der Farsi-sprachigen Kirche in der Schweiz habe er sich für 

die Konversion entschieden. Ein solch schneller Entschluss – obwohl er 

anfänglich noch gedacht habe, man wolle ihn lediglich verführen und aus-

tricksen – lasse keine tiefgehende Auseinandersetzung mit der neuen Re-

ligion erkennen, die für einen ernstgemeinten Glaubenswechsel unerläss-

lich wäre. Die von ihm dargelegten Aktivitäten innerhalb der Glaubensge-

meinschaft könnten zudem nicht als intensiv bezeichnet werden. Somit 

könne auch nicht von einer eingehenden Vorbereitung seinerseits gespro-

chen werden, welche auf eine systematische Einweisung in die christliche 

Religion hindeuten würde. Bei einem aus Überzeugung geschehenen 

Wechsel zum Christentum wäre dies jedoch zu erwarten gewesen. Zu den 

Gründen gefragt, weshalb das Christentum ihn anspreche, habe er stets 

nur wiederholt, dass es alle Menschen gleich behandle, dass Fragen ge-

stellt werden dürften und dass es eine friedliche Religion sei. Auch die 

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Frage, wie er denn seinen neuen Glauben leben würde, habe er sehr ober-

flächlich beantwortet und lediglich darauf hingewiesen, dass er die Kirche 

besuche, bete und Informationen recherchiere. Insgesamt falle auf, dass 

er viel eher Kritik am Islam geübt habe, als seinen persönlichen Gefallen 

am Christentum auszudrücken. Seine Argumente für die Abkehr vom Islam 

erschöpften sich in Allgemeinplätzen und die persönliche Auseinanderset-

zung mit zwei konkurrierenden Religionen sei nicht nachvollziehbar gewor-

den. Weiter habe er zwar einige allgemeine Angaben zum Christentum ma-

chen können, andere grundlegende christliche Bräuche seien ihm hinge-

gen fremd gewesen. Sein diesbezügliches Wissen könne auch einfach 

auswendig gelernt sein und müsse nicht zwingend auf eigenen Erfahrun-

gen basieren. Die Bilder seiner Taufe sowie das Taufbekenntnis seien nicht 

in der Lage, seinen inneren Überzeugungen direkten Ausdruck zu verlei-

hen. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Fotos seiner Taufe nur gestellt 

seien, um seine Asylvorbringen untermauern zu können, oder er sich zwar 

aus ebendiesem Grund tatsächlich einer Taufe unterzogen habe, dieser 

aber keine persönliche Relevanz beimesse. 

Hinsichtlich der Veröffentlichung von Fotos der Taufe des Beschwerdefüh-

rers in den sozialen Medien hielt das SEM fest, dass seine diesbezüglichen 

Aussagen stets sehr ausflüchtig gewesen seien und als unzureichend be-

zeichnet werden müssten. Die auf die Veröffentlichung der Fotos angeblich 

gefolgte Auseinandersetzung mit seiner Familie habe er oberflächlich und 

ohne seine individuelle Situation in dieser Auseinandersetzung wiederzu-

geben geschildert. Diesbezüglich hätten fundierte Aussagen erwartet wer-

den dürfen, zumal er angegeben habe, ständig heftige Diskussionen ge-

führt zu haben. Seine wenigen Hinweise hätten kein eigenes Erleben zum 

Ausdruck bringen vermocht. Die konkrete Reaktion seiner Familie sei an 

keiner Stelle plastisch ersichtlich und seine Antworten muteten stets äus-

serst stereotyp an. Sie enthielten keinerlei persönliche Konnotation, die die 

geltend gemachten Vorgänge glaubhaft erscheinen liessen. Nach dem Ge-

sagten sei davon auszugehen, dass auch seinen Verwandten bekannt sein 

dürfte, dass die Konversion – wenn überhaupt – lediglich der Stützung sei-

nes Asylgesuchs diene. Folglich dürfe eine Bedrohung durch seine Familie 

ausgeschlossen werden.  

Weiter könnten in seinem Fall den Akten keine Hinweise darauf entnom-

men werden, dass die afghanischen Behörden Kenntnis von einem allfälli-

gen Glaubenswechsel zum Christentum hätten. Es sei nicht davon auszu-

gehen, dass die gemäss seinen Aussagen in den sozialen Medien veröf-

fentlichten Fotos seiner Taufe in diesen Kreisen bekannt geworden wären. 

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Somit sei nicht davon auszugehen, dass ihm im Zusammenhang mit sei-

nem Asylgesuch in der Schweiz und der gesuchten Nähe zum Christentum 

eine flüchtlingsrelevante Verfolgung durch die afghanischen Behörden 

drohe. Da im Übrigen nicht von der Ernsthaftigkeit seiner Konversion aus-

zugehen sei, seien die Voraussetzungen für einen unerträglichen psychi-

schen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG aufgrund seiner religiösen 

Überzeugung im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan nicht gegeben. 

Damit hielten seine Vorbringen weder den Anforderungen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaubhaf-

tigkeit gemäss Art. 7 AsylG stand. 

5.2 Zur Begründung seiner Beschwerde äusserte sich der Beschwerdefüh-

rer zunächst zur Situation von Christen in Afghanistan und führte unter an-

derem aus, dass in Afghanistan Apostasie als Straftat behandelt und mit 

dem Tod bestraft werden könne. In der Folge nahm er Stellung zu der von 

der Vorinstanz angezweifelten Ernsthaftigkeit seiner christlichen Überzeu-

gung. Es sei nicht korrekt, wenn die Vorinstanz schreibe, er habe sich sehr 

schnell zur Konversion entschlossen. Er habe bereits als er das Asylzent-

rum verlassen habe und mit Schweizern in Kontakt gekommen sei, begon-

nen am Islam zu zweifeln. Der Gedanke, man wolle ihn nur verführen, sei 

ihm lediglich bei seinem allerersten Kirchenbesuch gekommen. Bereits sie-

ben Monate vor seiner Taufe habe er an Gottesdiensten der Farsi-sprachi-

gen Kirche teilgenommen. Die Farsi-sprachige Kirche habe er besucht, um 

auch wirklich verstehen zu können, was der Pastor gesagt habe. Auch 

habe er von einer Auseinandersetzung mit einem Imam in der Schweiz be-

richtet, da er vor ihm offen den Islam kritisiert habe. Es müsse überdies 

berücksichtigt werden, dass sein Bild vom Islam erlebnisgeprägt und sehr 

stark von einer kulturell bedingten fundamentalistischen islamischen Vor-

stellung geprägt sei. Die allgemeinen Fragen zum Christentum habe er 

grösstenteils korrekt beantworten können. Dass Bilder seiner Taufe gegen 

seinen Willen in den sozialen Medien geteilt worden seien, spreche dafür, 

dass diese als echt angesehen werde. Weiter schmerze ihn enorm, dass 

seine Familie ihn verstossen habe. Er habe gehofft, die Konversion geheim 

halten zu können. Er werde auch von anderen Migranten missachtet, was 

ihn sehr belaste. Diese Situation habe bereits zu wiederholten Suizidge-

danken geführt. Es sei ihm auch an der Anhörung nicht leichtgefallen, über 

das Gespräch mit seinem Bruder und seinem Vater zu sprechen. Die Aus-

sagen des Vaters könnten nicht als reine Floskeln abgetan werden.  

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Er lebe seine christliche Überzeugung in der Schweiz offen aus, weswegen 

er bereits wiederholt von (ihm bekannten) Muslimen angegangen worden 

sei. Durch die veröffentlichten Fotos sei seine Konversion auch nach aus-

sen hin sichtbar; seine Familie habe davon erfahren. Vor diesem Hinter-

grund sei von einer ernsthaften Gefahr einer künftigen Verfolgung in Afgha-

nistan aufgrund der Konversion zum Christentum auszugehen. Selbst 

wenn von einer fehlenden Ernsthaftigkeit seines Bekenntnisses zum Chris-

tentum auszugehen sei, sei in seiner fundamentalen Kritik am Islam aber 

ganz klar ein Abfall vom islamischen Glauben zu erkennen, was gemäss 

islamischem Recht mit dem Tod bestraft würde. Bei einer Rückkehr nach 

Afghanistan müsste er seine fundamentale kritische Einstellung gegenüber 

dem Islam und seinen Abfall vom islamischen Glauben unterdrücken, um 

keine asylrelevanten Nachteile zu erleiden, was für ihn einen unerträgli-

chen psychischen Druck bedeuten würde. 

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz die geltend gemachte Konversion des Be-

schwerdeführers zu Recht für nicht Ernsthaft respektive unglaubhaft befun-

den hat. Den ausführlichen Argumenten der Vorinstanz vermag der Be-

schwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe nichts Überzeugendes ent-

gegenzusetzen. Mit den nachfolgenden Erwägungen kann daher zur Ver-

meidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-

rinstanz gemäss angefochtener Verfügung (dort E. II) und obiger Zusam-

menfassung (vgl. E. 5.1) verwiesen werden.   

6.2  

6.2.1 Die Glaubhaftigkeit einer Konversion hängt insbesondere von der 

«inneren Überzeugung» ab, welche auch in diesem Sinne gelebt werden 

muss. Die asylsuchende Person muss mit ihren Aussagen den Behörden 

glaubhaft machen können, dass sie sich aufgrund ihrer inneren Überzeu-

gung zum einen von ihrer früheren Religion ab und – gegebenenfalls – zum 

anderen einer neuen Religion zugewandt hat. Eine lediglich formelle Kon-

version (z.B. durch die Taufe) ohne Hinweise auf innere Überzeugung 

reicht für die Glaubhaftmachung in der Regel nicht aus (vgl. Urteil des 

BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 [als Referenzurteil publiziert], 

E. 6.2). Gemäss Rechtsprechung unterliegen konvertierte Christen de-jure 

in Afghanistan keiner Kollektivverfolgung, wobei jeweils eine individuelle 

Prüfung der Gefährdung im Einzelfall vorzunehmen ist. 

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Seite 9 

6.2.2 Es wird vorliegend nicht in Abrede gestellt, dass der Beschwerdefüh-

rer verschiedentlich die Kirche besucht hat. Indessen fehlt es klar an einer 

substanziierten Darlegung der «inneren Überzeugung» beziehungsweise 

einer nachvollziehbaren Schilderung derselben. Der Beschwerdeführer re-

zitiert zur Begründung seiner Konversion stets ähnlich oberflächlich und 

vage immer wieder dieselben – zuweilen naiv anmutenden – Argumente; 

nämlich (sinngemäss) dass der Islam gegenüber allen nicht-Muslimen kei-

nen Respekt entgegenbringe und blutrünstig sei, das Christentum hinge-

gen vorurteilslos alle Menschen gleich behandle, dass es eine friedliche 

Religion sei und man Fragen stellen könne (vgl. vorinstanzliche Akten C10, 

F2, F29, F30, F48, F50). Die zu erwartende Schilderung eines inneren 

Konversionsprozesses – mit Gedanken und Gefühlen – ist seinen Aussa-

gen nicht zu entnehmen, ebenso wenig eine vertiefte Auseinandersetzung 

mit dem eigenen Glauben. Seine Taufe schilderte er zunächst, als wäre 

dies kein bedeutender, reflektierter Schritt und er lediglich passiver Teilneh-

mer gewesen («Nach diesen sieben Monaten hat man mir gesagt, dass ich 

mich für die Taufe vorbereiten soll und man hat die Taufe bei mir ausge-

führt.» vgl. C10, F3). Weiter erstaunt, dass er sich bereits nach insgesamt 

rund acht Besuchen in der Farsi-sprachigen Kirche (nach vier Monaten) 

zur Konversion entschlossen habe (vgl. C10, F25, F31). Der entspre-

chende Einwand in der Beschwerde, er habe sich bereits vor seinem ersten 

Besuch in dieser Kirche mit dem Christentum auseinandergesetzt, über-

zeugt zum einen nicht, zumal er vorher lediglich zwei Mal im Abstand von 

zwei oder drei Monaten eine Kirche besucht, aber aufgrund von Sprach-

barrieren nicht viel verstanden habe. Zum anderen sei er danach der Kir-

che wiederum ferngeblieben (vgl. C10, F3, F12, F16). Danach gefragt, wie 

er am Leben seiner Religionsgemeinschaft teilnehme, führte er einerseits 

in vager Weise aus, dass er beim Kirchenbesuch ein sehr gutes Gefühl 

bekomme, andererseits sei er im Widerspruch dazu seit einem oder zwei 

Monaten nicht mehr in der Kirche gewesen (vgl. C10, F41 und F43). Dies 

lässt den Schluss zu, dass er in seiner Glaubensgemeinschaft kaum son-

derlich aktiv ist. Ausserdem versuche er nun, selber zu Hause zu beten. Er 

wolle ständig recherchieren und noch mehr Informationen sammeln, bis er 

Jesus Christus im Herzen spüre (vgl. C10, F46). Dabei versuche er zu-

nächst, die benötigten Informationen in der Bibel zu finden (vgl. C10, F47). 

Dennoch habe er es gemäss eigenen Aussagen im Zeitpunkt der Anhörung 

am 25. September 2018 noch nicht geschafft, die Bibel respektive das 

neue Testament fertig zu lesen. Sobald er dies geschafft habe, wolle er sich 

dem alten Testament widmen (vgl. C10, F54). Dies ist vor dem Hintergrund 

der von ihm geschilderten Wissbegierigkeit betreffend das Christentum in 

keiner Weise nachvollziehbar, zumal er sich demzufolge rund ein Jahr vor 

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Seite 10 

der Anhörung auch taufen liess, ohne die Bibel jemals (vollständig) gelesen 

zu haben.  

Nach den wichtigsten Unterschieden zwischen dem Islam und dem Chris-

tentum gefragt, führte er zunächst ausweichend und in allgemeiner Weise 

aus, was ihm am Islam nicht gefällt (vgl. C10, F50). Auf Nachfrage erläu-

terte er wiederum in der selben ausschweifenden, vagen und oberflächli-

chen Weise, was seiner Meinung nach am Islam schlecht sei und dass dies 

im Christentum anders sei, respektive dass er persönlich auch solche 

Dinge geglaubt habe (vgl. C10, F51 f.). Sodann verfügt er über kein wei-

tergehendes Wissen zum Christentum. Er war zwar in der Lage, Weihnach-

ten, Auffahrt und Pfingsten als wichtigste Feste des Christentums zu be-

nennen, vermochte aber nicht, diese Feste zeitlich im Jahr zu verordnen 

(vgl. C10, F61 ff.); Ostern war ihm ebenfalls nicht bekannt (vgl. C10, F66 

f.). Einige einfache Wissensfragen zum Christentum konnte er zwar korrekt 

beantworten, dabei handelte es sich jedoch um absolutes Basiswissen, 

was somit für sich alleine nicht für eine vertiefte Auseinandersetzung mit 

dem Christentum spricht (vgl. C10, F68 ff.). Im Übrigen fällt auf, dass sein 

angebliches Interesse für das Christentum seinen Aussagen nach erst 

nach Erhalt des negativen Asylentscheids geweckt wurde (vgl. C10, F4 f.). 

Im genannten Kontext ist dieser Umstand ebenfalls zu seinen Ungunsten 

zu werten. 

Nach dem Ausgeführten ist es dem Beschwerdeführer insgesamt klar nicht 

gelungen, ein genuines Interesse am Christentum sowie die Ernsthaftigkeit 

seiner Konversion – und damit auch der allfälligen Apostasie – glaubhaft 

zu machen. 

6.2.3 Schliesslich bestehen auch erhebliche Zweifel an der geltend ge-

machten Reaktion der Familie des Beschwerdeführers auf die ihnen an-

geblich von B._______ zugespielten Fotos seiner Taufe. Es ist ihm nicht 

gelungen, die entsprechende Auseinandersetzung zu substanziieren (vgl. 

C10, F82 ff.) oder anderweitig mit Beweismitteln zu untermauern. Diesbe-

züglich kann auf die zutreffenden Erwägungen des SEM verwiesen werden 

(dort E. II Ziff. 1 Bst. b). Es gelang ihm auch nicht, nachvollziehbar zu schil-

dern, wie B._______ überhaupt von seiner Taufe erfahren und entspre-

chende Fotos erhalten haben soll («Dann hat er von da und dort mitbekom-

men, dass ich in die Kirche gehe. Danach hat er auch die Fotos von mir zu 

sehen bekommen […]», vgl. C10. F89), zumal die Aufnahmen seiner Taufe 

von Dritten auf Instagram sowie in einer schwedischen Facebook-Gruppe 

veröffentlicht worden seien (vgl. C10, F3, F78 ff.). Nicht nachvollziehbar ist 

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Seite 11 

sodann seine Vermutung, ein Freund, welcher ebenfalls anwesend und 

selber getauft worden sei, hätte die Aufnahmen weitergeschickt (vgl. C10, 

F79), zumal sich dieser in derselben Situation wie der Beschwerdeführer 

befunden hätte. Der Frage, ob er seinen Freund darauf angesprochen 

habe, wich er aus (vgl. C10, F80).  

Die Glaubhaftigkeit dieses Sachverhaltsaspekts kann aber schlussendlich 

offen bleiben. Selbst wenn von der Kenntnisnahme dieses Sachverhalts 

durch seine afghanische Familie ausgegangen würde, wäre angesichts 

seiner unglaubhaften Konversion davon auszugehen, dass sie darüber im 

Bilde sei. Demnach könnte ohnehin nicht auf eine flüchtlingsrelevante Ver-

folgungssituation geschlossen werden, zumal sich der Beschwerdeführer 

aufgrund dessen auch keinem unerträglichen psychischen Druck im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt sehen würde und auch nicht davon aus-

zugehen ist, seine (gestellte) Konversion wäre öffentlich bekannt geworden 

(vgl. Urteil D-4952/2014 E. 7.5.5 f.) respektive dass er aufgrund der veröf-

fentlichten Aufnahmen in den sozialen Medien mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit flüchtlingsrelevante Nachteile zu befürchten hätte.  

6.2.4 Zusammenfassend ist nicht davon auszugehen, der Beschwerdefüh-

rer habe im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan aufgrund seiner un-

glaubhaften Konversion zum Christentum flüchtlingsrelevante Nachteile zu 

befürchten.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

E-208/2020 

Seite 12 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

Angesichts der aus den vorstehenden Erwägungen hervorgehenden Aus-

sichtslosigkeit der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Je-

nes um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit dem 

vorliegend instruktionslos ergehenden, verfahrensabschliessenden Urteil 

in der Sache hinfällig. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-208/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

Versand: