# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 490cd410-de92-5c29-892d-7fcd1c67ef4f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.07.2009 A-1756/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1756-2006_2009-07-09.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1756/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Markus Metz (Vorsitz), Michael Beusch, 
Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiber Jürg Steiger.

A._______AG,
Beschwerdeführerin,

gegen

Oberzolldirektion (OZD),
Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Nachträgliche Präferenzverzollung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-1756/2006

Sachverhalt:

A.
Die  A._______AG bezweckt  unter  anderem  die  Produktion  von und 
den  Handel  mit  Hefe  und  Bäckereihilfsprodukten.  Zwischen  dem  1. 
Februar  und  18.  Mai  2005  meldete  die  von  der  A._______AG 
beauftragte Speditionsfirma (...) dem Zollamt Basel/St. Louis Autobahn 
47  Sendungen  Heferahm  (levure  liquide  vrac)  aus  Frankreich  zur 
Verzollung zum Normalzollansatz (Zolltarif-Nr. 2102.1099 zu CHF 7.--/
100 kg) an. Mit Beschwerde vom 26. Mai 2005 an die Eidgenössische 
Zollverwaltung,  Zollkreisdirektion  Basel,  forderte  die  A._______AG, 
der Einfuhrzoll für den importierten Heferahm sei gestützt auf das seit 
dem 1. Februar 2005 in Kraft stehende revidierte Protokoll Nr. 2 zum 
Freihandelsabkommen Schweiz-EG auf CHF 0.-- festzusetzen. Ihr sei 
eine  ungerechtfertigte  Zollbelastung  von  CHF 86'028.30  entstanden, 
die  sie  zurückfordere.  Die  als  Beweismittel  angeführten  47 
Warenverkehrsbescheinigungen EUR.1 wurden der Beschwerde nicht 
beigelegt;  sie  wurden  erst  am  21.  und  22.  Juli  2005  durch  den 
französischen Zoll  bestätigt  und danach durch die A._______AG der 
Eidgenössischen Oberzolldirektion (OZD) eingereicht (vgl. unten B.).

B.
Die Zollkreisdirektion Basel trat mit Entscheid vom 11. Juli 2005 wegen 
verspäteter Beschwerde in Bezug auf 18 Abfertigungen zwischen dem 
1. Februar und 9. März 2005 auf die Beschwerde nicht ein und wies 
die  Beschwerde  bezüglich  der  übrigen  29  Abfertigungen  ab.  Die 
dagegen  am  8.  September  2005  eingereichte  Beschwerde  der 
A._______AG wies  die  OZD  mit  dem  Entscheid  vom  5.  September 
2006 ab.

C.
Die  A._______AG  (nachstehend  Beschwerdeführerin)  reichte  gegen 
den Entscheid der OZD am 6. Oktober 2006 Verwaltungsbeschwerde 
an die Eidgenössische Zollrekurskommission (ZRK) ein mit  dem Be-
gehren, es sei ein neuer Entscheid zu erlassen, der die 47 Verfügun-
gen des Zollamtes Basel/St. Louis Autobahn über die Verzollung von 
aus Frankreich importiertem Heferahm (Zolltarifnummer 2102.1099) zu 
CHF 7.--/100 kg (ausmachend insgesamt CHF 86'028.30) aufhebe und 
den Einfuhrzoll für den importierten Heferahm auf CHF 0.-- festsetze. 
Der  durch die  Beschwerdeführerin  zu  Unrecht  bezahlte  Differenzbe-
trag sei ihr zurückzuerstatten zuzüglich Zins zu 5% seit 26. Mai 2005.

Seite 2

A-1756/2006

Die  Beschwerdeführerin  machte  im  Wesentlichen  geltend,  aufgrund 
der sehr kurzfristigen Inkraftsetzung des Protokolls Nr. 2 und einer erst 
kurz zuvor – am 30. September 2004 – durch die Beschwerdeführerin 
erhaltene Tarifauskunft sei der nach dem 1. Februar 2005 eingeführte 
Heferahm zur Verzollung zum Normalansatz deklariert worden. 

D.
Die  OZD  schloss  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 8.  Januar  2007  auf 
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.

Soweit  entscheidrelevant,  wird  auf  die  weiteren  Begründungen  der 
Verfahrensparteien in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Bis zum 31. Dezember 2006 unterlagen erstinstanzliche Verfügun-
gen  oder  Beschwerdeentscheide  der  OZD der  Beschwerde  an  die 
ZRK. Das Bundesverwaltungsgericht  übernimmt,  sofern es zuständig 
ist, die Ende 2006 bei der ZRK hängigen Rechtsmittel. Die Beurteilung 
erfolgt nach neuem Verfahrensrecht (Art. 53 Abs. 2 des Bundesgeset-
zes  vom 17. Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  [Verwal-
tungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32]). Soweit das VGG nichts ande-
res  bestimmt,  richtet  sich  gemäss  Art. 37  VGG das  Verfahren  nach 
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsver-
fahren  (VwVG,  SR  172.021). Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur 
Behandlung  der  Beschwerde  sachlich  wie  funktionell  zuständig 
(Art. 31 und Art. 33 Bst. d VGG). Auf die Beschwerde ist somit grund-
sätzlich einzutreten.

1.2 Am 1. Mai 2007 ist das neue Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG, 
SR 631.0) in Kraft getreten. Nach Art. 132 Abs. 1 ZG findet auf Zollver-
anlagungsverfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, 
das bisherige Recht Anwendung. Das vorliegende Verfahren untersteht 
deshalb dem (alten) Zollgesetz vom 1. Oktober 1925 (aZG, AS 42 287 
und BS 6 465) sowie der Verordnung vom 10. Juli 1926 zum Zollgesetz 
(aZV, AS 42 339 und BS 6 514).

Seite 3

A-1756/2006

2.
2.1 Nach Art. 1 aZG hat, wer die Zollgrenze überschreitet oder Waren 
über die Zollgrenzen befördert, die Vorschriften der Zollgesetzgebung 
zu befolgen. Die Zollpflicht umfasst die Befolgung der Vorschriften für 
den Verkehr über die Grenze (Zollmeldepflicht) und die Entrichtung der 
gesetzlichen  Abgaben  (Zollzahlungspflicht).  Der  Zollmeldepflicht 
unterliegt  nach  Art.  9  Abs. 1  aZG,  wer  eine  Ware  über  die  Grenze 
bringt, sowie der Auftraggeber. Zollzahlungspflichtig sind nach Art. 13 
aZG die in Art. 9 aZG genannten Personen, sowie diejenigen, für de-
ren Rechnung die Waren eingeführt oder ausgeführt worden sind. Für 
die unter Zollkontrolle gestellten Waren hat der Zollmeldepflichtige den 
Abfertigungsantrag zu stellen und je nach der Bestimmung der Waren 
die  Zolldeklaration  einzureichen  (Art.  31  Abs. 1  aZG).  Der  Gesetz-
geber  hat  den Kreis  der  Zollmelde-  und Zollzahlungspflichtigen  weit 
gezogen  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1751/2006 
vom 25. März 2009 E. 3.1.2, A-2631/2007 vom 11. August 2008 E. 2.1, 
A-1757/2006  vom  21.  Juni  2007  E.  2.1;  Entscheid  der  ZRK  vom 
27. September  2002,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der  Bun-
desbehörden [VPB] 67.41 E. 2).

2.2 Das  Zollverfahren  ist  vom  Selbstdeklarationsprinzip  bestimmt 
(Art. 24  aZG).  Dem  Zollpflichtigen  obliegt  die  Verantwortung  für  die 
rechtmässige  und  richtige  Deklaration  seiner  grenzüberschreitenden 
Warenbewegungen.  Er  ist  verpflichtet,  den  vorschriftsgemässen 
Abfertigungsantrag zu stellen (Art. 31 Abs. 1 aZG). Damit überbindet 
das  Zollgesetz  dem Zollmeldepflichtigen  die  volle  Verantwortung  für 
den eingereichten Abfertigungsantrag und stellt  hohe Anforderungen 
an  seine  Sorgfaltspflicht;  namentlich  wird  von  ihm  eine  vollständige 
und richtige Deklaration der Ware verlangt (vgl. statt vieler  Urteil des 
Bundesgerichts  vom  7. Februar  2001,  publiziert  in  Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht  [ASA]  70 S. 334 E. 2c mit  Hinweisen; 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1765/2006  vom  30.  März 
2009 E. 2.2.2, A-2631/2007 vom 11. August 2008 E. 2.2; Entscheid der 
ZRK  vom  18. November  2003  [ZRK 2003-027]  E.  3a,  bestätigt  im 
unveröffentlichten Urteil des Bundesgerichts 2A.1/2004 vom 31. März 
2004 E. 2.1; Entscheid der ZRK vom 15. November 2005, veröffentlicht 
in VPB 70.55 E. 2a).

2.3 Das  zuständige  Zollamt  überprüft  die  vom  Zollmeldepflichtigen 
gemäss Art. 31 Abs. 1 aZG abzugebende Zolldeklaration lediglich auf 
ihre formelle Richtigkeit, Vollständigkeit und auf ihre Übereinstimmung 

Seite 4

A-1756/2006

mit  den  Begleitpapieren  (Art.  34  Abs.  2  aZG).  Die  angenommene 
Zolldeklaration  ist  für  den  Aussteller  verbindlich  und  bildet  vorbe-
hältlich  der  Revisionsergebnisse  die  Grundlage  für  die  Festsetzung 
des Zolls und der weiteren Abgaben (Art. 35 Abs. 2 aZG). Sie darf nur 
ersetzt,  ergänzt,  berichtigt  oder  vernichtet  werden,  wenn  vor 
Anordnung der Revision und vor Ausstellung der Zollausweise darum 
nachgesucht  wird  (Art.  49  Abs. 2 aZV; vgl. zum Ganzen Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1765/2006 vom 30. März 2009 E. 2.2.3, 
A-4617/2007  vom  14.  Januar  2009  E.  2.3.1  und  A-2631/2007  vom 
11. August 2008 E. 2.3 mit  Hinweisen). Dieselben Grundsätze gelten 
bei  Erfassung  der  Deklaration  im  elektronischen  Verfahren  aufgrund 
von  Art.  16  f.  der  Verordnung  vom  3. Februar  1999  über  die 
Zollabfertigung mit elektronischer Datenübermittlung (ZEDV; AS 1999 
1300; vgl. Art. 142 aZG). Der Zollcomputer führt gemäss Art. 17 Abs. 1 
und  2  ZEDV  eine  erweiterte  Plausibilitätsprüfung  durch  und  weist 
Deklarationen  zurück,  sofern  er  Fehler  feststellt.  Deklarationen 
hingegen, die der Zollcomputer ohne Beanstandung übernimmt, gelten 
analog den physischen Zolldeklarationen als  angenommen im Sinne 
von Art. 35 aZG. Sie sind für  den Zollbeteiligten auch bei  allfälligen 
Widersprüchen  zu  den  Begleitpapieren  verbindlich  (Art. 17  Abs.  3 
ZEDV; vgl. Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-2631/2007 vom 
11. August 2008 E. 2.3, A-1883/2007 vom 4. September 2007 E. 2.3; 
zum Ganzen Entscheid der ZRK vom 15. November 2005,  veröffent-
licht in VPB 70.55 E. 2a/bb, cc).

2.4 Art.  109  Abs.  2  aZG  sieht  vor,  dass  gegen  die  Zollabfertigung 
innerhalb von 60 Tagen seit der Abfertigung eine Beschwerde erhoben 
werden  kann.  Im  Rahmen  einer  solchen  Beschwerde  hat  der 
Zollpflichtige die Möglichkeit,  sich gegen die Abfertigung zu wehren, 
indem  er  nachträglich  nachweist,  dass  die Angaben  in  der 
Einfuhrdeklaration  von  den  tatsächlichen  Gegebenheiten  abwichen. 
Dies wurde in ständiger Rechtsprechung festgestellt für den Fall, dass 
die  eingeführte  Ware  eine  von  den  Angaben  in  der  Deklaration 
abweichende  Beschaffenheit  aufweist  (BGE  109  Ib  192  E.  1d; 
Entscheid  der  ZRK  vom  15.  November  2005,  veröffentlicht  in  VPB 
70.55 E. 3b mit Hinweisen). Dieselbe Möglichkeit zur Berichtigung der 
Einfuhrdeklaration  besteht  jedoch  grundsätzlich  auch  für  anders 
geartete  Fehler  in  der  Deklaration  (Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-1757/2006 vom 21. Juni 2007 E. 2.6).

Für  den  Nachweis,  dass  die  tatsächlichen  Verhältnisse  sich  anders 

Seite 5

A-1756/2006

darstellen  als  in  der  Deklaration  (irrtümlich)  angegeben,  trägt  der 
Zollpflichtige die volle Beweispflicht. Die eingereichten Belege müssen 
die  von  ihm  behaupteten  Tatsachen  mit  hinreichender  Sicherheit 
nachweisen (BGE 109 Ib 192, E. 1d; Entscheid der ZRK vom 15. No-
vember 2005, veröffentlicht in VPB 70.55 E. 3b mit Hinweisen). An den 
Beweis  muss  ein  strenger  Massstab  angelegt  werden  und  eine  nur 
überwiegende  Wahrscheinlichkeit  genügt  nicht;  ohnehin  gilt  der 
Grundsatz des vollen Beweises im Verwaltungsrecht an sich generell 
(Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1883/2007 vom 4. Septem-
ber 2007 E. 2.4;  vgl.  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren 
und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2. Aufl.,  Zürich  1998, 
Rz. 289).

2.5 Der zuviel bezahlte Zollbetrag ist gemäss Art. 125 Abs. 1 aZG von 
Amtes wegen zurückzuerstatten, wenn bei der amtlichen Nachprüfung 
der  Zollabfertigung  Unrichtigkeiten  festgestellt  werden,  die  eine 
Zollzahlung ganz oder  teilweise  nicht  geschuldet  erscheinen  lassen. 
Als amtliche Nachprüfung gelten gemäss Art. 149 Abs. 1 aZV, auf die 
in Art. 125 Abs. 1 aZG für die näheren Bestimmungen verwiesen wird, 
die  von  den  Revisoren  der  Zollkreisdirektionen  periodisch  vorge-
nommenen Nachprüfungen. Nach der Praxis der OZD, welche in einer 
Dienstvorschrift  festgehalten  ist  (Allgemeine  Dienstanleitung  zu 
Zollgesetz  und  Vollziehungsverordnung,  D.  11,  Bd.  I,  Rz.  152.3), 
werden Gesuche,  die  nach Ablauf  der  60-tägigen Beschwerdefrist  – 
aber binnen eines Jahres nach der Abfertigung – eingereicht werden, 
gutgeheissen,  wenn ein Fehler  vorliegt,  der bei  der amtlichen Nach-
prüfung nach Art. 125 aZG und Art. 149 aZV hätte entdeckt  werden 
können (und hätte entdeckt werden sollen), weil die Unrichtigkeit aus 
der Deklaration oder den zur Deklaration gehörenden Begleitpapieren 
augenfällig  ist  (Urteil  des  Bundesgerichts  vom 28.  Januar  1999,  in: 
ASA 68  S. 518  ff.,  520f.;  Entscheid  der  ZRK vom 23.  August  1999 
[ZRK 1998-026] E. 2b/aa).

2.6 Zur  Überführung  in  den  freien  Warenverkehr  bestimmte  aus-
ländische Waren,  deren endgültige Abfertigung im Zeitpunkt  der An-
meldung zur Einfuhr nicht tunlich erscheint, werden provisorisch ver-
zollt. Insbesondere gilt dies in Fällen des Fehlens gewisser Nachweise 
(z.B.  des  Ursprungszeugnisses)  für  die  Gewährung  der  Präferenz-
behandlung  (REMO ARPAGAUS,  Das  schweizerische  Zollrecht,  in: 
KOLLER/MÜLLER/RHINOW/ZIMMERLI [Hrsg.], Das schweizerische Bundesver-
waltungsrecht, Basel 1999, Rz. 172). Im Fall von Präferenzansprüchen 

Seite 6

A-1756/2006

ist die provisorische Verzollung besonders wichtig, da das Zollgesetz 
die nachträgliche Präferenzverzollung für Waren nicht zulässt, welche 
bereits aus der Zollkontrolle entlassen worden sind (vgl. Art. 49 Abs. 2 
aZV  und  Art.  20  ZEDV;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-1883/2007 vom 4. September 2007 E. 2.5). Die Zollkontrolle endet 
mit  der  Ausstellung  des  Zollausweises  (Art.  37  Abs.  2  aZG;  REMO 
ARPAGAUS,  Zollrecht,  in:  KOLLER/MÜLLER/TANQUEREL/ZIMMERLI [Hrsg.], 
Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht,  2.  Aufl.,  Basel  2007, 
Rz. 432 [Zollrecht]).

2.7 Das  Abkommen  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft  und  der  Europäischen  Wirtschaftsgemeinschaft  vom  22.  Juli 
1972 (SR 0.632.401) bezweckt gemäss Art. 2 und 3, die Einfuhrzölle 
für  zahlreiche  Ursprungserzeugnisse  der  Gemeinschaft  und  der 
Schweiz  zu  beseitigen.  Gemäss  Art.  11  des  Abkommens  legt  das 
Protokoll  Nr.  3  über  die  Bestimmungen  des  Begriffs  „Ursprungs-
erzeugnisse“  und  über  die  Methoden  der  Zusammenarbeit  der  Ver-
waltungen  vom 28. April  2004  (Protokoll  Nr. 3,  SR 0.632.401.3)  die 
Ursprungsregeln  fest.  Art.  16  des  Protokolls  Nr.  3  hält  fest,  dass 
Ursprungserzeugnisse die Begünstigungen des Abkommens erhalten, 
sofern eine EUR.1 Warenverkehrsbescheinigung vorgelegt wird oder in 
besonderen Fällen vom Ausführer eine Erklärung mit dem in Anhang 
IV  des  Protokolls  Nr.  3  angegebenen  Wortlaut  auf  einer  Rechnung, 
einem  Lieferschein  oder  einem  anderen  Handelspapier  abgegeben 
wird (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1715/2006 vom 9. No-
vember 2007 E. 2.2.3,  A-1694/2006 vom 7. Februar  2007 E. 2.2). In 
der  (hier  relevanten)  französischen  Fassung  lautet  die  geforderte 
Erklärung:  „L'exportateur  des  produits  couverts  par  le  présent 
document (autorisation douanière n° ...)  déclare que,  sauf  indication 
claire du contraire, ces produits ont l'origine préférentielle ...“ (vgl. An-
hang IV des Protokolls Nr. 3).

3.
3.1 Im  vorliegenden  Fall  ist  unstreitig,  dass  die  Beschwerdeführerin 
zwischen  dem  1.  Februar  und  dem  18.  Mai  2005  47  Sendungen 
Heferahm  unter  der  Zolltarifnummer  2102.1099  in  die  Schweiz 
einführte  und  definitiv  zum  Normalansatz  verzollte.  Nicht  streitig  ist 
auch,  dass  den  Einfuhren  die  Warenverkehrsbescheinigung  EUR.1 
nicht  beilag  und  auf  den  Rechnungen,  den  Lieferscheinen  oder 
anderen  Handelspapieren  keine  dem  Wortlaut  des  Protokolls  Nr.  3 
entsprechende Erklärung (vgl. oben E. 2.7) angebracht worden war.

Seite 7

A-1756/2006

Streitig  ist  zwischen  den  Parteien  hingegen,  ob  die  Beschwer-
deführerin  dennoch  Anspruch  auf  eine  nachträgliche  präferenzielle 
Zollabfertigung  habe  und  –  da  Heferahm unter  dem Protokoll  Nr. 2 
über  bestimmte  landwirtschaftliche  Verarbeitungserzeugnisse  vom 
22. Juli  1972  (SR 0.632.401.2,  in  der  Fassung  gültig  ab  1.  Februar 
2005) zollfrei in die Schweiz eingeführt werden konnte – die bezahlten 
Abgaben  im  Umfang  von  Fr.  86'028.30  zuzüglich  Zins  zu  5%  seit 
26. Mai 2005 zurückfordern kann.

3.2 Die Beschwerdeführerin hat am 26. Mai 2005 mit Beschwerde an 
die  Eidg.  Zollverwaltung,  Zollkreisdirektion  Basel,  die  Korrektur  der 
Zollbelastung gefordert und damit sinngemäss Beschwerde gegen die 
47  Zollverfügungen  eingereicht,  die  das  Zollamt  Basel/St.  Louis 
Autobahn zwischen dem 3. Februar und dem 20. Mai  2005 erlassen 
hat.  In  Bezug  auf  die  Einfuhren  bis  zum  11.  März  2005  war  die 
Beschwerde  jedoch  verspätet  (vgl.  oben  E.  2.4)  und  die  Zollkreis-
direktion trat zurecht auf die Beschwerde nicht ein. Soweit es sich um 
Einfuhren nach dem 11. März 2005 handelte, war die Beschwerde vom 
26.  Mai  2005  rechtzeitig  innerhalb  der  60-Tage  Frist  eingereicht 
worden. Die 47 Sendungen wurden jeweils am Tag der Einfuhr durch 
Ausstellung des Einfuhrzollausweises aus der Zollkontrolle entlassen 
(ARPAGAUS,  Zollrecht,  a.a.O.,  Rz. 432).  Die  Warenverkehrsbescheini-
gungen EUR.1 hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen erst 
nach der  Entlassung aus der  Zollkontrolle  beigebracht. Da das aZG 
die nachträgliche Präferenzverzollung für  Waren,  die bereits  aus der 
Zollkontrolle  entlassen  sind,  ausdrücklich  nicht  zulässt  (vgl.  oben 
E. 2.6), ist die vorliegende Beschwerde in dieser Hinsicht abzuweisen.

3.3 Nicht  gehört  werden  kann  auch  der  Einwand  der  Beschwer-
deführerin,  die  Forderung  der  OZD,  dass  eine  allfällige  Ursprungs-
erklärung auf  der Rechnung genau dem Wortlaut  im Anhang IV des 
Protokolls  Nr.  3  entsprechen  müsse,  dem  Prinzip  der  Verhältnis-
mässigkeit  widerspreche.  Es  steht  dem  Bundesverwaltungsgericht 
aufgrund  von  Art.  190  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101)  nicht  zu, 
staatsvertragliche Vorschriften in Frage zu stellen bzw. es ist an diese 
gebunden, selbst wenn sie der Verfassung widersprechen sollten (vgl. 
BGE  125  III  209  E.  5).  Im  Übrigen  verbietet  die  Bundesverfassung 
einen gewissen Formalismus nicht, soweit dieser den Verfahrensablauf 
sicherstellt  und  die  Sicherheit  des  materiellen  Rechts  gewährleistet 

Seite 8

A-1756/2006

(BGE 121 I  170 E. 2b; Entscheid der  ZRK vom 10. Mai  2005 [ZRK 
2003-069]  E. 5b). Der  Hinweis „Marchandise d'origine française“  auf 
den  Proformarechnungen  der  Société  Industrielle  de  Levure  FALA 
entspricht  nicht  dem  Mustertext  gemäss  dem  Anhang  IV  des 
Protokolls  Nr.  3  und  stellt  deshalb  keine  genügende  Ursprungs-
erklärung  dar;  von  überspitztem  Formalismus  kann  –  entgegen  der 
Auffassung der Beschwerdeführerin – nicht gesprochen werden.

3.4 Nach dem Gesagten erfüllte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt 
der Einfuhr die Voraussetzungen für eine Präferenzverzollung mangels 
einer  genügenden  Ursprungserklärung  nicht.  Es  liegt  damit  auch 
keine Unrichtigkeit  gemäss Art. 125 aZG vor, welche die Zollzahlung 
als ganz oder teilweise nicht geschuldet erscheinen lässt. Im Übrigen 
wäre  der  –  ohnehin  nicht  genügende  (vgl.  E.  3.3)  –  kleingedruckte 
Hinweis  „Marchandise  d'origine  française“  auf  den  Profomarech-
nungen  nicht  augenfällig  im  Sinn  der  bundesgerichtlichen  Recht-
sprechung (vgl. E. 2.5) und hätte deshalb bei einer Zollkontrolle auch 
nicht von Amtes wegen entdeckt werden müssen.

3.5 Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, das Protokoll Nr. 2 sei 
sehr kurzfristig Inkraft gesetzt worden und sie habe noch am 30. Sep-
tember  2004  eine  Tarifauskunft  der  OZD  erhalten,  wonach  der 
Heferahm unter der Zolltarifnummer 2102.1099 zu einem Zollansatz zu 
Fr.  7.00  je  100  kg  brutto  zu  verzollen  sei,  ist  unbehelflich.  In  der 
Tarifauskunft machte die OZD ausdrücklich den Hinweis, die Auskunft 
verliere  ihre  Gültigkeit,  wenn  die  angewendeten  Rechtsgrundlagen 
geändert  würden  und  sie  verwies  auf  die  Möglichkeiten  der 
elektronischen  Auskünfte  über  den  Zolltarif.  Die  Beschwerdeführerin 
hatte  damit  die  Möglichkeit  und  nach  dem  Prinzip  der 
Selbstdeklaration  (vgl.  oben  E.  2.2)  auch  die  Pflicht,  sich  über  den 
jeweils anwendbaren Zolltarif  ins Bild zu setzen. Die Beschwerde ist 
demnach abzuweisen.

4.
Bei  der  Abweisung  der  Beschwerde  sind  die  Verfahrenskosten  im 
Betrag von Fr. 2'000.-- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit 
dem  von  ihr  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu 
verrechnen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). Eine  Parteientschädigung  an  die 
Beschwerdeführerin  ist  nicht  zuzusprechen  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  e 
contrario).

Seite 9

A-1756/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 2'000.-- verrechnet. 

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus Metz Jürg Steiger

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die 
Beweismittel  sind,  soweit  sie  die  beschwerdeführende  Partei  in 
Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

Seite 10