# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 14136761-89b0-5a8c-98f1-7a0c7c33cf25
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 E-4576/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4576-2008_2011-08-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­4576/2008

U r t e i l   v om   2 3 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Walter Stöckli, Richter Kurt Gysi,   
Gerichtsschreiber Urs David.

Parteien A._______,
Irak,  
vertreten durch (…), Caritas Schweiz, 
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 6. Juni 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  die  Beschwerdeführerin  ihren 
Heimatstaat  am  (…)  Februar  2007  und  reiste  am  17.  Juli  2007  in  die 
Schweiz  ein.  Gleichentags  ersuchte  sie  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl.  Anlässlich  der 
Kurzbefragung  vom  23.  Juli  2007  im  EVZ  und  der  Anhörung  vom  27. 
September  2007  zu  den  Asylgründen  machte  sie  im  Wesentlichen 
Folgendes geltend:

Sie  sei  Araberin  und  Schiitin  und  habe  mit  ihrem  Mann  und  den  fünf 
gemeinsamen Kindern in Bagdad gelebt. Mit den heimatlichen Behörden 
habe  sie  keine  Probleme  gehabt.  Die  Lebensumstände  seien  jedoch 
schwierig und die Sicherheitslage prekär gewesen. Anfang 2006 seien sie 
zum Wegzug aus ihrem damaligen sunnitischen Stadtviertel aufgefordert 
worden und  in ein  schiitisches umgezogen.  Ihr Mann habe alsbald eine 
Anstellung  als  Hilfskraft  bei  den  amerikanischen  Besatzungskräften 
gefunden beziehungsweise schon seit Mitte 2006 für diese gearbeitet und 
so eine Stabilisierung der Einkommenssituation bewirken können. Gegen 
Ende Oktober  2006  sei  die Familie  von der  "Al Sunna al  Islami"­Armee 
mit Angriffen auf Leib, Leben und Haus bedroht worden, sollte  ihr Mann 
seine  Arbeit  nicht  umgehend  niederlegen.  Dieser  habe  indessen – 
entgegen  ihrer Empfehlung – noch kurze Zeit weiter  für  die Amerikaner 
arbeiten wollen, mit  dem Ziel,  dannzumal  die  Ausreise  der  Familie  und 
den Aufbau  einer  Existenz  in  Syrien  finanzieren  zu  können.  Seit  einem 
beabsichtigten Behördengang  vom 1. November  2006  zum Zwecke  der 
Beschaffung  von  Identitätsdokumenten  sei  ihr  Mann  spurlos 
verschwunden. Sie habe umgehend bei der Polizei eine Vermisstanzeige 
aufgegeben  und  diese  um  Mithilfe  bei  der  Suche  nach  ihrem  Mann 
gebeten.  Nach  weiteren  Drohanrufen  sei  sie  mit  den  Kindern  zu  ihrer 
Familie  in einen anderen Stadtteil umgezogen. Dort habe sie um den 6. 
November  2006  von  der  Polizei  erfahren,  dass  das  Auto  ihres Mannes 
mit Einschusslöchern aufgefunden worden sei. Nachdem  ihr Mann nicht 
wieder  aufgetaucht  sei  und  auch  die  Polizei  keine  weiteren 
Ermittlungserfolge  habe  vorweisen  können,  sei  sie  von  dessen  Tötung 
ausgegangen  und  habe  sich  zur  Ausreise  entschlossen,  zumal  sie  und 
die  Kinder  am  neuen  Wohnort  erneut  von  der  "Al  Sunna  al  Islami" 
telefonisch bedroht worden seien, da diese Armee die ganze Familie  für 
die  Verrätertätigkeit  des  Ehemannes  beziehungsweise  Vaters  zur 
Rechenschaft  ziehen  wolle.  Zudem  sei  es  regelmässig  zu 

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Konfrontationen  zwischen  der  "Al  Mahdi"  und  US­Truppen  gekommen 
sei. Die Kinder habe sie Mitte November 2006 aus Sicherheitsgründen zu 
einer  Schwester  in  eine  überwiegend  sunnitisch  bevölkerte  Stadt  in  die 
Provinz  Salah  al  Din  gebracht.  Die  Schwester  sei  mit  einem  Sunniten 
verheiratet. Sie (die Beschwerdeführerin) habe aufgrund ihrer schiitischen 
Glaubenszugehörigkeit  dort  nicht  bleiben  können,  wogegen  die 
Glaubenszugehörigkeit  bei  ihren  Kindern  weniger  aufgefallen  sei.  Mit 
einer anderen Schwester  (C._______, N […]) habe sie den Irak am (…) 
Februar 2007 legal auf dem Landweg in Richtung Syrien verlassen. Dort 
hätten  sie  als  alleinstehende  Frauen  aber  nicht  bleiben  können  und 
deshalb die Weiterreise organisiert. Über Jordanien und die Türkei seien 
sie  –  nach  mehrwöchigen  Aufenthalten  in  Syrien  und  der  Türkei  –  auf 
dem  Luftweg  weiter  in  ein  unbekanntes  Land  beziehungsweise  nach 
Italien  gelangt,  von wo  sie  die Reise  in  die  Schweiz  angetreten  hätten. 
Die  Ausreise  habe  sie  mit  ihrem  eigenen  und  echten  Pass  und  die 
Weiterreise ab Istanbul mit einem vom Schlepper erhaltenen, gefälschten 
Pass bewältigt. Den echten Pass habe sie dem Schlepper aushändigen 
müssen. Die Ausreisegründe  ihrer Schwester hätten nicht direkt mit den 
ihrigen zu tun. Sie beide hätten ihre Kinder nicht mitnehmen können, weil 
diesfalls  die  Reise  nach  Europa  nicht  realisierbar  und  zu  beschwerlich 
gewesen  wäre.  Ihre  eigenen  fünf  Kinder  seien  gemäss  deren 
telefonischer  Auskunft  seither  nicht  bedroht  worden.  Das  Leben  in  der 
Provinz Salah al Din sei  für  sie aber sehr schwierig, da sie als Schiiten 
das Haus kaum verlassen und auch nicht  in die Schule gehen könnten; 
zudem habe die Gastrecht gebende Familie  ihrer Schwester nicht mehr 
genügend  finanzielle Mittel.  Für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  wird 
auf die Akten verwiesen.

Als  Beweismittel  gab  die  Beschwerdeführerin  ihren  irakischen 
Nationalitätenausweis zu den Akten.

B. 
Am  18.  April  2008  mandatierte  die  Beschwerdeführerin  die  rubrizierte 
Rechtsvertretung. Diese erhielt mit Begleitschreiben des BFM vom 5. Juni 
2008 antragsgemäss Einsicht in die Verfahrensakten.

C. 
Mit  Verfügung  vom  6.  Juni  2008  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  der 
Beschwerdeführerin ab und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz 
an. Das Bundesamt verzichtete  jedoch infolge Unzumutbarkeit auf einen 
Vollzug  der  Wegweisung  und  gewährte  der  Beschwerdeführerin  die 

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vorläufige  Aufnahme.  Die  Vorinstanz  begründete  den  ablehnenden 
Asylentscheid  damit,  dass  die  Verfolgungsvorbringen  der 
Beschwerdeführerin den Anforderungen von Art. 3 des Asylgesetzes vom 
26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  flüchtlingsrechtliche 
Beachtlichkeit  nicht  genügten,  und  sie  daher  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht  erfülle.  Die  Wegweisungsanordnung  begründete  das  Bundesamt 
damit,  dass  diese  gemäss  Art.  44  Abs.  1  AsylG  die  Regelfolge  der 
Ablehnung  des  Asylgesuchs  darstelle.  Für  die  detaillierte  Begründung 
wird, soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen. 

D. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  21.  November  2008  beantragt  die 
Beschwerdeführerin  die  Aufhebung  der  Verfügung  vom  3.  November 
2008,  soweit  die  Flüchtlingseigenschaft,  das  Asyl  und  die Wegweisung 
betreffend,  die  Gewährung  von  Asyl  unter  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft sowie in prozessualer Hinsicht die Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  und  2  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Für  die  Begründung  wird, 
soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom 15.  Juli  2008  hiess  die  Instruktionsrichterin 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach 
Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete entsprechend auf die Erhebung 
eines  Kostenvorschusses.  Dagegen  wies  sie  das  Gesuch  um 
unentgeltliche Beiordnung einer Rechtsvertretung ab. Gleichzeitig wurde 
die Vorinstanz zur Vernehmlassung bis zum 4. August 2008 eingeladen, 
unter  der  Androhung,  dass  nach  unbenütztem  Fristablauf  ohne  weitere 
Prozesshandlungen Verzicht angenommen werde.

F. 
Nachdem die Vernehmlassungsfrist  ungenutzt  verstrichen und das BFM 
vom  Bundesverwaltungsgerichts  zur  Retournierung  der  Akten 
aufgefordert  worden  war,  reichte  es  am  7.  August  2008  eine 
Vernehmlassung  ein,  mit  welcher  es  die  Abweisung  der  Beschwerde 
beantragte.  Für  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  auf  die 
Erwägungen verwiesen.

Das  Bundesverwaltungsgericht  brachte  die  Vernehmlassung  der 
Beschwerdeführerin am 13. August 2008 zur Kenntnis. 

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G. 
Mit  Eingabe  vom  3.  Dezember  2009  ergänzte  die  Beschwerdeführerin 
ihre  Beschwerdeakten.  Auf  den  Inhalt  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
Erwägungen eingegangen. 

H. 
Mit schriftlicher Eingabe an das BFM vom 23. Mai 2008 stellten die fünf, 
damals  noch  allesamt  minderjährigen  Kinder  der  Beschwerdeführerin – 
darunter  der  am  (…)  geborene Sohn D._______  –  durch  die  rubrizierte 
Rechtsvertretung  Asylgesuche  aus  dem  Irak  und  Gesuche  um 
Bewilligung der Einreise in die Schweiz. 

Mit  ergänzender  Eingabe  vom  24.  November  2009  stellte  der  Sohn 
D._______  zudem  ein  Gesuch  um  separate  und  prioritäre  Behandlung 
seines Asylgesuchs. Am 3. Dezember 2009 ergänzte er seine Eingabe.

Das BFM gab dem Gesuch um Verfahrensseparierung  implizit  statt: Mit 
unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 16. Dezember 
2009  lehnte  es  die  Asylgesuche  von  vier  der  fünf  Kinder  unter 
Verweigerung  der  Einreisebewilligung  ab.  Demgegenüber  bewilligte  es 
am  8.  Januar  2010  die  Einreise  von  D._______  in  die  Schweiz  zur 
Durchführung des Asylverfahrens. Dessen Einreise  ist bis zum heutigen 
Zeitpunkt nicht erfolgt.

Auf  den  Inhalt  der  Asylgesuche  der  Kinder  und  der  diesbezüglich  vom 
BFM  getroffenen  (Zwischen­)Entscheide  sowie  auf  allfällige  weitere 
Prozesselemente wird, soweit  für das vorliegende Verfahren  relevant,  in 
den Erwägungen eingegangen.

I. 
Mit  Entscheid  vom  29.  September  2010  gewährte  das  BFM  der 
Schwester  der  Beschwerdeführerin  (und  deren  in  der  Schweiz 
geborenem Sohn) Asyl.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

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gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Vorab  stellt  sich  die  Frage  nach  dem  Bestand  der  für  die 
Entscheidfindung  wesentlichen  Akten  insoweit,  als  das  BFM  die  ihm 
gesetzte  richterliche  Vernehmlassungsfrist  ungenutzt  verstreichen  liess 
und  –  nach  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  zur 
Aktenretournierung  –  eine  um  drei  Tage  verspätete  Vernehmlassung 
einreichte.  Die  instruktionsrichterliche  Unterlassungsandrohung,  wonach 
bei  unbenütztem  Fristablauf  ohne  weitere  Prozesshandlungen  Verzicht 
angenommen werde, ist unter dem Blickwinkel von Art. 32 Abs. 2 VwVG 
(i.V.m. Art. 37 VGG) zu betrachten. Danach kann die Behörde verspätete 
Parteivorbringen  trotz  Verspätung  berücksichtigen,  wenn  sie 
ausschlaggebend erscheinen. Die Vernehmlassung vom 7. August 2008 
setzt  sich  substanziell  mit  dem  Beschwerdeinhalt  kaum  auseinander, 

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sondern  die  Vorinstanz  verweist  auf  ihre  bisherigen  Erwägungen  und 
Standpunkte, unter besonderer Hervorhebung  ihrer Auffassung, wonach 
Angehörige  von  (ehemaligen)  Mitarbeitern  der  Besatzungsmacht  in  der 
Regel  nicht  verfolgt  würden.  Der  Inhalt  der  Vernehmlassung  ist  unter 
diesem  Blickwinkel  zwar  kaum  geeignet,  den  Ausschlag  für  den 
Verfahrensausgang  im Beschwerdeverfahren zu geben. Dennoch  ist die 
Frage  der  Verfolgung  von  Angehörigen  von  Mitarbeitern  der 
Besatzungsmacht in casu von erheblicher materiellrechtlicher Bedeutung. 
Die  Vernehmlassung  ist  somit  im  vorliegenden  Verfahren  trotz 
Verspätung  zu  berücksichtigen.  Dies  gilt  im  Übrigen  ebenso  für  die 
Beweismittelnachreichung  der  Beschwerdeführerin  vom  3.  Dezember 
2009 (Todesurkunde Ehemann).

4. 

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5.  

5.1. Das  BFM  begründete  den  ablehnenden  Asylentscheid  damit,  dass 
die  Verfolgungsvorbringen  der  Beschwerdeführerin  den  Anforderungen 
von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügten 
und  sie  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle.  So  rechtfertigten 

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die  schwierigen  Lebensumstände  und  die  allgemein  schlechte 
Sicherheitslage im Irak sowie die damit verbundenen Umsiedelungen und 
Einschränkungen  der  Bewegungsfreiheit  eine  Asylgewährung  mangels 
Asylbeachtlichkeit  nicht.  Die  Beschwerdeführerin  sei  ferner  seit  ihrem 
Wohnortwechsel  im  November  2006  persönlich  nicht  mehr  durch  die 
islamistische  Gruppierung  bedroht  worden,  habe  ihre  Kinder  in  die 
Provinz Salah al Din bringen und sich ausserhalb ihres Hauses bewegen 
können  (beispielsweise  zwecks  Behördengängen  oder 
Ausreiseorganisation), wobei sie von Attentaten verschont geblieben sei. 
Überdies habe sie problemlos ausreisen können. Daraus sei zu  folgern, 
dass  die  Verfolgung  durch  islamistische  Kräfte  in  erster  Linie  dem 
Ehemann  gegolten  habe,  wogegen  die  Furcht  der  Beschwerdeführerin 
vor Verfolgung unbegründet erscheine. Mangels Asylrelevanz erübrige es 
sich, auf Ungereimtheiten in ihren Vorbringen einzugehen.

5.2. In ihrer Beschwerdeeingabe macht die Beschwerdeführerin zunächst 
geltend, die Vorinstanz habe die Flüchtlingseigenschaft anhand  falscher 
Kriterien  geprüft,  indem  sie  zwar  ihre  Verfolgung  grundsätzlich 
anerkenne,  diese  aber  nicht  als  ausreichend  erachte,  weil  sie  in  erster 
Linie einer anderen Person gegolten habe. Es könne unter dem Aspekt 
von Art. 3 AsylG aber nicht massgebend sein, ob eine verfolgte Person in 
erster oder – im Sinne der Reflexverfolgung – in zweiter Linie verfolgt sei. 
Sie  habe  durchaus  selber  objektiv  und  subjektiv  begründete  Furcht  vor 
Verfolgung.  Verschiedene  Länderberichte  und  insbesondere  auch  das 
UNHCR zeigten klar auf, dass zahlreiche für oder mit der Regierung oder 
den  "Multinational  Forces"  in  irgendwelcher  Form arbeitende  Iraker  und 
ihre  Familien  in  den  Augen  der  islamistischen  Extremisten  als  Verräter 
gälten  und  Aufforderungen  zur  Aufgabe  ihrer  Anstellung,  physische 
Angriffe,  Beschimpfungen,  Bedrohungen,  Entführungen  und  gar 
Ermordungen zu gewärtigen hätten. Die subjektiv begründete Furcht liege 
sodann  angesichts  der  geschilderten  Erlebnisse  auf  der  Hand.  Im 
Übrigen  stelle  es  ohnehin  eine  unabgestützte,  den  erwähnten 
Länderberichten widersprechende blosse Vermutung der Vorinstanz dar, 
wenn  diese  behaupte,  eine  Furcht  vor  Verfolgung  sei  nach  dem 
Verschwinden  ihres  Mannes  nicht  mehr  gegeben.  Weiter  sei  die 
Feststellung  des  BFM,  wonach  sie  seit  ihrem  Wohnortwechsel  vom 
November  2006  keine  Bedrohungen  mehr  erfahren  habe,  nicht  nur 
unzutreffend,  sondern  belege  gerade,  dass  sie  einer  asylrelevanten 
Benachteiligung ausgesetzt gewesen sei, welcher sie sich nur durch den 
Wohnortwechsel  habe  entziehen  können.  Das  damit  vom  BFM  implizit 
verwendete  Argument  des  Bestehens  einer  innerstaatlichen 

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Fluchtalternative  bestreite  sie  vehement,  zumal  auch  das 
Bundesverwaltungsgericht  in  einem  Urteil  vom  2.  Mai  2008  (D­
4404/2006)  das  Bestehen  einer  funktionierenden  und  effektiven 
Schutzinfrastruktur im Zentralirak klar verneint habe.

5.3.  In  der  Zwischenverfügung  vom  15.  Juli  2008  machte  die 
Instruktionsrichterin  das BFM  im Zusammenhang mit  der  Einladung  zur 
Vernehmlassung  darauf  aufmerksam,  dass  das  in  Akte  A28  erwähnte 
Akteneinsichtsgesuch  in  den  vorinstanzlichen  Akten  weder  auffindbar 
noch im Aktenverzeichnis erwähnt sei. 

5.4.  Das  BFM  bekräftigt  in  seiner  die  Abweisung  der  Beschwerde 
beantragenden  Vernehmlassung  seine  Auffassung,  wonach – 
insbesondere  weibliche  –  Angehörige  von  Mitarbeitern  der 
Besatzungsmacht  im  Irak  nicht  verfolgt  würden;  die  Beschwerde werde 
diesbezüglich  den  effektiven  Umständen  des  Lebens  in  Bagdad  und 
anderen Teilen des Iraks nicht gerecht. Im Übrigen verweist das BFM auf 
seine  bisherigen  Erwägungen  und  Standpunkte.  Die  Vernehmlassung 
enthält  keine  Ausführungen  zum  Verbleib  des  in  Akte  A28  erwähnten 
Akteneinsichtsgesuchs.

5.5. Mit  ihrer Beschwerdeergänzung vom 3. Dezember 2009  reichte die 
Beschwerdeführerin  eine  Kopie  der  am  (…)  August  2008  ausgestellten 
Todesurkunde  ihres  Ehemannes  inklusive  eine  deutsche  Übersetzung 
nach. Laut  letzterer starb der Ehemann am (…) August 2008  in Bagdad 
infolge eines Terroranschlags.

5.6. Die  am  23.  Mai  2008  gestellten  und  insbesondere  betreffend  den 
Sohn  D._______  nachträglich  ergänzten  schriftlichen  Asylgesuche  der 
Kinder  der Beschwerdeführerin  begründeten  diese  im Wesentlichen wie 
folgt:  Nach  dem Verschwinden  ihres  Vaters  im November  2006  sei  die 
Familie  mehrfach  von  der  "Al  Sunna  al  Islami"  bedroht  worden.  Das 
Leben bei der Familie ihrer Tante sei für die Kinder vor allem wegen der 
äusserst  eingeschränkten  Bewegungsfreiheit  schwierig  gewesen,  und 
schliesslich  habe  deren  sunnitischer  Ehemann  die  Kinder  nicht  mehr 
dulden und finanzieren wollen. Sie seien daher zu den Grosseltern nach 
Bagdad  gezogen,  wo  jedoch  die  Bedrohungen  seitens  der  Terroristen 
wieder  eingesetzt  hätten. Davon  sei  insbesondere der Sohn D._______ 
betroffen, umso mehr als dieser von den Grosseltern verstossen worden 
sei  und  seither  unter  ständiger  Gefahr  lebe,  wogegen  die  Geschwister 
einstweilen in relativer Sicherheit lebten.

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Die  am  8.  Januar  2010  vom  BFM  zugunsten  D._______  erteilte 
Einreisebewilligung  in die Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens 
begründete das BFM nicht. Dessen Einreise ist bis zum heutigen Datum 
nicht erfolgt.

5.7. Den positiven Asylentscheid vom 29. September 2010 betreffend die 
Schwester  der  Beschwerdeführerin  ([C._______])  und  deren  in  der 
Schweiz geborenen Sohn begründete das BFM nicht. Den beigezogenen 
Akten  ist  als  Verfolgungssachverhalt  im  Wesentlichen  zu  entnehmen, 
dass  die  in  Bagdad  wohnhaft  gewesene  Asylgesuchstellerin  einer 
Anschlussverfolgung  seitens  einer  sunnitischen  Miliz  aufgrund  der 
Zugehörigkeit ihres Mannes zur Mahdi­Miliz ausgesetzt war und ist.

6. 

6.1.    Im Asylverfahren – wie  im übrigen Verwaltungsverfahren – gilt der 
Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst,  die  Asylbehörde  hat  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  vor  ihrem  Entscheid  von  Amtes  wegen 
vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 
106  Abs.  1  Bst.  b  AsylG).  Dabei  muss  sie  die  für  das  Verfahren 
erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  relevanten 
Umstände  abklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  führen. 
Gemäss  Art.  8  AsylG  hat  die  asylsuchende  Person  demgegenüber  die 
Pflicht  und  unter  dem Blickwinkel  des  rechtlichen Gehörs  im Sinne  von 
Art.  29  VwVG  und  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101) 
das Recht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (vgl. BVGE 
2008/24 E. 7.2, BVGE 2007/21 E. 11.1.3 mit Hinweis auf Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2003  Nr.  13).  Die  Artikel  7  (Glaubhaftmachung)  und  8  AsylG 
(Mitwirkungspflicht)  befassen  sich  mit  Fragen  des  Beweismasses 
beziehungsweise  der  Beweislast.  Art.  7  AsylG  lässt  für  die 
Sachverhaltsermittlung  im  Grundsatz  das  Beweismass  der 
Glaubhaftigkeit  genügen  (vgl.  oben  E.  4.2),  wobei  Art.  8  AsylG  –  als 
Korrelat zum in Art. 12 VwVG verankerten und der Behörde obliegenden 
Untersuchungsgrundsatz  –  die  asylsuchende  Person  einer 
weitreichenden  Mitwirkungspflicht  unterstellt;  Kernpunkt  dieser 
Mitwirkungspflicht  ist  die  Angabe  der  Asylgründe  (Art.  8  Abs.  1  Bst.  c 
AsylG).  Die  beiden  Bestimmungen  beschlagen  somit  einerseits  die 
Erfassung des gemäss Mitwirkungspflicht von den Asylgesuchstellenden 
vorzutragenden und gegebenenfalls durch Beweismittel zu unterlegenden 

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Sachverhalts  sowie  behördlicherseits  die  (gegebenenfalls  durch weitere 
Untersuchungs­  und  Beweismassnahmen  vorzunehmende)  Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhalts.

In formeller Hinsicht hat ein Gesuchsteller Anspruch auf Wahrung seines 
Anspruchs auf rechtliches Gehör. Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs 
(Art.  29  Abs.  2  BV,  Art.  29  VwVG,  Art.  32  Abs.  1  VwVG)  fordert  unter 
anderem, dass die  verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 
berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  einer  (sachgerecht 
anfechtbaren) Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (Art. 35 Abs. 1 
VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 und 2006 Nr. 24 E. 5.1). Der Anspruch 
auf rechtliches Gehör umfasst gemäss Art. 29 Abs. 2 BV nebst weiteren 
Verfahrensgarantien insbesondere auch das Recht auf Akteneinsicht. Die 
allgemeinen,  aus  der  Bundesverfassung  abgeleiteten  Grundsätze  zum 
Akteneinsichtsrecht haben in den Art. 26 ­ 28 VwVG Ausdruck gefunden 
(BGE  115  V  297  E.  2d).  Die  Gewährung  der  Akteneinsicht  ist  der 
Grundsatz,  deren  Verweigerung  die  Ausnahme.  Die  in  Anwendung  von 
Art.  27  Abs.  1  und  2  VwVG  eingeschränkte  oder  verweigerte 
Akteneinsicht  ist  konkret  zu  begründen  (EMARK  1994  Nr.  1  E.  4b; 
STEPHAN  C.  BRUNNER  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  VwVG, 
Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, 
Zürich/St.  Gallen  2008,  Art.  27  Rz.  9  und  12;  BERNHARD 
WALDMANN/MAGNUS  OESCHGER  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.] 
Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, 
Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 27 Rz. 38). 

6.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  erkennt  ­  obwohl  von  der 
Beschwerdeführerin nicht gerügt – von Amtes wegen einen Mangel in der 
Aktenführung durch das Bundesamt und dadurch mittelbar das Potenzial 
einer  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  der 
Beschwerdeführerin:  So  hat  deren  Akteneinsichtsgesuch,  welches  mit 
Schreiben des BFM vom 5. Juni 2008 beantwortet wurde, weder Eingang 
ins Aktenverzeichnis noch in die vorinstanzlichen Akten selber gefunden. 
Ob  es  sich  dabei  um  ein  für  das  vorliegende  Verfahren  wesentliches 
Aktenstück  handelt  und  ob  dessen  Fehlen  sich  für  die 
Beschwerdeführerin allenfalls nachteilig ausgewirkt hat, kann das Gericht 
nicht  eruieren.  Ein  unvollständiger  Aktenbestand  beinhaltet  jedoch 
potenziell  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  des  Betroffenen 
gerade  auch  insofern,  als  das  Gericht  dadurch  Gefahr  läuft,  ein – 
wenngleich  revisionsfähiges  –  Fehlurteil  zu  treffen  (vgl.  das  Urteil  E­

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1615/2010 vom 17. Juni 2010, dort E. 5.2.3.2). Aufmerksamkeit erweckt 
in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass sich das BFM – trotz 
ausdrücklichem  Hinweis  in  der  Einladung  zur  Vernehmlassung  –  mit 
keinem  Wort  zum  Verbleib  des  betreffenden  Aktenstückes  zu  äussern 
veranlasst sah. Angesichts der nachfolgenden Erwägungen kann  jedoch 
letztlich offenbleiben, ob das BFM bereits durch dieses Vorgehen und das 
Unterdrücken  von  Akten  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs 
begangen hat.

6.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellt  fest,  dass  die 
Beschwerdeführerin den  ihr obliegenden Teil  zur Sachverhaltsermittlung 
insofern  beigetragen  hat,  als  das  BFM  ihr  keine  Verletzung  der 
Mitwirkungspflicht zur Last gelegt hat und eine solche auch objektiv nicht 
augenfällig  erkennbar  ist.  Demgegenüber  erkennt  das  Gericht  jedoch 
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes durch die Vorinstanz  im 
Sinne  einer  unvollständigen  Abklärung  und  Erhebung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts:  Dabei  ist  zunächst  festzustellen,  dass 
die  Beschwerdeführerin  –  wie  von  ihr  zurecht  gerügt  –  durchaus  eine 
persönliche  Bedrohungslage  für  sich  und  ihre  Kinder  seit  dem 
Verschwinden  ihres  Mannes  im  November  2006  geltend  gemacht  hat 
(vgl. A1 S. 6 sowie A24 S. 3 und S. 6 f.). Diese Bedrohungslage führt sie 
auf  eine  Verfolgung  ihres  Ehemannes  durch  sunnitische  Milizionäre 
beziehungsweise  Terroristen  zurück.  Es  handelt  sich  mithin  um  eine 
Anschlussverfolgung. Eine solche ist insofern von einer Reflexverfolgung 
zu unterscheiden, als letztere Benachteiligungen oder Befürchtungen von 
(insbesondere  nahen)  Familienangehörigen  seitens  des  Verfolgers  im 
Hinblick  auf  die  beabsichtigte  Habhaftmachung  des  eigentlichen 
Zielsubjekts  darstellt  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.1.,  mit  weiteren 
Hinweisen).  Eine  Anschlussverfolgung  kann  demgegenüber  auch  nach 
Habhaftmachung des Zielsubjekts oder nach dessen Tod bestehen. Eine 
ähnlich  gelagerte  Anschlussverfolgung machte  auch  die  den  Asylstatus 
geniessende Schwester der Beschwerdeführerin geltend, wenngleich es 
sich nicht um die gleichen als Verfolger figurierenden sunnitischen Milizen 
handelt. Eine  identische Anschlussverfolgung macht hingegen der Sohn 
D._______  der  Beschwerdeführerin  geltend.  Dessen  ebenfalls  auf  die 
Verfolgung  seines  Vaters  basierende  Anschlussverfolgung  diente  als 
Grundlage für das auf Art. 20 AsylG gestützte Gesuch um Erteilung einer 
Einreisebewilligung.  Das  Gesuch  wurde  –  wie  bereits  erwähnt  –  vom 
BFM "zwecks Durchführung des Asylverfahrens" gutgeheissen und kann 
sich somit – wenngleich in der Verfügung nicht explizit erwähnt – nur auf 
Art. 20 Abs. 2 AsylG stützen, welche Bestimmung den Einreisezweck mit 

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dem Passus  "zur Abklärung des Sachverhalts" beschreibt. Es kann nun 
aber  rechtslogisch  nicht  sein,  dass  dieselbe  Anschlussverfolgung  beim 
einen  betroffenen  Familienmitglied  zur  Erkenntnis  eines  noch  nicht 
hinreichend  abgeklärten  Sachverhalts  führt,  beim  anderen  hingegen  zu 
einem  materiell  ablehnenden  Asylentscheid,  welcher  somit  eine 
vollständige  Sachverhaltsabklärung  voraussetzen  müsste.  Die 
Feststellung  dieser  Diskrepanz  hat  Bestand,  auch  wenn  aus  der  den 
Sohn D._______ betreffenden Verfügung hinsichtlich Einreisebewilligung 
der aus Sicht des BFM abklärungsbedürftige Sachverhaltsteil nicht näher 
hervorgeht.  Vielmehr  genügt  es,  wenn  die  Ursache  der  beiden  geltend 
gemachten Anschlussverfolgungen – nämlich eine Primärverfolgung des 
Ehemannes beziehungsweise Vaters – identisch ist. 

6.4.  Der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  ist  formeller  Natur.  Eine 
Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  führt  deshalb  grundsätzlich  –  das 
heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des 
daraufhin ergangenen Entscheides  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4, BVGE 
2008/14 E. 4.1, BVGE 2007/30 E. 8.2 m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1). 
Die  Heilung  von  Gehörsverletzungen  ist  aus  prozessökonomischen 
Gründen  auf  Beschwerdeebene  nur  möglich,  sofern  das  Versäumte 
nachgeholt wird, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und 
der Beschwerdeinstanz  im streitigen Fall die  freie Überprüfungsbefugnis 
in  Bezug  auf  Tatbestand  und  Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die 
festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende 
Entscheidreife  durch  die  Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand 
hergestellt werden kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4). Dies ist vorliegend 
nicht  der  Fall.  Insbesondere  ist  zu  beachten,  dass  weitere 
Sachverhaltsabklärungen  durch  das  Bundesamt  auf  Stufe  der 
Beschwerdehängigkeit  beim  letztinstanzlich  entscheidenden 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Gehörsverletzung  jedenfalls  dann  nicht 
heilen könnte, wenn das Gericht aufgrund der neuen Sachverhaltslage zu 
einem  für  die  Beschwerdeführerin  ungünstigen  Urteil  gelangen  würde. 
Letzterer würde dadurch der Instanzenweg abgeschnitten.

6.5.  Die  angefochtene  Verfügung  ist  deshalb  hinsichtlich  der 
angefochtenen Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben und die Sache an die 
Vorinstanz  zurückzuweisen.  Das  BFM  ist  gehalten,  die  von  ihm  als 
indiziert  erachteten  Abklärungen  vorzunehmen  und  gestützt  auf  den 
ergänzten Sachverhalt sowie unter Mitberücksichtigung der vorliegenden 
materiellen  Beschwerdeargumentation  einen  neuen Entscheid  zu  fällen. 
Zur Vervollständigung  der Akten  erhält  das BFM als Urteilsbeilage  eine 

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Kopie der beim Bundesverwaltungsgericht erfolgten Beweismitteleingabe 
vom  3. Dezember  2009  mit  dem  damals  vorgelegten  Todesschein  des 
Ehemannes  der  Beschwerdeführerin.  Dem  BFM  ist  es  selbstredend 
unbenommen,  den  neuen  Entscheid  in  der  Sache  nunmehr  (auch) 
aufgrund einer Glaubhaftigkeitsprüfung nach Massgabe von Art. 7 AsylG 
zu treffen.

7.  
Zusammenfassend ergibt  sich,  dass das BFM das  rechtliche Gehör der 
Beschwerdeführerin und damit Bundesrecht verletzt hat. Da eine Heilung 
der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  auf  Beschwerdeebene  nicht  in 
Betracht  fällt,  ist  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die 
Beschwerde  insoweit  gutzuheissen.  Die  Sache  ist  zur  vollständigen 
Abklärung  des  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen.

8. 

8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens und unter Berücksichtigung der 
Zwischenverfügung  vom  15.  Juli  2008  sind  keine  Kosten  zu  erheben 
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2. Die Beschwerdeführerin hat in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG 
und Art.  7 des Reglements  vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2)  zulasten  der  Vorinstanz  Anspruch  auf  Ausrichtung  einer 
Parteientschädigung  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten.  Das  Obsiegen  bezieht  sich  vorab  auf 
den Antrag betreffend Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, soweit 
diese  angefochten  wurde  (Dispositivziffern  1  ­  3).  Bewirkt  wurde  die 
Kassation  indessen  hauptsächlich  aufgrund  der  Rechtsanwendung  von 
Amtes  wegen  und  nur  marginal  durch  in  der  Beschwerde  erhobene 
Rügen. Zu entschädigen sind somit nicht die Kostenanteile betreffend die 
(vorliegend  weitgehend  ungeprüfte)  Beanstandung  der  materiellen 
Verfügungsinhalte,  sondern  im  Wesentlichen  nur  die  entstandenen 
Kosten  der  Beschwerdeerhebung  und  ­führung  als  solcher.  Der 
diesbezügliche  Vertretungsaufwand  kann  aufgrund  der  Akten  ohne 
Einholung einer Kostennote zuverlässig abgeschätzt werden (vgl. Art. 14 
VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren 
(Art.  9  ff.  VGKE)  ist  er  auf  Fr. 700.­­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt) 

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festzusetzen.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  der  Beschwerdeführerin  diesen 
Betrag als Parteientschädigung auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  angefochtenen  Ziffern  1  bis  3  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom 
6. Juni  2008  werden  aufgehoben.  Die  Beschwerde  wird  insoweit 
gutgeheissen.

2. 
Die  Sache  wird  im  Sinne  der  Erwägungen  zur  vollständigen  Abklärung 
des  Sachverhalts  und  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz 
zurückgewiesen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  gesamthaft  Fr. 
700.­auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Urs David

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