# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4811fb7-8171-54d3-8174-d498e2a074e6
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-11
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 11.01.2021 UV.2019.33 (SVG.2021.10)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_UV-2019-33_2021-01-11.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 11. Januar
2021

 

 

Mitwirkende

 

Dr. A. Pfleiderer (Vorsitz), lic.
iur. M. Spöndlin, Dr. med. W. Rühl     

und
Gerichtsschreiberin MLaw L. Marti 

 

 

 

 

Parteien

 

A____

   

                                                                                              Beschwerdeführerin

 

 

 

SUVA

Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1,
Postfach, 6002 Luzern   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

UV.2019.33

Einspracheentscheid vom
8. Februar 2019

Keine Unfallkausalität der
gemeldeten Zahn- und Kieferbeschwerden

 

Tatsachen

I.        

a)          
Die 1975 geborene Beschwerdeführerin bezog seit dem 10. Januar 2017
Leistungen der Arbeitslosenversicherung und war zufolge dessen bei der
Beschwerdegegnerin obligatorisch unfallversichert. Am 31. März 2018
stürzte sie beim Velofahren. Dabei zog sie sich gemäss eigenen Angaben
Prellungen an den Schultern und an beiden Händen, sowie eine Nasenbeinfraktur
zu (Bagatellunfall-Meldung UVG für arbeitslose Personen vom 10. April
2018, SUVA-Akte 1, und Schadenmeldung UVG für arbeitslose Personen vom
27. April 2018, SUVA-Akte 2). Die Notfallstation des B____spitals [...]
diagnostizierte am Folgetag des Unfalles eine Nasenbeinfraktur und eine
Kontusion der rechten Hand (Bericht vom 1. April 2018, SUVA-Akte 18).
Ab dem 10. April 2018 wurde die Beschwerdeführerin von ihrem Hausarzt
vollständig arbeitsunfähig und später vorübergehend teilweise arbeitsunfähig
geschrieben (vgl. verschiedenen Arbeitsunfähigkeitszeugnisse,
SUVA-Akten 16, 54 und 59). Die Beschwerdegegnerin erbrachte infolgedessen
die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggeld und Heilkosten (Schreiben vom
1. Mai 2018, SUVA-Akten 4 und 5). 

b)          
In einem E-Mail vom 26. August 2018 informierte die
Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin, dass der Unfall einen grossen
negativen Einfluss auf ihre Zähne gehabt habe und reichte Rechnungen
verschiedener Zahnärzte ein (SUVA-Akte 50). 

c)           
Mit Verfügung vom 26. September 2018 teilte die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin mit, dass sie ihre Leistungen per 30. September
2018 mangels Adäquanz einstellen werde (SUVA-Akte 62). Am
27. September 2018 erteilte sie der Beschwerdeführerin eine
Kostengutsprache für zwei Zahnarztbehandlungen: für eine Abszesseröffnung am
Zahnfleisch sowie für eine Michiganschiene (SUVA-Akten 67 und 68). Mit
E-Mail vom 3. Oktober 2018 willigte die Beschwerdegegnerin ein, sich an
Osteopathiebehandlungen zu beteiligen (SUVA-Akte 73). Am 6. Oktober
2018 erhob die Beschwerdeführerin Einsprache gegen die Verfügung vom
26. September 2018 (SUVA-Akte 74).

d)          
Die Beschwerdegegnerin erklärte sich im Weiteren bereit, die Kosten für
eine zahnärztliche Abklärung zu übernehmen (Schreiben vom 14. November
2018, SUVA-Akte 84). Nach der Durchführung eigener Abklärungen teilte sie
der Beschwerdeführerin in einem Schreiben vom 22. November 2018 mit, dass
sie für den Zahnschaden der Beschwerdeführerin aufgrund eines fehlenden
Kausalzusammenhangs nicht leistungspflichtig sei und dementsprechend keine
Versicherungsleistungen erbringen könne (SUVA-Akte 87). Nachdem sich die
Beschwerdeführerin mit (als "Einsprache" bezeichneter) Eingabe vom
21. Dezember 2018 gegen diesen Entscheid aussprach (SUVA-Akte 94),
erliess die Beschwerdegegnerin am 27. Dezember 2018 eine Verfügung, mit
welcher sie ihre Leistungspflicht für die Zahnbehandlungen ablehnte
(SUVA-Akte 95). Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom
5. Januar 2019 Einsprache (SUVA-Akte 96; vgl. auch die ergänzende
Stellungnahme vom 27. Januar 2019, SUVA-Akte 107). Mit
Einspracheentscheid vom 8. Februar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an
ihren Verfügungen vom 26. September 2018 und vom 27. Dezember 2018
fest (SUVA-Akte 108). 

II.       

a)          
Die Beschwerdeführerin erhob mit einem auf den 1. März 2019
datierten Schreiben Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin vom 8. Februar 2019. Diese richtete sie an die
Beschwerdegegnerin (vgl. SUVA-Akte 110). Am 10. Juli 2019 reicht sie
die Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt persönlich am
Schalter ein. Sie beantragt sinngemäss, die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, den Fall wieder zu eröffnen und beantragt eine "komplette
medizinische Neubeurteilung und Rehabilitation".

b)          
Am 27. August 2019 und am 4. September 2019 reicht die
Beschwerdeführerin weitere medizinische Akten beim Gericht ein.

c)           
Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom
10. September 2019 auf Abweisung der Beschwerde. 

d)          
Mit Eingabe vom 4. Dezember 2019 (welche vom Gericht als Replik
entgegengenommen wird), lässt die Beschwerdeführerin dem Gericht innert
zweimalig erstreckter Frist zwei medizinische Berichte zukommen. 

e)          
Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Eingabe vom 12. Dezember 2019
auf die Einreichung einer umfassenden Duplik und hält an ihrem in der
Beschwerdeantwort gestellten Rechtsbegehren fest. 

III.     

Nachdem keine der Parteien die Durchführung einer Parteiverhandlung
verlangt hat, findet am 13. Januar 2020 die Urteilsberatung durch die
Kammer des Sozialversicherungsgerichts statt.

IV.     

a)          
Mit Verfügung vom 28. September 2020 teilt die Präsidentin der
Beschwerdeführerin mit, dass sie bis zum 14. Oktober 2020 beim
Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt Einsicht in sämtliche UV-Akten nehmen
kann. 

b)          
In einer Eingabe vom 5. Oktober 2020 ersucht die Beschwerdeführerin
um Zustellung der Akten per E-Mail oder auf einem Datenträger, bzw. – sollte
dies nicht möglich sein – auf Papier. 

c)           
Die Beschwerdeführerin erhält die SUVA-Akten in der Folge auf einer CD
zugestellt (Verfügung vom 7. Oktober 2020). 

d)          
In einer Verfügung vom 21. Oktober 2020 erhält die
Beschwerdeführerin eine Frist bis zum 6. November 2020 um eine
Stellungnahme einzureichen. 

e)          
Mit Eingabe vom 27. Oktober 2020 ersucht die Beschwerdeführerin
darum, sämtliche Unterlagen, idealerweise auf einer Daten-CD, zur Verfügung
gestellt zu bekommen und dass ihr die Frist für eine Stellungnahme bis zum
30. November 2020 verlängert werde. 

f)            
Die Beschwerdeführerin reicht am 10. November 2020 eine auf den
9. November 2020 datierte Eingabe mit weiteren Unterlagen beim Gericht
ein. 

V.      

Am 11. Januar 2020 ergeht das Urteil auf dem
Zirkulationsweg. 

Entscheidungsgründe

1.              
 

1.1.         
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist gemäss Art. 56
Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in
Verbindung mit § 82 Abs. 1 des basel-städtischen
Gerichtsorganisationsgesetzes vom 3. Juni 2015 (GOG; SG 154.100) und
§ 1 Abs. 1 des kantonalen Sozialversicherungsgerichtsgesetzes vom
9. Mai 2001 (SVGG; SG 154.200) als einzige kantonale Instanz in sachlicher
Hinsicht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Die örtliche
Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 58 Abs. 1 ATSG. 

1.2.         
Die Beschwerde wurde rechtzeitig erhoben (Art. 60 ATSG) und
auch die übrigen formellen Beschwerdevoraussetzungen sind erfüllt. Infolgedessen
ist auf die Beschwerde einzutreten. 

2.              
 

2.1.         
Die Beschwerdegegnerin begründet den Fallabschluss per
30. September 2018 im Wesentlichen mit dem Abschluss der ärztlichen
Behandlungen der rechten Hand und der Nasenbeinfraktur. Bezüglich der von der
Beschwerdeführerin beklagten Zahnproblematik verneint sie einen kausalen Zusammenhang
mit dem Unfallereignis vom 31. März 2018. Hinsichtlich der übrigen
beklagten Beschwerden geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass keine
adäquate Kausalität zum erwähnten Unfallereignis besteht. 

2.2.         
Die Beschwerdeführerin kritisiert, sie habe vor Erlass des
Einspracheentscheides keine vollständige Akteneinsicht erhalten, obwohl sie
deren Notwendigkeit erwähnt habe. Ferner macht sie geltend, dass die
Diagnosestellung der Notfallstation des B____spitals [...] unvollständig sei
und sie nach wie vor an verschiedenen Beschwerden (Kopfschmerzen, Schwindel,
Atembeschwerden, Beeinträchtigung des Gehörs und eingeschränkte Belastbarkeit
des ganzen Körpers) leide. Was die Zahnproblematik betrifft, bringt sie vor,
der Zahnarzt Prof. Dr. C____, D____, habe eine Unfallkausalität
vermutet aber nicht eindeutig verneint. Die Beschwerdegegnerin habe ihr
Begehren um eine Zweitmeinung ignoriert. Sinngemäss kommt die
Beschwerdeführerin zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin den Fall zu Unrecht
abgeschlossen habe und eine erneute medizinische Beurteilung notwendig sei. 

2.3.         
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin bezüglich des Unfalls vom
31. März 2018 zu Recht den Fallabschluss verfügt und ihre Leistungen
eingestellt hat. Insbesondere ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin für die
von der Beschwerdeführerin beklagten Zahnbeschwerden sowie die weiteren nach
wie vor beklagten Beschwerden leistungspflichtig ist. 

3.              
 

3.1.         
Zunächst ist auf die Rüge der Beschwerdeführerin einzugehen, sie
habe von der Beschwerdegegnerin keine Akteneinsicht erhalten, obwohl sie diese
verlangt habe. 

3.2.         
Die versicherte Person hat gemäss Art. 47 Abs. 1
lit. a ATSG ein Recht auf Akteneinsicht. Dieses Recht ist Teil des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. dazu Art. 42 ATSG) im Sinne von Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (SR 101; BV; vgl. BGE 143 V 71, 72 E. 4.1, BGE
132 V 368, 371 E. 3.1 mit Hinweisen und BGE 132 V 387, 388 E. 3.1
sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_612/2017 vom 27. Dezember 2017
E. 1.1). Rechtsprechungsgemäss folgt daraus, dass grundsätzlich sämtliche
beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in der
sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird. Es gehört zum
Kerngehalt des rechtlichen Gehörs, dass der von der Verfügung betroffene Person
vor Erlass eines für sie nachteiligen Verwaltungsaktes zum Beweisergebnis
Stellung nehmen kann. Das Akteneinsichtsrecht ist somit eng mit dem
Äusserungsrecht verbunden und gleichsam dessen Vorbedingung. Nur, wenn ihr die
Möglichkeit gegeben wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die
Behörde bei ihrer Verfügung gestützt hat, kann sich die versicherte Person
wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder bezeichnen (BGE 132
V 387, 388 f. E. 3.1). Die Akteneinsicht erstreckt sich allerdings
grundsätzlich auf alle Akten, ohne dass es darauf ankäme, ob sie den Entscheid
in der Sache tatsächlich beeinflussen könnten (Urteil des Bundesgerichts
9C_612/2017 vom 27. Dezember 2017 E. 1.1 mit Hinweis). 

Der Anspruch auf Akteneinsicht ist, wie das Recht auf rechtliches Gehör,
formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der
Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (BGE
132 V 387, 390 E. 5.1, vgl. auch BGE 124 V 180, 183 E. 4a mit
Hinweisen). Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung kann praxisgemäss
jedoch geheilt werden, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich
vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die
Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 132 V 387, 390 E. 5.1, BGE 124 V 180,
183 E. 4a mit Hinweisen) – das ist beim angerufenen Gericht der Fall
(Art. 61 lit. c ATSG). Bei einer schwerwiegenden Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist dann im Sinne einer Heilung des Mangels von einer
Rückweisung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen
Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem
Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387, 390 E. 5.1 und BGE 116 V 182,
187 E. 3d). 

3.3.         
Soweit aus den Akten der Beschwerdegegnerin ersichtlich ist, hat die
Beschwerdeführerin tatsächlich keine Akteneinsicht erhalten, obwohl sie mit
Stellungnahme vom 27. Januar 2019 (SUVA-Akte 107) um Zustellung
sämtlicher ihren Fall betreffenden Unterlagen ersucht hatte. 

Die Beschwerdeführerin erhielt die SUVA-Akten im Rahmen des
Gerichtsverfahrens auf einer CD zugestellt und erhielt die Möglichkeit,
nochmals Stellung zu nehmen. Daraufhin hat die Beschwerdeführerin am
10. November 2020 weitere Unterlagen eingereicht (vgl. Tatsachen IV.). Die
Beschwerdeführerin hatte somit die Möglichkeit den Einspracheentscheid vom
8. Februar 2019 sachgemäss anzufechten bzw. in Kenntnis der gesamten
Unfallakten im Rahmen des Gerichtsverfahrens eine Stellungnahme einzureichen.
Insofern ist die Gehörsverletzung, welche durch Nichtgewährung der
Akteneinsicht erfolgte, geheilt. 

4.              
 

4.1.         
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
vom 20. März 1981 (UVG; SR 832.20) gewährt die Unfallversicherung
einer versicherten Person bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten Versicherungsleistungen im Sinne von Art. 10 ff. UVG,
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt. 

4.2.         
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden sowohl ein
natürlicher als auch ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen (BGE 129 V 177,
181 E. 3.1 f.). Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs
genügt es, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, er muss nicht alleinige oder unmittelbare Ursache der Beeinträchtigung
sein (BGE 129 V 177, 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Ein adäquater
Kausalzusammenhang liegt vor, wenn das betreffende Ereignis nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich
geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der
Erfolg also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (129 V 177, 181
E. 3.2 und BGE 125 V 456, 461 f. E. 5a). Eine gesundheitliche
Schädigung gilt nicht schon deshalb als durch den Unfall verursacht, weil sie
nach diesem aufgetreten ist (Unzulässigkeit der Beweisregel „post hoc ergo
propter hoc“ vgl. BGE 119 V 335, 341 E. 2b/bb sowie Bundesgerichtsurteile 8C_772/2019
vom 4. August 2020 E. 4.2.2, 8C_403/2012 vom 19. Juni 2012
E. 3.3 mit Hinweisen, 8C_744/2013 vom 10. Januar 2014 E. 3.2 und
8C_359/2016 vom 25. August 2017 E. 5.2.).

4.3.         
Eine versicherte Person hat Anspruch auf die Kostenübernahme für
zweckmässige Heilbehandlungen aufgrund der Unfallfolgen im Sinne von
Art. 10 Abs. 1 UVG. Wenn sie in Folge eines Unfalls voll oder
teilweise arbeitsunfähig (vgl. Art. 6 UVG) ist, hat sie zudem einen
Anspruch auf Taggeldleistungen (Art. 16 Abs. 1 UVG). Diese Ansprüche
bestehen solange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine
namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (Art. 19
Abs. 1 UVG e contrario; siehe dazu Rumo-Jungo/Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Auflage, Zürich 2012, Art. 10,
S. 101; BGE 134 V 109, 114 E. 4.1 und BGE 133 V 57, 64
E. 6.6.2). Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall – unter gleichzeitiger
Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente – gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung abzuschliessen, (BGE 137 V 199, 201 f. E. 2.1, BGE 134
V 109, 114 E. 4.1 mit Hinweisen). 

Ob eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands erwartet
werden kann, bestimmt sich in erster Linie nach der Verbesserung bzw. der
Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Die durch eine weitere
Behandlung zu erwartende Verbesserung muss dabei ins Gewicht fallen. Eine
unbedeutende Verbesserung genügt nicht (BGE 134 V 109, 115 E. 4.3, vgl.
auch Rumo-Jungo/Holzer,
Art. 10, S. 101). So verleihen eine weit entfernte Möglichkeit eines
positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung oder ein von
weiteren Massnahmen zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt
keinen Anspruch auf deren Durchführung (Urteil 8C_888/2013 vom 2. Mai 2015
E. 4.1 mit Hinweisen). Ist eine versicherte Person nach einem Unfall
wieder in der Lage, in ihrer angestammten Tätigkeit vollzeitlich erwerbstätig
zu sein, wird der Fall in der Regel selbst dann abzuschliessen sein, wenn die
Fortsetzung einer medizinischen Behandlung die Befindlichkeit noch weiter
verbessern könnte (Urteile 8C_970/2012 vom 31. Juli 2013 E. 3.4 und
8C_432/2009 vom 2. November 2009 E. 5.1). Die Möglichkeit einer
namhaften Besserung bestimmt sich dabei prognostisch und nicht aufgrund einer
retrospektiven Beurteilung (Urteile 8C_888/2013 vom 2. Mai 2015
E. 4.1 mit Hinweisen und 8C_432/2009 vom 2. November 2009
E. 3.2). 

Kann von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG mehr erwartet
werden und sind zugleich die Voraussetzungen von Art. 21 Abs. 1 UVG
(Pflegeleistungen und Kostenvergütungen nach Festsetzung einer Invalidenrente)
nicht erfüllt, hat der Unfallversicherer keine Heilbehandlung mehr zu
übernehmen. Der obligatorische Krankenversicherer tritt an seine Stelle (BGE
140 V 130, 132 E. 2.2 und BGE 134 V 109, 115 E. 4.2).

4.4.         
4.4.1   Gemäss Art. 43
Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
Auskünfte ein. Was notwendig ist, ergibt sich aus dem Umfang der Abklärungen,
die vorzunehmen sind, und daraus, „in welcher Tiefe dies der Fall ist“; der
Versicherungsträger hat abzustecken, welche Bereiche im jeweiligen Fall massgebend
sind (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
4. Auflage, Zürich 2020, Art. 43 N 18 f.). Es liegt im
Ermessen des Rechtsanwenders, über die notwendigen Abklärungsmassnahmen zu
befinden (BGE 122 V 157, 160 E. 1b). Der Versicherungsträger darf bei der
Abklärung versicherungsinterne medizinische Fachpersonen einbeziehen (BGE 135 V
465, 467 f. E. 4.2).

4.4.2   Auch der Sozialversicherungsprozess beim Gericht wird
vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Das Gericht hat von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu
sorgen (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Die Parteien trifft in der
Regel dann eine Beweislast, wenn der Entscheid im Falle der Beweislosigkeit zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Das Gericht würdigt die Beweise in jedem Fall nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. z.B. BGE 138 V 218, 221
f. E. 6 und BGE 115 V 133, 142 f. E. 8a und b). 

4.4.3   Das Bundesgericht hat bereits verschiedentlich
festgehalten, dass das Versicherungsgericht die Beweise frei zu würdigen hat
und für den Beweiswert eines medizinischen Berichtes im Besonderen weder dessen
Herkunft noch dessen Bezeichnung massgebend sind. Hinsichtlich des Beweiswertes
eines Arztberichtes ist namentlich viel mehr entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben wurde, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und in der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der
Experten begründet sind (BGE 125 V 351, 352 E. 3a und BGE 122 V 157, 160
f. E. 1c mit Hinweisen). In Bezug auf versicherungsinterne medizinische
Fachpersonen, wie z.B. den Kreisarzt der SUVA, erkannte das Bundesgericht, dass
deren Berichten stets Beweiswert zuerkannt wurde, deren Stellungnahmen jedoch
keine Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG darstellen und ihnen
praxisgemäss auch nicht dieselbe Beweiskraft zukommt wie einem extern in
Auftrag gegebenen Gutachten. Beim Entscheid eines Versicherungsfalles ohne
Einholung eines externen Gutachtens bestehen strenge Anforderungen an die
Beweiswürdigung. Schon geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bewirken, dass ergänzende
Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 139 V 225, 229 E. 5.2, BGE 135 V 465,
468 E. 4.2 und 469 f. E. 4.4, BGE 135 V 254, 258 ff. E. 3.4.1 und BGE
122 V 157, 162 f. E. 1c). 

5.              
 

5.1.         
Einen Tag nach dem Unfallereignis vom 31. März 2020, liess sich
die Beschwerdeführerin auf der Notfallstation des B____spitals [...]
untersuchen. Die dortigen Ärzte diagnostizierten eine gering dislozierte
Nasenbeinfraktur rechts und eine Kontusion der rechten Hand (Bericht vom
1. April 2018, SUVA-Akte 18). Die Folgen der Nasenbeinfraktur waren
gemäss Dr. E____, Facharzt für Chirurgie, zum Zeitpunkt der Verfügung vom
26. September 2018 abgeklungen (Vorlage an die Versicherungsmedizin vom 19. September
2018, SUVA-Akte 58; vgl. auch den Hinweis zweier anderer Ärztinnen der
Versicherungsmedizin, dass die Heilungsdauer der Nasenbeinfraktur etwa sechs
Wochen betrage [Vorlage Versicherungsmedizin vom 24. bzw. 27. August 2018,
SUVA-Akte 45]). Hinweise, die einen anderen Schluss zuliessen, liegen
keine vor. 

5.2.         
Was die Kontusion der rechten Hand betrifft, so berichteten die
Ärzte des B____spitals [...] am 24. Juli 2018 (SUVA-Akte 47,
S. 2 f.), die Beschwerdeführerin klage immer noch über Beschwerden an
der rechten Hand, insbesondere bei Belastung. Sie empfahlen ihr eine Schiene
und erklärten, dass mit dieser eine Belastung möglich sein sollte. Eine
Arbeitsunfähigkeit erkannten sie nicht. In ihrem Bericht vom 28. August
2018 (SUVA-Akte 55) hielten sie fest, dass die Beschwerdeführerin über
eine kontinuierliche und deutliche Besserung der Beschwerden im Bereich der
rechten Hand berichtet habe. Sie könne diese nun viel besser im Alltag
einsetzen. Zum Befund erklärten sie, die Hände seien beidseits "inspektorisch"
unauffällig und es liege keine Rötung, Schwellung, Fehlstellung oder trophische
Störung vor. Die Behandlung auf der Handchirurgie bezüglich der rechten Hand
könne abgeschlossen werden. Es bestünden aus handchirurgischer Sicht keine
Einschränkungen. Die Ärzte empfahlen bei Bedarf das Fortführen und dann das
Abschliessen der Handtherapie. Zu diesem Ergebnis kam auch Dr. E____ in
der Vorlage Versicherungsmedizin vom 19. September 2018
(SUVA-Akte 58). 

Mangels fortbestehender Einschränkungen aus handchirurgischer
Sicht hat die Beschwerdegegnerin den Fall zu Recht auch im Hinblick auf die Kontusion
der Hand abgeschlossen. Ein Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung
besteht nur solange als die Arbeitsfähigkeit verbessert werden kann (vgl.
E. 4.3.). Dies ist angesichts der Arztberichte bezüglich der Hand nicht
mehr der Fall. 

6.              
 

6.1.         
Im Weiteren möchte die Beschwerdeführerin, dass die
Beschwerdegegnerin verschiedene Zahnbehandlungen übernimmt. Mit einem E-Mail
vom 26. August 2018 reichte sie diesbezüglich verschiedene Rechnungen bei
ihr ein (SUVA-Akte 50). Im Wesentlichen klagte die Beschwerdeführerin über
Schmerzen im Kiefergelenk (vgl. z.B. Bericht von Prof. Dr. C____ vom
19. September 2018, SUVA-Akte 66, S. 5) und litt an einem
Abszess am Zahnfleisch (vgl. z.B. Kostenschätzung von F____ vom
12. September 2018, SUVA-Akte 56). Die Beschwerdegegnerin übernahm
zunächst, ohne nähere Abklärungen, gewisse Zahnbehandlungen. So unter anderem
eine Michiganschiene (SUVA-Akte 68), wie sie von Prof. Dr. C____ im
Hinblick auf die von ihm diagnostizierten myofaszialen Schmerz der Kaumuskeln
(ICD-10 M79.19) und eine Arthralgie der Kiefergelenke (ICD-10 K07.6)
vorgeschlagen worden war (Bericht vom 19. September 2018,
SUVA-Akte 66, S. 6). Am selben Tag erteilte sie zudem eine
Kostengutsprache (SUVA-Akte 67) für eine "Abszesseröffnung regio
46/45" über Fr. 186.40 gemäss dem Kostenvoranschlag von F____ vom
12. September 2018 (vgl. SUVA-Akte 56). Am 22. November 2018
teilte sie der Beschwerdeführerin (zunächst formlos) mit, dass kein sicherer
oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom
31. März 2018 und dem gemeldeten Zahnschaden bestehe. Sie sei demzufolge
nicht leistungspflichtig (SUVA-Akte 87, vgl. auch Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 28. November 2018, SUVA-Akte 93). 

6.2.         
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Beurteilung im
Wesentlichen auf die Stellungnahme des beratenden Zahnarztes Dr. G____ vom
6. November 2018 (SUVA-Akte 83). Dr. G____ erklärte, die geltend
gemachten Zahnbeschwerden stünden nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 31. März 2018. Aus dem Interview des Aussendienstes mit
der Beschwerdeführerin vom 7. August 2018 gehe nicht hervor, dass die
Beschwerdeführerin Zahnschäden erlitten habe oder über Zahnschäden klage.
Dr. H____ von F____ habe am 20. August 2018 Schmerzen im Kiefergelenk
und einen Abszess bei den Zähnen 45/46 festgestellt. In der Untersuchung vom
24. September 2018 habe Prof. Dr. C____ eine Kiefergelenksarthrose
rechts festgestellt. Diese werde als Krankheitsgeschehen gemäss "Art. 17d1
KVG" (gemeint ist wohl Art. 17 lit. d Abs. 1 der Verordnung
des Eidgenössischen Departements des Inneren [EDI] über Leistungen in der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung vom 20. September 1995 [KLV;
SR 832.112.31]) bezeichnet. Der Abszess ausgehend von den Zähnen 45/46 sei
auf eine apikale Parodontitis dieser Zähne zurückzuführen. Die apikale
Parodontitis werde durch Bakterien in den Wurzelkanälen bei unvollständigen
Wurzelfüllungen verursacht. Wären die Beschwerden unmittelbar nach dem
Unfallereignis aufgetreten, wäre dies eine Verschlimmerung des Vorzustandes und
die SUVA wäre leistungspflichtig. Der Abszess sei aber zeitlich vom
Unfallereignis zu weit entfernt und deshalb nicht unfallbedingt. Aus den
Erläuterungen von Prof. Dr. C____ schloss Dr. G____, dass er eine
krankheitsbedingte Ursache und nicht das Unfallereignis für die
Kiefergelenksbeschwerden verantwortlich mache. 

6.3.         
Aus den Akten ergibt sich, dass sich die Beschwerdeführerin am
20. August 2018 wegen Kiefergelenksschmerzen und eines abgebrochenen Zahns
sowie eines Abszesses bei den Zähnen 45/46 bei Dr. H____ von F____ notfallmässig
vorgestellt hat. Dr. H____ hielt bei den therapeutischen Massnahmen fest,
es erfolge eine Exzision des Abszesses und es brauche "eine Ex"
(vermutlich ist damit "Extraktion eines Zahnes" gemeint), die
Beschwerdeführerin gehe in die D____ (vgl. Kostenschätzung vom
12. September 2018, SUVA-Akte 56 und Zahnschadenformular,
SUVA-Akte 57). Dort stellte Prof. Dr. C____ als übergeordnete
Diagnose eine Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41) fest. Somatische Diagnosen stellte er folgende: myofaszialer Schmerz
der Kaumuskeln (ICD-10 M79.19) und Arthralgie der Kiefergelenke (ICD-10 K07.6).
Im Formular "Zahnschäden gemäss KVG" sprach er zudem von einer
Kiefergelenksarthrose rechts gemäss Art. 17 lit. d Ziff. 1 KLV (Zahnschadenformular
vom 24. September 2018 und Befundbericht vom 19. September 2018, SUVA-Akte 66).

In seinem Bericht vom 19. September 2018 (SUA-Akte 66,
S. 5 f.) erklärte Prof. Dr. C____, dass bei der
Beschwerdeführerin funktionsabhängige Schmerzen im Bereich der Massetermuskeln
und Kiefergelenke bestehen. Als Therapie sinnvoll wäre ein Erlernen und
regelmässiges Durchführen von Entspannungsmassnahmen, da diese
entspannungsfördernde Massnahme sich positiv auf die Intensität und Stärke des
Bruxismus auswirken könne. Sinnvoll wäre ferner das Tragen einer
Michiganschiene während des Schlafs sowie eine Massage der Massetermuskeln nach
vorgängiger Applikation einer Salbe. Insgesamt sollte der Kiefer im Alltag
möglichst entspannt sein; die Zähne sollten nicht zusammengebissen werden.
Ausserdem verwies Herr Prof. Dr. C____ die Beschwerdeführerin an einen
Psychotherapeuten bezüglich Entspannungsübungen (E-Mail vom 29. Oktober
2018, SUVA-Akte 79). Diesen echtzeitlichen Ausführungen zufolge, sind die
funktionsabhängigen Kieferbeschwerden somit auf Verspannungen (bzw. einen
Bruxismus) zurückzuführen, denen mit den beschriebenen Entspannungstechniken
sowie mit dem nächtlichen Tragen einer Michiganschiene entgegnet werden kann. 

Den von Prof. Dr. C____ im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
nachträglich verfassten Berichten vom 26. Juni 2019 (Beschwerdebeilage
[BB]) bzw. 27. November 2019 (Replikbeilage [RB], wonach die schmerzhaften
Beschwerden in einem direkten (kausalen) Zusammenhang mit dem Velounfall vom 8. März
2018 stehen und organisch erklärbar sind, kann nicht vollumfänglich gefolgt
werden. Prof. Dr. C____ führt nun darin aus, dass die kieferfunktionellen
Beschwerden von einem Makrotrauma herrühren. Er erklärte: "Die überdies in
Ihrem Fall bestehende Panalgesie unterstützt in Ihrem Fall die Annahme des
Vorliegens einer Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 31.03.2018 und auch
aktuell noch einschneidenden Kieferbeschwerden." Die anhaltenden
Kiefer-Gesichtsschmerzen hätten zu Einschränkungen bei der Verrichtung von
Tagesaufgaben und zu schmerzbegleitenden Belastungen im psychosozialen Bereich geführt.
Dadurch sei ihre allgemeine Arbeits- und Leistungsfähigkeit reduziert. Es
handle sich dabei nicht um ein psychosomatisches, sondern um ein somatopsychisches
Geschehen (erst seien unfallbedingt körperliche Symptome aufgetreten,
anschliessend hätten sich die psychosozialen Symptome entwickelt). Es hätten
zunächst andere Körperteile (Gesicht, Nase, Extremitäten) im Vordergrund
gestanden. Eine Latenzzeit nach dem Unfallereignis bis zum Aufsuchen eines
Spezialisten für Zahnmedizin, Zahnheilkunde und Oralchirurgie sei also nicht
unüblich. Zusammenfassend könne gesagt werden, dass das Unfallereignis zu einer
erheblichen Traumatisierung des Unterkiefers (Aufprall) mit im Einzelfall nicht
vorhersehbaren Folgen geführt habe. Die Kieferbeschwerden müssten nicht sofort
nach dem Unfallereignis zu ihrer vollen Ausprägung kommen. Sie könnten vielmehr
mit einem gewissen Zeitverzug auftreten und danach noch an Intensität zu
nehmen. 

In seinem Bericht vom 27. November 2019 (RB) stellte Prof.
Dr. C____ im Weiteren "nachdrücklich fest", er habe in seinen
Berichten vom 19. September 2019 und vom 26. Juni 2019 keinerlei
Bezug auf Zahnschäden genommen. Als die Beschwerdeführerin ihn aufgesucht habe,
hätten ganz klar kieferfunktionelle Beschwerden im Fokus gestanden. 

6.4.         
Prof. Dr. C____ bezog sich insgesamt allein auf die kieferfunktionellen
Beschwerden, nicht jedoch auf die anderen Zahnbeschwerden, also den Abszess und
den abgebrochenen Zahn. Diesbezüglich gibt es somit keinerlei Hinweise, die ein
Abweichen von der Beurteilung von Dr. G____ rechtfertigen würden. Sie
können nicht als unfallkausal angesehen werden. 

6.5.         
Bezüglich der kieferfunktionellen Beschwerden hingegen, spricht Prof.
Dr. C____ seit dem Bericht vom 26. Juni 2019 (BB) von einer direkten Unfallkausalität.
Er versteht die Schmerzen als Folgen eines Makrotraumas bzw. eines Aufpralls
beim Unfallereignis vom 31. März 2018 (vgl. E. 6.3.). Die
Beschwerdegegnerin hat zur Behandlung der Kieferbeschwerden die Kosten für eine
Michiganschiene übernommen (Kostengutsprache vom 27. September 2018, SUVA-Akte 68).
Aus den Berichten von Prof. Dr. C____ geht zunächst hervor, dass im
Formular "Zahnschäden gemäss KVG" vom 24. September 2018 im
Zusammenhang mit der Kiefergelenksarthrose Bezug auf Art. 17 lit. d
Abs. 2 KLV genommen wird (vgl. E. 6.2.). Dies legt nahe, dass auch Prof.
Dr. C____ von einem krankhaften Geschehen ausging, als er diesen Bericht
verfasste. Weshalb nun später (z.B. im Bericht vom 26. Juni 2019, BB) der
myofasziale Schmerz der Kaumuskulatur und die Arthralgie der Kiefergelenke
unfallkausal sein sollen, ist anhand seiner Berichte nicht völlig nachvollziehbar.
Auch, weshalb eine Panalgesie die Annahme einer Unfallkausalität unterstützen
sollte (vgl. E. 6.3.), erschliesst sich aus seinen Berichten nicht. In
diesem Zusammenhang ist im Weiteren festzuhalten, dass Prof. Dr. C____ im Bericht
vom 19. September 2018 (SUVA-Akte 66, S. 5 ff.) von einer
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) als übergeordnete
Diagnose sprach (vgl. auch E. 6.3.). Diese Diagnose findet sich auch in
den von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Gerichtsverfahrens eingereichten
Berichten der I____ vom 3. April 2020 und der Klinik J____ vom
18. Dezember 2019. (Beilagen zur Eingabe vom 9. November 2020). Dr. K____,
FMH Neurologie, äusserte zumindest den Verdacht auf eine Schmerzstörung
(Bericht vom 29. August 2019, Beilage zur Eingabe der Beschwerdeführerin
vom 4. September 2019). Eine Schmerzstörung wiederum stellt eine
psychiatrische Diagnose dar. Bei psychischen Diagnosen ist bei der Prüfung der
adäquaten Unfallkausalität die sogenannte "Psycho-Praxis" gemäss BGE
115 V 133, 140 E. 6c/aa anwendbar. Aufgrund der Akten erscheint es daher überwiegend
wahrscheinlich, dass die Kieferbeschwerden im Zusammenhang mit dieser
Schmerzstörung stehen. Nebst den bereits erwähnten Argumenten ist zu
berücksichtigen, dass im Bericht des B____spitals [...] vom 1. April 2018
(SUVA-Akte 18, S. 2 f.) lediglich eine Nasenbeinfraktur und eine
Kontusion der rechten Hand erwähnt wurden. Wenngleich der Einwand von Prof.
Dr. C____, dass die Kieferbeschwerden nicht sofort nach dem Unfallereignis
zu ihrer vollen Ausprägung gekommen sein müssten, sondern erst mit einem
gewissen Zeitverzug aufgetreten sein könnten (vgl. Bericht vom
27. November 2019, RB), grundsätzlich nachvollziehbar ist. So ist vorliegend
relevant, dass die Beschwerdeführerin auch im Interview bei der
Beschwerdegegnerin vom 7. August 2019 keine Kieferbeschwerden beschrieb –
obwohl sie im Übrigen auf weitere Beschwerden (insb.
Nacken-/Hals-/Kopfschmerzen) einging (vgl. SUVA-Akte 38). Eine Unfallkausalität
im Sinne, dass die Beschwerden organisch nachweisbar auf den Unfall
zurückzuführen wären, ist daher nicht ersichtlich. Es ist daher im Folgenden kurz
auf die Adäquanzprüfung bei psychischen Beschwerden einzugehen. 

6.6.         
Die Prüfung der Adäquanz kann gemeinsam mit den übrigen von der
Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden erfolgen. Die Beschwerdegegnerin
erachtete die von der Beschwerdeführerin beklagten Schädigungen in Form von
Halswirbelsäulenbeschwerden mit Ausstrahlung in die Arme, Kopfschmerzen
teilweise verbunden mit Schwindelgefühlen, Übelkeit, Vergesslichkeit und
Unkonzentriertheit, Atembeschwerden, Beeinträchtigungen des Gehörs und
eingeschränkte Belastbarkeit (vgl. z.B. Einsprache der Beschwerdeführerin vom
26. September 2018, SUVA-Akte 74) als mit dem Unfall nicht in
adäquatem Kausalzusammenhang stehend (vgl. Einspracheentscheid, E. 2c und
E. 4). 

6.7.         
Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend)
nachweisbaren Unfallfolgeschäden ist rechtsprechungsgemäss wie folgt zu
differenzieren: zunächst ist abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall
ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht
der Fall, kommt die sogenannten "Psycho-Praxis" gemäss BGE 115 V 133,
140 E. 6c/aa zur Anwendung. Hat die versicherte Person jedoch eine der
erwähnten Verletzungen erlitten, muss beurteilt werden, ob die zum typischen
Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar
teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls
die in BGE 115 V 133, 140 E. 6c/aa aufgestellten Grundsätze massgebend.
Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz nach der sogenannten "HWS-Praxis"
in BGE 117 V 359, 366 E. 6a und BGE 117 V 369, 382 E. 4b festgelegten
und in BGE 134 V 109, 127 ff. E. 10.2 f. modifizierten Kriterien
(BGE 127 V 102, 103 E. 5b/bb und Urteil des Bundesgerichts 8C_12/2016 vom
1. Juni 2016 E. 7.1). 

Sowohl bei der Anwendung der "Psycho-Praxis" als auch der
"HWS-Praxis" ist bei der Beurteilung der adäquaten Kausalität vom
augenfälligen Geschehensablauf auszugehen und je nachdem weitere unfallbezogene
Kriterien beizuziehen (BGE 138 V 248, 251 E. 4., BGE 134 V 109 E. 2.1
S. 112 und BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 ff.). 

6.8.         
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrem Einspracheentscheid vom 8. Februar
2019 zu Recht fest, dass im B____spital [...], welches die Beschwerdeführerin
am Tag nach dem Unfallereignis aufgesucht hatte, keine Distorsionsverletzung
der Halswirbelsäule festgestellt worden war – dies nach der Durchführung eines
CTs von Schädel und Halswirbelsäule (HWS; vgl. Austrittsbericht vom
1. April 2018, SUVA-Akte 18). Auch die Neurologin Dr. K____
konnte keine derartige Verletzung feststellen (vgl. Bericht vom 29. August
2019, Beilage zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 4. September 2019).
In ihrer Diagnoseliste nannte sie allerdings einen Verdacht auf eine "somatoforme
Schmerzstörung, DD somatoforme Depression", einen Status nach Velosturz am
31. März 2018 (nichtdislozierte Nasenbeinfraktur rechts sowie seither
therapierefrektäres Zervikal-, bzw. Zervikobrachialsyndrom links) und einen
Status nach Kontusion der Lendenwirbelsäule (LWS) nach tätlichem Angriff vom
28. Februar 2018. Im Übrigen wies sie darauf hin, dass weitere Diagnosen
bekannt seien. Ein klinisches Korrelat für die chronischen Zervikobrachialgien
fand sie nicht (Beilage zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 4. September
2019). Angesichts dieser Berichte ist – wie von der Beschwerdegegnerin
festgestellt – auch bezüglich dieser Beschwerden die "Psycho-Praxis"
anzuwenden. 

6.9.         
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann im Rahmen der "Psycho-Praxis"
der adäquate Kausalzusammenhang bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und
bei leichten Unfällen verneint werden. Lediglich bei Unfällen aus dem mittleren
Bereich ist eine Prüfung anhand weiterer Kriterien durchzuführen (BGE 129 V
177, 183 E. 4.1 und BGE 115 V 133, 138 ff. E. 6). Als wichtigste Kriterien
gelten besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen (somatischen)
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen; eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen
Behandlung; (körperliche) Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und
erhebliche Komplikationen, sowie der Grad und die Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit (BGE 129 V 177, 184 E. 4.1). 

6.10.      
Im Interview vom 7. August 2018 schilderte die
Beschwerdeführerin das Unfallereignis wie folgt: sie habe einem Hund ausweichen
müssen und sei dabei mit dem Vorderrad gegen den Randstein gefahren. Dadurch
sei sie nach vorne rechts zu Boden bzw. auf das Trottoir gefallen. Sie habe
beide Hände/Arme "reaktionsschnell" nach vorne rechts ausgestreckt
und sei dann, mehr rechts als links, stark mit der Handunterfläche
aufgeschlagen. Sie sei sogleich weiter nach vorne gefallen, wo sie mit der Nase
rechtsseitig auf besagtem Terrain aufgeschlagen sei (SUVA-Akte 38,
S. 1). 

Die Beschwerdegegnerin qualifizierte den Fahrradsturz der
Beschwerdeführerin als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen. Dies ist nicht zu beanstanden. So kam das Bundesgericht in seinem
Urteil 8C_414/2017 vom 26. Februar 2018 E. 3.4. bezüglich eines nicht
näher beschriebenen Selbstunfalls mit dem Fahrrad zum Schluss, dieser sei als
mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren (vgl.
auch Urteil des Bundesgerichts 8C_390/2010 vom 20. Juli 2010 E. 2.3.,
in welchem ebenfalls ein nicht näher beschriebener Fahrradsturz im selben
Bereich eingeordnet wurde). Ebenfalls als mittelschwer, im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen qualifizierte es im selben Urteil einen Unfall, bei welchem
die Fahrradlenkerin stürzte, als sie ein in den Kreisverkehr einbiegender
Automobilist seitlich touchierte (E. 3.6. des Urteils). Auch bei einem
Fahrradsturz infolge eines Zusammenstosses mit einer anderen Fahrradlenkerin ging
das Bundesgericht von derselben Qualifikation aus (Urteil des Bundesgerichts
8C_451/2011 vom 18. August 2011 E. 2.3 und E. 2.4). 

Ebenfalls nicht zu beanstanden ist die Feststellung der
Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin keines der unter E. 6.9.
aufgeführten Adäquanzkriterien erfülle. Aus den Akten ergibt sich nichts, was
auf die Erfüllung auch nur eines Kriteriums hinweisen würde. Auch für weitere
Abklärungen besteht in dieser Hinsicht keine Veranlassung. Die unter E. 6.6.
aufgeführten Beschwerden stehen folglich mit dem Fahrradsturz der
Beschwerdeführerin vom 31. März 2018 nicht in einem adäquaten
Kausalzusammenhang. Dasselbe gilt für die in den Akten (z.B. in den Berichten
der Klinik L____ vom 27. Februar 2019 und vom 4. Juni 2019 und in den
Berichten von Med. pract. M____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
und Dipl. Psych. N____, Delegierte Psychologin) genannten psychischen Diagnosen
sowie die fortbestehenden Kieferbeschwerden. Demzufolge ist die
Beschwerdegegnerin auch diesbezüglich nicht leistungspflichtig. 

6.11.      
Die von der Beschwerdeführerin im Rahmen des Gerichtsverfahrens
eingereichten Berichte der Physiotherapeutin O____ vom 22. Juli 2019 sowie
der P____ Klinik vom 6. Juni 2019 (beides Beilagen zur Eingabe der
Beschwerdeführerin vom 27. August 2020) ändern daran nichts. Dasselbe gilt
für sämtliche von der Beschwerdeführerin mit ihrer Eingabe vom 9. bzw.
10. November 2020 eingereichten Berichte. 

7.              
 

7.1.         
Im Lichte der obigen Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. 

7.2.         
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis
ATSG und § 16 SVGG). 

 

 

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        Die Beschwerde wird abgewiesen. 

            Das Verfahren ist kostenlos. 

            

 

Sozialversicherungsgericht
BASEL-STADT

 

Die Präsidentin                                                         Die
Gerichtsschreiberin

 

 

 

Dr. A. Pfleiderer                                                        MLaw
L. Marti

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht
verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführerin

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt
für Gesundheit

 

Versandt am: