# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 241c7e40-d782-5fc3-85c4-67f61bfd7950
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-05-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.05.2016 BB.2016.23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2016-23_2016-05-25.pdf

## Full Text

Beschluss vom 25. Mai 2016 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud, 

Gerichtsschreiber Yves Clerc  

 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Luke H. Gillon,  

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Verfahrenssprache (Art. 3 StBOG) 

 
 
 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2016.23 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

 Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") eröffnete am 25. Juli 2012 im 

Zusammenhang mit einem Rechtshilfeersuchen des U.S. Department of 

Justice (nachfolgend: "DOJ") ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen 

Verdachts der Geldwäscherei (SV.12.0937; act. 1.6). Die BA dehnte die Un-

tersuchung am 20. Juni 2013 auf A. aus. Die Ausdehnung betrifft die Tatbe-

stände des Verdachts der Bestechung fremder Amtsträger (Art. 322sep-

ties StGB), ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) und Urkunden-

fälschung (Art. 251 StGB; act. 1.6). 

 

 

 A. erkundigte sich am 9./10. Dezember 2013 auf Französisch bei der BA, ob 

im Zusammenhang mit einer Strafuntersuchung gegen das Unternehmen 

B. SA (in Z. FR) ein Verfahren gegen ihn laufe, wie dies die Presse berichtet 

habe (act. 1.3, 1.4, 1.5). Die BA bestätigte ihm dies am 23. Dezember 2013 

auf Deutsch (act. 1.6). 

 

Am 7. Januar 2014 verlangte A. von der BA, dass das Verfahren auf Fran-

zösisch geführt werde, im Wesentlichen weil dies die Sprache der Verfah-

rensbeteiligten und erhobenen Dokumente sei (act. 1.7). Die BA lehnte dies 

am 31. Januar 2014 ab. Es liege deshalb kein Grund für einen Sprachwech-

sel vor, weil die Akten hauptsächlich in Englisch und Chinesisch seien, also 

nicht in Französisch verfasst, und weil der Verteidiger die Verfahrenssprache 

beherrsche (act. 1.8).  

 

Die von A. beim Bundesstrafgericht dagegen erhobene Beschwerde vom 

5. Februar 2014 (act. 1.9) wurde mit Beschluss BB.2014.22 vom 27. März 

2014 abgewiesen. 

 

 

 Die BA dehnte die laufende Untersuchung hiernach am 18. Mai 2015 auf C. 

aus. Die Ausdehnung betrifft die Tatbestände des Verdachts der Bestechung 

fremder Amtsträger (Art. 322septies StGB; SV.12.0937 01.100-0004 f.). 

 

 

 Nachdem den Parteien am 21. Oktober 2015 anlässlich der Einvernahme 

von D. die voraussichtliche Übernahme der Verfahrensleitung von der abtre-

tenden Staatsanwältin E. durch den leitenden Staatsanwalt des Bundes F. 

mündlich bekanntgegeben wurde (SV.12.0937 12.011-0101), gelangte A. 

am 16. Dezember 2015 mit dem Antrag um Übernahme der Verfahrenslei-

tung durch einen französischsprachigen Staatsanwalt an die BA. Dabei be-

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rief er sich auf die Ausführungen vom 7. Januar 2014 und fügte im Wesent-

lichen an, dass insbesondere die im Zusammenhang mit dem Verfahren ge-

machten Übersetzungen mangelhaft und langwierig seien, was zu einer 

Schwächung seiner Verteidigungsrechte führe (act. 1.10). 

 

 

 Mit Schreiben vom 18. Januar 2016 informierte der leitende Staatsanwalt F. 

über die Übernahme der Strafuntersuchung durch seine Person sowie über 

den Verfahrensstand und bot den Parteien Gelegenheit bis 5. Februar 2016 

i.S.v. Art. 107 StPO Beweisanträge an die Verfahrensleitung zu stellen bzw. 

i.S.v. Art. 109 StPO Eingaben zur Sache zu machen (act. 1.11). Gleichen-

tags lehnte die BA in einem weiteren Schreiben den impliziten Antrag um 

Wechsel der Verfahrenssprache mit Berufung auf die unveränderten Verhält-

nisse seit dem Beschluss BB.2014.22 vom 27. März 2014 ab. Verzögerun-

gen seien als Folge der Wahrung der Rechte des Beschuldigten hinzuneh-

men, wobei mangelhafte Übersetzungen unverzüglich bei Feststellung des 

Umstandes hätten geltend gemacht werden müssen (act. 1.2).  

 

 

 Dagegen gelangt A. mit Beschwerde vom 26. Januar 2016 an die Beschwer-

dekammer und beantragt Folgendes (act. 1): 

 
"1. Le recours est admis. 

 

2. La langue de procédure dans la procédure SV.12.0937-MAD est le français. 
 

3.  Les dépens sont mis à la charge du Ministère public de la Confédération." 

 

Mit Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2016 beantragt die BA die Be-

schwerde sei abzuweisen und die Kosten seien dem Beschwerdeführer auf-

zuerlegen (act. 3).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

  

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 

nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 

lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG [Bundesgesetz über die Organisation 

der Strafbehörde des Bundes, Strafbehördenorganisationsgesetz, 

SR 173.71]). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder andere 

Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Inte-

resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides ha-

ben (Art. 382 Abs. 1 StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Verein-

heitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde ge-

gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen 

schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt 

werden können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, ein-

schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverwei-

gerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 

 

1.2 Der Beschwerdeführer ist beschuldigte Person und damit Partei (Art. 104 

Abs. 1 lit. a StPO) im Rahmen des der angefochtenen Verfügung zu Grunde 

liegenden Strafverfahrens. Er ist durch das Festhalten an Deutsch als Ver-

fahrenssprache in seinen Parteirechten betroffen und diesbezüglich zur Be-

schwerde legitimiert. Auf seine im Übrigen frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist diesbezüglich einzutreten. 

 

 

2.  

2.1 Der Beschwerdeführer stellt erneut den prozessualen Antrag, das Beschwer-

deverfahren sei in französischer Sprache zu führen. Er macht insbesondere 

geltend, die seit der ersten Beantragung eines Wechsels der Verfahrens-

sprache gemachten Aussagen der einvernommenen französischsprachigen 

Auskunftspersonen und Zeugen seien durch die von der BA aufgebotenen 

Dolmetscher mangelhaft übersetzt worden. Obwohl die frühere mehrspra-

chige Verfahrensleiterin diese Mängel im Rahmen der Einvernahmen behe-

ben konnte, seien die Personen während ihren Einvernahmen zwecks Be-

richtigung von Übersetzungen mehrfach unterbrochen worden. Die Einver-

nommenen hätten dadurch den Faden verloren. Es bestünden mithin ernst-

hafte Zweifel betreffend die Stimmigkeit und Ausführlichkeit der Aussagen 

der einvernommenen Personen. Neben der Qualität der Aussagen, bean-

standet der Beschwerdeführer überdies den durch das Erfordernis der mehr-

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maligen Übersetzung erlittenen Zeitverlust. Er schliesst daraus, das Beibe-

halten der Verfahrenssprache (Deutsch) würde der Prozessökonomie und 

der exakten Sachverhaltsermittlung zuwiderlaufen. Der Antrag auf Wechsel 

der Verfahrenssprache erfolge aufgrund des Austritts der Verfahrensleitung 

auf Ende des Jahres 2015 zu einem günstigen Zeitpunkt und in Übereinstim-

mung mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip bzw. dem Beschleunigungsge-

bot. Im Hinblick auf die in Zusammenhang mit dem Abschluss der Untersu-

chung zu erfolgenden Befragungen von Zeugen und Auskunftspersonen, ge-

folgt von den Schlusseinvernahmen, sei seines Erachtens die vorgängige 

Übersetzung sämtlicher Protokolle erforderlich, damit der Beschwerdeführer 

sich genügend und in voller Kenntnis über die besagten Aussagen äussern 

könne. Diese Situation sei nicht nur abträglich für den Beschwerdeführer, 

sondern belaste auch die übrigen Verfahrensbeteiligten. Dieselben Überle-

gungen lägen es mit Blick auf eine allfällige Hauptverhandlung – die gemäss 

der jüngsten Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts in der Verfahrens-

sprache durchzuführen sei – nahe, einen Wechsel der Verfahrenssprache 

vorzunehmen (act. 1, S. 4 ff.).  

 

2.2 Wie vom Beschwerdeführer selbst ausgeführt, gilt die bezeichnete Verfah-

renssprache, wenn keine aussergewöhnlichen Umstände eintreten, bis zum 

rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens (Art. 3 Abs. 3 StBOG; act. 1, 

S. 4 ff.). Sie kann nur ausnahmsweise und aus wichtigen Gründen gewech-

selt werden, namentlich bei der Trennung und bei der Vereinigung von Ver-

fahren (Art. 3 Abs. 4 StBOG). 

 

2.3 Die gemäss Beschwerdeführer seit dem Beschluss BB.2014.22 vom 

27. März 2014 hinzugekommenen Umstände sind keine wichtigen Gründe 

im Sinne von Art. 3 Abs. 4 StBOG, die Anlass zu einem Wechsel der Verfah-

renssprache geben. Der sinngemässe Einwand, wonach aufgrund des Aus-

tritts der Verfahrensleitung auf Ende des Jahres 2015 die Übernahme der 

Untersuchung durch einen französischsprachigen Staatsanwalt und einen 

damit einhergehenden Wechsel der Verfahrenssprache insbesondere aus 

Zeitgründen opportun gewesen wäre, stösst ins Leere. Die bereits in der ur-

sprünglichen Abwägung in Bezug auf die Festlegung der Sprache berück-

sichtigten fachlichen Spezialkenntnisse der ehemaligen Abteilung WiKri II 

der BA beanspruchen auch im Hinblick auf die Übernahme der neuen Ver-

fahrensleitung – ihrerseits mit der Führung der ehemaligen Abteilung WiKri II 

betraut (SV.12.0937 05.101-0009) – weiterhin Geltung. Gänzlich ausser 

Acht lässt der Beschwerdeführer bei den von ihm ins Feld geführten Entwick-

lungen, dass mit der Ausdehnung der Untersuchung auf C. am 18. Mai 2015, 

eine deutschsprachige Person in das Verfahren involviert wurde 

(SV.12.0937 01.100-0004 f.) und weitere Beschuldigte weiterhin von 

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deutschsprachigen Verteidigern vertreten werden. Die vom Beschwerdefüh-

rer geltend gemachten Argumente gälten demnach spiegelbildlich bei einem 

vorgenommenen Wechsel der Verfahrenssprache zum jetzigen Zeitpunkt 

von Deutsch auf Französisch. Die Eröffnung der vorliegend in Deutsch ge-

führten Strafuntersuchung, im Rahmen welcher zahlreiche Untersuchungs-

handlungen durchgeführt wurden, liegt rund vier Jahre zurück (SV.12.0937 

05.101-0008 f.), wobei die Strafuntersuchung sich nunmehr in der Schluss-

phase befindet. In Anbetracht dessen, gebieten es sowohl das Beschleuni-

gungsgebot wie auch die Prozessökonomie an Deutsch als Verfahrensspra-

che festzuhalten. Überdies ermöglichen gerade die in Art. 68 StPO fixierten 

Garantien eine effektive Verteidigung des Beschwerdeführers ohne einen 

Anspruch auf vollständige Übersetzung aller Verfahrenshandlungen einzu-

räumen. 

 

Die mit einer Übersetzung potentiell einhergehenden Unannehmlichkeiten 

etwa in Form von Verfahrensverzögerungen brauchen an dieser Stelle einer-

seits nicht weiter thematisiert zu werden, weil sie als Konsequenz der – im 

vorliegenden Fall durch das Bundesstrafgericht gutgeheissenen – Bestim-

mung der Verfahrenssprache in einem Verfahren mit unterschiedlichen 

Sprachbezügen quasi unvermeidbar und somit hinzunehmen sind. Anderer-

seits bleiben diesbezüglich im jetzigen Verfahrensstadium erstmals und so-

mit verspätet vorgebrachte Rügen unbeachtet. Sollten sich im weiteren Ver-

fahrensverlauf (inkl. im Rahmen der mündlichen Verhandlung) Beeinträchti-

gungen von Verteidigungsrechten manifestieren, wäre zu gegebener Zeit auf 

die einschlägigen Rechtsbehelfe zurückzugreifen. 

 

2.4 Zusammenfassend liegen keine wichtigen Gründe im Sinne von Art. 3 Abs. 4 

StBOG vor, die Anlass zu einem Wechsel der Verfahrenssprache geben.  

 

3. Insgesamt gehen die erhobenen Rügen fehl, weshalb die Beschwerde ab-

zuweisen ist.  

 

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichts-

kosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf 

Fr. 2'000.-- festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reg-

lements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Ge-

bühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; 

SR 173.713.162]). 

 

  

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

 

Bellinzona, 25. Mai 2016  

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Luke H. Gillon 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.