# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 482ebd87-ae4d-52aa-aa6f-e5de843ea422
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.02.2012 E-5588/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5588-2010_2012-02-14.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5588/2010

U r t e i l   v om   1 4 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer, 
Richter Jean­Pierre Monnet,   
Gerichtsschreiberin Sarah Straub.

Parteien A._____, geboren (…),
Irak,  
vertreten durch Valerio Priuli,
Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl und Migration, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 30. Juli 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  stammt  gemäss  eigenen  Angaben  aus  B._____ 
und  verliess  seine Heimatstadt  am 24. Mai  2010.  In  einem Taxi  fuhr  er 
nach C._____, wo er zu Fuss die Grenze zur Türkei passierte und nach 
Silopi gelangte. Am nächsten Tag reiste er mit einem Bus nach Istanbul 
und  nach  einigen  Tagen  Aufenthalt  von  dort  aus  in  einem  Lastwagen 
durch  ihm unbekannte Länder  in die Schweiz, wo er  im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  am  16.  Juni  2010  um  Asyl 
nachsuchte.

Anlässlich  der  summarischen  Befragung  vom  21.  Juni  2010  und  der 
Anhörung  vom  30.  Juli  2010  brachte  der  Beschwerdeführer  zur 
Begründung  seines  Asylgesuches  vor,  er  habe  in  B._____  als 
Lastwagenfahrer  für  die Amerikaner  gearbeitet.  Eines Abends  nach  der 
Arbeit hätten ihn auf der Strasse zwei junge Männer angehalten und ihm 
mit  den  Worten,  dass  man  sich  in  einem  Monat  wieder  treffen  würde, 
einen Brief übergeben. Da er Analphabet sei, habe er sich den Brief von 
seinem  Onkel  vorlesen  lassen:  Terroristen  würden  ihm  drohen,  ihn 
umzubringen,  wenn  er  nicht        50  000  USD  bezahle,  da  er  für  die 
Amerikaner arbeite und ein ungläubiger Mensch sei. Einige Tage später 
sei er mit seinem Auto und einer Fracht unterwegs gewesen, als plötzlich 
auf  dieses  geschossen  worden  sei.  Er  habe  angehalten  und  sei 
ausgestiegen, worauf das Auto in Flammen aufgegangen sei. Sein Vater 
sei seit Februar 2010 verschwunden, er sei wohl den Terroristen entführt 
worden sei. 

B. 
Mit  mündlich  eröffneter  Verfügung  vom  30.  Juli  2010  trat  das  BFM 
gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
(AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die 
Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug 
der  Wegweisung  an.  Zur  Begründung  seines  Entscheides  führte  das 
Bundesamt aus, der Beschwerdeführer habe innert der gesetzlichen Frist 
keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben  und  es  würden  keine 
entschuldbaren  Gründe  vorliegen,  die  es  ihm  verunmöglicht  hätten, 
solche  einzureichen.  Er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  es 
seien  keine  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 

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nötig.  Für  Einzelheiten  wird  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen 
verwiesen.

C. 
Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  5.  August  2010  liess  der 
Beschwerdeführer  den  vorinstanzlichen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  anfechten.  In  materieller  Hinsicht  beantragte 
er,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  sei 
anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten.  In  prozessualer  Hinsicht 
beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den 
Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  die 
Ausrichtung  einer  angemessenen  Entschädigung.  Als  Beweismittel 
reichte er eine  Identitätskarte und einen Drohbrief  aus dem  Irak zu den 
Akten. Für die Begründung und Einzelheiten wird auf die nachstehenden 
Erwägungen verwiesen.

D. 
Mit  Verfügung  vom  17.  August  2010  teilte  der  Instruktionsrichter  dem 
Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten  könne,  und  hiess  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des Nachreichens 
einer  Fürsorgebestätigung  sowie  unter  Vorbehalt  der  Veränderung  der 
finanziellen  Lage  des  Beschwerdeführers  gut.  Zugleich  wies  es  ihn  an, 
die  eingereichten  fremdsprachigen  Beweismittel  (Identitätskarte  und 
Drohbrief) in eine Amtssprache übersetzen zu lassen.

E. 
Mit Schreiben vom 1. September 2010 reichte der Beschwerdeführer eine 
Fürsorgebestätigung und eine Übersetzung der Identitätskarte sowie des 
Drohbriefes zu den Akten.

F. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  16.  September  2010  hielt  das  BFM 
vollumfänglich an seiner Verfügung vom 30. Juli 2010 fest und beantragte 
die  Abweisung  der  Beschwerde.  Eine  Dokumentenprüfung  durch  das 
Urkundenlabor  der Kantonspolizei  Zürich  vom 8. September  2010  habe 
ergeben,  dass  es  sich  bei  der  auf  Beschwerdeebene  eingereichten 
Identitätskarte um eine Totalfälschung handle.

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G. 
Mit  Replik  vom  21. Oktober  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  von  der 
Dokumentenprüfung Kenntnis und hielt an seinen Vorbringen fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in 
der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­
schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

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3.1.  Zur  Begründung  des  angefochtenen  Entscheides  führte  die 
Vorinstanz aus, die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität, 
insbesondere  zum  behaupteten  Herkunftsort  und  zur  Herkunftsregion, 
seien nicht glaubhaft. Um im Asylverfahren Vorteile zu erlangen habe er 
diesbezüglich  falsche  Angaben  gemacht,  welche  durch  den 
wissenschaftlichen  LINGUA­Test  eindeutig  widerlegt  seien.  Aus  seinen 
Aussagen zur Geographie, Kultur und Sprache gehe hervor, dass er nicht 
wie angegeben in B._____, sondern höchstwahrscheinlich  in der Region 
von D._____ im Nordirak sozialisiert worden sei. Auch seine Sprachweise 
und seine Arabischkenntnisse würden nicht denjenigen eines Kurden, der 
sein ganzes Leben in B._____ gelebt habe, entsprechen. Es stehe somit 
fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Behörden  im  Asylverfahren  über 
seine  Identität  getäuscht  habe.  Beim  Vorbringen,  er  habe  seinen  Pass 
und  die  Identitätskarte  beim  Schlepper  gelassen,  handle  es  sich  um 
Ausflüchte, welche dazu dienten, den Schweizer Behörden seine Identität 
vorzuenthalten.  Zudem  seien  die  Reisemodalitäten  unsubstanziiert  und 
realitätsfremd,  und  es müsse  davon  ausgegangen werden,  dass  er  auf 
andere als die angegebene Weise nach Europa gelangt sei. Es würden 
deshalb  keine  entschuldbaren  Gründe  vorliegen,  welche  es  ihm 
verunmöglichten, Reise­ oder Identitätspapiere einzureichen.

Der Nichteintretensgrund der Papierlosigkeit gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG  finde  keine Anwendung, wenn nach Abschluss der Anhörung die 
Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  werde  oder  aufgrund  der  Anhörung 
feststehe,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig  seien.  Dazu  sei  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer 
vorgebrachten  Probleme  hinfällig  seien,  da  er  eindeutig  nicht  aus 
B._____,  sondern aus einer der drei Nordprovinzen stamme. Weiter  sei 
festzuhalten,  dass  die  Ausführungen  zu  den  geltend  gemachten 
Problemen  insgesamt  unsubstanziiert  und  realitätsfremd  seien  und  die 
zeitlichen  Angaben  äusserst  vage  und  unstimmig.  So  sei  sein  Vater 
gemäss dessen Angaben  im Februar 2010, zwei Monate vor Erhalt des 
Drohbriefes,  verschwunden,  und  der  Beschwerdeführer  habe  das  Land 
am  24. Mai  2010,  zehn  Tage  vor  (recte:  nach)  Erhalt  des  Drohbriefes 
respektive  fünf  Tage  vor  (recte:  nach)  dem Verlust  seines  Fahrzeuges, 
verlassen. Zu den Terroristen habe er keinerlei Angaben machen können, 
und  die  Vorbringen  betreffend  seine  Arbeit  in  B._____  seien  auch 
widersprüchlich. Da  es  sich  bei  seiner Geschichte  offensichtlich  um  ein 
Konstrukt  handle,  könne  darauf  verzichtet  werden,  auf  weitere 
Ungereimtheiten einzugehen. Demnach erfülle der Beschwerdeführer die 

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Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  es  seien  keine  weiteren  Abklärungen 
zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses nötig. Auf das Asylgesuch werde nicht 
eingetreten.

Die Folge des Nichteintretens sei  in der Regel die Wegweisung aus der 
Schweiz. Aus den Akten würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, 
dass  bei  einer Rückkehr mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  eine  durch 
Art. 3  EMRK  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Der 
Beschwerdeführer  stamme  aus  einer  der  drei  von  der  kurdischen 
Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen,  wo  keine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche.  Der  Wegweisungsvollzug  sei 
daher  grundsätzlich  zumutbar.  Da  die  Aussagen  zu  seiner  familiären 
Situation,  zu  seiner  Identität,  zum Wohnort  und Beziehungsnetz  im  Irak 
nicht  gesichert  seien,  sei  es  dem  BFM  nicht  möglich,  sich  in  voller 
Kenntnis  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  zur 
Zumutbarkeit  des  Vollzuges  zu  äussern.  Die  Untersuchungspflicht  des 
BFM  finde  damit  ihre Grenzen  in  der Mitwirkungs­  und Wahrheitspflicht 
des Beschwerdeführers. Weiter würden keine individuellen Gründe gegen 
die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  sprechen,  da  der 
Beschwerdeführer aus einer  finanziell soliden Familie stamme,  jung und 
gesund sei und über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfüge. Ausserdem 
sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch 
durchführbar.

3.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  bestreitet  der  Beschwerdeführer,  die 
Behörden über seine Identität getäuscht zu haben. Wenn die Vorinstanz 
ihm  jedoch  eine  Identitätstäuschung  vorwerfe,  müsse  sie  auch  einen 
Nichteintretensentscheid aufgrund der Identitätstäuschung fällen und sich 
dabei  auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG stützen,  da dieser Tatbestand der 
Papierlosigkeit  vorgehe.  Indem  sie  den  Entscheid  auf  Art. 32  Abs. 2 
Bst. a AsylG stütze, verletze die Vorinstanz daher Bundesrecht, weshalb 
der angefochtene Entscheid aufzuheben sei.

Gemäss Art. 1a Bst. a  der Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  würden  die  Elemente  Namen, 
Vornamen,  Staatsangehörigkeit,  Ethnie,  Geburtsdatum,  Geburtsort  und 
Geschlecht  zum  Begriff  der  Identität  gehören,  wobei  diese  Aufzählung 
abschliessend  sei.  Die  Herkunft  beziehungsweise  Sozialisation  sei 
dagegen nicht Teil der Identität im Sinne dieser Definition. Vorliegend sei 
der Experte anhand der LINGUA­Analyse zum Schluss gekommen, dass 

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der  Beschwerdeführer  nicht  in  B._____,  sondern  wahrscheinlich  in 
D._____  im  Nordirak  sozialisiert  worden  sei.  Der  Geburtsort  werde 
dadurch nicht bestritten und es sei durchaus denkbar, dass eine Person 
in  B._____  geboren  und  in  D._____  sozialisiert  werde. 
Staatsangehörigkeit  und  Ethnie  des  Beschwerdeführers  seien 
unbestritten,  sein  Geschlecht  und  sein  Geburtsdatum  habe  er 
offengelegt,  und  bezüglich Vor­  und Nachnamen  habe  er  die Behörden 
nicht  getäuscht.  Der  Beschwerdeführer  habe  also  in  Bezug  auf  alle 
Merkmale der  Identität  nach Art. 1a Bst. a AsylV 1 die Wahrheit  gesagt. 
Eine  Identitätstäuschung  liege  deshalb  nicht  vor.  Der  Tatbestand  von 
Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG, auf welchen sich die Vorinstanz hätte stützen 
müssen, sei nicht erfüllt gewesen, da die Herkunft nicht Teil der Definition 
der Identität sei.

Betreffend  den  Nichteintretensgrund  der  Papierlosigkeit  gehe  die 
Vorinstanz  davon  aus,  dass  er  keine Papiere  abgegeben  habe,  um  die 
Behörden  über  seine  Identität  zu  täuschen.  Da  nicht  von  einer 
Identitätstäuschung  ausgegangen  werden  könne,  sei  diese  Annahme 
jedoch  falsch.  Die  Aussagen  bezüglich  der  Papierbeschaffung  seien  im 
Entscheid der Vorinstanz nicht gewürdigt worden. So seien die Angaben 
zum  Pass,  welchen  er  beim  Schlepper  in  der  Türkei  gelassen  habe, 
glaubwürdig und aufrichtig und er habe angegeben, seine Identitätskarte 
aus  dem  Irak  nachreichen  zu  können.  Dies  sei  allerdings  nicht  einfach 
gewesen  und  erst  kurz  nach  dem  Entscheid  der  Vorinstanz  sei  die 
angekündigte  Identitätskarte  zusammen  mit  dem  Drohbrief  in  der 
Schweiz  eingetroffen.  Alle  Angaben  auf  der  Identitätskarte  würden  mit 
denjenigen,  welche  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben  habe, 
übereinstimmen,  was  für  seine  Glaubwürdigkeit  spreche.  Die 
Beschaffung der Identitätskarte sei nicht früher möglich gewesen, weil der 
Beschwerdeführer keine Person gekannt habe, welche früher in den Irak 
gereist sei. Es sei nie seine Absicht gewesen, die Behörden über seine 
Identität zu  täuschen, sondern er sei aus entschuldbaren Gründen nicht 
in der Lage gewesen, die Papiere früher einzureichen. Aufgrund der nun 
vorhandenen  Identitätskarte  sei  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  aus  B._____  stamme.  Die  dortigen  Vorfälle  seien 
daher materiell zu würdigen. 

Ein  Vollzug  der  Wegweisung  nach  B._____  sei  aufgrund  der 
momentanen  Situation  unzumutbar.  Ebenso  sei  dem  Beschwerdeführer 
eine  Rückkehr  in  den  Nordirak  nicht  zumutbar,  da  er  nicht  von  dort 
stamme und dort über kein soziales Netz verfüge.

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4. 
4.1. Gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG  wird  auf  ein  Asylgesuch  nicht 
eingetreten,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48 
Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere 
abgeben.  Gemäss  Art. 32  Abs. 3  AsylG  findet  diese  Bestimmung  keine 
Anwendung,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  dass  sie 
dazu aus entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage sind  (Bst. a), wenn 
auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art. 3  und  7  AsylG  die 
Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Bst. b) oder wenn sich auf Grund 
der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig sind (Bst. c).

4.2. Der Beschwerdeführer  hat  bei  der Einreichung  seines Asylgesuchs 
im EVZ Kreuzlingen am 16. Juni 2010 keine Reise­ oder Identitätspapiere 
abgegeben.  Auch  in  den  folgenden  48 Stunden  hat  er  kein 
entsprechendes  Dokument  eingereicht.  Damit  ist  die  Nichtabgabe  von 
Reise­  und  Identitätspapieren  innert  48 Stunden  ab  Einreichung  des 
Asylgesuchs als Grundtatbestand  für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2 
Bst. a AsylG gegeben.

4.3.  Entschuldbare  Gründe  im  Sinne  von  Art.  32  Abs. 3  Bst.  a  AsylG 
liegen vor, wenn die asylsuchende Person glaubhaft machen kann, dass 
sie  ihre  Papiere  aus  zwingenden  Gründen  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  oder  in  einem  Drittstaat  zurückgelassen  hat  und  sich 
umgehend  und  ernsthaft  darum  bemüht,  die  zurückgelassenen  Papiere 
innert  angemessener  Frist  zu  beschaffen  (vgl.  BVGE  2010/2  E. 6 
S. 28 f.). An entschuldbaren Gründen  fehlt es  insbesondere dann, wenn 
unglaubhafte Äusserungen über den Verzicht auf eine Beantragung oder 
die Verweigerung einer Ausstellung im Heimatland, über den Verlust oder 
ein  anderweitiges  Abhandenkommen,  über  das  unbemerkte  Passieren 
von  Landesgrenzen  oder  das  Durchschreiten  von  Grenzkontrollen  den 
Schluss nahe legen, die Nichtabgabe eines Reise­ oder Identitätspapiers 
habe ihren Grund gerade nicht darin, dass die asylsuchende Person auf 
keine solchen Dokumente greifen kann (vgl. BVGE 2007/8 E. 3.2 S. 74) 
und  deshalb  geschlossen  werden  muss,  dem  Umstand,  dass  diese 
Person  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgibt,  liege  die  Absicht 
zugrunde,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  unrechtmässig  zu  verlängern 
(vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6 S. 27 f.).

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Der  Beschwerdeführer  gab  an,  für  seine  Ausreise  in  die  Türkei  einen 
Pass beantragt zu haben, welchen er durch einen Dritten in Bagdad habe 
abholen  lassen.  Der  Pass  sei  echt  gewesen  und  in  der  Türkei  beim 
Schlepper geblieben  (vgl. Akten BFM A1 S. 4, A18 S. 7). Entgegen den 
Ausführungen  in der Beschwerde  führte er anlässlich der Erstbefragung 
bezüglich  der  Identitätskarte  ebenfalls  an,  diese  auf  Anraten  des 
Schleppers  in  der  Türkei  gelassen  zu  haben.  Bezüglich  seines 
Nationalitätenausweises  behauptete  auf  Frage,  dieser  befinde  sich  im 
Irak bei seiner Mutter  (A1, S. 5).  Indessen gab er bei der Erstbefragung 
an, die Identitätskarte und einige Beweismittel aus dem Irak besorgen zu 
können (vgl. A1 S. 6). Mit der Rechtsmitteleingabe reichte er sodann die 
erwähnte  Identitätskarte  ein,  nachdem  eine  Person,  welche  in  den  Irak 
gereist sei, ihm diese gebracht habe.

Da  die  Dokumentenprüfung  des  Urkundenlabors  der  Kantonspolizei 
Zürich  vom  8.  September  2010  ergeben  hat,  dass  die  vom 
Beschwerdeführer  eingereichte  Identitätskarte  eine  Totalfälschung  ist – 
was  vom  Beschwerdeführer  in  der  Replik  nicht  bestritten  wird  –  , 
erscheinen  die  Aussagen  bezüglich  der  Identitätspapiere  insgesamt  als 
unglaubhaft.  Zudem  stellt  sich  die  Frage,  warum  er  unter  diesen 
Umständen nicht auch den Nationalitätenausweis nachreichte. 

Somit  ist davon auszugehen, dass die Angaben des Beschwerdeführers 
zu  seiner  Identität  wahrheitswidrig  waren,  womit  die Glaubhaftmachung 
von  entschuldbaren  Gründen  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG 
scheitert.

4.4.  Im Weiteren  hat  die Vorinstanz  geprüft,  ob  aufgrund  der Anhörung 
und  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft 
festzustellen  ist  oder  allenfalls  zusätzliche Abklärungen  zur Feststellung 
der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses 
nötig sind  (Art. 32 Abs. 2 Bst. b und c AsylG). Dabei kam sie zu Recht 
zum  Schluss,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  insgesamt 
unsubstanziiert  und  realitätsfremd  ausgefallen  sind.  Aufgrund  der 
LINGUA­Analyse  hat  sich  ausserdem  herausgestellt,  dass  der 
Beschwerdeführer entgegen seinen Angaben nicht aus B._____, sondern 
höchstwahrscheinlich  aus  der Region  von D._____  stammt  und  zu  den 
örtlichen  Begebenheiten  in  B._____  nur  sehr  vage  Aussagen  machen 
konnte.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  diesbezüglichen 
Ausführungen  in  der  Beschwerde  nichts  zu  ändern.  Die  geltend 
gemachten Probleme in B._____ müssen deshalb in ihrer Gesamtheit als 

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unglaubhaft  bezeichnet  werden,  womit  eine  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  ausser  Betracht  fällt.  Es  rechtfertigte  sich  daher, 
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine zusätzlichen sachlichen 
oder rechtlichen Abklärungen vorzunehmen.

4.5.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  die  Vorinstanz  hätte  ihren 
Entscheid  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  stützen  müssen,  da  sie  ihm 
vorwerfe,  mit  der  Nicht­Einreichung  von  Identitätspapieren  eine 
Identitätstäuschung  zu  bezwecken,  und  der  Tatbestand  der 
Identitätstäuschung demjenigen der Papierlosigkeit vorgehe.

Gemäss dem in der Beschwerdeschrift zitierten Entscheid der vormaligen 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  sanktioniert  das 
schweizerische Asylgesetz das Verhalten von Personen, die im Verfahren 
keine  Identitätspapiere  einreichen,  in  erster  Linie  mit  der  sogenannten 
Papierlosen­Bestimmung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG.  Die 
Nichteintretensbestimmung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  kommt 
demgegenüber  nur  dann  zur  Anwendung,  wenn  neben  dem  Fehlen 
identitätsbelegender  Dokumente  zusätzlich  feststeht,  dass  die 
asylsuchende Person die schweizerischen Asylbehörden über ihre wahre 
Identität  täuscht  (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2003 Nr. 27 E. 4.  e)  S. 180). Demnach 
geht  der  Tatbestand  der  Identitätstäuschung  demjenigen  der 
Papierlosigkeit eben gerade nicht vor, sondern hängt vom Vorhandensein 
zusätzlicher,  qualifizierender  Elemente  ab.  Dass  sich  ein 
Nichteintretensentscheid bei Vorliegen einer Identitätstäuschung im Sinne 
von  Art 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  auf  diesen  Artikel  stützen  soll,  ist 
vorliegend  unbeachtlich.  Die  Argumentation  des  Beschwerdeführers, 
dass diese Bestimmung hätte angewendet werden müssen, obwohl – wie 
vom  Beschwerdeführer  dargelegt  –  die  Voraussetzungen  hierzu  nicht 
erfüllt sind, ist nicht nachvollziehbar. 

4.6. Nach dem Gesagten ist das BFM zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2 
Bst. a  i.V.m.  Art. 32  Abs. 3  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers nicht eingetreten.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

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5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

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6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist 
demnach vorliegend unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

6.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  in  seinem  Grundsatzurteil  vom 
14. März  2008  (vgl.  BVGE  2008/5)  aufgrund  einer  umfassenden 
Beurteilung  der  aktuellen  Situation  in  den  nordirakischen  Provinzen 
Dohuk, Erbil und Suleimaniya zum Schluss gekommen, dass in den drei 
kurdischen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die 
dortige Lage nicht dermassen angespannt ist, als dass eine Rückführung 
dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Die Region ist 
zudem  mit  Direktflügen  aus  Europa  und  aus  den  Nachbarstaaten 

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erreichbar.  Damit  entfällt  das  Element  der  unzumutbaren Rückreise  via 
Bagdad  und  anschliessend  auf  dem  Landweg  durch  den  von  Gewalt 
heimgesuchten Zentralirak.

Der  Beschwerdeführer  gibt  zwar  an,  er  stamme  aus  B._____,  die 
LINGUA­Analyse  hat  aber  ergeben,  dass  er  in  einer  der  drei 
Nordprovinzen  –  vermutlich  in  der  Region  von  D._____  –  sozialisiert 
wurde  und  sich  in  B._____  nicht  auskennt.  Es  ist  deshalb  auch  davon 
auszugehen, dass er  im Nordirak über ein Beziehungsnetz verfügt. Das 
BFM hat zu Recht  festgestellt, dass es nicht Aufgabe der Asylbehörden 
ist,  bei  fehlenden  Hinweisen  seitens  des  Beschwerdeführers  nach 
allfälligen  Wegweisungshindernissen  zu  forschen,  wenn  dieser  seiner 
Mitwirkungs­ und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung 
nicht  nachkommt  und  die  Asylbehörden  zu  täuschen  versucht.  Mit 
Abgabe der gefälschten Identitätskarte hat der Beschwerdeführer die ihm 
obliegenden  Pflichten  verletzt  und  es  den  Asylbehörden  verunmöglicht, 
sich zum Wegweisungsvollzug in Kenntnis der vollständigen Sachlage zu 
äussern.

Vorliegend  lassen  auch  keine  individuellen  Gründe  auf  eine  konkrete 
Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen,  da  der 
Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  Aktenlage  jung  und  gesund  ist,  aus 
einer  finanziell  gut  gestellten  Familie  stammt  und  über  ein  tragfähiges 
soziales  Beziehungsnetz  verfügt.  Aufgrund  seiner  Arbeitserfahrung  ist 
davon auszugehen, dass er seine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen 
und seinen Lebensunterhalt nach der Rückkehr selber verdienen kann.

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl. 
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der 
Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

6.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

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7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde­
führer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG).  Infolge der Gutheissung des 
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist jedoch von 
einer Kostenauflage abzusehen.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…).

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Sarah Straub

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