# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e0eb8244-c41e-5db7-8178-6483f326338a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.12.2022 D-5487/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5487-2022_2022-12-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5487/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Chiara Piras, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger,   

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 22. November 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5487/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer), ein afghanischer 

Staatsangehöriger, ersuchte am 12. September 2022 in der Schweiz um 

Asyl.  

A.b Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-

Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) vom 14. September 2022 ergab, dass 

der Beschwerdeführer am 13. August 2022 in B._______ (Italien) aufge-

griffen und am 19. August 2022 daktyloskopisch erfasst wurde. Gemäss 

dem Schengener Informationssystem (SIS) besteht ausserdem ein Einrei-

severbot in den Schengenraum gegen ihn.  

A.c Mit Vollmacht vom 15. September 2022 zeigte die dem Beschwerde-

führer zugewiesene Rechtsvertretung des Bundesasylzentrums (BAZ) der 

Region C.______________ ihr Mandat an.  

B.  

B.a Am 4. Oktober 2022 fand das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der 

Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-

stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) 

statt. Dabei wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu einer 

allfälligen Überstellung nach Italien sowie zum medizinischen Sachverhalt 

gewährt.  

B.b Der Beschwerdeführer führte im Wesentlichen zur Zuständigkeit Itali-

ens aus, dass die dortige Behandlung äusserst schlecht gewesen sei. 

Nach seiner Ankunft sei er in ein geschlossenes Camp gebracht worden, 

wo er während 24 Stunden kein Essen, danach lediglich Brot und Jogurt 

erhalten habe. Erst nachdem er sich beschwert habe, habe er sich nach 

draussen begeben dürfen. Er habe seine Fingerabdrücke geben und ein 

Formular unterschreiben müssen, dass er kein Asylgesuch eingereicht 

habe. Sein Reiseziel sei von Beginn an die Schweiz gewesen, weil seinen 

Informationen zufolge dort die Menschenrechte respektiert würden und 

Asylsuchende Unterstützung erhielten. In der Schweiz fühle er sich wohl 

und wolle endlich "irgendwo ankommen". Er würde die Entscheide der 

Schweiz zwar respektieren, jedoch lieber Suizid begehen, anstatt nach Ita-

lien zurückkehren zu müssen. Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts 

D-5487/2022 

Seite 3 

führte er aus, dass er sich unter anderem wegen des Aufenthalts in Italien 

psychisch belastet fühle. Ferner sorge er sich um seinen Bruder, mit wel-

chem er aus Afghanistan ausgereist sei. Seit sie sich in der Türkei aus den 

Augen verloren hätten, wisse er nicht, wo sich der Bruder aufhalte oder ob 

er überhaupt noch am Leben sei. Auch die Lage in Afghanistan belaste ihn 

psychisch. Er leide neben (…) an (…) und (…). Die vom Arzt verschriebe-

nen Medikamente hätten nicht gewirkt.  

C.  

C.a Gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Dublin-III-VO ersuchte das SEM am 

4. Oktober 2022 die italienischen Behörden um Übernahme des Beschwer-

deführers.  

C.b Diese stimmten gestützt auf dieselbe Bestimmung dem Ersuchen am 

22. November 2022 zu.  

D.  

D.a Mit Verfügung vom 22. November 2022 (eröffnet am 24. November 

2022) trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des 

Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Italien 

und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist zu verlassen. Der Kanton C._______ wurde mit dem Vollzug 

der Wegweisung beauftragt und es wurde festgestellt, dass einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zu-

komme. Gleichzeitig wurden ihm die editionspflichtigen Akten ausgehän-

digt. 

D.b Am 24. November 2022 legte die Rechtsvertretung ihr Mandat nieder. 

E.  

Mit Eingabe vom 28. November 2022 (Datum Poststempel) erhob der Be-

schwerdeführer gegen die vorinstanzliche Verfügung beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde und beantragte, dass die Verfügung vom 22. No-

vember 2022 aufzuheben und sein Asylgesuch in der Schweiz zu prüfen 

sei. Weiter ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses.  

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

29. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

D-5487/2022 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-

richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-

setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; 

SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist 

daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-

biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 

Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-

liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der 

Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 

[BGG; SR 173.110]). 

 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

 

1.3  

Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

somit einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1 

und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

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Seite 5 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

 

4.  

4.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist. 

4.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-

dung. 

4.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Ver-

fahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, so-

bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 

Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens 

(engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genann-

ten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der 

Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und 

es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals ei-

nen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 

Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take 

back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-

prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 

8.2.1 m.w.H.). 

4.4 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die 

Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, 

ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung 

des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. 

D-5487/2022 

Seite 6 

4.5 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, 

ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.6 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

die Vorinstanz kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus hu-

manitären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO in anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Nichteintretensentscheid damit, dass 

Italien gestützt auf die Dublin-III-VO für das Asyl- und Wegweisungsverfah-

ren des Beschwerdeführers zuständig sei, auch wenn er kein Asylgesuch 

eingereicht habe, sondern illegal nach Italien eingereist sei. Sein Wunsch 

nach einem Verbleib in der Schweiz habe keinen Einfluss auf die Zustän-

digkeit für das Verfahren, da es grundsätzlich nicht Sache der betroffenen 

Person sei, den für ihr Asylverfahren zuständigen Staat selber zu wählen. 

Die Bestimmung des zuständigen Staates obliege alleine den beteiligten 

Mitgliedstaaten. Sodann gebe es keine Anzeichen dafür, dass das italieni-

sche Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen Schwachstellen auf-

weisen, welche die Gefahr einer unmenschlichen oder erniedrigenden Be-

handlung im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO oder Art. 3 der Konven-

tion vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-

freiheiten (EMRK, SR 0.101) bergen würden. Auch sei nicht anzunehmen, 

dass er in eine existenzielle Notlage geraten würde oder sein Asylgesuch, 

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Seite 7 

auch im Hinblick auf eine mögliche Verletzung des Non-Refoulement-Ge-

bots, mangelhaft geprüft werde. Ferner würde das italienische Asyl- und 

Aufnahmesystem keine systematischen Mängel aufweisen. Italien sei ein 

Rechtsstaat und verfüge über ein funktionierendes Justizsystem, an wel-

ches er sich wenden könne, sollte er sich rechtswidrig behandelt fühlen. Er 

habe die Möglichkeit, nach seiner Überstellung in Italien ein Asylgesuch 

einzureichen und die staatlichen Infrastrukturen inklusive der medizini-

schen Versorgung zu beanspruchen. Zu seinen geltend gemachten psy-

chischen Leiden habe er keine medizinischen Akten eingereicht. Der itali-

enische Staat verfüge aber über eine ausreichende medizinische Versor-

gung, welche im Asylverfahren insbesondere die erforderliche Behandlung 

von physischen und psychischen Erkrankungen gewährleiste. Zudem sei 

das Dekret Nr. 130 vom 21. Oktober 2020 durch das italienische Parlament 

in ein Gesetz umgewandelt worden und am 20. Dezember 2020 in Kraft 

getreten, welches eine wesentliche Verbesserung in der Gesundheitsver-

sorgung für asylsuchende Personen gewährleiste. Vor diesem Hintergrund 

könne davon ausgegangen werden, dass er in Italien eine angemessene 

medizinische Versorgung erhalten werde. Dies gelte auch für seine suizi-

dalen Tendenzen. Für die Überstellung sei einzig die Reisefähigkeit aus-

schlaggebend, diese werde erst kurz vor der effektiven Ausreise beurteilt 

sowie den zuständigen Behörden mitgeteilt. Insgesamt würden keine 

Gründe vorliegen, welche die Schweiz verpflichten würden, die Souveräni-

tätsklausel anzuwenden. 

 

5.2 Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde im Wesentlichen 

damit, dass er sich in der Schweiz sehr wohl fühle und die Menschenrechte 

in der Schweiz im Vergleich zu anderen Staaten geachtet würden. Er wolle 

in der Schweiz studieren und sich integrieren. In Italien habe er die Finger-

abdrücke nur gegeben, weil er sonst nicht hätte weiterreisen dürfen. Zu-

dem sei sein Leben in Italien in Gefahr. Als Afghane drohe ihm wegen der 

Blutrache der Tod.  

6.  

6.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Euro-

dac-Datenbank vom 14. September 2022 ergab, dass er am 13. August 

2022 illegal nach Italien eingereist war, am selben Tag in B._______ auf-

gegriffen und am 19. August 2022 daktyloskopiert worden war (vgl. SEM-

Akte A6/1). Gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Dublin-III-VO ersuchte das SEM 

am 4. Oktober 2022 die italienischen Behörden um Übernahme des Be-

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Seite 8 

schwerdeführers, welche dem Ersuchen am 22. November 2022 zustimm-

ten (vgl. SEM-Akten A13/7 und A15/1) und damit explizit ihre Zuständigkeit 

anerkannten.  

 

6.2 Der Beschwerdeführer führte anlässlich des Dublin-Gesprächs aus, 

man habe ihm in Italien zwar seine Fingerabdrücke abgenommen, er habe 

jedoch ein Dokument unterschrieben, dass er nicht um Asyl ersucht habe. 

Hierzu ist festzustellen, dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von 

illegal einreisenden ausländischen Personen und Asylsuchenden auf 

Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rats vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Dem-

entsprechend steht es dem Beschwerdeführer nicht frei sich auszusuchen, 

ob und wann seine Fingerabdrücke abgenommen und an die Eurodac-Da-

tenbank übermittelt werden. Das Vorgehen der italienischen Behörden zur 

Abnahme seiner Fingerabdrücke ist demnach nicht zu beanstanden, zumal 

aus dem Blickwinkel von Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO ein Mitgliedstaat auch 

dann für die Prüfung eines Antrags auf internationalen Schutz zuständig 

ist, wenn die betreffende Person – ohne einen Asylantrag gestellt zu haben 

– illegal eingereist und erfasst worden ist.  

6.3 Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, dass die Schweiz die Men-

schenrechte mehr als andere (europäische) Staaten respektiere und Ge-

flüchtete in der Schweiz Unterstützung erhielten. Sein Ziel sei seit Beginn 

seiner Flucht die Schweiz gewesen. Aus diesen Gründen und weil er sich 

in der Schweiz wohlfühle, studieren sowie sich integrieren wolle, wünsche 

er, dass sein Asylverfahren in der Schweiz durchgeführt werde. Hierzu ist 

festzustellen, dass die Dublin-III-VO asylsuchenden Personen kein Recht 

einräumt, den seinen Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen zu kön-

nen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

6.4 Vor diesem Hintergrund ist die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für 

die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gegeben.  

7.  

7.1 Weiter ist zu prüfen, ob es im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO we-

sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah-

mebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwach-

stellen aufweisen, welche eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwür-

digenden Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-Grundrechtecharta mit sich 

bringen würden. 

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Seite 9 

7.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK; 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sogenannte Verfahrensrichtlinie) 

sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die 

Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (soge-

nannte Aufnahmerichtlinie) ergeben. Das Bundesverwaltungsgericht geht 

in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass das italienische Asylverfah-

ren und Aufnahmesystem – trotz punktueller Schwachstellen – keine sys-

temischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz Dublin-III-VO auf-

weisen (vgl. hierzu statt vieler Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom 

19. April 2022 E. 10.2 m.w.H.).  

7.3 Dem Beschwerdeführer gelang es nicht aufzuzeigen, dass eine Über-

stellung nach Italien völkerrechtliche Normen verletzen würde. Seiner Be-

gründung, er habe in den italienischen Asylstrukturen hungern müssen, ist 

entgegenzuhalten, dass er bei allfälligen Problemen mit den Aufnahmebe-

dingungen die Möglichkeit hat, sich an die italienischen Behörden zu wen-

den und seine Rechte einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Hin-

sichtlich seines nicht weiter begründeten Vorbringens, sein Leben in Italien 

sei in Gefahr, ist ebenfalls auf die Möglichkeit, sich an die zuständigen Stel-

len zu wenden und das Recht – nötigenfalls auch mit dem Beschreiten des 

Rechtsweges – einzufordern, hinzuweisen. Bezüglich seiner geltend ge-

machten gesundheitlichen Probleme ist festzuhalten, dass das Gericht da-

von ausgeht, dass Italien grundsätzlich über eine ausreichende medizini-

sche Infrastruktur verfügt (vgl. Urteil des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 

2022 E. 10.4.3.3 [als Referenzurteil publiziert]; E-452/2022 vom 2. Februar 

2022 E. 6.3.3; D-869/2022 vom 1. März 2022; E-4922/2022 vom 3. No-

vember 2022 E. 4.4.3 m.w.H.), wobei davon ausgegangen werden kann, 

dass dieser Dublin-Mitgliedstaat die Aufnahmerichtlinie anerkennt und 

schützt. Des Weiteren ist bezüglich der medizinischen Versorgung in Ita-

lien vollumfänglich auf die vorinstanzliche Verfügung zu verweisen.  

D-5487/2022 

Seite 10 

7.4 Vor diesem Hintergrund erweist sich die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO als nicht gerechtfertigt. 

8.  

8.1 Sodann stellt sich die Frage, ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse 

nach Art. 3 EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrecht-

lichen Bestimmung bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen 

Selbsteintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden. 

8.2 Der Beschwerdeführer konnte nicht darlegen, dass die italienischen 

Behörden sich weigern würden, ihn aufzunehmen und seinen Antrag auf 

internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie 

zu prüfen. Es bestehen keine Hinweise darauf, dass Italien seinen völker-

rechtlichen Verpflichtungen aus der EMRK, der FoK und der FK sowie dem 

Zusatzprotokoll der FK nicht nachkommt. Den Akten sind insbesondere 

keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall 

den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in 

ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus 

einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr 

laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Der 

Befürchtung des Beschwerdeführers, dass ihm als afghanischen Staatsan-

gehörigen der Tod durch Blutrache drohe (vgl. Beschwerde vom 28. No-

vember 2022) respektive die sinnesgemäss geltend gemachte Befürchtung 

einer Rückführung nach Afghanistan, ist zu entgegnen, dass ihm nach der 

Rückübernahme in Italien die Möglichkeit offensteht, ein Asylgesuch ein-

zureichen und seine Fluchtgründe sowie allfällige Wegweisungsvollzugs-

hindernisse vor den italienischen Behörden geltend zu machen. Es beste-

hen keine Hinweise darauf, dass Italien in seinem Fall den Grundsatz des 

Non-Refoulement (Art. 33 FK) missachten und ihn zur Ausreise in ein Land 

zwingen würde, in welchem ihm eine asylrelevante Verfolgung nach Art. 3 

Abs. 1 AsylG drohen könnte. Er brachte hierzu auch keine stichhaltigen Ar-

gumente vor, welche Anlass zu einer gegenteiligen Annahme führen könn-

ten. 

8.3 Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-III-

VO zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des Selbst-

eintrittsrechts der Schweiz (vgl. etwa Urteile des BVGer D-4235/2021 vom 

19. April 2022 E. 10.4.3.2 [als Referenzurteil publiziert]; D-4363/2022 vom 

4.Oktober 2022 E. 9.1.1 und F-1479/2021 vom 13. April 2021 E. 7.2). 

D-5487/2022 

Seite 11 

8.4 Unter dem Blickwinkel der humanitären Gründe ist ferner Folgendes 

festzuhalten: Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das 

SEM bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit 

der Kognitionsbeschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 

2014 (Streichung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungs-

gerichts gemäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den 

vorinstanzlichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht 

mehr auf Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung 

nunmehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbe-

züglich korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen 

Rechnung getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. 

Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG).  

8.5 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden. Insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. 

8.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für eine Anwen-

dung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO oder von Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1 vorliegt. Italien bleibt somit der für die Behandlung des Asyl-

gesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-

III-VO. 

9.  

Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-

getreten. Da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung 

von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

Die Beschwerde ist abzuweisen, und die Verfügung der Vorinstanz ist zu 

bestätigen. 

10.  

Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, 

weshalb sich der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung als ge-

genstandslos erweist. 

 

D-5487/2022 

Seite 12 

11.  

11.1 Der Antrag auf den Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses 

wird mit vorliegenden Urteil gegenstandslos. 

11.2 Die Beschwerde ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen als 

aussichtslos zu qualifizieren. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist deshalb unge-

achtet der geltend gemachten (jedoch nicht belegten) prozessualen Be-

dürftigkeit abzuweisen.  

11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5487/2022 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Martina von Wattenwyl 

 

 

Versand: