# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e966fe93-7031-5ca4-861b-86a3ec3f2366
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 11.12.2012 B 2012/76
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2012-76_2012-12-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2012/76

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 11.12.2012

Entscheiddatum: 11.12.2012

Urteil Verwaltungsgericht, 11.12.2012
Ausländerrecht, Widerruf der Niederlassungsbewilligung, Art. 6 Ziff. 1 EMRK 
(SR 0.101), Art. 55 Abs. 1 VRP (sGS 951.1). Kein Anspruch auf Durchführung 
einer öffentlichen Verhandlung.Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 
lit. b AuG (SR 142.20). Unverhältnismässigkeit des Widerrufs der 
Niederlassungsbewilligung (Verwaltungsgericht, B 2012/76).

Anwesend:  Präsident Prof. Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter lic. iur. A. Linder, 

Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener, Dr. S. Bietenharder-Künzle; Gerichtsschreiberin lic. iur. 

R. Haltinner-Schillig

_______________

 

In Sachen

X. Y.,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. A. B.,

gegen

 

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, ObererGraben 32, 9001St. 

Gallen,

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Vorinstanz,

 

betreffend

Widerruf der Niederlassungsbewilligung

 

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ X. Y., kroatischer Staatsangehöriger, wurde am 00. Januar 1982 in der Schweiz 

geboren und in die Niederlassungsbewilligung seiner Eltern einbezogen. Die 

Kontrollfrist der Niederlassungsbewilligung wurde letztmals bis 22. Juli 2013 verlängert. 

Im Jahr 2007 übersiedelten die Eltern nach Kroatien.

Am 28. Oktober 2005 heiratete X. Y. die Landsfrau M. Y., geboren am 00. April 1983, 

worauf ihr eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt wurde. 

Seit Oktober 2010 ist sie im Besitz der Niederlassungsbewilligung. Die gemeinsamen 

Kinder N., geboren am 00. August 2008, und L., geboren am 00. August 2010, verfügen 

ebenfalls über die Niederlassungsbewilligung.

X. Y. wurde wie folgt verurteilt: Entscheid des Kreisgerichts Werdenberg-Sargans vom 

2. Dezember 2004: bedingte Gefängnisstrafe von 8 Monaten, bei einer Probezeit von 

zwei Jahren, wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher 

Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, betrügerischen Missbrauchs 

einer Datenverarbeitungsanlage und Entwendung zum Gebrauch. Entscheid des 

Kantonsgerichts vom 15. November 2010: bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten, 

bei einer Probezeit von zwei Jahren, wegen Gefährdung des Lebens, Drohung und 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

B./ Am 23. März 2011 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von 

X. Y. und wies ihn an, die Schweiz bis spätestens 16. Juni 2011 zu verlassen. Der 

Entscheid wird damit begründet, X. Y. habe die in der Schweiz geltende Ordnung in 

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krasser Weise missachtet und im Betreibungsauszug vom 10. Januar 2011 seien 

Betreibungen in der Höhe von Fr. 19'344.50 verzeichnet. Demzufolge überwiege das 

öffentliche Interesse an der Fernhaltung von X. Y. gegenüber seinem privaten Interesse, 

in der Schweiz bleiben zu können.

C./ Am 5. April 2011 erhob X. Y., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. B., gegen die 

Verfügung des Migrationsamtes vom 23. März 2011 Rekurs beim Sicherheits- und 

Justizdepartement. Er stellte die Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und es sei davon abzusehen, die Niederlassungsbewilligung zu widerrufen. 

Am 30. März 2012 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs von X. Y. 

ab und lud das Migrationsamt ein, ihm eine neue Ausreisefrist anzusetzen. Auch die 

Rekursinstanz gelangte zur Überzeugung, das öffentliche Interesse am Widerruf der 

Niederlassungsbewilligung von X. Y. überwiege gegenüber seinem privaten Interesse 

am Verbleib in der Schweiz.

D./ Am 5. April 2012 erhob X. Y. durch seinen Rechtsvertreter gegen den Entscheid 

des Sicherheits- und Justizdepartements vom 30. März 2012 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht. Er beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und 

vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei abzusehen. Das Sicherheits- und 

Justizdepartement nahm am 23. April 2012 Stellung und beantragte, die Beschwerde 

sei abzuweisen. X. Y. machte am 1. Mai 2012 von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu 

neuen tatsächlichen und rechtlichen Argumenten zu äussern.

 

Darüber wird in Erwägung gezogen:

1. (…).

2. Der Beschwerdeführer beantragt, es sei eine mündliche Verhandlung durchzuführen. 

Er beruft sich auf Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 

Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) und Art. 55 Abs. 1 VRP und begründet 

dies damit, seine persönliche Befragung erweise sich als notwendig, weil die 

Vorinstanz den Rekurs abgewiesen habe, ohne sich wirklich mit den tatsächlichen und 

rechtlichen Argumenten, die er in den Rechtsschriften vorgebracht habe, 

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auseinanderzusetzen. Deshalb sei ihm die Möglichkeit einzuräumen, seinen 

Rechtsstandpunkt mündlich darzulegen.

Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist auf ausländerrechtliche Verfahren nicht anwendbar, weshalb 

gestützt auf diese Vorschrift kein Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung besteht 

(BGer 2C_344/2011 vom 21. September 2011 E. 3 mit Hinweis auf BGer 2A.284/2001 

vom 9. Oktober 2001 E. 2). Nach Art. 55 Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung 

angeordnet, wenn sie zur Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig 

erscheint.

Nach Art. 61 Abs. 1 VRP können mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht 

Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Der Beschwerdeführer kann sich auch 

darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe 

auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 Abs. 2 VRP). 

Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer war es im Rahmen der 

Beschwerdeeingabe und ihrer Ergänzung möglich, darzulegen, inwiefern die Vorinstanz 

den Sachverhalt seiner Meinung nach unrichtig oder unvollständig festgestellt hat. 

Sodann konnte er seinen Rechtsstandpunkt auf diese Weise zum Ausdruck bringen. 

Dementsprechend hat er geltend gemacht, der angefochtene Entscheid verletze in 

verschiedener Hinsicht Recht, weil er in offenkundigem Widerspruch zur 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung stehe. Zur Wahrung der Parteirechte des 

Beschwerdeführers ist eine mündliche Verhandlung deshalb nicht erforderlich.

3. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b des Bundesgesetzes über 

Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, abgekürzt AuG) kann die 

Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn der Ausländer zu einer 

längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder gegen ihn eine strafrechtliche 

Massnahme im Sinn von Artikel 64 oder Artikel 61 des Strafgesetzbuches (SR 311.0) 

angeordnet wurde. Beim Begriff der längerfristigen Freiheitsstrafe handelt es sich um 

einen unbestimmten Rechtsbegriff. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

liegt eine längerfristige Freiheitsstrafe dann vor, wenn eine ausländische Person zu 

einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt wurde (BGE 135 II 379 E. 4.2), 

wobei sich die ein Jahr überschreitende Dauer einer längerfristigen Gefängnisstrafe auf 

ein einziges Strafurteil stützen muss. Eine Zusammenrechnung von mehreren kürzeren 

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Strafen, die in ihrer Gesamtheit mehr als ein Jahr ausmachen, ist nicht zulässig (BGE 

137 II 299 E. 2). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder 

unbedingt ausgesprochen wurde (BGer 2C_453/2011 vom 28. November 2011 E. 2.2.1 

mit Hinweis). Sodann liegt ein Widerrufsgrund vor, wenn die Ausländerin oder der 

Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in 

der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder 

die äussere Sicherheit gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Eine Person verstösst in der 

Regel dann in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung, 

wenn durch ihre Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die 

körperliche, psychische und sexuelle Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet 

werden. Vergleichsweise weniger gravierende Pflichtverletzungen können 

beispielsweise dann als schwerwiegend bezeichnet werden, wenn sich eine 

ausländische Person von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und 

damit zeigt, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die 

Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 304 mit Hinweis auf BBl 2002 3709, 3810 zu Art. 

62 AuG).

Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, den Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a in 

Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG gesetzt zu haben. Die Vorinstanz hat es offen 

gelassen, ob die Voraussetzungen von Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ebenfalls erfüllt seien.

4. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Widerruf der Niederlassungsbewilligung 

erweise sich aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung als 

unverhältnismässig. Danach sei der Widerruf von Niederlassungsbewilligungen von 

Ausländern, die sich mehr als fünfzehn Jahre ununterbrochen und ordnungsgemäss in 

der Schweiz aufhalten, nur zurückhaltend auszusprechen. Dies müsse erst recht bei 

einem Ausländer gelten, der hier geboren und sein ganzes bisheriges Leben hier 

verbracht habe. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei in derartigen Fällen in 

der Regel nur dann verhältnismässig, wenn die ausländische Person, statt sich zu 

bessern, mit der deliktischen Tätigkeit fortfahre. Die Vorinstanz habe nicht gewürdigt, 

dass er einen Reifeprozess durchgemacht habe und sich seit rund sieben Jahren 

geradezu mustergültig verhalte und schuldenfrei sei.

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4.1. Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde einen gewissen 

Ermessenspielraum. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen, 

wenn er bei sorgfältiger Abwägung der sich widersprechenden Interessen 

verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt 

BV). Dabei berücksichtigen die Behörden nach Art. 96 Abs. 1 AuG die öffentlichen 

Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration, wobei 

namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz 

sowie die dem Ausländer und seiner Familie drohenden Nachteile ins Gewicht fallen 

(BGer 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 4.3). Ausgangspunkt und Massstab 

für die Interessenabwägung ist das Verschulden des Ausländers. Dieses findet vorab 

im vom Strafrichter verhängten Strafmass seinen Ausdruck. Die Behörde hat sich dabei 

mit den Erwägungen des Strafrichters auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen 

Gefahrenprognose zu kommen (Nägeli/Schoch, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, 

Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 22.188). Dabei sind umso strengere Anforderungen 

an die Schwere des strafrechtlichen Verschuldens zu stellen, je länger der Ausländer in 

der Schweiz gelebt hat. Zu berücksichtigen ist auch, in welchem Alter der Ausländer in 

die Schweiz eingereist ist. Selbst bei einem Ausländer, der hier geboren ist und sein 

ganzes bisheriges Leben in der Schweiz verbracht hat ("Ausländer der zweiten 

Generation"), ist bei Gewalt-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter 

Straffälligkeit eine Ausweisung jedoch nicht ausgeschlossen (BGE 130 II 190 E. 4.4.2 

mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung aller entscheidenden Umstände kann schon 

eine einzige Verurteilung wegen einer besonders schwerwiegenden Straftat zur 

Ausweisung führen. Sodann ist ausserhalb des Geltungsbereichs des 

Freizügigkeitsabkommens im Zusammenhang mit Gewaltdelikten selbst ein relativ 

geringes Restrisiko nicht hinzunehmen (BGE 130 II 185 ff. E. 4.2 bis 4.4 mit Hinweisen; 

vgl. auch BGer 2C_488/2007 vom 6. Februar 2008). Ausschlaggebend ist die 

Verhältnismässigkeit der Massnahme im Einzelfall, die praxisgemäss gestützt auf die 

gesamten wesentlichen Umstände geprüft werden muss (BGer 2C_160/2009 vom 1. 

Juli 2009 E. 3.1, BGer 2A.71/2007 vom 7. Mai 2007 E. 3.2).

4.2. Die Notwendigkeit einer Verhältnismässigkeitsprüfung ergibt sich auch aus Art. 8 

EMRK und Art. 13 BV, auf die sich der Beschwerdeführer beruft. Art. 8 EMRK 

gewährleistet den Schutz des Familienlebens, verschafft aber keinen Anspruch auf 

Aufenthalt in einem bestimmten Konventionsstaat. Hat ein Ausländer nahe Verwandte 

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in der Schweiz und ist diese familiäre Beziehung intakt und wird sie tatsächlich gelebt, 

kann es aber das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV garantierte Recht auf 

Achtung des Familienlebens verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz 

untersagt wird.

4.3. Am 2. Dezember 2004 ist der Beschwerdeführer vom Kreisgericht Werdenberg-

Sargans des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, der mehrfachen 

Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, des betrügerischen 

Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie der Entwendung zum Gebrauch 

schuldig gesprochen und dafür mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 8 Monaten 

bestraft worden. Der Beschwerdeführer hatte sich zwischen Dezember 2000 und April 

2001 an zahlreichen Einbruchsdiebstählen in den Kantonen St. Gallen und Graubünden 

beteiligt. Erschwerend wurde berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer innert 

weniger Monate eine Schadensumme von rund Fr. 195'000.-- verursacht hatte. 

Strafmildernd (richtig: strafmindernd) fiel ins Gewicht, dass die Taten drei Jahre 

zurücklagen und dass sich der Beschwerdeführer seither - soweit bekannt - 

wohlverhalten hatte. Dem Beschwerdeführer wurde eine günstige Prognose gestellt. 

Das Gericht ging davon aus, er werde sich durch die "Warnstrafe" von weiteren 

Straftaten abhalten lassen.

Am 15. Oktober 2009 sprach des Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland den 

Beschwerdeführer von der Anklage der versuchten Tötung frei. Am 15. November 2010 

sprach das Kantonsgericht den Beschwerdeführer von der Anklage der versuchten 

vorsätzlichen Tötung zwar ebenfalls frei, erklärte ihn aber der Gefährdung des Lebens, 

der Drohung und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig 

und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, unter Anrechnung der 

Untersuchungshaft von 13 Tagen. Der Vollzug wurde aufgeschoben mit einer Probezeit 

von zwei Jahren. Das Gericht erachtete es als erwiesen, dass der Beschwerdeführer 

am 5. Juni 2005 vor dem VIP-Club in B. mit der Pistole in der Hand und 

ausgestrecktem Arm auf sich auf dem Parkplatz befindende Personen zugelaufen ist 

und dabei Drohworte ausgestossen hat. Das Gericht hielt fest, der Beschwerdeführer 

habe an der Berufungsverhandlung selber eingeräumt, er habe beim Herunterrennen 

der Treppe die Waffe gezogen, das Magazin aus dem Hosensack genommen und 

eingesetzt. Als nicht erwiesen erachtete das Gericht hingegen, dass der 

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Beschwerdeführer einen oder gar mehrere Schüsse abgegeben habe und in welche 

Richtung er gegebenenfalls geschossen habe. Das Gericht gelangte zum Ergebnis, das 

Verhalten des Beschwerdeführers sei Ausdruck erheblicher krimineller Energie und ging 

von einem mittleren Verschulden aus. Straferhöhend wirkten sich die Tatmehrheit und 

die Vorstrafe aus, strafmindernd das Verhalten des Beschwerdeführers während des 

Verfahrens und die lange Verfahrensdauer. In Gesamtwürdigung aller massgeblichen 

Faktoren, insbesondere des Wohlverhaltens des Beschwerdeführers in den letzten fünf 

Jahren nach der Tat, der beruflichen und privaten Stabilisierung und der 

Nichteinschlägigkeit der Vorstrafe, ging das Gericht von besonders günstigen 

Umständen aus und schob den Vollzug der Strafe mit einer Probezeit von zwei Jahren 

auf.

4.4. Das strafrechtliche Verhalten des Beschwerdeführers belastet sein Ansehen 

schwer. Er hat die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz erheblich 

beeinträchtigt. Besonders ins Gewicht fällt, dass der Beschwerdeführer nur einige 

Monate nach seiner erstmaligen Verurteilung, während der Probezeit, vor dem Club 

(seines Vaters) in B. eine erhebliche kriminelle Energie entwickelt und eine unmittelbare 

Lebensgefahr für auf dem Parkplatz anwesende Personen geschaffen hat. Bei den 

strafrechtlich relevanten Vorfällen aus den Jahren 2000, 2001 und 2005 handelt es sich 

deshalb nicht um "klassische Jugendsünden", wie der Beschwerdeführer in der 

Rekursbegründung vom 29. April 2011 meint, sondern um gravierendes nicht 

entschuldbares Fehlverhalten. Daran ändert nichts, dass er erst rund 18 Jahre alt war, 

als er erstmals straffällig wurde. In Betracht fällt aber, dass der Beschwerdeführer, der 

hier geboren wurde und sein ganzes bisheriges Leben hier verbracht hat, seit dem 

schwerwiegenden Vorfall im Juni 2005, somit seit mehr als sieben Jahren, strafrechtlich 

nicht mehr in Erscheinung getreten ist, und dass auch sonst keine Anhaltspunkte 

bestehen, wonach er sich während dieser Zeitspanne nicht wohlverhalten haben 

könnte. Der Beschwerdeführer hat am 28. Oktober 2005 eine Landsfrau geheiratet und 

sie in die Schweiz nachgezogen. Das Ehepaar hat zwei Kinder, geboren in den Jahren 

2008 und 2010, wobei die Ehefrau und die Kinder über die Niederlassungsbewilligung 

verfügen. Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. Mai 2005, somit 

einige Monate bevor er geheiratet hat, bei der E. AG in B. in ungekündigter Stellung als 

Maschinist tätig ist. Gemäss Zwischenzeugnis vom 19. April 2011 ist er bei der Arbeit 

ständig motiviert, zeigt grosses Engagement und zeichnet sich durch speditive und 

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präzise Arbeitsweise aus. Sodann hat der Beschwerdeführer zusammen mit seiner 

Ehefrau ein kleines Transportunternehmen gegründet, die N. GmbH mit Sitz in B. 

Ebenfalls für den Beschwerdeführer spricht, dass er seit Beginn des Jahres 2007 

schuldenfrei ist. Gemäss Auszug aus dem Betreibungsregister vom 8. April 2011 sind 

im Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis 8. April 2011 gegen ihn keine Betreibungen 

angehoben und keine Pfändungen vollzogen worden. Schliesslich ergibt sich aus der 

"Übersicht Pflichtigenkonto" des Steueramtes B. vom 13. April 2011, dass der 

Beschwerdeführer seine Steuerpflicht erfüllt.

4.5. Diese Umstände sprechen dafür, dass es dem Beschwerdeführer - soweit bekannt 

- trotz krimineller Vergangenheit gelungen ist, sich hier während rund sieben Jahren 

eine Existenz aufzubauen und ein Leben zu führen, das weder in persönlicher und 

finanzieller noch in strafrechtlicher Hinsicht zu Klagen Anlass gegeben hat. Offenbar ist 

es ihm gelungen, sich mit seiner Familie in die Gesellschaft zu integrieren. Der am 23. 

März 2011 erfolgte Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers 

erweist sich deshalb als unverhältnismässig. Daran ändert nichts, dass letztlich nicht 

völlig ausgeschlossen werden kann, dass der Beschwerdeführer erneut straffällig 

werden oder anderweitig zu Klagen Anlass geben könnte. Bei neuerlichem 

Fehlverhalten müsste er aber wiederum damit rechnen, dass ihm das Aufenthaltsrecht 

in der Schweiz abgesprochen wird.

5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Der 

angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom 30. März 2012 und die Verfügung des 

Migrationsamtes vom 23. März 2011 werden aufgehoben.

5.1. (…).

5.2. (…).

 

Demnach hat das Verwaltungsgericht

 

zu Recht erkannt:

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1./  Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Rekursentscheid vom 30. März 2012 und 

die Verfügung des Migrationsamtes vom 23. März 2011 werden aufgehoben.

2./  Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2'000.-- trägt der Staat. 

Auf die Erhebung wird verzichtet. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete 

Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- zurückerstattet.

3./  Der Staat hat den Beschwerdeführer für das Rekurs- und das 

Beschwerdeverfahren mit Fr. 2'500.-- zuzüglich MWSt ausser-amtlich zu entschädigen.

 

V.          R.           W.

 

Der Präsident:         Die Gerichtsschreiberin:

 

 

Versand dieses Entscheides an:

-   den Beschwerdeführer (durch Rechtsanwalt lic. iur. A. B.)

-   die Vorinstanz

-   Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern-Wabern

 

am:

 

Rechtsmittelbelehrung:

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Sofern eine Rechtsverletzung nach Art. 95 ff. BGG geltend gemacht wird, kann gegen 

diesen Entscheid gestützt auf Art. 82 lit. a BGG innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde erhoben werden.

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