# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 02c6d39a-6148-5020-ac9c-64a7ac943928
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-22
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 22.05.2024 S2 2023 35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S2-2023-35_2024-05-22.pdf

## Full Text

20240226_164900_ANOM.docx

II. Strafabteilung S2 2023 35

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter St. Dalcher
Oberrichter M. Siegwart
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 22. Mai 2024 [rechtskräftig]

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch Assistenzstaatsanwalt A.________, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte,

und

1. B.________, geb. tt.mm.2012, C.________, 
2. D.________, geb. tt.mm.2010, C.________, 
beide prozessverbeiständet durch Rechtsanwalt E.________, 
Privatkläger im Zivil- und Strafpunkt, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungskläger,

gegen

F.________, geb. tt.mm.1973 in G.________, von H.________ und I.________, wohnhaft in 
J.________,  
erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt K.________,
Beschuldigte, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte,

betreffend

mehrfache wiederholte Tätlichkeiten

(Berufung der Beschuldigten und Anschlussberufung der Privatkläger gegen das Urteil des Strafge-
richts des Kantons Zug, Einzelgericht, vom 10. August 2023; SE 2023 15)

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Sachverhalt und Überblick über das Verfahren

1. Die Staatsanwaltschaft wirft F.________ (nachfolgend: Beschuldigte) vor, ihren Sohn 
D.________ ca. ab dem Jahr 2016/2017 bis Anfang Oktober 2021 mit der flachen Hand 
mehrmals wöchentlich gegen den Oberschenkel, den Arm und ins Gesicht geschlagen zu 
haben. Einmal habe sie ihn mit einem Esslöffel, mindestens zweimal mit einem anderen, 
nicht näher bekannten Gegenstand sowie einmal gegen den Rücken geschlagen. Zudem ha-
be sie ihn mehrmals an den Haaren gezogen, gekniffen und am Arm gepackt. Durch die 
Schläge habe D.________ an den Beinen teilweise Hämatome erlitten. Des Weiteren soll die 
Beschuldigte ihren Sohn B.________ ca. ab dem Jahr 2016/2017 bis Anfang Juni 2021 
mehrmals wöchentlich mit der flachen Hand gegen den Oberschenkel, den Arm, ins Gesicht 
sowie gegen den Rücken geschlagen, ca. zehnmal mit dem Fuss gegen seinen Bauch getre-
ten sowie mehrmals an den Haaren gezogen, gekniffen und am Arm gepackt haben. Durch 
die Schläge seien an seinen Beinen, Armen und dem Rücken teilweise Hämatome entstan-
den (SE GD 1 S. 2).

2. Am 10. August 2023 fand die Hauptverhandlung vor dem Strafgericht des Kantons Zug, Ein-
zelgericht (nachfolgend: Vorinstanz), statt, an welcher die Beschuldigte, ihr erbetener Vertei-
diger und der Rechtsbeistand der Privatkläger teilnahm. Die Beschuldigte wurde zur Person 
und zur Sache befragt. Nach den Parteivorträgen hielt die Beschuldigte ein Schlusswort. Die 
Vorinstanz eröffnete gleichentags ihr Urteil mündlich (SE GD 15, 15/1). Mit Schreiben vom 
17. August 2023 meldete die Verteidigung namens der Beschuldigten Berufung an (SE GD 
17). Die anderen Parteien meldeten keine Berufung an.

3. Am 14. September 2023 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil. Die Verteidigung 
nahm dieses am 15. September 2023 in Empfang (SE GD 22/1). Der Urteilsspruch lautete 
wie folgt (OG GD 1):  

"1. Das Verfahren gegen die Beschuldigte F.________ wird hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen Tätlich-

keiten gemäss Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit a StGB, begangen im Zeitraum ca. ab 2016/2017 bis 9. Au-

gust 2020 zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt.

2. Die Beschuldigte F.________ wird vom Vorwurf der wiederholten Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 

i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB zum Nachteil von D.________ freigesprochen, soweit sich dieser auf mehrfaches 

Schlagen ins Gesicht, Schlagen mit einem Esslöffel und mit einem anderen Gegenstand sowie mehrfaches 

Kneifen bezieht. 

3. Die Beschuldigte F.________ wird vom Vorwurf der wiederholten Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 

i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB zum Nachteil von B.________ freigesprochen, soweit sich dieser auf mehrfaches 

Schlagen ins Gesicht, mehrfaches Treten gegen den Bauch sowie mehrfaches Kneifen bezieht. 

4. Die Beschuldigte F.________ wird der mehrfachen wiederholten Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 i.V.m. 

Abs. 2 lit. a StGB schuldig gesprochen.

5. Sie wird dafür bestraft mit einer Busse von CHF 1'200.00, bei schuldhaftem Nichtbezahlen ersatzweise mit 

einer Freiheitsstrafe von 12 Tagen.

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6. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers D.________ wird abgewiesen.

7. Die Genugtuungsforderung des Privatklägers B.________ wird abgewiesen.

8. Die Verfahrenskosten betragen 

CHF 836.00 Untersuchungskosten

CHF 2'000.00 Entscheidgebühr

CHF 300.00 gerichtliche Auslagen

CHF 3'136.00 Total

und werden der Beschuldigten zu 70% auferlegt. Die verbleiben 30% werden auf die Staatskasse genom-

men.

9. Die Beschuldigte wird für die Aufwendungen in Zusammenhang mit ihrer erbetenen Verteidigung mit 

CHF 893.35 aus der Staatskasse entschädigt. Im weiteren Umfang wird ihr entsprechender Entschädi-

gungsantrag abgewiesen. 

Die gegenüber der Beschuldigten bestehenden Forderung aus den ihrerseits zu tragenden Verfahrenskos-

ten wird mit ihrem Entschädigungsanspruch verrechnet.

10. [Rechtsmittel]"

4. Die Verteidigung erklärte am 3. Oktober 2023 namens der Beschuldigten beim Obergericht 
des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) Berufung gegen das Urteil vom 10. August 2023 und 
stellte folgende Anträge (OG GD 2):

"1. Ziff. 4, 5. und 8. des Urteilsspruchs des Strafgerichts Zug vom 10. August 2023 seien aufzuheben. 

2. Die Beschuldigte sei freizusprechen vom Vorwurf der mehrfachen wiederholten Tätlichkeiten gemäss 

Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB.

3. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens und die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien neu zu 

verlegen, bzw. auf die Staatskasse zu nehmen.

4. Die Beschuldigte sei für die Aufwendungen ihrer erbetenen Verteidigung im Untersuchungsverfahren mit 

CHF 2'000.00 (inkl. MwSt) sowie im erstinstanzlichen Verfahren mit CHF 6'670.60 (inkl. MwSt) aus der 

Staatskasse zu entschädigen.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen und die Beschuldigte sei für die 

Aufwendungen ihrer erbetenen Verteidigung vollumfänglich aus der Staatskasse zu entschädigen."

5. Mit Präsidialverfügung vom 4. Oktober 2023 eröffnete die Verfahrensleitung die Berufungser-
klärung der Beschuldigten den weiteren Parteien und setzte diesen Frist für die Erhebung ei-
ner allfälligen Anschlussberufung oder das Stellen von Nichteintretensanträgen. Den Partei-
en wurde zudem Gelegenheit gegeben, sich zur Durchführung des schriftlichen Berufungs-
verfahren zu äussern (OG GD 3). 

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6. Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Schreiben vom 9. Oktober 2023, dass sie weder An-
schlussberufung erhebe noch Nichteintreten auf die Berufung beantrage. Mit dem schriftli-
chen Verfahren sei sie einverstanden (OG GD 4). 

7. Die Verteidigung erklärte am 24. Oktober 2023, dass die Beschuldigte ein mündliches Ver-
fahren wünsche (OG GD 5). 

8. Am 26. Oktober 2023 liessen die Privatkläger durch ihren Rechtsbeistand Anschlussberufung 
erheben und folgende Anträge stellen (OG GD 6):

"1. Ziff. 2 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und es sei die Beschuldigte betreffend der darin 

erwähnten Tathandlungen schuldig zu sprechen und hierfür angemessen zu bestrafen.

2. Ziff. 3 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und es sei die Beschuldigte betreffend der darin 

erwähnten Tathandlungen schuldig zu sprechen und hierfür angemessen zu bestrafen. 

3. Ziff. 6 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und es sei die Beschuldigte zu verpflichten, 

D.________ eine Genugtuung in Höhe von CHF 300.- zu entrichten.

4. Ziff. 7 des erstinstanzlichen Urteilsspruchs sei aufzuheben und es sei die Beschuldigte zu verpflichten, 

B.________ eine Genugtuung in Höhe von CHF 250.- zu entrichten.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Beschuldigten aufzuerlegen."

Mit der Durchführung des schriftlichen Berufungsverfahrens erklärten sich die Privatkläger 
einverstanden.

9. Die Verfahrensleitung eröffnete mit Präsidialverfügung vom 2. November 2023 der Staats-
anwaltschaft und der Beschuldigten die Anschlussberufung der Privatkläger und setzte die-
sen Frist, um allenfalls Nichteintreten zu beantragen (OG GD 7). Die Staatsanwaltschaft ver-
zichtete auf Nicheintretensanträge (OG GD 8) und die Beschuldigte liess sich innert Frist 
nicht vernehmen.

10. Mit Beschluss und Präsidialverfügung vom 13. Dezember 2023 wurde das schriftliche Beru-
fungsverfahren angeordnet und der Beschuldigten sowie den Privatklägern Frist gesetzt, um 
ihre Berufung bzw. Anschlussberufung schriftlich zu begründen (OG GD 10).

11. Die Verteidigung reichte am 12. Februar 2024 die Berufungsbegründung ein (OG GD 15). 
Am 16. Februar 2024 reichte der Rechtsbeistand der Privatkläger die Begründung der An-
schlussberufung ein (OG GD 16). 

12. Mit Präsidialverfügung vom 26. Februar 2024 wurden die Begründungen der Berufung bzw. 
Anschlussberufung den jeweils anderen Parteien eröffnet und Frist angesetzt, um eine (An-
schluss)Berufungsantwort einzureichen (OG GD 17). 

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13. Die Verteidigung reichte am 26. März 2024 und der Rechtsbeistand der Privatkläger am 
12. April 2024 (innert erstreckter Frist) ihre (Anschluss)Berufungsantworten ein (OG GD 18-
20).

14. Diese Eingaben wurden den Parteien am 16. April 2024 zugestellt. Sie wurde informiert, dass 
kein zweiter Schriftenwechsel stattfindet, und aufgefordert, ihre Honorarnoten einzureichen 
(OG GD 21).

15. Die Verteidigung reichte am 22. April 2024 ihre Honorarnote ein (OG GD 22). Mit Schreiben 
vom 29. April 2024 teilte der Rechtsbeistand der Privatkläger mit, dass er auf die Geltendma-
chung einer Parteientschädigung verzichte (OG GD 23). 

Erwägungen

I. Formelles

1. Die in Art. 399 StPO für die Einlegung der Berufung vorgesehenen zwei Parteihandlungen 
(Berufungsanmeldung innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils und Berufungserklärung 
innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils) erfolgten von der Verteidigung 
fristgerecht. Auch die Anschlussberufung wurde fristgerecht erhoben. Nichteintretensgründe 
wurden nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. Auf die Berufung der Beschul-
digten und die Anschlussberufung der Privatkläger ist einzutreten. 

2.
2.1 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-

rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen, 
Bemessung der Strafe etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 
überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der Grund-
satz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung durch 
das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte werden, un-
ter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO, rechtskräftig. Eine spätere Ausdehnung der Be-
rufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu umfassend Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 1.3 m.H.).

2.2 Die Beschuldigte beantragt die Aufhebung der Dispositivziffern 4., 5. und 8. des vorinstanzli-
chen Urteils. Indem sie eine höhere Entschädigung für ihre Aufwendungen für die erbetene 
Verteidigung verlangt, richtet sich ihre Berufung auch gegen Dispositivziffer 9. des vor-
instanzlichen Urteils. Die Privatkläger fechten die Dispositivziffern 2., 3., 6. und 7. des vor-
instanzlichen Urteils an. Über die Kostenfolgen des erstinstanzlichen Urteils ist überdies von 
Amtes wegen zu entscheiden (Art. 428 Abs. 3 StPO). In Rechtkraft erwachsen ist somit ein-
zig Dispositivziffer 1., was im Urteilsspruch vorab deklaratorisch festzustellen ist. 

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3. Nachdem die Privatkläger Anschlussberufung erhoben haben, darf das vorinstanzliche Urteil 
auch zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden. 

4.
4.1 Gegenstand des Berufungsverfahren ist der Vorwurf der wiederholten Tätlichkeiten gemäss 

Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB. Dies wird mit Busse bestraft und stellt somit eine 
Übertretung dar. 

4.2 Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, 
so kann mit Berufung nur geltend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die 
Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverlet-
zung. Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 
StPO). Offensichtlich unrichtig ist eine Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willkürlich ist. Das 
Gericht kann die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz somit nur auf Willkür und damit nur 
mit beschränkter Kognition prüfen. Es ist mit anderen Worten an den vorinstanzlich festge-
stellten Sachverhalt gebunden, soweit es diesen nicht als willkürlich beurteilt (vgl. dazu auch 
Urteil des Bundesgerichts 6B_152/2017 vom 20. April 2017 E. 1.1 m.H.). Was der Täter 
wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sogenannte innere Tatsachen und ist somit Tatfrage 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_641/2021 vom 30. März 2022 E. 1.3). 

4.3 Willkür liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid bzw. die vorinstanzliche Beweiswürdi-
gung offensichtlich unhaltbar ist, d.h. wenn die Behörde in ihrem Entscheid von Tatsachen 
ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen, oder wenn der 
Entscheid auf einem offenkundigen Fehler beruht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung 
ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt für die Annahme von Willkür 
nicht (BGE 145 IV 154 E. 1.1; 143 IV 500 E. 1.1; 143 IV 241 E. 2.3.1 je m.H.). 

4.4 Weiter können Fehler bei der Anwendung des anwendbaren materiellen oder formellen 
Rechts geltend gemacht werden. Gerügt werden können sodann Überschreitungen und 
Missbrauch des Ermessens sowie Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, nicht aber 
blosse Unangemessenheit (Schmid/Jositsch, Handbuch StPO, 3. A. 2017, N 1538).

4.5 Neue Behauptungen und Beweise können in diesem Verfahren nicht vorgebracht werden. 
Neu im Sinne dieser Bestimmung sind Tatsachen und Beweise, die im erstinstanzlichen Ver-
fahren nicht vorgebracht wurden. Nicht darunter fallen demgegenüber Beweise, die bean-
tragt, erstinstanzlich jedoch abgewiesen oder gar nicht geprüft wurden. Der Berufungskläger 
kann im Berufungsverfahren namentlich rügen, die erstinstanzlich angebotenen Beweise sei-
en in antizipierter Beweiswürdigung willkürlich nicht abgenommen oder abgewiesen worden. 
Desgleichen kann auch der Berufungsgegner seine erstinstanzlichen Beweisanträge im Be-
rufungsverfahren erneuern. Die Berufungsinstanz entscheidet also aufgrund der bereits vor 
erster Instanz vorgebrachten Behauptungen und der bestehenden Beweisgrundlage. Hat die 
erste Instanz Beweise willkürlich nicht abgenommen, kann die Berufungsinstanz den Ent-
scheid nur aufheben und muss den Fall zur Beweisabnahme und neuer Entscheidung an die 
Vorinstanz zurückweisen (Eugster, Basler Kommentar, 3. A. 2023, Art. 398 StPO N 6 m.H.). 

5. Gemäss Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO kann bei einer Berufung, bei der Übertretungen Gegen-
stand des erstinstanzlichen Urteils bilden und nicht ein Schuldspruch wegen eines Verbre-
chens oder Vergehens beantragt wird, das schriftliche Berufungsverfahren durchgeführt wer-

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den. Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger stimmten der schriftlichen Durchführung 
des Berufungsverfahrens zu. Die Beschuldigte wünschte eine Berufungsverhandlung. Es gab 
vorliegend keinen Grund, welcher gegen die schriftliche Durchführung des Berufungsverfah-
rens sprechen würde. Die Kognition des Gerichts ist von Gesetzes wegen eingeschränkt und 
Beweisabnahmen, so auch eine Befragung der Beschuldigten, sind ausgeschlossen. Das 
Gericht erachtet sich daher in der Lage, in der vorliegenden Angelegenheit auch ohne Ver-
handlung angemessen zu entscheiden. 

6. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdi-
gung des Anklagesachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der 
Vorinstanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet. Ein Verweis erscheint bei nicht streitigen 
Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beigepflich-
tet wird (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Der schlichte Verweis auf die Begründung der Vorinstanz 
gemäss dieser Bestimmung ist indes unzulässig, wenn gerade diese Begründung als unzu-
treffend gerügt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2018 vom 31. Oktober 2018 E. 1). 
Falls das Gericht nachfolgend in diesem Sinne von der Verweisungsmöglichkeit Gebrauch 
macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

II. Verwertbarkeit der Beweise

1. Die Vorinstanz beurteilte die "Spontanäusserung" von B.________ am 6. Juni 2021 gegenü-
ber der Polizei als nicht verwertbar. Als Folge sei auch die Einvernahme der Beschuldigten 
vom 8. Juli 2021 unverwertbar, da sie dabei mit der Spontanäusserung konfrontiert worden 
sei. Weiter seien auch die Aktennotizen der Anhörungen von D.________ und B.________ 
im Zivilverfahren nicht (zu Lasten der Beschuldigten) verwertbar (OG GD 1 E. I.3.2-3.3). 

2. Die Privatkläger rügen diese Beurteilung als rechtsfehlerhaft. 

2.1 Die Unverwertbarkeit der Spontanäusserung von B.________ habe die Vorinstanz damit be-
gründet, dass sie nach der Anzeigeerstattung erfolgt sei, womit der Gegenstand des Straf-
verfahrens bereits festgestanden habe. Zudem habe sich B.________ nicht von sich aus an 
die Polizei gewandt. Dieser Begründung könne – so die Privatklägervertretung – nicht gefolgt 
werden, da keine förmliche Anzeigeerstattung, sondern lediglich eine Meldung erfolgt sei, 
was auch die Vorinstanz eingestehe, womit nicht festgestanden habe, ob ein Strafverfahren 
überhaupt eröffnet werde. Der Gegenstand des Strafverfahrens sei somit nicht bekannt ge-
wesen und habe ein informelles Gespräch der Polizei mit den Anwesenden erforderlich ge-
macht. Sodann gehe aus dem Polizeirapport nicht hervor, dass sich B.________ nicht von 
sich aus an den Polizisten gewandt habe (OG GD 16 Ziff. 1-2). 

2.2 Die Aktennotizen der Anhörungen habe die Vorinstanz als unverwertbar beurteilt, weil sie nur 
von der Protokollführerin, nicht aber von den Einvernommenen unterzeichnet worden seien. 
In Zivilverfahren erhobene Beweismittel könnten im Strafverfahren aber nur nicht verwertet 
werden, wenn dadurch insbesondere die Verteidigungsrechte der Beschuldigten einge-
schränkt würden, was vorliegend nicht der Fall sei. Die Beschuldigte habe die Aktennotizen 

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gekannt und die Gelegenheit gehabt, die Privatkläger bei deren Einvernahme mit den darin 
enthaltenen Aussagen zu konfrontieren (OG GD 16 Ziff. 3-4). 

3. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur Protokollierung von Einvernahmen und zur 
Durchführung von informellen Gesprächen zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen wer-
den (OG GD 1 E. I.3.1.1 ff.). Entgegen der Ansicht des Rechtsbeistands der Privatkläger ist 
es für die Beurteilung der Verwertbarkeit der "Spontanäusserung" von B.________ irrelevant, 
ob zuvor eine förmliche Anzeigeerstattung oder nur eine Meldung bei der Polizei erfolgte. 
Entscheidend ist, welche Informationen die Polizei erhielt. Gemäss dem Polizeirapport vom 
12. Juli 2021 teilte L.________ der Polizei bei ihrem Anruf mit, B.________ werde täglich von 
seiner Mutter geschlagen, er halte sich jetzt bei ihr [L.________] auf und wolle nicht mehr 
nach Hause gehen (act. 1/1 S. 4). Sodann hatten die Polizisten nach ihrem Eintreffen vor Ort 
von L.________ offenbar weitere Informationen im Rahmen eines informellen Gesprächs er-
halten, wie dem Einvernahmeprotokoll vom Tag darauf zu entnehmen ist. Denn der einver-
nehmende Polizist befragte L.________ zu ihrer Aussage vom Vortag ihm gegenüber, wo-
nach B.________ und D.________ von ihrer Mutter geschlagen würden (act. 2/1 Frage 9). 
Auch dürfte M.________ im Rahmen eines informellen Gesprächs Angaben gemacht haben. 
Somit bestand aufgrund der erhaltenen Informationen bereits ein Verdacht auf (wiederholte) 
Tätlichkeiten durch die Mutter (die Beschuldigte) zum Nachteil von B.________, als das Ge-
spräch mit ihm durchgeführt wurde. Es ist – entgegen der Privatklägervertretung – nicht er-
kennbar, inwiefern es erforderlich war, in einem informellen Gespräch mit B.________ zuerst 
die Tatbeteiligten zu eruieren oder den möglichen Gegenstand des Strafverfahrens abzu-
klären. Dies war bereits klar. Eine informelle Befragung von B.________ war daher nicht 
zulässig; es hätte eine förmliche Befragung stattfinden können und müssen. Folglich hat die 
Vorinstanz zu Recht die "Spontanäusserungen" von B.________ und die Aussagen der Be-
schuldigten auf die entsprechenden Vorhalte bei der Einvernahme vom 8. Juli 2021 als un-
verwertbar beurteilt. 

4.
4.1 Gemäss Art. 194 Abs. 1 StPO ziehen die Staatsanwaltschaft und die Gerichte Akten anderer 

Verfahren bei, wenn dies für den Nachweis des Sachverhalts oder die Beurteilung der be-
schuldigten Person erforderlich ist. Die Strafbehörden können somit Akten aus konnexen Zi-
vilverfahren beziehen. Die StPO regelt jedoch nicht, unter welchen Voraussetzungen Bewei-
se, die in einem konnexen Zivilverfahren (oder Verwaltungsverfahren) erhoben wurden, im 
Strafverfahren verwertet werden dürfen. Nach Auffassung von Gless können Beweismittel, 
die in einem Zivilprozess erhoben wurden, zum Beweis eines Sachverhaltsumstandes im 
Strafverfahren nur verwertet werden, wenn sie unter dem Strafprozessrecht entsprechenden 
Bedingungen erhoben wurden, wenn also etwa Parteirechte, insb. die Verteidigungsrechte 
des Beschuldigten, gewahrt wurden. Es sei jedoch jeder Einzelfall zu betrachten (Gless, Bas-
ler Kommentar, 3. A. 2023, Art. 139 StPO N 47). Gemäss Schmid/Jositsch ist die Verwert-
barkeit tendenziell zu bejahen, wenn das betreffende Beweismittel einerseits im Einklang mit 
dem anwendbaren Zivilverfahrensrecht, anderseits aber auf eine Weise erhoben wurde, wel-
che die bei der Beweiserhebung wesentlichen Grundsätze der StPO (insbesondere Teilnah-
me- und Fragerechte, Hinweis auf Aussageverweigerungsrechte) beachtet. Die Ergebnisse 
der Befragung eines Kindes im Scheidungsverfahren der Eltern könnten daher gegen diese 
strafprozessual nur verwertet werden, wenn das Kind auf sein Aussageverweigerungsrecht 
aufmerksam gemacht wurde (Schmid/Jositsch, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis-

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kommentar, 4. A. 2023, Art. 139 StPO N 2; gl.M. Morreillon/Parein-Reymond, Petit 
Commentaire, Code de procédure pénale, 2. A. 2016, Art. 139 StPO N 3).

4.2 Die Aktennotiz der Anhörungen von D.________ und B.________ vom 14. Oktober 2020 vor 
dem Kantonsgericht Zug enthält keine die Beschuldigte belastenden Aussagen (act. 5/1/2). 
Es kann daher offenbleiben, ob diese zu Lasten der Beschuldigten verwertbar ist. Zu Guns-
ten der Beschuldigten ist die Aktennotiz auf jeden Fall verwertbar. 

4.3 Bei der Anhörung vom 17. November 2021 vor dem Kantonsgericht Zug machte B.________ 
hingegen teilweise belastende Aussagen. Er sagte aus, die Beschuldigte habe ihn geschla-
gen, wobei er indessen weder die konkrete Situation, die Heftigkeit der Schläge, den von den 
Schlägen getroffene Körperteil noch den Zeitraum bezeichnete (act. 8/8/1). Aus dem Proto-
koll geht nicht hervor, dass B.________ von der zuständigen Zivilrichterin auf sein Aussage-
verweigerungsrecht hingewiesen wurde, wie dies bei der früheren Anhörung der Fall war. 
Dieser Umstand führt aber vorliegend nicht zur Unverwertbarkeit, da sich der anwaltschaftlich 
vertretene B.________, in dessen Interesse seine Aussagen erfolgten, im Nachhinein nicht 
auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen hat und auch in der Einvernahme vom 9. August 
2022 erneut Aussagen machte (Art. 177 Abs. 3 StPO). Die Protokollierungsvorschriften nach 
Art. 76 ff. StPO mussten ferner bei der Befragung vom 17. November 2021 nicht eingehalten 
werden, denn es handelte sich nicht um eine Beweisabnahme in einem Strafverfahren. 
Gleichfalls findet Art. 147 StPO in einem Zivilverfahren keine Anwendung und den Strafver-
folgungsbehörden kann nicht der Vorwurf gemacht werden, sie hätten die Teilnahmerechte 
der Beschuldigten verletzt. Eine Problematik betreffend Selbstbelastungszwang bzw. von 
"improper compulsion" gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK, welche bspw. in einem Verwaltungsver-
fahren, in welchem die beschuldigte Person mit prozessualem Druck zur Aussage gezwun-
gen wird, bestehen könnte (vgl. BGE 140 II 384 E. 3), liegt vorliegend offenkundig nicht vor. 
Das Konfrontationsrecht gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK wurde ferner gewahrt, zumal der 
Beschuldigten und ihrer Verteidigerin das Recht zugestanden wurde, an der Einvernahme 
vom 9. August 2022 Fragen an die Privatkläger zu stellen. Dass B.________ sich weigerte, 
allfällige Fragen der Beschuldigten zu beantworten, kann nicht zu einer Verletzung des Kon-
frontationsanspruchs führen. Wie die Privatkläger zu Recht geltend machen, wäre das Proto-
koll der Anhörung vom 17. November 2021 somit strafprozessual als eine aus einem Zivilver-
fahren beigezogene Beweisurkunde verwertbar und unterlag der freien richterlichen Beweis-
würdigung nach Art. 10 Abs. 2 StPO. Die Frage, inwiefern das Protokoll die Aussagen von 
B.________ korrekt und vollständig wiedergab und ob diese glaubhaft waren, wären von der 
Vorinstanz im Rahmen der freien richterlichen Beweiswürdigung, mit der gebotenen Vorsicht 
und Zurückhaltung, zu prüfen gewesen. Auswirkungen auf das vorliegende Verfahren hat 
diese Schlussfolgerung indessen nicht. B.________ behauptete am 17. November 2021 ein-
zig, dass er von der Beschuldigten geschlagen worden sei. Dies deckt sich dabei sowohl mit 
den Aussagen der Beschuldigten, welche teilweise Schläge mit der offenen Hand zugestand 
("Klapf"; "Fuditätsch"), wie auch den Annahmen der Vorinstanz, welche auf diese Aussagen 
abstellte. Das Protokoll vom 17. November 2021 enthielt damit Aussagen von B.________, 
deren Inhalt bereits bewiesen waren und damit unerheblich sind. Hätte die Vorinstanz die 
Aussagen vom 17. November 2021 berücksichtigt, würde dies mithin nicht zu einer anderen 
Sachverhaltsfeststellung führen, zumal auch hier eine Beeinflussung nicht auszuschliessen 
ist. Von einer Rückweisung an die Vorinstanz zur erneuten Sachverhaltsfeststellung kann un-

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ter dieser Prämisse abgesehen werden, da dies zu einem prozessualen Leerlauf führen wür-
de (vgl. E. II.2.4.6). 

II. Schuldpunkt

1. Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass die Beschuldigte D.________ mit der flachen 
Hand mehrmals gegen den Oberschenkel und den Arm geschlagen, mehrmals an den Haa-
ren gezogen und am Arm gepackt (und alsdann die Treppe hochgezogen) hat. Weiter hielt 
sie es für bewiesen, dass die Beschuldigte B.________ mehrmals mit der flachen Hand ge-
gen den Oberschenkel, den Arm sowie den Rücken geschlagen sowie mehrmals an den 
Haaren gezogen und am Arm gepackt hat. Die Beschuldigte habe dies stets mit der Absicht 
getan, die Privatkläger bei ihren heftigen Streitigkeiten voneinander zu trennen. Der (unver-
jährte) Tatzeitraum vom 10. August 2020 bis Ende August 2021 (D.________) bzw. 10. Au-
gust 2020 bis Anfang Juni 2021 (B.________) sei unbestritten. Die körperlichen Einwirkun-
gen durch die Beschuldigte seien sodann regelmässig, mindestens einmal im Monat, erfolgt. 
Nicht erstellt sei hingegen das mehrfache Schlagen ins Gesicht, das Schlagen mit einem 
Esslöffel und mit einem anderen Gegenstand sowie das mehrfache Kneifen zum Nachteil von 
D.________ und das mehrfache Schlagen ins Gesicht, das mehrfache Treten gegen den 
Bauch und das mehrfache Kneifen zum Nachteil von B.________ (OG GD 1 E. II.2.6). 

2. Rügen der Beschuldigten

2.1
2.1.1 Die Beschuldigte bringt zunächst vor, die Vorinstanz hätte nicht auf die Aussagen der Privat-

kläger abstellen bzw. diese nicht berücksichtigen dürfen, da eine Fremdsuggestion bestehe. 
Die Vorinstanz habe damit einen groben methodischen Fehler bei der Aussageanalyse be-
gangen. Sie halte fest, dass eine Beeinflussung der Privatkläger nicht auszuschliessen sei, 
weshalb auf ihre Aussagen nur insofern abgestellt werden könne, als sie sich mit den nach-
vollziehbaren und glaubhaften Eingeständnissen der Beschuldigten decken oder hiervon nur 
unwesentlich abweichen würden. Trotzdem stelle die Vorinstanz bei ganz entscheidenden 
Punkten auf die Aussagen der Privatkläger ab, und zwar alles andere als "unwesentlich". 
Das vorinstanzliche Urteil sei daher rechtsfehlerhaft und willkürlich (OG GD 15 Ziff. 6 ff.).

2.1.2 Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass eine direkte Beeinflussung der Privatkläger im Sinne 
einer Verleitung zu bewussten Übertreibungen oder aber gegebenenfalls einer Fremdsug-
gestion und damit einer Entstehung von (aggravierten) Scheinerinnerungen, nicht ausge-
schlossen werden könne. Auf ihre Aussagen könne "in dubio pro reo" nur insofern abgestellt 
werden, als sie sich mit den nachvollziehbaren und glaubhaften Eingeständnissen der Be-
schuldigten decken oder hiervon nur unwesentlich abweichen würden (OG GD 1 
E. II.2.5.6.5). 

2.1.3 Zu Recht schloss die Vorinstanz eine Beeinflussung der Privatkläger bzw. gar eine Fremd-
suggestion nicht aus. Es gibt zahlreiche klare Indizien dafür. Es wird vorab auf die zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz hierzu verwiesen (OG GD 1 E. II.2.5.6.1 ff.). Ergänzend ist 
zu den Vorbringen der Verteidigung und der Privatklägervertretung Folgendes anzufügen:

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2.1.4 Entgegen der Argumentation der Privatklägervertretung in ihrer Berufungsantwort (OG GD 
20 Ziff. 3-5) folgt aus dem Umstand, wonach D.________ und B.________ spontan von sich 
aus ihren Vater bzw. dessen Lebenspartnerin über die Übergriffe informiert haben sollen, 
nicht, dass keine Beeinflussung ihrer Aussagen erfolgte. Wie aus dem E-Mail von 
M.________ vom 20. Mai 2021 hervorgeht, äusserte D.________ – zu einem unbekannten 
Zeitpunkt – gegenüber seinem Vater, er werde zu Hause in N.________ [mithin bei der Be-
schuldigten] u.a. geschlagen, was B.________ bestätigt habe (act. 2/2/1, E-Mail vom 20. Mai 
2021). Auffallend ist dabei, dass B.________ bei dieser Gelegenheit (offenbar) von keinen 
Tätlichkeiten gegen ihn sprach, obwohl gemäss seinen späteren Aussagen die Tätlichkeiten 
in diesem Zeitraum bereits seit langem vorgekommen sein sollen. Indem B.________ nur 
Tätlichkeiten gegen seinen Bruder D.________ bestätigte, verneinte er offenbar solche ge-
gen sich. Es ist nicht ersichtlich, weshalb B.________ Tätlichkeiten zu seinem Nachteil hätte 
verschweigen sollen. Bei der Anhörung vom 14. Oktober 2020 durch den zuständigen Kan-
tonsrichter im Zivilverfahren erwähnten weder D.________ noch B.________ irgendwelche 
Tätlichkeiten seitens der Beschuldigten. Dass sie nachher auf einmal entsprechende Vorwür-
fe erhoben, kann angesichts des offensichtlichen gravierenden familiären Konflikts auf eine 
Beeinflussung hindeuten. Daran ändert auch nichts, dass die Privatklägervertretung vor-
bringt, die Privatkläger hätten damals bei der Anhörung im Zivilverfahren aufgrund einer An-
weisung der Beschuldigten entsprechend ausgesagt. Sie beruft sich dabei auf eine Aussage 
von D.________ an der Einvernahme vom 9. August 2022 (SE GD 12/1 S. 19 Ziff. 160), fast 
ein Jahr nach seinem Auszug bei der Beschuldigten. Darauf kann aber nicht abgestellt wer-
den, da auch diese Aussage möglicherweise aufgrund von Beeinflussung entstanden ist. 
Auch beim Gespräch mit dem Beistand O.________ vom 27. Mai 2021 sprachen die Privat-
kläger nicht von physischer Gewalt (SE GD 15/5/5 S. 2). Die Erklärung ihres Rechtsbei-
stands, dass sie aus Angst vor einer Fremdplatzierung ihrem Beistand von den Gewalttätig-
keiten nicht berichtet hätten (OG GD 20 Ziff. 15), überzeugt nicht, zumal nicht erstellt ist, 
dass die Privatkläger von einer möglichen Absicht zur Fremdplatzierung wussten. 

2.1.5 Die Verteidigung macht sodann zu Recht geltend (OG GD 15 Ziff. 6.2 erstes Lemma), dass 
die Aussage, wonach die Tätlichkeiten genau nach dem Auszug des Vaters begonnen hät-
ten, ein Indiz für eine falsche Anschuldigung sein kann. Es trifft zwar zu, dass die Beschul-
digte nach dem Auszug des Vaters der Privatkläger mit der Situation überfordert hätte sein 
können, was zu den Tätlichkeiten hätte führen können, zumal der Vater keine Schutzmass-
nahmen für die Kinder hätte treffen können, wie es die Privatklägervertretung vorbringt 
(OG GD 20 Ziff. 9). Da aber angesichts der Gesamtumstände des Falles beides nicht ausge-
schlossen werden kann, ist auf die für Beschuldigte günstigere Hypothese abzustellen. 

2.1.6 Auf die weiteren Vorbringen der Verteidigung und der Privatklägervertretung braucht nicht 
mehr eingegangen werden. Denn nur schon aufgrund der vorstehenden Ausführungen ist die 
Schlussfolgerung der Vorinstanz zu bestätigen.

2.1.7 Entgegen der Ansicht der Verteidigung führt die mögliche Beeinflussung aber nicht dazu, 
dass die Aussagen der Privatkläger absolut nicht berücksichtigt werden können, d.h. faktisch 
unverwertbar sind. Vielmehr unterliegen die Aussagen der freien Beweiswürdigung, wobei 
die nicht auszuschliessende Beeinflussung beim Beweiswert zu berücksichtigen ist. Genau 
dies hat die Vorinstanz gemacht, indem sie die Aussagen der Privatkläger nur insofern als 

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glaubhaft beurteilte, als sie sich mit den Eingeständnissen der Beschuldigten decken oder 
hiervon nur unwesentlich abweichen. 

2.2 Die Vorinstanz führte zutreffend aus, dass die Beschuldigte eingestanden habe, ihre beiden 
Söhne mehrfach an den Haaren gezogen zu haben, um sie bei Streitigkeiten zu trennen. Zu-
dem habe sie sie mehrfach am Arm gepackt und die Treppe hinauf- und dann in ihr Zimmer 
befördert und ihnen "mal einen Klapf" bzw. "Füditätsch" gegeben (act. 2/6 Fragen 8-10, 15, 
17, 20, 21-22; SE GD 15/1 S. 5-7). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass es die Vorinstanz 
als erwiesen erachtete, die Beschuldigte habe die Privatkläger mehrfach an den Haaren ge-
zogen und mehrfach am Arm gepackt und die Treppe hinauf und dann ins Zimmer befördert. 
Dies wird im Berufungsverfahren auch nicht bestritten. Näher zu prüfen ist jedoch, ob die 
Vorinstanz auch die Schläge auf den Arm, den Oberschenkel sowie den Rücken zu Recht als 
erstellt ansah. Weiter wird auch zu überprüfen sein, in welcher Regelmässigkeit diese körper-
lichen Einwirkungen erfolgten. 

2.3 Zu den Schlägen auf den Arm, den Oberschenkel sowie den Rücken hielt die Vorinstanz fest, 
die Aussagen der Privatkläger würden diesbezüglich übereinstimmen, die Beschuldigte habe 
einen "Klapf" bzw. "Füditätsch" zugegeben und die Einwirkungsintensität der Schläge sei mit 
einem "Füditätsch" vergleichbar. Deshalb sei nicht ersichtlich, aus welchem Grund die Pri-
vatkläger in diesem Punkt gelogen haben sollen (OG GD 1 E. II.2.6.2 f.). Diese Feststellung 
ist nach Ansicht der Verteidigung willkürlich, da sie einzig auf den Aussagen der Privatkläger 
basiere, auf die nicht abgestellt werden dürfe (OG GD 15 Ziff. 8.4). Wie bereits erwähnt, führt 
die (mögliche) Beeinflussung der Privatkläger nicht dazu, dass ihre Aussagen absolut unbe-
achtlich bleiben müssen. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz basiert zudem – entgegen der 
Ausführung der Verteidigung – nicht einzig auf den Aussagen der Privatkläger, sondern auch 
auf den Einlassungen der Beschuldigten, worin sie eingestand, den Privatklägern einen 
"Klapf" bzw. "Füditätsch" gegeben zu haben. Es erweist sich nicht als unhaltbar aufgrund der 
vergleichbaren Eingriffsintensität eines "Füditätsch" mit einem Schlag auf den Arm, Ober-
schenkel oder Rücken zu schliessen, es habe für die Privatkläger keinen Grund gegeben zu 
lügen, zumal sowohl der "Füditätsch" als auch die angeklagten Schläge im Rahmen einer 
Streitintervention denkbar sind. Aus der Aussage der Beschuldigten an der vorinstanzlichen 
Verhandlung ist zudem zu schliessen, dass sie einen "Füditätsch" eher im Sinne eines Bei-
spiels für einen "Klapf" nannte (SE GD 15/1 S. 6). Deshalb ist nicht auszuschliessen, dass 
der "Klapf" auch mal ein anderes Körperteil betroffen hat. Die entsprechenden Schlussfolge-
rungen der Vorinstanz sind damit nicht willkürlich. 

2.4
2.4.1 Die Vorinstanz kam sodann zum Schluss, dass diese körperlichen Einwirkungen (am Arm 

packen, an den Haaren ziehen, schlagen auf Arm, Oberschenkel und Rücken) zwar gegebe-
nenfalls nicht wöchentlich, jedoch regelmässig, und zwar mindestens einmal im Monat statt-
gefunden hätten. Sie begründete dies zusammengefasst damit, dass die familiäre Situation 
in der fraglichen Zeit sehr problembehaftet gewesen sei. Die Beschuldigte habe sodann aus-
gesagt, die Privatkläger hätten oft heftig gestritten. Daher sei lebensnah davon auszugehen, 
dass die Privatkläger viel gestritten hätten und die Beschuldigte nervlich sehr angespannt 
und überfordert gewesen sei, was sich auf ihre Reaktionen und damit auf ihre körperlichen 
Einwirkungen bei diesen Streitigkeiten ausgewirkt haben werde (OG GD 1 E. II.2.6.4 zweiter 
Absatz). 

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2.4.2 Die Verteidigung wirft der Vorinstanz vor, sich lediglich auf Vermutungen abzustützen, wes-
halb die Beweiswürdigung rechtsfehlerhaft und willkürlich sei. Es treffe zwar zu, dass sich die 
Kinder in einem ernsthaften Loyalitätskonflikt befunden hätten und es deswegen zu schwieri-
gen Situationen gekommen sei, in denen die Beschuldigte im Frühling 2021 den Kindern ge-
genüber teilweise laut geworden sei. Die vorgeworfenen Tätlichkeiten liessen sich dadurch 
aber weder in ihrer Art noch ihrer Dauer und Häufigkeit nachweisen. Die von der Beschuldig-
ten eingestandenen physischen Einwirkungen zwecks Streitschlichtung seien sehr selten 
vorgekommen. Die vorinstanzliche Feststellung von regelmässigen, mindestens einmal pro 
Monat erfolgten, körperlichen Einwirkungen sei daher nicht haltbar (OG GD 15 Ziff. 7, 8, 8.1). 

2.4.3 Dem Sachgericht wird bei der Würdigung der Beweise ein weiter Beurteilungsspielraum zu-
erkannt. Es hat die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 
Überzeugung zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Die Überzeugung des Sachrichters muss 
von den mitgeteilten Beweistatsachen getragen werden. Entfernen sich die Sachverhaltsfest-
stellungen so weit von einer festen Beweisgrundlage, dass es sich nur noch um – wenn auch 
naheliegende – Vermutungen oder einen blossen Verdacht handelt, erweist sich die Beweis-
würdigung als rechtsfehlerhaft. Bleiben bei der Auswertung der Beweise Unsicherheiten haf-
ten oder lässt das Beweisergebnis verschiedene Deutungen bzw. Sachverhaltsalternativen 
zu, so ergibt sich aus dem Grundsatz "in dubio pro reo", nach welcher Entscheidregel zu ver-
fahren ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1081/2018 vom 10. September 2019 E. 2.2 m.w.H.).

2.4.4 Die Beschuldigte hat ausgesagt, die Privatkläger hätten oft heftig gestritten (SE GD 15/1 
S. 8). Weiter gab sie an, die Privatkläger an den Haaren gezogen und am Arm gepackt und 
die Treppe hoch ins Zimmer gezogen zu haben, um sie zu trennen (SE GD 15/1 S. 5-7; act. 
2/6 Fragen 6 ff.). In der Berufungsbegründung führte die Verteidigung sodann aus, im Früh-
ling 2021 sei es zu schwierigen Situationen gekommen, in denen die Beschuldigte den Kin-
dern gegenüber teilweise laut geworden sei (OG GD 15 Ziff. 7). Schliesslich ist unbestritten, 
dass eine sehr konfliktbehaftete Familiensituation bestand. Da die Privatkläger grossmehr-
heitlich bei der Beschuldigten waren, ist davon auszugehen, dass die Streitigkeiten zwischen 
Ersteren regelmässig eine Intervention der Beschuldigten erforderten. Angesichts dieser 
Umstände ist es im Ergebnis nicht willkürlich, dass die Vorinstanz von regelmässigen bzw. 
von mehr als nur seltenen körperlichen Einwirkungen der Beschuldigten auf die Privatkläger 
ausging, auch wenn die Beschuldigte aussagte, ihre körperlichen Interventionen seien nicht 
so häufig bzw. sehr selten erfolgt (SE GD 15/1 S. 7). Denn zu berücksichtigen ist, dass die 
Beschuldigte ein Interesse hat, Geschehnisse in einem für sie günstigeren Licht darzustellen. 
Auch kann berücksichtigt werden, dass die Privatkläger von deutlich geringeren Abständen 
sprachen, als einmal pro Monat (bspw. SE GD 12/1 Ziff. 89, 99), und es sich bei der entspre-
chenden Einschätzung folglich um eine notwendige Annahme handelte, welche zu Gunsten 
der Beschuldigten getätigt wurde. Entgegen der Ansicht der Verteidigung basierte diese 
Schlussfolgerung schliesslich auch nicht auf einer reinen Vermutung bzw. einem blossen 
Verdacht, sondern stützte sich namentlich auf die Aussagen der Beschuldigten und die Fest-
stellungen über die Familiensituation. 

2.4.5 Wie soeben gezeigt, erachtete die Vorinstanz in willkürfreier Weise die Regelmässigkeit bzw. 
Nicht-Seltenheit der körperlichen Einwirkungen als erwiesen. Es gilt nun zu konkretisieren, 
was darunter zu verstehen ist. Die Beschuldigte bestritt, dass die körperlichen Einwirkungen 

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wöchentlich erfolgten, wie es die Privatkläger schilderten. Die vorinstanzliche Annahme, sie 
seien einmal pro Monat erfolgt, erweist sich ebenfalls im Ergebnis als nicht willkürlich. Diese 
Feststellung ist notwendig, um namentlich die Anzahl der Handlungen, welche u.a. für die 
Subsumtion und die Strafzumessung mitunter relevant ist, zu quantifizieren. Da die Privatklä-
ger oft heftig stritten, sie die meiste Zeit bei der Beschuldigten waren und eine äusserst an-
gespannte Familiensituation bestand, ist der Schluss der Vorinstanz, dass es einmal im Mo-
nat zu einem solchen Vorfall kam, nicht unhaltbar. Eine gewisse Schematisierung ist hier 
notwendig und zulässig. Es kann nicht erwartet werden, dass Geschädigte in solchen Fällen 
präzise Aufzeichnungen (z.B. Tagebücher) führen, um die einzelnen Vorfälle später entspre-
chend schildern zu können. 

2.4.6 Wie soeben bestätigt, musste die Beschuldigte einmal pro Monat bei einem Streit der Privat-
kläger physisch dazwischen gehen. Aus den vorinstanzlichen Feststellungen ergibt sich nicht 
ob die Beschuldigte bei jeder Streitintervention jeweils alle drei Handlungsvarianten, d.h. 
(1.) Schlagen, (2.) "An-den-Haaren-ziehen" und (3.) "am-Arm-packen", anwendete. Dass die 
Vorinstanz diesbezüglich keine Ausführungen gemacht hat, ist nicht zu beanstanden, da es 
für ihre rechtliche Würdigung nicht relevant war. Wie noch zu zeigen sein wird (vgl. E. II.4), 
ist diese Frage nun aufgrund einer abweichenden rechtlichen Würdigung relevant. Auf eine 
Rückweisung an die Vorinstanz gemäss Art. 409 StPO zur entsprechenden Sachverhalts-
feststellung kann verzichtet werden. Da eine solche Feststellung – wie erwähnt – für die vor-
instanzliche Subsumtion nicht erforderlich war, kann darin kein wesentlicher Rechtsfehler ge-
sehen werden. Auch wenn das Berufungsgericht vorliegend bei Tatfragen über eine einge-
schränkte Kognition verfügt, kann hier eine ergänzende Sachverhaltsfeststellung erfolgen. 
Bejaht das Berufungsgericht Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung, kann es den Sachver-
halt neu feststellen (und allfällige [punktuelle] Beweisergänzungen selber vornehmen; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_362/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 8.4.2). Wenn das Berufungsge-
richt eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung korrigieren kann, muss es auch eine punktuel-
le ergänzende Sachverhaltsfeststellung treffen können, wenn dies durch die Vorinstanz un-
terlassen wurde. Hinzu kommt, dass es gerade bei Bagatellfällen (Übertretungen) nicht ge-
rechtfertigt erscheint, durch eine Rückweisung zusätzlichen Aufwand zu verursachen (Zim-
merlin, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung, 3. A. 2020, Art. 409 StPO N 8). Folglich ist durch das Gericht eine er-
gänzende Sachverhaltsfeststellung vorzunehmen. 

2.4.7 Dass die Beschuldigte bei jeder Intervention alle drei Handlungsvarianten (d.h. Schlagen; An-
den-Haaren-ziehen und am-Arm-packen) angewandt hat, geht weder aus der Anklageschrift 
noch aus den Aussagen der Privatkläger und der Beschuldigten hervor. Zumindest in dubio 
pro reo ist daher davon auszugehen, dass die Beschuldigte nicht immer alle drei "Mittel" er-
griff, sondern manchmal die Privatkläger am Arm packte, um sie zu trennen, sie manchmal 
an den Haaren zog und sie manchmal mit der offenen Hand schlug. Dies ist jedenfalls aus ih-
ren Aussagen zu schliessen. Anderes erscheint auch wenig plausibel. Es kann jedoch nicht 
genau gesagt werden, welches "Mittel" die Beschuldigte wie oft anwendete. Die Privatkläger 
sagten nicht konkret aus, welche Handlungen wie oft erfolgten. Auch wenn ihre Aussagen 
primär auf die Schläge fokussieren, kann daraus nicht geschlossen werden, dass dies auch 
die häufigsten Handlungen der Beschuldigten waren. Denn die Schläge sind zweifellos die 
schwersten Handgreiflichkeiten, weshalb es nachvollziehbar ist, dass die Privatkläger den 
Schwerpunkt darauf legten, insbesondere weil sie beeinflusst worden sein könnten. In dubio 

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pro reo muss daher davon ausgegangen werden, dass die Beschuldigte meistens das "mil-
deste Mittel", das Am-Arm-packen, angewandt hat und die anderen Handlungen nur verein-
zelt erfolgten, wie sie es insofern auch ausgesagt hat. 

3. Rügen der Privatkläger

3.1 Die Privatkläger rügen, die Vorinstanz habe betreffend die erfolgten Freisprüche die Beweise 
offensichtlich unrichtig gewürdigt. 

3.1.1 Betreffend des Schlagens mit einem Esslöffel und des Kneifens zum Nachteil von 
D.________ sei die Vorinstanz zum Schluss gekommen, es sei nicht erstellt, dass dies im 
"nichtverjährten" Zeitraum geschehen sei. D.________ habe glaubhaft ausgesagt – so sein 
Rechtsbeistand –, dass die Übergriffe angedauert hätten, solange er bei der Beschuldigten 
gewohnt habe. Es sei kaum vorstellbar, dass er sich an ganz spezifische Übergriffe erinnern 
und den Löffel erlebnisfundiert und realistisch beschreiben könne, wenn es nicht im "nicht-
verjährten" Zeitraum stattgefunden habe, zumal auch B.________ ausgesagt habe, er habe 
gesehen, wie sein Bruder mit einem Gegenstand geschlagen worden sei. Den Freispruch 
vom Vorwurf des mehrfachen Schlagens ins Gesicht habe die Vorinstanz sodann damit be-
gründet, dass die Beschuldigte dies bestritten habe. Es sei nicht einzusehen, weshalb dem 
blossen Bestreiten der Beschuldigten mehr Glauben geschenkt werde als den realitätsnahen 
Aussagen von D.________ (OG GD 16 Ziff. 5-6). 

3.1.2 Bei den Freisprüchen von den Tatvorwürfen zum Nachteil von B.________ habe die Vor-
instanz erwogen, es sei aufgrund der in zeitlicher Hinsicht vagen Angaben von B.________ 
nicht erwiesen, dass das Kratzen (Kneifen) im "nichtverjährten" Zeitraum erfolgt sei. 
B.________ habe – so sein Rechtsbeistand – nicht nur glaubhaft ausgesagt, dass er geknif-
fen worden sei, sondern habe dies auch an seinem Arm plastisch und erlebnisfundiert vorge-
zeigt. Es sei auch hier nicht vorstellbar, dass er sich an diese Übergriffe dermassen an-
schaulich hätte erinnern können, wenn diese im "verjährten" Zeitraum und damit über zwei-
einhalb Jahre vor der Einvernahme stattgefunden hätten. Den Freispruch betreffend mehrfa-
ches Treten gegen den Bauch und mehrfaches Schlagen gegen das Gesicht habe die Vor-
instanz sodann primär damit begründet, dass die Beschuldigte dies bestritten habe. Auch 
hier sei nicht einzusehen, weshalb das Bestreiten glaubhafter sein soll als die Aussagen von 
B.________, zumal beide Privatkläger mehrfach glaubhaft ausgesagt hätten, die Beschuldig-
te habe ihnen ins Gesicht geschlagen. Die Aussagen würden sich mithin decken. Die Vor-
instanz habe schliesslich festgehalten, dass keine Hinweise auf Absprachen zwischen den 
Privatklägern ersichtlich seien. Indem sie gleichwohl einseitig auf die Aussagen der Beschul-
digten abstelle, nehme sie eine offensichtlich unrichtige Beweiswürdigung vor (OG GD 16 
Ziff. 7-8). 

3.2 Die Rügen der Privatkläger sind unbegründet. Die Vorinstanz hat bekanntlich – zu Recht – 
nur auf die Aussagen der Privatkläger abgestellt, sofern sie sich mit jenen der Beschuldigten 
deckten bzw. nur unwesentlich davon abwichen. Wie ausgeführt kann eine Beeinflussung der 
Privatkläger nicht ausgeschlossen werden. Es ist daher möglich, dass die Privatkläger auf-
grund der Beeinflussung diese Handgreiflichkeiten erlebnisfundiert schildern konnten, obwohl 
sie im "verjährten" Zeitraum geschahen. Es ist daher nicht als willkürlich zu beanstanden, 
dass die Vorinstanz diesbezüglich nicht auf deren Aussagen abgestellt hat. 

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4. Rechtliche Würdigung

4.1 Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zutreffend dargelegt. Darauf kann verwiesen 
werden (OG GD 1 E. II.3.1). Ergänzend ist Folgendes anzufügen: Wer handelt, wie es das 
Gesetz gebietet oder erlaubt, verhält sich rechtmässig (Art. 14 StGB). Wird jemand ohne 
Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene und je-
der andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise abzuweh-
ren (Art. 15 StGB). Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr nach Art. 15, so 
mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Die Bestimmungen zur Notwehr und zur 
Notwehrhilfe finden auch bei Übertretungen Anwendung (Art. 104 StGB). 

4.2 Ob das Packen am Arm vorliegend als Tätlichkeit zu qualifizieren ist, kann offenbleiben. Die 
Beschuldigte könnte dafür ohnehin nicht schuldig gesprochen werden. Denn es muss davon 
ausgegangen werden, dass die Beschuldigte mit dieser Handlung eine unmittelbare Gefahr 
für die Privatkläger abwehrte. Gemäss den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz erfolg-
te die körperliche Intervention der Beschuldigten zur Streitschlichtung zwischen den Privat-
klägern. Die Beschuldigte sagte aus, sie habe eingreifen müssen, da es für die Privatkläger 
gefährlich geworden sei, weil sie sich gegenseitig geschlagen und getreten hätten; das sei 
ganz schlimm gewesen (vgl. act. 2/6 Ziff. 9; SE GD 15/1 S. 7). Indem die Beschuldigte die 
Privatkläger am Arm packte, trennte und auf ihr Zimmer verbrachte, wehrte sie die Gefahr für 
deren körperliche Integrität in angemessener Weise ab, da ihre mündlichen Aufforderungen 
keine Wirkung zeigten (act. 2/6 Ziff. 21). Sie setzte dabei eine Tätlichkeit ein, um unmittelbar 
drohende Tätlichkeiten zu verhindern. Ihr Eingriff war mithin proportional. Auch wären keine 
milderen Mittel ersichtlich. Ihre Handlung wäre daher durch Notwehrhilfe gemäss Art. 15 
StGB gerechtfertigt. 

4.3 Die Vorinstanz hat das Schlagen mit der flachen Hand auf den Oberkörper, Arm und Rücken 
sowie das An-den-Haaren-Ziehen zurecht als Tätlichkeiten qualifiziert. Sie tat dies vor dem 
erstellten kontextualen Hintergrund, dass die Privatkläger sich heftig stritten und die Be-
schuldigte diese trennen wollte, damit sie sich nicht weh taten. Folglich kann sich die Be-
schuldigte auch in diesen Konstellationen grundsätzlich auf die Notwehrhilfe gemäss Art. 15 
StGB berufen. Erneut setzte sie eine Tätlichkeit ein, um unmittelbar den Privatklägern dro-
hende, gegenseitige Tätlichkeiten abzuwehren, weswegen ihr Mitteleinsatz grundsätzlich 
proportional war. Die Beschuldigte sagte aus, dass sie die Privatkläger an den Haaren gezo-
gen habe, damit sie erschrecken und mit ihren gegenseitigen Angriffen aufhörten (SE GD 
15/1 S. 7). Es mag sein, dass die Beschuldigte als obhutsberechtigter Elternteil situativ da-
von ausging, dass ein Ziehen an den Haaren der Privatkläger notwendig ist. Allerdings ist 
das An-den-Haaren-Ziehen gravierender als das Packen am Arm, weshalb eine Trennung 
der Privatkläger, indem einem von ihnen an den Haaren gezogen wird, nicht verhältnismäs-
sig ist. Es besteht mit dem Am-Arm-Packen ein geeignetes und milderes Mittel, was der Be-
schuldigten auch bekannt war, zumal sie dieses teilweise anwandte. Folglich ist die Not-
wehrhilfe exzessiv im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB. Gleiches gilt auch für die Schläge mit 
der flachen Hand auf den Oberschenkel, auf den Arm oder auf den Rücken. Das Schlagen 
bezweckte einerseits nach den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz die Trennung und 
Fernhaltung der im heftigen Streit liegenden Privatkläger, hatte indessen aber bereits schon 
zumindest teilweise den Charakter einer Bestrafung. Grundsätzlich kann sich die Beschuldig-
te auch bei diesen Tathandlungen auf die Notwehrhilfe berufen, diese ist indessen als deut-

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lich exzessiv im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB zu beurteilen, da es wie dargelegt angemes-
sen gewesen wäre, die streitenden Privatkläger zu trennen und zum eigenen Wohl vonein-
ander fernzuhalten, indem einer von ihnen kräftig und zielgerichtet am Arm gepackt und auf 
das Zimmer gebracht würde.  

4.4 Die rechtliche Einordnung der Einzelhandlungen führt dazu, dass ein Teil der Tathandlungen, 
welche die Vorinstanz als erstellt erachtete (d.h. Packen am Arm), als straflose Notwehrhilfe 
nach Art. 15 StGB beurteilt werden müssen. Ein weiterer Teil der Tathandlungen (Ziehen an 
den Haaren) muss als exzessiv eingestuft werden, d.h. die Beschuldigte handelte grundsätz-
lich mit der Absicht der Notwehrhilfe, überschritt dabei jedoch die Grenzen des Zulässigen. 
Bei einem weiteren Teil (Schläge mit flacher Hand) handelte die Beschuldigte zumindest zum 
Teil mit der Absicht der Notwehrhilfe, überschritt die Grenzen des Zulässigen hingegen deut-
lich. Bei den letzten beiden Kategorien handelte die Beschuldigte mithin zwar tatbestands-
mässig, indessen aber nur im Rahmen eines (nicht gemäss Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldba-
ren) Notwehrhilfeexzesses. Da zumindest ein Teil der Tathandlungen straflos war, lässt sich 
die Schlussfolgerung der Vorinstanz, die Beschuldigte habe regelmässig einmal pro Monat 
eine Tätlichkeit begangen, nicht mehr aufrechterhalten. Wie dargelegt, muss in Ergänzung 
des Urteils der Vorinstanz davon ausgegangen werden, dass effektiv nur ein kleinerer Teil 
der willkürfrei festgestellten Tathandlungen strafbar war.  

4.5 Es kann dabei offenbleiben, ob die mehreren Tätlichkeiten der Beschuldigten zum Nachteil 
der Privatkläger bereits eine genügende Mehrzahl Einzeldelikte ausmachen, um als wieder-
holt im Sinne von Art. 126 Abs. 2 StGB zu gelten. Denn der dahinterstehende Rechtsbegriff 
bestimmt sich nicht nur aufgrund der Anzahl der Tathandlungen, sondern auch aufgrund der 
konkreten Tatumstände und des damit verfolgten Zweckes. Bereits die Materialien zur neuen 
Gesetzesbestimmung sprachen von gewohnheitsmässigen, systematischen und zahlreichen 
Schlägen zum Nachteil von Personen unter Obhut, bei welchen die neue Bestimmung An-
wendung finden solle. Zweck ist in erster Linie der Schutz von Kindern vor Misshandlung. Die 
Bestimmung ersetzt teilweise den aArt. 134 StGB, welcher die Misshandlung und Vernach-
lässigung eines Kindes unter Strafe stellte (Botschaft über die Änderung des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes [Strafbare Handlungen gegen Leib 
und Leben, gegen die Sittlichkeit und gegen die Familie] vom 26. Juni 1985, BBl 1985 II 1009 
ff., 1032; vgl. Roth/Keshelava, Basler Kommentar, 4. A. 2019, Art. 126 StGB N 9). Entspre-
chend führte auch das Bundesgericht aus, dass die Amtsverfolgung nach Art. 126 Abs. 2 
lit. a StGB erst dann einsetzen soll, wenn die körperliche Züchtigung der Kinder entweder er-
niedrigend ist oder derart regelmässig geschehe, dass sie auf einen Erziehungsstil hinweise, 
der die Ausübung physischer Gewalt zur Methode mache (BGE 129 IV 216 E. 2 und 3). Im 
Zentrum der Bestimmung von Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB steht mithin das Kindeswohl, dessen 
Verletzung in bestimmten Fällen dazu führen soll, private Vorgänge innerhalb einer Familie 
von Amtes wegen und ohne Strafantrag der Eltern zu verfolgen. Es ist das Kindeswohl, wel-
ches den staatlichen Eingriff in die Autonomie der Familie, die gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK 
grundsätzlich vor staatlicher Intervention geschützt werden soll, letztlich rechtfertigt. 

4.6 Im vorliegenden Fall stehen die teilweise übermässigen Eingriffe der Beschuldigten gemäss 
den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz im Zusammenhang mit der Besorgnis der 
Beschuldigten über die heftigen Streitereien der Privatkläger und der Möglichkeit, dass sie 
sich dabei gegenseitig durch Tritte oder Schläge verletzten. Die anlassbezogenen Interventi-

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onen der Beschuldigten dienten mithin jeweils der Abwehr einer Gefahr durch den eskalie-
renden Streit für die Privatkläger selber. Es geht damit vorliegend nicht um ein erzieheri-
sches Züchtigungsrecht, welches auf systematischen körperlichen Disziplinierungen beruht. 
Es geht auch nicht um aus Gründen der Erniedrigung ausgeübte Handlungen. Verfahrensge-
genständlich sind vereinzelte anlassbezogene Tätlichkeiten, welche zwar zur Trennung der 
streitenden Privatkläger geboten, in ihrer Ausführung aber exzessiv waren. Die Beschuldigte 
hatte dabei eine Obhutspflicht, welche sie wahrnehmen musste, d.h. sie war verpflichtet, die 
Streitereien zwischen den Kindern zu schlichten und zu schauen, dass ihnen durch die hefti-
gen Streitereien kein Schaden entstand. Dass sie dies teilweise in Überschreitung des 
Zulässigen exzessiv tat, kann nicht zu einer Strafverfolgung von Amtes wegen im Sinne von 
Art. 126 Abs. 2 StGB führen. Die entsprechende Motivationslage der Beschuldigten ent-
spricht nicht den Absichten, welche der Gesetzgeber bei Art. 126 Abs. 2 StGB im Auge hatte. 
Der Tatbestand von Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB ist damit nicht erfüllt. 

4.7 Ein möglicher Schuldspruch wegen mehrfachen Tätlichkeiten i.S.v. Art. 126 Abs. 1 StGB ist 
nicht näher zu prüfen. Ein solcher kann mangels Strafantrags, welcher der Vater der Privat-
kläger für die Privatkläger trotz Hinweis der Polizei auf die Strafantragsfrist nicht einreichte 
(vgl. act. 1/1 S. 5), nicht erfolgen. 

4.8 Gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO bzw. Art. 329 Abs. 1 lit. b und Abs. 4 StPO ist ein gültiger 
Strafantrag eine Prozessvoraussetzung, deren Fehlen zu einer Einstellung des Verfahrens 
führt, weil ein Urteil definitiv nicht mehr ergehen kann. Auf den ersten Blick handelt es sich 
bei Art. 126 Abs. 2 StGB um eine prozessuale Erleichterung, welche einfach festhält, dass in 
bestimmten Konstellationen bei mehrfachen Tätlichkeiten nach Art. 126 Abs. 1 StGB kein 
Strafantrag für einen Schuldspruch notwendig ist. Diese Auffassung greift indessen zu kurz. 
Obwohl Art. 126 Abs. 2 StGB keine höhere Sanktion vorsieht und die mehrfache Tatbege-
hung auch eine Voraussetzung für die Anwendung von Art. 126 Abs. 2 StGB ist, muss den-
noch von einer gegenüber der mehrfachen Tatbegehung nach Art. 126 Abs. 1 StGB ei-
genständigen, qualifizierten Strafnorm ausgegangen werden. Denn wie dargelegt, kann zu-
mindest im Fall von Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB eine mehrfache Tätlichkeit allein nicht ausrei-
chen. Ausserdem beruht Art. 126 Abs. 2 StGB historisch zumindest teilweise auf dem frühe-
ren Tatbestand der Kindesmisshandlung nach aArt. 134 StGB (BBl 1985 II 1032; 
Roth/Keshelava, a.a.O., Art. 126 StGB N 7), was ebenfalls für einen qualifizierten Tatbestand 
spricht. Ferner ist Art. 126 Abs. 2 StGB ein Sonderdelikt, welches im Gegensatz zur mehrfa-
chen Tatbegehung nach Art. 126 Abs. 1 StGB nur von einer bestimmten Personengruppe 
begangen werden kann. Daraus folgt, dass die qualifizierte Tatbegehung nach Art. 126 
Abs. 2 lit. a StGB jeweils separat zu einer mehrfachen Tatbegehung nach Art. 126 Abs. 1 
StGB materiell geprüft werden muss. Folglich hat ein Freispruch der Beschuldigten, und nicht 
eine formelle Einstellung mangels Strafantrags, zu ergehen. 

IV. Zivilklage

1. Betreffend die Zivilforderungen der Privatkläger kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die 
Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung nach Art. 47 OR nicht gegeben sei-
en, da es nur zu Tätlichkeiten gekommen sei. Im Ergebnis seien auch die Voraussetzungen 
von Art. 49 OR nicht erfüllt, da nicht erwiesen sei, dass die Privatkläger erhebliche psychi-
sche Beeinträchtigungen erlitten hätten (OG GD 1 E. II.2.2). 

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2. Die Privatkläger rügen, die Vorinstanz habe zu Unrecht angenommen, bei Tätlichkeiten seien 
die Voraussetzungen von Art. 47 OR nicht gegeben. Körperverletzungen i.S.v. Art. 47 OR 
seien in einem umfassenderen Sinn zu verstehen. Einen Genugtuungsanspruch nach Art. 49 
OR habe die Vorinstanz verneint, weil es weder erstellt sei noch der allgemeinen Lebenser-
fahrung entspreche, dass die Tätlichkeiten dermassen gravierend gewesen seien, damit die 
Privatkläger erhebliche psychische Beeinträchtigungen erlitten hätten. Von Kindern im Alter 
der Privatkläger könne – so deren Rechtsbeistand – nicht verlangt werden, psychische Be-
einträchtigungen und damit innere Vorgänge in extenso zu umschreiben. Es müsse daher 
ausreichen, dass D.________ glaubhaft ausgesagt habe, er habe regelrecht Angst gehabt, 
die Beschuldigte drehe komplett durch und schlage ihn spitalreif. Zu beachten sei, dass 
D.________ in dieser Zeit immer wieder geäussert habe, sein Leben sei nicht lebenswert. 
Auch bei B.________ sei aufgrund der langen Dauer der Übergriffe und der allgemeinen Le-
benserfahrung eine nicht unerhebliche psychische Beeinträchtigung und damit ein Genugtu-
ungsanspruch zu bejahen (OG GD 16 Ziff. 9-10). 

3. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Anspruch auf Genugtuung grundsätzlich 
zutreffend dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden kann (OG GD 1 E. IV.2.1). Die Fra-
ge, ob bei Tätlichkeiten die Voraussetzungen von Art. 47 OR gegeben sind, verneinte die 
Vorinstanz mit Verweis auf das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich SB190003 vom 
28. Mai 2019. Das zitierte Urteil enthält keine Begründung zu dieser Frage. Landolt hält fest, 
es sei umstritten, ob Tätlichkeiten genugtuungsbegründet seien und die Abgrenzung, wann 
eine Körper- und wann eine Persönlichkeitsverletzung vorliege, d.h. wann Art. 47 und wann 
Art. 49 OR anwendbar sei, sei letztlich nicht klar und werde von den Gerichten mitunter wi-
dersprüchlich vorgenommen (Landolt, in: Hütte/Landolt [Hrsg.], Genugtuungsrecht, Grundla-
gen zur Bestimmung der Genugtuung, Band 2, Genugtuung bei Körperverletzungen, 2013, 
N 222, 225; Landolt, Genugtuungsrecht, Systematische Gesamtdarstellung und Kasuistik, 
2. A. 2021, N 288). Die Frage wird mithin vom Einzelfall abhängen, insb. auch von den kon-
kreten Folgen der Tatausführung auf die geschädigte Person, deren innere seelische Unbill 
der Genugtuungsanspruch aufwiegen soll. Diese Fragestellung ist vorliegend indessen nicht 
weiter zu elaborieren, da ein Genugtuungsanspruch ohnehin zu verneinen ist. 

4. In Würdigung der gesamten Umstände rechtfertigt es sich nicht, den Privatklägern eine Ge-
nugtuung zuzusprechen. Erstellt sind von den vorgeworfenen Handlungen lediglich das Pa-
cken am Arm, das Schlagen mit der flachen Hand auf den Oberschenkel, Arm und Rücken 
sowie das An-den-Haaren-Ziehen. Die Handlungen erfolgten, um die Privatkläger bei ihren 
Streitigkeiten zu trennen. Die Beschuldigte wollte damit verhindern, dass sie sich gegenseitig 
verletzen. Das Packen am Arm ist durch Notwehrhilfe gerechtfertigt, sofern es eine Tätlich-
keit darstellt. Das An-den-Haaren-Ziehen erfolgt lediglich vereinzelt wie auch die Schläge. 
Gewohnheitsmässige oder sogar systematische Gewalt der Beschuldigten in der Erziehung 
ist nicht erstellt. Die Aussage von D.________, er habe regelrecht Angst gehabt, die Be-
schuldigte drehe komplett durch und schlage ihn spitalreif, ist sodann – entgegen der Ansicht 
seines Rechtsbeistands – nicht glaubhaft. Angesichts des erstellten Sachverhalts ist vielmehr 
von einer Aggravation auszugehen, wie es die Vorinstanz zu Recht angenommen hat. Wie 
die Verteidigung sodann grundsätzlich zu Recht vorbringt, kann die Äusserung von 
D.________, dass sein Leben nicht mehr lebenswert sei, auch auf einen massiven Loya-
litätskonflikt bzw. allgemein auf die äusserst schwierige familiäre Situation zurückzuführen 

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sein. Die Zivilklagen der Privatkläger sind daher in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 
abzuweisen. 

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Kosten des Vor- und des Hauptverfahrens

1.1 Die Verlegung der Kosten im Strafprozess richtet sich nach dem Grundsatz, wonach Kosten 
zu tragen hat, wer sie verursacht. Gemäss Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO trägt die beschuldigte 
Person die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Wird das Verfahren eingestellt oder 
die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teil-
weise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens 
bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). 

1.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verstösst eine Kostenauflage bei Freispruch 
oder Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung (Art. 10 Abs. 1 StPO, 
Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK), wenn der beschuldigten Person in der Begrün-
dung des Kostenentscheids direkt oder indirekt vorgeworfen wird, es treffe sie ein strafrecht-
liches Verschulden. Damit käme die Kostenauflage einer Verdachtsstrafe gleich. Dagegen ist 
es mit Verfassung und Konvention vereinbar, einer nicht verurteilten beschuldigten Person 
die Kosten zu überbinden, wenn sie in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise, d.h. im Sinne einer 
analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grundsätze, eine geschriebene 
oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die sich aus der Gesamtheit der schweizerischen 
Rechtsordnung ergeben kann, klar verletzt und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder 
dessen Durchführung erschwert hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_287/2021 vom 11. No-
vember 2021 E. 1.2.3). Die Verfahrenskosten müssen mit dem zivilrechtlich vorwerfbaren 
Verhalten in einem adäquat-kausalen Zusammenhang stehen. In tatsächlicher Hinsicht darf 
sich die Kostenauflage nur auf unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände 
stützen.

1.3 Die Vorinstanz nahm gestützt auf Art. 417 StPO 30 % der Verfahrenskosten auf die Staats-
kasse, da die Staatsanwaltschaft für einen Teil der Vorwürfe die Strafuntersuchung gar nicht 
hätte an die Hand nehmen dürfen, da sie verjährt waren (OG GD 1 E. V.2.1.1 f.). Dies ist zu 
bestätigen. 

1.4 Die restlichen 70 % der Verfahrenskosten auferlegte die Vorinstanz der Beschuldigten. Im 
Umfang der Schuldsprüche stützte sie den Kostenentscheid auf Art. 426 Abs. 1 StPO. Betref-
fend die Freisprüche und einen Teil der Einstellung begründete die Vorinstanz die Kosten-
auferlegung mit einem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten der Beschuldigten (Art. 426 
Abs. 2 StPO) bzw. mit nicht ausscheidbaren Kosten (OG GD 1 E. V.2.1.3-2.1.5). Da die Be-
schuldigte vorliegend vollumfänglich freigesprochen wird (soweit das Verfahren nicht bereits 
rechtskräftig eingestellt wurde), kann sich eine Kostenauferlegung nur auf Art. 426 Abs. 2 
StPO stützen. 

1.5 Insoweit das Verfahren wegen des Eintritts der Verjährung eingestellt wurde, kann der Be-
schuldigten kein zivilrechtlich vorwerfbares Verhalten angelastet werden. Wie die Verteidi-
gung zu Recht vorbringt (OG GD 15 Ziff. 10.2), liegt diesbezüglich kein unbestrittener oder 

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klar nachgewiesener Sachverhalt vor. Denn dieser Zeitraum wurde gar nicht beurteilt. Zu be-
urteilen ist somit, ob im "nicht-verjährten" Zeitraum ein klares Fehlverhalten der Beschuldig-
ten vorliegt, das kausal die Einleitung des Strafverfahrens verursacht hat. Bezüglich der 
bestätigten vorinstanzlichen Freisprüche scheidet eine Kostenauferlegung aus, da die ent-
sprechenden Sachverhalte nicht erstellt sind. Soweit die Vorwürfe das Packen am Arm be-
treffen, kann der Beschuldigten zivilrechtlich nichts vorgeworfen werden. Denn ihr Verhalten 
ist gerechtfertigt. Bezüglich der mehreren erstellten Schläge und des An-den-Haaren-
Ziehens besteht hingegen eine Persönlichkeitsverletzung; eine Rechtfertigung ist nicht gege-
ben. Dieses rechtswidrige und schuldhafte Verhalten der Beschuldigten machte es notwen-
dig, zu beurteilen, ob diesbezüglich der Tatbestand von Art. 126 Abs. 2 lit. a StGB erfüllt 
wurde. Sie hat mithin das Strafverfahren kausal verursacht. Die Voraussetzungen von Art. 
426 Abs. 2 StPO sind diesbezüglich erfüllt. Eine Ausscheidung der Kosten je Tatvorwurf ist 
nicht möglich. Ermessensweise sind angesichts des Beurteilungsaufwands 50 % der Kosten 
den vorgeworfenen Schlägen und dem An-den-Haaren-Ziehen zuzurechnen und der Be-
schuldigten aufzuerlegen. Der Restbetrag ist auf die Staatskasse zu nehmen. 

2. Entschädigungsfolgen des Vor- und Hauptverfahrens

2.1 Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Verfahren 
gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO Anspruch auf Entschädigung 
ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte (lit. a), Entschä-
digung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafver-
fahren entstanden sind (lit. b) Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persön-
lichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (lit. c). Die Strafbehörde kann die Ent-
schädigung oder Genugtuung gemäss Art. 430 Abs. 1 StPO herabsetzen oder verweigern, 
wenn die beschuldigte Person rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens be-
wirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (lit. a), die Privatklägerschaft die beschuldigte 
Person zu entschädigen hat (lit. b) oder die Aufwendungen der beschuldigten Person gering-
fügig sind (lit. c). 

2.2 Da die Beschuldigte teilweise (nur) kostenpflichtig ist, hat sie Anspruch auf eine teilweise 
Entschädigung. Die Entschädigung folgt vorliegend dem Kostenspruch. Der Beizug einer 
Verteidigerin bzw. eines Verteidigers war in casu angemessen. Auch wenn es "nur" um eine 
Übertretung ging, waren es für die Beschuldigte schwerwiegende Vorwürfe. Im Verfahren 
ging es sodann primär um die Aussagewürdigung und es bestand damit eine gewisse Kom-
plexität. 

2.2.1 Im Vorverfahren wurde die Beschuldigte zunächst von Rechtsanwältin P.________ (8. Juli 
2021 bis 27. Juni 2022; act. 9/1, 9/4) und anschliessend von Rechtsanwältin Q.________ 
(10. August 2022 bis 8. Februar 2023; act. 9/5, 9/11) erbeten verteidigt. Die Beschuldigte 
macht dafür eine pauschale Entschädigung von CHF 2'000.00 geltend (SE GD 15/4 S. 12). 
Da keine spezifizierte Aufstellung über die anwaltliche Tätigkeit vorliegt, ist die Entschädi-
gung nach Ermessen festzusetzen (§ 15 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 3 AnwT). Die geltend ge-
machte Entschädigung von CHF 2'000.00 erscheint angesichts des Aufwands angemessen. 
Aufgrund der hälftigen Kostenauferlegung ist die Entschädigung entsprechend zu kürzen 
(Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO). Gemäss Art. 429 Abs. 3 StPO steht die Entschädigung (neu) der 
erbetenen Verteidigung zu; unter Vorbehalt der Abrechnung mit der Klientschaft. Die Ent-

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schädigung ist daher je hälftig, d.h. jeweils im Betrag von CHF 500.00, Rechtsanwältin 
P.________ und Rechtsanwältin Q.________ zuzusprechen. 

2.2.2 Im erstinstanzlichen Hauptverfahren wurde die Beschuldigte von Rechtsanwalt K.________ 
erbeten verteidigt. Seine diesbezügliche Honorarrechnung beläuft sich auf CHF 6'670.00 (SE 
GD 15/4/1). Zu berücksichtigen ist, dass Rechtsanwalt K.________ erst nach Anklageerhe-
bung mandatiert worden ist, er somit noch nicht mit dem Prozessstoff vertraut war und damit 
ein höherer Aufwand für die Vorbereitung der Hauptverhandlung gerechtfertigt ist. Der gel-
tend gemacht Aufwand ist daher gesamthaft angemessen. Aufgrund der hälftigen Kostenauf-
erlegung ist die Entschädigung entsprechend zu kürzen (Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO) und 
Rechtsanwalt K.________ mit CHF 3'335.00 zu entschädigen.

3. Kosten des Berufungsverfahrens

3.1 Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien grundsätzlich nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens. Erwirkt eine Partei, die ein Rechtsmittel ergriffen hat, einen 
für sie günstigeren Entscheid, so können ihr die Verfahrenskosten trotzdem auferlegt wer-
den, wenn die Voraussetzungen für das Obsiegen erst im Rechtsmittelverfahren geschaffen 
worden sind oder der angefochtene Entscheid nur unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 
Abs. 1 und 2 StPO). Ob eine Partei als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in 
welchem Ausmass ihre vor Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden. Er-
wirkt eine Partei, die ein Rechtsmittel ergriffen hat, einen für sie günstigeren Entscheid, so 
können ihr die Verfahrenskosten auferlegt werden, wenn der angefochtene Entscheid nur 
unwesentlich abgeändert wird (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). 

3.2 Die Gerichtsgebühr des Berufungsverfahrens ist auf CHF 2'000.00 festzulegen (§§ 24 Abs. 1 
und 23 Abs. 1 der Verordnung über die Kosten in der Zivil- und Strafrechtspflege [Kostenver-
ordnung Obergericht], KoV OG; BGS 161.7). Die Beschuldigte obsiegt vollumfänglich und die 
Privatkläger unterliegen. Die Staatsanwaltschaft stellte keine Anträge. Die Kosten sind daher 
vollumfänglich den Privatklägern je zur Hälfte aufzuerlegen. Da sie gemeinsam prozessiert 
haben, ist auf solidarische Haftbarkeit zu erkennen (Art. 418 Abs. 2 StPO). 

4. Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens

4.1 Die Entschädigung richtet sich nach den Bestimmungen des Untersuchungsverfahrens und 
des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens (Art. 436 Abs. 1 StPO). Die obsiegende beschuldig-
te Person hat gegenüber der Privatklägerschaft nach Art. 432 Abs. 1 StPO einen Anspruch 
auf angemessene Entschädigung für die durch die Anträge zum Zivilpunkt verursachten Auf-
wendungen. Ficht indessen einzig der Privatkläger das erstinstanzliche freisprechende Urteil 
an, dann muss dieser – in Abweichung vom Gesetzeswortlaut – bei einem Unterliegen die 
adäquaten Verteidigungskosten im Berufungsverfahren auch dann tragen, wenn es sich um 
Offizialdelikte handelt. Es kommt das allgemeine Unterliegerprinzip zu tragen (BGE 139 IV 
45 E. 1.2; BGE 147 IV 47 E. 4.2.6).

4.2 Vorliegend haben einzig die Privatkläger das Verfahren bezüglich der Freisprüche weiterge-
führt. Sie sind somit gegenüber der Beschuldigten für den Aufwand, den diese Punkte verur-
sachte, entschädigungspflichtig. Überdies sind sie dies auch betreffend die Zivilklage, da sie 

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damit unterliegen. Im übrigen Umfang ist die obsiegende Beschuldigte durch den Staat zu 
entschädigen. 

4.3 Die erbetene Verteidigung der Beschuldigten macht für das Berufungsverfahren einen Auf-
wand von CHF 4'833.10 (inkl. Auslagen und MWST) geltend (OG GD 22). Der geltend ge-
machte Aufwand ist angemessen. Der Aufwand für die einzelnen angefochtenen Punkte ist 
nicht einzeln ausgewiesen. Aufgrund des Umfangs der Äusserungen der Verteidigung zu den 
einzelnen Punkten ist ermessensweise festzusetzen, dass ein Viertel des Aufwands die an-
gefochtenen Freisprüche und die Zivilklage betraf und drei Viertel die übrigen Punkte. Ent-
sprechend haben die Privatkläger die Beschuldigte mit je CHF 604.15 (je ein Achtel) zu ent-
schädigen. Der Staat hat eine Entschädigung von CHF 3'624.80 (drei Viertel) auszurichten. 
Gemäss Art. 429 Abs. 3 StPO steht die staatliche Entschädigung direkt dem erbetenen Ver-
teidiger zu. Die Privatkläger haben hingegen ihre Entschädigung an die Beschuldigte zu leis-
ten. Denn der Anspruch der Beschuldigten gegenüber den Privatklägern stützt sich auf 
Art. 432 StPO, welcher keine Bestimmung vorsieht, wonach der Anspruch direkt der erbete-
nen Verteidigung zusteht. 

4.4 Die Privatkläger haben aufgrund ihres vollumfänglichen Unterliegens keinen Anspruch auf 
Entschädigung.

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Urteilsspruch

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug, Einzelgericht, vom 
10. August 2023 hinsichtlich folgender Dispositivziffer in Rechtskraft erwachsen ist:

"1. Das Verfahren gegen die Beschuldigte F.________ wird hinsichtlich des Vorwurfs der mehrfachen 

Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit a StGB, begangen im Zeitraum ca. ab 2016/2017 bis 

9. August 2020 zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt."

2. Die Berufung der Beschuldigten wird gutgeheissen

3. Die Anschlussberufung der Privatkläger D.________ und B.________ wird abgewiesen.

4. Die Beschuldigte F.________ wird freigesprochen vom Vorwurf der mehrfachen wiederholten 
Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 i.V.m. Abs. 2 lit. a StGB.

5. Die Zivilklagen der Privatkläger D.________ und B.________ werden abgewiesen.

6. Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Hauptverfahrens betragen 
CHF 3'160.00 und werden zur Hälfte der Beschuldigten auferlegt. Im Restbetrag werden sie 
auf die Staatskasse genommen.

7.1 Die ehemalige erbetene Verteidigerin der Beschuldigten, Rechtsanwältin P.________, wird 
für ihre Bemühungen im Vorverfahren mit CHF 500.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der 
Staatskasse entschädigt. 

7.2 Die ehemalige erbetene Verteidigerin der Beschuldigten, Rechtsanwältin Q.________, wird 
für ihre Bemühungen im Vorverfahren mit CHF 500.00 (inkl. Auslagen und MWST) aus der 
Staatskasse entschädigt. 

7.3 Der erbetene Verteidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt K.________, wird für seine 
Bemühungen im erstinstanzlichen Hauptverfahren mit CHF 3'335.00 (inkl. Auslagen und 
MWST) aus der Staatskasse entschädigt. 

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens betragen

CHF 2'000.00Entscheidgebühr
CHF 110.00 Auslagen
CHF 2'110.00Total

und werden je zur Hälfte den Privatklägern unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt.

9.1 Der erbetene Verteidiger der Beschuldigten, Rechtsanwalt K.________, wird für seine 
Bemühungen im Berufungsverfahren mit CHF 3'624.80 (inkl. Auslagen und MWST) aus der 
Staatskasse entschädigt. 

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9.2 Der Privatkläger D.________ wird verpflichtet, die Beschuldigte für ihren Aufwand für die 
Verteidigung im Berufungsverfahren mit CHF 604.15 (inkl. Auslagen und MWST) zu ent-
schädigen. 

9.3 Der Privatkläger B.________ wird verpflichtet, die Beschuldigte für ihren Aufwand für die 
Verteidigung im Berufungsverfahren mit CHF 604.15 (inkl. Auslagen und MWST) zu ent-
schädigen. 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben wer-
den. Die Beschwerdegründe und die Beschwerdelegitimation richten sich nach den mass-
geblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes (BGG).

          Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten Ausfer-
tigung an gerechnet, schriftlich, begründet und mit bestimmten Anträgen sowie unter Beilage 
des Entscheids und der Beweismittel (vgl. Art. 42 BGG) beim Schweizerischen Bundes-
gericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

11. Mitteilung an:
- Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Assistenzstaatsanwalt A.________
- erbetene Verteidigung, Rechtsanwalt K.________ 

(zweifach, für sich und die Beschuldigte)
- Rechtsbeistand der Privatkläger, Rechtsanwalt E.________
- (ehemalige) erbetene Verteidigung, Rechtsanwältin P.________ 

(auszugsweise, Erwägung V.2.2.1 und Dispositivziffer 7.1)
- (ehemalige) erbetene Verteidigung, Rechtsanwältin Q.________ 

(auszugsweise, Erwägung V.2.2.1 und Dispositivziffer 7.2)
- Strafgericht des Kantons Zug, Einzelgericht (zur Kenntnis)
- Gerichtskasse (im Dispositiv)

sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechtsmittel 
an:
- Zuger Polizei (zur Kenntnis gemäss § 123 GOG)

Obergericht des Kantons Zug 
II. Strafabteilung

A. Sidler F. Eller
Abteilungspräsident Gerichtsschreiber

versandt am: