# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 15232c51-2ea3-5892-8eae-066a3cfe29a2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.09.2011 D-5276/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5276-2008_2011-09-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5276/2008

U r t e i l   v om   2 8 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richter Gérard Scherrer,
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren B._______,
Äthiopien,
alias A._______, geboren C._______,
Äthiopien,
vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, Rechtsberatungsstelle 
für Asyl Suchende Solothurn (Rebaso),
D._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Anerkennung als Flüchtling und Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 15. Juli 2008 / N _______.

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Sachverhalt:

A.  
A.a.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  aus  E._______  stammende 
äthiopische Staatsangehörige F._______ Ethnie mit  letztem Wohnsitz  in 
G._______,  verliess  den  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  im 
Dezember  2001  und  gelangte  über H._______,  wo  sie während  zweier 
Jahre  und  einiger  Monate  geblieben  sei,  sowie  I._______  am  15.  Juli 
2004  illegal  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags  in  J._______  ein 
Asylgesuch  einreichte  und  anschliessend  in  die  Empfangsstelle  nach 
K._______ transferiert wurde.

Zur Begründung dieses Asylgesuchs brachte die Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen  vor,  sie  habe  seit  dem  Jahre  1998  mit  G.L. 
zusammengelebt,  der  als  L._______  im  M._______  gearbeitet  habe. 
Ende  Mai  respektive  anfangs  Juni  2001  sei  dieser  nicht  mehr  von  der 
Arbeit  zurückgekehrt.  Nach  dessen  Verschwinden  sei  zunächst  ihre 
Wohnung  von  den  Sicherheitskräften  durchsucht  und  sie  in  der  Folge 
zum Aufenthaltsort  ihres Freundes  verhört worden. Anschliessend habe 
die  Polizei  sie  vorgeladen  und  während  dreier  Monate  festgehalten. 
Während  der  Haft  sei  sie  wiederholt  über  ihren  Freund  verhört  und 
gefoltert  worden.  Schliesslich  habe  die  Polizei  sie  dank  der  Hilfe  eines 
von  ihrem  Vater  beauftragten  Dritten  am  8.  September  2001  wieder 
freigelassen,  worauf  sie  sich  zunächst  in  E._______  versteckt  und 
danach nach H._______ begeben habe. Dort habe sie als N._______ bei 
einer  O._______  Familie  gearbeitet,  welche  jedoch  ihre  Identitäts­  und 
Reisedokumente  sowie  ihr  Geld  zurückbehalten  habe.  Anlässlich  einer 
Reise mit der erwähnten Familie, die sie nach  I._______ und danach  in 
die Schweiz geführt habe, sei es ihr gelungen, sich in P._______ von der 
Familie  zu  entfernen  und  in  der  Folge  ein  Asylgesuch  in  der  Schweiz 
einzureichen.

A.b. Mit  Verfügung  vom  7.  Dezember  2004  stellte  das  Bundesamt  für 
Flüchtlinge  (BFF)  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz 
und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Die gegen diese Verfügung bei 
der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  am  3.  Januar  2005 
erhobene  Beschwerde  wurde  mit  Urteil  der  ARK  vom  20.  April  2005 
abgewiesen.

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Der  Beschwerdeführerin  wurde  in  der  Folge  durch  das  BFM  mit 
Schreiben vom 27. April 2005 eine neue Frist zum Verlassen der Schweiz 
bis zum 22. Juni 2005 angesetzt.

B.  
B.a. Mit  Eingabe  vom  8.  September  2006  und  ergänzenden  Schreiben 
vom  21. September  2006  und  vom  12.  und  18.  April  2007  stellte  die 
Beschwerdeführerin  ein  zweites  Asylgesuch  und  beantragte 
wiedererwägungsweise  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft 
infolges  Vorliegens  subjektiver  Nachfluchtgründe,  die  Gewährung  von 
Asyl,  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und 
Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme. Zur Begründung ihres zweiten Asylgesuchs führte 
die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  an,  dem  eingereichten 
Bestätigungsschreiben  der  Q._______  vom  11.  August  2006  könne 
entnommen werden,  dass  sie  ein  sehr  aktives  und  exponiertes Mitglied 
der Q._______ sei. So habe sie für diese Sitzungen und Protestaktionen 
organisiert  und  an  vorderster  Front  an  Demonstrationen  gegen  die 
äthiopische  Regierung  teilgenommen.  Diese  Aktionen  hätten  ihr 
zahlreiche  Drohungen  von  offensichtlich  regierungsfreundlichen 
äthiopischen Bürgern  in der Schweiz eingebracht, um sie von  ihrem Ziel 
abzubringen. Ausserdem sei sie – wie einem Bestätigungsschreiben des 
Präsidenten des R._______ in der Schweiz entnommen werden könne – 
auch  in  dieser  Organisation  äusserst  aktiv  in  der  Organisation  von 
Protestaktionen und der Mobilisierung der äthiopischen Exilgemeinschaft 
stark  involviert.  Überdies  sei  sie  in  beiden  Organisationen 
Gebietsverantwortliche  im  Kanton  S._______.  Ihre  exilpolitischen 
Aktivitäten  hätten  bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  politische 
Verfolgung zur Folge, zumal diese in Äthiopien unter Strafe gestellt seien 
und die exilpolitischen Entwicklungen sowohl  in der Schweiz als auch  in 
Europa  von  den  äthiopischen  Behörden  sehr  aufmerksam  verfolgt 
würden.  Insbesondere würden  in  einer Weisung  vom  31.  Juli  2006  des 
äthiopischen  Aussenministeriums  die  Auslandvertretungen  Äthiopiens 
aufgefordert,  Informationen  über  sogenannte  "extreme  Elemente"  im 
Ausland  zu  sammeln  und  deren  Namen  an  die  Zentrale  in  G._______ 
weiterzuleiten. Sie sei auch weiterhin an Protestaktionen  in der Schweiz 
(so  unter  anderem  vor  dem  U._______  und  vor  der  V._______  in 
P._______ gegen das heimatliche Regime massgeblich beteiligt. Zudem 
habe  sich  ihr  Bruder  anlässlich  der Wahlen  als Wahlbeobachter  für  die 
Q._______  engagiert  und  sei  deswegen  im  Mai  2005  vorübergehend 
festgenommen worden. Aus all  diesen Gründen sei davon auszugehen, 

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dass ihr politisches Profil den äthiopischen Behörden bekannt sei und ihr 
deswegen bei einer Rückkehr nach Äthiopien politische Verfolgung drohe 
beziehungsweise  sie  begründete  Furcht  vor  künftigen  staatlichen 
Verfolgungsmassnahmen habe.

B.b.  Anlässlich  der  am  16.  März  2007  durchgeführten  Anhörung  der 
Beschwerdeführerin durch das BFM führte diese ihr bereits in schriftlicher 
Form  dargelegtes  exilpolitisches  Engagement  in  der  Schweiz  und  die 
deswegen  erhaltenen  telefonischen  Drohungen  seitens  Unbekannter 
näher  aus.  Für  die  weiteren  Ausführungen  anlässlich  dieser  Anhörung 
wird auf die Akten verwiesen und auf deren Inhalt wird, soweit wesentlich, 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Zum  Beleg  ihrer  Ausführungen  reichte  die  Beschwerdeführerin  diverse 
Beweismittel (Ausweiskopie des Bruders; Schreiben des T._______ vom 
18.  Juli  2005;  Bestätigung  R._______  vom  3. Mai  1997;  Bestätigung 
Q._______  vom  11. August  2006;  U._______  vom  31. Juli  2006; 
Bestätigung  R._______  vom  23. August  2006;  Internet­Auszüge  mit 
Fotos  von  diversen  Kundgebungen  der  R._______  in  der  Schweiz  [ins 
Internet  hochgeladen  zwischen  3.  und  8.  September  2006];  drei 
Originalfotos  und  eine  Farbkopie;  Bestätigung R._______  vom  10. April 
2008; Foto in A4­Format) zu den Akten.

C. 
Mit Verfügung vom 15. Juli 2008 – eröffnet am 18. Juli 2008 – wies das 
BFM das zweite Asylgesuch ab und ordnete gleichzeitig die Wegweisung 
der Beschwerdeführerin aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Auf die 
Erhebung  von  Gebühren  wurde  verzichtet.  Die  Vorinstanz  begründete 
ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  vorgebrachten 
subjektiven  Nachfluchtgründe  die  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998 
(AsylG, SR 142.31) nicht erfüllten, weshalb die Beschwerdeführerin nicht 
als Flüchtling anerkannt werden könne. Der Vollzug der Wegweisung sei 
als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten.

D. 
Mit Beschwerde vom 15. August 2008 beantragte die Beschwerdeführerin 
die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  der 
Unzulässigkeit  beziehungsweise  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme als 
Flüchtling. Eventualiter sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und 

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es sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 
In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von 
Art.  65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.

E. 
Mit  Eingabe  vom  18.  August  2008  wurden  die  der  Beschwerdeschrift 
versehentlich  nicht  beigelegten  Unterlagen  (2  Fotos,  welche  die 
Beschwerdeführerin gut erkennbar als Teilnehmerin einer Demonstration 
zeigten; CD betreffend Ausstrahlung einer Aufnahme durch W._______) 
nachgereicht.

F. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  22.  August  2008 
wurde  der  Beschwerdeführerin  mitgeteilt,  dass  sie  den  Ausgang  des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne.  Auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  wurde  verzichtet  und  die  Behandlung  des Gesuchs 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren 
Zeitpunkt  verwiesen.  Die  Vorinstanz  wurde  in  Anwendung  von  Art.  57 
VwVG zur Einreichung einer Stellungnahme eingeladen.

G. 
Das  BFM  hielt  in  seiner  Vernehmlassung  vom  29.  August  2008 
vollumfänglich  an  seiner  Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung 
der Beschwerde.

H. 
Mit  Eingabe  vom  1.  September  2008  reichte  die  Beschwerdeführerin 
weitere  Beweismittel  (Kopien  von  zwei  Schriftenwechseln  zwischen  der 
Rechtsvertretung und Dr. med. X._______, vom 29. August 2008 und 1. 
September  2008;  undatierter  Arztbericht  Dr.  med.  X._______)  zu  den 
Akten.

I. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  September  2008  wurde  die 
Vernehmlassung des BFM der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht 
und  sie  gleichzeitig  aufgefordert,  den  wesentlichen  Inhalt  der 
eingereichten  CD  bis  zum  30. September  2008  in  eine  Amtssprache 
übersetzen zu lassen, wobei im Unterlassungsfall das Verfahren aufgrund 
der Akten weitergeführt werde.

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J. 
Mit  Schreiben  vom  22.  September  2008  ersuchte  die  Rechtsvertretung 
das Bundesverwaltungsgericht, die CD zwecks Übersetzung direkt an die 
Beschwerdeführerin zu senden, da der Rechtsvertretung keine Kopie des 
Interviews vorliege.

K. 
Mit  Eingabe  vom  29.  September  2008  reichte  die  Beschwerdeführerin 
eine  handgeschriebene  wörtliche  Übersetzung  des  mit  ihr  geführten 
Interviews  durch W._______  zu  den Akten  und wies  gleichzeitig  darauf 
hin,  dass  es  ihr  bislang  noch  nicht  gelungen  sei,  eine  anerkannte 
Dolmetscherin mit der Übersetzung zu beauftragen. Es sei ihr deshalb die 
Eingabefrist angemessen zu verlängern.

L. 
Mit Schreiben vom 17. Oktober 2008 und vom 7. November 2008  teilte 
die  Beschwerdeführerin  mit,  dass  die  Übersetzung  noch  nicht 
eingetroffen  sei,  jedoch  bis  in  zirka  zwei Wochen  nachgereicht  werden 
könne.

M. 
Mit  Eingabe  vom  1.  Dezember  2008  legte  die  Beschwerdeführerin  die 
Übersetzung des Interviews mit W._______ ins Recht.

N. 
Mit Eingabe  vom 20. April  2009  reichte  die Beschwerdeführerin weitere 
Beweismittel  (zwei  Fotos  und  drei  Internetauszüge,  die  sie  als 
Teilnehmerin  der  Demonstration  vom  14. Januar  2009  in  P._______ 
zeigten) zu den Akten.

O. 
Mit Eingabe vom Y._______  legte die Beschwerdeführerin eine ärztliche 
Bestätigung  von  Dr.  Z._______,  betreffend  ihre  Schwangerschaft  ins 
Recht.

P. 
Mit  Eingabe  vom  24.  März  2010  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  die 
zuständige kantonale Behörde um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 
aufgrund  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  im  Sinne  von 
Art. 14 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 33 der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311).

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Q. 
Am Aa._______ brachte die Beschwerdeführerin die Tochter Bb._______ 
zur Welt.

R. 
Mit Eingabe vom 16. August 2010 reichte die Beschwerdeführerin weitere 
Beweismittel  (Bestätigung  Geburt  Tochter  Bb._______,  datierend  vom 
Cc._______;  Vollmacht  des  Kindsvaters  betreffend  Kindsanerkennung) 
zu  den  Akten.  Weiter  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  das 
Bundesverwaltungsgericht, sie dahingehend zu unterstützen, dass ihr das 
Zivilstandsamt S._______ eine Geburtsurkunde ausstelle, oder das BFM 
anzuweisen, diese Unterstützung zu leisten.

S. 
Mit  Schreiben  vom  18.  August  2010  teilte  der  Instruktionsrichter  der 
Beschwerdeführerin  mit,  dass  dem  Bundesverwaltungsgericht  keine 
Kompetenz  zukomme,  in  zivilstandsamtlichen  Fragen  zu  intervenieren 
und diesbezüglich irgendwelchen Behörden oder Amtsstellen Weisungen 
zu erteilen.

T. 
T.a. Mit Entscheid des BFM vom 9. März 2011 wurde die am Aa._______ 
in  der  Schweiz  geborene  Tochter  (Bb._______  Dd._______)  der 
Beschwerdeführerin  in  die  Flüchtlingseigenschaft  ihres  Vaters  H.G. 
(N _______),  der  am  4.  Februar  2008  in  der  Schweiz  als  Flüchtling 
vorläufig  aufgenommen  worden  war,  einbezogen  und  ihr  die  vorläufige 
Aufnahme in der Schweiz gewährt.

T.b. Das  BFM  lehnte  mit  Verfügung  vom  3.  Mai  2011  das  am  1.  April 
2011  gestellte  Gesuch  um  Einbezug  der  Beschwerdeführerin  in  die 
Flüchtlingseigenschaft ihrer Tochter ab. Auf eine gegen diesen Entscheid 
erhobene  Beschwerde  trat  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D­
3194/2011 vom 4. Juli 2011 nicht ein.

U. 
Mit  Schreiben  vom  11.  Juli  2011  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  das 
Bundesverwaltungsgericht  um  Mitteilung,  ob  in  nächster  Zeit  über  ihr 
Asylbeschwerdeverfahren  entschieden  werde.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführerin  seine  Antwort 
mit Schreiben vom 5. August 2011 zukommen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.  
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Einleitend  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  zwar  das 
Rechtsbegehren  betreffend  vorläufige  Aufnahme  als  Flüchtling  stellte 
(Rechtsbegehren  1),  nicht  aber  die  Gewährung  von  Asyl  beantragte. 
Deshalb  ist  mit  Ablauf  der  Beschwerdefrist  die  Dispositivziffer  2  der 
vorinstanzlichen Verfügung vom 15. Juli 2008  in Rechtskraft erwachsen. 
Da  die  Folge  eines  negativen  Asylentscheides  in  der  Regel  die 
Wegweisung  ist  und  die  Beschwerdeführerin  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen  verfügt  (vgl.  BVGE  2009/50 E. 9  S.  733,  BVGE 
2008/34  E.  9.2  S.  510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2001  Nr.  21),  ist 

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Dispositivziffer  3  der  angefochtenen  Verfügung  ebenfalls  in  Rechtskraft 
erwachsen.  Beschwerdegegenstand  ist  somit  die  Frage,  ob  die 
Beschwerdeführerin  als  Flüchtling  anzuerkennen  ist  und  ob  die 
Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges erfüllt sind.

3. 
3.1. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in 
dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität, 
Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer 
politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder 
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 
ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des 
Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen 
psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist 
Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 
aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  Gefährdungssituation  erst 
geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl. 
Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss 
Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Stattdessen 
werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder 
glaubhaft  machen  können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen  (vgl. 
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen).

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  brachte  zur  Begründung  des  ablehnenden 
Asylentscheides  im Wesentlichen  vor,  die  Beschwerdeführerin  habe  im 
Rahmen ihres ersten Asylverfahrens keine politisch motivierte Verfolgung 
glaubhaft machen können. Es bestehe daher kein Anlass zur Annahme, 

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dass  sie  vor  dem  Verlassen  des  Heimatstaates  im  Jahre  2001/02  in 
irgendeiner Form als Regimegegnerin oder politische Aktivistin registriert 
worden sei. Demzufolge sei auch nicht davon auszugehen, dass sie nach 
ihrer  Ankunft  in  der  Schweiz  unter  spezieller  Beobachtung  seitens  der 
äthiopischen Behörden gestanden sei.

Hinsichtlich  der  angeführten  Inhaftierung  ihres  Bruders  im  Jahre  2005 
und  einer  daraus  für  sie  resultierenden Gefährdung  bei  einer  Rückkehr 
könne  keineswegs  von  einer  diesbezüglich  klaren  Beweisführung 
gesprochen werden.  Aus  den  beiden  Bestätigungsschreiben  gehe  nicht 
hervor,  dass  es  sich  bei  der  erwähnten  Person  tatsächlich  um  ihren 
Bruder  handle.  Die  eingereichte  Ausweiskopie  dieser  Person  sei 
unvollständig  und  kaum  lesbar;  insbesondere  seien  die  Angaben  zur 
Person  oder  die  Adresse  nicht  zu  entziffern.  Gemäss  Eingabe  vom  8. 
September  2006  handle  es  sich  um  eine  Identitätskarte.  Die  wenigen 
lesbaren  Zeilen  liessen  jedoch  vermuten,  dass  es  sich  eher  um  eine 
Schüler­  oder  Studentenkarte,  jedoch  zweifelsfrei  nicht  um  eine 
äthiopische Identitätskarte handle. Zudem lägen die drei Dokumente nur 
als  Kopien  vor,  was  ihren  Beweiswert  grundsätzlich  vermindere.  Die 
geltend gemachte familiäre Beziehung zu einer Person, die im Mai 2005 
Wahlbeobachter  der  Ee._______  gewesen  und  vorübergehend 
festgenommen  worden  sei,  sei  damit  nicht  hinlänglich  belegt.  Deshalb 
könne  auch  nicht  angenommen  werden,  die  Beschwerdeführerin  habe 
deswegen  in  Zukunft  Probleme  mit  den  äthiopischen  Behörden  zu 
gewärtigen.

Zudem  könnten  den  Akten  keine  Hinweise  darauf  entnommen  werden, 
dass  die  äthiopischen  Behörden  von  der  Mitgliedschaft  der 
Beschwerdeführerin  bei  der  Q._______  oder  der  R._______  in  der 
Schweiz  überhaupt  Kenntnis  genommen  oder  gar  gestützt  darauf 
irgendwelche Massnahmen zum Nachteil  ihrer Person eingeleitet hätten. 
Zwar  werde  in  der  Eingabe  vom  8. September  2008  behauptet,  die 
exilpolitischen  Aktivitäten  hätten  zu  zahlreichen  Drohungen  gegen  sie 
seitens  regierungsfreundlicher  äthiopischer  Bürger  in  der  Schweiz 
geführt.  Anlässlich  der  Anhörung  vom  16. März  2007  habe  sie  jedoch 
explizit  und  auch  auf  Nachfrage  verneint,  deswegen  in  der  Schweiz 
irgendwelche  Probleme  gehabt  zu  haben.  Die  auf  Vorhalt  angeführten 
Angaben  seien  als  situativ  korrigierend  und  nachgeschoben  zu 
beurteilen.  Es  könne  der  Beschwerdeführerin  daher  nicht  geglaubt 
werden, sie habe aufgrund ihrer exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz 
Probleme gehabt.

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Weiter  führe  die  blosse  Mitgliedschaft  in  der  Q._______  zu  keiner 
Verfolgung  durch  die  äthiopischen  Behörden,  zumal  diese Organisation 
vorwiegend  kulturell  tätig  sei  und  es  sich  bei  dieser  nicht  um  eine 
eigentliche exilpolitische Oppositionspartei  handle. Ausserdem seien die 
Angaben  der  Beschwerdeführerin  zu  ihrem  Engagement  in  der 
Q._______ widersprüchlich,  so bezüglich des Umfangs  ihrer Aktivitäten. 
Auch  seien  die  Angaben  zu  ihrer  Tätigkeit  für  die  R._______  nicht 
konsistent  und  überdies  wenig  detailliert  ausgefallen.  Ihre  Angaben 
würden insgesamt nicht den Eindruck vermitteln, dass es sich bei ihr um 
ein prominentes Mitglied der R._______ handle,  das bei wichtigen oder 
gar  strategischen  Entscheiden  der  Partei  beteiligt  sei.  Das  Vorbringen, 
wonach äthiopische Agenten Computermaterial der Partei gestohlen und 
so  Kenntnis  von  ihrer  Mitgliedschaft  erhalten  hätten,  werde  in  keiner 
Weise konkretisiert und durch Beweismittel belegt und sei daher als rein 
hypothetische Behauptung ohne Beweiswert zu beurteilen.

Nach  dem  Gesagten  stehe  daher  lediglich  fest,  dass  sich  die 
Beschwerdeführerin,  wie  viele  ihrer  Landsleute,  exilpolitisch  betätigt 
habe,  jedoch  nicht  in  der  geltend  gemachten  exponierten  Weise  oder 
Funktion. Angesichts der Vielzahl exilpolitischer Anlässe – alleine  in der 
Schweiz  –  und  der  hohen  Zahl  im  Ausland  lebenden  äthiopischen 
Staatsangehörigen  sei  eine  Überwachung  und  Identifikation  jeder 
einzelnen Person nicht möglich. Ausserdem dürfte auch den äthiopischen 
Behörden  bekannt  sein,  dass  viele  äthiopische  Emigranten  aus 
vorwiegend  wirtschaftlichen  Gründen  versuchten,  sich  in  Europa  und 
speziell  auch  in  der  Schweiz  vor  oder  nach  Abschluss  ihres 
Asylverfahrens  mittels  exilpolitischer  Aktivitäten  ein  dauerhaftes 
Aufenthaltsrecht zu erwirken.

Zur eingereichten Kopie des Rundschreibens der äthiopischen Direktion 
für  Angelegenheiten  von  im  Ausland  lebenden  Äthiopiern  vom  31.  Juli 
2006 sei zu bemerken, dass dieses sowie die entsprechenden Richtlinien 
offensichtlich  bezweckten,  die  Loyalität  und  das Wählerpotenzial  der  im 
Ausland  lebenden Äthiopier  zugunsten  der Regierung  in  der Heimat  zu 
fördern  und  bestimmte  Mitglieder  der  Exilopposition  unter  Anklage  zu 
stellen.  Deshalb  würden  die  Auslandsvertretungen  angewiesen, 
extremistisch  tätige  Führer  und  Aktivisten  oppositioneller  Parteien  der 
Zentrale zu melden, nicht  jedoch systematisch gegen die grosse Masse 
von  exilpolitisch  aktiven  Personen  vorzugehen  und  entsprechende 
Informationen  zu  sammeln.  So  werde  in  den  Richtlinien  sehr  wohl 
zwischen  radikalen  und  gemässigten  Personen  unterschieden.  Die 

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äthiopischen  Behörden  hätten  nur  dann  ein  Interesse  an  der 
Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete 
Bedrohung für das politische System wahrgenommen würden. Vorliegend 
bestünden  keine  Anhaltspunkte  für  die  Annahme,  dass  sich  die 
Beschwerdeführerin  in  dieser  besonderen  Art  und  Weise  betätigt  und 
exponiert  hätte.  Sie  gehöre  mit  Sicherheit  nicht  zur  Zielgruppe  des 
"harten Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die 
sich  die  äthiopischen  Behörden  gemäss  den  erwähnten  Dokumenten 
interessieren  würden.  Zusammenfassend  sei  festzustellen,  dass  die 
vorgebrachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  standhielten,  weshalb 
die Beschwerdeführerin nicht als Flüchtling anerkannt werden könne.

4.2.  Demgegenüber  wendete  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer 
Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen ein, da ihr Bruder Wahlbeobachter 
der Ee._______ gewesen und verhaftet worden sei, sei sie bereits bei der 
Einreise  in  der Schweiz  unter Beobachtung gestanden. Zu den  von der 
Vorinstanz geäusserten Zweifeln an den eingereichten Beweismitteln sei 
festzuhalten, dass es sich bei der ins Recht gelegten Kopie um die Kopie 
einer  Identitätskarte handle. Da der Bruder untergetaucht  sei,  sei  es  ihr 
nicht möglich, ihren Bruder um das Original zu bitten oder auch nur eine 
bessere Faxkopie zu erhalten. Sie werde versuchen, die Geburtsurkunde 
ihres Bruders zu beschaffen.

Es  sei  zutreffend,  dass  sie  auf  die  Frage,  ob  sie  aufgrund  ihrer 
exilpolitischen  Tätigkeiten  irgendwelche  Probleme  gehabt  habe, 
ausgesagt habe, ausser einigen harmlosen Bemerkungen von Freunden 
habe sie keine solchen Probleme gehabt. Erst als sie direkt auf mögliche 
Drohungen  von  offensichtlich  regierungsfreundlichen  äthiopischen 
Bürgern angesprochen worden sei, habe sie die Frage richtig verstanden 
und  geantwortet,  dass  sie  von  der  Ff._______  bedroht  worden  sei.  So 
hätten unbekannte Männer sie zwei Mal telefonisch aufgefordert, aus der 
R._______  auszutreten  und  in  die  Ff._______  einzutreten.  Zwar  sei  ihr 
nicht  direkt  mit  schweren  Nachteilen  gedroht  worden,  aber  in  den 
Argumenten der Männer, wonach sie bei einer Rückkehr als Miglied der 
R._______  verhaftet  würde,  sei  eine  klare  Drohung  zu  erkennen 
gewesen,  zumal  sie  über  kein  gesichertes  Aufenthaltsrecht  in  der 
Schweiz  verfüge.  Ihre  diesbezüglichen  Erklärungen  seien  weder 
übertrieben noch nachgeschoben und daher glaubhaft.

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Weiter bestreite sie nicht, dass sich die Q._______ vorwiegend kulturell 
betätige  und  sich  selbst  als  politisch  unabhängig  bezeichne. Durch  ihre 
Mitgliedschaft und ihr Engagement habe sich jedoch ihr Bekanntheitsgrad 
bei  den  im Exil  lebenden Äthiopiern  stark  erhöht. Auch  habe  sie  bis  zu 
den  erhaltenen  Drohungen  ihre  Natelnummer  unbekümmert  an  alle 
Äthiopier weitergegeben. Dies habe zum einen zur Folge, dass sehr viele 
Menschen ihre Natelnummer kennen würden, was die Drohanrufe auf ihr 
Natel erklärbar mache, und zum anderen seien ihr Gesicht und ihr Name 
unter den Exiläthiopiern gut bekannt, was ihre Identifizierung auf Fotos im 
Internet vereinfache.

Die  von  der  Vorinstanz  angeführte  Diskrepanz  zum  Umfang  ihres 
Engagements  rühre  daher,  dass  sich  das  Verhältnis  zwischen  den 
Mitgliedern  der Q._______  und  ihrer Person  zwischen September  2006 
und März 2007 abgekühlt habe, weshalb sie sich in dieser Zeit nur noch 
für  die  R._______  intensiv  eingesetzt  und  lediglich  an 
Protestveranstaltungen der Q._______ teilgenommen habe.

Überdies sei es angesichts ihres angeführten Engagements innerhalb der 
R._______  nicht  statthaft  zu  argumentieren,  sie  übe  in  dieser 
Organisation  keine  Funktion  aus,  die  über  den  Durchschnitt  der 
exilpolitisch  engagierten  Äthiopier  hinausgehe.  Sie  sei  kein  einfaches 
Mitglied,  da  sie  seit  der  Gründung  derselben  teils  zusammen  mit  der 
Ehefrau  des  Präsidenten  für  die  Organisation  von  Anlässen  und  die 
Zubereitung der Verpflegung der Sitzungsteilnehmer zuständig gewesen 
sei.  Auch  wenn  ihre  Sektion  der  R._______  im  Kanton  S._______  nur 
wenige Mitglieder zähle, sei sie eine offizielle Führungsperson, zumal sie 
an  ihren  Sitzungen  die  vom Präsidium  erhaltenen  Informationen  an  die 
weiteren Mitglieder weitergebe und diskutiere. Zudem rekrutiere sie neue 
Mitglieder und sei an der Organisation von Zusammenkünften mitbeteiligt. 
Ausserdem  sei  sie  auf  vielen  Fotos  –  entgegen  den  vorinstanzlichen 
Ausführungen  –  sehr  gut  zu  erkennen.  Sodann  sei  sie  auf  der 
eingereichten CD des Radiointerviews in der 43. Minute zu hören. Dabei 
stelle sie ihre Person vor und spreche etwa drei Minuten über die Gründe 
der  Demonstration  (falsche  Beschuldigung  eines  äthiopischen  Sängers 
seitens der äthiopischen Behörden). Weiter kritisiere sie den {…….}.

Ihre  Antworten  {…….}  seien  in  der  Tat  teilweise  kurz  ausgefallen,  sie 
habe sich zu diesem Zeitpunkt  jedoch  in einer schwierigen persönlichen 
Situation befunden (Schwangerschaft; Trennung vom Kindsvater) und sei 
unter  dem  Einfluss  von  Beruhigungsmitteln  gestanden,  zumal  sie  nach 

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einer üblen Konfrontation mit dem Kindsvater einige Tage zuvor weinend 
zusammengebrochen sei.

Insgesamt  verfüge  sie  über  ein  politisches  Profil,  das  geeignet  sei,  die 
Aufmerksamkeit der äthiopischen Behörden auf sich zu lenken. Bei einer 
Rückkehr würde sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom 
äthiopischen  Sicherheitsdienst  erfasst  und  ihr  würden 
Verfolgungsmassnahmen  drohen.  Da  sie  über  keine  innerstaatliche 
Fluchtalternative verfüge, erfülle sie die Voraussetzungen gemäss Art. 3, 
7  und  54  AsylG  und  sie  sei  daher  als  Flüchtling  anzuerkennen  und 
vorläufig aufzunehmen.

4.3. In ihrer Vernehmlassung vom 29. August 2008 hielt die Vorinstanz an 
ihren  Erwägungen  vollumfänglich  fest  und  führte  zudem  an,  die 
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Argumente, welche 
eine  Änderung  des  im  angefochtenen  Entscheid  dargelegten 
Standpunktes  zu  rechtfertigen  vermöchten.  Zum  neu  eingereichten 
Beweismittel  –  eine CD­Rom mit  amharischem Text  –  sei  festzustellen, 
dass dieses untauglich sei. So würden die darin enthaltenen Texte nicht 
in einer Amtssprache vorliegen, so dass der Inhalt des Dokumentes nicht 
beurteilt werden könne.

5.  
5.1.  Vorliegend  ist  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführerin  durch  ihr 
Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem Heimatland,  namentlich mit  dem 
auf Be­schwerdeebene geltend gemachten exilpolitschen Engagement in 
der  Schweiz,  Anlass  für  eine  zukünftige  Verfolgung  durch  die 
äthiopischen  Behörden  gesetzt  hat  und  aus  diesem  Grund  (subjektive 
Nachfluchtgründe) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt.

Exilpolitische  Aktivitäten  können  nur  dann  im  Sinne  von  subjektiven 
Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen,  wenn  zumindest 
glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr  infolge  der 
Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit  politischer 
Verfolgung zu rechnen wäre.

5.2.  Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl. 
etwa  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  {…….})  ist  davon 
auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten 
von  Exilgemeinschaften  in  einem  gewissen  Ausmass  überwachen  und 
mittels  elektronischer  Datenbanken  registrieren.  Es  dürfte  davon 

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auszugehen  sein,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  ihnen 
namentlich  bekannte  aus  dem  Ausland  zurückgeführte  Person,  die 
Anhänger  oder  Mitglied  der  Ausland­Organisation  der  R._______  war, 
nach  wie  vor  als  Gegner  der  Regierung  ansehen  würden,  solange  von 
dieser  Person  vor  ihrer  Ausreise  aus  dem  jeweiligen  Gastland  kein 
eindeutiges  Bekenntnis  zur  verfassungsmässigen  Ordnung  Äthiopiens 
und eine klare Abkehr von der bisherigen Politik der R._______ vorliegt. 
Angesichts  der  2007  in  Äthiopien  erfolgten  Amnestie  von  einigen 
Mitgliedern  der  R._______  und  der  nicht  unerschöpflichen  Ressourcen 
des  äthiopischen  Nachrichtendienstes  mag  sich  die  Frage  nach  der 
aktuellen  Überwachungsdichte  in  der  Schweiz  stellen,  welche  indessen 
im  vorliegenden Fall  offenbleiben  kann. Von Bedeutung  sind  vorliegend 
die  tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten  exilpolitischen  Tätigkeit, 
die  Individualisierbarkeit  der  Beschwerdeführerin  sowie  ihre  konkreten 
exilpolitischen Tätigkeiten.

5.3.  In  ihrer  Rechtsmitteleingabe  führte  die  Beschwerdeführerin  an,  sie 
habe in der Schweiz als Mitglied an mehreren Kundgebungen sowohl der 
Q._______  als  auch  der  R._______  teilgenommen,  wobei  sie  auf  den 
Fotografien  dieser  Veranstaltungen  gut  zu  erkennen  sei  und  eine 
namentliche  Zuordnung  ohne  weiteres  möglich  sein  dürfte,  da  sie  als 
Kantonsverantwortliche  des  Kantons  S._______  und  aufgrund  ihrer 
Engagements – auch in der Mithilfe bei der Organisation der Verpflegung 
bei Veranstaltungen – bei den Äthiopiern im Exil bekannt sei.

5.4.  Aus  den  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Unterlagen  geht 
hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  seit  dem  Jahre  2006  an 
verschiedenen  Kundgebungen  der  Q._______  und  der  R._______  in 
verschiedenen  Städten  der  Schweiz  teilnahm  und  sich  aktiv  für  die 
Belange der Organisation eingesetzt habe. Ausserdem liegt eine CD mit 
einer  Radioaufnahme  des  W._______  des  Amharisch­Programms  vom 
26. Mai 2008 bei den Akten, in welcher die Beschwerdeführerin über die 
Gründe der am gleichen Tag durchgeführten Demonstration spreche und 
Kritik  an  der  äthiopischen  Regierung  übe.  Weiter  sei  sie  gemäss  der 
Bestätigung  des  R._______  vom  3.  November  2008  ein  registriertes 
Mitglied der Sektion S._______.

5.5.  Zunächst  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführerin  im  Rahmen  des  ersten  Asylverfahrens  im 
Wesentlichen  als  unglaubhaft  und  teilweise  als  asylirrelevant  erwiesen 
haben. Wie  in der angefochtenen Verfügung daher zu Recht  festgestellt 

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wurde,  besteht  somit  kein  Anlass  zur  Annahme,  dass  sie  vor  dem 
Verlassen  ihres Heimatstaates  als  regimefeindliche Person  ins Blickfeld 
der äthiopischen Behörden geraten und in der Folge als Regimegegnerin 
oder  politische  Aktivistin  registriert  worden  war  und  daher  seit  ihrer 
Ankunft  in  der  Schweiz  unter  spezieller  Beobachtung  seitens  der 
heimatlichen Behörden gestanden ist. An dieser Einschätzung vermögen 
auch  die  Entgegnungen  auf  Beschwerdeebene  und  die  zur  Stützung 
derselben eingereichten Beweismittel betreffend den angeblichen Bruder 
der Beschwerdeführerin, der als Wahlhelfer für die Ee._______ tätig und 
im Jahre 2005 inhaftiert worden sei, nichts zu ändern. Jedenfalls kann der 
in der Beschwerdeschrift geäusserten Einschätzung, wonach es sich bei 
der  eingereichten  Kopie  des  Identitätsdokuments  um  die  Kopie  der 
Identitätskarte des Bruders handle, nicht gefolgt werden. Abgesehen von 
der schlechten Lesbarkeit sind in diesem Dokument Rubriken aufgeführt, 
welche  in einer  Identitätskarte Äthiopiens nicht vorkommen ({…….}), die 
die Einschätzung der Vorinstanz, wonach es sich bei dieser eher um eine 
Studenten­  oder  Schülerkarte,  aber  keinesfalls  um  eine  Identitätskarte 
handle, vollumfänglich stützen. Auch stellen die übrigen Beweismittel, die 
den Namen des Bruders enthalten sollen, keinen konkreten Beleg für die 
effektive Verwandtschaft  der  genannten Person  zur Beschwerdeführerin 
dar.  Zudem  wird  in  dem  aus  dem  Jahre  1997  datierenden 
Bestätigungsschreiben  der  Ee._______  ausgeführt,  die  darin  erwähnte 
Person  sei  dafür  zuständig  gewesen,  die Wahlen am genannten Ort  zu 
beobachten  und  zu  kontrollieren.  Das  Beweismittel  vermag  schon 
deshalb  eine  Verhaftung  des  angeblichen  Bruders  im  Jahre  2005  in 
keiner  Weise  zu  belegen,  zumal  aus  diesem  Dokument  auch  nicht 
hervorgeht,  dass  die  aufgeführte  Person  (allenfalls)  alljährlich  für  die 
Wahlbeobachtung  zuständig  gewesen  sei.  Es  kann  daher  nicht  davon 
ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  bei  ihrer 
Einreise in die Schweiz unter Beobachtung stand.

Weiter  ist ein exponierter exilpolitischer Einsatz der Beschwerdeführerin, 
der sie ins Zentrum des Interesses des äthiopischen Nachrichtendienstes 
rücken könnte, aufgrund der vorliegenden Akten zu verneinen. In diesem 
Zusammenhang ist festzuhalten, dass bei behaupteten subjektiven Nach­
fluchtgründen in der Regel ein strikter Beweis möglich und deshalb auch 
erforderlich  ist  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hu­
gi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, Rz.  11.148). 
Die  äthiopischen  Behörden  bekunden  nur  dann  ein  Interesse  an  der 
Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete 
Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen  werden.  Für  die 

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Annahme,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  in  dieser  besonderen  Art 
und Weise betätigt, bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte. So gehört 
sie  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  nicht  zur  Zielgruppe  des 
"harten Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die 
sich  die  äthiopischen  Behörden  interessieren.  Vorliegend  ist  aus  den 
Angaben  der  Beschwerdeführerin  und  den  zur  Stützung  derselben 
eingereichten  Unterlagen  zu  schliessen,  dass  sich  ihre  exilpolitischen 
Aktivitäten  lediglich  in  der  Teilnahme  an  Protestveranstaltungen 
beziehungsweise  Demonstrationen  und  Parteiversammlungen  sowie  in 
organisatorischen  Aufgaben  innerhalb  der  Partei  ohne  weitergehende 
hochrangige  Tätigkeiten  erschöpft  haben.  In  Berücksichtigung  dieses 
relativ  geringfügigen  Engagements  ist  jedoch  in  casu  nicht  davon 
auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  einer  Rückkehr  in  ihr 
Heimatland  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung  zu  befürchten  hat. 
Auch  ihre  Aussagen  im  Rahmen  eines  Radiointerviews  eines  lokalen 
Radiosenders, dessen Sendungen von den Hörerinnen und Hörern selber 
gestaltet  werden,  vermögen  zu  keinem  anderen  Schluss  zu  führen, 
lassen  die  entsprechenden  Äusserungen  zur  {…….}  nicht  den  Schluss 
zu,  dass  sie  von  den  äthiopischen  Behörden  –  wenn  überhaupt  –  als 
politisch  exponierte  Person  und  somit  als  Bedrohung  für  das  politische 
System in Äthiopien wahrgenommen wird.

Es  dürfte  sodann  den  äthiopischen  Behörden  aufgefallen  sein,  wie  die 
Vorinstanz  zu  Recht  bemerkt,  dass  die  exilpolitische  Betätigung  vieler 
äthiopischer  Asylsuchender  nach  der  Ablehnung  ihrer  Asylgesuche 
regelmässig zunimmt oder überhaupt erst ab diesem Zeitpunkt einsetzt, 
was  das  geltend  gemachte  politische  Engagement  als  zweifelhaft 
erscheinen  lässt.  Die  Beschwerdeführerin  begann  in  aktenkundiger 
Weise  erst  in  der  Schweiz,  sich  politisch  zu  betätigen.  Der 
Prüfungsumfang  der  Asylbehörden  erschöpft  sich  denn  auch  darin,  die 
gegen  aussen  manifestierte,  aus  Sicht  der  äthiopischen  Behörden  als 
potenziell  gefährlich  zu  wertende  Oppositionstätigkeit  der  in  Frage 
stehenden  Person  zu  beurteilen.  Sodann  fehlen  vorliegend  jegliche 
Hinweise  darauf,  dass  gegen  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der 
vorgebrachten  Aktivitäten  in  Äthiopien  ein  Strafverfahren  oder  andere 
behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  sind,  wobei  in  diesem 
Zusammenhang  unter  Hinweis  auf  die  in  Art.  8  AsylG  verankerte 
Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist,  dass  es  nicht  Sache  der 
schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und 
abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  der  ein 
Asylgesuch stellenden Person abklären zu müssen.

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5.6.  Insgesamt  erscheint  es  angesichts  der  Art  des  Engagements  der 
Beschwerdeführerin – selbst unter der Annahme der möglichen und  tat­
sächlichen  Identifikation  und  allfälligen  Registrierung  –  als 
unwahrscheinlich, dass sie deswegen bei einer Rückkehr nach Äthiopien 
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu gewärtigen hätte. Sie hat 
– auch wenn sie Verantwortliche für den Kanton S._______ sein soll – bei 
keiner  Organisation,  für  die  sie  sympathisiert  oder  deren  Mitglied  sie 
geworden  ist, eine herausragende Führungsposition  inne und übernahm 
keine  besonders  wichtigen  Aufgaben.  Ihr  exilpolitisches  Engagement  in 
der  Schweiz  lässt  sie  somit  nicht  als  besonders  exponierte  oder  gar 
staatsgefährdende  exilpolitische  Aktivistin  erscheinen.  Die 
Beschwerdeführerin  erfüllt  damit  nicht  das  Profil  einer  Person,  welche 
dem äthiopischen Regime durch ihre (exil­)politische Tätigkeit ernsthaften 
Schaden  zufügen  könnte.  Demnach  ist  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführerin  mangels  subjektiver  Nachfluchtgründe  gemäss  Art. 
54 AsylG zu verneinen.

5.7.  Die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  sind  somit 
nicht geeignet, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsfurcht zu be­
gründen,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  nicht  als  Flüchtling  zu 
anerkennen  ist.  Es  kann  daher  verzichtet  werden,  auf  die  von  der 
Vorinstanz  aufgezeigten Ungereimtheiten  zwischen einzelnen Aussagen 
der Beschwerdeführerin und dem Inhalt der eingereichten Bestätigungen 
der  von  ihr  unterstützten Organisationen  sowie  die  dementsprechenden 
Entgegnungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  einzugehen.  Dem 
Rückweisungsantrag ist deshalb nicht stattzugeben.

5.8.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  keine 
subjektiven Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG vorliegen, wes­
halb  die  Vorinstanz  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der 
Beschwerdeführerin verneint hat.

6. 
6.1.  Ist  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  möglich,  nicht  zulässig  oder 
nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG,  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2006 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

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6.2.  Den  Akten  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  am 
21. April 2010 Tochter Bb._______ zur Welt brachte. Ihre Tochter wurde 
in  der  Folge  mit  Entscheid  des  BFM  vom  9.  März  2011  in  die 
Flüchtlingseigenschaft des Kindsvaters H.G., der am 4. Februar 2008  in 
der  Schweiz  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  worden  war, 
einbezogen und in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Das BFM lehnte 
mit  Verfügung  vom 3. Mai  2011  das  am 1.  April  2011  gestellte Gesuch 
um Einbezug der Beschwerdeführerin  in die Flüchtlingseigenschaft  ihrer 
Tochter  ab.  Dieser  Entscheid  erwuchs  mit  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 4. Juli 2011 in Rechtskraft.

6.3.  Gemäss  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  verleiht  Art.  8  der 
Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) einen – nur unter den Vorausset­
zungen  von  Art.  8  Abs.  2  EMRK  beschränkbaren  –  Anspruch  auf  eine 
Anwesenheitsberechtigung  in  der  Schweiz,  wenn  eine  Ehe  oder  ein 
Elternverhältnis  (auch  zwischen  dem  Kind  und  dem  Elternteil,  der  die 
elterliche Sorge nicht besitzt)  tatsächlich gelebt wird und intakt erscheint 
und  wenn  ein  Familienmitglied  in  der  Schweiz  ein  gefestigtes 
Anwesenheitsrecht  –  die  schweizerische  Staatsangehörigkeit,  die 
Niederlassungsbewilligung  oder  eine  Aufenthaltsbewilligung,  auf  deren 
Verlängerung  ein  Anspruch  besteht  –  besitzt  (vgl.  Urteil  des 
Bundesgerichts  2P.307/2003  vom  11. Mai  2004,  BGE  126  II  382,  BGE 
125 II 639; EMARK 1995 Nr. 24 E. 8 S. 228 f.).

Der  Kindsvater  und  die  gemeinsame  Tochter  der  Beschwerdeführerin 
sind  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  und  besitzen  –  unbesehen 
des  Umstandes,  dass  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  dem 
Kindsvater  weder  eine  Ehe  noch  eine  eheähnliche  Gemeinschaft 
bestehen  –  mithin  kein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  im  Sinne  der 
bundesgerichtlichen  Rechtsprechung,  weshalb  sich  die 
Beschwerdeführerin nicht auf den in Art. 8 EMRK festgelegten Schutz der 
Familie  und  auf  einen  daraus  ableitbaren  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung berufen kann.

6.4. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG hat das BFM bei der Anordnung des 
Vollzugs  der  Wegweisung  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu 
beachten. Die Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG geht, wie bereits in 
EMARK  1995  Nr.  24  festgestellt  wurde,  über  die  Tragweite  von  Art.  8 
EMRK  hinaus  und  beinhaltet,  dass  die  vorläufige  Aufnahme  des  einen 
Familienmitglieds  "in der Regel" auch zur vorläufigen Aufnahme dessen 

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Familie führt. In personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie dabei 
den Ehepartner und die minderjährigen Kinder, wobei der  in dauerhafter 
eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem  Ehepartner 
gleichzustellen ist (EMARK 1995 Nr. 24 E. 7 S. 227). Art. 44 Abs. 1 AsylG 
kommt  in  diesem  Zusammenhang  eine  Tragweite  zu,  die  über  die  aus 
Art.  8  EMRK  abgeleiteten  Rechtsansprüche  auf  Erteilung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  hinausgeht,  indem  die  vorläufige  Aufnahme  des 
einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen Aufnahme der 
anderen Familienangehörigen führt (vgl. hierzu EMARK 1998 Nr. 31 E. 8 
c ee S. 258; 1995 Nr. 24 E. 9 S. 229, die sich hierfür freilich noch auf Art. 
17 Abs. 1 AsylG in der Fassung gemäss Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 
über das Asylverfahren [AS 1990 938], welcher inhaltlich indessen Art. 44 
Abs. 1 AsylG entspricht, beziehen). Bezüglich des Anspruchs auf Einheit 
der  Familie  ist  festzustellen,  dass  ein  solcher  auf  Art.  44  Abs.  1,  2. 
Halbsatz  AsylG  basierender  Anspruch  besteht,  solange  das  Verfahren 
des  Ehegatten  respektive  des  (minderjährigen)  Kindes  nicht 
abgeschlossen ist beziehungsweise diese über ein mit dem Asylverfahren 
im Zusammenhang stehendes Anwesenheitsrecht verfügen (vgl. EMARK 
1995 Nr. 24 E. 11b zweites Lemma S. 232; EMARK 1998 Nr. 31; EMARK 
1999 Nr. 1; EMARK 2002 Nr. 7).

Vorliegend  würde  –  wie  erwähnt  (vgl.  oben  E.  6.3)  –  der  Vollzug  der 
Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  Art.  8  EMRK  nicht  verletzen,  weil 
weder  der  Kindsvater  noch  das  gemeinsame  Kind  ein  gefestigtes 
Aufenthaltsrecht  im  Sinne  der  dargestellten  bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung besitzen. Sie sind indessen vorläufig aufgenommen und 
verfügen  über  ein  aus  dem  Asylrecht  abgeleitetes  Anwesenheitsrecht. 
Zwar  hat  der  Kindsvater  H.G.  die  gemeinsame  Tochter  anerkannt,  lebt 
jedoch  den  Akten  zufolge  nicht  in  eheähnlicher  Gemeinschaft  mit  der 
Beschwerdeführerin  zusammen.  Da  aber  die  Beschwerdeführerin  mit 
ihrer Tochter  in einer Familiengemeinschaft  lebt,  kann sie  sich dennoch 
auf den Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG 
berufen. Sie  ist  somit wegen Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs 
in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen,  zumal  gemäss  Aktenlage  keine 
Gründe für den Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 
Abs. 7 AuG vorliegen.

6.5. Die in E. 6.1 erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den 
Vollzug  der  Wegweisung  –  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und 
Unmöglichkeit – sind alternativer Natur:  ist eine dieser Voraussetzungen 
erfüllt, so ist der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu erachten 

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und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen 
über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S. 
748,  EMARK  2006  Nr.  6  E.  4.2  S.  54  f.).  Auf  die  Prüfung  weiterer 
Wegweisungsvollzugshindernisse kann somit verzichtet werden.

7. 
Zusammenfassend  ist  daher  die  Beschwerde  gutzuheissen,  soweit  sie 
die  Frage  des  Wegweisungsvollzugs  betrifft.  Im  Übrigen  ist  die 
Beschwerde  abzuweisen.  Die  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der 
vorinstanzlichen Verfügung vom 15. Juli 2008 sind aufzuheben und das 
BFM  ist  anzuweisen,  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.

8. 
Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2008 wurde der Entscheid über 
das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen. 
Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos 
erscheint.  Die  Beschwerdeführerin  war  vom  Mai  2008  bis  September 
2010 als Gg._______ tätig und arbeitet seit dem 21. März wieder 2011 in 
der  gleichen  Funktion.  Trotzdem  dürfte  es  ihr,  da  sie  seit  Hh._______ 
zusätzlich  für  ihre  Tochter  zu  sorgen  hat,  damit  kaum  gelingen,  einen 
Erwerb  zu  erzielen,  der  die  existenziellen  Lebenshaltungskosten  ihrer 
Familie abdeckt, weshalb eine Bedürftigkeit zu bejahen ist. Zudem waren 
die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos zu erachten. Das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs.  1  VwVG  ist  somit  gutzuheissen,  weshalb  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen sind.

8.1.  Da  die  vertretene  Beschwerdeführerin  teilweise  –  hinsichtlich  der 
Frage  des  Wegweisungsvollzuges  –  mit  ihrer  Beschwerde 
durchgedrungen  ist,  ist  ihr  für  die  ihr  erwachsenen  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten  eine  um  die  Hälfte  reduzierte 
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).  Von  der  Rechtsvertretung  wurde  keine  Kostennote 
eingereicht.  Auf  das  Nachfordern  einer  solchen  kann  indes  verzichtet 
werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten 

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hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt  (vgl.  Art.  14  Abs.  2  VGKE). 
Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 
9­13 VGKE) ist die um die Hälfte gekürzte Parteientschädigung – welche 
vom  BFM  zu  entrichten  ist  –  auf  Fr.  700.­  (inklusive  Auslagen  und 
allfällige Mehrwertsteuer) festzusetzen.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs 
gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  Bundesamtes  vom 
15. Juli  2008  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  die 
Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen.

3. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine 
Parteientschädigung von Fr. 700.­ zu entrichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

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