# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f3f560f-2c49-570d-9ae1-87f4aeb50e5c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-04
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 04.07.2023 S 2023 41
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2023-41_2023-07-04.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 23 41

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Paganini

Aktuarin Hemmi

URTEIL

vom 4. Juli 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwältin F._____,

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, Jahrgang 1948, wurde erstmals im Jahre 1988 mit der Diagnose 

einer paranoiden katatonen Schizophrenie psychiatrisch in der Kantonalen 

Psychiatrischen Klinik B._____ in C._____ hospitalisiert. Im Mai 1997 

wurde sie von ihrem damaligen Amtsvormund bei der Eidgenössischen 

Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet. Nach Abklärun-

gen sprach ihr die IV-Stelle des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 

13. Februar 1998 rückwirkend ab dem 1. Mai 1996 eine ganze Invaliden-

rente zu. 

2. Es folgten weitere stationäre Behandlungen wegen chronisch-paranoider 

Schizophrenie mit kontinuierlich wahnhaftem Verlauf. Am 1. November 

1999 verliess A._____ – ohne vorherige Absprache und Angabe eines 

Aufenthaltsorts – die Klinik und galt fortan trotz behördlicher und polizeili-

cher Suche als vermisst. Daraufhin veranlasste die IV-Stelle des Kantons 

St. Gallen die Sistierung der Rentenauszahlung, welche per 31. Juli 2000 

vorgenommen wurde.

3. Am 17. April 2001 ernannte die Vormundschaftsbehörde D._____ F._____ 

zur Beirätin ihrer Mutter A._____.

4. Am 28. November 2011 meldete F._____ ihre Mutter A._____ bei der Aus-

gleichskasse des Kantons St. Gallen für eine Altersrente ab März 2012 an, 

wobei sie darauf hinwies, dass der Aufenthaltsort der Antragstellerin seit 

ungefähr zehn Jahren unbekannt sei und sie bereits solange als vermisst 

gelte. Die Ausgleichskasse sistierte in der Folge die Anmeldung für die 

Altersrente von A._____. 

5. Mit Urkunde vom 27. Mai 2015 ernannte die Kindes- und Erwachsenen-

schutzbehörde (KESB) D._____ F._____ gestützt auf Art. 394 Abs. 1 

i.V.m. Art. 395 Abs. 1 und 3 ZGB zur Beiständin von A._____.

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6. Am 27. Februar 2020 orientierte F._____ die Ausgleichskasse darüber, 

dass sich A._____ seit dem 3. Dezember 2019 in der Clinica Psichiatrica 

Cantonale in E._____ aufhalte, wobei deren Identität erst anhand einer 

DNA-Probe habe festgestellt werden können, und beantragte im Namen 

ihres Mündels die Anhandnahme des Gesuchs um Altersrente vom No-

vember 2011 und die rückwirkende Auszahlung der AHV-Rente ab dem 

Rentenalter von A._____. Die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen lei-

tete die Anmeldung zuständigkeitshalber an die AHV-Ausgleichskasse 

des Kantons Graubünden weiter. Diese sprach A._____ mit Verfügung 

vom 4. Mai 2020 die Altersrente rückwirkend ab dem 1. März 2012 zu, 

verneinte aber einen Anspruch auf Vergütungszinsen. 

7. Mit Schreiben vom 16. Juni 2020 beantragte F._____ bei der AHV-Aus-

gleichskasse des Kantons Graubünden für A._____ zusätzlich die Aus-

zahlung der Verzugs- und Vergütungszinsen gemäss Art. 26 ATSG. Mit 

Entscheid vom 25. Juni 2020 wies die AHV-Ausgleichskasse des Kantons 

Graubünden die (sinngemässe) Einsprache von A._____ mit der Begrün-

dung ab, dass die Verzögerung der Leistungsausrichtung auf die nicht voll-

umfängliche Mitwirkung der Leistungsansprecherin zurückzuführen sei 

und deshalb die Voraussetzungen von Art. 26 Abs. 2 ATSG nicht erfüllt 

seien bzw. kein Verzugszins geschuldet sei. Die dagegen von A._____, 

vertreten durch ihre Beiständin, erhobene Beschwerde hiess das Verwal-

tungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil S 20 97 vom 5. Oktober 

2021 in Aufhebung des Einspracheentscheids vom 25. Juni 2020 gut und 

verpflichtete die AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden, 

A._____ zu ihrer Altersrente ab dem 1. März 2014 Verzugszinsen von 5 % 

zu bezahlen. Es wies die Sache zu weiteren Abklärungen im Sinne der 

Erwägungen und zu neuem Entscheid an die AHV-Ausgleichskasse des 

Kantons Graubünden zurück. Das Gericht verneinte eine Verletzung der 

Auskunfts- und Mitwirkungspflichten, da A._____ aufgrund ihrer Krankheit 

nicht in der Lage gewesen sei, diesen nachzukommen und Auskunft über 

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ihren Status und Aufenthaltsort zu machen, was im Übrigen auch für deren 

Beirätin bzw. Beiständin gelte. Es bejahte daher einen Anspruch auf Ver-

zugszinsen und wies dabei darauf hin, dass der Versicherungsträger dann 

keinen solchen schulde, wenn der betroffenen Person die ausstehenden 

Mittel von anderer Seite zur Verfügung gestellt worden seien.

8. Gestützt auf das inzwischen rechtskräftige Urteil S 20 97 vom 5. Oktober 

2021 sprach die AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden A._____ 

mit Verfügung vom 22. November 2021 einen Verzugszins in der Höhe 

von CHF 32'772.-- zu.

9. Bereits zuvor hatte F._____ am 11. Mai 2020 die IV-Stelle des Kantons 

St. Gallen um rückwirkende Wiederausrichtung der sistierten Invaliden-

rente ersucht. Letztere lehnte dies mit Verfügung vom 22. Juli 2020 ab. 

Die letztinstanzlich gegen den ebenfalls negativ ausgefallenen Rechtsmit-

telentscheid erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil 

9C_29/2022 vom 6. Dezember 2022 gut. Es hob den Entscheid des Ver-

sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. November 2021 sowie 

die Verfügung der IV-Stelle des Kantons St. Gallen vom 22. Juli 2020 hin-

sichtlich der Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente für den Zeitraum 

vom 1. August 2000 bis 29. Februar 2012 auf und wies die Sache zu wei-

teren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und neuem Entscheid an die 

IV-Stelle zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab. Das Bundesge-

richt erwog, dass A._____ für den Zeitraum vom 1. August 2000 bis zum 

29. Februar 2012 grundsätzlich in ihrem Vertrauen auf die rückwirkende 

Ausrichtung der ganzen Invalidenrente zu schützen sei. Voraussetzung für 

die Wiederausrichtung der Rente sei eine Bestätigung, wonach sich ihr 

Gesundheitszustand im hier relevanten Zeitraum nicht geändert habe, 

wofür es einer fachärztlich-medizinischen Beurteilung bedürfe. Hierzu sei 

die Sache an die IV-Stelle des Kantons St. Gallen zurückzuweisen, damit 

sie nach Vervollständigung der medizinischen Aktenlage die offene Frage 

im Rahmen eines psychiatrischen (Akten-)Gutachtens kläre.

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10. Mit Verfügung vom 23. Februar 2023 teilte die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) A._____ mit, dass die Abklärungen 

der IV-Stelle des Kantons St. Gallen unter Berücksichtigung des Urteils 

des Bundesgerichts vom 6. Dezember 2022 ergeben hätten, dass die per 

Juli 2000 sistierte Invalidenrente für die Periode von August 2000 bis Fe-

bruar 2012 nachzuzahlen sei. Gestützt auf das Urteil des Verwaltungsge-

richts vom 5. Oktober 2021 seien die Voraussetzungen für die Vergütung 

von Verzugszinsen betreffend die Invalidenrente analog der Nachzahlung 

der Altersrente erfüllt. Die IV-Stelle entschied deshalb, monatliche Ren-

tenleistungen in der Höhe von insgesamt CHF 154'919.-- nachzuzahlen 

und Verzugszinsen wegen verspäteter Auszahlung von CHF 55'565.-- 

auszurichten.

11. Gleichentags verfügte die AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubün-

den, dass die Verfügungen vom 4. Mai 2020 betreffend Altersrente und 

jene vom 22. November 2021 betreffend Verzugszins ersetzt würden. Die 

gestützt auf das Bundesgerichtsurteil vom 6. Dezember 2022 nachbe-

zahlte Invalidenrente habe einen Einfluss auf die Berechnung der Alters-

rente und führe zu einer tieferen Altersrente. Daraus ergebe sich eine Dif-

ferenzrückforderung der zu viel ausgerichteten Leistungen sowie eine ent-

sprechende Reduktion des gewährten Verzugszinses. Der Differenzrück-

forderungsbetrag der Altersrente sowie der zu viel ausgerichtete Verzugs-

zins würden mit der Nachzahlung und dem Verzugszins der Invalidenrente 

verrechnet. Die AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden verfügte 

deshalb eine Nachzahlung von insgesamt CHF 247'346.-- für den Zeit-

raum vom 1. März 2012 bis zum 28. Februar 2023, bestehend aus monat-

lichen Altersrenten in der Höhe von insgesamt CHF 216'326.-- und einem 

Verzugszins von CHF 31'020.--. Ausserdem forderte sie die im gleichen 

Zeitraum ausgerichteten Altersrenten samt Verzugszins von insgesamt 

CHF 261'286.-- zurück und wies noch einmal darauf hin, dass die sich er-

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gebende Differenzrückforderung mit der Nachzahlung der Invalidenrente 

verrechnet werde.

12. Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 23. Februar 2023 betreffend Nach-

zahlung der Invalidenrente samt Verzugszins liess A._____ (nachfolgend: 

Beschwerdeführerin) am 20. März 2023 Beschwerde erheben und in Auf-

hebung des angefochtenen Entscheids beantragen, die Verzugszinsen 

von 5 % vom Betrag von CHF 154'919.-- vom 1. August 2000 bis zum 

28. Februar 2023 seien neu und korrekt zu berechnen. Zudem sei die IV-

Stelle zu verpflichten, Partei- und Kostenentschädigungen für das verwal-

tungsgerichtliche Verfahren zu bezahlen. Zur Begründung brachte sie im 

Wesentlichen vor, gemäss der Verfügung vom 23. Februar 2023 seien 

Verzugszinsen von 5 % auf die jeweils aufgelaufenen Renten pro Monat 

bzw. ab Februar 2012 auf CHF 154'919.-- geschuldet. Diesbezüglich sei 

dem Entscheid eine Berechnung der Verzugszinsen beigelegen. Diese 

Berechnung stoppe aber ab dem Jahre 2014. Der gemäss Verfügung ge-

schuldete Verzugszins könne jedoch nicht stimmen. Per Ende Februar 

2012 sei der gesamte Betrag von CHF 154'919.-- geschuldet gewesen, 

weshalb ab März 2012 bis zur Auszahlung im Februar 2023 auf diesen 

Betrag ein Verzugszins von 5 % auszurichten sei. Dies ergebe bereits Ver-

zugszinsen von CHF 85'205.45 (5 % auf CHF 154'919.-- x 11 Jahre). 

Hinzu kämen noch die Verzugszinsen von August 2000 bis Februar 2012, 

welche jedoch nicht so einfach zu ermitteln seien. Hier müsse pro Monat 

der Verzugszins von 5 % auf den jeweils geschuldeten Betrag berechnet 

und diese dann zusammengezählt werden. Es sei davon auszugehen, 

dass dies nochmals ungefähr CHF 40'000.-- seien. Dies ergebe einen Ge-

samtbetrag von mehr als CHF 125'000.--, welcher klar über dem verfügten 

liege. Die Beschwerdeführerin wies hinsichtlich der Kostenfolgen für das 

verwaltungsgerichtliche Verfahren zudem darauf hin, dass ihre Beiständin 

Rechtsanwältin sei, weshalb ihr eine Entschädigung zustehe. Daneben 

seien die Kosten für die Prozessbewilligung der KESB von der IV-Stelle 

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zurückzuerstatten. Hinzu kämen die Kosten für das Verfahren vor Verwal-

tungsgericht, welche ebenfalls die IV-Stelle zu bezahlen habe.

13. Am 12. April 2023 (Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin den Be-

schluss der KESB D._____ vom 5. April 2023 nach, mit welchem der Bei-

ständin der Beschwerdeführerin die Zustimmung zur Prozessführung er-

teilt wurde. Hierfür wurde eine Gebühr von CHF 200.-- erhoben.

14. Mit Eingabe vom 18. April 2023 teilte die IV-Stelle (nachfolgend: Be-

schwerdegegnerin) dem Verwaltungsgericht mit, sie habe aufgrund der 

Vorbringen in der Beschwerde festgestellt, dass die Verzugszinsen auf die 

nachzuzahlenden Invalidenrenten nicht korrekt berechnet worden seien. 

Daher werde die angefochtene Verfügung vom 23. Februar 2023 aufge-

hoben bzw. pendente lite in Wiedererwägung gezogen und der Beschwer-

deführerin Verzugszinsen von insgesamt CHF 116'068.-- (anstatt 

CHF 55'565.--) zugesprochen. Anzufügen bleibe, dass aus den die AHV-

Rente betreffenden Verfügungen vom 23. Februar 2023 eine Rückforde-

rung von CHF 13'940.-- (= CHF 261'286.-- minus CHF 247'346.--) resul-

tiere. Diese Rückforderung sei mit den nachzuzahlenden Invalidenrenten 

verrechnet worden. Auf den Betrag von CHF 13'940.-- seien daher 

gemäss Art. 26 Abs. 4 lit. a ATSG keine Verzugszinsen geschuldet, so 

dass der Beschwerdeführerin Verzugszinsen von insgesamt CHF 

116'068.-- (und nicht CHF 127'545.--) zuzusprechen seien. Zudem sei dar-

auf hinzuweisen, dass der Verzugszins erst ab dem 1. Januar 2003 (In-

krafttreten des ATSG) zu entrichten sei. Es werde daher darum ersucht, 

das Beschwerdeverfahren wegen Gegenstandslosigkeit abzuschreiben, 

sofern sich die Beschwerdeführerin mit der vorliegenden Anerkennung 

einverstanden erkläre.

15. Mit Eingabe vom 8. Mai 2023 teilte die Beschwerdegegnerin zudem mit, 

dass der Beschwerdeführerin in Anbetracht der Anerkennung eine ange-

messene Parteientschädigung zugesprochen werden könne.

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16. Die Beschwerdeführerin liess sich am 31. Mai 2023 (Poststempel) dahin-

gehend vernehmen, dass sie dem Erledigungsvorschlag der Beschwerde-

gegnerin nicht zustimmen könne, da er erneut Fehler enthalte. Die Be-

schwerdegegnerin schlüssle nicht auf, wie sie die Zinsberechnung auf den 

Betrag von CHF 13'940.-- vornehme. Ihre Berechnung ergebe den Betrag 

von CHF 11'477.-- (= CHF 127'545.-- minus CHF 116'068.--). Ein Verzugs-

zins von 5 % auf den Betrag von CHF 13'940.-- mal ungefähr 20 Jahre 

(Invalidenrente vom Jahr 2003 bis Anfang 2023) ergebe ca.                       

CHF 11'477.--. Diese Zinsberechnung sei jedoch falsch, da die Verzugs-

zinsen auf die Invalidenrenten zehn Jahre mehr betrügen, als die AHV-

Rentennachzahlungen inkl. Verzugszinsen. Es könne also nicht sein, dass 

die Verzugszinsen für den Betrag von CHF 13'940.-- für 20 Jahre berech-

net würden. Die in Abzug zu bringenden Verzugszinsen würden sich un-

gefähr um die Hälfte von CHF 11'477.-- belaufen. Zudem sei zu bemerken, 

dass die Berechnung des Verzugszinses bis zum Monat vorzunehmen sei, 

in dem ausbezahlt werde, weshalb noch weitere Monate über den Februar 

2023 hinzukämen.

17. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 8. Juni 2023 und führte nament-

lich aus, dass wenn die nachzuzahlende Leistung wie vorliegend nur teil-

weise verzugszinspflichtig sei, der Verzugszins gemäss Art. 7 Abs. 3 

ATSV auf der gesamten Leistung zu berechnen und entsprechend dem 

Anteil der verzugszinspflichtigen Leistung an der gesamten Nachzahlung 

auszurichten sei. Dieser betrage hier 91.00175 % (CHF 140'979.-- von 

CHF 154'919.--). Folglich seien der Beschwerdeführerin Verzugszinsen in 

der Höhe von CHF 116'068.-- auszurichten (91.00175 % von 

CHF 127'545.--). Mit der durch den Versicherer vollständig erbrachten 

Leistung werde der Verzug und damit auch der Zinsenlauf beendet. Art. 7 

Abs. 2 ATSV konkretisiere dieses Ende dahingehend, dass die Zinspflicht 

am Ende des Monats ende, in welchem der Zahlungsauftrag erteilt werde. 

Zinseszinsen würden nicht geleistet, wofür auch eine gesetzliche Grund-

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lage fehle. Vorliegend seien der Beschwerdeführerin die nachzuzahlenden 

Invalidenrenten im März 2023 ausbezahlt worden, womit auch die Zins-

pflicht Ende März 2023 geendet habe.

18. Mit Triplik vom 19. Juni 2023 (Poststempel) hielt die Beschwerdeführerin 

erneut fest, dass sie dem Erledigungsvorschlag der Beschwerdegegnerin 

nicht zustimmen könne, da die Berechnung der Verzugszinsen nicht kor-

rekt sei.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in 

der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden Beweis-

mittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 23. Februar 2023. Eine solche An-

ordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsge-

richt am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungs-

gericht des Kantons Graubünden als dem örtlich und sachlich zuständigen 

Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. 

Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung 

[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemei-

nen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle 

und materielle Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der 

angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und sie hat ein schutzwür-

diges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Be-

schwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Zu-

dem ist die rechtmässige Vertretung der Beschwerdeführerin durch 

F._____ als Beiständin mit entsprechender Zustimmung zur Prozess-

führung durch die KESB D._____ mit Beschluss vom 5. April 2023 ausge-

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wiesen (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 5). Auf die im Übrigen 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten 

(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 

lit. b ATSG).

2. Vorliegend ist unstreitig, dass die Beschwerdegegnerin der 

Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. August 2000 bis zum 29. 

Februar 2012 monatliche Rentenleistungen in der Höhe von insgesamt 

CHF 154'919.-- nachzuzahlen und Verzugszinsen wegen verspäteter 

Auszahlung auszurichten hat. Nicht in Abrede gestellt wird der Umstand, 

dass der Verzugszins ab dem 1. Januar 2003, d.h. ab Inkrafttreten des 

ATSG, zu entrichten ist (vgl. Wegleitung über die Renten [RWL] in der 

Eidgenössischen            Alters-, Hinterlassenen- und 

Invalidenversicherung, gültig ab dem 1. Januar 2003, Stand: 1. Januar 

2023 [nachfolgend: RWL], Rz. 10512; siehe ferner BGE 130 V 329 und 

131 V 358). Streitgegenstand bildet vorliegend einzig die Frage der Höhe 

der von der Beschwerdegegnerin auszurichtenden Verzugszinsen. Dabei 

ist zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin in 

weitgehender Anerkennung mit Eingabe vom 18. April 2023 

Verzugszinsen von insgesamt CHF 116'068.-- anstatt – wie in der 

angefochtenen Verfügung vom 23. Februar 2023 noch festgehalten – 

deren CHF 55'565.-- zuspricht. Streitig ist somit nur noch, ob auf dem 

Differenzrückforderungsbetrag der zu viel ausgerichteten 

Altersrentenleistungen (sowie des darauf gewährten Verzugszinses) in der 

Höhe von CHF 13'940.--, welcher gemäss den die AHV-Rentenleistungen 

betreffenden Verfügungen vom 23. Februar 2023 mit der Nachzahlung der 

Invalidenrente verrechnet wird (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-

act.] 1 f.), Verzugszinsen zu entrichten sind, womit sich diese – 

bejahendenfalls – auf insgesamt CHF 127'545.-- belaufen würden.

3.1. Ist die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachge-

kommen, werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ab-

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lauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 

12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig (Art. 26 

Abs. 2 ATSG; vgl. auch BGE 140 V 558 E.3). Art. 26 ATSG sieht eine 

allgemeine Verzugs- und Vergütungszinspflicht vor, die in subjektiver Hin-

sicht für alle dem ATSG unterstellten Sozialversicherungen gilt und objek-

tiv sowohl auf die Leistungsansprüche der Versicherten als auch auf die 

Beitragsforderungen der Versicherer anwendbar ist (vgl. DOLF, in: 

FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler Kommentar, Allgemei-

ner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basel 2020, Art. 26 Rz. 6; KIESER, 

Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialver-

sicherungsrechts [ATSG], 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 26 Rz. 39 

f.). Absatz 2 von Art. 26 ATSG findet seinen Ursprung in der von der Lehre 

vor dem Inkrafttreten des ATSG vertretenen Auffassung, wonach öffent-

lich-rechtliche Geldforderungen grundsätzlich zu verzinsen sind (vgl. BBl 

1999 4579; DOLF, a.a.O., Art. 26 Rz. 27). Dem Verzugszins kommt die 

Funktion eines Vorteilsausgleichs wegen verspäteter Zahlung der Haupt-

schuld zu (vgl. Art. 102 des Obligationenrechts [OR; SR 220]; BGE 129 V 

345 E.4.2.1). Hingegen weist der Verzugszins keinen pönalen Charakter 

auf und ist unabhängig von einem Verschulden am Verzug geschuldet 

(vgl. BGE 139 V 297 E.3.3.2.2; KIESER, a.a.O., Art. 26 Rz. 11). Der Schuld-

nerverzug wird beendigt, wenn der Schuldner nachträglich die geschul-

dete Leistung erbringt (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 26 Rz. 63).

3.2. Gemäss Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des So-

zialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) beträgt der Satz für den Ver-

zugszins 5 % im Jahr. Abs. 2 derselben Bestimmung sieht vor, dass der 

Verzugszins monatlich auf dem bis Ende des Vormonats aufgelaufenen 

Leistungsanspruch berechnet wird; die Zinspflicht beginnt am ersten Tag 

des Monats, in welchem der Anspruch auf Verzugszinsen entstanden ist, 

und endet am Ende des Monats, in welchem der Zahlungsauftrag erteilt 

wird. Zinseszins wird nicht geleistet (vgl. RWL, Rz. 10505). Wie die Be-

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schwerdegegnerin vorbringt, fehlt hierfür eine gesetzliche Grundlage. Ist 

die Leistung nur teilweise verzugszinspflichtig, so ist nach Art. 7 Abs. 3 

ATSV der Verzugszins im Zeitpunkt der Nachzahlung auf der gesamten 

Leistung zu berechnen und entsprechend dem Anteil der verzugszins-

pflichtigen Leistung an der gesamten Nachzahlung auszurichten. 

3.3. Keinen Anspruch auf Verzugszinsen haben die berechtigte Person oder 

deren Erben, wenn die Nachzahlung an Dritte erfolgt (Art. 26 Abs. 4 lit. a 

ATSG).

4.1. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den sich auf CHF 13'940.-- be-

laufenden Differenzrückforderungsbetrag der zu viel ausgerichteten Al-

tersrentenleistungen (sowie des darauf gewährten Verzugszinses) mit der 

Nachzahlung der Invalidenrente (und dem Verzugszins) verrechnet. Dar-

auf ist vorab näher einzugehen.

4.2. Laut Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen 

zurückzuerstatten. Die Rückforderung zu Unrecht bezogener Geldleistun-

gen ist in der Sozialversicherung jedoch nur unter den für die Wiedererwä-

gung oder die prozessuale Revision formell rechtskräftiger Verfügungen 

massgebenden Voraussetzungen zulässig (BGE 126 V 23 E.4b, 126 V 42 

E.2b und 110 V 176 E.2a). Unter dem Titel der prozessualen Revision (vgl. 

Art. 53 Abs. 1 ATSG) hat die Verwaltung auf eine formell rechtskräftige 

Verfügung zurückzukommen, wenn neue Tatsachen oder neue Beweis-

mittel vorliegen, welche geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Beur-

teilung zu führen (BGE 127 V 466 E.2c). So stellt (auch) die rückwirkende 

Zusprache einer Invalidenrente einen prozessualen Revisionsgrund dar, 

der Anlass für eine Neuberechnung des Anspruchs auf die ursprünglich 

gewährten (hier: Altersrenten-)Leistungen gibt, woraus sich entweder eine 

Rückforderung zu viel ausgerichteter Leistungen oder eine Nachzahlung 

ergeben kann. Rückerstattungspflichtig nach Art. 2 Abs. 1 lit. a ATSV ist 

grundsätzlich, wer die unrechtmässig gewährten (hier: Altersrenten-)Leis-

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tungen bezogen hat (zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 

9C_313/2020 vom 3. März 2021 E.3). 

4.3. Die Rückforderung unrechtmässig bezogener Leistungen kann nicht nur 

durch Zahlung, sondern insbesondere auch durch Verrechnung getilgt 

werden. Das Erfordernis der Gegenseitigkeit der Verrechnungsforderun-

gen ist im Sozialversicherungsrecht insoweit zu relativieren, als es ent-

sprechend den spezialgesetzlichen Regelungen zulässig ist, Leistungen 

eines anderen Sozialversicherers, auch zweigübergreifend, mit der Rück-

forderung zu verrechnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_313/2020 

vom 3. März 2021 E.4.1 f.; siehe SCHLAURI, Die zweigübergreifende Ver-

rechnung und weitere Instrumente der Vollstreckungskoordination des So-

zialversicherungsrechts, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2004, 

S. 175 ff.). Da im ATSG eine allgemeine Verrechnungsnorm fehlt (BGE 

136 V 286 E.5.3), richtet sich die Tilgung von Forderungen mittels Ver-

rechnung nach den zweigbezogenen sozialversicherungsrechtlichen Be-

stimmungen. Vorliegend ist gestützt auf den Verweis von Art. 50 Abs. 2 

IVG die Bestimmung von Art. 20 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Al-

ters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) sinngemäss 

anwendbar (vgl. zum Ganzen: BGE 141 V 139 E.6.1). Danach dürfen na-

mentlich Forderungen aufgrund des AHVG mit fälligen IV-Leistungen ver-

rechnet werden. Damit statuiert Art. 50 Abs. 2 IVG eine allgemeine Verre-

chenbarkeit von Beitragsforderungen, Leistungen und Leistungsrückfor-

derungen der AHV und der IV (BGE 138 V 402 E.4.2 mit Hinweis). Eine 

zeitliche Kongruenz der gegenseitigen Forderungen in dem Sinne, dass 

diese den gleichen Zeitraum beschlagen müssen, wird nicht verlangt. We-

sentlich für die Zulässigkeit der Verrechnung ist somit entgegen der Auf-

fassung der Beschwerdeführerin nicht, dass Forderung und Gegenforde-

rung im gleichen Zeitpunkt entstanden sind, sondern dass beide im Zeit-

punkt der Verrechnung fällig sind (BGE 140 V 233 E.3.2 in fine und 125 V 

- 14 -

317 E.4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_34/2018 vom 4. Dezember 2018 

E.1.2).

4.4. Dass die AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden die zu viel be-

zogenen Altersrentenleistungen im Umfang von CHF 13'940.--, welche 

sich aus der Differenz der im Zeitraum vom 1. März 2012 bis zum 28. Fe-

bruar 2023 ausgerichteten Altersrenten samt Verzugszins in der Höhe von 

CHF 261'286.-- und den nachgezahlten Leistungen von CHF 247'346.-- 

ergeben, zurückfordern durfte (vgl. Verfügungen der AHV-Ausgleichs-

kasse des Kantons Graubünden vom 23. Februar 2023 [Bg-act. 1 f.]), wird 

von keiner Seite in Abrede gestellt. Die AHV-Ausgleichskasse begründete 

dies – wie dargelegt – damit, dass die gestützt auf das Bundesgerichtsur-

teil vom 6. Dezember 2022 nachbezahlte Invalidenrente einen Einfluss auf 

die Berechnung der Altersrente habe. Bei Personen, die eine Invaliden-

rente nicht unmittelbar vor der Entstehung des Anspruchs auf eine Alters- 

oder Hinterlassenenrente bezogen hätten, würden die während des Be-

zugs einer früheren Invalidenrente zurückgelegten Beitragszeiten und die 

entsprechenden Erwerbseinkommen nicht angerechnet, falls dies für die 

berechtigte Person günstiger sei (vgl. Art. 51 Abs. 3 der Verordnung über 

die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Diese 

gesetzliche Grundlage treffe nicht mehr zu, da mit dem Anspruch auf eine 

Invalidenrente bis unmittelbar zur Entstehung des Anspruchs auf eine Al-

tersrente ab März 2012 die zurückgelegten Beitragszeiten und die Er-

werbseinkommen in jedem Fall und ausschliesslich angerechnet werden 

müssten. Bei der am 4. Mai 2020 verfügten Altersrente seien diese Bei-

tragszeiten und die Erwerbseinkommen nicht berücksichtigt worden, weil 

diese Variante für die berechtige Person ungünstiger gewesen wäre. 

Diese Änderung in der Berechnung führe zu einer tieferen Altersrente. 

Daraus ergebe sich eine Differenzrückforderung der zu viel ausgerichteten 

Leistungen sowie eine entsprechende Reduktion des gewährten Verzugs-

zinses. Der Differenzrückforderungsbetrag der Altersrente sowie der zu 

- 15 -

viel ausgerichtete Verzugszins würden mit der Nachzahlung und dem Ver-

zugszins der Invalidenrente verrechnet. Die AHV-Ausgleichskasse des 

Kantons Graubünden verfügte deshalb am 23. Februar 2023 eine Nach-

zahlung von insgesamt CHF 247'346.-- für den Zeitraum vom 1. März 2012 

bis zum 28. Februar 2023, die sich aus den monatlichen Altersrenten in 

der Höhe von total CHF 216'326.-- und einem Verzugszins von 

CHF 31'020.-- zusammensetzte (vgl. Bg-act. 1). Zudem forderte sie die im 

gleichen Zeitraum ausgerichteten Altersrenten samt Verzugszins von total 

CHF 261'286.-- zurück und wies noch einmal darauf hin, dass die sich er-

gebende Differenzrückforderung mit der Nachzahlung der Invalidenrente 

verrechnet werde (vgl. Bg-act. 2). Dass diese beiden Verfügungen der 

AHV-Ausgleichskasse des Kantons Graubünden vom 23. Februar 2023 

von der Beschwerdeführerin mittels Einsprache angefochten worden 

wären, wird nicht geltend gemacht. Indem die Rückforderung der AHV-

Rentenleistungen somit ihre Begründung in der rückwirkend nachbezahl-

ten Invalidenrente fand, lagen – im Sinne der hier zu prüfenden Vorfrage 

(vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., 

Zürich/ St. Gallen 2020, Rz. 1744 ff.) – auch die Voraussetzungen für ein 

Zurückkommen auf die ursprünglich zugesprochenen Altersrentenleistun-

gen mittels prozessualer Revision vor. 

4.5. Insofern könnte der vorgenannte Differenzbetrag von CHF 13'940.-- we-

gen zu viel bezogener Altersrentenleistungen grundsätzlich durch Ver-

rechnung mit der nachgezahlten Invalidenrente in der Höhe von 

CHF 154'919.-- getilgt werden. Eine zeitliche Kongruenz der sich gegenü-

berstehenden Forderungen wird – wie dargelegt – nicht verlangt. Aller-

dings dürfen Forderungen praxisgemäss nur soweit mit Versicherungsleis-

tungen verrechnet werden, als dadurch das betreibungsrechtliche Exis-

tenzminimum der versicherten Person nicht tangiert wird (BGE 136 V 286 

E.6.1 und 131 V 249 E.1.2). Dabei stellt sich nach der Rechtsprechung die 

Frage der Zulässigkeit der Verrechnung unter dem Gesichtspunkt der 

- 16 -

Wahrung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums nicht nur bei ei-

ner laufenden, monatlich ausgerichteten Rente, sondern auch bei Renten-

nachzahlungen, weil auch diese zum Zweck haben, den Existenzbedarf 

der versicherten Person zu decken (Art. 34quater Abs. 2 Satz 3 aBV [Bun-

desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101]; Art. 112 

Abs. 2 lit. b BV), und zwar in jener Zeitspanne, für welche sie nachbezahlt 

werden. Begründet wurde diese Praxis teilweise damit, dass es die Ver-

waltung sonst in der Hand hätte, durch Zuwarten mit dem Erlass der Ren-

tenverfügung die Verrechnungsschranke zu umgehen (vgl. zum Ganzen: 

BGE 138 V 402 E.4.2 und 136 V 286 E.6.2, je mit Hinweisen; siehe ferner 

auch RWL, Rz. 10919). Die Verrechnungsschranke des Existenzmini-

mums kommt indessen nicht zum Tragen, wenn dieses im fraglichen Zeit-

raum durch Leistungen der Sozialhilfe sichergestellt gewesen ist (vgl. BGE 

136 V 286 E.8.1 und 121 V 17 E.4d, je mit Hinweisen). Zur Begründung 

wird unter anderem angeführt, dass der Schutz des Existenzminimums 

sich an Art. 125 Ziff. 2 OR anlehnt, wonach Verpflichtungen, deren beson-

dere Natur die tatsächliche Erfüllung an den Gläubiger verlangt, wie Un-

terhaltsansprüche und Lohnguthaben, die zum Unterhalt des Gläubigers 

und seiner Familie unbedingt erforderlich sind, nicht durch Verrechnung 

getilgt werden können (vgl. auch BGE 130 V 505 E.2.4). Diese Bestim-

mung will – wie jene des Art. 93 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Schuld-

betreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) – einzig vermeiden, dass je-

mand durch die Verrechnung tatsächlich ins Elend gestossen wird, was 

nicht der Fall ist, wenn es um eine nachträgliche Beurteilung für einen Zeit-

raum geht, für welchen Sozialhilfe ausgerichtet worden ist (BGE 136 V 286 

E.8.2; Urteile des Bundesgerichts 9C_621/2016 vom 21. Juni 2017 E.2.2 

und 9C_1015/2010 vom 12. April 2011 E.2.2).

4.6. Das Bundesgericht hat in Bestätigung dieser Rechtsprechung die Verrech-

nung einer Rentennachzahlung verweigert für einen früheren Zeitraum, in 

welchem der dortige Versicherte mangels Unterstützung durch die Sozial-

- 17 -

behörde unter dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum gelebt hatte. 

Es lehnte eine Praxisänderung ab, wonach bei Rentennachzahlungen die 

Zulässigkeit einer Verrechnung generell nicht mehr unter dem Gesichts-

punkt der Wahrung des Existenzminimums zu prüfen gewesen wäre (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 9C_1015/2010 vom 12. April 2011 E.3.4). Dar-

aus ergibt sich, dass das Verrechnungsverbot dann nicht gilt, wenn das 

Existenzminimum während der fraglichen Zeitspanne durch Leistungen 

der Sozialhilfe gewährleistet war, und dass die Beachtung der Verrech-

nungsschranke bei Nachzahlungen vor allem sicherstellen soll, dass es 

nicht zufolge zeitlicher Verschiebung von Zahlungen zu ungerechtfertigten 

Nachteilen für die versicherte Person kommt (vgl. BGE 138 V 402 E.4.3). 

4.7. Vorliegend liegt aufgrund des Umstands, dass die Beschwerdeführerin 

seit Ende des Jahres 1999 bis Februar 2020 als vermisst galt, nahe, dass 

sie im hier massgeblichen Zeitraum vom 1. August 2000 bis zum 29. Fe-

bruar 2012 keine Unterstützung durch die Sozialhilfe erfahren hat. Es 

leuchtet ohne Weiteres ein, dass eine versicherte Person, welche während 

eines bestimmten Zeitraums Sozialhilfe bezogen hat und für denselben 

Zeitraum eine Rentennachzahlung bekommt, sich nicht auf die Verrech-

nungsschranke des betreibungsrechtlichen Existenzminimums berufen 

kann, weil diese zum Zwecke hat, zu vermeiden, dass jemand durch die 

Verrechnung tatsächlich ins Elend gestossen wird, wovon angesichts der 

von der Sozialhilfe erhaltenen Unterstützung nicht die Rede sein kann (vgl. 

E.4.5 hiervor). Anders verhält es sich jedoch, wenn die versicherte Person 

unter dem Existenzminimum gelebt und dennoch (aus irgendwelchen 

Gründen) keine Unterstützung der Sozialbehörde beansprucht hat; denn 

in diesem Fall kann nicht argumentiert werden, dass das Existenzmini-

mum im fraglichen Zeitraum durch die Sozialbehörde sichergestellt gewe-

sen und der Zweck der Verrechnungsschranke damit hinfällig sei. Wohl 

lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Verzicht auf die Verrech-

nung der Nachzahlung für die Vergangenheit nicht zu einem besseren Le-

- 18 -

ben führt (vgl. SCHLAURI, a.a.O., S. 151). Allerdings merkte das Bundes-

gericht bereits im Urteil 9C_1015/2010 vom 12. April 2011 an, dass die 

versicherte Person – soweit sie nicht über hinreichendes Vermögen ver-

fügte – gezwungen gewesen sein dürfte, sich die Mittel zur Existenzwah-

rung anderweitig zu beschaffen, wobei beispielsweise an eine Bevor-

schussung von privater Seite zu denken ist, die es nachträglich zurückzu-

erstatten gilt (vgl. dortige E.3.4). Im hier zu beurteilenden Fall fehlen jegli-

che Angaben und Abklärungen zum Existenzminimum der Beschwerde-

führerin im vorliegend massgeblichen Zeitraum sowie zu möglichen unge-

rechtfertigten Nachteilen, welche ihr durch eine Verrechnung zuteil kämen. 

Ebenso wenig lassen sich den Akten Hinweise darauf entnehmen. Die An-

gelegenheit ist daher in Nachachtung der bisherigen Rechtsprechung an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie das Existenzmini-

mum der Beschwerdeführerin für die hier massgebliche Zeitspanne er-

mittle, die Verrechnung unter diesem Aspekt prüfe und hernach über die 

zu entrichtenden Verzugszinsen neu entscheide.

5. Sollte sich die Verrechnung der Rückforderung der zu viel ausgerichteten 

Altersrentenleistungen im Umfang von CHF 13'940.-- mit der nachzuzah-

lenden Invalidenrente als zulässig erweisen, reduzierte sich die nachzu-

zahlende Invalidenrente von CHF 154'919.-- auf CHF 140'979.--. Da mit 

der Tilgung der Rückforderung zu viel ausgerichteter Altersrentenleistun-

gen eine gültige Nachzahlung an Dritte erfolgte, wäre gemäss Art. 26 

Abs. 4 lit. a ATSG ein Verzugszins ausgeschlossen (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 9C_313/2020 vom 3. März 2021 E.6.3). Denn dessen Zweck 

besteht darin, die verspätete Verfügbarkeit des geschuldeten Betrags aus-

zugleichen, was bei Dritten gerade nicht der Fall ist (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 9C_313/2020 vom 3. März 2021 E.6.3; KIESER, a.a.O., Art. 26 

Rz. 70). Auch beschlügen die Verzugszinsen die gleiche Zeitspanne (bis 

Ende März 2023, vgl. dazu sogleich), für welche die Drittauszahlung der 

Invalidenrente vorgenommen würde (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 26 Rz. 73). 

- 19 -

Demnach wäre die nachzuzahlende Invalidenrente nur teilweise verzugs-

zinspflichtig, womit der Verzugszins im Nachzahlungszeitpunkt auf der ge-

samten Leistung zu berechnen und entsprechend dem Anteil der verzugs-

zinspflichtigen Leistung an der gesamten Nachzahlung auszurichten wäre 

(vgl. Art. 7 Abs. 3 ATSV und RWL, Rz. 10509). Bei der gesamten Nach-

zahlung der Invalidenrente im Umfang von CHF 154'919.-- betrüge der 

Verzugszins CHF 127'545.-- (vgl. Bg-act. 7), was auch von der Beschwer-

deführerin anerkannt wird (vgl. Triplik der Beschwerdeführerin vom 

19. Juni 2023 S. 2). Der Anteil der verzugszinspflichtigen Leistung in der 

Höhe von CHF 140'979.-- an der gesamten Nachzahlung                          

(CHF 154'919.--) beliefe sich auf 91.00175 %. Demnach wären der Be-

schwerdeführerin Verzugszinsen im Umfang von 91.00175 % von 

CHF 127'545.--, mithin CHF 116'068.-- auszurichten. Da die Zahlung der 

Invalidenrente unbestrittenermassen im März 2023 erfolgte (vgl. Duplik 

der Beschwerdegegnerin vom 8. Juni 2023 S. 2 und Triplik der Beschwer-

deführerin vom 19. Juni 2023 S. 1), endete der Verzug und damit auch der 

Zinslauf per Ende März 2023 (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSV und RWL, 

Rz. 10504), wovon die Beschwerdeführerin denn auch in ihrer Triplik vom 

19. Juni 2023 (ähnlich wie in ihrer Beschwerde vom 20. März 2023 mit 

Februar 2023) ausging, nachdem sie in ihrer Replik vom 31. Mai 2023 

noch Verzugszinsen für weitere Monate geltend gemacht hatte.

6. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Beschwerde demnach insoweit gut-

zuheissen, als das Verfahren nicht ohnehin infolge Anerkennung gegen-

standslos geworden ist. Die angefochtene Verfügung vom 23. Februar 

2023 ist hinsichtlich des zu entrichtenden Verzugszinses auf dem Verrech-

nungsbetrag von CHF 13'940.-- aufzuheben und die Angelegenheit zu 

weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid 

an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

7.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das Beschwer-

deverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der Invalidenversiche-

- 20 -

rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von CHF 200.‑‑ bis CHF 1'000.‑‑ festgelegt. Im vorliegenden Fall 

rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten in Berücksichtigung des bundes-

rechtlichen Kostenrahmens auf CHF 500.‑‑ festzusetzen. Die Rückwei-

sung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als vollständiges Obsie-

gen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der Verteilung der Ge-

richtskosten und der Zusprache einer Parteientschädigung (vgl. BGE 141 

V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1 und 132 V 215 E.6.2). Infolge des Ausgangs 

des Beschwerdeverfahrens sind die Gerichtskosten von CHF 500.‑‑ dem-

nach der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).

7.2. Die Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf einen aussergerichtli-

chen Parteikostenersatz (siehe Art. 61 lit. g ATSG). Als Bemessungskrite-

rien für dessen Höhe nennt Art. 61 lit. g ATSG die Bedeutung der Streit-

sache und die Schwierigkeit des Prozesses. Im Übrigen wird die Bemes-

sung dem kantonalen Recht überlassen (siehe Urteile des Bundesgerichts 

8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.5.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 

2018 E.6.2, 8C_98/2017 vom 27. Oktober 2017 E.4.1 f. und 8C_136/2016 

vom 11. August 2016 E.2.1 f.). Art. 78 Abs. 1 VRG bestimmt, dass im 

Rechtmittel- und Klageverfahren die unterliegende Partei in der Regel ver-

pflichtet wird, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit verur-

sachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Darunter fallen regelmässig die 

durch den Beizug einer mandatierten, externen Rechtsanwältin mittels Ho-

norarnote ausgewiesenen (Vertretungs-)Kosten (vgl. dazu auch Art. 16a 

Abs. 2 und Art. 19 des kantonalen Anwaltsgesetzes [BR 310.100] i.V.m. 

Art. 2 Abs. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der 

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Honorarverordnung, HV; 

BR 310.250]). Die Beschwerdeführerin hat sich vorliegend nicht durch 

eine (externe) Rechtsanwältin vertreten lassen, sondern durch ihre (zur 

Prozessführung ermächtigte) Beiständin. Dabei ist allerdings zu beachten, 

- 21 -

dass diese Rechtsanwältin ist (vgl. Bf-act. 2). Zudem hat die Beschwerde-

gegnerin mit Eingabe vom 8. Mai 2023 in Anbetracht ihrer Anerkennung 

anerkannt, dass der Beschwerdeführerin eine angemessene Parteien-

tschädigung zugesprochen werden könne. Die Vertreterin der Beschwer-

deführerin machte in der Triplik vom 19. Juni 2023 insgesamt einen Auf-

wand von 12 Stunden à CHF 200, d.h. CHF 2'400.-- geltend. Sodann 

reichte sie dem Gericht am 26. Juni 2023 ihre Honorarrechnung über 

CHF 2'908.65 (13.33 Stunden à CHF 200.-- + Auslagen von CHF 242.-- 

[davon CHF 200.-- für die Prozessbewilligung der KESB]) ein. Die geltend 

gemachten Auslagen von CHF 42.-- (ohne Kosten für die Prozessbewilli-

gung der KESB von CHF 200.--) sind grundsätzlich nicht zu beanstanden. 

Allerdings erscheint der geltend gemachte Aufwand für das vorliegende 

Verfahren angesichts der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig-

keit des Prozesses als zu hoch und ist dementsprechend zu reduzieren. 

Dem streitberufenen Gericht scheint eine pauschale Entschädigung von 

CHF 1'800.-- als angemessen. Hinzu kommen noch die Kosten für den 

Beschluss der KESB D._____ vom 5. April 2023 betreffend Zustimmung 

zur Prozessführung in der Höhe von CHF 200.-- (vgl. Bf-act. 5). Die Be-

schwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin demnach im Umfang von 

insgesamt CHF 2'000.-- zu entschädigen.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als das Verfahren nicht oh-

nehin infolge Anerkennung gegenstandslos geworden ist. Die angefoch-

tene Verfügung vom 23. Februar 2023 wird hinsichtlich des zu entrichten-

den Verzugszinses auf dem Verrechnungsbetrag von CHF 13'940.-- auf-

gehoben und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der 

Erwägungen und zu neuem Entscheid an die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden zurückgewiesen.

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2. Die Kosten von CHF 500.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden. 

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ aussergerichtlich mit 

insgesamt CHF 2'000.-- zu entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilung]