# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fa3a2778-506c-5e8a-bd10-7f280c0bd0df
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.10.2008 D-5057/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5057-2006_2008-10-29.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5057/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richterin Therese Kojic, Richter Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A._______
Sri Lanka,
vertreten durch Barbara Frei-Koller, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreise und Asyl; Verfügung des BFM vom 20. Oktober 
2006 / N_______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5057/2006

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 14. Dezember 2001 bei der Schweize-
rischen Botschaft in Colombo ein erstes Asylgesuch einreichte, 

dass  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF),  nachdem  am 
15. Mai  2002  eine  Anhörung  des  Beschwerdeführers  in  B._______ 
stattgefunden hatte, mit Verfügung vom 19. März 2003 das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers ablehnte und die Einreise in die Schweiz ver-
weigerte,

dass der Beschwerdeführer mit auf den 6. Juni 2006 datierter, bei der 
B._______ am 8. Juni 2006 eingegangener Eingabe erneut  um Asyl 
nachsuchte,

dass diese Eingabe in der Folge ans BFM weitergeleitet wurde, 

dass das BFM mit - durch die B._______ eröffnetem - Schreiben vom 
7. August  2006  den  Beschwerdeführer  unter  Ansetzung  einer  vier-
zehntägigen Frist zur Beantwortung einzelner konkreter Fragen im Zu-
sammenhang mit seinem Asylgesuch aufforderte, 

dass der Beschwerdeführer mit auf den 24. September 2006 datierter, 
bei  der  B._______am  28.  September  2006  eingegangener  Eingabe 
dieser Aufforderung nachkam, 

dass das BFM mit Verfügung vom 20. Oktober 2006 das zweite Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers ablehnte und ihm die Einreise in die 
Schweiz verweigerte,

dass der Beschwerdeführer mit vorab per Telefax eingelangter Eingabe 
seiner Rechtsvertreterin vom 6. Dezember 2006 an die damals zustän-
dige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde gegen 
die Verfügung des BFM vom 20. Oktober 2006 Beschwerde erhob und 
dabei sinngemäss um Einsicht in die vorinstanzlichen Akten und einer 
damit verbundenen Frist zur Beschwerdeergänzung ersuchte,

dass im Weiteren beantragt wurde, der Beschwerdeführer sei von der 
B._______ zu seinen Asylgründen ergänzend anzuhören, 

dass die ARK, nachdem das BFM am 8. Dezember 2006 antragsge-
mäss Akteneinsicht gewährt hatte, der Rechtsvertreterin mit Zwischen-

Seite 2

D-5057/2006

verfügung  vom  13.  Dezember  2006  Gelegenheit  zur  Beschwerdeer-
gänzung bis zum 28. Dezember 2006 gewährte, 

dass die Rechtsvertreterin in ihrer Beschwerdeergänzung vom 28. De-
zember 2006 unter anderem um Einsicht in das im Rahmen des ersten 
Asylverfahrens  des  Beschwerdeführers  erstellte  Befragungsprotokoll 
vom 15. Mai 2002 ersuchte, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
16. März  2007  diesem  Antrag  entsprach  und  im  Weiteren  die  Vor-
instanz zur Vernehmlassung einlud,

dass das BFM in seiner Vernehmlassung vom 22. März 2007 an sei-
nen Erwägungen vollumfänglich festhielt  und die Abweisung der Be-
schwerde beantragte,

dass diese Vernehmlassung der Rechtsvertreterin mit Zwischenverfü-
gung vom 31. Juli 2007 zur Kenntnis gebracht wurde, 

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM ent-
scheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG, 
SR 142.31]  i.V.m. Art. 31  -  34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass die bei der ARK am 31. Dezember noch hängigen Beschwerde-
verfahren  per  1.  Januar  2007  durch  das  Bundesverwaltungsgericht 
übernommen wurden und durch dieses  weitergeführt  werden,  wobei 
das neue Verfahrensrecht Anwendung findet (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

Seite 3

D-5057/2006

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 52 
VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), 

dass gemäss Art. 19 Abs. 1 AsylG ein Asylgesuch im Ausland bei einer 
schweizerischen Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem 
Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG), wobei die 
schweizerische Vertretung mit der asylsuchenden Person in der Regel 
eine Befragung durchführt  (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 
11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]),

dass, wenn eine Befragung nicht möglich ist, die asylsuchende Person 
von der Vertretung aufgefordert wird, ihre Asylgründe schriftlich festzu-
halten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1), 

dass  gemäss  Praxis  im  Auslandverfahren  von  einer  Befragung  der 
asylsuchenden Person nur abgewichen werden kann, wenn eine Be-
fragung faktisch oder aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen 
Gründen unmöglich ist (vgl. BVGE 2007/30 E. 5 S. 362 ff.), 

dass,  wenn  die  Befragung  nicht  durchgeführt  werden  kann,  die  ge-
suchstellende Person - soweit möglich und notwendig - mittels eines 
individualisierten und konkretisierten Schreibens aufgefordert  werden 
muss, ihre Gründe für das Asylgesuch schriftlich einzureichen und sie 
dabei auf die allfällige Konsequenz eines negativen Entscheids infolge 
Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht aufmerksam zu machen ist, 

dass sich eine persönliche Befragung ebenfalls erübrigen kann, wenn 
der Sachverhalt  schon aufgrund des eingereichten Asylgesuchs ent-
scheidreif erstellt ist, 

dass der asylsuchenden Person das rechtliche Gehör zu gewähren ist, 
wenn sich ein negativer Entscheid abzeichnet, 

dass das Bundesamt gehalten ist, den Verzicht auf eine Befragung im 
Ausland  in  der  Verfügung  zu  begründen  (vgl.  BVGE  2007/30  E.  5 
S. 362ff.),

Seite 4

D-5057/2006

dass vorliegend davon auszugehen ist, dass eine Befragung des Be-
schwerdeführers durch die B._______ möglich gewesen wäre,

dass  das  BFM dem Beschwerdeführer  gemäss Rechtsprechung des 
Bundesverwaltungsgerichts zudem zwingend das rechtliche Gehör zu 
dem sich  abzeichnenden  negativen  Entscheid  hätte  gewähren  müs-
sen, was indessen unterlassen wurde,

dass dieser Mangel auf Beschwerdeebene nicht zu heilen ist, zumal es 
aufgrund der in der Beschwerde geltend gemachten Vorbringen, wel-
che näherer Prüfung bedürfen, zur vollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung  notwendig  erscheint,  den  Beschwerdeführer  zu  befragen  oder 
diesem zumindest Gelegenheit zu geben, zu einzelnen konkreten Fra-
gen schriftlich Stellung zu nehmen, 

dass indessen dem Beschwerdeführer nicht allein aufgrund der unter-
lassenen  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen ist, 

dass im Weiteren aufgrund der Aktenlage nicht genügend konkrete An-
haltspunkte für die Annahme bestehen, dem Beschwerdeführer wäre 
ein Verbleib in Sri Lanka für die Dauer der weiteren, noch erforderli-
chen  Verfahrenshandlungen  nicht  zumutbar  im  Sinne  von  Art. 20 
Abs. 2 AsylG, 

dass  nach  dem  Gesagten  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben 
und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie zur Neubeurteilung 
im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, 

dass  somit  die  Beschwerde  gutzuheissen,  die  vorinstanzliche  Verfü-
gung vom 20. Oktober 2006 aufzuheben und die Vorinstanz anzuwei-
sen  ist,  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren, 
den rechtserheblichen Sachverhalt gegebenenfalls ergänzend vollstän-
dig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), 

dass dem vertretenen Beschwerdeführer als obsiegende Partei für die 
entstandenen Parteikosten eine angemessene Entschädigung zu Las-
ten des  BFM auszurichten ist  (Art.  64  VwVG und Art.  7  des  Regle-
ments über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

Seite 5

D-5057/2006

tungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2], welche auf-
grund des geschätzten Aufwandes auf Fr. 800.– bestimmt wird.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 6

D-5057/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.
Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben und das Verfahren wird 
im Sinne der Erwägungen zum neuen Entscheid an das BFM zurück-
gewiesen.

3.
Es werden keine  Verfahrenskosten  erhoben. Dem Beschwerdeführer 
ist von der Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 800.– zu ent-
richten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (eingeschrieben)
- (...)
- das BFM, mit den Akten Ref-Nr. N_______(in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand am:

Seite 7