# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 59da3f4f-e85f-53e3-a150-d80008d62fbc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-12
**Language:** de
**Title:** Rentenprüfung bei leichter, allenfalls mittelgradig depressiver Episode; Tinnitus unter Berücksichtigung von BGE 138 V 248 als subjektives, nicht objektivierbares Leiden, Indikatorenprüfung gemäss BGE 141 V 281. (BGE 8C_456/2016) (hängig)
**Docket/Reference:** IV.2014.01267
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.01267.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.01267
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Schetty
Urteil
vom
12. Mai 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1959 geborene
X.___
ist praktische Ärztin, seit 2010 selbständig in der eigenen Praxis
ohne Angestellte
tätig, vorwiegend im Bereich der
Kom
ple
mentärmedizin
(
Urk.
7/12). Wegen seit Sommer 2012 bestehender psychi
scher Beschwerden (posttraumatisches Geschehen, Tinnitus) meldete sie sich am 2
8.
März 2013 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6).
Diese holte aktuelle Berichte der be
handelnden Ärzte ein und liess die Versicherte beim Regionalärztlichen Dienst
psychiatrisch abklären (psychiatrischer Untersuchungsbericht RAD vom 3
0.
April
2014;
Urk.
7/24). Mit Vorbescheid vom
7.
Mai 2014 stell
t
e die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/27) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2014 fest (
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte am 3
0.
Dezember
2014 (richtig wohl: 3
0.
Novem
ber 2014) Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Zusprache
einer Invali
den
rente, eventualiter die Anordnung ein
er neutralen Begutachtung (Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Januar 2015 beantragte die
Beschwerdegegne
rin
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 2
6.
Januar
2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8). Mit Schrei
ben
vom 2
3.
März 2015 (
Urk.
10)
und 1
7.
Dezember 2015 (
Urk.
15)
reichte diese ergänzende
ärztliche
Berichte ein (
Urk.
9/1-3, Urk.
16/1-4
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen
muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352
begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Ver
si
che
rungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3
von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung.
Das
bis
herige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturier
tes
Beweis
ver
fahre
n
er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Be
rücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objek
ti
vierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweislast der
rentenanspre
chen
den
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des
bis
herigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und
vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gelfall beachtliche
Stand
ardindikatoren
. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären
Krank
heitsgewinnes
und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – recht
lich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines
rentenbegrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswir
kun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit
(zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt es daran,
hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen
Stan
dardindikatoren
, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert wer
den können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, ver
schaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass keine medizinischen Befunde dokumentiert seien, die zu einer länger andauern
den Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt hätten. Der Beschwerdeführerin sei eine vollschichtige Arbeitstätigkeit als Ärztin zuzumuten (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
sie seit dem 2
7.
September
2012 chronisch krank sei und es ab 1
9.
Oktober 2014
zu einer Exazerbation der Beschwerden gekommen sei, so dass sie darauf
hin zunehmen
d
unfähig gewesen sei, den Alltag und die beruflichen Aufgaben zu bewältigen.
Die Ausführung im RAD-Bericht vom 3
0.
April 2014 seien nicht schlüssig, vielmehr sei aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen von einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 60
%
auszugehen. Zudem sei ein aktueller Bericht von
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, einzuholen, wahrscheinlich bestehe auch Bedarf an einer neutralen Begutachtung (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte in seinem Bericht vom 1
4.
Dezember 2013 eine depressive Entwicklung in wahrscheinlich beruflicher Überforderungssituation, zurzeit mittelschwere bis zeitweise schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01 bis F32.11).
Zusammen mit einer Fachpsychotherapeutin werde
die Patientin regelmässig mit delegierter Psychotherapie begleite
t
, einen Aufenthalt in einer Klinik habe die
Beschwerdeführerin
abge
lehnt. Weiter finde eine Medikation mit
Quetiapin
und Citalopram statt. Seit dem 2
8.
November 2013 sei bis auf wei
teres von einer 60%igen Arbeitsunfähig
keit auszugehen (
Urk.
7/20
/1-2
).
3.2
Med.
pract
.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
RAD
, diagnos
tizierte in seinem Bericht vom 3
0.
April 2014
(Urk. 7/24)
ohne dauerhafte Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ein
en
Tinnitus links,
einen Verdacht auf
akzen
tuierte
Persönlichkeits
züge
sowie ein
en
Daumengrundgelenksschaden rechts
nach Unfall
(S. 5 f.)
. Wegen nicht ausreichend zutreffenden Berichten habe
die Beschwerdeführerin
die delegierte Psychotherapie bei
Dr.
Z.___
aufgegeben und sei vor zwei Monaten zu
Dr.
Y.___
gewechselt. Stationäre Therapien hätten nie
stattgefunden, pharma
kotherapeutisch nehme
sie
Passiflora
,
Avena
sativa
, Baldrian und andere Kräu
ter
(S.
3 f.)
.
Aktuell
seien
keine Hinweise auf eine nennenswerte depressive Störung
zu finden
. Im Rückblick könnte eine
Anpas
sungs
störung
diagnostiziert werden, nachdem die Beschwerdeführerin durch Bau
lärm genervt und durch eine Haus
durchsuchung nachvollziehbar belastet
gewesen sei
. Möglicherweise würden ak
zentuierte Persönlichkeitszüge vorliegen, die zu einer Senkung der subjektiven Belastbarkeitsgrenze geführt hätten. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit zuzu
muten (
S. 6 f.
).
3.3
Dr.
Y.___
führte in seinem Schreiben vom 1
2.
Juni
2014 aus, dass für ihn der hart
näckige Tinnitus im Vordergrund stehe, der zu einer asthenischen Entwick
lung und einer Erschöpfungsdepression geführt habe.
Im angestammten Beruf sei von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
7/31
/3
).
3.4
D
e
r
für den Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
B.___
vom 1
9.
Mai 2014 v
erantwor
tliche
Fach
a
rzt
PD Dr. med.
C.___
, Leitender Arzt, diagnostizierte
einen chronisch
dekom
pen
sierten
Tinnitus beidseits, links mehr als rechts, eine
sensorineurale
Schwer
hörigkeit im Hochfrequenzbereich beidseits von
ge
ringgradiger
Ausprägung, einen V
erdacht auf
Anpassungsstö
rung
, einen Verdacht auf Erschöpfungssyn
drom sowie eine
Hyperakusis
. Von ohrenärztlicher Seite sehe er keine soma
tischen Therapieansätze, aus seiner Sicht sollte die psychiatrische Therapie im Vordergrund stehen.
Eine entspre
chende Konsultation bei der Psychiatrischen Klinik des
B.___
sei vereinbart wor
den (
Urk.
7/31
/1-2
).
3.5
Die für den Bericht der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie des
B.___
vom
6.
November
2014 verantwortlichen Fachärzte
diagnostizierten eine leichte de
pres
sive Episode (ICD-10 F32.0) sowie ein
en
Tinnitus beidseits. Die Medikation bestehe in der Einnahme von Johann
i
skraut. Sie würden eine psychothera
peu
tische Be
handlung der Beschwerdeführerin unter Einbezug von Entspannungs
übungen empfehlen. Wichtig sei dabei die Stressbewältigung und der Umgang mit der
Tinnitussymptomatik
. Die Prognose in Bezug auf die depressive Symp
tomatik würden sie bei einer solchen Behandlung als günstig einschätzen (
Urk.
9/1).
3.6
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie, diagnosti
zierte in seinem Bericht vom 1
9.
Oktober 2014 eine Tendovaginitis der
Streck
sehnen
Handgelenk rechts (IV. Strecksehnenfach) sowie eine
Ansatz-Tendino
pathie
der Handgelenks-Extensoren recht
s
(ECR-
longus
et
brevis
). Im Anschluss an die seit April 2013 zunehmende Tätigkeit in der eigenen Praxis sei es zu den genannten Beschwerden gekommen. Seit ca. vier Monaten hätten sich die Be
schwerden eher verstärkt. Schwellung
en
würden nur spärlich auftreten und seien bei der heutigen Untersuchung nicht vorhanden. Bei den zahlreichen therapeu
tischen Anwendungen seien die Beschwerden eine Folge der Entlastung des Daumens (Unfallfolgen
; Verletzung an beiden Händen resp. Daumen
). Er habe der Beschwe
rdeführerin eine konservativ
e
to
pische
Behandlung empfohlen und das Tragen einer stützenden
Handgelenks
schiene
(
Urk.
16/1).
3.7
In seinem Bericht vom 1
9.
Januar 2015 führte
Dr.
Y.___
aus, dass die Beschwer
deführerin an einer Reizüberflutung leide, wobei als zentrales Element der har
t
näckige Tinnitus zu nennen sei, der sie permanent stark ablenke, schwäche und ihr immer wieder Ruhepausen auferlege. Aus diesen Gründen sei sie nur zu 30
%
, im allerbesten Fall zu 40
%
in ihrem Beruf als Allgemeinärztin arbeitsfä
hig. Im Rahmen dieser, teils auch von Schwindel begleiteten, Reizüberflutung komme es immer wieder zu Erschöpfungszuständen und zu reaktiv relevanten depressiven Episoden. In den letzten vier Monaten habe sie zwei Nervenzusam
menbrüche erlitten und es entwickle sich zunehmend eine Angstsymptomatik (
Urk.
9/2).
In seinem Schreiben vom 2
8.
September 2015 führte
Dr.
Y.___
ergänzend aus, dass die psychischen Störungen als reaktiv auf die schwierigen Verhältnisse ein
zustufen seien, davon unabhängige psychische Störungen würden seines Er
achtens nicht vorliegen (
Urk.
16/4).
3.8
PD Dr.
C.___
diagnostizierte mit Bericht
vom 2
8.
Januar 2015 ne
ben den Diagnosen gemäss Bericht vom 1
9.
Mai 2014 einen Verdacht auf
eine
ves
ti
buläre Migräne. Die Beschwerdeführerin befinde sich in regelmässiger Psy
cho
the
rapie bei
Dr.
Y.___
. Seit Oktober 2014 finde auch eine regelmässige psycho
phar
makologische Intervention statt. Es bestehe weiterhin ein deutlicher
Leidens
druck
aufgrund der Ohrsymptomatik;
nach wie vor
komme der psycho
the
ra
peu
tischen Begleitung eine wichtige Rolle zu. Die begonnene Therapie sei unbedingt fortzusetzen, bei weiterer Verschlechterung müsse auch eine Therapie in einem stationären
Rahmen
i
n Erwägung gezogen werden (Urk.
9/3).
4.
4.1
Hinsichtlich der Berichte von
Dr.
Z.___
und
Dr.
Y.___
ist auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass Hausärzte
und behandelnde
Arztpersonen
bezie
hungsweise Therapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behand
lungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutach
tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E.
4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Für den Bereich der depressiven Er
krankung
ist vorliegend ausgehend vom RAD-Bericht
sowie der psychiatrischen Einschätzung des
B.___
höchstens von einer leichten depres
siven Episode auszugehen
. Eine solche ist
grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen (Urteil 9C_506/2014
vom 1
0.
November
2014 E.
4.2).
Ein mittelschweres oder gar schweres depressives Geschehen, wie es Dr.
Z.___
diagnostizierte (E. 3.1), ist
aufgrund der geschilderten Befunde nicht überwiegend wahrscheinlich (Urk. 7/24
S. 2 ff., insbesondere S. 5), legten doch sämtliche Ärzte das Schwergewicht auf die
Tinnitusbeschwerden
und diagnostizierte kein anderer Arzt eine Depression dieses Ausmasses.
Selbst wenn man von einem mittelgradig depressiven Geschehen ausgehen würde, ist
auf die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts
hinzuweisen
, dass die Diagnose einer mittelgradige
n depressiven Episode grundsätz
lich
als therapeutisch
angehbar
gilt. In diesem Zusammenhang hielt das Bun
desge
richt fest, dass
im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allgemein der Grund
satz
gelte
, dass die invalide Perso
n, bevor sie Leistungen verlange
, alles ihr
Zu
mut
bare selber vorzukehren habe
, um die Folgen ihrer Invalidität best
möglich zu mildern (BGE 113 V 28 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der
Selbstein
glie
de
rung
sei
Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung gelten
den Grund
sat
zes
der Schadenminderungspflicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 10. November 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Daneben wies das Bun
des
ge
richt darauf hin, dass erst ein Scheitern einer konsequent durchgeführten
Depressionstherapie ein Leiden als resistent ausweise
(Urteil des Bundes
ge
richts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 4.3.2). Dabei seien die
Behand
lungs
mög
lich
keiten
optimal und nachhaltig auszuschöpfen (BGE 140 V 193 E. 3.3).
Nachdem erst ab Oktober 2014 eine regelmässige psychopharmakologische In
ter
vention durchgeführt wird (
Urk.
9/3) und die Beschwerdeführerin auch noch nie
in
stationäre
r
Behandlung weilte, kann zumindest im Zeitpunkt der ange
fochtenen Verfügung noch nicht von einer optimalen und nachhaltigen Aus
schöpfung der therapeutischen Möglichkeiten gesprochen werden, welche das depressive Leiden als resistent ausweisen würden.
Auch bei Annahme eines mittelgradig depressiven Geschehens liesse sich demnach keine
leistungsspezi
fische
Invalidität begründen
.
4.2
Bezüglich des
Tinnitus
leiden
s
ist anzumerken, dass
es sich dabei – abgesehen von
wenigen Fällen, denen eine pathologisch-anatomische Veränderung zu
grunde liegt –
nach der Rechtsprechung
um ein subjektives, nicht objektivierbares Ge
schehen handelt (BGE 138 V 248 E. 5.7 ff.).
Aufgrund der fachärztlichen Be
richte des
B.___
ist vorliegend in somatischer Hinsicht im Bereich Hals, Nasen und
Ohren von un
auffälligen Verhältnissen auszugehen (
Urk.
9/3,
Urk.
7/31
/1-2
).
Die
versicherungs
rechtliche
Prüfung hat d
ementsprechend
nach
der für andere organisch nicht objektiv ausgewiesene Beschwerdebilder
ergangenen Recht
spre
chung
zu erfolgen, wobei eine
Indika
torenprüfung
im Sinne von BGE 141 V 281
vorzunehmen ist.
Bezüglich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ist anzumerken, dass es sich beim Tinnitus gemäss der überwiegenden medizinischen Lehre nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt, sondern primär um ein Symptom
handelt
(
BGE 138 V 248 E. 5.8.2).
Nach Meinung der Fachärzte des
B.___
steht dabei die psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund.
Aufgrund der Aus
prägung des depressiven Geschehens sowie der Tatsache, dass bisher keine stationäre Therapie nötig geworden ist, kann
vorliegend
noch nicht von ausge
prägten Befunden gesprochen werden, was sich auch aus der
Therapieempfeh
lung
der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
B.___
ergibt
(Entspan
nungsübungen,
Urk.
9/1 S. 2)
. Weiter sind
– zumindest im Zeitpunkt der ange
fochtenen Verfügung -
weder die therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft, noch leidet die Beschwerdeführerin an anderen gravierenden somatischen oder psychischen Erkrankungen. Anzumerken ist dabei
, dass eine leichte depressive Episode nach der Gerichtspraxis nie eine Komorbidität von hinreichender Er
heblichkeit im Sinne der früheren Rechtsprechung zu den unklaren
syndroma
len
Beschwerdebildern darstellte (
Urteil des Bundesgerichts 9C_337/2015 vom
7.
April 2016 E. 4.4.1 mit weiteren Hinweisen
)
. Aufgrund des geschilderten Ta
gesablauf
s
anlässlich der RAD-Untersuchung ist weiter ersichtlich, dass die Be
schwerdeführer noch über
verschiedene
Re
s
sourcen zur Alltagsbewältigung verfügt
(
Urk.
7/24 S.
3), zudem liegen erhebliche psychosoziale
Belastungs
fak
toren
vor (
Urk.
9/1 S.
3).
Auch wenn man im privaten Bereich
ebenfalls
von einer gewis
sen Einschränkung des Aktivitätsniveau ausginge und ein gewisser
Leidens
druck
durchaus
ausgewiesen ist, kann in einer Würdigung aller Indika
toren nicht auf eine versicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aufgrund des Tinnitus geschlossen werden.
4.3
Was die Beschwerden an der rechten Hand betrifft, legt der Bericht von
Dr.
D.___
nicht nahe, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der unfallbedingten
Dau
men
verletzung
oder der Sehnenscheidenentzündung dauerhaft in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt ist (
Urk.
16/1), zumal die Beschwerdeführer
in
in ihrer Beschwerde an keiner Stelle geltend machte, an
namhaften
Beschwerden an der rechten Hand zu leiden.
Zur ärztlich dokumentierten Verschlechterung der gesundheitlichen Situation ab November 2014 (
Urk.
16/3) ist anzumerken, dass im vorliegenden Verfahren der
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (3
0.
Oktober
2014) die Grenze der
Über
prüfungsbefugnis
darstellt. Eine allfällige Verschlechterung wäre demnach im Rahmen eines Revisionsgesuches einzubringen. Gleiches gilt für die Befunde der MRI-Untersuchung vom 1
5.
Mai 2015 (
Urk.
16/2).
4.4
Zusammenfassend ist im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung entsprechend der Einschätzung der Beschwerdegegnerin von keiner dauerhaften Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
6
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.
___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
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Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
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Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSchetty