# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8bd8b591-5b05-54cf-aea3-2b9edb76eb15
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.05.2020 E-2008/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2008-2020_2020-05-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2008/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Eliane Kohlbrenner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihr Kind 

B._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch MLaw Nora Maria Riss, 

Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl und Migration,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 17. März 2020. 

 

 

 

E-2008/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte mit ihrem Ehemann am 10. April 2017 in 

der Schweiz um Asyl. Anlässlich der Befragung zur Person vom 28. April 

2017 und der Anhörung vom 5. Februar 2020 führte sie im Wesentlichen 

aus, sie sei Tamilin und stamme aus C._______, D._______, Ostprovinz. 

Sie habe die Schule mit dem A-Level abgeschlossen und eine Ausbildung 

zur Krankenschwester gemacht. Am 8. August 2014 habe sie geheiratet. 

Ihr Ehemann habe einen Schulkollegen gehabt, der sich den Liberation Ti-

gers of Tamil Eelam (LTTE) angeschlossen habe. Dieser sei im Jahr 2009 

nach Indien ausgereist. Im Jahr 2016 sei er wegen seiner kranken Mutter 

nach Sri Lanka zurückgekehrt. In dieser Zeit habe er geheiratet und seine 

Ehefrau sei schwanger geworden. Die sri-lankischen Behörden hätten von 

dessen Rückkehr erfahren, weshalb der Schulkollege mit seiner Ehefrau 

geflüchtet und schliesslich nach D._______ gekommen sei. Die Ehefrau 

habe hochschwanger medizinische Hilfe benötigt. Da sie kein Kranken-

haus hätten aufsuchen können, hätten sie nach einer Krankenschwester 

gesucht. Auf diese Weise sei das Ehepaar auf sie aufmerksam geworden, 

da sie als Hebamme für diese Gegend zuständig gewesen sei. Das Ehe-

paar sei Ende Februar 2016 bei ihnen zu Hause vorbeigekommen und erst 

in diesem Moment habe ihr Ehemann erfahren, dass dies sein ehemaliger 

Schulkollege sei. Das Ehepaar habe ein paar Mal bei ihnen übernachtet 

und sie habe die Schwangere behandelt. Ende Juni 2016 hätten Personen 

des Criminal Investigation Department (CID) sie am Arbeitsplatz aufge-

sucht und gefragt, ob sie das Ehepaar unterstütze und deren Aufenthaltsort 

kenne. Sie habe dies verneint. Sie hätten ihr zudem mitgeteilt, der Mann 

sei ein Schulkollege ihres Ehemanns und bei den LTTE gewesen, weshalb 

er gesucht werde. Die Personen hätten sie aufgefordert, in zwei Tagen zu 

einer Befragung nach Colombo zu kommen. Sie sei danach bei der Woh-

nung des Ehepaars vorbeigegangen, dieses sei indes nicht mehr dort ge-

wesen. Aus Angst seien sie am nächsten Tag nach E._______ gegangen. 

Zwei Tage später seien sie vom CID in D._______ gesucht worden. Wie-

derum zwei Tage später sei das CID in E._______ aufgetaucht. Glückli-

cherweise seien sie nicht zu Hause gewesen. Am nächsten Abend seien 

sie nach Colombo weitergereist und am 29. August 2016 aus Sri Lanka 

ausgereist. Das CID habe sie nach der Ausreise drei bis vier Mal gesucht, 

letztmals im Oktober 2019. Sie seien nie politisch aktiv gewesen und hätten 

keine Verbindung zu den LTTE. 

E-2008/2020 

Seite 3 

Die Beschwerdeführerin reichte die Geburtsurkunden von ihr und ihrem 

Ehemann, den Eheschein, eine Heiratsbestätigung der Kirche, verschie-

dene Bestätigungen ihrer Ausbildung und Arbeitstätigkeit als Kranken-

schwester und Hebamme sowie zwei Schreiben betreffend zwei in den 

Jahren 1994 und 2008 verschwundene Verwandte ein. 

B.  

Am (…) wurde das Kind der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes 

geboren. 

C.  

Mit Verfügung vom 17. März 2020 (eröffnet am 18. März 2020) stellte die 

Vorinstanz fest, die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

D.  

Mit Eingabe vom 14. April 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, das Verfahren der Be-

schwerdeführerin A._______ und das Verfahren ihres Ehemannes 

F._______ seien getrennt zu führen. Die angefochtene Verfügung der Vo-

rinstanz vom 17. März 2020 sei aufzuheben. Der Entscheid sei zu kassie-

ren und zur erneuten Klärung des Sachverhalts und zur erneuten Beurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Beschwerde-

führerin als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihr Asyl zu gewähren. Sub-

eventualiter sei die Beschwerdeführerin als Flüchtling anzuerkennen und 

als solche vorläufig aufzunehmen. Subsubeventualiter sei die Unzulässig-

keit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-

stellen und die Beschwerdeführerin sei vorläufig aufzunehmen. Es sei auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltli-

che Prozessführung zu gewähren. Es sei der Beschwerdeführerin eine un-

entgeltliche Rechtsbeiständin in der Person der unterzeichnenden Rechts-

vertreterin zu bestellen. 

Die Beschwerdeführerin reichte zwei Arztberichte des Universitätsspitals 

Zürich vom 23. März 2020 respektive 2. April 2020 ein. 

E-2008/2020 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1  Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-

gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins 

AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-

setzesbezeichnung verwendet. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG 

[SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als 

Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des 

Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.2 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AslyG). 

4.  

Für die Beschwerdeführerin und ihr Kind wurde das vorliegende Beschwer-

deverfahren eröffnet. Die Beschwerde des Ehemannes wurde im Verfah-

ren E-2010/2020 behandelt. Dem Antrag der Beschwerdeführerin, ihr Ver-

fahren und das ihres Ehemannes seien zu trennen, wurde demnach ent-

sprochen. Die Verfahren wurden koordiniert behandelt und entschieden. 

E-2008/2020 

Seite 5 

5.  

5.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung der Begründungspflicht 

und des Untersuchungsgrundsatzes. Dabei handelt es sich um formelle 

Rügen, welche vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, 

eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2). 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

5.3 Die Beschwerdeführerin bringt vor, die Vorinstanz habe die Begrün-

dungspflicht verletzt, indem sie nur festgehalten habe, sie habe ausser 

rechtsstaatlich legitimer Sanktionen keine asylrelevante Verfolgung zu be-

fürchten, ohne weiter auszuführen, was mit rechtsstaatlich legitimen Sank-

tionen gemeint sei und warum sie nur legitime Sanktionen zu befürchten 

habe, wo doch bekannt sei, dass Personen, die in Sri Lanka verdächtigt 

würden, die LTTE zu unterstützen, in hohem Masse von Folter und anderen 

nicht-legitimen Verfolgungshandlungen bedroht seien. Zudem habe sie es 

unterlassen, sich zu ihrem Risikoprofil zu äussern. 

Die Vorinstanz hat sich in der Begründung mit sämtlichen wesentlichen 

Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Der blosse Um-

stand, dass sie in ihrer Würdigung zu einer anderen Auffassung als die 

Beschwerdeführerin kommt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, 

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Seite 6 

sondern eine Frage der materiellen Beurteilung. Die Vorinstanz handelte 

die Unterstützung des Ehepaars unter dem Asylpunkt ab. Weitere Verbin-

dungen zu den LTTE oder politische Aktivitäten machte die Beschwerde-

führerin nicht geltend. Angesichts dessen waren die Ausführungen der Vor- 

instanz zu den Risikofaktoren zwar knapp, aber ausreichend. Zudem ver-

setzte die Begründung der Vorinstanz die Beschwerdeführerin in die Lage, 

die Verfügung sachgerecht anzufechten. Es liegt demnach keine Verlet-

zung der Begründungspflicht vor. 

5.4 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes, da die Vorinstanz die aktuelle Lage in Sri Lanka nur ungenü-

gend berücksichtigt habe. 

Die Vorinstanz äusserte sich ausführlich zur aktuellen Lage in Sri Lanka; 

insbesondere ging sie auf die Präsidentschaftswahl vom 16. November 

2019 mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten ein. Alleine 

der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer 

anderen Linie folgt als von der Beschwerdeführerin vertreten, und sie aus 

sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvor-

bringen gelangt als von der Beschwerdeführerin verlangt, spricht nicht für 

eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Der rechtserhebliche Sach-

verhalt wurde von der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt. 

5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen 

Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-

zügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 7 

6.2 Befürchtungen, künftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt zu werden, sind nur dann asylrelevant, wenn begründeter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss ent-

fernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete 

Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem der 

vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als wahr-

scheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nach-

vollziehbar erscheinen lassen. Ob eine begründete Furcht vor künftiger 

Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu 

beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Die objektive Betrachtungsweise ist durch das vom Betroffenen 

bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fäl-

len zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht 

(vgl. die vom Bundesverwaltungsgericht fortgeführte Rechtsprechung der 

[damaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in EMARK 

2004/1 E. 6a; BVGE 2011/50 E. 3.1.1; BVGE 2011/51 E. 6; BVGE 2008/4 

E. 5.2). 

6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Beschwerdefüh-

rerin und ihr Ehemann würden keinerlei Verbindungen zu den LTTE auf-

weisen. Die sri-lankischen Behörden hätten ihr auch nie entsprechende 

Vorwürfe gemacht. Beim Besuch ihres Arbeitsortes hätten die Beamten 

des CID ihr lediglich vorgeworfen, einer gesuchten Person und deren 

schwangeren Ehefrau medizinisch geholfen zu haben. Es gebe somit kei-

nen Grund zur Annahme, dass die Behörden ihr weitere Vorwürfe machen 

würden, eine allfällige Ahndung der Verstösse über rechtsstaatlich legiti-

mierte Sanktionen hinausgehen und eine Verfolgung ein asylrelevantes 

Ausmass annehmen würde. Daran würden die Beweismittel nichts ändern; 

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Seite 8 

die in den Schreiben erwähnten Vorfälle betreffend den verschwundenen 

Verwandten hätten sich in den Jahren 1990 und 2008 zugetragen und stün-

den nicht im Zusammenhang mit den Ereignissen im Jahr 2016. Da die 

Vorbringen nicht asylrelevant seien, erübrige es sich auf deren Glaubhaf-

tigkeit einzugehen. Dennoch sei zu erwähnen, dass es nicht nachvollzieh-

bar sei, weshalb sie nach dem Besuch des CID das Ehepaar noch aufge-

sucht habe. Ebenso unklar sei, weshalb das CID sie zur Befragung nach 

Colombo und nicht nach D._______ aufgeboten und bereits am Tag der 

Befragung nach ihnen gesucht haben soll. Die Beschwerdeführerin erfülle 

die Risikofaktoren nicht. 

7.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe den Asyl-

vorbringen zu Unrecht die Asylrelevanz abgesprochen. Überdies bringt sie 

vor, sie habe am 30. Dezember 2019 die erste Konsultation in der Psychi-

atrie des Universitätsspitals Zürich gehabt. Anfang April 2020 habe sie sich 

erstmals getraut, der Psychiaterin ihre wahre Fluchtgeschichte zu erzäh-

len. Einen Tag nach dem Besuch des CID am Arbeitsort sei sie von einem 

Polizisten auf dem Nachhauseweg angesprochen worden. Er habe von der 

Vorladung gewusst und gesagt, alles sei ihre Schuld; ihr Ehemann habe 

damit nichts zu tun. Er habe ihr vorgeschlagen, mit zum Militärstützpunkt 

zu kommen, um die Sache zu regeln. Nach Ankunft auf dem Militärstütz-

punkt sei sie zuerst von einer Frau verhört und geschlagen worden. Nach-

her hätten zwei Männer sie verhört sowie verbal und sexuell belästigt. Der 

Arztbericht würde das Vorliegen von Anzeichen einer Traumafolgestörung 

belegen. Sie habe diesen Vorfall aus Scham und Angst vor Stigmatisierung 

erst jetzt erwähnt. Vergewaltigung und sexueller Missbrauch seien in Sri 

Lanka gängige Foltermethoden. Der Vorfall zeige, dass sie in Sri Lanka 

bereits Opfer einer asylrelevanten Verfolgung geworden sei. Es sei daher 

nicht anzunehmen, dass ihr in Sri Lanka nur rechtsstaatlich legitime Sank-

tionen drohten. Ebenfalls verfüge sie dadurch über ein Risikoprofil. Die 

Machtübernahme durch den Rajapaksa-Clan und der Vorfall vom 25. No-

vember 2019, bei dem eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft 

entführt worden sein soll, liessen vermuten, dass die sri-lankischen Behör-

den vermehrt gegen zurückgeschaffte, abgewiesene Asylsuchende aus 

der Schweiz vorgehen würden. 

8.  

8.1 Die Beschwerdeführerin bringt auf Beschwerdeebene erstmals vor, sie 

sei am Tag nach dem Besuch des CID an ihrem Arbeitsort auf dem Nach-

hauseweg auf den Militärstützpunkt mitgenommen worden. Dort sei sie be-

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Seite 9 

fragt, geschlagen sowie verbal und sexuell belästigt worden. Dieser angeb-

liche Vorfall lässt sich zeitlich nicht in ihre Angaben und jene ihres Eheman-

nes an der Befragung und der Anhörung einordnen. Beide gaben überein-

stimmend an, sie seien am Tag nach dem Besuch des CID nach E._______ 

gegangen (SEM-Akten act. 8 F. 7.02; act. 9 f. F 7.02; act. 22 F 43; act. 23 

F. 42). Der Ehemann präzisierte in der Anhörung, nach dem Besuch des 

CID seien sie am nächsten Tag frühmorgens nach E._______ aufgebro-

chen (act. 22 F. 43). Es ist daher zeitlich gar nicht möglich, dass die Be-

schwerdeführerin an jenem Tag auf dem Nachhauseweg, was auf einen 

späteren Tageszeitpunkt hindeutet, zum Militärstützpunkt mitgenommen 

worden ist. Des Weiteren erscheint der Zeitpunkt fragwürdig, in welchem 

sie diesen Vorfall erstmals erzählt. Auch wenn sie aus Scham anfangs nicht 

darüber hätte sprechen können, so ist es doch auffällig, dass sie diesen 

Vorfall während des dreijährigen Asylverfahrens nie erwähnte, aber just 

nach Erhalt des negativen Asylentscheides erstmals darüber sprechen 

konnte. Zudem gibt es keinen Grund, weshalb sie in der Befragung und der 

Anhörung nicht zumindest die Mitnahme auf den Militärstützpunkt, die Be-

fragung und die Schläge erwähnte, zumal es sich dabei um ein zentrales 

Element ihrer Fluchtgeschichte gehandelt hätte und auch keine persönli-

chen Gründe (Scham, Angst vor Stigmatisierung) dagegengesprochen hät-

ten. Insgesamt ist der Vorfall mit der Mitnahme auf den Militärstützpunkt, 

der Befragung und der sexuellen Belästigung als unglaubhaft einzustufen. 

Die eingereichten Arztberichte vermögen nichts daran zu ändern. Der An-

trag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist folglich abzuweisen. 

8.2 Nachdem der Vorfall betreffend Befragung und sexuelle Belästigung 

auf dem Militärstützpunkt als unglaubhaft eingestuft worden ist, ist festzu-

stellen, dass die Beschwerdeführerin in Sri Lanka keine asylrelevanten 

Nachteile erlitten hat. Sie befürchtet aber, aufgrund der Hilfeleistung für ein 

Mitglied der LTTE künftig einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt zu 

sein. Es ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin begründeten An-

lass zur Befürchtung hat, einer künftigen Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgesetzt zu sein. 

Im Februar 2016 benötigte ein ehemaliger Schulkollege des Ehemannes 

der Beschwerdeführerin medizinische Unterstützung für seine schwangere 

Ehefrau. Er meldete sich per Zufall bei der Beschwerdeführerin, da sie als 

Hebamme örtlich zuständig war. Erst als der Schulkollege mit seiner Ehe-

frau die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann aufsuchte, stelle sich her-

aus, dass sie sich von früher kannten. Ihr Ehemann und der Schulkollege 

hatten sich letztmals im Jahr 2002 gesehen, als sich der Schulkollege den 

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Seite 10 

LTTE angeschlossen hatte. Seit dem Jahr 2002 bis zum Februar 2016 

hatte ihr Ehemann keinen Kontakt mehr mit ihm. Sie betreute die schwan-

gere Ehefrau des Schulkollegen aus rein humanitären Gründen. Zudem 

liessen sie das Ehepaar ein paar Mal bei sich übernachten. Weder die Be-

schwerdeführerin noch ihr Ehemann haben Verbindungen zu den LTTE  

oder sich jemals politisch engagiert. Sie hatten in der Vergangenheit nie 

Probleme mit den sri-lankischen Behörden. Als Personen des CID die Be-

schwerdeführerin am Arbeitsort aufsuchten, fragten sie lediglich, ob sie 

dem Ehepaar geholfen habe und ihren Aufenthaltsort kenne, und boten sie 

für eine Befragung auf. Weitere Vorwürfe wurden nicht erhoben. Da dem 

CID offenbar bekannt war, dass der Gesuchte ein ehemaliger Schulkollege 

ihres Ehemannes war, darf auch davon ausgegangen werden, dass sie 

wussten, dass die beiden jahrelang keinen Kontakt hatten und ihr Ehe-

mann sowie auch sie keine Verbindungen zu den LTTE aufwiesen. Dies 

erklärt auch, weshalb das CID die Beschwerdeführerin und nicht ihren Ehe-

mann aufgesucht hat, um den Aufenthaltsort des Ehepaars herauszufin-

den. Nach der Ausreise fragte das CID zwar noch drei oder vier Mal nach 

ihrem Verbleib, belästigte aber die Familien der Beschwerdeführerin und 

ihres Ehemannes nicht weiter. Es mag zwar sein, dass die Beschwerde-

führerin wegen der Einladung zur Befragung subjektive Furcht vor einer 

Verfolgung hatte. Aber aufgrund der obigen Ausführung liegen objektiv be-

trachtet, keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine drohende asylrele-

vante Verfolgung vor; eine bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung 

ist nicht asylrelevant. Ebenso ist eine allfällige Befragung oder ein Back-

ground-Check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und 

Ausland) bei der Einreise mangels Intensität nicht asylrelevant. Die einge-

reichten Beweismittel vermögen nichts daran zu ändern. Gemäss den 

Schreiben werden die Verwandten seit den Jahren 1994 und 2008 ver-

misst. Ein konkreter Zusammenhang zu den Asylvorbringen ist nicht er-

sichtlich. Das Vorliegen einer objektiven Furcht vor künftiger Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsylG ist somit zu verneinen. 

8.3 An dieser Einschätzung ändern weder der Regierungswechsel vom 

16. November 2019 noch die kürzlich erfolgte Verhaftung einer sri-lanki-

schen Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas, da 

diesbezüglich kein individueller Bezug zur Beschwerdeführerin ersichtlich 

ist.  

Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt festzuhalten: 

Gotabaya Rajapaksa wurde damals zum neuen Präsidenten Sri Lankas 

E-2008/2020 

Seite 11 

gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapa-

ksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguar-

dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-

premadas-count-continues, abgerufen am 24.04.2020). Er war unter sei-

nem älteren Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der 

von 2005 bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde an-

geklagt, zahlreiche Verbrechen gegen Journalisten und Aktivisten began-

gen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverlet-

zungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die An-

schuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 

14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru-

der Mahinda sodann zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, 

Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-

hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett 

zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. 

https://www.aninews.in/ne ws/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents 

-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-tate20191127174753/, 

abgerufen am 24.04.2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderhei-

ten befürchten verstärkte Repression und die vermehrte Überwachung von 

Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journa-

listen, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweize-

rische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minder-

heiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Par-

lament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Prä-

sident löst das Parlament auf, 03.03.2020).  

Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka 

bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie 

bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-

aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-

nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenzur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts E‑1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, 

Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Dennoch 

gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem 

Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer 

Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-

zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen 

zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-

gen besteht.  

E-2008/2020 

Seite 12 

Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann waren nie politisch aktiv, weisen 

kein regimekritisches Verhalten auf und haben keine Verbindung zu den 

LTTE. Das CID hat sie zwar wegen medizinischer Hilfeleistung für die Ehe-

frau eines ehemaligen LTTE-Mitglieds zu einer Befragung eingeladen, aber 

wie in der Erwägung 8.2 abgehandelt, lässt sich daraus – auch unter Be-

rücksichtigung des aktuellen politischen Kontextes in Sri Lanka – nicht ab-

leiten, sie hätten mit einer asylrelevanten Verfolgung zu rechnen. 

9.  

9.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei einer 

Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr 

von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Beurtei-

lung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form 

von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risikofaktoren 

identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene 

Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die Teilnahme 

an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als stark risikobe-

gründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid dargelegten 

Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-

deten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen ordentli-

cher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und eine 

gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risikobegrün-

dende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitreichenden 

Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tatsächlich mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 

AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden be-

strebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und so 

den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten Ri-

sikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Namen 

in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt seien und 

der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen Straf-

registereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten 

Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-lankische 

Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt hätten (vgl. 

a.a.O. E. 8). 

9.2 Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben aus humanitären 

Gründen einem ehemaligen LTTE-Mitglied und dessen Ehefrau geholfen. 

Selbst wenn ihnen eine vermeintliche Unterstützung der LTTE unterstellt 

E-2008/2020 

Seite 13 

würde, ist aufgrund der nachfolgenden Überlegungen nicht davon auszu-

gehen, dass sie dadurch zu jener kleinen Gruppe zu zählen sind, die bei 

einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im 

Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten haben. Weder die Beschwerdeführe-

rin und ihr Ehemann noch ihre Familien hatten Verbindungen zu den LTTE. 

Zudem war sie nie politisch aktiv. Des Weiteren wurde die Beschwerdefüh-

rerin weder verhaftet noch einer Straftat angeklagt oder gar verurteilt und 

verfügt somit auch nicht über einen Strafeintrag. Sie hat keine Narben und 

ist nicht exilpolitisch tätig. Aus der tamilischen Ethnie und der knapp vier-

jährigen Landesabwesenheit kann sie keine Gefährdung ableiten. Dass sie 

in einer „Stop List“ aufgeführt sein soll, ist aufgrund des Gesagten unwahr-

scheinlich. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass 

die Beschwerdeführerin von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener 

kleinen Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Separatismus 

wieder aufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lankischen Ein-

heitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihr persönlich im 

Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von 

Art. 3 AsylG drohen würden. 

9.3 Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin nichts vorgebracht, 

was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumin-

dest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch zu Recht ab-

gelehnt. 

10.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die 

Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

11.  

11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

11.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

E-2008/2020 

Seite 14 

gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht-

lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von 

Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-

bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-

meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 

BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine 

EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-

ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst (vgl. 

EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Be-

schwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, 

Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 

2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien, Urteil vom 

17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichts-

hof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehren-

den Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten im 

Rahmen der Beurteilung, ob der oder die Betroffene ernsthafte Gründe für 

die Befürchtung habe, die Behörden hätten an seiner Festnahme und Be-

fragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen 

durch die in Erwägung 6.1 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt sind 

(vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O., § 94) – in Betracht gezogen 

werden, wobei dem Umstand gebührend Beachtung zu schenken sei, dass 

diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich alleine betrachtet möglich-

erweise kein "real risk" darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen 

Würdigung erreichen könnten.  

Nachdem die Beschwerdeführerin – wie in den Erwägungen 8 und 9.2 aus-

geführt – nicht darlegen konnte, dass sie befürchten müsse, bei einer 

Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden 

in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, beste-

hen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri 

Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten 

hätte, die über einen sogenannten „Background Check“ hinausgehen wür-

den, oder dass sie persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung 

ist zulässig. 

E-2008/2020 

Seite 15 

11.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

Nach eingehender Analyse der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist 

das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass der Weg-

weisungsvollzug in die Ostprovinz grundsätzlich zumutbar ist (vgl. BVGE 

2011/24 E. 13.1). In die Nordprovinz (mit Ausnahme des „Vanni-Gebiets“) 

ist er zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskrite-

rien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Be-

ziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und 

Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 13.2). In 

Referenzurteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5 erachtet das 

Bundesverwaltungsgericht auch den Wegweisungsvollzug ins „Vanni-Ge-

biet“ als zumutbar. An dieser Einschätzung vermögen die Gewaltvorfälle in 

Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lankischen Re-

gierung verhängte Ausnahmezustand, der am 28. August 2019 wieder auf-

gehoben wurde, und die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-

hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern. 

Die Beschwerdeführerin lebte vor der Ausreise mit ihrem Ehemann in 

D._______, Ostprovinz. Sie verfügt über einen A-Level Schulabschluss, 

eine Ausbildung als Krankenschwester und Hebamme sowie über mehr-

jährige Berufserfahrung. Ihr Ehemann arbeitete als Fischer und Bauarbei-

ter. Zusammen konnten sie für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Nach 

der Rückkehr dürfte sie ihre Arbeitstätigkeit wieder aufnehmen und für den 

Lebensunterhalt sorgen können. Vor der Ausreise wohnten sie und der 

Ehemann bei ihrer Mutter. Es ist davon auszugehen, dass sie wieder dort 

wohnen können. Zudem verfügen beide mit einer grossen Verwandtschaft 

über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz in Sri Lanka, das in der 

Lage sein sollte, sie bei der Wiedereingliederung zu unterstützen.  

Gemäss Arztbericht vom 2. April 2020 leidet die Beschwerdeführerin unter 

einer Anpassungsstörung bei negativem Asylentscheid mit Traumafolge-

störung. Zudem ist sie schwanger. Es besteht keine akute Selbst- oder 

Fremdgefährdung. Sri Lanka verfügt über spezialisierte ärztliche Fach-

kräfte und Kliniken im Bereich der psychiatrischen Behandlung und Medi-

kation und in staatlichen Spitälern in Sri Lanka wird für alle Mitbürger eine 

kostenlose medizinische Betreuung angeboten (Urteil des BVGer  

E-6427/2017 vom 29. Juli 2019 E. 7.3.3). Sollte die Beschwerdeführerin 

E-2008/2020 

Seite 16 

nach ihrer Rückkehr eine medizinische Behandlung benötigen, so ist diese 

in Sri Lanka gewährleistet. Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie 

dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufi-

gen Aufnahme setzt voraus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorüber-

gehender Natur ist, sondern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der 

Regel mindestens zwölf Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, 

so ist dem temporären Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung 

zu tragen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-

Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss temporäres 

Vollzugshindernis, welchem, ebenso wie die Schwangerschaft, im Rahmen 

der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tra-

gen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland 

angepasst wird. Der Vollzug erweist sich deshalb auch in individueller Hin-

sicht als zumutbar. 

11.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-

nen, weil es der Beschwerdeführerin obliegt, bei der zuständigen Vertre-

tung ihres Heimatstaats die für ihre Rückkehr notwendigen Reisedoku-

mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 

11.5 Die Vorinstanz hat somit den Wegweisungsvollzug zu Recht als zu-

lässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme fällt daher ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

12.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung den 

rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt, Bundes-

recht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich über-

prüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

13.  

13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die Rechtsbegehren je-

doch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet werden können und 

von ihrer Bedürftigkeit aufgrund der Akten auszugehen ist, ist das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. 

E-2008/2020 

Seite 17 

13.2 Demgemäss ist auch das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen 

Rechtsbeiständin gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gutzuheissen. 

Die amtliche Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin hat keine Kosten-

note eingereicht. Der Aufwand lässt sich allerdings aufgrund der Akten zu-

verlässig abschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massge-

blichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8-11 VGKE) ist das Honorar für 

MLaw Nora Maria Riss auf Fr. 750.– (inkl. Auslagen) festzusetzen.  

  

E-2008/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeistän-

dung werden gutgeheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten der Gerichtskasse eine 

Entschädigung von Fr. 750.– entrichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Eliane Kohlbrenner