# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1195e787-0cfb-5450-aa31-51f7abb8582d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-30
**Language:** de
**Title:** Aufgrund eines Herzleidens keine Tätigkeit mit hoher Stressbelastung mehr zumutbar. Zusprache einer halben Invalidenrente
**Docket/Reference:** IV.2012.00498
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00498.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00498
ll. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
30. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
Schraner
& Partner Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Caisse
de
pension
des Y.___
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1954, zuletzt seit 1993 als SAP-Consultant bei
Y.___
tätig (
Urk.
6/
15
Ziff.
2.1), meldete sich am 18
.
Juli
2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1, vgl.
Urk.
6/6)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (
Urk.
6/13-14,
Urk.
6/16,
Urk.
6/18,
Urk.
6/23,
Urk.
6/25), die Unterla
gen des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/12) und Auszüge aus dem individu
ellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
6/11,
Urk.
6/39) ein und veranlasste bei der MEDAS
Z.___
(MEDAS) ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 24.
November 2009 erstattet wurde (
Urk.
6/38). Am 16. Juli 2010 wurde dem Versi
cherten eine Schadenminderungspflicht auferlegt (
Urk.
6/43). Mit Vorbe
scheid vom 16. Juli 2010 (
Urk.
6/46) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zu
spra
che
einer
Viertelsrente
ab 1. August 2008 in Aussicht, wogegen dieser
am 23. August 2010 Einwände (
Urk.
6/56) erhob. Mit Vorbescheid vom 30. März
2011 (
Urk.
6/62) stellte die IV-Stelle in Aussicht, dass kein Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung bestehe, wogegen der Versicherte am 15. Apri
l 2011
erneut
Einwände (
Urk.
6/68) erhob. Mit Verfügung vom 4. April 2012 (
Urk.
6/72 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle den Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Gegen die Verfügung vom 4. April 2012 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 9. Mai
2012 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei ihm nach allenfalls ergän
zen
den medizinischen Abklärungen ab dem 1. August 2008 eine Invalidenrente zu
zusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2012 (
Urk.
5) bean
tragte die
IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde.
Am
2
2.
August 2012 (
Urk.
8)
verzichtete
der Versicherte auf die
Einreichung einer
Replik
.
Mit Verfügung vom
9. August 2013 (
Urk.
9) wurde die
Caisse
de
pension
des
Y.___
zum Prozess beigeladen, welche sich in der Folge nicht ver
nehmen liess.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2
ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
täts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
te
n
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre rentenverneinende Verfügung vom Apri
l 20
12 (
Urk.
2) damit, dass kein versicherungs
relevanter
Gesundheitsscha
den
ausgewiesen sei. So komme einer Neurasthenie
nach ICD-10 F48.0
recht
sprechungsgemäss nur ausnahmsweise invalidisierende Wirkung zu und es sei von
der Vermutung auszugehen, dass diese oder ihre Folgen mit einer zumut
ba
ren Willensanstrengung überwindbar seien (S. 1 f.). Beim Beschwerdeführer sei
en
sowo
hl eine psychische Komorbidität
als auch das Vorhandensein anderer qua
li
fizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien zu vernei
nen (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerde vom Mai 2012 (
Urk.
1) auf den Standpunkt, er sei seit August 2007 wegen des Herzleidens und der Myalgien in jeder Tätigkeit arbeitsunfähig
gewesen
(S. 3 f.
Ziff.
5).
Die
ange
stammte stressbelastete Berufstätigkeit als SAP-Berater
sei ihm
dauerhaft un
möglich und eine angepasste Tätigkeit mit normalen Arbeitsbedingungen könne erst nach Durchführung eine Rehabilitation
und stufenweise erfolgen (S.
3
ff.
Ziff.
5
-6
).
Er habe entsprechend dem qualifiziert
en
und quantitativ hohen Arbeitseinsatz zu
letzt ein Jahreseinkommen von Fr. 173‘546.-- erzielt
, wovon auszugehen sei
.
Bei der Bemessung des Invalideneinkommens als einfacher Informatiker sei vom
Anforderungsniveau 4 auszugehen und es sei ein Abzug von mindestens 10
%
zu
gewähren
, so dass ab 1. August 2008 Anspruch auf eine ganze Invaliden
rente be
stehe (S. 7 f.
Ziff.
8-9
).
3.
3.1
Hausarzt
Dr.
med.
A.___
stellte in seinem Bericht vom 3. September 2008 (
Urk.
6/14) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
koronare 3-Gefäss-Erkrankung mit Angina
pectoris
, Status nach korona
rer Angiographie und RIVA PCI mit
Stenteinlage
und RCA
Rekanalisa
tion
mit
Stenteinlage
am 11. September 2007 (vgl.
Urk.
6/12/15-16 = 6/16/8-9)
-
Myopathie
mit Muskelschmerzen und rasche Ermüdbarkeit
Dr.
A.___
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit März 1998 bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am 29. August 2008 erfolgt sei (
Ziff.
3.1-2). Der Beschwerdeführer sei bis Juli 2007 völlig beschwerdefrei und leistungsfähig in seinem Beruf gewesen, als erstmals
Thoraxschmerzen
aufge
treten seien. Nach dem Eingriff seien zunehmende Erschöpfbarkeit, Angstzu
stände und medikamentös verursachte Muskelschmerzen aufgetreten, so dass der Beschwerdeführer im Dezember 2007 nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei (
Ziff.
3.3). Der Beschwerdeführer leide an Angstzuständen, Müdigkeit,
Erschöpf
barkeit
und an Konzentrationsproblemen und habe immer wieder unbestimmte
Thoraxschmerzen
(
Ziff.
3.4). Seit dem 7. Dezember 2007 sei der Beschwerde
füh
rer in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig (
Ziff.
5.2).
3.2
Dr.
med.
B.___
, Facharzt FMH für Kardiologie und für Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht vom 24. November 2008 (
Urk.
6/16/3-7) folgende Di
ag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
schwere, aus voller Gesundheit und sehr guter körperlicher Leistungs
fähigkeit interventionsbedürftige 3-Gefässerkrankung bei
Dyslipidämie
-
Verarbeitungsstörung
en
Dr.
B.___
führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem
2.
August 2007 bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am 27. Oktober 2008 erfolgt sei (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer v
om
28.
August bis 4. November 2007 zu 100
%
, vom 5. November bis
2.
Dezember 200
7 zu 50
%
und seit dem 3. De
zember 2007 erneut zu 100
%
arbeitsunfähig ge
wesen (
Ziff.
1.6). Der Beschwerdeführer leide an verminderter Leistungsfähig
keit und Muskelschmerzen unter
Statinen
. Er habe verminderte psychische Ressour
cen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zu
mutbar (
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FMH für Rheumatologie, stellte in seinem Bericht vom 13. Februar 2009 (
Urk.
6/23/7) nach am 10. Dezember 2008 erfolgter Un
tersuchung des Beschwerdeführers folgende Diagnose:
-
panspondylogenes
Syndrom bei DISH
-
Status nach Herzinfarkt mit 6-facher
Stentversorgung
2007
Dr.
C.___
führte aus, dass bei Mor
bus DISH (
hyperostotische
Spond
ylosis
defor
mans
) immer wieder Schmerzschübe in der ganzen Wirbelsäule auftreten könn
ten. Therapeutisch wirkten am besten Wärmepackungen,
detonisierende
Massa
gen und Heilgymnastik. Er habe dem Beschwerdeführer eine entsprechende
Phy
siotherapieverordnung
mitgegeben und seither nichts mehr gehört.
3.4
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Neurologie, stellte in seinem Be
richt vom 13. März 2009 (
Urk.
6/25/1-6) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Myalgien als Nebenwirkung einer kombinierten Lipidsenkungstherapie (
Statin
und
Clofibrat
)
-
allgemeine Adynamie und subjektive Leistungsminderung seit November 2007
-
koronare Herzkrankheit seit 4. September 2007
Dr.
D.___
führte aus, der Beschwerdeführer sei am 11. März 2009 bei ihm in der Kontrolle gewesen
(
Ziff.
1.2).
G
rundsätzlich
gehe er
nach erfolgter Umstel
lung der Therapie, das heiss
e nach
der Reduktion b
eziehungsweise
dem Ab
setzen des
Lip
anthyl
von einer günstigen Prognose mit
Regredienz
der Myalgien aus (
Ziff.
1.4). Als SAP-Berater bestehe seit dem 11. März 2009 eine Arbeits
unfä
higkeit zwischen 25 und 50
%
(
Ziff.
1.6). Im Rahmen von 50
%
bis 75
%
sei die bi
sherige Tätigkeit noch zumutbar.
Es hätten belastungsabhängige Myalgien im Vordergrund der Beschwerden ge
standen. Subjektiv habe der Beschwerdeführer eine Leistungsminderung und eine rasche Ermüdbarkeit empfunden. Geistige und psychische Einschränkungen hätten jedoch keine objektiviert werden können
(
Ziff.
1.7)
. Sollte es durch die Therapiemodifikation zu einer
Regredienz
der Myalgien kommen, sei eine Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit aus rein neurologischer Sicht auf 100
%
zu erwar
ten (
Ziff.
1.8).
3.5
Die Ärzte der MEDAS erstatteten am 24. November 2009 das von der
Beschwer
degegnerin
veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
6/38). Sie stellten zu
sammenfassend folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
21
Ziff.
1.1):
-
Neurasthenie (ICD-10 F48)
-
psychische Verhaltensfaktoren bei koronarer Herzkrankheit (ICD-10 F54)
Sie nannten folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21
Ziff.
1.2):
-
koronare 3
-Gefässerkrankung mit/bei Status nach Dilatation und Stent RIVA und RCA September 2007
-
Statin
-induzierte Myalgien
-
zervikospondylogenes
und
thorakospondylogenes
Syndrom mit/bei
-
beginnender
Osteochondrose
u
nd
Spondylarthrose
C5/6, C6/7
-
diffuser idiopathischer
skelettaler
Hyperostose
(DISH) Grad II-III der BWS
Die begutachtenden Ärzte führten aus, b
ei der internistischen Erstuntersuchung
hätten
beim Beschwerdeführer seine herzbezogenen Missempfindungen und Ängste, die unabhängig von körperlicher oder psychischer Belastung aufgetre
ten seien
,
im Vordergrund gestanden. Daneben bestünden laut seinen Angaben Muskel-,
Gelenk- und Rückenschmerzen
sowie
Erschöpfbarkeit, welche es ihm nicht erlaubten
,
Sport oder ein körperliches Training durchzuführen. Die körper
liche Untersuchung des schlanken, sportlich und körperlich nicht eingeschränkt wirkenden Beschwerdeführers sei hinsichtlich des Respirationstrakts und der ab
dominellen Organe unauffällig gewesen.
Cardiovaskulär
habe sich ein erhöh
ter
Blutdruck, am Bewegungsapparat mässig ausgeprägte Muskelverspannungen der
oberen
Paravertebralmuskulatur
und keine Funktionseinschränkungen ge
zeigt. Psychisch habe der Beschwerdeführer angespannt gewirkt, latent ängst
lich und etwas unzufrieden (S. 22 Mitte).
Objektiv hätten
keine relevanten Funktionseinschränkungen an der Wirbelsäule und an den Gelenken festgestellt werden können. Endphasig sei es bei einzelnen Bewegungsprüfungen zur
Schmerzprojektion in der
Brustwirbel
säule
(BWS)
ge
kommen. Die vorliegende Bildgebung habe leichtgradige de
ge
nerative Verände
rungen der Halswirbelsäule (HWS)
in der Höhe C5/6 und C6/7 und radiologische Zeichen einer DISH der BWS gezeigt.
Rheumatologischerseits
sei es unklar, ob die Rückenschmerzen darauf zurückzuführ
en seien. Unabhän
gig davon hätten
Statin-indzierte
Myalgien anhand der neurologischen Vorun
tersuchung und der Verlaufsbeobachtung vorgelegen. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als In
formatiker oder Software-Consultant
habe
sich aus den Befunden nicht er
geben, wobei eine Zwang
shaltung zu vermeiden sei (S. 24
oben).
Die kardiologische Untersuchung habe keine typische Angina
pectoris
, jedoch stressabhängige vegetative Beschwerden, Muskelschmerzen und Erschöpfbarkeit gezeigt. Die durchgeführten technischen Untersuchungen hätten
echokardiogra
phisch
eine normale regionale und globale Funktion und Hinweise auf eine mög
liche
hypertensive
Kardiomyopahie
in Form einer konzentrischen Hypertro
phie der linken Kammer verbunden mit einer leichten diastolischen Dysfunktion gezeigt. In der Ergometrie sei es
wegen Beinschmerzen
zum Abbruch vor dem Belastungssoll gekommen. Es bestünden keine subjektiven und objektiven
Is
chä
miezeichen
. Aus kardiologischer Sicht hätten sich keine Hinweise auf eine Progression der koronaren Herzkrankheit ergeben, mit der Einsch
ränkung
, dass der Proband nicht habe ausbelastet werden können. Das kardiovaskuläre Risiko sei als erhöht eingeschätzt
und
ein regelmässiges Training sei vermisst worden. Eine kardiologische Rehabilitation wäre retrospektiv betrachtet bei dem verunsi
cherten und ängstlichen Beschwerdeführer sinnvoll gewesen und werde aktuell noch für indiziert gehalten. Erwogen werden soll
t
e auch eine
Kontrollangiogra
phie
oder ein Kontroll-
Angio
-CT. Eine Einschränkung als Informatiker habe aus kardiologisc
her Sicht nicht bestanden (S. 24
Mitte).
Die psychiatrische Untersuchung habe keine Hinweise auf eine relevante affek
tive Störung ergeben. Es seien zwar
Deprimiertheit
und hypochondrische Ängste geschildert, respektive festgestellt worden, jedoch keine abgrenzbare depressive
Episoden, keine Phobien und auch kein
e
eindeutigen Symptome einer Somati
si
e
rung oder einer somatoformen Störung, insofern, als der Beschwerdeführer offen
gewesen sei für eine psychologische Erklärung eines Teils seiner Be
schwerden. Im Vordergrund hätten die körperlichen Beschwerden und die
Er
schöpfbarkeit
, dies auch nach geistiger Anstrengung, vom Betroffenen selbst schwer zu über
win
den
,
sowie Hinweise auf
hyperchondrische
Krankheitsverar
beitung
, ausge
prägte Selbstlimitierung und
Dekonditionierung
gestanden. Die psychopatholo
gi
schen Auffälligkeiten seien diagnostisch als Neurasthenie und als psychische und Verhaltensfaktoren im Rahmen der körperlichen Erkrankung klassifiziert
worden
. Aus psychiatrischer Sicht habe sich daraus die Indikation für kurz
fris
ti
g
durchzuführende medizinische Massnahmen, idealerweise in Form einer psy
cho
somatischen Rehabilitationsbehandlung zur Vermittlung eine
s
adäquaten
Krank
heits
modells
, zur
Entkatastrophisierung
, zum Abbau von
Vermeidungs
verhalten
, zur
Rekonditionierung
und Vermittlung von Entspannungstechniken
ergeben
. Ge
eigneter Ort für eine solche Massnahme könnte ein mehrwöchiger psychoso
matischer Rehabilitationsaufenthalt sein mit anschliessender ambulanter Be
glei
tung zur Reintegration in eine zumutbare Tätigkeit.
Bis dahin sei von einer fortbestehenden Arbeitsunfähigkeit auszugehen, eine Ar
beitsunfähigkeit auf Dauer bestehe aus psychiatrischer Sicht nicht (S. 17 Mitte, S. 2
5
Mitte).
Die interdisziplinäre Beurteilung der beschriebenen Untersuchungsergebnisse könne
keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der kardiologischen, rheu
matologischen oder psychiatrischen Störungen feststellen. Es bestünden jedoch unübersehbare R
ehabilitationsdefizite sowohl im
Hinblick auf die kardiale, vor allem aber auch auf die psychiatrisch/psychosomatische Situation. Für eine so
fortige Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit sei der Beschwerdeführer deshalb nicht arbeitsfähig, wäre dies aber nach einer zumutbaren kardiologischen und psychosomatischen Rehabilitationsmassnahme. Aus Gutachtersicht seien kör
per
liche
Rekonditionierung
, ausführliche Psychoedukation
,
Entspannungs
trai
ning
sowie
Ernährungsberatung essentiell. Es bestünden auch Alternativen zur bei ihm
nebenwirkungsreichen Lipidsenker-Therapie (S. 2
5
Mitte).
In den letzten zwei Jahren habe sich eine abnorme psychische und physische
Er
schöpfbarkeit
im Sinne einer Neurasthenie entwickelt, welche die Belastbar
kei
t
auch unter weniger extremen Arbeitsbedingungen
stark beeinträchtigt habe (S.
26
Ziff.
3.1).
Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit sei auf ein psychisches Leiden zurückzuführen, e
s bestehe aus Gutachtersicht Behandelbarkeit und Behandlungsindikation (S.
2
6
Ziff.
3.2).
Subjektiv halte sich der Beschwerdeführer für arbeitsunfähig, objektiv könne eine
Arbeitsunfähigkeit für eine allgemeine Tätigkeit als Informatiker medizi
nisch nur schwer begründet werden. Eine Wiederaufnahme seiner früheren Tä
tigkeit als SAP-Consultant
mit Erreichbarkeit an
7 Tage
n
pro Woche, regelmässiger erheblicher Mehrarbeit
und hoher Stressbelastung werde
dem Beschwerdeführer aber nicht zumutbar sein. Eine Tätigkeit als Informatiker unter normalen Ar
beitsbedingungen sei theoretisch zumutbar, eine Wiedereingliederung sollte stu
fen
weise erfolgen und es sollte eine kardiologische und psychosomatische
Reha
bilitationsmassnahme
vor
ausgehen (S. 27
Ziff.
3.7, S. 31
). Eine sofortige Aufna
h
me einer Arbeitstätigkeit würde aber an den ausgeprägten subjektiven Bee
in
trächtigungen scheitern (S. 28
Ziff.
5). Wichtig seien regelmässige Arbeits
zeiten,
keine hohe Stressbelastung, keine häufige Mehrarbeit und keine anhal
tend schwe
ren
körperlichen Arbeiten (S.
28
Ziff.
5.1). Nach kardiologischer und psy
chosomatischer Rehabilitation sei ein 8 S
tunden Arbeitstag möglich (S.
28
Ziff.
5.2).
In den Berichten des Kardiologen
Dr.
B.___
, des Hausarztes
Dr.
A.___
, des Neurologen
Dr.
D.___
und des Rheumatologen
Dr.
C.___
befänden sich in di
agnostischer Hinsicht keine wesentlichen Diskrepanzen zu den eigenen Fest
stellungen. Einzelne Befundbeschreibungen wichen
von den aktuellen Erhebun
gen ab;
so beschreibe
Dr.
C.___
sehr ausgeprägte Funktionseinschränkungen am Achsenorgan, die
jetzt nicht mehr festzustellen
und anhand der objektivierbaren Schädigungen wenig nachvollziehbar seien.
Dr.
D.___
habe bei seinen Unter
suchungen keine geistig-psychiatrischen Einschränkungen beim Beschwerde
führer feststellen können, welche anhand des jetzigen psychiatrischen Befundes aber vorhanden seien und anhand der Anamnese sich in der
Krankheitsent
wick
lung
früh manifestiert hätten. Dies sei für die primär behandelnden Ärzte eben
falls früh erkennbar gewesen und ausgesprochen worden (S.
30
Ziff.
8).
3.6
RAD-Ärztin
Dr.
med.
E.___
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in ihrer Stellungnahme
vom 13. Ja
nuar 2010 (
Urk.
6/42/
7-8) fest, dass dem MEDAS-Gutachten vom 24. November 2009 gefolgt werden könne. In
terdisziplinär habe keine dauerhafte Arbeitsunfä
higkeit für angepasste Tätig
keiten mit normalen Arbeitszeiten und Arbeitsbe
lastungen festgestellt werden können. Jedoch seien Rehabilitationsdefizite im Hinblick auf die kardiale, aber
vor allem bezogen auf die psychische und psy
chosomatische Situation dargelegt worden. Eine Durchführung einer solchen Rehabilitationsmassnahme sei zumut
bar. Eine Tätigkeit mit normalen Arbeits
zeiten, ohne vermehrte Erreichbarkeit, unter normalen Arbeitsbedingungen sei zumutbar, nach kardiologischer und psy
chosomatischer Rehabilitation und entsprechend sukzessivem Arbeitsaufbau. Die angestammte Tätigkeit mit Not
wendigkeit zur vermehrten Erreichbarkeit, mit vermehrt Stress- und
Arbeitszeit
belastung
sei nicht mehr zumutbar.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsverneinende Verfügung vom April 2012
(
Urk.
2)
damit, dass gemäss MEDAS-Gutachten
vom November 2009
(vorstehend E.
3.5)
kein aus versicherungsmedizinischer Sicht relevanter
Ge
sundheitsschaden
vorliege, da als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
hig
keit
lediglich
eine Neurasthenie sowie psychische Verhaltensfaktoren im Zu
sammenhang mit der
Herzerkrankung aufgeführt worden seien
.
4.2
Die MEDAS-Gutachter (vorstehend E. 3.5) waren sich einig, dass dem Beschwer
deführer seine angestammte Tätigkeit als SAP-Consultant mit regelmässiger er
heblicher Mehrarbeit und hoher Stressbelastung nicht mehr zumutbar, jedoch eine Tätigkeit als Informatiker unter normalen Arbeitsbedingung nach durch
ge
führter kardiologischen und psychosomatischen Rehabilitationsma
ssnahmen mö
g
lich sei
.
Das MEDAS-Gutachten
berücksichtigt die vom Beschwerdeführer geklagten Be
schwerde
n
und setzt sich mit diesen umfassend auseinander. Es wurde sodann in Kenntnis der wesentlichen
Vorakten
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein, und die Schlussfolgerung ist in nachvollzieh
barer Weise begründet. Es erfüllt daher die Anforderungen an eine beweiskräf
tige Expertise (vorstehend E. 1.4), weshalb darauf abzustellen ist. Insbesondere ergaben auch die übrigen vorliegenden medizinischen Akten nichts, was auf
eine anderweitige Einschätzung der Lage hindeuten würde. Die MEDAS-Gut
ach
ter
hielten übereinstimmend mit dem Kardiologen
Dr.
B.___
(vorstehend E.
3.2)
und dem langjährig behandelnden Hausarzt
Dr.
A.___
(vorstehend E.
3.1) fest,
dass eine Wiederaufnahme
der
früheren Tätigkeit als SAP-Consultant mit
Er
reichbarkeit an
7 Tage
n
pro Woche, regelmässiger erheblicher Mehrar
beit und hoher Stressbelastung
dem Beschwerdeführer nicht zumutbar sei. Eine Tätigkeit als Informatiker unter normalen Arbeitsbedingungen befanden sie als zumutbar, wobei einer stufenweisen Wiedereingliederung eine kardiologische und psy
cho
somatische Rehabilitationsmassnahme vorausgehen sollte.
An der Einschätzung der
Situation durch die MEDAS-Gutachter
in ihrem um
fassenden Gutachten vermag auch nicht die etwas optimistischer ausgefallene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als SAP-Consultant durch den Neurologen
Dr.
D.___
(vorstehend E. 3.4) im März 2009 etwas zu ändern, da er sich im Wesentlichen auf die Myalgien, welche im Zu
sammenhang mit der lipidsenkenden Medikation aufgetreten waren, kon
zen
trier
te und eine Beurteilung aus rein neurologischer Sicht vornahm.
Der Beschwerdegegnerin ist insofern Recht zu geben, als dass die im MEDAS-Gutachten aufgeführten Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
für sich keine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken vermögen. Der Kontext des Gut
achtens ergibt jedoch, dass voraus
ge
setzt wurde, dass die ursprüngliche Tätig
keit als nicht mehr zumutbar
an
ge
sehen wurde
, zumal die MEDAS-Gutachter dies mehrfach explizit festhielten (Urk.
6/38 S.
27 und S.
31)
. Dies zeichnet sich sodann auch deutlich in den übri
gen den Akten beiliegenden Arztberichten ab.
Auch RAD-Ärztin
Dr.
E.___
(vorstehend E. 3.6) hielt im Januar 2010 fest
,
dass dem Be
schwerdeführer die angestammte Tätigkeit
mit Notwendigkeit zur vermehrten Erreichbarkeit, mit vermehrt Stress- und Arbeitszeitbelastung nicht mehr zu
mutbar sei, in einer an
gepassten Tätigkeit mit normalen Arbeitszeiten und
-
be
dingungen
seit Ablauf der Warteizeit von keiner Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit mehr ausge
gangen werden könne.
Die von den MEDAS-Gutachtern aufgeführten Diagno
sen
einer
Neurasthenie und von psychischen und Verhaltensfaktoren bei koronarer Herzkrankheit beziehen sich somit auf eine leidensangepasste Tätigkeit, welche jedoch auch gemäss Einschätzung der Gutachter zu 100 % zumutbar ist.
4.3
Aufgrund des Gesagten ist davon auszugehen, dass in der angestammten Tätig
keit als SAP-Consultant keine Arbeitsfähigkeit mehr besteht
. D
er medizinische Sachverhalt
ist
als
dahingehend
erstellt zu erachten, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist.
Auf diese Einschätzung
ist ohne Gewährung einer Übergangszeit zur Durchführung rehabilitativer Mas
s
nahmen abzustellen, zumal die im MEDAS-Gutachten erwähnten und eine
lei
densangepasste
Tätigkeit betreffenden Diagnosen
invalidenversicherungs
recht
lich
nicht zu einer Invalidität zu führen vermögen.
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Vali
den
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frü
hest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE
129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
5.2
Für den Einkommensvergleich ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeit
punkt des (hypothetischen) Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2009
(vgl. nach
folgend Erwägung 5.6)
, abzustel
len (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Der Beschwerdeführer machte geltend, zuletzt im Jahr 2007 bei
Y.___
ein Einkommen von
Fr.
173‘546.-- erzielt zu haben, wovon bei der Berech
nung
des
Valideneinkommens
auszugehen sei (vorstehend E. 2.2).
Der Be
schwerde
füh
rer
war jedoch seit Ende August 2007 krankgeschrieben (
Urk.
6/15
Ziff.
2.14),
weshalb sich dieses im Vergleich zu
den
Vorjahren
massiv höhere
Einkommen nicht nachvollziehen lässt und auf den Durchschnittswert der Jahre 2005 bis 2007
abzustellen ist.
Laut IK
-Auszug (
Urk.
6/39) verdiente der Beschwerdeführer
in den Jahren 2005 bis 2007
durchschnittlich
Fr.
160‘164.--. Dies ergibt unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung im von 2.2
%
im Jahr 2008 und von 1.9
%
im Jahr 2009
(Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 95 Tabelle B 10.2
lit
. J-K) ein
Validenein
kommen
von rund
Fr.
166‘798.-- (
Fr.
160‘164.-- x 1.022 x 1.019).
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil
die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so
können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für
Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herange
zo
gen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1)
.
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brutto
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wo
bei
jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwen
dung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr gene
rell
eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der mass
geb
liche
Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wochenarbeitszeit aufzu
rechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
5.4
Aus den medizinischen Akten geht
hervor, dass dem Beschwerdeführer keine
Tätigkeiten mit vermehrter Stress- und Arbeitszeitbelastung mehr zumutbar sind
(vorstehend
E. 4.
2-3
), weshalb Tätigkeiten im Bereich des
Anforderungsni
veau
s
1 und 2 nicht mehr in Frage kommen.
Der Beschwerdeführer machte gel
tend (vorstehend E. 2.2), das Invalideneinkommen sei im Anforderungsniveau 4 fest
zulegen. Für die Verrichtung von lediglich einfachen und repetitiven Tätig
keiten ist der Beschwerdeführer jedoch klar überqualifiziert, was aus seinem in der Be
schwerdeschrift dargelegten kurzen Lebenslauf (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3) und
aus
der den
Akten
zu entnehmenden
beruflichen Biographie hervorgeht. Ange
bracht er
scheint daher das Anforderungsniveau 3 zur Anwendung zu bringen.
Gemäss LSE belief sich der Lohn von Männern mit Berufs- und Fachkenntnis
sen
im Bereich Informatik und Dienstleistungen für Unternehmen auf
Fr.
6'250.-- pro Monat im Jahr 2008 (LSE 2008, S. 26, Tabelle TA1,
Ziff.
70-74, Niveau 3). Dies ergibt umgerechnet auf ein Jahr und bei einer durchschnittli
chen
Wochen
arbeitszeit
von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 94 Tabelle B 9.2,
lit
. G-S), unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von
1,9
%
(Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 95 Tabelle B 10.2,
lit
. J-K) rund
Fr.
79'
673
.-- für das Jahr 2009 (
Fr.
6'250.
-- :
40 x 41.7 x 12 x 1.0
19
).
5.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen.
Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass ver
sicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit
verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Ar
bei
ten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und be
rufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Aus
wir
kungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte da
für bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merk
male ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fall
en
den Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des
Ta
bellen
lohnes
zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu be
achten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten
Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E.
5.2).
In Anbetracht dessen, dass das Invalideneinkommen anhand des
Anforde
rungs
niveau
3 bestimmt wurde, wurden die Einschränkungen des Beschwerde
führers genügend berücksichtigt und ein weiter gehender Abzug vom
Tabellen
lohn
er
üb
rigt sich.
5.6
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
166‘798.-- und einem
Invalideneinkom
men
von
Fr.
79‘
673
.-- resultiert eine Vermögenseinbusse von 8
7
‘
125
.-- was ei
nem Invaliditätsgrad von rund 52
%
entspricht, bei welchem Ergebnis der Be
schwerdeführer Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat.
Gemäss Art. 29
Abs.
1 IVG
, welcher seit
1.
Januar 2008 in Kraft steht,
entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend
machung des Leistungsanspruches nach Art. 29
Abs.
1 ATSG.
Da sich der Beschwerdeführer am
1
8.
Juli 2008
zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
6/7), ist der Zeitpunkt des Rentenbeginns der
1.
Februar
2009.
5.
7
Demnach besteht ab
1.
Februar
2009 ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine halbe Rente, weshalb in
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde die ange
fochtene Verfügung vom
4.
April 2012 (
Urk.
2) aufzuheben und festzu
stellen ist,
dass ab dem
1.
Februar
2009 ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine halbe
Rente der Invalidenversicherung besteht.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Unter Be
rücksichtigung dieser Grundsätze ist dem Beschwerdeführer ein
e Prozessentschädigung von Fr. 2'4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
In
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der
Sozial
v
ersiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
4.
April 2012 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Februar
2009 Anspruch auf
eine halbe
Rente der Invalidenversicherung hat
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schä
digung
von
Fr.
2‘400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Caisse
de
pension
des Y.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchucan