# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a6bd413f-3d1e-5caa-89db-f5dfa44c216e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.04.2022 D-4924/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4924-2020_2022-04-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4924/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richter Thomas Segessenmann, Richterin Susanne Bolz,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch Idris Hajo, (…),  

(…) 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 3. September 2020 / N (…). 

 

 

 

D-4924/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin gelangte gemäss eigenen Angaben am 31. Au-

gust 2018 in die Schweiz und ersuchte am 7. November 2018 um Asyl. 

B.  

Sie wurde am 19. November 2018 zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie 

summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung zur Person 

[BzP]). Am 16. Juni 2020 wurde sie eingehend zu ihren Fluchtgründen an-

gehört. 

Sie machte im Wesentlichen geltend, dass sie ihr Heimatland wegen einer 

drohenden Zwangsheirat verlassen habe. 

C.  

Mit Schreiben vom 30. Juni 2020 gewährte das SEM der Beschwerdefüh-

rerin das rechtliche Gehör zu angeblichen Unstimmigkeiten ihrer Angaben 

zur familiären Situation gegenüber den Angaben ihres Bruders und ihrer 

Eltern, welche ebenfalls in der Schweiz Asylgesuche eingereicht hätten. 

Mit Schreiben vom 13. Juli 2020 nahm die Beschwerdeführerin Stellung. 

D.  

Mit Verfügung vom 3. September 2020 (Eröffnung frühestens am  

4. September 2020) stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus 

der Schweiz weg, ordnete allerdings eine vorläufige Aufnahme wegen Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an. 

E.  

Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres Rechts-

vertreters vom 5. Oktober 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie 

beantragte sinngemäss die Aufhebung der Ziffern eins bis drei der ange-

fochtenen Verfügung, verbunden mit der Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und der Gewährung von Asyl; eventualiter eine vorläufige Aufnahme 

als Flüchtling. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung.  

D-4924/2020 

Seite 3 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Oktober 2020 heiss das Bundesverwal-

tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und lud die Vorinstanz zur Vernehm-

lassung ein. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2020 nahm das SEM zur Be-

schwerde Stellung, worauf die Beschwerdeführerin am 2. November 2020 

replizierte. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

D-4924/2020 

Seite 4 

aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.3 Die Beschwerdeführerin ist syrische Staatsangehörige kurdischer Eth-

nie und stammt aus der Provinz B._______ im (…) Syriens. Sie begründete 

ihr Asylgesuch damit, dass ihre Eltern im Jahre (…) Syrien aus gesundheit-

lichen Gründen verlassen hätten. Nach der Ausreise der Eltern habe ihr 

Bruder C._______ für sie gesorgt. Er habe sie gegen ihren Willen mit dem 

Sohn ihrer Cousine verheiraten wollen. Dem habe sie sich widersetzt, wo-

raufhin er sie geschlagen und versucht habe, sie von der Hochzeit zu über-

zeugen. Davon ausgehend, dass C._______ sie gegen ihren Willen ver-

heiraten wolle, habe sie Syrien verlassen. Da C._______ dem Bräutigam 

bereits sein Wort gegeben habe und sie geflüchtet sei, habe sie die Fami-

lienehre verletzt, weshalb sie befürchte, bei einer Rückkehr durch ihren 

Bruder getötet zu werden.  

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Seite 5 

Die Beschwerdeführerin reichte im vorinstanzlichen Verfahren einen Ope-

rationsbericht ihrer Mutter, einen Arztbericht über ihre psychische Verfas-

sung, ein Deutschzertifikat und Ausweiskopien ihrer Geschwister ein. 

3.4 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass der Bürgerkrieg in 

Syrien keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalte.  

Hinsichtlich der Zwangsverheiratung seien die Aussagen nicht glaubhaft. 

Dabei sei vorauszuschicken, dass die Beschwerdeführerin geltend ge-

macht habe, aus einer Familie zu stammen, welche sich streng an Sitten 

und Gebräuche halte. Aus ihren biografischen Angaben ergebe sich aber, 

dass sie in Syrien einen eigenständigen Lebensstil gepflegt habe. So habe 

sie das Gymnasium besucht und ein Studium begonnen, welches sie auf-

grund des Krieges habe abbrechen müssen. Ihre Geschwister seien nicht 

zwangsverheiratet worden. Einzig eine ihrer Schwestern sei mit ihrer Heirat 

nicht zufrieden gewesen, habe sich aber nicht gewehrt und mittlerweile da-

mit abgefunden.  

Anlässlich der BzP habe sie ausgeführt, sie sei vor ihren beiden Brüdern 

geflüchtet, da diese sie hätten zwangsverheiraten wollen. Gemäss Anhö-

rung habe es sich demgegenüber einzig um ihren Bruder C._______ ge-

handelt. Ihr Bruder D._______ habe den Bewerber zwar ebenfalls für gut 

befunden, sei ihr aber zur Seite gestanden, da sie gegen die Heirat gewe-

sen sei. Dieser Bruder habe ihr dann auch bei der Flucht geholfen. 

Auf die Frage, wann sie von der geplanten Heirat erfahren habe, habe sie 

in der BzP angegeben, dies sei etwa zwei bis drei Monate vor der Ausreise 

gewesen, die etwa im (…) 2017 stattgefunden habe. Gemäss Anhörung 

habe sie bereits im (…) 2017 davon erfahren. Sie habe ferner angegeben, 

ihr Bruder C._______ habe sie kontrolliert, nachdem ihre Eltern Syrien ver-

lassen hätten. Gemäss Asyldossier der Eltern sei dies im (…) 2017 gewe-

sen. 

In der BzP habe sie zu Protokoll gegeben, der Zeitpunkt der Heirat sei bei 

ihrer Flucht noch nicht festgelegt worden. Auf die Frage, was zwischen der 

Bekanntgabe der geplanten Hochzeit und ihrer Ausreise geschehen sei, 

habe sie ausgeführt, C._______ habe sie geschlagen und nicht aus dem 

Haus gelassen. In der Anhörung habe sie hingegen ausgesagt, ihr Bruder 

D._______ habe ihr erzählt, ihr Bruder C._______ habe dem Bräutigam im 

(…) 2017 sein Wort gegeben und D._______ habe ihr deshalb geraten, 

das Land zu verlassen. Weiter habe D._______ erzählt, die Verlobung 

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Seite 6 

finde möglicherweise im (…) 2017 statt, während mit der Heirat noch zu-

gewartet würde, bis die Eltern nach Hause zurückkommen würden. 

Zur Reaktion der Familienangehörigen habe sie sich ebenfalls ungenau 

geäussert. So habe ihre Mutter gemäss BzP nach Syrien zurückkehren 

wollen, um die Heirat zu verhindern. Im späteren Verlauf der BzP habe sie 

angegeben, ihre Mutter habe versucht, die Lage zu beruhigen. Sie habe 

ihr gesagt, dass sie den Mann heiraten solle, um Probleme zu vermeiden. 

Ihr Vater habe sich ebenfalls für die Heirat ausgesprochen, da er sie habe 

loswerden wollen. In der Anhörung habe sie ausgesagt, ihre Mutter habe 

versucht, die Sache ruhig anzugehen und sei der Meinung gewesen, ihr 

Bruder solle mit der Heirat bis zur Rückkehr der Eltern zuwarten, damit 

über eine Lösung diskutiert werden könne. Ihr Vater sei derselben Meinung 

gewesen.  

Die zeitliche Einordnung der Geschehnisse sei ebenfalls vage und wider-

sprüchlich. Gemäss Aktenlage sei sie am (…) 2018 in die Schweiz einge-

reist. Gemäss BzP habe sie ungefähr ein Jahr im Nordirak bei ihrer 

Schwester gelebt. Gleichzeitig habe sie aber ausgesagt, ungefähr anfangs 

(…) 2017 aus Syrien ausgereist zu sein. 

Ungenau seien auch die Angaben zur Ausreise. Gemäss BzP habe sie mit 

einer Person aus E._______ abgemacht, die einen Schlepper organisiert 

habe und sei mit einer Gruppe illegal aus Syrien ausgereist. Im Nordirak 

habe sie ungefähr ein Jahr bei ihrer Schwester gelebt. Gemäss Anhörung 

habe ihr ihre in der Türkei wohnhafte Schwester bei der Ausreise geholfen 

und ihr Bruder D._______ habe sie an einen Ort gebracht, wo sie die Per-

son getroffen habe, die den Schlepper organisiert habe. 

Sie habe ferner die Beziehung zu ihrem Bruder C._______ sowie die Ge-

spräche und Ereignisse rund um die drohende Zwangsheirat sehr vage ge-

schildert und habe auf Nachfrage kaum zusätzliche Angaben machen kön-

nen, sondern lediglich in stereotypen Sätzen geantwortet. Sie sei auch 

nicht in der Lage gewesen, ein Bild ihrer damaligen emotionalen Lage und 

ihrer Gedanken zu vermitteln. Ihre rudimentären Angaben würden nicht 

den Eindruck erwecken, eine sich im Mittelpunkt des Geschehens befin-

dende Person spreche von jenen einschneidenden Ereignissen. Vielmehr 

fehle es an einem persönlichen Bezug. 

Das Vorbringen, wonach ihr in Syrien eine Zwangsheirat gedroht habe, sei 

daher nicht glaubhaft. 

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Seite 7 

3.5 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, dass 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin glaubhaft seien. Sie habe detail-

liert, konsistent und spontan ausgesagt. Ihre Ausführungen seien logisch 

und würden sich ferner mit den äusseren Gegebenheiten decken. Ihre Aus-

sagen seien betreffend den Kernsachverhalt präzise und nuanciert. Die 

zahlreichen Nebensächlichkeiten und Details, die sie beiläufig zu Protokoll 

gegeben habe, würden auf einen realen Erlebnishintergrund hindeuten. 

Die vereinzelten Ungenauigkeiten in den Schilderungen seien aufgrund der 

Unterbrüche und Zeiteinschränkung nicht gewichtig genug. Die Vorstellung 

der Vorinstanz über das Leben der Beschwerdeführerin sei unzutreffend. 

So habe sie zwar studiert, aber im Studentenheim mit anderen Frauen ge-

wohnt. Eine ihrer Schwestern sei mit ihrer Heirat nicht einverstanden ge-

wesen, habe aber aus Furcht vor Gewalt das Heiratsangebot angenom-

men. Die Beschwerdeführerin sei wegen ihrer Weigerung bedroht und ge-

schlagen worden. 

Die BzP sei von einem Dolmetscher nicht syrisch-kurdischer Herkunft über-

setzt worden. Die Beschwerdeführerin habe zwar angegeben, ihn gut zu 

verstehen. Es habe aber feine Unterschiede gegeben, die zu Missver-

ständnissen geführt hätten. So werde das Wort Bruder im syrischen Kur-

disch als Singular und Plural verstanden, wenn es nicht deutlich akzentu-

iert werde. Es sei daher protokolliert worden, dass sie vor beiden Brüdern 

geflohen sei, obwohl es nur einer gewesen sei. Auf die Frage, wer sie habe 

verheiraten wollen, habe sie denn auch nur ihren Bruder C._______ ge-

nannt. Bei einem Vergleich der Protokolle der BzP und der Anhörung falle 

auf, dass insbesondere beim Protokollieren der Antworten ein unterschied-

liches Vokabular verwendet worden sei. Dies deute darauf hin, dass in der 

BzP ein Dolmetscher nicht syrisch-kurdischer Herkunft mitgewirkt habe, 

während es in der Anhörung einer mit syrisch-kurdischer Herkunft gewesen 

sei. Hinsichtlich der Antworten auf die Frage, wann sie von der geplanten 

Zwangsheirat erfahren habe, liege wohl ein Missverständnis und kein Wi-

derspruch vor. Aus der Gesamtheit der Antworten ergebe sich, dass sie 

etwa zwei oder drei Monate vor der Ausreise davon erfahren habe. 

Der Bruder der Beschwerdeführerin fühle sich in seiner Ehre verletzt. Sei-

ner Ansicht nach, habe sie Schande über die Familie gebracht, welche nur 

durch ihre Tötung beseitigt werden könne. Sie sei daher einer grossen Ge-

fahr von Gewalt und Ehrenmord ausgesetzt. Syrien gehöre zu den Län-

dern, die besonders von der Problematik der Ehrenmorde betroffen seien. 

Aufgrund der gesellschaftlichen Akzeptanz von Ehrverbrechen würde in 

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Seite 8 

der Regel weder das soziale Umfeld noch der Staat hinreichenden Schutz 

bieten. 

Das SEM habe die notwendigen Abklärungen unterlassen und den Sach-

verhalt bewusst ausser Acht gelassen. 

3.6 In der Vernehmlassung erwiderte das SEM zu den geltend gemachten 

Übersetzungsschwierigkeiten, dass die Beschwerdeführerin mehrmals an-

gegeben habe, die Dolmetscherin gut zu verstehen. Zudem sei der Bruder 

der Beschwerdeführerin als Rechtsvertreter ebenfalls anwesend gewesen 

und habe sich an keiner Stelle über ungenaue Übersetzungen geäussert. 

Es sei somit nicht ersichtlich, wie es zu ungenauen Übersetzungen gekom-

men sein könnte, zumal Unklarheiten betreffend den Sachverhalt bereits in 

der BzP angesprochen worden seien. 

3.7 In der Replik wendete die Beschwerdeführerin ein, das SEM habe die 

aufgezeigte Fehlerhaftigkeit in Bezug auf den Aufenthalt in der Türkei oder 

im Irak unkommentiert gelassen. Aus den Akten sei ersichtlich, dass die 

BzP von einem Mann gedolmetscht worden sei. In der Vernehmlassung 

spreche das SEM von einer Dolmetscherin. Das SEM habe folglich die Ak-

ten mangelhaft geprüft. Über die Herkunft der Dolmetscherin respektive 

des Dolmetschers seien keine Auskünfte erteilt worden. Die Deutschkennt-

nisse des Bruders seien sehr bescheiden und er sei angehalten worden, 

keine Kommentare abzugeben, sondern lediglich am Schluss eigene Fra-

gen zu stellen. Das SEM habe zudem den Zustand der Beschwerdeführe-

rin und die Bemerkungen der medizinischen Fachpersonen und der Hilfs-

werksvertretung mit keinem Wort erwähnt. 

4.  

4.1 Soweit mit der Rüge, das SEM habe die nötigen Abklärungen unterlas-

sen und den spezifischen Sachverhalt bewusst ausser Acht gelassen, eine 

Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1) be-

ziehungsweise eine unvollständige Feststellung des Sachverhalts (vgl. 

BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N 

29) moniert wird, erweisen sich diese Einwände als unbegründet. 

4.2 Es ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Untersuchungen das SEM 

nebst der Anhörung der Beschwerdeführerin und dem Beizug der Dossiers 

der Familienangehörigen hätte durchführen müssen. Das SEM hat in sei-

nem Entscheid auch alle rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-

tigt, weshalb auch keine fehlerhafte Sachverhaltsermittlung vorliegt. 

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Seite 9 

5.  

5.1 In materieller Hinsicht hat das SEM die drohende Zwangsheirat zu 

Recht für unglaubhaft befunden. Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 

Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduzier-

tes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und 

Zweifel an den Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin sprechen, 

überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines Ver-

folgungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-

ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der 

dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat-

sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi-

nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft 

wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-

dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der 

Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung al-

ler Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhal-

tes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwür-

digkeit usw.), die für oder gegen die Beschwerdeführerin sprechen. Glaub-

haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente über-

wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten 

Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1). 

5.2 Das SEM bemerkt zurecht die Ungenauigkeiten in den Aussagen der 

Beschwerdeführerin, indem sie einerseits von beiden Brüdern (vgl. act. A11 

Ziff. 7.01), andererseits aber nur von ihrem Bruder C._______ als Täter 

gesprochen hat (vgl. act. A11 Ziff. 7.02 sowie A30 F39). Der Einwand, es 

sei zu Missverständnissen mit dem Dolmetscher gekommen, überzeugt 

nicht, zumal die Beschwerdeführerin sowohl in der BzP (vgl. act. A11 Bst. 

h) als auch in der Anhörung (vgl. act. A30 F1) angab, diesen gut zu verste-

hen. Den Protokollen können keine Anhaltspunkte für Missverständnisse 

entnommen werden. Da die Beschwerdeführerin jedoch ihre erste Aussage 

in der BzP, wonach es beide Brüder gewesen seien, kurz danach implizit 

spontan dahingehend präzisierte, dass es nur C._______ gewesen sei 

(vgl. act. A11 Ziff. 7.02), ist der Widerspruch zu relativieren. Das Gericht 

vermag sodann kaum einen Widerspruch darin zu erkennen, dass sich die 

Beschwerdeführerin einerseits von Anfang Oktober 2017 bis Ende August 

D-4924/2020 

Seite 10 

2018 – mithin elf Monate – und andererseits ungefähr ein Jahr bei der 

Schwester aufgehalten habe. 

5.3 Zutreffend argumentiert das SEM hingegen, dass die Beschwerdefüh-

rerin in der BzP zum Zeitpunkt der Heirat lediglich angegeben habe, dieser 

habe noch nicht festgestanden (vgl. act. A11 S. 9). In der Anhörung waren 

ihre Aussagen dazu jedoch um einiges konkreter, indem sie angab, ihr sei 

erzählt worden, ihr Bruder habe ihrem zukünftigen Ehegatten im (…) 2017 

sein Wort gegeben (vgl. act. A30 F72 bis 74) und die Verlobung werde wohl 

im (…) 2017 stattfinden, während mit der Heirat bis zur Rückkehr ihrer El-

tern zugewartet werde (vgl. ebd. F82 f.). Dass die Beschwerdeführerin ihre 

Kenntnisse über die Heiratspläne in der BzP trotz entsprechender Frage 

nicht konkretisierte, ist nur schwer nachvollziehbar.  

Eine weitere kleinere Unstimmigkeit betrifft die Angabe zum Zeitpunkt, 

wann sie von der geplanten Heirat erfahren habe (zwei bis drei Monate vor 

der Ausreise [act. A11 S. 9]; im zweiten oder dritten Monat des Jahres 2017 

[act. A30 F41]). Dass es sich dabei – wie in der Beschwerde behauptet – 

um ein Missverständnis handle und sich aus der Gesamtheit der Aussagen 

ergebe, dass immer der zweite oder dritte Monat vor der Ausreise gemeint 

gewesen sei, überzeugt nur bedingt.  

Das SEM bemerkt auch zu Recht die mangelnde Präzision in den Be-

schreibungen der Reaktion ihrer Eltern. Zwar beschrieb sie die Haltung ih-

rer Mutter – mit gewissen Nuancen – konsistent, führte zu ihrem Vater aber 

einerseits aus, dass er sie habe verheiraten wollen, um sie loszuwerden 

(vgl. act. A11 S. 9), während sie an anderer Stelle ausführte, er habe die 

(vermittelnde) Meinung der Mutter geteilt (vgl. act. A30 F77). 

Darüber hinaus sind die Schilderungen zur Beziehung zu ihrem Bruder 

C._______ sowie zu den Ereignissen rund um die drohende Zwangsheirat 

trotz mehrmaliger Nachfrage äusserst vage und kurz ausgefallen (vgl. act. 

A30 F39 bis F59). Auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass 

der Bruder sie von der Heirat mit dem erwähnten Verwandten überzeugen 

wollte, ergibt sich aus ihren Schilderungen in keiner Weise der Eindruck, 

die Beschwerdeführerin sei in der vorgebrachten Weise mit einer drohen-

den Zwangsheirat und möglicher Gewalt wegen Verletzung der Familien-

ehre konfrontiert gewesen. 

D-4924/2020 

Seite 11 

5.4 Diese Unstimmigkeiten in den Aussagen lassen sich durch die im Arzt-

bericht vom (…) 2020 attestierten psychischen Leiden ([…]) nur sehr be-

schränkt relativieren. Aus den Protokollen sowie den Akten sind keine An-

haltspunkte ersichtlich, die auf eine schwere Beeinträchtigung der Aussa-

gefähigkeit hindeuten könnten. 

5.5 Schliesslich lässt sich die Aussage der Beschwerdeführerin, wonach 

sie aus einer sehr traditionellen Familie stamme, nur schwer mit den bio-

grafischen Eckdaten vereinbaren, zumal sie gemäss eigenen Angaben das 

Gymnasium besucht und anschliessend studiert habe und dabei auf dem 

Campus wohnhaft gewesen sei (vgl. act. A30 F28 und F30). Sodann ver-

mag auch nicht zu überzeugen, dass der ältere Bruder die Beschwerde-

führerin hätte zur Heirat zwingen können und sie aufgrund der Ausreise mit 

dem Tod bedrohen würde, obwohl weder die Eltern noch die übrigen Ge-

schwister mit der Zwangsheirat einverstanden gewesen seien. 

5.6 Aufgrund der unstimmigen und vagen Schilderungen ist es der Be-

schwerdeführerin nicht gelungen, ihre Fluchtgründe glaubhaft zu machen. 

Der blosse Umstand, dass es in Syrien regelmässig zu Zwangsheiraten 

kommt, reicht für sich allein für die Bejahung der Glaubhaftigkeit der Ver-

folgung nicht aus. Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft 

verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-4924/2020 

Seite 12 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverfü-

gung vom 8. Oktober 2020 jedoch die unentgeltliche Prozessführung ge-

mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt worden ist, sind keine Kosten zu erhe-

ben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4924/2020 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Linus Sonderegger 

 

 

Versand: 

	3.4 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass der Bürgerkrieg in Syrien keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalte.
	3.5 Diesen Erwägungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin glaubhaft seien. Sie habe detailliert, konsistent und spontan ausgesagt. Ihre Ausführungen seien logisch und würden sich ferner mit den äusseren...
	5.2 Das SEM bemerkt zurecht die Ungenauigkeiten in den Aussagen der Beschwerdeführerin, indem sie einerseits von beiden Brüdern (vgl. act. A11 Ziff. 7.01), andererseits aber nur von ihrem Bruder C._______ als Täter gesprochen hat (vgl. act. A11 Ziff. ...
	5.3 Zutreffend argumentiert das SEM hingegen, dass die Beschwerdeführerin in der BzP zum Zeitpunkt der Heirat lediglich angegeben habe, dieser habe noch nicht festgestanden (vgl. act. A11 S. 9). In der Anhörung waren ihre Aussagen dazu jedoch um einig...
	5.4 Diese Unstimmigkeiten in den Aussagen lassen sich durch die im Arztbericht vom (…) 2020 attestierten psychischen Leiden ([…]) nur sehr beschränkt relativieren. Aus den Protokollen sowie den Akten sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die auf eine ...
	5.5 Schliesslich lässt sich die Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie aus einer sehr traditionellen Familie stamme, nur schwer mit den biografischen Eckdaten vereinbaren, zumal sie gemäss eigenen Angaben das Gymnasium besucht und anschliessend st...