# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a072b17e-25e2-5eaa-8212-6d9d911b01f2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-11-01
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 01.11.2005 AGVE_2005_1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_AGVE-2005-1_2005-11-01.pdf

## Full Text

2005 Zivilrecht 25 

I. Zivilrecht 

A. Familienrecht 

1 Art. 111 Abs. 2, 113 und 116 ZGB. 
Die Bedenkzeit gemäss Art. 111 Abs. 2 ZGB ist auch im Rahmen von 
Art. 116 ZGB zwingend zu beachten. Die Parteien sind mit der Eröffnung 
der Bedenkfrist auf die Rechtsfolgen einer Nichtbestätigung des 
Scheidungswillens ausdrücklich hinzuweisen. Da im Anwendungsbereich 
von Art. 116 ZGB bereits eine Klage und - gegebenenfalls - eine Wider-
klage angehoben worden sind, bedarf es bei Ausbleiben der Bestätigung 
des Scheidungswillens keiner Fristansetzung i.S.v. Art. 113 ZGB zur Er-
setzung des gemeinsamen Scheidungsbegehrens durch eine Klage. Bei 
Ausbleiben der Bestätigung des Scheidungswillens hat das Gericht den 
Parteien in anfechtbarer Form die Abweisung des gemeinsamen Schei-
dungsbegehrens und deren Gründe zu eröffnen. 

Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Zivilkammer, vom 1. November 
2005 in Sachen G. B. gegen C. B. 

Aus den Erwägungen 

Nach Art. 116 ZGB sind die Bestimmungen über die Scheidung 
auf gemeinsames Begehren sinngemäss anwendbar, wenn ein 
Ehegatte die Scheidung nach Getrenntleben oder wegen Unzumut-
barkeit verlangt und der andere Ehegatte ausdrücklich zustimmt oder 
Widerklage erhebt. Der Scheidungsgrund von Art. 114 oder 115 ZGB 
kommt alsdann nicht mehr zur Anwendung, sondern weicht - da fak-
tisch ein gemeinsames Begehren vorliegt - jenem nach Art. 111/112 
ZGB (Steck, Basler Kommentar, 2. A., Basel/Genf/München 2002, 
N 10 zu Art. 116 ZGB; Rumo-Jungo, Die Scheidung auf Klage, in: 
AJP 1999, S. 1537; Fankhauser, in: Schwenzer, FamKommentar 
Scheidung, 2. A., Bern 2005, N 2 zu Art. 116 ZGB; Reusser, Die 
Scheidungsgründe und die Ehetrennung, in: Hausheer, Vom alten 

26 Obergericht 2005 

zum neuen Scheidungsrecht, ASR 625, Bern 1999, Rz 1.87). Bei 
dieser Konstellation bezweckt Art. 116 ZGB in erster Linie die 
Einhaltung der Verfahrensgarantien von Art. 111 und 112 ZGB, d.h. 
es soll verhindert werden, dass diese - insbesondere die zweimona-
tige Bedenkzeit - durch eine fingierte Streitscheidung umgangen 
werden (Botschaft des Bundesrates über die Änderung des schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches vom 15. November 1995, BBl 1996, 
S. 93; Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, 
Zürich 1999, N 9 zu Art. 116 ZGB; Steck, a.a.O., N 3 ff. zu Art. 116 
ZGB; Reusser, a.a.O., Rz 1.88; Fankhauser, a.a.O., N 2 f. zu Art. 116 
ZGB; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1537). Diese Verfahrensgarantien gel-
ten sowohl für den Scheidungswillen als auch für eine Vereinbarung 
über die Nebenfolgen der Scheidung (Fankhauser, a.a.O., N 6, 23 zu 
Art. 116 ZGB; Steck, a.a.O., N 14, 30 zu Art. 116 ZGB; Reusser, 
a.a.O., Rz 1.98; Bräm, Die Scheidung auf gemeinsames Begehren, 
die Wechsel der Verfahren [Art. 111 bis 113, 116 ZGB] und die 
Anfechtung der Scheidung auf gemeinsames Begehren [149 ZGB], 
in: AJP 1999, S. 1519; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1539; a.A. Sutter/ 
Freiburghaus, a.a.O., N 15 zu Art. 116 ZGB). Auch die Anfechtung 
eines gestützt auf Art. 116 ZGB in analoger Anwendung von Art. 111 
oder 112 ZGB ergangenen Scheidungsurteils richtet sich nach den 
Bestimmungen über die Scheidung auf gemeinsames Begehren 
(Steck, a.a.O., N 33 zu Art. 116 ZGB; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., 
N 9 zu Art. 116 ZGB; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1539). 

Eine Scheidung auf gemeinsames Begehren darf gemäss 
Art. 111 Abs. 2 ZGB erst ausgesprochen und die Vereinbarung 
genehmigt werden, wenn beide Ehegatten nach einer zweimonatigen 
Bedenkzeit seit der Anhörung schriftlich ihren Scheidungswillen und 
ihre Vereinbarung bestätigt haben. Diese Bestimmung ist auch im 
Rahmen von Art. 116 ZGB zwingend zu beachten (Steck, a.a.O., 
N 14 zu Art. 116 ZGB; Fankhauser, a.a.O., N 24 ff. zu Art. 116 ZGB; 
Bräm, a.a.O., S. 1519; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1539; Reusser, a.a.O., 
Rz 1.98; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 15 zu Art. 116 ZGB, einge-
schränkt auf den Scheidungswillen). Erfolgt nach Ablauf der 
Bedenkzeit von keiner Partei eine schriftliche Bestätigung des Schei-
dungswillens, ist Rückzug sowohl der Klage wie auch der Widerkla-

2005 Zivilrecht 27 

ge anzunehmen und das Verfahren abzuschreiben. Bleibt die Bestäti-
gung nur einer Partei aus, ist Rückzug von deren Haupt- oder Wider-
klage anzunehmen, indes mit Bezug auf die hängig gebliebene Klage 
bzw. Widerklage das streitige Verfahren weiterzuführen und diese 
aufgrund von Art. 114 oder 115 ZGB zu beurteilen (Fankhauser, 
a.a.O., N 31 zu Art. 116 ZGB; Steck, a.a.O., N 16 zu Art. 116 ZGB; 
Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 19 ff. zu Art. 116 ZGB; Heg-
nauer/Breitschmid, Grundriss des Eherechts, 4. A., Bern 2000, Rz. 
9.41; Reusser, a.a.O., Rz. 1.99; Rumo-Jungo, a.a.O., S. 1539; 
Hausheer, Die wesentlichen Neuerungen des Scheidungsrechts, in: 
ZBJV 1999, S. 10 [der allerdings von einer Abweisung statt 
Abschreibung der Klage ausgeht]; Rhiner, Die Scheidungsvorausset-
zungen nach revidiertem schweizerischem Recht [Art. 111 - 116 
ZGB], Diss. Zürich 2001, S. 352 f.). Da im Anwendungsbereich von 
Art. 116 ZGB bereits eine Klage und - gegebenenfalls - eine 
Widerklage angehoben sind, bedarf es bei Ausbleiben der Bestäti-
gung des Scheidungswillens keiner Fristansetzung i.S.v. Art. 113 
ZGB zur Ersetzung des gemeinsamen Scheidungsbegehrens durch 
eine Klage zwecks Wahrung der Rechtshängigkeit des Verfahrens 
(Steck, a.a.O., N 3 zu Art. 113 ZGB; Reusser, a.a.O., Rz 1.60; Haus-
heer/Kobel/Geiser, Das Eherecht des Schweizerischen Zivilgesetzbu-
ches, 2. A., Bern 2002, Rz 10.28; Rhiner, a.a.O., S. 356 ff.; a.A. 
Fankhauser, a.a.O., N 31 zu Art. 116 ZGB, der eine Fristansetzung an 
die Parteien zur Bekanntgabe, ob sie an Klage oder Widerklage fest-
halten, für nötig erachtet). Hingegen sind die Parteien mit der Eröff-
nung der Bedenkfrist auf die Rechtsfolgen einer Nichtbestätigung 
des Scheidungswillens ausdrücklich hinzuweisen (Steck, a.a.O., N 15 
zu Art. 116 ZGB). Da nach Art. 44 lit. bbis OG gegen letztinstanzliche 
kantonale Entscheide über die Verweigerung der Scheidung auf ge-
meinsames Begehren die Berufung ans Bundesgericht offen steht, 
hat das Gericht den Parteien in anfechtbarer Form im Sinne eines 
Zwischenentscheides (§ 274 Abs. 1 lit. b ZPO) die Abweisung des 
gemeinsamen Scheidungsbegehrens und deren Gründe zu eröffnen. 

28 Obergericht 2005 

B. Obligationenrecht 

2 § 7 Abs. 2 VKD, Art. 343 Abs. 2 OR 
Kostenvorschuss in arbeitsgerichtlichen Verfahren; kein Abzug des 
Grenzbetrages von Fr. 30'000.-- gemäss Art. 343 OR bei der Berechnung 
des Grundansatzes gemäss § 7 Abs. 2 VKD. 

Aus dem Entscheid der Inspektionskommission vom 1. Juni 2005 i.S. R. R. 
c. Arbeitsgericht Z. 

Aus den Erwägungen 

3. […] 
 d) Nach dem Gesagten beträgt der Streitwert im vorlie-

genden Fall Fr. 35'150.--. Die Berechnung der Höhe des Verfahrens-
kostenvorschusses ist gestützt auf § 7 Abs. 2 VKD vorzunehmen. 

 aa) Gemäss § 7 Abs. 2 VKD beträgt der Grundansatz in 
arbeitsgerichtlichen Streitsachen bei einem Streitwert zwischen 
Fr. 8'000.-- und Fr. 80'000.-- 7,5 % des um Fr. 8'000.-- verminderten 
Streitwertes. Im vorliegenden Fall ergibt sich somit folgende Berech-
nung: 

 Streitwert (Fr. 35'150.--) ./. Abzug (Fr. 8'000.--) * 7,5 %  
 […] 
 bb) Die Ausführungen des Beschwerdeführers, es sei gestützt 

auf Art. 343 OR bei der Berechnung des Grundansatzes ein Abzug 
von Fr. 30'000.-- vorzunehmen, gehen an der Sache vorbei. Art. 343 
OR normiert für einen Streitwert bis Fr. 30'000.--, dass den Parteien 
weder Gebühren noch Auslagen des Gerichts auferlegt werden. 
Jedoch derogiert Art. 343 OR bei einem Streitwert über Fr. 30'000.-- 
die Regelung von § 7 Abs. 2 VKD nicht. Ein Streitwertabzug von 
Fr. 30'000.-- findet im Gesetz keine Stütze und die Voraussetzungen 
für eine Auslegung gegen den Wortlaut von § 7 Abs. 2 VKD sind 
nicht erfüllt (vgl. Beschluss der 1. und 2. Zivilabteilung des Ober-