# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 00aaa1d7-dddd-5271-9608-05f23ffddd9b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 14.02.2022 SST.2021.166
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-166_2022-02-14.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2021.166 
(ST.2020.46; StA.2020.1727) 

 

 

Urteil vom 14. Februar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

Privatklägerin   A.L._____, 

[…] 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin Renate Senn,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1983, von Syrien, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Matthias Fricker,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Versuchte Vergewaltigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 5. Oktober 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller 

Nötigung.  

 

1.2. 

Mit Urteil vom 24. März 2021 erkannte das Bezirksgericht Zurzach: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten Vergewaltigung i.S.v. Art. 190 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 22 Abs. 1 StGB 
 
2. 
Er wird hierfür in Anwendung der in Dispositiv-Ziff. 1 genannten Gesetzesbestimmung 
sowie gestützt auf Art. 40 und Art. 47 StGB verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von 
2 ½ Jahren. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird für den Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe gestützt auf Art. 42 
i.V.m. Art. 43 StGB der teilbedingte Vollzug gewährt. Die Freiheitsstrafe von 2 ½ Jahren ist 
im Umfang von sechs Monaten unbedingt zu vollziehen, im Umfang von zwei Jahren 
aufgeschoben. 
 
Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf drei 
Jahre festgesetzt. 
 
4. 
Die Dauer der Untersuchungshaft (23. Mai 2020 bis 26. Juni 2020) von insgesamt 35 Tagen 
wird gestützt auf Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 
 
5. 
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von acht Jahren 
aus der Schweiz weggewiesen. Die Landesverweisung ist für den Schengen-Raum gültig 
und entsprechend im SIS einzutragen. 
 
6. 
Die von der Kantonspolizei Aargau (Stützpunkt Q.) sichergestellte und bei der 
Kriminaltechnik (Polizeikommando) lagernde Kleidung wird der Zivil- und Strafklägerin 
[A.L.] innert zwei Monaten nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen 
zurückgegeben. 
 
7. 
7.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin [A.L.] eine Genugtuung in 
Höhe von CHF 3'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit 13. Mai 2020 zu bezahlen.  
 
7.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Zivil- und 
Strafklägerin (lic. iur. Renate Senn, Rechtsanwältin, Baden) eine Entschädigung für die 
notwendigen Aufwendungen im Straf- und Zivilpunkt in richterlich genehmigter Höhe von 
CHF 7'317.70 (Honorar inkl. Auslagen und MwSt.) zu bezahlen. 

 - 3 - 

 

 

 

8. 
8.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von CHF 3'000.00 
b) der Anklagegebühr von CHF 2'150.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von CHF 14'465.20 
d) den Dolmetscherkosten von  CHF 294.00 
e) den Untersuchungskosten von  CHF 1'825.00 
 
Total CHF 21'734.20 
 
8.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a und b sowie die Kosten gemäss 
lit. e im Gesamtbetrag von CHF 6'675.00 auferlegt.  
 
8.3. 
Die Dolmetscherkosten gemäss lit. d im Umfang von CHF 294.00 gehen zu Lasten des 
Staates (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO). 
 
8.4. 
Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten (lic. iur. 
Matthias Fricker, Rechtsanwalt, Muri) dessen richterlich genehmigtes Honorar von 
CHF 14'465.20 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entrichten (Kosten gemäss lit. c). 
 
Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche 
Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).  
 
9. 
Über die Tragung der Vollzugskosten, unter Einschluss der Kosten der ausgestandenen 
und auf die Strafe angerechneten Haft, entscheidet die Vollzugsbehörde. 

 

2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 2. Juli 2021 beantragte der Beschuldigte, er 

sei von Schuld und Strafe freizusprechen. Weiter beantragte er die 

Abweisung der Zivilforderung der Privatklägerin, eventualiter deren 

Verweisung auf den Zivilweg.  

 

2.2. 

Am 25. August 2021 reichte der Beschuldigte vorgängig zur 

Berufungsverhandlung seine schriftliche Berufungsbegründung ein.  

 

2.3. 

Mit vorgängiger schriftlicher Berufungsantwort vom 15. September 2021 

beantragte die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach die Abweisung der 

Berufung. 

 

2.4. 

Mit vorgängiger schriftlicher Berufungsantwort vom 16. September 2021 

beantragte die Privatklägerin die Abweisung der Berufung.  

 

 - 4 - 

 

 

 

2.5. 

Am 29. September 2021 reichte der Beschuldigte eine freigestellte 

Stellungnahme zu den Berufungsantworten der Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach sowie der Privatklägerin ein.  

 

2.6. 

Die Berufungsverhandlung fand am 14. Februar 2022 statt. Der 

Beschuldigte hielt an seinen mit Berufungserklärung gestellten Anträgen 

fest. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Berufung.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei von Schuld und Strafe 

freizusprechen. Nicht angefochten und somit nicht zu überprüfen ist die 

Herausgabe der sichergestellten Kleidungsstücke an die Privatklägerin 

A.L. (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

2.  

2.1. 

Die Vorinstanz hat den in der Anklageziffer I. zur Anklage erhobenen 

Sachverhalt gestützt auf die Aussagen von A.L. als erstellt erachtet und 

den Beschuldigten der versuchten Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (vorinstanzliches Urteil 

E. 3 f.). Weiter hat die Vorinstanz den objektiven wie auch den subjektiven 

Tatbestand der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB als erfüllt 

erachtet und festgehalten, dass der Tatbestand der sexuellen Nötigung 

durch denjenigen der versuchten Vergewaltigung konsumiert werde, 

weshalb kein Schuldspruch betreffend die sexuelle Nötigung erfolge 

(vorinstanzliches Urteil E. 4). 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vollumfänglich 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2). Dies begründet er im 

Wesentlichen damit, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich erfolgt 

seien (Berufungsbegründung S. 4). 

 

2.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, am 13. Mai 2020, gegen 

14.00 Uhr, im Küchenvorraum seines Imbissbetriebs, dem J., A.L. sexuell 

genötigt und versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. 

 

Dazu sei es gekommen, nachdem der Beschuldigte in der Nacht vom 

12. auf den 13. Mai 2020 mit A.L. via «WhatsApp» ein Treffen für den 

13. Mai 2020, 14.00 Uhr, in seinem Imbissbetrieb vereinbart habe. Dabei 

habe er A.L. eine Anstellung mit einem 50%-Pensum in seinem Betrieb 

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angeboten. A.L., die sich aufgrund ihrer knappen finanziellen Verhältnisse 

unbedingt eine feste Arbeitsstelle gewünscht habe, habe eingewilligt und 

sei zum vereinbarten Zeitpunkt im Imbissbetrieb erschienen. Der 

Beschuldigte habe sich mit ihr in den Küchenvorraum im Inneren des 

Lokals begeben, welches während der Zimmerstunde geschlossen 

gewesen sei. Sie hätten sich einander gegenüber auf Barhocker gesetzt 

und das Gespräch sei zunächst über die in Aussicht gestellte Stelle geführt 

worden. Der Beschuldigte habe sie um Fotoaufnahmen ihres Ausweises 

gebeten, welche sie ihm um 14.15 Uhr via «WhatsApp» übermittelt habe. 

In der Folge habe er A.L. gefragt, ob sie seine Freundin sein wolle und ihn 

befriedigen könne. Währenddessen habe er sie näher zu sich gezogen, 

einen ihrer Unterschenkel ergriffen, diesen auf sein Bein gelegt und 

begonnen, ihren Unterschenkel zu streicheln/massieren. A.L. habe diese 

Frage verneint und ihr Bein weggezogen, woraufhin der Beschuldigte ihre 

Oberschenkel berührt und in Richtung Intimbereich zu massieren 

begonnen habe. A.L. habe ihm mit ihrer Hand auf die Finger geschlagen 

und sei aufgestanden, um den Raum zu verlassen. Dabei habe der 

Beschuldigte sie jedoch von hinten an einem Arm ergriffen, sie mit dem 

Rücken zu sich gezogen und mit der freien Hand ihre Leggins samt 

Unterhose bis zur Mitte ihrer Oberschenkel heruntergezogen. Während er 

sie mit einer Hand am Arm festgehalten bzw. seinen Arm von hinten um 

ihren Oberkörper gelegt und sie so im Griff gehalten habe, habe er ihr mit 

der anderen Hand an ihr Gesäss, unter der Oberbekleidung an die linke 

Brust, den Bauch und an die Scheide gefasst. Dabei habe er ihr ins Ohr 

geflüstert, dass sie einen wunderschönen Arsch habe, woraufhin er mit 

seiner freien Hand seine eigene Hose heruntergezogen, sein Glied 

entblösst und dieses wiederholt von hinten zwischen ihren Beinen 

durchgestossen/durchgerieben habe. Dabei habe er versucht, A.L. nach 

vorne runter zu beugen, indem er sie mit einer Hand an der Hüfte 

festgehalten und sie mit der anderen Hand an ihrem Rücken runtergedrückt 

habe. Da sie sich dagegen gesperrt habe, sei es dem Beschuldigten nicht 

gelungen, sie nach vorne zu beugen und mit seinem Penis in ihre Scheide 

einzudringen. Deshalb habe sich der Beschuldigte, A.L. weiterhin 

festhaltend, bis zum Samenerguss selbst befriedigt, woraufhin er von ihr 

abgelassen habe. Im Anschluss daran habe er A.L. mitgeteilt, dass sie 

niemandem davon erzählen solle, da es ihnen beiden schaden würde, 

woraufhin er ihr Fr. 100.00 in den Ausschnitt gesteckt und angegeben 

habe, dies sei für sie.  

 

Der Beschuldigte habe während des fünf- bis zehnminütigen Vorgangs 

wiederholt geäussert, dass er es in zwei Minuten hätte, wenn sie mitma-

chen würde und dass er unglücklich in der Ehe sei, sowie «komm schon», 

«lass es zu», «es geht so schnell» und «wir brauchen das». A.L. habe 

wiederholt «nein», «hör auf» und «lass los» geäussert und habe versucht 

sich zu sperren, den Beschuldigten bzw. seine Arme von sich 

wegzustossen und ihre Unterbekleidung hochzuziehen, was ihr jedoch 

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nicht gelungen sei. Sie sei aufgrund der Situation verängstigt gewesen und 

habe versucht, sich so ruhig wie möglich zu verhalten. Aufgrund des festen 

Griffs des Beschuldigten und seines aggressiven Tons habe sie sich vor 

weiterer und stärkerer Gewalt gefürchtet, sollte sie sich intensiver zur Wehr 

setzen. In der Nähe habe sich ein Küchenmesser befunden, dessen 

Einsatz sie bei Gegenwehr befürchtet habe. 

 

Der Beschuldigte habe gewusst, dass A.L. an psychischen Problemen leide 

und auf die Invalidenversicherung angewiesen sei. Daher habe er ihre 

Geldnot und ihren Wunsch nach einer festen Arbeitsstelle gekannt. Ihm sei 

bewusst gewesen, dass das Anbieten eines Arbeitsvertrages geeignet sei, 

A.L. zu sich zu locken. Auch habe er in dem früheren Schriftverkehr und 

Gesprächen seit Dezember 2019 seinen Wunsch nach sexuellem Kontakt 

angesprochen und wiederholt sexuelle Anspielungen gemacht. A.L. habe 

einen sexuellen Kontakt stets vehement verneint. Er habe deshalb bereits 

vorgängig gewusst, dass sie keinen sexuellen Kontakt gewünscht habe, 

wobei er aber zumindest damit gerechnet habe. Dennoch habe er sich ihr 

am 13. Mai 2020 genähert, habe sie festgehalten und trotz den 

Verneinungen und der Abwehr weitergemacht, um an ihr die sexuellen 

Handlungen und letztlich den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen zu 

vollziehen (Anklage Ziff. I). 

 

2.3. 

Der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer 

eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, 

namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen 

Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Die von der 

Rechtsprechung (auch in Bezug auf Art. 189 Abs. 1 StGB) geforderte 

Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräftige und manifeste 

Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht 

wird, mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.3.). Eine 

versuchte Tatbegehung gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der 

Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens 

begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur 

Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht 

eintreten kann.  

 

Der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, 

wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen 

sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt 

anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig 

macht. 

 

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2.4. 

2.4.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). 

 

Im Rahmen der Aussageanalyse wird geprüft, ob die aussagende Person 

unter Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungs-

fähigkeit und ihrer Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen 

Erlebnishintergrund machen könnte. Weiter ist nach möglichen 

Fehlerquellen zu forschen, die etwa darin bestehen können, dass die 

aussagende Person über ein Motiv zur Falschaussage verfügt oder 

Umstände vorhanden sind, welche die Aussage beeinflusst haben könnten. 

Schliesslich ist zu untersuchen, ob es Übereinstimmungen oder 

Widersprüche zu anderen Beweisen gibt. Bei der Glaubhaftigkeits-

beurteilung ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch nicht 

realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese Unwahr- bzw. 

Nullhypothese mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung 

stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die Alternativhypothese, 

dass die Aussage wahr ist (BGE 133 I 33 E. 4.3). 

 

2.4.2. 

Aufgrund der nachfolgend dargelegten Gründe bestehen vor dem 

Hintergrund der Nullhypothese erhebliche Zweifel daran, dass sich der 

Sachverhalt so zugetragen hat, wie er in der Anklage umschrieben wird:  

 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er A.L. am 13. Mai 2020 an ihrem 

Gesäss angefasst und sich währenddessen selbst befriedigt hat. Er macht 

jedoch geltend, dass diese sexuellen Handlungen einvernehmlich erfolgt 

seien (Berufungsbegründung S. 4; UA act. 382; 385). Aufgrund dessen 

sind die Aussagen in erster Linie in Bezug auf die Zwangssituation sowie 

die währenddessen stattgefundenen Gespräche und Abwehrhandlungen 

zu untersuchen. 

 

Es handelt sich vorliegend um ein Vieraugendelikt, bei welchem die 

Aussagen des Beschuldigten und von A.L. gegeneinander abzuwägen 

sind. Als objektives Beweismittel konnte – nebst weiteren Chatverläufen – 

der «WhatsApp»-Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten und A.L. 

sichergestellt werden. Da A.L. den Vorfall am 22. Mai 2020 und somit erst 

neun Tage später bei der Polizei meldete (UA act. 276), wurde keine 

körperliche Untersuchung vorgenommen, weshalb weder ein Arztbericht 

vorliegt noch Spuren an ihr sichergestellt werden konnten. Nebst dem 

Beschuldigten und A.L. wurden die Ehefrau des Beschuldigten, C., der 

damalige Lebenspartner von A.L., F.H., sowie die Adoptivmutter und der 

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Adoptivvater von A.L., D.L. und E.L., einvernommen. Nachdem C. und E.L. 

weder Angaben zum Kernvorwurf noch zu anderen relevanten Tatsachen 

machen konnten, sondern höchstens zum allgemeinen Verhalten des 

Beschuldigten oder von A.L., führen ihre Aussagen generell zu keinem 

Erkenntnisgewinn. In Bezug auf die vorliegenden Vorwürfe kann deshalb 

nicht auf die Aussagen dieser beiden Drittpersonen abgestellt werden. 

 

2.4.3. 

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten und von A.L. 

ausführlich und detailliert zusammengefasst. Darauf kann vorab verwiesen 

werden (vorinstanzliches Urteil E. 3.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

 

Bei A.L. ist – entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten 

(Berufungsbegründung S. 11) – keine fehlende Aussagetüchtigkeit 

auszumachen. Es ergeben sich keine Hinweise darauf, dass sie nicht dazu 

in der Lage sein sollte, ein bestimmtes Geschehnis wahrzunehmen, über 

einen gewissen Zeitraum im Gedächtnis zu behalten und verbal 

wiederzugeben. Zwar leidet sie eigenen Angaben zufolge, wie auch 

gemäss den Austrittsberichten der Klinik K. vom 16. Dezember 2019, 

2. Juni 2020 und 19. Januar 2021 an einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, ICD-10 F60.31 (UA act. 401; 

UA act. 258 ff.). Mit dem Austrittsbericht vom 2. Juni 2020 wurde eine akute 

Belastungsreaktion, ICD-10 F43.0 (UA act. 258), und im Austrittsbericht 

vom 19. Januar 2021 eine posttraumatische Belastungsstörung, ICD-10 

F43.1 (GA act. 63), diagnostiziert. Auswirkungen dieser Erkrankungen auf 

ihre Aussagetüchtigkeit sind jedoch nicht ersichtlich. So hat A.L. zu 

Protokoll gegeben, im Mai 2020 generell das Medikament «ABILIFY» 

(UA act. 406) und auch am Tag des Vorfalls ihre Medikamente 

eingenommen zu haben (UA act. 429). Der Wirkstoff des Medikaments 

«ABILIFY» hat eine antipsychotische, sedierende sowie zusätzlich 

antidepressive Wirkung und dämpft psychomotorische Erregungszustände 

und verringert Spannungen, Wahn, Halluzination, Denkstörungen und Ich-

Störungen (vgl. Beipackzettel «ABILIFY»). A.L. hat denn auch angegeben, 

sich vor dem Vorfall recht gut gefühlt und an diesem Tag keinen Einfluss 

ihrer Krankheit auf ihr Verhalten bemerkt zu haben (UA act. 429). Im 

Austrittsbericht vom 2. Juni 2020, welcher über den Berichtszeitraum vom 

23. bis 29. Mai 2020 Auskunft gibt, wurde betreffend den Psychostatus von 

A.L. festgehalten, dass sie bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten voll 

orientiert sei. Ihr Lang- und Kurzzeitgedächtnis seien unauffällig und ihre 

Auffassung ungestört. Es hätten weder Sinnestäuschungen, inhaltliche 

Denkstörungen oder Ich-Störungen vorgelegen (UA act. 259). 

Hinzukommt, dass aus den Aussagen von A.L. klar hervorgeht, dass sie 

zwischen ihren geschilderten Wahrnehmungsstörungen und der 

Schilderung des Vorfalls abzugrenzen weiss und im Übrigen die von ihr im 

Zusammenhang mit ihrer Krankheit geschilderten Gestalten, welche sie 

jeweils sieht, in keiner Weise mit ihrer Schilderung des Vorfalls vergleichbar 

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sind. So hat sie angegeben, aufgrund ihrer Erkrankung einerseits 

abwertende Stimmen zu hören, welche ihr mitteilen würden, dass sie zu 

nichts nütze und sich umbringen solle. Sie höre die Stimme ihres Vaters, 

wonach sie eine schlechte Tochter sei und die Adoption ein Fehler 

gewesen sei. Sie höre auch die Stimme ihres früheren Partners, die ihr 

sage, dass er sie nicht mehr liebe. Sodann hat sie die Gestalten, die sie 

sehe, als schwarze, zwei bis zweieinhalb Meter grosse Gestalten 

beschrieben, bei denen der Kopf direkt in den Körper übergehe und die 

über lange Arme und Beine verfügen und wie ein «Slenderman» aussehen 

würden. Weiter sehe sie auch ihren Götti, welcher sich das Leben 

genommen habe, in den Bäumen hängen (UA act. 417). Folglich ist nicht 

davon auszugehen, dass die emotional instabile Persönlichkeitsstörung 

vom Borderline-Typ sich betreffend den vorliegend zu untersuchenden 

Vorfall vom 13. Mai 2020 auf die Aussagetüchtigkeit von A.L. ausgewirkt 

haben könnte. Mithin ist von einer uneingeschränkten Aussagetüchtigkeit 

von A.L. auszugehen. 

 

Die Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung hat keinen 

Erkenntniswert in Bezug auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Eine 

solche Diagnose beruht auf den Aussagen einer Person, die ihrem Arzt von 

einem traumatischen Erlebnis und von dessen Folgen berichtet. Die 

Richtigkeit der Diagnose hängt regelmässig davon ab, ob die Schilderung 

zutrifft bzw. das belastende Ereignis überhaupt stattgefunden hat. Es liefe 

deshalb auf einen logischen Zirkelschluss hinaus, wenn man die Aussagen 

eines Opfers im Strafprozess bereits deshalb als glaubhaft oder 

unglaubhaft einstufen würde, weil diesem eine posttraumatische 

Belastungsstörung diagnostiziert wurde.  

 

2.4.4. 

Gemäss der Anklage soll der Beschuldigte die sexuelle Nötigung resp. die 

versuchte Vergewaltigung am 13. Mai 2020 begangen haben. A.L. hat 

ihren eigenen Angaben zufolge erstmals am 20. oder 21. Mai 2020 ihrem 

damaligen Lebenspartner, F.H., vom Vorfall berichtet (UA act. 401; 412). 

F.H. hat bestätigt, dass A.L. ihm ungefähr eine Woche oder zehn Tage 

nach dem Vorfall von diesem berichtet habe. Dies habe sie kurz vor der 

Anzeigeerstattung gemacht (Protokoll Berufungsverhandlung S. 4). Die 

Meldung bei der Kantonspolizei erstattete A.L. am 22. Mai 2020 und somit 

neun Tage nach dem Vorfall (UA act. 275 f.).  

 

Die Aussagen von A.L. weisen mehrere relevante Ungereimtheiten und 

Widersprüche auf. So hat sie an ihrer ersten Einvernahme angegeben, 

nach dem Vorfall keinen Kontakt mehr zum Beschuldigten aufgenommen 

zu haben (UA act. 412). Dies widerspricht jedoch den «WhatsApp»-

Nachrichten, welche sie dem Beschuldigten am 13., 14. und 20. Mai 2020 

gesendet hat, um ihn zu fragen, ob er wegen der Arbeitsstelle schon mehr 

wisse und um ihm mitzuteilen, zu welchen Zeitpunkten sie nicht erreichbar 

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sei, falls er sie brauche (UA act. 298). Weiter hat sie erstmals an der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung ausgesagt, bereits ungefähr vier Tage 

nach dem Vorfall realisiert zu haben, dass sie doch nicht für den 

Beschuldigten arbeiten wolle. Dies habe sie gemerkt, bevor sie ihren Eltern 

und F.H. vom Vorfall erzählt habe, weil sie wieder mehr Albträume und 

Panikattacken gehabt habe (GA act. 33). Dies widerspricht jedoch der am 

20. Mai 2020 und somit eine Woche nach dem Vorfall versendeten 

«WhatsApp»-Nachricht, mit welcher sie beim Beschuldigten nachgefragt 

hat, ob er schon etwas Neues wegen der Arbeitsstelle wisse (UA act. 298). 

Aufgrund dieser Nachricht kann A.L. nicht geglaubt werden, dass sie 

bereits ungefähr vier Tage nach dem Vorfall realisiert habe, dass sie doch 

nicht beim Beschuldigten arbeiten wollte. Die vorgenannte Angabe von A.L. 

widerspricht denn auch ihrer Aussage, wonach es F.H. gewesen sei, der 

sie zur Anzeigeerstattung bewogen habe (UA act. 412 f.; UA act. 432). 

 

Auch in Bezug auf das Kerngeschehen liegen – entgegen dem Vorbringen 

von A.L. (Berufungsantwort S. 4) – mehrere Widersprüche in ihren 

Aussagen vor. So hat sie an ihrer zweiten Einvernahme – nachdem sie an 

ihrer ersten Einvernahme noch angegeben hatte, durch den Vorfall nicht 

verletzt worden zu sein (UA act. 406) – zum ersten Mal erwähnt, dass sie 

an ihrer linken Brust einen blauen Fleck habe, welcher nach dem Vorfall 

aufgetaucht und mittlerweile nur noch schwach sichtbar sei (UA act. 427). 

Da die erste Einvernahme von A.L. am 23. Mai 2020 und somit zehn Tage 

nach dem Vorfall stattfand, wäre zu erwarten gewesen, dass sie diesen 

blauen Fleck in dem Zeitpunkt bereits angegeben hätte, da ein solches 

Hämatom in diesem Zeitpunkt bereits sichtbar gewesen wäre. Auch 

betreffend die Berührungen ihrer Scheide durch den Beschuldigten liegen 

keine übereinstimmenden Aussagen vor. So hat A.L. an ihrer ersten 

Einvernahme ausgesagt, der Beschuldigte habe sie an ihrer Scheide 

berührt. Er habe mit seiner Hand an ihrer Scheide herumgespielt oder diese 

gesucht (UA act. 405 f.). Als sie an ihrer zweiten Einvernahme gefragt 

wurde, was der Beschuldigte genau mit seiner Hand an ihrer Scheide 

gemacht habe, gab sie – ihrer ersten Aussage widersprechend an – dass 

er nicht etwas getroffen habe und sie deshalb nicht wisse, was er mit seiner 

Hand vorgehabt habe (UA act. 424). An der Berufungsverhandlung führte 

sie aus, dass der Beschuldigte mit seinen Händen ihre Scheide angefasst 

habe. Sie gab an, nicht mehr zu wissen, ob er ihre Scheide dabei lediglich 

oberflächlich berührt habe oder mit seinen Fingern in diese eingedrungen 

sei (Protokoll Berufungsverhandlung S. 26 f.; 32). Sodann hat sich A.L. in 

Bezug auf ihr Verhalten während der Vornahme der sexuellen Handlungen 

widersprochen. So hat sie anlässlich ihrer ersten Einvernahme zuerst 

angegeben, versucht zu haben den Beschuldigten an seinen Armen 

wegzuschieben, ihm einmal auf seine Hände geschlagen und ihn an der 

Brust weggeschoben zu haben (UA act. 405). Noch in derselben 

Einvernahme hat sie dem widersprechend angegeben, sich nicht körperlich 

gewehrt zu haben, weil sie nicht gewollt habe, dass etwas Schlimmeres 

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passiere. Während der Selbstbefriedigung des Beschuldigten habe sie sich 

ruhig verhalten, weil sie Angst gehabt habe (UA act. 407). An der 

Berufungsverhandlung führte sie sodann – ihren ersten Aussagen 

widersprechend – aus, während den sexuellen Handlungen nicht gross 

etwas gemacht zu haben, unter Schock gestanden zu haben und dass sie 

keinen Muskel mehr haben bewegen können (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 26). Zur Frage, ob der Beschuldigte während des 

Vorfalls gemerkt habe, dass sie die sexuellen Handlungen nicht wollte, 

führte A.L. aus, dass er dies mit etwas Menschenkenntnis hätte merken 

können, weil sie nichts gemacht und teilweise versucht habe, sich zu 

sperren. Aufgrund dessen hätte der Beschuldigte merken müssen, dass sie 

die sexuellen Handlungen nicht wollte. Zur Frage, ob sie sich gewehrt habe, 

führte sie lediglich aus, dem Beschuldigten eins auf die Finger gegeben zu 

haben. Weitere Abwehrhandlungen erwähnte sie – entgegen ihrer ersten 

Einvernahme – nicht (Protokoll Berufungsverhandlung S. 38). Gewisse 

Aspekte des Kerngeschehens wurden von A.L. demnach unterschiedlich 

geschildert.  

 

Sodann widersprechen die Aussagen von A.L. vereinzelt den 

Gesetzmässigkeiten des menschlichen Gedächtnisses. So führte sie 

erstmals an ihrer zweiten Einvernahme aus, dass der Beschuldigte ihren 

Unterschenkel auf sein Bein gelegt habe, bevor er begonnen habe, ihren 

Unterschenkel zu massieren (UA act. 423). Ebenfalls erstmals führte sie an 

ihrer zweiten Einvernahme aus, dass der Beschuldigte mit seiner linken 

Hand ihre linke Brust angefasst habe (UA act. 423), nachdem sie an ihrer 

ersten Einvernahme lediglich angegeben hatte, dass er mit einer Hand an 

ihre linke Brust gefasst habe (UA act. 404; 406). An der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung gab A.L. sodann zum ersten Mal an, dass der 

Beschuldigte während des Vorfalls gesagt habe, dass sie mit ihrer Hand an 

sein Glied fassen und ihm bei seiner Arbeit helfen solle (GA act. 31). Nach 

den Gesetzmässigkeiten des menschlichen Gedächtnisses wäre im Laufe 

der Zeit eher eine Abnahme anstatt einer Zunahme der Erinnerungen zu 

erwarten.  

 

2.4.5. 

2.4.5.1. 

Es bleibt auf mögliche Motive von A.L. für eine bewusste Falschaussage 

einzugehen. Im Vordergrund steht ein Rachemotiv, welches nachfolgend 

geprüft wird. 

 

Auffällig ist, dass der Tag der Meldung des Vorfalls bei der Polizei, nämlich 

der Freitag, 22. Mai 2020 (UA act. 276), ebenfalls demjenigen Tag 

entspricht, an welchem der Beschuldigte A.L. darüber in Kenntnis setzen 

wollte, ob sie die Arbeitsstelle erhalten würde (UA act. 429; 298). A.L. hat 

an der Berufungsverhandlung zwar angegeben, dass sie vom 

Beschuldigten am Freitag, dem 15. Mai 2020 eine Absage betreffend die 

 - 12 - 

 

 

 

Arbeitsstelle erhalten habe, wobei sie sich jedoch betreffend das genaue 

Datum nicht mehr sicher war (Protokoll Berufungsverhandlung S. 28). 

Nachdem sie sich am 20. Mai 2020 beim Beschuldigten per «WhatsApp»-

Nachricht darüber erkundigt hatte, ob er wegen der Arbeitsstelle schon 

etwas Neues wisse (UA act. 297), ist davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte A.L. am darauffolgenden Freitag, dem 22. Mai 2020 mitgeteilt 

hat, dass sie die Arbeitsstelle nicht erhalte. Dafür spricht auch die 

«WhatsApp»-Nachricht des Beschuldigten vom 20. Mai 2020, mit welcher 

er A.L. mitgeteilt hat, dass er am Freitag mehr wissen werde (UA act. 297). 

Relevant und an dieser Stelle hervorzuheben ist, dass A.L. somit im 

Zeitpunkt der Strafanzeige bereits eine Absage betreffend die Arbeitsstelle 

erhalten hatte, was sie an der Berufungsverhandlung bestätigt hat (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 29). Aufgrund dessen könnte ein 

mögliches Motiv für eine Falschaussage darin erblickt werden, dass A.L., 

nachdem der Beschuldigte ihr eröffnet hatte, dass sie die Arbeitsstelle im 

J. doch nicht, wie erhofft, erhalten würde, sich mit der Meldung bei der 

Polizei rächen wollte. Somit ist ein Grund ersichtlich, weshalb sie den 

Beschuldigten zu Unrecht belasten und sich selber den Strapazen eines 

Strafverfahrens aussetzen sollte. Es erscheint dem Obergericht vorstellbar, 

dass A.L. gerade im Hinblick auf den von ihr erhofften Arbeitsvertrag wie 

auch aufgrund der in Aussicht stehenden Fr. 100.00 am 13. Mai 2020 mit 

den vorgenommenen sexuellen Handlungen einverstanden war und dann 

im Nachhinein, als ihr bewusst wurde, dass sie die Arbeitsstelle nicht 

erhalten würde, den intimen Kontakt zum Beschuldigten bereut und ihrem 

Unmut darüber mit der Anzeigeerstattung freien Lauf gelassen hat. Damit 

lässt sich – entgegen dem Vorbringen von A.L. (Berufungsantwort S. 4) – 

ein Motiv für eine Falschaussage nicht von der Hand weisen. Nichts 

anderes geht aus ihren Aussagen an der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung hervor, wonach sie froh sei, dass eine Chance bestehe, 

dass der Beschuldigte bestraft werde, weil es ihr Ziel sei, dass er nicht 

einfach ungestraft davonkomme (GA act. 29). Hervorzuheben ist, dass A.L. 

an der Berufungsverhandlung zu Protokoll gegeben hat, dass sie die 

Arbeitsstelle beim Beschuldigten trotz des Vorfalls angenommen hätte, 

wenn sie eine Zusage erhalten hätte (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 31). Diese Aussage lässt stark vermuten, dass A.L., bei einem Erhalt der 

Arbeitsstelle, von einer Anzeigeerstattung abgesehen hätte. 

 

2.4.5.2. 

Auch die nach dem Vorfall zwischen A.L. und dem Beschuldigten 

verschickten «WhatsApp»-Nachrichten lassen Zweifel daran aufkommen, 

dass A.L. nicht mit den sexuellen Handlungen einverstanden gewesen sein 

soll. So geht aus diesen hervor, dass sie dem Beschuldigten, auf seine 

Anfrage hin, am 13. Mai 2020, um 14.32 Uhr sowie 14.37 Uhr und somit 

nur wenige Minuten nach dem Vorfall Fotoaufnahmen ihrer Identitätskarte 

gesendet hat (UA act. 299). Sie hat diesbezüglich zu Protokoll gegeben, 

dem Beschuldigten nach dem Vorfall von Zuhause aus nochmal 

 - 13 - 

 

 

 

Fotoaufnahmen ihrer Identitätskarte geschickt zu haben, weil die zuvor 

durch F.H. gemachten Aufnahmen qualitativ nicht die Besten gewesen 

seien (UA act. 429). Aus dem Chatverlauf ist weiter ersichtlich, dass sie am 

13. Mai 2020, um 15.48 Uhr, von sich aus den Beschuldigten mit der Bitte 

kontaktiert hat, er solle sich bei ihr melden, sobald er bezüglich der 

Arbeitsstelle etwas Neues wisse (UA act. 298; 430). Sodann hat sie ihm 

tags darauf mitgeteilt, dass sie ungefähr bis 19.30 Uhr nicht erreichbar sei, 

falls er sie brauche. Dies habe sie gemacht, weil sie an diesem Abend 

eigentlich bei ihm hätte aushelfen sollen, jedoch einen Termin bei ihrer 

Therapeutin gehabt habe (UA act. 298; 430). Auch am 20. Mai 2020 

kontaktierte A.L. von sich aus den Beschuldigten, um nachzufragen, ob er 

schon etwas Neues wisse. Daraufhin teilte der Beschuldigte ihr mit, dass 

er am Freitag mehr wissen werde und fragte sie, ob sie mit ihm eine 

Zigarette rauchen wolle, was sie verneinte, da es bereits zu spät 

(01.28 Uhr) sei. Danach wünschten sich beide gegenseitig eine gute Nacht 

(UA act. 298). Unter der Annahme, dass es tatsächlich zu einer sexuellen 

Nötigung resp. einer versuchten Vergewaltigung gekommen ist, erscheint 

das Verhalten von A.L. nicht nachvollziehbar. So wäre in diesem Fall 

grundsätzlich zu erwarten, dass sie sich von ihrem Wunsch, für den 

Beschuldigten zu arbeiten, gelöst und den Kontakt zu diesem vollständig 

unterbunden hätte, anstatt mehrmals nachzufragen, ob er bezüglich der 

Arbeitsstelle schon mehr wisse und ihm zusätzlich auch noch eine gute 

Nacht zu wünschen. Das Verhalten von A.L. erscheint nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als 

höchst ungewöhnlich. So hätte A.L. – wäre es tatsächlich zu den 

angeklagten Delikten gekommen – bei jedem Arbeitseinsatz befürchten 

müssen, dass es erneut zu denselben oder ähnlichen Vorfällen kommen 

könnte. Der Argumentation der Staatsanwaltschaft, wonach A.L. trotz des 

Vorfalls beim Beschuldigten habe arbeiten wollen, weil sie die Hoffnung 

gehabt habe, das Erlebte zu verdrängen (Plädoyer der Staatsanwaltschaft 

an der Berufungsverhandlung S. 3 f.), kann nicht gefolgt werden. So ist 

davon auszugehen, dass die Arbeitsverrichtung beim Beschuldigten 

gerade verhindert hätte, dass A.L. den Vorfall hätte verdrängen können, 

wäre sie doch ständig mit dem Beschuldigten wie auch mit dem Ort des 

Geschehens konfrontiert worden. Das Versenden der Fotoaufnahmen der 

Identitätskarte unmittelbar nach dem Vorfall zeigt sodann, dass A.L. in 

diesen Zeitpunkten noch in der Lage war, Nachrichten zu versenden. 

Aufgrund der von ihr geschilderten Folgen des Vorfalls, wie beispielsweise 

die Selbstverletzung am selben oder am folgenden Tag (GA act. 31; 

UA act. 429) und ihr Suizidversuch im Februar 2021, welche auf etwas 

Vorgefallenes rückschliessen lassen, erscheint es nicht gänzlich 

nachvollziehbar, dass A.L. nur wenige Minuten nach dem Vorfall noch dazu 

in der Lage war, durch den Beschuldigten gestellte Anforderungen für den 

Erhalt der erhofften Arbeitsstelle zu erfüllen.  

 

 - 14 - 

 

 

 

Die vor dem Vorfall zwischen A.L. und dem Beschuldigten verschickten 

«WhatsApp»-Nachrichten (vgl. UA act. 288 ff.) vermögen nicht 

nachzuweisen, dass die am 13. Mai 2020 vorgefallenen sexuellen 

Handlungen ohne das Einverständnis von A.L. vorgenommen wurden, da 

daraus nichts in Bezug auf den konkreten Vorfall abgeleitet werden kann.  

 

2.4.5.3. 

Sodann wirft die Aussage von A.L., wonach sie sich den Zeitrahmen des 

Vorfalls genau eingeprägt habe, weil sie sich gedacht habe, dass es 

eventuell von Vorteil sein könnte (UA act. 403), Fragen auf. Da sie – ihren 

eigenen Angaben zufolge – unmittelbar nach dem Vorfall noch vorgehabt 

habe, beim Beschuldigten zu arbeiten und niemandem von den 

Geschehnissen erzählen wollte und folglich auch nicht vorhatte, den Vorfall 

bei den Strafverfolgungsbehörden zu melden, erweckt ihr Verhalten den 

Anschein, als hätte sie sich vorbehalten, den Vorfall zu einem späteren 

Zeitpunkt – nämlich im Falle einer Absage betreffend die Arbeitsstelle – 

doch noch anzuzeigen. 

 

2.4.5.4. 

Ebenfalls auffällig sind die späte Erstbekundung des Vorfalls sowie die 

unterschiedlichen Begründungen von A.L. für diese späte Erstbekundung 

resp. Anzeigeerstattung. Geht man davon aus, dass sich der in der Anklage 

umschriebene Sachverhalt tatsächlich so zugetragen hat, wäre zu erwarten 

gewesen, dass A.L., wenn auch nicht sofort der Polizei, zumindest ihrem 

damaligen Lebenspartner, F.H., oder anderen ihr nahestehenden 

Personen, wie beispielsweise ihren Eltern oder ihrer besten Freundin, 

zeitnah von den Geschehnissen berichtet hätte. Da F.H. zuhause war, als 

A.L. am 13. Mai 2020 nach Hause kam (UA act. 410; 452), hätte denn 

grundsätzlich auch die Möglichkeit bestanden, diesem sogleich von der 

sexuellen Nötigung resp. der versuchten Vergewaltigung zu berichten. A.L. 

hat die Tatsache, dass sie ungefähr eine Woche lang niemanden über den 

Vorfall informiert hat, an ihrer ersten Einvernahme zuerst damit begründet, 

dass sie und F.H. den in Aussicht stehenden Arbeitslohn gut hätten 

brauchen können, da sie beide vom Sozialamt abhängig seien (UA act. 

401). Im späteren Verlauf ihrer ersten Einvernahme begründete sie die 

Tatsache, dass sie den Vorfall nicht direkt bei der Polizei gemeldet habe 

damit, dass sie Angst und keine Beweise gehabt habe (UA act. 412 f.). An 

ihrer zweiten Einvernahme bestätigte sie, dass sie aufgrund der in Aussicht 

stehenden Arbeitsstelle so getan habe, als wäre nichts passiert. Damit 

habe sie sich selber und F.H. einen riesigen Gefallen machen wollen, weil 

es um Fr. 2'000.00 gegangen sei, die sie monatlich hätte verdienen 

können. Sie habe trotz des Vorfalls wegen des Geldes beim Beschuldigten 

arbeiten wollen (UA act. 430 f.). Zusätzlich sagte sie erstmals aus, dass sie 

auch gedacht habe, dass es nichts bringe, so spät noch eine Anzeige zu 

erstatten (UA act. 432). An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

bestätigte sie, sich nach einer Arbeitsstelle gesehnt, Geld benötigt und dies 

 - 15 - 

 

 

 

als ihre einzige Chance gesehen zu haben. Sie gab an, dass sie in dem 

Moment fast alles für Geld gemacht hätte, ausser sich zu prostituieren. Dies 

habe sie noch nie gemacht. Sodann habe sie ihren Eltern bereits erzählt 

gehabt, eine Arbeitsstelle in Aussicht zu haben (GA act. 32). An der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung führte sie zwei neue Gründe für die 

späte Berichterstattung aus. Einerseits gab sie an, sich zuerst nicht getraut 

zu haben, Anzeige zu erstatten, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit 

gewusst habe, dass man resp. ihre Eltern ihr nicht glauben würden. Dies, 

weil sie früher viel gelogen habe (GA act. 29). F.H. habe sie deshalb nichts 

gesagt, weil sie nicht gewusst habe, wie er darauf reagieren würde, da er 

Aggressionsprobleme habe und schnell ausraste (GA act. 31). An der 

Berufungsverhandlung begründete A.L. die späte Anzeigeerstattung 

erstmals damit, sich für den Vorfall geschämt und Angst davor gehabt zu 

haben, ihre Beziehung würde dadurch zu Bruch gehen (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 28). Zusammenfassend ist festzustellen, dass 

A.L. insgesamt acht verschiedene Gründe dafür angegeben hat, weshalb 

sie den Vorfall so lange für sich behalten hat. 

 

2.4.5.5. 

Auch zur Frage, was resp. wer A.L. zur Anzeigeerstattung bewogen habe, 

liegen verschiedene Angaben vor. An ihrer ersten, wie auch an ihrer 

zweiten Einvernahme hat A.L. ausgesagt, dass es F.H. gewesen sei, der 

sie schlussendlich zur Anzeigeerstattung bewogen habe, indem er ihr 

gesagt habe, dass sie eine Anzeige erstatten solle (UA act. 412 f.; 

UA act. 432). Sie habe ihn schliesslich deshalb über den Vorfall informiert, 

weil er ihr angemerkt habe, dass etwas nicht stimme und deshalb verlangt 

habe, dass sie vollkommen ehrlich zu sein habe (UA act. 412). An der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab sie dem widersprechend an, dass 

sie auf jeden Fall auch ohne Ermunterungen von anderen Personen 

Anzeige erhoben hätte (GA act. 29). Ebenfalls an der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung führte sie sodann erstmals aus, dass für sie in 

demjenigen Zeitpunkt, in welchem sie von einer Freundin erfahren habe, 

dass diese ebenfalls schlechte Erfahrungen mit dem Beschuldigten 

gemacht habe, festgestanden sei, dass sie Anzeige erstatten müsse. Sie 

habe ihre Freundin gebeten, betreffend den Vorfall, welcher schon drei 

oder vier Jahre zurückliege, ebenfalls Anzeige zu erheben, was diese 

jedoch abgelehnt habe (GA act. 33). Damit hat sie erneut ihrer früher 

gemachten Aussage, wonach die Ermunterungen durch F.H. der Grund für 

die Meldung bei der Polizei gewesen seien, widersprochen.  

 

2.4.5.6. 

Zu berücksichtigen sind auch die zwischen A.L. und der Mutter von F.H., 

G.H., verschickten «WhatsApp»-Nachrichten. So schrieb G.H. am 

28. Mai 2020 folgende Nachricht: «Asoni hoff scho, dass sie da was chönd 

mache. Und na vil meh hoffi, das der nümm uf die idee chömed. Aso 

vorallem du, din körper für gäld wele verchaufe. Du bisch meh wärt wie jede 

 - 16 - 

 

 

 

franke. Jnd holed euch bitte hilf was sfinanzielle aabelangt. Das der lernet 

demit umgoh.». Darauf erwiderte A.L.: «i ha mi ned wele verkaufe i h nur 

de arbetsvertrag welle ha», woraufhin G.H. folgendes antwortete: «Aha… 

ha gmeint sig sowas wie der schomal gmacht hend, wäg bildli vertigge. 

[…]» (UA act. 335). An der Berufungsverhandlung führte A.L. 

diesbezüglich aus, dass sie vor dem Vorfall zusammen mit F.H. mehrmals 

Nacktbilder von ihr unbekannten Personen aus dem Internet 

heruntergeladen habe. Sie habe sich als diese Personen ausgegeben und 

diese verkauft. Dadurch hätten sie in zwei Monaten einen Gewinn von 

Fr. 100.00 bis Fr. 200.00 erwirtschaftet, was für sie aufgrund ihrer 

desolaten finanziellen Verhältnisse ein sehr hoher Betrag gewesen sei 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 24 und 33). Der frühere Verkauf von 

Nacktbildern durch A.L. steht zwar nicht mit dem vorliegend zu 

untersuchenden Vorfall in Verbindung und vermag nicht nachzuweisen, 

dass sie am 13. Mai 2020 mit den vorgefallenen sexuellen Handlungen 

einverstanden war. Dies zeigt jedoch die bei A.L. – zumindest damals – 

bestehende Grundeinstellung auf, damit einverstanden zu sein, 

Nacktbilder, bei denen die Käufer jeweils dachten, dass A.L. darauf 

abgebildet sei, zu verkaufen, um damit Geld zu verdienen. Folglich hatte 

A.L. in den Zeitpunkten des Verkaufs der Nacktbilder keine Probleme 

damit, dass andere Personen – nämlich die Käufer der Bilder – in ihr 

jemanden sahen, der sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt erbrachte. 

Aus der vorgenannten «WhatsApp»-Nachricht von G.H. geht weiter hervor, 

dass diese – welche A.L. gut kannte, da sie mit ihr bereits zusammengelebt 

hatte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 12) – A.L. denn auch zutraute, 

diese würde ihren Körper verkaufen, um an Geld zu gelangen. Selbst die 

Mutter von A.L., D.L., gab an der Berufungsverhandlung an, dass sie 

befürchte, dass ihre Tochter Nacktaufnahmen von sich verkauft habe, da 

solche Aufnahmen von A.L. in ihrer damaligen Schule aufgetaucht seien 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 16 f.). Aufgrund dessen erscheint es 

nicht unwahrscheinlich, dass A.L., im Hinblick auf den Erhalt der von ihr 

dermassen erhofften Arbeitsstelle, mit den am 13. Mai 2020 

vorgenommenen sexuellen Handlungen hätte einverstanden sein können.  

 

2.4.5.7. 

Auch die «WhatsApp»-Nachrichten, welche A.L. an einen ihrer Freunde 

namens I. versendet hat, lassen Zweifel daran entstehen, dass die 

sexuellen Handlungen nicht in ihrem Einverständnis erfolgt sein sollen. So 

hat A.L. ihrem Kontakt I. am 28. Mai 2020 folgende Nachricht zukommen 

lassen: «vorallem iwie gib ich mir die schuld». Auf die daraufhin von I. 

erhaltene Nachricht: «Du bisch ned schuld du chasch nix defür», 

entgegnete sie: «ich weiss au ned vlt hani falschi signal gsendet ach ka» 

(UA act. 327). Zu diesen Nachrichten befragt, gab sie an, dass sie sich die 

Schuld für das, was passiert sei gebe und dass sie sich Gedanken dazu 

mache, dass der Beschuldigte möglicherweise irgendetwas falsch 

aufgefasst haben könnte, wobei sie jedoch nicht wisse, was das sein 

 - 17 - 

 

 

 

könnte (UA act. 433). An der Berufungsverhandlung gab sie erstmals an, 

sich deshalb die Schuld am Vorfall zu geben, da sie denke, dass es nicht 

so weit gekommen wäre, wenn sie sich gewehrt hätte. Sodann bestätigte 

sie auf entsprechende Nachfrage hin, dass sie vermutet habe, dem 

Beschuldigten falsche Signale, die ihm hätten Hoffnungen machen können, 

gesendet zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 29 f.). 

 

2.4.5.8. 

A.L. hat angegeben, dass sie sich vor dem Vorfall manchmal sporadisch 

mit dem Beschuldigten getroffen habe, um mit ihm Kaffee zu trinken 

(UA act. 422). Weiter habe sie sich einmal in seinem Lokal ihre Schultern 

von ihm massieren lassen. Wann dies passiert sei und ob noch weitere 

Personen anwesend gewesen seien, wusste sie nicht mehr (UA act. 434; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 37). Diese Aussagen zeigen klar, dass 

A.L. – entgegen ihrer Aussage, wonach sie jeweils einen Schritt zurück 

gemacht habe, wenn der Beschuldigte sich ihr genähert habe (UA act. 432) 

– mit den vorgenannten privaten Treffen und Berührungen und somit 

zumindest mit gewissen Annäherungen des Beschuldigten einverstanden 

war.  

 

2.4.5.9. 

Schliesslich bleibt festzuhalten, dass aufgrund der Tatsache, dass A.L. im 

Strafverfahren adhäsionsweise Zivilansprüche stellt (vgl. GA act. 62) 

theoretisch auch finanzielle Motive für eine Falschaussage denkbar wären. 

Diesbezüglich hat D.L. zu Protokoll gegeben, dass es ihr komisch 

vorgekommen sei, dass A.L. nach dem Vorfall das Thema Schadenersatz 

angesprochen habe. In diesem Moment hätten bei D.L. die Alarmglocken 

geläutet und sie sei hellhörig geworden, weil es sie erstaunt habe, dass 

plötzlich von Geld die Rede gewesen sei. D.L. gab weiter an, A.L. nichts 

unterstellen zu wollen, jedoch zu wissen, dass diese und F.H. in der 

Vergangenheit gerade aufgrund ihrer ständigen Geldnot schon etwas 

hätten aushecken können, wenn sie zusammen gewesen seien. Die beiden 

seien jeweils sehr fantasievoll gewesen, wenn es darum gegangen sei, 

Geld zu beschaffen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 16; UA act. 465). 

A.L. bestätigte denn auch an der Berufungsverhandlung, dass sie und F.H. 

zusammen auf viele blöde Ideen gekommen seien, wenn es darum 

gegangen sei, Geld zu verdienen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 24). 

Sodann erscheint erwähnenswert, dass D.L. angegeben hat, dass sie und 

ihr Mann, E.L., aufgrund vergangener Erfahrungen festgestellt hätten, dass 

A.L. des Öfteren nicht die Wahrheit sage, weshalb sie jeweils das, was sie 

ihnen anvertraue, überprüfen würden, wenn dies möglich sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 17; UA act. 462). 

 

Zusammenfassend liegen somit mehrere Hinweise auf Motive für eine 

Falschaussage vor. 

 

 - 18 - 

 

 

 

2.4.6. 

Insgesamt ist in Würdigung der Aussagen von A.L. – entgegen dem 

Vorbringen der Staatsanwaltschaft (Plädoyer der Staatsanwaltschaft an 

der Berufungsverhandlung S. 3) – nicht ausgeschlossen, dass diese ihre 

die versuchte Vergewaltigung resp. sexuelle Nötigung betreffenden 

Aussagen ohne realen Erlebnishintergrund gemacht hat. Die Annahme, 

dass ihre Aussagen gerade nicht realitätsbegründet sind (Nullhypothese) 

lässt sich vorliegend nicht umstossen. Zusammenfassend lässt sich somit 

nicht erstellen, dass die vom Beschuldigten vorgenommenen sexuellen 

Handlungen gegen den ausdrücklichen Willen von A.L. erfolgt sind. 

 

2.4.7. 

Der Tatvorwurf lässt sich sodann auch anhand der bestreitenden Aussagen 

des Beschuldigten nicht erstellen. Zwar mutet es auf den ersten Blick 

seltsam an, dass er an seinen beiden ersten Einvernahmen angegeben 

hat, dass es zu keinem sexuellen Kontakt mit A.L. gekommen sei (UA 

act. 349 f.; 361 f.) und erst anlässlich seiner dritten Einvernahme vom 

11. Juni 2020 eingestanden hat, dass es – mit dem Einverständnis von A.L. 

– zu den durch ihn eingestandenen sexuellen Handlungen gekommen sei 

(UA act. 373). Dieses Verhalten erweckt den Anschein, als hätte der 

Beschuldigte etwas zu verbergen gehabt. Seine dafür vorgebrachte 

Erklärung, wonach er sich einerseits zuerst geschämt habe, so offen über 

die sexuellen Handlungen zu reden (UA act. 373) und andererseits nicht 

gewollt habe, dass seine Frau von der ganzen Sache erfahre (UA act. 390; 

GA act. 40), erscheint nachvollziehbar. Es könnte sich dabei aber genauso 

gut um eine Verteidigungsstrategie gehandelt haben. Immerhin sah sich 

der Beschuldigte mit dem Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung sowie 

einer sexuellen Nötigung konfrontiert. Sein Aussageverhalten lässt daher 

für sich alleine jedenfalls keine Rückschlüsse darauf zu, ob die sexuellen 

Handlungen gegen den Willen von A.L. stattgefunden haben. Sodann 

konnte er auch für das Obergericht nachvollziehbare Gründe dafür 

angeben, weshalb A.L. ihn fälschlicherweise einer versuchten 

Vergewaltigung resp. einer sexuellen Nötigung anschuldigen sollte. So gab 

er an, er vermute, dass A.L. ihn aus Rachegründen, weil sie Geld gebraucht 

und deshalb bei ihm habe arbeiten wollen und nun wütend auf ihn sei, bei 

der Polizei angezeigt habe (UA act. 348; 352). 

 

2.4.8. 

In Würdigung der gesamten Umstände bestehen erhebliche und 

unüberwindbare Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt so zugetragen 

hat, wie er in der Anklage umschrieben wird. Der Beschuldigte ist deshalb 

von Schuld und Strafe freizusprechen. Seine Berufung erweist sich damit 

als begründet. 

 

 - 19 - 

 

 

 

3. 

Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, so hat 

sie Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer 

persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 429 

Abs. 1 lit. c StPO). Die Strafbehörde prüft den Anspruch von Amtes wegen 

(Art. 429 Abs. 2 StPO). Das Bundesgericht erachtet bei ungerechtfertigten 

Inhaftierungen eine Genugtuung von Fr. 200.00 pro Tag als angemessen, 

sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere oder 

eine geringere Entschädigung rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_491/2020 vom 13. Juli 2020 E. 2.3.2.). 

 

Der Beschuldigte befand sich vom 23. Mai 2020 (UA act. 28) bis 

26. Juni 2020 (UA act. 150; 172; 279) und somit während insgesamt 

35 Tagen in Untersuchungshaft. Aussergewöhnliche Umstände liegen 

nicht vor. Es ist ihm deshalb eine Genugtuung von Fr. 7'000.00 

zuzusprechen. 

 

4. 

Nachdem der Beschuldigte vorliegend von Schuld und Strafe 

freigesprochen wird, sind die Voraussetzungen für eine obligatorische 

Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB nicht erfüllt.  

 

5. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif ist 

(Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).  

 

Aufgrund des mit vorliegendem Urteil ergehenden vollumfänglichen 

Freispruchs entfällt die Grundlage für die Zusprechung einer Genugtuung 

oder von Schadenersatz, weshalb die Zivilforderung der Privatklägerin A.L. 

abzuweisen ist. 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). Sind mehrere beteiligte Personen 

kostenpflichtig, so werden die Kosten anteilsmässig auferlegt (Art. 418 

Abs. 1 StPO). 

 

Der Beschuldigte obsiegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Die 

Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin A.L. unterliegen. Bei diesem 

Ausgang rechtfertigt es sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten von 

 - 20 - 

 

 

 

Fr. 6'000.00 (§ 18 VKD) zur einen Hälfte auf die Staatskasse zu nehmen 

und zur anderen Hälfte der unterliegenden Privatklägerin, die sich aktiv am 

Berufungsverfahren beteiligt und die Abweisung der Berufung beantragt 

hat, aufzuerlegen. Die in Art. 30 Abs. 1 OHG statuierte Kostenfreiheit gilt 

im Berufungsverfahren nicht, weshalb auch die Privatklägerin 

entsprechend dem Ausgang kostenpflichtig wird (Urteil des Bundesgerichts 

6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 141 IV 262 

E. 2.2). Zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege ist ihr 

dieser Betrag einstweilen vorzumerken. 

 

6.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf seine 

anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote mit 

gerundet Fr. 4'000.00 aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 

47). Ausgangsgemäss ist auf eine Rückforderung dieser Entschädigung 

vom Beschuldigten zu verzichten. Nach der Rechtsprechung des Bundes-

gerichts besteht sodann – trotz Unterliegens im Berufungsverfahren – keine 

gesetzliche Grundlage, diese Entschädigung der Privatklägerin 

aufzuerlegen (BGE 145 IV 90 E. 5). 

 

6.3. 

Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin ist für ihren Aufwand im 

Berufungsverfahren gestützt auf ihre Kostennote vom 14. Februar 2022, 

jedoch ohne den auf das erstinstanzliche Verfahren entfallenden Aufwand 

sowie den – aufgrund ihrer krankheitsbedingten Dispensation von der 

Berufungsverhandlung – geschätzten Aufwand von insgesamt 5 Stunden 

für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung und die Hin- und Rückreise 

mit gerundet Fr. 1'600.00 aus der Staatskasse zu entschädigen.  

 

Gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG hat die Privatklägerin die Kosten für die 

unentgeltliche Vertretung im Berufungsverfahren nicht zurückzuerstatten, 

da es nicht bereits im erstinstanzlichen Verfahren zu einem Freispruch 

gekommen ist (BGE 143 IV 154 Regeste). 

 

6.4. 

6.4.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Ausgangsgemäss sind die erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 426 

Abs. 1 StPO e contrario). 

 

 - 21 - 

 

 

 

6.4.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 14'465.20 (inkl. Mehrwertsteuer) 

erscheint hoch. Diese ist mit Berufung jedoch nicht angefochten worden, 

weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen 

werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 

2019 E. 2.3). Nachdem der Kostenentscheid die Entschädigungsfrage 

präjudiziert, ist auf eine Rückforderung dieser Entschädigung vom 

Beschuldigten zu verzichten. 

  

6.4.3. 

Wird die beschuldigte Person, die sich nicht durch einen amtlichen 

Verteidiger, sondern durch einen freigewählten Verteidiger verteidigen 

lässt, ganz oder teilweise freigesprochen, so hat sie Anspruch auf 

Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer 

Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Entschädigungspflichtig sind 

jene Bemühungen, die in einem kausalen Zusammenhang mit der 

Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen und die notwendig und 

verhältnismässig sind (BGE 141 I 124 E. 3.1).  

 

Eine Entschädigung des Beschuldigten betreffend seine Aufwendungen für 

seinen freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt Philipp Müller, für die Zeit 

vom 8. Juni 2020 (UA act. 497) bis 12. Februar 2021 (GA act. 17), fällt 

vorliegend ausser Betracht, nachdem sich die Bemühungen des 

freigewählten Verteidigers – aufgrund der bereits vorliegenden amtlichen 

Verteidigung des Beschuldigten (Einsetzung von Rechtsanwalt Fricker als 

amtlicher Verteidiger am 23. Mai 2020; vgl. UA act. 491) – nicht als 

notwendig erweisen. 

 

6.4.4. 

Die der unentgeltlichen Vertreterin zugesprochene Entschädigung für das 

erstinstanzliche Verfahren ist unangefochten geblieben, weshalb ihr eine 

Entschädigung von Fr. 7'317.70 aus der Staatskasse auszurichten ist. 

Gestützt auf Art. 30 Abs. 3 OHG hat die Privatklägerin die Kosten für die 

unentgeltliche Vertretung im erstinstanzlichen Verfahren nicht 

zurückzuerstatten. 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

 

 

 

 

 - 22 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.  

 

2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten für die 

ausgestandene Untersuchungshaft von 35 Tagen eine Genugtuung von 

Fr. 7'000.00 auszurichten.  

 

3. 

Die Zivilforderung der Privatklägerin A.L. wird abgewiesen. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die sichergestellten Kleidungsstücke sind der Privatklägerin A.L. 

herauszugeben.  

 

Werden diese nicht innert 30 Tagen seit Eintritt der Rechtskraft bei der 

Vorinstanz herausverlangt, so hat die Staatsanwaltschaft die 

sachgemässen Verfügungen zu treffen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 werden zur Hälfte 

auf die Staatskasse genommen und zur anderen Hälfte, d.h. mit 

Fr. 3'000.00, der Privatklägerin A.L. auferlegt und aufgrund der ihr 

gewährten unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen vorgemerkt.  

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 4'000.00 auszurichten. 

 

5.3. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin 

der Privatklägerin für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 1'600.00 auszurichten. 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

 - 23 - 

 

 

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 14'465.20 auszurichten. 

 

6.3. 

Der Beschuldigte hat seine Parteikosten des erstinstanzlichen Verfahrens 

für seinen freigewählten Verteidiger, Rechtsanwalt Philipp Müller, selber zu 

tragen. 

 

6.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin 

für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 7'317.70 

auszurichten. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 - 24 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 14. Februar 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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