# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ba0261db-fc22-5baf-a595-be6651234a8a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.12.2022 D-4292/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4292-2022_2022-12-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4292/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Chiara Piras (Vorsitz), 

Richter Yanick Felley,  

Richterin Daniela Brüschweiler,    

Gerichtsschreiberin Martina von Wattenwyl. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 19. September 2022 / N (…). 

 

 

 

D-4292/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer), ein türkischer Staatsan-

gehöriger kurdischer Ethnie, ersuchte am 24. August 2022 im Bundes-

asylzentrum (BAZ) der Region B._______ um Asyl in der Schweiz.   

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit «Eurodac») ergab, dass der Beschwerdeführer am 10. Juni 2021 in 

Österreich ein Asylgesuch eingereicht hatte und am 26. Februar 2022 ohne 

einen Wegweisungsentscheid aus dem Schengenraum ausgereist war.  

C.  

C.a Am 30. August 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. 

 

C.b Gleichentags stellte das SEM gemäss Art. 34 der Verordnung (EU) Nr. 

604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-

staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder 

Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) ein Informationsersuchen 

an die österreichischen Behörden.  

 

C.c Am 31. August 2022 bestätigten die österreichischen Behörden die 

selbständige Ausreise des Beschwerdeführers Richtung Türkei am 

26. Februar 2022 und informierten zudem, dass sein Asylgesuch in erster 

Instanz rechtskräftig abgelehnt worden sei. 

 

D.  

D.a Am 12. September 2022 fand das persönliche Gespräch (Dublin) ge-

mäss Art. 5 der Dublin-III-VO statt.  

 

D.b Darin machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, in Ös-

terreich im Februar 2022 einen negativen Asylentscheid erhalten zu haben 

und zwei oder drei Tage danach nach Serbien ausgereist zu sein. Von dort 

sei er am 26. Februar 2022 ohne Reisepass und illegal in die Türkei ge-

langt, wo er einen einmaligen Zahnarzttermin wahrgenommen habe. 

Schliesslich habe er am 14. August 2022 die Türkei verlassen, ohne in ei-

nem europäischen Land um Asyl ersucht zu haben.  

D-4292/2022 

Seite 3 

D.c Weiter führte er aus, an verschiedenen Krankheiten zu leiden, wobei 

es unterstützend wäre, seine in der Schweiz lebende Freundin besuchen 

zu können.  

 

Daneben reichte er seinen türkischen Führerausweis zu den Akten. 

 

E.  

E.a Am 13. September 2022 übermittelten die österreichischen Behörden 

dem SEM einen Auszug der E-Mail-Kommunikation vom 23. Mai 2022 mit 

dem Beschwerdeführer, worin der er um Übermittlung seines Führer-

scheins bat.  

E.b Gleichentags reichte die damalige Rechtsvertretung des Beschwerde-

führers folgende Beweismittel ein: 

- Eine Kopie einer Terminkarte beim Krankenhaus (…) vom 25. Juli 2022; 

- Ein Foto eines Patientenarmbandes des Krankenhauses (…) vom 25. Juli 

2022; 

- Eine Kopie eines Auszugs aus dem E-Nabiz des Beschwerdeführers betref-

fend einen Termin vom 25. Juli 2022 in der allgemeinen Abteilung der Zahn-

medizin im Krankenhaus (…); 

- Eine Kopie eines Fotos einer Anzeige mit dem Patientennamen A._______ 

auf dem Krankenhausbildschirm; 

- Eine Kopie einer E-Mail-Nachricht an das österreichische Bundesamt für 

Fremdenwesen und Asyl (BFA) mit Mitteilung der türkischen Adresse des 

Beschwerdeführers vom 23. Mai 2022; 

- Eine Kopie eines Briefes an den Beschwerdeführer des österreichischen BFA 

mit Anhang seines Führerscheins vom 20. Juni 2022; 

- Zwei Kopien weiterer E-Mail-Nachrichten mit dem BFA vom 26. Juni 2022 und 

vom 27. Juni 2022. 

F.  

Am 16. September 2022 ersuchte das SEM bei den österreichischen Be-

hörden gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO um die Wiederaufnahme 

des Beschwerdeführers. Diese stimmten dem Gesuch gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO am 19. September 2022 zu. 

G.  

Mit Verfügung vom 19. September 2022 (eröffnet am 20. September 2022) 

trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein, ordnete seine Überstellung nach Österreich 

an und hielt fest, dass er die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der 

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Seite 4 

Beschwerdefrist zu verlassen habe, ansonsten er unter Zwang ausgewie-

sen werden könne. Weiter stellte die Vorinstanz fest, dass einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme 

und der Kanton B._______ mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragt 

sei. Die editionspflichtigen Akten wurden gemäss Aktenverzeichnis ausge-

händigt.  

H.  

Am 20. September 2022 legte die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat 

nieder.  

I.  

Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch seinen Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 26. September 

2022 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht 

und beantragte, die Verfügung vom 19. September 2022 sei aufzuheben 

und die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten. Weiter 

beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. In prozessua-

ler Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

Der Beschwerde wurden neben der Vollmacht vom 26. September 2022 

und dem angefochtenen Entscheid ein Foto eines Formulars «Registration 

of place of stay» aus Serbien vom 24. Februar 2022 (Beilage 1), drei  

E-Mail-Nachrichten mit den österreichischen Behörden (Beilage 2), ein 

postalischer Sendeverlauf aus der Türkei (Beilage 3), ein Foto eines Bild-

schirms (Beilage 4) und eines Rezepts für Medikamente (Beilage 5), ein 

Auszug aus dem E-Nabiz (Beilage 6) sowie ein Foto eines Bustickets vom 

2. März 2022 (Beilage 7) beigelegt.  

J.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 27. September 2022 wurde der 

Vollzug der Überstellung des Beschwerdeführers nach Österreich gestützt 

auf Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-

tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) per sofort einstweilen ausgesetzt.  

K.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

27. September 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 

AsylG). 

D-4292/2022 

Seite 5 

L.  

Mit Verfügung vom 28. September 2022 wurde der Beschwerde die auf-

schiebende Wirkung erteilt und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingela-

den.  

M.  

Mit Eingabe vom 6. Oktober 2022 liess sich die Vorinstanz vernehmen. 

N.  

Am 14. Oktober 2022 replizierte der Beschwerdeführer.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-

desverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das 

SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vo-

rinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 

Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-

tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so 

auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 Bundes-

gesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

somit einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht, einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens, sowie die unrichtige 

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Seite 6 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

2.3 In seinem Grundsatzurteil vom 21. Dezember 2017 bejahte das Bun-

desverwaltungsgericht den individualrechtlichen Charakter sämtlicher zur 

Feststellung der Prüfungszuständigkeit beitragenden Bestimmungen der 

Dublin-III-VO (vgl. BVGE 2017 VI/9 E. 5.3.2). Seither können sich Asylsu-

chende in Beschwerdeverfahren gegen Überstellungsentscheidungen auf 

die richtige Anwendung sämtlicher objektiver Zuständigkeitskriterien der 

Dublin-III-VO berufen, namentlich auf Art. 3 Abs. 2, Art. 7 i.V.m. Art. 8 

Abs. 1-4, Art. 9, Art. 10, Art. 11, Art. 16 Abs. 1 und insbesondere auf Best-

immungen, die einen Zuständigkeitsübergang infolge Fristablaufs vorse-

hen (vgl. BVGE 2017 VI/9 E. 5 m.w.H.). Die Übertragung der Zuständigkeit 

nach Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO gehört in diesem Sinne zu den objektiven 

Zuständigkeitskriterien (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen 

Union [EuGH] C-155/15 vom 7. Juni 2016, George Karim, Rn. 14–27). Der 

Beschwerdeführer ist somit legitimiert, sich auf die unrichtige Anwendung 

der Erlöschensklauseln der Dublin-III-VO zu berufen (vgl. BVGE 2017 VI/9 

E. 5.1; Urteil des BVGer D-4239/2021 vom 19. Oktober 2021 E. 3.3). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt die Vorinstanz in der Regel die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall 

eines sogenannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapi-

tel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten 

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Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-

punkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitglied-

staat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen ei-

nes Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: «take back») findet demgegenüber 

grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt 

(vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

3.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, 

ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

3.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

eine antragstellende Person, die während der Prüfung ihres Antrags in ei-

nem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder die sich im Ho-

heitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach 

Massgabe der Art. 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 

Bst. b Dublin-III-VO). 

Diese Verpflichtung erlischt, wenn die gesuchstellende Person das Herr-

schaftsgebiet der Mitgliedstaaten während einer Dauer von mindestens 

drei Monaten verlassen hat, ausser die Person verfüge über einen durch 

den zuständigen Mitgliedstaat ausgestellten Aufenthaltstitel (vgl. Art. 19 

Abs. 2 Dublin-III-VO). 

3.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, 

einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-

ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in 

dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist 

(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht). 

  

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Seite 8 

4.  

4.1 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

am 10. Juni 2021 in Österreich ein Asylgesuch gestellt hat. Die Vorinstanz 

ersuchte die österreichischen Behörden am 30. August 2022 gestützt auf 

Art. 34 Abs. 1 Dublin-III-VO um Informationen betreffend Zeitpunkt sowie 

Umstände der Ausreise des Beschwerdeführers respektive um diesbezüg-

liche Belege. Die österreichischen Behörden beantworteten das Informati-

onsersuchen am 31. August 2022 und bestätigten seine mit Datum vom 

26. Februar 2022 registrierte, freiwillige sowie selbständige Ausreise aus 

Österreich. Gleichzeitig hielten sie fest, dass sein Asylgesuch in erster In-

stanz rechtskräftig abgelehnt worden war. Am 16. September 2022 er-

suchte die Vorinstanz gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO um 

die Wiederaufnahme des Beschwerdeführers, welcher die österreichi-

schen Behörden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO am 

19. September 2022 zustimmten, womit sie signalisierten, dass die Prü-

fung des Antrags des Beschwerdeführers noch nicht abgeschlossen ist 

(vgl. auch Eintrag in der Zentraleinheit Eurodac, wonach der Beschwerde-

führer den Dublinraum ohne Wegweisungsentscheid verlassen haben soll, 

SEM-Akte 9/1). 

4.2 Der Beschwerdeführer bestreitet die grundsätzliche Zuständigkeit Ös-

terreichs nicht, beruft sich jedoch darauf, dass die Zuständigkeit im Sinne 

von Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO erloschen sei, da er sich während rund fünf 

Monaten in seinem Heimatland und somit ausserhalb des Schengenraums 

aufgehalten habe.  

4.3 Nachfolgend ist deshalb zunächst zu prüfen, ob es dem Beschwerde-

führer anhand seiner eingereichten Dokumente gelungen ist, einen Aufent-

halt von über drei Monaten ausserhalb des Schengenraums und somit das 

Erlöschen der Zuständigkeit Österreichs für sein Asyl- und Wegweisungs-

verfahren im Sinne von Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO zu belegen.  

5.  

5.1  

5.1.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid zur Zuständigkeit Öster-

reichs im Wesentlichen damit, dass der Beschwerdeführer nicht habe be-

legen können, sich während mehr als drei Monaten ausserhalb des Schen-

genraums aufgehalten zu haben. Ein eindeutiger Beweis für das Verlassen 

des Schengenraums würde lediglich dann vorliegen, wenn die österreichi-

schen Behörden ihn nachweislich und kontrolliert in sein Heimatland zu-

rückgeführt hätten, was vorliegend nicht der Fall sei, da er selbständig und 

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Seite 9 

freiwillig ausgereist sei. Die eingereichten Beweismittel, um einen mehrmo-

natigen Aufenthalt in der Türkei zu belegen, würden den Anforderungen an 

die Begrifflichkeit von Beweismitteln im Sinne des Anhangs II Verzeichnis 

A, Ziffer II.3 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 118/2014 der Kommis-

sion vom 30. Januar 2014 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1560/

2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 343/2003 

des Rats zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 

Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen 

in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (nachfolgend: 

Durchführungsverordnung), nicht genügen. Zudem würden die Belege alle 

aus dem Zeitraum zwischen dem 23. Mai 2022 und 25. Juli 2022 datieren 

und entsprechend lediglich einen Aufenthalt ausserhalb des Schengen-

raums während weniger als drei Monaten belegen. Der eingereichte  

E-Mail-Verkehr zwischen dem BFA und dem Beschwerdeführer sowie das 

Zusenden seines Führerscheins an eine türkische Adresse seien ungeeig-

net, einen Aufenthalt ausserhalb des Schengenraums zu belegen, da  

E-Mail-Nachrichten von jedem Ort versandt werden könnten und auch eine 

Zustellsendung seinen dortigen Aufenthalt nicht belegen könne. Ferner 

seien seine Schilderungen zum Reiseweg und zum anschliessenden Auf-

enthalt in der Türkei nicht als ausreichend ausführliche und nachprüfbare 

Erklärungen im Sinne der Durchführungsverordnung zu qualifizieren. 

Schliesslich hätten die österreichischen Behörden mit ihrer expliziten Zu-

stimmung seiner Rückübernahme und somit deren Zuständigkeit zuge-

stimmt.  

 

5.1.2 Des Weiteren gebe es keine wesentlichen Gründe zur Annahme, 

dass das österreichische Asylverfahren systematische Schwachstellen 

aufweise und die Gefahr der Verletzung von Völkerrecht oder des Non-

Refoulement-Gebots berge. Überdies seien anhand der Ausführungen des 

Beschwerdeführers im Dublin-Gespräch keine Hinweise dafür zu entneh-

men, dass es sich bei der geltend gemachten Beziehung zu seiner Freun-

din (R.O.) um eine dauerhafte Beziehung im Sinne von Art. 8 der Konven-

tion vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-

freiheiten (EMRK, SR 0.101) handle oder ein besonderes Abhängigkeits-

verhältnis vorliege. Seine hierzu allgemein gehaltene Aussage, er benötige 

die Unterstützung seiner Freundin, welche im Übrigen am 22. Oktober 

2022 erklärt habe, mit einer anderen Person als mit ihm liiert zu sein, ver-

möge an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Schliesslich würden auch 

keine Anzeichen dafür vorliegen, dass die österreichischen Behörden ihm 

eine medizinische Behandlung verweigert hätten oder ihm zukünftig ver-

weigern würden.  

D-4292/2022 

Seite 10 

5.2  

5.2.1 Der Beschwerdeführer rügte, dass die Zuständigkeit Österreichs im 

vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahren, entgegen der Argumenta-

tion der Vorinstanz, erloschen sei. Es sei aktenkundig, dass er im Rahmen 

des Dublin-Gesprächs dargelegt habe, im Februar 2022 Österreich verlas-

sen zu haben und nach Serbien ausgereist zu sein. Danach habe er am 

26. Februar 2022 in einem Lastwagen versteckt Serbien verlassen und sei 

in die Türkei eingereist. Am 14. August 2022 habe er die Türkei erneut auf 

illegalem Weg, ebenfalls in einem Lastwagen versteckt, verlassen müssen 

und sei in die Schweiz geflohen, wo er am 24. August 2022 ein Asylgesuch 

gestellt habe. Die eingereichten Beweismittel, welche seinen über dreimo-

natigen Aufenthalt ausserhalb des Schengenraums bestätigen würden, 

seien unverständlicherweise von der Vorinstanz als ungenügend erachtet 

worden. Das serbische Formular «Registration of place to stay» belege 

seine Ausreise aus Österreich und eine Übernachtung in Serbien. Des Wei-

teren habe er sich nach einem rund dreimonatigen Aufenthalt in der Türkei 

per E-Mail-Nachrichten vom 23. Juni 2022, 26. Juni 2022 und 27. Juni 

2022 mit der Bitte an die österreichischen Behörden gewandt, dass ihm 

der im dortigen Asylverfahren abgegebene Führerschein an seine türki-

sche Adresse übermittelt werde. Aus der Postbestätigung gehe hervor, 

dass er den Führerausweis an seiner türkischen Adresse abgeholt habe. 

Auf dem betreffenden Sendeverlauf sei sein Name sowie die letzten vier 

Ziffern seiner Identitätskarte aufgeführt. Zudem habe er während seines 

Aufenthalts in der Türkei einen Zahnarzt konsultiert. Die eingereichten Fo-

tos eines Monitors (des Spitals […]) würden seine Reihennummer sowie 

seinen Namen zeigen. Weitere Beweise für seinen Aufenthalt in der Türkei 

würden in Form eines Rezepts für Medikamente und anhand des Ausdruck 

des E-Nabiz vorliegen. Bei letzterem handle es sich um das staatliche Por-

tal des Gesundheitsministeriums, in welchem sich alle Personen registrie-

ren müssten, welche einen Arzttermin oder Medikamente benötigten. In 

dieses Portal könne sich nur einloggen, wer über eine Identitätskarte und 

einen entsprechenden Login-Code verfüge. Sodann belege die Kopie der 

Busfahrkarte vom 2. März 2022, auf welcher ebenfalls sein Name und die 

Nummer seiner Identitätskarte aufgeführt seien, dass er sich in der Türkei 

aufgehalten habe. Anhand der eingereichten Beweismittel könne er somit 

belegen, sich über fünf Monate ausserhalb des Schengenraums aufgehal-

ten zu haben. Entsprechend sei die Zuständigkeit Österreichs im Sinne von 

Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO erloschen, selbst wenn diese Behörden ihre 

Zuständigkeit anerkannt hätten.  

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Seite 11 

5.2.2 Zudem habe er aus asylrechtlich relevanten Gründen aus der Türkei 

flüchten müssen. Es sei jedoch allgemein bekannt, dass die österreichi-

schen Asylbehörden in den vergangenen Jahren mehrere kurdische Asyl-

suchende in die Türkei zurückgeführt hätten. In der Türkei seien zwei Straf-

verfahren wegen Präsidentenbeleidigung und Propaganda für eine Terror-

organisation gegen ihn eingeleitet worden. Bei einer Rückführung würde er 

in der Türkei einer langjährigen Haft und einer menschenunwürdigen Be-

handlung ausgesetzt, welche gegen Art. 5 AsylG und Art. 3 EMRK verstos-

sen würden. Vor diesem Hintergrund und infolge der Gefahr von sogenann-

ten Kettenabschiebengen sei die Schweiz verpflichtet, einen Selbsteintritt 

zu prüfen.  

5.3 Die Vorinstanz kam in ihrer Vernehmlassung hinsichtlich der neu ein-

gereichten Beweismittel (Beilagen 1, 3 und 7 der Beschwerde) zum 

Schluss, dass diese keine Beweismittel im Sinne des Anhangs II des Ver-

zeichnisses A Ziffer II.3 der Durchführungsverordnung darstellten. Bei den 

Beilagen 1 und 7 handle es sich lediglich um Dokumentenkopien, welche 

über einen eingeschränkten Beweiswert verfügten und als Indizien für ei-

nen tatsächlichen Aufenthalt ausserhalb des Schengenraums ungeeignet 

seien. Überdies bleibe unklar, weshalb der Beschwerdeführer diese beiden 

Kopien nicht bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereicht oder zumin-

dest in Aussicht gestellt habe. Ausserdem weise die Beilage 1 – ein Foto 

des Formulars einer serbischen «Registration of place to stay» – keine Si-

cherheitsmerkmale auf, könne leicht gefälscht werden und sei zudem nicht 

vollständig ausgefüllt. Ferner sei es nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-

schwerdeführer ein Foto dieses Formulars, jedoch keine weiteren Unterla-

gen zu diesem Aufenthalt im Hostel in C._______, wie etwa eine Bu-

chungsbestätigung oder eine Quittung, eingereicht habe. Auch die Beilage 

7 – ein Busticket mit Namen und Identitätskartennummer des Beschwer-

deführers – verfüge über einen geringen Beweiswert, zumal die darauf auf-

geführten Informationen handschriftlich angebracht werden könnten. Hin-

sichtlich der Beilage 3 – den postalischen Sendeverlauf – sei festzustellen, 

dass dieser im Sinne der Durchführungsverordnung als Indiz dafür betrach-

tet werden könne, dass er sich im Juni 2022 in D._______ aufgehalten 

habe. Zusammen mit den Beilagen 4, 5 und 6 würden Indizien für einen 

Aufenthalt in der Türkei zwischen dem 24. Juni 2022 und dem 25. Juli 2022 

vorliegen. Ferner sei festzuhalten, dass das in der Datenbank Eurodac re-

gistrierte Ausreisedatum vom 26. Februar 2022 lediglich auf einer E-Mail-

Korrespondenz zwischen ihm und den österreichischen Behörden in Be-

zug auf seinen Führerschein beruhe und nicht auf einer durch die Behör-

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Seite 12 

den zweifelsfrei festgestellten Ausreise. Somit habe er nicht belegen kön-

nen, sich mindestens drei Monate ausserhalb des Schengenraums aufge-

halten zu haben. Sodann würden keine Hinweise dafür vorliegen, dass die 

österreichischen Behörden das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht 

korrekt durchgeführt hätten und das Non-Refoulement-Gebot nicht beach-

ten würden. Deshalb bleibe Österreich für sein Asylverfahren zuständig.  

5.4 In der Replik äusserte sich der Beschwerdeführer zur Beilage 1 dahin-

gehend, dass diese eindeutig seine Übernachtung in C._______ belege. 

Da er weder über einen Reisepass noch über ein Visum verfüge, weil ge-

gen ihn eine Ausreisesperre verhängt worden sei, habe das von der Vor-

instanz als unvollständig ausgefüllt bemängelte Dokument nicht komplett 

ausgefüllt werden können. Jedoch sei ersichtlich, dass die Nummer seiner 

türkischen Identitätskarte eingetragen sei. Auch das Busticket (Beilage 7) 

sei als vollwertiges Beweismittel zu würdigen, da türkische Busfirmen ver-

pflichtet seien, diese Informationen zu den Reisenden auszufüllen. Dass er 

die auf Beschwerdeebene neu eingereichten Beweismittel nicht bereits zu-

vor dargebracht habe, sei der Tatsache geschuldet, dass er davon ausge-

gangen sei, die bereits eingereichten Beweismittel würden seinen Aufent-

halt ausserhalb des Schengenraums zulänglich belegen. Schliesslich er-

staune es, dass die Vorinstanz seine Beilage 3 lediglich als Indiz und nicht 

als vollwertiges und unwiderlegbares Beweismittel betrachtet habe. Auch 

sei es unverständlich, dass die Beilagen 4, 5 und 6 lediglich als Indizien 

betrachtet würden. Insbesondere bei der Beilage 6 handle es sich um ein 

offizielles staatliches Portal und der erfolgte Zahnarzttermin könne anhand 

der in der Replik beigelegten Login-Daten und der Beilage 4 – einem Foto 

eines Monitors mit Namen des Beschwerdeführers – überprüft werden. 

Schliesslich handle es sich auch bei der Beilage 5 um ein echtes Beweis-

mittel. Auf diesem Beleg, mit welchem Medikamente in Apotheken bezogen 

werden könnten, stehe sein Name sowie der Zusatz, dass er Häftling des 

Gefängnisses von E._______ sei.  

6.  

6.1 Um die Ausreise (aus dem Schengenraum) nachzuweisen, werden ge-

mäss Art. 22 Abs. 2 Dublin-III-VO Beweismittel und Indizien verwendet, 

welche nach Art. 22 Abs. 3 Dublin-III-VO durch die Durchführungsverord-

nung in zwei Verzeichnissen festgelegt werden. Diese beiden Verzeich-

nisse sind in Anhang 2 der Durchführungsverordnung enthalten. Die jewei-

ligen Ziffern 9 der beiden Verzeichnisse legen fest, welche Beweismittel 

und Indizien zur Feststellung des Erlöschens gemäss Art. 19 Abs. 2 Dublin-

D-4292/2022 

Seite 13 

III-VO Verwendung finden. Als Beweismittel gelten etwa «Ausreisestem-

pel» aber auch ein «Bericht/Bestätigung seitens des Mitgliedstaats, von 

dem aus der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten verlassen 

hat», so dass klar ist, dass es nicht auf den Nachweis des Zeitraums an-

kommt, solange das Verlassen des Hoheitsgebiets feststeht. Bei Fehlen 

von förmlichen Beweismitteln gemäss der Verordnung sind die vorgelegten 

Indizien zu berücksichtigen. Darunter fallen unter anderem «ausführliche 

und nachprüfbare Erklärungen des Antragstellers» sowie etwa «Daten, aus 

denen hervorgeht, dass der Antragsteller die Dienste eines Schleppers  

oder eines Reisebüros in Anspruch genommen hat» und «sonstige Indizien 

gleicher Art», welche im Sinne der Verordnung nicht als Beweismittel gel-

ten (Art. 22 Abs. 2, Abs. 3 Bst. b und Abs. 5 Dublin-III-VO; Anhang 2 der 

Durchführungsverordnung). Somit können grundsätzlich auch glaubhafte 

Vorbringen einer Person genügen oder sogenannte Indizien gemäss der 

Dublin-III-VO, um die Anwendbarkeit von Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO fest-

zustellen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D-4239/2021 vom 19. Okto-

ber 2021 E. 6). 

6.2 Der Datenbank Eurodac ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

am 26. Februar 2022 «ohne Wegweisungsentscheid aus dem Dublinraum» 

ausgereist sei. Auf Anfrage der Vorinstanz (vgl. SEM-Akte 16/2) erläuterten 

die österreichischen Behörden, dass es sich um eine selbständige, freiwil-

lige Ausreise gehandelt habe, wobei das Ausreisedatum von den österrei-

chischen Behörden offensichtlich aufgrund eines E-Mail-Verkehrs mit dem 

Beschwerdeführer vom 23. Mai 2022 ermittelt worden sei (vgl. SEM-Akte 

21/2). Dieser Eintrag ist somit als unzureichender Beweis seiner Ausreise 

aus dem Territorium der Mitgliedstaaten zu qualifizieren (vgl. demgegen-

über Anhang II, Verzeichnis A, Nummer 9: «Bestätigung seitens des Mit-

gliedstaates, von dem aus der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitglied-

staaten verlassen hat»). Hinzu kommt, dass sich das Foto des Formulars 

der «Registration of place to stay» (Beilage 1) aus Serbien als äusserst 

zweifelhaft erweist, seinen dortigen Aufenthalt am 24. Februar 2022 zu be-

legen. Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die überzeugenden Ausfüh-

rungen der Vorinstanz zum Beweiswert des eingereichten Fotos des serbi-

schen Formulars «Registration of place to stay» verwiesen werden. Auch 

das eingereichte Foto des Bustickets vom 2. März 2022 (Beilage 7) vermag 

seinen Aufenthalt ausserhalb des Schengenraums nicht zweifelsfrei bele-

gen, zumal diese sichtbar unbenutzte Fahrkarte weder im Original vorliegt, 

noch den Aufnahmeort oder die Aufnahmezeit belegt. Das betreffende Foto 

hätte demnach von jeder beliebigen Person gemacht werden können, ins-

D-4292/2022 

Seite 14 

besondere, da der Beschwerdeführer nicht mitfotografiert wurde. Hinsicht-

lich der eingereichten Belege zu seinem angeblichen Zahnarztbesuch res-

pektive Aufenthalt in der Türkei ist festzustellen, dass im E-Nabiz Arzt- res-

pektive Zahnarzttermine zwar online vereinbart werden können, das Portal 

jedoch nicht zu belegen vermag, dass die betreffende Person den entspre-

chenden Termin tatsächlich auch wahrgenommen hat. Die Zweifel an der 

Präsenz des Beschwerdeführers am betreffenden Zahnarzttermin vom 

25. Juli 2022 können durch Fotos des Bildschirms mit seinem Namen (Bei-

lage 4) und des Rezepts (Beilage 5) nicht ausgeräumt werden. Es ist nicht 

nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer zwar den Monitor mit sei-

nem Namen (offensichtlich zu Beweiszwecken) fotografiert haben will, es 

jedoch unterliess, sich selber abzulichten, weshalb dieser Umstand zur An-

nahme führt, dass diese Bilder nicht von ihm, sondern von einer anderen 

Person gemacht wurden und er in diesem Zeitpunkt nicht an dem von ihm 

angegeben Ort gewesen ist. Auch der Sendeverlauf von D._______ vom 

27. Juni 2022 (Beilage 3), welcher übrigens nur in Kopie vorliegt, weist 

keine Sicherheitsmerkmale auf und vermag kein persönliches Erscheinen 

des Beschwerdeführers zu belegen, zumal der Erhalt der Sendung nicht 

mit einer Unterschrift oder mit Stempeln bestätigt wurde, welche seine Prä-

senz vor Ort belegen könnten. Sofern er sich darauf beruft, seinen mehr-

monatigen Aufenthalt in der Türkei anhand der eingereichten Belege zu 

beweisen, weil sein Name sowie seine Identitätskartennummer auf den Be-

legen figurieren, ist festzuhalten, dass eine Überprüfung seiner Identität 

nicht möglich ist, zumal keine Identitätskarte vorliegt. Somit ist mit der Vor- 

instanz einig zu gehen, dass es ihm nicht gelungen ist, anhand von Bewei-

sen, Indizien oder nachvollziehbaren Erklärungen einen Aufenthalt von 

über drei Monaten ausserhalb des Schengenraums zu belegen. Hierzu ist 

im Übrigen auf die vorinstanzliche Verfügung respektive deren ausführliche 

Argumentation zu verweisen. 

6.3 Vor diesem Hintergrund geht das Gericht mit der Vorinstanz überein, 

dass vorliegend die Zuständigkeit Österreichs gemäss Art. 19 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO nicht erloschen ist. 

7.  

7.1 Im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist weiter zu prüfen, ob es we-

sentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnah-

mebedingungen für Asylsuchende in Österreich würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden.  

D-4292/2022 

Seite 15 

7.2 Der Beschwerdeführer konnte keine konkreten und ernsthaften Gründe 

darlegen, dass die österreichischen Behörden seinen Antrag auf internati-

onalen Schutz nicht unter Einhaltung der Regeln der Richtlinien des Euro-

päischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu ge-

meinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des interna-

tionalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) behandelten. Den Akten sind 

ferner keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, die österreichischen 

Behörden würden den Grundsatz des Non-Refoulements missachten und 

ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder 

seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder 

in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-

gen zu werden. Der Datenbank Eurodac ist zu entnehmen, dass sein Asyl-

antrag geprüft und erstinstanzlich rechtskräftig abgewiesen worden war. 

Dem Beschwerdeführer wäre es unbenommen gewesen, eine Beschwerde 

dagegen zu erheben. Ausserdem brachte er keine Gründe vor, welche auf 

systematische Schwachstellen im österreichischen Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren hinwiesen und zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-

Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) führen könn-

ten.  

7.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt und es besteht auch keine Verpflichtung zur An-

wendung des Selbsteintrittsrechts (vgl. zu den Anforderungen etwa BVGE 

2015/9 E. 8.2.1).  

8.  

Das SEM hat auch zutreffend festgestellt, dass die (angebliche) Freundin 

des Beschwerdeführers nicht unter die Definition der Familienangehörigen 

im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO fällt. Es bestehen zudem keinerlei 

Hinweise darauf, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Freun-

din ein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Dublin-III-VO besteht. 

9.  

9.1 Der Beschwerdeführer beantragte nur implizit die Anwendung der Er-

messensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive das Selbstein-

trittsrecht, welches in Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, gemäss welcher das SEM 

das Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln kann, 

wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 

D-4292/2022 

Seite 16 

9.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-

beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-

chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-

mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanz-

lichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf 

die Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nun-

mehr im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich 

korrekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung 

getragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 

Bst. a und b AsylG). 

 

9.3 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. 

9.4 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

10.  

Somit bleibt Österreich gemäss Dublin-III-VO der für die Behandlung des 

Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat. 

11.  

Die Vorinstanz ist zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da der 

Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nieder-

lassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwen-

dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1). 

12.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind all-

D-4292/2022 

Seite 17 

fällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgeset-

zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration (AIG; SR 142.20) unter diesen Umständen nicht mehr 

zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

13.  

Nach den vorangehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen 

und die Verfügung der Vorinstanz vom 19. September 2022 zu bestätigen. 

Die am 28. September 2022 angeordnete, aufschiebende Wirkung fällt mit 

dem vorliegenden Urteil dahin. 

14.  

14.1 Für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG bedarf es praxisgemäss eines entsprechenden Ge-

suchs. Das Gesuch um Erlass des Kostenvorschusses wird nicht als Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung behandelt, auch 

wenn sich der Beschwerdeführer auf die Voraussetzungen von Art. 65 

Abs. 1 VwVG beruft (vgl. Beschwerdeschrift vom 26. September 2022, 

Punkt 4). 

 

14.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]).  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4292/2022 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– werden dem Beschwerde-

führer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vor-

liegenden Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Chiara Piras Martina von Wattenwyl 

 

 

Versand: