# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd5e3fbd-812e-51fb-a69c-fe99e477dda1
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-10
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 10.06.2016 OG.2014.00051 (OGS.2016.34)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2014-00051_2016-06-10.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 10. Juni 2016

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2014.00051

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus,         Anklägerin, 

  
	
                                                                                     Berufungsklägerin
  und 

  
	
                                                                                     Anschlussberufungsbeklagte

  
	
  vertreten
  durch a.o. Staatsanwalt lic. iur. Christian Bötschi,

  
	
  Schützenstrasse 1A, 9100 Herisau  

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.
  S.W.                                                                       Privatkläger
  und

  
	
                                                                                     Anschlussberufungsbeklagter

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  S.Y.                                                                            Beschuldigter,

  
	
                                                                                     Berufungsbeklagter
  und

  
	
                                                                                     Anschlussberufungskläger

  
	
  vertreten
  durch Rechtsanwalt R.B.,

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Fahrlässige
  Verursachung einer Feuersbrunst

  
	
  (eventualiter
  Brandstiftung) etc.
  über die Anträge:

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.
  der Anklägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten (ge­mäss Berufungserklärung
  vom 27. August 2014 [act. OG 2] sowie den Aus­füh­run­gen des
  a.o. Staatsanwaltes an der Berufungs­verhandlung vom 19. Juni 2015
  [act. OG 19 S. 20]):

  
	
   

  
	
  	
     

    	
    1.

    	
    Es sei Vormerk zu nehmen, dass Ziffer 1 des
    Urteils des Kantonsgerichts Glarus vom 8. Juni 2014 nicht angefochten
    ist.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    2.

    	
    Das Urteil des Kantonsgerichts Glarus vom 8. Juni
    2014 sei bezüglich der Ziffern 2, 3, 5, 6, und 7 aufzuheben.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    3.

    	
    Der Beschuldigte S.Y. sei unter Einbezug von
    Ziffer 1 des Urteils des Kan­tonsgerichts Glarus vom 8. Juni 2014
    schuldig zu sprechen wegen:

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
    -fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst im
    Sinne von Art. 222 StGB oder eventualiter Brandstiftung im Sinne von
    Art. 221 StGB, verübt am 4. November 2009;

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
    -wegen versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146
    in Verbindung mit Art. 22 StGB, verübt im Zeitraum zwischen dem
    4. November 2009 und dem 14. Mai 2010;

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
    -Drohung und versuchter Nötigung im Sinne von
    Art. 180 und Art. 181 StGB, verübt am 17. August 2009;

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
    -Widerhandlungen gegen Art. 87 Abs. 3 AHVG und Art.
    76 Abs. 3 BVG, verübt im Zeitraum zwischen dem 1. Februar 2007
    und dem 30. November 2007;

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
     

    	
    -Widerhandlungen gegen Art. 117 Abs. 1 AuG,
    verübt am 11. März 2010.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    4.

    	
    Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe nicht
    unter zwei Jahren sowie einer Busse von Fr. 1‘000.‑ zu
    bestrafen.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    5.

    	
    Es sei über die Gewährung des bedingten
    Strafvollzuges zu befinden.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    6.

    	
    Die Anschlussberufung des Beschuldigten sei
    abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    	
     

    
	
     

    	
    7.

    	
    Unter Kostenfolge zulasten des Beschuldigten.

    

  

  
	
   

  
	
  B.
  des Beschuldigten, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägers (gemäss
  Anschlussberufungserklärung vom 22. September 2014 [act. OG 7]
  sowie den Ausführungen des Verteidigers an der Berufungsver­handlung vom
  19. Juni 2015 [act. OG 19 S. 2]):

  
	
   

  
	
    1.       Es
  sei die Berufung der Staatsanwaltschaft abzuweisen und es sei der Beschul­digte
  in Gutheissung seiner Anschlussberufung in allen Punkten von Schuld und
  Strafe freizusprechen.

  
	
   

  
	
    2.       Alles
  unter o/e Kostenfolge.

  
	
   

  
	
  Das Obergericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  Prozessgeschichte
  und Sachverhalt

  
	
   

  
	
       1.—

  
	
       1.1.— a) Am 19. August 2009 wurde
  das damals seit mehreren Monaten nicht mehr betriebene Hotel Alpenblick in
  Braunwald konkursamtlich versteigert. S.Y. erwarb dabei das Hotel zusammen
  mit dem nahegelegenen Personalhaus zum Preis von Fr. 1,9 Mio. (act. I/323
  S. 3). Das imposante Hotelgebäude (siehe act. I/311
  Bildbeilagen 1 und 2) war sieben Etagen hoch und verfügte über rund
  50 Gästezimmer; ins Gebäude eingegliedert waren drei Wohnungen und acht
  Personalzimmer, je ein Speise- und Seminarsaal sowie im Hochparterre ein
  geräumiges Restaurant, das Untergeschoss umfasste eine Bar, eine Lingerie
  sowie die Lager- und Technikräume. Im Personalhaus („Chalet Vivian“) befanden
  sich zusätzliche Personalzimmer (zum Ganzen: act. III/632
  S. 2, ferner act. II/372; act. I/51 Ziff. 33;
  act. V/32; act. III/603).

  
	
   

  
	
       b) Im Oktober 2009 leitete S.Y. im Hotel
  Alpenblick Renovationsarbeiten ein. Er engagierte hierzu die C.K.
  Generalunternehmung AG, in deren Verwaltungsrat er selber Einsitz hatte.
  Unter der Führung und Anleitung von S.Y. persönlich arbeiteten vor Ort
  jeweils vier bis acht Personen ausländischer Herkunft, welche über eine
  elsässische Firma rekrutiert wurden (siehe zum Ganzen act. I/I
  S. 14 Ziff. 5.7.1; act. II/349; act. II/350 S. 2
  oben; act. OG 19 S. 9; act. V/112).

  
	
   

  
	
       c) Am späten Dienstagabend,
  3. November 2009, traf S.Y. zusammen mit seinem Sohn und einem Bekannten
  sowie vier neuen Arbeitern aus Frankreich in Braunwald ein, wo sie in der
  Folge alle im Hotel Alpenblick übernachteten. Am fol­genden Tag,
  4. November 2009, reiste S.Y. mit seinem Sohn und dem Bekannten gegen
  08.00 Uhr wieder von Braunwald ab. Derweil machten sich die vier Handwerker
  aus Frankreich an die ihnen von S.Y. zugewiesenen Arbeiten; zwei betätigten
  sich im Hotelgebäude, die anderen beiden im etwas weiter unten gelegenen
  Chalet (Personalhaus). Kurz nach 10.00 Uhr verliessen die im Hotel
  beschäftigten Arbeiter das Gebäude, um im rund 170 Meter entfernten Dorfladen
  (dazu act. III/610) einzukaufen. Als sie nur kurze Zeit später (siehe
  dazu act. I/I S. 39) zum Hotel zurückkehrten, stand dieses in
  Brand. Das Feuer breitete sich rasch aus und in der Folge brannte das Hotel
  bis auf die Grundmauern nieder (dazu act. I/311) (siehe sodann zum
  Ganzen act. I/S. 8 Ziff. 2.1 und S. 39).

  
	
   

  
	
       d) Die Staatsanwaltschaft des Kantons
  Glarus erhob am 26. Juli 2013 in Bezug auf den geschilderten Brandfall
  Anklage gegen S.Y. wegen fahrlässiger Brandverursachung oder eventualiter
  Brandstiftung. Überdies legt sie dem Beschul­digten in diesem Zusammenhang
  einen mehrfach versuchten Versicherungsbetrug zur Last; zum einen habe er den
  Brand initiiert, um die Versicherungssumme für das Gebäude auszulösen, und
  zum andern habe er gegenüber der Versicherung wesentlich mehr Inventar als
  zerstört deklariert, als sich zum Zeitpunkt des Brandes noch im Gebäude
  befunden habe (act. 2 S. 6 oben und S. 9).

  
	
   

  
	
       1.2.— In der Anklage vom 26. Juli 2013
  (act. 2) werden dem Beschuldigten noch weitere Straftaten vorgeworfen,
  deren Verfolgung im Zuge der Ermittlungen wegen des Brandfalls „Alpenblick“
  an die hiesigen Straforgane übertragen wurde (siehe hierzu
  act. V/103 ff.):

  
	
   

  
	
       a) Am 17. August 2009 soll der
  Beschuldigte S.Y. seinen damaligen Mieter S.W. auf dem Vorplatz der
  Mietwohnung in L/BL. wegen ausstehen­der Mietzinsen bedroht und ihn
  gleichzeitig zu nötigen versucht haben (act. 2 S. 9 ff.
  Ziff. 1.3.; act. IV/142 ff.).

  
	
   

  
	
       b) Ferner habe S.Y. als Inhaber des
  Einzelunternehmens Y. Immobilien & Dienstleistungen von Februar bis
  November 2007 den inzwischen verstorbenen A.K. als Arbeitnehmer beschäftigt.
  Dabei habe S.Y. für seinen Mitar­beiter keine Zahlungen an die Sozialwerke
  überwiesen, obwohl er entsprechende Lohnabzüge vorgenommen habe (act. 2
  S. 11 f. Ziff. 1.4.; act. V/164 ff.).

  
	
   

  
	
       c) Schliesslich sollen am 11. März
  2011 auf der Liegenschaft von S.Y. in B/SO. dessen Vater Y.Y. sowie O.C.
  gearbeitet haben. Weil beide Personen im grenznahen W./Deutschland Wohnsitz
  hatten und über keine Arbeitsbewilligung für die Schweiz verfügten, habe der
  Beschuldigte S.Y. als deren Arbeitgeber gegen die Ausländergesetzgebung
  verstossen (act. 2 S. 12 f.; act. IV/195 ff.).

  
	
   

  
	
       1.3.— Die Glarner Sachversicherung
  (glarnerSach) machte adhäsionsweise als Privatklägerin gegenüber dem
  Beschuldigten S.Y. eine Schadenersatz­forderung von Fr. 101‘000.‑
  geltend zufolge brandbedingter Schäden an Nachbar­häusern des Hotels
  „Alpenblick“ (act. V/35).

  
	
   

  
	
       2.—

  
	
       2.1.— Mit Urteil vom 8. Juni 2014 erkannte
  die Strafkammer des Kantonsgerichts Glarus, dass der Beschuldigte S.Y.
  hinsichtlich des Brandfalls „Alpenblick“ sowohl vom Vorwurf der vorsätzlichen
  oder fahrlässigen Brandverursachung als auch vom Vorhalt des versuchten
  Versicherungsbetrugs freizusprechen sei (act. 42 S. 47
  Dispositiv-Ziff. 2). In den übrigen Anklagepunkten hingegen folgte das
  Kan­tonsgericht weitestgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft; es sprach
  S.Y. schuldig der versuchten Nötigung (Vorfall „S.W.“), der Widerhand­lungen
  gegen das AHVG und BVG (unterlassene Ablieferung von Versicherungs­beiträgen
  im Fall „A.K.“) sowie des Verstosses gegen das Ausländergesetz zufolge
  unbewilligter Beschäftigung von Personen aus dem Ausland (Fall „Y.Y. und
  O.C.“) (Dispositiv-Ziff. 1). Das Kantonsgericht auferlegte dem
  Beschuldigten eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
  Fr. 360.‑ bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Busse von
  Fr. 1‘000.‑ (Dispositiv-Ziff. 3). Sodann wurde die Glarner
  Sachversicherung mit ihrer Forderungsklage auf den Zivilweg verwiesen
  (Dispositiv-Ziff. 4), wurden die aufgelaufenen Verfahrenskosten im
  Umfang von einem Viertel dem Beschuldigten überbunden und wurde ihm zu Lasten
  des Staates eine Entschädigung von Fr. 9‘000.‑ zuerkannt
  (Dispositiv‑Ziff. 5‑7). 

  
	
   

  
	
       2.2.— a) Mit Eingabe vom
  27. August 2014 (act. OG 2) erhob die Staatsan­waltschaft
  gegen das Urteil der Strafkammer fristgerecht Berufung beim Ober­gericht. Sie
  beantragte darin, es sei der Beschuldigte zusätzlich wegen fahrlässiger
  Brandverursachung, eventualiter vorsätzlicher Brandstiftung und versuchten
  Versicherungsbetrugs (Brandfall „Alpenblick“) sowie wegen Drohung (Vorfall
  „S.W.“) zu verurteilen und angemessen zu bestrafen; zudem sei auch über die
  Zivilforderung der Glarner Sachversicherung zu befinden und habe der
  Beschuldigte die Verfahrenskosten zu tragen.

  
	
   

  
	
       b) Der Beschuldigte seinerseits liess durch
  seinen Rechtsvertreter am 22. Sep­tember 2014 innert Frist
  Anschlussberufung erheben mit dem Antrag auf Freispruch von sämtlichen
  Anklagepunkten (act. OG 7).

  
	
   

  
	
       c) Mit Zwischenentscheid vom
  28. November 2014 (act. OG 12) hielt das Ober­gericht fest,
  dass im Zivilpunkt auf die Berufung der Staatsanwaltschaft nicht einge­treten
  werde.

  
	
   

  
	
       d) An der mündlichen Berufungsverhandlung
  vom 19. Juni 2015 wurde zunächst der Beschuldigte S.Y. zu den Tatvorwürfen
  befragt. Anschliessend erfolgten die Plädoyers der Parteivertreter zur Sache.
  Es wird hierzu auf das Handprotokoll des Gerichtsschreibers verwiesen (OG
  act. 19), wobei die Befragung des Beschul­digten sowie das Plädoyer
  seines Rechtsvertreters zusätzlich mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet
  wurden (OG act. 18). Am 10. Juni 2016 fällte das Obergericht seinen
  Entscheid (act. OG 22). Dieser wird schriftlich eröffnet, nachdem
  die Parteien auf eine mündliche Urteils­bekanntgabe ausdrücklich verzichtet
  haben (Art. 84 Abs. 3 StPO; act. OG 19 S. 56).

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  Materielle
  Ausführungen zu den einzelnen Anklagepunkten

  
	
   

  
	
       A.—    Fahrlässige
  Brandverursachung, eventualiter vorsätzliche Brandstiftung

  
	
   

  
	
       Die Staatsanwaltschaft wirft in der Anklage
  (act. 2) dem Beschuldigten S.Y. vor, er habe am 4. November 2009
  zumindest fahrlässig, eventuell sogar vorsätzlich den Brand des Hotels
  „Alpenblick“ herbeigeführt. Der Beschuldigte selber bestreitet jegliche
  Beteiligung und Schuld am Brandereignis.

  
	
   

  
	
       Vorliegend bestehen für die in der Anklageschrift
  behauptete Täterschaft des Beschuldigten keine direkten Beweise; die Anklage
  stützt den Tatvorwurf aus­schliesslich auf Indizien. Nachfolgend sind daher
  zunächst die in der Untersuchung erhobenen sachverhaltsrelevanten
  Begebenheiten darzulegen (E. 1.1.‑1.10.). Hernach ist zu
  beurteilen, ob gestützt auf die Untersuchungsergebnisse der Anklagevorwurf
  einer vorsätzlichen Brandstiftung (unten E. II. 2.) oder zumindest
  der fahrlässigen Brandverursachung (unten E. II. 3.) begründet ist.

  
	
   

  
	
       1.1.—  Betriebliche Aktivitäten im Hotel
  Alpenblick vor dessen Versteigerung im                  August 2009

  
	
   

  
	
       Im Juli 2008 wurde über die Hotel Alpenblick
  Braunwald AG, der damaligen Eigentümerin des Hotels Alpenblick, der Konkurs
  eröffnet (act. II/352), worauf der Hotelbetrieb kurz danach eingestellt
  wurde (act. I/86 Ziff. 9; act. V/22 unten). Während der
  folgenden Wintersaison 2008/09 führte die Klausen Resort Manage­ment AG
  lediglich noch das Restaurant im Parterre sowie die Bar im Kellergeschoss des
  Hotelgebäudes; hierzu schloss die Klausen Resort Management AG mit dem
  Konkursamt des Kantons Glarus einen befristeten Mietvertrag ab. Die Mieterin
  konnte dabei auch die Wäscherei im westlichen Teil des Kellergeschosses
  benutzen (act. II/352). Geschäftsführer der Klausen Resort Management AG
  war S.M., wobei die erwähnte Gesellschaft daneben das Hotel Waldhaus in
  Braunwald leitete und im Übrigen das Hotel Alpenblick schon im letzten Jahr
  vor dem Konkurs geführt hatte. Nach Ablauf des Mietvertrags im Frühjahr 2009
  schaute S.M. im Auftrag des Konkursamtes weiterhin zum Rechten in den
  Räumlichkeiten des „Alpenblicks“ und konnte dafür im Gegenzug die Wäscherei
  weiterbenutzen (act. I/87 Ziff. 10 f.; act. V/22). Ferner
  waren zwei Zimmer im Parterre und im 1. Stock des Hotels einem Arzt aus
  Linthal für seine regelmässigen medizinischen Einsätze in Braunwald vermietet
  (act. II/353).

  
	
   

  
	
       1.2.—  Versteigerung des Hotels

  
	
   

  
	
       a) Am 19. August 2009 gelangte das
  siebengeschossige Hotelgebäude (dazu act. II/372) zusammen mit dem
  nahegelegenen Personalhaus zur konkursamtlichen Versteigerung. Die Schätzung
  des Konkursamtes für die Gebäulichkeiten inkl. Zubehör belief sich auf rund
  Fr. 1,5 Mio. (siehe dazu act. I/323 S. 1 unten). Die Basler
  WIR-Bank Genossenschaft war Hypothekargläubigerin der Konkursitin, wobei die
  Hotelliegenschaft konkret mit knapp Fr. 1,9 Mio. belehnt war (siehe
  act. I/271 oben; ferner act. I/327 S. 2 f. sowie
  act. III/632 S. 7). Im Hinblick auf die Versteigerung unterbreitete
  die WIR-Bank dem Konkursamt des Kantons Glarus vorgängig ein schriftliches
  Steigerungsangebot in Höhe von Fr. 2‘414‘000.‑ (act. I/323 S. 3
  [Fr. 2,4 Mio. für das Hotel; Fr. 14‘000.‑ für das
  Personalhaus]). Gemäss Angabe von I.V., dem damaligen
  Verwaltungsratspräsidenten der Konkursitin, soll die WIR-Bank bei vorherigen
  Sanierungsbemühungen keine Bereitschaft gezeigt haben, einen namhaften Teil
  ihrer Hypothekarforderung abzuschreiben; die WIR-Bank habe ihm gegenüber
  [I.V.] erwähnt, „dass sie noch nie in Liegenschaften etwas abgeschrieben
  hätten und es auch in diesem Fall nicht tun würden“ (act. I/270 unten
  und act. I/271 oben).

  
	
   

  
	
       b) Der Beschuldigte S.Y. erklärte in der
  Untersuchung sowie vor Ober­gericht, dass die WIR-Bank ihn auf das ihm bis
  dahin unbekannte Hotel Alpenblick und die bevorstehende Versteigerung
  aufmerksam gemacht habe. Er [S.Y.] führe seit etwa 2006/07
  Gebäuderenovationen „im grossen Stil“ durch; daher habe eine geschäftliche
  Beziehung zur WIR-Bank vorbestanden. Sogleich habe ihn das Vorhaben einer
  Sanierung des „Alpenblicks“ fasziniert, zumal er die „Idee eines Hotels in
  der Schweiz“ schon länger verfolgt habe, sei doch ein solches Objekt für
  Personen, die wie er aus der Türkei stammten, mit grossem Prestige verbunden;
  auch habe er der WIR-Bank zeigen wollen, dass er in der Lage sei, ein Hotel
  zu sanieren (act. I/4 Ziff. 7-9; act.  OG 19 S. 5
  unten und S. 6; act. I/5 Ziff. 15). Von der WIR-Bank habe er
  gewusst, dass diese den „Alpenblick“ selber ersteigern würde, falls an der
  Versteigerung nicht ein Kaufangebot in Höhe von mindestens 1,9 Mio.
  gerufen werde (act. I/31 Ziff. 10).

  
	
   

  
	
       c) Anhand der Akten ist erstellt, dass S.Y.
  am 17. August 2009, also zwei Tage vor der konkursamtlichen Gant, mit
  der WIR-Bank einen hypothekarisch abge­sicherten Darlehensvertrag über
  Fr. 1,9 Mio. abschloss zum Zweck, das Hotel Alpenblick zu erwerben
  (act. I/318). S.Y. verfügte damit im Hinblick auf die konkursamtliche
  Versteigerung über eine verbriefte Finanzierungszusicherung der WIR-Bank
  (siehe act. I/313).

  
	
   

  
	
       d) Die konkursamtliche Versteigerung des
  „Alpenblicks“ am 19. August 2009 ging innert weniger Minuten über die Bühne.
  Unmittelbar vor der Steigerung zog der Vertreter der WIR-Bank (siehe dazu
  auch act. I/272 unten) das ursprüngliche Kauf­angebot (zuvor
  E. 1.2. Bst. a) zurück (act. I/323 S. 3 Mitte und
  S. 4). In der Folge nannte S.Y. sogleich sein Gebot über Fr. 1,9
  Mio., worauf kein höherer Ruf mehr erfolgte, so dass der Zuschlag auf ihn
  fiel (act. I/323 S. 4). In der Untersu­chung erwähnte S.Y., dass er
  in Kenntnis der Strategie der WIR-Bank [mindestens Fr. 1,9 Mio.,
  andernfalls die Bank selber in die Steigerung eingreifen würde] augenblicklich
  ein Angebot in dieser Höhe platziert habe, um den anderen Anwesenden „einen
  Schock zu versetzen“; er habe gar nicht erst Emotionen aufkommen und so das
  Risiko eingehen wollen, dass er noch überboten werde (act. I/5
  Ziff. 15; act. I/31 Ziff. 10-12). Die Überrumpelung ist ihm
  offenkundig gelungen; jedenfalls liegt von I.V., welcher auch am Objekt
  interessiert war, die protokollierte Aussage vor, wonach die damals
  anwesenden ca. 30 Personen alle sprachlos gewesen seien (act. I/272
  unten).

  
	
   

  
	
       e) S.Y. war beim Erwerb des Hotels bekannt,
  dass sich dieses in Braun­wald in einem Rutschgebiet befindet. Er erachtete
  diesen Umstand allerdings nicht als gravierend, denn schliesslich stamme er
  vom Schwarzen Meer, wo solche Rutschungen ebenfalls aufträten. Zudem würde
  das Gelände, wie er vorgängig abgeklärt habe, pro Jahr nur gerade um einen
  Zentimeter rutschen, so dass das Hotel noch 100 Jahre stehen würde
  (act. I/5 Ziff. 16; act. I/21 Ziff. 13).

  
	
   

  
	
       1.3.—  Gebäude- und Mobiliarversicherung
  sowie Bauwesenversicherung

  
	
   

  
	
       a) Nach dem Konkurs der Hotel Alpenblick AG
  im Juni 2008 hatte das Konkurs­amt des Kantons Glarus den ganzen
  Gebäudekomplex bei der AXA Winterthur Versicherung zu einem Wert von
  Fr. 10,533 Mio. gegen Elementarschäden versi­chert; der Vertrag hatte eine
  Laufzeit bis Ende 2009 (act. II/329). Nach der Erstei­gerung des Hotels
  hat S.Y. die betreffende Police gekündigt (act. II/345) und bei der
  Zürich Versicherung im September 2009 einen neuen Vertrag mit einer
  Deckungszusicherung in Höhe von Fr. 10,5 Mio. abgeschlossen
  (act. II/334 [Police „Business Immobilien“]). Ferner hat er das
  Hotelinventar ebenfalls bei der Zürich Versicherung zu einem Wert von
  Fr. 1 Mio. versichert (act. II/338 [Police „Business Sach“). Am
  24. November 2009 machte S.Y. gegenüber der Zürich Versiche­rung eine
  Schadensanzeige und meldete damit seine Ansprüche aus den vorge­nannten
  Policen an (act. II/343). In einem Schreiben vom 21. Dezember 2010
  [recte: 2009] an die Zürich Versicherung bezifferte er allein den
  Mobiliarschaden auf knapp Fr. 890‘000.‑ (act. II/490); in der
  nachfolgenden Untersuchung konnte ermittelt werden, dass vereinzelte
  Gegenstände in einem Gesamtwert (Listenpreise) von rund Fr. 65‘000.‑
  als verbrannt gemeldet wurden, obschon sie lange vor dem Brand noch durch das
  Konkursamt ausgesondert bzw. verkauft worden waren (siehe dazu act. I/1
  S. 13 unten und S. 14 oben).

  
	
   

  
	
       b) Für die Dauer der Sanierungsarbeiten im
  Hotel Alpenblick schloss S.Y. bei der Zürich Versicherung zudem eine
  Bauwesen- und Bauherrenhaftpflicht-Versi­cherung ab; konkret versichert wurde
  eine Bausumme von Fr. 2 Mio. (act. II/342 Police „Business
  Bau“). Beantragt wurde der Abschluss dieser Versicherung von P.M., dem
  Versicherungsberater von S.Y. (act. I/6 Ziff. 20; act. I/76
  Ziff. 104; act. I/262 Ziff. 6). Im Antragsformular hat P.M.
  die Frage, ob sich die Hotelliegenschaft in einem Rutschgebiet befinde, mit
  „Nein“ beantwortet (act. II/ 341 S. 2). Tatsächlich aber befindet
  sich das Grundstück in einem Rutschgebiet (act. I/268 Ziff. 36),
  worauf namentlich auch in den Steigerungsbedingungen hingewiesen worden war
  (act. I/322 S. 6 Ziff. 21). Der Beschuldigte S.Y. erklärte in
  der Untersuchung gegenüber der Polizei, dass er das Antragsformular nicht
  selber ausgefüllt habe und P.M. von dieser Begebenheit mutmasslich keine
  Kenntnis gehabt habe (act. I/21 f. Ziff. 15 f.).
  Anlässlich einer Befragung durch die Versicherung räumte der Beschuldigte
  aber immerhin ein, dass er das von P.M. ausgefüllte Antragsformular
  persönlich unterzeichnet habe (act. I/80Ziff. 124).

  
	
   

  
	
       1.4.—  Sanierung des Hotels Alpenblick

  
	
   

  
	
       1.4.1.— a) Der Beschuldigte S.Y.
  führte in der Untersuchung aus, dass unter seiner Anleitung anfangs Oktober
  2009 die Renovationsarbeiten im Hotel Alpenblick in Angriff genommen worden
  seien; die elsässische Firma MSA – nach eigener Darstellung spezialisiert auf
  Maler-, Dekorations- und Renovationsarbeiten (siehe act. II/349/2) –
  habe die benötigten Arbeiter gestellt. Bis auf etwa 20 Zimmer, welche
  bereits vor der Versteigerung des Hotels renoviert worden waren, sollten alle
  übrigen Zimmer sowie der Eingangsbereich und das Treppenhaus zumindest sanft
  erneuert werden. Hierzu wurden teilweise die Decken herausgebrochen, Tapeten
  von den Wänden gelöst, Schilfwände beseitigt und Teppiche entfernt. Die
  Matratzen aus den Zimmern wurden zum Entsorgen im Empfangsbereich des Hotels
  in der Nähe der Rezeption gestapelt (act. I/8 ff. Ziff. 29‑39;
  act. I/19 Ziff. 3; act. I/35 Ziff. 27; siehe auch
  act. I/88 f. Ziff. 21‑26 sowie act. I/311
  Bildbeilagen 3‑8, ferner act. I/1 S. 18 f.;
  act. I/52 f. Ziff. 39; act. V/25 unten und act. V/6
  unten). Die Renovations­arbeiten gingen ohne eigentliches Sanierungskonzept
  vonstatten; der Beschuldigte erwähnte, es habe keine Baupläne gegeben, man
  habe „immer Stück für Stück geschaut“ (act. I/9 Ziff. 34; siehe
  auch act. I/52 f. Ziff. 39). Zwar habe er [der Beschuldigte]
  zuhanden der Bank [WIR-Bank] eine Kostenkalkulation erstellt, wisse aber
  nicht, ob er diese auch tatsächlich weitergleitet habe. Mündlich habe er
  gegenüber der Bank die mutmasslichen Renovationskosten auf Fr. 1‑1,5
  Mio. beziffert, doch denke er, dass er den Umbau auf seine Art [„mit meiner
  Methode“] für Fr. 600‘000.‑ hätte erledigen können (act. I/33
  Ziff. 20). In einer E-Mail vom 13. Oktober 2009 an die WIR-Bank,
  teilte der Beschuldigte mit, aktuell seien 10 Personen im „Alpenblick“
  mit Abriss- und Aufräumarbeiten beschäftigt. Es gebe bereits vier
  Pachtinteressenten. Einen Sanierungsplan werde man in Absprache mit dem neuen
  Pächter erstellen. Schon jetzt sei aber sicher, dass 36 Zimmer
  totalrenoviert sowie die Heizungsanlage, die Fassade und das Treppenhaus
  erneuert würden (act. II/488). Zur Finanzierung habe er sich
  vorgenommen, von C.K. [VR-Präsident der C.K. Generalunternehmung AG]
  Fr. 250‘000.‑ auszuleihen; ferner wären Geldgeber aus der Türkei
  bereit gestanden, wo er zudem selber ebenfalls Immobilien besitze, welche er
  hätte belehnen können (act. I/34 Ziff. 22 f.). Vor Obergericht
  gab der Beschuldigte eine weitere Version zu Protokoll: Er habe von einem
  türkischen Unternehmer gewusst, welcher in der Schweiz ein Hotel zum Kauf
  gesucht habe. Es sei daher für ihn auch eine mögliche Variante gewesen, den
  „Alpenblick“ für ca. Fr. 3 Mio. zu renovieren und hernach für
  Fr. 5,5 Mio. an jenen Unternehmer zu veräussern (act. OG 19
  S. 8 unten). Nach der Vorstellung des Beschuldigten („ich hatte im
  Kopf“) sollte das Hotel im Sommer 2010 wieder eröffnet werden (act. I/8
  Ziff. 26; siehe dazu auch act. I/93 Ziff. 46). Konkret
  vertraglich fixiert war seit Mitte Oktober 2009, dass das Restaurant im Hochparterre
  zusammen mit der Bar im Kellergeschoss (siehe dazu act. I/311 S. 4
  Ziff. 4.1) bereits am 15. Dezember 2009 geöffnet und während der
  Wintersaison 2009/10 wie schon im Vorjahr von der Klausen Resort Management
  AG betrieben würde (act. II/351 f.; act. I/8 Ziff. 27;
  act. I/10 Ziff. 37; act. I/86 Ziff. 9; act. I/93
  Ziff. 46). Gesichert ist sodann, dass der Beschuldigte anfangs Oktober
  2009 den Öltank des Hotels mit 10‘000 Liter Heizöl auffüllen liess (act. III/612;
  act. I/20 Ziff. 8; act. I/117 Ziff. 19).

  
	
   

  
	
       b) Aktenkundig ist, dass die Firma MSA Ende
  Oktober dem Beschuldigten bzw. der C.K. Generalunternehmung AG eine Forderung
  von knapp Fr. 50‘000.‑ in Rechnung stellte; demnach sollen im
  Oktober 2009 fünf Mitarbeiter der MSA im Hotel Alpenblick während
  18 Tagen insgesamt 720 Stunden gearbeitet haben
  (act. II/349/4). Ferner ist gesichert, dass ein hiesiges
  Transportunternehmen im Oktober 2009 insgesamt 19 Kippmulden mit
  Ausbruchmaterial und teilweise Mobiliar entsorgt hat (act. III/163;
  siehe hierzu auch act. I/10 Ziff. 38 und act. I/89
  Ziff. 23 f.). Auf Fotos, welche wenige Tage vor dem Brandfall
  aufgenommen worden waren, ist zu erkennen, dass im Bereich der Hotellobby
  mindestens 60 Matratzen aufgestapelt waren (act. I/311 Bildbeilagen 5
  und 6; siehe auch act. III/603 S. 3). S.M. erwähnte als
  Auskunftsperson, dass in der Eingangshalle gar eine wesentlich grös­sere
  Menge von etwa 130 Matratzen deponiert gewesen sei, was der damaligen
  Anzahl von Betten im Hotel entsprochen habe (act. I/89 Ziff. 22;
  act. I/103 f. Ziff. 25 f.).

  
	
   

  
	
       1.4.2.— a) Bei den
  Sanierungsarbeiten im Hotel Alpenblick wurden unter anderem Bodenteppiche
  herausgerissen; die Entfernung der Kleberesten erfolgte dabei mithilfe von
  chemischen Lösungsmitteln (act. I/101 Ziff. 13; act. I/104 Ziff. 29;
  act. I/159 Ziff. 49). Rund eine Woche vor dem Brandereignis führten
  der Beschul­digte S.Y. und vier Begleitpersonen mehrere Plastikkanister mit
  sich, als sie bei der Talstation in Linthal die Bahn nach Braunwald bestiegen
  und dabei von einer Überwachungskamera gefilmt wurden
  (act. III/608 f.); der Beschuldigte hat in der Untersuchung
  bestätigt, dass die transportierten Kanister Lösungsmittel ent­halten hätten
  (act. I/27 Ziff. 10). Bei den Akten befindet sich zudem eine
  Rechnung, wonach Ende Oktober 2009 50 Liter Reinigungsmittel
  (Wasserstoffsuperoxyd, Terpentinersatz, Nitro-Verdünner; siehe
  act. III/605) beschafft wurden. Die betref­fenden Substanzen sind
  bekanntermassen alle leicht entzündlich. Gelagert waren die Lösungsmittel vor
  Ort im Hotel Alpenblick im Parterre hinter der Rezeption (act. I/16
  Ziff. 68; act. I/171 Ziff. 29 f.; act. I/90
  Ziff. 31).

  
	
   

  
	
       b) Gemäss den Erhebungen in der
  Untersuchung führte ab Anfang Oktober eine Handvoll Arbeiter der
  französischen Firma MSA (und/oder der Firma Artemis; siehe act. I/152
  Ziff. 3) im Hotel Alpenblick Räumungs- und Ausbrucharbeiten aus
  (act. II/349/4; act. I/8 f. Ziff. 29-33;
  act. I/214 f. Ziff. 12). Vor Ort wurden die Arbeiter in erster
  Linie vom Beschuldigten persönlich unterwiesen, welcher „fast alle zwei Tage“
  anwesend war und jeweils auch selber ganztags mitarbeitete (act. I/9
  Ziff. 34; act. I/69 Ziff. 60; act. OG 19 S. 9
  unten). Faktisch hatte der Beschuldigte die Funk­tion des Bauleiters inne und
  wurden die einzelnen Arbeiten jeweils von ihm angeordnet (act. I/19
  Ziff. 3; act. I/69 f. Ziff. 63-69; act. I/116
  Ziff. 12; act. V/8). Bei Abwesenheit des Beschuldigten gingen die
  Renovationstätigkeiten unter der Aufsicht von S.S. vonstatten, bei dem es
  sich soweit aus den Akten ersichtlich um den Inhaber der Firma MSA und/oder
  der Firma Artemis handelte (act. I/9 Ziff. 34; act. I/54
  Ziff. 47; act. I/152 Ziff. 3; act. I/182 Ziff. 3;
  act. I/198 Ziff. 5; act. I/213 f. Ziff. 3-7;
  act. I/224 Ziff. 3-7; act. V/8).

  
	
   

  
	
       1.5.—  Konkrete Aktivitäten im Hotel am
  Brandtag und an den Tagen zuvor

  
	
   

  
	
       a) Am Sonntag, 1. November 2009, wurde
  das bis dahin eingesetzte Arbeiter­team von Braunwald abgezogen, offenbar
  weil es dem Beschuldigten missfiel, dass die Arbeiter wiederholt mit der
  Braunwaldbahn schwarz gefahren sein sollen (act. I/9 Ziff. 32). Am
  Montag und Dienstag, 2. und 3. November 2009, waren keine Bauleute vor
  Ort (act. I/90 Ziff. 29; act. I/104 Ziff. 29 f.). Am
  Dienstagabend, 3. November 2009, traf der Beschuldigte zusammen mit
  seinem damals 14-jährigen Sohn sowie einem Bekannten, O.A., in Braunwald ein;
  mit ihnen waren vier Arbeiter der Firma MSA und/oder der Firma Artemis
  (act. I/11 Ziff. 41-43; act. OG 19 S. 17). Die
  sieben Personen übernachteten in der Folge in den Räumlichkeiten des Hotels
  Alpenblick (act. I/13 Ziff. 53). Zum Ablauf am Mittwochmorgen,
  4. November 2009, erklärte der Beschuldigte in der Untersuchung, man sei
  kurz vor sieben Uhr aufgestanden. Anschliessend habe er sich mit zwei
  Arbeitern, B.K. und M.O., ins nahegelegene Personalhaus begeben, wo er ihnen
  Malerarbeiten zugewiesen habe. Währenddessen seien Q.A. und H.M., die beiden
  anderen Arbeiter, von O.A. über die im Hotel zu verrichtenden Arbeiten
  instruiert worden. Konkret sollten sie im Treppenhaus den Bauschutt
  beseitigen sowie im Parterre im Restaurantbereich mit Lösungsmitteln
  Teppichreste abschaben (act. I/11 f. Ziff. 45 f.,
  Ziff. 48; act. I/27 Ziff. 10; act. I/36 Ziff. 30;
  ferner act. I/55 Ziff. 53, act. I/70 Ziff. 67 sowie act. I/200
  Ziff. 16 und act. I/1 S. 19). Nach Erteilung der Arbeitsaufträge
  verliess der Beschuldigte kurz vor 08.00 Uhr gemein­sam mit seinem Sohn und
  O.A. Braunwald mit der Bahn in Richtung Tal (act. I/13
  Ziff. 54 f.). Derweil fanden sich die zurückgebliebenen vier
  Arbeiter zum gemeinsamen Frühstück im Hotel ein und machten sich hernach um
  ca. 08.15 Uhr ans Werk (act. I/218 Ziff. 29; act. I/158
  Ziff. 45; act. I/188 Ziff. 42). Anzufügen ist, dass gemäss den
  Angaben der Arbeiter in der Untersuchung bereits im Voraus vom Firmenchef
  S.S. bestimmt worden war, wer in Braunwald im Hotel und wer im Personalhaus
  zu arbeiten habe (act. I/159 Ziff. 47; act. I/168 f.
  Ziff. 14; act. I/214 Ziff. 9; act. I/225 Ziff. 9).

  
	
   

  
	
       b) aa) Die am Mittwoch,
  4. November 2009, im Hotel Alpenblick eingesetzten Arbeiter Q.A. und
  H.M. gaben in der Untersuchung zu Protokoll, dass sie an jenem Vormittag zu
  keinem Zeitpunkt im Parterre (Restaurant, Rezep­tion) tätig gewesen seien.
  Sie hätten gemeinsam in einem Hotelzimmer im dritten bzw. in einem oberen
  Stockwerk gearbeitet; konkret hätten sie mit Schaber und Spachtel Tapeten
  weggekratzt sowie Kleberückstände von den Wänden entfernt, welche nach dem
  Ablösen von Wandteppichen zurückgeblieben seien (act. I/153
  Ziff. 9; act. I/158 Ziff. 45; act. I/169 f.
  Ziff. 15-23; act. I/188 Ziff. 43; act. I/199
  Ziff. 10; act. I/201 f. Ziff. 22-27; act. I/203
  Ziff. 33). Dabei hätten sie auch Lösungsmittel verwendet
  (act. I/159 Ziff. 49; act. I/169 Ziff. 19 f.,
  Ziff. 25-27.; act. 171 Ziff. 29; act. I/189 Ziff. 49;
  act. I/202 f. Ziff. 29 f.). Sie hätten gewusst, dass
  weitere Lösungs­mittel in der Nähe der Rezeption deponiert seien
  (act. I/171 f. Ziff. 29-31, Ziff. 35 f.). Q.A.
  bestritt nachdrücklich, dass sie angewiesen worden seien, im Parterre im
  Bereich des Restaurants Teppichreste von den Böden zu lösen (act. I/172 f.
  Ziff. 40-45; act. I/174 Ziff. 49). H.M. dagegen wollte dies
  nicht ausschliessen; dazu seien sie jedoch nicht gekommen und hätten nur in
  einer oberen Etage des Hotels gearbeitet. Er selber sei im Übrigen nicht über
  die konkret vorgesehenen Arbeiten instruiert worden, sondern nur sein Kollege
  Q.A. (act. I/203 Ziff. 33; act. I/204 Ziff. 35;
  act. I/205 Ziff. 40; act. I/207 Ziff. 47; act. I/209
  Ziff. 55).

  
	
   

  
	
       bb) Q.A. und H.M. erklärten, sie hätten
  nach etwa zwei Stunden Arbeit [um ca. 10 Uhr] das Hotel durch den Haupteingang
  bei der Rezeption verlassen, um im nahegelegenen Geschäft Lebensmittel
  einzukaufen (act. I/160 f. Ziff. 53, Ziff. 55 und
  Ziff. 62; act. I/167 f. Ziff. 6-9; act. I/189
  Ziff. 51-53; act. I/200 Ziff. 17). Beim Weggehen hätten sie
  keine Hinweise auf einen Brand bemerkt (act. I/161 Ziff. 60;
  act. I/178 Ziff. 68; act. I/190 Ziff. 60). In der Folge
  seien sie rund 15-20 Minuten weg gewesen; auf dem Weg zurück zum Hotel hätten
  sie dann gesehen, dass dort ein Brand ausgebrochen sei
  (act. I/160 f. Ziff. 64 f.; act. I/177
  Ziff. 62).

  
	
   

  
	
       cc) Gemäss den polizeilichen Abklärungen
  vor Ort beträgt die Wegstrecke vom „Alpenblick“ bis zum Lebensmittelgeschäft
  rund 170 Meter. Diese Distanz lässt sich zu Fuss in gemächlichem Schritt
  in gut zwei Minuten zurücklegen (act. III/610). Überdies sollen sich
  Q.A. und H.M. an jenem Morgen ungefähr fünf Minuten im Einkaufsladen
  aufgehalten haben (act. I/1 S. 39 2. Absatz).

  
	
   

  
	
       c) An dieser Stelle bleibt sodann noch
  Folgendes anzufügen: 

  
	
       aa) Bei ihrer Anreise nach Braunwald am Abend
  des 3. November 2009 wurden Q.A. und H.M. von einer Überwachungskamera
  gefilmt, als sie sich in der Talstation der Braunwaldbahn kurz nacheinander
  auf die Toilette begaben. Anfänglich hatte Q.A. eine Sporttasche um die
  Schulter gehängt; als sie danach wiederum einzeln von der Toilette
  zurückkamen, trug H.M. die Tasche in der Hand (act. I/194 f.). In
  der Untersuchung erklärte Q.A., er habe seine persönlichen Kleider in einer
  Sporttasche mitgeführt und die Tasche nie aus der Hand gegeben (act. I/154 f.
  Ziff. 20 und Ziff. 24). Konfrontiert mit der Video­aufzeichnung
  meinte er, er könne sich diesen Vorgang nicht erklären; sicher aber habe er
  nichts zu verbergen (act. I/155 Ziff. 27). H.M. behauptete
  zunächst, die Tasche, mit welcher er von der Toilette zurückkehrte, habe ihm
  gehört. Als ihm in der Folge die andere Foto gezeigt wurde, auf der Q.A. mit
  derselben Tasche zur Toilette schreitet, habe H.M. gemäss dem befragenden
  Polizeibeamten nervös gewirkt und gemeint, er habe dafür keine Erklärung;
  jedenfalls aber hätten sich in der Tasche die Kleider von Q.A. befunden
  (act. I/184 Ziff. 17-20).

  
	
   

  
	
       bb) Q.A. und H.M. wurden von S.S. [Inhaber
  der Firma MSA und/oder der Firma Artemis] offenbar kurzfristig für den
  Arbeitseinsatz in Braunwald rekrutiert. Sie verfügten über keinen
  schriftlichen Arbeitsvertrag und wussten nur vage Bescheid über die
  Arbeitgeberfirma. Auch konnten sie nicht bestimmt Auskunft geben, wie lange
  sie effektiv in Braunwald hätten bleiben sollen (act. I/152 f.
  Ziff. 3-6, Ziff. 8, Ziff. 10; act. I/155 Ziff. 22;
  act. I/182 f. Ziff. 3-6, Ziff. 9; act. I/184
  Ziff. 15).

  
	
   

  
	
       d) Q.A. und H.M. erwähnten in der
  Untersuchung, dass sie nach ihrer Ankunft im Hotel Alpenblick am 3. November
  2009 im Zimmer geraucht hätten. Auch während der Arbeit am folgenden Morgen,
  als sie im 3. Stock mit dem Abkratzen von Tapeten beschäftigt gewesen
  seien, hätten sie geraucht. Die Ziga­rettenkippen hätten sie entweder in eine
  Toilette geworfen oder auf dem Boden ausgedrückt (act. I/157
  Ziff. 40; act. I/159 f. Ziff. 51; act. I/175
  Ziff. 55; act. I/179 Ziff. 74; act. I/189 Ziff. 50;
  act. I/207 Ziff. 48). Der Beschuldigte S.Y. führte auf die Frage
  nach einer allfälligen Brandgefahr während der Umbauarbeiten aus, dass er
  „einigen Arbeitern“ gesagt habe, dass sie nicht rauchen sollten
  (act. I/19 Ziff. 4). Aus den Akten ergibt sich kein Hinweis darauf,
  dass der Beschuldigte konkret gegenüber Q.A. und H.M. Anweisungen in Bezug
  auf das Rauchen während der Arbeit erteilt hätte.

  
	
   

  
	
       1.6.—  Abschaltung der Brandmeldeanlage

  
	
   

  
	
       a) Im Hotel Alpenblick war eine
  Brandmeldeanlage mit insgesamt 176 Brand­fühlern installiert (act. I/1
  S. 15 Ziff. 5.8). Nach dem Erwerb des Hotels durch S.Y. im August
  2009 überwachte vor Ort weiterhin S.M. von der Klausen Resort Management AG
  in seiner Funktion als „Hauswart“ (siehe dazu act. I/87 Ziff. 14;
  act. I/109 f. Ziff. 57) die Brandmeldeanlage und agierte bei
  Störungen an der Anlage auch als Ansprechperson für die Alarmorganisation
  (Alarmzentrale Certas; siehe dazu act. II/351 ff.). Im Gegenzug
  konnte S.M. bzw. die Klausen Resort Management AG gratis die Hotelwäscherei
  weiterbenutzen (act. I/87 Ziff. 11; act. I/114 Ziff. 7).
  Als bei den Renovationsarbeiten im Eingangsbereich (Hotelhalle) und in
  mehreren Zimmern die Deckenverkleidungen heruntergerissen wurden (siehe
  act. I/1 S. 18; act. I/311 Bildbeilage 4), hingen
  zahlreiche Brandmelder lose an den Kabeln herunter (siehe act. I/1
  S. 20).

  
	
   

  
	
       b) Gemäss den Schilderungen von S.M. kam es
  während der Umbau­arbeiten öfters zu Fehlalarmen, deren Ursache S.M. in der
  baubedingten Staubentwicklung vermutete. Anfänglich habe er dann die Anlage
  jeweils sektoren­weise ausser Betrieb genommen und am Abend wieder
  eingeschaltet. Mit der Zeit aber habe er dies nicht mehr bewerkstelligen
  können, „vermutlich weil ein Melder heruntergerissen war oder so“. Seitdem
  habe die Brandmeldeanlage auf Störung gestanden. In der Folge habe sich die
  Alarmzentrale bei ihm telefonisch gemeldet, weil von der Brandmeldeanlage das
  tägliche Routinesignal ausgeblieben sei. Er [S.M.] habe der Zentrale ausgerichtet,
  dass die Brandmeldeanlage wegen der Umbauarbeiten einstweilen ausgeschaltet
  bleibe und daher keine Signale mehr sende (act. I/91 Ziff. 38;
  act. I/107 f. Ziff. 44-48). In der Untersuchung konnte ermit­telt
  werden, dass S.M. am 3. November 2009, frühmorgens kurz nach 5 Uhr,
  die zentrale Alarmorganisation anrief und die Brandmeldeanlage vorerst einmal
  bis Ende Jahr „abmeldete“ (zum Ganzen act. I/354 f.). S.M. sagte in
  der Untersuchung aus, er habe den Beschuldigten S.Y. über das Ausschalten der
  Brandmeldeanlage informiert und es wäre in der Folge dann dessen Aufgabe als
  Hotelinhaber gewesen, die zuständigen Brandfachstellen darüber zu informieren
  (act. I/109 Ziff. 52-55; act. I/121 ff. Ziff. 3-11).
  S.Y. bestritt jedoch, dass S.M. ihn über die vollständige Ausschaltung der
  Brandmeldeanlage in Kenntnis gesetzt habe; er [S.Y.] habe S.M. als Reaktion
  auf die aufgetretenen Störungen lediglich angewiesen, er solle die Anlage
  jeweils tagsüber ausschalten und abends wieder auf aktiv stellen
  (act. I/14 f. Ziff. 60 und Ziff. 64 f.).

  
	
   

  
	
       1.7.—  Revisionsarbeiten an der
  Braunwaldbahn

  
	
   

  
	
       a) In der betreffenden
  Woche, als das Hotel Alpenblick niederbrannte, waren an der Braunwaldbahn
  Revisionsarbeiten im Gange, weshalb der Bahnverkehr tags­über eingestellt war
  (act. I/35 Ziff. 28; act. I/95 Ziff. 57). Im
  Polizeirapport wird hierzu ausgeführt, dass dieser Umstand „bei einem Brand
  zu Verzögerungen beim Lösch­einsatz der Feuerwehr führte (zusätzliche
  Manpower vom Tal für Löscharbeiten)“ (act. I/1 S. 34 unten).

  
	
   

  
	
       b) Wie sich aus dem Bericht der Feuerwehr
  zum Ablauf des Löscheinsatzes ergibt, ging bei der Feuerwehr am
  4. November 2009 der Alarm um 10.24 Uhr ein. Um 10.30 Uhr war die
  Ortsfeuerwehr von Braunwald mit einem Tanklöschfahrzeug vor Ort. Um 10.36 Uhr
  erfolgte das Aufgebot an die Feuerwehr Grosstal Süd, worauf die Verstärkung
  aus dem Tal um 11.03 Uhr in Braunwald eintraf (act. I/312).

  
	
   

  
	
       1.8.—  Gutachten zur Brandursache

  
	
   

  
	
       Der Wissenschaftliche Dienst der Stadtpolizei
  Zürich führte in seinem Untersu­chungsbericht aus, es sei aufgrund der von
  Anwohnern und Feuerwehrleuten geschilderten Beobachtungen zum Brandverlauf
  sowie anhand des Zerstörungs­bildes davon auszugehen, dass das Feuer im
  Bereich der „Rezeption/Hotelhalle/ Treppenhaus zum 1. Stock“
  ausgebrochen sein müsse (act. I/311 S. 6 Ziff. 5).
  Hinsichtlich der Brandursache schlossen die Polizeiexperten sowohl eine
  natürliche Ursache (Blitzeinschlag, Selbstentzündung) als auch elektrische
  Ursachen (Überstrom, Kriechstrom, schlechte Verbindungen) oder einen technischen
  Defekt an Gerätschaften (Ofen, Lampen, Kochherd, Heizungen, Wärmestrahler)
  aus. Als eher unwahrscheinlich erschien den Experten die Entfachung des
  Brandes durch unsachgemässen Umgang mit offenem Feuer oder Raucherwaren; zwar
  hätten die bis kurz vor Brandausbruch im Hotel anwesenden Handwerker Q.A. und
  H.M. bei ihrer Arbeit offenbar geraucht, doch seien sie gemäss ihrer Dar­stellung
  in einem Zimmer ausserhalb des mutmasslichen Brandherdbereichs tätig gewesen
  (zum Ganzen act. I/311 S. 11 ff. Ziff. 8.1-8.4). Weil
  demnach die Foren­siker keine konkreten Anhaltspunkte für eine technisch oder
  natürlich bedingte Brandursache ausmachen konnten, folgerten sie „unter
  Anwendung des Ausschlussverfahrens“, dass Brandstiftung im Vordergrund stehe.
  Die beiden damals im Hotel beschäftigten Q.A. und H.M. hätten einige Minuten
  vor der Brandentdeckung das Gebäude durch den Haupteingang verlassen, ohne
  dabei aussergewöhnliche Feststellungen gemacht zu haben. Kurze Zeit später
  seien die Fenster geborsten und erste Flammen hätten aus einem Fenster der
  Nordseite (Treppenhaus zum 1. Stock) geschlagen, ehe nur kurz danach
  bereits auch auf der Südseite Flammen festgestellt worden seien. Eine solche
  Brandent­wicklung sei nur als Folge einer Brandlegung im Bereich
  Rezeption/Hotelhalle/ Treppenhaus (siehe dazu den Grundriss des
  Parterregeschosses bei act. I/211) möglich, zumal im Bereich der
  Rezeption mit den dort gelagerten Matratzen genügend brennbares Material
  vorhanden gewesen sei, welches mit oder auch ohne Brandbeschleunigungsmittel
  hätte entzündet werden können (act. I/311 S. 12 f.
  Ziff. 8.5 und Ziff. 9). Der Umgang mit Raucherwaren als
  Brandursache bezeichneten die Experten vom zeitlichen Ablauf der
  Brandentwicklung als unwahrscheinlich, könne jedoch nicht ganz ausgeschlossen
  werden (act. I/311 S. 13 Ziff. 9).

  
	
   

  
	
       1.9.—  Baulicher Zustand des Hotels

  
	
   

  
	
       a) In der Untersuchung wurde bei der
  WIR-Bank der Bericht eines Betriebs­analysten für das Hotelgewerbe aus dem
  Jahr 2006 ediert. In diesem Bericht ist zu lesen, dass das Hotel Alpenblick
  über einen beträchtlichen Investitionsnachhol­bedarf verfüge, vor allem
  hinsichtlich der Hotelzimmer und der Seminarinfrastruktur (act. III/632
  S. 1). Ausserdem stünden die Renovierung der Bodenbeläge in den
  Hotelgängen sowie die Erneuerung der Heizung (damals 25-jährig), der
  Terrasse, der Fenster im Restaurations- und Hotelbereich sowie des Holzbodens
  im Speise­saal an. Ferner sei die Möblierung der Zimmer teilweise in die
  Jahre gekommen und müsse sukzessive ersetzt werden. Der Experte erwog, dass nach
  Beseitigung des Investitionsnachholbedarfs die betriebsnotwendigen
  Ersatzinvestitionen gemäss den branchenspezifischen Richtwerten jährlich eine
  Viertelmillion Franken ausmachen würden (act. III/632 S. 2). Für
  den Experten schien daher fraglich, ob bei einem Verkauf des Hotels ein Erlös
  in Höhe der hypothekarischen Belastung von knapp Fr. 1,9 Mio. erzielt
  werden könne; zu hoch sei der Investitionsnachholbedarf, was sich bei
  Verkaufsverhandlungen negativ auf den Kaufpreis auswirke (act. III/632
  S. 7).

  
	
   

  
	
       b) Ob nach der eben dargelegten
  Zustandsanalyse aus dem Jahr 2006 bis zum Konkurs der früheren Trägerschaft
  des Hotels im Juni 2008 (siehe oben E. II. A. 1.1.) noch namhafte
  Erneuerungen vorgenommen wurden, ist nicht bekannt, darf aber bezweifelt werden.
  Nach Einschätzung von S.M. jedenfalls befand sich das Hotel zum Zeitpunkt des
  Konkurses in einem schlechten Zustand; es sei nichts mehr investiert worden
  (act. V/23). Weil das Hotel zudem in einem Rutschgebiet stand, habe es
  „viele Risse im Haus“ gehabt. Ungefähr die Hälfte der Zimmer [von insgesamt
  rund 50, siehe ganz am Anfang E. I. 1.1.) sei renoviert gewesen.
  (act. V/24); diese Angabe deckt sich in etwa mit den Ausführungen des
  Beschuldigten selber (siehe oben E. II. A. 1.4.1. Bst. a).

  
	
   

  
	
       c) I.V., VR-Präsident der vormaligen
  Eigentümerin des Hotels (siehe oben E. II. A. 1.2. Bst. a),
  erklärte gegenüber der Zürich Versicherung, dass vorab der Zustand der
  Heizungs- und Warmwasseraufbereitungsanlage des Hotels desolat gewesen sei;
  nach dem Konkurs der Hotel Alpenblick Braunwald AG im Juni 2008 hätten daher
  in Absprache mit dem Konkursamt und der WIR-Bank einzig noch das Restaurant
  mit Küche sowie die Wäscherei durch die Klausen Resort Management AG weiter
  betrieben werden können (act. I/271; siehe auch oben E. II. A.
  1.1.). Bei der folgenden konkursamtlichen Versteigerung habe eine
  Interessengruppe, welcher er [I.V.] ebenfalls angehört habe, das Hotel zu
  einem Preis von maximal Fr. 250‘000.‑ erwerben wollen, der
  Beschuldigte S.Y. habe jedoch gleich zu Beginn der Gant Fr. 1,9 Mio.
  geboten (act. I/272).

  
	
   

  
	
       d) Wie bereits weiter oben kurz
  angesprochen (E. II. A. 1.2. Bst. e und 1.3. Bst. b), stand
  das Hotel Alpenblick in einem Rutschgebiet und damit in einer geologisch
  problematischen Zone. In den Steigerungsbedingungen des Konkursamtes wurde
  explizit auf diesen Umstand sowie auf den „allgemein […] schlechten baulichen
  Zustand“ nachdrücklich hingewiesen (siehe act. I/322 S. 6
  Ziff. 21). Als Folge des instabilen Untergrunds wies das Hotelgebäude am
  Gemäuer an verschiedenen Orten erkennbare Risse auf (siehe etwa act. I/1
  S. 11 und S. 13; act. III/604 S. 6).

  
	
   

  
	
       e) In einem Bericht in der Zeitschrift
  „hotelrevue“ vom 18. Dezember 2008 wird ein ortsansässiger
  Bauunternehmer und zugleich Präsident der Sportbahnen Braun­wald AG mit der
  Aussage zitiert, wonach das Hotel Alpenblick kaum Fr. 100‘000.‑
  wert sei. Und ein [damaliger] Besitzer eines anderen Hotels in Braunwald
  lässt verlauten, der Alpenblick sei „ein Fass ohne Boden“, so dass „sich ein
  Investor zweimal [überlegt], ob er Geld in die Hand nimmt“ (zum Ganzen
  act. III/616).

  
	
   

  
	
       1.10.—   Persönlicher Werdegang des
  Beschuldigten und finanzielle Verhältnisse

  
	
   

  
	
       a) Der 1972 in der Türkei geborene S.Y.
  begann nach eigenen Angaben ungefähr 2003 bei der Firma S. in Basel im
  Bereich Gebäudereinigungen und ‑management zu arbeiten und verdiente
  dort monatlich Fr. 8‘500.‑. Er [S.Y.] habe in der Folge für die
  Firma S. zu grosse Aufträge akquiriert, welche die Firma nicht habe stemmen
  können; aufgrund der deswegen angefallenen Konventional­strafen sei die Firma
  Konkurs gegangen. Daraufhin habe er in die Immobilien­branche gewechselt;
  dabei habe er zunächst mit dem Geld seines Vaters, eines früheren Juweliers
  in W./Deutschland, gewirtschaftet. In dieser Phase habe er dann den
  inzwischen 77-jährigen C.K. [VR-Präsident der C.K. Generalunternehmung AG
  C.K.; siehe dazu oben E. II. A. 1.4.1. Bst. a] kennengelernt, einen
  Mann „von alter Schule“, bei dem noch der Handschlag gelte (act. OG 19
  S. 4 f.). Anlässlich einer Befragung vor dem Bezirksstatthalteramt
  Laufen im September 2005 führte der Beschuldigte S.Y. aus, er sei ungefähr
  seit März 2004 für C.K. tätig. Damals habe er [S.Y.] C.K. geraten, er solle
  rund Fr. 6 Mio. in dessen 70 baufälligen Wohnungen und Geschäftslokalitäten
  investieren, um dadurch die Mieteinnahmen um jährlich Fr. 1,7 Mio. zu
  steigern. Zwischen C.K. und ihm gebe es nichts Schriftliches, alles basiere
  auf Vertrauensbasis. Er engagiere sich unentgeltlich für die Liegenschaften
  von C.K.. Seit April 2004 beziehe er von der Arbeitslosenkasse des Kan­tons
  Solothurn monatlich Fr. 6‘000.‑, nachdem er ca. Mitte 2004 nach B.
  in eine Wohnung von C.K. gezogen sei, wo er ab und zu schlafe; mehrheitlich
  aber halte er sich bei seiner Familie (Ehefrau und drei Kinder; siehe act. OG 19
  S. 3 unten) in W./Deutschland auf (siehe zum Ganzen
  act. IV/24 f.).

  
	
   

  
	
       b) Vor Obergericht erklärte der
  Beschuldigte S.Y., seit 2006/07 mache er Renovationen „im grossen Stil“. Er
  besitze inzwischen mehrere Liegenschaften in der Schweiz und versteuere ein
  Jahreseinkommen von Fr. 200‘000.‑ (act. OG 19
  S. 4 f.). Diese Verdienstangabe deckt sich in etwa mit der
  Steuerveranlagung 2007 (act. IV/35). Im März 2010 bezifferte der
  Beschuldigte gegenüber der Polizei sein Einkommen auf Fr. 20‘000.‑
  pro Monat und sein Vermögen, vor allem Liegen­schaften, auf Fr. 1,5
  Mio.; die Schulden (Hypotheken) betrügen Fr. 2,2 Mio., wobei die
  jährlichen Hypothekarzinsen rund Fr. 73‘000.‑ ausmachten
  (act. I/1 Anhang 7). Aktenkundig sind fünf Betreibungen
  (hauptsächlich Steuern) gegen den Beschul­digten aus dem Jahr 2009, wobei
  sich die offenen Forderungen auf rund Fr. 31‘000.‑ beliefen
  (act. I/1 Anhang 2); gegen die Y. Immobilien AG sind für die Jahre
  2008/09 Betreibungen für insgesamt knapp Fr. 49‘000.‑ ausgewiesen
  (act. I/1 Anhang 5).

  
	
   

  
	
       c) Der Beschuldigte S.Y. erwähnte zu seinen
  persönlichen Verhältnissen vor 2002/03 Folgendes (siehe act. IV/24 und
  act. OG 19 S. 3-5): Bis zu seinem 8. Altersjahr habe er in der
  Türkei gelebt; dann hätten seine Eltern ihn nach Deutschland geholt, da sein
  Vater in W./Deutschland ein Juwelier- und Lebens­mittelgeschäft habe. Mit 16
  sei er zurück in die Türkei gegangen, habe dort nach dem Gymnasium ein
  Germanistikstudium begonnen, welches er nach eineinhalb Jahren abgebrochen
  habe. In der Folge sei er, damals knapp 20-jährig, von einer politischen
  Partei in der Türkei angestellt worden. Sechs Monate später sei er zurück
  nach W./Deutschland gezogen. Hier habe er von seinem Vater Geld erhalten, um
  bei der „Eufrat Airlines“ einzusteigen, einer damals im Aufbau befindlichen
  kurdischen Fluggesellschaft mit Sitz in Basel und Düsseldorf. Allerdings habe
  die von der PKK alimentierte Airline rasch Konkurs anmelden müssen, da sie
  von der Türkei keine Flugbewilligungen erhalten habe. Ihm persönlich habe sein
  Engage­ment bei der Airline vorübergehend Probleme mit dem Nachrichtendienst
  einge­tragen. Ab 1993 habe er während 10 Jahren im Vorstand des
  deutsch-türkischen Integrationskomitees mitgewirkt. In dieser Funktion habe
  er im Monat ca. DM 5‘000.‑ verdient, sei aber die ganze Zeit über
  zusätzlich von seinem Vater finanziell unter­stützt worden. Als Vertreter des
  Komitees habe er ganz Europa bereist; während seiner Tätigkeit beim Komitee
  sei er bei zwei Anschlägen angeschossen worden. 2002/03 sei er ca.
  2-3 Monate in psychiatrischer Behandlung gewesen, da er an Paranoia
  gelitten habe.

  
	
   

  
	
       2.—     Würdigung der
  Untersuchungsergebnisse in Bezug auf den Tatvorwurf                  der
  vorsätzlichen Brandstiftung

  
	
   

  
	
       2.1.— a) Eine Brandstiftung im Sinne
  von Art. 221 Abs. 1 StGB begeht und wird mit Freiheitsstrafe nicht
  unter einem Jahr bestraft, wer vorsätzlich zum Schaden eines andern oder
  unter Herbeiführung einer Gemeingefahr eine Feuersbrunst verursacht.

  
	
   

  
	
       b) Beim Vollbrand des Hotels Alpenblick am
  4. November 2009 (siehe die Fotos zum Brandverlauf bei act. I/311)
  handelte es sich um einen bedeutenden Brandfall; für die Löscharbeiten musste
  zur Unterstützung der Feuerwehr gar die Heli Linth aufgeboten werden
  (act. I/312 S. 4). Das Tatbestandsmerkmal der Feuerbrunst gemäss
  Art. 221 Abs. 1 StGB ist damit fraglos erfüllt, liegt doch ein
  entsprechendes Brandereignis vor, sobald sich ein Brand in solcher Stärke
  entfacht, dass er vom Urheber nicht mehr bezwungen werden kann (Weder, in: Donatsch/Flachsmann/
  Hug/Weder [Hrsg.], StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Aufl. 2010,
  Rz. 3 zu Art. 221 StGB). Zudem bewirkte der Brand namentlich für
  die angrenzenden Wohnliegenschaften eine erhebliche Gemeingefahr (siehe zur
  örtlichen Situation bei act. III/610 sowie die Foto bei act. I/1
  S. 9 oben), konnte doch ein Übergreifen des Feuers nur dank des
  Einsatzes der Löschkräfte verhindert werden und mussten die Bewohner der
  betreffenden Wohnhäuser evakuiert werden (siehe dazu act. III/617-622;
  act. I/312 S. 4).

  
	
   

  
	
       2.2.— Die Brandstiftung kann in Allein-
  oder Mitttäterschaft begangen werden; Täter ist ferner aber auch derjenige,
  der einen anderen Menschen als sein willen­loses oder wenigstens nicht
  vorsätzlich handelndes Werkzeug benutzt, um in sog. mittelbarer Täterschaft
  durch ihn die beabsichtigte Brandentfachung ausführen zu lassen (siehe dazu Donatsch, in:
  Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder [Hrsg.], StGB Schweizerisches Strafgesetzbuch,
  18. Aufl. 2010, Rz. 1 und 12 zu Art. 24 StGB). Wer ferner
  einen Dritten zu einer Brandlegung anhält, untersteht als Anstifter der
  gleichen Strafandrohung wie der Täter selber (Art. 24 Abs. 1 StGB).
  Vorliegend vertritt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage den Standpunkt,
  dass anhand der oben dargelegten Sachverhaltsmomente genügend Indizien darauf
  hinweisen würden, dass der Beschuldigte den Hotelbrand, wenn nicht
  unmittelbar selber, so doch wenigstens in mittelbarer Täterschaft oder als
  Anstifter herbeigeführt habe (act. 2 S. 6 oben; act. 25
  S. 10; act. OG 19 S. 31-34). Bevor im Folgenden auf die
  Beweiswürdigung einzugehen ist, bleibt vorweg festzuhalten, dass in der Unter­suchung
  nicht geklärt werden konnte, auf welche Weise der Brand effektiv entfacht
  worden ist, so dass hierüber auch der Anklagevertreter lediglich spekulieren
  kann (siehe act. 2 S. 6 oben und act. 25 S. 15).

  
	
   

  
	
       2.2.1.—      Keine direkten Beweise
  für eine Täterschaft des Beschuldigten

  
	
   

  
	
       a) Nach dem
  Untersuchungsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich
  vom 6. April 2010 steht aufgrund der Abklärungen vor Ort und unter Anwendung
  des Ausschlussverfahrens Brandstiftung als Brandursache „im Vordergrund“
  (act. I/311 S. 13 Ziff. 9). Allerdings können die Experten den
  Umgang mit Raucherwaren als Brandursache nicht ganz ausschliessen, obwohl vom
  zeitlichen Ablauf der Brandentwicklung eher unwahrscheinlich. Denkbar ist für
  die Experten auch, dass der Brand durch die Renovationsarbeiten verursacht
  worden ist, auch wenn hierfür aufgrund der Aussagen der vier Arbeiter keine
  Anhaltspunkte bestehen. Für das vorliegende Verfahren von zentraler Bedeutung
  ist indes, dass der Untersuchungsbericht keine Fakten enthält, die den
  Beschuldigten S.Y. direkt belasten. Namentlich wäre im Falle einer
  Brandstiftung eine Dritttäterschaft nicht ausgeschlossen. Die
  Staatsanwaltschaft räumt denn auch im vorinstanzlichen Plädoyer vom 12. März
  2014 (act. 25 S. 6) selber ein, dass die Ermittlungen „zu keinen
  eindeutigen Erkenntnissen bezüglich der Täterschaft“ geführt hätten. Insofern
  mag auch nicht erstaunen, dass die Anklage dem Beschuldigten eine vorsätzliche
  Brandstiftung nur im Eventualstandpunkt vorwirft (act. 2 S. 6 oben;
  act. 25 S. 9 unten und S. 10 sowie S. 15).

  
	
   

  
	
       b) Die Untersuchung hat keine direkten
  Beweise zutage gefördert, dass der Beschuldigte S.Y. selber den Brand im
  Hotel Alpenblick gelegt hätte. Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs am
  4. November 2009, kurz nach 10 Uhr, hielt sich S.Y. bereits seit rund
  zwei Stunden nicht mehr in Braunwald auf. An jenem Morgen fuhr S.Y. gemäss
  seinen Angaben zusammen mit seinem Sohn und O.A. mit der Bahn kurz vor acht
  Uhr ins Tal nach Linthal hinunter (siehe oben E. II. A.
  1.5. Bst. a). Danach war die Bahn wegen Revisionsarbeiten ausser
  Betrieb (oben E. II. A. 1.7.). Die Untersuchung ergab keine Hinweise
  darauf, dass S.Y. sich am erwähnten Vormittag noch in Braunwald aufgehalten
  hätte; jedenfalls wurde er dort von niemandem mehr gesehen. Sodann wird der
  Beschul­digte auch nicht in irgendeiner Weise von den vier am Morgen vor dem
  Brandaus­bruch mit Renovationsarbeiten beschäftigten Arbeitern belastet.
  Schliesslich liegen auch keine unmittelbaren Anhaltspunkte dafür vor und wird
  in der Anklage auch nicht als mögliche Handlungsvariante geltend gemacht,
  dass der Beschuldigte vor seinem Weggang einen Zeitzünder im Hotel versteckt
  abgelegt hätte, um auf diese Weise einen verzögerten Brandausbruch
  herbeizuführen.

  
	
   

  
	
       2.2.2.—      Keine indirekten Beweise
  für die Täterschaft des Beschuldigten

  
	
   

  
	
       a) Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft
  sollen gemäss Untersuchung zumindest Indizien (indirekte Beweise) den
  dringenden Verdacht begründen, dass der Beschul­digte die Arbeiter vor Ort
  zur Brandlegung angewiesen oder aber im Wissen um ihre fehlende Sorgfalt
  angesichts ausgeschalteter Brandmeldeanlage und herumstehen­der leicht
  brennbarer Materialien damit gerechnet habe, dass sie den Brand aus­lösen würden.
  Zwar fehlten konkrete Aussagen möglicher Mittäter oder Stroh­männer, doch
  obliege es dem Gericht zu prüfen, ob die vorliegende Indizienkette für einen
  Schuldspruch genüge (act. 2 S. 6; act. 25 S. 15;
  act. OG 19 S. 34).

  
	
   

  
	
       b) Die Argumentation der Staatsanwaltschaft
  beschlägt zwei mögliche Begehungsformen: So soll der Beschuldigte entweder
  Mittäter (Drahtzieher im Hintergrund) gewesen sein oder aber als mittelbarer
  Täter gehandelt haben, indem er die eingesetzten Arbeiter quasi als
  willenlose Werkzeuge (Tatmittler) zur Herbei­führung des Brandes benützt
  habe.

  
	
   

  
	
       aa) Nach gefestigter Lehre und
  Rechtsprechung setzt Mittäterschaft nicht in jedem Fall eine physische
  Mitwirkung bei der Tatausführung voraus. Die Beteiligung an der Planung oder
  gar bloss am Entschluss kann für Mittäterschaft bereits genügen. Auf diese
  Weise sollen die eigentlichen Drahtzieher, Hinter- und Dunkelmänner, die
  Schreibtischtäter, der vollen strafrechtlichen Verantwortung zugeführt
  werden. Mittäterschaft ist dann anzunehmen, wenn der betreffende Beteiligte
  zwar nach Entschlussfassung und Planung nicht mehr selber ins Geschehen
  eingreift, aber kraft seiner Beziehung zum oder zu den Handelnden weiterhin
  einen tragenden Einfluss ausübt, etwa dergestalt, dass sie ihm Rechenschaft
  ablegen müssen (Trechsel/Jean-Richard, in: Trech­sel/Pieth
  [Hrsg.], StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 17 vor
  Art. 24 StGB, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
       bb) Als mittelbarer Täter gilt
  demgegenüber, wer die Tat durch einen andern, dessen Willen mit dem seinen nicht
  koordiniert ist, ausführen lässt; in der Formu­lierung des Bundesgerichts:
  „wer einen andern als willenloses oder wenigstens nicht vorsätzlich
  handelndes benützt, um durch ihn die beabsichtigte strafbare Handlung
  ausführen zu lassen“ und dabei „die Herrschaft über den Geschehensablauf“ hat
  (Trechsel/Jean-Richard, a.a.O., N 2 vor Art. 24
  StGB). Angesprochen ist hierbei eine Konstellation, in der jemand als Herr
  eines tatbestandserfüllenden Geschehens erscheint, obwohl er die Tat eben
  nicht in eigener Person begeht. Das hat in der Regel seinen Grund in der
  Unterlegenheit des unmittelbar Handelnden, zumeist in Defiziten seiner
  Verantwortung, die ihn als blosses „Werkzeug“ eines Hintermannes erscheinen
  lassen (hierzu Stratenwerth,
  Schweizerisches Strafrecht, AT I, 4. Aufl. 2011, § 13
  Rz. 20).

  
	
   

  
	
       2.2.2.1.—   Würdigung der
  Indizienlage 

  
	
   

  
	
       a) Ablauf der Versteigerung

  
	
   

  
	
       aa) Ein wesentliches Indiz dafür, dass der
  Beschuldigte mit dem Hotelprojekt in Braunwald keine lauteren Absichten
  verfolgt habe, erblickt die Staatsanwaltschaft darin, dass der Beschuldigte
  an der konkursamtlichen Versteigerung des Hotels gleich auf Anhieb einen
  Preis von Fr. 1,9 Mio. bot, obwohl der amtliche Schätzwert wesentlich
  tiefer lag (act. 2 S. 3; act. 25 S. 14).

  
	
   

  
	
       bb) Von aussen betrachtet, scheint die
  konkursamtliche Versteigerung des Hotels am 19. August 2009 tatsächlich
  eigentümlich verlaufen zu sein. Obwohl die Schätzung des Konkursamtes für die
  Gebäulichkeiten (Hotel und Personalhaus) samt Einrichtungsgegenständen auf
  „lediglich“ rund Fr. 1,5 Mio. lautete, bot der Beschuldigte auf Anhieb
  Fr. 1,9 Mio. Dieses Gebot blieb in der Folge das einzige, womit die Gant
  zur Verblüffung aller Anwesenden bereits nach wenigen Minuten beendet war
  (siehe oben E. II. A. 1.2. Bst. d). In Kenntnis der Hintergründe
  aber lichten sich die Nebel unweigerlich und der ganze Vorgang erscheint als
  durchaus plausibel. Die WIR-Bank als Grundpfandgläubigerin hätte nämlich bei
  einem Preis­angebot unter Fr. 1,9 Mio. in die Versteigerung
  eingegriffen und mitgeboten. Die Bank hatte sich denn auch bereits vor der
  Versteigerung mit dem Beschuldigten auf einen Gantpreis von jedenfalls
  Fr. 1,9 Mio. verständigt und mit ihm vorab einen
  Hypothekardarlehensvertrag in entsprechender Höhe abgeschlossen (oben
  E. II. A. 1.2. Bst. c). Unmittelbar vor der Versteigerung zog dann
  Bank das im Voraus schriftlich eingereichte Steigerungsangebot in Höhe von
  Fr. 2‘414‘000.‑ zurück; im Gantlokal war aber immerhin eine
  Delegation der WIR-Bank anwesend und hätte fraglos mitgeboten, wäre der
  bankintern gesetzte „Richtpreis“ von Fr. 1,9 Mio. nicht gerufen worden
  (oben E. II. A. 2.1. Bst. a-c).

  
	
   

  
	
       cc) Aus objektiver Warte ist der Kaufpreis
  von Fr. 1,9 Mio. soweit ersichtlich als ökonomisch vertretbar zu
  bezeichnen. Der Beschuldigte hatte mit der WIR-Bank das Hypothekardarlehen
  über Fr. 1,9 Mio. zu damals als massvoll zu bezeichnenden Bedingungen
  ausgehandelt. Der vereinbarte Zinssatz betrug 1 % (Fr. 19‘000.‑
  p.a.) und das Darlehen war jährlich um Fr. 76‘000.‑ [nicht
  Fr. 38‘000.‑, wie von der Vorinstanz fälschlicherweise erwähnt;
  act. 42 S. 24 unten] zu amortisieren, wobei die Abzahlungen in
  WIR-Geld zu erfolgen hatten und die erste Semesterrate von Fr. 38‘0000.‑
  per Ende Dezember 2010 fällig wurde (act. I/318). Aus dem
  Darlehensvertrag resultierte somit für den Beschuldigten eine monatliche
  Belastung von knapp Fr. 8‘000.‑ (Fr. 95‘000.‑ / 12).
  Aktenkundig ist, dass die Klausen Resort Management AG, welche das Hotel
  Alpenblick ab November 2007 bis zum Konkurs der Trägergesellschaft im Juli
  2008 betrieb, einen monatlichen Mietzins von Fr. 10‘000.‑ bezahlte
  (act. I/126). Die Miete allein für das Restaurant und die Arzt­praxis
  brachte in der Folge monatlich immerhin noch Fr. 4‘350.‑ ein
  (act. II/352 f.; oben E. II. A. 1.1.). Vor der Vorinstanz
  äusserte der Beschuldigte, dass er nach der Sanierung einen Mietzinsertrag
  von Fr. 10‘000.‑ bis Fr. 15‘000.‑ als realisierbar
  betrachtet habe, andernfalls er das Objekt weiterverkauft hätte (act. 42
  S. 24 oben). Diese Erwartung erscheint nicht von vornherein als realitätsfern.
  Immerhin nämlich war die Klausen Resort Management AG laut Angaben von S.M.
  bereits als mögliche Mieterin des sanierten Hotelgebäudes vorgesehen, wobei
  ein Mietzins von Fr. 14‘000.‑ pro Monat (act. I/94
  Ziff. 50; act. V/24 oben) zur Debatte gestanden habe, mithin
  Fr. 168‘000.‑ im Jahr. Selbst wenn daher der Beschuldigte nach
  seinen Vorstellungen gar noch eine weitere Million Franken in die Sanierung
  investiert (siehe oben E. II. A. 1.4.1. Bst. a) und dabei mit einer
  Verzinsung von 5 % gerechnet hätte (Fr. 50‘000.‑ p.a.), hätte
  ihn eine durchaus noch stemmbare jährliche Gesamtbelastung (ohne
  Rückstellungen) von insgesamt Fr. 145‘000.‑ erwartet
  (Fr. 95‘000.‑ Amortisation und Verzinsung Hypothek +
  Fr. 50‘000.‑ Verzinsung Sanierungskosten).

  
	
   

  
	
       dd) Aus dem Gesagten folgt, dass unter den
  vorliegend gegebenen Umständen die Höhe des vom Beschuldigten für das Hotel
  bezahlten Kaufpreises per se keinen Verdachtsgrund für eine mögliche
  Brandstiftung hergibt.

  
	
   

  
	
       b) Abschluss von Versicherungen (dazu vorne
  E. II. A. 1.3.)

  
	
   

  
	
       Nach der Ersteigerung des Hotels hat der
  Beschuldigte die vom Konkursamt des Kantons Glarus für den ganzen
  Gebäudekomplex bei der AXA Winterthur Ver­sicherung abgeschlossene
  Elementarschadenversicherung in Höhe von Fr. 10,533 Mio. gekündigt und
  bei der Zürich Versicherung einen neuen Vertrag mit einer Deckungszusicherung
  in Höhe von Fr. 10,5 Mio. abgeschlossen (act. II/334, Police „Business
  Immobilien“). Auch dieser Vorgang ist nicht ungewöhnlich, zumal sich die
  Versicherungssumme in gleicher Höhe bewegte. Die beiden zusätzlich bei der
  Zürich Versicherung abgeschlossenen Verträge (act. II/338, „Business Sach“;
  act. II/342 „Business Bau“) betreffen das Hotelmobiliar und die
  Sanierungsarbeiten. Es handelt sich dabei ebenfalls um ein übliches Vorgehen.
  Dass der Beschuldigte gegenüber der Zürich Versicherung die Frage, ob sich
  die Hotelliegenschaft in einem Rutschgebiet befinde, verneinte, ist im
  vorliegenden Zusammenhang irre­levant, da die Frage einzig die Bauwesen- und
  Bauherrenhaftpflichtversicherung betraf.

  
	
   

  
	
       c) Sanierung des Hotels ohne grundlegendes
  Konzept

  
	
   

  
	
       Die oberflächliche, dilettantisch anmutende
  Renovierung des Hotels ohne eigent­liches Sanierungskonzept und die konkreten
  Aktivitäten im Hotel am Brandtag und den Tagen zuvor (siehe vorne E. II. A.
  1.4. und 1.5.) sind für sich allein betrachtet nicht auffällig, mit Ausnahme
  der Lagerung der Lösungsmitteln neben den aufge­stapelten Matratzen. Dass die
  Brandmeldeanlage abgeschaltet worden ist, lässt sich mit den
  Renovationsarbeiten erklären und ist durch S.M. veranlasst worden (dazu vorne
  E. II. A. 1.6.).

  
	
   

  
	
       d) Revision der Braunwaldbahn (dazu vorne
  E. II. A. 1.7)

  
	
   

  
	
       Falls das Ziel
  eines allfälligen Brandstifters darin bestand, das Hotel möglichst
  vollständig zu zerstören, so mag es dem Täter gelegen gekommen sein, dass die
  Braunwaldseilbahn zum Brandzeitpunkt ausser Betrieb war. Dadurch würde sich
  in der Sichtweise des Täters der Einsatz zusätzlicher Feuerwehrleute aus dem
  Tal möglicherweise erheblich verzögern (was dann aber effektiv nicht der Fall
  war). Es ist daher der Umstand, dass damals die Braunwaldbahn saniert wurde,
  durchaus als Indiz für Brandstiftung zu werten. Inwiefern dies aber
  spezifisch den Beschuldigten belasten soll, ist nicht erkennbar und vermag
  auch die Staatsanwaltschaft nicht darzulegen (siehe dazu act. OG 19
  S. 32 Ziff. 5).

  
	
   

  
	
       2.2.2.2.—   Würdigung der
  Indizienlage

  
	
   

  
	
       Würdigt man die Untersuchungsergebnisse, den
  Untersuchungsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich
  vom 6. April 2010 sowie die verschiedenen Indizien gesamthaft, so liegen
  nicht zu unterdrückende Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten vor.
  Zunächst ist die Brandursache letztlich ungeklärt. Zwar steht nach Auffassung
  der Experten im Bericht vom 6. April 2010 Brandstiftung im Vordergrund. Den
  Umgang mit Raucherwaren als Brandursache konnten die Experten jedoch nicht
  ganz ausschliessen. Ihre Schlussfolgerungen beruhen unter anderem auch
  darauf, dass die beiden im Hotel beschäftigten Arbeiter Q.A. und H.M. einige
  Minuten vor der Brandentdeckung das Gebäude durch den Haupteingang verlassen
  hatten und dabei keine ausserge­wöhnlichen Feststellungen gemacht hätten. In
  diesem Zusammenhang kann jedoch nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden,
  dass die beiden Genannten vor dem Brandausbruch als letzte Personen im Hotel
  und dabei womöglich im Eingangsbe­reich mit Arbeiten beschäftigt waren und
  geraucht haben, weshalb ihre Aussagen mit Vorsicht zu würdigen sind. Die
  erläuterten Indizien ergeben insgesamt kein kohärentes Bild, wonach der
  Beschuldigte als Mittäter gehandelt oder die Arbeiter vor Ort als willenlose
  Werkzeuge zur Herbeiführung des Brandes benützt haben könnte. Dem Gericht
  verleiben daher relevante Zweifel, zumal die Täterschaft einer Drittperson
  oder Renovationsarbeiten und Umgang mit Raucherwaren als Brandur­sache nicht
  ganz ausgeschlossen werden können.

  
	
   

  
	
       3.—             Fahrlässige Verursachung
  einer Feuersbrunst

  
	
   

  
	
       3.1.— Wer fahrlässig zum Schaden eines
  andern oder unter Herbeiführung einer Gemeingefahr eine Feuersbrunst verursacht,
  wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art.
  222 Abs. 1 StGB). Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die
  Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt
  oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit,
  wenn der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und
  nach seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12
  Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Herbeiführung einer
  Feuers­brunst setzt somit voraus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung
  einer Sorg­faltspflicht verursacht hat. Für die weiteren
  Tatbestandsvoraussetzungen wird auf die vorinstanzliche E. III. 4./5.
  verwiesen (act. 42 S. 18 – 20).

  
	
   

  
	
       3.2.— Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen
  (act. 42 E. III. 6. S. 20 f.), es sei trotz der
  umfangreichen Untersuchung völlig unklar, wie genau das Feuer entstand. Ohne
  substantiierte Kenntnis des natürlichen Kausalverlaufs, bei dem die Entfa­chung
  des Feuers die zentrale Rolle spiele, könne „jedoch nicht ohne unüberwind­liche
  Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO beurteilt werden, ob das Verhalten
  des Beschuldigten im Hinblick auf diesen Moment, da das Feuer entstanden sei,
  conditio sine qua non war oder nicht“. Es könne nicht einmal festgestellt
  werden, ob überhaupt ein Verhalten des Beschuldigten kausal im Sinne des
  Strafrechts gewesen sei. Weil schliesslich die Brandursache unklar sei, könne
  auch nicht festgestellt werden, wer dafür verantwortlich sei. Entsprechend
  könne man den Brand dem Beschuldigten nicht strafrechtlich anlasten, selbst
  wenn er ein Motiv hätte. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo sei der
  Beschuldigte deshalb auch vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer
  Feuersbrunst im Sinne von Art. 222 StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
       3.3.— Die Beweiswürdigung und die
  Schlussfolgerungen des Kantonsgerichts lassen sich nicht beanstanden. Im
  Untersuchungsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich
  vom 6. April 2010 wird der Brandherd auf den Bereich
  Rezeption/Hotelhalle/Treppenhaus zum 1. Stock festgelegt (act. I/311
  S. 6 Ziff. 5). Nicht zu klären vermochten die Experten aber, wie
  der Brand konkret entstand und was die Ursache war, wobei für sie
  Brandstiftung im Vordergrund steht (vorne E. II. A. 1.8 und
  2.2.1. Bst. a). Selbst wenn man davon ausgeht, der Beschul­digte
  habe mit dem Stapeln der Matratzen im Bereich der Rezeption, mit der Lage­rung
  von Lösungsmitteln, mit der Abschaltung der Brandmeldeanlage, Dulden des
  Umgangs mit Raucherwaren etc. Brandschutzvorschriften verletzt, so kommt ein
  Schuldspruch wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst nicht in
  Frage. Liegt eine Missachtung von Brandverhütungsvorschriften vor, ist aber
  letztlich – wie hier – die Brandursache nicht auszumachen, so kann Art. 222
  StGB mangels nach­gewiesenem Kausalzusammenhang nicht erfüllt sein (BSK-Roelli/Fleischanderl, N 10 zu
  Art. 222 StGB mit Hinweisen). Der Beschuldigte ist daher auch vom
  Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst im Sinne von Art.
  222 StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
       B.—    Tatvorwurf des
  versuchten Betruges

  
	
   

  
	
       1.— Die Staatsanwaltschaft wirft dem
  Beschuldigten in der Anklageschrift vom 26. Juli 2013 vor (act. 2),
  er habe anlässlich der Besprechung mit den Zürich-Versicherungen am 13. April
  2010 eine Inventarliste der HotRest Inventar AG eingereicht. Er selber habe
  nach dem Erwerb der Liegenschaft keine eigene Inven­tarliste erstellt. Bei
  dieser Besprechung habe er bekannt gegeben, dass sich abgesehen von den
  markierten Positionen, welche Zimmermobiliar betroffen hätten, alle im
  Verzeichnis aufgeführten Gegenstände zum Zeitpunkt des Brandes im Hotel
  befunden hätten. Der Beschuldigte wolle all diese Gegenstände nämlich kurz
  vorher im Hotel gesehen haben. Anlässlich einer zweiten Besprechung mit der
  Zürich am 14. Mai 2010 habe er an dieser Version festgehalten. Am 28.
  April 2010 habe im Hotel Waldhaus in Braunwald diverses Mobiliar festgestellt
  und fotografiert werden können, welches im besagten Inventar der HotRest
  Inventar AG aufgeführt und vom Beschuldigten als verbrannt deklariert worden
  sei. Die Abklärungen der Polizei hätten ergeben, dass diese Gegenstände
  bereits im September 2008 vom Konkurs­amt Glarus aufgrund einer
  Freihandverkaufsverfügung aus der Konkursmasse herausgelöst und zu einem
  Preis von Fr. 15‘000.- verkauft worden seien. Diese Gegenstände seien nicht
  dem Brand zum Opfer gefallen. Die entsprechende Schadensdeklaration des
  Beschuldigten (act. I/50 S. 5 ff., insbes. Frage 29) sei daher
  vorsätzlich falsch erfolgt.

  
	
   

  
	
       2.— Die Staatsanwaltschaft umschreibt in
  der Anklage das inkriminierte betrügerische Vorgehen des Beschuldigten im
  Wesentlichen wie folgt (act. 2 S. 8 Bst. c):

  
	
       Im Verzeichnis der HotRest Inventar AG, welches
  der Beschuldigte seiner Versicherung als Grundlage für seine Ansprüche aus
  dem Brandfall eingegeben habe, seien einige Positionen gekennzeichnet. Es
  handle sich dabei um das Mobiliar von 19 Zimmern sowie vom Treppenaufgang vom
  3. in den 4. Stock, das sich gemäss Aussage des Beschuldigten beim
  Brandausbruch nicht mehr im Hotel befunden habe. Bei der Besprechung mit
  seiner Versicherung habe der Beschul­digte ausgeführt, dass sich in der
  Hotelhalle rund 60 Matratzen befunden hätten. Diese Aussage könne aufgrund
  der vorhandenen Fotografien bestätigt werden. Gemäss der Inventarliste hätten
  sich in den angeblich geräumten Zimmern lediglich 33 Matratzen befunden.
  Aufgrund der Inventarliste seien darüber hinaus keine Reservematratzen
  aufgeführt gewesen. Somit ergebe sich der dringende Verdacht, dass nicht nur
  19, sondern deutlich mehr Zimmer leergeräumt gewesen seien. Dieser Verdacht
  werde auch durch die Aussage von S.M. vom 25. März 2010 erhärtet, der
  erklärt habe, kurz vor dem Brand seien praktisch alle Zimmer geräumt gewesen
  (act. I/115 S. 3). Der Beschuldigte habe alle Zimmer mit Möbeln aus der
  Türkei ausstatten wollen. Diese Aussagen würden durch ein E-Mail des
  Beschuldigten an die WIR-Bank, ein Schreiben an die Zürich-Versicherung sowie
  durch seine Aussagen bei der Polizei indirekt bestätigt. Der Beschuldigte habe
  ausgeführt, dass er 36 Zimmer neu ausstatten werde bzw. 50 Zimmer zu einem
  Gesamtpreis von 100‘000 Euro neu möblieren wolle. Aufgrund dieser
  Erkenntnisse aus den Ermittlungen ergebe sich der konkrete Verdacht, dass zum
  Zeitpunkt des Brandausbruchs bereits rund das Doppelte an Zimmerinventar
  entsorgt gewesen sei, als der Beschuldigte gegenüber der Versicherung
  deklariert habe. Dies ergebe je nach Berechnungsart einen Deliktsbetrag
  zwischen Fr. 20‘000.‑ und Fr. 70‘000.‑.

  
	
   

  
	
       Dadurch habe sich der Beschuldigte des versuchten
  Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verb. mit Art. 22
  StGB schuldig gemacht, indem er im Wissen, dass zahlreiche Gegenstände
  aufgrund einer Freihandverkaufsverfügung vor dem Brand aus dem Hotel gebracht
  worden seien, diese Gegenstände gegenüber der Versicherung als zerstört
  deklariert habe, und indem er gegenüber der Versicherung einen Schaden am
  Mobiliar von 14 bis 19 Zimmern deklariert habe, obwohl diese Zimmer vor dem
  Brand bereits geräumt und die Einrichtungsgegenstände entsorgt gewesen seien
  (act. 2 S. 9 Ziff. 1.2.3.).

  
	
   

  
	
       3.— a) Das Kantonsgericht stellte
  fest (act. 42 E. IV. 3.3 S. 34 f.), dass es infolge der
  Freihandverkäufe und Aussonderungen während des Konkursverfahrens zu
  Veränderungen bezüglich des Verzeichnisses der HotRest Inventar AG vom
  19. März 2008 gekommen sei. Diesen Punkt könne man dem Beschuldigten
  vorhalten. Er habe ein Inventar eingereicht, welches vor den
  Freihandverkäufen und Aussonderungen erstellt worden sei. Zu klären bleibe,
  ob der Beschuldigte von diesen Änderungen gewusst habe bzw. hätte wissen
  müssen. Knackpunkt sei das Begleitschreiben der HotRest Inventar AG vom
  25. Januar 2010, welches sie als Beilage zum Inventar zum Neuwert
  verfasst habe. Darin verweise die HotRest darauf, dass ihr als Grundlage das
  Inventar vom 19. März 2008 gedient habe. Dieses Inventar entspreche
  inhaltlich einem allerersten Konkursinventar. Da der Beschuldigte über die
  Freihandverkäufe und Aussonderungen nicht in Kenntnis gesetzt worden sei,
  habe er auch davon ausgehen dürfen, dass die Konkursmasse im Wesentlichen
  unverändert geblieben sei und das Inventar vom 21. Januar 2010 der
  HotRest Inventar AG korrekt sei. Man möge dem Beschuldigten nun vorwerfen, er
  hätte diese Abweichungen bemerken können. Dies sei freilich richtig, ihm
  jedoch nicht mehr anzulasten als der Zürich Versicherung, welche ebenfalls
  über das aktuelle, wenn auch nicht vollständig korrekte Konkursinventar vom
  30. Oktober 2008 verfügt habe. Die Zürich Versicherung hätte also
  ebenfalls bemerken können, dass das vom Beschuldigten mit der Schadensmeldung
  eingereichte Inventar der HotRest Inventar AG nicht mit dem anlässlich der
  Offertstellung deklarierten übereinstimmt. Das Vorgehen des Beschuldigten sei
  unter den gegebenen Umstän­den nicht arglistig. Daran ändere auch nichts,
  dass der Beschuldigte gegenüber der Zürich Versicherung mehrfach bestätigt
  habe, die Sachen vor dem Brand gesehen zu haben. Wenn der Beschuldigte im
  Ergebnis die pauschale Frage der Versiche­rung, ob er alle Gegenstände eines
  101seitigen Inventars gesehen habe, pauschal bejahe und es in Tat und
  Wahrheit vereinzelt Abweichungen gebe, von denen der Beschuldigte nichts
  hätte wissen müssen, so sei kein Vorsatz gegeben. Das Handeln des
  Beschuldigten sei deshalb nicht arglistig gewesen, womit der objektive
  Tatbestand nicht erfüllt sei; zudem habe der Beschuldigte auch nicht
  vorsätzlich gehandelt, zumal er um die Falschheit des eingereichten Inventars
  weder gewusst habe noch hätte wissen müssen.

  
	
   

  
	
       b) Hinsichtlich des Zimmermobiliars ging
  das Kantonsgericht davon aus (act. 42 S. 30 oben), bei
  Brandausbruch seien im Eingangsbereich des Hotels 60 Matratzen gelagert
  gewesen. Es sei soweit ersichtlich sämtliches zu entsorgendes Material via
  Mulde und Bahn ins Tal geführt worden. Was die Möbel anbelange, so könne
  festgestellt werden, dass seitens der Staatsanwaltschaft unbestritten
  geblieben sei, dass insgesamt 19 Mulden zu je 3 m3 entsorgt worden
  seien. Gemäss Rechnung der M.B. AG seien 19 Mulden zu je 4 m3
  entsorgt worden. Dies ergebe ein entsorgtes Volumen von 76 m3.
  Dieses setze sich zusammen aus dem aner­kanntermassen entsorgten Mobiliar von
  19 Zimmern sowie dem Bauschutt der gesamten bis zum Brand erfolgten
  Ausräumarbeiten, in deren Zug Decken, Boden- und Wandteppiche entsorgt worden
  seien. Da erscheine es nicht abwegig, dass die errechneten 76 m3 aus
  nur diesem Abfall bestanden hätten. Die Staatsanwaltschaft habe es
  unterlassen, genau abzuklären, was hier entsorgt worden sei, obwohl dies
  unter den gegebenen Verhältnissen, da der gesamte Bauschutt mit der Bahn habe
  entsorgt werden müssen, gut machbar gewesen wäre.

  
	
   

  
	
       4.1.— a) Die Staatsanwaltschaft hält
  im Berufungsverfahren daran fest (act. OG 19 S. 35 ff.),
  dass das Verhalten des Beschuldigten hinsichtlich der Schadensdeklaration
  beim Zubehör wie auch beim Zimmermobiliar betrügerisch gewesen sei. Der
  Beschuldigte habe die Liegenschaft am 19. August 2009 ersteigert. Auf
  dem von ihm unterzeichneten Steigerungsprotokoll (act. I/323) seien alle
  wesentlichen Punkte aufgeführt, so auch der Hinweis auf das massgebliche
  Inventar und die Steigerungsbedingungen. Der Beschuldigte könne sich also
  nicht darauf berufen, dass er keine Kenntnisse von der massgeblichen
  Inventarliste und beispielsweise den Freihandverkäufen gehabt habe.
  Tatsächlich habe das Konkurs­amt in einem Freihandverkauf am 26. August
  2008 Gegenstände im Betrag von Fr. 15‘000.‑ der Firma K.W. in
  Zürich übereignet. Ausserdem seien aus der ursprünglichen Inventarliste
  Gegenstände im Wert von rund Fr. 49‘000.‑ ausgeson­dert worden,
  auf welche Drittansprüche bestanden, nämlich seitens der Klausen Resort. Auf
  den massgebenden Inventarlisten des Konkursamtes sei dies – im Gegensatz zur
  Ansicht der Vorinstanz – klar erkennbar. Die entsprechenden Bezeichnungen
  seien auf den an der Steigerung aufgelegten Listen ersichtlich. Dessen
  ungeachtet habe der Beschuldigte die Inventarliste der HotRest Inventar AG
  bei der Schadensmeldung unbesehen übernommen. Es sei durchaus nachvoll­ziehbar,
  dass in diesem Zusammenhang einmal etwas übersehen oder falsch interpretiert
  werde. Aber wenn dieses kleine Versehen einen Betrag von mehr als
  Fr. 60‘000.‑ betreffe, so werde dieses Versehen zu einer
  skrupellosen Betrügerei. Daran ändere auch die gutgläubig-naive Beurteilung
  der Vorinstanz nichts. Selbst wenn der Beschuldigte sowohl die gültige
  Inventarliste als auch das von ihm unter­zeichnete Steigerungsprotokoll nicht
  gekannt haben sollte, bleibe die Tatsache bestehen, dass sich die Behauptung
  des Beschuldigten und die Schadensanzeige spätestens am 28. April 2010
  als dreiste Lüge entpuppten, als im Hotel Waldhaus diverses Mobiliar
  festgestellt wurde, welches der Beschuldigte als sein Eigentum und als
  verbrannt bezeichnet hatte, obwohl es freihändig verkauft bzw. ausgeson­dert
  worden war. Mehr noch, der Beschuldigte wolle diese Gegenstände in seinem
  Hotel gesehen haben, obwohl sie unmittelbar nach dem Konkurs, somit fast ein
  Jahr vor der Versteigerung, verkauft worden waren.

  
	
   

  
	
       b) Das Verhalten des Beschuldigten sei als
  arglistig zu bezeichnen (act. OG 19 S. 36 f.). Er habe bei
  seiner Schadenanzeige dem Versicherer eine alte, nicht offizielle
  Inventarliste eingereicht und ganz bewusst darauf verzichtet, die in den
  amtlichen Dokumenten aufgeführte offizielle Inventarliste und die
  verzeichneten Freihandverkäufe sowie Aussonderungen zu erwähnen. Die
  Arglistigkeit liege aber auch darin, dass seine Lügengeschichte, wonach er
  die verbrannten Gegenstände in seinem Hotel gesehen haben will, angesichts
  des Brandschadens gar nicht mehr überprüfbar gewesen sei. Das ganze Konstrukt
  sei durchaus geeignet gewesen, die Versicherung zu täuschen, und zwar mit
  arglistiger Absicht.

  
	
   

  
	
       4.2.— Die Staatsanwaltschaft hält die
  Schadensdeklaration auch bezüglich des weiteren Schadens für betrügerisch
  (act. OG 19 S. 37 f.). Der Beschuldigte habe geltend gemacht,
  beim Brandfall sei mit Ausnahme von 19 bereits leer geräumten Zimmern
  sämtliches Mobiliar verbrannt. Diese Aussagen stünden im Widerspruch zu
  diversen Feststellungen. S.M. habe anlässlich der Befragung vom 25. März
  2010, aber auch bei einer Befragung durch die Zürich-Versicherungen am
  3. Dezember 2009 (act. I/47 S. 4) dargelegt, dass mit Ausnahme
  einiger Zimmer in der 5. Etage alle Zimmer leer gewesen seien. Dass er
  die Aussage am 3. April 2013 relativiert habe, sei nicht nur unerheblich,
  sondern angesichts der vorangegangenen Aussagen und Erkenntnisse in dieser
  Form auch unglaubwürdig. Die Aussagen von S.M. deckten sich mit der Tatsache,
  dass die Arbeiter der MSA seit anfangs Oktober 2009 damit beschäftigt gewesen
  seien, das Hotel leerzuräumen, um es anschliessend zu renovieren. In dieser
  Zeit seien 18 Mischmulden und eine Alteisenmulde mit Sachen aus dem Hotel
  entsorgt worden. Aufgrund der Aussagen von S.M. und gestützt auf
  Fotoaufnahmen seien die meisten Zimmer nicht mehr mit Matratzen bestückt
  gewesen. Die Schadensdeklaration des Beschuldigten stünde aber auch im
  Widerspruch zu eigenen Angaben, so gegenüber der WIR-Bank am 13. Oktober
  2009 und am 18. Dezember 2009 gegenüber der Zürich-Versicherung. Es
  könne keine vernünftige Zweifel mehr daran geben, dass der Beschuldigte seit
  anfangs Oktober 2009 das Hotel systematisch leerräumen liess und dass bis zum
  Brandausbruch die meisten Zimmer, sicher aber mehr als 20 bereits
  leergeräumt gewesen seien. Wenn der Beschuldigte daher gegenüber der
  Versicherung einen erheblich höheren als den effektiv entstandenen Schaden
  geltend gemacht habe, so sei dies mutwillig und arglistig geschehen, zumal er
  das fragliche Mobiliar ohnehin entsorgen wollte (act. OG 19 S. 38).

  
	
   

  
	
       5.— Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich
  des Betrugs schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen andern
  unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung
  von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt
  und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst
  oder einen andern am Vermögen schädigt.

  
	
   

  
	
       Arglist im Sinne des Tatbestands des Betrugs
  gemäss Art. 146 StGB liegt nach ständiger Rechtsprechung vor, wenn der Täter
  ein ganzes Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder
  Kniffe bedient. Arglist wird zudem auch schon bei einfachen falschen Angaben
  bejaht, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich
  oder nicht zumutbar ist oder wenn der Täter das Opfer von der möglichen
  Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraus­sieht, dass dieses die
  Überprüfung der Angaben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses
  unterlassen werde. Der Gesichtspunkt der Überprüfbarkeit der Angaben erlangt
  nach der neueren Rechtsprechung auch bei Lügengebäuden und besonderen
  Machenschaften und Kniffen Bedeutung. Auch in diesen Fällen ist somit das
  Täuschungsopfer zu einem Mindestmass an Aufmerksamkeit verpflichtet (BGE 135
  IV 76 E. 5.2, 128 IV 18 E. 3a, je mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
       Arglist scheidet aus, wenn der Getäuschte den
  Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Dabei
  sind die jeweilige Lage und die Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im
  Einzelfall entscheidend. Rücksicht zu nehmen ist namentlich auf
  geistesschwache, unerfahrene oder aufgrund von Alter oder Krankheit
  beeinträchtigte Opfer oder auf solche, die sich in einem Abhängig­keits- oder
  Unterordnungsverhältnis oder in einer Notlage befinden, und deshalb kaum
  imstande sind, dem Täter zu misstrauen. Auf der andern Seite sind besondere
  Fachkenntnis und Geschäftserfahrung des Opfers in Rechnung zu stellen. Auch
  unter dem Gesichtspunkt der Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des
  Tatbestands indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt
  walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet
  lediglich aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht
  beachtet. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder
  Fahrlässigkeit des Getäuschten, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das
  betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Die zum
  Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opferverantwortung kann
  nur in Ausnahmefällen bejaht werden (BGE 135 IV 76 E. 5.2 mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
       6.1.— a) An der konkursamtlichen
  Versteigerung des Hotel Alpenblick am 19. August 2009 wurde in Bezug auf
  das Zugehör auf eine separate Liste vom 30. Oktober 2008 verwiesen; die
  konkursamtliche Schätzung des Mobiliars belief sich auf Fr. 138‘220.50
  (act 17 S. 2 und Inventarliste im Anhang; ferner act. I/323
  S. 1 unten). In den Strafakten befindet sich noch eine weitere
  Inventarliste datierend vom 18. September 2008 (act. II/378-487).
  Das Konkursamt hatte die darin ver­zeichneten Gegenstände in der Zeit vom 23.
  bis 25. Juni 2008 aufgenommen (siehe act. II/487 oben); das Zugehör
  wurde dabei mit Fr. 138‘220.50, die freien Aktiven mit Fr. 22‘412.‑
  und das Dritt-Eigentum mit Fr. 49‘343.‑ bewertet
  (act. II/486). Am 26. August 2008 verkaufte das Konkursamt
  Gegenstände aus dem Inventar freihändig an die Firma K.W. in Zürich zum Preis
  von Fr. 15‘000.-. (act. II/597). Dass der Beschuldigte von diesem
  Freihandverkauf wusste, ist aufgrund der Akten nicht erstellt, zumal der
  Verkauf zu einem Zeitpunkt stattfand, als der Beschuldigte noch nicht in den
  Erwerb des Hotels involviert war. Die Staatsanwaltschaft wirft dem
  Beschuldigten in der Anklage vor (act. 2 S. 7 Ziff. 1.2.1.
  lit. b), er habe anlässlich der Besprechung mit der Zürich-Versicherung
  am 13. April 2010 eine Inventarliste der HotRest Inventar AG
  eingereicht, auf welcher auch die anlässlich des Freihandverkaufs vom
  26. August 2008 aus der Konkursmasse herausgelösten Gegenstände
  verzeichnet gewesen seien, und erklärt, dass sich abgesehen von den
  markierten Positionen alle im Verzeichnis aufgeführten Gegenstände zum
  Zeitpunkt des Brandes im Hotel befunden hätten. Anlässlich einer zweiten
  Besprechung mit der Zürich Versicherung am 14. Mai 2010 habe er an
  dieser Version festgehalten. Am 28. April 2010 sei im Hotel Waldhaus [in
  Braunwald] diverses Mobiliar vorgefunden worden, welches im besagten Inventar
  der HotRest Inventar AG aufgeführt und vom Beschuldigten als verbrannt
  deklariert worden sei. Die entsprechende Schadensdeklaration erweise sich
  somit nachweislich und vorsätzlich als falsch.

  
	
   

  
	
       b) Hierzu führte der Rechtsvertreter des
  Beschuldigten im Schreiben an das Kantonsgericht vom 19. März 2014 aus
  (act. 31), sein Mandant habe im Vorfeld der Versteigerung die
  Inventarliste des Konkursamtes vom 18. September 2008 erhalten
  (act. II/378-487). Darin seien noch sämtliche Gegenstände des Freihand­verkaufs
  aufgeführt gewesen. Das Konkursamt habe demnach dem Beschuldigten im Vorfeld
  der Versteigerung ein Inventar herausgegeben, das längst nicht mehr aktuell
  gewesen sei, obwohl bereits ein aktualisiertes Inventar vom 30. Oktober
  2008 existiert habe. Dieses Inventar vom 18. September 2008 habe der
  Beschul­digte der Zürich Versicherung weitergeleitet, dort aber die
  Mitteilung erhalten, damit sei der Versicherung nicht gedient, da die
  Gegenstände nach Liquidationswerten aufgeführt seien, die Versicherung sich
  aber auf Neuwerte beziehe. Daraufhin habe der Beschuldigte die HotRest
  Inventar AG beauftragt (siehe act. II/492), den Neu­wert gestützt auf
  die vorhandene Liste des Konkursamtes festzusetzen. Das neu erstellte
  Inventar der HotRest Inventar AG sei dann der Zürich Versicherung anlässlich
  der Schadensmeldung eingereicht worden.

  
	
   

  
	
       c) Diese Sachdarstellung des Beschuldigten
  ist plausibel und lässt sich aufgrund der Akten nicht widerlegen. Es liegen
  keine Anhaltspunkte vor, dass der Beschul­digte vom Freihandverkauf, der rund
  ein Jahr vor der Versteigerung stattgefunden hatte, Kenntnis erhalten hätte.
  Sodann lässt sich auch nicht widerlegen, dass dem Beschuldigten eine nicht
  aktualisierte Inventarliste ausgehändigt wurde. Kommt hinzu, dass das Zugehör
  in beiden Inventarlisten ohnehin identisch mit Fr. 138‘220.50 bewertet
  wurde (vgl. act. I/323 S. 1 und act. II/378-487). Es lässt sich
  daher nicht nachweisen, dass der Beschuldigte der Zürich Versicherung bewusst
  und absichtlich die durch den Freihandverkauf aus der Konkursmasse herausge­lösten
  Gegenstände als Schaden deklariert hat. 

  
	
   

  
	
       6.2.— a) Was das Mobiliar der Zimmer
  und die Matratzen betrifft, wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten
  vor, dass zum Zeitpunkt des Brandaus­bruchs bereits rund doppelt so viel
  Zimmerinventar entsorgt gewesen sei, als er gegenüber der Versicherung
  deklariert habe (im Verzeichnis der HotRest Inventar AG habe er das Mobiliar
  von 19 Zimmern sowie vom Treppenaufgang vom 3. in den 4. Stock als
  entsorgt gekennzeichnet). Dies ergebe je nach Berechnungsart einen
  Deliktsbetrag zwischen Fr. 20‘000.‑ und Fr. 70‘000.‑
  (act. 2 S. 8 unten).

  
	
   

  
	
       b) Aufgrund der Akten lässt sich jedoch
  auch in diesem Punkt nicht rechtsge­nüglich nachweisen, wie viele Zimmer
  tatsächlich schon geräumt waren. Nach Angaben des Beschuldigten waren im
  Eingangsbereich mindestens sechzig Matratzen gestapelt. Die Aussagen von S.M.
  vom 25. März 2010, auf die sich die Staatsanwaltschaft stützt, wonach
  zum Zeitpunkt des Brandausbruchs praktisch alle Zimmer geräumt gewesen seien
  (act. I/115 Ziff. 9), hat dieser anlässlich der Befragung vom
  3. April 2013 erheblich relativiert (siehe insbes. act. V/25 und
  act. V/32). 

  
	
   

  
	
       6.3.— a) Selbst wenn der
  Beschuldigte der Zürich Versicherung bewusst ein veraltetes Inventar
  eingereicht und dabei zu viel verbranntes Mobiliar deklariert hätte, fehlte
  es dennoch am Tatbestandsmerkmal der Arglist. Die Staatsanwalt­schaft wirft
  dem Beschuldigten in der Anklage (act. 2 S. 6 ff.) nicht vor,
  er habe ein ganzes Lügengebilde errichtet oder sich besonderer Machenschaften
  oder Kniffe bedient. Angelastet werden dem Beschuldigten im Ergebnis einzig
  falsche Angaben.

  
	
   

  
	
       b) Bei der Beurteilung der inkriminierten
  Schadensmeldung des Beschuldigten, kann Folgendes nicht ausser Acht bleiben:
  Die Zürich Versicherung schloss kurze Zeit nach der Ersteigerung des Hotels
  mit dem Beschuldigten drei verschiedene Versicherungsverträge ab (Gebäude-
  und Mobiliarversicherung sowie Bauwesen­versicherung). Aufgrund dieser
  Verträge wusste die Versicherung, dass der Beschuldigte das Hotel mit
  Inventar aus einem Konkursverfahren ersteigert hatte und er nun
  beabsichtigte, das Hotel zu renovieren. Für die Ermittlung der Schaden­höhe
  ist daher aufgrund der Fachkenntnis und Geschäftserfahrung der
  Versicherungsgesellschaft davon auszugehen, dass diese sich für die
  Regulierung des Schadenfalles alle notwendigen Unterlagen beschafft,
  namentlich die Konkurs­akten beizieht und Erkundigungen beim Konkursamt
  einholt. Kommt hinzu, dass die Drittansprüche ebenfalls aufgeführt sind im
  Inventar, auf welches die Steigerungs­unterlagen hinweisen. Die Versicherung
  hat denn auch bereits am 16. November 2009 den
  Verwaltungsratspräsidenten der konkursiten Hotel Alpenblick AG
  (act. I/270) und am 3. Dezember 2009 S.M. (act. I/125)
  befragt. Aufgrund des Protokolls der Grundstücksteigerung sowie der übrigen
  Konkursakten wäre für die Versicherung auch sofort ersichtlich gewesen, dass
  noch ein jüngeres, aktuali­siertes Inventar vorhanden sein muss. Aufgrund der
  Bauwesenversicherung war der Versicherung auch bekannt, dass der Beschuldigte
  das Hotel renovieren wird. Es ist daher auch anzunehmen, dass die
  Versicherung nähere Abklärungen zur Anzahl der geräumten Zimmer vornehmen
  würde, was ihr auch zumutbar war. Aufgrund der kurz vor dem Brand erfolgten
  Versicherungsabschlüsse, der Ersteigerung eines stark renovationsbedürftigen
  Konkursobjektes und der polizeilichen Ermittlungen durfte der Beschuldigte
  auch nicht davon ausgehen, dass die Versicherung die Überprüfung der Angaben
  unterlassen werde, noch hat er sie davon abgehalten. Irrelevant ist
  schliesslich im vorliegenden Zusammenhang die vom Beschuldigten verneinte
  Frage, ob sich das Hotel in einem Rutschgebiet befindet, da diese Frage den
  Abschluss der Bauwesenversicherung beschlägt. Der Freispruch des Kantons­gerichts
  in Bezug auf den versuchten Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1
  StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB ist daher ebenfalls zu Recht
  erfolgt. Es kann in diesem Punkt zusätzlich auf die Erwägungen des
  Kantonsgerichts verwiesen werden.

  
	
   

  
	
       C.—    Tatvorwurf der
  Nötigung

  
	
   

  
	
       1.— Die Staatsanwaltschaft wirft dem
  Beschuldigten in der Anklage vor (act. 2 S 10 ff.), er sei am
  17. August 2009 um ca. 19.30 Uhr vor der von ihm verwalteten Liegenschaft
  Viehmarktgasse 7 in Laufen dem Mieter S.W. begegnet, welcher im August 2009
  mit der Mietzahlung in Rückstand geraten sei. Der Beschul­digte habe sich
  nach der ausstehenden Miete erkundigt, S.W. am Kragen gepackt und tätlich
  bedroht. Daraufhin sei der Beschuldigte kurz in einem nebenan­liegenden
  Lebensmittelladen verschwunden. Als er wieder zurückgekehrt sei, habe er S.W.
  mit dem Tod bedroht für den Fall, dass die Miete nicht bis am folgenden Tag
  beglichen sei. Dadurch habe sich der Beschuldigte der Drohung im Sinne von
  Art. 180 StGB und der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in
  Verbindung mit Art. 22 StGB schuldig gemacht.

  
	
   

  
	
       2.— Das Kantonsgericht kam in Würdigung der
  Akten, namentlich der Aussagen der Zeugen S.B. (act. IV/154), G.G.
  (act. IV/157) und S.W. (act. IV/151 ff.) zum Schluss, die
  Aussagen der Beteiligten stimmten zwar nicht im Detail überein. So erwähne
  S.W., der Beschuldigte habe ihn vor Betreten der Nachbarliegenschaft am
  Kragen gepackt, währenddem S.B. und G.G. diesen Vorgang nachher verorten
  würden. Der Beschuldigte räume indes ein, dass seine Hand in Richtung S.W.
  gegangen sei, sei dies nun zum Zweck, ihn am Kragen zu packen oder um ihn von
  sich fernzuhalten. Diese Differenz tue der Glaubhaftigkeit der Aussagen aber
  keinen Abbruch, denn hätten sich die Zeugen untereinander abgesprochen, so
  wäre vor allem die Aussage S.B.s detaillierter. Sie habe sich nämlich an den
  Inhalt der Äusserungen des Beschuldigten überhaupt nicht erinnern können, was
  anders wäre, wenn sie sich mit S.W. abgesprochen hätte. G.G. wiederum habe im
  Ergebnis eine relativ genaue Erinnerung, so sagte er sinngemäss in
  Übereinstimmung mit S.W. aus, der Beschuldigte müsse sich die Finger nicht
  selber schmutzig machen, und für den Fall, dass er morgen sein Geld nicht
  erhalte, habe dies den Tod von S.W. zur Folge. Aufgrund dieser Aussagen war
  für das Kantons­gericht erstellt, dass der Beschuldigte S.W. mit dem Tod
  bedroht hatte, sollte er nicht bis zum Folgetag seine Mietzinsausstände
  begleichen. Der Beschul­digte habe sich mit diesem Verhalten insgesamt der
  versuch