# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 76f7a3d5-4271-59e1-8825-d4357a9e3afc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-08-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 04.08.2008 AC070019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC070019_2008-08-04.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC070019/U/la

Mitwirkende:          die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Bernhard Gehrig, Andreas Do-

natsch, Paul Baumgartner und Reinhard Oertli sowie der juristisch Sekretär

Lukas Künzli

Zirkulationsbeschluss vom 4. August 2008

in Sachen
X.,

Angeklagter und Beschwerdeführer
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt […]

gegen

1. Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,

Anklägerin und Beschwerdegegnerin
vertreten durch lic. iur. Bettina Groth,
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich, Molkenstr. 15/17, Postfach 1233, 8026 Zürich

2. †A.,

bzw. dessen Hinterbliebene:

2.1 AB.,

2.2 AC.,

2.1 – 2.2 vertreten durch Rechtsanwalt […]

2.3 AD.,

2.3 vertreten durch Rechtsanwalt […]

3. B.,

vertreten durch Rechtsanwalt […]

Geschädigte und Beschwerdegegner

betreffend

vorsätzliche Tötung

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil und zwei Beschlüsse des Geschworenengerichts

des Kantons Zürich vom 7. April 2006 (WG060002/U)

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Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom

9. Dezember 2005 wirft dem Beschwerdeführer (zusammengefasst) vor, am

20. Januar 2004 zwischen ca. 0900 und 0930 Uhr A. mit einem Revolver aus ei-

ner Distanz von ca. 30 - 50 cm mit einem gezielten Schuss in die Brust getötet zu

haben. Der Vorfall habe sich in der Wohnung [...] in Z. abgespielt, wo das Opfer

zusammen mit der vom Beschwerdeführer getrennt lebenden Ehefrau B. in einer

Paarbeziehung gewohnt habe.

Das Geschworenengericht sprach den Beschwerdeführer mit Urteil vom

7. April 2006 schuldig der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB und

bestrafte ihn mit 13 Jahren Zuchthaus (unter Anrechnung von 809 Tagen Polizei-,

Untersuchungs- und Sicherheitshaft). Im Zivilpunkt verpflichtete es den Be-

schwerdeführer – teilweise nur dem Grundsatz nach - zu Schadenersatz- und

Genugtuungszahlungen an die Geschädigten (vgl. KG act. 2 S. 94f.). Mit separa-

ten Beschlüssen gleichen Datums befand das Geschworenengericht über die ver-

schiedenen beschlagnahmten Gegenstände und Vermögenswerte (vgl. KG act. 2

S. 97ff., S. 99f.).

2. Dagegen erhob der Beschwerdeführer kantonale Nichtigkeitsbeschwerde,

welche sein amtlicher Verteidiger rechtzeitig angemeldet und begründet hat (vgl.

KG act. 1 und act. 6). Der Beschwerdeführer stellt den Antrag, es seien das Urteil

und die Beschlüsse vom 7. April 2006 aufzuheben und die Sache zu neuer Ent-

scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. KG act. 1 S. 2). Die Vorinstanz

hat auf Vernehmlassung verzichtet (vgl. KG act. 12). Die Beschwerdegegnerin 1

reichte keine Beschwerdeantwort ein. Die Beschwerdegegnerin 2.3 reichte mit

Eingabe vom 26. September 2007 eine Beschwerdeantwort ein, enthielt sich je-

doch ausdrücklich eines Antrages zur Sache (vgl. KG act. 9). Die Beschwerde-

gegner 2.1 und 2.2 reichten mit Eingabe vom 26. September 2007 (KG act. 10)

eine Beschwerdeantwort ein mit dem Antrag, die Nichtigkeitsbeschwerde sei ab-

zuweisen, soweit sie sich gegen Disp.-Ziff. 3.1, 4.1, 4.2 und 7.1 des angefochte-

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nen Urteils richte. Auch die Beschwerdegegnerin 3 reichte mit Eingabe vom

25. September 2007 eine Beschwerdeantwort ein, mit welcher sie die Abweisung

der Nichtigkeitsbeschwerde verlangte (vgl. KG act. 11 S. 2). Die Beschwerdeant-

worten wurden dem Beschwerdeführer mit Präsidialverfügung vom 27. September

2007 (KG act. 13) zur Kenntnisnahme zugestellt.

 II.

1. a) Das eigentliche Tatgeschehen wird in der Anklageschrift folgenderma-

ssen beschrieben:

"[...] Vor diesem Hintergrund fuhr X. am Dienstag, 20. Januar 2004, morgens, mit
seinem Personenwagen unter Mitnahme des mit 6 Patronen geladenen Revolvers
[...], welcher er am 15. September 2003 gekauft hatte, und des seiner Ehefrau
gehörenden Schmucks zu der von ihr und A., mit dessen Tötung er sich zumin-
dest gedanklich seit einiger Zeit befasst hatte, bewohnten Wohnung [...]. Er klin-
gelte zwischen ca. 0900 und 0930 Uhr bei A., der alleine zu Hause war, was der
Angeklagte wusste, an der Hauseingangstüre und bat um Einlass, welcher Bitte
A. nachkam. Im Esszimmer der Wohnung kam es in der Folge zu einer verbalen
Auseinandersetzung, anlässlich welcher sie sich die Schachtel mit dem Schmuck
gegenseitig in die Hände drückten und sich hin und her stiessen. Auf einmal
nahm X. den mitgeführten Revolver aus seiner Jackentasche und schoss aus ei-
ner Distanz von ca. 30 - 50 cm bewusst und gewollt A. gezielt in die Brust, um ihn
zu töten, wodurch A. einen Rumpfsteckschuss erlitt, welcher die Lunge und die
Leber verletzte. A., der nicht sofort an den Folgen der Schussverletzung starb,
setzte sich zur Wehr und griff nach der Schusswaffe, wodurch zwischen dem An-
geklagten und dem Opfer im Korridor ein Gerangel entstand, wobei sie sich in
Richtung Küche bewegten, und schliesslich zu Boden fielen. Während dem Ge-
rangel lösten sich aus der Waffe drei bis vier Schüsse und A. gelang es, eine Fla-
sche zu ergreifen und damit dem Angeklagten gegen den Kopf zu schlagen. Als
die Kräfte von A. schliesslich nachliessen, bat er den Angeklagten, nicht mehr zu
schiessen, und schloss sich hernach in einem Büro ein. X. wischte die Blutspuren
in der Wohnung weg, während A. in seinem Büro den Tod durch Verbluten erlitt.
[...]"

b) Die Vorinstanz erachtete den äusseren Anklagesachverhalt in den Punk-

ten "Hervornahme der Waffe, Abgabe des ersten Schusses und dadurch bewirkte

Verletzungen des Opfers" gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers so-

wie die Erkenntnisse der spurenkundlichen Sachverständigen als erstellt (vgl.

insb. KG act. 2 S. 44-47, insb. S. 48 oben). Auch die daran anschliessende Tat-

phase "Tätliche Auseinandersetzung und weitere Schussabgaben" sah die Vorin-

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stanz gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers sowie die Erkenntnisse

der spurenkundlichen Sachverständigen als rechtsgenügend erwiesen an, wobei

sie in diesem Punkt ergänzend auch die Aussagen verschiedener Zeugen heran-

zog (vgl. insb. KG act. 2 S. 48-50, insb. S. 50).

2. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, die Beweise in verschie-

dener Hinsicht willkürlich gewürdigt und die verbliebenen erheblichen Zweifel an

einem Tatgeschehen gemäss dem Anklagesachverhalt schlechterdings übergan-

gen zu haben (vgl. KG act. 1 S. 10-11, Ziff. 1f.; S. 26-28, Ziff. 8).

2.1 a) Die Beweiswürdigung des vorinstanzlichen Sachrichters kann nach

der Praxis des Kassationsgerichtes aufgrund von § 430 Abs. 1 Ziff. 4 StPO dann

mit Erfolg gerügt werden, wenn sie sich nicht mehr im Rahmen des Gesetzes hält,

sondern willkürlich, d.h. offensichtlich abwegig ist und einer missbräuchlichen

Handhabung des richterlichen Ermessens gleichkommt (ZR 64 Nr. 54). Die Ver-

neinung eines den Freispruch bedingenden Zweifels wird als Kassationsgrund

angesehen, wenn diese bei ernsthafter Abwägung des "Für" und "Wider"

schlechthin unverständlich ist (SCHMID, in Donatsch/Schmid, Kommentar zur

Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 1996, N 21 zu § 430). Es ist zu

berücksichtigen, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicher-

heit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss genügen, dass das

Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (BGE 124 IV 88

E. 2a mit Hinweisen; ZR 72 Nr. 80, 69 Nr. 50; VON RECHENBERG, Die Nichtigkeits-

beschwerde in Zivil– und Strafsachen nach zürcherischem Recht, 2. Auflage, Zü-

rich 1986, S. 34). Weiter geht auch die Unschuldsvermutung im Sinne von Art. 6

Ziff. 2 EMRK und Art. 4 Abs. 1 aBV bzw. Art. 32 Abs. 1 BV nicht, denn diese Be-

stimmungen schliessen einen Schuldspruch nur dann aus, wenn bei objektiver

Betrachtung erhebliche und unüberwindliche Zweifel am Tat– oder Schuldbeweis

zurückbleiben (BGE 120 Ia 35 ff. mit Hinweisen).

b) Der behauptete Nichtigkeitsgrund muss in der Beschwerdeschrift nach-

gewiesen werden (vgl. § 430 Abs. 2 StPO). Dies bedingt, dass sich die be-

schwerdeführende Partei konkret mit dem angefochtenen Entscheid bzw. den

darin enthaltenen entscheidrelevanten Erwägungen auseinandersetzt und darlegt,

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aus welchen Gründen auf den angerufenen Nichtigkeitsgrund geschlossen wer-

den muss. In der Beschwerdebegründung sind auch die angefochtenen Stellen

des vorinstanzlichen Entscheides zu bezeichnen und diejenigen Aktenstellen, aus

denen sich der Nichtigkeitsgrund ergeben soll, im Einzelnen anzugeben. Das

Kassationsgericht darf in den vorinstanzlichen Akten nicht nach den Grundlagen

des geltend gemachten oder gar eines anderen Nichtigkeitsgrundes suchen. Der

blosse Verweis auf Ausführungen im vorinstanzlichen Verfahren ist vor Kassa-

tionsgericht nicht zulässig; ebenso dürfen frühere Eingaben nicht einfach zum in-

tegrierenden Bestandteil der Beschwerdeschrift erklärt werden (ZR 91/92 Nr. 6;

vgl. auch BGE 127 I 42 E. 3b sowie ZR 81 Nr. 88 E. 6; SCHMID, in Donatsch/

Schmid, a.a.O., N 32 zu § 430; VON RECHENBERG, a.a.O., S. 18).

2.2 a) Die Verteidigung wendet ein, sie habe bereits vor Vorinstanz aufge-

zeigt, "dass ungeachtet der Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers

sich das Tatgeschehen aufgrund der gesicherten Erkenntnisse der Sachverstän-

digen unmöglich" so habe abspielen können, wie es die Anklage schildere. Als

Belegstelle führt die Verteidigung "vgl. Urk. 118, S. 12 ff." an und erklärt weiter,

dabei seien mögliche Schlussfolgerungen zum tatsächlichen Tatablauf gezogen

worden, welche ausdrücklich als wahrscheinlichste oder plausible Variante be-

zeichnet worden seien (vgl. KG act. 1 S. 12, Ziff. B/3.3).

Für die Verteidigung habe sich aufgrund der Erkenntnisse und Feststellun-

gen der Sachverständigen folgende wahrscheinlichste Variante für das zentrale

Tatgeschehen (Hervornahme der Waffe, Abgabe des ersten Schusses und da-

durch bewirkte Verletzungen des Opfers) ergeben: Die handgreifliche Auseinan-

dersetzung sei stehend im Bereich der Wohnungstüre eskaliert und habe sich in

der Folge zum Kücheneingang verschoben. Dabei sei durchaus möglich, dass die

verbale Auseinandersetzung im Esszimmerbereich begonnen habe. Es sei offen-

sichtlich, dass das Opfer den Beschwerdeführer habe aus der Wohnung bugsie-

ren wollen und sich die beiden Kontrahenten im Rahmen der verbalen Auseinan-

dersetzung und dem gegenseitigen Schubsen und Stossen in Richtung Woh-

nungstüre bewegt hätten. In diesem Bereich habe der Beschwerdeführer den Re-

volver hervorgenommen, um einen Schuss abzugeben. Das Opfer habe dies er-

kannt, habe nach der Schusswaffe gegriffen und den Revolver von sich wegge-

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drückt. Bei diesem Bewegungsablauf sei der Revolver zwingend einerseits vom

Opfer weg in Richtung Wohnungstüre, anderseits in Richtung Boden gedrückt

worden. In diesem Moment müsse der Beschwerdeführer den ersten Schuss

ausgelöst haben. Das Projektil habe in einer Höhe von lediglich 64 cm ab Boden

mit einem Winkel von 53 Grad die Wohnungstüre durchschlagen. Der Schuss sei

somit relativ nahe angrenzend an die Wohnungs-/Eingangstür und relativ steil

abfallend abgegeben worden. Es sei möglich oder gar wahrscheinlich, dass sich

das Opfer dabei einen Streifschuss an der linken Hand kleinfingerseits zugezogen

haben (vgl. KG act. 1 S. 12-13, Ziff. B/3.4; vgl. auch S. 25/26, Ziff. B/7.6).

Weiter wird in der Beschwerde vorgebracht, die Vorinstanz habe die von der

Verteidigung vertretene Sachverhaltsversion als "beweismässig widerlegt" qualifi-

ziert. Dies sei indessen nur möglich gewesen, indem zum einen gewisse Aussa-

gen des Beschwerdeführers ausgeklammert und insbesondere zentrale Feststel-

lungen der Sachverständigen als angeblich "irrelevant" bezeichnet worden seien.

Die Vorinstanz sei damit letztlich der Staatsanwaltschaft gefolgt, welche in ihrer

Anklageschrift eine zentrale Begebenheit recht eigentlich ausgeklammert und

verschwiegen habe: Den Durchschuss der Wohnungs-/Eingangstüre. Dieser

Schuss habe bekanntlich, wenn auf die Anklageschrift abgestellt werde, gar nie

stattgefunden. Die Anklage erwähne den fraglichen Schuss nicht, erwähne das

festgestellte Projektil nicht, relativiere die Anzahl der Schüsse und klammere den

zusätzlichen Streifschuss an der linken Hand des Opfers gänzlich aus. Zudem

werde der Ort der Auseinandersetzungen in einer Art und Weise umschrieben,

welcher den Feststellungen der Sachverständigen widerspreche. Die Vorinstanz

habe dieses Vorgehen geschützt und letztlich in ebenso willkürlicher Weise zen-

trale Sachverhaltsmomente unterdrückt und durch unzulässige und nicht beweis-

mässig erstellte Annahmen ersetzt. Mit diesem Vorgehen sei das Verbot der will-

kürlichen Beweiswürdigung missachtet worden (vgl. KG act. 1 S. 13-14,

Ziff. B/3.6).

Die Verteidigung fasst weiter die ihrer Ansicht nach zentralen Feststellungen

der Sachverständigen folgendermassen zusammen: Der tödliche Rumpfsteck-

schuss in die Brust des Opfers sei aus einer Distanz von wenigen Zentimetern

abgegeben worden. Aufgrund des leicht abfallenden Schusswinkels sei schwer

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vorstellbar, dass der fragliche Schuss aus der Hüfte abgegeben worden sei. Das

Opfer habe einen Streifschuss an der linken Handkante erlitten, welcher ebenfalls

hochgradig angenähert abgegeben worden sei, weshalb sich die Hand in der Nä-

he der Waffenmündung befunden haben müsse. Feststehe weiter, dass das Op-

fer die Waffe auch selbst angefasst habe. Neben den beiden aus einem sehr fla-

chen Winkel in die Küche abgegebenen Schüssen sei ein Durchschuss durch die

Wohnungstüre erfolgt, welcher steil abfallend aus stehender Position relativ nahe

bei der Eingangstüre abgegeben worden sei. Im fraglichen Eingangsbereich seien

auch Spuren von Kampfhandlungen gesichert worden (vgl. KG act. 1 S. 14-16,

Ziff. B/4, insb. S. 16, Ziff. B/4.5).

b)aa) Klammert man die Aussagen des Beschwerdeführers als Beweismittel

aus und würdigt lediglich die Erkenntnisse der Sachverständigen, kann mit der

Verteidigung davon ausgegangen werden, dass sich das inkriminierte Geschehen

tatsächlich in der von ihr beschriebenen Art und Weise abspielen konnte. Indes-

sen kann die Auffassung der Verteidigung, dass es sich dabei gleichzeitig um die

wahrscheinlichste (Tat-)Variante gehandelt haben muss, nicht geteilt werden. Bei

Rangeleien und Kampfandlungen geht es um dynamische Prozesse und es ist

nicht einzusehen, weshalb sich die Auseinandersetzung zwischen den Beiden

nach dem ersten Schuss mitunter nicht in Richtung Wohnungstüre bewegen und

es dort nicht zu einer weiteren Schussabgabe durch die Wohnungstüre kommen

konnte. Die Ereignisse nach dem ersten Schuss umschrieb die Vorinstanz (inso-

weit unangefochten) als "heftige Schlägerei", welche im Korridor und in der Küche

stattgefunden habe (vgl. KG act. 2 S. 40/41, vgl. auch S. 48f.). Aus den Fotos,

welche anlässlich der Tatrekonstruktion gemachten wurden, ist ersichtlich, dass

der Korridor lediglich wenige m² umfasst, also eher einem Vorraum oder Entrée

gleichkommt, wie der Raum denn auch im Grundrissplan der Wohnung bezeich-

net wird (vgl. GG act. 2/5). Die Türen zur Küche und zum Esszimmer führen von

dort weg und liegen nahe beieinander (vgl. GG act. 3/11/1 S. 6, 8, 9, 16, 21, 23,

24, 27 und 29, vgl. auch GG act. 2/5 [Grundriss Wohnung]). Die Kampfhandlun-

gen fanden somit in relativ engen räumlichen Verhältnissen statt. Die Verteidigung

zeigt nicht substantiiert auf, dass bzw. weshalb sich der Geschehensablauf bei

dieser Sachlage nicht so wie in der Anklage beschrieben abspielen konnte, son-

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dern sie beschränkt sich darauf, ihre Sicht der Dinge aufzuzeigen und sie derjeni-

gen der Vorinstanz gegenüberzustellen. Die Verteidigung behauptet auch nicht,

dass die Sachverständigen eine solche Variante ausgeschlossen oder eindeutig

als weniger plausibel bzw. wahrscheinlich eingestuft hätten. Soweit die Verteidi-

gung im fraglichen Zusammenhang mit der Belegstelle "Urk. 118, 12 ff" auf ihre

vorinstanzlichen Plädoyernotizen verweisen will oder diese zum integrierenden

Bestandteil ihrer Beschwerdeschrift erklären möchte (vgl. KG act. 1 S. 12,

Ziff. B/3.3), genügt die Beschwerde den Begründungsanforderungen nicht (vgl.

vorstehend E. II/2/1/b). Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist somit festzuhal-

ten, dass sich die von der Verteidigung vertretene Tatvariante allein unter Berück-

sichtigung der Erkenntnisse der Sachverständigen so abgespielt haben konnte.

Sie kann aber nicht als so plausibel oder wahrscheinlich angesehen werden, dass

sie die in der Anklage umschriebene Tatvariante unter dem Gesichtspunkt der

Plausibilität eindeutig in den Hintergrund zu drängen und damit als willkürlich um-

zustossen vermöchte.

bb) Weiter sind im vorstehenden Kontext die folgenden Entscheidgründe der

Vorinstanz von Bedeutung (vgl. KG act. 2 S. 49):

"Einzige Unstimmigkeit zwischen den Aussagen des [Beschwerdeführers] und
den Erkenntnissen des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich ist
der Schuss durch die Wohnungstüre, der sich nicht klar in die Schilderungen des
[Beschwerdeführers] einordnen lässt. Zu berücksichtigen ist diesbezüglich jedoch,
dass es sich ab Beginn der Schlägerei mit dem Lösen weiterer Schüsse aus der
Waffe um einen äusserst dynamischen Sachverhalt handelte. Es stellt eine stets
zu beobachtende und daher notorische Tatsache dar, dass es für Aussageperso-
nen äusserst schwierig ist, dynamische Sachverhalte bis ins kleinste Detail zu
schildern und deshalb Abweichungen zwischen den Aussagen verschiedener
Personen bzw. zu den Erkenntnissen der Sachverständigen unausweichlich sind.
Dass der [Beschwerdeführer] die Entstehung des Schusses durch die Woh-
nungstüre nicht zu erklären vermochte, spricht daher keineswegs gegen die Rich-
tigkeit seiner ansonsten glaubhaften Aussagen zu den diesbezüglich Ereignissen.
Überdies ist die Frage, wann und wie genau dieser Schuss durch die Wohnungs-
türe entstand, entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 118 S. 16 f. und S. 20
ff.) irrelevant. Aufgrund der Tatsache, dass, wie vorstehend dargelegt (vgl.
Erw. 3.3.3.), erwiesenermassen der erste Schuss des [Beschwerdeführers] A. in
die Brust traf, kann - und muss - offen gelassen werden, wie genau die weiteren
Schüsse im Verlaufe des Kampfes abgegeben wurden. Klar ist einzig, dass es
sich um einen der weiteren Schüsse gehandelt haben musste, der im Verlauf des
Kampfes abgegeben wurde. Ebenso kann und muss im Übrigen mangels Rele-
vanz offen gelassen werden, wann und unter welchen Umständen sich A. die

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seitens des Sachverständigen Dr. V. festgestellte Streifschussverletzung an der
Hand [...] zuzog, sei dies bereits beim ersten Schuss in der Art einer Abwehrbe-
wegung gegen die Waffe geschehen oder nachher im Verlaufe des Kampfes."

Aus diesen Erwägungen ergibt sich zunächst, dass die Vorinstanz den

Schuss durch die Wohnungstüre nicht einfach ausgeklammert, sondern in die

Entscheidfindung miteinbezogen hat. Dabei räumte die Vorinstanz explizit eine

Unstimmigkeit im Geschehensablauf ein, weil sich dieser Schuss nicht klar in die

Schilderungen des Beschwerdeführers einordnen lasse. Nach Auffassung der Vo-

rinstanz ziehe dieser Umstand jedoch keinen unauflösbaren Widerspruch nach

sich, weil die Wahrnehmungsfähigkeit von Aussagepersonen in vergleichbaren

Situationen erfahrungsgemäss in Detailfragen beeinträchtigt sei. Diese Unstim-

migkeit - so die Vorinstanz - spreche daher nicht gegen die Richtigkeit der anson-

sten glaubhaften Aussagen des Beschwerdeführers zu den diesbezüglichen Er-

eignissen. Der Beschwerdeführer setzt sich nicht argumentativ mit diesen vorin-

stanzlichen Überlegungen auseinander. Er zitiert zwar auszugsweise die Erwä-

gungen der Vorinstanz auf S. 49 des angefochtenen Entscheids (vgl. KG act. 1 S.

9, Ziff. A/3.5), er zeigt aber nicht auf, weshalb sich die Unstimmigkeit im Gesche-

hensablauf nicht willkürfrei auflösen lassen sollte. Angefügt werden kann, dass

nach einhelliger Lehrmeinung die Wahrnehmungsfähigkeit von Aussagepersonen

in vergleichbaren Turbulenzgeschehen ("[...] äusserst dynamischen Sachverhalt

[...]") als besonders störungsanfällig eingestuft wird (vgl. etwa: SCHUMACHER, Die

Würdigung von Zeugen- und Parteiaussagen, AJP/PJA 12/2000, S. 1455 m.w.H.).

Mit anderen Worten ist jedenfalls nicht evident, dass bzw. inwiefern der vor-

instanzliche Entscheidgrund an einem Nichtigkeitsgrund in Form willkürlicher Be-

weiswürdigung leiden sollte. Weiter liess die Vorinstanz die Frage, wie genau der

Schuss durch die Wohnungstüre (und auch die weiteren Schüsse) im Verlaufe der

Kampfes abgegeben worden sei, offen, weil der erste Schuss des Beschwerde-

führers das Opfer erwiesenermassen in die Brust getroffen habe. Auch daraus er-

hellt zunächst, dass die Vorinstanz den fraglichen Schuss nicht einfach ausge-

klammert hat, weil er in der anklagegemässen Schilderung des Sachverhaltes

"keinen Platz" gehabt hätte. Vielmehr hat die Vorinstanz den Geschehenshablauf

hinsichtlich der weiteren Schüsse offen gelassen, nachdem sie es als rechtsge-

nügend erstellt ansah, dass der erste Schuss das Opfer in die Brust getroffen

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hatte. Dieser Ansatz in der vorinstanzlichen Beweisführung bleibt in der Be-

schwerde unangefochten, d.h. der Beschwerdeführer zeigt nicht unter Willkürge-

sichtspunkten auf, weshalb die Vorinstanz bei dieser Sach- bzw. Beweislage die

Frage nicht hätte offen lassen dürfen.

c) Nach dem Gesagten vermochte die Verteidigung unter den genannten

Gesichtspunkten keinen Nichtigkeitsgrund darzutun. Dies führt zur Unbegründe-

theit der Rügen, soweit auf die Beschwerde in diesen Punkten überhaupt einge-

treten werden konnte.

2.3 a) Weiter wendet die Verteidigung ein, sie habe vor Vorinstanz aufge-

zeigt, dass sich der alternative Tatablauf nicht nur mit den Feststellungen der Ex-

perten, sondern auch mit den Aussagen des Beschwerdeführers in den ersten

Einvernahmen in Einklang bringen lasse "(Urk. 118, S. 21 f)" (vgl. KG act. 1 S. 12,

Ziff. B/3.3). Dabei sei insbesondere auf folgende Aussagen hingewiesen worden,

welche der Beschwerdeführer anlässlich der allerersten Einvernahme noch am

Abend des 20. Januar 2004 gemacht habet: "Ich nahm die Waffe aus der Tasche und
schoss. Er stürzte sich auf mich und wollte verhindern, dass ich schiesse. Ich habe gedacht, ich

habe gar nicht getroffen, weil er so wild auf mich losging." Weiter führt die Verteidigung

aus, auf die Frage, wohin er geschossen habe, habe der Beschwerdeführer ge-

antwortet: "Ich weiss es nicht mehr, mit Richtung nach unten". Auf die weitere Frage, mit

welcher Hand er geschossen habe, habe der Beschwerdeführer geantwortet: "Mit
der rechten Hand. Kaum hatte ich die Waffe in der Hand, sprang er mich schon an. Er ging dann

auf mich los und drückte meine Hand weg." Als Belegstelle bezeichnet die Verteidigung

im vorstehenden Zusammenhang: "Urk. 118, S. 21 f mit Verweis auf Urk. 3/1,

S. 5" (vgl. KG act. 1 S. 13, Ziff. B/3.5).

b) Unerfindlich bleibt, weshalb sich gerade die erste zitierte Aussage des

Beschwerdeführers mit dem alternativen Tatablauf in Einklang bringen lassen

sollte. Der Beschwerdeführer gab dabei ja klar an, dass er die Waffe aus der Ta-

sche genommen und geschossen habe. Auch erklärte er, dass sich das Opfer auf

ihn gestürzt und eine Schussabgabe habe verhindern wollen. Mit andern Worten

sagte der Beschwerdeführer nicht aus, dass das Opfer das beabsichtigte Unter-

fangen habe umsetzen können, mithin verhindern konnte, dass es vor dem Ein-

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stürzen auf ihn noch zu einer Schussabgabe gekommen sei. Im Übrigen bringt

der Beschwerdeführer lediglich sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, dass die

Reaktion des Opfers trotz der Schussabgabe derart heftig war. Offenbar ging er

davon aus oder nahm an, dass eine durch einen Revolverschuss getroffene Per-

son sogleich zusammenbrechen müsse. Dass es sich dabei aber um einen Fehl-

schluss des Beschwerdeführers handeln musste, legte die Vorinstanz (insoweit

unangefochten) auf S. 45 des Urteils nachvollziehbar dar. Die zweite zitierte Aus-

sage des Beschwerdeführers spricht sodann nicht eindeutig für den alternativen

Tatablauf. Der Beschwerdeführer erklärte ja nicht, dass er den Schuss steil nach

unten - also praktisch in Richtung Boden - abgegeben habe, sondern nur "mit

Richtung nach unten". Diese Aussage korrespondiert aber durchaus mit den Er-

kenntnissen des pathologischen Gutachtens (vgl. KG act. 2 S. 45): Der Schuss

traf das Opfer (unangefochten) in einer Höhe von 130 cm ab Fusssohle, ausge-

hend von einer aufrechten Position. Der Schusskanal sei von vorne nach hinten

leicht sinkend verlaufen. Führt man sich die Körpergrösse des Beschwerdeführers

vor Augen (ca. 185 cm [vgl. GG act. 54/1]), erweist sich eine Schussrichtung

"nach unten" in Anbetracht der Einschusshöhe jedenfalls nicht als unstimmig. Die

Vorinstanz stellte auch (ungerügt) fest, dass der leicht sinkende Schusskanal mit

dem vom Beschwerdeführer geschilderten sich nach vorne in Richtung Waffe

Bewegen des Opfers im Moment der Schussabgabe korrespondiere. Dies erkläre

auch plausibel – so die Vorinstanz (ungerügt) weiter -, wie der Beschwerdeführer

aus der Hüfte oder allenfalls leicht höher den Schuss gegen die Brust des Opfers

gerichtet habe abfeuern können (vgl. KG act. 2 S. 45). Die letzten von der Vertei-

digung zitierten Aussagen sind wenig sachdienlich, da der Beschwerdeführer im

fraglichen Zusammenhang keine Angaben zur Schussabgabe bzw. -auslösung

machte. Sie stützen mit anderen Worten nicht spezifisch die von der Verteidigung

vertretene Tatversion. Soweit die Verteidigung mit der Belegstelle "Urk. 118, 21 f"

auf ihre vorinstanzlichen Plädoyernotizen verweisen will oder diese zum integrie-

renden Bestandteil ihrer Beschwerdeschrift erklären möchte, genügt die Be-

schwerde den Begründungsanforderungen nicht (vgl. vorstehend E.

II/2/1/b).Somit ergibt sich, dass die von der Verteidigung angeführten Aussagen

des Beschwerdeführers die in der Anklage umschriebene Tatvariante unter dem

Gesichtspunkt der Plausibilität nicht in den Hintergrund zu drängen, geschweige

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denn als willkürlich umzustossen vermögen. Der Nachweis eines Nichtigkeits-

grundes scheitert, soweit auf die Beschwerde in diesem Punkt überhaupt einge-

treten werden kann.

2.4 a) In einem eigenen Beschwerdeabschnitt geht die Verteidigung auf die

vorinstanzliche Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers ein (vgl. KG

act. 1 S. 16-20, Ziff. B/5). Sie wirft der Vorinstanz vor, die Aussagen des Be-

schwerdeführers in der ersten Hafteinvernahme vom 20. Januar 2004 im "Urteil,

S. 36 f" auszugsweise wiedergegeben zu haben und dabei äusserst selektiv vor-

gegangen zu sein, indem sie nur gerade diejenigen Aussagen "herausgepickt"

habe, welche in das vorgefasste Bild gepasst hätten. Demgegenüber seien all

diejenigen Aussagen des Beschwerdeführers weggelassen worden, welche mit

den Abläufen gemäss dem Anklagesachverhalt nicht übereinstimmten. Die Vorin-

stanz habe z.B. im Rahmen der Begründung ihrer willkürlichen Schlussfolgerung,

der Beschwerdeführer habe den ersten Schuss gezielt auf den Körper des Opfers

abgegeben, die wichtigen Feststellungen über diesen Schuss unterdrückt. So ha-

be der Beschwerdeführer ausgeführt: "Ich habe gedacht, ich habe gar nicht getroffen, weil

er so wild auf mich los ging." Und weiter auf die Frage, wohin er geschossen habe: "Ich
weiss es nicht mehr, mit Richtung nach unten. Durch das Gerangel und infolge seines Einstürzens

auf mich, hatte ich keine Zeit. Ich meinte, ich hätte ihn nicht getroffen, weil er so auf mich losging

[...]". Und weiter auf die Frage, mit welcher Hand er geschossen habe: "Mit der
rechten Hand. Kaum hatte ich die Waffe in der Hand, sprang er mich schon an. Er ging dann auf

mich los und drückte meine Hand weg." (vgl. KG act. 1 S. 17-18, Ziff. B/5.3-5.4).

Weiter wendet der Beschwerdeführer ein, das Protokoll der polizeilichen

Befragung vom 23. Januar 2004 enthalte tatsächlich den Satz: "Der erste Schuss war

ganz gezielt auf den Körper von A. gerichtet, also auf Brusthöhe." Weggelassen sei demge-

genüber die Einschränkung des Beschwerdeführers: "Ich hätte jedoch nie gedacht,

dass er so schnell reagiert." Diese Äusserung des Beschwerdeführers stehe in Ver-

bindung zu der vorgängigen Aussage, er habe den Revolver behändigt und gegen

das Opfer gezielt, worauf sich Folgendes ereignet habe: "Gleichzeitig ging A. auf mich

los. A. drückte mir die Pistole in Richtung Boden." (vgl. KG act. 1 S. 18, B/Ziff. 5.5). Bei ih-

rer selektiven Wiedergabe der Aussagen des Beschwerdeführers in seinen ersten

Einvernahmen sei die Vorinstanz recht systematisch vorgegangen. Weggelassen

-   13   -

worden seien sämtliche Aussagen des Beschwerdeführers, wonach das Opfer

ihm beim ersten Schuss an die Hand bzw. Waffe gegriffen und diese nach unten

gedrückt habe, weshalb er davon ausgegangen sei, dass der erste Schuss das

Opfer nicht getroffen habe. Die Vorinstanz habe somit all jene Aussagen unter-

drückt, welche im Widerspruch zum Anklagesachverhalt gestanden hätten (vgl.

KG act. 1 S. 18-19, Ziff. 5.6).

b) Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich des

eigentlichen Tatgeschehens auf den S. 36-40 des angefochtenen Entscheids ein-

gehend gewürdigt und analysiert. Die Verteidigung muss sich entgegenhalten las-

sen, dass sie sich nicht argumentativ mit den dortigen Entscheidgründen ausein-

andersetzt, sondern mehr oder weniger pauschal den Vorwurf der selektiven Aus-

sagenwürdigung erhebt und dazu einige Beispiele anführt, welche die Vorinstanz

unterdrückt haben soll. Weiter muss sich die Verteidigung entgegenhalten lassen,

dass sie nicht substantiiert darlegt, inwiefern die von ihr zitierten Aussageninhalte

das vorinstanzliche Beweisergebnis entscheidend beeinflussen können bzw. als

willkürlich erscheinen lassen. Einen entsprechenden Schluss lassen die zitierten

Aussageninhalte - wie angefügt werden kann - auch nicht zu: Der Beschwerde-

führer erklärte zwar, dass das Opfer praktisch gleichzeitig mit der Zielbewegung

auf ihn eingestürzt sei. Aus den Aussagen geht aber nicht  - auch nicht sinnge-

mäss - hervor, dass es dem Opfer gelungen sei, die Hand des Beschwerdefüh-

rers noch vor einer Zielbewegung bzw. vor Auslösung des Schusses nach unten

wegzudrücken. Auf der anderen Seite haben all die von der Vorinstanz angeführ-

ten Aussagen des Beschwerdeführers Bestand, wonach er den ersten Schuss

abgegeben habe, unmittelbar bevor das Opfer ihm an die Waffe habe greifen

können (vgl. KG act. 2 S. 37, 2. Abschnitt und dortige Belegstellen; vgl. insb. auch

S. 38). Der pauschale Vorwurf, dass die Vorinstanz lediglich jene Aussagen ge-

würdigt bzw. herangezogen habe, welche in das Bild der Anklage passen würden,

erweist sich als haltlos. Eine Durchsicht der einleitend zitierten Urteilsstellen ergibt

sogleich, dass die Vorinstanz auch abweichende und relativierende Angaben des

Beschwerdeführers in die Entscheidfindung miteinbezog (vgl. insb. S. 37 und 39;

vgl. auch S. 41 und 42). Damit muss der Nachweis eines Nichtigkeitsgrundes

-   14   -

ebenfalls als gescheitert betrachtet werden, soweit auf diesen Beschwerdepunkt

überhaupt eingetreten werden kann.

2.5 a) Die Verteidigung rügt die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen hin-

sichtlich der Lokalisation der ersten Schussabgabe als willkürlich. So hätten die

Experten des Wissenschaftlichen Dienstes ausdrücklich und mehrfach festgehal-

ten, dass sie keine konkreten Angaben zum Schussabgabeort machen konnten.

Dabei sei auch mehrfach festgehalten worden, dass die mögliche Lokalisation der

Schussabgabe aufgrund von Blutspuren lediglich eine Vermutung darstelle. Auf-

grund der Erkenntnisse der spurenkundlichen Sachverständigen liessen sich da-

mit keine Schlussfolgerungen zum Ort der ersten Schussabgabe ziehen. Weiter

habe der Beschwerdeführer entgegen der Ansicht der Vorinstanz in der ersten

Hafteinvernahme vom 20. Januar 2004 nicht ausdrücklich von einem ersten

Schuss im Bereich des Esszimmertisches gesprochen. Vielmehr habe er klarge-

stellt, dass das Gerangel im "Wohn-/Esszimmerbereich begonnen" habe und in

der Folge "ein paar Minuten" gedauert habe. So gesehen müsse davon ausge-

gangen werden, dass sich die beiden Kontrahenten im Rahmen des "Gerangels"

fortbewegt hätten, sich mit anderen Worten nicht immer im Bereich des Esszim-

mertisches aufgehalten hätten. Dementsprechend könne aufgrund der ersten

Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Hafteinvernahme keines-

falls die zwingende Schlussfolgerung auf die "erste Schussabgabe im Bereich des

Esszimmertisches" gezogen werden. Es sei nun aber auch von der Verteidigung

nie bestritten worden, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der nachfolgenden

Einvernahmen teilweise auch von einer Schussabgabe im Bereich des Esszim-

mertisches gesprochen habe. Er habe indessen im Rahmen der zahlreichen Be-

fragungen gerade auch in örtlicher Hinsicht verschiedene, sich teilweise wider-

sprechende Angaben gemacht. In der Einvernahme vom 11. Februar 2004 habe

der Beschwerdeführer auf die Frage, wann er die Waffe gezogen habe, in örtli-

cher Hinsicht folgendes klargestellt: "Im grössten Gefluche und Geschubse, es

fand zwischen Esszimmertisch und Türe zum Gang statt". Den weiteren Fortgang

der Ereignisse habe er weiter wie folgt beschrieben: "Eben, [der Beschwerdegeg-

ner 2] ging auch mich los und drückte mir die Waffe mit beiden Händen herunter,

damit ich nicht mehr schiessen kann." Entgegen der willkürlicher Argumentation

-   15   -

der Vorinstanz habe der Beschwerdeführer damit keine nachvollziehbare und

"glaubhafte Aussagen" zu einer ersten Schussabgabe im Bereich des Esszim-

mertisches gemacht. Vielmehr habe er übereinstimmend in allen Aussagen klar-

gestellt, dass die Rangelei, das "Geschubse" im Bereich des Esszimmertisches

begonnen habe. Dieses Gerangel habe einige Zeit gedauert, bis es zur ersten

Schussabgabe gekommen sei. Aufgrund der längeren Rangelei dränge sich der

Schluss auf, dass die erste Schussabgabe gerade nicht im Bereich des Esszim-

mertisches erfolgt sei. Dies stehe auch im Einklang mit den Erkenntnissen der

spurenkundlichen Sachverständigen, welche in diesem Bereich gerade keine

Blutspuren gefunden hätten. Somit lasse sich nicht willkürfrei auf eine erste

Schussabgabe im Bereich des Esszimmertisches schliessen (vgl. KG act. 1 S. 20-

23, Ziff. 6).

b) Die Vorinstanz stellte auf S. 48 ihres Urteils fest, dass die glaubhaften

Aussagen des Beschwerdeführers bezüglich der ersten Schussabgabe im Be-

reich des Esszimmertisches durch die Erkenntnisse der spurenkundlichen Sach-

verständigen gestützt würden. Dabei stellte die Vorinstanz aber nicht fest, dass

der Beschwerdeführer insbesondere anlässlich der Einvernahme vom 20. Januar

2004 (GG act. 3/1) glaubhafte Angaben zur ersten Schussabgabe im Bereich des

Esszimmertisches gemacht habe, wie die Verteidigung fälschlicherweise an-

nimmt. Weiter finden sich keine Anhaltspunkte in den Aussagen des Beschwer-

deführers dafür, dass die Schubs-und Stossphase bereits vor der ersten Schuss-

abgabe in ein heftiges Gerangel ausgeartet sei und/oder diese an verschiedenen

Orten in der Wohnung stattgefunden habe. Im Gegenteil wies die Vorinstanz auch

auf Angaben anlässlich der Tatrekonstruktion hin, wo der Beschwerdeführer zu

zeigen versucht habe, wie die erste Schussabgabe beim Esszimmertisch erfolgt

sei (vgl. KG act. 2 S. 44 unten). Wenn der Beschwerdeführer weiter auf die Frage,

wann er die Waffe gezogen habe, in örtlicher Hinsicht erklärte "Im grössten Geflu-

che und Geschubse, es fand zwischen Esszimmertisch und Türe zum Gang statt",

so lässt sich daraus nichts für die Version der Verteidigung ableiten, da sich zum

einen der Esszimmertisch gerade neben der Tür zum Gang befindet (vgl. etwa:

GG act. 3/11/1 S. 15 und 16; vgl. auch GG act. 2/5 [Grundriss Wohnung]) und

zum anderen die Vorinstanz nur feststellte, der Beschwerdeführer habe glaubhaft

-   16   -

angegeben, die erste Schussabgabe sei im Bereich des Esszimmertisches er-

folgt. Ferner entging auch der Vorinstanz nicht, dass der Beschwerdeführer die

Stoss- und Schubsphase vor dem ersten Schuss (vorsichtig bzw. nicht vorbehalt-

los) auf "einige Minuten" schätzte (vgl. KG act. 2 S. 36). Dass die Vorinstanz in

der Folge trotzdem zum Schluss gelangte, dass der erste Schuss im Bereich des

Esszimmertisches erfolgte, kann aus den genannten Gründen dennoch nicht als

willkürlich bezeichnet werden. Dass die mögliche Lokalisation der Schussabgabe

aufgrund von Blutspuren lediglich eine Vermutung der Sachverständigen des

Wissenschaftlichen Dienstes darstelle, erkannte auch die Vorinstanz im fraglichen

Kontext zutreffend (vgl. KG act. 2 S. 47). Sie zeigte indessen ergänzend gestützt

auf die Erkenntnisse des Sachverständigen Dr. V. nachvollziehbar (und unange-

fochten) auf, dass sich eine erste Schussabgabe im Bereich des Esszimmerti-

sches mit den festgestellten Blutspuren in Einklang bringen lasse. So gesehen

erweist es sich auch nicht als willkürlich, wenn die Vorinstanz feststellte, die Aus-

sagen des Beschwerdeführers, wonach er den ersten Schuss im Bereich des

Esszimmertisches aus naher Distanz gegen die Brust des sich gegen ihn bewe-

genden Opfers abgegeben habe, würden durch die Erkenntnisse der spurenkund-

lichen Sachverständigen gestützt. Nach dem Gesagten erweist sich die Rüge als

unbegründet, soweit auf die Beschwerde in diesem Punkt eingetreten werden

kann.

2.6 Unter der Überschrift "Durchschuss durch die Wohnungstüre" (vgl. KG

act. 1 S. 23-26, Ziff. 7) knüpft die Verteidigung an ihre bereits zuvor erhobenen

Einwände an. Sie erhebt dabei aber keine Rügen, welche einer weitergehenden

Behandlung bedürfen und/oder nicht bereits durch das vorstehend Gesagte

(E. II/2.2 bis 2.5) hinreichend entkräftet worden sind. Gleich verhält er sich mit den

abschliessend unter dem Titel "Willkür der Vorinstanz" erhobenen Einwänden

(vgl. KG act. 1 S. 26-28, Ziff. 8). Auch sie geben zu keinen Weiterungen Anlass,

namentlich auch nicht die Rüge der Verletzung der Unschuldsvermutung, da ihr

bereits durch das vorstehend Gesagte (E. II/2.2 bis 2.5) der Boden entzogen wor-

den ist.

-   17   -

3. a) Abschliessend rügt die Verteidigung eine Verletzung von Beweiserhe-

bungsvorschriften hinsichtlich der Zeugenaussagen der polizeilichen Sachbear-

beiterin B.S. (vgl. KG act. 1 S. 28-32, Ziff. 9-11).

b) Die Frage der Verwertbarkeit der fraglichen Zeugenaussagen, welche be-

reits Gegenstand im vorinstanzlichen Verfahren bildete, bejahte die Vorinstanz mit

folgender Begründung:

"[...] Nach § 200 StPO soll die Staatsanwaltschaft auch nach Einreichung
der Anklageschrift, sofern neue Beweismittel entdeckt werden oder Ereignisse
eintreten, welche die Aufnahme neuer Beweise nötig machen, die Untersuchung
ergänzen und das Ergebnis der Anklagekammer oder dem Präsidenten des Ge-
schworenengerichts beförderlich mitteilen.

[...] Grundsätzlich kann die vorliegende Situation unter § 200 StPO subsu-
miert werden, indem in Form der unvorhersehbaren Abwesenheit der Zeugin wäh-
rend der gesamten Hauptverhandlung ein Ereignis eingetreten ist, welches die
Aufnahme neuer Beweise nötig macht. Nach überzeugender Lehrmeinung
Schmids (in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kan-
tons Zürich, N. 3 zu § 200 StPO) sind im Interesse der Ergründung der materiel-
len Wahrheit keine besonders hohen Anforderungen an die Neuigkeit zu stellen.
Mit der Beweisantretungsschrift war B.S. erst als Beweismittel angeboten worden,
aber noch nicht als verwertbarer Beweis, nachdem sie noch nie als Zeugin befragt
wurde. Dies hätte an der Geschworenengerichtsverhandlung stattfinden sollen.
Mit der Tatsache, dass B.S. nicht anwesend war, trat ein Ereignis ein, welches es
erforderlich machte, verwertbare Aussagen von B.S. zu erhalten.

Zweitens ist fraglich, ob überhaupt ein Fall von § 200 StPO vorliegt, ob die
Staatsanwaltschaft wirklich in dem Sinne sich auf diesen Paragraphen abstützte,
um die Zeugeneinvernahme zu machen, nachdem die Einvernahme von B.S.
nach Rücksprache mit dem Präsidenten des Geschworenengerichts erfolgte (vgl.
Urk. 90B) und dieser seine Zustimmung nicht zuletzt deshalb gab, weil B.S. auch
von der Verteidigung als Beweismittel genannt worden war.

Schliesslich konnten an der Befragung von B.S. der [Beschwerdeführer]
bzw. die Verteidigung teilnehmen - Ersterer liess sich entschuldigen -, so dass
auch diesbezüglich dem Verlesen nichts entgegensteht. Die Einvernahme von
B.S. als Zeugin vom 7. März 2006 [...] war daher in Anwendung von § 241 StPO
zu verlesen. Wie im Rahmen der Sachverhaltsdarstellung zu zeigen sein wird,
waren ihre Aussagen für das Verfahren auch nicht entscheidend, sondern dienten
mehr dazu, den nicht aktenkundigen Geschworenen und beisitzenden Richtern
einen Überblick über den Verfahrensablauf zu geben."

c) Die Verteidigung bringt dagegen in der Beschwerde vor, mit der Anklage-

erhebung habe die Untersuchungsbehörde die Verfahrensherrschaft an den Prä-

sidenten des Geschworenengerichts verloren. Die Staatsanwaltschaft dürfe ab

-   18   -

diesem Zeitpunkt daher nur noch unter den engen Voraussetzungen des § 200

StPO eigene Beweise erheben, d.h. sofern neue Beweismittel entdeckt würden

oder Ereignisse eingetreten seien, welche die Aufnahme neuer Beweise nötig

machten. Die Ferienabwesenheit der polizeilichen Sachbearbeiterin stelle keine

Entdeckung eines neuen Beweismittels dar. Auch handle es sich nicht um ein Er-

eignis, welches die Aufnahme neuer Beweise nötig mache, denn bekanntlich wä-

re es der Staatsanwaltschaft freigestanden, B.S. vor Anklageerhebung als Zeugin

zu befragen, wie dies in gleicher Weise mit Dutzenden von weiteren Personen

gehandhabt worden sei. Die Verletzung der strafprozessualen Vorschriften führe

zur Unverwertbarkeit der entsprechenden Zeugeneinvernahme. Folglich sei es

auch nicht zulässig gewesen, das fragliche Protokoll in Anwendung von § 241

StPO an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu verlesen. Die Verletzung der

Beweiserhebungsvorschriften habe sich auch zum Nachteil des Beschwerdefüh-

rers ausgewirkt. Die Behauptung der Vorinstanz, die Aussagen der Zeugin seien

für das Verfahren nicht entscheidend gewesen, sondern hätten lediglich einen

Überblick über den Verfahrensablauf gegeben, treffe nicht zu. B.S. habe im Rah-

men ihrer Zeugeneinvernahme insbesondere Angaben zu den Aussagen des Be-

schwerdeführers anlässlich der Einvernahmen vom 20. und 23. Januar 2004 ge-

macht. Diese beiden Einvernahmen hätten gemäss der vorinstanzlichen Beweis-

würdigung zum eigentlichen Tatgeschehen das zentrale Beweismittel gebildet.

Damit komme aber auch den entsprechenden, anlässlich der vorinstanzlichen

Hauptverhandlung verlesenen Aussagen von B.S. eine wesentliche Bedeutung

bei der Beweiswürdigung zum zentralen Anklagepunkt zu.

d)aa) Die Verteidigung belegt nicht unter Hinweis auf eine entsprechende

Urteilsstelle, dass bzw. wo die Vorinstanz im Schuldpunkt auf Zeugenaussagen

von B.S. abgestellt hatte. Damit ist der Nachweis dafür, dass ihre Aussagen ent-

gegen der Darstellung der Vorinstanz nicht entscheidend gewesen seien bzw.

mehr dazu gedient hätten, den nicht aktenkundigen Geschworenen und beisit-

zenden Richtern einen Überblick über den Verfahrensablauf zu geben, nicht er-

bracht. Wie gezeigt erachtete die Vorinstanz den zentralen Anklagesachverhalt in

den Punkten "Hervornahme der Waffe, Abgabe des ersten Schusses und dadurch

bewirkte Verletzungen des Opfers" gestützt auf die Aussagen des Beschwerde-

-   19   -

führers sowie die Erkenntnisse der spurenkundlichen Sachverständigen als er-

stellt (vgl. insb. KG act. 2 S. 44-47, insb. S. 48 oben). Insofern kann jedenfalls

nicht gesagt werden, dass die Vorinstanz die Zeugenaussagen von B.S. benötigt

hätte, um die ersten Aussagen des Beschwerdeführers zum eigentlichen Tatge-

schehen als glaubhaft beurteilen zu können. Die Vorinstanz zog aber auch im

Rahmen der weiteren Urteilserwägungen zum äusseren und inneren Anklage-

sachverhalt (KG act. 2 S. 48-58) keine Zeugenaussagen von B.S. heran, wie eine

Durchsicht der entsprechenden Entscheidstellen ergibt. Bei dieser Sachlage ist

nicht ersichtlich, inwiefern sich ein allfälliger Nichtigkeitsgrund in Form einer ver-

letzten Beweiserhebungsvorschrift zum Nachteil des Beschwerdeführers auswir-

ken konnte. Folglich kann mangels Beschwer auf diesen Beschwerdepunkt nicht

eingetreten werden.

bb) Würde auf die Beschwerde eingetreten werden und wollte man über-

haupt einen Anwendungsfall von § 200 StPO bejahen, könnte nicht auf einen

Nichtigkeitsgrund geschlossen werden: mit der Vorinstanz kann nämlich die vor-

liegende Konstellation unter § 200 StPO subsumiert werden, indem in der unvor-

hersehbaren Abwesenheit der Zeugin während der gesamten Hauptverhandlung

ein Ereignis gesehen wird, welches die Aufnahme neuer Beweise nötig machte.

Die Abwesenheit von Fw B.S. wurde der Staatsanwältin erst nach der Anklageer-

hebung zur Kenntnis gebracht. Letztere hatte daher keine Veranlassung, die poli-

zeiliche Sachbearbeiterin bereits im Untersuchungsverfahren als Zeugin zu befra-

gen. Dazu war sie auch nicht gehalten, da es ihr unbenommen war, Fw B.S. mit

Blick auf die geschworenengerichtliche Hauptverhandlung im Rahmen der Be-

weisantretungsschrift als Zeugin anzurufen. Mit der Tatsache, dass Fw B.S. an

der Hauptverhandlung nicht anwesend sein würde, trat ein Ereignis ein, welches

die Aufnahme eines neuen Beweises nötig machte. Auch wenn B.S. als mögliche

Aussageperson bereits vor der Anklageerhebung bekannt war bzw. nach der An-

klageerhebung nicht neu entdeckt wurde, kann in ihren Aussagen dennoch ein

neuer Beweis im Sinne von § 200 StPO erkannt werden: zum einen war sie vor

der Anklageerhebung eben noch nicht als Zeugin befragt worden und zum ande-

ren sind – wie auch die Vorinstanz erwog – im Interesse der Ergründung der ma-

teriellen Wahrheit keine besonders hohen Anforderungen an die Neuigkeit zu

-   20   -

stellen (vgl. SCHMID, in Donatsch/Schmid, a.a.O., N 3 zu § 200 StPO). Damit la-

gen verwertbare Zeugenaussagen vor, welche in Anwendung von § 241 StPO

anlässlich der geschworenengerichtlichen Verhandlung verlesen werden duften.

Nach dem Gesagten erwiese sich die Rüge als unbegründet, wenn auf die Be-

schwerde eingetreten würde.

4. Abschliessend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer keinen Nichtig-

keitsgrund nachzuweisen vermochte. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde,

soweit darauf eingetreten werden konnte.

III.

Die Kosten des Kassationsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen

Verteidigung, werden ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer auferlegt. Weiter

ist er zu verpflichten, den Beschwerdegegnern 2.1 und 2.2 sowie der Beschwer-

degegnerin 3 eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen. Da sich die

Beschwerdegegnerin 2.3 eines ausdrücklichen Antrages zur Sache enthielt, kann

sie nicht als obsiegende Partei im Sinne von § 396a StPO und damit auch nicht

als entschädigungsberechtigt betrachtet werden.

-   21   -

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf

Fr. 7'000.–.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen

Verteidigung, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, den Beschwerdegegnern 2.1 und

2.2 für das Kassationsverfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt

Fr. 1'000.– (inkl. MWST) zu entrichten.

Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 3 für das

Kassationsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'000.– (inkl.

MWST) zu entrichten.

5. Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von

Art. 90 ff. BGG innert 30 Tagen nach dessen Empfang schriftlich durch eine

Art. 42 BGG entsprechende Eingabe Beschwerde gemäss Art. 78 ff. BGG

an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden.

Sodann läuft die Frist von 30 Tagen zur Anfechtung des Urteils des

Geschworenengerichtes vom 7. April 2006 mit Beschwerde an das Bundes-

gericht neu ab Empfang des vorliegenden Entscheides (Art. 100 Abs. 1 und

6 BGG).

Hinsichtlich des Fristenlaufes gelten die Art. 44 ff. BGG.

6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und an das Geschworenengericht des

Kantons Zürich, je gegen Empfangsschein.

______________________________________

KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: