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**Case Identifier:** d773196f-d2fd-583a-b2f6-ed8e78ddef44
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 07.04.2025 VBE.2024.501
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-501_2025-04-07.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

VBE.2024.501 / gf / bs 
Art. 43 

 

Urteil vom 7. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Hausherr  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Schweizer 

Rechtspraktikant Ferrier          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____  

vertreten durch Nikolaus Tamm, Advokat, Rain 63, 5000 Aarau    

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

 
   

Beigeladene   Aargauische Pensionskasse, Hintere Bahnhofstrasse 8,  

Postfach, 5001 Aarau      

 

    
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 17. September 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1968 geborene Beschwerdeführerin meldete sich am 30. März 2001 

bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen der Eidgenössi-

schen Invalidenversicherung (IV) an. Mit Verfügung vom 24. Septem-

ber 2001 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab dem 

1. April 2000 eine ganze Rente zu. 

 

1.2. 

Der Rentenanspruch blieb im Rahmen der von Amtes wegen im August 

2004, August 2008 und Februar 2012 veranlassten Revisionen unverän-

dert. Im Zuge der im Mai 2016 von Amtes wegen angehobenen Revision 

wurde die Beschwerdeführerin bidisziplinär begutachtet (psychiatrisch-

rheumatologisches Gutachten vom 16. November 2017). Daraufhin hob die 

Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 8. Mai 2018 die ganze Rente der 

Beschwerdeführerin per 30. Juni 2018 auf. Das Versicherungsgericht wies 

die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil VBE.2018.446 vom  

12. Dezember 2018 ab.  

 

1.3. 

Auf die Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 2. Mai 2022 trat die Be-

schwerdegegnerin mit Verfügung vom 2. September 2022 nicht ein.  

 

1.4. 

Die Beschwerdeführerin meldete sich am 29. September 2022 erneut zum 

Leistungsbezug an. Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD) liess die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin poly-

disziplinär begutachten (Gutachten des Ärztlichen Begutachtungsinstituts 

GmbH Basel [ABI] vom 17. Juli 2023). Nach durchgeführtem Vorbescheid-

verfahren und dem Einholen einer ergänzenden gutachterlichen Stellung-

nahme vom 7. Mai 2024 verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung 

vom 17. September 2024 den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine 

Rente. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 17. September 2024 erhob die Beschwerdefüh-

rerin mit Eingabe vom 9. Oktober 2024 fristgerecht Beschwerde und stellte 

folgende Rechtsbegehren:  

 

"1. In Aufhebung der angefochtenen Verfügung seien der Beschwerdefüh-
rerin die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. 

 

 - 3 - 

 

 

2. Es sei ein Gerichtsgutachten einzuholen. Eventualiter sei die Angele-
genheit im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zur Vornahme wei-
terer Beweisabklärungen zurückzuweisen. 

 
3. Unter o/e-Kostenfolge." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 13. November 2024 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde.  

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 29. November 2024 wurde die 

berufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin im Verfahren bei-

geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, worauf diese 

mit Eingabe vom 18. Dezember 2024 verzichtete.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Rente mit Verfügung vom 17. September 

2024 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 206) zu Recht verneint hat. 

 

2. 

Die Zusprechung einer Invalidenrente aufgrund einer Neuanmeldung, 

nachdem eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verwei-

gert wurde (vgl. Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV), bedarf, analog zur Ren-

tenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG), einer anspruchsrelevanten Änderung 

des Invaliditätsgrades (vgl. BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71; 117 

V 198 E. 3 S. 198 f.; 109 V 108 E. 2 S. 114 f.; Urteil des Bundesgerichts 

8C_29/2020 vom 19. Februar 2020 E. 3.1 f. mit Hinweisen). 

 

Zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Än-

derung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige 

Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit 

rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchfüh-

rung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung 

in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht 

(BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.; 130 V 71 E. 3 S. 73 ff.). 

 

3. 

3.1. 

Der vorliegend relevante zeitliche Referenzpunkt ist die Verfügung vom 

8. Mai 2018 (VB 145).   

 

 - 4 - 

 

 

3.2. 

Der Verfügung vom 8. Mai 2018 lag in medizinischer Hinsicht im Wesentli-

chen das psychiatrisch-rheumatologische Gutachten der Dres. med.  

B._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und C._____, Fach-

arzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, vom 16. Novem-

ber 2017 zugrunde. Interdisziplinär wurde "Folgen der distalen Unterschen-

kelfraktur rechts am 3. April 1999" als Diagnose mit langdauernder Auswir-

kung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (VB 115.1 S. 9). Die Arbeitsfä-

higkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten körperlich belasten-

den Tätigkeit sei aus somatisch-rheumatologischer Sicht aufgehoben. In 

einer angepassten Verweistätigkeit bestehe maximal eine zeitliche Ein-

schränkung von 10 bis 15 % (VB 116 S. 2).  

 

3.3. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der vorliegend angefochtenen Ver-

fügung vom 17. September 2024 in medizinischer Hinsicht im Wesentli-

chen auf das polydisziplinäre ABI-Gutachten vom 17. Juli 2023, in dessen 

Rahmen die Beschwerdeführerin in den Disziplinen Allgemeine Innere Me-

dizin, Psychiatrie, Orthopädie, Neurologie und Otorhinolaryngologie unter-

sucht wurde. Die ABI-Gutachter stellten interdisziplinär folgende Diagno-

sen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (VB 191 S. 8 f.):  

 

"1. Chronische Beschwerden im Bereich des rechten Sprunggelenkes 
(ICD-10 T93.2/Z98.8/Z98.1/Z96.6) 

 (…) 

 2. Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits (ICD-10 H90.3) 

 3. Tinnitus beidseits (ICD-10: H93.1)." 

 

Die weiteren gestellten Diagnosen seien ohne Auswirkungen auf die Ar-

beitsfähigkeit (VB 191 S. 9). Zusammenfassend sei die Beschwerdeführe-

rin seit 1999 in ihrer angestammten Tätigkeit im Hausdienst schon rein or-

thopädisch bedingt zu 100 % arbeitsunfähig. Nach vorangehend nicht dau-

erhaft höhergradig eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und postoperativ auf-

gehobener Arbeitsfähigkeit ab Mai 2022 könne die aktuelle Arbeitsfähigkeit 

in einer angepassten Tätigkeit (körperlich nur leichte, überwiegend sit-

zende Verrichtungen unter Wechselbelastung, ohne Tätigkeitsanteile, wel-

che ein gutes Sprachverständnis unter Störlärm voraussetzen, ohne Tätig-

keiten unter gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel, seien möglich,  

sofern kein wiederholtes Überwinden von Treppen und Gehen auf unebe-

nem Grund notwendig sei, ebenso wenig wie die Einnahme kniender oder 

kauernder Körperpositionen) seit Januar 2023 angenommen werden. Da-

bei bestehe eine ganztägige Arbeitsfähigkeit (8-8.5 Stunden/Tag) mit einer 

10%igen Leistungseinschränkung aufgrund der Schallempfindungs-

Schwerhörigkeit beidseits und des Tinnitus (VB 191 S. 10 f.). 

 

 - 5 - 

 

 

An dieser Beurteilung hielten die ABI-Gutachter mit ergänzender Stellung-

nahme vom 7. Mai 2024 fest (VB 201). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte darf Beweiswert zuerkannt werden, 

solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise 

sprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_737/2019 vom 19. Juli 2020 

E. 5.1.4 mit Verweis auf BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470). Den Gutachten 

kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversicherung 

überragende Bedeutung zu (RENÉ WIEDERKEHR, in: Kieser/Kradolfer/Lend-

fers [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts, 5. Aufl. 2024, N. 17 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch 

BGE 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105). 

 

4.3. 

Die Beschwerdeführerin wurde zur Erstellung des ABI-Gutachtens fach-

ärztlich umfassend untersucht. Dabei beurteilten die ABI-Gutachter die me-

dizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situation in Kenntnis 

der Vorakten (VB 191 S. 15 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten 

Beschwerden (VB 191 S. 25, 32, 42 f., 54, 61) einleuchtend und gelangten 

zu einer nachvollziehbar begründeten Schlussfolgerung. Dem ABI-Gutach-

ten kommt somit grundsätzlich Beweiswert im Sinne vorstehender Kriterien 

zu. 

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, das ABI-Gutachten gehe nicht genü-

gend auf die für eine Revision erforderliche Veränderung des Gesundheits-

zustandes im Vergleich zum Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfü-

gung der Beschwerdegegnerin ein, womit das ABI-Gutachten keine rechts-

genügliche Grundlage für die Verfügung vom 17. September 2024 biete 

(vgl. Beschwerde S. 4 f.). 

 

 - 6 - 

 

 

5.1.2. 

Die ABI-Gutachter bejahten eine Veränderung des Gesundheitszustandes 

mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seit der Verfügung vom 8. Mai 

2018. Es bestehe bezüglich des rechten oberen Sprunggelenks ein kom-

plikationsreicher und langwieriger Verlauf (VB 191 S. 11). In der ergänzen-

den Stellungnahme vom 7. Mai 2024 führten die ABI-Gutachter weiter aus, 

durch die erfolgten Eingriffe mit komplikationsbehaftetem Verlauf im Sinne 

von Prothesenlockerung, Entfernung des Implantats, Einsetzen eines Ze-

ment-Spacers und erneuter Implantation einer OSG-Totalprothese sei es 

vorübergehend zu einer erheblichen Veränderung des Gesundheitszustan-

des gekommen. Diese Eingriffe könnten letztlich aber einen objektiv güns-

tigen Verlauf vorweisen. Spätestens ab dem am 26. April 2018 erfolgten 

Revisionseingriff sei auch für angepasste Verrichtungen eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit gegeben gewesen. Spätestens sechs Monate nach der 

letztmals am 8. Juni 2022 erfolgten Operation, somit ab Januar 2023, 

könne jedoch aus interdisziplinärer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 

90 % bei ganztägigem Pensum mit um 10 % reduzierter Leistungsfähigkeit 

ausgegangen werden (VB 201 S. 4). Die ABI-Gutachter haben sich dem-

nach zum Vorliegen einer neuanmeldungsrechtlich relevanten Verände-

rung des Gesundheitszustandes geäussert und eine solche auch bejaht. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Akten seien den ABI-Gutach-

tern unvollständig übergeben worden und die Gutachter hätten selbst wei-

tere Unterlagen anfordern müssen. Es seien zahlreiche nachträglich über-

mittelte Arztberichte zum Zeitpunkt der Gutachtenserstellung unbekannt 

gewesen und hätten nicht in die Expertise einfliessen können. Das ABI-

Gutachten sei daher auf einer aktenkundig unvollständigen Grundlage er-

stellt worden und dessen Beweiskraft sei somit von vornherein erheblich 

geschmälert (vgl. Beschwerde S. 6).  

 

5.2.2. 

Den ABI-Gutachtern lag zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits eine um-

fassende Aktenlage vor (VB 191 S. 15 ff.). In der ergänzenden Stellung-

nahme vom 7. Mai 2024 führten die ABI-Gutachter aus, dass die neu ein-

gereichten Arztberichte der Klinik D._____, insbesondere die Berichte der 

Schlafmedizin aus den Jahren 2020 und 2021 sowie das Einweisungszeug-

nis vom Jahr 2022, zwar im Zeitpunkt der Gutachtenerstellung nicht vorge-

legen hätten, sich aus diesen Berichten aber keine neuen Aspekte ergä-

ben. Insbesondere der Austrittsbericht der Klinik D._____ vom 29. Septem-

ber 2022 sei den Gutachtern im Zeitpunkt der Begutachtung bereits vorge-

legen und sei im psychiatrischen Teilgutachten ausführlich zitiert und dis-

kutiert worden (VB 201 S. 2 mit Verweis auf VB 191 S. 36 f.). In Bezug auf 

die eingereichten Arztberichte des Zentrums E._____ hielten die ABI-Gut-

achter fest, dass aus den beiden neuen, nach der Begutachtung 

 - 7 - 

 

 

entstandenen Schreiben ein objektiv insgesamt günstiger Verlauf nach 

OSG-Totalprothese hervorgehe (VB 201 S. 3). Die ABI-Gutachter äusser-

ten sich somit auch zu den nachträglich eingegangen ärztlichen Berichten 

und die Beurteilung wurde in Kenntnis sämtlicher relevanter Akten erstellt. 

 

5.3. 

5.3.1. 

Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, das psychiatrische Teilgutachten 

sei zu beanstanden, da es keinerlei Diagnose mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit stelle, obwohl sich die Beschwerdeführerin seit vielen Jah-

ren in intensiver psychotherapeutischer, teilweise stationärer Behandlung 

befinde. Die Herleitung der Diagnosen und Einschränkungen seien weder 

schlüssig noch nachvollziehbar. Zudem bleibe die Auseinandersetzung mit 

den abweichenden, über Jahre konsistenten Einschätzungen aller anderen 

involvierten Fachpersonen oberflächlich (vgl. Beschwerde S. 7 f.).  

 

5.3.2. 

Der psychiatrische ABI-Gutachter führte aus, es sei zunächst zu prüfen, ob 

ein Störungsbild aus dem Spektrum der affektiven Erkrankungen oder der 

Traumafolgestörungen zu diagnostizieren sei. Aufgrund des Gesprächs mit 

der Beschwerdeführerin kam der ABI-Gutachter zum Schluss, dass diag-

nostisch zunächst von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen-

wärtig remittiert (ICD-10 F33.4), auszugehen sei. In Bezug auf die Frage 

des Vorliegens des Störungsbilds einer Traumafolgestörung sei festzuhal-

ten, dass kriteriengeleitet keine posttraumatische Belastungsstörung zu di-

agnostizieren sei, da die Symptome für dieses Störungsbild ein halbes Jahr 

nach einem einmaligen schwer traumatisierenden Erlebnis auftreten müss-

ten, was in der Vorgeschichte der Beschwerdeführerin nicht beschrieben 

sei. Die diagnostizierte komplexe posttraumatische Belastungsstörung um-

fasse unter anderem Störungen in der Affekt- und Impulsregulation, der 

Selbstwahrnehmung und der Beziehungen zu anderen Menschen sowie 

deren Viktimisierung. Der ABI-Gutachter führte aus, die Beschwerdeführe-

rin habe erhebliche Traumatisierungen in ihrer Biographie beschrieben, es 

sei daraus jedoch kriteriengeleitet keine Traumafolgestörung abzuleiten. 

Trotz Vorhandensein von somatoformen Symptomen und früheren suizida-

len Tendenzen liessen sich klassische dissoziative Episoden nicht eindeu-

tig feststellen. Des Weiteren habe die Beschwerdeführerin angegeben, 

schon immer Stimmen von Männern zu hören und sich verfolgt und beo-

bachtet zu fühlen. Der ABI-Gutachter führte allerdings aus, entsprechende 

Symptome fänden in keinem der bisher verfassten ausführlichen Arztbe-

richte Erwähnung (VB 191 S. 38 f.). Der ABI-Gutachter führte weiter aus, 

die Beschwerdeführerin habe einerseits kein mit einem klassischen disso-

ziativen Erleben vereinbares Verhaltensmuster aufgezeigt. Sie habe ange-

geben, dass sich ihr Körper und ihr Geist gerade trennen würden, dennoch 

sei sie während der gesamten Situation erreichbar und in der Lage gewe-

sen, dem Gespräch zu folgen. Bei einer echten Dissoziation seien die 

 - 8 - 

 

 

Patienten in der Regel nicht zu erreichen. Es würden sich deutliche Ten-

denzen für eine Aggravation zeigen. Die Beschwerdeführerin habe auch 

keine depressive Auslenkung der Stimmungslage gezeigt. Es bestehe ein 

deutlicher sekundärer Krankheitsgewinn, so werde die Beschwerdeführerin 

regelmässig bei den Haushaltstätigkeiten vom Ex-Mann und der Spitex so-

wie ihren Kindern unterstützt. Aus psychiatrischer Sicht seien die in der All-

tagsgestaltung geschilderten Einschränkungen nicht vollumfänglich nach-

vollziehbar (VB 191 S. 36 f.). Gestützt auf diese Feststellungen hielt der 

ABI-Gutachter fest, dass diagnostisch von einer rezidivierenden depressi-

ven Störung, gegenwärtig remittiert, sowie von einer Schmerzausweitung 

auszugehen sei. Es seien diese Diagnosen jedoch als ohne Einfluss auf 

die Arbeitsfähigkeit anzusehen (VB 191 S. 41). Folglich begründete der 

Gutachter seine Einschätzung nachvollziehbar und von der Beschwerde-

führerin wird denn auch nicht konkret aufgezeigt, in welcher Hinsicht die 

Begründung des Gutachters nicht schlüssig und nachvollziehbar sein 

sollte. 

 

Weiter äusserte sich der psychiatrische ABI-Gutachter detailliert zur Ein-

schätzung der behandelnden Ärzte: Zum Bericht der Klinik D._____ vom 

29. September 2022 über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 

28. Juli bis 29. September 2022 führte der psychiatrische ABI-Gutachter 

aus, im Bericht sei zunächst kein psychopathologischer Eintrittsbefund zu 

finden, aus welchem sich die gestellten Diagnosen ableiten liessen. Ange-

geben werde lediglich, dass sich eine schwere depressive Symptomatik mit 

Niedergeschlagenheit, Antriebsminderung und starkem sozialen Rückzug 

gezeigt habe. Zu etwaigen psychotischen Symptomen seien keine Anga-

ben gemacht worden. Im Arztbericht werde auch keine Diskussion der Di-

agnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung durchge-

führt. Insbesondere werde nicht darauf eingegangen, dass die Beschwer-

deführerin über viele Jahre ein grösstenteils normales Leben mit dem Ein-

gehen einer zweiten Ehe und dem Grossziehen von 5 Kindern geführt 

habe. Der ABI-Gutachter setzte sich auch mit den weiteren bisherigen Be-

richten der behandelnden Ärzte der Beschwerdeführerin auseinander 

(VB 191 S. 36 f.).  

 

Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin wurde ihre schwierige Le-

bens- und Leidenssituation denn auch nicht auf eine vermeintliche Aggra-

vation reduziert (vgl. Beschwerde S. 8), sondern der ABI-Gutachter stellte 

eine Reihe erheblicher psychosozialer Belastungsfaktoren fest (VB 191 

S. 39), welche jedoch bei der Beurteilung von invalidenversicherungsrecht-

lichen Ansprüchen auszuklammern sind (vgl. zum Ganzen statt vieler: 

BGE 127 V 294 E. 5a S. 299 f. und Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2017 

vom 22. März 2018 E. 5.5). 

 

 - 9 - 

 

 

5.4. 

Zusammenfassend sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche gegen die 

Vollständigkeit und Schlüssigkeit des ABI-Gutachtens inklusive ergänzen-

der Stellungnahme sprechen (vgl. E. 4.1. hiervor). Der rechtserhebliche 

medizinische Sachverhalt erweist sich demnach als hinreichend abgeklärt, 

weshalb sich weitere Beweisvorkehren (vgl. Beschwerde S. 8) in antizipier-

ter Beweiswürdigung erübrigen (BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368 f.). Gestützt 

auf das ABI-Gutachten ist somit davon auszugehen, dass ab Mai 2022 eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bestand. Seit  

Januar 2023 ist hingegen von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in angepass-

ter Tätigkeit auszugehen (VB 191 S. 11).  

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass spätestens seit dem Revisionsein-

griff vom 26. April 2018 gemäss ABI auch für angepasste Tätigkeiten eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Selbst wenn ab Januar 2023 wie-

der eine Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit mit einer um 10 % redu-

zierten Leistungsfähigkeit gegeben gewesen wäre, müsse dies für den da-

zwischen liegenden Zeitraum zur Zusprechung einer ganzen Rente führen 

(vgl. Beschwerde S. 7). 

 

6.2. 

Die Beschwerdeführerin hat sich am 29. September 2022 erneut zum Leis-

tungsbezug angemeldet (VB 164). Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der 

Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend-

machung des Leistungsanspruchs. Es hätte somit frühestens im März 2023 

ein Rentenanspruch entstehen können, weshalb die Beschwerdegegnerin 

für den Zeitraum von Mai 2022 bis Januar 2023, in dem gemäss ABI-Gut-

achten von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten 

auszugehen war (vgl. VB 191 S. 11), zu Recht keine Rente zugesprochen 

hat. 

 

7. 

Der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich 

unter Ermittlung eines Invaliditätsgrades von 10 % (VB 206 S. 2) wird von 

der Beschwerdeführerin nicht weiter beanstandet (BGE 119 V 347 E. 1a 

S. 349 f.) und gibt ausweislich der Akten zu keinerlei Weiterungen Anlass. 

Die Beschwerdegegnerin hat demnach einen Rentenanspruch der Be-

schwerdeführerin zu Recht verneint, weshalb die gegen die Verfügung vom 

17. September 2024 erhobene Beschwerde abzuweisen ist.  

 

8. 

8.1. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensausgang und unabhängig vom Streitwert im 

 - 10 - 

 

 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

8.2. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) keine Par-

teientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 11 - 

 

 

   

Aarau, 7. April 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth     Schweizer