# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8709dd2c-e92c-5bb3-8087-e9a66ecc408a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-20
**Language:** de
**Title:** Zusprache einer Rente, Einkommensvergleich, dauerhaftes höheres Valideneinkommen nicht überwiegend wahrscheinlich
**Docket/Reference:** UV.2012.00227
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00227.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00227
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Rubeli
Urteil
vom
20. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Unfallversicherung Stadt Zürich
Stadelhoferstrasse
33, Postfach, 8022 Zürich
Beschwerdegegnerin
Nachdem die Unfallversicherung der Stadt Zürich
mit Verfügung vom 3. Februar 20
10
(
Urk. 8/79)
, bestätigt durch
Einspracheentscheid
vom
27.
August 2012
(Urk.
2
)
,
für die vom Unfallereignis (Auffahrunfall in
Y.___
) vom 17. Juni 2005 herrührende verbliebene Beeinträchtigung - ausgehend von einer unfallbedingt vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ent
sprechend dem Zumutbarkeitsprofil im interdisziplinären
(psychiatrischen, rheumatologischen und neurologische
n
)
Gutachten
der
Z.___
vom 31. Dezember 2011
(Urk. 13/147/35)
- einen Renten
anspruch von
X.___
verneint (rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 3 %
bei Fallabschluss
per September 2009
) und eine
Integritätsent
schädi
gung
aufgrund einer Integritätseinb
usse von 10 % zugesprochen hat
;
nach Einsicht in
die Beschwerde vom
26. September 2012
, mit welcher
X.___
die Aufhe
bung
des angefochtenen
Einspracheentscheids
und die
Zusprache
einer Invalidenrente der Unfallversicherung
sowie einer (höheren)
Integritätsent
schä
digung
beantragt hat (
Urk.
1
),
die auf Abweisung der Beschwerde schliessende Beschwerdeantwort
der Beschwerdegegnerin
vom 31. Oktober 2012 (
Urk.
7),
die Replik der Beschwerdeführer
in vom 28. März 2013 (Urk. 18)
und die Duplik der Beschwerdegegnerin
vom 8. April 2013 (Urk.
22)
,
in wel
chen
letzten
Stellung
nahmen die Part
e
ien
an ihren Anträgen festh
ielten
;
in Erwägung, dass
die Beschwerdegegnerin die massgebenden rechtlichen Grundlagen im ange
foch
te
nen
Einspracheentscheid
beziehungsweise in ihrer
vorherigen
Verfü
gung zutreffend wiedergegeben hat, worauf zu verweisen ist,
in medizinischer Hinsicht gemäss dem interdisziplinären
Z.___
-Gutachten vom
31. Dezember 2011 eine volle Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit anzu
nehmen ist, wobei gemäss
dem
entsprechenden
Z
umutbarkeitsprofil
körperlich leichte, höchstens gelegentlich mittelschwere Tätigkeit
en
ohne
Hantieren von Lasten von mehr als 5 – 7
kg
möglich sind (vgl. Urk. 13/147/35 Ziff.
7.3)
,
dabei festzuhalten ist, dass die
Z.___
-Gutachter in Bezug auf die fragliche Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes ab Januar 2010 bemerkten, die Arbeits
unfähigkeit der Beschwerdeführerin sei nicht so gross, wie sie von dieser empfunden werde (Urk. 13/147/35-36 Ziff. 7.4), weshalb eine Verschlechterung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsfähigkeit ab Januar 2010 nicht anzu
nehmen ist,
weiter festzuhalten ist, dass auch die nach der
Z.___
-Begutachtung erstellten medizinischen
Berichte
keine wesentlichen neuen medizinischen Tatsachen ent
halten (vgl. auch Stellungnahme von IV-Arzt Dr. med.
A.___
, Praktischer Arzt
, vom 21. November 2012
[Urk. 13/170
/9
]),
weshalb auf das zuverlässige
Z.___
-Gutachten abgestellt werden kann
,
in Bezug auf den Rentenanspruch insbesondere die bei der
Invali
ditäts
bemes
sung
einzusetzenden Vergleichseinkommen
strittig sind,
die Unfallversicherung der Stadt Zürich von
einem auf den Dur
ch
schnitt der Jahr
eslöhne 2004 und 2005
gestützten nominallohnentwicklungsbereinigten
Valideneinkommen
(in einem theoretischen Pensum von 100 %
,
vgl.
Urk.
8/79)
von Fr. 81'062.40 (per 2009, Urk. 2 S. 4 am Ende) und einem auf den
Durch
schnittslohn
gemäss den Anforderungsniveau
s
1 und 2 (höchst anspruchsvolle und schwierigste beziehungsweise selbständige und qualifizierte Arbeiten) der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE, Total) gestützten Invalideneinkommen von Fr. 77'920.15 ausging (
per 2009,
unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 5 %,
Urk.
2, 8/79
Anhang
);
die Beschwerdeführerin
diesbezüglich
vorbringt, dass
aufgrund ihrer
hohen
Arbeitsleistung
von
einem höheren
Valideneinkommen
(
als Fr. 81
'062.40
gemäss
Einspracheentscheid
)
auszugehen sei
,
wobei
sie
auf das von der Sozial
versicherungsanstalt des Kanto
ns Zürich, IV-Stelle, angenommene
Validenein
kommen
von Fr. 84'812.50
(
per 2004)
hinweist (
Durchschnitt
der Jahreslöhne 2003 und 2004
, Urk. 13/169/1, 13/150
)
,
festzustellen
ist, dass
der Beschäftigungsgrad der Beschwerdeführerin als
Haus
pflegerin bei der
Spitex
B.___
vor dem Unfall
(
vom 17. Juni 2005
)
zuletzt 65 %
(ab 1. Januar 2005 nach
Pensumsreduktion
noch
5,46 von betriebsüblichen 8,4 Stunden pro Tag
)
und
der
entsprechende
Jahresver
dienst
Fr. 43'
988
.
10
bet
r
ug
(
im Jahr 200
6
,
vgl. Arbeitgeberbericht vom 28. April 2006 [Urk. 13/16
Ziff.
1.2
], vgl. zum Ganzen auch
Urk. 8/5
und
13/150
),
weiter festzustellen
ist, dass
der
angegebene
Beschäftigungsg
rad der Beschwer
de
führerin als Hauspflegerin
in der parallel ausgeübten Tätigkeit
im
Abend
dienst
bei der Spitex
C.___
vor dem Unfall 40 %
betrug
(seit
Beginn des Arbeitsverhältnisses vom 1. September 2002 3,36 von
betrie
bsübli
chen
8,4
Stunden pro Tag,
vgl. Arbeitgeberberich
t vom 28. März 2006
,
Urk. 13/13
)
,
entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin
im vorliegenden Prozess
von einem
(Teil-)
Va
lideneinkommen
bei der Spitex
C.___
entsprechend
dem
dortigen
Beschäftigungsgrad
von
40 %
auszugehen ist,
da ein
dauerhaftes
höheres
Zusatzeinkommen
, welches sie zwischenzeitlich erzielt haben mag,
gestützt auf
die
Arbeitgeberangaben
nicht
überwiegend wahrscheinlich ist
(vgl.
Urk. 8/4)
,
bestätigte die Arbeitgeberin doch kein höheres Pensum und wird bereits mit dieser Festlegung von einem dauerhaften Gesamteinsatz von über 100
%
ausgegangen,
ein hypothetisches
Jahrese
inkommen
bei der Spitex
C.___
von
Fr. 3
1
'
272
.
--
(im Jahr 2006)
anzunehmen
ist (entsprechend
240 Arbeitstagen zu
einem Tagesverd
ienst von Fr. 130.30 [3,36
Arbeitss
tunden pro Tag à Fr. 38.78
inkl. Ferienentschädigung
pro Stunde
,
]
damit per 200
6
ein hypothetisches
(
Gesamt
-)
V
alideneinkom
men
von
Fr. 7
5
'
26
0
.
1
0
anzunehmen ist
(
Fr. 3
1
'
272
.
--
+ Fr. 43'
988
.
10
),
dies unter Berücksichtigung der Entwicklung der nominalen Frauen
löhne (von Index 2
417
auf 2552,
Die Volkswirtschaft 1
/
2-201
2
S. 9
5
Tabelle B10.3) für das für den Einkommensvergleich massgebende Jahr 2009 ein
en
Jahreslohn
von Fr.
79
'
463
.
70
ergibt,
auch
das Invalideneinkommen, da die Beschwerdeführerin keine neue Erwerbstä
tigkeit aufgenommen
hat
beziehungsweise ihre
volle Arbeitsfähigkeit
in angepasster T
ätigkeit
nicht voll ausschöpft
, anhan
d der
LSE zu
ermitteln ist, wobei
zwischen den Parteien umstritten ist,
auf welches Anforderungsniveau der LSE abzustellen ist,
für die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung
– etwa als Leiterin eines Pflegeteams im Alters- und Pflegeheim
D.___
oder als
Sta
tionsleiterin
im Alters- und Pflegeheim
E.___
(vgl.
etwa
Lebenslauf mit
Arbeitszeugnissen [Urk. 13/26]
und
Aufgabenbeschreibung „gelernte Hauspfle
gerin“ der Spitex
C.___
[Urk. 8/39
]
)
–
als Verweisungstätigkeiten medizi
ni
sche, pflegerische und soziale Tät
igkeiten des Anforderungsniveau
3 in Betracht kommen,
f
ür die Annahme einer höher entschädigten Tätigkeit in den
Anforderungsni
veaus
1 und 2 keine Anhaltspunkte bestehen, war doch die Beschwerdeführerin zuletzt nicht mit Managementaufgaben betraut und ist nicht ersichtlich, in wel
cher Funktion sie Ansicht auf eine derartige Anstellung hätte,
für
entsprechende Tätigkeiten die Tabelle TA7 der LSE 2004 für Frauen einen Medianwert von Fr. 5'371.-- aufweist (
Ziff.
33),
umgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden (Die Volkswirtschaft 12-2013 S. 90 Tabelle B9.2 Total 2012
Noga
-Abschnitt Q) und unter Zubilligung eines nicht zu beanstandenden leidensbedingten Abzugs von 5 % (vgl.
Urk. 2;
zum Ganzen
BGE 126 V 75
) ein
Jahreseinkommen
von Fr. 63'678.60 resultiert,
dies nominallohnentwicklungsbereinigt (von Index 2360 auf 2552) per 2009 ein
a
nrechenbares Invalideneinkommen
von Fr. 68'859.20 ergibt,
bei Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen von
Fr.
79
'
463
.
2
5
und Fr. 68'859.20
eine Erwerbseinbusse
von Fr.
10
'
604
.5
0
beziehungsweis
e ein Invaliditätsgrad von
1
3
% resultiert
,
b
ezüglich
der Integritätsentschädigung
der
Einspracheentscheid
beziehungs
weise die Verfügung
ebenfalls nicht zu beanstanden
ist
, nachdem
die
in den Jahren 2009 und 2011
eingeholten
medizinischen
Gutachten
übereinstimmend ein
en
Integritätsschaden vo
n 10
%
fest
gestellt hatten
(vgl. rheumatologisches Teilgutachten von Dr. med.
F.___
, Facharzt für Innere Medizin, vom 5. Februar 2009 [Urk. 13/81/37] und
Z.___
-
Gutachten vom 31. Dezember 2011
[
Urk. 13/147/41 Ziff. 8
]
)
;
demnach der
angefochtene
Einspracheentscheid
dahingehend abzuändern
ist,
dass die
Beschwerdeführerin
ab
September 2009
Anspruch auf eine Invaliden
rente der Unfallversicherung gestützt auf einen Invaliditätsgrad
von
1
3
%
hat;
in weiterer Erwägung, dass
sich
die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert bemisst (§ 34
GSVGer
in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG]),
demnach der
teilweise obsiegenden
Beschwerdeführerin
in Anwendung dieser Kriterien
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2
'
00
0.--
zuzusprechen ist;
erkennt das Gericht:
1.
In teilweiser Gutheissung wird der
Einspracheentscheid
vom 2
7.
August 2012 insoweit abgeändert,
als festgestellt wird, dass die
Beschwerdeführer
in
ab
September 2009
Anspruch auf eine Rente
der Unfallversicherung
basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 1
3
% hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schä
digung
von
Fr.
2
‘
0
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz
-
Unfallversicherung Stadt Zürich
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubRubeli