# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0fc3ae5c-e72c-5a48-8f2a-1f3452e2eab4
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 24.04.2014 S 2014 7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2014-7_2014-04-24.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT
DES KANTONS GRAUBÜNDEN

S 14 7

Versicherungsgericht

Verwaltungsrichterin Moser als Einzelrichterin und Baumann-

Maissen als Aktuarin 

URTEIL
vom 24. April 2014

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführer

gegen 

Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden,

Beschwerdegegner

betreffend Insolvenzentschädigung

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1. A._____ war seit dem 1. Oktober 1989 bei der B._____AG mit Sitz in 

O._____ tätig. Seit 1995 war er ausserdem Mitglied des Verwaltungsrates 

derselben und erwarb Ende 1997 252 von insgesamt 700 Namenaktien 

der B._____AG. Am 19. September 2013 wurde der Konkurs über die 

B._____AG eröffnet, weshalb diese seither mit der Bezeichnung 

B._____AG in Liquidation (nachfolgend: B._____AG) im Handelsregister 

eingetragen ist. 

2. Am 23. September 2013 stellte A._____ bei der Arbeitslosenkasse 

Graubünden einen Antrag auf Insolvenzentschädigung für den Zeitraum 

vom 1. September bis zum 19. September 2013. Mit Verfügung vom 

1. Oktober 2013 lehnte die Arbeitslosenkasse Graubünden die Ausrich-

tung der begehrten Insolvenzentschädigung ab, da der Gesuchsteller die 

Entscheide der B._____AG in seiner Eigenschaft als finanziell am fragli-

chen Betrieb Beteiligter massgeblich beeinflusst habe. Die dagegen erho-

bene Einsprache wies das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) 

mit Entscheid vom 3. Dezember 2013 ab. 

3. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 20. Januar 

2014 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, mit 

dem Antrag, der Einspracheentscheid des KIGA vom 3. Dezember 2013 

sei aufzuheben und es sei ihm für den Zeitraum vom 1. September bis 

zum 19. September 2013 eine Insolvenzentschädigung zuzusprechen. 

Zur Begründung dieses Antrags führte er im Wesentlichen aus, zwar be-

sitze er einen Drittel des Aktienkapitals der B._____AG und sei Mitglied 

des Verwaltungsrates derselben gewesen. Effektiv habe er aber – seit 

C._____ im September 2012 an der Seite von D._____ als Geschäftslei-

ter eingesetzt worden sei – wenig bis gar keinen Einfluss mehr auf die 

Geschicke der B._____AG gehabt. Neu seien es nämlich die Herren 

C._____ und D._____ gewesen, welche die strategischen Entscheide er-

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arbeitet und umgesetzt hätten. Er hätte die Geschäftsführung der 

B._____AG nicht bzw. nur mehr wenig beeinflussen können. Damit habe 

er Anspruch auf die begehrte Insolvenzentschädigung.

4. In der Stellungnahme vom 31. Januar 2014 beantragte das KIGA (nach-

folgend: Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde. Zur Be-

gründung brachte der Beschwerdegegner hauptsächlich vor, im vorlie-

genden Fall sei der Beschwerdeführer Mitglied des Verwaltungsrats der 

B._____AG gewesen und habe einen Drittel des Aktienkapitals derselben 

besessen. Aus diesen beiden Gründen müsse das Begehren des Be-

schwerdeführers um Ausrichtung einer Insolvenzentschädigung abgelehnt 

werden.

Auf die weiteren Ausführungen und die im Recht liegenden Beweismittel 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-

gen. 

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Ar-

beitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in 

Verbindung mit Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes zum Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen Einspra-

cheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung Beschwer-

de beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. Bezieht sich 

die Beschwerde auf eine Insolvenzentschädigung, so ist hierfür gemäss 

Art. 100 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit Art. 128 und Art. 119 Abs. 1 lit. d 

der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und In-

solvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) das kantonale Versicherungs-

gericht am Ort des zuständigen Betreibungs- und Konkursamts zuständig. 

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Gemäss Art. 46 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Schuldbetreibung 

und Konkurs (SchKG; SR 281.1) sind im Handelsregister eingetragene ju-

ristische Personen an ihrem Sitz zu betreiben. Der Sitz der konkursiten 

B._____AG, bei welcher der Beschwerdeführer beschäftigt war, befindet 

sich in O._____. Demzufolge hat das Konkursamt des O1._____ das 

Konkursverfahren gegen die B._____AG durchzuführen (Art. 1 Abs. 1 der 

Vollziehungsverordnung zum SchKG [GVV zum SchKG; BR 210.100]). 

Demzufolge ist das Versicherungsgericht des Kantons Graubünden für 

die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Hierbei handelt 

es sich laut Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-

pflege (VRG; BR 370.109) um das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden. Dieses entscheidet darüber in einzelrichterlicher Kompe-

tenz, wenn der Streitwert Fr. 1'000.-- nicht überschreitet und keine Fün-

ferbesetzung vorgesehen ist (Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG). Diese Vorausset-

zungen sind im vorliegenden Fall erfüllt, da der Beschwerdeführer bei 

Gutheissung seines Begehrens um Ausrichtung einer Insolvenzentschä-

digung ausgehend von einem zuletzt erzielten Bruttoeinkommen von 

Fr. 6'650.-- maximal Fr. 4'212.-- beanspruchen könnte (Fr. 6'650.-- : 30 x 

19) und für die Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit keine Fünfer-

besetzung vorgeschrieben ist. Die vorliegende Angelegenheit fällt somit in 

die Zuständigkeit der Einzelrichterin des angerufenen Verwaltungsge-

richts. Der Beschwerdeführer ist vom angefochtenen Einspracheent-

scheid ausserdem unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Inter-

esse an dessen Überprüfung, womit seine Beschwerdelegitimation zu be-

jahen ist (Art. 59 ATSG). Auf die vom Beschwerdeführer im Übrigen frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten (Art. 60 

und Art. 61 lit. b ATSG). 

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2. Im vorliegenden Fall ist strittig, ob der Beschwerdeführer für den Zeitraum 

vom 1. September bis zum 19. September 2013 eine Insolvenzentschädi-

gung beanspruchen kann.

a) Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a AVIG haben beitragspflichtige Arbeitnehmer 

von Arbeitgebern, die in der Schweiz der Zwangsvollstreckung unterlie-

gen oder in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen, Anspruch auf Insol-

venzentschädigung, wenn gegen ihren Arbeitgeber der Konkurs eröffnet 

wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Keinen 

Anspruch auf Insolvenzentschädigung haben indes Personen, die in ihrer 

Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als 

Mitglied eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Ent-

scheidungen des Arbeitgebers bestimmen oder massgeblich beeinflussen 

können. Diese in Art. 51 Abs. 2 AVIG verankerte Regelung betrifft Perso-

nen, denen im Betrieb eine arbeitgeberähnliche Stellung zukommt, die je-

doch beitragsrechtliche als Unselbständigerwerbende einzustufen sind 

(URS BURGHERR, Die Insolvenzentschädigung, in: KÖLZ/MEYER-BLASER 

[Hrsg.], Schriften zum Sozialversicherungsrecht, Zürich/Basel/Genf 2004, 

S. 42). Ob ein leitender Angestellter im Sinne von Art. 51 Abs. 2 AVIG 

über eine massgebliche Entscheidungsbefugnis verfügt, ist grundsätzlich 

nicht nach rein formalen Kriterien, sondern aufgrund der konkreten be-

trieblichen Struktur und der dem leitenden Angestellten darin zugewiese-

nen Position zu beurteilen. Vom Grundsatz, dass im Einzelfall abzuklären 

ist, ob eine massgebliche Einflussmöglichkeit vorliegt, hat das Bundesge-

richt jedoch den mitarbeitenden Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft 

ausgenommen, da diesem von Gesetzes wegen (Art. 716-716b des Obli-

gationenrechts [OR; SR 220]) erhebliche Entscheidungsbefugnisse zu-

kommen. Es gehört also begriffsnotwendig zum Wesen eines Verwal-

tungsrats, dass dieser die gesellschaftlichen Entscheidungen massge-

blich beeinflusst, und sei es auch nur in Form der Oberleitung oder der 

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Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen. In 

einem solchen Fall ist der Anspruch auf eine Insolvenzentschädigung 

deshalb ohne weitere Prüfung der konkreten Verantwortlichkeit in der in 

Frage stehenden Aktiengesellschaft zu verneinen (BGE 123 V 234 E.7a, 

122 V 272 E.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_196/2011 vom 1. Juni 

2011 E.2, 8C_239/2009 E.2; ARV 2000 Nr. 34 S. 178 E.1; BURGHERR, 

a.a.O., S. 45; HANS-ULRICH STAUFFER/BARBARA KUPFER BUCHER, in: MU-

RER/STAUFFER [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial-

versicherungsrecht, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosen-

versicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 

2013, S. 252; THOMAS NUSSBAUMER, in: MEYER [Hrsg.], Soziale Sicherheit, 

Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, 2. Aufl., Ba-

sel/Genf/München 2007, S. 2356 f. N. 591). Scheidet ein Arbeitnehmer 

aus dem Verwaltungsrat aus, verbleibt jedoch weiterhin im Betrieb, so 

muss ab diesem Zeitpunkt im Einzelfall geprüft werden, ob er in der von 

ihm fortan ausgeübten leitenden Funktion weiterhin massgeblich Einfluss 

auf die Gesellschaftsführung nehmen kann. Bei Verwaltungsräten ist da-

bei – entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 52 

des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung 

(AHVG; SR 831.10) – der Zeitpunkt des effektiven Rücktritts massgebend 

und nicht die formelle Löschung im Handelsregister oder das Datum der 

Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt (ARV 2000 Nr. 34 

S. 178 E.1; BURGHERR, a.a.O., S. 46; STAUFER/KUPFER BUCHER, a.a.O., 

S. 252).

b) In tatsächlicher Hinsicht steht vorliegend fest, dass der Beschwerdeführer 

seit dem 1. Oktober 1989 bei der am 19. September 2013 in Konkurs ge-

gangenen B._____AG tätig war, im Jahr 1995 Einsitz in deren Verwal-

tungsrat genommen und Ende 1997 252 von insgesamt 700 Namenaktien 

der B._____AG erworben hat. Erstellt ist im Weiteren, dass er am 8. Ok-

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tober 2013 im Handelsregister als Mitglied des Verwaltungsrats der 

B._____AG gelöscht wurde. Dass er sein Verwaltungsratsmandat bereits 

früher niedergelegt hatte, behauptet der Beschwerdeführer nicht. Im Ge-

genteil hält er in seiner Beschwerdeschrift vom 20. Januar 2014 fest, als 

Verwaltungsratsmitglied an Sitzungen der Geschäftsleitung teilgenommen 

zu haben, jedoch habe er seit C._____ im September 2012 an der Seite 

von D._____ als Geschäftsleiter eingesetzt worden sei, wenig bis gar kei-

nen Einfluss mehr auf die Geschicke der B._____AG gehabt. Neu seien 

es die Herren C._____ und D._____ gewesen, welche die strategischen 

Entscheide erarbeitet und umgesetzt hätten. Er hätte die Geschäfts-

führung der B._____AG nicht bzw. nur mehr wenig beeinflussen können. 

Aufgrund dieser Ausführungen steht fest, dass der Beschwerdeführer sei-

ne Funktion als Verwaltungsrat der B._____AG sicherlich bis zur Konkur-

seröffnung am 19. September 2013 ausgeübt hat. Bei dieser Ausgangs-

lage hat der Beschwerdegegner das Gesuch des Beschwerdeführers um 

Ausrichtung einer Insolvenzentschädigung zu Recht abgewiesen, ohne 

sich mit der innerbetrieblichen Aufgabenteilung, dem Umfang der Beteili-

gung des Beschwerdeführers an der B._____AG oder den arbeitsvertrag-

lichen Elemente seiner Tätigkeit für die B._____AG auseinandersetzen, 

gehört doch eine massgebliche Einflussmöglichkeit im Sinne von Art. 51 

Abs. 2 AVIG nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Wesen 

des Verwaltungsratsmandats (vgl. E.2a hiervor). Der angefochtene Ein-

spracheentscheid vom 3. Dezember 2013 erweist sich demnach als rech-

tens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.

3. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren in 

Sozialversicherungssachen – ausser bei leichtsinniger oder mutwilliger 

Prozessführung – kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben 

werden. Eine Parteientschädigung steht dem obsiegenden Beschwerde-

gegner nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

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Demnach erkennt die Einzelrichterin

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

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