# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c1b38a2-7541-590f-81b0-0dc16b4ab0ba
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-03-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.03.2021 E-6281/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6281-2020_2021-03-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6281/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M ä r z  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richter Gérald Bovier,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

B._______, geboren am (…),  

C._______, geboren am (…),  

D._______, geboren am (…),  

Albanien, 

alle vertreten durch lic. iur. Kathrin Stutz,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

(…),  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 3. Dezember 2020 / N (…). 

 

 

 

E-6281/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin und ihre drei minderjährigen Töchter ersuchten 

am 6. September 2019 in der Schweiz um Asyl nach. Am gleichen Tag wur-

den ihre Personalien durch das SEM aufgenommen. Am 18. September 

erfolgte ein Gespräch mit der Beschwerdeführerin im Rahmen eines allfäl-

lig durchzuführenden Dublin-Verfahrens. Am 24. und am 28. Januar 2020 

wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asylgründen angehört. Eine ergän-

zende Anhörung (im Rahmen des erweiterten Verfahrens) fand zudem am 

11. März 2020 statt.  

Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, sie sei albanische 

Staatsangehörige und in E._______ / Albanien bei ihrer Familie aufge-

wachsen. Im Alter von (…) Jahren sei sie nach Griechenland zu einer Tante 

gezogen und habe sich dort illegal aufgehalten. Seit dem Jahr 2003 sei sie 

sexueller Gewalt durch ihren Cousin ausgesetzt gewesen. Im Jahre 2006 

habe sie ihren Ehemann in Griechenland kennengelernt. Weil es sich um 

einen (…) Staatsangehörigen handle, sei er von der Familie nicht akzep-

tiert worden. Sie habe sich 2006 / 2007 zusammen mit ihrem Mann in der 

Türkei aufgehalten. Nach einem Aufenthalt zurück in Griechenland seien 

sie 2008 / 2009 nach Deutschland, wo ihnen Asyl gewährt worden sei. Da 

der Ehemann sich in Deutschland nicht wohlgefühlt habe, seien sie nach 

Griechenland zurückgekehrt. Dort hätten sie im Jahr 2012 offiziell geheira-

tet. Der Cousin habe sie in Griechenland weiterhin bedroht und ihr sexuelle 

Gewalt angetan. Dem Ehemann habe sie sich bisher nicht anvertraut, da 

sie befürchte, dass er ihr aus einem verletzten Ehrgefühl heraus die Kinder 

wegnehme oder sie umbringe. An die Polizei habe sie sich nicht gewandt, 

da sie nicht wolle, dass ihr Ehemann davon erfahre. Einzig einer ihrer 

Schwestern habe sie sich vor Jahren anvertraut. In der Folge habe diese 

den Kontakt abgebrochen. Im September 2019 habe sie zusammen mit 

ihren Kindern Griechenland verlassen und sei in die Schweiz gereist. Sie 

habe damit der weiterhin bestehenden sexuellen Gewalt des Cousins ent-

kommen wollen und auch ihre älteste Tochter in Sicherheit bringen wollen, 

welche ebenfalls in den Fokus des Cousins geraten sei. Sie stehe im tele-

fonischen Kontakt mit ihrem Ehemann, der ihr gedroht habe, sich scheiden 

zu lassen, falls sie nicht nach Griechenland zurückkehre. Dieser wisse wei-

terhin nichts von ihren Gewalterfahrungen. Sie habe zudem Angst, dass ihr 

in Albanien lebender Vater durch die Schwester, allenfalls auch durch die 

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Seite 3 

Mutter, die ebenfalls in Kenntnis dieser Umstände sei, von den Gewalttä-

tigkeiten erfahre und sie umbringe, weil sie die Ehre der Familie verletzt 

habe. Die Familie sei sehr religiös.  

Zur Untermauerung des Vorbringens wurden insbesondere ein ärztlicher 

Bericht der Universitären Psychiatrischen Dienste G._______ vom 14. Ja-

nuar 2020 sowie griechische Dokumente betreffend die Aufenthaltstitel der 

Beschwerdeführerin, ihrer Kinder und ihres Ehemannes in Griechenland 

eingereicht.  

B.  

Am 17. Juni 2020 veranlasste die Vorinstanz Botschaftsabklärungen im 

Heimatstaat der Beschwerdeführerin.  

C.  

Das Ergebnis der Botschaftsabklärung vom 4. August 2020 wurde der Be-

schwerdeführerin am 7. August 2020 zur Kenntnis gebracht und ihr Gele-

genheit zur Stellungnahme gegeben.  

D.  

Mit Schreiben vom 18. August 2020 nahm die Beschwerdeführerin zum Er-

gebnis der Botschaftsabklärung Stellung.  

E.  

Mit Verfügung vom 3. Dezember 2020 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft der Beschwerdeführerin und ihrer Töchter, lehnte die Asyl-

gesuche ab und ordnete deren Wegweisung aus der Schweiz sowie den 

Vollzug an.  

F.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 

2020 wurde – handelnd durch die mandatierte Rechtsvertreterin – bean-

tragt, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben, es sei den Beschwer-

deführerinnen Asyl zu gewähren, jedenfalls deren Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen, eventualiter sei die Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des 

Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnahme an-

zuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ersucht.  

E-6281/2020 

Seite 4 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 22. Dezember 2020 hielt die Instruktionsrich-

terin fest, die Beschwerdeführerinnen könnten den Ausgang des Verfah-

rens in der Schweiz abwarten, verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses und forderte die Beschwerdeführerin zur Einreichung eines 

ärztlichen Berichts innert angesetzter Frist ein.  

H.  

Am 13. Januar 2021 wurde ein die Beschwerdeführerin betreffender ärztli-

cher Bericht, datierend vom 23. Dezember 2020 sowie ein ärztliches 

Schreiben vom 8. Januar 2021 eingereicht. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Januar 2021 wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen und für das vor-

liegende Beschwerdeverfahren die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtli-

che Rechtsbeiständin beigeordnet. Die Vorinstanz wurde zur Vernehmlas-

sung eingeladen.  

J.  

Mit Vernehmlassung vom 10. Februar 2021 hielt die Vorinstanz an ihren 

Erwägungen fest, ergänzte ihre Ausführungen und schloss auf Abweisung 

der Beschwerde.  

K.  

Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführerinnen am 16. Februar 

2021 zur Kenntnis gebracht unter Fristansetzung zur Einreichung einer all-

fälligen Replik.  

L.  

Am 3. März 2021 wurde eine entsprechende Replik eingereicht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

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Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

1.3 Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 

und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-

weise Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist zudem formgerecht eingereicht 

worden (Art. 52 Abs. 1 VwVG) 

1.4 Die Beschwerde wurde zudem fristgerecht eingereicht. Das SEM hat 

in der Rechtsmittelbelehrung eine fünftägige Beschwerdefrist gemäss 

Art. 108 Abs. 3 AsylG angegeben. Diese Frist traf es in der Annahme, es 

handle sich bei seinem Entscheid um einen ablehnenden Asylentscheid 

ohne weitere Abklärungen im Sinne von Art. 40 AsylG i.V.m. Art. 6a Abs. 2 

Bst. a AsylG (vgl. act. (…)-46/12 Ziffer IV S. 11). Zutreffend ist dabei die 

Annahme des SEM, dass es sich bei Albanien um ein sog. "safe country" 

im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a handelt. Hingegen liegt kein Asylent-

scheid vor, der ohne weitere Abklärungen im Sinne von Art. 40 AsylG ge-

troffen worden ist. Dies zeigt sich daran, dass das SEM aufgrund weiterer 

Abklärungen eine Zuteilung ins erweiterte Verfahren vorgenommen, die 

Beschwerdeführerin in der Folge ergänzend angehört sowie anschliessend 

eine Botschaftsabklärung vorgenommen und dazu das rechtliche Gehör 

gewährt hat (vgl. act. […], […]-37/3, […]-42/2, […]-43/4). Mithin handelt es 

sich um einen Entscheid, der in Anwendung von Art. 6a Abs. 2 Bst  a AsylG 

i.V.m. Art. 31 Abs. 4 AsylG im erweiterten Verfahren ergangen ist und ge-

mäss dem die Beschwerdefrist folglich nach Art. 108 Abs. 2 AsylG dreissig 

Kalendertage beträgt.  

Die Rechtsmittelbelehrung des SEM erweist sich demnach als fehlerhaft. 

Die juristisch ausgebildete Vertreterin hätte wohl vorliegend diese Fehler-

haftigkeit erkennen können, da sie ab dem Zeitpunkt der Zuweisung ins 

erweiterte Verfahren als Vertreterin der Beschwerdeführerin tätig und im 

Besitz der entsprechenden Akten (vgl. act. […]-32/1) war und ihr somit 

hätte bewusst sein sollen, dass diese sich im erweiterten Verfahren befin-

det. Die abschliessende Prüfung dieser Frage kann indes vorliegend offen-

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bleiben. Denn der Mangel wurde auf Beschwerdeebene nicht gerügt, son-

dern vielmehr wird ersichtlich, dass die Rechtsvertreterin die vom SEM ver-

fügte Beschwerdefrist nicht angezweifelt und daher innert der vom SEM 

(fälschlicherweise) vorgegeben verkürzten Beschwerdefrist von fünf Ar-

beitstagen ihre Beschwerde eingereicht hat (vgl. Beschwerde S. 2). Die an 

sich zutreffende dreissigtätige Beschwerdefrist wäre damit ohnehin ge-

wahrt worden. Auch sonst ist der Beschwerdeführerin kein Nachteil durch 

die falsche Rechtsmittelfrist respektive mangelhafte Eröffnung (vgl. Art. 35 

Abs. 2 VwVG, Art. 38 VwVG) entstanden, zumal sie im Rahmen des Schrif-

tenwechsels ausreichend Gelegenheit hatte, zusätzliche Ausführungen an-

zubringen.  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG, zu den praxisgemässen An-

forderungen an das Glaubhaftmachen vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

  

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4.  

4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die 

Prüfung von Asylgründen erfolge stets in Bezug auf den Heimatstaat der 

Betroffenen (Art. 1 Bst. a Ziff. 2 FK). Die Beschwerdeführerin sei albani-

sche Staatsangehörige und mache geltend, in Griechenland Probleme zu 

haben. Die Vorbringen in Bezug auf Griechenland seien aber nur dann ge-

eignet, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn diese auch im Hei-

matstaat zu einer Verfolgungssituation führen würden.   

Der Bundesrat könne gestützt auf Art. 6a Abs. 2 Bst.  a AsylG Staaten, in 

denen keine Gefahr einer Verfolgung bestehe, als sichere Herkunftsstaa-

ten, sog. «safe countries», bezeichnen. Die Bezeichnung erfolge aufgrund 

landesspezifischer Faktoren und Entwicklungen, der politischen Situation 

und der Menschenrechtslage. Im Falle der Staaten, welche als verfol-

gungssicher bezeichnet würden, bestehe die Regelvermutung, dass asyl-

relevante staatliche Verfolgung nicht stattfinde und Schutz vor nichtstaatli-

cher Verfolgung gewährleistet sei. Es handle sich um eine sog. relative 

Verfolgungssicherheit, welche es im Einzelfall konkret und substanziiert 

umzustossen gelte. Der Bundesrat habe mit Beschluss vom 25. Oktober 

2017 Albanien per 1. Januar 2018 zu einem verfolgungssicheren Staat im 

Sinne der genannten Vorschrift erklärt. Aus den Akten seien vorliegend 

keine Hinweise ersichtlich, die geeignet wären, die erwähnte Regelvermu-

tung umzustossen. Sofern die Beschwerdeführerin die Vermutung geäus-

sert habe, dass ihr Vater allenfalls vom erlebten Missbrauch wisse, dies als 

Ehrverletzung wahrnehme und sie umbringe, sei diese Vermutung objektiv 

betrachtet nicht begründet. Unabhängig vom Kenntnisstand des Vaters 

über den Missbrauch sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin offen-

bar ein selbstbestimmtes Leben führe, was sich auch aus der Heirat mit 

einem (…) Staatsangehörigen ergebe. Es würden verschiedene Umstände 

dafürsprechen, dass der Ehemann von der Familie akzeptiert sei. So ar-

beite dieser beispielsweise mit dem Mann der Tante in Griechenland auf 

dem Bau. Der Vater habe die Familie nach Angaben der Beschwerdefüh-

rerin sodann nach der Geburt des ersten Kindes in Griechenland besucht. 

Die Beschwerdeführerin stehe eigenen Angaben gemäss in einem regel-

mässigen Kontakt zur Familie. Es habe vonseiten der Familie bisher keine 

Bedrohung gegeben, dies obwohl die Schwester der Beschwerdeführerin 

über die erlittene sexuelle Gewalt seit mehr als zwölf Jahren Bescheid 

wisse. Aus der Abklärung der Botschaft im Umfeld der Familie ergebe sich 

ebenfalls, dass keine konkrete Gefährdung vonseiten der Familie vorliege. 

Der Vater habe dahingehend Auskunft gegeben, dass er in einem regel-

mässigen telefonischen Kontakt zur Beschwerdeführerin stehe. Als Grund 

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für den Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz habe er ange-

geben, die Beschwerdeführerin sei in Griechenland arbeitslos gewesen 

und habe sich aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz begeben. Sie 

habe die Absicht, nach Erhalt der Aufenthaltsbewilligung ihren Ehemann 

ebenfalls in die Schweiz kommen zu lassen. Der Vater habe überdies an-

gegeben, dass der Schwiegersohn im Jahr 2019 versucht habe, nach Al-

banien zu reisen, um die Schwiegereltern zu besuchen. Die Einreise sei 

ihm jedoch verweigert worden. Der Vater habe sodann ausgeführt, er 

könne sich die Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihre Kinder finanziell 

nicht leisten und sei nicht bereit, auch noch den Schwiegersohn aufzuneh-

men. Familiäre Probleme habe er nicht angeführt. Sofern die Beschwerde-

führerin geltend mache, sie habe ihrem Vater gegenüber angegeben, aus 

wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz zu reisen, stehe dies im Wider-

spruch zu ihren Angaben anlässlich der Anhörung, in welcher sie explizit 

ausgeführt habe, dass sie ihrem Vater gegenüber von einer Flucht aus 

Griechenland in die Schweiz erzählt habe. Sofern geltend gemacht werde, 

durch die Botschaftsabklärung sei die Beschwerdeführerin in Gefahr im 

Heimatstaat gebracht worden, weil die Familie nunmehr ihren Aufenthalts-

ort kenne und über die Asylgründe Bescheid wisse, sei dies unbegründet. 

Die Familie habe bereits vom Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz gewusst. Im Rahmen der Botschaftsabklärung seien sodann 

keine Informationen über die Gründe preisgegeben worden. 

In Bezug auf den Ehemann sei festzustellen, dass sich die von der Be-

schwerdeführerin geäusserte Vermutung, dieser bringe sie allenfalls um, 

wenn er von den ehrverletzenden Umständen erfahre, objektiv nicht be-

gründen lasse. Der Ehemann habe nach Angaben der Beschwerdeführerin 

nachdem sie zusammen mit den Kindern Griechenland verlassen habe, 

einzig er Scheidung gedroht. Er sei nach Angaben der Beschwerdeführerin 

traurig über die Trennung und mache sich Sorgen um die Kinder. Er habe 

offenbar weder die Polizei eingeschaltet, nachdem sie Griechenland mit 

den Kindern verlassen habe noch anderweitige Drohungen ausgespro-

chen. Die Angaben des Vaters anlässlich der Botschaftsabklärung, wonach 

die Absicht bestehe, den Ehemann in die Schweiz nachkommen zu lassen, 

sobald sie im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz sei, wür-

den sodann erhebliche Zweifel amVorbringen betreffend Bedrohungssze-

nario durch den Ehemann aufkommen lassen.  

Für den Fall, dass es in Albanien von Familienmitgliedern Drohungen oder 

Übergriffe auf die Beschwerdeführerin gebe, sei es der Beschwerdeführe-

rin im Übrigen zuzumuten, solche Angriffe strafrechtlich zu verfolgen. Es 

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sei auf das in Albanien verabschiedete Gewaltschutzgesetz zu verweisen, 

welches Schutzanordnungen für Opfer häuslicher Gewalt vorsehe. Es sei 

davon auszugehen, dass der albanische Staat seiner Schutzpflicht im Rah-

men seiner Möglichkeiten nachkomme. Die Inanspruchnahme der staatli-

chen Schutzinfrastruktur sei ihr subjektiv zumutbar und der tatsächliche 

Zugang zu den Behörden sei gewährleistet. Ausserdem sei auf das Bera-

tungszentrum für gewaltbetroffene Frauen und Kinder in Tirana hinzuwei-

sen, welche Hilfe bieten könne. Die Vorbringen würden gesamthaft gese-

hen den Anforderungen nach Art. 3 AsylG nicht standhalten. Die Beschwer-

deführerin und ihre Töchter würden daher die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllen, weshalb das Asylgesuch abzuweisen sei.  

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen nochmals derselbe Sachvor-

trag wiedergegeben und geltend gemacht, dass die Familie und der Ehe-

mann sehr traditionell eingestellt seien, weshalb die Beschwerdeführerin 

von ihrer Familie keinen Schutz erwarten könne. Im Gegenteil sei damit zu 

rechnen, dass sie entsprechende dem «Kanun» verstossen oder umge-

bracht werde. Diesbezüglich wurde auf einen Bericht der Organisation 

«Terre des Femmes» zur Situation von Frauen in Albanien (Stand 7/2020) 

verwiesen. Erneut wurde betont, dass die ältere Tochter der Beschwerde-

führerin bereits in den Fokus des Cousins geraten sei und sexuelle Über-

griffe zu befürchten habe.  

4.3 Auf Vernehmlassungsstufe führte die Vorinstanz aus, sofern in der Be-

schwerde ausgeführt werde, dass in Albanien noch das traditionelle Recht 

des «Kanun» gelte, weshalb die Beschwerdeführerin von Blutrache be-

droht sei, wiederspreche diese Aussage in ihrer Absolutheit den Tatsachen. 

In Fällen der Verletzung der Ehre einer Familie durch eine Bluttat oder wei-

terer gesellschaftlicher Normen würden in Albanien in gewissen Regionen, 

insbesondere in den nördlichen, meist ländlichen Gebieten einzelne Teile 

des «Kanun» angewandt. Die Beschwerdeführerin stamme jedoch aus der 

Stadt E._______ in Zentralalbanien. Somit sei der alleinige Hinweis auf das 

Vorhandensein der Blutrache nicht geeignet, die Vorbringen in einem an-

deren Licht erscheinen zu lassen. 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt vorliegend zum Schluss, dass 

die vorinstanzlichen Erwägungen zu bestätigen sind, wonach die Be-

schwerdeführerin keine asylrelevanten Verfolgungsgründe glaubhaft ma-

chen konnte. Auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist zu ver-

weisen.  

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5.2 Als Wesentlich sieht das Gericht in diesem Zusammenhang die Abklä-

rungsergebnisse der Vorinstanz im familiären Umfeld der Beschwerdefüh-

rerin im Heimatstaat an. Aus dem dezidierten Bericht der Schweizerischen 

Botschaft, namentlich den Auskünften des Vaters der Beschwerdeführerin, 

lässt sich schliessen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Familie im Hei-

matstaat in einem guten Kontakt steht (vgl. act. […]-42/2, […]-43/4). Kon-

krete Anhaltspunkte dafür, dass sie Opfer von Übergriffen oder Bedrohun-

gen seitens der Familie werden könnte, ergeben sich nicht. Die Beschwer-

deführerin hatte dem Ergebnis der Botschaftsabklärung denn auch im Rah-

men ihrer Stellungnahme nichts Konkretes entgegenzusetzen (vgl. act. 

[…]-44/4). Die Ausführungen in Bezug auf das Verhältnis zu ihrem Vater, 

namentlich, dass sie diesen über die wahren Gründe ihrer Ausreise aus 

Griechenland in Unkenntnis gelassen habe respektive ihm wirtschaftliche 

Gründe als Ausreisegrund angegeben habe, sind nicht überzeugend (vgl. 

act. […]-44/4 S. 4). Auf Beschwerdeebene äussert sie sich bezeichnender-

weise nicht mehr dazu. Ebenso ist nicht davon auszugehen, dass sie von-

seiten ihres in Griechenland lebenden Ehemannes frauenspezifische Ver-

folgungshandlungen im Heimatstaat zu befürchten hat, wie dies in der Be-

schwerde geltend gemacht wird (vgl. Beschwerde S. 4 f). Was die sexuelle 

Gewalt seitens ihres Cousins anbelangt hat die Vorinstanz – ungeachtet 

der Frage der Glaubhaftmachung – zutreffend festgehalten, dass diese nur 

dann flüchtlingsrechtlich relevant sind, wenn sie sich auf die Einschätzung 

in Bezug auf den Heimatstaat auswirken. Dies ist vorliegend aber zu ver-

neinen. Im Übrigen hat das SEM zutreffend ausgeführt, dass Albanien in 

Bezug auf Gewalt gegen Frauen zwischenzeitlich Schutzmassnahmen ge-

setzlich verankert hat. Es ist der Beschwerdeführerin zuzumuten, solche 

im Bedarfsfall in Anspruch zu nehmen.   

5.3 Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin 

und ihrer Töchter, in Bezug auf welche keine eigenen Asylgründe geltend 

gemacht wurden, zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen weder über eine ausländerrecht-

liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

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Seite 11 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9 je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der 

Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens 

über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3 

BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).  

Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund 

von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-

scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-

gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Auf-

nahme zu gewähren.  

Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der 

Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen 

Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 

AIG). 

Beim geltend machen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 In Bezug auf die Frage des Wegweisungsvollzuges hielt die Vorinstanz 

in der angefochtenen Verfügung fest, ein solcher erweise sich vorliegend 

als zulässig, zumutbar und möglich. Die Beschwerdeführerin habe in Be-

zug auf sich und ihre Kinder keine konkrete Gewahr im Sinne eines «real 

risk» geltend gemacht, welche den Vollzug unzulässig erscheinen lassen 

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Seite 12 

würden. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich auch nicht als unzumut-

bar. Hinsichtlich der geltend gemachten Gesundheitsbeeinträchtigungen 

der Beschwerdeführerin sei festzuhalten, dass auf eine Unzumutbarkeit 

nur geschlossen werden könne, wenn das Fehlen einer notwendigen me-

dizinischen Behandlung im Heimatstaat nach der Rückkehr zu einer ra-

schen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustan-

des führe. Dabei werde als wesentlich die allgemeine und dringende me-

dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-

schenwürdigen Existenz absolut notwendig sei. Unzumutbarkeit liege je-

denfalls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine 

nicht dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Be-

handlung möglich sei. Dem eingereichten ärztlichen Bericht vom 14. Ja-

nuar 2020 sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einer leich-

ten depressiven Episode und an einer posttraumatischen Belastungsstö-

rung (PTBS) leide. Es sei festgehalten worden, dass nach dem Abschluss-

termin am 13. Januar 2020 keine weiteren Termine mehr geplant worden 

seien, da die Beschwerdeführerin keine psychiatrische Behandlung in An-

spruch nehmen wolle. Es könne mithin nicht von einer medizinischen Not-

lage ausgegangen werden. Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder wür-

den sodann in Albanien über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügen. Die 

Eltern der Beschwerdeführerin würden über ein eigenes Haus verfügen. 

Beide seien berufstätig. Die Verhältnisse der Familie würden gemäss Bot-

schaftsabklärungen etwas über dem Durchschnitt liegen. Die Ehepartner 

der beiden Schwestern seien sodann (…) und (…). Es sei somit davon 

auszugehen, dass die wirtschaftliche Existenz der Beschwerdeführerin und 

ihrer Kinder im Heimatstaat gesichert sei. Gemäss Angaben der Beschwer-

deführerin stehe der Ehemann in Griechenland kurz vor der Einbürgerung. 

Es stehe diesem frei, sich ebenfalls nach Albanien zu begeben und sich 

dort um eine Arbeit zu bemühen und somit zur wirtschaftlichen Existenzsi-

cherung beizutragen. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich auch unter 

Berücksichtigung des Kindeswohls als zumutbar. Die drei minderjährigen 

Kinder würden sich erst seit etwas mehr als einem Jahr in der Schweiz 

aufhalten. Die Kinder hätten die gesamte bisherige Sozialisation in Grie-

chenland erfahren. Es könne somit ausgeschlossen werden, dass aus-

serhalb der Kernfamilie eine Assimilierung an die Schweizerischen Kultur 

und Lebensweise erfolgt sei, welche den Vollzug der Wegweisung aus der 

Schweiz als Entwurzelung erscheinen lasse. Angesichts des Alters der drei 

Kinder sei das Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern aber als gewichtigster 

Faktor ihrer bisherigen Assimilierung zu erblicken. Die Kinder würden ge-

mäss Aktenlage zwar kein Albanisch sprechen, sondern nur Griechisch. 

E-6281/2020 

Seite 13 

Dieser Umstand lasse den Vollzug der Wegweisung aber nicht als unzu-

mutbar erscheinen, zumal sich die Beschwerdeführerin mit den Kindern in 

die Schweiz und damit in ein Land begeben habe, ohne dass sie oder die 

Kinder der deutschen Sprache mächtig seien. Aufgrund des Alters der Kin-

der, des familiären Netzes in Albanien und des Umstands, dass die Be-

schwerdeführerin Albanisch spreche, sei davon auszugehen, dass die Kin-

der keine grosse Mühe hätten, die albanische Sprache zu erlernen. Der 

Vollzug sei ausserdem praktisch durchführbar, dies auch unter Berücksich-

tigung der Corona-Pandemie.  

7.3 Auf Beschwerdeebene wurde demgegenüber nochmals die für die Be-

schwerdeführerin bestehende Gefährdungslage angeführt. Zudem wurde 

vorgebracht, dass in Albanien der Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen er-

schwert sei. Es herrsche eine institutionalisierte Diskriminierung gegen-

über alleinstehenden respektive alleinerziehenden Frauen. Die Beschwer-

deführerin und ihre Kinder würden in Albanien über kein tragfähiges famili-

äres Netz verfügen. Der Beschwerdeführerin gehe es sodann psychisch 

schlecht. In diesem Zusammenhang wurde ein Bericht des Psychiatrie-

zentrums H._______ vom 23. Dezember 2020 sowie ein Begleitschreiben 

vom 8. Januar 2021 eingereicht. Aus diesem ergibt sich, dass bei der Be-

schwerdeführerin eine schwere Depression sowie ein hochgradiger Ver-

dacht auf das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung bei 

jahrelangem sexuellen Missbrauch durch den Cousin zu diagnostizieren 

sei. Aufgrund der Schwere der psychischen Belastung sei aus psychiatri-

scher Sicht eine weitere umfassende psychiatrische und psychosoziale 

Betreuung der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder in ihrem aktuellen Le-

bensumfeld in der Schweiz für dringend notwendig zu erachten. Bei einer 

Abschiebung nach Albanien sei mit einer deutlichen Verschlechterung der 

Depression und Zunahme der posttraumatischen Belastungssymptome zu 

rechnen, da die Beschwerdeführerin in Albanien oder Griechenland be-

fürchte, erneut vom Cousin aufgesucht zu werden.  

7.4 Auf Vernehmlassungsstufe hielt die Vorinstanz dem entgegen, eine 

Verletzung von Art. 3 EMRK sei nur dann gegeben, wenn die betroffene 

Person mangels angemessener medizinischer Behandlung im Heimatstaat 

mit einem realen Risiko konfrontiert sei, einer ernsten, raschen und unwie-

derbringlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgesetzt 

zu werden, die zu einem intensiven Leiden oder einer erheblichen Verkür-

zung der Lebenserwartung führen würde. Eine PTBS könne zwar eine nicht 

zu verkennende gesundheitliche Beeinträchtigung darstellen, führe aber in 

der Regel nicht zu einer lebensbedrohlichen medizinischen Notlage. Es sei 

E-6281/2020 

Seite 14 

davon auszugehen, dass die zurzeit schlechte Verfassung der Beschwer-

deführerin im Zusammenhang mit dem negativen Asylentscheid stehe. All-

fällige gesundheitliche Probleme, auch im psychiatrisch-therapeutischen 

Bereich, seien in Albanien behandelbar. Das Gesundheitswesen in Alba-

nien sei grösstenteils staatlich. Zwei Grossspitäler in Tirana könnten grund-

sätzlich alle gängigen Behandlungen vornehmen. Zu verweisen sei sodann 

auf «Community Mental Health Centres» in verschiedenen Städten, wel-

che auf kommunaler Ebene Erstansprechpartner für Menschen mit psychi-

schen Erkrankungen seien. Auch in staatlichen Krankenhäusern werde 

Psychotherapie angeboten. Darauf sei die Beschwerdeführerin zu verwei-

sen, weshalb sich der Vollzug der Wegweisung nach wie vor als zulässig 

und zumutbar erweise.  

7.5 Dem wurde auf Replikstufe entgegengehalten, dass die psychische 

Verfassung nicht massgeblich mit dem negativen Asylentscheid im Zusam-

menhang stehe, sondern es der Beschwerdeführerin bereits in Griechen-

land psychisch schlecht gegangen sei, dies aufgrund des jahrelangen se-

xuellen Missbrauchs. Der negative Asylentscheid und drohende Wegwei-

sungsvollzug hätten dieses Trauma massiv verstärkt. Es gehe nicht um die 

Frage der Behandelbarkeit in Albanien, sondern um die Auswirkung des 

Vollzugs der Wegweisung auf die psychische Verfassung und Gesundheit 

der Beschwerdeführerin. Eine Wegweisung nach Albanien würde mit einer 

massiven Verschlechterung einhergehen und sei deshalb unzulässig. 

8.  

8.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass sich der Vollzug der Wegweisung 

vorliegend als zulässig, zumutbar und möglich erweist. Dies aus den nach-

folgenden Gründen: 

8.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zutreffend erkannt, 

dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung 

mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und 

sich aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, den Beschwerde-

führerinnen würde im Falle einer Rückkehr nach Albanien mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behand-

lung drohen. Insbesondere ist nicht davon auszugehen, dass den Be-

schwerdeführerinnen in Albanien frauenspezifische Gewalthandlungen      

oder sie im familiären Kontext Handlungen nach dem Ehrenkodex im Sinne 

eines «real risk» zu befürchten haben. Der Vollzug der Wegweisung ist zu-

lässig. 

E-6281/2020 

Seite 15 

8.3 Die Vorinstanz hielt ebenso zutreffend fest, weder die herrschende po-

litische Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit ei-

nes Vollzugs der Wegweisung nach Albanien sprechen.  

Das Gericht schliesst sich diesen Erwägungen an. Es ist insbesondere 

auch darauf hinzuweisen, dass grundsätzlich alle Personen mit Wohnsitz 

in Albanien ein Anrecht auf medizinische Dienstleistungen in öffentlichen 

Einrichtungen haben. (vgl. dazu Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Al-

banien: Behandlung von Hepatitis B, 14.03.2017, S. 3 [https:// 

www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftsla-

enderberichte/Europa/Albanien/170314-alb-hepatitis-b-de.pdf], abgerufen 

am 22. März 2021). Das Bundesverwaltungsgericht geht daher davon aus, 

dass die Beschwerdeführerin in Albanien die Möglichkeit hat, eine adä-

quate psychotherapeutische Behandlung zu erhalten, und dass sie bei ei-

ner Rückkehr nicht in Gefahr geriete, einer ernsten, raschen und unwieder-

bringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu 

werden. Schliesslich ist zu anzumerken, dass im Rahmen der individuellen 

Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 AsylV 2) der 

Beschwerdeführerin die Möglichkeit offensteht, medizinische Hilfeleistun-

gen zu beantragen.  

Das Gericht geht im Weiteren – ebenso wie die Vorinstanz – davon aus, 

dass die Beschwerdeführerrinnen in Albanien über ein familiäres Bezie-

hungsnetz verfügen, welches auch in der Lage ist, sie bei Bedarf zu unter-

stützen. In Bezug auf die Töchter ist auf die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz zu verweisen. Auch unter dem Aspekt des Kindeswohls erweist 

sich vorliegend ein Vollzug der Wegweisung nach Albanien nicht als unzu-

mutbar. Die Beschwerdeführerinnen sind angesichts des relativ kurzen 

Aufenthalts in der Schweiz hier nicht verwurzelt. Hingegen handelt es sich 

bei Albanien um den Heimatstaat, in welchem die Beschwerdeführerin 

gross geworden ist. Sie spricht Albanisch. Dass die Kinder der albanischen 

Sprache nicht mächtig sein sollen, wird vom Gericht bezweifelt. Aber auch 

wenn dies der Fall wäre, ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon 

auszugehen, dass die Kinder die Sprache ohne Weiteres erlernen können, 

zumal die sie umgebende Familie diese Sprache spricht.  

8.4 Weiter ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels ak-

tenkundiger objektiver Hindernisse auch als möglich im Sinne von Art. 83 

Abs. 2 AIG zu bezeichnen ist.  

E-6281/2020 

Seite 16 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den 

Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Ein mit der Beschwerde gestelltes Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2021 gut-

geheissen. Folglich sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

10.2 Ebenfalls mit Instruktionsverfügung vom 20. Januar 2021 wurde das 

Gesuch um Beiordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin im Sinne von Art. 102m Abs. 1 Bst. a und Abs. 3 AsylG 

gutgeheissen. Ihr ist ein amtliches Honorar für die notwendigen Aufwen-

dungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die Festsetzung erfolgt in 

Anwendung von Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE 

SR 173.320.2). Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Auf die Nachfor-

derung einer solchen kann indessen verzichtet werden, weil der Vertre-

tungsaufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung und unter Berücksich-

tigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 8-11VGKE) ist der 

Rechtsvertreterin ein Honorar im Umfang von Fr. 1000.– (inkl. Auslagen) 

zu entrichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Lic. iur. Kathrin Stutz wird ein amtliches Honorar zulasten der Gerichts-

kasse in der Höhe von Fr. 1000.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Claudia Jorns Morgenegg 

 

 

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