# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3254e392-8f5f-5efe-885f-a3bbfddf5f2b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2022 E-1722/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1722-2020_2022-12-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1722/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann,  

Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Natalie Marrer, Caritas Schweiz,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. Februar 2020 / N (…). 

 

 

 

E-1722/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess Somalia eigenen Angaben zufolge im Au-

gust respektive September 2015 und gelangte am 8. Mai 2016 in die 

Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Gemäss einem Schrei-

ben vom (…) Mai 2016 ergab ein im Auftrag des SEM durchgeführtes Al-

tersgutachten nach Greulich und Pyle beim Beschwerdeführer ein Kno-

chenalter von (…) Jahren. Am 3. Juni 2016 wurde er zu seiner Person be-

fragt (BzP; SEM-Akte A7/14). Am 5. Juni 2018 wurde er zu seinen Asyl-

gründen angehört (Anhörung; SEM-Akte A19/19). 

Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er im Wesentlichen aus, er ge-

höre dem Clan B._______ an und habe bis zu seiner Ausreise in 

C._______, Provinz D._______, gelebt. Bis 2009 habe er dort die Schule 

besucht. Danach habe er in der Landwirtschaft gearbeitet. Einmal sei er 

zusammen mit seinem Arbeitgeber von der Terrormiliz Al Shabaab mitge-

nommen worden. Diese habe ihn verdächtigt, für die Regierung zu arbei-

ten. Mangels Beweisen sei er aber wieder an seinen Arbeitsort zurückge-

fahren worden. Es habe Krieg geherrscht, was für ihn unerträglich gewe-

sen sei.  

Anlässlich der Anhörung brachte er ergänzend vor, er habe nach der Ent-

führung durch die Al Shabaab die Arbeit in der Landwirtschaft aufgegeben 

und danach als Schuhputzer gearbeitet. Eines Tages hätten Männer der Al 

Shabaab ihn aufgefordert, Handgranaten in seiner Putzkiste zu verstauen. 

Er habe sich laut schreiend geweigert, worauf sich die Männer entfernt hät-

ten. Auch bei einer erneuten Aufforderung zur Zusammenarbeit habe er 

diese verweigert. Als zuletzt unter Todesandrohung von ihm verlangt wor-

den sei, endlich zu kooperieren, habe er sich zur Ausreise entschlossen. 

Er habe sich nie an die Behörden gewandt aus Angst, danach noch mehr 

Probleme zu erhalten.  

Der Beschwerdeführer reichte keine Ausweisdokumente oder Beweismittel 

zu den Akten.  

B.  

Am 12. Dezember 2019 führte eine sachverständige Person im Auftrag der 

Fachstelle Lingua ein Telefoninterview mit dem Beschwerdeführer durch. 

Gestützt darauf wurde am 10. Januar 2020 ein Gutachten erstellt, worin 

E-1722/2020 

Seite 3 

eine weitere sachverständige Person zum Schluss kam, dass der Be-

schwerdeführer wahrscheinlich aus C._______ stamme und in den letzten 

Jahren eine gewisse Zeit in Nordsomalia verbracht habe. 

C.  

Mit Schreiben vom 17. Januar 2020 gewährte die Vorinstanz dem Be-

schwerdeführer das rechtliche Gehör zu den wesentlichen Ergebnissen 

der LINGUA-Analyse. 

D.  

In seiner Stellungnahme vom 23. Januar 2020 hielt der Beschwerdeführer 

daran fest, aus C._______ zu stammen und nie in Nordsomalia gelebt zu 

haben.  

E.  

Mit Verfügung vom 27. Februar 2020 verfügte das SEM, das Geburtsdatum 

bleibe auf den 1. Januar 1998 eingetragen, verneinte die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch (mangels Glaubhaf-

tigkeit der Vorbringen) ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Vollzug an. Den zuständigen Kanton beauftragte es mit dem 

Vollzug der Wegweisung.  

F.  

Mit Eingabe vom 24. März 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene Ver-

fügung sei aufzuheben, es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerken-

nen und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei ihm die vorläufige Auf-

nahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die 

Gewährung einer angemessenen Nachfrist zwecks Beschwerdeergänzung 

und um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.   

G.  

Am 27. März 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang der Be-

schwerde und verfügte, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des 

Verfahrens einstweilen in der Schweiz abwarten. 

H.  

Mit Verfügung vom 5. Mai 2020 forderte die Instruktionsrichterin den Be-

schwerdeführer auf, mangels rechtsgenüglicher Begründung innert Frist 

eine Beschwerdeverbesserung einzureichen.  

E-1722/2020 

Seite 4 

I.  

Mit Eingabe vom 13. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Be-

schwerdeverbesserung nach. 

J.  

Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut, verzichtete auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses und forderte den Beschwerdeführer 

auf, innert Frist eine Rechtsvertretung im Sinne der Erwägungen zu be-

zeichnen sowie eine Erklärung des (in seiner Stellungnahme vom 23. Ja-

nuar 2020 enthaltenen) falsch übersetzten Passus nachzureichen.  

K.  

Am 28. Mai 2020 ersuchte der Beschwerdeführer um Zustellung seiner 

Stellungnahme vom 23. Januar 2020 zuhanden seiner damaligen Rechts-

vertretung. Diese wurde seiner Rechtsvertretung am 2. Juni 2020 in Kopie 

zugestellt. 

L.  

Mit Eingabe vom 2. Juni 2020 reichte Rechtsanwalt Michael Adamczyk 

eine Mandatsanzeige ein, ersuchte um Beiordnung als amtlicher Rechts-

beistand und äusserte sich zum falsch übersetzten Passus. Der Eingabe 

lagen eine vom Beschwerdeführer unterzeichnete Vollmacht und eine Ho-

norarvereinbarung bei.  

M.  

Mit Verfügung vom 30. Juni 2020 ordnete die Instruktionsrichterin Rechts-

anwalt Michael Adamczyk dem Beschwerdeführer als amtlicher Rechtsbei-

stand bei und lud die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung 

innert Frist ein. 

N.  

In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2020 hielt die Vorinstanz vollumfäng-

lich an ihren Erwägungen fest. 

O.  

Mit innert verlängerter Frist eingegangener Replik vom 14. August 2020 

nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung. 

P.  

Mit Eingabe vom 25. Juni 2021 ersuchte Rechtsanwalt Michael Adamczyk 

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Seite 5 

um Entbindung aus dem amtlichen Mandat und um Einsetzung von MLaw 

Natalie Marrer als amtliche Rechtsbeiständin. 

Q.  

Am 19. Juli 2021 reichte die Rechtsvertreterin eine vom Beschwerdeführer 

unterzeichnete Vollmacht zu den Akten. 

R.  

Mit Eingabe vom 25. April 2022 ersuchte die Rechtsvertreterin um Auskunft 

über den Verfahrensstand. 

S.  

Mit Verfügung vom 27. April 2022 entliess die Instruktionsrichterin Rechts-

anwalt Michael Adamczyk aus dem amtlichen Mandatsverhältnis als 

Rechtsbeistand, ordnete MLaw Natalie Marrer dem Beschwerdeführer als 

neue amtliche Rechtsbeiständin bei und beantwortete die Verfahrens-

standanfrage vom 25. April 2022.  

T.  

Am 16. August 2022 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zu einer 

ergänzenden Vernehmlassung ein. Diese erging am 19. September 2022. 

U.  

Der Beschwerdeführer replizierte am 19. Oktober 2022. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015). 

E-1722/2020 

Seite 6 

1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

1.5 Die Frage des amtlichen Geburtsdatums (Ziff. 1 des Dispositivs der an-

gefochtenen Verfügung) wurde nicht angefochten, weshalb diese in 

Rechtskraft erwachsen ist. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bil-

den lediglich die Fragen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls, der Weg-

weisung und des Wegweisungsvollzugs.   

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer rügt auf Beschwerdeebene sinngemäss eine 

Verletzung der Untersuchungsmaxime respektive eine unrichtige Feststel-

lung des Sachverhalts. Entgegen der Feststellung des Lingua-Experten 

habe er am Lingua-Interview überhaupt nicht im E._______-Dialekt, son-

dern hauptsächlich in seinem D._______-Dialekt gesprochen, weshalb das 

Lingua-Interview zu wiederholen sei. Diese formellen Rügen sind vorab zu 

prüfen, da sie allenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz führen können. 

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-

hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10 

E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem 

Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu-

sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf-

grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: 

Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das 

Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Der Unter-

suchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asyl-

suchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10

E-1722/2020 

Seite 7 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 

3.3 Im Zusammenhang mit den Lingua-Analysen des SEM ist festzuhalten, 

dass es sich dabei zwar nicht um Sachverständigengutachten handelt 

(Art. 12 Bst. e VwVG; Art. 57 ff. BZP [SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), son-

dern um schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; 

Art. 49 BZP i.V.m. Art. 19 VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen an die 

fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Analysten und an 

die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analysen erfüllt 

sind, ist ihnen aber ein erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 

2015/10 E. 5.1, BVGE 2014/12 E. 4.2.1). 

3.4  

3.4.1 Den Protokollen sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass die 

Anhörungen mangelhaft ausgefallen wären. Mit der Lingua-Analyse wurde 

sodann eine weitere Untersuchungshandlung vorgenommen, um den 

Sachverhalt zu erstellen. In dieser wurde unter anderem aufgrund der 

Sprache des Beschwerdeführers festgestellt, er sei höchst wahrscheinlich 

in C._______ sozialisiert worden, habe sich in jüngerer Zeit aber eine ge-

raume Zeit im Norden Somalias aufgehalten. Diesem Bericht wurde in der 

Stellungnahme des damals nicht vertretenen Beschwerdeführers (rechtli-

ches Gehör) vom 23. Januar 2020 nichts entgegengestellt. Es bestand so-

mit für das SEM zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 27. Feb-

ruar 2020 kein Anlass die Lingua-Analyse anzuzweifeln oder weitere Ab-

klärungen über den am Interview benutzen Dialekt zu tätigen. Auf Be-

schwerdeebene nahm der Beschwerdeführer ausführlich zu seiner Her-

kunft und den Asylgründen Stellung. Nach Auffassung des Gerichts konnte 

er im vorliegenden Verfahren seine Beschwerdegründe vollständig darle-

gen, weshalb der Sachverhalt als ausreichend erstellt erscheint. Der Um-

stand, dass die Vorinstanz aus sachlichen Gründen zu einer anderen Wür-

digung des Sachverhalts gelangt, als vom Beschwerdeführer verlangt, 

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Seite 8 

spricht nicht für eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung, sondern ist nach-

folgend – im Rahmen der materiellen Würdigung der Argumente der Par-

teien – zu prüfen. 

3.4.2  

3.4.2.1 Der Laienbeschwerde vom 24. März 2020 und der Ergänzung vom 

13. Mai 2020 ist kein Vorwurf gegenüber der Lingua-Expertise als solche 

zu entnehmen. Es wird lediglich erklärt, woher die zahlreichen Ausdrücke 

nordsomalischer Dialekte in der Redeweise des Beschwerdeführers stam-

men könnten. Erst nachdem er sich rechtlich vertreten liess, brachte er mit 

Eingabe vom 2. Juni 2020 vor, der Lingua-Experte habe seine Sprache 

falsch beurteilt. In seiner Replik vom 14. August 2020 führte er aus, er habe 

sich im Lingua-Interview nie des E._______-Dialekts sondern des 

D._______ bedient.  

3.4.2.2 Das SEM führt in seiner ergänzenden Vernehmlassung vom 

19. September 2022 aus, Recherchen der Fachstelle Lingua hätten Fol-

gendes ergeben: Im Lingua-Bericht stehe nicht, dass der Beschwerdefüh-

rer im E._______-Dialekt spreche. Vielmehr werde festgestellt, dass seine 

somalische Varietät zwar viele Merkmale der E._______-Dialekte auf-

weise, diese aber die Merkmale der F._______- und nördlichen Dialekte 

nicht signifikant überwiegen würden. Dies stehe im Gegensatz zu den Er-

wartungen für die in C._______ gesprochene Varietät, in welcher eine Do-

minanz der E._______-Dialekte zu erwarten gewesen wäre. Laut der Fach-

stelle Lingua reiche zudem seine Angabe, der nördliche Einfluss auf seine 

Sprache rühre von Kontakten im Ausland mit Personen aus dem Norden 

Somalias, nicht aus, um den Analysebefund zu erklären.  

3.4.2.3 In der Replik vom 19. Oktober 2022 gab der Beschwerdeführer an, 

es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum aufgrund seiner Biografie eine 

Dominanz der E._______-Dialekte erwartet worden sei, da der von ihm ge-

sprochene D._______-Dialekt gemäss Lingua-Befund überwiegen müsse. 

Wie bereits in der Replik vom 14. August 2020 dargelegt, sei es so, dass 

seines Wissens der E._______-Dialekt nur in einem Teil des Kantons 

E._______ gesprochen werde; und das auch nur von einem Clan.      

3.4.3 Im Lingua-Gutachten wurde nachvollziehbar dargelegt, von welcher 

in C._______ gesprochenen Varietät die sachverständige Person für ihre 

Analyse ausgegangen ist. Diesbezüglich ist die Lingua-Analyse fundiert 

ausgefallen und das daraus resultierende Gutachten inhaltlich schlüssig 

und ausgewogen begründet worden. In wissenschaftlichen Arbeiten zur 

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Seite 9 

Somali-Sprache wird kein D._______-Dialekt erwähnt. In ihrer wissen-

schaftlichen Analyse dürfte die sachverständige Person den Dialekt des 

Beschwerdeführers somit nicht falsch beurteilt haben. Es gibt keine Hin-

weise auf einen Mangel an fachlicher Qualifikation, Objektivität und Neut-

ralität der sachverständigen Person. Der Lingua-Bericht kann folglich zur 

Beurteilung der Herkunft des Beschwerdeführers berücksichtigt werden.   

3.5 Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes infolge unrichtiger 

Feststellung des Sachverhaltes ist im Ergebnis zu verneinen. Die formellen 

Rügen erweisen sich demzufolge als unbegründet. Es besteht keine Ver-

anlassung, das Verfahren zwecks erneuter Durchführung eines Lingua-

Gutachtens an die Vorinstanz zurückzuweisen, weshalb dem entsprechen-

den Antrag nicht stattzugeben ist. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.5.1 m.w.H.).     

  

E-1722/2020 

Seite 10 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner ablehnenden Verfügung hielt das SEM im We-

sentlichen fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. 

Seine Aussagen hinsichtlich seiner Entführung durch die Al Shabaab seien 

widersprüchlich und hinsichtlich weiterer Drangsalierungen durch die Al 

Shabaab nachgeschoben. Auf Vorhalt habe er die Unstimmigkeiten nicht 

zu beseitigen vermocht. Auffallend sei, dass er bei der BzP auf die Nach-

frage, ob er noch einmal Probleme mit der Al Shabaab gehabt habe, ledig-

lich angegeben habe, diese habe ihn kontrolliert, damit er das Land nicht 

verliesse. Im Weiteren habe er bestätigt, alle Fluchtgründe genannt und 

keine weiteren Probleme mit Behörden oder Organisationen gehabt zu ha-

ben.  

5.2 In der Rechtsmitteleingabe respektive der Beschwerdeverbesserung 

entgegnet der Beschwerdeführer, er habe insbesondere zu seinen Flucht-

gründen ausführliche und präzise Angaben gemacht. Anlässlich der Anhö-

rung habe er die Sachen viel besser erklären können als bei der BzP, zumal 

er damals dazu angehalten worden sei, die Fragen rasch zu beantworten, 

und er Angst gehabt habe, dem Befrager zu entgegnen, dass er mehr Zeit 

benötige zum Überlegen. Zudem habe er damals Kopfschmerzen und 

Stress wegen der Ereignisse auf seiner Reise in die Schweiz gehabt. Kor-

rekt sei jedenfalls, dass er und sein Arbeitgeber einen Tag lang von der Al 

Shabaab festgehalten und dann wieder freigelassen worden seien. Er 

wisse nicht mehr, weshalb er an der BzP gesagt haben sollte, dass er im 

September 2014 festgenommen und am 15. Oktober 2014 wieder freige-

lassen worden sei. Als man ihn bei der BzP gefragt habe, ob er nebst den 

erwähnten Gründen jemals irgendwelche Probleme mit irgendwelchen Be-

hörden, Polizei, Militär, einer Partei oder sonst einer Organisation gehabt 

habe, habe er gedacht, er würde nach Problemen mit anderen Organisa-

tion oder Gruppierungen als der Al Shabaab gefragt. Solche habe er nicht 

gehabt. Er wisse nicht, weshalb er bei der BzP nicht von den weiteren 

Drangsalierungen durch die Al Shabaab erzählt habe. Bei seiner Anhörung 

habe er aber alle wichtigen Gründe für seine Flucht genannt: Er sei von der 

Al Shabaab entführt worden, weil ihm vorgeworfen worden sei, dass sein 

Chef für die Regierung gearbeitet habe. In der Folge habe er sich mehr-

mals geweigert, mit der Al Shabaab zusammenzuarbeiten, wodurch er sich 

in Lebensgefahr gebracht habe. Die Behörden in seinem Land hätten ihm 

keinen Schutz bieten können. Ihm sei nur die Flucht übriggeblieben. Wäre 

er im Land geblieben, hätten sie ihn getötet.   

E-1722/2020 

Seite 11 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung mit der Unglaubhaftigkeit 

der Vorbringen des Beschwerdeführers. Nach eingehender Prüfung der 

Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die Verfü-

gung des SEM betreffend die Fluchtgründe im Ergebnis zu bestätigen ist.  

6.2 Die Vorinstanz stellte fest, der Beschwerdeführer habe sich wider-

sprüchlich zu seiner Entführung durch die Al Shabaab geäussert und wei-

tere Drangsalierungen durch die Al Shabaab erst anlässlich der Anhörung 

und damit nachgeschoben vorgebracht. Das Gericht schliesst sich dieser 

Einschätzung an. Die Ausführungen des Beschwerdeführers auf Be-

schwerdeebene vermögen daran nichts zu ändern. Zur Vermeidung von 

Wiederholungen kann hierzu auf die zutreffenden Erwägungen in der an-

gefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. III). Angesichts der 

nachfolgenden Erwägungen erübrigen sich eingehende Erörterungen 

hierzu, weil den Vorbringen des Beschwerdeführers die erforderliche asyl-

rechtliche Relevanz nicht zukommt.  

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist nicht an die Begründung der 

Vorinstanz gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde 

auch aus anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen 

(sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI, in: AUER/MÜL-

LER/SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl., 2019, N 16 zu 

Art. 62 VwVG; ALFRED KÖLZ/ ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, 

S. 398). 

6.4 Die geltend gemachten Verfolgungshandlungen vermögen mangels 

hinreichender Intensität keine asylrechtliche Relevanz zu entfalten. Die 

einmalige Mitnahme durch die Al Shabaab, anlässlich derer der Beschwer-

deführer für einen Tag festgehalten, sodann an seinen Arbeitsplatz zurück-

gebracht wurde, erreicht die Intensität nicht, um als ernsthafte Nachteile im 

Sinne von Art. 3 AsylG zu gelten. Die darauffolgenden mehrfachen Auffor-

derungen zur Zusammenarbeit mit der Al Shabaab durch deren jugendli-

chen Anhänger erfüllen das Kriterium der Intensität ebenfalls nicht, zumal 

er die Zusammenarbeit mehrfach verweigern konnte, ohne dass dies Kon-

sequenzen nach sich gezogen hätte (vgl. SEM-Akte A19 F134 f.). Der Be-

schwerdeführer vermochte diese Vorfälle ohnehin nur vage, oberflächlich 

und unsubstantiiert zu schildern (vgl. SEM-Akte A19 F135, F134 f. und 

F173 f.). An dieser Einschätzung vermag auch die geltend gemachte Be-

drohung des Beschwerdeführers mit dem Tod (vgl. SEM-Akte A19 F159 f. 

E-1722/2020 

Seite 12 

und F163), welche zu keinem konkreten und gezielten physischen Angriff 

gegenüber ihm oder seinen Familienangehörigen führte, nichts zu ändern. 

Das Gericht geht vielmehr davon aus, dass der Beschwerdeführer – wie 

viele andere Personen auch – unter der allgemeinen Kriminalität in Soma-

lia und der Al Shabaab Milizen litt, deren Drohungen als gemeinrechtliche 

Straftaten und nicht als Verfolgung aus flüchtlingsrechtlich relevanten 

Gründen zu werten sind. Die geltend gemachten Ereignisse dürften dem-

nach auf die problematische Sicherheitslage in Somalia zurückzuführen 

sein. 

6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet (vgl.  

BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung 

(Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit, Unmöglichkeit) sind praxisgemäss alter-

nativer Natur – ist eine von ihnen erfüllt, erweist sich der Vollzug der Weg-

weisung als undurchführbar und die weitere Anwesenheit in der Schweiz 

ist gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln 

(vgl. etwa BVGE 2011/7 E.8). 

8.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).  

E-1722/2020 

Seite 13 

9.  

9.1 In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung hielt die Vorinstanz fest, die 

Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Herkunfts- und letzten Aufent-

haltsort vor der Ausreise aus Somalia seien unglaubhaft ausgefallen und 

auch zu seiner Clanzugehörigkeit und Geburtsort habe er unstimmige An-

gaben gemacht. Bei einer am 7. Mai 2016 erfolgten Kontrolle durch das 

Grenzwachtkorps sei G._______ als sein Geburtsort erfasst worden. Tags 

darauf habe er H._______, Äthiopien, als seinen Geburtsort auf dem Per-

sonalienblatt eingetragen. Auf Vorhalt der unterschiedlichen Angabe habe 

er erklärt, sein richtiger Geburtsort sei C._______. Anlässlich der BzP habe 

er wiederum vorgetragen, er sei in H._______ geboren und als Kleinkind 

nach C._______ gezogen. In der Anhörung habe er erneut behauptet, in 

C._______ geboren zu sein und dort bis zu seiner Ausreise gelebt zu ha-

ben. Nebst seinem angeblichen Wohnquartier habe er kein respektive (nur) 

ein weiteres Quartier dieser Stadt benennen können. Er habe praktisch 

keine Namen von Nachbarorten von C._______ sowie nur zwei der insge-

samt fünf Nachbarprovinzen von D._______ angeben können. Auf die 

Frage nach weiteren Provinzen Somalias habe er zwei zu Somalia gehö-

rende Provinzen, zwei in Puntland gelegene Regionen und eine in Soma-

liland befindliche Region angegeben. Dies sei ein Indiz dafür, dass er mit 

dem Norden Somalias vertraut sein könnte. Er sei nicht in dem Masse mit 

dem angegebenen Herkunftsort C._______ vertraut, wie man dies von ei-

ner Person, welche bis zur Ausreise zeitlebens dort gelebt habe, erwarten 

könnte. Die sich in den Akten findenden Ungereimtheiten habe er nicht zu 

beseitigen vermocht.  

Dem angesichts dieser Zweifel an seinen Herkunftsangaben erstellten  

Lingua-Herkunftsgutachten sei im Wesentlichen zu entnehmen, dass er 

nur den Namen eines der etlichen Quartiere in C._______ zu nennen ver-

mocht habe. Er habe von keiner einzigen örtlichen Moschee den Namen 

und auch keine Nachbarorte gewusst. Seine Angaben zu den grössten 

Clans in diesem Ort seien zwar teilweise richtig, aber unvollständig ausge-

fallen. Hingegen habe er gewusst, welche Berufe viele Ortsbewohner aus-

üben würden. Auch zur Landwirtschaft habe er teilweise korrekte, aller-

dings nur vage und unvollständige Angaben liefern können. Seine Angaben 

zur Reiseroute bis nach I._______ seien korrekt ausgefallen. Hinsichtlich 

seiner Sprache hätte angesichts der von ihm behaupteten Biografie erwar-

tet werden dürfen, dass er hauptsächlich den südsomalischen Dialekt 

E._______ spreche und einige Einflüsse von zentralsomalischen Dialekten 

erkennbar seien. Hingegen sollte seine Sprache keine Elemente von in 

Nordsomalia gesprochenen Dialekten enthalten. Es sei jedoch festgestellt 

E-1722/2020 

Seite 14 

worden, dass in seiner Sprache der Dialekt der E._______ nicht über-

wiege, sondern darin auch ziemlich viele Ausdrücke nordsomalischer Dia-

lekte enthalten seien. Die sachverständige Person sei zum Schluss ge-

langt, dass er zwar höchstwahrscheinlich einige Zeit in C._______ gelebt, 

jedoch auch längere Zeit im nördlichen Somalia verbracht haben dürfte. 

Im Rahmen des rechtlichen Gehörs habe der Beschwerdeführer erneut 

ausgeführt, er käme aus C._______. Es sei ihm indes nicht gelungen, mit 

seinen Aussagen das Lingua-Gutachten zu entkräften. Aufgrund seiner un-

glaubhaften Angaben zu seinen Lebensumständen und seiner Herkunft in-

nerhalb des somalischen Siedlungsraumes sei davon auszugehen, dass 

er versuche, seine Identität und Herkunft und auch die Region, in der er 

über ein Beziehungsnetz verfüge, zu verheimlichen beziehungsweise zu 

verschleiern. Damit verletze er die ihm obliegende Mitwirkungspflicht ge-

mäss Art. 8 AsylG in gravierender Weise. Durch sein Verhalten verunmög-

liche er dem SEM eine sinnvolle Prüfung der Zulässigkeit, Zumutbarkeit 

und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs, so dass gemäss Rechtspre-

chung davon auszugehen sei, es stünden einer Wegweisung an seinen 

letzten Aufenthaltsort vor der Ausreise keine Vollzugshindernisse im Sinne 

von Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 AIG entgegen.  

Trotz einer andauernden Gewaltsituation in einigen Teilen Somalias gehe 

das Bundesverwaltungsgericht davon aus, der Vollzug der Wegweisung 

könne in die nördlichen Landesteile (Somaliland und Puntland) oder Äthio-

pien erfolgen, wo keine Situation allgemeiner Gewalt herrsche. Aufgrund 

seiner unglaubhaften Angaben zu seiner Herkunft, seinen Lebensumstän-

den und seinem Beziehungsnetz in Somalia sowie der Lehre und Recht-

sprechung zu den Konsequenzen einer groben Verletzung der Mitwir-

kungspflicht, könne er sich nicht auf die schlechte allgemeine Sicherheits-

lage in Mittel- und Südsomalia berufen. Vielmehr sei davon auszugehen, 

dass er in einen Landesteil Somalias zurückkehren könne, in welchem 

keine Situation allgemeiner Gewalt herrsche.     

9.2 In seiner Beschwerde führt der Beschwerdeführer aus, er habe am 

7. Mai 2016 an der Grenze aus Angst falsche Angaben gemacht, zumal er 

gedacht habe, noch in Italien zu sein. Auch in J._______  sei er verängstigt 

gewesen und habe das Personalienblatt schnell ausfüllen müssen. Er habe 

dann aber mit C._______ seinen richtigen Geburtsort angegeben. Bei den 

Angaben in der BzP – auch hinsichtlich der Clanzugehörigkeit von ihm und 

seiner Mutter zum Clan K._______ – sei er von einer Information von an-

deren Somaliern im Asylheim beeinflusst gewesen; er hätte nicht auf sie 

E-1722/2020 

Seite 15 

hören sollen. Sein richtiger Geburtsort sei C._______ und seine Eltern wür-

den dem Clan B._______ angehören.  

Seine Familie habe nicht viel Geld gehabt und sich nicht häufig in anderen 

Quartieren aufgehalten. Die Sicherheitslage in C._______ sei – wegen der 

Al Shabaab und Clanstreitigkeiten – nicht gut gewesen. Er habe nur von 

den Ortschaften L._______ und M._______ gehört, bevor er geflüchtet sei. 

Sie hätten wegen der Sicherheitsprobleme C._______ nicht verlassen und 

auch nicht reisen können. In der Schule habe er die umliegenden Ortschaf-

ten nicht gelernt. Er hätte sodann schon mehr Provinzen gekannt, aber 

vielleicht die Frage danach nicht richtig verstanden, zumal er im Verlauf der 

Anhörung ja auch weitere Provinzen habe nennen können. Er kenne auch 

Regionen aus dem Süden; dass er Regionen aus dem Norden habe ange-

ben können, sei kein Indiz für eine Herkunft aus dem Norden. Sie seien in 

C._______ nicht in die Moschee gegangen, weil es zu unsicher gewesen 

sei; die Namen der Moscheen seien ihm deshalb auch nicht vermittelt wor-

den. Er habe mehrere ansässige Clans in C._______ nennen können. 

Dass er nicht noch mehr Clans habe nennen können, heisse nicht, dass er 

nicht aus C._______ komme. Auf seiner Flucht sei er während ungefähr 

sieben Monaten in N._______ gewesen, wo es viele Flüchtlinge aus Nord-

somalia gegeben habe. Dies habe möglicherweise einen Einfluss auf seine 

verwendeten Ausdrücke gehabt. Die Schlussfolgerung der sachverständi-

gen Person (der Lingua-Analyse), dass er längere Zeit im nördlichen So-

malia verbracht habe, sei falsch.  

Seine Familie sei sehr arm, seine Mutter müsse als Verdienst Tee verkau-

fen. Als Schuhputzer erhalte man nicht immer das Geld, welches man sich 

mit der Arbeit verdient habe. In der Landwirtschaft gebe es zu wenige Stel-

len. Seine näheren Verwandten hätten keine Arbeit, weshalb sie ihn nicht 

unterstützen könnten. Eine Rückkehr nach C._______ sei für ihn deshalb 

unzumutbar.   

9.3 In seiner Eingabe vom 2. Juni 2020 erklärt der Beschwerdeführer den 

in der Stellungnahme vom 23. Januar 2020 falsch übersetzten Passus 

(«Aber der Experte, den sie interviewt haben, sagte mir, ich solle niemals 

die Wahrheit sagen. Ich war noch nie in den nördlichen Regionen Somalias 

und lebe ich in Südsomalia und dann durch die zentralen Regionen nach 

I._______.») folgendermassen: Er habe damit sagen wollen, dass der Ex-

perte, welcher das Lingua-Gutachten erstellt habe, seine "Stimme" bezie-

hungsweise Sprache falsch beurteilt habe und bei einer richtigen Beurtei-

lung zum Schluss hätte kommen müssen, dass er (der Beschwerdeführer) 

E-1722/2020 

Seite 16 

aus dem Süden Somalias stamme. Er sei unter anderem via die zentralen 

Regionen O._______ und P._______ nach I._______ geflüchtet, von wo 

aus er über den Seeweg in den Q._______ gelangt sei. Das Puntland, in 

welchem sich I._______ befindet, gehöre für ihn nicht zum eigentlichen 

Norden Somalias. Als Nordsomalia verstehe er das Somaliland.  

9.4 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vollumfänglich an ihren Er-

wägungen fest. Allein mit der Behauptung, der Experte habe seine Sprache 

falsch beurteilt und hätte bei einer richtigen Beurteilung zum Schluss kom-

men müssen, dass der Beschwerdeführer aus dem Süden Somalias 

stamme, gelinge es ihm nicht, den Aussagewert des Abklärungsergebnis-

ses der Fachstelle Lingua entscheidend zu schmälern. 

9.5 Mit Replik führt der Beschwerdeführer ergänzend aus, er habe bereits 

in seiner Beschwerdeschrift detailliert den Aussagewert des Abklärungser-

gebnisses angezweifelt. So habe er insbesondere erklärt, dass er während 

seiner Flucht etwa sieben Monate in N._______ und davon eine längere 

Zeit in einem Saharacamp mit aus Nordsomalia stammenden Personen 

verbracht habe. In dem Camp sei er mit den Nordsomaliern zusammenge-

sessen, habe mit ihnen diskutiert und mit ihnen in Massenunterkünften im 

selben Raum geschlafen. Eine Auswirkung auf sein Sprachverhalten (die 

von ihm beim Telefoninterview verwendeten Ausdrücke nordsomalischer 

Dialekte) sei somit durchaus möglich. Es stimme nicht, dass er beim  

Lingua-Interview «ziemlich viele Ausdrücke nordsomalischer Dialekte» ver-

wendet habe; es seien höchstens wenige Ausdrücke gewesen.  

9.6 In seiner ergänzenden Vernehmlassung hält das SEM daran fest, in 

der in C._______ gesprochenen Varietät wäre eine Dominanz der 

E._______-Dialekte zu erwarten. Die somalische Varietät des Beschwer-

deführers weise gemäss Lingua-Analyse zwar viele Merkmale der 

E._______-Dialekte auf, diese würden aber die Merkmale der F._______- 

und nördlichen Dialekte nicht signifikant überwiegen. Im Lingua-Bericht 

stehe hingegen nicht, dass er im E._______-Dialekt spreche. Laut der 

Fachstelle Lingua reiche zudem seine Angabe, der nördliche Einfluss auf 

seine Sprache rühre von Kontakten im Ausland mit Personen aus dem Nor-

den Somalias, nicht aus, um den Analysebefund zu erklären.  

9.7 Der Beschwerdeführer wiederholt in seiner Replik vom 19. Oktober 

2022, dass er hauptsächlich im D._______-Dialekt gesprochen habe, da 

er aus C._______ stamme. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum auf-

grund seiner Biografie eine Dominanz der E._______-Dialekte erwartet 

E-1722/2020 

Seite 17 

worden sei, da der von ihm gesprochene D._______-Dialekt gemäss Lin-

gua-Befund überwiegen müsse. Seines Wissens werde der E._______-Di-

alekt nur von einem Clan in einem Teil des Kantons E._______ gespro-

chen.   

 

10.  

10.1 Im Folgenden wird geprüft, ob das SEM zu Recht festgestellt hat, der 

Beschwerdeführer habe seine Mitwirkungspflicht verletzt und die geltend 

gemachten Lebensverhältnisse in Somalia nicht glaubhaft gemacht. 

10.2 Verschleiert die asylsuchende Person ihre Identität beziehungsweise 

ihre Herkunft, ist das SEM nicht dazu verpflichtet, nach hypothetischen 

Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen, da die behördliche Unter-

suchungspflicht ihre Grenzen an der Mitwirkungspflicht der beschwerde-

führenden Person findet, welche auch die Substantiierungslast trägt (Art. 7 

AsylG; Art. 8 AsylG). Liegt eine Verletzung der Mitwirkungspflicht wegen 

Verschleierung der Herkunft vor, hat die beschwerdeführende Person die 

Folgen ihrer fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der 

Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-

gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort (vgl. BVGE 2014/12 

E. 5.10 und E. 6 m.w.H.). 

10.3 Glaubhaftmachung bedeutet im Gegensatz zum strikten Beweis ein 

reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände 

und Zweifel an den Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft 

gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, 

sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. 

Demgegenüber reicht es für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der 

Inhalt der Aussagen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten As-

pekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte 

Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Ge-

samtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhalts-

darstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objekti-

vierte Sichtweise abzustellen (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind 

insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet 

oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder 

massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-

den (Art. 7 Abs. 3 AsylG).  

E-1722/2020 

Seite 18 

10.4 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Überprüfung der Akten 

zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer keine Verletzung der Mitwir-

kungspflicht vorgehalten werden kann. Er konnte seine somalische Her-

kunft überwiegend glaubhaft machen. Es geht aus den Protokollen und der 

Lingua-Analyse in ihrer Gesamtheit hervor, dass er sich nach Möglichkeit 

bemüht hat, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Seine Aussagen 

sind in gewissen Bereichen zwar dürftig und teilweise widersprüchlich aus-

gefallen (Geburtsort, Clanzugehörigkeit, Ortskenntnisse, mehrjähriger 

Schulbesuch und Arbeitstätigkeit). Dies dürfte aber durchaus seinen Le-

bensumständen (Armut, Sicherheitsprobleme in Zentralsomalia) bezie-

hungsweise die knappen Ausführungen zu seiner Herkunft eher auf seine 

Erzählweise als auf fehlende Mitwirkung oder gar ein Verschleiern zurück-

zuführen sein.  

Hinsichtlich seiner Sprache ist Folgendes festzuhalten: Der Beschwerde-

führer führt auf Beschwerdeebene aus, bei der Lingua-Analyse im 

D._______-Dialekt und nicht im E._______-Dialekt gesprochen zu haben. 

In wissenschaftlichen Arbeiten zur Somali-Sprache wird ein solcher 

D._______-Dialekt zwar nicht erwähnt (vgl. E. 3.5). Dass keine wissen-

schaftliche, formale Bezeichnung existiert, muss aber nicht bedeuten, dass 

umgangssprachlich nicht von einem solchen Dialekt gesprochen werden 

könnte. Sofern der Beschwerdeführer seinen Dialekt als D._______-Dia-

lekt bezeichnet, könnte sich dies insbesondere auf eine geographische 

Eingrenzung beziehen, zumal der Beschwerdeführer auch ausführt, dass 

seines Wissens der E._______-Dialekt nur in einem Teil des Kantons 

E._______ gesprochen werde. Wie andere Sprachen auch, kann Somali 

in unzählige Dialekte unterteilt werden. In welche Dialekte diese Sprache 

eingeteilt werden kann, ist unter Fachpersonen indes umstritten. Somali-

sche Dialektologie habe eine lange Geschichte konfuser Terminologien 

(vgl. HAGEN KALDHOL, NINA und STAUSLAND JOHNSEN, SVERRE, Grammati-

calization in Somali and the development of morphological tone, in: Pro-

ceedings of the Linguistic Society of America, 6 [1], 2021: 587-599, 

https://journals.linguisticsociety.org/proceedings/index.php/PLSA/ar-

ticle/download/4993/4553, abgerufen am 31.10.2022). Aufgrund von No-

madentum, Tribalismus und Wanderungen werden an einem Ort auch häu-

fig mehrere Dialekte gesprochen (vgl. Ausbreitung der Dialektgruppen, 

LAMBERTI, MARCELLO, Die Somali-Dialekte, 1986, abgerufen auf https://ar-

cadia.sba.uniroma3.it/bitstream/2307/3720/1/Die%20Somali-Dialekte.pdf, 

S. 9, abgerufen am 31.10.2022). Dass der Beschwerdeführer seinen Dia-

lekt anders bezeichnet, als dieser aus wissenschaftlicher Sicht eingeordnet 

würde, kann ihm nicht als Mitwirkungspflichtverletzung ausgelegt werden.  

E-1722/2020 

Seite 19 

Dem Lingua-Gutachten ist nicht zu entnehmen, auf welche Quellen sich 

die sachverständige Person bei ihrer Analyse der sprachlichen Merkmale 

des Beschwerdeführers gestützt hat. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wo-

rauf die Annahme basiert, dass gewisse, vom Beschwerdeführer benutzte 

Ausdrücke aus dem nördlichen Dialekt nicht mit dem in C._______ gespro-

chenen Dialekt vereinbar seien. Gemäss einer Erhebung zum Sprachge-

brauch in Somalia der Reach Initiative im Jahr 2021 spricht eine Mehrheit 

der Menschen in der Stadt C._______ «Northern Standard Somali» 

(51,3%) und «Benadiri Somali» (39.2%; vgl. Reach Initiative, The 2021 

Joint Multi-Cluster Needs Assessment [JMCNA] for Somalia: Language 

map of Somalia, 2021, https://public.tableau.com/app/profile/guilherme.i-

ablonovski2639/viz/LanguagemapofSomalia/LanguagemapofSomalia? 

publish=yes, abgerufen am 31.10.2022, vgl. auch Karte: Ausbreitung der 

Dialektgruppen, LAMBERTI, MARCELLO, Die Somali-Dialekte, 1986, abgeru-

fen auf https://arcadia.sba.uniroma3.it/bitstream/2307/3720/1/Die%20So-

mali-Dialekte.pdf, S. 29, abgerufen am 31.10.2022). Bei einer Herkunft aus 

C._______ sind Einflüsse nordischer Dialekte in der vom Beschwerdefüh-

rer gesprochenen Sprache demnach durchaus zu erwarten, was auch dem 

Lingua-Bericht zu entnehmen ist. Hingegen bleibt unklar, gestützt worauf 

das SEM zum Schluss gelangt, dass er sich deshalb längere Zeit im Nor-

den aufgehalten haben müsste. Das Gericht kann diesen Schluss gestützt 

auf das Gesagte nicht teilen.   

11.  

Unter diesen Umständen kann nicht mehr auf eine Prüfung von individuel-

len Vollzugshindernissen mit dem Verweis auf die Verletzung der Mitwir-

kungspflicht verzichtet werden. Somit gilt es zu prüfen, ob der Vollzug der 

Wegweisung nach Somalia zulässig, zumutbar und möglich ist. 

12.   

12.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

12.2 Im grössten Teil Somalias (Landesteile Süd- und Zentralsomalia) herr-

schen seit längerer Zeit Verhältnisse, die dazu führen, den Wegweisungs-

vollzug generell – das heisst ungeachtet aller individueller Umstände – als 

unzumutbar zu qualifizieren (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.3 m.w.H.). Der Voll-

zug von Wegweisungen nach Somaliland oder Puntland kann sich bei Vor-

E-1722/2020 

Seite 20 

liegen begünstigender Umstände (enge Verbindungen zur Region, Mög-

lichkeit der Existenzsicherung oder wirkungsvolle Unterstützung durch den 

Familienclan) als zumutbar erweisen (vgl. Referenzurteile BVGer  

E-591/2018 vom 29. Juli 2020 E. 9, insbes. E. 9.3.5 [Somaliland] und  

E-6310/2017 vom 15. Januar 2020 E. 10 f, insbes. E. 11.2.4 [Puntland]).  

12.2.1 Der Beschwerdeführer stammt eigenen Angaben zufolge aus 

C._______. Seine diesbezüglichen Angaben sind in den Anhörungen und 

dem Lingua-Interview eher dürftig ausgefallen: Er beschrieb sein Quartier 

und die Stadt C._______ (weitere Quartiernamen, Nachbarorte, Wegbe-

schreibung vom Wohnort zur Schule, bekannte Gebäude, Markt) nur vage 

und eher substanzlos (vgl. SEM-Akte A19 F43-F122). Er wusste beispiels-

weise keine Namen von örtlichen Moscheen. Wenn der Beschwerdeführer 

tatsächlich in C._______ geboren worden wäre und dort bis zu seiner Aus-

reise gelebt hätte, wären von ihm insgesamt erwartungsgemäss detaillier-

tere Antworten möglich gewesen. Er konnte hingegen korrekte Angaben zu 

den grössten Clans in C._______ und zur Landwirtschaft machen. Zudem 

ist auch die Begründung für sein fehlendes Wissen nachvollziehbar, wo-

nach seine Familie nicht viel Geld gehabt habe und C._______ unsicher 

gewesen sei. Zwar ist der Schlussfolgerung der Lingua-Analyse zu entneh-

men, dass der Beschwerdeführer längere Zeit im nördlichen Somalia ver-

bracht haben dürfte. Nichtsdestotrotz kommt aber auch das Lingua-Gut-

achten zum Schluss, dass seine Herkunft aus C._______ höchstwahr-

scheinlich ("most likely") ist. Selbst wenn er seinen Heimatort früher als 

angegeben verlassen haben sollte, geht das Bundesverwaltungsgericht 

davon aus, dass er ursprünglich aus C._______ stammt. Der Wegwei-

sungsvollzug dorthin ist als unzumutbar zu qualifizieren.  

12.2.2 Abgesehen von den Ausdrücken nordsomalischer Dialekte in der 

Sprache des Beschwerdeführers, welche gemäss Vorinstanz auf einen län-

geren Aufenthalt im nördlichen Somalia schliessen lassen würden, lässt 

sich den Akten nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer in Somali- 

oder Puntland über irgendwelche Anknüpfungspunkte verfügt. Es liegen 

weder Hinweise auf eine enge Verbindung zum nördlichen Somalia noch 

auf eine Möglichkeit der Existenzsicherung in Somali- oder Puntland vor. 

Da staatliche Institutionen in Somalia nur beschränkt zugänglich sind, wird 

eine wirkungsvolle Unterstützung primär durch den Familienclan, genauer 

die Verwandten väterlicherseits, gewährleistet (vgl. Landinfo, Somalia: 

Klan, familie, migrasjon og bistand ved (re)etablering, 25.06.2020, 

https://landinfo.no/wp-content/uploads/2020/06/Respons-Somalia-Klan-

familie-migrasjon-og-bistand-ved-reetablering-25062020.pdf, abgerufen 

E-1722/2020 

Seite 21 

am 02.11.2022). Weder die Clanzugehörigkeit des Beschwerdeführers vä-

terlicherseits (B._______) noch – möglicherweise – mütterlicherseits 

(K._______) würden ihm in Nordsomalia einen solchen Schutz gewährleis-

ten. Die K._______ sind zwar vereinzelt im nördlichen Somalia ansässig, 

jedoch nicht als Mehrheitsclan vertreten (vgl. Immigration and Refugee 

Board of Canada, Somalia: Information on the K._______ clan in Somali-

land, including distinguishing features, locations, occupations and position 

in the clan hierarchy; treatment by the Somaliland authorities and by al-

Shabaab [2015-October 2017], 23.11.2017, https://irb-

cisr.gc.ca/en/country-information/rir/Pages/idex.aspx?doc=457304&pls=1, 

abgerufen am 02.11.2022). In den verfügbaren Quellen existieren keine In-

formationen darüber, ob die B._______ in Puntland präsent und ob dieser 

Clan dort gar eine bedrohte Minderheit ist. Insgesamt gibt es keine Hin-

weise auf das Vorliegen begünstigender Umstände, die einen Wegwei-

sungsvollzug des Beschwerdeführers nach Somali- oder Puntland als zu-

mutbar erscheinen lassen würden.  

12.3 Vor diesem Hintergrund ist der Vollzug der Wegweisung nach Somalia 

als unzumutbar zu erachten. Da den Akten keine Gründe im Sinne von 

Art. 83 Abs. 7 AIG zu entnehmen sind, ist der Beschwerdeführer vorläufig 

aufzunehmen. 

13.  

Aus diesen Erwägungen folgt, dass die Beschwerde teilweise gutzuheis-

sen ist (vgl. E. 6.5). Die Verfügung des SEM vom 27. Februar 2020 ist be-

treffend den Vollzug der Wegweisung (Ziffern 5 und 6 des Dispositivs) auf-

zuheben. Das SEM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer in der Schweiz 

vorläufig aufzunehmen. 

14.  

14.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wäre dem Be-

schwerdeführer an sich die Hälfte der Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. 

Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG). Indessen wurde der mit 

der Beschwerdeschrift gestellte Antrag auf unentgeltliche Prozessführung 

im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 20. Mai 

2020 gutgeheissen, und liegen keine Hinweise vor, dass der Beschwerde-

führer nicht mehr fürsorgeanhängig wäre. Somit hat er keine Verfahrens-

kosten zu tragen.  

E-1722/2020 

Seite 22 

14.2 Nachdem der Beschwerdeführer hinsichtlich des Wegweisungsvoll-

zugs  und insofern teilweise  obsiegt hat, ist ihm eine angemessene, um 

die Hälfte reduzierte Parteientschädigung zu entrichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 7 ff. VGKE). Es wurde keine Kostennote 

eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu 

bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die Rechtsmitteleingabe so-

wie die Beschwerdeverbesserung hat der Beschwerdeführer selbst ver-

fasst. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9–13 VGKE) ist die Vorinstanz demnach anzuweisen, dem Beschwer-

deführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 480.– (inklusive die 

Hälfte der Auslagen im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten. 

14.3 Mit Verfügung vom 30. Juni 2020 wurde Rechtsanwalt Michael 

Adamczyk, damals angestellt bei der Caritas Schweiz, als amtlicher 

Rechtsbeistand bestellt. Mit Zwischenverfügung vom 27. April 2022 wurde 

MLaw Natalie Marrer, ebenfalls bei der Caritas tätig, als amtliche Rechts-

beiständin beigeordnet, nachdem Rechtsanwalt Michael Adamczyk aus 

seinem Amt entlassen worden war. Aufgrund der Aktenlage und mangels 

anderweitiger Indizien ist davon auszugehen, dass Rechtsanwalt Michael 

Adamczyk seinen Honoraranspruch an die Caritas Schweiz abgetreten 

hat. Soweit der Beschwerdeführer demgegenüber hälftig unterliegt, ist sei-

ner Rechtsvertreterin demnach für ihre Aufwendungen im Beschwerdever-

fahren ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 480.– zulasten der Ge-

richtskasse auszurichten (inklusive die Hälfte der Auslagen im Sinne von 

Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-1722/2020 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie die Zuerkennung der Flücht-

lingseigenschaft, die Gewährung von Asyl und die Anordnung der Wegwei-

sung betrifft. 

2.  

Die Beschwerde wird hinsichtlich des verfügten Wegweisungsvollzugs 

(Dispositivziffern 5-6 der angefochtenen Verfügung) gutgeheissen. Das 

SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 480.– auszurichten. 

5.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird zu Lasten des Bundesverwaltungs-

gerichts ein Honorar von Fr. 480.– ausgerichtet.  

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Janine Sert