# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64520d08-6599-59bb-8923-fe801076e0ec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2009 D-3847/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3847-2009_2009-06-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3847/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 0 9

Einzelrichter Robert Galliker, 
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

A._______, geboren (...),
angeblich Sierra Leone,

Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 4. Juni 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3847/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimat-
staat  (Sierra  Leone)  vor  unbestimmter  Zeit  verliess  und  nach 
B._______ reiste, von wo aus er mit dem Schiff nach Europa gelangte,

dass er am 20. Oktober 2008 in die Schweiz einreiste, wo er gleichen-
tags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um Asyl 
nachsuchte,

dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  EVZ  C._______  vom 
29. Oktober 2008 geltend machte, er sei Staatsangehöriger von Sierra 
Leone und stamme aus D._______, wo er  von Geburt  bis zu seiner 
Ausreise gelebt habe,

dass er, nachdem seine Mutter gestorben sei, niemanden mehr gehabt 
habe, der sich um ihn kümmern würde und er deshalb nach Europa 
gekommen sei,

dass  ein  vom  BFM  beauftragter  Lingua-Experte  am  13. November 
2008 aufgrund eines telefonischen Gespräches,  welches er  mit  dem 
Beschwerdeführer geführt hatte, in einem Gutachten feststellte, dieser 
stamme mit Sicherheit nicht aus Sierra Leone, da in Sierra Leone Krio 
als landesübliche Sprache zu betrachten sei, nicht jedoch das vom Be-
schwerdeführer gesprochene Pidginenglisch,

dass  davon  auszugehen  sei,  der  Beschwerdeführer  stamme  aus 
Nigeria,

dass der Beschwerdeführer am 27. April 2009 vom BFM im Sinne von 
Art. 29  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 
142.31) angehört wurde,

dass er angab, in seinem Heimatstaat keine Identitätspapiere beses-
sen zu haben,

dass er  mit  dem Bus nach B._______ und von dort  per Schiff  nach 
Europa gereist sei,

dass er ausgereist sei, weil er niemanden mehr habe und sich einsam 
gefühlt habe,

Seite 2

D-3847/2009

dass für die weiteren Einzelheiten der Aussagen des Beschwerdefüh-
rers auf die Protokolle der Befragung vom 29. Oktober 2008 und der 
Anhörung vom 27. April 2009 zu verweisen ist,

dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  29. April 
2009  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  zum  Lingua-Gutachten  gab, 
welche der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 5. Mai 2009 wahrnahm 
und dabei im Wesentlichen angab, in Sierra Leone würden verschiede-
ne Sprachen gesprochen, neben Krio zum Beispiel auch Timili,

dass er bereits an der Empfangsstelle gesagt habe, er spreche auch 
Timili,  für das Gutachten ein Gespräch in Timili  jedoch nicht möglich 
gewesen  sei,  weil  der  Gutachter  nur  Krio  und  Englisch  gesprochen 
habe,

dass er  an den bisherigen Asylvorbringen festhalte  wie  auch daran, 
aus Sierra Leone zu stammen,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  4. Juni  2009  in  Anwendung  von 
Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eintrat und die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass der Beschwerdeführer mit einer an das BFM adressierten Einga-
be vom 11. Juni 2009 mitteilte, er sei mit dem Entscheid des Bundes-
amtes nicht einverstanden,

dass das BFM die Eingabe des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 
15. Juni 2009 an das Bundesverwaltungsgericht weiterleitete,

dass der Beschwerdeführer mit seiner als "Appel gegen den Negative 
Entscheid"  überschriebenen Eingabe sinngemäss – ohne eigentliche 
Rechtsbegehren zu formulieren – die Aufhebung der vorinstanzlichen 
Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  zur  materiellen  Prüfung 
beantragte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 16. Juni 2009 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass nach Einsicht  in die Akten – und da es sich um eine Laienbe-
schwerde  handelt,  an  die  keine  hohen  formellen  Anforderungen  zu 

Seite 3

D-3847/2009

stellen sind – auf  die Beschwerde  einzutreten und diese in Anwen-
dung des AsylG, der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Ver-
fahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311),  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021),  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR 173.32),  des  Bundesgesetzes 
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110), des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer  (AuG,  SR 142.20),  des  Reglements  vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu beurteilen ist,

dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
den Behörden nicht innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des 
Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere abgeben (Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG),

dass diese Bestimmung jedoch keine Anwendung findet, wenn Asylsu-
chende glaubhaft machen können, sie seien dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), auf Grund der 
Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigen-
schaft  festgestellt  wird  (Art. 32  Abs. 3  Bst. b  AsylG)  oder  sich  auf 
Grund der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft  oder eines Wegweisungsvollzugs-
hindernisses nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  bis  heute  keine  gültigen  Identitätsdoku-
mente zu den Akten gereicht hat,

dass  das  BFM in  der  angefochtenen  Verfügung – nach Prüfung der 
Akten durch  das  Gericht  –  überzeugend  dargelegt  hat,  weshalb  die 
Voraussetzungen  für  einen  Nichteintretensentscheid  gemäss  Art. 32 
Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 AsylG gegeben sind,

dass  in  der  Beschwerde  einzig  ausgeführt  wird,  die  Angaben  und 
Antworten  des  Beschwerdeführers  in  den  Interviews  seien  wahr,  er 
habe keine Verwandte mehr in Sierra Leone oder sonst in Afrika und 
wisse nicht,  wo und wie er seine Papiere besorgen könne und auch 
nicht, wohin er gehen könnte,

dass in der Beschwerdeschrift damit nicht dargetan wird, inwiefern die 
Erwägungen des Bundesamtes unzutreffend sein sollen, und auch aus 

Seite 4

D-3847/2009

den Akten nicht ersichtlich wird, inwiefern die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  verletzen,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig 
oder unvollständig feststellen oder unangemessen sein könnte,

dass insbesondere  mit  dem BFM darin einig zu  gehen ist,  dass  die 
Ausführungen des Beschwerdeführers über seine Ausreise aus Sierra 
Leone – angeblich auf  dem Landweg nach B._______ und von dort 
per  Schiff  in  ein  ihm  unbekanntes  Land  in  Europa  –  als 
unsubstanziiert,  realitätsfremd und im Resultat  insgesamt als  haltlos 
zu bezeichnen sind,

dass das Bundesamt in seinen weiteren Erwägungen zu Recht  fest-
hält, auf allgemeine politische, wirtschaftliche oder soziale Lebensbe-
dingungen zurückzuführende Nachteile  stellten keine asylbeachtliche 
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar,

dass sodann mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, die Asylgründe 
des  Beschwerdeführers  könnten  angesichts  des  Ergebnisses  des 
Sprachgutachtens  sowie  weiterer  Widersprüche  in  den  Vorbringen 
nicht geglaubt werden,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht aus Sierra Leone, sondern 
aus Nigeria stammt,

dass deshalb ohne weitere Erörterungen und unter Hinweis auf die zu-
treffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung festzustellen 
ist,  dass das BFM in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG in 
Verbindung  mit  Art. 32  Abs. 3  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch 
nicht  eingetreten  ist,  ohne  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung 
der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernis-
ses zu treffen,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

Seite 5

D-3847/2009

dass sich aus den Akten und den Ausführungen in  der  Beschwerde 
keine Anhaltspunkte ergeben, aufgrund derer allenfalls zu schliessen 
wäre, das Bundesamt habe den Vollzug der Wegweisung in Verletzung 
der  landes-  und  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  der  Schweiz  als 
zulässig bezeichnet,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch individuelle Gründe 
auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen 
lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den 
Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse 
bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, 
bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 
AsylG),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass die offensichtlich unbegründete Beschwerde deshalb mit summa-
rischer  Begründung im einzelrichterlichen Verfahren mit  Zustimmung 
eines zweiten Richters abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 6

D-3847/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- das (...) des Kantons E._______ (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

Versand: 

Seite 7