# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 935f2a55-a0d2-5d3f-811d-afc43ee71cb0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.05.2010 D-7563/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7563-2009_2010-05-31.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7563/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  M a i  2 0 1 0

Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer,
Richter Blaise Pagan, 
Gerichtsschreiberin Eva Zürcher.

Z._______, geboren _______,
Afghanistan,
vertreten durch Fürsprecher Daniel Weber, _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
26. August 2009 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7563/2009

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  verliess  den  Heimatstaat  nach  eigenen 
Angaben am 24. August  2009 und gelangte  über  den Luftweg nach 
A._______, von wo aus er in einem Privatwagen und per Zug am 26. 
August  2009  unter  Umgehung  der  Grenzkontrollen  in  die  Schweiz 
einreiste. Gleichentags stellte er in der Schweiz ein Asylgesuch. Am 
8. September  2009  fand  im  Verfahrens-  und  Empfangszentrum 
B._______ die Erstbefragung statt und am 16. September 2009 wurde 
er  vom  BFM  direkt  angehört.  Mit  Verfügung  des  BFM  vom 
29. September 2009 wurde er für die Dauer des Asylverfahrens dem 
Kanton C._______ zugewiesen. 

B.
Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  sei 
afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Tadschike. Er stamme 
aus  D._______,  wo  er  seit  seiner  Geburt  bis  ins  Jahr  1997  gelebt  
habe.  Nach  dem  Umsturz  durch  die  Taliban  sei  er  mit  seinen 
Angehörigen  bis  zum  Frühling  2002  illegal  in  einer  Wohnung  in 
E._______  gewesen.  Anschliessend  habe  er  sich  mit  seinen  Eltern 
erneut  nach  D._______  begeben,  wo  er  bis  zu  seiner  Ausreise  in 
einem  andern  Quartier  gelebt  habe.  Seine  Schwester  sei  in 
M._______  geblieben.  Im  Anschluss  an  die  Primar-  und 
Sekundarschule  habe  er  das  zehnte  und  elfte  Schuljahr  an  einer 
technischen  Schule  beziehungsweise  an  einem  Gymnasium,  an 
welchem Technik vermittelt  worden sei,  besucht. Die Schule habe er 
indessen  nicht  abgeschlossen.  Zwischen  2004  und  2007 
beziehungsweise November 2006 habe er am F._______ in D._______ 
ein Studium absolviert. Zudem sei  er  zwischen Dezember 2003 und 
Anfang Mai  2009 für  die G._______ als  Dolmetscher tätig gewesen, 
wobei  er  bis  August  oder  September  2007  bei  einem  I._______ 
Panzerbatallion  und  anschliessend  in  der  Zentrale  der  G._______ 
beschäftigt  gewesen  sei.  Anfangs  2006  sei  einer  seiner 
Dolmetscherkollegen  von  der  afghanischen  Polizei  umgebracht 
worden.  Obwohl  die  fehlbaren  Polizisten  inhaftiert  und  zum  Tode 
verurteilt  worden  seien,  habe man das Urteil  nie  vollstreckt  und die 
Fehlbaren freigelassen. Seit Februar oder März 2006 habe er zudem 
bemerkt, dass er auf dem Arbeitsweg beschattet worden sei. Obwohl 
er und einer seiner Kollegen beim I._______ Arbeitgeber um Schutz 
beziehungsweise  um  eine  Waffe  ersucht  hätten,  sei  ihrem  Wunsch 

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nicht entsprochen worden. Im Juni oder Juli 2007 habe er ferner vier 
oder  fünf  anonyme Sprachmitteilungen  auf  seinem Telefon  erhalten, 
wobei  er  als  I._______  Spion  und  ungläubiger  Hund  verunglimpft 
worden sei. Ausserdem sei ihm angekündigt worden, er habe den Tod 
verdient. Im Sommer 2008 sei er von einem Motorrad-fahrer, der ihn 
verfolgt habe, attackiert  worden. Nachdem mit seinem Vater Anfangs 
Oktober 2008 im Fernsehsender H._______ ein Interview durchgeführt 
worden  sei,  habe  er  anonyme  Drohanrufe  mit  Be-schimpfungen 
erhalten. Ausserdem sei er  ständig von einem weissen Auto verfolgt 
worden.  In  der  Folge  habe  er  um  seine  Sicherheit  gefürchtet  und 
deshalb  bei  seiner  damals  noch  in  D._______  lebenden  Schwester 
Zuflucht  gesucht.  Fortan  sei  er  nur  noch  in  afghanischer  Tracht 
gekleidet zur Arbeit erschienen. Trotzdem habe er Ende Oktober 2008 
bei  seiner  Schwester  einen  Anruf  erhalten,  in  welchem  ihm 
angekündigt worden sei, dass man ihn finden werde. Nachdem er im 
Mai 2009 seine Verfolger in der Nähe des Wohnortes seiner Schwester 
gesehen  und  zwei  oder  drei  Tage  später  erneut  einen  Drohanruf 
erhalten  habe,  sei  er  nicht  mehr  zur  Arbeit  erschienen,  habe  sein 
Mobiltelefon abgeschaltet und sich zur Ausreise entschlossen. Er habe 
befürchtet, wie sein Kollege umgebracht zu werden.

Der  Beschwerdeführer  gab  fast  zwei  Monate  nach  der  Einreichung 
seines  Asylgesuchs  eine  Tazkara  und  mehrere  Beweismittel  über 
seine Tätigkeit als Dolmetscher zu den Akten. 

Das BFM verzichtete auf weitere Abklärungen.

C.
Das BFM stellte mit Verfügung vom 6. November 2009 – eröffnet am 
10. November  2009 – fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flücht-
lingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung aus der  Schweiz sowie den Vollzug an. Es begründete 
seinen  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  damit,  dass  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit nicht genügten. Insbesondere beruhten seine Informationen 
über die Umstände der Ermordung seines Kollegen ausschliesslich auf 
Informationen,  welche  er  von  Drittpersonen  erhalten  habe,  und  auf 
Vermutungen beziehungsweise Spekulationen. Zudem habe sich das 
angeblich enge Verhältnis  zu diesem auf  den gemeinsamen Arbeits-
weg und -ort  beschränkt. Auch die angebliche Entlassung und unter-
lassene  Hinrichtung  der  fehlbaren  Polizisten  beruhe  auf  reinen 

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Spekulationen und Vermutungen. Zudem habe der Beschwerdeführer 
keine  offizielle  Polizeidienststelle  eingeschaltet.  Die  Schwere  der 
angeblichen  Bedrohung  habe  er  darüber  hinaus  selber  entkräftet, 
indem er vorgebracht habe, die Dolmetscher seien nie allein, sondern 
immer  geschlossen  auf  dem Arbeitsweg  unterwegs  gewesen,  damit 
die  Verfolger  nicht  den  Mut  gehabt  hätten,  etwas  zu  unternehmen. 
Dem Beschwerdeführer  sei  darüber  hinaus eine Fluchtmöglichkeit  in 
M._______  offen  gestanden,  da  er  sich  dort  nach  seiner  Rückkehr 
auch  ferienhalber  aufgehalten  habe.  Angesichts  der  strengen 
Kontrollen  an  den  Schengen-Aussengrenzen  könne  ihm ferner  nicht 
geglaubt  werden, er  sei  mit  einem gefälschten polnischen Pass, der 
ein Besuchervisum für Afghanistan enthalten habe, unbehelligt in Rom 
eingereist. Vielmehr sei aus dieser unglaubhaften Angabe der Schluss 
zu ziehen, er sei auf anderem als dem geltend gemachten Weg nach 
Europa  und  in  die  Schweiz  gereist.  Die  von  ihm  abgegebenen 
Beweismittel könnten schliesslich bestenfalls seine Beschäftigung bei 
der I._______ Einheit und die Belegung eines Kurses am F._______ in 
D._______ beweisen. Hinsichtlich der geltend gemachten Bedrohung 
komme ihnen kein Beweiswert zu. Den Wegweisungsvoll-zug erachtete 
das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Dies-bezüglich legte es 
dar,  die  Menschenrechtssituation  in  Afghanistan  lasse  auch  in 
Anbetracht  der  jüngsten  Entwicklung  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Zudem  könne  nicht  von  einer 
konkreten Gefährdung der gesamten Bevölkerung in Afghanistan oder 
von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  im  Sinne  des  Gesetzes 
ausgegangen werden, auch wenn sich die allgemeine Sicherheitslage 
in letzter Zeit verschlechtert habe und angespannt bleibe und obwohl 
die Taliban ihre Aktivitäten verstärkt  und die internationalen Truppen 
zahlenmässig zu schwach seien, um flächendeckend wirksam zu sein. 
Es gebe schliesslich auch keine individuellen Gründe, welche gegen 
die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  sprächen,  da  der 
Beschwerdeführer  ein  junger,  gesunder  Mann sei,  über  eine ausge-
zeichnete  Schulbildung  und  in  D._______  über  ein  tragfähiges 
Beziehungsnetz verfüge. 

D.
Mit  Beschwerde  vom  4.  Dezember  2009  an  das  Bundesver-
waltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der 
vorinstanzlichen Verfügung, die Gewährung von Asyl oder der vorläu-
figen  Aufnahme,  das  Absehen  von  einer  Wegweisung,  sowie  in 
verfahrensrechtlicher Hinsicht die Gewährung einer Frist zur Verbesse-

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rung  beziehungsweise  Ergänzung  der  Beschwerde  und  die  Gewäh-
rung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege.  Zur  Begründung  legte  er  im 
Wesentlichen  dar,  dass  es  ihm bis  zum Ablauf  der  Beschwerdefrist 
nicht möglich gewesen sei, eine ausführliche und fundierte Beschwer-
de einzureichen, weil er die Akten der Vorinstanz noch nicht erhalten 
habe. Ausserdem sei er mittellos und sozialhilfeabhängig, weshalb ihm 
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu erteilen sei. 

E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2009 teilte der Instruktions-
richter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dem  Beschwerdeführer  mit, 
dass  er  den  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz 
abwarten könne. Dem Beschwerdeführer wurde eine Frist zur Verbes-
serung  der  Beschwerde  und  zur  Einreichung  einer  Fürsorgebestäti-
gung  gewährt  und  er  wurde  aufgefordert,  das  Mandatsverhältnis  zu 
klären. Es wurde ihm mitgeteilt, dass über das Gesuch um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  zu  einem  späteren  Zeitpunkt 
befunden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses einstweilen 
verzichtet werde. 

F.
Mit  Eingabe  vom 21. Dezember  2009  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Beschwerdeverbesserung  ein  und  stellte  die  Anträge,  der 
Entscheid  der  Vorinstanz  sei  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen, 
eventuell  sei  er  aufzuheben  und  dem  Beschwerdeführer  Asyl  zu 
gewähren,  subeventuell  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  unzulässig  und  unzumutbar  und  der  Beschwerdeführer 
vorläufig aufzunehmen sei. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um 
Gewährung  der  vollständigen  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersucht. 
Zur  Begründung  wurde  insbesondere  vorgebracht,  dass  der  Be-
schwerdeführer  die von der Vorinstanz vorgenommene Einschätzung 
der Sicherheitslage in Afghanistan nicht teile. Die fehlende Sicherheit  
vor  Ort  mache  eine  Rückkehr  unzumutbar.  Zahlreiche  Bomben-
attentate  in  D._______  hätten  zu  massiven  Opfern  unter  der 
unbeteiligten  Zivilbevölkerung  geführt,  wobei  der  Staat  offensichtlich 
nicht  in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Damit  bestehe  eine 
konkrete  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung.  Trotz  mehreren 
Hinweisen des Beschwerdeführers in den Befragungen habe das BFM 
wesentliche  Vorbringen  und  die  zugehörigen  Beweismittel  nicht 
beachtet. Er sei der Sohn eines Künstlers, der als „Götzenmaler“ und 
bekennender  Buddhist  bekannt  sei  und  über  den  im  afghanischen 

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Fernsehen im _______,  am _______ und –  nach seinem Tod – am 
_______ Filmbeiträge gesendet worden seien. Diesbezüglich habe der 
Beschwerdeführer zwei  CDs eingereicht,  welche die Vorinstanz nicht 
beachtet  habe.  Die  Beilage  6  enthalte  inhaltliche  Angaben  zu  den 
Bilddokumenten.  Der  Beschwerdeführer  erscheine  in  einem  der 
Filmbeiträge selber, wobei der Vater berichte, dass er als Übersetzer 
für  die  I._______  Soldaten  arbeite.  Nachdem  sich  der  Vater  im 
Fernsehen  gegen  die  Zerstörung  der  Buddha-Statuen  in  Bamian 
geäussert habe, sei der Beschwerdeführer beschimpft worden. Seine 
Schwester sei nach der Ausstrahlung des Fernsehbeitrages über ihren 
Vater  in  die  USA  geflohen,  obwohl  sie  in  D._______  als  Ärztin 
gearbeitet  und  unterrichtet  habe.  Drei  Dolmetscherkollegen  des 
Beschwerdeführers  würden  überdies  in  Beilage  8  den  Tod  ihres 
Kollegen bestätigen. Es handle sich um die drei auf der Urkunde der 
G._______  vom März  2007  abgebildeten  Dolmetscher. Das  Original 
sowie eine Bestätigung über die Tätigkeit des Beschwerdeführers bis 
im Mai 2009 werde nachgereicht. Mit ihrer Argumentation verkenne die 
Vorinstanz die generelle Gefährdung von Übersetzern in Afghanistan. 
So  sei  es  bekannt,  dass  bei  Entführungen  immer  zuerst  die 
Dolmetscher  erschossen  würden. Zudem gälten Dolmetscher  in  den 
Augen  der  Bevölkerung  als  Landesverräter.  Ein  Blick  ins  Internet 
genüge, um dies zu bestätigen, wie die Beilagen 10 und 11 zeigten. 
Dolmetscher  in  Afghanistan  befänden  sich  somit  in  Lebensgefahr. 
Nicht  der  Tod  seines  Freundes,  sondern  seine  Tätigkeit  als 
Dolmetscher in Afghanistan würden den Beschwerdeführer gefährden. 
Hinsichtlich des Reisewegs, der von der Vorinstanz ebenfalls nicht als 
glaubhaft  erachtet  werde,  sei  es  für  die  Behörden  einfach,  die 
Passagierliste des Fluges der „J._______“ vom 25. August 2009 von 
K._______ nach A._______ einzufordern, weshalb der entsprechende 
Antrag  gestellt  werde.  Der  Beschwerdeführer  sei  unter  der  Identität 
„_______“ geflogen. Mit  der Passagierliste könnten die Angaben des 
Beschwerdeführers  überprüft  werden.  Die  bei  der  Vorinstanz 
eingereichten  Beweismittel  würden  nicht  nur  die  Tätigkeit  des 
Beschwerdeführers  als  Dolmetscher  und seine dadurch entstandene 
Gefährdung, sondern auch seine Gefährdung als Sohn eines Mannes, 
der in den Augen der radikalen Taliban ein Gotteslästerer sei, belegen. 
Indem die  Vorinstanz  diese  Beweismittel  nicht  beziehungsweise  nur 
pauschal gewürdigt habe, liege eine Verletzung der Abklärungspflicht 
vor. Der Sachverhalt sei unvollständig und teilweise falsch festgestellt  
worden.  Deshalb  müsse  das  Verfahren  an  die  Vorinstanz 
zurückgewiesen werden. Unter den gegebenen Umständen sei zudem 

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die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Glaubhaftigkeitsprüfung 
unhaltbar.  Zudem  könne  es  nicht  darauf  abkommen,  ob  dem 
Beschwerdeführer  geglaubt  werde,  was  er  über  die  Ermordung  von 
Drittpersonen  erfahren  habe.  Da  ferner  Korruption  in  Afghanistan 
notorisch  sei,  könnten  die  vom Beschwerdeführer  aus  dritter  Hand 
geschilderten  Folgen  für  die  Mörder  mit  den  Verhältnissen  vor  Ort  
vereinbart  werden.  Aus  den  gleichen  Gründen  sei  es  auch 
verständlich, dass er sich nicht an die örtliche Polizei gewandt habe. 
Da seine Vorbringen insgesamt als glaubhaft zu erachten seien, erfülle 
er  die  Flüchtlingseigenschaft.  Eine  innerstaatliche  Fluchtalternative 
bestehe  nicht  und  die  von  der  Vorin-stanz  suggerierte 
„Fluchtalternative“ in M._______ sei nicht relevant. 

Der  Eingabe lagen  im Wesentlichen folgende Beweismittel  bei:  Eine 
Fürsorgebestätigung vom 21. Dezember 2009, eine kurze Zusammen-
fassung  des  Inhalts  der  CDs,  ein  Brief  seiner  Schwester  und  eine 
Kopie ihres  Einwanderungsvisums in  den USA,  ein  Schreiben eines 
Dolmetscherkollegen vom 8. Dezember 2009 sowie eine Kopie dessen 
L._______ Reisepasses und verschiedene Auszüge aus dem Internet. 

G.
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesver-
waltungsgerichts vom 11. Januar 2010 wurde das BFM insbesondere 
zu den Vorbringen, der Beschwerdeführer habe als Übersetzer für die 
G._______  gearbeitet  und  sei  Sohn  eines  als  „Götzenmaler“  und 
Buddhisten bekannten Mannes, zur Vernehmlassung eingeladen. 

H.
In  seiner  Vernehmlassung vom 28. Januar 2010 legte das BFM dar, 
dass  gemäss  seinen  Erkenntnissen  Übergriffe  auf  vermeintliche 
Kollaborateure  der  G._______  zur  Einschüchterung  und 
Verunsicherung  der  Zivilbevölkerung  durchaus  der  Taktik  der 
Aufständischen  entsprächen.  Zudem  bestehe  ein  allgemeines 
Grundrisiko,  weshalb  in  D._______  kaum jemand  offen  zugebe,  für 
Ausländer tätig zu sein. Indessen entspreche es nicht dem Vorgehen 
der  Taliban,  einzelne  für  die  G._______  arbeitende  Personen  ohne 
hochkarätiges  Profil  gezielt  zu  verfolgen  oder  einzuschüchtern.  Das 
geltend gemachte Vorgehen entspreche vielmehr dem Vorgehen von 
kriminellen  Akteuren,  die  namentlich  in  der  Hauptstadt  in  Unwesen 
trieben. Zudem habe der Beschwerde-führer nicht zwei CDs, sondern 
eine DVD eingereicht. Gestützt auf den Interviewpartner sei der Vater 

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des  Beschwerdeführers  nicht  am  9.  Mai  2009,  sondern  am  9.  Juni 
2009 verstorben. Die beiden auf der DVD enthaltenen Filme seien fast 
identisch  und  würden  sich  darin  unterscheiden,  dass  der  eine  Film 
eine fünf Sekunden dauernde Einblendung enthalte, welche den Vater 
und den Sohn zeige, wobei kein Wort  gesprochen werde. Es handle 
sich  nicht  um  vom  Sender  herausgegebene,  sondern  private 
Mitschnitte,  wobei  die  fragliche  Sequenz  auch  nachträglich 
eingespiesen worden sein könne. Eine Transkription des Interviews sei 
vom  Beschwerdeführer  nicht  abgegeben  worden;  vielmehr  habe  er 
sich  mit  einer  kurzen Inhaltsangabe zum Bildmaterial  begnügt. Falls 
sich die interviewte Person im Film als Buddhist zu erkennen gegeben 
hätte, wäre davon auszugehen, dass diese Person darunter zu leiden 
gehabt  hätte  und  nicht  seine  Kinder. Bezeichnenderweise  habe  der 
Beschwerdeführer  D._______  erst  ein  Dreivierteljahr  nach  der 
Erstausstrahlung der Sendung im Oktober 2008 verlassen.  

I.
Mit  Eingabe vom 17. Februar  2010 nahm der  Beschwerdeführer  zur 
Vernehmlassung  der  Vorinstanz  Stellung.  Er  machte  insbesondere 
geltend,  dass  hinsichtlich  des  Todesdatums  und  der  eingereichten 
Tonträger  in  der  Beschwerde  ein  Missverständnis  entstanden  sei. 
Darüber hinaus habe sich das BFM nicht zur gesamten Auseinander-
setzung bezüglich der Glaubhaftigkeit  und zum Vorwurf der falschen 
Feststellung  des  Sachverhalts  geäussert.  Es  werde  deshalb  am 
Hauptbegehren der Kassation festgehalten. Auch wenn die Vorinstanz 
ein „allgemeines Grundrisiko“ für G._______-Kollaborateure und damit 
ihre Fehleinschätzung zugebe, schätze sie dieses Risiko immer noch 
nicht korrekt  ein. Da G._______-Kollaborateure Teil des militärischen 
Feindes  der  Taliban  seien,  gehe  es  nicht  um  Übergriffe  zwecks 
Einschüchterung  und  Verunsicherung  der  Zivilbevölkerung. 
Hochkarätiger als das eines Kollaborateurs mit dem Feind könne ein 
Profil  nicht sein. Die Vorinstanz versuche zwar, kriminelle Akteure für 
die  Verfolgung  des  Beschwerdeführers  verantwortlich  zu  machen; 
indessen  hätte  sie  unter  diesen  Umständen  eine  Verfolgung  durch 
Drittpersonen  prüfen  müssen. Die  Darstellung  des  BFM,  die  beiden 
Filme seien fast identisch, könne nicht geteilt  werden. Bei einem der 
Filme  handle  es  sich  um einen  privaten  Mitschnitt;  der  zweite  Film 
indessen  sei  der  Familie  nach  dem  Tod  des  Vaters  des 
Beschwerdeführers  vom Fernsehsender  übergeben  worden.  Danach 
habe  der  Beschwerde-führer  beide  Filme  auf  einen  einzigen 
Datenträger  kopiert.  Als  Beilage  1  und  2  würden  nunmehr  die 

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originalen  Datenträger  nachgereicht.  Damit  könne  der  Vorwurf  des 
BFM beseitigt werden. Da im Asylverfahren die Amtspflicht gelte und 
der  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  erheben  sei,  müsse  das 
eingereichte Bildmaterial  gesichtet werden. Hätte die Vorinstanz dies 
getan,  wäre  es  möglich  gewesen,  den  Beschwerdeführer  dazu  zu 
befragen.  Der  Beschwerdeführer  sei  zu  einer  vollen  Transkription 
bereit,  sofern  er  dazu  aufgefordert  werde.  Er  habe  inzwischen  die 
Inhaltsangaben  ergänzt,  was  als  Beilage  3  eingereicht  werde. 
Hinsichtlich  der  Nachteile,  welche  der  Beschwerde-führer  als  Sohn 
eines  Buddhisten  und  Künstlers  bereits  dargelegt  habe,  sei  auf  die 
Befragungen zu verweisen. Ob der  Vater darunter  gelitten  habe,  sei 
nicht wesentlich. Dass der Beschwerdeführer sein Heimatland erst ein 
Dreivierteljahr  nach  der  Erstausstrahlung  der  Fernsehsendung  über 
seinen  Vater  verlassen  habe,  sei  auf  die  Beschaffung  der 
Reisepapiere und die Vorbereitung der Reise zurückzuführen. 

Der Eingabe lagen folgende Beweismittel bei: zwei Datenträger, zwei 
Inhaltsbeschriebe, Original von bereits eingereichten Beweismitteln mit 
Zustellcouverts,  das  Schreiben eines Kollegen und eine Bestätigung 
des Journalisten, der die Interviews mit dem Vater des Beschwerde-
führers durchführte. 

J.
Mit  Eingabe  vom 18.  Februar  2010  reichte  der  Rechtsvertreter  des 
Beschwerdeführers eine Kostennote zu den Akten.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021).  Das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig 

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(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1  AsylG,  Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 52  VwVG).  Der  Beschwerde-
führer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung;  er  ist daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer machte in  formeller  Hinsicht  geltend,  das 
BFM habe die von ihm eingereichten Beweismittel  nicht beziehungs-
weise nur pauschal gewürdigt und wesentliche Vorbringen seinerseits 
nicht  beachtet.  Vielmehr  habe  es  diese  totgeschwiegen,  weil  es  die 
abgegebenen Beweismittel offensichtlich nicht einmal visioniert habe. 
Damit  sei  der  Sachverhalt  unvollständig  und  teilweise  falsch  festge-
stellt worden. Wesentliche Vorbringen, die geeignet seien, die Asylge-
währung zu bewirken, seien nicht erkannt worden. Deshalb sei es not-
wendig,  den Entscheid zu kassieren und zur erneuten Entscheidung 
an die Vorinstanz zurückzuschicken. 

3.2 Diese  verfahrensrechtliche  Rüge  ist  vorab  zu  prüfen,  da  sie 
allenfalls  geeignet  wäre,  eine  Kassation  der  vorinstanzlichen  Verfü-
gung zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; 
FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983; S. 233 
mit  weiteren  Hinweisen,  S. 287 und  297;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, 
Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  2. 
Aufl., Zürich 1998, S. 225 mit weiteren Hinweisen). 

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3.3 Indem der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  das  BFM habe  zu 
den  Akten  gereichte  Beweismittel  und  wesentliche  Sachverhalts-
elemente nicht beachtet,  legt er sinngemäss dar, der Grundsatz des 
rechtlichen Gehörs sei verletzt worden. Der Anspruch auf rechtliches 
Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG 
i.V.m. Art. 6 und Art. 29 AsylG) umfasst als Teilaspekte einen Anspruch 
der Parteien auf vorgängige Anhörung durch die Behörde (Art. 30 und 
30a VwVG),  auf  Anhörung in Bezug auf  erhebliche Vorbringen einer 
Gegenpartei (Art. 31 VwVG), auf Prüfung eigener erheblicher Vorbrin-
gen  durch  die  Behörde  (Art.  32 VwVG)  sowie  auf  Abnahme  der 
angebotenen  und  tauglichen  Beweise  durch  die  Behörde  (Art.  33 
VwVG).  Dieser  Anspruch  bezieht  sich  auf  sämtliche  Fragen  der 
Sachverhaltsermittlung,  nicht  indessen auf  die  Frage der  rechtlichen 
Beurteilung.  Ob  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  von  der 
Vorinstanz  zutreffend  gewürdigt  wurden,  ist  im  Rahmen  der 
Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorbringen zu beurteilen. 

3.4 Der  angefochtenen  Verfügung  ist  zu  entnehmen,  dass  sich  die 
Vorinstanz darin weder zum Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei 
aufgrund  seiner  Tätigkeit  als  Dolmetscher  bei  der  G._______ 
gefährdet  gewesen,  noch  zu  seiner  Angabe,  er  sei  auch  als  Sohn 
eines  als  „Götzenmalers“  und  bekennenden  Buddhisten  bekannten 
Mannes  in  Gefahr  gewesen,  geäussert  hat.  Vielmehr  hat  sie  sich 
darauf  be-schränkt,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  als 
unglaubhaft zu erachten, weil er die Angaben über die Umstände des 
Todes seines Kollegen von Drittpersonen erfahren habe, weil sich das 
angeblich  enge  Verhältnis  zu  diesem  auf  den  Arbeitsweg  und  -ort  
beschränkt habe, weil  die Hintergründe über die fehlbaren Polizisten 
auf Spekulationen beruht hätten, weil die Dolmetscher normalerweise 
geschlossen  auf  dem  Arbeitsweg  gewesen  seien,  was  eine  Gefahr 
entkräfte,  weil  dem  Beschwerdeführer  eine  Fluchtmöglichkeit  in 
M._______  offen  gestanden  wäre,  weil  der  von  ihm  vorgebrachte 
Reiseweg  nicht  geglaubt  werden  könne  und  weil  die  eingereichten 
Beweismittel  die  geltend  gemachte  Bedrohung  nicht  zu  belegen 
vermöchten. 

3.5 Wie in der Beschwerde beziehungsweise in deren Ergänzung zu 
Recht  gerügt  wurde,  hat  sich  die  Vorinstanz  damit  zu  wesentlichen 
Vorbringen  des Beschwerdeführers  nicht  geäussert  und  hat  darüber 
hinaus die ins Recht gelegten Beweismittel  nicht  adäquat gewürdigt, 

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obwohl es ihre Pflicht gewesen wäre, die angebotenen und tauglichen 
Beweise zu würdigen (Art. 33  VwVG; vgl. dazu BGE 124 I 241 E. 2; 
117 Ia 262  E. 4b),  alle  wesentlichen  Vorbringen  des  Beschwerde-
führers sorgfältig und ernsthaft zu prüfen, in der Entscheidfindung zu 
berücksichtigen und ihren Entscheid entsprechend zu begründen (vgl. 
BGE 123 I 31  E. 2c;  REINHOLD HOTZ,  St.  Galler  Kommentar  zu  Art. 29 
BV, Rz. 34 ff.)

3.6 Indessen liess sich das BFM dazu in seiner Vernehmlassung vom 
28. Januar  2010  vernehmen  und  die  Vernehmlassung  wurde  dem 
Beschwerdeführer  mit  einem Replikrecht  zur  Kenntnis  gebracht.  Mit 
Eingabe  vom  17.  Februar  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  zur 
vorinstanzlichen  Vernehmlassung  Stellung.  Damit  sind  die  formellen 
Mängel als geheilt zu betrachten. 

3.7 Unter  diesen  Umständen  ist  die  Rüge  der  Verletzung  des 
rechtlichen  Gehörs  unbegründet.  Da  zudem  der  rechtserhebliche 
Sachverhalt  feststeht und gestützt auf  die bestehende Aktenlage mit 
hinreichender Klarheit beurteilt werden kann, ob die geltend gemachte 
Verfolgung glaubhaft  ist  respektive ob der  Beschwerdeführer  im Fall 
einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  asylrelevante  Verfolgungsmass-
nahmen  zu  befürchten  hätte,  ist  die  Sache  nicht  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn sie in ihrem Heimatstaat  oder im Land, in  dem sie 
zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 

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sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

5.

5.1 Vorliegend kann aufgrund der  Aussagen des Beschwerdeführers 
und  der  von  ihm  eingereichten  Beweismittel  davon  ausgegangen 
werden, dass er in D._______ für die G._______ als Dolmetscher tätig 
war. Dies wird  vom BFM nicht  bezweifelt,  und auch das Bundesver-
waltungsgericht hat – gestützt auf die bestehende Aktenlage – keine 
überwiegenden  Zweifel  daran,  dass  der  Beschwerdeführer  für  die 
G._______  als  Dolmetscher  arbeitete.  Die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers dazu erscheinen glaubhaft, und die zu den Akten 
gegebenen  Beweismittel  zeigen  ihn  mit  I._______  G._______-
Soldaten. Auch an der Echtheit der eingereichten Bestätigungen über 
seine Arbeit und den Besuch des F._______ in D._______ ist nicht zu 
zweifeln.  An  dieser  Einschätzung  vermag  die  Tatsache,  dass  der 
Beschwerdeführer  für  die Zeit  zwischen September 2007 und seiner 
Ausreise im Mai 2009 keine Bestätigung seiner Tätigkeit zu den Akten 
reichte, nichts zu ändern. 

5.2 Die  Vorinstanz  erachtete  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
als unglaubhaft, weil er über die Ermordung seines Kollegen und das 
Verfahren  der  Täter  nur  habe  Informationen  preisgeben  können, 
welche er aus dritter  Hand erfahren habe oder welche Vermutungen 
darstellen  würden.  Woher  der  Beschwerdeführer  die  Informationen 
über  den  Tod  eines  Kollegen  hat  und  ob  es  sich  bloss  um 
Vermutungen  handelt,  ist  indessen  für  die  Prüfung,  ob  er  eine 
asylrechtlich  relevante  Verfolgung  oder  Bedrohung  erlitten 
beziehungsweise  zu  befürchten  hat,  nicht  massgeblich.  Vor  dem 
Hintergrund  der  in  Afghanistan  herrschenden  Zustände  kann 
nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer die Informationen 
über  den  Tod seines  Kollegen  und  über  das  weitere  Vorgehen  der 
Behörden  nur  von  Drittpersonen  erhalten  hat.  Dabei  ist  es  auch 
nachvollziehbar, dass einige der Informationen unsicher sind und nur 
Vermutungen  darstellen.  Unter  diesen  Umständen  ist  es  auch 
verständlich, dass er keine genauen Einzelheiten über die Entlassung 
und  die  allenfalls  unterbliebene  Hinrichtung  der  fehlbaren  Polizisten 
preisgeben  konnte.  Es  geht  indessen  nicht  an,  aus  diesem  Grund 
seine Vorbringen als  unglaubhaft  zu qualifizieren. Das BFM erachtet 

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darüber  hinaus  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  deshalb  als 
unglaubhaft,  weil  ihm in M._______ eine Aufenthaltsalternative offen 
gestanden wäre, da er sich dort während einiger Zeit aufgehalten und 
später seine Schwester besucht habe. Auch dieses Argument vermag 
nicht  zu  überzeugen,  um die Vorbringen des Beschwerdeführers  als 
unglaubhaft  qualifizieren  zu  können,  da  eine  mögliche  Aufenthalts-
alternative in  M._______ mit  der  Glaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvor-
bringen nichts zu tun hat. Darüber hinaus müsste geprüft werden, ob 
eine Einreise in dieses Land für afghanische Staatsangehörige ohne 
gültige  Reisepapiere  und  eine  Aufenthaltsgenehmigung  überhaupt 
möglich  wäre.  Als  Ersatz  für  eine  innerstaatliche  Fluchtalternative, 
welche im Fall ihres Bestehens zu einer Verneinung der Flüchtlings-
eigenschaft  führen  würde,  kann  die  Aufenthaltsalternative  in 
M._______ ohnehin nicht dienen. Die Vorinstanz begründete ferner die 
Unglaub-haftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers damit, dass 
er die geltend gemachte Bedrohung selber entkräftet habe, indem er 
ausgesagt habe, es sei bei blossen Androhungen geblieben, weil die 
Dolmetscher  auf  ihrem Arbeitsweg nie  alleine,  sondern geschlossen 
unterwegs  gewesen  seien  und  die  Verfolger  deshalb  nicht  den  Mut 
gehabt hätten,  etwas zu unternehmen. Indessen vermag auch diese 
Argumentation nicht zu überzeugen, weil  aus ihr nicht ersichtlich ist, 
inwiefern  die  geltend  gemachte  Furcht  vor  Verfolgung  nicht  als 
glaubhaft  zu  erachten  wäre.  Schliesslich  befand  die  Vorinstanz  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers als unglaubhaft, weil der von ihm 
geschilderte Reiseweg nicht nachvollziehbar sei. Indessen kann auch 
aus  dem  Reiseweg  nicht  der  Schluss  gezogen  werden,  die 
Asylvorbringen seien nicht glaubhaft, da dieser Teil des Sachverhalts 
nicht die eigentlichen Asylvorbringen betrifft. Unter diesen Umständen 
kann vorliegend offen bleiben, ob der Beschwerdeführer in Italien mit  
einem gefälschten polnischen Reisepass einreisen konnte oder nicht. 
Schliesslich  vermögen  auch  die  übrigen  Argumente  der  Vorinstanz 
nicht zu überzeugen.

5.3 Es  kann  vorliegend  folglich  von  folgendem,  als  überwiegend 
glaubhaft  zu  erachtendem  Sachverhalt  ausgegangen  werden:  Der 
Beschwerdeführer war während einigen Jahren für die G._______ in 
seinem Heimatland als  Dolmetscher tätig,  wobei  er  zunächst  für  die 
I._______  Truppen  arbeitete  und  später  im  Hauptquartier  der 
G._______  in  D._______  seine  Arbeit  weiterführte.  Es  ist  deshalb 
nachfolgend  zu  prüfen,  ob  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner 
Tätigkeit  als  Übersetzer  für  die  G._______  in  D._______  eine 

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Verfolgung im Sinne des Gesetzes gedroht hat und diese Bedrohung 
immer  noch  besteht.  Diese  Prüfung  ist  in  Berücksichtigung  der 
Situation in Afghanistan vorzunehmen, wobei insbesondere näher zu 
beleuchten  ist,  ob  der  Beschwerdeführer  als  Dolmetscher  für  die 
G._______ in seinem Heimatland Schutz vor Verfolgung finden kann, 
da aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht erfüllt,  wer in seinem Heimatland Schutz 
vor nichtstaatlicher Verfolgung finden kann. Solcher Schutz kann durch 
den Heimatstaat oder durch einen im Sinne der Rechtsprechung be-
sonders  qualifizierten  Quasi-Staat  gewährt  werden,  allenfalls  auch 
durch  internationale  Organisationen. Schutz  vor  nichtstaatlicher  Ver-
folgung im Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die 
betreffende  Person  effektiv  Zugang  zu  einer  funktionierenden  und 
effizienten  Schutz-Infrastruktur  hat,  unabhängig  von  persönlichen 
Merkmalen  wie  Geschlecht  oder  Zugehörigkeit  zu  einer  ethnischen 
oder  religiösen  Minderheit,  und  ihr  die  Inanspruchnahme eines  sol-
chen  innerstaatlichen  Schutzsystems  individuell  zumutbar  ist 
(vgl. EMARK 2006 Nr. 18 E. 10).

5.4 Die  nachfolgende  kurze  Situationsanalyse  stützt  sich 
insbesondere auf die folgenden Quellen, sofern keine andere zitiert ist: 
United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR), UNHCR-
Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbedarfs afghani-
scher Asylsuchender, zusammenfassende Übersetzung, 10. November 
2009,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe,  Afghanistan:  Update,  Die 
aktuelle  Sicherheitslage,  Corinne  Troxler  Gulzar,  11. August  2009, 
Neue  Zürcher  Zeitung  (NZZ),  Entführungen  sind  in  Afghanistan  ein 
blühendes  Geschäft,  18.  März  2010,  United  Nations  Assistance 
Mission  in  Afghanistan  (UNAMA),  Afghanistan,  Annual  Report  on 
Protection  of  Civilians  in  Armed  Conflict  2009,  Januar  2010,  U.S. 
Department  of  State,  2009  Human  Rights  Report:  Afghanistan, 
11. März 2010. Verschiedene Organisationen berichten, dass sich die 
allgemeine Lage und insbesondere die Sicherheitslage in Afghanistan 
in  den  letzten  Jahren  zunehmend  verschlechtert  hat,  weil  sich 
bewaffnete  Konflikte  intensiviert  haben.  Teilweise  schwerwiegende 
Menschenrechtsverletzungen  sind  weit  verbreitet.  Die  afghanische 
Regierung  und  ihre  internationalen  Verbündeten  (die  ISAF  und  die 
Operation Enduring Freedom [OEF]) stehen nicht nur den Taliban, der 
Hezb-e-Islami  und  der  Al-Qaida  gegenüber,  sondern  müssen  auch 
gegen  eine  grosse  Anzahl  bewaffneter  Gruppen  und  organisierter 
kriminellen  Gruppierungen  ankämpfen.  Korruption,  fehlende  Rechts-

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staatlichkeit  und ineffektive  Rechtspflege sind an der  Tagesordnung, 
und  Menschenrechtsverletzungen  werden  nur  selten  geahndet.  Viel-
mehr herrscht zum Teil Straflosigkeit vor. Der religiöse Konservatismus 
erstarkte  beträchtlich,  konnte  sich  auch  territorial  ausbreiten  und 
vermehrt  die  Kontrolle  gewinnen.  Insbesondere  die  Taliban  waren 
bereits im Dezember 2008 in rund 72% des afghanischen Territoriums 
dauernd präsent. Sie dürften inzwischen noch mehr Territorium unter 
ihre Gewalt  gebracht  haben und diktieren  weitgehend in politischer 
sowie  militärischer  Hinsicht  die  Bedingungen  (vgl.  International 
Council  on  Security  and  Development  [ICOS],  Struggle  for  Kabul, 
Dezember 2008 S. 5). Die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung ist 
angestiegen und hat im Jahr 2009 den höchsten Stand seit dem Fall 
der Taliban erreicht,  weshalb das Vertrauen in die eigene Regierung 
und in die ausländischen Sicherheitskräfte stark  abgenommen hat. Im 
ganzen  Land  besteht  ein  erhebliches  Risiko,  Opfer  von  Terror-
anschlägen,  Entführungen,  Raubüberfällen,  Landminen  und  Blind-
gängern  zu  werden,  wobei  insbesondere  Personen,  denen  eine 
Verbindung  zur  Regierung  oder  ihrer  Verbündeten  nachgesagt  wird, 
zur  Zielscheibe  werden  können.  Kein  Ort  in  Afghanistan  kann  als 
sicher eingestuft werden. Auch die Hauptstadt Kabul gilt nicht mehr als 
sicher.  Selbst  tagsüber  ereignen  sich  dort  Bombenanschläge, 
Ermordungen und Entführungen. Die  afghanische Polizei  (ANP) und 
die afghanische Nationalarmee (ANA) haben infolge ihrer ungenügen-
den Ausbildung grosse Mühe, komplexe Operationen durchzuführen. 
Zudem ist die Fluktuationsrate gross, und die Finanzierung der afgha-
nischen Sicherheitskräfte  sowie  die  Korruption  innerhalb  der  Sicher-
heitskräfte  stellen  weitere  gravierende  Probleme  dar.  Gemäss 
Einschätzung  von  Human  Rights  Watch  hat  die  afghanische  Polizei 
grosse  Mühe  und  es  fehlt  manchmal  der  Wille,  gegen  die  stark 
angestiegenen  Entführungen  anzukämpfen  (Human  Rights  Watch, 
World Report  2009, 14. Januar 2009).  Das afghanische Justizsystem 
ist weitgehend unfähig, faire und korrekte Gerichtsverfahren durchzu-
führen,  was  nicht  nur  auf  fehlende  Finanzen  und  unqualifiziertes 
Personal,  sondern auch auf  die allseits  präsente  politische Einfluss-
nahme und Korruption zurückzuführen ist. Lokale Machthaber, Stam-
mesführer,  Familien  von  Angeklagten  und  regierungsfeindliche 
Gruppierungen untergraben die Unparteilichkeit der Richter, indem sie 
diese unter Druck setzen. Trotz internationaler Unterstützung wurden 
zu wenig Fortschritte erzielt. Es besteht der Verdacht, dass die Polizei  
selbst  in  illegale  Machenschaften,  Drogenhandel  und  Entführungen 
verwickelt sowie bestechlich ist. 

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5.5 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind vor dem Hintergrund 
dieser  aktuellen  Situation  in  Afghanistan  zu  beurteilen.  Dabei  ist 
insbesondere  zu  prüfen,  ob  er  als  ehemaliger  Übersetzer  für  die 
G._______ im Zeitpunkt  seiner  Ausreise  einer  aktuellen  Gefährdung 
ausgesetzt  war  und ob er  aufgrund seiner  früheren Tätigkeit  für  die 
G._______  im  heutigen  Zeitpunkt  im  Fall  seiner  Rückkehr  nach 
Afghanistan mit  einer Verfolgung im Sinne des Gesetzes zu rechnen 
hat.

5.5.1 Das UNHCR und andere im Flüchtlingsbereich tätigen Nichtre-
gierungsorganisationen heben bei der Beurteilung der Sicherheitslage 
in  Afghanistan  die  Existenz  von  sogenannten  Risikogruppen,  deren 
Angehörige trotz der im Land erfolgten Veränderungen der politischen 
und  militärischen  Verhältnisse  unter  Umständen  auch  im  heutigen 
Zeitpunkt befürchten müssen, in ihrem Heimatland in flüchlingsrecht-
lich  relevanter  Weise  verfolgt  zu  werden,  besonders  hervor.  Dabei 
werden  unter  anderen  Risikogruppen  auch  westlich  orientierte  oder 
der  afghanischen  Gesellschaftsordnung  aus  andern  Gründen  nicht 
entsprechende  Personen  beziehungsweise  Angehörige  von  Hilfsor-
ganisationen  oder  Personen,  die  mit  den  internationalen  Truppen 
zusammenarbeiten  genannt.  Aufgrund  der  oben  aufgezeigten 
Sicherheitslage in Afghanistan bestehen im heutigen Zeitpunkt keine 
Anzeichen für  eine Entschärfung der  Lage für  solche Risikogruppen 
(vgl. beispielsweise UNAMA Human Rights Kabul, a.a.O. S. 1). 

5.5.2 Damit  gehören  Afghanen,  die  für  ausländische  Hilfsor-
ganisationen oder  die  ISAF beziehungsweise die  Truppen der  North 
Atlantic  Treaty  Organization  (NATO)  tätig  sind,  zu  den  besonders 
gefährdeten  Personen,  weil  extremistisch  oder  fanatisch  eingestellte 
Gruppierungen – insbesondere die Taliban – Muslime, welche für die 
ihrer  Meinung  nach  ungläubigen  Besetzer  im  Land  arbeiten,  als 
Verräter  betrachten,  die es hart  zu bestrafen gilt.  Aber nicht  nur die 
Taliban, auch kriminelle Banden, stehen hinter den immer zahlreicher 
werdenden  Entführungen,  da  sie  von  wohlhabenden  Afghanen 
Lösegeld  zu  erpressen  versuchen.  Im  ganzen  Land  –  auch  in 
D._______  –  gibt  keiner  offen  zu,  dass  er  für  Ausländer  tätig  ist.  
Zahlreiche  Dolmetscher,  welche  für  die  internationalen  Truppen 
arbeiteten,  wurden  in den letzten Jahren getötet  (vgl. Neue  Zürcher 
Zeitung  [NZZ]  Entführungen  sind  in  Afghanistan  ein  blühendes 
Geschäft,  26.  März  2009;  Allvoices,  Afghan  Translator  Faces  New 

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Challenges off the battlefield, Dezember 2009; Reuters, French officer, 
Afghan translator killed in ambush, 11. Februar 2009). 

5.5.3 Folglich  gehört  auch  der  Beschwerdeführer  zu  einer  der 
Risikogruppen und befand sich in einer für ihn persönlich gefährlichen 
Situation, was letztlich auch das BFM in seiner Vernehmlassung vom 
28. Januar 2010 einräumt. Indessen ist die Vorinstanz der Meinung, es 
entspreche  nicht  dem Vorgehen  der  Taliban,  den  Beschwerdeführer, 
der  kein hochkarätiges Profil  aufweise,  gezielt  einzuschüchtern  oder 
zu verfolgen. Der modus operandi  weise vielmehr auf  rein kriminelle 
Akteure  hin,  welche  insbesondere  in  der  Hauptstadt  ihr  Unwesen 
treiben würden. Dem ist entgegenzuhalten, dass es vorliegend keine 
Rolle spielt, ob der Beschwerdeführer durch „rein kriminelle Akteure“ 
oder durch die Taliban verfolgt wurde, da in beiden Fällen zu prüfen ist,  
ob eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung vorliegt. Seit  dem in 
EMARK  veröffentlichen  Urteil  2006/18  ist  auch  nichtstaatliche 
Verfolgung  grundsätzlich  flüchtlingsrechtlich  relevant,  sofern  die 
betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  Schutz  finden  kann. 
Dabei  ist  der  erforderliche  Schutz  durch  die  Behörden  des 
Heimatstaates,  durch  die  Behörden  eines  besonders  qualifizierten 
Quasi-Staates  oder  allenfalls  durch  bestimmte  internationale 
Organisationen  zu  gewähren.  Wenn  die  betroffene  Person  effektiv 
Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur 
hat und ihr die Inanspruchnahme des innerstaatlichen Schutzsystems 
zugemutet werden kann, ist der Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung 
als  ausreichend zu qualifizieren. Ob im konkreten Fall  der  erwähnte 
Schutz im Heimatland besteht oder nicht, ist durch die entscheidende 
Behörde abzuklären und zu begründen. 

5.5.4 Hinsichtlich dieser Prüfung legte das BFM in der angefochtene 
Verfügung dar, es sei nicht einzusehen, warum der Beschwerdeführer 
nicht eine offizielle Polizeidienststelle eingeschaltet habe, nachdem er 
Übergriffe  auf  seine  Person  befürchtet  und  einen  tätlichen  Angriff  
erlebt habe. Dem entgegnete der Beschwerdeführer, der afghanische 
Staat  sei  offensichtlich  nicht  in  der  Lage,  die  Zivilbevölkerung  vor 
terroristischen  Bombenattentaten  zu  schützen.  Zudem herrschten  in 
Afghanistan  Korruption  und  Unzuverlässigkeit  der  staatlichen  Insti-
tutionen  –  mithin  auch  der  Gerichte  und  der  Polizei.  Unter  diesen 
Umständen  sei  es  nicht  erstaunlich,  dass  die  Mörder  des 
Dolmetscherkollegen  frei  herumlaufen  würden.  Ausserdem  könne 

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nachvollzogen werden, dass sich der Beschwerdeführer unter diesen 
Umständen nicht an die Polizei gewandt habe. 

5.5.5 Aus den zuvor erwähnten Berichten über Afghanistan kann der 
Schluss gezogen werden, dass die Unfähigkeit und der fehlende Wille 
der  afghanischen  Polizei,  gegen  die  herrschenden  Missstände 
vorzugehen,  sowie  die  Unfähigkeit  der  Justizbehörden,  faire  und 
korrekte  Gerichtsverfahren  durchzuführen,  der  Kriminalität  und 
Korruption Vorschub leisten. Solange sich Polizisten und Richter von 
lokalen  Machthabern,  Stammesführern  und  anderen  Personen  oder 
Gruppierungen  unter  Druck  setzen  lassen,  ist  auch  nicht  mit  einer 
Änderung der Lage zu rechnen. Die Berichte zeigen auch auf, dass in 
diesem  Bereich  bisher  trotz  internationaler  Unterstützung  kaum 
Fortschritte erzielt worden sind, weil die Polizei und die Justizorgane 
manchmal  selber  in  illegale  Machenschaften,  in  den  Drogenhandel 
und  in  Entführungen  verwickelt  sind. Unter  diesen  Umständen  steht 
dem Beschwerdeführer, der als Dolmetscher zum besonders gefährde-
ten  Personenkreis  gehört,  keine  funktionierende  und  effiziente 
Schutzinfrastruktur zur Verfügung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die 
Urheber der geltend gemachten Verfolgung die Taliban oder kriminelle 
Organisationen sind. Wesentlich für  die  Verneinung einer flüchtlings-
rechtlichen  Verfolgung  wäre  vorliegend  vielmehr,  dass  sich  der  Be-
schwerdeführer  an  funktionierende  Schutzorgane  hätte  wenden 
können, was jedoch – gestützt auf die internationalen Berichte – nicht  
möglich war. Er kann sich somit nicht an staatliche Organe wenden,  
die ihm Schutz gewährt hätten oder gewähren würden. Vielmehr muss 
er damit rechnen, dass ihm als Person, die sich mit den Besetzern des 
Landes eingelassen hat, die Schutzgewährung verwehrt bleibt. Seine 
Aussagen,  die  Mörder  seines  Dolmetscherkollegen  seien  trotz 
Verurteilung  nicht  bestraft  worden,  erscheinen  vor  dem Hintergrund 
dieser Situation nachvollziehbar. An dieser Einschätzung vermag die 
Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Entlassung  und  unterlas-
sene  Hinrichtung  der  fehlbaren  Polizisten  nur  vermutet,  nichts  zu 
ändern,  zumal  auch  die  von  ihm  vorgebrachte  Vermutung  mit  den 
allgemeinen  Zuständen  in  Afghanistan  vereinbart  werden  kann. 
Jedenfalls  kann aus den Vermutungen des Beschwerdeführers  nicht 
auf  die Unglaubhaftigkeit  seiner  Aussagen geschlossen werden,  wie 
dies die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung tat. Da überdies 
die  Anwendung  der  Todesstrafe  im  fraglichen  Zeitraum  von  der 
afghanischen  Regierung  bis  am  8. Oktober  2007  ausgesetzt  wurde 
(vgl.  Deutscher  Bundestag,  Drucksache  16/8671,  Antwort  der 

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Bundesregierung  auf  die  Kleine  Anfrage  der  Abgeordneten  Volker 
Beck  [Köln],  Jürgen  Trittin,  Marieluise  Beck  [Bremen],  weiterer 
Abgeordneter  und  der  Fraktion  BÜNDNIS  90/DIE  GRÜNEN,  zur 
Menschenrechtssituation  in  Afghanistan  –  Todesurteil  gegen  S.P.K., 
27. März 2008, S. 4), spricht die Aussage des Beschwerdeführers, die  
Täter  des  anfangs  2006  getöteten  Kollegen  seien  trotz  Verurteilung 
nicht  hingerichtet  worden,  vielmehr  für  die  Glaubhaftigkeit  seiner 
diesbezüglichen Aussagen. Unter den vorliegenden Umständen kann 
somit  der  von  der  Vorinstanz  aufgeworfene  Vorwurf  an  den 
Beschwerdeführer, er habe sich mit seinem Schutzbedürfnis nicht an 
die staatlichen Behörden gewandt, nicht  geteilt  werden, da ihm dies 
aufgrund der Situation in Afghanistan in der Zeit vor seiner Ausreise 
nicht zugemutet werden konnte. Vielmehr ist davon auszugehen, dass 
ihm  gestützt  auf  die  vorliegenden  Berichte  als  Übersetzer  für  die 
G._______  von  der  afghanischen  Polizei  bezüglich  der  geltend 
gemachten erfolgten beziehungsweise befürchteten Verfolgung durch 
Drittpersonen kein Schutz gewährt worden wäre. 

5.5.6 Nachdem  in  Afghanistan  keine  internationale  Organisation, 
welche den Staat  oder  weitreichende Teile  davon beherrschen,  tätig 
sind,  ist  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  näher  zu  prüfen,  ob  eine 
internationale Organisation als Schutzgewährer in Frage kommt. 

5.5.7 Somit bestand für den Beschwerdeführer aufgrund seiner Arbeit 
als  Übersetzer  für  die  G._______  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus 
Afghanistan  begründete  Furcht  vor  einer   Verfolgung  im  Sinne  des 
Asylgesetzes. Unter diesen Umständen kann offen gelassen werden, 
ob ihm eine solche auch als Sohn eines Künstlers und bekennenden 
Buddhisten gedroht hätte. 

5.6 Die Frage nach der im Zeitpunkt  der Ausreise des Beschwerde-
führers  vorhandenen  Verfolgung  oder  begründeten  Furcht  vor  einer 
solchen  ist  lediglich  der  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der 
Flüchtlingseigenschaft. Entscheidend ist die Situation im Zeitpunkt des 
gerichtlichen Entscheides (vgl. statt vieler BVGE 2008/12 E. 5.2 S. 154 
f.).  Die Situation in Afghanistan hat sich in der Zeit zwischen der Aus-
reise  des  Beschwerdeführers  und  dem  vorliegenden  gerichtlichen 
Entscheid nicht verbessert, wie den obenstehenden Berichten entnom-
men werden kann. Unter diesen Umständen besteht auch im heutigen 
Zeitpunkt eine begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung. 

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5.7 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer 
objektiv begründete Furcht hat, bei einer Rückkehr in sein Heimatland 
mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  (vgl. 
EMARK 1993 Nr. 11 S. 71) Verfolgungsmassnahmen im Sinn von Art. 3 
AsylG  ausgesetzt  zu  sein.  Von  einer  sicheren  landesinternen 
Fluchtalternative  ist  aufgrund  der  äusserst  instabilen  Lage  nicht 
auszugehen.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  somit  die  Flüchtlings-
eigenschaft.

5.8 Den Akten sind keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von 
Asylausschlussgründen zu entnehmen.

6.
Die Beschwerde ist gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzu-
heben  und  das  BFM  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  in  der 
Schweiz Asyl zu gewähren.

7.
Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  sind  keine 
Verfahrenskosten zu erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), weshalb das 
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos geworden 
ist.

8.
Dem Beschwerdeführer ist angesichts des Obsiegens im Beschwerde-
verfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteientschä-
digung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig 
hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  Der Rechtsvertreter weist in 
seiner Kostennote vom 18. Februar 2010 Parteikosten von insgesamt 
Fr. 4'692.20  aus,  wobei  er  von  einem Stundenansatz  von  Fr. 250.-- 
ausging und insgesamt  17 Stunden sowie  Fr. 120.80 für  Telefonate, 
Kopien,  Porti  und  Fax  sowie  Fr.  331.40  für  die  Mehrwertsteuer 
verrechnete.  Dieser  Aufwand  erscheint  vorliegend  gerechtfertigt, 
weshalb das BFM dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in 
der Höhe von Fr. 4'692.20 auszurichten hat.

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 6. November 2009 wird aufgehoben. Das 
BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling 
anzuerkennen und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das Bundesamt hat dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung in Höhe von ins-
gesamt  Fr.  4'692.20  (inkl.  Spesen,  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) 
auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

 Hans Schürch Eva Zürcher

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