# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42f06b59-85b7-5a9d-801d-93193cefb3f6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.12.2022 E-5547/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5547-2022_2022-12-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5547/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richter William Waeber;    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 2. November 2022 / N (…). 

 

 

 

E-5547/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 25. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B.______ zu-

gewiesen. 

B.  

B.a Anlässlich der Anhörung vom 24. Oktober 2022 machte er im Wesent-

lichen Folgendes geltend: 

Er sei kurdischer Ethnie und sei in C._______ in der türkischen Provinz 

D._______ geboren. Im Jahr 1988 oder 1989 sei seine Familie in die na-

hegelegene Ortschaft E._______ umgezogen. Damals sei es in diesem 

Gebiet zuweilen während mehrerer Monate jeden Abend zu Gefechten ge-

kommen. Da sich das Haus seiner Familie sowie das Haus seiner Tante in 

unmittelbarer Nähe einer Militärkaserne befunden hätten, seien beide Ge-

bäude im Rahmen der Kampfhandlungen getroffen worden, wobei seine 

Cousine getötet worden sei. Er habe mitbekommen, wie zahlreiche Men-

schen auf dem direkt neben ihrem Haus gelegenen Friedhof begraben wor-

den seien. Diese Ereignisse aus der Kindheit hätten ihn stark geprägt. 

Nachdem seine Familie 1995 nach F._______ gezogen sei, sei er nicht 

weiter zur Schule gegangen und habe zunächst als (…) und anschliessend 

als (…) in verschiedenen Restaurants gearbeitet. Auch nach dem Umzug 

seiner Familie nach G._______ im Jahre 1999 sei er weiterhin als (…) tätig 

gewesen, wobei er diese Arbeitstätigkeit für den Militärdienst in den Jahren 

2004 und 2005 unterbrochen habe.  

Im Jahr (…) sei sein Vater wegen «Propaganda für eine Terrororganisa-

tion» zu einer bedingten Haftstrafe von (…) Jahren verurteilt worden. Im 

Jahr 2013 – als er beruflich als (…) tätig gewesen sei und deswegen einen 

kürzeren Arbeitsweg gehabt habe – habe er sich politisch engagiert. Er sei 

ungefähr ein Jahr lang Ersatz-Mitglied des Vorstands der lokalen Abteilung 

der BDP (Barış ve Demokrasi Partisi, dt: Partei des Friedens und der De-

mokratie; später durch eine Fusion in der HDP [Halkların Demokratik Par-

tisi, dt: Demokratische Partei der Völker]) gewesen. Er habe bei der Orga-

nisation von Veranstaltungen mitgeholfen und Gelder für die Partei gesam-

melt. Danach sei er wieder in die (…) zurückgekehrt und bis März 2022 als 

(…) tätig gewesen. Seine politischen Aktivitäten habe er aus Zeitgründen 

reduziert. Er habe sich lediglich an Demonstrationen beteiligt und sei dabei 

zwar teilweise von Polizisten angepöbelt und durchsucht, jedoch nie fest-

genommen worden. Die Verhaftungswelle in der Türkei in den Jahren 2014 

E-5547/2022 

Seite 3 

und 2015 habe ihm stark zugesetzt. Nach den «Hendek»-Ereignissen 

(Hendek operasyonları, Militäroperation türkischer Sicherheitskräfte gegen 

die PKK [Partiya Karkerên Kurdistanê, dt: Arbeiterpartei Kurdistans]) in den 

Jahren 2015 und 2016 sei in ihm der Entschluss gereift, die Türkei verlas-

sen zu wollen. Er habe sich aufgrund all dieser Ereignisse kaum mehr ge-

traut, ins HDP-Parteilokal zu gehen, obwohl dieser Ort für ihn stets ein Be-

gegnungspunkt mit seinen Familienmitgliedern gewesen sei. Im Jahr (…) 

sei einer seiner Brüder aufgrund der Beleidigung des türkischen Staatsprä-

sidenten zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2020 habe er ge-

heiratet und fortan mit seiner Frau und der wenig später geborenen Tochter 

in einer Wohnung in einem der Familie gehörenden Wohnblock gewohnt. 

Vor der geplanten Ausreise habe er noch Zeit mit seiner Familie verbringen 

wollen und daher im März 2022 mit seiner Arbeit aufgehört. Für die Aus-

reise habe er sein Auto verkauft und Geld von einem seiner Brüder gelie-

hen. Im (…) 2022 sei er über den Landweg nach Serbien ausgereist. Nach-

dem es ihm innert 15 Tagen zwei Mal nicht gelungen sei, nach Rumänien 

weiterzureisen, sei er mit seinem türkischen Reisepass in die Türkei zu-

rückgekehrt und habe von Istanbul aus nach einer alternativen Variante für 

seine Reise in die Schweiz gesucht. Nach etwa einer Woche sei er 

schliesslich nach H._______ geflogen und von dort aus über Kroatien und 

Italien am 25. Juni 2022 in die Schweiz eingereist.  

Nach seiner Ausreise seien seine Frau und seine Tochter zu den Schwie-

gereltern nach C._______ gezogen. Seine Eltern wohnten mit einem Bru-

der und einer Schwester von ihm im vierten Stock des Hauses, in welchem 

auch er zuvor gelebt habe. Der zweite Stock werde ebenfalls von einem 

Bruder bewohnt. Zwei Schwestern seien verheiratet und lebten in 

G._______, ein Bruder lebe in I._______ und ein weiterer Bruder in den 

Niederlanden. 

Bei einer Rückkehr in die Türkei befürchte er, dass er seinen Wunsch, in 

seiner Heimat oppositionspolitisch tätig zu werden, verwirklichen und des-

halb Probleme erhalten würde.  

B.b Der Beschwerdeführer reichte seine türkische Identitätskarte im Origi-

nal, Kopien von Ausweisdokumenten seiner Kernfamilie, einen Auszug aus 

dem Personenstandsregister seiner gesamten Familie, Kopien von Arbeits-

zeugnissen und Diplomen aus der Schulzeit, einen Strafregisterauszug, 

Urteilskopien betreffend seinen Vater und Bruder sowie eine Bestätigung 

über seine Funktion als (…) im Jahr 2015 ein.   

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Seite 4 

C.  

Am 31. Oktober 2022 stellte die Vorinstanz den Entscheidentwurf der zu-

gewiesenen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers zur Stellungnahme 

zu.  

In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf vom 1. November 2022 

brachte der Beschwerdeführer seine Angst vor einer Rückkehr in die Türkei 

zum Ausdruck. Diese Angst erzeuge einen schweren psychischen Druck. 

Es gehe ihm gesundheitlich nicht gut und er sei psychisch angeschlagen.  

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 2. November 2022 verneinte die 

Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte 

sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie seine Wegweisung aus der 

Schweiz, ordnete deren Vollzug sowie die Aushändigung der editionspflich-

tigen Akten an ihn an.  

E.  

Mit Beschwerde vom 1. Dezember 2022 beantragt der Beschwerdeführer 

die Aufhebung der Verfügung vom 2. November 2022, die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die 

Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustel-

len und als Folge davon die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In pro-

zessualer Hinsicht beantragt der den Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses.  

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

2. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 5 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-

reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19-VO Asyl, SR 

142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um ein solches Rechts-

mittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 6 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz kam im Asylentscheid zum Schluss, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.  

Bei den von ihm vorgebrachten Ereignissen aus seiner Kindheit handle es 

sich offenkundig um eine Situation allgemeiner Gewalt in seiner damaligen 

Heimatregion. Auch wenn mitunter die Wohnhäuser der Familie getroffen 

worden seien und seine Cousine bedauernswerterweise ihr Leben verloren 

habe, enthielten seine Aussagen keine Hinweise auf Massnahmen seitens 

des Staates, welche gezielt gegen seine Familie gerichtet gewesen wären. 

Die erlebten Nachteile seien eindeutig als Folgen der allgemeinen Ge-

fechte, welche in seiner Heimatregion stattgefunden hätten, zu werten. Zu-

dem bestehe offensichtlich keine Kausalität zwischen diesen Ereignissen 

aus seiner Kindheit und seiner Ausreise aus der Heimat im Jahre 2022. 

Auch die von ihm erwähnte Verhaftungswelle in der Türkei in den Jahren 

2014 und 2015 sowie die «Hendek»-Ereignisse in seiner Geburtsregion 

hätten keinen direkten Bezug zu seiner Person. Gemäss seinen Aussagen 

sei er selbst nie gesucht oder verhaftet worden. Zudem habe er zum Zeit-

punkt der «Hendek»-Ereignisse, welche in der Südost-Türkei stattgefun-

den hätten, in G._______ im Westen der Türkei gelebt. Somit lasse sich 

aus diesen Ereignissen keine Gefährdung seiner Person zum Zeitpunkt 

seiner Ausreise herleiten. 

Weiter lasse sich die geltend gemachte Furcht, bei einem Besuch des Par-

teigebäudes der HDP verhaftet zu werden, objektiv nicht nachvollziehen. 

Obwohl er die Parteilokalität bis vor etwa einem Jahr regelmässig besucht 

habe, sei er nie von den Behörden festgenommen worden. Hinweise, dass 

er im Zusammenhang mit den Urteilen gegen seine Familienangehörigen 

– deren Strafen mit einer bedingten Gefängnis- beziehungsweise einer 

Geldstrafe vergleichsweise milde ausgefallen seien – Nachteile erlitten 

habe, lägen ebenfalls keine vor. Dass er zum Zeitpunkt der Ausreise nichts 

von den Behörden zu befürchten gehabt habe, werde auch durch seine 

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Aussagen zum Reiseweg, wonach er die türkische Grenze mit seinem Rei-

sepass mehrmals problemlos habe passieren können, verdeutlicht. Seine 

Spekulation, dass er bei einer Rückkehr in die Heimat allenfalls Probleme 

bekommen könnte, weil er sich in diesem Falle künftig politisch engagieren 

würde, reiche nicht, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen.  

Es bestehe daher überhaupt kein Anlass zur Annahme einer Gefährdung 

durch die türkischen Behörden im Falle einer Rückkehr. 

5.2 In seiner Beschwerde betont der Beschwerdeführer zunächst, politisch 

aktiv gewesen zu sein und an zahlreichen Demonstrationen und Veranstal-

tungen teilgenommen zu haben sowie im Vorstand der BDP aktiv gewesen 

zu sein. Aufgrund dieser politischen Aktivitäten und derjenigen seiner na-

hen Verwandten sei er unter ständigem polizeilichen Druck gewesen, auch 

wenn er nicht festgenommen worden sei. Es habe eine konkrete Gefahr 

bestanden, jederzeit festgenommen zu werden, weshalb er sich gezwun-

gen gesehen habe, die Türkei zu verlassen. Da er einer politisch engagier-

ten kurdischen Familie entstamme, sei die ganze Familie Jahrzehnte lang 

Repressalien ausgesetzt gewesen. Infolge dieser Repressalien hätten die 

Familienmitglieder schwere Nachteile erlitten. Sie hätten bereits vor meh-

reren Jahren von der Provinz D._______ in die Westtürkei nach F._______ 

beziehungsweise G._______ ziehen müssen. Sein Vater sei wegen Pro-

paganda zugunsten einer «Terrororganisation» – gemeint sei die PKK – zu 

einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Sein Bruder sei ebenfalls aus po-

litischen Gründen verurteilt worden. Auch mehrere nahe und entfernte Ver-

wandte hätten aufgrund ihrer politischen Aktivitäten schwere Nachteile er-

litten, manche seien nach Europa geflüchtet. Daher sei er den türkischen 

Behörden seit mehreren Jahren bekannt und jahrelang ständigen Repres-

sionen ausgesetzt gewesen. Es liege eine Reflexverfolgung vor. Die Asyl-

rekurskommission habe die Existenz einer Reflexverfolgung für Familien-

mitglieder von gesuchten oder inhaftierten Personen in der Türkei wieder-

holt anerkannt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz diese Tat-

sache bewusst ausblende. Er stehe im Visier der türkischen Polizei. Seine 

politischen Aktivitäten zugunsten der BDP und später der HDP, welche vom 

türkischen Staat als Handlanger der PKK angesehen würden, zeigten, 

dass er konkret gefährdet sei. Die türkischen Behörden gingen mit Perso-

nen, die der Propaganda, Unterstützung oder Mitgliedschaft bei der PKK 

beschuldigt würden, nicht zimperlich um. Solche Personen gälten als Ter-

roristen und würden fichiert. Gegen die HDP laufe zurzeit ein Verbotsver-

fahren. Im Krieg gegen die PKK sei den türkischen Sicherheitskräften Straf-

freiheit zugesprochen worden. Dies bestätige eine Länderanalyse der 

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Seite 8 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Auch das Bundesverwaltungsgericht 

gehe in ständiger Rechtsprechung von einer Gefährdung aus, wenn Per-

sonen ein Engagement oder eine Zusammenarbeit mit der PKK vorgewor-

fen oder sie solcher Aktivitäten verdächtigt würden. Die Befürchtung des 

Beschwerdeführers, bei einer Rückkehr in die Türkei weiterer staatlicher 

Verfolgung ausgesetzt zu sein, würde sich mit an Sicherheit grenzender 

Wahrscheinlichkeit verwirklichen. 

6.  

6.1 Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die angefochtene Verfügung zu stützen ist. Die Vorinstanz 

ist darin mit ausführlicher und überzeugender Begründung zum Schluss 

gelangt, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen 

von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermögen.  

Mit seiner Beschwerdeeingabe – welche sich im Wesentlichen in einfachen 

Gegenbehauptungen, Spekulationen sowie der Berufung auf Berichte und 

die Rechtsprechungspraxis ohne ersichtlichen Fallbezug erschöpft – ver-

mag der Beschwerdeführer den vorinstanzlichen Argumenten nichts ent-

gegenzuhalten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher – mit 

den nachfolgenden Ergänzungen – vollumfänglich auf die zutreffenden Er-

wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfügung 

Ziff. II). 

6.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein, und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 

E. 2; 2008/12 E. 5 je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im 

Sinne dieser Bestimmung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme 

besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-

reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-

licht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensol-

cher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen kon-

krete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus einem 

der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung als 

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wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und 

nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 

E. 2.5; 2010/44 E. 3). 

6.3 Solche konkreten Indizien liegen – entgegen den Beschwerdebehaup-

tungen – in casu klar nicht vor. Es ist weder ersichtlich, inwiefern der Be-

schwerdeführer angeblich unter «ständigem polizeilichen Druck» gestan-

den respektive einer «konkreten» Verhaftungsgefahr ausgesetzt gewesen 

sein soll, noch worin die angeblich durch zahlreiche Familienmitglieder er-

littenen «schweren Nachteile» bestanden (vgl. Beschwerde S. 4 f.). Abge-

sehen von niederschwelligen Pöbeleien und Durchsuchungen seitens der 

Polizei anlässlich von Demonstrationsteilnahmen verneinte der Beschwer-

deführer ausdrücklich, je konkrete Probleme mit den türkischen Behörden 

gehabt zu haben respektive je verhaftet oder gesucht worden zu sein 

(vgl. vorinstanzliche Akten […]-16/10 [nachfolgend: act. 16] F47, 52, 55). 

Sodann gab er an der Anhörung an, er sei bei den Behörden nicht regis-

triert (vgl. a.a.O. F46). Aus den Akten geht auch nicht hervor, dass der Vater 

effektiv eine Gefängnisstrafe hätte verbüssen müssen respektive der Vater 

oder der Bruder je sonstige Nachteile seitens der türkischen Behörden er-

litten hätten (vgl. act. 16 F53). Diesbezüglich ist zu betonen, dass sowohl 

der Vater als auch sieben seiner acht Geschwister weiterhin augenschein-

lich unbehelligt in der Türkei und – im Falle seiner Eltern sowie drei Ge-

schwistern – gar im selben Wohnblock wohnhaft seien, in welchem er vor 

seiner Ausreise ebenfalls gelebt habe (vgl. act. 16 F34-36). Die behauptete 

Reflexverfolgung entbehrt daher jeglicher Grundlage. Entsprechend ist 

auch die in der Beschwerde zitierte Rechtsprechungspraxis zur Annahme 

einer Reflexverfolgung respektive hinsichtlich eines PKK-Engagements 

vorliegend nicht einschlägig, zumal kein Fallbezug erkennbar ist. 

6.4 Nach dem Ausgeführten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft 

des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

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Seite 10 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der 

Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung 

unterworfen werden. 

8.3  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4  

8.4.1 Die Vorinstanz befand den Vollzug der Wegweisung für zulässig, zu-

mutbar und möglich. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

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Seite 11 

nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss 

Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewandt werden. Die allgemeine Menschen-

rechtslage in der Türkei liesse den Vollzug der Wegweisung zum heutigen 

Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Ferner ergäben sich aus den 

Akten auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm im Falle einer Rückkehr 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene 

Strafe oder Behandlung drohe. Er habe seinen Lebensmittelpunkt von 

1999 bis zur Ausreise in G._______ gehabt, sei körperlich gesund und 

habe sein ganzes Leben gearbeitet. Seine Frau und seine Tochter befän-

den sich aktuell genauso in der Türkei wie seine Eltern und die meisten 

seiner zahlreichen Geschwister. In G._______ habe er zudem eine Woh-

nung in einem Wohnblock, welcher noch immer seiner Familie gehöre und 

zu grossen Teilen von Familienangehörigen bewohnt werde. Aufgrund der 

von ihm geschilderten Ausgangslage sei davon auszugehen, dass ihm die 

soziale und ökonomische Reintegration in der Türkei problemlos gelingen 

werde. 

8.4.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass ihm im Falle einer 

Festnahme Folter sowie eine überlange und unverhältnismässige Frei-

heitsstrafe drohe. Er könne nicht mit einem fairen Gerichtsverfahren rech-

nen, hinzu kämen menschenunwürdige Haftbedingungen. Im Falle einer 

Rückschaffung wäre er mit grosser Wahrscheinlichkeit an Leib, Leben und 

Freiheit gefährdet. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers in die Türkei 

sei somit unzumutbar. 

8.5 Die Begründung der Vorinstanz ist nicht zu beanstanden, weshalb sich 

das Gericht den entsprechenden Erwägungen vollumfänglich anschliesst 

(vgl. angefochtene Verfügung Ziff. III).     

Nachdem die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit der Vorbringen des Be-

schwerdeführers verneint wurde vermögen die Beschwerdeausführungen 

– welche ausschliesslich auf die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs abzielen – nicht zu einer anderen Einschätzung zu führen.  

Der Vollzug der Wegweisung ist sowohl im Sinne der asyl- als auch der 

völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. Es sprechen sodann weder all-

gemeine noch individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit des Vollzugs.  

8.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

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Seite 12 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Die Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit 

dem vorliegend instruktionslos ergehenden, verfahrensabschliessenden 

Urteil in der Sache hinfällig. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-5547/2022 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

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