# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e71941f6-b846-5359-a9d8-4c98e8a7e3eb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-08-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 29.08.2006 A 2006 9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_A-2006-9_2006-08-29.pdf

## Full Text

A 06 9
3. Kammer 

URTEIL
vom 29. August 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Kantons- und Direkte Bundessteuer

1. Mit Aktienkaufvertrag vom 28. September 2000 bzw. mit ergänzender 

Vereinbarung vom 25. Oktober 2000 erwarb die … GmbH von … sämtliche 

100 Namenaktien der … AG, …, zu einem Kaufpreis von gesamthaft Fr. 

1'000'000.--. Der Kaufpreis ist gemäss vorgenanntem Vertrag durch eine 

Barzahlung von Fr. 600'000.-- an die Verkäuferin sowie die Gewährung eines 

Darlehens von der Verkäuferin von Fr. 400'000.-- beglichen worden. Diese 

Beteiligung figurierte in der Bilanz per 31. Dezember 2000 unter der 

Bezeichnung "Wertschriften" lediglich mit einem Betrag von Fr. 600'015.--. 

Erst im Folgejahr erfolgte die Verbuchung des gesamten Erwerbspreises von 

Fr. 1‘000‘015.-- gemäss Aktienkaufvertrag nunmehr unter dem Titel 

"Beteiligungen" gemäss Bilanz per 31. Dezember 2001. Per 31. Dezember 

2001 wurde auf dieser Beteiligung von Fr 1'000'015.-- eine Wertberichtigung 

von Fr. 100'000.-- vorgenommen. Die Wertberichtigung wurde in der 

Erfolgsrechnung unter der Kontobezeichnung Nr. 4421 "Abschreibung 

Mobiliar, Einrichtungen" aufwandwirksam ausgewiesen. Die 

Veranlagungsbehörde anerkannte die Wertberichtigung nicht und rechnete 

sie anlässlich der Veranlagung 2001 dem steuerbaren Gewinn der … GmbH 

hinzu. Als Folge davon wurde die im Jahre 2002 erfolgsneutral 

vorgenommene Aufwertung der Beteiligung um Fr. 100'000.-- anlässlich der 

Veranlagung 2002 steuerlich nicht korrigiert und ist in Rechtskraft erwachsen. 

Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Veranlagungsverfügungen 2001 

zunächst nicht ordnungsgemäss eröffnet worden waren, stellte die 

Steuerverwaltung die Veranlagungsverfügungen 2001 mit Datum vom 15. 

August 2005 erneut zu. Dagegen erhob die Steuerpflichtige Einsprache mit 

dem Antrag, den steuerbaren Gewinn um die von der Veranlagungsbehörde 

nicht anerkannte Wertberichtigung auf der Beteiligung an der … AG zu 

reduzieren. Mit Entscheid vom 3. Januar 2006 wies die Steuerverwaltung die 

Einsprache sowohl hinsichtlich der direkten Bundessteuer als auch der 

Kantonssteuern ab.

2. Dagegen erhob die … GmbH am 3. Februar 2006 Rekurs bzw. Beschwerde 

an das Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Antrag, den steuerbaren 

Reingewinn um die nicht anerkannte Wertberichtigung bzw. Abschreibung zu 

reduzieren. Die Beschwerdeführerin und Rekurrentin (im Folgenden: 

Beschwerdeführerin) macht zusammenfassend geltend, dass die 

Abschreibung von Fr. 100'000.-- per 31.12.1999 sowohl handels- als auch 

steuerrechtlich zulässig, ja sogar geboten gewesen sei. Die Beteiligung an der 

… AG habe in den Büchern nicht höher als der Verkehrswert bewertet sein 

dürfen. Der Verkehrswert habe per 31.12.1999 Fr. 1’000'000.--, basierend auf 

der Jahresrechnung 1999, betragen, was vorliegend unbestritten sei. 

Aufgrund des dramatischen Gewinneinbruchs, der Unregelmässigkeiten der 

Verkäuferin und des tiefen Substanzwertes sei eine Korrektur von bloss 10 % 

auf dem Kaufpreis für die Ermittlung des Verkehrswertes per 31.12.2001 

handelsrechtlich einwandfrei und aufgrund des Massgeblichkeitsprinzips für 

die Steuerbehörde bindend.

3. Die Steuerverwaltung beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung von 

Rekurs und Beschwerde. Zur Begründung berief sie sich im Wesentlichen auf 

die gleichen Argumente wie schon im angefochtenen Einspracheentscheid. 

4. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest, ohne wesentliche neue Argumente vorzubringen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Rekurs- und Beschwerdegegenstand bildet einzig die Frage, ob die 

Steuerverwaltung die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte 

Wertberichtigung bzw. Abschreibung zu Recht nicht anerkannt hat. 

2. a) Nach Art. 32 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG) 

bzw. des inhaltlich identischen Art. 27 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

direkte Bundessteuer (DBG) können Selbständigerwerbende die geschäfts- 

oder berufsmässig begründeten Kosten abziehen, insbesondere die 

Abschreibungen für Wertverminderungen des Geschäftsvermögens (Art. 32 

Abs. 1 lit. a StG; Art. 27 Abs. 2 lit. a DBG) sowie die eingetretenen und 

verbuchten Verluste auf Geschäftsvermögen (Art. 32 Abs. 1 lit. d StG; Art. 27 

Abs. 2 lit. b DBG). Abschreibungen sind geschäftsmässig begründet, soweit 

sie notwendig sind. Nach Lehre und Rechtsprechung soll durch 

Abschreibungen ein möglichst sicherer Einblick in die wirtschaftliche Lage des 

Geschäftes und eine möglichst zuverlässige Beurteilung der tatsächlichen 

Vermögens- und Ertragslage ermöglicht werden. Die Abschreibung stellt eine 

Wertkorrektur auf dem Geschäftsvermögen dar und dient dazu, den 

Anschaffungspreis auf die Benutzungsdauer zu verteilen und dem 

Wirtschaftsgut den Wert beizumessen, der ihm am Bilanzstichtag zukommt. 

Die Abschreibung hat der Abnützung und anderen Wertverlusten von 

Wirtschaftsgütern periodisch angemessen Rechnung zu tragen. Nur 

ausnahmsweise - bei aussergewöhnlichem und unvorhersehbarem 

Wertzerfall - können auch besonders hohe Abschreibungen zulässig sein. 

Wertverminderungen, welche mittels ausserordentlicher Abschreibungen 

buchmässig berücksichtigt werden müssen, entstehen durch einmalige, 

geschäftsplanwidrige Ereignisse. Gegenstand ausserordentlicher 

Abschreibungen können sämtliche Wirtschaftsgüter des 

Geschäftsvermögens bilden, welche Werteinbussen erleiden, die nicht auf die 

normale, mit der periodischen Abschreibung berücksichtigte Abnützung 

zurückzuführen sind. Mit der Bezeichnung "ausserordentlich" sind nur die 

besonderen Umstände gemeint, auf denen die Abschreibungen beruhen; sie 

beinhaltet keine Qualifikation dieser Abschreibungen als ausserordentlichen 

Aufwand. Ausserordentliche Abschreibungen sind vielmehr wie die 

ordentlichen Abschreibungen als ordentlicher Geschäftsaufwand zu 

würdigen. Die Rechtsprechung ist zurückhaltend und lässt ausserordentliche 

Abschreibungen nur insofern zu, als der Wertverlust sicher und endgültig ist 

oder zumindest auf Dauer erscheint. Ausserordentliche Abschreibungen, 

welche die effektiv eingetretene Wertverminderung übersteigen oder sich auf 

nicht dauerhaft erscheinende Wertverluste beziehen, sind folglich nicht 

geschäftsmässig begründet und werden steuerrechtlich nicht anerkannt (vgl. 

zum Ganzen: Reich/Züger in Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht 

I/2a, Art. 27 und 28 DBG). Das Unsicherwerden von Bilanzansätzen sowie 

Verlustgefahren und blosse Wertschwankungen rechtfertigen eine endgültige 

Wertberichtigung in der Form von Abschreibungen dagegen nicht. Solchen 

Wertschwankungen tragen die Veranlagungsbehörden richtigerweise 

dadurch Rechnung, dass sie Wertberichtigungsposten, die die 

Steuerpflichtigen zu Lasten ihrer Erfolgsrechnung unter die Bilanzpassiven 

eingestellt haben, auf Zusehen anerkennen.

b) Als steuermindernde Tatsache ist sowohl die geschäftsmässige 

Notwendigkeit einer Abschreibung als auch einer Wertberichtigung nach den 

Grundsätzen der Beweislastverteilung vom Steuerpflichtigen nachzuweisen. 

Dieser Nachweis setzt eine substantiierte Sachdarstellung voraus, die für 

jedes einzelne Abschreibungsobjekt über Motiv, Rechtsgrund und Betrag der 

Abschreibung Auskunft gibt und mit entsprechenden beweiskräftigen 

Unterlagen belegt wird (Reich/Züger, a.a.O., Art. 28 DBG, N. 46). 

Abschreibungen bzw. Wertberichtigungen auf dem Finanzanlagevermögen 

wie Beteiligungen sind steuerrechtlich nur zulässig, wenn ein tieferer 

Verkehrswert nachgewiesen werden kann (Reich/Züger, a.a.O., Art. 28 DBG, 

N. 54).

c) Für nicht regelmässig gehandelte Wertpapiere ist nach Art. 59 Abs. 2 StG der 

Verkehrswert nach dem inneren Wert zu ermitteln. Von dieser Regel kann 

indessen abgewichen werden, wenn für Wertpapiere ohne Kurswert kurz vor 

oder nach dem Stichtag Handänderungen unter unabhängigen Dritten 

stattgefunden haben und entsprechende aktuelle Kaufpreise nach-gewiesen 

sind. In solchen Fällen ist eben der Verkehrswert bekannt (vgl. Sramek in 

Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 2.A., § 50 N 10). Eine Schätzung 

nach dem inneren Wert erübrigt sich deshalb.

3. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin die Beteiligung im Jahre 2000 zum 

Preis von Fr. 1'000'000.-- von einer unabhängigen Dritten erworben. Es ist 

daher davon auszugehen, dass es sich bei diesem Betrag um den 

Verkehrswert der Beteiligung handelt. Die Beschwerdeführerin hat jedenfalls 

keinen substantiellen Beweis dafür vorgebracht, dass sie beim Kauf in 

irgendeiner Weise übervorteilt worden ist. Vielmehr hat sie sich auf das 

Vorbringen reiner Behauptungen beschränkt. Insbesondere war ihr die 

mehrjährige Gewinnsituation der erworbenen Gesellschaft aufgrund der 

Bilanzen bekannt. Daraus ergab sich auch, dass der erhebliche Gewinn von 

1999 die Ausnahme war. Trotzdem hat sie den erwähnten Kaufpreis 

entrichtet. Ebenso wenig hat die Beschwerdeführerin nachgewiesen, dass im 

Jahre 2001 ein Wertberichtigungs- oder Abschreibungsbedarf von Fr. 

100'000.-- bestand. Insbesondere liegt keinerlei Nachweis für die behaupteten 

Unregelmässigkeiten der Verkäuferin vor. Trotz Aufforderung durch den 

Instruktionsrichter hat sie dem Verwaltungsgericht das Urteil des 

Bezirksgerichtes … in der von ihr gegen die Verkäuferin angehobenen 

Forderungsklage nicht zugestellt. Das Verwaltungsgericht hat dieses der 

Beschwerdeführerin bekannte Urteil daher von Amtes wegen beigezogen. 

Daraus geht hervor, dass die Klage gegen die Verkäuferin abgewiesen wurde. 

Das Urteil ist rechtskräftig. Damit fehlt es in jeder Hinsicht an einem Beweis 

für die geltend gemachte Wertberichtigung bzw. Abschreibung. Rekurs und 

Beschwerde sind daher abzuweisen.

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der 

Beschwerdeführerin.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Beschwerde wird abgewiesen.

3. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 144.--

zusammen Fr. 3'144.--

gehen zulasten der … GmbH und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.