# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e3b4f389-fda3-57cb-a686-43b87eb8a6ae
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2009 E-4657/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4657-2007_2009-08-31.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4657/2007/noc

{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 1 .  A u g u s t  2 0 0 9

Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richterin Nina Spälti 
Giannakitsas, Richterin Emilia Antonioni, 
Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis.

A._______, B._______, und deren Kind C._______, 
Kolumbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 19. April 2007 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4657/2007

Sachverhalt:

A.
Mit schriftlichem, an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichte-
tem Gesuch vom 28. November 2006,  dort  eingegangen am 30. No-
vember 2006, ersuchte der Beschwerdeführer für sich, seine Ehefrau 
und das gemeinsame Kind um Gewährung von Asyl in der Schweiz. 

Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er sei als (...) - 
offizieller  Vertreter  der  Gemeindeadministration  -  in  D._______  im 
Departement E._______ tätig gewesen. In dieser Region seien sowohl 
Paramiltärs wie auch Guerrillos aktiv gewesen. Er habe unter anderem 
die Aufgabe gehabt, die von Opfern des internen Konfliktes erhaltenen 
Informationen an die zuständigen staatlichen Behörden weiterzuleiten. 
Am  20.  Juni  2004  habe  er  ein  Schreiben  erhalten,  in  welchem  er 
beschuldigt worden sei, Mitglied eines Drogenkartells zu sein. Er habe 
sich am Tag darauf mit der Familie nach F._______ begeben, habe bei 
der Staatsanwaltschaft  eine Anzeige eingereicht  und sei  kurz darauf 
wieder  nach  D._______ zurückgekehrt,  allerdings  nicht  mehr  an die 
gleiche  Adresse. Am 5. August  2004  sei  er  informiert  worden,  dass 
sein  Name  auf  einer  Liste  bedrohter  Personen  stehe,  was  ihn 
wiederum  zu  einer  Anzeige  bei  der  Staatsanwaltschaft  veranlasst 
habe. Er habe am 16. August 2004 vor seinem Haus einen bewaffne-
ten Mann, ein bekanntes Mitglied eines Drogenkartells, entdeckt, was 
ihn folgern liess, dieser habe es auf ihn abgesehen. Wieder sei der Be-
schwerdeführer  mit  der  Familie  nach  F._______  gerreist,  wo  sie 
aufgrund  der  Gefährdungssituation  von  der  Pastoral  Social  in  ein 
Schutzprogramm aufgenommen worden seien und im Rahmen dieses 
Programms für  ein  Jahr  nach  G._______  gehen  und  sich  dort  vom 
November  2004  bis  Dezember  2005  aufhalten  durften.  Nach  der 
Rückkehr  hätten  sie  sich  in  F._______  versteckt  gehalten.  Am  19. 
September 2006 habe der Beschwerdeführer ein Schreiben der FARC 
(Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) erhalten, in welchem 
er  aufgefordert  worden  sei,  sich  der  Guerilla  anzuschliessen.  Von 
Bekannten  habe  er  erfahren,  dass  in  D._______  das  Gerücht 
kursierte, er sei Mitglied der FARC.

Zur  Stützung  ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführenden 
mehrere Beweismittel (in Kopie) zu den Akten, auf welche in den Er-
wägungen soweit wesentlich eingegangen wird.

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B.
Am 12. Februar 2007 füllten die Beschwerdeführenden den ihnen von 
der schweizerischen Vertretung abgegebenen Fragebogen aus. 

Gemäss  ihren  Angaben  hätten  sie  bereits  im  Jahr  2004  bei  der 
schweizerischen Vertretung in Bogotà um Asyl nachgesucht, seien da-
mals von der Botschaft an die Sozialpastorale (Pastoral Social) weiter 
verwiesen worden, welche in der Folge den einjährigen (...)-Aufenthalt 
ermöglicht habe. Zur gleichen Zeit, August 2004, hätten sie auch bei 
der  kanadischen  Vertretung  um  Asyl  nachgesucht;  eine  Asylge-
währung  sei  nie  erfolgt.  Ausser  zwei  Reisen  in  die  USA (1987  und 
1991) sei der Beschwerdeführer nie im Ausland gewesen und es be-
stünden seitens der  Beschwerdeführenden weder familiäre noch be-
kanntschaftliche Beziehungen zur Schweiz .

C.
Die schweizerische Vertretung in Bogotá übermittelte die von ihr auf-
genommenen Akten am 14. Februar 2007 zuständigkeitshalber an das 
BFM. 

D.
Das BFM verweigerte den Beschwerdeführenden mit  Verfügung vom 
19. April  2007 die Einreise in  die Schweiz und lehnte deren Asylge-
such ab. 

Zur Begründung ihrer ablehneden Verfügung führte die Vorinstanz aus, 
der kolumbianische Staat verfüge grundsätzlich über eine funktionie-
rende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur,  insbesondere  über  einen 
funktionierenden Polizeiapparat sowie über ein Rechts- und Justizsys-
tem. Da der kolumbianische Staat die Guerilla im Rahmen des Mögli-
chen bekämpfe, könne die Schutzwilligkeit als gegeben erachtet wer-
den, weshalb es den Beschwerdeführenden zumutbar und möglich sei, 
sich unter den Schutz der Behörden zu stellen; den Bürgern jederzeit 
und überall die absolute Sicherheit zu garantieren, gelinge im Übrigen 
keinem Staat. Zudem handle  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden 
nicht  um landesweit  bekannte Persönlichkeiten,  auch wenn dem Be-
schwerdeführer als ehemaligem Gemeindebeamten eine regionale Be-
kanntheit nicht abzusprechen sei. Es sei mithin nicht davon auszuge-
hen sei, dass ihre Verfolger sie an einem beliebigen Wohnort in Kolum-
bien ausfindig machen könnten. Den Beschwerdeführenden stehe da-
her die Möglichkeit  einer innerstaatlichen Fluchtalternative offen, wo-
mit sie keiner unmittelbaren Gefahr im Sinne des Asylgesetzes ausge-

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setzt  seien und dementsprechend den Schutz der Schweizer Behör-
den nicht  bedürfen würden. SchIiesslich  hätten  sie  keine besonders 
nahen Beziehungen zur Schweiz geltend gemacht, weshalb es ihnen 
zuzumuten sei, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, na-
mentlich in einem der Nachbarstaaten Kolumbiens, welche die Flücht-
lingskonvention und das entsprechende Zusatzprotokoll ratifiziert hät-
ten  und sich  grundsätzlich  an das flüchtlingsrechtliche Non-Refoule-
ment-Gebot  halten  würden.  Vor  diesem  Hintergrund  werde  den  Be-
schwerdeführenden die Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und ihr 
Asylgesuch werde abgewiesen.

E.
Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Bogotá  gerichteter  und  am 
Folgetag dort eingegangener Eingabe vom 17. Mai 2007 erhoben die 
Beschwerdeführenden  gegen  die  Verfügung  des  BFM vom 19. April 
2007  Beschwerde,  welche  in  der  Folge  zuständigkeitshalber  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Posteingang  beim 
Bundesverwaltungsgericht: 10. Juli 2007). 

Zur  Begründung  ihrer  Beschwerde,  welche  von  Amtes  wegen  ins 
Deutsche übersetzt wurde, führten die Beschwerdeführenden aus, der 
Präsident Kolumbiens habe zusammen mit dem Verteidigungsminister 
während ihres Aufenthaltes in der Stadt F._______ im April 2006 über 
die  Einrichtung  eines  Militärstützpunktes  im  H._______  informiert. 
Dieser solle der Bekämpfung der Guerilla und der kriminellen Gruppen 
-  wie  der  Machos  und  der  Rastrojos  -  dienen.  Im  Januar  2007  sei 
I._______, der Bruder des als Drogenbaron bekannten J._______, auf 
einer  Farm im Bezirk  D._______ verhaftet  worden,  also dort,  wo er, 
der  Beschwerdeführer,  früher  Gemeindedelegierter  gewesen sei  und 
in  dieser  Funktion  den Auftrag  gehabt  habe,  Anzeigen zu erstatten, 
was  er  seinerzeit  auch  getan  habe.  Dem  Beschwerdeführer  sei 
zugetragen worden, dass J._______ seinerseits sich zu jener Zeit im 
H._______  aufgehalten  habe. Nach der  Ankündigung der  Errichtung 
des Militärstützpunktes und nach erfolgtem Aufmarsch von Polizei und 
Militär  sei  dem  Beschwerdeführer  in  einem  Telefonanruf  gedroht 
worden, er solle aufpassen, es könne ihm etwas passieren, da er ein 
Verräter  sei  und  es  werde  ihm  immer  noch  die  Schuld  an  den 
seinerzeitigen Anzeigen gegeben, die er in seiner damaligen Funktion 
als Gemeindedelegierter gemacht habe.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorin-
stanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu 
gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das Bun-
desverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art. 
105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005 [BGG, 
SR 173.110]). Gemäss ständiger Praxis erstreckt sich sodann die Zu-
ständigkeit der Beschwerdeinstanz aufgrund des engen sachlichen Zu-
sammenhangs auch auf die Verweigerung der Einreisebewilligung im 
Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 12).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist  nicht in einer Amtssprache des Bundes (vgl. 
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 33a VwVG und Art. 70 Abs. 1 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 
(BV, SR 101) abgefasst. Im vorliegenden Fall hat das Bundesverwal-
tungsgericht  darauf  verzichtet,  von  den  Beschwerdeführenden  eine 
Übersetzung zu verlangen und hat eine Amtsübersetzung sowohl der 
Beschwerdeschrift vom 17. Mai 2007 als auch des schriftliche Asyler-
suchens vom 28. November 2006 eingeholt (Art. 33a Abs. 3 f. VwVG). 

1.4 Die angefochtene Verfügung wurde den Beschwerdeführenden am 
17. Mai 2007 eröffnet. Die Beschwerdeschrift datiert vom gleichen Tag, 
womit die 30-tägige Beschwerdefrist ohne Weiteres eingehalten ist.

2.
Die Beschwerdeführende haben vor der Vorinstanz am Verfahren teil-
genommen,  sind  durch die Verfügung besonders berührt  und haben 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung, 
womit  sie  zur Beschwerdeerhebung legitimiert  sind. Die Beschwerde 
ist  -  abgesehen  vom  sprachlichen  Mangel  -  frist-  und  formgerecht 

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eingereicht. Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 48, 50 und 52 VwVG).

3.
3.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  ein  Asylge-
such im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden 
kann, welche es mit einem Bericht an das Bundesamt überweist (Art. 
19, Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt mit der 
asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 
1  der  Asylverordnung 1 vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
[AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchen-
de Person von der Vertretung aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich 
festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht 
hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in  BVGE  2007/30  erkannt, 
dass  sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befragung  aus  organisatorischen 
oder kapazitätsmässigen Gründen bei  der jeweiligen Vertretung,  aus 
faktischen Hindernissen im betreffenden Land oder aus bei der asylsu-
chenden Person liegenden persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. 
BVGE a.a.O. E. 5.2  f.). Da die  Anhörung der  Sachverhaltserstellung 
sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient,  ist  die  asylsu-
chende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter 
Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in einem individualisierten Schrei-
ben mittels konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich 
festzuhalten; ein  standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforde-
rungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4 f.). 
Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche 
Sachverhaltsabklärung  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  auf-
grund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  er-
scheint, sei es, dass die asylsuchende Person die Einreisebedingun-
gen erfüllt, sei es, dass das Asylgesuch als aussichtslos erachtet wird; 
im letzteren Fall ist der asylsuchenden Person aber immerhin im Sinne 
des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu einem vor-
aussichtlichen  negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern 
(BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall ge-
halten zu begründen, weshalb von einer Befragung abgesehen wurde 
(BVGE a.a.O. E. 5.6 f.).

3.2
3.2.1 Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  weder 
von  der  schweizerischen  Vertretung  in  Bogotá  zu  ihrem Asylgesuch 
befragt,  noch  wurden  sie  mittels  eines  individualisierten  Schreibens 

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zur weiteren Konkretisierung ihrer Asylgründe aufgefordert. Der ihnen 
von der Vertretung zugestellte Fragebogen genügt den oben erwähn-
ten  Anforderungen  an  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung  nicht, 
da  er  ausschliesslich  Fragen zu  persönlichen Lebensdaten,  Sprach-
kenntnissen, Auslandaufenthalten beziehungsweise Kontakten zu aus-
ländischen Botschaften,  und verwandtschaftlichen  Beziehungen aus-
serhalb Kolumbiens enthält; diese Fragen sind zwar für die Beurteilung 
eines Asylgesuches aus dem Ausland durchaus auch von Belang (vgl. 
dazu untenstehende E. 4.2),  stehen jedoch in keinem Bezug zu den 
Verfolgungsgründen.  Angesichts  der  schriftlichen  Begründung  des 
Asylgesuches in der Eingabe der Beschwerdeführenden vom 28. No-
vember 2006 sowie den gleichzeitig eingereichten Beweismitteln, aus 
welchen sich insgesamt alle entscheidrelevanten Informationen in Be-
zug auf die Urheber und die Aktualität  der Verfolgung sowie die von 
den Beschwerdeführenden unternommenen Schritte zum Erhalt inner-
staatlichen Schutzes ergeben, erscheint indessen der rechtserhebliche 
Sachverhalt genügend abgeklärt, so dass sich eine Befragung bezie-
hungsweise eine schriftliche Aufforderung zu weiteren Konkretisierun-
gen der  Angaben  erübrigten; insoweit  hat  das  Bundesamt  demnach 
den gesetzlichen Bestimmungen Genüge getan.

3.2.2 Nach  der  obenstehend  zitierten  Rechtsprechung  des  Bundes-
verwaltungsgerichts hätte das BFM bei dieser Sachlage indessen ei-
nerseits den Beschwerdeführenden Gelegenheit  geben müssen, sich 
zum abzusehenden negativen Entscheid zu äussern, und andererseits 
in der Verfügung vom 15. Januar 2007 den Verzicht auf eine Befragung 
begründen müssen. Die Nichtbeachtung dieser Grundsätze stellt eine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche angesichts dessen for-
meller  Natur  grundsätzlich  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfü-
gung führen würde (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1, BVGE 2007/30 E. 8.2 
m.w.H., BVGE 2007/27 E. 10.1).

3.2.3 Die ARK und seit dem 1. Januar 2007 auch das Bundesverwal-
tungsgericht  als  deren  Nachfolgeorganisation  haben  die  Praxis  des 
Bundesamtes  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  der  Anhörung  von 
asylsuchenden Personen, welche ihr Asylgesuch bei einer schweizeri-
schen Vertretung im Ausland stellten,  in  früheren Jahren nie gerügt. 
Erst mit dem Urteil BVGE 2007/30 vom 27. November 2007 ist das bis-
herige Vorgehen des Bundesamtes als nicht rechtskonform bezeichnet 
worden: Das BFM ist aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen gehal-
ten,  das  rechtliche  Gehör  zu  gewähren. Die  Aufhebung  einer  Verfü-

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gung  des  BFM,  welche  ohne  Einhaltung  dieser  Verfahrensvorschrift 
zustande gekommen ist,  erscheint allerdings dennoch nicht in jedem 
Fall zwingend. Namentlich in Fällen, in welchen das BFM den erstin-
stanzlichen  Entscheid  betreffend  die  Fragen  der  Einreisebewilligung 
und des Asyls vor Bekanntsein des genannten Urteils des Bundesver-
waltungsgerichts  getroffen  hat,  kann  es  angezeigt  erscheinen,  den 
Verfahrensmangel zu heilen (EMARK 1999 Nr. 3 E. 3c; zur Praxis des 
Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Frage der Heilung von Ver-
fahrensmängeln vgl. BVGE 2007/30 E. 8.2 und im gleichen Sinne auch 
BVGE 2007/27 E. 10.1, wobei gemäss diesem Entscheid eine Heilung 
die Ausnahme bleiben soll), sofern aufgrund der Akten davon ausge-
gangen werden kann,  dass der asylsuchenden Person in  materieller 
Hinsicht  kein  Nachteil  erwachsen ist;  diese Voraussetzung ist  gege-
ben, wenn der entscheidwesentliche Sachverhalt aufgrund der schriftli-
chen  Begründung  des  Asylgesuches  und  allfälliger  Beweismittel  als 
hinreichend erstellt zu erachten ist und der asylsuchenden Person zu-
mindest auf Beschwerdeebene die Möglichkeit offenstand, sich noch-
mals einlässlich zu ihren Asylgründen zu äussern.

3.3 Im  vorliegenden  Fall  sind  die  Voraussetzungen  für  eine  Heilung 
der festgestellten Verletzung des rechtlichen Gehörs erfüllt; die Verfü-
gung des BFM datiert vom 19. April 2007, mithin einem Zeitpunkt vor 
dem am 27. November  2007 ergangenen Entscheid BVGE 2007/30, 
und der  rechtserhebliche Sachverhalt  ist  angesichts  der  Aktenlage - 
wie in E. 3.2.1 ausgeführt  - als erstellt  zu bezeichnen. Ferner hatten 
die Beschwerdeführenden im vorliegenden Beschwerdeverfahren Ge-
legenheit,  ihre Asylgründe erneut  ausführlich darzulegen,  was sie in 
ihrer Beschwerdeschrift vom 17. Mai 2007 auch getan haben. Bei die-
ser Sachlage besteht einerseits kein Anlass zu weiter gehenden Sach-
verhaltsabklärungen und ist andererseits von einer Kassation der an-
gefochtenen Verfügung abzusehen. 

Es  ist  mithin  in  materieller  Hinsicht  zu  prüfen,  ob  das  BFM  den 
Beschwerdeführenden zu Recht die Einreise in die Schweiz verwehrt 
und ihr Asylgesuch abgewiesen hat.

4.
4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 

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Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

4.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f, welche 
angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalrevisi-
on des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit hat).

Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei 
die Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen (vgl. a.a.O.,  E. 2c), 
mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 
AsylG glaubhaft gemacht wird, und, bejahendenfalls, ob es aufgrund 
der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es die Schweiz ist, die 
den notwendigen Schutz gewährt, sowie, bei unvollständiger Sachver-
haltserstellung,  ob  der  Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

5.
5.1 Nach Prüfung der Akten stellt  das Bundesverwaltungsgericht zu-
nächst fest, dass die Vorinstanz ohne Infragestellung der diesbezügli-
chen Vorbringen der Beschwerdeführenden von ihrer Gefährdung und 
ihrem grundsätzlichen Schutzbedürfnis ausgegangen ist. 

Es kommt ferner zum Schluss, dass das BFM zutreffend festgestellt 
hat,  die Beschwerdeführenden hätten in ihrem Gesuch keine beson-
ders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht,  und  es  sei 
den  Beschwerdeführenden  zuzumuten,  in  einem  anderen  Land  um 
Asylgewährung nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind bei-
spielsweise die Nachbarstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru 
Vertragsparteien des Abkommens über die Rechtsstellung der Flücht-
linge vom 28. Juli 1951 (FK, SR 0.142.30) und des Protokolls über die 
Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301). 

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Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst  nicht  ratifiziert, 
wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen mit Ausnahme Vene-
zuelas über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Anerken-
nung von Flüchtlingen. Sie orientieren sich auch alle an der nicht bin-
denden  regionalen  Erklärung  von  Cartagena  von  19.-22.  November 
1984  (Declaración  de Cartagena  sobre  los  refugiados),  deren  weite 
Flüchtlingsdefinition sie ins Landesrecht überführt haben. Zudem hal-
ten  sie  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsge-
richts grundsätzlich an das Gebot des Non-Refoulement von Art. 33 
FK, auch wenn als Einschränkung festgestellt werden muss, dass es 
in den Grenzgebieten - insbesondere denjenigen zu Panama und Ve-
nezuela - in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rückschiebungen 
nach Kolumbien durch die Grenzbehörden gekommen ist. Für die prak-
tische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsu-
che spricht im Weiteren die Möglichkeit der visumsfreien Einreise nach 
Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere 
tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den  Nachbarländern  - 
namentlich in Ecuador - um Asyl nachsuchen und dort  zu einem be-
trächtlichen  Teil  auch  tatsächlich  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden. 
Auch ausserhalb von formellen Asylverfahren ist im süd- und zentral-
amerikanischen  Raum die  Möglichkeit  zu  einer  Einreise  weitgehend 
vorhanden, und für kolumbianische Immigranten sind die Chancen auf 
ein dauerhaftes Bleiberecht in diversen Ländern intakt. 

Insgesamt  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen 
liessen,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  praktisch  unmöglich  oder 
objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbesondere einen 
der Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 
sowie 1997 Nr. 15,  E. 2f). Diese Schlussfolgerung drängt  sich umso 
mehr auf, als aus den Akten ersichtlich ist, dass es sich bei den Be-
schwerdeführenden -  der Beschwerdeführer war ein lokaler  Gemein-
debeamter, den man zwar in der Region gekannt haben dürfte - nicht 
um landesweit  bekannte Persönlichkeiten handelt,  die aufgrund ihrer 
besonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht  ins nahe Aus-
land allenfalls befürchten müssten, weiterhin verfolgt zu werden.

5.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Be-
schwerdeführenden  den  Bedrohungen  und  Gefährdungen  durch  die 
FARC allenfalls durch eine Wohnsitzverlegung innerhalb ihres Heimat-
landes entziehen könnten.

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5.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführenden aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe 
zur  Schweiz  verfügen,  hingegen die  Möglichkeit  einer  anderweitigen 
Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz den 
Beschwerdeführenden zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung 
verweigert und das Asylgesuch abgewiesen.

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.– 
an  sich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG); aus verwaltungsökonomischen Gründen wird indessen in An-
wendung von Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
(VGKE,  SR 173.320.2)  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten  ver-
zichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil  geht  an die Beschwerdeführenden,  die  schweizerische 
Vertretung in Bogotà und das BFM.

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Esther Karpathakis

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