# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b3963fd-5376-53a4-919f-bc7047f268d8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.06.2023 D-1226/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1226-2023_2023-06-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1226/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 

mit Zustimmung von Richterin Daniela Brüschweiler;   

Gerichtsschreiberin Sara Steiner. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Géraldine Kronig,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 24. Januar 2023 / N (…). 

 

 

 

D-1226/2023 

Seite 2 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführerin – eine Staatsangehörige von Afghanistan – 

am 21. Juli 2021 eine Ermächtigung zur Visumserteilung zu Studienzwe-

cken in der Schweiz ausgestellt wurde,  

dass sie Afghanistan am 23. August 2021 im Rahmen eines Evakuations-

flugs verliess und am 24. August 2021 in die Schweiz einreiste, wo sie am 

26. August 2021 um die Gewährung von Asyl nachsuchte,  

dass das (…) mit Eingabe vom 30. August 2021 das SEM darauf aufmerk-

sam machte, dass die Beschwerdeführerin mit einem vollen Stipendium 

am Institut studiere, und sich dafür einsetzte, dass diese dem Kanton 

B._______ zugeteilt werde, 

dass am 1. September 2021 die Personalien der Beschwerdeführerin auf-

genommen und sie am 19. Oktober 2021 einlässlich zu ihren Asylgründen 

befragt wurde, 

dass sie dabei angab, sie habe Afghanistan mit ihrer Familie im Kleinkind-

alter verlassen und fortan im Iran gelebt, wo sie (…) studiert habe,  

dass sie nach der Rückkehr ihrer Familie nach Afghanistan im Jahr 2014 

in C._______ an der Universität als Dozentin der (…) unterrichtet habe und 

seit dem Jahr 2018 auch Mitglied des Gender-Komitees der Universität ge-

wesen sei, welches sich für die Gleichberechtigung der Frauen an der Uni-

versität eingesetzt und schon vor der Machtübernahme der Taliban in der 

Kritik gestanden habe, nicht Scharia konform zu sein, 

dass sie im Komitee auch für Beschwerden der weiblichen Angehörigen 

der Universität verantwortlich gewesen sei, indem sie überprüft habe, ob 

es zu Belästigungen gekommen sei, wobei sie auch bedroht worden sei, 

insbesondere vor kurzem vom Vater eines Studenten, der aufgrund ihres 

Entscheides für einen Monat von der Universität ausgeschlossen worden 

sei, 

dass ihre Arbeitskollegin im Komitee, als die Taliban immer näher an 

C._______ herangerückt seien, einen Drohanruf von Unbekannten erhal-

ten habe und ihr daraufhin geraten habe, C._______ zu verlassen, worauf-

hin sie nach Kabul gegangen sei, wo sie später einen Platz in einem Flug-

zeug bekommen habe, 

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Seite 3 

dass sie alle ihre Dokumente verbrannt habe, als sie in Kabul in ihrer Un-

terkunft die Taliban gesehen habe, und nur eine gescannte Version des 

«Verification Letter» der Universität (Bestätigung, dass sie an der Univer-

sität gearbeitet habe und beim Gender-Komitee aktiv gewesen sei) noch 

vorliege, welchen sie für ihren Visumsantrag besorgt habe, 

dass sie in Kabul von ihren ehemaligen Nachbarn erfahren hätten, dass 

die Taliban sie in ihrem Haus in C._______ zweimal gesucht und die Nach-

barschaft befragt hätten, 

dass sich die Taliban nach ihrer Einreise in die Schweiz am 4. März 2022 

mittels eines Durchsuchungsbefehls, welcher ihr Nachbar ihr per 

Whatsapp geschickt habe, auch Zugang zu ihrem Haus beschafft hätten, 

dass die Taliban alle Aktivitäten für Frauenrechte eingestellt hätten und die 

Leute, die sich für die Frauenrechte aktiv eingesetzt hätten, keine Sicher-

heit mehr hätten, 

dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die Schweiz ihr Stu-

dium am (…), welches sie in Afghanistan bereits zwei Semester online ab-

solviert hatte, fortsetzen und inzwischen abschliessen konnte, 

dass sie anlässlich der Gesucheinreichung verschiedene Beweismittel vor-

legte, darunter werden ein USB-Stick und ein «Dossier Unterlagen» ge-

nannt (vgl. Akte des SEM 1107248-5/1),  

dass die Beschwerdeführerin am 26. Oktober 2021 dem erweiterten Ver-

fahren zugewiesen wurde, 

dass die zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat am 2. November 2021 

niederlegte, 

dass die rubrizierte Rechtsvertretung am 1. Dezember 2021 eine Mandats-

anzeige einreichte, 

dass ausserdem mit dieser Eingabe und weiteren Eingaben vom 9. März 

2022, 18. Mai 2022, 22. Juli 2022 und 13. Oktober 2022 weitere Beweis-

mittel nachgereicht wurden beziehungsweise um Auskunft zum Verfah-

rensstand und Verfahrensbeschleunigung ersucht wurde, 

dass im Lauf des Verfahrens insbesondere die folgenden Akten nachge-

reicht wurden: den erwähnten «Verification Letter» der Universität, ein all-

gemeines Schreiben der Taliban, wonach Personen, die sich unter dem 

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früheren Regime an zivilgesellschaftlichen beziehungsweise aktivistischen 

Aktivitäten beteiligt hätten, ungläubig und abtrünnig seien und daher straf-

rechtlich verfolgt würden und den erwähnten Durchsuchungsbefehl (im Ori-

ginal) an die Mudschaheddin-Brüder und Sicherheitsbeamten des Distrikts 

D._______, wonach die Beschwerdeführerin dafür bekannt sei, dass sie im 

Namen des Schutzes der Menschenrechte, der Frauenrechte, der Demo-

kratie und so weiter Scharia feindliche Handlungen begehe und organi-

siere, 

dass sich in den Akten eine durch das Migrationsamt B._______ vorformu-

lierte und von der Beschwerdeführerin signierte Erklärung vom 8. Dezem-

ber 2022 befindet, wonach sie ihr Asylgesuch zurückziehe,  

dass sich daraus eine Mitwirkung der mandatierten Rechtsvertretung nicht 

ergibt und von dieser am 17. Januar 2023 erneut um Auskunft zum Verfah-

rensstand ersucht wurde, 

dass die erwähnte Erklärung denn auch keine Rechtsfolgen erlangte, 

dass das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 

24. Januar 2023 – eröffnet am 31. Januar 2023 – ablehnte und die Weg-

weisung anordnete, sie jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs in der Schweiz vorläufig aufnahm, 

dass es dabei zur Begründung im Wesentlichen ausführte, es sei keine 

gezielte Verfolgung der Beschwerdeführerin erkennbar, da der Drohanruf 

allgemeiner Natur und nicht an sie gerichtet gewesen sei, sie auch nicht 

namentlich genannt worden sei und nicht ersichtlich sei, weshalb sie hinter 

den Unbekannten die Taliban vermute, 

dass auch die Besuche der Taliban bei ihr zu Hause, so wie von ihr geschil-

dert, keine gezielte Verfolgung erkennen liessen, 

dass ihre Vorbringen in Bezug auf den Drohanruf und ihre Arbeit beim Gen-

der-Komitee zudem nicht glaubhaft seien, letztere da sie dazu keinerlei Be-

weismittel eingereicht habe, da alle Dokumente vernichtet worden seien, 

während im Internet aber Informationen über ein Gender-Komitee in 

C._______ gefunden werden könnten, wenn auch möglicherweise einer 

anderen Universität, 

dass sich das Komitee zudem nur innerhalb der Institution um Gleichbe-

rechtigung bemüht habe und nicht in der ganzen Gesellschaft, die Taliban 

zwar im letzten Jahr den Frauen den Zugang zur Bildung verwehrt hätten, 

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Seite 5 

jedoch keine Berichte bekannt seien, dass sie gegen Frauen wie die Be-

schwerdeführerin vorgegangen seien, zumal sie, wenn überhaupt, nur ein 

Mitglied des genannten Komitees gewesen sei,  

dass die Verwarnung und der Durchsuchungsbefehl der Taliban an diesen 

Feststellungen nichts ändern könnten, zumal solche Dokumente leicht zu 

produzieren seien und keinen Beweiswert hätten, und zudem auffalle, dass 

die Schreiben eine unübliche Zusammenfassung der angeblichen Tätigkei-

ten der Beschwerdeführerin beinhalten würden und auch die Verwendung 

der Worte «Demokratie» und «Frauenrechte» für die Taliban vermutlich 

eine Sünde sei, 

dass schliesslich auch der Rückzug des Asylgesuchs vom 8. Dezember 

2022 und der Wille zur freiwilligen Rückkehr gegen eine aktuelle Bedro-

hungslage spreche, 

dass die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihre Rechtsvertretung – mit 

Eingabe vom 2. März 2023 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde erhob und die Aufhebung der Dispositivziffern 1 

bis 3 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigen-

schaft und die Asylgewährung sowie eventualiter die Rückweisung der Sa-

che an die Vorinstanz beantragte, 

dass sie in formeller Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-

suchte, 

dass die Beschwerdeführerin dabei zunächst erklärte, sie habe ihr Asylge-

such aus einer plötzlichen Not zurückziehen wollen, da ihr Ehemann 

schwer erkrankt sei, habe dann aber aufgrund der Gefahrenlage davon ab-

gesehen, 

dass der Sachverhalt vorliegend nicht richtig erstellt worden sei, 

dass ihr keine Fragen zu der Struktur, dem Aufbau und den Tätigkeitsfel-

dern des Gender-Komitees oder zur Suche der Taliban bei ihr zu Hause 

gestellt worden seien, 

dass die sachbearbeitende Person zudem erklärte habe, dass die Zeit 

knapp sei, obwohl sie von sich aus habe weitererzählen wollen, 

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dass das SEM bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen in Be-

zug auf den Drohanruf überwiegend mit der Plausibilität argumentiere, wo-

bei es sich um ein kulturell- und persönlichkeitsabhängiges Konzept handle 

und grosse Vorsicht angezeigt sei, und die Vorinstanz die vorhandenen 

Realitätskennzeichen ausser Acht gelassen habe, 

dass es unzulässig sei, die eingereichten Urkunden mit der pauschalen 

Begründung, entsprechende Dokumente könnten im Herkunftsland theo-

retisch käuflich erworben werden, jeglichen Beweiswert abzusprechen, 

und der Beweis der Fälschung der Vorinstanz obliege, 

dass der Wortlaut der Schreiben der Taliban nicht unplausibel sei, zumal 

diese ihre Rhetorik seit der Machtübernahme verändert hätten, und die Ar-

gumentation der Vorinstanz mit keinen länderbasierten aktuellen Quellen 

belegt werde, womit die Begründungspflicht verletzt werde, 

dass die Vorinstanz aufgrund der drastisch veränderten Lage in Afghanis-

tan, gehalten gewesen wäre, eingehendere Abklärungen in Bezug auf die 

eingereichten Beweismittel zu unternehmen, 

dass es nachvollziehbar scheine, dass sie die Unterlagen zu ihren Tätig-

keiten beim Gender-Komitees vernichtet habe, sie dazu nur gesagt habe, 

sie persönlich besitze keine Unterlagen mehr, und das Komitee ihrer Uni-

versität auch auf dem Internet zu finden sei, wobei die Namen der Mitglie-

der wohl aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht genannt würden, 

dass der diesbezüglich eingereichte «Letter of Verification» vom 2. Juli 

2021, ausgestellt von einer nach wie vor auf der Internetseite der Universi-

tät C._______ namentlich aufgeführten Person, nicht gewürdigt worden 

sei, 

dass nach Durchsicht des Anhörungsprotokolls auffalle, dass sie konkret 

über ihre persönliche Tätigkeit beim Gender-Komitee und den Drohungen 

in diesem Zusammenhang berichtet habe und ihr, wie erwähnt, hierzu und 

auch zur Suche der Taliban keine Fragen gestellt worden seien, 

dass die Taliban-Führer in Afghanistan in grossem Umfang und systema-

tisch geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen 

und Mädchen institutionalisieren und diese aus dem sozialen, wirtschaftli-

chen und politischen Bereich im ganzen Land ausschliessen würden, 

dass auch das SEM in seinem Bericht zu potenziellen Risikoprofilen aner-

kenne, dass Personen, welche sich für Menschenrechte eingesetzt hätten, 

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einer konkreten Gefahr ausgesetzt seien, zudem weiter berichte, dass Ta-

liban-Kämpfer die Wohnung diverser Frauenrechtsaktivistinnen gestürmt 

und mehrere Frauen festgenommen hätten, und Frauen, die vor der Tali-

ban-Machtübernahme sehr selbständig gewesen seien und damit einen 

Lebensstil geführt hätten, der nicht der Taliban-ldeologie entspreche, als 

Gruppe nenne, welche besonders gefährdet sei (vgl. SEM, Focus Afgha-

nistan, Verfolgung durch Taliban: potenzielle Risikoprofile), 

dass vor diesem Hintergrund damit zu rechnen sei, dass sie als Frau mit 

erhöhtem Risikoprofil – Arbeit als Dozentin der (…) an der staatlichen Uni-

versität und bei der Beschwerdeanlaufstelle des Gender-Komitees – sys-

tematisch durch die Taliban verfolgt würde, zumal sie durch diese auch 

schon mittels Drohschreiben gesucht worden sei,  

dass zudem ihr Bruder und der Bruder ihres Ehemannes bei der Polizei 

gearbeitet hätten, 

dass der Eingang der Beschwerde am 3. März 2023 bestätigt wurde,  

dass die Beschwerdeführerin am 29. März 2023 weitere Beweismittel zu 

Akten reichte, in Form von zwei Anzeigen gegen sie vom (…) September 

2022 und (…) Dezember 2022 durch den Studenten, gegen den sie damals 

habe Massnahmen ergreifen müssen, und einem Festnahmebefehl gegen 

ihren Ehemann vom (..) Januar 2023, welche allesamt im Lebensmittella-

den abgegeben worden seien, welcher ihnen gehört habe, sie aber auf-

grund ihres Wegzugs erst jetzt erreicht hätten, 

 

und zieht in Erwägung, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 

über Beschwerden gegen Verfügungen des SEM entscheidet, ausser  

– was vorliegend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsge-

suches des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz 

sucht (vgl. dazu Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 und 33 VGG sowie Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG), 

dass sich das Verfahren nach dem VwVG richtet, soweit das VGG oder 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 ff. AsylG), 

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dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen 

Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5), 

dass die Beschwerdeführerin legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und sie 

ihre Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist,  

dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich 

begründet erweist, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu-

folge Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör beantragt wird,  

dass daher über die Beschwerde in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit 

Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu ent-

scheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),  

dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-

scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),  

dass von der Beschwerdeführerin gerügt wird, die Vorinstanz habe ihren 

Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt und den Sachverhalt nicht rich-

tig festgestellt, 

dass sich ihre diesbezüglichen Vorbringen als begründet erweisen,  

dass die Sachverhaltsfeststellung unvollständig ist, wenn die Behörde trotz 

der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) den Sachverhalt 

nicht von Amtes wegen abgeklärt, oder nicht alle für den Entscheid wesent-

lichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: 

Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29), 

dass es aufgrund der Begründungspflicht (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 35 

Abs. 1 VwVG) der verfügenden Behörde obliegt, alle erheblichen Partei-

vorbringen zu prüfen und zu würdigen, wobei sich das Ergebnis der Wür-

digung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. BVGE 

2016/9 E. 5.1),  

dass die Vorinstanz vorliegend entgegen ihrer Pflicht, den Sachverhalt von 

Amtes wegen festzustellen, naheliegende Abklärungen nicht durchgeführt 

hat, indem es die dem Amt sehr leicht zugänglichen Visumsunterlagen, 

welche die Vorbringen der Beschwerdeführerin plausibilisieren könnten, 

nicht beigezogen und dementsprechend in keiner Weise gewürdigt hat, 

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dass die Beschwerdeführerin weiter zwar geltend macht, sie habe ihre Un-

terlagen in Kabul verbrannt, angesichts ihres Berufes als Dozentin der (…) 

jedoch davon auszugehen sein dürfte, die entsprechenden Unterlagen 

seien auch digital vorhanden, zumal ihr zu Beginn des Verfahrens ein USB-

Stick und ein «Dossier Unterlagen» abgenommen wurden, welche in der 

Folge in den Akten nicht mehr auftauchen, womit das SEM auch seine Ak-

tenführungspflicht verletzt hat, 

dass gemäss den Vorbringen in der Beschwerde das Gender-Komitee der 

Universität der Beschwerdeführerin auch im Internet zu finden sei und dort 

auch die Person, welche den «Letter of Verification» vom 2. Juli 2021 aus-

gestellt hat, namentlich aufgeführt sei, was dem SEM weitere Erkenntnisse 

ermöglicht hätte, 

dass das SEM die vorliegende Sache auch nicht im notwendigen Umfang 

einer Gesamtprüfung unterzogen hat,  

dass die Akten und insbesondere auch die Unterlagen zum bewilligten Vi-

sumsantrag darauf schliessen lassen dürften, dass es sich bei der Be-

schwerdeführerin um eine überdurchschnittlich profilierte Wissenschafterin 

handelt, welche an einer Universität doziert und sich zudem im Gender-

Komitee engagiert hat, 

dass sich das SEM entgegen seiner dem Grundsatz des rechtlichen Ge-

hörs entfliessenden Begründungspflicht nicht fundiert mit den Vorbringen 

der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und die eingereichten Be-

weismittel lediglich pauschal (Schreiben Taliban) oder gar nicht (Letter of 

Verification) gewürdigt hat, 

dass die lapidare Begründung der Vorinstanz, das Gender-Komitee habe 

sich lediglich um Gleichberechtigung innerhalb der Universität und nicht in 

der ganzen Gesellschaft bemüht, und die Taliban hätten zwar im letzten 

Jahr den Frauen den Zugang zur Bildung verwehrt, jedoch seien keine Be-

richte bekannt, dass sie gegen Frauen wie die Beschwerdeführerin vorge-

gangen seien, dem aktuellen komplexen Kontext in Afghanistan und auch 

dem differenzierten Bericht des SEM zu potenziellen Risikoprofilen in Af-

ghanistan nicht gerecht wird, 

dass auch der Zwischenfall im Zusammenhang mit einer Dispensierung 

eines Studenten in keiner Weise in die Würdigung einfloss, obwohl dieser 

offensichtlich geeignet sein dürfte, das Risikoprofil zu schärfen, 

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dass auch eine Auseinandersetzung mit der Frage der begründeten Furcht 

aufgrund ihres Risikoprofils damit offensichtlich nicht genügend stattgefun-

den hat, 

dass sich das SEM schliesslich auch nicht mit der Frage des unerträglichen 

psychischen Drucks auseinandergesetzt hat, zumal die Beschwerdeführe-

rin als profilierte Wissenschafterin bei einer Rückkehr nach Afghanistan, 

ihrer Beschäftigung wohl nicht mehr wird nachgehen können und ein Le-

ben zu Hause wird fristen müssen oder allenfalls noch als Grundschulleh-

rerin wird arbeiten können, 

dass mit dem Begriff des unerträglichen psychischen Drucks auch staatli-

che Massnahmen erfasst werden sollen, die sich nicht unmittelbar gegen 

die Rechtsgüter Leib, Leben oder Freiheit richten, sondern auf andere 

Weise ein menschenwürdiges Leben verunmöglichen (vgl. BVGE 2010/28 

E. 3.3.1.1 und EMARK 2005 Nr. 21, E. 10.3.1), 

dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG in der 

Sache selbst entscheidet oder diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurückweist, wobei eine Kassation und Rück-

weisung an die Vorinstanz insbesondere angezeigt ist, wenn weitere Tat-

sachen festgestellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren 

durchzuführen ist (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.2 m.w.H.), 

dass es vorliegend aus prozessökonomischen Gründen nicht angebracht 

erscheint, die fehlende Entscheidungsreife durch die Beschwerdeinstanz 

herzustellen, zumal es nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts ist,  

als vorliegend einzige Beschwerdeinstanz für eine vollständige Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen und die mangelnde Be-

gründung der angefochtenen Verfügung nachzuliefern, zumal diese Abklä-

rungen in ihrem Umfang und ihrer Dauer den für das Bundesverwaltungs-

gericht vertretbaren Aufwand überschreiten, 

dass auch angesichts der Wichtigkeit der entsprechenden Dokumente, 

welche durch das SEM nicht beigezogen wurden, von einer schweren Ver-

letzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör auszugehen ist, was eine 

Heilung auf Beschwerdeebene ausschliesst (vgl. BVGE 2009/53 E. 7.3 und 

2013/23 E. 6.1.3, je m.w.H.), zumal die Beschwerdeführerin durch eine sol-

che auch einer Instanz verlustig ginge,  

dass sich eine Kassation schliesslich auch vor dem Hintergrund rechtfer-

tigt, dass die Beschwerdeführerin auf Beschwerdeebene gänzlich neue 

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Seite 11 

Dokumente im Zusammenhang mit ihren Vorbringen zu den Akten reichte, 

welche durch das SEM noch keiner Prüfung unterzogen werden konnten, 

dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung aufzu-

heben und die Sache zur ordnungsgemässen Behandlung und anschlies-

senden Neubeurteilung ans SEM zurückzuweisen ist,  

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten aufzu-

erlegen sind (Art. 63 Abs. 1-3 VwVG), womit sich das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) 

im Urteilszeitpunkt als gegenstandslos erweist,  

dass der vertretenen Beschwerdeführerin angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen ist, 

dass keine Kostennote eingereicht wurde, weshalb die notwendigen Par-

teikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine 

VGKE) und gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren 

(Art. 9–13 VGKE) der Beschwerdeführerin zulasten der Vorinstanz eine 

Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1'000.– zuzusprechen ist. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darin die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 24. Januar 2023 wird aufgehoben und die 

Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1’000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner