# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3dadaa2-e08b-5f86-be97-0d0b80e6c81f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-12-01
**Language:** de
**Title:** Statusfrage unbestritten, Würdigung der Arztberichte, mehrere teils längere Klinikaufenthalte, halbe Rente, teilweise Gutheissung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00634
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00634.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00634
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Kübler-Zillig
Urteil
vom
1. Dezember 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
advokatur
rechtsanker
Ankerstrasse 24, Postfach 2250, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
c/o Swiss Life AG
General-
Guisan
-Quai 40, Postfach, 8022 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1962,
arbeitete seit 1. Oktober 2009 in einem Pensum
von 50 % als Pflegehelferin (Urk. 7/12 Ziff. 5.4), als sie sich am 29. August 2012
wegen Problemen mit dem Herzschrittmacher bei der Invalidenversiche
rung zum
Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/12 Ziff. 6.2). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte in der Folge medizinische
(Urk. 7/30-31
,
Urk. 7/42, Urk. 7/44
)
und erwerbliche Abklärungen
(Urk. 7/1, Urk. 7/22, Urk. 7/25
, Urk. 7/38
)
, veranlasste eine psychiatrische (Urk. 7/47) so
wie eine inter
disziplinäre Begutachtung der Versicherten (Urk. 7/
63
),
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/13
, Urk. 7/26
)
und
führte eine
Haus
halt
abklärung
durch (Urk. 7/64).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 7/66, Urk. 7/71, Urk. 7/75) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 5. Mai 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7/78 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 5. Mai 2015 (Urk. 2)
erhob die Versicherte am 8. Juni 2015 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin
mit Verfü
gung vom 21. September 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8). Gleichzeitig wurden antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsver
tretung
bewilligt (Urk. 8).
Die mit Verfügung vom 9. November 2015 (Urk. 11)
zum Prozess beigeladene BVG-Sammelstiftung Swiss Life verzichtete mit Ein
gabe
vom 12
. November 2015 ausdrücklich auf eine Stellungnahme (Urk. 13).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
che
rung (IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beits
marktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den
wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der
Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, wo
rauf
sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (all
ge
meine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hin
wei
sen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 5. Mai 2015
(Urk. 2) aus, die aktuelle Begutachtung bei der Medizinischen
Abklä
rung
s
stelle
Y.___
(
Medas
) habe weder auf allgemein-internistischem noch auf kardio
logischem Fachgebiet Funktionsbeeinträchtigungen oder Beschwerden mit ver
sicherungsmedizinischer Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit ergeben.
Die psychi
schen Beschwerden würden vorrangig durch psychosoziale und sozio
kulturelle Belastungsfaktoren begründet, welche bei der Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit nicht berücksichtigt würden.
Es könnten daher keine Leistungen der Invaliden
versicherung zugesprochen werden. Entgegen der Ansicht der Be
schwerdefüh
rer
in sei das Gutachten von
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
beweisrechtlich nicht verwertbar, da dieser weder auf die
Vor
ak
ten
noch die darin gestellten Diagnosen eingegangen sei (S. 1). Seine Beur
teilung lasse sich zudem aus der Anamnese und dem psychischen Befund nicht ableiten. Nachdem die somatische Seite zudem nicht ausreichend geklärt ge
wesen sei, sei aus rechtlicher und medizinischer Sicht eine interdis
ziplinäre Begutachtung nötig gewesen (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte
die Beschwerdeführerin
insbesondere
geltend, nach Ein
holung des psychiatrischen Gutachtens bei Dr.
Z.___
sei der Fall geklärt gewe
sen. Wie der Regionale Ärztliche Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD) ausge
führt habe, sei das Gutachten von Dr.
Z.___
vollständig und schlüssig und be
stätige das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung schweren Gra
de
s sowie eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 1 S. 4 Ziff. 6.1). Seine Be
ur
tei
lung sei einleuchtend und die Schlussfolgerungen begründet, sodass dem Gut
achten voller Beweiswert zukomme (S. 6 unten). Der Entscheid der
Be
schwer
degegnerin
, ein
Medas
-Gutachten einzuholen, sei offensichtlich in der Absicht erfolgt, eine von einer
Medas
-Begutachtungsstelle erwartungsgemäss
versiche
rungsfreundlichere
Beurteilung zu erhalten. Da sowohl internistisch als auch kardiologisch gemäss sämtlichen einhelligen Berichten keinerlei Anhalts
punkte für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gegeben gewesen sei
en
, habe keine
Grundlage für eine polydisziplinäre Begutachtung bestanden
(S. 7 Ziff. 6.7). Ent
gegen den
Ausführungen der Beschwerdegegnerin sei die
Über
windbar
keits
praxis
bei den in Frage stehenden Diagnosen nicht anwendbar (S. 9 Ziff. 7.3). Völlig
unsubstantiiert
sei sodann die Behauptung, es lägen psychoso
ziale
Belastungs
faktoren
vor (S. 9 Ziff. 8.1). Aus den Berichten des
A.___
und
dem Gutachten von Dr.
Z.___
ergebe sich eindeutig eine ausge
prägte psychi
sche
Erkrankung, welche nicht, und auch nicht zu einem erhebli
chen Teil, mit den
soziokulturellen oder psychosozialen Belastungsfaktoren ein
hergehe (S. 10 Ziff. 8.3).
Demgegenüber seien die Widersprüche der Beurteilung durch den
Medas
-Psychiater mit sämtlichen behandelnden wie auch
vorbegut
achtenden
Psychiater
n
nicht aufzulösen, die abweichende Beurteilung nicht nachvoll
zieh
bar (S. 12 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Arbeitsfähigkeit sowie der
Invaliditäts
grad
und damit der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
Unbestritten und aufgrund der Akten auch ausgewiesen ist, dass die Beschwer
deführerin im Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig wäre (vgl. Urk. 7/64 S. 3 Ziff. 2.5-6).
3.
3.1
Vom 29. Juni bis 25. Juli 2005 befand sich die Beschwerdeführerin erstmals in der Psychiatrischen Privatklinik
A.___
in stationär-psychiatri
sche
r Behandlung. In ihrem Bericht vom 3. August 2005 (Urk. 7/31/10-12) nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
-
depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
(F33.2)
-
Status nach Suizidversuch durch Tabletten-Intoxikation am 28. Juni 2005
Die Beschwerdeführerin sei per
Fürsorgerischem Freiheitsentzug (
FFE
)
bei akuter Selbstgefährdung durch Tabletten-Intoxikation zugewiesen worden (S. 1). Bei Eintritt habe sich ein depressives Zustandsbild mit Gefühlslosigkeit, Traurigkeit,
Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gezeigt. Unter der antidepressiven Thera
pie
sei es
im Verlauf
zu
eine
r
deutliche
n
Stimmungsaufhellung und Stabilisie
rung
des Affekts
gekommen
und die Patientin habe in deutlich gebessertem
Zu
stands
bild
in die alten Verhältnisse entlassen werden können (S. 2).
3.2
In ihrem Bericht vom 31. Juli 2012 (Urk. 7/13/6-7) nannte die Ärztin des
Spitals B.___
, Medizinische Klinik, Kardiologie, folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches Schmerzsyndrom im Bereich der Schrittmacherloge (Implan
tation am 7. März 2012)
-
differentialdiagnostisch neurogene Schmerzen
-
chronische Depression
-
Sehnenscheidenganglien und Verdacht auf Tendinitis im Bereich des lin
ken Handgelenks
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin sei durch die Schmerzen im Bereich der Schrittmacherloge rechts bei Armbewegung, die Handgelenksschmerzen links und durch die wahrscheinlich gestörte
Schmerz
verarbeitung
bei Depression eingeschränkt (S. 1). Eine Rückkehr in
die
ange
stammte Tätigkeit
im Umfang des bisherigen Pensums von 65 %
sei ab dem 1. August 2012 geplant (S. 2).
3.3
In ihrem Bericht vom 24. Oktober 2012 (Urk. 7/30/5-8) nannten die Ärzte
der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
des
C.___
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Depression
-
Status nach Schrittmacherimplantation DDDR am 7. März 2012
-
Hypermenorrhoe
mit Eise
nmangel bei
Cavu
mpolyp
Die hausärztliche Zuweisung sei bei einem zunehmenden unklaren Erschöp
fungs
zustand seit März 2012 erfolgt (S. 1). Anlässlich der Zweitkonsultation am 24. Okto
ber 2012 habe die Beschwerdeführerin von Schnittverletzungen be
rich
tet, welche sie sich selber am linken Oberarm sowie am linken Oberschenkel zugefügt habe. Aufgrund
der bestehenden Suizidgefahr sei die Beschwerdefüh
rerin d
urch die Ärzte der psychiatrischen Abteilung zur weiteren
Behandlung in
das
A.___
verlegt worden. Die Beschwerdeführerin sei mit einer stationären psychiatrischen Therapie einverstanden gewesen (S. 2).
3.4
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Bericht vom
5. Dezember 2012 (Urk. 7/26/5-6)
eine
seit Jahren bestehende
rezidivierende depressive Störung, aktuell Status nach
Hospitalisation
wegen schwerer depressiver Episode
(Ziff. 1 und 2). Ziel der Behandlung sei wenn möglich eine teilweise
Reintegraion
in die Arbeitstätigkeit, die Verhinderung des Suizids sowie eine allgemeine psychische Stabilisierung (Ziff. 5.c). Voraussichtlich sei die Beschwerdeführerin noch meh
rere Monate ganz oder teilweise arbeitsunfähig (Ziff. 8).
Krankheitsfremde Fak
toren spielten keine Rolle im Heilungsverlauf (Ziff. 9). Sowohl bezüglich der Krankheit wie auch der Arbeitsfähigkeit sei die Prognose schlecht. Es sei davon
auszugehen, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht mehr erreicht werden könne
(Ziff. 10).
3.5
Am 7. Dezember 2012 wurde der Beschwerdeführerin in der Frauenklinik des
Spitals B.___
operativ die Gebärmutter entfernt. Aus dem Operationsbericht vom 7. Dezember 2012 (Urk. 7/26/2-4) ergeben sich keine Hinweise auf Kom
plikationen, die Ärzte empfahlen eine postoperative Routineüberwachung (S. 3).
3.6
Nach einer stationären Behandlung im
A.___
vom 24. Oktober bis 29. November 2012 diagnostizierten die Ärzte in ihrem Bericht vom 28. Dezem
ber 2012 (Urk. 7/31/7-9) eine schwere depressive Episode ohne psy
cho
tische Symptome (S. 2).
Vor dem Austritt habe die Beschwerdeführerin eine minimale Besserung des psychischen Zustandsbildes gezeigt. Sie sei stets von aktiver Suizidalität distanziert gewesen, habe sich aber zu keiner Zeit von der passiven
Suizidalität distanzieren können. Das selbstverletzende Handeln zur Anspannungsreduktion habe
sie zu Beginn des
Aufenthaltes nicht unterbinden
, im Verlauf jedoch
unterlassen können (S. 2). Die Prognose sei abhängig von der medikamentösen Therapie wie auch von der Überwindung der Patientin, regel
mässig an den Therapien teilzunehmen und
s
ich auch auf psychotherapeutische Behandlungen einzulassen. Zum aktuellen Zeitpunkt betrage die Arbeitsunfä
higkeit 100 %. Bezüglich der Prognose sei es schwierig
,
eine Aussage zu ma
chen,
da
die Beschwerdeführerin vom letzten Aufenthalt wenig profitiert und seither keine Fortschritte gemacht habe (S. 3).
3.7
In seinem Bericht vom 26. Februar 2013 (Urk. 7/30/1-4) nannte
d
er Hausarzt
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, folgende Di
agnosen (Ziff. 1.1):
-
Depression
-
Status nach Schrittmacherimplantation am 7. März 2012
-
Erschöpfungszustand
Vom 24. Oktober bis 1. Dezember 2012
[richtig: 29. November 2012; vgl. Urk.
7/31/7]
sowie vom 18.
[richtig: 17.]
Dezember 2012 bis 19.
[richtig: 18.]
Januar 2013
(vgl. Urk. 7/31/2)
sei die Beschwerdeführerin im
A.___
hospitali
siert gewesen (Ziff. 1.3). Gegenwärtig werde sie noch in der
Tages
klinik
im
A.___
behandelt (Ziff. 1.5). Seit Ende Oktober 2012
und bis auf weiteres
bestehe für die bisherige Tätigkeit als Pflegehelferin eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Mit einer Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätig
keit könne nicht gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.8
Vom 17. Dezember 2012 bis 18. Januar 2013
wurde
die Beschwerdeführerin zum dritten Mal im
A.___
stationär
behandelt
. In ihrem
Aus
trittsbericht
vom 28. Februar 2013 (Urk. 7/31/2-6) diagnostizierten die Ärzte eine
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (S. 1). Nach ei
nem Suizidversuch mit Tablettenintoxikation im Jahre 2005 sei die Beschwer
defüh
rerin erstmals stationär behandelt worden
(S. 2). Die Patientin versichere, die Medikamente regelmässig eingenommen zu haben, was dem Spiegel aber wider
spreche (S. 3).
Der Austritt erfolge
in leicht verbessertem psychische
m
Zu
stand
in ihre gewohn
ten Wohnverhältnisse nach Hause
. Im Anschluss werde sie sich in
die weiterführende teilstationäre Behandlung in der Tagesklinik an der
F.___
oder in
domo
begeben. Weiterhin werde sie durch ihren behan
delnden Psychiater betreut. Bei kaum nachweisbaren
Bupropion
-Spiegeln werde eine weitere Spiegelbestimmung zum therapeutischen Monitoring empfohlen (S. 4).
3.9
Am 10. Juli 2012
(richtig: 2013)
diagnostizierten die Ärzte des
A.___
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (
PTBS;
Urk. 7/42 S. 1 Ziff. 1.1). Vom 18. Februar bis 16. Juni 2013 sei die Beschwerdeführerin in
teil
stationärer
beziehungsweise stationärer
Behandlung gewesen (S. 1
f.
Ziff. 1.2).
Nach der teilstationären Behandlung werde die Beibehaltung einer engmaschi
gen
psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie mit Schwerpunkt auf das Erler
nen
funktionaler Strategien im Umgang mit Anspannungsphasen, Dissozi
ationen und
Flashbacks sowie eine
Traumatherapie
empfohlen (S. 4 Ziff. 1.5).
Gemäss dem
Mini-ICF-Rating für psychische Störungen bestehe eine
mittelgra
dige Einschrän
kung der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der
Selbstbe
haup
tungsfähigkeit
, der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen sowie der Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten. Die
Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie die Flexibilität der Umstellungsfähigkeit seien mittelgradig bis schwer beein
trächtigt, die
Durch
haltefähigkeit
sogar schwer beeinträchtigt. Hingegen bestehe
k
eine Beein
träch
tigung der Fähigkeit zur Selbstversorgung und der
Wegfähig
keit
und die
Gruppen
fähigkeit
sei nur leicht beeinträchtigt (S. 4 Ziff. 1.7).
Als Pflegehelferin sei die Beschwerdeführerin vom 18. Februar bis 16. Juni 2013 vollständig arbeitsunfähig gewesen (S. 4 Ziff. 1.6). Eine angepasste Tätigkeit müsse sehr gut strukturiert sein und routineartige Arbeitsabläufe beinhalten, die einfach und frei von Zeitdruck seien. Die Tätigkeit solle wenn möglich zur gleichen Tageszeit und in einem wohlwollenden Umfeld stattfinden.
Z
u viele
Aus
senreize
seien zu vermeiden
und
es müsse
auf die Einhaltung von Pausen
ge
ach
tet werden. Eine solche Tätigkeit wäre während zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar (S. 5 oben).
3.10
In seinem Bericht vom 9. September 2013 nannte Dr.
D.___
folgende Diagno
sen
(Urk. 7/44 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, seit mindestens zehn Jahren
-
PTBS
, seit mindestens zehn Jahren
-
Synkope am 8. Februar 2012, in der Folge Schrittmacherimplantation bei AV-Block
Letztmals sei die Beschwerdeführerin vom 1
4.
bis 16. Juli 2013 wegen einer
aku
ten Krise im
A.___
hospitalisiert gewesen. Aktuell bestehe ein
mittelschweres depressives Zustandsbild mit deutlicher körperlicher Er
schöpf
ung, Antriebshemmung, Zukunftsangst, amotivationalem Syndrom. Psy
choti
sche
Symptome seien aktuell nicht vorhanden. Die Patientin habe keine Lebensfreude und immer wieder Suizidgedanken, aktuell wahrscheinlich jedoch nicht relevant handlungsgerichtet. Sowohl in Bezug auf die Krankheit wie auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei die Prognose
ernst, dies
aufgrund der mehrfachen psy
chiatrischen
Hospitalisationen
, der somatischen (kardialen) Probleme und der kontinuierlichen Verschlechterung in letzter Zeit
(Ziff. 1.4)
.
Die Beschwer
de
füh
rerin sei seit März 2012 krankgeschrieben. Bis jetzt bestehe eine erhebliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Es sei davon auszugehen, dass eine
Rest
arbeits
fähigkeit
vorhanden sei, welche es ihr ermögliche, an be
ruflichen
Integrations
massnahmen
teilzunehmen. Es scheine ihr recht gut zu gelingen, den eigenen Haushalt einigermassen zu bewältigen (Ziff. 1.11).
3.11
A
m
3. Februar 2014 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag d
er
Beschwerde
gegnerin
durch Dr.
Z.___
begutachtet. In seinem psychiatrischen Gutachten vom 13. Februar 2014, welches er gestützt auf die
eigene
psychiatrische Ex
plo
ration sowie die vorhandenen Akten
erstattete
(Urk. 7/47 S. 1),
diagnosti
zierte Dr.
Z.___
eine rezidivierende depressive Störung, in schwerem Grad
chroni
fi
ziert
, sowie einen Status nach Synkope am 8. Februar 2012 bei AV-Block III und Implantation eines Herzschrittmachers. Die Patientin habe ihr Le
ben lang unter einer pathologischen Depressivität gelitten. Diese sei mit bedingt durch viele lebenslange emotionale Belastungen und traumatische Erlebnisse. Die letz
te
ren unter der Diagnose einer
PTBS
von der schweren Depression abzu
grenzen, wie es die Ärzte des
A.___
getan hätten, sei seines Er
achtens
nicht nötig, weil die psychische Belastbarkeit schon durch die Depres
sion schwer
vermindert sei (S. 13 Ziff. 5).
Die depressiven Stimmungsstörungen von Traurig
keit, Lebensüberdruss und Suizidalität, Freudlosigkeit, Hoffnungslo
sigkeit und
Resignation, Scham- und Schuldgefühlen hätten einen schweren
Krankheits
grad
. Darauf wiesen etwa das paranoid anmutende Hören einer
Ge
wissensstimme
und
die Selbstverletzungen hin. Die vitalen Funktionen seien stark beeinträchtigt mit Müdigkeit und Antriebsarmut. Es bestehe eine ausge
prägte
psychove
ge
ta
tive
Stresssymptomatik mit Schlafstörungen, Angstträu
men, Herzrhythmusstö
rungen und
Enuresis
. Die Patientin lebe sozial fast völlig isoliert, sei auf die beiden bei ihr wohnenden Söhne angewiesen und habe kaum produktive Be
schäftigungen. Es bestünden ein schweres Morgentief und eine ständige Nervo
si
tät mit Bauchbeschwerden (S.
16 oben).
Die Patientin sei seit Februar 2012 bis heute anhaltend und generell voll ar
beits
unfähig gewesen. Der Grund dafür sei eine psychische Störung mit
Krank
heits
wert
, nämlich eine chronische depressive Störung von schwere
m
Krank
heits
grad
.
Diese habe in den letzten zwei Jahren mehrfach eine psychiatrische
Hospita
li
sation
und eine langdauernde tagesklinische Behandlung bedingt.
I
n Anbe
tracht der lebenslangen pathologischen Depressivität, der erfolglosen stati
onären und
ambulanten psychiatrischen Behandlungen und der Komorbidität mit einer
Herz
kreislaufstörung
sei die Prognose
ungünstig. Die psychiatrischen
Therapieop
tio
nen
seien psychotherapeutisch und psychopharmakologisch aus
geschöpft. Beruf
liche Massnahmen seien wegen der schweren kognitiven Stö
rung
en
und der Antriebsarmut nicht indiziert (S. 16 Ziff. 6).
3.1
2
Am 8., 1
0.
sowie 28. Oktober 2014 erfolgte im Auftrag der Beschwerdegegnerin eine interdisziplinäre Begutachtung durch psychiatrische, internistische sowie
kardiologische Fachärzte der
Medas
Y.___
.
In ihrem Gutachten vom 29. Dezem
ber
2014 hielten sie fest, es könne keine Diagnose mit Relevanz für die Arbeits
fähigkeit gestellt werden (Urk. 7/63 S. 25
lit
. E). Ein negatives
Fähig
keitsprofil
ergebe sich für Tätigkeiten mit häufigem und längerem Hochheben der Arme und Arbeiten mit den Armen häufig über Kopf. Aus Sicherheitsgrün
den würden Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an den Gleichgewichts
sinn wie auf Lei
tern und Stellagen sowie psychomental höher belastende Tätig
keiten eher nicht empfohlen. Ein sonstiges negatives Tätigkeitsprofil lasse sich nicht fest
stellen. Bei der Versicherten bestünden durchaus Ressourcen
, die auch aktiviert
werden könnten. Die Primärpersönlichkeit zeichne sich durch eine gute Kon
takt-
und Kommunikationsfähigkeit aus, die Beschwerdeführerin sei bei ent
spre
chen
der Motivation ausdauernd, beharrlich und durchsetzungsfähig, konsequent und zielstrebig. Sie könne sich auch unter widrigen Umständen durchsetzen. Antrieb und Wille seien ungestört, sie könne auch Entschlüsse und Handlungen
ziel
füh
rend
und sicher durchsetzen. Sie habe sich zwar bei der Dis
kussion möglicher Tätigkeiten eher passiv verhalten, allerdings habe sie als Idee für weitere Berufs
tätigkeit eine Dolmetschertätigkeit überlegt (S. 26 Mitte).
Retrospektiv und aktuell bestehe keine Einschränkung in der angestammten Tätigkeit einer Altenpflegehelferin, für Haushalttätigkeiten und für eine medizi
nisch-theoretisch leidensangepasste Verweistätigkeit (S. 26 unten). Differenzen zur Bewertung der Arbeitsfähigkeit in den vorhandenen Akten würden sich durch
die Bewertung der psychischen Befindlichkeit ergeben
. Teilweise werde von einer
rezidivierenden depressiven Störung deutlicher Ausprägung gespro
chen. Das Gut
achten von Dr.
Z.___
sei sehr kurz gehalten, insbesondere werde nicht hinrei
chend klar, weshalb der Gutachter an der Diagnose der PTBS fest
halte. Er berufe
sich auf Vorbefunde und erwähne diagnostisch nur die rezidi
vierende depressi
ve
Störung, in schwerem Grad
chronifiziert
, und den Status nach Synkope. Die Schlussfolgerung, die Versicherte sei psychisch nicht mehr belastbar und eine
ge
regelte Erwerbstätigkeit nicht mehr möglich, lasse sich weder aus der knappen
Anamnese noch dem psychischen Befund ableiten. Auf
grund der aktuellen psy
chiatrischen Begutachtung bestehe keine Übereinstim
mung mit der Beurteilung des Vorgutachters Dr.
Z.___
, auch wenn einzelne Punkte, speziell die anamnes
tischen Angaben
,
in groben Zügen übereinstimmten
(S. 27).
4.
4.1
Unbestritten und aufgrund der vorliegenden Akten auch ausgewiesen ist, dass bei
der Beschwerdeführerin seit der Implantation eines Herzschrittmachers im März 2012 keine kardiologischen Beschwerden mehr vorliegen, welche zu einer Ein
schränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit führen würde
n
(vgl. E. 2.1-2
). Ebenfalls zu keinen weiteren Einschränkungen führte die Entfernung der Ge
bär
mutter im Dezember 2012 (E. 3.5).
Zu beurteilen sind damit ausschliesslich die Folgen der psychischen Beeinträch
tigungen.
Hierzu
ist zunächst zu berücksichtigen,
dass die Beschwerdeführerin aufgrund
ihres
psychische
n Gesundheitszustandes
in der Vergangenheit - und dabei insbesondere seit Oktober 2012 - mehrfach und über längere Zeit statio
när wie auch teilstationär
in der Psychiatrischen Privatklinik
A.___
behandelt wurde. Insgesamt sind
aufgrund der Akten
folgende Aufenthalte ausgewiesen:
-
29. Juni bis 25. Juli 2005
(vgl. E. 3.1)
-
24. Oktober bis 29. November 2012
(vgl. E. 3.6)
-
17. Dezember 2012 bis 18. Januar 2013
(vgl. E. 3.8)
-
18. Februar bis 3. März 2013 (teilstationärer Aufenthalt
, vgl.
Urk. 7/42/2 Ziff. 1.3
)
-
4.
bis 5. März 2013
(vgl.
Urk. 7/42/2 Ziff. 1.3
)
-
6. März bis 9. Juni 2013 (teilstationärer Aufenthalt
, vgl.
Urk. 7/42/2 Ziff.
1.3
)
-
1
0.
bis 11. Juni 2013
(vgl.
Urk. 7/42/2 Ziff. 1.3
)
-
1
2.
bis 16. Juni 2013 (vgl.
Urk. 7/42/2 Ziff. 1.3
)
-
1
4.
bis 16. Juli 2013 (vgl. E. 3.10)
4.
2
Betreffend d
i
e Auswirkungen der psychischen Beschwerden auf die Arbeits
fähig
keit wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwerdegegnerin zwei
mal begutachtet
.
Nachdem
der RAD der
Beschwerdegegnerin
nach Rücksprache mit der
Teamlei
tung
das
rein psychiatrische
Gutachten von Dr.
Z.___
(E.
3.11)
am 1
9.
und 28. Februar 2014 als vollständig und schlüssig bezeichnet hatte (Urk. 7/65 S. 4 f.)
, stellte die Beschwerdegegnerin nach Eingang des
Haushaltabklärungs
berichts
vom 19. Mai 2014 Diskrepanzen zum Gutachten von Dr.
Z.___
fest und
beur
teilte dieses am 28. Mai 2014 als beweisrechtlich nicht verwertbar
(Urk. 7/65
S. 6 f.).
Dies führte in der Folge zur erneuten, nun interdisziplinären
Medas
-Be
gutachtung
(E. 3.12)
.
Die
Beschwerdegegnerin
wendet gegen das Gutachten von Dr.
Z.___
zunächst ein, dieser gehe nicht auf die
Vorakten
und die darin gestellte Diagnose einer PTBS ein (Urk. 7/65 S. 7). Dr.
Z.___
fasste
jedoch die
Vorakten
über mehrere
Seiten
in chronologischer Reihenfolge
zusammen
(Urk. 7/47 S. 2-7) und
ging auf
Seite 15 auf frühere Arztberichte ein (Urk. 7/47 S. 15). Auf
Seite
13 des Gut
achtens
führte er sodann
aus, die lebenslangen emotionalen Belastungen und die traumatischen Erlebnisse unter der Diagnose einer posttraumatischen
Belas
tungsstörung
von der schweren Depression abzugrenzen, sei seines Erach
tens nicht notwendig, weil die psychische Belastbarkeit schon durch die De
pression schwer vermindert sei (Urk. 7/47 S. 13 Ziff. 5). Die
diesbezügliche
Kri
tik der
Be
schwerdegegnerin
ist demnach klar unzutreffend.
Auch w
as die Diskrepanzen zum Abklärungsbericht vom 15. April 2014 (Urk. 7/64) betrifft,
handelt es sich dabei - wenn überhaupt - lediglich um Klei
nigkeiten.
So
führte die Beschwerdeführerin Dr.
Z.___
gegenüber aus, sie koche nicht mehr alleine (Urk. 7/47 S. 8 Ziff. 3 oben), und bestätigte im Rahmen der Haushaltabklärung, sie koche vorwiegend am Wochenende, wenn der Sohn zu Hause sei. Während der Woche mache sie nur einfache Speisen, oft esse sie auch etwas Kaltes (Urk. 7/64 S. 5 Ziff. 6.2). Übereinstimmend ergibt sich sodann sowohl aus dem Gutachten als auch aus dem Abklärungsbericht, dass sie die Grosseinkäufe nicht mehr alleine erledige, nachdem sie in Menschenmengen rasch hektisch werde. Ob sie in kleinen Geschäften Kleinigkeiten selbständig
besorgen kann, ist nicht
entscheidrelevant
(Urk. 7/47 S. 8 Ziff. 3 oben, Urk. 7/64 S. 6 Ziff. 6.4).
Ebenso hielt Dr.
Z.___
fest, die Beschwerdeführerin könne ihren
eigenen Haushalt einigermassen bewältigen (Urk. 7/47 S. 15 unten), was sich auch
aus dem Abklärungsbericht ergibt (Urk. 7/64 S. 5 ff. Ziff. 6.1-7).
Hinzu
kommt
, dass ein Abklärungsbericht seiner Natur nach
in erster Linie auf die Er
mittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten
ist
, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschrän
kungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwer
de
n leidet. Grundsätzlich jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidi
tät geht, das heisst wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vorder
grund steht (AHI 2004 S.
137 E. 5.3). Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten
Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärzt
li
chen
Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die
Haus
halts
abklärung
, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist,
das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschrän
kungen zu erkennen (Urteile des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai
2014 E. 5.1,
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom
2. Dezember 2009 E. 5.1.2, je
mit Hinweisen).
4.
3
Zutreffend ist
zwar
, dass das Gutachten von Dr.
Z.___
ausführlich die subjekti
ven Angaben der Beschwerdeführerin wi
e
dergibt, die Erhebung des
Psycho
sta
tus
und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich dazu eher etwas knapp
ausgefallen ist. Dennoch
erscheint seine Einschätzung, wonach die Beschwer
deführerin nicht mehr arbeitsfähig ist, insbesondere unter Berücksichtigung des Verlaufes mit zahlreichen stationären Aufenthalten nachvollziehbar und
über
zeugend
. Zu demselben Schluss gelangte der Hausarzt Dr.
E.___
(E. 3.7)
,
und
auch der behandelnde Psychiater Dr.
D.___
ging
im Dezember 2012
davon aus,
dass eine vollständige Arbeitsfähigkeit nicht mehr erreicht werden könne (E. 3.4
).
Zwar führte
dieser
im September 2013 aus
(E. 3.10)
, es sei von ei
ner
Restar
beitsfähigkeit
auszugehen, welche der Beschwerdeführerin die Teil
nahme an be
ruflichen Massnahmen ermögliche, und auch die Ärzte
des
A.___
hielten im Juli 2013 eine sehr gut strukturierte und
routine
artige
Tätigkeit in einem wohlwollenden Umfeld ohne zu viele Aussenreize und unter Ein
hal
tung von Pausen während zwei bis drei Stunden pro Tag für zu
mutbar
(E. 3.9)
. Dabei handelt es sich aber um eine Tätigkeit im geschützten Rahmen und nicht um eine
in der freien Marktwirtschaft
verwertbare
Restar
beitsfähigkeit
.
Insge
samt ergibt sich damit
ein stimmiges Bild der Beschwerde
führerin, welche seit dem Jahre 2012 an einer rezidivierenden depressiven Stö
rung mit schweren und mittelgradigen Episoden leidet, wiederholt für längere Zeit stationär behandelt werden musste und insgesamt nicht mehr arbeitsfähig ist.
Demgegenüber vermag die Einschätzung der
Medas
-Gutachter, welche retro
spektiv und aktuell
mit Ausnahme der Zeiten der psychiatrischen
Hospitalisa
tion
weder für die angestammte noch für eine leidensangepasste Tätigkeit von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgingen, nicht zu überzeugen.
Aus den Berichten des
A.___
ergeben sich keinerlei Hinweise auf simulierendes oder übertreibendes Verhalten der Beschwerdeführerin. Die Ein
schätzung der
Medas
-Gutachter, wonach die Beschwerdeführerin am Tag nach der Entlassung aus einem mehrwöchigen stationären Aufenthalt
unter anderem aufgrund selbstverletzendem Verhalten sowie Suizidgefährdung bereits wieder vollständig arbeitsfähig sein sollte, ist
demnach
weder nachvollziehbar noch überzeugend und plausibel.
4.
4
Zusammenfassend ist damit gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z.___
sowie die Berichte des
A.___
und der behandelnden Ärzte davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin seit Februar 2012 anhaltend und generell vollständig arbeitsfähig ist.
5.
Im Folgenden ist zunächst der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im
Er
werbsbereich
zu ermitteln.
Bei der Prüfung
der erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkung kann vor
liegend ein Prozentvergleich durchgeführt werden, da die Beschwerdeführe
rin auf
grund der bestehenden psychischen Einschränkungen auf dem freien Ar
beits
markt zu 100
%
arbeitsunfähig ist. Auf einen Einkommensvergleich mittels
Tabel
lenlöhnen
ist daher zu verzichten (BGE 114 V 310 E. 3a S. 313; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis). Nachdem
bei der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliegt, resultiert im Erwerbsbereich ein Invaliditätsgrad von 100 %. Bei einem Anteil des
Er
werbs
bereiches
von 50 % entspricht dies einem gewichteten Teilinvaliditätsgrad von 50 % (100 % x 0.5). Gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z.___
ist der
Ren
ten
beginn
auf 1. Februar 2012 festzulegen (E. 3.
11
).
6.
6.1
Es ist im Weiteren der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im
Haushaltsbe
reich
zu ermitteln.
6.2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des
Art.
69
Abs.
2 IVV; vgl. auch
Rz
. 3084 ff. des Kreisschreibens des BSV über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH]) stellt für
gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesund
heit
lichen Einschränkung im Haushalt dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011
vom 5. September 2011 E. 2, in: SVR 2012 IV Nr. 19 S.
86). Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltfüh
rung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen (Urteil des Bun
desgerichts
8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen
).
Für den Beweiswert eines Berichtes über die Abklärung im Haushalt einer versi
cherten Person sind – analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von Arztberichten (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweis) – verschiedene Faktoren zu berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhält
nissen sowie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beein
träch
tigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicher
ten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, be
gründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft all dies zu, ist der Abklärungsbericht voll beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E.
2.3.2 [in BGE 129 V 67 nicht veröffentlichte Erwägung]; Urteil des Bundes
gerichts I 733/03 vom
6.
April 2004 E. 5.1.2; vgl. auch BGE 130 V 61 E. 6.2 und 128 V 93 E. 4 betreffend Abklärungsberichte im Zusammenhang mit der Haus
pflege und Hilflosigkeit). Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinde
rung im Haushalt massgebend, sondern gelten analog für jenen Teil ei
nes Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tä
tigkeit
von teilerwerbstätigen Versicherten mit häuslichem Aufgabenbereich im
Ge
sund
heitsfall
betrifft (Urteil des Bundesgerichts
8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1
mit weiteren Hinweisen
).
Zur Beurteilung der Beeinträchtigungen im Haushaltsbereich wurde die
Be
schwer
deführerin am 3. April 2014 zu Hause besucht. Der Abklärungsbericht vom
15. April 2014 (Urk. 7/64) enthält eine eingehende Abklärung der Wohn
ver
hält
nisse sowie der im Haushalt der Beschwerdeführerin anfallenden Tätig
keiten. In Übereinstimmung mit der Verwaltungspraxis (Kreisschreiben für In
validität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH,
Rz
3095) wurden darin die
Haus
haltstätigkeiten
in sieben Aufgaben eingeteilt und anschliessend nach deren
prozentualen Gewichtung im Vergleich zu sämtlichen anfallenden Tätigkeiten bewertet. In der Folge machte sich die Abklärungsperson ein Bild über die örtli
chen und räumlichen Wohnverhältnisse der Beschwerdeführerin und klärte für jeden der sieben Tätigkeitsbereiche die konkrete Behinderung ab. Die
Berichts
texte
sind nachvollziehbar begründet sowie angemessen detailliert und die Aus
sagen der Beschwerdeführerin wurden dabei erwähnt und berück
sichtigt. Der Abklärungsbericht erfüllt demnach die genannten Kriterien voll
umfänglich, so dass darauf abgestellt werden kann. Zu Recht hat die Beschwer
deführerin denn auch nichts gegen den Bericht vorgebracht (vgl. Urk. 1).
6.3
Gemäss dem Abklärungsbericht kann die Beschwerdeführerin bei der Erledigung der Haushaltsarbeiten auf die Hilfe ihres im Jahre 1996 geborenen Sohnes, wel
cher zwar wochentags in einem Internat für
h
örbehinderte Menschen wohnt, seine Wochenenden jedoch zu Hause bei der Beschwerdeführerin verbringt, zu
rückgreifen (Urk. 7/64 Ziff. 4.2 und
6.9), so dass sich im Haushaltsbereich ins
gesamt ein Invaliditätsgrad von 2 % ergibt (Urk. 7/64 Ziff. 6.8). Bei einem An
teil des Haushaltsbereiches von 50 % entspricht dies einem gewichteten
Teilin
validitätsgrad
von 1 % (2 % x 0.5).
7.
7.1
Der Gesamtinvaliditätsgrad berechnet sich mittels Addition der
Teilinvaliditäts
grade
. Demnach resultiert bei einem Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von
50 % (vgl. vorstehend E. 5) und einem solchen von 1 % im Haushaltsbereich (vgl.
vorstehend E. 6.3) ein Gesamtinvaliditätsgrad von 51 %, was einen An
spruch auf eine halbe Rente begründet.
7.2
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 8. Februar 2012 zu 100 % arbeitsunfähig, weshalb das Wartejahr am 8. Februar 2013 beendet war (vgl. vorn E.
1.3). Ein Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gel
tendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs.
3 IVG). Nach Gesagtem und angesichts der Anmeldung bei der
Beschwer
de
gegnerin
vom 29. August 2012 (Urk. 7/12) steht der Beschwerdeführerin ab dem 1. Februar 2013 eine halbe Rente zu.
Die
a
ngefochtene Verfügung vom 5. Mai 2015 ist somit aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Februar 2013 An
spruch auf eine halbe Rente hat.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang
des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mit Honorarnote vom 3. November 2015 machte
der unentgeltliche Rechtsvertreter der Be
schwerde
füh
rerin,
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich, Aufwendungen von insge
samt 7.83 Stunden sowie Auslagen von Fr. 51.70 geltend (Urk. 10), was ange
messen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von Fr. 220.
--
ist
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm
eine Entschädigung von Fr. 1‘916.25
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 5. Mai 2015 aufgehoben und es wird fest
gestellt, dass die Beschwerd
eführerin ab dem 1. Februar 2013
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
8
00
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nun
g und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich,
eine
Prozessentschädi
gung
von
Fr.
1'916.25
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 10
-
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKübler-Zillig