# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 749ba217-66eb-5968-9163-ac9671191811
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.11.2008 D-4154/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4154-2006_2008-11-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4154/2006/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  N o v e m b e r  2 0 0 8  

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Maurice Brodard, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

A._______, geboren _______, Türkei,
vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, 
_______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Originäre Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM 
vom 30. März 2005 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4154/2006

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin – eine türkische Staatsangehörige kurdischer 
Ethnie mit letztem Wohnsitz in V._______ – verliess ihre Heimat eige-
nen Angaben zufolge am _. Oktober 2003. Sie sei zusammen mit ih-
rem  Bruder  B._______  und  seinen  beiden  Kindern  C._______  und 
D._______ von V._______ in einem Auto nach Griechenland gelangt, 
von wo sie mit einer Fähre Italien erreicht hätten. Von Italien seien sie 
am _. Oktober 2003 in die Schweiz gelangt. 

Am _. November  2003 reichte  sie  zusammen mit  ihrem Bruder  und 
seinen beiden Kindern in der Empfangsstelle des BFF in Kreuzlingen 
(heute  Empfangs-  und Verfahrenszentrum des BFM)  ein  Asylgesuch 
ein. Am _. November 2003 wurde sie vom BFF kurz befragt und am 
_. Dezember  2003  fand die  einlässliche Anhörung zu den Gesuchs-
gründen durch die damals zuständige kantonale Behörde statt. 

B.
Anlässlich der Kurzbefragung und der kantonalen Anhörung führte die 
Beschwerdeführerin zu ihrer Person und ihren familiären Verhältnissen 
im Wesentlichen das Folgende aus: Sie  sei  Kurdin  und ihre  Familie 
stamme ursprünglich aus der Ortschaft W._______ im Kreis Elbistan in 
der Provinz Kahraman Maras, ihre Familie sei  aber zirka 1988 nach 
X._______ umgezogen. Sie  selbst  habe in  W._______ während fünf 
Jahren die Grundschule besucht, nach dem Umzug nach X._______ 
sei  sie  nicht  mehr  zur  Schule  gegangen. Erst  viel  später,  im  Jahre 
2000, habe sie in V._______ noch einen einjährigen Kurs als Modell-
schneiderin  absolviert. Ihrer  Familie  sei  es in  X._______ gut  gegan-
gen,  materielle  Probleme hätten sie keine gehabt  und sie habe bei-
spielsweise nicht arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Jedoch sei-
en ihre Brüder E._______, B._______ und F._______ mehrmals ver-
haftet worden, worauf ihre Familie zunehmend von der Polizei unter-
drückt worden sei. Da ihre Familie in X._______ nicht mehr ruhig habe 
leben können, seien sie im Jahre 1997 nach V._______ umgezogen. In 
V._______ habe sie während zweier Jahre in einer Textilfabrik an der 
Maschine gearbeitet,  später  – nach dem Kursbesuch – sei  sie  wäh-
rend zweier Jahre als Modellistin tätig gewesen. Die letzten sechs Mo-
nate ihres Aufenthalts in V._______ habe sie schliesslich die Kinder ih-
res Bruders B._______ betreuen müssen. Heute seien in V._______ 
weiterhin ihre Eltern sowie ihre ledigen Brüder E._______, G._______ 

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und H._______ und ihre verheiratete Schwester I._______ wohnhaft. 
Die  Frau  ihres  Bruders  B._______,  ihre  Schwägerin,  halte  sich 
ebenfalls noch in V._______ auf, lebe aber an wechselnden Adressen. 
Ausserhalb  der  Türkei  befinde  sich  ihre  verheiratete  Schwester 
J._______, welche sich mit ihrem Ehemann als anerkannter Flüchtling 
in  den  Niederlanden  aufhalte. In  der  Schweiz  befinde  sich  –  neben 
ihrem Bruder B._______ und seinen Kindern – als Asylsuchender ihr 
Bruder F._______, wie auch ihre Cousinen ... und ... . In der Schweiz 
befinde sich ferner der Vater ihrer Schwägerin, ...,  welcher verwitwet 
sei. 

Zur Begründung ihres Asylgesuches machte sie zur Hauptsache das 
Folgende geltend: Ihre Familie sei in der Türkei mehrfach von den Be-
hörden unter  Druck gesetzt  worden und ihre Brüder  seien – ausser 
H._______ – alle  schon mal verhaftet  worden. Ihr  Bruder  F._______ 
sei  in  X._______  verfolgt  worden  und  ihre  Brüder  E._______  und 
B._______  seien  ebenfalls  in  X._______  im  Gefängnis  gewesen. 
G._______ sei  in  V._______ festgenommen und gefoltert  worden. In 
X._______ sei die ganze Familie unter Druck gesetzt worden, so dass 
sie nach V._______ umgezogen seien. Dort  seien sie aber ebenfalls 
unter Druck geraten. Ihren Brüdern habe man vorgehalten, nicht nur in 
X._______, sondern auch in V._______ sogenannte Terroristen unter-
stützt und beherbergt zu haben. In V._______ seien insbesondere ihr 
Bruder B._______ und dessen Ehefrau K._______ stark unter Druck 
geraden. Der  Bruder  ihrer  Schwägerin  (L._______)  sei  12  Jahre  im 
Gefängnis gewesen, und da ihre Schwägerin ihn dort regelmässig be-
sucht habe, habe die Polizei  der Schwägerin Kurierdienste zwischen 
dem Gefängnis und der Aussenwelt vorgeworfen. Da ihre Schwägerin 
nicht mehr habe nach Hause kommen können, habe die Beschwerde-
führerin die letzten sechs Monate vor ihrer Ausreise die beiden Kin-
dern ihres Bruders B._______ betreut. In diesen sechs Monaten, als 
sie bei ihrem Bruder B._______ gewohnt habe, sei die Wohnung ihres 
Bruders mindestens viermal respektive vier- bis fünfmal von Polizisten 
in  Zivil  durchsucht  worden,  da sowohl  ihre  Schwägerin  als  auch ihr 
Bruder von der Polizei gesucht worden sei. Dabei sei einmal auch das 
Kind C._______ geohrfeigt worden. Sie selbst sei dabei zweimal von 
den Polizisten in Zivil mitgenommen und in einem Auto mit verbunde-
nen Augen an einen ihr unbekannten Ort  verbracht worden. Die Mit-
nahmen  hätten  das  erste  Mal  insgesamt  sechs  bis  sieben  Stunden 
und das zweite Mal etwas kürzer gedauert, respektive beim ersten Mal 
habe die Autofahrt sehr lange gedauert und die Befragung sei kürzer 

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gewesen, und beim zweiten Mal habe die Fahrt nur etwa 45 Minuten 
gedauert und die Befragung sei länger gewesen als beim ersten Mal. 
Während  des  Polizeigewahrsams  sei  sie  beschimpft,  geohrfeigt, 
getreten und bedroht worden. Man habe von ihr wissen wollen, ob ihre 
Schwägerin  als  Kurier  arbeite.  Dabei  habe  man  ihr  mit  dem  Tod 
gedroht,  sowie  mit  einer  Vergewaltigung,  wobei  sie  an  den  Brüsten 
angefasst und von den Polizisten geküsst worden sei. Sie habe sich 
zwar  gewehrt,  sie  hätte  aber  auch  vergewaltigt  werden  können. 
Danach  habe  man  sie  wiederum  mit  verbundenen  Augen  nach 
V._______ zurückgebracht, wo man sie das erste Mal im Quartier ... 
und das zweite Mal im Quartier ... freigelassen habe. Über die Vorfälle 
habe  sie  ihrer  Familie  berichtet,  zur  Anzeige  bringen  habe  sie  die 
Vorfälle  aber  nicht  können,  da  sie  ja  von  Polizisten  mitgenommen 
worden sei. Als sie die Polizei ein drittes Mal habe mitnehmen wollen, 
habe  sie  sich  dermassen  gefürchtet,  dass  sie  der  Polizei  den 
Aufenthaltsort  ihres  Bruders  B._______  bekannt  gegeben  habe;  er 
habe  sich  zu  diesem Zeitpunkt  bei  ihren  Eltern  befunden.  Vor  dem 
Hintergrund dieser Ereignisse habe sie in ständiger Angst gelebt. 

Auf Frage nach ihrem persönlichen Engagement führte die Beschwer-
deführerin aus, sie sei im Jahre 2002 Mitglied der DEHAP geworden 
und von daher ebenfalls oft unter Druck gekommen. Da sie die letzten 
sechs  Monate  bei  ihrem  Bruder  gelebt  und  zu  dessen  Kindern  ge-
schaut habe, sei sie in dieser Zeit jedoch nicht mehr so aktiv gewesen. 
Zuvor habe sie sich aber für die DEHAP anlässlich der Wahlen vom 
November  2002  sowie  im  Rahmen  einer  Friedenskampagne  einge-
setzt.  Dabei  habe  sie  kurdische  Familien  besucht,  sie  habe  Kurden 
über das Wahlprozedere und die diesbezüglichen Formalitäten instru-
iert und sie sei schliesslich bei den Wahlen vom 3. November 2002 an 
der Urne als Beauftragte der DEHAP zu einem Einsatz gelangt. Ihre 
Ferien habe sie jeweils im Heimatdorf W._______ verbracht, wo sie die 
Guerilla unterstützt habe, indem sie diese verköstigt und auch mit Klei-
dern ausgestattet habe. Ihre Hilfeleistungen hätten sich aber auf das 
Heimatdorf beschränkt; in V._______ habe sie nichts dergleichen ge-
macht. In V._______ habe sie Artikel verfasst, welche sie an Zeitungen 
geschickt  habe,  respektive  sie  habe  bloss  einmal  einen  Artikel  ver-
fasst. Sie habe einen Artikel über das Reuegesetz geschrieben, wel-
cher am _. Juli  2003 unter einem Pseudonym ... in „Özgür Gündem“ 
erschienen sei, respektive sie habe diesen Artikel im Juni 2003 an die 
Zeitung geschickt und der Artikel sei dann am _. August 2003 erschie-
nen. Sie habe dies verwechselt, am _. Juli 2003 sei nicht ihr eigener 

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sondern ein Artikel ihres Bruders B._______ erschienen. Wegen ihres 
Artikels  sei  ein  Verfahren  eingeleitet  worden,  welches  bei  der  1. 
Kammer des DGM von V._______ behandelt worden sei. Von diesem 
Verfahren  habe  sie  aber  erst  10  bis  15  Tage  vor  ihrer  Ausreise 
erfahren,  und  zwar  über  ihren  Bruder  G._______,  welcher  in 
V._______  als  Anwalt  tätig  sei.  In  jenem Verfahren  habe  ihr  Bruder 
G._______  in  ihrem  Auftrag  den  Behörden  bekannt  geben  müssen, 
dass  sie  den  Artikel  verfasst  habe,  ansonsten  der  Chefredaktor 
M._______  verurteilt  worden  wäre,  respektive  im  Verlauf  der 
Verhandlungen  habe  der  Chefredaktor  M._______  ihren  Namen 
bekannt geben müssen, worauf ihr Bruder G._______ in ihrem Auftrag 
ihre Urheberschaft bestätigt habe. 

Aufgrund dieser Ereignisse habe sie sich schliesslich zusammen mit 
ihrem Bruder zur Ausreise entschlossen. Die Reise habe für ihren Bru-
der, seine beiden Kinder und sie insgesamt 20'000.-- Euro gekostet, 
wobei ihr Anteil  von ihrem Vater übernommen worden sei. Auf Frage 
nach ihren Reise- und Identitätspapieren reichte die Beschwerdeführe-
rin ihren Nüfus, ausgestellt  1995 in X._______, zu den Akten. Zu ih-
rem Pass, ausgestellt 1999 in V._______, gab sie an, diesen habe sie 
zuhause bei ihren Eltern gelassen.

Anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  reichte  die  Beschwerdeführerin 
als Beweismittel einen Zeitungsartikel in Kopie, eine Anklageschrift ge-
gen M._______ und N._______ vom _. August 2003 in Kopie, ein Ge-
richtsprotokoll vom _. Oktober 2003 in Kopie sowie die Kopie eines ge-
richtlichen Zustellumschlags zu den Akten. 

C.
Am 25. Juni 2004 (Akte durch das BFM nur im Dossier des Bruders 
abgelegt)  reichte  die  Beschwerdeführerin  –  handelnd  durch  ihre 
Rechtsvertreterin  –  als  Beweismittel  ihren  Mitgliederausweis  der 
DEHAP im Original, ferner eine sie betreffende Zeugenvorladung vom 
_. November 2003 für den _. Dezember 2003 (beglaubigte Kopie inklu-
sive Übersetzung),  einen Polizeirapport  vom _. Dezember 2003 (be-
glaubigte Kopie inklusive Übersetzung),  ein Gerichtsprotokoll  vom _. 
Dezember 2005 (beglaubigte Kopie inklusive Übersetzung), einen Poli-
zeirapport vom _. Dezember 2003 (beglaubigte Kopie inklusive Über-
setzung) sowie ein Schreiben des Anwalts P._______ vom _. Januar 
2004 (inklusive Übersetzung) zu den Akten. In Ergänzung reichte sie 
eine Übersetzung der zuvor vorgelegten Anklageschrift vom _. August 

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2003  und  eine  Übersetzung  des  Gerichtsprotokolls  vom  _.  Oktober 
2003 nach. 

In der Eingabe wurden die Vorbringen der Beschwerdeführerin sowie 
ihres Bruders B._______ und dessen Kinder bekräftigt, wobei von der 
Rechtsvertreterin auf gewisse Ungereimtheiten in den verschiedenen 
Aussagen Bezug genommen und diese zu erklären versucht wurden. 

D.
Mit Schreiben vom 26. August 2004 hielt das BFF unter Bezugnahme 
auf die Gesuchsvorbringen sowie die eingereichten Beweismittel das 
Folgende fest: 

Die Beschwerdeführerin habe geltend gemacht,  in der Zeitung „Yeni-
den Özgür Gündem“ sei am _. August 2003 ein von ihr verfasster Arti-
kel erschienen, aufgrund dessen die türkischen Behörden ein Verfah-
ren gegen den Chefredaktor und den Besitzer der Zeitung eingeleitet 
hätten. Im Verlauf des Verfahrens hätten diese die Personalien der Be-
schwerdeführerin als Verfasserin des Artikels dem Gericht bekannt ge-
geben. Bei der Gerichtsverhandlung vom _. Dezember 2003 habe das 
Gericht ein zweiseitiges Bestätigungsschreiben der Beschwerdeführe-
rin zu den Akten genommen, in welchem sie sich als Autorin des Arti-
kels bezeichnet habe. Wenn dem so sei, so müsse als logische Folge 
gegen die Beschwerdeführerin eine Anklage erhoben worden sein. Die 
Beschwerdeführerin werde daher aufgefordert, innert Frist die erwähn-
te schriftliche Erklärung betreffend ihre Autorenschaft,  die auf dieser 
Erklärung basierende Anklageschrift, allenfalls weitere Beweismittel in 
Zusammenhang  mit  dem  Verfahren  oder  zumindest  dessen  genaue 
Aktennummer nachzureichen,  wie auch eine Bestätigung ihres türki-
schen Rechtsvertreters über den aktuellen Stand in diesem Verfahren, 
unter der genauen Bezeichnung der beteiligten staatsanwaltlichen und 
richterlichen Behörden.

E.
Mit  Eingabe  vom  5.  November  2004  hielt  die  Beschwerdeführerin 
– handelnd durch ihre Rechtsvertreterin und unter  Vorlage  eines Ur-
teils des DGM in V._______ vom _. März 2004 betreffend M._______ 
und N._______ (inklusive Übersetzung)  – zum vorgenannten Schrei-
ben des BFF das Folgende fest: 

Sie habe die vom BFF geforderten Unterlagen aus ihrer Heimat nicht 
erhalten, sondern nur das Urteil des DGM gegen die Zeitungsredakto-

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ren, in welchem sie als Autorin des Artikels über das Reuegesetz ge-
nannt werde. Bei der Aussage im Schreiben des BFF vom 26. August 
2004, anlässlich der Gerichtsverhandlung vom _. Dezember 2003 sei 
ein zweiseitiges Bekenntnisschreiben der Beschwerdeführerin zu den 
Akten genommen worden, müsse es sich um ein Missverständnis han-
deln. Die Beschwerdeführerin habe nie ein solches Bekenntnisschrei-
ben verfasst, und sie habe auch anlässlich der Anhörungen keine dies-
bezüglichen Aussagen gemacht. Im Schreiben des Anwalts P._______ 
werde indes erwähnt,  dass Verfasser/innen von Artikeln, welche sich 
im Ausland befänden, ihre Autorenschaft in einem notariell beglaubig-
ten Brief bekennen und diesen Brief einreichen müssten. Allenfalls sei 
von  daher  vom  BFF  angenommen  worden,  die  Beschwerdeführerin 
habe so etwas eingereicht. 

Richtig  sei,  dass  B._______  in  seiner  Heimat  zwei  Anwälte  bevoll-
mächtigt  habe,  weshalb einer seiner Anwälte bei  Gericht  sehr rasch 
Einsicht in die ihn betreffenden Akten habe nehmen können und ent-
sprechende Kopien erhältlich gemacht habe. Die Beschwerdeführerin 
habe demgegenüber vor ihrer Ausreise keinen eigenen Anwalt in der 
Türkei bevollmächtigt. Zwar sei in dem als Beweismittel eingereichten 
Informationsschreiben vom _. Januar 2004 der Anwalt P._______ als 
Anwalt  der  Beschwerdeführerin  bezeichnet  worden,  tatsächlich  habe 
sie diesen aber nie bevollmächtigt. Bei P._______ handle es sich viel-
mehr um einen Fachanwalt  für  Verfahren gegen Zeitungen und Zeit-
schriften. Er halte sich seit etwa zwei Monaten in England auf, sei tele-
fonisch aber nie erreichbar. In der Zwischenzeit habe die Beschwerde-
führerin  jedoch  von  der  Schweiz  aus  in  V._______  die 
Rechtsanwältin ... mandatiert. Diese habe nunmehr eine Kopie des Ur-
teils des DGM in V._______ vom _. März 2004 betreffend M._______ 
und N._______ beschafft,  in  welchem die Beschwerdeführerin  – an-
lässlich der Befragung von M._______ (auf Seite 2 des Urteils) – als 
Verfasserin des beanstandeten Artikels benannt worden sei. Die An-
wältin ... habe jedoch kaum die Zeit, sich weitergehend um die Sache 
der  Beschwerdeführerin  zu  kümmern.  Aufgrund  ihrer  Arbeitsauslas-
tung habe sie vorab die Kopien des vorgenannten Urteils beim Schwe-
ren Strafgericht in V._______ beschafft. Im Weiteren habe die Anwältin 
.... erklärt,  dass sie bei Gericht  keine weiteren Unterlagen bezüglich 
eines eröffneten Prozesses gegen die Beschwerdeführerin  gefunden 
habe. 

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Zu beachten sei ferner, dass die Urteile betreffend die Zeitunsartikel 
zum einen von B._______ und zum andern  der  Beschwerdeführerin 
von verschiedenen Abteilungen des DGM in V._______ behandelt wor-
den seien. Nach der Schliessung der DGM im Sommer 2004 seien die 
Prozesse betreffend B._______ und betreffend die Beschwerdeführe-
rin  an  verschiedene  Schwere  Strafgerichte  übergegangen,  weshalb 
gut möglich sei, dass sich die Verfahren von B._______ und der Be-
schwerdeführerin  nicht  auf  dem  gleichen  Stand  befänden,  nämlich 
dass der Prozess gegen die Beschwerdeführerin noch gar nicht eröff-
net worden sei, weshalb noch keine Prozessnummer oder andere Un-
terlagen erhältlich seien. 

Die vorgenannten Umstände änderten jedoch nichts daran, dass die 
Beschwerdeführerin einen Artikel über das neue Reuegesetz geschrie-
ben habe, welches als staatszersetzend beanstandet worden sei, und 
dass ihr Name vor Gericht bekannt gegeben worden sei und Eingang 
in die Gerichtsakten gefunden habe. Dies werde mit dem vorgelegten 
Urteil belegt. Zudem sei sie zur Gerichtsverhandlung am _. Dezember 
2003 vorgeladen worden, um sich dort zu dem Zeitungsartikel zu äu-
ssern. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt jedoch schon in der Schweiz 
befunden habe, habe sie diesen Termin nicht wahrgenommen und sie 
werde jetzt  durch die Polizei  in  V._______ gesucht. Dieser  Umstand 
sei ebenfalls mit den vorgelegten Polizeirapporten bewiesen worden. 

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin ferner die niederlän-
dischen  Flüchtlingsausweise  ihrer  Schwester  J._______  und  ihres 
Ehemannes ein. 

F.
Aus den Akten geht hervor, dass das BFM die eingereichten Beweis-
mittel – namentlich die vorgelegten Gerichts- und Polizeidokumente – 
einer amtsinternen Prüfung unterzog, worauf diesbezüglich keine ob-
jektiven Fälschungsmerkmale festgestellt wurden (act. A20).

G.
Am 15. März 2005 heiratete die Beschwerdeführerin ihren Landsmann 
P._______ , welcher vom BFF mit Verfügung vom 4. Dezember 2002 in 
der Schweiz als Flüchtling anerkannt worden war. 

H.
Mit Verfügung vom 30. März 2005 (eröffnet am folgenden Tag) stellte 
das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigen-

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schaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG,  SR 142.31)  –  also  aufgrund der  von ihr  geltend gemachten 
Gesuchsgründe –  nicht. Gleichzeitig  wurde sie  jedoch als  Flüchtling 
gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG anerkannt – also in die Flüchtlingseigen-
schaft  ihres  Ehemannes  einbezogen  –  und  es  wurde  ihr  auf  dieser 
Grundlage Asyl in der Schweiz gewährt. Auf die Ausführungen der Vor-
instanz wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

I.
Mit  Eingabe vom 2. Mai  2005 erhob die  Beschwerdeführerin  –  han-
delnd durch ihre Rechtsvertreterin  – gegen den Entscheid des BFM 
bei  der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK) Beschwerde. In ihrer Eingabe beantragte sie die Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung, soweit ihr damit die originäre Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 2 und Art. 3 AsylG abgesprochen wurde. 
Als Beweismittel wurde der Internet-Ausdruck eine „Urgent Action“ von 
Amnesty  International  eingereicht. In  prozessualer  Hinsicht  ersuchte 
sie um Erlass der Verfahrenskosten sowie um Befreiung von der Kos-
tenvorschusspflicht. Auf die Beschwerdevorbringen im Einzelnen wird 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

J.
Mit Zwischenverfügung der ARK vom 20. Mai 2005 wurde auf die Er-
hebung  eines  Kostenvorschusses  antragsgemäss  verzichtet  (Art.  63 
Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Für den Entscheid über das Ge-
such  um Erlass  der  Verfahrenskosten  (im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1 
VwVG) wurde auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen. 

K.
In  seiner  Vernehmlassung vom 4. August  2005 hielt  das  BFM unter 
Verweis auf seine bisherigen Erwägungen an der angefochtenen Ver-
fügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

Die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  wurde  der  Beschwerdeführerin 
am 9. August 2005 zur Kenntnis gebracht. 

L.
Mit Eingabe vom 10. April 2006 setzte die Beschwerdeführerin – han-
delnd durch ihre Rechtsvertreterin – die ARK davon in Kenntnis, dass 
sowohl  ihr  Bruder  B._______  als  auch  dessen  Ehefrau  K._______, 
welche  ihrem Ehemann und  ihren  Kindern  am 14. Juni  2004  in  die 

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Schweiz nachgefolgt war, mit Verfügung des BFM vom 28. März 2006 
als  Flüchtlinge  im  Sinne  von  Art.  3  Abs.  1  und  2  AsylG  anerkannt 
wurden und ihnen Asyl gewährt worden war. Die gemeinsamen Kinder 
waren im gleichen Entscheid in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 AsylG 
in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl ihrer Eltern miteinbezogen 
worden.  

M.
Mit Schreiben vom 31. Mai 2007 wurde der Beschwerdeführerin die für 
die Behandlung ihrer Beschwerde zuständige Abteilung des Bundes-
verwaltungsgerichts bekannt gegeben. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  über  Be-
schwerden  gegen Verfügungen  des BFM auf  dem Gebiet  des  Asyls 
(Art.  105 AsylG i.V.m. Art.  31 -  34 des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung  der  am  31.  Dezember  2006  bei  der  ARK  hängig  gewesenen 
Rechtsmittel  übernommen.  Dabei  gelangt  das  neue  Verfahrensrecht 
zur Anwendung (Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessen-
heit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.4 Die  Beschwerdeführerin  ist  legitimiert;  auf  die  frist-  und formge-
recht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  6  AsylG  i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]).

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2.
Die Beschwerdeführerin wurde vom BFM als Flüchtling anerkannt – im 
Rahmen des Einbezuges in die Flüchtlingseigenschaft ihres Eheman-
nes (Art. 51 Abs. 1 AsylG) – und es wurde ihr vom BFM Asyl in der 
Schweiz  gewährt.  Prozessgegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens 
bildet  somit  nicht  die  Frage  der  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigen-
schaft und der Gewährung von Asyl an sich, sondern einzig die Frage 
nach der korrekten Grundlage eines diesbezüglich positiven Entschei-
des. In dieser Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, es sei 
ihr nicht abgeleitet von ihrem Ehemann, sondern originär – also auf-
grund der von ihr geltend gemachten Gesuchsgründe respektive auf-
grund des Bestehens einer eigenen Gefährdungslage im Heimatsstaat 
– die Flüchtlingseingenschaft zuzuerkennen. Obwohl im Falle einer un-
getrennten Ehe faktisch kaum ein Unterschied zwischen der zur Frage 
stehenden originären Flüchtlingseigenschaft und einer bloss abgeleite-
ten,  also  derivativen  Flüchtlingseigenschaft  (nach  Art.  51  Abs.  1 
AsylG) besteht, ist diesbezüglich nach Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts  von einem schützenswerten Interesse an der  korrekten Be-
stimmung der Grundlage der Flüchtlingseigenschaft auszugehen (vgl. 
in diesem Zusammenhang BVGE 2007/19 E. 3.3 [gegen Ende des drit-
ten Absatzes] S. 225 [unten]). 

3.  

3.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt,  wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  wo sie  zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Frei-
heit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tra-
gen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-

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sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.  

4.1 Im angefochtenen Entscheid erkannte das BFM die Vorbringen der 
Beschwerdeführerin teilweise als unglaubhaft, teilweise als flüchtlings-
rechtlich nicht relevant. 

4.1.1 Als unglaubhaft  wurden vom BFM vorab die geltend gemachte 
zweimalige Mitnahme durch Zivilpolizisten und die dabei angeblich er-
littenen  Übergriffe  erklärt.  Dabei  stützte  sich  das  BFM auf  folgende 
Überlegungen: 

Das  Vorbringen  betreffend  zwei  Festnahmen  in  der  Wohnung  ihres 
Bruders  und  anschliessende  Misshandlungen  erscheine  als  nicht 
glaubhaft,  da  zunächst  der  Grund,  weshalb  die  Beschwerdeführerin 
festgenommen worden sein soll,  nicht  nachvollziehbar sei. Angeblich 
habe die Polizei nach B._______ und dessen Ehefrau K._______ ge-
sucht.  Im  Rahmen  seines  Gesuchsverfahrens  habe  allerdings 
B._______  angegeben,  in  diesem  Zeitraum  selbst  etwa  sechs  oder 
sieben Mal festgenommen worden zu sein. Damit sei nicht verständ-
lich, weshalb die Polizei auch die Beschwerdeführerin hätte belästigen 
müssen, zumal sie ja Zugriff auf B._______ gehabt haben soll. Die Be-
schwerdeführerin  ihrerseits  habe  von diesen  sechs  bis  sieben Fest-
nahmen ihres Bruders nichts gewusst, was die geltend gemachte Ver-
folgungssituation grundsätzlich in Frage stelle. 

Nicht nachvollziehbar seien die Schilderungen der Beschwerdeführerin 
zur Dauer der geltend gemachten Festnahmen von sechs bis sieben 
Stunden. Da die Polizei ihr lediglich Vorwürfe gemacht haben soll, wo-
nach ihre Schwägerin  Kurierdienste für  die PKK leiste und dass sie 
alle Terroristen seien, sei nicht nachvollziehbar, was die Polizisten so 
lange mit der Beschwerdeführerin hätten tun sollen. Weder die geltend 
gemachten Beschimpfungen und Belästigungen durch Küsse und un-
sittliche Berührungen könnten die lange Dauer der Festnahmen erklä-
ren. Zudem zeichne sich die Festnahme durch eine lediglich knappe 
Darstellung von elementaren Handlungen aus, welche bei einer Fest-
nahme  zu  erwarten  wäre.  Subjektive  Wahrnehmungen  oder  andere 
Realkenzeichen fehlten  in  den  Schilderungen,  welche insgesamt  als 
unsubstanziiert zu bezeichnen seien. 

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Schliesslich  habe  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Empfangs-
stellenbefragung angegeben, die zweite Festnahme sei kürzer gewe-
sen als die erste. Von sexuellen Belästigungen habe sie ebenfalls nicht 
gesprochen, sondern lediglich von einigen Ohrfeigen. Demgegenüber 
habe sie bei der kantonalen Anhörung angegeben, die zweite Festnah-
me habe länger gedauert als die erste, diese sei mit mehr Übergriffen 
verbunden gewesen als die erste, und bei beiden Festnahmen hätten 
die  erwähnten sexuellen  Misshandlungen  stattgefunden. Damit  habe 
die Beschwerdeführerin die beiden Fest- oder Mitnahmen auch wider-
sprüchlich wiedergegeben. 

Zusammenfassend gelangte  das  BFM zum Schluss,  die  geltend ge-
machten Festnahmen seien unglaubhaft,  weil  die  Aussagen der  Be-
schwerdeführerin zur Ursache und zum Ablauf unsubstanziiert, erfah-
rungswidrig und widersprüchlich seien. 

4.1.2 Zu  den  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  über  ihren 
familiären Hintergrund hielt das BFM fest, dass sich daraus nicht auf 
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungssituation der Beschwer-
deführerin schliessen lasse: 

Die Beschwerdeführerin habe geltend gemacht, dass ihre Familie seit 
längerer Zeit immer wieder von der Polizei unter Druck gesetzt worden 
sei.  Namentlich  seien  ihre  Brüder  B._______,  F._______  und 
E._______ in den Jahren 1993 und 1996 unter Verdacht der PKK-Un-
terstützung in Untersuchungshaft genommen worden, und weitere Ver-
wandte hätten in der Schweiz und im übrigen Europa Asyl  erhalten. 
Diese Verfolgungsmassnahmen, welche sich in erster Linie gegen ihre 
Brüder gerichtet hätten, liessen aber keine ernsthaften Nachteile oder 
Konsequenzen  für  die  Beschwerdeführerin  erkennen. In  diesem Zu-
sammenhang habe sie keine eigenen Festnahmen oder andere direkt 
gegen sie gerichtete Beeinträchtigungen für diese Zeitspanne erwähnt. 
Zudem  lebten  die  direkt  betroffenen  Brüder  noch  in  der  Türkei 
(E._______)  oder  seien  als  Asylbewerber  in  der  Schweiz  abgelehnt 
worden (F._______). Nur das Asylverfahren von B._______ sei  noch 
offen. Zu den übrigen Verwandten, welche in der Schweiz oder im übri-
gen Europa teilweise als Flüchtlinge anerkannt worden seien, bestehe 
keine direkte Verbindung, oder diese hätten die Türkei bereits vor län-
gerer  Zeit  verlassen,  ohne  dass  die  Beschwerdeführerin  ihretwegen 
spezifische Nachteile geltend gemacht hätte. Die in den Jahren 1993 
und 1996 erfolgte Untersuchungshaft ihrer drei Brüder habe im Ausrei-

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sezeitpunkt bereits lange zurückgelegen, ohne dass sie Auswirkungen 
auf  die  Beschwerdeführerin  gehabt  hätte. Es  sei  daher  nicht  davon 
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund von Verfolgungs-
massnahmen, die ihre Angehörige erlitten hätten, von eigenen Verfol-
gungsmassnahmen bedroht gewesen wäre, die über die Schwelle von 
Beeinträchtigungen allgemeiner Natur hinausgegangen wären. Auf je-
den  Fall  sei  keine  eigentliche  Zwangssituation  zu  erblicken,  welche 
das Weiterleben im Heimatstaat verunmöglicht hätte. 

4.1.3 Der geltend gemachten Gefährdungslage aufgrund der Verwick-
lung  in  ein  Strafverfahren  in  Zusammenhang  mit  einem  regimekriti-
schen Zeitungsartikel hielt das BFM folgende Überlegungen entgegen: 

Von  der  Gesuchstellerin  sei  geltend  gemacht  worden,  sie  habe  im 
Sommer 2003 einen Artikel verfasst, der in der Zeitung Yeniden Özgür 
Gündem erschienen sei. Deswegen sei gegen den Chefredaktor und 
den Besitzer der Zeitung ein Strafverfahren eingeleitet worden, in des-
sen  Verlauf  der  Chefredaktor  bekannt  gegeben  habe,  dass  die  Be-
schwerdeführerin die Autorin des Artikels sei. Ihr drohe deshalb in der 
Türkei  ein  Gerichtsverfahren  und  eine  Verurteilung.  Diesbezüglich 
führte das BFM – nach einem Verweis auf die von der Beschwerdefüh-
rerin eingereichten Beweismittel (vgl. oben), auf den Inhalt seiner Zwi-
schenverfügung vom 26. August 2004 (vgl. Bst. D) und auf den Inhalt 
der  diesbezüglichen  Stellungnahme  der  Beschwerdeführerin  vom 
5. November 2004 (vgl. Bst. E) – vorab an, gemäss dem eingereichten 
Gerichtsurteil  (des  DGM in  V._______ vom _. März  2004 betreffend 
M._______ und N._______) seien wegen des angeblich von der Be-
schwerdeführerin verfassten Artikels (einzig) der Chefredaktor und der 
Besitzer der Zeitung verurteilt worden. Bei dieser Sachlage sei davon 
auszugehen, dass vom türkischen Gericht (alleine) diese beiden Per-
sonen für den Artikel verantwortlich gemacht worden seien, und dass 
auf  eine  Anklageerhebung  gegen  die  Beschwerdeführerin  verzichtet 
worden sei. Was das türkische Gericht zu diesem Vorgehen bewogen 
habe, sei nicht bekannt, könne aber offen bleiben, da feststehe, dass 
gegen die Beschwerdeführerin keine Anklage erhoben worden sei. Sie 
habe deshalb keine begründete Furcht zur Annahme, als Autorin des 
Artikels verurteilt zu werden, da bereits zwei andere Personen für die-
se Tat verurteilt worden seien. 

In  seinen weiteren Erwägungen hielt  das BFM dafür,  dass aufgrund 
der vorgelegten Beweismittel zwar nicht von der Hand zu weisen sei, 

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dass das türkische Gericht am _. Oktober 2003 beschlossen habe, die 
Beschwerdeführerin  vorzuladen,  nachdem der Chefredaktor  während 
der Verhandlung sie als Autorin bezeichnet habe. Indes sei sie in der 
Folge als Zeugin und nicht als Beschuldigte oder Angeklagte vorgela-
den worden. Weiter sei nicht sicher, ob sie sich wegen der Nichtbefol-
gung der Vorladung zu verantworten habe, da ihr die Vorladung infolge 
Auslandabwesenheit nicht habe zugestellt werden können. Wohl habe 
die Polizei  ihres gemeldeten Wohnortes zuhanden des Gericht  ihren 
Aufenthalt nachgeforscht. Dennoch bedeute der Umstand, dass sie im 
Falle einer Rückkehr in die Türkei die nicht befolgte Vorladung als Zeu-
gin möglicherweise zu erklären hätte, nicht automatisch, dass ihr da-
mit ernsthafte Nachteile von asylbeachtlichem Ausmass bevorständen. 
Diesbezüglich wurde vom BFM unter Verweis auf die  Praxis in türki-
schen  Presseverfahren  darauf  hingewiesen,  dass  in  letzter  Zeit  von 
angeklagten Redaktoren – da ihnen im Unterlassungsfall eine Bestra-
fung drohe – Personen als Autoren angegeben worden seien, welche 
nicht unbedingt auch die tatsächlichen Verfasser der betroffenen Arti-
kel gewesen seien. Die angeblichen Autoren würden sich in der Regel 
im  Ausland  befinden  und  seien  daher  für  die  türkischen  Strafverfol-
gungsbehörden nicht greifbar. Dieses Vorgehen führe dazu, dass zum 
einen die tatsächlichen Verfasser nicht  belangt  würden und zum an-
dern die angeblichen Autoren damit in ihrem Aufenthaltsstaat subjekti-
ve Nachfluchtgründe setzen könnten und dadurch möglicherweise ein 
Bleiberecht erhielten. Das BFM schloss, dass diese Umstände mittler-
weile auch den türkischen Sicherheits- und Justizbehörden hinlänglich 
bekannt sein sollten. 

Unter Verweis auf die Akten (act. A10, S. 24 und 25) führte das BFM 
schliesslich an, die Beschwerdeführerin sei anlässlich der kantonalen 
Anhörung nicht in der Lage gewesen, den Inhalt des angeblich von ihr 
verfassten Artikels wiederzugeben oder zu erklären. Weiter  habe sie 
den angeblich mit Bleistift verfassten Artikel per Post an eine ihr nicht 
mehr  bekannte  Adresse  geschickt,  im  Weiteren  weder  zur  Zeitung 
noch zum Chefredaktor persönlichen Kontakt gehabt und schliesslich 
habe sie auch nur ein einziges Mal  einen Artikel  verfasst,  der  auch 
gleich abgedruckt worden sei. Abweichend davon habe sie anlässlich 
der Empfangsstellenbefragung erklärt  (act. A1, S. 5 und 6), sie habe 
mehrere Artikel verfasst und an Zeitungen geschickt, und ferner ange-
geben,  der  Artikel  sei  am _. Juli  2003 erschienen,  obwohl  dieser  in 
Wirklichkeit am _. August 2003 erschienen sei. Zudem habe sie ange-
geben, dass es ihr Bruder G._______ gewesen sei, welcher den Be-

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hörden gegenüber  bekannt  gegeben habe,  dass  sie  die Autorin  sei. 
Vor  diesem Hintergrund  –  zufolge  von  Widersprüchen  und  mangels 
Substanziierung – sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe-
rin den Artikel nicht verfasst habe, sondern es sich vielmehr um eine 
Konstellation handle, wo – wie oben ausgeführt – eine im Ausland be-
findliche Person als Autor bezeichnet werde oder die Verantwortung in 
Form  eines  Bekennerschreibens  übernehme.  In  diesem  Zusammen-
hang erwog das BFM des Weiteren, dass auch den türkischen Justiz-
behörden nicht verborgen geblieben sein könne, dass die Beschwer-
deführerin über keinerlei journalistisches Profil oder Erfahrung verfüge 
und kaum in der Lage gewesen sein dürfte, den Artikel selbst zu ver-
fassen. Die türkische Justiz sei sich bewusst, dass derartige Fälle ei-
ner  Selbstbezichtigung  weniger  auf  eine  staatskritische  Haltung  zu-
rückzuführen sei, sondern vielmehr dazu diene, im Ausland ein Aufent-
haltsrecht zu erwirken. Vor diesem Hintergrund dürfe gemäss BFM da-
von  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  den  türki-
schen Behörden die Situation entsprechend darlegen könnte und sie 
von den Sicherheitsbehörden dadurch nichts zu befürchten hätte. Zu-
dem habe das Verfahren in  Zusammenhang mit  dem Artikel  mit  der 
Verurteilung  des  Chefredaktors  seinen  Abschluss  gefunden  und  die 
Beschwerdeführerin habe offenbar bisher kein Bekennerschreiben ver-
fasst. Der Umstand, dass der Chefredaktor verurteilt  worden sei,  sei 
möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die türkischen Behörden 
gar nicht von der tatsächlichen Urheberschaft der Beschwerdeführerin 
ausgegangen seien. 

Zusammenfassend schloss das BFM, dass die Beschwerdeführerin – 
obwohl  ihr  Name  in  Zusammenhang  mit  einem  beanstandeten  Zei-
tungsartikel  gebracht  worden  sei  –  bei  objektiver  Betrachtung  keine 
begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen habe. 

4.2 In ihrer Beschwerdeeingabe hielt die Beschwerdeführerin an ihren 
Gesuchsvorbringen fest und bestritt die vorinstanzlichen Erwägungen 
betreffend  die  Unglaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Mitnahmen 
sowie die mangelnde flüchtlingsrechtliche Relevanz ihrer weiteren Ge-
suchsvorbringen.

4.2.1 Den Erwägungen des BFM betreffend die Unglaubhaftigkeit der 
geltend  gemachten  Mitnahmen  durch  Zivilpolizisten  hielt  die  Be-
schwerdeführerin zur Hauptsache das Folgende entgegen: 

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Das Ziel der polizeilichen Suche in der Wohnung seien die Ehegatten 
B._______ und K._______ gewesen. Die Polizei habe diese Personen 
überwachen wollen, weil insbesondere K._______ verdächtigt worden 
sei,  zugunsten  ihres  Bruders  L._______  und  seines  Freundes 
O._______ Kurierdienste geleistet  und die beiden Gesuchten beher-
bergt  zu  haben. B._______  sei  ebenfalls  gesucht  worden,  und zwar 
weil  er  verschiedene  Artikel  verfasst  habe,  die  zu  Anzeigen  geführt 
hätten, und um über ihn an seine Ehefrau zu gelangen. Beide Eheleu-
te hätten im Verdacht gestanden, sich für L._______ und O._______ 
als  Fluchthelfer  betätigt  zu  haben; L._______ sei  entlassen worden, 
hätte aber noch überwacht werden sollen, und O._______ hätte noch 
eine längere  Strafe zu  verbüssen gehabt. Beide seien jedoch in  die 
Schweiz geflüchtet und hätten hier relativ rasch Asyl erhalten. Dabei 
habe  K._______  deren  Identitätsausweise  gegen  Quittung  auf  die 
Schweizerische  Vertretung  in  V._______  gebracht,  worauf  sie  nach 
Verlassen der Botschaft von den türkischen Sicherheitskräften festge-
nommen worden sei. Vor diesem Hintergrund hätten die türkischen Si-
cherheitskräfte tatsächlich ein Interesse an K._______ gehabt,  diese 
habe sich aber durch Untertauchen der weiteren Überwachung entzo-
gen und sie sei während der 6 Monate, als die Beschwerdeführerin ih-
ren Haushalt betreut habe, nie erwischt worden. Von daher habe sehr 
wohl  ein  Grund  bestanden,  die  Beschwerdeführerin  unter  Druck  zu 
setzen,  so  dass  sie  verraten  würde,  wo  sich  K._______  und 
B._______ aufhielten. 

Die vom BFM vorgebrachte Tatsache, dass B._______ sechs oder sie-
benmal verhaftet worden sei, ändere nichts daran, dass die Beschwer-
deführerin nach dessen Verbleib befragt worden sei. Von den Sicher-
heitskräften  sei  versucht  worden,  über  die  Beschwerdeführerin  an 
K._______ und B._______ heranzukommen, da ja anzunehmen gewe-
sen sei, dass diese mit ihren Kindern Kontakt hatten. Sinn der Mitnah-
men sei  die Einschüchterung der Beschwerdeführerin  gewesen, was 
schliesslich auch funktioniert habe, habe sie doch beim dritten Mal, als 
ihr erneut eine Mitnahme angedroht worden sei, den Aufenthaltsort ih-
res Bruders bekannt gegeben, worauf dieser bei seinen Eltern zusam-
men mit  seinem Bruder  G._______  verhaftet  worden  sei.  In  diesem 
Punkt hätten alle Personen übereinstimmende Aussagen gemacht. 

Im Weiteren hätten sowohl die Beschwerdeführerin als auch die Kinder 
C._______ und D._______ übereinstimmend über die beiden Festnah-
men der Beschwerdeführerin berichtet. Die Nichte C._______ sei an-

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lässlich der zweiten Festnahme ihrer Tante geohrfeigt worden, worüber 
in allen Befragungen berichtet worden sei. Der Umstand, dass das jün-
gere Kind D._______ von etwa vier Festnahmen seiner Tante gespro-
chen habe, sei aufgrund der Umstände – seines Alters, der brutalen 
Durchsuchungen und der beängstigenden Festnahme – als normal zu 
erachten. Zweck sei schliesslich auch die Einschüchterung der Kinder 
gewesen, damit sich diese nicht gegen den Staat und dessen Sicher-
heitskräfte stellten. 

Die  Beschwerdeführerin  habe  ferner  die  Festnahmen  anlässlich  der 
Empfangsstellenbefragung und der kantonalen Anhörung zeitlich ein-
deutig eingeordnet; die erste sei  zwei Monate vor der Ausreise, also 
Anfang September, und die  zweite  einen Monat  vorher,  also  Anfang 
Oktober erfolgt. Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz seien die 
Beschreibungen der  Beschwerdeführerin  nicht  unsubstanziiert  gewe-
sen, sondern es lägen durchaus Realkennzeichen in den Schilderun-
gen vor. In diesem Zusammenhang verwies sie auf ihre zeitlichen Ein-
ordnungen  der  Ereignisse,  ihre  Beschreibungen  über  die  Durchsu-
chungen der Wohnung sowie die weiteren Umstände der geltend ge-
machten Mitnahmen. In Zusammenhang mit dem vorinstanzlichen Vor-
halt,  sie  habe die  Dauer der Mitnahmen unterschiedlich  angegeben, 
verwies sie auf ihre Angaben zur jeweiligen Dauer der Autofahrten und 
zur  Dauer  der  sogenannten  „Verhöre“;  unter  Beachtung  beider  Ele-
mente – beim ersten Mal eine lange Autofahrt und eine kürzere Befra-
gung, beim zweiten Mal eine kürzere Autofahrt und eine lange Befra-
gung – ergäben sich keine Widersprüche in ihren Ausführungen. Fer-
ner habe sie detailliert über ihre Behandlung und auch über die durch 
die sogenannten „Befragungen“ erlittenen Verletzungen berichtet (Fle-
cken  im  Gesicht  von  Ohrfeigen,  Hämatome an  den  Beinen  und  am 
ganzen Körper sowie Knutschflecken am Hals). Schliesslich sei  es – 
anders als vom BFM erwogen – bei den Mitnahmen nicht um die Vor-
würfe gegangen, welche der Beschwerdeführerin gemacht worden sei-
en,  sondern  das Verhör habe der Einschüchterung gedient,  mit  dem 
Ziel,  Informationen  über  den  Aufenthaltsort  und  die  Tätigkeiten  von 
K._______  und  B._______  zu  erhalten.  Die  sogenannten  „Verhöre“ 
hätten zudem sicherlich der Verlustierung der Befrager gedient, da es 
sich bei der Beschwerdeführerin um eine junge und schöne Frau hand-
le. Sie sei  zweifelsohne sexuell gefoltert  worden, und es sei ihr sehr 
deutlich mit Vergewaltigung gedroht worden. Diese „Spiele“ hätten si-
cher mehrere Stunden andauern können. 

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Der  vorinstanzliche  Vorhalt,  dass  die  Beschwerdeführerin  „lediglich 
eine knappe Darstellung von elementaren Handlungen gegeben hat, 
welche  bei  einer  Festnahme  oder  Mitnahme  zu  erwarten  sind“,  be-
zeichnete  sie  zusammenfassend  als  völlig  unzutreffend.  Richtig  sei, 
dass  sie  über  subjektive  Wahrnehmungen  berichtet  habe  und  ihren 
Schilderungen  Realkennzeichen zu entnehmen seien. Dabei  machte 
sie unter Verweis auf spezifische Aktenstellen geltend, es lägen Schil-
derungen vor über das Aussehen der Männer, Angaben zu den Orten 
ihrer  Freilassung,  Aussagen über  die erlittene Behandlung (Schlage, 
Treten, Küssen, Anfassen und drohen mit Vergewaltigung und Tod) und 
Beschreibungen  ihres  Zustandes  und  ihres  persönlichen  Verhaltens 
nach ihrer Entlassung.

Schliesslich  wurde geltend gemacht,  der  jungen Beschwerdeführerin 
sei  sexuelle Gewalt  angetan worden,  wogegen sie sich zur Wehr zu 
setzen versucht habe, gegen die Gewalt aber nicht angekommen sei. 
Das Ganze habe ihrer Einschüchterung gedient, um von ihr Informatio-
nen über  ihre  Schwägerin  und ihren Bruder  zu  erhalten. Wenn vom 
BFM erwogen worden sei,  über sexuelle  Gewalt  habe sie anlässlich 
der Empfangstellenbefragung nicht berichtet, so würden damit ihre An-
gaben nicht  vollständig wiedergegeben und es werde zudem ausge-
blendet, dass anlässlich der Kurzbefragung der Übersetzer ein Mann 
gewesen,  wogegen die einlässliche Anhörung durch ein Frauenteam 
erfolgt sei. 

Zusammenfassend führte die Beschwerdeführerin an, ihre Vorbringen 
zu  den  beiden  Festnahmen  seien  weder  unsubstanziiert,  noch  er-
fahrunswidrig,  noch widersprüchlich,  sondern – da sie sich auch mit 
den Aussagen der Nichte und des Neffen deckten – glaubwürdig. Ihre 
Aussagen seien sodann offensichtlich auch asylrelevant. 

4.2.2 Der vorinstanzlichen Feststellung, der familiäre Hintergrund der 
Beschwerdeführerin lasse nicht auf eine flüchtlingsrechtlich relevante 
Verfolgungssituation  schliessen,  hielt  die  Beschwerdeführerin  entge-
gen, dass ihre Familie für die türkische Polizei seit über 10 Jahren zu 
den Feinden gehöre, welche die PKK unterstütze und somit Terroristen 
seien. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Herkunft ihrer Fa-
milie  aus einem berüchtigten Dorf  im Bezirk  Elbistan in  der  Provinz 
Kahraman  Maras,  welches  einen  kurdisch  alevitischen  Hintergrund 
aufweise und seit dem Militärputsch 1980 viele Oppositionelle hervor-
gebracht habe. Im Weiteren verwies sie auf die Verhaftung ihrer Brüder 

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B._______  und  F._______  im  Jahre  1993  in  X._______; die  beiden 
seien  damals  der  Hilfe  an  die  PKK  bezichtigt  und  schwer  gefoltert 
worden.  Aufgrund  andauernden  Drucks  habe  sich  die  Familie 
schliesslich zu einem Umzug nach V._______ entschlossen, wobei es 
aber  auch  dort  immer  wieder  zu  Festnahmen  und  Misshandlungen 
gekommen sei. Daneben äusserte sich die Beschwerdeführerin zu der 
Familie  ihrer  Schwägerin K._______, welche aus dem gleichen Dorf 
stamme und  noch  stärker  am  Befreiungskampf  der  Kurden  beteiligt 
gewesen sei. Einer der Brüder von K._______ sei als Guerilla gefallen 
und  ein  weiterer  habe  sich  ebenfalls  der  Guerilla  angeschlossen; 
K._______, dessen Brüder und der Vater lebten nun als Flüchtlinge in 
der Schweiz. Zum Bruder L._______ führte sie ferner an, dass dieser 
rund  10  Jahre  im  Gefängnis  verbracht  habe,  nur  weil  er  an  der 
Universität Flugblätter verteilt und an Demonstrationen teilgenommen 
habe.  

Zusammenfassend  machte  die  Beschwerdeführerin  geltend,  sie  sei 
aufgrund beider Familien verdächtigt  worden,  habe daher unter  sehr 
hohem Druck gestanden und sei anlässlich ihrer Festnahmen als Fein-
din behandelt worden. Zudem treffe nicht zu, dass die Festnahmen ih-
rer Brüder in den Jahren 1993 und 1996 keine Auswirkungen auf sie 
gehabt hätten. Sie habe von frühester Jugend an Polizeiüberfälle auf 
ihr Zuhause, Beschimpfungen und Drohungen sowie die von ihren Brü-
dern  erlittene Folter  miterleben müssen. Vor diesem Hintergrund sei 
ihre Angst, als sie selber mitgenommen worden sei, viel grösser gewe-
sen. Ihre Furcht vor zukünftiger Verfolgung sei damit auf jeden Fall be-
gründet und asylrelevant. 

4.2.3 Den  Feststellungen  der  Vorinstanz  betreffend  die  mangelnde 
flüchtlingsrechtliche  Relevanz  der  geltend  gemachten  Verwicklung  in 
einen Strafverfahren aufgrund der  Publikation eines regimekritischen 
Artikels hielt sie das Folgende entgegen: 

Zwar treffe zu, dass – wie mit dem eingereichten Urteil bewiesen – der 
Prozess  mit  der  Bestrafung  von  Besitzer  und  Chefredaktor  abge-
schlossen worden sei und dass sie in dem Verfahren als Zeugin gela-
den und gesucht worden sei. Bei allen weiteren Erwägungen, welche 
von  der  Vorinstanz  bezüglich  der  Verfasserin  des  Artikels  gemacht 
würden, handle es sich jedoch um reine Spekulationen. So habe die 
Ausreise der Beschwerdeführerin am _. Oktober 2003 und ihre Bezich-
tigung durch den Chefredaktor am _. Oktober 2003 [zweit Tage später] 

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so nahe beeinander gelegen, dass nicht behauptet werden könne, von 
angeklagten Redaktoren würden nach einiger Zeit angebliche Autoren 
benannt, welche sich im Ausland befänden, um diesen so einen Asyl-
grund  zu  verschaffen  und  gleichzeitig  die  tatsächlichen  Autoren  zu 
schützen. Gemäss dem Urteil habe der Angeklagte M._______ auf je-
den  Fall  die  Verantwortung  für  den  Artikel  abgelehnt  und  die  Be-
schwerdeführerin als Verfasserin bezeichnet. Er sei dann doch bestraft 
worden,  mit  der  Begründung,  durch die Publikation  der  KADEK res-
pektive der PKK zu Publizität verholfen zu haben. 

Im Weiteren sei unzutreffend, dass sie den Inhalt des Artikels nicht an-
gegeben habe. Vielmehr sei sie von der Dolmetscherin überhaupt nicht 
verstanden worden,  und habe auch nicht  verstanden werden wollen, 
um was es darin gegangen sei. Unter Verweis auf den Inhalt des Arti-
kels und das Reuegesetz machte sie geltend, sie habe eindeutig ge-
wusst, um was es gegangen sei und was sie geschrieben habe. 

Abschliessend führte sie an, es sei – anders als vom BFM erwogen – 
nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, dass sie im Falle 
einer Rückkehr in die Türkei zu diesem Artikel verhört und angeklagt 
werde. Mithin hätten Prozesse gegen Journalisten und die Presse wie-
der zugenommen, seit  sich die Lage in  der  Türkei wieder verschärft 
habe. 

4.2.4 Zusammenfassend führte die Beschwerdeführerin zu den Grün-
den für ihr Asylgesuch an, sie habe anlässlich der zwei Festnahmen 
mit  massiver  sexueller  Gewalt  Reflexverfolgung  erlitten,  weil  ihre 
Schwägerin gesucht worden sei und sich ihr Bruder der Überwachung 
entzogen habe. Hinzugekommen sei der Artikel über das Reuegesetz, 
in dessen Zusammenhang ihr eine Befragung, ein Prozess und eine 
empfindliche Strafe gedroht hätten. Diese Sachverhaltsumstände sei-
en vom BFM unrichtig und unvollständig festgestellt worden, was ge-
rügt werde. 

Da sie bereits Verfolgung erlitten habe, indem sie zweimal mitgenom-
men und sexueller Gewalt ausgesetzt worden sei, und da sie ferner im 
Falle  einer  Rückkehr  ohne Schwägerin  und Bruder  mit  hoher  Wahr-
scheinlichkeit mit einer Reflexverfolgung rechnen müsse, erfülle sie die 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 2 und 3 AsylG. 

4.3 Nach Einladung zum Schriftenwechsel und nach einmaliger Fris-
terstreckung verzichtete das BFM darauf, auf die Beschwerdevorbrin-

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gen einzugehen und hielt unter Verweis auf seine bisherigen Erwägun-
gen an der angefochtenen Verfügung fest. 

4.4 In  der  Eingabe  vom  10.  April  2006  wurde  von  Seiten  der  Be-
schwerdeführerin  vorab auf  die  erfolgte Asylgewährung im Falle  des 
Bruders B._______ und der Schwägerin K._______ verwiesen. Damit 
sei eine weitere Familie aus dem Dorf Günalti in Elbistan als Flüchtling 
anerkannt worden. In der Türkei sei der gegen B._______ angehobene 
Prozess in Zusammenhang mit einem von ihm verfassten Artikel nach 
wie vor offen. Mit  dem positiven Asylentscheid im Falle des Bruders 
und der Schwägerin sei erwiesen, dass deren Vorbringen der Wahrheit 
entsprochen hätten. Dies bedeute ferner, dass auch die Vorbringen der 
Beschwerdeführerin der Wahrheit  entsprächen, da sie in der schwie-
rigsten  Zeit  vor  der  Ausreise  den  Haushalt  ihres  Bruders  und  ihrer 
Schwägerin besorgt habe. In ihren weiteren Ausführungen bekräftigte 
sie  ihre  Gesuchs-  und Beschwerdevorbringen,  verwies  auf  eine Ver-
schlechterung der Lage in der Türkei sowie auf einen publizierten Ent-
scheid der ARK bezüglich der Repression von Angehörigen von PKK-
Aktivisten  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21). Unter  Verweis  auf  ein 
Gutachten von Amnesty International betreffend die Frage der Rechts-
staatlichkeit politischer Verfahren in der Türkei merkte sie an, dass der 
Druck auch auf einfache Personen ganz enorm sei und es im Falle von 
Foltervorwürfen  meist  zu  keinen  Verfahren  gegen  Polizisten  komme, 
oder dann aber zu Verfahrensverschleppungen bis zur Verjährung. 

5.

5.1 Aufgrund  der  Akten  ist  festzustellen,  dass  die  Erwägungen  der 
Vorinstanz – trotz ihrer  Ausführlichkeit  – in wesentlichen Punkten zu 
kurz greifen. In gewissen Punkten gehen sie aufgrund der Akten klar 
fehl. Die Beschwerdevorbringen sind vor diesem Hintergrund über wei-
te Strecken als begründet zu erkennen, auch wenn sie – wie nachfol-
gend aufgezeigt – nicht hinsichtlich jeder Frage zu bestätigen sind. 

5.2 Das BFM hält der Beschwerdeführerin entgegen, die geltend ge-
machte Dauer der angeblichen Festnahmen sei nicht nachvollziehbar, 
ihre  Schilderungen  würden sich  zudem  in  knappen  Darstellung  von 
elementaren  Handlungen  erschöpfen,  welche  bei  einer  Festnahme 
(ohnehin) zu erwarten wäre, und ihre Schilderungen liessen subjektive 
Wahrnehmungen  oder  andere  Realkenzeichen  missen.  Diese  Ein-
schätzung ist  aufgrund der aktenkundigen Anhörungsprotokolle  nicht 

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zu teilen. Aus den Akten geht vielmehr hervor, dass die Beschwerde-
führerin im Zusammenhang mit den geltend gemachten Mitnahmen zu 
Schilderungen in der Lage war, welche sowohl einen nachvollziehba-
ren Detailreichtum als auch ein überzeugendes Gesamtbild aufweisen. 
Widersprüche im Sinne der vorinstanzlichen Erwägungen – so angeb-
lich hinsichtlich der Dauer der ersten und der zweiten Mitnahme – sind 
bei  einer  korrekten Auseinandersetzung mit  den vorliegenden Anga-
ben nicht ersichtlich; in dieser Hinsicht wird in der Beschwerdeeingabe 
zu Recht auf die präzisen und mit sich durchaus vereinbaren Angaben 
zu Fahrzeiten und Befragungsdauer verwiesen. Von grösserer Bedeu-
tung  erscheint  indes,  dass  die  Beschwerdeführerin  –  unterlegt  mit 
diversen zeitlichen und örtlichen Detailangaben – durchaus zu einer 
nachvollziehbaren Darlegung subjektiver Wahrnehmungen in der Lage 
war. Ihre  Schilderungen spiegeln  dabei  sehr  deutlich  ein  Gefühl  der 
Auslieferung  wider,  ohne  dass  im  Sachverhaltsvortrag  überzogene 
Elemente  eingebracht  werden. Als  Hinweis  auf  ein  tatsächliches  Er-
leben – also als Realkennzeichen im Sinne der Vorinstanz – darf bei-
spielsweise durchaus zu erkennen sein, wenn die Beschwerdeführerin 
beschreibt,  dass sie sich zwar gewehrt  habe, gegen einen tatsächli-
chen Vergewaltigungsversuch jedoch chancenlos gewesen wäre. Auch 
ist die Beschwerdeführerin offenbar mehrmals in Tränen ausgebrochen 
und es finden sich keine Hinweise darauf, dass diese nur gespielt ge-
wesen wären. Zusammenfassend ist aufgrund der vorliegenden Proto-
kolle  festzustellen,  dass  die  Angaben  und  Ausführungen  der  Be-
schwerdeführerin  durchaus für  ein tatsächliches Erleben der geltend 
gemachten  zweimaligen  Mitnahme  durch  Zivilpolizisten  im  Herbst 
2003 sprechen. 

5.3 Ebenso wenig nicht zu überzeugen vermag die Vorinstanz, wenn 
sie festhält, das Vorgehen der Behörden sei nicht realistisch. Es ist no-
torisch,  dass  Familienangehörige  von gesuchten  oder  auch nur  ver-
dächtigten Personen willkürlich und systematisch unter Druck gesetzt 
werden.  Dass  insbesondere  die  Beschwerdeführerin  Opfer  solcher 
Übergriffe  wurde,  erscheint  natürlich,  hat  sie  sich  doch im Haushalt 
des Bruders aufgehalten und die Kinder gehütet. Jedenfalls konnte die 
Ehefrau des Bruders nie verhaftet werden und auch der Bruder blieb 
trotz einzelner Verhaftungen untergetaucht. Dass die türkischen Behör-
den unter diesen Umständen Druck auf die Beschwerdeführerin aus-
übten, erscheint nachvollziehbar. Nicht ganz unberechtigt ist allerdings 
der Einwand, dass die Kinder sich auch zu den Grosseltern hätten be-
geben können und die Beschwerdeführerin dadurch zweifellos weniger 

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gefährdet  gewesen  wäre.  Daraus  aber  bereits  die  Unglaubhaftigkeit 
aller Vorbringen abzuleiten, ginge wohl zu weit. 

In  seinen  Erwägungen  zur  angeblich  mangelnden  flüchtlingsrechtli-
chen Relevanz des familiären Hintergrundes der Beschwerdeführerin 
wird vom BFM zu stark in den Hintergrund gerückt,  dass tatsächlich 
mehrere Geschwister der Beschwerdeführerin in der Türkei Verfolgung 
erlitten  haben  und  einige  von  ihnen  in  der  Zwischenzeit  aus  ihrer 
Heimatstaat ausgereist  sind und im Ausland aufgrund erlittener oder 
noch befürchteter  Nachteile Asyl erhalten haben. Dem BFM ist  zwar 
zuzustimmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  aus  den  Ereignissen  in 
den Jahren 1993 und 1996 konkret  nichts  für  sich ableiten  kann. In 
dieser Hinsicht wurde jedoch von ihr im Rahmen des erstinstanzlichen 
Verfahrens auch gar nichts anderes behauptet. Ihre Ausführungen zu 
den Nachteilen, welche ihre Angehörigen in der Vergangenheit erlitten 
haben, nahmen in ihrem Sachverhaltsvortrag kaum Raum ein und sind 
vorab als einfache Erklärung zu ihren persönlichen Verhältnissen und 
ihrem Umfeld zu verstehen. Insofern geht das BFM fehl, wenn es der 
Beschwerdeführerin  in  seinen  Erwägungen  Elemente  entgegen  hält 
(namentlich die Verhaftung ihrer Brüder in den Jahren 1993 und 1996), 
welche  die  Beschwerdeführerin  selbst  gar  nicht  als  fluchtauslösend 
genannt hat.

Zum heutigen Zeitpunkt ist im Weiteren festzustellen dass die Ausfüh-
rungen des BFM zu den Brüdern der Beschwerdeführerin als überholt 
zu bezeichnen sind. Ihrem Bruder B._______ und seiner Schwägerin, 
auf deren Verfolgung sich auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin 
stützen, wurde am 28. März 2006 in der Schweiz Asyl  gewährt. Der 
Umstand,  dass  der  Bruder  und seine Ehefrau ihre  Flüchtlingseigen-
schaft glaubhaft machen konnten, spricht angesichts des engen sach-
lichen Zusammenhanges für die Glaubwürdigkeit der Beschwerdefüh-
rerin. Auch betreffend ihren Bruder F._______ liegt – anders als vom 
BFM vormals erwogen – kein rechtskräftiger negativer Asylentscheid 
vor. Zwar wurde dessen Asylgesuch vom BFM abgewiesen, wie in der 
Folge auch eine Beschwerde gegen diesen Entscheid, indes wurde – 
nach  Gutheissung  eines  Revisionsgesuches  –  das  F._______ 
betreffende  Asylbeschwerdeverfahren  wieder  aufgenommen;  dieses 
Verfahren ist nach wie vor pendent.

5.4 Trotz  gewisser  Zweifel  und  Einwände  ist  im  Rahmen  einer  Ge-
samtbetrachtung festzustellen,  dass die Vorbringen der Beschwerde-

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führerin, sie habe wegen ihres Bruders und dessen Ehefrau im Sinne 
einer Reflexverfolgung ernsthafte Nachteile erlebt und im Zeitpunkt der 
Ausreise  auch  weitere  Übergriffe  in  begründeter  Weise  befürchtet, 
überwiegend  glaubhaft  sind.  Objektiv  betrachtet  überwiegen  vorlie-
gend die Gründe, die für die Richtigkeit des dargestellten Sachverhalts 
sprechen, deutlich (vgl. EMARK 1994 Nr. 5).   

5.5 Hinzu  kommt  schliesslich,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ein 
Strafverfahren im Zusammenhang mit  einem regimekritischen Artikel 
verwickelt ist.

Zwar ist mit den diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz einig zu 
gehen, dass Zweifel insoweit bestehen, ob die Beschwerdeführerin tat-
sächlich Autorin des besagten Artikels ist. Anders als zu ihrem Enga-
gement für  die HADEP – auf  welches sie mit  einem gewissen Stolz 
verwies und diesbezüglich auch um eine möglichst genaue Erklärung 
ihrer Tätigkeiten bemüht war – konnte sie zum angeblich von ihr ver-
fassten  Zeitungsartikel  kaum  eine  schlüssige  Herleitung  zu  dessen 
Entstehung  machen. Das  Beschwerdevorbringen,  der  Inhalt  und  die 
Bedeutung  des  Artikels  seien  der  Beschwerdeführerin  durchaus  be-
kannt  gewesen,  zufolge mangelhafter  Übersetzung aber nicht  hinrei-
chend  deutlich  gemacht  worden,  vermag im Resultat  nicht  recht  zu 
überzeugen. Die Frage der tatsächlichen Urheberschaft ändert aber im 
Ergebnis  nichts  an dem Umstand,  dass die Beschwerdeführerin  den 
türkischen  Behörden  im  Zusammenhang  mit  diesem regimkritischen 
Artikel  bekannt  wurde. Die  diesbezüglichen  Erwägungen der  Vorins-
tanz,  die  Beschwerdeführerin  hätte  dennoch  nichts  zu  befürchten, 
scheinen dabei recht hypothetisch und allzu optimistisch. Zwar dürften 
die Beschreibungen des BFM über das Verhalten von Angeschuldigten 
in türkischen Presseverfahren, respektive die von ihnen häufig verfolg-
te Verteidigungsstrategie – die Benennung einer im Ausland befindli-
chen Person als Autor – als allgemeine Beobachtung eine gewisse Be-
rechtigung haben. Für den Einzelfall lassen sich daraus jedoch kaum 
gesicherte Schlüsse ziehen, zumal es sich bei der Beschwerdeführerin 
um eine Person handelt,  die wie oben festgestellt  aus einer politisch 
aktiven und verfolgten Familie stammt und die selbst bereits Reflexver-
folgung erlitten hat. 

Aufgrund  der  vorgelegten  Beweismittel  (insbesondere  das  Ge-
richtsprotokoll vom _. Oktober 2003) – welche vom BFM nicht in Zwei-
fel gezogen wurden – ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin im Rah-

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men eines Strafverfahrens vom Angeschuldigten M._______ – der in-
zwischen seinerseits als Flüchtling in der Schweiz lebt – als Verfasse-
rin eines zur Anklage gebrachten Artikels genannt wurde. Aufgrund der 
vorgelegten Beweismittel ist im Weiteren erstellt, dass die Beschwer-
deführerin  in  der  Folge davon auf  Antrag der Staatsanwaltschaft  als 
Zeugin  vorgeladen  wurde  und,  nach  ihrem Nichterscheinen  vor  Ge-
richt, das Objekt polizeilicher Nachforschungen war. In diesem Zusam-
menhang muss als  reine Spekulation  zurückgewiesen werden,  wenn 
das BFM sinngemäss anführt, aus Sicht der türkischen Justiz dürfte ei-
ner zu Unrecht erfolgten Selbstbezichtigung wohl kaum Bedeutung zu-
kommen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführe-
rin aufgrund des Strafverfahrens, indem sie zumindest als Zeugin vor-
geladen worden war, im Falle der Wiedereinreise zusätzlich mit Proble-
men zu rechnen hätte. 

5.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 
aus einer Familie stammt, welche in der Vergangenheit mit dem türki-
schen Staat massiv in Konflikt geraten ist. Aufgrund ihrer Ausführun-
gen ist  davon auszugehen,  dass sie  im Herbst  2003 das Opfer  von 
Verfolgungs- respektive massiven Einschüchterungsmassnahmen wur-
de. Bereits im Zeitpunkt der Ausreise erfüllte die Beschwerdeführerin 
damit die Flüchtlingseigenschaft, da sie die Drohungen seitens der Be-
hördenmitglieder, sie werde vergewaltigt oder getötet, angesichts ihres 
familiären  Hintergrundes  ernst  nehmen  musste.  Schliesslich  ist  der 
Name der  Beschwerdeführerin  zudem in  einem politisch  motivierten 
Presseverfahren aufgetaucht. Unabhängig davon, ob die Beschwerde-
führerin tatsächlich Autorin des besagten Artikels war - woran gewisse 
Zweifel bestehen - müsste die Beschwerdeführerin im Falle einer Wie-
dereinreise zweifellos mit  weiteren Nachteilen in diesem Zusammen-
hang rechnen. Die geltend gemachte Gefährdungslage im Sinne einer 
drohenden Reflexverfolgung ist demnach bei einer Gesamtbetrachtung 
sowohl des familiären Hintergrundes der Beschwerdeführerin und ih-
res  eigenen,  indes  kleinen  politischen  Engagements  zugunsten  der 
HADEP, insbesondere aber der von ihr bereits erlittenen Nachteile so-
wie der Möglichkeit der Verwicklung in ein politisch motiviertes Straf-
verfahren (Presseverfahren) als  überwiegend glaubhaft  zu erkennen. 
Bei den geltend gemachten Übergriffen handelt es sich dabei zweifel-
los um gezielte und intensive Nachteile von staatlicher Seite. Eine in-
nerstaatliche Ausweichmöglichkeit  kann der  Beschwerdeführerin  auf-
grund der gegebenen Umstände nicht entgegen gehalten werden.

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6.
Nach den vorstehenden Erwägungen ist  das BFM – in  Gutheissung 
der Beschwerde – anzuweisen, die Beschwerdeführerin originär, also 
in Anwendung von Art. 2 i.V.m. Art. 3 AsylG, als Flüchtling zu anerken-
nen. 

7.
Da  die  Beschwerdeführerin  im  vorliegenden  Verfahren  obsiegt  hat, 
sind ihr keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Damit er-
weist sich das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten (im Sinne von 
Art. 65 Abs. 1 VwVG) als gegenstandslos. 

Bei  vorliegendem  Ausgang  des  Verfahrens  ist  der  vertretenen  Be-
schwerdeführern für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-
mässig hohen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 
Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 37  VGG;  Art. 7  ff.  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Kostennote wurde 
bisher nicht zu den Akten gereicht. Auf das Nachfordern einer solchen 
kann indes verzichtet werden, da sich der notwendige Vertretungsauf-
wand  aufgrund  der  Akten  hinreichend  zuverlässig  abschätzen  lässt 
(vgl. dazu Art. 14 Abs. 2 VGKE). Gestützt auf die in Betracht  zu zie-
henden  Bemessungsfaktoren  (Art. 9-13  VGKE),  unter  gebührender 
Würdigung der Komplexität der Sachlage, ist der Beschwerdeführerin 
– zu Lasten der Vorinstanz – eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- 
zuzusprechen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.
Das BFM wird angewiesen, die Beschwerdeführerin in Anwendung von 
Art. 2 und 3 AsylG als Flüchtling zu anerkennen. 

3.
Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Beschwer-
deverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- auszurichten. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- _______ (in Kopie)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

Versand: 

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