# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4fe7de53-05f6-5674-9762-a6b20371f943
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-12-07
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 07.12.2004 A 2004 64
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_A-2004-64_2004-12-07.pdf

## Full Text

A 04 64

3. Kammer 

URTEIL
vom 7. Dezember 2004

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Steuerpflicht

1. …, geboren am 10. Februar 1961, ist in … aufgewachsen und hat dort bzw. 

in … die Primar- und Sekundarschulen besucht. Sie arbeitet seit 1977 

ausschliesslich in …, wovon 1980 bis 1990 und nunmehr seit 1992 als 

Verkäuferin beim ... Seit Juli 2000 bewohnt sie eine 1-Zimmerwohnung für Fr. 

610.-- inklusive Nebenkosten in …. Ihre arbeitsfreien Tage und die Ferien 

verbringt sie regelmässig bei ihren betagten Eltern (Vater 77, Mutter 68 Jahre 

alt), die einen Bauernhof bewohnen und immer noch in der Landwirtschaft 

tätig sind. Sie ist ihnen dabei und beim Haushalt behilflich. In … wurde sie 

steuerlich bis zum Jahr 2003 als Wochenaufenthalterin erfasst. Mit 

Feststellungsverfügung vom 15. April 2004 aberkannte die Gemeinde … den 

Wochenaufenthalterstatus und hielt fest, dass sich ihr Hauptsteuerdomizil ab 

1. Januar 2004 in … befinde. Die dagegen erhobene Einsprache wies der 

Gemeindevorstand mit Entscheid vom 10. Juni 2004 ab.

2. Dagegen erhob … am 8. Juli 2004 Rekurs an das Verwaltungsgericht mit dem 

Antrag, den angefochtenen Entscheid aufzuheben, ihr weiterhin den 

Wochenaufenthalterstatus zuzuerkennen und ihr Hauptsteuerdomizil in … zu 

belassen. Sie macht zusammengefasst geltend, sie habe zu … ausser der 

beruflichen keinerlei Beziehung. Ihre sozialen Bindungen bestünden 

ausschliesslich in der Wohngemeinde ... 

3. Die Gemeinde … beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses. Sie bringt zusammengefasst vor, der steuerrechtliche Wohnsitz 

von allein stehenden unselbständigerwerbenden Personen befinde sich 

grundsätzlich an dem Ort, von dem aus sie der täglichen Erwerbstätigkeit 

nachgingen. Angesichts der persönlichen Verhältnisse der Rekurrentin sei 

daher als Hauptsteuerdomizil der Rekurrentin … anzunehmen. 

4. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest, ohne wesentliche neue Argumente vorzubringen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden liegt grundsätzlich am 

Arbeitsort, von dem aus sie für längere oder unbestimmte Zeit der täglichen 

Erwerbstätigkeit nachgehen (BGE 125 I 56 E. 2b; 123 I 289 E. 2b, mit 

Hinweisen). Eine Ausnahme besteht nach ständiger Rechtsprechung für 

verheiratete Steuerpflichtige, die täglich oder an den Wochenenden 

regelmässig zu ihrer Familie zurückkehren: Die durch persönliche und 

familiäre Bande begründeten Beziehungen werden für stärker erachtet als 

jene zum Arbeitsort; deshalb sind diese Steuerpflichtigen in der Regel am 

Aufenthaltsort der Familie zu besteuern (vgl. Urteil vom 20. Januar 1994 in: 

ASA 63 S. 839 E. 2b; Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil: 

Doppelbesteuerung, § 3, I B, 2a Nrn, 1-3, 5, 9-12, 14, 16, 18, und dort 

erwähnte Praxis); anders verhält es sich grundsätzlich nur, wenn sie in 

leitender Stellung tätig sind (BGE 121 114 E. 4a S. 16; Locher, a.a.O., § 3, I 

B, 2a Nr. 9 und § 3,IB, lb Nrn. 1-17). 

b) Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die 

Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des 

Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach welchen das 

Bundesgericht entscheidet, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthaltsort 

der Familie als Steuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng 

gehandhabt; dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen 

Familie regelmässig lockerer ist als jene unter Ehegatten. Bei ledigen 

Steuerpflichtigen ist vermehrt noch als bei verheirateten Personen zu 

berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen zum einen oder 

anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der Grundsatz, 

wonach das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbeitsort 

liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich 

zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum 

Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich 

am Arbeitsort eine Wohnung eingerichtet haben, dort ein 

Konkubinatsverhältnis haben oder über einen besonderen Freundes- und 

Bekanntenkreis verfügen (BGE 125 I 57 E. 2b bb; Urteil vom 20. Januar 1994 

in: ASA 63 5. 840 f. E. 2c, mit Hinweisen). Besonderes Gewicht haben in 

diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das 

Alter des Steuerpflichtigen (Urteil vom 9. Dezember 1992 in: ASA 62 S. 446 

E. 4). Erfahrungsgemäss führt die Pflege familiärer Beziehungen zu einer 

engeren Verbundenheit mit einem Ort als andere Kontakte; Konsequenz 

dieses Umstandes ist, dass bei ledigen Steuerpflichtigen kaum Ausnahmen 

vom Steuerdomizil am Arbeitsort vorkommen, wenn sie an jenem Ort, wo sie 

die Wochenenden verbringen, keine familiären Beziehungen unterhalten. Nur 

mit Zurückhaltung ist anzunehmen, dass die Beziehungen zum Ort der 

Wochenendaufenthalte stärker sind als jene zum Arbeitsort. Dies ist im 

Übrigen durchaus sachgerecht: Sinn und Zweck der direkten Steuern ist es, 

die allgemeinen Leistungen abzugelten, welche das Gemeinwesen für seine 

Mitglieder erbringt. Nun nehmen ledige Steuerpflichtige ohne Familie die 

öffentliche Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens in ungleich 

grösserem Masse an dem Ort in Anspruch, an welchem sie einer 

Erwerbstätigkeit nachgehen und sich demzufolge mehrheitlich aufhalten, als 

am Ort, wo sie ihre Freizeit verbringen. Diesbezüglich unterscheiden sie sich 

von jenen Steuerpflichtigen, die über enge familiäre Bindungen am Leben 

teilhaben, das sich am Aufenthaltsort der Familie abspielt (BGE 125 I 57 E. 

2b cc). 

c) Damit der Steuerwohnsitz am Wochenendort überhaupt anerkannt werden 

kann, ist eine regelmässige bzw. häufige Rückkehr erforderlich. Nur auf diese 

Weise kann dort der Lebensmittelpunkt aufrechterhalten werden (Martin 

Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im 

interkantonalen Verhältnis nach der neueren bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, S. 458, in: ASA 68  S. 452 ff.). Während früher praktisch 

eine allwöchentliche Rückkehr verlangt wurde, ist die Rechtsprechung heute 

weniger streng; das Bundesgericht lässt eine regelmässige Rückkehr alle 14 

Tage und in den Ferien in der neueren Praxis genügen (BGE 111 Ia 43 E. 3). 

d) Das Bundesgericht trägt in seiner Rechtsprechung dem faktischen Umstand 

Rechnung, dass sich mit zunehmender Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort 

die Bindungen zur Familie in der Regel lockern, während sie sich zum 

Arbeitsort verdichten. Die ständige regelmässige Rückkehr an den elterlichen 

Wohnort vermag deshalb nach einer bestimmten Dauer des Aufenthalts am 

Arbeitsort das Steuerdomizil am Ort der Familienniederlassung nicht mehr 

ohne weiteres zu begründen, wenn nicht weitere Umstände schlüssig darauf 

hinweisen, dass die Beziehungen des Steuerpflichtigen zum Familienort 

diejenigen zum Arbeitsort überwiegen (Arnold, a.a.O., S. 459). Ein höheres 

Alter (praktisch wohl ab etwa dreissig Jahren) spricht damit eher für einen 

selbständigen Lebensmittelpunkt am Wochenaufenthaltsort, ist aber für sich 

allein noch nicht ausschlaggebend. Dauert der Aufenthalt längere Zeit, muss 

- namentlich bei älteren Steuerpflichtigen - häufig angenommen werden, dass 

am Wochenaufenthalt stärkere persönliche und gesellschaftliche 

Beziehungen als zum Wochenendort bestehen (Arnold, a.a.O., S. 459). 

Allerdings kann nach der Praxis des Bundesgerichts nicht nach starren 

Regeln (ab einem bestimmten Alter und einer bestimmten Aufenthaltsdauer) 

auf einen Steuerwohnsitz am Wochenaufenthaltsort geschlossen werden. 

Vielmehr ist in jedem Einzelfall zu prüfen, wo sich faktisch der 

Lebensmittelpunkt der pflichtigen Person befindet (Arnold, a.a.O., S. 459). 

e) Nach der Praxis genügt, dass die steuerpflichtige Person - im Rahmen ihrer 

Mitwirkung bei der Sachverhaltsfeststellung - enge Beziehungen zum 

Wochenendort glaubhaft macht. Gelingt ihr dies, liegt es am Kanton, in dem 
sie sich während der Arbeitswoche aufhält, überwiegende persönliche 

Beziehungen zum Wochenaufenthaltsort nachzuweisen (Arnold, a.a.O., S. 

463; ASA 63 S. 836). 

2. Werden die umschriebenen Grundsätze auf den vorliegenden Fall 

angewendet, ergibt sich aufgrund der konkreten Verhältnisse der Rekurrentin, 

dass sich ihr Lebensmittelpunkt immer noch in … befindet. Vorab ist dazu 

festzustellen, dass das Gericht die Angaben der Rekurrentin über ihre 

persönlichen Umstände als durchaus glaubhaft beurteilt. Diese werden von 

der Vorinstanz im Wesentlichen auch nicht in Abrede gestellt, sondern bloss 

in ihren rechtlichen Konsequenzen anders gewertet. Für die Annahme des 

Hauptsteuerdomizils bei der Rekursgegnerin spricht eigentlich nur, dass die 

Rekurrentin dort seit vielen Jahren arbeitet und -indessen nur auf den ersten 

Blick -, dass sie dort über eine eigene Wohnung verfügt und bereits 44 Jahre 

alt ist. Für die Anerkennung des Wochenaufenthalterstatus sind 

demgegenüber folgende Umstände anzuführen:

- Ein tägliches Pendeln von … nach … wäre für die Rekurrentin vor allem 

im langen … Winter kaum praktikabel, beträgt doch die Strecke über den 

…pass rund 35 km und ist eine Höhendifferenz von rund 1'000 Metern zu 

überwinden. Es ist daher mehr als nahe liegend, dass die Rekurrentin für 

die Arbeitswoche ein Logis gemietet hat. Dabei handelt es sich lediglich 

um eine Ein-Zimmerwohnung für eine bescheidene Miete von Fr. 610.--

/Monat (die übrigens inzwischen vom Vermieter gekündet worden ist).

- Ihre Vereinstätigkeit spielt sich unwidersprochen ausschliesslich im … ab.

- Sie hat ihre gesamte Jugend in ihrer Heimatgemeinde verbracht.

- Irgendein Hinweis, dass die Rekurrentin ihre Freizeit nicht zum weit 

überwiegenden Teil in ihrer Heimat verbringt, ist nicht ersichtlich. Allein der 

Umstand, dass sie angegeben hat, am jeweils freien Donnerstag 

"sovente", also nur häufig und damit nicht immer nach … zu fahren, 

vermag daran nichts zu ändern, wird doch von der Gemeinde nicht 

bestritten, dass sie jedenfalls die übrige Freizeit und die Ferien dort 

anzutreffen ist. 

- Dafür, dass sie in … ausserhalb des Arbeitsplatzes über einen 

Bekanntenkreis verfügt, gibt es keinerlei Anhaltspunkte. 

- Schliesslich fällt vor allem ins Gewicht, dass die ledige Rekurrentin ihre 

Eltern nach ihren unwidersprochenen Ausführungen nicht nur besucht, 

sondern auch betreut und ihnen bei der Arbeit auf dem Bauernhof mithilft. 

Die Eltern sind betagt und von daher auf ihre Tochter angewiesen. 

Während - wie in der oben wiedergegebenen Lehre und Rechtsprechung 

- an sich zu Recht angenommen wird, dass sich die Bindungen zum 

Elternhaus in der Regel mit der Zeit lockern, kann doch nicht übersehen 

werden, dass sich die Beziehungen gerade zwischen berufstätigen ledigen 

Töchtern und ihren Eltern in späteren Jahren wieder intensivieren. Es 

dürfte nicht selten für allein stehende berufstätige Frauen, die in der 

zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens stehen, sein, dass sie sich wieder 

vermehrt um ihre in die Jahre gekommenen Eltern kümmern, ihnen 

hilfreich zur Seite stehen, sie - wo nötig - pflegen und darin eine neue 

sinnvolle Aufgabe sehen, die sie ausfüllt. In einer solchen Konstellation, 

die auch bei der Rekurrentin vorliegt, überwiegen die familiären Bindungen 

die Beziehungen zum Arbeitsort. 

Zusammenfassend ist nach Würdigung der genannten und aller weiteren 

Umstände des Falles festzustellen, dass sich der Mittelpunkt der 

Lebensinteressen der Rekurrentin in … befindet. Die Vorinstanz hat ihr daher 

zu Unrecht den Wochenaufenthalterstatus abgesprochen und ihr 

Hauptsteuerdomizil in … angenommen. Nach bewährter bündnerischer 

Steuerpraxis werden die Steuerfaktoren zwischen Wohn- und 

Arbeitsgemeinde schliesslich aufgeteilt.

3. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der Gemeinde, 

welche überdies die anwaltlich vertretene Rekurrentin angemessen 

aussergerichtlich zu entschädigen hat. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird gutgeheissen; der angefochtene Einspracheentscheid und 

die zugrunde liegende Feststellungsverfügung werden aufgehoben. Es wird 

festgestellt, dass sich das Hauptsteuerdomizil von … im Jahre 2004 in … 

befindet.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 162.--

zusammen Fr. 1'162.--

gehen zulasten der Gemeinde … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

3. Die Gemeinde … entschädigt … aussergerichtlich mit Fr. 800.--.