# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23fa3ea9-4c0c-5d82-8066-9f5b2198560d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.02.2025 D-96/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-96-2024_2025-02-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-96/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  F e b r u a r  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richter Manuel Borla,    

Gerichtsschreiber Vito Fässler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Dimitri Witzig,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 22. Dezember 2023 / N (…). 

 

 

 

D-96/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein minderjähriger somalischer Staatsangehöri-

ger – ersuchte am 18. Oktober 2023 in der Schweiz um Asyl.  

B.  

Am 21. November 2023 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer eine 

Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (EB UMA) 

durch und hörte ihn am 13. Dezember 2023 vertieft zu den Asylgründen 

an.  

Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei in einer Ortschaft in der 

Nähe von B._______ in der Provinz C._______ aufgewachsen. Er würde 

dem Clan D._______ angehören, der Teil der Clanfamilie E._______ sei. 

Er sei wegen der Al-Shabaab aus Somalia geflüchtet. Diese habe ihn unter 

Zwang rekrutieren wollen. Die Al-Shabaab habe sein Heimatdorf und die 

Umgebung beherrscht, Jugendliche unter Zwang rekrutiert und in den 

Kampf geschickt. Die Al-Shabaab habe ihn festgenommen und an einen 

Ort gebracht, wo er drei Tage lang gefangen gehalten worden sei. Nach 

drei Tagen habe sich sein Onkel väterlicherseits (vs.) für ihn verbürgt und 

er sei freigekommen. Sein Onkel habe der Al-Shabaab aber versprochen, 

dass er ihn (den Beschwerdeführer) vom Vorhaben der Al-Shabaab über-

zeugen und ihn zurückbringen werde. Danach habe seine Mutter ihm ge-

sagt, er solle flüchten.  

C.  

Am 19. Dezember 2023 stellte das SEM der zugewiesenen Rechtsvertre-

tung den Entscheidentwurf zur Stellungnahme zu. Die Stellungnahme der 

Rechtsvertretung datiert vom 21. Dezember 2023. 

D.  

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2023 lehnte das SEM das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers ab und stellte fest, er erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Infolge Un-

zumutbarkeit schob das SEM den Vollzug der Wegweisung zugunsten ei-

ner vorläufigen Aufnahme auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit 

der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.  

E.  

Mit Eingabe vom 4. Januar 2024 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Dispo-

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Seite 3 

sitivziffern 1, 2 und 3, die Anweisung an die Vorinstanz, ihn als Flüchtling 

anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und insbeson-

dere um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Am. 5. Januar 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang 

der Beschwerde.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2024 hiess der Instruktionsrichter 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das SEM zur 

Vernehmlassung ein.  

H.  

Am 15. Januar 2024 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen und 

am 23. Januar 2024 reichte der Beschwerdeführer seine Replik ein.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Februar 2024 lud der Instruktionsrichter 

die Vorinstanz zur ergänzenden Vernehmlassung ein, welche am 29. Feb-

ruar 2024 erfolgte. Diese Stellungnahme des SEM wurde dem Beschwer-

deführer am 4. März 2024 zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres Entscheids aus, dass die 

vom Beschwerdeführer geltend gemachte Zwangsrekrutierung der islamis-

tisch militanten Bewegung Al-Shabaab nicht zielgerichtet sei. Zahlreiche 

junge Männer seien in ähnlicher Weise davon betroffen und es würden 

keine konkreten Hinweise vorliegen, dass der Beschwerdeführer bezie-

hungsweise seine Familie aufgrund einer allfälligen politischen oder religi-

ösen Gesinnung das Missfallen der Al-Shabaab geweckt haben könnte. Es 

handle sich beim Vorbringen um eine allgemeine Einschüchterung der so-

malischen Zivilbevölkerung. Somit liege keine flüchtlingsrechtlich relevante 

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Verfolgung vor. Ferner liege kein konkretes Verfolgungsinteresse der Al-

Shabaab am Beschwerdeführer vor, da die Al-Shabaab den Beschwerde-

führer nach drei Tagen aus freien Stücken freigelassen habe, womit auch 

kein andauerndes Interesse am Beschwerdeführer vorliege.  

4.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde, dass 

sehr wohl ein Verfolgungsinteresse an seiner Person vorliege. Bereits in 

der Stellungnahme zum Entscheidentwurf sei darauf hingewiesen worden, 

dass die Freilassung wegen der Bürgschaft des Onkels vs. – eines Clan-

ältesten – zustande gekommen sei und dies daher keine Freilassung «aus 

freien Stücken» gewesen sei. Bezüglich der Gezieltheit der Verfolgung wird 

in der Beschwerde weiter ausgeführt, dass der Beschwerdeführer aus der 

Region C._______, in der Nähe der Bezirkshauptstadt B._______, 

stamme. Die Al-Shabaab sei dort sehr weit verbreitet. Gemäss einem ein-

schlägigen Länderbericht habe die Al-Shabaab die Region C._______ zu-

letzt mehrheitlich wieder erobert und übe dort eine weitgehende Kontrolle 

aus. Die Zwangsrekrutierung sei direkt gegen den Beschwerdeführer er-

folgt und dieser sei als geeigneter Kandidat für eine Zwangsrekrutierung 

von der Al-Shabaab gezielt ausgewählt worden.  

4.3 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz daran fest, dass es an einer 

Gezieltheit der Verfolgung fehle. Die Zwangsrekrutierung des Beschwer-

deführers habe sich nicht gegen ihn persönlich gerichtet, sondern vielmehr 

seien zahlreiche Jugendliche in seinem Alter von der Al-Shabaab rekrutiert 

worden. Weiter führt das SEM aus, es habe sich im Asylentscheid nicht 

weiter mit der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers aus-

einandergesetzt. Sollte das Bundesverwaltungsgericht wider Erwarten 

zum Schluss kommen, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft, beantrage es deshalb, die Sache zwecks ergänzender Anhörung 

zur Vornahme einer vertieften Glaubhaftigkeitsprüfung der Asylvorbringen 

zurückzuweisen.  

4.4 In der Replik bringt der Beschwerdeführer vor, dass er sich über zwei 

Befragungen konsistent und widerspruchsfrei zu seinen Asylvorbringen ge-

äussert habe. Sowohl im Protokoll der EB UMA als auch im Protokoll der 

Anhörung würden sich Realkennzeichen finden. Die Ausführungen würden 

genügen, um die Glaubhaftigkeit zu bejahen und ihm Asyl zu gewähren.  

4.5 In der ergänzenden Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass im 

vorliegenden Fall auf Anhieb und zweifelsfrei festgestanden habe, dass 

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keine Verfolgungssituation nach Art. 3 AsylG vorliege, weshalb keine ver-

tiefte Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen worden sei.  

5.  

5.1 Der Untersuchungsgrundsatz verlangt, dass die Behörde von Amtes 

wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhalts sorgt, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen be-

schafft, die rechtlich relevanten Umstände abklärt und ordnungsgemäss 

darüber Beweis führt. Eine Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der 

Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt 

wird, oder wenn Beweise unzutreffend gewürdigt wurden. Unvollständig ist 

sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berück-

sichtigt werden (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3). Der Untersuchungsgrundsatz 

gilt aber nicht uneingeschränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungs-

pflicht des Asylsuchenden findet (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG). Die 

entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungsgrundsatzes in 

der Regel darauf beschränken, die Vorbringen der Asylbewerber zu würdi-

gen und die von ihnen angebotenen Beweise abzunehmen, ohne weitere 

Abklärungen vornehmen zu müssen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). 

5.2 Im vorliegenden Fall hat das SEM eine Würdigung nach Massgabe von 

Art. 3 AsylG vorgenommen und auf eine Prüfung der Glaubhaftigkeit der 

Asylvorbringen unter dem Aspekt von Art. 7 AsylG gänzlich verzichtet. Das 

SEM erachtete das Vorbringen als nicht im Sinne von Art. 3 AsylG relevant. 

Das Bundesverwaltungsgericht kommt aufgrund nachfolgender Erwägun-

gen zum Schluss, dass die Sachverhaltsfeststellung des SEM unvollstän-

dig ist.   

5.3 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonvention, FK; 

SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-

fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, 

jeweils m.w.H.). Die fünf in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Verfolgungsmo-

tive sind gemäss gefestigter Praxis über die sprachlich allenfalls engere 

Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung 

wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person 

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oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungs-

weise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3). 

5.4 Bezüglich der im vorliegenden Fall strittigen Frage, ob eine Zwangs-

rekrutierung von minderjährigen Personen flüchtlingsrechtliche Relevanz 

hat, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Zwangsrekrutierung von 

minderjährigen Personen im humanitären Völkerrecht grundsätzlich verbo-

ten ist. Die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren stellt ein Kriegsver-

brechen dar und wird im Rahmen des Universalitätsprinzips auch in der 

Schweiz strafrechtlich verfolgt, selbst wenn die Tat im Ausland begangen 

wurde (vgl. Art. 2 Fakultativprotokoll zur KRK; Art. 8 Abs. 2 Bst. e vii Römer 

Statut des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli 1998, SR 0.312.1; 

Art. 264f i.V.m. Art. 264m StGB). Dabei wird sowohl die Eingliederung in 

(staatliche) Streitkräfte wie auch in eine (nicht-staatliche) bewaffnete 

Gruppe bestraft (vgl. etwa KESHELAVA/ZEHNDER, in: Basler Kommentar 

Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 2019, Art. 264f StGB N. 8 f. S. 4789). Die Schweiz 

hat auch die weitergehenden Konventionen ratifiziert, welche jede Rekru-

tierung von Kindern unter 18 Jahren durch nichtstaatliche Gruppierungen 

verpönen und die Vertragsstaaten verpflichten, alle Massnahmen zu er-

greifen, um dieses Verbot durchzusetzen (Fakultativprotokoll zur Kinder-

rechtskonvention [SR 0.107.1] sowie Konvention der International Labour 

Organisation [ILO] Nr. 182 über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit 

[SR 0.822.728.2]). Die Rekrutierung von Kindern unter 18 Jahren in eine 

staatliche Armee oder nichtstaatliche bewaffnete Gruppe kann nach der 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine asylrelevante Ver-

folgung darstellen (vgl. dazu Urteile des BVGer E-1144/2018 vom 29. Juni 

2020 E. 7.3.1 und E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 E. 5.6). Dies wird 

auch von der Lehre sowie vom UNHCR (Hochkommissariat der Vereinten 

Nationen für Flüchtlinge) bestätigt (BARBARA KAMMERMANN, Flucht vor 

Krieg, 2019, S. 301 ff. m.w.H.; CHRISTA LUTERBACHER, Die flüchtlingsrecht-

liche Behandlung von Dienstverweigerung und Desertion, 2004, S. 61 ff. 

m.w.H.; UNHCR, Asylanträge von Kindern, HCR/GIP/09/08, 2009, Ziff. 21).  

Infolgedessen kann die Auffassung der Vorinstanz, es habe zweifelsfrei 

festgestanden, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers keine asylre-

levante Verfolgung hätten, nicht überzeugen. Aufgrund seiner Vorbringen 

ist davon auszugehen, ihm habe aufgrund seines Alters (damals knapp 15-

jährig), seines Geschlechts sowie seines Wohnortes – mithin alles nicht 

abänderbare Merkmale – eine Zwangsrekrutierung gedroht. Dabei ist zu-

sätzlich zu erwähnen, dass er vorgebracht hat, sein Onkel vs. sei nach 

seiner Flucht unter Hausarrest gestellt worden, um sicherzustellen, dass er 

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von der Al-Shabaab rekrutiert werden könne (vgl. SEM-act. A11/15 S. 14), 

womit das Bestehen einer zielgerichteten Verfolgung nicht leichthin ausge-

schlossen werden kann.  

5.5 Angesichts des potentiell flüchtlingsrechtlich relevanten Vorbringens 

des Beschwerdeführers wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, dieses 

vertiefter zu prüfen und sämtliche für die Prüfung nach Art. 3 und 7 AsylG 

erforderlichen Sachverhaltselemente zu ermitteln. Namentlich hätte das 

SEM abklären müssen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Aus-

reise mit einer erneuten Rekrutierung durch die Al-Shabaab hätte rechnen 

müssen. Der Umstand, dass er angeblich wegen der Bemühungen seines 

Onkels von der Al-Shabaab freigelassen wurde, schliesst die Gefahr einer 

erneuten Rekrutierung nicht aus. Zudem erscheint es durchaus möglich, 

dass dem Beschwerdeführer bei einer (hypothetischen) Rückkehr eine von 

der Al-Shabaab feindliche Gesinnung unterstellt würde; ein Umstand, der 

von der Vorinstanz ebenfalls nicht weiter abgeklärt worden ist. Schliesslich 

hat es die Vorinstanz aufgrund der aus ihrer Sicht flüchtlingsrechtlich nicht 

relevanten Vorbringen des Beschwerdeführers unterlassen, in der Anhö-

rung zu den Asylgründen gezielte Nachfragen zu stellen, welche eine ab-

schliessende Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen erlauben wür-

den. Unter diesen Umständen kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt unvoll-

ständig festgestellt hat.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist. Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätz-

lich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, 

wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht er-

scheint; sie muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5).  

6.2 Wie sich aus den obigen Erwägungen ergibt, ist der rechtserhebliche 

Sachverhalt nicht genügend erstellt. Es ist nicht Sache des Gerichts, als 

letzte Beschwerdeinstanz die Sachverhaltsfeststellung oder gar umfas-

sende Sachverhaltsabklärungen selber vorzunehmen. Entsprechend 

rechtfertigt sich vorliegend eine Kassation und Rückweisung an die Vor-

instanz zur vollständigen Sachverhaltsermittlung (vgl. Urteil des BVGer 

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E-6896/2018 vom 29. März 2021 E. 5.4), beispielsweise im Rahmen einer 

ergänzenden Anhörung, wie sie das SEM in seiner Vernehmlassung selber 

erwähnt.  

6.3 Dem Beschwerdeführer erwächst mit dem kassatorischen Urteil kein 

Nachteil (vgl. THOMAS HÄBERLI, in: Waldmann/Krauskopf [Hrsg.], Praxis-

kommentar VwVG, 3. Aufl. 2023, zu Art. 62 N. 21 S. 1503), womit eine 

Rückweisung an die Vorinstanz – auch wenn der Beschwerdeführer keinen 

entsprechenden Antrag gestellt hat – zulässig ist (vgl. Art. 62 VwVG).  

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG).  

8.  

Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszu-

richten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechts-

vertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom 

Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch 

Art. 111ater AsylG).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Dispositivziffern 1-3 der angefochtenen Verfügung werden aufgehoben 

und das Verfahren wird zur vollständigen Ermittlung des rechtserheblichen 

Sachverhalts an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Vito Fässler 

 

 

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