# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4a81f0be-6075-54d3-83c1-510e0d4dfe30
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 1995 44
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-1995-44_0000-00-00.pdf

## Full Text

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44 - Fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 StGB). Sorgfalts- 
pflichten des Leiters eines Skilagers; Unfall eines die Piste
verlassenden Lagerteilnehmers (Sorgfaltspflichtverlet- 
zung verneint).

Aus den Erwägungen:
3. Im vorliegenden Fall steht die Frage im Vordergrund, ob der 

Grup- penleiter R. wegen fahrlässiger Körperverletzung im Sinne von 
Art. 125 StGB zur Rechenschaft zu ziehen ist. - Eine Verurteilung nach 
Art. 125 StGB wegen fahrlässiger Körperverletzung setzt voraus, dass die 
Körperverletzung des Opfers durch sorgfaltswidriges Verhalten des 
Täters verursacht worden ist, sei es durch ein Tun oder, falls er Garant ist, 
auch durch blosses Unterlas- sen. Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten dann, 
wenn der Täter in jenem Zeit- punkt aufgrund der Umstände sowie 
seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die dadurch bewirkte Gefährdung der 
Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und wenn er 
zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritt (BGE 121 IV 
14,118 IV 132 f., 116 IV 308). Trotz solcher Sorg- 
faltspflichtverletzungen darf der schädigende Erfolg dem Täter freilich 
nur zugerechnet werden, wenn er bei Anwendung pflichtgemässer 
Vorsicht mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeblieben wäre (Jörg 
Rehberg, Grundriss Strafrecht I, 5. Aufl., Zürich 1993, mit Hinweisen auf 
die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Wo besondere, der 
Unfallverhütung und Sicherheit die- nende Normen ein bestimmtes 
Verhalten gebieten, richtet sich das Mass der im Einzelfall zu 
beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschrif- ten, was 
allerdings nicht ausschliesst, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch 
auf allgemeine Rechtsgrundsätze wie den allgemeinen Gefahrensatz 
gestützt werden kann (BGE 121 IV 14 f., 116 IV 308). Ebenso 
herangezogen werden dürfen entsprechende, allgemein anerkannte 
Verhaltensregeln, auch wenn sie von einem privaten oder 
halböffentlichen Verband erlassen wurden und keine Rechtsnormen 
darstellen, die Verhaltensregeln für Skifahrer des Internationalen 
Skiverbandes (FIS) etwa oder die von der schweizerischen Kommission 
für Unfallverhütung auf Skiabfahrten und Loipen (SKUS) er- lassenen 
Richtlinien für Anlage und Unterhalt von Skiabfahrten (BGE 118 IV 
133; Hans-Kaspar Stiffler, Schweizerisches Skirecht, 2. Aufl., Derendin- 
gen 1991, Anhang I und Anhang VI).

a) H. gehörte zu einer Snowboardgruppe, die unter der Leitung von
R. stand. Er hatte sich im Rahmen der Lehrlingssportwoche für diese Auf- 
gabe zur Verfügung gestellt. Dass er damit grundsätzlich zur Gefahrenab- 
wehr verpflichtet war, braucht nicht näher ausgeführt zu werden und ist auch 

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gar nicht umstritten. An die von ihm zu beachtende Sorgfalt dürfen 
allerdings keine übertriebenen Anforderungen gestellt werden. Sie muss 
vielmehr auf ein vernünftiges Mass beschränkt werden, liesse sich doch 
sonst eines der

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Ziele, die in solchen Lagern nebst andern (Ausbildung, 
Gemeinschaftserleb- nis) verfolgt werden, die Jugendlichen nämlich zu 
Eigenständigkeit und Selbstverantwortung zu erziehen, zum vornherein 
gar nicht erreichen (Stiff- 1er, a. a. 0., S. 81). Insbesondere wäre es nicht 
gerechtfertigt, von R., der über keinen J+S-Leiterausweis verfügt, eine 
erhöhte Umsicht zu erwarten, ähnlich der, wie sie von patentierten 
Skilehrern und Bergführern verlangt wird. Auf der anderen Seite waren 
seine Fähigkeiten und Kenntnisse aber auch nicht derart gering, dass es 
bereits verantwortungslos war, sich überhaupt für die Führung einer 
Gruppe verpflichten zu lassen. In diesem Zusammenhang gilt es zu 
berücksichtigen, dass ihm offenbar bereits früher in solchen Lagern die 
Betreuung einer Gruppe auf der Piste übertragen worden war und dass er 
zu- sätzlich in den beiden Vorjahren bei der örtlichen Skischule 
Snowboardun- terricht genommen hatte. Dass er bei seinen früheren 
Einsätzen der Aufgabe nicht gewachsen gewesen sei und dass Personen, 
die ihm anvertraut waren, sogar in einen Unfall verwickelt worden seien, 
wird weder behauptet noch finden sich hierfür Anhaltspunkte. Unter 
diesen Umständen durfte er sich durchaus zutrauen, auch in der hier 
interessierenden Sportwoche als Leiter tätig zu werden. Entsprechend wird 
denn auch in der Beschwerde gar nicht geltend gemacht, dass er von 
seiner Ausbildung, seiner Persönlichkeit und seinem technischen Können 
her für den vorgesehenen Einsatz schlechthin ungeeignet gewesen sei.

Vorgeworfen wird R. hingegen, er habe es bei der Vorbereitung 
und Durchführung der Talabfahrt am späteren Nachmittag des 23. Januar 
1995 an der erforderlichen Sorgfalt fehlen lassen. Dem kann nicht 
zugestimmt wer- den. Hierzu ist vorab festzuhalten, dass er es mit der 
Schule entlassenen Ju- gendlichen zu tun hatte, die auf den 
Snowboards keine reinen Anfänger mehr waren, zum Teil sogar über 
ein beachtliches fahrerisches Können ver- fügten. Grundsätzlich hätte er 
sie im erschlossenen Skigebiet weitgehend selbständig fahren lassen 
können, verbunden allenfalls mit einer losen Über- wachung, um 
feststellen zu können, ob sie sich regelkonform verhalten wür-
den (Stiffler, a. a. 0., S. 79). Da es sich indessen beim 23. Januar 1995 um 
den ersten Lagertag handelte und da ja auch Ausbildung betrieben werden 
sollte, hielt er die Gruppe den ganzen Nachmittag über zusammen. Zudem 
wurde - von kurzen Ausflügen einzelner Snowboarder in den Tiefschnee 
abgesehen
- ausschliesslich auf Pisten gefahren. Für die Rückkehr ins Tal, die 
wiederum gemeinsam erfolgen sollte, besammelte R. seine Gruppe an 
der Stelle, an welcher die rot markierte (mittelschwere) und damit 
durchaus zu bewälti- gende Piste «Derby» ihren Anfang nahm. Er 
ersuchte den gebietserfahrenen W an der Spitze zu fahren, während er 

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sich, um bei Bedarf helfend eingrei- fen zu können, am Schluss der 
Gruppe einreihte. Dies war eine zweckmässige Anordnung, die erwarten 
liess, dass er die ihm anvertrauten Personen sicher ins Tal zurückbringen 
würde. Für zusätzliche Weisungen bestand keine Ver-

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anlassung. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde war er 
insbeson- dere nicht verpflichtet, den Verlauf der Piste näher zu 
erläutern, schon des- halb nicht, weil mehr als sechzehnjährige 

Jugendliche ohne weiteres im- stande sind, sich anhand der 
Markierungsstangen auf einer Piste zu orientie- ren, jedenfalls dann, 

wenn die Sichtverhältnisse wie hier nicht allzu schlecht sind. Hinzu kam, 
dass sich R. am Ende der Gruppe aufhalten wollte. Für den Fall, dass die 

vor ihm fahrenden Lehrtöchter und Lehrlinge W. aus den Augen 
verlieren sollten, bestand für sie also immer noch die Möglichkeit, un- 

terwegs anzuhalten und sich beim Leiter über den weiteren Verlauf der 
Piste zu erkundigen. Ebensowenig kann eine Sorgfaltspflichtverletzung 

darin ge- sehen werden, dass R. die Mitglieder seiner Gruppe vor der 
Talabfahrt nicht ausdrücklich davor gewarnt hatte, die markierte Piste zu 
verlassen. Aufgrund der Art und Weise, wie er sie in den Stunden zuvor 

hatte fahren lassen, durfte er ohne weiteres davon ausgehen, dass sie auch 
jetzt überwiegend auf der Pi- ste bleiben würden und dass höchstens die 
besten unter ihnen gelegentlich seitlich in den Tiefschnee ausweichen 

würden. Als sich diese Erwartung als Täuschung erwies und er feststellen 
musste, dass sich W. sowie die beiden an- dern sehr guten Snowboarder 

U. und M. anschickten, in möglichst direkter Linie durch den Tiefschnee 
ins Tal zu fahren, griff er ein, um zu verhindern, dass die übrigen den 
gleichen, sie überfordernden Weg wählen würden. Durch Zurufe 

gelang es ihm denn auch, sie auf der Piste zu behalten. Spätes- tens ab 
diesem Zeitpunkt musste es für den Rest der Gruppe klar sein, dass nach 
den Vorstellungen des Leiters auf dem eingeschlagenen Weg (der Piste

«Derby» eben) zu Tal gefahren werden sollte. Bei der Weiterfahrt blieb R. im
obersten, engeren und damit schwieriger zu befahrenden Abschnitt 
entspre- chend der ursprünglichen Absicht am Schluss der Gruppe, was 
ihm erlaubt hätte, bei Stürzen helfend einzugreifen. Sobald das Gelände 
offener wurde, setzte er sich an die Spitze, um so einigermassen Gewähr 
zu haben, dass nicht noch weitere Gruppenangehörige eine eigene 
Richtung einschlagen würden. Mehr konnte von ihm vernünftigerweise 
nicht erwartet werden. Insbeson- dere gereicht ihm nicht zum Vorwurf, 
dass er im Hinblick auf ein mögliches Zusammentreffen mit den drei 
Ausreissern keine besonderen Anordnungen getroffen hatte. Damit 
rechnen, ihnen vor Erreichen der Talstation über- haupt noch zu 
begegnen, durfte er angesichts ihres Fahrvermögens und ihrer direkteren 
Linienwahl eigentlich nur unter der Voraussetzung, dass sie an der Stelle, 
an welcher sie die Piste «Derby» kreuzten, auf ihn und den Rest der 
Gruppe warten würden. Er wäre dann als erster bei ihnen eingetroffen, 
was Gelegenheit gegeben hätte, das weitere Vorgehen zu besprechen. 
Dass sie langsamer sein und beim Überqueren der Piste «Derby» nur 

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noch auf den Schluss der von R. angeführten Gruppe treffen würden 
und dass sich dann zwei Snowboarderinnen spontan ihnen anschliessen 
könnten, war unwahr- scheinlich und musste von ihm nicht bedacht 
werden. Würde solches ver-

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langt, könnten Betreuungsaufgaben der hier beschriebenen oder ähnlicher 
Art guten Gewissens gar nicht mehr übernommen werden. Im übrigen 
hätte er ohnehin keine Möglichkeit gehabt, wirkungsvoll einzuschreiten. 
Wer wie er mit einer grösseren Gruppe Jugendlicher unterwegs ist, die 
sich beim Fah- ren zwangsläufig auseinanderzieht, ist ausserstande, alle 
gleichzeitig im Auge zu behalten und jeden von ihnen zu jedem beliebigen 
Zeitpunkt zu beein- flussen. Eine im voraus ausgesprochene Warnung 
schliesslich wäre nach der Lebenserfahrung höchstwahrscheinlich von zu 
geringem Gewicht gewesen, um den aus der konkreten Situation 
entstandenen, nicht näher bedachten Entschluss zu verhindern, den sehr 
gut fahrenden und damit anspornend wir- kenden Kollegen zu folgen.

Soweit das Verhalten von R. zu beurteilen war, ist es also nicht zu 
be-

anstanden, dass die Strafuntersuchung eingestellt wurde.
BK 35/95 Entscheid vom 29. August 1995

Beschwerde; Prüfungsbefugnis (Kognition) der Be- 
schwerdekammer (Art. 138 StPO). Eine Einstellungsverfü- 
gung ist dann angemessen, wenn aufgrund des Untersu- 
chungsergebnisses objektiv und subjektiv nicht genü- 
gend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und ver- 
folgbaren Handlung gegeben sind und somit ein 
Freispruch erwartet werden müsste, und wenn keine 
neuen Beweismittel ersichtlich sind, die das Beweiser- 
gebnis zu beeinflussen vermöchten; diese kumulativen 
Erfordernisse sind inhaltlicher und nicht formaler Natur
( Erw. 4).

- Fahrlässige Körperverletzung (Art. 125 StGB); Skilift- 
unfall. Verletzung eines Liftbenützers durch das infolge 
des Bruchs einer Schraube der Befestigungskonsole der 
Rollenbatterie herabstürzende Förderseil; Sorgfalts- 
pflichtverletzung des Liftbetreibers, der sämtliche nach 
der Erfahrung, dem Stand der Technik und den Verhält- 
nissen des Betriebs erforderlichen Unterhalts-, Kontroll- 
und Vorsichtsmassnahmen getroffen hatte, verneint
( Erw. 6).

Aus den Erwägungen:
4. Gemäss Art. 138 StPO kann die Beschwerdekammer 

angefochtene Einstellungsverfügungen nicht nur auf Rechtswidrigkeit, 
sondern auch auf Unangemessenheit überprüfen. Bei der Überprüfung 

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der Angemessenheit eines Entscheides soll aber die Beschwerdekammer 
ihr Ermessen nur dort an