# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d691ed65-9875-5bf7-96fa-82bbcbe45c1c
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-13
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 13.05.2016 OG.2015.00010 (OGS.2016.32)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2015-00010_2016-05-13.html

## Full Text

Kanton Glarus

    
	
     

    
	
    Obergericht

    
	
     

    
	
     

    
	
     

    
	
     

    
	
    Beschluss
    und Urteil vom 13. Mai 2016

    
	
     

    
	
     

    
	
    Verfahren
    OG.2015.00010

    
	
     

    
	
     

    
	
    A.______

    
	
    Beschuldigter

    Berufungskläger

    und Anschlussberufungsbeklagter

    
	
     

    
	
    verteidigt
    durch X.______ 

      

    
	
     

    
	
     

    
	
    gegen

    
	
     

    
	
     

    
	
    1. Staatsanwaltschaft

    
	
    Berufungsbeklagte und

    und Anschlussberufungsklägerin

    
	
     

    
	
    2. B.______

    
	
    Berufungsbeklagter und

    
	
    und Anschlussberufungskläger

    
	
    vertreten
    durch Y.______ 

    

    

    
	
     

    
	
     

    
	
    3. C.______

    
	
    Berufungsbeklagte

    
	
     

    
	
    4. D.______

    
	
    Berufungsbeklagter

    
	
     

    
	
     

    
	
    betreffend

    
	
     

    
	
    Schwere
    Körperverletzung etc.

    
	
     

    
	
    Anträge des Beschuldigten,
    Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten (gemäss
    Berufungserklärung vom 10. Februar 2015 [act. 46] sowie den
    Ausführungen des Verteidigers an der Verhandlung vom 28. August 2015
    [act. 62], sinngemäss):

    
	
     

    
	
    	
      1.

      	
      Es
      seien die Dispositiv-Ziff. 1, 2, 5, 7 und 8 des Urteils der
      Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts Glarus vom 1. Oktober
      2014 im Verfahren SG.2014.00006 vollumfänglich aufzuheben.

      
	
       

      	
       

      
	
      2.

      	
      Es
      sei der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne von
      Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.

      
	
       

      	
       

      
	
      3.

      	
      Der
      Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von maximal 180 Tagessätzen à
      CHF 100.– zu bestrafen.

      
	
       

      	
       

      
	
      4.

      	
      Der
      Vollzug der Geldstrafe sei für die Dauer von drei Jahren aufzuschieben.

      
	
       

      	
       

      
	
      5.

      	
      In
      den übrigen Anklagepunkten, nämlich betreffend Tätlichkeit im Sinne von
      Art. 126 Abs. 1 StGB, versuchten Hausfriedensbruch im Sinne von
      Art. 186 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und
      Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, sei der
      Beschuldigte freizusprechen.

      
	
       

      	
       

      
	
      6.

      	
      Es
      sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte bereit ist, dem
      Privatkläger B.______ eine Genugtuung von maximal CHF 1‘500.– zu
      bezahlen.

      
	
       

      	
       

      
	
      7.

      	
      Die
      vorinstanzlichen Verfahrens- und Gerichtskosten seien je hälftig dem
      Beschuldigten und dem Staat aufzuerlegen.

      
	
       

      	
       

      
	
      8.

      	
      Verfahrensantrag:
      Es sei Rechtsanwalt X.______ mit Wirkung ab 6. Oktober 2014 auch für
      das obergerichtliche Verfahren als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten
      einzusetzen.

      
	
       

      	
       

      
	
      9.

      	
      Alles
      unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das obergerichtliche Verfahren
      zu Lasten des Staates.

      

    

    
	
    Anträge der Anklägerin, Berufungsbeklagten 1
    und Anschlussberufungsklägerin 1 (gemäss Anschlussberufungserklärung
    vom 23. Februar 2015 [act. 52] sowie den Ausführungen des Ersten
    Staatsanwalts an der Verhandlung vom 28. August 2015 [act. 62],
    sinngemäss):

    
	
     

    
	
    	
      1.

      	
      Es
      sei Dispositiv Ziff. 2 des Urteils der Strafgerichtskommission des
      Kantonsgerichts Glarus vom 1. Oktober 2014 im Verfahren
      SG.2014.00006 aufzuheben.

      
	
       

      	
       

      
	
      2.

      	
      Der
      Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, wovon
      2 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Busse
      von CHF 1‘000.– zu bestrafen.

      
	
       

      	
       

      
	
      3.

      	
      Der
      Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 12 Monaten aufzuschieben
      und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen. Im Übrigen sei die Freiheitsstrafe
      (12 Monate, abzüglich 2 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden
      sind), zu vollziehen.

      
	
       

      	
       

      
	
      4.

      	
      Es
      sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen und das angefochtene
      Urteil, abgesehen von den begehrten Änderungen gemäss vorstehenden Anträgen 1-3,
      zu bestätigen.

      

    

    
	
    Anträge des Berufungsbeklagten 2
    und Anschlussberufungsklägers 2 (gemäss
    Anschlussberufungserklärungen vom 23. Februar 2015 [act. 53] und
    3. März 2015 [act. 55] sowie den Ausführungen seiner Rechtsvertreterin
    an der Verhandlung vom 28. August 2015 [act. 62 und 64],
    sinngemäss):

    
	
     

    
	
    	
      1.

      	
      Es
      sei Dispositiv Ziff. 4 des Urteils der Strafgerichtskommission des
      Kantonsgerichts Glarus vom 1. Oktober 2014 im Verfahren
      SG.2014.00006 teilweise aufzuheben.

      
	
       

      	
       

      
	
      2.

      	
      Der
      Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungskläger
      2 eine Genugtuung von CHF 7‘500.– zu bezahlen.

      
	
       

      	
       

      
	
      3.

      	
      Der
      Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungskläger
      2 Schadenersatz im Betrag von CHF 14‘904.– zu bezahlen.

      
	
       

      	
       

      
	
      4.

      	
      Es
      sei die Haftung des Beschuldigten für zukünftige Forderungen des Geschädigten
      (insbesondere nicht gedeckte Therapiekosten und allfälligen
      Schadenersatz), welche auf die Tat vom 29. März 2013 zurückzuführen
      sind, dem Grundsatz nach (ohne Bezifferung der Höhe) gerichtlich festzustellen
      und es sei festzustellen, dass die Verjährung für solche Forderungen
      frühestens am 29. März 2028 eintritt.

      
	
       

      	
       

      
	
      5.

      	
      Der
      Beschuldigte sei zu verurteilen, die Parteikosten des Berufungsbeklagten 2
      und Anschlussberufungsklägers 2 zu bezahlen.

      
	
       

      	
       

      
	
      6.

      	
      Dem
      Berufungsbeklagten 2 und Anschlussberufungskläger 2 sei die unentgeltliche
      Prozessführung zu gewähren und in der Person von Rechtsanwältin Y.______
      eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.

      

    

    
	
     

    
	
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    Das Gericht     zieht in Betracht:

    
	
     

    
	
    I.

    Prozessverlauf und Gegenstand der Berufung

    
	
     

    
	
    1. Dem vorliegenden Berufungs-
    bzw. den Anschlussberufungsverfahren liegen zwei Ereignisse zugrunde. Zum
    einen wirft die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus A.______ vor
    (act. 2), am 29. März 2013 C.______ eine Ohrfeige und B.______
    zwei Faustschläge gegen das Kinn verpasst zu haben, wodurch Letzterer einen
    doppelten Kieferbruch erlitten habe (nachfolgend: „Vorfall Holenstein“).
    Zum anderen habe A.______ gemäss Staatsanwaltschaft am 24. Oktober
    2012 erfolglos versucht, in die Liegenschaft von D.______ einzubrechen (nachfolgend:
    „Vorfall 2 [...]“).

    
	
    2. A.______ wurde mit Urteil
    der Strafgerichtskommission des Kantonsgerichts des Kantons Glarus vom
    1. Oktober 2014 (act. 42) der schweren Körperverletzung im Sinne
    von Art. 122 Abs. 3 StGB, der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126
    Abs. 1 StGB, des versuchten Diebstahls im Sinne von Art. 139
    Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des
    versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB in Verbindung
    mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von
    Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Er wurde mit einer
    bedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren (abzüglich 2 Tage Haft)
    bestraft und die Probezeit wurde auf 4 Jahre festgesetzt. Zudem wurde
    A.______ mit einer Busse von CHF 1‘000.– belegt. Für den Fall, dass
    diese nicht bezahlt würde, sah die Vorinstanz die Umwandlung der Busse in
    eine unbedingt vollziehbare Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen vor.
    Sodann wurde festgestellt, dass A.______ gegenüber B.______ dem Grundsatz
    nach für den ihm am 29. März 2013 zugefügten Schaden ersatzpflichtig
    ist. Hinsichtlich der Höhe des Schadens bzw. des Schadenersatzes wurde
    B.______ auf den Zivilweg verwiesen. Im Übrigen wurde A.______ im
    vorinstanzlichen Urteil verpflichtet, B.______ eine Genugtuung von
    CHF 4‘000.– zu bezahlen.

    
	
    3. Das vorinstanzliche Urteil
    wurde den Parteien am 6. Oktober 2014 zugestellt (act. 36-39).
    Mit Eingabe vom 16. Oktober 2014 (act. 40) meldete
    A.______ rechtzeitig Berufung an. Das begründete Urteil (act. 42)
    wurde ihm am 23. Januar 2015 zugestellt (act. 44). Mit Eingabe
    vom 10. Februar 2015 (act. 46) reichte A.______ innert Frist die
    ausführlich begründete Berufungserklärung ein. Daraufhin erhoben die
    Anklägerin wie auch der Berufungsbeklagte 2 fristgerecht Anschlussberufung
    (vgl. act. 52-55). In ihren Berufungs- bzw. Anschlussberufungserklärungen
    respektive anlässlich der am 28. August 2015 abgehaltenen Berufungsverhandlung
    liessen die Parteien die eingangs erwähnten Anträge stellen
    (act. 62-66).

    
	
    4. Im Nachgang zur
    Berufungsverhandlung zog das Gericht zwecks Ergänzung der Beweise die Akten
    des bei der […], dem Unfallversicherer des Berufungsbeklagten 2,
    laufenden Verfahrens bei (act. 68-70). Diese Akten wurden den Parteien
    zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 3 Abs. 2
    lit. c StPO; hierzu auch Heimgartner/Niggli, BSK-StPO, Art. 349
    N 1; Schmid, Handbuch StPO, N 1339) am 23. September 2015
    zugeschickt (act. 71). Der Beschuldigte liess sich hierzu mit Eingabe
    vom 30. September 2015 (act. 73) vernehmen. Dieser Schriftsatz
    wurde den übrigen Parteien des Berufungsverfahrens mit Schreiben vom
    8. Oktober 2015 (act. 75) zur Kenntnisnahme zugestellt.

    
	
     

    
	
    II.

    Prozessuales

    
	
     

    
	
    1. Die Berufung hat im Umfang
    der Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids aufschiebende Wirkung
    (Art. 402 StPO). Die von der Berufungserklärung bzw. von den
    Anschlussberufungserklärungen nicht erfassten Aspekte des vorinstanzlichen
    Entscheiddispositivs erwachsen rückwirkend auf den Tag der Entscheidfällung
    in Rechtskraft (Art. 437 StPO). Vom Moment des Ablaufs der Fristen zur
    Berufungserklärung bzw. Erklärung der Anschlussberufung an kann der
    Berufungsumfang durch eine weitere Erklärung bzw. weitere Anträge zwar noch
    eingeschränkt, aber nicht mehr ausgedehnt werden (zum Ganzen: Eugster,
    BSK-StPO, Art. 399 N 6 und Art. 402 N 2). 

    
	
    Der Beschuldigte focht mit
    seiner Berufungserklärung (act. 46) die Dispositiv-Ziff. 3
    (Einziehung und Vernichtung eines sichergestellten Gegenstandes) sowie die
    Dispositiv-Ziff. 9 (Entschädigung des amtlichen Verteidigers) des
    vorinstanzlichen Urteils (act. 42) nicht an, ebenso bilden diese
    Punkte nicht Gegenstand der Anschlussberufungen (vgl. die eingangs
    wiedergegebenen Anträge der Parteien). Es ist somit vorab mit Beschluss
    festzustellen, dass die Dispositiv Ziff. 3 und 9 in Rechtskraft
    erwachsen sind.

    
	
    2. Der Berufungsbeklagte 2
    und Anschlussberufungskläger 2 liess anlässlich der Berufungsverhandlung
    vom 28. August 2015 den Antrag stellen, in Abänderung der
    Dispositiv-Ziff. 5 des vorinstanzlichen Urteils (act. 42), in
    welchem ihm eine Genugtuung von CHF 4‘000.– zugesprochen wurde, sei
    der Beschuldigte zu verpflichten, ihm eine Genugtuung im höheren Betrag von
    CHF 7‘500.– zu bezahlen (vgl. act. 64 S. 1). In seiner
    Berufungserklärung vom 3. März 2015 (act. 55) verlangte er –
    nachdem er seitens des Gerichts aufgefordert worden war (act. 54),
    seine zuvor eingereichte, unzureichende Berufungserklärung vom
    23. Februar 2015 (act. 53) innert der noch laufenden Frist zur
    Erklärung der Anschlussberufung zu spezifizieren – ausdrücklich einzig eine
    teilweise Aufhebung bzw. Abänderung der Dispositiv-Ziff. 4
    (Schadenersatz) des vorinstanzlichen Urteils. Wie soeben (E. II.1.)
    dargelegt, ist eine Ausdehnung der Anschlussberufung zu einem späteren
    Zeitpunkt als nach Ablauf der Frist zur Erklärung derselben unzulässig. Der
    genannte Antrag des Anschlussberufungsklägers 2 ist somit
    unbeachtlich. In Bezug auf die Genugtuung wird immerhin der Antrag des
    Beschuldigten auf Reduktion derselben (vgl. vorne, S. 2) zu beurteilen
    sein, wobei aufgrund des Verschlechterungsverbots im Sinne von
    Art. 391 Abs. 2 StPO einzig entweder auf eine Bestätigung der
    vorinstanzlichen Festlegung der Höhe der Genugtuung oder aber auf eine
    Reduktion derselben erkannt werden kann.

    
	
    3. Bei den zur Anklage
    gebrachten Tatbeständen der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126
    Abs. 1 StGB, der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
    Abs. 1 StGB sowie des versuchten Hausfriedensbruchs im Sinne von
    Art. 186 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB handelt es sich um
    Antragsdelikte. Die als Prozessvoraussetzung erforderlichen entsprechenden
    Strafanträge der Privatklägerin C.______ respektive des Privatklägers
    D.______ liegen vor und wurden rechtzeitig gestellt (vgl. act. 1/V/03
    und act. 1/XVII/05). Da ein Strafantrag der Erklärung, sich am Strafverfahren
    als Privatkläger zu beteiligen, gleichgestellt ist (Art. 118
    Abs. 1 und 2 StPO), haben sich somit die Berufungsbeklagten 3 und 4
    als Privatkläger konstituiert. Diese beiden Privatkläger haben indes im
    vorliegenden Berufungsverfahren wie auch bereits im erstinstanzlichen
    Verfahren davon abgesehen, eigene Anträge zu stellen.

    
	
    4. Die Anklageschrift bestimmt
    den Gegenstand des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens wie auch des
    Berufungsverfahrens. Das Gericht ist an den in der Anklageschrift
    wiedergegeben Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche
    Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. StPO). Die rechtliche Würdigung
    des durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist ausschliesslich
    Aufgabe des Gerichts. Es kann daher von den Anträgen der Parteien abweichen.
    Eine allfällige abweichende Beurteilung des Anklagesachverhalts durch das Gericht
    zieht dabei keinen Freispruch oder Teilfreispruch hinsichtlich des angeklagten
    Tatbestandes nach sich, sondern es hat lediglich eine Verurteilung wegen
    des vom Gericht bejahten Tatbestandes zu ergehen (zum Ganzen: BGer
    6B_254/2015 vom 27. August 2015, E. 3.1 f. m.w.H.). Die vom Beschuldigten
    erhobene Berufung zielt denn auch im Wesentlichen auf eine Verurteilung
    wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
    Abs. 1 StGB anstelle der gemäss Anklageschrift postulierten und gemäss
    vorinstanzlichem Urteil erkannten schweren Körperverletzung (vgl.
    act. 46 und 62 S. 19 ff.). Die Anklägerin hat sodann in der
    Berufungsverhandlung dafür gehalten (act. 62 S. 15 f.),
    falls nicht eine vollendete schwere Körperverletzung zu bejahen sei, liege
    eventualiter zumindest eine versuchte schwere Körperverletzung vor. Auf all
    diese Vorbringen wird zurückzukommen sein (vgl. Erw. IV.). Bereits an
    dieser Stelle ist indes festzuhalten, dass falls nachfolgend auf einfache
    Körperverletzung erkannt werden sollte, jedenfalls ein gültiger Strafantrag
    vorliegt:

    
	
    a) Ist eine Tat nur auf Antrag
    strafbar, kann jede Person, die durch sie verletzt worden ist bzw.
    behauptet, durch sie verletzt worden zu sein, bei der Polizei, der
    Staatsanwaltschaft oder der Übertretungsstrafbehörde schriftlich oder
    mündlich zu Protokoll die Bestrafung des Täters beantragen (Art. 30 Abs. 1
    StGB; Art. 110 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 304 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag
    ist die Willenserklärung des Verletzten, dass der Täter strafrechtlich zu
    verfolgen sei (BGE 122 IV 207 E. 3a). Ein Strafantrag muss nicht als
    solcher benannt sein und auch eine falsche Bezeichnung schadet nicht
    (Riedo, BSK-StGB I, Art. 30 N 53). Erforderlich ist lediglich eine
    Umschreibung des zu verfolgenden Sachverhalts, nicht aber dessen rechtliche
    Qualifizierung (Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2015 vom 25. März 2015 E.
    2.4; Riedo, Der Strafantrag, Diss. Freiburg, Basel/Genf/München 2004, S.
    400). Letztere obliegt den Strafbehörden. Nennt der Antragsteller dennoch
    einen Straftatbestand, der seines Erachtens erfüllt worden ist, so ist die
    Behörde an diese rechtliche Qualifikation nicht gebunden (BGE 131 IV 98 E.
    3.1). Eine falsche rechtliche Qualifikation macht den Strafantrag somit
    nicht ungültig (Riedo, BSK-StGB I, Art. 30 N 54).

    
	
    b) B.______ ist am
    29. März 2013, mithin am Tag des anklagegegenständlichen Vorfalls um
    neun Uhr morgens beim Polizeistützpunkt Glarus persönlich erschienen, um
    gegen den Beschuldigten wegen des anklagegegenständlichen Vorfalls Anzeige
    zu erstatten (vgl. act. 1/I/01, 05). Dabei füllte offenbar eine
    Polizeibeamtin für ihn das Formular „Strafantrag/Privatklage“ aus, welches
    er daraufhin unterzeichnete. Die Unterschrift von B.______ findet sich auf
    dem Formular je in den Rubriken „Strafklage“ und „Zivilklage“, verbunden
    mit der entsprechenden Erklärung, sich im Strafverfahren als Straf- bzw.
    Zivilkläger beteiligen zu wollen. Demgegenüber blieben insbesondere die
    Rubriken „Strafantrag“, „Kenntnisnahme der Rechts-/ Bedenkfrist“ sowie
    „Verzicht auf Strafantrag“ unausgefüllt (vgl. zum Ganzen: act. 1/V/01).

    
	
    c) Gerade bei juristischen
    Laien, wie vorliegend B.______, ergibt sich der auf die Strafverfolgung
    gerichtete Wille schon aus der blossen Strafanzeige. Wer sich an eine
    Behörde wendet und diese über eine begangene Straftat in Kenntnis setzt,
    wird üblicherweise auch wollen, dass die angezeigte Person strafrechtlich belangt
    wird (BGer 6B_972/2009 vom 16. Februar 2010 E. 3.5.1; Riedo, a.a.O., S.
    399; OG ZH SB150172 vom 31. August 2015, E. 5.2.1.3.). Mit seinem
    Erscheinen auf dem Polizeistützpunkt Glarus am Tag des Vorfalls, mit der
    Bekundung, gegen den Beschuldigten Anzeige erstatten zu wollen und da sich
    auf dem von B.______ unterzeichneten Formular „Strafantrag/Privatklage“
    (act. 1/V/01) eingangs unter „Vorfall/Delikt“ der Vermerk „schwere
    Körperverletzung“ sowie die genauen Orts- und Zeitangaben der angezeigten
    Deliktsbegehung finden, hat B.______ gegenüber der Kantonspolizei innert
    der Antragsfrist von Art. 31 StGB seinen klaren Willen zum Ausdruck
    gebracht, dass er die strafrechtliche Verfolgung des Beschuldigten für die
    ihm zugefügten Verletzungen verlangt respektive eine Bestrafung desselben
    wegen schwerer bzw. a maiore minus eventualiter wegen leichter Körperverletzung
    will. Obwohl im Formular „Strafantrag/Privatklage“ die Rubrik „Strafantrag“
    unausgefüllt blieb, liegt somit in casu bezüglich einfacher Körperverletzung
    ein gültiger Strafantrag nach Art. 30 StGB vor.

    
	
    5. Der Verteidiger des
    Beschuldigten rügt Verletzungen der Art. 3 Abs. 2 lit. a und
    Art. 4 Abs. 1 StPO, weil der seitens der Anklägerin ursprünglich
    fallführende frühere Erste Staatsanwalt voreingenommen gewesen sei, weil
    der Landammann in unzulässiger Weise Einfluss auf das Verfahren genommen
    habe und weil sich der ehemalige Erste Staatsanwalt anlässlich der
    vorinstanzlichen Hauptverhandlung in seinem Plädoyer einer unangemessen
    aggressiven Rhetorik bedient habe (act. 43 S. 3-5 m.H. auf
    act. 1/1/77 f., act. 1/0/36 und act. 17). Das
    angerufene Obergericht ist indes in der Rechtsanwendung unabhängig, allein
    dem Recht verpflichtet und ohne Weiteres in der Lage, die vorliegende
    Angelegenheit mit der gebotenen Sachlichkeit zu behandeln (Art. 4
    Abs. 1 StPO), womit allfällige im vorinstanzlichen Verfahren bzw. im
    Vorverfahren eingetretene Rechtsverletzungen als im vorliegenden
    Berufungsverfahren geheilt gelten. Deshalb und weil zudem der Beschuldigte
    hinsichtlich dieser von ihm gerügten Rechtsverletzungen keine
    (Feststellungs-) Anträge o.ä. stellen liess, braucht auf die entsprechenden
    Rügen nicht weiter eingegangen zu werden.

    
	
     

    
	
    III.

    Schuldpunkt Vorfall Holenstein – eingeklagter Sachverhalt

    
	
     

    
	
    A.           Anklagesachverhalt
    Vorfall Holenstein; Beweismittel

    
	
    1. Gemäss Anklageschrift vom
    27. Januar 2014 (act. 2) seien C.______ und B.______ am
    29. März 2013, morgens um zirka 02:30 Uhr beim Nachtlokal „[...]“ im
    „Holenstein“-Areal in Glarus im Bereich des Zugangswegs zum Parkplatz gestanden
    und hätten sich unterhalten, nachdem sie dieses Lokal zuvor besucht hätten.
    Etwas später sei der Beschuldigte zusammen mit vier Kollegen aus demselben
    Lokal durch diesen Zugangsweg gekommen und unterwegs in Richtung Parkplatz
    gewesen. Als er an C.______ und B.______ vorbeigegangen sei, habe er
    C.______ unvermittelt eine Ohrfeige gegeben. Daraufhin habe B.______ „He“
    gesagt, worauf der Beschuldigte diesem zwei Faustschläge gegen das Kinn versetzt
    habe. B.______ sei bewusstlos zu Boden gestürzt und habe einen doppelten
    Kieferbruch erlitten. Der Beschuldigte habe dann die Flucht ergriffen, ohne
    sich um den Verletzten zu kümmern.

    
	
    2. Der Beschuldigte hat im
    Laufe des Strafverfahrens eingestanden, am 29. März 2013 zur
    vorgeworfenen Tatzeit vor dem „[...]“ im Holenstein-Areal gewesen zu sein
    und B.______ einen Schlag ausgeteilt zu haben (vgl. u.a.
    act. 1/II/23 ff.). Nicht geständig ist er hingegen in Bezug auf die
    weiteren Teile des Anklagesachverhalts (insbesondere Ohrfeige an C.______;
    zweiter Faustschlag an B.______). Nachfolgend ist daher aufgrund der
    vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob die strittigen Sachverhaltsteile
    erstellt werden können. 

    
	
    3. In Bezug auf den „Vorfall
    Holenstein“ liegen im Wesentlichen folgende Beweismittel bei den Akten:
    Protokolle von Befragungen des Beschuldigten (act. 1/0/06-10;
    act. 1/II/01-10; act. 1/II/11-22; act. 1/II/23-31;
    act. 19 S. 1 ff.; act. 62 S. 3 ff.), von
    B.______ (act. 1/0/01-05; act. 1/III/01-09;
    act. 1/III/10-15), von C.______ (act. 1/0/11-15;
    act. 1/III/16-25; act. 1/III/26-30) und der Passantin bzw.
    Bardame I.______ (act. 1/0/16-18). Weiter finden sich Protokolle
    polizeilicher Befragungen der Schwester des Beschuldigten, J.______ (act. 1/IV/30-37),
    von dessen Cousin K.______ (act. 1/IV/01-06; act. 1/IV/07-10;
    act. 1/IV/11-17) und von drei seiner Kollegen, nämlich von L.______
    (act. 1/I/19-23 = act. 1/IV/18-22; act. 1/IV/23-29),
    M.______ (act. 1/I/53-59 = act. 1/IV/43-49) und N.______
    (act. 1/IV/38-42) bei den Akten. Ferner bestehen ein Polizeirapport
    (act. 1/I/01-18) sowie eine Dokumentation zur Auswertung des
    Mobiltelefons des Beschuldigten (act. 1/XIII/01-18). Sodann liegen
    hinsichtlich der Verletzungen von B.______ Arztberichte des Kantonsspitals
    Glarus (act. 1/I/46-48; act. 23/1), von PD Dr. Dr. V.______
    (act. 1/I/80-81 = act. 33/2; act. 23/1 = act. 33/6;
    act. 23/3 = act. 33/1; act. 23/6 = act. 33/4;
    act. 33/3; act. 33/5; act. 65/1), von Dr. med. W.______
    (act. 1/VII/01; act. 23/2) und von Zahnarzt Dr. U.______
    (act. 65/5-6) vor. In den vom Obergericht beigezogenen Akten der Suva
    Linth (act. 70) finden sich zusätzlich im Wesentlichen eine
    Beurteilung des die Suva beratenden Zahnarztes PD Dr. Dr. T.______ vom
    2. März 2015 (act. 70/47), je ein Befund bzw. Kostenvoranschlag
    von Zahnarzt Dr. U.______ vom 30. August 2013 (act. 70/18-19) und vom
    14. Mai 2014 (act. 70/36-37) sowie je eine Gesprächsnotiz zu zwei
    Telefonaten der Suva mit dem ehemaligen Arbeitgeber von B.______ vom
    26. November 2013 (act. 70/33) respektive mit Dr. W.______ vom
    14. Januar 2014 (act. 70/35).

    
	
     

    
	
    B.           Grundsätze der
    Beweiswürdigung; Verwertbarkeit von Beweismitteln

    
	
    1. Gemäss der aus Art. 8 und 32
    Abs. 1 BV fliessenden Maxime „in dubio pro reo“ ist bis zum gesetzlichen
    Nachweis ihrer Schuld zu vermuten, dass die wegen einer strafbaren Handlung
    beschuldigte Person unschuldig ist (Art. 6 Ziff. 2 EMRK; Art. 10 Abs. 1
    StPO; BGE 127 I 38 E. 2a; BGE 120 Ia 31 E. 2b). Dem Beschuldigten sind
    somit alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nachzuweisen – er
    hat nicht seine Unschuld zu beweisen (BGE 127 I 38 E. 2a). Verlangt
    wird aber nicht, dass ein Sachverhalt mit absoluter Gewissheit erstellt
    ist, sondern es genügt, wenn vernünftige Zweifel ausgeschlossen werden können
    (Schmid, Handbuch StPO, N 227 f.).

    
	
    2. Die vorhandenen Beweismittel
    sind frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Anhand sämtlicher Umstände,
    die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, ist zu untersuchen,
    welche Sachdarstellung überzeugend ist.

    
	
    3. Beim Abwägen von Aussagen
    ist zwischen der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer Person und der
    Glaubhaftigkeit ihrer Angaben zu unterscheiden. Während Erstere die
    Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden kann, ist Letztere
    für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, ob sich der
    behauptete Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht. Die
    allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer
    prozessualen Stellung auch aus ihrem (wirtschaftlichen) Interesse am
    Ausgang des Verfahrens sowie vor allem aus deren persönlichen Beziehungen
    und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Bei der Würdigung von
    Aussagen darf jedoch nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine
    Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden, denn dies lässt nach
    neueren Erkenntnissen keinen allgemeinen Rückschluss auf die
    Glaubhaftigkeit von Aussagen zu. Massgebend ist vielmehr die
    Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen (innere
    Gehalt derselben; Art und Weise, wie die Angaben erfolgen). Bei der Beurteilung
    der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist somit generell auf Strukturbrüche
    innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen und auf
    Widersprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl
    von Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen zu achten (zum
    Ganzen statt vieler: OG Zürich, Urteil SB140425 vom 27. Februar 2015,
    S. 13 ff. m.w.H.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor
    Gericht, 3. Aufl., München 2007, S. 72 ff.; vgl. auch Rolf Bender, Die
    häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81, 1985, S.
    53 ff.).

    
	
    4. Zu berücksichtigen ist
    ferner, dass die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör haben (Art. 3 Abs.
    2 lit. c StPO). Dazu gehört insbesondere der in Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 32
    Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch, Fragen an
    die Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen. Als „Belastungszeuge“
    in diesem Sinne gilt jede Person, deren Aussage geeignet ist, den
    Beschuldigten zu belasten, also z.B. auch Sachverständige, als
    Auskunftspersonen einvernommene Personen sowie gegebenenfalls
    Mitbeschuldigte (Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Komm.
    StPO, 2. Aufl., Zürich 2014 [nachfolgend: „ZK-StPO“], Art. 147
    N 12 ff. m.w.H.). Eine belastende Aussage von Zeugen oder
    Auskunftspersonen ist deshalb grundsätzlich nur verwertbar, wenn die
    beschuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene
    und hinreichende Gelegenheit hatte, diese Aussage in Zweifel zu ziehen und
    Ergänzungsfragen zu stellen. Auf eine Konfrontation der beschuldigten Person
    oder auf eine ergänzende Befragung von Belastungszeugen/Auskunftspersonen
    kann nur unter besonderen Umständen verzichtet werden, etwa wenn diese
    berechtigterweise das Zeugnis verweigern, wenn sie trotz angemessener
    Nachforschungen unauffindbar bleiben, dauernd oder für lange Zeit
    einvernahmeunfähig werden oder wenn sie verstorben sind (zum Ganzen: BGer
    6B_620/2014 vom 25. September 2014, E. 1.3.2 m.w.H.; BGer 6B_510/2013
    vom 3. März 2014, E. 1.3.2.). Auch haben die Parteien nach
    Art. 147 Abs. 1 StPO das Recht, bei Beweiserhebungen durch die
    Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen
    Personen Fragen zu stellen (Grundsatz der Parteiöffentlichkeit des
    Vorverfahrens). Beweise, die in Verletzung dieser Bestimmung erhoben worden
    sind, dürfen nicht – auch nicht als Indiz – zulasten der Partei verwendet
    werden, die nicht anwesend war (Art. 147 Abs. 4 StPO; BGer
    6B_510/2013 vom 3. März 2014, E. 1.3.1.; vgl. zum Ganzen auch Schleiminger Mettler,
    BSK-StPO, Art. 147 N 29 ff., v.a. N 33 und Fn. 58).

    
	
    5. Die Protokolle der
    Befragungen des Cousins des Beschuldigten, K.______ (act. 1/IV/01-06;
    act. 1/IV/07-10; act. 1/IV/11-17), der Schwester des Beschuldigten,
    J.______ (act. 1/IV/30-37), sowie seiner drei Kollegen L.______
    (act. 1/I/19-23 = act. 1/IV/18-22; act. 1/IV/23-29),
    M.______ (act. 1/I/53-59 = act. 1/IV/43-49) und N.______
    (act. 1/IV/38-42) sind als Beweismittel nicht verwertbar, da der Beschuldigte
    mit diesen Personen nie konfrontiert wurde. Ohnehin wären aber die Aussagen
    dieser Personen nicht beweiserheblich, da diese zur eigentlichen Auseinandersetzung
    zwischen dem Beschuldigten und B.______ keine Aussagen machten. Dies, weil
    sie entweder zur Tatzeit zu Hause waren (J.______, act. 1/IV/33),
    angeblich erst zum Tatort hinzukamen, als B.______ bereits am Boden lag
    (K.______, act. 1/IV/05, 13; L.______, act. 1/IV/19, 21, 25;
    M.______, act. 1/IV/45 f.) oder offenbar sonst vom Vorfall nichts
    mitbekommen haben (N.______, act. 1/IV/40). Bei den übrigen
    Beweismitteln bestehen hingegen keine Einschränkungen bezüglich deren
    Verwertbarkeit. Insbesondere wurden in den Befragungen des Beschuldigten,
    von B.______, von C.______ und von I.______ die strafprozessualen
    Belehrungsvorschriften eingehalten und die Teilnahmerechte des
    Beschuldigten gewahrt. Unschädlich ist, dass eine der Befragungen von
    B.______ in Abwesenheit des Beschuldigten durchgeführt wurde (vgl.
    act. 1/III/01-09), da dieser bzw. sein Verteidiger später Gelegenheit
    erhielt, B.______ Ergänzungsfragen zu stellen (vgl. act. 1/0/01-05).
    Sodann wurde der Beschuldigte zwar in seiner allerersten Einvernahme durch
    die Polizei weiterbefragt, obwohl er sagte, er wünsche einen Verteidiger
    (vgl. act. 1/II/02). Da er die dabei gemachten Aussagen aber in
    späteren Befragungen (in welchen er jeweils eine Verteidigerin bzw. einen
    Verteidiger zur Seite hatte) widerrief und ein Teilgeständnis abgab
    (act. 1/II/24), ist dies nicht weiter relevant.

    
	
     

    
	
    C.           Aussagen des
    Beschuldigten

    
	
    1. Anlässlich seiner
    polizeilichen Einvernahme vom 9. April 2013 (act. 1/II/01-10) gab der
    Beschuldigte an, er habe nichts mit der fraglichen Auseinandersetzung vor
    dem „[...]“ im Holenstein-Areal in Glarus zu tun. Er sei zwar am Abend des
    28./29. März 2013 in diesem Lokal gewesen, zur Tatzeit habe er sich
    aber bereits zu Hause befunden, nachdem er alleine mit dem Auto nach Hause
    gefahren sei. Angesprochen auf die Auskunftsperson C.______ sagte der
    Beschuldigte, er kenne diese vom Ausgang im „[...]“ her. Sie sei „nicht als
    braves Mädchen bekannt“ und seiner Meinung nach „ein Absturz“, da sie alle
    möglichen Drogen konsumiere. Jedes Mal, wenn er in den „[...]“ gegangen
    sei, habe er dort C.______ gesehen und nie ein Problem mit ihr gehabt. Er
    habe sie auch am 29. März 2013 zweimal draussen vor dem Eingang des
    „[...]“ gesehen, ohne dabei mit ihr gesprochen zu haben. Um welche Zeit
    dies gewesen sei, wisse er nicht, ebenso nicht, mit wem sie dort gestanden
    sei. 

    
	
    2. In der polizeilichen Einvernahme
    vom 10. April 2013 (act. 1/II/11-22) hielt der Beschuldigte an
    seiner am Tag zuvor gemachten Aussage, wonach er am Freitag, 29. März
    2013 um 02.30 Uhr zu Hause und nicht mehr im „[...]“ in Glarus gewesen sei,
    fest. Er sei an jenem Abend alleine zum „[...]“ gefahren und habe dort
    seinen Cousin K.______ und seinen Kollegen L.______ getroffen. Alkoholische
    Getränke habe er keine getrunken, da er mit dem Auto unterwegs gewesen sei.
    Zwischen 01.00 und 01.30 Uhr sei er alleine nach Hause gegangen und seine Schwester
    habe ihm zu dieser Zeit zu Hause die Türe geöffnet. Später hätten ihm
    L.______ und K.______ erzählt, dass an jenem Abend beim „[...]“ eine Auseinandersetzung
    stattgefunden habe, nach welcher eine Person am Boden gelegen sei und
    geblutet habe. B.______ kenne er nicht, er habe diesen nicht mit Faustschlägen
    im Gesicht verletzt. Er wisse nicht, weshalb B.______ und eine weitere Person
    anlässlich einer Fotowahlkonfrontation angaben, dass er der Täter gewesen
    sei. Auch habe er C.______ nicht geschlagen. 

    
	
    3. Am 13. Mai 2013 legte der
    Beschuldigte in der polizeilichen Befragung (act. 1/II/23-31) ein
    Teilgeständnis ab. Er gab an, er habe urinieren gehen wollen und sei auf
    dem Weg vor dem „[...]“ alleine an B.______ und C.______ vorbeigegangen.
    K.______ und L.______ hätten sich hinter ihm befunden, er wisse aber nicht
    in welcher Distanz. B.______ habe ihn mit der Hand „geführt“, zu reden begonnen
    und den Weg schmal gemacht. Er (der Beschuldigte) habe sich umgedreht und
    gefragt, was los sei. Als er weitergegangen sei, habe er eine Diskussion gehört,
    B.______ und eine Frau hätten geschrien. B.______ habe sich gegen ihn
    gestellt, von der Frau gelöst und sich zu ihm gedreht. Genau könne er sich
    nicht mehr erinnern. Er habe einmal zugeschlagen, sich umgedreht und sei weggegangen.
    Wie und mit welcher Hand er geschlagen habe, wisse er nicht mehr. In diesem
    Moment habe er weder den Barbesitzer S.______ noch Mitarbeitende des
    Sicherheitsdienstes gesehen. L.______ und K.______ hätten dann Hilfe geleistet
    und ihm danach gesagt, dass B.______ und C.______ betrunken gewesen seien.
    Ausser ihm habe niemand B.______ geschlagen. C.______ habe er nicht angefasst.
    Mit ihr habe er „nichts zu tun“ gehabt, insbesondere habe er sie nicht ins
    Gesicht geschlagen. Er sei betrunken gewesen, nicht so wie er normalerweise
    sei. Er habe recht viel getrunken – was genau, wisse er nicht mehr, u.a.
    aber Vodka und „Champagner Café de Paris“. In der Folge sei er ins Zentrum
    von Glarus gelaufen, von wo er seinen Cousin K.______ angerufen habe. L.______
    und K.______ seien dann beim dortigen Güterschuppen mit seinem Auto
    vorgefahren. Er sei hinten eingestiegen und zusammen seien sie nach Hause gefahren.

    
	
    4. Anlässlich der
    Schlusseinvernahme vor der Anklägerin vom 14. Januar 2013 (recte: 2014,
    act. 1/0/06-10) bekräftigte der Beschuldigte abermals, C.______ keine
    Ohrfeige gegeben zu haben. Auch habe er beim Vorbeigehen keinen Körperkontakt
    o.ä. mit ihr gehabt und ihr auch nichts gesagt. Zum Vorfall mit B.______
    sagte der Beschuldigte, als er damals aus dem „[...]“ zu seinem Auto den
    engen Weg an B.______ vorbei hochgelaufen sei, habe dieser seine Hand vor
    ihn gehalten und etwas zu ihm gesagt. Beide hätten sich gegeneinander gedreht
    und sich angeschaut. Er habe das Gefühl gehabt, B.______ schaue aggressiv und
    habe gedacht, dass ihn dieser im nächsten Moment angreifen bzw. schlagen
    könnte. Um dies zu verhindern, habe er ihm die Faust ins Gesicht geschlagen.
    Dann sei B.______ zu Boden gefallen. Er (der Beschuldigte) habe ihn liegen
    gelassen und sei weitergegangen, habe aber gesehen, dass sich mehrere Leute
    um B.______ kümmerten. Er sei in Begleitung von vier Kollegen (K.______,
    L.______, O.______ und M.______) gewesen und habe sich betrunken gefühlt.
    Er wisse aber nicht mehr, wie viel Alkohol er getrunken habe. Daran, dass
    er mit seinen Kollegen in Überzahl war, habe er im Moment des Vorfalls
    nicht gedacht, sondern er habe nur B.______ und sich gesehen.

    
	
    5. Am 18. Juni 2014 hielt
    der Beschuldigte in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (act. 19
    S. 2 f.) daran fest, B.______ einen einzigen Faustschlag verpasst
    zu haben, hingegen C.______ nicht geohrfeigt zu haben. Mit dem Kopf nach unten
    gerichtet sei er betrunken aus dem „[...]“ den Weg in Richtung Parkplatz
    hochgegangen. Dabei habe er B.______ und C.______ gesehen. B.______ sei
    plötzlich vor ihm gestanden und habe die Hand auf seine Brust gelegt. Er
    habe die Hand weggeschoben und sei weitergegangen. B.______ habe etwas gerufen,
    worauf er sich umgedreht habe und B.______ sich gegen ihn gestellt habe.
    Darauf habe er mit einem Faustschlag reagiert. Er könne sich nicht daran
    erinnern, dass ein eigentlicher kurzer Wortwechsel mit B.______ und/oder
    C.______ stattgefunden hätte.

    
	
    6. Schliesslich gab der
    Beschuldigte an der Berufungsverhandlung vom 28. August 2015 (act. 62
    S. 3 ff.) an, er könne sich an den Vorfall nicht mehr in jedem
    Detail erinnern, jedenfalls seien aber B.______ und er aufeinandergestossen,
    als er mit seinen Kollegen nach Hause habe gehen wollen. B.______ habe die
    Hand vor seine Brust gestellt und habe einen bösen Blick gehabt. Dann habe
    er blöderweise mit einem Schlag reagiert, er habe damit aber keine
    Schlägerei bewirken wollen. Er habe gegen B.______ mit der rechten Faust
    einmal zugeschlagen (er sei „eher Rechtshänder“) und sei daraufhin
    weitergegangen. Wie heftig der Faustschlag gewesen sei, könne er nicht
    sagen, er habe sich nicht darauf konzentriert, sondern einfach blöd
    reagiert. Jedenfalls habe er aber nicht gewollt, dass sich B.______
    verletze und diese Möglichkeit in jenem Moment auch nicht realisiert bzw.
    in Kauf genommen. Er habe damals nicht überlegt, dass etwas Schweres hätte
    geschehen können. C.______ habe er keine Ohrfeige gegeben, er habe diese
    überhaupt nicht berührt. Nachdem er gesehen habe, wie u.a. seine Kollegen
    erste Hilfe leisteten, habe er sich vom „[...]“ entfernt und sei zum
    Bahnhof Glarus gelaufen, wohin danach die Kollegen gekommen seien. Sie
    seien an jenem Abend mit seinem Auto zum Holenstein-Areal gefahren. Dann
    habe er die Autoschlüssel vor dem Eintritt in den „[...]“ seinem Kollegen
    L.______ abgegeben, weil er ziemlich viel Alkohol zu trinken begonnen habe,
    namentlich Vodka mit Red-Bull oder mit Orangensaft.

    
	
     

    
	
    D.           Aussagen von
    B.______

    
	
    1. B.______ wurde am
    6. April 2013 erstmals polizeilich als Auskunftsperson befragt (act. 1/III/01-09).
    Dabei gab er zu Protokoll, er habe sich am 29. März 2013 zwischen
    02.00 und 03.00 Uhr draussen vor dem „[...]“ im Bereich links beim Container,
    wo ein schmaler Weg zu den oberhalb des „[...]“ liegenden Parkplätzen
    führe, mit seiner Kollegin C.______ unterhalten. Neben ihnen sei eine Gruppe
    von ungefähr fünf Männern gestanden. Plötzlich habe einer der Männer mit
    C.______ ein Gespräch begonnen bzw. diese „angefickt“. Dann habe einer der
    Gruppe, nämlich der Beschuldigte, dieser eine Ohrfeige gegeben. Er
    (B.______), habe in der Folge zum Beschuldigten – hinter C.______ stehend –
    „He“ gesagt. Daraufhin habe ihn derselbe unverzüglich zweimal mit der
    rechten Hand mitten ins Gesicht geschlagen. Bereits nach dem ersten Schlag
    sei er nicht mehr „bei sich“ gewesen, den zweiten Schlag habe er gar nicht
    mehr richtig gespürt. Der erste Schlag habe ihn am Kinn getroffen. Wie ihn
    der zweite Schlag getroffen habe, könne er nicht mehr genau sagen. Er sei
    „wie ein Kartoffelsack“ zu Boden gegangen und habe ungefähr zehn Sekunden
    lang das Bewusstsein verloren. Dann habe er die Männer-Gruppe gefragt, was
    dies solle. Ob ihm die Gruppe etwas geantwortet habe, wisse er nicht mehr.
    Der Beschuldigte aber sei nicht mehr bei der Gruppe gestanden. Er
    (B.______) sei kein Schlägertyp und habe noch nie mit jemandem Probleme gehabt.
    Er könne nicht nachvollziehen, weshalb der Beschuldigte diesen Angriff
    verübt habe, habe er doch keinerlei Anlass dazu gegeben. Alkohol habe er an
    jenem Abend in normalem Masse getrunken, nämlich vermutlich zwei bis drei
    Biere. Beim Vorfall habe er einen doppelten Kieferbruch und Rippenprellungen
    erlitten. Ausserdem leide er unter starken Kopf- und Ohrenschmerzen,
    Schlafproblemen und Bluthochdruck. Er sei aufgrund einer Lebertransplantation
    gesundheitlich vorbelastet und regelmässig in ärztlicher Kontrolle. Er
    könne seit der Kieferoperation nicht beissen und den Mund nur wenige Zentimeter
    weit öffnen. Während mindestens sechs Wochen könne er ausschliesslich
    flüssige Nahrung zu sich nehmen und er werde für längere Zeit
    arbeitsunfähig sein. 

    
	
    2. Bei seiner zweiten
    polizeilichen Befragung als Auskunftsperson vom 15. April 2013
    (act. 1/III/10-15) sagte B.______, er sei sich „200 Prozent sicher“,
    dass der Beschuldigte ihn geschlagen habe. Nicht ganz sicher sei er
    bezüglich der Tatzeit, es könne auch früher als um 02.30 Uhr gewesen sein.
    Er habe sich damals vor dem „[...]“ beim Container mit seiner Kollegin
    C.______ unterhalten. Eine vier Männer (u.a. den Beschuldigten und
    L.______) umfassende Gruppe Ausländer sei wohl auf dem Heimweg gewesen und
    habe den schmalen Kiesweg hoch zu den Parkplätzen gehen wollen. Zwei der
    Männer seien zirka einen Meter vor den anderen beiden gelaufen. Ob der
    Beschuldigte vorne oder hinten gelaufen sei, wisse er nicht mehr. Plötzlich
    habe der Beschuldigte etwas zu C.______ gesagt. Ob diese geantwortet habe,
    wisse er nicht. Dann habe er gesehen, wie der Beschuldigte C.______ eine
    Ohrfeige gegeben habe. Anschliessend habe er „He“ gesagt, den Beschuldigten
    aber nicht angefasst. Nun habe ihm der Beschuldigte mit der rechten Hand
    zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst. L.______ sei direkt beim Schlag
    dabei gewesen, mit nicht mehr als einem Meter Abstand zu ihm. Nachdem er
    (B.______) zu Boden gefallen sei, sei der Täter in Richtung Parkplätze
    gerannt und seine Kollegen seien normal zu den Parkplätzen gelaufen. Er sei
    zirka zehn Sekunden am Boden gewesen. Als er wieder zu sich gekommen sei,
    habe er sich an ein Geländer gelehnt und Blut ausgespuckt. Dann sei er zu
    den Parkplätzen hochgegangen, wo sich bereits S.______ (Betreiber des
    „[...]“), C.______ und sein Kollege R.______ wie auch zwei bis drei Männer
    der fraglichen Ausländergruppe befunden hätten. Der Beschuldigte sei nicht
    mehr vor Ort gewesen. Aus der Stimmung der Gruppe schliesse er, dass der Beschuldigte
    sicherlich betrunken gewesen sei. Die Heilung seiner Verletzungen verlaufe
    gut, abends habe er aber immer noch starke Kiefer- und Kopfschmerzen und
    der Bluthochdruck sei noch nicht in Ordnung. Auch leide er nach wie vor unter
    Schlafproblemen. Sodann müsse er wahrscheinlich eine Zahnkorrektur vornehmen.
    Er könne noch nicht beissen und müsse noch Schmerzmittel nehmen.

    
	
    3. Sodann wurde B.______ am
    14. Januar 2014 durch die Anklägerin als Auskunftsperson
    (Art. 178 lit. a StPO) befragt (act. 1/0/01-05). Dabei gab
    B.______ wiederum an, am fraglichen Abend (28./29. März 2013) ab zirka
    23.00 oder 23.30 Uhr mit C.______ im „[...]“ in Glarus gewesen zu sein.
    Zirka eine Viertelstunde vor dem Vorfall seien sie beide nach draussen
    gegangen, wo sie sich beim Kiesweg zum Parkplatz unterhalten hätten. Sie
    hätten sich gegen eine Mauer gelehnt und plötzlich den Beschuldigten
    gesehen, welchen er zuvor nie getroffen bzw. nicht gekannt habe. Dieser sei
    mit einigen Kollegen auf sie zugekommen, wobei der Beschuldigte einer der
    vordersten in der Gruppe gewesen sei. Er denke, diese hätten nichts mit
    ihnen zu tun haben, sondern zu den parkierten Autos gelangen wollen. Er
    habe keinen Blickkontakt zu den Männern gehabt und den Beschuldigten gar
    nicht beachtet, sondern mit C.______ gesprochen. Plötzlich habe der Beschuldigte
    C.______ ohne Grund eine Ohrfeige gegeben. Er habe daraufhin nur „He“
    gesagt, Provokationen habe er keine geäussert, da er nach einer Lebertransplantation
    gesundheitlich angeschlagen sei. In diesem Moment habe ihm der Beschuldigte
    einen Faustschlag gegen den Kiefer versetzt. Als er das Gesicht zur Seite
    gewendet habe, habe ihm der Beschuldigte einen zweiten Faustschlag versetzt,
    und zwar gegen seine linke Wange. Er sei dann bewusstlos zu Boden gefallen
    und als er erwacht sei, sei von der Gruppe niemand mehr da gewesen.
    C.______ habe ihm später erzählt, dass die Männer weggerannt seien und ihn
    der Beschuldigte, als er schon bewusstlos gewesen sei, noch gegen die
    Rippen getreten habe. Davon oder vom Sturz habe er Rippenprellungen
    erlitten. Heute habe er noch Probleme beim Essen und die Geometrie des
    Kiefers bzw. die Zahnstellung sei trotz zweier Operationen verschoben. Er
    habe vor allem am Abend und beim Schlafen grosse Schmerzen, müsse eine
    Zahnspange tragen und könne grundsätzlich keine grossen und/oder harten
    Sachen mehr essen. Je nach Witterung seien seine Lippen „taub“ und er fühle
    sich auch optisch entstellt. Sodann habe er seine Arbeit verloren, weil er
    wegen seinen Verletzungen oft nicht zur Arbeit habe erscheinen können.

    
	
     

    
	
    E.           Aussagen von
    C.______

    
	
    1. Anlässlich ihrer
    polizeilichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 9. April 2013
    (act. 1/III/16-25) gab C.______ an, ihr Kollege B.______ und sie seien
    am Freitag, 29. März 2013 um zirka 02.30 Uhr in der Nähe des „[...]“
    beim zu den Parkplätzen führenden Weg gestanden. Zuvor seien sie beide seit
    zirka 23.00/24.00 Uhr im „[...]“ im Ausgang gewesen, wobei sie zwei bis
    drei Vodka mit Red Bull getrunken habe. Eine Gruppe von zirka sechs bis
    sieben Ausländern sei vom Ausgangslokal „[...]“ oder vom anderen
    Ausgangslokal „[…]“ her an ihnen vorbeigegangen. Dann habe der Beschuldigte
    etwas zu B.______ und zu ihr gesagt – was genau wisse sie nicht mehr. Sie
    hätten freundlich etwas völlig Normales geantwortet, da sie beide gut
    aufgelegt gewesen seien. Daraufhin habe der Beschuldigte ihr gleich – wohl
    mit der rechten Hand – einmal auf die linke Gesichtsseite geschlagen.
    Nachdem alsdann B.______ den Beschuldigten gefragt habe, was dies solle,
    habe dieser auch B.______ mit der rechten Faust zweimal ziemlich weit
    ausholend ins Gesicht (Mundgegend) geschlagen. Daraufhin sei B.______ wie
    ein Sack umgekippt und „wie im Dilirium“ gewesen. Er habe komische Sachen
    gesprochen und nicht begriffen, dass er verletzt sei. Auch habe B.______
    stark geblutet, das gesamte Gesicht sei blutüberströmt gewesen. Ob ihr der
    Beschuldigte eine Ohrfeige gegeben habe oder sie mit der Faust geschlagen
    habe, wisse sie nicht. Ihre Brille sei aber weggeflogen und sie habe nicht
    mehr viel gesehen. Kaputtgegangen sei die Brille nicht. Unmittelbar nach
    dem Schlag habe sie Schmerzen gehabt, danach habe sie sich auf B.______ konzentriert
    und nicht mehr auf Ihr eigenes Befinden geachtet. Am folgenden Tag habe sie
    aber wegen des Schlags des Beschuldigten Kopfschmerzen gehabt. Auf den
    Schlag des Beschuldigten habe sie nicht reagiert, vielmehr sei sie geschockt
    gewesen, weil sie überhaupt nicht damit gerechnet habe. Die anderen
    Ausländer seien weitergegangen und bereits bei den Parkplätzen in zirka
    zehn Meter Entfernung gestanden. Sie hätten zwar mitbekommen, was der
    Beschuldigte getan habe, hätten aber selber nicht bei der
    Auseinandersetzung mitgewirkt. Der Beschuldigte selber sei davongerannt,
    als B.______ zu Boden gegangen sei, und zwar zunächst in Richtung seiner
    Kollegen und anschliessend in Richtung Hauptstrasse oder Bahnhof.

    
	
    2. Am 29. April 2013 wurde
    C.______ erneut durch die Polizei als Auskunftsperson befragt
    (act. 1/III/26-30). Dabei sagte sie aus, B.______ und sie seien am
    fraglichen Abend vor dem „[...]“ gestanden. Dann sei eine Gruppe Ausländer
    an ihnen vorbeigegangen und zirka zehn Meter dahinter sei noch der
    Beschuldigte gekommen. Dieser habe etwas gesagt und sie hätten darauf
    etwas, jedenfalls nichts Schlimmes, erwidert. Nun habe der Beschuldigte ihr
    ins Gesicht geschlagen. Als B.______ ihr zu Hilfe gekommen sei, habe der
    Beschuldigte diesen ebenfalls geschlagen. Danach sei der Beschuldigte
    weggerannt. B.______ sei dann maximal eine Minute lang am Boden gelegen.
    Auch der beste Kollege des Beschuldigten, L.______, den sie von gemeinsamem
    Kampfsport her von früher kenne, sei in der Gruppe gewesen. L.______ habe
    die Tat des Beschuldigten aus einer Entfernung von 20 bis 30 Metern
    gesehen, sei dann zu ihnen gerannt und habe gefragt, ob alles in Ordnung
    sei. Vor dem Vorfall habe sie den Beschuldigten am fraglichen Abend bereits
    ein oder zwei Mal im „[...]“ gesehen, dies jedoch ohne dass sie miteinander
    etwas geredet oder sonst wie zu tun gehabt hätten. An jenem Abend habe sie
    insgesamt zwei bis drei Vodka-Red Bull getrunken, Betäubungsmittel hingegen
    habe sie keine konsumiert. Sie habe sich „tiptop“ gefühlt, sei sicher nicht
    betrunken gewesen und wisse, was geschehen sei.

    
	
    3. Schliesslich wurde C.______
    am 24. Januar 2014 durch die Anklägerin als Auskunftsperson befragt
    (act. 1/0/11-15). Sie bestätigte die anlässlich ihrer polizeilichen
    Befragungen gemachten Aussagen und erklärte, sie habe den Beschuldigten vom
    Sehen her gekannt, ihn schon im Ausgang getroffen und mit einigen seiner
    Kollegen Kampfsport betrieben. Auch am fraglichen Abend habe sie die Kollegengruppe
    des Beschuldigten im „[...]“ wahrgenommen, aber mit dem Beschuldigten habe
    sie im „[...]“ nicht gesprochen. B.______ sei seit rund viereinhalb bis
    fünf Jahren ein recht guter Kollege von ihr. Sie hätten sich bis vor einem
    halben Jahr jeweils am Wochenende gesehen. Sie seien befreundet, aber kein
    Paar gewesen. Vom Vorfall habe sie keine Verletzungen davongetragen,
    sondern lediglich in jenem Moment einen Schock erlitten. Sie sei am 29.
    März 2013 um zirka 02.00 bis 02.15 Uhr mit B.______ zusammen beim „[...]“
    im Freien gestanden, als eine Gruppe Jugendlicher dahergekommen sei. Bei
    der Gruppe habe es sich um Kollegen des Beschuldigten gehandelt. Der
    Beschuldigte selber sei in einem Abstand von zirka vier bis fünf Metern der
    Gruppe nachgefolgt und habe dann „irgend einen Spruch“ geäussert. Sie habe
    ihm geantwortet, wisse aber nicht mehr, was genau. Dann sei es schnell
    gegangen und der Beschuldigte habe ihr eine Ohrfeige gegeben, sodass ihre
    Brille weggeflogen sei. B.______ habe den Beschuldigten daraufhin gefragt,
    was dies solle, worauf dieser – ohne zuvor zu antworten – mit der rechten
    Faust zweimal gegen den Mund von B.______ geschlagen habe. B.______ sei auf
    das Gesicht gestürzt und der Beschuldigte sei davongerannt. Der
    Beschuldigte habe B.______ indes nicht getreten, als dieser am Boden
    gelegen sei. Die Kollegengruppe sei zirka zwanzig Meter davon entfernt gestanden
    und deren Mitglieder hätten realisiert, was sich ereignet hatte, zumal
    L.______, ein Kollege des Beschuldigten, zu ihnen gekommen sei und gefragt
    habe, ob alles in Ordnung sei. B.______ habe den Beschuldigten nicht
    provoziert, sondern sei mit ihr ins Gespräch verwickelt und darauf
    konzentriert gewesen, als der Beschuldigte zu ihnen gekommen sei. Ob der Beschuldigte
    alkoholisiert gewesen sei, könne sie nicht beurteilen, er habe aber nicht
    nach Alkohol gerochen, sei nicht getorkelt und habe auch nicht „gelallt“.

    
	
     

    
	
    F.           Aussagen von
    I.______

    
	
    Die von der Anklägerin am
    24. Januar 2014 als Zeugin befragte I.______ sagte aus
    (act. 1/0/16-18), sie sei am 29. März 2013 im „[...]“ im Ausgang
    gewesen und habe an anderen Abenden dort als Bardame gearbeitet. Sie habe
    damals zur fraglichen Zeit die Schwester ihres Freundes vom „[...]“ nach
    Murg gefahren. Als sie zum Auto gegangen sei, habe sie B.______ und
    C.______ am Weg am Geländer stehen gesehen. Als sie zurückgekehrt sei, habe
    sich B.______ seinen Mund gehalten und alles sei voller Blut gewesen. Sie
    habe B.______ gefragt, ob es gehe, worauf dieser die Hand weggenommen habe
    und „ja“ gesagt habe. Es habe „grausig“ ausgesehen. Den Vorfall selber
    hingegen habe sie nicht gesehen. Auf Vorhalt einer entsprechender Foto
    erklärte I.______ sodann, der Beschuldigte sei ihr an jenem Abend als
    extrem aggressiv aufgefallen. Er habe sie aus heiterem Himmel, nachdem sie
    zuvor nicht miteinander zu tun gehabt hätten, weggestossen und gesagt „geh
    weg!“, als sie nicht sofort weggegangen sei. Ob und wie stark der Beschuldigte
    alkoholisiert war, wisse sie nicht.

    
	
     

    
	
    G.          Beweismittel zu
    den Verletzungen des Berufungsbeklagten 2

    
	
    1.                a)      In
    einem Bericht des Kantonsspitals Glarus zur dortigen ambulanten
    Erstbehandlung von B.______ am 29. März 2013 (act. 23/1 =
    act. 70/8) wird im Wesentlichen festgehalten, dass die durchgeführte
    Computertomographie eine Unterkieferfraktur ergeben habe. Sodann bestehe
    eine Inkongruenz der unteren Zahnreihe, ein nicht regelrechter
    Kieferschluss und eine leichte Blutung innerhalb des Mundes. Im Übrigen sei
    B.______ bei Spitaleintritt bei vollem Bewusstsein gewesen.

    
	
    b)                Ferner
    erteilte die chirurgische Klinik des Kantonsspitals Glarus der Anklägerin
    am 10. Mai 2015 eine schriftliche Auskunft (act. 1/I/46-48 =
    act. 23/1). Gemäss dieser habe der Beschuldigte eine
    Unterkieferfraktur erlitten, welche einen unvollständigen Kieferschluss,
    Zahninkongruenz und Schmerzen zur Folge gehabt habe. Die Verletzung sei
    durch einen Schlag gegen den Unterkiefer entstanden und eine
    Selbstbeibringung sei unwahrscheinlich. Es habe zu keinem Zeitpunkt
    unmittelbare Lebensgefahr für B.______ bestanden und eine solche wäre auch
    nicht zu erwarten gewesen, wenn keine ärztliche Versorgung stattgefunden
    hätte. Über bleibende Schäden könne derzeit nichts ausgesagt werden. Es
    hätten keine krankhaften vorbestehenden Veränderungen den Ablauf der Ereignisse
    beeinflusst und Hinweise auf unübliche Zustände, welche den Verlauf oder
    die Heilung erschweren, gebe es keine.

    
	
    2.                a)      PD
    Dr. Dr. V.______ (Universitätsspital Zürich, Klinik für Mund-, Kiefer- und
    Gesichtschirurgie) hält in einem Bericht an die Anklägerin vom
    19. Juni 2013 (act. 1/I/80-81 = act. 33/2) fest, B.______
    habe – abgesehen von Nebendiagnosen wie Kapillarblutungen der Haut sowie
    (vorbestehenden) Leber-, Nieren und Schilddrüsenkrankheiten – eine
    zweifache Unterkieferfraktur erlitten (Paramedian rechts und Kieferwinkel
    links), welche am 30. März 2013 operiert worden sei (zur Operation im
    Detail, u.a. bezüglich Setzen von Schrauben und Platten, vgl.
    Operationsbericht von PD Dr. Dr. V.______ vom 30. März 2013
    [act. 33/5]). Am 4. April 2013 sei B.______ in die ambulante
    Nachbehandlung entlassen worden. Bei zwei ambulanten Nachkontrollen am
    10. April 2013 und am 23. April 2013 habe sich ein regelrechter
    Heilungsverlauf gezeigt. Arbeitsunfähigkeit habe bis zum 12. April 2013
    bestanden. Die Beschreibung des Vorfallhergangs (wie das Kantonsspital
    Glarus erwähnt PD Dr. Dr. V.______ einen Faustschlag) sei für die
    erlittenen Verletzungen des Unterkiefers schlüssig.

    
	
    b)                Im
    Austrittsbericht des Universitätsspitals Zürich vom 4. April 2013
    (act. 23/1 = act. 33/6) werden ebenfalls die soeben genannten
    Diagnosen aufgeführt. Ferner geben die Ärzte an, der unmittelbare Verlauf
    nach der Operation vom 30. März 2013 sei komplikationsfrei verlaufen.
    Am 4. April 2013 sei B.______ ohne Komplikationen nach Hause entlassen
    worden. Insbesondere habe sich bei Austritt die Haut allseits intakt ohne
    Schwellungen gezeigt und die Kiefergelenke seien ohne Auffälligkeiten. Die
    Mundöffnung sei gerade, die Zungenbeweglichkeit gut und die Wundränder
    unauffällig. In den kommenden zwei Wochen sollte die Ernährung mittels
    weicher Kost erfolgen.

    
	
    c)                Gemäss dem
    Austrittsbericht des Universitätsspitals Zürich vom 24. Oktober 2013
    (act. 23/6 = act. 33/4) und dem dazugehörigen Operationsbericht
    vom 23. Oktober 2013 (act. 33/3) war B.______ vom 23. Oktober 2013 bis
    zum 24. Oktober 2013 zwecks geplanter Operation (Entfernung des
    Osteosynthesematerials [Schrauben, Platten], Konturkorrektur des
    Kieferwinkels links und Entfernung der Weisheitszähne 18, 28 und 48)
    nochmals dort hospitalisiert. Der Verlauf habe sich komplikationsfrei
    gestaltet und B.______ habe am 24. Oktober 2013 in gutem Allgemeinzustand
    nach Hause entlassen werden können. Bis am 28. Oktober 2013 habe er
    Antibiotika einzunehmen und sich während zwei Wochen mittels weicher Kost
    zu ernähren. Vom 16. Oktober 2013 (recte wohl 23. Oktober 2013, vgl.
    act. 70/31) bis am 3. November 2013 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit zu
    100 Prozent.

    
	
    d)                In einem
    Kostengutsprachegesuch vom 11. April 2014 (act. 23/3 =
    act. 33/1) hält PD Dr. Dr. V.______ sodann fest, bei B.______ liege
    eine schmerzhafte „ausgeprägte Hypertrophie des musculus masseter
    linksseitig“ (übermässige Vergrösserung des linksseitigen Kaumuskels) vor.
    Zur Behandlung plane er die Injektion von Botulinumtoxin in die Muskulatur.
    Der Krankenversicherer von B.______ lehnte indes die Kostengutsprache mit
    Schreiben vom 29. April 2014 (act. 23/3) ab.

    
	
    e)                Aus der
    Patientendokumentation des Universitätsspitals Zürich (act. 65/1) ist
    zusätzlich zu den sich aus den vorstehenden Arztberichten ergebenden
    Informationen ersichtlich, dass B.______ mehrmals bei PD Dr. Dr. V.______
    in Kontrolluntersuchungen war (10. April 2013, 23. April 2013, 9. Juli
    2013, 8. Oktober 2013, 29. Oktober 2013, 12. November 2013 und 4. März
    2014). So führt PD Dr. Dr. V.______ beispielsweise zur Kontrolle vom
    9. Juli 2013 aus, der Kieferwinkel links sei „etwas prominent“, es
    bestehe kein mentaler Kompressions- oder Distraktionsschmerz, der
    Kieferknochen bewege sich regelrecht mit und es seien keine Geräusche
    wahrnehmbar. Zur letzten in der Patientendokumentation verzeichneten
    Kontrolle vom 4. März 2014 heisst es, es gehe soweit recht, der
    Patient plane allenfalls eine Korrektur der Zahnfehlstellung des Unterkiefers,
    wobei die Kostenübernahme unklar sei. Objektiv wird von einem „immer noch
    prominenten“ Kieferwinkel links und einem ausgeprägten Masseter links berichtet,
    ebenfalls von der besagten Zahnfehlstellung der Unterkieferfront, wobei
    diesbezüglich festgehalten wird, diese sei auch bereits auf dem allerersten
    Tomographenbild nach dem Unfall zumindest in Ansätzen zu sehen gewesen. Im
    Übrigen wird ein unauffälliger Verlauf geschildert (gewöhnliche Okklusion,
    keine Geräusche, kein mentaler Kompressions- oder Distraktionsschmerz).

    
	
    3.                Vom Hausarzt
    von B.______, Dr. med. W.______, liegen zwei ärztliche Zeugnisse bei den
    Akten. Im Arztzeugnis vom 5. April 2013 (act. 1/VII/01 =
    act. 23/2), mithin einen Tag nach Austritt aus dem Universitätsspital
    Zürich, hält dieser Arzt fest, die Heilung mache gute Fortschritte, es
    werde aber mehrere Wochen dauern, bis B.______ wieder ohne Beschwerden
    werde kauen können und wieder arbeitsfähig sein werde. Im Zeugnis vom
    6. Mai 2013 (act. 23/2) schreibt Dr. W.______, der
    Heilungsverlauf sei zeitgerecht, es sei jedoch mit einer recht langwierigen
    Heilungszeit zu rechnen. Kompliziert werde die Heilung durch eine
    Krankheit, welche die Blutplättchenbildung betreffe und zusätzlich müsse
    B.______ wegen einer früheren Lebertransplantation regelmässig Medikamente
    einnehmen. B.______ sei vom 29. März 2013 bis am 21. April 2013 arbeitsunfähig
    gewesen, seine sportlichen Tätigkeiten dürfe er nur mit grosser Vorsicht
    wieder aufnehmen. In einem Arztzeugnis vom 5. November 2013
    (act. 70/30) bescheinigte Dr. W.______ sodann B.______ eine
    100-prozentige Arbeitsunfähigkeit vom 4. bis am 10. November 2013
    (vgl. auch act. 70/31, 33). Schliesslich liess Dr. W.______ am
    14. Januar 2014 auf telefonische Anfrage der Suva hin erklären, bei
    ihm fänden keine weiteren Behandlungen von B.______ mehr statt (vgl. Telefonnotiz
    der Suva, act. 70/35).

    
	
    4.                a)      Zahnarzt
    Dr. U.______ hält in einem Befund- bzw. Kostenvoranschlagformular vom 30.
    August 2013 (act. 70/18-19) unter der Rubrik „Sofortmassnahmen“ fest,
    bei B.______ sei eine Schliffkorrektur und Herstellung von Beweglichkeit
    notwendig (therapeutische Massnahmen: Politur und schleifen). Dafür
    erteilte die Suva mit Schreiben vom 10. September 2013
    (act. 70/20) Kostengutsprache. Im Übrigen hielt Dr. U.______ unter
    „Vorschläge für die Zwischenbehandlung“ fest, es sei eine Beobachtung von
    mindestens einem Jahr nötig. Unter „Vorschläge für die definitive
    Versorgung“ notierte er schliesslich: „mal so lassen“.

    
	
    b)                Mit einem
    weiteren Befund- bzw. Kostenvoranschlagformular vom 14. Mai 2014
    (act. 70/36-37) ersuchte Zahnarzt Dr. U.______ die Suva um Kostengutsprache
    für eine Invisalign-Therapie (Zahnspange) von B.______ zwecks Korrektur
    einer Zahnfehlstellung aufgrund des Kieferbruchs.

    
	
    c)                In einem
    Schreiben der Zahnarztpraxis Dr. U.______ (unterzeichnet von der
    Praxismanagerin Q.______) vom 11. August 2015 (act. 65/5) wird sodann
    ausgeführt, die Notwendigkeit einer Zahnkorrektur im Unterkiefer (vgl. auch
    die diesbezüglichen Kostenvoranschläge, act. 65/6 und act. 70/36)
    sei auf den am 29. März 2013 erlittenen doppelten Kieferbruch
    zurückzuführen. Der Zahnengstand habe vorher nicht bestanden, Röntgenbilder
    und Gebissmodelle aus der Zeit vor dem Vorfall lägen indes keine vor.

    
	
    5.                Schliesslich
    schreibt der die Suva beratende Zahnarzt PD Dr. Dr. T.______ in einer
    Beurteilung vom 2. März 2015 (act. 70/50), der fragliche Unterkiefer-Zahnengstand
    sei im Rahmen der natürlichen Engstandsbildung zu sehen. Weil das
    Unfallversicherungsgesetz lediglich eine restitutio ad similem (Wiederherstellung
    des Gesundheitszustands vor dem Unfall) vorsehe, könne dem Antrag auf
    Kostenübernahme nicht zugestimmt werden. Infolgedessen erliess die Suva
    nach zunächst informeller Mitteilung der Verweigerung der Kostengutsprache
    (vgl. act. 70/49, 52) am 3. August 2015 eine entsprechende
    abschlägige Verfügung (act. 70/54), gegen welche B.______ Einsprache
    erheben liess (vgl. act. 59).

    
	
     

    
	
    H.           Weitere
    Beweismittel

    
	
    Der ebenfalls als Beweismittel
    bei den Akten liegende Polizeirapport vom 6. Juli 2013
    (act. 1/I/01-18) sowie die Dokumentation der Auswertung des
    Mobiltelefons des Beschuldigten (act. 1/XIII/01-18) enthalten keine
    Angaben, aus welchen sich Erkenntnisse zum genauen Tathergang (allfälliger
    zweiter Faustschlag, Tätlichkeit, u.ä.) entnehmen liessen. Sie brauchen
    daher im Folgenden mangels Relevanz nicht weiter gewürdigt zu werden.

    
	
     

    
	
    I.            Würdigung der
    Aussagen und der weiteren Beweismittel

    
	
    1.                a)      Hinsichtlich
    der generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist zu
    berücksichtigen, dass dieser nicht unter Strafdrohung zu wahrheitsgemässen
    Aussagen verpflichtet ist und als unmittelbar vom Strafverfahren
    Betroffener ein legitimes Interesse daran haben dürfte, die Geschehnisse in
    einem für ihn möglichst günstigen Licht darzustellen. Seine Aussagen sind
    daher mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen.

    
	
    b)                 C.______ und
    B.______ wurden als Auskunftspersonen einvernommen und waren
    dementsprechend ebenfalls nicht zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet.
    Ebenso dürften beide als unmittelbar vom vorliegenden Strafverfahren
    Betroffene sowie zumindest damals freundschaftlich verbundene Personen ein
    legitimes – bei B.______ angesichts der von ihm geltend gemachten Zivilansprüche
    auch finanzielles – Eigeninteresse am Ausgang des Verfahrens und somit
    daran haben, den Vorfall so zu schildern, dass es für sie selbst und für
    die Kollegin bzw. den Kollegen möglichst vorteilhaft erscheint. Ihre
    Aussagen sind daher ebenfalls mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen
    (insoweit übereinstimmend der Verteidiger des Beschuldigten, vgl.
    act. 46 S. 7: act. 62 S. 21, vgl. im Übrigen aber
    hinten, E. III.I.6.). Im Übrigen sind zwar an sich Aussagen von Auskunftspersonen
    wie C.______ und B.______ ein weniger wertvolles Beweismittel als Zeugenaussagen,
    da die Aussagen nicht unter Androhung von Strafe bei unwahrer Aussage
    (Art. 307 StGB) gemacht wurden (Riklin, OFK-StPO, Art. 178
    N 2). Entscheidend ist aber ohnehin nicht die allgemeine
    Glaubwürdigkeit einer Auskunftsperson, Zeugin oder beschuldigten Person,
    sondern die Glaubhaftigkeit von deren konkreten Aussagen (vgl. vorne,
    E. III.B.3.; Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO). Ausserdem erfolgten
    die Aussagen von C.______ und B.______ – wie jene des Beschuldigten –
    immerhin durchwegs unter Hinweis auf die Straffolgen der falschen
    Anschuldigung (Art. 303 StGB), der Irreführung der Rechtspflege
    (Art. 304 StGB) und der Begünstigung (Art. 305 StGB).

    
	
    c)                 Bezüglich
    der allgemeinen Glaubwürdigkeit der Zeugin I.______ ist festzuhalten, dass
    diese ihre Aussagen unter der strengen Strafdrohung von Art. 307 StGB
    gemacht hat (act. 1/0/16). Weil sie sich somit der Konsequenz einer
    Falschaussage bewusst war und in den Akten keine anderweitigen Umstände
    ersichtlich sind, welche ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen
    vermöchten (gemäss eigenen Aussagen kenne sie zwar B.______ aus dem
    „[...]“, sei aber keine Kollegin desselben, act. 1/0/17), geniesst sie
    erhöhte Glaubwürdigkeit.

    
	
    2.                a)  In Bezug
    auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ist zunächst
    festzuhalten, dass dieser – wie bereits die Vorinstanz festhielt
    (act. 42 E. III.2.6.) – die erste Phase des Aufeinandertreffens
    mit B.______ ab der polizeilichen Einvernahme vom 13. Mai 2015 mit
    jeder Befragung zunehmend zugespitzter bzw. etwas bedrohlicher darstellte:
    Konkret gab er zunächst an, B.______ habe ihn mit der Hand „geführt“
    (act. 1/II/24), dann sagte er aus, B.______ habe seine Hand vor ihn
    gehalten (act. 1/0/07) und später sprach er gar davon, dass B.______
    ihm die Hand auf seine Brust gelegt habe (act. 19 S. 2;
    act. 62 S. 8). Wenngleich einige Zeit zwischen den verschiedenen
    Einvernahmen verging und gewisse Abweichungen in den Aussagen daher
    durchaus als normal gelten können, handelt es sich vorliegend doch um
    gewichtige Abweichungen, mithin um ein auffälliges Aussageverhalten.

    
	
    b)                 Auffällig
    ist sodann – abgesehen von gewissen widersprüchlichen Angaben zum
    Randgeschehen (vgl. insbesondere seine Aussagen in der Einvernahme vom
    13. Mai 2013 [act. 1/II/24], wonach er urinieren habe gehen
    wollen, wohingegen er später aussagte [act. 1/0/07; act. 19
    S. 2; act. 62 S. 10], er habe zu seinem Auto bzw. nach Hause
    gehen wollen) –, dass der Beschuldigte in der polizeilichen Einvernahme, in
    welcher er erstmals sein Teilgeständnis abgab, aussagte, nicht mehr zu
    wissen, wie und mit welcher Hand er geschlagen habe (act. 1/II/27), in
    der Berufungsverhandlung dann aber auf einmal überzeugt angab, dies sei mit
    der rechten Faust geschehen (act. 62 S. 7). Ebenso sprach er
    zunächst (vgl. z.B. act. 1/II/23-31.) noch in keiner Weise davon, dass
    B.______ aggressiv geschaut haben soll und er das Gefühl gehabt habe,
    angegriffen zu werden. Entsprechende Aussagen erfolgen erst in der
    staatsanwaltlichen Einvernahme vom 14. Januar 2014 (act. 1/0/08)
    und an der Berufungsverhandlung (act. 62 S. 8).

    
	
    c)                 All diese
    Aspekte deuten darauf hin, dass der Beschuldigte sich seine Version der
    Geschehnisse zurechtlegte und mit zunehmender Anzahl der Einvernahmen in
    einigen Punkten noch verfeinerte, um sich in einem günstigeren Licht
    erscheinen zu lassen. Aber auch innerhalb seiner Version der Geschehnisse
    ist eine gewisse Widersprüchlichkeit bzw. fehlende Logik auszumachen: In
    der polizeilichen Einvernahme vom 13. Mai 2013 (act. 1/II/24-30)
    hatte der Beschuldigte noch ausgeführt, nachdem er von B.______ berührt
    worden sei und mit ihm gesprochen habe, sei er weitergegangen und erst
    danach habe sich B.______ gegen ihn gestellt und habe er zugeschlagen. Ein
    derartiger Ablauf macht indes keinen Sinn, ist doch nicht nachvollziehbar,
    wie B.______ sich hätte gegen den Beschuldigten stellen können, wenn
    Letzterer darin begriffen war, sich vom Ort des Zusammentreffens zu
    entfernen. In der darauffolgenden Schlusseinvernahme vor der Anklägerin vom
    14. Januar 2013 (act. 1/0/06-10) erwähnt der Beschuldigte dieses
    Weitergehen denn auch nicht mehr, sondern führt nunmehr aus, sogleich
    nachdem er etwas zu B.______ gesagt habe, hätten sie sich angeschaut und
    dann habe er B.______ geschlagen. 

    
	
    d)                 Der
    Beschuldigte (act. 1/II/27) bzw. dessen Verteidiger (act. 46
    S. 7) bringen vor, dass er mit seinem in der polizeilichen Einvernahme
    vom 13. Mai 2015 geäusserten teilweisen Geständnis reinen Tisch habe
    machen wollen, mithin zu den Fragen der Tätlichkeit gegen C.______ und
    jener eines zweiten Faustschlags gegen B.______ sicher nicht lügen würde
    bzw. hierfür kein Anreiz bestehe. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig,
    denn wenn sich anstatt eines Faustschlags zwei solche Schläge und
    zusätzlich eine Tätlichkeit erstellen lassen, hat dies für den
    Beschuldigten nachteilige Auswirkungen bei der Strafzumessung. Es besteht
    somit seitens des Beschuldigten durchaus ein Interesse, die eingeklagte
    Tätlichkeit und den ebenfalls zur Debatte stehenden zweiten Faustschlag abzustreiten.
    Bezüglich dieser Sachverhaltselemente bietet sich ein Abstreiten auch an,
    weil sich diese – anders als das Faktum, dass B.______ wegen (eines oder
    mehreren) Schlägen einen Kieferbruch erlitt – nicht direkt z.B. mittels
    Arztberichten o.ä. beweisen lassen, sondern der Sachverhalt diesbezüglich
    mittels Aussagen- bzw. Indizienwürdigung zu erstellen ist.

    
	
    e)                 Im Übrigen
    ist bei der Version des Beschuldigten nicht einzusehen, weshalb B.______
    dem Beschuldigten gegenüber hätte aggressiv auftreten sollen (Berührungen,
    aggressive Blicke, sich gegen ihn stellen [vgl. vorne,
    E. III.C.4.-6.]) respektive aufgrund welcher Geschehnisse sich der
    Beschuldigte von B.______ provoziert gefühlt haben sollte, wie dessen
    Verteidiger geltend macht (act. 43 S. 5). Zumindest in der
    Wahrnehmung von B.______ und C.______ (vgl. act. 1/III/02;
    act. 1/III/18, 26, 28), befand sich die Gruppe mit den Kollegen des
    Beschuldigten (K.______ und L.______) beim Vorfall in der Nähe.
    Demgegenüber hatte der gesundheitlich angeschlagene B.______ neben sich
    einzig C.______, sodass offenkundig unausgeglichene Kräfteverhältnisse zum
    Nachteil von B.______ geherrscht hätten. Ausserdem haben sich gemäss den
    eigenen Aussagen des Beschuldigten dieser sowie B.______ vor dem Vorfall
    nicht einmal gekannt und auch C.______ kannte er nur flüchtig und sprach
    mit ihr in der Tatnacht nicht, sondern hat diese lediglich gesehen. Als
    Auslöser deutlich plausibler als ein provokatives, aggressives Auftreten
    von B.______ ist somit, dass B.______ und C.______ in ein Gespräch
    verwickelt waren und der angetrunkene (vgl. hinten, E. III.I.8.)
    Beschuldigte sie plötzlich angesprochen und sogleich zugeschlagen hat (vgl.
    nachfolgend, E. III.I.3.-7.). Jedenfalls steht die Aussage, B.______
    habe ihm die „Hand geführt“, zu reden begonnen und den Weg schmal gemacht,
    in Widerspruch zu den Aussagen von B.______ und C.______, dass sie quasi
    mit dem Rücken zum Beschuldigten in ein Gespräch verwickelt gewesen seien. 

    
	
    f)                  Nach dem
    Gesagten ergibt sich insgesamt, dass die Aussagen des Beschuldigten in
    mehrerlei Hinsicht unplausibel, in Einzelheiten inkonstant sowie teils
    widersprüchlich sind. Zwar verging zwischen den einzelnen Einvernahmen des
    Beschuldigten jeweils einige Zeit, doch weisen diese Implausibilitäten ein
    derart schweres Gewicht auf, dass allein dieses Faktum die
    Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten nicht zu entkräften mag.
    Die vom Beschuldigten verfochtene Beschreibung des anklagegegenständlichen
    Ereignisses vor dem „[...]“ in Glarus vermag demnach bereits als solche
    nicht zu überzeugen.

    
	
    3.                a)      B.______
    sagte in allen drei polizeilichen bzw. staatsanwaltlichen Einvernahmen
    konstant aus, wie er sich zur fraglichen Zeit vor dem „[...]“ befand und
    mit C.______ sprach, wie jemand aus der Kollegengruppe des Beschuldigten
    sie angesprochen hat und wie es gemäss seinen Wahrnehmungen plötzlich zu einer
    Ohrfeige gegenüber C.______ und nach einer Rückfrage seinerseits zu zwei
    Faustschlägen des Beschuldigten ihm gegenüber kam. Aus den Aussagen von
    B.______ ergibt sich ein plausibler Ablauf der Dinge.

    
	
    b)                Dieser hohen
    Glaubhaftigkeit der Aussagen von B.______ schaden einige leichte Unschärfen
    nicht: Zwar machte B.______ von Einvernahme zu Einvernahme leicht unterschiedliche
    Aussagen zur Anzahl Kollegen in der Gruppe des Beschuldigten („ungefähr
    fünf Männer“ [act. 1/III/02], „vier Männer“ [act. 1/III/11],
    „einige Kollegen“ [act. 1/0/03]) und zur örtlichen Position der Gruppe
    bzw. jener des Beschuldigten innerhalb derselben (die Männergruppe sei neben
    ihm und C.______ gestanden [act. 1/III/02] vs. diese sei zu ihnen
    gelaufen, wobei zwei Männer weiter vorne als die anderen gelaufen seien und
    er nicht wisse, in welcher Position der Beschuldigte gelaufen sei
    [act. 1/III/11] vs. der Beschuldigte sei einer der Vordersten gewesen
    [act. 1/0/04]), doch geht es dabei lediglich um ein Randgeschehen.
    Prima vista fehlt es sodann den von B.______ in der zweiten polizeilichen
    Einvernahme und in der staatsanwaltlichen Einvernahme zum Folgegeschehen
    nach den Faustschlägen gemachten Aussagen an Logik (so auch der Verteidiger
    des Beschuldigten, act. 43 S. 6): War B.______ – wie er in jeder
    Befragung angab – bewusstlos, so konnte er nicht mitbekommen haben, was
    nach dem einen Faustschlag bzw. den zwei Faustschlägen geschah. Dennoch gab
    er in der zweiten polizeilichen Einvernahme an, nachdem er zu Boden gefallen
    sei, sei der Beschuldigte in Richtung Parkplätze weggerannt
    (act. 1/III/12). Bei der staatsanwaltlichen Einvernahme erklärte er
    sodann (act. 1/0/03), der zweite Faustschlag sei gegen seine linke
    Wange erfolgt, nachdem er sein Gesicht zuvor noch zur Seite gewendet habe,
    und dann sei er zu Boden gefallen. Dem steht die Aussage von B.______ in
    der ersten polizeilichen Einvernahme gegenüber, wonach er den zweiten vom Beschuldigten
    verpassten Schlag gar nicht mehr richtig gespürt habe (act. 1/III/04).
    Aufgrund des Gesamtbilds der Aussagen von B.______ liegt indes der Schluss
    nahe, dass dieser hinsichtlich der Geschehnisse nach dem zweiten erlittenen
    Faustschlag lediglich vom Hörensagen berichtete, indes vergass bzw.
    unterliess, dies entsprechend zu deklarieren (vgl. insbesondere
    act. 1/0/03: „C.______ erzählte mir später […]“; auch C.______ gab an,
    mit B.______ über den Vorfall gesprochen zu haben, vgl. act. 1/0/15;
    dabei handelt es sich aber nicht um Absprachen, vgl. hinten,
    E. III.I.6.). Damit lässt sich nicht sagen, in den Aussagen von
    B.______ lägen logische Brüche oder Ähnliches vor. 

    
	
    c)                Vielmehr ist
    die Glaubhaftigkeit von dessen Aussagen auch deshalb gegeben, weil dieser –
    zumindest in seinen polizeilichen Befragungen (act. 1/III/11-12;
    act. 1/III/02, 04, 05) – häufig gewissenhaft angab, in welchen Punkten
    er sich bei seinen Aussagen sicher ist und in welchen nicht. Sodann sagte
    B.______ zum Thema der erlittenen Rippenverletzungen vorsichtig aus, indem
    er deklarierte, dass er von C.______ erfahren habe, dass der Beschuldigte
    ihn getreten habe und sogleich relativierend anfügt, die Rippenprellungen
    könnten auch vom Sturz herrühren (act. 1/0/03). Glaubhaft ist aufgrund
    dieses gewissenhaften Aussageverhaltens von B.______ daher auch seine
    Bemerkung, weil er gesundheitlich vorbelastet sei, sei er nicht der Typ,
    welcher die Konfrontation suche (act. 1/III/02; act. 1/0/04).
    Dies wiederum verleiht seiner Schilderung der Geschehnisse zusätzliche
    Überzeugungskraft.

    
	
    d)                 Nach dem
    Gesagten und insbesondere, weil B.______ bezüglich des Kerngeschehens in
    allen seiner drei Einvernahmen übereinstimmend aussagte, erscheinen dessen
    Aussagen nicht als konstruiert, sondern als glaubhaft und ist es
    naheliegend, dass sich der anklagegegenständliche Vorfall seinen Aussagen
    entsprechend abgespielt hat.

    
	
    4.                a)      Die
    von C.______ in drei Einvernahmen gemachten Aussagen stimmen weitgehend,
    insbesondere bezüglich des Kerngeschehens, überein, was ihnen eine hohe
    Glaubhaftigkeit zukommen lässt. Dass sie in ihrer zweiten Einvernahme
    sagte, der Beschuldigte sei vor ihrem Aufeinandertreffen zirka zehn Meter
    hinter seiner Kollegengruppe gelaufen (act. 1/III/28), in ihrer staatsanwaltlichen
    Einvernahme diese Distanz hingegen auf zirka vier bis fünf Meter bezifferte
    (act. 1/0/13), bedeutet lediglich eine geringfügige Abweichung
    hinsichtlich des Randgeschehens, vermag die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
    hingegen nicht in Zweifel zu ziehen.

    
	
    b)                Ferner sind
    die Darlegungen von C.______ detailliert (vgl. v.a. act. 1/III/16-25)
    und fallen differenziert aus. Letzteres kommt unter anderem dadurch zum
    Ausdruck, dass C.______ sehr exakt zu den Vorgängen bei B.______ aussagt
    und von zwei Faustschlägen des Beschuldigten mit dessen rechter Hand
    berichtet (act. 1/III/21-22), hingegen in Bezug auf die ihren Aussagen
    nach selber erlittene Ohrfeige offen lässt, ob dieser Schlag auf die linke
    Seite ihres Gesichts mit der Faust oder mit der Handfläche erfolgte
    (act. 1/III/19). In den Aussagen von C.______ lassen sich sodann keine
    Übertreibungen ausmachen, äussert sie doch vielmehr auch den Beschuldigten
    entlastende Angaben wie z.B., dass dieser den am Boden liegenden B.______
    nicht getreten habe (act. 1/0/13; entgegen anderslautenden Vorbringen
    des Verteidigers des Beschuldigten [act. 43 S. 5 f.] hat
    C.______ in anderen Einvernahmen nie von Tritten des Beschuldigten auf den
    am Boden liegenden B.______ gesprochen, vgl. z.B. act. 1/III/22
    unten). All dies spricht für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.

    
	
    c)                Der
    Verteidiger des Beschuldigten bringt sinngemäss vor (act. 46
    S. 7), es sei widersprüchlich, wenn C.______ einerseits behaupte, ihre
    Brille sei durch die Ohrfeige des Beschuldigten zu Boden gefallen,
    andererseits aber die Kosten für die beschädigte Brille bei diesem nicht
    geltend mache. Dabei verkennt er indes, dass C.______ selber aussagte
    (act. 1/III/19 Mitte), die Brille sei infolge des in Frage stehenden
    Schlags des Beschuldigten zwar zu Boden gefallen, nicht aber beschädigt
    worden.

    
	
    d)                Insgesamt
    sind somit bei den Aussagen von C.______ keine Lügensignale oder
    dergleichen auszumachen. Somit ist davon auszugehen, dass ihre
    Schilderungen das Erlebte wiedergeben. 

    
	
    5.                Die Aussagen
    der Zeugin I.______ betreffen nicht den eigentlichen Tathergang, enthalten
    aber plausible Angaben zum Geschehen vor dem Vorfall (Verhalten des
    Beschuldigten im „[...]“; Präsenz von B.______ und C.______ vor dem
    „[...]“). Dabei fällt auf, dass auch I.______ – sehr ähnlich wie C.______
    und B.______ – berichtet, dass der Beschuldigte sie unvermittelt angegangen
    habe. I.______ äusserte in ihrer Befragung zwar meist kurz gehaltene
    Antworten, gab diese jedoch ohne Umschweife oder Widersprüche zu Protokoll.
    Anhaltspunkte, welche Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
    erwecken würden, sind keine ersichtlich.

    
	
    6.                  Vergleicht
    man die Aussagen der Auskunftspersonen C.______ und B.______ miteinander,
    so lässt sich feststellen, dass diese zum Kerngeschehen (Beschuldigter
    spricht C.______ an, diese antwortet; Ohrfeige des Beschuldigten an
    C.______; B.______ greift verbal ein; zwei Schläge des Beschuldigten an
    B.______) durchwegs einwandfrei übereinstimmende Ausführungen machten.
    Anhaltspunkte dafür, dass sie sich abgesprochen hätten, bestehen – entgegen
    dem Verteidiger des Beschuldigten (act. 46 S. 7; act. 62
    S. 21) – keine. Dies insbesondere, weil C.______ und B.______
    bezüglich des Randgeschehens zum Teil abweichende Schilderungen äusserten.
    Solche Abweichungen bestehen namentlich bei deren Aussagen zur Dauer der
    Bewusstlosigkeit von B.______ (diese Differenz mag sich damit erklären,
    dass bei B.______ als – zeitweise bewusstlosem Opfer – ein gegenüber
    unverletzten Personen verändertes Zeitempfinden vorlag), zur Position des
    Beschuldigten im Verhältnis zu dessen Kollegengruppe beim Aufeinandertreffen
    mit C.______ und B.______ sowie zur Frage, ob L.______ zum Zeitpunkt des
    Vorfalls unmittelbar neben ihnen stand oder etwas weiter entfernt (auf
    Letzteres weist auch der Verteidiger hin [act. 43 S. 6]). Nach
    dem Gesagten ist die Bemerkung von C.______ somit glaubhaft, dass sie und
    B.______ nach dem Vorfall zwar über den fraglichen Abend, nicht aber über
    Aussagen in Befragungen gesprochen bzw. solche Aussagen abgesprochen hätten
    (act. 1/0/15).

    
	
    7.                  Im Übrigen
    erscheint es als deutlich plausibler, dass beim Vorfall das erste
    Ansprechen vom Beschuldigten bzw. einem Kollegen seiner Gruppe ausging und
    nicht von B.______ oder C.______. Gemäss übereinstimmenden Aussagen von
    B.______ und C.______ waren sie vor dem „[...]“ miteinander in ein Gespräch
    vertieft und beachteten die Kollegengruppe des Beschuldigten nicht. Diese
    Aussagen erscheinen auch aufgrund der von I.______ gemachten Aussagen,
    wonach der Beschuldigte zuvor (auch) sie „aus heiterem Himmel“ gestossen
    und angesprochen habe (act. 1/0/17 f.), als glaubhaft.
    Demgegenüber vermag nicht einzuleuchten, weshalb B.______ oder C.______ die
    Gruppe des Beschuldigten hätten ansprechen sollen, wenn die beiden Lager
    zuvor den gesamten Abend lang wie auch in der Zeit vor diesem Abend – wie
    alle Beteiligten betonen (vgl. u.a. act. 1/II/06-09;
    act. 1/III/05; act. 1/III/21) – nichts bzw. nur flüchtig miteinander
    zu tun gehabt haben.

    
	
    8. Was den Alkoholkonsum des
    Beschuldigten anbelangt, so ist es plausibel, dass dieser – wie er ausführt
    (vgl. u.a. act. 1/II/29; act. 46 S. 5; anders noch in
    act. 1/II/15), aber auch B.______ (act. 1/III/12) mutmasst
    (ungenau diesbezüglich die Vorinstanz in act. 42 E. III.9.4.) –
    in der Tatnacht eine gewisse Menge alkoholischer Getränke konsumierte. Es
    ist jedoch nicht glaubhaft, dass dies in einem Masse geschah, bei welchem
    er sich nicht mehr zu kontrollieren vermochte. Es kann nämlich davon
    ausgegangen werden, dass nicht nur B.______, sondern auch C.______ und/oder
    I.______ in ihren Befragungen entsprechende Bemerkungen geäussert hätten,
    wenn der Beschuldigte beispielsweise unverständlich gesprochen hätte,
    getorkelt wäre oder dergleichen. Stattdessen liess C.______ offen, ob der
    Beschuldigte alkoholisiert war (act. 1/0/13) und I.______ beantwortete
    diese Frage mit Nichtwissen (act. 1/0/17; vgl. auch die bereits von
    der Vorinstanz [act. 42 E. III.9.4.] zitierte Aussage des
    Beschuldigten, wonach er in diesem Zustand gewöhnlich – mit Ausnahme
    ausgerechnet des Tatabends – trotzdem mitbekomme, was um ihn herum laufe,
    act. 1/II/29). Sodann war der Beschuldigte offenkundig in der Lage,
    sich im Anschluss an den Vorfall auf dem Holenstein zum Güterschuppen beim
    Bahnhof Glarus zu begeben und seine dortige Abholung durch seine Kollegen
    zu organisieren (vgl. z.B. act. 1/II/25, 28; ähnlich bereits die
    Vorinstanz in act. 42 E. III.9.4.; zum Ganzen ferner hinten,
    E. VI.B.2b).

    
	
    9.                a)      Schliesslich
    kann in Bezug auf die Verletzungsfolgen aufgrund der im Recht liegenden,
    schlüssigen medizinischen Akten sowie der Aussagen insbesondere von
    C.______ und B.______, aber auch jener von I.______ – entgegen
    anderslautenden Ausführungen des Verteidigers (vgl. act. 46
    S. 12; act. 62 S. 21 unten) – als erstellt gelten, dass
    B.______ infolge des Vorfalls entsprechend der Anklageschrift eine
    zweifache Fraktur des Unterkiefers sowie eine kurze Bewusstlosigkeit erlitt
    (zum Ganzen ferner hinten, E. IV.3b und E. IV.4c).

    
	
                       b) Das
    Vorliegen einer solchen doppelten Fraktur ist ebenfalls ein gewisses Indiz
    dafür, dass der Beschuldigte gegen B.______ zwei Faustschläge ausführte,
    wenngleich gewiss auch mit lediglich einem Schlag eine doppelte Kieferfraktur
    resultieren kann (z.B. wegen Sturzfolgen o.ä.; ähnlich auch der Verteidiger
    des Beschuldigten in act. 43 S. 6; vgl. hierzu hinten,
    E. IV.3b und E. IV.4c). In einigen der bei den Akten liegenden
    Arztberichten (act. 23/1 = act. 70/8; act. 1/I/46-48 =
    act. 23/1; act. 1/I/80-81 = act. 33/2) heisst es indes, die
    von B.______ erlittene Unterkieferfraktur sei auf einen Faustschlag
    zurückzuführen. Der Verteidiger des Beschuldigten sieht dies als Beweis an,
    dass der Beschuldigte nur einmal und nicht zweimal gegen B.______ zuschlug
    (act. 46 S. 6). Dem ist nicht beizupflichten, denn es ist nach
    der allgemeinen Lebenserfahrung nicht davon auszugehen, dass die
    behandelnden Ärzte genaue Erkundungen zum Sachverhalt, welcher den
    Verletzungen zugrunde liegt, anstellten. Vielmehr fokussieren deren
    Berichte wesensgemäss auf die erlittenen Verletzungen und deren Behandlung,
    womit auf die darin wiedergegebenen – in nicht näher bekannter Weise vom
    Hörensagen gewonnenen – Angaben zum Hergang des Vorfalls nicht abgestellt
    werden kann.

    
	
     

    
	
    J.           Fazit

    
	
     

    
	
    Zusammenfassend bestehen nach
    Würdigung sämtlicher Beweismittel – insbesondere, weil die Aussagen von
    C.______, I.______ und B.______ als schlüssig sowie einleuchtend
    einzustufen sind – keine vernünftigen Zweifel, dass sich der Sachverhalt
    tatsächlich entsprechend der Darstellung in der Anklageschrift zugetragen
    hat. Der (äussere) Sachverhalt zum Vorfall Holenstein, wie er der Anklage
    zugrunde liegt (insbesondere: zwei Faustschläge des Beschuldigten gegen das
    Kinn von B.______ sowie ein Schlag desselben gegenüber C.______), ist damit
    rechtsgenügend erstellt, wovon im Weiteren auszugehen ist (zum inneren Sachverhalt
    vgl. auch hinten, E. IV.4.).

    
	
     

    
	
    IV.

    Schuldpunkt Vorfall Holenstein – rechtliche Würdigung

    
	
     

    
	
    1.                a)      Die
    Vorinstanz erwog im angefochtenen Urteil (act. 42
    E. III.9.1.-9.6.), der Beschuldigte habe sich aufgrund der B.______
    zugefügten Verletzungen der vorsätzlichen schweren Körperverletzung im
    Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB schuldig gemacht. Die Verletzungen
    erreichten die aufgrund der Generalklausel von Art. 122 Abs. 3 StGB
    geforderte Intensität, da B.______ zweimal habe operiert werden müssen,
    eine Zeit lang arbeitsunfähig gewesen sei und gemäss eigener Aussage rund
    anderthalb Jahre nach dem Vorfall immer noch an Schmerzen leide sowie
    Probleme beim Essen habe. Letzteres bedeute wohl für sich alleine bereits
    eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. In subjektiver Hinsicht
    führte die Vorinstanz aus, wer jemandem im Rahmen eines Disputes mit
    derartiger Wucht ins Gesicht schlage, dass der Gegner einen Kieferbruch erleide
    und bewusstlos zu Boden sinke, müsse billigend in Kauf nehmen, dass er
    seinem Kontrahenten Verletzungen zufüge. Auch medizinischen Laien müsse dabei
    bewusst sein, dass beispielsweise Kieferbrüche oder der Verlust von Zähnen
    häufige dadurch verursachte Verletzungen sind. Die Erklärung des
    Beschuldigten, dass er einen drohenden Angriff habe abwenden wollen, lasse
    darauf schliessen, dass er zum Ziel gehabt habe, B.______ mit seinem Schlag
    möglichst rasch ausser Gefecht zu setzen. Der Beschuldigte habe somit
    eventualvorsätzlich gehandelt. Rechtfertigungsgründe wie Notwehr oder Putativnotwehr
    lägen keine vor. Sodann sei zwar durchaus glaubhaft, dass der Beschuldigte
    zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei, es sei aber – wenn überhaupt –
    lediglich von einer leichtgradig verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.
    Sodann erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte habe sich aufgrund der
    C.______ verpassten Ohrfeige der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126
    Abs. 1 StGB schuldig gemacht.

    
	
    b)                Der
    Verteidiger des Beschuldigten macht im Berufungsverfahren geltend
    (act. 46 S. 8 ff.; act. 62 S. 19 ff.), der
    Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
    Abs. 3 StGB sei im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Vielmehr sei der
    Beschuldigte wegen einfacher Körperverletzung schuldig zu sprechen. Zwar
    sei die vom Beschuldigten dem B.______ zugefügte Verletzung eines doppelten
    Kieferbruchs gewiss nicht als unwesentlicher Eingriff in dessen körperliche
    Integrität zu qualifizieren und es gehe nicht im Geringsten um eine
    Beschönigung des Vorgefallenen. Doch damit der qualifizierte
    Straftatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt sei, müssten gewisse
    objektive Kriterien erfüllt sein, welche nicht zwingend von der
    Gesellschaft gemeinhin allenfalls als schwer empfundenen Verletzungen
    entsprächen. Die Generalklausel von Art. 122 Abs. 3 StGB erfasse
    Fälle, welche hinsichtlich ihrer Qualität und ihrer Auswirkungen den unter
    Abs. 2 von Art. 122 StGB beispielhaft aufgezählten Beeinträchtigungen
    ähnlich seien. Der Verteidiger verweist diesbezüglich auf zahlreiche
    Gerichtsentscheide und beanstandet, die Vorinstanz sei in ihrem Urteil auf
    diese bereits in der dortigen Hauptverhandlung vorgebrachten Präjudizien in
    keiner Weise eingegangen. Er folgert, der Tatbestand der schweren
    Körperverletzung im Sinne der Generalklausel von Art. 122 Abs. 3
    StGB sei auf schwerste Eingriffe in die physische und psychische Integrität
    zu begrenzen. Vorliegend habe B.______ einen doppelten Kieferbruch
    erlitten, wobei nicht auszuschliessen sei, dass der zweite Kieferbruch
    allenfalls beim Aufprall des Kopfes von B.______ am Boden entstanden sei.
    Aktenkundig sei eine Operation mit einem sechstägigen Spitalaufenthalt. Die
    Arbeitsunfähigkeit von B.______ habe zwei Wochen betragen und bleibende
    Schäden müsse dieser keine befürchten. Demnach seien die bei der Anwendung
    von Art. 122 Abs. 3 StGB vorausgesetzten objektiven Kriterien
    nicht erfüllt.

    In subjektiver Hinsicht führt der Verteidiger aus, die Begründung der
    Vorinstanz, weshalb Eventualvorsatz vorliege, könne der Beschuldigte
    nachvollziehen, jedoch nicht vollends akzeptieren. Der alkoholisierte
    Beschuldigte habe das Opfer wie auch dessen Befindlichkeit nicht gekannt
    und spontan reagiert, da er sich – im Nachhinein besehen wohl zu Unrecht –
    von B.______ bedrängt gefühlt habe. Mit Sicherheit aber habe er die Tat
    nicht lange im Voraus geplant, sei er doch kein notorischer Schläger. Der
    Beschuldigte habe B.______ für eine kurze Zeit ruhig stellen wollen, nicht
    aber beabsichtigt, dass dieser mit dem Gesicht nach vorne zu Boden fällt.
    In diesem Sinne habe der Beschuldigte keinen kontrollierten Faustschlag ausgeführt.

    
	
    c)                Die
    Anklägerin machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend (act. 62
    S. 14 ff.), die Vorinstanz habe den Beschuldigten zu Recht der
    schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB und
    der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig
    gesprochen. Selbst wenn man den Eintritt des Taterfolgs in Bezug auf den
    Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
    Abs. 3 StGB verneinen würde, stehe fest, dass ein Faustschlag
    grundsätzlich geeignet sei, schwere Verletzungen im Sinne dieser Norm zu bewirken.
    Da vorliegend (eventualiter) der Erfolg aus blosser Zufälligkeit ausgeblieben
    sei, sei eventualiter ein vollendeter Versuch der schweren Körperverletzung
    nach Art. 122 Abs. 3 StGB erstellt.

    
	
    d)                Der Privatkläger
    B.______ stellte sich an der Berufungsverhandlung (act. 64
    S. 4 f.) ebenfalls auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte den
    Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
    Abs. 3 StGB erfüllt habe. Er sei durch die Tat des Beschuldigten
    massiv verletzt worden und der Heilungsverlauf sei schwierig. Ein
    Kieferzustand wie vor der Tat sei nicht mit Sicherheit zu erwarten. Sein
    Gesicht habe sich verändert und sei sichtbar nicht mehr symmetrisch
    (einseitige „Ausbuchtung“). Auch sonst habe er seit dem Vorfall diverse
    Beeinträchtigungen (z.B. beim Essen, Kauen oder Schlafen) hinnehmen müssen.

    
	
    2.                a)      Der
    schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB macht sich –
    unter anderem – strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich
    verletzt (Abs. 1), wer dessen Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines
    Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht,
    wer einen Menschen bleibend arbeitsunfähig macht, wer das Gesicht eines
    Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2) sowie wer vorsätzlich
    eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder
    geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Der
    letztgenannte Absatz beinhaltet eine Generalklausel und gilt im konkreten
    Einzelfall für Schädigungen, welche hinsichtlich Qualität und Auswirkungen
    den vorgenannten Art. 122 Abs. 1 und Abs. 2 StGB bei
    wertender Betrachtung gleichkommen bzw. ähnlich sind. Zu berücksichtigen
    sind unter der Generalklausel insbesondere eine lange Dauer des
    Spitalaufenthalts und der (vollen oder teilweisen) Arbeitsunfähigkeit, der
    Grad und die Dauer der Invalidität sowie die erlittenen Schmerzen und
    allfällige Einbussen in der Lebensqualität. Unter Umständen kann auch eine
    Kombination verschiedener Beeinträchtigungen, die für sich allein noch
    nicht als schwere Körperverletzung gelten könnten, den Tatbestand von
    Art. 122 Abs. 3 StGB erfüllen (Roth/Berkemeier, BSK-StGB II,
    Art. 122 N 20 ff. m.w.H.; Stratenwerth/Wohlers, HK-StGB,
    Art. 122 N 6; Trechsel/Fingerhuth, in Trechsel/Pieth [Hrsg.],
    PK-StGB, 2. Aufl., Zürich 2013, Art. 122 N 9). 

    
	
    b)                Der einfachen
    Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
    macht sich schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen „in anderer Weise“ an
    Körper oder Gesundheit schädigt. Dieser Straftatbestand erfasst diejenigen
    Schädigungen am menschlichen Körper, welche einerseits nicht als schwer im
    Sinne von Art. 122 StGB zu qualifizieren sind, andererseits aber die
    Voraussetzungen des Art. 126 StGB (Tätlichkeit) nicht erfüllen
    (Donatsch, in Donatsch/Flachsmann/Hug/ Weder, OFK-StGB, Art. 123
    N 1). Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer
    Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzungen
    zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit
    erfordern. Demgegenüber handelt es sich um blosse Tätlichkeiten, wenn
    Schürfungen, Kratzwunden oder bloss blaue Flecken offensichtlich so harmlos
    sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen oder ausheilen
    (Roth/Berkemeier, BSK-StGB II, Art. 123 N 4). Keine Tätlichkeit,
    sondern eine Körperverletzung i.S. von Art. 123 StGB liegt jedenfalls dann
    vor, wenn dem Opfer Knochenbrüche, eigentliche Wunden oder
    Schussverletzungen zugefügt werden (BGE 74 IV 81 E. 2; BGE 119 IV 25
    E. 2a = Pra. 1994 Nr. 17; BGE 134 IV 189 E. 1 ff. = Pra.
    2008 Nr. 148; Stratenwerth/Wohlers, HK-StGB, Art. 123 N 2).

    
	
    c)                Die
    Abgrenzung von schwerer und einfacher Körperverletzung unterliegt einem
    weiten Ermessen. Angesichts dessen, dass die Strafandrohung bei der
    schweren Körperverletzung verglichen mit verwandten Tatbeständen wie Gefährdung
    des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, Angriff im Sinne von
    Art. 134 StGB oder Verbreitung menschlicher Krankheiten im Sinne von
    Art. 231 StGB sehr hoch ist (Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen
    bis Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahre), mithin vorsätzliche schwere
    Körperverletzung in Nähe zu den Tötungsdelikten steht, postuliert die
    Lehre, dass der Tatbestand der schweren Körperverletzung, wo nicht
    Lebensgefahr im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB vorliegt und dies die
    hohe Strafe rechtfertigt, auf schwerste Eingriffe in die physische und
    psychische Integrität begrenzt bleiben muss (Roth/Berkemeier,
    BSK-StGB II, Art. 122 N 24; Stratenwerth/Jenny/Bommer, StGB
    BT I, § 3 N 41: vor allem Verletzungen,
    die ein sehr schweres, lang andauerndes Krankenlager zur Folge haben).

    
	
    d)                In der
    Rechtsprechung wurde beispielsweise in folgenden Fällen auf schwere
    Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB erkannt (vgl. die Übersichten