# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a1d11dfa-8a03-5b93-b41d-d1c7b42d1212
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-23
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 23.02.2022 BG.2022.7
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2022-7_2022-02-23.pdf

## Full Text

Beschluss vom 23. Februar 2022 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Cornelia Cova, Vorsitz, 
Daniel Kipfer Fasciati und Miriam Forni, 
Gerichtsschreiber Stefan Graf  
 

   
Parteien  KANTON AARGAU, Oberstaatsanwaltschaft,  

 
Gesuchsteller 

 
 gegen 
   

KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft,  
 

Gesuchsgegner 
 
 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2022.7 
 
 
 
 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 
 

A. Frühmorgens am 31. Oktober 2021 kam es im Kanton Bern zwischen Z./BE 
und Y./BE zu einer Verfolgungsfahrt zwischen der Polizei und einem Fahr-
zeug, dessen Lenker sich einer Anhaltung durch Flucht entzog. In Y./BE kam 
es zu einem Verkehrsunfall des Fluchtfahrzeugs, wobei der Fahrer zu Tode 
kam und die vier anderen Insassen A., B., C. und D. teilweise schwer verletzt 
wurden. Die im Kofferraum und in der Fahrgastkabine vorgefundenen Ge-
genstände liessen vermuten, dass es sich dabei um mögliches Diebesgut 
handeln könnte. Erste Ermittlungen ergaben den Verdacht, dass die Vorge-
nannten für drei in der Nacht zuvor in X./AG verübte Einschleich- bzw. Ein-
bruchdiebstähle sowie für den anschliessenden Diebstahl des Fluchtwagens 
verantwortlich sein könnten (vgl. Berichtsrapport Kantonspolizei Bern vom 
2. November 2021; Akten STA 1 ST.2021.8211, Faszikel 27). Auf entspre-
chendes Ersuchen der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern (nach-
folgend «GStA BE»; act. 3.1) übernahm die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau am 4. November 2021 das gegen die vier Vorgenannten wegen des 
Verdachts des mehrfachen Diebstahls geführte Strafverfahren. Dabei hielt 
sie fest, die vorläufige Weiterführung des Verfahrens stehe unter dem Vor-
behalt, dass bei neuen Erkenntnissen bzw. nach Abschluss des Ermittlungs-
verfahrens die definitive Zuständigkeit überprüft werde (act. 3.2).  
 
 

B. In der Folge konnten die vier Beschuldigten aufgrund von DNA-Hits oder Zu-
ordnung von aufgefundenem Deliktsgut in diversen Kantonen als Tatver-
dächtige zu einer Reihe von weiteren Delikten ermittelt werden (eine kom-
plette, durch die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erstellte Übersicht fin-
det sich u.a. in act. 3.6, S. 2 f.):  
 

Datum/Uhrzeit Ort Delikt Beschuldigte 

20.09.2021 W./BE Drohung und Beschimp-

fung 

D. 

22.09.2021 V./BE Versuchter Diebstahl aus 

einem unverschlossenen 

Lieferwagen 

A. 

25.09.2021 U./BE Diebstahl eines Mobiltele-

fons 

A., B., C., D. 

25.09.2021 ZZ./SG Drei Einschleich- und 

Einbruchdiebstähle 

B., E. und unbekannte 

Täterschaft 

04.10.2021 U./BE Einbruchdiebstahl in einen 

Wohnwagen 

B. 

09.10.2021 YY./BE Diebstahl B., F. 

- 3 - 

 

 

28./29.10.2021 XX./SO Diebstahl aus Personenwa-

gen  

B., D. 

30./31.10.2021 X./AG Mehrfacher Diebstahl und 

Hausfriedensbruch 

A., B., C., D. 

31.10.2021 WW./AG Diebstahl aus Personenwa-

gen 

D. 

 
 

C. Die in ZZ./SG verübten Delikte betreffend ersuchte das Untersuchungsamt 
Altstätten die GStA BE mit Schreiben vom 7. Dezember 2021 um Über-
nahme des gegen B. und E. geführten Verfahrens (act. 3.3). Die GStA BE 
akzeptierte die Zuständigkeit betreffend E., teilte hinsichtlich B. jedoch mit, 
das entsprechende Verfahren sei an die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 
abgetreten worden. Im Kanton Bern sei gegen B. kein Verfahren hängig 
(act. 3.4).  
 
 

D. Nachdem bezüglich der D. zur Last gelegten Drohung und Beschimpfung die 
GStA BE am 29. Dezember 2021 die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 
um Übernahme des Verfahrens ersucht hatte (act. 3.5), richtete diese am 
14. Januar 2022 ihrerseits ein Ersuchen an die GStA BE um Übernahme al-
ler vorstehend (siehe lit. B) erwähnten Delikte (act. 3.6).  
 
 

E. Nachdem die GStA BE dieses Ersuchen am 17. Januar 2022 abschlägig be-
antwortet hatte (act. 3.7), ersuchte sie die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau am 25. Januar 2022 um Übernahme einer Reihe von B. zur Last ge-
legten Delikte (act. 3.8).   
 
 

F. Daraufhin gelangte am 31. Januar 2022 die Oberstaatsanwaltschaft des 
Kantons Aargau an die GStA BE, ersuchte diese um nochmalige Prüfung der 
Zuständigkeitsfrage und um Bestätigung der Übernahme des Verfahrens 
(act. 3.9). Die GStA BE lehnte mit Schreiben vom 4. Februar 2022 auch diese 
Anfrage ab (act. 3.10). 
 
 

G. Daraufhin gelangte am 8. Februar 2022 die Oberstaatsanwaltschaft des 
Kantons Aargau an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Sie 
beantragt, die Behörden des Kantons Bern seien berechtigt und verpflichtet 
zu erklären, die den vier Beschuldigten (A., B., C. und D.) zur Last gelegten 
Delikte zu verfolgen und zu beurteilen (act. 1). In ihrer Gesuchsantwort vom 

- 4 - 

 

 

14. Februar 2022 beantragt die GStA BE, auf das Gesuch des Kantons Aar-
gau sei nicht einzutreten, eventualiter sei dessen Antrag abzuweisen (act. 3). 
Ein Doppel der Gesuchsantwort wurde der Oberstaatsanwaltschaft des Kan-
tons Aargau am 15. Februar 2022 zur Kenntnisnahme übermittelt (act. 4).  
 
 

H. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.  
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 
Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 
die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-
mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 
(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-
dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 
Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die 
Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO 
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 
ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 
von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl. 
hierzu u.a. TPF 2019 62 E. 1; TPF 2011 94 E. 2.2 S. 96). Die Behörden, 
welche berechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfah-
ren vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem je-
weiligen kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO). 
 

1.2  
1.2.1 Erst wenn der Meinungsaustausch zwischen den Kantonen gescheitert ist, 

liegt ein streitiger Gerichtsstand vor, der zur Anrufung der Beschwerdekam-
mer berechtigt (Art. 40 Abs. 2 StPO). Demgemäss tritt die Beschwerdekam-
mer vor Abschluss des Meinungsaustauschs zwischen sämtlichen, ernstlich 
in Frage kommenden Kantonen auf ein Gesuch um Bestimmung des Ge-
richtsstandes nicht ein (vgl. hierzu die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts 
BG.2017.7 vom 26. Juli 2017 E. 4.1; BG.2017.13 vom 5. Mai 2017 E. 1.3.1; 
BG.2015.19 vom 17. Juni 2015; BG.2015.16 vom 15. April 2015 E. 1.3.1; alle 

- 5 - 

 

 

m.w.H.; siehe auch BAUMGARTNER, Die Zuständigkeit im Strafverfahren, 
2014, S. 481 ff., 490 f. m.w.H.). 
 

1.2.2 Bezüglich Form und Substantiierung eines Gesuchs im Sinne von Art. 40 
Abs. 2 StPO gilt, dass dieses vollständig zu dokumentieren ist, sodass ohne 
weitere Beweismassnahmen darüber entschieden werden kann. Die ersu-
chende Behörde hat das Gesuch so zu verfassen, dass ihm ohne Durchsicht 
der kantonalen Akten die für die Bestimmung des Gerichtsstandes erforder-
lichen und wesentlichen Tatsachen entnommen werden können, weshalb 
dieses in kurzer, aber vollständiger Übersicht darzulegen hat, welche straf-
baren Handlungen dem Beschuldigten vorgeworfen werden, wann und wo 
diese ausgeführt wurden und wo allenfalls der Erfolg eingetreten ist, wie die 
aufgrund der Aktenlage in Frage kommenden strafbaren Handlungen recht-
lich zu würdigen sind sowie welche konkreten Verfolgungshandlungen von 
welchen Behörden wann vorgenommen wurden. Zudem sind die für die Ge-
richtsstandsbestimmung wesentlichen Akten zweckmässig paginiert, mit 
Verzeichnis versehen und geordnet in einem separaten Dossier beizulegen, 
wobei der blosse Hinweis auf die vollständig beigelegten kantonalen Akten 
unzulässig ist und die Erläuterungen daher stets mit der Angabe der entspre-
chenden Aktenstelle zu versehen sind (vgl. u.a. die Beschlüsse des Bun-
desstrafgerichts BG.2021.11 vom 11. März 2021 E. 1.3; BG.2020.57 vom 
1. Februar 2021 E. 1.2; BG.2019.1 vom 26. März 2019 E. 1.2; vgl. auch 
BAUMGARTNER, a.a.O., S. 498; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtspre-
chung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen Gerichtsstand in Straf-
sachen, Jusletter vom 21. Mai 2007, N. 20). 
 

1.3 Was Form und Substantiierung des vorliegenden Gesuchs angeht, so fällt 
zunächst auf, dass die in den Kantonen Bern, St. Gallen, Solothurn und Aar-
gau begangenen Diebstähle zumindest teilweise mehreren Beschuldigten 
vorgeworfen werden. Warum der Gesuchsteller den Meinungsaustausch le-
diglich mit dem Gesuchsgegner durchgeführt hat, ist nicht klar. Unklar ist 
auch, warum er in act. 1, S. 2 lediglich die im Oktober 2021 begangenen 
Diebstähle als bandenmässig bezeichnet, nicht aber jene vom September 
2021 im Kanton St. Gallen, obwohl er auf der Folgeseite (act. 1, S. 3) dann 
bemerkt, der im Kanton St. Gallen begangene bandenmässige Diebstahl sei 
klar vor jenen im Kanton Aargau erfolgt. Ferner ist zu bemerken, dass der 
am 25. September 2021 in U./BE verübte Diebstahl eines Mobiltelefons in 
der chronologischen Übersicht im Gesuch keine Erwähnung findet (act. 1, 
S. 2). Zudem ereigneten sich die in ZZ./SG verübten Delikte zeitlich vor dem 
in YY./BE verübten Diebstahl (act. 1, S. 2). Wie vorhin erwähnt geht der Ge-
suchsteller in seinem Gesuch offenbar davon aus, dass einige der erwähn-
ten Diebstahlsdelikte bandenmässig begangen worden seien, woraus er 

- 6 - 

 

 

schliesslich einen gesetzlichen Gerichtsstand im Kanton Bern ableitet. Wo-
rauf der Gesuchsteller seine Annahme der bandenmässigen Begehung die-
ser Delikte stützt, kann dem Gesuch nicht entnommen werden, obschon sich 
diesbezüglich bei einigen dieser Delikte Fragen stellen. So handelt es sich 
gemäss den vorliegenden Akten beim am 25. September 2021 um ca. 03.30 
Uhr in einem Club in U./BE verübten Delikt um einen einfachen Diebstahl 
eines Mobiltelefons. Dieser wird offenbar allen vier eingangs Beschuldigten 
zur Last gelegt, nachdem das betreffende Mobiltelefon in ihrem Unfallwagen 
sichergestellt werden konnte (siehe Nachtragsbericht der Kantonspolizei 
Bern vom 30. November 2021). Zu den Umständen der Tatbegehung und 
weshalb diesbezüglich von Bandenmässigkeit auszugehen sei, sind dem 
Gesuch und den Akten soweit ersichtlich keine Angaben zu entnehmen. 
Dem Beschuldigten B. wird zudem zur Last gelegt, zeitgleich (!) zum in U./BE 
verübten Diebstahl, nämlich zwischen 03.00 Uhr und 04.03 Uhr an einem 
Einbruchdiebstahl in ZZ./SG beteiligt gewesen zu sein, da dessen DNA auf 
einem am Tatort verlorenen Mobiltelefon sowie auf einer in der Nähe des 
Tatorts aufgefundenen Flasche Freixenet vorgefunden wurde (siehe hierzu 
den Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 6. November 2021). Dem 
des erst später in YY./BE verübten Diebstahls ebenfalls verdächtigten F. 
werden soweit ersichtlich ansonsten keine Delikte zur Last gelegt, weshalb 
unklar bleibt, inwiefern ein einmaliges Zusammenwirken an einem Diebstahl 
die Annahme einer bandenmässig verübten Tatbegehung zu begründen ver-
mag (siehe zum Begriff der Bandenmässigkeit BGE 147 IV 176 E. 2.4.2 
S. 181 m.w.H.). Ebenso können dem Gesuch und den Akten soweit ersicht-
lich keine Schilderungen zum in XX./SO verübten Diebstahl entnommen wer-
den. Auffallend ist diesbezüglich, dass der Gesuchsteller hierzu gegenüber 
dem Gesuchsgegner noch am 31. Januar 2022 ausführte, die Diebstähle in 
XX./SO dürften gerichtsstandsmässig von untergeordneter Bedeutung sein, 
da bei diesen aktuell keine bandenmässige Begehung ersichtlich sei 
(act. 3.9, S. 2). Weshalb der Gesuchsteller in seinem Gesuch nur acht Tage 
später zu einem anderen Schluss gelangt, ist nicht nachvollziehbar. 
 
Das Gesuch muss nach dem Gesagten als nicht hinreichend substantiiert 
bezeichnet werden. Aufgrund der offenen Fragen ist nicht ersichtlich, ob und 
inwiefern allenfalls ernstlich eine Zuständigkeit der Kantone St. Gallen und 
Solothurn in Frage kommen könnte, weshalb je nachdem der vom Gesuch-
steller durchgeführte Meinungsaustausch als nicht abgeschlossen zu be-
zeichnen wäre, was einen Grund für ein Nichteintreten auf das Gesuch dar-
stellen würde. Zudem sind die sachverhaltsrelevanten Angaben des Ge-
suchs nicht rechtsgenügend dokumentiert bzw. die Annahmen nicht erklärt. 
 

 

- 7 - 

 

 

2. Wegen des aufgrund der Inhaftierung der Beschuldigten in besonderem 
Masse zu beachtenden Beschleunigungsgebots (Art. 5 Abs. 2 StPO; Art. 5 
Abs. 3 EMRK) kann die Beschwerdekammer zur Vermeidung weiterer Ver-
fahrensverzögerungen ausnahmsweise doch auf ein nicht formgerechtes 
Gesuch eintreten und den Gerichtsstand festlegen (siehe hierzu u.a. den 
Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.16 vom 14. September 2010 
mit Hinweis). Diese Vorgehensweise soll die Kantone jedoch nicht von ihren 
Substantiierungspflichten und von ihrer Pflicht entbinden, vor der Anrufung 
der Beschwerdekammer einen abschliessenden Meinungsaustausch durch-
zuführen (siehe hierzu den Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2009.28 
vom 20. Oktober 2009). Den Akten ist zu entnehmen, dass sich mehrere 
Beschuldigte in Untersuchungshaft befinden. Nach dem Gesagten tritt die 
Beschwerdekammer somit auf das vorliegende Gesuch ein.  
 
 

3.  
3.1 Unabhängig von der Frage nach dem gesetzlichen Gerichtsstand ist vorlie-

gend festzuhalten, dass die Behörden des Gesuchstellers ihre Zuständigkeit 
am 4. November 2021 anerkannt haben (act. 3.2).  
 

3.2  
3.2.1 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-

tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31–37 StPO vorgesehe-
nen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tätig-
keit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfor-
dern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches 
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Ausnahme blei-
ben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich nicht zustän-
digen Kanton mit der Verfolgung zu betrauen, setzt triftige Gründe voraus 
und die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als unzweck-
mässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die Latte 
für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist entsprechend hoch 
anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem gesetzlichen Gerichts-
stand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber als zuständig erklä-
ren, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt besteht (TPF 2019 
82 E. 2.3; TPF 2018 38 E. 3.1 S. 41 f.; TPF 2012 66 E. 3.1 S. 67 f.; TPF 2011 
178 E. 3.1 S. 180 f.; vgl. in diesem Zusammenhang auch das Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1208/2015 vom 14. März 2016 E. 3.2). 
 

3.2.2 Hat ein Kanton den Gerichtsstand – ausdrücklich oder konkludent – aner-
kannt, ist seine Zuständigkeit grundsätzlich unwiderruflich begründet. Die 

- 8 - 

 

 

nachträgliche Änderung eines von einem Kanton ausdrücklich oder konklu-
dent anerkannten Gerichtsstands ist nur noch aus triftigen Gründen zulässig; 
sie muss die Ausnahme bilden und sich wegen veränderter Verhältnisse auf-
drängen, sei es im Interesse der Prozessökonomie, sei es zur Wahrung an-
derer, neu ins Gewicht fallender Interessen (Beschluss des Bundesstrafge-
richts BG.2010.21 vom 30. März 2011 E. 3.2; Entscheid des Bundesstrafge-
richts BG.2009.29 vom 30. März 2010 E. 4.1; jeweils m.w.H.). In Frage kom-
men insbesondere eine Ermessensüberschreitung durch die Kantone beim 
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand, das Fehlen eines Anknüpfungs-
punktes beim verfolgenden Kanton oder das Auftauchen neuer Tatsachen, 
wonach sich aus verfahrensökonomischen Gründen ein Wechsel des Ge-
richtsstands gebieterisch aufdrängt (Entscheid des Bundesstrafgerichts 
BG.2006.13 vom 21. August 2006 E. 4.1 m.w.H.). Ein nachträgliches Abwei-
chen vom konkludent anerkannten Gerichtsstand ist auch dann möglich, 
wenn wesentliche neue Erkenntnisse oder Entwicklungen bei einer neuen 
gesamthaften Beurteilung klar zu einem ganz anderen Ergebnis führen 
müssten. Auch in diesem Fall kann jedoch nur eine offensichtlich und erheb-
lich veränderte Ausgangslage ein Zurückkommen auf den Anerkennungs-
entscheid rechtfertigen (Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2019.45 
vom 16. Oktober 2019 E. 4.5; siehe zum Ganzen auch BAUMGARTNER, 
a.a.O., S. 416 ff.). 
 

3.3 Der Gesuchsteller räumt ein, seine Zuständigkeit anerkannt zu haben. Er 
hält jedoch dafür, dass die seither neu bekannt gewordenen Umstände zu 
einer Neubestimmung des gesetzlich vorgesehenen Gerichtsstandes führen 
müssten (act. 1, S. 4). Konkrete triftige Gründe, im Sinne der eben erwähnten 
Rechtsprechung, welche eine nachträgliche Änderung des vom Gesuchstel-
ler anerkannten Gerichtsstandes aus verfahrensökonomischen Gründen ge-
bieterisch aufdrängen würden, bringt er dagegen keine vor. Insbesondere 
fehlt es aufgrund der in X./AG verübten Delikte nicht an einem örtlichen An-
knüpfungspunkt im Gebiet des Gesuchstellers. Es trifft zwar zu, dass nach 
der Anerkennung allenfalls weitere gleichgelagerte Delikte hinzugekommen 
sind. Das alleine genügt jedoch nicht für eine Neubeurteilung des Gerichts-
stands (siehe BAUMGARTNER, a.a.O., S. 429). So haben die neu dazugekom-
menen Delikte insbesondere nicht dazu geführt, dass nun eine Vielzahl von 
Delikten mit einem deutlichen Schwergewicht in einem anderen Kanton Ge-
genstand der Untersuchung bilden. Die Behörden des Gesuchstellers befas-
sen sich nun schon seit über drei Monaten mit dem Verfahren. Sie haben 
nach Übernahme des Verfahrens für die Beschuldigten umgehend je eine 
amtliche Verteidigung angeordnet und Ende Januar 2022 (teilweise) die Ver-
längerung der Untersuchungshaft beantragt. Verfahrensökonomische Grün-
de, welche eine nachträgliche Änderung des anerkannten Gerichtsstandes 

- 9 - 

 

 

aufdrängen könnten, sind keine ersichtlich. Das Gesuch erweist sich in die-
sem Punkt als unbegründet.  
 
 

4. Nach dem Gesagten ist das Gesuch abzuweisen, und es sind die Strafbe-
hörden des Kantons Aargau für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die 
den eingangs erwähnten Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zu ver-
folgen und zu beurteilen.  
 
 

5. Es ist keine Gerichtsgebühr zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). 
 
 

- 10 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Strafbehörden des Kantons Aargau sind berechtigt und verpflichtet, die 

A., B., C. und D. zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 
 
2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 
 

Bellinzona, 23. Februar 2022 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Die Vizepräsidentin: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau (unter separater Rücksen-

dung der eingereichten Akten) 
- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.