# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8fa2d8bb-a44d-5152-bc88-3a6f7e53c0f5
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-16
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 16.05.2017 SK.2016.14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2016-14_2017-05-16.pdf

## Full Text

Urteil vom 16. Mai 2017 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichterin Miriam Forni, Einzelrichterin 

Gerichtsschreiberin Anne Kathrin Herzog  

 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Carlo Bulletti, 

Staatsanwalt des Bundes, 

 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

 

B. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Claudio Weingart, 

 

 

 
gegen 

  
A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Olivier Corda,  

Gegenstand  
Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2016.14 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

(Gemäss Dispositiv des Strafbefehls der Bundesanwaltschaft vom 5. Februar 2016, 

pag. 3.1.1 ff.): 

1. A. sei der Verletzung des Geschäftsgeheimnisses (Art. 162 Abs. 1 StGB) schul-

dig zu sprechen. 

2. A. sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 500.00, entsprechend 

CHF 45’000.00, zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter 

Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. 

3. A. sei zudem mit einer Busse von CHF 3’000.00 zu bestrafen, bei schuldhaften 

Nichtbezahlen ersatzweise mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen. 

4. Von den Verfahrenskosten von gesamthaft CHF 9‘000.00 seien A. CHF 1‘500.00 

aufzuerlegen. 

5. Nach Eintritt der Rechtskraft seien folgende Asservate, welche mit Verfügung 

vom 24. November 2014 beschlagnahmt wurden, A. gegen Empfangsbescheini-

gung zurückzuerstatten. Die BKP sei mit dem Vollzug zu beauftragen. 

Asservaten-Nummer Sachbeschreibung gemäss Verzeichnis BKP 

02.01.0009 Kopie von Contratto di locazione vom 12.03.2012, Nt. 

436, zwischen CC., DD. e EE. und C. SagI, X. 

02.01.0011 Kuvert mit Contratto D. S.p.A. vom 20.04.2012 (19.03.2012) 

6. Nach Eintritt der Rechtskraft seien folgende Asservate, welche mit Verfügung 

vom 24. November 2014 beschlagnahmt wurden, einzuziehen und zu vernichten 

(Art. 69 StGB) 

Asservaten-Nummer Sachbeschreibung gemäss Verzeichnis BKP 

02.01.0003 Physisches Image Laptop HP Probook 4730 S, 750 GB 

02.01.0008 Sichtmappe mit Mailunterlagen von A., B. AG, FF. S.r.l., 

QUOTATION No. 12-5040, vom 05.07.2012 

02.01.0010 Sichtmappe mit Mailunterlagen von GG. an A. bezüglich 

Tecnici B. AG vom 20.10.2011 

02.02.0006 Mailbox PST Export Postfach H. 

02.02.00 14 Benutzerprofil ab Notebook HP Probook 4530 S, H., (Buch-

haltung und Bananasoftware) 

02.03.0001 Physisches Image ab Server, Harddisk 1, SVHPProIiantMLI 

10G7 500GB 

- 3 - 

02.03.0002 Physisches Image ab Server, Harddisk 2, SVHPProIiantMLI 

10G7 500GB 

02.03.0004 Mailbox PST Export Postfach G. 

02.03.0005 Mailbox PST Export Postfach E. 

02.03.0015 6 Pläne, (Zahnrad Motor), B. AG, 10- 00-599 

02.03.0016  2 Klarsichtmäppli, Transmissione, mit diversen Planskizzen 

und Zeichnungen 

02.03.0017 Klarsichtmappe mit Skizzen Reibriemen Spanner 

02.04.0007 Mailbox PST Export Postfach BB. 

7. Nach Eintritt der Rechtskraft seien folgende am 20. Marz 2013 bei der Firma 

B. AG in Z. gemäss Verfügung vom 18. April 2013 edierten Daten der Firma 

B. AG zurückzuerstatten. Die BKP sei mit dem Vollzug zu beauftragen. 

Asservaten-Nummer Sachbeschreibung gemäss Verzeichnis BKP 

01.01.0001 Externe Festplatte iomega, 2TB, Beschriftung: “#5“, Original-

backup Server (linux) 

01.01.0002 Externe Festplatte iomega, 2TB, Beschriftung: “#Monat”, 

Originalbackup Server vom 28.02.2012 Gesamtes System 

Daten /Mail (linux) 

01.01.0003 Externe Festplatte iomega, 3TB, Beschriftung: “Acronis/Mail-

boxen 28.2.2012 DHCO“, Extraktion der Mailboxen .edb file 

44 GB, Acronis Image ganzer Server 1TB 

01.01.0004 Externe Festplatte iomega, 3TB, Beschriftung: “Dienstag 

192.168.1.181“ “Mailboxen von 17.4.2013, Acronis tib Files“ 

Aktuelle Mailbox .edb File 50GB, Name: SICHERUN-

GEN02.tip File User: admin PW: Sihd70l2fe 

01.01.0005 Externe Festplatte Seagate 160GB, SN 5RF19FN9m aus 

Laptop HP 6710b, A. 

8. Der Kanton Tessin sei mit dem Vollzug zu betrauen (Art. 74 StBOG). 

9. Allfällige Zivilforderungen seien auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

Anträge der Privatklägerin: 

1. Der Beschuldigte sei der mehrfachen Verletzung von Art. 162 Abs. 1 StGB (Ver-

letzung von Fabrikations- und Geschäftsgeheimnissen) schuldig zu sprechen 

und hierfür angemessen entsprechend den Anträgen der Bundesanwaltschaft zu 

bestrafen. 

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2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin B. AG eine Entschädi-

gung von CHF 34‘214.95 inkl. MWST für den notwendigen Aufwand der anwalt-

lichen Verteidigung im vorliegenden Strafverfahren zu bezahlen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge im Übrigen. 

 

Anträge der Verteidigung: 

1. Der Beschuldigte ist vollumfänglich freizusprechen, unter Übernahme von Aus-

lagen und Gebühren auf die Bundeskasse. 

2. Der Beschuldigte ist gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO vollumfänglich für seine 

Verteidigungskosten gemäss beigelegten Honorarnoten zu entschädigen. 

3. Der Beschuldigte ist gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO mit einer Pauschale von 

CHF 3‘000.00 zu entschädigen. 

4. Alle Anträge der Privatklägerin sind vollumfänglich abzuweisen 

5. Alle Beweismittel, Gegenstände und Unterlagen, welche bei dem Beschuldigten 

und/oder bei der C. Sagl beschlagnahmt wurden, sind rückzuerstatten. 

  

- 5 - 

Prozessgeschichte 

A. Mit Eingabe vom 19. Februar 2013 stellte die Firma B. AG (nachfolgend Privat-

klägerin) bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden Strafanzeige und 

Strafantrag gegen ihren ehemaligen Angestellten A. (nachfolgend: Beschuldig-

ter) wegen „Verletzung von Fabrikations- und Geschäftsgeheimnissen (Art. 162 

StGB sowie Art. 6 i.V.m. Art. 23 UWG)“, wirtschaftlichen Nachrichtendienstes 

(Art. 273 StGB) sowie Diebstahls (Art. 139 StGB; pag. 5.1.3 ff.). Einleitend und 

zusammengefasst machte die Privatklägerin geltend, der Beschuldigte habe als 

ehemaliger Angestellter, Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der Firma 

B. AG entwendet, in der Absicht, diese „mittels der neu gegründeten Gesellschaft 

C. Sagl“ (i.S.v. GmbH) – und zumindest teilweise in Kooperation mit der auslän-

dischen italienischen Gesellschaft D. S.p.A –„für den Nachbau von Maschinen 

der Privatklägerin zu verwenden“. 

B. Die Bundesanwaltschaft anerkannte die Gerichtsstandsanfrage der Staatsan-

waltschaft Graubünden (pag. 1.2.1 f.) und verfügte am 11. März 2013 die Eröff-

nung einer Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten wegen „Verletzung des 

Geschäftsgeheimnisses (Art. 162 StGB)“, wirtschaftlichen Nachrichtendienstes 

(Art. 273 StGB), Diebstahls (Art. 139 StGB) sowie unlauteren Wettbewerbs 

(Art. 6 i.V.m. Art. 23 UWG; pag. 1.1.1).  

C. Gestützt auf entsprechende Aufträge der Bundesanwaltschaft stellte die Bundes-

kriminalpolizei (nachfolgend: BKP) am 20. April 2013 bei der Privatklägerin fünf 

externe Festplatten sicher (pag. 7.1.12-13). Am 30. April 2013 führte die BKP, 

gestützt auf einen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom 29. April 

2013 (pag. 8.1.1 ff.), Hausdurchsuchungen am ehemaligen Wohnort des Be-

schuldigten (in Y.) sowie an dessen Arbeitsort (Firma C. GmbH in X. (TI)) durch. 

Dabei stellte sie drei Laptops, einen USB-Stick, weitere elektronische Daten und 

Datenträger sowie diverse Dokumente in Papierform sicher (pag. 8.1.16 f.; 

8.2.10 ff.).  

D. Am 30. April 2013 wurde der Beschuldigte staatsanwaltschaftlich und der Leiter 

der technischen Abteilung der Firma C. Sagl (E.) polizeilich einvernommen 

(pag. 13.00.1 ff.; 12.4.3 ff.).  

E. Am 9. September und 21. Oktober 2013 beauftragte die Bundesanwaltschaft die 

BKP mit der Befragung der (teilweise ehemaligen) Angestellten der Firma 

C. Sagl, namentlich F., als Auskunftsperson sowie G., H., I. und E. als Zeugen 

(pag. 10.00.22 und …24). Die an die BKP delegierten Einvernehmen erfolgten 

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zwischen dem 24. Oktober und dem 8. November 2013 (pag. 12.4.12 ff; 12.2.3 ff; 

12.3.3 ff; 12.5.3 ff: 12.01.5 ff.).  

F. Am 10. Februar 2014 erstellte die BKP einen Zwischenbericht (10.00.34 ff.). 

G. Am 28. April 2014 fand die Schlusseinvernahme des Beschuldigten statt 

(pag. 13.00.13 ff.).  

H. Am 17. Juli 2014 wurde K., Geschäftsführer der Firma B. AG, als Privatkläger, 

bei der Bundesanwaltschaft einvernommen (12.6.4 ff.).  

I. Am 5. Februar 2016 erliess die Bundesanwaltschaft gegen den Beschuldigten 

einen Strafbefehl wegen „Verletzung des Geschäftsgeheimnisses“ (Art. 162 

Abs. 1 StGB) und setzte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 500.00 

unter Aufschub des Vollzugs und Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren fest 

(pag TPF. 5.100.3-6).  

J. Der Beschuldigte erhob am 19. Februar 2016 Einsprache gegen den obgenann-

ten Strafbefehl (pag. TPF 5.100.8).  

K. Die Bundesanwaltschaft hielt am Strafbefehl vom 5. Februar 2016 fest und über-

wies ihn am 3. März 2016 im Sinne von Art. 356 Abs. 1 StPO an das Gericht 

(pag. TPF 5.100.1 f.).  

L. Am 4. März 2016 eröffnete das Bundesstrafgericht das vorliegende Verfahren 

(pag. TPF 5.160.1) und lud die Parteien am 30. Marz 2016 ein, allfällige Beweis-

anträge zu stellen (pag. TPF 5.300.1) 

M. Mit Eingaben vom 13. und 20. April 2016 bzw. 14. April 2016 teilten die Privat-

klägerin und der Verteidiger mit, dass ihnen im Vorverfahren die Akteneinsicht in 

Bezug auf einen Grossteil der Akten verwehrt worden sei (pag. TPF 5.561.1-4.; 

5.521.1 ff.). Eine begründete Verfügung der der Untersuchungsbehörde zur Ein-

schränkung des rechtlichen Gehörs ist nicht aktenkundig.  

N. Mit Verfügung vom 25. Mai 2016 gewährte das Gericht den Parteien (mit Aus-

nahme einer verfahrensfremden Bankunterlage) vollständige Akteneinsicht 

(pag. TPF 5.950.1 ff.). 

O. Am 7. Juli 2016 lud das Gericht die Parteien erneut ein, allfällige Beweisanträge 

zu stellen (pag. TPF 5.300.7). Der Beschuldigte beantragte mit Eingabe vom 

18. Juli 2016 die Abnahme von Beweisen (pag. TPF 5.521.21). 

- 7 - 

P. Am 10. August 2016 beauftrage das Gericht dipl. Ing. J., W. (Deutschland), mit 

der Erstellung eines Gutachtes bezogen auf die im Strafbefehl vom 5. Februar 

2016 aufgeführten „3D-Detailkonstruktionszeichnungen“, dem „Layout mit Blis-

terspezifikationen“ und den “sechs Zeichnungen der B. AG“ (pag. TPF 5.290.1 

ff.). Gleichentags setzte es die Verfügung über die durch den Beschuldigten am 

18. Juli 2016 gestellten Beweisanträgen aus (pag. TPF 5.280.1 ff.). 

Q. Mit Eingaben vom 19. bzw. 26. August 2016 (pag. TPF 5.561.6 ff.; 5.521.24 ff.) 

ersuchten die Privatklägerschaft und der Beschuldigte um Stellung von Zusatz-

fragen an den Gutachter. Darüber entschied das Gericht mit Verfügung vom 

16. September 2016 (pag TPF 5.280.2 ff.). Am 16. September 2016 beauftrage 

das Gericht sodann die BKP mit der Ermittlung von Meta-Daten im Zusammen-

hang mit Anhängen zu einer E-Mail vom 25. Januar 2012 (pag. TPF 5.291.1). 

Die BKP erstellte am 1. November 2016 hierzu einen Bericht (pag. TPF 5.291.8 

ff.). Am 23. November 2016 leitete das Gericht dem Gutachter die durch die BKP 

ermittelten elektronische Daten (Anhänge E-Mail vom 25. Januar 2012) weiter, 

und ergänzte die an ihn in diesem Zusammenhang gestellten Fragen (pag. TPF 

5.290.34 ff.).  

R. Dipl. Ing. J. verfasste am 17. Januar 2017 sein Gutachten (pag. TPF 5.290.56 

ff.). Durch das Gericht auf inhaltliche Unklarheiten/Verschreiber hingewiesen 

(pag. TPF 5.290.179), reichte der Gutachter den korrigierten Bericht als Gutach-

ten, Rev. 1 vom 1. Februar 2017 ein (pag. TPF 5.290.181 ff.).  

S. Am 20. Januar 2017 und am 10. April 2017 forderte das Gericht bei den zustän-

digen Behörden den Auszug aus dem Strafregister, die Steuerunterlagen und 

den Betreibungsregisterauszug des Beschuldigten ein (pag. TPF 5.261.1 ff.; 

5.261.118). 

T. Mit Schreiben vom 13. Februar 2017 wurden die Parteien eingeladen zum Gut-

achten, Rev. 1, vom 1. Februar 2017, Stellung zu nehmen (pag. TPF.5.300.11), 

worauf die Bundesanwaltschaft am 20. Februar 2017 (pag. TPF 5.510.4), der 

Beschuldigte am 24. Februar 2017 (pag. TPF 5.521.31) und die Privatklägerin 

am 23. Februar 2017 (pag. TPF 5.561.19) verzichteten. 

U. Dem Gesuch von Rechtsanwalt Corda (Verteidigung) vom 24. Februar 2017 auf 

Äusserung in der italienischen Sprache anlässlich der Hauptverhandlung gab 

das Gericht nicht statt. Mit Schreiben vom 15. März 2017 teilte Rechtsanwalt 

Corda dem Gericht – unter Beilage einer entsprechenden Vollmacht des Be-

- 8 - 

schuldigten – mit, dass Rechtsanwalt Andrea Ferrazzini ihn an die Hauptver-

handlung begleiten und sich auf Deutsch äussern werde (pag. TPF 5.950.17 ff.; 

5.521.31 ff.). 

V. Am 28. April 2017 begann die Hauptverhandlung in Anwesenheit des Beschul-

digten, seiner Verteidiger und des Vertreters der Privatklägerin (begleitet durch 

K., Organ der Privatklägerin) am Sitz des Bundesstrafgerichts in Bellinzona (pag. 

TPF 5.920.6). Neben der Einvernahme des Beschuldigten wurden K., als Aus-

kunftsperson, und G., als Zeuge, befragt. Die mündliche Urteilseröffnung erfolgte 

am 16. Mai 2017 (pag. TPF 5.920.6 ff.). 

W. Der Verteidiger des Beschuldigten Rechtsanwalt Corda sowie die Vertretung der 

Privatklägerin haben innert gesetzlicher Frist die schriftliche Urteilsbegründung 

verlangt (Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO; pag. TPF 5.521.35 und 5.561.20). 

 
 

Die Einzelrichterin erwägt: 

1. Prozessuales und Vorfragen 

1.1 Zuständigkeit 

Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Staatsanwaltschaft 

Graubünden orientierte die Bundesanwaltschaft mit Schreiben vom 28. Februar 

2013 über die Strafanzeige gegen den Beschuldigten wegen wirtschaftlichen 

Nachrichtendienstes und erbat die Empfängerin um Prüfung ihrer Zuständigkeit 

(pag. 2.1.1). Die Bundesanwaltschaft teilte am 12. März 2013 mit, dass die Straf-

verfolgung in dieser Angelegenheit von der Bundesanwaltschaft weitergeführt 

werde (pag. 2.1.2). Beim wirtschaftlichen Nachrichtendienst im Sinne von 

Art. 273 StGB handelt es sich um eine Straftat des 13. Titels des Strafgesetzbu-

ches. Die Straftaten dieses Titels unterstehen gemäss Art. 23 Abs. 1 lit. h StPO 

der Bundesgerichtsbarkeit, sofern sie u.a. gegen den Bund gerichtet sind. Bei 

Art. 273 StGB ist dies per se der Fall. Für die Verfolgung der weiteren angeklag-

ten Delikte – Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses gemäss 

Art. 162 StGB, Diebstahl nach Art. 139 StGB und Verletzung von Geschäftsge-

heimnissen im Sinne von Art. 6 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wett-

bewerb vom 19. Dezember 1986 (UWG) – sind grundsätzlich die Kantone zu-

ständig (Art. 22 StPO). Ist in einer Strafsache sowohl Bundesgerichtsbarkeit als 

auch kantonale Gerichtsbarkeit gegeben, so kann die Staatsanwaltschaft des 

Bundes gemäss Art. 26 Abs. 2 StPO die Vereinigung der Verfahren in der Hand 

der Bundesbehörden oder der kantonalen Behörden anordnen. Im Sinne dieser 

- 9 - 

Bestimmung vereinigte die Bundesanwaltschaft mit Verfügungen vom 5. Februar 

2016 die Strafverfolgung der vorliegend zur Beurteilung stehenden Straftaten in 

ihrer Hand (pag. 3.1.2). Die Zuständigkeit des Bundesstrafgerichts ist damit für 

den angeklagten Straftatbestand gegeben. 

1.2 Anklageprinzip 

1.2.1 Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 3 

lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschrie-

benen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-

richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklageschrift hat die der beschul-

digten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu um-

schreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend 

konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Vertei-

digungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf recht-

liches Gehör. Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift 

möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten 

mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Ent-

scheidend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr konkret vorge-

worfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Das 

Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Im-

mutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Ankla-

gebehörde (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO). Kernstück der Anklageschrift bildet die 

Darstellung der der beschuldigten Person zur Last gelegten Tat. Die Darstellung 

des tatsächlichen Vorgangs ist auf den gesetzlichen Tatbestand auszurichten, 

der nach Auffassung der Anklage als erfüllt zu betrachten ist, d.h. es ist anzuge-

ben, welche einzelnen Vorgänge und Sachverhalte den einzelnen Merkmalen 

des Straftatbestandes entsprechen. Zu den gesetzlichen Merkmalen der strafba-

ren Handlung gehören neben den Tatbestandsmerkmalen die Schuldform (so-

fern vorsätzliches und fahrlässiges Verhalten strafbar ist), die Teilnahmeform 

(Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft) sowie die Erscheinungsform (Versuch 

oder vollendetes Delikt) und allfällige Konkurrenzen. Die tatsächlichen Umstände 

der Tat – Zeit, Ort, Art der Begehung und Form der Mitwirkung, angestrebter oder 

verwirklichter Erfolg (einschliesslich Kausalzusammenhang) –  sind anzugeben 

und die einzelnen rechtlichen Elemente des Delikts hervorzuheben (s. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_963/2015 vom 19. Mai 2016 E. 1.3 mit mehreren Hinweisen). 

Der Anklagegrundsatz ist im Hinblick auf die Umschreibungsdichte des vom Ge-

richt zu beurteilenden historischen Lebensvorgangs strenger anzuwenden, wenn 

der Tatvorwurf oder der strafrechtliche Erfolg von einer gewissen Schwere sind, 

mithin auch die Auswirkungen des Verfahrens auf den Beschuldigten bedeuten-

der sein könnten (GREINER, Akkusationsprinzip und Wirtschaftsstrafsachen, in: 

ZStrR 2005, S. 103).  

- 10 - 

1.2.2 Der Inhalt des Strafbefehls wird durch seine Doppelfunktion als Anklageersatz im 

Falle einer Einsprache (Art. 356 Abs. 1 StPO) und als rechtskräftiges Urteil beim 

Verzicht auf Einsprache (Art. 354 Abs. 3 StPO) bestimmt. Nach Art. 353 Abs. 1 

lit. c StPO enthält der Strafbefehl insbesondere den Sachverhalt, welcher der be-

schuldigten Person zur Last gelegt wird. Die Sachverhaltsumschreibung muss 

den Anforderungen einer Anklage genügen. Das heisst, es bedarf einer konzisen, 

aber dennoch genauen Beschreibung des dem Beschuldigten vorgeworfenen 

Sachverhalts, u.a. einer möglichst kurzen, aber genauen Bezeichnung der der 

beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Aufführung von Ort, Datum, Zeit, 

Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Die Fixierung des 

Anklagesachverhalts dient auch beim Strafbefehl zunächst einmal der Umset-

zung des Anklagegrundsatzes, indem dadurch der Gegenstand der gerichtlichen 

Beurteilung abschliessend bestimmt und der beschuldigten Person eine effektive 

Verteidigung gewährleistet wird. Eine möglichst genaue und umfassende Um-

schreibung des massgebenden Sachverhalts ist im Strafbefehl aber auch wegen 

des Verbots der doppelten Strafverfolgung ("ne bis in idem", Art. 11 StPO) erfor-

derlich. Erwächst der Strafbefehl in Rechtskraft, muss anhand des darin festge-

haltenen Anklagesachverhalts geprüft werden können, ob eine bereits beurteilte 

Strafsache vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_936/2015 vom 25. Mai 

2016 E. 2.3.1. mit Hinweis auf BGE 140 IV 188 E. 1.4 mit weiteren Hinweisen). 

1.3 Antragsdelikte 

Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann jede Person die durch sie verletzt 

worden ist, die Bestrafung des Täters verlangen (Art. 30 Abs. 1 StGB). Das An-

tragsrecht erlischt nach drei Monaten. Die Frist beginnt mit dem Tag, an welchem 

der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird (Art. 31 StGB). 

1.4 Strafbefehl/Einsprache 

Überweist die Staatsanwaltschaft dem Gericht einen Strafbefehl zur Durchfüh-

rung des Hauptverfahrens, gilt der Strafbefehl als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1 

StPO). In diesem Sinne wird der Strafbefehl der Bundesanwaltschaft vom 5. Feb-

ruar 2016 in der Folge auch als Anklage bezeichnet. Der Strafbefehl wurde am 

9. Februar 2016 versandt und dem Beschuldigten am 10. Februar 2016 zugestellt 

(pag. 3.1.5.1). Die 10-tägige Einsprachefrist endete am 20. Februar 2016. Die 

am 19. Februar 2016, eingegangen am 20. Februar 2016, erhobene Einsprache 

erfolgte demnach fristgerecht (Art. 354 Abs. 1 und 2 StPO) (pag. 5.1.1). 

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2. Zum Straftatbestand der Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsge-

heimnisses i.S.v. Art. 162 Abs. 1 StGB 

Gemäss Art. 162 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer ein Fabrikations- oder Ge-

schäftsgeheimnis verrät, das er infolge einer gesetzlichen oder vertraglichen 

Pflicht bewahren sollte. 

2.1 Täterschaft 

Bei dieser Tatvariante handelt es sich um ein Sonderdelikt, d.h. Täter kann nur 

sein, wer gegenüber dem Geheimnisherrn einer Geheimhaltungspflicht, sei es 

aus besonderer vertraglicher Vereinbarung oder aus Art. 321a Abs. 4 OR, unter-

liegt (vgl. NIGGLI/HAGENSTEIN, Basler Kommentar Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 

2013, Art. 162 N 6 f., 21 ff. mit Hinweisen). 

2.2 Verrat 

2.2.1 Als Verrat gemäss Abs. 1 der Strafbestimmung gilt die pflichtwidrige Offenbarung 

von (Fabrikations- oder Geschäfts-) Geheimnissen gegenüber Personen, die von 

der Kenntnis ausgeschlossen bleiben sollen. Er kann durch mündliche oder 

schriftliche Mitteilung oder ähnliche Handlungen erfolgen (NIGGLI/HAGENSTEIN, 

a.a.O., Art. 162 N 25).  

2.2.2 Umstritten ist, ob die Tat erst mit der Kenntnisnahme durch den Geheimnisemp-

fänger (so Urteil des Obergerichts Zürich vom 3. Oktober 1967, ZR 1969 Nr. 38, 

S. 96 und diesem zustimmend NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N 20, N 36; 

DONATSCH, in: ders. [Hrsg.], Kommentar, StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, Art. 162 

N 5), oder bereits mit der Übergabe oder der Einräumung der Möglichkeit der 

Kenntnisnahme des Geheimnisses an Dritte vollendet wird (so DONATSCH, Straf-

recht III, Delikte gegen den Einzelnen, 10. Aufl. 2013, S. 336; WENIGER, La pro-

tection des secrets économiques et du savoir-faire [Know-how], Diss. Lausanne, 

Genf 1994, S. 256; BINDSCHEDLER, Der strafrechtliche Schutz wirtschaftlicher Ge-

heimnisse, Diss. Bern, Bern 1981, S. 72 i.V.m. S. 57 f.). Das Bundesgericht hat 

sich dazu bislang, soweit ersichtlich, nicht direkt geäussert. Aufschlussreich ist 

indessen die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 320 StGB (Verletzung 

des Amtsgeheimnisses) und Art. 321 StGB (Verletzung des Berufsgeheimnis-

ses). In diesen Bestimmungen wird die Tathandlung in der deutschen Fassung 

des Gesetzes mit dem Ausdruck "offenbaren" umschrieben, während in der fran-

zösischen und der italienischen Fassung der Begriff – "révéler" bzw. "rivelare" – 

verwendet wird, derselbe Begriff also wie in Art. 162 Abs. 1 StGB. Laut Bundes-

gericht offenbart ein Geheimnis im Sinne von Art. 320 StGB, wer es einer dazu 

nicht ermächtigten Drittperson zur Kenntnis bringt oder dieser die Kenntnis-

nahme zumindest ermöglicht (BGE 142 IV 65 E. 5.1). Beim Geheimnisverrat im 

- 12 - 

Sinne von Art. 321 StGB umfasst der Begriff des Offenbarens jede Art der Be-

kanntgabe des Geheimnisses, insbesondere auch die Aushändigung von Schrift-

stücken oder anderen Sachen, die das Geheimnis verraten (BGE 75 IV 71 E. 1; 

BGE 112 Ib 606 E. b).  

Eine Kenntnisnahme des Geheimnisses durch den Empfänger ist demnach für 

die Tatvollendung im Rahmen von Art. 320 oder 321 StGB nicht erforderlich. Die 

Aushändigung bzw. die Übergabe der geheimen Information oder die Ermögli-

chung der Kenntnisnahme genügt. In diesem Sinne wurde bereits mit Urteil des 

Bundesstrafgerichts SK.2013.37 vom 10. Dezember 2013 E.3.2.1 entschieden.  

Kommt es nicht zur Übergabe der Information oder der Ermöglichung der Kennt-

nisnahme, sondern wird diese lediglich angekündigt oder angeboten, wird Ver-

such anzunehmen sein (DONATSCH, Strafrecht III, a.a.O., S. 336).  

Kein tatbestandsmässiges Handeln liegt hingegen vor, wenn ein Geheimnis aus-

genützt wird, ohne dessen Preisgabe an Dritte (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., 

Art. 162 N 27).  

2.3 Geheimniseigenschaft 

2.3.1 Geschützt werden lediglich Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse. Fabrika-

tions- und Geschäftsgeheimnissen unterscheiden sich nicht immer deutlich (sie-

he auch NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N 17 mit Hinweisen). Generell be-

ziehen sich Fabrikationsgeheimnisse auf technische Belange wie Art und Weise 

eines Verfahrens und der Herstellung eines Produktes. Geschäftsgeheimnisse 

betreffen demgegenüber den Bereich des Vertriebs und die Vermögenslage des 

Unternehmens, wie z.B. Kundenlisten, Bilanzen, Lohnlisten, Preiskalkulationen, 

Einkaufs- und Bezugsquellen (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N 17 ff. mit 

Hinweisen). Auch Vorbereitungen für strategische Ausrichtungen wie Fusionen 

und Übernahmen sind typischerweise Geschäftsgeheimnisse (BGE 109 Ib 56 mit 

Hinweisen).  

2.3.2 Geheim ist eine Tatsache, wenn sie weder allgemein bekannt noch allgemein 

zugänglich ist, von der demnach ausser dem Geheimnisherrn nur ein beschränk-

ter Personenkreis weiss (relative Unbekanntheit). Zudem muss der Geheimnis-

herr an deren Geheimhaltung ein berechtigtes Interesse (Geheimhaltungsinte-

resse) sowie den Willen haben, dieses tatsächlich geheim zu halten (Geheimhal-

tungswille) (BGE 118 Ib 547 E. 5a; 109 Ib 47 E. 5c; 80 IV 22 E. 2a; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_496/2007 vom 9. April 2008 E. 5.1; TRECHSEL/JEAN-

RICHARD, in: Trechsel/Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommen-

tar, 2. Aufl., Zürich/St.Gallen 2013, Art. 162 N 2). 

- 13 - 

2.3.3 Die Preisgabe der Information muss einen (negativen) Einfluss auf das Ge-

schäftsergebnis bzw. den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens haben kön-

nen. Die geheim zu haltende Tatsache muss für den Geheimnisherrn von wirt-

schaftlichem Wert und ihr Bekanntwerden geeignet sein, den Wettbewerb der 

Konkurrenz zu steigern oder sonst den eigenen Betrieb zu schädigen (BGE 118 

Ib 547 E. 5; 109 Ib 47 E. 5c; Urteil des Bundesgerichts 6B_496/2007 vom 9. April 

2008, E. 5.1; NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N 9; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, 

a.a.O., Art. 162 N 6, je mit Hinweisen). 

2.3.4 Der objektive Tatbestand von Art. 162 StGB setzt weiter voraus, dass es sich bei 

den preisgegebenen Informationen um Tatsachen handelt, wobei nur die Ver-

traulichkeit wahrer Tatsachen geschützt ist (TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O, 

Art. 162 N 3). Geschützt ist nicht die Tatsache an sich, sondern das Wissen um 

sie, welches das Geheimnis bildet (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 N 11 mit 

Hinweisen).  

2.3.5 Art. 162 StGB ist ein Vorsatzdelikt, die fahrlässige Begehung ist somit nicht straf-

bar. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält 

und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB). Bezüglich des Verrats (Art. 162 

Abs. 1 StGB) wird vorausgesetzt, dass der Täter um den geheimen Charakter 

der Tatsache gewusst und den Verrat im Bewusstsein um seine Verpflichtung, 

das Geheimnis zu bewahren, begangen hat (NIGGLI/HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 162 

N 32/34 mit Hinweisen). 

2.3.6 Die Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses wird auf Antrag 

bestraft (Art. 162 Abs. 3 StGB, dazu oben E. 1.3). 

3. Zum Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird in objektiver Hinsicht vorgeworfen (Zitat Strafbefehl vom 

5. Februar 2016, pag. 3.1.1 f.): 

„(A. hat […]) trotz vertraglicher Verpflichtung zur Wahrung der Fabrikations- und 

Geschäftsgeheimnisse der Firma B. AG (Art. 10 und 14 des Arbeitsvertrages vom 

08. Oktober 2004 sowie Ziffer 2.3 der dazugehörenden allgemeinen Be-

dingungen), für welche er von 2004 bis zum 31. März 2012 als Verkäufer und spä-

ter als Verkaufsleiter tätig war, Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der 

B. AG, von denen er im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses Kenntnis erhalten 

hatte, für seine Tätigkeit ausserhalb der B. AG gespeichert und verwendet. Im We-

sentlichen hat er sich zwischen dem 25. Januar 2012 und dem 16. März 2012 

verschiedene E-Mails mit diversen 3D Detail Konstruktionszeichnungen von ver-

schiedenen Entwicklungen und Maschinen der B. AG inklusive elektronischer 

- 14 - 

Meta-Daten und mit einem von der B. AG für Kunden erstellten Layout mit Blister-

spezifikationen für Ausschieber, von seiner geschäftlichen an seine private E-Mail-

Adresse gesandt. Ausserdem hat A. Schaltpläne, Verkaufsbedingungen, Bezugs-

bedingungen sowie Berichte von Käufern und Verkäufern der B. AG elektronisch 

gespeichert und mitgenommen. Ebenfalls hat er sechs Zeichnungen der B. AG 

mitgenommen. […]. A. hat die oben erwähnten Fabrikations- und Geschäftsge-

heimnisse der B. AG dem Konkurrenzunternehmen C. Sagl verraten, wodurch die-

ses in der Lage war, innert kürzester Zeit (von Mai 2012 bis Anfangs Oktober 2012) 

Produkte, welche grosse Ähnlichkeit mit den Produkten der B. AG aufweisen, her-

zustellen und der Firma D. S.p.A. mit Sitz in V. (Italien) anzubieten.“ 

3.1 Zum Strafantrag 

3.1.1 Im Rahmen der Hauptverhandlung brachte die Verteidigung vor, dass die Privat-

klägerin den Strafantrag nicht innerhalb der dreimonatigen Frist im Sinne von 

Art. 31 StGB (oben E. 1.3 und E. 2.3.6) gestellt habe. Zusammengefasst machte 

sie geltend, dass die Privatklägerin aufgrund einer E-Mail vom 16. Mai 2012 be-

reits zu jenem Zeitpunkt von einer allfälligen Verletzung des Fabrikations- oder 

Geschäftsgeheimnisses des Beschuldigten wusste und die dreimonatige Straf-

antragsfrist daher beim Einreichen der Strafanzeige vom 20. Februar 2013 ver-

strichen war (pag. TPF 5.925.12). 

Bei der fraglichen E-Mail vom 16. Mai 2012, 12:39 Uhr, handelt es sich um eine 

elektronische Mitteilung eines Mitarbeiters der Firma D. S.p.A. an den Beschul-

digten, welche (vermutlich versehentlich) nicht an dessen damals aktuellen Ar-

beitsort, sondern an dessen (ehemalige) E-Mail-Adresse bei der Firma B. AG 

geschickt worden war (pag. 5.1.134). In dieser E-Mail ist auch der frühere elekt-

ronische Korrespondenzaustausch zwischen dem Beschuldigten, als Vertreter 

der Firma C. Sagl, und dem Vertreter der Firma D. S.p.A. ab dem 2. Mai 2012 

ersichtlich. Diese bezieht sich auf einen Feeder (Anleger-Maschine) des Kunden 

N. USA. Der Beschuldigte bezeichnet sich dabei als “CEO and Head of Sales 

dept.“ der Firma C. Sagl, (pag. 5.1.134-135). K., Geschäftsführer der Privatklä-

gerin, hatte anlässlich seiner Aussage vom 28. April 2017 vor Gericht ausgesagt, 

dass allfällige E-Mails – welche nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses von 

A. bei der Privatklägerin, weiterhin auf dessen (ehemaligen) E-Mail Adresse der 

Firma B. AG zugestellt wurden – von seiner Ehefrau (M.) gesichtet und an die 

zuständige interne Stelle weitergeleitet wurden (pag. TPF 5.931.9). Gestützt da-

rauf machte die Verteidigung geltend, dass die Privatklägerin bereits aus der 

fraglichen E-Mail Kenntnis der mutmasslichen Straftat des Beschuldigten hatte. 

3.1.2 Aus der E-Mail-Korrespondenz auf pag. 5.1.134 f. geht hervor, dass der Beschul-

digte im Mai 2012 als „CEO and Head of Sales dept.“ der Firma C. Sagl tätig war 

und sich mit einem Mitarbeiter der Firma D. S.p.A. über einen Feeder (Anleger-

- 15 - 

Maschine) für den Kunden N. USA unterhalten hat. Produkte der Privatklägerin 

bzw. die durch B. AG hergestellten Friktionsanleger (Feeder) oder deren Fabri-

kations- oder Geschäftsgeheimnisse werden nicht genannt. Feeder bzw. Anle-

ger-Maschinen werden von mehreren Firmen hergestellt (vgl. auch pag. 5.1.8-9). 

Die Privatklägerin war somit bei Sichtung dieses E-Mail nicht veranlasst, eine 

strafbare Handlung im Sinne von Art. 162 StGB zu erkennen bzw. anzuzeigen. 

In der Strafanzeige vom 19. Februar 2013 verweist die Privatklägerin dement-

sprechend auf diese E-Mail um darzulegen, dass der Beschuldigte gegenüber 

Kunden als CEO der Firma C. Sagl aufgetreten ist, und nicht zur Begründung 

des Tatbestandsmerkmals des Verrats. 

Mit Strafanzeige vom 19. Februar 2013 erklärte die Privatklägerin, dass sie im 

Januar 2013 durch Nachforschungen der Geschäfts-E-Mail-Adresse des Be-

schuldigten bei der Firma B. AG erkannt habe, dass der Beschuldigte „vertrauli-

che Unterlagen der B. AG entwendet hat, um B. AG mit einer eigenen Gesell-

schaft zu konkurrenzieren“ (pag. 5.1.13). Die ersten anwaltliche Tätigkeiten für 

die Privatklägerin (Aktenstudium, Vorprüfung, Abklärung des Geheimnisverrats, 

Besprechung mit Mitgliedern der Familie K.,L., M.) fanden zwischen dem 28. Ja-

nuar und dem 1 Februar 2013 statt (pag. TPF 5.925.25). Die in der Strafanzeige 

aufgelisteten E-Mails wurden am 8. Februar 2013 dem Rechtsvertreter der Pri-

vatklägerin (Rechtsanwalt Weingart) zugestellt (pag. 5.1.134, 5.1.136, 5.1.185, 

5.1.198 ff.). Das untermauert die Angabe der Privatklägerin im Januar 2013 einen 

allfälligen Geheimnisverrat des Beschuldigten angenommen zu haben. Am 

19. Februar 2013 war die dreimonatige Strafantragsfrist gemäss Art. 31 StGB 

somit gewahrt. 

3.2 Zur Tätereigenschaft des Beschuldigten 

Der Beschuldigte war vom 1. November 2004 bis 31. März 2012 bei der Privat-

klägerin angestellt (pag. 5.1.119 und 5.1.131). 

3.2.1 Gemäss Art 321a Abs. 4 OR darf der Arbeitnehmer geheim zu haltende Tatsa-

chen, wie namentlich Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse, von denen er im 

Dienst des Arbeitgebers Kenntnis erlangt, während des Arbeitsverhältnisses 

nicht verwerten oder anderen mitteilen. Auch nach dessen Beendigung bleibt er 

zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit es zur Wahrung der berechtigten Inte-

ressen des Arbeitgebers erforderlich ist. 

Der Beschuldigte hat sich zudem vertraglich verpflichtet, nach Vertragsauflö-

sung, während der Dauer von zwei Jahren, weder für sich selbst noch für eine 

Konkurrenzfirma mit Konkurrenzartikeln, die in Funktion und Art den Produkten 

der Privatklägerin entsprechen, tätig zu werden (pag. 5.1.122, Art. 11 des Ar-

beitsvertrages, Konkurrenzverbotsklausel). Gemäss Arbeitsvertrag und nach den 

- 16 - 

allgemeinen Vertragsbedingungen durfte der Beschuldigte vertrauliche Unterla-

gen Dritten nicht zugänglich machen und er hatte über geschäftliche Vorgänge 

und Angelegenheiten sowohl während der Dauer wie auch nach Ablauf des Ar-

beitsverhältnisses Verschwiegenheit zu wahren (pag. 5.1.122, Art. 14 des Ar-

beitsvertrages und pag. 5.1.123, Ziffer 2.3 der allgemeinen Bedingungen zum 

Arbeitsvertrag). 

3.2.2 Der Beschuldigte war daher sowohl gesetzlich wie auch vertraglich zur Geheim-

niswahrung verpflichtet. Die Tätereigenschaft von Art. 162 Abs. 1 StGB (vgl. oben 

E. 2.1) liegt somit vor. 

3.3 Zum angeklagten Tatobjekt 

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor (pag. 3.1.1 f.): 

 „verschiedene E-Mails mit diversen 3D Detail-Konstruktionszeichnungen von 

verschiedenen Entwicklungen und Maschinen der B. AG inklusive elektroni-

scher Meta-Daten und mit einem von der B. AG für Kunden erstellten Layout 

mit Blisterspezifikationen für Ausschieber, von seiner geschäftlichen an seine 

private E-Mail-Adresse gesandt (…);  

 Schaltpläne, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedingungen sowie Berichte von 

Käufern und Verkäufern der B. AG elektronisch gespeichert und mitgenom-

men (…);  

 sechs Zeichnungen der B. AG mitgenommen“ und  

 „die oben erwähnten Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der B. AG dem 

Konkurrenzunternehmen C. Sagl verraten“ zu haben.  

3.3.1 Die Tatumschreibung genügt dem Anklageprinzip nicht (s. oben E. 1.2.1 und 

1.2.2). Den stichwortartigen Hinweisen („verschiedene E-Mails“, „diverse 3D De-

tail-Konstruktionszeichnungen von verschiedenen Entwicklungen und Maschi-

nen“, „Berichte von Käufern und Verkäufern“ usw.) kann der Beschuldigte nicht 

entnehmen, welche Objekte Gegenstand des Fabrikations- oder Geschäftsge-

heimnisses sein sollen. Die zur Identifizierung erforderlichen Angaben (wie z.B. 

Bezeichnung/Name/Marke, Umschreibung, Titel, Datum, Uhrzeit, Beteiligte, In-

halt, Text usw.) fehlen. Aus dem Anklagetext geht nicht hervor, welche „Maschi-

nen“ gemeint sind. Auch nicht welche „verschiedene E-Mails“. Es ist weder er-

sichtlich was die „Konstruktionszeichnungen“ oder die „sechs Zeichnungen“ dar-

stellen sollen noch eruierbar, auf welche „Schaltpläne“, „Verkaufsbedingungen“, 

„Bezugsbedingungen“ oder „Berichte von Käufern und Verkäufern“ Bezug ge-

nommen wird oder worum es sich bei solchen Berichten handelt.  

- 17 - 

3.3.2 Indessen ist zu beachten, dass dem Beschuldigten anlässlich der Schlusseinver-

nahme vom 28. April 2014 (pag. 13.00.13 ff.) im Zusammenhang mit dem Vor-

wurf „Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisse der B. AG für eine Tätigkeit aus-

serhalb der B. AG“ gesichert zu haben, diese Tatobjekte teilweise etwas konkre-

ter als im Strafbefehl genannt und ihm darüber hinaus Aktenstellen angegeben 

wurden. Insbesondere diese Aktenstellen ermöglichen die nähere Erfassung des 

Verratsobjekts. Darauf ist in der Folge näher einzugehen: 

3.3.2.1 Zu den „verschiedene[n] E-Mails“  

Mit Benennung der Aktenstellen pag. 5.1.152 und pag. 5.1.179 f. wurde dem Be-

schuldigten in der Einvernahme vom 28. April 2014 eröffnet, dass es sich dabei 

um eine „E-Mail vom 25. Januar 2012 (…) mit diversen 3D Detail Konstruktions-

zeichnungen von verschiedenen Entwicklungen und Maschinen der B. AG inklu-

sive elektronischer Meta-Daten“ handeln würde sowie um eine „E-Mail vom 

16. März 2012 (…) mit einem von der Firma B. AG für Kunden erstellten Layout 

mit Blisterspezifikationen für Ausschieber.“ (pag. 13.00.16).  

Insofern ist – wenn auch auf Umwegen – erkennbar, dass die mit den im Ankla-

gevorwurf genannten „verschiedene[n] E-Mails“ jene vom 25. Januar 2012 bzw. 

16. März 2012 (pag. 5.1.152 bzw. …179 f.) gemeint sind. 

a. Zur E-Mail vom 25. Januar 2012 (pag. 5.1.152) 

Im Dokument pag. 5.1.152 befinden sich keine 3D-Konstruktionszeichnungen. 

Bei dieser Aktenstelle handelt es sich lediglich ein Ausdruck einer elektronischen 

Haupt-Nachricht vom 25. Januar 2012, mit folgendem (ursprünglichem) Text: 

 

„Von: A. (Geschäftsadresse bei der B. AG) 

Gesendet: Mittwoch, 25. Januar 2012 11:36 

An: A.@gmail.com 

Betreff: E-Mail schreiben an: 10-2846-006.SLDPRT, 10-2846-

900.SLDASM, 10-2846-901.SLDASM, 10-2846_Produkt.SLDPRT, 10-

2846-Kartontray.SLDPRT, 10-2846-001.SLDPRT, 10-2846-002.SLDPRT, 

10-2846-003.SLDPRT, 10-2846-004.SLDPRT, 10-2846-005.SLDPRT 

Die Nachricht kann jetzt mit folgender Datei oder Link als Anlage gesendet werden: 

10-2846-006.SLDPRT 

10-2846-900.SLDASM 

10-2846-901.SLDASM 

10-2846_Produkt.SLDPRT 

10-2846-Kartontray.SLDPRT 

10-2846-001.SLDPRT 

- 18 - 

10-2846-002.SLDPRT 

10-2846-003.SLDPRT 

10-2846-004.SLDPRT 

10-2846-005.SLDPRT 

Hinweis: E-Mail-Programme können das Senden oder Empfangen von be-

stimmten Dateitypen als Anlagen aufgrund von Computerviren verhindern. 

Überprüfen Sie die E-Mail-Sicherheitseinstellungen, um zu ermitteln, wie 

Anlagen gehandhabt werden.“ 

Der Inhalt, der im oben wiedergegebenen E-Mail-Text genannten Anlagen, 

wurde im Vorverfahren nicht ermittelt, somit auch nicht, ob es sich dabei um 3D-

Konstruktionszeichnungen handelt und allenfalls um welche genau. Anlässlich 

der Schlusseinvernahme war es dem Beschuldigten daher nicht möglich, 3D-

Zeichnungen bzw. das Objekt des Vorwurfes zu erkennen. 

Nach der Schlusseinvernahme vom 28. April 2014, befragte die Bundesanwalt-

schaft den Geschäftsführer der Privatklägerin, K. am 17. Juli 2014 (pag. 

12.6.4 ff.). Auf Frage im Zusammenhang mit der E-Mail vom 25. Januar 2012 

reichte K. zehn A4-Seiten mit graphischen Zeichnungen ein mit dem Hinweis, es 

handle sich dabei um die „Ausdrücke der entsprechenden 3D-Zeichnungen“ 

(pag. 12.6.10; 12.6.15: 12.6.16-25). Ein Abgleich der Eingabe des Privatklägers 

mit den tatsächlichen Anlagen der E-Mail vom 25. Januar 2012 erfolgte nicht. 

Mangels anderer ermittelter Zeichnungen zur fraglichen E-Mail muss sich in die-

sem Zusammenhang der Vorwurf auf die durch die Privatklägerin am 17. Juli 

2014 eingereichten Zeichnungen beziehen bzw. darauf, dass solche Zeichnun-

gen der E-Mail beigelegen haben. 

Selbst diese Zeichnungen wurden jedoch dem Beschuldigten im Vorverfahren 

nicht eröffnet. Wie oben erwähnt (Bst. M) hat die Bundesanwaltschaft dem Be-

schuldigten die Akteneinsicht in Bezug auf einen Grossteil der Akten verwehrt. 

Das betraf auch die durch K. eingereichten Zeichnungen (vgl. pag. TPF 5.521.1f.; 

pag. 20.1.1). Aufgrund der Verwehrung des rechtlichen Gehörs war es dem Be-

schuldigten im Vorverfahren nicht möglich zu erkennen auf welche Maschi-

nen/Zeichnungen sich der Anklagevorwurf bezieht. 

Indessen wurde dem Beschuldigten, nach Überweisung des Strafbefehls, mit ge-

richtlicher Verfügung SN.2016.11 vom 25. Mai 2016 (pag. TPF 5.950.1 ff) voll-

ständige Akteneinsicht gewährt und die Verletzung des rechtlichen Gehörs folg-

lich geheilt. 

b. Zur E-Mail vom 16. März 2012 (pag. 5.1.179 f.) 

Zu diesem Anklageobjekt geht aus pag. 5.1.179 hervor, dass am 16. März 2012 

vom E-Mail-Konto „A. (Geschäftsadresse bei der B. AG)“ das Dokument „Blister-

- 19 - 

spizifikation.pdf“ an die Adresse A.@gmail.com versandt wurde. Bei der folgen-

den pag. 5.1.180 handelt es sich um eine durch die Privatklägerin mit der Straf-

anzeige vom 19. Februar 2013 eingereichte A4 Seite mit der Bezeichnung „Blis-

terspezifikation für Ausschieber“, welche zusammengefasst Zeichnungen/Anga-

ben der Firma B. AG zur Funktion eines Ausschiebers und zur Masse, Durchbie-

gung und Torsion eines (Tabletten-)Blisters aufweist. 

3.3.2.2 Zu den Schaltplänen, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedingungen sowie Berich-

ten von Käufern und Verkäufern der B. AG 

Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 28. April 2014 (pag. 13.00.13 ff.) wurde 

dem Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Vorwurf Fabrikations- oder Ge-

schäftsgeheimnisse der B. AG für eine Tätigkeit ausserhalb der B. AG gesichert 

zu haben, eine Aussage von I. vom 25. Oktober 2013 vorgehalten (pag. 

12.3.11 f.), wonach er (der Beschuldigte) diesem (I.) 2-3 CDs oder DVDs zur 

Verfügung gestellt habe, auf welchen „Schaltpläne der B. AG, Verkaufsbedingun-

gen, Bezugsbedingungen, sowie Berichte von Käufern und Verkäufern“ abge-

speichert gewesen seien (pag. 13.00.16).  

Der Anklagevorwurf umfasst daher die Angaben von I. (ehemaliger Angestellter 

der Firma C. Sagl) vom 25. Oktober 2013 gegenüber der BKP (pag. 12.3.3 ff.; 

insb. pag. 12.3.11-13). I. erklärte, die Firma D. S.p.A. habe ihm Schaltpläne zur 

Verfügung gestellt, um die Koppelung zwischen deren Produkten und dem Fee-

der der Firma C. Sagl zu ermöglichen. Zudem habe ihm der Beschuldigte Schalt-

pläne der Privatklägerin gegeben, welche sich auf einer CD befunden hätten. 

Daran habe er sich im Sinne von Beispielen orientieren können und daraus An-

fertigungsregeln gelernt/entnommen, z.B. in Bezug auf Farben für die Bezeich-

nung der verschiedenen Drähte und die Nummerierungen der Bestandteile. Auch 

die Schaltpläne der Firma D. S.p.A. habe er dazu verwendet. Auf diese Weise 

habe er, im Gegensatz zum Studium entsprechender allgemeiner Normen, Zeit 

gewonnen. Für den Feeder der Firma C. Sagl habe er einen neuen Schaltplan 

gezeichnet, weil die Firma C. Sagl andere Komponente verwendet habe als die 

Privatklägerin und die Verbindungen neu geprüft werden mussten. Dabei habe 

ihm O., ein Mitarbeiter der Firma P., geholfen. Vom Beschuldigten habe er wei-

tere Unterlagen der Firma B. AG zur Übersetzung von der englischen in die itali-

enische Sprache bekommen. Z.B. Rohfassungen von Verkaufsbedingungen, 

Kaufsbedingungen, Beziehungen zwischen Lieferanten und Kunden sowie dazu-

gehörende Reglemente. Diese Unterlagen habe ihm der Beschuldigte auf einer 

CD überreicht. Insgesamt habe er vom Beschuldigten drei CDs oder DVDs er-

halten. Während seiner Tätigkeit bei der Firma C. Sagl sei ein Feeder und ein 

Prototyp davon erstellt worden. Die Software sei zu 100% von ihm (I.) entwickelt 

worden, unter der Leitung des Beschuldigten und von F.. 

- 20 - 

3.3.2.3 Zu den sechs Zeichnungen der B. AG (pag. 10.00.324 ff.) 

Dem Beschuldigten wurden anlässlich seiner Einvernahme vom 28. April 2014 

die Dokumente pag. 10.00.324 ff. vorgehalten mit dem Hinweis, es handle sich 

dabei um „sechs Zeichnungen der B. AG“, die am 30. April 2013 anlässlich der 

Hausdurchsuchung bei der Firma C. Sagl auf dem Pult des Mitarbeiters G. si-

cherstellt worden seien (pag. 13.00.17). 

Dabei handelt es sich um technische Zeichnungen der Firma B. AG mit der 

Bezeichnung „Zahnrad Motor“ zum Maschinentyp Revolvermagazin 

(pag. 10.00.324 und 325), „Hubsäule 4000N“ zum Maschinentyp Stativ 

(pag. 10.00.327), „Absenkeinheit 260mm“ zum Maschinentyp Revolvermagazin 

(pag. 10.00.328), „Pneumatikschrank bearbeitet“ zum Maschinentyp Revolver-

magazin (pag. 10.00.329), „Kugelgewindbetrieb Absenke“ zum Maschinentyp 

Revolvermagazin (pag. 10.00.330 und ...331) und „Untergestell“ zum Revolver-

magazin (pag. 10.00.333). Diese Zeichnungen sind somit in der Anklage/dem 

Strafbefehl gemeint, wenn dort von „sechs Zeichnungen“ die Rede ist. 

Allerdings wurde dem Beschuldigten im Vorverfahren auch die Einsicht in diese 

Akten/Zeichnungen verwehrt (s. pag. TPF 5.521.1 f., pag. 20.1.1 und pag. 

20.1.17; zum Ganzen auch oben Bst. M und Verfügung SN.2016.11 des Bun-

desstrafgerichts vom 25. Mai 2016, pag. TPF 5.950.1 ff.). Dem Beschuldigten 

war es somit nicht möglich zu erkennen auf welche Zeichnungen sich der Ankla-

gevorwurf bezieht bzw. welche Darstellungen genau, darauf ersichtlich sind. 

Indessen wurde die Verletzung dieses Anspruchs nach Überweisung des Straf-

befehls an das Gericht geheilt. Dem Beschuldigten wurde mit gerichtlicher Ver-

fügung SN.2016.11 vom 25. Mai 2016 (pag. TPF 5.950.1 ff.) vollständige Akten-

einsicht ermöglicht. 

3.4 Zum Verrat der angeklagten Tatobjekte 

3.4.1 Zum Verrat der 3D-Konstruktinszeichnungen (E-Mail vom 25. Januar 2012; 

pag. 5.1.152) 

3.4.1.1 Der Beschuldigte anerkennt, die E-Mail vom 25. Januar 2012 (pag. 5.1.152), inkl. 

Anhänge an seine private E-Mail-Adresse versandt zu haben. Er bestreitet aber 

eine Verletzung des Geschäfts- oder Fabrikationsgeheimnisses und auch eine 

entsprechende Absicht dazu. Die Dateien habe er sich als Angestellter der Pri-

vatklägerin zugestellt um eine vollumfängliche Kundenbetreuung zu gewährleis-

ten bzw. um allfällige Fragen der Kunden der Privatklägerin beantworten zu kön-

nen (pag. TPF 5.930.6). 

3.4.1.2 Wie oben erläutert (E. 2.2.1) setzt das Tatbestandselement des Verrats gemäss 

Art. 162 Abs. 1 StGB voraus, dass der Täter das Geheimnis einem unbefugten 

- 21 - 

Dritten offenbart. Durch die Zustellung der Information an sich selbst, hat der 

Beschuldigte somit kein Verrat im Sinne der fraglichen Strafbestimmung began-

gen. 

3.4.1.3 Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten vor, die erwähnten Fabrikations- 

oder Geschäftsgeheimnisse der Privatklägerin dem Konkurrenzunternehmen 

C. Sagl verraten zu haben, wodurch dieses in der Lage gewesen sei, in kurzer 

Zeit (von Mai bis Anfang Oktober 2012) Produkte herzustellen, welche grosse 

Ähnlichkeiten mit jenen der Privatklägerin aufwiesen. 

Inwiefern, der Verrat des Beschuldigten an die Firma C. Sagl erfolgt sein soll, ist 

im Anklagesachverhalt nicht umschrieben. 

Es stellte sich zunächst die Frage, was die E-Mail vom 25. Januar 2012 bzw. 

deren Anhänge beinhalten, bzw. ob die durch die Privatklägerschaft anlässlich 

einer Einvernahme vom 17. Juli 2014 eingereichten Zeichnungen (s. oben 

E. 3.3.2.1 a) inhaltlich dem Anhang dieser E-Mail entsprachen. Daher beauf-

tragte das Gericht am 16. September 2016 die BKP die mit E-Mail vom 25. Ja-

nuar 2012 versandten Dateien/Anhänge aktenkundig zu ermitteln (pag. TPF 

5.291.1). Die BKP sicherte die fragliche E-Mail und deren Anhänge auf DVD und 

druckte die durch ihre IT-Systeme einsehbaren Vorschaubilder der Anhänge aus 

(pag TPF 5.291.8-12;…13-23). Diese sind zwar mit den durch den Geschäftsfüh-

rer der Privatklägerin im Vorverfahren eingereichten graphischen Zeichnungen 

(pag. 12.6.16-25) nicht identisch, sie betreffen jedoch augenscheinlich dieselben 

Einzelbestandteile (siehe auch pag. TPF 5.291.11). Es handelt sich dabei um 

Bestandteile eines sogenannten „Revolvermagazins“ bzw. „Revolvers“ (siehe 

z.B. pag. 5.1.10 [Zu Urkunde 3]; pag. 5.1.73 ff. [Beilage 3 Strafanzeige] und 

pag 12.6.16 ff. [Angaben zum Maschinentyp]). Das ergibt sich auch aus den Aus-

sagen von K. und denjenigen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhand-

lung (pag. TPF 5.931.5 und 5.930.6) und aus den Ausführungen im Gutachten 

vom 1. Februar 2017 (pag. TPF 5.290.195 f. Gutachten Rev. 1, Anlage 5 S. 1-10 

zum Gutachten in pag. TPF 5.290.129 ff.). Hinweise oder Belege für eine Wei-

tergabe dieser den Revolvermagazin betreffenden Dateien/3D-Zeichnungen 

(pag. 5.1.152) vom Beschuldigten an Dritte bzw. Mitarbeiter der Firma C. Sagl 

liegen nicht vor. Auch die nachgenannten Umständen deuten nicht auf eine Wei-

tergabe hin: 

a. Zum Revolvermagazin der Firma B. AG und dem Buffer der Firma C. Sagl 

Die Maschine namens Revolvermagazin der Firma B. AG dient der automatisier-

ten Speisung/Befüllung des Anlegers (beispielsweise mit Booklets) durch sog. 

Trayhalter (pag. TPF 5.930.16; pag. TPF 5.931.4 f.; 5.932.3 f; 5.930.30 f.). Sie 

- 22 - 

hat eine zylindrische Form (ähnlich einer Revolvertrommel) mit ringförmigen Be-

füllungsbestandteil und wird wegen der turmähnlichen Form auf Italienisch auch 

„caricatore a torretta“ genannt (pag TPF. 5.930.30 f.; 5.932.3). Die Maschine na-

mens Buffer der Firma C. Sagl dient ebenfalls der automatisierten Speisung/Be-

füllung des Anlegers, hat aber eine gänzlich andere, eine rechteckige Form mit 

linearem Befüllungsbestandteil und Laufbänder (pag. TPF 5.930.46 ff.; 5.932.3 f.; 

5.931.4 f.). Der Buffer ist somit nicht ein Revolvermagazin und hat keine Ähnlich-

keit zu diesem. Seine Erstellung durch die Firma C. Sagl belegt somit nicht den 

Verrat der Dateien/3D-Zeichnungen des Revolvermagazins der Privatklägerin. 

b. Zu den Aussagen der Mitarbeiter der Firma C. Sagl 

Kein Mitarbeiter bzw. ehemaliger Mitarbeiter der Firma C. Sagl hat ausgesagt, 

die fraglichen Dateien/3D-Zeichnungen des Revolvermagazins der Firma B. AG, 

welche sich der Beschuldigte auf seine private E-Mail-Adresse geschickt hat, ge-

sehen zu haben. 

G. (Konstrukteur bei der C. Sagl) hat bei der BKP ausgesagt, dass ihm Kunden 

„Files“ mit ihren Produkten zugestellt haben, darunter auch solche des bereits 

bestehenden Feeders der Firma B. AG (pag. 12.1.11 und …14). Ansonsten sei-

nem ihm nie Zeichnungen der Privatklägerin gezeigt/zur Verfügung gestellt wor-

den (pag. 12.1.11). Auf die sechs Zeichnungen der B. AG angesprochen, welche 

im Rahmen der Hausdurchsuchung vom 30. April 2013 bei der Firma C. Sagl auf 

seinem Pult sichergestellt wurden (und nicht die hier zur Diskussion stehenden 

3D-Konstruktionszeichnungen zum Revolvermagazin; dazu näher unten 

E. 3.4.1.3 und E. 3.4.4), meinte er, er wisse nicht, wie diese dorthin gelangt seien 

und wozu. Möglicherweise habe er das Papier als Notizpapier benutzt 

(pag. 12.1.15). Als Zeuge anlässlich der Hauptverhandlung befragt, erklärte G., 

die Firma C. Sagl stelle keine Revolvermagazine her. Als er vor fünf Jahren 

(2012) seine Tätigkeit bei der Firma C. Sagl aufgenommen habe, habe diese den 

Feeder (Anleger) schon entwickelt gehabt. Mit der Planung des Buffers habe die 

Firma C. Sagl ca. im April/Mai 2013 begonnen. Als am 30. April 2013 die Haus-

durchsuchung bei der Firma C. Sagl stattgefunden habe, habe sich der Buffer in 

der anfänglichen Planungsphase befunden. Der Buffer unterscheide sich vom 

Revolvermagazin der Firma B. AG, er habe ein anderes Volumen, drehe sich 

nicht um sich herum, sondern sei ein Fliessband und habe nicht die Form eines 

Turms (pag. TPF 5.935.2 ff.). 

H. hat anlässlich seiner Einvernahme bei der BKP vom 24. Oktober 2013 ausge-

sagt, er habe keine Dokumente der Firma B. AG gesehen (pag. 12.2.9). 

I. (Programmierer, Elektronik- und Softwareverantwortlicher) sagte gegenüber 

der BKP am 25. Oktober 2013 aus, er habe sich nicht mit dem Zeichnen der 

Maschinen befasst (pag. 12.3.10). Er gab auch nicht an, Zeichnungen von Ma-

schinen erhalten zu haben. Vom Beschuldigten habe er drei CDs oder DVDs 

- 23 - 

erhalten mit Schaltplänen und weiteren Unterlagen der Privatklägerin, wie Roh-

fassungen von Verkaufsbedingungen, Kaufsbedingungen, Beziehungen zwi-

schen Lieferanten und Kunden sowie dazugehörende Reglemente, zur Überset-

zung vom Englischen ins Italienische (s. oben E. 3.3.2.2. und pag 12.3.3 ff.). 

E. (Maschinenzeichner/-Entwickler) gab gegenüber der BKP am 30. April 2013 

an, einige Skizzen der Maschinen der Firma C. Sagl seien von F. angefertigt 

worden (pag. 12.4.6, pag.12.4.19). Er (E.) habe den Feeder gezeichnet und G. 

habe sich um die „caricatori“ (Befüller) gekümmert (pag. 12.4.7-8). 

F. (Montageleiter bei der Firma C. Sagl und ebenfalls ehemaliger Angestellter 

der Privatklägerin) gab am 7. November 2013 bei der BKP zu Protokoll (pag. 

12.5.3 ff), er habe von der Firma B. AG keine Zeichnungen etc. mitgenommen 

(pag. 12.5.9). Bei der Firma C. Sagl seien ihm keine Zeichnungen der Privatklä-

gerin zur Verfügung gestellt worden (pag. 12.5.10; pag. 12.5.18). Er (F.) habe 

Skizzen angefertigt (pag. 12.5.10). Der Beschuldigte habe keine Kopien von be-

stehenden Produkten gewollt, sondern eine neue, andere Maschine (pag. 

12.5.11). 

3.4.1.4 Die Ermittlungen haben somit keinen Verrat der Dateien bzw. 3D-Konstruktins-

zeichnungen, welche ein Revolvermagazin betreffen und welche sich der Be-

schuldigte am 25. Januar 2012 elektronisch zugestellt hat, an Dritte offenbart. 

Weder produziert die Firma C. Sagl ein Revolvermagazin bzw. ein Magazin, wel-

ches eine derartige Ähnlichkeit mit dem Revolvermagazin der Firma B. AG auf-

weist, dass der Verdacht naheliegend wäre, dass zu deren Erstellung die fragli-

chen Dateien/3D-Zeichnungen durch Mitarbeiter der Firma C. Sagl eingese-

hen/benutzt worden waren, noch hat ein Mitarbeiter der Firma C. Sagl ausgesagt, 

diese Dateien/3D-Zeichnungen verwendet oder gesehen zu haben. Auch wurden 

diese Dateien/3D-Zeichnungen in den Räumlichkeiten der Firma C. Sagl nicht 

sichergestellt. 

Mangels Verrats ist der angeklagte Straftatbestand in Bezug auf die 3D-Kon-

struktinszeichnungen betreffend Revolvermagazin (E-Mail vom 25. Januar 2012) 

nicht erfüllt. 

Der vollständigkeitshalber sei hier auch erwähnt, dass aus dem Gutachten vom 

1. Februar 2017 hervorgeht, dass einige der fraglichen Zeichnungen im Jahr 

2012 in der Branche offenkundig und/oder von geringem/keinem wirtschaftlichen 

Wert waren (siehe z.B. pag. TPF 5.290.182 ff. Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.13.2; 

6.15.2 und 6.16.2), während andere nicht offenkundig und für andere Marktteil-

nehmer von mittlerem bis hohem wirtschaftlichen Wert waren (siehe z.B. pag. 

TPF 5 290 182 ff., Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.7.2; 6.8.2, 6.9.2. 6.10.2; 6.11.2; 

6.12.2; 6.14.2). Auf Letzteres ist jedoch nicht näher einzugehen, liegt doch eine 

Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses schon mangels Ver-

rats nicht vor. 

- 24 - 

3.4.2 Zum Verrat des Layouts mit Blisterspezifikationen (E-Mail vom 16. März 2012; 

pag. 5.1.179 f.)  

3.4.2.1 Der Beschuldigte anerkennt, die E-Mail vom 16. März 2012 (pag. 5.1.179 f.) an 

seine private E-Mail-Adresse versandt zu haben. Er bestreitet aber eine Verlet-

zung des Geschäfts- oder Fabrikationsgeheimnisses und auch eine entspre-

chende Absicht dazu. Die Dateien habe er sich als Angestellter der Privatklägerin 

zugestellt um eine vollumfängliche Kundenbetreuung zu gewährleisten bzw. um 

allfällige Fragen der Kunden der Privatklägerin beantworten zu können (pag. TPF 

5.930.10 f.). 

3.4.2.2 Wie oben erläutert, setzt das Tatbestandselement des Verrats gemäss Art. 162 

Abs. 1 StGB voraus, dass der Täter das Geheimnis einem unbefugten Dritten 

offenbart. Durch die Zustellung der Information an sich selbst hat der Beschul-

digte somit kein Verrat im Sinne der fraglichen Strafbestimmung begangen. 

3.4.2.3 Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten vor, die erwähnten Fabrikations- 

oder Geschäftsgeheimnisse der Privatklägerin dem Konkurrenzunternehmen 

C. Sagl verraten zu haben, wodurch dieses in der Lage gewesen sei, in kurzer 

Zeit (von Mai bis Anfang Oktober 2012) Produkte herzustellen, welche grosse 

Ähnlichkeit mit jenen der Privatklägerin aufwiesen. 

Inwiefern der Verrat des Beschuldigten an die Firma C. Sagl erfolgt sein soll, ist 

im Anklagesachverhalt nicht umschrieben. Die Blisterspezifikationen für Aus-

schieber, welche der E-Mail angefügt waren, betreffen den Maschinentyp Revol-

vermagazin (pag. 5.1.180). Hinweise oder Belege für eine Weitergabe dieser das 

Revolvermagazin betreffenden Dateien vom Beschuldigten an Dritte bzw. Mitar-

beiter der Firma C. Sagl liegen nicht vor. Die Firma C. Sagl stellt keine Revolver-

magazine her. Die von ihr hergestellten Buffer weisen eine Konstruktionsart auf, 

die sich eindeutig von derjenigen eines Revolvermagazins unterscheidet. Kein 

Mitarbeiter der Firma C. Sagl hat ausgesagt, das fragliche Layout verwendet oder 

gesehen zu haben und es wurde auch nicht in den Räumlichkeiten der Firma C. 

Sagl gefunden. Zum Ganzen kann auf die Ausführungen oben zu den 3D-Kon-

struktionszeichungen verwiesen werden (E. 3.4.1.3). 

3.4.2.4 Da die Ermittlungen keinen Verrat des Layouts mit Blisterspezifikationen, wel-

ches sich der Beschuldigte am 16. März 2012 elektronisch zugestellt hat, an 

Dritte offenbart hat, ist ein notwendiges Tatbestandselement nicht gegeben. 

Der vollständigkeitshalber sei hier auch erwähnt, dass gemäss Gutachten vom 

1. Februar 2017, das Prinzipbild im Jahr 2012, in der Branche offenkundig war, 

nicht hingegen die Zeichnung des Blisters mit Zusatzinformationen (siehe pag. 

TPF 5.290.216). Der Geschäftsführer der Privatklägerin, K., erklärte im Vorver-

fahren, dass die Privatklägerin diese Zeichnung dem Kunden schicke und es 

- 25 - 

nichts Geheimes sei (pag. 12.6.11, Zeile 15). K. bestätigte dies anlässlich seiner 

Aussage im Rahmen der Hauptverhandlung (pag. TPF 5.931.6 f.). Die Geheim-

niseigenschaft dieser Datei ist somit nicht anzunehmen, indessen mangels Ver-

rats auch nicht weiter abzuklären. Der Straftatbestand der Verletzung von Fabri-

kations- oder Geschäftsgeheimnisse ist in Bezug auf das Layout mit Blisterspe-

zifikationen (E-Mail vom 16. März 2012) nicht erfüllt.  

3.4.3 Zum Verrat von Schaltplänen, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedingungen sowie 

von Berichten von Käufern und Verkäufern der B. AG 

3.4.3.1 Wie oben ausgeführt bezieht sich, gemäss Einvernahme vom 28. April 2014, der 

Vorwurf betreffend Verrat von „Schaltplänen der B. AG, Verkaufsbedingungen, 

Bezugsbedingungen sowie Berichte von Käufern und Verkäufern“ auf die Aus-

sage von I. vom 25. Oktober 2013 bzw. auf Dateien, welche dieser vom Beschul-

digten, gespeichert auf drei CDs oder DVDs, erhalten habe (pag. 13.00.16 

Rz 23 ff.; s. auch oben E. 3.3.2.2. und 3.4.1.3 b).  

3.4.3.2 Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf und gibt an, I. eine CD und eine DVD 

mit allgemein zugänglichen Daten, wie eine Firmenpräsentation oder Filme der 

Firma D. S.p.A.mit Anlegern der Privatklägerin oder Filme der Firma B. AG für 

interessierte Kunden gegeben zu haben. Die DVD sei auch an Messen verteilt 

worden (pag. 13.00.17; pag. TPF 5.930.12). Was mit den im Anklagevorwurf ge-

nannten „Berichten von Käufern und Verkäufern“ gemeint sei, wisse er nicht.  

3.4.3.3 Indessen kann die Frage des Verrats offengelassen werden, denn die von I. er-

wähnten Datenträger, deren Inhalt er nur thematisch nennen konnte, wurden im 

Rahmen des Verfahrens nicht sichergestellt. Deren allfälliger konkreter Inhalt ist 

nicht bekannt. Zwar befinden sich in den Akten drei Dokumente, die darauf hin-

weisen, dass die Firma C. Sagl Unterlagen der Firma B. AG als Vorlage für das 

Layout ihrer Offerten, wie auch für die Formulierung der allgemeinen Geschäfts-

bedingungen und dem Aufbau einer Gebrauchsanweisung herangezogen hat 

(die Offerte der Firma C. Sagl, pag. 10.00.272-274, ist im Layout deckungsgleich 

mit einer aktenkundigen Offerte der Firma B. AG, pag. 10.00.277 ff.; die allge-

meinen Geschäftsbedingungen der Firma C. Sagl, pag. 10.00.283 ff., weichen 

inhaltlich und im Layout kaum von denjenigen der Firma B. AG ab, 

pag.10.00.290; und in Ziffer 3.6 einer Gebrauchsanweisung der Firma C. Sagl 

wird der Kunde fälschlicherweise zur Kontaktnahme mit der Firma B. AG aufge-

fordert). Ob sich genau diese Vorlagen der Firma B. AG auf den von I. genannten 

CDs oderDVDs befunden haben sollen, ist jedoch nicht bekannt. Im Übrigen wäre 

deren Geheimniseigenschaft fraglich (dazu näher unten E. 3.5.2). Mangels 

rechtsgenügender Identifizierung des Tatobjekts und mangels Feststellung der 

Geheimnismerkmale wäre der Straftatbestand von Art. 162 Abs. 1 StGB daher 

- 26 - 

ohnehin nicht erfüllt, weshalb das Tatbestandselement des Verrats hier nicht wei-

ter zu prüfen ist. 

3.4.4 Zum Verrat von sechs Zeichnungen der B. AG 

3.4.4.1 Wie oben ausgeführt (E. 3.4.1.3) bezieht sich dieser Vorwurf auf die, anlässlich 

der Hausdurchsuchung bei der Firma C. Sagl vom 30. April 2013 sichergestellten 

und in pag. 10.00.325, …327;…328;…329;…331;…333 abgelegten, Zeichnun-

gen der Firma B. AG. Diese betreffen das sogenannte Revolvermagazin (siehe 

Hinweise zum Maschinentyp auf Zeichnung pag. 10.00.324; …325; …328; 

…329; …330; …331; … 333; ferner pag. 12.6.8 Ziffer 29.; pag. TPF 5.930.13; 

pag. TPF 5.931.7; pag. TPF 5.932.5). Mindestens in Bezug auf das Untergestell 

(pag. 10.00.333) ist das auch augenscheinlich erkennbar (siehe z.B. pag. 5.1.73). 

Die Zeichnungen befanden sich im Bereich des Arbeitspultes von G.. 

3.4.4.2 Der Beschuldigte gab dazu an, die sechs Zeichnungen hätten ein Revolverma-

gazin betroffen. Während des Arbeitsverhältnisses bei der Privatklägerin habe er 

sie in einer seiner Computertaschen vergessen. Als er bereits bei der Firma C. 

Sagl tätig gewesen sei, habe er die Zeichnungen bei Verwendung der fraglichen 

Tasche gefunden. Daraufhin habe er die Zeichnungen weder benutzt noch wei-

tergegeben. Sie hätten keine vertrauliche Daten betroffen und er habe sie in den 

Räumlichkeiten der Firma C. Sagl zum Altpapier neben dem Tisch in der Kon-

struktionsabteilung gelegt. G. würde Altpapier für seine Skizzen verwenden, des-

halb hätten die Zeichnungen auf dessen Pult gelegen. Zu 99% hätte jeweils G. 

das Altpapier auf der unbeschriebenen Seite gebraucht, manchmal auch der 

Buchhalter. Alle 14-21 Tage sei das Altpapier zur Altpapiersammelstelle gebracht 

und entsorgt worden. Die Firma C. Sagl besitze einen Schredder, in der Regel 

werde das Altpapier jedoch ohne Schreddervorgang entsorgt (pag. 13.00.17; 

pag. TPF 5.930.12-15). 

3.4.4.3 G. gab in der Voruntersuchung und anlässlich der Hauptverhandlung an, er wisse 

nicht, wer die Zeichnungen auf sein Pult gelegt habe, er habe sie vor der Haus-

durchsuchung nie gesehen. Auf seinem Pult oder auf einem Schubladencorpus 

habe er indessen einen Stapel Altpapier. Er verwende Altpapier auf der unbe-

schriebenen Seite für seine Handnotizen und Berechnungen. Es könne sein, 

dass sich die Zeichnungen im Altpapierstapel befunden hätten (pag. 12.1.14-15, 

pag. TPF 5.930.13). 

3.4.4.4 Die Firma C. Sagl stellt keine Revolvermagazine her. Dazu kann auf die Aus-

führungen oben zu den 3D-Konstruktionszeichnungen verwiesen werden 

(E. 3.4.1.3. a). 

- 27 - 

Dass die fraglichen sechs Zeichnungen Mitarbeitern der Firma C. Sagl mindes-

tens zur Verfügung standen, ergibt sich jedoch daraus, dass diese in den Räum-

lichkeiten der Firma C. Sagl bzw. auf dem Pult (oder dem Schubladencorpus) 

eines Mitarbeiters aufbewahrt und dort sichergestellt wurden. Die Mitarbeiter der 

Firma C. Sagl (insbesondere der Konstrukteur G. aber auch andere) konnten sich 

von diesem Papierstapel bedienen und taten es vorwiegend um Handskizzen, 

Notizen u.Ä. auf Sudelpapier (d.h. auf der unbeschrifteten Seite von Papier, wel-

ches auf einer Seite beschriftet/bedruckt war und weggeworfen werden sollte) zu 

tätigen. Die im Altpapierstapel deponierten sechs Zeichnungen der Privatklägerin 

waren damit für Dritte zugänglich und einsehbar. Den Mitarbeitern der Firma 

C. Sagl wurde mindestens die Möglichkeit der Kenntnisnahme eingeräumt. Das 

Tatbestandselement des Verrats ist vorliegend somit erfüllt. Einer Ausnützung 

des Verrats bedarf es nicht (s. oben E. 2.2.1 und 2.2.2.). 

3.5 Zur Geheimniseigenschaft im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB der angeklagten 

Tatobjekte 

3.5.1 Wie in E. 3.4.1.2 bis 3.4.1.4 bzw. E. 3.4.2.2. bis 3.4.2.4 bereits festgehalten, ist 

bezüglich den 3D-Konstruktionszeichnungen in der Anlage der E-Mail vom 

25. Januar 2012 und des Layouts mit Blisterspezifikationen in der Anlage der  

E-Mail vom 16. März 2012 der Straftatbestand mangels Verrats ohnehin nicht 

erfüllt, weshalb deren Geheimniseigenschaft nicht näher zu prüfen ist. In Bezug 

auf einige dieser Dateien wäre indessen auch die Geheimniseigenschaft im 

Sinne der Strafbestimmung von Art. 162 StGB fraglich: das Gutachten vom 

1. Februar 2017 (pag. TPF 5.290.182 ff.) kommt bezüglich deren Inhalte zum 

Schluss, dass sie im Jahr 2012 in der Branche offenkundig und/oder von gerin-

gem/keinem wirtschaftlichen Wert waren. 

3.5.2 Die drei CDs oder DVDs mit Schaltplänen, Verkaufsbedingungen, Bezugsbedin-

gungen sowie sogenannten Berichten von Käufern und Verkäufern der Firma 

B. AG, welche I. vom Beschuldigten erhalten haben soll, konnten nicht eruiert 

odersichergestellt werden. Welche Schaltpläne sich genau darauf befunden ha-

ben sollen oder welchem Produkt diese angehörten, ist nicht bekannt. Ob allfäl-

lige sich darauf befindliche Schaltpläne der Privatklägerin, Geheimniseigenschaft 

im Sinne von Art. 162 StGB aufweisen, ist somit nicht feststellbar. Nicht bekannt 

ist auch, worauf sich die von I. pauschal genannten Verkaufs- oder Bezugsbe-

dingungen bezogen, und welchen Inhalt sie hatten. I. nannte sie „Beziehungen 

zwischen Lieferanten und Kunden“ („rapporti fra fornitori e clienti“, pag. 12.3.12). 

Die Originale seien auf Englisch verfasst gewesen und er habe sie in die italieni-

sche Sprache übersetzt (pag. 12.3.12). Solche Unterlagen wurden nicht ermittelt. 

Zwar befinden sich in den Akten Unterlagen aus denen erkennbar ist, dass die 

Firma C. Sagl das von der Privatklägerin benutze Layout für Offerten an Kunden 

- 28 - 

übernommen hat (s. oben E. 3.4.3.3), es ist jedoch nicht bekannt, welche Offerte 

genau hiezu als Vorlage gedient hat bzw. sich auf einer allfälligen CD/DVD be-

funden haben soll und somit ob und inwiefern diese die Geheimniseigenschaften 

von Art. 162 Abs.1 StGB aufwies. Auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen 

und eine Gebrauchsanweisung der Privatklägerin haben offensichtlich als Vor-

lage für entsprechende Dokumente der Firma C. Sagl gedient (s. oben 

E. 3.4.3.3). Ob sich diese auf einer CD/DVD befanden, die der Beschuldigte wei-

tergegeben hat, ist nicht bekannt. Bei den allgemeinen Geschäftsbedingungen 

und der Gebrauchsanweisung handelt es sich jedoch ohnehin grundsätzlich nicht 

um geheime Dokumente. Auch bei diesem Anklagepunkt liegt somit der Straftat-

bestand von Art. 162 Abs. 1 StGB nicht vor. 

3.5.3 Zur Geheimniseigenschaft der sechs Zeichnungen der Firma B. AG , welche in 

den Räumlichkeiten der Firma C. Sagl sichergestellt wurden.  

3.5.3.1 Zunächst zu den Zeichnungen Nr. 10-00-599 zum Zahnrad Motor (pag. 

10.00.324), Nr. 10-00-602 zum Kugelgewindbetrieb Absenker (pag. 10.00.330) 

und Nr. 10-00-676 zum Pneumatikschrank (pag. 10.00.329): 

 

Auf der Zeichnung Nr. 10-00-599 zum Zahnrad Motor (pag. 10.00.324) ist zu-

sammengefasst eine Zahnscheibe, eine Bordscheibe und ein Bordscheibenring 

dargestellt (Gutachten Rev. 1 Ziff. 6.1.1; pag. TPF 5.290.196), auf der Zeichnung 

Nr. 10-00-602 zum Kugelgewindbetrieb Absenker (pag. 10.00.330) sind Schnitt 

und Ansicht eines Kugelgewindbetriebs abgebildet (Gutachten Rev. 1 Ziff. 6.3.1, 

TPF pag. 5 290 198) und auf der Zeichnung Nr. 10-00-676 zum Pneumatik-

schrank (pag. 10.00.329) den Schrank als 3D-Modell, dessen Türe, Seitenteil, 

Rückwand, Boden und Montageplatte (Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.5.1; TPF pag. 5 

290 201). 

In Bezug auf diese Zeichnungen kommt das Gutachten vom 1. Februar 2017 zum 

Schluss, dass deren Inhalte im Jahre 2012 in der Branche offenkundig bzw. von 

geringem oder kaum vorhandenem wirtschaftlichen Wert waren (Gutachten 

Rev. 1 Ziffer 6.1.2, Ziffer 6.3.2 und 6.5.2 pag. TPF 5.290.197;…199;…201). In 

Bezug auf die Zahnscheibe verweist der Gutachter auf ein entsprechendes Da-

tenblatt der Firma Q. (Anlage 14 zum Gutachten, pag. TPF 5.290.166 f.) und in 

Bezug auf den Kugelgewindebtrieb auf Datenblätter der Firma R. (Anlage 7 zum 

Gutachten, pag. TPF 5.290.142 ff.). Beim Pneumatikschrank sei lediglich das 

Gehäuse abgebildet, nicht die Steuerung (Gutachten Rev. 1 Ziffer. 6.5.2 

pag. TPF 5.290.201). 

Der Schlussfolgerung des Gutachters ist beizupflichten. Scheiben und Gewinde 

stellen gängige Maschinenelemente dar. Datenblätter dazu finden sich bereits in 

- 29 - 

allgemein zugängliche Seiten im Internet und wohl verbreiteter in den, den fach-

kundigen Kreisen zugänglichen Quellen. Beim Pneumatikschrank handelt es sich 

um eine hierfür typische und somit allgemein bekannte quadratische Konstruk-

tion. Es liegt somit nicht eine relative Unbekanntheit vor. Die Preisgabe dieser 

Zeichnungen hatte zudem kaum einen Einfluss auf das Geschäftsergebnis der 

Privatklägerin. Somit sind die entsprechende Tatbestandselemente der Verlet-

zung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 

Abs. 1 StGB in Bezug auf die Zeichnungen Nr. 10-00-599 Zahnrad Motor, Nr. 10-

00-602 Kugelgewindbetrieb Absenker und Nr. 10-00-676 Pneumatikschrank 

nicht erfüllt. 

3.5.3.2 Zur Zeichnung Nr. 10-00-600 / Absenkeinheit (pag. 10.00.328): 

Wie auch aus dem Gutachten vom 1. Februar 2017 hervorgeht, ist die Zeichnung 

Nr. 10-00-600 bis auf Angaben zum nutzbaren und zum maximalen Verfahrweg 

nicht vermasst; sie enthält aber die komplette Stückliste der Absenkeinheit inklu-

sive Angaben des Lieferanten/Herstellers, Normbezeichnung, Zukauf oder Ei-

genfertigung und Konstruktionsdetails wie Absenkung (Gutachten Rev. 1 Zif-

fer 6.2.1, pag TPF 5.290.197 f.). Sie betrifft die Absenkeinheit eines Revolverver-

magazins der Privatklägerin (siehe pag. 10.00.328). Das Gutachten bezeichnet 

die Zeichnung als in der Branche nicht offenkundig im Jahre 2012 (Gutachten 

Rev. 1 Ziffer 6.2.2., pag TPF 5.290.198). Das Bekanntwerden des Inhalts dieser 

Zeichnung sei im Jahre 2012 für andere Marktteilnehmer von hohem wirtschaft-

lichem Vorteil gewesen. Ein Konstrukteur habe das Funktionsprinzip erkennen 

und Hinweise zu Eigenfertigungsteilen und Beschaffungsquellen für Kaufteile er-

halten können. Die Zeichnung ermögliche anderen Marktteilnehmern konkrete 

Produktionsschritte und die Reduktion von Engineering-Kosten (Gutachten 

Rev. 1 Ziffer 6.2.2., pag TPF 5.290.198). 

Dem ist beizupflichten. Bei der Absenkeinheit des Revolvermagazins der Privat-

klägerin handelt es sich um ein aus mehreren Einzelteilen angefertigtes Bestand-

teil des durch sie hergestellten Verpackungssystems. Details zur Beschaffenheit, 

Herkunft und Zusammenstellung der Einzelteile dieses Bestandteils sind nicht 

notorisch. Es liegt vielmehr eine relative Unbekanntheit vor. Das Bekanntwerden 

des Inhalts dieser Zeichnung hätte einen kompletten oder teilweisen Nachbau 

ermöglicht und eine Konkurrenzgefahr schaffen können. Durch den Verrat dieser 

Zeichnung an die Firma C. Sagl bzw. deren Mitarbeiter hat der Beschuldigte so-

mit eine Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Sinne von 

Art. 162 Abs. 1 StGB begangen. Eine tatsächliche Verwendung des Geheimnis-

ses ist für die Erfüllung des Straftatbestandes nicht erforderlich (s. oben E. 2.2.1). 

- 30 - 

3.5.3.3 Zur Zeichnung Nr. 10-00-819 / Untergestell: 

Auf der Zeichnung Nr. 10-00-819 ist ein Schrank mit einem Teil der Hubsäule 

des Revolvermagazins abgebildet (pag. 10.00.333; Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.4.1 

pag. TPF 5.290.200). Die Zeichnung enthält keine Massangaben, hingegen aber 

eine Stückliste von 41 Positionen aus welchen Informationen zu Eigenfertigungs- 

oder Kauf-Teil, Hersteller/Lieferant oder Menge und Bezeichnung zu entnehmen 

sind (pag. 10.00.333; Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.4.1 pag. TPF 5.290.200). Das 

Gutachten hält fest, dass die Positionen in der Stückliste auf der Zeichnung im 

Jahr 2012 in der Branche, die auf die Entwicklung von Verpackungs- und Zuführ-

systemen spezialisiert ist, nicht offenkundig gewesen seien und dass das Be-

kanntwerden des Inhalts dieser Stückliste für andere Marktteilnehmer von hohem 

wirtschaftlichen Vorteil gewesen wäre. Durch die Angaben zu den Kaufteilen hät-

ten anderen Marktteilnehmern konkrete Produktionsschritte ermöglicht werden 

und Engineering-Kosten reduziert werden können (Gutachten Rev. 1 Ziffer 

6.4.2., pag TPF 5.290.200 f.). 

Dem ist beizupflichten. Beim Schrank mit Hubsäule handelt es sich um ein aus 

mehreren Einzelteilen angefertigtes Bestandteil des durch die Privatklägerin her-

gestelltem Verpackungssystems Revolvermagazin. Details zur Beschaffenheit, 

Herkunft und Zusammenstellung der Einzelteile dieses Bestandteils sind nicht 

notorisch. Es liegt vielmehr eine relative Unbekanntheit vor. Das Bekanntwerden 

des Inhalts dieser Zeichnung hätte einen kompletten oder teilweisen Nachbau 

ermöglicht und eine Konkurrenzgefahr schaffen können. Durch den Verrat dieser 

Zeichnung an die Firma C. Sagl bzw. an deren Mitarbeiter hat der Beschuldigte 

eine Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Sinne von 

Art. 162 Abs. 1 StGB begangen. Eine tatsächliche Verwendung des Geheimnis-

ses ist für die Erfüllung des Straftatbestandes nicht erforderlich (s. oben E. 2.2.1). 

3.5.3.4 Zur Zeichnung Nr. 10-01.252/ Hubsäule 4000N: 

Auf der Zeichnung Nr. 10-01.252 ist die Hubsäule im Schnitt und als 3D-Modell 

dargestellt (pag. 10.00.327, Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.6.1., pag. TPF 5.290.202). 

Die Zeichnung führt drei Alternativen zur Einbauhöhe auf. Weitere Massangeben 

enthält sie nicht, jedoch die komplette Stückliste der Hubsäule mit Angaben wie 

Lieferant/Hersteller, Normbezeichnung, Zukauf- oder Eigenfertigungsteil, Stück-

zahl je Position und Konstruktionsdetails wie Hubverstellung (pag. 10.00.327, 

Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.6.1 pag. TPF 5.290.202). Gemäss Gutachten waren 

die Inhalte auf der Zeichnung im Jahr 2012 in der Branche, die auf die Entwick-

lung von Verpackungs- und Zuführsystemen spezialisiert ist, nicht offenkundig 

(Gutachten Rev. 1 Ziffer 6.6.2, pag. TPF 5.290.202 f.). Das Bekanntwerden des 

Inhalts dieser Zeichnung sei im Jahr 2012 für andere Marktteilnehmer von hohem 

- 31 - 

wirtschaftlichen Vorteil gewesen. Es habe zwar nicht nach dieser Zeichnung ge-

fertigt werden können aber ein Konstrukteur habe das Funktionsprinzip der Hub-

verstellung erkennen und Hinweise hinsichtlich Eigenfertigung oder Zukauf von 

Teilen erhalten können. Die Zeichnung habe anderen Marktteilnehmern konkrete 

Produktionsschritte und die Reduzierung der Engineering-Kosten ermöglichen 

können. Bei Hubsäulen welche als selbstständiges, funktionsfähiges Hubsäulen-

system (s. z.B. Anlage 17 zum Gutachten pag. TPF 5.290.172) käuflich erhältlich 

seien, wäre eine Anpassung an die Funktion des Revolvermagazins erforderlich 

gewesen, wobei dieser Anpassungsaufwand wahrscheinlich geringer gewesen 

wäre als der Aufwand für eine Neukonstruktion. Unter Umständen hätte sich 

dadurch ein wirtschaftlicher Vorteil gegenüber der Konstruktion der Privatklägerin 

ergeben. Der wirtschaftliche Wert wird vom Gutachten daher mit mittel bis hoch 

geschätzt (Gutachten Ziffer 6.6.2, pag. TPF 5.290.202 f.). 

 

Dem ist beizupflichten. Bei der sogenannten Hubsäule 4000N handelt es sich um 

ein aus mehreren Einzelteilen angefertigtes Bestandteil des durch die Privatklä-

gerin hergestellten Verpackungssystems. Details zur Beschaffenheit, Herkunft 

und Zusammenstellung der Einzelteile dieses Bestandteils sind nicht notorisch. 

Es liegt vielmehr eine relative Unbekanntheit vor. Das Bekanntwerden des Inhal-

tes dieser Zeichnung hätte einen kompletten oder teilweisen Nachbau ermöglicht 

und eine Konkurrenzgefahr schaffen können. Durch den Verrat dieser Zeichnung 

an die Firma C. Sagl bzw. an deren Mitarbeiter hat der Beschuldigte eine Verlet-

zung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 

Abs. 1 StGB begangen. Eine tatsächliche Verwendung des Geheimnisses ist für 

die Erfüllung des Straftatbestandes nicht erforderlich (s. oben E. 2.2.1). 

3.6 Vorsatz 

Der Beschuldigte war über 7 Jahre bei der Firma B. AG als Verkäufer angestellt 

und musste aufgrund seiner langen Arbeitserfahrung in der Verpackungsindust-

riebranche wissen, dass es sich bei den Zeichnungen um Geschäfts- oder Fab-

rikationsgeheimnisse der Privatklägerin gehandelt hat. Aufgrund der Spezifikati-

onen, die den Zeichnungen zu entnehmen sind, hat der Beschuldigte wissen 

müssen und gewusst, dass diese Zeichnungen nicht jedermann zugänglich ge-

macht werden dürfen. Der Beschuldigte hat die Zeichnungen zum Altpapier ge-

legt, welches von Mitarbeitern der Firma C. Sagl als Sudelpapier verwendet 

wurde. Er hat billigend in Kauf genommen, dass Dritte diese Zeichnungen sehen 

und von deren Inhalt Kenntnis nehmen können. 

3.7 Schlussfolgerung 

Zusammenfassend ist demnach festzustellen, dass sich der Beschuldigte der 

Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses gemäss Art. 162 

- 32 - 

Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat in Bezug auf drei technische Zeichnungen der 

Firma B. AG (Nr. 10-00-600 [Absenkeinheit Revolvermagazin]); (Nr. 10-00-819 

[Untergestell Revolvermagazin]) und (Nr. 10-01-252 [Hubsäule 4000N Stativ]). 

Im Übrigen ist der Beschuldigte freizusprechen. 

4. Strafzumessung 

Die Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses wird mit Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 162 Abs. 3 StGB). 

4.1 Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden 

des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse 

sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird 

nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, 

nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Tä-

ters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden 

(Art. 47 Abs. 2 StGB). Dem (subjektiven) Tatverschulden kommt somit bei der 

Strafzumessung eine entscheidende Rolle zu (BGE 136 IV 55 E. 5.4). Ausge-

hend von der objektiven Tatschwere hat der Richter dieses Verschulden zu be-

werten. Er hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche 

verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu ei-

ner Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen. Der Gesetzgeber 

hat einzelne Kriterien aufgeführt, welche für die Verschuldenseinschätzung von 

wesentlicher Bedeutung sind und das Tatverschulden vermindern bzw. erhöhen 

(BGE 136 IV 55 E. 5.5 und 5.6). Das Gesetz führt indes weder alle in Betracht zu 

ziehenden Elemente detailliert und abschliessend auf, noch regelt es deren 

exakte Auswirkungen bei der Bemessung der Strafe. Es liegt im Ermessen des 

Gerichts, in welchem Umfang es die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren 

berücksichtigt. Dabei ist es nicht gehalten, in Zahlen oder Prozenten anzugeben, 

wie es die einzelnen Strafzumessungskriterien berücksichtigt (BGE 136 IV 55 

E. 5.4 ff.; 134 IV 17 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_650/2007 vom 2. Mai 

2008 E. 10.1). 

4.1.1 Hinsichtlich der objektiven und subjektiven Tatkomponenten ist festzuhalten, 

dass der Beschuldigte drei Zeichnungen mit schützenswerten Immaterialgütern 

der Privatklägerin aus deren Räumlichkeiten mitgenommen und bei der Konkur-

renzfirma C. Sagl abgelegt hat. Indessen hat er nicht aktiv eine Duplizierung der 

auf diesen Zeichnungen dargestellten Produkte veranlasst oder Dritte explizit auf 

weitere vermerkte Informationen hingewiesen. Das Verschulden wiegt in dieser 

Hinsicht noch leicht. In subjektiver Hinsicht handelte er abgeklärt und vorsätzlich 

- 33 - 

und hat dabei in keiner Weise die Interessen der Privatklägerin berücksichtigt. 

Auch im Strafverfahren zeigte er weder Reue noch Verständnis für die Bedenken 

der Privatklägerin. Die Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses 

wäre für den Beschuldigten problemlos vermeidbar gewesen. Er war nicht ver-

anlasst, die Zeichnungen von seiner privaten Computertasche an einem allge-

mein zugänglichen Ort in den Räumlichkeiten der Firma C. Sagl bzw. auf einem 

Papierstapel, der von den Mitarbeitern der Firma verwendet wurde, zu deponie-

ren. Auch hätte er die Zeichnungen an die Privatklägerin retournieren oder diese 

Papiere vernichten können. Sein Verschulden wiegt somit nicht mehr leicht.  

4.1.2 Der Beschuldigte (Jahrgang 1961) hat eine kaufmännische Ausbildung absolviert 

und war in der Folge überwiegend im Maschinenverkauf tätig. Er ist mit S. ver-

heiratet. Ab 1997 hat er mehrere Firmen gegründet, letztmals am 11. November 

2016 das Einzelunternehmen „T. consulenze e vendite“. Die früher gegründeten 

Unternehmen wurden wegen Geschäftsaufgabe oder Konkurs vom Handelsre-

gister gelöscht. Von November 2004 bis zum 31. März 2012 war er bei der Firma 

B. AG angestellt. Am 22. Februar 2012 gründete seine Ehefrau die Firma 

C. GmbH, wo er die Stelle des Geschäftsführers (CEO) und Verkaufsleiter (Head 

of Sales dept.) übernahm. Vermögen besitzen die Eheleute nicht. Gemäss Be-

treibungsregisterauszug des Kantons Tessin vom 24. Januar 2017 (pag. TPF 

6 261 8 ff.) waren gegen den Beschuldigten vor seiner Anstellung bei der Firma 

B. AG bzw. zwischen 2002 und 2004 Betreibungen (im Gesamtbetrag von mehr 

als Fr. 40‘000.--) und Schuldscheine (im Gesamtbetrag von mehr als 

Fr. 100‘000.--) vermerkt. Die persönlichen Verhältnisse sowie das Vorleben des 

Beschuldigten werden neutral gewertet. Eine besondere Strafempfindlichkeit ist 

nicht gegeben. Der Umstand, dass der Beschuldigte nicht vorbestraft ist und sich 

im Strafverfahren korrekt verhalten hat, wirkt sich neutral auf die Strafzumessung 

aus. 

4.1.3 Gesetzliche Strafschärfungs- oder strafmilderungsgründe liegen keine vor. 

4.1.4 In Anbetracht der Tatschwere, des täterbezogenen Verschuldens und des Um-

standes dass es sich beim Beschuldigten um einen Ersttäter handelt, erscheint 

im vorliegenden Fall eine Geldstrafe angemessen. Diese beträgt höchstens 360 

Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Ein Tagessatz beträgt höchstens Fr. 3‘000.--. 

Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und 

wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters (Art. 34 Abs. 2 StGB). 

Als Angestellter bei der Firma C. Sagl bezog der Beschuldigten in den Jahren 

2013 und 2015 einen jährlichen Bruttolohn von rund Fr.110‘600.-- bzw. 

Fr. 88‘500.--, zuzüglich Mietzinsbegleichung in der Höhe von jährlich rund 

Fr. mind. 25‘000.-- und daher im Durchschnitt mind. ca. Fr. 10‘000.-- monatlich 

- 34 - 

(s. Steuerakten pag. TPF 5.261.12 ff.). Die Steuerveranlagung 2014 liegt nicht 

vor, aktenkundig ist eine Disziplinarbusse der Steuerbehörde des Bezirks 

Lugano vom 16. März 2016 wegen fehlender Einreichung der Steuererklärung 

(pag. TPF 5.261.42, s. auch pag. TPF 5.261.11). Die Ehefrau des Beschuldigten 

ist im Teilzeitpensum in der von ihr gegründeten Firma erwerbstätig. Sie ver-

diente in den Jahren 2013 und 2015 brutto rund Fr. 35‘000.-- bzw. Fr. 39‘000.--. 

Anlässlich der Befragung an der Hauptverhandlung (TPF pag 5.930.1 ff.) gab der 

Beschuldigte zunächst an, weiterhin bei der Firma C. Sagl tätig zu sein. Erst auf 

Nachfrage nach der Funktion der aus dem Handelsregister ersichtlichen Firma 

„T. consulenze e vendita“ erklärte er, nur bis November 2016 bei der Firma C. 

Sagl angestellt gewesen und seither im Verkauf für verschiedene Firmen selbst-

ständig erwerbend zu sein. Als Angestellter habe er ein Einkommen von monat-

lich ca. Fr. 6‘000.-- bis 6‘500.-- erzielt. Nach November 2016 habe er von der 

Firma C. Sagl zweimal eine Zahlung erhalten in der Höhe von je ca. Fr. 4‘000.-- 

bis 4‘500.--. Die Nachfrage nach dem Grund für die fortdauernde Begleichung 

des monatlichen Mietzinses seiner Mietwohnung durch die Firma C. Sagl bzw. 

die Frage, ob es sich dabei um einen Lohnbestandteil handle, vermochte der 

Beschuldigte nicht klar zu beantworten, wahrscheinlich sei das so, er könne sich 

nicht erinnern, was genau vereinbart worden sei. Auf Nachfrage, für welche an-

deren Firmen er im Verkauf (selbständig erwerbend) tätig sei, vermochte er keine 

konkrete Auftraggeber zu nennen und erklärte, es seien bisher Verhandlungen 

im Gange. 

Folgt man den Aussagen des Beschuldigten soll er, nach seiner Kündigung bei 

oder von der Firma C. Sagl, in rund 5 Monaten von dieser Firma insgesamt 

Fr. 8‘000.-- bis Fr. 9‘000.-- erhalten und somit monatlich im Durchschnitt ein Ein-

kommen von Fr. 1‘700.-- erzielt haben. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der 

Beschuldigte seine Stelle bei der Firma C. Sagl aufgegeben hat, um dann wei-

terhin für sie tätig zu sein, jedoch bedeutend weniger zu verdienen. Die Aussagen 

des Beschuldigten zu seinem Einkommen weichen von den Steuerveranlagun-

gen ab und sind im Übrigen vage und widersprüchlich. Es ist somit nicht darauf, 

sondern von einem Einkommen in der Grössenordnung der zuletzt ermittelten 

Steuerdaten auszugehen. Gemäss Steuererklärung 2015 beläuft sich die monat-

liche Miete der derzeit gemieteten Wohnung in Y., auf Fr. 2‘850.-- und nicht – wie 

vom Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung angeben – auf Fr. 2‘600.--. 

Somit ist von einem zusätzlichen jährlichen Lohnbestandteil von Fr. 34‘200.-- 

auszugehen. Die Krankenkassenprämien des Ehepaares A. und S. belaufen sich 

gemäss Angaben des Beschuldigten auf monatlich Fr. 900.--. Der Beschuldigte 

verfügt über kein Vermögen. Auf dem Betreibungsregisterauszug des Kantons 

Tessin vom 24. Januar 2017 sind (neben einer Forderung der Privatklägerin in 

der Höhe von Fr. 400‘000.--), Betreibungen im Gesamtbetrag von mehr als Fr. 

40‘000.-- und Schuldscheine in Bezug auf einen Gesamtbetrag von ca. Fr. 

- 35 - 

100‘000.-- vermerkt. Der Beschuldigte erhält keine staatliche finanzielle Unter-

stützung und ist nicht unterhaltspflichtig. 

4.1.5 Aufgrund der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten 

ist der Tagessatz auf Fr. 300.-- festzulegen (Art. 34 Abs. 2 StGB). 

4.2 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine 

unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung 

weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der Straf-

aufschub ist die Regel, von welcher grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose 

abgewichen werden darf (SCHNEIDER/GARRÉ, Basler Kommentar Strafrecht I, 

3. Aufl., Basel 2013, Art. 42 N. 38 mit Hinweisen). 

 

Als Warnstrafe erfüllt eine bedingt ausgesprochene Strafe vorliegend die gesetz-

lichen Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 StGB. Die Einschränkungen von 

Art. 42 Abs. 2 StGB greifen hier nicht, der Beschuldigte weist keine Vorstrafen 

auf. Somit ist dem Beschuldigten der bedingte Vollzug der Strafe zu gewähren. 

4.3 Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt 

es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

Die Bemessung der Probezeit richtet sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens 

nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach der Persönlichkeit und 

dem Charakter des Verurteilten sowie der Rückfallgefahr. Je grösser diese Ge-

fahr, desto länger muss die Probezeit sein, damit der Verurteilte von weiteren 

Delikten abgehalten wird. Ihre Dauer muss mit anderen Worten so festgelegt 

werden, dass sie die grösste Wahrscheinlichkeit zur Verhinderung eines Rück-

falls bietet. Keine Rolle spielt insoweit die Schwere der Tat (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_140/2011 vom 17. Mai 2011 E. 7.1).  

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen Ersttäter. Konkrete Hinwiese auf 

eine erhöhte Rückfallgefahr liegen nicht vor, die Probezeit ist demnach auf 

2 Jahre zu setzen 

5. Verfahrenskosten 

5.1 Wird eine beschuldigte Person verurteilt, trägt sie die Verfahrenskosten (Art. 426 

Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Haftung der verurteilten Person kann nicht weiter ge-

hen, als ein adäquater Zusammenhang zwischen dem zur Verurteilung führen-

den tatbestandsmässigen, rechtswidrigen und schuldhaften Verhalten einerseits 

und den dadurch verursachten Verfahrenskosten andererseits besteht (DOMEI-

SEN, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 426 StPO N. 3). Sie hat ledig-

- 36 - 

lich diejenigen Kosten zu tragen, die mit der Abklärung des zur Verurteilung füh-

renden Delikts entstanden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_1053/2014 vom 

3. Dezember 2015 E. 1.2 m.w.H; GRIESSER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber 

[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zü-

rich/Basel/Genf 2014, Art. 426 StPO N. 3). 

5.2 Wird eine beschuldigte Person nur teilweise schuldig und im Übrigen freigespro-

chen sind ihr nach der Rechtsprechung die Verfahrenskosten anteilsmässig auf-

zuerlegen, jedenfalls soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar aus-

einanderhalten lassen. Sie ist kostenpflichtig wenn die ihr zur Last gelegten 

Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang zu den Kosten stehen, 

und alle Untersuchungshandlungen hinsichtlich der entsprechenden Anklage-

punkte notwendig waren. Die anteilsmässig auf die mit einem Freispruch enden-

den Anklagepunkte entfallenden Kosten verbleiben beim Staat (Art. 426 Abs. 2 

StPO). Bei der Aufteilung der Verfahrenskosten steht der Behörde ein gewisser 

Ermessensspielraum zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2014 vom 4. De-

zember 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).  

5.3 Sodann können einer beschuldigten Person, die freigesprochen wurde oder de-

ren Verfahren eingestellt wurde, die Verfahrenskosten ganz oder teilweise aufer-

legt werden, wenn sie rechtswidrig oder schuldhaft die Einleitung des Verfahrens 

bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Eine 

Kostenauflage erfolgt daher, wenn die beschuldigte Person in zivilrechtlich vor-

werfbarer Weise, d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 

OR ergebenden Grundsätze, gegen eine geschriebene oder ungeschriebene 

Verhaltensnorm, die sich aus der Gesamtheit der schweizerischen Rechtsord-

nung ergeben kann, klar verstossen und dadurch das Strafverfahren veranlasst 

oder dessen Durchführung erschwert hat (vgl. BGE 119 Ia 332 E. 1b; 116 Ia 162 

E. 2; Urteile des Bundesgerichts 1B_12/2012 vom 20. Februar 2012, E. 2; 

6B_835/2009 vom 21. Dezember 2009, E. 1.2; 1P.805/2006 vom 14. September 

2007, E. 4.2, in: Pra 2008 Nr. 34 S. 235). Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfba-

ren Verhalten und den durch die Untersuchung entstandenen Kosten muss ein 

Kausalzusammenhang bestehen (BGE 116 Ia 162 E. 2 S. 170 f.; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_835/2009 vom 21. Dezember 2009, E. 1.2), und das Sachgericht 

muss darlegen, inwiefern die beschuldigte Person durch ihr Handeln in zivilrecht-

lich vorwerfbarer Weise gegen eine Verhaltensnorm klar verstossen hat (Urteil 

des Bundesgerichts 1P.164/2002 vom 25. Juni 2002, in: Pra 2002 Nr. 203 

S. 1067). 

5.4 Gemäss Art. 426 Abs. 3 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskos-

ten nicht, die der Bund oder der Kanton durch unnötige oder fehlerhafte Verfah-

- 37 - 

renshandlungen verursacht hat. Die Verfahrenshandlungen müssen bei objekti-

ver Betrachtungsweise schon im Voraus unnötig oder fehlerhaft sein (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1255/2016 vom 24. Mai 2017 E. 1.3 mit Hinweis auf Urteil 

6B_523/2014 vom 15. Dezember 2014 E. 5.3). Die angefallenen Kosten sind in 

diesem Fall nicht mehr adäquate Folge der Straftat und können der beschuldig-

ten Person nicht auferlegt werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn eine 

Gerichtsbehörde ein materielles oder formelles Recht verletzt hat, was im 

Rechtsmittelverfahren korrigiert werden muss, wenn wegen Formfehlern Verfah-

renshandlungen wiederholt werden müssen oder aufgrund einer Verletzung des 

rechtlichen Gehörs zusätzlicher Aufwand entsteht (Urteil des Bundesgerichts 

6B_602/2014 vom 4. Dezember 2014 E: 1.3 mit weiteren Hinweisen). Genügt ein 

Strafbefehl dem Anklageprinzip nicht bzw. sind die konkreten Tatumständen 

nicht rechtsgenügend aufgeführt, ist er mangelhaft und stellt eine fehlerhafte Ver-

fahrenshandlung dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_936/2015 E. 3.2.1 und 

3.2.2).  

5.5 Vorliegend ist der Beschuldigte teilweise schuldig zu sprechen. Im Übrigen hat 

ein Freispruch zu erfolgen. 

5.5.1 Im Zusammenhang mit der Verurteilung waren die vorgenommenen Untersu-

chungshandlungen teilweise notwendig (z.B. Einvernahmen, Hausdurchsuchun-

gen) und teilweise partiell notwendig (z.B. Fragen Begutachtung), insgesamt ist 

von einem kausalen Untersuchungsumfang von ca. 2/3 auszugehen. 

5.5.2 Indessen ist der Beschuldigte auch in Bezug auf die Anklagepunkte, die zu einem 

Freispruch führen, wegen zivilrechtlich vorwerfbarem Verhaltens (s. oben E 5.3), 

aus den nachgenannten Gründen kostenpflichtig: Der Beschuldigte war gemäss 

Arbeitsvertrag vom 8. Oktober 2004 verpflichtet, „über alles was er in Ausübung 

seiner Tätigkeit erfährt, Stillschweigen zu bewahren“ und „nach Vertragsauflö-

sung für die Dauer von zwei Jahren weder für sich selbst noch für eine Konkur-

renzfirma mit Konkurrenzartikel, die in Funktion und Art den Produkten der B. AG 

entsprechen, tätig zu werden“ (Art. 10 und 11 des Arbeitsvertrages, pag. 5.1.121 

und …122). Explizit war es ihm zudem untersagt, vertrauliche Unterlagen Dritten 

zugänglich zu machen. Die Unterlagen waren am Arbeitsplatz zu lagern (Art. 14 

des Arbeitsvertrages, pag. 5.1.122). Bei diesen Pflichten handelt es sich um eine 

Konkretisierung der allgemeinen arbeitsrechtlichen Treuepflicht nach Obligatio-

nenrecht. Das Arbeitsverhältnis erschöpft sich nicht im Austausch vermögens-

werter Leistungen, sondern begründet auch persönliche Beziehungen. Der Ar-

beitnehmer ist daher verpflichtet, die berechtigten Interessen des Arbeitgebers in 

guten Treuen zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR). Er hat also neben der eigentli-

chen Arbeitsleistung die Pflicht, Schaden vom Arbeitgeber abzuwenden und des-

- 38 - 

sen Belange zu fördern. Diese allgemeine Treuepflicht, die ihr personenbezoge-

nes Gegenstück in der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers findet, ist in erster Linie 

eine Unterlassungspflicht. Der Arbeitnehmer muss alles unterlassen, was den 

Arbeitgeber wirtschaftlich schädigen kann (BGE 117 II 74; zum Ganzen PORT-

MANN, Basler Kommentar Obligationenrecht I, 5. Aufl., Basel 2011, Art. 321a OR 

N 2). Ein bedeutsamer Aspekt dieser allgemeinen Treuepflicht ist die Geheim-

haltungspflicht nach Art. 321a Abs. 4 OR. Demnach ist der Arbeitnehmer ver-

pflichtet, geheim zu haltende Tatsachen, von denen er im Dienste des Arbeitge-

bers Kenntnis erlangt, weder zu verwerten noch anderen mitzuteilen. Diese Ver-

pflichtung überdauert das Arbeitsverhältnis, soweit es zur Wahrung der berech-

tigten Interessen des Arbeitgebers erforderlich ist. Die arbeitsrechtliche Ver-

schwiegenheitspflicht geht dabei über die strafrechtliche Geheimhaltungspflicht 

hinaus und erstreckt sich auch auf Tatsachen, die nicht als eigentliche Fabrika-

tions- oder Geschäftsgeheimnisse zu qualifizieren sind, aber vom Arbeitgeber als 

geheim zu haltend bezeichnet werden oder bei denen sich der Geheimhaltungs-

wille aus den Umständen entnehmen lässt (PORTMANN, a.a.O., Art. 321a OR 

N 25). Eine Verletzung der Geheimhaltungspflicht nach Obligationenrecht muss 

somit nicht zwangsläufig auch strafrechtlich relevant sein. 

 

Der Beschuldigte hat Unterlagen der Privatklägerin, insbesondere deren techni-

sche Zeichnungen oder weitere Unterlagen wie bspw. Offerten an sich gesandt 

oder elektronisch gespeichert oder an sich genommen und teilweise in die Räum-

lichkeiten seiner neuen Arbeitgeberin, der Konkurrenzfirma C. Sagl, verbracht, 

wo sie den dort tätigen Mitarbeitern zu Verfügung standen. Ca. ein Jahr nachdem 

der Beschuldigte das Arbeitsverhältnis mit der Privatklägerin beendet hatte, be-

fanden sich einige Unterlagen der Firma B. AG in den Räumlichkeiten der Firma 

C. Sagl, wo sie sichergestellt wurden. Durch sein Verhalten hat der Beschuldigte 

seine Treuepflichten nach Art. 321a Abs. 1 und 4 OR bzw. seine vertragliche 

Pflicht gegenüber der Privatklägerin zur Verschwiegenheit verletzt. Aufgrund der 

oben erwähnten unmissverständlichen Vertragsbestimmungen zur Geheimhal-

tung muss ihm dies zudem bewusst gewesen sein. Durch sein rechtswidriges 

Verhalten hat der Beschuldigte den Verdacht der strafbaren Handlung selbst ge-

neriert und die Einleitung des Verfahrens verursacht. Die elektronischen Zustel-

lungen vom 25. Januar und 16. März 2012 an sich selbst von Unterlagen der 

Privatklägerin, nachdem er am 23. Januar 2012 seine Stelle bei dieser gekündigt 

hatte, um sich in der am 22. Februar 2012 durch seine Ehefrau, S., gegründete 

Konkurrenzfirma C. Sagl als CEO bzw. Direktor anstellen zu lassen (pag. 5.1.132 

und …133; pag. 10.00.47f.) und die sogleich (wie sich herausstellen sollte noch 

vor Ablauf der Kündigungsfrist) mit einer Kundin der Privatklägern eigegangenen 

vertraglichen Geschäftsbeziehungen im konkurrenzierenden Bereich (siehe z.B. 

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pag. 5.1.5; 5.1.76; 5.1.185ff. 10.00.203f.), waren entscheidend für die Begrün-

dung und die Aufrechterhaltung des Verdachts gegen ihn im Zusammenhang mit 

dem vorliegenden Verfahren. Daher ist er grundsätzlich in vollem Umfang kos-

tentragpflichtig im Sinne von Art. 426 Abs. 1 StPO.  

5.5.3 Eine teilweise Übernahme dieser Verfahrenskosten durch die Eidgenossenschaft 

rechtfertigt sich jedoch unter Berücksichtigung von Art. 426 Abs. 3 lit. a StPO, 

denn bei der Beurteilung der kausal verursachten Auslagen ist vorliegend auch 

dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Grundrechte der Parteien, insbeson-

dere das rechtliche Gehör, wie das Akteneinsichtsrecht oder das Recht des Be-

schuldigten auf Stellungnahme zu sämtlichen konkreten Tatvorwürfen, im Vor-

verfahren beschnitten wurden (siehe auch Bst. M). Selbiges gilt für das Anklage-

prinzip (s. oben E. 3.3.1; 3.3.2.1.; 3.3.2.3; 3.4.1.3; 3.4.2.3). Auf