# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 35ba4519-5f61-57bb-ae05-174f1dd0c726
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2022 D-5137/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5137-2022_2022-11-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5137/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richterin Chiara Piras,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Melek Kusoglu,  

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 11. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5137/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein minderjähriger afghanischer Staatsangehöriger 

paschtunischer Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge etwa Ende August 2021 und reiste über Pakistan in den Iran. Nach 

einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Türkei gelangte er unter anderem 

via Ungarn und Österreich am 28. Juli 2022 in die Schweiz, wo er gleichen-

tags im Bundesasylzentrum B._______ um Asyl nachsuchte. Am 26. Au-

gust 2022 wurde eine Erstbefragung für unbegleitete Minderjährige (EB 

UMA) durchgeführt und am 30. September 2022 fand eine einlässliche An-

hörung zu den Asylgründen statt.  

B.  

B.a Dabei machte der Beschwerdeführer geltend, er stamme aus dem Dorf 

C._______ (Distrikt D._______, Provinz E._______), wo er bis zur Aus-

reise bei seiner Familie gelebt habe. Die Schule habe er nicht besucht, 

mangels Interesse und weil er seinem Vater in der Landwirtschaft sowie 

beim Transport von Waren geholfen habe. Die Taliban seien bereits seit 

langer Zeit in seiner Herkunftsregion präsent gewesen und hätten vor allem 

nachts die Gegend kontrolliert. Sie seien oft in Gruppen zu den Dorfbewoh-

nern gegangen und hätten verlangt, dass sie bekocht werden. Eine Wei-

gerung sei nicht möglich gewesen, obwohl viele Leute selbst kaum genug 

zu essen gehabt hätten. Auch seine Familie habe von der Hand in den 

Mund gelebt und gerade so viel gehabt, dass es für sie gereicht habe. Ir-

gendwann habe sein Vater emotional reagiert und die Taliban gefragt, wo-

her er das Geld nehmen solle, um so viele Personen zu verpflegen. Da-

raufhin hätten die Taliban ihn zu ihrem Hauptquartier mitgenommen. Zwei 

Tage später sei er mit gebrochenen Händen und Beinen zurückgekommen. 

In der Folge habe sein Vater herumerzählt, die Taliban seien dumm, ge-

walttätig und wilde Tiere. Dies müsse den Taliban zugetragen worden sein, 

da sie ihn danach verdächtigt hätten, ein Spitzel der Regierung zu sein. 

Etwa zwei Monate vor der Machtübernahme der Taliban sei der Vater von 

diesen erschossen worden. Als er davon erfahren habe, sei er wütend und 

traurig gewesen und habe ebenfalls begonnen, die Taliban als Gewalttäter 

zu beschimpfen. Zudem habe er den Vorfall den Regierungsbeamten res-

pektive den Soldaten des Distrikts – zusammen mit anderen Dorfbewoh-

nern, welche Angehörige durch die Taliban verloren hätten – gemeldet. Ihm 

sei deshalb ebenfalls vorgeworfen worden, er sei ein Agent der Regierung. 

Nach der Machtübernahme der Taliban hätten diese dreimal zu Hause 

nach ihm gesucht. Aus diesem Grund habe er das Land verlassen müssen, 

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Seite 3 

um sich in Sicherheit zu bringen. Auch nach seiner Ausreise hätten die Ta-

liban noch mehrmals nach ihm gesucht.  

B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seiner 

Taskara sowie eine österreichische Verfahrenskarte ein.  

C.  

C.a Das SEM liess der Rechtsvertreterin am 7. Oktober 2022 einen Ent-

wurf des voraussichtlichen Entscheids zur Stellungnahme zukommen.  

C.b Mit Eingabe vom 10. Oktober 2022 nahm die Rechtsvertreterin zum 

Entscheidentwurf Stellung.  

D.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 11. Oktober 2022 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

Es lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Den Voll-

zug der Wegweisung erachtete es indessen als unzumutbar, weshalb eine 

vorläufige Aufnahme in der Schweiz angeordnet wurde.  

E.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 

10. November 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 

diesen Entscheid. Darin beantragte er, die Dispositivziffern 1, 2 und 3 der 

angefochtenen Verfügung seien aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuer-

kennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache in Bezug 

auf die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung zur rechtsgenügli-

chen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche 

Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Am 11. November 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde.  

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG 

i.V.m. Art. 10 Verordnung über Massnahmen im Asylbereich im Zusammen-

hang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Seite 5 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, der Beschwer-

deführer befürchte, wegen den Aussagen seines Vaters sowie dessen Tod 

und seinen eigenen kritischen Äusserungen von den Taliban verfolgt zu 

werden. Zwar könnten Familienangehörige von missliebigen Personen von 

Übergriffen betroffen sein; ein systematisches Vorgehen der Taliban gegen 

Familienangehörige sei jedoch nicht erkennbar. Eine begründete Furcht 

vor einer flüchtlingsrechtlich relevanten Reflexverfolgung sei daher nur un-

ter besonderen Umständen zu bejahen. Solche seien vorliegend aber nicht 

gegeben. Der Beschwerdeführer habe sich in keiner Form politisch betätigt 

und es lägen auch keine anderen risikoschärfenden Elemente vor, welche 

eine individuelle Gefährdung konkretisieren könnten. Vor der Machtüber-

nahme habe er die Taliban lediglich wahrgenommen, aber keine persönli-

chen Probleme mit ihnen gehabt. Weiter sei zu unterstreichen, dass seine 

Mutter und die jüngeren Geschwister nach wie vor im Dorf lebten und es 

ihnen gut gehe. Die vorgebrachte Suche nach ihm sei wohl im Kontext der 

damaligen Kampfhandlungen zu sehen. Inzwischen hätten die Taliban die 

Macht in ganz Afghanistan übernommen, womit die Suche nach dem Be-

schwerdeführer keine Aktualität mehr besitze, gerade vor dem Hintergrund, 

dass er nicht habe angeben können, wann er zuletzt zu Hause gesucht 

worden sei. Insgesamt sei nicht davon auszugehen, dass die Taliban ein 

grosses Interesse an ihm gehabt hätten, welches mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu asylrelevanten Nachteilen ge-

führt hätte. Ohne das erlittene Leid durch den tragischen Verlust des Vaters 

zu verkennen, könne die subjektive Furcht des Beschwerdeführers, eben-

falls Opfer von Verfolgungsmassnahmen zu werden, nicht als objektiv be-

gründet qualifiziert werden. Sodann seien die von ihm erwähnten Behelli-

gungen der Dorfbewohner durch die Taliban auf die allgemeine Situation 

und die Sicherheitslage in seiner Herkunftsregion zurückzuführen und da-

mit nicht asylrelevant.  

4.2 In der Beschwerdeschrift wurde geltend gemacht, dass der Beschwer-

deführer aufgrund seines Vaters, der sich gegen die Taliban gestellt habe 

und von diesen als Regierungsagent betrachtet worden sei, ebenfalls zur 

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Zielscheibe geworden sei. Er habe die Taliban beschimpft und die Ge-

schehnisse den lokalen Soldaten gemeldet, woraufhin auch er als Agent 

bezeichnet und von den Taliban gesucht worden sei. Gemäss verschiede-

nen Berichten seien Kritiker der Taliban ebenso wie Angehörige der frühe-

ren Regierung und der Streitkräfte nach der Machtübernahme inhaftiert, 

gefoltert und hingerichtet worden. Davon seien nicht nur hochrangige Be-

amte, sondern auch etwa Fahrer oder Leibwächter betroffen gewesen. Zu-

dem habe es Verhaftungen von Familienangehörige von Personen aus die-

sen Zielgruppen gegeben. Einem Bericht der EU Agency for Asylum 

(EUAA) zufolge liessen sich Vergeltungsmassnahmen häufig auf private 

Streitigkeiten zurückführen und stünden nicht in einem Zusammenhang zur 

formalen Position, dem Rang oder dem Profil der betroffenen Person. Die 

Vorinstanz bestreite nicht, dass sich der Vater mit abwertenden Äusserun-

gen über die Taliban exponiert habe, von diesen als Agent betrachtet und 

deshalb getötet worden sei. Nachdem sich der Beschwerdeführer ebenfalls 

negativ über die Taliban geäussert habe, sei er ebenfalls als Spitzel be-

trachtet worden und somit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt. 

Er habe sich gleich verhalten wie sein Vater und mit seiner Meldung an die 

Soldaten überdies dafür gesorgt, dass sich die Taliban zeitweise nicht mehr 

frei im Dorf hätten bewegen können. Bereits vor der Machtübernahme der 

Taliban sei er in deren Visier geraten und einer konkreten Gefährdung aus-

gesetzt gewesen. Angesichts der aktuellen Machtverhältnisse habe sich 

die Bedrohungslage noch verstärkt und die Furcht vor einer Verfolgung sei 

sowohl subjektiv als auch objektiv begründet. Es sei davon auszugehen, 

dass er im Falle einer Rückkehr mit erheblichen Nachteilen seitens der Ta-

liban zu rechnen hätte. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei die dro-

hende Verfolgung auch nach der Machtübernahme der Taliban noch aktu-

ell, da Rachemorde an vermeintlichen Kritikern und Gegnern weit verbrei-

tet seien. Weiter könne es dem Beschwerdeführer nicht angelastet werden, 

dass er – weil er nur selten Kontakt zu seiner Mutter habe – keine weiteren 

Informationen dazu habe, wann ihn die Taliban zuletzt gesucht hätten. Fer-

ner sei er der älteste Sohn, welcher für die Taten des Vaters einzustehen 

habe und nach dessen Tod zum Familienoberhaupt geworden sei. Es sei 

daher nicht von Bedeutung, dass die übrigen Familienmitglieder nach wie 

vor zu Hause lebten, zumal er es gewesen sei, welcher sich gegen die 

Taliban geäussert habe und von diesen als Spitzel betrachtet worden sei. 

Er sei denn auch nach der Ausreise noch mehrmals von den Taliban ge-

sucht worden, weshalb eine objektiv begründeten Furcht vor einer drohen-

den Verfolgung vorliege und er als Flüchtling anzuerkennen sei.   

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Seite 7 

5.  

5.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die 

asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlit-

ten hat, beziehungsweise solche im Falle einer Rückkehr in den Heimat-

staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft be-

fürchten muss. Die Nachteile müssen der betroffenen Person gezielt und 

aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 

sein. Zudem muss die geltend gemachte Gefährdungslage aktuell sein 

(vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. m.H.). Ob eine begründete Furcht vor künfti-

ger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise 

zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete 

Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der gleichen Lage 

Furcht vor einer Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Betrach-

tungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das Wissen 

um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits Ver-

folgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine aus-

geprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 

je m.w.H). 

5.2 Die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten 

Verfolgungsrisiko ausgesetzt ist, kann zu einer Reflexverfolgung führen. Im 

derzeitigen afghanischen Kontext können insbesondere Angehörige von 

ehemaligen Mitgliedern der Sicherheitskräfte davon betroffen sein (vgl. Ur-

teil des BVGer D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.4 m.H.). Um eine be-

gründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu 

bejahen, muss ein begründeter Anlass zur Annahme bestehen, eine solche 

Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft auch in Bezug auf die Angehörigen verwirklichen. Dabei 

müssen konkrete Indizien und tatsächliche Anhaltspunkte dargelegt wer-

den, welche die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollzieh-

bar erscheinen lassen.  

5.3  

5.3.1 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass nicht jegliche geltend 

gemachten Probleme mit den Taliban als asylrelevant einzustufen sind. Nur 

wenn eine aktuelle und gezielt gegen die asylsuchende Person gerichtete 

Verfolgung droht, kann von einer begründeten Furcht im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgegangen werden. Die vom Beschwerdeführer dargelegte Ge-

fährdungslage seitens der Taliban ist – bei Wahrunterstellung der entspre-

chenden Vorbringen – angesichts seines sehr wenig ausgeprägten Profils 

als nicht hinreichend intensiv und konkret zu erachten, als dass daraus 

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eine objektiv begründete Furcht vor künftiger Verfolgung abgeleitet werden 

könnte. Er hatte zu keinem Zeitpunkt persönlichen Kontakt mit Angehöri-

gen der Taliban und hatte diese vor ihrer Machtübernahme lediglich "gese-

hen" (vgl. SEM-Akte […]-20/13 [nachfolgend Akte 20], F60 ff. und F67 f.). 

Aus seinen Aussagen geht auch nicht klar hervor, weshalb die Taliban sei-

nen Vater für einen Agenten der Regierung gehalten haben sollen. Seine 

diesbezüglichen Angaben sind äusserst allgemein gehalten und beschrän-

ken sich im Wesentlichen darauf, dass dieser die Taliban – mangels eige-

ner Ressourcen – nicht mehr mit Essen habe versorgen wollen und sich, 

nachdem er von ihnen verletzt worden sei, abwertend über sie geäussert 

habe (vgl. Akte 20, F31 ff.). Ebenso vage sind die Vermutungen des Be-

schwerdeführers dazu, weshalb er selbst als damals (…)-jähriger Junge, 

der nach dem Tod seines Vater die Taliban als Gewalttäter bezeichnet 

habe, verdächtigt worden sei, ein Regierungsspitzel zu sein (vgl. Akte 20, 

F34 ff.).  

Weiter führte er aus, sein Vater sei rund zwei Monate vor der Machtüber-

nahme der Taliban getötet worden (vgl. Akte 20, F15 und F26). Die Suche 

nach ihm (dem Beschwerdeführer) habe indessen erst nach der Macht-

übernahme stattgefunden, wobei die Taliban dreimal zu Hause nach ihm 

gefragt hätten (vgl. Akte 20, F50 f.). Obwohl er jedes Mal anwesend gewe-

sen sei, habe es ausgereicht, dass seine Mutter oder sein Bruder die Tür 

geöffnet und angegeben hätten, er sei nicht zu Hause (vgl. Akte 20, F52). 

Dies lässt nicht auf eine besonders intensive Suche nach dem Beschwer-

deführer schliessen. Überdies sind seine Ausführungen zur angeblich an-

haltenden Suche der Taliban nach seiner Person als vage und unsubstan-

ziiert einzustufen. Zwar hat er eigenen Angaben zufolge nur einmal direkt 

mit seiner Mutter gesprochen (vgl. Akte 20, F12). Er steht jedoch mit sei-

nem Onkel, welcher im benachbarten Distrikt F._______ (Provinz 

G._______) lebt, in ständigem Kontakt, wobei dieser wiederum mit seiner 

Mutter in Kontakt steht (vgl. Akte 20, F8 ff.). Es ist davon auszugehen, dass 

er zumindest über seinen Onkel erfahren hätte, wenn er weiterhin hartnä-

ckig von den Taliban gesucht worden wäre. Dies gilt umso mehr, als eine 

solche Suche für die übrigen Familienmitglieder eine regelmässige Kon-

frontation mit den Taliban – welche zu Hause nach dem Beschwerdeführer 

fragen – bedeuten würde, was sie ihm gegenüber kaum unerwähnt gelas-

sen hätten.  

5.3.2 Hinsichtlich einer möglichen Reflexverfolgung geht das Gericht da-

von aus, dass ein entsprechendes Risiko vor allem dann besteht, wenn die 

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betroffene Zielperson durch Behelligung ihrer Angehörigen zu einem be-

stimmten Verhalten bewegt werden soll oder die Familie als Ganzes für die 

Aktivitäten dieser Person bestraft werden soll. Vorab ist festzuhalten, dass 

der Vater des Beschwerdeführers weder für eine Regierungsbehörde tätig 

war noch anderweitig über ein massgebliches Profil verfügte, welches eine 

Verfolgung seiner Angehörigen als naheliegend erscheinen lassen könnte. 

Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung ist auch 

nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer als ältester Sohn der 

Familie als einziger eine Reflexverfolgung zu befürchten hätte, wenn eine 

solche denn wirklich als wahrscheinlich einzustufen wäre. Zwei seiner jün-

geren Brüder sind mit (…) respektive (…) Jahren (vgl. SEM-Akte [...]-17/12 

Ziff. 3.01) nur wenig jünger als er selbst, sodass kaum angenommen wer-

den kann, diese wären allein aufgrund ihres Alters nicht von einer allfälligen 

Reflexverfolgung betroffen. Die Tatsache, dass die Mutter sowie die Ge-

schwister nach wie vor am Herkunftsort leben und es ihnen gut gehe 

(vgl. Akte 20, F8 und F77), spricht somit ebenfalls gegen eine drohende 

Reflexverfolgung wegen der kritischen Haltung des Vaters gegenüber den 

Taliban.  

5.3.3 Insgesamt kam das SEM zutreffend zum Schluss, dass es dem Be-

schwerdeführer nicht gelang, eine objektiv begründete Furcht vor ernsthaf-

ten Nachteilen seitens der Taliban glaubhaft zu machen. Er weist kein be-

sonderes Profil auf und die geltend gemachte Suche nach ihm – wenn von 

deren Glaubhaftigkeit ausgegangen wird – erscheint wenig intensiv, nach-

dem die einfache Auskunft seiner Angehörigen, er sei nicht zu Hause, ge-

nügt habe, um die Taliban abzuwimmeln. Er konnte auch nicht substanziiert 

dartun, dass nach der Ausreise weiterhin eine ernsthafte Suche nach ihm 

stattgefunden habe. Das Gericht geht unter diesen Umständen nicht davon 

aus, dass die Taliban ein Verfolgungsinteresse gegenüber dem Beschwer-

deführer hegen und er daher befürchten müsste, von diesen in flüchtlings-

rechtlich relevanter Weise verfolgt zu werden. Das SEM hat daher zu Recht 

seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.  

6.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-

che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer 

solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

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Seite 10 

7.  

Nachdem der Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung wegen 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufge-

nommen wurde, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen von anderen 

Wegweisungsvollzugshindernissen – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – 

nicht. Die drei möglichen Vollzugshindernisse sind alternativer Natur; so-

bald eines erfüllt ist, gilt der Wegweisungsvollzug als undurchführbar 

(vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Zum in der Beschwer-

deschrift gestellten Antrag auf Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

wird lediglich ausgeführt, dass die angefochtene Verfügung nicht mit der 

vorgebrachten Begründung aufrechterhalten werden könne. Dieser Auffas-

sung kann indessen – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt 

– nicht gefolgt werden und es sind auch sonst keine Gründe ersichtlich, 

welche eine Kassation rechtfertigen könnten. Die Beschwerde ist folglich 

abzuweisen. 

9.  

9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden. 

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist indessen gutzuheissen. Aufgrund der Aktenlage ist er als pro-

zessual bedürftig zu erachten und die Beschwerdebegehren können nicht 

als zum Vornherein aussichtslos angesehen werden. Es sind somit keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Bolz-Reimann Regula Aeschimann 

 

 

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