# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cdc65a2d-7ba9-531f-bdcc-42c496d92341
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.12.2011 D-1217/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1217-2008_2011-12-27.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­1217/2008

U r t e i l   v om   2 7 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz),
Richter François Badoud, Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren X._______,
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
substituiert durch lic. iur. Magda Zihlmann, Rechtsanwältin,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. Januar 2008 / N_______.

D­1217/2008

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  afghanischer  Staatsangehöriger  und 
ethnischer  Hazara  aus  B._______,  Distrikt  C._______,  Provinz 
D._______ –  verliess  eigenen Angaben  zufolge am 4. September  2005 
seine  Heimat  und  gelangte  am  12.  Dezember  2005  über  E._______, 
F._______, G._______ und weitere, ihm unbekannte Länder illegal in die 
Schweiz,  wo  er  gleichentags  im  H._______  um  Asyl  nachsuchte. 
Anschliessend wurde er ins I._______ transferiert und dort am 3. Januar 
2006 summarisch befragt.

Mit Entscheid vom 4. Januar 2006 wurde der Beschwerdeführer  für den 
Aufenthalt  während  des  Asylverfahrens  dem  Kanton  J._______ 
zugewiesen.

Am 16. Januar 2006 fand die kantonale Anhörung statt. Zur Begründung 
seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  dabei  im 
Wesentlichen  geltend,  er  sei  nach  dem  Einmarsch  der  sowjetischen 
Armee in Afghanistan im Jahre 1982 zusammen mit seiner Familie nach 
E._______  ausgewandert.  Im  (...)  seien  sie  in  seine  Heimat 
zurückgekehrt, wo er sich fortan als Einzelopiumhändler betätigt habe. Im 
Jahre  (...)  habe  er  mit  dem  Grosshändler  K._______  –  dessen  (...) 
Mitglied der (...) sei beziehungsweise bei dem es sich um den (...) handle 
(Eingabe vom 17. Oktober 2006) – Bekanntschaft gemacht und daraufhin 
für  diesen  zu  arbeiten  begonnen,  da  er  so  ein  ungleich  höheres 
Einkommen  erzielt  habe.  Er  sei  im  Auftrag  von  K._______  zu  den 
Opiumbauern  gegangen  und  habe  diese  dafür  bezahlt,  dass  diese  ihre 
Opiumernte  an  K._______  und  nicht  an  andere  Händler  verkaufen 
würden. Zudem habe er die  lokalen Kommandanten bestechen müssen, 
die  die  Bauern  vor  anderen  Grosshändlern  geschützt  hätten.  Im  Jahre 
(...),  nach  zweijähriger  Tätigkeit  für  K._______,  habe  die Regierung  die 
Opiumernte  vernichtet.  Er  habe  K._______  über  den  Vorfall  informiert, 
zumal  bereits  ein  hoher  Geldbetrag  für  Zahlungen  und 
Bestechungsgelder investiert worden sei. K._______ habe ihm aber nicht 
geglaubt und gesagt, dass er wohl einen anderen Grosshändler gefunden 
habe, der ihn besser bezahle. K._______ habe ihm mit dem Tod gedroht, 
falls er nicht in der Lage sei, das bereits investierte Geld zurückzuzahlen 
oder  entsprechende  Ware  zu  liefern.  Daraufhin  habe  er  sich  an 
L._______ gewendet, der Gebietskommandant gewesen sei und dem er 
bereits hohe Bestechungsgelder abgeliefert habe. Doch weder L._______ 

D­1217/2008

Seite 3

noch die bereits bezahlten Bauern hätten die Gelder zurückzahlen wollen. 
Da K._______ ein mächtiger Mann in seiner Heimat sei und er in seinem 
ganzen  Leben  nicht  soviel  Geld  für  die  Begleichung  seiner  Schulden 
hätte  auftreiben  können,  habe  er  keine  andere  Wahl  gehabt,  als  aus 
Afghanistan zu fliehen, um sein Leben zu retten.

Am  22.  November  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  vom  BFM 
angehört. Dabei  führte er  in Ergänzung zu seinen bisherigen Vorbringen 
aus,  er  habe  von  der  Schweiz  aus  mit  seinem  Schlepper  Kontakt 
aufgenommen,  um  seinen  Identitätsausweis  (Tazkera)  erhältlich  zu 
machen  und  diesen  nachträglich  (März  2006)  eingereicht.  Er  habe 
K._______ im (...) in einem Teehaus kennengelernt und für diesen bis im 
Jahre (...) gearbeitet. Seine Tätigkeit habe darin bestanden, während der 
Erntezeit  zu  den  einzelnen Bauern  zu  gehen  und  ihre Ernte  zu  kaufen. 
Die  gekauften  Mengen  des  Opiums  habe  er  entsprechend  den 
geografischen  Gegebenheiten  in  den  verschiedenen  Kommandanturen 
gelagert und am Schluss der Erntezeit habe ein Wagen von K._______ 
alle diese Sammelpunkte aufgesucht und das Opium abtransportiert. Das 
Geld,  das er  jeweils gebraucht habe, habe er über einen Geldvermittler 
ein  paar Tage nach Nennung des benötigten Betrages  erhalten. Ferner 
habe  ihn K._______  drei Mal  zu  einem Fest  eingeladen,  das  jeweils  in 
einem  grossen  Haus  im  Bezirk  M._______/Provinz  N._______ 
stattgefunden  habe.  Unter  den  Gästen  hätten  sich  auch  hohe 
Staatsbeamte befunden. K._______ habe  ihm drei dieser Gäste, welche 
bei  der  Polizei  und  dem  Geheimdienst  gewesen  seien,  persönlich 
vorgestellt  und  ihm  gesagt,  dass  er  sich  bei  Problemen  in  der  Provinz 
D._______ an diese Personen wenden könne. Nach der Vernichtung der 
Ernte  habe  er  sich  mit  K._______  gestritten,  weil  ihm  dieser  nicht 
geglaubt  habe,  worauf  er  zum  Bezirksvorsteher  O._______  gegangen 
sei, um Schutz vor K._______ zu erhalten. O._______ habe  ihm  jedoch 
gesagt,  dass  er  ihm  –  und  dies  auch  nur  bedingt  –  lediglich  in  seinem 
Bezirk  Schutz  zusichern  könne.  Bei  einer  Rückkehr  müsse  er  um  sein 
Leben  fürchten,  da  ihn  sowohl  die  afghanische  Regierung  als  auch 
K._______,  die  Opiumbauern  und  die  Nachkommen  von  vier 
erschossenen Paschtunen umbringen wollten.

Auf  die weiteren Ausführungen  und  die mit  Eingaben  vom 2. März,  17. 
Juli  und  17. Oktober  2006  sowie  26.  März  und  28.  November  2007 
geltend  gemachten  Vorbringen  und  eingereichten  Beweismittel  wird, 
soweit  entscheidwesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

D­1217/2008

Seite 4

B. 
Mit  Verfügung  vom  24.  Januar  2008  –  eröffnet  am  25.  Januar  2008 – 
lehnte das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete 
dessen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur 
Begründung führte das Bundesamt im Wesentlichen aus, die Vorbringen 
des  Beschwerdeführers  vermöchten  den  Anforderungen  von  Art.  7  des 
Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die 
Glaubhaftigkeit  nicht  zu  genügen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers  nach  Afghanistan  sei  zulässig,  zumutbar  und 
möglich.

C. 
Mit Eingabe  vom 25.  Februar  2008  erhob  der Beschwerdeführer  gegen 
diese  Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und 
beantragte  die  vollumfängliche  Aufhebung  der  vorinstanzlichen 
Verfügung,  die  Rückweisung  des  Entscheides  an  das  BFM  zwecks 
Erstellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts,  eventualiter  die 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl, 
subeventualiter  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  oder  zumindest  der 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Anordnung  der 
vorläufigen  Aufnahme.  Auf  die  Begründung  und  die  der 
Rechtsmitteleingabe  beigelegten  Beweismittel  (Auflistung  Beweismittel) 
wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  vom  29.  Februar  2008 
wurde  dem  Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  er  den  Ausgang  des 
Beschwerdeverfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne  und  sich  das 
Bundesverwaltungsgericht  vorbehalte,  seine  Asylvorbringen  bezüglich 
seiner Tätigkeit als Drogenhändler unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG 
und  im  Rahmen  von  Art.  83  Abs.  7  des  Bundesgesetzes  vom  16. 
Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 
142.20)  einer  Prüfung  zu  unterziehen.  Dazu  wurde  dem 
Beschwerdeführer  die  Möglichkeit  eingeräumt,  bis  zum  17.  März  2008 
eine  Stellungnahme  einzureichen.  Gleichzeitig  wurde  er  aufgefordert, 
innert  gleicher  Frist  einen  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 600.– 
einzuzahlen, unter Androhung des Nichteintretens im Unterlassungsfall.

Der Kostenvorschuss wurde am 13. März 2008 einbezahlt.

D­1217/2008

Seite 5

E. 
Mit  Eingabe  vom  17.  März  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  –  unter 
Beilage zweier von ihm verfassten Zeitungsartikel – seine Stellungnahme 
zu den Akten.

F. 
Mit Verfügung vom 20. März 2008 wurde die Vorinstanz im Rahmen von 
Art.  57  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  einem  Schriftenwechsel 
eingeladen.

G. 
Mit  Eingabe  vom  7.  April  2008  legte  der  Beschwerdeführer  weitere 
Beweismittel ins Recht (Auflistung Beweismittel).

H. 
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 8. April 2008 die 
Abweisung der Beschwerde.

I. 
Mit  Verfügung  vom  17.  April  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  die 
vorinstanzliche Vernehmlassung zur Stellungnahme unterbreitet.

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 30. April 2008.

J. 
Mit Eingabe vom 7. Oktober 2008 reichte der Beschwerdeführer weitere 
Bestätigungen bezüglich seiner Konversion zum christlichen Glauben und 
seiner  Glaubensausübung  in  der  Schweiz  zu  den  Akten  (Auflistung 
Beweismittel).

K. 
Mit  Schreiben  vom  18.  August  2009  ersuchte  die  Rechtsvertretung  um 
Mitteilung  des  Verfahrensstandes  und  des  voraussichtlichen 
Urteilszeitpunktes und legte gleichzeitig ihre Kostennote bei.

L. 
Mit  Schreiben  des  Instruktionsrichters  vom  24.  August  2009  wurde  die 
Anfrage der Rechtsvertretung vom 18. August 2009 beantwortet.

D­1217/2008

Seite 6

M. 
Am  22.  September  2009  (Datum  Poststempel)  wurde  (Nennung 
Beweismittel), beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

N. 
Mit  Verfügung  vom  28.  September  2009  wurde  dem  Beschwerdeführer 
die  Möglichkeit  eingeräumt,  sich  bis  zum  13.  Oktober  2009  zum 
(Nennung Beweismittel) zu äussern, gemäss welchem sich herausgestellt 
habe,  dass  er  mehr  Interesse  an  einem  längeren  Aufenthalt  in  der 
Schweiz  zeige,  als  Christ  zu  sein,  und  diese  Situation  habe  ausnutzen 
wollen.

O. 
Am  8.  Oktober  2009  ging  beim  Bundesverwaltungsgericht  eine  weitere 
Bestätigung (Nennung weiteres Beweismittel) ein.

P. 
Mit  Eingabe  vom  13.  Oktober  2009  legte  der  Beschwerdeführer  seine 
Stellungnahme  zur  Zwischenverfügung  vom  28.  September  2008  ins 
Recht. 

Q. 
Am  11.  Januar  2010  (Datum  Poststempel)  liess  der  Beschwerdeführer 
dem  Bundesverwaltungsgericht  ein  (Nennung  Beweismittel)  und  am 
21. Januar  2010  (Datum  Poststempel)  ein  (Nennung  Beweismittel) 
zukommen.

R. 
Mit Eingabe vom 20. August 2010 reichte der Beschwerdeführer weitere 
Unterlagen  bezüglich  seiner  Hinwendung  zum  christlichen  Glauben 
(Auflistung Beweismittel) zu den Akten.

S. 
Mit Eingabe vom 5. Januar 2011 legte der Beschwerdeführer zusätzliche 
Beweismittel (Auflistung Beweismittel) ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

D­1217/2008

Seite 7

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 
BGG  liegt  in  casu  nicht  vor. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet 
demnach endgültig.

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

D­1217/2008

Seite 8

Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

2.3. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 
aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  Gefährdungssituation  erst 
geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl. 
Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss 
Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Stattdessen 
werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder 
glaubhaft  machen  können,  als  Flüchtlinge  vorläufig  aufgenommen  (vgl. 
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren Hinweisen).

3. 
3.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden 
Asylentscheides  im  Wesentlichen  aus,  es  sei  realitätsfremd,  dass  der 
Beschwerdeführer  nicht  gewusst  habe,  sein  Auftraggeber  sei  der  (...) 
gewesen,  zumal  er  an  verschiedenen  Einladungen  von  K._______ 
teilgenommen haben wolle, und davon auszugehen sei, dass es ihn auch 
interessiert hätte, von welcher Person er dermassen abhängig gewesen 
sei.  Ebenso  realitätsfern  sei  das  Zusammentreffen  von  K._______  mit 
dem  Beschwerdeführer  in  einem  Teehaus  im  Bazar  von  C._______ 
einzustufen,  ohne  dass  eine  vorherige  Überprüfung  seiner  Person 
stattgefunden  hätte.  Zudem  sei  davon  auszugehen,  dass  solche 
Vereinbarungen  eher  durch  Mittelsleute  abgewickelt  würden.  Gemäss 
seinen  Angaben  wolle  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  nur  in 
Afghanistan,  sondern  auch  in  E._______  vor  der  Verfolgung  durch  die 
Drogenmafia  gefürchtet  haben.  Es  sei  daher  nicht  nachvollziehbar, 
weshalb  er  sich  trotzdem  auf  der  Reise  nach  Europa  während  (...) 
Monate  dort  aufgehalten  habe.  Als  offensichtlich  unglaubhaft  sei 
ausserdem  das  Vorbringen,  die  Amerikaner  hätten  von  K._______  die 
Lieferung  von  4,5  Tonnen  Opium  an  den  Militärstützpunkt  in  Kabul 
verlangt,  einzuschätzen.  Weiter  habe  sich  der  Beschwerdeführer 
hinsichtlich  der  Urheber,  welche  die  Opiumfelder  zerstört  hätten,  der 
Person,  an  welche  er  sich  nach  dem  Gespräch  mit  K._______  im 
Anschluss  an  die  Zerstörung  der  Opiumfelder  gewendet  habe,  und  der 
anschliessend aufgesuchten Orte vor seiner Flucht sowie der Modalitäten 

D­1217/2008

Seite 9

des  Kaufs  der  Mohnernte  in  Widersprüche  verwickelt.  Angesichts  der 
unplausiblen  und  widersprüchlichen  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  könne  ihm  der  geltend  gemachte Drogenhandel mit 
dem  (...) und die in diesem Zusammenhang behauptete Verfolgung nicht 
geglaubt werden. Was im Übrigen die eingereichten Unterlagen bezüglich 
der  Problematik  des  Drogenhandels,  insbesondere  den  von  ihm 
verfassten Internetartikel angehe, so vermöchten diese keine Gefährdung 
bei einer Rückkehr zu begründen, zumal den afghanischen Behörden das 
Bestehen solcher Erzeugnisse sehr wohl bekannt sein dürften.

3.2.  Demgegenüber  hielt  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe  im Wesentlichen an seinen Sachverhaltsvorbringen 
fest  und  führte  ergänzend  an,  er  habe  im  Frühling  des  Jahres  (...) 
begonnen,  in  (...) Gottesdienste zu besuchen, und sich aufgrund seines 
Glaubens  entschlossen,  zum Christentum  zu  konvertieren.  Seine  Taufe 
werde am Y._______ stattfinden.

Zur vorinstanzlichen Argumentation sei zunächst einzuwenden, dass ihm 
während seines Aufenthaltes  in Afghanistan nicht bewusst gewesen sei, 
dass es sich bei K._______ um den   (...) gehandelt habe. Wohl sei  ihm 
klar  gewesen,  dass  K._______  eine  einflussreiche  Persönlichkeit 
gewesen  sei,  seine  diesbezüglichen  Fragen  seien  aber  immer 
dahingehend beantwortet worden, dass K._______ der  (...) – ein Begriff, 
der  jedoch  für  verschiedene  höchste  Amtsinhaber,  beispielsweise  auch 
für  den  örtlichen  Polizeichef  gebraucht  werde  –  sei.  Zudem  sei 
verständlich, dass die Identitäten der in die Opiumgeschäfte verwickelten 
Personen  möglichst  verborgen  gehalten  würden.  Zudem  sei  es  für  ihn 
nicht allzu wichtig gewesen, mit wem er die Geschäfte abgewickelt habe. 
Die  Annahmen  der  Vorinstanz  seien  daher  als  blosse 
Schutzbehauptungen  zurückzuweisen.  Weiter  sei  zum  Vorhalt,  er  sei 
ohne  vorgehende  Überprüfung  seiner  Person  K._______  vorgestellt 
worden,  festzuhalten,  dass  er  durch  eine  Drittperson  mit  K._______ 
bekannt  gemacht  worden  sei,  was  er  bereits  bei  den  Anhörungen 
ausgeführt  habe.  Bei  dieser  Drittperson  habe  es  sich  um  einen 
Drogenhändler  gehandelt,  den  er  von  seiner  Tätigkeit  als  Einzelhändler 
gekannt habe. Er sei nur zu einem Treffen vorgeladen worden, weil er bei 
K._______ wegen seiner erfolgreichen Arbeit bekannt geworden sei. Es 
sei eine Vermutung der Vorinstanz, dass er eher durch Mittelsleute von 
K._______ hätte engagiert werden sollen. Vielmehr sei es in Afghanistan 
üblich, dass derartige Geschäfte persönlich abgewickelt würden, gerade 
um die  so  geschlossenen Vereinbarungen  einzuhalten.  Ferner  sei  nicht 

D­1217/2008

Seite 10

ersichtlich, was an seinen Vorbringen, wonach er sich nach seiner Flucht 
während  (...)  Monate  im  E._______  versteckt  habe,  unglaubhaft  sein 
solle,  zumal  er  überstürzt  aus  seiner  Heimat  geflohen  sei,  daher  keine 
Zeit  gehabt  habe,  seine  Weiterreise  zu  planen,  und  in  P._______  nur 
knapp einem Überfall entgangen sei. Dem Vorhalt der Unglaubhaftigkeit 
seines Vorbringens, wonach die Amerikaner von K._______ die Lieferung 
von  4,5  Tonnen Opium  verlangt  hätten,  sei  entgegenzuhalten,  dass  ein 
grosser Teil des in Afghanistan produzierten Opiums an die USA geliefert 
werde. Bezüglich des angeführten Widerspruchs hinsichtlich der Urheber, 
welche  die  Opiumfelder  zerstört  hätten,  habe  er  erst  in  der  Schweiz  in 
Erfahrung bringen können, dass es sich nicht um die eigene Regierung 
gehandelt habe. Er habe deshalb bei der ergänzenden Bundesanhörung 
seinen  aktuellen  Wissensstand  weitergegeben.  Auch  bezüglich  der 
Person,  an  welche  er  sich  nach  seinem  Gespräch  mit  K._______  im 
Anschluss  an  die  Zerstörung  der  Opiumfelder  gewendet  habe,  habe  er 
sich bereits anlässlich der ergänzenden Befragung überzeugend erklärt. 
Seine Aussage bei der kantonalen Anhörung sei ein zusammengefasster 
Bericht  der  vielen  Geschehnisse  gewesen,  bei  welchem  nur  das 
Wichtigste  wiedergegeben  worden  sei.  Es  sei  keineswegs 
widersprüchlich, dass er dies erst auf Nachfrage hin ausführlich erläutert 
habe. Bei seiner Aussage, wonach er zu Hause übernachtet habe, müsse 
es sich ferner um ein Missverständnis handeln. Jedenfalls gehe es nicht 
an,  anhand  einer  kleinen  Unstimmigkeit  seine  Glaubwürdigkeit  zu 
verneinen, zumal seine Aussagen bei den drei Anhörungen durchgehend 
äusserst detailliert gewesen seien. Weiter seien die Ausführungen zu den 
Modalitäten  des  Kaufs  der  Mohnernte  nicht  widersprüchlich.  Die 
Vereinbarungen  seien  allesamt  mündlich  abgewickelt  worden  und  es 
hätten  keine  schriftlichen  Verträge  und  Bestätigungen  bestanden. 
Lediglich  bei  Bezahlung  des Kaufpreises,  aber  auch  nur  im  Falle  eines 
nicht  vertrauenswürdigen  Bauern,  sei  eine  Art  Quittung  ausgestellt 
worden.  Er  habe  demnach  alle  vermeintlichen  Widersprüche  bereits 
anlässlich der Anhörungen aufgelöst. Zudem habe er seine Angaben nie 
anzupassen  versucht  und  seine  übrigen  Vorbringen  seien 
widerspruchsfrei  und hätten  sowohl durch ein grosses Fachwissen über 
den Drogenhandel als auch durch einen überaus grossen Detailreichtum 
überzeugt.

Ferner  würden  subjektive  Nachfluchtgründe  vorliegen,  da  er  in  der 
Schweiz zum christlichen Glauben konvertiert habe. Die Vorinstanz habe 
es  jedoch  unterlassen,  ihn  trotz  eines  von  ihm  eingereichten Artikels  in 
der  Zeitschrift  (...)  der  (...)  und  seines  am  Schluss  der  ergänzenden 

D­1217/2008

Seite 11

Anhörung  gemachten  Hinweises,  zu  seinem  christlichen  Glauben  zu 
befragen.  Damit  sei  das  Bundesamt  seiner  Untersuchungspflicht  nicht 
nachgekommen  und  habe  auch  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör 
verletzt. Zudem sei der Sachverhalt nicht vollständig erstellt worden. Die 
Verfügung  sei  folglich aufzuheben und  zwecks Erstellung des  korrekten 
Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen.

3.3. Die Vorinstanz  hielt  in  ihrer Vernehmlassung  vom 8. April  2008  an 
ihren  Erwägungen  im  angefochtenen  Entscheid  vollumfänglich  fest, 
zumal  die  Beschwerdeschrift  keine  neuen  Tatsachen  oder  Beweismittel 
enthalte,  welche  eine  Änderung  des  vorinstanzlichen  Standpunktes  zu 
bewirken  vermöchten.  Hinsichtlich  der  gerügten  unterlassenen 
Abklärungen sei festzuhalten, dass das BFM der Begründungspflicht, der 
Beschwerdeführer hingegen der Behauptungspflicht unterliege. Wenn er 
– wie  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  angegeben  –  seit  Frühling  (...) 
regelmässig  Gottesdienste  besuchen,  die  Bibel  lesen  und  zum 
christlichen  Glauben  konvertiert  sein  wolle,  dann  wäre  von  ihm  zu 
erwarten gewesen, dass er diesen Umstand dem Bundesamt bereits vor 
dem  Zeitpunkt  der  Anhörung  kundgetan  hätte,  zumal  er  heute  anführe, 
ihm drohten deshalb bei einer Rückkehr nach Afghanistan asylrelevante 
Nachteile. Dies habe er jedoch unterlassen. Bei der Konversion handle es 
sich  zudem  bekanntermassen  um  einen  tiefgründigen,  inneren 
Gesinnungswandel.  Aufgrund  der  unglaubhaften  Asylvorbringen  und  in 
Würdigung  der  eingereichten Beweismittel  sei  davon  auszugehen,  dass 
er die Konversion lediglich vorbringe, um subjektive Nachfluchtgründe zu 
konstruieren  und  sich  damit  ein  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  zu 
erwirken.

3.4.  In  seiner Replik  vom  30.  April  2008  brachte  der  Beschwerdeführer 
vor, er habe den Umstand, dass er zur Kirche gehe, bereits vor Erlass der 
angefochtenen  Verfügung  mehrmals  geltend  gemacht  und  dem  BFM 
bereits  vor  der  Bundesanhörung  einen  Artikel  der  Zeitschrift  der  (...) 
eingereicht,  in  welchem  er  auf  einer  Fotografie  abgebildet  sei.  Er  sei 
überdies  an  der  ergänzenden  Bundesanhörung  in  Begleitung  einer 
Glaubensschwester erschienen, welche man auch als solche vorgestellt 
habe. Sodann habe er während der Anhörung ausgesagt, dass er seit (...) 
Jahren  in die Kirche seiner Schwester  (eben der besagten anwesenden 
Glaubensschwester)  gehe.  Die  Befragerin  habe  es  darauf  unterlassen, 
ihn  weiter  zu  diesem  Umstand  zu  befragen.  Er  habe  bereits  vorher 
versucht,  sein  entsprechendes  Vorbringen  zu  deponieren,  sei  jedoch 
immer  auf  später  vertröstet  worden.  Damit  habe  die  Vorinstanz  ihre 

D­1217/2008

Seite 12

Untersuchungspflicht verletzt. Hätte die Vorinstanz überdies die von  ihm 
bezüglich  seines  Glaubens  gemachten  Vorbringen  tatsächlich  bis  zur 
negativen Verfügung nicht als solche erkannt, wäre es ihr freigestanden, 
nach  der  Einreichung  der  Beschwerde  beziehungsweise  der  neuen 
Beweismittel  die  Verfügung  in  Wiedererwägung  zu  ziehen  und  weitere 
Abklärungen  des  Sachverhalts  zu  treffen,  was  ebenfalls  unterlassen 
worden  sei.  Stattdessen  behaupte  die  Vorinstanz,  er  bringe  die 
Konversion  lediglich vor, um sich ein Aufenthaltsrecht  in der Schweiz zu 
erwirken, wodurch  sie  ihre Begründungspflicht  und  damit  das  rechtliche 
Gehör  verletzt  habe.  Ferner  sei  er  aus  seinem  Glauben  heraus  zum 
Christentum  konvertiert,  weshalb  er  in  Afghanistan  akut  gefährdet  sei, 
Opfer von Verfolgung zu werden.

4.  
4.1. Vorweg ist die Rüge der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes 
(Abklärungs­ und Begründungspflicht) respektive des rechtlichen Gehörs 
zu  prüfen,  da  ein  allenfalls  ungenügend  abgeklärter  Sachverhalt  eine 
materielle Behandlung verunmöglichen würde.

4.1.1.  Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu  den  allgemeinen 
Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 
Demnach  hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und 
vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen. 
Sie  muss  die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen 
beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie 
ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen  (beispielsweise  durch  die 
Einholung  eines  Gutachtens).  Dieser  Grundsatz  gilt  indes  nicht 
uneingeschränkt,  er  findet  sein  Korrelat  in  der  Mitwirkungspflicht  des 
Asylsuchenden  (vgl.  Art.  13  VwVG  und  Art.  8  AsylG).  Trotz  des 
Untersuchungsgrundsatzes  kann  sich  nämlich  die  entscheidende 
Behörde  in  der  Regel  darauf  beschränken,  die  Vorbringen  eines 
Gesuchstellers  zu  würdigen  und  die  von  ihm  angebotenen  Beweise 
abzunehmen,  ohne  weitere  Abklärungen  vornehmen  zu  müssen.  Eine 
ergänzende Untersuchung kann sich  jedoch aufdrängen, wenn aufgrund 
dieser  Vorbringen  und  Beweismittel  berechtigte  Zweifel  oder 
Unsicherheiten  bestehen,  die  voraussichtlich  nur  mit  Ermittlungen  von 
Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. EMARK 1995 Nr. 23 E. 5a S. 
222).

D­1217/2008

Seite 13

4.1.2. Aufgrund der Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 
Schluss,  dass das BFM vorliegend den Sachverhalt  vollständig  erstellte 
und zu Recht keine weitergehenden Abklärungen veranlasste. Das BFM 
ging  vorliegend  aufgrund  der  Parteiauskünfte  und  der  Aktenlage  (vgl. 
Art. 12  VwVG)  davon  aus,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  als 
erstellt gelten könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen 
seien.  So  gilt  ein  Sachverhalt  erst  dann  als  unvollständig  festgestellt, 
wenn  in  der  Begründung  des  Entscheides  ein  rechtswesentlicher 
Sachumstand  übergangen  beziehungsweise  überhaupt  nicht  beachtet 
wird  (vgl.  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern 
1983, S. 286).

Die  Vorinstanz  gelangte  nach  einer  gesamtheitlichen  Würdigung  der 
aktenkundigen Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen 
Schluss als der Beschwerdeführer, was jedenfalls weder eine Verletzung 
des  Untersuchungsgrundsatzes  noch  eine  unvollständige  Feststellung 
des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  darstellt.  Dabei  ist  hinsichtlich  der 
gerügten Verletzung der Abklärungs­ und Begründungspflicht anzuführen, 
dass  die  Vorinstanz  in  Beachtung  des  Grundsatzes  des  rechtlichen 
Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 
32  Abs. 1  VwVG)  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  tatsächlich 
hörte,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüfte  und  in  der  Entscheidfindung 
berücksichtigte, was sich entsprechend in den betreffenden Erwägungen 
niederschlug. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, er habe bereits vor 
der Bundesanhörung einen Artikel  der Zeitschrift  der  (...)  eingereicht,  in 
welchem  er  auf  einer  Fotografie  abgebildet  sei,  kann  aus  dessen 
Nichtberücksichtigung  keine  ungenügende  Sachverhaltsabklärung  durch 
die  Vorinstanz  erkannt  werden.  So  wird  im  fraglichen  Artikel  über  eine 
Veranstaltung  in  (...)  im  Frühling  (...)  aus  Anlass  der  bevorstehenden 
Abstimmung  zum  revidierten  Ausländer­  und  Asylrecht  berichtet.  Der 
Beschwerdeführer nahm zwar an dieser Veranstaltung teil, was jedoch in 
keinerlei  Zusammenhang  mit  seinem  in  der  Schweiz  eingeleiteten 
Asylverfahren  oder  darin  geäusserten  Vorbringen,  insbesondere  in 
religiöser Hinsicht, gebracht werden kann. Auch der Umstand, dass er an 
der  ergänzenden  Bundesanhörung  in  Begleitung  einer 
Glaubensschwester erschien und während der Anhörung angab, seit (...) 
Jahren  in die Kirche seiner an der Anhörung anwesenden Schwester zu 
gehen,  ohne  dass  seitens  der  Vorinstanz  diesbezüglich  in  der  Folge 
weitere Fragen gestellt wurden, kann dem Bundesamt ebenfalls nicht als 
Unterlassung  und  damit  einhergehend  als  eine  ungenügende 

D­1217/2008

Seite 14

Sachverhaltsabklärung  angelastet  werden,  sondern  muss  sich  der 
Beschwerdeführer selber zu seinen Ungunsten anrechnen lassen. Liefert 
ein Asylgesuchsteller im Rahmen der durchgeführten Befragungen – wie 
vorliegend  –  lediglich  substanzlose  Sachverhaltselemente,  so  ist  die 
Vorinstanz  auch  im  Rahmen  des  eingeschränkten 
Untersuchungsgrundsatzes  nicht  verpflichtet,  diese 
Sachverhaltselemente noch weiter zu vertiefen  (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c 
AsylG;  BVGE  2009/50  E.  10.2  S.  734  f.).  Vorliegend  ist  insbesondere 
erkennbar,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  ohne  grossen  Aufwand 
möglich und zumutbar gewesen wäre, weitere Sachverhaltselemente zu 
seinem Glaubenswechsel anzugeben, zumal er erst ganz am Schluss der 
ergänzenden Anhörung  beim BFM  –  quasi  als Randbemerkung  –  noch 
anfügte,  seit  (...)  Jahren  in  die  Kirche  seiner  Schwester  zu  gehen  (vgl. 
act. A20/20, S.  18 unten),  ohne dass er  in  irgendeiner Weise erkennen 
liess, dass sich daraus für  ihn  in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht Probleme 
ergeben  könnten  oder  er  diesbezügliche  Befürchtungen  hegen  würde. 
Gleich  anschliessend wurde  der  Beschwerdeführer  gefragt,  ob  es  noch 
weitere  Gründe  gebe,  die  allenfalls  gegen  seine  Rückschaffung  in  den 
Heimatstaat  sprechen  würden,  worauf  er  antwortete:  "Ich  habe  alles 
gesagt,  was  zu  sagen  war."  (vgl.  act.  A20/20,  S.  19  oben).  Sodann 
bestätigte  er  am  Schluss  der  erwähnten  Anhörung  beim  BFM  die 
Vollständigkeit  und  Korrektheit  seiner  Vorbringen  durch  seine 
Unterschrift.  Zudem hätte  der Beschwerdeführer  nach  der  ergänzenden 
Anhörung  vom  22.  November  2007  bis  zum  Erlass  des  negativen 
Asylentscheides am 24. Januar 2008 noch über zwei Monate Zeit gehabt, 
allfällige weitere Vorbringen oder Beweismittel – seinen Glaubenswechsel 
betreffend – dem BFM gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG unaufgefordert 
nachzureichen,  zumal  es  ihm  offensichtlich möglich war,  vor  und  sogar 
nach  der  ergänzenden  Bundesanhörung  der  Vorinstanz  weitere 
Unterlagen zu seinem Asylgesuch zukommen zu  lassen, ohne  indessen 
jemals  seinen  (beabsichtigten)  Glaubenswechsel  auch  nur  anzudeuten. 
Er  liess  die  Frist  bis  zum  Erlass  des  angefochtenen  Asylentscheides 
ungenutzt  verstreichen.  Alleine  der  Umstand,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer  bei  der  ergänzenden  Anhörung  von  einer  Person 
seiner  Wahl  begleiten  liess  –  auch  wenn  es  sich  bei  dieser  um  eine 
Glaubensschwester  gehandelt  habe  –  vermag  für  die  Vorinstanz  kein 
Versäumnis  zu  begründen,  wenn  der  Beschwerdeführer  nicht  von  sich 
aus auf allfällige Zusammenhänge zu seinen Asylvorbringen hinweist und 
das BFM zu dieser  in  rechtlicher Hinsicht am Verfahren nicht beteiligten 
Begleitperson  keine  Fragen  stellt.  Eine  Verletzung  der 
Begründungspflicht  ist  im  Übrigen  nicht  zu  erkennen,  zumal  es  dem 

D­1217/2008

Seite 15

Beschwerdeführer  möglich  war,  sich  ein  Bild  über  die  Tragweite  des 
BFM­Entscheides zu machen und diesen sachgerecht anzufechten (BGE 
129  I 232 E. 3.2).  In diesem Zusammenhang  ist  festzuhalten, dass sich 
die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen 
Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  muss, 
sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  darf 
(BGE 126 I 97 E. 2b).

4.1.3.  Die  Rügen  der  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes 
(Abklärungs­  und  Begründungspflicht)  sowie  des  rechtlichen  Gehörs 
erweisen sich demnach vorliegend als unbegründet, weshalb der Antrag, 
es sei der angefochtene Entscheid an die Vorinstanz zur Erstellung des 
rechtserheblichen Sachverhalts zurückzuweisen, abzuweisen ist.

4.2.  In  materieller  Hinsicht  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  nach 
einer  Beurteilung  sämtlicher  Sachverhaltselemente  zum  Schluss,  dass 
die Vorbringen, welche den Beschwerdeführer zur Flucht aus Afghanistan 
bewogen  haben  sollen,  insgesamt  weder  als  glaubhaft  noch  als 
asylrelevant erachtet werden können. In der Beschwerdeschrift sowie den 
weiteren  Eingaben  auf  Beschwerdeebene  werden  keine  Argumente 
vorgebracht,  welche  an  den  Schlussfolgerungen  im  vorinstanzlichen 
Entscheid, wonach der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 
erfülle, Zweifel aufkommen lassen.

4.2.1.  Zunächst  vermögen  die  Entgegnungen  des  Beschwerdeführers 
zum Vorhalt, es sei  realitätsfremd, dass er nicht gewusst habe, es habe 
sich  bei  K._______  um  den  (...)  gehandelt,  nicht  zu  überzeugen. 
Zunächst kann nicht geglaubt haben, dass es für den Beschwerdeführer 
nicht  allzu  wichtig  gewesen  sei,  mit  wem  er  die  Geschäfte  abgewickelt 
habe, zumal er für K._______ während Jahren gearbeitet haben und von 
diesem  in  finanzieller  Hinsicht  und  punkto  Sicherheit  für  seine  eigene 
Person  völlig  von  diesem  abhängig  gewesen  sein  will.  Dass  dem 
Beschwerdeführer  lediglich  bewusst  gewesen  sei,  wonach  es  sich  bei 
K._______  um  eine  einflussreiche  Persönlichkeit  gehandelt  habe  und 
dieser – als  (...) – irgendein hoher Amtsinhaber hätte sein können, ist als 
überwiegend  unwahrscheinlich  zu  erachten.  So  soll  der 
Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  engere  Kontakte  mit 
K._______  gepflegt  haben  und  in  diesem  Zusammenhang  bei  drei 
Einladungen von K._______ zugegen gewesen sei, wobei ihm K._______ 
die anwesenden hohen Staatsbeamten vorgestellt und ihm gesagt habe, 
er  solle  sich  bei  Problemen  in  deren  Gebieten  ruhig  an  diese  wenden 

D­1217/2008

Seite 16

(vgl.  act.  A20/20,  S. 10).  Ein  solches  Verhalten  von  K._______  und 
dessen  Gastgeberrolle  bei  den  erwähnten  Einladungen  lässt  in 
augenfälliger  Weise  den  Schluss  zu,  dass  dieser  eine  noch  höhere 
Position innegehabt haben muss als die anwesenden Staatsbeamten.

4.2.2. Weiter  lässt  sich der als  zutreffend zu erachtende vorinstanzliche 
Vorhalt,  wonach  das  Zusammentreffen  des  Beschwerdeführers  mit 
K._______  in  einem Teehaus  im Bazar  von C._______  ohne  vorherige 
Überprüfung  seiner  Person  als  realitätsfern  einzustufen  ist,  durch  seine 
Entgegnungen  nicht  plausibel  auflösen.  Wohl  gab  er  im  Rahmen  der 
ergänzenden Anhörung an,  dass  ihm K._______ durch eine Drittperson 
vorgestellt  worden  sei,  bei  welcher  es  sich  um  einen  ihm  bekannten 
Drogenhändler  gehandelt  habe  (vgl.  act.  A20/20,  S.  9).  Bei  dieser 
Drittperson  handelt  es  sich  diesen  Aussagen  zufolge  offenbar  um  eine 
Bekanntschaft  des  Beschwerdeführers  und  nicht  um  einen  –  in  den 
Augen  von  K._______  –  vertrauenswürdigen  Mitarbeiter  desselben, 
weshalb  nicht  davon  ausgegangen  werden  kann,  die  Person  des 
Beschwerdeführers  sei  in  irgendeiner  Form  einer  Überprüfung 
unterzogen  worden.  So  gab  er  anlässlich  der  ergänzenden  Anhörung 
denn  auch  bloss  an,  seine  Tätigkeit  sei  den  Händlern  vermutlich 
aufgefallen und er nehme an, diese hätten K._______ von ihm, der in der 
Branche  tätig  sei,  erzählt  (vgl.  act.  A20/20,  S.  8).  In  diesem 
Zusammenhang ist – entgegen der in der Beschwerdeschrift geäusserten 
Ansicht  –  im  Ergebnis  der  Einschätzung  der  Vorinstanz  beizupflichten, 
wonach  der  Beschwerdeführer  –  angesichts  der  hohen  Stellung  von 
K._______ – durch einen Mittelsmann von K._______ zunächst überprüft 
und,  falls  nicht  bereits  mit  diesem  eine  Vereinbarung  getroffen  worden 
wäre,  dieser  in  der  Folge  zwischen  K._______  und  ihm  einen  Kontakt 
hergestellt hätte.

4.2.3.  Ferner  kann  nicht  geglaubt  werden,  dass  K._______  in  der 
geschilderten Weise  auf  die  Nachricht  des  Beschwerdeführers  von  der 
Vernichtung  der  Mohnernte  reagiert  und  danach  gedroht  habe,  gegen 
den  Beschwerdeführer  vorzugehen,  wenn  er  ihm  nicht  das  bereits 
investierte  Geld  zurückerstatte  oder  Ersatzware  beschaffe.  Aus  dem 
Protokoll  der  ergänzenden  Anhörung  ist  nämlich  zu  ersehen,  dass 
anlässlich  der  dritten  Einladung  bei  K._______  die  Zerstörung 
beziehungsweise  Vergiftung  von  landwirtschaftlicher  Fläche  respektive 
von  Mohnfeldern  in  der  Provinz  Q._______  das  vorherrschende 
Gesprächsthema  gewesen  sei  und  sich  K._______  mit  ihm  darüber 
intensiv  unterhalten  habe  (vgl.  act.  A20/20,  S. 11).  K._______  dürfte 

D­1217/2008

Seite 17

daher  bewusst  gewesen  sein,  dass  zukünftig  bei  allfälligen  weiteren 
Vergiftungsaktionen  auch  von  ihm  aufgekaufte  Ernten  betroffen  sein 
könnten.  Zudem  ist  in  keiner Weise  einsichtig, weshalb K._______  sich 
sein Geld lediglich über den Beschwerdeführer hätte zurückholen sollen, 
zumal  er  aufgrund  seiner angeführten hohen Position problemlos  in der 
Lage  gewesen  müsste,  sich  das  bereits  bezahlte  Geld  direkt  bei  den 
verschiedenen Kommandanten und Bauern zurückzuholen. Aufgrund des 
Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  die  jeweils  aktuell  benötigten 
Gelder  in einer Wechselstube bezog,  in welcher über die ausgegebenen 
Gelder  Buch  geführt  worden  sein  muss,  ansonsten  er  den  genauen 
Betrag  der  K._______  geschuldeten  Summe  anlässlich  der  Befragung 
nicht gekannt hätte (vgl. act. A9/24, S. 10 und 13; A20/20, S. 6) und er für 
seine  Geldzahlungen  –  zumindest  gemäss  den  Ausführungen  in  der 
ergänzenden  Anhörung  –  schriftliche  Bestätigungen  erhalten  habe,  die 
jeweils in der Kommandantur deponiert worden seien (vgl. act. A20/20, S. 
18),  wäre  es  für  K._______  ein  Leichtes  gewesen,  den  Verlauf  des 
bereits bezahlten Geldes zurückzuverfolgen. Der vom Beschwerdeführer 
anlässlich  der  kantonalen  Anhörung  gemachte  Einwand,  wonach 
K._______  weder  die  Kommandanten  noch  die  Bauern  gekannt  habe 
(vgl.  act.  A9/24,  S. 15),  ist  angesichts  dessen,  dass  der 
Beschwerdeführer während Jahren mit den Betroffenen Handel betrieben 
habe  und  K._______  zur  Ermittlung  dieser  Geschäftspartner  seine 
Dienste in Anspruch hätten nehmen können, als unbehelflich zu erachten.

4.2.4.  Überdies  widersprach  sich  der  Beschwerdeführer  in  der 
Chronologie seiner Händlertätigkeit. So führte er im Kanton noch an, das 
Opium werde anfangs Frühling angebaut und  im Herbst werde geerntet. 
Die  Bauern  würden  ihre  Ware  respektive  Ernte  aber  erst  im  Frühling 
verkaufen,  um  mehr  Geld  zu  verdienen  (vgl.  act.  A9/24,  S. 11). 
Demgegenüber  brachte  er  beim  BFM  vor,  seine  Aufgabe  habe  darin 
bestanden,  während  der  Erntezeit  –  somit  also  im  Herbst  –  zu  den 
einzelnen Bauern zu gehen und ihre Ernte zu kaufen. In der Folge habe 
er in den jeweiligen Kommandanturen die gekauften Mengen des Opiums 
gelagert,  welches  am  Ende  der  Erntezeit  von  einem  Fahrzeug  von 
K._______  aufgesammelt  und  abtransportiert  worden  sei  (vgl.  act. 
A20/20,  S.  5).  Im  späteren  Verlauf  dieser  BFM­Anhörung  fügte  er  im 
Widerspruch  dazu  an,  er  habe  die  Ernte  der  Bauern  in D._______,  die 
Düngemittel  sowie  die  Bestechungsgelder  für  die  Kommandanten  im 
Voraus  gekauft  beziehungsweise  bezahlt,  weshalb  er  im  Zeitpunkt  der 
Vergiftung  der Ernte  grosse Schulden  bei K._______  gehabt  habe  (vgl. 
act. A20/20, S. 12 f.).

D­1217/2008

Seite 18

4.2.5. Ferner vermag die Erklärung des Beschwerdeführers zum Vorhalt, 
seine  Aussage  bezüglich  der  Person,  an  welche  er  sich  nach  seinem 
Gespräch  mit  K._______  im  Anschluss  an  die  Zerstörung  der 
Opiumfelder  gewendet  habe,  sei  widersprüchlich  ausgefallen,  nicht  zu 
überzeugen.  So  lässt  sich  –  entgegen  der  in  der  Beschwerdeschrift 
geäusserten Ansicht – seine Aussage bei der kantonalen Anhörung nicht 
als  zusammengefasster  Bericht  der  vielen  Geschehnisse,  bei  welchem 
nur das Wichtigste wiedergegeben worden sei, interpretieren. Zum einen 
brachte der Beschwerdeführer sowohl in der Erstbefragung im I._______ 
als auch beim Kanton übereinstimmend vor, er habe sich an L._______ 
gewendet, der Sicherheitskommandant  ihres Gebietes gewesen sei (vgl. 
act.  A1/9,  S.  4;  A9/24,  S.  10),  ohne  jemals  zu  erwähnen,  dass  er  sich 
zusammen mit seinem Neffen und mit L._______ zu O._______ begeben 
habe.  Zum  Anderen  bezeichnete  er  anlässlich  der  ergänzenden 
Anhörung ebenso O._______ als Sicherheitschef, zu dem er zusammen 
mit seinem Neffen gegangen und bei welchem auch der Qodusi gewesen 
sei  (vgl.  act.  A20/20,  S.  12),  ohne  die  Person  von  L._______  oder  die 
Funktion seines Neffen an irgendeinem Punkt der Anhörung anzugeben. 
Erst  auf  Vorhalt  der  Befragerin  führte  er  an,  sein  Neffe  sei  der 
Stellvertreter von L._______ und er sei zusammen mit diesen beiden zu 
O._______  gegangen,  um  die  Probleme  wegen  K._______  zu  erörtern 
(vgl. act. A20/20, S. 13 unten).

4.2.6. Sodann ist unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG (vgl. auch Bstn. 
D.  und  E.  oben)  Folgendes  festzuhalten:  Den  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  sind  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  dass  sich  die 
gegen  ihn  gerichteten  Drohungen  und  Forderungen  seitens  von 
K._______ und anderen Personen auf  einen  in Art.  3 AsylG genannten 
Grund  (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit  zu einer bestimmten 
sozialen  Gruppe,  politische  Anschauungen)  stützen.  Der 
Beschwerdeführer  macht  ausschliesslich  Probleme  im  Zusammenhang 
mit  den  angeführten  Drogengeschäften  geltend  (Unmöglichkeit  der 
Rückzahlung  bereits  investierter  (Bestechungs­)Gelder; 
untergeschobenes  kriminelles  Verhalten  als  Racheakte:  vgl.  act.  A9/24, 
S.  10  ff.;  A20/20,  S.  15).  In  der Eingabe  vom 17. März  2008 wird  zwar 
geltend gemacht, K._______ setze alles daran zu verhindern, dass seine 
Beteiligung  am  Opiumhandel  bekannt  werde.  Die  Verfolgung  des 
Beschwerdeführers  wegen  dessen  Abkehr  vom  Drogenhandel,  des 
Verrats der beteiligten staatlichen Akteure und der dadurch bestehenden 
politischen  Verunglimpfung  sei  klar  politisch  motiviert.  Ebenfalls  aus 
politischen  Gründen  werde  ihm  ein  Schutz  durch  den  Staat  verwehrt, 

D­1217/2008

Seite 19

zumal es sich bei K._______ um den   (...) handle. Diese Einwendungen 
sind in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen indessen unbehelflich, 
zumal der Beschwerdeführer sich nicht politisch betätigte (vgl. A1/9, S. 5), 
im  vorinstanzlichen  Verfahren  nie  politische  Gründe  für  die  Aufgabe 
seiner  Tätigkeit  als Händler  geltend machte  und  auch  nicht  angab,  aus 
politischen  Gründen  werde  ihm  der  notwendige  Schutz  verweigert.  Der 
Beschwerdeführer  bringt  daher  im  Zusammenhang  mit  seiner  Tätigkeit 
als Opiumhändler  keine Gründe  vor,  die  im Sinne  von Art.  3  AsylG  als 
relevant erachtet werden könnten.

4.3.  Aufgrund  der  oben  dargelegten  Ungereimtheiten  in  wesentlichen 
Punkten  des  Sachverhaltsvortrags  gelingt  es  dem  Beschwerdeführer 
nicht,  hinreichend  überzeugende  glaubhafte  Indizien  vorzubringen,  die 
auf  eine  Vorverfolgung  schliessen  lassen  könnten.  Überdies  sind  seine 
Vorbringen  asylrechtlich  unbeachtlich.  Er  erfüllt  diesbezüglich  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Asylgesuch zu Recht abgelehnt 
wurde.

4.4. Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer mit Verweis auf 
seine  Hinwendung  zum  christlichen  Glauben  und  seine  Konversion 
subjektive  Nachfluchtgründe  geltend.  Zum  Beleg  dieser  Vorbringen 
reichte er diverse Beweismittel (Auflistung Beweismittel) zu den Akten. Es 
stellt sich demnach die Frage, ob der Beschwerdeführer aufgrund seiner 
Konversion  zum  Christentum  in  seiner  Heimat  flüchtlingsrechtlich 
relevante Verfolgung zu befürchten hätte.

4.4.1. Weniger als 1% der Bevölkerung Afghanistans sind Christen (84% 
sind  sunnitische  und  15%  sind  schiitische  Muslime).  Bei  afghanischen 
Christen handelt es sich im Wesentlichen um vom Islam zum Christentum 
konvertierte  Personen.  Für  sie  gibt  es  keine  Möglichkeit  der  offenen 
Religionsausübung  ausserhalb  des  häuslichen  Rahmens.  Auch 
ausländische  Christen  üben  ihre  Religion  grundsätzlich  zurückhaltend 
aus. Afghanen, die verdächtigt oder beschuldigt werden, vom Islam zum 
Christentum  übergetreten  zu  sein,  können  einem  Verfolgungsrisiko 
ausgesetzt  sein.  Das  Risiko  geht  dabei  von  Familien­  und 
Sippenmitgliedern wie auch von Angehörigen der weiteren Gemeinschaft 
aus.  Auch  Übergriffe  von  staatlicher  Seite  gegen  Konvertiten  sind 
denkbar. In Kabul und im ganzen Land wird heute praktisch wieder nach 
der  Scharia  geurteilt,  nach  der  „Abtrünnige  vom  Islam“  streng  bestraft 
werden.  Die  Verhältnisse  in  den  Provinzen  sind  nicht  anders.  Je  nach 
Interpretation der Scharia können Konvertiten auch mit dem Tode bestraft 

D­1217/2008

Seite 20

werden (vgl. zum Ganzen: UNHCR Eligibility Guidelines for Assessing the 
International Protection Needs of Asylum­Seekers  from Afghanistan, 17. 
Dezember  2010,  S.  18  ff.;  CORINNE  TROXLER  GULZAR  [Schweizerische 
Flüchtlingshilfe, SFH], Afghanistan: Update, Die aktuelle Sicherheitslage, 
23. August 2011, S. 15; US Department of State,  International Religious 
Freedom Report 2010 – Afghanistan, 13. September 2011).

Trotz dieser Feststellungen kann nicht von einer allgemeinen, alleine an 
das Bekenntnis  zum Christentum anknüpfenden Verfolgungssituation  im 
Sinne einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden. Die Anforderungen 
an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind, gemäss einer auch für 
das  Bundesverwaltungsgericht  nach wie  vor  geltenden Rechtsprechung 
der  ARK,  sehr  hoch.  Alleine  die  Zugehörigkeit  zu  einem  Kollektiv, 
welches  in  seinen  spezifischen  Eigenschaften  Ziel  einer 
Verfolgungsmotivation  ist,  reicht  in  der  Regel  nicht,  um  eine 
Kollektivverfolgung  zu  begründen.  Vielmehr  kommen  auch  bei  geltend 
gemachter  Verfolgung  aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem 
bestimmten  Kollektiv  die  Kriterien  der  ernsthaften  Nachteile  oder  der 
begründeten  Furcht  gemäss  Art.  3  AsylG  zur  Anwendung.  Solange  die 
Übergriffe gegen das Kollektiv nicht derart intensiv und häufig sind, dass 
jedes Gruppenmitglied mit guten Gründen befürchten muss, getroffen zu 
werden, müssen besondere Umstände vorliegen, damit bereits aufgrund 
der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Kollektiv  die 
Ernsthaftigkeit  der  Nachteile  oder  Begründetheit  der  Furcht  als  erfüllt 
betrachtet  werden  können  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  1  E. 4.3,  S.  3  f.,  mit 
weiteren  Hinweisen).  Solche  Umstände  liegen  zur  Zeit  in  Afghanistan 
nicht  vor.  Namentlich  geht  auch  das  UNHCR  nicht  von  einer 
Kollektivverfolgung  aus,  sondern  betont  die  Notwendigkeit  der 
individuellen Prüfung in jedem Fall, ob konkret eine Gefährdung aufgrund 
der  Konversion  bestehe  (vgl.  dazu  insbesondere  UNHCR  Eligibility 
Guidelines  for  Assessing  the  International  Protection  Needs  of  Asylum­
Seekers from Afghanistan, Juli 2009, S. 18).

4.4.2. Vorliegend  ist einerseits  festzustellen, dass der Beschwerdeführer 
im  Verlaufe  des  Asylverfahrens  zwar  Unterlagen  zu  seiner  erst  in  der 
Schweiz durchgeführten Konversion zu den Akten reichte, jedoch ausser 
der  generellen  Aussage,  wegen  derselben  bei  einer  Rückkehr  an  Leib 
und Leben gefährdet zu sein, keinerlei Ausführungen zu einer allfälligen, 
individuell  drohenden  Gefährdung  aufgrund  seiner  Konversion  zum 
Christentum machte. Insbesondere wird in keiner Art aufgezeigt, dass die 
Konversion überhaupt jemandem in Afghanistan bekannt geworden wäre. 

D­1217/2008

Seite 21

Weshalb  gerade  er  individuelle  und  gezielte  Übergriffe  von  staatlicher 
Seite gewärtigen müsste, wird nicht hinlänglich deutlich aufgezeigt.

Bei  dieser  Sachlage  braucht  auf  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der 
angeführten  Konversion  und  die  diesbezüglich  eingereichten – 
überwiegend von der gleichen Stelle ausgestellten – Bestätigungen,  die 
Aussagen  sowohl  für  als  auch  gegen  die  behauptete  Hinwendung  zum 
christlichen Glauben  enthalten,  nicht  weiter  eingegangen  zu werden.  In 
diesem  Zusammenhang  sei  immerhin  in  grundsätzlicher  Hinsicht 
festgehalten,  dass  es  sich  bei  den  religiösen  Überlegungen  eines 
Menschen  um  innere,  nicht  objektiv  beschreibbare  Vorgänge  handelt, 
weshalb  ein  durch  diverse  Bestätigungen  angeführtes  und 
wahrgenommenes Interesse an der Bibel und am Christentum auch ohne 
weiteres vorgespielt sein kann.

4.4.3.  Auch  ist  hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  eingereichten 
Beweismittel,  so  insbesondere  bezüglich  der  von  ihm  verfassten 
Internetartikel  betreffend  die  Problematik  des  Drogenhandels  und  der 
Mafia in Afghanistan sowie bezüglich einer Kritik an der Vorgehensweise 
der  Regierung  von  Staatspräsident  Hamid  Karzai  festzustellen,  dass 
angesichts  einer  in  vielen  Ländern  umfangreichen 
Medienberichterstattung  zu  den  fraglichen  Themen  –  nicht  zuletzt  auch 
gerade  im  Internet  –  das  als  Massenmedium  von  Millionen  Menschen 
benützt  wird,  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  Beschwerdeführer  habe 
deswegen – falls diese Artikel den afghanischen Behörden überhaupt zur 
Kenntnis gelangten – subjektive Nachfluchtgründe verwirklicht und sei bei 
einer Rückkehr einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt.

4.5.  Zusammenfassend  ist  nach  diesen  Ausführungen  davon 
auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht 
erfüllt,  weshalb  es  sich  erübrigt,  auf  die  weiteren  Vorbringen  in  den 
Eingaben  auf  Beschwerdeebene  näher  einzugehen,  da  sie  an  obiger 
Einschätzung nichts zu ändern vermögen.

5.  
5.1. 
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­1217/2008

Seite 22

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 
510,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

6.2.  Die  genannten  drei  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den 
Wegweisungsvollzug  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit) 
sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der 
Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit 
der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).

6.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.5 S. 748, 
BVGE 2009/41 E. 7.1 S. 576 f.).

6.3.1.  Für  die  Beurteilung  der  allgemeinen  Lage  in  Afghanistan  wird 
zunächst  auf  das  zur  Publikation  vorgesehene  Länderurteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011 
verwiesen. Darin kommt das Gericht zum Schluss, dass in weiten Teilen 
von  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in  den  Grossstädten  –  eine  derart 
schlechte Sicherheitslage und derart schwierige humanitäre Bedingungen 
bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 
Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei 
die Situation  in  der Hauptstadt Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des 
Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlauf  des 
vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre 

D­1217/2008

Seite 23

Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger 
dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  die  Hauptstadt 
unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert  werden.  Solche  Umstände 
könnten grundsätzlich namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim 
Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Allerdings 
müssten zudem die bereits in EMARK 2003 Nr. 10 formulierten strengen 
Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft werden. Unabdingbar 
sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die 
Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des  Rückkehrers  als  tragfähig 
erweise. Denn ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte würden 
die schwierigen Lebensverhältnisse auch in der Stadt Kabul unweigerlich 
zu  einer  existenziellen  beziehungsweise  lebensbedrohlichen  Situation 
führen.

6.3.2. Der Beschwerdeführer stammt nicht aus einer Grossstadt, sondern 
aus  B._______,  welches  im  Bezirk  C._______  der  Provinz  D._______ 
liegt.  Ein  Wegweisungsvollzug  dorthin  ist  gemäss  den  vorstehenden 
Ausführungen unzumutbar.

6.3.3.  In  einem  nächsten  Schritt  zu  prüfen  bleibt  daher,  ob  es  dem 
Beschwerdeführer  zumutbar  wäre,  sich  im  Sinne  einer 
Aufenthaltsalternative  in  einer  Grossstadt,  zum  Beispiel  Kabul, 
niederzulassen.  Vorliegend  bestehen  den  Akten  zufolge  diesbezüglich 
aber  keinerlei  Anknüpfungspunkte,  um  einen  Wegweisungsvollzug 
dorthin als zumutbar einzustufen.

6.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  nach  Afghanistan  für  den 
Beschwerdeführer zur Zeit nicht zumutbar ist. 

6.5. Hinsichtlich der Person des Beschwerdeführers  ist weiter zu prüfen, 
ob Vorbehalte im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG vorliegen, welche – selbst 
bei  Bejahung  einer  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  –  zur 
Nichtgewährung einer vorläufigen Aufnahme führen würden.

6.6. Die vorläufige Aufnahme nach den Abs. 2 und 4 von Art. 83 AuG wird 
nicht  verfügt,  wenn  die  weg­  oder  ausgewiesene  Person  zu  einer 
längerfristigen  Freiheitsstrafe  im  In­  oder  Ausland  verurteilt  wurde  oder 
wenn  gegen  sie  eine  strafrechtliche  Massnahme  im  Sinne  von  Art.  64 
oder 61 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 
(StGB, SR 311.0) angeordnet wurde, sie erheblich oder wiederholt gegen 

D­1217/2008

Seite 24

die  öffentliche Sicherheit  und Ordnung  in  der Schweiz  oder  im Ausland 
verstossen  hat  oder  diese  gefährdet  oder  die  innere  oder  die  äussere 
Sicherheit gefährdet oder die Unmöglichkeit des Vollzugs der Weg­ oder 
Ausweisung  durch  ihr  Verhalten  verursacht  hat.  Gemäss  der  am 
vormaligen Art. 14a Abs. 6 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über 
Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121) 
entwickelten  und  heute  noch  geltenden  Praxis  setzt  die  Anwendung 
dieser  Ausschlussklausel  eine  Abwägung  zwischen  den  Interessen  des 
Ausländers am Verbleib  in der Schweiz und denjenigen der Schweiz an 
seiner Wegweisung voraus und schränkt dabei das Interesse des Staates 
auf den Schutz vor Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung 
oder deren schwerwiegende Verletzung ein, wobei die Ausschlussklausel 
mit  Zurückhaltung  und  insbesondere  unter  Beachtung  des 
Verhältnismässigkeitsprinzips anzuwenden ist. Es genügt nicht, wenn die 
kriminellen Handlungen der  betreffenden Person den Schluss  zulassen, 
dass  diese  nicht  gewillt  oder  nicht  fähig  ist,  sich  an  die  elementaren 
gesellschaftlichen  Regeln  des  Zusammenlebens  zu  halten.  Vielmehr 
müssen  diese  Handlungen  eine  schwerwiegende  Gefährdung  oder 
Verletzung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  darstellen.  Die 
Verurteilung zu einer bedingten Freiheitsstrafe lässt beispielsweise in der 
Regel  nicht  auf  eine  solche  schliessen,  jedoch  kann  deren  Strafmass 
oder der Umstand, dass durch das begangene Delikt besonders wertvolle 
Rechtsgüter  betroffen  sind,  zum  gegenteiligen  Schluss  führen.  Bei  der 
Interessenabwägung  ist  der  angedrohte  Strafrahmen  in  Bezug  zur 
verhängten Strafe zu setzen. Auch die wiederholte Deliktsbegehung kann 
trotz  bedingt  ausgesprochener  Freiheitsstrafe  Anhaltspunkte  für  die 
Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  geben,  stellt  eine 
solche  doch  die  vermutete  günstige  Prognose  erheblich  in  Frage.  Des 
weiteren  kann  auch  das  Vorleben  des  Beschwerdeführers  bei  der 
Interessenabwägung mit  berücksichtigt  werden  (vgl.  BVGE  2007/32 mit 
weiteren Hinweisen).

6.6.1. Was einen möglichen Verstoss gegen die öffentliche Ordnung und 
Sicherheit  oder  eine  Gefährdung  derselben  im  Ausland  betrifft,  so  fällt 
diesbezüglich  die  vom  Beschwerdeführer  angeführte  Tätigkeit  als 
Drogenhändler  in  Afghanistan  in  Betracht.  Wie  oben  in  Ziffer  4.2 
festgehalten,  konnte  er  eine  solche  Tätigkeit  jedoch  nicht  glaubhaft 
machen,  weshalb  nicht  von  einem  dementsprechenden  Verstoss  im 
Rahmen von Art. 83 Abs. 7 AuG auszugehen ist.

D­1217/2008

Seite 25

6.6.2.  Hinsichtlich  der  Verhältnisse  in  der  Schweiz  wurde  den  Akten 
zufolge  aufgrund  einer  Anzeige  der  (...)  vom  (...)  gegen  den 
Beschwerdeführer  wegen  (...)  ermittelt,  das  Verfahren  jedoch  durch 
Schlussverfügung  des  (...)  eingestellt.  Gemäss  Anzeigerapport  der  (...) 
vom  (...)  wurde  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  einer 
Auseinandersetzung zwischen Asylbewerbern in (...) wegen (...) als Opfer 
befragt. Weiter wurde der Beschwerdeführer am (...) durch (...) wegen (...) 
beanzeigt.

6.6.3.  Angesichts  der  in  Frage  stehenden  Straftatbestände  und  des 
Umstandes,  dass  weder  Verurteilungen  des  Beschwerdeführers  noch 
weitere Anzeigen seit dem Jahre  (...) aktenkundig sind, kann vorliegend 
im  Lichte  der  oben  skizzierten  diesbezüglichen  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  nicht  von  einer  schwerwiegenden 
Gefährdung oder Verletzung der  öffentlichen Sicherheit  und Ordnung  in 
der Schweiz gesprochen werden. Auch  ist eine solche Gefährdung oder 
Verletzung  der  öffentlichen Sicherheit  und Ordnung  im Ausland  in  casu 
nicht  ersichtlich,  da  die  diesbezüglich  relevanten  Vorbringen  als  nicht 
glaubhaft zu erachten sind.

6.7.  Aufgrund  des  Resultates  dieser  Interessenabwägung  ist  demnach 
zusammenfassend  festzustellen,  dass  die  Anwendung  der 
Ausschlussklausel von Art. 83 Abs. 7 AuG in casu nicht  in Betracht fällt. 
Demnach überwiegt das öffentliche Interesse der Schweiz am Vollzug der 
Wegweisung das private  Interesse des Beschwerdeführers,  sich auf die 
Wegweisungsschranken von Art. 83 Abs. 2 und 4 AuG zu berufen, nicht. 
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des Bundesamtes vom 
24. Januar  2008  sind  somit  aufzuheben  und  das  BFM  ist  anzuweisen, 
den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft,  des  Asyls  und  der 
Wegweisung  als  solche  betrifft,  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und 
angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  insoweit 
abzuweisen. In Bezug auf den Wegweisungsvollzug ist sie gutzuheissen.

8.  
8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens – zufolge Unterliegens im Asyl 
und  Wegweisungspunkt  –  sind  dem  Beschwerdeführer  die  hälftigen 

D­1217/2008

Seite 26

Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 300.– aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 
und  5 VwVG; Art.  1­3  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die 
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 
SR  173.320.2]  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG)  und  mit  dem  am 
13. März 2008 geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.– zu verrechnen. 
Der  Saldobetrag  von  Fr. 300.–  ist  dem  Beschwerdeführer 
zurückzuerstatten.

8.2.  Da  der  vertretene  Beschwerdeführer  teilweise  –  hinsichtlich  der 
Frage  des  Wegweisungsvollzuges  –  mit  seiner  Beschwerde 
durchgedrungen  ist,  ist  ihm  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten  eine  um  die  Hälfte  reduzierte 
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. 
VGKE). Die Rechtsvertreterin  reichte mit Eingabe vom 18. August 2009 
eine  Kostennote  gleichen  Datums  zu  den  Akten.  Darin  wird  ein 
Zeitaufwand  von  17,95  Stunden  à  Fr.  190.–,  total  (inkl.  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer)  Fr. 3'724.80  ausgewiesen,  was  angemessen  erscheint. 
Zudem ist zu berücksichtigen, dass nach Einreichung der Kostennote drei 
weitere  Beweismitteleingaben  ins  Recht  gelegt  wurden,  deren  Aufwand 
von der Kostennote nicht erfasst sind. Der diesbezügliche Aufwand kann 
jedoch auf Grund der Akten zuverlässig abgeschätzt werden und  ist auf 
eineinhalb  Stunden  zu  beziffern.  Die  hälftige  Parteientschädigung  ist 
demnach in Berücksichtigung der eingereichten Kostennote (Art. 9 Abs. 1 
Bst. a und b VGKE) und des darin erwähnten Stundenansatzes von Fr. 
190.– auf Fr. 2'030.–  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)  festzusetzen. 
Das  BFM  ist  demnach  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  für  das 
vorliegende  Verfahren  diesen  Betrag  als  Parteientschädigung 
auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

D­1217/2008

Seite 27

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs 
gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des Bundesamtes vom 
24.  Januar  2008  werden  aufgehoben.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den 
Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  in  der  Höhe  von  Fr.  600.­  geleisteten 
Kostenvorschuss  verrechnet.  Der  Saldobetrag  von  Fr.  300.­  wird 
zurückerstattet.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung von Fr. 2030.­ zu entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

Versand: