# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d137624-8b0a-5523-9a0c-4cd03498514e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.06.2021 E-706/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-706-2021_2021-06-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-706/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A.______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch MLaw Katarina Socha, Caritas Schweiz,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug);  

Verfügung des SEM vom 14. Januar 2021 / N (…). 

 

 

 

E-706/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-

ben im September 2018 in Richtung Türkei, wo er sich ein Jahr lang auf-

gehalten habe. Am 17. August 2020 sei er auf dem Luftweg nach Deutsch-

land gelangt und gleichentags mit dem Zug in die Schweiz eingereist. Am 

20. August 2020 suchte er in der Schweiz um Asyl nach. Auf dem Perso-

nalienblatt gab er an, er sei am (…) geboren, mithin minderjährig. 

Als Beweismittel reichte er einen nicht ihm zustehenden deutschen Reise-

ausweis für Flüchtlinge eines eritreischen Staatsangehörigen ein.  

B.  

Am 26. August 2020 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge-

wiesene Rechtsvertretung.  

C.  

Anlässlich der Erstbefragung von unbegleiteten minderjährigen Asylsu-

chenden (UMA) vom 4. September 2020 wurde der Beschwerdeführer im 

Beisein seiner Rechtsvertreterin zu seinem Alter, seinem Reiseweg sowie 

seinen Asylgründen befragt.  

Dabei gab er im Wesentlichen an, er sei am (…) geboren und stamme aus 

B._______. Mit seiner Mutter und seinen (…) Geschwistern habe er im 

Distrikt C._______, B._______, gelebt. Sein Vater und (…) Schwestern 

seien bei einem Anschlag am 14. Oktober 2017 in B._______ ums Leben 

gekommen. Im Alter von (…) respektive (…) Jahren sei er eingeschult wor-

den und habe die Schule nach der (…) Klasse abgebrochen. Von seinem 

Geburtsdatum habe er erfahren, als er beim Wechsel von der Primar- in 

die Sekundarstufe eine Geburtsurkunde habe vorweisen müssen.  

Zu seinen Asylgründen führte er aus, sein (...), welcher Mitglied der Al-

Shabab sei, habe von ihm verlangt, jemanden zu töten.  

D.  

Am 7. September 2020 gab der Beschwerdeführer ein Mittelschulzertifikat 

und eine Geburtsurkunde – beides jeweils in Kopie – zu den Akten. 

  

E-706/2021 

Seite 3 

E.  

E.a Am 3. November 2020 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner 

Rechtsvertreterin einlässlich zu seinen Asylgründen angehört.  

Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er stamme aus sehr armen Ver-

hältnissen. Nach dem Tod seines Vaters und seiner (…) Schwestern sei 

seine Mutter psychisch krank geworden und habe nicht mehr arbeiten kön-

nen. Aus finanziellen Gründen habe er die Schule nach Abschluss der (…) 

Klasse abbrechen müssen. Er habe mit (…) und (…) zum Einkommen der 

Familie beigetragen. 

Zu seinen Asylgründen führte er aus, als er eines Abends im Februar 2018 

(…) habe, sei er entführt worden. Seine Entführer hätten ihm die Augen 

verbunden und ein Mobiltelefon ans Ohr gehalten. Sein (...) (…) habe mit 

ihm gesprochen und ihn aufgefordert, einen Mann namens D._______ zu 

töten. Er habe erwidert, dass er niemanden töten wolle. In der Folge sei er 

drei Tage lang geschlagen und bei der Ortschaft E._______ auf die Strasse 

geworfen worden. Sein (...) habe seine Mutter jeden Tag angerufen und ihr 

gedroht, ihn zu töten. Daraufhin habe seine Mutter ihn zu einem ihr be-

kannten Mann gebracht, wo er sich versteckt gehalten habe. Mit diesem 

Mann und dessen Familie sei er in die Türkei geflogen. 

E.b Im Rahmen der Anhörung stellte die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-

rer im Hinblick auf die Einholung eines Altersgutachtens einige Fragen zum 

Gesundheitszustand. 

F.  

Im Auftrag der Vorinstanz führte eine sachverständige Person der Fach-

stelle LINGUA am 6. November 2020 ein Telefoninterview mit dem Be-

schwerdeführer durch.  

G.  

Am 5. November 2020 führte das Institut für Rechtsmedizin des (…) eine 

Altersabklärung beim Beschwerdeführer durch. Im Gutachten vom 10. No-

vember 2020 kamen die Ärzte zum Schluss, das durchschnittliche Lebens-

alter des Beschwerdeführers liege bei (…) bis (…) Jahren und das wahr-

scheinlichste Alter bei (…) Jahren. Eine Vollendung des 18. Lebensjahres 

könne nicht mit der notwendigen Sicherheit belegt werden.  

H.  

Am 9. November 2020 wies die Vorinstanz den Beschwerdeführer erstmals 

E-706/2021 

Seite 4 

dem erweiterten Verfahren zu. In der Folge legte die dem Beschwerdefüh-

rer zugewiesene Rechtsvertretung ihr Mandat am 10. November 2020 nie-

der. 

I.  

Die sachverständige Person der Fachstelle LINGUA kam gestützt auf das 

mit dem Beschwerdeführer durchgeführte Telefoninterview in ihrer landes-

kundlich-kulturellen und linguistischen Analyse vom 16. November 2020 

zum Schluss, der Beschwerdeführer sei eindeutig im Distrikt C._______, 

B._______, Somalia, sozialisiert worden.  

J.  

Am 18. November 2020 wurde der Beschwerdeführer erneut dem erwei-

terten Verfahren zugewiesen (Ersatz des Schreibens vom 9. November 

2020). 

K.  

Mit Schreiben vom 18. November 2020 erkundigte sich der Beschwerde-

führer nach dem Verfahrensstand. Die Vorinstanz antwortete am 23. No-

vember 2020. Gleichentags gewährte sie dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zum Altersgutachten vom 10. November 2020. 

L.  

Am 30. November 2020 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die rubri-

zierte Rechtvertreterin. 

M.  

Am 7. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer seine Stellungnahme 

zum Altersgutachten ein und hielt im Wesentlichen an seiner Minderjährig-

keit fest. 

N.  

N.a Am 18. Dezember 2020 erfasste die Vorinstanz das Geburtsdatum des 

Beschwerdeführers im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) 

mit (…) und brachte gleichzeitig einen Bestreitungsvermerk an. 

N.b Gleichentags teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer schriftlich 

mit, sein Geburtsdatum sei im ZEMIS auf den (…) angepasst worden. 

N.c Am 30. Dezember 2020 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz 

um Erlass einer anfechtbaren Verfügung betreffend Datenänderung im 

ZEMIS. 

E-706/2021 

Seite 5 

N.d Mit Schreiben vom 5. Januar 2021 führte die Vorinstanz aus, gemäss 

Art. 107 AsylG (SR 142.31) könne die entsprechende Zwischenverfügung 

erst mit einer Beschwerde gegen den Endentscheid angefochten werden.  

O.  

Am 6. Januar 2021 wurde der Beschwerdeführer im Beisein seiner Rechts-

vertreterin erneut zu seinen Asylgründen angehört. Dabei wiederholte er 

im Wesentlichen seine bereits geltend gemachten Asylgründe.  

P.  

Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Wegweisung 

schob sie infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme 

auf und beauftragte den zuständigen Kanton mit deren Umsetzung. Gleich-

zeitig händigte sie dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten ge-

mäss Aktenverzeichnis aus.  

Q.  

Mit Eingabe vom 16. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, der angefochtene Ent-

scheid sei in den Ziffern 1, 2 und 3 aufzuheben. Das richtige/wahrschein-

lichste Geburtsdatum sei festzustellen (ZEMIS). Es sei die Flüchtlingsei-

genschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventuell sei die Sache zur 

erneuten Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Pro-

zessführung und die amtliche Verbeiständung zu gewähren.  

Als Beweismittel reichte er eine Fürsorgebestätigung vom 10. Februar 

2021 und einen Bericht seiner Betreuerin vom 13. Februar 2021 ein.   

R.  

Am 18. Februar 2021 bestätigte das Gericht dem Beschwerdeführer den 

Eingang der Beschwerde.  

S.  

Mit Zwischenverfügung vom 25. Februar 2021 verzichtete die Instruktions-

richterin einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleich-

zeitig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.  

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Seite 6 

T.  

In der Vernehmlassung vom 8. März 2021 hielt die Vorinstanz an ihren Er-

wägungen fest und führte im Wesentlichen aus, die Altersanpassung des 

Beschwerdeführers sei im Rahmen eines Asylverfahrens und nicht im Rah-

men eines ZEMIS-Datenänderungsverfahrens erfolgt. Dieses sei noch 

hängig. Korrekterweise hätte das SEM im Dispositiv der angefochtenen 

Verfügung jedoch darauf hinweisen müssen, dass die Verfügung betreffend 

Änderung von ZEMIS-Daten noch ausstehend sei.  

Die Vernehmlassung wird dem Beschwerdeführer als Beilage zum vorlie-

genden Urteil zur Kenntnis gebracht. 

U.  

Mit Eingabe vom 15. März 2021 reichte der Beschwerdeführer eine E-Mail 

der Gesundheitsverantwortlichen der Caritas vom 4. März 2021 und einen 

Arztbericht von PD Dr. med. Dr. med. dent. F._______ vom 10. März 2021 

ein.  

V.  

Am 10. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme und 

eine Kostennote zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-706/2021 

Seite 7 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten. 

1.4 Mit der vorliegenden Verfügung hat die Vorinstanz im Dispositiv keine 

Anordnungen zum ZEMIS-Eintrag getroffen, weshalb diesbezüglich kein 

Anfechtungsobjekt vorliegt. Auf den entsprechenden Beschwerdeantrag 

bezüglich Berichtigung des ZEMIS-Eintrags ist nicht einzutreten. Der Be-

schwerdeführer müsste zur Änderung seines Geburtsdatums im ZEMIS 

vielmehr ein separates Verfahren bei der Vorinstanz anstrengen (vgl. Urteil 

des Bundesverwaltungsgerichts F-3255/2020 vom 2. Juli 2020 E. 3 

m.w.H.). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

In der Beschwerde wird zunächst eine Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes gerügt. Dabei handelt es sich um eine formelle Rüge, welche 

vorab zu beurteilen ist, da sie gegebenenfalls geeignet ist, eine Kassation 

der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

3.1 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach stellt 

die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nöti-

genfalls der unter Buchstaben a–e aufgelisteten Beweismittel. Dieser 

Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der 

Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Dazu gehört un-

ter anderem, die Identität offenzulegen, vorhandene Identitätspapiere ab-

zugeben und an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken.  

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

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Seite 8 

ger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Un-

vollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den 

Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Ent-

scheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu 

CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundesge-

setz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16). 

4.  

4.1 In der angefochtenen Verfügung führt die Vorinstanz aus, dem Be-

schwerdeführer sei es nicht gelungen, die behauptete Minderjährigkeit 

nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Gegenüber dem Grenzwacht-

korps habe er sich mit einem ihm nicht zustehenden Reiseausweis für 

Flüchtlinge der Bundesrepublik Deutschland ausgewiesen. Bei den einge-

reichten Kopien einer Geburtsurkunde und eines Mittelschulzertifikats 

handle es sich nicht um Reise- oder Identitätsdokumente im Sinne von  

Art. 1a Bst. b und c der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom  

11. August 1999 (AsylV1, SR 142.311). Solche Dokumente seien leicht 

käuflich erwerbbar und eine materielle Überprüfung werde aufgrund unter-

schiedlicher Formate und inhaltlicher Kriterien verunmöglicht. Zudem wür-

den die Angaben des Beschwerdeführers zu den Umständen der Ausstel-

lung der Geburtsurkunde Fragen aufwerfen. Anlässlich der BzP habe er 

angegeben, mit (…) Jahren eingeschult worden zu sein und erstmals beim 

Übertritt von der Primar- in die Sekundarstufe sein Alter vernommen zu 

haben. Auf die Frage, wie alt er gewesen sei, als er mit der Schule aufge-

hört habe, habe er nachdenken müssen und ausgeführt, (…) Jahre alt ge-

wesen zu sein. Auf den Einwand der befragenden Person, dass er gemäss 

seinen bisherigen Angaben zu diesem Zeitpunkt bereits (…) Jahre alt ge-

wesen sein müsste, habe er sich korrigiert und geltend gemacht, mit (…) 

Jahren eingeschult worden zu sein. Zudem habe er nicht angeben können, 

wie alt er im Zeitpunkt der Ausreise gewesen sei, obwohl ihm damals sein 

Geburtsdatum bereits bekannt gewesen sei. Ebenso wenig habe er ge-

wusst, wie alt er zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters und des Beginns 

der Sekundarstufe gewesen sei. Aufgrund von Zweifeln am geltend ge-

machten Alter sei am 5. November 2020 eine Altersabklärung durchgeführt 

worden. Diese habe ergeben, dass im Zeitpunkt der Untersuchung ein Min-

destalter von (…) Jahren feststehe. Die Vollendung des 18. Altersjahres 

könne nicht mit Sicherheit belegt werden. Das durchschnittliche Alter liege 

im Bereich von (…) bis (…) Jahren und das wahrscheinlichste Alter bei (…) 

Jahren, weshalb das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS auf 

den (…) angepasst worden sei. Es liege nicht am SEM das exakte Alter 

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des Beschwerdeführers zu ermitteln, sondern am Beschwerdeführer, sein 

Alter mit rechtsgenüglichen Identitätspapieren zu belegen.  

Ferner habe der Beschwerdeführer seine Asylgründe nicht glaubhaft ma-

chen können. Die geltend gemachte Entführung durch Mitglieder der Al-

Shabaab sei als nachgeschoben zu erachten, zumal dieses zentrale Vor-

bringen vom Beschwerdeführer in der BzP nicht erwähnt worden sei. Zu-

dem seien seine Schilderungen zur Entführung, zur Bedrohung durch den 

(...), zur (…) Festhaltung und zur anschliessenden Freilassung vage, de-

tailarm und ohne persönliche Betroffenheit ausgefallen.  

4.2 In der Rechtmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer vor, er habe je-

weils übereinstimmend angegeben, am (…) geboren worden zu sein. Zu-

dem habe er bereits drei Tage nach der BzP eine Geburtsurkunde und ein 

Mittelschulzertifikat in Kopie eingereicht. Die im Rahmen des Altersgutach-

tens durchgeführten Untersuchungen hätten alle ein Minimalalter von unter 

(…) Jahren ergeben und das durchschnittliche Alter liege zwischen (…) 

und (…) bis (...) Jahren. Das Altersgutachten stelle demnach ein unbrauch-

bares Indiz für die Volljährigkeit dar. Indem die Vorinstanz von der Volljäh-

rigkeit ausgehe, obwohl im Altersgutachten festgehalten worden sei, die 

Vollendung des 18. Altersjahres könne nicht mit der notwendigen Sicher-

heit belegt werden, verletze sie den Untersuchungsgrundsatz. Vor dem 

Hintergrund seines jugendlichen Alters, seiner Herkunft, der Flucht und den 

damit verbundenen Ereignissen, seiner persönlichen Entwicklung und der 

mangelhaften Schulbildung habe er seine Minderjährigkeit glaubhaft ma-

chen können. Zu berücksichtigen sei, dass in Somalia das Alter im Alltag 

eine äusserst geringe Rolle spiele. Ferner falle es ihm schwer, genaue zeit-

liche Angaben zu machen, was auf seine geringe Schulbildung und die 

hohe psychische Belastung zurückzuführen sei. Sodann dürften an den 

von einem Minderjährigen vorgebrachten Sachverhalt in Bezug auf das 

Glaubhaftmachen nicht die gleichen hohen Anforderungen gestellt werden 

wie bei einer erwachsenen Person. Für minderjährige Asylsuchende gelte 

demnach ein herabgesetzter Beweismassstab, welcher vorliegend von der 

Vorinstanz nicht berücksichtigt worden sei. Insbesondere sei dem Um-

stand, dass sich die Ereignisse im Kindesalter zugetragen hätten, keine 

Rechnung getragen worden. Insgesamt seien seine Aussagen zu den 

Fluchtgründen substantiiert, widerspruchslos, mit zahlreichen Realkenn-

zeichen versehen und demnach glaubhaft.  

5.  

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Seite 10 

5.1 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich 

die asylsuchende Person. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Ab-

wägung sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der 

betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind da-

bei als für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der be-

troffenen Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 

E. 5.1.1, mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] 

Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30). Das Resultat des Altersgut-

achtens stellt nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaf-

tigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 

E. 6.1 ff.). 

5.2 Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten 

Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht je-

doch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-

chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-

son geeignet. Es lässt sich anhand der medizinischen Altersabklärung 

keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person 

machen, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und 

der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt 

(vgl. ebenda E. 4.2.1 f.).  

5.3 Die Vorinstanz liess aufgrund von Zweifeln an der Minderjährigkeit des 

Beschwerdeführers eine Altersabklärung durch das Institut für Rechtsme-

dizin des (…) durchführen. Im entsprechenden Gutachten vom 10. Novem-

ber 2020 wurde bezüglich des Skelettalters des Beschwerdeführers fest-

gehalten, dass die Wachstumsfugen der inneren Schlüsselbeinanteile in 

der computertomografischen Untersuchung beidseits ein Stadium (…) 

nach Kellinghaus aufweisen würden. Dies entspreche nach Wittschieber 

einem durchschnittlichen Lebensalter von (…) Jahren und einem Mindest-

alter von (…) Jahren. Bezüglich des Zahnalters wurde unter anderem an-

geführt, dass bei den Zähnen 1 bis 7 im dritten Quadranten ein vollständi-

ger Abschluss des Wurzelwachstums festgestellt werden könne, welcher 

nach Demirjian auf ein Durchschnittsalter von (…) Jahren schliessen lasse. 

An den Weisheitszähnen (3 Molaren) habe sich in Regio 18 und 28 jeweils 

ein Mineralisationsstadium von "(…)", in Regio 38 ein solches von «(…)» 

und in Regio 48 ein solches von «(…)» ergeben. Daraus würden sich Ent-

wicklungsstadien ergeben, welche nach Olze auf ein Durchschnittsalter 

von (…) bis (…) Jahren schliessen lassen würden. Für das Mineralisati-

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Seite 11 

onsstadium "(…)" des Weisheitszahns sei nach Knell et al. kein Mindestal-

ter angegeben. Abweichungen durch ethnische Unterschiede müssten be-

rücksichtigt werden. In Studien von Olze et al. werde für die männliche Po-

pulation aus G._______ für das Mineralisationsstadium «(…)» ein Durch-

schnittsalter von (…) Jahren angegeben. Cavric et al. gebe für eine männ-

liche Population aus H._______ für das Mineralisationsstadium «(…)» des 

Zahns 28 ein Durchschnittsalter von (…) Jahren und ein Mindestalter von 

(…) Jahren sowie für das Mineralisationsstadium «(…)» des Zahns 38 ein 

Durchschnittsalter von (…) Jahren und ein Mindestalter von (…) Jahren an. 

Es lägen keine speziellen Referenzdaten für die männliche Population in 

Somalia vor. Beim Beschwerdeführer ergebe sich ein durchschnittliches 

Lebensalter von (…) bis (…) Jahren. Das wahrscheinlichste Alter basie-

rend auf dem Medianwert der radiologischen Untersuchung der Schlüssel-

bein- und Brustbeingelenke liege bei (…) Jahren. In Zusammenfassung al-

ler Untersuchungsbefunde lasse sich beim Beschwerdeführer zum Zeit-

punkt der Untersuchung ein Mindestalter von (…) Jahren ermitteln. Eine 

Vollendung des 18. Lebensjahres könne nicht mit der notwendigen Sicher-

heit belegt werden. Das vom Beschwerdeführer angegeben Alter ([…] 

Jahre und […] Monate) könne aufgrund der Ergebnisse der forensischen 

Altersschätzung nicht zutreffen.  

5.4 Gestützt auf die vorangegangenen Erwägungen ergibt sich, dass das 

Mindestalter des Beschwerdeführers gemäss der medizinischen Altersab-

klärung sowohl bei der zahnärztlichen Untersuchung als auch der Schlüs-

selbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt. Demnach 

lässt sich dem Altersgutachten keine Aussage zur Minder- beziehungs-

weise Volljährigkeit des Beschwerdeführers entnehmen (vgl. E. 5.2).  

5.5 Der Beschwerdeführer gab auf dem Personalienblatt, in der BzP und 

der Anhörung als Geburtsdatum übereinstimmend den (…) an. Bezüglich 

der eingereichten Kopie der Geburtsurkunde und des Mittelschulzertifikats, 

welchen sich ebenfalls der (…) als Geburtsdatum entnehmen lassen, 

führte die Vorinstanz zwar zutreffend aus, diesen Dokumenten komme auf-

grund des Vorliegens in Kopie nur ein geringer Beweiswert zu. Sodann sind 

die Antworten des Beschwerdeführers auf die Fragen betreffend Ausstel-

lung der Geburtsurkunde und woher er sein Geburtsdatum kenne, vage 

ausgefallen (vgl. SEM-Akten 1072982-17/11 Ziff. 1.06 und 4.04). Solche 

Informationsdefizite lassen sich aber sowohl mit seinem jungen Alter zum 

Zeitpunkt der Ereignisse als auch mit seinem Bildungshintergrund plausi-

bel erklären. Nach Durchsicht des Protokolls der Erstbefragung (UMA) 

kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer die Frage 

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Seite 12 

nach dem Schulbeginn zunächst falsch verstanden hat (vgl. a.a.O. Ziff. Ziff. 

1.17.04). Der Beschwerdeführer scheint allgemein Mühe zu haben, ge-

naue zeitliche Angaben zu machen (vgl. a.a.O. Ziff. 1.17.04 und 2.01; 

1072982-33/16 F13). Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschwer-

deführers zu seinem Lebenslauf plausibel. Inwiefern diese Angaben vage 

sein sollen, wird von der Vorinstanz nicht weiter begründet. Die Vorinstanz 

erachtete den Beschwerdeführer zunächst offenbar selbst als minderjäh-

rig, zumal sowohl die BzP als auch die Anhörung im Beisein einer Vertrau-

ensperson durchgeführt wurden. Erst nach Vorliegen des Altersgutachtens 

änderte sie das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS und ging 

von dessen Volljährigkeit aus. Wie bereits dargelegt, lässt sich dem Alters-

gutachten aber keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit 

des Beschwerdeführers entnehmen (vgl. E. 5.4). Indem sich die Vorinstanz 

im Wesentlichen auf die Ergebnisse des Gutachtens abgestützt hat, ob-

wohl dieses kein Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers dar-

stellt, verletzt sie den Untersuchungsgrundsatz. Eine Gesamtwürdigung 

ergibt, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit 

im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung als glaubhaft zu erachten ist, respek-

tive dass die Vorinstanz zu Unrecht von dessen Volljährigkeit im betreffen-

den Zeitpunkt ausgegangen ist. Die angefochtene Verfügung ist demnach 

aufzuheben und die Sache zur erneuten Prüfung der Glaubhaftigkeit der 

Asylgründe unter Berücksichtigung der Minderjährigkeit des Beschwerde-

führers an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal dem Beschwerdeführer 

ansonsten eine Instanz verloren ginge. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung vom 

14. Januar 2021 Bundesrecht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-

schwerde ist gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die Verfügung 

vom 14. Januar 2021 ist aufzuheben und die Sache zur erneuten Prüfung 

sowie neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Angesichts 

der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit den 

weiteren Vorbringen in der Beschwerdeschrift. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

E-706/2021 

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21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der in der 

Honorarnote geltend gemachte Aufwand von 10 Stunden erscheint als zu 

hoch und ist auf 8 Stunden zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu zie-

henden Bemessungsfaktoren (Art. 8-13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer 

zu Lasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt gerun-

det Fr. 1'724.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von 

Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) zuzusprechen. 

7.3 Die Anträge um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

amtlichen Verbeiständung werden mit dem vorliegenden Urteil gegen-

standlos.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. 

2.  

Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben. Die Sache wird im Sinne 

der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'724.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Nathalie Schmidlin 

 

 

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