# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fb1abd59-3676-54e7-95ce-90f348745fac
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2010 E-7346/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7346-2010_2010-10-18.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7346/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._____, geboren (...),
Georgien,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Berne,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 4. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7346/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer am 14. August  2010 in die  Schweiz ge-
langt ist und am 15. August 2010 um Asyl nachgesucht hat,

dass das BFM dem Beschwerdeführer am 19. August 2010 anlässlich 
der  summarischen  Befragung  im  B._____  das  rechtliche  Gehör  zur 
Zuständigkeit Deutschlands oder Polens für das Asylverfahren und zu 
einer Wegweisung dorthin gewährte,

dass  der  Beschwerdeführer  ausführte,  Deutschland  würde  ihn  nach 
Polen zurückführen und Polen würde ihn nach Georgien überstellen,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  4.  Oktober  2010  –  eröffnet  am 
6. Oktober 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch 
nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Polen wegwies,

dass das Bundesamt ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag 
nach Ablauf  der Beschwerdefrist  zu verlassen,  und den zuständigen 
Kanton Waadt mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragte,

dass die Vorinstanz festhielt,  eine allfällige Beschwerde gegen diese 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung 
der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  an  den  Be-
schwerdeführer anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  seiner  Verfügung  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe am 13. September 2009 in Polen ein Asylgesuch 
gestellt,  was  aus  seinen  Aussagen  und  der  Datenbank  EURODAC 
(Fingerabdruckvergleich) hervorgehe, 

dass  Polen  für  die  Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens 
zuständig  sei,  dies  gestützt  auf  das  Dublin-Assoziierungsabkommen 
(DAA, SR 0.142.392.68) und das Übereinkommen vom 17. Dezember 
2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik 
Island  und  dem Königreich  Norwegen über  die  Umsetzung,  Anwen-
dung und Entwicklung des Schengen-Besitzstandes und über die Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen gestellten 
Asylantrages,

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dass Polen dem Ersuchen des BFM um Übernahme des Beschwerde-
führers mit Schreiben vom 30. August 2010 zugestimmt habe und des-
halb  die  Zuständigkeit  gestützt  auf  die Dublin-II-Verordnung  (Verord-
nung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festle-
gung von Kriterien  und Verfahren zur  Bestimmung des Mitgliedstaa-
tes, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in ei-
nem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist) auf Polen über-
gegangen sei,

dass die Rückführung des Beschwerdeführers – vorbehältlich einer all-
fälligen  Unterbrechung  oder  Verlängerung  –  bis  spätestens  am 
28. Februar 2011 zu erfolgen habe,

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen 
Gehörs  zur  Zuständigkeit  Polens  und  zu  einer  Wegweisung  dorthin 
ausgeführt habe, er fürchte eine Rückführung nach Georgien,

dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei,

dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44 
Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei,

dass der Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er 
Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5  Abs. 1  AsylG finden 
würde,  weshalb  das  Non-Refoulement-Gebot  bezüglich  des  Heimat- 
oder Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei, 

dass  ferner  keine Hinweise auf  eine Verletzung von Art. 3  der  Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle  einer  Rückkehr  des Be-
schwerdeführers nach Polen bestehen würden, 

dass der Vollzug der Wegweisung nach Polen zulässig, zumutbar und 
möglich sei,

dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 13. Oktober 
2010 in materieller  Hinsicht  die Aufhebung der  vorinstanzlichen Ver-
fügung und die Rückweisung der  Angelegenheit  zur Neubearbeitung 
und zu weiteren Abklärungen an das BFM beantragt,

dass er  in  prozessualer  Hinsicht  um Gewährung der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  und  um  Herstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 

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Beschwerde ersucht,  ausserdem sei die fremdenpolizeiliche Behörde 
des  Kantons  Waadt  anzuweisen,  die  Wegweisung  des  Beschwerde-
führers nach Polen bis zum definitiven Entscheid des Bundesverwal-
tungsgerichts nicht zu vollziehen,

dass  auf  die  Begründung  der  Rechtsbegehren,  soweit  für  den  Ent-
scheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen 
wird,

dass das Bundesverwaltungsgericht  mit  per  Telefax übermittelter  Ver-
fügung vom 14. Oktober 2010 den Vollzug der Wegweisung per sofort 
aussetzte,

dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am 15.  Oktober  2010 
beim Bundesverwaltungsgericht eingingen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR  172.021]) des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilge-
nommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung hat  und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 VwVG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

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dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell  geprüft  hat,  weshalb  dem Bundesverwaltungsgericht  diesbezüg-
lich grundsätzlich volle  Kognition  zukommt,  wobei  sich diese Fragen 
–  namentlich  diejenigen  hinsichtlich  des  Bestehens  von  Vollzugs-
hindernissen (Durchführbarkeit  der  Überstellung an den zuständigen 
Staat)  –  in  den  Dublin-Verfahren  bereits  vor  Erlass  des  Nichteintre-
tensentscheides stellen,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass das BFM am 27. August 2010 an Polen ein Ersuchen um Über-
nahme des Beschwerdeführers gestellt und Polen am 30. August 2010 
zustimmend geantwortet hat,

dass Polen unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30),  der 
EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen 
Folter oder andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Be-
handlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist,

dass keine Hinweise dafür bestehen, wonach Polen sich nicht an die 
massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an das 
Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, hal-
ten würde, 

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dass für das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der Akten -  ins-
besondere  der  Beschwerde,  welche  sich  im  Wesentlichen  in  einer 
Wiederholung  bekannter  Fakten  und  in  Behauptungen  erschöpft  - 
keine Gründe ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbst -
eintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung) hätten 
veranlassen sollen,

dass das Bundesamt demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 
Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht 
eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei 
in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zu- 
lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig be-
reits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretens-
entscheides und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist,

dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt 
von  Art. 83  Abs. 1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, 
sondern  vor  der  Prüfung  des  Nichteintretens  im  Rahmen  der  Aus-
übung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Dublin-II-Verordnung) oder ge-
gebenenfalls – wenn sich Familienmitglieder in verschiedenen Dublin-
Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei 
der  Ausübung  der  sogenannten  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dub- 
lin-II-Verordnung),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass der Beschwerdeführer in keiner Weise darzutun vermag, inwie-
fern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechts-
erheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  oder 
unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  ab-
zuweisen ist,

dass  das  Gesuch  um  Herstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  mit 
dem vorliegenden Direktentscheid in der Sache gegenstandslos wird,

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dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab-
zuweisen ist,  da sich die gestellten Rechtsbegehren als aussichtslos 
erwiesen haben,

dass bei diesem Verfahrensausgang die Verfahrenskosten in der Höhe 
von Fr. 600.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG i.V.m. Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

Versand: 

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