# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 06343c44-ca73-5c07-aa31-b3a82b343c60
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.12.2011 E-7309/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7309-2009_2011-12-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­7309/2009

U r t e i l   v om   1 6 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richterin Muriel Beck Kadima,
Richter Kurt Gysi,   
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

Parteien A._______,
dessen Ehefrau
B._______,
und deren Kinder  
C._______,
D._______,
Russland, 
(…),  
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliessen  die  Beschwerdeführenden 
A._______ und B._______ mit ihrer Tochter C._______ Russland am 14. 
September 2009, gelangten am 17. September 2009 in die Schweiz und 
suchten gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel 
um Asyl nach. Am 23. September 2009 wurden A._______ (in der Folge: 
der  Beschwerdeführer)  und  B._______  (in  der  Folge:  die 
Beschwerdeführerin)  summarisch  befragt  und  am  7. Oktober  2009  zu 
ihren Asylgründen angehört.

Im  Wesentlichen  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  sie  stammten 
aus X._______ (…). Von Beruf sei er E._______; er habe als F._______ 
bei der G._______ von X._______ gearbeitet. Seit  fünf Jahren werde er 
von der Polizei  erpresst;  im  Jahre 2004  sei  von  ihm und einem Freund 
erstmals  Geld  verlangt  worden.  Nachdem  sein  Freund  umgebracht 
worden sei, habe er umgehend 10 000 USD an die Erpresser bezahlt. In 
der Folge sei er zwei bis drei Mal  jährlich – unter Drohungen gegen  ihn 
und seine Familie – zu Zahlungen aufgefordert worden.  Insgesamt habe 
er rund 200 000 USD an die Erpresser bezahlt. Im Juni beziehungsweise 
im Juli 2009 sei er zu Hause von Unbekannten aufgesucht, geschlagen 
und  mitgenommen  worden.  Zusammen  mit  einem  anderen 
Festgenommenen sei er in eine Zelle gebracht worden. Dort habe er mit 
ansehen müssen,  wie  dieser  gequält  worden  sei.  Die  Erpresser  hätten 
ihm  gedroht,  seine  Familie  auszulöschen,  wenn  er  nicht  bezahle.  Nach 
fünf bis sechs Tagen sei er freigelassen und aufgefordert worden, 50 000 
USD  zu  bezahlen.  Aus  Angst  sei  er  nicht  mehr  nach  Hause 
zurückgekehrt,  sondern  die  folgenden  zwei  Monate  bei  verschiedenen 
Bekannten gewesen. Dennoch hätten die Erpresser regelmässig auf sein 
Handy  angerufen  und  ihn  zur  Zahlung  aufgefordert.  Jedes Mal  habe  er 
versichert, er werde den Betrag demnächst  leisten. Am (…) habe er bei 
der  Rückkehr  an  seinen  damaligen  Aufenthaltsort mehrere  Polizeiautos 
vor  dem  Haus  stehen  sehen.  Er  sei  davon  ausgegangen,  dass  dieses 
polizeiliche  Aufgebot  ihm  gelte,  weshalb  er  weggegangen  sei.  In  der 
Folge habe er den Sohn seines Gastgebers kontaktiert. Dieser habe ihm 
mitgeteilt,  dass  sein Vater  umgebracht worden  sei. Wenig  später  sei  er 
(der  Beschwerdeführer)  erneut  unter  Todesdrohungen  gegen  ihn  und 
seine  Familie  telefonisch  aufgefordert  worden,  das  einverlangte  Geld 
sofort  zu  bezahlen.  Da  er  nicht  habe  bezahlten  wollen,  sei  er  am 
folgenden Tag mit seiner Familie nach Moskau geflogen. Dort sei ihm am 

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(…)  von  den  Erpressern  telefonisch  mitgeteilt  worden,  er  sei  in  ganz 
Russland zur Fahndung ausgeschrieben. Deshalb habe er beschlossen, 
Russland mit seiner Familie zu verlassen. 

Die Beschwerdeführerin machte  im Wesentlichen  geltend,  die Polizei  in 
Dagestan sei korrupt. Ihr Ehemann werde seit Jahren von Mitgliedern der 
Polizei erpresst. Auch sei er regelmässig mitgenommen und festgehalten 
worden. Sie selber habe keine Probleme mit den heimatlichen Behörden 
gehabt. 

Als  Beweismittel  gaben  der  Beschwerdeführer  und  die 
Beschwerdeführerin  ihre  Inlandpässe  und  den  Geburtsschein  ihrer 
Tochter zu den Akten.

B. 
Mit  Verfügung  vom  21.  Oktober  2009  stellte  das  BFM  fest,  die 
Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte 
die  Asylgesuche  ab,  verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnete deren Vollzug an.

C. 
Mit  Eingaben  vom  23.  und  25.  November  2009  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  beantragten  die  Beschwerdeführenden  in 
materieller  Hinsicht,  die  Verfügung  des  BFM  sei  vollumfänglich 
aufzuheben und die Asylgesuche seien gutzuheissen. Eventualiter sei die 
Verfügung  im  Wegweisungspunkte  aufzuheben  und  die 
Beschwerdeführenden  und  ihr  Kind  seien  in  der  Schweiz  vorläufig 
aufzunehmen.  In prozessualer Hinsicht beantragten sie, es sei  ihnen  für 
den Fall des Unterliegens die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren 
und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  November  2009  stellte  der 
Instruktionsrichter  fest,  die  Beschwerdeführenden  dürften  den  Ausgang 
des Rechtsmittelverfahrens  in der Schweiz abwarten, hiess das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gut  und  verzichtete 
antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

E. 
Das BFM beantragte in der Vernehmlassung vom 2. Dezember 2009 die 
Abweisung der Beschwerde. Das Gericht gab den Beschwerdeführenden 
von der Stellungnahme der Vorinstanz am 23. Dezember 2009 Kenntnis.

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F.
Am 8. Februar 2010 wurde der Sohn D._______ geboren, welcher in das 
Verfahren seiner Eltern einbezogen wird.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be­
schwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 
4.1.  Das  BFM  lehnte  die  Asylgesuche  ab,  da  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  den  Anforderungen  an  das  Glaubhaftmachen 
gemäss Art. 7 AsylG nicht genügten.

Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  aus,  der  Beschwerdeführer  sei 
gemäss  seinen Angaben  über  Jahre  hinweg  erpresst worden  und  habe 
insgesamt 200 000 USD bezahlen müssen. Aufgrund der  langen Dauer 
und des grossen Betrages  sei  nicht  plausibel,  dass er  nichts gegen die 
Erpressungen unternommen habe. Der Hinweis, es sei nutz­ und sinnlos 
gewesen, da er sich bei derselben Instanz hätte beschweren müssen, die 
ihn  verfolge,  widerspreche  den  Erkenntnissen  des  BFM.  Zwar  seien 
Amtsmissbrauch zur persönlichen Bereicherung und Korruption einzelner 
Beamter nach wie vor Teil der  russischen Verwaltung. Vor allem  in den 
Jahren des Machtvakuums nach dem Zerfall der Sowjetunion hätten sich 
lokale  Machtapparate  gebildet,  die  von  der  Zentralregierung  nur 
ungenügend zu kontrollieren gewesen seien. Heute sei zwar der Einfluss 
mafioser  Gruppierungen  auf  staatliche  Stellen  lokal  noch  vorhanden. 
Soweit  einzelne  Beamte  aber  versuchen  würden,  ihr  Einkommen  mit 
unrechtmässigen  Machenschaften  zu  verbessern,  handle  es  sich  nicht 

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um  staatliches  Handeln,  welches  auf  eine  asylrelevante 
Verfolgungsmotivation  zurückzuführen  sei,  sondern  um  persönliche 
Verfehlungen einzelner Beamter. Der russische Staat gehe gegen dieses 
Übel  im  Rahmen  seiner  Möglichkeiten  vor.  Den  Beschwerdeführenden 
sei  es  bei  dieser  Sachlage möglich,  ihr  Schutzbedürfnis  allenfalls  unter 
Beizug eines Anwalts auch bei höheren Instanzen vorzubringen.

Weiter  stellte  die  Vorinstanz  fest,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  im 
Laufe  des  Verfahrens  widersprüchlich  geäussert,  namentlich  betreffend 
die  Möglichkeit  des  Nachreichens  von  Dokumenten,  die  Anzahl 
Vorladungen, die Fahndung nach  ihm und die Frage des Erkennens der 
Erpresser. Hinzu komme, dass die Aussagen der Beschwerdeführenden 
teilweise  nicht  miteinander  vereinbar  seien.  So  habe  die 
Beschwerdeführerin zu Protokoll gegeben, ihr Ehemann habe seine gute 
Stellung  in  der  Hoffnung  gekündigt,  die  Erpressungen  würden  dann 
aufhören. Demgegenüber habe der Beschwerdeführer ausgesagt, er sei 
entlassen worden. Ferner habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, 
das  erste  Vorkommnis  habe  sich  (…)  zugetragen.  Die 
Beschwerdeführerin habe dieses Ereignis indes 14 Tage vor der Hochzeit 
vom  (…)  datiert.  Schliesslich  würden  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers  auch  chronologische  Ungereimtheiten  enthalten. 
Zunächst  habe  er  die  Entführung  mit  (…)  datiert,  später  habe  er 
diesbezüglich von (…) gesprochen. Ferner habe er das letzte Ereignis vor 
der  Ausreise  anlässlich  der  Erstbefragung  auf  den  (…)  datiert,  bei  der 
Anhörung dagegen habe er den (…) angegeben. 

4.2.  In der Rechtsmitteleingabe halten die Beschwerdeführenden an der 
Glaubhaftigkeit  ihrer  Vorbringen  fest.  Ihr  Bericht  decke  sich  mit  den 
bekannten  maroden  Zuständen  in  Dagestan.  Die  von  der  Vorinstanz 
angeführten  Widersprüche  seien  nicht  gravierend  und  würden  das 
Hauptvorbringen nicht erschüttern. 

5.
5.1. Das BFM hat  die Asylgesuche  der Beschwerdeführenden aufgrund 
von  wesentlichen  Unstimmigkeiten  in  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden abgelehnt. Der nicht näher substanziierte Hinweis 
auf die dem Gericht bekannte Situation in Dagestan genügt deshalb nicht, 
diese zu entkräften.  

5.2.  Das  Bundesamt  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  aus,  der 
Beschwerdeführer  habe  anlässlich  der  Anhörung  einerseits  angegeben, 

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über ärztliche Bescheinigungen zu verfügen, die belegen würden, dass er 
geschlagen worden sei. Anderseits habe er ausgesagt, nicht geschlagen 
worden zu sein. Die Erklärung, er habe damit die Fusstritte und Schläge 
gemeint,  würde  den  Widerspruch  bestätigen.  Zu  dieser  vom  BFM 
festgestellten Unstimmigkeit wird  in der Rechtsmitteleingabe ausgeführt, 
die  Aussage,  er  sei  nicht  geschlagen  worden,  beziehe  sich  auf  die  in 
diesem  Zusammenhang  angeführte  Festnahme.  Es  könne  daher  nicht 
geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer nicht zu einem anderen 
Zeitpunkt geschlagen worden sei. Diese Erklärung ist nicht von der Hand 
zu  weisen.  Auf  Frage  18  anlässlich  der  Anhörung  antwortete  der 
Beschwerdeführer  nämlich  unter  Verweis  auf  eine  lediglich  beispielhaft 
angeführte  Festnahme  von  zwei  Tagen  und  die  dabei  mit  erlebte 
Misshandlung  eines  anderen  Inhaftierten.  Die  Aussage,  er  sie  nicht 
geschlagen worden,  ist daher als auf diese eine Festnahme bezogen zu 
verstehen.  Im  Übrigen  haben  die  Beschwerdeführenden 
übereinstimmend  ausgesagt,  sie  seien  beide  immer  wieder  geschlagen 
worden  (vgl.  unter  anderem  Akten  BFM  A9/13  F63  und  A2/9  S.  4  f.). 
Demnach hat  das BFM  in  diesem Punkt  zu Unrecht  einen Widerspruch 
festgestellt.  Indes hat der Beschwerdeführer  im Zusammenhang mit den 
erlittenen  Schlägen  medizinische  Bescheinigungen  in  Aussicht  gestellt, 
welche  die  Misshandlungen  belegen  sollen.  Bis  heute  liegen  keine 
entsprechenden Dokumente vor. Auch weitere, anlässlich der Anhörung 
in  Aussicht  gestellte  Belege  (Aufforderungen  und  Vorladungen)  hat  der 
Beschwerdeführer  nicht  zu  den  Akten  gegeben.  In  der 
Rechtsmitteleingabe  führen die Beschwerdeführenden keine Gründe an, 
weshalb es  ihnen nicht möglich sei, Beweisdokumente einzureichen. Da 
es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  F._______  handelt,  darf  von 
ihm erwartet werden, dass ihm die Bedeutung von Beweismitteln bekannt 
ist,  und er  solche einreicht  oder  aber  dartut,  aus welchen Gründen  ihm 
dies  nicht  möglich  ist.  Insoweit  bestehen  massive  Zweifel  an  der 
Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführenden. 

5.3.  Das  BFM  stellt  im  angefochtenen  Entscheid  weiter  fest,  der 
Beschwerdeführer habe anlässlich der Erstbefragung ausgesagt,  ihm sei 
in  Moskau  mitgeteilt  worden,  er  sei  in  ganz  Russland  ausgeschrieben, 
was  ihn  zur  Ausreise  ins  Ausland  bewogen  habe.  Bei  der  Anhörung 
hingegen   habe  er  erklärt,  es  habe  geheissen,  er  werde  zur  Fahndung 
ausgeschrieben und habe von hier  (der Schweiz) aus erfahren, dass er 
gesucht  werde.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  dazu  ausgeführt,  die 
Aussage  anlässlich  der  Anhörung  sei  als  Drohung  zu  werten.  Die 
Durchsicht  der  Protokolle  ergibt  dazu,  dass  der  Beschwerdeführer 

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anlässlich der Erstbefragung aussagte." Sie sagten zu mir,  ich sei  in der 
ganzen  Russischen  Föderation  als  gesuchte  Person  gemeldet.  …. 
Deswegen kam ich hierher" (vgl. A1/10 S. 5). Bei der Anhörung gab er zu 
Protokoll: "Sie haben gesagt, wenn ich nicht ins Heimatland zurück kehre, 
werden sie mich zur Fahndung ausschreiben. … Jetzt habe ich hinterher 
erfahren, dass ich tatsächlich gesucht werde" (vgl. A9/13 F14). Entgegen 
der  von  den  Beschwerdeführenden  in  der  Rechtsmitteleingabe 
vertretenen  Ansicht  liegen  hier  betreffend  den  Zeitpunkt  der  Fahndung 
und die Ausreisemotive klar unvereinbare Aussagen vor, was zusätzliche 
Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen aufkommen lässt. 

5.4.  Sodann  hält  die  Vorinstanz  den  Beschwerdeführenden  vor,  der 
Beschwerdeführer  habe  sich  unvereinbar  darüber  geäussert,  ob  die 
Erpresser maskiert  gewesen  seien  oder  ob  er  an  den Gesichtern  habe 
erkennen können, dass es nicht dieselben Personen gewesen seien wie 
beim ersten Vorkommnis.  In der Rechtsmitteleingabe wird diesbezüglich 
eingewendet,  aus  den  Aussagen  ergebe  sich  nicht  zwingend,  dass 
maskierte  Männer  nach  der  Mitnahme  nicht  irgendwann  ihre  Masken 
ablegen  würden.  Masken  würden  praxisgemäss  nur  bei  öffentlichen 
Festnahmen  getragen,  mithin  liege  kein  Widerspruch  vor.  Auch  dieser 
Erklärungsversuch vermag nicht zu überzeugen. Die Aussage anlässlich 
der  Erstbefragung  ist  einzig  dahingehend  zu  verstehen,  dass  die 
Erpresser  jeweils  maskiert  kamen.  Demgegenüber  ergibt  sich  aus  der 
Antwort  anlässlich  der  Anhörung,  dass  der  Beschwerdeführer  die 
Gesichter  seiner  Erpresser  erkennen  konnte.  Entgegen  der  Ansicht  der 
Beschwerdeführenden  ist  in  keiner  Weise  nachvollziehbar,  weshalb 
Erpresser  zunächst  eine  Maske  tragen  sollten,  um  sich  dann  später 
dennoch dem Opfer zu erkennen zu geben. 

5.5.  In  der  angefochtenen  Verfügung  stellt  das  BFM  auch 
Unstimmigkeiten  im  chronologischen  Ablauf  der  Asylvorbringen  der 
Beschwerdeführenden  fest.  Diesbezüglich  wird  in  der 
Rechtsmitteleingabe auf die lange Dauer des Geschehenen hingewiesen. 
Allein  dieser  Umstand  vermag  die  unvereinbaren  Aussagen  betreffend 
den  Zeitpunkt  der  Entführung  und  das  letzte  Vorkommnis  vor  der 
Ausreise nicht aufzulösen. Namentlich handelt es sich bei der Entführung 
um  ein  einschneidendes  Erlebnis  im  Leben  des  Beschwerdeführers, 
welches  in  jeder Hinsicht prägend  in Erinnerung bleiben sollte. Was das 
letzte Vorkommnis  anbelangt,  so  soll  sich  dieses  kurz  vor  der Ausreise 
der  Beschwerdeführenden  zugetragen  haben.  Diese  wurden  in  der 
Schweiz  innerhalb  von nur  drei Wochen nach der Einreise  zwei Mal  zu 

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ihren  Asylgründen  befragt,  weshalb  dieses  Vorkommnis  nicht  weit 
zurückliegt.  

5.6.  Schliesslich  hat  das  Bundesamt  im  angefochtenen  Entscheid 
festgestellt,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  seien  teilweise 
nicht  miteinander  vereinbar.  Dies  betrifft  unter  anderem  die 
widersprüchlichen  Aussagen  hinsichtlich  der  Umstände  der  Auflösung 
des  Arbeitsverhältnisses  des  Beschwerdeführers.  Da  sich  die 
Beschwerdeführenden  dazu  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  äussern, 
kann  – um  Wiederholungen  zu  vermeiden  – auf  die  diesbezüglich 
zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen 
werden.  Einzig  ist  zu  ergänzen,  dass  erwartet  werden  darf,  die 
Beschwerdeführenden  würden  sich  übereinstimmend  darüber  äussern, 
ob dem Beschwerdeführer gekündigt wurde oder ob er selbst gekündigt 
hat, und ebenso dürfen bezüglich der zeitlichen Einordnung dieses für die 
Ausreise  wesentlichen  Vorkommnisses   identische  Angaben  erwartet 
werden. 

5.7.  Vor  allem  aber  ist  nicht  nachvollziehbar  und  widerspricht  jeglicher 
Logik,  dass  der  Beschwerdeführer  über  Jahre  hinweg  erpresst  worden 
sein  soll  und  insgesamt  200  000 USD  bezahlt  habe,  trotzdem  aber  die 
geltend gemachten, zum Teil massiven Übergriffe erduldet habe und die 
offenbar in beträchtlicher Höhe verfügbaren finanziellen Mittel nicht dazu 
verwendet  hat,  sich  abzusetzen.  Entgegen  der  Auffassung  der 
Vorrinstanz hält  ihm dagegen das Gericht nicht vor, er hätte sich an die 
zuständigen Behörden wenden können. Jüngste Berichte belegen, dass 
auch  die  Behörden  in  hohem  Masse  in  die  weit  verbreitete  Korruption 
verwickelt  sind.  Es  ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  die 
Beschwerdeführenden  das  Land  wegen  der  allgemein  schlechten  Lage 
und  der  damit  verbundenen  Perspektivlosigkeit  verlassen  haben,  unter 
welchen aber die grosse Mehrheit der Bevölkerung zu leiden hat und die 
nicht asylrelevant ist (vgl. dazu etwa Uwe Halbach, Stiftung Wissenschaft 
und  Politik,  Russlands  inneres  Ausland,  Der  Nordkaukasus  als 
Notstandszone  am  Rande  Europas,  Oktober  2010,  NZZ,  Gewaltsame 
Islamisierung  im  Kaukasus,  9.1.2011, 
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/gewaltsame_islamisier
ung_im_kaukasus_1.9032132.html, abgerufen am 7.12.2011).

5.8.  Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die 
Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  in  wesentlichen  Punkten  von 
Unstimmigkeiten  gekennzeichnet  sind,  in  manchen  Teilen  nicht 

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/gewaltsame_islamisierung_im_kaukasus_1.9032132.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/gewaltsame_islamisierung_im_kaukasus_1.9032132.html

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nachvollziehbar  erscheinen  und  den  Erkentnnissen  des  Gerichts  bei 
ähnlichen  Fällen  widersprechen.  Insgesamt  sind  ihre  Vorbringen  daher 
als nicht glaubhaft zu bewerten, und bezeichnenderweise haben sie denn 
auch bis heute die in Aussicht gestellten Beweismittel nicht zu den Akten 
gereicht, obwohl dazu ausreichend Zeit zur Verfügung gestanden wäre.

5.9.    Zusammenfassend  ist  demnach  festzuhalten,  dass  die 
Beschwerdeführenden keine Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen 
oder  nachweisen  können.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  einzugehen.  Die 
Vorinstanz  hat  die Asylgesuche  der Beschwerdeführenden  demnach  zu 
Recht abgelehnt.

6.
6.1.  Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen [AsylV 1], SR 142.311).

7.
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  der  gleiche 
Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind 
zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls 
wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., 
Basel 2009, Rz. 11.148).

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7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den 
Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerde­
führenden nach Russland beziehungsweise Dagestan ist demnach unter 
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh­ren­
den  noch  aus  den  Akten  –  auf  die  in  Aussicht  gestellten  aber  nie 
eingereichten  Beweismittel  ist  vorstehend  eingegangen  worden – 
Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  mit 
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 
verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis 
des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie 
jener des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden 
eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen, 
dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche 

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Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen 
Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06, 
§§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation in Russland lässt den Wegweisungsvollzug zum 
heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach 
dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ 
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Vor  diesem  Hintergrund  stellt  sich  die  Frage,  ob  der  Vollzug  der 
Wegweisung der Beschwerdeführenden nach Dagestan zumutbar ist. 

Die  politische  Situation  im  Nordkaukasus  und  insbesondere  im 
multikulturellen  Dagestan,  wo  die  zunehmende  Radikalisierung  die 
Gesellschaft  vor  Ort  immer  stärker  spaltet  (vgl.  RFE/RL  ­  Radio  Free 
Europe/Radio  Liberty, Radicalization  Splitting  Society  In  Russia's  North 
Caucasus,  4.11.2011, 
http://www.rferl.org/content/radicalization_splitting_society_in_russia_nort
h  caucasus/24381757.html,  abgerufen  am  7.12.2011),  hat  sich  in  den 
letzten  Jahren  verschlechtert.  Im  Zusammenhang  mit  dem  Krieg  in 
Tschetschenien  haben  sich  Gewalt,  Spannungen  und  massive 
Menschenrechtsverletzungen  im  gesamten  Nordkaukasus  und  auch  in 
Dagestan  ausgebreitet.  Destabilisierend  wirken  sich  neben  ethnischen 
Spannungen  hauptsächlich  der  Machtzuwachs  eines 
fundamentalistischen  Islam,  aber  auch  Clanstrukturen,  bewaffnete 
Gruppierungen, die organisierte Kriminalität  und die Korruption aus. Die 
Sicherheitskräfte  reagieren auf  den Anstieg der Gewalt mit  extralegalen 
repressiven  Massnahmen.  Um  Druck  auf  die  Rebellen  auszuüben, 
werden  dieselben  Methoden  wie  in  Tschetschenien  angewendet  und 
Verwandte  und  Bekannte  für  deren  Taten  verantwortlich  gemacht  (vgl. 
Bericht  der  Parlamentarischen  Versammlung  z.H.  des  Europarates, 
Menschenrechtslage  im  Nordkaukasus,  Juni  2010;  US  Department  of 
State, Country Reports on Human Rights Practices 2009, 11. März 2010; 
Amnesty  International,  Rule  without  law:  Human  rights  violations  in  the 
North Caucasus, Juli 2009; The Jamestown Foundation, North Caucasus 

http://www.rferl.org/content/radicalization_splitting_society_in_russia_north%20caucasus/24381757.html
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authorities  engaging  in  collective  punishment,     17.  Juli  2009; 
International  Crisis  Group,  Russia's  Dagestan:  Conflict  causes,  3.  Juni 
2008;  vgl. Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­2114/2007  vom  18. 
November  2010  E. 6.3;  vgl.  dazu  etwa  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts E­969/2007 vom 15. April 2011).

Aufgrund  der  allgemeinen  Lage  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  in 
Fortführung  der Praxis  der  vormals  zuständigen Schweizerische Asylre­
kurskommission  (ARK)  davon  aus,  dass  sich  auch  der 
Wegweisungsvollzug  abgewiesener  Asylsuchender  aus  Dagestan  nach 
dieser Republik oder an einen innerstaatlichen Zufluchtsort innerhalb der 
Russischen  Föderation  unter  Umständen  als  zumutbar  erweisen  kann, 
zumal  dann,  wenn  wie  in  casu  gültige  Reisepapiere  vorliegen  (die 
Beschwerdeführenden  haben  anlässlich  der  summarischen  Befragung 
angegeben,  im  Besitze  bis  2013  beziehungsweise  2014  gültiger 
Reisepässe  zu  sein,  diese  aber  zuhause  zurückgelassen  zu  haben,  da 
sie  nicht  gewusst  hätten,  dass  sie  ins  Ausland  gehen  würden)  und  sie 
offenbar  über  die  behaupteten  Erpressungen  hinaus  keine  Probleme 
hatten.  An  den  Nachweis  der  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen 
Aufenthaltsalternative  sind  indessen  hohe  Anforderungen  zu  stellen. 
Erforderlich  ist  vor  allem  –  auch  im  Hinblick  auf  eine  zumutbare 
Unterkunft  –  ein  tragfähiges,  insbesondere  familiäres  Beziehungsnetz. 
Auf  ein  Beziehungsnetz  kann  unter  Umständen  auch  geschlossen 
werden,  wenn  sich  die  Betroffenen  während  langer  Zeit  an  einem 
innerstaatlichen  Zufluchtsort  aufhielten  und  sich  aus  den  Akten  keine 
überzeugenden  Argumente  gegen  eine  Rückkehr  dorthin  ergeben.  Als 
weitere  Kriterien  sind  das  Alter,  die  Gesundheit,  das  Geschlecht,  die 
Ausbildung  und  bisherige  Berufserfahrung  der  Personen  sowie  das 
Vorhandensein  hinreichender  finanzieller  Mittel  zu  berücksichtigen 
(EMARK  2005  Nr. 17  E  8.3.3  S.  156  f.;  vgl. Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­1837/2007  vom  2.  Dezember  2010  E. 
6.4.2).

Die Beschwerdeführenden haben bis zu ihrer Ausreise vor zwei Jahren in 
Dagestan dort gelebt, und sie sind deshalb mit der einheimischen Kultur 
und Tradition tief verwurzelt. Hinzu kommt, dass gemäss ihren Angaben 
die  Eltern  und  mehrere  Geschwister  in  X._______,  der  (…)  leben. 
Demnach haben sie in (…) familiäre, tragfähige Anknüpfungspunkte. 

Weiter  ergibt  sich aufgrund der Akten,  dass beide Beschwerdeführende 
über  einen  Universitätsabschluss  verfügen,  mithin  sehr  gut  ausgebildet 

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sind.  Der  Beschwerdeführer  ist  E._______  und  hat  langjährige 
Berufserfahrung.  Die  Beschwerdeführerin  hat  an  der  Staatlichen 
Universität  von  (…)  H._______  studiert  und  im  Laden  I._______ 
gearbeitet.  Ferner  nennen  beide  nebst  (…)  auch  Russisch  als  ihre 
Muttersprache. Vor diesem Hintergrund  ist davon auszugehen, dass sie 
bei  einer Rückkehr  eine  eigene Existenz  aufbauen  können.  Auch wenn 
die  Arbeitssituation  dort  schwierig  ist,  ist  nicht  von  vornherein 
auszuschliessen,  dass  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr 
keine  Anstellung  finden  werden.  Zudem  stammt  der  Beschwerdeführer 
gemäss  eigenen Angaben  aus  einer  begüterten  Familie.  Namentlich  zu 
Beginn der Rückkehr können die Beschwerdeführenden deshalb wohl mit 
der  finanziellen  Unterstützung  seitens  der  Familie  rechnen,  und  dies 
umso  mehr,  als  sie  den  Beschwerdeführer  bereits  früher  im 
Zusammenhang  mit  den  geltend  gemachten  Erpressungen  unterstützt 
hat.  Zudem  stellen  blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten 
nach  der  weiterhin  zutreffenden  und  gültigen  Rechtsprechung  der  ARK 
auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  existenzbedrohende 
Situation  dar,  welche  den  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar 
erscheinen  liesse (vgl. EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215). Schliesslich 
ist der Wegweisungsvollzug auch unter dem Blickwinkel des Kindeswohls 
für  die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführenden  zumutbar.  Das  (…) 
Mädchen und der (…) Knabe sind aufgrund  ihres Alters noch sehr stark 
eltern­  sowie  familienbezogen  und  haben  sich  noch  nicht  im 
schweizerischen Umfeld ausserhalb der Familie integriert.

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  den  sich  im  Besitze  von  Inlandpässen 
befindenden Beschwerdeführenden, sich bei der zuständigen Vertretung 
des Heimatstaates  die  für  eine Rückkehr  notwendigen Reisedokumente 
zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl.  dazu  BVGE 2008/34  E. 12 
S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.6.  Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

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8.
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist daher abzuweisen.

9.
Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  November  2009  hat  der 
Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gutgeheissen.  Demnach  sind  den  Beschwerdeführenden 
keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil  geht  an  die Beschwerdeführenden,  das BFM und den Mi­
grationsdienst des (…).

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Barbara Balmelli

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