# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2fcd3aad-24f0-59e9-b3b3-e5a0dc9d4301
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-06-23
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung, ungenügende Arztberichte, Rückweisung zu weiteren Abklärungen
**Docket/Reference:** IV.2017.00067
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00067.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00067
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil
vom
23. Juni 2017
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1977,
wurde a
m
22. Oktober 2015 durch seine
Arbeitgeber
in
,
die
Y.___
AG
,
bei der Invalidenversicherung
zur
Früher
fassung
angemeldet (Urk. 5/1).
Am 13. November 2015 meldete er sich zum
Leistungsbezug an (Urk. 5/6).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle
, klärte die medizinische
und erwerbliche Situation ab und
zog Akten
der Unfallversicherung (Urk. 5/11)
sowie
der
Krankentaggel
dversicherung (Urk.
5/17) bei.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 5/30) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. Dezember 2016 (Urk. 5/31 = Urk. 2) einen Leistungs
anspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 20. Januar 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Dezember 2016 (Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzu
heben
und es seien ihm für die Übergangszeit bis zur Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2017 (Urk. 4) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 4. April 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die dargelegten gesundheitlichen Einschränkungen auf das Abhängig
keitsverhalten zurückzuführen seien. Rein durch das Suchtgeschehen könne kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung entstehen.
Dem Be
schwerdeführer werde
dringen
d
empf
o
hlen, auf den
Beikonsum
zu verzichten und eine stationäre Entwöhnungsbehandlung durchzuführen. Mit dieser Mass
nahme könne die Lebensqualität wesentlich verbessert und der Erfolg für Ein
gliederungsmassnahmen gesteigert werden
(S. 1)
.
2.2
Der Beschwerdeführer führte aus, er verstehe die Begründung der Beschwer
degegnerin im Falle einer reinen Drogensucht. Aber in seinem Fall handle es sich um eine Kombination aus Drogensucht und Opiat- Medikamenten
ab
hängig
keit infolge eines Unfalls am 30. April 201
5.
Nach diesem Unfall seien ihm zur Bekämpfung der starken Schmerzen aufgrund gebrochener Rippen opiathaltige Schmerzmittel verabreicht worden. Die Drogen- und auch die Alko
holsucht habe er während eines freiwilligen und selbst bezahlten Aufenthalts vom 15. Dezember
2015 bis 7. Oktober 2016 in der „
Z.___
“ erfolgreich therapiert. Was jedoch übrig geblieben sei, sei die Abhängigkeit von Opiaten, welche er na
ch Rezept noch einnehmen müsse und welche er nach Plänen seiner Hausärztin Frau
Dr.
A.___
und des
Psychiater
s,
Dr.
med.
B.___
,
langsam abbaue.
Momentan leide er oft an starken Entzugserscheinungen, welche momentan eine regelmässige Arbeitstätigkeit verunmöglichen würden. Zudem erhalte er ab Ende April 2017 keine Krankentaggeldentschädigungen mehr (S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Med. pract.
C.___
,
Stationsärztin,
Spital
D.___
, führte mit Be
richt vom 16. Mai 2015 (Urk. 5/11/24) zuhanden der Suva aus, der Beschwer
deführer
sei
am 15. März 2015
mit seinem
Fahrrad gestürzt
(Ziff. 2) und nannte als Diagnose eine Rippenkontusion, Differentialdiagnose (DD): Rippenfrakturen links lateral (Ziff. 5).
Vom 1
5.
bis 29. März 2015 habe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden (Ziff. 8).
3.
2
Die Fachpersonen der Klinik
E.___
berichteten am
1. Oktober
2015 (Urk. 5/17
/4-6)
über einen stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom
16.
Juni bis 18.
September 2015 (S. 1 Mitte) und nannte
n
die folgenden Diag
nosen (S. 2 Ziff. 3):
-
Polytoxikomanie (ICD-10 F19.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0; ICD-10 F33.1)
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-ver
mei
denden und abhängigen Anteilen (ICD-10 F61.0), Differentialdiagnose (DD): Soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.2)
Der Beschwerdeführer
habe eine sehr
lange und
sehr
komplexe Vorgeschichte. Seit dem 11.
Lebensjahr
sei er
depressiv
und
seit
dem 14.
Lebensjahr
sei er bei verschiedenen
Psychologe
n und Psychiatern in Behandlung gewesen. S
eit
sechs
bis
sieben
Jahren
sei er regelmässig in die
ambulante Behandlung
zu Herrn
F.___
gegangen.
1998
sei er im Sanatorium
G.___
wegen Depressionen nach Konsum behandelt worden. 1999/2000 habe eine Behandlung in der
H.___
wegen Depressionen nach
Extasy
Konsum stattgefunden. Im Jahr
2011
habe eine 10-tätige
Entzugsbehandlung
in der Klinik
I.___
stattgefunden, welche
der Beschwerdeführer
abgebrochen
habe, da er es mit den Personen nicht mehr
ausgehalten habe
.
Im Mai 2015 habe für 2.5 Wochen eine Entzugsbehandlung im Sanatorium
G.___
stattge
funden. Diese sei aufgrund intransparenter Rückfälle nach 2.5 Wochen anstatt
nach
sechs geplanten Wochen abgebrochen worden. Der Beschwerdeführer habe bis zum Übertritt in die Klinik
E.___
bei einem Freund verbleiben können
(S. 1 Ziff. 1)
.
Der Beschwerdeführer habe a
ufgrund der sozialen Ängste und der depressiven Stimmung beide Lehren nicht abschliessen können. Eine Polytoxikomanie liege seit zirka zehn Jahren vor (S. 1 Ziff. 1).
Die Therapie in der Klinik
E.___
sei am 18. September 2015 aufgrund wiederholter intransparenter Rückfälle seitens der Klinik abgebrochen worden (S. 3 Mitte). Während der Hospitalisation sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die Prognose sei aufgrund der verschiedenen Rückfälle und Therapieabbrüche eher schlecht. Vermutlich benötige er
zurzeit
ein
nieder
schwelligeres
Therapieangebot (S. 3 Ziff. 5).
Eine längerdauernde Abstinenz w
ä
re
eine
Grundvoraussetzung für einen Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess (S. 3 Ziff. 6).
3.
3
M
ed. pract.
J.___
,
Stationsarzt,
S
pital
D.___
, führte mit Notfall
b
ericht vom 7. Dezember 2015 (Urk. 5/28/13-15)
aus, der Beschwerdeführer sei vom Sanatorium
G.___
zugewiesen worden und nannte die folgenden Diag
nosen (S. 2):
-
o
pioid- und psychopharmaka
induzierte Koprostase am 7.
Dezember 2015
-
kleiner Nierenstein Kelchgruppe rechts am 7.
Dezember 2015
-
reizlose
Cholezystolithiasis
(Ultrascha
ll vom 15. März 2015, CT vom 7.
Dezember 2015)
Nachdem die abführende Wirkung des oral und rektal verabreichten Kontrast
mittels eingesetzt habe und der Patient befriedigend Stuhlgang abgesetzt habe,
habe er
in deutlich gebessertem Allgemeinzustand wieder zurück in
s Sanato
rium
G.___
verlegt werden können (S. 3)
.
3.
4
D
ie Ärzte des Sanatorium
s
G.___
führten mit Austrittsb
ericht vom 29. Dezem
ber 2015 (Urk.
5/28/1-4
)
aus, der Beschwerdeführer habe sich vom 24. November bis 15. Dezember
2015
zum
vierten
Mal in
ihrer stationär-psychiatrischen
Behandlung
befunden und nannte
n
folgende
Hauptd
iagnose
:
-
p
sychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Schä
dlicher Gebrauch (ICD-10 F19.1)
Zudem führten sie die folgenden
Nebendiagnosen
auf:
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide (
ICD-10 F11.2): Abhängigkeitssyndrom
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Kokain (
ICD-10
F
14.2),
Abhängigkeitssyndrom
-
psychische und Verhaltensstörungen durch
Alkohol
(
ICD-10 F10.2): Abhängigkeitssyndrom
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen
(ICD-10 F61)
Nach einer Entwöhnungstherapie in der Klinik
E.___
habe der Beschwerdeführer
allmählich
wieder vermehrt Alkohol konsumiert, sodass er zuletzt auf eine tägliche Menge von
sechs bis sieben
Bier und eine halbe Flasche Whiskey gekommen sei. Zuletzt habe er am Tag vor Eintritt Alkohol konsumiert. Des Weiteren habe er fast täglich 2-3 Gramm Kokain konsumiert, ebenfalls zirka zeitgleich mit dem Austritt aus der Klinik
E.___
. Zudem habe er, neben den verordneten Gaben
Sevre
Long 920mg täglich, des Öfteren
Targin
und MST in unbekannten Mengen, alle drei Tage Heroin nasal und durch
R
auchen und schliesslich täglich 3 x 2mg
Xanax
und zirka 150mg Valium, ebenfalls täglich
, konsumiert
.
Er habe gewünscht, im Anschluss an eine stationäre Stabili
sie
rungs
phase in
die
Z.__
_
überzutreten (S. 1).
Der Eintritt in die Klinik sei erfolgt, um einen geplanten Alkoholentzug durch
zuführen.
Der Beschwerdeführer habe sich bei Eintritt in einem deutlich sedier
ten Zustand präsentiert. Sie hätten mit einem Valium-gestützten Alkoholentzug begonnen. Der Alkoholentzug sei, unter engmaschiger somatischer Abklärung, komplikationslos verlaufen. Da der Beschwerdeführer erfreulicherweise, abge
sehen von den verordneten Medikamenten frei von jeglichem weiteren Sub
stanz
konsum geblieben sei, habe der geplante Übertritt in die
Z.___
ins Auge gefasst werden können (S. 3 unten). Er habe im Zuge des stationären Auf
enthaltes eine massive Koprostase mit Druckschmerzhaftigkeit sowie Abwehr
spannung über dem gesamten Abdomen, die auch kurzfristig eine Überweisung ins Spital
D.___
zur Folge gehabt habe, entwickelt (S. 4 oben).
Er habe in klinisch gebessertem Zustand sowie bei fehlender Fremd- und Selbstgefährdung ihre Klinik verlassen können (S. 4).
3.
5
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(Urk. 5/26
; undatiert, eingegangen am 15. April 2016
)
aus, sie behandle den Beschwerdeführer se
it
Februar 201
5.
Die letzte Kontrolle habe am 2. November 2015 stattgefunden
(S. 1 Ziff. 1.2). Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
sie eine Polytoxikomanie und eine Depression. Als Diagnosen ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine Psoriasis vulgaris und eine Cholezystolithiasis (S. 1 Ziff. 1.1). Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 15. Dezember 2015 in der
Z.___
in der Ent
wöhnungstherapie
(S. 2 Ziff. 1.5). Die bisherige Tätigkeit als Bodenleger sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Es sei zurzeit keine Aussage darüber möglich, ob mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise Erhöh
ung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (S. 3 Ziff. 1.9).
3.
6
Dr.
med.
K.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellung
nahme vom
7. Juni 2016 (Urk. 5/29/3-4)
aus, es liege eine Suchterkrankung vor. Der Beschwerdeführer befinde sich in einer Substitutionsbehandlung, es fände jedoch regelmässig
Beikonsum
statt. Grundsätzlich würde es notwendig sein, auf den
Beikonsum
zu verzichten, da dieser die Arbeitsfähigkeit ein
schränke und langfristig zu Sekundärschäden führen würde. Ohne den Verzicht des
Beikonsums
und eine stationäre Entwöhnungsbehandlung sei eine Unter
stützung durch die Beschwerdegegnerin beim Arbeitsplatzerhalt nicht möglich.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens damit, dass
die gesundheitlichen Einschränkungen auf das Abhängigkeits
verhalten zurückzuführen seien. Rein durch das Suchtgeschehen könne kein An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung entstehen
(vorstehend E. 2.1)
.
Dabei stützte sie sich insbesondere auf die RAD-Beurteilung
(vorstehend E. 3.6).
Der Beschwerdeführer stellte sich auf den Standpunkt, dass er seine Drogen- und Alkoholsucht in der
Z.___
erfolgreich therapiert habe. Die Abhängigkeit
von Opiaten, welche er aufgrund seines Unfalls noch einnehmen müsse, sei er am
A
bbauen. Aufgrund starker Entzugserscheinungen könne er momentan unmöglich regelmässig arbeiten (vorstehend E. 2.2).
4.
2
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer von Juni bis September 2015 stationär in der Klinik
E.___
behandelt wurde
, wobei die Therapie aufgrund intransparenter Rückfälle seitens der Klinik abgebrochen worden
ist
(vorstehend E. 3.2). Im
November
2015
ist er zu einer Entwöh
n
ungs
therapie ins Sanatorium
G.___
über
ge
treten, wo er
bis Dezember 2015
verblieb
. Der Beschwerdeführer habe gewünscht, anschliessend in die
Z.___
einzutreten
(
vorstehend E. 3.4
), was offenbar umgesetzt worden ist. So führte der Beschwerdeführer aus, dass er
von Dezember 2015 bis
Oktober 2016 in der
Z.___
therapiert worden sei (vorstehend E. 2.2
).
Die Fachpersonen der Klinik
E.___
und die Ärzte des Sanatorium
s
G.___
nannten
je
eine ICD-10 F19 Diagnose, worunter
psychische und Verhaltens
störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psycho
troper Substanzen
zu verstehen sind (
vgl. Weltgesundheitsorganisation, Interna
tionale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
9.
Auflage 2014, S.
108).
Die Fachpersonen der Klinik
E.___
nannten zusätzlich eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode, eine Nikotinabhängigkeit sowie einen Verdacht auf eine kombinierte Persönlich
keitsstörung mit ängstlich-verme
idenden und abhängigen Anteilen
, Differen
tial
diagnose Soziale Phobie (vorstehend E. 3.2)
.
Die Ärzte des Sanatoriums
G.___
nannten zudem als Nebendiagnosen psychische und Verhaltens
stö
rungen durch Opioide, Kokain und Alkohol, Abhängigkeitssyndrom
,
sowie kom
binierte und andere Persönlichkeitsstörungen
(vorstehend E. 3.4). Dr.
A.___
nannte als Diagnosen eine Polytoxikomanie und eine Depression
(vorstehend E. 3.5)
.
4.3
Die Beschwerdegegnerin hat
gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen
(vgl. Art. 43
Abs.
1 ATSG).
Bei den
Beurteilung
en
durch
Dr.
A.___
(vgl. vorstehend E. 3.5) und denje
nigen des Spitals
D.___
(vorstehend E. 3.1 und E. 3.3)
handelt es sich nicht um einschlägige fachärztliche psychiatrische Beurteilung
en.
Damit liegen nur zwei
fachärztliche
psychiatrische Einschätzungen vor, wobei zu bemängeln ist, dass der Verlaufsbericht der Klinik
E.___
(vorstehend E. 3.2)
weder
Befunde
noch
Angaben zur Arbeitsfähigkeit nach dem Austritt aus der Klinik enthält. Der Bericht des Sanatoriums
G.___
(vorstehend E. 3.4
)
führt einen psy
cho
pathologischen Befund einzig
für den
Zeitpunkt des
Eintritt
s
in die Klinik auf, nicht aber
für den Zeitpunkt des
Austritt
s
,
und
macht
keinerlei Angaben zur Arbeitsfähigkeit.
Zudem
fehlen vorliegend diverse Abklärungen. Es fehlt insbesondere ein Bericht der
Z.___
, wo der Beschwerdeführer offenbar über zirka elf Monate nachbehandelt wurde
. Deshalb kann der aktuelle Gesundheitszustand, insbesondere der Therapieerfolg, nicht
abschliessend
beurteilt werden.
Ein aktueller Bericht der Hausärztin
Dr.
A.___
ist ebenfalls nicht vorhand
en. Der bei den Akten liegende Bericht
basiert auf der letzten Kontrolle von November 2015 (vgl. vorstehend E. 3.5). Ein aktueller Bericht des vom Beschwerdeführer erwähn
ten behandelnden Psychiaters
,
Dr.
B.___
(vgl. vorstehend E. 2.2)
,
liegt ebenfalls nicht vor. Schliesslich
forderte die Beschwerdegegnerin
zwar ein
en
Arbeitgeberbericht
an
(Urk. 5/21 = Urk. 5/25),
ein solcher
wurde ihr
aber nicht eingereicht.
4
.
4
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
ka
mentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Ge
setzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden ein
getreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditäts
be
gründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funk
tionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwi
schen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festge
stellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychoso
zialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträch
tigung des Leistungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, Rz 51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsscha
den steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrele
vant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheits
scha
dens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer
Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht
erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswir
kungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
4.
5
Anhand der vorliegenden Arztberichte lassen sich die vorstehend genannten Kriterien nicht genügend sicher beurteilen. Mithin ist unklar, ob
unabhängig vom Substanzgebrauch eine eigenständige psychische Störung besteht.
Denn das Sanatorium
G.___
diagnostizierte eine kombinierte und andere Persön
lichkeitsstörungen, und die Klinik
E.___
äusserte immerhin einen Verdacht auf eine solche. Die Klinik
E.___
erwähnte zudem eine rezidivierende depressive Störung.
Unklar ist auch
, ob es sich bei den Beeinträchtigungen de
s
Beschwerdeführer
s
um reine und damit IV-rechtlich unbeachtliche Suchtfolgen handelt oder ob der
Substanzgebrauch
Teil, Grund oder Folge eines Gesund
heitsschadens de
s
Beschwerdeführer
s
ist.
Hinzu kommt,
dass die vorhandenen Berichte
keine fundierte und objektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
zulassen.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende psychiatrische Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers
insbesondere auch angesichts der langen psychiatrischen
und
polytoxikoma
ni
schen
Vorgeschichte (vgl. vorstehend E. 3.2)
als unzulänglich, weshalb
d
ie ange
foch
tene Verfügung aufzuheben und
die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen ist, damit diese nach ergänzender
externer
psychiatrischer Ab
klärung
eine neue Beurteilung vornehme, gegebenenfalls Eingliederungsmass
nahmen prüfe und
über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu ver
füge.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde
in diesem Sinne
.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und, da die Rück
weisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss von der Beschwerde
gegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen,
dass
die angefochtene Verfügung vom
14. Dezember 2016
aufgehoben und die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
7
00
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKeller