# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eab8a8f3-54d8-58ff-b745-120b7261061b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2011 E-6829/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6829-2007_2011-09-07.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­6829/2007

U r t e i l   v om   7 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Maurice Brodard,   
Gerichtsschreiberin Sarah Diack.

Parteien A._______,, geboren (…), Türkei,
vertreten durch lic.iur. Manuela Schiller, Rechtsanwältin,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylwiderruf; 
Verfügung des BFM vom 5. September 2007 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  türkischer  Staatsangehöriger  –  reichte  am 
1. Februar  1995  bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Bukarest  ein 
Asylgesuch  ein,  worauf  ihm  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge 
(BFF,  heute:  BFM)  am  22.  Februar  1995  die  Einreise  in  die  Schweiz 
zwecks  Abklärung  des  Sachverhaltes  bewilligte.  Mit  Entscheid  vom 
13. November  1995  gewährte  das  BFF  ihm  unter  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft Asyl.

B. 
Mit Urteil vom (…) 2001 wurde der Beschwerdeführer wegen mehrfachen 
Fahrens  in  angetrunkenem  Zustand,  mehrfacher  Entwendung  eines 
Fahrzeuges  zum  Gebrauch  und  mehrfachen  Fahrens  trotz 
Führerausweisentzug  zu  zehn  Monaten  Gefängnis  unbedingt  verurteilt. 
Am (…) 2003 verurteilte  ihn das Obergericht des Kantons B._______ zu 
fünf  Monaten  Gefängnis  unbedingt  wegen  Fahrens  in  angetrunkenem 
Zustand  und  Fahrens  ohne  Führerausweis  und  ordnete  eine 
vollzugsbegleitende  ambulante  Massnahme  an.  Mit  Urteil  des 
Bezirksgerichts  C.________  vom  (…)  2005  wurde  er  zu  16  Monaten 
Gefängnis  unbedingt  verurteilt  wegen  mehrfachen  Fahrens  in 
angetrunkenem  Zustand,  mehrfacher  Vereitelung  einer  Blutprobe,  der 
Entwendung  zum Gebrauch,  des mehrfachen  pflichtwidrigen Verhaltens 
bei Unfall, des mehrfachen Fahrens trotz Führerausweisentzug sowie der 
mehrfachen  Verletzung  von  Verkehrsregeln.  Am  (…)  2007  folgte  ein 
Urteil des Bezirksgerichts C._______, mit welchem er wegen mehrfachen 
Fahrens  in  fahrunfähigem  Zustand  mit  qualifizierter 
Blutalkoholkonzentration,  mehrfachen  Lenkens  eines  Fahrzeuges  trotz 
Führerausweisentzug  sowie  mehrfacher  Verletzung  von  Verkehrsregeln 
zu  einer  teilweisen  Zusatzstrafe  von  acht  Monaten  Freiheitsstrafe  und 
einer Busse von Fr. 100.­­ verurteilt wurde.

C. 
Am  23.  März  2007  gelangte  [die  kantonale  Behörde]  schriftlich  an  das 
BFM,  informierte es über die ergangenen strafrechtlichen Verurteilungen 
und  ersuchte  darum,  die Voraussetzungen  für  einen Asylwiderruf  sowie 
für eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft zu prüfen. 

D. 
Mit Schreiben vom 18. Mai 2007  teilte das BFM dem Beschwerdeführer 
mit,  dass  es  aufgrund  seiner  wiederholten  Straffälligkeit  die 

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Voraussetzungen  eines  Asylwiderrufs  als  erfüllt  erachte.  Gemäss 
Art. 63 Abs. 2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) 
werde  das  Asyl  widerrufen,  wenn  Flüchtlinge  besonders  verwerfliche 
strafbare  Handlungen  begangen  hätten.  Diese  Voraussetzung  sei 
grundsätzlich  erfüllt,  da  er  mit  seinem  Verhalten  wiederholt  Leib  und 
Leben anderer Personen gefährdet habe. Deshalb beabsichtige es, das 
ihm gewährte Asyl zu widerrufen. Es räumte dem Beschwerdeführer dazu 
das rechtliche Gehör ein, indem es ihm Frist zur Stellungnahme bis zum 
28. Mai 2007 ansetzte.

E. 
Am 22. Mai 2007 ersuchte der sich zu diesem Zeitpunkt im Justizvollzug 
in  der  (…)  Anstalt  D._______  befindende  Beschwerdeführer  um 
Fristerstreckung  zur  Einreichung  seiner  diesbezüglichen  Stellungnahme 
bis  zum 4.  Juni  2007. Er  benötige  ein wenig mehr Zeit,  da er  aufgrund 
von sprachlichen Schwierigkeiten auf Unterstützung angewiesen sei.

F. 
Am  23.  Mai  2007  erfolgte  eine  Eingabe  der  psychiatrischen  Dienste 
E._______.  Dr.  med  F._______,  Oberarzt  des  forensischen  Dienstes, 
hielt  darin  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  einer  stützenden 
psychiatrischen Intervention bedürfe, weniger einer Therapie im engeren 
Sinne.  Er  leide  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  vor 
allem  in  Bezug  auf  die  miterlebte  Tötung  [seines  Kindes].  Diese 
quälenden  Erinnerung  habe  ihn  dazu  bewogen,  seit  [damals]  vermehrt 
Alkohol  zu  trinken  und  unter  diesem  Einfluss  die  verschiedenen 
Strassenverkehrsdelikte  zu  begehen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich 
nun  im  Rahmen  der  Therapie  aber  für  die  Abstinenz  entschieden.  Die 
Medikation habe zu Verbesserungen auch im Zusammenhang mit seinen 
Schlafstörungen  geführt.  Es  sei  weiterhin  eine  stützende  Therapie 
notwendig,  die  Gefahr  eines  Rückfalles  erachte  er  jedoch  als  relativ 
gering.  Indes  könne  eine  Rücknahme  des  Asyls  eine  psychische 
Destabilisation des Beschwerdeführers zur Folge haben.

G. 
Am  29.  Mai  2007  nahm  der  Beschwerdeführer  zur  Frage  des 
Asylwiderrufs Stellung. Er brachte im Wesentlichen sinngemäss vor, dass 
er  für  die  begangenen  Delikte  seinen  Alkoholkonsum  verantwortlich 
mache,  sich  der  begangenen  Taten  nun  bewusst  sei  und  diese  Taten 
bereue. Er befinde sich gegenwärtig im Strafvollzug, wobei das Strafende 
auf  den  (…)  2008  falle  und  er  seine  Entlassung  erstmals  auf  den  (…) 

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2007  beantragen  könne.  Er  nehme  seit  Vollzugsbeginn  regelmässig  an 
Therapiegesprächen mit  einer  Fachperson  teil.  Es  seien  ihm  bereits  elf 
Urlaube  bewilligt  worden,  von  denen  er  jeweils  korrekt  und  ohne 
Alkoholkonsum  zurückgekehrt  sei. Darauf  sei  er  stolz  und  er würde  die 
Verdrängung  der  schrecklichen  Erinnerungen  durch  Alkoholkonsum  in 
Zukunft  vermeiden.  Eine  Rückkehr  in  die  Türkei  wäre  für  ihn  schwierig 
und traumatisierend.

H. 
Ebenfalls mit Datum vom 29. Mai 2007 reichte das Amt für Justizvollzug 
E._______  einen  den  Beschwerdeführer  betreffenden  Sozialbericht  ein. 
Darin wurde festgehalten, dass die vorgegebenen Normen und die hohe 
Regelungsdichte im Strafvollzug vom Beschwerdeführer stets eingehalten 
worden  seien.  Er  werde  vom  Betreuungs­  und  Sicherheitsdienst  als 
angepasst  und  kooperativ  bezeichnet;  es  sei  noch  nie  eine 
Disziplinierung nötig gewesen. Seit Beginn des Vollzugs arbeite er intern 
mit einem Beschäftigungsgrad von 100% und leiste qualitativ gute Arbeit. 
Er sei stets pünktlich, selbständig, ruhig und werde von den Mitinsassen 
akzeptiert.  Seine  psychischen Schwankungen würden  teilweise  sichtbar 
werden, er versuche jedoch, diese mit der Teilnahme an Sportanlässen in 
den  Griff  zu  bekommen.  Es  seien  ihm  bereits  elf  Urlaube  gewährt 
worden,  von  denen  er  stets  pünktlich  und  korrekt  zurückgekehrt  sei.  Er 
befinde  sich  seit  (…)  2006  in  einer  freiwilligen  ambulanten  Therapie, 
welche  eine  stabilisierende  Wirkung  habe.  Er  habe  einen 
problematischen Umgang mit Alkohol, indes verhelfe eine Medikation zur 
Stabilisierung  seiner  Stimmungsschwankungen.  Begründet  durch 
sprachliche  Schwierigkeiten  hätten  Beratungsthemen  indes  mit  dem 
Sozialdienst bisher nicht differenziert bearbeitet werden können.

I. 
Mit Entscheid vom 5. September 2007 – eröffnet am 6. September 2007 
– widerrief  das  BFM  gestützt  auf  Art. 63  Abs. 2  AsylG  das  dem 
Beschwerdeführer  am  13. November  1995  gewährte  Asyl.  Auf  die 
Begründung wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

J. 
Mit  Eingabe  vom  8. Oktober 2007  erhob  der  Beschwerdeführer – 
handelnd  durch  seine  Rechtsvertreterin  –  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  die  Aufhebung 
der  angefochtenen  Verfügung.  In  formeller  Hinsicht  ersuchte  er  um  die 

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Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs.1 
und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Möglichkeit  der 
Beschwerdeergänzung,  da  die  vorinstanzlichen  Akten  zu  diesem 
Zeitpunkt noch nicht bei der Rechtsvertreterin eingegangen seien.

K. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  17. Oktober  2007  forderte  die  zuständige 
Instruktionsrichterin den Beschwerdeführer auf, bis zum 26. Oktober 2007 
seine Beschwerdeergänzung einzureichen.

L. 
Mit  Datum  vom  26. Oktober  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  seine 
Beschwerdeergänzung ein. 

Als  Beweismittel  legte  der  Beschwerdeführer  ein  Gutachten  der 
psychiatrischen  Dienste  B._______,  datiert  vom  (…)  2003,  eine 
Verfügung  des  Bezirksgerichts  G._______  vom  (…)  2003  betreffend 
Strassenverkehrsgesetz (SVG)­Widerhandlung,  einen  Situationsbericht 
von H._______, dipl. Psychologin,  I._______, datiert vom (…) 2004, ein 
psychiatrisches  Massnahmegutachten  des  Institutes  für  Rechtsmedizin 
der  Universität  Zürich  vom  30.  September  2005,  einen  Bericht  der 
psychiatrischen Dienste  E._______  vom  22. Dezember  2006  und  einen 
Sozialbericht des Amts  für Justizvollzug E._______ vom 4. Januar 2007 
vor.

Er  rügte  im  Wesentlichen,  die  begangenen  Strassenverkehrsdelikte 
würden  keine  "besonders  verwerfliche  Handlung"  gemäss  Asylgesetz 
darstellen.  Zudem  wäre  der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  nicht 
gewahrt,  zumal  seine  Traumatisierung  –  infolge  des  Miterlebens  der 
Tötung [seines Kindes] – hätte mitberücksichtigt werden müssen.

M. 
Am  7.  Dezember  2007  reichte  die  Vorinstanz  ihre  diesbezügliche 
Vernehmlassung  ein.  Sie  führte  im  Wesentlichen  aus,  dass  der 
Beschwerdeführer  anhand  seiner  Aussagen  von  unentschuldbarer 
Uneinsichtigkeit  sei.  So  hätten  ihn  –  wie  bereits  erwähnt  –  auch  die 
vollzogenen  Freiheitsstrafen  bisher  nicht  davon  abgehalten,  weiter  zu 
delinquieren und dadurch Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer zu 
gefährden. Möglicherweise werde ihn nun aber ein Asylwiderruf zu einer 

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Verhaltensänderung  veranlassen.  Im  Übrigen  verweise  sie  auf  ihre 
Erwägungen in der Verfügung, an denen sie vollumfänglich festhalte. 

N. 
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Eingabe einer Replik.

O. 
Am 13. Juli 2011 reichte die Rechtsvertreterin ihre Kostennote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  im Bereich  des Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.   Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 
Einreichung  der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  108 Abs.  1 AsylG 
i.V.m. Art.  48 Abs. 1, Art. 50  sowie 52 VwVG).   Auf  die Beschwerde  ist 
somit einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
 
3. 

3.1. Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG widerruft das BFM das Asyl, wenn ein 
Flüchtling die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt hat, 
gefährdet  oder  besonders  verwerfliche  strafbare  Handlungen  begangen 
hat.  Ein  derartiger  Widerruf  setzt  gemäss  konstanter  Rechtsprechung 
eine qualifizierte Asylunwürdigkeit (Art. 53 AsylG) voraus; mithin muss die 
"besonders  verwerfliche  Handlung"  qualitativ  eine  Stufe  über  der 
"verwerflichen Handlung" im Sinne von Art. 53 AsylG stehen. Die in Frage 
stehende  Straftat  muss  demnach  mit  einer  erheblichen  Strafe  bedroht 
sein  und  eine  gewisse  Intensität  aufweisen.  Zudem  muss  bei  der 
Würdigung  einer  strafbaren  Handlung  als  "besonders  verwerflich"  im 
Sinne  von Art.  63 Abs. 2 AsylG der Grundsatz der Verhältnismässigkeit 
beachtet werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 11).

3.2.  Nach  der  bisherigen  Rechtsprechung  galten  als  "verwerfliche" 
Handlungen  diejenigen  Delikte,  die  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff 
des Strafrechts entsprachen (vgl. EMARK 2003 Nr. 11; WALTER STÖCKLI, 
Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Genf/München  2009,  Rz. 11.51  S. 541).  Gemäss  dem  bis  zum 
31. Dezember  2006  geltenden Art.  9  Abs.  1  des  alten Schweizerischen 
Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (aStGB, SR 311.0) galten die 
mit  Zuchthaus  bedrohten  strafbaren  Handlungen  als  Verbrechen;  im 
Gegensatz  zu  den mit  Gefängnis  als  Höchststrafe  bedrohten  Vergehen 
(Art. 9 Abs. 2 aStGB). Zuchthaus galt  als die höchste Strafe, mit  einem 
Strafrahmen zwischen einem bis  zwanzig Jahren  respektive, wo es das 
Gesetz besonders bestimmte, lebenslänglich (Art. 35 aStGB).

3.3.  Am  1. Januar  2007  trat  der  neue  Allgemeine  Teil  (AT)  des 
Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR 
311.0)  in Kraft  (vgl. AS 2006 3459; BBI 1999 1979). Seither werden als 
Verbrechen jene Taten definiert, die mit Freiheitsstrafe von mehr als drei 
Jahren bedroht sind (Art. 10 Abs. 2 StGB). Demgegenüber sind Vergehen 
Taten,  die  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren  oder  mit  Geldstrafe 
bedroht sind  (Art. 10 Abs. 3 StGB). Die Höchstdauer der Freiheitsstrafe 

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beträgt  gemäss  Art.  40  StGB  zwanzig  Jahre  respektive,  wo  es  das 
Gesetz ausdrücklich bestimmt, lebenslänglich.

3.4.  Da  mit  der  gesetzlichen  Neuerung  die  Unterscheidung  zwischen 
Zuchthaus  und  Gefängnis  aufgegeben  wurde,  ist  die  Abgrenzung 
zwischen Verbrechen und Vergehen nicht mehr  an diesem begrifflichen 
Unterschied  festzumachen.  Neu  wird  bei  der  Abgrenzung  zwischen 
Verbrechen  und  Vergehen  auf  die  abstrakte  Höchststrafandrohung 
abgestellt.  Im Ergebnis handelt es sich  jedoch um dieselbe Abgrenzung 
wie  im  alten  Recht,  da  die  Gefängnisstrafe  früher  –  abgesehen  von 
wenigen Ausnahmen – gemäss Art. 36 aStGB maximal drei Jahre betrug 
(vgl.  Botschaft  zur  Revision  des  StGB  vom  21. September  1998,  BBI 
1999 II 2001). Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Gesetzgeber mit 
der  Neuformulierung  des  Verbrechensbegriffs  indirekt  auch  den  in  den 
Art.  53  und  Art.  63  Abs.  2  AsylG  verwendeten  Begriff  "verwerflich" 
inhaltlich neu hätte definieren wollen. Mithin besteht keine Veranlassung, 
die  Verknüpfung  des  Begriffs  der  "verwerflichen  Handlung"  mit 
demjenigen des "Verbrechens" gemäss Art. 10 StGB aufzugeben. Daraus 
folgt,  dass unter den Begriff  der  "verwerflichen Handlung"  im Sinne von 
Art.  53 AsylG  (weiterhin) diejenigen Taten zu subsumieren sind, die mit 
einer  Freiheitsstrafe  von  mehr  als  drei  Jahren  bedroht  sind  (vgl. 
beispielsweise Entscheide  des Bundesverwaltungsgerichts D­1071/2011 
und D­6747/2010,  beide  vom  23. Mai  2011,  und D­4286/2010  vom  23. 
Februar 2011).

4. 

4.1.  Vorliegend  ist  als  Erstes  zu  prüfen,  ob  der  Beschwerdeführer 
Straftaten  verübt  hat,  die  in  Anbetracht  des  Obgenannten  (E.  3)  als 
"besonders verwerflich"  im Sinne von   Art. 63 Abs. 2 AsylG zu erachten 
sind. 

4.2. Mit Urteilen vom (…) 2001, (…) 2003, (…) 2005 und (…) 2007 wurde 
der Beschwerdeführer wegen mehrfacher Entwendung eines Fahrzeuges 
zum Gebrauch, mehrfachen Fahrens trotz Führerausweisentzug, Fahrens 
in angetrunkenem Zustand ohne Führerausweis (einmal mit qualifizierter 
Blutalkoholkonzentration),  mehrfachen  pflichtwidrigen  Verhaltens  bei 
Unfall  sowie  mehrfacher  Verletzung  von  Verkehrsregeln  verurteilt.  Bei 
den  begangenen  Delikten  handelt  es  sich  ausschliesslich  um 
Straftatbestände des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 
(SVG,  SR  741.01).  Die  Tatbestände  Fahren  im  fahrunfähigen  Zustand 

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(Art. 91 Abs. 1 SVG), Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der 
Fahrunfähigkeit  (vorliegend  die  Vereitelung  einer  Blutprobe  gemäss 
Art. 91a Abs. 1 SVG), pflichtwidriges Verhalten bei Unfall (Art. 92 Abs. 1 
und  2  SVG),  Entwendung  zum  Gebrauch  (Art.  94  Abs. 1  SVG)  sowie 
Fahren  ohne  Führerweis  trotz  Entzugs  (Art. 95  Ziff.  2  SVG)  sind 
ausnahmslos mit einer Höchststrafe von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe 
bedroht.  Daher  handelt  es  sich  gemäss  Rechtsprechung  nicht  um 
"Verbrechen",  sondern  um  Taten,  die  auf  der  Stufe  des  Vergehens 
stehen,  womit  ihnen  keine  "Verwerflichkeit"  oder  gar  "besondere 
Verwerflichkeit" im Sinne des Asylgesetzes zukommt. 

4.3.  Die  Vorinstanz  hat  in  ihrer  Verfügung  als  Schlussbemerkung 
angefügt, der Beschwerdeführer sei im Übrigen insgesamt zu einer Strafe 
von  mehr  als  drei  Jahren  verurteilt  worden.  Diese  Überlegung  ist 
unzutreffend:  Der  Begriff  der  "verwerflichen  Handlung"  lehnt  –  wie 
erwähnt – ausschliesslich an das Höchstmass der Strafe an, mit der die 
entsprechende  Straftat  bedroht  ist  und  nicht  an  die  Dauer  der 
tatsächlichen  Verurteilung.  Da  sich  das  abstrakte  Höchststrafmass  mit 
der  mehrfachen  Begehung  nicht  verändert,  ist  im  Hinblick  auf  die 
Würdigung  als  "besonders  verwerflich"  nicht  relevant,  wie  oft  die  Tat 
begangen wurde.

4.4. Da eine  "verwerfliche" Tat  im Sinne des AsylG auf  der Stufe eines 
Verbrechens steht, verletzt sie per se  immer die  "öffentliche Sicherheit", 
da diese alle geltenden Rechtsnormen umfasst. Das AsylG verwendet im 
Zusammenhang  mit  dem  Asylwiderruf  den  Begriff  der  "öffentlichen 
Sicherheit"  indes  nicht,  womit  eine  Gefährdung  oder  Verletzung  der 
"öffentlichen Sicherheit" vorliegend nicht relevant ist. 

Die Vorinstanz führt in ihrer Verfügung aus, es sei wohl nur dem Zufall zu 
verdanken,  dass  durch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  bisher 
keine  Personen  verletzt  oder  gar  getötet  worden  seien.  Auch  durch 
mehrere  Strafurteile  beziehungsweise  durch  Entzug  des 
Führerausweises  habe  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  von  weiterer 
Delinquenz  abhalten  lassen.  Die  begangenen  Taten  würden  sich  als 
"besonders  verwerfliche  Verhaltensweise"  darstellen,  und  der 
Beschwerdeführer  habe  Leib  und  Leben  anderer  Personen  und  damit 
auch  deren  Sicherheit  gefährdet.  Auch  aus  dieser  Überlegung  heraus 
seien  die  "verwerflichen"  Straftaten  als  "besonders  verwerflich"  zu 
qualifizieren und daher  rechtfertige sich ein Asylwiderruf gemäss Art. 63 
Abs.  2  AsylG.  Soweit  mit  diesen  Erwägungen  sinngemäss  begründet 

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werden  sollte,  der  Beschwerdeführer  habe  die  "öffentliche  Sicherheit" 
gefährdet, kann dem nicht gefolgt.

5. 

5.1.  Gemäss  Art. 63  Abs.  2  AsylG  kann  das  dem  Flüchtling  einmal 
gewährte Asyl  sodann widerrufen werden, wenn dieser die  "innere oder 
äussere Sicherheit der Schweiz" verletzt oder gefährdet hat. 

5.2.    Wie  oben  festgestellt,  bleiben  die  Hinweise  des  BFM  auf  die 
"Gefährdung  von  Leib  und  Leben  und  Sicherheit  anderer 
Verkehrsteilnehmer"  ohne  Relevanz,  soweit  damit  sinngemäss  eine 
Gefährdung der "öffentlichen Sicherheit" angerufen werden soll.

Ebenso sind diese vorinstanzlichen Erwägungen nicht geeignet, um eine 
Gefährdung  der  "inneren  oder  äusseren  Sicherheit  der  Schweiz" 
aufzuzeigen.  Im  Gegensatz  zur  "öffentlichen  Sicherheit"  bezieht  sich 
dieser Begriff auf sicherheitspolitische  Interessen der Schweiz als Staat. 
"Darunter ist insbesondere die Gefährdung des Vorranges der staatlichen 
Gewalt im militärischen und politischen Bereich zu verstehen; zu denken 
ist etwa an die konkrete Bedrohung durch Terrorismus, den gewalttätigen 
Extremismus,  den  verbotenen  Nachrichtendienst,  die  organisierte 
Kriminalität und Handlungen und Bestrebungen, welche die auswärtigen 
Beziehungen der Schweiz ernsthaft gefährden oder auf eine gewaltsame 
Änderung der staatlichen Ordnung abzielen" (Botschaft des Bundesrates 
vom  4.  Dezember  1995  zur  Totalrevision  des  Asylgesetzes  sowie  zur 
Änderung  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der 
Ausländer, BBI 1996  II, S. 72, vgl. auch das eidgenössische Justiz­ und 
Polizeidepartement  [EJDP]  auf  seiner  offiziellen  Internetseite,  abrufbar 
unter: 
http://www.ejpd.admin.ch/content/ejpd/de/home/themen/sicherheit/innere
_sicherheit.html  [zuletzt  besucht  am:  1.  September  2011],  sowie  MARC 
SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Migrationsrecht,  Zürich 
2009, 2. aktualisierte Auflage, Kommentar zu Art. 62 AuG, Rz. 8 S. 148). 
Somit  können  nur  schwerwiegende  Taten  im  Sinne  der  zitierten 
Auflistung  "staatsgefährdend"  sein  (zum  Ganzen:  RUEDI  ILLES,  NINA 
SCHREPFER,  JÜRG  SCHERTENLEIB,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH 
[Hrsg.]:  Handbuch  zum  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren,  Bern  u.a. 
2009,  S.  201);  Strassenverkehrsdelikte  fallen  hier  offenkundig  nicht 
darunter. 

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5.3.  Der  Vollständigkeit  halber  sei  betreffend  die  vorinstanzliche 
Erwägung  in  der  Vernehmlassung,  wonach  der  Beschwerdeführer 
eventuell  mit  dem  Asylwiderruf  dazu  bewegt  werden  könne,  von  den 
Strassenverkehrsdelikten  abzulassen,  Folgendes  angemerkt:  Der 
Beschwerdeführer ist für seine Delikte strafrechtlich verurteilt worden und 
die  Strafen  wurden  vollzogen;  Strafen  und  entsprechende  (Vollzugs­
)massnahmen werden ausschliesslich durch das Strafrecht geregelt. Der 
Asylwiderruf  stellt  indes  einen  verwaltungsrechtlichen  Akt  dar,  der 
Resultat  der  entsprechenden  erfüllten  Voraussetzungen  ist. 
Strafrechtliche  (Präventions)­massnahmen  entsprechen  nicht  Sinn  und 
Zweck  des  Verwaltungsrechts,  womit  es  unzutreffend  ist,  einen 
Asylwiderruf als strafrechtliche Massnahme zu erachten.

5.4. Nach  dem  Gesagten  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  keine 
"verwerfliche",  mithin  auch  keine  "besonders  verwerfliche"  Straftat  und 
keine  Gefährdung  oder  Verletzung  der  "inneren  oder  äusseren 
Sicherheit"  der  Schweiz  begangen  hat.  Es  besteht  somit  kein 
Asylwiderrufsgrund.

6. 
Die  Beschwerde  vom  8. Oktober  2011  ist  demnach  gutzuheissen.  Der 
angefochtene  Entscheid  des  BFM  vom  5. September  2007  ist 
aufzuheben und dem Beschwerdeführer ist weiterhin Asyl in der Schweiz 
zu gewähren.

7. 

7.1. Der Beschwerdeführer  beantragt  die  unentgeltliche  Prozessführung 
im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  und  die  unentgeltliche 
Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG. Eine amtliche 
Verbeiständung sei  ihm wegen der erheblichen Tragweite und aufgrund 
sprachlicher  Schwierigkeiten,  der  damit  zusammenhängenden 
Unterstützungsnotwendigkeit  und  seiner  Rechtsunkundigkeit  zu 
gewähren.

7.2.  Der  obsiegenden  Partei  werden  keine  Verfahrenskosten  auferlegt 
(Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Ihr  wird  zudem  für  die  ihr  erwachsenen 
notwendigen Kosten, die die Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen 
der Partei beinhalten, eine Parteientschädigung ausgerichtet (Art. 64 Abs. 
1  VwVG  i.V.m.  Art.  7  Abs.  1  und  Art.  8  Abs.  1  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 

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Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2).  Da  der 
Beschwerdeführer  vollständig  obsiegt  hat,  ihm  somit  keine 
Verfahrenskosten  auferlegt  werden  und  er  Anspruch  auf 
Parteientschädigung hat, erübrigt sich eine Prüfung der Voraussetzungen 
der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG und der 
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 2 VwVG.

8. 

8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  somit  keine  Kosten  zu 
erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

8.2. Dem obsiegenden Beschwerdeführer  ist  in Anwendung  von Art.  64 
Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  VGKE  zulasten  der  Vorinstanz  eine 
Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und 
verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin des 
Beschwerdeführers  weist  in  ihrer  Kostennote  vom  13.  Juli  2011  einen 
Aufwand von 2,3 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 200.­ sowie 
Auslagen  in  der  Höhe  von  Fr.  75.­­  aus.  Dieser  Aufwand  ist  als 
angemessen zu erachten, und die Parteientschädigung  ist demnach auf 
Fr. 576.­­ (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 5. September 2007 wird aufgehoben; das 
dem Beschwerdeführer gewährte Asyl bleibt in Kraft.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung  in  Höhe  von  Fr.  576.­­  (inkl.  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer) zu entrichten.

5. 
Dieses Urteil  geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Sarah Diack

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