# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1f591417-51f4-5b09-879f-556325c7127e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-17
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 17.04.2024 SB230234
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230234_2024-04-17.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230234-O/U/sm

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. 

Hoffmann und Oberrichter lic. iur. Weder sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Gitz

Urteil vom 17. April 2024

in Sachen

A._____, 
Beschuldigter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter

verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwalt MLaw Rikenmann

Anklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin

sowie

B._____,
Privatklägerin

betreffend Vergewaltigung

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 
10. Januar 2023 (DG220089)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich ist diesem Urteil 

beigeheftet (Urk. 15).

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Beschuldigte ist schuldig der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate) wird 

die Freiheitsstrafe vollzogen.

4. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

5. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im 

Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet. Das Forensische In-

stitut Zürich (FOR) wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte 

verpflichtet, innert 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des Urteils beim 

Forensischen Institut Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Erkennungs-

dienst‚ Güterstrasse 33, 8010 Zürich zwecks DNA-Probenahme für die DNA-

Profilerstellung zu erscheinen. Kommt er dieser Verpflichtung unentschuldigt 

nicht nach, wird die Kantonspolizei hiermit verpflichtet, ihn - auf entspre-

chende Mitteilung des Forensischen Instituts Zürich hin - zwangsweise vor-

zuführen. Der Beschuldigte wird auf Art. 205, 207 und 417 StPO aufmerk-

sam gemacht.

6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

13. April 2022 beschlagnahmte Mobiltelefon Marke iPhone XS 

(A014'566'337) wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

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Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf 

einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet.

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'800.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 3'500.–   Gebühr Strafuntersuchung;

Fr. 710.–   Gutachten/Expertisen etc.;

Fr. 250.–   Diverse Kosten

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt.

Berufungsanträge:

a) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 86 S. 2 f.)

1. Folgende Ziffern des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 10. Januar 

2023 seien aufzuheben:

Ziff. 1 (Schuldspruch)

Ziff. 2 (Strafmass)

Ziff. 3 (Vollzugsart)

Ziff. 5 (DNA-Probe)

Ziff. 7 (Gerichtsgebühr)

Ziff. 8 (Kosten der Untersuchung)

2. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Pro-

fils sei abzusehen.

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4. Die Gerichtsgebühren sowie die weiteren Kosten des vorinstanzlichen 

Verfahrens seien vollumfänglich und endgültig auf die Staatskasse zu 

nehmen.

5. Die Untersuchungskosten seien vollumfänglich und endgültig auf die 

Staatskasse zu nehmen.

6. Bezüglich der Kosten der Verteidigung im vorinstanzlichen Verfahren 

sei der Beschuldigte mit Fr. 17'783.70 zu entschädigen.

7. Die Verfahrenskosten des vorliegenden Verfahrens inkl. der Kosten der 

Verteidigung von Fr. 8'406.60 seien auf die Staatskasse zu nehmen.

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich: 

(Urk. 70 S. 2; Urk. 85 S. 1)

1. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten aufzu-

schieben und die Probezeit sei auf 2 Jahre festzusetzen. Im Übrigen 

(12 Monate) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

2. Es sei die Landesverweisung für die Dauer von 7 Jahren anzuordnen.

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Erwägungen:

I.   Verfahrensgang

1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abtei-

lung, vom 10. Januar 2023 gemäss dem eingangs erwähnten Urteilsdispositiv 

schuldig gesprochen. Das Urteil wurde gleichentags schriftlich eröffnet und den 

Parteien im Dispositiv zugestellt (Urk. 56). Innert Frist meldete der Beschuldigte 

Berufung gegen das Urteil an (Urk. 58/2; Urk. 59). Gegen das schriftlich begrün-

dete Urteil (Urk. 63) erstattete der Beschuldigte mit Eingabe vom 2. Mai 2023 (Da-

tum Poststempel: 3. Mai 2023) fristgerecht die Berufungserklärung (Urk. 62/2; 

Urk. 65). Auf die Fristansetzung vom 8. Mai 2023 erhob die Staatsanwaltschaft I 

des Kantons Zürich (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) Anschlussberufung, wel-

che sie auf die Bemessung und den Vollzug der Strafe sowie die Anordnung der 

Landesverweisung beschränkt (Urk. 67; Urk. 70). Die Privatklägerin beantragte 

ebenfalls auf die Fristansetzung vom 8. Mai 2023 für den Fall, dass das Gericht 

eine Befragung von ihr als notwendig erachte, durch eine Person gleichen Ge-

schlechts einvernommen zu werden (Urk. 67; Urk. 69).

2. Die Parteien wurden am 1. September 2023 zur Berufungsverhandlung 

auf den 17. April 2024 vorgeladen (Urk. 73). Am 4. April 2024 wurde die Privatklä-

gerin zur Einvernahme als Auskunftsperson auf den 17. April 2024 vorgeladen 

(Urk. 75B). Mit Präsidialverfügung vom 4. April 2024 wurde die Publikumsöffent-

lichkeit für die Beweisabnahme von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen 

(Urk. 76). Am 15. April 2024 reichte die Privatklägerin ein Verhandlungsunfähig-

keitszeugnis ein (Urk. 81; Urk. 82), welches den Parteien gleichentags mit dem 

Hinweis, dass über weitere Beweisabnahmen anlässlich der Berufungsverhand-

lung entschieden werde, zugestellt wurde (Urk. 83). Unter demselben Hinweis 

wurde die Ladung für die Privatklägerin abgenommen (Urk. 84). Zur Berufungs-

verhandlung sind Staatsanwalt MLaw Rikenmann und der Beschuldigte in Beglei-

tung seines Verteidigers Rechtsanwalt MLaw X._____ erschienen (Prot. II S. 5). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte die Staatsanwaltschaft ihre Be-

rufungsanträge dahingehend, dass die Anschlussberufung auf den Vollzug der 

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Freiheitsstrafe sowie die Anordnung einer Landesverweisung beschränkt werde 

(Urk. 85 S. 1).

II.   Gegenstand des Berufungsverfahrens

1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-

heliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Urteils 

einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen Punkten 

besteht. Bei Anfechtung des Schuldspruchs mit Antrag auf Freispruch gelten für 

den Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammenhängende Folge-

punkte des Urteils, wie zum Beispiel Nebenfolgen von Entscheiden über Einzie-

hungen, Zivilpunkte sowie Kosten- und Entschädigungsregelungen, als angefoch-

ten. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die weiteren nicht an-

gefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung nicht zu überprü-

fen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1320/2020 vom 

12. Januar 2022 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 22]; vgl. auch SCHMID/JOSITSCH, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4. Auflage, Zürich/ 

St. Gallen 2023, N 18 zu Art. 399 StPO; HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/Lie-

ber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung StPO, 3. Auflage, Zürich 2020, N 19 und 20 zu Art. 399 StPO). 

Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt 

es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzuge-

ben hat, welche Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 

244 E. 1.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016 

E. 4.2 mit Hinweisen).

2. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen 

Freispruch mit ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsregelung (Urk. 65 

S. 2 f.).

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3. Die Staatsanwaltschaft beantragt den Vollzug der Freiheitsstrafe im Um-

fang von 18 Monaten aufzuschieben und im Übrigen zu vollziehen, unter Anset-

zung einer Probezeit von 2 Jahren, sowie die Anordnung einer Landesverweisung 

für die Dauer von 7 Jahren (Urk. 70 S. 2; Urk. 85 S. 1).

4. Unangefochten geblieben ist die Anordnung betreffend das beschlag-

nahmte Mobiltelefon für den Fall des Eintritts der Rechtskraft des Urteils (Disposi-

tiv-Ziffer 6). Da die Herausgabe der beschlagnahmten Beweismittel erst mit Ein-

tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils erfolgen kann, wird das vorinstanzli-

che Urteil in keinem Punkt rechtskräftig. Es kann jedoch nach dem vorstehend 

Gesagten in Bezug auf die Herausgabe der Beweismittel infolge deren Nichtan-

fechtung gegebenenfalls ohne weiteres auf die vorinstanzliche Regelung zurück-

gegriffen werden.

III.   Prozessuales

1. Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhalts auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils im Einzelnen 

explizit Erwähnung findet. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Entscheid-

begründung nach der Rechtsprechung kurz die wesentlichen Überlegungen 

nennen muss, von denen sich das Gericht leiten liess und auf die es seinen Ent-

scheid stützt. Es darf sich auf die massgebenden Gesichtspunkte beschränken 

und muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem 

rechtlichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen (BGE 147 IV 409 

E. 5.3.4 mit Hinweisen). Dabei kommt es auf den Einzelfall an (BGE 146 IV 297 

E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1). Die Begründungspflicht ist eingehalten, wenn die 

Gründe erkennbar sind, von welchen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat 

leiten lassen, selbst wenn die angegebene Begründung falsch ist. Im Übrigen 

kann die Begründung implizit erfolgen und sich aus verschiedenen Erwägungen 

des angefochtenen Entscheids ergeben (BGE 141 V 557 E. 3.2.1; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_219/2021 vom 19. April 2023 E. 2.2 [zur Publ. vorgesehen]; 

6B_1097/2021 vom 26. Oktober 2022 E. 3.4; 6B_85/2022 vom 25. August 2022 

E. 1.2).

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2. Sofern die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung 

notwendig erscheint, erhebt das Berufungsgericht im Vorverfahren ordnungsge-

mäss erhobene Beweise noch einmal (Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 

StPO; BGE 143 IV 288 E. 1.4.1). Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme 

durch das Berufungsgericht in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich 

sein, wenn dieses von den erstinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abwei-

chen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 6.3.1; 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 E. 1.2 [nicht publ. in 

BGE 146 IV 153]; 6B_918/2018 vom 24. April 2019 E. 2.2.2; je mit Hinweisen). 

Eine unmittelbare Abnahme eines Beweismittels ist namentlich notwendig, wenn 

es den Ausgang des Verfahrens beeinflussen kann, insbesondere wenn die Kraft 

des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner 

Präsentation entsteht. Dies ist etwa der Fall, wenn es in besonderem Masse auf 

den unmittelbaren Eindruck einer Aussage ankommt, so wenn diese das einzige 

direkte Beweismittel ("Aussage-gegen-Aussage-Konstellation") darstellt. Allein der 

Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), lässt eine erneute Beweisab-

nahme nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das Urteil in entscheiden-

der Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es sagt) abhängt (BGE 140 IV 

196 E. 4.4.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_224/2023 vom 26. Oktober 2023 

E. 4.2.1; 6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 3.3.3; 6B_992/2022 vom 17. Fe-

bruar 2023 E. 2.3.3; 6B_612/2020 vom 1. November 2021 E. 2.3.3; je mit Hinwei-

sen). Nach der Rechtsprechung können auf Video aufgezeichnete Einvernahmen 

genügen, um sich ein hinreichendes Bild von der Glaubwürdigkeit der Auskunfts-

person oder des Zeugen resp. der Glaubhaftigkeit deren Aussagen zu verschaf-

fen. Dies ist namentlich der Fall, wenn weitere Sachbeweise oder Indizien vorlie-

gen und die einvernommene Person konstant und in sich logisch konsistent aus-

sagt (Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 6.3.1; 

6B_1273/2021 vom 14. März 2023 E. 3.3.4; 6B_1265/2019 vom 9. April 2020 

E. 1.2 [nicht publ. in BGE 146 IV 153]; 6B_687/2018 vom 4. Juni 2019 E. 2.3; je 

mit Hinweisen). 

3. Die Privatklägerin wurde am 28. Oktober 2020 schriftlich von der Polizei 

(Urk. 3/1) und danach am 14. Dezember 2021 durch die Staatsanwaltschaft mit-

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tels Videoaufzeichnung (Urk. 3/3) befragt. Letztere Einvernahme fand in Anwe-

senheit des Beschuldigten und seines Verteidigers statt (Urk. 3/3 S. 1). Aufgrund 

ihrer psychischen Erkrankung und einer fortgeschrittenen Schwangerschaft war 

die Privatklägerin nicht in der Lage, der Vorladung zur Einvernahme als Aus-

kunftsperson am 17. April 2024 Folge zu leisten (Urk. 82). Selbst wenn die Privat-

klägerin in der staatsanwaltschaftlichen Videoaufnahme aufgrund der damals gel-

tenden Corona-Schutzmassnahmen eine Hygienemaske trug, kann ein Eindruck 

von ihr und ihrem Aussageverhalten erhalten werden. Diese staatsanwaltschaftli-

che Videoeinvernahme ist einer erstinstanzlichen Einvernahme der Privatklägerin 

gleichwertig, da sich die erkennende Kammer einen eigenen Eindruck vom Aus-

sageverhalten der Privatklägerin verschaffen kann. Wie nachfolgend im Rahmen 

der Sachverhaltserstellung zu zeigen sein wird, hängt das vorliegende Urteil nicht 

in entscheidender Weise vom Aussageverhalten der Privatklägerin, sondern vom 

Inhalt ihrer Aussagen ab, aber insbesondere auch von den eigenen Aussagen 

des Beschuldigten. Eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsge-

richt ist daher nicht erforderlich, weshalb auf eine Befragung der Privatklägerin im 

Berufungsverfahren verzichtet werden kann.

IV.   Sachverhalt

1. Anklagevorwurf

1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 14. April 2022 vorge-

worfen, die Privatklägerin am tt. Juli 2017, zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr, am 

C._____ in Zürich getroffen zu haben. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin, 

welche er kurze Zeit davor über die Dating-Plattform Badoo kennengelernt habe, 

mit seinem Auto am C._____ abgeholt. Zusammen hätten sie sich zu einem nicht 

näher bekannten Restaurant in der Stadt Zürich begeben, in welchem sie wäh-

rend ca. zwei Stunden zusammen Bier getrunken hätten.

1.2. In der Folge habe der Beschuldigte die Privatklägerin um ca. 22:00 Uhr 

mit seinem Auto in die Tiefgarage der D._____ Carrosserie und Garage am 

E._____-platz an der F._____-strasse … in … Zürich gefahren. In dieser Tiefga-

rage habe der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt dauerhaft einen Parkplatz ge-

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mietet und gegenüber der Privatklägerin gemeint, dass er dort lediglich sein Auto 

parkieren wolle. Der Beschuldigte habe sein Auto gleich rechts nach dem Gara-

gentor parkiert, wobei sich ca. zwei Meter rechts des Autos auf dessen Beifahrer-

seite ein Tisch befunden habe. Sowohl der Beschuldigte als auch die Privatkläge-

rin seien ausgestiegen und der Beschuldigte sei daraufhin für die Privatklägerin 

sichtbar zum Garagentor gegangen und habe dieses geschlossen.

1.3. Daraufhin sei der Beschuldigte zurück zur Privatklägerin gegangen, wel-

che auf der Beifahrerseite mit dem Rücken zum Auto gestanden sei und habe be-

gonnen mit ihr – im gegenseitigen Einvernehmen – Zungenküsse auszutauschen.

1.4. In der Folge habe der Beschuldigte mit seiner Hand unvermittelt in die 

Unterhose der Privatklägerin gegriffen und sie an ihren Schamlippen und an ihrer 

Klitoris berührt. Die Privatklägerin habe dem Beschuldigten daraufhin klar und 

verständlich gesagt, dass sie das nicht wolle, da sie ihre Tage habe und sie sich 

dabei nicht wohlfühle. Der Beschuldigte habe entgegnet, dass ihn dies nicht störe 

und habe seine Hand bewusst gegen den Willen der Privatklägerin in der Unter-

hose in ihrem Intimbereich behalten. Daraufhin habe die Privatklägerin versucht, 

die Hand des Beschuldigten aus ihrer Unterhose herauszunehmen, was ihr aber 

aufgrund der körperlichen Überlegenheit des 180 cm grossen und damals 

ca. 80 kg schweren Beschuldigten nicht gelungen sei.

1.5. Als Nächstes habe der Beschuldigte die Hose der Privatklägerin geöffnet, 

diese bis zu ihren Knien heruntergezogen und sei stehend von vorne mit der 

Hälfte seines Penis vaginal gegen deren Willen in die Privatklägerin eingedrun-

gen. Dabei habe der Beschuldigte seinen Penis in der Vagina der Privatklägerin 

hin und her bewegt. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin währenddessen mit 

seinen Händen an ihrem Oberkörper gehalten. Dabei habe die Privatklägerin er-

folglos versucht, den Beschuldigten auf Distanz zu halten und habe ihm mehrfach 

und klar verständlich gesagt, dass sie das nicht wolle und dass er damit aufhören 

solle (1. Eindringen).

1.6. Als es der Privatklägerin gelungen sei, einen Schritt nach vorne zu ma-

chen und der Beschuldigte mit seinem Penis nicht mehr in ihr drin gewesen sei, 

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habe sich die Privatklägerin, in der Absicht, ihre Hose hochzuziehen, gebückt. 

Noch bevor sie dies habe tun können, habe der Beschuldigte sie mit ihrem Ober-

körper bäuchlings auf den Tisch geschubst, welcher sich ca. zwei Meter neben 

dem Auto des Beschuldigten befunden habe. Der Beschuldigte sei in dieser Posi-

tion diesmal mit seinem ganzen Penis vaginal von hinten gegen deren Willen in 

die Privatklägerin eingedrungen und habe seinen Penis in ihrer Vagina vor- und 

rückwärts bewegt. Die Privatklägerin habe dem Beschuldigten erneut und für ihn 

klar verständlich gesagt, dass er damit aufhören solle. In dieser Position sei es 

der körperlich unterlegenen Privatklägerin überhaupt nicht mehr möglich gewe-

sen, den Beschuldigten wegzustossen oder sich gegen sein Eindringen zu weh-

ren (2. Eindringen).

1.7. Schliesslich habe der Beschuldigte von der Privatklägerin abgelassen, sie 

jedoch dann mit seinen Händen zurück in Richtung seines Autos geworfen, so 

dass sie mit ihrem Bauch in Richtung Auto neben dem Auto gestanden sei. Dort 

sei der Beschuldigte erneut von hinten vaginal gegen deren Willen in die Privat-

klägerin eingedrungen. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin dabei mit seinen 

Händen festgehalten und sie an sein Auto gedrückt. Die Privatklägerin habe er-

neut versucht, den Beschuldigten wegzudrücken oder sich wegzubewegen, was 

ihr aber aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit wiederum nicht gelungen sei 

(3. Eindringen).

1.8. Ca. 10 bis 30 Minuten nach dem Eintreffen in der Tiefgarage habe der 

Beschuldigte schliesslich von der Privatklägerin abgelassen.

1.9. Der Beschuldigte habe die Privatklägerin, welche ca. 168 cm gross und 

zum Tatzeitpunkt ca. 53 kg schwer gewesen sei, während dem dreimaligen Ein-

dringen jeweils mit seinen Händen insbesondere an den Hüften festgehalten. Die 

Privatklägerin habe sich aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit nicht stärker 

wehren können als vorstehend beschrieben, was dem Beschuldigten bewusst ge-

wesen sei und er auch gewollt habe. Auch weil der Beschuldigte nach dem Ein-

treffen in der Tiefgarage das Garagentor geschlossen habe und die Privatklägerin 

die Örtlichkeit und damit auch mögliche Fluchtwege nicht gekannt habe, habe sie 

sich nicht stärker als vorstehend beschrieben gegen die sexuellen Handlungen 

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des Beschuldigten gewehrt. Der Beschuldigte habe gewusst, dass die Privatklä-

gerin nicht in der Lage gewesen sei, sich stärker als beschrieben zu wehren re-

spektive sich nicht getraut habe, sich mehr zu wehren, und habe die Handlungen 

dennoch rücksichtslos durchgeführt, um seine sexuelle Lust zu befriedigen.

1.10. Der Beschuldigte habe gewusst oder zumindest für möglich gehalten, 

dass die Privatklägerin mit diesen Handlungen nicht einverstanden gewesen sei, 

nichtsdestotrotz habe er sich darüber hinweggesetzt.

2. Standpunkt des Beschuldigten

Der Beschuldigte gesteht ein, am tt. Juli 2017 mit der Privatklägerin in der vorge-

nannten Garage den ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen zu haben. Er 

wendet jedoch ein, die Berührungen und der Geschlechtsakt seien von der Privat-

klägerin ebenfalls gewollt gewesen (Urk. 2/2 F/A 7, F/A 115 f.). Bei dieser Sach-

darstellung blieb der Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung. Er 

führte zusammengefasst aus, der Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin sei 

einvernehmlich erfolgt. Es stimme nicht, dass die Privatklägerin immer gesagt 

habe, dass er aufhören solle und sie das nicht wolle. Nach dem Treffen vom tt. 

Juli 2017 habe er sich nicht mehr bei der Privatklägerin gemeldet, weil von ihr 

auch nichts mehr gekommen sei (Prot. II S. 22, 24, 29).

3. Grundlagen zur Beweiswürdigung

3.1. Zu den allgemeinen Beweiswürdigungsregeln (insb. der freien Würdigung 

der Beweismittel, der Unschuldsvermutung, der Aussage-gegen-Aussage-Kon-

stellation) kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 63 S. 7 ff.) 

und die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 146 IV 88 

E. 1.3.1; 145 IV 154 E. 1.1; 144 IV 345 E. 2.2.3.2; 138 V 74 E. 3; 124 IV 86 E. 2a; 

je mit Hinweisen) verwiesen werden. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen 

sich als Ergänzungen bzw. punktuelle Hervorhebungen:

3.2. Insbesondere ist festzuhalten, dass auch bei überschaubaren Sachver-

halten und wenigen Aussagen ein glaubhaftes Lügen durchaus möglich ist. 

Ausserdem kann insbesondere ein kurzes, wahrheitswidriges Kerngeschehen 

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nahtlos in ein wahres Peripheriegeschehen eingebettet werden. Insgesamt ist die 

Antwort auf die Frage entscheidend, ob die einvernommene Person ihre Aussa-

gen vernünftigerweise so hätte deponieren können, wenn sie das Berichtete nicht 

erlebt hätte. Das Vorhandensein von Realitätskriterien bedeutet noch nicht, dass 

eine Aussage wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenzanalyse ergeben, dass 

eine Person nicht in der Lage wäre, den dargelegten Sachverhalt zu erfinden (vgl. 

BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 5. Auflage 2021, 

S. 78 Rz 332-334).

3.3. Schliesslich fehlt der Beweiswürdigung ohne Kenntnis und Reflexion 

möglicher Motive (zur Lüge) ein wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es er-

scheint, dass die Aussageperson zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto ein-

deutiger müssten die Ergebnisse der Beweisaufnahme und der Aussageanalyse 

sein, damit man sich trotzdem von der Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen 

kann (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 70-72 Rz 292 und 298 und S. 132 

Rz 550 f.).

4. Würdigung

4.1. Die Vorinstanz hat die im vorliegenden Verfahren relevanten Aussagen 

umfassend, vollständig und korrekt aufgeführt und zusammengefasst (Urk. 63 

S. 11 ff.). Sie hat sich eingehend mit der vorliegenden Beweislage auseinander-

gesetzt, die vorhandenen Beweise sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit 

gewürdigt und insbesondere die vorliegend massgeblichen Personalbeweise ei-

ner umfassenden Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen (Urk. 63 S. 11 ff.). Darauf 

kann im Sinne von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden.

4.1.1. Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt ist, dass der Beschuldigte am 

tt. Juli 2017 mit der Privatklägerin in der Tiefgarage an der F._____-strasse … in 

Zürich war und es dort dreimal zum ungeschützten Geschlechtsverkehr kam. Der 

Beschuldigte macht während des gesamten Verfahrens zusammengefasst gel-

tend, der Geschlechtsverkehr sei im gegenseitigen Einverständnis erfolgt. Es ist 

daher nachfolgend aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob sich der 

Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellen lässt.

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4.1.2. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, erweisen sich die Aussagen der Pri-

vatklägerin als konstant und detailreich und weisen auf tatsächlich erlebte Vor-

gänge hin (Urk. 63 S. 22). So machte sie sowohl anlässlich der polizeilichen als 

auch der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ausführliche und übereinstim-

mende Angaben sowohl über das Kennenlernen des Beschuldigten über Badoo 

und die anschliessenden Kontakte mit ihm via WhatsApp als auch zum Verlauf 

des Abends vom Abholen am C._____ Zürich, dem Restaurantbesuch bis zum 

Eintreffen in der Garage sowie zu den Vorfällen in der Garage (vgl. Urk. 3/1 F/A 8, 

62 ff.; Urk. 3/3 F/A 15 ff.), wobei keine pauschalen Anschuldigungen, Übertreibun-

gen oder eine übermässige Belastung des Beschuldigten ersichtlich sind (Urk. 3/1 

F/A 86: "Mir kam es ewig vor, aber vermutlich waren es nur wenige Minuten."; 

Urk. 3/1 F/A 100: "Es war schon sehr grob, wie er mich ans Auto gedrückt und auf 

den Tisch geknallt hat, aber er hat mich nicht geschlagen oder so."; Urk. 3/1 

F/A 122: "Ich habe nicht gesagt, er müsse aufmachen. […] Da ich nichts gesagt 

habe, würde ich nicht sagen, gegen meinen Willen. Aber natürlich hätte ich mir 

gewünscht, die Garage wäre offen."). Das Kerngeschehen in der Garage, insbe-

sondere die Stellungswechsel und ihre Gefühle aufgrund des Tampons, schilderte 

die Privatklägerin detailliert und stimmig. So gab sie in sämtlichen Einvernahmen 

an, der Beschuldigte habe sie geküsst, nachdem er auf der Toilette gewesen sei. 

Zuerst sei sie ihm ausgewichen und er habe gefragt, ob er Mundgeruch habe. 

Letztlich sei es dann doch zu einem Kuss gekommen. Dann habe er ihre Hose 

aufgemacht und runtergezogen. Sie habe seine Hand mehrmals weggenommen 

und gesagt, dass er aufhören solle und sie das nicht wolle. Sie habe ihm auch ge-

sagt, dass sie einen Tampon drin habe und es ihr nicht wohl sei. Dies habe sie 

wiederholt, als der Beschuldigte seinen Penis vaginal eingeführt habe, woraufhin 

der Beschuldigte erwidert habe, das sei ihm egal. Mit dem Rücken zum Auto habe 

sie es einmal geschafft, ihn wegzudrücken. Als sie sich gebückt habe, um ihre 

Hose hochzuziehen, habe er sie gegen den Tisch geschletzt bzw. gedrückt und 

sei erneut vaginal in sie eingedrungen. Nach einer Weile habe er sie vom Tisch 

weggenommen und sie mit der Vorderseite gegen das Auto geschlagen bzw. ge-

drückt und sei erneut von hinten vaginal in sie eingedrungen. Sie habe immer wie-

der gesagt, dass er aufhören solle und sie das nicht wolle. Sie habe auch ver-

- 15 -

sucht, ihn wegzustossen (Urk. 3/1 F/A 8, 57 ff.; Urk. 3/3 F/A 15, 75, 79, 88, 95 ff.). 

Nach dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs seien sie zusammen auf dem Sofa 

gesessen und der Beschuldigte habe darüber gesprochen, wie sie lockerer wer-

den könne (Urk. 3/1 F/A 8, 105; Urk. 3/3 F/A 145). Diesbezüglich ist darauf hinzu-

weisen, dass die Wiedergabe von Gesprächen ein Realitätskriterium darstellt. 

Weitere aussergewöhnliche und spezifische Details sind den Aussagen der Pri-

vatklägerin zu entnehmen, wenn sie aussagt, sie hätten im Restaurant ein Finger-

spiel gemacht und der Beschuldigte habe beim Küssen in der Garage einige Male 

"Miau" gesagt (Urk. 3/1 F/A 43, 61; Urk. 3/3 F/A 48 f.). Diese Angaben, welche die 

Privatklägerin spontan und von sich aus machte, wurden sodann vom Beschuldig-

ten bestätigt (Urk. 2/2 F/A 69 f., 140 ff.; Prot. II S. 14 f.), was für die Glaubhaftig-

keit der Aussagen der Privatklägerin spricht. 

4.1.3. Der Einwand der Verteidigung, den Ausführungen der Privatklägerin sei 

kein Glaube zu schenken, da sie behauptet habe, der Beschuldigte habe das Tor 

abgeschlossen, dieses jedoch gar nicht abgeschlossen werden könne (Urk. 24 

N 17 ff.), vermag keine Zweifel an den Aussagen der Privatklägerin zu wecken, 

gab diese doch selbst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

14. Dezember 2021 an, sie habe gesehen, wie der Beschuldigte zum Tor gegan-

gen sei. Es habe ausgesehen, als ob er einen Schlüssel gehabt und das Tor ab-

geschlossen hätte. Sie erinnere sich aber nicht mehr genau, ob er das Tor beim 

Herausgehen mit einem Schlüssel habe öffnen müssen (Urk. 3/3 F/A 155 f.). 

Ausserdem befindet sich innerhalb des Tores eine Tür, welche ein Schloss auf-

weist (Urk. 4/1 Foto 1 und 4). Gerade aus den Fotos und dem Video, die die Ver-

teidigung ins Recht gelegt hat, ist klar ersichtlich, dass die im Tor integrierte Tür 

abschliessbar ist (Urk. 4/4). Entgegen den Vorbringen der Verteidigung erweisen 

sich die Aussagen der Privatklägerin als plausibel und realitätsnah, Anhaltspunkte 

für ein "Hinzudichten" oder eine Suggestion neuer Elemente unter Mithilfe ihrer 

Psychotherapeutin sowie das Vorliegen von Pseudoerinnerungen, mithin erfolg-

reich eingeredeter, aber tatsächlich nicht erlebter Ereignisse, durch jahrelanges 

Kultivieren des Sachverhalts (Urk. 24 N 22; Urk. 86 N 24) bestehen keine. In der 

freien Schilderung der Ereignisse konnte sie gute und differenzierte Aussagen de-

ponieren, wobei sie angab, wenn sie etwas nicht mehr wusste bzw. sie sich nicht 

- 16 -

mehr erinnern konnte. Sie konnte auch die Gespräche mit dem Beschuldigten am 

besagten Abend detailliert wiedergeben und machte sowohl zum Kern- als auch 

zum Peripheriegeschehen detaillierte, originelle und in sich stimmige Ausführun-

gen. Um solch einen plausiblen und in sich stimmigen Ablauf der Geschehnisse 

wiedergeben zu können, wäre eine Vielzahl an Pseudoerinnerungen erforderlich, 

welche sich einwandfrei ineinanderfügen müssten. Insbesondere die Tatsache, 

dass der Beschuldigte den von der Privatklägerin geschilderten Ablauf in der Ga-

rage sowie die Orte, an welchen der Geschlechtsverkehr stattfand, und weitere 

Schilderungen wie beispielsweise das Stattfinden des Gesprächs auf dem Sofa – 

dies jedoch mit abweichendem Gesprächsinhalt – überwiegend bestätigt, spricht 

gegen das Vorliegen von Pseudoerinnerungen.

Des Weiteren stimmen die Aussagen der Privatklägerin betreffend das Anbahnen 

der Verabredung vom tt. Juli 2017 mit diversen Chat-Nachrichten zwischen dem 

Beschuldigten und anderen Frauen überein, welche vom Mobiltelefon des Be-

schuldigten sichergestellt werden konnten. So wurde das Thema Geschlechtsver-

kehr vom Beschuldigten regelmässig vor Beginn des ersten Treffens aufgeworfen, 

auch erkundigte er sich bei den anderen Chat-Bekanntschaften nach deren Ver-

hütungsmethode und äusserte den Wunsch, dass diese beim Treffen ein schwar-

zes Kleid tragen sollten (Urk. 5/1). 

4.1.4. Betreffend die Aussagen des Beschuldigten erwog die Vorinstanz, dieser 

schildere seine Version der Abläufe grundsätzlich konstant, jedoch seien seine 

Schilderungen nicht sehr detailreich und lebendig, sondern würden eher etwas 

mechanisch und insgesamt zu glatt und perfekt erscheinen. Auffallend sei auch, 

dass er gerade die problematischen Sequenzen (Schliessen der Garagentür, Toi-

lettengang des Beschuldigten, vermeintlich gegenseitige Berührungen im Intimbe-

reich bzw. das Wehren durch die Privatklägerin sowie das Entfernen des Tam-

pons) komplett anders schildere als die Privatklägerin (Urk. 63 S. 15 f.). Wie die 

Vorinstanz zutreffend feststellte, weichen die Aussagen des Beschuldigten und 

der Privatklägerin betreffend den Verlauf des Abends vom Abholen am C._____ 

Zürich, dem Restaurantbesuch bis zum Eintreffen in der Garage sowie zu den 

Vorfällen in der Garage teilweise erheblich voneinander ab. Betreffend das Kern-

- 17 -

geschehen in der Garage gab der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahme vom 9. Dezember 2021 und der Hauptverhandlung vom 

29. August 2022 sowie der Berufungsverhandlung vom 17. April 2024 zusammen-

gefasst konstant an, man habe in der Garage angefangen, sich anzufassen. Das 

Ganze – das Küssen – sei ein bisschen leidenschaftlicher und intensiver gewor-

den. Alles sei immer gut gewesen. Die Privatklägerin habe begonnen, ihn im Ge-

nitalbereich zu berühren. Er habe dann auch begonnen, sie intim anzufassen. Sie 

sei ihm in die Hosen gekommen und er ihr. Die Privatklägerin habe ihm gesagt, 

dass sie ihre Tage und einen Tampon habe, welchen sie auf dem WC rausge-

nommen habe. Sie habe ihm und er habe ihr die Hose runterzogen. Es sei alles 

im Stehen gewesen. Er habe begonnen, sie mit seinem Geschlechtsteil zu berüh-

ren. Dann sei es zum Sex ohne Verhütung gekommen. Dann hätten sie die Stel-

lung gewechselt und er habe sie von hinten genommen. Es sei immer alles gut 

gewesen. Er habe dann begonnen, sie am Hals zu küssen und es sei dann wie-

der zum Sex gekommen. Erst hätten sie Sex von vorne gehabt, dann habe er sie 

umgedreht, immer stehend. Dann sei er aufs WC gegangen und anschliessend 

hätten sie zum zweiten Mal Sex gehabt. Er habe sie dann von hinten genommen 

(Urk. 2/2 F/A 7 ff.; Urk. 2/3 F/A 4; Prot. I S. 10 f.; Prot. II S. 21 ff.). Der Beschul-

digte bestreitet, dass die Privatklägerin immer wieder gesagt habe, er solle aufhö-

ren und sie wolle das nicht (Prot. II S. 22).

4.1.5. Hinsichtlich des Geschehens in der Tiefgarage stimmen die Aussagen 

des Beschuldigten und der Privatklägerin somit insofern überein, als dass beide 

mehrfachen ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr sowohl von vorne als 

auch von hinten gehabt haben, wobei die Aussagen jedoch insbesondere betref-

fend die Freiwilligkeit bzw. Gegenseitigkeit diametral auseinandergehen. Auffal-

lend ist, dass sich der Beschuldigte nicht erinnern konnte bzw. nicht sagen 

konnte, von wem jeweils die Initiative betreffend die Berührungen während der 

Autofahrt, das Küssen im Auto in der Garage, das Berühren am Gesäss und das 

Anfassen im Genitalbereich ausging (Urk. 2/2 F/A 38, 55, 66). Dies spricht jedoch 

nicht per se gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Den Chat-Nachrichten 

mit anderen Frauen, welche vom Mobiltelefon des Beschuldigten sichergestellt 

wurden, ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte beharrlich blieb, wenn eine Ab-

- 18 -

sage eines Dates durch eine der Frauen drohte bzw. sich auch nach erfolgtem 

Treffen wiederholt ins Zeug legte, damit ein weiteres Treffen folgt. Mit diesem be-

harrlichen Verhalten steht zwar die Aussage des Beschuldigten im Widerspruch, 

wonach er sich bei der Privatklägerin nicht mehr gemeldet habe, weil sie sich 

nach einem schönen Abend und trotz der Einladung seinerseits nicht mehr gemel-

det bzw. nicht mehr bedankt habe (Urk. 2/2 F/A 150 ff.; Prot. II S. 24 f.). Dies än-

dert jedoch nichts daran, dass seine Aussagen betreffend den Geschlechtsver-

kehr mit der Privatklägerin in der Garage stets konstant erfolgten und per se nicht 

vollständig unglaubhaft erscheinen. Hierzu ist jedoch zu bemerken, dass der Be-

schuldigte praktisch sämtliche von der Privatklägerin bei der Anzeigeerstattung 

gemachten Angaben bestätigt, nur diejenige betreffend die Freiwilligkeit resp. ih-

rer Ablehnung des Geschlechtsverkehrs nicht. Das stellt erneut ein Indiz für die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin dar.

4.1.6. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass sowohl die 

Aussagen des Beschuldigten als auch diejenigen der Privatklägerin betreffend 

das Kerngeschehen in der Tiefgarage während des gesamten Verfahrens grund-

sätzlich konstant erfolgten und lebensnah sowie plausibel erscheinen, sich jedoch 

betreffend der Freiwilligkeit nicht decken.

Bezüglich des Kerngeschehens räumt denn der Beschuldigte auf die Frage, ob 

man sagen könne, der Sex sei grob gewesen ein, es sei "intensiver und leiden-

schaftlicher Sex" gewesen (Prot. II S. 23). Ebenso bestätigt er, dass sie sich an-

schliessend auf dem Sofa über das Geschehene unterhalten hätten, nämlich 

darüber, dass es "sehr emotionaler Sex" gewesen sei (Prot. II S. 23), was die Pri-

vatklägerin ihrerseits damit beschreibt, der Beschuldigte habe darüber gespro-

chen, wie sie lockerer werden könne (s. vorstehend Erw. IV.4.1.2. a.E.). Das ver-

deutlicht jedenfalls, dass bezüglich der Art des vollzogenen Geschlechtsverkehrs 

der Beschuldigte auf Seiten der Privatklägerin durchaus zumindest eine gewisse 

Zurückhalten wahrgenommen hat, ansonsten wohl kein Gesprächsbedarf darüber 

vorgelegen haben dürfte. Zudem verhält es sich mit den Angaben der Privatkläge-

rin zum Tatort der Garage so, dass sie angab, man sei vom Tor her rechts abge-

bogen und das Auto sei dort auf einem Parkplatz neben dem Tisch gestanden. 

- 19 -

Gestützt auf das von der Verteidigung eingereichte Foto der Garage (Urk. 87/1 

oberes Bild) zeigt sich, dass der von der Privatklägerin geschilderte Ablauf durch-

aus plausibel erscheint, zumal dort neben dem Tisch auf dem rot eingefärbten Bo-

den ein Parkplatzfeld ersichtlich ist, so dass ihre Schilderung in den tatsächlichen 

örtlichen Gegebenheiten eine Stütze findet. Auch dies steigert noch einmal die 

Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin, wohingegen die neue Behaup-

tung des Beschuldigten, während des gesamten sexuellen Geschehens auf dem 

von ihm bezeichneten Parkplatz in der Garage (Platz 9, Urk. 87/2) sei das Gara-

gentor offen gestanden (Prot. II S. 19-20), womit direkte Sicht auf diesen Park-

platz bestanden hätte (soweit nicht von anderen Autos verdeckt; s. Urk. 87/2 und 

Urk. 4/1 S. 3 Foto 5), als lebensfremd und unwahrscheinlich zu bewerten ist. Ins-

gesamt erscheinen die Aussagen der Privatklägerin daher als glaubhafter als die-

jenigen des Beschuldigten.

4.2. Neben der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten und der Pri-

vatklägerin ist jedoch auch deren Motivlage von Bedeutung. Die Vorinstanz hat 

sich zwar eingehend mit der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten und 

der Privatklägerin auseinandergesetzt, die Motivlage der genannten Personen je-

doch nicht in ihre Erwägungen einfliessen lassen. Neben der Motivlage kann auch 

von Bedeutung sein, wie bzw. warum das Strafverfahren eingeleitet wurde und 

wie die jeweiligen Aussagen zustande kamen.

4.2.1. Der Beschuldigte dürfte unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld ein 

Interesse daran haben, dass das vorliegende Verfahren für ihn möglichst positiv 

verläuft.

4.2.2. Die Privatklägerin und der Beschuldigte kannten sich zum Tatzeitpunkt 

erst seit einigen Tagen aufgrund der Dating-Plattform Badoo sowie von darauf fol-

genden Telefonanrufen und WhatsApp-Nachrichten und hatten nach dem Treffen 

vom tt. Juli 2017 keinen Kontakt mehr (Urk. 3/3 F/A 15; Prot. II S. 24). Damit kom-

men Rache oder andere beziehungsbasierte Motive nicht in Betracht, welche aus-

serdem deutlich früher zu einer Anzeige geführt hätten. So gab auch die Privatklä-

gerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 28. Oktober 2020 in Bezug 

auf die Frage, weshalb sie erst so spät Anzeige erstatte an, es gehe ihr nicht um 

- 20 -

persönliche Rache, es sei ihr egal, was mit dem Beschuldigten passiere. Sie sei 

sich aber sicher, dass er das nicht nur mit ihr gemacht habe. Sie habe auch im-

mer ein schlechtes Gewissen, falls er das mit weiteren Frauen mache (Urk. 3/1 

F/A 151). Auch andere sachfremde Motive wie z.B. ein übertriebener Geltungs-

drang oder das Abwälzen eines Fehlverhaltens auf jemand anderen sind nicht er-

kennbar. Darüber hinaus stellt die Privatklägerin keine zivilrechtlichen Ansprüche 

(Urk. 8/2), weshalb auch kein finanzielles Motiv ersichtlich ist.

4.2.3. Dem Vorbringen der Verteidigung, die Anzeige der Privatklägerin basiere 

auf einem nachträglich entwickelten False Memory Syndrom (Urk. 24 N 46), ist 

entgegenzuhalten, dass Dr. G._____ als Fachperson keine Gründe für ein ent-

sprechendes Syndrom erkennen konnte. Eine traumaspezifische Therapie mit Ex-

positionstechniken, bei denen die Vergewaltigung im Detail nacherzählt wird, sei 

nicht durchgeführt worden. Es sei mehr um die Auswirkungen der Vergewaltigung 

auf das Selbstkonzept der Privatklägerin gegangen (Urk. 45 S. 3). Auch aus dem 

Eintrag im Patientendossier der Privatklägerin vom 19. September 2017, gemäss 

welchem Dr. I._____ festhielt: "Vor 7 Wochen kam es zu GV, welchen sie eigent-

lich nicht wünschte" (Urk. 49), kann nicht – wie die Verteidigung vorbringt (Urk. 54 

N 33; Urk. 86 N 29) – der Schluss gezogen werden, die Privatklägerin habe den 

Geschlechtsverkehr nach aussen betrachtet gewollt, im Nachhinein nach innen je-

doch nicht gewünscht. Daraus lässt sich im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der 

Privatklägerin nichts ableiten.

4.2.4. Eine von der Verteidigung vorgebrachte negativere Schilderung der Ereig-

nisse aufgrund einer depressiven Symptomatik ist ebenfalls nicht zu erkennen 

(Urk. 54 N 6; Urk. 86 N 29). Gemäss dem Arztbericht von Dr. G._____ habe ihr 

die Privatklägerin am 21. August 2020 von der Vergewaltigung erzählt und ange-

geben, sie habe die Ereignisse relativ gut verarbeitet. Am 29. Oktober 2020 habe 

ihr die Privatklägerin erzählt, dass sie den Beschuldigten angezeigt habe. Sie – 

Dr. G._____ – könne sich nicht erinnern, dass sie länger besprochen hätten, dass 

die Privatklägerin den Beschuldigten anzeigen solle. Die Gründe der Privatkläge-

rin seien folgende gewesen: der Wunsch, sich endlich zu wehren, erlittenes Un-

recht nicht einfach hinzunehmen, für sich einzustehen und nicht mehr die "Starke" 

- 21 -

zu spielen, die emotional unberührbar ist. Ein weiterer Grund sei gewesen, dass 

die Privatklägerin mit der Anzeige andere Frauen vor dem Beschuldigten habe 

schützen wollen (Urk. 45 S. 2). Der daraus gezogene Umkehrschluss der Verteidi-

gung, wonach die Privatklägerin hätte Schwäche zeigen müssen, wenn sie den 

Geschlechtsverkehr nicht gewollt hätte, sie aber nach aussen habe stark sein wol-

len (Urk. 54 N 13), vermag nicht zu überzeugen. Des Weiteren kann aus dem 

Therapiethema Selbstbestimmung und Grenzen-Setzen nicht – wie dies die Ver-

teidigung vorbringt (Urk. 54 N 17; Urk. 86 N 30) – abgeleitet werden, die Privatklä-

gerin wäre am tt. Juli 2017 in der Garage nicht in der Lage gewesen, deutlich nein 

zu sagen. Mangelnde Selbstbestimmung und mangelhaftes Grenzen-Setzen in 

alltäglichen Situationen führen nicht per se dazu, dass eine Person nicht in der 

Lage wäre, sich einer Vergewaltigung – mithin einem schwerwiegenden Ereignis 

– zu widersetzen bzw. sich diesbezüglich klar ablehnend zu äussern. Auch hat die 

Privatklägerin nicht erst im Nachhinein realisiert, dass sie vergewaltigt wurde – 

wie die Verteidigung vorbrachte (Urk. 24 N 43 f.) –, sondern sie gab in der von der 

Verteidigung zitierten polizeilichen Einvernahme an, es sei ihr immer klarer ge-

worden, "dass wir nicht einfach herumgeknutscht haben und er es einfach nicht 

gecheckt hat. Es wurde mir klar, dass er das von Anfang an geplant hatte." 

(Urk. 3/1 F/A 150). Der Privatklägerin wurde also erst im Nachhinein bewusst, 

dass der Beschuldigte nicht einfach nicht bemerkt hatte, dass er etwas gegen ih-

ren Willen getan hat, sondern er dies auch bereits vorgängig geplant hatte. Indem 

die Privatklägerin den Chat-Verlauf mit dem Beschuldigten löschte, verhielt sie 

sich – entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 24 N 45; Urk. 86 N 30) 

– auch nicht widersprüchlich, hätte doch der Chat-Verlauf keinen Beweis für die 

von ihr geschilderte Vergewaltigung dargestellt. Aus dem Chat-Verlauf wäre ein-

zig hervorgegangen, wie die Verabredung vom tt. Juli 2017 geplant und bespro-

chen wurde. Wenn die Verteidigung dabei geltend macht, der Chat sei gelöscht 

worden, weil man daraus sehen würde, dass die Privatklägerin mit dem Beschul-

digten geflirtet habe, so wäre dies sogar sehr nachvollziehbar, ohne dass ihr 

Standpunkt dadurch erschüttert würde. Einerseits ist klar, dass ein allfälliges vor-

gängiges Flirten seitens der Privatklägerin ganz und gar nicht ausschliesst, dass 

sie hätte vergewaltigt werden können. Anderseits wäre es verständlich, wenn die 

- 22 -

Privatklägerin befürchtet hätte, ein nachgewiesenes Flirten würde zu ihrem Nach-

teil ausgelegt, was die Verteidigung denn mutmasslich auch aufgegriffen hätte.

4.2.5. Ein Grund, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten bewusst falsch 

anschuldigen und sich dadurch selbst strafbar machen sollte, ist ebenfalls nicht 

ersichtlich. Gemäss unbestrittener und übereinstimmender Darstellung kannten 

sich die beiden zuvor nicht bzw. lediglich im Anschluss an eine Kontaktaufnahme 

via eine Dating-App über Telefonate und WhatsApp. Der Beschuldigte war der 

Privatklägerin mithin völlig unbekannt; sie sah ihn an jenem Tag zum ersten und 

letzten Mal und das Date war für sie bereits im Zeitpunkt des Restaurantbesuchs 

gelaufen, da die Chemie nicht stimmte (vgl. Urk. 2/2 F/A 9; Urk. 3/1 F/A 27, 118; 

Urk. 3/3 F/A 8, 15). Gegen eine Falschanschuldigung spricht namentlich auch, 

wie es zur Anzeigeerstattung kam. Diesbezüglich gab die Privatklägerin in der po-

lizeilichen Einvernahme vom 28. Oktober 2020 an, sie habe sich an diesem 

Abend schon überlegt, was sie machen solle. Sie habe sich sehr geschämt. Sie 

habe einfach gedacht, es gebe keine Beweise, es werde eine anstrengende Sa-

che und sie habe in ihrer Phantasie schon einen Artikel im Blick gesehen, wie 

eine Mutter zu einem ins Auto steige. Sie habe gewusst, dass sie ihn irgendwann 

anzeigen werde, deshalb habe sie seine Nummer auch behalten. Aber sie habe 

den Mut dazu lange nicht gefunden. Sie habe Angst gehabt, dass man ihr nicht 

glaube. Ihr sei bewusst, dass es Frauen gebe, die solche Fälle einfach erfinden 

(Urk. 3/1 F/A 151; Urk. 3/3 F/A 180). Entgegen der Auffassung der Verteidigung 

(Urk. 24 N 36; Urk. 54 N 2) ist dieses Verhalten der Privatklägerin durchaus nach-

vollziehbar und plausibel und eine "Fishing expedition", eine "Doppelmoral" oder 

ein Bestrafungswunsch – wie von der Verteidigung vorgebracht – sind nicht er-

sichtlich. Ein Bestrafungswunsch würde in diesem Kontext nur Sinn ergeben, 

wenn sich der Sachverhalt anklagegemäss zugetragen hat. Auch überzeugen die 

Ausführungen der Verteidigung betreffend den Zeitpunkt der Anzeigeerstattung 

nicht (Urk. 54 N 27; Urk. 86 N 25). Hätte die Privatklägerin – wie die Verteidigung 

vorbringt – den Sachverhalt abändern wollen, hätte sie dafür nicht über drei Jahre 

Zeit benötigt, hätte sie doch betreffend den äusseren Sachverhalt keine Änderun-

gen vornehmen müssen, sondern lediglich hinsichtlich des inneren Sachverhalts 

behaupten müssen, der Geschlechtsverkehr sei gegen ihren Willen erfolgt. Für 

- 23 -

eine solch geringfügige Abänderung der Geschehnisse hätte sich die Privatkläge-

rin nicht über drei Jahre lang vorbereiten müssen. Vielmehr ist lebensnah und 

nachvollziehbar, dass sich die Privatklägerin zu Beginn schämte, mit einem frem-

den Mann im Auto mitgefahren zu sein, und daran zweifelte, dass man ihrer Aus-

sage Glauben schenken würde. Sodann dürfte auch die Therapie bei 

Dr. G._____, anlässlich welcher das Thema Selbstbestimmung und Grenzen-Set-

zen besprochen wurde, bei der Privatklägerin dazu geführt haben, den Vorfall 

vom tt. Juli 2017 – welchen sie nach Angaben von Dr. G._____ verhältnismässig 

gut verkraftet hatte – nicht einfach auf sich beruhen, sondern das Verhalten des 

Beschuldigten strafrechtlich aufarbeiten zu lassen.

4.2.6. Es ist somit festzuhalten, dass keinerlei Motiv ersichtlich ist, weshalb die 

Privatklägerin den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Es sind auch weder 

Rache noch irgendwelche verletzten Gefühle zu erkennen. 

4.3. Die Privatklägerin erweist sich somit als glaubwürdig. Daran, dass sich 

der Anklagesachverhalt wie geschildert ereignet hat, bestehen keine unüberwind-

baren Zweifel. Für die rechtliche Würdigung ist daher davon auszugehen.

4.4. Hinsichtlich des zu erstellenden Sachverhalts wurde ein Minderheitsan-

trag gestellt (Urk. 91; Prot. II S. 45), welcher den Parteien zusammen mit dem 

vorliegenden Urteil zugestellt wird (§ 124 GOG).

V.   Rechtliche Würdigung

1. Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB

1.1. Eine Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB begeht, wer eine 

Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich in-

dem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder 

zum Widerstand unfähig macht. Art. 190 StGB bezweckt den Schutz der sexuel-

len Selbstbestimmung. Das Individuum soll sich im Bereich des Geschlechtsle-

bens unabhängig von äusseren Zwängen oder Abhängigkeiten frei entfalten und 

entschliessen können. Der Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

StGB setzt voraus, dass der Täter das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu 

- 24 -

bringt, eine sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. Der Tatbestand 

erfasst alle erheblichen Nötigungsmittel, auch solche ohne unmittelbaren Bezug 

zu physischer Gewalt. Es soll ebenfalls das Opfer geschützt werden, das in eine 

ausweglose Situation gerät, in der es ihm nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben 

des Täters zu widersetzen, auch wenn dieser keine Gewalt anwendet. Dement-

sprechend umschreibt das Gesetz die Nötigungsmittel nicht abschliessend. Es er-

wähnt namentlich die Ausübung von Gewalt und von psychischem Druck sowie 

das Bedrohen und das Herbeiführen der Widerstandsunfähigkeit, wobei der zu-

letzt genannten Variante kaum eigenständige Bedeutung zukommt (zum Ganzen: 

BGE 148 IV 234 E. 3.3; 131 IV 167 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_643/2021 

vom 21. September 2021 E. 3.3.2; je mit Hinweisen). 

Gewalt im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist nach der Rechtsprechung gegeben, 

wenn der Täter ein grösseres Mass an körperlicher Kraft aufwendet, als zum blos-

sen Vollzug des Akts notwendig ist bzw. wenn sich der Täter mit körperlicher 

Kraftentfaltung über die Gegenwehr des Opfers hinwegsetzt. Eine körperliche 

Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität, etwa in Form von Schlägen und Wür-

gen, ist indes nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Täter seine überlegene Kraft 

einsetzt, indem er das Opfer festhält oder sich mit seinem Gewicht auf es legt 

(BGE 148 IV 234 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 

2023 E. 7.1.1; 6B_367/2021 vom 14. Dezember 2021 E. 2.2.1; 6B_995/2020 vom 

5. Mai 2021 E. 2.1; je mit Hinweisen).

Die Tatbestandsvariante des Unter-Druck-Setzens stellt klar, dass sich die Aus-

weglosigkeit der Situation auch ergeben kann, ohne dass der Täter eigentliche 

Gewalt anwendet. Es kann vielmehr genügen, dass dem Opfer eine Widersetzung 

unter den gegebenen Umständen aus anderen Gründen nicht zuzumuten ist. 

Durch Art. 190 StGB geschützt werden soll auch das Opfer, das durch Überra-

schungseffekt, Erschrecken, Verblüffung oder aufgrund einer ausweglosen Lage 

keinen Widerstand leistet (BGE 148 IV 234 E. 3.3; 128 IV 106 E. 3a/bb; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_488/2021 vom 22. Dezember 2021 E. 5.4.2; je mit Hinwei-

sen). Eine Situation kann für das Opfer bereits aufgrund der sozialen und körperli-

chen Dominanz des Täters aussichtslos im Sinne der genannten Tatbestände 

- 25 -

sein. Diese Dominanz muss nicht notwendigerweise mit der Furcht des Opfers vor 

körperlicher Gewalt verknüpft sein (BGE 128 IV 106 E. 3a/bb mit Hinweis; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 

21. September 2021 E. 3.3.4; 6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2). Der 

psychische Druck, welchen der Täter durch die Schaffung einer Zwangslage er-

zeugen muss, hat indes von besonderer Intensität zu sein. Zwar wird nicht ver-

langt, dass er zur Widerstandsunfähigkeit des Opfers führt. Die Einwirkung auf 

dasselbe muss aber immerhin erheblich sein und eine der Gewaltanwendung 

oder Bedrohung vergleichbare Intensität erreichen. Dies ist der Fall, wenn vom 

Opfer unter den gegebenen Umständen und in Anbetracht seiner persönlichen 

Verhältnisse verständlicherweise kein Widerstand erwartet werden kann bzw. ihm 

ein solcher nicht zuzumuten ist, der Täter mithin gegen den Willen des Opfers an 

sein Ziel gelangt, ohne dafür Gewalt oder Drohungen anwenden zu müssen 

(BGE 131 IV 167 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Auslegung von Art. 190 StGB hat 

sich insoweit insbesondere an der Frage der zumutbaren Selbstschutzmöglichkei-

ten des Opfers zu orientieren (BGE 128 IV 106 E. 3b mit Hinweisen; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 

21. September 2021 E. 3.3.4; 6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2).

Vom Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mitteln zu 

wehren versucht. Dieses muss sich nicht auf einen Kampf einlassen oder Verlet-

zungen in Kauf nehmen. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des 

Opfers meint grundsätzlich eine tatkräftige und manifeste Willensbezeugung, mit 

welcher dem Täter unmissverständlich klargemacht wird, mit sexuellen Handlun-

gen nicht einverstanden zu sein (Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 

22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 3.3.3; 

6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2; je mit Hinweisen). Der Tatbestand 

der Vergewaltigung ist auch erfüllt, wenn das Opfer unter dem Druck des ausge-

übten Zwangs zum Voraus auf Widerstand verzichtet oder ihn nach anfänglicher 

Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 124 E. 3c; 118 IV 52 E. 2b; Urteil des Bundesge-

richts 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.3; je mit Hinweisen). Die Aufgabe 

des Widerstands kann insbesondere aufgrund der Ausweglosigkeit resp. aus 

- 26 -

Angst vor einer weiteren Eskalation der Situation erfolgen (BGE 147 IV 409 

E. 5.5.3 mit Hinweisen). 

1.2. Der Tatbestand der Vergewaltigung erfordert Vorsatz, wobei Eventualvor-

satz genügt. Wer es für möglich hält, dass das Opfer mit den sexuellen Handlun-

gen nicht einverstanden ist, und dies in Kauf nimmt, begeht eventualvorsätzlich 

eine Vergewaltigung (Urteile des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 

2023 E. 7.1.1; 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 3.3.5; 6B_995/2020 vom 

5. Mai 2021 E. 2.1; je mit Hinweisen). Das subjektive Element ist erfüllt, wenn das 

Opfer offensichtliche und entzifferbare Zeichen seines Widerstands gibt, die für 

den Täter erkennbar sind, worunter neben körperlichen Widerstandshandlungen 

auch etwa Weinen, Bitten, in Ruhe gelassen zu werden, Ablehnen von Besänfti-

gungsversuchen oder Fluchtversuche fallen (vgl. BGE 148 IV 234 E. 3.4; Urteile 

des Bundesgerichts 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1; 6B_367/2021 vom 

14. Dezember 2021 E. 2.2.2; 6B_1285/2018 vom 11. Februar 2019 E. 2.2; je mit 

Hinweisen), und er die sexuellen Handlungen dennoch vornimmt.

- 27 -

2. Würdigung

2.1. Die Vorinstanz nahm sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht 

eine zutreffende rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhalts vor. Auf ihre 

Erwägungen kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 63 S. 29 ff.). 

2.2. Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte seine körperliche Überlegen-

heit einsetzte, um die Privatklägerin beim ersten und dritten Eindringen mit dem 

Rücken zum Auto festzuhalten sowie um beim zweiten Eindringen die Position 

der bäuchlings auf dem Tisch liegenden Privatklägerin, welche einen physischen 

Widerstand verunmöglichte, auszunutzen. Entgegen den Vorbringen der Verteidi-

gung (Urk. 24 N 30) war es der körperlich unterlegenen Privatklägerin eingek-

lemmt zwischen dem Beschuldigten und dessen Auto nicht möglich, sich einfach 

fallen zu lassen. Schliesslich ist festzuhalten, dass das Garagentor zwar von in-

nen nicht abgeschlossen werden konnte (Urk. 4/4), die Privatklägerin jedoch da-

von ausging, dieses sei abgeschlossen und daher aufgrund der für sie nicht ab-

schätzbaren Reaktion des ihr beinahe unbekannten Beschuldigten und der in ih-

ren Augen ausweglosen Situation von einem weitergehenden physischen Wider-

stand oder einem Fluchtversuch absah. Selbst bei einem lediglich geschlossenen 

und nicht abgeschlossenen Tor hätte die Privatklägerin bei einem Fluchtversuch 

eine gewisse Zeit benötigt, um dieses zu öffnen und wäre dabei vom Beschuldig-

ten wohl ohne weiteres eingeholt worden. Eine weitergehende Widersetzung war 

ihr unter den gegebenen Umständen nicht zuzumuten. Der Beschuldigte hat die 

Privatklägerin somit durch Anwendung von Gewalt und das Ausnutzen der in ih-

ren Augen ausweglosen Situation zur Duldung des Beischlafs genötigt.

2.3. Aufgrund der klaren und verständlichen Äusserungen der Privatklägerin, 

dass er aufhören solle, und den zahlreichen Versuchen, ihn auf Distanz zu halten, 

war für den Beschuldigten unmissverständlich erkennbar, dass die Privatklägerin 

mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden war bzw. der Geschlechtsver-

kehr gegen ihren Willen stattfand. Insbesondere da er mit der Privatklägerin nach 

dem vollzogenen Geschlechtsverkehr das Gespräch suchte, wie sie lockerer wer-

den könne, musste ihm bewusst und für ihn erkennbar gewesen sein, dass sei-

- 28 -

tens der Privatklägerin hinsichtlich des Geschlechtsverkehrs Widerstände bestan-

den haben. Er handelte somit direktvorsätzlich.

3. Fazit

Der Beschuldigte ist gestützt auf den erstellten Anklagesachverhalt der Vergewal-

tigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

VI.   Sanktion

1. Anwendbares Recht

1.1. Die vorliegend zu beurteilende Handlung wurde vor Inkrafttreten der seit 

1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-

gesetzbuchs begangen. Neues Recht ist nach dem Grundsatz der lex mitior nur 

anzuwenden, sofern es für den Beschuldigten im konkreten Fall zu einem günsti-

geren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2 StGB; BGE 114 IV 81 E. 3.b). 

1.2. Da der Strafrahmen der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

StGB Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren beträgt, erweist sich we-

der das alte noch das neue Recht als milder. Vorliegend kommt daher das alte 

Sanktionenrecht zur Anwendung.

2. Grundsätze

2.1. Bezüglich der allgemeinen Strafzumessungsregeln nach Art. 47 ff. StGB 

kann auf die korrekten Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 63 S. 34 ff.) verwiesen 

werden. Im Übrigen hat das Bundesgericht die Grundsätze der Strafzumessung 

wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). 

2.2. Die Rechtsmittelinstanz darf Entscheide nicht zum Nachteil der beschul-

digten oder verurteilten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren 

Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Massgeblich für die 

Frage, ob eine unzulässige reformatio in peius vorliegt, ist das Dispositiv 

(BGE 146 IV 172 E. 3.3.3; 139 IV 282 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_391/2020 vom 12. August 2020 E. 3.2.3). Da nur der Beschuldigte gegen die 

- 29 -

Höhe der Strafe des erstinstanzlichen Urteils appellierte, darf dieses in Anwen-

dung von Art. 391 Abs. 2 StPO nicht zu seinem Nachteil geändert werden, so 

dass der Beschuldigte nicht härter bestraft werden darf, als es die Vorinstanz tat. 

Diese bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Die 

Berufungsinstanz fällt jedoch nach Art. 408 StPO ein neues Urteil. Unter dem Vor-

behalt der "reformatio in peius" muss sie sich nicht daran orientieren, wie die erste 

Instanz die einzelnen Strafzumessungsfaktoren gewichtet. Vielmehr hat sie die 

Strafe nach ihrem eigenen pflichtgemässen Ermessen festzusetzen (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 3.3.1; 6B_521/2019 vom 

23. Oktober 2019 E. 1.5 und 6B_963/2017 vom 15. Februar 2018 E. 1.2.2).

3. Konkrete Strafzumessung

3.1. Tatkomponente

3.1.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass sich der Be-

schuldigte an die ihm zuvor kaum bekannte Privatklägerin heranmachte. Aufgrund 

des Tatablaufs hat der Beschuldigte im Restaurant sowie anschliessend in der 

Garage beim einvernehmlichen Austauschen von Zungenküssen zunächst ausge-

lotet, wieviel Widerstand er zu erwarten hat, wurde durch das unvermittelte Grei-

fen in die Unterhose der Privatklägerin und das Berühren derer Schamlippen und 

Klitoris immer zudringlicher, bis er seine körperliche Überlegenheit einsetzte, um 

zu seinem Ziel, Geschlechtsverkehr mit der Privatklägerin zu haben, zu kommen. 

Dabei hielt der Beschuldigte die Privatklägerin mit seinen Händen so fest und 

drückte sie so ans Auto bzw. schubste sie bäuchlings auf den Tisch, dass sie ihn 

aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit weder wegstossen noch wegrennen, 

sich fallen lassen oder umdrehen konnte. Dabei ignorierte er konstant über län-

gere Zeit die wiederholten und unmissverständlichen Äusserungen der Privatklä-

gerin, dass er aufhören solle. In der geschlossenen Garage wäre es der Privatklä-

gerin sodann auch nicht möglich gewesen zu flüchten, hätte sie der Beschuldigte 

doch spätestens beim Öffnen des Tores eingeholt, wenn er ihr hätte folgen wol-

len. Er hat ihre Lage, in die er sie absichtlich brachte, und die Abwesenheit von 

anderen Leuten schamlos und unverfroren ausgenutzt. Erschwerend ist dabei, 

dass sich die Privatklägerin gar nicht auf den ihr unbekannten Beschuldigten ein-

- 30 -

stellen konnte. Sie wusste nicht, wie brutal er vorgehen würde oder mit welcher 

Reaktion sie bei Widerstand oder Flucht hätte rechnen müssen. Darüber hinaus 

verdeutlicht das mehrfache und beharrliche Hinwegsetzen über den Willen der 

Privatklägerin durch das Missachten des eingeführten Tampons eine Gering-

schätzung von deren physischem Wohlbefinden. Weiter kommt erschwerend 

hinzu, dass der Beschuldigte dreimal in unterschiedlichen Positionen vaginal in 

die Privatklägerin eindrang und dabei den Geschlechtsverkehr jeweils unge-

schützt vollzog, wodurch er sie zusätzlich der Gefahr von sexuell übertragbaren 

Krankheiten aussetzte. Auch wenn er nicht maximal brutal vorging, so war sein 

Vorgehen grob. Das objektive Tatverschulden ist daher mit Blick auf den Strafrah-

men von einem bis zehn Jahren als im unteren Drittel liegend und daher als nicht 

mehr leicht einzustufen, so dass die hypothetische Einsatzstrafe auf 36 Monate 

Freiheitsstrafe festzusetzen ist.

3.1.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass das direktvorsätzli-

che Handeln verschuldensneutral zu werten ist. In subjektiver Hinsicht wirkt sich 

jedoch zulasten des Beschuldigten aus, dass er handelte, um seine sexuellen Be-

dürfnisse zu befriedigen, und das mehrfache Wegstossen und die mehrfachen ab-

lehnenden Äusserungen der Privatklägerin bewusst missachtete. Die subjektive 

Tatschwere erhöht das objektive Tatverschulden insgesamt nicht, so dass eine 

Freiheitsstrafe von 36 Monaten angemessen erscheint.

3.2. Täterkomponente

3.2.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des heute 44-jährigen 

Beschuldigten kann auf die ausführlichen und korrekten Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 63 S. 37). Demnach ist der Beschuldigte in 

der Schweiz geboren und aufgewachsen. Er hat eine Lehre als uniformierter 

Briefträger gemacht und liess sich dann für den Schalterdienst umschulen. Später 

machte er eine Weiterbildung mit Fachausweis im Bereich Finanzplanung. Er ar-

beitet nach eigenen Angaben bei der H._____ und erzielt ein monatliches Ein-

kommen von ca. Fr. 20'000.– und hat ein Vermögen von Fr. 50'000.– bis 

Fr. 60'000.–. Er lebt seit rund 17 Jahren mit seiner Freundin zusammen und hat 

keine Kinder (Prot. II S. 8 ff.). Insgesamt lassen sich aus dem Werdegang und 

- 31 -

den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten keine strafzumessungsrele-

vanten Faktoren ableiten, worauf die Vorinstanz bereits zutreffend hingewiesen 

hat (Urk. 63 S. 37).

3.2.2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 79) und zeigt sich nicht 

geständig, was neutral zu werten ist.

4. Verletzung des Beschleunigungsgebots

4.1. Gemäss Art. 5 Abs. 1 StPO nehmen die Strafbehörden die Strafverfahren 

unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne unbegründete Verzögerung zum 

Abschluss. Das Beschleunigungsgebot (vgl. auch Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 

Ziff. 1 EMRK) gilt in sämtlichen Verfahrensstadien und verpflichtet die Strafbehör-

den, Verfahren voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht unnötig über die 

gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen (BGE 143 IV 49 

E. 1.8.2; 133 IV 158 E. 8). Ob die Pflicht zur beförderlichen Behandlung verletzt 

worden ist, entzieht sich starren Regeln und hängt von den konkreten Umständen 

des Einzelfalls ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien für die An-

gemessenheit der Verfahrensdauer sind etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die 

Komplexität des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungshandlungen, die 

Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der Behörden und das-

jenige der beschuldigten Person sowie die Zumutbarkeit für diese (BGE 143 IV 

373 E. 1.3.1; 130 I 269 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_260/2020 vom 2. Juli 

2020 E. 2.3.4). Einer Verletzung des Beschleunigungsgebots kann mit einer 

Strafreduktion, einer Strafbefreiung bei gleichzeitiger Schuldigsprechung oder in 

extremen Fällen – als ultima ratio – mit einer Verfahrenseinstellung Rechnung ge-

tragen werden (BGE 143 IV 49 E. 1.8.2; 133 IV 158 E. 8; Urteil des Bundesge-

richts 6B_260/2020 vom 2. Juli 2020 E. 2.3.4). Bei der Frage nach der sachge-

rechten Folge ist zu berücksichtigen, wie schwer die beschuldigte Person durch 

die Verfahrensverzögerung getroffen wird, wie gravierend die ihr vorgeworfenen 

Taten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn das Be-

schleunigungsgebot nicht verletzt worden wäre. Rechnung zu tragen ist auch den 

Interessen der Geschädigten und der Komplexität des Falls. Schliesslich ist in Be-

- 32 -

tracht zu ziehen, wer die Verfahrensverzögerung zu vertreten hat (BGE 143 IV 

373 E. 1.4.1 mit Hinweisen).

4.2. Die Vorinstanz hat die lange Verfahrensdauer im Umfang von zwei Mona-

ten strafmindernd berücksichtigt (Urk. 63 S. 38). Vorliegend geht es um eine am 

tt. Juli 2017 begangene Straftat. Die Privatklägerin erstattete am 28. August 2020 

Strafanzeige (Urk. 1/1), woraufhin am 28. Oktober 2020 – nach einer notwendigen 

Verschiebung aufgrund eines unerwarteten Ausfalls der zuständigen Polizeibeam-

tin – die erste polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin stattfand (Urk. 3/1). Die 

erste polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten fand über ein Jahr nach Anzei-

geerstattung, am 14. Januar 2021, und die staatsanwaltschaftliche Einvernahme 

der Privatklägerin rund ein weiteres Jahr später, am 14. Dezember 2021, statt 

(Urk. 2/1; Urk. 3/2). Die Anklageschrift datiert schliesslich vom 14. April 2022 

(Urk. 15). Das Strafverfahren dauert somit von der Anzeigeerstattung bis zum 

erstinstanzlichen Urteil rund zweieinhalb Jahre bzw. bis zum heutigen Urteil über 

dreieinhalb Jahre. Die Identität des Beschuldigten war bereits von Beginn an be-

kannt und abgesehen von den Einvernahmen des Beschuldigten und der Privat-

klägerin wurden keine weiteren relevanten Beweismittel erhoben. Insbesondere 

aufgrund der Schwere des Tatvorwurfs und im Hinblick auf den Umfang der Be-

weismittel und die Komplexität des Sachverhalts – es wurden insgesamt fünf Ein-

vernahmen durchgeführt und es gilt ein Vier-Augen-Delikt zu beurteilen – ist zu-

gunsten des Beschuldigten die insgesamt lange Dauer der Untersuchung, welche 

vorwiegend auf die grossen zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Einver-

nahmen zurückzuführen ist, zu berücksichtigen. Es muss auch davon ausgegan-

gen werden, dass diese Verfahrensverzögerung den Beschuldigten durchaus be-

lastet hat. Es erscheint mithin in Beachtung des Beschleunigungsgebots ange-

messen, die Freiheitsstrafe um drei Monate zu reduzieren.

5. Fazit

In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe wäre eine Bestrafung 

mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten als der Tat und dem Täter angemessen. 

In Nachachtung des Verbots der reformatio in peius hat es jedoch bei den von der 

Vorinstanz festgelegten 30 Monaten Freiheitsstrafe zu bleiben.

- 33 -

VII.   Vollzug

1. Zu den rechtlichen Grundlagen des Vollzugs kann auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 63 S. 38 f.).

2. Nach Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheits-

strafe von mindestens einem und höchstens drei Jahren nur teilweise aufschie-

ben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rech-

nung zu tragen. Dabei darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe 

nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Zudem muss der aufgeschobene wie 

auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen (Art. 43 Abs. 3 

StGB). Da der Beschuldigte vorliegend mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten 

bestraft wird, ist die objektive Voraussetzung von Art. 43 Abs. 1 StGB erfüllt.

3. Die Gewährung des teilbedingten Strafvollzugs setzt zudem voraus, dass 

die subjektiven Voraussetzungen für den bedingten Strafvollzug gemäss Art. 42 

StGB erfüllt sind (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1; 134 IV 1 E. 5.3.1). Mithin wird das 

Fehlen einer ungünstigen Legalprognose verlangt, wobei für die Prognosestellung 

alle Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aus-

sichten seiner Bewährung zulassen, zu berücksichtigen sind. Die im Rahmen des 

Gesamtbildes der Täterpersönlichkeit wesentlichen Faktoren sind insbesondere 

die strafrechtliche Vorbelastung, die Tatumstände, der Leumund, die Sozialbio-

grafie, das Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf 

Suchtgefährdungen sowie das Nachtatverhalten. Dabei sind die persönlichen Ver-

hältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides miteinzubeziehen (BGE 144 IV 277 

E. 3.1.1). Bei einem Ersttäter wird die günstige Prognose vermutet (BGE 134 IV 1 

E. 4.2.2; 134 IV 97 E. 7.3).

4. Die Vorinstanz hält zu Recht fest, dass in objektiver Hinsicht die Voraus-

setzungen zur Gewährung des teilbedingten Strafvollzugs erfüllt sind, da der Be-

schuldigte noch nie eine Freiheitsstrafe verbüsste und ebenso wenig zu einer 

Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde. Aufgrund der 

Schwere der Tat und des Verschuldens des Beschuldigten ist es nicht angezeigt, 

die zu vollziehende Freiheitsstrafe auf das gesetzliche Minimum von sechs Mona-

- 34 -

ten zu beschränken. Einerseits angesichts des Ausmasses des Verschuldens und 

andererseits mit Blick auf die Resozialisierung des Beschuldigten sind 10 Monate 

der ausgesprochenen Freiheitsstrafe zu vollziehen, was ihm den Vollzug in Halb-

gefangenschaft noch ermöglicht (Art. 77b StGB), und 20 Monate zur Bewährung 

auszusetzen. Es ist davon auszugehen, dass der Strafvollzug und die drohende 

Vollstreckbarkeit der Reststrafe bei Nichtbewährung den Beschuldigten ausrei-

chend motivieren, nicht mehr zu delinquieren. Der Beschuldigte weist keine Vor-

strafe auf und ist entsprechend für die Prognosestellung als Ersttäter zu behan-

deln, so dass es sich rechtfertigt, für den aufgeschobenen Teil der Strafe die Pro-

bezeit auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festzusetzen.

VIII.   Landesverweisung

1. Ausgangslage

Die Vorinstanz hat einen persönlichen schweren Härtefall beim Beschuldigten be-

jaht und die privaten Interessen des Beschuldigten an seinem Verbleib in der 

Schweiz im Vergleich zu den öffentlichen Interessen an der Landesverweisung 

höher gewichtet und somit von der Anordnung einer Landesverweisung abgese-

hen (Urk. 63 S. 42 ff.). Mit seiner Berufung beantragt der Beschuldigte die diesbe-

zügliche Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 65). Die Staatsanwalt-

schaft beantragt in ihrer Anschlussberufung die Anordnung einer Landesverwei-

sung für die Dauer von 7 Jahren (Urk. 70 S. 2).

2. Ausländerstatus und Katalogtat 

Die Vorinstanz hat sich im Rahmen der Beurteilung der Landesverweisung korrekt 

zu den in Art. 66a Abs. 1 StGB enthaltenen Grundbedingungen des Ausländersta-

tus des Täters und der Verwirklichung einer Katalogtat geäussert und das Vor-

handensein dieser Voraussetzungen beim Beschuldigten zu Recht bejaht (Urk. 63 

S. 42). Der Beschuldigte ist italienischer Staatsangehöriger und Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB ist eine Katalogtat, welche nach Art. 66a 

Abs. 1 lit. h StGB grundsätzlich obligatorisch zu einer Landesverweisung führt. 

- 35 -

3. Rechtliche Grundlagen

3.1. Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat nach 

Art. 66a Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig von der konkreten 

Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3.1.3; Urteil des Bundesge-

richts 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.2). Sie muss entsprechend den all-

gemeinen Regeln des StGB zudem grundsätzlich bei sämtlichen Täterschafts- 

und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es 

beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 

ausfällt (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 168 E. 1.4.1). 

3.2. Die Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB dient der Umsetzung des 

Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 145 IV 

364 E. 3.2; 144 IV 332 E. 3.1.2 und 3.3.1; Urteile des Bundesgerichts 

6B_890/2023 vom 29. Januar 2024 E. 2.2.3; 6B_513/0021 vom 31. März 2022 

E. 1.2.3). Für einen Verzicht auf die Landesverweisung gestützt auf Art. 66a 

Abs. 2 StGB müssen die in dieser Bestimmung erwähnten Voraussetzungen ku-

mulativ erfüllt sein. Erforderlich ist einerseits, dass die Landesverweisung für den 

Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde, und anderer-

seits, dass die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den 

privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen 

(BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3). Sind die Voraussetzungen von 

Art. 66a Abs. 2 StGB erfüllt, muss das Gericht nach dem Grundsatz der Verhält-

nismässigkeit von einer Landesverweisung absehen (BGE 144 IV 332 E. 3.3; Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3). Ob ein 

schwerer persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt, be-

stimmt sich anhand der gängigen Integrationskriterien (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2 

und 3.4.4; 144 IV 332 E. 3.3.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_890/2023 vom 

29. Januar 2024 E. 2.2.3; 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3). Zu berück-

sichtigen sind namentlich der Grad der persönlichen und wirtschaftlichen Integra-

tion, familiäre Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, die 

Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Resozialisierungschancen 

- 36 -

(vgl. Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Auf-

enthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE; SR 142.201]; BGE 144 IV 332 E. 3.3.2; Ur-

teile des Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3; 

6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.2.2; 6B_1178/2019 vom 10. März 2021 

E. 3.2.4; je mit Hinweisen). Der besonderen Situation von in der Schweiz gebore-

nen oder aufgewachsenen Ausländern wird Rechnung getragen, indem eine län-

gere Aufenthaltsdauer, zusammen mit einer guten Integration, in aller Regel als 

starke Indizien für ein gewichtiges Interesse an einem Verbleib in der Schweiz 

und damit für das Vorliegen eines Härtefalls zu werten sind (BGE 146 IV 105 

E. 3.4.4). Von einem schweren persönlichen Härtefall ist in der Regel bei einem 

Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers auf das in 

Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Famili-

enlebens auszugehen (Urteile des Bundesgerichts 6B_890/2023 vom 29. Januar 

2024 E. 2.2.4; 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3; 6B_1077/2020 vom 

2. Juni 2021 E. 1.2.3; 6B_780/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3.2; 6B_1087/2020 

vom 25. November 2020 E. 5.2; je mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung 

kann sich der Ausländer auf das Recht auf Privatleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK 

berufen, sofern er besonders intensive soziale und berufliche Verbindungen zur 

Schweiz aufweist, die über jene einer gewöhnlichen Integration hinausgehen (vgl. 

BGE 134 II 10 E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 

2022 E. 1.2.3; 6B_1189/2021 vom 16. Februar 2022 E. 4.3; 6B_627/2021 vom 

27. August 2021 E. 4.2.2; je mit Hinweisen). 

3.3. Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung 

im Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an der 

Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren (BGE 145 IV 

161 E. 3.4; Urteile des Bundesgerichts 6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.4; 

6B_69/2021 vom 30. Juni 2021 E. 3.4; 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.2.3; 

6B_780/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.3.3; je mit Hinweisen). Das durch Art. 13 

BV bzw. Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Privat- und Familienle-

bens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme 

eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz 

gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser 

- 37 -

ohne weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pfle-

gen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; je mit Hinweisen). Zum geschützten 

Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der 

Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. In den Schutzbereich von Art. 8 

EMRK fallen aber auch andere familiäre Verhältnisse, sofern eine genügend 

nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche Be-

ziehungen sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine fi-

nanzielle Abhängigkeit, eine speziell enge familiäre Bande, regelmässige Kon-

takte oder die Übernahme von Verantwortung für eine andere Person (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_890/2023 vom 29. Januar 2024 E. 2.2.5). Nach der Recht-
sprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) sind bei 

erwachsenen, nicht verheirateten Personen ohne Kinder bei der Interessenabwä-

gung im Rahmen von Art. 8 EMRK insbesondere Art sowie Schwere der Straftat, 

die Dauer des Aufenthalts im Aufnahmestaat, die seit der Tat verstrichene Zeit so-

wie das Verhalten des Betroffenen in dieser Zeit und der Umfang der sozialen, 

kulturellen und familiären Bindungen im Aufnahme- sowie im Heimatstaat zu be-

rücksichtigen (Urteile des EGMR E.V. gegen Schweiz vom 18. Mai 2021, 

Nr. 77220/16, § 34; M.M. gegen Schweiz vom 8. Dezember 2020, Nr. 59006/18, 

§ 49; je mit zahlreichen Hinweisen). Sodann ist dem Alter der Person im Zeitpunkt 

der Straftaten sowie den weiteren Umständen beispielsweise medizinischer Natur 

Rechnung zu tragen (Urteile des EGMR E.V., a.a.O., §§ 35 f.; M.M., a.a.O., §§ 50 

f.). Bei im Aufnahmestaat geborenen und aufgewachsenen Ausländern verlangt 

der EGMR sehr solide Argumente für die Begründung der Landesverweisung (Ur-

teile des EGMR E.V., a.a.O., § 38; M.M., a.a.O., §§ 52, 57 und 69). Die Wegwei-

sung solcher Personen ist nur bei schweren, die öffentliche Sicherheit oder Ord-

nung tangierenden Straftaten zulässig und muss die Ausnahme bleiben (Urteil 

des EGMR E.V., a.a.O., § 40 mit Hinweis auf die Empfehlung 15 des Ministerko-

mitees des Europarats und die Empfehlung 1504 der Parlamentarischen Ver-

sammlung des Europarates; vgl. auch Urteil des EGMR M.M., a.a.O., §§ 29 f.). 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-I-266%3Ade&number_of_ranks=0#page266
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1

- 38 -

4. Beurteilung

4.1. Die Verteidigung bringt vor, der Beschuldigte sei gut in der Schweiz inte-

griert und Verkaufsleiter bei einer renommierten Versicherung. Seine finanziellen 

Verhältnisse würden zu keiner Klage Anlass geben, er habe ein geregeltes Ein-

kommen und sei nicht verschuldet. Er sei sein ganzes Leben in der Schweiz ge-

wesen und lebe in einer langjährigen Beziehung. Er habe nur marginale Bezie-

hungen zu Italien und hätte Mühe, sich dort einzugliedern, da er in Italien nie ge-

lebt habe, sondern nur zu Besuch gewesen sei (Urk. 24 N 88; Urk. 86 N 49). 

Würde bei diesen Voraussetzungen von einem Härtefall abgesehen, wäre der 

Härtefall toter Buchstabe (Prot. II S. 37). Die Gefährdung des öffentlichen Interes-

ses am Schutz der persönlichen sexuellen Integrität durch den Beschuldigten sei 

äusserst tief anzusetzen. Dem Beschuldigten sei eine sehr gute Legalprognose 

auszustellen; er werde sich in Zukunft von solchen Situationen fernhalten. Eine 

Landesverweisung würde die gesamte Existenz des Beschuldigten und seiner 

Partnerin zerstören und wäre ein äusserst schwerwiegender Eingriff. Somit wür-

den die Interessen des Beschuldigten die öffentlichen Interessen der Schweiz 

überwiegen (Urk. 86 N 49 ff.).

4.2. Der Beschuldigte ist italienischer Staatsangehöriger, in der Schweiz gebo-

ren und hat hier seine gesamte Schul- und Berufsausbildung absolviert (Urk. 2/3 

F/A 46, 50, 60). Nach einer Erstausbildung bei der Post als uniformierter Briefträ-

ger hat er eine Umschulung an den Schalter gemacht und eine Weiterbildung mit 

einem Fachausweis zur Finanzplanung absolviert (Urk. 2/3 F/A 60). Er ist nicht 

verheiratet, hat keine Kinder und lebt seit rund 17 Jahren in einer festen Bezie-

hung (Urk. 2/3 F/A 52 ff.; Prot. I S. 6; Prot. II S. 9). Betreffend die Familie des Be-

schuldigten ist bekannt, dass seine Mutter in Italien lebt und er sie einmal pro Jahr 

besucht. Tanten und Cousins des Beschuldigten leben ebenfalls in Italien, zu ih-

nen hat der Beschuldigte nach eigenen Angaben jedoch keinen Bezug. Zu seinen 

Geschwistern und deren Familien, welche in der Schweiz leben, pflegt er Kontakt 

(Urk. 24 N 84; Prot. II S. 11). Der Beschuldigte bezeichnet Italienisch als seine 

Muttersprache, allerdings spreche er die Sprache immer schlechter. Er spreche 

- 39 -

nur mit seiner Mutter Italienisch oder wenn er eine Beratung habe. Ansonsten 

schlage er sich mit Französisch durch (Prot. I S. 7; Prot. II S. 12). 

4.3. Die Vorinstanz wog die Kriterien für die Beantwortung der Frage, ob beim 

Beschuldigten ein persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor-

liegt, sorgfältig und einlässlich ab (Urk. 63 S. 42-44). Wie die Vorinstanz zutref-

fend erwog, hat der in der Schweiz geborene und hier aufgewachsene 44-jährige 

Beschuldigte ein hohes Interesse am Verbleib in der Schweiz. Der Beschuldigte 

ist in der Schweiz wirtschaftlich integriert; er hat seine Ausbildung in der Schweiz 

abgeschlossen und arbeitet als Pensionsplaner bei der J._____ Versicherung 

(Prot. II S. 7 ff.). Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte hier geboren ist 

und seine gesamte Schul- und Berufsausbildung in der Schweiz absolviert hat 

und seine Geschwister mit ihren Familien ebenfalls in der Schweiz leben, ist von 

einem sozialüblichen persönlichen Umfeld auszugehen. Ausserdem lebt die Part-

nerin des Beschuldigten, welche die spanische Staatsangehörigkeit besitzt und 

mit der der Beschuldigte seit rund 17 Jahren zusammenlebt, ebenfalls in der 

Schweiz. Zwar verfügt der erwachsene Beschuldigte weder in der Schweiz noch 

in Italien über eine Kernfamilie, bestehend aus Ehepartnerin und eigenen Kindern. 

Indessen führt der Umstand, dass er sein ganzes Leben in der Schweiz verbracht 

hat, hier über ein normales Umfeld verfügt und hier mit seiner langjährigen Part-

nerin zusammenlebt, zu einer engen Bindung zur Schweiz. Eine Landesverwei-

sung wiegt für den Beschuldigten angesichts seiner langen Aufenthaltsdauer in 

der Schweiz, der hier verbrachten Kindheit und Jugendjahre, seinen intakten per-

sönlichen Beziehungen und seiner mittlerweile erlangten wirtschaftlichen Selb-

ständigkeit schwer. Allerdings steht dem Beschuldigten als EU-Bürger die ge-

samte Europäische Union offen, welche entwicklungsmässig weitgehend mit der 

Schweiz vergleichbar ist. Dasselbe gilt für seine langjährige Partnerin, welche die 

spanische Staatsbürgerschaft besitzt und den Beschuldigten ins europäische 

Ausland begleiten könnte. Sodann ist beim Beschuldigten von intakten Resoziali-

sierungschancen in Italien bzw. als EU-Bürger gemäss EU-Bürgerrechtsrichtlinie 

im gesamten Schengen-Raum auszugehen, zumal er neben der deutschen die 

italienische und französische Sprache spricht – die italienische nach seinen Anga-

ben zwar immer schlechter, jedoch dürfte bei einem längerfristigen Aufenthalt in 

- 40 -

Italien rasch eine Verbesserung eintreten – und mit seiner Mutter über eine nahe 

Verwandte verfügt, welche er regelmässig besucht und welche ihm bei der Inte-

gration in Italien behilflich sein kann. Seine abgeschlossene Ausbildung mit einem 

Fachausweis in Finanzplanung ermöglicht es ihm, auch in Italien bzw. im Schen-

gen-Raum eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Dennoch ist die erste Vor-

aussetzung von Art. 66a Abs. 2 StGB erfüllt und es liegt ein schwerer persönlicher 

Härtefall vor. Deshalb ist nachfolgend auf die Interessenabwägung einzugehen.

4.4. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, hat der in der Schweiz geborene 

und hier aufgewachsene Beschuldigte ein erhebliches Interesse am Verbleib in 

der Schweiz, zumal er hier seine Ausbildung und seinen gesamten beruflichen 

Werdegang absolviert und in der Schweiz sein gesamtes Leben verbracht hat 

(Urk. 63 S. 44 f.). Der Beschuldigte hat jedoch eine ihm zuvor lediglich aus einer 

Dating-App bzw. über WhatsApp und Telefon bekannte Frau unter dem Vorwand, 

sie am Ende der ersten Verabredung nach dem Abstellen des Autos in der Ga-

rage an die Tramhaltestelle zu begleiten, in ebendieser Garage vergewaltigt. Da-

bei handelt es sich um ein sehr schwerwiegendes Delikt und die Art und Weise, 

wie der Beschuldigte vorgegangen ist und wie er sein Opfer mehr oder minder zu-

fällig "ausgesucht" hat, bei der Privatklägerin handelt es sich um eine Badoo-Be-

kanntschaft, zeigt die erhebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-

nung durch den Beschuldigten in aller Deutlichkeit auf. Seine Straftat zeugt von 

einem bedenklichen Mangel an Respekt gegenüber Frauen und ihrer sexuellen 

Integrität. Damit überwiegt das öffentliche Interesse an der Wegweisung das pri-

vate Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz, so dass der 

Beschuldigte gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB des Landes zu verweisen ist. 

4.5. Art. 66a StGB sieht als Dauer der obligatorischen Landesverweisung ei-

nen Rahmen von 5 bis 15 Jahren vor. Die Rechtsfolge einer Landesverweisung 

ist aufgrund des Verschuldens und der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu 

bestimmen. Die Dauer der Landesverweisung muss verhältnismässig sein (vgl. 

Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Wie bei der Frage, ob 

überhaupt eine Landesverweisung auszusprechen ist, ist auch das private Inter-

esse des von der Landesverweisung Betroffenen zu berücksichtigen. Bei der Be-

- 41 -

stimmung der Dauer der Landesverweisung ist nebst der Schwere der Straftat da-

her auch den persönlichen Umständen, insbesondere allfälligen familiären Bin-

dungen der Person in der Schweiz oder einer aus einer langen Anwesenheit in 

der Schweiz folgenden Härte, Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1079/2022 vom 8. Februar 2023 E. 9.2.1 mit Hinweisen). Insbesondere unter 

Berücksichtigung, dass der Beschuldigte in der Schweiz geboren ist, hier seine 

Ausbildung absolviert hat, wirtschaftlich gut integriert ist und seine langjährige 

Partnerin hier lebt und angesichts des – innerhalb des weiten Strafrahmens der 

Vergewaltigung – noch nicht schweren Verschuldens des Beschuldigten erweist 

sich eine Landesverweisung für die Dauer von 7 Jahren als verhältnismässig. 

5. Vereinbarkeit mit dem Freizügigkeitsabkommen

5.1. Das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einer-

seits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits 

über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen [FZA]) garantiert den Staatsan-

gehörigen der Vertragsparteien sowie ihren Familienangehörigen verschiedene 

Einreise-, Aufenthalts- und Verbleiberechte nach Massgabe seines Anhanges I. 

Wie sich bereits der Grundbestimmung von Art. 1 lit. a FZA entnehmen lässt, ist 

die Einräumung des Rechts auf Einreise, Aufenthalt, Zugang zu einer unselbstän-

digen Erwerbstätigkeit und Niederlassung als Selbständiger sowie das Recht auf 

Verbleib im Hoheitsgebiet der Vertragsparteien zugunsten der Staatsangehörigen 

der Mitgliedstaaten der EU und der Schweiz ein wesentliches Ziel des Freizügig-

keitsabkommens (Urteil des Bundesgerichts 6B_907/2018 vom 23. November 

2018 E. 2.4.1). Mit dem Abschluss des FZA hat die Schweiz Staatsangehörigen 

der EU-Mitgliedstaaten ein weitgehendes und reziprokes Recht auf Erwerbstätig-

keit eingeräumt, welches jedoch durch die Anordnung einer Landesverweisung für 

die Dauer der Massnahme entzogen würde. Gemäss Art. 5 Ziff. 1 Anhang I FZA 

ist dies nur aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit zu-

lässig (Urteile des Bundesgerichts 6B_1384/2021 vom 29. August 2023 E. 1.6.2; 

6B_123/2022 vom 8. Dezember 2022 E. 3.5.1; je m.H.). Ein geringes, aber tat-

sächlich vorhandenes Rückfallrisiko kann für eine aufenthaltsbeendende Mass-

nahme im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA genügen, sofern dieses Risiko 

- 42 -

eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter wie beispielsweise die körperliche In-

tegrität beschlägt (BGE 145 IV 364 E. 3.5.2).

5.2. Der Beschuldigte verfügt über die italienische Staatsbürgerschaft und 

kann sich somit als Staatsangehöriger eines EU-Mitgliedstaates grundsätzlich auf 

das zwischen der Schweiz und der Europäischen Union abgeschlossene Freizü-

gigkeitsabkommen berufen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung be-

rechtigt das Freizügigkeitsabkommen allerdings nur zu einem doppelt bedingten 

Aufenthalt in der Schweiz, nämlich einerseits nach Massgabe der spezifischen 

Vertragsvereinbarungen als Voraussetzung eines rechtmässigen Aufenthalts und 

andererseits nach Massgabe des rechtskonformen Verhaltens im Sinne von Art. 5 

Ziff. 1 Anhang I FZA (Urteile des Bundesgerichts 6B_1152/2017 vom 28. Novem-

ber 2018 E. 2.5.2; 6B_235/2018 vom 1. November 2018 E. 3.3). Der Beschuldigte 

verfügt über eine Arbeitsstelle in der Schweiz und ist somit im schweizerischen 

Arbeitsmarkt integriert. Das Verhalten des Beschuldigten betrifft jedoch das 

Rechtsgut der sexuellen Integrität. Wie zuvor erwogen, handelt es sich bei der 

Privatklägerin um ein mehr oder minder zufälliges Opfer einer Vergewaltigung. 

Auch wenn das Tatverschulden angesichts des Strafrahmens für Vergewaltigung 

als im unteren Drittel einzustufen ist, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, 

dass dieses Delikt und das damit verbundene Verschulden angesichts des ver-

letzten Rechtsguts und der ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 30 Monaten 

schwer wiegt. Damit besteht – entgegen den Vorbringen der Verteidigung (Urk. 24 

N 84) – eine hinreichende Wahrscheinlichkeit für künftige Störungen der öffentli-

chen Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA. Das Frei-

zügigkeitsabkommen steht daher der Anordnung der obligatorischen Landesver-

weisung nicht entgegen.

IX.   Beschlagnahmung / DNA

Nachdem die Dispositiv-Ziffern 5 und 6 lediglich als Folge des Antrags auf Frei-

spruch mitangefochten werden (Urk. 65 S. 2), der Beschuldigte jedoch keine sub-

stantiierten Ausführungen dazu macht, insbesondere auch keine Einwände gegen 

die getroffenen Anordnungen im Falle einer Verurteilung erhebt (vgl. Urk. 86 N 54 

e contrario), kann integral auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-

- 43 -

wiesen werden (Urk. 63 S. 45 f.). Bestätigt das Berufungsgericht den Schuld-

spruch, sind die weiteren nicht angefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschrän-

kung der Berufung nicht zu überprüfen (BGE 147 IV 93 E. 1.5.2; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 148 IV 

22]; vgl. auch SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, N 18 zu Art. 399 StPO; 

HUG/SCHEIDEGGER in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], SK StPO, N 19 

und 20 zu Art. 399 StPO; SPRENGER in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK 

StPO, N 31 f. zu Art. 437 StPO), so dass die entsprechenden Anordnungen im 

Wesentlichen unverändert in das vorliegende Urteil aufgenommen werden kön-

nen.

X.   Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Vorinstanzliches Verfahren

Nachdem der vorinstanzliche Schuldspruch auch im Berufungsverfahren zu be-

stätigen ist und es dabei bleibt, dass der Beschuldigte verurteilt wird, ist die erstin-

stanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 7 und 8) zu bestätigen (Art. 426 

Abs. 1 StPO).

2. Zweitinstanzliche Kostenfolgen

2.1. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Beru-

fungsverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Ob bzw. in-

wieweit eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt da-

von ab, in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gut-

geheissen werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 

2015 E. 2.4.1 mit Hinweisen; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 6B_10/2015 

vom 24. März 2015 E. 4.2.1). 

2.2. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, so dass 

ihm die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind.

2.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von 

Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. § 16 Abs. 1 sowie § 14 Abs. 1 lit. b GebV OG unter 

- 44 -

Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-

wands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 4'000.– festzusetzen. Die weite-

ren Kosten betragen Fr. 50.– für die EDV-Datensicherung durch die Kantonspoli-

zei Zürich.

2.4. Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenent-

scheid. Es gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädi-

gung oder Genugtuung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_802/2015 

vom 9. Dezember 2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Ausgangsgemäss ver-

bleibt kein Raum für die beantragte Zusprechung einer Entschädigung (Urk. 86 

N 55) an den Beschuldigten.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 Abs. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate) wird 

die Freiheitsstrafe vollzogen.

4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für 7 Jahre 

des Landes verwiesen.

5. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im 

Sinne von Art. 257 StPO angeordnet. Das Forensische Institut Zürich (FOR) 

wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte verpflichtet, innert 

30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft des Urteils beim Forensischen Institut 

Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Erkennungsdienst‚ Güterstrasse 33, 

8010 Zürich zwecks DNA-Probenahme für die DNA-Profilerstellung zu er-

scheinen. Kommt er dieser Verpflichtung unentschuldigt nicht nach, wird die 

Kantonspolizei hiermit verpflichtet, ihn - auf entsprechende Mitteilung des 

- 45 -

Forensischen Instituts Zürich hin - zwangsweise vorzuführen. Der Beschul-

digte wird auf Art. 205, 207 und 417 StPO aufmerksam gemacht.

6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 

13. April 2022 beschlagnahmte Mobiltelefon Marke iPhone XS 

(A014'566'337) wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf 

einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet. 

7. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffern 7 und 8) wird bestä-

tigt.

8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 50.–   Kantonspolizei Zürich; EDV-Datensicherung.

9. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Beschuldigten auferlegt.

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben)

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (übergeben)
 das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung Kanton Zürich, 

Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste, per E-Mail 
(kanzlei.bvd@ji.zh.ch)

 das Migrationsamt des Kantons Zürich, per E-Mail (partner@ma.zh.ch);
 die Privatklägerin

- 46 -

sowie in vollständiger Ausfertigung – zusammen mit der Minderheitsmei-

nung gemäss § 124 GOG – an

 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
 die Privatklägerin 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz (zusammen mit der Minderheitsmeinung gemäss § 124 
GOG)

 das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung Kanton Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste  

 das Migrationsamt des Kantons Zürich 
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A nebst Formular 

"Löschung des DNA-Profil und Vernichtung ED-Materials";
 das Forensische Institut Zürich, Erkennungsdienst, gemäss Dispositiv-

Ziffer 5;
 die Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage betr. Dispositiv-Ziffer 6.

11. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-
gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

- 47 -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 17. April 2024

Die Präsidentin:

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Gitz

- 48 -

Minderheitsmeinung

Im Rahmen der Aussagenanalyse präsentieren sich die Aussagen der Privatkläge-

rin zwar in weiten Teilen durchaus plausibel und lebensnah geschildert, wobei sie 

auch in vielen Bereichen mit denjenigen des Beschuldigten übereinstimmen. In ei-

nem entscheidenden Teil des Kernbereichs der Anklage, der Frage, ob der Be-

schuldigte die sexuellen Handlungen mit Gewalt bzw. physischem Zwang/Kraftan-

wendung gegen den für ihn erkennbaren Willen der Privatklägerin bewirkte, mithin 

ob eine für die sexuellen Handlungen kausale Nötigungssituation der Privatklägerin 

vorlag, ist das indessen nicht der Fall. Unterzieht man die diversen Aussagen der 

Privatklägerin zu diesem Element des Kernsachverhalts einer eingehenden Be-

trachtung, so präsentieren sie sich als eher wortkarg, unschlüssig und detailarm, 

obschon die einvernehmende Polizistin bzw. der Staatsanwalt an mehrer