# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de829bab-5caa-57df-948b-8e2a94543026
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-27
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 27.06.2018 U 2018 31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2018-31_2018-06-27.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN

DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN

TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 18 31

3. Kammer 

Einzelrichter Audétat und Gross als Aktuar

URTEIL

vom 27. Juni 2018 

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführerin

gegen 

Gemeinde X._____,

Beschwerdegegnerin

betreffend Sozialhilfe

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1. A._____ ist geschieden und Mutter eines 6-jährigen Sohnes. Sie wohnte 

bereits einmal 2012/2013 in X._____ und bezog Sozialhilfe. Nach einer Ab-

meldung ins Ausland nahm sie in Y._____ Wohnsitz, wo sie ebenfalls öf-

fentlich unterstützt werden musste. Per 1. Mai 2018 zog A._____ mit ihrem 

Sohn zurück nach X._____, wo sie im selben Mehrfamilienhaus wie ihre 

Mutter eine 4.5-Zimmer-Wohnung inkl. Parkplatz für einen Monatsmietzins 

von Fr. 1'400.-- mietete.

2. Der Regionale Sozialdienst ersuchte für A._____ mit Gesuch vom 19. April 

2018 per 1. Mai 2018 die Gemeinde X._____ um öffentlichrechtliche Un-

terstützung ab dem 1. Mai 2018 bis auf Weiteres. Im Gesuch wird ausge-

führt, dass A._____ die Mietzinslimiten der Gemeinde X._____ gekannt 

hat; die Mehrmiete finanziere sie deshalb aus dem Grundbedarf und allfäl-

ligen Integrationszulagen oder Erwerbseinkommensfreibeträgen. Somit er-

suchte der Regionale Sozialdienst um Zusprechung einer öffentlichen Un-

terstützung im Betrag von monatlich Fr. 1'064.75. Das Formulargesuch als 

Beilage zum vom Regionalen Sozialdienst ausformulierten Unterstützungs-

gesuch ist zudem von A._____ persönlich unterzeichnet; im dazugehörigen 

Berechnungsblatt sind die Mietkosten konform mit den Richtlinien der Ge-

meinde betreffend Mietzinslimiten mit Fr. 1'150.-- angegeben. 

3. Diesem Gesuch entsprach die Gemeinde X._____ mit Verfügung vom 30. 

April 2018 im Umfang von monatlich Fr. 1'064.75 bis zum 31. Dezember 

2018. 

4. Dagegen erhob A._____ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 28. Mai 

2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Darin erhob sie Einsprache 

(recte: Beschwerde) gegen die Anrechnung von Wohnkosten von nur    Fr. 

1'150.-- pro Monat anstatt der effektiven Fr. 1'400.--. Wohnkosten in 

X._____ im Umfang von Fr. 1'150.-- seien realitätsfremd. Sie stellt daher 

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den Antrag auf Übernahme des Differenzbetrags von monatlich Fr. 250.-- 

durch die Gemeinde.

5. Die Gemeinde (Beschwerdegegnerin) beantragte in der Vernehmlassung 

vom 12. Juni 2018 (Poststempel) kostenfällig die Abweisung der Be-

schwerde. Sie bringt vor, dass die verfügte öffentliche Unterstützung be-

tragsmässig genau dem von der Beschwerdeführerin beantragten und per-

sönlich unterschriebenen Gesuch entspreche. Entgegen den Vorbringen 

der Beschwerdeführerin sei es sehr wohl möglich, in X._____ Wohnraum 

im Rahmen der Mietzinslimiten zu finden. Die Beschwerdeführerin habe die 

Mietzinslimiten gekannt, zumal sie bereits im Jahr 2013 von der Gemeinde 

X._____ basierend auf derselben Richtlinie öffentlich unterstützt worden 

sei. Dennoch habe sie bewusst eine zu teure Wohnung gemietet. Mit der 

Begründung der Beschwerdeführerin, sie sei wegen ihrer gesundheitlich 

angeschlagenen Mutter in diese Wohnung gezogen, rechtfertige sich wenn 

schon, dass die Mutter den die Richtlinie übersteigenden Mietzins überneh-

men würde. 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der Ent-

scheid der Beschwerdegegnerin vom 30. April 2018, worin der Beschwer-

deführerin die sozialhilferechtliche Unterstützung bis zum 31. Dezember 

2018 im Umfang von Fr. 1'064.75 (= Fehlbetrag zwischen anrechenbarem 

Aufwand Fr. 2'701.40 und anrechenbarem Einkommen Fr. 1'636.65) pro 

Monat gewährt wurde. Damit konnte sich die Beschwerdeführerin nicht ein-

verstanden erklären, da sie den Kostenanteil für die Mietwohnung auf ef-

fektiv Fr. 1'400.-- und nicht auf Fr. 1'150.-- (gemäss Mietzinslimite der Be-

schwerdegegnerin für einen Zweipersonenhaushalt) bezifferte. Die zu ge-

währende Mietzinsunterstützung sei somit um Fr. 250.-- pro Monat (Diffe-

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renz Fr. 1'400.-- minus Fr. 1'150.--) zu tief ausgefallen. Beschwerde-thema 

ist hier somit die von der Beschwerdegegnerin nach ihren eigenen Richtli-

nien verfügte Mietzinslimite von Fr. 1'150.-- pro Monat für zwei Personen 

(Beschwerdeführerin und Sohn). Der Streitwert beläuft sich dabei auf total 

Fr. 3'000.-- (12 Monate x Differenzbetrag Fr. 250.-- pro Monat). Der ange-

fochtene Entscheid stellt nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) den Beschwerdegegenstand 

dar. Fraglich ist allerdings, ob die Beschwerdeführerin als Adressatin des 

missliebigen Mietzinsentscheids auch tatsächlich beschwert ist und ihr da-

mit ein schutzwürdiges Interesse an der Anfechtung und Abänderung die-

ses Entscheids nach Art. 50 VRG zuerkannt werden kann. 

1.2. Zur Beschwerdelegitimation gilt es festzuhalten, dass der zuständige Regi-

onale Sozialdienst namens und im Auftrag der Beschwerdeführerin mit Ge-

such vom 19. April 2018 (s. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 2) um 

öffentliche Unterstützung im Umfang von Fr. 1'064.75 nachgesucht hat und 

von der Beschwerdegegnerin exakt auch dieser Sozialhilfebetrag zu Guns-

ten der Beschwerdeführerin gesprochen wurde (s. Bg-act. 7 laut Beschluss 

vom 30. April 2018 [Ziff. 1]; Bg-act. 6 Verfügung vom 3. Mai 2018). In die-

sem Gesuch vom 19. April 2018 wurde unter der Rubrik 'Wohnsituation' (s. 

Bg-act. 2 S. 1 f.) klar und unmissverständlich darauf hingewiesen, dass die 

Beschwerdeführerin wusste, dass sie eine zu grosse und zu teure Woh-

nung mietete und sie den Mehrmietzins mit ihrem Grundbedarf, allfälligen 

Integrationszulagen oder Erwerbseinkommensfreibeträgen ausgleichen 

müsste. Dieses Gesuch mitsamt Begründung hat sich die Beschwerdefüh-

rerin nicht nur anrechnen zu lassen, sie hat es zumindest sogar mitunter-

zeichnet, wie sich aus dem Formulargesuch als Beilage zum Gesuch ergibt 

(vgl. Bg-act. 3 S. 2). Auf dem beigelegten Berechnungsblatt (Bg-act. 4 Ziff. 

B.3 [Wohnkosten]) inkl. Berechnungsblatt für Alleinerziehende und Kinder 

(Ziff. B.3) ist als Mietzins unter Hinweis auf die Richtlinie der Beschwerde-

gegnerin der Höchstbetrag von Fr. 1'150.-- aufgeführt (Bg-act. 5). Vor die-

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sem Hintergrund geht es nun aber nicht an, nachträglich den Entscheid der 

Beschwerdegegnerin, die dem Gesuch antragsgemäss vollumfänglich ent-

sprach, inhaltlich plötzlich in Frage zu stellen. Die Beschwerdeführerin kann 

daher aufgrund ihres eigenen Verhaltens von vornherein gar nicht als 'be-

schwert' im Sinne von Art. 50 VRG bezeichnet werden. Auf die Beschwerde 

tritt das Gericht somit mangels Beschwerdebefugnis nicht ein.

1.3. Selbst wenn man hierzu aber anderer Meinung wäre und die Beschwerde 

materiell behandelt würde, müsste diese abgewiesen werden. Für das Ge-

richt ist nämlich nicht nachvollziehbar, wieso die Beschwerdeführerin und 

ihr sechsjähriger Sohn eine 4.5-Zimmer-Wohnung benötigen. Bereits eine 

kurze Internet-Recherche zum lokalen Wohnungsmarkt zeigt hierzu auf, 

dass es nicht realitätsfremd oder gar utopisch ist, eine angemessene Un-

terkunft in der betreffenden Gemeinde zu finden (IT-Inserat: Neue, mo-

derne 3.5 Zi Whg im Herzen der Beschwerdegegnerin, Mietpreis       Fr. 

1'295.--, Wohnfläche 70 m2, Bezug 01.07.2018; oder 2-Zi Whg in 2-Famili-

enhaus, Mietpreis Fr. 1'000.-- ab sofort bis 31.03.2019). Damit ist eine 

tatsächliche Verfügbarkeit einer adäquaten Wohnung im Bereich der fixier-

ten Mietzinslimite der Beschwerdegegnerin hinreichend nachgewiesen. 

Anstatt der geltend gemachten Lebenssituation mit der angeblich auf Un-

terstützung angewiesenen Mutter der Beschwerdeführerin im selben Mehr-

familienhaus – was ja als Grund für den Wegzug am bisherigen Wohnort 

zurück an den früheren (2012/2013) und jetzt wieder neuen Wohnort (2018) 

angegeben wird – könnte man nämlich mindestens geradesogut argumen-

tieren, dass die Mutter der Beschwerdeführerin und ihres Enkels in dieser 

4.5-Zimmer-Wohnung auch noch Platz für diese nahen Verwandten hätte 

und mit einer Kostenaufteilung des Mietzinses auch die kritisierte Mietzins-

limite von maximal Fr. 1'150.-- eingehalten werden könnte. Denkbar wäre 

zudem auch, dass die Mutter für die Differenz zur Mietzinslimite (also für 

die zusätzlich beantragten/geforderten  Fr. 250.-- pro Monat) aufkommen 

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würde, weil die Beschwerdeführerin ja offenbar ihretwegen in diese Woh-

nung gezogen ist. 

2.1. Auf die Beschwerde wird aus formellen Gründen (vgl. E.1.2, hiervor) nicht 

eingetreten, was die Bestätigung des angefochtenen Entscheids vom 30. 

April 2018 bezüglich der gewährten Mietzinskosten zur Konsequenz hat. 

2.2. Auf die Erhebung von Gerichtskosten nach Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten 

der Beschwerdeführerin wird vorliegend verzichtet, da einzig ein Prozes-

surteil (ohne materielle Behandlung der Streitsache) zu redigieren war und 

dem Gericht daraus kein nennenswerter Aufwand entstanden ist. Zudem 

geht es um 'Sozialhilfe', was einen Kostenverzicht umso mehr rechtfertigt.

2.3. Eine aussergerichtliche (Partei-) Entschädigung steht der Beschwerdegeg-

nerin nicht zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätig wurde 

(vgl. analoge Anwendung von Art. 78 Abs. 2 VRG).

Demnach erkennt der Einzelrichter:

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. [Rechtmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]