# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dba401ba-7675-51fc-a304-bb7ba55655d9
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-17
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 17.06.2021 BB.2021.163
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2021-163_2021-06-17.pdf

## Full Text

Beschluss vom 17. Juni 2021 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Roy Garré, Vorsitz, 
Cornelia Cova und Stephan Blättler, 
Gerichtsschreiber Martin Eckner 

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch 
Rechtsanwalt Adrian Ramsauer, 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

1. BUNDESANWALTSCHAFT, 
Beschwerdegegnerin 

 
2. BUNDESSTRAFGERICHT, Strafkammer, 

Vorinstanz 
 
 

Gegenstand  Verfahrenshandlung der Strafkammer  
(Art. 20 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 393 Abs. 1 lit. b 
StPO); Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO); 
Amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren 
(Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2021.163 
Nebenverfahren: BP.2021.56–57 
 
 
 

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Sachverhalt: 
 

A. Die Zweigstelle Zürich der Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») führte 
u. a. gegen A. eine Untersuchung u. a. wegen des Verdachts des Betrugs 
(Art. 146 Abs. 1 StGB), der qualifizierten Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 2 
lit. b und c StGB), der Veruntreuung (Art. 138 StGB) sowie der qualifizierten 
ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3/Ziff. 2 StGB; vgl. 
Beschluss des Bundesstrafgerichts BH.2014.11 vom 8. September 2014, 
lit. A).  
 
Im Wesentlichen beschuldigt die BA eine Gruppe von Personen zu Lasten 
der B. Holding je verschiedene Vermögensdelikte (darunter Betrug, Verun-
treuung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei) begangen zu ha-
ben. B. Holding sei ein grosses Industrieunternehmen in Russland. Am Be-
trug namhaft mitbeteiligt sei auch zumindest eine bei und angeblich für die 
B. Holding wirkende Person gewesen. Dabei sei die B. Holding um EUR 100 
Mio. geschädigt worden (Beschluss des Bundesstrafgerichts BH.2014.13 
vom 28. November 2014 E. 2.3). 

 
B. Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts wies mit Verfügung der Vorsitzen-

den vom 31. Mai 2021 im hier Wesentlichen den Antrag von A. auf Rückwei-
sung der Anklage an die BA ab (Dispositiv-Ziffer 1), wie auch verschiedene 
Beweisanträge.  
 
 

C. Dagegen gelangte Rechtsanwalt Adrian Ramsauer am 11. Juni 2021 für A. 
an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Er beantragt: 

 
1. In Aufhebung von Ziff. 1 der Verfügung sei die Anklage an die Bundesanwaltschaft 

zurückzuweisen und das Hauptverfahren zu sistieren, eventualiter am Register der 
Strafkammer abzuschreiben; 

 
 eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die Rückweisung und Sistierung/Ab-

schreibung vorzunehmen; 
 
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MWSt. 

 
RA Ramsauer stellt zudem die folgenden Verfahrensanträge: 

 
1. Es seien die Akten SK.2020.40 beizuziehen; 
2. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Verfahrenslei-

tung der Strafkammer sei anzuweisen, die Vorladungen der Parteien für die Haupt-
verhandlung auf den 19. bzw. 20. Juli 2021 sowie die Fristansetzung zur Einreichung 
der Vorfragen abzunehmen; 

  

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3. Dem Beschwerdeführer sei für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren.  

4. Dem Beschwerdeführer sei der Unterzeichner als amtlicher Verteidiger/Rechtsver-
treter beizugeben. 

 
 

D. Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO im 
Umkehrschluss)  
 
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Be-
zug genommen.  
 
 
 
Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 
 

1.  
1.1 Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die 

Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der erstin-
stanzlichen Gerichte; ausgenommen sind verfahrensleitende Entscheide. 
Verfahrensleitende Anordnungen der Gerichte können nur mit dem Endent-
scheid angefochten werden (Art. 65 Abs. 1 StPO). Dieser unterliegt der Be-
rufung (vgl. Art. 398 Abs. 1 StPO). Die Beschwerde ist nicht zulässig, wenn 
die Berufung möglich ist (Art. 394 lit. a StPO; Art. 20 Abs. 1 lit. a StPO).  

Gegen verfahrensleitende Entscheide kann somit grundsätzlich keine Be-
schwerde geführt werden. Der Ausschluss der Beschwerde gemäss Art. 393 
Abs. 1 lit. b StPO beschränkt sich nach bundesgerichtlicher Praxis auf jene 
verfahrensleitenden Entscheide, die nicht geeignet sind, einen nicht wieder 
gutzumachenden Nachteil zu bewirken (BGE 143 IV 175 E. 2.2 f.; 140 IV 202 
E. 2.1; 138 IV 193 E. 4.3/4.4). 
 

1.2 Die Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft ist nicht anfechtbar (Art. 324 
Abs. 2 StPO). Das Strafgericht prüft die eingegangene Anklage (Art. 329 
Abs. 1 StPO), namentlich ob ein Urteil ergehen kann. Es hat dazu keine an-
fechtbare Verfügung zu ergehen. Mangels Anfechtbarkeit entsteht dem Be-
schwerdeführer auch kein Nachteil, wenn die Verfahrensleitung der ersten 
Instanz das Ergebnis der Vorprüfung nicht festhält, sondern direkt zur Haupt-
verhandlung vorlädt (vgl. BGE 141 IV 20 E. 1.5.4). Die Anklagevorprüfung 
ist als prozessleitender Entscheid nicht mit Beschwerde anfechtbar (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_676/2013 vom 28. April 2014 E. 3.6.4).  

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1.3 Der Beschwerdeführer verlangte, die Anklage sei zurückzuweisen. Darüber 
erging die Verfügung der Strafkammer vom 31. Mai 2021. Der Beschwerde-
führer wünscht eine Überprüfung der Anklagevorprüfung durch die Be-
schwerdekammer (act. 1 S. 5–10); dies entspricht indes nicht ihrer Rolle.  

Die Anklage wird im Hauptverfahren der erst- und zweitinstanzlichen Straf-
gerichte kritisiert, geprüft, bewertet und beurteilt. Ihr Genügen wie Ungenü-
gen (wie auch eine allfällige Änderung und Erweiterung oder Beweisergän-
zung) ist ein Kernthema des Haupt- und Berufungsverfahrens. Das erstin-
stanzliche Urteil kann im Berufungsverfahren in allen angefochtenen Punk-
ten umfassend überprüft werden (vgl. Art. 398 Abs. 2 StPO). Die parallele 
Überprüfung der Anklagevorprüfung und ihre materielle Würdigung durch 
eine Beschwerdeinstanz ist im Rechtsmittelsystem der StPO nicht vorgese-
hen. Insoweit liegt die Sache anders als im Fall BGE 143 IV 475, wo es um 
eine Entfernung aus den Akten im Vorverfahren ging. Zwar kann die Rück-
weisung der Anklage durch das erstinstanzliche Gericht an die Beschwer-
deinstanz weitergezogen werden. Die Prüfungsbefugnis beschränkt sich da-
bei im Ergebnis auf die Prüfung, ob das Beschleunigungsgebot (offensicht-
lich) verletzt sei (vgl. ANDREAS J. KELLER, Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, 
Art. 393 StPO N. 28; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2019.215 vom 
17. Dezember 2019 E. 2.5, 3.8). Die Beschwerdekammer nimmt keine ma-
terielle, ihr nicht zustehende Nachprüfung der Anklagevorprüfung durch die 
Strafkammer vor. Auf die Beschwerde ist nicht einzutreten.  

1.4 Mit dem Gesagten wäre bei der Nichtrückweisung auch kein nicht wieder 
gutzumachender Nachteil für den Beschwerdeführer ersichtlich: Das Be-
schleunigungsgebot wird durch die Nichtrückweisung der Anklage gar nicht 
tangiert. Die Parteien können sich im Hauptverfahren zur Anklage äussern. 
Erwiese sich die Anklage tatsächlich als ungenügend, so erfolgt ein Frei-
spruch. Andernfalls kann der Beschwerdeführer seine Sache umfassend von 
der Berufungsinstanz beurteilen lassen. Die Vorinstanz ist sich vorliegend 
zudem bewusst, dass die Anklageschrift dem Erfordernis, die dem Beschul-
digten zur Last gelegten Handlungen «möglichst kurz, aber genau» zu be-
nennen, «stricto sensu» nicht entspricht (vgl. act. 1.1 S. 2 Verfügung vom 
31. Mai 2021). Die Vorinstanz verweist dort auch auf die Rechtsprechung, 
wonach Fussnoten in Anklagen zulässig sind und sie führt aus, die Anklage 
enthalte keine Beweiswürdigung. Wie es dem Gericht bei dieser Ausgangs-
lage nicht möglich sein soll, den Anklagevorwurf fair zu beurteilen, ist nicht 
nachvollziehbar. Es ist kein wieder gutzumachender Nachteil dargetan. Auch 
aus diesem Grund ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.  

1.5 Damit ist auf die vorliegende Beschwerde ohne Weiteres nicht einzutreten. 
Insbesondere erübrigt es sich, Akten einzuholen. Der entsprechende Antrag 

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ist abzuweisen. Der Antrag auf aufschiebende Wirkung ist gegenstandslos 
geworden.  

 
2.  
2.1 Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung 

und amtliche Verteidigung im Beschwerdeverfahren gestellt. Auch wenn die 
amtliche Verteidigung im Strafverfahren bereits erteilt worden ist, muss diese 
für das Beschwerdeverfahren separat beantragt und durch die Beschwerde-
kammer gewährt werden (BGE 137 IV 215 E. 2.3). Gemäss Art. 132 Abs. 1 
lit. b StPO (anwendbar im Beschwerdeverfahren durch Verweis in 
Art. 379 StPO) ist die amtliche Verteidigung anzuordnen, wenn die beschul-
digte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung 
zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist. Zusätzlich wird für die Gewährung 
der amtlichen Verteidigung im Beschwerdeverfahren verlangt, dass die Be-
schwerde nicht aussichtlos sein darf (Urteile des Bundesgerichts 
1B_732/2011 vom 19. Januar 2012 E. 7.2; 1B_705/2011 vom 9. Mai 2012 
E. 2.3.2). Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, hat 
Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht 
aussichtslos erscheint (Art. 29 Abs. 3 BV). 

2.2 Ist auf die Beschwerde vorliegend nicht einzutreten, so konnte sie keine Aus-
sicht auf Erfolg haben. Das Gesuch im Beschwerdeverfahren um amtliche 
Verteidigung resp. unentgeltliche Prozessführung ist wegen Aussichtslosig-
keit abzuweisen.  

 
 
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der unterliegende Beschwerdefüh-

rer die Gerichtskosten zu tragen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsge-
bühr ist auf Fr. 1'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 
Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über 
die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren; 
BStKR, SR 173.713.162). 

 
 
 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 
 
2. Die Verfahrensanträge werden abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos 

geworden sind.  
 

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und amtliche Verteidigung im Be-
schwerdeverfahren wird abgewiesen. 
 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  
 
 

Bellinzona, 17. Juni 2021 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Adrian Ramsauer 
- Bundesstrafgericht, Strafkammer 
- Bundesanwaltschaft 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (vgl. Art. 79 BGG; SR 173.110).