# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 35ad1e73-ec42-5b27-993c-a40bed36f081
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.09.2023 A-5712/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-5712-2022_2023-09-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-5712/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Jürg Steiger (Vorsitz), 

Richter Keita Mutombo, 

Richter Pierre-Emmanuel Ruedin,    

Gerichtsschreiber Alexander Cochardt. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ AG,  

(…), 

vertreten durch Willi Leutenegger und Sascha Vakili, 

Wara Finanz GmbH, (…),  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, 

Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 

Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 MWST (1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2018; Vorsteuer-

abzug). 

 

 

 

A-5712/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die A._______ AG (nachfolgend: Steuerpflichtige) bezweckt gemäss Han-

delsregistereintrag insbesondere den Erwerb, das Halten, Vermieten und 

Veräussern von Liegenschaften aller Art. Die Steuerpflichtige ist seit dem 

(…) 2005 bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfolgend: ESTV) 

im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen. 

B.  

B.a Mit Schreiben vom 21. November 2019 kündigte die ESTV eine Mehr-

wertsteuerkontrolle bei der Steuerpflichtigen für die Steuerperioden 1. Ja-

nuar 2014 bis 31. Dezember 2018 an, welche am 13., 14. und 28. Mai 2020 

durchgeführt wurde. Daraufhin erliess die ESTV am 8. Dezember 2020 die 

Einschätzungsmitteilung (EM) Nr. (…). In dieser EM machte die ESTV eine 

Steuerkorrektur zu ihren Gunsten in Höhe von Fr. 113'292.– zuzüglich Ver-

zugszinsen ab dem 30. April 2017 (mittlerer Verfall) geltend für «Vorsteu-

erkorrekturen/Vorsteueranspruch» (Ziff. 1). 

B.b Nach erfolgter Fristerstreckung erklärte sich die Steuerpflichtige mit 

Schreiben vom 31. Mai 2021 fristgerecht mit der EM hinsichtlich der unter 

Ziff. 1 «Vorsteuerkorrekturen/Vorsteueranspruch» nachbelasteten Steuer-

korrektur nicht einverstanden und ersuchte die ESTV um Erlass einer ein-

sprachefähigen Verfügung. 

B.c Mit Verfügung vom 15. September 2022 bestätigte die ESTV die Ein-

schätzungsmitteilung und forderte für die Steuerperioden 2014 bis 2018 

Mehrwertsteuern im Betrag von Fr. 113'292.– (zuzüglich Verzugszins) 

nach. 

B.d Gegen diese Verfügung erhob die Steuerpflichtige am 14. Oktober 

2022 Einsprache bei der ESTV mit dem Hauptantrag, die Steuerkorrektur 

infolge des Eintritts der Festsetzungsverjährung hinsichtlich der Steuerpe-

riode 2014 um Fr. 113'292.– auf Fr. 0.– herabzusetzen. Eventualiter sei der 

in der EM unter Ziff. 1 «Vorsteuerkorrekturen/Vorsteueranspruch» zurück-

belastete Vorsteuerabzug zu gewähren und die Steuerkorrektur um 

Fr. 113'292.– auf Fr. 0.– zu reduzieren. 

B.e Mit Einspracheentscheid vom 9. November 2022 wies die ESTV die 

Einsprache ab und bestätigte die mit Verfügung vom 15. September 2022 

festgesetzte Steuernachforderung. Zur Begründung führte sie hauptsäch-

lich aus, dass sie die Verjährung betreffend die Steuerperioden 2014 bis 

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Seite 3 

2018 mit der Ankündigung der Mehrwertsteuerkontrolle am 21. November 

2019 unterbrochen habe. Betreffend den geltend gemachten Vorsteuerab-

zug habe die Steuerpflichtige nicht den Nachweis erbracht, dass sie die 

Vorsteuern bezahlt habe. Auch lägen dem geltend gemachten Vorsteuer-

abzug keine Leistungen an die Steuerpflichtige zugrunde, denn gemäss 

Ermittlungserkenntnissen der Staatsanwaltschaft (…) (nachfol-

gend: Staatsanwaltschaft) in einem separat geführten Strafverfahren ge-

gen (…) (im hier massgebenden Zeitraum Mitglied des Verwaltungsrats der 

Steuerpflichtigen) müsse davon ausgegangen werden, dass der Steuer-

pflichtigen Leistungen mit Mehrwertsteuern in Rechnung gestellt worden 

seien, die tatsächlich gar nicht erbracht worden seien. 

C.  

C.a Gegen diesen Einspracheentscheid gelangte die Steuerpflichtige 

(nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Beschwerde vom 9. Dezember 

2022 ans Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt sinngemäss, den Ein-

spracheentscheid in Bezug auf den in der EM unter Ziff. 1 «Vorsteuerkor-

rekturen/Vorsteueranspruch» zurückbelasteten Vorsteuerabzug aufzuhe-

ben und die Steuerkorrektur um Fr. 113'292.– auf Fr. 0.– zu reduzieren. 

Prozessual beantragt die Beschwerdeführerin eine «Nachfrist zum Beibrin-

gen von weiteren Beweismitteln von 3 Monaten nach Rückgabe der durch 

die Staatsanwaltschaft eingezogenen Geschäftsakten». 

C.b Die ESTV (nachfolgend auch: Vorinstanz) lässt sich mit Eingabe vom 

26. Januar 2023 vernehmen und beantragt die Abweisung der Beschwerde 

unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Betreffend den gel-

tend gemachten Vorsteuerabzug hält sie vollumfänglich an ihren Erwägun-

gen im Einspracheentscheid fest (siehe Sachverhalt Bst. B.e). Das Rechts-

begehren um Nachfrist zum Beibringen weiterer Beweismittel sei abzuwei-

sen, da die Beschwerdeführerin die betreffenden eingezogenen Ge-

schäftsakten eingesehen habe und Kopien derselben hätte anfertigen las-

sen können. 

 

Auf die vorstehenden und die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteilig-

ten sowie die Akten wird nachfolgend unter den Erwägungen insoweit ein-

gegangen, als sie für den vorliegenden Entscheid wesentlich sind. 

  

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-

gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, 

SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwal-

tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), 

sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt 

hier nicht vor. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. November 

2022 stellt eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Die Vorinstanz 

ist eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht 

ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 

Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem 

VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

1.2  

1.2.1 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung 

und von dieser betroffen. Sie ist damit zur Beschwerdeerhebung berechtigt 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

1.2.2 Gemäss Art. 52 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerdeschrift die Begeh-

ren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift 

der Beschwerdeführerin oder ihres Vertreters zu enthalten; die Ausferti-

gung der angefochtenen Verfügung und die als Beweismittel angerufenen 

Urkunden sind beizulegen, soweit die Beschwerdeführerin sie in Händen 

hat. 

1.2.3 Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in 

vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-

letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder 

unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 

Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG). 

1.4 Im Beschwerdeverfahren gilt die Untersuchungsmaxime, wonach die 

entscheidende Behörde den rechtlich relevanten Sachverhalt von sich aus 

abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis führen muss. Der Untersu-

chungsgrundsatz wird im Mehrwertsteuerverfahren indes dadurch relati-

viert, dass den Verfahrensbeteiligten spezialgesetzlich statuierte Mitwir-

kungspflichten auferlegt werden (Art. 13 VwVG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 des 

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Seite 5 

Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009 [MWSTG, 

SR 641.20]; BVGE 2009/60 E. 2.1.2). Die Beschwerdeinstanz nimmt je-

doch nicht von sich aus zusätzliche Sachverhaltsabklärungen vor oder un-

tersucht weitere Rechtsstandpunkte, für die sich aus den vorgebrachten 

Rügen oder den Akten nicht zumindest Anhaltspunkte ergeben (BVGE 

2010/64 E. 1.4.1; MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-

gericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 1.49 ff., 1.54 f., 3.119 ff.). Sodann gilt im Verfah-

ren vor dem Bundesverwaltungsgericht der Grundsatz der freien Beweis-

würdigung (vgl. auch Art. 81 Abs. 3 MWSTG). Die Beweiswürdigung endet 

mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche Tatsa-

che als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet, wenn 

das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung ge-

langt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat 

(BGE 130 II 482 E. 3.2; vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-719/2018 vom 

2. Mai 2019 E. 2.5). 

1.5 Ist ein Sachverhalt nicht erstellt bzw. bleibt ein Umstand unbewiesen, 

ist zu regeln, wer die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Im Steuerrecht gilt 

grundsätzlich, dass die Steuerbehörde die (objektive) Beweislast für Tatsa-

chen trägt, welche die Steuerpflicht als solche begründen oder die Steuer-

forderung erhöhen (steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen). Dem-

gegenüber ist die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und 

steuermindernden Tatsachen beweisbelastet, das heisst für solche Tatsa-

chen, welche eine Steuerbefreiung oder Steuerbegünstigung bewirken 

(anstelle vieler: BGE 140 II 248 E. 3.5; Urteile des BGer 2C_709/2017 vom 

25. Oktober 2018 E. 3.2 und 2C_715/2013 vom 13. Januar 2014 E. 2.3.3; 

Urteil des BVGer A-6390/2016 und A-6393/2016 vom 14. September 2017 

E. 1.4 mit weiteren Hinweisen). 

1.6 Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 81 Abs. 1 MWSTG nimmt die 

Behörde die ihr angebotenen Beweise ab, wenn diese für den Entscheid 

erheblich und zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen. Die ur-

teilende Behörde kann ohne Verletzung des verfassungsrechtlichen An-

spruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; 

Art. 29 VwVG) von einem beantragten Beweismittel dann absehen, wenn 

der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht rechtserheblich ist, 

wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll, wenn zum Voraus ge-

wiss ist, dass der angebotene Beweis keine wesentlichen Erkenntnisse zu 

vermitteln vermag oder wenn die verfügende Behörde den Sachverhalt auf 

Grund eigener Sachkunde ausreichend würdigen kann (sog. antizipierte 

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Beweiswürdigung; vgl. BGE 145 I 167 E. 4.1, 131 I 153 E. 3, 122 V 157 

E. 1d; Urteil des BVGer A-4256/2021 vom 14. November 2022 E. 1.3.3 mit 

weiteren Hinweisen; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 537). 

2.  

2.1 Der Bund erhebt eine allgemeine Verbrauchssteuer nach dem System 

der Netto-Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug (Mehrwertsteuer; Art. 130 

BV; Art. 1 Abs. 1 MWSTG). Der Mehrwertsteuer unterliegen unter anderem 

die im Inland durch steuerpflichtige Personen gegen Entgelt erbrachten 

Leistungen, soweit dieses Gesetz keine Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer; 

Art. 1 Abs. 2 Bst. a und Art. 18 Abs. 1 MWSTG). 

2.2  

2.2.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 und 3 MWSTG kann die steuerpflichtige Per-

son unter Vorbehalt von Art. 29 und 33 MWSTG Vorsteuern, u.a. die ihnen 

in Rechnung gestellte Inlandsteuer, im Rahmen ihrer unternehmerischen 

Tätigkeit abziehen, sofern sie nachweist, dass sie die Vorsteuern bezahlt 

bzw. wirtschaftlich tatsächlich getragen hat. 

2.2.2 Nach Art. 59 Abs. 1 der Mehrwertsteuerverordnung vom 27. Novem-

ber 2009 (MWSTV, SR 641.201) gilt die Inlandsteuer als in Rechnung ge-

stellt, wenn der Leistungserbringer für den Leistungsempfänger erkennbar 

von diesem die Mehrwertsteuer eingefordert hat. Dieses Einfordern muss 

erkennbar sein, um die Berechtigung zum Abzug der überwälzten Mehr-

wertsteuer als Vorsteuer, sofern alle übrigen Voraussetzungen erfüllt sind, 

zu bejahen (BEATRICE BLUM, in: Geiger/Schluckebier [Hrsg.], MWSTG-

Kommentar, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: MWSTG-Kommentar 2019], 

Art. 28 N. 11). Der Abzug von Vorsteuern knüpft somit an die Vorausset-

zung, dass der Leistungsempfänger weiss, dass er dem Leistungserbrin-

ger eine Leistung mit Mehrwertsteuer bezahlt hat. Dieses Wissen muss 

sich dabei aus dem Verhalten des Leistungsempfängers ergeben. Weil der 

Vorsteuerabzug eine steuermindernde Tatsache ist, muss die steuerpflich-

tige Person, welche den Vorsteuerabzug geltend macht, den Beweis der 

Einforderung der Steuer erbringen, also nachweisen, dass der Leistungs-

erbringer die Steuer effektiv offen überwälzt hat (BARBARA HENZEN, in: Mar-

tin Zweifel et al. [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die Mehrwert-

steuer, 2015 [nachfolgend: MWSTG-Kommentar 2015], Art. 28 N. 30). 

Das Vorhandensein einer Rechnung, die den gesetzlichen Anforderungen 

entspricht, ist im Gegensatz zum alten Mehrwertsteuergesetz 

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Seite 7 

(Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer 

[aMWSTG, AS 2000 1300]; vgl. Art. 38 Abs. 1 Bst. a aMWSTG) keine zwin-

gende materiellrechtliche Voraussetzung mehr für den Vorsteuerabzug. 

Der Grundsatz der Beweisfreiheit erlaubt es der steuerpflichtigen Person, 

mit anderen Mitteln zu beweisen, dass ihr die Steuer in Rechnung gestellt 

wurde (Botschaft vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehrwertsteuer 

[BBl 2008 6885, 6934 f. und 6974 f.]; Urteil des BGer 2C_33/2014 vom 

27. Juli 2015 E. 2.3.2; BLUM, MWSTG-Kommentar 2019, Art. 28 N. 12 und 

Art. 81 N. 11; HENZEN, MWSTG-Kommentar 2015, Art. 28 N. 31). Der 

Rechnung kommt im Mehrwertsteuerrecht aber weiterhin eine über den 

reinen Buchungsbeleg hinausgehende Bedeutung zu. Sie stellt ein wichti-

ges Indiz dafür dar, dass der Aussteller auch Leistungserbringer ist und die 

mehrwertsteuerlich relevante Handlung tatsächlich stattgefunden hat (Ur-

teil des BVGer A-1996/2022 vom 19. Dezember 2022 E. 5.1 mit weiteren 

Hinweisen). Beim Leistungsempfänger bildet der Rechnungsbeleg regel-

mässig die Basis, jedoch nicht die Voraussetzung, für den Vorsteuerabzug 

und damit für die Rückforderung der auf der bezogenen Leistung lastenden 

Mehrwertsteuer (Urteile des BVGer A-5186/2019 vom 28. August 2020 

E. 3.2.2 und A-4949/2013 vom 12. März 2014 E. 2.5.2; vgl. BAUM-

GARTNER/CLAVADETSCHER/KOCHER, Vom alten zum neuen Mehrwertsteu-

ergesetz, 2010, § 7 N. 3 ff.). 

Wie nach altem Recht berechtigt nicht jede Rechnung, die die gesetzlich 

vorgeschriebenen Angaben enthält, zwangsläufig zum Vorsteuerabzug 

(vgl. Urteil des BVGer A-279/2014 vom 17. November 2014 E. 3.2). Der 

Beweiswert eines solchen Dokuments muss konkret und unter Berücksich-

tigung aller Umstände des Einzelfalls nach dem Grundsatz der freien Be-

weiswürdigung (E. 1.4) beurteilt werden. Im Zweifelsfall ist es Sache der 

Behörde, festzustellen, ob der Nachweis der Überwälzung der Vorsteuer 

durch andere Dokumente und Belege erbracht wurde (Urteil A-1996/2022 

E. 5.1). 

2.2.3 Der Nachweis durch die steuerpflichtige Person, dass sie die Vor-

steuern bezahlt bzw. wirtschaftlich tatsächlich getragen hat, ist an keine 

besondere Form gebunden (HENZEN, MWSTG-Kommentar 2015, Art. 28 

N. 40). Eine Rechnung ist zwar ein wichtiges Indiz dafür, dass der Leis-

tungserbringer die Mehrwertsteuer an den Leistungsempfänger überwälzt 

hat (vgl. E. 2.2.2), sie sagt jedoch grundsätzlich nichts darüber aus, ob der 

Leistungsempfänger die Vorsteuern an den Leistungserbringer bezahlt hat 

(Urteil A-1996/2022 E. 5.2). Der Nachweis hierfür wird in der Regel durch 

Buchungs- und Zahlungsbelege erbracht (vgl. BLUM, MWSTG-Kommentar 

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2019, Art. 28 N. 38; HENZEN, MWSTG-Kommentar 2015, Art. 28 N. 40). 

Kann der Nachweis der Entrichtung der Vorsteuer nicht erbracht werden 

oder kommt es gar nie zur Entrichtung der Vorsteuer, ist der geltend ge-

machte Vorsteuerabzug zu verweigern bzw. wieder rückgängig zu machen 

(vgl. HENZEN, MWSTG-Kommentar 2015, Art. 28 N. 42). 

3.  

3.1 Im vorliegenden Fall ist strittig, ob die Beschwerdeführerin im 2. Quar-

tal 2014 ein Vorsteuerabzugsrecht in der Höhe von Fr. 113'292.– hat. Die 

subjektive Steuerpflicht der Beschwerdeführerin ist unbestritten und auf-

grund der Akten erstellt. Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin auf 

Beschwerdeebene zu Recht nicht mehr geltend, die Nachforderung sei ver-

jährt. 

3.2  

3.2.1 Zunächst ist auf den Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin ein-

zugehen. Sie beantragt die Gewährung einer Nachfrist zum Beibringen von 

weiteren Beweismitteln von drei Monaten nach Erlangung des Zugangs zu 

ihren von der Staatsanwaltschaft eingezogenen Geschäftsunterlagen des 

Jahres 2014 (Sachverhalt Bst. C.a in fine). Dies für den Fall, dass die be-

reits eingereichten Unterlagen den erforderlichen Nachweis nicht erbringen 

würden. 

3.2.2 Die Vorinstanz legt dazu in ihrer Vernehmlassung (Sachverhalt 

Bst. C.b) dar, die Staatsanwaltschaft habe ihr am 12. Januar 2023 auf Er-

suchen bestätigt, dass die Beschuldigten mehrfach Akteneinsichtsgesuche 

betreffend die sichergestellten Geschäftsunterlagen gestellt und diese Un-

terlagen auch mehrfach eingesehen hätten. Das betreffende E-Mail der 

Staatsanwaltschaft vom 12. Januar 2023 reicht die Vorinstanz mit den amt-

lichen Akten ein. 

3.2.3 Die Staatsanwaltschaft hat bereits am 27. Dezember 2021 Anklage 

gegen das ehemalige Mitglied des Verwaltungsrates der Beschwerdefüh-

rerin, (…), erhoben. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe seit 

dem Einzug ihrer Geschäftsakten durch die Staatsanwaltschaft keine Ein-

sicht in die betreffenden Buchhaltungsunterlagen erhalten, ist unbelegt. Die 

Beschwerdeführerin hat dafür keine Nachweise, wie insbesondere ein ab-

gewiesenes Akteneinsichtsgesuch, eingereicht. In ihrer Einsprache vom 

14. Oktober 2022 war zudem von einem mangelhaften Zugang zu den Un-

terlagen noch keine Rede. Im Weiteren liegt eine Bestätigung der Staats-

anwaltschaft vor, dass die Beschuldigten mehrfach Einsicht in die 

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Seite 9 

Geschäftsunterlagen genommen haben (vgl. act. 10). Die Vorinstanz 

kommt in ihrer Vernehmlassung daher zu Recht zu dem Schluss, dass die 

Beschwerdeführerin Zugang zu den eingezogenen Geschäftsunterlagen 

hatte, was von der Beschwerdeführerin zumindest im Anschluss an die Ver-

nehmlassung nicht weiter bestritten wird. Das Bundesverwaltungsgericht 

würdigt die Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe keine Akteneinsicht 

bei der Staatsanwaltschaft betreffend die eingezogenen Geschäftsunterla-

gen erhalten können, demnach als reine Schutzbehauptung. In der Folge 

erübrigt sich auch, der Beschwerdeführerin die von ihr beantragte Nachfrist 

von drei Monaten ab Erlangung des Zugangs zu den Unterlagen anzuset-

zen. Die Beschwerdeführerin hatte bis heute Zeit, die von ihr geltend ge-

machten Nachweise einzureichen. Der betreffende Verfahrensantrag ist 

daher abzuweisen. 

Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang geltend macht, 

die Vorinstanz habe durch den Verzicht darauf, sich Einsicht in die einge-

zogenen Geschäftsakten zu verschaffen, das rechtliche Gehör bzw. das 

Recht auf Beweisabnahme verletzt, ist mit Blick auf das eben Ausgeführte 

(die Beschwerdeführerin hatte selbst Zugang zu den eingezogenen Ge-

schäftsakten) verfehlt. 

3.3 Die Beschwerdeführerin machte in der Mehrwertsteuerabrechnung für 

das 2. Quartal 2014 Vorsteuern in Höhe von Fr. 113'292.– für den Bezug 

baugewerblicher Leistungen der Einzelunternehmung X._______ (nachfol-

gend: Einzelunternehmung X._______) geltend. 

3.3.1 Den Akten ist eine Rechnung der Einzelunternehmung X._______, 

datiert auf den 28. April 2014, zu entnehmen, auf welcher der Beschwer-

deführerin ein Betrag in der Höhe von Fr. 1'529'440.– 

(inkl. Fr. 113'291.85.– Mehrwertsteuer) mit dem Betreff «[Ortsangabe mit 

Strasse und Hausnummer]» in Rechnung gestellt wurde. Auf der Rech-

nung befindet sich der Vermerk: «Die Zahlungen sind direkt an die Hand-

werker Bezahlt worden im WIR». Entsprechende Handwerkerrechnungen 

liegen nicht vor. 

3.3.2 Den Akten sind weiter WIR-Zahlungsnachweise zu entnehmen, die 

als Inhaber der Belastungskonten jeweils die Beschwerdeführerin und als 

Begünstigte verschiedene Personen benennen. Gemäss den WIR-Zah-

lungsnachweisen wurden insgesamt 1'529'440 WIR überwiesen, was dem 

Franken-Betrag auf der erwähnten Rechnung der Einzelunternehmung 

X._______ entspricht. 

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Seite 10 

3.4 Die Vorinstanz hat den Vorsteuerabzug zurückbelastet mit der Begrün-

dung, dass die Beschwerdeführerin mit den WIR-Zahlungsnachweisen 

nicht den Nachweis erbringen könne, dass sie mit den betreffenden Über-

weisungen Vorsteuern bezahlt habe. Aus den WIR-Zahlungsnachweisen 

werde lediglich ersichtlich, dass die jeweiligen WIR-Beträge ab dem Kon-

tokorrent der Beschwerdeführerin überwiesen wurden. 

Des Weiteren sei die Voraussetzung einer in Rechnung gestellten 

Inlandsteuer nicht erfüllt, da gemäss Ermittlungserkenntnissen der 

Staatsanwaltschaft davon ausgegangen werden müsse, dass weder im 

Verhältnis der Handwerker mit der Einzelunternehmung X._______ noch 

im Verhältnis zwischen der Einzelunternehmung X._______ und der 

Beschwerdeführerin der Inlandsteuer unterliegende Leistungen erbracht 

wurden. Die Rechnung der Einzelunternehmung X._______ sei gefälscht. 

3.5 Die Beschwerdeführerin führt demgegenüber sinngemäss aus, dass 

sie die baugewerblichen Leistungen von der Einzelunternehmung 

X._______ im Zusammenhang mit dem Bauwerk an der (Ortsangabe mit 

Strasse und Hausnummer) bezogen habe. Bei den Begünstigten auf den 

WIR-Zahlungsnachweisen handle es sich um Unterakkordanten der Ein-

zelunternehmung X._______, welche die Beschwerdeführerin, wie von der 

Einzelunternehmung X._______ angewiesen, direkt bezahlt habe 

(inkl. Mehrwertsteuer). Mit den WIR-Zahlungsnachweisen habe sie damit 

den Nachweis erbracht, dass sie die ihr von der Einzelunternehmung 

X._______ in Rechnung gestellte Mehrwertsteuer bezahlt habe. 

3.6  

3.6.1 Die Beschwerdeführerin trägt die Beweislast für die Voraussetzungen 

der Vorsteuerabzugsberechtigung als steuermindernde Tatsache (E. 1.5 

und 2.2.2). 

Sie scheitert am Nachweis, dass sie mit den Zahlungen an die vermeintli-

chen Unterakkordanten die Leistung bzw. die Vorsteuern auf der Rech-

nung der Einzelunternehmung X._______, datiert auf den 28. April 2014, 

beglichen hat. Eine Rechnung sagt grundsätzlich noch nichts darüber aus, 

ob der Leistungsempfänger die Vorsteuern an den Leistungserbringer be-

zahlt hat (E. 2.2.3). Auf der betreffenden Rechnung der Einzelunterneh-

mung X._______ wird mit dem Vermerk «Die Zahlungen sind direkt an die 

Handwerker Bezahlt worden im WIR» nicht ausdrücklich bestätigt, dass die 

Bezahlung der Rechnung und der darauf ausgewiesenen Mehrwertsteuer 

durch die Überweisung der WIR-Beträge gemäss den WIR-

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Seite 11 

Zahlungsnachweisen erfolgte. Auch lässt sich die Rechnung der Einzelun-

ternehmung X._______ mangels Angabe der vermeintlichen Unterak-

kordanten und entsprechender Zahlungsdaten nicht den WIR-Zahlungs-

nachweisen zuordnen. 

3.6.2 Damit ist vorliegend bereits die Voraussetzung für den Vorsteuerab-

zug gemäss Art. 28 Abs. 3 MWSTG, wonach die Beschwerdeführerin nach-

zuweisen hat, dass sie die Vorsteuern bezahlt bzw. wirtschaftlich tatsäch-

lich getragen hat (E. 2.2.1), nicht erfüllt. Offenbleiben kann vor diesem Hin-

tergrund, ob die Leistungen der Einzelunternehmung X._______ gegen-

über der Beschwerdeführerin tatsächlich erbracht worden sind. Folglich hat 

die ESTV den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Vorsteuer-

abzug in der Höhe von Fr. 113'292.– zu Recht wieder zurückbelastet. Die 

Beschwerde ist daher vollumfänglich abzuweisen. 

4.  

Ausgangsgemäss sind die Kosten des vorliegenden Verfahrens auf 

Fr. 6’000.– festzusetzen (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und durch die un-

terliegende Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der ein-

bezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Ver-

fahrenskosten zu verwenden. 

  

A-5712/2022 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Der Verfahrensantrag der Beschwerdeführerin zur Gewährung einer Nach-

frist zum Beibringen von weiteren Beweismitteln von drei Monaten nach 

Erlangung des Zugangs zu ihren von der Staatsanwaltschaft eingezoge-

nen Geschäftsunterlagen des Jahres 2014 wird abgewiesen. 

2.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 6’000.– werden der Beschwerdeführerin 

auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Bezahlung der Ver-

fahrenskosten verwendet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und die Vorinstanz. 

 

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jürg Steiger Alexander Cochardt 

  

A-5712/2022 

Seite 13 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 

BGG). Die Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten 

Tag der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der 

Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder 

konsularischen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die 

Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 

deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu 

enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 

sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 

BGG). 

 

Versand: 

 

  

A-5712/2022 

Seite 14 

Zustellung erfolgt an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. (…); Gerichtsurkunde)