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**Case Identifier:** c8b21d10-9a1d-5c13-8b9b-611f8fbccabf
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-30
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 30.04.2024 BO.2022.38+39-K3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BO-2022-38-39-K3_2024-04-30.pdf

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© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2022.38+39-K3

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 05.07.2024

Entscheiddatum: 30.04.2024

Entscheid Kantonsgericht, 30.04.2024
Art. 398 Abs. 2 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 OR und Art. 42 Abs. 1 OR (SR 220) sowie 
Art. 55 Abs. 1 ZPO (SR 272): Ein Schadenersatzanspruch des Auftraggebers 
setzt eine Vertragsverletzung, einen Schaden, einen natürlichen und 
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem 
Schaden sowie ein Verschulden des Beauftragten voraus (E. III.1.b). Die 
Beklagte machte geltend, der von ihr als Treuhänder beauftragte Kläger sei 
zur Instruktion und Überwachung der mit der Verwaltung von 
Liegenschaften mandatierten A. GmbH verpflichtet gewesen. Diese Pflicht 
habe der Kläger nicht wahrgenommen, sodass der Kläger für den aus 
entgangenen Mietzinsforderungen entstandenen Schaden solidarisch mit 
der A. GmbH hafte. Eine Pflichtverletzung ist zu verneinen, mangelt es 
seitens der Beklagten nämlich schon an einer substantiierten Behauptung 
der angeblich anlässlich eines Gesprächs durch den Kläger eingegangenen 
Verpflichtung zur Instruktion und Überwachung der A. GmbH. Eine 
Überwachungs- und Instruktionspflicht lässt sich auch nicht aus einer 
allenfalls sehr langen Dauer des Auftragsverhältnisses oder generell aus den 
auftragsrechtlichen Bestimmungen herleiten (E. III.2.c). (Kantonsgericht, III. 
Zivilkammer, 30. April 2024, BO.2022.38+39-K3).

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 

 

Kantonsgericht St. Gallen 

III. Zivilkammer 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 30. April 2024 

Geschäfts- 
nummer  

 BO.2022.38+39-K3 (VV.2020.60-RO3ZE; VV.2021.20-RO3ZE) 
 

   

Verfahrens-
beteiligte 

 U., Q., 
 

Kläger/Widerbeklagter und 
Berufungsbeklagter,  

 
vertreten von Rechtsanwalt D.,  
 

  gegen 
 

  B. AG, 
 

Beklagte/Widerklägerin und 
Berufungsklägerin,  

 
vertreten von Rechtsanwalt E.,  
 
 

Gegenstand  Forderung 
 
 

 

  

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 2/16 

  

Anträge vor Kreisgericht 

 

a) des Klägers/Widerbeklagten (gemäss Klage und Widerklageantwort) 

 

1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 29'822.90 zzgl. Zins zu 5% auf 
Fr. 17'679.60 seit 30. Januar 2016, Zins zu 5% auf Fr. 6'453.00 seit 6. Januar 2017, 
Zins zu 5% auf Fr. 3'294.00 seit 15. Januar 2018 sowie Zins zu 5% auf Fr. 2'396.30 
seit 10. Januar 2019 zu bezahlen; 
 

2. Die Widerklage der Beklagten und Widerklägerin sei vollumfänglich abzuweisen; 
 

alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen [zzgl. MwSt.] zu Lasten der Beklagten. 
 

 

b) der Beklagten/Widerklägerin (gemäss Klageantwort/Widerklage) 

 

1. Es sei die Klage vollumfänglich abzuweisen; 
 
2. Der Kläger sei widerklageweise zu verpflichten, der Beklagten den Betrag von 

Fr. 28'915.00 nebst 5% Zins auf Fr. 15'080.00 seit 1.9.2016 und 5% Zins auf 
Fr. 3'250.00 seit 1.3.2016, 5% Zins auf Fr. 6'060.00 seit 1.5.2014 und 5% Zins auf 
Fr. 4'525.00 seit 1.1.2016 zu bezahlen; 

 
3. Die Beklagte behält sich weitere Klagen gegen den Kläger aus Schlechterfüllung des 

Auftrags vor; 
 

alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers. 
 

 

Entscheid Kreisgericht F., Einzelrichter, 3. Abteilung, vom 31. März 2022 

 

1. Die Beklagte/Widerklägerin wird verpflichtet, dem Kläger/Widerbeklagten 
Fr. 29'822.90 zzgl. Zins zu 5% auf Fr. 17'979.60 seit 30. Januar 2016, Zins zu 5% auf 
Fr. 6'453.00 seit 6. Januar 2017, Zins zu 5% auf Fr. 3'294.00 seit 15. Januar 2018 
sowie Zins zu 5% auf Fr. 2'396.30 seit 10. Januar 2019 zu bezahlen. 

 
2. Die Widerklage wird abgewiesen. 
 
3. Die Gerichtskosten bestehend aus 
 

Entscheidgebühr Fr. 6'000.00 
Kosten des Schlichtungsverfahrens Fr. 400.00 
Total Fr. 6'400.00 
 
hat die Beklagte/Widerklägerin zu bezahlen. 

 
Erhoben wird die Entscheidgebühr von Fr. 6'000.00 in einem Betrag von Fr. 3'870.00 
unter Verrechnung mit dem im Verfahren VV.2021.20-RO3ZE geleisteten Kosten-
vorschuss von Fr. 3'870.00 bei der Beklagten/Widerklägerin und im Betrag von 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 3/16 

  

Fr. 2'130.00 unter Verrechnung mit dem im Verfahren VV.2020.60-RO3ZE geleiste-
ten Kostenvorschuss von Fr. 3'975.00 beim Kläger/Widerbeklagten. Für den Betrag 
von Fr. 2'130.00 sowie für die Kosten des Schlichtungsverfahrens von Fr. 400.00 wird 
dem Kläger/Widerbeklagten im Umfang von total Fr. 2'530.00 das Rückgriffsrecht auf 
die Beklagte/Widerklägerin eingeräumt. 

 
Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem Kläger/Widerbeklagten den nicht verrech-
neten Anteil des Kostenvorschusses, mithin im Umfang von Fr. 1'845.00 nach Eintritt 
der Rechtskraft zurückzuerstatten. 

 
4. Die Beklagte/Widerklägerin hat den Kläger/Widerbeklagten für seine Parteikosten mit 

Fr. 9'137.85 zu entschädigen. 
 

 

Anträge vor Kantonsgericht 

 

a) der Beklagten/Widerklägerin 

 

1. Es seien Ziffer 1, 2, 3 und 4 des erstinstanzlichen Entscheids i.S. VV.2020.60 und 
VV.2020.20-RO3ZE aufzuheben und es sei der Berufungsbeklagte U., Q. (Widerbe-
klagter in der Vorinstanz), zu verpflichten, der Berufungsklägerin den Betrag von 
Fr. 28'915.00 nebst 5% Zins auf Fr. 15'080.00 seit 1.9.2016, 5% Zins auf Fr. 3'250.00 
seit 1.4.2016, 5% Zins auf Fr. 6'060.00 seit 1.5.2014 und 5% Zins auf Fr. 4'525.00 
seit 1.1.2016 zu bezahlen. 

 
2. Die Berufungsklägerin behält sich weitere Klagen gegen den Berufungsbeklagten aus 

dem seinerzeitigen Treuhandvertrag und seinem wiederholt erneuerten Versprechen, 
der A. GmbH zur Hand zu gehen, vor. 

 
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsbeklagten. 

 

 

b) des Klägers/Widerbeklagten 

 

1. Die Berufung sei, soweit darauf einzutreten ist, vollumfänglich abzuweisen und das 
Urteil des Kreisgerichts F. vom 31. März 2022 (VV.2020.60-RO3ZE- und VV.2021.20-
RO3ZE) sei vollumfänglich zu bestätigen; 
 
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen [zzgl. MwSt.] zu Lasten der Berufungs-
klägerin. 

 

 

 
 
  

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 4/16 

  

Erwägungen 

 

 

I. 

 

1. Zwischen U., Q. (Inhaber der Einzelunternehmung), und der B. AG (Verwaltungs-

ratspräsident: P.) bestand ein Auftragsverhältnis, wobei Q. Treuhanddienstleistungen für 

die B. AG erbrachte. 

 

2. Am 3. Dezember 2020 erhob U., Q. (Kläger/Widerbeklagter; nachfolgend: Kläger), 

gestützt auf die Klagebewilligung des Vermittlungsamtes F. vom 1. September 2020 (vi-

act. 3) beim Kreisgericht F. Klage und verlangte, die B. AG (Beklagte/Widerklägerin; nach-

folgend: Beklagte) sei zur Bezahlung eines Betrages von Fr. 29'822.90 zzgl. Zins zu ver-

pflichten (vi-act. 1 [nachfolgend: Klage]). Seine Forderung begründete der Kläger mit an-

geblich unbezahlt gebliebenen Honorarrechnungen aus dem Treuhandmandat (Klage, 

S. 2 ff.). Mit Klageantwort/Widerklage vom 19. März 2021 beantragte die Beklagte die voll-

umfängliche Abweisung der Klage; widerklageweise und unter ausdrücklichem Nachkla-

gevorbehalt machte sie sodann eine aus behaupteter Schlechterfüllung des Treuhand-

mandates resultierende Schadenersatzforderung in Höhe von Fr. 28'915.00 zzgl. Zins 

geltend (vi-act. 14 [nachfolgend: Klageantwort]). Mit Widerklageantwort vom 16. August 

2021 beantragte der Kläger, die Widerklage sei vollumfänglich abzuweisen (vi-act. 20). 

Am 25. Januar 2022 fand die Hauptverhandlung statt (vi-act. 24). Mit Entscheid vom 

31. März 2022 hiess der Einzelrichter der 3. Abteilung des Kreisgerichts F. (nachfolgend: 

Vorinstanz) die Klage gut und wies die Widerklage ab (vi-act. 28; in schriftlich begründeter 

Ausfertigung versandt am 28. Juni 2022 [vi-act. 33; nachfolgend: vi-Entscheid]). 

 

3. Gegen diesen Entscheid erhob die Beklagte mit Eingabe vom 5. September 2022 

Berufung beim Kantonsgericht. Sie beantragt die Aufhebung der Ziffern 1, 2, 3 und 4 des 

vorinstanzlichen Entscheids sowie die Verpflichtung des Klägers zur Bezahlung eines Be-

trages von Fr. 28'915.00 zzgl. Zins, wobei sie sich weitere Klagen gegen den Kläger aus 

dem Treuhandvertrag und dem wiederholt erneuerten Versprechen, der A. GmbH zur 

Hand zu gehen, vorbehält (B/1 bzw. B/10 [nachfolgend: Berufung]). Mit Berufungsantwort 

vom 7. November 2022 verlangt der Kläger die Abweisung der Berufung, soweit darauf 

einzutreten sei (B/14 [nachfolgend: Berufungsantwort]). Am 8. November 2022 wurde den 

Parteien mitgeteilt, dass eine Stellungnahme zur Wahrung des rechtlichen Gehörs innert 

zehn Tagen einzureichen wäre, ein zweiter Schriftenwechsel und eine Verhandlung nicht 

vorgesehen seien und voraussichtlich aufgrund der Akten entschieden werde, wobei die 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 5/16 

  

Teilnahme an einem allfälligen Beweisverfahren vorbehalten bleibe (B/17). Mit Eingabe 

vom 21. November 2022 liess sich die Beklagte erneut vernehmen (B/18), worauf der 

Kläger mit Eingabe vom 15. Dezember 2022 antwortete (B/24). Auf die Eingaben und 

Ausführungen der Parteien ist, soweit erforderlich, nachfolgend einzugehen. 

 

 

II. 

 

1.a) Die Beklagte stellt mit der Berufung den Antrag, das vorliegende Berufungsverfah-

ren und das von ihr, der Beklagten, gleichzeitig gegen die A. GmbH angehobene Beru-

fungsverfahren (BO.2022.36+37-K3) seien auf Stufe Kantonsgericht gemeinsam zu beur-

teilen, da die Beweismittel in beiden Fällen über weite Strecken dieselben seien (Beru-

fung, S. 2 f. Ziff. II.3; ob die Beklagte weiterhin am Antrag festhält, ist angesichts von 

B/18, S. 2, allerdings unklar). Der Kläger stellt sich gegen diesen Vereinigungsantrag mit 

der Begründung, es handle sich um zwei unterschiedliche Verfahren, in welchen unter-

schiedliche Sachverhalte zu prüfen seien; einziger von der Beklagten erfundener Konnex 

sei seine, des Klägers, (bestrittene) Pflicht zur Begleitung/Kontrolle der Tätigkeiten der 

A. GmbH. Diese Frage könne unabhängig des Sachverhalts im gegenständlichen Verfah-

ren beurteilt und negativ beantwortet werden (Berufungsantwort, S. 3 N 8). 

 

b) Dass eine Vereinigung des vorliegenden Verfahrens mit dem Berufungsverfahren 

BO.2022.36+37-K3 der Prozessökonomie, mithin einer Vereinfachung, dienlich wäre (vgl. 

BSK ZPO-GSCHWEND, 3. Aufl., Art. 125 N 3, 14 f.; SUTTER-SOMM/SEILER, CHK-ZPO, 2021, 

Art. 125 N 4 ff.), ist nicht ersichtlich. Das vorliegende Verfahren und dasjenige der Beklag-

ten gegen die A. GmbH wurden von der Vorinstanz getrennt geführt; es liegen separate 

Rechtsschriften mit Beweismitteln vor und auch an der gleichentags durchgeführten 

Hauptverhandlung wurde zu jedem Verfahren einzeln plädiert (vgl. vi-act. 24). Weiter un-

terscheidet sich der vorliegend angefochtene Entscheid von jenem im Verfahren der Be-

klagten gegen die A. GmbH. So wies die Vorinstanz in letzterem, anders als vorliegend, 

sowohl die Klage als auch die Widerklage ab. Es stellen sich demnach unterschiedliche 

Fragen, mögen die Verfahren auch in gewissen Teilen sachlich zusammenhängen. Eine 

Vereinigung ist deshalb nicht angezeigt (vgl. B/17). 

 

2. Die von Amtes wegen zu prüfenden Prozessvoraussetzungen für das Berufungs-

verfahren sind – vorbehältlich der Ausführungen betreffend Anträge (E. II.3 hiernach) – 

erfüllt (Art. 59 f., Art. 308 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 sowie Art. 311 Abs. 1 ZPO). Auf die Be-

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 6/16 

  

rufung ist einzutreten. Zuständig ist die III. Zivilkammer des Kantonsgerichts (Art. 16 

Abs. 1 EG-ZPO; Art. 14 Abs. 1 lit. d GO). 

 

3.a) Die Berufung hat konkrete Anträge zu enthalten, aus denen hervorgeht, in wel-

chem Umfang der vorinstanzliche Entscheid angefochten wird. Entsprechend der Natur 

der Berufung ist ein reformatorischer Antrag zu stellen und zwar so, dass dieser im Falle 

der Gutheissung der Berufung zum Urteil erhoben werden kann (BGE 137 III 617 E. 4.2 f.; 

BGer 4A_555/2022 E. 2.6; HUNGERBÜHLER/BUCHER, Dike-Komm.-ZPO, 2. Aufl., Art. 311 

N 16 ff.; REETZ/THEILER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 

3. Aufl., Art. 311 N 34 f.). Die Rechtsfolge des Nichteintretens mangels genügender An-

träge steht unter dem Vorbehalt des überspitzten Formalismus. Wird ein mangelhaftes 

Rechtsbegehren gestellt, ist dieses nach Treu und Glauben und im Lichte der dazu gege-

benen Begründung auszulegen. Ergibt sich aus der Begründung und dem angefochtenen 

Entscheid ohne Weiteres und zweifelsfrei, was in der Sache verlangt wird, ist auf die Be-

rufung ausnahmsweise einzutreten (BGE 137 III 617 E. 6.2; BGer 4A_555/2022 E. 2.7 f. 

m.w.H.; SEILER, Die Berufung nach ZPO, 2013, N 881). 

 

b) Zwischen dem Kläger und der Beklagten bestand ein Auftragsverhältnis nach 

Art. 394 ff. OR, wobei der Kläger Treuhanddienstleistungen für die Beklagte erbrachte. Mit 

der Klage machte der Kläger ausstehende Honorarforderungen für seine Tätigkeiten in 

den Jahren 2015-2018 geltend (Klage, S. 2 ff.). Die Vorinstanz hiess mit Ziffer 1 des an-

gefochtenen Entscheids die Klage gut und verpflichtete die Beklagte zur Bezahlung der 

eingeklagten Honorarforderungen. Mit Berufung beantragt die Beklagte nun zwar die Auf-

hebung der genannten Dispositiv-Ziffer, lässt es aber an einem Antrag in der Sache feh-

len. In der Begründung äussert sich die Beklagte sodann mit keinem Wort über einen 

Wegfall des Honoraranspruchs (zufolge der eventualiter geltend gemachten Verrech-

nung), mithin beziehen sich ihre Ausführungen einzig auf die ihrer Meinung nach von der 

Vorinstanz mit Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids zu Unrecht abgewiesene, widerkla-

geweise erhobene Schadenersatzforderung. Demnach ergibt sich auch unter Beizug der 

Begründung nicht, was die Beklagte in der Sache verlangt, wenn sie beantragt, Ziffer 1 

des vorinstanzlichen Entscheids sei aufzuheben. Wenn die Beklagte im Übrigen (an sich 

verspätet, vgl. E. II.6. hiernach) ausführt, sie, die Beklagte, habe offenlassen wollen, ob 

das Gericht die Sache an die Vorinstanz zur Klageabweisung zurückweise oder die Klage 

selbst abweise (B/18, S. 2 f. Ziff. II), verkennt sie die reformatorische Natur der Berufung. 

Auf das Berufungsbegehren, wonach Ziffer 1 des vorinstanzlichen Entscheids aufzuheben 

sei, ist daher schon mangels eines genügenden Antrags nicht einzutreten. 

 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 7/16 

  

c) Rechtsbegehren Ziffer 2 der Berufung lautet dahingehend, dass sich die Beklagte 

weitere Klagen gegen den Kläger aus dem seinerzeitigen Treuhandvertrag und seinem 

wiederholt erneuerten Versprechen, der A. GmbH zur Hand zu gehen, vorbehalte. Der 

Kläger erblickt darin eine unzulässige Klageänderung und meint, auf diese sei nicht einzu-

treten (Berufungsantwort, S. 2 f. N 7). Die Beklagte hat lediglich einen Teil des ihr be-

hauptungsgemäss entstandenen Schadens eingeklagt (vgl. etwa Klageantwort, S. 15 

Ziff. III.14.1.13, S. 17 Ziff. III.14.2.4, S. 22 Ziff. III.14.4.7, S. 25 Ziff. III.14.5.7), mithin eine 

Teilklage erhoben. In diesem Sinne handelt es sich beim Rechtsbegehren Ziffer 2 der 

Berufung nicht um einen eigentlichen Antrag, der zum Urteil erhoben werden könnte, 

sondern um einen blossen – im Berufungsverfahren umformulierten – Nachklagevorbe-

halt, der schon in der Widerklage enthalten war (vgl. SUTTER-SOMM/SEILER, CHK-ZPO, 

2021, Art. 86 N 1). Dieser ist zulässig, ohne dass es weiterer Ausführungen dazu bedarf. 

 

4. Mit der Berufung nach Art. 308 ff. ZPO können die unrichtige Rechtsanwendung 

und/oder die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden. Die Beru-

fungsklägerin trifft dabei eine Begründungspflicht (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Sie hat sich 

sachbezogen mit dem Entscheid der Vorinstanz auseinanderzusetzen und unter Bezug-

nahme auf die erstinstanzlichen Erwägungen im Einzelnen darzulegen, warum dieser in 

den angefochtenen Punkten unrichtig sein soll. In der Berufungsschrift lediglich auf Vorak-

ten zu verweisen und/oder pauschale Kritik am vorinstanzlichen Entscheid zu üben oder 

bloss das zu wiederholen, was bereits vor der Vorinstanz vorgebracht wurde, genügt 

nicht. Die Berufungsklägerin hat insbesondere mittels klarer und sauberer Verweisungen 

auf die Ausführungen vor der Vorinstanz zu zeigen, wo sie die ihrer Ansicht nach mass-

gebenden Behauptungen erhoben und die entsprechenden Beweismittel dazu aufgeführt 

hat – es ist nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und Rechtsschriften der Vo-

rinstanz zu durchforsten, um festzustellen, was wo ausgeführt wurde. Zudem ist aufzuzei-

gen, inwiefern die Korrektur einer gerügten Sachverhaltsfeststellung für den Ausgang des 

Verfahrens entscheidend ist. Enthält der angefochtene Entscheid mehrere selbständige 

Begründungen bzw. eine Haupt- und eine Eventualbegründung, so hat sich die Beru-

fungsklägerin mit allen Begründungen einzeln auseinanderzusetzen. Fehlt eine hinrei-

chende Begründung, hat dies zur Folge, dass auf die Berufung nicht einzutreten ist 

(BGE 138 III 374 E. 4.3.1; HUNGERBÜHLER/BUCHER, Dike-Komm.-ZPO, Art. 311 N 37 ff.; 

REETZ/THEILER, ZPO Komm., Art. 311 N 36 ff.; ZPO-Rechtsmittel-KUNZ, 2013, Art. 311 

N 82 ff.; SEILER, a.O., N 893 ff.). Eine nicht gerade ungenügende, aber in der Substanz 

mangelhafte Begründung erfasst zwar nicht die Eintretensfrage, kann sich jedoch bei der 

materiellen Beurteilung zum Nachteil der Berufungsklägerin auswirken (REETZ/THEILER, 

ZPO Komm., Art. 311 N 36; SEILER, a.a.O., N 898). Ungeachtet der Begründungspflicht 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 8/16 

  

gilt der Grundsatz, dass das Recht von Amtes wegen anzuwenden ist, auch im Rechtsmit-

telverfahren, weshalb die Berufungsinstanz in rechtlicher Hinsicht nicht auf die Prüfung 

geltend gemachter Rechtsverletzungen beschränkt ist (Art. 57 ZPO; ZPO-Rechtsmittel-

KUNZ, Art. 311 N 94; LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 

2. Aufl., N 4.52, 12.41; SEILER, a.a.O., N 893). 

 

5.a) Im Berufungsverfahren werden neue Tatsachen und/oder Beweismittel nur noch 

berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt 

nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Die zu-

mutbare Sorgfalt setzt voraus, dass jede Partei im erstinstanzlichen Verfahren den Sach-

verhalt sorgfältig und umfassend darlegt und alle Elemente vorbringt, die zum Beweis der 

erheblichen Tatsachen geeignet sind (BGer 5A_695/2012 E. 4.2.1; BGer 5A_739/2012 

E. 9.2.2). Die Partei, welche vor der Berufungsinstanz das Novenrecht beanspruchen will, 

hat substantiiert darzulegen und zu beweisen, dass die genannten Voraussetzungen (ku-

mulativ) erfüllt sind (BGer 5A_920/2020 E. 7.1.4; REETZ/HILBER, ZPO Komm., Art. 317 

N 34). Nicht unter das Novenrecht fallen neue Vorbringen rechtlicher Art. Solche sind (im 

Rahmen des ordentlichen Ganges des Berufungsverfahrens) jederzeit und vorausset-

zungslos zulässig. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes 

wegen. Schliesslich sind auch Zugeständnisse oder Einschränkungen der Begehren un-

abhängig der Novenbeschränkung zuzulassen (LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, a.a.O., 

N 11.109; SEILER, a.a.O., N 1278 ff.; REETZ/HILBER, ZPO Komm., Art. 317 N 26). 

 

b) Die Beklagte hat mit der Berufung umfangreiche neue Beweismittel eingereicht 

(bekl.act. 52-62). Auf deren Zulässigkeit sowie auf allfällige neue Tatsachenbehauptungen 

ist – soweit für den Entscheid relevant – nachfolgend im entsprechenden Sachzusam-

menhang einzugehen. 

 

6.a) Gemäss dem aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessenden sogenannten 

Replikrecht hat eine Partei Anspruch, von jeder dem Gericht eingereichten Stellungnahme 

der Gegenseite Kenntnis zu nehmen und sich dazu zu äussern, und zwar unabhängig 

davon, ob die Stellungnahme neue Tatsachen oder Argumente enthält und ob sie das 

Gericht tatsächlich zu beeinflussen vermag. Dieses Replikrecht führt dazu, dass eine Be-

rufungsklägerin nach Erstattung der Berufungsantwort zu den darin gemachten Ausfüh-

rungen selbst dann Stellung beziehen darf, wenn das Gericht weder einen zweiten Schrif-

tenwechsel noch eine Verhandlung angeordnet hat. Allerdings wird eine solche Stellung-

nahme inhaltlich nur soweit berücksichtigt, als sie Ausführungen enthält, die nicht schon 

früher hätten vorgebracht werden können und müssen. Dabei hat sich die Berufungsklä-

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 9/16 

  

gerin unverzüglich zu äussern und, weil es nicht Aufgabe des Gerichts ist, danach zu for-

schen, darzutun, inwiefern der Gehörsanspruch die weitere Eingabe rechtfertigt. Die Rep-

lik darf im Übrigen nicht dazu verwendet werden, die Berufung zu ergänzen oder zu ver-

bessern (BGE 142 III 413 E. 2.2.4; BGE 142 III 48 E. 4.1.1; BGE 139 I 189 E. 3.2; 

BGE 137 I 195 E. 2.3.1; vgl. auch REETZ/HILBER, ZPO Komm., Art. 316 N 8, 45 sowie 

Art. 317 N 12, 25; LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, a.a.O., N 4.63). 

 

b) Die Beklagte legt nicht dar, inwiefern ihr Anspruch auf rechtliches Gehör die Stel-

lungnahme vom 21. November 2022 (B/18) zu rechtfertigen vermag. Es ist auch nicht 

ersichtlich, weshalb sie die darin enthaltenen Ausführungen nicht schon früher hätte vor-

bringen können; ohnehin handelt es sich weitgehend um die Wiederholung von bereits 

Dargelegtem. Die Beklagte ist daher mit ihren Ausführungen in der nachträglichen Einga-

be nicht zu hören. Entsprechend hat auch die darauffolgende Stellungnahme des Klägers 

vom 15. Dezember 2022 (B/24) unberücksichtigt zu bleiben. 

 

 

III. 

 

1.a) Der Kläger erbrachte im Rahmen eines Auftragsverhältnisses Treuhanddienstleis-

tungen für die Beklagte und machte für seine Tätigkeiten in den Jahren 2015-2018 offene 

Honorarforderungen geltend (Klage, S. 2 ff.). Dem hielt die Beklagte im vorinstanzlichen 

Verfahren entgegen, es habe seitens des Klägers die Pflicht bestanden, seinen Sohn, O., 

respektive dessen A. GmbH – zwischen dieser und der Beklagten bestand ab 2007 ein 

Auftragsverhältnis betreffend die Verwaltung von Liegenschaften – bei der Mandatsaus-

führung zu instruieren und zu überwachen. Die Beklagte meinte, der Kläger habe diese 

Pflicht in schwerwiegender Weise verletzt, sodass kein Honorar geschuldet sei. Weiter 

vertrat die Beklagte die Ansicht, es sei im Auftragsverhältnis mit der A. GmbH zu Fehl-

entwicklungen gekommen, was zu zahlreichen ausstehenden Mietzinsforderungen geführt 

habe. Dies auch deshalb, weil der Kläger seiner Verpflichtung zur Instruktion und Über-

wachung der A. GmbH nicht respektive zu spät nachgekommen sei. Dadurch sei ihr, der 

Beklagten, ein erheblicher Schaden entstanden, wofür der Kläger und die A. GmbH soli-

darisch verantwortlich seien. Eventualiter würde sie, die Beklagte, daher ihren Anspruch 

auf Schadenersatz mit dem Honoraranspruch des Klägers zur Verrechnung bringen. So-

dann verlange sie, die Beklagte, widerklageweise Schadenersatz aus Schlechterfüllung 

des Auftrags und der Nichteinhaltung des Versprechens, die A. GmbH ausreichend zu 

instruieren und zu überwachen (Klageantwort, S. 3 ff.). 

 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 10/16 

  

b) Wird ein Auftrag unsorgfältig, mithin pflichtwidrig, ausgeübt, kann der Auftraggeber 

eine Minderung des Honorars verlangen. Der gänzliche Wegfall des Honoraranspruchs 

erfordert, dass das unsorgfältige Tätigwerden des Beauftragten vollständig unbrauchbar 

oder dieser völlig untätig geblieben ist (BGE 124 III 423 E. 3 f.; BGer 4A_412/2019 

E. 8.3.1; BGer 4A_444/2019 E. 3.2; BK-FELLMANN, 1992, Art. 394 OR N 496 ff.). Ein 

Schadenersatzanspruch des Auftraggebers setzt eine Vertragsverletzung, einen Scha-

den, einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Vertrags-

verletzung und dem Schaden sowie ein Verschulden des Beauftragten voraus (Art. 398 

Abs. 2 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 OR; BGer 4A_353/2020 E. 3.1; BGer 4A_444/2019 E. 3.3; 

KRAUSKOPF, Auftragshaftung: Minderung des Honorars und Schadenersatz, HAVE 2021, 

S. 282 ff., 283 ff.; OFK OR-BÜHLER, 4. Aufl., Art. 398 N 7). Der Anspruch auf Minderung 

oder Wegfall des Honorars und der Schadenersatzanspruch knüpfen beide an eine 

Pflichtverletzung des Beauftragten an (vgl. ausführlich KRAUSKOPF, a.a.O., S. 283 ff.) und 

können grundsätzlich nebeneinander bestehen; auch ist die Verrechnung eines (allenfalls) 

reduzierten Honoraranspruchs des Beauftragten mit einer Schadenersatzforderung des 

Auftraggebers möglich (BGE 124 III 423 E. 3 f.; BGer 4A_353/2020 E. 2.4.4; 

BGer 4A_412/2019 E. 8.3.1; BGer 4A_444/2019 E. 3.3 f.; BSK OR I-OSER/WEBER, 

7. Aufl., Art. 394 N 43; OFK OR-BÜHLER, Art. 394 N 20). 

 

c) Die Beklagte begründete den Wegfall des klägerischen Honoraranspruchs und 

ihren verrechnungsweise bzw. widerklageweise erhobenen Schadenersatzanspruch mit 

derselben Pflichtverletzung, namentlich der unterlassenen Instruktion und Überwachung 

der A. GmbH durch den Kläger. Die Vorinstanz beurteilte unter dem Titel "Zur Klage und 

zur Widerklage" diese insofern zusammen, als sie zunächst die Pflichtverletzung prüfte. 

Sie kam zum Schluss, es habe keine Pflicht des Klägers zur Beaufsichtigung und Instruk-

tion der A. GmbH bestanden, es läge keine Pflichtverletzung vor und es bestünde daher 

keine Forderung der Beklagten gegen den Kläger aus solidarischer Haftbarkeit mit der 

A. GmbH, welche mit den geltend gemachten Honorarforderungen verrechnet oder wider-

klageweise geltend gemacht werden könne. Da die Beklagte, so die Vorinstanz, das Be-

stehen der Honorarforderungen grundsätzlich nicht bestreite und abgesehen von der an-

geblich ungenügenden Überwachung und Instruktion der A. GmbH keine weitere Nicht- 

bzw. Schlechterfüllung geltend mache, sei das gesamte vom Kläger geltend gemachte 

Honorar geschuldet. Die Widerklage sei mangels Pflichtverletzung ebenfalls abzuweisen 

(vi-Entscheid, S. 12 ff.). Im Sinne einer Eventualbegründung befasste sich die Vorinstanz 

mit dem Schaden und kam zum Schluss, dieser sei von der Beklagten nicht genügend 

behauptet respektive nicht bewiesen worden. Die weiteren Haftungsvoraussetzungen 

liess die Vorinstanz offen (vi-Entscheid, S. 16 f. Ziff. 5.6).  

 

 

 

 

 

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d) Gegenstand des vorliegenden Rechtsmittelverfahrens bildet (einzig) noch die wi-

derklageweise erhobene Schadenersatzforderung der Beklagten (vgl. E. II.3.b hiervor). 

Nachfolgend ist zunächst darauf einzugehen, wie es sich mit der strittigen Pflicht des Klä-

gers zur Instruktion und Überwachung der A. GmbH verhält. 

 

2.a) Die Vorinstanz prüfte im Zusammenhang mit der behaupteten Pflichtverletzung die 

Frage, ob sich der Kläger anlässlich eines Gesprächs mit P., heutiger VR-Präsident der 

Beklagten, im Jahr 2007 vertraglich verpflichtet hatte, seinen Sohn, O., respektive dessen 

A. GmbH bei der Verwaltung der Liegenschaften zu instruieren und zu überwachen, was 

die Vorinstanz verneinte (vi-Entscheid, S. 13 ff.). 

 

b) Die Beklagte bringt mit der Berufung erstmals vor, es habe sich bei der in Frage 

stehenden Pflicht um ein wiederholt abgegebenes Versprechen gehandelt. An welcher 

Stelle im vorinstanzlichen Verfahren sie diese Behauptung bereits aufgestellt hätte, zeigt 

die Beklagte nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. So machte die Beklagte vor der Vorin-

stanz bloss (wiederholt) geltend, der Kläger habe "seine Verpflichtung", "sein Verspre-

chen" oder "die Zusicherung" zur Instruktion und Überwachung der A. GmbH nicht einge-

halten oder auch, der Kläger habe ihr, der Beklagten, die fachliche Begleitung im Jahr 

2007 "in Aussicht gestellt" (vgl. etwa Klageantwort, S. 5 Ziff. III.5, S. 7 Ziff. III.12, S. 11 

Ziff. 14.1.4 f., S. 22 Ziff. III.14.4.7). Davon, dass der Kläger seine Unterstützung "stets 

aufs Neue versprochen" habe und von den "zahlreichen noch im Jahr 2016 und 2017 

abgegebenen Versprechen" (vgl. Berufung, S. 3 ff. Ziff. III.3), war mitnichten die Rede. Die 

neuen Vorbringen der Beklagten haben folglich unbeachtlich zu bleiben, zumal die Be-

klagte auch nicht darlegt, weshalb sie diese nicht schon früher hätte vorbringen können 

und müssen (vgl. E. II.4 hiervor). Selbstredend war die Vorinstanz schon mangels ent-

sprechender Behauptungen nicht gehalten, Zeugen (oder P.) zu diesen "wiederholten 

Versprechen" oder zu "Versprechenstatbeständen als Teil der täglichen Interaktion" (vgl. 

Berufung, S. 4 f. Ziff. III.3) zu befragen. 

 

c/aa) Als Hauptbegründung führte die Vorinstanz aus, offenbar habe vor der Mandatie-

rung der A. GmbH ein Gespräch zwischen dem (heutigen) VR-Präsidenten der Beklagten 

und dem Kläger stattgefunden, wobei umstritten sei, ob der Kläger anlässlich dieser Be-

sprechung die A. GmbH als Liegenschaftsverwalterin empfohlen und versprochen habe, 

diese zu instruieren und zu begleiten. Dieses Versprechen soll – wenn überhaupt – ge-

genüber P. abgegeben worden sein, da die heutige Beklagte erst im Jahr 2013 gegründet 

worden sei. Nach Ansicht der Vorinstanz kann aus einer blossen Empfehlung oder einem 

Vorschlag noch keine Verpflichtung zu einem Tätigwerden abgeleitet werden. Selbst 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 12/16 

  

wenn der Kläger gegenüber dem heutigen VR-Präsidenten der Beklagten in einem Ge-

spräch vor der Mandatierung der A. GmbH gesagt haben sollte, er würde dieser (bzw. 

seinem Sohn) dann etwas über die Schultern schauen, könne daraus, so die Vorinstanz, 

kein vertraglicher Bindungswille geschlossen werden. Dagegen würde schon die Tatsa-

che sprechen, dass diese Äusserungen getätigt worden seien, noch bevor überhaupt ein 

Vertragsverhältnis mit der A. GmbH bestanden habe. Gemäss Vorinstanz habe der heuti-

ge VR-Präsident der Beklagten eine solche Erklärung nicht als Antrag im Sinne von Art. 3 

OR verstehen dürfen und können. Die Beaufsichtigung und Instruktion Dritter sei denn 

auch, so die Vorinstanz, weder typischer Bestandteil eines Treuhandvertrages noch eines 

Liegenschaftsverwaltungsvertrages. Sodann habe der Kläger nicht direkten Kontakt zu 

den Mietern der Liegenschaften gehabt, welche von der A. GmbH verwaltet worden seien, 

was ebenfalls gegen eine Beaufsichtigungspflicht der Liegenschaftsverwaltung spreche. 

Aus den gesamten Umständen ergebe sich jedenfalls nicht eindeutig, dass eine vertragli-

che Verpflichtung des Klägers bestanden habe, die A. GmbH in irgendeiner Weise zu 

beaufsichtigen. Die Vorinstanz schlussfolgerte, der Beklagten gelinge der Beweis nicht, 

dass der Kläger mit der Instruktion und Beaufsichtigung der A. GmbH beauftragt gewesen 

sei; eine solche Pflicht habe ihm zu keiner Zeit oblegen. Der Kläger habe weder seinen 

Auftrag schlecht erfüllt, noch eine ihm obliegende Treuepflicht gegenüber der Beklagten 

verletzt (vi-Entscheid, S. 13 ff. Ziff. 5.4.c, d und f). 

 

Im Weiteren verzichtete die Vorinstanz in antizipierter Beweiswürdigung auf die Abnahme 

der von der Beklagten offerierten Beweise und führte hierzu aus, der Schluss, dass auf 

Seiten des Klägers keine vertragliche Verpflichtung bestanden habe, die Arbeit der 

A. GmbH zu beaufsichtigen und diese zu instruieren, könne auch durch die von der Be-

klagten angebotenen Beweise nicht umgestossen werden. Die beantragte Parteibefra-

gung des eigenen VR-Präsidenten könnte, so die Vorinstanz, lediglich dazu führen, dass 

dieser den in den Rechtsschriften dargelegten Sachverhalt bestätige, was nichts daran 

ändere, dass es sich dabei um Parteibehauptungen handle. Ebenso sei von einer Befra-

gung der ehemaligen Mitarbeiter des Klägers abzusehen, da diese – wie die Beklagte 

selbst einräume – beide beim Gespräch im Jahr 2007, als das "Versprechen" durch den 

Kläger angeblich ausgesprochen worden sei, nicht anwesend gewesen seien. Sei jedoch 

ein solches Vertragsverhältnis, wonach sich der Kläger verpflichtet haben soll, die Arbeit 

der A. GmbH zu überwachen und diese entsprechend zu begleiten, nicht bewiesen, sei 

auch unerheblich, ob der Kläger seine Mitarbeiter jeweils in die Büroräumlichkeiten der 

A. GmbH entsandt habe oder nicht. Ebenso unerheblich sei, so die Vorinstanz, von wem 

die handschriftliche Auflistung betreffend angebliche Mietzinsausstände stammen würden, 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 13/16 

  

was eine Befragung der ehemaligen Mitarbeiterin des Klägers dazu oder eine entspre-

chende Handschriftenexpertise ebenfalls obsolet mache (vi-Entscheid, S. 15 f. Ziff. 5.5). 

 

bb) Gegen die Hauptbegründung der Vorinstanz bringt die Beklagte lediglich vor, die 

Vorinstanz habe (in Ziffer 5.4.d des angefochtenen Entscheids) die Entstehung der in 

Frage stehenden Pflicht aus einer blossen Empfehlung oder einem blossen Vorschlag 

verneint (Berufung, S. 3 Ziff. III.3), ohne sich mit den diesbezüglichen Erwägungen im Ein-

zelnen auseinanderzusetzen. Folglich mangelt es der Berufungsbegründung bereits an 

der hinreichenden Substanz, um damit durchzudringen.  

 

Im Zusammenhang mit der beantragten und gemäss Beklagten zu Unrecht nicht erfolgten 

Befragung der Zeugen K. und L. sowie von P. als Partei meint die Beklagte, sie habe in 

Ziffer III.4 der Widerklage ausgeführt, wie O. auf die Unterstützung von M. oder von L., die 

beim Kläger gearbeitet hätten, habe zählen können. In Ziffer III.4 (gemeint wohl Ziffer III.5) 

habe sie, die Beklagte, aufgezeigt, wie K. Zeugin geworden sei, wie der Kläger die fachli-

chen Schwierigkeiten und die unterbliebene Nachführung des Computer-Systems fest-

gestellt habe. In Ziffer III.7 sei die Einvernahme von K. dazu beantragt worden, wie, in 

welchem Umfang und in welcher Art jeweils ein Verzug eingetreten sei und in Ziffer III.8 

sei geschildert worden, welche Situation L., Lehrling des Klägers, angetroffen habe. In 

Ziffer III.13 sei sodann geschildert worden, wie der Kläger anhand von Projektbuchungen 

Zahlungsausfälle festgestellt habe (Berufung, S. 3 f. Ziff. III.3). Damit wiederholt die Be-

klagte lediglich das bereits erstinstanzlich Vorgebrachte, ohne dass erkennbar wäre, was 

zu ihren Gunsten daraus abzuleiten wäre respektive inwiefern ihre Ausführungen relevant 

sein sollten. Selbst wenn K. und L. das Vorgebrachte und die Tatsache, ins Büro der 

A. GmbH geschickt bzw. "entsendet" worden zu sein (vgl. Klageantwort, S. 5 f. Ziff.III.8) 

anlässlich einer Befragung bestätigt hätten, hätte dies auch im Kontext des behaupteten 

Umstands, der Kläger sei als Buchhalter für die Jahresrechnung auf die Zahlen der Lie-

genschaftenverwalter angewiesen gewesen und der von der Beklagten behaupteten 

räumlichen und persönlichen Nähe der Beteiligten betrachtet werden müssen. Eine recht-

lich bindende Verpflichtung des Klägers gegenüber der Beklagten betreffend die Über-

wachung und Instruktion der A. GmbH hätte sich damit jedenfalls nicht rechtsgenüglich 

erstellen lassen. Davon scheint die Beklagte wohl ohnehin nicht auszugehen, bezeichnet 

sie die "Entsendung" doch selbst bloss als ein "Indiz" (Berufung, S. 5 Ziff. III.3). Im Übri-

gen findet sich in den aufgeführten Ziffern der Klageantwort bloss die pauschale Behaup-

tung, P. von der Beklagten habe dem Kläger "die Zusicherung" abgenommen, er werde 

seinen Sohn fachlich begleiten. Die näheren Umstände dieser angeblichen Zusicherung 

wurden seitens der Beklagten nicht vorgebracht; mithin wurde die strittige, behauptungs-

 

 

 

 

 

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gemäss anlässlich eines Gesprächs durch den Kläger eingegangene Verpflichtung zur In-

struktion und Überwachung der A. GmbH an den referenzierten Stellen nicht (substanti-

iert) behauptet. Fehlt es aber an genügenden Behauptungen, können diese auch nicht 

durch ein Beweisverfahren ersetzt werden, letzteres setzt genügende Behauptungen 

vielmehr voraus (vgl. BGE 144 III 67 E. 2.1). Dies verkennt die Beklagte auch, wenn sie 

rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht auf die Befragung von P. verzichtet, hätte die Be-

klagte die der Befragung zugrundeliegenden Tatsachenbehauptungen doch zunächst in 

den Rechtsschriften aufzustellen gehabt. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Partei-

befragung an sich ein taugliches Beweismittel (und nicht bloss Parteibehauptung) dar-

stellt; (vgl. anstatt vieler BSK ZPO-HAFNER, Art. 191 N 4 ff.). 

 

Soweit die Beklagte eine Instruktions- und Überwachungspflicht schliesslich (auch) aus 

einer (erhöhten) Treuepflicht oder aus dem "seit 1987 bestehenden Auftrag" herleiten will 

(vgl. bspw. Klageantwort, S. 5 Ziff. III.8, S. 10 Ziff. III.14.1.3, S. 12 Ziff. III.14.1.6, S. 14 

Ziff. 14.1.10., S. 22 Ziff. III.14.4.7), kann sie ebenfalls nicht gehört werden. So stellt die 

Beklagte in der Berufung der Ansicht der Vorinstanz, wonach der Kläger keine ihm oblie-

gende Treuepflicht verletzt habe, nämlich bloss in pauschaler Weise ihre eigene Ansicht 

entgegen, wenn sie meint, der Beruf des Treuhänders beinhalte eine umfassende Pflicht 

zur Interessenwahrung und auf Zulieferer, welche die Qualität nicht erfüllen würden, sei 

der Geschäftsherr umgehend hinzuweisen. Eine solche Pflicht lässt sich weder aus einem 

hier allenfalls vorliegenden besonders langen Auftragsverhältnis noch generell aus den 

auftragsrechtlichen Bestimmungen herleiten. 

 

Die Beklagte dringt mit ihren Rügen folglich nicht durch. Insbesondere gelingt ihr nicht 

aufzuzeigen, dass sie eine klägerische Pflicht zur Instruktion und Überwachung der 

A. vorinstanzlich rechtsgenüglich behauptet und bewiesen hätte. Es erübrigt sich daher, 

auf die Eventualerwägung der Vorinstanz betreffend die Übertragung des Vertrags-

verhältnisses von P. auf die erst später gegründete Beklagte (vi-Entscheid, S. 14 f. 

Ziff. 5.4.e) und die seitens der Beklagten diesbezüglich vorgebrachten Einwände (Beru-

fung, S. 4 Ziff. III.3) einzugehen. 

 

d) Angesichts des hiervor Dargelegten bleibt es dabei, dass der Beklagten der Nach-

weis einer Pflichtverletzung als Voraussetzung einer (vertraglichen) Schadenersatzforde-

rung nicht gelingt. Die Vorinstanz hat die Widerklage folglich zu Recht abgewiesen und 

die Berufung erweist sich als unbegründet. Da mangels Pflichtverletzung der Schadener-

satzforderung der Beklagten von vornherein die Grundlage entzogen ist, braucht nicht auf 

die weiteren Haftungsvoraussetzungen, insbesondere den Schaden, eingegangen zu 

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 15/16 

  

werden, zumal auch keine andere Anspruchsgrundlage geltend gemacht wurde bzw. er-

sichtlich ist. 

 

 

IV. 

 

1. Bei diesem Verfahrensausgang bleiben die Kosten- und Entschädigungsfolgen 

des vorinstanzlichen Entscheids unverändert und sind die Kosten des Berufungsverfah-

rens der Beklagten aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). 

 

2. Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren werden auf Fr. 8'000.00 festge-

setzt (Entscheidgebühr nach Art. 10 Ziff. 221 i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. a GKV) und mit dem 

von der Beklagten geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet (Art. 111 

Abs. 1 ZPO; vgl. B/9). 

 

3. Sodann hat die Beklagte dem Kläger für dessen Parteikosten im Berufungsverfah-

ren zu entschädigen (Art. 111 Abs. 2 i.V.m. Art. 106 Abs. 1 ZPO). Der Kläger hat keine 

Honorarnote eingereicht, weshalb er im Rahmen des Tarifs nach Ermessen zu entschädi-

gen ist. 

 

Als angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'655.00 (Streitwert: 

Fr. 58'737.90; mittleres Honorar Fr. 8'786.40 [Art. 14 Abs. 1 lit. c HonO], davon 40% = 

Fr. 3'514.55 [Art. 26 Abs. 1 lit. a HonO], zzgl. 4% pauschal für Barauslagen [Art. 28bis Ho-

nO], ohne MWST-Zuschlag [Art. 29 HonO; MWST-Pflicht des Klägers CHE-xxx.yyy.zzz. 

MWST]; gerundet). 

  

 

 

 

 

 

BO.2022.38+39-K3 16/16 

  

 

Entscheid 

 

1. Die Berufungsverfahren BO.2022.36+37-K3 und BO.2022.38+39-K3 werden nicht 

vereinigt. 
 

2. Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

3. Die B. AG hat die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens von Fr. 8'000.00 zu be-
zahlen, unter Verrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher Höhe. 

 

4. Die B. AG hat Q. für dessen Parteikosten im Berufungsverfahren mit Fr. 3'655.00 zu 
entschädigen. 

 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 30.04.2024
	Art. 398 Abs. 2 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 OR und Art. 42 Abs. 1 OR (SR 220) sowie Art. 55 Abs. 1 ZPO (SR 272): Ein Schadenersatzanspruch des Auftraggebers setzt eine Vertragsverletzung, einen Schaden, einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden sowie ein Verschulden des Beauftragten voraus (E. III.1.b). Die Beklagte machte geltend, der von ihr als Treuhänder beauftragte Kläger sei zur Instruktion und Überwachung der mit der Verwaltung von Liegenschaften mandatierten A. GmbH verpflichtet gewesen. Diese Pflicht habe der Kläger nicht wahrgenommen, sodass der Kläger für den aus entgangenen Mietzinsforderungen entstandenen Schaden solidarisch mit der A. GmbH hafte. Eine Pflichtverletzung ist zu verneinen, mangelt es seitens der Beklagten nämlich schon an einer substantiierten Behauptung der angeblich anlässlich eines Gesprächs durch den Kläger eingegangenen Verpflichtung zur Instruktion und Überwachung der A. GmbH. Eine Überwachungs- und Instruktionspflicht lässt sich auch nicht aus einer allenfalls sehr langen Dauer des Auftragsverhältnisses oder generell aus den auftragsrechtlichen Bestimmungen herleiten (E. III.2.c). (Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 30. April 2024, BO.2022.38+39-K3).

		2026-01-28T05:22:09+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen