# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e1eb042-3394-5705-a453-753b6e3d4158
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2016 F-6654/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-6654-2016_2016-11-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-6654/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  N o v e m b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Einzelrichter Andreas Trommer, 

mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  

Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

Beschwerdeführer,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 E._______,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone. 

 

 

 

F-6654/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein (…) geborener iranischer Staatsangehöriger, 

gelangte eigenen Angaben zufolge am 4. Oktober 2016 in die Schweiz und 

suchte gleichentags um Asyl nach. Am 19. Oktober 2016 fand im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum Basel die Befragung zur Person statt (Akten 

der Vorinstanz [SEM act.] A5). 

B.  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2016 wies das SEM den Beschwerdeführer 

für die Dauer des Verfahrens dem Kanton D._______ zu (SEM act. A9). Es 

verwies in seinem Formularentscheid auf im Empfangs- und Verfahrens- 

zentrum getroffene Abklärungen und darauf, dass nach erfolgter Rechts-

belehrung keine spezifischen schützenswerten Interessen des Beschwer-

deführers ersichtlich geworden seien, die für eine Zuweisung in einen be-

stimmten Kanton sprechen würden. 

C.  

Mit Eingabe vom 28. Oktober 2016 (Datum des Poststempels) erhob der 

Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde und beantragte, er sei dem Kanton E._______ zuzuwei-

sen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht rügte der Beschwerdeführer, die Vorin-

stanz habe ihn nicht nach spezifischen schützenswerten Interessen für 

eine Zuweisung in einen bestimmten Kanton gefragt. Materiellrechtlich 

wendete er sinngemäss ein, die Vorinstanz verletze mit einer Zuweisung 

an den Kanton D._______ den Grundsatz der Einheit der Familie. Sein 

Bruder wohne in B._______. Wäre er (der Beschwerdeführer) dem Kanton 

E._______ zugewiesen worden beziehungsweise könnte er in der Nähe 

seines Bruders leben, könnte ihn dieser unterstützen; namentlich in 

sprachlicher Hinsicht, bei seiner sonstigen Integration und bei allfälliger 

Krankheit. 

Der Beschwerde lagen (je in Kopie) der Ausweis für Asylsuchende des Be-

schwerdeführers und der Aufenthaltstitel des Bruders in der Schweiz bei. 

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am 

7. November 2016 den Eingang der Beschwerde.  

F-6654/2016 

Seite 3 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Beim Entscheid des SEM über die Zuweisung einer asylsuchenden 

Person an einen Kanton beziehungsweise über das Gesuch um Wechsel 

von einem Zuweisungskanton in einen anderen handelt es sich um eine 

selbständig anfechtbare Zwischenverfügung (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 

Abs. 1 AsylG [SR 142.31], Art. 46 VwVG). 

1.2 Die Zuständigkeit zur Behandlung von Beschwerden gegen Zuwei-

sungsentscheide des SEM liegt beim Bundesverwaltungsgericht (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das AsylG oder das VGG nichts anderes bestimmen 

(Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 6 AsylG). 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in vorliegender Rechtsma-

terie endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.5 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Entsprechend ist er zur Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  

1.6 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Ein Entscheid des SEM über die Zuweisung in einen Kanton bezie-

hungsweise den Kantonswechsel (Art. 27 Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 22 Abs. 2 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) kann 

gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG – welcher als lex specialis der allgemeinen 

Regel von Art. 106 Abs. 1 AsylG vorgeht (Art. 106 Abs. 2 AsylG) – in mate-

rieller Hinsicht nur mit der Begründung angefochten werden, er verletze 

den Grundsatz der Einheit der Familie (vgl. BVGE 2008/47 E. 1.2); diese 

Rüge wird durch den Beschwerdeführer denn auch zumindest sinngemäss 

erhoben, indem er auf seine familiäre Beziehung zu seinem im Kanton 

E._______ wohnhaften Bruder C._______ verweist. 

F-6654/2016 

Seite 4 

2.2 Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird – 

als offensichtlich unbegründet, weshalb das Urteil in Anwendung von 

Art. 111 Bst. e AsylG in einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung 

eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin ergeht 

(Art. 111 Bst. e AsylG). Es ist gestützt auf Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG ohne 

Schriftenwechsel zu fällen und nur summarisch zu begründen. 

3.  

3.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe ihn 

nicht nach spezifischen schützenswerten Interessen für eine Zuweisung in 

einen bestimmten Kanton gefragt, rügt er sinngemäss eine ungenügende 

Sachverhaltsabklärung beziehungsweise eine Verletzung des Anspruchs 

auf rechtliches Gehör. 

3.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE 

2008/47 E.1.3) sind bei der Anfechtung eines Entscheides des SEM über 

die Zuweisung an einen Kanton nach Art. 27 Abs. 3 AsylG formelle Rügen, 

wie insbesondere die Verletzung des rechtlichen Gehörs, nur insoweit zu-

lässig, als sie im Zusammenhang mit der Frage des Grundsatzes der Ein-

heit der Familie stehen. Diese Voraussetzung wird mit dem ausdrücklichen 

Hinweis des Beschwerdeführers auf seinen in der Schweiz wohnhaften 

Bruder erfüllt. Damit erweist sich die formelle Rüge als zulässig, weshalb 

auf die Beschwerde auch diesbezüglich einzutreten ist. 

3.3 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die 

Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft 

und berücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung 

niederschlagen muss (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Zwar hat sie den entscheids-

wesentlichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 12 VwVG). 

Andererseits trifft in einem Verfahren wie dem vorliegend zu beurteilenden 

die Partei eine weitgehende Mitwirkungspflicht (Art. 13 Abs. 1 Bst. a 

VwVG). In casu hat die Vorinstanz in ihrer Befragung zur Person nach Be-

ziehungen in der Schweiz gefragt und dabei die Existenz eines Bruders 

des Beschwerdeführers erfasst. Des Weiteren hat sie den Beschwerdefüh-

rer ausdrücklich nach im Sinne von Art. 26bis AsylG massgeblichen gesund-

heitlichen Beeinträchtigungen befragt (SEM act. A5 Pt. 3.02 bzw. 7.01). Der 

Beschwerdeführer hätte Gelegenheit gehabt, die Beziehung zu seinem 

Bruder im einen oder im anderen Punkt zu thematisieren. Dass er davon 

keinen Gebrauch machte, kann der Behörde nicht angelastet werden. Letz-

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Seite 5 

tere war nicht gehalten, von sich aus nach allfälligen Gründen für eine be-

sondere persönliche Abhängigkeit zu forschen. Vielmehr durfte sie in ihrer 

Verfügung festhalten, dass keine spezifischen schützenswerten Interessen 

für die Zuweisung in einen bestimmten Kanton ersichtlich seien.  

3.4 Bei dieser Sachlage erweist sich die Rüge einer Verletzung des An-

spruchs auf rechtliches Gehör als unbegründet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kanto-

ne und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1, wobei das SEM bei der Verteilung be-

reits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit 

der Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-

tigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1). 

4.2 Der Begriff der Familieneinheit gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG orientiert 

sich grundsätzlich an dem im Asylrecht geltenden Familienbegriff im Sinne 

von Art. 1a Bst. e AsylV 1 und umfasst mithin die Kernfamilie (Ehegatten 

und minderjährige Kinder). Über diesen engen Kern hinausgehende ver-

wandtschaftliche Bande – wie vorliegend die Beziehung unter Geschwis-

tern oder auch die Beziehung volljähriger Kinder zu ihren Eltern – fallen 

demgegenüber nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie, wenn 

zwischen diesen Personen ein eigentliches Abhängigkeitsverhältnis be-

steht (BVGE 2008/47 E. 4.1.1 S. 677 f.). Gemäss Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts kann ein derartiges Abhängigkeitsverhältnis 

unter Verwandten beispielsweise dann gegeben sein, wenn die einzube-

ziehenden Angehörigen behindert oder aus einem anderen Grund auf die 

Hilfe einer Person, welche in der Schweiz lebt, angewiesen sind (BVGE 

2008/47 E. 4.1.1 und 4.1.2). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer ist volljährig; er war es schon im Zeitpunkt sei-

nes Asylantrages. Dasselbe gilt für seinen Bruder, welcher sich seit August 

2010 in der Schweiz aufhält und seit Februar 2014 als anerkannter Flücht-

ling im Kanton E._______ lebt. Die Beiden bilden somit keine Kernfamilie 

und sie können sich nicht auf den asylrechtlich relevanten Familienbegriff 

berufen. Es bleibt aber zu prüfen, ob Anlass zur Annahme einer schützens-

werten verwandtschaftlichen Beziehung ausserhalb der Kernfamilie be-

steht. 

F-6654/2016 

Seite 6 

5.2 Der rechtsmittelweise vorgetragene Umstand, dass der Bruder des Be-

schwerdeführers letzteren bei der sprachlichen und beruflichen Integration 

unterstützen könnte, lässt nicht schon auf ein Abhängigkeitsverhältnis im 

Sinne der zitierten Rechtsprechung schliessen. Diese Art von Unterstüt-

zung kann im Übrigen auch auf Distanz mittels Besuchen oder durch Ver-

wendung von technischen Kommunikationsmitteln (Telefon usw.) geleistet 

werden. Hinweise auf ein rechtserhebliches Abhängigkeitsverhältnis erge-

ben sich aber auch in gesundheitlicher Hinsicht keine. Zwar liess der Be-

schwerdeführer auf Gewährung des rechtlichen Gehörs zu allfälligen ge-

sundheitlichen Beeinträchtigungen festhalten, er könne nachts nicht schla-

fen, weil die im Bett über ihm liegende Person bei ihren Bewegungen Ge-

räusche verursache, die ihn an Helikopter erinnerten. Zudem habe er 

starke Schmerzen in der rechten Schulter (SEM act. A5 Pt. 8.02). Inwiefern 

er durch die solchermassen geltend gemachten Beeinträchtigungen auf 

Hilfe und Unterstützung durch seinen Bruder angewiesen sein soll, ist al-

lerdings nicht ersichtlich. Dies umso weniger, als die behaupteten Schul-

terprobleme auch im Beschwerdeverfahren weder substantiiert vorge-

bracht noch durch ein Arztzeugnis unterlegt wurden.  

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die auf insgesamt 

Fr. 600.– festzusetzenden Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen 

(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

Dispositiv S. 7 

 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage Einzahlungsschein) 

– die Vorinstanz (Beilage: Akten N […] retour) 

– die Migrationsbehörde des Kantons D._______ 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Andreas Trommer Jeannine Scherrer-Bänziger 

 

 

Versand: