# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecbb1f5a-d4ba-5433-8840-ef6329192a39
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 E-55/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-55-2009_2012-02-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­55/2009

U r t e i l   v om   2 4 .   F e b r u a r   2 0 1 2  

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Martin Zoller, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,   
Gerichtsschreiber Jan Feichtinger.

Parteien A._______, geboren am (…),
Iran,  
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
28. November 2008 / N (…).

E­55/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
A.a  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein 
iranischer Staatsangehöriger mit  letztem Wohnsitz  in B._______, seinen 
Heimatstaat am 6. Februar 2006  (Mitte Bahman 1384) zu Fuss über die 
Grenze in die Türkei und gelangte mithilfe verschiedener Transportmittel 
(Kleinbus,  Lastwagen,  Bus,  Motorboot,  Schiff,  Personenwagen)  über 
Griechenland  und  Italien  am  13. Februar 2006  in  die  Schweiz,  wo  er 
gleichentags um Asyl nachsuchte.

Am  16. Februar 2006  fand  im  Empfangszentrum  Kreuzlingen  die 
Erstbefragung  statt,  am  7. März 2006  erfolgte  die  Anhörung  zu  den 
Asylgründen  durch  das  BFM.  Im  Wesentlichen  machte  der 
Beschwerdeführer dabei geltend, seine Probleme hätten damit begonnen, 
dass  er  im  Alter  von  18 Jahren  von  seinem  Vater  zum  Militärdienst 
gezwungen worden sei. Am (…).1380  ([…] 2001) habe er einen Konflikt 
mit einem Vorgesetzten gehabt, auf dem Weg zum Militärgericht sei  ihm 
jedoch die Flucht gelungen. Am (…) 2001 sei er verhaftet und kurz darauf 
zu  einer  Gefängnisstrafe  von  (…)  verurteilt  worden,  welche  er  im 
Gefängnis C._______ verbüsst habe.

Im (…) 2001 habe er in einer Moschee einen Korankurs besucht und sich 
dem Mullah gegenüber negativ  über  (…) geäussert. Hierauf  hätten  sich 
zwei  Kursteilnehmer  als  Angehörige  des  Nachrichtendienstes  zu 
erkennen  gegeben  und  ihn  über  den  Basar  abführen  wollen.  In  der 
Menschenmenge habe er aber einen der Agenten von sich stossen und 
anschliessend  fliehen  können.  Hiernach  habe  er  sich  während  etwa 
sechs Wochen bei Verwandten versteckt gehalten. Nachdem Angehörige 
des  Nachrichtendienstes  wiederholt  in  seinem  Elternhaus  erschienen 
seien  und  seinen  Vater  unter  Druck  gesetzt  hätten,  habe  er  sich  auf 
Anraten  des  Vaters  beim  Nachrichtendienst  gestellt.  Entgegen  seiner 
irrigen Annahme, man wolle ihm nur ein paar Fragen stellen, sei er in der 
Folge während (…) in einem privaten Gefängnis des Nachrichtendienstes 
festgehalten und wiederholt schwer gefoltert worden, bevor er gegen eine 
Kaution  sowie unter Auferlegung einer Meldepflicht  freigelassen worden 
sei. Dieser sei er ab (…) 2003 nicht mehr nachgekommen.

Vielmehr  habe  er  versucht,  illegal  über  die  Grenze  in  die  Türkei  zu 
gelangen, sei  jedoch an der Grenze verhaftet, zu einer Geldstrafe sowie 
einer  erneuten  Gefängnisstrafe  von  (…)  verurteilt  worden.  Nach 
Verbüssung derselben sei er im (…) 2003 nach Teheran zurückgekehrt.  

E­55/2009

Seite 3

Ende Dezember  2003  habe  er  auf  der  Strasse mit  anderen Anhängern 
einen  Sieg  der  iranischen  Fussball­Nationalmannschaft  gefeiert. 
Regimegegner  hätten  die  Gelegenheit  dieses  Umzugs  genutzt,  um 
regimekritische  Parolen  zu  verbreiten,  weshalb  die  Sicherheitskräfte 
interveniert  und  Verhaftungen  vorgenommen  hätten.  Anders  als 
mehreren seiner Freunde sei ihm die Flucht gelungen. 

Wenig später, am (…) 2004, sei er  jedoch von Agenten erkannt worden, 
als er mit dem Motorrad unterwegs gewesen sei. Dies könne nur dadurch 
erklärt  werden,  dass  sein  Bild  auf  dem  Polizeiposten  hänge  oder  aber 
einer  seiner  verhafteten  Freunde  ihn  verraten  habe.  Die  motorisierten 
Agenten hätten ihn angefahren, wobei er sich (…) zugezogen habe. Nach 
einem längeren Krankenhausaufenthalt unter ständiger Bewachung sei er 
von einem Gericht in Teheran zu einer Gefängnisstrafe von (…) verurteilt 
worden, welche er in D._______ verbüsst habe. 

(…) 2005  sei  er  aus  gesundheitlichen  Gründen  aus  dem  Militärdienst 
entlassen  worden.  Im  (…)  desselben  Jahres  seien  einige  Pasdaran 
(Angehörige  der  Sepah  [Iranische  Revolutionsgarde])  an  seiner 
Wohnadresse  erschienen,  um  (…).  Daraufhin  sei  es  zu  einer 
handgreiflichen  Auseinandersetzung  zwischen  ihnen  und  ihm,  dem 
Beschwerdeführer,  gekommen.  In  der  Befürchtung,  angesichts  seiner 
Vorgeschichte  würde  er  mindestens  zu  einer  langjährigen  Haftstrafe 
verurteilt werden, habe er sich schliesslich zur Ausreise entschieden. Mit 
Hilfe  eines Schleppers  sei  er  am 6. Februar 2006  in  die Türkei  gelangt, 
von wo er über Italien auf illegalem Weg in die Schweiz weitergereist sei.

A.b Mit  Eingabe  vom  4. Juli 2006  zeigte  der  rubrizierte  Rechtsvertreter 
dem  BFM  die  Mandatsübernahme  an  und  reichte  namens  des 
Beschwerdeführers  weitere,  insbesondere  dessen  exilpolitische 
Aktivitäten  betreffende  Beweismittel  zu  den  Akten,  welche  mit  Eingabe 
vom 22. November 2006 näher erläutert wurden. 

B. 
Mit  Verfügung  vom  28. November 2008  stellte  das  BFM  fest,  der 
Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das 
Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz 
und deren Vollzug.

C. 

E­55/2009

Seite 4

C.a  Mit  Eingabe  vom  30. Dezember 2008  an  das  BFM, 
zuständigkeitshalber  weitergeleitet  an  das  Bundesverwaltungsgericht, 
liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  Beschwerde 
erheben  und  dabei  in  materieller  Hinsicht  beantragen,  es  sei  die 
Verfügung  des  BFM  vom  28. November 2008  aufzuheben,  seine 
Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  festzustellen und  ihm die vorläufige Aufnahme zu 
gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  beantragt,  dem 
Beschwerdeführer  sei  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 
1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren.

C.b  Mit  prozessleitender  Verfügung  vom  9. Januar 2009  hiess  die 
zuständige  Instruktionsrichterin  die  Gesuche  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um 
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. 

D. 
Mit  Vernehmlassung  vom  16. Januar 2009  hielt  das  BFM  an  seinen 
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

E. 
Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  24. März 2010  liess  der 
Beschwerdeführer  ein  in  arabischer  Sprache  verfasstes  Beweismittel 
(gerichtliche Vorladung vom (…) samt Übersetzung zu den Akten reichen.

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

E­55/2009

Seite 5

entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]);  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur 
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 
105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  48  Abs.  1  und  52  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

4. 

E­55/2009

Seite 6

4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da 
seine  Vorbringen  teilweise  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
gemäss  Art.  7  AsylG  (vgl.  Ziff.  4.1.1.)  und  teilweise  denjenigen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  (vgl.  Ziff.  4.1.2.)  nicht  zu 
genügen vermöchten.

4.1.1. Seine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der zentralen Vorbringen des 
Beschwerdeführers begründete das BFM zunächst damit, dass er diese 
zu wenig konkret, detailliert und differenziert dargelegt habe. Namentlich 
entbehrten  seine  Angaben  zum  Korankurs,  seinen  regierungskritischen 
Äusserungen  und  der  hieraus  entstandenen  Probleme  jeglicher 
Substanz. So habe er den besagten Kurs bei der Erstbefragung zeitlich 
nicht einordnen können und auch auf Nachfrage lediglich angegeben, er 
habe  vor  dem  Winter,  etwa  anderthalb  bis  zwei  Monate  nach  seiner 
Strafverbüssung wegen Desertion, stattgefunden. Auch habe er  lediglich 
behauptet, seine Verfolger seien Geheimdienstangehörige, ihren Ausweis 
habe er aussagegemäss nicht genauer gesehen. Schliesslich seien auch 
seine Angaben betreffend den missglückten Verhaftungsversuch und die 
behördlichen  Nachfragen  vage  und  undifferenziert,  zumal  er  etwa  nicht 
habe  beziffern  können,  wie  oft  Agenten  an  seiner  Wohnadresse 
erschienen seien.

Im Weiteren widerspreche seine Darstellung in wesentlichen Punkten der 
allgemeinen  Erfahrung  respektive  der  Logik  des  Handelns.  Namentlich 
erscheine  die  Erklärung,  wonach  die  Geheimdienstleute  den 
vorgenannten  Korankurs  besucht  hätten,  um  andere  Regimeleute  (sic. 
[vgl. angefochtene Verfügung S. 4 sowie Akten BFM A10 S. 7]; gemeint 
wohl: Regimegegner) zu finden, wenig plausibel. Auch seien Agenten des 
Nachrichtendienstes  bekanntermassen  für  Verhaftungen  geschult  und 
liessen sich nicht leichthin durch ein Ablenkungsmanöver ausser Gefecht 
setzen.  Die  Darstellung  seiner  Flucht,  wonach  er  sich  dem  Zugriff 
gewaltsam  entledigt  und  die  Flucht  über  den  stark  bevölkerten  Basar 
angetreten  habe,  sei  vor  diesem  Hintergrund  als  realitätsfremd  zu 
bezeichnen.  Auch  die  Schilderung  seines  nachfolgenden  Vorgehens, 
wonach er sich nach der misslungenen Verhaftung bei seiner Schwester 
und weiteren Verwandten aufgehalten habe, widerspreche der Logik des 
Handelns,  da  er  dort  jederzeit  mit  einer  Verhaftung  hätte  rechnen 
müssen.

Insgesamt  könnten  dem  Beschwerdeführer  die  geltend  gemachte 
Inhaftierung  und  Misshandlung  aus  politischen  Gründen  nicht  geglaubt 

E­55/2009

Seite 7

werden. Es sei damit nicht davon auszugehen, dass er den heimatlichen 
Behörden vor seiner Ausreise bekannt gewesen sei.

4.1.2.  Hinsichtlich  der  weiteren  Vorbringen  führte  das  BFM  aus,  diese 
vermöchten den Anforderungen an Art. 3  AsylG nicht zu genügen.

Soweit  der  Beschwerdeführer  geltend  mache,  infolge  seiner  Refraktion  
sowie  seines  illegalen  Grenzübertrittes  behelligt  worden  zu  sein,  sei 
festzustellen,  dass  hiermit  insoweit  keine  asylrelevante  Verfolgung  zum 
Ausdruck  gebracht  werde,  als  dieser  keiner  der  in  Art.  3  AsylG 
abschliessend  genannten  Gründe  zugrunde  liege.  Zudem  habe  der 
Beschwerdeführer – nach erfolgter Bestrafung wegen des Grenzübertritts 
und  der  Dispensation  aus  dem Militärdienst  –   zum  heutigen  Zeitpunkt 
keine weitergehenden Behelligungen mehr zu befürchten.

Weiter  führe der Beschwerdeführer an, dass die Pasdaran  im  (…) 2005 
versucht hätten, (…), wobei er in eine handgreifliche Auseinandersetzung 
verwickelt worden sei. Auch diese Schikane könne aufgrund ihrer Art und 
ihres Ausmasses nicht als asylrelevanter Nachteil eingestuft werden, da 
hierdurch  dem  Beschwerdeführer  ein  weiterer  Verbleib  im  Heimatstaat 
nicht verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert worden sei.

Schliesslich  bestehe  auch  aufgrund  der  exilpolitischen  Aktivitäten  des 
Beschwerdeführers  kein  begründeter  Anlass  zur  Annahme,  dass  dieser 
künftig mit  asylrelevanter  Verfolgung  zu  rechnen  habe.  Aufgrund  seiner 
Angaben  sowie  der  eingereichten  Beweismittel  sei  nämlich  nicht  davon 
auszugehen, dass er über ein derartiges politisches Profil  verfüge, dass 
er  dadurch  das  Interesse  der  heimatlichen  Behörden  auf  sich  gezogen 
hätte. Seine Furcht vor Verfolgung aus diesen Gründen sei deshalb nicht 
als begründet im Sinne des Asylgesetzes zu erachten. 

4.2. Aus der Rechtsmitteleingabe ergibt sich als Rüge die Verletzung von 
Bundesrecht,  indem  zu  Unrecht  festgestellt  worden  sei,  die  Vorbringen 
des  Beschwerdeführers  genügten  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  (vgl.  hierzu  Ziff.  4.3.)  respektive  an  die 
Flüchtlingseigenschaft (vgl. hierzu Ziff. 4.5.) nicht. 

4.3.  Nachfolgend  ist  zunächst  auf  die  vom  BFM  festgestellten 
Ungereimtheiten  der  geltend  gemachten  Verfolgung  einzugehen.  Das 
BFM  bezeichnete  die  entsprechenden  Vorbringen  als  nicht  hinreichend 
begründet  (vgl.  hierzu  Ziff.  4.3.1.)  respektive  nicht  nachvollziehbar  (vgl. 
Ziff. 4.3.2.).

E­55/2009

Seite 8

4.3.1. Die vorinstanzliche Feststellung, der Beschwerdeführer habe seine 
Teilnahme  am  Korankurs,  die  dort  geäusserte  Regimekritik  und  die 
darauf  zurückzuführenden  Verfolgungshandlungen  zu  vage  und 
unsubstanziiert  geschildert,  um  den  Eindruck  des  Selbsterlebten  zu 
erwecken  wird  in  der  Rechtsmitteleingabe  als  überspitzt  formalistisch 
bezeichnet. Diese Auffassung ist, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, 
nicht von der Hand zu weisen.

Die  Behauptung  des  BFM, wonach  der  Beschwerdeführer  beim Kanton 
nicht  genauer  habe  angeben  können,  wann  der  geltend  gemachte 
Korankurs  stattgefunden  habe,  findet  im  nämlichen  Befragungsprotokoll 
keinerlei  Entsprechung.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass  der 
Beschwerdeführer  sich  von  sich  aus  mit  keinem  Wort  zum  Zeitpunkt 
seiner Kursteilnahme geäussert hat ("[…] als ich im Basar meinem Vater 
beim  (…)  half,  war  dort  ein  Geistlicher  namens  E._______,  der  uns 
Jugendlichen den Koran gelehrt und ihn interpretiert hat. Eines Tages war 
die  Rede  von  […];  vgl.  A1  S.  6)  und  mangels  Nachfrage  auch  nicht 
ersichtlich  ist,  was  ihn  zu  einer  dahingehenden  Konkretisierung  hätte 
veranlassen  sollen.  Im  Rahmen  der  direkten  Anhörung  wurde  der 
Beschwerdeführer  angehalten,  den  Kursbeginn  zeitlich  einzuordnen, 
worauf er angab, dies sei im Winter gewesen, eineinhalb bis zwei Monate 
nach Verbüssung seiner Haftstrafe (A10 S. 7), welchen Zeitpunkt er zuvor 
auf  "anfangs  (…)  Monat  1380"  (letzte  Woche  […]  2001)  datiert  hatte. 
Hieraus  ergibt  sich  ein  relativ  konkretes,  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit durchaus genügendes Zeitfenster von zweiter Hälfte (…) 
2001,  innert  welchem  der  Korankurs  begonnen  habe.  Dabei  ist  zu 
berücksichtigen,  dass  das  nämliche  Ereignis  –  bei  welchem  es  sich  im 
Übrigen  keineswegs  um  einen  "wesentlichen  Punkt"  seiner  Vorbringen 
handelt, wurde doch nach dem Beginn des Kurses und nicht etwa nach 
der  später  erfolgten  Auseinandersetzung  und  Flucht  gefragt  –  zum 
Zeitpunkt der Befragung bereits über vier Jahre zurücklag.

Auch  der  Vorwurf  des  BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  nicht  sagen 
können,  ob  es  sich  bei  seinen  Verfolgern  tatsächlich  um 
Geheimdienstleute  gehandelt  habe,  ist  entschieden  zurückzuweisen. 
Jener gab im Rahmen der Anhörung an, er habe die kleinformatige Karte, 
welche die beiden Männer ihm gezeigt hätten, nicht genau sehen können, 
jedoch  hätten  sich  diese  als  Geheimdienstleute  vorgestellt  (A10  S.  7). 
Entsprechend  der  nachvollziehbaren  Entgegnung  in  der 
Rechtsmitteleingabe  konnte  der  Beschwerdeführer  naturgemäss  nicht 
wissen, ob die Angaben seiner Verfolger der Wahrheit entsprachen. 

E­55/2009

Seite 9

Schliesslich  lässt  auch  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  die 
genaue  Anzahl  der  nachfolgenden  Hausbesuche  nicht  zu  nennen 
vermochte,  nicht  darauf  schliessen,  dass  dieselben  nicht  stattgefunden 
hätten.  Es  wäre  dem  Beschwerdeführer  gewiss  ein  Leichtes  gewesen, 
sich  auf  eine  willkürliche  Anzahl  festzulegen.  Da  es  sich  aber  bei  den 
Hausbesuchen nicht um selbsterlebte Ereignisse handelt und die  für  ihn 
entscheidende  Information  darin  bestand,  dass  die  Behörden  nach  ihm 
suchten, lässt sich aus seiner Aussage ("Ich weiss es überhaupt nicht, ich 
war nicht zu Hause gewesen.  […] Er  [der Vater] sagte mir nur, dass  ich 
auf mich aufpassen solle und mich nicht im Quartier blicken lassen solle", 
vgl. A10 S. 9) nichts zu seinen Ungunsten ableiten. Vielmehr handelt es 
sich  beim  Eingeständnis  dieser  nachvollziehbaren  Unkenntnis  um  ein 
Realkennzeichen,  welches  eher  für  die  Glaubhaftigkeit  seines 
Sachvortrages spricht.

4.3.2.  Das  BFM  erachtet  den  geltend  gemachten  Verfolgungskomplex 
rund um den vorgenannten Korankurs auch insoweit als unglaubhaft, als 
die  entsprechenden  Ausführungen  in  wesentlichen  Punkten  der 
allgemeinen  Erfahrung  respektive  der  Logik  des  Handelns 
widersprächen.  Auch  diese  Feststellung  vermag  in  verschiedener 
Hinsicht nicht zu überzeugen, wie nachfolgend aufzuzeigen ist.

Zunächst  stellt  das  BFM  in  Abrede,  dass  Geheimdienstagenten  einen 
religiöses Wissen vermittelnden Kurs besuchen würden, da sie dort keine 
Leute  finden  würden,  welche  für  sie  von  Interesse  wären.  Wie  jedoch 
allgemein  bekannt  ist,  überwachen  die  iranischen  Behörden  –  dies  gilt 
auch für den Zeitraum vor dem Machtantritt von Präsident Ahmadinejad – 
die  politischen  Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  im  In­  und  Ausland 
sehr  genau  und  erfassen  dieselben  systematisch.  Vor  diesem 
Hintergrund ist ohne Weiteres denkbar, dass Angehörige eines iranischen 
Geheimdienstes  –  zu  denken  ist  nebst  dem  Nachrichtendienst  Etelaat 
etwa  an  die  paramilitärische Miliz  der Basitschi  –  dem Korankurs  eines 
Mullahs  beiwohnen,  sofern  dieser  zuvor  durch  gemässigte  oder  gar 
regimekritische  Interpretationen  heiliger  Schriften  ins  Blickfeld  der 
Behörden geraten  ist. Über die Beweggründe  für  die Kursteilnahme der 
mutmasslichen  Geheimdienstleute  stellt  der  Beschwerdeführer  auf 
Nachfrage  zwar  Mutmassungen  an  ("Ich  habe  keine  Ahnung,  aber  sie 
wollten andere Regimeleute [sic.] finden"; vgl. A10 S. 7), ob ihr Interesse 
jedoch den anderen Kursteilnehmern  oder  aber  dem Mullah  selbst  galt, 
kann  er  letztlich  nur  erahnen.  Dass  iranische  Geheimdienstleute  auf 
öffentliche  Regimekritik  mit  harschem  Einschreiten  reagieren,  ist 

E­55/2009

Seite 10

wiederum gerichtsnotorisch. Angesichts der Gegebenheiten im Iran lässt 
sich  die  Darstellung  des  Beschwerdeführers  –  entgegen  der 
vorinstanzlichen  Feststellung  –  ohne  weiteres  mit  der  allgemeinen 
Erfahrung und der Logik des Handelns vereinbaren.

Weiter  erachtet  es  das  BFM  als wenig  nachvollziehbar,  dass  der  Vater 
des  Beschwerdeführers,  welcher  ihn  aussagegemäss  zur  Vorsicht 
geraten  habe,  ihn  nach  dem  Korankurs  selbst  der  Polizei  ausgeliefert 
habe. Dabei verkennt die Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer dieses 
Vorgehen durchaus plausibel zu begründen vermag. So seien wiederholt 
Agenten im Elternhaus des Beschwerdeführers in F._______ erschienen, 
hätten den Vater  unter Druck gesetzt  und  ihm  insbesondere angedroht, 
ihn anstelle des Beschwerdeführers zu verhaften, sollte sich dieser nicht 
stellen. Aus diesem Grund habe sich der Vater gezwungen gesehen, das 
Haus zu vermieten und mit der Familie nach G._______ zu ziehen. Die 
Bedrohungslage habe sich im (…) Monat des Jahres 1382 (entsprechend 
dem  Zeitraum  zwischen  […]  2003)  akzentuiert,  da  sein  Bruder 
H._______,  welcher  nichts  mit  der  Angelegenheit  zu  tun  gehabt  habe, 
festgenommen worden sei (A10 S. 9 f.). Bei dieser Sachlage vermag die 
klärende  Darstellung  in  der  Rechtsmitteleingabe,  wonach  zur  Lösung 
dieses Dilemmas habe abgewogen werden müssen, welcher Umstand – 
Untertauchen  des  Beschwerdeführers  mit  weiteren  Schikanen  für  die 
Familienangehörigen  oder  Zusammenarbeit  mit  den  Behörden – 
erträglicher  sei,  zu  überzeugen.  Dass  sich  der  Beschwerdeführer 
angesichts  des  verstärkten  Leidensdrucks  seiner  Angehörigen  und  in 
Unkenntnis  des  Ausmasses  der  ihm  drohenden  Konsequenzen  auf 
Anraten des Vaters dazu entschieden hat, sich den Behörden zu stellen, 
kann vernünftigerweise nachvollzogen werden. Die dem Gericht bekannte 
und  glaubhaft  geschilderte  Vorgehensweise  der  iranischen  Behörden, 
Druck  auf  Angehörige  einer  gesuchten  Person  auszuüben,  wird 
schliesslich zusätzlich gestützt durch das am 24. März 2010 eingereichte 
Beweismittel  (gerichtliche Vorladung vom […]). Diesem Dokument  ist zu 
entnehmen,  dass  das Haus  des Vaters  nach  dessen Wegzug mit  einer 
Kaution  belegt wurde  und  in  den Besitz  der Stadt  übergehe,  sollte  sich 
der Beschwerdeführer nicht – wohl  im Zusammenhang mit den jüngeren 
Ereignissen (vgl. hierzu Ziff. 4.5.) – bei den Behörden melden.

Weiter  ist  nicht  einsehbar,  weshalb  es  dem  Beschwerdeführer  nicht 
gelungen sein sollte, auf dem Basar einen der  ihn abführenden Agenten 
zur Seite zu stossen und durch die Menschenmenge zu entfliehen. Dabei 
ist  zu  berücksichtigen,  dass  es  sich  bei  ihm  um  (…)  handelt.  Dem 

E­55/2009

Seite 11

psychiatrischen  Gutachten  vom  18. November 2008  ist  zudem  zu 
entnehmen,  dass  er  bei  einer  Körpergrösse  von  (…)  zeitweilig  (…) 
gewogen  habe  (S.  36),  er  mithin  (…).  Bei  dieser  Sachlage  ist  ohne 
weiteres denkbar, dass er auf einem stark bevölkerten öffentlichen Platz 
die Situation in der geschilderten Weise für sich nutzen vermochte.

Schliesslich  hält  es  das  BFM  für  unlogisch,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer nach der misslungenen Verhaftung zuerst nach Hause 
und  anschliessend  zu  seiner  Schwester  sowie  weiteren  Verwandten 
begeben  haben  will.  Allerdings  drängt  sich  die  Frage  auf,  welche 
Handlungsalternativen  ihm  denn  zur  Verfügung  gestanden  hätten.  So 
kann nicht  leichthin  angenommen werden,  dass  dem Beschwerdeführer 
ein  sichereres  Versteck  zugänglich  gewesen  wäre.  Die  in  der 
Rechtsmitteleingabe  geschilderte  Vorgehensweise,  wonach  er  sich 
tagsüber  ausser  Haus  und  nachts  abwechselnd  bei  verschiedenen 
Angehörigen  aufgehalten  habe,  steht  nach  Auffassung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  mit  der  allgemeinen  Logik  durchaus  im 
Einklang.

4.3.3. Zu den geltend gemachten Konsequenzen dieser Ereignisse – der   
Inhaftierung  in  einem Gefängnis  des  Nachrichtendienstes  und  den  dort 
erfolgten Misshandlungen – äussert sich das BFM nicht weiter. Vielmehr 
schliesst  die  Vorinstanz  aus  der  Feststellung,  dass  dem 
Beschwerdeführer  die  Vorgeschichte  nicht  geglaubt  werden  könne, 
gleichsam auf Unglaubhaftigkeit der Folgeereignisse. 

Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist vorab festzustellen, dass der 
Beschwerdeführer  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  in  einen 
glaubhaften Kontext  bettete, welcher mit  der  typischen Vorgehensweise 
der iranischen Sicherheitskräfte vereinbar ist. Die Darstellung, wonach er 
nach erfolgter Festnahme wiederholt danach gefragt worden sei, welcher 
Partei  oder Gruppierung er angehöre,  fügt  sich nahtlos  in das stimmige 
Bild.  Mit  Blick  auf  die  Schilderung  der  erlittenen  Misshandlungen  ist 
zudem  festzustellen,  dass  diese  in  beklemmender  Weise  authentisch 
wirkt. Die entsprechende Protokollstelle (vgl. A10 S. 10) weist diverse, für 
die Glaubhaftigkeit des Sachvortrages sprechende Realkennzeichen auf, 
so beispielsweise die Wiedergabe von Gesprächen ("Sie sagten mir, dass 
hier  der  Nachrichtendienst  der  Judikativen  sei"),  die  Schilderung 
ausgefallener  und  nebensächlicher  Einzelheiten  ("[...]  in  einem  Auto 
fuhren sie mich irgendwo innerhalb der Stadt B._______. Ich konnte dies 
vom  Lärm  hören.";  "Als  ich  unter  der  Dusche  war,  habe  ich  plötzlich 

E­55/2009

Seite 12

angefangen zu zittern. Sie haben eine freigelegte Leitung  in der Dusche 
gehabt und diese wurde nass"), Eingeständnisse von Erinnerungslücken 
("Ich wurde nach ein paar Sekunden ohnmächtig. [...] Als ich zu mir kam, 
sah  ich,  dass  ich  allein  und  nackt  in  einem  Einzelzimmer  war.  ")  und 
raum­zeitliche Verknüpfungen  ("Nach Beendigung  der Befragung wurde 
ich  wieder  in  die  Zelle  zurückgebracht.  Immer  nach  ein  paar  Tagen 
passierte  wieder  das  gleiche.  Sie  bestellten  mich  nach  oben  zur 
Befragung und dann erfolgte die Folter. Ich kann sagen, im ersten Monat 
als  ich  dort  war,  wurde  ich  drei  bis  vier  Mal  so  gefoltert").  Auch  wenn 
solche Realkennzeichen  nur  einen  indiziellen Wert  haben,  ist  ein  hoher 
qualitativer  und  quantitativer  Ausprägungsgrad  der  Realkennzeichen 
doch  typisch  für  eine  Richtigaussage  und  lässt  immerhin  eine 
Charakterisierung der zu beurteilenden Aussagen zu.

4.4. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass 
die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  ein  stimmiges  Gesamtbild 
ergeben. Nach Abwägung der  dafür  und dagegen  sprechenden Gründe 
im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  erachtet  es  das 
Bundesverwaltungsgericht  als  glaubhaft,  dass  Angehörige  des 
Nachrichtendienstes  im  (…)  2001  versuchten,  den  Beschwerdeführer 
festzunehmen,  dieser  zunächst  fliehen  und  in  der  Folge  untertauchen 
konnte  und  sich  schliesslich  infolge  des  auf  seine  Angehörigen 
ausgeübten  Drucks  den  Behörden  gestellt  hat.  Auch  kann  davon 
ausgegangen  werden,  dass  er  (…)  in  einem  privaten  Gefängnis  des 
Nachrichtendienstes  festgehalten  und  in  der  geschilderten  Weise 
misshandelt wurde.   

4.5.  Hinsichtlich  der  weiteren  Verfolgungsvorbringen  des 
Beschwerdeführers  (Haftstrafe  wegen  unerlaubten  Verlassens  des 
Militärdienstes  […],  Haftstrafe  wegen  illegalen  Grenzübertritts  […], 
Handgemenge  mit  den  Pasdaran  […])  erkannte  das  BFM,  diese 
vermöchten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu 
genügen.

Indem  das  BFM  diese  Vorfälle  jeweils  losgelöst  von  ihrem  Kontext 
abhandelt,  verkennt  es,  dass  eine  schlüssige  Beurteilung  der 
Asylrelevanz der vorstehend behandelten Vorfälle und  insbesondere der 
Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht  vor  künftigen 
ernsthaften Nachteilen hat, nur unter Vornahme einer Gesamtbetrachtung 
sinnvoll möglich ist.

E­55/2009

Seite 13

Exemplarisch  kann  dies  anhand  des  Vorfalls  aus  dem  Jahr  2004 
verdeutlicht  werden.  Dabei  wurde  der  Beschwerdeführer 
unbestrittenermassen  von  Geheimdienstagenten,  die  ihn  im  Nachgang 
einer  Kundgebungsteilnahme  wiedererkannt  hatten,  mit  dem  Auto 
angefahren. Nach  der  Behandlung  seiner  Verletzung wurde  er  zu  einer 
Haftstrafe  von  (…)  verurteilt.  Es  fällt  auf,  dass  die  zuvor  erfolgten 
Verurteilungen  wegen  gravierender  Verfehlungen 
(Militärdienstverweigerung,  illegale  Ausreise)  mit  Haftstrafen  von  (…) 
erheblich milder ausgefallen sind. Mithin entsteht der Eindruck, dass sich 
das  behördliche  Interesse  an  der Ruhigstellung  des Beschwerdeführers 
im Laufe der  letzten Jahre gesteigert hat. Vor diesem Hintergrund kann 
die Feststellung des BFM, wonach nicht davon auszugehen sei, dass der 
Beschwerdeführer  den  iranischen  Behörden  vor  seiner  Ausreise  aus 
politischen Gründen bekannt gewesen sei, nicht geteilt werden. 

4.6. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG 
liegt  vor,  wenn  konkreter  Anlass  zur  Annahme  besteht,  die  Verfolgung 
werde mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit geschehen, 
wobei  eine  vor  der  Ausreise  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit 
stattgefundene  Verfolgung  die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  als 
wohlbegründet  erscheinen  lassen  kann.  Dabei  genügt  es  nicht,  wenn 
diese  Furcht  lediglich  mit  Vorkommnissen  oder  Umständen,  die  sich 
früher oder später möglicherweise ereignen könnten, begründet wird. Ob 
in  einem  bestimmten  Fall  eine  solche  Wahrscheinlichkeit  besteht,  ist 
aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen.

Es müssen damit hinreichend Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung 
vorhanden sein,  die bei  jedem Menschen  in  vergleichbarer  Lage Furcht 
vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. 
Dennoch  ist  für  die  Bestimmung  der  begründeten  Furcht  nicht  allein 
massgebend, was ein hypothetischer Durchschnittsmensch  in derselben 
Situation  empfinden  würde.  Diese  rein  objektive  Betrachtungsweise  ist 
zusätzlich durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte und das 
gesicherte  Wissen  um  Konsequenzen  in  vergleichbaren  Fällen  zu 
ergänzen: Wer bereits Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war und/oder 
von  der  Verfolgung  von  Personen  mit  vergleichbarem  Risikoprofil 
zuverlässig  weiss,  hat  objektive  Gründe  für  eine  ausgeprägtere 
(subjektive)  Furcht.  Die  subjektive  Furcht  ist  diesfalls  bereits  dann 
begründet, wenn  sie  zwar  diejenige eines  sich  in  der  gleichen Situation 
befindlichen  Durchschnittsmenschen  übersteigt,  aber  trotzdem 
nachvollziehbar  bleibt.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die 

E­55/2009

Seite 14

begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  muss  zudem  sachlich  und 
zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat und 
grundsätzlich  auch  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  noch  aktuell  sein. 
Schliesslich  muss  feststehen,  dass  die  von  einer  Verfolgung  bedrohte 
asylsuchende Person über keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt 
(vgl.  BVGE  2007/31  E.  5.2  ff.,  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr.  32  E.  5, 
EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.1  ff., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a, EMARK 1998 
Nr. 4 E. 5d, EMARK 1994 Nr. 24 E. 8b.).

Die begründete Furcht des Beschwerdeführers,  im Falle einer Rückkehr 
in  den  Iran  asylrelevante  Nachteile  zu  erleiden,  erschliesst  sich 
vorliegend  zunächst  aus  der  neuerlichen  gerichtlichen  Vorladung  vom 
(…).  Hiermit  ist  die  geltend  gemachte  behördlichen  Suche  nach  ihm 
belegt, weshalb davon auszugehen  ist, dass er  im Falle einer Rückkehr 
bereits  am  Flughafen  in  Teheran  verhaftet  würde.   Angesichts  des 
jahrelangen,  renitenten  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  erscheint  im 
länderspezifischen Kontext überwiegend wahrscheinlich, dass er diesfalls 
mit  einer  politisch  motivierten  übermässigen  Bestrafung  (sog.  Polit­
Malus),  mithin mit  behördlichen  Verfolgungsmassnahmen  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG zu rechnen hätte. Von einer landesinternen Fluchtalternative 
ist  bei  einer  von  den  Behörden  des  Zentralstaates  ausgehenden 
Verfolgungsgefahr nicht auszugehen, zumal der Beschwerdeführer in den 
Verzeichnissen  der  Geheimdienste  vermerkt  sein  dürfte.  Nach  dem 
Gesagten, erscheint seine subjektive Furchtvor Verfolgung im Sinne von 
Art. 3 Abs. 1 AsylG unter auch objektiven Gesichtspunkten begründet. Ob 
sich  die  Gefahr  einer  künftigen,  asylrelevanten  Verfolgung  durch  seine 
exilpolitischen  Aktivitäten  (vgl.  Eingaben  vom  4. Juli 2006  und  vom 
22. November 2006) weiter akzentuiert hat, kann vorliegend offenbleiben. 

4.7.  Aus  den  angestellten  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  der 
Beschwerdeführer  die  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  im 
Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt.

4.8.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie wegen 
verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind oder wenn sie die innere 
oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  verletzt  haben  oder  gefährden 
(Art. 53 AsylG). 

E­55/2009

Seite 15

Mit Urteil des Obergerichts des Kantons I._______ vom (…) 2009 wurde 
der  Beschwerdeführer  der  (…)  schuldig  gesprochen  und  zu  einer 
Freiheitsstrafe  von  (…)  verurteilt.  Angesichts  dessen  ist  nachfolgend  zu 
prüfen, ob Asylausschlussgründe im Sinne von Art. 53 AsylG vorliegen.

4.8.1.  Unter  den  Begriff  der  „verwerflichen  Handlungen“  (vgl.  EMARK 
1993  Nr. 8  E. 6  S. 49 ff.,  1996  Nr. 18  E. 5 ff.,  2002  Nr. 9)  fallen  solche 
Delikte,  die  dem  abstrakten  Verbrechensbegriff  von  Art. 9  Abs. 1  des 
Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB,  SR 
311.0)  in  dessen  bis  zum  31. Dezember  2006  gültigen  Fassung 
entsprechen.  Als  Verbrechen  definiert  wird  dort  jede  mit  Zuchthaus 
bedrohte  Straftat.  Das  nach  der  am  1. Januar  2007  in  Kraft  getretenen 
Teilrevision heute geltende StGB definiert in Art. 10 Abs. 2 jene Straftaten 
als Verbrechen, die mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind. 

4.8.2. Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, ist ausserdem zu prüfen, 
ob  die  Rechtsfolge  des  Asylausschlusses  auch  eine  verhältnismässige 
Massnahme  darstellt  (siehe  EMARK  1996  Nr. 40  S. 354 f.,  2002  Nr. 9 
S. 82  ff.).  In Betracht zu ziehen sind dabei unter anderem das Alter des 
Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  der  Tatbegehung,  allfällige 
Veränderungen  der  Lebensverhältnisse  nach  der  Tat,  die 
Wahrscheinlichkeit  der  erneuten  Begehung  von  Straftaten  sowie  die 
Frage,  wie  lange  die  Tat  bereits  zurückliegt,  wobei  die  strafrechtlichen 
Verjährungsbestimmungen zu berücksichtigen sind.

4.8.3. Die Strafdrohung  für  eine  (…)  liegt  bei  (…) Freiheitsstrafe. Damit 
handelt  es  sich  beim  vom  Beschwerdeführer  begangenen  Delikt 
klarerweise um ein Verbrechen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB. Damit 
ist die erste Tatbestandsvariante von Art. 53 AsylG erfüllt.

4.8.4.  Aufgrund  einer  Abwägung  aller  Umstände  im  vorliegenden 
Einzelfall  ist  ferner  nicht  von  der  Unverhältnismässigkeit  des 
Asylausschlusses auszugehen. 

Zugunsten des Beschwerdeführers ist insbesondere die Einschätzung der 
Psychiatrischen  Universitätsklinik  I._______  im  Gutachten  vom 
18. November 2008  anzuführen.  Hieraus  sind  namentlich  keine 
Umstände  ersichtlich,  die  darauf  schliessen  lassen  würden,  beim 
Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  eine  grundsätzlich  gewaltbereite 
Person,  von welcher  eine Gefahr  für  die Sicherheit  und Ordnung  in der 
Schweiz  ausgehen  könnte.  Vielmehr  wird  hier  das  Bild  eines  jungen 

E­55/2009

Seite 16

Mannes gezeichnet, der – wenngleich die aussergewöhnliche Bedrohung 
durch die iranischen Sicherheitskräfte offenbar nicht zu einer Belastungs­ 
oder Persönlichkeitsstörung  geführt  hat  –  seinen  leidvollen Erfahrungen 
und seiner Wut über Jahre (…). Mithin wurde (…) diagnostiziert, dies als 
"spezifische  Reaktion  auf  das  Gefühl  lebensbelastender  Ereignisse" 
(S. 71).  Gerade  die  im  Gutachten  rekapitulierte  Lebensgeschichte  (vgl. 
S. 31 bis 51) des Beschwerdeführers  lässt diese  letztgenannte Reaktion 
zumindest nachvollziehbar erscheinen.

Andererseits  ist  zu  beachten,  dass  der  Beschwerdeführer  als  vorläufig 
aufgenommener Flüchtling ohnehin in der Schweiz bleiben kann. Sodann 
ist die von  ihm begangene,  (…) als schwere Straftat zu bezeichnen. Da 
der  Begehungszeitpunkt  (…)  2007 war,  träte  die  Verfolgungsverjährung 
erst  im Jahr 2022 ein  (vgl. Art. 97 Abs. 1 Bst. b StGB).   Im Sinne einer 
Gesamtbetrachtung  erscheint  ein  Asylausschluss  infolge  "verwerflicher 
Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG als gerechtfertigt. 

5. 
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen von Art. 3 und 
Art. 7 AsylG erfüllt sind. Indessen ist dem Beschwerdeführer infolge zuvor 
festgestellter Asylunwürdigkeit die Gewährung von Asyl zu verweigern.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein, verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 
den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit  der 
Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Da der Beschwerdeführer weder über eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 
Erteilung  einer  solchen  verfügen,  wurde  die  Wegweisung  zu  Recht 
angeordnet  (Art. 44  Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733, 
EMARK 2001 Nr. 21).

6.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

6.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 

E­55/2009

Seite 17

den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in 
ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG  und  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Der  Beschwerdeführer  erfüllt  die  Flüchtlingseigenschaft.  Er  darf  damit 
aufgrund  des  flüchtlingsrechtlichen  Refoulementverbots  nach  Art. 5 
Abs. 1 AsylG und Art. 33 Abs. 1 FK nicht zur Ausreise in sein Heimatland 
gezwungen werden. Das BFM hat den Vollzug der Wegweisung damit zu 
Unrecht als zulässig bezeichnet. 

Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung des 
BFM vom 28. November 2008 teilweise Bundesrecht verletzt. In teilweiser 
Gutheissung  der  Berschwerde  sind  die  Ziffern 1  (Verneinung  der 
Flüchtlingseigenschaft)  und  4  (Vollzug  der  Wegweisung)  der 
angefochtenen  Verfügung  aufzuheben.  Im  Übrigen  ist  die  Beschwerde 
abzuweisen.  Das  BFM  ist  anzuweisen,  die  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers anzuerkennen und  ihn als Flüchtling  in der Schweiz 
vorläufig aufzunehmen.

7. 
7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  von 
insgesamt Fr. 600.– nach dem Grad des Durchdringens praxisgemäss zu 
einem Drittel dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 
VwVG; Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Da  sein  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  jedoch  mit 
prozessleitender  Verfügung  vom  9. Januar 2009  gutgeheissen  wurde, 
werden keine Kosten auferlegt.

7.2. In einem nicht aussichtslosen Verfahren wird einer mittellosen Partei 
ein Anwalt bestellt wird, wenn dies zur Wahrung  ihrer Rechte notwendig 
ist  (Art.  65  Abs.  2  VwVG).  Für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung  ist  ausschlaggebend,  ob  die  Partei  zur Wahrung 
ihrer Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines 
Anwaltes bedarf (vgl. dazu BGE 122 I 49 E. 2c S. 51 ff.; BGE 120 Ia 43 E. 
2a  S.  44  ff.).  In  Verfahren,  welche  –  wie  das  vorliegende  –  vom 

E­55/2009

Seite 18

Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge Massstäbe an die 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  anzusetzen  (vgl. 
EMARK 2000 Nr.  6  sowie BGE 122  I  8 E.  2c S.  10)  Im asylrechtlichen 
Beschwerdeverfahren geht es  im Wesentlichen um die Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts.  Daher  sind  zur  wirksamen 
Beschwerdeführung  besondere  Rechtskenntnisse  im  Regelfall  nicht 
unbedingt  erforderlich,  weshalb  praxisgemäss  die  unentgeltliche 
Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  nur  in  den 
besonderen  Fällen  gewährt  wird,  in  welchen  in  rechtlicher  oder 
tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten bestehen. Das vorliegende 
Verfahren  erscheint  weder  in  tatsächlicher  noch  in  rechtlicher  Hinsicht 
besonders  komplex,  weshalb  das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG abzuweisen ist.

7.3.  Dem  teilweise  obsiegenden  und  im  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  vertretenen  Beschwerdeführer  ist  zu  Lasten 
der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen 
notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen  (Art. 64 
Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Es  wurde  vom  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht.  Der 
notwendige Vertretungsaufwand lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage 
zuverlässig  abschätzen,  weshalb  praxisgemäss  auf  die  Einholung  einer 
solchen  verzichtet  wird  (Art.  14  Abs.  2  VGKE).  In  Anwendung  der 
genannten  Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung  der 
massgeblichen  Bemessungsfaktoren  (Art.  8  ff.  VGKE)  ist  die 
Parteientschädigung  von  Amtes  wegen  grundsätzlich  auf  pauschal 
Fr. 1800.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteueranteil)  festzusetzen. 
Dabei  ist  die  hohe  Qualität  der  Beschwerdeeingabe  einerseits  und 
andererseits  der  Umstand  zu  berücksichtigen,  dass  die  umfangreich 
dokumentierten,  exilpolitischen  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers 
vorliegend keinen Einfluss auf den Verfahrensausgang hatten. Nach dem 
Grad  des  Durchdringens  ist  die  Parteientschädigung  praxisgemäss  um 
einen  Drittel  zu  reduzieren.  Die  vom  BFM  auszurichtende 
Parteientschädigung beträgt damit Fr. 1'200.–.

 (Dispositiv nächste Seite)

E­55/2009

Seite 19

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  darin  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme 
infolge  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beantragt  wird. 
Weitergehend wird die Beschwerde abgewiesen.

2. 
Die  Ziffern  1  und  4  des  Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom 
28. November 2008 werden aufgehoben. Das BFM wird angewiesen, den 
Beschwerdeführer  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  als 
Flüchtling vorläufig aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung 
gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird abgewiesen.

5. 
Dem  Beschwerdeführer  wird  zu  Lasten  des  BFM  eine 
Parteientschädigung  von  Fr. 1'200.–  (inkl.  Auslagen  und 
Mehrwertsteueranteil) zugesprochen.

6.  
Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das 
BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Jan Feichtinger