# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2dd4a42d-ab58-5119-9ea1-cc4af5deb104
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-22
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 22.08.2023 200 2022 593
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-593_2023-08-22.pdf

## Full Text

200 22 593 IV
LOU/SHE/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 22. August 2023

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Furrer, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

C.________
Beigeladene

betreffend Verfügung vom 2. September 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1964 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. 
Beschwerdeführer) meldete sich im September 2016 unter Verweis auf seit 
15 Jahren existierende psychische Beschwerden und eine seit dem 5. 
August 2016 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit bei der IV-Stelle 
Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungsbezug an 
(Akten der IVB, Antwortbeilage [AB] 1). In der Folge tätigte die IVB 
Abklärungen. Insbesondere veranlasste sie bei der Begutachtungsstelle 
D.________ eine polydisziplinäre Begutachtung (vgl. Gutachten vom 28. 
Juni 2017 [AB 36.1 ff.]). Mit Verfügung vom 26. September 2017 (AB 39) 
verneinte die IVB einen Leistungsanspruch mit der Begründung, es sei 
keine Minderung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ausgewiesen. Die 
Verfügung blieb unangefochten.

B.

Im März 2019 (AB 40) meldete sich der Versicherte erneut bei der IVB zum 
Leistungsbezug an. Nach getätigten Abklärungen verneinte diese mit Mit-
teilung vom 13. Januar 2020 (AB 69) den Anspruch auf 
Eingliederungsmassnahmen, stellte jedoch die Rentenprüfung in Aussicht. 
Auf Anraten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Bericht vom 4. 
Januar 2021 [AB 88]) veranlasste die IVB bei der E.________ (nachfolgend 
MEDAS) eine polydisziplinäre Begutachtung (vgl. Gutachten vom 28. April 
2022 inkl. interdisziplinäre Gesamtbeurteilung und Teilgutachten [AB 110.1 
ff.]). Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2022 (AB 112) stellte die IVB in Aussicht, 
mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender Wirkung im 
Rechtssinne den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung 
abzuweisen. Nach dagegen erhobenen Einwänden (AB 115 ff.) verfügte sie 
am 2. September 2022 (AB 121) dem Vorbescheid entsprechend.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 3

C.

Mit Eingabe vom 3. Oktober 2022 erhob die Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________, dagegen Beschwerde mit folgenden 
Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung der IVB vom 2. September 2022 sei aufzuheben und der 
Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers sei auf mindestens 70% festzulegen.

2. Eventualiter sei zwecks Festsetzung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit ein 
Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben.

3. Subeventualiter seien die Akten zwecks vollständiger Erhebung des 
medizinisch relevanten Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zur 
Neubeurteilung zurückzuweisen.

4. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren das 
Recht zur unentgeltlichen Rechtspflege zu gewähren, unter Beiordnung der 
Unterzeichnenden als unentgeltliche Rechtsbeiständin.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -

Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1. 
November 2022 auf Abweisung der Beschwerde. 

Der Beschwerdeführer reichte am 28. November 2022 eine Stellungnahme 
ein.

Mit prozessleitender Verfügung vom 12. Januar 2023 lud der 
Instruktionsrichter die C.________ zum Verfahren bei. Diese nahm am 19. 
Januar 2023 Stellung. Mit prozessleitender Verfügung vom 23. Januar 
2023 wurde den Parteien die Stellungnahme der C.________ zur Kenntnis 
zugestellt und das Instruktionsverfahren geschlossen. 

Am 3. April 2023 fand eine nichtöffentliche Urteilsberatung gemäss Art. 56 
Abs. 5 bzw. 6 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die 
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; 
BSG 161.1) i.V.m. Art. 37 Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes vom 
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) statt.

Am 5. April 2023 verfügte der Instruktionsrichter die Fortsetzung des 
Instruktionsverfahrens. Er ersuchte die psychiatrische MEDAS-Gutachterin 
Dr. med. F.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, 

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sowie den für die Fachdisziplin Allgemeine Innere Medizin sowie die 
Fallführung und Koordination von Rückfragen verantwortliche Dr. med. 
G.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Rückfragen bzw. 
Ergänzungsfragen bezüglich Revisionsvoraussetzungen zu beantworten. 

Die Stellungnahme von Dr. med. G.________ datiert vom 2. Mai 2023. 
Demnach sei die zum Zeitpunkt der Begutachtung für die MEDAS tätig 
gewesene Dr. med. F.________ zum aktuellen Zeitpunkt krankheitsbedingt 
nicht in der Lage, zu den vom Gericht gestellten Fragen Stellung zu 
beziehen. Zudem sei sie nicht mehr für die MEDAS tätig. Weiter nahm er 
Stellung zu den ihm gestellten Fragen. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 5. Mai 2023 wurde die Stellungnahme 
von Dr. med. G.________ vom 2. Mai 2023 den Parteien zur 
Kenntnisnahme zugestellt. 

Der Instruktionsrichter räumte mit prozessleitender Verfügung vom 25. Mai 
2023 den Parteien die Möglichkeit ein, Schlussbemerkungen einzureichen.

Hiervon machte die Beschwerdegegnerin am 20. Juni 2023 und der 
Beschwerdeführer am 10. Juli 2023 Gebrauch. Die Beigeladene liess sich 
nicht vernehmen. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 14. Juli 2023 gelangte der 
Instruktionsrichter an Dr. med. F.________ mit der Frage, ob sie aktuell in 
der Lage und bereit wäre, dem Gericht die in der prozessleitenden 
Verfügung vom 5. April 2023 an sie gerichteten Fragen direkt zu 
beantworten.

Am 21. Juli 2023 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme 
ein. 

Dr. med. F.________ liess sich nicht vernehmen.

Mit prozessleitender Verfügung vom 2. August 2023 stellte der 
Instruktionsrichter fest, die psychiatrische Ergänzung des MEDAS-
Gutachtens durch Dr. med. F.________ erscheine zurzeit und bis auf 
Weiteres ausgeschlossen. Weiter schloss er das Beweisverfahren. 

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von 
Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche 
Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des 
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des 
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a 
GSOG Beschwerden gegen solche Entscheide. Der Beschwerdeführer ist 
im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht durchgedrungen, 
durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges 
Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er zur Beschwerde befugt ist (Art. 
59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des 
Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; 
SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie 
Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG) eingehalten 
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 2. September 2022 
(AB 121), mit welcher der Anspruch auf Leistungen der 
Invalidenversicherung verneint wurde. Der Beschwerdeführer beantragt die 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Festlegung des 
Invaliditätsgrades auf mindestens 70%. Streitig und zu prüfen ist das 
Vorliegen einer leistungsrelevanten Invalidität und dabei insbesondere die 
Frage, ob der medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt wurde. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). Zwar datiert die angefochtene Verfügung 
(2. September 2022 [AB 121]) nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung 
vom 19. Juni 2020. Der frühestmögliche Zeitpunkt der Entstehung eines 
potentiellen Leistungsanspruchs liegt mit Blick auf die hier zu beurteilende 
Neuanmeldung vom März 2019 (AB 40) jedoch vor dem 1. Januar 2022, 
weshalb die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in der 
bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) zur Anwendung 
gelangen (vgl. auch Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV], 
Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 
[KSIR] Rz. 9100 f.; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 
147 V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228).

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen 
Tätigkeitsbereich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung 
verbleibende Erwerbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person 
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der 
volle oder bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als 
Erwerbsunfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.3 Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, 
dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt 
sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der 
Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. 

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Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens 
nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine 
objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher 
Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 
142 V 106 E. 4.4 S. 110).

2.3.1 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG).

2.3.2 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen 
Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 
141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung 
erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine 
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand 
eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 
427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen 
Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

2.3.3 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche 
Gesundheitsbeeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen 
einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der 
Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig 
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die 
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung 
beruht. (BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 S. 287; SVR 2021 IV Nr. 76 S. 
257 E. 4.2.1).

2.3.4 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von In-
dikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren 
einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – 
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 
294). Es gilt im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte 

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Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die 
Kategorien „funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ 
einteilen lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 
5 S. 304). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades 
ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch 
festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand 
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat 
die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte 
Person zu tragen (E. 6 S. 308).

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen 
haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand 
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und 
bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im 
Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch 
zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 
99; SVR 2021 IV Nr. 54 S. 181 E. 2.3)

2.5

2.5.1 Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu 
machen, dass sich der Grad der Invalidität des Versicherten in einer für den 
Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 IVV). Wurde eine 
Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine 
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt 
ist (Art. 87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351). 

2.5.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das 
Revisionsgesuch ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu 
vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte 
Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt 
sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen 
Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 9

ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte 
Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. 
anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, und hernach zu 
beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle 
Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 2008 
IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den 
Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im 
Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 
ATSG – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten 
materiellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

2.5.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der 
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung 
ausschlaggebenden Tatsachenspektrums, neu und ohne Bindung an 
frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 
198 E. 4b S. 200; SVR 2021 IV Nr. 36 S. 110 E. 3.1).

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom März 2019 
(AB 40) eingetreten. Die Eintretensfrage ist – da nicht streitig – vom Gericht 
nicht zu beurteilen (BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Zu vergleichen ist der 
Sachverhalt im Zeitpunkt der leistungsablehnenden Verfügung vom 
26. September 2017 (AB 39) mit demjenigen, der sich bis zum Zeitpunkt 
der angefochtenen Verfügung vom 2. September 2022 (AB 121) entwickelt 
hat. Ob der Umstand, dass der im Zeitpunkt der ersten Rentenabweisung 
im Jahr 2017 (AB 39/1; vgl. auch AB 36.1/11 Ziff. 2, 36.2/3 Ziff. 2.1) 
alkoholabhängige Beschwerdeführer mittlerweile unbestritten abstinent ist 
(vgl. etwa AB 110.2/2 Ziff. 3.2, 110.4/6 Ziff. 3.2.2, 110.5/15 Ziff. 7.1, 110.6/9 
Ziff. 3.2.1), einen Revisionsgrund darstellt, ist fraglich, braucht mit Blick auf 
die nachfolgenden Ausführungen sowie das Ergebnis (vgl. E. 4 hiernach) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 10

aber nicht abschliessend beurteilt zu werden. Der Vollständigkeit halber ist 
jedoch darauf hinzuweisen, dass – wie im vorliegenden Fall – der Wegfall 
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, mithin eine Verbesserung des 
Gesundheitszustands, bei zuvor vollumfänglich verneintem 
Leistungsanspruch für sich allein genommen grundsätzlich keinen 
Revisions- bzw. Neuanmeldungsgrund darstellt (vgl. Entscheid des 
Bundesgerichts [BGer] vom 23. Juni 2021, 9C_113/2021, E. 4.1; vgl. aber 
E. 3.5.2 hiernach). 

3.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen 
Verfügung vom 2. September 2022 (AB 121) auf das MEDAS-Gutachten 
vom 28. April 2022 (AB 110.1 ff.), wich jedoch von der darin attestierten 
aufgehobenen Arbeitsfähigkeit ab und verneinte gestützt auf die 
Indikatorenprüfung einen invalidisierenden Gesundheitsschaden (vgl. auch 
Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. 3). Im MEDAS-Gutachten wurden in der 
interdisziplinären Gesamtbeurteilung folgende Diagnosen mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (AB 110.2 S. 4 Ziff. 4.1.1):

„ 1. ADHS, ED 2019 (Ursache der Abhängigkeitserkrankungen) (ICD-10 F90.0)

2. Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol (ICD-10 F10.21)

- Abhängigkeitssyndrom 

- gegenwärtig abstinent, aber in Behandlung mit aversiven Medikamenten

- (Disulfiram seit 2017)

3. MCI, hochwahrscheinlich auf den jahrelangen Konsum zurückzuführen (ICD-10 
F06.7)

4. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 
F33.1)

5. Leichte neuropsychologische Funktionsstörung (ICD-10 F06.7)

- In Anlehnung an die Kriterien zur Bestimmung des Schweregrads einer 
neuropsychologischen Funktionsstörung (1, Frei et al. 2016) leichte 
Störung, gemäss ICD-10 F06.7 mit Einschränkungen des Gedächtnisses 
und einzelner exekutiver Teilfunktionen (auch multi-domain amnestic MCI 
(Minimal Cerebral Impairment).

1. Frei et al., Kriterien zur Bestimmung des Schweregrades einer 
neuropsychologischen Störung sowie Zuordnung zur Funktions- und 
Arbeitsfähigkeit (Leitlinie), in: Zeitschrift für Neuropsychologie (2016), 27 (2), 
S. 107-119.“

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen 
gestellt (S. 4 f. Ziff. 4.1.2):

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 11

„ 1. V. a. leichtgradig ausgeprägte Polyneuropathie (ICD-10 G62.1) 

- bei Z. n. langjährigem Alkoholabusus, seit zwei Jahren abstinent

- klinisch mit leichter Unsicherheit bei den erschwerten Gangprüfungen, 
minim ausgeprägte Pallästhesie und fehlendem ASR bds.

2. Psychische und Verhaltensstörung durch Kokain (Abhängigkeitssyndrom, 
gegenwärtig abstinent; ICD-10 F14.2)

3. Psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa (Temesta, Seresta): 
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent; ICD-10 F13.2)

4. Psychische und Verhaltensstörung durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-
10 F17.2)

5. Substituierte Hypothyreose (ICD-10 E06.3)

6. Status nach Operation eines primären Hypoparathyreoidismus in 2015 (ICD-10 
E21.0)

7. Status nach laparoskopischer Sleeve-Gastrektomie 2009 (ICD-10 Z90.3) 

8. Status nach laparoskopischer Adhäsiolyse und Switch auf den proximalen 
Roux-Y-Magenbypass im 02/2012 (ICD-10 Z90.3) 

9. Status nach oberer gastrointestinaler Blutung 2012 infolge Anastomosenulkus 
(ICD-10 K92.2) 

10. Chronischer Nikotinabusus von kumulativ 30 bis 40 Packyears (ICD-10 F17.1)“ 

Die Frage nach einer wesentlichen Veränderung des 
Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit seit der Verfügung vom 26. 
September 2017 lasse sich aus neuropsychologischer Sicht nicht 
zuverlässig beantworten. Die im Rahmen der neuropsychologischen und 
psychiatrischen Begutachtungen im April 2017 durch die damaligen 
Sachverständigen getätigten Einschätzungen hätten sich auf die kognitive 
Leistungsfähigkeit bezogen. Die neuropsychologischen Aspekte seien 
jedoch nur sehr rudimentär untersucht worden und liessen sich daher mit 
den aktuellen neuropsychologischen Befunden nicht vergleichen. Die erste 
neuropsychologische Standortbestimmung sei erst im September 2018 
durchgeführt worden. Damals sei von einem Alkoholkonsum auszugehen 
gewesen. Es seien verglichen zu heute in der Art und im Ausmass analoge 
Befunde erhoben worden. Dann habe der Versicherte den Alkoholkonsum 
sowie den Kokainkonsum sistiert und im November 2020 hätte eine 
neuropsychologische Verlaufsuntersuchung erneut in der Art und im 
Ausmass zu dem heutigen Befund analoge Befunde gezeigt. Dass nun seit 
September 2018 bei bestehendem Suchtmittelkonsum und seit November 
2020 bei Suchtmittelfreiheit unverändert analoge kognitive Störungen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 12

bestünden, lasse nicht erwarten, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit 
und Belastbarkeit noch verbessern lassen werde. Aus psychiatrischer Sicht 
sei 2019 die Diagnose einer AHDS gestellt worden. Die 
Alkoholabhängigkeitserkrankung sei als Folgeerkrankung zur 
Downregulation zu werten. Nach Sistierung des Konsums benötige der 
Versicherte mehr Ressourcen, um seinen Alltag aufrechtzuerhalten. Die 
Funktionsfähigkeit sei dadurch reduziert. Schadenminderungsmassnahmen 
seien aus polydisziplinärer Sicht aktuell nicht nötig (S. 11 f. Ziff. 4.11).

Aus neurologisch-somatischer Sicht seien im Rahmen der klinischen Unter-
suchung (anlässlich der ersten Begutachung) eine distal-betonte 
Sensibilitätsstörung an den unteren Extremitäten sowie ein leichtes 
Schwanken beim Strichgang nachgewiesen worden. Aufgrund der 
erhobenen klinischen Befunde sei damals die Diagnose einer leichten 
ethyltoxischen Polyneuropathie gestellt worden. In der aktuellen klinischen 
Untersuchung ergäben sich keine Hinweise für eine Sensibilitätsstörung an 
den oberen und unteren Extremitäten, es bestehe jedoch eine minim 
ausgeprägte 
Pallästhesie bei normalem Lagesinn und ausgefallenem ASR beidseits, zu-
dem beim Gehen auf der Linie eine leichte Gangunsicherheit. In der 
Zusammenschau der Befunde bestehe der Verdacht auf eine leichtgradig 
ausgeprägte Polyneuropathie, äthiologisch am ehesten ethyltoxisch 
bedingt. 

Aus somatisch-internistischer Sicht seien beim Versicherten 
aktenanamnestisch und anamnestisch multiple gastrointestinale 
Vordiagnosen bekannt, er sei diesbezüglich jedoch seit Jahren bereits 
komplett beschwerdefrei. Es bestehe ein Status nach laparoskopischer 
Sleeve-Gastrektomie sowie nach laparoskopischer Adhäsiolyse und Switch 
auf einem proximalen Roux-Y-Magenbypass. Als Komplikation sei es zu 
einer oberen Gastrointestinalblutung im Rahmen eines Anastomosenulkus 
im Jahr 2012 gekommen. Insgesamt hätte der Versicherte durch die 
bariatrische Operation stark profitiert. Er liege aktuell mit seinem BMI im 
Normbereich. Auch habe sich als Folge der bariatrischen Operation 
wahrscheinlich die aktenanamnestisch beschriebene obstruktive 

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Schlafapnoesymptomatik stark gebessert. Der Versicherte sei aktuell durch 
internistische Diagnosen in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.

Im Rahmen der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung seien nur 
geringe Auffälligkeiten feststellbar gewesen. Der Versicherte sei im Denken 
und in der Sprache adäquat gewesen. Im Arbeitsverhalten seien ein 
unbeeinträchtigtes Auffassungsvermögen und Arbeitstempo, weitgehend 
auch eine unverminderte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit 
manifestiert worden. Testpsychologisch habe ebenfalls ein weitgehend 
unauffälliges kognitives Leistungsbild objektiviert werden können. Die 
Befunde und die Art der Störung seien vereinbar mit den 
neuropsychologischen Vorbefunden vom Februar 2018 und aus dem Jahr 
2020. Ein konstantes Defizit zeige sich modalitätsunabhängig beim 
Gedächtnisabruf. Bezüglich Gedächtnis werde ein Abrufdefizit 
diagnostiziert bei in der verbalen Modalität erhaltenem, in der nonverbalen 
Modalität nur leichtgradig beeinträchtigtem Speichervermögen. Die 
gleichzeitig objektivierbaren leichten Leistungsauffälligkeiten in einzelnen 
exekutiven Teilleistungen könnten Ausdruck von generellen 
Leistungsschwankungen sein, welche wie diese durch den langjährigen 
Alkoholkonsum bedingt wären. Die weitgehend unauffällige 
Verhaltensbeobachtung und die völlig unauffälligen Leistungen in den 
Funktionsbereichen Aufmerksamkeit und Konzentration würden nicht auf 
eine ADHS weisen. Bezüglich möglicher Auffälligkeiten in der schulischen 
Ausbildung und in der Berufsausübung könnte eine Dissimulationstendenz 
vorliegen, habe der Versicherte doch in der psychiatrischen und in der 
neuropsychologischen Exploration nicht identische Angaben gemacht. 
Einzelne frühkindliche und schulische Verhaltensauffälligkeiten könnten mit 
einer Aufmerksamkeitsstörung im Sinne einer ADHS zu vereinbaren sein, 
insbesondere unter Mitberücksichtigung der in der fachpsychiatrischen 
Exploration gemachten Angaben. Diagnostizieren lasse sich eine leichte 
kognitive Störung als Folge des langjährigen Alkoholüberkonsums und 
mutmasslich auch des Kokainkonsums.

Aus psychiatrischer Sicht werde in der Aktenlage die ADHS erstmals 2019 
erwähnt. Die für den Versicherten zutreffenden Kriterien seien 
Schwierigkeiten, Aufgaben zu organisieren und die Aufmerksamkeit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 14

aufrechtzuerhalten sowie eine erhöhte Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit. 
Es zeige sich eine innere Unruhe, eine Dysphorie bei Inaktivität, eine 
verminderte Frustrationstoleranz, eine Ungeduld sowie ein Unterbrechen 
im Gespräch. Ausserdem kennzeichnend sei, dass der Versicherte seine 
Ausbildung unter seinen intellektuellen Möglichkeiten absolviert habe. Dies 
sei zugleich auch die Erklärung, warum er keine Schulschwierigkeiten 
gehabt hätte. Bei entsprechendem Intelligenzniveau könnten die Defizite 
durch Hyperfokussieren usw. kompensiert werden. Weiter kennzeichnend 
sei, dass der Versicherte durch Kokain beruhigt und nicht aufgeputscht 
werde. In diesem Sinne seien auch die psychischen und 
Verhaltensstörungen durch Alkohol, Sedativa wie auch Kokain zu 
verstehen. Sie wirkten beruhigend, die innere Unruhe nehme ab, eine 
Entspannung werde möglich, ebenso könnten zu Beginn der Sucht die 
impulsiven Durchbrüche während des Konsums besser unterdrückt 
werden. Das Suchtleiden sei als Folge der ADHS zu verstehen. Nun, da 
der Versicherte ohne Substanzkonsum auszukommen versuche, bedürfe 
es eines grösseren Aufwandes seinerseits für die Reizabschirmung, die 
Impuls- und Affektkontrolle. Bereits bei kleinen Belastungsfaktoren am 
Arbeitsplatz fühle er sich innerlich sehr unruhig und angespannt. Die 
Ausprägung der ADHS und der Folgeschäden seien beträchtlich, 
gesundheitlich, ökonomisch und psychosozial. In Bezug auf das 
Suchtleiden zeige der Versicherte Phänomene des Cravings, der 
Toleranzentwicklung, des anhaltenden Substanzgebrauches trotz 
schädlicher Folgen sowie einen unkontrollierten Konsum. Neben den 
psychosozialen Faktoren zeige sich eine leichte Atrophie im MRI, ohne 
Hinweise auf eine neurodegenerative Erkrankung. Dennoch präsentiere 
sich bei der neurokognitiven Testung eine leichte kognitive Störung. Auch 
die rezidivierende depressive Störung sei als Begleitsymptom der ADHS zu 
werten. In der Hamilton Depression Scale-Testung zum Zeitpunkt der 
Untersuchung habe ein Wert von 19 vorgelegen, welcher einer leichten 
depressiven Symptomatik entspreche (S. 5 ff. Ziff. 4.2.2). 

Aus polydisziplinärer Sicht komme es als Folge der neuropsychologischen 
und psychischen Diagnosen zu einer relevanten hochgradigen 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (S. 8 Ziff. 
4.3). Bezüglich Persönlichkeit besonders im Hinblick auf die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 15

Ressourcenlage könne die Achse-II-Diagnose einer Persönlichkeitsstörung 
im Rahmen der aktuellen fachpsychiatrischen Beurteilung nicht gestellt 
werden. Die in den Akten mehrmals aufgeführte 
Persönlichkeitsakzentuierung oder der Verdacht auf narzisstische und 
abhängige Züge könnten nicht bestätigt werden. Dagegen spreche die 
Beziehungsgestaltung: Der Versicherte könne Beziehungen zu seinen 
Kindern und seiner Exfrau tragend halten (S. 8 Ziff. 4.4). 

Bei der Diskussion von Belastungsfaktoren und Ressourcen wurde das 
Folgende ausgeführt: Aus psychiatrischer Sicht habe der Versicherte 
versucht, die Funktionsstörungen, welche als Folge der ADHS bestünden 
(impulsive Durchbrüche, geringe Frustrationstoleranz mit erhöhter 
Vulnerabilität, depressive Störung, Schwierigkeiten in der Organisation und 
Planung), durch Alkohol, Sedativa und Kokain zu therapieren. Dies habe in 
der Folge zu einer Abhängigkeitserkrankung mit weitreichenden Folgen 
geführt (Selbstfürsorgedefizit in psychischen, ökonomischen und 
psychosozialen Bereichen). Dennoch sei es dem Versicherten gelungen, 
mithilfe von Disulfiram und äusseren Strukturen in einer geschützten, 
reizarmen Umgebung die Abstinenz aufrechtzuerhalten. Und dies, obwohl 
es unveränderte Belastungsfaktoren in seinem Leben gebe: ..., ..., 
finanzielle Enge (S. 8 Ziff. 4.5). 

Bei der Konsistenzprüfung wurde in der interdisziplinären 
Gesamtbeurteilung wie folgt argumentiert: Im Rahmen der aktuellen 
neuropsychologischen Untersuchung hätten die Beschwerdeschilderungen 
des Versicherten nicht auf Verdeutlichungs- oder gar 
Aggravationstendenzen hingewiesen. Die berichteten Schwierigkeiten im 
Gedächtnis seien seit Jahren aktenkundig. Er habe psychische 
Beeinträchtigungen wie Ängste und eine schwankende Stressresistenz. Die 
erhobenen Testbefunde würden als authentisch gewertet und würden in 
ihrer Art den zweimalig in einer Demenzklinik erhobenen 
neuropsychologischen Vorbefunden entsprechen. Die standardisierte 
Beschwerdevalidierung sei unauffällig gewesen. Auch aus psychiatrischer 
Sicht seien sämtliche in den Akten erwähnten und vom Versicherten 
geschilderten Symptome und Funktionseinbussen konsistent und plausibel. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 16

Es gebe keine Widersprüche zwischen dem Untersuchungsergebnis und 
der Aktenlage (S. 8 f. Ziff. 4.6).

Aus polydisziplinärer Sicht sei der Versicherte für die angestammte 
berufliche Tätigkeit als .../... vollständig und anhaltend arbeitsunfähig. Dies 
einerseits aufgrund der Alkoholabhängigkeitserkrankung: Es bestehe eine 
dauernde Exposition zu Alkoholika. Andererseits aufgrund seiner 
Desorganisation, seiner Beeinträchtigung in der Widerstands- und 
Durchhaltefähigkeit sowie der Selbstbehauptungsfähigkeit und der 
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit (S. 9 Ziff. 4.7). Betreffend eine der 
Behinderung angepassten Tätigkeit müsse es sich um eine den 
Möglichkeiten und Grenzen des Versicherten angepasste Tätigkeit 
handeln, die einfache, repetitive, überlernte Aufgaben beinhalte. Die 
Anforderungen an die Arbeitsorganisation müssten gering sein, ebenso an 
das Erlernen- und Einübenmüssen von neuen Abläufen. Auch müsse die 
Umgebung strukturgebend sein, reizarm, nicht überfordernd, aber dennoch 
fordernd und in einem toleranten Umfeld, um die Funktionseinbussen zu 
kompensieren. In einer derart optimal adaptierten beruflichen 
Verweistätigkeit wäre aus polydisziplinärer Sicht eine maximale 
Anwesenheit von vier Stunden pro Tag möglich. Aufgrund der 
Funktionseinbussen (verringerte Frustrationstoleranz, Impulsdurchbrüche, 
Stressintoleranz) könne keine über die Zeit gleichmässige Leistung 
erwartet werden. Die Leistung sei abhängig von den Krisen des 
Versicherten. Es bestehe somit als Folge der psychiatrischen 
Einschränkungen keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (S. 9 
f. Ziff. 4.8). Aus polydisziplinärer Sicht bestehe aufgrund der kombinierten 
neuropsychologischen und psychiatrischen Diagnose zum aktuellen 
Zeitpunkt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl für die angestammte 
berufliche Tätigkeit wie auch für alle optimal adaptierten beruflichen 
Verweistätigkeiten (S. 10 Ziff. 4.9). 

3.3

3.3.1 Anlässlich der nichtöffentlichen Sitzung der zuständigen Kammer 
vom 3. April 2023 ergaben sich hinsichtlich des polydisziplinären MEDAS-
Gutachtens verschiedene Unklarheiten und offene Punkte. Infolge dieser 
Mängel gelangte der Instruktionsrichter mit prozessleitender Verfügung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 17

vom 5. April 2023 an die MEDAS und forderte die psychiatrische MEDAS-
Gutachterin Dr. med. F.________ sowie den für die Fachdisziplin 
Allgemeine Innere Medizin sowie die Fallführung und Koordination von 
Rückfragen verantwortliche Dr. med. G.________, auf, verschiedene 
Fragen zu beantworten (vgl. prozessleitende Verfügung vom 5. April 2023).

3.3.2 In der Stellungnahme vom 2. Mai 2023 (in den Gerichtsakten) führte 
Dr. med. G.________ das Folgende aus:

Dr. med. F.________, die zum Zeitpunkt der Begutachtung als 
psychiatrische Gutachterin für die MEDAS tätig gewesen sei, sei zum 
aktuellen Zeitpunkt (Mai 2023) aufgrund einer anhaltenden Erkrankung 
vollständig arbeitsunfähig. Sie sei daher nicht in der Lage, zu den vom 
Verwaltungsgericht gestellten Fragen Stellung zu nehmen. Wie lange 
dieser Zustand noch anhalte, entziehe sich der Kenntnis der MEDAS. Dr. 
med. F.________ sei darüber hinaus nicht mehr für die MEDAS tätig. 
Daher müssten sämtliche in diesem Zusammenhang (psychiatrische 
Beurteilung) gestellten Fragen leider unbeantwortet bleiben.

Gemäss der neurologischen Begutachtung im April 2017 hätten 
leichtgradig ausgeprägte Zeichen einer Neuropathie mit 
Sensibilitätsstörungen an den Füssen bestanden. Damals sei beurteilt 
worden, dass dadurch keine Arbeitsunfähigkeit zu begründen sei. In der 
aktuellen klinischen Untersuchung habe sich hinsichtlich der 
Sensibilitätsstörung ein gebessertes Bild und hinsichtlich der leichten 
Gangunsicherheit ein Status idem gezeigt, sodass sich insgesamt keine 
wesentliche Veränderung eingestellt habe. Sowohl vor als auch nach dem 
29. Juni 2017 habe bezüglich der zu vermutenden Polyneuropathie keine 
Ausprägung bestanden, die wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 
habe. Die im Rahmen der neurologischen und psychiatrischen 
Begutachtungen im April 2017 durch die damaligen Sachverständigen 
getätigten Einschätzungen bezogen auf die kognitive Leistungsfähigkeit 
basierten auf – im Vergleich zu einer formalen neuropsychologischen 
Untersuchung – sehr rudimentären Untersuchungsbefunden, sodass sich 
die späteren und die aktuellen neuropsychologischen Befunde mit den 
genannten Einschätzungen aus dem Jahre 2017 nicht vergleichen liessen. 
Die erste neuropsychologische Standortbestimmung sei erst im September 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 18

2018 durchgeführt worden. Damals sei von einem bestehenden 
Alkoholkonsum auszugehen gewesen. Es seien verglichen zu heute in der 
Art und im Ausmass analoge Befunde erhoben worden. Dann habe der 
Versicherte den Alkoholkonsum (2019) sowie den Kokainkonsum (2018) 
sistiert und im November 2020 habe eine neuropsychologische 
Verlaufsuntersuchung wiederum in der Art und im Ausmass zu den 
heutigen analoge Befunde gezeigt. Dass nun seit September 2018 bei 
bestehendem Suchtmittelkonsum und November 2020 bei 
Suchtmittelfreiheit unveränderte kognitive Störungen bestünden, lasse nicht 
erwarten, dass sich die kognitive Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit noch 
verbessern werde. Zusammengefasst bestehe aus neurologischer Sicht 
eine stabile Situation, aus neuropsychologischer Sicht könne kein direkter 
Vergleich gezogen werden, da die erste neuropsychologische 
Standortbestimmung erst im September 2018 erfolgt sei. Da sich in einer 
Folgeuntersuchung vom November 2020 trotz Suchtmittelfreiheit jedoch die 
gleichen kognitiven Störungen gezeigt hätten, könne davon ausgegangen 
werden, dass die kognitive Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit 
unverändert sei und sich auch in Zukunft nicht verändern werde. Bezüglich 
des psychiatrischen Verlaufs könnten aufgrund oben genanntem Ausfalls 
der begutachtenden Psychiaterin keine ergänzenden Informationen 
geboten werden. Da die aus gutachterlicher Sicht festgestellte medizinisch-
theoretische vollständige Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt 
massgeblich durch die psychiatrischen Diagnosen begründet sei und die 
psychiatrische Gutachterin hierzu keine Stellung nehmen könne, müssten 
die vom Gericht gestellten Fragen leider unbeantwortet bleiben. 

3.3.3 Mit prozessleitender Verfügung vom 14. Juli 2023 gelangte der 
Instruktionsrichter mit der Frage, ob sie aktuell in der Lage und bereit wäre, 
dem Gericht die mit prozessleitender Verfügung vom 5. April 2023 an sie 
gerichteten Fragen direkt zu beantworten, an Dr. med. F.________. Diese 
liess sich nicht vernehmen. 

3.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 19

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352)

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. 
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die 
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder 
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezial-
ärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen 
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung 
der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

3.5

3.5.1 In somatischer Hinsicht erfüllen das interdisziplinäre MEDAS-Gut-
achten vom 28. April 2022 (AB 110.1 f.) sowie die diesbezüglichen 
Teilgutachten (allgemeininternistisches Teilgutachten vom 8. April 2022 [AB 
110.4] und neurologisches Teilgutachten vom 19. Februar 2022 [AB 110.5]) 
die von der höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines 
medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.4 hiervor). 
Die Feststellungen der Experten beruhen auf eigenen spezialärztlichen Ab-
klärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 20

der geklagten Beschwerden und Einschränkungen getroffen worden. Die 
Ausführungen in den Beurteilungen der medizinischen Zusammenhänge 
sind für die streitigen Belange umfassend und die gezogenen 
Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden nachvollziehbar und 
einleuchtend begründet. Dem Gutachten inkl. Teilgutachten kommt volle 
Beweiskraft zu und es kann diesbezüglich darauf abgestellt werden. Daran 
hat die im Verwaltungsgerichtsverfahren eingeholte Stellungnahme von Dr. 
med. G.________ vom 2. Mai 2023 (in den Gerichtsakten) nichts geändert. 
Damit besteht aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit (AB 110.4/12 f. Ziff. 8.1 f., 110.5/16 Ziff. 8.1 f.).

3.5.2 Auch in psychiatrischer und neuropsychologischer Hinsicht erfüllen 
das interdisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 28. April 2022 (AB 110.1 f), 
das psychiatrische Teilgutachten vom 8. April 2022 (AB 110.7) sowie das 
neuropsychologische Teilgutachten vom 13. April 2022 (AB 110.6) 
grundsätzlich (vgl. jedoch die nachfolgenden Ausführungen) die von der 
höchstrichterlichen Rechtsprechung an den Beweiswert eines 
medizinischen Gutachtens gestellten Anforderungen (vgl. E. 3.4 hiervor). 

Auch wenn – wie unter E. 3.1 hiervor dargelegt – ein Wegfall einer 
gesundheitlichen Beeinträchtigung, mithin eine Verbesserung des 
Gesundheitszustandes, bei zuvor vollumfänglich verneintem 
Leistungsanspruch grundsätzlich für sich allein genommen keinen 
Revisions- bzw. Neuanmeldungsgrund darstellt, so gilt es das 
Nachfolgende zu beachten: Unbestrittenermassen lebt der 
Beschwerdeführer nun abstinent (vgl. etwa E. 3.1 hiervor). Im vorliegenden 
Fall relevant ist, dass der Wegfall einer Tatsache (Suchtmittelkonsum) zu 
beurteilen ist, die dannzumal (im Jahre 2017; AB 39) zur Beweislosigkeit in 
Bezug auf eine – nunmehr erkennbare – Erkrankung (hier ADHS) geführt 
hat (BGer 9C_113/2021, E. 4.2). Damit ist dem Vorbringen der 
Beschwerdegegnerin, es handle sich bei der psychiatrischen MEDAS-
Beurteilung und somit auch der nachträglichen Diagnosestellung des 
ADHS um eine revisionsrechtlich unbeachtliche andere Beurteilung eines 
im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts (vgl. Stellungnahme vom 20. 
Juni 2023), vorläufig nicht zu folgen. Vielmehr ist anhand des 
psychiatrischen MEDAS-Teilgutachtens nicht auszuschliessen, dass infolge 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 21

der Abstinenz und der deshalb erstmals gestellten Diagnose ADHS eine 
Verschlechterung in der Leistungsfähigkeit (trotz besserem 
Gesundheitszustand) vorliegt, zumal die „Down-Regulation“ durch Alkohol 
nicht mehr zum Tragen komme und der Beschwerdeführer mehr 
Ressourcen benötige, um seinen Alltag aufrecht erhalten zu können (AB 
110.7 S. 27). Indessen genügt das besagte Teilgutachten nicht, um diese 
Frage beantworten zu können, und der Instruktionsrichter gelangte an Dr. 
med. F.________ zur Ergänzung ihrer Expertise, die aber wegen deren 
Erkrankung zurzeit und bis auf Weiteres nicht erfolgen kann (vgl. 
prozessleitende Verfügung vom 2. August 2023). Damit bleiben die mit 
prozessleitender Verfügung vom 5. April 2023 gestellten Fragen und die 
Gutachtensergänzung aus psychiatrischer Sicht offen. Eine entsprechende 
Klarstellung bleibt aber weiterhin unabdingbar. Der medizinische 
Sachverhalt erweist sich damit als (punktuell) ungenügend erstellt und die 
Sache ist im Sinne des Subeventualbegehrens an die Beschwerdegegnerin 
zurückzuweisen, damit sie das Erforderliche zur Klärung der offenen 
Fragen nachholt und hernach neu verfügt. Unter diesen Umständen ist es 
dem Verwaltungsgericht unbenommen, die Sache zur Ergänzung des 
psychiatrischen Teilgutachtens an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal 
sich die Expertise von Dr. med. F.________ abgesehen von den besagten 
Punkten als grundsätzlich beweiswertig erweist (BGE 139 V 99 E. 1.1 S. 
100, 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264; SVR 2016 IV Nr. 4 S. 12 E. 3.1; vgl. auch 
CRISTINA SCHIAVI, in: FRÉSARD-FELLAY/KLETT/LEUZINGER [Hrsg.], Basler 
Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, Art. 43 
N. 4). Dabei obliegt es der Beschwerdegegnerin zu entscheiden, wie sie 
zur ergänzenden Klärung des Sachverhalts weiter vorgehen will.

4.

Aufgrund des Dargelegten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, 
als die angefochtene Verfügung vom 2. September 2022 aufzuheben und 
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach 
Vornahme der erforderlichen Abklärungen über den Leistungsanspruch neu 
befinde. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 22

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und 
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- 
festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der Beigeladenen sind 
mangels eigener Anträge keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. MI-
CHEL DAUM, IN HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über die 
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 14 N. 11).

5.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht 
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der 
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 
lit. g ATSG).

Mit Kostennote vom 10. Juli 2023 hat Rechtsanwältin B.________ einen 
Aufwand von Fr. 4'176.55, Spesen von Fr. 377.60 und die Mehrwertsteuer 
von Fr. 350.67, total Fr. 4‘904.80, geltend gemacht, was nicht zu 
beanstanden ist. Die Parteientschädigung wird damit auf Fr. 4‘904.80 
festgesetzt; diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin dem 
Beschwerdeführer zu ersetzen.

5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das Interesse an der 
Beurteilung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung 
von Rechtsanwältin B.________ als amtliche Anwältin dahingefallen. 
Entsprechend ist das Verfahren um Erteilung der unentgeltlichen 
Rechtspflege als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis 
abzuschreiben (HERZOG/DAUM [Hrsg.], Kommentar zum Gesetz über die 
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 39 N. 1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 23

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 2. September 2022 aufgehoben und die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie im Sinne der 
Erwägungen vorgehe und neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 4‘904.80 (inkl. Auslagen und MwSt.), zu 
ersetzen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
und Beiordnung von Rechtsanwältin B.________ als amtliche Anwältin 
wird vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern
- C.________
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 22. Aug. 2023, IV/22/593, Seite 24

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen 
Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde 
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.