# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 933f6ea5-7ff3-5fea-9ae0-25594cde1ca3
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-29
**Language:** de
**Title:** Borreliose-Infektion nur möglicherweise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich ursächlich für die Nervus Medianus-Läsion.
**Docket/Reference:** UV.2015.00179
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2015.00179.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2015.00179
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Schwegler
Urteil
vom
29. August 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X.___
arbeitet
in der
Y.___
und
ist
i
n dieser Eigenschaft bei der AXA
Versicherungen AG
(folgend: AXA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 2
0.
Mai 2014 wurde der AXA angezeigt, dass
der Versicherte
ab Herbst 2013
unter
Symptome
n
gelitten habe
, die lange Zeit nicht einem Zeckenbiss hätten zugeordnet werden können, nämlich Lähmungserscheinungen/Kraftverlust in der rechten Hand (Irritation v.a. des
Medianus
-Nervs) und Schmerzen im Arm (rechts). Nach diversen Abklärungen (u.a. MRI, Röntgen) und Behandlungen (Physiotherapie) habe der Neurologe eine Vergiftung aufgrund eines Zeckenbisses (Borreliose) diagnostiziert. Das geschätzte
Schadens
datum sei der 1
0.
September 2013
(
Urk.
7/A1a-A1b). Nach medizinischen Abklärungen
verneinte die
AXA
mit Verfügung vom
1
9.
März 2015
den Anspruch auf Leis
tungen aus der obligato
rischen Unfallversicherung,
da die
Beschwerden
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kausal
zum gemeldeten Ereignis vom 1
0.
September 2013 sei
en
(
Urk.
7/A12). Die vom Versicherten am 2
1.
April 2015 erhobene Einspra
che (
Urk.
7/A16) wies die AXA mit
Einspracheentscheid
vom 1
7.
Juli 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am
1
3.
September 2015 Beschwerde und bean
tragte, es
sei
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig sei (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Oktober 2015 schloss die
Beschwerde
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/A1-A20 und
Urk.
7/M1-M6), was dem Beschwerdeführer am 2
2.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt im
Wesentlichen
dafür (
Urk.
2
und
Urk.
6
), dass für die Feststellung einer frischen Infektion mit
Borrelien
ein nachgewiesener Zeckenstich notwendig
sei
.
Dem Beschwerdeführer gelinge es allerdings nicht, ein
Unfallerereignis
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu belegen. Auch sei der Zeckenstich zeitlich nicht bestimmt oder bestimmbar, so dass fraglich sei, ob zu diesem Zeitpunkt Versicherungsdeckung bestanden habe. Selbst bei Beja
hung des Unfallbegriffs sei die Leistungspflicht mangels überwiegend wahr
scheinlichen Kausalzusammenhangs zu verneinen
:
Unbestritten habe der
Beschwerdeführer früher einen Zeckenstich mit
Borrelienübertragung
erlitten. Gestützt auf d
ie Stellungnahme von
Dr.
med.
Z.___
, Allgemeine Innere Me
d
i
zin FMH
, sei ein Zusammenhang der Beschwerden mit einem Zeckenstich
aber
nur möglich und nicht überwiegend wahrscheinlich.
Entspr
echend bestehe kein Anspruch auf
Versicherungsleistungen aus der obligatorischen Unfallversi
cherung.
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
dass er seit dem 3
1.
Oktober 2011 ohne Unterbruch beim Kanton
A.___
angestellt gewesen sei. Die anrechenbare Dienstzeit beim Kanton
A.___
betrage über 20 Jahre, so dass mit wenigen, weit zurückliegenden Unterbrüchen stets Versicherungsdeckung bestanden habe.
Er habe mit der Angabe des Unfalldatums vom 1
0.
September 2013 nicht geltend machen wollen, dass man den Zeckenbiss zeitlich einordnen könne. Die Angabe des Unfalldatums gehe auf eine Information zurück, wonach man bei Fällen, in denen der Unfallzeitpunkt nicht bekannt sei, formell auf das Datum der ersten Kontaktnahme mit einer ärztlichen Stelle abstelle. Die Beschwerdegegnerin suggeriere im
Einspracheentscheid
, dass nur dann eine Leistungspflicht aus
dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (
UVG
)
bestehe, wenn mittels Zeugen und Fotografie ein Zeckenbiss strikt bewiesen werden könne. Dem sei dezidiert zu widersprechen, da es um den Nachweis einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit, nicht um den strikten Beweis gehe. Des Weiteren werde die Aussage von
Dr.
Z.___
, dass die Schädigung des
Medianus
-Nervs im Vorderarmbereich rechts bloss möglicherweise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang zur (unbestritten) stattgefun
denen
Borrelienübertragung
durch Zeckenstich stehen solle
, bestritten
.
Der Facharzt in
B.___
sei - ohne Interesse an seiner Diagnose - nach sorgfälti
ger Abklärung zum Schluss gekommen, dass der
Borrelien
-Infekt die wahr
scheinlichste der diskutierten Möglichkeiten sei.
Damit sei der
Borrelien
-Infekt
nicht die einzige, aber - bei Weitem - die wahrscheinlichs
te Ursache aller Mög
lichkeiten und die
überwiegende Wahrscheinlichkeit
erstellt
(
Urk.
1).
2.
2.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
Nach der Rechtsprechung erfüllt der Zeckenbiss sämtliche Merkmale des
Unfallbe
griffs
gemäss
Art. 4 ATSG (BGE 122 V 230). Dabei ist nicht entschei
dend, ob sich die versicherte Person an einen Zeckenstich erinnern kann.
Mass
gebend
ist, ob aufgrund der fachärztlichen Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeitpunkt der vorhandenen Versicherungsdeckung über
wiegend wahrscheinlich von einem Zeckenstich auszugehen ist, der die Gesundheitsschädigung bewirkt hat. Der erfolgte Kontakt mit dem
Borrel
iose
-Erreger kann mit serologischen Untersuchungen belegt werden; indessen genü
gen diese nicht für den Schluss auf eine daraus entstandene
Lyme
-
Borrel
iose
. Deren Diagnose -
gleich welchen Stadiums - setzt ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahr
scheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann. Ebenso hilfreich können bei rückbli
ckender Einschätzung der Verlauf und die Ergebnisse einer Therapie sein. Wei
tere Indizien sind denkbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_924/2011 vom 7. März 2012 E. 3 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung und Literatur).
2.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
achterin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S. 572; BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
ee
, 122 V 157 E. 1c; vgl. auch BGE 123 V 331 E. 1c).
2.5
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353
E.
5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3.1
Dr.
med.
C.___
, Allgemeine Innere Medizin, behandelte den Beschwerdeführer am 1
6.
September 2013 aufgrund von Schmerzen thorakal ausstrahlend in den rechten Arm mit unbekannter Ursache (
Urk.
7/M1).
Sie konstatierte, d
er weiterbehandelnde Neurologe vermute eine Borreliose.
3.2
Dr.
med.
D.___
, Neurologie FMH, notierte in seinem Bericht vom
4.
Juni 2014
über die Kontrolluntersuchung im Anschluss an die antibiotische Therapie eine motorisch betonte
axonale
Läsion des
Nervus
medianu
s
im mitt
leren Vorderarmbereich
, differentialdiagnostisch leichtes
Karpaltunnelsyndrom (
CTS
)
rechts,
Pronator
teres
-Syndrom rechts, differentialdiagnostisch
iR
Borre
lien-Infekt
(
Urk.
7/M3).
Das klinische Bild
des
Medianus
-
abhängigen, vorwiegend motorischen Defizites der re
chten
Hand
sei
kaum verändert, dies bei subjektiv etwas Rückgang der Beschwerden bzw
.
Kraftrückgewinn
s
.
Er
habe bei der klinischen Untersuchung jedoch auch keinen Hinweis für eine Ausweitung des Syndroms oder für eine andere
topische
Zuordnung
gefunden
(
Pronator
teres
-
Syndrom,
Läsion im volaren Vorderarmverlauf
des
Medianus
re
chts
, leichtes CTS re
chts
).
Es bestehe
keine Indikation für
eine
erneute elektrodiagnostische Verlaufsuntersuchung. Das Therapiekonzept physikalisch
müsse
aufrecht erhalten
werden (auch zum Vermeiden von Fehlbelastungen/falschen Be
wegungsmustern). Mit dieser Indi
kation sei
wahrsch
einlich
eine längerfristige physikalische Therapie in geringer werdender Frequenz indiziert. Die Prognose der postulierten
Medianus
-Läsion sei
grundsätzlich gut; ein Verlauf über mehrere Monate jedoch nicht auszu
schliesse
n. Ausweitungen des
Syndromes
mü
ssten zur neurologischen
Verlaufs
kontrolle
führen.
J
e nach Verlauf
sei
eine elektrodiagnostische Ver
l
aufskontrolle für Ende Juni oder nach F
erienrü
ckkehr
des Beschwerdeführers
Ende Aug
ust
14 vorgesehen (
er melde
sich vorerst telefonisc
h). Die
Borrelien
-Behandlung sei
abgeschlossen und
bedürfe
im Allg
emeinen
keiner serologischen Kontrolle.
Medikamentöse Analgesie sei
nicht notwendig
(
Urk.
7/M3)
.
3.3
Dr.
Z.___
konstatierte in seiner versicherungsinternen Stellungnahme vom 1
0.
Februar 2015 (
Urk.
7/M5
)
, dass die Behandlung
keine reine Folge des Unfa
lls (datiert im September 2013) sei.
Ein Zusammenhang der Beschwerden mit eine
m Zeckenstich im Herbst 2013 sei
nur möglich und nicht überwiegend wahrscheinlich. Die positive
Borrelienserologie
(
IgG
) stamm
e
üb
erwiegend wahrscheinlich von einem
früheren Zeckenstich mit
Borrelienübertragung
. Ein Zusammenhang dieser positiven Serologie mit einem Zeckenst
ich im Som
mer/Herbst
2013 sei
höchstens möglich und nicht überwiegend wahrscheinlich, u.a. aufgrund der negativen
IgM
-Antikörper aber auch aufgrund des Auftretens der neurologischen Beschwerden bereits ab anfangs September gemäss dem Bericht der Hausärztin.
E
in Zusammenhang der vom Neurologen beschr
iebenen motorisch betonten Läsi
on des
Nervus
medianus
im mittleren Vorderarmbereich mit e
inem Ereignis im Sommer 2013
bzw. einer frühen Neuroborreliose (Stadium 2) sei
nur möglich und nicht überwiegend wahrscheinlich. Das neurologische Bild (motorisch betonte Läsion des
Nervus
me
dianus
im Vorderarmbereich) sei
kein typisches Bild für eine frühe Neuroborreliose. Auch wenn man i
n die Überlegungen
mit
einbeziehe
, dass es sich vorliegend um einen
Beschwerdeführer
handeln könnte,
bei welchem ausnahmsweise die
IgM
-/
lgG
-Pro
duktion nich
t dem üblichen Ablauf entspreche
, und es somit nach einer allfälligen Infizierung im Sommer, ev. Frühsommer
2013
zu einer frühen Neuroborreliose (Stadium 2) mit Schmer
zen in einer Extremität (hier: Brustkorb mit Ausstrahlung in rechte
n Arm) gekommen wäre, so entsprächen die vom Neurologen erhobe
nen Befunde nicht dem für eine frühe Neuroborreliose (Stadium 2) typischen Bild einer
Radikulitis
(Schädigung der Nervenw
urzel, d.h. am Abgang des Nervs
vom zentralen Ner
vensystem).
Vom Neurologen werde
ein
e
Schädi
gung des
Medianusnervs
im Bereic
he des mittleren Vorderarms, also weit weg
von der Nervenwurzel am Rücken
markabgang
beschrieben. Dies entspreche keiner
Radikulitis
(
Urk.
7/M5/2)
.
Ein Zusammenhang der vom Neurologen beschriebenen mo
torisch betonten Läsi
on des
Nervus
medianus
im mittleren Vordera
rmbereich mit einem früheren Ze
ckenstichereignis bzw.
Borrelieninfekt
vor 2013
sei nur möglich und nicht überwie
gend wahrs
cheinlich. Zu diskutieren bleibe
, ob die festgestellte, auf ein frü
heres, um Jahre zurücklie
gendes Ereignis zurückzuführende positive
Borr
e
li
enserologie
zu der vorliegenden neurol
ogischen Symptomatik geführt habe
. E
s würde sich dabei um eine soge
nannte chronische Neuroborreliose im Stadium 3 handeln. Eine positive
Borreli
enserologie
für sich allein sei
nicht beweisend für einen Kausalzusammenhang mit einer (auch bei einer
Borrelioseerkrankung
vorkommen
den) Beschwerdesymptomatik. Die Infizierung verl
aufe
häufig unbemerkt ohne dass irgen
dwelche Krankheitszeichen aufträ
ten.
Das zeige
sich darin, dass in der Bevölkerung mehr
seropositive
, symptomfreie Personen zu finden
seien als sich Erkrankungen fä
nden. Das von
Dr.
D.___
beschriebene Krankheitsbild entspr
eche
nicht einem typischen Bild der chronischen
Neuro
borreliose
Stadium
3 (Hirnnerv
enausfälle, Meningitis bzw.
Meningoradikulitis
, fokale neurologische Ausfälle).
Dr.
D.___
habe keine zent
rale sondern eine peri
phere neurologische Läsion (motorisch betonte Läsion des
Nervus
medianus
im mittleren Vorderarmbereich)
gefunden. Ebenso fehle
für das Vorliegen
einer wahrscheinlichen Neuroborreliose ein ent
zündlicher
Liquorbefund
(
Hirnrü
cken
markflüssigkeit
) mit Nachweis einer Antikörperbildung gegen
Borrelien
(
IgG
-und/oder
IgM
-Produktion). Gegen das Vorliegen einer als wahrscheinlich zu bezeichnenden
chronischen Neuroborreliose sprä
chen somit di
e Läsion ein
es peripheren Nervs und der feh
lende
Nachweis eines
entzünd
-
lichen
Liquorbefun
des
mit
lgG
-/
lgM
-
Antikörperbildu
ng gegen
Borrelien
(
Urk.
7/M5/3)
.
Dr.
Z.___
hielt fest, dass es seines Erachtens
aufgrund der Serologie
keinen Zweifel gebe, dass der Beschwerdeführer
zu einem früheren Zeitpu
nkt einen Zeckenstich mit
Borre
lienübertragung
erlitt
en habe. Jedoch handle
es sich dabei
um einen reinen
Serologiebefund
ohne eine darauf zurückzuführende manifeste Erkrankung. Die Beschwerden und der erhobene neurologische Befund einer
Medianusparese
seien
überwiegend wahrscheinlich auf eine andere
Ursache als eine Borreliose zu
rückz
uführen. In diesem Sinne erwähne
Dr.
D.___
differential
diagnostisch einen möglichen Zusammenhang auch nur in dritter Lini
e. Die dagegen durchgeführte Antibiotikatherapie sei
wegen des alleinigen Verdachts auf das mögliche Vorliegen einer Borreliose jedoch indiziert
gewesen (
Urk.
7/M5/3)
.
3.4
Dr.
D.___
hielt in seinem Arztbericht vom
3.
Oktober 2014 fest (
Urk.
7/M6),
dass sich
unter zielgerichteter Ergotherapie
b
ei postulierter
Medianus
-Läsion mit motorisch
axonaler
Komponente und wahrscheinlichster Lokalisation im mitt
leren/proxi
malen Vorderarm Bereich rechts
eine langsame weitere Verbesserung des Kraft-Defizites und der Funktionalität
zeige. Ebenfalls unterstützend sei
dabei eine Verbesserung der Ergonomie am Arbeitspla
tz. Die Ursache dieser Läsion kö
nn
e
weiterhin nicht eindeutig bestimmt werden. Aufgrund von Anam
nese (zeitlicher
Zusammenhang) und Serologie sei
, trotz nicht ganz üblicher Lokalisation,
eine
Borrelien-lnfektion
(Stadium II) zu diskutieren. Die Anhalts
punkte reich
t
en nicht
,
ein diagnostisch nachgewiesenes Carpaltunnelsyndrom oder die klinisch vermutete Reizung des
N
ervus
medianus
im Bereich M
.
pronator
teres
re
chts
ausreichend dafür verantwortlich zu machen.
Es bestehe k
ein Hinweis auf
eine
andere Ursache (Diskussion
cervicale
Pathologie
,
s
iehe
fr
ü
heren Bericht bzw
.
MR HWS vom 11.10.13)
.
Entsprechend sei
auch die anti
biotische Therapie indiziert
gewesen
und vom
Beschwerdeführer
als bezüglich Rückgang des Funktionsdefizites der re
chten
Hand als wesen
tlich beschrieben worden. Es sei
aufgrund dieser Einteilung und des bisherigen Verlaufes von einer weiteren Erholung und im besten Fall auch von einer vollständigen Nor
malisierung der Handfunktion rechts auszugehen, wobei
der Beschwerdeführer
wisse, dass dieser Erholungsverl
auf Monate in Anspruch nehmen und auch fluktuierend
sein kö
nn
e
.
Die Ergotherapie sei
intensiv weiter zu führen.
Der Beschwerdeführer we
rd
e sich
zu dem Verlauf melden. Termine zur Kontrolle
seien
nicht vereinbart
(
Urk.
7/M6/2)
.
3.5
Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des Beschwerdeverfahrens das E-Mail von
Dr.
D.___
vom 1
6.
April 2015 an den Beschwerdeführer ein (
Urk.
3/9). Darin führte
Dr.
D.___
aus,
dass die Darstellung der Unfallkausalität
durch den
Versi
cherungsmediziner
auch aus neurologischer Sicht
grundsätzlich
korrekt
sei
bzw
.
den von ihm
auch zitierten relevanten Leitl
inien
entspreche
.
Es gehe
bei der Einschätzung der Unfallkausalität also hauptsächlich um den Wahrsche
inlichkeitsgrad der
Borrelien
-
Infektion als Ursache für
die
Medianus
-
Schädigung, die sie
auf den Vorderarmbereich re
chts eingegrenzt hä
tten. Eine genaue Zuordnung auch zu den mitdiskutierten anderen Lokalisationen (Kar
paltunnel, m
pronator
teres
=
typische und häufige Lokalisationen für m
echa
nische
Medianus
-Lä
sionen) sei
nie möglich
gewesen
.
Sie
hätten
auch einen
„
over
use
“
oder ein lokales Trauma diskutiert, was im Prinzip jede Lokalisation am Vorde
rarm
möglich gemacht hätte.
Eine Hierarchie dieser Urs
achen zuungunsten der
Borrelien
-
Infektion
sei
von
ihm
nicht (wie vom Versicherungsmediziner impliziert) erstellt
worden - es hätte
sonst auch berücksichtigt werden
müssen
, dass die Borreliose in der
Diag
noseliste
seines Berichtes vom
3.
Oktober
20
14 an erster Stelle
gestanden sei
.
Der Laborbefund eines sehr wahrscheinlich stattgehabten
Borrelien-lnfektes
(s
iehe
auch Kommentar zum hier be
iliegenden Laborbefund vom 2
8.
März
20
14)
habe
dazu
gezwungen
, den
Borrelien
-I
nfekt in die Differentialdi
agnose der
Medianus
-
Läsion mit einzubeziehen. Dies unabhängig davon, ob das vorlie
gende Bild der peripheren Nervenschädigung nun typisch (der Zusammenhang also mind
estens
wahrscheinlich) oder mind
estens
denkbar (Zusammenhang mind
estens
möglich) gewesen sei
.
Gleich m
ü
ss
e
zur Indikation der antibiotischen Therapie argumentiert werden; diese w
e
rd
e beim vorliegenden Labor-
Befund
iA
empfohlen, unabhängig davon, was
für ein klinisches Bild vorliege
. Die reine Möglichkeit des Zusammenhanges
de
r
Medianus
-Schädigung mit dem (anerkanntermassen zurückliegenden)
Bor
relien
-I
nfekt
habe
die Indikation für die Antibiose
unterstützt
.
Immerhin sei
eine antibiotische T
herapie nicht risikolos, brauche
also eine genügende Indika
tion.
Die Möglichkeit
einer peripheren Neuropathie sei
unabhängig davon, ob man das Bild nun als Neur
oborreliose II oder III einteile. Bei beiden sei
das Bild möglich, aber nicht typisch.
A
ufgrund dieser Zusammenhänge sei
es richtig
gewesen
, das Ereig
nis dem Unfall
versicherer zu mel
den. Wie mehrfach mit
dem Beschwerdeführer
disku
tiert und auch in einer breiten Literatur zu
Borrelien
-I
nfekten in der Neurologie
nachzulesen, gebe
es zwar Leitlinien,
es basiere
aber weiterhin vieles in der Diagnostik solcher Krankh
eiten auf Wahrscheinlichkeit und we
rd
e
pragmatisch gehandhabt bzw
. bleibe umstritten. Das führe
dazu, dass die
Borrelien-lnfektion
, wenn nicht sicher auszuschliessen, mit in Betracht, in Di
fferentialdiagnose und Therapie
miteinbezogen werden
mü
ss
e
. Diese Auffassung in der klinischen Neurol
ogie (oder Medizin allgemein) kö
nn
e
nicht vollständig oder streng auf die (juristische) Einteilung von Wahrscheinlichkeiten umgesetzt werden.
Die Durchsetzungsmöglichkeit des Anspruches
bei der Unfallversicherung liege
somit eher auf juristischer Ebene.
Er
hoffe, dass
er dem Beschwerdeführer
damit Entscheidungsgrundlagen für den Entscheid eines Einspruches
habe geben kön
nen
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte die Kausalität eines Zeckenbisses und der
Medianus
-L
äsion im mittleren Vorderarm
gestützt auf die Beurteilung
von
Dr.
Z.___
vom 1
0.
Februar 2015
(vgl. E. 1)
.
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass die Beurteilung
von
Dr.
Z.___
die vom Beschwerdeführer geklagten Be
s
chwerden in angemes
sener Weise berücksichtigt, in Kenntnis der und in Aus
einanderset
zung mit den
Vorakten
erstattet wurde und der konkreten medizini
schen Situa
tion Rechnung trägt.
Die
Beurteilung leuchtet in der Darlegung
der medizinischen Zusammen
hän
ge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers werden ausführlich begründet.
So zeigte
Dr.
Z.___
nachvollziehbar auf, dass aufgrund der negativen
IgM
-Antikör
per der Zusammenhang mit einem Zeckenstich im So
mmer/Herbst 2013 und infolge des
für eine Neuroborreliose Stadium 2 und 3 untypischen
Gesund
heitsschadens
ein Kausalzusammenhang
zwischen der unbestritten stattgehab
ten Borreliose-Infektion und den Beschwerden
lediglich möglich, nicht abe
r überwiegend wahrscheinlich ist
(
Urk.
7/M5).
Der Bericht erfüllt damit die
praxisgemässen
Kriterien (vgl. vorstehend E.
2.4) vollumfäng
lich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
4.2
Der Beschwerdef
ührer brachte dagegen vor,
der Facharzt
in
B.___
sei
nach sorgfältiger Ab
klärung zum Schluss gekommen
, dass der
Borrelien
-Infekt die wahrscheinlichste der diskutierten Möglichkeiten sei.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers kann
dies
nicht aus den Berichten von
Dr.
D.___
entnommen werden
(vgl. E. 3.2, E. 3.4-3.5)
:
Dr.
D.___
führte sowohl im Bericht vom
4.
Juni 2014 (
Urk.
7/M3) als auch im Bericht vom
3.
Oktober 2014 (
Urk.
7/M6) differentialdiagnostisch jeweils einen Borreliose-Infekt und ein leichtes CTS rechts,
Pronator
teres
-Syndrom rechts
(bzw. eine Irritation des
Medianus
im
Pronator
-Durchtritt rechts)
auf. Im Bericht vom
3.
Oktober 2014 notierte er des Weiteren, dass die Ursache der Läsion wei
terhin nicht eindeutig bestimmt werden könne.
In
seiner Stel
lungnahme vom 1
6.
April 2015 zuhanden des Beschwerdeführers konstatierte er
, dass der Laborbefund eines sehr wahrscheinlich stattgehabten
Borrelien
-Infektes dazu gezwungen habe, diesen in die Di
fferentialdiagnose der
Medianus
-
Läsion mit einzubeziehen - dies unabhängig davon, ob das vorlie
gende Bild der peripheren Nervenschädigung nun typisch (der Zusammenhang also mindestens wahrscheinl
ich) oder mindestens denkbar (Zusammenhang mindestens möglich) gewesen sei.
Im Folgenden hielt er fest, dass d
ie
Möglich
keit einer Neuropathie
unabhängig davon
sei
, ob man das Bild nun als
Neuro
borreliose
II oder III einteile - bei beiden sei das Bild möglich, aber nicht typisch (
Urk.
3/
9).
Damit ist auch gestützt auf die Berichte von
Dr.
D.___
die
unbestritten stattge
habte
Borreliose
-Infektion
eine mögli
che Ursache der
Medianus
-Läsion -
eine überwiegende Wahrscheinlichkeit lässt sich hingegen nicht daraus
schliessen
. Vollständigkeitshalber ist festzuhalten, dass auch
Dr.
Z.___
die
Antibioti
katherapie
wegen des alleinigen Verdachts auf das mögliche Vorliegen einer Borreliose
als indiziert erachtete (vgl. E. 3.3).
4.3
Zusammenfassend gelingt der Nachweis eines Kausalzusammenhanges zwischen den geltend gemachten Beschwerden und
der unbestritten stattgehabten Borre
liose-Infektion
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit
.
Der
Beschwer
deführer
hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 115 V 133 E. 8a mit Hinweisen). Von zusätzlichen medizinischen Untersuchun
gen beziehungsweise Abklärungen sind keine weiteren Aufschlüsse hinsichtlich Unfallkausalität zu erwarten.
Der
Einspracheentscheid
erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
Folglich kann
offen
bleiben, wann genau der Zeckenbiss stattgefunden hat und ob
zu dieser Zeit Versicherungsdeckung durch die Beschwerdegegnerin bestand.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei s
ie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstSchwegler