# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** de20ce07-aa9c-5917-85e1-1a817a8cc704
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-12
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 12.11.2015 SB140139
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140139_2015-11-12.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB140139-O/U/rm 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

Ch. von Moos und Oberrichter Dr. iur. D. Schwander sowie  

der Gerichtsschreiber Dr. iur. F. Manfrin 

 
Urteil vom 12. November 2015 

 
in Sachen 

 
A._____,  

 

Beschuldigter und Berufungskläger 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,  

 

 
gegen 

 
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis,  

vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. C. Wiederkehr,  

 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend  
grobe Verletzung der Verkehrsregeln 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom  
10. Januar 2014 (GG130026) 

 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 14. Oktober 2013 

(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

(Urk. 53 S. 14 f.) 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln im 

Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und 

Art. 12 Abs. 1 VRV. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 

Fr. 560.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'000.–   Gebühr für das Vorverfahren. 

5. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt. 

6. (Mitteilungen) 

7.-9. (Rechtsmittel) 

 

 

 

 

-   3   - 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____: 

(Urk. 83) 

- Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der groben Verkehrsregel-

verletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG 

und Art. 12 Abs. 1 VRV. 

- Schuldspruch wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges im Sinne von 

Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG. 

- Bestrafung mit einer moderaten Übertretungsbusse. 

- Die Kosten im Umfang eines Strafbefehls seien dem Beschuldigten 

aufzuerlegen. Die weiteren Kosten seien auf die Staatskasse zu neh-

men. Zudem sei dem Beschuldigten für das erst- und zweitinstanzliche 

Gerichtsverfahren eine angemessene Verteidigungskostenentschädi-

gung auszurichten. 

- Eventualbeweisantrag (für den Fall, dass das Gericht nicht von einer 

leichten Verkehrsregelverletzung ausgehen sollte): Einholung eines 

Gutachtens zur Frage, ob es sich bei der Erstkollision zwischen dem 

Fahrzeug A._____ mit dem Fahrzeug B._____ um eine heftige Kollisi-

on mit unverhältnismässig hoher Kollisionsgeschwindigkeit gehandelt 

hat, welche eine ernstliche Gefahr für gravierende Verletzungen der 

Insassen des Fahrzeuges B._____ hätte bedeuten können. 

b) der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 84) 

- Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 10. Januar 2014 sei in 

sämtlichen Punkten vollumfänglich zu bestätigen. 

- Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

(Keine Beweisanträge) 

 

-   4   - 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 10. Januar 2014 wurde der Beschuldigte 

der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG in 

Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV schuldig gesprochen 

(Dispositivziffer 1) und mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 560.--  

bestraft (Dispositivziffer 2). Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und 

die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Dispositivziffer 3). Die Kosten wurden dem 

Beschuldigten auferlegt (Dispositivziffer 5). 

1.2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 10. Januar 2014 mündlich eröff-

net wurde (Prot. I S. 7), meldete der Beschuldigte gleichentags und damit innert 

der Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an (Urk. 56). Das begründete Urteil 

wurde dem Beschuldigten am 27. Februar 2014 (Urk. 49/2) zugestellt. Die Beru-

fungserklärung des Beschuldigten erfolgte am 18. März 2014 (Urk. 54) und damit 

innert der Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO. Am 8. April 2014 wurde der Staatsan-

waltschaft die Berufungserklärung zugestellt (Urk. 58). Mit Eingabe vom 11. April 

2014 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen  

Urteils und erklärte implizit auf eine Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 60). 

1.3. Mit präsidialem Schreiben vom 5. Mai 2015 (Urk. 64) wurden die Parteien 

darauf hingewiesen, dass C._____ (das Unfallopfer) die Nichtanhandnahmever-

fügungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Beschuldigten sowie 

gegen D._____ (paralleles Verfahren SB140140) bei der III. Strafkammer des 

Obergerichts angefochten hatte. Mit Blick darauf erklärten sich die Staats-

anwaltschaft, der Beschuldigte, D._____ und C._____ damit einverstanden, dass 

das vorliegende Verfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid über die erwähnte 

Nichtanhandnahmeverfügung sistiert werde. Mit Beschluss vom 5. Februar 2015 

wies die III. Strafkammer die Beschwerde gegen den Beschuldigten sowie die 

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Staatsanwaltschaft ab (Urk. 71). Mit Beschluss vom gleichen Datum wurde auch 

die Beschwerde gegen D._____ und die Staatsanwaltschaft abgewiesen (Urk. 70 

in: SB140140). Letzterer Beschluss wurde in der Folge jedoch von C._____ an 

das Bundesgericht weitergezogen. Mit Urteil vom 23. Juli 2015 wies dieses die 

Beschwerde ab, soweit es überhaupt darauf eintrat (Urteil 6B_240/2015; Urk. 71 

in: SB140140). 

1.4. Am 27. August 2015 wurde auf den 12. November 2015 zur Berufungs-

verhandlung vorgeladen (Urk. 73). Am 11. September 2015 wurde die Zustellung 

an die neue Adresse des Beschuldigten wiederholt (Urk. 75). Zumal das parallele 

Verfahren SB140140 gegen den Beschuldigten D._____ denselben hier verfah-

rensgegenständlichen Unfall betrifft, wurden die beiden Verfahren gemeinsam 

verhandelt (d.h. ein Verfahrensprotokoll für beide Fälle, zwei separate Befra-

gungsprotokolle, gemeinsame Beratung, aber zwei getrennte Urteile). Die Partei-

en haben sich mit diesem Vorgehen einverstanden erklärt (Prot. II S. 6). 

2. Umfang der Berufung 
2.1. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der groben Ver-

kehrsregelverletzung (Art. 90 Ziff. 2 aSVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 

Abs. 1 VRV); statt dessen beantragt er einen Schuldspruch wegen Nicht-

beherrschen des Fahrzeugs (Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG) und 

eine angemessene Bestrafung mit einer Übertretungsbusse sowie Kosten- und 

Entschädigungsfolgen nach richterlichem Ermessen. 

2.2. Der vom Beschuldigten beantragte Schuldspruch erweist sich im Verhältnis 

zum vorinstanzlich ausgefällten Schuldspruch als konnex, so dass vorliegend  

keine Teilrechtskraft eingetreten ist und das vorinstanzliche Dispositiv insgesamt 

als angefochten zu gelten hat. 

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II.  Feststellung des Sachverhalts und rechtliche Würdigung 

1. Ausgangslage 
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, bei regennasser Fahrbahn 

auf der Überholspur der Autobahn zum vorausfahrenden Fahrzeug (Lenker:  

B._____) bei einer Geschwindigkeit von 60 – 80 km/h „zu nahe“ aufgefahren zu 

sein, so dass er nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte, als das vorausfahrende 

Fahrzeug abbremste. 

2. Anklageprinzip 

2.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, eine grobe Verkehrs-

regelverletzung begangen zu haben, indem er den ausreichenden Abstand nicht 

einhielt. Mit Ausnahme des Vorwurfs, dass der Beschuldigte seinem Vordermann 

so nahe aufgefahren sei, dass er nicht mehr rechtzeitig anhalten konnte, enthält 

die Anklageschrift keinerlei Ausführungen dazu, warum der Abstand so gering 

war, dass eine grobe Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Allein dass der 

Beschuldigte zu nah auffuhr, um anhalten zu können, gestattet keine Subsumtion 

des angeklagten Sachverhalts unter Art. 90 Ziff. 2 aSVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 

SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV. 

2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Verfahrensleitung der 

Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 333 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 379 

StPO Gelegenheit, die Anklage (insbesondere die Formulierung "zu nahe") zu 

präzisieren. Die Staatsanwaltschaft brachte sodann vor Schranken folgende Prä-

zisierung an (Prot. II S. 7 f.): "In der Anklage steht, er sei zu nahe auf aufgefah-

ren, d.h. er hielt zum vor ihm fahrenden Fahrzeug nicht einen so grossen Abstand 

ein, wie er dies hätte tun sollen, und unter Berücksichtigung seines individuellen 

Bremsstils/-verhaltens und des damit verbundenen Bremswegs, der Zeit, die er 

für die Erfassung einer neuen Verkehrssituation, wie das vorliegend plötzliche 

Abbremsen des vor ihm fahrenden Fahrzeugs bis zum Stillstand und der Re-

aktionszeit, benötigte, um jeder Zeit anhalten zu können, ohne mit dem voran-

fahrenden Fahrzeug zu kollidieren." 

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2.3. Die Verteidigung monierte, eine derartige Anklageergänzung sei (mit Blick 

auf Art. 333 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 379 StPO) nicht mehr zulässig. 

Die Anklage liege vor und dürfe nicht mehr ergänzt werden (Prot. II S. 8). 

2.4. In der Literatur ist zwar strittig, inwiefern eine Anklageänderung zulässig 

ist, kann doch durch eine solche Änderung das Immutabilitätsprinzip verletzt wer-

den (vgl. dazu BSK-StPO, Stephenson/Zalunardo-Walser, 2. Auflage 2014, Art. 

333, N 3 ff.). Art. 333 StPO enthält aber eine Relativierung des Anklageprinzips 

nach Art. 9 StPO. Vorliegend geht es einzig um die Präzisierung innerhalb des 

gleichen Lebensvorgangs, der bereits im Untersuchungsverfahren und vor erster 

Instanz stets Thema war, nämlich, ob der Beschuldigte einen genügenden Ab-

stand eingehalten habe oder nicht. Entgegen der Ansicht der Verteidigung ist die 

Anklagepräzisierung auch noch im Berufungsverfahren zulässig. Eine andere 

Frage ist, ob sich eine grobe Verkehrsregelverletzung aufgrund der präzisierten 

Anklage rechtsgenügend erstellen lässt. 

2.5. Wie einleitend gezeigt fällt die Anklageschrift tatsächlich – auch nach der 

Präzisierung vor Schranken – zu unpräzise aus, indem nicht ausgeführt wird, 

weshalb resp. inwiefern – in Metern – der Abstand zu knapp gewesen sein soll. 

Ferner schweigt sie sich auch zur subjektiven Tatbestandsmässigkeit aus. Der in 

der Anklageschrift umschriebene und vor Schranken präzisierte Sachverhalt er-

laubt somit keine Subsumtion unter den Tatbestand der groben Verkehrsregel-

verletzung. Es erübrigen sich indes Weiterungen zum Akkusationsprinzip in Be-

zug auf den Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung, da sich – wie zu 

zeigen sein wird – vorliegend (lediglich) eine einfache Verkehrsregelverletzung 

beweismässig erstellen lässt. Für einen diesbezüglichen Schuldspruch bietet die 

Anklageschrift eine hinreichende Grundlage. Einen Schulspruch wegen einfacher 

Verkehrsregelverletzung beantragt im Übrigen auch die Verteidigung (Urk. 83 

S. 1). 

 

-   8   - 

3. Analyse des Unfallhergangs 

3.1. Strassen- und Witterungsverhältnisse 

Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschte auf dem fraglichen Autobahnabschnitt dich-

tes Verkehrsaufkommen bei regennasser Fahrbahn; die Sichtverhältnisse waren 

gut (Urk. 2 S. 10 oben sowie S. 14 oben).  

3.2. Geschwindigkeit 

3.2.1. Im Rahmen der polizeilichen Einvernahme unmittelbar nach dem Vorfall 

sagte der Beschuldigte aus, er sei „mit ca. 60-80 km/h“ unterwegs gewesen, be-

vor er das Bremsmanöver eingeleitet habe (Urk. 2 S. 11 unten). Auch im Rahmen 

der späteren Befragungen verwies er auf diese Geschwindigkeitsangaben (Urk. 5 

S. 3 ganz oben; Urk. 42 S. 4 ganz oben; so zuletzt auch anlässlich der Beru-

fungsverhandlung Urk. 80 S. 4). 

3.2.2. Der vor dem Beschuldigten fahrende B._____ sagte anlässlich der polizeili-

chen Befragung aus, er sei „mit ca. 80 km/h“ unterwegs gewesen (Urk. 2 S. 11). 

Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erwähnte der Beschuldig-

te, dass er vor dem Abbremsen gleich schnell gefahren sei wie sein Vordermann 

(Urk. 5 S. 2 ganz unten). 

3.2.3. Die hinter A._____ herfahrenden Fahrzeuglenker (D._____, C._____, 

E._____ und F._____) gaben alle an, „ca. mit 80 km/h“ unterwegs gewesen zu 

sein, wobei einzig C._____ sogar von „ca. 80-100 km/h“ sprach (C._____: Urk. 2 

S. 12 oberhalb Mitte; D._____: Urk. 2 S. 12 unten und zuletzt Urk. 81 S. 5; 

E._____: Urk. 2 S. 13; F._____: Urk. 2 S. 13). 

3.2.4. Zwar wurde der Beschuldigte mit den Aussagen der vorgenannten Beteilig-

ten nicht konfrontiert. Sofern es sich nicht um das einzige Beweismittel handelt 

und der Beschuldigte einlässlich dazu Stellung nehmen konnte, dürfen diese Aus-

sagen gleichwohl verwertet werden (Urteil 6B_839/2013 vom 28. Oktober 2013 

E. 1.5.1 sowie E. 1.5.2 Abs. 2).  

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3.2.5. Im Rahmen der Berufungsverhandlung konnte der Beschuldigte zu den 

vorgenannten Aussagen Stellung nehmen (Urk. 80 S. 6 f.). Darüber hinaus wurde 

dem Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung das Teilnahmerecht in 

Bezug auf die Aussage des Beschuldigten D._____ gewährt. Der Beschuldigte 

konnte der berufungsgerichtlichen Einvernahme des Beschuldigten D._____ bei-

wohnen, im Rahmen welcher jener wiederum von einer Geschwindigkeit von 

"ca. 80-85 km/h" sprach (Urk. 81 S. 5). Weiter erhielt der Beschuldigte Gelegen-

heit für Ergänzungsfragen (Urk. 81 S. 1 ff., insb. S. 5; Verzicht auf Ergänzungs-

fragen S. 10). Die erwähnten Einvernahmen erweisen sich in Nachachtung der 

dargestellten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (nunmehr) als verwertbar. Zu 

bemerken ist schliesslich, dass der Beschuldigte selbst von bis zu 80 km/h spricht 

und es im Übrigen eher ungewöhnlich wäre, dass auf einer Autobahnüberholspur 

trotz Regen nur 60 km/h gefahren würde. 

3.2.6. Demzufolge ist – entgegen der Verteidigung (Prot. II S. 11) – davon aus-

zugehen, dass der Beschuldigte vor Einleitung des Bremsmanövers mit „ca. 

80 km/h“ unterwegs war.  

3.3. Bremsmanöver 

3.3.1. Ursache des Bremsmanövers war letztlich eine stockende Kolonnen-

bildung. Die zwei vor dem Beschuldigten fahrenden Fahrzeuge (B._____ und 

G._____) konnten gerade noch rechtzeitig abbremsen. Der Beschuldigte fuhr in-

des auf B._____ auf und stiess das Fahrzeug B._____s in das vor diesem befind-

liche Fahrzeug von G._____ (u.a. Urk. 2 S. 9 unten). 

3.3.2. Der Beschuldigte äusserte sich zu seinem Bremsmanöver im Rahmen der 

polizeilichen Einvernahme wie folgt (sinngemäs protokolliert nach Belehrung über 

seine Rechte; Urk. 2 S. 11 unten sowie S. 12 oben): „Ich komme von Zuhause 

und will nach Opfikon. Ich fuhr mit ca. 60-80 km/h. Weiter vorne sah ich die 

Bremslichter eines sich bildenden Staus, dann verlangsamte das Fahrzeug vor 

mir und bremste stark ab. Ich machte noch eine Vollbremsung, es reichte jedoch 

nicht, um nicht mit dem vorderen Fahrzeug zu kollidieren.“ 

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3.3.3. Ähnlich äusserte sich der Beschuldigte auch im Rahmen der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme (Urk. 5 S. 2 Mitte): „[...] Das Fahrzeug bremste vor mir 

ab. Ich habe schliesslich eine Vollbremsung gemacht. Es hat knapp nicht ge-

reicht.“ Und weiter (Urk. 5 S. 4 unten): „Ich kann es mir nur so erklären, das vor-

dere Fahrzeug bremste, ich bremste auch, vermutlich bremste ich zu wenig voll, 

ich schaute in den Rückspiegel und sah das Fahrzeug sich von hinten nähern, 

vielleicht habe ich deswegen nicht voll gebremst, weil ich einen Zusammenstoss 

mit dem nachfolgenden Fahrzeug verhindern wollte.“ Und schliesslich (Urk. 5 S. 5 

oben): „Ich habe vielleicht nicht von Anfang voll gebremst, weil ich Angst hatte, 

dass der Wagen hinter mir auf mich auffährt.“ Ähnlich äusserte sich der Be-

schuldigte auch vor der Vorinstanz (Urk. 42 S. 4 ganz oben) und anlässlich der 

Berufungsverhandlung (Prot. II S. 4-6, 8 f., 11). 

3.3.4. Im Wesentlichen macht er damit konstant und teilweise in Verknüpfung mit 

weiteren äusseren (Bremslichter) bzw. psychischen Umständen (Angst bzw. Ab-

sicht, ein Auffahren von hinten zu verhindern) geltend, er habe nicht sofort eine 

Vollbremsung gemacht, sondern zunächst abgebremst, so dass es schliesslich 

knapp nicht gereicht habe. 

3.3.5. Ob C._____ oder D._____ direkt hinter A._____ herfuhr, bleibt unklar, da 

sich die entsprechenden Aussagen widersprechen und auch das Bildmaterial kei-

ne eindeutigen Schlüsse zulässt (zum Ganzen: Fotos: Urk. 3/1; C._____: Urk. 7; 

Beschuldigter: Urk. 5 S. 3 unten; D._____: Urk. 6 S. 2 unten, S. 3 oben, S. 3 ganz 

unten S. 4 oben; F._____: Urk. 8/1 S. 2 unten; H._____: Urk. 9 S. 3 Mitte). Die 

Frage kann vorliegend aber offen bleiben, da sowohl C._____ als auch D._____ 

aussagten, das vor ihnen befindliche Fahrzeug habe nicht direkt eine Vollbrem-

sung gemacht, sondern zunächst stark abgebremst (C._____: Urk. 2 S. 12 ober-

halb Mitte; D._____: Urk. 6 S. 2 oberhalb Mitte). Demzufolge ist davon auszuge-

hen, dass A._____ – egal, ob nun C._____ oder D._____ hinter ihm fuhr – eben-

falls nicht sofort eine Vollbremsung machte, sondern – entsprechend seinen eige-

nen Aussagen – zunächst stark abbremste. Da sich diese Tatsache zu Gunsten 

des Beschuldigten auswirkt, kann sie ohne weiteres verwertet werden. 

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3.3.6. Diese Art und Weise des Bremsmanövers relativiert den Vorwurf der Ab-

standsverletzung in dem Sinne, als die Kollision (Auffahren A._____s auf  

B._____) zumindest teilweise nicht nur wegen eines zu kurzen Abstands ge-

schah, sondern weil der Beschuldigte nicht direkt eine Vollbremsung einleitete. 

3.4. Abstand 

3.4.1. Bezüglich des Abstands sagte der Beschuldigte gegenüber der Polizei zu-

nächst Folgendes aus (Urk. 2 S. 12 ganz oben): „Ich sehe ein, dass ich zu wenig 

Abstand hatte, da ich nicht mehr anhalten konnte.“ Im Rahmen der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme äusserte er sich wie folgt zum Abstand (Urk. 5 S. 3 

ganz unten): „Er war genügend. Ich habe mal als Faustregel gelernt, dass der Ab-

stand einen halben Tacho sein sollte. Es hatten sicher noch 10 Autos dazwischen 

Platz.“ Vor der Vorinstanz sagte der Beschuldigte sodann aus, er habe auf jeden 

Fall einen „halben Tacho“ Abstand gehabt (Urk. 42 S. 4 ganz unten). 

3.4.2. Zur Problematik des Abstands wird im Polizeirapport abschliessend Fol-

gendes ausgeführt (Urk. 2 S. 14 oben): „Bezüglich des eingehaltenen Abstands 

des eigenen, wie auch der anderen Fahrzeuge, konnte kein Unfallbeteiligter ge-

naue Angaben machen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass aufgrund des 

grossen Verkehrsaufkommens und der zum Unfallzeitpunkt herrschenden Wit-

terungsverhältnisse keiner der Beteiligten einen angemessenen Abstand einge-

halten hatte.“ 

3.4.3. Auch wenn der Beschuldigte zunächst nicht voll abbremste, liegt es doch 

nahe, dass sein Abstand nicht ausreichend war, zumal er dies anlässlich der poli-

zeilichen Ersteinvernahme selbst einräumte. Vor diesem Hintergrund erscheint 

seine spätere Aussage, wonach „sicher noch 10 Autos dazwischen Platz gehabt“ 

hätten, etwas hoch gegriffen. Die entscheidende Frage aber ist, wie gross bzw. 

wie gering sein Abstand effektiv war. Denn nur ein qualifiziert zu geringer Abstand 

stellt eine grobe Verletzung der Verkehrsregeln dar (dazu sogleich unten). 

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4. Rechtslage 

4.1. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich die Abstandsvorschriften nach 

Art. 34 Abs. 4 SVG klar an den nachfolgenden Fahrzeugführer richten; dieser hat 

ausser dem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht auch jenen des ihm 

nachfolgenden zu beachten (BSK SVG-MAEDER, Art. 34 N 48 m.H.). Dort hat wie-

derum der nachfolgende Lenker für ausreichend Abstand zum vorausfahrenden 

Fahrzeug zu sorgen. Deshalb kann der Beschuldigte – entgegen den Vorbringen 

seiner Verteidigung (Urk. 83 S. 5 ff., 9 ff.) – in Bezug auf seine Abstandseinhal-

tung zu dem ihm vorausfahrenden Fahrzeug von B._____ auch nichts weiter zu 

seinen Gunsten daraus ableiten, dass er deshalb nicht mehr rechtzeitig habe an-

halten können, weil er eine angeblich drohende schwerere Heckkollision mit den 

ihm nachfolgenden Fahrzeug habe verhindern wollen. 

4.2. Bei unproblematischen Witterungsbedingungen gilt ein Abstand zum  

vorausfahrenden Fahrzeug dann als ausreichend, wenn er mindestens der Hälfte 

der gefahrenen Stundenkilometer in Metern entspricht (sog. 1/2-Tacho-

Faustregel); eine grobe Verkehrsregelverletzung ist – wiederum bei unproblemati-

schen Witterungsbedingungen – dann anzunehmen, wenn der Abstand in Metern 

weniger als 1/6 der gefahrenen Stundenkilometer entspricht (sog. 1/6-Tacho-

Faustregel; vgl. zum Ganzen: BGE 131 IV 133). 

4.3. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen, bestehen, soweit ersichtlich, kei-

ne etablierten Faustregeln. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, hilfsweise 

auf anerkannte Statistiken über Reaktions- und Bremswege abzustellen, etwa auf 

die ADAC-Tabelle über Reaktions- und Bremswege (Urk. 79 S. 3, abrufbar unter 

https://www.adac.de/_mmm/pdf/Verkehr_und_Mathe_Anhalteweg_45164.pdf). 

4.4. Die vorerwähnte Tabelle enthält bei nasser Fahrbahnbeschaffenheit zwei 

verschiedene Messwerte. Ob die Fahrbahn vorliegend im Sinne der Tabelle nass 

oder gar qualifiziert nass war, kann hier offenbleiben, zumal sich eine grobe Ver-

kehrsregelverletzung selbst bei qualifizierter Nässe (die einen grösseren Abstand 

erfordern würde) nicht, eine einfache Verkehrsregelverletzung jedoch auch bei 

bloss nasser Fahrbahn beweismässig erstellen lässt. Somit ist nachfolgend der 

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für den nicht-qualifizierten Nässegrad geltende Bremswegwert heranzuziehen. 

Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h, wovon vorliegend, wie dargelegt, auszu-

gehen ist, beträgt der Reaktionsweg 22.22 Meter und der Bremsweg (bei nicht-

qualifizierter Nässe) 35.27 Meter. Insgesamt resultiert daraus ein Anhalteweg von 

57.49 Meter, der gleichzeitig dem unter den genannten Verhältnissen erforderli-

chen Minimalabstand entspricht. 

4.5. Mit Blick darauf gilt es zu eruieren, wie weit dieser Minimalabstand unter-

schritten werden muss, damit von einer groben Verkehrsregelverletzung auszu-

gehen ist. Zu diesem Zweck kann analog auf das Verhältnis von einfacher und 

grober Abstandsverletzung bei trockenen Strassenverhältnissen abgestellt wer-

den: Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h liegt – nach Massgabe der beiden 

vorgenannten Faustregeln – eine einfache Verkehrsregelverletzung bei Unter-

schreiten eines Abstands von 40 Metern vor; eine grobe Verkehrsregelverletzung 

ist hingegen bei Unterschreiten von 13.3 Metern anzunehmen. Mit anderen Wor-

ten ist von einer groben Verkehrsregelverletzung dann auszugehen, wenn der 

Abstand weniger als 1/3 des Mindestabstands beträgt. Auf die vorgenannten Ver-

hältnisse bei nicht-qualifizierter Nässe entsprechend übertragen bedeutet dies, 

dass eine grobe Verkehrsregelverletzung vorliegt, wenn der Abstand weniger als 

19.16 Meter beträgt (bei qualifizierter Nässe wäre bereits eine Unterschreitung ei-

nes Abstands von 23.86 Meter als grobe Verkehrsregelverletzung zu qualifi-

zieren). 

5. Fazit 
Vorliegend kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass sein  

Abstand weniger als 19.16 Meter (auch nicht weniger als 23.86 Meter) betrug. 

Mangels anderer Anhaltspunkte ist auf die von ihm angegebenen 10 Autolängen 

(Urk. 5 S. 3 ganz unten) abzustellen, was – bei einer durchschnittlichen Autolänge 

von 4.5 Metern zuzüglich eines Zuschlags für die Abstände dazwischen – in 

Übereinstimmung mit dem vorinstanzlichen Plädoyer (Urk. 41 S. 4 oben) – rund 

50 Metern entspricht. Entsprechend seiner Erstaussage war sich der Beschuldigte 

bewusst, dass sein Abstand zu gering war (Urk. 2 S. 12 ganz oben). Dieser Ab-

stand stellt unter den vorliegenden Umständen (Anhalteweg von 57.49 Meter bei 

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nicht-qualifizierter Nässe), wie gezeigt, eine einfache Verkehrsregelverletzung 

dar. 

III. Sanktion 

1. Auszufällen ist somit vorliegend neu – wie von der Verteidigung beantragt 

(Urk. 83 S. 1) – eine Busse.  

2. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt insgesamt leicht, insbesondere 

auch mit Blick auf die nur geringe Abstandsunterschreitung. Der Beschuldigte  

befindet sich in sehr guten finanziellen Verhältnissen (Urk. 63/1-4; Urk. 80 S. 2: 

Netto-Monatseinkommen von Fr. 31'181.–). Eine wie dem Beschuldigten vorlie-

gend nachgewiesene Übertretung wird in der Regel im Ordnungsbussenverfahren 

gemäss dem Ordnungsbussenkatalog geahndet, weshalb sich vorliegend die 

Festsetzung einer Bussenhöhe in Anlehnung an den Bussenkatalog rechtfertigt. 

Angemessen erscheint eine Busse in der Höhe von Fr. 700.–. Die Ersatzfreiheits-

strafe ist nach Massgabe der vorinstanzlich festgelegten Tagessatzhöhe von 

Fr. 560.– auf einen Tag festzulegen. 

3. Da lediglich der Beschuldigte Berufung erhoben hat, gelangt vorliegend das 

Verschlechterungsverbot zur Anwendung (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Der 

Wechsel von einer bedingten Strafe zu einer unbedingten stellt grundsätzlich eine 

Verschlechterung dar. Die vorliegend auszusprechende Busse kann von Ge-

setzes wegen nur unbedingt ausgesprochen werden.  

4. Auch wenn das angefochtene Urteil den Beschuldigten lediglich zu einer be-

dingten Strafe verurteilte, wird mit der Ausfällung einer Busse nicht gegen das 

Verschlechterungsverbot verstossen. Der vorliegende Fall ist mit der den Urteilen 

des Bundesgerichts 6B_523/2014 und 6B_524/2014 zugrundeliegenden Kon-

stellation nicht vergleichbar, da die von der Vorinstanz (bedingt) ausgesprochene 

Geldstrafe (10 Tagessätze zu Fr. 560.–) die nunmehr auszufällende Busse um ein 

Vielfaches übersteigt, weshalb die Busse von Fr. 700.– in einer Gesamtwürdigung 

als die mildere Sanktion erscheint (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts 

6B_523/2014 und 6B_524/2014 vom 15. Dezember 2014 E. 4.3 i.f.). 

-   15   - 

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Kostenfolgen 

1.1. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (vorinstanzliche Dispositivziffer 4) ist 

zu bestätigen. 

1.2. Da die Untersuchungshandlungen im überwiegenden Masse erst erfolgten, 

nachdem die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten am 13. Juni 2013 mitgeteilt 

hatte, dass bei Akzeptieren des Vorwurfs der groben Verkehrsregelverletzung  

lediglich ein Strafbefehl ergehen würde (Urk. 12/1), sind die Kosten der Unter-

suchung zu 2/3 auf die Staatskasse zu nehmen und zu 1/3 dem Beschuldigten 

aufzuerlegen. 

1.3. Aus dem gleichen Grund sind die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens 

vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen, denn zu diesem Verfahren ist es 

nur gekommen, weil der Beschuldigte die grobe Verkehrsregelverletzung nicht 

akzeptiert hat. Entsprechendes gilt auch für das Berufungsverfahren. 

2. Prozessentschädigung 

2.1. Nachdem nun lediglich noch eine Verurteilung wegen eines Übertretungs-

tatbestandes verbleibt, obsiegt der Beschuldigte und hat folglich Anspruch auf 

Entschädigung für seine Aufwendungen (Art. 436 Abs. 2 StPO und Art. 429 

Abs. 1 lit. a). Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur Wahrung der Ver-

fahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei  

gewählten Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der tatsächlichen 

oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten war (SCHMID, Handbuch StPO, 

2. Aufl. 2013, N 1810). 

2.2. Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. 

Der Verteidiger reichte zur Bezifferung des Entschädigungsanspruchs eine Ho-

norarnote von Fr. 8'736.64 ins Recht (Urk. 82), wobei die Aufwendungen für die 

Berufungsverhandlung und die Nachbesprechung mit dem Beschuldigten noch 

nicht mitberücksichtigt sind. Die geltend gemachten Aufwendungen und Auslagen 

-   16   - 

sind mit Blick auf die Anwaltsgebührenverordnung (AnwGebV; LS 215.3) nicht zu 

beanstanden und erscheinen unter Berücksichtigung der konkreten Bedeutung 

und Schwierigkeit des Falles als angemessen. Unter Berücksichtigung der Auf-

wendungen für die Berufungsverhandlung ist dem Beschuldigten für das gesamte 

Verfahren eine Entschädigung für anwaltliche Verteidigung von insgesamt 

Fr. 10'000.– (einschliesslich MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der einfachen Verletzung der Ver-

kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 34 

Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 700.–. 

3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag. 

4. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 4) wird bestätigt. 

5. Die Kosten der Untersuchung werden zu 1/3 dem Beschuldigten auferlegt 

und zu 2/3 auf die Staatskasse genommen. 

6. Die Kosten beider Gerichtsverfahren werden auf die Staatskasse ge-

nommen. 

7. Dem Beschuldigten wird aus der Gerichtskasse für das ganze Verfahren  

eine Prozessentschädigung von Fr. 10'000.– für anwaltschaftliche Verteidi-

gung zugesprochen. 

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis (übergeben) 
 

-   17   - 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− Verkehrsamt Schwyz, Abteilung Massnahmen, Schlagstrasse 82,  

Postfach 3214, 6431 Schwyz  
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 78. 

9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 12. November 2015 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. P. Marti 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

Dr. iur. F. Manfrin 
 

 
 
 

	Urteil vom 12. November 2015
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 560.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	Erwägungen:
	I.  Prozessuales

	1. Prozessgeschichte
	1.1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 10. Januar 2014 wurde der Beschuldigte der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV schuldig gesprochen (Dispositivziffer 1)...
	1.2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 10. Januar 2014 mündlich eröffnet wurde (Prot. I S. 7), meldete der Beschuldigte gleichentags und damit innert der Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an (Urk. 56). Das begründete Urteil wurde dem Besc...
	1.3. Mit präsidialem Schreiben vom 5. Mai 2015 (Urk. 64) wurden die Parteien darauf hingewiesen, dass C._____ (das Unfallopfer) die Nichtanhandnahmeverfügungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Beschuldigten sowie gegen D._____ (paralleles...
	1.4. Am 27. August 2015 wurde auf den 12. November 2015 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 73). Am 11. September 2015 wurde die Zustellung an die neue Adresse des Beschuldigten wiederholt (Urk. 75). Zumal das parallele Verfahren SB140140 gegen...

	2. Umfang der Berufung
	2.1. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Ziff. 2 aSVG i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV); statt dessen beantragt er einen Schuldspruch wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs...
	2.2. Der vom Beschuldigten beantragte Schuldspruch erweist sich im Verhältnis zum vorinstanzlich ausgefällten Schuldspruch als konnex, so dass vorliegend  keine Teilrechtskraft eingetreten ist und das vorinstanzliche Dispositiv insgesamt als angefocht...
	II.  Feststellung des Sachverhalts und rechtliche Würdigung

	1. Ausgangslage
	2. Anklageprinzip
	2.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, eine grobe Verkehrsregelverletzung begangen zu haben, indem er den ausreichenden Abstand nicht einhielt. Mit Ausnahme des Vorwurfs, dass der Beschuldigte seinem Vordermann so nahe aufgefahren se...
	2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Verfahrensleitung der Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 333 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 379 StPO Gelegenheit, die Anklage (insbesondere die Formulierung "zu nahe") zu präzisieren. Die Staatsan...
	2.3. Die Verteidigung monierte, eine derartige Anklageergänzung sei (mit Blick auf Art. 333 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 379 StPO) nicht mehr zulässig. Die Anklage liege vor und dürfe nicht mehr ergänzt werden (Prot. II S. 8).
	2.4. In der Literatur ist zwar strittig, inwiefern eine Anklageänderung zulässig ist, kann doch durch eine solche Änderung das Immutabilitätsprinzip verletzt werden (vgl. dazu BSK-StPO, Stephenson/Zalunardo-Walser, 2. Auflage 2014, Art. 333, N 3 ff.)....
	2.5. Wie einleitend gezeigt fällt die Anklageschrift tatsächlich – auch nach der Präzisierung vor Schranken – zu unpräzise aus, indem nicht ausgeführt wird, weshalb resp. inwiefern – in Metern – der Abstand zu knapp gewesen sein soll. Ferner schweigt ...

	3. Analyse des Unfallhergangs
	3.1. Strassen- und Witterungsverhältnisse
	3.2. Geschwindigkeit
	3.2.1. Im Rahmen der polizeilichen Einvernahme unmittelbar nach dem Vorfall sagte der Beschuldigte aus, er sei „mit ca. 60-80 km/h“ unterwegs gewesen, bevor er das Bremsmanöver eingeleitet habe (Urk. 2 S. 11 unten). Auch im Rahmen der späteren Befragu...
	3.2.2. Der vor dem Beschuldigten fahrende B._____ sagte anlässlich der polizeilichen Befragung aus, er sei „mit ca. 80 km/h“ unterwegs gewesen (Urk. 2 S. 11). Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erwähnte der Beschuldigte, dass er vor de...
	3.2.3. Die hinter A._____ herfahrenden Fahrzeuglenker (D._____, C._____, E._____ und F._____) gaben alle an, „ca. mit 80 km/h“ unterwegs gewesen zu sein, wobei einzig C._____ sogar von „ca. 80-100 km/h“ sprach (C._____: Urk. 2 S. 12 oberhalb Mitte; D....
	3.2.4. Zwar wurde der Beschuldigte mit den Aussagen der vorgenannten Beteiligten nicht konfrontiert. Sofern es sich nicht um das einzige Beweismittel handelt und der Beschuldigte einlässlich dazu Stellung nehmen konnte, dürfen diese Aussagen gleichwoh...
	3.2.5. Im Rahmen der Berufungsverhandlung konnte der Beschuldigte zu den vorgenannten Aussagen Stellung nehmen (Urk. 80 S. 6 f.). Darüber hinaus wurde dem Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung das Teilnahmerecht in Bezug auf die Aussage de...
	3.2.6. Demzufolge ist – entgegen der Verteidigung (Prot. II S. 11) – davon auszugehen, dass der Beschuldigte vor Einleitung des Bremsmanövers mit „ca. 80 km/h“ unterwegs war.
	3.3. Bremsmanöver
	3.3.1. Ursache des Bremsmanövers war letztlich eine stockende Kolonnenbildung. Die zwei vor dem Beschuldigten fahrenden Fahrzeuge (B._____ und G._____) konnten gerade noch rechtzeitig abbremsen. Der Beschuldigte fuhr indes auf B._____ auf und stiess ...
	3.3.2. Der Beschuldigte äusserte sich zu seinem Bremsmanöver im Rahmen der polizeilichen Einvernahme wie folgt (sinngemäs protokolliert nach Belehrung über seine Rechte; Urk. 2 S. 11 unten sowie S. 12 oben): „Ich komme von Zuhause und will nach Opfiko...
	3.3.3. Ähnlich äusserte sich der Beschuldigte auch im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme (Urk. 5 S. 2 Mitte): „[...] Das Fahrzeug bremste vor mir ab. Ich habe schliesslich eine Vollbremsung gemacht. Es hat knapp nicht gereicht.“ Und weite...
	3.3.4. Im Wesentlichen macht er damit konstant und teilweise in Verknüpfung mit weiteren äusseren (Bremslichter) bzw. psychischen Umständen (Angst bzw. Absicht, ein Auffahren von hinten zu verhindern) geltend, er habe nicht sofort eine Vollbremsung ge...
	3.3.5. Ob C._____ oder D._____ direkt hinter A._____ herfuhr, bleibt unklar, da sich die entsprechenden Aussagen widersprechen und auch das Bildmaterial keine eindeutigen Schlüsse zulässt (zum Ganzen: Fotos: Urk. 3/1; C._____: Urk. 7; Beschuldigter: U...
	3.3.6. Diese Art und Weise des Bremsmanövers relativiert den Vorwurf der Abstandsverletzung in dem Sinne, als die Kollision (Auffahren A._____s auf  B._____) zumindest teilweise nicht nur wegen eines zu kurzen Abstands geschah, sondern weil der Beschu...
	3.4. Abstand
	3.4.1. Bezüglich des Abstands sagte der Beschuldigte gegenüber der Polizei zunächst Folgendes aus (Urk. 2 S. 12 ganz oben): „Ich sehe ein, dass ich zu wenig Abstand hatte, da ich nicht mehr anhalten konnte.“ Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einv...
	3.4.2. Zur Problematik des Abstands wird im Polizeirapport abschliessend Folgendes ausgeführt (Urk. 2 S. 14 oben): „Bezüglich des eingehaltenen Abstands des eigenen, wie auch der anderen Fahrzeuge, konnte kein Unfallbeteiligter genaue Angaben machen. ...
	3.4.3. Auch wenn der Beschuldigte zunächst nicht voll abbremste, liegt es doch nahe, dass sein Abstand nicht ausreichend war, zumal er dies anlässlich der polizeilichen Ersteinvernahme selbst einräumte. Vor diesem Hintergrund erscheint seine spätere A...

	4. Rechtslage
	4.1. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich die Abstandsvorschriften nach Art. 34 Abs. 4 SVG klar an den nachfolgenden Fahrzeugführer richten; dieser hat ausser dem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht auch jenen des ihm nachfolgenden zu bea...
	4.2. Bei unproblematischen Witterungsbedingungen gilt ein Abstand zum  vorausfahrenden Fahrzeug dann als ausreichend, wenn er mindestens der Hälfte der gefahrenen Stundenkilometer in Metern entspricht (sog. 1/2-Tacho-Faustregel); eine grobe Verkehrsre...
	4.3. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen, bestehen, soweit ersichtlich, keine etablierten Faustregeln. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, hilfsweise auf anerkannte Statistiken über Reaktions- und Bremswege abzustellen, etwa auf die ADAC-Tabel...
	4.4. Die vorerwähnte Tabelle enthält bei nasser Fahrbahnbeschaffenheit zwei verschiedene Messwerte. Ob die Fahrbahn vorliegend im Sinne der Tabelle nass oder gar qualifiziert nass war, kann hier offenbleiben, zumal sich eine grobe Verkehrsregelverletz...
	4.5. Mit Blick darauf gilt es zu eruieren, wie weit dieser Minimalabstand unterschritten werden muss, damit von einer groben Verkehrsregelverletzung auszugehen ist. Zu diesem Zweck kann analog auf das Verhältnis von einfacher und grober Abstandsverlet...

	5. Fazit
	III.  Sanktion
	IV.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

	1. Kostenfolgen
	1.1. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (vorinstanzliche Dispositivziffer 4) ist zu bestätigen.
	1.2. Da die Untersuchungshandlungen im überwiegenden Masse erst erfolgten, nachdem die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten am 13. Juni 2013 mitgeteilt hatte, dass bei Akzeptieren des Vorwurfs der groben Verkehrsregelverletzung  lediglich ein Strafbef...
	1.3. Aus dem gleichen Grund sind die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen, denn zu diesem Verfahren ist es nur gekommen, weil der Beschuldigte die grobe Verkehrsregelverletzung nicht akzeptiert hat. Ents...

	2. Prozessentschädigung
	2.1. Nachdem nun lediglich noch eine Verurteilung wegen eines Übertretungstatbestandes verbleibt, obsiegt der Beschuldigte und hat folglich Anspruch auf Entschädigung für seine Aufwendungen (Art. 436 Abs. 2 StPO und Art. 429 Abs. 1 lit. a). Zu den Ent...
	2.2. Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. Der Verteidiger reichte zur Bezifferung des Entschädigungsanspruchs eine Honorarnote von Fr. 8'736.64 ins Recht (Urk. 82), wobei die Aufwendungen für die Berufungsverhandl...

	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 700.–.
	3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag.
	4. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 4) wird bestätigt.
	5. Die Kosten der Untersuchung werden zu 1/3 dem Beschuldigten auferlegt und zu 2/3 auf die Staatskasse genommen.
	6. Die Kosten beider Gerichtsverfahren werden auf die Staatskasse genommen.
	7. Dem Beschuldigten wird aus der Gerichtskasse für das ganze Verfahren  eine Prozessentschädigung von Fr. 10'000.– für anwaltschaftliche Verteidigung zugesprochen.
	8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis (übergeben)
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis
	 die Vorinstanz
	 Verkehrsamt Schwyz, Abteilung Massnahmen, Schlagstrasse 82,  Postfach 3214, 6431 Schwyz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 78.

	9. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.