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**Case Identifier:** 1e1430b6-1d9f-540a-b872-71f01cef14bc
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-11
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 11.12.2023 200 2022 482
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-482_2023-12-11.pdf

## Full Text

200 22 482 IV
MAK/ZID/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 11. Dezember 2023

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichter Furrer
Gerichtsschreiber Zimmermann

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 29. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1975 geborene und bis zu ihrer Kündigung per 30. Juli 2020 als … im 
Teilzeitpensum tätige A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im Februar 2021 unter Hinweis auf eine ab 17. September 
2020 attestierte Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen (Überforde-
rungssituation) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum 
Leistungsbezug an (Akten der IV, Antwortbeilage [AB] 1 ff.). Von August 
2021 bis Januar 2022 war sie befristet als … (… pro Woche resp. Pensum 
von ca. 40 %; AB 32.4/50, 34/1; vgl. AB 43, 48/1 f., 52, 60/2, 65/2) und ab 
1. Februar 2022 unbefristet als … mit einem Pensum von … angestellt 
(AB 64; vgl. AB 68, 71, 75, 79).

Die IV-Stelle Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) tätigte erwerbliche so-
wie medizinische Abklärungen; unter anderem holte sie die Akten der 
Krankentaggeldversicherung ein (AB 18, 32, 37, 45). Auf Empfehlung des 
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hin liess sie die Versicherte psychia-
trisch begutachten (AB 53 ff.). Vorgängig stellte die Versicherte Zusatzfra-
gen (AB 61/2), welche die IVB in das Auftragsschreiben an die Gutachter-
stelle aufnahm (AB 62). Im Rahmen der Begutachtung (Expertise vom 
4. April 2022 [AB 72.1]) kam es zu technischen Problemen mit der Tonauf-
nahme (AB 66); auf entsprechende Orientierung durch die IVB hin, dass 
keine Tonaufnahmen bestünden (AB 73), stellte die Versicherte die Ver-
wertbarkeit des Gutachtens in dieser Hinsicht nicht in Frage, sie äusserte 
aber Vorbehalte inhaltlicher Natur (AB 77). Mit Vorbescheid vom 10. Mai 
2022 stellte die IVB die Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente 
und berufliche Massnahmen mangels eines invalidisierenden Gesundheits-
schadens in Aussicht (AB 78). Nach dagegen erhobenem Einwand (AB 83; 
vgl. auch AB 80 ff.) verfügte sie am 29. Juni 2022 (AB 86) wie angekündigt.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 3

B.

Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, 
mit Eingabe vom 25. August 2022 Beschwerde erheben. Sie beantragt, in 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die Sache zwecks Einholung 
einer verwaltungsexternen medizinischen Expertise unter Einbezug der 
medizinischen Fachrichtung Psychiatrie an die Beschwerdegegnerin zur 
Neubeurteilung der Ansprüche in Bezug auf Eingliederungsmassnahmen 
und Rentenleistungen seit wann rechtens zurückzuweisen, unter Kosten- 
und Entschädigungsfolgen.

Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 15. Sep-
tember 2022 auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-

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tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 86). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis-
tungen der IV.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 In formeller Hinsicht macht die Beschwerdeführerin vorab eine Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs geltend. Sie beanstandet, dass die Gutach-
ter die von ihr gestellten Zusatzfragen – namentlich nach der allfälligen 
Realisierung einer höheren Arbeitsfähigkeit in einer anderen beruflichen 
Tätigkeit sowie nach einer möglichen Gesundheitsverbesserung durch Re-
duktion der Anzahl … – nicht beantwortet hätten (Beschwerde, S. 3 f. Arti-
kel 3). Zudem sei ihr das Gutachten nicht zusammen mit dem Vorbescheid 
zugestellt worden (Beschwerde, S. 4 oben).

2.2 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 
der Bundesverfassung [BV; SR 101]).

Bei Gutachten beinhaltet diese Gewährung des rechtlichen Gehörs die 
Möglichkeit, sich nachträglich zum Gutachten wie auch zur Person des 
Gutachters zu äussern und gegebenenfalls Ergänzungsfragen zu stellen 
(BGE 125 V 332 E. 4b S. 337). 

Nach der Rechtsprechung gelten die mit BGE 137 V 210 eingeführten 
rechtsstaatlichen Anforderungen bei polydisziplinären Gutachten, u.a. be-
züglich der Partizipationsrechte, sinngemäss auch bei monodisziplinären 
Begutachtungen (BGE 139 V 349 E. 5.4 S. 357). Weil hier die zufalls-

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basierte Zuweisung zu einer Gutachterstelle nicht zur Anwendung gelangt, 
ist die Beachtung der Verfahrensgarantien umso wichtiger (Entscheid des 
Bundesgerichts [BGer] vom 18. November 2014, 8C_557/2014, E. 5.2.1). 
Zu diesen Garantien gehört namentlich das Recht der versicherten Person 
zur vorgängigen Fragestellung in Form von Zusatzfragen (vgl. Entscheid 
des BGer vom 26. November 2018, 9C_595/2018, E. 4.3.1 mit Hinweis auf 
BGE 139 V 349 E. 5.1, 5.2.3 und 5.4 S. 354 ff.).

2.3 Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin (Beschwerde, 
S. 4 oben) ist ihr das Gutachten bereits im Vorbescheidverfahren zugestellt 
worden (AB 74); in der Begründung der Einwände bezog sie sich denn 
auch mehrfach auf dieses Gutachten (AB 83/1, 80/1 f.).

2.4 Die von der Beschwerdeführerin im Vorfeld der Begutachtung ge-
stellten Zusatzfragen (AB 61/2) hat die Beschwerdegegnerin den Gutach-
tern unterbreitet. Eine Gehörsverletzung durch die Beschwerdegegnerin 
liegt damit nicht vor. Die Frage, ob bzw. inwieweit diese Zusatzfragen von 
den Gutachtern beantwortet worden sind, beschlägt vielmehr die Beweis-
würdigung (Vollständigkeit und damit Überzeugungskraft des Gutachtens) 
oder allenfalls den Untersuchungsgrundsatz. Dies gilt es nachfolgend im 
Rahmen der materiellen Prüfung zu beurteilen (vgl. insbes. E. 4.3.3 nach-
folgend).

3.

3.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. In zeitlicher Hin-
sicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – 
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung 
des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes 
Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). 
Zwar datiert die angefochtene Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 86), womit 
sie nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. 
Indessen liegt der frühestmögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung 
des Rentenanspruchs unter Berücksichtigung sowohl des Wartejahres 
gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (attestierte Arbeitsunfähigkeit ab 27. August 

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2020 [AB 18.2/12, 7, 19, 22, 25, 32.3/53, 34, 42]) als auch der Karenzfrist 
gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG (Anmeldung vom Februar 2021 [AB 1; vgl. auch 
Beschwerde, S. 2 Ziff. III.1]) im August 2021 und damit vor dem 1. Januar 
2022, weshalb die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung 
vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 
der bis 31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend 
sind (Rz. 9100 - 9102 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialver-
sicherungen [BSV] über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 
[KSIR]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 
E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). Welches Recht in Bezug auf 
andere Leistungsansprüche anwendbar ist, kann mit Blick auf das Ergebnis 
(vgl. E. 5.6 nachfolgend) offen gelassen werden.

3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

3.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG 
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische 
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur 
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer 
Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert 
worden ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 S. 221). Mit der Diagnose eines 
Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass dieser auch 

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invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem 
klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden 
auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der 
versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, 
ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).

3.3.1 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 
E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 
418 E. 7.2 S. 429).

3.3.2 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche 
Gesundheitsbeeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen 
einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der 
Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig 
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die 
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung 
beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 S. 287; SVR 2021 IV Nr. 76 S. 257 
E. 4.2.1).

3.3.3 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von 
Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
"funktioneller Schweregrad" (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen las-

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sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Fol-
gen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person 
zu tragen (E. 6 S. 308). 

3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

4.

4.1 In medizinischer Hinsicht ist den Akten – soweit entscheidwesent-
lich – das Folgende zu entnehmen:

4.1.1 Im August 2020 suchte die Beschwerdeführerin im Zusammenhang 
mit einem über mehrere Jahre anhaltenden Überforderungszustand von 
sich aus die Psychiatrie des Spitals C.________ auf (AB 18.2/9). Gemäss 
Arztbericht vom 4. Januar 2021 habe sich jene bis zuletzt durch das beruf-
lich und privat überaus anforderungsreiche Leben "gekämpft", dies auf dem 
Boden einer deutlich erhöhten genetisch-biologischen Vulnerabilität hin-
sichtlich einer deutlich herabgesetzten Selbststeuerungsfähigkeit, zusätz-
lich einer ausserordentlich komplexen Biographie mit erfahrenen Bindungs-
traumata und einerseits sehr früher, nicht altersentsprechend erforderter 
Verantwortungsübernahme und entwickelter prekärer Selbständigkeit und 
andererseits einer seit Kindheit bestehenden ausgeprägten Aufmerksam-

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keitsstörung mit überkompensatorisch eingesetzter Leistungsverausga-
bung. Sie habe die eigene Selbstfürsorge völlig vernachlässigt und sei 
schliesslich wiederholt depressiv im Rahmen eines über Jahre progredien-
ten Erschöpfungszustandes dekompensiert. Mangels alternativer greifbarer 
Bewältigungsstrategien und auf dem Boden der tiefgreifenden Selbstwert-
problematik mit ausgeprägter sozialer Ängstlichkeit habe sie sich im Rah-
men eines nicht mehr kompensierbaren Überforderungszustandes wieder-
holt dazu gezwungen gesehen, ihre Arbeitsstelle zu kündigen. Diagnosti-
ziert wurden ein hochgradiger Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und 
Aufmerksamkeitsstörung im Sinne einer ADHS im Erwachsenenalter (ICD-
10 F90.0) mit gegebenenfalls zusätzlicher Dyslexie, eine rezidivierende 
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), 
und ein hochgradiger Verdacht auf eine ängstlich-vermeidende Persönlich-
keitsstörung (ICD-10 F60.6; AB 18.2/10). Die behandelnden Psychiater und 
Psychologen attestierten vom 27. August 2020 bis 31. Mai 2021 eine volle 
Arbeitsunfähigkeit (AB 18.2/12, 7, 19, 22, 25, 32.3/53).

4.1.2 Am 12. Januar 2021 erfolgte in der Psychiatrie des Spitals 
C.________ eine ergänzende neuropsychologische Untersuchung im 
Rahmen der ADHS-Abklärung (AB 17/1). Insgesamt liess sich bei der Be-
schwerdeführerin ein leicht unterdurchschnittliches Leistungsprofil objekt-
vieren, was einer leichten neuropsychologischen Störung entspreche und 
ätiologisch aus rein neuropsychologischer Sicht durchaus zu einer ADHS-
Erkrankung passen würde (AB 17/4). Im entsprechenden Abklärungsbe-
richt vom 1. Februar 2021 wurden als Hauptdiagnosen (1.) eine leichte 
neuropsychologische Störung wahrscheinlich im Rahmen der Diagnose 3, 
(2.) (aktenanamnestisch) eine rezidivierende depressive Störung, gegen-
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) und (3.) ein hochgradiger Ver-
dacht auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Sinne 
einer ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) mit gegebenenfalls zu-
sätzlicher Dyslexie (aktenanamnestisch) genannt (AB 17/1).

4.1.3 Der beratende Arzt der Krankentaggeldversicherung, Dr. med. 
D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Prakti-
scher Arzt, erachtete in der Aktenbeurteilung vom 3. März 2021 die gestell-
ten Diagnosen als nachvollziehbar und die volle Arbeitsunfähigkeit als aus-

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gewiesen. Neben der weiterführenden ambulanten Behandlung seien eine 
medikamentöse Behandlung und gegebenenfalls ein spezifisches Arbeits-
coaching indiziert. Bei gutem Verlauf sei mit einer Wiederaufnahme der 
Arbeit ca. ein Monat nach Beginn der medikamentösen Behandlung zu 
rechnen mit vorsichtiger Steigerung um ca. 10 % pro Monat (AB 32.1/117, 
/104; vgl. auch AB 32.1/106).

4.1.4 Bei nunmehr bestätigter Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und 
Aufmerksamkeitsstörung im Sinne einer ADHS im Erwachsenenalter (ICD-
10 F90.0 [Hauptdiagnose]) und nach Einleitung einer medikamentösen 
Therapie, welche indessen aufgrund übersensibler Reaktion wieder abge-
brochen wurde, gingen die Behandler der Psychiatrie des Spitals 
C.________ bei symptomatischer Besserung von einer Teil-Arbeitsfähigkeit 
ab Juni 2021 aus und attestierten entsprechend für Juni und Juli 2021 für 
jegliche Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von noch 80 % (bezogen auf 
den bisherigen Beschäftigungsgrad von 60 %). Ab August 2021 habe die 
Beschwerdeführerin wieder eine Anstellung als … in einem Pensum von 
40 %; sie fühle sich aktuell in der Lage, in angepasstem Rahmen (Wegfall 
der Funktion als …) maximal in diesem Pensum wieder eine Arbeitstätigkeit 
aufzunehmen (Berichte vom 10. Mai [AB 32.3/59 f.] und 25. Juni 2021 
[AB 36] sowie Berichtigungen vom 1. und 2. Juli 2021 [AB 40 f.]; vgl. AB 34, 
42; vgl. auch AB 26).

4.1.5 Im Verlaufsbericht vom 21. Oktober 2021 gingen die Behandler der 
Psychiatrie des Spitals C.________ von einem stationären Gesundheitszu-
stand aus (AB 47/2 Ziff. 1); in Bezug auf die depressive Symptomatik sei 
eine Stabilisierung eingetreten (AB 47/3 Ziff. 4). Der Arbeitswiedereinstieg 
per 1. August 2021 sei der Beschwerdeführerin gelungen, wobei sie es 
insbesondere in der Anfangsphase als sehr herausfordernd erlebt habe 
und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gekommen sei (AB 47/5 Ziff. 9). Die 
Beschwerdeführerin sei in der neuen Anstellung im Rahmen ihres Pen-
sums von 40 % voll arbeitsfähig; sie sei aber deshalb weiterhin zu 20 % 
(bezogen auf 100 %) krankgeschrieben, weil das ursprüngliche Pensum 
von 60 % nicht erreicht werden könne (AB 47/5 Ziff. 11; vgl. AB 43, 48/1 f., 
52, 60/2, 65/2, 68, 71, 75, 79).

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4.1.6 Die Gutachter der E.________, F.________, im Medizinalberufere-
gister (MedReg; <www.medregom. admin.ch>) ohne Facharzttitel aufge-
führt, Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
sowie PD Dr. med. H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera-
pie, diagnostizierten im psychiatrischen Fachgutachten vom 4. April 2023 
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.2 [recte: F32.1]) und 
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0; 
AB 72.1/16 f. Ziff. 6.3). Die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer psychi-
schen Störung in ihrer Funktionalität im Alltag eingeschränkt. In den Jahren 
vor 2020 sei es ihr gelungen, die an sie gestellten Anforderungen im Beruf 
und Privatleben vollständig und ohne Funktionseinbussen zu erfüllen. Nach 
Veränderungen im Privatleben und selbständiger Kündigung einer Arbeits-
stelle aufgrund von Überforderung sei es ihr psychisch zunehmend 
schlechter gegangen. In der Folge sei es zur ersten (ambulant-
)psychiatrischen Behandlung aufgrund von ADHS und depressiven Episo-
den gekommen (AB 72.1/16 Ziff. 6.1). Dadurch habe eine Teilremission der 
depressiven Symptomatik erreicht werden können, sodass sie ihre jetzige 
Lebenssituation und ihren Tagesablauf aufrechterhalten könne (AB 72.1/17 
Ziff. 7.2). Sie zeige eine gute Alltagsfähigkeit; das Aktivitätsniveau in der 
Kinderbetreuung und Freizeit sei gegeben. Sie sei ebenfalls in der Lage, 
ihren aktuellen Beruf in Teilzeit auszuüben. Es bestehe ein arbeitsbezoge-
nes Beschwerdebild. Die Erschöpfungszustände resultierten aus krank-
heitsimmanenten Konzentrationsstörungen, niedrigem Selbstwert und 
Ängsten vor Fremdbeurteilung im beruflichen Umfeld (AB 72.1/16 Ziff. 6.2). 
Aktuell sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, eine volle Leistungs-
fähigkeit zu erbringen. Derzeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % aus-
zugehen (AB 72.1/17 Ziff. 7.1), so auch in der zurzeit ausgeübten Tätigkeit 
als … (AB 72.1/18 Ziff. 7.5). Die Beschwerdeführerin arbeite derzeit zwei 
Tage pro Woche. Vor und nach der Praxistätigkeit sei ausreichend Rege-
nerationszeit eingeplant, weshalb die Durchführung der aktuellen Arbeit 
realistisch sei. Als Alternative sei auch ein Modell mit mehreren Tagen Ar-
beit pro Woche bei reduziertem Tagespensum entsprechend der Arbeits-
fähigkeit denkbar. Sollte ein angepasstes Stellenprofil im … nicht verfügbar 
sein, werde vor Erhöhung der Arbeitstätigkeit die Durchführung von phar-
makologischen und medikamentösen Therapien zur Behandlung von de-
pressiven Episoden und der ADHS empfohlen; bei optimaler Therapiere-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 12

sponse könne von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 - 100 % 
ausgegangen werden (AB 72.1/18 f. Ziff. 7.6 f.).

4.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 
These abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

4.3 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen 
Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 86) im Wesentlichen auf das psychiatri-
sche Gutachten vom 4. April 2023 (AB 72.1). Dieses erfüllt – jedenfalls was 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 13

die Befunderhebung und die darauf basierende diagnostische Beurteilung 
betrifft – die vorerwähnten höchstrichterlichen Beweisanforderungen (vgl. 
E. 4.2 hiervor) und überzeugt. Die Feststellungen der Gutachter beruhen 
auf eigenen spezialärztlichen Abklärungen und wurden in Kenntnis der 
Vorakten sowie unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden 
getroffen. Die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen 
Zusammenhänge sind für die streitigen Belange umfassend und die 
gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesundheitszustand werden 
nachvollziehbar und einleuchtend begründet. Was die Beschwerdeführerin 
dagegen vorbringt, vermag dessen Beweiswert nicht zu schmälern.

4.3.1 Die Beschwerdeführerin wendet ein, es sei fraglich, ob die Gutach-
ter die Vorakten geprüft hätten, zumal sie sich im Gutachten nicht damit 
auseinandergesetzt hätten. Auch wenn die Gutachter im Aktenauszug le-
diglich zwei Berichte der behandelnden Ärzte (AB 18.2/9 ff. [vgl. E. 4.1.1 
hiervor] und 17 [vgl. E. 4.1.2 hiervor]) explizit erwähnten, lagen ihnen die 
IV-Akten als Ganzes vor (AB 72.1/4 Ziff. 1.3). Bei den ausdrücklich erwähn-
ten Dokumenten handelt es sich um die initialen psychiatrischen und neu-
ropsychologischen Befundberichte. Unerwähnt blieben einzig die Verlaufs-
berichte mit im Wesentlichen unveränderten Diagnosen und die dazu-
gehörenden Arbeitsunfähigkeitsatteste (vgl. E. 4.1.4 f. hiervor). Die Gutach-
ter müssen sich zwar mit den gesamten Vorakten auseinandersetzen, sie 
haben aber in ihrem Gutachten nicht zum Inhalt von sämtlichen Dokumen-
ten ausdrücklich Stellung zu nehmen (vgl. Entscheid des BGer vom 26. 
August 2011, 8C_379/2011, E. 3.2 i.f.). Entgegen den Vorbringen in der 
Beschwerde, S. 4 f. Ziff. 2.1 f., ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass sich 
die Gutachter nicht mit sämtlichen Vorakten auseinandergesetzt hätten. 

4.3.2 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, es bestünden Abweichungen 
zwischen der Einschätzung durch die behandelnden Ärzte und jener der 
Gutachter, wobei letztere die Abweichungen nicht begründet hätten. Insbe-
sondere werde die Entwicklung des Krankheitsverlaufs seit Beginn der Be-
handlungen nicht besprochen. Ohne Differenzierung oder Begründung 
werde rückblickend seit 2020 eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 
40 % festgehalten. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Anmeldung im Fe-
bruar 2021 erging und der frühestmögliche Rentenbeginn somit auf August 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 14

2021 fällt. Entscheidend ist somit ohnehin – unter der Voraussetzung, dass 
ein invalidisierender Gesundheitsschaden gegeben wäre, was nicht zutrifft 
(vgl. E. 5.6 nachfolgend) – die Arbeitsfähigkeit ab August 2021 (vgl. Art. 29 
Abs. 1 IVG, Karenzfrist). 

4.3.3 Was den Einwand angeht, die Gutachter hätten die von der Be-
schwerdeführerin am 7. Januar 2022 gestellten (AB 61) und von der Be-
schwerdegegnerin integral in den Fragenkatalog aufgenommenen Zusatz-
fragen nicht beantwortet (vgl. vorstehend E. 2.1), verfängt auch dieser 
nicht. Die Gutachter haben die Zusatzfragen (AB 62/4 unten) zwar nicht 
explizit, implizit jedoch durchaus beantwortet. Unter Ziff. 7.6 des Gutach-
tens ("Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit", AB 72.1/18) wird Bezug 
auf die (bisherige und aktuelle) … genommen. Daraus ist ohne weiteres zu 
folgern, dass es sich dabei um eine angepasste Tätigkeit handelt, deren 
Ausübung in einem Pensum von 60 % (und damit ausreichender Regene-
rationszeit) als realistisch eingestuft wird. Als Alternative für das ausgeübte 
Modell von zwei Arbeitstagen pro Woche schlagen die Gutachter ein sol-
ches mit reduzierten Tagespensen verteilt auf mehrere Tage vor. Schliess-
lich wird unter Ziff. 7.7 ("Medizinische Massnahmen und Therapien mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit"; AB 72.1/18 f.) ausgeführt, im Falle 
pharmakologischer und medikamentöser Therapien zur Behandlung von 
depressiven Episoden und der ADHS könne bei optimaler Therapierespon-
se von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 - 100 % ausgegangen 
werden. Damit ist die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten 
Tätigkeit hinlänglich beantwortet. 

4.3.4 Die Beschwerdeführerin rügt sodann, das Gutachten sei wider-
sprüchlich. Einerseits würden Symptome einer mittelgradigen depressiven 
Episode erhoben, anderseits werde festgestellt, es bestehe eine gute All-
tagsfähigkeit mit vorhandenem Aktivitätsniveau in der Freizeit und Kinder-
betreuung (Beschwerde, S. 5 f. Ziff. 2.4). Darin liegt jedoch kein Wider-
spruch, zumal die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung aus-
führte, sie verspüre jeweils nach ihren beiden Arbeitstagen als … (Mittwoch 
und Donnerstag) eine starke Erschöpfung (AB 72.1/6 Ziff. 3.2.1, /17 oben). 
Vor diesem Hintergrund erweist sich die gutachterliche Schlussfolgerung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 15

durchaus als nachvollziehbar, dass es sich um ein arbeitsplatzbezogenes 
Beschwerdebild handelt (AB 72.1/16 Ziff. 6.2). 

4.4 Unter diesen Umständen ist betreffend diagnostizierte Gesundheits-
schäden auf das beweiskräftige Gutachten abzustellen. Der medizinische 
Sachverhalt ist rechtsgenüglich abgeklärt und entgegen der Auffassung der 
Beschwerdeführerin (Beschwerde S. 2 Ziff. I Rechtsbegehren 2) bedarf es 
keiner weiteren Sachverhaltserhebungen, weshalb in antizipierter Beweis-
würdigung davon abzusehen ist (vgl. hierzu BGE 144 V 361 E. 6.5 S. 368, 
124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 
E. 4).

5.

5.1 Gestützt auf das psychiatrische Gutachten vom 4. April 2022 
(AB 72.1) ist eine Gesundheitsbeeinträchtigung in Form einer mittelgradi-
gen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) und einer einfachen Aktivitäts- 
und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F99.0) ausgewiesen (AB 72.1/16 f. 
Ziff. 6.3). Zu prüfen bleibt damit, ob anhand des strukturierten Beweisver-
fahrens nach BGE 141 V 281 der psychiatrisch attestierten Arbeitsunfähig-
keit von 40 % (AB 72.1/18 Ziff. 7.5) bzw. von maximal 20 % nach Durch-
führung pharmakologischer und medikamentöser Therapien mit optimaler 
Therapieresponse (AB 72.1/18 f. Ziff. 7.7) auch aus rechtlicher Sicht gefolgt 
werden kann, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast trägt 
(BGE 143 V 409 E. 4.5.2 S. 416; vgl. E. 3.3.1 ff. hiervor).

5.2 Was die Prüfung der ersten Ebene betrifft (vgl. E. 3.3 hiervor), konn-
ten die Experten keine Hinweise auf aggravierende oder simulierende Dar-
stellungstendenzen feststellen (AB 72.1/11 Ziff. 3.2.15). Die Prüfung der 
ersten Ebene schliesst damit einen invalidisierenden Gesundheitsschaden 
nicht aus, womit auf der zweiten Ebene anhand der Standardindikatoren 
die ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des tatsächlich erreichbaren 
Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 3.3.3 hiervor).

5.3 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
"funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 16

5.3.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Sym-
ptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgeschehens an-
hand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätiologie und 
Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 ff.). Da-
bei zeigt sich, dass die Erschöpfung insbesondere nach Anstrengung auf-
tritt und die Beschwerdeführerin die Aufmerksamkeitsstörung während Jah-
ren, bis 2020, gut kompensieren konnte (AB 72.1/17). Es ergeben sich da-
her keine Anhaltspunkte, die eine schwerere Ausprägung der diagnosere-
levanten Befunde nahelegten, als der gestellten Diagnose bereits inhärent 
ist (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 9. Mai 2019, 
9C_755/2018, E. 4.2.1, mit Hinweis auf BGE 143 V 418 E. 5.2.2 S. 425). 

Sodann ist auf die Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder 
-resistenzen als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad 
einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Durch die ambulante 
Therapie konnte eine Teilremission der depressiven Symptomatik erreicht 
werden, sodass die Beschwerdeführerin ihre jetzige Lebenssituation und 
ihren Tagesablauf aufrechterhalten kann. Gleichzeitig wurden bestehende 
und den Leitlinien entsprechende psychotherapeutische, pharmakologische 
und interventionelle Therapiemassnahmen noch nicht in ausreichender 
Konsequenz und Dauer ausgeschöpft (AB 72.1/17 Ziff. 7.2; vgl. AB 72.1/18 
f. Ziff. 7.7; vgl. auch AB 32.1/117). Die (medikamentösen) Behandlungsop-
tionen sind damit bei weitem nicht ausgeschöpft und es liegt keine Behand-
lungsresistenz vor. Zudem befindet sich die Beschwerdeführerin weiterhin 
im Arbeitsprozess; es ist mithin auch keine Eingliederungsresistenz aus-
gewiesen.

Was den Indikator Komorbiditäten (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 f.) 
anbelangt, postulierten die Gutachter keine Wechselwirkungen zwischen 
den depressiven Episoden und der ADHS. Das Vorliegen ressourcenhem-
mender Komorbiditäten ist damit zu verneinen.

5.3.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) verneinten die Gutachter Auffälligkeiten (AB 72.1/15 Ziff. 4.3.3).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 17

5.3.3 In Bezug auf den Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 
E. 4.3.2 S. 302) hat die Beschwerdeführerin durchaus persönliche, familiä-
re und soziale Ressourcen: Sie pflegt eine intakte Beziehung zu ihrem 
Partner und ihrem Sohn und lebt mit diesen in einer gemeinsamen Woh-
nung. In ihrer Freizeit bewegt sie sich gerne in der Natur beim Wandern 
oder Klettern (AB 72.1/9 Ziff. 3.2.10). Mithin ist von einem geregelten Fami-
lienalltag ohne ausgeprägten sozialen Rückzug auszugehen.

5.4 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie "Konsistenz". Darun-
ter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303).

5.4.1 Es besteht keine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenni-
veaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (vgl. BGE 141 V 281 
E. 4.4.1 S. 303 f.), sondern ein arbeitsplatzbezogenes Beschwerdebild 
(AB 72.1/16 Ziff. 6.2). Nach Arbeitstagen (mittwochs und donnerstags) fühlt 
sich die Beschwerdeführerin erschöpft. An Tagen ohne … verbringt sie 
hingegen viel Zeit mit ihrem Kind in der Natur und macht Ausflüge 
(AB 72.1/10 Ziff. 3.2.12). Das Aktivitätsniveau in der Freizeit und Kinderbe-
treuung ist gegeben und die Beschwerdeführerin ist ohne Einschränkungen 
in der Lage, ihre Rolle als Mutter auszufüllen (AB 72.1/16 Ziff. 6.2). 

5.4.2 Ein behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener 
Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) ist mit Blick darauf, 
dass die Beschwerdeführerin sich bislang hinsichtlich der Depression nicht 
medikamentös behandeln liess (AB 72.1/11 Ziff. 3.2.13), zu verneinen. 
Ganz allgemein wurden den Leitlinien entsprechende psychotherapeuti-
sche, pharmakologische und interventionelle Therapiemassnahmen noch 
nicht in ausreichender Konsequenz und Dauer ausgeschöpft (AB 72.1/17 
Ziff. 7.2; vgl. AB 72.1/18 f. Ziff. 7.7; vgl. auch AB 32.1/117).

5.5 In der Gesamtbetrachtung sind die geltend gemachten funktionellen 
Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beeinträchtigun-
gen anhand der Standardindikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich 
erstellt. Es fehlt an einem stimmigen Gesamtbild für die Annahme einer 
rechtlich relevanten psychischen Funktionseinbusse (vgl. hierzu BGE 145 
V 361 E. 4.4 S. 369), weshalb das Vorliegen eines invalidisierenden psy-
chischen Gesundheitsschadens zu verneinen ist. Vor diesem Hintergrund 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 18

kann der im psychiatrischen Gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeit 
(AB 72.1/18 f.) unter rechtlichen Aspekten nicht gefolgt werden. Unter die-
sen Umständen erübrigen sich weitere Ausführungen zu Status und Ver-
gleichseinkommen. Mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens be-
steht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Die ange-
fochtene Verfügung vom 29. Juni 2022 (AB 86) ist nicht zu beanstanden 
und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ent-
nommen.

6.2 Es besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Umkehr-
schluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG; Art. 104 Abs. 3 
VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 11. Dez. 2023, IV/22/482, Seite 19

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.