# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aece8ab6-b549-5bbc-981d-0ba0e5b6acbd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.07.2008 E-4244/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4244-2008_2008-07-02.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4244/2008/
luc/fea/gsi

                             {T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  J u l i  2 0 0 8

Einzelrichterin Christa Luterbacher, 
mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; 
Gerichtsschreiber Andreas Felder.

A_______, geboren (...),
Nigeria,
c/o Empfangs- und Verfahrenszentrum (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf das Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 20. Juni 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess sein Heimatland eigenen Angaben zu-
folge  im April  2008,  und  gelangte  zuerst  mit  einem Personenwagen 
nach Cotonou in Benin, wo er seine Flucht via Schiff und Zug durch 
ihm unbekannte Länder fortsetzte. Am 17. Mai 2008 reiste er schliess-
lich  unter  Umgehung  der  Grenzkontrollen  in  die  Schweiz  ein  und 
stellte gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Val-
lorbe ein Asylgesuch. Der Beschwerdeführer wurde am 6. Juni 2008 im 
EVZ Kreuzlingen summarisch und am 18. Juni 2008 durch das BFM 
eingehend zu seinen Asylgründen befragt. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen Folgendes geltend: Sein Vater habe zirka im Dezember 
2007 eine junge Zweitfrau mit dem Namen B_______ geheiratet. Zirka 
im  Februar  und  April  2008  hätten  er  und  B_______  zwei  Mal 
Geschlechtsverkehr miteinander gehabt. Beim zweiten Sexualverkehr 
habe  sie  sein  Vater  dabei  überrascht.  Da  zusätzlich  noch 
herausgekommen  sei,  dass  B_______  vom  Beschwerdeführer 
schwanger geworden sei, habe der Vater des Beschwerdeführers den 
Ältestenrat im Dorf versammelt, welcher beschlossen habe, dass der 
Beschwerdeführer  für  diese  Tat  den  Tod  verdiene.  Der 
Beschwerdeführer  habe  sich  zuerst  einige  Tage  bei  einem  Freund 
versteckt,  um so  dem Zugriff  seiner  Verfolger  zu  entgehen,  und  sei 
danach  aus  seinem  Dorf  geflohen  und  habe  sein  Land  über  die 
geschilderte Reiseroute verlassen.

B.
Da der Beschwerdeführer zu Protokoll  gab, dass er 17 Jahre alt sei, 
das BFM jedoch Zweifel an dieser Alterangabe hegte, wurde am 29. 
Mai 2008 im Kantonsspital Frauenfeld eine Knochenaltersbestimmung 
nach der Methode Greulich und Pyle beim Beschwerdeführer durch-
geführt. Der Befund dieser Analyse war, dass der Beschwerdeführer 
ein Skelettalter von 18 Jahren habe (vgl. A 8 und A 9).

C.
Am 9. Juni  2008  wurde  eine  Nachbefragung  gemacht,  wo  dem Be-
schwerdeführer unter anderem das rechtliche Gehör zum Befund der 
gemachten  Knochenanalyse  gewährt  wurde.  Hierbei  führte  der  Be-
schwerdeführer  aus,  dass  auf  seinem Geburtsschein  das  Jahr  1991 

Seite 2

aufgeführt sei und ihm auch seine Mutter gesagt habe, dass er im Jahr 
1991 zur Welt gekommen sei.

Aufgrund der unglaubhaften Aussagen zu seinem Alter wurde der Be-
schwerdeführer in der Folge vom BFM als volljährig angesehen.

D.
Am 11. Juni 2008 wurde das Skelettalter des Beschwerdeführers in ei-
nem Zusatzbefund des Kantonsspitals Frauenfeld bei  vollständig ge-
schlossenen Epiphysenfugen nachträglich auf 19 Jahre korrigiert (vgl. 
A 17, S. 2).

E.
Mit Verfügung vom 20. Juni 2008, gleichentags eröffnet, trat das BFM 
gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die 
Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  dessen 
Vollzug  an.  Auf  Einzelheiten  in  der  Begründung  des  angefochtenen 
Entscheids  wird  –  soweit  erforderlich  –  in  den  Erwägungen  einge-
gangen.

F.
Mit Schreiben vom 24. Juni 2008 focht der Beschwerdeführer die Ver-
fügung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte die 
Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 20. Juni 2008 und Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz. Gleichzeitig sei das BFM anzu-
weisen, auf sein Asylgesuch einzutreten. In verfahrensrechtlicher Hin-
sicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.

G.
Die Akten gingen am 25. Juni  2008 (als  Faxkopie)  beziehungsweise 
am  30.  Juni  2008  (Originale  von  Fotografien)  beim  Bundesverwal-
tungsgericht ein (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Seite 3

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört  zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
des  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG; 
Art. 108 Abs. 2 AsylG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).

1.4 Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  gegen  eine  Verfügung, 
laut  deren  Dispositiv  das  BFM  nicht  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers  eingetreten  ist.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichtein-
tretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf 
seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage 
beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht ein-
getreten ist. Die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretens-
entscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  enthält  sich  demnach  einer 
materiellen Prüfung. Sie hebt  einzig die angefochtene Verfügung auf 
und weist die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.). Im Falle des 

Seite 4

Nichteintretens auf ein Asylgesuch gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a und 
Abs.  3  AsylG  ist  indessen  über  das  Nichtbestehen  der  Flüchtlings-
eigenschaft  abschliessend  materiell  zu  entscheiden,  soweit  dies  im 
Rahmen einer summarischen Prüfung möglich ist (vgl. BVGE 2007/8 
insbes. E. 5.6.5 S. 90 f.). Dementsprechend bildet in einem diesbezüg-
lichen Beschwerdeverfahren – ungeachtet der vorzunehmenden Über-
prüfung eines formellen Nichteintretensentscheides – auch die Flücht-
lingseigenschaft Prozessgegenstand (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 S. 73). 
Die Asylgewährung bildet jedoch nicht Gegenstand des vorliegenden 
Verfahrens. Bezüglich  der  Frage  der  Wegweisung  und  des  Wegwei-
sungsvollzuges hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenom-
men, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kog-
nition zukommt.

1.5 Da es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine offen-
sichtlich unbegründete Beschwerde handelt, wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
der Beschwerdeentscheid ist lediglich summarisch zu begründen (Art. 
111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend zudem auf einen 
Schriftenwechsel verzichtet. 

2.
Die Feststellung des BFM, dass der Beschwerdeführer trotz  anders-
lautender Aussagen seinerseits als volljährig angesehen wurde, ist zu 
stützen. Aufgrund des Erscheinungsbildes des Beschwerdeführers und 
seiner vagen Aussagen zu seinem Alter hat das BFM zu Recht eine 
Knochenalteranalyse  vorgenommen,  welche  zumindest  ein  Indiz 
gegen die Glaubhaftigkeit  des geltend gemachten Alters  bildet. Dem 
Beschwerdeführer gelang es in der Folge nicht,  in einer glaubhaften 
Art und Weise darzulegen, dass er tatsächlich erst 17 Jahre alt sei. Die 
entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung, denen 
der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  nichts  entgegengesetzt 
hat, sind zu bestätigen. Alleine mit der Aussage, seine Mutter hätte es 
ihm so erzählt  und es sei  so auf  seiner Geburtsurkunde gestanden, 
welche er jedoch nicht als Beweismittel einreichen konnte, lassen sich 
die  vorherrschenden  Zweifel  an  seiner  angeblichen  Minderjährigkeit 
nicht beseitigen, zumal auch alle weiteren Aussagen des Beschwerde-
führers  zum  Fehlen  von  ID-Papieren,  zum  angeblichen  Reiseweg 

Seite 5

sowie zu den angeblichen Fluchtgründen, wie nachfolgend ausgeführt 
wird,  als  unglaubhaft  bezeichnet  werden  müssen.  Auch  in  der  Be-
schwerdeeingabe wird diesbezüglich nichts Weiteres vorgebracht. Das 
BFM ist  daher  zu Recht  im weiteren Verfahren davon ausgegangen, 
dass der Beschwerdeführer volljährig ist (vgl. zur Beweislastverteilung, 
was die Glaubhaftmachung einer geltend gemachten angeblichen Min-
derjährigkeit  betrifft,  EMARK  2004  Nr.  30  E.  5.1  mit  weiteren  Hin-
weisen).

3.  

3.1
3.1.1 Gemäss  Art.  32  Abs. 2  Bst.  a  AsylG wird  auf  ein  Asylgesuch 
nicht  eingetreten,  wenn Asylsuchende den Behörden nicht  innerhalb 
von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitäts-
papiere abgeben. Diese Bestimmung findet jedoch keine Anwendung, 
wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren  Gründen  nicht  in  der  Lage  (Art.  32  Abs.  3  Bst.  a 
AsylG),  oder wenn aufgrund der Anhörung sowie gestützt  auf  Art. 3 
und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Art. 32 Abs. 3 
Bst. b AsylG), oder sich aufgrund der Anhörung die Notwendigkeit zu-
sätzlicher  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft 
oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  ergibt  (Art.  32  Abs.  3 
Bst. c AsylG).

3.1.2  Unter den Begriff “Reise- oder Identitätspapier“ gemäss Art. 32 
Abs. 2 Bst. a AsylG fallen nur fälschungssichere Dokumente und Aus-
weise,  welche  von  den  heimatlichen  Behörden  hauptsächlich  zum 
Zwecke des Identitätsnachweises ausgestellt worden sind und sowohl 
eine  zweifelsfreie  Feststellung  der  Identität  –  einschliesslich  der 
Staatsangehörigkeit – als auch den allfälligen Vollzug der Wegweisung 
der asylsuchenden Person ermöglichen. Diese Anforderungen erfüllen 
nur Reisepässe und Identitätskarten, nicht aber zu anderen Zwecken 
ausgestellte  Dokumente  wie  insbesondere  Führerausweise,  Berufs- 
und Schulausweise sowie Geburtsurkunden (vgl. BVGE 2007/7).

3.2
3.2.1  Der Beschwerdeführer hat weder einen Reisepass, eine Identi-
tätskarte  noch irgendwelche anderen Dokumente,  welche zumindest 
der Feststellung seiner Identität dienen könnten, den zuständigen Be-
hörden abgegeben.

Seite 6

3.2.2 Zutreffend ist im Weiteren die Schlussfolgerung der Vorinstanz, 
der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, dass die 
Nichtabgabe  von  Reise-  oder  Identitätspapieren  auf  entschuldbare 
Gründe gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG zurückzuführen gewesen 
wäre. Die Rechtfertigungen des Beschwerdeführers bezüglich der Un-
möglichkeit,  Reise- oder Identitätspapiere vorzulegen,  sowie der  von 
ihm geschilderte  Reiseweg,  welchen er  angeblich  ohne jegliche Pa-
piere bestritt,  sind mit diversen Ungereimtheiten behaftet und wirken 
äusserst realitätsfremd. Die gesamten Angaben zum angeblichen Rei-
seweg des Beschwerdeführers sind sehr oberflächlich. Er konnte sich 
seit seiner Ausreise aus Cotonou in Benin an kein einziges Land und 
keine einzige Ortschaft  mehr erinnern, welche er auf seinem Weg in 
die Schweiz passiert  hatte (vgl. A 1,  S. 9).  Zudem wirken die Aus-
sagen  des  Beschwerdeführers,  ein  weisser  Mann  sei  während  der 
ganzen Reise bei ihm gewesen und habe alles organisiert (vgl. A 12, 
S. 4),  er  sei  bei  seiner  per  Schiff  erfolgten  Ankunft  in  Europa  dank 
einer erhaltenen Uniform keinerlei Grenzkontrollen unterzogen worden 
(vgl. A 12, S. 4), und er habe bei seiner anschliessenden Zugreise der 
Passkontrolle ausweichen können, indem er sich im Toilettenabteil ver-
steckt habe (A 1, S. 9), bezüglich dem Standard europäischer Grenz-
kontrollen  als  realitätsfremd.  Aufgrund  dieser  unsubstanziierten  und 
unglaubhaften  Schilderungen  ist  die  Vermutung  der  Vorinstanz, 
wonach  der  Beschwerdeführer  die  Asylbehörden  über  seine  wahre 
Identität und seinen tatsächlichen Ausreiseweg zu täuschen versuche, 
insgesamt zu teilen.

3.2.3 Bezüglich der summarischen Prüfung einer allfälligen Erfüllung 
der  Flüchtlingseigenschaft  oder  des  Bestehens  von  Wegweisungs-
vollzugshindernissen hat die Vorinstanz zudem zahlreiche weitere Un-
stimmigkeiten  in  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  aufgezeigt. 
So machte der Beschwerdeführer unterschiedliche Angaben, wann er 
mit seiner Stiefmutter Geschlechtsverkehr gehabt habe und reduzierte 
schlussendlich  seine Aussage darauf,  dass “diese Sachen“  während 
vier Monaten passiert  seien (vgl. A 19,  S. 4). Weiter lassen sich die 
Aussagen des Beschwerdeführers nicht in eine chronologisch schlüs-
sige Zeitabfolge eingliedern. So sagte der Beschwerdeführer aus, dass 
er, direkt nachdem ihn sein Vater beim erneuten Geschlechtsverkehr 
mit  seiner  Stiefmutter  entdeckt  habe,  zu  einem Freund geflohen sei 
und sich dort versteckt habe. Gleichzeitig will er jedoch auf dem Weg 
zu seinem Freund bereits von einem der Dorfältesten gewarnt worden 
sein, dass ihm der Tod drohe (vgl. A 19, S. 5/6). Zudem sagte der Be-

Seite 7

schwerdeführer  bei  der  Erstbefragung  aus,  dass  die  besagte  Ver-
sammlung erst stattgefunden habe, als seine Stiefmutter ihm und sei-
nem Vater mitgeteilt habe, dass sie schwanger sei, während er bei der 
Anhörung angab, dass die Versammlung stattfand, als sie von seinem 
Vater erwischt wurden (vgl. A 1, S. 7; A 19, S. 6). Aufgrund dieser Un-
stimmigkeiten und Widersprüche ist  die  Einschätzung der Vorinstanz 
zu teilen, dass es sich hierbei um ein Konstrukt handelt.

3.2.4 Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift sind nicht geeignet, 
zu einer anderen Einschätzung zu gelangen. Die Beschwerde enthält 
keine neuen Vorbringen und stützt sich einzig auf die bereits im vorin-
stanzlichen Verfahren gemachten Aussagen.

3.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bereits aufgrund einer sum-
marischen Prüfung der Vorbringen des Beschwerdeführers festzustel-
len war, dass er die Flüchtlingseigenschaft offensichtlich nicht erfüllt. 
Gemäss Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG ist auf ein Asylgesuch jedoch auch 
dann einzutreten, wenn sich aufgrund der Anhörung erweist, dass zu-
sätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  eines  Wegweisungsvollzugs-
hindernisses nötig sind. Da im Falle des Beschwerdeführers     – wie 
sich  aus  den  nachfolgenden  Erwägungen  zur  Frage  des  Weg-
weisungsvollzuges ergeben wird – offensichtlich keine Wegweisungs-
vollzugshindernisse  vorliegen  und  entsprechend  diesbezüglich  keine 
zusätzlichen Abklärungen nötig waren, ist die Vorinstanz zu Recht ge-
stützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht einge-
treten.

4.
Lehnt das BFM das Asylgesuch ab oder tritt  es darauf nicht ein,  so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 
den Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

5.
Der Beschwerdeführer besitzt keine Aufenthalts- oder Niederlassungs-
bewilligung, weshalb die Vorinstanz gestützt auf Art. 44 Abs. 1 AsylG 
zu Recht seine Wegweisung verfügt hat (vgl. EMARK 2001 Nr. 21)

Seite 8

6.
6.1  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]). Dem Beschwerdeführer  ist  es vorliegend  nicht  gelungen, 
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG beziehungsweise Art. 
1 A Ziff. 2 FK glaubhaft darzulegen, weshalb das nur auf Flüchtlinge 
Anwendung findende Non-Refoulement-Prinzip nach Art. 33 Ziff. 1 FK 
im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet. Aufgrund der zahl-
reichen Unstimmigkeiten in den Aussagen des Beschwerdeführers be-
stehen  zudem  keine  Gründe  für  die  Annahme,  dass  ihm  bei  einer 
Rückführung  nach  Nigeria  eine  gemäss  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grund-
freiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung 
drohen würde. Gemäss eigenen Aussagen ist  der  Beschwerdeführer 
weder politisch noch religiös aktiv und hatte noch nie Schwierigkeiten 
mit irgendwelchen Behörden oder Organisationen (vgl. A 1, S. 8).

Der Vollzug der Wegweisung erscheint daher in Beachtung der mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig.

6.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

Hierzu kann vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden. In  Nigeria  herrscht  weder  Krieg  noch eine Situation 
allgemeiner Gewalt. Die politische und wirtschaftliche Situation in Ni-
geria  lässt  eine  Rückführung  nicht  als  generell  unzumutbar  er-
scheinen.

Beim Beschwerdeführer handelt es sich zudem um einen jungen, ge-
sunden Mann. Aufgrund der unglaubhaften Vorbringen muss einerseits 

Seite 9

nicht  davon ausgegangen werden,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht 
zu seiner Familie zurückkehren könnte, andererseits hat sich gezeigt, 
dass  er  auch  auserhalb  seiner  Familie  über  ein  Beziehungsnetz 
verfügt, welches ihm auf seiner Flucht geholfen hat (vgl. A 1, S. 8). Da 
die gänzlich unsubstanziierten Aussagen des Beschwerdeführers über 
seine gesamte familiäre und berufliche Situation ebenfalls unglaubhaft 
wirken  (vgl.  A  12,  S.  2,  4/5),  ist  es  nicht  möglich,  weiterführende 
Aussagen  zu  machen.  Es  sind  jedoch  keine  offensichtlichen 
Wegweisungshindernisse  feststellbar,  womit  es  dem 
Beschwerdeführer  daher  zuzumuten  ist,  sich  in  seinem Heimatstaat 
wieder zu integrieren.

Weder  die  allgemeine  Lage  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers 
noch  individuelle  Gründe  lassen  somit  im  Falle  einer  Rückkehr  auf 
eine konkrete Gefährdung schliessen, weshalb der Vollzug der Weg-
weisung vorliegend auch als zumutbar bezeichnet werden kann.

6.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zustän-
digen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit auf sie einzutre-
ten ist.

9.
Das mit  Beschwerde vom 24. Juni 2008 gestellte Gesuch um unent-
geltliche Prozessführung wird abgewiesen, da es sich wie vorliegend 
aufgezeigt, um eine offensichtlich unbegründete Beschwerde handelt 
und  die  Beschwerdebegehren  daher  als  aussichtslos  angesehen 
werden müssen.

Seite 10

Bei  diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten somit  dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf ins-
gesamt Fr. 600.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 11. De-
zember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer  durch Vermittlung des Empfangs-  und Ver-
fahrenszentrums Kreuzlingen (Einschreiben; Beilage: Einzahlungs-
schein)

- das  BFM,  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  (vorab 
per Telefax zu den Akten Ref. Nr. N_______, mit  der Bitte um Er-
öffnung  des  Urteils  an  den  Beschwerdeführer  und  um Zustellung 
der beiliegenden Empfangsbestätigung an das Bundesverwaltungs-
gericht; Beilage: 3 Fotos)

- (...)

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Christa Luterbacher Andreas Felder

Versand: 

Seite 12