# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b9f09cc4-5846-50cd-853c-9be8839c6485
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-04-30
**Language:** de
**Title:** Medizinischer Revisionsgrund, Gutachten beweiskräftig, Mahn- und Bedenkzeitverfahren nicht durchzuführen, Indikatorenprüfung, Eingliederungsmassnahmen nicht erforderlich
**Docket/Reference:** IV.2018.00856
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00856.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00856
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichterin Senn
Gerichtsschreiber Weber
Urteil
vom
30. April 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Martin Hablützel
schadenanwaelte
AG
Alderstrasse
40, Postfach, 8034 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1964 geborene
X.___
, welcher
die Handelsschule besuchte
sowie zuletzt
von
1996
bis
Ende 2001
als Versicherungsvertreter
tätig war
,
bevor ihm
seine Anstellung
auf den 3
1.
Dezember
2001 gekündigt wurde
(
Urk.
7/6/4, 7/59/30)
,
meldete sich am 7.
Oktober
2003 (Eingangsdatum,
Urk.
7/1) unter Hinweis auf eine HIV-Erkrankung,
ein
Lymphomrezidiv
,
eine Hepatitis
C,
eine
n
Peri
karderguss -
Perikardtamponade
, diverse Allergien,
eine
Depression
sowie
wie
der
kehrende
gesundheitliche Rückfälle zum Bezug von Leistungen der Inva
liden
versicherung an (
Urk.
7/1).
Die IV-Stelle
tätigte
daraufhin
medizinische und erwerbliche Abklärungen und sprach
dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ab
dem
1.
September 2003 eine ganze Invalidenrente
zu
(Verfügung vom
2
0.
Februar
2004
[
Urk.
7/16
]
).
1.2
Im Zuge der
2005, 2007 und 2011
von Amtes wegen eingeleiteten Renten
revi
sionen bestätigte die IV-Stelle
jeweils
bei einem (unveränderten) Invaliditätsgrad von 100 %
die ganze Invalidenrente (
Mitteilungen vom
27.
Dezember 2005 [
Urk.
7/26],
vom
16. März 2007 [
Urk.
7/30
]
und
vom
2
5.
Juli 2011
[
Urk.
7/42])
.
1.3
Anlässlich der 2016 von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision
holte
die IV-
Stelle
einen Verlaufsberich
t des behandelnden Psychiaters
(Bericht vom
6.
Dezem
ber 2016,
Urk.
7/47) sowie des Universitätsspital
s
Y.___
, Klinik für
Infektio
ns
krankheiten und Spitalhygiene
(
Eingang am 1
7.
Februar
2017,
Urk.
7/51)
,
ein und veranlasste die Erstellung
ein
es
bidisziplinären
Gutachten
s
in internistischer und psychiatrischer Fachrichtung. Nach erfolgter
Begutachtung durch die
Z.___
(Gutachten vom 23. November 2017,
Urk.
7/59)
stellte
die IV-Stelle mit Vorbe
sc
heid vom
7.
Dezember 2017 (Urk.
7/61)
in Aussicht
, die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats aufzu
heben. Dagegen erhob der Versicherte unter Beilage
verschiedener
Arztbericht
e
(
Urk.
7/65
, 7/71, 7/72) Ein
wand (Einwä
nd
e
vom
5.
Januar
[
Urk.
7/62]
,
14
.
Febru
ar
[Urk. 7/66]
und 2
6.
März
2018
[
Urk.
7/73
]
). Die IV-Stelle hielt indes an ihrem Vorbescheid fest und ver
fügte
am 2
9.
August 2018
im angekündigten
Sinne (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
mit Eingabe vom
1.
Oktober 2018 (
Urk.
1) Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten,
ihm
au
ch weiterhin, d.h. üb
er
den 3
0.
September 2
018 hinaus, eine Invalidenrente auszurichten
, eventualiter sei - vorzugsweise durch das Gericht - eine unabhängige
medizinische Begutachtung, insbesondere unter Einbezug eines Psychiaters, zur Klärung des medizinischen Sachverhalts in Auftrag zu geben,
subeventualiter
sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten, den Anspruch auf berufliche Eingliederungsmass
nah
m
en abzuklären und sodann geeignete Massnahmen durchzuführen. Im Weiteren sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen. Die Beschwerdegegnerin schloss in
ihrer Beschwerdeantwort vom 2.
November 2018 (
Urk.
6
) auf Abweisung der Be
schwerde. Hiervon wurde
der Beschwerdeführer am
6.
November 2018 in Kennt
nis gesetzt.
In derselben
Verfügung wurde den Parteien mitgeteilt, die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels werde a
ls nicht erforderlich erachtet
(
Urk.
8
).
Mit Eingabe vom 1
9.
Februar 2020 (
Urk.
10) legte der Beschwerdeführer
den Schlussbericht betreffend die vom
7.
Januar 2019 bis zum
7.
Februar 2020 durch
geführten Massnahmen in beruflicher Hinsicht
ins Recht (
Urk.
11).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad
von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es über die Invalidenversicherung,
IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht.
1.4
1.4.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie
Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen ein
ander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gege
be
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hob die bisherige
ganze Rente mit Wirkung per 1.
Oktober 2018
vollumfänglich
auf (
Urk.
2). Zur Begründung führte sie
-
auch
unter Verweis auf einen erwerblichen Revisionsgrund -
an, Abklärungen hätten ergeben, dass sich die gesundheitliche Situation spätestens Ende 2012 verbessert habe.
Körperliche
Beeinträchtigung
en
, die zu einer Arbeitsunfähigkeit
geführt hätten
,
lägen seit
längerer Zeit nicht mehr
vor
. Die HIV-Infektion sei sehr gut eingestellt und habe deshalb keine Arbeitsunfähigkeit
zur Folge.
Infolge einer
leichten
depressive
n
Störung
sei dennoch von einer
20%ige
n
Arbeitsunfähigkeit
auszugehen
.
Unerheblich dessen verfüge der Beschwerdeführer
aber
über genü
gend Ressourcen, um eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt aufzunehmen.
2.2
Der Beschwerdeführer
machte demgegenüber geltend
,
sein rechtliches Gehör sei verletzt worden, indem
den Gutachtern
die im Nachgang zum Gutachten ver
fassten Stellungnahmen seines Hausarztes sowie seines behandelnden Psychiaters nicht vorgelegt worden seien.
Davon unabhängig
sei
ein
Revisionsgrund
nicht
ausgewiesen
.
Bei gegenteiliger Annahme
sei
sodann
zu berücksichtigen, dass
das
eingeholte
Gutachten
die vom Bundesgericht
aufgestellten Kriterien, um darauf abstellen zu können, nicht erfülle
.
Für den Fall, dass das Gutachten dennoch als beweiskräftig erachtet würde, sei zu berücksichtigen, dass (in Zusammenhang mit dem Einkommensvergleich) ein
leidensbedingter Abzug von
mindestens
20 %
zu gewähren
sei
.
Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass
keine rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit
seinem
Anspruch auf berufliche
(
Eingliederungs
-)Mass
nahmen
stattgefunden
habe
(Urk.
1).
3.
3.1
Ob eine revisionsrechtlich relevante Änderung eingetreten ist, ergibt sich aus dem Vergleich des Sachverhalts wie er im Zeitpunkt der ursp
rünglichen
Rentenzu
spra
che
am 2
0.
Februar 2004 (Urk. 7/16) bestand - anlässlich der Revisionen in den
Jahren 2005, 2007 und 2011 wurden jeweils nur kurze Verlaufsberichte (Urk. 7/
24, 28, 37-39) eingeholt, was dem Anspruch an eine rechtskonforme Sachverhaltsab
klärung nicht zu genügen vermag (E.
1.3
) - mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfügung (Urk. 2) zugrunde liegt.
3.2
Di
e ursprüngliche
Rentenzusprache
basierte in medizinischer Hinsicht im
We
-
s
entlichen
auf dem Beric
ht des behandelnden Hausarztes
sowie des behandelnden Psychiaters (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss,
Urk.
7/11).
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
behandelnder Hausarzt
,
war damals zu folgenden Diagnosen
(mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit)
gelangt
, wobei er dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert
hatt
e (Bericht vom
7.
November 2003,
Urk.
7/8/3-4):
-
HIV-Infektion CDC-Stadium C3
-
Dif
f
uses gro
sszelliges B-Zell-Lymphom Stadium IIIE mit Befall des terminalen Ileums, des linken Lungenhilus, mesenterial und Leberpforte, Milz
-
Chronis
c
he Hepatitis C
-
Status nach Thrombose der
Vena
iliaca
communis
und
externa
rechts
im Januar
2003
-
Status nach hämorrhagischem Perikarderguss mit beginnender
Perikard
tam
ponade
nach
e
ntgleister oraler Antikoagulation
i
m Juli 2003
-
Depressive Verstimmung
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
als psychiatrische
Diagnose
mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
(Bericht vom 1
7.
November 2003
,
Urk.
7/9
) eine r
eaktive Depres
sion auf
die
Lebenssituation, mindestens bestehend seit 200
2. Dr.
B.___
beschei
nigte dem Beschwerdeführer in Bezug auf die angestammte Tätigkeit eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/9/1).
3.3
Die vorliegend angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht auf der am
2.
und
4.
Oktober 2017 durchgeführten psychiatrischen und internistischen Unter
suchung respektive dem Gutachten vom 2
3.
November 2017 (
Urk.
7/59). Interdisziplinär wurden dabei folgende Diagnosen
genannt
(
Urk.
7/59/10)
:
Mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.
0
)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Schädlicher Gebrauch von Cannabis
-
HIV-Infektion
-
Zustand nach grosszelligem Non-Hodgkin-B-Zell-Lymphom, Stadium III
,
rezidivfrei
seit 2003
-
Chronische Hepatitis C
-
Dyslipidämie
-
Osteoporose
-
Verdacht auf Rosazea
-
Geringgradige degenerative Veränderungen linkes Kniegelenk
-
Prostatahyperplasie
Die Gutachter attestierten dem Beschwerdeführer in Bezug auf seine angestammte Tätigkeit als
Versicherungsvertreter (
Urk.
7/59/30)
eine 60 bis
70%ige Arbeits
fähigkeit. Hinsichtlich einer Verweistätigkeit bescheinigten sie eine Arbeits
fähig
keit von 80 bis
90 % (
Urk.
7/59/14). Als «optimal geeignet» bezeichneten sie eine überwiegend sachbetonte (kein Kundenkontakt oder allenfalls Kundenkontakt in geringem Umfang), gut strukturierte, kognitiv eher einfache Tätigkeit ohne be
sonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belast
barkeit (
Urk.
7/59/14).
Zum Befund
hielt der psychiatrische Gutachter fest,
der Beschwerdeführer habe sich im Erstkontakt angespannt, insgesamt jedoch als zugewandt und situations
adäquat gezeigt. Auch habe
rasch
ein tragfähiger Kontakt hergestellt und durch
gehend aufrechterhalten werden können.
Er habe berichtet, infolge der Medika
mentennebenwirkungen sei seine Konzentration beeinträchtigt, was jedoch nicht durchgehend der Fall sei. Es gebe gute Tage mit wenig Nebenwirkungen und schlechte Tage mit reduzierter Konzentration. Der aktuelle Untersuchungstag sei ein solch schlechter Tag.
Der
Gutachter notierte, der
Beschwerdeführer sei be
wusstseinsklar und zu allen Qualitäten
(
autopersonell, situativ, zeitlich und ört
lich) vollständig orientiert gewesen. Auch der formale Gedankengang sei geord
net gewesen. Anamnestisch habe er zwar über ein häufiges Grübeln geklagt. In der Untersuchungssituation hätten sich allerdings keine Hinweise auf Wahn
ge
danken, H
alluzinationen oder illusionäre
Verkennungen ergeben. Sodann hätt
e
n
die Merkfähigkeit sowie das Kurz- und Langzeitgedächtnis im klinisch-psycho
pathologischen
Befund unbeeinträchtigt gewirkt und die höheren kogni
tiven Leistungen (problem
l
ösendes Denken, Urteilsvermögen) seien angemessen diffe
renziert gewesen. Darüber hinaus habe auch die
Auffassung nicht erschwert ge
wirkt
, wobei a
uch keine Hinweise für intellektuelle Defizite vorgelegen
hätten
.
Im Weiteren
habe sich der Beschwerdeführer
- obwohl er angegeben habe, der aktu
elle Tag sei ein schlechter Tag -
gut konzentrieren sowie auch umfangreichere und komplexere Sachverhalte
(
wie die Entwicklung seiner Erkrankung
)
flüssig und konzentriert darstellen können.
Sodann habe er
dem Untersuchungsgespräch ganz überwie
gend gut folgen können, wobei er ra
sche
Themenwechsel
ebenfalls
problemlos
bewältigt habe
.
Dennoch erscheine es als plausibel, dass die Kon
zen
trationsfähigkeit bei in Zusammenhang mit stärkeren körperlichen Beschwerden und zusätzlich bestehender depressiver Verstimmung zeitweilig beeinträchtigt
sein könne
.
Aus dem Gutachten geht weiter hervor, dass
keine Anzeichen für eine Antriebsminderung
festgestellt werden konnte
n
.
Vielmehr hielt der Gutachter in diesem Zusammenhang fest,
der Beschwerdeführer
habe
seine Situation und seine
Sicht der Dinge mit
«
ausgesprochen viel Elan und Engagement
»
berichtet. Dieses Verhalten lasse sich deshalb nicht mit einer stärker ausgeprägten
Antriebsmin
derung vereinbaren.
Der Gutachter hielt im Weiteren fest,
Symptome wie Selbst
vorwürfe und Schuldgefühle,
wie sie
bei stärker ausgeprägten Depression
en
zu
meist zu erheben seien, würden vorliegend vollends
fehlen
.
Vielmehr
habe der Beschwerdeführer
gegenüber
Dritten Vorwürfe
erhoben
.
Auch
habe sich beim Beschwerdeführer kein reduziertes Selbstwertgefühl gezeigt.
Eher
habe dieser
(
wiederholt
)
auf seine beruflichen Kompetenzen und Erfolge als Versiche
rungs
vertreter hingewiesen (
Urk.
7/59/31-32
).
Hinsichtlich Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde
wurde
im
psychia
trischen
Gutachten
festgehalten,
die depressive Symptomatik stehe im Vorder
grund.
So beschreibe der
Beschwerdeführer zum einen eine q
uasi durchgehende Depressivität und
zum anderen Schwankungen, welche von der körperlichen Befindlichkeit
abhängen würden
. Darüber hinaus bestehe
beim Beschwerdeführer
ein Drang zu Suchtmitteln (Cannabis), wobei
diesbezüglich von einem schädli
chen
Gebrauch
ausgegangen werden müsse
. Gegen eine Abhängigkeit spreche jedoch, dass der Beschwerdeführer
den Cannabiskonsum
- nach eigenen Angaben -
über eine längere Zeit (bis zu einem Jahr) auch
ausgesetzt habe. Seit längerem würde der Beschwerdeführer jedoch wieder regelmässig Cannabis konsumieren
, wobei sich diese Aussage mit den Ergebnissen
der am
4.
Oktober 2017 erfolgten Laboruntersuchung
decke
(
Urk.
7/59/33
, 35
).
In diagnostischer Hinsicht hielt der psychiatrische Gutachter sodann fest
, der Cannabiskonsum
trage
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu den depressiven Verstimmungen
bei. Infolge dessen sei
ein schädlicher Konsum von Cannabis (F12.2) zu diagnostizieren (
Urk.
7/59/
34
).
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer
geklagten
schwankende
n
Symptomatik mit «schlechten Tagen»
(vgl. dazu
Urk.
7/59/26, 7/59/45)
erklärte der Gutachter
,
es sei
lediglich
eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0)
,
zu diagnostizieren. Gegen
eine stärker ausgeprägte Depressivität im Ausmass einer mittelgradigen
oder
gar schweren depressiven Symptomatik spreche, dass sich der Beschwerdeführer in der Untersuchungssituation nur leichtgradig, keinesfall
s
mittelgradig oder gar schwer depressiv gezeigt habe. So habe insbesondere keinerlei Antriebs
minde
rung festgestellt werden können. Vielmehr habe der
Beschwerdeführer
lebhaft und
ausführlich
seine Situation und seine Sicht der Dinge geschildert.
Symptome
wie
Schuld
gefühle, Selbstvorwürfe oder ei
n vermindertes Selbstwertgefühl, welche
auf eine schwere Depression hinweisen würden,
hätten demgegenüber nicht fest
gestellt werden können. Darüber hinaus widersprächen
auch
die Schilderungen
z
u seinem Alltag den Symptomen eine
r stärker
ausgeprägte
n
Depression.
In Bezug auf die
seit 1984 bekannte
HIV-Infektion
beschrieb der
internistische
Gutachter
keine funktionellen Einschränkungen
.
Im Einzelnen hielt
er
dazu
fest, an
HIV-assoziierten Erkrankungen seien ein Lymphom sowie
im Jahr
1994 eine orale
Leukoplakie
aufgetreten. Das
im Jahr
20
0
2 diagnostizierte Lymphom
habe
jedoch
chemotherapeutisch behandel
t
werden können, weshalb der Beschwerde
führer seitdem
rezidivfrei
sei.
Im Weiteren erfolge derzeit eine antiretrovirale Therapie. Die Helferzelle
n
würde
n
dabei im
normalen
Bereich liegen, womit ein Immundefekt im Rahmen der HIV-Infektion ausgeschlossen werden könne. So
dann sei die Viruslast supprimiert und liege unterhalb der Nachweisgrenze. Die antiretrovira
le Therapie werde insgesamt gut
vertragen. Die vom Beschwerde
füh
rer beklagte Diarrhö
gehe möglicherweise als Nebenwirkung des Protease-Inhi
bi
tors einher.
Dasselbe
habe
in Bezug auf den beklagten Meteorismus
zu gelten
.
Wie sich aus dem Gutachten weiter ergibt, ersah der Gutachter auch in Bezug auf die übrig
en
von ihm genannten Diagnosen keine f
unktionelle
n
Einschränkungen
. Betreffend die
(
aktenkundige
)
Dyslipidämie hielt er fest,
deren Vorhandensein sei mitunter auf die antiretrovirale Therapie zurückzuführen.
In Bezug auf die
(
durch Knochendichtemessungen nachgewiesene
)
Osteoporose
vermerkte er weiter
,
diese stehe wahrscheinlich in Zusammenhang mit einer früher durchgeführten antire
troviralen Therapie. Dem Beschwerdeführer sei
dabei
eine Therapie mit
Bipho
phonaten
empfohlen
worden
,
welche dieser jedoch abgelehnt habe
. In Bezug auf die degenerative Veränderung am linken Kniegelenk vermerkte der Gutachter, die Befunde seien nur gering ausgeprägt. Darüber hinaus beklage der Beschwerde
führer
diesbezüglich
auch keine Schmerzen.
Zur
diagnostizierte
n
Hepatitis C hielt
er
alsdann
fest, diese könne als ausgeheilt betrachtet werden.
Weder seien
im weiteren Verlauf
Rezidiv
e aufgetreten
noch bestünden Anhaltspunkte für eine Fibrose
(
Urk.
7/59/12-13).
4.
Zu prüfen ist vorab die formelle Rüge, wonach
das rechtliche Gehör
verletzt wor
den
sei. Zur Begründung liess der Beschwerdeführer vortragen,
die im Nachgang zum Gutachten verfassten Stellungnahmen
des
Hausarztes sowie
des
behandeln
den Psychiaters
seien
den Gutachtern
zu Unrecht
nicht vorgelegt worden (
Urk.
1 S. 8-10
).
Der vom Beschwerdeführer erhobene Vorwurf einer Gehörsverletzung zielt ins Leere. So stand ihm die Möglichkeit offen, sich zum Gutachten, dessen Beweis
tauglichkeit es abzuklären gilt, zu äussern.
Hiervon machte er Gebrauch und legte unter anderem die beiden erwähnten Berichte ins Recht.
Damit hat der Be
schwerdeführer einzig Kritik am Gutachten der
Z.___
geübt, womit der Gewährung des rechtlichen Gehörs – Stellungnahme zum Gutachten – hinrei
chend Rechnung getragen wurde
.
5.
D
ie hier
in Frage stehende
Rentenaufhebung
der
mit Verfügung vom
2
0.
Februar 2004
(
Urk.
7/16
)
zugesprochenen
ganze
n
Rente setzt voraus, dass eine wesent
liche Änderung der tatsächl
ichen Verhältnisse - namentlich
des Gesundheits
zustandes oder seiner erwerblichen Auswirkungen - mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen ist (
E.
1.3
).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede Änderung in den persönlichen Verhä
ltnissen im Vergleichszeitraum
, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
(Urteil des Bundesgerichts 9C_479/2018
vom 2
2.
Februar 2019 E. 2.1).
Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt,
ist
, bezogen auf den Ver
gleichszeitpunkt der
Rentenzusprache
(E. 3.1)
von einer Verbesserung des G
esundheits
zustandes auszugehen.
Darauf weist auch der Umstand hin
,
dass der Beschwer
deführer
seine Erwerbstätigkeit
zusehends ausbauen konnte
(vgl. IK-Auszug
[
Urk.
7/46] sowie
Feststellungsblatt für
den Beschluss
der
Erstzusprache
[
Urk.
7/11
]
).
Damit kann offenbleiben, ob
gegebenenfalls
auch von einem erwerb
lichen
Revisionsgrund
auszugehen
wäre
.
Die
Beschwerdegegnerin
war
in jedem Fall
berechtigt, den
Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurtei
lungen bestand (E. 1
.3).
6.
Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers vermag das Gutachten
der
Z.___
vom
23. November 2017
(E.
3.3
) die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E.
1.5
)
. So
tätigten die Gut
achte
r sorgfältige, umfassende Abklä
rungen
.
Auch
forderte der internistische Gut
achter mehrere Fremdbefunde an (
Urk.
7/59/46
). Der
psychiatrische Gutachter
andererseits erhob
seinen Befund nicht nur aufgrund eigener Feststellung
en
, sondern
zusätzlich
auch
mittels eines spezifischen Fragekatalog
s
(s. Fragebogen «Fatigue
Severity
Scale
, FSS»,
Urk.
7/59/43)
.
Sodann erhoben die Gutachter eine ausführliche Anamnese (Fragen
nach der aktuellen
Behandlung
,
Urk.
7/59/28
,
und
der
eingenommenen
Medikation
,
Urk.
7/59/28
, 7/59/44, sowie der
in seiner Familie vorhandenen Krankheiten
,
Urk.
7/59/29, 7/59/45) und
befasste
n
sich mit seiner (Erwerbs-)Biografie sowie seinem sozialen Umfeld (
Urk.
7/59/29-30, 7/59/45)
.
Im Weiteren
berücksichtigten
die Gutachter
die geklagten Beschwerden (
Urk.
7/59/26-27, 7/59/43) und
beschrieben die Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde ausführlich (E.
3.3
).
Sie
begründeten
ihre Einschät
zung in nachvollziehbarer Weise sowie
in Auseinandersetzung mit den
relevant
en
Vor
akten
(
Urk.
7/59/3-
9, 7/59/
37-38
, 7/59/43-44
)
.
Ebenfalls setzten
sie sich
mit (all
fällig vorhandenen)
Komorbiditäten (
Urk.
7/59/33-34) aus
einander
.
Damit erfüllt das Gutachten die normativen Vorgaben (E.
1.5
)
, womit diesem
volle Beweiskraft zu
kommt
.
Was der Beschwerdeführer gegen das Gutachten vorbringt, vermag demgegen
über nicht zu überzeugen. Soweit er
rügt, der Arztbericht
des Spitals
C.___
vom 2
2.
November 2013
sei
den Gutachtern nicht vorgelegt
worden, weshalb von einem unvollständigen Gutachten auszugehen sei
(
Urk.
1 S. 16
)
, ist darauf hin
zuweisen, dass
der
im genannten
Bericht diagnostizierte Pneumothorax
im Gutachten erwähnt wird
(
Urk.
7/59/44).
Im Übrigen sind nur wesentliche Berichte vom Untersuchungsgrundsatz erfasst; dass der im Jahr 2013 aufgetretene Pneu
mothorax noch irgendwelche funktionellen Auswirkungen zeitigen würde, macht denn der Beschwerdeführer gar nicht geltend und
es
sind hierfür auch keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich.
Aus dem Gutachten geht ferner hervor, dass
auch
das Belastungsprofil korrekt erhoben wurde. So wurde dieses
sowohl in positiver (überwiegend sachbetont
e
, gut strukturierte,
kognitiv einfache Tätigkeiten [
Urk.
7/59/14, 7/59/36
]
) wie auch in negativer Hinsicht (kein Kundenkontakt, kein besonderer Zeitdruck, keine erhöhten Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit
[
Urk.
7/59/14, 7/59/36
]
)
formuliert
(
Urk.
1 S. 14)
.
Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang eine erhöhte Infektionsanfälligkeit geltend macht (
Urk.
1 S. 14), ist darauf hin
zuweisen, dass anlässlich der Untersuchung eine supprimierte Viruslast sowie Helferzellen im normalen Bereich festgestellt wurden
, mithin eine erhöhte Infekt
anfälligkeit nach
gerade ausgeschlossen wurde
(
Urk.
7/59/49); damit zielt auch diese Behauptung ins Leere.
Ebenso wenig vermag der
weitere Vorwurf des Be
schwerdeführers, der Tagesablauf sei in «irreführender Weise nur für einen ‘guten Tag’ erfragt und festgehalten worden»
(
Urk.
1 S. 13)
,
durchzudringen, sind im Gutachten doch ausdrücklich A
ngaben zu „g
uten” als auch zu „schlechten”
Tagen aufgeführt
(
vgl. Urk. 7/59/26-27 und
Urk.
7/59/45).
Dass
die Gutachter gestützt auf die erhobenen Befunde zum Schluss gekommen
sind
,
dem Beschwerdeführer
sei
in Bezug auf die angestammte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 60 bis 70
% und hinsichtlich einer adaptierten eine
solche
von 80 bis 90
%
zu attestieren (
Urk.
7/59/12),
ist sodann schlüssig und nach
vollziehbar
.
So wies der psychiatrische Gutachter
darauf
hin
, der Beschwerde
führer
habe
den Untersuchungstag hinsichtlich Stimmung
zwar
zu den schlech
teren Tagen
gezählt
,
sich in der Untersuchungssituation
jedoch
nur leichtgradig, keinesfalls mittelgradig oder gar schwer depressiv gezeigt
(
Urk.
7/59/11)
.
Im Weiteren vermerkte er
, der Beschwerdeführer habe sich gut konzentrieren sowie auch umfangreichere und komplexere Sachverhalte (wie die Entwicklung seiner Erkrankung) flüssig und
konzentriert darstellen können.
Zudem habe sich auch keinerlei Antriebsminderung gezeigt. Auch der übliche Tagesablauf, dem der Beschwerdeführer an sogenannten «schlechten Tagen» nachgehe, spreche gegen eine stärker ausgeprägte Depressivität
(
Urk.
7/59/11, E.
3.
3
). Alsdann ist auch
d
ie Einschätzung des internistischen Gutachters, wonach
eine funktionelle Auswirkung der
von ihm
genannten Diagnosen
zu verneinen sei (
Urk.
7/59/12),
nach
vollziehbar und
vermag
zu überzeugen.
Mit seinem
Vorbringen, eine hinrei
chen
de Auseinandersetzung mit den «Wechsel- und Nebenwirkungen» habe nicht stattgefunden (
Urk.
1 S. 13, 1 S. 17-18),
vermag der Beschwerdeführer hingegen nicht durc
h
zudringen
,
wa
r
in somatischer Hinsicht eine Leistungseinschränkung nicht zu begründen und
wies der internistisc
he Gutachter insbesondere darauf hin
, dass die antiretrovirale Therapie insgesamt gut vertragen werde
(E. 3.3 am Schluss).
Insofern der Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf
die am 22. August 2018 durch
Dr.
med.
D.___
durchgeführte pneumologische Diagnostik
eine Ver
schlechterung seines Ge
sundheitszustandes geltend machen will
(
Urk.
1 S. 11, 3), ist darauf hinzuweisen, dass
sich hieraus
keine Befund
e
ergeben, welche dem
im Gutachten formulierte
n
Belastungsprofil
entgegenstünden, umso weniger als
An
gaben zur Arbeitsfähigkeit
fehlen
.
Alsdann ist in Bezug auf die vom Be
schwerdeführer ins Recht gelegten Berichte
der behandelnden Ärzte
(
Urk.
7/71, 7/72) festzuhalten, dass
es sich
bei diesen
jeweils nur um eine zum Gutachten verfasste Stellungnahme
handelt
und
es die unterschiedliche Natur von Behand
lungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutach
tungs
auftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu
lässt
, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vor
be
halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E.
2.2.1 [I 514/06]).
Solche Aspekte sind
nicht ersichtlich und wurden auch nicht substantiiert geltend gemacht
.
Soweit
der Beschwerdeführer
schliesslich
vorbringen lässt, die medizinisch-theoretische Arbeits
fähigkeits
einschätzung
der Gutachter
sei mit den berufs- und sozialpraktischen Erfahrungen
nicht
in Einklang zu bringen
(
Urk.
10, mit Verweis auf den Schlussbericht betreffend berufliche Massnahmen / Eingliederungsmass
nahmen vom 1
7.
Februar 2020 [
Urk.
11])
,
ist auf die bundesgerichtliche Recht
sprechung hinzuweisen, wonach die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkei
ten
und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesund
heits
schädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliede
rungs
fachleute auf Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleis
tung zu beantworten
ist
(Urteil
des Bundesgerichts
8C_334/201
8 vom 8. Januar 2019 E.
4.2.1). Der Bericht der Eingliederungsfachleute vermag die gutachterliche Ein
schätzung deshalb
bereits aus diesem Grund
nicht in Frage zu stellen.
Nach dem Gesagten sind keine Gründe ersichtlich, die gegen die Beweistaug
lich
keit des Gutachtens vom 2
3.
November 2017 (E.
3.2
) sprä
chen.
Gestützt hierauf
ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers eine
Verbesserung des Gesund
heitszustandes ausge
wiesen
. So
erklärte
der internistische Gutachter -
unter anderem
mit
Verweis auf die im Jahr 2009 ausgeheilte chronische Hepatitis -, dass seit Juni 2011
von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit
auszugehen sei
. Dem
gegenüber habe im Jahr 2002
infolge des malignen Lymphoms und des Peri
kar
d
-
ergusses
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestanden
(
Urk.
7/59/50). Sodann
legte
auch der psychiatrische Gutachter eine Verbesserung des Gesundheits
zu
standes
überzeugend dar, wonach
Mitte 2011 eine Arbeits
fähigkeit von 20 bis 30 % (angestammte Tätigkeit) bestanden
habe, alsdann es jedoch
zu
einer Besse
rung gekommen sei. Dies sei
unter anderem daraus ersicht
lich, dass der
Beschwer
deführer die ambulante
psychiatrische Behandlung Ende 2012 weitestgehend beendet habe (
Urk.
7/59/14).
Z
u
ergänzen ist
, dass - entgegen der Annahme des Beschwerdeführers - keine retrospektive
Einschätzung der Leis
tungsfähigkeit (
Urk.
1 S.
16)
stattgefunden hat. Vielmehr
war es unverzichtbare Aufgabe der Gutachter, sich mit Blick auf das Revisionsverfahren zu einer Ver
änderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu äussern
.
Zusammenfassend ist mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
in angestammter Tätigkeit zu 70 % und in angepasster zu 90 %
arbeitsfähig ist. Bei der hinreichend aufschlussreichen und kongruenten
Aktenlage besteht kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweiswürdi
gung
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E.
2.2 mit Hinweisen
,
Urk. 1
S. 16-17
).
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer vorgetragenen Rüge, es hätte ein
Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt werden müssen
(
Urk.
1 S. 11-12),
ist
darauf hinzuweisen
,
dass
der diagnostizierte Gebrauch von Cannabis nach Ein
schätzung der Gutachter keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat (
Urk.
7/59/10). Eine Abhängigkeit stellte
n
sie denn auch ausdrücklich in Abrede (
Urk.
7/59/16). Mangels
eines Zusammenhangs zwischen der genannten Diagnose einerseits und der attestierten Arbeitsfähigkeit andererseits bestand deshalb
keine Notwendigkeit, ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchzuführen
.
Dasselbe trifft auch in Bezug auf den vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang angeführten Medikamentenspiegel zu.
7.
Da grundsätzlich bei sämtlichen psychischen Erkrankungen das strukturierte Be
weisverfahren durchzuführen ist, ist im Folgenden zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
erheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E.
1.4.1
und
1.4.2
).
Entgegen
der Annahme des Beschwerdeführers
enthält das Gutachten eine hin
reichende Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben
(Standardindika
to
ren)
gemäss BGE 141 V 28
1.
So begründeten die Gutachter
unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die einschlägigen Indikatoren
(
Urk.
7/59/16-21)
in
nachvoll
ziehbare
r
Weise das Ausmass der Leistungsminderung. Namentlich
nahmen
sie Bezug auf den Schweregrad des Leidens
(
Urk.
7/59/16, vgl. auch
Urk.
7
/
59/11, 7/59/35, E.
3.3
)
und äusser
te
n sich zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg
(
Urk.
7/59/19-20)
.
Ebenfalls trugen sie
den vorhandenen beträchtlichen Resso
urcen
(
Urk.
7/59/
17-
19,
vgl.
dazu auch
Urk.
7/59/26,
E.
6
)
, den
lebensgeschichtlich bedingten Belastungsfaktoren
(Urk. 7/59/11, 7/59/15, 7/59/28, 7/59/30, 7/59/33, vgl. dazu auch E.
6
)
sowie
dem
sozialen Kontext
des Beschwerdeführers
Rech
nung
(
Urk.
7/59/18-19, vgl. auch
Urk.
7/59/
30
)
.
Sodann
wiesen
die Gutachter
auf Inko
n
sistenzen hin, was - wie nachstehend dargelegt -
nicht zu beanstanden ist.
So weist
der Beschwerdeführer nach wie vor ein relativ hohes Aktivitätsniveau
auf
, ist es ihm doch möglich, sich mit Fr
eunden zu treffen, regelmässig
in den Kanton Tessin zu seiner Mutter zu fahren sowie auch Kundengespräche zu führen
(
Urk.
7/59/17-18, 7/59/26)
. Sodann nimmt
der Beschwerdeführer
seine alltäglichen Verrichtungen regelmässig wahr. Kontrastie
rend hierzu hält
er
sich für kaum arbeitsfähig (Urk. 7/59/30, 7/59/45).
Diese Selbsteinschätzung findet in den Akten allerdings keine genügende Stütze. Nach
dem wie festgestellt im Freizeitverhalten keine erheblichen Einschränkungen aus
gemacht werden konnten, sind im Weiteren die - überzeugenden - Ausführungen des psychiatrischen Gutachters, welche den (psychiatrischen) Gesundheitszustand erläutern, zu berücksichtigen.
So führte dieser aus, ein medizinischer Grund für die weitgehende Delegation der Hausarbeit an die Ehefrau sei nicht erkennbar. Im Lebensbereich Freizeit ergebe sich entsprechend den Schilderungen ein sicher nicht
gravierend, sondern nur mä
ssig eingeschränktes Aktivitäts
niveau (
Urk.
7/59/36
). Auch konnte der Gutachter keine Antriebsminderung ausmachen. Vielmehr beschrieb er den Beschwer
deführer als sehr lebhafte Perso
n, d
i
e
ihre
Situation und
ihre
Sicht der Dinge ausführlich geschildert habe. Symptome wie Schuldgefühle, Selbstvorwürfe oder ein vermindertes Selbstwertgefühl, die bei schwer ausgeprägten Depressionen in der Regel vorkämen, hätten sich überhaupt nicht gezeigt (
Urk.
7/59/11).
Zudem sind den Akten keine Hinweise zu entneh
men, die auf einen erheblichen Leidensdruck hinwiesen. So
wurde in Zusammen
hang mit
der
Begutachtung
ein
sehr niedriger
Escitalopramspiegel
festgestellt, woraus der Gutachter schloss, das verordnete Antidepressivum werde mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht regelmässig eingenommen (
Urk.
7/59/21, 7/59/33, 7/59/119).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unter Berücksichtigung eines nicht aus
gewiesenen erheblichen Leidensdrucks bei gleichzeitig erhaltenen
Kompensa
ti
-
ons
potentialen
und eines nicht erheblichen Schweregrads der Gesundheits
schä
di
gung das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers nicht erheblich einge
schrän
kt erscheint.
Mithin kann der gutachterlichen Einschätzung der Ar
beits
fähigkeit (von 70 % in Bezug auf die angestammte Tätigkeit und von 90 % in Bezug auf eine adaptierte,
Urk.
7/59/39)
ohne Weiter
e
s
gefolgt werden (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 9C_157/2019 vom 2
8.
Oktober 2019 E. 5.1).
8.
Zu prüfen bleibt, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
8.1
8.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
8.1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
siche
rung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
8.1.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebe
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Ver
fü
gungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Ren
tenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
8.1.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schn
itts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf
einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invaliden
ein
kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
8.2
8.2.1
Wie festgestellt, ist
dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als
Versicherungsvertreter
trotz seiner gesundheitlichen Einschränkung
weiterhin zumutbar
, womit die Vergleichseinkommen anhand desselben Lohnes bestimmt werden können (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_888/2014 vom
4.
April 2015 E. 2
, 9C_368/2019 vom 8. Oktober 2019
)
.
Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass
keine Anhaltspunkte
dafür
bestehen
,
wonach
der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
k
önnte. E
in leidensbedingter Abzug
ist daher
nicht gerechtfertigt
.
So wurde
den leidensbedingten Einschränkungen
bereits
i
m Rahmen der
gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitseinschätzung Rechnung getragen
(
Urk.
7/59/36-37
, 7/59/49-50)
. Ein zusätzlich
er
Abzug unter dem Aspekt
einer erhöhten Pausenbedürftigkeit
oder des Gesundheitszustandes (
Urk. 1
S. 19)
fällt damit ausser
Betracht (vgl. Urteil
e des Bundesgerichts
9C_380/2015 vom 1
7.
November 2015 E. 3.2.3
und
8C_768/2018
vom 1
2.
April 2019 E. 5.2.3
).
Im Weiteren sind auch keine Hinweise ersichtlich, die darauf hinwiesen, dass der im Verfügungszeitpunkt 54-jährige Beschwerdeführer infolge seines Alters in der Stellensuche eingeschränkt wäre
(
Urk.
1 S. 19). Vielmehr
war
er im Zeitpunkt der Begutachtung
bereits
seit län
gerer Zeit
einer Erwerbstätigkeit
nach
gegangen
(
Urk.
7/45; vgl. auch IK-Auszug,
Urk.
7/4, 7/46).
Zusammenfassend ist deshalb, unter Berücksichtigung einer dem Beschwerdeführer zu attestierenden Arbeitsfähigkeit von 70 %, von einem (ren
tenausschliessenden) Invaliditätsgrad von 30 % auszugehen.
8.2.2
Dasselbe
Ergebnis
resultierte
, wenn
der Einkommensvergleich für eine angepasste Tätigkeit
ermittelt
würde
:
A
us den Akten ergibt
sich
,
dass die gesundheitliche Beeinträchtigung am 1
4.
September 2002 (
Urk.
7/1/5)
und damit nach der am 3
1.
Dezember 2001 ausgesprochenen Kündigung (
Urk.
7/6, 7/7, 7/59/30
)
aufge
treten war.
Infolge dessen
rechtfertigt
e
es sich
, das
Valideneinkommen
anhand der Tabellenlöhne zu ermitteln
(E.
8.1.3
)
.
Unter Berücksichtigung
der
zuvor (wie auch derzeit)
ausgeübten Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Versiche
rungs
ver
treter (
Urk.
7/6/4, 7/59/30)
wäre
für die Bestimmung des
Valideneinkommens
auf den statistischen
Monat
slohn des Wirtschaftszweiges «
Versicherungen» (Ziff. 65
) von Männern auf dem Kompetenzniveau
2
gemäs
s TA1 der LSE 2014 abzustellen. Bei
einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden
wäre
damit von einem
monatlich
en Einkommen
von
Fr.
7’276
.--
auszugehen
. Unter Berücksichtigung der betriebs
üblichen wöchent
lichen Arbeitszeit von 41.3 Stunden im Jahr
2018
(
BFS, Tabelle T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Ziff. 65 Versicherungen
) und der Nominal
lohnentwicklung bei Männern
im Wirtschaftszweig «
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
» zwischen den Jahren 2014 und 2018 (Index 2014
:
104.2
, Ind
ex 2018
: 10
7
.8
;
Bun
desamt für Statistik [BFS], Tabelle T1.1.10, Nominallohnindex, Männer 2011-2018, Ziff. 64-66 Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
) resultiert
e
für das Jahr 2018
ein
V
alideneinkommen
von
Fr.
9
3’264
.--
(
Fr.
7’276
.--
x 12 / 40 x
41.3
/
104.2 x 107.8
)
bei einem Voll
zeitpensum.
Für die Ermittlung des Invalideneinkommen
s
wäre
das im Gutachten definierte Leistungsprofil (E.
3.3
)
heranzuziehen.
Zu berücksichtigen
wäre
dabei auch
,
dass der Beschwerdeführer die Handelsschule besuchte (
Urk.
7/59/30).
Infolge dessen rechtfertigt
e
es sich,
hinsichtlich des zu ermittelnden
Invalideneinkommen
s auf den
Median
des
Sektor
s
«Dienstleistungen
» (Ziff.
45-96
) von M
ännern auf dem Kompetenzniveau 2
gemäss TA1 der LSE 2014
abzustellen.
Bei
einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden
wäre
damit von einem
monatlich
en Einkommen
von
Fr. 5’339
.--
auszugehen
. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöch
ent
lichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden im Jahr 2018
(
vgl. vorerwähnte
Tabelle T
03.02.03.01.04.01
,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen,
Sektor III
) und der Nominallohnentwicklung bei Männern im
«Sektor 3, Dienstleis
tu
ngen
» zwischen den Jahren 2014 und 2018 (Index 2014
:
103.3
, Ind
ex 2018
:
105.3
;
vgl. vorerwähnte
Tabelle T1.1.10, Nominalloh
nindex, Männer 2011-2018, Ziff.
45
-96
«
Sektor 3 Dienstleistungen
»
) resultiert
e
für das Jahr 2018
ein Invalideneinkommen von
Fr.
68’084
.--
(
Fr.
5’339
.--
x 12 / 40 x
41.
7
/
103.3 x 105.3
)
bei einem zumutbaren Voll
zeitpensum
.
Ein leidensbedingter Abzug ist, wie dargelegt, nicht
gerechtfertigt
, womit, u
nter Berücksichtigung einer Arbeitsfähigkeit
von 90 % (adaptierte
Tätigkeit),
ein Invalideneinkommen von Fr.
61’276
.-- (Fr. 68'084.-- x 90 %)
resultiert
e
. Ausgehend von einer invaliditätsbe
dingten Erwerbseinbusse von Fr.
31’988
.-- (Fr. 93’264.--
abzüglich Fr. 61’276.--
)
wäre
somit von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
34 % (
Fr.
31’988.-- / Fr. 93’264.--, vgl. zur Rundung BGE
130 V 121)
auszugehen.
9.
Abschliessend gilt es zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
verpflichtet
war, (berufliche) (Eingliederungs-)Massnahmen durchzuführen (
Urk.
1 S. 19-20).
9.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Be
zugsdauer oder wenn sie das 55.
Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Mass
nahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizi
nisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstren
gung auszuschöpf
en und erwerblich zu verwerten
. Ausnahmen von der diesfalls
grundsätzlich (
«
vermutungsweise
»
) anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbst
ein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die ver
si
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben inte
griert ist oder wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfah
rungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder i
n das Erwerbsleben integrieren
(
statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_826/2018 vom 1
4.
August 2019 E. 3.2.2
).
Zur Feststellung der für die Frage der zumutbaren Selbsteingliederung einer versicherten Person
massgebenden Eckwerte des 15-jährigen Rentenbezugs
beziehungsweise
des Errei
c
hens des 5
5.
Altersjahres wird auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfü
gung oder auf den darin verfügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung abgestellt (BGE 141 V 5 E. 4).
9.2
Der Beschwerdeführer
bezog
seit dem
1.
September 2003 (
Urk.
7/12 und 7/16) eine ganze Rente und wies somit im Verfügungsz
eitpunkt (2
9.
August 2018
[
Urk.
2
], BGE 141 V 5
) ein
en 15-jährigen Rentenbezug auf. Dies hat
grundsätzlich zur Folge, dass - infolge Rentenaufhebung - vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen
wäre
n
. Zu berücksichtigen ist
vorliegend
jedoch, dass der Beschwerdeführer seit
mehreren Jahren
einer Erwerbstätigkeit nachgeht
(
Urk.
7/34,
7/45, 7/46)
, aktuell gemäss eigenen Angaben
der
– angestammten -
eines V
ersicherungsberaters. Der Beschwerdeführer ist dabei
gleichzeitig für
mehrere Auftraggeber
tätig
(
Urk.
7/45)
, womit
er über
ein erhebliches Mas
s an Organisation und Auftreten
verfügen muss
. Dass er weiter imstande ist,
Kunden
gespräche zu führen
(
Urk.
7/59/26)
,
lässt die Annahme zu, dass er auch über
ein besonderes Mass an Agilität und
Gewandtheit
verfügt
. So
muss man im direkten Gespräch mit Kunden
beispielsweise
rasch auf Themenwechsel und allfällige Frage
n
reagieren können. Im Weiteren ist
darauf hinzuweisen
, dass der Beschwer
deführer nicht nur die
Handelsschule besuchte
, sondern auch Verkaufs- und Ver
sicherungsschulungen
absolviert
e
(Urk.
7/59/30
, 7/59/53
)
.
Infolge dessen und unter Berücksichtigung der einschlägigen Rechtsprechung
kann
dem
Antrag
auf Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung von beru
flichen Mass
nahmen
nicht gefolgt werden; dem
Beschwerdeführer ist zumutbar, sich selbst
(weiter) einzugliedern
.
10.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die
Verfügung der IV-Stelle vom 29.
August 2018 (
Urk.
2) nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist daher abzu
weisen.
11.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
8
00.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Martin Hablützel
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage des Doppels von
Urk.
10
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
VogelWeber