# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4b9aadc-d76c-5dc2-97c3-26d1e6352ad6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-25
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung. Unvollständig abgeklärter medizinischer Sachverhalt.
**Docket/Reference:** IV.2016.00218
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00218.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00218
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
25. April 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst Zürich, Rechtsanwältin Barbara Winter
Affolternstrasse
42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 18. Januar 2016 einen An
spruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrent
e verneint hatte
(Urk. 2 [= Urk. 7/78])
,
nach Einsicht in die Beschwerde vom 11. Februar 2016, mit welcher die Beschwerde
führerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung einer halben Invalidenrente beantragte (Urk. 1), und in die auf Abweisung der
Beschwerde schliessende Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin vom 30. März
2016 (Urk. 6),
in Erwägung,
dass sich die 1956 geborene
X.___
am 6. Januar 2014 (Eingangsda
tum) unter Hinweis auf
psychische und
Rücken
-B
eschwerden zum
Leistungsbe
zug
angemeldet hatte (Urk. 7/32),
dass
Dr.
med.
Y.___
, Oberärztin Rheumatologie am
Z.___
Kantonsspital,
im Bericht
vom 11. Februar 2014
(Urk. 7/42)
die Diagnosen 1)
zerviko
- und
lum
bospondylogenes
Schmerzsyndrom bei multiplen
Myogelosen
und
Trigger
punkten
, radiologisch degenerativen Veränderungen, leichter Skoliose und mus
kulärer Haltungsinsuffizienz, 2)
Mammahyperplasie
, 3)
Hyperlaxizitätssyn
drom
bei
Beighton
Score 8/9 und 4)
substituierte Hypothyreose
auf
führte
und der Beschwerdeführerin aufgrund der erhobenen klinischen Befunde aus rheu
mato
logischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für die Tätigkeit als
Hilfs
köchin
attestierte
, da diese Tätigkeit stehend sowie in meist stehend vorge
neig
te
r Position ausgeführt werden müsse,
dass
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin FMH für Allgemeinmedizin,
der Beschwerdeführerin im Bericht vom 1. April 2014 (Urk. 7/46) eine Arbeitsun
fähigkeit von 50 % in der Tätigkeit als Hilfsköchin und von 100 % als
Service
an
gestellte
attestierte
,
unter Hinweis auf die bereits genannten Diagnosen sowie eine Depression bei psychosozialer Belastungssituati
on seit 2013,
dass
Dr.
med. B.___
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im Bericht vom 8. Februar 2014 (Urk. 7/47) unter anderem eine mittelgradige bis schwere depressive Episode diagnostizierte und darauf hinwies, dass die Be
schwerdeführerin bei einem Arbeitspensum von 50 % am Limit ihrer Arbeits
fähigkeit sei und kognitive Einschränkungen
sowie
eine
reduzierte
Erholungs
fähigkeit
bestünden
,
dass
Dr.
Y.___
der Beschwerdeführerin
im Verlaufsb
ericht vom 8. April 2014 (Urk. 7/48)
weiterhin
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit als
Hilfs
köchin
attestierte
(bei Halbtagesarbeitsfähigkeit)
,
dass in den Berichten vom 1
2.
u
nd 14. August 2014 des
Z.___
Kantonsspitals
(Urk. 7/51/6-8) eine L4-Radikulopathie rechts bei einer Diskushernie L3/4 diag
nostiziert wurde, welche
mit Steroidinfiltrationen behandelt wurde,
dass
Dr.
Y.___
der Beschwerdeführerin in
einem
undatierten
Verlaufsb
ericht
(Eingang bei der Beschwerdegegnerin am
27. Februar
2015;
Urk. 7/
54)
weiterhin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
attestierte
,
sich zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit jedoch nicht äusserte
,
dass
Dr.
B.___
im Verlaufsb
ericht vom 22. März 2015
(Urk. 7/58)
darauf hinwies, es
bestehe eine rezidivierende depressive Störung bei Status nach mittelgradiger bis
schwerer depressiver Episode; die chronische Stresserkrankung mit körperli
chen und psychischen Folgebeschwerden gehe mit einer
reduzierten
Stress
tole
ranz
einher, wobei der Heilverlauf durch die
Chronifizierung
erschwert sei; es be
stün
den weiterhin eine rasche Ermüdbarkeit, eine reduzierte
Erholungsfähig
keit
, kognitive Einbussen, Stimmungslabilität, Ängste vor Kontrollverlust, nächtliche Albträume, Tendenz zu Dissoziation und Depersonalisation; die Ar
beitsfähigkeit betrage 50 %,
dass
Dr.
Y.___
im
Verlaufsb
ericht vom 29. April 2015
(Urk. 7/60)
festhielt, in einer ideal
angepassten Tätigkeit sei von einer Steigerung der
– im Februar 2015 auf 50 % eingeschätzten –
Arbeitsfähigkeit
auszugehen;
bei persistierend inter
mit
tierend auftretenden Nervenreizungen sei zur
Zeit aber auch in einer ideal angepassten
Tätigkeit nicht von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen,
dass
Dr.
B.___
in der von der Beschwerdeführerin veranlassten Stellungnahme vom 26. November 2015
(Urk. 7/76)
im Wesentlichen ausführte, dass die gekürzten
Arbeitszeiten
das Fortschreiten der nach wie vor vorhandenen psychophysi
schen
Erschöpfung
und einen Rückfall
verhindert hätten,
obwohl die Beschwer
defüh
rerin an der oberen Grenze ihrer Belastbarkeit arbeite; es habe
mehrfach eine Suizidgefährdung bestanden
und es bestünden auch wieder vermehrt suizidale Krisen
,
dass somit entgegen der Auffassung des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Inva
li
denversicherung (RAD) nicht klar ist, welche Arbeitsleistungen der Beschwer
de
führerin aus medizinischer Sicht noch zumutbar sind,
dass insbesondere ein Belastungsprofil für eine adaptierte Tätigkeit aus somatischer Sicht fehlt, und unklar ist, ob eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Beeinträchtigung vorliegt,
dass der angefochtene Entscheid deswegen aufzuheben und die Sache an die
Be
schwer
degegnerin
zur ergänzenden
interdisziplinären
medizinischen Abklärung zurückzuweisen ist,
dass die Beschwerdegegnerin hernach auf dieser Grundlage erneut über den Renten-anspruch der Beschwerdeführerin zu entscheiden hat,
dass die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und zum
Neuent
scheid
nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. Urteil des früheren Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1
0.
Februar 2004, U 199/02, E
.
6
mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E
.
3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S.
28 E
.
3
)
und die Beschwerdegegnerin
dementsprechend
zu verpflichten
ist
, der ver
tretenen Be
schwerdeführerin eine Prozessentschädigung (§ 34 des Geset
zes über das Sozialversicherungsge
richt [
GSVGer
]) zu bezahlen, welche
auf Fr.
1‘
2
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen
ist
.
dass di
e Kosten des Verfahrens auf Fr.
5
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen sind (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG),
erkennt
das Gericht:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 18. Januar 2016 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und her
nach über den Rentenanspruch neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
5
00
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1'
2
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
, unter Beilage des Doppels von Urk. 6
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstMuraro