# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e174c93e-9f7d-5618-8b1e-22fd99077576
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1992-11-27
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) 27.11.1992 JAAC 58.30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_031_JAAC-58-30--_1992-11-27.pdf

## Full Text

JAAC 58.30

Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen
Asylrekurskommission vom 27. November 1992

Extrait de la jurisprudence de la Commission suisse de recours en
matière d’asile. Relations entre l’art. 1 F let. b de la Convention sur
le statut des réfugiés (Convention ; exclusion de l’application de la
Convention) et l’art. 8 LA (indignité).

Art. 8 et 45 LA. Art. 1 F let. b de la Convention. Art. 3 CEDH. Relations
entre l’art. 1 F let. b de la Convention (exclusion de l’application de la
Convention) et l’art. 8 LA (indignité).

- Pour qualifier une action de crime particulièrement grave au sens
de l’art. 1 F let. b de la Convention, il faut que, tout bien pesé, l’intérêt
de l’auteur à être protégé de graves menaces de persécutions dans
son pays d’origine apparaisse moindre en comparaison du caractère
répréhensible du crime que celui-ci a commis ainsi que de sa culpabilité
(consid. 6.a).

- L’art. 8 LA couvre également des infractions de moindre gravité,
lesquelles ne sont pas visées par l’art. 1 F let. b de la Convention.
Contrairement à la conception de la Convention, laquelle exclut
l’application, à une personne indigne de protection, de l’entier de ses
dispositions et, par conséquent, de la notion de réfugié en tant que tel,
l’art. 8 LA exclut uniquement l’octroi de l’asile à une telle personne,
mais n’exerce aucune influence sur la qualité de réfugié (consid. 6.b et
c).

Auszug aus der Rechtsprechung der Schweizerischen
Asylrekurskommission. Verhältnis zwischen Art. 1 F Bst. b FK
(Ausschluss vom Anwendungsbereich der FK) und Art. 8 AsylG
(Asylunwürdigkeit).

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Art. 8 und 45 AsylG. Art. 1 F Bst. b FK. Art. 3 EMRK. Verhältnis zwischen
Art. 1 F Bst. b FK (Ausschluss vom Anwendungsbereich der FK) und
Art. 8 AsylG (Asylunwürdigkeit).

- Ob eine Tat ein besonders schweres Verbrechen im Sinne von Art. 1 F
Bst. b FK darstellt, ist in einer Güterabwägung festzustellen, in welcher
das Schutzinteresse des Täters vor der ihm drohenden Verfolgung im
Heimatland im Vergleich zur Verwerflichkeit seines Verbrechens und
seiner subjektiven Schuld als geringer erscheinen muss (E. 6.a).

- Art. 8 AsylG erfasst auch weniger gravierende Taten, welche nicht
unter Art. 1 F Bst. b FK fallen würden. Im Gegensatz zur Konzeption
der Flüchtlingskonvention (FK), welche eine des flüchtlingsrechtlichen
Schutzes unwürdige Person vom Flüchtlingsbegriff als solchem und
der Geltung der ganzen Konvention ausschliesst, schliesst Art. 8 AsylG
eine asylunwürdige Person lediglich von der Asylgewährung aus, lässt
dagegen keine Rückschlüsse auf die Flüchtlingseigenschaft zu (E. 6.b und
c).

Estratto della giurisprudenza della Commissione svizzera di ricorso
in materia d’asilo. Relazione tra l’art. 1 F lett. b della Convenzione
sullo statuto dei rifugiati (Convenzione; esclusione dell’applicazione
delle norme della Convenzione) e l’art. 8 LA (divieto della concessione
dell’asilo).

Art. 8 e 45 LA. Art. 1 F lett. b della Convenzione. Art. 3 CEDU. Relazione
tra l’art. 1 F lett. b della Convenzione (esclusione dell’applicazione
delle norme della Convenzione) e l’art. 8 LA (divieto della concessione
dell’asilo).

- Se un reato costituisca un crimine grave ai sensi dell’art. 1 F lett. b
della Convenzione, deve essere determinato confrontando l’interesse
del reo a sottrarsi alle minacce di persecuzione nel suo paese d’origine
alla detestabilità del crimine commesso unitamente alla componente
soggettiva della sua colpevolezza (consid. 6.a).

- L’art. 8 LA contempla anche atti riprensibili di minore entità rispetto a
quelli sussumibili all’art. 1 F lett. b della Convenzione. Contrariamente
alla nozione della Convenzione, che prevede per una determinata
categoria di persone l’esclusione dell’applicazione delle norme della
Convenzione medesima e conseguentemente del riconoscimento dello
statuto di rifugiato, l’art. 8 LA esclude unicamente la concessione
dell’asilo alle persone indegne o che abbiano messo in pericolo la
sicurezza dello stato, ma non ha alcun influsso sulla qualità di
rifugiato (consid. 6.b e c).

Zusammenfassung des Sachverhalts

Der Beschwerdeführer stellte am 17. Januar 1989 an der Empfangsstelle
Kreuzlingen ein Asylgesuch, in welchem er im wesentlichen geltend machte, er
sei seit 1977 insbesondere propagandistisch für die THKO/TDY aktiv gewesen.

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Mitte 1980 habe er die Befreiung eines Parteigenossen organisiert, welcher
vom Gefängnis Malatya zur letzten Gerichtsverhandlung nach Adana - es sei
die Todesstrafe gegen ihn beantragt gewesen - überführt werden sollte. Er
und vier andere Parteigenossen hätten die Befreiungsaktion durchgeführt.
Sie hätten im Bus, in welchem der Gefangene, von drei Soldaten bewacht,
transportiert werden sollte, Plätze reservieren lassen und seien, alle bewaffnet,
als Passagiere zugestiegen. Nachdem sie die Soldaten wehrunfähig gemacht
hätten, sei der Beschwerdeführer durch einen im Bus anwesenden zweiten
Chauffeur überwältigt und an der Flucht gehindert worden, worauf einer
seiner Komplizen den Chauffeur tödlich verwundet habe. Nach vorerst
gelungener Flucht seien die Komplizen des Beschwerdeführers verhaftet
worden und hätten den Behörden seinen Namen preisgegeben.

Mit Verfügung vom 18. Mai 1992 stellte das Bundesamt für Flüchtlinge fest,
der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte
das Asylgesuch ab. Gleichzeitig wurde die Wegweisung aus der Schweiz
angeordnet, jedoch unter Feststellung der gegenwärtigen Unzulässigkeit der
Rückschaffung in die Türkei die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers
verfügt.

In seiner dagegen erhobenen Beschwerde beantragt der Beschwerdeführer die
teilweise Aufhebung der angefochtenen Verfügung unter Gewährung des Asyls,
eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft.

Die Schweizerische Asylrekurskommission heisst die Beschwerde teilweise
gut.

Aus den Erwägungen

5. Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung davon aus, die vom
Beschwerdeführer in der Türkei begangene Straftat - Mittäterschaft an
einem Tötungsdelikt - stelle gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein
politisches Delikt dar. Das Delikt falle unter die Bestimmung von Art. 1 F Bst. b
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(Flüchtlingskonvention [FK], SR 0.142.30), welcher Personen, die ein schweres
Verbrechen des gemeinen Rechts begangen haben, vom Geltungsbereich
der Flüchtlingskonvention ausschliesst. Die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers sei daher gestützt auf die Flüchtlingskonvention, welche
als Völkerrecht den Bestimmungen des schweizerischen Asylgesetzes vom
5. Oktober 1979 (AsylG, SR 142.31) übergeordnet sei, zu verneinen. Die
Verneinung der Flüchtlingseigenschaft ziehe auch die Nichtanwendung
der Non-Refoulement-Bestimmungen gemäss Art. 33 FK und Art. 45
AsylG nach sich. Es müsse indessen davon ausgegangen werden, dass
der Beschwerdeführer in der Türkei nicht nur des Tötungsdelikts wegen
zur Rechenschaft gezogen würde, sondern auch in seiner politischen
Gesinnung getroffen werden sollte und mithin politisch verfolgt würde;
aufgrund der konkreten Befürchtung, dass ihm in seiner Heimat Folter oder
eine erniedrigende oder unmenschliche Strafe oder Behandlung drohe,

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verbiete Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) den Vollzug einer
Wegweisung.

6. Es ist daher im folgenden zu prüfen, wie die vom Beschwerdeführer in der
Türkei begangene Straftat im Hinblick auf Art. 1 F Bst. b FK sowie Art. 8 AsylG
zu würdigen ist, und zu klären, in welchem Verhältnis die beiden erwähnten
Bestimmungen zueinander stehen.

a. Gemäss Art. 1 F Bst. b FK sind die Bestimmungen der
Flüchtlingskonvention nicht anwendbar auf eine Person, für die ernsthafte
Gründe für den Verdacht bestehen, dass sie vor ihrer Aufnahme im
Zufluchtsland ein schweres Verbrechen des gemeinen Rechts begangen hat,
welches sich in einer Güterabwägung als besonders schweres Verbrechen
erweist (vgl. Kälin Walter, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt
am Main, 1990, S. 178 ff.; Achermann Alberto / Hausammann Christina,
Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl., Bern/ Stuttgart, 1991, S. 161 ff.; Kälin
Walter, Das Prinzip des Non-Refoulement; Das Verbot der Zurückweisung,
Ausweisung und Auslieferung von Flüchtlingen in den Verfolgerstaat im
Völkerrecht und im schweizerischen Landesrecht, Bern/Frankfurt am
Main, 1982, S. 119 ff., 123 ff.). Lehre und Rechtsprechung gehen beim -
aus dem Auslieferungsrecht stammenden - Begriff des politischen Delikts
von der Unterscheidung in absolut politische Delikte, komplex politische
Delikte, konnex politische Delikte und relativ politische Delikte aus (vgl.
Kälin, Grundriss, S. 108; Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 162 f.; Kälin,
Non-Refoulement, S. 213 ff.). Die in der Beschwerdeeingabe vertretene
Auffassung, die Gefangenenbefreiung, an der der Beschwerdeführer
beteiligt war, stelle ein absolut politisches Delikt dar, weshalb die damit
zusammenhängende Tötung einer Person als konnex politisches Delikt gelten
müsse, erweist sich als unhaltbar; absolut politische Delikte sind Straftaten,
die sich gegen die politische und soziale Organisation eines Staates richten
und als Merkmal des objektiven Tatbestandes den Angriff auf den Staat und
dessen grundlegende Einrichtungen beinhalten (vgl. Kälin, Grundriss, S. 108;
BGE 106 Ib 308, BGE 110 Ib 284 f.). Jedoch erscheint eine Qualifikation der
gewaltsamen Gefangenenbefreiung als relativ politisches Delikt nicht von
vornherein ausgeschlossen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist
eine Straftat dann als relativ politisches Delikt zu betrachten, «...wenn die
Handlung nach den Umständen, namentlich nach den Beweggründen und
Zielen des Täters, einen vorwiegend politischen Charakter hat. Ein vorwiegend
politischer Charakter ist anzunehmen, wenn die strafbare Handlung im
Rahmen eines Kampfes um die Macht im Staate erfolgte oder wenn sie verübt
wurde, um jemanden dem Zwang eines jede Opposition ausschliessenden
Staates zu entziehen. Zwischen solchen Taten und den angestrebten Zielen
muss eine enge, direkte und klare Beziehung bestehen.» (BGE 106 Ib 309;
in der Folge verschiedentlich bestätigte Rechtsprechung, vgl. zuletzt BGE
110 Ib 285). Indessen müssen das vom Täter verfolgte politische Ziel und die
durch seine Tat verletzten fremden Rechtsgüter in einem angemessenen
Verhältnis stehen; die Tat muss angesichts der damit verfolgten Ziele
«mindestens einigermassen verständlich» (BGE 106 Ib 309 f., BGE 110 Ib 285)
erscheinen; eine vorsätzliche Tötung kann gemäss den weiteren Ausführungen
im zitierten Bundesgerichtsentscheid nur dann als relativ politisches Delikt
angesehen werden, «...wenn die Handlung das einzige Mittel ist, um die

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ib_308&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_Ib_284&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ib_309&resolve=1
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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_110_Ib_285&resolve=1

im Spiele stehenden, elementaren Interessen zu wahren und das gesetzte
politische Ziel zu erreichen...»; unter anderem kann dies «... im Rahmen
eines ... offenen bewaffneten Konflikts ...» der Fall sein (BGE 106 Ib 310).
Die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe, die Gefangenenbefreiung
sei politisch, durch die Parteisolidarität, motiviert gewesen und die Tötung
eines Menschen habe in Kauf genommen werden müssen, da kein anderes
Mittel geeignet gewesen wäre, den angestrebten Zweck, einen Parteigenossen
vor der Todesstrafe zu retten, zu erreichen, lassen es nicht abwegig
erscheinen, das vom Beschwerdeführer begangene Delikt als politisches
anzuerkennen. Dies würde indessen eine Anwendung von Art. 1 F Bst. b FK
ausschliessen (vgl. Kälin, Grundriss, S. 180 ff.; Achermann/Hausammann,
a.a.O., S. 162; Kälin, Non-Refoulement, S. 123). Wollte man demgegenüber
- mangels Verhältnismässigkeit zwischen dem angestrebten Ziel der
Gefangenenbefreiung und der Tötung eines Menschen - der Tat des
Beschwerdeführers den Charakter des politischen Deliktes absprechen, ist
jedenfalls in einer Güterabwägung festzustellen, ob die Tat als besonders
schweres Verbrechen im Sinne von Art. 1 F Bst. b FK bezeichnet werden kann.
Dazu ist zunächst das subjektive Mass der Schuld unter Berücksichtigung
möglicher Schuldmilderungsgründe zu beachten; die Schwere der dem
Täter drohenden Verfolgung in seiner Heimat, insbesondere ob ihn Folter
oder der Tod erwartet, ist abzuwägen gegen Überlegungen, ob der Täter
im Zufluchtsland eine potentielle Gefahr für die Allgemeinheit darstellt,
ob er rückfällig geworden ist oder als weitgehend resozialisiert gelten
kann; das Schutzinteresse des Täters muss im Vergleich zur Verwerflichkeit
seines Verbrechens als geringer erscheinen (vgl. Kälin, Grundriss, S. 181 f.;
Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 162; Kälin, Non-Refoulement, S. 124).
Zu Recht wird in der Beschwerdeeingabe auf verschiedene Umstände
hingewiesen, die in einer solchen Güterabwägung zu beachten sind. So
war der Beschwerdeführer, als die Tat begangen wurde, erst achtzehn
Jahre alt; die Tat liegt in der Zwischenzeit zwölf Jahre zurück; der [im
Rekursverfahren beigebrachten] Anklageschrift der Militärstaatsanwaltschaft
Elazig lässt sich entnehmen, dass seine Komplizen alle älter waren als er;
seinen Angaben gemäss war der Beschwerdeführer zwar derjenige, der die
Gefangenenbefreiung plante und organisierte, indessen soll er selber nicht
geschossen haben; in der Schweiz hat der Beschwerdeführer in keiner Form
zu Klagen Anlass gegeben, in der Türkei würde ihm gemäss den Ausführungen
seines türkischen Anwalts möglicherweise eine die Todesstrafe beantragende
Anklage drohen, jedenfalls aber müsste er - wie in der angefochtenen
Verfügung ausgeführt wird - mit grosser Wahrscheinlichkeit Folter oder
unmenschliche und erniedrigende Strafe oder Behandlung erwarten. Unter
Berücksichtigung all dieser Umstände scheint es nicht haltbar, die vom
Beschwerdeführer begangene Tat als besonders schweres Verbrechen im
Sinne von Art. 1 F Bst. b FK zu bezeichnen.

b. Indessen muss die vom Beschwerdeführer begangene Straftat unter Art. 8
AsylG subsumiert werden, welcher einen Ausländer von der Asylgewährung
ausschliesst, wenn er wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig
ist. Während Art. 8 AsylG gemäss den ursprünglichen Absichten des
Gesetzgebers sich im Anwendungsbereich mit Art. 1 F FK decken sollte,
weitete die Praxis diese Beschränkung des Anwendungsbereiches auch
auf weniger gravierende Fälle aus, die von Art. 1 F FK nicht erfasst werden;
ausserdem fallen unter Art. 8 AsylG auch in der Schweiz verübte Straftaten,

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ib_310&resolve=1

die von Art. 1 F FK ebenfalls nicht erfasst würden (vgl. Kälin, Grundriss,
S. 177 f.; Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 161; Achermann Alberto, der
Ausschluss vom Asyl wegen Asylunwürdigkeit, in: ASYL 1989/1, S. 4 f.).
Die heutige konstante Praxis versteht unter «verwerflichen Handlungen»
im Sinne von Art. 8 AsylG Straftaten, die mit Zuchthausstrafe bedroht
werden und damit unter den Begriff des Verbrechens des schweizerischen
Strafgesetzbuches (vgl. Art. 9 Abs. 1 des schweizerischen Strafgesetzbuches
vom 21. Dezember 1937 [StGB], SR 311.0) fallen (vgl. Kälin, Grundriss, S. 174;
Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 164; Achermann, a.a.O., S. 5). Diese
Praxis wird in der Literatur insbesondere unter dem Gesichtspunkt kritisiert,
dass sie bezüglich in der Schweiz begangener Straftaten ausserordentlich
streng sei; es wird einerseits kritisiert, dass Asylunwürdigkeit nicht nur
gestützt auf eine rechtskräftige Verurteilung, sondern bereits gestützt auf
ein Geständnis oder eine klare Aktenlage und Anklageerhebung bejaht
wird; andererseits wird ausgeführt, die schematische Anwendung des
Verbrechensbegriffes von Art. 9 StGB führe zu unhaltbaren Ergebnissen,
indem relativ geringfügige Delikte, derentwegen der Betroffene zu nur
kurzen, bedingten Gefängnisstrafen verurteilt worden sei, bereits als
verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 8 AsylG anerkannt würden
(vgl. Kälin, Grundriss, S. 175 f., 178; Achermann/ Hausammann, a.a.O., S. 166;
Achermann, a.a.O., S. 5 f.). Eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesen
Argumenten kann im vorliegenden Fall unterbleiben; jedenfalls vermögen
die Ausführungen in der Beschwerdeeingabe nicht zu überzeugen, es stelle
eine krasse Unverhältnismässigkeit dar, die vom Beschwerdeführer begangene
Tat unter Art. 8 AsylG zu subsumieren. Ein in Mittäterschaft begangenes,
zumindest eventualvorsätzliches Tötungsdelikt - welches im schweizerischen
Recht mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Zuchthaus bedroht wird
(Art. 111 StGB) - stellt ohne Zweifel eine «verwerfliche Handlung» im Sinne
von Art. 8 AsylG dar.

c. In der Literatur wird allgemein darauf hingewiesen, dass sich die
Flüchtlingskonvention und das Asylgesetz in ihren Konzeptionen, wie als
des flüchtlingsrechtlichen Schutzes für unwürdig erachtete Personen zu
behandeln sind, grundlegend unterscheiden. Die Flüchtlingskonvention geht
in ihrer Dogmatik nicht von einer Asylgewährung aus, sondern statuiert
Mindestrechte, insbesondere das Non-Refoulement-Gebot von Art. 33
FK, für diejenigen Personen, die ihrem Flüchtlingsbegriff (Art. 1 A Abs. 2
FK) entsprechen; wer wegen «Unwürdigkeit» des flüchtlingsrechtlichen
Schutzes nicht teilhaben soll, wird gemäss Art. 1 F FK vom Flüchtlingsbegriff
als solchem, mithin von der Anwendung der gesamten Konvention,
ausgeschlossen. Demgegenüber unterscheidet das Asylgesetz dogmatisch
zwischen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft (Art. 3 AsylG) und
der Gewährung von Asyl (Art. 4 AsylG); die Asylunwürdigkeit im Sinne
von Art. 8 AsylG schliesst eine Person von der Asylgewährung aus, lässt
indessen keine Rückschlüsse auf ihre Flüchtlingseigenschaft zu (vgl. Kälin,
Grundriss, S. 28, 164 ff., 179; Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 153 f.;
Achermann, a.a.O., S. 3, 4, 5;Werenfels Samuel, Der Begriff des Flüchtlings
im schweizerischen Asylrecht, Bern unter anderem 1987, S. 58, 117, 140 f.).
Der klare Wortlaut von Art. 8 AsylG, wonach einer asylunwürdigen
Person «kein Asyl gewährt» wird, und die Systematik des Gesetzes, welche
auf einer begrifflichen Unterscheidung zwischen der Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung beruht und den Tatbestand

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der Asylunwürdigkeit unter anderen, vom Asyl, jedoch nicht von der
Flüchtlingseigenschaft ausschliessenden Tatbeständen aufführt, lassen
annehmen, dass das Asylgesetz eine analoge Regelung zu Art. 1 F FK und
damit einen Ausschluss vom Flüchtlingsbegriff nicht kennt (vgl. Kälin,
Non-Refoulement, S. 278). Demgegenüber scheint Kälin in seinemWerk
«Grundriss des Asylverfahrens» davon auszugehen, dass Art. 8 AsylG - je
nachdem, ob die im Vergleich zu Art. 8 AsylG restriktiveren Voraussetzungen
von Art. 1 F FK ebenfalls erfüllt sind oder nicht - von der Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft auch im Sinne von Art. 3 AsylG oder lediglich von
der Asylgewährung ausschliessen kann (vgl. Kälin, Grundriss, S. 166, 184 f.).
Diese Frage kann indessen vorliegend offenbleiben; nach dem oben unter
Ziff. 6.a) Gesagten erfüllt der Beschwerdeführer zwar die Voraussetzungen
des Art. 8 AsylG, dagegen nicht diejenigen des Art. 1 F Bst. b FK. Es sei jedoch
festgehalten, dass die Argumentation der Vorinstanz in der angefochtenen
Verfügung, der Vorrang der Flüchtlingskonvention als völkerrechtlichem
Vertrag gebiete - falls Art. 1 F Bst. b FK erfüllt ist - einen Ausschluss von der
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, nicht zu überzeugen vermag. Die
Flüchtlingskonvention enthält bindende Mindestgarantien, lässt es ihren
Signarstaaten jedoch offen, einen weitergehenden Flüchtlingsbegriff zu
umschreiben (vgl. Kälin, Grundriss, S. 27; Werenfels, a.a.O., S. 16, 56).

d. Die Vorinstanz anerkennt in der angefochtenen Verfügung zutreffend,
der Beschwerdeführer würde in der Türkei politisch verfolgt, denn es
müsse davon ausgegangen werden, dass er in seiner Heimat nicht nur des
Tötungsdelikts wegen strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen würde, sondern
darüber hinaus auch in seiner politischen Gesinnung getroffen werden
sollte. Die Voraussetzungen von Art. 3 AsylG sind daher gegeben (vgl. Kälin,
Grundriss, S. 111 ff.; Achermann/Hausammann, a.a.O., S. 102; Werenfels,
a.a.O., S. 245, 249). Nach dem oben Gesagten hat die Vorinstanz somit die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Unrecht nicht anerkannt;
die Ablehnung des Asylgesuches erfolgte demgegenüber zu Recht, da die
Asylunwürdigkeit des Beschwerdeführers gemäss Art. 8 AsylG zu bejahen ist.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 58.30 - Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission

vom 27. November 1992

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1994
Année

Anno

Band 58
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	Auszug aus einem Entscheid der Schweizerischen Asylrekurskommission vom 27. November 1992