# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b7b3a5f3-0825-5379-b926-807245db24f1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-19
**Language:** de
**Title:** Fallabschluss nicht zu beanstanden, nachdem eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes nicht mehr zu erwarten ist. Beweiswertes ärztliches Zumutbarkeitsprofil bezügliche Restarbeitsfähigkeit. Einkommensvergleich korrekt. Über Integritätsentschädigung wurde noch nicht entschieden.
**Docket/Reference:** UV.2019.00288
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2019.00288.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2019.00288
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
19. Mai 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1969, war ab dem 1. Juli 2017 bei der
Y.___
als Monteur angestellt und damit obligatorisch bei der Suva ge
gen die Folgen von Berufs- und Nichtb
erufsunfälle
n versichert. Am 11. August 2017
ver
drehte er sich bei der Montage einer Klimaanlage den rechten Arm, als er ver
suchte
,
die einem Mitarbeiter aus der Hand rutschende Anlage aufzufangen (Urk.
6/1).
Nachdem sich der Versicherte aufgrund starker Schmerzen im Bereich der rechten Schulter a
m
6. Dezember 2017
erstmals in ärztliche Behandlung be
geben hatte (Urk. 6/11
/1
),
wurde am 3. Mai 2018
eine
arthroskopische
Rekon
struktion der
Rotatorenmanschette
rechts
durchgeführt
(Urk. 6/23). Die Suva, die am 9. März 2018 über das Ereignis in Kenntnis gesetzt worden war
(Urk. 6/1),
richtete Taggeldleistungen aus und übernahm die Heilbehandlungskosten (Urk.
6/
20
).
Am 7. Juni 2019 empfahlen die Ärzte der
Z.___
nach einem etwa einmonatigen Aufenthalt des Versicherten, den Fall abzuschliessen, da von der Fortsetzung der Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden könne (Urk. 6/89
/3
). In der Folge orientierte die Suva den Versicherten mit Schreiben vom 20. August 2019 über den Fallabschluss per 31. Oktober 2019 (Urk. 6/110).
Dagegen opponierte der Versicherte mit Schreiben vom 29. August
2019
(Urk.
6/120)
.
Nachdem sich der Versicherte
auch
bei der IV
-Stelle
zum Leistungsbezug ange
meldet hatte (vgl. Urk. 6/46), verneinte diese mit Vorbescheid vom 24. Juli 2019 einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen (Urk. 6/107) und hielt mit Ver
fügung vom 25. September 2019 daran fest (Urk.
6/124).
Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde ist mit der Verfahrensnummer IV.2019.00754 beim hiesigen Gericht hängig.
Auch in dieser Sache ergeht mit heutigem Datum das Urteil.
Mit Verfügung vom 10. September 2019 verneinte die Suva den Anspruch des Ver
sicherten auf eine Invalidenrente und teilte mit, der Anspruch auf eine Inte
gritätsentschädigung könne
frühestens
im Mai 2020 geprüft werden (Urk. 6/119).
Die am 7. Oktober 2019 vom Versicherten dagegen erhobene Einsprache (Urk.
6/12
8)
wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 30.
Oktober
2019 ab (Urk.
6/139 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 29. November 2019 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss, der
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es seien ihm ab dem 1. November 2019 weiterhin Heilungskosten und Taggeldleistungen auszu
richten. Sodann stellte er den Antrag, es sei ihm eine halbe Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung bei einem Integritätsschaden von 50 % zuzu
sprechen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5 S. 2
). Nachdem der Beschwerdeführer innert der mit Verfügung vom 17. Dezember 2019 (Urk. 7) angesetzten Frist nicht repliziert hatte (Urk. 8), reichte er am 11. Februar 2019 ärztliche Berichte
zu einer weiteren Operation der rechten Schulter
vom 13.
Dezember 2019
ein (Urk. 9, Urk. 10
/1-3
), zu denen die Beschwerdegegnerin am 20. Februar 2020 Stellung nahm (Urk. 13). Diese
Stellungnahme
wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
21. Februar 2020
zugestellt (Urk. 14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen K
örper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
UV170600
Fallabschluss, Ende Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen, Beginn des Anspruchs auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung
08.2018
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Inte
gritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cher
ten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG]
; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit,
soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der
Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den
, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche
Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588
/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditätsbemessung der Unfall
ver
sicherung gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Inva
lideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundes
gericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
1.3
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medi
zinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung be
ziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwer
deweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den
Einspracheentscheid
vom 30. Oktober 2019
zusammengefasst
dahingehend, dass dem Beschwerdeführer gemäss Aus
trittsbericht der
Z.___
vom 7. Juni 2019 eine leichte bis mittel
schwere Arbeit ganztags zumutbar sei. Ein in der Folge durchgeführter Einkom
mensvergleich habe ergeben, dass das Invalideneinkommen das
Validenein
kom
men
übersteige und somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2 S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführ
er brachte dagegen vor, er leide unter einer
Frozen
Shoulder
, habe deswegen
star
ke Schmerzen
an
der rechten Schulter und sei weiterhin in Behandlung. Er sei in seinem alltäglichen Leben stark eingeschränkt und könne aufgrund der Schmerzen nicht durchschlafen. Am. 13. Dezember 2019 werde so
dann eine weitere Operation der rechten Schulter durchgeführt (Urk. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Beschwerdeantwort an ihren Ausführungen fest und ergänzte, die Integritätsentschädigung sei nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens, da diese frühestens im Mai 2020 geprüft werden könne (Urk. 5 S. 2). Der Fallabschluss sei sodann zu Recht erfolgt, die geplante Revi
sionsarthroskopie ändere daran nichts, da davon nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erwarten sei. Sie übernehme jedoch zu Gunsten des Beschwerdeführers die entsprechenden Kosten (Urk. 5 S. 4).
In ihrer Stellungnahme zu den vom Beschwerdeführer eingereichten ärztlichen Berichten hielt die Beschwerdegegnerin sodann fest, dass diese nichts enthalten würden, was an der Beurteilung, von
einer
weiteren
Operation
sei
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit
k
eine namhafte
B
esserung des Gesundheitszustandes zu erwarten, Zweifel wecken würde. Der Fallabschluss per 31. Oktober 2019 sei folglich auch in Kenntnis dieser Berichte nicht zu beanstanden (Urk. 13 S. 1).
2.4
Unbestritten ist, dass das Ereignis vom 11. August 2017 einen Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG darstellt und die Beschwerdegegnerin grundsätzlich für dessen Folgen leistungspflichtig ist (vgl. Urk. 5, Urk. 6/20). Strittig ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin den Fall zu Recht mit der Begründung, von weiteren medi
zinischen Massnahmen sei keine namhafte
B
esserung des unfallbedingten Zu
standes mehr zu erwarten, per 31. Oktober 2019 abgeschlossen und ihre Leis
tungen eingestellt hat. Strittig ist sodann die für den Rentenanspruch massgeb
liche Arbeitsfähigkeit
.
Ferner verlangt der Beschwerdeführer die Zusprechung
eine
r
Integritätsentschädigung
.
3.
3.1
Hinsichtlich der Einstellung der Heilungskosten- und Taggeldleistungen per 31. Oktober 2019 (vgl. Schreiben vom
20. August 2019, Urk. 6/110)
fällt in Betracht, dass
die Suva keine formelle Verfügung erlassen
hat
, obwohl
sich
der Beschwer
deführer mit
Eingabe
vom 29. August 2019
mit
de
m
Fallabschluss
nicht ein
verstanden erklärt
hatte (Urk. 6/120).
Art. 49 Abs. 1 ATSG verlangt in einem solchen Fall den Erlass einer formellen Verfügung. Auch i
m
Einspracheen
tscheid
vom 30.
Oktober
2019 hat sich
die Suva nicht
zu dieser Frage geäussert
(vgl. Urk.
2).
Indessen hielt sie - nachdem der Beschwerdeführer in der Beschwerde
nebst der
weitere
n Übernahme
der Heilungskosten
auch die Weiterausrichtung von
Taggelder
n
beantragt
hatte - in der Beschwerdeantwort fest, Anfechtungs- und Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens sei unter anderem der Fallab
schluss per 31. Oktober 2019 und die entsprechende Einstellung der vorüber
ge
henden Versicherungsleistungen (Urk. 5 S. 2) und machte weitere Ausfüh
rungen zu deren Begründung (vgl. Urk. 5 S. 4).
3.2
Angesichts der Tatsache,
dass sich der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift zur Einstellung der vorübergehenden Leistungen äusserte
(Urk. 1)
und anlässlich des zweiten Schriftenwechsels die Gelegenheit erhielt, zur Begründung der Be
schwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen
(Urk. 7)
,
wovon er
aber keinen Gebraucht machte
(vgl. Urk. 8)
,
ist auf die Rückweisung der Sache zum Erlass einer formellen Verfügung betreffend die Einstellung der Taggeld
leistungen zu verzichten, da dies
in Anbetracht des Entscheids über den Renten
anspruch (Art. 19 Abs. 1 UVG)
einem forma
listischen Leerlauf gleichkäme, zumal eine Rückweisung nicht beantragt wurde, sondern sich beide Parteien materiell zur Sache
äusserten
.
4.
4
.1
Dr. med.
A.___
, Facharzt für Allgemeine Medizin, diagnostizierte am 24. März 2018
ein vor wenigen Mo
naten
erlittenes, initial unbehandeltes
Ver
hebetrauma
der rechten Schulter mit
Impingement
der Schulter
(
Differential
diag
nose
:
Läsion der
Rotatorenmanschette
beziehungsweise Bursitis oder Tendi
nitis
)
und überwies den Beschwerdeführer zur weiteren Abklärung an die ortho
pädische Klinik der
B.___
(Urk. 6/11).
4.2
Bei Diagnose einer
Rotatorenmanschettenruptur
der Schulter (
t
ransmural
Supra
spinatus
,
Oberrand
Subscapularis
),
einer
Bizepstendinopathie
und
einer
degenera
tive
n
anteriore
n
Labrumläsion bei asymptomatischer AC-Gelenksarthrose und Trauma vom Aug
ust 2017 führten Dr. med. C.___ und PD Dr. med.
D.___
, beide
Fachärzte
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
am 3. Mai 2018
eine
arthro
skopische
Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
rechts durch (Urk. 6/24). Diese verlief
gemäss Austritts
bericht vom 7. Mai 2018 komplikationslos, der Beschwerdeführer habe in gutem Allgemeinzustand mit intakter Sensomotorik und reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen werden können (Urk. 6/23). Anlässlich von Kontrollen am 15. Juni und 4. September
2018
stellte Dr.
C.___
einen regelrechten postope
ra
tiven Verlauf bei weiterhin bestehenden Schmerzen fest (Urk. 6/30, Urk. 6/40).
4
.3
Bei einer weiteren Verlaufskontrolle vom 7. Dezember 2018 stellten Dr.
D.___
und Dr. med.
E.___
, Facharzt für Chirurgie, die Diagnose einer postope
rativen
Frozen
Shoulder
(Urk. 6/52/1). Diese sei insgesamt mit
einer
positiven Prognose verbunden
,
jedoch
müsse
mit einem längeren Heilungsverlauf von ein bis zwei Jahren
gerechnet werden
(Urk. 6/52/2).
4
.4
Vom 8. Mai bis am 5. Juni 2019 hielt sich der Beschwerdeführer zur stationären Rehabilitation in der
Z.___
auf (Urk. 6/89/1).
Im Austrittsbericht
vom 7. Juni 2019
hielten
Oberarzt
Dr. med
.
F.___
, Facharzt für Physi
kalische Medizin und Rehabilitation
,
und Dr. med.
G.___
fest, es habe keine namhafte Verbesserung der Beschwerden erzielt werden können. Zur Arbeits
fähigkeit beziehungsweise
Zumutbarkeit und Eingliederungsperspektive führten sie aus, es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbrac
ht werden könnte als bei den Le
i
s
tungstests und im Behandlungsprogramm gezeigt worden sei. Infolge Selbstlimitierung hätten die zu erwartenden Verbesserungen bezüg
lich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht werden können. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren kör
perlichen Belastbarkeit nicht verwertbar. Das Ausmass der
demonstrierten
physi
schen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Be
funden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich wesentlich auf medizinisch-theoretische Überlegungen unter Berücksichti
gung der Beobachtungen bei den Leistungstests und im Behandlungsprogramm. Die bisherige Tätigkeit als Klimamonteur sei dem Beschwerdeführer nicht zu
mut
bar. Zumutbar seien hingegen ganztägige leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne Arbeiten über Schulterhöhe mit der rechten Schulter (Urk. 6/89/2 f.). Von der Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte Besserung mehr erwartet werden, es werde vorgeschlagen, den Fall abzuschliessen (Urk. 6/89/3).
4.5
Dr.
D.___
hielt im Bericht vom 12. Juni 2019 fest, es scheine, als habe di
e stationäre Rehabilitation die
Schulter des Beschwerdeführers überfordert und die immer noch deutliche postoperative
Frozen
Shoulder
eher negativ beeinflusst
. Er habe dem Beschwerdeführer das Krankheitsbild der
Capsulitis
mit typischerweise spontaner
Regredienz
nach eineinhalb bis zwei Jahren erläutert
(Urk. 6/92/2).
4.6
Kreisärztin Dr. med.
H.___
, Fachärztin für Chirurgie
,
legte am 24. Juni 2019 dar, im Bericht vom 12. Juni 2019 seien keine neuen medizinischen Tat
sachen beschrieben
worden
, die im Bericht der
Z.___
nicht berück
sichtigt worden seien, nur subjektiv lägen mehr Schmerzen vor. An der Zumut
ba
r
keitsbeurteilung und dem Fallabschluss könne daher festgehalten werden. Der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung könne erst zwei Jahre postoperativ beurteilt werden (Urk. 6/93).
4.7
Gemäss Bericht von Dr.
C.___
vom 9.
Juli
2019 zeigte sich am 5.
Juli
2019 weiterhin eine leichte postoperative
Frozen
Shoulder
aber auch Komponenten eines
subacromialen
Impingements
. Eine
subacromiale
Infiltration habe die pas
sive Beweglichkeit deutlich verbessert, alle aktiven Bewegungen seien hingegen weiterhin schmerzhaft geblieben (Urk. 6/102/2).
4.8
Am 4. Oktober 2019 stellte Dr.
C.___
sodann ein
frei bewegliches Gelenk und weiterhin Zeichen eines
subacromialen
Impingements
fest
. Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass
die durchgeführte
glenohumeral
e
Infiltrat
ion die Beschwer
den während drei Wochen komplett gelindert habe. Dann seien unter vermehrter Belastung erneut die gleichen Schmerzen aufgetreten (Urk. 6/131
/1
).
4.9
Dr. med. I.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte in seinem Bericht vom
1.
November
2019 Schulterschmerzen und einen Reizzustand rechts unklarer Ätio
logie
(
Differentialdiagnose
:
low
-grade Infekt
)
und
eine
ungenügende Einheilung der
Supraspinatussehne
(Urk. 6/141/1). Als Therapieoptionen schlug er vor, entweder die Situation so zu akzeptieren oder eine Revisionsarthroskopie mit nur mittelmässiger Prognose durchzuführen, wobei die Erfolgsquote von solchen Eingriffen etwa 50 % betrage. Der Beschwerdeführer habe sich in der Folge für die Operation entschieden (Urk. 6/141
/2
).
4.
10
Am 13. Dezember 2019 führte Dr.
I.___
eine Schulterarthro
skopie mit
zirkumferenzielle
r
Kapsulotomie
und
subacromialer
Bursektomie
mit
Acro
mio
plastik
,
Revision und
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
der rechten S
chulter durch. Der Eingriff sei
komplikationslos u
nd der postoperative Verlauf
unkom
pliziert gewesen. Der Beschwerdeführer sei in gutem Allgemeinzustand und subjektivem Wohlbefinden nach Hause entlassen worden (Urk. 10
/2
S.
1
).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich zur Begründung der Einstellung der
Heilbe
h
andlungs
- und Taggeldleistungen
hauptsächlich auf die Beurteilung der
be
handelnden Ärzte der
Z.___
(Urk. 5 S. 3).
Diese hielten nach dem vom
8. Mai bis
am
5. Juni dauernden Klinikaufenthalt des Beschwerdeführers im Austrittsbericht vom
7. Juni 2019 fest,
mit
weiteren medizinischen Massnahme
n
könne keine namhafte
B
esserung der Beschwerden erzielt werden
,
und empfahlen den Fallabschluss (Urk. 6/89/3)
, was die Kreisärztin am 24. Juni 2019 bestätigte (Urk. 6/93)
.
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, er habe weiterhin starke Schmerzen und sei in Behandlung. Er habe sich entschieden, eine weitere Operation durchführen zu lassen (Urk. 1).
5
.2
Massgeblich für die Einstellung
der Leistungen für Heilungskosten und der Tag
gelder ist - entgegen der Annahme des Beschwerdeführers - nicht, ob weiterhin Beschwerden
oder Bewegungseinschränkungen vorliegen, sondern ob mit der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine massgebliche
B
esserung
des Gesundheitszustandes
erzielt werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Der behandelnde Dr.
D.___
führte diesbezüglich aus, das Krankheitsbild der
Ca
p
s
ulitis
zeige nach eineinhalb bis zwei Jahren typischerweise eine spontane
Regredienz
, eine forcierte Therapie sei eher kontraproduktiv und
er
empfahl die Durchführung einer sanften Wassertherapie sowie den Versuch einer
antiinflammatorischen
Therapie mit einer DMSO-Salbe (Urk. 6/92/3).
Dr.
C.___
führte sodann anlässlich der Konsultation vom 5. Juli 2019 eine
subacromiale
Infiltration durch, die zunächst zwar zu einer verbesserten
passiven Beweglichkeit führte (Urk. 6/102/2), die jedoch nicht von Dauer war (Urk. 6/131
/1
).
Weitere medizinische Massnah
men wurden von den behandelnden Ärzten
- übereinstimmend mit dem Bericht der
Z.___
und der kreisärztlichen Einschätzung
-
weder empfohlen noch durchgeführt.
Insgesamt sind damit
,
abgesehen von der Fortführung der Wassertherapie bezie
hungsweise der medizinischen Trainingstherapie
, welche keine ärztlichen Behand
lungen darstellen und daher von vornherein einem Fallabschluss nicht
entgegen stehen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_188/2010 vom 22. November 2010 E. 3.2)
, keine weiteren medizinischen Massnahmen vor
ge
sehen, die zu einer massgeb
lichen
B
esserung
des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers beitragen könnten.
Berufliche Massnahme sodan
n
fallen nicht in Betracht (vgl. E. 4.3 f. des
heut
igen
Urteils
im Parallelverfahren IV.2019.00754). Daher
ist der Fallabschluss per 31. Oktober 2019 durch die Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden.
5
.3
Im nach Erlass
des
Einspracheentscheid
e
s
zu den Akten genommenen Bericht von
Dr.
I.___
vom 1. November 2019
stellte dieser
für die von ihm als Alter
native zur Akzeptanz der Beschwerdesituation vorgeschlagene Revisions
arthros
kopie ausdrücklich
keine
besonders
günstige
Prognose mit einer Erfolgsquote von 50 % (Urk.
6/
141/2).
Diese Einschätzung bekräftigte er anlässlich der Operation vom 13. Dezember 2019 erneut, indem er ausführte, es sei eine Revisions
arthros
kopie mit unklarer Prognose vorgesehen (Urk. 10
/3
S.
1
).
Gemäss der bundesge
richtlichen Rechtsprechung muss eine namhafte Besserung indes nicht nur mög
lich, sondern nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad über
wiegend wahrscheinlich sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_346/2010
vom 21.
Juli 2010 E. 2.2
). Diese Voraussetzung ist bei einer mit einer Wahrscheinlich
keit von 50 % zu erwartenden Besserung nicht erfüllt.
Die eingeholte Zweit
meinung sowie die durchgeführte
Operation vermögen somit
am
Fallabschluss per 31. Oktober 2019 und
der
damit erfolgte
n
Einstellung der vorübergehenden Leistungen nicht
s zu ändern
.
6
.
6
.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die Ärzte der
Z.___
hielten
diesbezüglich
fest, dass die angestammte berufliche Tätigkeit als Klimamonteur nicht mehr zumutbar sei. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Arbeit
en
über Schulterhöhe mit der rechten Schulter sei dem Beschwer
de
führer jedo
ch ganztags möglich (Urk. 6/89/
2 f.). Diese Beurteilung stütze sich auf medizinisch-theoretische Überlegungen, da die Resultate der physischen Leis
tungstests infolge Selbstlimitierung für die Beurteilung der zumutbaren körper
lichen Belastbarkeit nicht verwertbar
waren
. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen l
ie
ss sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären
.
E
ine weitergehende Einschränkung der Be
lastbarkeit l
ie
ss sich medizinisch-theoretisch nicht begründen
(Urk. 6/89/2)
.
Die Beurteilung der Ärzte der
Z.___
erfolgte nach einem einmo
na
tigen Klinikaufenthalt des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der Beo
bach
tungen in den Leistungstests und im Behandlungsprogramm (Urk. 6/89/2) und in Kenntnis der medizinischen Akten
(Urk. 6/89/5 ff.
)
.
Sie
stimmt
sodann
auch mit den Berichten der behandelnden Ärzte
Dr.
D.___
und Dr.
C.___
überein.
Diese
attestierten dem
Beschwerdeführer bei einer am 7. Juni 2019 noch
deutlichen (Urk. 6/92),
und am 9. Juli 2019 leichten
(Urk. 6/102/2)
postoperativen
Frozen
Shoulder
mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
zwar
jeweils
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
(Urk. 6/88, Urk. 6/104)
, was bezogen auf die ansonsten unbeeinträchtigte funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerde
füh
rers
auf längere Sicht
nicht überzeugt
.
Am 4. Oktober 2019 stellte
Dr.
C.___
ihm
bei
Restbeschwerden
mit frei beweglichem Schultergelenk mit
Zeichen eines
subacromialen
Impingements
und
generalisierten Schmerzen bei
jeglicher Ab
duktion
ein
weiteres
Arbeitsunfähigkeitszeugnis aus, jedoch lediglich bis Ende Monat, worauf ein Arbeitsbeginn versucht werden solle
(Urk. 6/131/1).
Allfällige weitere Einschränkungen
bezüglich
der dem Beschwerdeführer zumutbaren Arbei
ten wurden von den behandelnden Ärzten nicht festgestellt.
Die Zumutbarkeitsbeurteilung der Ärzte der
Z.___
ist
insgesamt
nachvollziehbar begründet und schlüssig
, es kann darauf abgestellt werden. Dem Beschwerdeführer ist
es mithin ab 31. Oktober 2019
ohne zeitliche Einschränkung
zumutbar, einer leichten bis mittelschweren Arbeitstätigkeit ohne Arbeiten über
Schulterhöhe
bezüglich
der rechten Schulter
nachzugehen.
6
.2
Beim
in der Folge durchgeführte
n
Einkommensvergleich
stellte
die Beschwerde
gegnerin für das
Valideneinko
m
men
auf den vom Arbeitgeber angegebenen Lohn und beim Invalideneinkommen auf die
Tabellenlöhne der
Schwe
izerische
n
Lohn
strukturerhebung
2016
(
TA1_
tirage_skill_level,
nach Wirtschaftszweigen, Komp
e
tenz
niveau und Geschlecht,
Kompetenzniveau 1, Zentralwert,
herausgegeben vom Bundesamt f
ür Statistik)
ab und errechnete einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 0 %. Diese Berechnung wurde
richtigerweise
nicht
in Frage gestellt
(vgl. Urk. 1)
. Der Beschwerdeführer
ist trotz der gesundheitlichen Beein
trächtigung in der Lage, in einer angepassten Tätigkeit ein Einkommen zu erzielen, das dem bisherigen entspricht. Demgemäss hat er
keinen Anspruch auf eine Invalidenrente.
7
.
7.1
Über den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung wurde mit dem ange
foch
tenen Entscheid nicht entschieden, da gemäss der kreisärztlichen Beurteilung die Festlegung des Integritätsschadens frühestens zwei Jahre n
ach der am 2. Mai 2018 durchgeführten
Schulteroperation erfolgen könne (Urk. 5 S. 2, Urk. 6/93).
Der Beschwerdef
ührer beantragte
gleichwohl
die Zuspr
echung
einer Integri
täts
entschädigung bei einem Integritätsschaden von mindestens 50 % (Urk. 1).
7.2
Zwar ist die Integritätsentschädigung grundsätzlich mit der Invalidenrente
bezie
hungsweise
-
wenn kein Rentenanspruch besteht
-
zum Zeitpunkt des Abschlus
ses der ärztlichen Behandlung festzusetzen (Art. 24 Abs. 2 UVG),
die Festsetzung
kann jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, wenn sich die mate
riellen Anspruchsvoraussetzungen im Zeitpunkt der Rentenverfügung noch nicht zuverlässig beurteilen lassen (BGE 113 V 48 E. 3). Dies ist vorliegend gemäss der kreisärztlichen Beurteilung - die sich im Übrigen mit der von Dr.
D.___
ge
stellten Prognose einer wahrscheinlichen spontanen Besserung der Beschwerden nach eineinhalb bis zwei Jahren
(Urk. 6/92/
3
)
deckt - der Fall
(Urk. 6/93
/1
)
,
weswegen
das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden ist.
Da
bezüglich Integritätsentschädigung kein Anfechtungsgegenstand in Form eines mit Beschwerde anfechtbaren
Einspracheentscheid
es
besteht, ist auf den
Antrag des Beschwerdeführers
,
es sei ihm
eine Integritätsentschädigung bei einer Inte
gritätseinbusse von mindesten 50 %
zuz
u
sprechen, nicht einzutreten.
Im Übrigen ist die Beschwerde nach dem Gesagten abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser