# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2226f229-650a-54e3-bfbb-f025a0d23eaa
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 24.09.2015 A 2015 25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2015-25_2015-09-24.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

A 15 25

4. Kammer

Vorsitz Racioppi
Richter Stecher, Meisser 

Aktuar Simmen

URTEIL

vom 24. September 2015

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____ AG,
vertreten durch Kalberer Treuhand AG, 

Beschwerdeführerin
gegen 

Steuerverwaltung Graubünden, 
Beschwerdegegnerin 1

und

Eidg. Steuerverwaltung, 
Beschwerdegegnerin 2

betreffend Kantons- und direkte Bundessteuern

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1. Die A._____ AG mit Sitz in X._____ (bis Ende 2013 A._____ GmbH) ist 

Mieterin einer Industriehalle in X._____. Eigentümer und Vermieter dieses 

Gebäudes sind die beiden Alleinaktionäre B._____ und C._____. Der 

Mietzins beträgt Fr. 9'000.-- monatlich, wovon Fr. 500.-- als Nebenkosten 

gelten. Gemäss amtlicher Schätzung vom 19. November 2010 beträgt der 

Mietwert der Industriehalle Fr. 54'000.-- pro Jahr. 

2. Bereits im Rahmen des Veranlagungsverfahrens des Steuerjahres 2010 

sah die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden im Umfang der Diffe-

renz zwischen dem effektiv bezahlten jährlichen Mietzins von 

Fr. 102'000.-- (exkl. Nebenkosten) und dem Mietwert gemäss amtlicher 

Schätzung von Fr. 54'000.-- eine geldwerte Leistung und nahm eine Auf-

rechnung von Fr. 48'000.-- bei der damaligen A._____ GmbH vor. Mit 

Einspracheentscheiden (direkte Bundes- und Kantonssteuer) vom 

24. September 2012 sah die kantonale Steuerverwaltung von der Auf-

rechnung der Differenz zwischen dem effektiv bezahlten Mietzins und 

dem Mietwert gemäss amtlicher Schätzung ab. Die kantonale Steuerver-

waltung hielt zu diesem Punkt jedoch was folgt fest: 

"Die Einsprache wird in diesem Punkt gutgeheissen unter der Bedingung, dass Sie 
im Jahre 2012 eine Neuschätzung beim Amt für Schätzungswesen, Schätzungs-
bezirk 2 beantragen. Für die Jahre 2010 und 2011 wird die Miete von 
CHF 108'000.--/Jahr anerkannt. Für das Jahr 2012 gilt der Mietwert gemäss der 
revidierten Schätzung. Die Aufrechnung von CHF 48'000.-- wird gestrichen."

3. Da die A._____ AG in der Folge keine neue Schätzung beantragte, aner-

kannte die kantonale Steuerverwaltung im Rahmen der Steuerveranla-

gung der Steuerjahre 2012 und 2013 vom 23. Februar 2015 die geltend 

gemachte geschäftsmässig begründete Nettomiete nur im Umfang von 

Fr. 54'000.-- (zuzüglich Fr. 6'000.-- für Nebenkosten), woraus eine Auf-

rechnung beim Reingewinn von Fr. 48'000.-- pro Steuerjahr resultierte. 

Die dagegen erhobene Einsprache der A._____ AG vom 23. März bzw. 

vom 2. April 2015 wies die kantonale Steuerverwaltung mit Einspra-

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cheentscheiden (direkte Bundes- und Kantonssteuer 2012 und 2013) vom 

10. April 2015 ab. 

4. Gegen die Einspracheentscheide erhob die A._____ AG (nachfolgend 

Beschwerdeführerin) am 8. Mai 2015 Beschwerde an das Verwaltungsge-

richt des Kantons Graubünden mit folgenden Anträgen:

"1. Der Einsprache-Entscheid vom 10. April 2015 zu den Steuerveranlagungen 
vom 23. Februar 2015 und zu den Schlussrechnungen der Kantons- und Ge-
meindesteuern sowie Bundessteuern für die Jahre 2012 und 2013 seien so-
weit aufzuheben, als die Mietwertkorrektur von CHF 48'000.-- dem steuerba-
ren Reingewinn aufgerechnet wurde.

2. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Kan-
tons Graubünden."

Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie insgesamt 

eine Raumfläche von 900 m2 beanspruche. Nebst den Räumlichkeiten, 

welche als Büro-, Lager- und Produktionsstätte genutzt würden, seien im 

Mietzins auch rund 13 Parkplätze für Kunden und Angestellte enthalten. 

Für das Geschäftsjahr 2010 sei zunächst eine Aufrechnung von 

Fr. 48'000.-- erfolgt. Daraufhin habe die Beschwerdeführerin abgeklärt, 

dass der marktübliche Mietzins im Industriegebiet bis zu Fr. 14.-- betra-

gen könne. Daher habe sie für die Steuerperioden ab 2012 beim Amt für 

Schätzungswesen (ASW) telefonisch eine Neuschätzung der Liegen-

schaft verlangt. Zudem sei ein Augenschein gefordert worden, um die 

Räume betreffend effektiver Fläche und Nutzung zu besichtigen. Die kan-

tonale Steuerverwaltung habe indes weder eine Neuschätzung vorneh-

men lassen noch einen Augenschein durchgeführt. Weder im StG noch 

im DBG sei festgehalten, dass für vermietete Liegenschaften auf den in 

der Schätzung festgelegten Mietwert abgestellt werden müsse. 

5. Die kantonale Steuerverwaltung (nachfolgend Beschwerdegegnerin) be-

antragte in ihrer Vernehmlassung vom 12. Juni 2015 die Abweisung der 

Beschwerde. Eine Verletzung des Rechts auf Beweisabnahme liege nicht 

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vor. Es habe keine Veranlassung bestanden, an den plausiblen Werten 

der amtlichen Schätzung zu zweifeln, zumal durch den Schätzer eine Be-

sichtigung vor Ort erfolgt sei. Entsprechend habe die Beschwerdegegne-

rin keinen Anlass gesehen, einen Augenschein durchzuführen oder eine 

Neuschätzung zu veranlassen. Im Übrigen hätte die Beschwerdeführerin 

die Neuschätzung anbieten bzw. vorlegen müssen. Dass sie dies getan 

habe, sei nicht belegt. Zwischen dem amtlich geschätzten Mietwert von 

Fr. 54'000.-- und dem effektiv bezahlten Mietpreis von Fr. 102'000.-- liege 

eine erhebliche und offensichtliche Diskrepanz. Die vom Bundesgericht 

definierten Voraussetzungen für die Annahme einer verdeckten Gewin-

nausschüttung seien erfüllt, weshalb die verdeckte Gewinnausschüttung 

zu Recht dem steuerbaren Reingewinn zugerechnet worden sei. Die amt-

liche Schätzung sei ein wesentliches Indiz für die Beurteilung der ge-

schäftsmässigen Begründetheit der Mietzinszahlungen. Von diesen durch 

das ASW festgelegten Werten solle nicht ohne Not abgewichen werden. 

Die Mieterträge der Steuerjahre 2012 und 2013 würden auf der aktuellen 

Schätzung vom 19. November 2010 basieren, welche durch die Eigentü-

mer der Liegenschaft nicht angefochten und dementsprechend anerkannt 

worden sei. Die ebenfalls von B._____ und C._____ vermietete Wohnung 

an der D._____ strasse  in X._____ sei an eine Drittperson für eine Jah-

resmiete von Fr. 15'600.-- vermietet, obwohl der Mietwert gemäss Schät-

zung Fr. 19'800.-- betrage. Übertrage man diese Tatsache auf den Rest 

der Liegenschaft, sei sogar davon auszugehen, dass der Mietwert 

gemäss amtlicher Schätzung eher zu hoch als zu tief angesetzt sei. 

6. Am 26. Juni 2015 (Poststempel) beantragte die Beschwerdeführerin repli-

cando die Gutheissung der Beschwerde. Sie habe stets nach Treu und 

Glauben gehandelt und die mündlich beantragte Neuschätzung als aus-

reichend empfunden. Die Neuschätzung sei auch angefordert worden, um 

einen geeigneten Nachweis der effektiv genutzten Fläche zu erhalten. 

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Trotz wiederholter, nun auch schriftlicher Aufforderung zur Neuschätzung 

beim ASW sei die Liegenschaft noch immer nicht neu geschätzt worden. 

7. Mit Schreiben vom 29. Juni 2015 forderte der Instruktionsrichter die Be-

schwerdeführerin auf, eine Kopie des Gesuchs um Neuschätzung einzu-

reichen. Daraufhin reichte die Beschwerdeführerin am 3. Juli 2015 eine 

Kopie des entsprechenden Gesuchs vom 30. März 2015 ein und teilte 

dem streitberufenen Gericht gleichzeitig mit, dass die Grundstückschät-

zung am 6. Juli 2015 stattfinden werde. 

8. Am 3. Juli 2015 hielt die Beschwerdegegnerin duplicando an ihren Anträ-

gen fest. 

9. Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 forderte der Instruktionsrichter die Be-

schwerdeführerin auf, die Neuschätzung einzureichen und − falls er-

wünscht − dazu Stellung zu nehmen. Da die Beschwerdeführerin auch in 

der Folge keine Schätzung einreichte, forderte der Instruktionsrichter die 

Neuschätzung direkt beim ASW ein. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften so-

wie in den angefochtenen Einspracheentscheiden wird, soweit erforder-

lich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Anfechtungsobjekte des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die 

Einspracheentscheide vom 10. April 2015 (direkte Bundes- und Kantons-

steuer 2012 und 2013), mit welchen die Beschwerdegegnerin die Ein-

sprache der heutigen Beschwerdeführerin abgewiesen und gleichzeitig 

die im Rahmen der Steuerveranlagung der Steuerjahre 2012 und 2013 

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vorgenommene Aufrechnung beim Reingewinn von Fr. 48'000.-- pro 

Steuerjahr bestätigte. Solche Entscheide können gemäss Art. 140 Abs. 1 

des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) 

und Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der di-

rekten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) i.V.m. 

Art. 139 Abs. 1 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 

720.00) mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubün-

den angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungs-

gerichtes ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b VRG, wonach das Verwal-

tungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Dienststellen der kan-

tonalen Verwaltung und von unselbständigen Anstalten des kantonalen 

Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht den direkten Weiterzug vor-

sieht, was hier − wie gesehen (vgl. Art. 139 Abs. 1 StG) − der Fall ist. 

Demzufolge fällt die Beurteilung der vorliegenden Streitsache in die Zu-

ständigkeit des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden. Die Be-

schwerdeführerin ist als formelle und materielle Adressatin der angefoch-

tenen Einspracheentscheide beschwert und damit ohne Weiteres zur Be-

schwerdeerhebung befugt (vgl. Art. 50 VRG). Auf die zudem frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten. 

b) Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die von der Beschwerdeführerin an 

ihre beiden Alleinaktionäre bezahlten Mietzinsen für die Industriehalle in 

X._____ dem Drittvergleich standhalten und damit als geschäftsmässig 

begründeter Aufwand steuerlich anzuerkennen sind, oder ob der bezahlte 

Mietzins übersetzt ist und teilweise als geldwerte Leistung der Beschwer-

deführerin an die beiden Alleinaktionäre qualifiziert werden muss. 

2. Die Beschwerdeführerin wirft der Beschwerdegegnerin eine Verletzung 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor, weil sie nicht selbst eine Neu-

schätzung der Industriehalle angefordert und keinen Augenschein durch-

geführt habe. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist nach ständiger 

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Rechtsprechung formeller Natur. Ist die Rüge begründet, so ist der ange-

fochtene Entscheid grundsätzlich aufzuheben (BGE 119 Ia 136 E.2b mit 

Hinweisen) und eine Prüfung der weiteren Vorbringen erübrigt sich. Die 

Rüge ist daher vorweg zu beurteilen. 

a) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zunächst aus den steuer-

rechtlichen Spezialbestimmungen (Art. 114 und 115 i.V.m. Art. 142 DBG, 

Art. 126a StG). Darüber hinaus gelten die aus der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) folgenden Verfahrens-

regeln zur Sicherung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV). Der ver-

fassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 

BV räumt den Verfahrensbeteiligten das Recht ein, Beweismassnahmen 

zu beantragen und verpflichtet die Behörden, rechtzeitig und formgerecht 

angebotene Beweismittel zu behaupteten Tatsachen, die rechtserheblich 

sind, abzunehmen. Die Behörde darf auf die Beweisabnahme verzichten, 

wenn das frist- und formgerecht angebotene Beweismittel für die Veran-

lagung unerhebliche Tatsachen betrifft oder untauglich ist, den Beweis für 

die in Frage stehende rechtserhebliche Tatsache zu erbringen (BGE 

117 Ia 262 E.4b, 106 Ia 161 E.2b). Ausserdem darf die Behörde von der 

Abnahme eines Beweismittels absehen, wenn sie aufgrund bereits erho-

bener Beweise ihre Überzeugung, eine bestimmte Tatsache habe sich 

verwirklicht, gebildet hat und sie annehmen kann, dass ihre Überzeugung 

durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (sog. antizipierte 

Beweiswürdigung; BGE 126 I 15 E.2a/aa, 124 I 208 E.4a, 122 I 53 E.4a; 

vgl. auch ZWEIFEL, in: ZWEIFEL/ATHANAS [Hrsg.], Kommentar zum Schwei-

zerischen Steuerrecht, Band I/2b, Bundesgesetz über die direkte Bundes-

steuer [DBG], 2. Aufl., Basel 2008, Art. 115 Rz. 5). 

b) Die Veranlagungsbehörde prüft die Steuererklärung und nimmt die erfor-

derlichen Untersuchungen vor (Art. 130 Abs. 1 DBG, Art. 130a StG). Sie 

stellt nach Art. 123 DBG bzw. Art. 130a und Art. 128 Abs. 2 StG zusam-

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men mit dem Steuerpflichtigen die für eine vollständige und richtige Be-

steuerung massgebenden tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse fest 

und kann insbesondere Sachverständige beiziehen, Augenscheine durch-

führen und Geschäftsbücher und Belege an Ort und Stelle einsehen. Der 

Steuerpflichtige muss alles tun, um eine vollständige und richtige Veran-

lagung zu ermöglichen (Art. 126 Abs. 1 DBG, Art. 127 Abs. 2 StG). Die 

von ihm angebotenen Beweise müssen abgenommen werden, soweit sie 

geeignet sind, die für die Veranlagung erheblichen Tatsachen festzustel-

len (Art. 115 DBG, Art. 126a Abs. 3 StG). Wird ein Augenschein bean-

tragt, so steht der Entscheid, ob ein solcher angeordnet werden soll, im 

pflichtgemässen Ermessen der mit der Sache befassten Behörde. Eine 

dahingehende Pflicht besteht nur, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf 

andere Weise nicht abgeklärt werden können (Urteil des Bundesgerichtes 

2A.500/2002 vom 24. März 2003 E.3.4). 

c) Die Beschwerdeführerin hat bereits im Einspracheverfahren die Neu-

schätzung der Liegenschaft sowie die Durchführung eines Augenscheins 

verlangt, um die Räume an Ort und Stelle betreffend effektiver Fläche und 

Nutzung zu besichtigen. Dabei wies die Beschwerdeführerin insbesonde-

re darauf hin, dass sie mehr m2 beanspruche als in der amtlichen Schät-

zung vom 19. November 2010 aufgeführt. Die Beschwerdegegnerin ver-

zichtete in der Folge auf die Durchführung des Augenscheins, wobei sie 

sich auf die Mietwerte und Flächenangaben der amtlichen Schätzung vom 

19. November 2010 stützte. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden. 

Einerseits darf sich die Beschwerdegegnerin grundsätzlich auf die Werte 

der amtlichen Schätzung abstützen, weil diese eine erhöhte Beweiskraft 

für die darin enthaltenen Tatsachen aufweist und nicht ohne triftigen 

Grund davon abzuweichen ist. Dies gilt umso mehr, je neuer die amtliche 

Schätzung ist. Vorliegend stützt sich die Beschwerdegegnerin für die Ver-

anlagung der Steuerjahre 2012 und 2013 − wie gesehen − auf die amtli-

che Schätzung vom 19. November 2010 und damit auf eine durchaus 

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zeitnahe Schätzung. Anderseits hat die Beschwerdeführerin ihre Aussa-

ge, wonach sie mehr m2 beanspruche als in der amtlichen Schätzung vom 

19. November 2010 aufgeführt, immer nur behauptet und lediglich einen 

Augenschein als Beweis angeboten. Die in der amtlichen Schätzung vom 

19. November 2010 enthaltenen Werte widerlegte sie nicht, obwohl dies 

mit einfachen Mitteln, beispielsweise mit der Anforderung einer neuen 

amtlichen Schätzung beim ASW, ohne Weiteres möglich gewesen wäre. 

Dies zumal die Beschwerdegegnerin bereits in den Einspracheentschei-

den des Steuerjahres 2010 vom 24. September 2012 explizit darauf hin-

gewiesen hat, dass die Beschwerdeführerin noch im Jahr 2012 eine Neu-

schätzung beantragen solle und dass ab der Steuerperiode 2012 auf die 

Werte der revidierten amtlichen Schätzung abgestellt werde. Vor diesem 

Hintergrund musste der Beschwerdeführerin klar sein, dass sie und nicht 

die Beschwerdegegnerin die neue Schätzung beim ASW hätte veranlas-

sen und diese in der Folge bei der Beschwerdegegnerin hätte einreichen 

müssen. Jedenfalls bestand unter diesen Umständen für die Beschwer-

degegnerin keine ernsthafte Veranlassung, eine Neuschätzung zu bean-

tragen bzw. einen Augenschein durchzuführen, zumal die Schätzung vom 

19. November 2010 auf einer Besichtigung vor Ort durch den Schätzer 

beruht. Die Nichtbeantragung einer Neuschätzung sowie die Nichtab-

nahme des angebotenen Augenscheins verstösst deshalb weder gegen 

das Beweisabnahmegebot von Art. 115 DBG bzw. Art. 126a Abs. 3 StG 

noch gegen den verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör. 

3. a) Der steuerbare Reingewinn der juristischen Personen setzt sich gemäss 

Art. 58 Abs. 1 DBG bzw. dem beinahe gleichlautenden Art. 79 Abs. 1 StG 

zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung 

des Saldovortrages des Vorjahres (lit. a), allen vor Berechnung des Sal-

dos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergeb-

nisses, die nicht zur Deckung von geschäftsmässig begründetem Auf-

wand verwendet werden (lit. b) sowie den der Erfolgsrechnung nicht gut-

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geschriebenen Erträgen mit Einschluss der Kapital-, Aufwertungs- und Li-

quidationsgewinne (lit. c). Zum steuerbaren Reingewinn gehören nament-

lich Zuwendungen der Gesellschaft an die Anteilsinhaber oder ihnen na-

hestehende Dritte, die einem Aussenstehenden nicht oder zumindest 

nicht im gleichen Masse gewährt würden. Solche geldwerten Leistungen 

liegen rechtsprechungsgemäss vor, wenn kumulativ folgende Vorausset-

zungen erfüllt sind (BGE 131 II 593 E.5.1; Urteile des Bundesgerichtes 

2C_278/2012 vom 1. Oktober 2012 E.2.1, 2C_265/2009 vom 1. Septem-

ber 2009 E.2.1 je mit Hinweisen; vgl. auch BRÜLISAUER/POLTERA, in: ZWEI-

FEL/ATHANAS [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Band I/2a, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 2. Aufl., 

Basel 2008, Art. 58 Rz. 92):

(i) Es wird eine Leistung ausgerichtet, der keine angemessene 

Gegenleistung gegenübersteht, so dass sich die Leistung als 

Entnahme von Gesellschaftsmitteln, in einer Verminderung des 

durch die Gewinn- und Verlustverrechnung ausgewiesenen 

Geschäftsergebnisses auswirkt;

(ii) Mit der Leistung wird ein Anteilsinhaber (oder eine ihm nahe-

stehende Person) begünstigt, d.h. die Leistung wird direkt oder 

indirekt zugehalten, wobei anzunehmen ist, dass die Leistung 

unterblieben oder wesentlich geringer wäre, wenn der Begüns-

tigte eine der Gesellschaft fernstehende Person wäre, die Leis-

tung also insofern ungewöhnlich ist und sich nicht mit sach-

gemässem Geschäftsgebaren vereinbaren lässt;

(iii) Das Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung muss für 

die handelnden Organe erkennbar gewesen sein, so dass da-

von ausgegangen werden kann, dass die Begünstigung beab-

sichtigt war. 

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b) Bei den geldwerten Leistungen geht es um Zuwendungen an Inhaber von 

Kapitalanteilen oder an solche Nichtbeteiligte, die der Gesellschaft 

und/oder den Inhabern der gesellschaftlichen Beteiligungsrechte nahe-

stehen. Solche Leistungen, die ihren Rechtsgrund im Beteiligungsverhält-

nis haben, sind beim steuerbaren Ertrag der Gesellschaft aufzurechnen, 

soweit sie einem unbeteiligten Dritten unter gleichen Umständen nicht 

oder nicht im gleichen Ausmass eingeräumt würden und auch keine Kapi-

talrückzahlung darstellen. Diese Regel des sog. Drittvergleichs (oder 

Prinzips des "dealing at arm's length") verlangt also, dass selbst Rechts-

geschäfte mit Beteiligungsinhabern zu den gleichen Bedingungen abzu-

wickeln sind, wie sie mit aussenstehenden Dritten zu Wettbewerbs- und 

Marktbedingungen vereinbart würden (vgl. BGE 131 II 593 E.5, 

119 Ib 116 E.2b, 115 Ib 111 E.5; Urteil des Bundesgerichtes 

2C_278/2012 vom 1. Oktober 2012 E.2.1.1). 

c) Im Bereich der geldwerten Leistungen gilt die Grundregel, dass die Steu-

erbehörde die Beweislast für steuerbegründende und -erhöhende Tatsa-

chen trägt, die steuerpflichtige Gesellschaft dagegen diejenige für all das, 

was die Steuer aufhebt oder mindert. Der Behörde obliegt insbesondere 

der Nachweis dafür, dass die Gesellschaft eine Leistung erbracht hat und 

dieser keine oder keine angemessene Gegenleistung gegenübersteht. 

Hat die Behörde ein solches Missverhältnis zwischen Leistung und Ge-

genleistung dargetan, so ist es Sache der steuerpflichtigen Gesellschaft, 

die damit begründete Vermutung zu entkräften. Gelingt ihr dies nicht, trägt 

sie die Folgen der Beweislosigkeit (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 

2C_278/2012 vom 1. Oktober 2012 E.2.1.2, 2C_88/2011 vom 3. Oktober 

2011 E.2.1.2). 

4. a) Vorliegend steht fest, dass die Beschwerdeführerin ihren Alleinaktionären 

B._____ und C._____ für die Miete der Industriehalle in X._____, welche 

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sich im Eigentum der Alleinaktionäre befindet, in den hier zur Diskussion 

stehenden Jahren 2012 und 2013 einen Jahresmietzins von Fr. 102'000.-- 

(exkl. Nebenkosten) entrichtete. Die Beschwerdegegnerin anerkannte im 

Rahmen der Veranlagungen der Steuerjahre 2012 und 2013 vom 23. Fe-

bruar 2015 die geltend gemachte geschäftsmässig begründete Nettomie-

te nur im Umfang von Fr. 54'000.-- (zuzüglich Fr. 6'000.-- für Nebenkos-

ten) und rechnete beim Reingewinn pro Steuerjahr Fr. 48'000.-- auf. Die-

se Aufrechnung bestätigte die Beschwerdegegnerin in den angefochtenen 

Einspracheentscheiden vom 10. April 2015. Dabei stützte sich die Be-

schwerdegegnerin auf die damals noch gültige amtliche Schätzung vom 

19. November 2010, welche einen jährlichen Mietertrag für die Geschäfts-

räumlichkeiten (mithin das gesamte Gebäude abzüglich der 4.5-

Zimmerwohnung) von Fr. 54'000.-- ausweist. Gegenüber dem von der 

Beschwerdeführerin bezahlten Nettomietzins von Fr. 102'000.-- resultiert 

somit eine Differenz im Umfang der von der Beschwerdegegnerin vorge-

nommenen Aufrechnung von Fr. 48'000.--. 

b) Nachdem die Beschwerdeführerin bzw. die Alleinaktionäre B._____ und 

C._____ am 30. März 2015, mithin während des Einspracheverfahrens 

der Steuerjahre 2012 und 2013, beim ASW schriftlich eine Neuschätzung 

ihrer Liegenschaft beantragt hatten, forderte der Instruktionsrichter die 

Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 17. Juli 2015 auf, die entspre-

chende Neuschätzung einzureichen und − falls erwünscht − dazu Stellung 

zu nehmen. Da die Beschwerdeführerin in der Folge der gerichtlichen 

Aufforderung nicht nachkam und im verwaltungsgerichtlichen Beschwer-

deverfahren der Untersuchungsgrundsatz gilt, mithin der Sachverhalt von 

Amtes wegen zu ermitteln ist (vgl. Art. 11 Abs. 1 VRG), ersuchte der In-

struktionsrichter in der Folge direkt das ASW um Zustellung der Neu-

schätzung. Dieses stellte dem streitberufenen Gericht nachfolgend die er-

suchte Schätzung vom 10. Juli 2015 zu.

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c) Da die Parteien sowohl im Einspracheverfahren (vgl. Art. 132 ff. DBG, 

Art. 137 ff. StG) als auch im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfah-

ren (vgl. Art. 140 ff. DBG, Art. 139 f. StG) noch neue Argumente und neue 

Beweismittel einreichen können und im verwaltungsgerichtlichen Be-

schwerdeverfahren überdies − wie gesehen − der Untersuchungsgrund-

satz gilt, ist die nach den Einspracheentscheiden erstellte amtliche Schät-

zung vom 10. Juli 2015 im vorliegenden Beschwerdeverfahren grundsätz-

lich zu berücksichtigen. Das Verwaltungsgericht legt dem Entscheid mit-

hin denjenigen Sachverhalt zugrunde, der sich im Zeitpunkt der Ent-

scheidfällung verwirklicht hat und entsprechend bewiesen ist. Allerdings 

gilt es auch die in Art. 11 Abs. 2 VRG normierte Mitwirkungspflicht zu 

berücksichtigen, wonach die am Verfahren Beteiligten verpflichtet sind, an 

der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken. Diese allgemeine Mitwir-

kungspflicht wird im Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten 

Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) wie folgt kon-

kretisiert: 

Art. 42 Verfahrenspflichten des Steuerpflichtigen
.

1 Der Steuerpflichtige muss alles tun, um eine vollständige und richtige Veranla-
gung zu ermöglichen.
2 Er muss auf Verlangen der Veranlagungsbehörde insbesondere mündlich oder 
schriftlich Auskunft erteilen, Geschäftsbücher, Belege und weitere Bescheinigun-
gen sowie Urkunden über den Geschäftsverlauf vorlegen.
3 […]

Dieser in Art. 11 Abs. 2 VRG normierten und in Art. 42 Abs. 1 und 2 StHG 

konkretisierten Mitwirkungspflicht ist die Beschwerdeführerin vorliegend − 

wie nachfolgend dargestellt − gleich mehrfach nicht nachgekommen. 

• Wie vorstehend bereits dargelegt sah die Beschwerdegegnerin bereits 

im Rahmen des Veranlagungsverfahrens des Steuerjahres 2010 im 

Umfang der Differenz zwischen dem effektiv bezahlten jährlichen 

Mietzins von Fr. 102'000.-- (exkl. Nebenkosten) und dem Mietwert 

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gemäss amtlicher Schätzung vom 19. November 2010 von 

Fr. 54'000.-- eine geldwerte Leistung und nahm zunächst eine Auf-

rechnung von Fr. 48'000.-- vor. Zwar sah die Beschwerdegegnerin in 

den Einspracheentscheiden vom 24. September 2012 von der Auf-

rechnung der Differenz zwischen dem effektiv bezahlten Mietzins und 

dem Mietwert gemäss amtlicher Schätzung ab, allerdings nur unter 

der Bedingung, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2012 beim ASW 

eine Neuschätzung beantragt und für das Jahr 2012 der Mietwert 

gemäss der revidierten Schätzung gilt. Indem die Beschwerdeführerin 

im Wissen darum, dass die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Ver-

anlagung der Steuerjahre 2012 und 2013 von der revidierten amtli-

chen Schätzung ausgehen wird, keine Neuschätzung beim ASW ver-

langt hat, hat sie die Mitwirkungspflicht bereits im Veranlagungsverfah-

ren verletzt. Sie behauptet zwar, sie habe beim ASW telefonisch eine 

Neuschätzung beantragt. Diese Aussage ist indes als Schutzbehaup-

tung zu werten. Wenn die Beschwerdeführerin nämlich nach Ergehen 

der Einspracheentscheide vom 24. September 2012 tatsächlich tele-

fonisch eine neue Schätzung beim ASW beantragt hätte, stellt sich die 

Frage, weshalb sie anschliessend, nachdem keine neue Schätzung 

erfolgte, nicht beim ASW nachgehakt hat. 

• Aber auch im Einspracheverfahren der Steuerjahre 2012 und 2013 ist 

die Beschwerdeführerin ihrer Mitwirkungspflicht nicht hinreichend 

nachgekommen, indem sie bzw. die Alleinaktionäre B._____ und 

C._____ zwar am 30. März 2015 schriftlich beim ASW eine Neuschät-

zung verlangten, die Beschwerdegegnerin diesbezüglich aber nicht in 

Kenntnis setzten und insbesondere keine Sistierung des Einsprache-

verfahrens verlangten. Infolge dieser Verletzung der Mitwirkungspflicht 

hat die Beschwerdegegnerin die angefochtenen Einspracheentschei-

de vom 10. April 2015 denn auch auf der Basis des Sachverhalts 

- 15 -

gemäss der alten, damals noch gültigen amtlichen Schätzung vom 

19. November 2010 gefällt. 

Die Verletzung der Mitwirkungspflichten durch Nichteinreichung amtlicher 

Dokumente führt nicht automatisch zur Abweisung der Beschwerde. Denn 

das Verwaltungsgericht hat im Beschwerdeverfahren gemäss Art. 142 

Abs. 4 DBG bzw. Art. 140 Abs. 2 StG die gleichen Befugnisse wie die 

Veranlagungsbehörde im Veranlagungsverfahren. Vor diesem Hinter-

grund sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass im verwaltungs-

gerichtlichen Beschwerdeverfahren der Untersuchungsgrundsatz gilt (vgl. 

Art. 11 Abs. 1 VRG), hat das streitberufene Gericht − wie vorstehend be-

reits erwähnt − die nach dem Einspracheentscheid ergangene amtliche 

Schätzung vom 10. Juli 2015 im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu 

berücksichtigen. Die vorstehend aufgezeigten Verletzungen der Mitwir-

kungspflicht durch die Beschwerdeführerin bleiben jedoch nicht ohne Fol-

gen. Vielmehr sind diese bei der Verteilung der Gerichtskosten sowie bei 

der Zusprechung einer Entschädigung entsprechend zu berücksichtigen 

(vgl. dazu nachstehend E.6). 

5. a) Die amtliche Schätzung vom 19. November 2010 weist folgende Werte 

aus:

Geb-
Nr.

Gesch. Anz. Raum m2 Summe 
m2

Miete/
Jahr

Fr./m2 Mietart/
Typ

488 EG Werkhalle Sanitär mit 253.0 253.0 22'800 90 VM/G
488 EG Werkhalle Chromstahl m 238.0 238.0 22'800 96 VM/G
488 OG 4 ½ Zi-Wohnung 110.0 110.0 19'800 180 VM/G
488 OG Einstellhalle, Lager 0.0 8'400 VM/G

Anzahl Einheiten 4 601.0 73'800

Demgegenüber weist die amtliche Schätzung vom 10. Juli 2015 was folgt 

aus:

- 16 -

Geb-
Nr.

Gesch. Anz. Raum m2 Summe 
m2

Miete/
Jahr

Fr./m2 Mietart/
Typ

488 UG Einstell- und Lagerhalle 357.0 357.0 14'280 40 VM/G
488 EG Werkhalle LH 4.50m 193.0 193.0 19'320 100 VM/G
488 EG Werkhalle LH 2.20m 111.0 111.0 8'800 80 VM/G
488 EG Büro 59.0 59.0 7'080 120 VM/G
488 OG Büro 88.0 88.0 10'560 120 VM/G
488 OG Lager auf Podest 111.0 111.0 6'660 60 VM/G
488 OG 4 ½ Zimmerwohnung 131.0 131.0 19'800 151 VM/W
488 UG Archiv 18.0 18.0 900 50 VM/G

Anzahl Einheiten 8 1'068 87'480

Die beiden amtlichen Schätzungen unterscheiden sich im Wesentlichen 

im Mietwert, wo sie eine Differenz von Fr. 13'680.-- aufweisen, sowie in 

den Flächenangaben. Während die amtliche Schätzung vom 19. Novem-

ber 2010 eine gesamthafte Fläche von 601 m2 ausweist, weist diejenige 

vom 10. Juli 2015 eine solche von 1'068 m2 aus. Diese Differenz erklärt 

sich mehrheitlich damit, dass die Einstellhalle in der Schätzung vom 

19. November 2010 mit 0 m2 (gegenüber 357 m2 in der Schätzung vom 

10. Juli 2015) ausgewiesen ist. Des Weiteren fehlt in der amtlichen 

Schätzung aus dem Jahr 2010 das "Lager auf Podest" im Umfang von 

111 m2, welches in der Schätzung 2015 aufgeführt ist. Die Schätzung 

vom 19. November 2010 erfolgte zwar ebenfalls vor Ort, jedoch offen-

sichtlich weniger detailliert als diejenige vom 10. Juli 2015. Dies vermag 

die beschwerdeführerische Aussage, wonach sie eine Fläche von gut 

900 m2 beanspruche, obschon die Werkhalle gemäss amtlicher Schät-

zung 2010 bloss eine Fläche von 491 m2 aufweise, zumindest teilweise zu 

erklären. 

b) Wie vorstehend bereits dargestellt gehören zum steuerbaren Reingewinn 

im Sinne von Art. 58 Abs. 1 DBG bzw. Art. 79 Abs. 1 StG praxisgemäss 

auch Zuwendungen der Gesellschaft an die Anteilsinhaber oder ihnen 

nahestehende Dritte, die einem Aussenstehenden nicht oder zumindest 

nicht im gleichen Masse gewährt würden. Solche geldwerte Leistungen 

sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung immer dann anzu-

nehmen, wenn die Gesellschaft keine oder keine gleichwertige Gegenleis-

tung erhält, der Aktionär direkt oder indirekt einen Vorteil erhält, der einem 

- 17 -

Dritten unter gleichen Bedingungen nicht zugebilligt worden wäre und der 

Charakter dieser Leistung für die Gesellschaftsorgane erkennbar war (vgl. 

dazu vorstehend E.3a und b). Im vorliegenden Fall besteht zwischen dem 

effektiv von der Beschwerdeführerin an die beiden Alleinaktionäre 

B._____ und C._____ bezahlten Mietzins für die Industriehalle in X._____ 

von Fr. 102'000 (exkl. Nebenkosten) und dem Mietwert gemäss neuer 

amtlicher Schätzung vom 10. Juli 2015 von Fr. 67'680.-- nach wie vor eine 

Differenz von Fr. 34'320.--. Selbst unter Berücksichtigung des Mietwerts 

der neuen amtlichen Schätzung, welche im Übrigen von den Alleinaktio-

nären B._____ und C._____ nicht beanstandet worden und in Rechtskraft 

erwachsen ist, sind die vorstehend erwähnten Voraussetzungen der 

geldwerten Leistung noch erfüllt. Denn der von der Beschwerdeführerin 

für die Miete der Industriehalle an die Alleinaktionäre bezahlte Mietzins 

von Fr. 102'000.-- (exkl. Nebenkosten) liegt deutlich über dem in der amt-

lichen Schätzung vom 10. Juli 2015 ausgewiesenen Mietwert von 

Fr. 67'680.--. Der ausgerichteten Leistung, mithin der Zahlung eines Miet-

zinses von Fr. 102'000.--, steht in Form der Überlassung der Industriehal-

le zum Gebrauch zwar eine Gegenleistung gegenüber. Allerdings ist die-

se keineswegs als gleichwertig zu bezeichnen, beträgt der Mietwert der 

Industriehalle gemäss amtlicher Schätzung vom 10. Juli 2015 doch − wie 

gesehen − bloss Fr. 67'680.--. Sodann wird mit der Mietzinszahlung ein 

Anteilsinhaber begünstigt, nämlich die beiden Alleinaktionäre B._____ 

und C._____. Und schliesslich war das Missverhältnis von Leistung und 

Gegenleistung für die handelnden Organe auch ohne Weiteres erkenn-

bar, hat die Beschwerdeführerin die Mietzinszahlung doch im Wissen um 

den in der amtlichen Schätzung vom 19. November 2010 ausgewiesenen 

Mietwert von Fr. 54'000.-- geleistet. Vor diesem Hintergrund ist denn auch 

davon auszugehen, dass die Begünstigung beabsichtigt war. Demzufolge 

ist die Differenz zwischen dem für die Industriehalle effektiv bezahlten 

Mietzins von Fr. 102'000.-- und dem Mietwert gemäss amtlicher Schät-

zung vom 10. Juli 2015 von Fr. 67'680.-- als geldwerte Leistung an die Al-

- 18 -

leinaktionäre zu qualifizieren, welche gemäss Art. 58 Abs. 1 DBG bzw. 

Art. 79 Abs. 1 StG zum steuerbaren Reingewinn gehört. 

c) Fraglich und zu prüfen bleibt, ob die neue amtliche Schätzung vom 

10. Juli 2015 die Aufhebung der angefochtenen Einspracheentscheide 

vom 10. April 2015 und die Rückweisung der Streitsache an die Be-

schwerdegegnerin zur Neuberechnung der Aufrechnung beim Reinge-

winn zu rechtfertigen vermag. Damit eine neue Schätzung im Laufe des 

Beschwerdeverfahrens vor Verwaltungsgericht Berücksichtigung finden 

kann, hat diese gegenüber einer älteren Schätzung wesentliche Korrektu-

ren bzw. Anpassungen vorzuweisen. Dies gilt umso mehr, als dass amtli-

che Schätzungen grundsätzlich an einem Stichtag erfolgen und eine neue 

amtliche Schätzung im Folgejahr daher von der aktuellen Schätzung be-

reits leicht abweichende Werte aufweisen kann. Zudem erfolgt eine 

Schätzung stets im Zeitpunkt X und wird für die Veranlagung der Steuer-

periode Y verwendet. Vorliegend ist die Voraussetzung der wesentlichen 

Korrektur bzw. Anpassung gegenüber einer älteren Schätzung − wie 

nachfolgend dargestellt − erfüllt. Denn die neue Schätzung vom 10. Juli 

2015 erfolgte, verglichen mit derjenigen vom 19. November 2010, sowohl 

bezüglich der Flächen der verschiedenen Räume als auch in Bezug auf 

die Mieterträge wesentlich detaillierter. So wurde die Einstellhalle in der 

Schätzung vom 19. November 2010 noch mit 0 m2 ausgewiesen, während 

in der neuen Schätzung eine Fläche von 357 m2 ausgewiesen ist. Des 

Weiteren fehlt in der Schätzung aus dem Jahr 2010 im Gegensatz zur 

neuen Schätzung das "Lager auf Podest" im Umfang von 111 m2. Und 

schliesslich weist die neue Schätzung vom 10. Juli 2015 gegenüber der 

älteren Schätzung vom 19. November 2010 auch in Bezug auf die Miet-

werte eine wesentliche Änderung auf, stieg doch der Mietwert der gesam-

ten Industriehalle von Fr. 54'000.-- im Jahr 2010 auf Fr. 67'680.-- im Jahr 

2015. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich die Anwendung der amtli-

chen Schätzung vom 10. Juli 2015 sowohl für die Veranlagung des Steu-

- 19 -

erjahres 2012 als auch für jene des Steuerjahres 2013; dies obwohl die 

amtliche Schätzung vom 19. November 2010 zeitlich näher am Steuerjahr 

2012 liegt, als jene vom 10. Juli 2015. Denn der Grundsatz, wonach beim 

Vorliegen mehrerer amtlicher Schätzungen im Zeitpunkt der Veranlagung 

jene zu verwenden ist, welche zeitlich näher an der zu veranlagenden 

Steuerperiode erfolgte, weil die näher am Steuerjahr liegende Schätzung 

eher die tatsächlichen Werte wiedergibt, gilt nicht, wenn − wie im vorlie-

genden Fall − beide Schätzungen in etwa ähnlich zeitnah am zu veranla-

genden Steuerjahr liegen und die eine Schätzung wesentlich detaillierter 

ist als die andere. 

d) Nach dem Gesagten sind die angefochtenen Einspracheentscheide vom 

10. April 2015 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin ist anzuweisen, 

die Gewinnaufrechnung für die Steuerjahre 2012 und 2013 basierend auf 

der neuen amtlichen Schätzung vom 10. Juli 2015 vorzunehmen. Daraus 

resultiert eine Reduktion der Aufrechnung pro Steuerjahr von Fr. 48'000.-- 

auf Fr. 34'320.-- (= Fr. 102'000.-- abzüglich Fr. 67'680.--).

6. a) Gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG hat im Rechtsmittelverfahren in der Regel 

die unterliegende Partei die Kosten zu tragen. Vorliegend gilt es jedoch 

was folgt zu beachten: Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdefüh-

rerin bereits in den Einspracheentscheiden der Steuerperiode 2010 vom 

24. September 2012 explizit darauf hingewiesen, dass ab der Steuerperi-

ode 2012 auf die Werte der revidierten amtlichen Schätzung abgestellt 

werde und die Beschwerdeführerin noch im Jahr 2012 eine Neuschät-

zung beantragen solle. Im Laufe des Einspracheverfahrens der Steuerpe-

rioden 2012 und 2013 hat die Beschwerdeführerin bzw. die Alleinaktionä-

re B._____ und C._____ schliesslich am 30. März 2015 schriftlich eine 

Neuschätzung beantragt. Dabei hat es die Beschwerdeführerin indes un-

terlassen, die Vorinstanz über die beantragte Neuschätzung in Kenntnis 

zu setzen. Dementsprechend hatte die Beschwerdegegnerin gar nicht die 

- 20 -

Möglichkeit, das hängige Einspracheverfahren zu sistieren und das Vor-

liegen der neuen amtlichen Schätzung abzuwarten. Selbst im verwal-

tungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren hat die Beschwerdeführerin die 

neue amtliche Schätzung vom 10. Juli 2015 nicht eingereicht. All dies 

rechtfertigt es vorliegend ohne Weiteres, die Kosten des verwaltungsge-

richtlichen Beschwerdeverfahrens vollumfänglich der Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen. 

b) Gemäss Art. 78 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel verpflich-

tet, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit verursachten not-

wendigen Kosten zu ersetzen (Abs. 1). Bund, Kanton und Gemeinden 

sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird 

in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem 

amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Abs. 2). Vorliegend war die Be-

schwerdegegnerin zwar unstrittig in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätig. 

Aufgrund der vorstehend aufgezeigten Verletzungen der Mitwirkungs-

pflicht (vgl. E.4c) sowie dem treuwidrigen Verhalten der Beschwerdefüh-

rerin sowohl im Veranlagungs- als auch im Einsprache- und im verwal-

tungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren hat diese aber unbestrittener-

massen Aufwand nicht nur beim Gericht, sondern auch bei der Be-

schwerdegegnerin verursacht. Denn die Beschwerdeführerin wusste be-

reits nach Erlass der Einspracheentscheide des Steuerjahres 2010 vom 

24. September 2012, dass die Beschwerdegegnerin ab der Steuerperiode 

2012 auf die Werte der revidierten amtlichen Schätzung abstellen wird. 

Indem sie bzw. die Alleinaktionäre B._____ und C._____ dennoch erst 

am 30. März 2015 eine neue amtliche Schätzung beantragte und die Be-

schwerdegegnerin überdies im Einspracheverfahren darüber nicht in 

Kenntnis setzte, war die Beschwerdegegnerin gezwungen, statt das Ein-

spracheverfahren bis zum Vorliegen der neuen amtlichen Schätzung zu 

sistieren, im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren eine Ver-

nehmlassung und eine Duplik zu verfassen. Dies rechtfertigt es im vorlie-

- 21 -

genden Fall, der Beschwerdegegnerin ausnahmsweise eine Umtriebsent-

schädigung in der Höhe von Fr. 1'000.-- zuzusprechen. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Die ange-

fochtenen Einspracheentscheide vom 10. April 2015 werden aufgehoben 

und die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden wird angewiesen, die 

Gewinnaufrechnung für die Steuerjahre 2012 und 2013 von Fr. 48'000.-- 

auf Fr. 34'320.-- zu senken. 

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 466.--

zusammen Fr. 3'466.--

gehen zulasten der A._____ AG und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, 

Chur, zu bezahlen.

3. Die A._____ AG hat die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden aus-

sergerichtlich pauschal mit einer Umtriebsentschädigung in der Höhe von 

Fr. 1'000.-- zu entschädigen. 

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]