# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 04086358-2a04-5909-8a02-2a185ba1fb9f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.10.2021 D-3385/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3385-2017_2021-10-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abseiling IV 

D-3385/2017 

law/rep 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Gérard Scherrer, 

Gerichtsschreiber Philipp Reimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 16. Mai 2017 / N (…). 

 

 

 

D-3385/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer 

Hazara, reiste am 8. November 2015 mit dem Zug via B._______ illegal in 

die Schweiz ein und suchte hier am selben Tag um Asyl nach. Am 24. No-

vember 2015 erhob das SEM im damaligen Empfangs- und Verfahrens-

zentrum (EVZ) C._______ seine Personalien und befragte ihn zu seinem 

Reiseweg, seiner Herkunft und zu allfälligen Dokumenten. Mit Zwischen-

verfügung vom 30. November 2015 wies ihn das SEM für die Dauer seines 

Verfahrens dem Kanton D._______ zu. Das SEM hörte ihn am 25. August 

2016 einlässlich zu seinen Asylgründen an. 

Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei in 

E._______ (Iran) geboren, wo er mit seiner Familie, die ursprünglich aus 

der afghanischen Provinz F._______ stamme, bis zu ihrer Ausschaffung 

nach Afghanistan in den Jahren 2000/2001 gelebt habe. Danach habe er 

mit seinen Eltern und seinen Geschwistern zwei bis drei Jahre lang in der 

Stadt Herat gelebt, wo er die von den Taliban geführte Schule besucht 

habe. Damals sei seine Mutter verstorben. In den Jahren 2002 oder 2003 

sei er zusammen mit einem Onkel väterlicherseits in den Iran zurückge-

reist, da er sich einer Operation habe unterziehen müssen. In den Jahren 

2005 beziehungsweise 2006 sei er nach Herat zurückgekehrt, wo er als 

(…), in einer (…) beziehungsweise als (…) gearbeitet habe. In dieser Zeit 

sei er aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit zu den Hazara öfters schi-

kaniert und bedroht worden und habe sich deswegen nicht frei bewegen 

können. In den Jahren 2010/2011 sei er deswegen erneut in den Iran ge-

reist, wo er als (…) respektive in einer (…) gearbeitet habe. Schliesslich 

sei er im Herbst 2015 aus dem Iran in Richtung Europa gereist. Er habe 

die Reise aus seinen eigenen Ersparnissen finanziert. Sein Vater lebe 

heute noch mit seiner zweiten Frau sowie einem jüngeren Bruder und einer 

jüngeren Schwester des Beschwerdeführers in der Stadt Herat. Zwei wei-

tere verheiratete Schwestern lebten mit ihren Familien ebenfalls in der 

Stadt Herat. 

Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe seines erstinstanzlichen Asyl-

verfahrens keinerlei persönliche Identitätspapiere, indessen die Kopie der 

Tazkara seines Vaters zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 16. Mai 2017 – eröffnet am 18. Mai 2017 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

D-3385/2017 

Seite 3 

lehnte dessen Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz 

und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. 

C.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 (Datum des Poststempels) erhob der Be-

schwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwal-

tungsgericht. Dabei beantragte er, die Verfügung des SEM sei aufzuheben, 

die Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei Asyl zu gewähren 

oder es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, 

unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltli-

che Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses zu verzichten. Schliesslich beantragte er, es sei die aufschie-

bende Wirkung zu erteilen.  

Mit der Beschwerde reichte er einen Länderbericht der Schweizerischen 

Flüchtlingshilfe (SFH) zu Afghanistan mit dem Titel "Sicherheitssituation in 

Herat" vom 25. August 2015, ein Afghanistan-Update der SFH bezüglich 

der aktuellen Sicherheitslage vom 30. September 2016, zwei Zeitungsarti-

kel des Tagesspiegels beziehungsweise der Frankfurter Allgemeinen vom 

2. Juni 2017 respektive vom 11. Juni 2017, ein Positionspapier von Amne-

sty International (AI) mit dem Titel "Keine Abschiebungen nach Afghanis-

tan" vom 7. Juni 2017, einen Brief von Pfarrer G._______ von der (…) ([…]) 

des Bezirks H._______ vom 29. Mai 2017, einen Brief des Vereins "(…)" 

vom 30. Mai 2017 und die UNHCR (United Nations High Commissioner for 

Refugees)-Richtlinien zur Feststellung des Internationalen Schutzbedarfs 

Afghanischer Asylsuchender vom 19. April 2016 ein. 

D.  

Am 19. Juni 2017 ging dem Bundesverwaltungsgericht eine auf die Person 

des Beschwerdeführers lautende Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung des 

Sozialdienstes des Kantons D._______ vom 15. Juni 2017 zu. 

E.  

Mit Begleitschreiben vom 16. Juni 2017 sandte der Beschwerdeführer eine 

in Bezug auf seine Personalien berichtigte Fassung seiner Beschwerde 

vom 14. Juni 2017 nach, die dem Bundesverwaltungsgericht am 20. Juni 

2017 zuging. 

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Seite 4 

F.  

Mit Schreiben vom 22. Juni 2017 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der vorliegenden Beschwerde. 

G.  

Mit Eingabe vom 21. Juni 2017 (Eingang: 23. Juni 2017) teilte I._______ 

vom (…) mit, sie habe den Beschwerdeführer beim Abfassen der Be-

schwerde unterstützt. Gleichzeitig wies sie darauf hin, die hinsichtlich des 

Namens des Beschwerdeführers korrigierte Fassung der Beschwerde vom 

16. Juni 2017 sei von ihr irrtümlich an das SEM adressiert worden; sie 

reichte nunmehr eine an das Bundesverwaltungsgericht adressierte Fas-

sung derselben Beschwerde nach. 

H.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2017 teilte der zuständige Instruktionsrichter 

dem Beschwerdeführer mit, gemäss Art. 42 des Asylgesetzes vom 26. Juni 

1998 (AsylG, SR 142.31) dürften asylsuchende Personen den Abschluss 

des Asylverfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren hiess er die Ge-

suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und lud die Vorinstanz zur 

Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 14. Juli 2017 ein. 

I.  

Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 11. Juli 2017 die Ab-

weisung der Beschwerde. 

J.  

Der Instruktionsrichter stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung 

des SEM am 11. Juli 2017 zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, bis zum 

26. Juli 2017 eine Replik einzureichen. 

K.  

Mit Eingabe vom 22. Juli 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Replik 

ein. Dieser fügte er einen am 30. September 2016 von Corinne Troxler im 

Namen der SFH verfassten Bericht mit dem Titel "Afghanistan: Update, Die 

aktuelle Sicherheitslage" bei. 

L.  

Mit Schreiben vom 11. März 2021 erkundigte sich der Beschwerdeführer 

nach dem Stande seines Asylverfahrens. Ergänzend reichte er 14 für ihn 

abgegebene Referenzschreiben ein. 

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Seite 5 

M.  

Mit Schreiben vom 20. April 2021 beantwortete der zuständige Instrukti-

onsrichter die Anfrage des Beschwerdeführers. 

N.  

Mit Eingabe vom 26. August 2021 wies der Beschwerdeführer darauf hin, 

dass sich die Ereignisse in Afghanistan überstürzten, die Taliban innert kür-

zester Zeit das ganze Land eingenommen hätten – auch Herat. Seine Fa-

milie stehe unter Druck. Die Schweiz habe Rückführungen nach Afghanis-

tan bis auf Weiteres ausgesetzt und daran werde sich so bald nichts än-

dern. Er habe einen Integrationsvorlehrvertrag für Logistik bei (…) in 

J._______ – eine Kopie davon liege bei. Das lange Warten mache ihn 

müde. Er sei jung, möchte seine Zukunft planen können, um auf eigenen 

Füssen zu stehen – auch mit einem legalen Aufenthalt in der Schweiz. Er 

bitte das Gericht, seine Beschwerde zu entscheiden, damit sein Leben wei-

tergehen könne. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-

setzesartikel (Art. 83 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG über-

nommen worden. 

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Seite 6 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden 

(aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – un-

ter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten. 

1.5 Gemäss Art. 55 Abs. 1 VwVG hat die Beschwerde in Verwaltungssa-

chen aufschiebende Wirkung und das SEM hat die aufschiebende Wirkung 

der Beschwerde nicht entzogen (Art. 55 Abs. 2 VwVG). Auf den Antrag, es 

sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren, ist daher 

mangels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Nach Art. 54 AsylG (subjektive Nachfluchtgründe) wird Flüchtlingen 

kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder 

Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge 

im Sinne von Art. 3 AsylG wurden. 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides im Wesentlichen 

aus, gemäss schweizerischer Asylpraxis zur Frage der Kollektivverfolgung 

reiche allein die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, welches in seinen spezi-

fischen Eigenschaften Ziel einer Verfolgungsmotivation sei, in der Regel 

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nicht, um die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Vielmehr bedürfe es 

auch bei geltend gemachter Verfolgung aufgrund der blossen Zugehörig-

keit zu einem bestimmten Kollektiv zusätzlich eines individuellen Nachwei-

ses der Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise erlittener ernsthafter 

Nachteile oder einer begründeten Furcht, künftig solche zu erleiden. Nach-

teile seien dann als ernsthaft im Sinne von Art. 3 AsylG zu bezeichnen, 

wenn sie sich gegen Leib, Leben oder Freiheit richten oder einen unerträg-

lichen psychischen Druck erzeugen und aufgrund ihrer Art und Intensität 

ein menschenwürdiges Leben im Verfolgerstaat verunmöglichen oder in 

unzumutbarer Weise erschweren würden, so dass sich die verfolgte Per-

son dieser Zwangssituation nur noch durch Flucht ins Ausland entziehen 

könne. Zwar sei anzumerken, dass die Hazara insbesondere durch die 

Paschtunen Diskriminierungen ausgesetzt seien, was auch darauf beruhe, 

dass erstere Schiiten und letztere Sunniten seien. Indessen lägen keine 

Anzeichen dafür vor, dass die Hazara in Afghanistan allein wegen ihrer 

Volkszugehörigkeit einer gezielten Verfolgung unterliegen würden. Die Zu-

gehörigkeit zur Ethnie allein begründe somit noch keine asylrelevante Ver-

folgung. 

Soweit der Beschwerdeführer geltend gemacht habe, mehrmals von ihm 

unbekannten Sunniten beziehungsweise Anhängern der Taliban angehal-

ten, kontrolliert und unter Druck gesetzt und dadurch in seiner Bewegungs-

freiheit eingeschränkt worden zu sein, komme diesen Eingriffen mangels 

hinlänglicher Intensität ebenfalls keine Asylrelevanz zu. 

Befürchtungen, künftig staatlichen oder nicht-staatlichen Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt zu sein, seien nur dann asylrelevant, wenn be-

gründeter Anlass zur Annahme bestehe, dass sich die Verfolgung mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen 

werde. Bei der Beurteilung der Sicherheitslage in Afghanistan liessen sich 

Gruppen von Personen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien. Dazu gehörten unter ande-

rem Personen, die der afghanischen Regierung oder der internationalen 

Gemeinschaft nahestehen oder als Unterstützer derselben wahrgenom-

men würden. Darüber hinaus seien auch westlich orientierte oder der af-

ghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entspre-

chende Personen einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt, was ins-

besondere afghanische wie ausländische Mitarbeitende von internationa-

len Organisationen, Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen 

(Non Governmental Organization; NGO) betreffe. Es lägen Berichte dar-

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über vor, dass Personen mit derartigem Profil getötet, entführt und einge-

schüchtert worden seien. Ebenso solle es auch zu Übergriffen auf Fami-

lienangehörige solcher Personen gekommen sein. Das Risiko, Opfer eines 

gezielten Angriffs durch die Taliban zu werden, sei in Herat geringer als an 

anderen Orten in Afghanistan. Diesbezüglich sei festzustellen, dass er kein 

entsprechendes Risikoprofil aufweise, welches ihn zur Zielscheibe einer 

Verfolgung machen dürfte. Auch aus diesem Grunde könne nicht von einer 

asylrelevanten Verfolgung ausgegangen werden. 

Schliesslich sei festzuhalten, dass im Rahmen von Krieg oder Situationen 

allgemeiner Gewalt erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asyl-

gesetzes darstellen würden, soweit sie nicht auf der Absicht beruhten, ei-

nen Menschen aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Gründe ge-

zielt zu treffen. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach in Afgha-

nistan Krieg herrsche, erweise sich somit ebenfalls als nicht asylrelevant. 

4.2 Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde geltend, die Hazara 

würden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Ausserdem bestehe die 

grosse Gefahr, gekidnappt und erst gegen Bezahlung von Lösegeld wieder 

freigelassen zu werden. Weiter hielt er erstmals fest, er sei mittlerweile zum 

christlichen Glauben übergetreten. Er sei bei der Ankunft in der Schweiz 

sehr alleine gewesen, habe Anschluss gesucht und diesen in der (…) Kir-

che in H._______ gefunden. Seit etwa einem Jahr besuche er die Gottes-

dienste, das (…) und weitere Einrichtungen. In Afghanistan könnte er sei-

nen neuen Glauben nicht leben. Seine Hinwendung zum Christentum habe 

nichts mit seinem Asylentscheid zu tun, sei er doch überzeugt gewesen, 

wie die meisten Asylsuchenden aus Afghanistan mindestens die vorläufige 

Aufnahme zu erhalten. Laut den UNHCR-Richtlinien zu Afghanistan würde 

die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit, was auch auf die Christen 

zutreffe, ein erhöhtes Risikoprofil darstellen. 

4.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung vom 11. Juli 2017 fest, der 

Beschwerdeführer habe in seiner Beschwerde erstmals geltend gemacht, 

zum christlichen Glauben übergetreten zu sein und seit ungefähr einem 

Jahr Gottesdienste der (…) Kirche in H._______ zu besuchen. Im Rahmen 

der Mitwirkungspflicht hätte es ihm oblegen, diesen neuen Umstand von 

sich aus während der Bundesanhörung geltend zu machen, zumal diese 

bereits im August 2016 stattgefunden habe. Dieser Pflicht sei er weder im 

Rahmen der einlässlichen Anhörung noch in schriftlicher Form nachge-

kommen. Er halte überdies fest, seine Hinwendung zum Christentum habe 

nichts mit seinem Asylentscheid zu tun. Dennoch habe er diesen Umstand 

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erst auf Beschwerdeebene erwähnt, was gewisse Zweifel an der Ernsthaf-

tigkeit seines Glaubenswechsels aufkommen lasse. 

4.4 Der Beschwerdeführer äussert sich im Rahmen der Replik dahinge-

hend, er habe sich nach seiner Flucht in die Schweiz zunehmend vom is-

lamischen Glauben distanziert, nachdem er realisiert habe, welch schreck-

liche Dinge die Taliban im Namen des Islam getan hätten. Darüber habe er 

auch mit Kollegen, die in derselben Asylunterkunft gelebt hätten, gespro-

chen. Diese hätten seine Ansicht indessen nicht geteilt. Am Anfang seiner 

Hinwendung zum christlichen Glauben habe der Besuch von Deutschkur-

sen bei der (…) ([…]) und bei der (…) in H._______ gestanden. Allmählich 

sei er mit den Lehrerinnen immer mehr ins Gespräch gekommen und habe 

damit begonnen, auch die sonntäglichen Gottesdienste zu besuchen. Es 

gäbe diverse Afghanen, welche die Gottesdienste ebenfalls besuchen wür-

den. Die Predigten würden auf Farsi übersetzt. In all diesen Monaten sei in 

ihm die Überzeugung gewachsen, dass das Christentum die richtige Reli-

gion für ihn sei. Falls er nun zurück zu seiner Familie nach Afghanistan 

ginge, würde diese seine Konversion zum Christentum nicht verstehen und 

ihn verstossen. Er wage gar nicht, sich vorzustellen, was die staatlichen 

Behörden oder gar islamistische Gruppen mit ihm machen würden, falls sie 

von seiner Konversion erfahren würden. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer hält in seiner Beschwerde vom 14. Juni 2017 

zunächst fest, die Hazara würden als Menschen zweiter Klasse behandelt. 

Darüber hinaus sei er immer wieder von Anhängern der Taliban angehal-

ten, kontrolliert und unter Druck gesetzt und damit in seiner Bewegungs-

freiheit eingeschränkt worden. 

In Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Probleme als 

Hazara in der Stadt Herat ist übereinstimmend mit dem SEM festzustellen, 

dass diese die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen vermögen. Die 

vom Beschwerdeführer während der Anhörung beschriebenen Vorfälle, bei 

denen er diverse Male von unbekannten Sunniten angehalten, kontrolliert 

und bedroht worden sei (vgl. act. A17/19 F79 bis F88), erreichen keine 

asylrechtlich relevante Intensität im Sinne des Art. 3 AsylG. Das SEM hat 

zudem korrekt dargelegt, dass die für die Annahme einer Kollektivverfol-

gung gestellten hohen Anforderungen (vgl. dazu ausführlich BVGE 

2013/12 E. 6; 2013/11 E. 5.3.2) im Falle der Hazara in Afghanistan nicht 

erfüllt seien. An dieser Einschätzung ist auch nach der Machtübernahme 

der Taliban im August 2021 festzuhalten, da keine Informationen vorliegen, 

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Seite 10 

die darauf hindeuten, dass die Hazara als Volksgruppe generell von asyl-

rechtlich relevanter Verfolgung bedroht sind. 

5.2 Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde zusätzlich geltend 

macht, es bestehe eine grosse Gefahr, gekidnappt und erst gegen Bezah-

lung eines Lösegeldes wieder freigelassen zu werden, ist ihm dahingehend 

zuzustimmen, dass es in der Stadt Herat als Folge der verbreiteten Krimi-

nalität in jüngster Vergangenheit regelmässig zu Diebstählen, Raubüber-

fällen, Schutzgelderpressungen und auch Entführungen kommt (vgl. Refe-

renzurteil des BVGer D-4705/2016 vom 14. Juni 2021 E. 10.4). Derartigen 

Vorkommnissen kommt aber grundsätzlich mangels eines asylbeachtli-

chen Verfolgungsmotivs keine Asylrelevanz zu. 

5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zum Zeit-

punkt seiner Ausreise aus Afghanistan keine begründete Furcht vor Verfol-

gung hatte und auch heute als Hazara aufgrund der Machtübernahme 

durch die Taliban keine begründete Furcht vor Verfolgung hegen muss. 

Das SEM hat demzufolge sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. Da der Be-

schwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-

gung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen verfügt, hat 

das SEM folgerichtig auch die Wegweisung zu Recht angeordnet (vgl. 

BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

5.4  

5.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon 

aus, dass Personen, deren Apostasie (Abfall vom Glauben; vgl. das Urteil 

des BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 5.2 [als Referenzurteil 

publiziert]) in Afghanistan bekannt wird, objektiv begründete Furcht vor 

ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG haben (vgl. a.a.O. 

E. 7.5). Dass sich die Situation für Apostaten und Apostatinnen infolge der 

Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 diesbezüglich verbes-

sert hätte, ist nicht zu erwarten, weshalb an der bisherigen Rechtsprechung 

festzuhalten ist. 

5.4.2 Es stellt sich mithin die Frage, ob der Beschwerdeführer aufgrund 

seiner in der Schweiz erfolgten Konversion zum Christentum die Flücht-

lingseigenschaft im Sinne der eben erwähnten Rechtsprechung aufgrund 

subjektiver Nachfluchtgründe erfüllt. Es stellt sich in diesem Zusammen-

hang indessen vorweg die Frage, ob die behauptete Konversion des Be-

schwerdeführers zum Christentum als glaubhaft gemacht erachtet werden 

kann. 

D-3385/2017 

Seite 11 

5.4.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum 

strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 

gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 

Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von 

ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, 

obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht 

es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, 

die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 

oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2, 2010/57 E. 2.3). 

5.4.4 Die Hinwendung zu einer neuen Religion kann praktisch nur anhand 

der eigenen Aussagen der asylsuchenden Person beurteilt werden. Gege-

benenfalls können zwar gewisse Schlüsse aus externen Anhaltspunkten 

wie Besuche von Gottesdiensten, Bescheinigungen und Aussagen privater 

Dritter gezogen werden. Solche Urkunden sind im Gesamtkontext zusam-

men mit den Aussagen der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, ver-

mögen in der Regel alleine jedoch die Konversion nicht glaubhaft zu ma-

chen. Die asylsuchende Person muss hingegen in jedem Fall mit ihren Aus-

sagen den Behörden glaubhaft machen können, dass sie sich aufgrund 

ihrer inneren Überzeugung zum einen von ihrer früheren Religion ab- und 

zum anderen einer neuen Religion zugewandt hat. Eine lediglich formelle 

Konversion (z.B. durch die Taufe) ohne Hinweise auf innere Überzeugung 

reicht für die Glaubhaftmachung in der Regel nicht aus (vgl. das Urteil des 

BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 6.2 [als Referenzurteil publi-

ziert]). 

D-3385/2017 

Seite 12 

5.4.5 Gemäss seiner Darstellung in der Beschwerde konvertierte der Be-

schwerdeführer erst nach Ankunft in der Schweiz und im Laufe des Asyl-

verfahrens zum Christentum. Mündlich angehört wurde er dazu nie. Auch 

wenn er seine Konversion im Rahmen des Asylverfahrens erst sehr spät 

geltend machte, können allein deswegen keine abschliessenden Rück-

schlüsse auf die Glaubhaftigkeit des Vorbringens gezogen werden. Dies 

umso mehr, als der Beschwerdeführer gewichtige Hinweise für die Glaub-

haftigkeit seiner Konversion mit Hilfe von externen Anhaltspunkten zu ge-

ben vermag. So ist dem Schreiben des Pfarrers der (…) vom 29. Mai 2017 

zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit rund einem Jahr verschie-

dene Angebote der (…) besuche, seit mehreren Monaten nunmehr auch 

jeden Sonntag am deutschsprachigen Gottesdienst teilnehme und sich 

mehr und mehr der christlichen Religion und ihren Werten öffne. Aus den 

am 12. März 2021 eingegangenen Referenzschreiben (vgl. Sachverhalt 

Bst. L) geht ferner hervor, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2016 

die damals in Persisch übersetzten Gottesdienste der (…) besuchte, an 

gemeinsamem Bibellesen teilnahm, sich regelmässig im Kinder-Dienst der 

(…) engagierte, an persönlichen Glaubensgesprächen partizipierte und 

sich im Verlaufe des Jahres 2018 im Schosse der (…) taufen liess. 

5.4.6 Wie bereits festgehalten, ist bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

einer Konversion in besonderem Masse auf die Aussagen der konvertier-

ten Person abzustellen. Mit einer bloss schriftlichen Stellungnahme lässt 

sich der Ablauf der Konversion nur schwer in umfassender und überzeu-

gender Weise so darstellen, so dass die Glaubhaftigkeit der inneren Über-

zeugung der Konversion beurteilt werden kann. Insbesondere fehlt die 

Möglichkeit von Rück- und Ergänzungsfragen, spontanen Äusserungen 

und die unmittelbare Gelegenheit, zu Widersprüchen und Unplausibilitäten 

Stellung nehmen zu können, sowie auch die Möglichkeit, die asylsuchende 

Person zu ihren Kenntnissen bezüglich des Christentums zu befragen. In 

der Beschwerde und in der Replik wird die Hinwendung des Beschwerde-

führers zum Christentum anschaulich wenn auch relativ allgemein be-

schrieben. Es fehlt indessen der für eine mündliche Befragung typische 

Detailierungsgrad, so dass beispielsweise die Glaubhaftigkeit des Konver-

sionsprozesses, die Reaktion des familiären und sozialen Umfelds sowie 

das Interesse und das Wissen über das Christentum genau erfasst werden 

könnten (vgl. zu den Methoden zur Überprüfung einer religiösen Überzeu-

gung: BERLIT/DÖRIG/STOREY, Credibility Assessement in Claims based on 

Persecution for Reasons of Religious Conversion and Homosexuality: A 

Practitioners Approach, in: International Journal of Refugee Law, 2015, 

Vol. 27, No. 4). 

D-3385/2017 

Seite 13 

5.5 Zusammenfassend ist vor diesem Hintergrund festzustellen, dass der 

rechtserhebliche Sachverhalt im Zusammenhang mit der geltend gemach-

ten Konversion aufgrund der fehlenden mündlichen Befragung des Be-

schwerdeführers trotz der glaubhaften Hinweise auf die Konversion durch 

externe Anhaltspunkte nicht als hinreichend erstellt erachtet werden kann. 

Im Sinne des Untersuchungsgrundsatzes hat die Behörde von Amtes we-

gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen 

zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ord-

nungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1; 

KRAUSKOPF/EMMENEGGER/BABEY, in: Praxiskommentar zum Bundesge-

setz über das Verwaltungsverfahren, Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), 

2. Aufl. 2015, Art. 12 VwVG N 15 ff., KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, 

Rz. 1043 ff.). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. 

6.2 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere 

angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein 

umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-

lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-

schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). 

6.3 Nach dem Gesagten erweist sich eine Kassation als angezeigt. Zwar 

kann auch das Bundesverwaltungsgericht einzelne Untersuchungsmass-

nahmen veranlassen und selber durchführen. Da jedoch der Sachverhalt 

nicht abschliessend geklärt erscheint und eine einlässliche Anhörung des 

Beschwerdeführers zur geltend gemachten Konversion zum Christentum 

angezeigt ist, ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfü-

gung aufzuheben und die Sache an das SEM zur Neubeurteilung zurück-

zuweisen. Dieses ist anzuweisen, den Beschwerdeführer bezüglich seiner 

Konversion zum Christentum respektive seinem Abfall vom islamischen 

Glauben ergänzend anzuhören. 

D-3385/2017 

Seite 14 

7.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde hinsichtlich der Frage 

der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers gutzuheissen ist. Die 

Dispositivziffern 1, 4 und 5 der Verfügung des SEM vom 16. Mai 2017 sind 

aufzuheben und das Verfahren ist im Sinne der Erwägungen zur Neubeur-

teilung an das SEM zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzu-

weisen, soweit auf diese einzutreten ist. 

8.  

8.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen des 

Beschwerdeführers aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüglich seiner Anträge auf 

Feststellung der Asylgewährung und der Aufhebung der Wegweisung un-

terlegen. Bezüglich der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der 

Anordnung des Wegweisungsvollzugs hat er hingegen obsiegt. Praxisge-

mäss ist bei dieser Konstellation von einem hälftigen Obsiegen auszuge-

hen, weshalb die Verfahrenskosten grundsätzlich zur Hälfte dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem in 

der Zwischenverfügung vom 29. Juni 2017 das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutge-

heissen wurde, ist von einer teilweisen Kostenauflage abzusehen, da nicht 

davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer sei nicht mehr bedürftig. 

8.2 Der Beschwerdeführer wäre im Umfang seines Obsiegens – also auch 

hier hälftig – für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu entschädi-

gen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da er indessen das Beschwerdeverfahren 

in eigenem Namen geführt hat, ist trotz seines Obsiegens keine Parteient-

schädigung auszurichten, da davon auszugehen ist, dass ihm für das Be-

schwerdeverfahren keine notwendigen und verhältnismässig hohen Kos-

ten erwachsen sind. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3385/2017 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird hinsichtlich der Frage der Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers gutgeheissen. Die Dispositivziffern 1, 4 und 5 der Ver-

fügung des SEM vom 16. Mai 2017 werden aufgehoben und das Verfahren 

wird im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurückge-

wiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit auf diese 

eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Philipp Reimann 

 

 

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