# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e9545d1-b84f-5be6-9ad0-f95c148cfc49
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.02.2023 D-475/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-475-2023_2023-02-14.pdf

## Full Text

D i s p o s i -
t i v o  

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-475/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Thomas Segessenmann,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am 1. Januar 2004 (bestritten), 

Afghanistan, 

vertreten durch Smera Rehman,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 17. Januar 2023 / N (…). 

 

 

 

D-475/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – eigenen Angaben zufolge afghanischer Staatsan-

gehöriger – suchte am 9. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl nach. Er 

gab an, am (…) 2006 geboren und damit minderjährig zu sein. 

B.  

Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit verschiedenen Datenbanken (u. a. 

der Eurodac-Datenbank und der IPAS-GWK-Datenbank) durch das SEM 

ergab, dass er am 27. April 2022 in Bulgarien und am 20. Mai 2022 in Ös-

terreich um Asyl nachgesucht hatte. Zudem ergab sich, dass er am 25. Mai 

2022 bei einer Einreise in die Schweiz von der Grenzwache kontrolliert und 

dabei – entsprechend einer österreichischen Verfahrenskarte, die er auf 

sich trug – mit dem Namen B._______, geboren am (…) 2006 registriert 

worden war. Am 20. Juni 2022 und am 18. Juli 2022 stellte er sodann – 

gemäss Eurodac-Datenbank – Asylgesuche in Frankreich. 

C.  

C.a Anlässlich der Erstbefragung von unbegleiteten minderjährigen Asyl-

suchenden (EB UMA) vom 8. November 2022 wurde der Beschwerdefüh-

rer – im Beisein der ihm zugewiesenen Rechtsvertreterin beziehungsweise 

Vertrauensperson – unter anderem zu seinem Alter, seiner Schulbildung, 

seiner Familie, seinem Reiseweg und den Asylgesuchstellungen in den ge-

nannten Ländern befragt. Zu seinem Aufenthalt in Bulgarien brachte der 

dabei im Wesentlichen vor, er sei einmal von einem Hund der Polizisten 

angegriffen worden, woraufhin er Hautausschläge bekommen habe und 

die Bisswunde schwarz angelaufen sei. Deswegen sei er zwei Monate in 

Bulgarien geblieben. Eine medizinische Versorgung habe es nicht gege-

ben. Er habe in Bulgarien von Anfang an gesagt, dass er nicht dortbleiben 

möchte. Sie hätten ihn in Quarantäne gesteckt und ihm trotzdem die Fin-

gerabdrücke abgenommen. Angesprochen auf gesundheitliche Beein-

trächtigungen machte er sodann geltend, er habe nur das mit der Haut, die 

abgestorben und schwarz geworden sei. Für seine sonstigen Aussagen 

wird auf das Protokoll in den Akten und die nachfolgenden Erwägungen 

verwiesen. 

C.b Der Beschwerdeführer reichte eine Fotografie seiner Tazkira zu den 

vorinstanzlichen Akten. 

 

D-475/2023 

Seite 3 

D.  

D.a Am 9. Dezember 2022 ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden 

um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO). 

D.b Diesem Gesuch entsprachen die bulgarischen Behörden am 19. De-

zember 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO. Sie teilten 

dem SEM dabei mit, dass der Beschwerdeführer in Bulgarien mit dem Na-

men C._______, geboren am (…) 2006 registriert sei. 

E.  

Wegen Zweifeln an der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers veran-

lasste das SEM eine Altersabklärung durch das Institut für Rechtsmedizin 

des Kantonsspitals D._______. Das entsprechende Gutachten vom 

21. Dezember 2022 kam zum Schluss, dass sich beim Beschwerdeführer 

ein durchschnittliches Lebensalter von 18 bis 21 Jahren und in einer Zu-

sammenschau aller Untersuchungsbefunde ein Mindestalter von 17.6 Jah-

ren ergebe. Das von ihm angegebene Geburtsdatum könne somit nicht zu-

treffen. 

F.  

Am 22. Dezember 2022 übermittelte das SEM den bulgarischen Behörden 

das genannte Altersgutachten (anonymisiert, inkl. englischsprachiger 

Übersetzung der Schlussfolgerungen).  

G.  

G.a Mit Schreiben vom 23. Dezember 2022 orientierte das SEM den Be-

schwerdeführer über das Resultat der Altersabklärung und (mithin) die Un-

glaubhaftigkeit der von ihm angegebenen Minderjährigkeit sowie die Ab-

sicht, sein Geburtsdatum im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZE-

MIS) auf den 1. Januar 2004 anzupassen. Es gewährte ihm dazu sowie zur 

Zuständigkeit Bulgariens und einer Wegweisung dorthin das rechtliche Ge-

hör. 

G.b Der Beschwerdeführer hielt in seiner Stellungnahme vom 29. Dezem-

ber 2022 an seiner Minderjährigkeit fest. Ausserdem machte er hinsichtlich 

D-475/2023 

Seite 4 

einer Wegweisung nach Bulgarien im Wesentlichen (erneut) geltend, die 

Zeit in Bulgarien sei die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen. Er sei 

geschlagen und von Hunden gebissen worden. Es sei alles sehr schlimm 

gewesen und er werde sich lieber umbringen, als dorthin zurückzukehren. 

Er sei – was er auf Nachhaken seiner Rechtsvertreterin erklärt habe – für 

zirka zwei Monate in einem geschlossenen Camp in einem Einzelzimmer 

in Quarantäne gehalten worden. Während dieser Zeit habe er nur einmal 

am Tag für fünf Minuten auf die Toilette gehen können. Den Rest des Tages 

habe er sich in die Hose gemacht. Er sei auch fast jeden Tag geschlagen 

worden, wobei es immer wieder andere Personen von der Sicherheit des 

Camps gewesen seien, die ihn mit einem dicken Schlagstock geschlagen 

hätten. Nach den zwei Monaten im geschlossenen Camp sei er in ein offe-

nes Camp verlegt worden, wo vor allem die Abende schrecklich gewesen 

seien. Er sei (dort) sexuell missbraucht worden. Von seiner Zeit in Bulga-

rien habe er überall Narben am Körper. Er habe aber nie eine medizinische 

Versorgung erhalten. Weitergehend wird auf die entsprechende Eingabe in 

den vorinstanzlichen Akten verwiesen. 

H.  

Am 16. Januar 2023 mutierte das SEM das Alter des Beschwerdeführers 

im ZEMIS auf den 1. Januar 2004 und versah es mit einem Bestreitungs-

vermerk. 

I.  

Mit Verfügung vom 17. Januar 2023 – tags darauf eröffnet – trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung 

aus der Schweiz nach Bulgarien an und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Es beauftragte den 

Kanton E._______ mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte dem 

Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis 

aus. Gleichzeitig stellte es fest, dass sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den 

1. Januar 2004 laute und eine allfällige Beschwerde gegen den Entscheid 

keine aufschiebende Wirkung habe.  

J.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

25. Januar 2023 – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte dabei in materieller Hin-

sicht, die angefochtene Verfügung sei vollständig aufzuheben, das SEM 

sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und in der Schweiz ein 

D-475/2023 

Seite 5 

materielles Asylverfahren durchzuführen sowie sein Geburtsdatum im 

ZEMIS auf den (…) 2006 (eventualiter auf den […] 2006) anzupassen, 

eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen, subeventualiter sei das SEM anzuweisen, den bulgarischen Be-

hörden den vollständig und richtig festgestellten Sachverhalt betreffend 

das Altersgutachten mitzuteilen sowie ihnen auch die Kopie der Tazkira des 

Beschwerdeführers in Kopie zuzustellen, subsubeventualiter sei die Sache 

zur Einholung individueller Zusicherungen der bulgarischen Behörden an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei festzustellen, dass das SEM 

Art. 10 Abs. 2, Art. 11 und Art. 19 BV sowie Art. 3 des Übereinkommens 

vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, 

SR 0.107) verletzt habe. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es 

sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne 

einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme seien die Vollzugs-

behörden unverzüglich anzuweisen, von einer Überstellung des Beschwer-

deführers nach Bulgarien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht 

über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Ferner 

sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 

Auf die Begründung der Beschwerdebegehren und die eingereichten Be-

weismittel (insb. Fotografien einer Wunde und ein Methodendokument zur 

Forensischen Altersdiagnostik) wird – soweit für den Entscheid wesentlich 

– in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

K.  

Die Instruktionsrichterin setzte den Vollzug der Überstellung mit superpro-

visorischer Massnahme vom 27. Januar 2023 per sofort einstweilen aus.  

L.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am glei-

chen Tag in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Darin ent-

halten sind ein Verlaufsblatt von Medic-Help und mehrere ärztliche Be-

richte. Aus diesen ergibt sich im Wesentlichen, dass der Beschwerdeführer 

am (…) 2023 notfallmässig hospitalisiert werden musste und ihm am Tag 

darauf ein Abszess entfernt wurde. Am (…) 2023 wurde er in gutem Allge-

meinzustand aus dem Spital entlassen, wobei nach der Entlassung tägli-

che Verbandswechsel mit feuchten Kompressen notwendig waren. 

D-475/2023 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

1.3 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der 

Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; 

Art. 21 Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen 

Fällen auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a 

Abs. 1 AsylG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Über das in der Beschwerde gestellte Begehren auf Anpassung des im 

ZEMIS vermerkten Geburtsdatums des Beschwerdeführers ist nicht im vor-

liegenden Dublin-Verfahren zu entscheiden. Diesbezüglich wurde ein se-

parates Verfahren unter der Geschäftsnummer D-531/2023 eröffnet. Auf 

die in diesem Zusammenhang gestellten Rechtsbegehren, es sei die auf-

schiebende Wirkung zu erteilen (vgl. Beschwerde S. 21 f.) und es sei fest-

zustellen, dass das SEM Art. 10 Abs. 2, Art. 11 und Art. 19 BV sowie Art. 3 

KRK verletzt habe, ist deshalb an dieser Stelle nicht weiter einzugehen. 

D-475/2023 

Seite 7 

4.  

4.1 Vorab sind die formellen Rügen der unrichtigen beziehungsweise un-

vollständigen Sachverhaltsfeststellung zu prüfen, da sie allenfalls zu einer 

Kassation der angefochtenen Verfügung führen könnten. 

4.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat 

die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt in-

des nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). 

4.3  

4.3.1 In der Beschwerde wird gerügt, die Vorinstanz habe die biografischen 

Angaben des Beschwerdeführers (zu seinem Alter, seiner Schulbildung, 

dem Tod seines Vaters, dem Ausreisezeitpunkt, der Dauer des Reisewegs 

und dem Alter seiner Geschwister) nicht respektive falsch gewürdigt und 

sei mithin zu Unrecht zum Schluss gekommen, seine Minderjährigkeit sei 

unglaubhaft. Es habe dadurch den Sachverhalt unrichtig festgestellt.  

4.3.2 Diese Rüge zielt ins Leere. Der Umstand, dass sich die Vorinstanz in 

ihren ausführlichen Erwägungen zur Unglaubhaftigkeit der vom Beschwer-

deführer geltend gemachten Minderjährigkeit (vgl. ebenda insb. S. 6-8) 

nicht explizit mit sämtlichen seiner Aussagen auseinandersetzte respektive 

seine Aussagen anders würdigte, als von ihm verlangt, stellt keine unge-

nügende Sachverhaltsfeststellung und im Übrigen auch keine Verletzung 

der Begründungspflicht dar. 

4.4  

4.4.1 Des Weiteren wird in der Beschwerde die Schlussfolgerung im Alters-

gutachten (vgl. Bst. E. vorstehend) bemängelt, weil der Einfluss der ethni-

schen Zugehörigkeit auf die Weisheitszahnmineralisation nicht berücksich-

tigt worden sei. Sodann sei das Wiederaufnahmeersuchen des SEM an die 

bulgarischen Behörden mangelhaft gewesen (insb. Angabe des falschen 

Geburtsdatums, Nichtübermittlung der Tazkira und des Altersgutachtens). 

Die angefochtene Verfügung basiere damit auf einem unvollständigen be-

ziehungsweise unrichtig erstellten Sachverhalt. 

4.4.2 Auch diese Rügen zielen angesichts des in E. 6.3.1 und 6.5 nachste-

hend Ausgeführten ins Leere.  

D-475/2023 

Seite 8 

4.5 Im Übrigen gibt es vorliegend aufgrund der nachfolgenden Erwägun-

gen keinen Grund, bei den bulgarischen Behörden individuelle Zusicherun-

gen (etwa bezüglich des Zugangs zu einem fairen und diskriminierungs-

freien Asylverfahren, zu angemessener Unterbringung und zu besonderen 

Therapiemassnahmen) einzuholen. Der Beschwerdeführer fällt insbeson-

dere nicht in die Kategorie der besonders vulnerablen Personen mit spezi-

ellen Bedürfnissen, was gemäss Referenzurteil des Bundesverwaltungs-

gericht F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 gegebenenfalls das Einfordern 

konkreter Garantien von den bulgarischen Behörden erforderlich machen 

könnte (vgl. ebenda E. 7.4.1 f.).  

4.6 Nach dem Gesagten besteht kein Anlass, die angefochtene Verfügung 

aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzu-

weisen. Die entsprechenden Anträge sind demzufolge abzuweisen.  

5.  

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.  

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich 

keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III mehr statt (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1). 

Von Wiederaufnahmeverfahren ausgeschlossen sind unbegleitete Minder-

jährige (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K16 

zu Artikel 8). Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre An-

knüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 4 

Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen An-

trag gestellt hat. 

5.3 Der nach der Dublin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, ei-

nen Drittstaatsangehörigen oder einen Staatenlosen, der seinen Antrag 

D-475/2023 

Seite 9 

während der Antragsprüfung zurückgezogen und in einem anderen Mit-

gliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich ohne Aufenthaltstitel im 

Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält, nach Massgabe der 

Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-

III-VO). 

5.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Un-

ion (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, 

ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-

ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-

dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat 

zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO). 

5.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert und 

das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-

tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO 

ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 

E. 8.2.1).  

6.  

6.1 Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer erstmals (und mithin 

vor seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz) in Bulgarien ein Asylgesuch 

eingereicht hatte und die bulgarischen Behörden dem Ersuchen um Wie-

deraufnahme explizit zustimmten, ist die Zuständigkeit Bulgariens – unter 

Vorbehalt einer bestehenden Volljährigkeit des Beschwerdeführers – 

grundsätzlich gegeben. 

6.2 Der Beschwerdeführer behauptet jedoch, minderjährig zu sein. Eine 

geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Person zu 

D-475/2023 

Seite 10 

beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwä-

gung sämtlicher Anhaltspunkte vorzunehmen, die für oder gegen die Rich-

tigkeit der betreffenden Altersangaben sprechen. Wesentlich sind dabei als 

für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben einer betroffe-

nen Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 

E. 5.1.1, mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der [vormali-

gen] Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30). 

6.3  

6.3.1 Vorliegend ist zunächst festzuhalten, dass sich anhand des durchge-

führten Altersgutachtens gemäss BVGE 2018 VI/3 (E. 4.2.2) keine Aus-

sage zur Minder- respektive Volljährigkeit des Beschwerdeführers machen 

lässt und mithin basierend darauf sowohl eine Voll- als auch eine Minder-

jährigkeit möglich sind. In Übereinstimmung mit dem SEM kann die im Al-

tersgutachten enthaltene Schlussfolgerung, wonach das vom Beschwer-

deführer angegebene Geburtsdatum (von 16 Jahren und […] Monaten) 

nicht zutreffen könne, jedoch als Argument verwendet werden. An dieser 

Einschätzung vermögen die diesbezüglichen Beschwerdevorbringen 

nichts zu ändern, zumal sie von der tatsachenwidrigen Annahme ausge-

hen, dass das im Altersgutachten angegebene (definitive) Mindestalter von 

17.6 Jahren auf der Entwicklung der Weisheitszähne des Beschwerdefüh-

rers und nicht – wie sich aus dem Altersgutachten tatsächlich ergibt (vgl. 

ebenda Ziff. 6.2) – auf der Schlüsselbeinanalyse (und mithin dem vorlie-

genden höchsten Mindestalter der verschiedenen Untersuchungen; vgl. Al-

tersgutachten Ziff. 1) basiert. Es ist sodann nicht ersichtlich und wird in der 

Beschwerde auch nicht weiter ausgeführt, weshalb eine Alterseinschät-

zung mit nur einer auswertbaren Seite der Schlüsselbeinuntersuchung wis-

senschaftlich nicht aussagekräftig sein soll.  

6.3.2 Demnach sind die anlässlich der EB UMA getätigten Aussagen des 

Beschwerdeführers im Zusammenhang mit seinem Alter respektive dem 

von ihm angegebenen Geburtsdatum einer Würdigung zu unterziehen. 

Diese sind als ausweichend, unsubstanziiert und unstimmig beziehungs-

weise unplausibel zu bezeichnen (vgl. Akten SEM […]-13/12 Ziff. 1.06). 

Hervorzuheben ist dabei zunächst der bereits in der angefochtenen Verfü-

gung erwähnte Umstand, dass er sein behauptetes Geburtsdatum gemäss 

afghanischem Kalender nicht angeben konnte und er nicht einmal ein Ge-

burtsjahr nannte, was – auch unter Berücksichtigung des Beschwerdevor-

bringens, wonach auch Schulen in Afghanistan vermehrt den gregoriani-

schen Kalender unterrichten würden – nicht plausibel ist. Insbesondere 

D-475/2023 

Seite 11 

aber machte er – wie schon vom SEM festgestellt – unstimmige Angaben 

zum Zeitpunkt, seit welchem er die europäische Version seines (nicht be-

kannten afghanischen) Geburtsdatums kenne. So erklärte er, er habe es 

hier in der Schule und durch die Tazkira gelernt (vgl. a.a.O. Ziff. 1.06). Ab-

gesehen davon, dass die als Fotografie eingereichte Tazkira kein Geburts-

datum, sondern eine Alterseinschätzung basierend auf seinem Erschei-

nungsbild im Jahr 2018 enthält, gab er das entsprechende Geburtsdatum 

jedoch bereits anlässlich seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz an (vgl. 

Akten SEM […]-2/2). Er vermochte mithin nicht stimmig anzugeben, woher 

er das von ihm angegebene Geburtsdatum, das – wie erwähnt – gemäss 

durchgeführtem Altersgutachten nicht zutreffen kann, kennen will. 

6.3.3 Aufgrund des bereits Gesagten bestehen erhebliche Zweifel an den 

Angaben des Beschwerdeführers. Hinzu kommt die schon vom SEM an-

geführte Tatsache, dass er – entgegen seiner Aussage in der EB UMA, 

wonach er immer das Gleiche wie in der Schweiz angegeben habe (vgl. 

Akten SEM […]-13/12 Ziff. 5.02; vgl. auch die entsprechenden Behauptun-

gen in der Beschwerde [S. 8]) – in Österreich und insbesondere auch in 

Bulgarien mit einem anderen Geburtsdatum (nach gregorianischem Kalen-

der) und einem anderen Familiennamen als in der Schweiz registriert 

wurde (vgl. Bstn. B. und D.b vorstehend). Diese von ihm nicht aufgelöste 

Widersprüchlichkeit weckt auch Zweifel an seiner persönlichen Glaubwür-

digkeit, zumal kein Grund besteht, die entsprechenden Registrierungen an-

zuzweifeln. Schliesslich reichte er kein rechtsgenügliches Identitätsdoku-

ment zu den Akten, sondern lediglich, eine Fotografie seiner angeblichen 

Tazkira, welcher jedoch – insbesondere auch aufgrund seiner reduzierten 

persönlichen Glaubwürdigkeit – kaum Beweiswert zukommt. 

6.4 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer – auch unter Be-

rücksichtigung des in der Beschwerde genannten Umstands, dass seine 

Angaben zum Alter seiner Geschwister mit seiner eigenen Altersangabe 

von 16 Jahren (und […] Monaten) vereinbar sind sowie seine Angaben 

zum Schulbesuch und seiner Ausreise widerspruchsfrei ausgefallen sind 

und rechnerisch aufgehen, wobei immerhin festzuhalten ist, dass er dies-

bezüglich keine Daten oder Jahreszahlen nennen konnte (vgl. Akten SEM 

[…]-13/12 Ziffn. 1.17.04 und 5.01) – nicht gelungen, seine Minderjährigkeit 

nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Er wird deshalb als 

volljährig betrachtet. Daran vermag die persönliche Einschätzung seiner 

Rechtsvertreterin, wonach sein Aussehen (u. a. zierlicher Körperbau) und 

sein Aussageverhalten einen sehr kindlichen Eindruck machen würden, 

nichts zu ändern. Ob dieser Eindruck der Rechtsvertreterin zutreffend ist, 

D-475/2023 

Seite 12 

kann offenbleiben, er erscheint aber angesichts der Angaben im Altersgut-

achten (Körpergrösse […] cm und Gewicht […] kg) zumindest nicht offen-

sichtlich. 

6.5 Es bleibt abschliessend festzuhalten, dass das Wiederaufnahmeersu-

chen des SEM an die bulgarischen Behörden – entgegen der in der Be-

schwerde vertretenen Ansicht – nicht zu beanstanden ist. So hat die Vo-

rinstanz darin – unter Zustellung der vom Beschwerdeführer in Kopie ein-

gereichten Tazkira – das von ihm behauptete Geburtsdatum angeführt (vgl. 

ebenda [Akten SEM 1202467-17/5] Ziffn. 4 und 14; vgl. dagegen die tatsa-

chenwidrigen Behauptungen in der Beschwerde [S. 20]), ihre Zweifel an 

der geltend gemachten Minderjährigkeit angebracht und insbesondere die 

Nachreichung des in Auftrag gegebenen Altersgutachtens in Aussicht ge-

stellt. Dass die bulgarischen Behörden dem Wiederaufnahmeersuchen 

noch vor Nachreichung des Altersgutachtens ausdrücklich zustimmten 

(vgl. Bstn. D.b und F. vorstehend), kann dem SEM nicht vorgeworfen wer-

den und spricht dafür, dass auch die bulgarischen Behörden nicht von der 

Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ausgehen. An der grundsätzli-

chen Zuständigkeit Bulgariens ändert sich nach dem Gesagten nichts. 

7.  

7.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-

che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-

dingungen für Asylsuchende in Bulgarien würden systemische Schwach-

stellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdi-

genden Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta mit 

sich bringen würden. 

7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im bereits erwähnten Refe-

renzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 ausführlich mit dem bulgari-

schen Asylsystem und der Situation asylsuchender Personen in Bulgarien 

auseinandergesetzt. Es hat festgehalten, dass das dortige Asylverfahren 

sowie die Aufnahmebedingungen zwar gewisse Mängel aufweisen würden, 

diese aber nicht systemischer Natur seien, weshalb von Überstellungen 

nach Bulgarien grundsätzlich nicht abzusehen sei. Korrekte Asylverfahren 

seien in Bulgarien nicht systembedingt unmöglich. Die tiefe Anerkennungs-

quote gegenüber Staatsangehörigen gewisser Länder rechtfertige es nicht, 

keine Überstellungen mehr vorzunehmen. Betroffene Personen könnten 

gegen einen negativen Asylentscheid ein wirksames Rechtsmittel einle-

gen. Zudem seien die Bedingungen in den Aufnahme- und Haftzentren 

zwar prekär, könnten jedoch nicht als unmenschlich oder entwürdigend 

D-475/2023 

Seite 13 

qualifiziert werden (vgl. a.a.O. E. 6.6.1 und 6.6.7). Auch heute geht das 

Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss nicht von systemischen Mängeln 

im bulgarischen Asylverfahren aus (vgl. etwa Urteil des BVGer 

E-4619/2022 vom 3. November 2022 E. 4.2 m.w.H.).  

7.3 Bulgarien kommt somit seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus 

der EMRK, dem Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung 

oder Strafe (FoK, SR 0.105) und dem Abkommen vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie dem Zusatz-

protokoll der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) grundsätzlich nach. 

Im Weiteren darf davon ausgegangen werden, Bulgarien anerkenne und 

schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des 

Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 

zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-

ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 

7.4 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 

und 3 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

8.  

8.1 Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer in der Beschwerde – unter Hin-

weis auf seine Vorbringen zu seinen Erlebnissen in Bulgarien sowie die 

dortige Schutzquote betreffend afghanischer Asylsuchender – geforderten 

zwingenden Selbsteintritts durch die Schweiz ist sodann Folgendes festzu-

halten: 

8.2 Der Beschwerdeführer vermag mit seinen unsubstanziierten Vorbrin-

gen im vorinstanzlichen Verfahren (vgl. Bstn. C.a und G.b vorstehend) und 

den Ergänzungen in der Beschwerde, wonach er in Bulgarien regelmässig 

nichts zu essen bekommen habe und in sehr unhygienischen Zuständen 

untergebracht worden sei, nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückfüh-

rung nach Bulgarien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht sind, 

dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 

EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten, auch wenn angesichts der aner-

kannterweise teils schwierigen Bedingungen in Bulgarien nicht ausge-

schlossen werden kann, dass er dort bei seiner Ankunft auf schwierige Um-

stände traf. Für die Zeit im offenen Camp in Bulgarien machte er jedenfalls 

keine (konkreten) Angaben zu allfälligen Mängeln des Asylsystems. 

D-475/2023 

Seite 14 

8.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung sodann zu Recht 

festgestellt, dass Bulgarien ein Rechtsstaat mit einem funktionierenden 

Justizsystem ist. Folglich ist von der grundsätzlichen Schutzwilligkeit und 

Schutzfähigkeit dieses Staates auszugehen. Bei einer allfälligen vorüber-

gehenden Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen  

oder einer ungerechten Behandlung durch eine Behörde könnte er sich an 

die bulgarischen Behörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg 

einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt auch in Bezug auf die 

geltend gemachte Gewalt und allfällige sexuelle Übergriffe durch Sicher-

heitspersonal (oder durch Dritte). 

8.4 Es besteht sodann angesichts der expliziten Zustimmung zur Wieder-

aufnahme (vgl. Bst. D.b vorstehend) kein Grund zur Annahme, die bulgari-

schen Behörden würden dem Beschwerdeführer nach einer Überstellung 

den Zugang zum Asylverfahren (beziehungsweise Wiederaufnahmever-

fahren) unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie verweigern. 

Aus der in der Beschwerde angeführten (tiefen) Schutzquote für Asylge-

suchsteller aus Afghanistan und den unsubstanziierten Vorbringen des Be-

schwerdeführers zu seinen Erlebnissen in Bulgarien lässt sich nicht ablei-

ten, sein Asylverfahren werde dort nicht korrekt durchgeführt oder die bul-

garischen Behörden würden in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refou-

lement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein 

Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 

AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein 

solches Land gezwungen zu werden (vgl. Urteil des BVGer E-4619/2022 

vom 3. November 2022 E. 5.3 m.w.H.). Gegen einen allfälligen negativen 

Asylentscheid wird er in Bulgarien ein Rechtsmittel einlegen können. 

8.5  

8.5.1 Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde schliesslich geltend 

macht, dass ihm im Falle einer Überstellung nach Bulgarien eine Ver-

schlechterung seines psychischen Gesundheitszustands droht, weshalb 

eine Wegweisung gegen Art. 3 EMKR verstosse, ist zunächst festzuhalten, 

dass er sich bezüglich seiner erstmals in der Beschwerde behaupteten Alb-

träume und Angstzustände in der Schweiz nie an den Pflegedienst oder 

einen Arzt wandten (vgl. Verlaufsblatt [Akten SEM 1202467-32/1]). Allfäl-

lige bestehende psychische Probleme sind demnach offensichtlich nicht 

derart gravierend, als dass eine Überstellung nach Bulgarien eine tatsäch-

liche Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen 

würde (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die [damalige] Praxis des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] sowie Urteil des 

D-475/2023 

Seite 15 

EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 

41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).  

8.5.2 Bulgarien verfügt zudem – was auch bezüglich einer eventuell wei-

terzuführenden Wundbehandlung im Zusammenhang mit der durchgeführ-

ten Abszessexzision (vgl. Bst. L. vorstehend) gilt – über eine ausreichende 

medizinische Infrastruktur. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den An-

tragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die 

Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankhei-

ten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen 

(Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Be-

dürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein-

schliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu 

gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine ausreichen-

den Hinweise vor, wonach Bulgarien dem Beschwerdeführer eine notwen-

dige Behandlung verweigert hätte oder insbesondere ihm als Dublin-Rück-

kehrer zukünftig verweigern würde. Entsprechende Hinweise ergeben sich 

vor allem auch nicht aus seinem unsubstanziierten Vorbringen, wonach er 

in Bulgarien trotz offener Wunden infolge der behaupteten Hundebisse und 

Schmerzen keine medizinische Versorgung (nicht einmal eine Schmerz-

tablette) erhalten habe, weshalb die Wunden schlecht geheilt und schwarz 

angelaufen seien. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass er sich in der 

Schweiz nie wegen angeblich schlecht verheilter Wunden beim Pflege-

dienst meldete. Auch reichte er keine ärztlichen Dokumente zu einer allfäl-

lig in Österreich oder Frankreich erfolgten medizinischen Behandlung zu 

den Akten. Dass die am (…) 2023 erfolgte Abszessexzision – wie in der 

Beschwerde sinngemäss geltend gemacht – mit etwa im Frühling 2022 an-

geblich erlittenen Hundebissen in Bulgarien und einer damals angeblich 

verweigerten adäquaten medizinischen Versorgung in Zusammenhang 

stehen soll, vermag das Gericht nicht zu überzeugen.  

8.5.3 Nach dem Gesagten steht das in der Beschwerde geltend gemachte 

Risiko einer Retraumatisierung bei einer Rückkehr nach Bulgarien einer 

Überstellung ebenfalls nicht entgegen, weshalb sich weitere Ausführungen 

dazu erübrigen. Anzumerken bleibt, dass die schweizerischen Behörden, 

die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt sind, den me-

dizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modalitäten der 

Überstellung des Beschwerdeführers Rechnung tragen und die bulgari-

schen Behörden vorgängig über die spezifischen medizinischen Umstände 

informieren werden (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO). Einer allfälligen im Weg-

D-475/2023 

Seite 16 

weisungszeitpunkt auftretenden Suizidalität wäre im Rahmen der Vollzugs-

modalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des BVGer F-1123/2021 vom 

24. März 2021 E. 5.3 m.w.H.). 

8.5.4 Schliesslich ist aufgrund des bereits Ausgeführten nicht ersichtlich, 

inwiefern das in der Beschwerde angerufene Recht auf Rehabilitation ge-

mäss Art. 14 FoK einer Überstellung nach Bulgarien entgegenstehen soll 

(vgl. zu den entsprechenden Beschwerdevorbringen im Übrigen Urteil des 

BVGer D-1534/2022 vom 22. April 2022 E. 6.2).  

8.6 Nach dem Gesagten erweist sich die Überstellung nach Bulgarien un-

ter Beachtung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zu-

lässig, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers in Anwendung der Ermessensklausel 

gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich sind. 

9.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM sodann 

bei der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 

über einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefoch-

tene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbe-

sondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch 

oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. 

Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer 

Äusserungen. 

10.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da-

ran vermögen die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers nichts zu 

ändern, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist. Da der Beschwerde-

führer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbe-

willigung ist, wurde die Überstellung nach Bulgarien in Anwendung von 

Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

11.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

D-475/2023 

Seite 17 

12.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

13.  

Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren bezüglich des 

Nichteintretensentscheids auf das Asylgesuch und der Überstellung in den 

zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Dublin-Verfahren) abgeschlossen, wes-

halb der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung – soweit das 

vorliegende Beschwerdeverfahren betreffend – gegenstandslos wird und 

der mit superprovisorischer Massnahme vom 27. Januar 2023 angeord-

nete Vollzugsstopp dahinfällt. 

Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit 

vorliegendem Entscheid ebenfalls gegenstandslos geworden. 

14.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Seine Rechtsbe-

gehren können jedoch nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet 

werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher gutzuheissen und es sind somit 

keine Verfahrenskosten zu erheben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-475/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig