# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78f8998c-145d-5ebe-9ba4-a9b7dd09b72c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.05.2010 E-3165/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3165-2010_2010-05-11.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-3165/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Markus Koenig;
Gerichtsschreiber Jonas Tschan.

A._____, Serbien,
vertreten durch Stefan Galligani, Rechtsanwalt,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 26. April 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-3165/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der  Beschwerdeführer am 28. September 2003 in  der Schweiz 
ein erstes Asylgesuch eingereicht hat, welches das BFM mit Verfügung 
vom 26. November 2003 abgelehnt hat,

dass die  vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) auf 
eine  gegen  diese  Verfügung  erhobene  Beschwerde  mit  Urteil  vom 
25. Februar 2004 nicht eingetreten ist,

dass die Verfügung der Vorinstanz in der Folge in Rechtskraft erwach-
sen ist,

dass der Beschwerdeführer am 22. März 2010 ein zweites Asylgesuch 
eingereicht und angegeben hat, er sei nach seinem letzten Asylgesuch 
nicht mehr nach Hause zurückgekehrt,

dass  sein  Bruder  kurz  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  Kosovos 
von der Militärpolizei in Serbien mitgenommen, eine Woche festgehal-
ten und misshandelt worden sei,

dass ihn sein Onkel informiert habe, er sei von einem angeblichen Kol-
legen, welcher beim serbischen Staat arbeite, gesucht worden,

dass für  den Inhalt  der  weiteren Aussagen auf  die  Akten verwiesen 
wird,

dass das BFM mit Verfügung vom 26. April 2010 - gleichentags eröff-
net  -  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwer-
deführers nicht eingetreten ist und die Wegweisung aus der Schweiz 
sowie den Vollzug angeordnet hat, 

dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Rechts-
mitteleingabe vom 3. Mai 2010 in materieller Hinsicht die Aufhebung 
der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl  bean-
tragt,

dass er  in  prozessualer  Hinsicht  um die  Gewährung der  unentgeltli-
chen  Rechtspflege  samt  anwaltlicher  Rechtsverbeiständung  und  um 

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Verzicht  auf  die  Erhebung  auf  einen  Kostenvorschuss  ersucht,  dies 
alles unter Kosten und Entschädigungsfolge,

dass die vorinstanzlichen Akten am 5. Mai 2010 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des 
BFM entscheidet (Art. 105 AsylG, i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsge-
richtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde – unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführungen – einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG, 
Art. 50 und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichtein-
tretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer  selbstständigen 
materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und 

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die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. 
Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  dementsprechend  auf  den  Antrag,  dem  Beschwerdeführer  sei 
Asyl zu gewähren, nicht einzutreten ist,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfol-
gend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf ein Asylgesuch nicht eingetreten wird, wenn Asylsuchende in 
der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben 
oder während des hängigen Asylverfahrens in den Heimat- oder Her-
kunftsstaat zurückgekehrt sind, ausser es gebe Hinweise, dass in der 
Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vor-
übergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG),

dass der Nichteintretensgrund von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG somit 
ein formelles Erfordernis (früheres Asylverfahren) und ein materielles 
Erfordernis  (fehlende  Hinweise)  umfasst,  welche  im  Einzelfall  beide 
gleichzeitig erfüllt sein müssen,

dass im Falle des Beschwerdeführers das formelle Erfordernis in Form 
des in der Schweiz erfolglos durchlaufenen Asylverfahrens offensicht-
lich erfüllt ist, weil mit der Verfügung des BFM vom 26. November 2003 
ein  rechtskräftiger  Entscheid  vorliegt,  in  welchem  nach  einer  ab- 
schliessenden  materiellen  Prüfung  das  Nichterfüllen  der  Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG festgestellt wurde (vgl. EMARK 
1998 Nr. 1 E. 5 S. 5 ff.),

dass das Bundesamt ebenso offensichtlich zu Recht das Fehlen von 
Hinweisen auf seither eingetretene bedeutsame Ereignisse festgestellt 
hat und damit auch das materielle Erfordernis erfüllt ist,

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dass aufgrund der Umstände vorliegend davon auszugehen ist, dass 
das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 22. März 2010 im 
Zusammenhang mit  der Festnahme durch die Kantonspolizei Aargau 
vom 14. März 2010 steht und nicht Folge von seit der Beendigung des 
ersten Asylverfahrens eingetretenen bedeutsamen Ereignissen ist,

dass  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  es  habe  sich  jemand 
kürzlich bei seinem Onkel nach ihm erkundigt, wenig konkret ist sowie 
– da durch nichts belegt – nicht glaubhaft erscheint, und zudem selbst 
bei  Zutreffen  dieser  Angabe  keinerlei  Schlüsse  daraus  gezogen 
werden  könnten  beziehungsweise  etwas  zu  Gunsten  des  Be-
schwerdeführers abgeleitet werden könnte,

dass das Bundesamt demnach zu Recht  gestützt  auf  Art. 32 Abs. 2 
Bst.  e  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom 
22. März 2010 nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht (EMARK 2001 Nr. 21), wes-
halb die verfügte Wegweisung im Einklang mit  den gesetzlichen Be-
stimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet 
wurde,

dass das BFM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Be-
stimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt, 
wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20]), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrecht-
liche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 

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28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [Flüchtlingskon-
vention, FK, SR 0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig 
ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wes-
halb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung 
im Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schut-
ze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschen-
rechtskonvention,  EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im Heimat- 
oder Herkunftsstaat droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des jungen und ge-
mäss Aktenlage gesunden Beschwerdeführers noch individuelle Grün-
de auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen 
lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,

dass demzufolge der vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu 
bestätigen ist,

dass aus den Akten nicht ersichtlich wird, inwiefern die angefochtene 
Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist, 

dass  demnach die  Beschwerde,  soweit  darauf  einzutreten  ist,  abzu-
weisen ist,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG, ungeachtet der Frage der Bedürftig-
keit  des  Beschwerdeführers,  abzuweisen  ist,  da  die  Beschwerdebe-
gehren nach dem Gesagten als aussichtslos zu bezeichnen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr.  600.– 
(Art. 1-3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten 

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und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  samt 
anwaltlicher Rechtsverbeiständung wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, an 
das BFM und an die zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Jonas Tschan

Versand: 

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