# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** edae2d3f-9363-5096-aedf-a347c6d0e9db
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-10
**Language:** de
**Title:** Zug Verwaltungsgericht Sozialversicherungsrechtliche Kammer 10.07.2023 S 2021 109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Verwaltungsgericht/ZG_VG_001_S-2021-109_2023-07-10.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS ZUG

SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHE KAMMER

Mitwirkende Richter: Dr. iur. Diana Oswald, Vorsitz
lic. iur. Jacqueline Iten-Staub und Dr. iur. Matthias Suter
Gerichtsschreiber: MLaw Luca Bernasconi

U R T E I L vom 10. Juli 2023 [rechtskräftig]
gemäss § 29 der Geschäftsordnung

in Sachen

A.________
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. B.________

gegen

IV-Stelle Zug, Baarerstrasse 11, Postfach, 6302 Zug
Beschwerdegegnerin 

betreffend

Invalidenversicherung 
(Rente)

S 2021 109

2

Urteil S 2021 109

A.
A.a. Die 1973 geborene A.________, bis März 2010 in einem Pensum von 100 % als 
Kellnerin tätig gewesen, meldete sich im September 2010 erstmals bei der Invalidenversi-
cherung zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Die IV-Stelle Zug traf erwerbliche und medizi-
nische Abklärungen (IV-act. 2 ff.). Insbesondere fand im September 2011 ein Standortge-
spräch mit RAD-Arzt C.________, Facharzt für Allgemeinmedizin, statt (IV-act. 30) sowie 
im Juni 2012 ein Triagegespräch mit dem RAD-Arzt und einer Eingliederungsberaterin (IV-
act. 34). In der Folge gewährte die Invalidenversicherung Beratung und Unterstützung in 
der Arbeitsvermittlung (Mitteilung vom 21. Juni 2012, IV-act. 35), übernahm die Kosten für 
eine berufliche Abklärung vom 6. bis 8. August 2012 (Mitteilung vom 16. Juli 2012, IV-act. 
38; Abklärungsbericht vom 13. August 2012, IV-act. 42) sowie für Englisch- und Franzö-
sischkurse als Fördermassnahmen für den beruflichen Einstieg in den kaufmännischen 
Bereich (IV-act. 47, 52). Nach drei erfolglosen Eingliederungsversuchen im kaufmänni-
schen Bereich (IV-act. 59, 69, 78, 89) und nach einem Triage-Gespräch mit einem Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie des RAD (IV-act. 88) übernahm die IV-Stelle die 
Kosten für ein Arbeitstraining in einer Praxisfirma beim D.________ zwischen dem 
28. April 2014 und 30. September 2015 (Mitteilungen vom 20. Mai und 14. November 
2014 sowie vom 24. Juli 2015, IV-act. 93, 108, 126). Daneben besuchte die Versicherte 
am E.________ eine berufsbegleitende Handelsschule mit dem Ziel eines Eidgenössi-
schen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) als Kauffrau (vgl. etwa IV-act. 119 f.). Nach einem ers-
ten gescheiterten Arbeitsversuch auf dem offenen Arbeitsmarkt (IV-act. 147 f.) gelang 
schliesslich – auch nach intensivem Job-Coaching (Mitteilung vom 1. März 2016, IV-act. 
154) – ab Mai 2016 die Eingliederung im Bereich Rezeption/Administration im F.________ 
in G.________ (IV-act. 157). Infolgedessen schloss die Invalidenversicherung die berufli-
chen Massnahmen mit Mitteilung vom 17. Oktober 2016 ab (IV-act. 163). 

A.b. Nach Auflösung des Arbeitsvertrages mit dem F.________ per Ende Mai 2019 
(letzter effektiver Arbeitstag: 28. März 2019, IV-act. 187) und Auflösung eines nachfolgen-
den Arbeitsverhältnisses im Hotel H.________ während der Probezeit (IV-act. 218) melde-
te sich A.________ im September 2019 unter Verweis auf eine komplexe Posttraumati-
sche Belastungsstörung (PTBS) erneut bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung 
an (IV-act. 164). Die IV-Stelle traf abermals erwerbliche und medizinische Abklärungen 
(IV-act. 166 ff.). Insbesondere holte sie Berichte der behandelnden Psychiaterin (IV-act. 
169, 190, 193, 205, 227) sowie des letzten Arbeitgebers (IV-act. 187) ein. Im Oktober 
2019 meldete sich die Versicherte unter Verweis auf die PTBS sowie eine Anpassungs-
störung zum Leistungsbezug an (IV-act. 172). Die IV-Stelle zog im Verlauf weiter einen 

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Urteil S 2021 109

Bericht der I.________ bei, wo sich die Versicherte zwischen dem 7. Juli und dem 
29. September 2020 stationär aufgehalten hatte (Bericht vom 26. Oktober 2020, IV-act. 
199). Gestützt auf die vorhandene Aktenlage stellte sie mit Vorbescheid vom 18. März 
2021 die Zusprache einer ganzen Rente ab 1. Juni 2020 in Aussicht (IV-act. 215). Am 
9. bzw. 30. Juni 2021 verfügte sie entsprechend (IV-act. 233, 238 f.). 

B. Hiergegen erhob die Versicherte am 16. August 2021 Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde. Sie beantragt, die Verfügungen der IV-Stelle vom 9. und 30. Juni 2021 seien 
aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung bereits ab dem 
1. April 2020 zuzusprechen (act. 1 S. 2).

C. Die IV-Stelle schliesst mit Vernehmlassung vom 24. September 2021 auf Abwei-
sung der Beschwerde (act. 6). 

D. Mit Eingabe vom 25. November 2021 reichte die Beschwerdeführerin eine Stel-
lungnahme der behandelnden Psychiaterin vom 24. November 2021 zum Beginn ihrer Ar-
beitsunfähigkeit zu den Akten (act. 8; BF-act. 5), wozu die Beschwerdegegnerin am 
14. Dezember 2021 Stellung nahm (act. 10). 

E. Mit Verfügung vom 8. Februar 2023 setzte das Verwaltungsgericht der Beschwer-
deführerin Frist, zu einer möglichen Schlechterstellung (reformatio in peius; hier im Sinne 
einer Aufhebung der angefochtenen Verfügungen sowie einer Rückweisung an die IV-
Stelle zur neuen Beurteilung nach Vornahme der notwendigen Abklärungen) Stellung zu 
nehmen oder ihre Beschwerde zurückzuziehen (act. 12). Innert letztmals bis zum 30. Mai 
2023 erstreckter Frist (act. 13 ff.) hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest 
(act. 17). Weiter reicht sie einen Bericht der J.________ vom 3. Mai 2023 ein betreffend 
eine Hospitalisation vom 8. März bis 4. April 2023 (BF-act. 6), ebenso wie verschiedene 
Dokumente der K.________ (BF-act. 7 ff.: psychodiagnostischer Untersuchungsbericht 
vom 25. Januar 2022; ärztliches Gutachten vom 10. Februar 2023 bei Nachuntersuchung 
bezüglich Berufsunfähigkeit; Chefärztliche Stellungnahme vom 17. März 2023). Die IV-
Stelle verzichtet mit Schreiben vom 2. Juni 2023 auf eine weitere Stellungnahme und hält 
an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. 19). 

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Urteil S 2021 109

Das Verwaltungsgericht erwägt:

1. Am 1. Januar 2021 sind die am 21. Juni 2019 verabschiedeten, geänderten Bestim-
mungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Am 1. Januar 2022 ist weiter das revidierte Bundes-
gesetz über die Invalidenversicherung in Kraft getreten (IVG; SR 831.20; Weiterentwick-
lung der IV, Änderung vom 19. Juni 2020). Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der 
Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der stritti-
gen Verfügung eingetretenen Sachverhalt ab. In zeitlicher Hinsicht sind, vorbehältlich ab-
weichender Übergangsbestimmungen, diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der 
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung hatten (vgl. etwa BGE 147 
V 278 E. 2.1; 144 II 326 E. 2.1.1; 131 V 9 E. 1; 129 V 354 E. 1, je mit Hinweisen). Die hier 
angefochtenen Verfügungen ergingen im Juni 2021; die zu beurteilende Beschwerde wur-
de am 16. August 2021 der Post übergeben. Anwendbar sind demnach die ab 1. Januar 
2021 gültigen Bestimmungen.

2. Das Verwaltungsgericht beurteilt als einzige kantonale Instanz Beschwerden aus 
dem Bereich der Sozialversicherungen (Art. 57 ATSG i.V.m. § 77 Abs. 1 des Gesetzes 
über den Rechtsschutz in Verwaltungssachen [Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRG; 
BGS 162.1] und § 12 Abs. 1 lit. a des Einführungsgesetzes zu den Bundesgesetzen über 
die Alters- und Hinterlassenenversicherung und die Invalidenversicherung [BGS 841.1]). 
Die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug ist vorliegend ge-
stützt auf Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG gegeben. Die angefochtenen Verfügungen datieren vom 
Juni 2021 und gingen der Versicherten am 17. Juni bzw. Anfang Juli 2021 zu (act. 1 S. 3). 
Mit der am 16. August 2021 der Schweizerischen Post übergebenen Beschwerdeschrift 
sind – unter Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 15. Juli bis zum 15. August 
(Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG) – die 30-tägigen Fristen gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG gewahrt. 
Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin direkt betroffen und zur Beschwerde 
legitimiert. Die Beschwerdeschrift enthält einen Antrag und eine Begründung, womit auch 
den formellen Anforderungen Genüge getan ist. Auf die Beschwerde ist einzutreten. Die 
Beurteilung erfolgt auf dem Zirkulationsweg gemäss § 29 der Geschäftsordnung des Ver-
waltungsgerichtes (GO VG; BGS 162.11).

3.

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Urteil S 2021 109

3.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben gemäss Art. 28 Abs. 1 
IVG Versicherte, die – kumulativ – ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga-
benbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederher-
stellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen 
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen 
(lit. b) und nach dessen Ablauf zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c). 
Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga-
benbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). 

3.2 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff. und 
insbes. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leis-
tungsfähigkeit kann immer nur dann – potenziell – anspruchserheblich sein, wenn sie Fol-
ge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert wor-
den ist (BGE 145 V 215 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 2.1 und 130 V 396 
E. 5.3.2). Dabei gilt in der Invalidenversicherung der enge bio-psychische Krankheitsbe-
griff. Dieser klammert psychosoziale Belastungsfaktoren zumindest soweit aus, als diese 
direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (etwa: BGer 9C_311/2021 vom 23. September 
2021 E. 4.2). Insbesondere nicht in der Invalidenversicherung versichert ist arbeitsplatzbe-
zogene Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines belasteten Arbeitsumfelds. 

3.3 Die IV-Stelle trifft eine Untersuchungspflicht, d.h. sie hat die notwendigen Ab-
klärungen zum Gesundheitszustand der leistungsansprechenden Person von Amtes we-
gen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Er-
forderlich sind weitere Abklärungen so lange, bis der massgebliche Sachverhalt mit dem 
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist (etwa: BGer 8C_815/2012 
vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 
N 20). 

3.4 Bestehen Zweifel, Widersprüche oder Unklarheiten, ist über den Rentenanspruch 
i.d.R. nicht allein gestützt auf Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu entschei-
den, sondern ist als objektive Beurteilungsgrundlage ein medizinisches Gutachten einzu-
holen (vgl. etwa BGE 135 V 465 E. 4.5; 125 V 351 E. 3a und 3b/cc). Ein medizinisches 
Gutachten muss für die streitigen Belange umfassend sein, auf allseitigen Untersuchun-
gen beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten ab-
gegeben werden sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation und der Zusam-
menhänge einleuchten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Bei psychisch begründe-

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ten Beschwerden ist die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die Rechtsanwenden-
den darauf zu prüfen, ob sie den normativen Vorgaben gemäss BGE 141 V 281 genügt, 
mithin eine – soweit möglich – objektivierte Entscheidungsgrundlage liefert für Nachvollzug 
und Plausibilisierung der attestierten Arbeitsunfähigkeit. Es stellt sich also aus rechtlicher 
Sicht die Frage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der 
rechtserheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, wie sie von 
der medizinisch-psychiatrischen Facharztperson abschliessend eingeschätzt worden ist. 
Es ist zu fragen, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch im Lichte der normativen 
Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich-
keit nachgewiesen sind. Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesund-
heitsbedingte Arbeitsunfähigkeit ist nur dann erbracht, wenn eine Prüfung der massgebli-
chen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamt-
bild für eine Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) zeigt (BGE 145 V 361 
E. 3.2.2 mit Hinweisen). Denselben (hohen) Anforderungen müssen selbstverständlich Be-
richte der behandelnden Arztpersonen oder auch ausländischer medizinischer Stellen 
genügen, wenn sie alleinige Entscheidgrundlage bilden sollen. 

3.5 Mit der Verfügung über die Zusprache einer Invalidenrente wird ein Rechtsverhält-
nis im anfechtungs- und streitgegenständlichen Sinne geregelt. Es handelt sich dabei um 
ein Rechtsverhältnis, auch wenn hier die IV-Stelle zwei separate Verfügungen erlassen 
hat (betreffend den Rentenanspruch pro futuro bzw. rückwirkend). Wird die Rentenzuspra-
che nur insoweit angefochten, als der durch die IV-Stelle festgesetzte Anspruchsbeginn zu 
einem früheren Zeitpunkt begehrt wird, wird damit die richterliche Überprüfungsbefugnis 
nicht in dem Sinne eingeschränkt, dass unbestritten gebliebene Bezugszeiten von der Be-
urteilung ausgeklammert blieben (grundlegend BGE 125 V 413 E. 3b; ausserdem etwa 
BGE 131 V 164 E. 2.2; BGer 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2). Der gerichtlichen 
Überprüfung unterliegt hier dementsprechend der Rentenanspruch als solcher, und nicht 
lediglich der Anspruch für die Monate April und Mai 2020. Gemäss Art. 61 lit. d ATSG ist 
das kantonale Versicherungsgericht dabei an die Begehren der Parteien nicht gebunden. 
Es kann eine Verfügung zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ändern (reformatio in pei-
us) oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat. Bei Feststellung einer Rechtsverlet-
zung ist es grundsätzlich – mit Blick auf die genannte Bestimmung, welche die Verwirkli-
chung des materiellen Rechts über das individuelle Rechtsschutzinteresse stellt – ver-
pflichtet, eine reformatio in peius ins Auge zu fassen (BGE 144 V 153 E. 4.2.4). Den Par-
teien ist vorher Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu 
geben (BGE 144 V 153 E. 4.1.2). Dies ist vorliegend geschehen (Sachverhalt lit. E.).

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4.
4.1 Die IV-Stelle hat die Versicherte zunächst über Jahre hinweg intensiv begleitet, 
umgeschult und – letztlich erfolgreich – eingegliedert. 

4.2 Nach Beendigung der Tätigkeit der Beschwerdeführerin im F.________ holte die 
Verwaltung sodann erneut medizinische Berichte ein. 

4.2.1 Die behandelnden Arztpersonen berichteten, dass im F.________ Mobbing statt-
gefunden habe und die Patientin am konkreten Arbeitsplatz eine starke Krise erlebt habe. 
Auch die Arbeitsaufnahme an der nachfolgenden Stelle sei gescheitert, da Pausen nicht 
gewährt worden seien und es zu Distanzüberschreitungen (Anfassen am Gesäss) ge-
kommen sei. Es bestehe ein Trauma aufgrund rezidivierenden sexuellen Missbrauchs in 
der Kindheit, emotionaler Erniedrigung und Vernachlässigung in der Familie, was zu 
Flashbacks, Alpträumen, Hyperarousel und Hypervigilanz, Scham und Schuldgefühlen 
führe. Die akuten Symptome seien durch die Krisensituation am Arbeitsplatz ausgelöst 
und verstärkt worden. Ein schrittweiser Wiedereinstieg in die Arbeitswelt sei dringend indi-
ziert. Dies in einem Umfeld, in dem die Patientin keinen sexuell angehauchten Kommenta-
ren, Blicken oder Berührungen ausgesetzt sei (vgl. Bericht der Psychiaterin Dr. med. 
L.________ vom 28. August 2019, IV-act. 169 S. 2 f.; Bericht des Hausarztes Dr. med. 
M.________ vom 7. November 2019, IV-act. 177 S. 2). In ihrem Bericht vom 1. November 
2019 an den Hausarzt (IV-act. 177 S. 7) erklärt die behandelnde Psychiaterin unmissver-
ständlich, die ursprüngliche Arbeitsunfähigkeit sei "aufgrund einer Kränkung und Mobbings 
am ursprünglichen Arbeitsplatz, was zu einer Überforderung und depressiven Entwicklung 
geführt" habe, attestiert worden. Nach einem weiteren fehlgeschlagenen Arbeitsversuch 
traue sich die Patientin nun nicht mehr, in Hotels oder im Service zu arbeiten (vgl. weiter 
auch Berichte der Psychiaterin vom 27. Mai und 4. November 2019, IV-act. 177 S. 8 ff.). 
Mit Bericht vom 29. Dezember 2019 beschrieb die behandelnde Fachärztin für Psychiatrie 
starke Einschränkungen der Durchhaltefähigkeit, der Planung und Strukturierung von Auf-
gaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, 
Selbstbehauptungsfähigkeit, der Fähigkeit zu intimen Beziehungen und Spontan-
Aktivitäten. Mittelstarke Einschränkungen bestünden in der Anpassung an Regeln und 
Routinen sowie teilweise in der Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie in der Gruppenfähigkeit 
(IV-act. 190 S. 6). Im selben Bericht hielt sie fest, es sei eine Traumatherapie dringend in-
diziert (a.a.O. S. 7), wozu sich aber die Patientin bislang nicht habe entschliessen können, 
genauso wenig wie zu einer passenden Medikation (a.a.O. S. 2 f.).

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4.2.2 Vom 7. Juli bis zum 29. September 2020 hielt sich die Versicherte schliesslich zur 
stationären Traumatherapie in der I.________ auf. Diese vermochte im Gegensatz zur be-
handelnden Psychiaterin mit Bericht vom 26. Oktober 2020 (IV-act. 199) keine Einschrän-
kungen der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Durchhaltefähigkeit und 
der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben festzustellen. Es bestünden 
möglicherweise leichte Einschränkungen der Gruppenfähigkeit sowie mittelgradige Ein-
schränkungen in der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Fle-
xibilität und Umstellungsfähigkeit sowie schwere Einschränkungen in der Fähigkeit zu fa-
miliären und intimen Beziehungen (a.a.O. S. 3). Die Patientin verfüge über eine schnelle 
Auffassungsgabe, sei zuverlässig, und habe jeweils auffallend selbständig und effektiv 
Abklärungen treffen, sinnvolle Handlungspläne erstellen und diese zeitnah und effektiv 
umsetzen können (a.a.O. S. 4). 

4.2.3 Am 3. Januar 2021 berichtete Dr. med. L.________, dass eine ambulante Thera-
pie nach Klinikaustritt kaum mehr möglich gewesen sei, da die Patientin diese verweigere, 
unter diffusem Verweis auf ihr Trauma und die Belastung durch die Corona-Situation und 
die Tatsache des verbreiteten Masken-Tragens, das sie verunsichere (IV-act. 205). 

4.2.4 Mit Stellungnahme vom 8. März 2021 nahm ein Facharzt für Psychiatrie und Psy-
chotherapie des RAD Stellung. Er empfahl, den aktuellen Behandlungsstatus der Versi-
cherten abzuklären und gegebenenfalls beim neu behandelnden Arzt oder der behandeln-
den Ärztin weitere Berichte einzuholen und ihm das Dossier alsdann zur Besprechung des 
weiteren Vorgehens erneut vorzulegen (IV-act. 213 S. 2). Anstatt solches vorzukehren, 
schritt die IV-Stelle zum Einkommensvergleich und stellte sogleich mit Vorbescheid vom 
18. März 2021 eine Berentung ab 1. Juni 2020 in Aussicht (IV-act. 215). 

4.2.5 In der Folge nahm die IV-Stelle einen neuerlichen Bericht der behandelnden 
Psychiaterin Dr. med. L.________ vom 12. Mai 2021 zu den Akten, wonach die Versicher-
te sich nunmehr wieder therapiemotiviert zeige und man einen geeigneten Therapieplatz 
für die Traumatherapie suche (IV-act. 227). 

4.2.6 Am 9. bzw. 30. Juni 2021 verfügte sie entsprechend ihrem Vorbescheid den An-
spruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung ab 1. Juni 2020 (IV-act. 238 f.). 

5.

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5.1 Die soeben in E. 4.2 referierten Berichte der behandelnden Psychiaterin sowie der 
I.________ divergieren merklich bezüglich der für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ent-
scheidenden funktionellen Einschränkungen der Versicherten. Zudem irritiert erheblich, 
dass die Beschwerdeführerin einerseits einen substanziellen Leidensdruck geltend macht, 
anderseits sich aber nur sehr zögerlich auf die therapeutischen Bemühungen einlässt und 
etwa eine medikamentöse Behandlung ihrer mittlerweile langjährig als konstant einschrän-
kend beschriebenen Depression ebenso konstant verweigert. Bei dieser Ausgangslage mit 
divergierenden Arztberichten sowie bis anhin weitgehend fehlender Plausibilisierung und 
Konsistenzprüfung kann offensichtlich keine Rede sein von einem aus medizinischer Sicht 
im Verfügungszeitpunkt hinlänglich abgeklärten Sachverhalt. Vielmehr wären – worauf ja 
auch der RAD zutreffend hinwies – ergänzende Abklärungen nötig gewesen. Insbesonde-
re drängt sich hier eine psychiatrische Begutachtung auf.

5.2 Daran ändern die erst im Beschwerdeverfahren eingereichten, zusätzlichen medi-
zinischen Berichte nichts: Mit Bericht vom 24. November 2021 (BF-act. 5) bestätigt die be-
handelnde Psychiaterin eine ursprünglich rein arbeitsplatzbezogen attestierte Arbeitsun-
fähigkeit, wobei sich nicht nachvollziehen lässt, weshalb sie alsdann diese echtzeitliche 
Auffassung nachträglich als falsch und die Patientin im gesamten ersten Arbeitsmarkt als 
vollständig arbeitsunfähig umdeutet. Es bleibt im Dunkeln, ob sie hierbei den unzulässigen 
Schluss von einer nicht mehr erfolgten Arbeitsaufnahme auf Unzumutbarkeit auch einer 
angepassten Tätigkeit macht, da nähere Erläuterungen fehlen. Aus dem Bericht der 
J.________ vom 3. Mai 2023 über eine Hospitalisation vom 8. März bis 4. April 2023 ergibt 
sich immerhin, dass nach wie vor neben einer PTBS auch ein depressives Geschehen 
diagnostiziert wird, wobei weiterhin die Patientin der Behandlung gegenüber misstrauisch 
sei und eine medikamentöse Behandlung verweigere (BF-act. 6). Eine Arbeitsunfähigkeit 
wird einzig für die Dauer des stationären Aufenthalts attestiert; weiter frappiert, dass sich 
die Versicherte offenbar zum erneuten Klinikeintritt erst entscheiden konnte nach Andro-
hung einer reformatio in peius durch das hiesige Gericht (Anfang Februar 2023, act. 12), 
obwohl eine erneute Traumatherapie bereits zuvor als indiziert bezeichnet wurde (vgl. 
oben E. 4.2.5). Auch die Unterlagen aus dem ausländischen Versicherungsverfahren ver-
mögen – abgesehen davon, dass sie ohnehin erst nach der angefochtenen Verfügung er-
stellt wurden, und dies unter der expliziten Annahme, dass bereits in der Schweiz ein Ren-
tenanspruch sorgfältig geprüft worden sei – nicht den Anforderungen des strukturierten 
Beweisverfahrens zu genügen, und sie lösen auch nicht die vorerwähnten Widersprüche 
auf (BF-act. 7 ff.). Im Gegenteil beleuchten sie zusätzliche Widersprüche, aus denen sich 
erhebliche Zweifel an der von der Beschwerdeführerin beklagten Einschränkung in allen 

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Lebensbereichen ergeben: So deklarierte die Versicherte etwa, der Corona-Impfung nicht 
zu trauen, da sie viele Menschen kenne, die nach der Impfung krank geworden seien oder 
gar gestorben seien (BF-act. 7 S. 2). Eine Angst vor medikamentöser Therapie bestehe 
"durch die Erfahrung 3 enger Freundinnen mit Medikamenteneinnahme und Suizid verlo-
ren zu haben" (BF-act. 8 S. 4). Gleichzeitig gab sie an, kaum Sozialkontakte zu haben. 

5.3 Nach dem Gesagten hat die IV-Stelle den Untersuchungsgrundsatz verletzt, in-
dem sie auf weitere Abklärungen verzichtet hat. Die Sache ist ihr demnach zurückzuwei-
sen, damit sie die erforderlichen Abklärungen vornehme (insbesondere: ein psychiatri-
sches Gutachten veranlasse). Dabei wird sie insbesondere zu klären haben, ob – und ge-
gebenenfalls ab wann – eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit auch in einer angepassten 
kaufmännischen Tätigkeit z.B. mit reduziertem Kundenkontakt und wenig Stress im Back 
Office besteht. Hinsichtlich des zeitlichen Eintritts der Arbeitsunfähigkeit wird dabei insbe-
sondere – gegebenenfalls – entscheidend sein, ob die ursprünglich attestierte Arbeitsun-
fähigkeit ab April 2019 rein arbeitsplatzbezogen war und erst später, nach schlechter Er-
fahrung im H.________, eine weitere Dekompensation erfolgte, oder ob tatsächlich bereits 
ab April 2019 eine weitergehende Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten 
Arbeitsmarkt bestand, wie dies die Beschwerdeführerin geltend macht. Dazu ist im ge-
genwärtigen Aktenstand keine Aussage möglich. 

6. Die Beschwerde ist zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung und zum anschlies-
senden Neuentscheid über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen. Eine Rückweisung zu erneutem Entscheid mit offe-
nem Ausgang gilt als Obsiegen der Beschwerdeführerin, unabhängig davon, ob sie bean-
tragt ist (BGE 141 V 281 E. 11.1; vgl. weiter etwa BGer 9C_608/2020 vom 18. Juni 2021 
E. 5). Das Verfahren ist gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG kostenpflichtig. Entsprechend dem 
Verfahrensausgang ist die Spruchgebühr, welche auf Fr. 800.– festgesetzt wird, durch die 
Beschwerdegegnerin zu tragen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvor-
schuss wird dieser zurückerstattet. 

Der Beschwerdeführerin ist zulasten der Beschwerdegegnerin eine Parteientschädigung 
nach Art. 61 lit. g ATSG auszurichten, die ermessensweise auf Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen 
und MWST) festgesetzt wird, entsprechend einem Arbeitsaufwand von rund sechs Stun-
den à Fr. 250.–.

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Demnach erkennt das Verwaltungsgericht:
__________________________________

1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als die Verfügungen der IV-Stelle 
Zug vom 9. Juni 2021 und vom 30. Juni 2021 aufgehoben werden. Die Sache wird 
an die IV-Stelle Zug zurückgewiesen, damit diese nach erfolgten weiteren Ab-
klärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch neu verfüge.

2. Es wird eine Spruchgebühr von Fr. 800.– erhoben, die der Beschwerdegegnerin 
auferlegt wird. Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von 
Fr. 800.– zurückerstattet.

3. Der Beschwerdeführerin wird zulasten der Beschwerdegegnerin eine Parteien-
tschädigung im Betrage von Fr. 1'500.– (inkl. Auslagen und MWST) zugespro-
chen.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung 
beim Schweizerischen Bundesgericht in Luzern Beschwerde in öffentlich-recht-
lichen Angelegenheiten eingereicht werden.

5. Mitteilung an den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (im Doppel), an die IV-
Stelle des Kantons Zug (Rechnung folgt nach Rechtskraft des Urteils), an das 
Bundesamt für Sozialversicherungen, Bern, und zum Vollzug von Ziffer 2 im Dis-
positiv an die Finanzverwaltung des Kantons Zug.

Zug, 10. Juli 2023
Im Namen der
SOZIALVERSICHERUNGSRECHTLICHEN KAMMER
Die Vorsitzende

Der Gerichtsschreiber

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