# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eadb686b-2a24-5116-969e-5d14a42f3753
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-05-14
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 14.05.2008 IV 2007/25
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2007-25_2008-05-14.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2007/25

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 25.06.2020

Entscheiddatum: 14.05.2008

Entscheid Versicherungsgericht, 14.05.2008
Art. 16 ATSG, Art. 28 Abs. 1 ATSG. Invaliditätsbemessung nach der 
Einkommensvergleichsmethode. Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 12 lit. e 
VwVG und Art. 57 ff. BZP. Beweiskraft eines Untersuchungsberichts des 
RAD (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. 
Mai 2008, IV 2007/25).

Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Lisbeth 

Mattle Frei; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 14. Mai 2008

in Sachen

B.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, Vadianstrasse 44,

Postfach 262, 9001 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Rente

Sachverhalt:

A.   

B.___ erlitt am 20. August 2004 einen Unfall. Er rutschte von einem etwa 10-20 cm 

hohen Wägelchen und fiel nach hinten. Er prallte mit dem Gesäss und mit dem linken 

Ellbogen auf. Die Klinik für orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen 

berichtete am 15. Juni 2005, es sei von einer fortgeschrittenen Spondylarthrose der 

Facettengelenke L3/4 und L 4/5 mit deutlicher Spinalkanaleinengung in diesen 

Segmenten auszugehen. Die SUVA richtete dem Versicherten nur für die Zeit bis 31. 

August 2005 Versicherungsleistungen aus, da auf diesen Zeitpunkt der Status quo ante 

wieder erreicht gewesen sei. Im Rahmen des Einspracheverfahren gegen diese 

Verfügung hielt Dr. med. A.___ von der SUVA am 6. März 2006 fest, bereits 1997 habe 

am gleichen Ort eine Diskushernie bestanden. Im Bereich des Achsenskeletts habe 

keine strukturelle unfallbedingte Läsion nachgewiesen werden können. Möglicherweise 

seien die Beschwerden des Versicherten auf eine Weichteilläsion zurückzuführen 

gewesen. Diese stelle aber keine Ursache für eine langdauernde funktionelle 

Behinderung dar, da sie schnell abheile. Die mediane Diskushernie habe sich auf einem 

degenerativen Boden entwickelt. Der Unfall sei der Auslöser eines Beschwerdeschubes 

gewesen. Dieser habe angehalten, bis sich das Lasèguezeichen im März 2005 

normalisiert habe. Sensomotorische Restfolgen seien nicht vorhanden. Die Persistenz 

von Rückenbeschwerden sei auf degenerative Veränderungen der LWS 

zurückzuführen. Die SUVA wies die Einsprache am 9. März 2006 ab. Der Entscheid 

wurde rechtskräftig.

B.  

Der Versicherte meldete sich am 10. Juni 2005 auch zum Bezug von IV-Leistungen an. 

Dabei gab er u.a. an, er habe nur die Grundschule besucht. Einen Beruf habe er nicht 

erlernt. Dr. med. C.___ berichtete der IV-Stelle am 18. Juli 2005, der Versicherte leide 

an einer Spondylarthrose L3/4 und L4/5 Grad II-III, an einer Spinalkanalstenose, an 

einer psychosozialen Belastung mit aggressiven Durchbrüchen und - ohne Auswirkung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

auf die Arbeitsfähigkeit - an einem St. n. Schädelhirntrauma unklaren Schweregrades 

vor Jahren. Seit dem 20. August 2004 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der Gesundheitszustand des Versicherten sei 

besserungsfähig. Seit der polizeilichen Wegweisung wegen häuslicher Gewalt sei der 

Versicherte mit seinen vorbestehenden Rückenschmerzen dekompensiert. Aktuell halte 

er sich in der psychosomatischen Abteilung der Klinik Gais auf. Zwischen den 

objektiven Befunden und den angegebenen Rückenschmerzen bestehe eine Differenz. 

In einer leichten Tätigkeit sei der Versicherte zu 75% arbeitsfähig. Die D.___ AG teilte 

der IV-Stelle am 30. August 2005 mit, sie habe den Versicherten vom 1. April 2000 bis 

31. Mai 2005 als Mitarbeiter in der Schreinerei beschäftigt. Im Jahr 2004 habe der 

Monatslohn (x13) Fr. 4640.- betragen. Dr. med. E.___ von der Klinik Gais berichtete der 

IV-Stelle am 27. September 2005, der Versicherte leide an einer mittelgradigen 

depressiven Episode mit somatischen Symptomen. Seit dem 23. Juni 2005 bestehe 

eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Der Versicherte klage über 

Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Deprimiertheit und sozialen 

Rückzug. Durch eine regelmässige Psychopharmakotherapie und stützende Gespräche 

könne die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht verbessert werden. Dr. med. F.___ 

vom RAD Ostschweiz empfahl am 5. Dezember 2005 eine psychiatrische und 

rheumatologische RAD-Untersuchung. Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. G.___ 

berichtete der IV-Stelle am 5. April 2006, der Versicherte leide an einer mittelgradigen 

depressiven Episode mit somatischen Symptomen, an einer somatoformen 

Schmerzstörung und an Problemen in der Beziehung zur Ehefrau. Seit dem Beginn der 

Behandlung am 11. Oktober 2005 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der 

Zustand sei stationär.

C.  

C.a Dr. med. H.___ vom RAD Ostschweiz führte in seinem Untersuchungsbericht vom 

23. Mai 2006 aus, der Versicherte klage über Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung in den 

lateralen Oberschenkel rechts bis zur Grosszehe und zur Ferse. Er gebe an, die 

Ausstrahlungen bestünden beim Gehen und beim Sitzen. Seit dem Unfall am 20. 

August 2004 seien die Schmerzen progredient. Sie seien zudem tageszeitabhängig. 

Am Morgen seien sie weniger stark, nachts aber so stark, dass er nach zwei Stunden 

Liegezeit mehrfach aufstehen müsse. Nach einer Gehstrecke von mehreren hundert 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Metern trete ein Brennen in der LWS mit den erwähnten Ausstrahlungen auf. Er müsse 

sich dann hinsetzen. Sitzen könne er eine halbe Stunde, stehen vier bis fünf Minuten. 

Dr. med. H.___ führte dazu aus, die Auskünfte des Versicherten seien diffus gewesen, 

so dass die Informationen teilweise nur durch mehrfaches Nachfragen zu erhalten 

gewesen seien. Dabei habe es sich nicht um ein sprachliches Problem gehandelt. Bei 

der Untersuchung sei der Gang des Versicherten etwas schwerfällig gewesen mit 

einem inkonsistenten Schonhinken rechts. Der Fuss- und der Zehengang seien normal 

möglich gewesen. Es habe eine leichte linkskonvexe Skoliose bestanden. Der Finger-

Boden-Abstand habe 43 cm betragen. Bei der Lateralflexion der LWS in der 

Untersuchungssituation sei es zu einer Gegeninnervation gekommen. In spontan 

beobachteten Situationen (z.B. An- und Ausziehen) sei die Lateralflexion besser 

durchführbar gewesen. Bei der Palpation der LWS seien diffuse Schmerzen angegeben 

worden. In abgelenkten Situationen sei diese Region aber nicht schmerzhaft gewesen. 

Dr. med. H.___ stellte folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: 

chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts mit segmentaler Dysfunktion, 

muskulärer Dysbalance, mässiger Spondylarthrose L3 bis S1 beidseits, leichter, 

asymptomatischer Spinalstenose L4/5 (bildgebend unverändert zwischen 1997 und 

2005) und Symptomausweitung. Hinzu kamen folgende Diagnosen ohne Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit: St. n. Sturz auf den Rücken, St. n. lumboradikulärem Syndrom 

L5 links, St. n. anamnestischer Kopfverletzung (Schädel-CT altersentsprechend), 

Adipositas Grad I, arterielle Hypertonie, atypische Thoraxschmerzen. 

Zusammenfassend hielt Dr. med. H.___ fest, es fänden sich keine eigentlichen 

neurologischen Ausfälle. Die diffus ausgeprägte Hyposensibilität an der gesamten 

rechten unteren Extremität habe vermutlich mit der Schmerzlokalisation in dieser 

Extremität zu tun, entspreche aber nicht einem speziellen Dermatom. Die seit 1997 

unveränderte Spinalstenose sei nur leicht, das klinische Bild einer Claudicatio spinalis 

bestehe nicht. Das lumboradikuläre Syndrom von 1997 habe konservativ erfolgreich 

therapiert werden können. Die Funktionsfähigkeit sei entgegen den Aussagen des 

Versicherten nur leicht eingeschränkt. Es bestünden deutliche Zeichen einer 

Symptomausweitung: kräftig ausgebildete Muskulatur, Lateralflexion ausserhalb der 

Untersuchungssituation deutlich besser, Palpation der LWS bei Ablenkung ohne 

Schmerzangabe, übertriebene Schmerzreaktion bei der Prüfung der Länge des M. 

quadriceps rechts, appellatives Verhalten, Perseverationen im Gespräch und unpräzise 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Antworten auf die gestellten Fragen. Die somatische Funktionsfähigkeit sei deutlich 

besser als vom Versicherten verbal und averbal kommuniziert. Es bestehe eine 

deutliche Diskrepanz zwischen subjektiven Klagen und objektiven Befunden. Für eine 

leichte adaptierte Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit 75%. Die Arbeitsunfähigkeit von 

25% sei bedingt durch die degenerativen Veränderungen der LWS, die Dysfunktionen 

und die muskuläre Dysbalance. Eine adaptierte Tätigkeit sei wechselbelastend (stehen, 

gehen, sitzen) und beinhalte kein Heben von Gewichten über 5 kg, keine 

Zwangshaltungen und keine Kälte- und Vibrationsexposition.

C.b Dr. med. I.___ hielt in seinem Untersuchungsbericht fest, die behandelnde 

Psychiaterin Dr. med. G.___ habe telephonisch angegeben, nach der Rehabilitation in 

Gais sei der Versicherte zu ihr in Behandlung gekommen. Damals habe der Versicherte 

in K.___ gewohnt, da er Hausverbot durch seine Ehefrau gehabt habe. Anfänglich sei 

der Versicherte reaktiv depressiv mit eher schwerer Symptomatik gewesen. Das habe 

sich zunehmend gebessert. Bei der letzten Konsultation habe sie den Eindruck gehabt, 

dass es dem Versicherten wieder gut gehe und dass allenfalls noch eine leichte 

Symptomatik vorliege. Dr. med. I.___ stellte folgende Diagnose: St. n. depressiver 

Episode aktuell in Remission begriffen (DD: Anpassungsstörung mit verlängerter 

depressiver Reaktion), chronisches lumbospondylogenes Syndrom rechts mit 

Symptomausweitung sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - anhaltende 

somatoforme Schmerzstörung, St. n. Sturz auf den Rücken, St. n. lumboradikulärem 

Syndrom L5 links, St. n. anamnestisch Kopfverletzung, Adipositas Grad I, arterielle 

Hypertonie und atypische Thoraxschmerzen. Dazu führte er aus, zum 

Untersuchungszeitpunkt seien keine fassbaren schwerwiegenden depressiven 

Symptome mehr eruierbar gewesen. Allenfalls hätten noch leichte, als depressive 

Symptome zu interpretierende Beschwerden wie Schlafstörungen, Neigung zum 

Grübeln und psychosomatische Beschwerden vorgelegen. Diese hätten allerdings nicht 

mehr das Ausmass einer eigenständigen depressiven Störung erreicht. Sie hätten 

entweder als Restsymptome einer remittierenden depressiven Störung oder als 

Symptome einer andersartigen psychischen Beeinträchtigung wie beispielsweise einer 

Somatisierungsstörung gewertet werden können. Der Versicherte leide nach dem 

Bagatellunfall vom August 2004 an Schmerzen ohne somatisches Substrat. Erhebliche 

psychosoziale Konflikte seien hinzugekommen. Damit seien die diagnostischen 

Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erfüllt. Auf der psychischen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Funktionsebene bestünden keine Beeinträchtigungen. Auch hinsichtlich der sozialen 

Funktionen seien qualitativ und quantitativ kaum Beeinträchtigungen zu eruieren. Es 

bestehe kein sozialer Rückzug und der Versicherte sei in seinen Belangen autonom 

und nicht auf Hilfe angewiesen oder schwer eingeschränkt. Einzig die subjektiv starken 

Schmerzen hätten bisher nicht erfolgreich angegangen werden können. Die 

Schmerzstörung sei jedoch ein nicht IV-relevanter Gesundheitsschaden. Aus 

psychiatrischer Sicht bestehe deshalb aktuell keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. 

Für die Periode Oktober 2005 bis 5. April 2006 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% 

vorgelegen, die sich auf eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit verbessert habe. Die 

beiden Ärzte des RAD hielten abschliessend fest, interdisziplinär bestehe in einer 

adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 75%.

D.  

Mit einem Vorbescheid vom 13. Juli 2006 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass 

sie sein Rentengesuch abweisen werde. Der Versicherte ersuchte die IV-Stelle am 

19. September 2006, seinen psychischen Gesundheitszustand weiter abzuklären. Zur 

Begründung führte er aus, er anerkenne, dass allein gestützt auf die somatischen 

Funktionseinschränkungen eine Arbeitsunfähigkeit von 25% bestehe. Unzutreffend sei 

der Untersuchungsbericht des RAD aber in bezug auf die psychisch bedingte 

Einschränkung. Die angebliche massive Verbesserung zwischen dem Bericht von Dr. 

med. G.___ vom 11. April 2006 (vollständige Arbeitsunfähigkeit) und der Untersuchung 

durch den Psychiater des RAD Ostschweiz (uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit) sei 

nicht belegt und widerspreche auch den starken Krankheitssymptomen (massive 

Rücken- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen, geringe Belastbarkeit, 

Konzentrationsprobleme, rasche Erschöpfung). Die behandelnde Psychiaterin habe 

offenbar nur in sehr vager Weise ausgeführt, sie habe bei der letzten Konsultation den 

Eindruck gehabt, dass es wieder besser gehe. Dies stehe in einem offensichtlichen 

Widerspruch zum Bericht vom 5. April 2006, in dem eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert und eine erneute Beurteilung erst in zwei bis drei Monaten 

in Aussicht gestellt worden sei. Deshalb dränge sich eine umfassende Abklärung bei 

einem externen Spezialarzt auf. Zudem sei eine aktuelle Beurteilung durch den jetzt 

behandelnden Psychiater Dr. med. L.___ einzuholen. Ob eine somatoforme 

Schmerzstörung eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe, habe nicht der Arzt, sondern 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

die IV-Stelle zu entscheiden. Dr. med. I.___ nahm dazu am 24. November 2006 intern 

Stellung. Er führte aus, die Untersuchung vom 3. Mai 2006 sei in Kenntnis und unter 

Berücksichtigung aller Akten, nach einer ausgiebigen persönlichen Befragung und 

Untersuchung und gestützt auf eine Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin 

erfolgt. Der im Untersuchungszeitpunkt vorliegende gesundheitliche Zustand (klinischer 

Eindruck) des Versicherten habe keine andere diagnostische Einschätzung zugelassen. 

Auch die behandelnde Psychiaterin habe in dem telephonischen fachärztlichen 

Austausch diese klinische Einschätzung teilen können. Sie habe angegeben, dass sich 

die depressive Störung schneller gebessert habe, als sie im Zeitpunkt der Abfassung 

des Berichts an die IV-Stelle erwartet habe. Ein medizinischer Sachverständiger müsse 

die gängige Rechtsprechung berücksichtigen. Mit einer Verfügung vom 28. November 

2006 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab.

E.  

Der Versicherte erhob am 12. Januar 2007 Beschwerde gegen diese Verfügung. Er 

beantragte die Rückweisung an die IV-Stelle zur weiteren Abklärung. Zur Begründung 

führte er aus, es sei in erster Linie nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen sich die 

von der damaligen behandelnden Psychiaterin am 5. April 2006 diagnostizierte 

mittelgradige depressive Episode und die somatoforme Schmerzstörung verbunden mit 

der attestierten depressiven Episode innerhalb von rund einem Monat angeblich zu 

einer vollen Erwerbsfähigkeit entwickelt habe solle, zumal am 5. April 2006 noch ein 

stationärer Gesundheitszustand angegeben worden sei. Die telephonische Abklärung 

des RAD werde den Anforderungen an die Untersuchungspflicht nicht gerecht, wenn 

es darum gehe, eine angeblich rasche und tiefgreifende Veränderung zu klären. Der 

Facharzt des RAD habe es unterlassen, die fremdanamnestischen Angaben einer 

eigenständigen Würdigung zu unterziehen. Es fehle deshalb eine hinreichende 

Begründung für die Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 0% auf 100% zwischen dem 5. 

April 2006 und dem 3. Mai 2006. Zudem stünden die Schlussfolgerungen des 

Facharztes des RAD im Widerspruch zur aktuellen Beurteilung durch den 

behandelnden Psychiater (vollständige Arbeitsunfähigkeit). Die diffusen Angaben bei 

der Abklärung seien auf die fehlenden Deutschkenntnisse zurückzuführen. Der 

Facharzt des RAD sei zudem in die Richterrolle geschlüpft, indem er in bezug auf 

somatoforme Schmerzstörung einen IV-relevanten Gesundheitsschaden verneint habe. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Angesichts der verschiedenen Widersprüche und Unklarheiten bestünden erhebliche 

Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Gutachtens. In Übereinstimmung 

mit dem behandelnden Psychiater werde eine umfassende spezialärztliche 

Begutachtung beantragt. Der Versicherte legte eine Auskunft seines aktuell (seit 18. 

August 2006) behandelnden Psychiaters Dr. med. L.___ an seinen Rechtsvertreter vom 

12. Dezember 2006 bei. Laut dieser Auskunft war der Versicherte aufgrund seiner 

aktuellen psychischen Verfassung nicht arbeitsfähig.

F.   

Die IV-Stelle beantragte am 19. März 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte 

geltend, bei der psychiatrischen Abklärung habe eine sehr detaillierte Anamnese 

erhoben werden können. Bei den behaupteten Kommunikationsschwierigkeiten wäre 

dies unmöglich gewesen. Der Rheumatologe habe ausdrücklich festgehalten, dass es 

keine sprachlichen Probleme gegeben habe. Im übrigen beherrschten auch die 

behandelnden Ärzte die Muttersprache des Versicherten nicht, was auf eine 

ausreichende Kommunikation hinweise. Es sei nicht zu beanstanden, dass die 

abklärenden Ärzte zwischen invalidisierenden und nicht invalidisierenden Beschwerden 

unterschieden hätten, da sonst die Arbeitsfähigkeit durch den Rechtsanwender nicht 

sinnvoll hätte gewürdigt werden können. Den Angaben behandelnder Ärzte sei mit dem 

Vorbehalt der Befangenheit zu begegnen. Ein wechselhafter Krankheitsverlauf sei 

durchaus plausibel. Die im Winter 2005/6 bestehende Diagnose sei bis zum 

Begutachtungszeitpunkt abgeklungen gewesen. Es sei möglich, dass die Abweisung 

des Rentenbegehrens wieder zu einer depressiven Reaktion geführt habe. Eine 

einjährige mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit lasse sich nicht nachweisen. Die 

Depression sei zudem eine reaktive Begleiterscheinung der somatoformen 

Schmerzstörung. Es handle sich also nicht um eine psychische Komorbidität. Auf das 

Gutachten könne abgestellt werden. Der Invaliditätsgrad betrage 36%.

G.   

Der Versicherte wandte am 24. April 2007 ein, es genüge nicht, wenn sich Psychiater 

und Patient nur einigermassen verständigen könnten. Auf einen Dolmetscher hätte 

nicht verzichtet werden dürfen. Wenn der Gutachter angebe, ein IV-relevanter 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen, so nehme er eine rechtliche Qualifizierung 

vor. Damit überschreite er seine Kompetenzen. Der Vorwurf der Befangenheit der 

behandelnden Ärzte verletze den Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Für die 

Annahme, im Begutachtungszeitpunkt habe eine Depression mit Sicherheit 

ausgeschlossen werden können, fehle jeglicher Anhaltspunkt. Zudem habe der 

Facharzt des RAD nur eine Remission, d.h. eine vorübergehende Verbesserung 

angegeben. Die Annahme, die Ablehnung des Rentengesuchs habe eine depressive 

Reaktion ausgelöst, sei blosse Spekulation. Es liege ein konstantes Krankheitsbild vor.

H.  

Die IV-Stelle verzichtete am 21. Mai 2007 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:

1.   

Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss 

Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, 

das eine versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der 

Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des 

zumutbaren Invalideneinkommens - und damit in der Regel ausschlaggebendes 

Element der Invaliditätsbemessung - ist die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung, bei 

Hilfsarbeitern zusätzlich zusammen mit der ärztlichen Umschreibung einer der 

Gesundheitsbeeinträchtigung bestmöglich Rechnung tragenden Tätigkeit. Die 

Beschwerdegegnerin hat sich diesbezüglich auf die Einschätzung im rheumatologisch-

psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 23. Mai 2006 gestützt, laut dem der 

Beschwerdeführer in einer der körperlichen Beeinträchtigung angepassten, 

wechselbelastenden und leichten Tätigkeit zu 75% arbeitsfähig sei. Das Ergebnis der 

rheumatologischen Abklärung ist vom Beschwerdeführer ausdrücklich akzeptiert 

worden. Der Beschwerdeführer hat sich diesbezüglich also nicht auf 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Kommunikationsprobleme als Folge seiner ungenügenden Deutschkenntnisse berufen, 

um die Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung aus rein rheumatologischer 

Sicht zu erschüttern. Zwar besteht die rheumatologische Abklärung zu einem grossen 

Teil aus Untersuchungshandlungen. Aber es ist auch in einem erheblichen Umfang 

sprachliche Kommunikation notwendig, auf der Seite des Untersuchers etwa in der 

Form von Anweisungen an den Exploranden, bestimmte Bewegungen zu machen oder 

Körperhaltungen einzunehmen, auf der Seite des Exploranden insbesondere in Form 

von Schmerzangaben oder der Beschreibung der Schmerzempfindung. Zu beachten ist 

aber auch, dass der Beschwerdeführer dem Rheumatologen detaillierte Angaben zur 

Entwicklung der Beschwerden, zum normalen Tagesablauf, zu den schmerzbedingten 

Einschränkungen im Alltag usw. hat machen können. Wenn der Rheumatologe 

angegeben hat, die diffusen Auskünfte hätten jeweils ein mehrfaches Nachfragen 

notwendig gemacht, dabei habe es sich aber nicht um ein sprachliches Problem 

gehandelt, so kann das nur so interpretiert werden, dass die Deutschkenntnisse des 

Beschwerdeführers ausreichten, um eine rheumatologische Abklärung ohne 

Dolmetscher durchführen zu können. Zwar beinhaltet die psychiatrische Untersuchung 

einen besonders hohen verbalen Kommunikationsbedarf, weil die Abklärung zum 

grossen Teil in der Form eines Gesprächs erfolgt. Aber trotzdem ist davon auszugehen, 

dass die Feststellung des Rheumatologen, es hätten keine Sprachprobleme bestanden, 

auch auf die psychiatrische Untersuchung zutrifft. Andernfalls wäre ein Dolmetscher 

beigezogen worden, denn der Psychiater des RAD Ostschweiz hatte keinen Grund, 

sich selbst die Untersuchung zu erschweren, ein hohes Risiko einer medizinischen 

Fehleinschätzung in Kauf zu nehmen und seinen Untersuchungsbericht der Gefahr 

auszusetzen, dass diesem später aus formalen Gründen der Beweiswert abgesprochen 

werden könnte. Wären die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers so bescheiden 

gewesen, wie es im Beschwerdeverfahren behauptet worden ist, so wäre es dem 

Psychiater zudem gar nicht möglich gewesen, die umfangreiche Anamnese zu 

erstellen. Die ihm zur Verfügung stehenden medizinischen Akten allein liessen dies 

nämlich nicht zu. Auch das Argument der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer 

stehe in Behandlung bei Ärzten, die seine Muttersprache nicht beherrschten, so dass 

er sich auf Deutsch mit ihnen unterhalten müsse, spricht dafür, dass die 

Kommunikation zwischen dem Beschwerdeführer und dem Psychiater nicht in 

relevanter Weise durch ungenügende Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

beeinträchtigt gewesen ist. Die entsprechende Behauptung des Beschwerdeführers 

vermag also nicht zu überzeugen. Sie erschüttert den Beweiswert der psychiatrischen 

Abklärung durch einen Facharzt des RAD Ostschweiz nicht.

2.   

Beim Untersuchungsbericht vom 23. Mai 2006 handelt es sich nicht um ein Gutachten 

zweier unabhängiger Sachverständiger (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 12 lit. e VwVG 

und Art. 57 ff. BZP), sondern um einen Bericht zweier Fachärzte des RAD Ostschweiz, 

also einer Verwaltungseinheit, die Teil der Invalidenversicherung bildet. Die Ärzte der 

RAD sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 

Abs. 2 Satz 2 ATSG). Dies verschafft den Ärzten des RAD aber nicht jene 

Unabhängigkeit, die für einen Sachverständigen notwendig ist (Art. 58 Abs. 1 BZP). 

Deshalb sind Verwaltungsärzte nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. 

etwa BGE 123 V 333 f.) nicht als Sachverständige im beweisrechtlichen Sinn zu 

qualifizieren, wenn sie aufgrund ihrer besonderen Fachkenntnis an der Vorbereitung 

eines Verwaltungsentscheides mitwirken. Das bedeutet, dass ihre 

Meinungsäusserungen nicht als Gutachten im beweisrechtlichen Sinn verstanden 

werden dürfen, auch wenn sie inhaltlich einem Gutachten entsprechen. Das hat aber 

keine direkte Auswirkung auf den Beweiswert einer durch einen Arzt eines RAD 

abgegebenen Meinungsäusserung. Es besteht - analog dem 

Sachverständigengutachten - eine Vermutung dafür, dass die Ärzte der RAD ihre 

Meinungsäusserung unabhängig abgeben, dass sie also ihrer in Art. 59 Abs. 2 Satz 2 

ATSG angeordneten Pflicht nachkommen, im Einzelfall unabhängig zu sein. An der 

Unabhängigkeit ist - wiederum analog zu den Sachverständigengutachten - nur dann 

zu zweifeln, wenn Indizien für eine Befangenheit vorliegen. Fehlen solche Indizien, ist 

die Meinungsäusserung der Ärzte der RAD als unabhängig zu qualifizieren. Das 

bedeutet, dass sich der Beweiswert der Meinungsäusserung ausschliesslich nach dem 

Inhalt bestimmt. Bestehen allerdings Indizien für eine Befangenheit eines Arztes eines 

RAD, so sinkt der Beweiswert seiner Meinungsäusserung, auch wenn deren Inhalt alle 

Kriterien einer überzeugenden medizinischen Beurteilung erfüllt. Da die IV-Stellen 

selbst verpflichtet sind, die Leistungsansprüche der Versicherten unabhängig zu 

prüfen, kann auch aus der organisatorischen Einordnung der RAD in die 

Invalidenversicherung keine Vermutung einer Befangenheit abgeleitet werden. Die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Unterscheidung zwischen den in Erfüllung der "Unabhängigkeitspflicht" des Art. 59 

Abs. 2 Satz 2 IVG erstellten Meinungsäusserungen der Ärzte der RAD und den 

Gutachten unabhängiger Sachverständiger ist also nur ein formaler, denn die 

Bedeutung des Befangenheitskriteriums ist dank Art. 59 Abs. 2 Satz 2 IVG bei beiden 

Arten von Beweismitteln dieselbe. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers 

trifft dies auf die Meinungsäusserungen der behandelnden Ärzte nicht zu. Diese sind 

nicht gesetzlich verpflichtet, den IV-Stellen unabhängig über ihre Patienten zu 

berichten. Sie bilden auch nicht Teil einer Behörde, die in ihrem Handeln umfassend 

dem Prinzip der Objektivität verpflichtet sind. Aufgrund der mehr oder weniger engen, 

aber immer vorhandenen persönlichen Beziehungen zwischen den behandelnden 

Ärzten und deren Patienten muss zum vornherein von einer natürlichen Vermutung 

dafür ausgegangen werden, dass behandelnde Ärzte tendenziell zugunsten ihrer 

Patienten befangen sind. Aber auch behandelnde Ärzte können im Einzelfall völlig 

unbefangen gegenüber der IV-Stelle ihre medizinische Meinung äussern. Allerdings 

muss sich dies so deutlich aus dem Bericht an die IV-Stelle ergeben, dass die 

Befangenheitsvermutung widerlegt ist. Eine Verletzung des Grundsatzes der freien 

Beweiswürdigung läge nur dann vor, wenn zum vornherein jeder Meinungsäusserung 

eines behandelnden Arztes gegenüber einer IV-Stelle der Beweiswert abgesprochen 

würde, weil behandelnde Ärzte ja gar nicht anders könnten, als zugunsten ihrer 

Patienten zu berichten. Das ist aber eindeutig nicht die von der Beschwerdegegnerin 

vertretene Auffassung. Es ist gerichtsnotorisch, dass sie Berichte behandelnder Ärzte 

frei auf den Beweiswert würdigt.

3.   

Der Vorwurf des Beschwerdeführers, der Psychiater des RAD Ostschweiz habe eine 

ihm als medizinischer Fachperson gar nicht zukommende rechtliche Würdigung in 

seine medizinische Meinungsäusserung einfliessen lassen, ist nicht stichhaltig. Die vom 

Psychiater angesprochene Gerichtspraxis (vgl. BGE 130 V 352 ff.) beinhaltet nämlich 

keine (oder nur sehr beschränkt eine) Antwort auf eine Rechtsfrage. Sie behauptet 

vielmehr eine Erfahrungstatsache, laut der gewisse psychische Krankheiten bis zu 

einem gewissen Schweregrad keine Arbeitsunfähigkeit i.S. von Art. 6 Satz 1 ATSG zu 

bewirken vermögen, weil es den betroffenen Personen zumutbar sei, mittels einer 

Willensanstrengung die subjektive, krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zu überwinden und wieder zu arbeiten. Dabei wird von einem Einheitsmass an 

Willenskraft ausgegangen. Die einzelnen Fälle unterscheiden sich also gemäss dieser 

Gerichtspraxis nur in bezug auf das Ausmass der Krankheit, d.h. in bezug auf das 

Mass des krankheitsbedingten Widerstandes, der durch eine Willensanstrengung zu 

überwinden ist. Dieses Mass wird anhand vom Bundesgericht aufgelisteter Kriterien 

bestimmt. Da sowohl die Depressivität als auch die somatoforme Schmerzstörung zu 

diesen grundsätzlich überwindbaren psychischen Krankheiten gehören, hat der 

Psychiater des RAD Ostschweiz geprüft, ob die subjektive Krankheitsüberzeugung des 

Beschwerdeführers mittels einer zumutbaren Willensanstrengung überwunden werden 

kann. Es liegt also keineswegs eine unzulässige rechtliche Würdigung des 

medizinischen Sachverhalts durch den Psychiater des RAD Ostschweiz vor.

4.   

Der Psychiater des RAD Ostschweiz hat sich u.a. auf eine telephonische 

Stellungnahme der damaligen behandelnden Psychiaterin gestützt. Nach ständiger 

Rechtsprechung sind telephonische Auskünfte, die in einer Aktennotiz festgehalten 

werden, nicht beweistauglich. Sie verunmöglichen es nämlich der Person, die das 

Subjekt des Verwaltungsverfahrens ist, den der Auskunftsperson im Rahmen der 

Fragestellung geschilderten Sachverhalt zu korrigieren oder zu ergänzen, die der 

Auskunftsperson gestellten Fragen zu überprüfen oder Ergänzungsfragen zu stellen. 

Eine in einer Aktennotiz festgehaltene telephonische Auskunft ist deshalb nur ein 

taugliches Beweismittel für blosse Nebenpunkte, namentlich Indizien oder 

Hilfstatsachen (vgl. etwa BGE 117 V 282 ff., Erw. 4c). Diese Rechtsprechung bezieht 

sich auf die von der Verwaltung selbst vorgenommene telephonische 

Sachverhaltsabklärung. Ob sie auch auf einen von der Verwaltung mit einer 

Begutachtung beauftragten unabhängigen Sachverständigen zur Anwendung kommen 

muss, kann im vorliegenden Fall offen bleiben, da der Psychiater des RAD Ostschweiz 

als Verwaltungsarzt mit der Abklärung des medizinischen Sachverhalts betraut 

gewesen ist. Auf ihn kommt die genannte Rechtsprechung deshalb direkt zur 

Anwendung. Er wäre also verpflichtet gewesen, einen schriftlichen Bericht der 

behandelnden Psychiaterin einzuholen, wenn er tatsächlich, wie der Beschwerdeführer 

offenbar annimmt, entscheidend auf die Angaben der behandelnden Psychiaterin 

abgestellt hätte. Der Psychiater des RAD Ostschweiz hat in seiner internen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Stellungnahme festgehalten, der im Untersuchungszeitpunkt vorliegende 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe gar keine andere diagnostische 

Einschätzung zugelassen. Die behandelnde Psychiaterin habe diese klinische 

Einschätzung geteilt. Daraus folgt, dass die telephonische Auskunft der behandelnden 

Psychiaterin keine (Teil-) Grundlage der Einschätzung der medizinischen Situation und 

damit der Arbeitsfähigkeit durch den Psychiater des RAD Ostschweiz gebildet hat. 

Vielmehr hat es sich um einen Meinungsaustausch über das Ergebnis dieser 

Einschätzung gehandelt. Obwohl mit dieser telephonischen Auskunft ein - scheinbarer 

- Widerspruch zwischen der Einschätzung durch den Psychiater des RAD Ostschweiz 

vom 3. Mai 2006 und dem Bericht der behandelnden Psychiaterin an die IV-Stelle vom 

5. April 2006 (stationärer Zustand, volle Arbeitsunfähigkeit) ausgeräumt worden ist, 

handelt es sich dabei doch nur um eine Bestätigung einer Hilfstatsache. Der 

Untersuchungsbericht vom 23. Mai 2006 hätte nämlich auch ohne die telephonische 

Auskunft der behandelnden Psychiaterin eine überzeugende 

Arbeitsfähigkeitsschätzung aus psychiatrischer Sicht enthalten. Für diese Hilfstatsache 

allerdings hat die in den Untersuchungsbericht vom 23. Mai 2006 eingebaute Notiz 

über den Inhalt des Telephongesprächs mit der damaligen behandelnden Psychiaterin 

uneingeschränkte Beweiskraft. Im übrigen kann in antizipierender Beweiswürdigung 

davon ausgegangen werden, dass die behandelnde Psychiaterin auf eine 

entsprechenden Anfrage hin den vom Psychiater des RAD angegebenen Inhalt des 

Telephongesprächs schriftlich als korrekt bestätigt hätte. Es ist deshalb mit dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 

damalige behandelnde Psychiaterin eine erhebliche Verbesserung des psychischen 

Gesundheitszustandes nach der Erstellung ihres Berichts vom 5. April 2006 konstatiert 

hatte.

5.   

Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers besteht kein Widerspruch zwischen 

der Arbeitsfähigkeitsschätzung der damaligen behandelnden Psychiaterin vom 5. April 

2006 und der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Bericht des RAD Ostschweiz vom 23. Mai 

2006, denn beide Psychiater sind schliesslich davon ausgegangen, dass sich die 

psychische Gesundheit des Beschwerdeführers nach dem 5. April 2006 erheblich 

verbessert habe. Ebenfalls entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nicht notwendig, die medizinische Ursache dieser Verbesserung zu erforschen und 

darzulegen. Es genügt, wenn die Verbesserung objektiv festgestellt wird, um die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung vom 23. Mai 2006 als überwiegend wahrscheinlich 

qualifizieren zu können. Der aktuell behandelnde Psychiater Dr. med. L.___ hat am 12. 

Dezember 2006 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 

angegeben und er hat - in Beantwortung der ihm vom Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers gestellten Fragen - angedeutet, der Untersuchungsbericht des 

RAD Ostschweiz vom 23. Mai 2006 sei wenig überzeugend, indem er eine definitive 

Klärung der medizinischen Sachlage durch eine interdisziplinäre Begutachtung 

empfohlen hat. Letzteres lässt darauf schliessen, dass Dr. med. L.___ keine nach dem 

3. Mai 2006 eingetretene erhebliche Verschlechterung des psychischen 

Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers angenommen, sondern eine bewusst 

abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung bei unverändertem Gesundheitszustand 

abgegeben hat. Dieser Widerspruch zum Untersuchungsbericht des RAD Ostschweiz 

vom 23. Mai 2006 zwingt dazu, die Überzeugungskraft dieser beiden 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen gegeneinander abzuwägen. Die vom Beschwerdeführer 

geltend gemachten starken Krankheitssymptome sind dabei als Indizien nicht 

stichhaltig, weil sie auf einer für die psychische Erkrankung (Depression, somatoforme 

Schmerzstörung) typischen erheblichen Differenz zwischen dem subjektiven 

Krankheitsempfinden und dem objektiv zu erhebenden somatischen Befund beruhen, 

wie im Bericht vom 23. Mai 2006 überzeugend dargelegt worden ist. Die Antwort von 

Dr. med. L.___ auf die Frage nach den vom Beschwerdeführer geäusserten 

Beschwerden beruht grundsätzlich auf den inhaltlich mit denjenigen vom 3. Mai 2006 

übereinstimmenden Selbstangaben des Beschwerdeführers. Allerdings scheinen diese 

Beschwerden gegenüber Dr. med. L.___ als erheblich stärker geschildert worden zu 

sein als gegenüber dem Psychiater des RAD Ostschweiz. Dies wird von Dr. med. L.___ 

nicht thematisiert, obwohl ihm der Untersuchungsbericht vom 23. Mai 2006 offenbar 

vorgelegen hat. Er erweckt damit den Anschein, er unterstelle dem Psychiater des RAD 

Ostschweiz, dieser habe die Beschwerdeschilderungen des Beschwerdeführers zu 

Unrecht nicht ernst genommen. Indizien dafür, dass Dr. med. L.___ versucht hätte, die 

Abweichung in den Beschwerdeschilderungen zu objektivieren bzw. den versteckten 

Vorwurf gegenüber dem Psychiater des RAD Ostschweiz zu belegen, fehlen. Die 

Auffassung von Dr. med. L.___ ist deshalb nicht geeignet, die Überzeugungskraft des 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Untersuchungsberichts vom 23. Mai 2006 zu erschüttern. Erst recht ist sie nicht 

geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von 100% mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu belegen. In dieser Situation muss der Erfahrung Rechnung 

getragen werden, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer Nähe zu ihrem Patienten 

dazu neigen, dessen pessimistische Selbsteinschätzung unkritisch zu übernehmen, 

allenfalls sogar ihm gegenüber der Sozialversicherung "zu seinem Recht zu verhelfen", 

d.h. seine Arbeitsfähigkeit so einzuschätzen, dass auf jeden Fall eine 

rentenbegründende Invalidität resultiert. Davon ist auch in bezug auf die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. L.___ auszugehen. Es steht also mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in einer adaptierten 

Tätigkeit im hier massgebenden Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung 

zu 75% arbeitsfähig gewesen ist.

6.   

Gemäss dem Bericht des letzten Arbeitgebers des Beschwerdeführers hat dessen 

Einkommen im Jahr 2004 Fr. 60'320.- betragen. Ohne den Unfall hätte der 

Beschwerdeführer diese Stelle behalten. Deshalb ist praxisgemäss zu vermuten, dass 

das Valideneinkommen dem konkreten Einkommen entspricht. Es beläuft sich also auf 

Fr. 60'320.-. Da der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und da es sich 

bei der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit nicht um eine behinderungsadaptierte 

gehandelt hat, die der Beschwerdeführer nun noch zu 75% ausüben könnte, muss das 

zumutbare Invalideneinkommen praxisgemäss anhand des Durchschnittslohnes 

(Zentralwert) der Hilfsarbeiter aller Branchen ermittelt werden. Leichte, 

wechselbelastende Hilfsarbeiten sind nämlich erfahrungsgemäss nicht auf einzelne 

Branchen beschränkt. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2004 des Bundesamtes für 

Statistik, Resultate auf nationaler Ebene, Anhang Tabelle TA1, beläuft sich der 

durchschnittliche Monatslohn auf Fr. 4588.-. Allerdings beruht dieses Einkommen nicht 

auf der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit 2004 von 41,6 Std., sondern auf einer 

Wochenarbeitszeit von 40 Std. Das effektive Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiter 

beträgt somit Fr. 4771.50 bzw. Fr. 57'258.-. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 75% 

resultiert somit ein Einkommen von Fr. 42'944.-. Hilfsarbeiter, die mit einem 

Beschäftigungsgrad von 75% erwerbstätig sind, erleiden im Durchschnitt einen 

überproportionalen Lohnnachteil. Ihr Einkommen beträgt nicht 75%, sondern nur 70% 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

des Einkommens eines Vollerwerbstätigen. Der Nachteil beträgt als 6,5% (vgl. die 

Lohnstrukturerhebung 2004, Resultate auf nationaler Ebene, S. 25 Tabelle T6*). In 

Konkurrenz zu einem gesunden, zu 75% erwerbstätigen Hilfsarbeiter weist der 

Beschwerdeführer aus der Sicht eines rein ökonomisch handelnden potentiellen 

Arbeitsgebers insbesondere den Nachteil auf, dass überdurchschnittlich viele 

Krankheitsabsenzen drohen. Diesen Nachteil müsste der Beschwerdeführer durch 

einen unterdurchschnittlichen Lohn kompensieren, um mit einem gesunden 

Konkurrenten für eine 75%-Stelle gleichziehen zu können. Dies rechtfertigt es, den 

Abzug vom statistischen Durchschnittseinkommen nicht auf 6,5%, sondern auf 10% 

festzusetzen. Damit ergibt sich ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 38'650.-. 

Die Erwerbseinbusse von Fr. 21'670.- entspricht einem Invaliditätsgrad von 36%. Die 

Beschwerdegegnerin hat somit im Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch des 

Beschwerdeführers verneint.

7.   

Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das 

Verfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand im Rahmen 

von Fr. 200.- bis Fr. 1000.- festzulegen (Art. 69 Abs. 1  IVG). Der Verfahrensaufwand 

erweist sich als durchschnittlich. Praxisgemäss rechtfertigt dies eine Gerichtsgebühr 

von Fr. 600.-, die vom vollumfänglich unterliegenden Beschwerdeführer zu bezahlen 

ist. Die Gerichtsgebühr ist durch den vom Beschwerdeführer geleisteten 

Kostenvorschuss von Fr. 600.- gedeckt. Das Begehren des Beschwerdeführers um die 

Zusprache einer Parteientschädigung ist abzuweisen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  Der Beschwerdeführer bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-, die mit dem 

geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.- verrechnet wird.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 14.05.2008
	Art. 16 ATSG, Art. 28 Abs. 1 ATSG. Invaliditätsbemessung nach der Einkommensvergleichsmethode. Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 12 lit. e VwVG und Art. 57 ff. BZP. Beweiskraft eines Untersuchungsberichts des RAD (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. Mai 2008, IV 2007/25).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T15:41:22+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen