# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61eae994-0136-56bf-818d-7ffd0a71649f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-02-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 09.02.2005 SF 2004 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2004-46_2005-02-09.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 9. Februar 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF 04 46 (mündlich eröffnet)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Präsident Brunner
RichterInnen Heinz-Bommer, Riesen-Bienz, Schäfer und Hubert
Aktuarin ad hoc Bäder Federspiel

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In der Strafsache

des X., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Arno Lom-
bardini, Reichsgasse 65, Postfach 474, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. November 2004,

wegen vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung,

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am 10. April 1964 in I., Provinz J., K., als älteres von zwei 
Kindern eines spanischen Küfers sowie einer Hausfrau (gelernte Damenschneide-
rin) geboren. Als er zwei Jahre alt war, übersiedelte die Familie in die Schweiz und 
nahm in F. Wohnsitz, wo der Vater als Gipser und die Mutter in der Zentralwäsche-
rei tätig war. Nachdem X. in F. während zwei Jahren die Primarschule besucht hatte, 
kehrte er auf Wunsch seiner Eltern nach K. zurück, wo er an der L. bei seinen Gros-
seltern wohnte und für sieben Jahre die Schule besuchte. Während den letzten bei-
den Schuljahren absolvierte er mit Erfolg einen Fernkurs in Kunstmalerei in einem 
Kunstinstitut. Im Oktober 1980 kehrte X. in die Schweiz zu seinen Eltern zurück. In 
der Folge arbeitete er während eines Jahres im Gipsergeschäft A. in B. und danach 
bis im Jahre 1984 bei der Firma C. in F. als Handlanger. Anschliessend war er im 
Malergeschäft D., E., tätig. Im Frühjahr 1989 erlitt X. einen schweren Arbeitsunfall 
und war längere Zeit arbeitsunfähig. Danach hatte er mehrere Temporärjobs inne, 
bevor er Ende 1989 bei der G. AG eine Stelle als Schichtarbeiter antrat. Dort war X. 
bis im Jahre 1999 tätig. Zwischen 1998 und 2004 befand sich X. zufolge verschie-
dener Einweisungsgründe mehrfach in der psychiatrischen Klinik H. in F.. Seit Au-
gust 2001 ist er arbeitsunfähig und bezieht eine IV-Rente von monatlich Fr. 2'514.-
-. Im Betreibungsregister ist X. in den Jahren 2002 und 2003 mit Betreibungen über 
geringe Beträge verzeichnet. Bei der Steuerverwaltung der Stadt F. figuriert X. mit 
einem Einkommen von Fr. 44'800.--. Vermögen besitzt er keines. 

Am 21. Februar 1992 heiratete X. AD.. Aus dieser Verbindung ging im Jahre 
1992 und 1997 je ein Knabe hervor. Seit April 2003 lebt X. von seiner Frau gericht-
lich getrennt. 

Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet.

X. wurde am 27. April 2004 wegen Verdachts einer strafbaren Handlung ge-
gen Leib und Leben in F. vorläufig festgenommen. Der Haftrichter des Bezirksge-
richts Plessur ordnete mit Entscheid vom 29. April 2004, mitgeteilt gleichentags, die 
Untersuchungshaft an. Mit Entscheid vom 22. Juli 2004, mitgeteilt am 23. Juli 2004, 
bewilligte der Haftrichter die Verlängerung der Untersuchungshaft bis am 26. Okto-
ber 2004. Gemäss Verfügung des zuständigen Untersuchungsrichters vom 11. Au-
gust 2004 wurde X. mit Wirkung ab 12. August 2004 in den vorzeitigen Strafvollzug 
versetzt. Die Strafanstalt Sennhof stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus. 

B. Im Auftrag des Untersuchungsrichters wurde über X. in der psychiatri-
schen Klinik P. ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erstellt. In der Expertise 

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vom 6. Juli 2004 gelangt Dr. med. Q. zum Schluss, dass der Angeklagte an einer 
kombinierten Persönlichkeitsstörung leide. Im Zeitpunkt der Tat sei er in seiner 
Fähigkeit zur Unrechtseinsicht nicht beeinträchtigt gewesen. Durch die kombinier-
ten Auswirkungen seiner impulskontrollschwachen Persönlichkeitsstruktur und des 
leicht bis mittelgradigen Rauschzustands sei seine Fähigkeit zu einsichtsgemässem 
Handeln jedoch teilweise beeinträchtigt gewesen. Da aufgrund der Ablaufdynamik 
nicht von einer eigentlichen Affekthandlung gesprochen werden könne, sei die Zu-
rechnungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nur leichtgradig, allenfalls leicht- bis 
mittelgradig vermindert gewesen. Das epileptische Grundleiden von X. erfordere 
weiterhin ärztliche Behandlung. Eine stationäre bzw. ambulante Massnahme be-
züglich der Rückfallgefahr werde aber nicht empfohlen. Im Weiteren hält der Gut-
achter fest, dass dem Angeklagten bezüglich Gefährdung der öffentlichen Sicher-
heit keine günstige Prognose gestellt werden könne. Aufgrund der unguten Lebens-
situation, der schwachen Selbststeuerungsfähigkeit, der Affektlabilität mit Impuls-
durchbrüchen, allenfalls der Affinität zu Stich- und Schusswaffen und des Konsums 
von Alkohol in Freiheit, könne X. zumindest für einen bestimmten Personenkreis 
eine ernsthafte Gefährdung darstellen.

Mit Schreiben vom 3. September 2004 hält Dr. med. Q. bezüglich der Dia-
gnose bzw. Behandlung des Angeklagten durch Dr. med. R. fest, dass die Diagno-
sen durchwegs therapierelevant, konsistent und nachvollziehbar gestellt worden 
und dementsprechend dem wechselnden Zustandsbild des Exploranden durchaus 
gerecht geworden seien. Auch die Behandlung habe den Erfordernissen der dama-
ligen Problemsituation von X. entsprochen. 

C. Mit Verfügung vom 27. April 2004 eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden gegen X. eine Strafuntersuchung wegen versuchter vorsätzlicher 
Tötung und beauftragte das Untersuchungsrichteramt Thusis mit deren Durch-
führung. Die Schlussverfügung erging am 2. September 2004. Mit Verfügung der 
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. November 2004 wurde X. wegen vollende-
ten Versuchs der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung 
mit Art. 22 Abs. 1 StGB in Anklagezustand versetzt. Der Anklage liegt gemäss An-
klageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 4. November 2004 der fol-
gende Sachverhalt zugrunde:

„X. wird angeklagt 

des vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

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Am Abend des 26. April 2004 befand sich X. in F. in der Altstadt in der S., 
wo er eine nicht mehr näher bestimmbare Menge Bier konsumierte. Gegen 
21.00 Uhr betraten T. und deren Freundin U. das Lokal. In der Folge unter-
hielt sich X. mit den beiden Frauen und einem weiteren Gast. T. hat dann X. 
zweimal zugerufen und mitgeteilt, dass soeben Dr. med. R. vor der erwähn-
ten Bar vorbeilaufe. Sowohl T. als auch X. waren aufgrund psychischer Pro-
bleme bei Dr. med. R., welcher bis zu seiner Pensionierung auf Ende Fe-
bruar 2004 in der psychiatrischen Klinik H. in F. als Oberarzt tätig war, in 
Behandlung gewesen. Sodann rannte X. aus der Bar, blieb stehen und 
schaute Dr. med. R. nach. In der Folge kehrte er in die Bar zurück und for-
derte seinen Kollegen V. auf, ihn zu begleiten, da er sich nun an Dr. med. R., 
der ihm ein Jahr seines Lebens genommen habe, rächen werde. Daraufhin 
folgten X. und V. Dr. med. R. über die N.. Als dieser beim O. vor einem 
Schaufenster stehen blieb, näherten sie sich ihm auf wenige Meter. Dr. med. 
R. lief weiter und gelangte durch das M. sowie über die AE. zum AA., wo er 
die öffentliche WC-Anlage aufsuchen wollte. Der Angeklagte folgte ihm in 
einem grösseren Abstand. Bevor Dr. med. R. die Treppe zur WC-Anlage be-
trat, ging ihn V. offenbar spontan an, indem er ihm die Hand reichte und 
einen Gruss von "X." ausrichtete. Ohne dieser Begebenheit Bedeutung bei-
zumessen, suchte Dr. med. R. gegen 21.30 Uhr die erwähnte Toilette auf. 
Inzwischen war V. wieder zum Angeklagten auf die AE. zurückgekehrt, der 
nun seinerseits diese Toilette aufsuchte. Dort traf X. Dr. med. R., der gerade 
im Begriff war, die Toilette zu verlassen. X. will dabei Dr. med. R. seine Pro-
bleme vorgeworfen haben. Im anschliessenden Wortwechsel fielen offenbar 
Beschimpfungen bzw. Beleidigungen. X. holte in der Folge sein Klappmes-
ser mit braunem Griff und einer feststellbaren Klinge von 9 cm hervor und 
stach mehrmals auf Dr. med. R. im Nacken-, Flanken- und Bauchbereich ein. 
Nachdem es diesem gelungen war den Angeklagten zu besänftigen, willigte 
X. ein, bei einem Bier mit Dr. med. R. im Gartenrestaurant vor dem Restau-
rant "Z." sein Problem auszudiskutieren. Nachdem sie sich in der Gartenwirt-
schaft an einen Tisch gesetzt und eine Runde genommen hatten, ver-
schlechterte sich der Gesundheitszustand von Dr. med. R. aufgrund des 
Blutverlustes zusehends. In der Folge lief der Angeklagte, ohne sich um den 
Verletzten zu kümmern, davon. Auf seinem Retourweg in die S. kam wieder 
sein Begleiter V. dazu, der während des fraglichen Vorfalls aufgepasst hatte, 
dass niemand die WC-Anlage aufsuchen würde. Beim M. begegneten sie T. 
und U.. In der Folge teilte X. den beiden Frauen mit, dass er sich nun gerächt 
habe. Auf weiteres Befragen gab er ihnen bekannt, dass sie Dr. med. R. in 
der Gartenwirtschaft des Restaurants "Z." finden könnten. Während sich T. 
auf den Heimweg begab, rannte U. in die Gartenwirtschaft zu Dr. med. R., 
der dort noch immer am Tisch sass. In der Folge avisierte sie die Notruf Num-
mer 144 und die Polizei. 

Akten: Dossier 4

Aus dem Arztbericht des Rechtsmediziners Dr. med. W. vom 21. Juni 2004 
geht hervor, dass Dr. med. R. fünf Messerstichverletzungen erlitt, die wegen 
der Lungenverletzung und der Blutung in den Brustraum, der traumatischen 
Eröffnung des Abdomens sowie des Blutverlusts und des Sättigungsabfalls 
in ihrer Gesamtheit als lebensgefährlich erachtet wurden. Durch die Stiche 
kam es zu falscher Luftansammlung und Blutung in der linken Brusthöhle 
(Hämatopneumothorax), so dass Dr. med. R. anschliessend im Kantonsspi-
tal F. notfallmässig operiert werden musste. Gemäss Bericht des Hausarztes 
von Dr. med. R. vom 05. Juli 2004 sei durch die Stichverletzung die Lungen-
funktion eingeschränkt. Sodann führt Dr. med. U. F. Gyr aus, dass aufgrund 

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der Verletzungen vom 26. April 2004 der Verdacht auf eine periphere arteri-
elle Verschlusskrankheit Grad II bestehe. Auch zeige Dr. med. R. Symptome 
eines posttraumatischen Stresssyndroms mit Schlafstörungen und Alpträu-
men auf und sei als Psychiater zu 100 % arbeitsunfähig. 

Akten: 4.15, 4.30

Der Angeklagte konnte kurz vor Mitternacht des 26. April 2004 in F. festge-
nommen werden, wobei er die Tatwaffe auf sich trug. Er ist geständig, die in 
Frage stehende Tat begangen zu haben. Er habe seinen ehemaligen Psych-
iater Dr. med. R. allerdings nicht töten wollen, obschon er eingesteht, dass 
man mit Messerstichen im Nacken-, Flanken- und Bauchbereich jemanden 
töten könne. Er habe sich lediglich rächen wollen, da ihm Dr. med. R. auf-
grund dessen falschen medikamentösen Behandlung ein Jahr seines Le-
bens genommen habe. Die Auswertung der beim Angeklagten am 27. April 
2004 um 05.20 Uhr entnommenen Blutprobe ergab zum rechtlich relevanten 
Zeitpunkt (21.45 Uhr) eine Blutalkoholkonzentration von etwa 1.7 Gewichts-
promille. Hinweise, dass X. unter Einfluss von Betäubungsmitteln oder Me-
dikamenten gehandelt haben könnte, bestehen keine. Bei der nach der Tat 
in der Wohnung des Angeklagten durchgeführten Hausdurchsuchung wur-
den sieben Degen, ein Säbel, eine Hieb- bzw. Stichwaffe, ein Pfeilbogen, 
eine Schlagwaffe, ein Dolch, neun Sack- bzw. Klappmesser, diverse Muni-
tion, Munitionskomponenten wie Schwarzpulver, Zündhüte, Kugeln etc., ein 
Revolver Remington Replica Kaliber 44, ein Kugelgewehr Gallager Replica 
Kaliber 54, ein Revolvergewehr Remington Replica Kaliber 44, ein Kugelge-
wehr Hawken Replica 6630 Kaliber 45 sowie eine Dekorationspistole sicher-
gestellt. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2004 wurden die Tatwaffe und sämt-
liche vorerwähnten Waffen, Munition sowie die Munitionskomponenten be-
schlagnahmt. 

Akten: 1.10, 1.35, 4.9, 4.10, 4.17, 4.24 (S. 8 oben) 

Mit Schreiben vom 22. September 2004 reichte die Rechtsvertreterin von Dr. 
med. R. eine Adhäsionsklage ein, in welcher nebst Schadenersatz von Fr. 
1’916.35 eine Genugtuungssumme von Fr. 30'000.00 jeweils zuzüglich 5 % 
Zins seit dem 26. April 2004 beantragt wird. 

Akten: 1.34“

D. Die Hauptverhandlung vor der Strafkammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden fand am 9. Februar 2005 in Anwesenheit des Angeklagten, X., und 
seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Arno Lombardini, statt. Die An-
klage wurde durch den Ersten Staatsanwalt, lic. iur. Renato Fontana, vertreten. Zu-
gegen war überdies die Rechtsvertreterin des Adhäsionsklägers Dr. R., Rechtsan-
wältin lic. iur. Diana Honegger Droll. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammen-
setzung des Gerichts wurden keine Einwände erhoben, so dass sich dieses als in 
der Sache legitimiert erklärte.

Im Rahmen des Beweisverfahrens zur Person bestätigte der Angeklagte auf 
richterliches Befragen die Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen gemäss 
Anklageschrift. In der Folge wurde das Beweisverfahren zur Sache durchgeführt. 

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Der Angeklagte gab nach Verlesung der Anklageschrift sowie weiterer entscheid-
wesentlicher Akten an, er könne sich nicht mehr an alles im Detail erinnern, stehe 
jedoch nach wie vor zu seiner Tat. 

Nach Abschluss des Beweisverfahrens stellte und begründete der Erste 
Staatsanwalt in seinem Plädoyer folgende Anträge:

„1. X. sei schuldig zu sprechen des vollendeten Versuchs der vorsätzlichen 
Tötung gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 111 StGB.

2. Dafür sei er unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft mit 
3 ½ Jahren Zuchthaus zu bestrafen.

3. Die beim Angeklagten beschlagnahmte Tatwaffe und die Schuss-, 
Stich- und Schlagwaffen sowie die Munition gemäss Sicherstellungspro-
tokoll (Ziff. 8, 9, 10, 11 und 12) seien in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 
Waffengesetz gerichtlich zuhanden des Kantons einzuziehen.

4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

Die Rechtsvertreterin des Adhäsionsklägers Dr. R., Rechtsanwältin lic. iur. 
Diana Honegger Droll, bestätigte und begründete in der Folge ihre in der Adhäsi-
onsklage vom 22. September 2004 gestellten Rechtsbegehren.

Der amtliche Verteidiger stellte und begründete in seinem Plädoyer folgende 
Anträge:

„1. X. sei des vollendeten Versuchs des Totschlags im Sinne von Art. 113 
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er unter Anrechnung der verbüssten Untersuchungshaft zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu verurteilen.

3. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.

4. Von einer Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände sei mit Aus-
nahme der Tatwaffe und unter Auflage der freihändigen Veräusserung 
abzusehen.

5. Es sei Dr. R. Schadenersatz von Fr. 1'916.35 sowie eine Genugtuung 
nach richterlichem Ermessen zuzusprechen.

6. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

Der amtliche Verteidiger machte in seinem Plädoyer geltend, beim versuch-
ten Tötungsdelikt handle es sich um eine entschuldbare Affekthandlung, so dass 
nicht auf versuchte vorsätzliche Tötung, sondern auf versuchten Totschlag zu er-
kennen sei. Bei der Strafzumessung müsse der Versuch sowie die verminderte Zu-
rechungsfähigkeit strafmildernd berücksichtigt werden. In Bezug auf die Zurech-
nungsfähigkeit erweise sich das Gutachten als nicht schlüssig, da es von einer 

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leichtgradig, allenfalls leicht- bis mittelgradig herabgesetzten Zurechungsfähigkeit 
spreche. Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ sei dem Angeklagten daher eine 
mittelgradig verminderte Zurechnungsfähigkeit zuzubilligen. Zweifle das Gericht an 
der letzteren, werde die Einholung eines Obergutachtens beantragt. Strafmindernd 
fielen vor allem das Geständnis, der gute Leumund, die Vorstrafenlosigkeit sowie 
die gezeigte Reue ins Gewicht. Der amtliche Verteidiger reichte in diesem Zusam-
menhang ein Entschuldigungsschreiben von X. an Dr. R. zu den Akten. In Würdi-
gung aller Umstände erscheine eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren als angemes-
sen. Von einer Landesverweisung sei abzusehen, da diese einen zu schweren Ein-
griff in die Rechtsstellung des seit langen Jahren in der Schweiz wohnenden Ange-
klagten darstellen würde. Die Tatwaffe sei einzuziehen; hingegen sei der Ange-
klagte im Hinblick auf die übrigen beschlagnahmten Gegenstände freiwillig zu einer 
Veräusserung bereit, so dass beantragt werde, von einer gerichtlichen Einziehung 
derselben unter Auflage der Veräusserung abzusehen. In Bezug auf die Adhäsions-
klage werde der geltend gemachte Schadenersatz von Fr. 1'916.35 anerkannt. Da-
gegen erscheine die eingeklagte Genugtuungssumme von Fr. 30'000.-- entschie-
den zu hoch. Die Genugtuung sei daher nach richterlichem Ermessen, indes erheb-
lich tiefer, festzusetzen.

In der Replik beziehungsweise der Duplik hielten sowohl der Staatsanwalt 
als auch der amtliche Verteidiger an ihren Anträgen und deren Begründung fest.

In seinem Schlusswort beteuerte der Angeklagte, es tue ihm leid, was pas-
siert sei.

Auf die weiteren mündlichen Ausführungen des Staatsanwalts, der Rechts-
vertreterin des Adhäsionsklägers und des amtlichen Verteidigers - die ersten münd-
lichen Plädoyers wurden schriftlich zu den Akten gereicht - sowie die richterliche 
Befragung des Angeklagten anlässlich der Hauptverhandlung wird, soweit erforder-
lich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1.a. Gemäss Anklageschrift wird X. vorgeworfen, Dr. med. R. am 26. April 
2004 in der öffentlichen WC-Anlage am AA. mehrere Messerstiche im Nacken-, 
Flanken- und Bauchbereich zugefügt und ihn dadurch lebensgefährlich verletzt zu 
haben. Zuvor hatte sich der Angeklagte zusammen mit T. und U. in der S. aufge-
halten. Dabei war er von T. darauf aufmerksam gemacht worden, dass Dr. R. so-

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eben vor der erwähnten Bar vorbeigelaufen sei. In der Folge hatte X. den Anwesen-
den bekannt gegeben, er werde sich nun an Dr. R., der ihm ein Jahr seines Lebens 
genommen habe, rächen. Er folgte jenem, teilweise in Begleitung seines Kollegen 
V., durch die Altstadt zu der erwähnten WC-Anlage, wo es im Verlaufe eines Wort-
wechsels zur Tat kam. Dr. R. gelang es, den Angeklagten nach fünf Messerstichen 
zum Aufhören zu bewegen, indem er vorschlug, etwas zusammen trinken zu gehen 
und die Sache zu bereden. Die beiden Personen begaben sich in der Folge ins 
Restaurant Z.. Nach Bestellung der Getränke entfernte sich der Angeklagte von dort 
und liess den verletzten Dr. R., für den kurz danach eine Ambulanz gerufen wurde, 
zurück.

b. Der dargestellte Sachverhalt deckt sich im Wesentlichen mit den An-
gaben des Angeklagten im Ermittlungsverfahren (vgl. act. 3.2, 4.17, 4.21, 4.24, 
4.28), von denen er auch in der Hauptverhandlung nicht abwich. Einzig anlässlich 
der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 27. April 2004 (act. 4.22) hatte er 
die Tat noch abgestritten, was er später mit dem Umstand begründete, er habe aus 
Angst nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt (act. 4.21, S. 5 unten). Am Geständ-
nis des Angeklagten ändert nichts, dass er sich zuweilen nicht mehr an jedes Detail 
der Tat zu erinnern vermag, da er im Grundsatz nach wie vor zu seinem Handeln 
steht. Zusätzlich untermauert wird das Geständnis des Angeklagten durch die 
glaubwürdigen, in den wesentlichen Punkten übereinstimmenden Aussagen der 
Auskunftspersonen bzw. Zeugen V. (act. 4.18, 4.24), U. (act. 4.16, 4.25), T. (act. 
4.27), AB. (act. 4.20) und AC. (act. 4.19) sowie durch die Angaben des Opfers Dr. 
R. selbst, welcher als Zeuge einvernommen wurde (act. 4.23, 4.28). Es ist unter 
diesen Umständen rechtsgenüglich nachgewiesen, dass X. am 26. April 2004 mit 
einem Messer mehrmals auf Dr. R. einstach und diesen dadurch lebensgefährlich 
verletzte.

In einem weiteren Schritt ist nun zu prüfen, ob und allenfalls aufgrund welcher 
Strafbestimmung der Angeklagte für sein Verhalten zur Verantwortung zu ziehen 
ist.

2.a. Gemäss Art. 111 StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Men-
schen tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen der nachfolgenden 
Artikel (Art. 112 bis 116 StGB) zutrifft. Art. 111 StGB stellt den Grundtatbestand der 
verschiedenen vom Schweizerischen Strafgesetzbuch erfassten Formen der vor-
sätzlichen Tötung dar. Bei Art. 112 StGB (Mord) handelt es sich um einen qualifi-
zierten Tatbestand, während die Art. 113 StGB (Totschlag), 114 StGB (Tötung auf 

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Verlangen) und 116 StGB (Kindestötung) privilegierte Tatbestände darstellen 
(Christian Schwarzenegger, Basler Kommentar zum StGB, Band II, Basel 2003, N 
27 vor Art. 111 StGB).

Für die Qualifizierung zum Mord nach Art. 112 StGB wird ein besonders skru-
pelloses Handeln vorausgesetzt, das sich durch einen besonders verwerflichen Be-
weggrund (z.B. Habgier, Rache oder extremer Egoismus bzw. extreme Gering-
schätzung des Lebens), einen besonders verwerflichen Zweck der Tat (z.B. Elimi-
nationsmord) oder eine besonders verwerfliche Art der Tatausführung (z.B. ausser-
ordentliche Grausamkeit, Heimtücke oder Einsatz von Gift, Feuer oder ähnlichen 
Tatmitteln) verdeutlicht (Schwarzenegger, a.a.O., N 3 und N 7 ff. zu Art. 112 StGB; 
Trechsel, a.a.O., N 9 ff. zu Art. 112 StGB). Im Lichte dieser Beispiele erhellt, dass 
die Staatsanwaltschaft zu Recht davon Abstand genommen hat, X. des Mordes an-
zuklagen. Trotz des Umstandes, dass die Tat als vollkommen unverhältnismässig 
und kaum nachvollziehbar erscheint, kann sie nicht als ein Verhalten qualifiziert wer-
den, welches es rechtfertigen würde, von einer besonderen Skrupellosigkeit im dar-
gelegten Sinne zu sprechen. Die Anwendung von Art. 112 StGB fällt damit ausser 
Betracht. 

Von den privilegierten Formen der vorsätzlichen Tötung ist vorliegend von 
vornherein nur der Totschlag gemäss Art. 113 StGB in Betracht zu ziehen. Dieses 
Delikt begeht, wer in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemüts-
bewegung oder unter grosser seelischer Belastung handelt. Der Täter muss dem-
nach in einem Affekt handeln (psychologisches Kriterium) und dieser Affekt muss 
entschuldbar sein (normatives, ethisches Kriterium) (Trechsel, a.a.O., N 1 zu Art. 
113 StGB). Die heftige Gemütsbewegung stellt einen besonderen psychologischen 
Zustand dar, der nicht pathologisch begründet, sondern dadurch gekennzeichnet 
ist, dass der Täter von einer starken Gefühlserregung überwältigt wird, die in einem 
gewissen Grad seine Fähigkeit, die Situation einzuschätzen oder sich zu beherr-
schen, einschränkt. Typisch ist, dass der Täter mehr oder weniger unverzüglich auf 
ein Gefühl, das ihn plötzlich überwältigt, reagiert. Beispiele solcher Gefühle sind 
Jähzorn, Wut, Eifersucht, Verzweiflung, Angst oder Bestürzung. Es kann sich viel-
fach um Gefühle handeln, die über längere Zeit in einer Konfliktsituation bewusst 
oder unbewusst aufgestaut worden sind, bis es zu einer explosiven Entladung 
kommt. Mit der Privilegierung wird der Tatsache Rechnung getragen, dass der Täter 
aufgrund des emotionalen Erregungszustandes im Moment der Tötungshandlung 
nur noch beschränkt in der Lage war, sein Verhalten zu kontrollieren (BGE 119 IV 
203 f., 118 IV 236; Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Strafrecht, BT I, 6. Aufl. 

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2003, §1 N 29; Trechsel, a.a.O, N 2 f. zu Art. 113 StGB). Demgegenüber gründet 
die grosse seelische Belastung vorab auf einer äusseren Zwangslage. Mit einer 
schweren seelischen Belastungssituation ist ein chronischer seelischer Zustand, 
eine psychische Drucksituation gemeint, die während eines langen Zeitraums kon-
tinuierlich heranwächst und zu einem langen Leidensprozess führt, bis der Täter 
völlig verzweifelt ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Tötung (BGE 
119 IV 204, 118 IV 236; Schwarzenegger, a.a.O., N 14 zu Art. 113 StGB; Trechsel, 
a.a.O., N 4 zu Art. 113 StGB mit zahlreichen Hinweisen). Die Anwendbarkeit von 
Art. 113 StGB setzt neben dem Vorliegen einer heftigen Gemütsbewegung oder 
einer grossen seelischen Belastung voraus, dass der Affekt, in dem der Täter ge-
handelt hat, nach den Umständen entschuldbar ist. Nach der bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung setzt der Begriff der Entschuldbarkeit voraus, dass die heftige 
Gemütsbewegung (und nicht etwa die Tat) nach den sie auslösenden Umständen 
gerechtfertigt und die Tötung dadurch bei ethischer Beurteilung in einem wesentlich 
milderen Licht erscheint. Abnorme Elemente in der Persönlichkeit des Täters (wie 
besondere Erregbarkeit oder krankhafte Eifersucht) vermögen die Entschuldbarkeit 
der Gemütsbewegung nicht zu begründen, sondern sind allenfalls bei der Strafzu-
messung zu berücksichtigen. Eine heftige Gemütsbewegung ist entschuldbar, wenn 
sie in Anbetracht der gesamten äusseren Umstände als menschlich verständlich 
erscheint. Es muss angenommen werden können, auch eine andere, anständig ge-
sinnte Person wäre in der betreffenden Situation leicht in einen solchen Affekt ge-
raten. Hat der Täter die Konfliktsituation, welche die Gemütsbewegung auslöste, 
selber verschuldet oder doch vorwiegend durch eigenes Verhalten schuldhaft her-
beigeführt, so ist der Affekt nicht entschuldbar (Entscheid des Bundesgerichts vom 
24. September 2004, 6S.180/2004, E. 1.1. in fine, mit Hinweisen; Schwarzenegger, 
a.a.O., N 8 ff. zu Art. 113 StGB). Nicht nur die heftige Gemütsbewegung, auch die 
grosse seelische Belastung muss entschuldbar sein. Sie muss bei objektiver Be-
trachtungsweise nach den sie auslösenden äusseren Umständen als menschlich 
begreiflich bzw. verständlich erscheinen (Schwarzenegger, a.a.O., N 15 ff. zu Art. 
113 StGB).

b. Anlässlich der Hauptverhandlung machte der amtliche Verteidiger gel-
tend, beim versuchten Tötungsdelikt handle es sich um eine Affekthandlung. Der 
Angeklagte habe sich in einer heftigen Gemütsbewegung befunden, da er im Tat-
zeitpunkt dem vermeintlich Schuldigen für sein verpfuschtes Leben gegenüberge-
standen sei und dieser ihn zudem mit der abschätzigen Bemerkung „Ausländer“ 
provoziert habe. Dieser Affekt sei unter Berücksichtigung der schwierigen Situation, 
in der sich der Angeklagte im Tatzeitpunkt befunden habe - vollständige Arbeitsun-

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fähigkeit aufgrund seiner psychischen Erkrankung, Trennung von seiner Familie, 
Annahme, dass Dr. R. ihn falsch behandelt habe - und der damit einhergehenden 
Beleidigung durch das Opfer durchaus entschuldbar. Das Verhalten des Angeklag-
ten sei daher nicht als vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB, sondern als 
Totschlag im Sinne von Art. 113 StGB zu werten.

Diesen Ausführungen kann sich das Gericht nicht anschliessen. Gemäss den 
Ausführungen von Dr. med. Q. im psychiatrischen Gutachten kann insbesondere 
mit Blick auf das Tatgeschehen nicht von einer typischen Affekthandlung gespro-
chen werden, zumal die Tatanlaufzeit relativ lange gewesen und vom Opfer kaum 
ein provokatives Signal ausgegangen sei. Ausserdem habe sich gezeigt, dass sich 
der Angeklagte an jenem Tag nicht in einer pathologischen Verstimmtheit befunden 
habe. Aus dem Gutachten geht weiter hervor, dass der Angeklagte bezüglich der 
Medikamentation im Laufe seiner Behandlung lediglich zwei Auseinandersetzungen 
mit Dr. R. gehabt hat. Nach eigenen Aussagen des Angeklagten habe er Dr. R. 
gelegentlich auf der Strasse gesehen, manchmal sogar gegrüsst, er habe aber nie 
eigentliche Hassgefühle in sich aufsteigen gefühlt; überhaupt sei er sich keiner be-
sonderen Aggression gegen diesen Arzt bewusst (act. 2.10, S. 16). An diesen 
Schlussfolgerungen im Gutachten zu zweifeln, besteht für das Gericht kein Anlass. 
Sie sind widerspruchsfrei und nachvollziehbar. Auch anlässlich der Hafteinver-
nahme (act. 3.2) hatte der Angeklagte ferner festgehalten, dass das Arzt-/Patien-
tenverhältnis zwischen ihm und Dr. R. nicht schlecht gewesen sei. Aus diesen Aus-
führungen folgt nun aber, dass der Angeklagte nicht im Affekt gehandelt hat. 
Zunächst spricht gegen das Vorliegen einer grossen seelischen Belastung insbe-
sondere der Umstand, dass sich der Angeklagte nicht in einer durch die vermeintlich 
falsche Behandlung hervorgerufenen psychischen Drucksituation befand, die her-
anwuchs und zu einem langen Leidensprozess führte, war sich der Angeklagte 
gemäss Gutachten sowie eigenen Aussagen doch keiner besonderen Hass- oder 
Aggressionsgefühle gegenüber Dr. R. bewusst. Gegen das Vorliegen einer heftigen 
Gemütsbewegung spricht sodann insbesondere der Umstand, dass die Anlaufzeit 
zur Tat relativ lange war, verfolgte der Täter das Opfer vor der Tat doch eine ge-
wisse Zeit und zwar mit der klar geäusserten Absicht, sich bei diesem für eine an-
geblich falsche Behandlung zu rächen. Eine Affekthandlung im Sinne einer heftigen 
Gemütsbewegung könnte höchstens darin erblickt werden, dass sich bei X. im Zeit-
punkt des Zusammentreffens mit Dr. R. über längere Zeit aufgestaute Gefühle plötz-
lich entladen hätten, und der Angeklagte dadurch spontan zum Messer griff, anstatt 
sich wie angeblich vorgesehen bloss mit Schlägen zu rächen. Selbst wenn man zu 
Gunsten des Angeklagten von einem derartigen Affekt ausgehen würde, so fehlte 

12

es aber, und zwar in mehrfacher Hinsicht, an dessen Entschuldbarkeit. Zunächst 
geht, was die vermeintlich falsche Behandlung durch Dr. R. betrifft, aus dem Schrei-
ben von Dr. Q. vom 3. September 2004 hervor, dass die Behandlung des Angeklag-
ten durch Dr. R. den Erfordernissen der damaligen Problemsituation sowohl hin-
sichtlich Diagnostik als auch hinsichtlich der Behandlung entsprochen habe. Die An-
nahme des Angeklagten, durch Dr. R. falsch behandelt worden zu sein, erweist sich 
daher als falsch. Zwar ist in diesem Zusammenhang in Betracht zu ziehen, dass 
sich der Angeklagte nicht bewusst war, dass seine Vermutung falsch war. Jedenfalls 
aber lässt auch eine subjektive, nicht fundierte Annahme einer Falschbehandlung 
es nicht als menschlich verständlich und damit entschuldbar erscheinen, den be-
handelnden Arzt in derartiger Weise anzugreifen. Es ist in keiner Weise davon aus-
zugehen, dass auch eine andere, anständig gesinnte Person bei der Konfrontation 
mit einem Arzt, dem ein Behandlungsfehler unterstellt wird, in einen derartigen Af-
fekt geraten wäre. Daran vermag auch der vom Angeklagten erhobene Vorwurf, Dr. 
R. habe ihn als Ausländer bezeichnet und dadurch provoziert, nichts zu ändern. 
Abgesehenen davon, dass eine derartige Äusserung nicht nachgewiesen ist, würde 
auch diese den Affekt unter keinen Umständen als entschuldbar erscheinen lassen. 
Nicht auszuschliessen ist sodann ein beträchtliches, die Entschuldbarkeit des Af-
fekts ausschliessendes Selbstverschulden des Angeklagten an der Herbeiführung 
des Affekts, insbesondere durch den erheblichen Alkoholkonsum, verfügte der An-
geklagten im Tatzeitpunkt doch über eine Blutalkoholkonzentration von etwa 1.7 
Gewichtspromillen. Objektiv gesehen ist unter diesen Umständen der privilegierte 
Tatbestand des Totschlags nach Art. 113 StGB nicht erfüllt.

c. Die vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB erfordert, wie be-
reits aus dem Wortlaut der Bestimmung hervorgeht, Vorsatz. Vorsatz im Sinne von 
Art. 18 Abs. 2 StGB ist dann gegeben, wenn der Täter die Straftat mit Wissen und 
Willen verübt. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung muss sich dieses Be-
wusstsein nur auf die objektiven Merkmale des Deliktstatbestandes, nicht aber auch 
auf die Rechtswidrigkeit der Tat oder deren Strafbarkeit beziehen (BGE 107 IV 207; 
Trechsel, a.a.O., N 7 f. zu Art. 18 StGB). Das Wissen um die Erfüllung der objektiven 
Tatbestandsmerkmale, die intellektuelle Komponente des Vorsatzes also, ist zu be-
jahen, wenn sich der Täter der zum objektiven Tatbestand gehörenden Merkmale 
bewusst ist. Das Wollen und damit die voluntative Komponente des Vorsatzes be-
deutet, dass der Täter den Entschluss gefasst haben muss, die in seiner Vorstellung 
enthaltenen objektiven Tatbestandsmerkmale zu verwirklichen. Ein vorsätzliches 
Handeln kann einem Straftäter aber nicht nur dann vorgeworfen werden, wenn ein 
direkter Vorsatz erkennbar ist; vielmehr genügt es auch, wenn der Täter mit Even-

13

tualvorsatz gehandelt hat. Bei dieser Vorsatzart ist sich der Täter auf der Wissens-
seite der Möglichkeit des Erfolgseintritts bewusst und nimmt auf der Willensseite die 
Verwirklichung des vorausgesehenen strafbaren Verhaltens für den Fall, dass diese 
tatsächlich eintreten sollte, in Kauf oder findet sich mit derselben ab, auch wenn sie 
durchaus nicht seinen Wünschen entspricht, also nicht gebilligt wird (BGE 130 IV 
61, mit Hinweisen; Trechsel, a.a.O., N 13 f. zu Art. 18 StGB, mit weiteren Hinwei-
sen). Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht - ausser im Falle eines 
Geständnisses - regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfah-
rungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die 
innere Einstellung des Täters erlauben. Nach der Rechtsprechung darf das Gericht 
vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter die Ver-
wirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie 
als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolges aus-
gelegt werden kann (BGE 109 IV 140, mit Hinweisen). Zu den äusseren Umständen, 
aus denen der Schluss gezogen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsver-
wirklichung in Kauf genommen, zählt die Rechtsprechung unter anderem die 
Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung und die 
Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tat-
bestandsverwirklichung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, 
desto näher liegt die tatsächliche Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbe-
standsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 130 IV 62, 125 IV 252). Eventual-
vorsatz genügt auch für den unvollendeten oder vollendeten Versuch der vorsätzli-
chen Tötung (Schwarzenegger, a.a.O., N 7 zu Art. 111 StGB).

Vorliegend liegt ohne Zweifel eine vorsätzliche Tatbegehung durch den An-
geklagten vor. Er begab sich mit der klaren Absicht, sich bei Dr. R. für angeblich 
erlittenes Leid zu rächen und mit jenem abzurechnen, an den Tatort. Zwar gab er 
mehrfach an, er habe sich an Dr. R. bloss in Form von Schlägen rächen wollen, 
habe aber nicht die Absicht gehabt, diesen zu töten (vgl. act. 3.2, 4.17, 4.21, 4.24). 
Mag in diesem Sinne auch kein direkter Tötungsvorsatz nachweisbar sein, so ist 
dennoch zu beachten, dass der Angeklagte fünf Mal mit einem Messer auf den Na-
cken- und Flankenbereich sowie auf den Bauch seines Opfers eingestochen hat. 
Die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung drängte sich unter diesen Umständen als 
derart wahrscheinlich auf, dass das Vorgehen des Angeklagten vernünftigerweise 
nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs ausgelegt werden kann. Der Angeklagte gab 
denn auch selbst zu Protokoll, er nehme an, dass man mit einem derartigen Verhal-
ten jemanden töten könne (act. 4.24, S. 8). Damit hat X. aber zumindest eventual-

http://clir.bger.ch/cgi-bin/MapProcessorCGI?mapfile=navigate/ConvertDocFrameCGI.map&ds=navigate&doctype=doc&lang=de&pa=6%7eeventualvorsatz%4010%7eeventualvorsatz%403%7eeventualvorsatz%404%7eeventual_vorsetz%401%7evorsetz%401%7eeventual%401%7e&d=doc_de_1983_BGE_109_IV_137&ha=PG140
http://clir.bger.ch/cgi-bin/MapProcessorCGI?mapfile=navigate/ConvertDocFrameCGI.map&ds=navigate&doctype=doc&lang=de&pa=6%7eeventualvorsatz%4010%7eeventualvorsatz%403%7eeventualvorsatz%404%7eeventual_vorsetz%401%7evorsetz%401%7eeventual%401%7e&d=doc_de_1999_BGE_125_IV_242

14

vorsätzlich gehandelt und den Tatbestand der (versuchten) vorsätzlichen Tötung 
nach Art. 111 StGB auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. 

d. Wird die strafbare Tätigkeit zu Ende geführt, tritt aber der zur Vollen-
dung des Verbrechens gehörende Erfolg nicht ein, so kann der Täter nach den 
Grundsätzen von Art. 65 StGB milder bestraft werden (Art. 22 Abs. 1 StGB). Der 
Versuch ist im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vollendet, wenn der Täter alles getan 
hat, was er nach seiner Vorstellung tun musste, um die Tat zu vollenden, ohne die-
ses Ziel aber zu erreichen (Trechsel, a.a.O., N 1 zu Art. 22 StGB). Hat der Täter 
demgegenüber mit der Ausführung der Tat begonnen, aber nicht alles vorgekehrt, 
was nach seiner Vorstellung zur Vollendung erforderlich war, und ist diese Vollen-
dung auch nicht eingetreten, liegt ein unvollendeter Versuch nach Art. 21 Abs. 1 
StGB vor (Trechsel, a.a.O., N 1 zu Art. 21 StGB). 

Aus der Tatsache, dass X. mit einem Messer, das geeignet war, einen Men-
schen zu töten, mehrmals auf den Oberkörper von Dr. R. einstach und diesen dabei 
lebensgefährlich verletzte, geht eindeutig hervor, dass dieses Vorgehen ohne wei-
teres Zutun geeignet war, den beabsichtigten Erfolg, nämlich den Tod des Opfers 
herbeizuführen. Der Angeklagte hat somit die strafbare Handlung zu Ende geführt 
bzw. alles getan, was er nach seiner Vorstellung hierfür tun musste. Dass die Tat 
misslang und der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintrat, ist allein den Bemühun-
gen des Opfers um Beschwichtigung des Täters sowie der darauf folgenden ra-
schen medizinischen Behandlung zu verdanken. Unter diesen Umständen ist von 
einem vollendeten Versuch im Sinne von Art. 22 Abs.1 StGB auszugehen.

e. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Tat des X. als vollendeter Ver-
such der vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 
1 StGB zu qualifizieren ist. Was die dem Opfer zugefügten schweren Körperverlet-
zungen betrifft, so werden diese vom Tötungsversuch konsumiert (Schubarth, Kom-
mentar zum Schweizerischen Strafrecht, Bd. 1, N 80 zu Art. 123 StGB). 

3.a. Gemäss Art. 63 StGB bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters. Es berücksichtigt dabei die Beweggründe, das Vorleben und 
die persönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Grundlage für die Bemessung der 
Schuld ist immer die Schwere der Tat. Bei der Beurteilung der Tatkomponente wer-
den insbesondere das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise sei-
ner Herbeiführung, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat und die 
Beweggründe des Schuldigen berücksichtigt. Die Täterkomponente umfasst das 

15

Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat oder im 
Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, Einsicht oder Strafempfindlichkeit. Das 
Mass des Verschuldens variiert unter anderem mit der Schwere des deliktischen 
Erfolges, den unterschiedlich gravierenden Modalitäten der Tatbegehung und dem 
Mass an Entscheidungsfreiheit, das dem Täter zugeschrieben werden muss. Je 
leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechtsgutverletzung zu vermeiden, je grösser 
also sein Handlungsspielraum war, desto grösser wiegt das Verschulden. Diese in 
die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmindernd oder straferhöhend, wo-
bei in der Begründung der Strafzumessung die Überlegungen des Gerichts nach-
vollziehbar sein müssen (vgl. BGE 117 IV 113 f., 118 IV 14 f., 124 IV 44 ff., 129 IV 
20 f.).

Grundlage für die Strafzumessung bildet im vorliegenden Fall der in Art. 111 
StGB vorgesehene Strafrahmen von Zuchthaus nicht unter fünf Jahren.

b. X. hat eine schwere Tat begangen, indem er Dr. R. mit mehreren Mes-
serstichen lebensgefährlich verletzte und dabei dessen Tod in Kauf nahm. Zu die-
sem Akt führten nicht zuletzt die falsche Annahme des Angeklagten, Dr. R. habe 
ihn nicht fachgerecht behandelt, sowie ein der Tat vorausgehender erheblicher Al-
koholkonsum. Das Verschulden von X. wiegt unter diesen Umständen schwer. Er 
wollte einem Menschen ohne nachvollziehbaren Grund jenes Gut wegnehmen, das 
als das Höchste betrachtet wird. Damit hat er eine erschreckende Gleichgültigkeit 
fremdem Leben gegenüber gezeigt. Einzig den erfolgreichen Beschwichtigungsver-
suchen von Dr. R. bzw. der nachfolgenden raschen medizinischen Betreuung des-
selben ist es zu verdanken, dass das Opfer überlebte.

Strafmindernd kann X. zugute gehalten werden, dass er nach anfänglichem 
Bestreiten zu seiner Tat steht und ein Geständnis abgelegt hat. Ferner zeigt er Reue 
hinsichtlich der begangenen Tat; unter anderem hat er seinem Opfer ein Entschul-
digungsschreiben zukommen lassen. Die Intensität eines Strafmilderungsgrundes 
im Sinne von Art. 64 Abs. 5 StGB, wie von der Verteidigung geltend gemacht, wird 
dadurch indes nicht erreicht. Zu Gunsten von X. gilt es auch zu berücksichtigen, 
dass er nicht vorbestraft ist und einen rechten Leumund geniesst. Auch dass sich 
der Angeklagte im Tatzeitpunkt aufgrund seiner durch die psychische Erkrankung 
bedingte dauernden Arbeitslosigkeit sowie der Trennung von seiner Familie in einer 
belastenden Lebensphase befand, kann ihm zugute gehalten werden. Die Strafan-
stalt Sennhof stellt ihm überdies ein gutes Führungszeugnis aus. Keinen Strafre-
duktionsgrund stellt der Eventualvorsatz dar. Diese Vorsatzart ist hinsichtlich der 

16

Strafzumessung dem direkten Vorsatz gleichgestellt (Entscheid des Bundesgerichts 
vom 1. Oktober 2003, 6S.216/2003, E. 3).

Strafmildernd wirkt sich einerseits der vollendete Versuch im Sinne von Art. 
22 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 65 StGB aus. Gemäss der letztgenannten 
Bestimmung kann das Gericht statt auf Zuchthaus mit besonders bestimmter Min-
destdauer - wie im Falle von Art. 111 StGB - auf Zuchthaus erkennen. Das Mass 
der zulässigen Reduktion der Strafe beim vollendeten Versuch hängt unter anderem 
von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von den tatsächlichen Folgen 
der Tat ab. Die Reduktion der Strafe ist umso geringer, je näher der tatbestands-
mässige Erfolg und je schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren 
(BGE 121 IV 54). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass das Opfer durch 
die ihm zugefügten Messerstiche lebensgefährliche Verletzungen erlitten hat und 
zwischen der Tat und deren tatbestandsmässigem Erfolg daher nur sehr wenig lag. 
Darüber hinaus zog der Vorfall für das Opfer schwerwiegende physische und psy-
chische Folgen nach sich, die im heutigen Zeitpunkt nur teilweise behoben sind und 
für das Opfer zu einer erheblichen Einschränkung im täglichen Leben führen dürf-
ten. Der Strafmilderungsgrund des Versuchs kann daher nur in geringem Mass zu 
Gunsten des Angeklagten berücksichtigt werden. Anderseits wirkt sich aber die 
psychiatrisch festgestellte Verminderung der Zurechnungsfähigkeit in leichtem bis 
höchstens mittlerem Grad strafmildernd aus (Art. 11 i.V.m. Art. 66 StGB). Da das 
psychiatrische Gutachten in dieser Hinsicht genügend Anhaltspunkte für die Fest-
setzung des Urteilsmasses bietet, erweist sich das Einholen eines Obergutachtens 
nicht als notwendig. Seitens der Verteidigung wurde sodann vorgebracht, dass das 
Opfer den Angeklagten durch die Bezeichnung als Ausländer provoziert habe und 
die Strafe daher zusätzlich im Sinne von Art. 64 StGB zu mildern sei. Gemäss Art. 
64 Abs. 4 StGB kann das Gericht die Strafe mildern, wenn Zorn oder grosser 
Schmerz über eine ungerechte Reizung oder Kränkung den Täter hingerissen hat. 
Für eine Strafmilderung der genannten Art müssen die ungerechte Reizung ebenso 
wie die ungerechte Kränkung den Täter zutiefst aufgewühlt und zu einer spontanen 
Reaktion getrieben haben (BGE 104 IV 237 f.). Umstände der genannten Art liegen 
in casu indes nicht vor. Abgesehen davon, dass die behauptete Äusserung des Op-
fers nicht nachgewiesen ist, erreicht die Betitelung als Ausländer nicht eine Inten-
sität, die es rechtfertigen würde, die Strafe für eine versuchte vorsätzliche Tötung 
zu mildern.

Straferhöhungs- oder Strafschärfungsgründe liegen keine vor.

17

Unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erachtet das 
Kantonsgericht eine Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren Zuchthaus als dem Verschulden 
und der Verhaltensweise von X. angemessen und gerechtfertigt. 

c. Nach Art. 69 StGB rechnet das Gericht dem Verurteilten die Untersu-
chungshaft auf die Freiheitsstrafe an, soweit der Täter diese nicht durch sein Ver-
halten nach der Tat herbeigeführt oder verlängert hat. Ein solches Verhalten kann 
X. nicht zur Last gelegt werden, so dass einer Anrechnung der von ihm vom 27. 
April 2004 bis am 12. August 2004 erstandenen Untersuchungshaft an die Strafe 
gestützt auf Art. 69 StGB nichts entgegensteht.

d. Die Gewährung des bedingten Strafvollzugs gemäss Art. 41 Ziff. 1 
StGB fällt bei diesem Strafmass bereits aus objektiven Gründen ausser Betracht 
und ist demnach nicht näher zu prüfen.

e. Die Anordnung einer stationären oder ambulanten Massnahme wird 
weder vom Gutachter empfohlen, noch besteht eine entsprechende Behandlungs-
willigkeit seitens des Angeklagten. Auf die Anordnung einer Massnahme wird daher 
verzichtet.

4.a. Gemäss Art. 55 Abs. 1 StGB kann das Gericht eine ausländische Per-
son, welche zu Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt wird, für drei bis fünfzehn Jahre 
aus dem Gebiet der Schweiz verweisen. Die Landesverweisung ist Nebenstrafe und 
Sicherungsmassnahme zugleich (BGE 114 Ib 3 f.). Obwohl der zweite Gesichts-
punkt im Vordergrund steht, verlangt ihre Eigenschaft als Nebenstrafe, dass sie in 
Anwendung von Art. 63 StGB festgesetzt wird, das heisst nach dem Verschulden 
des Täters unter Berücksichtigung der Beweggründe, des Vorlebens und der per-
sönlichen Verhältnisse des Schuldigen. Damit ist der Sicherungszweck jedoch nicht 
ausgeschaltet. Es ist Sache des Richters, im Einzelfall dem Straf- und dem Siche-
rungszweck der Landesverweisung Rechnung zu tragen (BGE 123 IV 108 f.; 117 IV 
118). Der Richter hat sich besondere Zurückhaltung aufzuerlegen, wenn der Aus-
länder lange in der Schweiz gelebt hat und hier verwurzelt ist, zu der eigenen Heimat 
aber keine Beziehungen mehr hat (vgl. BGE 123 IV 108 f.).

b. Wie bereits im Zusammenhang mit der Strafzumessung ausgeführt, 
wiegt das Verschulden von X. in Bezug auf das begangene Delikt schwer, so dass 
unter diesem Aspekt eine Landesverweisung als gerechtfertigt erschiene. Gegen 
eine solche sprechen indes die persönlichen Verhältnisse des Verurteilten. Zu 
berücksichtigen ist zunächst, dass es sich um die erste strafrechtliche Verurteilung 

18

von X. handelt und er sich abgesehen von der vorliegend beurteilten Tat bis anhin 
nichts zu Schulden kommen lassen hat und über einen rechten Leumund verfügt. 
Sodann hat der Verurteilte enge Beziehungen zur Schweiz. Er lebte bereits als Kind 
einige Jahre und seit Ende der Schulzeit im Jahr 1980 ununterbrochen in der 
Schweiz. Hinzu kommt, dass die Familie des Angeklagten in der Schweiz lebt. Seine 
Beziehungen zur Schweiz sind unter diesen Umständen enger als jene zu seinem 
Heimatland K., und die privaten Interessen an einem Verbleib in der Schweiz über-
wiegen jene der Öffentlichkeit an seiner Fernhaltung. Auf die Anordnung einer Lan-
desverweisung wird daher verzichtet.

5.a. Nach Art. 58 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht ohne Rücksicht auf die 
Strafbarkeit einer bestimmten Person die Einziehung von Gegenständen, die zur 
Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder bestimmt waren, oder die 
durch eine strafbare Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese Ge-
genstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ord-
nung gefährden. Gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung kann das Gericht an-
ordnen, dass die eingezogenen Gegenstände unbrauchbar gemacht oder vernichtet 
werden. Für eine Einziehung von Gegenständen nach Art. 58 StGB ist aufgrund des 
Gesagten unter anderem erforderlich, dass diese einen Deliktskonnex aufweisen, 
indem sie tatsächlich zur Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder 
aber im Hinblick auf eine zu begehende Straftat ernstlich als Tatmittel in Aussicht 
genommen worden sind. Die blosse Eignung eines Gegenstandes, bspw. einer 
Schusswaffe, zur Begehung einer strafbaren Handlung rechtfertigt keine Einzie-
hung (BGE 129 IV 93, E. 4.1, 112 IV 72, E. 1a).

Gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über Waffen, Waffenzu-
behör und Munition (Waffengesetz) beschlagnahmt die zuständige Behörde Waf-
fen, wesentliche Waffenbestandteile, Waffenzubehör, Munition und Munitionsbe-
standteile aus dem Besitz von Personen, bei denen ein Hinderungsgrund nach Art. 
8 Abs. 2 Waffengesetz besteht. Ein derartiger Hinderungsgrund liegt unter anderem 
bei Personen vor, die zur Annahme Anlass geben, dass sie sich selbst oder Dritte 
mit der Waffe gefährden (Art. 8 Abs. 2 lit. c. Waffengesetz). Die beschlagnahmten 
Gegenstände werden nach Art. 31 Abs. 3 Waffengesetz definitiv eingezogen, wenn 
die Gefahr missbräuchlicher Verwendung besteht.

Entscheidet sich das Gericht für eine Einziehung, hat es im Entscheid Anord-
nungen bezüglich der Modalitäten dieser Massnahme zu treffen. Es erweist sich 
daher als nicht genügend, nur über die Einziehung zu entscheiden, sondern es ist 

19

zusätzlich die Vernichtung, das Unbrauchbarmachen, die Verwertung etc. anzuord-
nen und damit eine bestimmte Behörde (im Regelfall die Vollzugsbehörde) zu be-
auftragen. Im Fall der Verwertung ist anzuordnen, was mit dem Erlös zu geschehen 
hat (Niklaus Schmid, Kommentar, Einziehung/Organisiertes Verbrechen/Geldwä-
scherei, Band I, Zürich 1998, N 92 zu Art. 58 StGB). Die Sicherungseinziehung stellt 
einen Eingriff in die Eigentumsgarantie gemäss Art. 26 BV dar und untersteht ent-
sprechend dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Soweit die Verwertung des 
einzuziehenden Gegenstands möglich ist, besteht daher kein Grund, dem recht-
mässigen Eigentümer (u.U. auch dem Täter) den Verwertungserlös vorzuenthalten 
und so die Einziehung zu einer zusätzlichen Vermögensstrafe zu machen. Die Ein-
ziehung des Verwertungserlöses ist durch den Sicherungszweck nicht mehr ge-
deckt (Florian Baumann, Basler Kommentar zum StGB, Band I, Basel 2003, N 14 
zu Art. 58 StGB mit Hinweis auf BGE 117 IV 346).

b. Im Rahmen der Strafuntersuchung stellte die Kantonspolizei am 10. 
Mai 2005 sieben Degen, ein Säbel Replica, eine Hieb- bzw. Stichwaffe, ein Pfeilbo-
gen, eine Schlagwaffe, ein Dolch, neun Sack- bzw. Klappmesser, diverse Munition 
und Munitionsbestandteile, ein Revolver Remington Replica Kaliber 44, ein Kugel-
gewehr Gallager Replica Kaliber 54, ein Revolvergewehr Remington Replica Kaliber 
44, ein Kugelgewehr Hawken Replica 6630 Kaliber 45 sowie eine Dekorationspis-
tole sicher (act. 1.10). Diese Gegenstände sowie die Tatwaffe (Taschenmesser) 
wurden vom zuständigen Untersuchungsrichter mit Verfügung vom 12. Oktober 
2004 beschlagnahmt (act. 1.35).

Es ist offensichtlich und vom Angeklagten anerkannt, dass die Tatwaffe zur 
Begehung einer strafbaren Handlung diente, nämlich der versuchten vorsätzlichen 
Tötung von Dr. R.. Die Tatwaffe wird daher gestützt auf Art. 58 StGB gerichtlich 
eingezogen und ist zu vernichten.

Was die übrigen Waffen, die Munition und die Munitionsbestandteile betrifft, 
so ist festzuhalten, dass der Experte dem Angeklagten im psychiatrischen Gutach-
ten eine Affinität zu Stich- und Schusswaffen attestiert und die Ansicht äussert, der 
Angeklagte stelle zumindest für einen begrenzten Personenkreis eine ernsthafte 
Gefährdung dar. Unter diesen Umständen besteht berechtigter Anlass zur An-
nahme, dass der Angeklagte mit den genannten Gegenständen Dritte gefährden 
könnte und diese missbräuchlich verwendet. Die übrigen Waffen, die Munition und 
die Munitionsbestandteile gemäss Beschlagnahmeverfügung des Untersuchungs-
richteramts Thusis vom 12. Oktober 2004 werden daher gestützt auf Art. 31 in Ver-

20

bindung mit Art. 8 Waffengesetz gerichtlich eingezogen und sind durch die Vollzugs-
behörde zu verwerten. Die von der Verteidigung beantragte Aushändigung an den 
Angeklagten unter Auflage der freihändigen Veräusserung würde dem durch die 
Einziehung verfolgten Sicherungszweck nicht genügend Rechnung tragen. Der Er-
lös der Verwertung ist X. nach Abzug der Verwertungskosten herauszugeben. 

6.a. Der Geschädigte kann gestützt auf Art. 130 Abs. 1 StPO seine zivil-
rechtliche Forderung gegenüber dem Angeschuldigten beim Strafgericht adhäsi-
onsweise geltend machen. Erachtet das Gericht die Akten zur Beurteilung des Zi-
vilpunktes als ausreichend, entscheidet es nach Art. 131 Abs. 3 StPO über fristge-
recht eingereichte Adhäsionsklagen ohne Rücksicht auf den Streitwert. Ist dies nicht 
der Fall, wird die Klage an das ordentliche Gericht verwiesen. Die Adhäsionsklage 
ist gemäss Art. 130 Abs. 2 StPO fristgerecht bis spätestens am zwanzigsten Tage 
nach Eingang der Verfügung betreffend den Schluss der Untersuchung, welche vor-
liegend am 2. September 2004 erging, durch schriftlich formuliertes Begehren bei 
der Staatsanwaltschaft einzureichen (vgl. grundsätzlich: Jürg Domenig, Die Adhä-
sionsklage im Bündner Strafprozess, Diss. Zürich 1990, S. 44 ff. und S. 79 ff.).

b. Am 22. September 2004 reichte die Rechtsvertreterin des Geschädig-
ten Dr. med. R., Rechtsanwältin lic. iur. Diana Honegger Droll, gegen X. eine Adhä-
sionsklage mit folgenden Rechtsbegehren ein (act. 1.34):

„1. Es sei festzustellen, dass X. gegenüber dem Adhäsionskläger aus dem 
Überfall vom 26.04.2004 vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.

2. Es sei X. zu verpflichten, dem Adhäsionskläger den bis anhin entstan-
denen Schaden von Fr. 22.10 nebst Zins zu 5% seit 26.04.2004, Fr. 
735.45 nebst Zins zu 5% seit 26.04.2004 und Fr. 1'158.80 nebst Zins zu 
5% seit 26.04.2004 zu bezahlen.

3. Es sei ein Nachklagerecht des Adhäsionsklägers bezüglich weiterer 
Schadenersatzforderungen aus dem Überfall vom 26.04.2004 vorzube-
halten.

4. Es sei X. zu verpflichten, dem Adhäsionskläger eine Genugtuung von 
Fr. 30'000.-- nebst Zins zu 5% sei 26.04.2004 zu bezahlen.

5. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“

Anlässlich der Hauptverhandlung präzisierte die Rechtsvertreterin des Adhä-
sionsklägers Ziffer 2 der Rechtsbegehren wie folgt:

„2. Es sei X. zu verpflichten, dem Adhäsionskläger den bis anhin entstan-
denen Schaden von Fr. 22.10 nebst Zins zu 5% seit 16.07.2004, Fr. 
735.45 nebst Zins zu 5% seit 09.08.2004 und Fr. 1'158.80 nebst Zins zu 
5% seit 18.08.2004 zu bezahlen.“

21

Zur Begründung der Adhäsionsklage wird geltend gemacht, der Adhäsions-
kläger habe durch die ihm vom Adhäsionsbeklagten zugefügten Messerstiche le-
bensgefährliche Verletzungen erlitten. An deren Folgen leide dieser körperlich, in 
Form einer eingeschränkten Lungenfunktion sowie einer Beeinträchtigung im Ge-
hen durch eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, noch heute. In psychischer 
Hinsicht zeige der Adhäsionskläger Symptome eines posttraumatischen Stresssyn-
droms mit Schlafstörungen und Angstzuständen. Er sei überdies zu 100 % arbeits-
unfähig. Dem Adhäsionskläger sei daher zunächst der bisher entstandene Schaden 
zu ersetzen. Da sich im heutigen Zeitpunkt der gesamte Schaden weder in medizi-
nischer noch in wirtschaftlicher Sicht abschliessend beurteilen lasse, sei die Scha-
denersatzpflicht des Adhäsionsbeklagten gegenüber dem Adhäsionskläger sodann 
in grundsätzlicher Art festzustellen und ein Nachklagerecht bezüglich weiterer Scha-
denersatzforderungen vorzubehalten. Für die erlittenen körperlichen und seelischen 
Schmerzen sei dem Adhäsionskläger eine Genugtuung von Fr. 30'000.-- zuzuspre-
chen. Jener sei durch den brutalen Gewaltakt traumatisiert worden und leide an 
schwerwiegenden psychischen Problemen. Auch die körperliche Beeinträchtigung 
sei erheblich und die Lebensqualität entsprechend massiv verschlechtert. Schliess-
lich sei ihm auch die geplante freiberufliche Tätigkeit als Psychiater nicht mehr mög-
lich.

c. Der Adhäsionskläger ist gemäss Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) als Opfer zu betrachten und gilt als 
Geschädigter im Sinne der Art. 129 ff. StPO. Ihm steht daher die Geltendmachung 
von Zivilansprüchen im Rahmen einer Adhäsionsklage zu (vgl. Art. 8 und Art. 9 
OHG).

Werden zivilrechtliche Ansprüche von einem Strafgericht beurteilt, kann die-
ses die zivilrechtlichen Ansprüche des Opfers nur dem Grundsatz nach entscheiden 
und das Opfer im übrigen an das Zivilgericht verweisen, wenn die vollständige Be-
urteilung der Zivilansprüche einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde. 
Ansprüche von geringer Höhe beurteilt es jedoch nach Möglichkeit vollständig (Art. 
9 Abs. 3 OHG). Was genau unter dem Ausdruck "dem Grundsatz nach" zu verste-
hen ist, ist in den Gesetzesmaterialien nicht umschrieben. Sinn und Zweck des Ge-
setzes ist es aber, die Zivilansprüche des Opfers soweit als möglich adhäsionsweise 
zu beurteilen und dem Opfer den Gang an ein Zivilgericht zu ersparen. Das Straf-
gericht kann daher auch im Grundsatz über die Haftung eines Verurteilten gegenü-
ber dem Opfer entscheiden. Ein Urteil dem Grundsatze nach stellt nichts anderes 
dar als ein Feststellungsurteil über die Haftung. Auch das Strafgericht hat indessen 

22

bei Vorliegen eines Feststellungsbegehrens vorerst dessen Zulässigkeit zu prüfen 
und eine Klage auf Feststellung eines dem eidgenössischen Recht unterstehenden 
Rechtsverhältnisses nur zuzulassen, wenn der Kläger an der sofortigen Feststel-
lung ein schutzwürdiges Interesse hat. Dieses kann rechtlicher oder tatsächlicher 
Natur sein, muss aber erheblich sein (BGE 114 II 255; Gomm/Steiner/Zehntner, 
Kommentar zum Opferhilfegesetz, Bern 1995, N 15 f. zu Art. 9 OHG). Gerade bei 
Körperverletzungen können die Verletzungen im Zeitpunkt des Strafprozesses noch 
lange nicht überblickbar sein. In diesem Fall besteht ohne Weiteres ein Interesse 
des Opfers, nicht nur fällige Leistungen als Teil des Schadens einzuklagen, sondern 
das den Ansprüchen zugrunde liegende Rechtsverhältnis für deren künftige Abwick-
lung grundsätzlich feststellen zu lassen (vgl. BGE 114 II 256). 

d. Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, 
sei es aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). 
Eine Körperverletzung gibt dem Verletzten Anspruch auf Ersatz der Kosten sowie 
auf Entschädigung für die Nachteile gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, 
unter Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 
Abs. 1 OR). Sind im Zeitpunkt der Urteilsfällung die Folgen der Verletzung nicht mit 
hinreichender Sicherheit festzustellen, so kann das Gericht bis auf zwei Jahre, vom 
Tage des Urteils an gerechnet, dessen Abänderung vorbehalten (Art. 46 Abs. 2 
OR).

Dass der Adhäsionskläger durch die von X. verschuldete Tat im Sinne von 
Art. 41 OR widerrechtlich geschädigt wurde, steht aufgrund der vorangehenden Er-
wägungen hinlänglich fest. Gemäss ärztlichem Bericht von Dr. med. W. vom 21. 
Juni 2004 führten die Messerstiche des Adhäsionsbeklagten beim Adhäsionskläger 
zu lebensgefährlichen Verletzungen, die einen längeren Spitalaufenthalt sowie in-
tensive ärztliche Behandlungen erforderten bzw. immer noch erfordern. Gemäss 
ärztlichem Bericht von Dr. med. Y. vom 5. Juli 2004 war im damaligen Zeitpunkt 
schwierig zu beurteilen, wie weit die körperlichen Beschwerden ausheilen würden. 
Auch die voraussichtliche Dauer der Heilung erwies sich als noch nicht abschlies-
send beurteilbar. Nach Angaben des Adhäsionsklägers dauern die Folgen der Ver-
letzungen der physischen und psychischen Integrität auch heute noch an; er befin-
det sich immer noch in ärztlicher Behandlung. Unter diesen Umständen lassen sich 
im jetzigen Zeitpunkt weder die medizinischen noch die wirtschaftlichen Folgen der 
Körperverletzung abschliessend beurteilen. Entsprechend erweist sich auch der 
Schadensnachweis lediglich teilweise als möglich. Die Wahrscheinlichkeit künftiger 
Schäden besteht unter den genannten Umständen durchaus, und ein Interesse des 

23

Opfers an der sofortigen Feststellung der grundsätzlichen Haftung von X. für durch 
dessen Handlungen künftig entstehende Schäden zusätzlich zur Beurteilung des 
heute bereits bezifferbaren und anerkannten Schadens ist ohne weiteres gegeben. 
Im Sinne von Art. 9 Abs. 3 OHG ist daher der Schadenersatzanspruch von Dr. R. 
gegenüber X. dem Grundsatz nach festzustellen. Was die Haftungsquote anbe-
langt, welche abhängig ist von der Verschuldensfrage, allfälligen Milderungsgrün-
den beim Ersatzpflichtigen und auch von allfälligen tatfremden Faktoren (vgl. hierzu 
Gomm/Stein/Zehntner, a.a.O., N 12 zu Art. 9 OHG), so ist vorliegendenfalls auf eine 
volle Ersatzpflicht des X. zu erkennen. Dem Opfer kann aufgrund der konkreten 
Umstände nicht der geringste Vorwurf irgendwelchen Mitverschuldens gemacht 
werden. Ebenso wenig liegen auf Seiten des Täters Gründe vor, welche eine Re-
duktion der Haftungsquote rechtfertigen würden. Es wird daher gerichtlich festge-
stellt, dass X. gegenüber dem Adhäsionskläger für die Folgen der strafbaren Hand-
lung vom 26. April 2004 vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.

Die dem Adhäsionskläger durch die Straftat bis anhin entstandenen Kosten 
(Transportkosten, Operations- und Hospitalisierungskosten, Arztkosten) und deren 
Bezahlung durch den Adhäsionskläger sind durch entsprechende Leistungsabrech-
nungen sowie entsprechende Zahlungsbelege nachgewiesen. X. ist für diese Kos-
ten gestützt auf Art. 41 und 46 OR schadenersatzpflichtig. Geschuldet ist hierbei 
nicht nur der Kostenersatz, sondern auch ein Verzugszins von 5 % seit Eintritt des 
Schadens, das heisst seit dem Zeitpunkt der Bezahlung der entsprechenden Rech-
nungen. Der Adhäsionsbeklagte anerkennt den geltend gemachten Schadenersatz 
von Fr. 1'916.35. X. wird verpflichtet, dem Adhäsionskläger den bis anhin entstan-
denen Schaden von Fr. 22.10 nebst Zins zu 5 % seit 16. Juli 2004, Fr. 735.45 nebst 
Zins zu 5 % seit 9. August 2004 und Fr. 1'158.80 nebst Zins zu 5 % seit 18. August 
2004 zu bezahlen.

Darüber hinaus wird dem Adhäsionskläger ein Nachklagerecht für weiteren 
Schadenersatz für die Folgen der strafbaren Handlung vom 26. April 2004 ein-
geräumt.

e. Nach Art. 47 OR kann das Gericht bei einer Körperverletzung dem 
Verletzten unter Würdigung der besonderen Umstände eine angemessene Geld-
summe als Genugtuung zusprechen. Der Zweck der Genugtuungssumme besteht 
darin, dass durch eine schadenersatzunabhängige Geldleistung ein gewisser Aus-
gleich geschaffen wird für den erlittenen physischen und/oder psychischen 
Schmerz. Weil Art. 47 OR ein Anwendungsfall von Art. 49 OR ist, müssen die be-

24

sonderen Umstände in der Schwere der Verletzung der Persönlichkeit liegen 
(Schnyder, Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Obligationenrecht I, 3. 
Aufl., Basel 2003, N 16 zu Art. 47 OR). Als Verletzung im Sinne von Art. 47 OR gilt 
nicht nur eine Beeinträchtigung der körperlichen, sondern auch der seelischen Inte-
grität (Brehm, Berner Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bd. IV, 1. Ab-
teilung, 3. Teilband, 1. Unterteilband, Art. 41-61 OR, 2. Aufl., Bern 1998, N 14 zu 
Art. 47 OR, mit Hinweisen). Weitere Anspruchsvoraussetzungen sind die Wider-
rechtlichkeit sowie ein Verschulden des Täters (Brehm, a.a.O., N 17 f. zu Art. 47 
OR). Die Bemessung der Genugtuungssumme hängt im Wesentlichen von der Art 
und der Schwere der Verletzung, von der Intensität und der Dauer der Auswirkun-
gen sowie vom Grad des Verschuldens des Schädigers und des Verletzten ab (BGE 
112 II 131). Je intensiver die immaterielle Unbill auf den Anspruchsteller eingewirkt 
hat, desto höher ist grundsätzlich die Genugtuungssumme (Schnyder, a.a.O., N 20 
f. zu Art. 47 OR). Dabei hat das Gericht speziell Wert auf die Situation des Einzelnen 
zu legen und dennoch für ungefähr gleiche Fälle eine gewisse Objektivierung walten 
zu lassen. Einschlägige Präjudizien können dabei als Richtschnur oder Ausgangs-
punkt für einen Vergleich mit einem neuen Fall dienen (vgl. Hütte/Ducksch, Die Ge-
nugtuung, 3. Auflage, Zürich 1996, Stand: März 2003, I/100f.). Das Gericht hat dem-
nach nach Recht und Billigkeit zu entscheiden, ob eine Genugtuung zuzusprechen 
ist und wie hoch diese bejahendenfalls sein soll.

X. hat Dr. R. am 26. April 2004 mit mehreren Messerstiche lebensgefährlich 
verletzt. Dadurch hat er seinem Opfer unbestrittenermassen widerrechtlich derart 
schwere physische und psychische Verletzungen zugefügt, dass es in seinem 
Wohlbefinden ganz erheblich beeinträchtigt war und offenbar noch immer ist. X. trifft 
hierbei ein schweres Verschulden. Die Anspruchsvoraussetzungen für die Zuspre-
chung einer Genugtuung sind damit gegeben. Für die Bemessung des Genugtu-
ungsanspruches sind, wie bereits erwähnt, in erster Linie die Schwere, die Intensität 
und die Dauer der Verletzung sowie das Mass des Verschuldens des Täters und 
des Opfers massgebend. Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die Tatumstände 
sehr schwer wiegen. Das Opfer erlitt mehrere lebensgefährliche Messerstichverlet-
zungen und leidet noch heute - in Form einer eingeschränkten Lungenfunktion so-
wie einer arteriellen Verschlusskrankheit - an deren körperlichen Folgen. Zusätzlich 
ist das Opfer psychisch stark beeinträchtigt und leidet an einem posttraumatischen 
Stresssyndrom mit Schlafstörungen und Alpträumen. Darüber hinaus besteht eine 
100 % - Arbeitsunfähigkeit. Das Verschulden des Adhäsionsbeklagten wiegt 
schwer; demgegenüber trägt das Opfer keinerlei Verschulden am Geschehenen. 

25

Die Rechtsprechung zu bei Körperverletzungen ähnlicher Art ausgesproche-
nen Genugtuungssummen präsentiert sich sehr unterschiedlich. Einem Mann, wel-
cher durch einen Messerstich in den Oberbauch lebensgefährliche Verletzungen 
erlitt, sprach die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion Bern am 19. März 1996 
eine Genugtuung von Fr. 12'000.-- zu (vgl. Hütte/Ducksch, a.a.O., Tabelle VIII/21, 
1995-1997, Nr. 17 c.). Eine Genugtuung von Fr. 30'000.-- wurde am 31. März 1995 
vom Geschworenengericht Zürich einer Frau zugesprochen, der von ihrem Ex-
Freund Stichwunden am Hals und in den Bauch zugefügt wurden und die an lange 
dauernden Angsttraumata litt (vgl. Hütte/Ducksch, a.a.O., Tabelle VIII/26, 1995-
1997, Nr. 20). Den Betrag von Fr. 15'000.-- sprach das Obergericht Zürich am 11. 
April 2002 einer Frau zu, welcher vom Ehemann Messerstiche in den Bauch ver-
setzt wurde und die dabei lebensgefährliche Verletzungen erlitt (vgl. Hütte/Ducksch, 
a.a.O., Tabelle VIII/12, 2001 ff., Nr. 32). Schliesslich erhielt ein Mann, der durch 
einen Schuss in Bauch und Becken Verletzungen erlitt und zu 50 % invalid wurde, 
vom Bundesgericht am 22. Juli 2002 eine Genugtuung von Fr. 50'000.-- zugespro-
chen (vgl. Hütte/Ducksch, a.a.O., Tabelle VIII/18, 2001 ff., Nr. 42). Angesichts dieser 
Rechtsprechung sowie unter Würdigung der konkreten Umstände - insbesondere 
der Schwere der Verletzungen, deren Folgen immer noch andauern und das Opfer 
wahrscheinlich zeitlebens beeinträchtigen werden - erachtet das Gericht die bean-
tragte Genugtuung von Fr. 30'000.00 als angemessen.

Zur klagbaren Genugtuungsforderung gehört auch ein Schadenszins. Dieser 
ist mit Eintritt des den Anspruch begründenden Ereignisses fällig (BGE 81 II 512 ff.; 
Brehm, a.a.O., N 87 ff. zu Art. 47 OR mit Hinweis auf N 97 zu Art. 41 OR). Da die 
Straftat am 26. April 2004 verübt wurde, ist die Genugtuung ab diesem Datum mit 5 
% zu verzinsen. Damit wird X. verpflichtet, dem Adhäsionskläger eine Genugtuung 
von Fr. 30'000.- zuzüglich 5 % Zins ab 26. April 2004 zu bezahlen.

f. Da der Adhäsionskläger mit seinen Klagebegehren vollumfänglich 
durchgedrungen ist, hat der Adhäsionsbeklagte diesen in analoger Anwendung von 
Art. 122 ZPO gemäss der eingereichten detaillierten Honorarnote im Umfang von 
Fr. 3'244.60 ausseramtlich zu entschädigen.

7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Untersuchungskosten 
der Staatsanwaltschaft Graubünden, die Gerichtsgebühr sowie das Honorar der 
amtlichen Verteidigung gestützt auf Art. 158 Abs. 1 StPO zu Lasten des Verurteilten. 
Die Kosten der angerechneten Polizeihaft und des Strafvollzugs trägt der Kanton 
Graubünden (Art. 158 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 188 StPO).

26

Demnach erkennt die Strafkammer :

1. X. ist schuldig des vollendeten Versuchs der vorsätzlichen Tötung gemäss 
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2. Dafür wird er mit 3 ½ Jahren Zuchthaus bestraft, unter Anrechnung der er-
standenen Untersuchungshaft von 108 Tagen.

3. Die Tatwaffe wird gestützt auf Art. 58 StGB gerichtlich eingezogen und ist zu 
vernichten.

Die übrigen Waffen, die Munition und die Munitionsbestandteile gemäss Be-
schlagnahmeverfügung des Untersuchungsrichteramts Thusis vom 12. Ok-
tober 2004 werden gestützt auf Art. 31 in Verbindung mit Art. 8 Waffengesetz 
gerichtlich eingezogen. Diese sind durch die Vollzugsbehörde zu verwerten 
und der Erlös ist X. nach Abzug der Verwertungskosten herauszugeben.

4. Die Adhäsionsklage des Dr. R. wird wie folgt gutgeheissen:

a. Es wird festgestellt, dass X. gegenüber dem Adhäsionskläger für die Fol-
gen der strafbaren Handlung vom 26. April 2004 vollumfänglich schaden-
ersatzpflichtig ist.

b. X. wird verpflichtet, dem Adhäsionskläger den bis anhin entstandenen 
Schaden von Fr. 22.10 nebst Zins zu 5 % seit 16. Juli 2004, Fr. 735.45 
nebst Zins zu 5 % seit 9. August 2004 und Fr. 1'158.80 nebst Zins zu 5 % 
seit 18. August 2004 zu bezahlen. 

c. Es wird dem Adhäsionskläger ein Nachklagerecht für weiteren Schaden-
ersatz für die Folgen der strafbaren Handlung vom 26. April 2004 ein-
geräumt.

d. X. wird verpflichtet, dem Adhäsionskläger eine Genugtuungssumme von 
Fr. 30'000.-- nebst Zins zu 5 % seit 26. April 2004 zu bezahlen.

e. X. wird verpflichtet, dem Adhäsionskläger für seinen Aufwand im Zusam-
menhang mit der Adhäsionsklage eine aussergerichtliche Entschädigung 
von Fr. 3'244.60 zu bezahlen.

5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

27

- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 6'855.70

- den Untersuchungsgebühren der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 3'785.00

- der Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.00
- den Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 7'909.00
total somit Fr. 21'549.70
gehen zu Lasten des Verurteilten.

Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft sowie die Kosten des 
Strafvollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.

6. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts gel-
tend gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesge-
richt innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Ent-
scheides in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechts-
pflege (BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdele-
gitimation und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde 
gelten die Art. 268 ff. BStP.

7. Mitteilung an:

__________

Für die Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Präsident Die Aktuarin ad hoc