# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a641f764-85d3-53b4-aef4-dfddf095f0ed
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-20
**Language:** de
**Title:** Baumassenziffer. Witterungsbereich. Grundsätzliches. Kasuistik.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0124/2013
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_II_0124_2013_559.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0124/2013 vom 20. August 2013 in BEZ 2013 Nr. 40 

7.2.1  Gemäss  §  258  PBG  gilt  der  oberirdisch  umbaute  Raum  mit  seinen 
Aussenmassen als anrechenbar (Abs. 1). Ausser Ansatz fallen Räume, die als 
öffentliche  Verkehrsflächen  benützt  werden  oder  sich 
innerhalb  des 
Witterungsbereiches  unter  vorspringenden  freitragenden  Bauteilen  befinden 
(Abs. 2).  

Ausgeführt wird diese Vorschrift mit § 12 der Allgemeinen Bauverordnung 
(ABV).  Danach  gelten  als  oberirdisch  alle  über  dem  gewachsenen  Boden 
liegende Gebäudeteile. Als Witterungsbereich gilt der äussere Teil des offenen 
Raumes bis zu einer Tiefe, die der halben Raumhöhe entspricht. 

Strittig  sind  verschiedene 
vorausgesetzte Witterungsbereiche.    

für  die  Einhaltung  der  Baumassenziffer 

7.2.2  Unter  dem  umbauten  Raum  im  Sinne  von  §  258  Abs.  1  PBG  ist 
keineswegs  nur  ein  allseitig  abgeschlossener  Raum  zu  verstehen.  Andernfalls 
wäre  unter  vorspringenden  freitragenden  Gebäudeteilen  überhaupt  keine 
Baumasse  gegeben,  womit  auch  kein  Witterungsbereich  abgezogen  werden 
könnte.  Die  Definition  von  §  258  PBG  knüpft  an  den  Gebäudebegriff  von  §  2 
Abs.  1  PBG  an,  wonach  Gebäude  Bauten  und  Anlagen  sind,  die  einen  Raum 
zum  Schutz  von  Menschen  oder  Sachen  gegen  äussere,  namentlich 
atmosphärische  Einflüsse  mehr  oder  weniger  vollständig  abschliessen.  Ein 
vollständiger  Abschluss  –  also  ein  seitlicher  –  wird  mit  dieser  Begriffsbe-
stimmung nicht verlangt. Ein Abschluss nach oben genügt. Etwa ein einzig aus 
einem  an  der  Fassade 
festgemachten  grösseren  Vordach  bestehender 
gedeckter Gartensitzplatz oder Autounterstand weist ohne weiteres die Qualität 
eines (Besonderen; § 49 Abs. 3 PBG) Gebäudes auf.  

7.2.3  Die  im  Anhang zur ABV  enthaltene  Skizze  zu  §  258  PBG  und  §  12 
in  schematischer  Darstellung  einen  Grundkubus  mit  einem 
ABV  zeigt 
vorspringenden  freitragenden  Bauteil,  der  auf  drei  Seiten  offen  ist  und  der 
dementsprechend auf drei Seiten einen der halben Raumhöhe entsprechenden 
Witterungsbereich aufweist.    

Faktisch besteht ein Witterungsbereich indes offenkundig auch dann, wenn 
ein  Gebäude  bzw.  Gebäudeteil  nur  auf  einer  Seite  und  nicht  wie  in  der 
fraglichen  Skizze  gezeigt  auf  drei  Seiten  offen  ist.  Bei  einer  seitlichen 
Einwandung  kann  es  immer  noch  von  vorn  hereinregnen.  Der  Begriff  des 
Witterungsbereiches – also jenes Bereiches, in den die «Witterung» hineinwirkt 
– legt  eine  solche  Betrachtungsweise  nahe.  Insofern,  und  da  es  sich  bei  der
fraglichen Skizze bloss um eine Illustration und nicht um eine Vorschrift handelt, 
liesse sich mit Fug und Recht die Frage aufwerfen, ob der Verordnungsgeber in 
der Skizze nicht einzig deswegen einen dreiseitig offenen Raum zeigt, um das 
Vorgehen  bei  der  Ermittlung  des  Witterungsbereichs  klar  zu  illustrieren,  im 

Übrigen  aber  schon  nur  eine  einseitige  Öffnung  unter  einem  vorspringenden 
freitragenden  Gebäudeteil  zu  einem  entsprechenden  Witterungsbereich  auch 
im Rechtssinne führt.  

Dies  ist  zu  verneinen.  Das  Gesetz  verlangt  für  die  Abzugsfähigkeit  einen 
freitragenden  Bauteil.  Das  Gegenteil  hiervon  bildet  die 
vorspringenden 
Abstützung des vorspringenden Bauteils auf den gewachsenen oder gestalteten 
Boden. Damit steht schon die Abstützung des vorspringenden Gebäudeteils auf 
nur  einer  Seite  mit  einem  einzigen  Pfosten  der  Annahme  eines  Witterungs-
bereiches – auch auf den nicht abgestützten Seiten – entgegen, weil der Bauteil 
nicht  mehr 
ist.  Dies,  obwohl  eine  solche  Stütze  an  der 
Witterungseinwirkung  faktisch  nicht  das  Mindeste  ändert.  Damit  entfällt  nicht 
weniger  auch  der  Abzug  eines  Witterungsbereiches,  wenn  der  vorspringende 
Bauteil (nebst dem Grundkubus) auf nur einer Seite auf einer Wand abgestützt 
ist. 

freitragend 

Dass  mit  dem  Kriterium  «freitragend»  etwa  abgestützte  Balkone  klar 
benachteiligt  werden,  was  im  Ergebnis nur schwer  einzuleuchten  vermag  (vgl. 
C. Walker Späh, Berechnung der Baumassenziffer, PBG akutell 4/1994, S. 28 
ff.),  kann  angesichts  der  klaren  gesetzlichen  Regelung  nicht  zu  einer  andern, 
vom  Wortlaut  abweichenden  Auslegung  führen.  Die  Annahme,  dass  der 
Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt, muss umso mehr 
ausser Betracht fallen, als das Planungs- und Baugesetz vor der Revision vom 
in  §  260  Abs.  3  aPBG  –  mit  Blick  auf  die 
1.  September  1991 
Abstandsprivilegierung  –  über  Jahr  und  Tag  gleichermassen  verlangte,  dass 
Vorsprünge  nicht  abgestützt  sein  durften,  ohne  dass  je  eine  vom  Wortlaut 
abweichende Auslegung Platz gegriffen hätte.  

7.2.4  Der  Begriff  «freitragend»  kann  gleichgesetzt  werden  mit  «nicht 
abgestützt»,  erfasst  also  einen  baustatisch-konstruktiven  Sachverhalt.  Mithin 
stellt sich die Frage, wie Abschlüsse, denen keine tragende Funktion zukommt, 
mit  Blick  auf  die  Grenzziehung  zwischen  umbautem  Raum  und  Witterungs-
bereich zu beurteilen sind.  

Ein  offener  Raum  liegt  dann  vor,  wenn  dessen  äusserer  Abschluss,  etwa 
beim  Balkon  die  Brüstung,  eine  geschlossene  Höhe  von  nicht  mehr  als  1,3  m 
aufweist;  dies  in  Analogie  zur  Festlegung  der  Höhe  der  zur  Fassadenlänge 
seitlich  hinzuzurechnenden  Vorsprünge  (§  27  Abs.  1  ABV).  Mit  Abschlüssen 
von mehr als 1,3 m Höhe wird demnach – jedenfalls dann, wenn der Abschluss 
gemauert  oder  vergleichbar  materialisiert  ist  –  vollumfänglich  umbauter  Raum 
geschaffen. Dies selbstverständlich auch dann, wenn der Abschluss vollständig 
ist, d.h. eine über die ganze betreffende Höhe reichende Einwandung bildet. Mit 
andern Worten  spielt  es  für  die  Frage  des  Witterungsabzuges  keine  Rolle,  ob 
eine seitliche Einwandung eine tragende Funktion hat oder nicht.   

Nicht  als  eigentliche  Einwandung  einzustufende  Sicht-  oder  Wind-
schutzabschlüsse  wie  zum  Beispiel  Glastrennwände  führen  demgegenüber 
unbesehen ihrer Höhe nicht zur Anrechenbarkeit an den umbauten Raum (vgl. 
zum  Ganzen  BRKE  II  Nr.  117/2000  =  BEZ  2000  Nr.  33  und  Ch.  Fritzsche/P. 
Bösch/Th. Wipf, Zürcher Planungs- und Baurecht, 5. A., 2011, S. 762 ff.).  

 
 
7.2.5  In  der  vorstehend  angeführten  Literatur  wird,  allerdings  ohne 
Nennung  von  Rechtsprechung,  alsdann  davon  ausgegangen,  dass  die  Hülle 
des Baukörpers «generalisierend» zu betrachten sei, d.h. kleinere, örtliche Vor- 
und Rücksprünge bei der Feststellung der Baumasse zu vernachlässigen sind. 
Als  Beispiele  werden  Fensternischen  und  Fenstersimse,  Kapitelle, 
Verzierungen,  Dachflächenfenster  und  Lichtkuppeln  angeführt.  Nicht  zu 
umbauten  Räumen  gehörten  auch,  weil  das  Gebäude-    bzw.  Raumkriterium 
nicht  erfüllt  sei,  übliche  Dachvorsprünge  und  Vordächer  bis  maximal  1,5  m 
ferner  offene  Dacheinschnitte,  nicht  überdachte  Balkone, 
Auskragung; 
Brüstungen  (beispielweise  über  Flachdächer),  Pflanzentröge,  freistehende 
Mauerscheiben,  Kamine,  Antennen,  Sonnenenergieanlagen,  nur  mit 
Balkenlagen  überdeckte  Bauteile  (Pergolen); 
ferner  das  Erdreich  über 
Gebäuden  (z.B.  bei  einer  Dachbegrünung),  Freitreppen,  technische  Aus-
stattungen  und  Ausrüstungen  im  Sinne  von  §§  3  und  4  ABV  (nicht  aber  etwa 
Technikschränke  von  Mobilfunkbasisstationen;  VGr,  26.  September  2012, 
VB.2012.00247).  

7.3.1 Werden die vorstehend dargelegten Prämissen auf das Bauvorhaben 

angewendet, so ergibt sich Folgendes:  

Die  beiden 

traufseitigen,  vom  ersten  Obergeschoss  überlagerten 
Rücksprünge  im  Erdgeschoss  mit  einer  Länge  von  3,9  m  und  einer  Tiefe  von 
1,2  m  bilden,  da  seitlich  geschlossen,  Baumasse  ohne  Abzug  eines 
Witterungsbereiches.  

Durch  die  Staffelung  der strassenseitigen  Fassade  im  Erd-  und  im  ersten 
Obergeschoss  entsteht  eine  seitliche  (einseitige)  Einwandung.  In  diesem 
Umfang  kommt  beim  Raum  unter  den  dortigen  Balkonen  ebenfalls  kein 
Witterungsabzug zum Tragen.   

Mit  Bezug  auf  den  strassenseitigen  Dachvorsprung  gilt  Folgendes: 
Dachvorsprünge  können  vorspringende  freitragende  Gebäudeteile  bilden,  mit 
der  Folge,  dass  dort  ein  Witterungsbereich  besteht.  Ein  solcher  ist  nach  dem 
Gesagten  indes  dann  nicht  anzunehmen,  wenn  nicht  nur  ein  Abschluss  nach 
oben  (Flachdachvorsprung),  sondern  auch  ein  seitlicher  Abschluss  (von  einer 
gewissen  Festigkeit)  gegeben  ist.  Bei  einem  Satteldach  ist  dies  im  ganzen 
Giebelbereich  der  Fall;  die  beiden  im  First  zusammenlaufenden  Dachflächen 
bilden  einen  Abschluss  nach  oben  und  gleichzeitig  auch  einen  seitlichen 
Abschluss.   

Allerdings  ist  in  Anlehnung  an  die  vorstehend  wiedergegebene  Lehre  der 
strassenseitige Dachvorsprung nur insoweit als raumbildend zu betrachten, als 
er  der  Fassade  um  mehr  als  1,5  m  vorgelagert  ist.  Da  die  Anrechenbarkeit  in 
diesem Umfange schon wegen der seitlichen Geschlossenheit gegeben ist, tut 
die  geplante  Abstützung  des  Dachvorsprungs  auf  einen  Pfosten  nichts  zu 
Sache,  womit  dessen  Weglassung  an  der  Anrechenbarkeit  nichts  ändern 
würde.   

Im  genannten  Umfange  ist  daher  auch  der  mit  dem  strassenseitigen 

Satteldach geschaffene Raum an die Baumassenziffer anzurechnen.