# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9bca704c-4b7f-56ac-a892-3a3e059e037d
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-09-25
**Language:** de
**Title:** Unfall, Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, Rentenanspruch
**Docket/Reference:** IV.2009.01094
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2009.01094.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2009.01094
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiber Brugger
Urteil
vom
25. September 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Christine Fleisch
Meier
Fingerhuth
Fleisch
Häberli
, Rechtsanwälte
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1944, war
bis Januar 2005
selbständig erwer
bend
als Innenarchitektin tätig
(
Urk.
8/0
,
Urk.
8/45/141
).
Nach
einer Anstellung
als Mitarbeiterin im Verkauf und Wohnberaterin
bei der
Y.___
in
Z.___
im April 2006 (
Urk.
8/22/9
Ziff.
2.1, 2.3 und 2.7
) bezog sie Taggelder der Arbeitslosenversicherung
(
Urk.
8/8 S. 1)
und
war
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Be
rufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie
sich
am 1
2.
September 2006 bei einem Sturz
Frakturen am linken
Sprunggelenk
zuzog
(
Urk.
8/2/6
Ziff.
4 und 9
,
Urk.
8/2/1
).
Die SUVA erbrach
te die gesetzlichen Leistungen (vgl.
Urk.
13/15).
1.2
Die Versicherte meldete sich a
m 2
1.
Dezember 2007
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug (
berufliche Massnahmen, Rente) an (
Urk.
8/1
Ziff.
7.8).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kant
ons Zürich, IV-Stelle, holte
medizinische Berichte
(
Urk.
8/16,
Urk.
8/25),
Auszüge aus dem individuellen Konto (IK-Auszüge,
Urk.
8/8,
Urk.
8/20) und
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
8/22)
ein und zog Akten der SUVA (
Urk.
8/7
,
Urk.
8/45
) bei.
Mit Verfügung vom
6.
Mai 2008 (
Urk.
8/24) sprach die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, der Versicherten ab dem
1.
Juli 2008 eine ordentliche Altersrente zu.
1.
3
A
m
3.
Juli 2008 (
Urk.
8/31)
stellte die IV-Stelle der Versicherten
den Vorbe
scheid (
Urk.
8/32)
zu
, wogegen diese am
2.
September 2008 Einwände vor
brachte (
Urk.
8/38).
Mit Verfügung vom
8.
Oktober 2009 (
Urk.
8/52,
Urk.
8/48 =
Urk.
2) sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem
1.
September 2007 eine ganze und
für die Zeit vom
1.
April bis 3
0.
Juni 2008
bei einem Invaliditätsgrad von 57
%
eine halbe Invalidenrente zu.
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom
8.
Oktober 2009 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
1.
November 2009 Beschwerde mit den Anträgen, diese sei insoweit aufzuhe
ben, als ihr zwischen dem
1.
April und dem 3
0.
Juni 2008 lediglich eine halbe Rente zugesprochen worden sei
,
und es sei ihr
auch
auf die bezeichnete Zeit
spanne eine ganze Rente zuzusprechen. Eventuell sei das Verfahren zu sistieren, bis ein rechtskräftiger Entscheid der SUVA vorliege (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle
beantragte
mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Dezember 2009 ei
ne
reformatio
in
peius
in dem Sinne, als sich bereits ab September 2007 eine halbe
anstelle einer ganzen Rente rechtfertige
(
Urk.
7
S. 2
). Die
Beschwerdeführerin
hielt in einer Stellungnahme
vom
1.
März 2010 an
ihren
beschwerdeweise
ge
stellten Anträgen fest (
Urk.
12 S.
1). Die
Beschwerdegegnerin
hielt
ihrerseits am 1
0.
Mai 2010 an der beantrag
te
n
reformatio
in
peius
fest
(
Urk.
17). Dieses Schrei
ben wurde der
Beschwerdeführerin
am 1
5.
Juni 2010 zugestellt (
Urk.
19).
2.2
Mit Verfügung vom
7.
April 2011 (
Urk.
20) zog das Gericht weitere Akten
der SUVA (
Urk.
23/1-121) bei und sistierte
das IV-Verfahren
m
it
Gerichtsv
erfügung vom
6.
Mai 2011 bis zur rechtskräftigen Erle
digung des bei der SUVA
hängigen
unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens (
Urk.
24
Dispositiv
Ziff.
1).
Die
Beschwerdeführerin
s
tellte dem Gericht a
m
3.
Dezember 2012 (
Urk.
32) eine Kopie der Verfügung der SUVA vom
2.
April 2012 (
Urk.
33/1) und
von der SUVA veranlasste
medizinische
Gutachten (
Urk.
33/2
/1-2) zu
.
3.
D
ie
Beschwerdeführerin
erhob im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren
a
m 1
7.
April 2013
Beschwerde
gegen den
Einspracheentscheid
der SUVA vom 1
4.
März 201
3.
Das Verfahren ist unter der Nr. UV.2013.00092
beim Gericht
angelegt. Über die Beschwerde wurde mit Urteil vom
heutigen Tag
entschieden.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 6. Oktober 2006, der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 28. September 2007, des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) sowie das Bundesgesetz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) vom 6. Oktober 2006 in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
8.
Oktober 2009
ergangen, wobei ein Sachver
halt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund
dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporal
rechtlichen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revi
sion abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Bundes
gerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1). Dies fällt
materiellrechtlich
jedoch nicht ins Gewicht, weil die
5.
IV-Revision hinsichtlich der
Invaliditätsbemes
sung
keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Rege
lung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2). Im Folgenden werden die massge
blichen Gesetzesbestimmungen - soweit nichts anderes vermerkt ist - in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte
in der Verfügung vom
8.
Oktober 2009
darauf ab
,
dass
in der bisherigen Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Innenarchitektin eine Arbeitsunfäh
igkeit von 100
%
,
in einer angepassten Tätigkeit
jedoch
seit Januar 2008
eine
Restarbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe
(
Urk.
2, Verfügungsteil 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
in der Beschwerde
vor,
von einem eigentlichen Heilungsprozess könne nicht gesprochen werden.
Sie habe bereits i
n ihrem
Ein
wand vom
2.
September 2008 darauf hingewiesen
, dass
die SUVA noch keinen Rentenentscheid erlassen
habe
, da die Heilbehandlung noch nicht ab
geschlossen
sei. Es
sei
zu beachten, dass Entscheid
e
im Zusammenhang mit
Leistungsan
sprüchen
gegenüber der obligatorischen Unfallversicherung einen Anspruch gegenüber der Invalidenversicherung regelmässig in einer Form präjudizierten beziehungsweise beeinflussten (
Urk.
1 S. 3 f.
Ziff.
5).
Die
Berichte im Dossier der Beschwerdegegnerin beträfen die Zeit vor 200
8.
Es sei nicht klar, worauf sich die Beschwerdegegnerin berufe, wenn sie für
die Zeit von
Anfang
bis
März 2008 und auch später von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes spreche (
Urk.
1 S. 6 f.
Ziff.
12).
Nach Ansicht der behan
delnden Ärzte sei
k
eine wirtschaftlich verwertbare Leistungsfähigkeit vorhan
den.
Der
Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
habe sich bis zum Som
mer 2008 (
Erreichen
des AHV-Alters) trotz intensiver Therapie nicht gebessert (
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
15).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
,
der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
vo
m
1.
September 2007 bis zu ihrer Pensionierung
per 3
0.
Juni 200
8.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
erlitt
am
1
2.
September 2006
eine
Trimalleolarf
raktur
am linken Sprunggelenk
(
Urk.
8/7/4
,
vgl. auch
den Operationsbericht vom 1
5.
September 2006,
Urk.
8/2/1-3).
Dr.
med.
A.___
, Spezialarzt FMH für Physikalische
Medizin und Reha
bilitation, speziell Rheumaerkrankungen, Rheumazentrum
M.___
, führte in einem Bericht vom
6.
Juni 2007 (
Urk.
8/
7
/41-42) aus, die Beschwerdeführerin habe weiterhin deutliche Schmerzen im Bereich des linken Knöchels und Unterschenkels. Die
Schwellung sei im Verlauf des Tages zunehmend und
druckdolent
. Bei der Untersuchung vom 3
1.
Mai 20907 morgens hätten lediglich ein
geringgradiges
Knöchelödem und eine Schwellung im distalen Unterschen
kel bestanden. Die Beschwerdeführerin habe im Anschluss an die Reposition und Osteosynthese des linken Knöchels ein
complex
regional
pain
syndrome
(
CRPS
)
I entwickelt, welches unter
Miclacic
und Entlastung zurückgegangen sei. Nach der Metallentfernung am 1
1.
April 2007 habe eine deutlich verbesserte
Trophik
bestanden (S. 1 f.).
3.2
SUVA-Kreisarzt
Dr.
med.
I.___
, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, führte in einem Bericht
vom
2
3.
Oktober 2007 (
Urk.
8/7/14-18) ge
stützt auf die Untersuchung vom 2
2.
Oktober 2007 a
us, die Beschwerdeführerin
klage
über eine erhebliche Schmerzsymptomatik ausgehend vom
Knöchel
bereich
links mit Ausstrahlung ins ganze linke Bein. Daneben habe sie auch Beschwerden im rechten Kniegelenk
, welche durch
eine
Überlastung und
eine
Fehlbelastung ausgelöst worden seien
.
Die Beweglichkeit im oberen Sprung
gelenk sei nur mässig eingeschränkt. Klinisch fehlten Hinweise auf einen Mor
bus
Sudeck
.
Radiologisch seien die Frakturen in guter Stellung geheilt (S. 4
Ziff.
5).
Für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit sei er gezwungen, lediglich den Zu
stand der Knöchelregion links zu berücksichtigen.
Er abstrahiere Beschwerden von Seiten einer Polymyalgie und auch
der
psychische
n
Seite.
Aufgrund der objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunde ergebe sich folgendes Zumutbarkeitsprofil: Der Beschwerdeführerin sei eine wechselbelastende, teils stehende, teils sitzende Tätigkeit zumutbar
. Nach einer Ein
arbeitungszeit von zwei Monaten
halbtags
, er schlage November
bis Dezember 2007 vor, sei ihr
eine geeignete Tätigkeit vollzeitig zumutbar. Dies sei ab dem
1.
Januar 2008 der Fall (S. 5).
3.3
Dr.
med.
J.___
, Oberärztin, und
Dr.
med.
K.___
, Chefarzt, Zentrum für Fusschirurgie,
L.___
, nannten in einem Bericht vom 2
4.
Januar 2008 (
Urk.
8/15/22-24) als Diagnosen (S. 1):
-
ausgeprägte neuropathische Schmerzen am oberen Sprunggelenk links
-
schmerzhafte Bewegungseinschränkung des oberen Sprunggelenks links bei/mit
-
Status nach
Trimalleolar
-Luxationsfraktur links (
erstgradig
offene Ver
letzung im Bereich des
Malleolus
medialis
) mit
-
mehrfragmentärer Fraktur der Fibula Typ Weber-C
-
Fraktur des
Malleolus
medialis
-
Abriss des
Volkmann’schen
-
Dreieckes
-
ossärem
Ausriss der vorderen
Syndesemose
mit Zertrümmerung der knö
chernen Anteile
-
vollständiger Ruptur der Gelenkkapsel, insbesondere im gesamten vent
ralen,
anteromedialen
und
anterolateralen
Anteil
-
Status nach offener Reposition und Osteosynthese
-
Naht der Gelenkkapsel
-
Status nach Entwicklung einer Sudeck-Dystrophie 1.-2.° zirka zehn Wochen postoperativ
Dr.
J.___
und
Dr.
K.___
führten
weiter
aus, die Beschwerdeführerin habe sich am 1
2.
September 2006 eine komplizierte
trimalleoläre
Sprunggelenksfraktur links zugezogen
, welche gleichentags offen reponiert und osteosynthetisch ver
sorgt worden sei
. Ab Januar 2007 seien Schmerzen im gesamten linken Bein aufgetreten, teilweise verbunden mit Gefühlsstörungen
. Die Beschwerden liessen sich nicht objektivieren
(S. 1 f.).
Bei der Untersuchung im Sitzen bestehe eine deutliche Bewegungseinschränkung des linken oberen Sprunggelenkes (S. 2 Mitte).
Postoperativ habe sich eine Sudeck-Dystrophie 1.
bis
2.
Grades entwickelt. Trotz Metallentfernung hätten sich die Schmerzen im linken Fuss nicht gebessert. Die Beschwerdeführerin sei seither zu 100
%
arbeitsunfähig. Radiologisch liessen sich die angegebenen Beschwerden nicht objektivieren. Man nehme
jedoch
an, dass es im Rahmen des schweren Distorsionstraumas zu einer Mitverletzung beziehungsweise einer Distorsion sämtlicher Nerven des Fusses gekommen sei, womit die Beschwerden vereinbar seien
. Die Beschwerdeführerin sei bisher als Innenarchitektin tätig gewesen und sei auf das Begehen von Baustellen ange
wiesen
(S. 2 unten).
3.4
Dr.
A.___
nannte in einem Bericht vom
7.
Mai 2008 (
Urk.
8/25/7-9) als Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ei
n posttraumatisch aufgetrete
nes
neuropathisches Schmerzs
yndrom des oberen Sprunggelenks und des
Unterschenkels links, primäres Unfallereignis vom 1
2.
September 2006,
einen
Status nach Sudeck-Dystrophie I bis II, Beginn zirka zehn Wochen postoperativ
,
und eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des oberen Sprunggelenks links (
Ziff.
2).
Dr.
A.___
führte weiter aus
, für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Innenarchi
tektin bestehe seit dem 1
2.
September 2006 dauernd eine Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
(
Ziff.
3). Auf längere Sicht
und bei geeigneter Tätigkeit (
Wechsel
belastungen
mit Sitzen, Stehen, Gehen und Ruhepausen) könne man sich im optimalsten Fall medizinisch-theoretisch eine Arbeitsfä
higkeit von 50
%
vor
stellen. Eine solche zu realisieren, dürfte jedoch kaum möglich sein (
Ziff.
1.2).
3.5
Dr.
med.
B.___
, praktische Ärztin, Regionalärztlicher Dienst
der
Beschwer
degegnerin
(RAD), führte in einer Stellungnahme vom 1
3.
Juni 2008 (
Urk.
8/29 S. 4 unten) aus, mit den vorliegenden Berichten könne
aus medizinischer Sicht
in der bisherigen Tätigkeit als Innenarchitektin
seit dem 1
2.
September 2007 eine Arbeitsunfäh
igkeit v
on 100
%
nachvollzogen werden. Ab Januar 2008 werde unter Berücksichtigung aller vorliegenden medizinischen Befunde eine Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit (vorwiegend sitzend, kurze Wegstrecken, keine Leitern und Gerüstbegehung, kein Heben von Ge
wich
ten von mehr als 5-10 kg) als möglich beurteilt. Es könne darauf abgestellt wer
den, dass in der bisherigen Tätigkeit seit dem 1
2.
September 2007 eine Ar
beits
unfähigkeit von 100
%
und in einer angepassten Tätigkeit seit Januar 2008 eine Restarbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe.
3.6
Kreisarzt
Dr.
med.
C.___
, Facharzt FHM für Chirurgie, stellte in einem Bericht vom 2
2.
Juli 2008 (
Urk.
8/45/26-32)
fest,
die Schmerzsituation sei von verschiedener Seite
angegangen worden. W
esentliche pathologische Befu
nde seien nicht erhoben worden.
Als Diagnosen resultierten
eine Situation nach ko
nsolidierter
Trimalleolar
fraktur
in guter Stellung
bei leichten posttraumati
schen degenerativen Veränderungen (beginnende
arthrotische
Zeichen)
und
ent
sprechenden Schmerzen, gemisc
ht mit neuropathischen Anteilen
.
In den letzten Monaten sei keine wesentliche Verbesserung der Situation erreicht wor
den.
Bildgebend
bestünden leichte posttraumatische degenerative Veränderun
gen des oberen und unteren Sprunggelenks bei erhaltener Gelenkstellung und Anatomie nach konsolidierter
Trimalleolarfratkur
und Metallentfernung (S. 5).
E
r habe auf dem Unfallschein eine Arbeitsunfähigk
eit von 100
%
bestätigt, ob
wohl
der Beschwerdeführerin
im Innenarchitektenbereich
grundsätzlich
Büro
tätigkeiten möglich seien.
Sie
sei bezüglich Baustellenbesuche, Besichtigungen vor Ort, Materialevaluationen im Gelände etc. eingeschränkt.
Bezüglich des linken oberen Sprunggelenkes seien wechselbelastende Tätigkeiten vollzeitlich und vollschichtig möglich. Zusatzbelastungen seien vereinzelt möglich. Für kurze Strecken sei eine Belastung von 10 kg und statisch von 15 kg vereinzelt mög
lich. Stehen sei ohne ausschliessliche Belastung des linken Beines und Sitzen mit der Möglichkeit, aufzustehen und her
um
zugehen, bei möglichst freier
Ar
beitsposition
möglich. Nicht zumutbar seien Zwangshaltungen für das
linke Bein, bodennahe, kauernde und
kniende Tätigkeiten, r
epetitives Treppensteigen und Leitern- und Gerüstarbeiten sowie
Gehen ausschli
esslich auf unebenem Untergrund. Weiter seien
Schläge und Vibrationen
zu vermeiden
(S. 6).
3.7
Dr.
A.___
hielt in einem Bericht vom 1
0.
Dezember 2008 (
Urk.
8/45/4-5) fest, aus Sicht des behandelnden Rheumatologen sei der Entscheid der SUVA bezüg
lich Büroarbei
ten und Beratungstätigkeiten im angestammten Arbeitsgebiet
nicht nachvollziehbar. Es bestehe weiterhin ein posttraumatisch aufgetretenes, neuropathisches Schmerzsyndrom im Bereich der distalen unteren Extremität links, welche es der Beschwerd
eführerin verunmögliche
,
länger
als zirka 30 Mi
nuten zu stehen oder
zu
sitzen. Am besten seien liegende oder halbliegende Stellungen mit hochgelagertem Bein. Möglicherweise sei tatsächlich ein gewis
ser medizinischer Endzustand erreicht, in dem Sinne
,
als mit keiner raschen Änderung des Zustandes zu rechnen sei. Die Arbeitsfähigkeit sei weiterhin stark eingeschränkt. Medizinisch theoretisch sei für die von der SUVA vorgeschla
gene Beratungstätigkeit von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 20 - 30
%
auszugehen (S. 1).
3.8
Kreisarzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
führte in einem Bericht vom
2
8.
Oktober 2009 (
Urk.
18/2
) aus,
es habe sich ein CRPS mit geringen dystrophen Veränderungen, aber ausgeprägten Beschwerden entwickelt.
Nach neurologischer Abklärung finde sich keine periphere Neuro
pathie
. Es bleibe bei
der Diagnose von
neuropathischen Schmerzen. Klinisch sei die
Trophik
des Fusses gut. Die Temperatur
des Fusses sei kaum verändert
(S. 5).
3.9
RAD-Ärztin
Dr.
B.___
führte in einer Stellungnahme vom 1
0.
Mai 2010 (
Urk.
18/1
S. 1 f.) aus, der
SUVA-
Kreisarzt habe die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einem Bericht vom 2
3.
Oktober 2007 unter Berücksichti
gung des linken oberen Sprunggelenkes beurteilt
.
Er habe
eine
wechselbelas
tende
, teils stehende, teils sitzende Tätigkeit
vorgeschlagen
, ohne Gehen auf un
ebenem Boden, häufigem Treppensteigen und Arbeiten auf Leitern, beginnend mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Die Beurteilung sei begrenzt auf die Zeit von November bis Ende Dezember 200
7.
Danach sei eine solche
Tätigkeit
voll
zeitig
zumutbar.
In einem
kreisärztlichen Bericht
vom 2
8.
Oktober 2009 würden die seit dem Unfallereignis erfolgten medizinischen Beurteilungen ausführlich dargelegt, je
doch finde sich keine detaillierte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisheri
gen und einer angepassten Tätigkeit. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei aus versicherungsmedizinischer
Sicht
spätestens seit November 2007 von einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 50
%
steigerungsfähig
zur beurteilten Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.
3.10
Der Unfallversicherer
veranlasste
in der Folge
ein
orthopädische
s
und
ein
neuro
logische
s
Gutachten
. Das
orthopädisch
e
Teilgutachten datiert vom 1
1.
Juli 2011 (
Urk.
33/2/1) und ist von
Dr.
med.
E.___
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
F.___
, Oberarzt, Orthopädische Klinik,
G.___
, unterzeichnet. Das neurologische
Teilgutachten
von
Dr.
med.
H.___
, Facharzt FMH für Neurologie
,
datiert
vom 2
3.
September 2011 (
Urk.
33/2/2)
.
Dr.
E.___
und
Dr.
F.___
bestätigten im orthopädischen Teilgutachten
(
Urk.
33/2/1)
gestützt auf die Untersuchungen vom
5.
Mai 2011 (S. 1) einen Status nach einer
Trimalleolarfraktur
links (vgl. S. 16
Ziff.
6.1). Die Gutachter führten weiter aus,
die
aktuell geschilderte Symptomatik könne mit dem objek
tiven Ergebnis
der klinischen Untersuchung sowie den erhobenen radiologi
schen Befunden nur partiell erk
l
ärt werden (S. 18
Ziff.
3).
Eine
Tendinopathie
lasse sich anamnestisch sowie in der klinischen Untersuchung nicht objektivie
ren.
Typischerweise würden Patienten mit einer posttraumatischen Arthrose an Anlaufschm
erzen beim Gehen leiden, die sich
auf Höhe des oberen Sprungge
lenkes lokalisierten
. Die Beschwerdeführerin gebe auf
mehrmaliges
Nachfragen jedoch an, dass die Beschwerden nicht in Zusammenhang mit einer Belastung stünden, sondern jederzeit auftreten könnten
.
D
ie Schmerzen
seien auch
nicht isoliert auf
die
Gelenkhöhe lokalisiert
(S. 18
Ziff.
3.1 Mitte).
Die klinische Untersuchung
zeige eine gute passive, jedoch
zur Gegenseite ein
geschränkte Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks. Auch komme es bei der maximalen Dorsalextension zu einem auslösbaren Schmerz ventral über dem Sprunggelenk. Die erhobenen Befunde seien vereinbar mit einer posttraumati
schen Arthrose, erklärten aber die Ausbreitung sowie das
belastungsunabhän
gige
Auftreten der Beschwerden nicht. Die radiologische Untersuchung zeige einen noch regelrechten
Gelenkspalt am oberen Sprunggelenk
. Es
seien
aber leicht- bis
mässiggradige
degenerative Veränderungen am oberen Sprunggelenk erkennbar
. Die Gutachter seien einverstanden mit der Beurteilung durch
Dr.
H.___
und hielten ein CRPS für sehr unwahrscheinlich. Auch eine neurogene Schmerzauslösung scheine im Einklang mit der Beurteilung durch
Dr.
H.___
nicht vorzuliegen
(S. 18
f.
Ziff.
3.1
).
Aus rein orthopädischer Sicht könne der Beschwerdeführerin die Ausübung einer den Unfallfolgen angepassten Erwerbstätigkeit ganztags mit voller Leis
tung zugemutet werden (S. 20
Ziff.
6.2).
3
.11
Dr.
H.___
führte im
neurologischen Teilgutachten
vom 2
3.
September 2011
(
Urk.
33/2/2)
gestützt auf die Untersuchung vom 1
1.
Januar 2011 (S. 1) aus, er könne keine trophischen Veränderungen der Haut erkennen. Ödeme bestünden keine. Bereits in früheren neurologischen Untersuchungen seien keine
Nerven
läsionen
sicher festgestellt worden. E
s se
i zu erwägen, ob ein CRPS (
complex
regional
pain
syndrome
) vorgelegen
habe und aktuell noch vorliege
und ob die Schmerzen einem neuropathischen Schmerz
entsprechen würden
(S. 12 unten).
In den Akten sei erstmals im Januar 2007 der Verdacht auf einen
Morbus
Sudeck
geäussert worden (S. 13).
Er
könne zum jetzigen Zeitpunkt ein komplexes regionales Schmerzsyndrom nicht mehr diagnostizieren. Auch ein neuropathischer Schmerz könne nicht an
genommen werden. Aufgrund der neurologischen Befunde könne das Ausmass der beklagten Beschwerden nicht genügend erklärt werden. Die geklagten Be
schwerden könnten
auch
nur partiell durch die klinischen und radiologischen Befunde
einer
mässigen posttraumatischen Arthrose im oberen Sprunggelenk erklärt werden. Es bestünden weder Anhaltspunkte für eine Infektion noch eine
Tendinopathie
. Es bestehe die Möglichkeit einer Schmerzverarbeitungsstörung. Eine derartige Diagnose im Sinne eines
somatoformen
Schmerzes könne aber nur durch einen Psychiater gestellt werden.
Eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
lasse sich
unter Würdigung des gesamten Beschwerdebildes nicht begründen. Insbesondere seien der Beschwerdeführerin Beratungs-
und Planungstätigkeiten ohne relevante Einschränkung
zumutbar
(S. 14 f.).
4.
4.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde nach dem Unfall
vom 1
2.
September 2006
ein CRPS diagnostiziert
, wobei
der Gutachter
Dr.
H.___
die Diagnose im Sep
tember 2011
nicht bestätigen konnte
.
Das CRPS ist eine zusammenfassende Bezeichnung für Krankheitsbilder, welche die Extremitäten betreffen, sich nach einem schädigenden Ereignis entwickeln und durch anhaltenden Schmerz
mit Störungen des vegetativen Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik gekennzeichnet sind. Das CRPS I (sympathische
Algodystrophie
, Sudeck-Syndrom; früher sympathische Reflexdystrophie) ist eine Erkrankung der Ex
tremität, welche ohne definierte
Nervenläsion
nach relativ geringfügigen Trauma ohne Bezug
zum
Innervationsgebiet eines Nervs auftritt
(
Pschyrmebel
, Klinisches Wörterbuch, 26
3.
Aufl., Berlin 2012, S. 1875).
4.2
Die vom Unfallversicherer veranlassten Gutachten von
Dr.
E.___
und
Dr.
F.___
vom 1
1.
Juli 2011 und
von
Dr.
H.___
vom 2
3.
September 2011
be
treffen
im Wesentlichen
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Begutac
htung
und
lassen
nur beschränkt Rückschlüsse auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nach dem
Unfallereignis
bis zu ihrer
AHV-rechtlichen
Pensionierung im Sommer 2008
zu
. Für die Beur
teilung des Rentenanspruches
der Beschwerdeführerin
ist
daher
vorab auf
die
früheren
einschlägigen
Arztberichte abzustellen.
SUVA
-Kreisarzt
Dr.
I.___
attestierte der Beschwerdeführerin im Oktober 2007
für eine angepasste Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und
ging
mit Wir
kung
ab Januar 2008
für eine solche Tätigkeit
von einer vollen Arbeitsfähigkeit
aus
.
Gemäss
dem von
Dr.
I.___
beschriebenen Zumutbarkeitsprofil
ist der Beschwerdeführerin eine teils stehende, teils sitzende Tätigkeit zumutbar
(E.
3.2).
Kreisarzt
Dr.
C.___
bestätigte am 2
2.
Jul
i 2008
für Büroarbeiten
im Bereich
Innenarchitektur
eine volle Arbeitsfähigkeit (E. 3.6).
Der Beschwerdeführerin ist nach übereinstimmender
ärztlicher
Beurteilung die frühere selbständige Tätigkeit als Innenarchitektin, die auch das Begehen von Baustellen beinhaltete, nicht mehr zumutbar.
G
estützt auf die Berichte
der Kreisärzte
Dr.
I.___
und
Dr.
C.
___
vom 2
3.
Oktober 2007 und vom 2
2.
Juli 2008
ist
mit
dem RAD der Beschwerdegegnerin
indes
davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführerin
ab November 2007
eine angepasste Tätigkeit mit einem Pensum von 50
%
möglich war
.
Mit dieser
grosszügigen
Einschätzung
wird der Beurteilung des behandelnden Rheumatologen
Dr.
A.___
Rechnung getragen, welcher
im Mai 2008
für eine angepasste Tätigkeit ebenfalls eine Arbei
tsfähig
keit von 50
%
attestierte
(E. 3.4 hiervor).
Der medizinische Sachverhalt ist
damit
als dahingehend erstellt zu erachten, dass nach Ablauf des Wartejahres ab September 2007
zunächst
eine vo
lle Ar
beitsunfähigkeit bestand und
ab November 2007
für eine
behinderungsange
passte
Tätigkeit
von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen ist.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahme müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 22
2.
E. 4.3.1).
5.2
Die Beschwerdegegnerin stellte darauf ab, dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
als Innendekor
ationsnäherin gearbeitet hätte, und ermittelte
anhand von
Tabellenlöhnen ein
Val
ideneinkommen
von
Fr.
76‘566.--
(
Urk.
2, V
erfügungsteil 2 S. 1 f.).
Nach dem IK-Auszug liegt das in den Jahren 2000 bis 2004 aus der selb
ständigen Tätigkeit erzielte Erwerbseinkommen zwischen
Fr.
24‘000.-- und
Fr.
108‘568.--
(
Urk.
8/8 S. 1
f.
).
Nach Aufgabe ihrer selbständigen Tätigkeit im Januar 2005
(vgl.
Urk.
8/0 S. 1)
war
die Beschwerdeführerin
im
April
2006
kurzzeitig
bei der
Y.___
im Bereich Beratung, Planung und Verkauf
angestellt (
Urk.
13/11 S. 1
).
Nachdem die
se
Anstellung nur
w
enig
e
Tage dauerte und das
als selbständige Innenarchitektin ausgewie
sene
Einkommen
starke
Schwankungen aufweist
,
ist nicht zu
beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen
anhand
von
Tabellenlöhne
n
ermittelte
.
LSE 2008 S. 29 Tabelle T7 S
sieht
für die
unter
Ziff.
30
aufgeführten Arbeiten
(
p
lanen, konstruieren, zeichnen, gestalten
)
mit
Anforderungsniveau 2 ein Mo
natseinkommen von
Fr.
6‘190.--
vor
.
Die Beschwerdegegnerin
legte ihrer Be
rechnung
dagegen
die
Tabellenlöhne des Jahres 2006
zugrunde
(LSE 2006 S.
29 Tabelle TA7
Ziff.
30
,
Urk.
8/30 S. 1
).
Umgerec
hnet auf ein Jahr und angepasst
an die wöchentliche Arbeitszeit
von
41.
6 Stunden im Jahr 2008 (
Die Volkswirtschaft, 7/8-2013, S. 94 Tabelle B9.2)
resultiert
ein Einkommen von
rund
Fr.
77‘251.-- (
Fr.
6‘190.-- x
12 :
40 x 41.6).
Als
Valideneinkommen
sind daher
Fr.
77‘251.-- zu veranschlagen.
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
desamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche
Wo
chenarbeitszeit
aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E.
3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwer
ten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
5.4
Nach der medizinischen Beurteilung
waren
der Beschwerdeführerin ab Novem
ber 2007
Büroarbeiten oder eine beratende Tätigkeit
im bisherigen
Arbeitsum
feld
halbtags
möglich
.
Damit
kann erneut auf
LSE 2008
S. 29
Tabelle T7
Ziff.
30
(Anforderungsniveau 2)
abgestellt werden
, wobei aufgrund der
behinderungsbe
dingten
Einschränkungen
und
des Alters
der Beschwerdeführerin
ein Abzug
vom Tabellenlohn
vo
n gesamthaft
5
%
zu veranschlagen ist.
Bei einer
zumutba
ren
Arbeitsfähigkeit von 50
%
ergibt sich
damit
ein
Invalidene
inkommen von
rund
Fr.
36‘694
.-- (
Fr.
6‘190.-- x
12 :
40 x 41.6 x 0.5 x 0.9
5
)
.
Stellt man das
Valideneinkommen
von
Fr.
77‘251.--
dem
Invalideneinkommen von
Fr.
36‘694
.--
gegenüber,
resultiert
eine Erwerbseinbusse von
Fr.
40‘557
.-- beziehungsweise
ein Invaliditätsgrad von rund 53
%
.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
gemäss
Art.
88a
Abs.
1
IVV
nach Ab
lauf von drei Monaten von einer Verbesserung
der Arbeits- und Erwerbsfähig
keit
der Beschwerdeführerin
ausgegangen werden
kann
.
Da
ab dem
1.
Novem
ber 2007
für
eine angepasste Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestand, ergibt sich
mit Wirkung
ab
1.
Februar bis
zur Pensionierung der Beschwerde
führerin per
3
0.
Juni 2008
bei einem Invaliditätsgrad von 5
3
%
ein
Anspruch auf eine
halbe Rente
.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen und die Verfügung der Beschwerdegegnerin vo
m
8.
Oktober 2009 ist
e
ntsprechend abzu
ä
nd
e
r
n
.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorl
iegend sind die Kosten auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht
beschliesst:
Das mit Gerichtsverfügung vom 2
7.
Mai 2013 sistierte Verfahren wird wieder aufgenommen.
und
erkennt
sodann
:
1
.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
Die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
8.
Oktober 2009 wird
dahingehend abgeändert
, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
September 2007 Anspruch auf eine ganze und ab dem
1.
Februar 2008 auf eine halbe Rente hat.
2
.
Die Gerichtskosten von
Fr.
9
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Christine Fleisch
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrugger
MO/MA/MTversandt