# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2819750c-232d-53d1-9da9-e9aed27de08a
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR 602_08_101_03_04_09.pdf
**Docket/Reference:** 602_08_101_03_04_09.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/602_08_101_03_04_09.pdf

## Full Text

602 2008-101 

Urteil vom 3. April 2009 

II. VERWALTUNGSGERICHTSHOF 

BESETZUNG 

Präsident:  Michel Wuilleret 
Richter: 

Christian Pfammatter, Josef Hayoz 

PARTEIEN 

DIREKTION  DER  INSTITUTIONEN  UND  DER  LAND-  UND  FORST-
WIRTSCHAFT, Ruelle Notre-Dame 2, Postfach, 1701 Freiburg, Beschwer-
deführerin, 

gegen 

A.________  Beschwerdegegner,  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Anton 
Henninger, Freiburgstr. 10, Postfach 141, 3280 Murten, 

OBERAMT DES SENSEBEZIRKS, Kirchweg 1, Postfach 104, 1712 Tafers, 
Vorinstanz, 

GEGENSTAND 

Raumplanung und Bauwesen 
Erstellen einer unterirdischen Baute 
Unterschreiten des gesetzlichen Waldabstandes 

Beschwerde vom 31. Juli 2008 gegen den Entscheid vom 26. Juni 2008. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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S a c h v e r h a l t  

A. 
A._______  und  B._______  sind  Eigentümer  des  mit  einem  Wohnhaus  bebauten 
Grundstücks  Nr.  1__  (___weg  ..,  Quartier:  "X.______")  des  Grundbuchs  der  Gemeinde 
Y.______.  Nach  der  geltenden  Ortsplanung  befindet  sich  die  Parzelle,  die  an  der 
Nordseite an einen Wald (Parzelle Nr. 2__) grenzt, in einer Wohnzone schwacher Dichte. 

B. 
Mit  Baugesuch  vom  15.  Februar  2008  ersuchte  A.____  den  Oberamtmann  des 
Sensebezirks um Erteilung der Baubewilligung für einen unterirdischen Keller  und …. Der 
Keller soll am Nordrand des Wohngebäudes erstellt werden, eine Fläche von 9,45 m2 und 
eine Höhe von 3,9 m aufweisen sowie vollumfänglich unter der  Erdoberfläche zu stehen 
kommen; die Erdschicht wird zwischen 0,41 m und 0,8 m betragen. 

C. 
Während  die  Bewilligungsfähigkeit  des  …  ausser  Diskussion  steht,  wurde  das 
Projekt  des  Kellers  negativ  begutachtet.  Das  Amt  für  Wald,  Wild  und  Fischerei  und  das 
Bau-  und  Raumplanungsamt  (nachfolgend:  BRPA)  bemängeln,  dass  das  Projekt  9,8  m 
vom Wald entfernt erstellt und damit der im Quartier "X.______" geltende Waldabstand 
von 15 m nicht eingehalten werde. 

Am  26.  Juni  2008  erteilte  der  Oberamtmann  A._____  die  nachgesuchte  Be-
D. 
willigung.  Er  ist  der  Auffassung,  dass  der  vorgesehene  Abstand  genügend  sei,  weil 
gewährleistet  werden  könne,  dass  das  Wurzelwerk  nicht  beschädigt  werde.  Da  es  sich 
zudem  um  eine  unterirdische  Baute  handle,  bestehe  für  Dritte  keine  Gefahr  durch  um-
stürzende Bäume. 

E. 
Am 31. Juli 2008 gelangte die Direktion der Institutionen und der Land- und Forst-
wirtschaft  (nachfolgend:  ILFD)  mit  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  an  die  Verwaltungs-
rechtliche  Abteilung  des  Kantonsgerichts  und  beantragte,  Gutheissung  der  Beschwerde 
und Aufhebung des angefochtenen Entscheides.  

A._____ schloss in seiner Beschwerdeantwort vom 3. November 2008 auf Abweisung der 
Beschwerde  und  Bestätigung  des  Entscheides  des  Oberamtmannes.  Er  ersuchte  zudem 
darum,  die  aufschiebende  Wirkung  nicht  zu  erteilen.  Subsidiär  verlangte  er  eine 
"Feststellung  des  Waldes".  Mit  Eingabe  vom  17./18.  November  2008  ergänzte  er  seine 
Ausführungen und legte weitere Beweismittel ins Recht. 

Auf  Einladung  des  Instruktionsrichters  nahm  die  ILFD  am  9.  Februar  2009  Stellung  zu 
den Eingaben von A._______ vom 17./18. November 2008. 

Der Oberamtmann beantragte in seiner Vernehmlassung vom 15. September 2008 eben-
falls die Abweisung der Beschwerde.  

Das BRPA verweist in seiner Vernehmlassung vom 9. September 2008 auf sein negatives 
Gutachten vom 23. Juni 2008. 

Die Gemeinde Y.______ liess sich nicht vernehmen. 

 
 
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E r w ä g u n g e n  

1.  Die  verwaltungsrechtliche  Abteilung  des  Kantonsgerichts  ist  gestützt  auf  Art.  176 
Abs. 1  des  Raumplanungs-  und  Baugesetzes  vom  9.  Mai  1983  (RPBG;  SGF  710.1)  in 
Verbindung  mit  Art.  114  Abs.  1  lit.  c  des  Gesetzes  vom  23.  Mai  1991  über  die 
Verwaltungsrechtspflege (VRG; SGF 150.1) zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
zuständig.  Die  Beschwerdelegitimation  der  Beschwerdeführerin  ergibt  sich  aus  Art.  7a 
RPBG. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Einhaltung von Form und Frist) 
erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

a)  Mit  einer  Beschwerde  kann  die  Verletzung  des  Rechts  einschliesslich  Über-
2. 
schreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  sowie  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 77 Abs. 1 lit. a und 
b VRG). Nach Art. 78 Abs. 2 VRG kann die Unangemessenheit nur gerügt werden, wenn 
die  Angelegenheit  das  Gebiet  der  öffentlichen  Abgaben  oder  der  Sozialversicherung 
betrifft (lit. a) oder die Angelegenheit der Beschwerde einer zur Überprüfung dieser Rüge 
befugten  Bundesbehörde  unterliegt  (lit.  b)  oder  ein  Gesetz  diesen  Beschwerdegrund 
ausdrücklich vorsieht (lit. c). 

Im  vorliegenden  Fall  kann  das  Gericht  die  Angemessenheit  des  angefochtenen 
Entscheides  nicht  überprüfen,  da  keiner  der  in  Art.  78  Abs.  2  VRG  genannten  Fälle 
vorliegt. 

b) Im Verwaltungsgerichtsverfahren gelten die Offizial- und Untersuchungsmaxime 
sowie der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art. 10 und Art. 45 VRG). 
Das  Gericht  muss  somit  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  abklären 
und  selbständig  alle  einschlägigen  Rechtsnormen  suchen  und  anwenden.  Das  hat  zur 
Folge,  dass  es  von  sich  aus  diejenigen  Rechtsnormen  heranzuziehen  hat,  die  für  einen 
Sachverhalt  objektiv  massgebend  sind.  Ihm  obliegt  die  Verantwortung  für  die 
Rechtsermittlung,  und  es  hat  diese  Vorschriften  so  anzuwenden,  wie  sie  es  für  richtig 
hält.  An  die  Rechtsauffassung  der  Parteien  und  an  die  von  diesen  vorgebrachten 
rechtlichen  Überlegungen  ist  das  Gericht  nicht  gebunden.  Ebenso  ist  es  ihm  verwehrt, 
unbesehen  eine  übereinstimmende  Rechtsauffassung  der  Parteien  zu  übernehmen.  In 
einem Rechtsmittelverfahren erlaubt es der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes 
wegen  der  entscheidenden  Instanz,  eine  im  Ergebnis  richtige,  aber  falsch  begründete 
Anordnung  mit  anderen  rechtlichen  Überlegungen  zu  bestätigen.  Die  rechtliche 
Qualifikation  ein  und  desselben  Sachverhalts  durch  die  Vorinstanz  ist  für  die 
Rechtsmittelinstanz  damit  ebenso  wenig  bindend,  wie  es  die  Rechtsvorbringen  der 
Parteien  sind  (ALFRED  KÖLZ  /  JÜRG  BOSSHART  /  MARTIN  RÖHL,  Kommentar  zum 
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 7 Rz. 81). 

3.  Der  geplante  Keller  wird  vollständig  vom  Erdreich  überdeckt  sein.  Er  gilt  somit  als 
unterirdische  Baute  oder  Anlage.  Die  Erstellung  solcher  Bauten  oder  Anlagen  bedarf 
unbestrittenermassen  einer  Baubewilligung  (BERNHARD  WALDMANN  /  PETER  HÄNNI,  Hand-
kommentar Raumplanungsgesetz, 2006, Art. 22 Rz. 11).  

a) Grundstücke dürfen grundsätzlich nicht auf ihrer ganzen Fläche überbaubar sein. 
4. 
Interessen der Nachbarn und allgemeine gesundheitspolizeiliche und ortsplanerische For-
derungen  verlangen  Abstände  zwischen  den  Bauten.  Daneben  gibt  es  Vorschriften, 

 
 
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welche  die  zu  besonderen  Objekten  einzuhaltende  Distanz  angeben,  wie  Wald-, 
Gewässer-  und  Strassenabstände  (WALTER  HALLER  /  PETER  KARLEN,  Raumplanungs-  und 
Baurecht, 3. A., Zürich 1999, Bd. I, Rz. 638 ff.). 

b) Nach Art. 17 des Bundesgesetzes über Wald vom 4. Oktober 1991 (Waldgesetz, 
WaG;  SR  921)  sind  Bauten  und  Anlagen  in  Waldnähe  nur  zulässig,  wenn  sie  die 
Erhaltung,  Pflege  und  Nutzung  des  Waldes  nicht  beeinträchtigen  (Abs.  1).  Die  Kantone 
haben  einen  angemessenen  Mindestabstand  der  Bauten  und  Anlagen  vom  Waldrand 
vorzuschreiben.  Sie  berücksichtigen  dabei  die  Lage  und  die  zu  erwartende  Höhe  des 
Bestandes (Abs. 2). 

c) Die Regelung des Abstandes von Bauten und Anlagen zum Wald ist zunächst eine 
baupolizeiliche und liegt damit in der Hand der Kantone. Sie berührt aber auch in wesent-
lichem Masse Fragen der Walderhaltung. Dementsprechend überlässt Art. 17 Abs. 2 WaG 
diese Regelung zwar grundsätzlich den Kantonen, bestimmt aber gleichzeitig, dass diese 
einen angemessenen Mindestabstand der Bauten und Anlagen vom Wald vorzuschreiben 
haben.  Die  Festsetzung  des  Waldabstandes  hängt  damit  stark  von  den  konkreten  Ver-
hältnissen  im  Einzelfall  ab,  wobei  in  der  Regel  ein  Mindestabstand  von  15  m  zum  Wald 
eingehalten  werden  sollte  (PETER  M.  KELLER,  Rechtliche  Aspekte  der  neuen  Waldgesetz-
gebung in AJP 1993 S. 144, 150, mit Hinweisen). 

d)  Der  Kanton  Freiburg  hat  in  Ausübung  dieser  Vollzugskompetenz  (vgl.  auch  Art. 
50 WaG) für nichtforstliche Bauten und Anlagen einen Abstand zum Wald von mindestens 
20 m vorgeschrieben (Art. 26 Abs. 1 des Gesetzes vom 2. März 1999 über den Wald und 
den  Schutz  vor  Naturereignissen  [WSG;  SGF  921.1]).  Die  für  die  Baubewilligung 
zuständige  Behörde  kann  Ausnahmen  vom  Waldabstand  bewilligen.  Dabei  werden  die 
allfälligen  Nachteile  für  die  Nutzung  des  Waldes,  die  Sicherheit  und  Hygiene  der  Bauten 
und Anlagen und die Schutz- und Wohlfahrtsfunktion des Waldes berücksichtigt (Art. 26 
Abs.  2  WSG).  Einen  auch  bei  Erteilung  einer  Ausnahmebewilligung  einzuhaltenden 
minimalen Waldabstand schreibt das kantonale Recht nicht vor. 

e)  Im  Quartier  "X.______"  gilt  ein  Waldabstand  von  15  m.  Alle  Verfahrens-
beteiligten  gehen  davon  aus,  dass  der  projektierte  Keller  diese  Distanz  grundsätzlich 
einzuhalten hat. Dieser Auffassung ist, wie nun auszuführen ist, nicht zu folgen. 

5. 
a)  Art.  164  RPBG  regelt  die  Gebäudeabstände.  Hinsichtlich  der  unterirdischen 
Bauten verweist der Abs. 6 auf das Ausführungsreglements vom 18. Dezember 1984 zum 
Raumplanungs-  und  Baugesetz  vom  9.  Mai  1983  (ARRPBG;  SGF  710.11):  "Das 
Ausführungsreglement  kann  die  Erstellung  von  Garagen,  von  kleinen  Bauten  und  von 
unterirdischen  Einrichtungen  in  kleineren  Abständen  oder  an  der  Grundstückgrenze 
zulassen". Dazu sieht Art. 66 ARRPBG vor, dass die unterirdischen Bauten an öffentlichen 
Wegen  den  vorgesehenen  Abstandsvorschriften  des  Strassengesetzes  unterstehen;  sie 
dürfen  die  Baugrenzen  nicht  überschreiten,  es  sei  denn,  eine  Ausnahme  nach  diesem 
Gesetz  wurde  erteilt  (Abs.  1).  Für  andere  unterirdische  Bauten  sind  die  Bestimmungen 
von Art. 212 des  Einführungsgesetzes vom 22. November 1911 zum  ZGB (EGZGB; SGF 
210.1)  anwendbar  (Abs.  2).  Art  212  EGZGB  hat  folgenden  Wortlaut:  "Beim  Graben  von 
Brunnen,  Zisternen,  Abtrittgruben,  Reservoirs,  Kanälen,  Teichen,  sowie  überhaupt  bei 
Erdvertiefungen,  bei  Wegschaffung  von  Erdreich,  wodurch  ein  oberes  Grundstück 
gestützt wird, ist eine solche Entfernung vom anstossenden Grundstück einzuhalten, dass 
dadurch  nach  dem  Gutachten  von  Sachverständigen  dem  Nachbar  kein  Schaden 

 
 
 
 
 
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erwächst,  es  sei  denn,  dass  auf  eigenem  Grund  und  Boden  eine  Schutzmauer  oder 
andere  Vorrichtungen  angebracht  werden,  um  jedem  Schaden  für  das  nachbarliche 
Grundstück vorzubeugen". 

b)  Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  bildet  der  Wortlaut  einer  gesetzlichen  Bestim-
mung.  Ist  dieser  unmissverständlich  und  eindeutig,  so  darf  nicht  davon  abgewichen 
werden.  Bestehen  jedoch  triftige  Gründe  dafür,  dass  der  Wortlaut  einer  Bestimmung 
nicht deren wahren Sinn wiedergibt, ist eine weitere Auslegung trotz dessen scheinbarer 
Klarheit  erforderlich.  Derartige  Gründe  können  sich  aus  der  Entstehungsgeschichte  der 
Norm,  aus  deren  Sinn  und  Zweck  oder  aus  dem  Zusammenhang  mit  anderen 
Vorschriften  ergeben.  Massgebliches  Element  der  grammatikalischen  Auslegung  ist  der 
Gesetzestext. Titel sowie Sachüberschriften und Randtitel (Marginalien) sind Bestandteile 
des  Textes  und  müssen  daher  bei  der  Auslegung  mitberücksichtigt  werden  (ULRICH 
HÄFELIN / WALTER HALLER /  HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. A., Zürich 
2008, Rz 80, 91 ff.). 

c)  Art.  164  RPBG  betrifft  oberirdische  Gebäude  (Hochbauten).  Das  ergibt  sich  aus 
den  in  Abs.  1  enthaltenen  Begriffen  "Gebäudehöhe"  und  "zum  höchsten  Punkt  des 
Gebäudes". Für unterirdische Einrichtungen (frz.: "constructions souterrraines") wird auf 
das  Ausführungsreglement  verwiesen,  das  indes  keine  konkreten  Abstandsvorschriften 
enthält.  Demnach  ist  zu  schliessen,  dass  für  solche  Bauten  kein  Grenzabstand 
einzuhalten ist. Dies ist denn auch nach Auskunft die Praxis des BRPA (andeutungsweise 
in  Extraits  1986  S. 142 ff.).  Desgleichen  sehen  andere  kantonale  Baugesetze  für 
unterirdische Bauten in der Regel keinen oder nur einen geringen Grenzabstand vor (vgl. 
etwa:  ALDO  ZAUGG  /  PETER  LUDWIG,  Baugesetz  des  Kantons  Bern  vom  9.  Juni  1985, 
Kommentar  Bd.  I,  3.  A.,  Bern  2007,  Art.  12  N  8c;  CHRISTOPH  FRITZSCHE  /  PETER  BÖSCH, 
Zürcher  Planungs-  und  Baurecht,  3. A.,  Zürich  2003,  S.  12-9,  Ziff.  12.4.3.2;  BALTHASAR 
HEER,  St.  Gallisches  Bau-  und  Planungsrecht,  Stämpfli  Verlag  Bern,  2003,  Rz.  620;  Art. 
84 des Baugesetzes des Kantons Waadt [LATC; RSV 700.11]).  

kann 

indessen  nicht  unbesehen 

d)  Diese  Schlussfolgerung 

für  die 
Waldgesetzgebung  gelten.  Im  Kanton  Bern  beispielsweise  haben  unterirdische  Bauten 
einen  Waldabstand  vom  15  m  einzuhalten;  kürzere  Distanzen  sind  bei  besonderen 
Verhältnissen  zulässig  (vgl.  BVR  2003  S.  257  E.  10a  und  10b  S.  275).  Die  anderen 
erwähnten  Kantone  (ZH,  SG,  VD)  haben  offenbar  für  unterirdische  Bauten  in  Waldnähe 
keine besonderen Abstände festgelegt. Zu prüfen ist nunmehr, wie sich die Situation im 
hier strittigen Fall verhält. 

6. 
a) Der Beschwerdegegner macht geltend, dass kein Wald im eigentlichen Sinn mehr 
bestehe.  Der  Wald  sei  Ende  1999  durch  den  Sturm  "Lothar"  mehrheitlich  zerstört 
worden; es seien nur noch einige "bescheidene" Bäume verblieben. Auch sei der Wald in 
Privatbesitz.  Sollte  die  Vernichtung  des  Waldes  nicht  anerkannt  werden,  sei  eine 
Feststellung des Waldes nach Art. 21 ff. WSG anzuordnen. 

Demgegenüber  verweist  die  ILFD  mit  Eingabe  vom  11.  November  2008  auf  den  rechts-
kräftigen  Waldfeststellungsentscheid  vom  7.  Juni  2004,  wonach  die  Parzelle  Nr.  2__  als 
Wald gelte.  

b) Die Waldfeststellungsverfügung erging im Rahmen der Revision der Ortsplanung 
der  Gemeinde  Y._____.  Damit  wurde  Art.  10  Abs.  2  WaG  nachgelebt,  der  vorschreibt, 

 
 
 
 
 
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dass beim Erlass und bei der Revision von Nutzungsplänen nach dem Bundesgesetz über 
die  Raumplanung  vom  22.  Juni  1979  (RPG;  SR  700)  eine  Waldfeststellung  in  jenem 
Bereich  anzuordnen  ist,  wo  Bauzonen  an  den  Wald  grenzen  oder  in  Zukunft  grenzen 
sollen.  Wald,  der  über  die  festgelegten  Waldgrenzen  in  eine  Bauzone  wächst,  gilt 
rechtlich  nicht  als  Wald.  Er  kann  ohne  Rodungsbewilligung  gerodet  und  der  Boden 
überbaut werden (Art. 13 Abs. 2 WaG; ZAUGG / LUDWIG, Art. 4/5 N 5a; FRITZSCHE / BÖSCH, 
S. 3-12).  

c)  Die  ILFD  hat  Wald  auf  der  Parzelle  Nr.  2__  festgestellt  und  zwar  trotz  des  Um-
stands, dass  er im Jahre 1999 durch einen Sturm teilweise oder ganz vernichtet wurde. 
Wald  wächst,  dehnt  sich  aus  und  ungenutzte  Flächen  überwachsen.  Es  ist  zwar  nicht 
anzunehmen,  dass  der  Wald  im  Zeitraum  von  1999  bis  2004  wieder  seinen 
ursprünglichen  Zustand  annahm.  Aber  der  Entscheid  vom  7.  Juni  2004  blieb 
unangefochten  und  wird  auch  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  in  Frage  gestellt.  Er 
entfaltet infolgedessen  weiterhin seine Wirkung. Die Bestockung auf  Parzelle Nr. 2__ ist 
somit als Wald zu qualifizieren. Insofern der Beschwerdegegner das Gegenteil behauptet, 
ist er nicht zu hören. Auch spielt es keine Rolle, dass der Wald Privateigentum ist und der 
Eigentümer  gegen  die  beabsichtigte  Baute  beziehungsweise  gegen  die  Verkürzung  des 
Abstandes  keine  Einwände  erhoben  hat;  die  Waldabstandsvorschriften  gelten  für  alle 
Wälder des Kantons (Art. 2 Abs. 1 WSG). 

7. 
a)  Weder  das  eidgenössische  noch  das  kantonale  Waldgesetz  schreiben  für  unter-
irdische  Bauten  einen  bestimmten,  in  Meter  ausgedrückten  Waldabstand  vor.  Die 
geltenden  Abstandsvorschriften  beziehen  sich  auf  Hochbauten,  aber  nicht  auf  sich  ganz 
im  Boden  befindende  Tiefbauten,  die  überhaupt  nicht  sichtbar  sind.  Damit  dürfen 
unterirdische Bauten grundsätzlich bis an die Grenze erstellt werden.  

b)  Diese  Schlussfolgerung  gilt  jedoch  nicht  absolut  (vgl.  etwa  JEAN-LUC  MARTI,  Dis-
tances,  coefficients  et  volumétrie  des  constructions  en  droit  vaudois,  Diss.  Lausanne 
1988, S. 94 f.). Es ist zu prüfen, ob die Baute dem Wald, insbesondere dem Wurzelraum, 
Schaden  zufügen  kann.  Dabei  drängt  sich  eine  direkte  Anwendung  von  Art.  17  Abs.  1 
WaG  auf  (AGVE  1999  S.  214  E.  3c  S.  224  f.).  Weiter  gilt  es,  gestützt  auch  Art.  212 
EGZGB die Interessen des Waldeigentümers vor Augen zu halten.  

c)  Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  soll  Art.  17  WaG  sicherstellen, 
dass  die  Erhaltung,  Pflege  und  Nutzung  des  Waldes  durch  Bauten  und  Anlagen  in 
Waldesnähe  nicht  beeinträchtigt  werden.  Die  Zielsetzung  liege  darin,  den  Wald  vor 
natürlicher  oder  menschlicher  Zerstörung  zu  bewahren.  Zudem  solle  der  Waldabstand 
eine  zweckmässige  Bewirtschaftung  und  Erschliessung  des  Waldes  ermöglichen,  den 
Wald vor Feuer schützen, sowie dem hohen ökologischen Wert des Waldrandes Rechnung 
tragen.  Waldränder  seien  sowohl  wegen  ihres  landschaftlichen,  biologischen  und 
ästhetischen  Wertes  als  auch  angesichts  ihrer  vermehrten  Gefährdung  besonders  zu 
schützen.  Zu  erhalten  sei  nicht  allein  die  Quantität,  sondern  auch  die  Qualität  des 
Waldes.  Der  Waldrand  sei  für  die  Qualität  des  Waldes  wesentlich.  Angemessen  sei  der 
Mindestabstand  der  Bauten  und  Anlagen  vom  Waldrand,  wenn  er  den  Schutz  dieser  im 
öffentlichen  Interesse  liegenden  Zwecke  gewährleiste,  welche  durch  eine  zu  enge 
Nachbarschaft  von  Bauten  und  Anlagen  zum  Wald  beeinträchtigt  wären  (zur  Publikation 
vorgesehenes  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_119/2008  vom  21.  November  2008  E.  2.4, 
mit Hinweisen). 

 
 
 
 
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d)  Ihre  ablehnende  Haltung  begründet  die  ILFD  in  erster  Linie  mit  grundsätzlichen 
Überlegungen. Sie verweist auf die Botschaft des Bundesrats zum Waldgesetz, auf einen 
Entscheid  des  Bundesrats  vom  3.  Februar  1986  zum  Forstgesetz  des  Kantons  Wallis 
sowie  auf  eine  Vernehmlassung  des  Bundesamtes  für  Umwelt.  Danach  ermögliche  der 
Waldabstand eine zweckmässige Bewirtschaftung und Erschliessung des Waldes, schütze 
ihn  vor  Feuer  und  trage  seinem  hohen  ökologischen  Wert  Rechnung.  In  der  Regel  solle 
der  Abstand  von  15  m  nicht  unterschritten  werden,  ansonsten  die  Walderhaltung 
beeinträchtigt  werde.  Ein  Abstand  von  5  m  sei  nicht  bundesrechtskonform  und  ein 
solcher  von  10  m  nur  möglich,  wenn  zwingende  Gründe  vorlägen.  Nach  dem  früheren 
Recht habe im Kanton Freiburg der Minimalabstand 30 m betragen, es seien aber immer 
Ausnahmebewilligungen  erteilt  worden.  Mit  dem  neuen  Gesetz  von  1999  habe  man  den 
Abstand  auf  20  m  herabgesetzt,  gerade  auch  mit  dem  Ziel,  den  gesetzlich  festgelegten 
Abstand viel strikter zu handhaben und Ausnahmen bei Weitem nicht mehr so einfach zu 
bewilligen.  Im  Quartier  "X.______"  würden  schon  15  m  gelten,  was  bereits  eine  sehr 
weitgehende Ausnahmebewilligung darstelle. 

Ein  Abstand  von  10  m  könne  als  das  äusserste  noch  tragbare  Minimum  angesehen  und 
dürfe  nur  aus  zwingenden  Gründen,  die  nicht  gegeben  seien,  bewilligt  werden.  Die  Er-
fahrung  habe  gezeigt,  dass  nebst  den  offensichtlichen  Sicherheitsproblemen  auch 
Nachteile für die Walderhaltung aufträten, wenn der Abstand unter 15 m betrage. 

Schliesslich  schaffe  der  Oberamtmann  mit  seinem  Entscheid  einen  Präzedenzfall.  Zahl-
reichen  weiteren  Baugesuchen,  mit  welchen  eine  Ausnahme  beantragt  werde,  müsste 
stattgegeben werden. 

noch 

Auch 

private 

entgegen. 

Interessen 

e)  Demgegenüber  vertritt  der  Beschwerdegegner  die  Auffassung,  dass  die  Voraus-
setzungen für eine Ausnahmebewilligung erfüllt seien. Mit seiner Baute würden keinerlei 
Nachteile für die Nutzung des Waldes entstehen und es stünden seinem Vorhaben weder 
öffentliche 
das 
Verhältnismässigkeitsgebot  nicht  verletzt.  Der  vorgesehene  Waldabstand  von  9,8  m 
ermögliche  eine  zweckmässige  Bewirtschaftung,  Erschliessung  und  Pflege  des  Waldes; 
Sicherheitsrisiken  würden  keine  bestehen.  Weiter  verweist  der  Beschwerdegegner  auf 
verschiedene  Bundesgerichtsentscheide,  nach  welchen  eine  Reduzierung  der  Abstände 
bewilligt  wurde.  Mit  der  Bewilligung  für  den  Bau  des  Kellers  würde  kein  Präzedenzfall 
geschaffen,  da 
in  der  ganzen  Schweiz  Fälle  bereits  bekannt  seien,  wo  der 
vorgeschriebene  Waldabstand  unterschritten  worden  sei.  Mit  einem  Abstand  von  9,8  m 
würden  die  Wurzeln  der  Bäume  nicht  beschädigt.  Infolgedessen  sei  die  Erhaltung  des 
Waldes  nicht  gefährdet.  Auch  die  Pflege  und  Nutzung  des  Waldes  würden  nicht 
beeinträchtigt.  Dadurch,  dass  die  Baute  unteririsch  sei,  würde  dem  hohen  ökologischen 
Wert des Waldes Rechnung getragen. 

werde 

Es werde zudem kein Präzedenzfall geschaffen, da es sich hier um eine "eindeutige Aus-
nahme  in  einem  Einzelfall"  handle.  Auch  würde  der  geplante  Keller  an  die  bereits 
bestehende  Liegenschaft  angebaut,  was  gemäss  Praxis  der  Verwaltungsbehörden 
ebenfalls zu einer Gewährung der Unterschreitung des Mindestabstandes führen würde.  

Abschliessend  bringt  der  Beschwerdegegner  vor,  dass  in  der  Umgebung  seiner 
Liegenschaft bereits mehrere Bauten bewilligt worden seien, welche den Mindestabstand 
ebenfalls nicht einhalten würden. 

 
 
 
- 8 -

dies 

Bestimmtheit 

beeinträchtigen  würde",  wie 

f)  Inwiefern das Bauvorhaben des Beschwerdegegners  ein "offensichtliches Sicher-
heitsproblem"  und  "Nachteile  für  die  Walderhaltung"  darstellen  kann  sowie  "die 
Walderhaltung  mit 
die 
Beschwerdeführerin behauptet, ist nicht nachvollziehbar. Die Sicherheitsprobleme, wenn 
solche  überhaupt  bestanden  haben,  bleiben  unverändert.  Die  Beschwerdeführerin  legt 
auch  nicht  in  substanziierter  Weise  dar,  dass  die  Erhaltung,  Pflege  und  Nutzung  sowie 
eine  zweckmässige  Bewirtschaftung  und  Erschliessung  des  Waldes  beeinträchtigt  oder 
dass  der  Wurzelraum  irreparabel  geschädigt  würden.  Anhaltpunkte  für  eine  erhöhte 
Feuergefahr oder für eine Verminderung des ökologischen Werts des Waldrandes gibt es 
nicht.  Zudem  behauptet  sie  nicht,  dass  eine  oder  mehrere  der  gesetzlich 
vorgeschriebenen Schutzfunktionen des Waldes ernsthaft gefährdet erscheinen und/oder 
eine  solche  Beeinträchtigung  mit  Wahrscheinlichkeit  zu  erwarten  ist  (vgl.  Urteil  des 
Bundesgerichts 1P.251/2005 vom 23. August 2005 E.2.3, mit Hinweisen). In diesem und 
in  den  anderen  vom  Beschwerdegegner  zitierten  Entscheide  (vgl.  Urteile  des 
Bundesgerichts  1A.293/2000  vom  10.  April  2001  und  1A.183/2001  vom  18.  September 
2001)  hat  das  Bundesgericht  Bauten,  die  in  einem  Abstand  von  2,5  m,  0  m 
beziehungsweise  zwischen  2,2  m  und  7  m  zum  Wald  nicht  beanstandet.  Immerhin 
handelte es sich dabei um spezielle Fälle (Garage, Strasse, Schiessstand), die nicht ohne 
Weiteres auf den vorliegenden übertragen werden können. 

Auch  kann  der  Befürchtung  der  Beschwerdeführerin,  bei  Erteilung  der  Baubewilligung 
werde  ein  Präzedenzfall  geschaffen  und  aus  Gründen  des  Gleichbehandlungsgebots 
könnte  sie  bei  weiteren  gleichartigen  Baugesuchen  ihre  Zustimmung  nicht  versagen, 
nicht gefolgt werden. Jeder Fall ist anders und, wie schon gesagt, gerade die Festsetzung 
des Waldabstandes hängt stark von den konkreten Verhältnissen im Einzelfall ab (STEFAN 
M. JAISSLE, Der dynamische Waldbegriff und die Raumplanung, Zürich 1994, S. 241 f.).  

Schliesslich  ist  hervorzuheben,  dass  der  Eigentümer  der  Waldparzelle  Nr.  2__  dem  Be-
schwerdegegner  ein Näherbaurecht gewährte,  gegen das Bauvorhaben keine Einsprache 
erhob  und  auch  nicht  geltend  macht,  die  Bewirtschaftung  seines  Waldes  werde  beein-
trächtigt oder dieser werde durch die Baute Schaden nehmen. 

8. 
Zusammenfassend  lässt  sich  damit  feststellen,  dass  durch  die  Baute  keine 
ernsthafte,  konkrete  Gefahr  geschaffen  wird.  Es  leuchtet  auch  nicht  ein,  inwiefern  sich 
eine  unterirdische  Baute,  die  zwischen  9  und  10  m  vom  Wald  entfernt  erstellt  wird,  auf 
diesen oder das Wurzelwerk beeinträchtigend auswirken sollte. Da somit keine Gefahr für 
den  Wald  besteht,  kann  dem  Baugesuch  die  Zustimmung  nicht  verweigert  werden. 
Infolgedessen ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 131 

9. 
Abs. 1 VRG, Art. 133 Abs. 1 VRG). 

Der Vertreter des Beschwerdegegners hat Anrecht auf eine Parteientschädigung (Art. 137 
Abs.  1  VRG,  Art.  141  Abs.  2  VRG;  Art.  1  und 2  des  Tarifs  vom  17.  Dezember  1991  der 
Verfahrenskosten und Entschädigungen in der Verwaltungsjustiz [TarifVJ; SGF 150.12]), 
die auf 2'150.80 Franken (Honorar: 1'955 Franken, Auslagen: 43.90 Franken, Mehrwert-
steuer:  151.90  Franken)  festgesetzt  wird.  Es  ist  daran  zu  erinnern,  dass  der 
Stundenansatz in analoger Anwendung des Tarifs vom 28. Juni 1988 der als Parteikosten 
in  Zivilsachen  geschuldeten  Anwaltshonorare  und  -auslagen  (PKT;  SGF  137.21)  230 

 
 
- 9 -

Franken  beträgt 
Sekretariatsarbeiten ist nicht ausgewiesen. 

(vgl.  Art.  4  PKT).  Die  Forderung  von  375  Franken 

für 

D e r   H o f   e r k e n n t :  

I. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

II. 

Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

III.  Die  Rechtsanwalt  Henninger  geschuldete  Parteientschädigung  wird  auf  2'150.80 

Franken (inkl. Mehrwertsteuer) festgesetzt und dem Staat auferlegt.  

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  ab  Zustellung  Beschwerde  beim  Bundes-
gericht, Lausanne, eingereicht werden.  

208.5, 202.19, 202.20