# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9e666984-66ce-56db-9497-00e971d76a82
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-07-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.07.2017 E-3040/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3040-2017_2017-07-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3040/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  J u l i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richter Bendicht Tellenbach,  

Richter François Badoud,    

Gerichtsschreiberin Stefanie Brem. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. April 2017 / N (…). 

 

 

 

E-3040/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 24. Oktober 2016 im Empfangs- und 

Verfahrenszentrum Basel um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Per-

son (BzP) vom 28. Oktober 2016 und der Anhörung 10. Januar 2017 gab 

sie im Wesentlichen an, ihre Mutter sei gestorben als sie noch ein Kleinkind 

gewesen sei. Nachdem sie auch ihren Vater im Alter von 18 oder 19 Jahren 

verloren habe, habe sie mit ihrem Bruder gelebt. Vor mehreren Monaten 

habe ihr Bruder sie plötzlich loswerden wollen und habe sie mit einem ihr 

unbekannten Mann aus der Region verheiraten wollen. Da sie ihn nicht 

habe heiraten wollen, sei sie von ihrem Bruder beschimpft und geschlagen 

worden. Sie habe B._______, ihrem heutigen Lebenspartner, mit welchem 

sie über das Internet in Kontakt getreten sei, von der bevorstehenden 

Zwangsheirat berichtet. Sie sei zu ihm nach C._______ geflohen und habe 

dort mit ihm für mehrere Monate zusammengewohnt. Ihr Bruder und der 

unbekannte Mann hätten in der Zwischenzeit nach ihr gesucht und ihr mit 

dem Tod gedroht. Ihr Lebenspartner habe sie anschliessend nach 

D._______ gebracht, von wo sie einige Wochen später gemeinsam mit ih-

rem Lebenspartner aus der Türkei ausgereist seien.   

Die Beschwerdeführerin reichte einen ärztlichen Bericht der Psychiatri-

schen Dienste des Spitals E._______ vom 28. Oktober 2016 zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 27. April 2017 (eröffnet am 2. Mai 2017) stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

deren Vollzug an.  

C.  

Mit Verfügung vom 5. Mai 2017 stellte das SEM der Beschwerdeführerin 

auf ihr Gesuch vom 3. Mai 2017 hin eine Kopie des Aktenverzeichnisses 

sowie Kopien der gewünschten Akten, soweit sie dem Akteneinsichtsrecht 

unterlagen, zu. 

D.  

Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 reichte die Beschwerdeführerin beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Verfügung des 

SEM vom 27. April 2017 sei aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft sei an-

zuerkennen und ihr sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei 

die Verfügung des SEM vom 27. April 2017 in den Dispositivziffern 4 und 5 

E-3040/2017 

Seite 3 

aufzuheben und die Beschwerdeführerin sei wegen der Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs als Ausländerin vorläufig in der Schweiz aufzu-

nehmen. Subeventualiter sei die Verfügung des SEM vom 27. April 2017 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ihr Verfahren sei mit 

jenem des Lebenspartners zu koordinieren. In prozessualer Hinsicht bean-

tragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, die Beiord-

nung eines amtlichen Rechtsbeistands sowie den Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. 

Die Beschwerdeführerin reichte eine Fürsorgebescheinigung sowie einen 

Arztbericht vom 22. Mai 2017 zu den Akten.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die 

Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung 

legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet sich 

die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.2 Das Verfahren wird mit dem Verfahren E-3042/2017 des Lebenspart-

ners koordiniert und ergeht mit demselben Spruchkörper.  

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin macht zunächst geltend, die Vorinstanz habe 

es in ihrer Verfügung unterlassen, die aktuelle politische Entwicklung in der 

Osttürkei detailliert darzulegen und so ihre Begründungspflicht verletzt. Zu-

dem sei nicht ersichtlich, auf welche Quellen sich die vorinstanzlichen Aus-

sagen zur medizinischen und psychiatrischen-psychologischen Versor-

gungslage in der Türkei stützen.  

E-3040/2017 

Seite 4 

3.2 Bezüglich der vorgebrachten Verletzung der Begründungspflicht ist da-

rauf zu verweisen, dass die Begründungspflicht die Vorinstanz lediglich 

dazu verpflichtet, kurz die wesentlichen Überlegungen zu nennen, von de-

nen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid 

stützt. So geht aus der angefochtenen Verfügung hervor, dass die Vor-

instanz die wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin gewürdigt hat 

und eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war. Zudem war 

die Vorinstanz auch nicht zur Offenlegung der Quellen verpflichtet, auf wel-

che sich ihre Einschätzung stützt, da es sich hierbei um interne Akten han-

delt, die nicht dem Akteneinsichtsrecht unterstehen. Die formellen Rügen 

erweisen sich angesichts dieser Sachlage als unbegründet, weshalb keine 

Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Rechtsbegehren sind abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 

E. 6.5.1 mit Verweisen). 

 

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Seite 5 

4.3 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Beschwerdefüh-

rerin habe in der Türkei weder mit den Behörden noch mit den Sicherheits-

kräften Probleme gehabt. Bei den Übergriffen durch ihren Bruder, der be-

fürchteten Zwangsheirat sowie der Angst vor einem Ehrenmord handle es 

sich um erlittene beziehungsweise befürchtete Verfolgung durch Private. 

Die Situation der Frauen habe sich in der Türkei besonders im Bereich der 

Schutzvorkehrungen vor Übergriffen deutlich verbessert. Der türkische 

Staat verfüge über eine funktionierende und wirksame Schutzinfrastruktur. 

Der Beschwerdeführerin wäre es möglich gewesen, mit Hilfe der türkischen 

Behörden gegen die drohende Zwangsheirat beziehungsweise ihren Bru-

der vorzugehen oder sich an weitere türkische Anlaufstellen zu wenden. 

Sie habe zu keinem Zeitpunkt versucht, Schutz von den Behörden zu er-

halten.  

4.4 Die Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, im Rahmen der aktu-

ellen Therapie habe sie erstmals mitteilen können, dass sie im Alter von 

(…) Jahren vergewaltigt worden sei. Dies habe bei ihr zu einer posttrau-

matischen Belastungsstörung geführt. Die türkischen Behörden seien we-

der schutzfähig noch schutzwillig. Seit dem Putschversuch könne die Un-

abhängigkeit der türkischen Justiz nicht mehr garantiert werden. Eine ef-

fektive Strafverfolgung sei aufgrund ihrer kurdischen Abstammung zweifel-

haft. Zudem sei der Justizapparat überlastet. Eine Anzeige würde keine 

Wirkung zeigen. Die Inanspruchnahme der Justiz sei ihr wegen ihrer 

schlechten Schulbildung, ihrer psychischen Verfassung sowie ihrer gerin-

gen finanziellen Mittel nicht zumutbar.  

4.5 Bei den vorgebrachten Übergriffen und den Bedrohungen durch den 

Bruder sowie der drohenden Zwangsheirat und der Furcht vor einem Eh-

renmord handelt es sich um eine Verfolgung durch einen nicht-staatlichen 

Akteur. Das Bundesverwaltungsgericht hat sich zur Schutzfähigkeit und 

dem Schutzwillen der türkischen Behörden hinsichtlich des Umgangs mit 

Opfern von häuslicher Gewalt und Zwangsheirat geäussert. Die Türkei hat 

in den vergangenen Jahren kontinuierlich Schritte zur Verbesserung der 

rechtlichen und gesellschaftlichen Situation der Frauen im Allgemeinen so-

wie im Besonderen zu deren Schutz vor Übergriffen mit soziokulturellem 

Hintergrund bis hin zum Ehrenmord unternommen. So trat im Jahre 2012 

das Gesetz Nr. 6284 zum Schutz der Familie und zur Verhütung von Ge-

walt gegen Frauen in Kraft, welches auf Opferschutz und die Anordnung 

von verschiedenen Sicherheits- und Unterstützungsmassnahmen abzielt, 

wobei neu alle Frauen – auch unverheiratete – geschützt werden. Gemäss 

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Seite 6 

Urteil des BVGer D-4592/2013 vom 8. Januar 2014 sind von 166 geschaf-

fenen Familiengerichten 157 zugänglich, und es gebe bisher (Stand No-

vember 2012) 76 Frauenhäuser für Opfer von häuslicher verbaler, emotio-

naler, wirtschaftlicher, sexueller oder körperlicher Gewalt (vgl. a.a.O. 

E. 5.1). Die bedrohten Frauen seien innerfamiliären Übergriffen nicht völlig 

schutzlos ausgeliefert. Vielmehr zeige sich, dass die türkischen Behörden 

entschlossen seien, gegen Ehrenmorde effektiv vorzugehen und dass sie 

grundsätzlich auch in der Lage seien, Schutz zu gewähren (vgl. a.a.O. 

E. 5.2).  

Auch wenn in der Türkei nach wie vor Ehrenmorde geschehen, so bedeutet 

dies keineswegs, dass die bedrohten Frauen innerfamiliären Übergriffen 

völlig schutzlos ausgeliefert wären. Vielmehr zeigt sich gemäss vorstehen-

den Ausführungen, dass die türkischen Behörden entschlossen sind, ge-

gen diese Phänomene effektiv vorzugehen und dass sie grundsätzlich 

auch in der Lage sind, Schutz zu gewähren. Diesen Umstand vermögen 

auch die aktuellen politischen Entwicklungen nicht zu ändern. Somit ist in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz vom behördlichen Schutzwillen und 

der behördlichen Schutzfähigkeit auszugehen. Darüber hinaus ist der Be-

schwerdeführerin die Inanspruchnahme der staatlichen Schutzinfrastruktur 

auch zumutbar. Bis zu ihrer Ausreise hat die Beschwerdeführer kein einzi-

ges Mal versucht, sich an eine Schutzstelle, wie die Polizei, die Justiz oder 

Frauenhäuser, zu wenden. Ihr unbelegter Einwand, eine Meldung bei der 

Polizei hätte sowieso nichts gebracht, ist nicht geeignet den behördlichen 

Schutzwillen und die Schutzfähigkeit zu widerlegen. Es ist auch davon aus-

zugehen, dass sie sich bei den türkischen Behörden Gehör zu verschaffen 

vermag. Das türkische Justizsystem ist so ausgestaltet, dass es jeder Per-

son, unabhängig von ihrer Schulbildung, in Anspruch nehmen kann. Zu-

dem verfügt die Beschwerdeführerin durchaus über eine gewisse Selb-

ständigkeit, da sie durch den Verlust ihrer Eltern bereits früh zur Selbstän-

digkeit gezwungen wurden und für ihren Lebensunterhalt eigenständig auf-

kommen musste. Ferner kann sie sowohl auf die moralische als auch fi-

nanzielle Unterstützung ihres Lebenspartners zählen, welcher bereits ihre 

Ausreise finanzierte und somit in der Lage wäre, allfällige Verfahrens- so-

wie Anwaltskosten zu bezahlen und sie bei den Behördengängen zu unter-

stützen.  

4.6 Hinzuzufügen ist, dass der neu auf Beschwerdeebene geltend ge-

machten Vergewaltigung, unabhängig davon, ob sie als glaubhaft zu be-

wertet ist, keine Asylrelevanz zukommt. Die Vergewaltigung liegt bereits 

mehr als (…) Jahre zurück und wurde durch die Beschwerdeführerin nicht 

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als Grund ihrer Flucht vorgebracht. Eine zeitliche wie auch sachliche Kau-

salität der Vergewaltigung für die Ausreise ist zu verneinen.  

5.  

Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht 

möglich, regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-

setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländerin-

nen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

6.  

6.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AuG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht 

erfüllt, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 

Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zu-

lässigkeit des Vollzuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen ver-

fassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

[FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Weder aus der Beschwerde noch aus den Akten ergeben sich konkrete 

Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin für den Fall einer Aus-

schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach 

Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-

setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig. 

6.2 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AuG unzumut-

bar sein, wenn die Ausländerin oder der Ausländer im Heimat- oder Her-

kunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner 

Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet ist. 

6.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Wegweisung mit Blick 

auf die aktuellen Ereignisse in der Türkei sei unzumutbar. Als Kurdin ohne 

soziales Netzwerk sei sie sozioökonomisch nicht gesichert. Bereits nach 

ihrer Vergewaltigung habe sie keine psychologische Hilfe erhalten. Auch 

zum heutigen Zeitpunkt könne sie nicht auf fachärztliche Hilfe zählen. Eine 

innerstaatliche Wohnsitzalternative sei ihr zudem nicht zumutbar.  

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Seite 8 

6.2.2 In der Türkei herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Ge-

walt. Trotz Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-kurdi-

schen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen 

der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und staatlichen Sicherheitskräften seit 

Juli 2015 in verschiedenen Provinzen im Südosten des Landes – zu denen 

weder der letzte Wohnort der Beschwerdeführerin noch der Wohnort ihres 

Lebenspartners gehört (im Einzelnen: Batman, Diyarbakir, Marsin, Siirt, 

Urfa und Van, anders als die Provinzen Hakkari und Sirnak, zu den Letzte-

ren BVGE 2013/2 E. 9.6) – und der Entwicklungen nach dem Militärputsch-

versuch vom 15./16. Juli 2016, ist gemäss konstanter Praxis nicht von einer 

Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen – 

auch nicht für Angehörige der kurdischen Ethnie – auszugehen (jüngst be-

stätigt in den Urteilen BVGer E-2420/2017 vom 8. Mai 2017 E. 6.2 und D-

4568/2016 vom 15. März 2017 E. 6.4.2). Auch in individueller Hinsicht sind 

keine Gründe ersichtlich, welche zur Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs führen würden. Die Beschwerdeführerin hat die Primarschule ab-

geschlossen und ein Jahr lang die Mittelschule besucht. Anschliessend ar-

beitete sie drei Jahre in einer Fabrik und finanzierte in der Folge ihren Le-

bensunterhalt mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten (vgl. Akten der Vor-

instanz A7/15, F1.17; A26/21, F102f.). Vor ihrer Ausreise wohnte sie meh-

rere Monate mit ihrem Lebenspartner zusammen, der sie in dieser Zeit mo-

ralisch wie auch finanziell unterstützte und ihre Ausreise finanzierte. Bei 

einer Rückkehr steht es ihr offen, zusammen mit ihrem Lebenspartner 

Wohnsitz in F._______ zu nehmen, wo sie sich mit dessen Hilfe sowie jener 

seiner Verwandten eine neue Existenz aufbauen kann. Hinsichtlich des 

Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin geht aus den auf Be-

schwerdeebene eingereichten ärztlichen Bericht hervor, dass sie an einer 

posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD mit Monotraumatisierung) 

leidet. Diesbezüglich ist festzustellen, dass die Behandlung psychischer 

Probleme in der Türkei sowohl stationär als auch ambulant möglich ist. Es 

existieren landesweit psychiatrische Einrichtungen; ebenso stehen 

Psychopharmaka zur Verfügung. Insbesondere in türkischen Gross- und 

Provinzhauptstädten ist der Zugang, trotz den neusten politischen Entwick-

lungen, zu Gesundheitsdiensten und Beratungsstellen sowie Behand-

lungseinrichtungen für psychische Leiden gewährleistet. Es ist daher da-

von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin, sollte sie eine weiterge-

hende psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, auch in der Tür-

kei eine adäquate Behandlung erhalten wird. Ihr unbelegter Einwand, nach 

ihrer Vergewaltigung habe sie keine psychologische Hilfe erhalten, vermag 

diesen Umstand nicht zu entkräften. Die Vergewaltigung liegt gemäss ihren 

Angaben bereits (…) Jahre zurück. In diesen Jahren konnte die Türkei ihr 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/2

E-3040/2017 

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Gesundheitssystem flächendeckend verbessern und die Behandlungs-

möglichkeiten effizienter machen. Unter Berücksichtigung aller wesentli-

chen Faktoren ist von der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung aus-

zugehen.  

6.3 Nach Art. 83 Abs. 2 AuG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeich-

nen, weil es der Beschwerdeführerin obliegt, sich die für eine Rückkehr 

notwendigen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung ihres Hei-

matstaats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 

E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist möglich. 

6.4 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

8.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb 

die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung eines 

Rechtsbeistandes ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit 

abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG). 

8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 

um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem 

Urteil gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750. – werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Stefanie Brem