# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 01cf1b0c-f499-5cda-befd-eb3ce8f38b8e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-23
**Language:** de
**Title:** Keine verwertbare medizinische Beurteilung; Zweifel an der Schlüssigkeit der RAD-Beurteilung; Abklärungspflicht verletzt; Rückweisung
**Docket/Reference:** IV.2018.00514
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00514.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00514
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiber Frischknecht
Urteil
vom
23. September 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Trachsel
Trachsel Advokatur
Mülibachstrasse
21, Postfach 505, 8805 Richterswil
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene, zuletzt als
selbständiger
Dachdecker und
Kaminfeger
(
Urk.
7/7/30-31)
tätig gewesene
X.___
meldete sich am 3. Januar 2017 (Urk. 7/1) unter Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall bei der Invalidenver
siche
rung zum Leistungsbezug an.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Insbesondere gestützt auf beim
r
egionalen
ä
rztlichen Dienst (RAD) eingeholte Stellungnahmen vom 15. Dezember 2017 und 7. Februar 2018 (Urk. 7/36 S. 4-7, S. 8) stellte sie
vorbescheidweise
(Urk. 7/38)
die Ablehnung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erhobenem Einwand vom 14. April 2018 (Urk. 7/39) verfügte die IV-Stelle
am 26. April 2018 (Urk. 2) im angekündigten Sinne
.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe
vom 30. Mai 2018 (Urk. 1) Be
schwerde und beantragte, hinsichtlich der Berechnung der Invalidenrente sei von einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auszugehen (1.) und der Betroffene sei zur persönlichen Vorsprache, ärztlichen und physiotherapeutischen Untersu
chung direkt bei der SVA einzuladen (2.; S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 28. Juni 2018 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2. Juli 2018 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinden Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
der
lichen Auskünfte ein. Auch unter der Herrschaft des ATSG fällt es der IV-Stell
e zu, nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug die Verhältnisse abzuklä
ren (
Art.
57
IVG
,
in Verbindung mit
Art.
69 ff.
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung
[
IVV
]
)
.
In Ergänzung und Präzisierung zu
Art.
43
Abs.
1 ATSG hält
Art.
69
Abs.
2 IVV (in Verbindung mit
Art.
1 und
Art.
57
Abs.
2 IVG) fest, dass die IV-Stelle, wenn
die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unter
lagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit be
stim
mter Eingliederungsmassnahmen, beschafft und zu diesem Zwecke Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklä
rungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invalidenhilfe bei
ziehen kann. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können
(
BGE 132 V 93 E. 4
).
Der IV-Stelle (Art. 54-56 in Verbindung mit Art. 57 Abs. 1
lit
. c-g IVG) obliegt die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz richtig und vollständig abzuklären. Bezüglich des für die Invaliditätsbemessung erforderlichen medizinischen Sachverstandes kann sich die IV-Stelle auf den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Art. 59 Abs. 2 und 2
bis
IVG), die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte (Art. 28 Abs. 3 ATSG), externe medizinische Sachverständige (Art. 59 Abs. 3 IVG) und auf die medizinischen Abklärungs
stellen (Art. 59 Abs. 3 IVG) stützen (BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 26. April
2018 (Urk. 2) zur Hauptsache, leichte angepasste Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über
5
kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen seien dem Beschwerdeführer ab April 2017 wieder zu 100 % zumutbar (S. 1). Da der IV-Grad – basierend auf einem Einkommensvergleich ohne Erwerbseinbusse
–
0 % sei, habe der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Invalidenrente (S. 2).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 1) im Wesentlichen ein, medizi
ni
sche Untersuchungen hätten keine beziehungsweise nur in ungenügendem Umfang stattgefunden. Auch der Einkommensvergleich sei unverständlich, das ermittelte Invalideneinkommen könne der Beschwerdeführer nie erzielen (S. 3). Schliesslich sei eine persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin notwendig (S. 3 f.).
3.
3.1
Laut Bericht des Operateurs Dr. med.
Y.___
, Belegarzt Neurochirurgie
des
Z.___
, vom 20. Juni 2016 (Urk. 7/9/5-6) erfolgte am
17. Juni 2016
(Hospitalisation vom 17.
bis 20. Juni 2016)
eine Mikrodiskektomie L3/4 links
seitig, eine
Sequestrektomie
und Teildiskektomie sowie eine
Rezess
o
tomie
(S. 2).
3.2
Mit Bericht vom 28. Januar 2017 (Urk. 7/9/1-4) attestierte Dr. med.
A.___
, FMH für Innere Medizin,
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 3. Juni 2016 bis 23. Oktober 2016 sowie nachfolgend bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50 % in angestammter Tätigkeit des Beschwerdeführers als selb
s
tändiger Dachdecker beziehungswei
se Kaminfeger (S. 2).
3.
3
Nach erneuten
Hospitalisationen des Beschwerdeführers vom 27. bis 29. Janu
ar
2017 bei
Einsetzung
einer endoskopischen präperi
toneale
n
Netzeinlage inguinal beidseits und einer
Fibromexz
i
sion
am 27. Januar 2017 (Urk. 7/12/19-22) sowie vom 25
. bis 28. April 2017 bei v
orgenommener Re-Dekompression L3/4 links
seitig
durch eine
Interlaminektomie
,
Rezessotomie
und
Re-Diskushernienent
fer
nung
und einer Teildiskektomie sowie
bei
einer
Interlaminektomie
L2/3 rechts
seitig, einer Teil-
Rezess
o
tomie
und einer
Sequest
e
rektomie
am 25. April 2017 (Urk. 7/19/10-13), empfahl Dr.
Y.___
in den nächsten Wochen auf das Heben und Tragen von schweren Lasten zu verzichten. Er attestierte dem Beschwerde
führer eine 100%ig
e
Arbeitsunfähigkeit vom 28. April bis 5. Mai 2017 in seiner angestammten Tätigkeit als Dachdecker (S. 2
; verlängert bis Anfang August mit Verlaufsbericht vom 15. Juni 2017 [Urk. 7/23/18-19 S. 2]
)
.
3.4
Im letztbekannten Bericht der nachfolgenden Verlaufskontrolle vom 3. August
2017 (Urk. 7/19/2-3) nannte Dr.
Y.___
als Hauptdiagnosen (S. 1):
-
Status nach Re-Dekompression L3/4 links
und
Interlaminektomie
L2/3 rechts sowie Teil-
Rezessotomie
und
Sequesterektomie
am 25. April 2017 (fecit Dr.
Y.___
) bei
-
Status nach Mikrodiskektomie L3/4 links mit
Sequesterektomie
und Teil
diskektomie sowie
Rezessotomie
am 17. Juni 2016 (fecit
Dres
.
Y.___
/
B.___
)
-
Fussheber- und
Grosszehenheberschwäche
rechts
als mögliches Zeichen einer radikulären Reizung L5 rechts
-
Kleines lokales Diskushernien-Rezidiv LWK3/4 links auf Bandschei
ben
niveau ohne Sequestrierung mit aber deutlicher Kompression und Ver
lage
rung der Nervenwurzel L4
-
Zunehmende Symptomatik L3 rechtsseitig hervorgerufen durch die gross
volumige nach cranial sequestrierte Diskushernie L2/3 rechts
Zur Leistungsfähigkeit führt
e
er aus, schwierig sei vor allem, dass der Be
schwer
deführer sobald er auch nur leichte Tätigkeiten in ungünstiger Körperposition verrichten müsse, zunehmend Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule aber auch über das Gesäss in das linke Bein abstrahlend bekomme. Er arbeite als Kaminfeger, hier sei eine vorläufige Re-Integration sicher nicht
realistisch, auf längere Frist müsse man wahrscheinlich eine IV-Berentung ins Auge fassen (S. 2).
3.5
Dr. med.
C.___
, Pädiatrie FMH,
Vertrauensarzt der Krankentaggeldversicherung,
befand in Kenntnis vorgenannter Bericht
e
und bestätigter Diagnosestellung mit Bericht vom 20. September 2017 (Urk. 7/23/47-48)
,
aktuell sei der Beschwerde
führer in seinem körperlich anstrengenden Beruf noch deutlich eingeschränkt. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit sei gerechtfertigt. Die Prognose hinsichtlich Grad und Dauer der Arbeitsfähigkeit im angestammte
n
Beruf sei schlecht. Eine Um
schulung oder relevante Arbeitsplatzanpassung seien erforderlich.
In einer leich
ten und wechselbelastenden adaptierten Tätigkeit ohne schwer zu heben, ohne Tragen von Lasten, ohne repetitive Bewegungsmuster und ohne fixierte Einhal
tung einer Körperposition würde seines Erachtens eine Teilzeitarbeit möglich sein (S. 2).
3.6
Der Arzt des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin
(Urk. 7/36)
, Dr. med.
D.___
, Facharzt für Chirurgie, gelangte am 15. Dezem
ber
2017 in Würdigung der medizinischen Akten
lage
zum Schluss, eine leichte (ange
passte) Tätigkeit
in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transpor
tieren von Lasten grösser als 5
kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, wären dem Be
schwerdeführer medizinisch theoretisch
zu mindestens
50 %
zumutbar (S. 6
).
Am 7. Februar 2018 attestierte er bei konstantem Belastungsprofil medizinisch theoretisch eine
mindestens
100%ige Zumutbarkeit
(S. 7)
.
3.7
Im vom Beschwerdeführer während
des Beschwerdeverfahrens nachgereichten
Bericht vom 24. Mai 2018 (Urk. 3) verlängerte Dr.
Y.___
die attestierte Arb
e
its
unfähigkeit
bis Anfang Juli 2018
.
Da sich die Schmerzsituation unter geringer Belastung progredient gezeigt habe, sei am 24. Mai 2018 eine neue MRI-Unter
suchung durchgeführt worden. Darin zeige sich eine deutliche Zunahme der Dege
neration in den unteren vier Abschnitten der Lendenwirbelsäule in einem rela
tiv kurzen Zeitraum (S. 2).
4.
4.1
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wähle
n (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu nament
lich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdi
gen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
fol
ge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.2
Auf keinen der vorhandenen Berichte kann für die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
abgestellt werden
(E. 1.3 hievor).
Soweit den medizinischen Unterlagen
Stellungnahmen
zur Arbeitsfähigkeit zu entnehmen sind, erfolgen diese undifferenziert oder ausschliesslich hinsichtlich der angestammten Tätigkeit des Beschwerdeführers als Dachdec
ker beziehungs
weise Kaminfeger. Allein Dr.
C.___
(E. 3.5 hievor)
äusserte sich
namentlich
zum verbleibenden Fähigkeitsprofil des Beschwerdeführers, wobei auch er
sich
hin
sicht
lich
des
Ausmasses
der verbleibenden Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit nicht festlegte. Auch im Übrigen beschränken sich die aktenkundigen Be
richte im Wesentlichen auf die Nennung der Diagnosen
– ohne nach möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu differenzieren – s
owie
die
Schilderung zum weiteren Prozedere.
So können ihnen weder aus den Befunden abgeleitete
Funktionseinbussen noch die schlüssige Erläuterung medizinischer Zusammen
hänge entnommen werden.
4.3
Sodann vermag auch die Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr.
D.___
(E. 3.6 hie
vor) den vorstehend genannten Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise nicht zu genügen. Dr.
D.___
nahm keine eigene
Untersuchung vor,
sondern zog lediglich die zitierten Berichte bei. Ein solches Vorgehen ist grundsätzlich zu
lässig. Bestehen indes auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergän
zende Abklärungen vorzunehmen (
vgl. E. 4.1
). In diesem Sinne setzte Dr.
D.___
das Leistungsprofil und daraus folgend die Leistungsfähigkeit des Beschwerde
führers endlich auf 100
% in angepasster Tätigkeit fest, ohne dies auch nur ansatzweise zu begründen. Insbesondere legte er nicht in genügend nachvoll
ziehbarer Weise dar, weshalb nicht der Beurteilung von Dr.
C.___
, welcher
bei
gleichem Belastungsprofil
noch eine Teilarbeitsfähigkeit i
n ungenanntem Um
fang
attestiert hatte
, gefolgt werden kann. Dies hat umso mehr zu gelten, als RAD-Arzt Dr.
D.___
in einer ersten Stellungnahme
selbst
noch von einer Leis
tungs
fähigkeit des Beschwerdeführers von 50
% in angepasster Tätigkeit aus
ge
g
a
ng
en war
, seine Einschätzung
anschliessend jedoch bei
ebenfalls
unverän
dertem Leis
tungsprofil ohne weitere – geschweige denn schlüssige – Kommentie
rung revi
dierte (Urk. 7/36 S. 6, S. 7).
Sodann fehlt es auch an einer Auseinandersetzung mit den Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Gesundheitszustand, welche er anlässlich der Abklärung vor Ort in seinem Geschäft am 17. Januar 2018 machte (vgl. Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende vom 18. Januar 2018, Urk. 7/30 S. 3 und S. 6).
Demzufolge drängen sich erhebliche Zweifel an der RAD
-
Beurteilung auf und es kann nicht darauf abgestellt werden.
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Mit ihrem
Vorgehen ist die Beschwerdegegnerin der ihr obliegenden Abklä
rungs
pflicht (vorstehend E. 1.2) nicht
ausreichend
nachgekommen. Die angefochtene Verfü
gung ist deshalb in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde aufzu
heben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur rechtskonformen Sach
ver
halts
abklärung und -beurteilung zurückzuweisen
. Die Beschwerdegegnerin wird dabei auch zu berücksichtigen haben, wie sich das Leiden des Beschwerde
führers entwickelt hat. Gemäss der Beurteilung von Dr.
Y.___
vom 24. Mai 2018 ist von einer progredienten Schmerzsituation bei deutlicher Zunahme der Degeneration in den unteren vier Abschnitten der Lendenwirbelsäule auszugehen (vgl. E. 3.7).
Anzumerken bleibt, dass sich nebst der medizinischen Sachverhaltserstellung
gegebenenfalls
angesichts des
beschwerdeführerischen
Jahrgangs von 1958 auch die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt im fortgeschrittenen Alter
neu
stellen wird
(vgl. Urk. 7/36/7-8)
.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
5.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zess
entschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.
(zu
züglich Mehrwertsteuer) ermessen
s
weise auf Fr.
1
’
00
0
.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen ist.
Das Gericht verfügt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 26. April 2018 aufgehoben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3
.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1’00
0
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Jürg Trachsel
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubFrischknecht