# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cf7a404f-1615-590d-9a8a-4d6a0ea5dbe3
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-12-07
**Language:** de
**Title:** Lärmschutz. Kirchengeläut der evangelisch-reformierten Kirche Egg. Materielle Beurteilung des Zeitschlagens und des 14-minütigen Abendgeläuts am Wochenende.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0265/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nr._0265-2016_vom_7._dezember_2016.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2016.00196 
0265/2016 

Entscheid vom 7. Dezember 2016 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichter Walter Linsi, Baurichter Eugen 
Staub, Gerichtsschreiberin Elena Marioni-Quadranti     

in Sachen 

Rekurrierende 

1.  T. L., [….] 
2.  H. und N. S., [….] 
3.  O. U., [….] 
4.  A. E., [….]  

gegen 

Rekursgegnerschaft 

1.  Baukommission Egg, Forchstrasse 145, 8132 Egg b. Zürich  

2.  Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Egg, Forchstrasse 123, 

8132 Egg b. Zürich  

betreffend 

Baukommissionsbeschlüsse vom 24. Mai 2016 und 13. Juni 2016 (Wieder-
erwägung);  Anordnung  von  Massnahmen  betreffend  Kirchenglockengeläut 
der evangelisch-reformierten Kirche, Egg 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Am 16. Januar 2014 reichten T. und A. L., H. und N. S., O. U. sowie A. E. 

bei der Gemeinde Egg eine Lärmklage ein. Mit dieser beantragten sie, die 

evangelisch-reformierte  Kirche  Egg  habe  auf  die  nächtlichen  Stunden-

schläge  zu  verzichten,  und  es  sei  das  Abendläuten  zu  verkürzen  sowie 

dessen Lautstärke zu reduzieren. Des Weiteren wurde beantragt, dass die 

evangelisch-reformierte Kirche A. E. die Kosten für das von ihm veranlasste 

Privatgutachten zurückzuerstatten habe.  

Mit  Beschluss  vom  24.  Mai  2016  befand  die  Baukommission  über  diese 

Klage und beschloss folgendes: 

"1.  Die Kirchenpflege der evangelisch-reformierten Kirche Egg wird zu fol-

gender Massnahme verpflichtet: 

a. 

b. 

Für die Zeit von 22.00 bis 07.00 Uhr wird eine Lärmreduktion der 
nächtlichen Glockenschläge insoweit angeordnet, als die Immissi-
onen bei den in der ES II beurteilten Immissionsorten um 10 dBA 
zu reduzieren sind. Ausgangspunkt sind die heutigen Maximalpe-
gel LAFmax. 

Zur  Erreichung  der  Lärmreduktion  um  10  dBA  wird  die  evange-
lisch-reformierte  Kirchgemeinde  Egg  verpflichtet,  innert  sechs 
Monaten  seit  Rechtskraft  dieses  Beschlusses  bei  der  Glocke  ei-
nen  elektrischen  Klöppel  anstelle  des  bisherigen  mechanischen 
Klöppels zu montieren und die Anschlagsstärke in der Nacht der-
art  einstellen  zu  lassen,  dass  die  Immissionen  um  10  dBA  redu-
ziert werden. 

c.  Die  Wirkung  der  angeordneten  Massnahme  ist  von  der  evange-
lisch-reformierten  Kirchgemeinde  Egg  innert  der  nämlichen  Frist 
mittels einer Immissionsmessung zu überprüfen und zu dokumen-
tieren. Als relevanter Immissionsort für die durchzuführende Mes-
sung gilt das Gebäude [….]. 

2.  Für das Glockengeläut am Tag bzw. das Ein- und Ausläuten des Sonn-

tags werden keine Massnahmen verfügt.  

(…) 

4.  Die  Aufwendungen  zur  Ermittlung  des  Sachverhaltes  werden  der 
evangelisch-reformierten  Kirchgemeinde  Egg 
im  Umfang  von 
Fr. 11'612.95 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Beschlusses separat 
in  Rechnung  gestellt  und  sind  innert  30  Tagen  ab  Rechnungsstellung 
zu  bezahlen;  im  Übrigen  werden  sie  auf  die  Gemeindekasse  genom-
men. 

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5.  Der  Antrag  von  A.  E.,  ihm  die  Kosten  für  das  Privatgutachten  der  "X 

AG" im Umfang von Fr. 8'316.00 zu ersetzen, wird abgewiesen. 

(…)" 

Mit  Beschluss  vom  13.  Juni  2016  erfolgte  insofern  eine  Wiedererwägung, 

als  Dispositiv-Ziffer  1.b  dahingehend  neu  gefasst  wurde,  als  ein  Magnet-

hammer anstelle des bisherigen Fallschlaghammers zu montieren sei. 

B. 

Die Lärmkläger erhoben am 1. Juli 2016 mit gemeinsamer Eingabe gegen 

die beiden genannten Beschlüsse Rekurs mit den folgenden Anträgen: 

"1.  Es sei Ziffer 1.a. des Beschlusses abzuändern und es sei die evang.-
ref. Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, die Immissionen der Stunden-
schläge zwischen 22 Uhr bis 7 Uhr auf höchstens 44 dBA (im offenen 
Fenster) zu reduzieren. Eventualiter sei sie  zu verpflichten, die Immis-
sionen um mindestens 29,8 dBA zu reduzieren. 

2.  Es seien Ziffern 1.b und c. des Beschlusses abzuändern und die Frist 
zur  Reduktion  der  Immissionen  und  zur  anschliessenden  Lärmmes-
sung und Dokumentation auf zwei Monate zu verkürzen (statt 6 Mona-
te). 

3.  Es sei Ziffer 1.c. des Beschlusses abzuändern und es sei die Kontroll-
messung durch die EMPA vorzunehmen, im Auftrag der Baukommissi-
on und auf Kosten der Kirchgemeinde; und zwar bei Gebäude [….]. 

4.  Es sei Ziffer 2 des Beschlusses aufzuheben und es sei die evang.-ref. 
Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, ab sofort das Geläut um 19.01 Uhr 
an Samstagen und Sonntagen nur mit Glocke 4 und nur während 4 Mi-
nuten ertönen zu lassen (statt mit allen Glocken während 14 Minuten). 

5.  Es  sei  Ziffer  4  des  Beschlusses  abzuändern  und  die  evangelisch-
reformierte Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, die Aufwendungen zur 
Ermittlung  des  Sachverhaltes  in  vollem  Umfang  von  CHF  23'225.85 
(statt nur CHF 11'612.95) zu bezahlen. 

6.  Es sei Ziffer 5 des Beschlusses aufzuheben und es sei die evang.-ref. 
Kirchgemeinde Egg zu verpflichten, dem Rekurrenten A. E. die von ihm 
vorgeschossenen  Kosten  des  Lärmmessberichts 
"X  AG"  vom 
13.5.2013 zu ersetzen, nämlich Fr 8'316.--. 

7.  Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen,  zuzüglich  MWSt,  zu  Lasten 

der Rekursgegnerin." 

Des  Weiteren  stellten  sie  ein  Gesuch  um  Erlass  vorsorglicher  Massnah-

men.  

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C. 

Am  6.  Juli  2016  wurde  vom  Rekurseingang  Vormerk  genommen  und  das 

Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

D. 

Mit Präsidialverfügung vom 12. Juli 2016 wurde vom Hinschied des Rekur-

renten  A.  L.  Kenntnis  genommen,  und  er  wurde  nicht  mehr  weiter  im 

Rubrum aufgeführt.  

E. 

Die  Vorinstanz  nahm  mit  Eingabe  vom  15.  Juli  2016  zum  rekurrentischen 

Antrag um Erlass vorsorglicher Massnahmen Stellung. Die private Rekurs-

gegnerin  liess  sich  hierzu  mit  Eingabe  vom  18.  Juli  2016  vernehmen.  Die 

Rekurrierenden nahmen am 27. Juli 2016 zu diesen Rechtseingaben Stel-

lung.  Mit  Präsidialverfügung  vom  28.  Juli  2016  wurde  über  die  ersuchten 

vorsorglichen Massnahmen befunden.  

F. 

Am  6.  September  2016  erstattete  die  Vorinstanz  ihre  Rekursantwort  und 

schloss  darin auf  Abweisung  des  Rekurses, soweit  darauf  einzutreten  sei. 

Die private Rekursgegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung ebenfalls auf 

Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden.  

Die  Rekurrierenden  reichten  am  23.  September  2016  ihre  Replik  zu  den 

Akten. Mit Präsidialverfügung vom 26. September 2016 wurde die Rekurs-

gegnerschaft eingeladen zu duplizieren. Die Dupliken wurden am 13. Okto-

ber 2016 eingereicht. 

G. 

Am  7.  November  2016  führte  die  3.  Abteilung  des  Baurekursgerichts  im 

Beisein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch. 

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Seite 4 

 
 
H. 

Auf  die  Feststellungen  anlässlich  des  Lokaltermins  und  auf  die  Parteivor-

bringen  wird,  soweit  für  die  Entscheidfindung  erforderlich,  in  den  nachste-

henden Erwägungen Bezug genommen.  

Es kommt in Betracht: 

1. 

Bereits im Jahre 2013 hatten Anwohner ein Lärmgutachten bei der Firma X 

AG  in  Auftrag  gegeben.  Daraufhin  revidierte  die  evangelisch-reformierte 

Kirchgemeinde im Oktober 2013 ihre Läuteordnung. Die Revision umfasste 

u.a.  den  Verzicht  auf  die  nächtlichen  Viertelstundenschläge  und  auf  das 

Geläut am Sonntagmorgen um 8:01 Uhr. Des Weiteren wurde das Frühge-

läut (Montag bis Freitag) von 6:01 Uhr auf 07:01 Uhr verlegt. In der Nacht 

(22:00  Uhr bis  7:00  Uhr)  sollte  auch  gemäss  der neuen Läuteordnung  zur 

vollen  Stunde  die  Anzahl  Stunden  mit  der  Glocke 1  angegeben  werden. 

Das samstägliche und sonntägliche Abendläuten um 19:01 Uhr sollte wei-

terhin 14  Minuten  und  mit allen fünf  Glocken  geschlagen  werden.  Die  Re-

kurrierenden  und  weitere  Anwohner  reichten  bei  der  Bezirkskirchenpflege 

Rekurse gegen die neue Läuteordnung ein und verlangten den Verzicht auf 

das  nächtliche  Zeitschlagen  sowie  eine  Reduktion  des  Abendläutens  an 

Samstagen  und  Sonntagen.  Die  Bezirkskirchenpflege  wies  mit  Beschluss 

vom 25. März 2014 die Rekurse ab (act. 25.72).  

In  der  Folge  erhoben  die  Rekurrierenden  die  vorstehend  genannte  Lärm-
klage.  Die  Vorinstanz  zog  ihrerseits  ein  Fachbüro  für  Akustik,  die  YZ  AG, 

bei. Dieses nahm gestützt auf das Lärmgutachten und auf die Messungen 

der  X  AG  eine  Lärmbeurteilung  für  die  Empfindlichkeitsstufe  (ES)  III  vor 

(Kurzbericht  Nr.  1  vom  15.  Januar  2015,  act.  25.10).  Diese  wurde  sämtli-

chen  Verfahrensbeteiligten  zwecks  Stellungnahme  zugestellt.  Am  16.  No-

vember 2015 legte die YZ AG sodann ein Lärmgutachten hinsichtlich der in 

der dem Kirchturm nahegelegenen ES II anzutreffenden Lärmimmissionen 
vor.  Auch  dieser  Bericht  wurde  allen  Verfahrensbeteiligten  zugestellt.  Am 

22. Februar 2016 unternahm die Baukommission mit einem Kirchturmtech-

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niker  eine  Begehung  des  Kirchturmes,  um  mögliche  technische  Massnah-

men abzuklären. Am 24. Mai 2016 erging der angefochtene Beschluss.  

2. 
Die Wohnung des rekurrierenden Ehepaars S. [….] liegt rund 68 m nördlich 
der  reformierten  Kirche.  Dazwischen  befindet  sich  ein  Teil  des  Friedhofs. 

Die Wohnungen der weiteren Rekurrierenden liegen nördlich der Wohnung 

des  Ehepaares  S.  und  weisen  einen  Abstand  von  105  m  zum  besagten 

Gotteshaus auf. Sämtliche Wohnungen liegen in der Wohn- und Gewerbe-

zone (WG60) und sind der Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) III zugeteilt.  

Zum Rekurs ist berechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt 

ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat 

(§ 338a Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). 

Mit  dieser  Umschreibung  verlangt  das  Gesetz  zunächst  eine  besondere, 

beachtenswerte,  nahe  Beziehung  zum  Streitgegenstand,  kraft  derer  der 

Rekurrent stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von der ange-

fochtenen  Verfügung  betroffen  ist.  Sog.  Popularbeschwerden  sind  mithin 

nicht zulässig.  

Sind Störungen durch Immissionen zu beurteilen, kann bei der Beurteilung 

der  Betroffenheit  nicht  primär  auf  die  Distanz  zur  Lärmquelle  abgestellt 

werden.  Massgeblich  sind  vielmehr  die  tatsächlichen  Lärmimmissionen 

beim Rechtsmittelkläger. 

Die Rekurrierenden liessen wie bereits ausgeführt im Jahre 2013 ein Lärm-

gutachten durch die X AG ausarbeiten. Dieses wies für die Stundenschläge 
am geöffneten Fenster der Liegenschaft [….] 79 dB(A) bzw. 80 dB(A) und 
beim Gebäude [….] einen Wert von 74 dB(A) aus. Das Verwaltungsgericht 
führte  in  seinem  Entscheid  vom  6.  Oktober  2010  (VB.2010.00304)  aus, 

wenn die Rechtsmittelbefugnis aus Immissionen abgeleitet werde, müssten 

diese  für  die  Beschwerdeführer  deutlich  wahrnehmbar  sein.  Dabei  sei  je-

doch  nicht  auf  das  zulässige  Mass  der  Immissionen  abzustellen,  sondern 

auf  ein  deutlich  tieferes  Mass.  Gestützt  auf  eine  Stellungnahme  des  Bun-

desamtes für Umwelt (BAFU) wurde dabei davon ausgegangen, dass eine 
kritische  Schwelle,  ab  welcher  mit  Aufwachreaktionen  zu  rechnen  sei,  bei 

60  dB(A)  beim  Ohr  der  schlafenden  Person  gemessen  liege.  Das  Verwal-

tungsgericht gelangte daher zum Schluss, dass die Rekurslegitimation ge-

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geben sei, wenn im offenen Fenster gemessen ein maximaler Schallpegel 

von  60  dB(A)  erreicht  werde.  Die  von  Mark  Brink,  Sarah  Omlin,  Christian 

Müller, Reto Pieren und Mathias Basner "An event-related analysis of awa-

kening  reactions  due  to  nocturnal  church  bell  noise"  (Science  of  the  Total 

Environment,  409  [24],  5210-5220,  nachfolgend:  ETH-Studie)  lag  damals 

noch  nicht  vor.  Das  Baurekursgericht  hatte  in  seinem  Entscheid  BRGE  II 

Nr. 0193/2015  vom  15.  Dezember  2015  (www.baurekursgericht-zh.ch)  so-

wohl  den  nächtlichen  Viertelstundenschlag  als  auch  die  nächtliche  Zeitan-

gabe von Kirchenglocken zu beurteilen. Das Gericht befand in jenem Ent-

scheid  gestützt  auf  die  ETH-Studie  und  die  soeben  wiedergegebene 

Rechtsprechung,  die  Rekurslegitimation  sei  bereits  dann  gegeben,  wenn 
ein  LAF, max  von  40 dB(A)  im  offenen  Fenster  erreicht  werde.  Bei  viertel-
stündlich  auftretenden  Kirchglockenimmissionen  trete  nämlich  bei  Annah-

me eines neunstündigen Schlafs die erste zusätzliche Aufwachreaktion be-

reits  bei Immissionen von  40 dB(A) beim Ohr der schlafenden Person  ge-

messen  ein 

(bestätigt  mit  VB.2016.00052  vom  12.  Mai  2016, 

www.vgr.zh.ch).  

Bei  stündlich  auftretenden  Kirchglockenimmissionen,  wie  sie  hier  zu  beur-

teilen sind, tritt bei Annahme eines neunstündigen Schlafs die erste zusätz-

liche  Aufwachreaktion  bei  Immissionen  von  55  dB(A)  beim  Ohr  der  schla-

fenden  Person  gemessen  ein.  Bei  Zugrundelegung  eines  acht-  oder  sie-

benstündigen Schlafs verschiebt sich der Pegel leicht nach oben, liegt aber 

unterhalb von 60 dB(A) (vgl. Beurteilung Alltagslärm, Vollzugshilfe im Um-

gang mit Alltagslärm, Bundesamt für Umwelt [BAFU], 2014, S. 56, nachfol-

gend:  Vollzugshilfe).  Der  zum  Rekurs  legitimierende,  im  offenen  Fenster 

gemessene Pegel ist mithin auch bei einem stündlich eintretenden Ereignis 

gestützt  auf  diese  neuen  wissenschaftlichen  Erkenntnisse  nach  unten  zu 

korrigieren.  Die  Rekurslegitimation  ist  somit  bei  einem  stündlich  eintreten-
den Ereignis bei Erreichung eines LAF, max von 55 dB(A) im offenen Fenster 
zu bejahen.  

Aufgrund der gemachten Lärmmessungen steht fest, dass dieser Pegel bei 

den rekurrentischen Wohnungen erzielt wird. Die Rekurrierenden sind mit-

hin legitimiert, sich gegen den nächtlichen Stundenschlag zur Wehr zu set-

zen. Angesichts ihrer räumlichen Beziehung und den getätigten Lärmmes-
sungen trifft dies zweifelsohne auch auf das Abendgeläut am Samstag und 

Sonntag  zu.  Da  auch  die  weiteren  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind, 

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sind  die  Rekurrierenden  mit  ihrem  lärmrechtlichen  Rügen  zum  Rekurs  zu-

zulassen.  

Anders  verhält  es  sich  hingegen  hinsichtlich  ihres  Rekursantrags  Ziffer 5. 

Es  ist  nicht  ersichtlich,  inwiefern  die  Rekurrierenden  mehr  als  die  Allge-

meinheit davon betroffen sein sollen, dass der privaten Rekursgegnerin le-

diglich die Hälfte der Gutachterkosten auferlegt und die Kosten im Übrigen 

auf die Gemeindekasse genommen wurden. Auf diese Rüge ist daher nicht 

einzutreten.  Sodann  ist  einzig  der  Rekurrent  A.  E.  mit  dem  Rekursantrag 

Ziffer 6 zuzulassen, da die Kosten für das Gutachten der X AG von ihm be-

glichen wurden. 

3. 

Die  Vorinstanz  erwog  im  angefochtenen  Beschluss  in  lärmrechtlicher  Hin-

sicht, in der Lärmbeurteilung der YZ AG (welche gestützt auf die Vollzugs-

hilfe ausgearbeitet wurde) seien die Lärmimmissionen nachts in der ES III 

als störend bezeichnet  worden, was einem Wert zwischen dem Planungs- 

und  Immissionsgrenzwert  entspreche.  Die  Zeitschläge  tagsüber  seien  gar 

als höchstens geringfügig störend bewertet worden. In der ES II hingegen 

sei bei den dem Kirchturm am nächsten gelegenen Liegenschaften sowohl 

tagsüber  als  auch  nachts  von  erheblich  störenden  Immissionen  auszuge-

hen, was Immissionen zwischen dem Immissionsgrenzwert (IGW) und dem 

Alarmwert (AW) entspreche. Von einer erheblichen Störung seien zwischen 

zehn  und  20  Liegenschaften  betroffen.  Es  seien  daher  Massnahmen  zu 

prüfen,  um  die  Lärmimmissionen  mindestens  unter  den  Immissionsgrenz-

wert zu senken. Die Werte in der ES II seien bei gekipptem und geöffnetem 

Fenster  gemessen  worden.  Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  seien  je-

doch einzig die Werte bei gekipptem Fenster massgeblich. Um in der ES II 
die Immissionen unter den IGW senken zu können, sei eine Reduktion der 

Lärmimmissionen von 10 - 15 dB(A) notwendig. Auch ein vollständiger Ver-

zicht  auf  die  Stundenschläge  würde  das  Problem  lösen.  Tagsüber  würde 

nur  eine  deutliche  Reduktion  der  Lautstärke  zu  einer  anderen  Bewertung 

führen. Die von den Anwohnern verlangte Verkürzung des Geläuts an den 

Samstag-  und  Sonntagabenden  habe  auf  die  Bewertung  der  Immissionen 

gemäss  der  Vollzugshilfe  keinen  Einfluss.  Würde  das  Geläut  nur  mit  der 
Glocke  vier  ausgeführt,  würde  dies  eine  Reduktion  von  10  -  15  dB(A)  be-

wirken.  Eine  Verkleidung  des  Kirchturms  komme  aus  mehreren  Gründen 

nicht in Frage (welche im angefochtenen Beschluss näher ausgeführt wer-

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den).  Der  nächtliche  Stundenschlag  entspreche  in  der  Gemeinde  einer 

Tradition,  welche  von  der  Mehrheit  der  Bevölkerung  akzeptiert  und  ge-

schätzt  werde.  Die  Gemeinde  sei  trotz  ihrer  Nähe  zu  Zürich  nach  wie  vor 

sehr ländlich geprägt. Die Baukommission erachte daher das Interesse am 

Läuten der Kirchenglocken als Ausdruck des Brauchtums und der örtlichen 

Gepflogenheiten als uneingeschränkt wichtig, was es im Rahmen der Inte-

ressenabwägung zu berücksichtigen gelte.  

4.1. 

Die  Rekurrierenden  monieren  zunächst  die  nächtlichen  Stundenschläge. 

Sie rügen, dass die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss auf die Werte 

bei  gekipptem  Fenster  abgestellt  habe.  Das  Bundesgericht  habe  in  einem 

früheren  Entscheid,  welcher  die  ES  III  betroffen  habe,  ausgeführt,  es  sei 

nicht  bundesrechtswidrig,  die  Messwerte  im  Rauminnern  bei  gekipptem 

Fenster  als  relevant  zu  bezeichnen.  Diese  Rechtsprechung  sei  nach  Er-

scheinen  der  ETH-Studie  jedoch  als  überholt  zu  bezeichnen.  Im  Übrigen 

habe  das  Bundesgericht  in  einem  Entscheid  vom  30.  November 2011  be-

funden,  es  müsse  möglich  sein,  die  Fenster  ganz  zu  öffnen,  weshalb  die 

Immissionen an der Gebäudehülle massgeblich seien. Auch seien die Re-

kurrierenden nicht nur legitimiert, die Überschreitung der Grenzwerte auf ih-

rem  Grundstück  zu  rügen,  sondern  sie  könnten  generell  die  Rechtswidrig-

keit  der  Anlage  einschliesslich  der  Überschreitung  von  Grenzwerten  bei 

anderen  Grundstücken  vorbringen.  Wer  legitimiert  sei,  dürfe  nämlich  alle 

Rechtsverletzungen  rügen.  Es  seien  mithin  auch  jene  Werte  heranzuzie-

hen,  welche  in  den  Messberichten  am  höchsten  ausgefallen  seien,  auch 

wenn  diese  nicht  die  rekurrentischen  Grundstücke  betroffen  hätten.  Des 

Weiteren  sei  die  Akzeptanz  des  nächtlichen  Zeitschlagens  nicht  hinrei-

chend abgeklärt worden. Die Ausführungen der Vorinstanz basierten ledig-
lich auf Annahmen. Bereits im Jahre 1965 hätten sich Anwohner der Kirche 

gegen das nächtliche Zeitschlagen gewehrt. Der vorliegende Rekurs werde 

von zahlreichen Anwohnern unterstützt. Werde die Wohnung Messpunkt 1 

des Gutachtens der  X AG mit der Wohnung Messpunkt 4 des Gutachtens 

der  YZ  AG  verglichen,  welche  lediglich  25  m  voneinander  entfernt  lägen, 
ergäben sich erhebliche Differenzen. Während im ersten Bericht ein LAF, max 
von  rund  80  dB(A)  gemessen  worden  sei,  lägen  die  Werte  der  zweitge-

nannten Wohnung rund 5 bis 6 dB(A) darunter. Die Messungen der YZ AG 

wiesen  zudem  stetig  abnehmende  Lärmpegel  aus,  wofür  keine  wissen-

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schaftlichen  Gründe  vorlägen.  Es  sei  daher  angemessen,  für  die  Kontroll-

messungen die neutrale EMPA beizuziehen. Die Wohnungen der Rekurrie-

renden lägen zwar in der ES III, die relativ stark befahrene Forchstrasse sei 

bei  ihnen  jedoch  nicht  zu  hören.  Wie  hoch  nächtliche  Immissionen  sein 

dürften,  könne  anhand  der  Anhänge  der  LSV  ersehen  werden.  In  den  Er-

wägungen habe die Vorinstanz sodann verlangt, dass die Immissionen um 

10 dB(A) bis 15 dB(A) zu reduzieren seien. Schlussendlich sei aber nur ei-

ne  Reduktion  um  10  dB(A) verfügt  worden. Des Weiteren  werde  im  ange-
fochtenen  Beschluss  auch  nicht  festgehalten,  welcher  LAF, max  als  Aus-
gangswert diene. Zudem wolle die Vorinstanz mit der Lärmreduktion bewir-

ken, dass in der ES II keine erhebliche Störung mehr auftreten werde. Dies 

sei  aber  verfehlt.  In  dieser  Zone  seien  nämlich  vielmehr  keine  störenden 

Anlagen  zugelassen.  Gemäss  der  Vollzugshilfe  müsse  mithin  in  der  ES  II 

die  Störungskategorie 0  erreicht  werden,  was  der  Einhaltung  der  Pla-

nungswerte  entspreche.  Die  Immissionen  seien  daher  um  29,8  dB(A)  zu 

senken.  Die  vorzunehmenden  Kontrollmessungen  seien  sodann  durch  ein 

neutrales  Organ,  also  die  EMPA  durchzuführen.  Auch  sei  es  nicht  ange-

bracht, diese beim Gebäude [….] durchzuführen, da ein dortiger Bewohner 
Mitglied  der Kirchenpflege  gewesen  sei.  Auch  sei  das  Gebäude  [….]  nicht 
massgeblich, da gemäss dem Bericht der YZ AG dort tiefere Werte anfallen 

würden.  Zudem  sei  der  privaten  Rekursgegnerin  eine  kürzere  Frist  anzu-

setzen,  um  den  Glockenhammer  auszuwechseln.  Sie  habe  bereits  Vorab-

klärungen getätigt, weshalb für den Ersatz weniger als sechs Monate benö-

tigt würden.  

4.2. 

Die  Vorinstanz  hält  dem  entgegen,  bei  den  nächtlichen  Glockenschlägen 

sei  auf  die  zusätzlich  daraus  resultierenden  Aufwachreaktionen  abzustel-

len, weshalb die Immissionen am Ohr einer schlafenden Person und damit 

bei  gekipptem  Fenster  zu  messen  seien.  Sie  habe  sodann  aufgrund  ihrer 

langjährigen Erfahrung und Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten feststel-

len  können,  dass  der  nächtliche  Stundenschlag  in  Egg  akzeptiert  werde 

und  einer  geschätzten  Tradition  entspreche.  Die  von  den  Rekurrierenden 

genannten  Abweichungen  in  den  Lärmgutachten  der  beiden  Akustikbüros 

liessen sich durchaus fachtechnisch erklären. In den Erwägungen sei des-
halb von einer Reduktion von 10 dB(A) bis 15 dB(A) die Rede, weil das von 

der  Vorinstanz  beigezogene  Akustikbüro  die  in  der  ES  II  eintretenden  Im-

missionen sowohl bei geöffnetem als auch bei gekipptem Fenster beurteilt 

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habe. Die YZ AG habe in ihrer Stellungnahme vom 1. Juli 2016 die mass-
geblichen  LAF, max  festgehalten.  Der  nächtliche  Zeitschlag  vermittle  bei  ei-
nem  Grossteil  der  Bevölkerung  ein  Gefühl  von  Heimat  und  Geborgenheit, 

was voraussetze, dass er im weitläufigen Gebiet der Gemeinde auch wahr-

genommen  werden  könne.  Die  von  den  Rekurrierenden  beantragte  Lärm-

reduktion würde dazu führen, dass dem nicht mehr so wäre.  

4.3. 

Die  private  Rekursgegnerin  hält  zusammengefasst  den  rekurrentischen 

Ausführungen  entgegen,  die  durchgeführten  Diskussionen  und  Umfragen 

hätten gezeigt, dass dem nächtlichen Stundenschlag ein hoher Stellenwert 

zukomme. Die Lärmreduktion um 10 dB(A) genüge, um überall weniger als 

eine zusätzliche Aufwachreaktion zu verursachen.  

4.4. 

Replizierend  bringen  die  Rekurrierenden  vor,  bei  der  hier  massgeblichen 

Gemeinde handle es sich um eine Agglomerationsgemeinde. Nur noch we-

nige Bauern würden hier arbeiten. Es herrsche eine rege Bautätigkeit. Ein 

Mitglied  der  Baukommission,  welches  ebenfalls  einen  Lärmantrag  einge-

reicht  hatte,  sei  bei  der  Beschlussfassung  in  den  Ausstand  getreten.  Die 

Ansicht  der  Lärmschutz-Befürworter  sei  daher  bei  der  Beschlussfassung 

nicht vertreten gewesen und sei von der Baukommission nicht berücksich-

tigt worden. Die private Rekursgegnerin habe auch keine Umfrage durchge-

führt. Vielmehr seien nach einer Versuchsphase, in welcher auf die Viertel-

stundenschläge verzichtet worden war, Rückmeldungen eingegangen. Eine 

Mehrheit habe sich damals gegen das Beibehalten der Stunden- und Vier-

telstundenschläge  ausgesprochen.  Eine  von  den  Rekurrierenden  initiierte 

Unterschriftensammlung habe ergeben, dass 141 Einwohner von Egg sich 
von den Glocken gestört fühlten.  

4.5. 

Die  Vorinstanz  hält  dem  entgegen,  6  %  der  Bevölkerung  der  Gemeinde 

würden  im  primären  Sektor  tätig  sein,  was  deutlich  über  dem  kantonalen 

Durchschnitt  liege.  Auch  die  vielen  Vereine  würden  die  ländliche  Prägung 
der  Gemeinde  bezeugen.  Das  von  den  Rekurrierenden  genannte  Bau-

kommissionsmitglied habe gestützt auf das Verwaltungsrechtspflegegesetz 

(VRG) in den Ausstand treten müssen, was aber keineswegs auf eine feh-

R3.2016.00196 

Seite 11 

 
 
lerhafte  Entscheidfindung  hindeute.  Die  Umfrage  habe  sodann  ergeben, 

dass  eine  Mehrheit  für  die  Beibehaltung  des  nächtlichen  Stundenschlags 

sei.  Auch  seien  170  Personen  mit  der  Änderung  der  Läuteordnung  nicht 

einverstanden gewesen. Diese hätten die Beibehaltung der alten Ordnung 

gewünscht.  

4.6.1. 

Das Glockenspiel der reformierten Kirche ist eine mit einer Baute dauerhaft 

verbundene  ortsfeste  Einrichtung  und  damit  eine  Anlage  im  Sinne  von 

Art. 7 Abs. 7 des Umweltschutzgesetzes (USG) und Art. 2 Abs. 1 der Lärm-

schutzverordnung  (LSV).  Die  Kirche  samt  ihrem  Läutewerk  bestand  un-

bestrittenermassen  bereits  vor  dem  1.  Januar  1985,  weshalb  sie  aus  um-

weltschutzrechtlicher  Sicht  als  altrechtliche  Anlage  gilt  und  damit  grund-

sätzlich  die  Immissionsgrenzwerte  einzuhalten  hat  (Art.  13  LSV).  Sie  ist 
folglich zu sanieren, wenn sie den Vorschriften des Umweltschutzgesetzes 

nicht genügt (Art. 16 Abs. 1 USG). Eine Sanierung ist mithin dann zu ergrei-

fen, wenn die Anlage wesentlich zur Überschreitung der Immissionsgrenz-

werte  beiträgt.  Sie  ist  so  zu  sanieren,  dass  sie  die  Immissionsgrenzwerte 

einhält. Sanierungsbedürftig ist eine Anlage aber auch dann, wenn die Vor-

schriften  der  Art.  11  Abs.  2  und  3  USG  nicht  eingehalten  werden  (André 

Schrade/Heidi  Wiestner,  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  2.  Aufl., 

Hrsg.  Vereinigung  für  Umweltrecht/Helen  Keller,  Zürich  1998  ff.,  Art.  16 

Rz. 23 ff., Rz. 43). Diesen zufolge sind Emissionen im Rahmen der Vorsor-

ge unabhängig  von der bestehenden Umweltbelastung so weit  zu  begren-

zen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist 

(Abs. 2). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter 

Berücksichtigung  der  bestehenden  Umweltbelastung  schädlich  oder  lästig 

werden,  sind  die  Emissionsbegrenzungen  zu  verschärfen  (Abs. 3). Solche 

Begrenzungen  werden  gemäss  Art.  12  Abs.  2  USG  durch  Verordnungen 

oder,  soweit  diese  nichts  vorsehen,  durch  unmittelbar  auf  das  Umwelt-

schutzgesetz  abgestützte  Verfügungen  vorgeschrieben.  Schutzmassnah-

men  nach  Art.  12  Abs.  2  USG  sind  nicht  erst  zu  ergreifen,  wenn  die  Um-

weltbelastung  schädlich  oder  lästig  wird,  sondern  es  müssen  gestützt  auf 

das  Vorsorgeprinzip  schon  sämtliche  unnötigen  Emissionen  vermieden 

werden.  Dies  ist  allerdings  nicht  so  zu  verstehen,  dass  jeder  im  strengen 
Sinne nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. Es gibt keinen ab-

soluten  Anspruch  auf  Ruhe;  vielmehr  sind  geringfügige,  nicht  erhebliche 

R3.2016.00196 

Seite 12 

 
 
Störungen hinzunehmen (Art. 15 USG). Einer sanierungsbedürftigen Anla-

ge können jedoch Erleichterungen gewährt werden (vgl. Art. 14 LSV).  

Die  Lärmimmissionen  ortsfester  Anlagen  sind  grundsätzlich  anhand  der 

vom Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte (Anhänge 3 - 8 LSV) zu 

beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). Für die Lärmbelastung durch Glockenspiele 

hat  der  Bundesrat  keine  Grenzwerte  festgelegt.  Fehlen  solche  Werte,  so 

müssen  die  Lärmimmissionen  im  Einzelfall  nach  den  Kriterien  der  Art. 15, 

19 und 23 USG bewertet werden (Art. 40 Abs. 3 LSV). Im Rahmen dieser 

Einzelfallbeurteilung  sind  der  Charakter  des  Lärms,  Zeitpunkt  und  Häufig-

keit  seines  Auftretens  sowie  die  Lärmempfindlichkeit  bzw.  Lärmvorbe-

lastung zu berücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfin-

den  einzelner  Personen  abzustellen,  sondern  es  ist  eine  objektivierte  Be-

trachtung  unter  Berücksichtigung  von  Personen  mit  erhöhter  Empfindlich-

keit (Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen. Dabei gilt es zu beachten, dass die 

Lärmschutzvorschriften  des  Umweltschutzgesetzes  in  erster  Linie  auf  Ge-

räusche  zugeschnitten  sind,  die  als  unerwünschte  Nebenwirkungen  einer 

bestimmten  Tätigkeit  auftreten.  Grundsätzlich  lassen  sich  solche  Lärm-

emissionen  mit  geeigneten  Massnahmen  an  der  Quelle  reduzieren,  ohne 

dass  dadurch  die  entsprechenden  Tätigkeiten  als  solche  in  Frage  gestellt 

würden. Geräusche, welche den eigentlichen Zweck einer bestimmten Akti-

vität ausmachen, wie beispielsweise das Läuten von Kirchen- oder Kuhglo-

cken sowie das Musizieren können indessen nicht völlig vermieden oder in 

der Lautstärke wesentlich reduziert werden, ohne dass zugleich der Zweck 

der  sie  verursachenden  Tätigkeit  vereitelt  würde.  Derartige  Lärmemissio-

nen als unnötig und unzulässig zu qualifizieren, würde nichts anderes heis-

sen, als gleichzeitig die betreffenden Aktivitäten generell als unnötig zu be-

trachten. In der Rechtsprechung werden solche Emissionen zwar aufgrund 

des  Umweltschutzgesetzes  beurteilt,  aber zugleich  unter Berücksichtigung 
des  Interesses an der  den fraglichen  Lärm verursachenden Tätigkeit  nicht 

vollständig untersagt, sondern bloss einschränkenden Massnahmen unter-

worfen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  vom  2. März  1998  in  Pra 1998 

Nr. 170  S.  904;  BGE  126  II  366  E.2d  S.369).  Solche  Massnahmen  beste-

hen in der Regel in einer Einschränkung der Betriebszeiten, da eine Reduk-

tion der Schallintensität zumeist den mit der betreffenden Tätigkeit verfolg-

ten  Zweck  vereiteln  würde.  Dabei  ist  eine  Interessenabwägung  zwischen 
dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung und dem Interesse an der lärmverur-

sachenden Tätigkeit vorzunehmen. Vorliegend gilt es dabei zu berücksich-

tigen, dass das hier strittige Zeitverkünden nicht unter die Kultusfreiheit fällt 

R3.2016.00196 

Seite 13 

 
 
(vgl.  hierzu  VB.2004.00240  vom  27.  April  2005,  www.vgr.zh.ch,  mit  weite-

ren  Hinweisen).  Den  örtlichen  Behörden  ist  sodann  ein  gewisser  Beurtei-

lungsspielraum zuzugestehen, soweit es sich um Anlässe mit lokaler Aus-

prägung  oder  Tradition  handelt  (vgl.  zu  alledem  mit  weiteren  Hinweisen 

BGr 1C_297/2009).  

4.6.2. 

Für  die  Einzelfallbeurteilung  können  unter  Umständen  fachlich  genügend 

abgestützte  private  Richtlinien  herangezogen  werden  (vgl.  BGE 137  II  30, 

E. 3,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auf  die  in  den  Anhängen  zur  Lärmverord-

nung  enthaltenen  Grenzwerte  kann  entgegen  rekurrentischer  Ansicht  hin-

gegen nicht zurückgegriffen werden, da die im jeweiligen Anhang enthalte-

nen Belastungsgrenzwerte bzw. die darin vorgeschriebenen Mess- und Be-

urteilungsverfahren  auf  bestimmte  Lärmarten  zugeschnitten  sind  und  sich 

daher  auf  andersartige  Lärmemissionen  nicht  ohne  weiteres  übertragen 
lassen.  

Im Anhang zur Vollzugshilfe des BAFU wird eine Beurteilungsmethode er-

läutert, mit welcher die Quantifizierung der Störwirkung von Kirchenglocken 

ermittelt  werden  kann.  Die  Störung  wird  dabei  für  den  Tag  und  die  Nacht 

anhand  von  mehreren  Kategorien  separat  ermittelt.  Für  die  Nachtphase 

werden  die  Aufwachreaktionen  (AWR),  die  Empfindlichkeitsstufe  des  be-

troffenen Gebiets (ES), die spezielle Personengruppe (SP) sowie die Lärm-

vorbelastung (OG) addiert (Störung = AWR + ES + SP + OG). Die einzel-

nen Kategorien sind dabei in Gewichtungsfaktoren (-2 bis + 3) unterteilt, so 

dass etwa die ES I mit einem Gewichtungsfaktor von +1 zu Buche schlägt, 

während  die  ES  III  einem  Gewichtungsfaktor  von  -1  entspricht.  Addiert 

werden mithin die für die einzelnen Kategorien im Einzelfall zu eruierenden 

Gewichtungsfaktoren. Die  Summe  derselben  entspricht  alsdann  einer Stö-
rungskategorie.  Anhand  der  vom  BAFU  zur  Verfügung  gestellten  Excel-

Tabelle 
lässt  sich  die 
www.bafu.admin.ch/publikationen). 

jeweilige  Störungskategorie  ablesen 

(vgl. 

Für  die  Eruierung  der  Aufwachreaktionen  verweist  das  BAFU  auf  die  vor-

genannte ETH-Studie. Anhand einer Grafik lässt sich dabei feststellen, wie 

viele  zusätzliche  Aufwachreaktionen  bei  einem  berechneten  oder  gemes-
senen  LAF,max innen  anfallen.  Die  Aufwachreaktionen  sind  sowohl  nach 
Schlafdauer  als  auch  nach  Anzahl  Läuteereignisse  dargestellt.  Das  Dia-

gramm präsentiert sich wie folgt:  

R3.2016.00196 

Seite 14 

 
 
(Quelle: Anhang A2 der Vollzugshilfe Beurteilung Alltagslärm des BAFU, 2014; ursprüngliche Quelle: 
M.  Brink,  S.  Omlin,  Ch.  Müller,  R.  Pieren  und  M.  Basner;  An  event-related  analysis  of  awakening 
reactions due to nocturnal church bell noise, Science of the Total Environment, 409(24), 5210-5220) 

Der Vollzugshilfe zufolge sind die zusätzlichen Aufwachreaktionen wie folgt 

zu gewichten: 

AWR/Nacht << 1 
AWR/Nacht < 1 
AWR/Nacht >= 1 
AWR/Nacht >= 3 

  0 
+ 1 
+ 2 
+ 3 

Die vom Bundesamt erarbeitete Beurteilungsmethode kann als massgebli-

che Richtlinie herangezogen werden. Dabei gilt es zunächst, das Lärmgut-

achten in den von den Rekurrierenden gerügten Punkten zu überprüfen.  

4.6.3. 

Der  von  den  Rekurrierenden  beigezogene  Gutachter  nahm  bei  den  rekur-

rentischen  Liegenschaften  [….]  sowie  bei  einem  weiteren  Wohnhaus  [….] 
der  ES  III  Lärmmessungen  vor.  Die  Messungen  erfolgten  vor  Veröffentli-

chung  der  Vollzugshilfe  und  der  ETH-Studie.  Die  Messungen  wurden  am 
geöffneten  Fenster  und  teilweise  auf  der  Terrasse  der  Liegenschaft  [….] 
vorgenommen.  Aufgrund  der  Fotos  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Mes-
sungen  bei  der Wohnung  [….]  vorgenommen  worden  sind.  Für  den  Stun-
denschlag  wurde  bei der  [….]  (Wohnung  2)  ein  LAFmax,aussen  von  74  dB(A), 
an  der  […..]  (Wohnung  1)  ein  solcher  von  79  dB(A)  bis  80  dB(A)  und  bei 
der  Liegenschaft  [….]  (Wohnung  3)  ein  LAFmax,aussen  von  66  dB(A)  gemes-
sen.  

Das von der Vorinstanz beigezogene Akustikbüro ermittelte anhand dieser 
Messungen  die  Mittelwerte  des  LAFmax,aussen  für  den  Stundenschlag.  In  der 

R3.2016.00196 

Seite 15 

 
 
 
 
 
 
 
 
Wohnung 1 beträgt dieser 79,8 dB(A), in der Wohnung 2 73,9 dB(A) und in 
der Wohnung 3 66,3 dB(A). Für die Eruierung des LAF,max,innen am Ohr einer 
schlafenden  Person  wurden  von  diesen  Werten  15  dB(A)  in  Abzug  ge-

bracht, da von einem leicht geöffneten, also gekipptem Fenster ausgegan-
gen  wurde.  Für  den  LAF,max,  innen  der  drei  Liegenschaften  wurden  folgende 
Werte ausgewiesen: 

Wohnung 1 64,8 dB(A) 
Wohnung 2 58,9 dB(A) 
Wohnung 3 51,3 dB(A) 

Diese Werte wurden alsdann anhand der ETH-Studie und der Vollzugshilfe 

beurteilt. Die Lärmbeurteilung für die lärmexponierteste Liegenschaft, Woh-

nung  1,  anhand  der  Vollzugshilfe  und  der  ETH-Studie  fiel  daher  wie  folgt 

aus: 

Anlagecharakteristiken 

Lärmsituation 

Kirchenglocken 

Rechtliche Einordnung 

USG öffentliche oder konzessionierte Anlage 

Rechtliche Einordnung 

Alte Anlage 

Quellencharakteristiken 

Störungszeit 

In der Nacht 

Aufwachreaktionen 

WAR/Nacht >=1 

Empfängercharakteristiken 

Empfindlichkeitsstufe  

Sensible Personen 

III 

Keine 

Wertung 

2 

Wertung 

-1 

0 

Örtliche  Gegebenheiten,  Lärmvor-

der ES entsprechender Hintergrundpegel  0 

belastung 
Ergebnis 

Störend (zwischen PW und IGW) 

Vorsorgliche Massnahmen prüfen 

Wertung 

1 

Bei  der  Wohnung  1  ist  mit  ein  bis  zwei  zusätzlichen  Aufwachreaktionen 

prüfen 

(AWR)  zu  rechnen,  was  einem  Gewichtungsfaktor  von  +  2  entspricht.  Bei 

der  Wohnung  2  ist  gemäss  der  vorstehend  wiedergegebenen  Grafik  mit 

ca. einer  und  bei  der  Wohnung  3  mit  weniger  als  einer  AWR  zu  rechnen. 

Der ebenfalls für die Lärmbeurteilung massgebliche Umgebungslärm wurde 

als für die ES III üblicher Lärm beurteilt.  

R3.2016.00196 

Seite 16 

 
 
 
 
 
 
Die Rekurrierenden sind der Auffassung, dass die örtlichen Gegebenheiten 

falsch  beurteilt  worden  seien,  sei  doch  bei  ihrem  Grundstück  die  lärmige 

Forchstrasse  kaum  zu  hören.  Anlässlich  des  Lokaltermins  waren  die 
[…]strasse und die [….]strasse im Bereich der rekurrentischen Grundstücke 
wenig befahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Gewerbebetriebe 

(grössere  und  kleinere  Ladengeschäfte)  nördlich  der  rekurrentischen 

Grundstücke  angesiedelt  sind  und  die  Kunden  grossmehrheitlich  von  Nor-
den  her  über  die  [….]strasse  anreisen  und  daher  die  rekurrentischen 
Grundstücke nicht passieren. Es ist jedoch nichts ungewöhnliches, dass in 

Wohn-  und  Gewerbezonen  Gewerbebetriebe  nicht  gleichmässig  über  die 

gesamte Zone verteilt sind, sondern sich diese oft an einem Ort massieren. 

Namentlich  nachts  ist  es  gerade  bei Wohn-  und  Gewerbezonen  nach  Be-

triebsschliessung oft ruhig. Ausserordentliche Umstände, welche eine vom 

Gutachten abweichende Beurteilung der örtlichen Gegebenheiten rechtfer-

tigen  würden,  liegen  mithin  nicht  vor.  Die  vorstehend  wiedergegebene 

Lärmbeurteilung für die Wohnung 1 ist somit nicht zu beanstanden. 

4.6.4. 

In der Folge liess die Vorinstanz Lärmmessungen in der ES II vornehmen. 
Gemessen wurde dabei am [….] (Messpunkt 4), an der [….] (Messpunkt 5) 
und  an  der  [….]  (Messpunkt  6).  Daraus  resultierten  die  folgenden  durch-
schnittlichen LAF,max: 

MP 4 

MP 5 

MP 6 

Mitte des offenen Fensters 

73,8 dB(A) 

65,3 dB(A) 

56,1 dB(A) 

Innen, bei geöffnetem Fenster 

72,0 dB(A) 

56,5 dB(A) 

50,0 dB(A) 

Innen bei spaltbreit geöffnetem 

59,6 dB(A) 

47,0 dB(A) 

40,2 dB(A) 

oder gekipptem Fenster 

Die Rekurrierenden erachten diese Messungen deshalb als nicht nachvoll-

ziehbar, weil die Werte des Messpunktes 4 unterhalb jener der Wohnung 1 

liegen,  obschon  die  Liegenschaften  nur  25  m  voneinander  entfernt  sind. 

Das von der Vorinstanz beigezogene Akustikbüro nahm hierzu Stellung. Es 

führte  aus,  die  Differenz  sei  darauf  zurückzuführen,  dass  bei  der  Woh-

nung 1 wegen der Dachvorsprünge und der verglasten Sitzplatzabdeckung 

Reflexionen  resultiert  seien,  welche  beim  gemessenen  Immissionspegel 

rund  3  dB(A)  ausgemacht  hätten.  Zudem  weise  der  Messpunkt  4  einen 
rund  9  m  grösseren  Abstand  zum  Kirchturm  aus,  was  einem  Unterschied 

von rund 1,2 dB(A) entspreche. Des Weiteren sei die Schallausbreitung zu 

den  beiden  Messpunkten  nicht  dieselbe.  Einerseits  sei  die  Abschirmung 

R3.2016.00196 

Seite 17 

 
 
 
des Glockenturms je nach Abstrahlung verschieden und andererseits könn-

ten  Reflexionen  an  den  umliegenden  Liegenschaften  zu  Pegelunterschie-

den  führen.  All  dies  erkläre  die  unterschiedlichen  Immissionspegel  für  die 

beiden  Messorte.  Bei  Messpunkt  4  sei  während  vier  Nächten  gemessen 

worden. Die Immissionen seien deshalb nicht stets gleich hoch ausgefallen, 

weil Wind- und Temperaturverhältnisse sich auf die Immissionen auswirken 

würden. Um diese Einflüsse möglichst gering zu halten, seien 34 Ereignis-

se beurteilt worden. Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und decken 

sich  mit  den  anlässlich  des  Lokaltermins  gemachten  Feststellungen.  So 

zeigte sich etwa, dass die Öffnungen des Kirchturms gegen die Wohnräu-
me der Liegenschaft [….] gerichtet sind. Die Wohnräume des Messpunktes 
4 sind es hingegen nicht (vgl. Prot. S. 10 Foto Nr. 3 und Prot. S. 11 Foto Nr. 

5). Es besteht daher kein Anlass, an der Richtigkeit der in der ES II vorge-

nommenen Messungen zu zweifeln.  

Für Messpunkt 4 wurden daher zu Recht bei offenem Fenster drei zusätzli-

che  Aufwachreaktionen  und  bei  gekipptem  Fenster  eine  zusätzliche  Auf-

wachreaktion  prognostiziert  (vgl.  Schema  E.  4.6.2).  Dies  ergab  folgende 

Lärmbeurteilung:  

Anlagecharakteristiken 

Lärmsituation 

Kirchenglocken 

Rechtliche Einordnung 

USG öffentliche oder konzessionierte Anlage 

Rechtliche Einordnung 

Alte Anlage 

Quellencharakteristiken 

Störungszeit 

In der Nacht 

Aufwachreaktionen 

WAR/Nacht >=1 

Empfängercharakteristiken 

Empfindlichkeitsstufe  

Sensible Personen 

II 

Keine 

Wertung 

2 

Wertung 

0 

0 

Örtliche  Gegebenheiten,  Lärmvor-

der ES entsprechender Hintergrundpegel  0 

belastung 
Ergebnis 

Wertung 

Erheblich  störend  (zwischen  IGW  und  AW)  Massnahmen  prüfen  (oder 

2 

falls keine Massnahmen umsetzbar, Erleichterungen gewähren) prüfen 

R3.2016.00196 

Seite 18 

 
 
 
 
 
Die streitbetroffene Anlage ist mithin sanierungsbedürftig. Ihre Immissionen 

sind folglich derart zu reduzieren, dass sie unter den Immissionsgrenzwert 

fallen.  Des Weiteren  sind  Massnahmen  im  Sinne  des  Vorsorgeprinzips  zu 

prüfen (vgl. Art. 13 LSV). Es gilt daher nachfolgend zu untersuchen, ob sich 

die  von  der  Vorinstanz  getroffenen  Lärmminderungsmassnahmen  als  hin-

reichend erweisen.  

4.6.5. 

Die Rekurrierenden erachten die verfügte Reduktion schon deshalb als un-

zureichend, weil auf die Immissionen bei geöffnetem und nicht bei gekipp-

tem  Fenster  abzustellen  sei.  Dem  kann  nicht  gefolgt  werden.  Zwar  ist  ge-

mäss Art. 39 Abs. 1 LSV in der Mitte des offenen Fensters zu messen. Die-

se  Norm  ist  aber  auf  Lärmimmissionen  zugeschnitten,  für  welche  in  den 

Anhängen  der  LSV  durch  den  Bundesrat  Grenzwerte  festgelegt  worden 

sind.  Es  handelt  sich  dabei  um  Geräusche,  welche  als  unerwünschte  Ne-

benwirkung  einer  bestimmten  Tätigkeit  auftreten.  Sind  hingegen  wie  hier 

Immissionen  zu  prüfen,  die  den  eigentlichen  Zweck  einer  bestimmten  Tä-

tigkeit ausmachen, ist es angebracht, den unterschiedlichen Situationen mit 

stärkeren  und  schwächeren  Lärmbelastungen  Rechnung  zu  tragen  (vgl. 

BRGE 

II  Nr.  0193/2015,  E.,  5.3.3,  vom  15.  Dezember  2015, 

www.baurekursgericht-zh.ch; Alain Griffel, Heribert Rausch; in: Kommentar 

zum  Umweltschutzgesetz,  Ergänzungsband  zur  2.  Auflage,  Zürich  2011, 

Art. 15 Rz. 27). Daran ändern auch die von den Rekurrierenden genannten 

Bundesgerichtsentscheide  nichts  (BGr  1C_331/2011  vom  30.  November 

2011,  BGE  142  II  100  vom  16.  März  2016,  www.bger.ch).  In  beiden  Bun-

desgerichtsentscheiden  waren  nämlich  nicht  etwa  Immissionen  zu  prüfen, 

die in den Anhängen der LSV nicht normiert sind, sondern es ging um die 

Beurteilung der vom Flughafen Kloten bzw. von einer Industriezone ausge-

hende  Immissionen  (vgl.  Anhänge  5  und  6  LSV).  Anders  als  hier  waren 
mithin unerwünschte Nebenwirkungen einer bestimmten Tätigkeit zu würdi-

gen. Nicht ersichtlich ist sodann, inwiefern aus der ETH-Studie eine Abkehr 

von der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung abgeleitet werden 

soll.  Es  kann  daher  festgehalten  werden,  dass  die  bei  gekipptem  Fenster 

gemessenen  Werte  für  die  Beurteilung  der  von  der  Vorinstanz  verfügten 

Lärmreduktion massgeblich sind.  

Die von der Vorinstanz verfügte Lärmreduktion um 10 dB(A) führt mithin bei 

der lärmexponiertesten Wohnung der ES II (Messpunkt 4) zu einem durch-
schnittlichen  LAF,max,innen  von  49,6  dB(A).  Dies  entspricht  weniger  als  einer 

R3.2016.00196 

Seite 19 

 
 
zusätzlichen Aufwachreaktion. Mit der Reduktion des Lärmpegels geht folg-

lich auch eine Verbesserung der Schlafsituation einher. Dasselbe gilt für die 

den  Immissionen  am  stärksten  ausgesetzte  Wohnung  (Wohnung  1)  der 

ES III.  Die  verfügte  Massnahme  führt  dort  zu  einem  durchschnittlichen 
LAF,max,innen  von  54,8  dB(A),  was  einer  zusätzlichen  Aufwachreaktion  ent-
spricht, weshalb auch hier eine Reduktion der zusätzlichen Aufwachreakti-

onen  erzielt  wird.  An  der  gesamthaften  lärmrechtlichen  Beurteilung  für die 

ES  III  ändert  sich  hingegen  nichts,  schlägt  doch  die  eine  zusätzliche  Auf-

wachreaktion nach wie vor mit einem Gewichtungsfaktor von +2 zu Buche. 

Hingegen führt die Massnahme in der ES II dazu, dass bei den Aufwachre-

aktionen lediglich noch ein Gewichtungsfaktor von +1 anfällt, weshalb auch 

hier mit dieser Massnahme die Immissionen nur noch als störend und somit 

zwischen  den  Planungs-  und  den  Immissionsgrenzwerten  liegen  werden, 

womit Art. 13 Abs. 3 LSV entsprochen wird. Unzutreffend ist das rekurrenti-

sche Vorbringen, wonach in der ES II nur keine erheblichen Störungen zu-

lässig  seien  und  mithin  die  Planungswerte  einzuhalten  seien.  Altanlagen 

dürfen  vielmehr  auch  in  der  ES  II  grundsätzlich  Immissionsgrenzwerte  er-

reichen und mithin störend wirken. 

4.6.6. 

Zu  prüfen  ist  noch,  ob  weitergehende  Massnahmen  gestützt  auf  das  Vor-

sorgeprinzip  zu  ergreifen  waren  (vgl.  Art.  13  Abs.  2  lit.  a  LSV).  Gemäss 

dem Vorsorgeprinzip sind Emissionen so weit zu begrenzen, als dies tech-

nisch und betrieblich möglich und auch wirtschaftlich tragbar ist. Da hier die 

von einer kirchlichen Anlage ausgehenden Immissionen zu beurteilen sind, 

ist  der  Aspekt  der  wirtschaftlichen  Tragbarkeit  durch  eine  Verhältnismäs-

sigkeitsprüfung  zu  ersetzen.  Im  Rahmen  einer  solchen  Prüfung  mass  das 

Bundesgericht  in  mehreren  Präjudizien,  welche  vor  Publikation  der  ETH-

Studie ergingen, dem Interesse an der Beibehaltung der Tradition des Glo-
ckengeläuts  grösseres  Gewicht  zu  als  dem  Ruhebedürfnis  einzelner  (vgl. 

etwa anstatt vieler BGr 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006, www.bger.ch). 

Als Indiz für die lokale Verankerung stützte sich das höchste Gericht in sei-

nem  Entscheid  vom  18.  Januar  2010  (BGr  1C_297/2009,  www.bger.ch) 

auch  auf  die  Bevölkerungsmeinung,  welche  sich  in  vorgenommenen  Mei-

nungsumfragen  niedergeschlagen  hatte.  In  seinem  letztgenannten  Ent-
scheid  trug  das Bundesgericht  dabei auch dem  Umstand  Rechnung,  dass 

ein  verhältnismässig  kleiner Kreis  von  betroffenen  Anwohnern  vorlag.  Das 

Baurekursgericht erwog unter Anwendung der Vollzugshilfe in seinem Ent-

R3.2016.00196 

Seite 20 

 
 
scheid vom 15. Dezember 2015 (BRGE II Nr. 0193/2015), in welchem so-

wohl der Viertelstundenschlag als auch die Zeitangabe strittig waren, dass 

auf den Viertelstundenschlag zu verzichten sei. Damit würden weniger zu-

sätzliche Aufwachreaktionen anfallen und gleichzeitig werde mit dem Erhalt 

der  Stundenschläge  (Zeitangabe)  der  Tradition  weiterhin  Rechnung  getra-

gen.  Soweit  ersichtlich  sind  noch  keine,  gestützt  auf  die  neue  ETH-Studie 

gefällte Bundesgerichtsentscheide ergangen. 

Zweifelsohne  wäre  vorliegend  das  Einstellen  des  Stundenschlags  mit  kei-

nem erheblichen Aufwand verbunden. Dies liesse sich einfach bewerkstel-

ligen.  Jedoch  gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  die  strittigen  Immissionen 

nicht  eine  unerwünschte  Nebenerscheinung,  sondern  den  eigentlichen 

Zweck  des  Glockengeläuts  darstellen.  Dem  Lärmgutachten  zufolge  ist  bei 
zehn bis 26 Liegenschaften – wird auf die bisherigen Lärmimmissionen ab-
gestellt  –  mit  lärmrechtlich  erheblichen  Störungen  zu  rechnen  (vgl.  Lärm-
gutachten der YZ AG, act. 25.8, S. 20). Es ist davon auszugehen, dass als 

Folge der von der Vorinstanz verfügten Lärmreduktion die Anzahl betroffe-

ner  Liegenschaften  weiter  abnehmen  wird.  Bei  der  Mehrheit  der  zur  Ge-

meinde gehörenden Liegenschaften sind mithin nicht lärmrechtlich relevan-

te Immissionen zu erwarten. Die private Rekursgegnerin führte nach der im 

Mai  2013  erfolgten  Versuchsphase  eine  schriftliche  Umfrage  durch  (act. 

32).  Darin  sprachen  sich  43  Personen  für  die  Zeitansage  nachts  und  63 

gegen diese aus. Wie sich aus der Auswertung der Umfrage ergibt, setzten 

sich die Befürworter des nächtlichen Glockenschlags aus 13 Personen zu-

sammen, die in einem Abstand von bis zu 150 m zur Kirche wohnten. Die 

weiteren  30  hingegen  wohnten  150  m  bis  400  m  von  der  Kirche  entfernt. 

Am  13.  Juni  2013  fand  sodann  eine  Kirchgemeindeversammlung  statt,  an 

welcher rund 150 Personen teilnahmen, darunter auch Angehörige anderer 

Konfessionen und Konfessionslose. An dieser Veranstaltung sprachen sich 
fast  75  %  der  Teilnehmer  für  den  Erhalt  des  nächtlichen  Stundenschlags 

aus. Etwas mehr als die Hälfte wollte gar am Viertelstundenschlag festhal-

ten. In etwa gleich viele gaben sodann zu Protokoll, dass sie sich mit einer 

Abschaffung des Stundenschlags nicht abfinden könnten.  

Obschon  der  Stundenschlag  der  Kirchenglocken  in  der  heutigen  Zeit,  in 

welcher jeder Haushalt über mehrere Uhren verfügt, an Bedeutung verloren 
hat,  zeigen  die  getätigten  Abklärungen  klar  auf,  dass  rund  die  Hälfte  aller 

teilnehmenden  Personen  mit  dieser  Tradition  noch  eng  verbunden  ist. 

Wenn die ortskundige Baubehörde daher erwogen hat, dass ein nicht uner-

R3.2016.00196 

Seite 21 

 
 
hebliches öffentliches Interesse am Erhalt des nächtlichen Stundenschlags 

vorliegt, so ist dies nicht zu beanstanden. Der Verzicht auf den nächtlichen 

Stundenschlag wäre angesichts dieser Akzeptanz und dem Umstand, dass 

eine  geringe  Anzahl  Liegenschaften  von  den  Immissionen  in  lärmrechtlich 

relevantem  Ausmass  betroffen  sind,  unverhältnismässig.  Ebenfalls  nicht 

angebracht ist eine weitere Reduktion der Schallintensität. Mit der verfügten 

Reduktion um 10 dB(A) wird erreicht, dass sowohl in der ES II als auch in 

der ES III nicht mit mehr als einer zusätzlichen Aufwachreaktion zu rechnen 

ist.  Dies  bedeutet  namentlich  in  der  ES  III,  in  welcher  die  Rekurrierenden 

wohnen,  eine  deutliche  Verbesserung.  Bis  anhin  war  mit  ein  bis  zwei  zu-

sätzlichen Aufwachreaktionen zu rechnen. Wird in Betracht gezogen, dass 

bei  mehr  als  einer  zusätzlichen  Aufwachreaktion  gesundheitliche  Be-

schwerden  auftreten  können,  bedeutet  die  verfügte  Lärmreduktion  um 

10 dB(A) eine deutliche Verbesserung der Situation (vgl. Sarah Omlin/Mark 

Brink; Awakening effects of church bell noise; Geographical extrapolation of 

the  results  of  a  polysomnographic field  study,  Noise  Health  2013;  15:332-

41). Hinzu kommt, dass die Gemeinde über ein weitläufiges Gebiet verfügt, 

selbst wenn der etwas abseits gelegene Weiler Esslingen nicht berücksich-

tigt  wird.  Angesichts  der  Akzeptanz  des  Glockengeläuts  besteht  durchaus 

auch  ein  öffentliches  Interesse  daran,  einen  möglichst  grossen  Teil  des 

Gemeindegebiets an dieser Tradition teilhaben zu lassen. Der angefochte-

ne  Beschluss  ist  hinsichtlich  des  nächtlichen  Stundenschlags  daher  nicht 

zu beanstanden. Die Vorinstanz hat vielmehr im angefochtenen Beschluss 

unter Beizug aller massgeblichen Umstände eine sorgfältige Interessenab-

wägung  vorgenommen.  Der  Umstand,  dass  ein  die  Lärmklagen  unterstüt-

zendes  Baubehördenmitglied,  welches  selbst  gegen  die  geänderte  Läute-

ordnung Rekurs bei der Bezirkskirchenpflege erhoben hatte (act. 25.98), an 

der Beschlussfassung nicht teilgenommen hat, zeugt von einer umsichtigen 

Beschlussfassung.  Entgegen  rekurrentischer  Auffassung  war  nämlich  die 
Nichtteilnahme  des  besagten  Mitglieds  an  der  Beschlussfassung  gestützt 

auf § 5a VRG geradezu geboten.  

4.6.7. 

Die  Rekurrierenden  erachten  sodann  die  für  das  Anbringen  des  neuen 

Klöppels  angesetzte  Frist  als  zu  lange.  Den  Rekurrierenden  ist  dahinge-

hend  zuzustimmen,  dass  das  Anbringen  des  Klöppels  durchaus  weniger 
Zeit  beanspruchen  dürfte.  Indes  gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  innert 

sechs Monaten ab Rechtskraft des Entscheids nicht nur diese Massnahme 

zu  ergreifen  ist,  sondern  auch  die  Kontrollmessungen  durchzuführen  sind. 

R3.2016.00196 

Seite 22 

 
 
Für die Anbringung des neuen Klöppels stehen mithin der privaten Rekurs-

gegnerin  weniger  als  sechs  Monate  zur  Verfügung.  Die  verfügte  Frist  ist 

daher nicht zu beanstanden.  

4.6.8. 

Die  Rekurrierenden  erachten  es  sodann  als  unangebracht,  die  Lärmmes-
sungen beim Gebäude [….] durchzuführen, weil dort ein Mitglied der Kirch-
gemeinde  wohne.  Die  Rekurrierenden  verkennen  dabei,  dass  die  Lärm-

messungen nicht durch die Bewohner, sondern durch ein von der privaten 

Rekursgegnerin  beauftragtes  Akustikbüro  vorzunehmen  sein  werden.  An 

der  Objektivität  desselben  von  vornherein  zu  zweifeln  und  die  EMPA  zu 

beauftragen, besteht kein Anlass. Sodann ist auch gegen Kontrollmessun-

gen beim Messpunkt 5 nichts einzuwenden. Treten bei diesem wegen des 

neuen  Klöppels Lärmreduktionen  in einem  gewissen  Umfang  ein,  reduzie-

ren sich im gleichen Ausmasse auch die Lärmimmissionen bei den übrigen 

Immissionsorten.  

4.6.9. 

Insoweit  die  Rekurrierenden  den  angefochtenen  Beschluss  als  lückenhaft 

empfinden, weil dieser den vom nächtlichen Stundenschlag einzuhaltenden 
durchschnittlichen LAF,max nicht benenne, kann ihnen ebenfalls nicht gefolgt 
werden.  Wie  hoch  die  durchschnittlichen  LAF,max  heute  bei  den  Messpunk-
ten 4 und 5 [….] in der Mitte des offenen Fensters und innen bei vollständig 
bzw.  bei spaltbreit  geöffnetem  Fenster sind,  ergibt  sich  klar aus  dem  Gut-

achten vom 16. November 2015. Dieses war auch Grundlage für den ange-

fochtenen Beschluss und wird in diesem auch mehrfach zitiert. Es ist daher 
hinreichend klar, wie hoch der durchschnittliche LAF,max nach Austausch des 
Klöppels  höchstens  ausfallen  darf.  Unmassgeblich  wird  dabei  sein,  ob  in-
nen oder aussen gemessen wird, da eine Reduktion des LAF,max,aussen eine 
entsprechende Reduktion des LAF,max, innen zur Folge hat und umgekehrt.  

5.1. 

Die  Rekurrierenden  wenden  sich des Weiteren  gegen  das  sog.  Abendläu-

ten, welches samstags und sonntags um 19:01 während 14 Minuten ertönt. 

Auch  hierzu  machen  sie  geltend,  die  Vorinstanz  habe  ungenügend  abge-
klärt, ob die Lautstärke und die Dauer des Abendläutens nach wie vor all-

gemein geschätzt würden. Die fünfte und schwerste Glocke sei erst im Jah-

re 1956 eingebaut worden. Der Einbau und damit eine Erhöhung der Laut-

R3.2016.00196 

Seite 23 

 
 
stärke  sei  einzig  deshalb  erfolgt,  weil  damals  Sport  und  Vergnügen  nach 

Meinung der Kirche die Bevölkerung abgelenkt und die Kirche den Wunsch 

gehegt habe, mehr Kirchenbesucher anzulocken. Die Anwohner der Kirche 

würden  heute  an  den  Wochenenden  insgesamt  während  mindestens 

42 Minuten (Einläuten des Gottesdienstes, Hochzeiten, etc.) beschallt. Ent-

gegen  vorinstanzlicher  Auffassung  würde  eine  Verkürzung  des  Abendläu-

tens sehr wohl eine Reduktion der Störung mit sich bringen. Bei einer Dau-

er  von  14  Minuten  sei  es  den  Anwohnern  nicht  möglich,  gemütlich  zu  es-

sen,  zu  lesen  oder  sich  zu  unterhalten.  Die  aufgenommenen  Tätigkeiten 

müssten vielmehr abgebrochen werden und die Anwohner müssten sich ins 

Gebäudeinnere begeben. Hingegen könnte bei einer nur vierminütigen Stö-

rung  durchaus  das  Ende  derselben  abgewartet  werden.  Ein  Abbruch  der 

aufgenommenen Tätigkeit sei alsdann nicht notwendig. Der von der Vorin-

stanz  beigezogene  Gutachter  habe  das  Geläut  als  "sehr  laut"  qualifiziert. 

Das  Geläut  beeinträchtige  die  abendliche  Erholung  und  Besinnlichkeit. 

Gemäss  Rechtsprechung  dürften  nur  in  Ausnahmefällen  Erleichterungen 

gesprochen  werden.  Dies  treffe  auf  ein  wöchentlich  eintretendes  Ereignis 

nicht zu. 

5.2. 

Die  Vorinstanz  und  die  private  Rekursgegnerin  halten  dem  entgegen,  we-

gen des ländlichen Charakters gehöre das Glockengeläut zum Brauchtum. 

Auch werde unbestrittenermassen seit mindestens 60 Jahren mit fünf Glo-

cken  geläutet.  Die  streitbetroffene  Kirche  sei  eine  der  ältesten  bauhistori-

schen  Zeugen  der  Gemeinde.  Die  umliegenden  Wohnhäuser  seien  alle 

später  gebaut  worden.  Zudem  könnten  sich  die  unmittelbaren  Anwohner 

auf das Geläut einstellen, ohne substantiell an Lebensqualität zu verlieren. 

Würde dem rekurrentischen Antrag gefolgt, würde dies  zu einer empfindli-

chen  Beeinträchtigung  einer  althergebrachten  Tradition  führen,  die  in  der 
christlich geprägten Gesellschaft und in der massgeblichen ländlichen Ge-

meinde nach wie vor eine hohe Bedeutung habe und von einem Grossteil 

der Bevölkerung geschätzt werde. Da die Gemeinde über drei Ortsteile ver-

füge, müsse das Geläut eine gewisse Intensität aufweisen, um überall ge-

hört zu werden. 

5.3. 

Auch  für  das  Abendläuten,  welches  wie  die  Zeitverkündung  zum  bürgerli-

chen  Läuten  zu  zählen  ist  (vgl.  VB.2007.00214  vom  6.  Mai  2009, 

R3.2016.00196 

Seite 24 

 
 
www.vgr.zh.ch)  sind  die  Lärmimmissionen  im  Einzelfall  nach  den  Kriterien 

der  Art. 15,  19  und  23  USG  zu  bewerten  (Art.  40  Abs.  3  LSV).  Die  Voll-

zugshilfe des BAFU kann auch hier wieder herangezogen werden.  

Anlässlich des Lokaltermins konnte sich die 3. Abteilung des Baurekursge-

richts  an  verschiedenen  Standorten  einen  Eindruck  über  die  Tonalität  und 

die Lautstärke des Geläuts machen. Dabei wurde festgestellt, dass nicht al-

le  Glocken  gleichzeitig  zu  läuten  beginnen.  Die  Lautstärke  steigt  vielmehr 

kontinuierlich an und ist nach rund zwei Minuten, nachdem auch die letzte 

und  grösste  Glocke  eingeschaltet  worden  ist,  am  lautesten.  Gegen  Ende 

des  Geläuts  nimmt  dann  die  Lautstärke  wieder  kontinuierlich  ab,  werden 

doch  von  der grössten  Glocke  ausgehend  die  Glocken  nacheinander aus-

geschaltet. Das Geläut wurde von der Rekursinstanz als "laut" empfunden. 

Gleichzeitig  wurde  festgestellt,  dass  selbst  die  grösste  Glocke  keine  stö-

rende  Tonalität  aufweist.  Die  Klänge  der  einzelnen  Glocken  sind  vielmehr 

aufeinander  abgestimmt.  Sie  bewirken  beim  Zusammenspiel  ein  stim-

mungsvolles Geläut.  

Der von  der Vorinstanz  beigezogene  Akustiker beurteilte für die  ES  II und 

für die  ES  III  auch das  Abendgeläut  anhand  der Vollzugshilfe.  Diese  sieht 

wie  für  die  nächtliche  Zeitansage  verschiedene  Kategorien  und  Gewich-

tungsfaktoren für die Beurteilung der Lärmimmissionen vor. Der Gutachter 

bewertete  das  Glockengeläut  in  der  ES  II  bei  Messpunkt  4  als  "sehr  laut" 

(bei den weiteren Messpunkten als "laut") und in der ES III als "laut bis sehr 

laut". Für die ES II ergibt dies folgendes Bild: 

Anlagecharakteristiken 

Lärmsituation 

Kirchenglocken 

Rechtliche Einordnung 

USG öffentliche oder konzessionierte Anlage 

Rechtliche Einordnung 

Alte Anlage 

Quellencharakteristiken 

Wertung 

Störungszeit 

In sensiblen Tageszeiten 

Wahrnehmbarkeit 

Sehr laut 

Häufigkeit 

Selten 

Charakter des Lärm 

Sehr stark ton- und impulshaltig 

Empfängercharakteristiken 

Empfindlichkeitsstufe  

II 

1 

3 

0 

2 

Wertung 

0 

R3.2016.00196 

Seite 25 

 
 
Sensible Personen 

Keine 

Örtliche  Gegebenheiten, 

der ES entsprechender Hintergrundpegel 

Lärmvorbelastung 
Ergebnis 

0 

0 

Wertung 

Erheblich  störend  (zwischen  IGW  und  AW)  Massnahmen  prüfen  (oder 

2 

falls keine Massnahmen umsetzbar, Erleichterungen gewähren) prüfen 

Für die ES III fiel die Beurteilung einzig in der Kategorie "Empfindlichkeits-

stufe" anders aus, nämlich mit einem Gewichtungsfaktor von -1, was dazu 

führte, dass hier die Immissionen als zwischen den Planungs- und Immissi-

onsgrenzwerten liegend angenommen wurden, so dass für die ES III einzig 

Massnahmen im Sinne des Vorsorgeprinzips zu prüfen wären. Würde das 

Geläut hingegen  abweichend  vom Gutachten  lediglich  als "laut"  umschrie-

ben,  schlägt  der  entsprechende  Gewichtungsfaktor  ("Wahrnehmbarkeit") 

mit  +2  zu  Buche.  Unter  Berücksichtigung  aller  übrigen  Faktoren  ergäbe 

dies  für  die  ES  II  eine  Gesamtsumme  (Wertung)  von  1,67,  was  gleichbe-

deutend  mit  Immissionen  zwischen  den  Planungs-  und  den  Immissions-

grenzwerten  wäre.  In  der  ES  III  ergäbe  dies  gar  die  Einhaltung  der  Pla-

nungswerte (Gesamtsumme 0,67). Wird hingegen wie im Gutachten auf ein 

"sehr lautes" Geläut angenommen und auf die ES II abgestellt, liegt mithin 

auch hinsichtlich des Abendläutens ein Sanierungsfall vor.  

Das  Baurekursgericht  hat  in  seinem  Entscheid  vom  15.  Dezember  2015 

erwogen,  Lärmkläger  könnten  sich  einzig  gegen  die  Lärmimmissionen  bei 

ihre  eigenen  Liegenschaften  zur  Wehr  setzen  (BRGE  II  Nr.  0193/2015, 

www.baurekursgericht-zh.ch). Daran ist festzuhalten. Aber selbst wenn die 

Immissionen in der ES II berücksichtigt würden und ein Sanierungsfall an-

genommen würde, ist der vorinstanzliche Entscheid nicht zu beanstanden. 

Wie bereits vorstehend erwähnt wurde, können sanierungspflichtigen Anla-

gen Erleichterungen gewährt werden. Art. 17 USG  ermöglicht es den Voll-

zugsbehörden, Ausnahmen vom Gesetz zu gewähren, was einzig gestützt 

auf  das  Verhältnismässigkeitsprinzip  nicht  zulässig  wäre.  Die  sich  entge-

genstehenden  Interessen  sind  dabei  gegeneinander  abzuwägen  (André 

Schrade/Heidi  Wiestner,  Kommentar  zum  Umweltschutzgesetz,  2.  Aufl., 

Hrsg.  Vereinigung  für  Umweltrecht/Helen  Keller,  Zürich  1998  ff.,  Art.  17 

Rz.11 ff.).  

Es ist daher entgegen rekurrentischer Auffassung durchaus zulässig, dass 

wiederkehrende  Ereignisse  von  der  Erleichterung  profitieren,  wird  diese 

R3.2016.00196 

Seite 26 

 
 
 
doch der Anlage zugesprochen und wird für deren Erteilung nicht ein selte-

nes Ereignis vorausgesetzt. Nach Art. 14 Abs. 1 LSV gewährt die Behörde 

Erleichterungen,  soweit  die  Sanierung  unverhältnismässige  Betriebsein-

schränkungen oder Kosten verursachen würde (Bst. a) oder wenn überwie-

gende  Interessen  namentlich  des  Ortsbild-,  Natur-  und  Landschaftsschut-

zes,  der  Verkehrs-  und  Betriebssicherheit  sowie  der  Gesamtverteidigung 

der Sanierung entgegenstehen (Bst. b). 

Wie  die  Vorinstanz  zu  Recht  ausführt,  fällt  das  Abendläuten  zwar  in  eine 

sensible  Zeit  der  Tagphase,  doch  können  sich  die  Anwohner  auf  das  Ge-

läut  einstellen.  Auch  konnte  anlässlich  des  Lokaltermins  festgestellt  wer-

den,  dass  bereits  im  Gebäudeinnern  die  Immissionen  nicht  mehr  als  "er-

heblich  störend"  zu  beurteilen  sind.  Im Weiteren  bringt  die  Rekursgegner-

schaft  zu  Recht  vor,  dass  das  Abendläuten  am  Samstag-  und  Sonntag-

abend in der christlichen Welt von grosser Tradition ist. Dabei ist diese Tra-

dition keineswegs nur auf die ländlichen Gebiete beschränkt. Selbst städti-

sche Gemeinden, wie etwa Thalwil und die rund 13'000 Einwohner zählen-

de Gemeinde Meilen kennen das Ein- und Ausläuten des Sonntags mit al-

len  Glocken  und 

in  vergleichbarer  Länge 

(www.kirchemeilen.ch, 

www.kirche-thalwil.ch). Auch in der hier massgeblichen Gemeinde wird das 

streitbetroffene Geläut unbestrittenermassen seit 60 Jahren in der heutigen 

Form  ausgeübt.  Dass  dieses  in  der  Bevölkerung  verankert  ist,  zeigen  die 

Resultate der bereits genannten Umfrage und der Kirchgemeindeversamm-

lung auf. Die Teilnehmer beider Umfragen wurden u.a. angefragt, ob sie ei-

ner  Reduzierung  des  Ein-  und  Ausläutens  von  14  auf  neun  Minuten  zu-

stimmen  würden  und  beide  Male  sprachen  sich  50  %  der  Angefragten  für 

das  Beibehalten  des  14-minütigen  Geläuts  aus.  Zwar  mag  es  sein,  dass 

der Sonntagabend  um  19  Uhr für viele  Personen  eine besinnliche  Zeit  ist. 

Jedoch  ist  es  gerade  auch  Sinn  und  Zweck  des  Ein-  und  Ausläuten  des 
Sonntags, die Bevölkerung auf den für das Christentum wichtigen Sonntag 

aufmerksam zu machen und die Bevölkerung zum Nachdenken anzuregen. 

Wenn die Vorinstanz angesichts all dieser Umstände hinsichtlich des sams-

täglichen  und  sonntäglichen  Abendläutens  in  seiner  bisherigen  Form  fest-

gehalten hat und damit eine Erleichterung im Sinne von Art. 17 USG erteilt 

hat, ist dies nicht zu beanstanden.  

Für  die  ES  III  sprächen  die  nämlichen  Überlegungen  gegen  das  Ergreifen 

lärmreduzierender Massnahmen gestützt auf das Vorsorgeprinzip. 

R3.2016.00196 

Seite 27 

 
 
Es kann daher festgehalten werden, dass hinsichtlich des Ein- und Ausläu-

ten des Sonntags keine lärmmindernden Massnahmen zu ergreifen sind.  

6. 

Die  rekurrentischen  Vorbringen  sodann,  wonach  wegen  der  Messung  bei 

gekipptem Fenster und der unklaren Ausgangswerten gegen Art. 6 EMRK 

verstossen  worden  sei,  kann  aufgrund  des  vorstehend  Dargelegten  nicht 

gefolgt werden. Inwiefern die Immissionen gegen Art. 8 EMRK und Art. 14 

EMRK  sowie  gegen  die  Kinderschutzkonvention  verstossen  sollen,  wird 

von  den  Rekurrierenden  nicht  substantiiert,  weshalb  nicht  darauf  einzuge-

hen ist. Im Übrigen ergibt sich aus den vorstehenden Ausführungen, dass 

die lärmrechtliche Beurteilung der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist. 

7.1. 

Weiter ist das rekurrentische Vorbringen zu prüfen, wonach dem Rekurren-

ten  A.  E.  die  Kosten  für  das  von  ihm  in  Auftrag  gegebene  Gutachten  zu-

rückzuerstatten seien. Der von der Vorinstanz beigezogene Gutachter habe 

nämlich  für  die  Beurteilung  der  in  der  ES  III  anfallenden  Immissionen  auf 

jenes Gutachten abgestellt. Dieses sei mithin Teil der von der Baukommis-

sion  vorgenommenen  Sachverhaltsabklärung.  Des  Weiteren  beinhalte  die 

Rechnung  auch  eine  Aufwendung,  welche  die  private  Rekursgegnerin  in 

Auftrag  gegeben  habe.  Diese  habe  ihn  nämlich  an  die  Kirchgemeindever-

sammlung  vom  13.  Juni 2013  eingeladen, an  welcher er auch  ein  Referat 

gehalten habe.  

7.2. 

Die  Vorinstanz  hält  dem  entgegen,  dass  nach  ständiger  Rechtsprechung 

und Lehre Privatgutachten nicht entschädigungspflichtig seien. Zwar sei im 

Gutachten der YZ AG auf das vom Rekurrenten veranlasste Lärmgutachten 

Bezug genommen worden. Dies habe aber die Sachverhaltsabklärung nicht 

nennenswert  erleichtert.  Da  das  Privatgutachten  von  der  privaten  Rekurs-

gegnerin stets bestritten worden sei, habe eine umfassende und unabhän-

gige Neubeurteilung durch die YZ AG vorgenommen werden müssen. Der 
Vortrag anlässlich der Kirchgemeindeversammlung habe ohnehin nichts zur 

Sachverhaltsermittlung  beigetragen,  weshalb  dieser  Aufwand  dem  Rekur-

renten nicht zurückzuerstatten sei. 

R3.2016.00196 

Seite 28 

 
 
7.3. 

Die private Rekursgegnerin ist sodann der Auffassung, der von der Baube-

hörde  beigezogene  Akustiker  habe  sich  einzig  mit  dem  Privatgutachten 

auseinandergesetzt.  Dieses  sei  keineswegs  Bestandteil  des  behördlichen 

Gutachtens geworden.  

7.4. 

Die Gebührenverordnung zum Vollzug des Umweltrechts (GebV UR) ist für 

die  Beurteilung  dieses  Rechtsbegehrens  nicht  einschlägig,  findet  die  Ver-

ordnung  doch  einzig auf  Amtshandlungen  der Behörden  und  Verwaltungs-

stellen von Kanton und Gemeinden Anwendung, die gestützt auf Vorschrif-

ten über den Schutz der Umwelt vorgenommen werden (§ 1 GebV UR). 

Zu prüfen ist daher noch, ob gestützt auf § 17 VRG der rekurrentische An-

spruch  begründet  ist.  Diese  Norm  regelt  abschliessend  die  Entschädi-

gungsansprüche,  welche  die  Verfahrensbeteiligten  im  Verwaltungs-  und 

Verwaltungsrechtspflegeverfahren für die von ihnen aufgewendeten Kosten 

geltend machen können (vgl. Alain Griffel, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zü-

rich/Basel/Genf  2014,  §  17  Rz.  6).  Ausschlaggebend  ist  dabei  der  Um-

stand,  dass die  vorliegend  strittigen  Kosten  nicht  im  Rahmen  des  Rekurs-

verfahrens, sondern für das Verfahren vor der kommunalen Behörde ange-

fallen  sind.  Während  nämlich  im  Rahmen  von  Rekursverfahren  getätigte 

Aufwendungen  für  Parteigutachten  unter  gewissen  Voraussetzungen  ent-

schädigt werden können (vgl. Alain Griffel, § 17 Rz. 77.), entfällt ein solcher 

Anspruch  bei  Verfahren  vor  den  Verwaltungsbehörden  von  vornherein 

(§ 17  Abs.  1  VRG).  Aus  Art.  9  der  Bundesverfassung  (BV)  sodann  ergibt 

sich  der  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  im  Verwaltungsverfahren 

nur,  wenn  die  Abweisung  des  Entschädigungsbegehrens  einer  privaten 

Partei gegenüber dem Gemeinwesen in stossender Weise dem Gerechtig-
keitsempfinden zuwiderliefe (Alain Griffel, § 17 Rz 12). Ein solcher Fall liegt 

indes  nicht  vor. Lärmklagen  können  unabhängig  von  Lärmgutachten  erho-

ben  werden.  Es  ist  alsdann  Sache  der  Gemeinde,  den  Sachverhalt  abzu-

klären. Wenn  der  Rekurrent  vor  Erhebung  seiner  Lärmklage  von  sich  aus 

Sachverhaltsermittlungen getroffen hat, so hat er die entsprechenden Kos-

ten folglich selber zu tragen.  

R3.2016.00196 

Seite 29 

 
 
8. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Rekurs abzuweisen ist, soweit 

darauf einzutreten ist.  

[….] 

R3.2016.00196 

Seite 30