# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2537298-519d-5fd0-a865-03941d234f9a
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-10-04
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 04.10.2010 IV 2008/503
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2008-503_2010-10-04.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2008/503

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 29.07.2020

Entscheiddatum: 04.10.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 04.10.2010
Art. 28a Abs. 3 IVG. Gemischte Methode der Invaliditätsbemessung 
Qualifikation als nur erwerbstätig, nur im Haushalt tätig, gemischt im Erwerb 
und im Haushalt tätig: Anforderungen an den Nachweis der Verhaltensweise 
der versicherten Person im hypothetischen "Gesundheitsfall" (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Oktober 2010, IV 
2008/503).

Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Miriam 

Lendfers und

Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

Entscheid vom 4. Oktober 2010

in Sachen

I.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kaspar Noser, Marktstrasse 2, Postfach, 

8853 Lachen SZ,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.   

I.___ (Jg. 1961) meldete sich am 8. Juni 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. 

med. A.___ berichtete der IV-Stelle am 10. Juli 2007, die Versicherte leide an einer 

Adipositas per magna (BMI 42), an einem Diabetes mellitus Typ II, an 

Überlastungsschmerzen des Rückens, der Hüften, der Knie und der Sprunggelenke 

sowie– ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an rezidivierenden Schüben einer Colitis 

ulcerosa, an einem Handekzem und an einer latenten Hypothyreose. Die Versicherte 

könnte leichtere Arbeiten ausführen. Im Vordergrund stehe das massive Übergewicht. 

Diesbezüglich sei eine grundlegende Therapie enorm schwierig. Für sämtliche 

Erklärungen und Besprechungen seien die Töchter nötig, damit man sich mit der 

Versicherten verständigen könne. Der Diabetes mellitus sei nicht optimal therapiert. 

Man wisse nicht, ob die Medikamente einigermassen regelrecht eingenommen würden. 

Diätetische Massnahmen würden wohl kaum beachtet. Die Versicherte gebe multiple 

Beschwerden im Rücken, in den Hüften, in den Knien und in den Füssen an. 

Ausserdem klage sie über eine allgemeine Müdigkeit und immer wieder über Kälte in 

den Extremitäten. Eine Duplexsonographie im Jahr 2004 habe aber normale 

Verschlussdrucke ergeben. Die Beweglichkeit der Gelenke sei schmerzbedingt 

reduziert, die Beschwerden seien sicher überlastungsbedingt.

B.   

Am 13. November 2007 erfolgte eine Haushaltabklärung. Die Übersetzung wurde durch 

die Tochter der Versicherten besorgt. Die Versicherte klagte über Situationen mit 

Überzuckerung, in denen es zu Übelkeit und Erbrechen komme. Mit den Tabletten 

könnten die Zuckerwerte nicht optimal im Gleichgewicht gehalten werden. 

Insulininjektionen wären besser, aber die Versicherte habe davor extreme Angst. 

Wegen der Zuckerkrankheit habe die Versicherte offene Stellen an den Fusssohlen und 

an den Zehen. Sie könne nur 300 bis 400 Meter gehen, jedoch nur in äusserst 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

langsamem Tempo. Dabei sei sie auf eine Begleitung angewiesen. Die Sehfähigkeit sei 

sehr schlecht. Dr. med. A.___ habe sie nicht an einen Augenarzt überwiesen, weil das 

nur Geld koste. Die Versicherte leide an ständigen Rücken- und Beinbeschwerden. Die 

Psyche sei stark belastet (Scheidung der Tochter, Verschuldung und Leben unter dem 

Existenzminimum). Die Versicherte liege jede Nacht bis 05:00 Uhr wach, dann könne 

sie ca. vier Stunden schlafen. Die beiden Töchter sorgten dafür, dass meistens jemand 

bei der Versicherten sei, weil diese auf Gesellschaft angewiesen sei. Aufgrund der 

katastrophalen finanziellen Situation (bestohlen und betrogen durch den ehemaligen 

Schwiegersohn), des geringen Verdienstes des Ehemannes (netto ca. Fr. 3600.-) und 

der Lohnpfändung müsste die Versicherte einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Miete 

betrage Fr. 1313.-. Die Abklärungsperson notierte im Abklärungsbericht für sämtliche 

Sparten der Haushaltarbeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten, wies 

aber abschliessend darauf hin, dass die geltend gemachte Einschränkung medizinisch 

nicht abgeklärt sei. Weiter führte die Abklärungsperson aus, aufgrund der persönlichen 

Voraussetzungen, der fehlenden beruflichen Kompetenzen und der sprachlichen 

Verständigungsmöglichkeit bestünden für die Versicherte auf dem Arbeitsmarkt kaum 

noch Chancen. Es kämen nur einfache Tätigkeiten wie Reinigung in Frage, die zu den 

Randzeiten und in einem Teilpensum erbracht würden. Von daher könne höchstens 

von einem 50%-Pensum ausgegangen werden. Dr. med. B.___ vom RAD betrachtete 

das Ergebnis der Haushaltabklärung am 12. Dezember 2007 als plausibel.

C.   

Dr. med. C.___ berichtete der IV-Stelle am 17. Juni 2008, er habe die Versicherte als 

Hausarztnachfolger von Dr. med. A.___ erst einmal, am 25. Januar 2008, gesehen. Sie 

habe ihn wegen einer Augenentzündung konsultiert. Seit dem letzten Bericht von Dr. 

med. A.___ sei die Versicherte nicht mehr bei einem Spezialisten in Behandlung 

gewesen. Er habe der Versicherten wegen des zervikobrachialen Schmerzsyndroms 

eine Physiotherapie verschrieben. Gemäss den Angaben der Physiotherapeutin sei die 

Versicherte erstmals im April 2008 erschienen. Sie sei insgesamt nur viermal 

gekommen. Dr. med. C.___ gab folgende Diagnosen an: Adipositas per magna (BMI 

42), Diabetes Typ II (schlechte Compliance Hba1c9.2), diabetische Polyneuropathie, 

Überlastungsschmerzen des Rückens, der Hüften, der Knie und der Sprunggelenke, 

ausserdem – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – rez. Schübe einer Colitis ulcerosa, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Handekzem und latente Hypothyreose. Er führte weiter aus, der Gesundheitszustand 

sei stationär. Bei einer konsequenten Diabetestherapie und Gewichtsreduktion wäre 

der Zustand besserungsfähig. Die Versicherte müsste eigentlich in einer engmaschigen 

Kontrolle sein, insbesondere im Hinblick auf ihren Diabetes mellitus und auf die 

Hypothyreose. Sie bezahle aber die Krankenkassenprämien nicht regelmässig, weshalb 

die Behandlungskosten ungedeckt blieben. Da er die Versicherte erst einmal gesehen 

habe, könne er zur Eingliederungsfähigkeit leider keine Auskunft geben, aber er denke, 

dass sich die Situation seit dem letzten Bericht von Dr med. A.___ nicht geändert habe. 

Dr. med. B.___ vom RAD hielt am 9. Juli 2009 fest, der Gesundheitszustand sei 

stationär. Eine relevante Verbesserung dürfe nur erwartet werden, wenn sich die 

Versicherte vom Nutzen einer Gewichtsreduktion überzeugen lasse und selber ihr 

Gewicht reduzieren wolle. Das Gleiche gelte für die Einstellung des Blutzuckers, der 

durch eine entsprechende Gewichtsreduktion wahrscheinlich geheilt würde. Folgende 

IV-fremde Faktoren seien wirksam: schlechte Deutschkenntnisse, Arbeitslosigkeit, 

Nichtbezahlen der KK-Prämien (erschwerte medizinische Betreuung). Gemäss den 

Angaben von Dr. med. C.___ bestehe für leichtere körperliche Tätigkeiten eine 

Arbeitsfähigkeit. Dr. med. C.___ habe allerdings kein Pensum angegeben, aber er habe 

die Versicherte auch nie arbeitsunfähig geschrieben. Dr. med. B.___ gab abschliessend 

an, aus medizinischer Sicht bestehe bei den vorliegenden Diagnosen ohne 

Berücksichtigung der IV-fremden Faktoren eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80%. 

Die Ausschöpfung dieser Arbeitsfähigkeit würde die Versicherte in ihrem Willen zur 

Integration und zur Gesundheitsförderung angemessen und sinnvoll unterstützen. 

Berufliche Massnahmen seien erst sinnvoll, wenn sich die Versicherte von den 

Massnahmen zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes überzeugen lasse. 

Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt.

D.   

Die IV-Stelle ermittelte anhand der sogenannten gemischten Methode den 

Invaliditätsgrad, indem sie für den Erwerbsteil (50%) die Hälfte des 

Durchschnittseinkommens der Hilfsarbeiterinnen, also Fr. 25'440.- als 

Valideneinkommen einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 20'352.- 

gegenüberstellte, das sie anhand desselben Durchschnittseinkommens, aber unter 

zusätzlicher Berücksichtigung eines (fälschlicherweise so genannten) 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

"Leidensabzuges" von 20% ermittelt hatte. Das ergab für den Erwerbsteil eine 

Invalidität von 20%. Davon berücksichtigte die IV-Stelle die Hälfte, also 10%. Für den 

Haushaltteil ging die IV-Stelle gestützt auf ihren Bericht über die Haushaltabklärung 

von einem Invaliditätsgrad von 10% aus. Auch davon berücksichtigte sie die Hälfte, 

also 5%, was zusammen mit der anteiligen Invalidität aus dem Erwerb von 10% einen 

Gesamtinvaliditätsgrad von 15% lieferte. Mit einem Vorbescheid vom 30. Juli 2008 

teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren 

abzuweisen, da der Invaliditätsgrad unter 40% liege. Die Versicherte wandte am 10. 

August 2008 sinngemäss ein, Dr. med. C.___ habe sie nicht einmal richtig untersuchen 

wollen. Er habe sie gleich gefragt, ob sie die Rechnung bezahlen werde. Sie sei nie 

mehr bei ihm gewesen. Wegen der Zuckerkrankheit könne sie kaum gehen und sie 

sehe sehr schlecht. Zuletzt sei sie bei Dr. med. D.___ in X.___ gewesen. Dort könne die 

IV-Stelle einen Bericht einholen. Sie lasse sich auch gern nochmals untersuchen. Mit 

einer Verfügung vom 31. Oktober 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der 

Versicherten ab.

E.  

In einem an die IV-Stelle adressierten und dieser auch zugestellten Schreiben vom 

17. November 2008 machte die Versicherte sinngemäss geltend, sie sei mit der 

"Diagnose" nicht einverstanden, da sie sich zu 100% arbeitsunfähig fühle. Sie habe bei 

Dr. med. C.___ ein Rezept wegen der Tabletten für die Zuckerkrankheit verlangt, aber 

er habe sie "hinausgeschmissen". Daraufhin sei sie zu Dr. med. D.___ in X.___ 

gegangen. Bei der Kontrolle des Zuckers sei Dr. med. D.___ "geschockt" gewesen, weil 

der Wert so hoch gewesen sei. Er habe ihr sofort Insulin gegeben. Sie sei nicht von 

Experten untersucht worden. Sie bitte darum, dass man ihren Fall genauer anschaue. 

Die IV-Stelle leitete dieses Schreiben der Versicherten am 4. Dezember 2008 als 

Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weiter. Das 

Versicherungsgericht teilte der Versicherten am 5. Dezember 2008 mit, dass sie einen 

Kostenvorschuss leisten müsse, wenn sie mit dem Schreiben an die IV-Stelle vom 17. 

November 2008 tatsächlich habe Beschwerde führen wollen. Am 4. Januar 2009 stellte 

die Versicherte sinngemäss ein Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege. Dabei gab sie u.a. auch an, sie müsse Insulin spritzen, sie habe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Probleme mit dem Atmen und sie leide an Herzproblemen. Das Gericht könne von Dr. 

med. D.___ ihre Akten einverlangen.

F.  

Die IV-Stelle beantragte am 24. Februar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie 

verwies darauf, dass Dr. med. A.___ angegeben habe, die Versicherte sei in einer 

körperlich leichten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Weiter machte sie geltend, ein gut 

eingestellter Diabetes mellitus beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit nicht. Die Versicherte 

sei aufgrund ihrer Selbsteingliederungs- und Schadenminderungspflicht gehalten, die 

entsprechenden Medikamente in der richtigen Dosierung einzunehmen. Es sei nicht 

ersichtlich, weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung rechtsfehlerhaft sein sollte. Deshalb 

sei vollumfänglich auf sie abzustellen. Weil die Versicherte nichts gegen die 

Qualifikation als zu 50% erwerbstätig und zu 50% im eigenen Haushalt tätig 

eingewendet habe, sei gemäss dem Rügeprinzip nicht näher darauf einzugehen, zumal 

keine Rechtsmängel ersichtlich seien.

G.   

Die neu anwaltlich vertretene Versicherte liess in ihrer Replik vom 6. April 2009 die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung zur Ergänzung des 

Sachverhalts und zur neuen Entscheidung beantragen. Der Rechtsvertreter machte 

geltend, die Versicherte habe bereits in der Beschwerde sinngemäss denselben Antrag 

gestellt. Weiter beantragte der Rechtsvertreter der Versicherten die Durchführung einer 

mündlichen Verhandlung und den Beizug der Tochter der Versicherten als 

Dolmetscherin. Er begründete diesen Verfahrensantrag damit, dass es einen 

Unterschied mache, ob eine Adipositas per magna lediglich in den Akten festgehalten 

sei oder in Augenschein genommen werden könne. Die Adipositas schränke die 

Arbeitsfähigkeit der Versicherten massiv ein. Die Qualifikation – 50% Erwerb und 50% 

Haushalt – sei bereits in der Eingabe zum Vorbescheid als unzutreffend bezeichnet 

worden. Eine wirksame Bekämpfung der seit vielen Jahren bestehenden Adipositas sei 

wegen der psychischen und intellektuellen Verfassung der Versicherten objektiv nicht 

mehr möglich. Die Adipositas habe Krankheitswert und führe zu einer 

Arbeitsunfähigkeit. Selbst unter der Hypothese eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

sei es in hohem Mass unwahrscheinlich, dass eine geeignete Stelle vorhanden sei. In 

bezug auf die schlechte Sehfähigkeit habe die IV-Stelle pflichtwidrig keinerlei 

Abklärungen getroffen. Im Haushalt sei die Versicherte praktisch vollständig 

eingeschränkt. Diese Einschränkung könne nicht einfach unter Verweis auf die 

Schadenminderungspflicht des Ehemannes und der im gleichen Haushalt lebenden 

Kinder auf 10% reduziert werden. Dr. med. C.___ habe die Versicherte nie selber und 

gründlich untersucht. Im Ergebnis habe sein Bericht dem Bericht des früheren 

Hausarztes Dr. med. A.___ entsprochen. Die seither eingetretene Verschlechterung sei 

nicht angemessen berücksichtigt worden. Eine MEDAS-Abklärung sei notwendig.

H.   

Die IV-Stelle verzichtete am 15. April 2009 auf eine Duplik.

Erwägungen:

1.  

1.1  Gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 IVG bestimmt sich die Invalidität 

einer erwachsenen Person nach der Unmöglichkeit, sich im bisherigen 

Aufgabenbereich zu betätigen, wenn dieser Person nicht zugemutet werden kann, einer 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies gilt auch für Personen, die nur zum Teil 

erwerbstätig und daneben in einem Aufgabenbereich tätig sind (Art. 28a Abs. 3 IVG). 

Gemäss Art. 27bis IVV erfolgt nur ein Einkommensvergleich, wenn anzunehmen ist, 

dass die teilerwerbstätige Person ohne den Gesundheitsschaden ganztägig 

erwerbstätig wäre. In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob 

und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den 

Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen 

Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dabei 

abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht 

auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) 

erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle 

Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige 

Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen ausschlaggebend sein. 

Abzustellen sei auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie 

sich bis zum massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 

150). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält sich seit dem 

Bundesgerichtsurteil vom 6. August 2007 (I 126/07) an diese Methode, dies entgegen 

einer früheren Praxis, die auf eine objektive Zumutbarkeit im fiktiven "Gesundheitsfall" 

abstellte (vgl. statt vieler das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen 

vom 26. November 2008, IV 2007/332).

1.2  Käme weiterhin die frühere Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St. 

Gallen zur Anwendung, wäre die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" 

objektiv in der Lage, vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, so dass die 

Invalidität anhand eines reinen Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG zu ermitteln 

wäre. Die Beschwerdeführerin wäre nämlich durch nichts daran gehindert, ganztags zu 

arbeiten. Dasselbe muss entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin auch bei 

einer Anwendung der bundesgerichtlichen Praxis gelten: Die Haushaltabklärung krankt 

daran, dass mehrheitlich gar nicht die Beschwerdeführerin, sondern die – eigentlich nur 

zu Übersetzungszwecken beigezogene – Tochter als Auskunftsperson befragt worden 

ist und dass im Abklärungsbericht insbesondere in bezug auf das Ausmass einer 

Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" weder die Fragestellung noch die 

Antwort – durch die Beschwerdeführerin oder durch die Tochter – korrekt protokolliert 

worden ist. In den Akten der Beschwerdegegnerin fehlt also eine überzeugende 

Aussage der Beschwerdeführerin zu diesem Thema. Für die Beschwerdegegnerin war 

das damals nicht relevant, denn sie hat die Frage nach dem wahrscheinlichsten 

Verhalten im hypothetischen "Gesundheitsfall" unabhängig von den Angaben der 

Beschwerdeführerin bzw. der Tochter anhand der Realitäten des Arbeitsmarktes und 

anhand der konkreten Umstände (extremer Minderlohn in den Jahren 2001/2, 

zweijährige Arbeitslosigkeit, krankheitsbedingter Abbruch eines Arbeitsversuchs im 

Jahr 2004, dann keine Arbeitsbemühungen mehr) beantwortet, indem sie von einer 

Erwerbsquote von 50% ausgegangen ist. Dieser Qualifikation fehlt jede 

Überzeugungskraft. Mit den Realitäten des Arbeitsmarktes kann die Abklärungsperson 

gemeint haben, dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" auf 

eine Erwerbstätigkeit verzichtete hätte, wenn sie erkannt hätte, dass sie keine Arbeit 

finden könne, weil der Arbeitsmarkt keine geeigneten offenen Stellen aufweise. Dann 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wäre es allerdings nicht folgerichtig gewesen, von einer Erwerbsquote von 50% 

auszugehen. Die Abklärungsperson könnte mit den Realitäten des Arbeitsmarktes aber 

auch gemeint haben, die Beschwerdeführerin hätte nur eine Teilzeitstelle finden 

können, weil es für Frauen ohne berufliche Qualifikationen viel mehr Teilzeit- als 

Vollzeitstellen gebe. Dem wäre entgegen zu halten, dass die Beschwerdeführerin im 

hypothetischen "Gesundheitsfall" auch zwei oder mehr Teilzeitstellen hätte annehmen 

können, um so auf einen Beschäftigungsgrad von insgesamt 100% zu kommen. Mit 

den Realitäten des Arbeitsmarktes lässt sich also die Frage, in welchem Umfang die 

Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" erwerbstätig gewesen wäre, 

nicht überzeugend beantworten. Dasselbe gilt für die erwerbliche Karriere der 

Beschwerdeführerin bis zum Arbeitsversuch im Jahr 2004. Abgesehen davon, dass die 

Beschwerdeführerin damals schon länger in ihrer Gesundheit beeinträchtigt war, sagen 

die Höhe des erzielten Lohnes, die Art der Arbeit und die Arbeitslosigkeit nichts 

darüber aus, wie sich die Beschwerdeführerin in der hier massgebenden Zeit ab 2006 

in erwerblicher Hinsicht verhalten hätte, wenn sie gesund gewesen wäre. Das bedeutet 

zusammengefasst, dass die Beschwerdegegnerin weder mit der Antwort der 

Beschwerdeführerin (bzw. der Tochter) noch mit den Überlegungen der 

Abklärungsperson eine ausreichend wahrscheinliche Verhaltensweise der 

Beschwerdeführerin im hypothetischen "Gesundheitsfall" ermittelt hat. Eine 

Rückweisung zur weiteren Abklärung würde die Beweislage nicht verbessern, denn die 

– inzwischen anwaltlich vertretene – Beschwerdeführerin würde im Hinblick auf die 

äusserst negativen Konsequenzen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Inhalt 

der sogenannten gemischten Methode der Invaliditätsbemessung für teils im Erwerb, 

teils im Haushalt tätige Personen mit grosser Wahrscheinlichkeit angeben, sie wäre im 

hypothetischen "Gesundheitsfall" selbstverständlich vollzeitlich erwerbstätig gewesen. 

Damit wäre nicht die wahrscheinlichste, sondern die in bezug auf die 

Rentenberechtigung günstigste – und damit für den vorliegenden Fall irrelevante – 

Verhaltensvariante im hypothetischen "Gesundheitsfall" ermittelt. Da weitere 

Sachverhaltsabklärungen also in antizipierender Beweiswürdigung als nicht 

erfolgversprechend zu qualifizieren sind, bleibt nur die Möglichkeit, die für die 

Beschwerdeführerin bei objektiver Betrachtungsweise geeignetste Variante 

auszuwählen, da es sich dabei um die wahrscheinlichste Verhaltensweise im 

hypothetischen "Gesundheitsfall" handelt. Angesichts der desolaten finanziellen Lage 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

des Ehepaares I.___ und angesichts des bei fehlendem Einkommen der 

Beschwerdeführerin drohenden Bedarfs nach Sozialhilfeleistungen kann nur eine 

vollzeitliche Erwerbstätigkeit (bzw. mehrere Teilzeitbeschäftigungen mit zusammen 

100%) als die wahrscheinlichste Variante des Verhaltens im hypothetischen 

"Gesundheitsfall" betrachtet werden, zumal die Beschwerdeführerin keine Kinder mehr 

zu betreuen hat. Die Invalidität der Beschwerdeführerin ist deshalb mittels eines reinen 

Einkommensvergleichs zu ermitteln.

2.  

Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt 

der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren 

Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der 

Invalidenkarriere voraus. Die Validenkarriere der Beschwerdeführerin ist aufgrund des 

Fehlens jeder beruflichen Ausbildung notwendigerweise diejenige einer Hilfsarbeiterin, 

die alle Arbeiten, von der körperlich leichten bis zur körperlich schweren, ausüben 

kann, selbst wenn dabei unphysiologische Haltungen einzunehmen sind, in anderer 

Weise hohe Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit gestellt werden, unter 

Zeitdruck gearbeitet werden muss usw. Allerdings dürften dabei nur bescheidene 

Anforderungen an den Intellekt und an die Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin 

gestellt werden. Derartige Hilfsarbeiten werden nicht unterdurchschnittlich entlöhnt, 

wie es bei der von der Beschwerdeführerin etwas mehr als ein Jahr ausgeübten 

Tätigkeit der Fall gewesen ist. Die Beschwerdeführerin hat zudem nicht aus freien 

Stücken, sondern aufgrund der nachteiligen Arbeitsmarktlage keine besser entlöhnte 

Arbeitsstelle angenommen. Ausdruck ihrer validen Leistungsfähigkeit ist deshalb nicht 

das zuletzt effektiv erzielte Erwerbseinkommen, sondern der Durchschnittslohn der 

Hilfsarbeiterinnen. Die Invalidenkarriere ist ebenfalls diejenige einer Hilfsarbeiterin, da 

die Beschwerdeführerin offenkundig, auch bei ausreichender Motivation und 

Gesundheit, nicht in der Lage ist, eine qualifizierte Berufsausbildung zu absolvieren, um 

eine allfällige Arbeitsunfähigkeit ganz oder teilweise durch ein höheres Lohnniveau 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ausgleichen zu können. Über die Qualität einer adaptierten Erwerbstätigkeit ist 

aufgrund der vorliegenden Akten nicht mehr bekannt, als dass es sich um eine 

körperlich leichte Tätigkeit handeln müsste. Ob die Beschwerdeführerin dabei 

durchgehend sitzen könnte/müsste oder ob sie zwischendurch aufstehen und 

umhergehen müsste, bis zu welcher Limite sie Gewichte heben und tragen könnte, ob 

es ihr zumutbar wäre, unphysiologische Haltungen einzunehmen usw. ist nicht 

bekannt. Diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Erst 

recht gilt das für die Frage, welcher Arbeitsfähigkeitsgrad in einer adaptieren 

Erwerbstätigkeit möglich und zumutbar wäre. Dr. med. A.___ und Dr. med. C.___ (der 

die Beschwerdeführerin allerdings gar nie umfassend untersucht hat) haben keine 

überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Es fehlen nämlich die 

entsprechenden Untersuchungsberichte, soweit überhaupt Untersuchungen erfolgt 

sind, es fehlen Angaben dazu, ob es der Beschwerdeführerin möglich wäre, aus 

eigener Anstrengung ihren Gesundheitszustand zu verbessern (idealerweise 

abzunehmen oder wenigstens die Medikamente zur Beherrschung der Zuckerkrankheit 

korrekt einzunehmen), und es fehlt die notwendige Unabhängigkeit in der Beurteilung. 

Auch Dr. med. B.___ vom RAD hat keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung 

abgegeben, denn sie hat sich nur auf die Angaben von Dr. med. A.___ und Dr. med. 

C.___ abgestützt. Sie hat nicht überzeugend zu erklären vermocht, weshalb sie – 

abweichend von den Schätzungen der genannten beiden Ärzte – zu einer 

Arbeitsfähigkeit von mindestens 80% gekommen ist. Unerklärlich ist, weshalb sie nicht 

einen Bericht des neuen Hausarztes Dr. med. D.___ eingeholt und in ihre Beurteilung 

einbezogen hat. Auch die der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens 

zugrunde gelegte Arbeitsfähigkeit beruht somit nicht auf einer ausreichenden 

medizinischen Abklärung und ist deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

richtig. Die Beschwerdegegnerin wird sowohl die Qualität einer adaptierten 

Erwerbstätigkeit als auch die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer solchen 

Erwerbstätigkeit noch abzuklären haben, wobei es sich angesichts der massiven 

Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und der 

vorläufigen ärztlichen Einschätzung rechtfertigt, die Abklärung einerseits 

polydisziplinär, d.h. unter Beizug eines Psychiaters und allenfalls auch eines 

Augenarztes, und andererseits durch unabhängige Sachverständige vornehmen zu 

lassen. Dabei wird auch die Frage zu prüfen sein, inwieweit es der Beschwerdeführerin 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

möglich und zumutbar ist, sich in Erfüllung der IV-spezifischen 

Schadenminderungspflicht für eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes 

einzusetzen.

 

3.  

Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die 

angefochtene Verfügung vom 31. Oktober 2008 ist aufzuheben und die Sache ist zur 

weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

Rechtsprechungsgemäss ist dieser Verfahrensausgang im Hinblick auf die 

Verfahrenskosten als vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführerin zu betrachten. 

Die Beschwerdegegnerin hat deshalb eine ungekürzte Parteientschädigung 

auszurichten und die Gerichtskosten zu bezahlen. Die Parteientschädigung richtet sich 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 

lit. g ATSG). Die geltend gemachte Parteientschädigung von Fr. 2587.80 (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) erweist sich unter Berücksichtigung dieser Kriterien 

als angemessen. Die Gerichtsgebühr richtet sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 

Abs. 1  IVG). Dieser ist als unterdurchschnittlich zu werten, so dass sich eine 

Gerichtsgebühr von Fr. 500.- rechtfertigt. Praxisgemäss ist die Bewilligung der 

unentgeltlichen Prozessführung unter diesen Umständen als gegenstandslos zu 

betrachten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 31. Oktober 2008 

aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur neuen Verfügung im 

Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von 

Fr. 2587.80 zu bezahlen.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3. Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 500.- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 04.10.2010
	Art. 28a Abs. 3 IVG. Gemischte Methode der Invaliditätsbemessung Qualifikation als nur erwerbstätig, nur im Haushalt tätig, gemischt im Erwerb und im Haushalt tätig: Anforderungen an den Nachweis der Verhaltensweise der versicherten Person im hypothetischen "Gesundheitsfall" (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Oktober 2010, IV 2008/503).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T13:21:42+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen