# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2fd5592c-8920-5fcb-a2de-741a08bdb3a7
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 28.11.2023 VBE.2023.353
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-353_2023-11-28.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.353 / sb / nl 
Art. 122 

 

 

Urteil vom 28. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Peterhans  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

vertreten durch MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt, und/oder  

MLaw Patrick Wagner, Rechtsanwalt, Totentanz 5,  

Postfach, 4001 Basel  

 

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern  

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Zwischenverfügung vom 4. August 2023) 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1973 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin 

obligatorisch gegen die Folgen von Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und 

Berufskrankheiten versichert, als er am 7. August 2018 einen Unfall erlitt. 

Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für die Folgen 

dieses Unfalls und richtete die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung 

und Taggeld) aus. Nach weiteren sachverhaltlichen Abklärungen teilte die 

Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Einstellung der Taggeld- 

sowie grundsätzlich auch der Heilbehandlungsleistungen per 31. März 

2021 mit. Ferner verneinte sie mit Verfügung vom 15. März 2021 einen An-

spruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und sprach diesem 

basierend auf einer Integritätseinbusse von 40 % eine entsprechende In-

tegritätsentschädigung zu. Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit Ein-

spracheentscheid vom 25. August 2021 fest. Die dagegen vom Beschwer-

deführer erhobene Beschwerde vom 27. September 2021 wies das Versi-

cherungsgericht mit Urteil VBE.2021.436 vom 18. Mai 2022 ab. Das Bun-

desgericht hiess die dagegen vom Beschwerdeführer erhobene Be-

schwerde mit Urteil 8C_427/2022 vom 28. Februar 2023 teilweise gut und 

wies die Sache zur weiteren sachverhaltlichen Abklärung in Form einer ver-

waltungsexternen Begutachtung sowie anschliessenden neuerlichen Ent-

scheidung an die Beschwerdegegnerin zurück.  

 

1.2. 

Mit Schreiben vom 15. Mai 2023 informierte die Beschwerdegegnerin den 

Beschwerdeführer, dass sie die Einholung eines polydisziplinären Gutach-

tens bei der asim, Basel, beabsichtigt, gab ihm die vorgesehenen Experten 

sowie den vorgesehenen Fragenkatalog bekannt und räumte ihm die Ge-

legenheit ein, innert 10 Tagen allfällige Einwendungen zu erheben. Am 

29. Juni 2023 beantragte der Beschwerdeführer "mit der Begutachtung […] 

zuzuwarten" beziehungsweise "das entsprechende Verfahren zu sistieren". 

Nach weiterer Korrespondenz wies die Beschwerdegegnerin das Sistie-

rungsgesuch betreffend die von ihr "bereits in die Wege geleitete Begut-

achtung" mit Zwischenverfügung vom 4. August 2023 ab und entzog einer 

allfälligen Beschwerde gegen diesen Entscheid die aufschiebende Wir-

kung. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diese Zwischenverfügung erhob der Beschwerdeführer am 24. Au-

gust 2023 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Anträge: 

  

 - 3 - 

 

 

" 1. 
Es sei die Zwischenverfügung vom 4. August 2023 aufzuheben und dem 
Sistierungsgesuch des Beschwerdeführers vom 29. Juni 2023 stattzuge-
ben. 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Lasten 
der Beschwerdegegnerin." 

 

Ferner beantragte er in prozessualer Hinsicht Folgendes: 

 

" 1. 
Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ertei-
len. Über diesen Antrag sei umgehend zu entscheiden. 
 
2. 
Es sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewäh-
ren und der links Unterzeichnete als unentgeltlicher Vertreter einzuset-
zen." 

 

2.2. 

Mit an die Beschwerdegegnerin gerichteten Schreiben vom 29. August und 

1. September 2023 teilte der Beschwerdeführer mit, sich "aktuell" in Unter-

suchungshaft zu befinden, weshalb die von der Beschwerdegegnerin vor-

gesehene Begutachtung nicht stattfinden könne. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 5. September 2023 wies der Instruktionsrichter das Ge-

such um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde 

vom 24. August 2023 ab. 

 

2.4. 

Mit Vernehmlassung vom 4. Oktober 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 18. Oktober 2023 hielt der Beschwerdeführer unter Ver-

weis auf seine Beschwerde vom 6. Oktober 2023 an das Bundesgericht die 

instruktionsrichterliche Verfügung vom 5. September 2023 betreffend im 

Wesentlichen an seiner Beschwerde und deren Begründung fest. 

 

2.6. 

Mit Urteil 8C_645/2023 vom 2. November 2023 trat das Bundesgericht auf 

die vom Beschwerdeführer gegen die instruktionsrichterliche Verfügung 

vom 5. September 2023 erhobene Beschwerde nicht ein. 

  

 - 4 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Verfahrensgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin mit ih-

rer Verfügung vom 4. August 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 539) zu 

Recht eine Verfahrenssistierung abgelehnt hat. 

 

2. 

Aus den Akten ergeben sich folgende hier relevanten Umstände: Das Bun-

desgericht verpflichtete die Beschwerdegegnerin mit Urteil 8C_427/2022 

vom 28. Februar 2023 zur weiteren sachverhaltlichen Abklärung in Form 

einer verwaltungsexternen Begutachtung (VB 499). In der Folge informierte 

die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer – nach Anfrage an die 

Gutachterstelle vom 2. respektive 10. Mai 2023 (VB 507 und VB 512) sowie 

deren Zusage vom 11. Mai 2023 (VB 513) – am 15. Mai 2023 über die be-

absichtigte Begutachtung, gab ihm die vorgesehenen Experten sowie den 

vorgesehenen Fragenkatalog bekannt und räumte ihm die Gelegenheit ein, 

innert zehn Tagen allfällige Einwendungen gegen die vorgesehene Begut-

achtung zu erheben oder Ergänzungsfragen zu formulieren (VB 517). Der 

Beschwerdeführer liess sich nicht vernehmen, weshalb die Beschwerde-

gegnerin die Begutachtung mit Schreiben vom 13. Juni 2023 wie angekün-

digt in Auftrag gab (VB 523). Mit Schreiben vom 22. Juni 2023 informierte 

die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer ferner darüber, dass sie 

eine Ergänzung des Fragenkatalogs beabsichtige, und räumte ihm eine 

Frist von zehn Tagen zur allfälligen Stellungnahme ein (VB 526). Mit 

Schreiben vom 29. Juni 2023 hielt der Beschwerdeführer fest, beim Kreis-

gericht St. Gallen mit Gesuch vom 15. Februar 2023 (vgl. VB 527, S. 11 ff.) 

im Hinblick auf einen allfälligen Haftpflichtprozess gegen die Arbeitgeberin 

eine vorsorgliche Beweisführung im Sinne von Art. 158 ZPO in der Form 

eines rheumatologischen Gerichtsgutachtens beantragt zu haben. Gestützt 

darauf machte er geltend, es sei "mit der Begutachtung im UV-Verfahren 

zuzuwarten" beziehungsweise es sei "das entsprechende Verfahren zu sis-

tieren" (VB 527, S. 1 f.). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Schreiben vom 

13. Juli 2023 im Wesentlichen fest, eine Verfahrenssistierung falle ange-

sichts des bundesgerichtlichen Urteils 8C_427/2022 vom 28. Februar 2023 

ausser Betracht. Zudem habe der Beschwerdeführer gegen die beabsich-

tigte Begutachtung keine Einwände erhoben (VB 528). Am 19. Juli 2023 

verlangte der Beschwerdeführer einen Entscheid in Verfügungsform 

(VB 530, S. 1), woraufhin die Beschwerdegegnerin – nach weiteren Abklä-

rungen zum Stand des Verfahrens der vorsorglichen Beweisführung (vgl. 

VB 533 ff.) – mit der hier angefochtenen Zwischenverfügung vom 4. August 

2023 den Sistierungsantrag des Beschwerdeführers ablehnte (VB 539). 

 

 - 5 - 

 

 

3. 

3.1. 

Bei der angefochtenen Verfügung vom 4. August 2023 handelt es sich um 

eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 46 

VwVG, was zwischen den Parteien denn auch unumstritten ist. Eine Zwi-

schenverfügung ist lediglich unter der Voraussetzung selbständig anfecht-

bar, dass andernfalls ein nicht wieder gutzumachender Nachteil resultiert 

(Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG; vgl. UELI KIESER, 

ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 17 ff. zu Art. 56 ATSG, sowie 

BGE 141 V 330 E. 5.1 S. 338, 117 V 185 E. 1a S. 187 und 116 V 130 E. 1a 

S. 133). Für die Annahme eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils 

genügt ein tatsächliches und insbesondere auch ein wirtschaftliches Inte-

resse (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_86/2008 vom 23. April 2008 

E. 3.2 und BGE 130 II 149 E. 1.1 S. 153 f.). Nach der Rechtsprechung be-

urteilt sich das Vorliegen eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils je-

doch nicht nur anhand eines einzigen Kriteriums. Vielmehr ist jenes Merk-

mal zu prüfen, das dem angefochtenen Entscheid am besten entspricht. 

Namentlich ist nicht allein der Nachteil als nicht wieder gutzumachend zu 

betrachten, den auch ein für die Beschwerde führende Person günstiges 

Endurteil nicht vollständig zu beseitigen vermöchte. In der Regel genügt ein 

schutzwürdiges Interesse, dass der angefochtene Entscheid sofort aufge-

hoben oder abgeändert wird (BGE 131 V 362 E. 3.1 S. 368 f. mit Hinweisen 

und KIESER, a.a.O., N. 20 zu Art. 56 ATSG).  

 

3.2. 

3.2.1. 

Der rechtskundig vertretene Beschwerdeführer macht in seiner Be-

schwerde im Wesentlichen einzig geltend, die Beschwerdegegnerin habe 

bei ihrem Entscheid über sein Sistierungsbegehren vom 29. Juni 2023 

(VB 527, S. 1 f.) eine ungenügende Interessenabwägung vorgenommen 

und eine Sistierung des Verfahrens im Ergebnis mit unzutreffender Begrün-

dung abgelehnt. Inwiefern damit ein nicht wieder gutzumachender Nachteil 

hinsichtlich der mit Zwischenverfügung vom 4. August 2023 durch die Be-

schwerdegegnerin abgelehnten Verfahrenssistierung begründet werden 

soll, ist indes nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht 

dargelegt. Ein nicht wieder gutzumachender Nachteil ist denn auch nicht 

erkennbar. Im Gegenteil stellt die Anordnung eines polydisziplinären inter-

nistischen, orthopädisch-chirurgischen, neurologischen und psychiatri-

schen verwaltungsexternen Gutachtens (vgl. VB 523, S. 1) durch die Be-

schwerdegegnerin – in deren Ermessen die Mittel der Sachverhaltsabklä-

rung rechtsprechungsgemäss liegen und der daher im Rahmen der Verfah-

rensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Um-

fang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E. 3) – lediglich 

die Umsetzung des Urteils des Bundesgerichts 8C_427/2022 vom 28. Feb-

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ruar 2023 dar, nach welchem die Beschwerdegegnerin sowohl den soma-

tischen wie auch den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerde-

führers gutachterlich zu beurteilen lassen hat (vgl. E. 7 des erwähnten Ur-

teils). Die Rechtmässigkeit der Anordnung einer Begutachtung durch die 

Beschwerdegegnerin wird vom Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund 

denn auch zu Recht nicht in Frage gestellt, zumal dieser in seiner Be-

schwerde an das Bundesgericht vom 4. Juli 2022 mit Rechtsbegehren-

Ziff. 5 (subeventualiter) eine verwaltungsexterne Begutachtung in den 

Fachdisziplinen Orthopädie, Chirurgie, Neurologie und Psychiatrie explizit 

beantragt hatte (vgl. VB 452, S. 2 f.). Mit Gesuch vom 15. Februar 2023 

betreffend vorsorgliche Beweisführung hat der Beschwerdeführer indes le-

diglich die Einholung eines rheumatologischen Gutachtens anbegehrt (vgl. 

Rechtsbegehren-Ziff. 2a sowie Rz. 111 ff. des nämlichen Gesuchs in 

VB 527, S. 12 und S. 58 f.). Der vom Bundesgericht (und vom Beschwer-

deführer im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren) in unfallversiche-

rungsrechtlicher Hinsicht als notwendig erachtete Umfang der notwendigen 

weiteren sachverhaltlichen Erhebungen wird damit offenkundig nicht er-

reicht. Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass dem im 

Rahmen des Verfahrens der vorsorglichen Beweisführung einzusetzenden 

rheumatologischen Gutachter der Beizug weiterer Experten "freistehen" 

soll (vgl. Rechtsbegehren-Ziff. 2a des Gesuchs vom 15. Februar 2023 in 

VB 527, S. 12), handelt es sich dabei doch gerade nicht um eine verbindli-

che Anweisung.  

 

3.2.2. 

Hinzu kommt, dass zwischen dem sozialversicherungsrechtlichen Verfah-

ren und einem allfälligen Zivilprozess gewichtige Unterschiede bestehen. 

Insbesondere ist nicht der gleiche Beweisgrad massgebend (vgl. BGE 148 

III 105). Dies gilt selbst dann, wenn im Zivilprozess der eine Stufe unter 

dem Regelbeweismass des Vollbeweises liegende Beweisgrad der hohen 

beziehungsweise überwiegende Wahrscheinlichkeit anwendbar wäre, 

denn dies entspricht im Zivilprozess einem Wahrscheinlichkeitswert von 

mindestens etwa 75 % (vgl. statt vieler SAMUEL BAUMGARTNER, in: Ober-

hammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar zur Schweizerischen Zivil-

prozessordnung, 3. Aufl. 2021, N. 10 der Vorbemerkungen zu Art. 150–190 

ZPO, und PETER GUYAN, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kom-

mentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Auflage 2017, 

N. 7 sowie N. 9 zu Art. 157 ZPO). Im sozialversicherungsrechtlichen Ver-

fahren ist demgegenüber bereits derjenige Sachverhalt als überwiegend 

wahrscheinlich anzusehen, welcher sich unter allen Varianten am ehesten 

zugetragen hat (vgl. statt vieler KIESER, a.a.O., N. 59 zu Art. 43 ATSG, und 

BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Ferner bestehen im Sozialversicherungs-

recht insbesondere (aber nicht abschliessend) hinsichtlich der Bedeutung 

allfälliger degenerativer Vorbefunde (bspw. Erreichen des Status quo sine 

vel ante als Endpunkt des kausalen Zusammenhangs von Gesundheits-

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schaden und Unfallereignis [vgl. BGE 146 V 51 E. 5.1 S. 55 f.] oder Aus-

schluss der Leistungspflicht für unfallähnliche Körperschädigungen bei 

Nachweis einer vorwiegenden Ursächlichkeit von Abnützung oder Erkran-

kung [Art. 6 Abs. 2 UVG; vgl. BGE 146 V 51 E. 8 f. S. 63]), der Massge-

blichkeit von psychosozialen Belastungsfaktoren oder der unfallversiche-

rungsrechtlichen Relevanz allfälliger (kausal auf den in Frage stehenden 

Unfall zurückzuführender) psychischer Beschwerden (Indikatorenprüfung 

gemäss BGE 145 V 215, 143 V 418, 143 V 409 sowie 141 V 281; siehe zur 

Anwendbarkeit diese Rechtsprechung in der Unfallversicherung statt vieler 

SVR 2020 UV Nr. 5 S. 14, 8C_261/2019 E. 3 und E. 4.3.1) weitere Beson-

derheiten.  

 

3.2.3. 

Schliesslich führt das Vorliegen eines verwaltungsexternen sozialversiche-

rungsrechtlichen Gutachtens nicht dazu, dass die Einholung eines gericht-

lichen Gutachtens im Zivilprozess ausgeschlossen wäre. Zwar sind aus 

Perspektive des Zivilgerichts Fremdgutachten grundsätzlich ebenso be-

weistauglich wie vom Zivilgericht selbst eingeholte Gutachten. Doch auch 

ihre Beweiskraft richtet sich nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-

gung (Art. 157 ZPO), weshalb insbesondere dann ein neues Gutachten zu 

denselben Fragestellungen angeordnet werden kann, wenn die Feststel-

lungen und Schlussfolgerungen eines Fremdgutachtens einer kritischen 

Würdigung nicht standhalten. Es trifft zwar zu, dass das Vorliegen eines 

beweistauglichen Gutachtens aus einem anderen Verfahren rechtspre-

chungsgemäss die Annahme eines schutzwürdigen Interesses an der Ein-

holung eines weiteren Gutachtens im Rahmen einer vorsorglichen Beweis-

führung grundsätzlich dahinfallen lässt. Dies vermag jedoch ebenfalls kei-

nen nicht wieder gutzumachender Nachteil erkennen zu lassen, denn in 

einer solchen Konstellation erlaubt das (bereits bestehende) Fremdgutach-

ten gerade die hinreichende Klärung der Beweischancen beziehungsweise 

der Prozessaussichten hinsichtlich des Zivilprozesses (vgl. zum Ganzen 

BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3 f. S. 27; siehe ferner statt vieler SAMUEL BAUM-

GARTNER, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], a.a.O., N. 13 zu Art. 158 

ZPO, und TANJA DOMEJ, Art. 158 ZPO in der Praxis – Ende einer Hoff-

nung?, HAVE 2014 S. 78). 

 

3.3. 

Insgesamt entsteht dem Beschwerdeführer durch die mit Zwischenverfü-

gung vom 4. August 2023 verweigerte Verfahrenssistierung kein nicht wie-

der gutzumachender Nachteil. Im Gegenteil ist die angesichts der gesam-

ten Verfahrensdauer nunmehr möglichst beförderliche Einholung eines ver-

waltungsexternen Gutachtens (vgl. zur Geltung des Gebots des raschen 

Verfahrens auch im sozialversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahren 

BGE 136 V 113 E. 5.2 S. 115) durch die Beschwerdegegnerin nach dem 

Dargelegte im Speziellen (auch) im Interesse des Beschwerdeführers. 

Dass sich dieser gemäss Schreiben vom 29. August beziehungsweise 

 - 8 - 

 

 

1. September 2023 "aktuell" in Untersuchungshaft befinde, vermag daran 

nichts zu ändern, wirkt sich dieser Umstand doch allenfalls – und dann auch 

lediglich temporär – einzig auf die Durchführungsmodalitäten der Begut-

achtung aus. Zusammengefasst ist daher auf die Beschwerde mangels ei-

nes nicht wieder gutzumachenden Nachteils nicht einzutreten. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer beantragte mit Beschwerde vom 24. August 2023, 

es sei ihm für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche 

Rechtspflege und Rechtsverbeiständung mit Beiordnung einer seiner 

Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand zu gewähren. Voraus-

setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren sind gemäss Art. 61 lit. f 

ATSG die fehlende Aussichtslosigkeit des Verfahrens, die Notwendigkeit 

der Vertretung und die finanzielle Bedürftigkeit der gesuchstellenden Partei 

(KIESER, a.a.O., N. 186 ff. zu Art. 61 ATSG). Diese Voraussetzungen müs-

sen kumulativ erfüllt sein (vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1 S. 201). 

 

4.2. 

Was die Voraussetzung der fehlenden Aussichtslosigkeit betrifft, so hat das 

Bundesgericht in konstanter Rechtsprechung festgehalten, Prozessbegeh-

ren seien als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten be-

trächtlich geringer seien als die Verlustgefahr und deshalb kaum als ernst-

haft bezeichnet werden könnten. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aus-

sichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr ungefähr die 

Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, 

ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei ver-

nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei 

soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen 

würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (vgl. Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_26/2010 vom 27. Mai 2010 E. 2 mit Hinweisen). 

Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der zuvor dargelegten klaren 

Sach- und Rechtslage muss die vorliegende Beschwerde als aussichtslos 

bezeichnet werden. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltli-

che Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren ist 

daher zufolge Aussichtslosigkeit abzuweisen, soweit darauf wegen Kosten-

losigkeit des Verfahrens (dazu sogleich E. 5.2.) überhaupt einzutreten ist.  

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist auf die Beschwerde nicht einzutreten und das 

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Be-

schwerdeverfahren abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

 - 9 - 

 

 

5.2. 

Die angefochtene Zwischenverfügung hat zwar nicht direkt eine Leistung 

aus UVG zum Gegenstand. Der Anfechtungsgegenstand hängt jedoch mit 

der Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen sehr eng 

zusammen, so dass das vorliegende Beschwerdeverfahren – analog den 

Beschwerdeverfahren betreffend Abklärungsmassnahmen respektive Be-

weisverfügungen (vgl. hierzu BGE 121 V 178 E. 4a S. 180 und SVR 2013 

IV Nr. 2, 9C_639/2011 E. 3.4 mit Hinweisen) – als Leistungssache zu be-

handeln ist. Das Verfahren ist daher kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).  

 

5.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht beschliesst: 

 

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechts-

verbeiständung im Beschwerdeverfahren wird abgewiesen, soweit darauf 

eingetreten wird. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.  

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

 - 10 - 

 

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 28. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Berner