# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 474835ac-659c-58a7-9283-4890e277aacc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-02-05
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 05.02.2013 SB110668
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110668_2013-02-05.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    

 
 

Geschäfts-Nr.: SB110668-O/U/jv 
 

Mitwirkend: Ersatzoberrichter lic. iur. E. Leuenberger, Verfahrensleitung,  

Oberrichterin lic. iur. C. von Moos Würgler, Ersatzoberrichterin  

lic. iur. R. Affolter sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Hürlimann  

Winterhalter 
 

Urteil vom 5. Februar 2013 

in Sachen 
 
A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. X._____  
 
 

gegen 

 
 
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwältin lic. iur. F. Stadelmann,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 
 
 

sowie 
 
B._____, 
Privatklägerin  

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 21. Juli 2011  
(DG110002) 

-   2   - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Februar 

2011 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 80 S. 124 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, 
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,  
− der mehrfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 Abs. 6 StGB, 
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB,  
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit 

Art. 22 Abs. 1 StGB, 
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit 

Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB 
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in 

Verbindung mit Art. 126 Abs. 2 lit. c StGB. 

2. Vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB zum Nachteile 

des Geschädigten C._____ (ND) wird der Beschuldigte freigesprochen. 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe 

(wovon 365 Tage durch Haft erstanden sind).  

4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 20. Januar 2011 be-

schlagnahmten Gegenstände 

− Leibgurt schwarz, mit Nieten; 
− Leibgurt schwarz; 
− Leibgurt schwarz, mit Schnalle silberfarben und drehbar; 
− Leibgurt schwarz; 
− Leibgurt schwarz, Stoff, Marke "Diesel";  

-   3   - 

− Leibgurt schwarz, silberfarbene Schnalle mit Kuhkopf; 
− Leibgurt schwarz, "Indiana Jones" 

werden eingezogen und der Bezirksgerichtskasse Uster zur Vernichtung 

überlassen. 

5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 20. Januar 2011 be-

schlagnahmte Kuvert mit handschriftlicher Notiz des Beschuldigten an die 

Geschädigte wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Wird die Herausgabe nicht 

innert eines Jahres ab Eintritt der Rechtskraft verlangt, so wird dieser Ge-

genstand der Bezirksgerichtskasse Uster zur Vernichtung überlassen.  

6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 12'000.– als Genug-

tuung zu bezahlen.  

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 6'000.00   die weiteren Kosten betragen: 
Fr. 22'433.70   Untersuchungskosten 

Fr. 8'000.00   Gebühr Strafuntersuchung § 4 BegStrV 

Fr. 900.00   Kosten der Kantonspolizei 

Fr. 16'000.00   Akonto-Zahlung amtliche Verteidigung 

Fr. 22'263.45 weitere Kosten der amtlichen Verteidigung  

Fr. 25'036.25 Kosten der Vertreterin der Privatklägerin. 

9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie die Kosten der Vertre-

terin der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

-   4   - 

10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie die Kosten der Vertreterin der 

Privatklägerin werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt ei-

ne Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten 

der amtlichen Verteidigung und der Kosten der Vertreterin der Privatklägerin 

wurde bereits mit separaten Beschlüssen entschieden. 

11. (Mitteilung)  

12. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 8 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(schriftlich und mündlich; Urk. 128 S. 2 ff.) 

A. Antrag auf Nichteintreten: 

Infolge Befangenheit des erstinstanzlichen Gerichts sei auf die Berufung 
nicht einzutreten und die Akten zur Neubeurteilung an die Vorinstanz  
zurückzuweisen. 

B. Haupt- und Eventualanträge: 
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.  
2. Dem Beschuldigten sei im Falle eines vollumfänglichen resp. teilweisen 

Freispruchs nach Ermessen des Gerichts in angemessenen Umfang 
für die erstandene U-Haft resp. Überhaft Schadenersatz und Genug-
tuung zuzusprechen.  

3. Auf das Genugtuungsbegehren der Klägerin sei bei einem vollständi-
gen oder Teilfreispruch nicht einzutreten resp. es sei auf den Zivilweg 
zu verweisen. 

4. Die Kosten der Untersuchung sowie der gerichtlichen Verfahren seien 
auf die Gerichtskasse zu nehmen, im Falle einer Teilverurteilung  
anteilsmässig dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu 
nehmen. 

6. Die Kosten der amtlichen Klägerinnenvertretung seien auf die Ge-
richtskasse zu nehmen resp. der Klägerin aufzuerlegen.  

 

-   5   - 

C. Prozessualer Antrag: 

Die polizeiliche Einvernahme vom 3. Dezember 2009 sei aus dem Recht zu 
weisen.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich und mündlich; Urk. 129 S. 1) 

1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils vom 21. Juli 2011 mit folgen-
den wesentlichen Ausnahmen: 

2. Schuldigsprechung betreffend Drohung (ND1) 
3. Bestrafung mit 5 1/2 Jahren Freiheitsstrafe unter Anrechnung der  

erstandenen Haft und Fr. 700.-- Busse 
4. Vollzug der Freiheitsstrafe 

c) Der Privatklägerschaft B._____: 

(schriftlich und mündlich; Urk. 130 S. 1) 

1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 21. Juli 2011 voll-
umfänglich zu bestätigen. 

2. Es seien die Kosten des Strafverfahrens, einschliesslich der Kosten  
der Geschädigtenvertretung, vollumfänglich dem Beschuldigten auf-
zuerlegen. 

 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung 

1. Zum bisherigen Verfahrensgang ist auf das angefochtene Urteil zu verwei-

sen (Urk. 80 S. 4 f.).  

2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 

21. Juli 2011 wurde der Beschuldigte wie folgt schuldig gesprochen (vgl. Urk. 80 

S. 124 ff.): der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB, der sexuellen 

Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Körperverletzung 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 123 Ziff. 2 

-   6   - 

Abs. 6 StGB, der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, der versuchten Nötigung 

im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, der Drohung 

im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB, 

der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Art. 126 Abs. 2 lit. c StGB. Vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 

Abs. 1 StGB zum Nachteil des Geschädigten C._____ (ND) sprach das  

Bezirksgericht den Beschuldigten frei. Der Beschuldigte wurde mit einer Freiheits-

strafe von 5 Jahren und 3 Monaten bestraft, unter Anrechnung von 365 Tagen 

Haft. Weiter wurden durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Gegenstände 

(diverse Leibgurte) eingezogen und der Bezirksgerichtskasse Uster zur Vernich-

tung überlassen. Hinsichtlich eines beschlagnahmten Couverts mit handschriftli-

cher Notiz des Beschuldigten an die Geschädigte erkannte die Vorinstanz auf 

Herausgabe an den Beschuldigten auf dessen erstes Verlangen. Sodann wurde 

die grundsätzliche Schadenersatzpflicht des Beschuldigten gegenüber der Privat-

klägerin aus dem eingeklagten Ereignis festgestellt. Zur genauen Feststellung des 

Umfanges des Schadenersatzanspruches verwies die Vorinstanz die Privatkläge-

rin auf den Weg des Zivilprozesses. Zudem verpflichtete die Vorinstanz den  

Beschuldigten, der Privatklägerin Fr. 12'000.-- als Genugtuung zu bezahlen. Die 

Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens – ausgenommen  

diejenigen der amtlichen Verteidigung und der Vertreterin der Privatklägerin – 

wurden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung  

sowie die Kosten der Vertreterin der Privatklägerin wurden auf die Staatskasse 

genommen, unter Vorbehalt einer Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

3.1 Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte durch seinen damaligen amtli-

chen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. D._____, mit Eingabe vom 28. Juli 2011 

rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 59).  

3.2 Mit Schreiben vom 29. Juli 2011 teilte Rechtsanwalt lic. iur. D._____ mit, 

dass er sein Mandat infolge ihm nunmehr fehlender notwendiger Objektivität  

sowie fehlender Distanz niederlege und das Mandat Rechtsanwalt lic. iur. 

E._____, der die Bereitschaft zur Interessenwahrung bekundet habe, übergeben 

werde. Gleichzeitig ersuchte er, diesen als amtlichen Verteidiger zu bestellen 

-   7   - 

(Urk. 60). Auf Rückfragen seitens des Bezirksgerichts erläuterte Rechtsanwalt 

lic. iur. D._____ präzisierend, dass er sich infolge drastischer Verschlechterung 

seines Gesundheitszustandes in jüngster Zeit (MS und namentlich massive Ver-

schlechterung des Augenlichts) für die Zukunft ausserstande sehe, das  

anspruchsvolle Mandat fachlich weiter zu betreuen. Gleichzeitig geht aus den 

Äusserungen aber hervor, dass Rechtsanwalt lic. iur. D._____ sich bis dahin in 

der Lage gefühlt hatte, das Verteidigungsmandat mit voller Energie, richtig und 

gewissenhaft auszuüben (Urk. 63, 64 und 67). Mit Verfügung des Vizepräsidenten 

vom 22. August 2011 entsprach das Bezirksgericht Uster dem Gesuch, entliess 

Rechtsanwalt lic. iur. D._____ per sofort als amtlichen Verteidiger des  

Beschuldigten und ernannte mit sofortiger Wirkung Rechtsanwalt lic. iur. E._____ 

zum neuen amtlichen Verteidiger des Beschuldigten (Urk. 69).   

3.3 Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 78 = Urk. 80) liess der  

Beschuldigte durch seinen neuen amtlichen Verteidiger am 10. November 2011 

fristgerecht am Obergericht die Berufungserklärung einreichen. Mit seiner Beru-

fung strebt der Beschuldigte einen vollumfänglichen Freispruch an (Urk. 82).  

4.1 Mit Präsidialverfügung vom 14. November 2011 wurde die Berufungserklä-

rung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie Art. 401 StPO der Pri-

vatklägerin und der Staatsanwaltschaft übermittelt (Urk. 84). Die Staatsanwalt-

schaft teilte innert Frist am 9. Dezember 2011 mit, dass sie Anschlussberufung 

erhebe, wobei sie diese zunächst nicht beschränkte (Urk. 88). Die Privatklägerin 

liess mit Eingabe vom 24. November 2011 mitteilen, dass auf Anschlussberufung 

verzichtet und die Bestätigung des angefochtenen Urteils beantragt werde 

(Urk. 86).  

4.2 Im Rahmen der Berufungserklärung vom 10. November 2011 stellte die Ver-

teidigung den Beweisantrag, es sei "betreffend die Glaubhaftigkeit der Aussagen 

der Privatklägerin B._____ und der übrigen Belastungszeugen" ein Gutachten 

einzuholen (Urk. 82 S. 2), wobei sie diesen Beweisantrag nicht weiter begründete. 

Mit Präsidialverfügung vom 15. Dezember 2011 wurde dieser Beweisantrag  

abgewiesen (Urk. 93).  

-   8   - 

4.3 Am 27. April 2012 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 

7. Juni 2012 vorgeladen (Urk. 95).  

4.4 Mit Telefon und Schreiben vom 29. Mai 2012 ersuchte Rechtsanwalt lic. iur. 

E._____ um Entlassung als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten. Zur Begrün-

dung verwies er auf den Umstand, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem 

Beschuldigten und ihm leider dermassen gestört sei, dass eine Weiterführung des 

Mandats nicht mehr möglich sei (Urk. 97). Darauf hin wurden am 30. Mai 2012 die 

Ladungen abgenommen und die Verhandlung verschoben (Urk. 99). Mit Präsidi-

alverfügung vom 31. Mai 2012 wurde der beantragte Wechsel der amtlichen Ver-

teidigung im Berufungsverfahren gutgeheissen und Rechtsanwalt lic. iur. E._____ 

als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten entlassen; zudem wurde dem Be-

schuldigten Frist angesetzt, um dem Obergericht allfällige Wünsche betreffend die 

Person der neuen amtlichen Verteidigung mitzuteilen (Urk. 100). Nachdem der 

Beschuldigte fristgerecht mit Schreiben vom 15. Juni 2012 mitgeteilt hatte, dass 

er gerne Rechtsanwalt Dr. X._____ als neuen amtlichen Verteidiger hätte und 

dieser bereit sei, das Mandat zu übernehmen, was auf Rückfrage des Gerichts 

bestätigt wurde (Urk. 102 und Urk. 104), bestellte das Gericht mit Präsidialverfü-

gung vom 20. Juni 2012 Rechtsanwalt Dr. X._____ rückwirkend per 31. Mai 2012 

zum neuen amtlichen Verteidiger des Beschuldigten (Urk. 105).   

4.5 Auf Antrag der bisherigen Vertreterin der Privatklägerin, Rechtsanwältin 

lic. iur. Y._____, wurde sodann die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 

B._____ von Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ per 18. Juli 2012 auf Rechtsanwalt 

Dr. Z._____ übertragen (Urk. 107 und 109). 

4.6 Zur Berufungsverhandlung wurde neu auf den 22. November 2012 vorgela-

den (Urk. 110). 

4.7 Einem Verschiebungsgesuch der Verteidigung vom 20. November 2012  

entsprechend (Urk. 114), wurden die Vorladungen auf den 22. November 2012 

abgenommen und die Berufungsverhandlung wurde neu auf den 30. Januar 2013 

angesetzt (Urk. 116). 

-   9   - 

4.8 Im Nachgang zur Berufungsverhandlung vom 30. Januar 2013 reichte der 

Verteidiger dem Gericht eine Kopie seines Schreibens an die Staatsanwaltschaft 

IV des Kantons Zürich vom 1. Februar 2013 ein, mit welchem er Strafanzeige  

gegen Unbekannt resp. gegen B._____ einreichte (Urk. 135 S. 1). Der Verlauf 

dieser Strafuntersuchung ist für das vorliegende Verfahren nicht von Relevanz. 

5.1  Mit ihrer Berufung verlangt die Verteidigung die folgenden Änderungen des 

Urteils (Urk. 128 S. 2 ff.): Nichteintreten auf die Berufung und Rückweisung zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz; Freisprechung des Beschuldigten; Übernahme 

sämtlicher Kosten auf die Gerichtskasse, Abweisung der Schadenersatz- und 

Genugtuungsansprüche der Privatklägerin und Ausrichtung einer persönlichen 

Entschädigung / Genugtuung an den Beschuldigten nach richterlichem Ermessen 

insbesondere für die erstandene Untersuchungshaft.  

5.2 Auch wenn die Verteidigung ihre Berufung ausdrücklich nicht beschränkte, 

sondern auf das ganze Urteil bezog (Urk. 82 S. 1; Urk. 128 S. 2 ff.), sind mangels 

Spezifizierung (Art. 399 Abs. 3 Ziff. 2 StPO i.V.m. Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO) im 

Ergebnis die folgenden Regelungen rechtskräftig geworden (vgl. auch Prot. II 

S. 10)  

- die Anordnung zur Vernichtung der diversen beschlagnahmten Leibgurte  

(Dispositiv Ziffer 4)    

- die Anordnung zur Herausgabe des beschlagnahmten Couverts an den  

Beschuldigten (Dispositiv Ziffer 5) 

- die Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziffer 8) 

- die Regelung betreffend die Kosten der amtlichen Verteidigung und der Vertrete-

rin der Privatklägerin (Dispositiv Ziffer 10) 

Diese Anordnungen sind in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung 

mit Art. 402, Art. 404 Abs. 1 und 437 StPO). Das ist vorab mit Beschluss festzu-

halten. 

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6.1 Die Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung die folgenden 

Beweisanträge (Urk. 125):  

"1. Es sei die Klägerin B._____ als Zeugin vorzuladen und durch das  
Gericht zu befragen. 

2. Es sei Frau F._____ als Zeugin vorzuladen und durch das Gericht zu befra-
gen. 

3. Es sei Frau G._____ als Zeugin vorzuladen und durch das Gericht zu befra-
gen. 

4. Es sei Frau H._____ als Zeugin vorzuladen und durch das Gericht zu befra-
gen. 

5. Es sei Herr I._____ als Zeuge vorzuladen und durch das Gericht zu befra-
gen. 

6. Es sei ein medizinisches Gutachten zur Frage einzuholen, ob die Klägerin 
die Verletzungen im Gesicht sich selber beigebracht haben kann. 

7. Der Fusselroller sei durch den wissenschaftlichen Dienst auf DNA-Spuren 
des Beschuldigten sowie der Klägerin hin zu untersuchen. Sollten sich  
Hinweise auf Körperflüssigkeiten insbesondere auf Blut ergeben, so seien 
diese genau zuzuordnen. 

8. Der Bericht des Zahnarztes Dr. J._____ in …, bezüglich des gebrochenen 
Zahnes der Klägerin sei einzuholen. 

9. Es seien die ins Recht gelegten Handys Modell: Nokia E65 sowie Nokia 
5500, Nokia 6233 und Nokia 6111 sowie die SIM-Karte des Beschuldigten 
auf die nachstehend bezeichneten SMS zu untersuchen. Zudem seien die 
erwähnten Handys und SIM-Karte durch den wissenschaftlichen Dienst der 
Kantonspolizei hinsichtlich prozessrelevantem Material auswerten zu lassen. 

10. Es seien die Handys der Klägerin sowie das Handy von Frau F._____ be-
treffend den relevanten Zeitraum der Beziehung zum Beschuldigten auf die 
erfolgten telefonischen Kontakte resp. die versendeten resp. erhaltenen 
SMS auszuwerten. 

11. Es sei nach Vornahme dieser Beweisergänzungen ein Beziehungsgutachten 
über das Verhältnis der Klägerin B._____ und des Beschuldigten A._____  
einzuholen. 

12. Es sei ein Gutachten bezüglich der Glaubwürdigkeit der Klägerin resp. der 
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu erstellen, insbesondere vor dem Hinter-
grund einer allfällig vorhandenen pathologischen Persönlichkeitsentwick-
lung. 

13. Es seien die dem Gericht eingereichten Unterlagen u.a. SMS-Auszüge und 
Fotos gemäss Beweisverzeichnis zu den Akten zu nehmen." 

6.2 Auf die vorstehenden Beweisanträge der Verteidigung ist im Zusammen-

hang mit den nachfolgenden Erwägungen einzugehen, wobei an dieser Stelle 

festzuhalten ist, dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die antizipier-

te Beweiswürdigung zulässig ist, wenn das Gericht aufgrund bereits abgenomme-

ner Beweise seine Überzeugung gebildet hat und die beantragte Beweiserhebung 

daran nichts zu ändern vermag. Es ist folglich das derzeit bestehende vorläufige 

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Beweisergebnis hypothetisch um die Fakten des Beweisantrags zu ergänzen und 

zu würdigen. Zulässig ist die Ablehnung des Beweisantrags dann, wenn die zu 

beweisende Tatsache nach dieser Würdigung als unerheblich, offenkundig oder 

bereits rechtsgenügend erwiesen anzusehen ist. In jedem Fall ist die Beweisanti-

zipation restriktiv zu handhaben (BSK StPO - Hofer, Basel 2011, Art. 10 N 67 f. 

mit Verweis auf Praxis und Lehre, ferner Art. 139 N 48 ff.; BSK StPO - Max Hauri, 

Basel 2011, Art. 343 N 35). 

7.1 Die Verteidigung macht Befangenheit des erstinstanzlichen Gerichts  

geltend, da dieses aufgrund der Aussage der Privatklägerin unter Hinweis auf 

Art. 307 StGB von erhöhter Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ausgehe, während 

die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten infolge seines Rechts, ungestraft allenfalls 

auch Lügen zu erzählen, als vermindert angesehen werde. Dieses Kriterium stelle 

einen krassen Verstoss gegen die Unschuldsvermutung von Art. 6 EMRK dar 

(Urk. 128 S. 2, 5-7). 

7.2 Befangenheit bezeichnet eine innere Einstellung der in der Strafbehörde  

tätigen Person zu den Verfahrensbeteiligten oder zum Gegenstand des konkreten 

Verfahrens, welche die gebotene Distanz vermissen lässt und aus der heraus die 

Person sachfremde Elemente einfliessen lässt mit der Folge, dass sie einen Ver-

fahrensbeteiligten benachteiligt oder bevorzugt oder zumindest dazu neigt (BSK 

StPO - Markus Boog, Basel 2011, Vor Art. 56-60 N 7 mit Hinweisen). Nach der 

Formel der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Befangenheit einer Gerichts-

person gegeben, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in ihre 

Unparteilichkeit zu erwecken (BSK StPO - Markus Boog, Basel 2011, Vor Art. 56-

60 N 8 mit zahlreichen Hinweisen). Solches ist vorliegend nirgends ersichtlich und 

wird nicht einmal behauptet. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 128 

S. 6) stellt die Vorinstanz auch nicht einzig oder überwiegend auf die Glaubwür-

digkeit der Beteiligten ab, sondern würdigt – völlig fachgerecht – hauptsächlich 

den Inhalt der konkreten Aussagen und wertet deren Überzeugungskraft. 

7.3 Der Nichteintretensantrag der Verteidigung ist folglich abzuweisen. 

-   12   - 

II. Schuldpunkt - eingeklagter Sachverhalt 

1. Verfahrenshintergrund 

Zum besseren Verständnis ist vorab kurz der Hintergrund des Verfahrens darzu-

stellen: Der heute 33-jährige A._____, … Staatsangehöriger [des Staats 

K._____], kam ca. mit 8 Jahren in die Schweiz, wo er die obligatorische Schulzeit 

absolvierte, eine Lehre im Reinigungsbereich abschloss und fortan auf dem Beruf 

arbeitete. Die Privatklägerin, B._____, Staatsangehörige von L._____ und heute  

24-jährig, wuchs ebenfalls in der Schweiz auf, besuchte die Schulen und schloss 

eine Anlehre als Verkäuferin ab. Der Beschuldigte und die Privatklägerin führten 

ca. vier Jahre lang eine Beziehung, wovon sie während knapp zwei Jahren, ab 

Dezember 2007 bis im November 2009, in M._____ in einer gemeinsamen Woh-

nung lebten. Die Familie von B._____ hätte sich gewünscht, dass die  

Privatklägerin jemanden aus L._____ nehme, einen "…". B._____ brach deshalb 

den Kontakt zu ihrer Familie (vorübergehend) ab. Im Herbst 2009 wohnte auch 

die Ex-Freundin des Beschuldigten, F._____, während einiger Wochen im Haus-

halt des Beschuldigten und der Privatklägerin, wobei eine Art Dreierbeziehung 

bestand. Während der Dauer des Zusammenlebens haute die Privatklägerin etwa 

zwei Dutzend Mal ab, kehrte aber jeweils zum Beschuldigten zurück. Am tt. No-

vember 2009 verliess die Privatklägerin den Beschuldigten definitiv und erstattete 

am 2. Dezember 2009 Strafanzeige gegen ihn. 

2. Anklagevorwurf 

In der Anklage (Urk. 24 S. 1-13) werden dem Beschuldigten unzählige gewalttäti-

ge Übergriffe auf die Geschädigte B._____ (im folgenden als Privatklägerin be-

zeichnet) vorgeworfen, die überwiegend in der gemeinsamen Wohnung in 

M._____ stattgefunden haben sollen.  

Zusammengefasst und ungefähr auf einen Nenner gebracht wirft die Anklage dem 

Beschuldigten vor, er habe der Privatklägerin von ca. von Mai 2008 bis November 

2009 anlässlich wiederholter verbaler und körperlicher Auseinandersetzungen 

Schläge mit der Hand oder mit einem Gurt am ganzen Körper zugefügt, ihr Ohr-

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feigen verpasst und Faustschläge bzw. Schläge mit einem Gurt ins Gesicht verab-

reicht, sie an den Haaren gepackt und ihren Kopf gegen einen Baumstamm ge-

schlagen, ihr Gesicht in die Toilettenschüssel gedrückt, ihr die Haare an der lin-

ken Kopfhälfte sowie am Hinterkopf abgeschnitten, sie an den Schultern gepackt 

und geschüttelt, ihr für einige Sekunden ein Kissen auf das Gesicht gedrückt  

und sie mit seinen Händen am Hals gepackt. Dadurch habe sie unter anderem 

Hämatome und Schwellungen an diversen Körperstellen und im Gesicht sowie 

(Kopf)Schmerzen erlitten, ferner ungewollten Urinabgang, Nasenbluten, Schwin-

del, Atemnot, multiple Gesichtsprellungen und ein Brillenhämatom. Weiter lastet 

die Anklage dem Beschuldigten an, der Privatklägerin einmal einen Kugelschrei-

ber, Schriftteil voran, in das linke Auge gepresst zu haben, was für ca. zwei bis 

drei Tage zu einer Rötung in ihrem Auge geführt habe.  

Sodann wird dem Beschuldigten vorgeworfen, drei bis vier Mal mit der Faust  

gegen den Bauch der Privatklägerin geschlagen zu haben, was bei ihr Bauch-

schmerzen bewirkt habe. Gleichzeitig habe er ihr erklärt, da solle nie ein Kind 

herauskommen, aus so einer Schlampe. Und sollte sie jemals schwanger werden, 

werde er sie und das Kind umbringen. Auch habe er ihr im Kinderzimmer der 

Wohnung seiner Tante gedroht, ihre ganze Familie einzeln umzubringen, wenn 

sie ihn verlasse.  

Überdies habe der Beschuldigte der Privatklägerin im Schlafzimmer der Wohnung 

seiner Eltern befohlen, sich nackt auszuziehen und sich zu seinem schlafenden 

Vater im Wohnzimmer zu begeben. Zu diesem Zweck habe er die nackte Privat-

klägerin kurz auf den Korridor direkt gegenüber dem Wohnzimmer geschoben.  

Einmal habe der Beschuldigte einen Kleiderroller, Griffteil voran, anal in die auf 

dem Bett liegende Privatklägerin einzuführen versucht, was zu analen Blutungen 

und Schmerzen geführt habe.  

Schliesslich wird dem Beschuldigten vorgeworfen, im Anschluss an das Verabrei-

chen vielfältiger Schläge gegen den Willen der Privatklägerin einmal den  

Geschlechtsverkehr mit ihr erzwungen zu haben.  

-   14   - 

Zu den verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen sei es gekommen, weil 

der Beschuldigte jeweils intime Details aus der Vergangenheit der Privatklägerin 

habe wissen wollen, insbesondere, wie viele Freunde und wen sie vor ihm gehabt 

habe und wie sie mit diesen intim verkehrt sei. Er habe ihr nicht geglaubt, dass sie 

vor ihm keine intimen Freundschaften gepflegt habe und behauptet, sie lüge. Als 

Strafe für diese angeblichen Lügen habe er sie in der genannten Art und Weise 

geschlagen und in der Folge auch die weiteren ihm vorgehaltenen Handlungen 

getätigt. Aus der Anklage geht zudem hervor, dass der Beschuldigte seine Hand-

lungen teilweise mit der Forderung an die Privatklägerin unterstrichen haben soll, 

nun endlich die Wahrheit über ihre Vergangenheit offen zu legen und mit Lügen 

aufzuhören. Sie sei für dieses Geschehen verantwortlich, tue es sich selber an.  

Gemäss Anklage hat der Beschuldigte all diese Handlungen ungeachtet des  

jeweiligen Bittens und Flehens, damit aufzuhören, sowie teilweise Weinens und 

Schreiens der Privatklägerin vor Schmerzen und damit gegen ihren erkennbaren 

Willen vorgenommen.  

3. Standpunkt des Beschuldigten 

3.1 In der ersten Einvernahme vom 3. Dezember 2009 gegenüber der Kantons-

polizei Zürich (Urk. 3/1) bestritt der Beschuldigte die gegen ihn erhobenen Vor-

würfe grösstenteils. Er machte aber Teilgeständnisse indem er erklärte, die Pri-

vatklägerin und er hätten oft gestritten, dies aus reiner Eifersucht (Urk. 3/1 S. 1 f. 

und 12). Er habe ihr Ohrfeigen gegeben, ca. einmal pro Monat ein bis zwei 

(Urk. 3/1 S. 3 f. und 8; ähnlich Urk. 3/1 S. 17), er habe sie ein paar Mal mit den 

Händen auf den Hintern geschlagen, auch mit dem Handy, er habe genommen, 

was gerade herumgelegen sei, auch mal Gegenstände, einen Schuh, nach ihr 

geworfen (Urk. 3/1 S. 5 und S. 9). Er habe ihr dann noch die Hose ausgezogen 

und sie wieder geschlagen (Urk. 3/1 S. 5). Er habe schon ein paar Mal einen Gurt 

in der Hand gehabt, aber er möge sich nicht erinnern, dass er sie jedes Mal mit 

dem Gurt geschlagen habe (Urk. 3/1 S. 9). Sie übertreibe. Es könnte sein, dass er 

sie am Gesicht bzw. Hals gepackt und gedroht habe, sie zu würgen (Urk. 3/1 

S. 9 f., 11). Er habe sie mit dem Kissen geschlagen, aber nicht mit dem Kissen 

auf ihr Gesicht gedrückt (Urk. 3/1 S. 11). Es könne gut möglich sein, dass er sie 

-   15   - 

einmal gewürgt habe (Urk. 3/1 S. 11). Blaue Flecken hätten schon beide gehabt, 

vielleicht habe sie mehr gehabt als er. Sie hätten sich so verhalten, als wären sie 

vom Teufel besessen gewesen. Jemand von ihnen habe geblutet (Nasenbluten), 

er glaube sie (Urk. 3/1 S. 12 f.). Seit ein paar Monaten habe er sich voll unter 

Kontrolle, in letzter Zeit habe es keine Gewalt gegeben (Urk. 3/1 S. 14). Er bejah-

te ausdrücklich, ihr im Falle ihres Weggehens gedroht zu haben, er würde sie 

überall finden und ihre ganze Familie umbringen, auch sie. Darum habe sie Angst 

bekommen und sei abgehauen. Auch ihrer kleinen Schwester habe er es gesagt 

(Urk. 3/1 S. 15 f.). Das mit dem Umbringen habe er nicht so gemeint. Wenn er es 

gewollt hätte, hätte er es schon lange gemacht. Er könne sich vorstellen, dass sie 

deswegen Angst vor ihm habe. Er hätte diese Drohung nicht machen sollen 

(Urk. 3/1 S. 16 f.). Vergewaltigt habe er sie nie, aber ihr einmal den Finger mit 

Gewalt hineingesteckt. Im Nachhinein sei sie einverstanden gewesen (Urk. 3/1 

S. 15). Der Beschuldigte räumte ein, im Umgang mit der Privatklägerin Fehler 

gemacht, konkret sie bedroht ("Scheissdrohungen") und die Eifersucht nicht unter 

Kontrolle gehabt zu haben (Urk. 3/1 S. 17 ff.). Wiederholt verlangte er noch eine 

letzte Chance und erklärte abschliessend, Eifersucht (und Gewalt) interessierten 

ihn nicht mehr (Urk. 3/1 S. 20).   

3.2 Schon anlässlich dieser ersten Befragung (Urk. 3/1) und besonders in der 

Hafteinvernahme vom folgenden Tag (Urk. 3/2) schwächte der Beschuldigte seine 

partiellen Eingeständnisse deutlich ab. Zum Beispiel behauptete er auf Vorhalt, 

dass ca. alle 14 Tage Gewaltübergriffe stattgefunden hätten, praktisch in einem 

Atemzug, es sei nicht so, es sei nicht regelmässig gewesen. Es sei öfters vorge-

kommen. Es sei ein bis zwei Mal pro Monat gewesen. ... Einmal vielleicht in drei 

Monaten (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 82). Auf seine Widersprüchlichkeit ange-

sprochen meinte er, man müsse ihn nochmals fragen, er wolle einfach sagen, 

dass es nicht regelmässig vorgekommen sei (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 83). Er 

habe sie schon mit dem Gurt geschlagen, aber nicht so stark (Urk. 3/2 S. 4). So-

dann machte der Beschuldigte wiederholt sinngemäss geltend, die Privatklägerin 

habe ihm dasselbe angetan oder gab vermehrt an, etwas nicht mehr zu wissen. 

Ab der dritten Einvernahme vom 28. Januar 2010 gegenüber der Staatsanwalt-

schaft bestritt der Beschuldigte die eingeklagten Vorwürfe vollumfänglich (Urk. 3/3 

-   16   - 

ff.). Alles sei aus Neid und Eifersucht erzählt. Das Ganze sei ein Missverständnis 

und ein Racheakt wegen seiner Ex-Freundin (z.B. Urk. 3/3 S. 1; Urk. 3/5 S. 9). Er 

habe der Privatklägerin nur ganz feine Ohrfeigen gegeben, um sie zu beschützen, 

damit sie aufhöre, sich selber zu verletzen (Urk. 3/4 S. 7 f. und 13 f.). Geschlagen 

habe er sie nicht, lediglich bei Liebesspielen von ihr gewünscht auf ihren Hintern. 

Sie habe sogar gewollt, dass er fester schlage (Urk. 3/4 S. 15). Es sei möglich, 

dass sie mal gestritten hätten, aber ohne Gewalt. Misshandelt habe er sie nie 

(Urk. 3/5 S. 2 uns 8). Er sei viel zu ehrlich; um jemanden in Schutz zu nehmen, 

würde er sogar falsch aussagen bei der Polizei (Urk 3/10 S. 5; ähnlich Urk. 40 

S. 5 f.: Seine Aussagen – gemeint die Eingeständnisse – in der polizeilichen Be-

fragung seien erfunden um sie zu beschützen, aus seinem Beschützerinstinkt. In 

Wahrheit sei dies alles nicht passiert. Sie habe nie gelitten, Gewalt habe es keine 

gegeben und sie seien glücklich gewesen.) Darum habe er improvisiert bei der 

Polizei (Urk. 3/10 S. 5). Am Ende der Befragung vom 8. November 2010 drückte 

er sein Unverständnis darüber aus, dass die Privatklägerin nicht einfach ihr Leben 

leben könne und ihn einfach in Ruhe lassen (mit den Vorwürfen). Sie habe ihm 

genug geschadet, sei es draussen oder im Gefängnis (Urk. 3/10 S. 6). Anlässlich 

der Schlusseinvernahme vom 11. Januar 2011 bezeichnete der Beschuldigte 

sämtliche Vorwürfe als vollumfänglich falsch und alles erfunden (Urk. 3/13 S. 11). 

Dabei blieb er auch vor Vorinstanz, wo er ausdrücklich eine Ohrfeige zugab. Er 

habe die Privatklägerin mit den falschen Aussagen bei der Polizei vor ihrer eige-

nen Familie schützen wollen, habe diese doch mit dem Tod der Privatklägerin  

gedroht. Er habe die Befürchtung, dass die Privatklägerin dies alles im voraus  

geplant habe. Sie hätte einen andern Mann heiraten sollen, sei aber schon ent-

jungfert worden. Bei dieser Familie im L._____ müsste sie noch Jungfrau sein. 

Sie habe ihn ausgesucht, weil es ihm nicht wichtig gewesen sei, ob sie noch 

Jungfrau sei oder nicht. Sie habe den Fehler gemacht, sich einen … [Angehörigen 

des Staates K._____] auszusuchen (Urk. 40 S. 4 ff.). Die Privatklägerin tue ihm 

leid, dass sie hier lügen müsse und wieder weine (Prot. I S. 13). An der Beru-

fungsverhandlung führte der Beschuldigte wiederum aus, der anklagte Sachver-

halt sei falsch bis erfunden. Er bestritt auch, der Privatklägerin eine Ohrfeige ge-

geben zu haben. Er selbst habe Sachen zugegeben, die die Privatklägerin ausge-

-   17   - 

sagt hatte, um sie vor ihrer Familie zu beschützen, die Drohungen gegen sie aus-

gesprochen habe. In Wahrheit habe er der Privatklägerin das alles nicht angetan. 

Er führte aus, er habe die Privatklägerin beschützen wollen, da falsche Aussagen 

strafbar seien (Urk. 124 S. 14 ff.).    

3.3 Die Verteidigung legte in der Berufungsverhandlung eine Alternativversion 

der Geschehnisse dar (Urk. 128 S. 25 ff.). Sie beschrieb eine Beziehungs-

geschichte zwischen dem Beschuldigten und vier Frauen, die alle den gleichen 

Mann begehrt und als Mann fürs Leben gewünscht und sich insofern in einem 

Wettbewerb befunden hätten. Es könne festgehalten werden, dass all diese Frau-

en nicht immer wieder zu ihm zurückgekehrt wären, wenn er gewalttätig gewesen 

wäre. Nie habe sich eine der Frauen über Schläge, Drohungen oder irgendeine 

Form von Gewalt beklagt. Zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 

habe sich zunehmend eine Kontrollsucht eingestellt und zwar auf beiden Seiten. 

Aus Eifersucht und Misstrauen sei es immer wieder zu Streit gekommen. 

Schliesslich habe der Beschuldigte der Privatklägerin jedoch einen Heiratsantrag 

gemacht, welchen diese freudig angenommen habe. Dann sei es allerdings zu ei-

nem Vorfall gekommen, bei welchem der Beschuldigte am PC das Bild von 

F._____ betrachtet habe, als die Privatklägerin dazu gestossen sei. Die Privatklä-

gerin sei völlig ausgerastet und habe wutentbrannt das Zimmer verlassen. Kurz  

darauf sei die Privatklägerin erneut abgehauen. 

3.4 Es ist deshalb davon auszugehen, dass sämtliche Anklagepunkte, in wel-

chen der Beschuldigte schuldig gesprochen wurde, nach wie vor bestritten sind. 

Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob der eingeklagte Sachverhalt aufgrund der 

Akten rechtsgenügend nachgewiesen werden kann. Dabei gebietet es der An-

spruch auf rechtliches Gehör, dass die Überlegungen genannt werden, von denen 

sich das Gericht leiten lässt und auf welche sich sein Entscheid stützt. Das be-

deutet indessen nicht, dass es sich ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behaup-

tung und jedem rechtlichen Einwand auseinander setzen muss; vielmehr kann es 

sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken 

(vgl. BGE 6P.62/2006 E. 4.2.2 vom 14.11.2006 unter Hinweis auf BGE 126 I 97 

E. 2b, BGE 125 II 369 E. 2c, BGE 124 V 180 und BGE 112 Ia 107 E. 2b). Auf die 

-   18   - 

Argumente der Verteidigung ist daher nur soweit einzugehen, als es für die  

Urteilsfindung notwendig ist.  

4. Beweismittel und Beweisanträge 

4.1.1  Als Beweismittel liegen vor:  

- die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der polizeilichen Einvernahme 

vom 3. Dezember 2009 (Urk. 3/1), der staatsanwaltlichen Einvernahmen vom 

4. Dezember 2009 bis 11. Januar 2011 (Urk. 3/2-13) sowie anlässlich der Haupt-

verhandlung vom 23. Juni 2011 (Urk. 40, Prot. I S. 4 ff.), der Wiederaufnahme der 

Parteiverhandlung vor Vorinstanz vom 21. Juli 2011 (Prot. I S. 13 f.) und der Beru-

fungsverhandlung (Urk. 124); 

- die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahmen 

vom 2. und 3. Dezember 2009 (Urk. 2/1-2) und der staatsanwaltschaftlichen Zeu-

geneinvernahmen zwischen dem 19. Januar 2010 und dem 8. November 2010 

(Urk. 2/3-6) sowie der Einvernahme als Auskunftsperson anlässlich der Wieder-

aufnahme der Parteiverhandlung vor Vorinstanz vom 21. Juli 2011 (Urk. 56); 

- das Gutachten der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 8. Dezem-

ber 2010 (Urk. 7/16), die Akten bezüglich der Verletzungen der Privatklägerin 

(Urk. 6/1-6), der Spurenbericht des Kantonalen Labors Zürich (Urk. 8/2), die  

Arbeitspläne O._____ [Firma] (Urk. 11/1-2), die ärztlichen Zeugnisse für die Pri-

vatklägerin (Urk. 39) und für die Zeugin F._____ (Urk. 5/3 und 32)  

- die Zeugenaussagen von F._____ (Urk. 41), P._____ (Urk. 4/10 und 4/12), 

Q._____ (Urk. 4/13 und 4/15), R._____ (Urk. 4/1-3), S._____ (Urk. 4/24), T._____ 

(Urk. 4/19), U._____ (Urk. 4/20), V._____ (Urk. 4/21), I._____ (Urk. 4/22), 

W._____ (Urk. 4/23), AA._____ (Urk. 4/25), AB._____ (Urk. 4/26), AC._____ 

(Urk. 4/6-7) und AD._____ (Urk. 4/8-9).  

4.1.2  Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend, die 

polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten vom 3. Dezember 2009 sei aus dem 

Recht zu weisen. Der Verteidiger macht einen Verstoss gegen den Grundsatz des 

-   19   - 

fairen Verfahrens (Art. 29 Abs. 1 BV) sowie das Vorliegen einer verbotenen  

Beweiserhebungsmethode (Art. 139 StPO) geltend (Art. 128 S. 4, 7-9, 85). 

Der Beschuldigte sei völlig durcheinander und nicht in der Lage gewesen, die  

Bedeutung seiner Aussagen zu erfassen noch die ihm vorgelesenen Rechte zu 

schweigen oder einen Verteidiger beizuziehen auf ihre Bedeutung hin zu über-

denken. Es werde bestritten, dass er in der Lage gewesen sei zu beurteilen, ob 

wirklich das von ihm Gesagte vom polizeilichen Sachbearbeiter aufgeschrieben 

worden sei. Der Beschuldigte habe das heulende Elend gehabt und in einem sol-

chen Zustand vernehme man keinen Beschuldigten. In besonderer Weise unfair 

und unzulässig sei gewesen, dass der Polizeibeamte zu Beginn der Einvernahme 

nur häusliche Gewalt erwähnt habe und nicht auch die dem Beschuldigten in ers-

ter Linie gemachten Vorwürfe einer Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, auf 

welche er erst am Schluss der Einvernahme zu sprechen gekommen sei. Hätte 

der Beschuldigte um diese krassen Vorwürfe gewusst, hätte er ein anderes Aus-

sageverhalten an den Tag gelegt und insbesondere schon zur ersten Befragung 

den Zuzug eines amtlichen Verteidigers verlangt (Urk. 128 S. 7 f.). 

Zudem führte der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung aus (Urk. 124 

S. 14 ff.), er sei verwirrt gewesen, habe erbrechen müssen und habe Liebeskum-

mer gehabt. Er hätte alles zugegeben, was der Polizist behauptet hätte. Diese Be-

fragungen seien neu für ihn gewesen. Er sei damals in einem schlechten Zustand 

gewesen und er erinnere sich nicht an viel von der Einvernahme. Es sei so aufge-

schrieben worden, wie er es gesagt habe, er sei aber oft unterbrochen worden 

und habe den Faden verloren. Sein Anwalt habe die Einvernahme jedoch durch-

gelesen. Er selbst habe die Einvernahme nicht durchgelesen, sondern nur seine 

Initialen darunter gesetzt. Der Beschuldigte führte weiter aus (Urk. 124 S. 25), er 

sei in einem schrecklichen Zustand gewesen, da er sich um B._____ gesorgt ha-

be, als diese abgehauen sei. Er habe sich Sorgen gemacht, dass sie sich umbrin-

gen würde. Er sei schon vor der Verhaftung in einem schlechten Zustand gewe-

sen, die Verhaftung habe den Zustand aber noch verschlechtert. 

4.1.3  Das Bundesgericht hielt in einem Entscheid fest (BGE 130 I 126, E. 2.3-

2.5), dass die Pflicht zur Belehrung des Angeschuldigten betreffend seine Rechte 

-   20   - 

im polizeilichen Ermittlungsverfahren (insb. das Aussageverweigerungsrecht) we-

der aus dem kantonalen Recht, noch aus dem Konventionsrecht gemäss EMRK 

und IPBPR abgeleitet werden kann, sondern sich allein aus der Bundesverfas-

sung ergibt. Diese knüpft entscheidend an das Kriterium des Freiheitsentzuges an 

(Art. 31 Abs. 2 BV), wobei das Bundesgericht im vorerwähnten Entscheid erwägt, 

die besondere Drucksituation des Freiheitsentzuges berge eine erhöhte Gefahr in 

sich, dass der Betroffene seine Rechte nicht oder nur unzureichend wahrzuneh-

men vermag. Mithin bildet eine besondere Drucksituation den vorliegend interes-

sierenden Anknüpfungspunkt. Die Verwertbarkeit von Beweismitteln stellt in erster 

Linie eine Frage der Anwendung und Auslegung des nationalen Rechts dar. Aus 

dem Grundsatz des "fair trial" ergibt sich diesbezüglich nur – aber immerhin –, 

dass in Strafverfahren keine Beweismittel unter Missbrauch staatlicher Zwangs-

massnahmen, beispielsweise unzulässiger Drohungen, erlangt werden dürfen 

(IntKomm EMRK, Miehsler/Vogler, Rz 368 zu Art. 6 EMRK; Villiger, Handbuch der 

Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), 2 . A., Zürich 1999, S. 311 f, 

N. 486 f.). Die Verwertung von Aussagen, die der Angeschuldigte im Ermittlungs-

verfahren vor der Polizei gemacht hat, verstösst auch nicht gegen die in Art. 6 

Abs. 2 EMRK statuierte Unschuldsvermutung, soweit die belastenden Aussagen 

nicht durch Misshandlungen erpresst worden sind (IntKomm EMRK, Vogler, 

Rz. 392 f. zu Art. 6 EMRK). 

4.1.4  Eine besondere Drucksituation ist im vorliegenden Fall zwar zu bejahen, 

aber kein Missbrauch staatlicher Zwangsmassnahmen und keine unzulässigen 

Drohungen. Dies wurde weder geltend gemacht noch ist es ersichtlich. Der  

Beschuldigte wurde sowohl auf das Aussageverweigerungsrecht als auch auf sein 

Recht auf Beizug eines Verteidigers aufmerksam gemacht. 

4.1.5  Wohl war der Beschuldigte emotional aufgewühlt und heulte wiederholt. 

Dies insbesondere, wenn er sich zu vergegenwärtigen schien, dass sich die Pri-

vatklägerin von ihm losgesagt, er sie mithin definitiv verloren hatte. Entsprechend 

schimmerte jeweils Selbstmitleid und -bedauern durch, welches den Tränenfluss 

offensichtlich förderte (u.a. Urk. 3/1 S. 1, 15, 18 f.). Dass das Ende einer Bezie-

hung sehr schmerzhaft sein kann, bedarf keiner weiteren Worte. Beim Beschul-

-   21   - 

digten, der gemäss eigener Beschreibung ein gefühlvoller, netter und ehrlicher 

Mensch ist (u.a. Urk. 124 S. 4 und 8), wirkte sich dies entsprechend heftig aus. 

Aussageverhalten und Aussagen anlässlich der polizeilichen Befragung entbehr-

ten umgekehrt nicht einer gewissen Theatralik und Übertreibung (vgl. Urk. 3/1 

S. 15 f.: "Ich habe seit drei Wochen nicht gegessen und geschlafen. Ich liebe sie. 

Es wird nie mehr vorkommen. … Ich mache alles was sie will. Ich möchte sie wie-

der zurück. Ich schaue für sie. Ich schlage sie nie mehr. Ich gebe das schriftlich 

ab." Ferner, Urk. 3/1 S. 3: "Ich möchte nicht mehr leben, wenn sie nicht bei mir ist. 

Mein Leben hat keinen Sinn mehr, wenn ich alleine bin. Wenn Schluss ist,  

brauche ich einen Psychiater. Ich brauche Hilfe. …" ). 

Trotz Gefühlsaufwallungen hatte der Beschuldigte aber auch sehr viel berichtet, 

dies weitgehend in freier Rede und auf offene Fragen. Unzählige Male schilderte 

er seine Sicht der Dinge. Dies beinhaltete nebst einigen Zugaben namentlich, was 

die Privatklägerin ihm alles an Gewalt angetan habe (u.a. Urk. 3/1 S. 4 und 8). 

Dazwischen überlegte er (z.B. Urk. 3/1 S. 9, 12 und 15), war also durchaus in der 

Lage, abzuwägen, was und wie er etwas sagen soll. Von den punktuellen emotio-

nalen Überwältigungen abgesehen hatte der Beschuldigte sich und sein Aussa-

geverhalten durchaus unter Kontrolle. Das steht seiner Darstellung im Berufungs-

verfahren entgegen. Der Beschuldigte wurde im weiteren Prozessverlauf noch 13 

Mal in Anwesenheit seines (früheren) Verteidigers einvernommen, die letzten 

zwei Mal vor Bezirks- und Obergericht, und er konnte sich jeweils einlässlich zu 

den ihm gemachten Vorwürfen äussern und auch explizit Erläuterungen zu seinen 

polizeilichen Aussagen vom 3. Dezember 2009 abgeben (vgl. namentlich in 

Urk. 3/4). Dabei erklärte er auf konkrete Vorhalte wiederholt, es könne gut  

möglich sein, dass er das gesagt habe bzw. er bejahte, die betreffende Aussage 

gemacht zu haben (Urk. 3/4 S. 7 ff.). So führte er anlässlich der Befragung vom 

16. Februar 2010 aus: 

"Ich hätte bei der Polizei keine Aussagen [machen] müssen oder bei 

der Staatsanwaltschaft. Ich hätte schon dort einen Anwalt haben  

können. Und sagen können, dass ich nichts sage ohne meinen Anwalt. 

Das habe ich aber nicht getan." (Urk. 3/4 S. 17). 

-   22   - 

Daraus ist zu schliessen, dass er trotz Drucksituation aufgrund des Freiheitsent-

zugs bei der polizeilichen Einvernahme seine Rechte verstanden und dennoch 

Aussagen gemacht hatte, dies bewusst und gewollt. Weder im Rahmen der über 

ein Jahr dauernden Untersuchung noch vor Vorinstanz brachte der rechtskundig 

vertretene Beschuldigte je vor oder liess vorbringen, es habe ihm bei der polizeili-

chen Befragung vom 3. Dezember 2009 an Einvernahmefähigkeit gemangelt. 

Dies relativiert auch seine Behauptung anlässlich der Berufungsverhandlung, 

nicht sagen zu können, ob der Polizist auch das aufschrieb, was er ausgesagt 

habe und dass er die Einvernahme nur unterschrieben, nicht aber durchgelesen 

habe. Nachdem die Einvernahme um 10.30 Uhr begonnen hatte und vom Be-

schuldigten um 13.04 Uhr als "Selbst gelesen und bestätigt" unterzeichnet worden 

war (Urk. 3/1 S. 1 und 20), stand ihm zweifellos genügend Zeit für die Durchsicht 

zur Verfügung. Zudem enthält das Einvernahmeprotokoll insgesamt ein Dutzend 

Handkorrekturen bzw. -ergänzungen des Beschuldigten; folglich hatte er sich 

auch inhaltlich mit seinen Aussagen auseinandergesetzt und diese – wo für ihn 

erforderlich – angepasst. 

4.1.6  Aufgrund all dieser Umstände ist nicht zweifelhaft, dass sich der Beschul-

digte von sich aus und bewusst zur Aussage entschieden hatte und sich auch im 

Klaren war, was er zu Protokoll gab, ebenso dass er das Einvernahmeprotokoll 

anschliessend auch tatsächlich und wirkungsvoll zur Kenntnis genommen hatte. 

4.1.7  Richtig ist, dass die spezifische Frage nach sexueller Gewalt in der  

Beziehung und mithin der schwerste Vorwurf erst etwa im letzten Drittel der  

Einvernahme angesprochen wurde (Urk. 3/1 S. 15). 

Einerseits ist dazu festzuhalten, dass dem Beschuldigten von allem Anfang an 

deklariert wurde, er sei wegen dringenden Verdachts von Häuslicher Gewalt fest-

genommen worden sei (Urk. 3/1 S. 1). Nach landläufiger Vorstellung geht es bei 

Häuslicher Gewalt um Misshandlungen physischer, psychischer und sexueller Art 

gegenüber im gleichen Haushalt lebender Personen. Solch gewaltsames Verhal-

ten umfasst verschiedene mögliche Straftatbestände gegen Leib und Leben, die 

Freiheit und die sexuelle Integrität. Ein eigenständiger Straftatbestand existiert 

nicht, ebenso wenig eine allgemeine Definition in der Gerichtspraxis. Der  

-   23   - 

Beschuldigte interpretierte den Ausdruck sogleich als physische Gewalt (Urk. 3/1 

S. 1 ff.). Die Befragung entwickelte sich darauf hauptsächlich aufgrund seiner 

Schilderungen, indem der Beschuldigte aufgefordert wurde, weiter zu berichten 

oder es ergaben sich Anschlussfragen basierend auf seiner Darstellung. Dabei 

nahmen Gewalt allgemein sowie körperliche Gewalt breiten Raum ein (Urk. 3/1 

S. 4 ff.), wie sich schliesslich auch der Anklageschrift entnehmen lässt. Nachdem 

vielfältigste körperliche Gewalt und auch Drohungen zur Sprache gekommen wa-

ren, erkundigte sich der einvernehmende Polizist allgemein nach sexueller Ge-

walt, was der Beschuldigte – nach Überlegung und mit einer Ausnahme (gewalt-

sames Fingerhineinstecken mit nachträglichem Einverständnis der Privatklägerin 

im Rahmen von Sexspielen) – jedoch apodiktisch verneinte (Urk. 3/1 S. 15). Mehr 

wurde in der polizeilichen Einvernahme nicht thematisiert. 

Solch stufenweises Vorgehen ist zum einen keineswegs ungewöhnlich und auch 

vertretbar. Zudem wurde das Thema sexuelle Gewalt nach Verneinung durch den 

Beschuldigten nicht weiter verfolgt, der Beschuldigte mit andern Worten auch 

nicht zu diesbezüglichen Aussagen angehalten oder gar unter Druck gesetzt. 

4.1.8  Insgesamt ist vorliegend von einem fairen Verfahren auszugehen. Die poli-

zeiliche Einvernahme ist verwertbar. Aber selbst wenn die erste Einvernahme 

vom 3. Dezember 2009 unverwertbar wäre oder der Beschuldigte im Verfahren 

ganz oder teilweise von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht hätte, wären 

die eingeklagten Sachverhalte aufgrund des übrigen Beweisergebnisses als  

erstellt anzusehen, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergeben wird. 

Die teilweisen Zugaben des Beschuldigten bestätigen lediglich die Erkenntnisse 

aus den übrigen Beweismitteln. 

4.2 Die Teilnahmerechte des Beschuldigten bei den Beweiserhebungen wurden 

gewahrt und die genannten Beweismittel sind uneingeschränkt verwertbar. Be-

züglich der Zeugenaussagen ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass es sich bei 

den angeklagten Sachverhalten weitestgehend um sog. Vier-Augen-Delikte han-

delt und daher die meisten Aussagen von Drittpersonen lediglich für die Beurtei-

lung der Glaubhaftigkeit der Aussagen der beiden Beteiligten herangezogen wer-

-   24   - 

den können, da die einvernommenen Personen zu den inkriminierten Zeitpunkten 

grundsätzlich nicht anwesend waren.  

4.3 Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung Mängel in 

der Untersuchungsführung geltend (Urk. 128 S. 15 ff.). So seien die Handydaten 

von F._____ und der Privatklägerin nicht ausgewertet worden. Er wäre nicht ver-

wunderlich, wenn diese Handys zwischenzeitlich entsorgt worden wären. Die 

Nichtauswertung des Handys der Privatklägerin grenze an eine Beweisunter-

schlagung. Die beiden persönlichen Handys des Beschuldigten seien aus seiner 

Wohnung entwendet worden, wie verschiedene andere Gegenstände auch. Die 

Privatklägerin müsse nicht nur ihre persönlichen Gegenstände abgeholt, sondern 

die Wohnung von sie selber diskreditierendem Beweismaterial gesäubert haben. 

Weiter würden die Droh- resp. Abschiedsbriefe von F._____ und der Privatkläge-

rin an den Beschuldigten sowie eine Kamera mit beträchtlichem Fotobestand feh-

len.  

Dazu ist festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, inwiefern die SMS-Kommunikation 

auf den mutmasslich verschwundenen Handys den Beschuldigten entlasten könn-

te. Sollten sich in der Kommunikation keine Anzeichen von Gewalt in der Bezie-

hung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin finden, bedeutet dies 

noch nicht, dass auch keine Gewalt stattgefunden hat. Weiter ist, wie nachfolgend 

zu zeigen sein wird, die ambivalente Beziehung zwischen dem Beschuldigten und 

der Privatklägerin nicht bestritten. Die Privatklägerin hat selbst eingeräumt, dass 

es gute Zeiten gegeben habe. Durch allfällige weitere Fotos oder SMS werden die 

durchwegs glaubhaften Aussagen der Privatklägerin sodann nicht einfach um-

gestossen. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern die Auswertung der fraglichen 

Handys noch etwas am bisherigen Beweisergebnis ändern würde. 

4.4 Dem Beweisantrag des Beschuldigten auf Einholung eines Gutachtens  

betreffend die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin und der übrigen 

Belastungszeugen (vgl. Urk. 82 S. 2; Urk. 125) ist aus den nachstehenden  

Gründen nicht zu entsprechen.  

-   25   - 

Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist Teil der Beweiswürdigung und 

gehört damit primär zum Aufgabenbereich des Gerichts. Nach ständiger Recht-

sprechung drängt sich eine Begutachtung der Aussagen durch eine sachverstän-

dige Person nur bei Vorliegen besonderer Umstände auf, beispielsweise bei 

schwer interpretierbaren Äusserungen eines Kleinkinds oder bei Anzeichen  

ernsthafter geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit einer Zeugin be-

einträchtigen könnten, oder wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Zeugin 

einer Beeinflussung durch Drittpersonen ausgesetzt war (Urteil des Bundesge-

richts 6B_795/2009 vom 13.11.2009, E. 3; BGE 129 IV 179 E. 2.4; BGE 129 I 49 

E. 4; Urteil des Bundesgerichts 6S.12/2006 vom 29.3.2006; BGE 128 I 81 E. 2; 

BGE 118 Ia 28 E. 1c). Solche Umstände wurden nicht geltend gemacht und sind 

– wie sich zeigen wird (siehe nachstehende Erwägung II 7.11.) – auch nicht er-

sichtlich. Die entsprechenden Beweise wurden zudem ordnungsgemäss, voll-

ständig und umfassend erhoben und bieten eine ausreichende Grundlage für die 

Beurteilung des Falles. Das gilt namentlich auch hinsichtlich der Aussagen der 

Privatklägerin. Es liegen keine widersprüchlichen Aussagen vor, die besonders 

schwierig zu würdigen wären. Für eine weitere Einvernahme vor der Berufungs-

instanz besteht keine Notwendigkeit, zumal die Privatklägerin bereits vor  

Vorinstanz noch einmal befragt wurde (Art. 308 und 343 StPO). Gegen eine  

erneute Beweisabnahme sprechen schliesslich auch der Schutz der bereits mehr-

fach befragten Privatklägerin (Art. 152 ff. StPO) sowie die Tatsache, dass das 

menschliche Erinnerungsvermögen mit der Zeit abnimmt. Ersteres gilt ganz be-

sonders bei Opfern von Übergriffen auf die körperliche, psychische und sexuelle 

Integrität, welche durch erneute Einvernahme in der Bearbeitung der traumati-

schen Erinnerungen zurückgeworfen werden können.  

5. Grundsätze der Beweiswürdigung und Aufbau des Urteils 

5.1 Zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung hat sich die Vorinstanz  

zutreffend geäussert. Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 80 

S. 7 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

5.2 Die Vorinstanz hat sich zunächst mit der Glaubwürdigkeit des Beschul-

digten und der Privatklägerin befasst sowie ihre Beziehung beleuchtet (Urk. 80 S. 

-   26   - 

10-33) und in der Folge die einzelnen Delikte beurteilt (Urk. 80 S. 33-95). Dieser 

Systematik folgend ist zunächst ebenfalls allgemein näher auf die Aussagen und 

das Aussageverhalten der beiden Direktbeteiligten sowie auf die aus deren Um-

feld erhobenen Drittaussagen einzugehen. Dabei kann angesichts der Tatsache, 

dass die Vorinstanz die wesentlichen Aussagen sowohl des Beschuldigten als 

auch der Privatklägerin und der weiteren Personen ausführlich und zum Teil wört-

lich im angefochtenen Urteil wiedergegeben hat – sei es im Rahmen der Bezie-

hung oder bei den einzelnen Delikten –, darauf verzichtet werden, die Aussagen 

erneut im Detail darzustellen (vgl. Urk. 85 S. 31 ff.); es kann auf den vorinstanzli-

chen Entscheid verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).  

6. Glaubwürdigkeit sowie Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der 

 Privatklägerin 

6.1 Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Per-

son und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die Glaubwürdig-

keit liefert die Grundlage dafür, ob einer Person getraut werden kann. Sie ergibt 

sich aus der prozessualen Stellung einer Person sowie aus ihren persönlichen 

Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Die Glaubhaf-

tigkeit betrifft nur die spezifische Aussage und damit deren Wahrheitsgehalt.  

Bei der Beweiswürdigung ist in erster Linie der innere Gehalt der Aussagen  

massgeblich (Glaubhaftigkeit).  

6.1.1  Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten anbelangt, ist vorerst festzu-

halten, dass ein Beschuldigter im Strafprozess Objekt und Subjekt zugleich ist 

(Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl. Zürich 2004, N 613 u. N 469 ff.). Sei-

ne Doppelstellung bedeutet konkret, dass sich einerseits das Strafverfahren ge-

gen ihn richtet, andererseits seine Aussagen als Beweismittel für und gegen ihn 

verwendet werden können. Eine Pflicht, durch aktives Verhalten die Untersu-

chung zu fördern und so zu seiner eigenen Überführung beizutragen, trifft den 

Beschuldigten nicht (Niklaus Schmid, N 472 ff.). So ist ein Beschuldigter im Rah-

men der Selbstbegünstigung grundsätzlich nicht zur wahrheitsgemässen Aussage 

verpflichtet, was einleuchtet. Vielmehr hat er ein durchaus legitimes Interesse  

-   27   - 

daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Dies wird 

bei der Würdigung seiner Aussagen zu berücksichtigen sein. 

6.1.2  Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin anbetrifft, wurde im angefoch-

tenen Urteil einerseits richtig erwogen, dass sie ihre Aussagen bei der Staatsan-

waltschaft als Zeugin unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB und 

als Auskunftsperson vor Gericht unter der Androhung von Art. 303, 304 und 305 

StGB tätigte. Diese rein prozessuale Stellung verleiht ihr allerdings keine spezielle 

Glaubwürdigkeit. Die Vorinstanz hielt umgekehrt korrekt fest, dass sie Schaden-

ersatz- und Genugtuungsansprüche geltend macht. Die finanziellen Interessen 

scheinen nicht im Vordergrund zu stehen; zu beachten ist aber die persönliche 

Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin, welche mit der 

Strafanzeige und der Inhaftierung des Beschuldigten ihr Ende gefunden hat.  

Darauf ist noch näher einzugehen.  

6.1.3  Diverse Familienangehörige sowohl der Privatklägerin (B._____) als auch 

des Beschuldigten (A._____) sagten ebenfalls als Zeugen unter der Strafandro-

hung von Art. 307 StGB aus. Ihre persönliche Verbindung mit dem jeweiligen  

Familienmitglied ist bei der Würdigung der konkreten Aussagen ebenfalls im Auge 

zu behalten.  

6.1.4  Ferner wurde die Ex-Freundin des Beschuldigten, F._____, als Zeugin be-

fragt. Angesichts der mehrjährigen gemeinsamen Vergangenheit mit dem  

Beschuldigten und der späteren Bekanntschaft auch zur Privatklägerin kann sie 

ebenfalls nicht als gänzlich unbeteiligt gelten.  

Eine gewisse Zurückhaltung rechtfertigt sich sodann bezüglich der Zeuginnen aus 

dem beruflichen Bereich der Privatklägerin, nämlich R._____, P._____, Q._____, 

S._____ sowie der zwei Auskunftspersonen AE._____ und AF._____. Allerdings 

ist bei keiner dieser Personen ein persönliches Interesse am Ausgang des Ver-

fahrens ersichtlich. 

-   28   - 

6.1.5  Die ehemaligen Wohnungsnachbarinnen AC._____ und AD._____ sind als 

neutrale Zeuginnen anzusehen, hatten sie doch zu keinem der Direktbeteiligten 

näheren Kontakt.   

6.1.6  Insoweit nachstehend die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin zu beleuchten ist, ist neben der Glaubwürdigkeit ebenso die Glaub-

haftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen aller genannten 

Personen tangiert. Bei den folgenden Erwägungen handelt es sich somit auch um 

Beweiswürdigung.      

6.2 Die Vorinstanz hat zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und zur  

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen betreffend die Beziehung zwischen ihm und der 

Privatklägerin gestützt auf seine Aussagen und das psychiatrische Gutachten 

vom 8. Dezember 2010 (Urk. 7/16) etliche Erwägungen angestellt. Darauf kann 

vorab zustimmend verwiesen werden (Urk. 80 S. 10-14; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

6.2.1  Wie bereits vorne in Erwägung II. 3. dargelegt, hat der Beschuldigte das bei 

der Polizei abgelegte Teilgeständnisse gestützt auf verschiedene Argumenta-

tionen in der Folge gänzlich widerrufen, was im Rahmen der Aussageanalyse  

näher zu würdigen sein wird. Hier festzuhalten ist, dass der Beschuldigte durch 

den Widerruf nicht übereinstimmende Aussagen machte, was sich negativ auf 

seine Glaubwürdigkeit und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen auswirkt  

(Entscheid des Bundesstrafgerichts vom 30. Januar 2008, SK.2007.6, E. 4.2.4.1).  

6.2.2  Die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und namentlich die Glaubhaftigkeit 

seiner Schilderungen werden ferner beeinträchtigt durch gegenteilige Aussagen 

des Beschuldigten zum Thema Eifersucht. Während er anlässlich der polizeilichen 

Einvernahme vom 3. Dezember 2009 noch einräumte, die Privatklägerin habe ihn 

eifersüchtig gemacht (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 5), er hätte die Fragerei besser 

bleiben lassen sollen, da jedes Mal mehr herausgekommen sei (Urk. 3/1 Antwort 

auf Frage 6), er habe die Eifersucht nicht unter Kontrolle gehabt (Urk. 3/1 Antwort 

auf Frage 86) und alles sei nur aus Dummheit und Eifersucht passiert (Urk. 3/1 

Antwort auf Frage 2), führte er anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 22. Februar 2010 aus, eigentlich gar nicht eifersüchtig zu sein 

-   29   - 

(Urk. 3/5 S. 2). Er sei nur einmal eifersüchtig gewesen. Auf den Hinweis der 

Staatsanwältin, dass seine Aussagen bei der Polizei eher auf Eifersucht schlies-

sen lassen würden, erklärte er gewusst zu haben, dass die Privatklägerin bei der 

Psychologin gesagt habe, dass er sie aus Eifersucht schlagen würde. Deshalb 

habe er zuerst bejaht, eifersüchtig zu sein. Dieser Erklärungsversuch für seine 

Kehrtwende erscheint seltsam und überzeugt gar nicht (vgl. auch die nach-

stehende Erwägung II. 6.2.4 ). Weiter sagte er, Eifersucht in einer Beziehung sei 

da, doch er sei nicht krankhaft eifersüchtig (Urk. 3/5 S. 4). Bei dieser Aussage 

blieb er (Urk. 3/11 S. 4; Urk. 40 S. 8: Eifersucht wie ein Durchschnittsmensch; zur 

Eifersucht auch Erwägung II. 6.3.3).  

6.2.3  Zutreffend verwies die Vorinstanz auch auf die vielfältige und widersprüchli-

che Argumentation des Beschuldigten, mit welcher er darzulegen versuchte,  

weshalb die Privatklägerin zu Unrecht die massiven Vorwürfe gegen ihn erhoben  

habe. So sah er als Auslöser und Urheber des vorliegenden Strafverfahrens alle 

möglichen Personen, nur nicht sich selbst (zum Anzeigemotiv der Privatklägerin 

vgl. die nachfolgende Erwägung II. 6.3.2). 

6.2.4  Weiter verstrickte sich der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahmen  

in diverse – doch eher wirr und konstruiert anmutende – Erklärungsversuche,  

namentlich betreffend das geschwollene Gesicht der Privatklägerin oder weshalb 

sie einmal ohnmächtig gewesen sei. So führte er auf die Frage, wieso die Privat-

klägerin im Gesicht geschwollen gewesen sei, zunächst aus (Urk. 3/1 Antwort auf 

Frage 64): "Ich nehme an von ihren eigenen Schlägen oder sie sagte, dass sie 

von Kollegen besoffen Probleme gehabt habe. Sie wurde immer geschwollener. 

Sie schlägt sich selber mit den Fäusten und reisst sich an den Haaren oder rennt 

selber gegen die Wand. Ich gebe ihr zwei Flättern. Dann hört sie auf." Nur drei 

Antworten später erläuterte er (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 67): "Ich schlug sie, 

aber nicht ins Gesicht. Ich weiss nicht, wieso sie geschwollen wurde. Vielleicht 

standen wir einander zu nahe und meine Spucke spritzte in ihr Gesicht. Vielleicht 

hat sie sich deshalb infiziert und ein geschwollenes Gesicht bekommen."  

Nochmals drei Antworten später schwor er ("bei Gott"), sie nie mit dem Gurt ins 

Gesicht geschlagen zu haben. Aus einer einzigen Situation mache sie ein Riesen-

-   30   - 

theater. Sie habe sich selber auch den Kopf an die Bettkante geschlagen 

(Urk. 3/1 Antwort auf Frage 70). Gegenüber der Staatsanwältin am 16. Februar 

2010 mutmasste er, die Schwellungen stammten von der sehr heissen Dusche, 

unter welcher er die damals weggetretene Privatklägerin vorgefunden und ihr 

ganz feine Ohrfeigen gegeben habe um sie zu wecken. Die Privatklägerin habe 

ihm ins Ohr geflüstert und ihn gebeten, die Erklärung mit der Spucke und der 

dadurch bewirkten Schwellung gegenüber der anwesenden Zeugin F._____ zu 

nennen (Urk. 3/4 S. 4). Mit dieser Behauptung widersprach der Beschuldigte je-

doch klar der Aussage der Zeugin F._____, wonach der Beschuldigte selber 

(ebenso wie die Privatklägerin) ihr gegenüber deklariert habe, dass er die Schwel-

lungen im Gesicht der Privatklägerin verursacht habe. Weiter erwähnte der Be-

schuldigte, er sei kein Arzt und wisse nicht, ob Spucke Schwellungen im Gesicht  

erzeugen könne (Urk. 41 S. 3 und 7). Wenige Fragen später erklärte der Beschul-

digte auf den Hinweis, dass er gegenüber der Polizei die Schwellungen allenfalls 

darauf zurückgeführt habe, dass sich die Privatklägerin jeweils selber schlage, es 

sei gut möglich, dass die Privatklägerin dies am besagten Tag getan habe 

(Urk. 3/4 S. 6). 

An den Haaren gerissen habe er sie schon, als sie einmal Nasenbluten gehabt 

habe, das solle gegen die Blutung helfen; er habe jedoch nur leicht gezogen 

(Urk. 3/3 S. 4). Die Privatklägerin sei immer abgehauen – schon bevor sie richtig 

zusammengekommen seien – weil sie den Kick habe, sie habe jedes Mal  

etwas Anderes gesagt; manchmal sei sie abgehauen wenn sie gar nicht sollte,  

manchmal, um ihm eins auszuwischen (Urk. 3/1 S. 3 f.).  

All diese Umschreibungen sind mit der Vorinstanz als widersprüchlich, gesucht 

und konstruiert, aber auch als wirr einzustufen. Teilweise wich der Beschuldigte 

auch schlicht den gestellten Fragen aus, indem er entweder Nichtwissen vorgab 

oder die Ausgangslage drehte und sich mit seiner Antwort in die Rolle der Retters 

versetzte: z.B. Abhalten der Privatklägerin vor (weiteren) Selbstverletzungen 

durch zwei Ohrfeigen bzw. Versetzen von zwei ganz feinen Ohrfeigen, um die 

Privatklägerin aus der (selbstverschuldeten) Ohnmacht zu holen oder (leichtes) 

Haarereissen als Mittel gegen Nasenbluten. Als nicht minder konfus, selbst entwi-

-   31   - 

ckelt und seiner Glaubwürdigkeit sowie der Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen 

abträglich ist der Erklärungsversuch zur Ohnmacht der Privatklägerin wegen zu 

heissen Duschens (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 57; Urk. 3/2 S. 5). Dass eine Per-

son so lange zu heiss duscht, bis sie ohnmächtig wird, ist nicht nachvollziehbar 

und wohl erfunden. 

6.2.5  Inkohärent und realitätsfremd muten weiter die Erläuterungen des Beschul-

digten auf die Frage an, weshalb bei seiner Verhaftung in der Innentasche seiner 

Jacke der Reisepass der Privatklägerin vorgefunden wurde: Er habe den Ausweis 

aus Sicherheit dabei gehabt. So könne er die Angelegenheiten beim Betreibungs-

amt für sie machen. So wisse er wenigstens, wo der Ausweis sei (Urk. 3/1 Ant-

wort auf Frage 80). Analog verhält es sich bezüglich seiner Angaben zu sämtli-

chen Zimmerschlüsseln für die gemeinsame Wohnung: Er habe diese alle auf 

sich getragen, weil er gewollt habe, dass sie sich bei ihm melde, wenn sie nach 

Hause komme. Er habe auf sie gewartet, habe sich alleine in dieser Wohnung 

nicht wohl gefühlt, sei zu den Eltern gegangen. Er wolle mit ihr zusammenleben ... 

(Urk. 3/1 Antwort auf Frage 84).  

6.2.6  Als diffus erweisen sich zudem die Ausführungen des Beschuldigten, was 

seine geltend gemachte Schutzfunktion gegenüber der Privatklägerin anbelangt. 

Einerseits will er ihr Ohrfeigen gegeben haben um sie zu beruhigen, wenn sie sich 

selbst verletzte (Urk. 3/2 S. 2 f.; Urk. 3/4 S. 8; Urk. 3/10 S. 2). Anderseits will er 

die Privatklägerin vor ihrer eigenen Familie geschützt haben, weil diese der  

Privatklägerin gedroht habe (Urk. 40 S. 6). Gegenüber dem Gutachter (vgl. das 

Psychiatrische Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom 

8. Dezember 2010; Urk. 7/16) schilderte der Beschuldigte, sein Verhalten habe 

immer nur dazu gedient, die Privatklägerin zu schützen (Urk. Urk. 7/16 S. 71, 

1. Abschnitt). Wie dem auch sei, das Argument, Gewalt an einer Person auszu-

üben mit der Begründung, die Person durch eben diese Gewaltzufügung schützen 

zu wollen, kann nicht nachvollzogen werden und ist als abstrus zu bezeichnen.  

6.2.7  Zutreffend verwies die Vorinstanz sodann auf das erwähnte Psychiatrische 

Gutachten, gemäss welchem der Beschuldigte dazu neige, sich selbst in einem 

günstigen Licht darzustellen und er mitunter eine Überangepasstheit zeige. Weiter 

-   32   - 

wird im Gutachten ausgeführt, der Beschuldigte habe eine Neigung gezeigt, dem 

Untersucher schmeicheln zu wollen. Dabei habe er leicht manipulativ gewirkt. Er 

habe die Untersuchung genutzt, um sehr weit ausholend seine Sichtweise der  

inkriminierten Tat(en) zu erläutern. Der Sinn des Gutachtens bestehe seines  

Erachtens darin, herauszufinden, dass er ein anständiger und guter Mensch sei 

(Urk. 7/16 S. 70, 2. Abschnitt). Im Gutachten wird weiter ausgeführt, der Beschul-

digte neige dazu, Antworttendenzen im Sinne einer sozialen Erwünschtheit  

zu geben (Urk. 7/16 S. 82, 4. Abschnitt und S. 92). Aufgrund dieser von Fach-

personen festgestellten und vom Beschuldigten auch nicht bestrittenen Neigung 

erscheinen die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und die Glaubhaftigkeit seiner 

facettenreichen Explikationen ebenfalls als geschmälert. All diese Neigungen 

schimmerten auch immer wieder in seinen Einvernahmen durch, wo er laufend 

eigene positive Eigenschaften herausstrich und sich als Gutmensch hinstellte,  

etwa: "Ich bin offen und ehrlich." (Urk. 3/1 S. 6), "Ich musste sie zwingen ins Spital 

zu fahren. Ich liebe sie und wollte nur das Beste für sie." (Urk. 3/1 S. 13); dies im 

Gegensatz zur Privatklägerin, der er anlastete, von Anfang nicht ehrlich gewesen 

zu sein (Urk. 3/1 S. 18) und ihn plagen, sich an ihm rächen zu wollen (Urk. 3/1 

S. 4, 6).  

6.2.8  Schliesslich ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass der Beschuldigte  

– dies wiederum im Einklang mit der gutachterlichen Charakterbeschreibung – 

während der Untersuchung und auch vor Gericht die Tendenz zeigte, ständig  

die Schuld bzw. die Ursache bei Dritten zu suchen und sich selber aus dem 

"Schussfeld" zu nehmen.  

So war es die Privatklägerin, die gemäss seinen Ausführungen wollte, dass 

F._____ bei ihnen übernachtete (Urk. 3/9 S. 8). Weiter führte der Beschuldigte 

wie erwähnt aus, dass sich die Privatklägerin jeweils selber verletzt habe (Urk. 3/1 

Antwort auf Frage 7). Dies soll im Übrigen auch die Zeugin F._____, seine Ex-

Partnerin getan haben. Der Beschuldigte machte betreffend beider Frauen  

geltend, dass er sie nur festgehalten habe, um sie zu beruhigen (bezüglich 

F._____ in Urk. 3/3 S. 3; bezüglich der Privatklägerin u.a. in Urk. 40 S. 7). Weiter 

führte er ähnlich aus, die Privatklägerin sei selber Schuld gewesen, dass sie 

-   33   - 

ohnmächtig geworden sei (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 57). Auch schilderte der 

Beschuldigte, die Privatklägerin sei einmal geschwollen gewesen, weil sie sich 

selber mit den Fäusten geschlagen habe (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 59) bzw. die 

Privatklägerin sei deshalb nicht mehr in ihre Hosen gekommen, weil sie zuge-

nommen habe und nicht aufgrund geschwollener Beine (Urk. 3/4 S. 9). Die letzte 

Aussage des Beschuldigten widerspricht überdies den Ausführungen zahlreicher 

Zeugen, welche aussagten, die Privatklägerin habe während der Beziehung stark 

an Gewicht verloren (Zeugin P._____ in Urk. 4/12 S. 5; Zeugin U._____ in 

Urk. 4/20 S. 6; Zeugin S._____ in Urk. 4/24 S. 8). Weiter soll die Privatklägerin, 

nachdem er ihr mit Gewalt den Finger in die Vagina hineingesteckt habe, gesagt 

haben, dass sie selber schuld sei (Urk. 3/1 Antwort auf Frage 75). Wiederholt 

machte er pauschal geltend, die Privatklägerin sei an allem Schuld, und vor Vo-

rinstanz erklärte er, alle Probleme seien aufgrund der Familie der Privatklägerin 

entstanden (Urk. 40 S. 8). Dann wiederum in gegensätzlichem Tenor: Sie seien 

so glücklich gewesen, irgend jemand habe ihr das in den Kopf gesetzt (Urk. 3/1 

S. 9). Im Gutachten steht sodann die Meinung des Beschuldigten zu lesen, er sei 

durch feindseliges Handeln zweier Frauen selbst geschädigt und ins Gefängnis 

gebracht worden (Urk. 7/16 S. 72, 2. Abschnitt). Auch diese Neigung, Ursache 

und Schuld andern zuzuschieben, wirkt sich negativ auf die Glaubwürdigkeit des 

Beschuldigten und die Glaubhaftigkeit seiner Depositionen aus.  

In dieses Kapitel gehört endlich auch die öfters durchschimmernde Tendenz des 

Beschuldigten, auf konkrete Vorhalte sich postwendend selber als Opfer von  

Attacken darzustellen bzw. seine Handlungen als Retorsion erscheinen zu lassen: 

sie sei auch gewalttätig gegen ihn gewesen, er habe auch Ohrfeigen von ihr  

kassiert, sie habe ihn auch mit dem Gurt geschlagen, sie habe ihn auch immer 

gekratzt, sie habe ihn die Treppe hinunter geschubst, sie sei auf ihn gesprungen 

und habe ihn gepackt (u.a. Urk. 3/1 S. 1, 4, 5, 8), sie habe zuerst seinen  

Hinterkopf an den Baum geschlagen und er habe dann dasselbe mit ihrem Kopf 

gemacht (Urk. 3/3 S. 4).      

6.2.9  Solches (nur beispielhaft den Akten entnommenes) Aussageverhalten  

beeinträchtigt die Plausibilität der Aussagen des Beschuldigten und den Gehalt 

-   34   - 

seiner Stellungnahmen insgesamt stark (vgl. auch Urk. 80 S. 14; Art. 82 Abs. 4 

StPO).  

6.2.10  Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Glaubhaftigkeit seiner 

Aussagen bleibt noch das Folgende anzufügen: Anlässlich seines (zweiten) 

Schlusswortes vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus: "Sie stellt mich anders 

dar, als ich wirklich bin. Ich kann verstehen, dass alle gegen mich sind. Ich bin der 

Mann und komme aus … [Osteuropa]. Niemand glaubt mir. Ich habe genug gelit-

ten, niemand fragt, wie ich wirklich bin. Das interessiert niemanden." (Prot. I S. 13 

f.). Hierzu ist zu sagen, dass die Unschuldsvermutung gegenüber jeder Person 

gilt, unabhängig von Geschlecht und Herkunft und vorliegend speziell gegenüber 

dem Beschuldigten. Dagegen spricht auch in keiner Weise, wenn im Verfahren 

der Begriff "Geschädigte" für die Privatklägerin verwendet wird, der laut Verteidi-

gung bereits auf eine Beweislastumkehr hindeute (Urk. 128 S. 10). Es ist Sache 

der Anklagebehörde, die Schuld des Beschuldigten zu beweisen und nicht dieser 

hat seine Unschuld nachzuweisen (BGE 127 I 38 E. 2a). 

6.3 Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin und den materiellen Gehalt ihrer 

Aussagen zur Beziehung betrifft, lassen sich mit der Vorinstanz keine negativen 

Umstände finden.  

Die Privatklägerin erstattete ca. drei Wochen, nachdem sie ihn definitiv verlassen 

hatte, Strafanzeige gegen den Beschuldigten. Sie hatte zuerst bei einer Kollegin 

gewohnt und befand sich seit dem tt. November 2009 im Frauenhaus in  

AG._____ .  

6.3.1  Anzeigeerstattung und Aussageverhalten 

6.3.1.1  Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldig-

ten zu Unrecht belasten sollte. Insbesondere erhob sie nicht einfach deshalb An-

zeige, um den Beschuldigten los zu werden. Aktenkundig ist eher das Gegenteil. 

Die Anzeige deponierte sie erst im Nachgang zu ihrem Entschluss, sich definitiv 

von ihm zu trennen, und – wie die zeitliche Distanz zeigt – nicht leichthin, sondern 

offensichtlich erst nach längerer Überlegung. Schon zuvor hatte sie sich gemäss 

-   35   - 

übereinstimmender Darstellung unzählige Male entfernt und war doch wieder zum 

Beschuldigten zurückgekehrt. Sie sei nicht abgehauen, weil sie Lust gehabt hätte, 

im Freien zu leben, sondern weil sie seinen Schlägen habe entkommen wollen, 

einfach, dass sie einen Tag mehr überlebe (Urk. 2/5 S. 14). Auf ihre jeweilige 

Rückkehr angesprochen erläuterte sie bei der Polizei, der Beschuldigte habe sie 

eingeschüchtert, sie habe ja nicht einmal ihrer Familie etwas sagen dürfen 

(Urk. 2/1 S. 5). Sie habe nur kurze Kontakte, 10-15 Minuten, zu ihrer Familie  

haben dürfen, weil er Angst gehabt habe, dass sie etwas ausplaudere (Urk. 2/5 

S. 16). Sie habe einfach nicht daran geglaubt, dass ihr jemand helfen könne. Und 

ihre Familie habe sie eh recht selten gesehen (Urk. 2/2 S. 14). Zu ihrem langen 

Ausharren an der Seite des Beschuldigten führte sie zudem aus: "Ich hoffte  

immer, es werde wieder besser, denn ich wusste nicht wohin. Und er wusste das 

ja auch. Er sagte mir auch immer, ob ich wirklich glauben würde, dass mich noch 

einer wolle, so eine Schlampe wie ich sei. Und teilweise glaubte ich ihm das auch. 

Ich wusste ja, dass ich nicht zu meiner Familie zurückkonnte, denn ich hatte mich 

damals gegen sie gestellt und mich für A._____ entschieden. Meine Familie  

akzeptierte nicht, dass ich mir selber einen Mann ausgesucht habe und dann 

auch noch mit ihm zusammen gezogen bin und ich wusste wirklich nicht wohin. 

Ich bin einige Male weggerannt, habe mich ein paar Stunden z.B. im Bahnhof …  

versteckt und er hat mich dann wieder via SMS und so manipuliert, dass ich  

wieder zurückkomme und alles werde wieder gut und so weiter." (Urk. 2/2 S. 9). 

Daraus ergibt sich, dass die Privatklägerin gestützt auf seine Versprechen, er ha-

be sich abgeregt, er mache dies nie mehr, dem Beschuldigten glaubte und immer 

wieder hoffte, dass es das letzte Mal gewesen sei, dass er ihr so etwas angetan 

habe und dass es wieder so würde wie damals, als sie ihn kennen lernte. Klar ist 

ferner, dass die Privatklägerin keinen andern Ort hatte, wo sie hingehen konnte 

(Urk. 2/5 S. 14 f.; Urk. 2/6 S. 10; Urk. 56 S. 6 f.). Sie befand sich in einer Zwick-

mühle. Auch hatte die Privatklägerin – gemäss ihrer Schilderung auf Wunsch des 

Beschuldigten – ihre damalige Stelle gekündigt, um mit dem Beschuldigten zu-

sammen etwas aufzubauen (Urk. 2/5 S. 12 f.). Damit hatte sie auch ihre berufliche 

Zukunft in die Hände des Beschuldigten gelegt. Ihr Leben war engstens mit jenem 

-   36   - 

des Beschuldigten verknüpft. Dass sie sich dennoch am tt. November 2009 end-

gültig vom Beschuldigten absetzte, spricht für einen sehr gravierenden Anlass.  

Die Ausweglosigkeit, in welcher sich die noch junge und familiär praktisch auf sich 

allein gestellte Privatklägerin befunden haben muss, bewirkte, dass sie sich lange 

schützend vor den Beschuldigten stellte. So erfand sie am 24. Mai 2009 im Kan-

tonsspital AG._____ betreffend ihrer Verletzungen eine Geschichte (Schlägerei 

mit andern Frauen im Ausgang), weil sie den Beschuldigten damals noch schüt-

zen wollte (Urk. 2/1 S. 3; Urk. 2/2 S. 4; Urk. 2/3 S. 9). Der Beschuldigte führte da-

zu aus, sie habe die Geschichte erfunden, weil sie Angst gehabt habe, er könnte 

verhaftet werden. Ihm sei es in jenem Moment gleich gewesen, ob sie die  

Wahrheit erzähle oder nicht. Wichtig sei ihm gewesen, mit ihr ins Krankenhaus zu 

fahren (Urk. 3/2 S. 5). Auch bezüglich der eingeklagten Vergewaltigung erklärte 

die Privatklägerin ihren Verzicht, die Polizei zu avisieren, u.a. damit, sie habe ihn 

nicht in Schwierigkeiten bringen wollen; er habe eh schon genug Probleme  

gehabt (Urk. 2/5 S. 11).  

Das häufige Abhauen mit anschliessender Rückkehr wurde auch vom Beschuldig-

ten wiederholt beschrieben, wobei er die Ursache (mit unterschiedlichen Begrün-

dungen) der Privatklägerin zuschob und sich als gutmütigen Partner hinstellte, der 

sich sehr um sie geängstigt und sie auf ihr Flehen wieder aufgenommen habe, 

wobei sie sich jeweils für ihr Verhalten entschuldigt habe.  

6.3.1.2  Die Privatklägerin betonte ferner stets, es habe immer wieder gute Zeiten 

gegeben. Die beiden verkehrten auch regelmässig intim miteinander, gemäss  

Privatklägerin ca. drei Mal pro Woche, wobei die Privatklägerin öfters einfach ihre 

"Pflicht" erfüllte, wie sie sich ausdrückte. Der letzte einvernehmliche Geschlechts-

verkehr fand am tt. November 2009 statt, dem Geburtstag des Beschuldigten, und 

somit nur einen Tag, bevor sich die Privatklägerin definitiv vom Beschuldigten 

trennte und floh (Urk. 2/1 S. 9 f.; Urk. 2/5 S. 14). In der bis vier Jahre dauernden 

Beziehung, wovon rund zwei Jahre in der gemeinsamen Wohnung, ist es gemäss 

Privatklägerin sicher zwei Mal "so heftig" gegen ihren Willen zu Geschlechtsver-

kehr gekommen (u.a. Urk. 2/2 S. 10; eingeklagt ist ein Vorfall, vgl. Urk. 24 S. 4, 

Anklage Ziffer 1), was zeigt, dass die Privatklägerin selbst nach der Anzeige 

-   37   - 

Rücksicht übte, hätte sie den Beschuldigten doch viel stärker belasten können, 

wenn sie gewollt hätte. Diese Einschätzung gilt auch für die übrigen Vorwürfe  

gegenüber dem Beschuldigten. 

6.3.1.3  Auf ihre Gefühle für den Beschuldigten angesprochen, hielt sich die  

Privatklägerin ebenfalls sehr zurück. A._____ sei einmal ihre grosse Liebe  

gewesen. Jetzt empfinde sie einen gewissen Hass auf ihn (Urk. 2/1 S. 5). Sie 

äusserte sich während des ganzen Verfahrens nicht abfällig über ihn, obwohl sie 

anfänglich extreme Angst vor ihm hatte und sich nicht alleine auf die Strasse  

getraute (Urk. 2/1 S. 5). Am Schluss ihrer letzten Zeugeneinvernahme fügte sie 

lediglich hinzu, sie wünsche keiner Frau, was sie erlebt habe. Ihm wünsche sie, 

dass er eine Sekunde lang in ihrer Haut stecken würde und fühlen könnte, wie sie 

sich jeweils fühle (gefühlt habe). Das sei alles (Urk. 2/6 S. 11). Auch anlässlich 

der Befragung als Auskunftsperson vor Vorinstanz gelangte kein einziges  

unfreundliches Wort betreffend den Beschuldigten über ihre Lippen, obwohl  

aktenkundig ist, dass sie sich stark unter Druck gesetzt fühlte und nach wie vor in 

psychotherapeutischer Behandlung stand (Urk. 39, 53 und 56). Dies alles zeugt 

von grosser Zurückhaltung und dass sie auch in der Untersuchung ambivalenten 

Gefühlen ausgesetzt war.  

Im Gegensatz dazu ordnete der Beschuldigte der Privatklägerin eine Vielzahl von 

negativen Eigenschaften zu: sie sei eifersüchtig, raste schnell aus oder  

explodiere, sei jeweils aggressiv, sie greife ihn an, komme mit primitiven Wörtern, 

habe Selbstmitleid (u.a. Urk. 3/4 S. 6), verletze sich selbst und habe einen Kick 

(häufiges Weglaufen, vgl. Urk. 3/5 S. 2). An anderer Stelle gab er indessen zu 

Protokoll, er sei sehr zufrieden mit ihr gewesen, sie sei eine gute Frau und er 

könne sie im Grund genommen gar nicht kritisieren (Urk. 3/5 S. 2), eine Wider-

sprüchlichkeit, die einmal mehr seiner Glaubwürdigkeit abträglich ist. Ins haupt-

sächlich negative Bild, das der Beschuldigte von der Privatklägerin zeichnete, 

passt im Übrigen auch seine Darstellung des Kennenlernens, wonach die Privat-

klägerin sich an ihn herangemacht habe bzw. – sinngemäss – an ihn verkuppelt 

worden sei. Er habe damals eine andere Freundin gehabt, eine sehr gute Bezie-

hung, und habe der Privatklägerin erklärt, aus ihnen könne nichts werden, ausser 

-   38   - 

Freundschaft (Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/3 S. 2 f.). In ähnliche Richtung deuten seine 

Hinweise, er bereue nicht, dass er sein Leben für sie (die Privatklägerin), für ihre 

Beziehung geopfert habe bzw. er habe B._____ immer beschützen wollen, auch 

wenn sein Leben darunter gelitten habe (Urk. 3/10 S. 2).    

6.3.1.4  Diese geschilderte Ausgangslage sowie am Rande der Umstand, dass 

der Beschuldigte anfänglich die Vorwürfe von B._____ zu einem (kleinen) Teil an-

erkannte, spricht deutlich gegen grundlose oder übertriebene Anschuldigungen 

durch die Privatklägerin betreffend die nun gänzlich bestrittenen Anklagesachver-

halte. 

6.3.2  Motiv für Anzeige 

Der Beschuldigte und die Verteidigung machten vor Vorinstanz verschiedene 

Gründe geltend, weshalb die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin reduziert sei 

(Urk. 45). Die Vorinstanz hat sich damit auseinandergesetzt und die richtigen 

Schlüsse gezogen, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 80 S. 14-23; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend und teilweise ergänzend ist dazu  

festhalten: 

6.3.2.1  Eine Anzeigeerstattung der Privatklägerin gegen den Beschuldigten, um 

sich – aus welchem Grund auch immer – von einem Vergewaltigungsvorfall im 

L._____ durch einen Mann namens "…" reinzuwaschen (Urk. 45 S. 20), kann 

nicht bestätigt werden.  

Vielmehr ist aufgrund der einmütigen Aussagen der Privatklägerin und des Be-

schuldigten im Ergebnis davon auszugehen, dass die Privatklägerin ein solches 

Ereignis nur erfand. Sie tat dies, um den ständigen Befragungen des Beschuldig-

ten über intime Details aus ihrer Vergangenheit  zu genügen; auch sonst erzählte 

sie ihm aufgrund seiner Fragerei Dinge, die nicht der Wahrheit entsprachen, nur 

damit er befriedigt war und sie nicht mehr weiter – mit Schlägen – drankam 

(Urk. 2/5 S. 14; Urk. 2/6 S. 9 f.). Daher kann diese angebliche Vergewaltigung 

durch einen Landsmann der Privatklägerin weder Anlass zur Strafanzeige gegen 

-   39   - 

den Beschuldigten gebildet haben noch Aufschluss über Streitigkeiten bezüglich 

der Jungfräulichkeit der Privatklägerin geben (Urk. 80 S. 11 und 14 f.).  

6.3.2.2  Auch das Argument von Verteidigung und Beschuldigtem, die Privatklä-

gerin und die Zeugin F._____, die sich sehr ähneln würden, hätten sich nach der 

Dreierbeziehung gegen den Beschuldigten gewandt und ihn seit seiner Verhaf-

tung zu "vernichten" versucht, zielt ins Leere (Urk. 45 S. 7).  

Der Beschuldigte selber führte aus, es sei gut möglich, dass die beiden Frauen 

dies geplant und sich untereinander manipuliert hätten, weil sie ihn sehr geliebt 

hätten und sich nicht von ihm trennen konnten, beide nicht (Urk. 3/9 S. 4 f.; vgl. 

auch Gutachten Urk. 7/16 S. 66, wonach die Privatklägerin ihm gesagt habe, sie 

habe mit F._____ abgemacht, ihn in den Knast zu bringen). Anlässlich der Beru-

fungsverhandlung führte er aus (Urk. 124 S. 13), die Privatklägerin und F._____ 

hätten ihm Briefe mit Drohungen hinterlassen, sie würden es ihm zeigen und ihn 

vernichten. Neu führte der Beschuldigte aus, am tt. November 2009  

habe es bei seiner Tante einen Vorfall gegeben. Er habe sich im Zimmer seines 

Cousins am Computer das Facebook-Profilbild von F._____ angeschaut, als die 

Privatklägerin das Zimmer betreten habe. Die Privatklägerin sei sehr wütend ge-

worden und habe Drohungen ausgesprochen. Wie sich ein Komplott von F._____ 

und der Privatklägerin aber abgespielt haben soll, legen weder der Verteidiger 

noch der Beschuldigte dar und es finden sich auch keine Anhaltspunkte in den 

Akten. Im Gegenteil führten sowohl die Privatklägerin als auch die Zeugin 

F._____ übereinstimmend aus, dass sie letztmals im Herbst 2009 miteinander 

Kontakt hatten (Urk. 2/5 S. 19; Urk. 2/6 S. 3; Urk. 41 S. 2 und 7). Als Auskunfts-

person vor Vorinstanz bestätigte die Privatklägerin, jedenfalls seit der Anzeige 

vom 2. Dezember 2009 (Urk. 1/1) keinen Kontakt mehr mit F._____ gehabt zu 

haben (Urk. 56 S. 7). Das deckt sich mit dem ebenfalls kongruent deklarierten Ziel 

der beiden Frauen, sich definitiv vom Beschuldigten und der mit ihm zusammen-

hängenden Vergangenheit distanzieren zu wollen. Sodann ist nicht einzusehen, 

weshalb der Beschuldigte nicht bereits früher im Verfahren den Vorfall mit dem 

Facebook-Profilbild als Motiv für die Anzeigeerstattung genannt hatte. Das nun 

-   40   - 

behauptete Motiv erscheint unter diesen Umständen als nachgeschoben und  

entbehrt somit eines realen Hintergrundes. 

6.3.2.3  Zur Glaubwürdigkeit der Zeugin F._____ und der Glaubhaftigkeit von de-

ren Aussagen betreffend die Beziehung von Beschuldigtem und Privatklägerin ist 

an dieser Stelle festzuhalten, dass kein Grund erkennbar ist, weshalb sie den Be-

schuldigten zu Unrecht belasten sollte, auch wenn es sich bei ihr um seine  

Ex-Freundin handelt.  

Die Vorinstanz hat korrekt erwogen, dass es gegen eine Racheaktion der Zeugin 

F._____ beziehungsweise den Versuch, den Beschuldigten zu vernichten, spricht, 

dass die Zeugin sich bis zur Hauptverhandlung vom 23. Juni 2011 erfolgreich  

gegen eine Einvernahme wehrte. So liess sie sich mit einem ärztlichen Zeugnis 

attestieren, dass sie Angst vor den Reaktionen des Beschuldigten habe (Urk. 5/3, 

vgl. auch Urk. 32). Eine Entbindung ihres Psychiaters vom ärztlichen Berufsge-

heimnis lehnte sie in der Folge ebenfalls ab (Urk. 5/5 und 5/6). Auch an der Ein-

vernahme vom 23. Juni 2011 nahm sie nur teil, weil ihr im Vorfeld eine polizeiliche 

Vorführung angedroht worden war (Urk. 32 ff.; Urk. 37; Urk. 41 S. 6 : "Ich wollte 

auch heute nicht erscheinen ... aber jetzt musste ich ja kommen."). Weiter spricht 

gegen ein gezieltes Vorgehen der Zeugin zu Lasten des Beschuldigten, dass sie 

– trotz geltend gemachter körperlicher und psychischer Gewalt auch ihr gegen-

über (nämlich Tätlichkeiten und Drohungen, sexuelle Gewalt schloss sie demge-

genüber ausdrücklich aus, vgl. Urk. 41 S. 4) – selber keine Strafanzeige gegen 

den Beschuldigten deponierte. Details zu eigens Erlebtem nannte sie unter  

Berufung auf ihr diesbezügliches Zeugnisverweigerungsrecht nicht (Urk. 41 S. 4). 

Ihre Aussage, die ganze Geschichte sei für sie abgeschlossen (Urk. 41 S. 6), 

deckt sich mit dem geschilderten Verhalten und überzeugt. Gleiches ergibt sich 

aus dem nicht mehr auffindbaren Abschiedsbrief von damals, den sie aus freiem 

Willen und selbst geschrieben habe und worin sie dem Beschuldigten mitgeteilt 

hatte, nichts mehr mit ihm zu tun haben zu wollen (Urk. 41 S. 7).  

Anderseits ist wie gesehen aktenkundig, dass die Privatklägerin, der Beschuldigte 

und die Zeugin F._____ eine Art Dreierbeziehung führten. Das zeigt, dass sowohl 

zum Beschuldigten wie auch zur Privatklägerin eine gewisse Nähe bestand.  

-   41   - 

Weiter bleibt bei der Würdigung ihrer Aussagen zu beachten, dass die Zeugin 

F._____ nicht bloss eine kurze Affäre mit dem Beschuldigten hatte, sondern eine 

neunjährige Beziehung ab ihrem 15. Altersjahr (Urk. 41 S. 1), der Beschuldigte 

mithin einen Grossteil ihrer Adoleszenz und des frühen Erwachsenenlebens mit-

geprägt hatte. Weiter zu berücksichtigen ist, dass sie zusammen mit der Privat-

klägerin vom Beschuldigten abgehauen ist (Urk. 41 S. 6). Jedoch hat die Zeugin 

F._____ ausgeführt – und dies in Übereinstimmung mit der Privatklägerin (Urk. 56 

S. 7) –, dass sie ca. eine Woche, nachdem die den Brief geschrieben habe und 

mit der Privatklägerin abgehauen sei, den letzten Kontakt zu dieser gehabt habe 

(Urk. 41 S. 7). F._____ hat seit Ende 2009 erkennbar äusserlich und innerlich von 

der ganzen Angelegenheit Distanz gewinnen und sich von der gemeinsamen 

Vergangenheit mit dem Beschuldigten, seiner Person sowie der damit  

zusammenhängenden Beziehung zur Privatklägerin definitiv lösen können. Dass 

sie zur persönlichen Aufarbeitung und Bewältigung dieses Lebensabschnittes 

fachliche Hilfe beanspruchte (Urk. 5/3), führt zu keinem andern Schluss. Heute 

(gemeint anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 23. Juni 2011) gehe es ihr nicht 

gut, ansonsten aber eigentlich schon (Urk. 41 S. 6). F._____ erweist sich damit 

doch weitgehend als unabhängige Zeugin, auf deren Aussagen abgestellt werden 

kann.  

Somit deutet nichts darauf, dass sich die Privatklägerin und die Zeugin F._____  

abgesprochen und gegen den Beschuldigten verschworen hätten. Die entspre-

chende Behauptung des Beschuldigten und der Verteidigung ist nicht zu hören. 

Es ist der Vorinstanz zuzustimmen, wenn sie in Anbetracht der genannten Um-

stände zum Ergebnis gelangte, dass der Zeugin F._____ trotz der Verflechtung 

mit der Privatklägerin und dem Beschuldigten (Dreierbeziehung) eine beträchtli-

che Glaubwürdigkeit zukommt (Urk. 80 S. 31 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Vorder-

grund steht aber ohnehin der Inhalt der Aussagen. Wie sich zeigen wird, enthalten 

ihre Schilderungen weder Übertreibungsmerkmale noch Lügensignale, was für 

deren Glaubhaftigkeit spricht.  

An dieser Stelle ist auch der Beweisantrag des Beschuldigten, F._____ sei erneut 

als Zeugin einzuvernehmen (Urk. 125 S. 1, S. 9 f.), abzuweisen. Es kann auf die 

-   42   - 

bisherigen Aussagen von F._____ abgestellt werden. Hinsichtlich der Beziehung 

zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin sagte sie sehr  

zurückhaltend und überzeugend aus. Zu ihrer eigenen Beziehung zum Beschul-

digten schwieg sie und machte klar, dass die Vergangenheit mit dem Beschuldig-

ten für sie abgeschlossen sei. Die Entstehung, der Verlauf und das Ende der  

vorübergehend bestehenden Dreierbeziehung ist sodann für die Beweiswürdi-

gung der vorliegend eingeklagten Delikte unmassgeblich. Die Dreierbeziehung ist 

nicht Anklagegegenstand und daraus wird auch nichts zum Nachteil des Beschul-

digten abgeleitet. Daher ist folglich auch der Antrag, G._____ sei als  

Zeugin einzuvernehmen (Urk. 125 S. 2, S. 12 f.), abzuweisen, auch wenn diese 

gemäss neuen Schilderungen der Grund für das Auseinanderbrechen der Dreier-

beziehung gewesen sei. Es ist nicht ersichtlich, dass sie keine sachdienlichen 

Aussagen zu den eingeklagten Vorfällen machen könnte. 

6.3.2.4  Mit der Vorinstanz zu verwerfen ist weiter die Bezichtigung durch den  

Beschuldigten, die Privatklägerin wolle sich mit der Anzeige an ihm rächen, weil 

er mit seiner Ex-Freundin F._____ Kontakt gehabt habe (vgl. Urk. 80 S. 16). 

Weshalb die Privatklägerin, welche gemäss dem Beschuldigten das Zusammen-

leben zu Dritt initiiert haben soll (u.a. Urk. 3/5 S. 18), ihn aufgrund von Eifersucht  

gegenüber eben dieser Drittperson (F._____) anzeigen sollte, ist nicht  

ersichtlich. Folgte man seiner Argumentation, würde dies folgerichtig bedeuten, 

dass die Privatklägerin ihren Aufenthalt im Frauenhaus und die psychologische 

Unterstützung durch Dr.med. AB._____ sowie später Dr. phil. AH._____ aus Ra-

che gestützt auf ihre Eifersucht gegenüber F._____ in Anspruch genommen hätte. 

Für ein solch durchtriebenes Verhalten gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Ganz ab-

gesehen davon hat die Privatklägerin verneint, dass ein Zusammenleben zu Dritt 

ihre Idee gewesen sei ("sicher nicht"). Sie brauche das nicht, noch eine zweite 

Frau, sie habe ihn gewollt, nicht jedoch eine zweite Frau; das leuchtet wahrhaftig 

ein. Selbst wenn es ihre Meinung gewesen wäre, ihre Meinung habe nie gezählt 

(Urk. 2/6 S. 6).  

Die überaus bedachten Schilderungen sprechen gerade nicht dafür, dass die Pri-

vatklägerin den Beschuldigten "vernichten" wollte. So äusserte sie sich wiederholt 

-   43   - 

positiv über den Beschuldigten: dass es immer wieder schöne Momente und Tage 

in der Beziehung gegeben habe, als er kochte und lieb mit ihr gewesen sei 

(Urk. 2/2 S. 9), dass es sich bei ihm eigentlich um einen lieben Menschen handle 

(Urk. 2/1 S. 5).  

Auch die Vorwürfe der Privatklägerin fielen, wie teilweise schon aufgezeigt,  

zurückhaltend aus. Die Privatklägerin vermied es auf konkrete Vorhalte offensicht-

lich, den Beschuldigten übermässig und somit zu Unrecht zu belasten: es habe 

freiwilligen Geschlechtsverkehr gegeben (u.a. Urk. 2/2 S. 9), die Vergewaltigung 

habe lediglich ein paar Minuten gedauert und er habe nicht versucht, anal in sie 

einzudringen (Urk. 2/2 S. 8; Urk. 2/3 S. 4 f.), er habe ihren Kopf (lediglich) 2-3 Mal 

gegen den Baum geschlagen (Urk. 2/3 S. 12), er habe sie (nur) ein paar Sekun-

den mit beiden Händen am Hals gepackt (Urk. 2/4 S. 12 f.), es sei ihr schwindlig 

geworden, aber sie sei nicht ohnmächtig geworden (Urk. 2/4 S. 13), er habe das 

Kissen nicht lange, (nur) ein paar Sekunden auf ihr Gesicht gedrückt (Urk. 2/4 

S. 15), von den Schlägen in ihr Gesicht habe sie zum Teil zwischendurch Nasen-

bluten gehabt (Urk. 2/4 S. 15), es sei (nur) einmal zu Urinabgang gekommen 

(Urk. 2/4 S. 13 und 15). Ferner verneinte sie auf entsprechende Frage, dass der 

Beschuldigte sie jemals mit einem Messer oder einer Schusswaffe bedroht habe 

(Urk. 2/4 S. 18 f; Urk. 2/1 S. 3) und erklärte andernorts, an diesem Tag habe er 

keinen Gurt eingesetzt (Urk. 2/5 S. 5 f.). Wenn sie schlussendlich etwas nicht 

mehr wusste, deklarierte sie dies offen und füllte die Erinnerungslücke nicht  

einfach mit einer Behauptung (z.B. Urk. 2/5 S. 3).  

Der Rachevorwurf im Zusammenhang mit der Ex-Freundin des Beschuldigten, 

F._____, findet in den Akten keine Stütze. Viel eher zutreffend und im  

Einklang mit ihren eigenen Depositionen erscheint demgegenüber die Erklärung 

der Privatklägerin, sie wolle sich nicht am Beschuldigten rächen, sondern ihre 

Aussagen würden die Realität zeigen und er solle zugeben, was er gemacht habe 

(Urk. 2/5 S. 13).  

6.3.2.5  Im angefochtenen Urteil hat sich die Vorinstanz sodann einlässlich mit der 

anderweitigen Behauptung des Beschuldigen befasst, der Hauptgrund für die 

(vermeintliche) Rache der Privatklägerin sei ihre Familie gewesen, nämlich der 

-   44   - 

Vater der Privatklägerin (Urk. 3/9 S. 6). Auch dieser Einwand wurde im angefoch-

tenen Urteil unter Würdigung der diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten 

sowie von Mitgliedern beider Familien zutreffend entkräftet (vgl. Urk. 80 S. 17-23; 

Art. 82 Abs. 4 StPO), was sich folgendermassen zusammenfassen lässt:  

Es ist richtig, dass zwischen den beiden Nationalitäten L._____ (Familie der  

Privatklägerin) sowie K._____ (Familie des Beschuldigten) divergierende  

Bräuche und Gepflogenheiten herrschen und die zwei Familien ob der Beziehung 

der Privatklägerin und des Beschuldigten in Probleme gerieten. Insbesondere die 

Familie der Privatklägerin tat sich offenbar schwer mit der Verbindung. Die Privat-

klägerin war erheblichem familiären Druck ausgesetzt. Wie sie schlüssig ausführ-

te, akzeptierte ihre Familie nicht, dass sie sich selber einen Mann aussuchte und 

dann auch noch mit ihm zusammenzog, was der Tradition widersprach. Vor die 

Wahl gestellt, entschied sich die Privatklägerin für den Beschuldigten und wandte 

sie sich von ihrer eigenen Familie ab. Ein Jahr lang hatte sie laut ihren Angaben 

keinen Kontakt zu dieser (Urk. 2/2 S. 9 und Urk. 2/5 S. 10 f.; gemäss dem Vater 

der Privatklägerin, T._____, bestand ca. zwei Jahre lang kaum Kontakt, vgl. Urk. 

4/19 S. 18). Aufgrund der Zeugenaussagen von Mitgliedern beider Familienseiten 

steht jedoch fest, dass die Spannungen zwischen den Familien nach einigen Mo-

naten bzw. spätestens nach einem Jahr beigelegt werden konnten und mit Hilfe 

eines Verwandten der Familie … [von B._____] Frieden geschlossen wurde. Man 

traf sich in der Folge dann auch, ass zusammen und telefonierte. Dieser Frieden  

wurde gemäss den genannten Zeugen vor der Anzeige der Privatklägerin  

geschlossen. Wie mehrere Zeugen einhellig ausführten, hätte die Privatklägerin 

ab dann ihre Familie immer besuchen können, wenn sie dies gewollt hätte. Doch 

sie habe dies nicht gewollt (vgl. Urk. 4/21 S. 3 und 9; Urk. 4/25 S. 11 und 13; laut 

der Privatklägerin hat der Beschuldigte ihr das untersagt). Dieses Faktum eines 

praktisch fehlenden Kontaktes zwischen der Privatklägerin und ihrer Familie  

ändert nichts, dass die beiden Familien im Zeitpunkt der Anzeige versöhnt waren, 

womit das Argument eines allfälligen Racheaktes von Seiten der Familie der  

Privatklägerin als Hintergrund der Anzeige entfällt. Die aufrechterhaltene Distanz 

zur angestammten Familie veranschaulicht vielmehr den nach wie vor bestehen-

den herkunftsbedingten Zwiespalt der Privatklägerin und gleichermassen ihre 

-   45   - 

konsequente Haltung zum einst selber gefällten Entscheid, indem sie ihre Familie 

nicht mit ihrem Kummer behelligen wollte.   

Abgesehen davon bestanden die Spannungen zwischen den beiden Familien im 

Wesentlichen darin, dass man nicht miteinander sprach. Drohungen der Familie 

… [von B._____] gegenüber der Familie … [von A._____] oder gegenüber dem 

Beschuldigten wurden einzig vom Bruder des Beschuldigten, dem Zeugen 

I._____ erwähnt, und auch dies erst auf Ergänzungsfrage des Beschuldigten am 

Schluss der Einvernahme sowie zu einem frühen Stadium (vgl. Urk. 4/22 S. 14: 

Frage: "Hat der ältere Bruder von B._____ mir jemals gedroht, mich umzubrin-

gen?" Antwort: "Ja, das war am Anfang so. Eben, er war nicht einverstanden da-

mit und er sagte am Telefon, er wolle nichts mit K._____ zu tun haben, … 

[Staatsangehörige von K._____] seien für ihn gestorben. Und er solle nicht mehr 

anrufen oder versuchen, Frieden zu schliessen, denn sonst knalle es."). Damit ist 

davon auszugehen, dass es sich bei der erwähnten Drohung um einen singulären 

Ausspruch des älteren Bruders der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten 

per Telefon handelte, und zwar zu Beginn der Beziehung zwischen der Privatklä-

gerin und dem Beschuldigten, als die Familien noch im Streit lagen. Es war mithin 

vor allem der ältere Bruder der Privatklägerin, der sich zunächst nicht mit der Ver-

bindung von Privatklägerin und Beschuldigtem abfinden konnte, und nicht deren 

Vater oder gar die ganze Sippschaft. T._____ und der Beschuldigte haben denn 

auch nach dem Verschwinden der Privatklägerin am tt. November 2009 gemein-

sam nach der Tochter / Partnerin gesucht (Urk. 3/6 S. 2 und Urk. 4/19 S. 7 f.), 

was bei Fortbestehen der Familienstreitigkeit und Ausstossen der Tochter wohl 

undenkbar gewesen wäre. Als die Privatklägerin ihren Vater vom Frauenhaus aus 

anrief, habe sie ihm nur gesagt, dass sie den Beschuldigten nicht mehr liebe, 

sonst nichts (Urk. 4/19 S. 10). Dass sie vom Beschuldigten geschlagen worden 

sei, habe er erst durch den Brief aus dem Frauenhaus erfahren. Die Privatklägerin 

habe ihm vor diese