# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e26c9efc-1542-5249-bd4c-000e668c9cdb
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-08-20
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009
**Docket/Reference:** DB.2012.116
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_1361960626.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

2. Abteilung 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

Entscheid 

20. August 2012 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Marcus Thalmann und Gerichtsschreiberin Nadja Obreschkow 

1.  A ,    

2.  B ,    

vertreten durch STW Consult AG,  
Bösch 65, 6331 Hünenberg,  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Nord,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2009 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A.  Aus  der  Berechnung,  welche  A  und  B  (nachfolgend  die  Pflichtigen)  der 

Steuererklärung  2009  beigelegt  hatten,  sowie aus  dem  Begleitschreiben  ihrer  damali-

gen  Vertreterin,  C  AG,  ging  hervor,  dass  sie  einen  getrennten  Wohnsitz  (Ehemann: 

Gemeinde  D/ZH,  Ehefrau:  Gemeinde  E/GR  bei  intakter  Ehe  geltend  machten.  In  der 

Beweisauflage  vom  14.  April  2011  ersuchte  der  Steuerkommissär  die  Pflichtigen  um 

diverse  Beweisleistungen.  Dabei  verlangte  er  unter  anderem  den Nachweis  über  den 

Kauf  und  Verkauf  der  Liegenschaften  in  der  Gemeinde  E  und  über  die  geltend  ge-

machten  beruflichen  Fahrkosten.  Im  Übrigen  sprach  er  das  Problem  des  getrennten 

Wohnsitzes nicht an. Die C AG, reichte am 6. Mai 2011 verschiedene Unterlagen ein. 

In  der  Veranlagungsverfügung  für  die  direkte  Bundessteuer  2009  vom  17.  Mai  2011 

setzte der Steuerkommissär das steuerbare Einkommen auf Fr. 206'900.- fest. Gleich-

zeitig  erliess  er  den  Einschätzungsentscheid  für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern 

2009  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 216'900.-  und  einem  steuerbaren 

Vermögen von Fr. 29'000.- (satzbestimmend: Fr. 95'000.-). In beiden Entscheiden ging 

der  Steuerkommissär  davon  aus,  dass  sich  der  Wohnsitz  beider  Pflichtigen  im  Jahr 

2009 im Kanton Zürich befand.  

B.  Mit  Eingabe  vom  10.  Juni  2011  erhob  die  C  AG  namens  der  Pflichtigen 

Einsprache gegen diese Entscheide und machte einen getrennten Wohnsitz (bei intak-

ter Ehe) für die Monate Mai bis Dezember 2009, berufsbedingte Fahrkosten der Pflich-

tigen  für  die  Strecke  Gemeinde  E  -  Zürich  und  die  Kosten  eines  berufsbedingten  Ar-

beitszimmers der Pflichtigen in der Gemeinde E geltend. Am 15. Juli 2011 schlug das 

kantonale  Steueramt  den  Pflichtigen  den  Rückzug  der  Rechtsmittel  vor  und  ersuchte 

sie gleichzeitig für den Fall einer Ablehnung dieses Vorschlags um diverse Beweisleis-

tungen.  Nachdem  dieser  Vorschlag  (offenbar)  unbeantwortet  geblieben  war,  erliess 

das kantonale Steueramt am 17. Januar 2012 eine weitere Beweisauflage, welche es 

nach  ungenutztem  Ablauf  der  Frist  am  12.  März  2012  mahnte.  Die  C  AG  reichte 

schliesslich  am  26.  März  2012  weitere  Unterlagen  ein.  Am  12.  April  2012  hiess  das 

kantonale  Steueramt  die  Einsprachen  teilweise  gut  und  setzte  das  steuerbare  Ein-

kommen  neu  auf  Fr. 205'300.-  (direkte  Bundessteuer)  und  Fr. 215'300.-  (Staats-  und 

Gemeindesteuern) fest. Die Faktoren des steuerbaren und satzbestimmenden Vermö-

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

gens liess es gegenüber dem Einschätzungsentscheid unverändert. In beiden Einspra-

cheentscheiden  liess  das  kantonale  Steueramt  neu  zusätzlich  zu  den  bereits  ange-

rechneten  Fahrkosten  des  öffentlichen  Verkehrs  berufsbedingte  Autofahrkosten  der 

Pflichtigen  in Höhe von  Fr. 1'613.- für  die Strecke  Gemeinde  D  –  Stadt  Zürich  zu.  Im 

Übrigen bestätigte das kantonale Steueramt die angefochtenen Entscheide.  

C.  Am  12./14.  Mai  2012  erhob  die  STW  Consult  AG  namens  der  Pflichtigen 

Beschwerde und Rekurs gegen diese Einspracheentscheide und beantragte, der steu-

errechtliche Wohnsitz der Pflichtigen im Kanton Graubünden sei anzuerkennen. Sofern 

diesem  Antrag  nicht  entsprochen  werde,  werde  ein  gemeinsamer  steuerrechtlicher 

Wohnsitz  der  Pflichtigen  im  Kanton  Graubünden  beantragt.  Die  Pflichtigen  würden  in 

ungetrennter  Ehe  leben  und  seien  beide  erwerbstätig.  Per  1.  April  2009  habe  die 

Pflichtige  den  Wohnsitz  primär  aus  gesundheitlichen  Gründen  (schweres  Asthma)  in 

die Gemeinde E verlegt. Sie arbeite bei einer Anstalt des Kantons Zürich im Aussen-

dienst und halte sich die ganze Woche und an den Wochenenden in Gemeinde E auf. 

Alle  zwei  Wochen  arbeite  sie  beim  Arbeitgeber,  wo  ihr  kein  eigener  Arbeitsplatz  zur 

Verfügung stehe. Sie nutze den Arbeitsplatz, der gerade frei sei. Der Pflichtige, der in 

Zürich  in  der  Gesundheitsbranche  arbeite,  halte  sich  unter  der  Woche  in  der  2 ½-

Zimmerwohnung in der Gemeinde D auf. Die Wochenenden würden beide Pflichtigen 

mit wenigen Ausnahmen in ihrer Wohnung in dem von ihnen geplanten und gebauten 

Mehrfamilienhaus in der Gemeinde E verbringen. Dieses Haus bilde den Familienmit-

tel- und -treffpunkt. Eine Wohnung sei von ihren vier Kindern, eine weitere von einem 

Verwandten übernommen worden. Die Wochenenden würden die Pflichtigen fast aus-

schliesslich in Gemeinde E verbringen, wo der Vater des Pflichtigen aufgewachsen sei. 

Die Pflichtige erledige ihre Arbeit grundsätzlich von zu Hause aus. Die Arbeiten vor Ort 

würden  an  einem  Tag  erledigt.  Telefonische  Abklärungen  seien  häufig  möglich,  so 

dass keine Reisetätigkeit anfalle. Im Hinblick auf die Erstellung des Dreifamilienhauses 

in  der  Gemeinde  E  sei  die  Wohnung  in  der  Gemeinde  D  durch  eine  kleinere  2  ½-

Zimmerwohnung  ersetzt  worden.  Die  Pflichtigen  nähmen  weder  in  der  Gemeinde  D 

noch in der Gemeinde E am Vereinsleben teil. Hingegen würden sie persönliche Kon-

takte zu Verwandten und Bewohnern in der Gemeinde E pflegen.  

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

In der Beschwerde- und Rekursantwort vom 30. Mai 2012 beantragte das kan-

tonale Steueramt die Abweisung der Rechtsmittel und verzichtete im Übrigen auf eine 

Stellungnahme zur Sache.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 StHG sowie § 3 Abs. 1 des Steuergesetztes vom 

8.  Juni  1997  (StG)  sind  natürliche  Personen  im  Kanton  Zürich  aufgrund  persönlicher 

Zugehörigkeit  steuerpflichtig,  wenn  sie  ihren  steuerrechtlichen  Wohnsitz  oder  Aufent-

halt im Kanton haben. Sodann bestimmt Art. 216 des Bundesgesetzes über die direkte 

Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG), dass die kantonalen Behörden die di-

rekte Bundessteuer von den natürlichen Personen erheben, die am Ende der Steuer-

periode  ihren  steuerrechtlichen  Wohnsitz  im  Kanton  haben.  Der  steuerrechtliche 

Wohnsitz befindet sich laut Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG dort, wo die Person 

sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Diesfalls ist die Steuerpflicht kraft 

§ 5 Abs. 1 StG unbeschränkt, mit anderen Worten erstreckt sie sich grundsätzlich auf 

das  gesamte  Einkommen  und  Vermögen  des  Steuerpflichtigen.  Art.  3  StHG  enthält 

demnach  eine  Regel  zur  Vermeidung  eines  interkantonalen  Doppelbesteuerungskon-

flikts. In diesem Sinn liegt mithin eine bundesrechtliche Kollisionsnorm zum interkanto-

nalen  Steuerrecht  vor.  Somit  bilden  Art.  3  Abs.  1  und  2  StHG  die  Grundlage  für  die 

Abgrenzung  der  unbeschränkten  Steuerhoheit.  Die  langjährige  bundesgerichtliche 

Rechtsprechung,  welche  sich  gestützt  auf  Art.  46  Abs.  2  der  Bundesverfassung  vom 

29. Mai  1874  (aBV)  sowie  später  Art.  127  Abs.  3  der  Bundesverfassung  vom 

18. April 1999 (BV) entwickelt hat, dient weiterhin als massgebliche Auslegungshilfe.  

b) Laut dieser Rechtsprechung des Bundesgerichts steht die Besteuerung des 

Einkommens  und  beweglichen  Vermögens  unselbstständig  erwerbender  Personen 

dem Kanton zu, in welchem sie ihren Wohnsitz haben. Unter Wohnsitz ist dabei in der 

Regel der zivilrechtliche Wohnsitz zu verstehen, d.h. der Ort, an welchem sich die Per-

son  in  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält  (Art.  23  Abs.  1  ZGB),  wo  sich  der 

Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet (BGr, 9. Oktober 2006, 2P.86/2006, E. 2.2.1; 

25. Januar  2006,  2P.171/2005,  E.  2.2;  17.  Juni  2005,  2P.180/2003,  E.  2.1;  7. Januar 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

2004, 2P.2/2003, E. 2.2; BGE 123 I 289, E. 2a, 293; StR 1994, 580 ff.; ASA 63, 836). 

Dem polizeilichen Domizil,  wo die Schriften hinterlegt sind und die politischen Rechte 

ausgeübt  werden,  kommt  dagegen  keine  entscheidende  Bedeutung  zu.  Beides  sind 

bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz bilden kön-

nen, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht (BGE 125 I 54 E. 2; StE 

1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2a, mit Hinweisen). 

c)  Hält  sich  eine  Person  abwechslungsweise  an  zwei  oder  mehreren  Orten 

auf, ist für die Bestimmung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort 

die Person die stärkeren Beziehungen unterhält (BGE 125 I 54, E. 2). Der Lebensmit-

telpunkt  bestimmt  sich dabei  nach  den äusseren  Umständen,  aus  denen  sich die Le-

bensinteressen  erkennen  lassen,  und  nicht  bloss  nach  den  erklärten  Wünschen  der 

steuerpflichtigen Person (BGE 125 I 54, E. 2; 123 I 289, E. 2b). Auf die gefühlsmässige 

Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerliche Wohnsitz ist nicht unge-

achtet der tatsächlichen Verhältnisse frei wählbar (BGE 123 I 289, E. 2b; 113 Ia 465, 

E. 3).  Die  Frage,  zu  welchem  Aufenthaltsort  der  Steuerpflichtige  die  stärkeren  Bezie-

hungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu 

beurteilen (BGr, 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2b, mit 

Hinweisen). Bei der Bestimmung des Steuerdomizils kann neben den Verhältnissen in 

der  Bemessungsperiode  auf  die  weiteren,  bis  zum  letztinstanzlichen  Entscheid  über-

blickbaren Umstände abgestellt werden (BGr, 1. Oktober 1996, 2P.242/1994, E. 1b). 

d)  Jeder  Ehegatte  kann  einen  eigenen  steuerrechtlichen  Wohnsitz  haben, 

ohne dass die Ehe deshalb als tatsächlich getrennt zu betrachten wäre. Voraussetzung 

dafür  ist  der  Fortbestand  der  ehelichen  Gemeinschaft  und  die  gemeinsame  Verwen-

dung der Mittel (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 3 N 23 StG).  

e)  Es  obliegt  der  Steuerbehörde,  jene Umstände  darzutun  und  zu  beweisen, 

aus denen folgt, dass sich der Wohnsitz einer natürlichen Person im Kanton befindet. 

Denn  gemäss  dem  generellen  Grundsatz  über  die  Beweislastverteilung  (Art.  8  ZGB) 

haben im Allgemeinen die Steuerbehörden die steuerbegründenden Tatsachen zu be-

weisen,  mithin  auch  jene,  welche  die  Steuerhoheit  begründen.  Erscheint  der  vom 

Steueramt  angenommene  Wohnsitz  im  Kanton  als  sehr  wahrscheinlich,  genügt  dies 

regelmässig  als  Hauptbeweis  und  liegt  es  alsdann  an  der  betreffenden  Person,  den 

Gegenbeweis  für  den  von  ihr  verfochtenen  anderen  Lebensmittelpunkt  zu  erbringen 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

(StE  1992  B  11.1  Nr.  11).  Der  strikte  Beweis  ist  somit  nicht  erforderlich.  All  das  gilt 

auch dann,  wenn  sich  der  steuerliche Wohnsitz bis  anhin im  Kanton  Zürich befunden 

hat  und  -  wie hier  -  streitig  ist,  ob  er  sich an  einen  ausserkantonalen  Ort  verschoben 

hat (vgl. RB 1984 Nr. 28 = StE 1984 B 11.1 Nrn. 2 und 3). 

f)  Laut  §  132  Abs.  1  StG  stellen  die  Steuerbehörden  zusammen  mit  dem 

Pflichtigen die für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden tatsächli-

chen  und  rechtlichen  Verhältnisse  fest  (Kooperationsmaxime;  Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, § 132 N 1 ff. StG mit Hinweisen, auch zum Folgen-den). Die Verfahrens-

instruktion liegt bei der zuständigen Behörde (Prozessmaxime des Amtsbetriebs); die-

se  besorgt  ausschliesslich  die  Verfahrensleitung  (Alfred  Kölz,  Prozessmaximen  im 

schweizerischen  Verwaltungsprozess,  1974,  S.  9).  Die  Steuerpflichtigen  sind  daher, 

abgesehen  von  der  Pflicht  zur  Einreichung  der  Steuererklärung,  nicht  gehalten,  aus 

eigener Initiative tätig zu werden. 

g)  Leitet  die  Veranlagungsbehörde  im  Einschätzungsverfahren,  das  grund-

sätzlich von der Untersuchungsmaxime beherrscht ist, ein Beweisverfahren zur Abklä-

rung  von  steuerbegründenden oder  steuererhöhenden Tatsachen  ein,  so hält  sie den 

Steuerpflichtigen  zur  Mitwirkung  an.  Als  Ausfluss  aus  dem  Grundsatz  des  rechtlichen 

Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  BV)  sind  die  Steuer-pflichtigen  indessen  nicht  nur  zur  Mitwir-

kung verpflichtet (§ 135 Abs. 1 StG), sondern auch berechtigt, Beweisanträge zu stel-

len, an der Beweiserhebung mitzuwirken und sich zum Ergebnis des Beweisverfahrens 

zu  äussern  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Art.  123  N  19  DBG).  Die  Beweisauflage 

muss daher so formuliert sein, dass sie dem Steuerpflichtigen die Möglichkeit einräumt, 

diese  Rechte  auch  auszuüben.  Erst  nach  Abschluss  des  Beweisverfahrens  ist  unter 

Würdigung  sämtlicher  Beweismittel  zu prüfen,  ob  der  Beweis  erbracht  wurde (Grund-

satz der freien Beweiswürdigung). Eine so genannte antizipierte Beweiswürdigung, bei 

der  die  Behörde  befugt  ist,  auf  gewisse  Beweiserhebungen  zu  verzichten,  ist  nur  zu-

lässig,  falls  die  entsprechenden  Beweismittel  nach  den  Erkenntnissen  der  Lebenser-

fahrung  nicht  zur  Klärung  des  Sachverhalts  beitragen  (Martin  Zweifel,  Die  Sachver-

haltsermittlung im Steuerveranlagungsverfahren, 1989, S. 24). 

h) Das Steuerrekursgericht hat gemäss § 149 Abs. 2 StG die Steuerfaktoren 

grundsätzlich  nach  seinen  eigenen  Erhebungen  festzustellen  (RB  ORK  1958  Nr.  44). 

Ausnahmsweise kann es zwecks Wahrung des gesetzlichen Instanzenzugs die Sache 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

mit  verbindlichen  Weisungen  an  die  Vorinstanz  zurückweisen,  namentlich,  wenn  zu 

Unrecht  noch  kein  materieller  Entscheid  getroffen  wurde  oder  wenn  dieser  an  einem 

schwerwiegenden  Verfahrensmangel  leidet  (§  149  Abs.  3  StG).  Bedeutsame  Verfah-

rensmängel  kann  das  Gericht  nicht  heilen,  da  der  gesetzlich  vorgeschriebene  Instan-

zenzug  unzulässigerweise  verkürzt  und  die  untere  Einschätzungs-  bzw.  Rechtsmittel-

behörde  praktisch  von  der  Einhaltung  eines  korrekten  Verfahrens  dispensiert  würde 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 149 N 31 f. StG, auch zum Folgenden). Von einem 

bedeutsamen Verfahrensmangel ist gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts 

insbesondere  dann  auszugehen,  wenn  über  ein  wesentliches  Element  des  Sachver-

halts keine Untersuchung geführt wurde (RB 2001 Nr. 93, RB 2000 Nr. 130 = StE 2002 

B 93.5 Nr. 23 = ZStP 2001, 39; ZStP 2000, 291). 

i)  Im  Einschätzungs-  und  Einspracheverfahren  führte  der  Steuerkommissär 

zwar  ein  Beweisverfahren  zur  Abklärung  diverser  Punkte  durch.  Die  von  den  Pflichti-

gen  in  diesem  Zusammenhang  eingereichten  Unterlagen  können  teilweise  auch  zur 

Beurteilung eines allfälligen getrennten Wohnsitzes verwendet werden. Indessen unter-

liess  es  der  Steuerkommissär,  die  Frage  des  getrennten  Wohnsitzes  explizit  im  Be-

weisverfahren anzusprechen. Das Vorbringen der Pflichtigen in der Rekursschrift mag 

angesichts  der  allgemeinen  Lebenserfahrung  als  wenig  glaubwürdig  erscheinen. 

Gleichwohl geht es nicht an, im Sinn einer antizipierten Beweiswürdigung auf ein Be-

weisverfahren  gänzlich  zu  verzichten.  Ein  solches  ist  nicht  zuletzt  zur  Wahrung  des 

rechtlichen Gehörs notwendig.  

Auf  Grund  der  vorliegenden  Aktenlage  sind  wesentliche  Aspekte  des  Sach-

verhalts  nicht  genügend  substanziiert  und/oder  nicht  nachgewiesen.  So  sind  der  Auf-

enthaltsort der Pflichtigen unter der Woche, die mit dem Auto zurückgelegten Strecken, 

die berufsbedingten Abklärungen vor Ort und die persönlichen Beziehungen der Pflich-

tigen unter der Woche weder substanziiert noch nachgewiesen. Unklar ist auch, ob und 

wann sich  die Pflichtige am Wohnsitz  des  Ehegatten  in  der Gemeinde D  aufhielt  und 

ob sie dort persönliche Beziehungen zu Drittpersonen pflegte. Auffallend ist in diesem 

Zusammenhang, dass der Autoservice am 23. Oktober 2009 von einer Garage in der 

Gemeinde D durchgeführt wurde. Zudem liegt keine Erklärung vor, weshalb die Pflich-

tige  am  28.  Oktober  2009  einen  hälftigen  Miteigentumsanteil  an  der  3  ½-Zimmer-

Eigentumswohnung  an  der  ……strasse  in  der  Gemeinde  D  erwarb,  wenn  sie  diese 

nicht  zu  nutzen  gedachte.  Schliesslich  behauptete  der  Vertreter  in  der  Rekursschrift 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

eine Reduktion des Arbeitspensums der Pflichtigen auf 80% (per wann?), was der Bes-

tätigung des Arbeitsgebers vom 9. November 2010 zu widersprechen scheint, wo von 

einem vollen Pensum die Rede ist.  

Nach  dem  Gesagten  erscheint  das  unterlassene  Beweisverfahren  im  Ein-

schätzungsverfahren als bedeutsamer Verfahrensmangel, der nicht vom Steuerrekurs-

gericht  geheilt  werden  kann.  Die  Sache  ist  daher  in  teilweiser  Gutheissung  von  Be-

schwerde und Rekurs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das kantonale Steueramt ist 

im zweiten Rechtsgang gehalten, den rechtserheblichen Sachverhalt umfassend abzu-

klären,  damit  eine  Beurteilung  des  steuerrechtlichen Wohnsitzes  der  Pflichtigen  mög-

lich ist.  

2. Da die Abzugsfähigkeit der geltend gemachten Fahrkosten bzw. der Kosten 

für  das  private  Arbeitszimmer  letztlich  von  den  Steuerbehörden  desjenigen  Kantons 

beurteilt werden muss, welchem die Steuerhoheit über die Pflichtigen zukommt, ist auf 

die  diesbezüglichen  Anträge  der  Pflichtigen  vorliegend  in  Anbetracht  des  Verfah-

rensausgangs nicht weiter einzugehen. 

3. Da das kantonale Steueramt das Verfahren verursacht hat, sind die Kosten 

der  Beschwerdegegnerin/dem  Rekursgegner  aufzuerlegen  (Art.  144  Abs.  1  DBG  und 

§ 151  StG).  Parteientschädigungen  sind  nicht  zuzusprechen  (Art.  144  Abs.  4  DBG 

i.V.m. Art. 64 Abs. 1-3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968; 

§ 152  StG  i.V.m.  §  17  Abs.  2  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  vom  24.  Mai 

1959/22. März 2010). 

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom 

12. April  2012  wird  aufgehoben  und  die  Sache  wird  im  Sinn  der  Erwägungen  an 

das kantonale Steueramt ins Veranlagungsverfahren zurückgewiesen.  

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

2.  Der  Rekurs  wird  teilweise  gutgeheissen.  Der  Einspracheentscheid  vom  12.  Ap-

ril 2012 wird aufgehoben und die Sache wird im Sinn der Erwägungen an das kan-

tonale Steueramt ins Einschätzungsverfahren zurückgewiesen.  

[…] 

2 DB.2012.116 
2 ST.2012.132