# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ab910d8-6c6a-5851-bd19-5081c5825985
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 E-2282/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2282-2009_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­2282/2009

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Walter Stöckli, Richter Jean­Pierre Monnet,
Gerichtsschreiberin Néomie Nicolet.

Parteien A._______,
B._______,
C._______,
D._______,
Eritrea,
alle vertreten durch E._______, Advokatur Kanonengasse,
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 10. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A.  
Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  (ein 
religiös  getrautes  Paar  mit  ihren  beiden  Kindern)  ihren  Heimatstaat 
Eritrea am 11. September 2007 und reisten über den Sudan, Libyen und 
Italien  am  14.  November  2007  von  Italien  her  kommend  illegal  in  die 
Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchten.  Anlässlich  der 
Kurzbefragungen  vom  21. November  2007  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  F._______  und  der  Anhörungen  vom  13. 
Dezember 2007 zu den Asylgründen machten die Beschwerdeführenden 
im Wesentlichen Folgendes geltend:

Der  Beschwerdeführer  sei  in  Asmara,  wo  die  Familie  ihren  Wohnsitz 
gehabt  habe,  als  Händler  tätig  gewesen.  Ein  Freund  habe  die  Ware, 
hauptsächlich  Kleider,  aus  dem  Ausland  geholt  und  er  (der 
Beschwerdeführer)  habe  diese  anschliessend  an  die  Läden  verteilt.  Bei 
schlechtem  Geschäftsgang  habe  er  nebenbei  als  Taxichauffeur 
gearbeitet. Ab April  2007 sei er  von Soldaten mehrfach angehalten und 
des  illegalen  Devisenhandels  und  der  Fluchthilfe  bezichtigt  worden.  Er 
habe jeweils hohe Geldbeträge zahlen müssen. Als Soldaten später auch 
bei  ihnen  (Beschwerdeführenden)  zuhause  vorbeigekommen  seien, 
hätten sie sich gezwungen gesehen, das Land zu verlassen. 

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  eritreische 
Identitätskarte zu den Akten.

B. 
Am  (…)  wurde  das  (nicht  rubrizierte)  Kind  G._______  der  erst­  und 
zweitrubrizierten  Beschwerdeführenden  geboren  und  in  der  Folge  vom 
Beschwerdeführer als das seine anerkannt. 

C. 
Mit Verfügung vom 10. März 2009 – eröffnet am 11. März 2009 – lehnte 
das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete 
deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Das  Bundesamt  verzichtete 
zufolge  Unzulässigkeit  auf  den  Vollzug  der Wegweisung  und  gewährte 
den Beschwerdeführenden die vorläufige Aufnahme. Auf die Begründung 
wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

D. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  8.  April  2009  (gemäss  Poststempel) 

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beantragten  die  Beschwerdeführenden  die  Aufhebung  der  Ziffern  1 
(Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft)  und  2  (Ablehnung  der 
Asylgesuche)  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme 
sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  für  die  Verfahrenskosten  und  den  Verzicht  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. 

E. 
Mit  Verfügung  vom  15.  April  2009  bestätigte  das 
Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde.

F. 
Mit Verfügung vom 17. April 2009 verzichtete die Instruktionsrichterin auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses und hielt  fest, über die weiteren 
Anträge werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Gleichzeitig wurde 
der Vorinstanz Frist gesetzt zur Vernehmlassung.

G. 
Am 1. Mai 2009 reichte das BFM eine Vernehmlassung ein, mit welcher 
es die Abweisung der Beschwerde beantragte. Für die Begründung wird, 
soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen.

Das  Bundesverwaltungsgericht  brachte  die  Vernehmlassung  den 
Beschwerdeführenden am 5. Mai 2009 zur Kenntnis und gewährte Frist 
zur Stellungnahme. 

Mit Replik vom 25. Mai 2009 hielten die Beschwerdeführenden an  ihren 
Beschwerdeanträgen fest. Für den Inhalt wird, soweit wesentlich, auf die 
Erwägungen verwiesen.

H. 
Am  18.  März  und  am  16.  Dezember  2010  ergänzten  die 
Beschwerdeführenden  ihre  Beschwerde.  Auf  den  Inhalt  der 
Beschwerdeergänzungen  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen 
eingegangen. 

I. 
Mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2011 wurde der Vorinstanz Frist 
gewährt für eine ergänzende Vernehmlassung.

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Mit Vernehmlassung vom 21. Februar 2011 hielt das BFM unter Verweis 
auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen  an  seinem 
Abweisungsantrag fest.

Die  Vernehmlassung wurde  den Beschwerdeführenden  am  24.  Februar 
2011 zur Kenntnis gebracht. 

J. 
Mit Begleitschreiben vom 5. Juli 2011 reichten die Beschwerdeführenden 
weitere  Beweismittel  (Arztzeugnis  vom  […]  2011  und  ­bericht  vom  […] 
2011) zu den Akten und ersuchten erneut um beschleunigte Behandlung 
ihres  Verfahrens.  Auf  deren  Inhalt  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
Erwägungen eingegangen. 

K. 
Am  14.  September  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  der 
Beschwerdeführenden eine Kostennote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

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1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
rubrizierten  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der 
Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde 
ist einzutreten.

Die Verfügung der Vorinstanz vom 10. März 2009 erging nicht betreffend 
das am (…) geborene Kind. Mangels formeller Beschwer ist es nicht zur 
Beschwerde  legitimiert.  Dieses,  welches  auch  in  der  Beschwerde  nicht 
erwähnt wird, tritt vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht als Partei auf. 
Ergänzend ist festzuhalten, dass es Sache des BFM sein wird zu klären, 
ob  das  Kind  an  einem  Asylverfahren  beteiligt  ist  und  wie  dieses 
gegebenenfalls auszugehen hat.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
In  ihrer Beschwerde beantragen die Beschwerdeführenden in materieller 
Hinsicht  die  Aufhebung  der  Ziffern  1  und  2  der  vorinstanzlichen 
Verfügung  und  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die 
Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Die Aufhebung der Ziffer 2 betrifft 
die verfügte Ablehnung der Asylgesuche. Die Gewährung des Asyls wird 
aber  in  der  Folge  in  den  Rechtsbegehren  nicht  beantragt.  Aus  der 
Beschwerdebegründung  geht  diesfalls  nichts  anderes  hervor,  zumal  die 
Beschwerdeführenden  ausdrücklich  und  ausschliesslich  nur  die 
Anerkennung  als  Flüchtlinge  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe 
(gemäss Art. 54 AsylG ein Asylausschlussgrund) und daraus folgend die 
vorläufige  Aufnahme  verlangen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht 
daher  davon  aus,  dass  Ziffer  2  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen 
Verfügung  vom 10. März  2009  unangefochten  und  somit  in Rechtskraft 
erwachsen  ist. Dies entspricht auch der  in der Replik vom 25. Mai 2009 
(vgl. dort Seite 2 oben) ausdrücklich geäusserten Absicht. 

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4. 

4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2. Kein Asyl wird Flüchtlingen gewährt, die erst durch ihre Ausreise aus 
dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der 
Ausreise  Flüchtlinge  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  wurden  (subjektive 
Nachfluchtgründe nach Art. 54 AsylG). 

4.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

5.  

5.1. Die Vorinstanz hält  in der angefochtenen Verfügung unter anderem 
fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  zur  geltend  gemachten 
Verfolgung  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss 
Art. 7 AsylG nicht standhalten. Die Beschwerdeführenden würden daher 
die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Da sie aber ihr Heimatland illegal 
verlassen  hätten  und  bei  einer  Rückkehr  in  Verletzung  von  Art.  3  der 
Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) streng bestraft würden, seien sie 
infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. 

5.2.  In  ihrer  Rechtsmitteleingabe  halten  die  Beschwerdeführenden  fest, 
dass Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens die Anerkennung als 
Flüchtlinge infolge subjektiver Nachfluchtgründe sei. Die Vorinstanz habe 

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zwar  zurecht  festgehalten,  dass  Personen,  welche  Eritrea  illegal 
verlassen hätten, bei deren Rückkehr unter Verletzung von Art. 3 EMRK 
streng  bestraft würden. Eine Person, welche  sich  jedoch  darauf  berufe, 
durch  ihr  Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  eine 
Gefährdungssituation  erst  geschaffen  zu  haben,  mache  subjektive 
Nachfluchtgründe  gemäss  Art.  54  i.V.m.  Art.  3  AsylG  geltend.  Gemäss 
ständiger Praxis der Vorinstanz und des Bundesverwaltungsgerichts  sei 
die  illegale  Ausreise  aus  Eritrea  als  subjektiver  Nachfluchtgrund  zu 
qualifizieren und die  illegal aus Eritrea ausgereisten Personen seien als 
Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Soweit die Vorinstanz festhalte, dass 
sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllten,  obwohl  sie  Eritrea  illegal 
verlassen hätten, müsse es sich um einen offensichtlichen Fehler  in der 
Redaktion  der  vorinstanzlichen  Verfügung  handeln.  Zur  Untermauerung 
ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführenden  einen  Bericht  der 
Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  betreffend Gefährdung  bei  einer 
Rückkehr nach Eritrea vom 20. Januar 2009 bei. 

5.3. Die  Vorinstanz  hält  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  1.  Mai  2009  an 
ihren Standpunkten fest. Sie argumentiert unter anderem, dass Personen 
ausserhalb  des  militärdienstpflichtigen  Alters,  welche  die 
Flüchtlingseigenschaft – wie vorliegend die Beschwerdeführenden – nicht 
erfüllen  würden,  Eritrea  jedoch  illegal  verlassen  hätten,  nur  wegen 
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen seien. 

5.4.  In  ihrer Replik  vom 25. Mai  2009  halten  die Beschwerdeführenden 
daran  fest,  dass  ihre  Gefährdungssituation  erst  durch  ihre  illegale 
Ausreise  geschaffen  worden  sei  und  sie  sich  daher  nicht  auf 
asylrelevante Vorfluchtgründe berufen, sondern das Vorliegen subjektiver 
Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  i.V.m.  Art.  3  AsylG  geltend 
machen würden. Weil die  illegale Ausreise strengstens verboten sei und 
schwer  sanktioniert  werde,  sei  die  Gefährdungssituation 
flüchtlingsrechtlich  beachtlich.  Sie  hätten  daher  praxisgemäss Anspruch 
auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die daraus resultierende 
vorläufige Aufnahme. 

5.5.  Am  18.  März  2010  und  am  16.  Dezember  2010  reichen  die 
Beschwerdeführenden  weitere  Beweismittel  ein,  welche  die  durch  die 
Ausreise  veranlasste  Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführenden 
bestätigen würden. Es  handle  sich  hierbei  um eine Vorladung  vom  (…) 
2009, mit welcher die Mutter der Beschwerdeführerin aufgefordert werde, 
vor Gericht zu erscheinen. Zudem wird ein Gerichtsurteil  vom (…) 2009 

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vorgelegt, gemäss diesem sei die Mutter der Beschwerdeführerin zu einer 
Busse  von  50'000  Nafka  verurteilt  worden,  da  ihre  Tochter  das  Land 
illegal verlassen habe. Die eritreischen Behörden hätten davon Kenntnis 
erhalten, nachdem die Mutter versucht habe, für ihre Tochter Dokumente 
zu  erlangen.  Weiter  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um 
Beschleunigung des Verfahrens. 

5.6. In der ergänzenden Vernehmlassung vom 21. Februar 2011 hält die 
Vorinstanz vollumfänglich an ihren Erwägungen und Standpunkten fest. 

6.  

6.1.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  gemäss  Art.  54  AsylG 
insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte 
Republikflucht), Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland oder aus der 
Sicht  der  heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische 
Betätigung, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründet 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 1  E. 6,  mit  weiteren 
Hinweisen). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund 
der  unerlaubten  Ausreise  mit  Sanktionen  seines  Heimatstaates 
konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer  Intensität  ernsthafte  Nachteile 
gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen. 

6.2. Die  eritreischen Ausreisebestimmungen  sind  äusserst  restriktiv  und 
legales  Ausreisen  ist  nur  mit  einem  gültigen  Reisepass  und  einem 
entsprechenden  Ausreisevisum  möglich  (vgl.  Art.  11  der  "Proclamation 
No. 24/1992", welche die Ein­ und Ausreise nach und von Eritrea regelt). 
In der Praxis werden Ausreisevisa bereits seit mehreren Jahren nur noch 
unter  sehr  restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher 
Geldbeträge an wenige, als  loyal beurteilte Personen ausgestellt, wobei 
Kinder ab elf Jahren, Männer bis zum Alter von 54 Jahren und Frauen bis 
47  Jahren  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung  ausgeschlossen  sind. 
Das illegale Verlassen des Landes wird als Zeichen politischer Opposition 
gegen  den Staat  gewertet  und  hart  bestraft.  Grenzschutztruppen  sollen 
gemäss  übereinstimmenden Quellen  den  Befehl  haben,  Fluchtversuche 
mit  gezielten  Schüssen  zu  verhindern  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts vom 6. April 2010 D­3892/2008 E. 5.3.2.).

6.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wie  auch  das  BFM  in  der 
angefochtenen Verfügung vom 10. März 2009 gehen davon aus, dass die 

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Beschwerdeführenden  ihr  Heimatland  illegal  verlassen  haben. 
Insbesondere  unter  Berücksichtigung  obiger  Ausführungen  zu  den 
eingeschränkten Möglichkeiten, Eritrea legal mit einem Ausreisevisum zu 
verlassen  (vgl.  E. 6.2.),  ist  zu  schliessen,  dass  trotz  des  Alters  des 
Beschwerdeführers  und  des  fehlenden  Kontakts  der 
Beschwerdeführenden mit  dem Militär,  faktisch  ausgeschlossen werden 
kann, dass sie  ihr Heimatland  legal  verlassen haben. Das BFM erkennt 
weiter zu Recht, dass den Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr 
nach Eritrea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK 
verbotene  Strafe  droht  und  hat  daher  die  vorläufige  Aufnahme  der 
Beschwerdeführenden  angeordnet.  Es  unterlässt  aber  zu  Unrecht  die 
Prüfung,  ob  bei  den  Beschwerdeführenden  aufgrund  ihrer  illegalen 
Ausreise  subjektive  Nachfluchtgründe  bestehen.  Nachdem  die 
Beschwerdeführenden  begründete  Furcht  haben,  bei  einer  Rückkehr 
nach  Eritrea  wegen  ihrer  illegalen  Ausreise  erheblichen  Nachteilen  im 
Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein,  ist das Bestehen subjektiver 
Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG  zu  bejahen.  Die 
Beschwerdeführenden sind somit als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. 

6.4.  Vor  dem  Hintergrund  dieser  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren  von  den  Beschwerdeführenden  gemachten  Vorbringen  und 
beigebrachten Beweismittel einzugehen. 

7. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  verletzt,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft 
betrifft.  Die  Beschwerde  ist  insoweit  gutzuheissen,  die  Verfügung  des 
BFM  vom  10. März  2009  teilweise  –  die Dispositiv­Ziffer  1  betreffend – 
aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, die Beschwerdeführenden 
als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen.

7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Begehren betreffend Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege ist damit gegenstandslos geworden.

Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  Ausrichtung  einer 
Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und 
verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]). 

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Die  Beschwerdeführenden  sind  mit  ihrem  Hauptbegehren 
durchgedrungen und haben demzufolge obsiegt.  In der Kostennote vom 
14.  September  2011  machen  sie  eine  Parteientschädigung  im 
Gesamtbetrag von Fr. 2'607.55 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) 
geltend.  Der  in  der  Kostennote  ausgewiesene  Vertretungsaufwand 
erscheint  nicht  als  vollumfänglich  angemessen  respektive  notwendig  im 
Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Als übermässig erscheint  insbesondere 
die  beträchtliche,  in  den Akten  nicht  enthaltene,  Korrespondenz mit  der 
Klientschaft.  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Bemessungsfaktoren  (Art.  9  ­  13  VGKE)  ist  der  Vertretungsaufwand 
angemessen  zu  reduzieren.  Den  Beschwerdeführenden  ist  somit  eine 
Parteientschädigung  im  Betrag  von  Fr. 1'500.–  (inklusive  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer) zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

E­2282/2009

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die  Ziffer  1  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  10.  März  2009  wird 
aufgehoben und das BFM wird  angewiesen,  den Beschwerdeführenden 
die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen. 

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung  von  Fr. 1'500.–  (inklusive  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer) auszurichten. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Néomie Nicolet

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