# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 531e2a92-63df-5997-965b-274a4335d182
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240096-O1
**Docket/Reference:** SB240096-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240096-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240096-O/U/cwo

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, und lic. iur. B. Amacker, 

die Oberrichterin lic. iur. V. Keller sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Maurer

Urteil vom 24. Februar 2025

in Sachen

Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, 

Anklägerin und Berufungsklägerin

sowie

1.

2.

A._____, 

Kantonspolizei Zürich,

Privatkläger und Anschlussberufungskläger

1, 2 vertreten durch lic. iur. X._____

gegen

B._____,

Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____

betreffend versuchte Tötung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, 

vom 9. Januar 2024 (DG220216)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 10. November 2022 

(Urk. 33) sowie das Privatklägerverzeichnis vom selben Datum (Urk. 32) sind die-

sem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 143 S. 62 ff.)

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte wird von folgenden Vorwürfen freigesprochen: 







der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 1.1.16);

der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Anklageziffer 1.1.17);

der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.15).

2.

Der Beschuldigte ist schuldig















der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 in 

Verbindung mit Abs. 4 lit. a und Abs. 3ter SVG (Anklageziffer 1.1.10);

der  mehrfachen  groben  Verletzung  der  Verkehrsregeln  im  Sinne  von  Art. 90  Abs. 2 

SVG (Anklageziffern 1.1.2, 1.1.4, 1.1.6, 1.1.7, 1.1.9, 1.1.12, 1.1.13, 1.1.14);

der  einfachen  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art. 123  Ziff. 1  StGB  (Anklageziffer 

1.1.17);

des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 

Abs. 1 lit. b und lit. d BetmG (Anklageziffer 1.2);

des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG (Ankla-

geziffer 1.3);

der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB (Anklageziffer 1.1.1);

der  mehrfachen  Verletzung  der  Verkehrsregeln  im  Sinne  von  Art.  90  Abs.  1  SVG 

(Anklageziffern 1.1.3, 1.1.5, 1.1.8, 1.1.11).

3.

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 2. Mai 2016 

ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird widerrufen.

- 3 -

4.

Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 3 Jahren Freiheits-

strafe als Gesamtstrafe, wovon 648 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstan-

den sind, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von 

Fr. 500.–.

5.

Der  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  wird  im  Umfang  von  18 Monaten  aufgeschoben  und  die 

Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (18 Monate) wird die Freiheitsstrafe vollzogen, 

ist jedoch durch die Untersuchungs- und Sicherheitshaft bereits vollumfänglich erstanden.

6.

7.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. 

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.

8.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 9. November 2022 

beschlagnahmten Betäubungsmittel und weiteren Gegenstände werden eingezogen und der 

Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:



























Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'387),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'398),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'401),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'412),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'423),

1 Klappmesser (Asservate-Nr. A015'557'887),

1 Schlagring (Asservate-Nr. A015'557'990),

Haschisch in Stücken (Asservate-Nr. A015'559'645),

3 Vakumiergeräte (Asservate-Nr. A015'559'678),

3 Feinwagen (Asservate-Nr. A015'559'714),

div. BM Utensilien (Asservate-Nr. A015'559'725),

Luftfilter in Tasche mit div. Zubehör (Asservate-Nr. A015'559'747),

div. benutzte Vakuumbeutel mit Rückständen (Asservate-Nr. A015'559'758).

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 9. November 2022 beschlag-

nahmten  Fr. 401.35 

(Asservate-Nr.  A015'557'467)  und  Fr. 280.– 

(Asservate-Nr. 

A015'557'672) werden eingezogen und zur Deckung der Busse und zur teilweisen Deckung 

der Verfahrenskosten verwendet.

10.

Die Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich) wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11.

Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des Be-

schuldigten mit pauschal Fr. 50'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse 

- 4 -

entschädigt. Es wird vorgemerkt, dass der amtliche Verteidiger bereits eine Akontozahlung 

im Betrag von Fr. 26'000.– erhalten hat.

12.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

8'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

8'000.00   Gebühr für das Vorverfahren

3'980.00   Kosten Kantonspolizei Zürich

24'347.85   Gutachten / Expertisen

4'137.15   Auslagen Untersuchung

1'077.00   diverse Kosten

1'100.00   Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB230072-O)

1'100.00   Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB220098-O)

1'000.00   Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB220144-O)

50'000.00   Entschädigung amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

13.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zur Hälfte auferlegt. Im Übrigen wer-

den sie auf die Gerichtskasse genommen.

14.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung der Hälfte gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

15.

(Mitteilungen)

16.

(Rechtsmittel)

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 5 ff.)

a)

Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 165 S. 1 i.V.m. Urk. 145 S. 2)

1.

In Abänderung von Ziff. 1 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte

♦

der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 iVm Art. 22 Abs. 1 StGB

- 5 -

♦

♦

der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB

der  Sachbeschädigung  im  Sinne  von  Art.  144  StGB  schuldig  zu 

sprechen.

2.

In Abänderung von Ziff. 4 des vorinstanzlichen Urteils sei der Beschuldigte zu 

einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren als Gesamtstrafe sowie mit einer Geldstrafe 

von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu verurteilen. 

3.

In Abänderung von Ziff. 5 des vorinstanzlichen Urteiles sei die Freiheitsstrafe 

vollumfänglich zu vollziehen. 

4.

In Abänderung von Ziff. 6 des vorinstanzlichen Urteiles sei die Geldstrafe zu 

vollziehen. 

b)

Des Privatklägers 1 (A._____) sowie der Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zü-

rich): 

(Urk. 166 S. 2)

I.

Der Beschuldigte sei anklagegemäss wegen versuchter Tötung etc. schuldig 

zu sprechen. 

II.

Es  sei  festzustellen,  dass  der  Beschuldigte  gegenüber  der  Privatklägerin 2 

(Kantonspolizei Zürich) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatz nach 

vollumfänglich und vorbehaltslos schadenersatzpflichtig ist.

c)

Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 167 S. 1 f.))

1.

B._____ sei von den Vorwürfen

-

-

der versuchten Tötung i.S.v. Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Ankla-

geziffer 1.1.16)

der Gefährdung des Lebens i.S.v. Art. 129 StGB (Anklageziffer 1.1.17)

- 6 -

-

der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.15)

freizusprechen. 

2.

B._____  sei  unter  Einbezug  der  widerrufenen  Strafe  mit  3 Jahren  als  Ge-

samtstrafe,  wobei  648  Tage  durch  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  er-

standen seien, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.– 

und einer Busse von CHF 500.– zu bestrafen. 

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten aufzuschieben 

und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Die übrigen 18 Monate seien zu 

vollziehen, wobei festzustellen sei, dass diese durch die erstandene Untersu-

chungs- und Sicherheitshaft bereits vollumfänglich erstanden seien. 

4.

Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 3 Jahre 

festzusetzen. 

5.

Es sei festzustellen, dass sämtliche nicht angefochtenen Ziffern des Disposi-

tivs des vorinstanzlichen Urteils bereits in Rechtskraft erwachsen seien. 

6.

Die Kosten des Berufungsverfahrens wie auch die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, 

vom  9. Januar  2024  gemäss  dem  eingangs  zitierten  Urteilsdispositiv  teilweise 

schuldig und teilweise freigesprochen. Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsan-

waltschaft mit Eingabe vom 12. Januar 2024 und der Beschuldigte mit Eingabe vom 

19. Januar 2024 je rechtzeitig Berufung an (Urk. 138, Urk. 139). Nach Erhalt des 

begründeten Urteils gingen die Berufungserklärungen der Staatsanwaltschaft und 

- 7 -

des  Beschuldigten,  je  datierend  vom  29. Februar  2024,  fristgerecht  hierorts  ein 

(Urk. 145, Urk. 146). Nachdem die Berufung des Beschuldigen einzig das Honorar 

des amtlichen Verteidigers betraf (Urk. 146), wurde diese im separaten Verfahren 

SH240001 behandelt (vgl. Urk. 148; erledigt mit Beschluss vom 5. August 2024). 

1.2. Mit Präsidialverfügung vom 13. März 2024 wurden dem Beschuldigten und 

den  Privatklägern  die  Berufungserklärung  der  Staatsanwaltschaft  zugestellt  und 

Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 148). 

Mit  Zuschrift  vom  26. März  2024  liess  der  Beschuldigte  seinen  Verzicht  auf 

Anschlussberufung  erklären  (Urk. 150).  Mit  Eingabe  vom  5. April  2024  erhob  die 

Vertreterin der Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich), welche vom Privatkläger 1 

(A._____) zur Vertretung bevollmächtigt worden war (Urk. 152), im Namen beider 

Privatkläger Anschlussberufung (Urk. 151). 

1.3. Am 22. November 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 24. Fe-

bruar 2024 vorgeladen (Urk. 153). Vorfragen waren anlässlich der heutigen Beru-

fungsverhandlung  keine  zu  entscheiden  und  –  abgesehen  von  der  Einvernahme 

des  Beschuldigten  (Urk. 164)  –  auch  keine  Beweise  abzunehmen  (Prot. II  S. 8). 

Das  Urteil  wurde  heute  im  Anschluss  an  die  Berufungsverhandlung  gefällt  und 

mündlich eröffnet (Prot. II S. 10 ff.).

2.

Prozessuales

2.1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich, ebenso wie die Anschluss-

berufungen  der  beiden  Privatkläger,  gegen  die  vorinstanzliche  Dispositivziffer 1 

(Freisprüche), wobei sich die Berufung der Staatsanwaltschaft darüber hinaus auch 

gegen  die  Dispositivziffern 4-6  (Sanktion)  richtet  (Urk. 145,  Urk. 151).  Gemäss 

Art. 402  StPO  wird  die  Rechtskraft  des  angefochtenen  Urteils  im  Umfang  der 

Anfechtung  gehemmt.  Das  Berufungsgericht  überprüft  nur  die  angefochtenen 

Punkte  des  erstinstanzlichen  Entscheids  (Art. 404  Abs. 1  StPO).  Nachdem  vor-

liegend  die  Dispositivziffern 2  (Schuldsprüche),  8  und  9  (Beschlagnahmungen), 

10 (Zivilforderung) und 12-14 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) unangefochten 

blieben, was seitens der Parteien heute bestätigt wurde (Prot. II S. 7), ist vorab mit-

tels Beschlusses festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in 

- 8 -

Rechtskraft erwachsen ist. Obwohl nicht explizit angefochten sind auch die Dispo-

sitivziffern 3  und  7  (Widerruf  und  Ersatzfreiheitsstrafe  bei  Nichtbezahlung  der 

Busse) nicht in Rechtskraft erwachsen, da diese Teil der Sanktion sind und letztere 

nur gesamtheitlich angefochten und nicht auf einzelne Teile davon beschränkt wer-

den kann (Art. 399 Abs. 4 lit. b StPO). Ebenso wenig in Rechtskraft erwachsen ist 

Dispositivziffer 11 betreffend die Entschädigung des amtlichen Verteidigers, welche 

in einem separaten Verfahren behandelt wurde (vgl. vorne Ziff. 1.1). 

2.2. Per 1. Januar 2024 ist die revidierte StPO in Kraft getreten. Gemäss Art. 448 

Abs. 1 StPO werden Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes hängig sind, 

nach  neuem  Recht  fortgeführt,  soweit  die  nachfolgenden  Bestimmungen  nichts 

anderes  vorsehen.  Verfahrenshandlungen,  die  vor  Inkrafttreten  dieses  Gesetzes 

angeordnet oder durchgeführt worden sind, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 

StPO). Für Rechtsmittel gegen erstinstanzliche Entscheide, die nach Inkrafttreten 

dieses  Gesetzes  gefällt  werden,  gilt  neues  Recht  (Art. 454  Abs. 1  StPO).  Das 

Berufungsverfahren  richtet  sich,  nachdem  das  angefochtene  Urteil  am  9. Januar 

2024 erging, demzufolge nach neuem Recht.

2.3. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten delinquentes Verhalten am 

9. November 2021 vor. Zwischenzeitlich haben das StGB und das SVG relevante 

Teilrevisionen erfahren. So trat per 1. Juli 2023 das Bundesgesetz vom 17. Dezem-

ber 2021 über die Harmonisierung der Strafrahmen in Kraft. Einerseits wurde der 

Tatbestand der einfachen Körperverletzung verschärft, indem es den leichten Fall 

einer  einfachen  Körperverletzung  nicht  mehr  gibt  (Art. 123  Ziff. 1  Abs. 2  aStGB). 

Andererseits  wurde  der  Tatbestand  der  qualifizierten  groben  Verkehrsregelver-

letzung  im  Sinne  von  Art. 90  Abs. 3ter  SVG  ergänzt,  welcher  unter  bestimmten 

Voraussetzungen eine mildere Bestrafung vorsieht. Diese revidierten Bestimmun-

gen  kommen  auch  bei  Straftaten  zur  Anwendung,  die  vor  deren  Inkrafttreten 

begangen wurden, aber erst nachher beurteilt werden, sofern das neue Recht das 

mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Der Beschuldigte profitiert daher hinsichtlich der 

Änderung respektive Ergänzung des SVG. 

2.4. Die Vertretung der Privatkläger beantragt in beider Namen die Aufhebung 

der  Freisprüche  und  stattdessen  die  Schuldigsprechung  des  Beschuldigten 

- 9 -

(Urk. 165  S. 1  i.V.m.  Urk. 151  S. 2).  Hinsichtlich  der  Anschlussberufungen  der 

Privatkläger stellt die Verteidigung deren Legitimation in Frage und führt aus, der 

Privatkläger 1 (A._____) habe nicht klar gemacht, ob er sich als Straf- oder als Zi-

vilkläger  konstituieren  möchte,  und  die  Privatklägerin 2  (Kantonspolizei  Zürich) 

habe sich bloss als Zivilklägerin konstituiert (Urk. 137 S. 2 f.). 

2.4.1. Damit  eine  Person  einen  Entscheid  anfechten  kann,  muss  sie  durch  den 

Entscheid  grundsätzlich  beschwert  sein.  Die  Beschwer  besteht  in  einer  unmittel-

baren Beeinträchtigung der Rechte oder schutzwürdigen Interessen der Beteiligten 

(BSK StPO-BÜHLER, Art. 398 N 10). 

2.4.2. Dies ist bezüglich des Privatklägers 1 (A._____) hinsichtlich des Antrags auf 

Aufhebung des Freispruchs wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ohne Weiteres 

erfüllt. Hingegen ist nicht erkennbar, inwieweit er durch den Freispruch betreffend 

Sachbeschädigung in seinen Rechten tangiert sein könnte. Auf seine diesbezügli-

che Anschlussberufung ist daher nicht einzutreten. Insofern die Verteidigung dem 

Privatkläger 1 (A._____) die Legitimation absprechen möchte, da nicht klar sei, ob 

er sich als Straf- oder Zivilkläger habe konstituieren wollen, ist diesem Vorbringen 

nicht zu folgen. Der Privatkläger 1 (A._____) kreuzte auf dem entsprechenden For-

mular an, als Privatkläger Parteirechte ausüben zu wollen. Dass er anschliessend 

bei  der  Frage,  ob  er  Strafklage  und  Zivilklage  erheben  wolle,  je  das  Feld  "nein" 

ankreuzte (Urk. 29/3), lässt nicht auf einen anderen Willen schliessen, sondern es 

ist von einer Konstituierung im Straf- und im Zivilpunkt auszugehen. 

2.4.3. Die  Privatklägerin 2  (Kantonspolizei  Zürich)  konstituierte  sich  bloss  als 

(reine) Zivilklägerin. Die Frage nach einer Mitwirkung am Verfahren als Strafkläger 

verneinte  sie  ausdrücklich  (Urk. 29/5).  Hinsichtlich  des  Schuldpunktes  ist  die 

Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich) daher nicht berufungslegitimiert, nachdem 

die  Privatklägerschaft  Entscheide  in  den  Schranken  ihrer  Konstituierung  nur  im 

Schuld-  oder  im  Zivilpunkt  anfechten  kann  (JOSITSCH/SCHMID,  StPO  Praxiskom-

mentar,  4. Aufl.,  Art. 382  N 5),  zumal  es  sich  bei  der  Privatklägerin 2  (Kantons-

polizei Zürich) nicht um einen juristischen Laien handelt. Nachdem die Dispositiv-

ziffer 10,  gemäss  welcher  das  Schadenersatzbegehren  der  Privatklägerin 2 

(Kantonspolizei  Zürich)  abgewiesen  wird,  rechtskräftig  ist  (vgl.  vorne  Ziff. 2.1), 

- 10 -

bleibt somit kein Raum für eine Anschlussberufung der nur im Zivilpunkt konstitu-

ierten Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich). Auf ihre Anschlussberufung ist nicht 

einzutreten. 

II. Sachverhalt

1.

Anklagevorwurf und Verbot der reformatio in peius / Bindung an das vorin-
stanzliche Urteil

1.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten in den noch zu beurteilenden Punkten 

im Wesentlichen vor, das Patrouillenfahrzeug der Privatklägerin 2 (Kantonspolizei 

Zürich)  gerammt  und  dadurch  wissentlich  und  willentlich  den  rechten  hinteren 

Kotflügel des Wagens beschädigt zu haben. Zudem habe er mit seiner gefährlichen 

Fahrweise einen Unfall mit tödlichen Verletzungen des Privatklägers 1 (A._____) in 

Kauf  genommen  bzw.  diesen  in  eine  konkrete  Lebensgefahr  gebracht  und  auch 

den entgegenfahrenden C._____ auf seinem Fahrrad in ernsthafte Lebensgefahr 

gebracht (Urk. 33 S. 8-10). 

1.2. Diesen verbleibenden Anklagepunkten (Anklageziffern 1.1.15-17) liegt der-

selbe Sachverhalt zu Grunde, nämlich die Kollision der beiden Fahrzeuge und das 

anschliessende Wegschleudern des Fahrzeuges des Beschuldigten. Dieser Sach-

verhalt ist auch die Grundlage für Anklagepunkt 1.1.14 respektive den diesbezüg-

lichen Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln, der mittlerweile 

in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. vorne Ziff. 2.1). Das Verbot der reformatio in peius 

verbietet diesbezüglich eine strengere rechtliche Würdigung. Massgeblich für die 

Frage,  ob  eine  unzulässige  reformatio  in  peius  vorliegt,  ist  allerdings  bloss  das 

Dispositiv. Der Rechtsmittelinstanz ist es nicht untersagt, sich in ihren Erwägungen 

zur  rechtlichen  Qualifikation  zu  äussern,  wenn  das  erstinstanzliche  Gericht  von 

einer abweichenden Sachverhaltswürdigung oder falschen rechtlichen Überlegun-

gen ausging. Entscheidend ist, dass sich dies im Dispositiv nicht in einem schärfe-

ren Schuldspruch niederschlägt und auch nicht zu einer härteren Strafe führt, wenn 

ausschliesslich  die  beschuldigte  oder  verurteilte  Person  ein  Rechtsmittel  ergriff 

(BGE 139 IV 282 E. 2.6). Da hinsichtlich der Anklageziffern 1.1.15-17 eine Beru-

fung  der  Staatsanwaltschaft  vorliegt,  gilt  das  Verbot  der  reformatio  in  peius  hier 

- 11 -

nicht und schränkt das Berufungsgericht nicht ein. Insofern besteht auch keine Bin-

dung an die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz.

2.

Anklageziffer 1.1.15 (Sachbeschädigung)

2.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten unter diesem Punkt vor, das Patrouil-

lenfahrzeug wissentlich und willentlich gerammt zu haben, um das Patrouillenfahr-

zeug  zu  beschädigen,  indem  er  das  durch  ihn  gelenkte  Fahrzeug  ruckartig  und 

abrupt nach links über die Mittellinie gelenkt habe (Urk. 33 S. 8). 

2.2. Die Staatsanwaltschaft macht zusammengefasst geltend, dass die Polizei-

patrouille  beim  Überholmanöver  geradeaus  gefahren  sei  und  der  Beschuldigte 

plötzlich abrupt nach links gelenkt, erstere gerammt habe und es zu einer Kollision 

gekommen sei. Damit habe der Beschuldigte versucht, den Fahrer des Patrouillen-

fahrzeuges, den Privatkläger 1 (A._____), gegen Bäume und Strommasten zu ram-

men. Gelinge dies, sei mit tödlichen Verletzungen zu rechnen. Denn bei den gefah-

renen Geschwindigkeiten bestehe die Möglichkeit, dass der Motorblock aus dem 

Chassis  herausgerissen  werde  und,  wenn  sich  auslaufendes  Benzin  entzünde, 

können  die  Insassen,  falls  sie  eingeklemmt  sind,  verbrennen  (Urk. 63  S. 4  f.).  In 

jedem Falle wäre aber mit grösster Wahrscheinlichkeit mit tödlichen Verletzungen 

zu rechnen gewesen (Urk. 63 S. 7). Nach der Erstellung des Gutachtens, welches 

zu Tage brachte, dass der Lenkeinschlag des Fahrzeugs des Beschuldigten ledig-

lich 6 Grad betrug und die Fahrzeuge bei der Kollision nicht nebeneinander, son-

dern versetzt, fuhren, hielt die Staatsanwaltschaft fest, dass die Beurteilung, ob ein 

Lenkmanöver abrupt sei, zwar der Wertung des Gerichts unterliege, aber in Anbe-

tracht der gefahrenen hohen Geschwindigkeit und den herrschenden Umständen 

von einer ruckartigen Bewegung gesprochen werden müsse, ansonsten es ja nicht 

zur Kollision gekommen wäre (Urk. 130). Heute führte sie aus, die nur leichte Lenk-

bewegung nach links hätte in Relation zu den gefahrenen Geschwindigkeiten von 

80-90 km/h  gesetzt  werden  müssen.  Zudem  habe  der  Beschuldigte  schon  zuvor 

auf der Fluchtfahrt mehrfach die Polizei abgedrängt. Er habe sich nicht überholen 

lassen wollen. Es sei kein fahrlässig verursachter Unfall, sondern ein Kontrollverlust 

im Rahmen eines absichtlichen und skrupellosen Abdrängmanövers, das in die Ho-

sen gegangen sei. Die vorhandenen Aufnahmen, Videos und Fotos sowie Aussa-

- 12 -

gen der anderen Beteiligten würden die Aussagen des Beschuldigten, wonach es 

ein Unfall gewesen sei, als reine Schutzbehauptung entlarven (Urk. 165 S. S. 3 f. 

und S. 10 f.). 

2.3. Die Vorinstanz schloss gestützt auf das Gutachten, dass sich die angeklagte 

ruckartige und abrupte Lenkbewegung nach links nicht erstellen lasse. Vielmehr sei 

im  Gutachten  von  einer  kontinuierlichen  und  leichten  Linksbewegung  bei  einem 

Lenkradwinkel von 6 Grad die Rede, was einem leichten Lenkeinschlag entspre-

che. Auf die Aussagen des Privatklägers 1 und des Zeugen D._____, welche beide 

je  im  Patrouillenfahrzeug  sassen,  könne  nicht  abgestützt  werden,  da  sich  deren 

Aussage, wonach es zu einem ruckartigen Ausscheren des Fahrzeuges des Be-

schuldigten gekommen sei, nicht erstellen lasse. Vielmehr sei davon auszugehen, 

dass der Beschuldigte sein Fahrzeug leicht nach links über die Mittellinie auf die 

Gegenfahrbahn  gelenkt  habe,  als  die  beiden  Fahrzeuge  versetzt  nebeneinander 

gefahren seien (Urk. 143 S. 32). Die Vorinstanz erwog weiter, da der Grund für die 

leichte Linksbewegung nicht eruiert werden könne, lasse sich jedenfalls nicht er-

stellen,  dass  der  Beschuldigte  den  Privatkläger 1  (A._____)  vorsätzlich  gerammt 

habe, um das Polizeifahrzeug zu beschädigen. Der Sachverhalt gemäss Anklage-

ziffer 1.1.15 lasse sich folglich nicht erstellen, weshalb der Beschuldigte vom Vor-

wurf der Sachbeschädigung freizusprechen sei (a.a.O. S. 35). 

2.4. Diesem Fazit kann nicht gefolgt werden. Zwar hat der Beschuldigte – entge-

gen  der  Anklage  –  keine  ruckartige  und  abrupte  Lenkbewegung  nach  links 

gemacht. Insofern ist der Vorinstanz beizupflichten. Gemäss Gutachten wurde die 

Kollision aber durch eine seitliche Annäherung des Fahrzeugs des Beschuldigten 

an das Patrouillenfahrzeug eingeleitet, indem der Beschuldigte sein Fahrzeug vor 

der Kollision mit einem leichten Lenkeinschlag (Lenkradwinkel von 6 Grad) nach 

links lenkte, wobei er über die Fahrbahnmitte auf die Gegenfahrbahn fuhr, wo sich 

das Patrouillenfahrzeug befand (Urk. 117 S. 27; bestätigt vom weiteren an der Ver-

folgung  beteiligten,  korpsfremden  Polizeibeamten  E._____  [Urk. 21/6],  der  das 

Fahrmanöver als ein "nach links Ziehen" beschrieb). Der äussere Sachverhalt ist 

demgemäss  mit  Ausnahme  der  Ruckartigkeit  und  Abruptheit  der  Lenkbewegung 

sowie – damit einhergehend – des Rammens erstellt. Von einem "Rammen" kann 

- 13 -

mangels ruckartiger und abrupter Lenkbewegung nicht mehr gesprochen werden. 

Vielmehr ist das Manöver des Beschuldigten (bloss) als Abdrängen zu bezeichnen. 

Vom  Anklagesachverhalt,  der  von  einem  Rammen  als  gleichsam  intensivem 

Abdrängmanöver spricht, ist dies ohne Weiteres auch umfasst. 

2.5.

Zur Schadenshöhe lässt sich dem Gutachten entnehmen, dass die Kratzer 

an der rechten Türe, an der Seitenwand und an der hinteren Stossstange nicht auf 

die  anklagegegenständliche  Kollision  zurückzuführen  sind  (Urk. 117  S. 17).  Der 

Sachschaden beträgt damit nicht Fr. 8'766.30 gemäss Rechnungsbetrag (Urk. 18), 

sondern fällt etwas geringer – aber jedenfalls noch im Bereich von einigen tausend 

Franken aus. 

2.6. Hinsichtlich des inneren Sachverhaltes ist folgendes zu erwägen:

2.6.1. Was der Täter weiss, will und in Kauf nimmt, betrifft sog. innere Tatsachen 

und stellt damit eine Tatfrage dar (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; Urteil des Bundesgerich-

tes 6B_415/2021 vom 11. Oktober 2021 E. 4.3.3). Innere Tatsachen sind als solche 

kaum je einem direkten Beweis zugänglich. Sie können regelmässig erst anhand 

einer  Verbindung  verschiedener  Indizien  ermittelt  werden.  Beim  Indizienbeweis 

wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewie-

sen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache 

geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit 

einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft 

hindeuten  und  insofern  Zweifel  offenlassen,  können  in  ihrer  Gesamtheit  ein  Bild 

erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder 

Täter  erlaubt  (BGE  144 

IV  345  E. 2.2.3.4;  Urteile  des  Bundesgerichtes 

6B_173/2022 vom 27. April 2022 E. 1.1; 6B_295/2021 vom 31. März 2022 E. 3.3.3; 

6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3, nicht publ. in: BGE 147 IV 176; je mit 

Hinweisen). Eine gestützt auf Indizien gezogene Schlussfolgerung stellt ebenfalls 

eine  Tatfrage  dar,  sofern  sie  auf  dem  Weg  der  Beweiswürdigung  aus  konkreten 

Anhaltspunkten  getroffen  wurde  und  nicht  ausschliesslich  auf  allgemeiner 

Lebenserfahrung  beruht  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_63/2020  vom 

10. März  2021  E. 3.3.4;  6B_1236/2018  vom  28. September  2020  E. 1.7;  je  mit 

Hinweis auf BGE 132 V 393 E. 3.3). Die übergeordnete Bedeutung einer Gesamt-

- 14 -

heit von verschiedenen, je durch Beweiswürdigung ermittelten Lebenssachverhal-

ten (konkrete Anhaltspunkte, Indizien) beruht hingegen nicht mehr auf Beweiswür-

digung,  soweit  sie  auf  normativem  Weg  anhand  allgemeiner  Lebenserfahrung 

ermittelt wird. In diesem Sinn kann es sich beim anrechenbaren Täterwissen um 

eine Rechtsfrage handeln, die das Bundesgericht frei prüft (Urteil des Bundesge-

richtes 6B_1236/2018 vom 28. September 2020 E. 1.7; vgl. auch BGE 140 I 285 

E. 6.2.1; BGE 140 III 115 E. 2; je mit Hinweisen). Zu einer solchen Rechtsfrage zu 

zählen ist auch der Schluss vom Wissen des Täters auf seinen Willen, der zulässig 

ist, sofern sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, 

dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkauf-

nahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (vgl. BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinwei-

sen). Rechtsfrage ist, ob gestützt auf die festgestellten Tatsachen Fahrlässigkeit, 

Eventualvorsatz  oder  direkter  Vorsatz  gegeben  ist  (BGE  147  IV  439  E. 7.3.1; 

BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 135 IV 152 E. 2.3.2; zum Ganzen: Urteil des Bundes-

gerichtes 6B_536/2021 vom 2. November 2022 E. 2.3.3). 

2.6.2. Der  Beschuldigte  gab  in  der  Untersuchung  zu  Protokoll,  er  habe  bemerkt, 

dass plötzlich eines der ihn verfolgenden Polizeifahrzeuge versucht habe, ihn links 

zu überholen. Daraufhin sei er erschrocken und habe wohl gebremst. Plötzlich hät-

ten  sich  die  Fahrzeuge  touchiert,  woraufhin  er  die  Kontrolle  verloren  habe 

(Urk. 19/7 S. 2). In der erstinstanzlichen Befragung gab er dazu an, dass es ihm 

nichts gebracht hätte, die Polizisten abzudrängen, da er habe flüchten wollen. Er 

habe  niemanden  abdrängen  wollen,  vielmehr  habe  er  probiert,  dass  alles  ohne 

Schaden ablaufe (Prot. I S. 22). 

2.6.3. Diese Depositionen sind als Schutzbehauptungen einzustufen. Der Beschul-

digte lenkte sein Fahrzeug wissentlich und willentlich nach links. Im Zeitpunkt der 

Kollision  befand  sich  sein  Auto  gemäss  Gutachten  ungefähr  zur  Hälfte  auf  der 

Gegenfahrbahn. Dass er aus Versehen auf die Gegenfahrbahn kam, oder dass er, 

weil er erschrak, nach links lenkte, macht er – zu Recht – nicht geltend. Wie auch 

das Gutachten festhält, ist (nur) die seitliche Annäherung des vom Beschuldigten 

gelenkten Fahrzeugs nach links Grund für die Kollision, da das Patrouillenfahrzeug 

vor der seitlichen Kollision nicht nach rechts gelenkt wurde (Urk. 117 S. 27). Der 

- 15 -

Beschuldigte verursachte die Kollision. Da er einräumte, das überholende Polizei-

fahrzeug  wahrgenommen  zu  haben,  musste  er,  nachdem  er  sein  Fahrzeug 

wissentlich und willentlich nach links auf die Gegenfahrbahn lenkte, mit einer Streif-

kollision oder einem Auffahrunfall und – damit verbunden – mit einer Sachbeschä-

digung des Polizeifahrzeugs rechnen, zumal er sein Manöver (das leichte Lenken 

nach  links)  in  einer  Verfolgungssituation  in  einem  hochdynamischen  Geschehen 

und bei hohen Geschwindigkeiten ausführte. Der Umstand, dass die Bremsleuch-

ten seines Fahrzeugs nur zeitweise eingeschaltet waren und das Fahrzeug vor der 

Kollision mit dem Polizeifahrzeug nicht erkennbar verzögert wurde, vermag den Be-

schuldigten auch nicht zu entlasten, zeigt es doch gerade, dass der Beschuldigte – 

entgegen seinen Aussagen – nicht mit allen Mitteln versuchte (z.B. durch eine Voll-

bremsung), eine Kollision zu verhindern. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte ge-

mäss übereinstimmenden Aussagen des Privatklägers 1 (A._____) und des eben-

falls an der Verfolgung beteiligten Polizeibeamten D._____ bereits vor der Kollision 

mehrmals  aktiv  verhinderte,  überholt  zu  werden  (Urk. 20/4  S. 3;  Urk. 21/4  S. 4 

["Mein Kollege versuchte mehrmals zu überholen, was das Fluchtfahrzeug durch 

Schlangenlinien und durch Abdrängen aber verhinderte."]). Es liegt daher auf der 

Hand, dass dies auch die Absicht des Beschuldigten auf der F._____-strasse un-

mittelbar vor der anklagegegenständlichen Kollision war. Der Beschuldigte nahm 

infolgedessen den Eintritt eines Sachschadens zumindest in Kauf.

2.7. Der  Beschuldigte  ist  der  Sachbeschädigung  im  Sinne  von  Art. 144  Abs. 1 

StGB schuldig zu sprechen. 

3.

Vorwurf der versuchten Tötung des Privatklägers 2 (Anklageziffer 1.1.16)

3.1. Unter  diesem  Anklagetitel  wird  dem  Beschuldigten  nicht  vorgeworfen,  ein 

ruckartiges, heftiges Lenkmanöver ausgeführt zu haben. Vielmehr wird ihm zur Last 

gelegt,  das  Patrouillenfahrzeug  mit  einer  Geschwindigkeit  von  rund  80 km/h 

gerammt und nach links in Richtung der Baumallee und dem entgegenkommenden 

Radfahrer abgedrängt zu haben. Dies damit der Privatkläger 1 (A._____) ihn nicht 

überholen und ausbremsen könne. Damit habe er zumindest in Kauf genommen, 

dass  jener  frontal  mit  einem  der  Bäume  oder  Strommasten  kollidiere  und  dabei 

sterbe (Urk. 33 S. 9). 

- 16 -

3.2. Wie  oben  ausgeführt  lässt  sich  nicht  erstellen,  dass  der  Beschuldigte 

wissentlich  und  willentlich  das  Fahrzeug  des  Privatklägers 1  (A._____)  gerammt 

hat (vgl. oben Ziff. 2.4). Es lässt sich bloss erstellen, dass er auf die Gegenfahrbahn 

steuerte, um das Polizeiauto am Überholen zu hindern. Dieses Lenkmanöver war 

unfallkausal. Mit der Vorinstanz ist bei diesem Abdrängen aber nicht davon auszu-

gehen, dass der Beschuldigte sich die Möglichkeit tödlicher Verletzungen beim Pri-

vatkläger 1 (A._____) vorstellte und mit tödlichen Verletzungen rechnete. Es lässt 

sich, mit der Vorinstanz, nicht erstellen, dass der Beschuldigte in Kauf nahm, den 

Privatkläger 1 (A._____) so abzudrängen, dass sich dieser tödliche Verletzungen 

zuzieht (Urk. 143 S. 37). Der Beschuldigte wollte fliehen und sich der polizeilichen 

Verfolgung entziehen. Anderes hatte der Beschuldigte nicht im Kopf und insbeson-

dere rechnete er damit, dass er das Polizeiauto am Überholen hindern könnte, weil 

dieses zum Abbremsen gezwungen wurde. 

3.3. Der Beschuldigte ist somit vom Vorwurf der versuchten Tötung freizuspre-

chen. 

4.

Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 1.1.16)

4.1. Die Anklage umschreibt für den Fall, dass eine vorsätzlich versuchte Tötung 

verneint wird, auch den Vorwurf der Gefährdung des Lebens (vgl. Urk. 165 S. 4). 

Sie  wirft  dem  Beschuldigten  in  Anklageziffer 1.1.16  nämlich  auch  vor,  mit  seiner 

Fahrweise  und  dem  Abdrängmanöver  wissentlich  und  willentlich  eine  konkrete 

Lebensgefahr für den Privatkläger 1 (A._____) geschaffen zu haben (Urk. 33 S. 9). 

4.2. Der Gefährdung des Lebens macht sich schuldig, wer einen Menschen in 

skrupelloser  Weise  in  unmittelbare  Lebensgefahr  bringt  (Art. 129  StGB).  Der 

subjektive Tatbestand verlangt bezüglich der unmittelbaren Lebensgefahr direkten 

Vorsatz; Eventualvorsatz genügt nicht (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Bei sicherem Wissen 

um  den  Eintritt  der  tödlichen  Verletzung  liegt  Tötungsvorsatz  vor,  so  dass  die 

Art. 111 ff. StGB eingreifen (zur echten Konkurrenz von Art. 129 StGB und Art. 117 

StGB vgl. BGE 136 IV 76 E. 2.7). Eine Verurteilung wegen Art. 129 StGB fällt daher 

nur  in  Betracht,  wenn  der  Täter  trotz  der  erkannten  Lebensgefahr  handelt,  aber 

darauf vertraut, die Gefahr werde sich nicht realisieren (BGE 136 IV 76 E. 2.4 mit 

- 17 -

Hinweis; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichtes 6B_696/2024 vom 9. Dezember 

2024 E. 3.1.2).

4.3. Wie bereits im Rahmen der Sachbeschädigung gemäss Anklageziffer 1.1.15 

erwogen, nahm der Beschuldigte das Risiko eines Unfalls mit Sachbeschädigung 

in Kauf. Er handelte diesbezüglich mit Eventualvorsatz. Einen direkten Lebensge-

fährdungsvorsatz hinsichtlich des Privatklägers 1 (A._____) kann dem Beschuldig-

ten indes nicht nachgewiesen werden. Zwar wollte er der Polizei um jeden Preis 

entkommen, damit diese das mitgeführte Marihuana nicht finden würde und er nicht 

ins Gefängnis muss. So war denn auch das erste, das er nach dem Unfall sagte, 

er sei auf Bewährung (Urk. 20/3 S. 5; Urk. 20/4 S. 4). Allerdings wollte der Beschul-

digte mit dem Lenken nach links bloss der Polizei entkommen und verhindern, dass 

das Patrouillenfahrzeug ihn überholt. Dies stand für ihn im Vordergrund. Eine Le-

bensgefahr für den Privatkläger 1 (A._____) bezog er in diesem Moment bei sei-

nem Entschluss, sein Fahrzeug nach links zu lenken, nicht in seine Gedanken mit 

ein. Solches kann ihm nicht nachgewiesen werden, zumal die Verfolgungsjagd am 

Tag bei guten Strassen- und Sichtverhältnissen stattfand. Wenn die Staatsanwalt-

schaft heute anführt, die Vorinstanz habe verkannt, dass dieses Manöver im Rah-

men einer absolut halsbrecherischen Fluchtfahrt bei rund 80 km/h geschehen sei, 

und dass der Beschuldigte im Verlauf seiner krassen Fluchtfahrt schliesslich sämt-

liche Hemmungen verloren haben müsse, da seine Kamikazefahrt anders nicht er-

klärbar sei und sein Fahrverhalten in der Endphase von einer absoluten Gewissen-

losigkeit zeuge (Urk. 165 S. 13), muss ihr freilich beigepflichtet werden. Diese Vor-

bringen zeigen das zweifellos skrupellose Verhalten des Beschuldigten zwar auf, 

vermögen indes keinen direkten Lebensgefährdungsvorsatz zu begründen. Man-

gels direktem Vorsatz in Bezug auf die Herbeiführung einer unmittelbaren Lebens-

gefahr ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Anklagezif-

fer 1.1.16) freizusprechen. 

5.

Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 1.1.17)

5.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten unter dieser Anklageziffer vor, mit sei-

nem Abdrängmanöver und der hohen Geschwindigkeit wissentlich und willentlich 

eine konkrete Lebensgefahr für den entgegenkommenden Fahrradfahrer geschaf-

- 18 -

fen  zu  haben,  indem  sich  dieser  dabei  schwere,  lebensgefährliche  oder  tödliche 

Verletzungen hätte zuziehen können (Urk. 33 S. 10). 

5.2. Vorab  kann  vollumfänglich  auf  das  oben  Gesagte  verwiesen  werden 

(vgl. oben Ziff. 4). Auch hinsichtlich des Geschädigten C._____ fehlt es an einem 

direkten Lebensgefährdungsvorsatz. Dass der Geschädigte nur um Haaresbreite 

dem  Tod  entging,  steht  fest.  Allerdings  fehlt  es  am  subjektiven  Tatbestand  bzw. 

Vorsatz. Der Beschuldigte erklärte, den Velofahrer nicht gesehen zu haben (Prot. I 

S. 22). Demgegenüber gab der Privatkläger 1 (A._____) zwar zu Protokoll, er habe 

den Velofahrer entgegenkommen sehen, weshalb er das Manöver als nicht realis-

tisch  angesehen,  es  sein  gelassen  und  die  Geschwindigkeit  reduziert  habe 

(Urk. 20/3  S. 5).  Zugunsten  des  Beschuldigten  muss  aber  davon  ausgegangen 

werden, dass er den Velofahrer tatsächlich nicht wahrnahm. Der Beschuldigte wird 

seine Aufmerksamkeit, da er das Überholt werden verhindern wollte, eher auf das 

ihn  überholende  Polizeifahrzeug  gerichtet  haben.  Zudem  ist  der  Privatkläger 1 

(A._____) ein ausgebildeter Polizeibeamter, weshalb es plausibel erscheint, dass 

er  den  entgegenkommenden  Velofahrer  –  im  Gegensatz  zum  Beschuldigten  – 

wahrgenommen hat. Da der Beschuldigte den Velofahrer nicht sah, fehlt es an ei-

nem direkten Lebensgefährdungsvorsatz in Bezug auf den Geschädigten C._____. 

Es kommt hinzu, dass der Beschuldigte nicht damit rechnete, aufgrund seines Ma-

növers nach links "abzufliegen", wie es letztlich geschah. 

5.3. Der Beschuldigte ist auch vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens in Bezug 

auf den Geschädigten C._____ freizusprechen. 

III. Sanktion 

1.

Urteil der Vorinstanz und Anträge der Parteien

1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten unter Einbezug der widerrufenen Frei-

heitsstrafe  von  6  Monaten  (Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Sihl  vom 

2. Mai  2016)  mit  3 Jahren  Freiheitsstrafe  bestraft  als  Gesamtstrafe,  wovon 

648 Tage  durch  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  erstanden  sind,  sowie  mit 

einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 500.–. 

- 19 -

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben 

und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (18 Monate) wurde die durch 

Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  bereits  vollumfänglich  erstandene  Freiheits-

strafe für vollziehbar erklärt. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und 

die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Für das schuldhafte Nichtbezahlen der Busse 

wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen ausgesprochen (Urk. 143 S. 46 ff.). 

1.2. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren und eine 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– (Prot. II S. 5). Diese begründet sie vor-

nehmlich mit den zusätzlichen Verurteilungen zufolge der aufzuhebenden Freisprü-

che  (Urk. 145;  Urk. 165  S. 17).  Die  Verteidigung  beantragt  die  Bestätigung  der 

vorinstanzlichen Sanktionen (Prot. II S. 6).

2. Grundlagen der Strafzumessung

2.1. Die  Vorinstanz  hat  die  Grundlagen  der  Strafzumessung  ausführlich  und 

zutreffend  ausgeführt  (Urk. 143  S. 46  ff.).  Darauf  kann  grundsätzlich  verwiesen 

werden. Ergänzend und teilweise rekapitulierend sei Folgendes angeführt: 

2.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Aspe-

rationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1, BGE 144 IV 217 E. 2.2 und E. 3.; BGE 141 

IV 61 E. 6.1.2; je mit Hinweisen). 

2.3. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich. Un-

gleichartige  Strafen  sind  kumulativ  zu  verhängen,  da  das  Asperationsprinzip  nur 

greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere gleich-

artige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen 

Normverstoss  gleichartige  Strafen  ausfällen  würde.  Dass  die  anzuwendenden 

Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 142 

IV 265 E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2; je mit Hinweisen). Wie zu zeigen sein wird, 

sind für einen Teil der Delikte Freiheitsstrafen auszufällen und für andere Delikte 

- 20 -

Geldstrafen. Damit sind die Voraussetzungen für die Bildung je einer Gesamtfrei-

heits- und Gesamtgeldstrafe gegeben.

3. Wahl Sanktionsart/Strafrahmen

3.1. Die Wahl der Strafart richtet sich nach der Zweckmässigkeit bzw. Angemes-

senheit der Sanktion und der Präventionswirkung auf den Täter (namentlich unter 

Berücksichtigung  von  Rückfall,  Delinquenz  während  der  Probezeit  oder  Vorstra-

fen). Zu berücksichtigen sind weiter die Auswirkungen auf die soziale Situation des 

Täters. Daneben spielt untergeordnet auch das Verschulden eine Rolle (BGE 147 

IV  241  E. 3;  BGE  144  IV  313  E. 1.1.1;  Urteil  des  Bundesgerichtes  6B_918/2020 

vom 19. Januar 2021 E. 6.4.2; je mit Hinweisen). Bei mehreren in Frage kommen-

den Strafarten ist in der Regel die mildere Strafart zu wählen, wobei die Geldstrafe 

der Freiheitsstrafe grundsätzlich vorgeht (BGE 144 IV 313 E. 1.1.1). In die Wahl 

der  Strafart  einzubeziehen  sind  auch  die  Kriterien  von  Art. 41  StGB,  dies  im 

Bereich,  wo  eine  Geld-  und  eine  Freiheitsstrafe  in  Betracht  fallen.  Die  Wahl  der 

strengeren Sanktionsart der Freiheitsstrafe ist zu begründen (Urteil des Bundesge-

richtes 6B_1092/2023 vom 24. Mai 2024 E. 4.1 mit Hinweisen; zum Ganzen: Urteil 

des Bundesgerichtes 6B_30/2024 vom 5. August 2024 E. 2.3.1). Am Vorrang der 

Geldstrafe  hat  der  Gesetzgeber  im  Rahmen  der  erneuten  Revision  des  Sanktio-

nenrechts  entgegen  der  ursprünglichen  Stossrichtung  festgehalten  (BGE  144 

IV 217 E. 3.6 mit Hinweisen). Art. 41 StGB statuiert diese Priorität. Eine kurze Frei-

heitsstrafe  anstelle  einer  Geldstrafe  von  höchstens  180  Tagessätzen  ist  unter 

anderem zulässig, wenn eine solche geboten erscheint, um den Täter von der Be-

gehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB). 

3.2. Die Vorinstanz ging bei der Gesamtstrafenbildung von der qualifiziert groben 

Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 lit. a 

und  Abs. 3ter  SVG  als  schwerstem  Delikt  aus,  fällte  dafür  eine  Einsatzstrafe  aus 

und asperierte diese mit den weiteren Sanktionen für die übrigen Vergehen, unter 

anderem der mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung. Die Staatsanwaltschaft 

bringt diesbezüglich vor, Abs. 3ter von Art. 90 SVG sei hier nicht anwendbar, da es 

sich um eine Kann-Vorschrift für absolute Ausnahmefälle handle und der Beschul-

digte den Führerausweis (erst) seit dem 12. Juli 2019 habe (Urk. 165 S. 6). Gemäss 

- 21 -

Rechtsprechung des Bundesgerichtes gilt diese Regelung unabhängig vom Zeit-

punkt  der  Erlangung  des  Führerausweises,  sofern  der  Täter  in  den  letzten  zehn 

Jahren  kein  schweres  Verkehrsdelikt  begangen  hat  (Urteil  des  Bundesgerichtes 

6B_1372/2023 vom 13. November 2024 E. 2.6). Dieser Tatbestand ist demgemäss 

auf den Beschuldigten anwendbar und die Vorinstanz ging zu Recht vom Strafrah-

men gemäss Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 lit. a und Abs. 3ter SVG aus.  

3.3. Die mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung ist kein eigenständiger Tat-

bestand, welcher mehrere Einzeldelikte umfasst, wie dies etwa bei gewerbsmässi-

gen Delikten der Fall ist. Vielmehr hat der Beschuldigte mit jeder Einzelhandlung 

den Tatbestand erfüllt und sich mithin vieler verschiedener Taten schuldig gemacht. 

In BGE 144 IV 217 hielt das Bundesgericht fest, dass eine Gesamtbetrachtung aller 

Taten oder die Bildung von Deliktsgruppen zur Strafartbestimmung im Ergebnis auf 

eine (selektive) Aufgabe der Gesamtstrafe nach dem Asperationsprinzip zugunsten 

der gesetzlich nicht vorgesehenen "Einheitsstrafe" hinauslaufe. Ein derartiges Vor-

gehen bedeute gleichzeitig die Wiedereinführung der aufgegebenen Rechtsfiguren 

des  fortgesetzten  Delikts  und  der  verjährungsrechtlichen  Einheit  auf  der  Strafzu-

messungsebene,  was  das  Bundesgericht  explizit  für  unzulässig  erklärt  hat  (vgl. 

BGE 131 IV 83 E. 2.4.1). Zudem habe der Gesetzgeber aufgrund der Aufgabe der 

Rechtsfigur der fortgesetzten Tat durch das Bundesgericht im Rahmen der Konkur-

renzen  explizit  auf  eine  Regelung  des  Fortsetzungszusammenhangs  verzichtet. 

Die Kriterien und Voraussetzungen für eine (ausnahmsweise) von der konkreten 

Methode  abweichende  Gesamtbetrachtung  mehrerer  Delikte  und  die  Schaffung 

von Deliktsgruppen seien unklar. Es lasse sich erst nach einer Einzelstrafzumes-

sung beurteilen, ob und welche Delikte gleich schwer wiegen. Auch sei im Rahmen 

der  Gesamtstrafenbildung  dem  Verhältnis  der  einzelnen  Taten  untereinander, 

ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder geringeren Selbständigkeit sowie der 

Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehensweisen 

Rechnung zu tragen. Der Grundsatz, dass der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen 

Delikts geringer zu veranschlagen ist, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ 

in einem engen Zusammenhang stehen, werde hingegen bei einer Gesamtbetrach-

tung zum Nachteil des Täters durch einen Strafartwechsel strafschärfend gewich-

tet, anstatt geringer veranschlagt zu werden (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4.).

- 22 -

3.4. Die  strikte  Nachachtung  dieser  Grundsätze  erweist  sich  indes  gerade  in 

Konstellationen  wie  der  vorliegenden  als  nicht  praktikabel,  hat  der  Beschuldigte 

praktisch in einem Zug mehrere gleiche Straftaten begangen. Auch wegen Fallkon-

stellationen  wie  der  vorliegenden  hat  das  Bundesgericht  mit  Urteil  6B_483/2016 

grundsätzlich  Ausnahmen  von  der  konkreten  Methode  im  Einzelfall  als  zulässig 

erklärt  (E. 2.4  mit  Hinweisen  und  E. 4.3).  So  etwa  wenn  –  unter  Beachtung  des 

Verhältnismässigkeitsprinzips im Rahmen von Art. 41 StGB – bei der Bildung einer 

Gesamtstrafe als Einsatzstrafe für die schwerste Straftat eine Freiheitsstrafe fest-

gesetzt und deren Dauer für die weiteren Delikte angemessen erhöht wird (Urteile 

des Bundesgerichtes 6B_849/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.3.2; 6B_466/2013 

vom 25. Juli 2013 E. 2.3.3), oder wenn verschiedene Straftaten zeitlich und sach-

lich derart eng miteinander verknüpft sind, dass sie sich nicht sinnvoll auftrennen 

und  für  sich  allein  beurteilen  lassen  (Urteil  des  Bundesgerichtes  6B_1011/2014 

vom  16. März  2015  E. 4.4;  Urteil  des  Obergerichts  des  Kantons  Zürich,  II. Straf-

kammer, vom 10. Januar 2019 [SB180398], E. III./4.). Allem zum Trotz hat indes-

sen  das  Bundesgericht  mit  BGE  144  IV  217  (Entscheid  vom  30. April  2018)  die 

vorstehend  skizzierte  Rechtsprechung  revidiert  und  entschieden,  künftig  keine 

Ausnahmen von der konkreten Methode mehr zuzulassen. 

3.5. Wer  die  Entwicklung  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  in  dieser 

Frage nach den erwähnten Entscheiden 144 IV 217 und 313 verfolgt, erhält indes 

den Eindruck, dass diese trotz diesem Grundsatzentscheid nicht mehr in jedem Fall 

bereit ist, unbillige Ergebnisse in der Strafzumessung hinzunehmen. So bestätigte 

es  zwar  in  seinem  Grundsatzentscheid  6B_382/2021  vom  25.  Juli  2022  seine 

Praxis  mit  Verweis  auf  die  beiden  publizierten  Entscheide,  um  aber  sogleich 

Folgendes  festzuhalten:  «Zudem  darf  nach  der  neusten  Rechtsprechung  eine 

Gesamtfreiheitsstrafe ausgesprochen werden, wenn viele Einzeltaten zeitlich sowie 

sachlich eng miteinander verknüpft sind und eine blosse Geldstrafe bei keinem der 

in  einem engen Zusammenhang  stehenden  Delikte geeignet  ist, in genügendem 

Masse präventiv auf den Täter einzuwirken». Der Anfang dieses Satzes erinnert 

fast wortwörtlich an die alte Rechtsprechung, gemäss der das Bundesgericht noch 

Ausnahmen zur konkreten Methode zuliess. Das Bundesgericht verweist dabei auf 

vier weitere, neuere Urteile (ausführlich dazu: VON FELTEN, ROLF, Strafzumessung 

- 23 -

bei Deliktsmehrheit nach Art. 49 Abs. 1 StGB: Entwicklung der neuesten bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung, forumpoenale 3/2023 S. 222 ff., 223 f.). 

3.6. Einer davon ist Entscheid 6B_141/2021 vom 23. Juni 2021. Es ging unter 

anderem um die mehrfache Verletzung von Verkehrsregeln in zahlreichen Fällen. 

Das Bundesgericht hielt fest, dass in Konstellationen, wo für die einzelnen Delikte 

eine Geldstrafe unter Umständen noch angemessen gewesen wäre, eine Freiheits-

strafe dann als zweckmässig erscheine, wenn die Art der Delinquenz Ausdruck von 

Uneinsichtigkeit und hartnäckiger Bereitschaft zu kriminellem Handeln sei und eine 

blosse  Geldstrafe  nicht  geeignet  erscheine,  in  genügendem  Masse  präventiv  zu 

wirken. Genau dies ist vorliegend der Fall, weshalb die Ausfällung einer Einheits-

strafe für die mehreren groben Verletzungen der Verkehrsregeln angezeigt ist. 

3.7. Bei  der  Bemessung  der  Gesamtstrafe  nach  Art. 49  Abs. 1  StGB  sind 

namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, 

ihre grössere oder geringere Selbstständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschie-

denheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der 

Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu veranschlagen 

sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen-

hang  stehen  (Urteile  des  Bundesgerichtes  6B_1176/2021  vom  26. April  2023 

E. 4.5.2; 6B_196/2021 vom 25. April 2022 E. 5.4.3; 6B_1397/2019 vom 12. Januar 

2022  E. 3.4,  nicht  publ.  in:  BGE  148  IV  89;  6B_496/2020  vom  11. Januar  2021 

E. 3.7;  je  mit  Hinweisen;  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesgerichtes  6B_855/2023 

vom 15. Juli 2024 E. 2.9.1.).

4.

Einsatzstrafe qualifiziert grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Anklagezif-
fer 1.10.) 

4.1. Die Einsatzstrafe bildet die Strafe der (abstrakt) schwersten Straftat sämt-

licher  Delikte.  Dies  ist  vorliegend  die  qualifiziert  grobe  Verletzung  der  Verkehrs-

regeln gemäss Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 lit. a und Abs. 3ter StGB mit 

einem Strafrahmen von bis zu 4 Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (vgl. dazu 

vorne Ziff. 3.2). Obwohl, wie noch aufzuzeigen sein wird, bei dieser Tat eine tiefere 

- 24 -

Sanktion auszufällen ist als für die weiteren groben Verkehrsregelverletzungen, ist 

die Einsatzstrafe auf der Basis dieses Delikts auszufällen.

4.2.

In objektiver Hinsicht gilt es vorab zu bemerken, dass die krasse Verletzung 

elementarer Verkehrsregeln, welche das hohe Risiko eines Unfalles mit Schwer-

verletzten  und  Todesopfern  schafft,  bereits  Tatbestandselement  ist.  Diesem 

Umstand ist bei der Verschuldensbemessung bei der Strafzumessung zu berück-

sichtigen, allerdings nur noch, in welchem Ausmass dieser Tatumstand gegeben 

ist (BGE 141 IV 61 E. 6.1.3), um einen Verstoss gegen das Doppelverwertungsver-

bot zu vermeiden.

4.3. Die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit um 50 km/h bei einer signa-

lisierten Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h ist sehr hoch und die Grenze im Sinne 

von Art. 90 Abs. 4 SVG wurde klar überschritten. Bei der Berücksichtigung der kon-

kreten Verhältnisse wird dies indessen stark relativiert. Wie sich aus der Videoauf-

nahme  der  Rekonstruktion  der  Fahrtstrecke  ergibt,  steht  an  deren  Anfang  eine 

Signalisation, mit welcher unter anderem das Ende der Tempo 30-Zone signalisiert 

wird. Rund einen Meter hinter diesem Schild ist eine Signalisation mit der Höchst-

geschwindigkeit  30 km/h  angebracht  (Urk. 6/2,  EXPORT_NA_027313_211110_ 

101525,  Record  001967  ff.).  Was  auf  den  ersten  Blick  absurd  erscheinen  mag, 

findet  seinen  Grund  im  unterschiedlichen  Schutzzweck  der  jeweiligen  Tempore-

duktion. Währendem gemäss dem zum Tatzeitpunkt geltenden aArt. 22a SSV das 

Signal  «Tempo-30-Zone»  Strassen  in  Quartieren  oder  Siedlungsbereichen,  auf 

denen besonders vorsichtig und rücksichtsvoll gefahren werden muss, kennzeich-

nete und damit klar die Erhöhung der Verkehrssicherheit bezweckt wurde, dient die 

Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h am 

Tatort dem Lärmschutz. So hat die Stadt Zürich mit ihrem Konzept "Strassenlärm-

sanierung durch Geschwindigkeitsreduktion Zonenkonzept Tempo 30 kommunale 

Strassen" die Temporeduktion auf dem fraglichen Abschnitt der G._____-strasse 

ausdrücklich mit der Reduktion des Lärms begründet und nicht etwa aus Sicher-

heitsgründen 

(https://cerclebruit.ch/studies/vreduktion/….pdf;  aufgerufen  am 

24. Februar  2025).  Allerdings  hat  der  Gesetzgeber  bei  der  strafrechtlichen  Ahn-

dung von Tempoüberschreitungen diese Unterscheidung nicht vorgesehen und will 

- 25 -

die Überschreitung des Tempolimits in jedem Fall gleich geahndet wissen. Mit Be-

zug  auf  die  Verschuldensbemessung  ist  dieser  Unterschied  jedoch  insoweit  be-

achtlich, als dass es sich beim vorliegenden Abschnitt nicht um einen besonders 

gefährlichen handelt. Wie sich aus der auf Video festgehaltenen Fahrtrekonstruk-

tion ergibt, handelt es sich um eine gerade, sehr breite und übersichtliche Strasse. 

Sie hat den Charakter einer klassischen innerstädtischen Hauptverkehrsachse und 

nicht denjenigen einer Quartierstrasse. Trotzdem haben sich die übrigen Verkehrs-

teilnehmer auf die Einhaltung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit durch die 

übrigen Verkehrsteilnehmer verlassen dürfen und nicht mit einem Fahrzeug mit ei-

ner derart übersetzten Geschwindigkeit rechnen müssen. Zudem folgten dem Be-

schuldigten die Polizeifahrzeuge in dichtem Abstand, was eine zusätzliche Gefähr-

dung schuf. 

4.4. Eine Handlungsalternative in Form des unverzüglichen Beendens der Fahrt 

wäre dem Beschuldigten jederzeit zur Verfügung gestanden. 

4.5. Wie bereits erwähnt ist das hohe Risiko von Unfällen mit Schwerverletzten 

und Todesopfern bereits Tatbestandselement und darf im Zuge der individuellen 

Verschuldensbemessung  nicht  erneut  als  erhöhender  Faktor  berücksichtigt 

werden. Im Lichte der für diesen Tatbestand denkbaren Fallkonstellationen ist das 

Verschulden  deshalb  insgesamt  als  leicht  zu  qualifizieren.  Dies  dient  nicht  der 

absoluten Tatbewertung – geschweige denn der Verharmlosung der Tat – sondern 

einzig um das individuelle Tatverschulden im sehr breiten Spektrum des Strafrah-

mens von bis zu vier Jahren Freiheitsstrafe von Art. 90 Abs. 3ter SVG zu verankern. 

Eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten erscheint als angemessen. 

4.6. Die subjektiven Elemente wirken sich nicht zu Gunsten des Beschuldigten 

aus. Er handelte direktvorsätzlich. Der Grund der Flucht und der dadurch erhoffte 

Vorteil, nämlich sich vor der verfolgenden Polizei in Sicherheit zu bringen und so 

die mitgeführte Menge von 1,9 kg Betäubungsmitteln unentdeckt bleiben zu lassen, 

stehen in keinem Verhältnis zur geschaffenen Gefahr. 

- 26 -

4.7.

Täterkomponente

4.7.1. Der Beschuldigte stammt aus dem Sudan und kam kurz nach der Geburt in 

die Schweiz. Er hat hierorts die Schulen besucht und hernach eine kaufmännische 

Ausbildung absolviert. Danach arbeitete er in einem Callcenter und bei zwei Firmen 

in der Administration. Seit 2020 ist er im Hanfhandel tätig, seit 2021 auch in der 

Gastronomie,  seine  Gesellschaft  führt  zwei  Imbisslokale  (Urk. 143  S. 50).  Heute 

gab der Beschuldigte an, noch immer die beiden Take Away-Restaurants zu leiten 

und dabei ca. Fr. 4'500.– monatlich zu verdienen, wobei er 13 Monatslöhne erhalte. 

Er  wohne  mit  seiner  arbeitstätigen  Ehefrau  zusammen;  sie  hätten  keine  Kinder 

(Urk. 164  S. 1  f.).  Aus  den  persönlichen  Verhältnissen  lassen  sich  keine  strafzu-

messungsrelevanten Faktoren ableiten.

4.7.2. Der Beschuldigte ist, nach anfänglichem Schweigen, seit der Hauptverhand-

lung  zwar  im  vollen  Umfange  geständig,  allerdings  hat  dieses  späte  Geständnis 

nicht  zu  einer  wesentlichen  Vereinfachung  und  Beschleunigung  des  Verfahrens 

beigetragen. Dies wirkt sich nur sehr leicht zu seinen Gunsten aus. 

4.7.3. Der Beschuldigte weist fünf Vorstrafen auf (Urk. 144; Urk. 161). Wohl lagen 

diese auch bereits zum Tatzeitpunkt einige Jahre zurück und sind hinsichtlich der 

Strassenverkehrsdelikte  nicht  einschlägig.  Zudem  wogen  die  begangenen  Taten 

nicht  allzu  schwer.  Jedoch  wurden  deren  drei  ohne  Gewährung  des  bedingten 

Vollzuges ausgesprochen, was eben so wenig Wirkung zeigte wie die laufende Pro-

bezeit eines anderen früheren Verfahrens. Dies zeugt von einer erheblichen Gleich-

gültigkeit  gegenüber  der  Rechtsordnung,  was  sich  zu  Ungunsten  des 

Beschuldigten auswirkt. Damit ist der Vorinstanz, welche das Nachtatverhalten als 

durch die Vorstrafen kompensiert sieht, nicht zu folgen. Vielmehr ist die Einsatz-

strafe auf 9 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.  

5. Mehrfache grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Anklageziffern 1.1.2, 1.1.4, 

1.1.6, 1.1.7, 1.1.9, 1.1.12, 1.1.13, 1.1.14)

5.1. Wie erwähnt ist für die übrigen groben Verkehrsregelverletzungen auf Grund 

ihres  engen  zeitlichen,  räumlichen  und  sachlichen  Zusammenhanges  eine 

Einheitsstrafe  auszufällen  (vgl.  vorne  Ziff. 3.3  ff.).  In  objektiver  Hinsicht  fällt  ins 

- 27 -

Gewicht, dass der Beschuldigte acht grobe Verkehrsregelverletzungen begangen 

hat,  welche  jede  bereits  für  sich  isoliert  betrachtet  erheblich  wiegt.  Das  Rennen, 

eine eigentliche Verfolgungsjagd, welche er sich mit der ihm folgenden Polizei ge-

liefert hat, dauerte fünfzehn Minuten und führte über etliche Kilometer durch den 

ganzen westlichen Teil der Stadt Zürich. Es handelte sich demzufolge nicht um ein 

bloss wenige Sekunden dauerndes gefährliches Fahrmanöver wie das in ähnlich 

gelagerten  Fällen  üblicherweise  der  Fall  ist.  Vielmehr  legte  der  Beschuldigte  mit 

seiner Flucht ein halsbrecherisches, extrem gefährliches und rücksichtsloses Ver-

halten an den Tag. Zwar herrschten zur Tatzeit gute Sicht- und Strassenverhält-

nisse, doch führte ihn seine Fahrt durch dicht besiedeltes Gebiet. Obwohl auch bei 

der groben Verkehrsregelverletzung die abstrakte erhöhte Gefährdung der übrigen 

Verkehrsteilnehmer Tatbestandselement ist, fällt vorliegend ins Gewicht, dass eine 

besonders hohe Vielzahl von Verkehrsteilnehmern durch die Tat betroffen war. 

5.2.

Zum Motiv sowie in subjektiver Hinsicht kann auf das bereits unter Ziff. 4.6 

und Ziff. 4.7 Ausgeführte verwiesen werden. Somit erweist sich das Verschulden 

des Beschuldigten als schwer und ist deshalb in der unteren Hälfte des obersten 

Drittels des Strafrahmens anzusiedeln. Eine Einzelstrafe von 27 Monaten Freiheits-

strafe  erscheint  als  angemessen.  Unter  Anwendung  des  Asperationsprinzips  ist 

eine Erhöhung der Einsatzstrafe um 20 Monate Freiheitsstrafe angezeigt. 

6.

Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 1.1.17)

6.1. Bei  der  objektiven  Tatschwere  gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  die  Verlet-

zungen  des  Geschädigten  C._____  eher  leicht  waren.  Zwar  wurde  ein  ärztlicher 

Eingriff  nötig,  doch  heilten  die  Verletzungen  komplikations-  und  folgenlos  aus 

(Urk. 20/2  S. 4).  Doch  gilt  es  auch  hier  zu  berücksichtigen,  dass  die  –  relative  – 

Leichtigkeit  der  Verletzungen  tatbestandsimmanent  ist,  schwerere  Verletzungen 

oder komplexe Heilungsverläufe fallen unter den Tatbestand der schweren Körper-

verletzung.  Zudem  haftet  den  Verletzungen  auf  Grund  der  hohen  Dynamik  der 

Geschehnisse etwas Zufälliges an. Anders etwa als bei einem Faustschlag, wo die 

Folgen in der Regel absehbar sind, hat die Kollision mit einem schleudernden Auto 

respektive mit einem von einem Auto überfahrenen schleudernden Velo unabseh-

- 28 -

bare Folgen. Das Verschulden wiegt somit nicht mehr leicht und ist in der oberen 

Hälfte des untersten Drittels des Strafrahmens anzusiedeln. 

6.2. Subjektiv handelte der Beschuldigte mit Eventualvorsatz. Zum Motiv und mit 

Bezug auf die Täterkomponenten kann auf das unter Ziff. 4.6 und Ziff. 4.7 Gesagte 

verwiesen werden; es resultiert zufolge der auch hinsichtlich Körperverletzungsde-

likten nicht einschlägigen Vorstrafen eine Erhöhung der Einsatzstrafe. Eine Sank-

tion von 9 Monaten Freiheitsstrafe ist (noch ohne Asperation) angemessen. Wohl 

erfolgte die Körperverletzung in einem Zug mit den Verkehrsdelikten und ist letztlich 

auch Folge derselben. Trotzdem gilt es bei der Asperation zu berücksichtigen, dass 

ein anderes Rechtsgut betroffen ist. Eine Asperation um 6 Monate Freiheitsstrafe 

erscheint somit als angemessen. 

7. Mehrfaches Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Anklagezif-

fer 1.2)

Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen 

werden  (Urk. 143  S. 53),  welche  sich  insbesondere  unter  stärkerer  Berücksichti-

gung der diesbezüglich einschlägigen Vorstrafen als angemessen erweist. Die Ein-

satzstrafe  ist  unter  Anwendung  des  Asperationsprinzips  um  4 Monate  Freiheits-

strafe zu erhöhen.

8.

Sachbeschädigung (Anklageziffer 1.1.15)

8.1. Bei der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschul-

digte am Patrouillenfahrzeug einen erheblichen Sachschaden von einigen Tausend 

Franken verursachte. Damit ist die Grenze von einem geringfügigen Schaden von 

Fr. 300.–  deutlich  überschritten,  die  Schwelle  zum  grossen  Schaden  (ab 

Fr. 10'000.–) wird aber klarerweise auch noch nicht erreicht. In subjektiver Hinsicht 

handelte der Beschuldigte eventualvorsätzlich. Zum Motiv kann auf die Erwägun-

gen unter Ziff. 4.6 verwiesen werden. Das Verschulden erscheint leicht und ist in 

der unteren Hälfte des untersten Drittels des Strafrahmens anzusiedeln. Eine Strafe 

von 100 Tagessätzen erscheint daher angezeigt.

- 29 -

8.2. Ein Geständnis liegt in Bezug auf die Sachbeschädigung nicht vor. Hinsicht-

lich der übrigen Strafzumessungsfaktoren kann auf die Ausführungen unter Ziff. 4.7 

verwiesen werden, was trotz der auch in Bezug auf die Sachbeschädigung nicht 

einschlägigen  Vorstrafen  zu  einer  Erhöhung  der  Strafe  führt.  Eine  Strafe  von 

110 Tagessätzen ist angezeigt. 

9.

Hinderung einer Amtshandlung (Anklageziffer 1.1.1)

9.1.

In objektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass die Tatumstände der 

gesamten Flucht und des sich Entziehens vor dem polizeilichen Zugriff von erheb-

licher Schwere waren und der Beschuldigte damit eine sehr grosse Hartnäckigkeit 

an  den  Tag  gelegt  hat.  Sein  Verhalten  war  nicht  ein  vergleichsweise  harmloses 

widerborstiges  Verhalten  bei  der  Festnahme,  welches  verschuldensmässig  im 

untersten Bereich anzusiedeln wäre, sondern vielmehr ein sehr aktives und gefähr-

liches, nämlich eine halsbrecherische Fahrt durch Wohnquartiere, welche in einem 

schweren Verkehrsunfall mit einem Verletzten gipfelte. Erst dann konnte er arretiert 

und kontrolliert werden. Wohl wurden die begangenen Verkehrsregelverletzungen 

gesondert  sanktioniert.  Das  Unrecht  der  Rechtsgutverletzung  bei  der  Hinderung 

einer Amtshandlung, nämlich das Funktionieren staatlicher Organe und damit die 

Durchsetzung der Rechtsordnung in Form hoheitlichen Handelns, ist dadurch aber 

nicht abgegolten. Wohl ging dem Delikt keine Planung voraus, doch zeugt es von 

einer erheblichen kriminellen Energie, indem er dabei die handelnden staatlichen 

Organe einer erheblichen Gefährdung aussetzte und für seine Flucht die Gefähr-

dung zahlreicher Menschen in Kauf nahm. Zum Motiv kann auf die Erwägungen 

unter Ziff. 4.6 verwiesen werden. Damit erweist sich das Verschulden als schwer. 

Eine  Geldstrafe  von  25 Tagessätzen  –  bei  einer  Strafrahmenobergrenze  von 

30 Tagessätzen (Art. 286 Abs. 1 StGB) – erweist sich somit als angemessen. 

9.2. Sein spätes Geständnis wirkt sich auf Grund der erdrückenden Beweislage 

als  kaum  ins  Gewicht  fallend  aus,  im  Gegensatz  zu  den  Vorstrafen,  wovon  eine 

einschlägig ist, und für welche er mit einer unbedingten Strafe sanktioniert wurde. 

Hinsichtlich der übrigen Strafzumessungsfaktoren kann auf die Ausführungen unter 

Ziff. 4.7  verwiesen  werden.  Insgesamt  ergibt  sich  eine  Erhöhung  der  Strafe  von 

25 Tagessätzen, welche Erhöhung mit Blick auf die Asperation aber gerade wieder 

- 30 -

kompensiert wird. Diesbezüglich gilt es nämlich festzustellen, dass sämtliche Hand-

lungen in einem Zug begangen wurden, womit zwar eine erhebliche Nähe besteht, 

doch  sind  die  Rechtsgüter  gänzlich  verschieden,  weshalb  sich  das  Asperations-

prinzip  kaum  auswirkt.  Es  erscheint  somit  eine  Sanktion  von  25 Tagessätzen 

Geldstrafe als angemessen. 

10. Vergehen gegen das Waffengesetz (Anklageziffer 1.3)

Auch diesbezüglich erweist sich die vorinstanzliche Strafzumessung als angemes-

sen (Urk. 143 S. 54). Es ist eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen auszufällen. Eine 

Reduktion  zufolge  des  Asperationsprinzips  ist  nicht  angezeigt,  da  das  Vergehen 

gegen das Waffengesetz in keinem Zusammenhang mit den übrigen Delikten steht.

11. Mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln (Anklageziffern 1.1.3, 1.1.5, 1.1.8, 

1.1.11)

Wie oben ausgeführt sind die Verurteilungen in Rechtskraft erwachsen und ist die 

rechtliche Qualifikation als jeweils einfache Verletzung der Verkehrsregeln bindend. 

Bei der konkreten Bemessung der Bussen verweist die Vorinstanz auf die Überle-

gungen zur Strafzumessung der groben Verkehrsregelverletzung (Urk. 143 S. 55). 

Dem kann nicht gefolgt werden. So hat die Vorinstanz im Zusammenhang mit der 

groben  Verkehrsregelverletzung  das  Verhalten  des  Beschuldigten  als  extrem 

gefährlich und rücksichtslos qualifiziert (Urk. 143 S. 52). Dies war bei den einfachen 

Verkehrsregelverletzungen  zumindest  mit  Bezug  auf  die  Gefährlichkeit  nicht  der 

Fall. Trotzdem sind auch diese Taten keineswegs zu bagatellisieren. So trifft die 

vorinstanzliche Feststellung zu, wonach ein Befahren einer Einbahnstrasse grund-

sätzlich einen Ordnungsbussentatbestand erfüllt. Doch sind die vorliegenden Tat-

umstände  in  Form  einer  waghalsigen  Flucht  nicht  mit  denjenigen  einer  gewöhn-

lichen Geisterfahrt in einer Quartierstrasse zu vergleichen. Vielmehr bewegen sich 

die  vorgeworfenen  Taten  im  Grenzbereich  zur  groben  Verkehrsregelverletzung. 

Eine Busse in der Höhe von Fr. 2'000.– ist angemessen.

- 31 -

12. Zusammenfassung

12.1. Die  Einsatzstrafe  von  9  Monaten  Freiheitsstrafe  ist  unter  Anwendung  des 

Asperationsprinzips somit um 20 und 6 und 4 Monate zu erhöhen. Unter Einbezug 

der von der Vorinstanz zu Recht widerrufenen Sanktion von asperierten 4 Monaten 

ist auf eine Gesamtstrafe von 43 Monaten Freiheitsstrafe zu erkennen. 

12.2. Für die Sachbeschädigung (Anklageziffer 1.1.15) wurde eine Geldstrafe von 

110  Tagessätzen  festgelegt,  hinzu  kommen  die  Hinderung  der  Amtshandlung 

(Anklageziffer 1.1.1) mit einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen sowie das Vergehen 

gegen das Waffengesetz (Anklageziffer 1.3) mit einer solchen von 10 Tagessätzen 

(beide Strafen bereits asperiert). Insgesamt ist damit eine Geldstrafe von 145 Ta-

gessätzen  auszusprechen.  Aktuell  erzielt  der  Beschuldigte  ein  Einkommen  von 

Fr. 4'500.–  monatlich  (Urk. 164  S. 2).  Angesichts  dessen  erscheint  die  von  der 

Vorinstanz  festgesetzte  Tagessatzhöhe  von  Fr. 30.–  als  angemessen.  Der 

Beschuldigte ist folglich mit einer Geldstrafe von 145 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu 

bestrafen.

12.3. Zusätzlich  ist  dem  Beschuldigten  für  die  Übertretungen  eine  Busse  von 

Fr. 2'000.– aufzuerlegen.

12.4. Die  erstandene  Haft  von  648  Tagen  ist  dem  Beschuldigten  im  Sinne  von 

Art. 51 StGB und unter Verweis auf die vorinstanzlichen Ausführungen an die Frei-

heitsstrafe anzurechnen (Urk. 143 S. 55 f.). 

IV. Strafvollzug

1.

Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz hat den Vollzug der Strafe im Umfang von 18 Monaten unter Anset-

zung  einer  dreijährigen  Probezeit  aufgeschoben  und  im  Umfang  der  weiteren 

18 Monate  den  Vollzug  angeordnet.  Ebenso  hat  es  den  Vollzug  der  Geldstrafe 

unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit aufgeschoben, beides unter Verweis 

auf eine günstige Prognose (Urk. 143 S. 58). 

- 32 -

2.

Freiheitsstrafe

Bereits aufgrund der ausgefällten Sanktion von 43 Monaten kommt der Aufschub 

des  Vollzuges  der  Freiheitsstrafe  nicht  mehr  in  Frage,  auch  nicht  der  teilweise 

(Art. 42 und Art. 43 StGB). 

3. Geldstrafe

3.1. Bei der Geldstrafe ist der Aufschub des Vollzugs möglich, sofern eine unbe-

dingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer 

Straftaten abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Die Vorinstanz hat den Aufschub des 

Geldstrafenvollzugs  gewährt  mit  der  Begründung,  dass  eine  günstige  Prognose 

vorliege.  Diese  Prognose  stützt  sie  auf  seine  vor  Gericht  glaubhaft  abgegebene 

Versicherung, wonach seine berufliche und private Zukunft stabil sei. Worin diese 

Versicherungen  bestehen  und  weshalb  diese  glaubhaft  sein  sollen,  hat  die  Vor-

instanz nicht erwähnt (Urk. 143 S. 57). 

3.2. Die Vorstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe steht zwar grundsätzlich dem 

Aufschub  des  Vollzugs  nicht  entgegen,  selbst  wenn  keine  besonders  günstigen 

Umstände vorliegen (Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). Letztere sind jedoch nicht 

zu erkennen und auch im Übrigen scheint der Vollzug der Geldstrafe notwendig, 

um  den  Beschuldigten  von  der  Begehung  weiterer  Verbrechen  oder  Vergehen 

abzuhalten.  Wohl  ist  beim  Beschuldigten  eine  gewisse  Stabilisierung  in  den 

persönlichen  Verhältnissen  festzustellen.  Dies  darf  jedoch  nicht  darüber  hinweg 

täuschen, dass der Beschuldigte fünf, teilweise einschlägige und teilweise unbe-

dingt ausgefällte Vorstrafen aufweist (vgl. vorne Ziff. 4.7.3). Der Umstand, dass der 

Beschuldigte  trotz  vollzogener  Geldstrafen  und  innerhalb  laufender  Probezeit 

erneut  und  in  viel  schwereren  Ausmasses  straffällig  wurde,  lässt  den  Schluss, 

wonach  eine  blosse  Warnstrafe  Wirkung  erzielen  könnte,  nicht  zu.  Über  seine 

persönliche Situation zum Tatzeitpunkt ist kaum etwas bekannt. Gemäss eigenen 

Angaben sei er Gesellschafter von zwei Firmen im Hanfanbau gewesen. Hinweise, 

wonach  seine  persönliche  Situation  damals  eine  besonders  missliche  gewesen 

sein soll, lassen sich den Akten nicht entnehmen. Vielmehr ist davon auszugehen, 

dass er auch damals in geordneten Verhältnissen gelebt hat. Somit ist nicht von 

- 33 -

einer erheblichen Veränderung der Verhältnisse auszugehen und es muss ihm eine 

schlechte Prognose gestellt werden. Die Geldstrafe ist zu vollziehen. 

4.

Busse und Ersatzfreiheitsstrafe

Die Busse von Fr. 2'000.– ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für den Fall, dass 

die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 

Freiheitsstrafe festzusetzen. 

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren

1.1. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'600.– festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO in 

Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des Obergerichts). 

Die  Kosten  im  Rechtsmittelverfahren  tragen  die  Parteien  nach  Massgabe  ihres 

Obsiegens  oder  Unterliegens  (Art. 428  Abs. 1  StPO).  Ob  eine  Partei  im  Rechts-

mittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in welchem 

Ausmass  ihre  vor  Beschwerdeinstanz  bzw.  Berufungsgericht  gestellten  Anträge 

gutgeheissen wurden (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 428 StPO N 6).

1.2. Die Staatsanwaltschaft unterliegt im Berufungsverfahren mit ihren Anträgen 

relativ weitgehend, da einzig ein Schuldspruch wegen Sachbeschädigung erfolgt 

und  die  Sanktion  nach  oben  angepasst  wird.  Der  Beschuldigte  hat  zwar  weder 

Berufung noch Anschlussberufung erhoben. Stellt eine Partei, die kein Rechtsmittel 

eingelegt hat, aber zu einer allfälligen Stellungnahme eingeladen worden ist, keine 

Anträge,  so  kann  sie  weder  obsiegen  noch  unterliegen  und  dadurch  auch  nicht 

kostenpflichtig werden (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 428 N 6). Der Beschuldigte be-

antragt im Berufungsverfahren indes die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

(Urk. 150; Urk. 167 S. 1 f.). Damit gilt er als teilweise unterliegend. Die Privatkläger 

unterliegen beide je vollumfänglich. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten 

einen Viertel der Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen, im Übrigen sind 

die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen mit Ausnahme der Kosten der amtlichen 

Verteidigung,  welche  im  Umfang  von  drei  Vierteln  definitiv  und  im  Umfang  von 

einem  Viertel  einstweilen  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen  sind.  Diesbezüglich 

- 34 -

bleibt  die  Rückzahlungspflicht  des  Beschuldigten  vorbehalten  (Art. 135  Abs. 4 

StPO).  

2.

Entschädigung der amtlichen Verteidigung

Der amtliche Verteidiger macht für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren ein 

Honorar von Fr. 4'069.46 (inkl. MwSt.) geltend, welches ausgewiesen ist (Urk. 162; 

Urk. 163).  Hinzuzuzählen  sind  die  Aufwendungen  für  die  heutige  Berufungsver-

handlung und die Abschlussarbeiten von (insgesamt) fünf Stunden. Die amtliche 

Verteidigung ist daher mit pauschal Fr. 5'300.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) zu 

entschädigen.  

Es wird beschlossen:

1.

Auf die Anschlussberufung des Privatklägers 1 (A._____) hinsichtlich des 

Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der Sachbeschädigung im 

Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.15) wird nicht eingetreten. 

2.

Auf die Anschlussberufung der Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich) wird 

nicht eingetreten.

3.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, 

vom 9. Januar 2024 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

Es wird erkannt:

1.

2.

[…]

Der Beschuldigte ist schuldig





der qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 

Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 4 lit. a und Abs. 3ter SVG (Anklageziffer 1.1.10);

der mehrfachen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 

Abs. 2 SVG (Anklageziffern 1.1.2, 1.1.4, 1.1.6, 1.1.7, 1.1.9, 1.1.12, 1.1.13, 

1.1.14);

3.

4.

5.

6.

7.

8.

- 35 -

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (Anklagezif-

fer 1.1.17);

des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von 

Art. 19 Abs. 1 lit. b und lit. d BetmG (Anklageziffer 1.2);

des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG 

(Anklageziffer 1.3);

der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB (Anklageziffer 

1.1.1);

der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 

SVG (Anklageziffern 1.1.3, 1.1.5, 1.1.8, 1.1.11).











[…]

[…]

[…]

[…] 

[…]

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 9. Novem-

ber 2022 beschlagnahmten Betäubungsmittel und weiteren Gegenstände werden ein-

gezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:

























Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'387),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'398),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'401),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'412),

Betäubungsmittel (Asservate-Nr. A015'557'423),

1 Klappmesser (Asservate-Nr. A015'557'887),

1 Schlagring (Asservate-Nr. A015'557'990),

Haschisch in Stücken (Asservate-Nr. A015'559'645),

3 Vakumiergeräte (Asservate-Nr. A015'559'678),

3 Feinwagen (Asservate-Nr. A015'559'714),

div. BM Utensilien (Asservate-Nr. A015'559'725),

Luftfilter in Tasche mit div. Zubehör (Asservate-Nr. A015'559'747),

- 36 -



div. benutzte Vakuumbeutel mit Rückständen (Asservate-Nr. A015'559'758).

9.

Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 9. November 2022 

beschlagnahmten Fr. 401.35 (Asservate-Nr. A015'557'467) und Fr. 280.– (Asservate-

Nr. A015'557'672) werden eingezogen und zur Deckung der Busse und zur teilweisen 

Deckung der Verfahrenskosten verwendet.

10.

Die Privatklägerin 2 (Kantonspolizei Zürich) wird mit ihrem Schadenersatzbegehren 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11.

[…]

12.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

8'000.00; die weiteren Kosten betragen:

8'000.00  Gebühr für das Vorverfahren

3'980.00  Kosten Kantonspolizei Zürich

24'347.85  Gutachten / Expertisen

4'137.15  Auslagen Untersuchung

1'077.00  diverse Kosten

1'100.00  Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB230072-O)

1'100.00  Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB220098-O)

1'000.00  Kosten Obergericht (Geschäfts-Nr.: UB220144-O)

[…]

  Entschädigung amtliche Verteidigung

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

13.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen dieje-

nigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zur Hälfte auferlegt. Im 

Übrigen werden sie auf die Gerichtskasse genommen.

14.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; 

vorbehalten bleibt eine Nachforderung der Hälfte gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

15.

(Mitteilungen)

16.

(Rechtsmittel)

4. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

- 37 -

5. Gegen Dispositivziffern 1 und 2 dieses Entscheides kann bundesrechtliche 

Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte B._____ wird zusätzlich schuldig gesprochen der Sachbe-

schädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.15).

2.

Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen 





der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1.16) und

der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Anklage-

ziffern 1.1.16 und 1.1.17).

3.

Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

vom 2. Mai 2016 ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird widerrufen.

4.

Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 

einer Freiheitsstrafe von 43 Monaten als Gesamtstrafe, wovon 648 Tage 

durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug er-

standen sind, sowie mit einer Geldstrafe von 145 Tagessätzen zu Fr. 30.– 

und einer Busse von Fr. 2'000.–.

5.

Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen.

- 38 -

6.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen.

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

5'300.–   amtliche Verteidigung.

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amt-

lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zu einem Viertel auferlegt 

und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung werden zu drei Vierteln definitiv und zu einem Viertel 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten im Umfange von einem Viertel bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO vorbehalten.

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis (übergeben)

den Privatkläger A._____ (versandt)

die Privatklägerin Kantonspolizei Zürich (übergeben)

- 39 -

sowie in vollständiger Ausfertigung an











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis 

den Privatkläger A._____

die Privatklägerin Kantonspolizei Zürich 

das Bundesamt für Polizei, Zentralstelle Waffen, 3003 Bern 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an















die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung Administrativ-
massnahmen, Richterliche Fahrverbote, 8090 Zürich (PIN Nr. …)

die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, 8090 Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und Formular B 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mittels Formular "Löschung des 
DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials"

in die Untersuchungsakten der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 
Nr. ….

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

- 40 -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 24. Februar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. B. Gut

lic. iur. S. Maurer