# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cb93b63b-e1a4-54bc-9b15-3b19da991313
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.11.2023 D-4340/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4340-2023_2023-11-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4340/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 

Gerichtsschreiber Jonas Perrin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Dominik Züsli, Rechtsanwalt,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 11. Juli 2023 / N (…). 

 

 

 

D-4340/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein minderjähriger afghanischer Staatsangehöri-

ger und ethnischer Hazara – verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen 

Angaben Ende März 2021 und gelangte über Iran, die Türkei, Griechen-

land, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowe-

nien und Italien in die Schweiz, wo er am 14. Januar 2023 um Asyl nach-

suchte. 

B.  

Anlässlich der Erstbefragung UMA vom 4. Mai 2023 und der gleichentags 

durchgeführten Anhörung erklärte der Beschwerdeführer, er sei im Dorf 

B._______ in der Provinz Ghazni geboren, habe aber seit seinem siebten 

Lebensjahr in Herat gelebt. Nachdem sein Vater verschwunden sei, habe 

er dort zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester C._______ ge-

wohnt. Er habe die Schule für vier Jahre besucht, danach habe er als 

Schweisser gearbeitet. 

Zur Begründung seines Asylgesuch machte er im Wesentlichen Folgendes 

geltend: Als seine Schwester geheiratet habe, sei diese zu ihrem Ehemann 

– seinem Schwager – in die Provinz Ghazni gezogen. Dieser sei drogen-

abhängig gewesen und habe seine Schwester jeden Tag verprügelt; wenn 

er Geld gebraucht habe, habe er ihre Wertgegenstände verkauft. Da sein 

Schwager manchmal monatelang ausser Haus gewesen sei, habe dessen 

Bruder versucht, eine Beziehung zu seiner Schwester aufzubauen, was 

diese jedoch abgelehnt habe. Seine Schwester sei daher mit Hilfe eines 

Nachbarn nach Herat zurückgekehrt. Der Bruder seines Schwagers habe 

seine Schwester etwa fünf beziehungsweise sechs Monate später im ge-

meinsamen Haus seiner Familie in Herat aufgesucht, wobei es zu einem 

Streit gekommen sei. Dabei habe er – der Beschwerdeführer – den Bruder 

seines Schwagers mit einem Messer angegriffen, dieser habe ihm jedoch 

das Messer abnehmen können und ihn an der Lippe verletzt.  

Daraufhin habe seine Familie viele Drohnachrichten seines Schwagers er-

halten, woraufhin er – der Beschwerdeführer – gemeinsam mit seiner Mut-

ter und seiner Schwester nach Iran geflüchtet seien. Seine Mutter habe 

sich vor Repressalien gefürchtet, zumal der Vater seines Schwagers Kon-

takte zu den Taliban gehabt habe. Dieser habe die Taliban bei der Ein-

nahme Malistans unterstützt. In Iran habe seine Schwester weiterhin Droh-

nachrichten des Bruders ihres Ehemanns erhalten, weshalb sie dessen Te-

lefonnummer blockiert habe.  

D-4340/2023 

Seite 3 

Im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan würde er – der Beschwerdefüh-

rer – befürchten, von der Familie seines Schwagers behelligt oder an die 

Taliban übergeben zu werden. 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er eine Kopie einer Zugfahrkarte 

von Mailand nach Zürich sowie eine Kopie einer Tazkara ein. 

C.  

Mit Entscheid vom 11. Mai 2023 wies das SEM den Beschwerdeführer dem 

erweiterten Verfahren zu. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. Juli 2023 – eröffnet am 12. Juli 2023 – wies das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und verfügte seine Weg-

weisung aus der Schweiz, ordnete jedoch praxisgemäss eine vorläufige 

Aufnahme aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach 

Afghanistan an. 

E.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. August 2023 erhob der Be-

schwerdeführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-

tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine Flücht-

lingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei 

die Sache zur rechtsgenügenden Sachverhaltsfeststellung und Neubeur-

teilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kosten-

vorschusses sowie der amtlichen Rechtsverbeiständung des rubrizierten 

Rechtsvertreters. 

F.  

Mit Schreiben vom 11. August 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsge-

richt den Eingang der Beschwerde. Gleichentags lagen ihm die vorinstanz-

lichen Akten in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

 

 

 

 

D-4340/2023 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

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Seite 5 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde zunächst formelle 

Rügen geltend. Diese sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein 

könnten, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.  

5.2 Der Beschwerdeführer rügte die unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts. Die Vorinstanz habe den Umstand seiner 

Minderjährigkeit nicht genügend gewürdigt und in der Folge die Umstände 

der Verbindungen des Schwagers (recte: des Schwiegervaters seiner 

Schwester beziehungsweise des Vaters seines Schwagers) zu den Taliban 

nicht gebührend abgeklärt. Es wäre jedoch eine Obliegenheit der Vor- 

instanz gewesen, zur Sachverhaltsabklärung diplomatische Abklärungen 

vorzunehmen. 

5.2.1 Der Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 12 VwVG verlangt, dass 

die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhalts sorgt, die für das Verfahren notwendi-

gen Unterlagen beschafft, die rechtlich relevanten Umstände abklärt und 

ordnungsgemäss darüber Beweis führt. Eine Sachverhaltsfeststellung ist 

unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sach-

umstände berücksichtigt wurden (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3). 

5.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Vorinstanz den 

Beschwerdeführer hinreichend und altersgerecht zu seinen Fluchtgründen, 

dabei insbesondere auch zu den vorgebrachten Beziehungen zwischen 

dem Schwiegervater seiner Schwester und den Taliban, befragt hat, wobei 

immer wieder auch nachgefragt wurde (vgl. A17/7 F19 f.). Auch der Rechts-

vertretung war es möglich, im Rahmen der Anhörung Fragen zu den Aus-

sagen des Beschwerdeführers zu stellen (A17/7 37 ff.). Es ist nicht ersicht-

lich, inwiefern die Vorinstanz gehalten gewesen wäre, zusätzliche 

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Seite 6 

Abklärungen mittels diplomatischer Abklärungen zu tätigen, zumal alle für 

den Entscheid relevanten Umstände und Vorbringen berücksichtigt wur-

den. 

5.3 Weiter rügte der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs 

auf rechtliches Gehör, die Vorinstanz habe ihre Einschätzung betreffend 

die fehlende Asylrelevanz der vorgebrachten Verfolgung nur ungenügend 

begründet. Insbesondere habe das SEM sich nicht zur Schutzfähigkeit der 

afghanischen Behörden in Hinblick auf private Übergriffe geäussert. 

5.3.1 Die Begründungspflicht, als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, gebie-

tet, dass die betroffene Person den Entscheid gestützt auf die Begründung 

sachgerecht anfechten kann und sich sowohl die betroffene Person als 

auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild 

machen können (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6; KNEUBÜHLER/PEDRETTI, 

in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das 

VwVG, 2. Aufl., 2019, Rz. 5 ff. zu Art. 35 VwVG). 

5.3.2 Für das Bundesverwaltungsgericht ist vorliegend nicht ersichtlich, in-

wiefern die Vorinstanz ihre Begründungspflicht verletzt haben sollte. In der 

Sache lehnte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

wegen eines fehlenden Verfolgungsmotivs und fehlenden Verfolgungs-

handlungen beziehungsweise fehlender objektiver Furcht vor solchen ab; 

aufgrund der kumulativen Natur der Elemente des Flüchtlingsbegriffs war 

die Vorinstanz somit auch nicht gehalten – im Rahmen ihrer Begründungs-

pflicht – auf die weiteren Voraussetzungen für das Vorliegen der Flücht-

lingseigenschaft einzugehen. Die Vorinstanz hat ihre Erwägungen betref-

fend die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers gebührend be-

gründet, zumal es ihm durchaus möglich gewesen ist, den ablehnenden 

Asylentscheid sachgerecht anzufechten.  

5.4 Demnach erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet, weshalb 

kein Anlass zu einer Kassation der vorinstanzlichen Verfügung besteht. 

6.  

6.1 Zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheids führte das SEM 

an, bei der Streitigkeit mit der Familie des Schwagers des Beschwerdefüh-

rers handle es sich um eine private Angelegenheit, weshalb die in diesem 

Zusammenhang geltend gemachte Verfolgung nicht an ein flüchtlingsrecht-

lich relevantes Motiv anknüpfe. Zudem bestünden keine konkreten Indizien 

für die Furcht des Beschwerdeführers, er würde den Taliban ausgeliefert, 

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zumal die von ihm vorgebrachte Verbindung des Schwiegervaters seiner 

Schwester zu den Taliban lediglich auf Hörensagen beruhe. 

Ferner bestünde auch keine objektive Furcht vor künftiger Verfolgung. Ge-

mäss eigenen Aussagen sei der Beschwerdeführer selbst nicht von den 

Taliban bedroht worden, auch habe er selbst nie einen Taliban gesehen. 

Des Weiteren seien weder er noch andere Familienmitglieder politisch aktiv 

gewesen. Aus den Akten gingen keine Anhaltspunkte hervor, wonach die 

Taliban den Beschwerdeführer als oppositionelle Person wahrnehmen wür-

den, ein Interesse an seiner Person aus asylrechtlich relevanten Motiven 

seitens der Taliban sei somit nicht ersichtlich. Insofern sei davon auszuge-

hen, dass er aufgrund seiner fehlenden Exponiertheit nicht zu einer Risiko-

gruppe gehöre und damit im Falle einer Rückkehr kein erhöhtes Risiko ei-

ner Verfolgung durch die Taliban bestehe. 

Im Übrigen genüge die Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara gemäss bun-

desverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung für die Annahme des Beste-

hens einer Kollektivverfolgung in Afghanistan nicht. Auch habe der Be-

schwerdeführer keine individuell erlebten Nachteile geltend gemacht; ge-

mäss eigenen Aussagen habe er keine Behelligungen aufgrund seiner Eth-

nie erlebt. 

6.2 Der Beschwerdeführer erwiderte in seiner Beschwerde, er habe seine 

Schwester vor einem Übergriff seitens des Bruders seines Schwagers ver-

teidigt, weshalb er, seine Schwester und seine Mutter Morddrohungen er-

halten hätten. Diese Drohungen hätten über Monate angehalten und nur 

deshalb aufgehört, weil seine Schwester die Telefonnummer des Bruders 

ihres Ehegatten gesperrt habe; dies zeige die Aktualität des Verfolgungs-

interesses. Somit sei seine Furcht auch objektiv begründet. Des Weiteren 

hätten sie – der Beschwerdeführer, seine Schwester und seine Mutter – 

sich der Bedrohung nur durch die Ausreise nach Iran entziehen können, 

weshalb für sie in Afghanistan keine innerstaatliche Fluchtalternative be-

stehe. Auch sei sein Schwager (recte: der Vater seines Schwagers) direkt 

an der Machtübernahme der Taliban in Malistan beteiligt gewesen. Somit 

sei seine Befürchtung, den Taliban übergeben zu werden, auch objektiv 

begründet. 

Seine Zugehörigkeit zur Ethnie der Hazara verschärfe zudem sein Gefähr-

dungsprofil. Die Ethnie sei in der Gesamtwürdigung seines Risikoprofils zu 

berücksichtigen. Insgesamt sei daher davon auszugehen, dass er 

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entweder von seinem Onkel (recte: vom Vater seines Schwagers) getötet 

oder den Taliban ausgeliefert werden würde. 

Des Weiteren verkenne das SEM die aktuellen Entwicklungen in Afghanis-

tan; entgegen der Einschätzung der Vorinstanz sei vorliegend von einer 

Kollektivverfolgung der Hazara auszugehen, weshalb seine Flüchtlingsei-

genschaft auch deshalb festzustellen sei. 

Ferner habe er – der Beschwerdeführer – das Recht seiner Schwester auf 

sexuelle Selbstbestimmung verteidigt. Als ältestes männliches Familien-

mitglied sei er für die Handlungen seiner Schwester verantwortlich; in den 

Augen der Taliban sei er daher ein Feind des religiösen Regimes und es 

könne nicht vom Bestehen eines Schutzwillens der Taliban-Regierung aus-

gegangen werden. Auch seien die afghanischen Behörden nicht schutzfä-

hig, zumal der afghanische Staat aktuell über keine anerkannte Regierung 

verfüge. Er werde daher sowohl seitens Privater – der Familie seines 

Schwagers –, wie auch seitens des Staates – der Taliban – in asylrelevan-

ter Weise verfolgt. 

Schliesslich sei seine Flüchtlingseigenschaft auch aufgrund einer ihm dro-

henden Reflexverfolgung anzuerkennen. Gemäss der Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts liege eine Reflexverfolgung dann vor, 

wenn Angehörige von verfolgten Personen ebenfalls Repressalien ausge-

setzt seien, sei es, um Informationen über die verfolgte Person zu erhalten, 

um die Familie als Ganzes für die Aktivitäten des Verfolgten zu bestrafen, 

oder um die verfolgte Person zum Aufgeben ihrer Aktivitäten zu zwingen. 

Gemäss der Mitteilung des SEM vom 10. Juli 2023 gehe die Vorinstanz 

davon aus, dass sich die Situation von Frauen und Mädchen in Afghanistan 

seit der Machtübernahme der Taliban in vielen Lebensbereichen kontinu-

ierlich verschlechtert habe. Die zahlreichen Einschränkungen und aufer-

legten Verhaltensweisen hätten gravierende Auswirkungen auf ihre funda-

mentalen Menschenrechte und schränkten ihre Grundrechte massiv ein. 

Vor diesem Hintergrund könnten weibliche Asylsuchende aus Afghanistan 

sowohl als Opfer diskriminierender Gesetzgebung (Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe) als auch einer religiös motivierten Verfolgung 

betrachtet werden, weshalb ihnen die Flüchtlingseigenschaft zuzuerken-

nen sei. Sowohl seine Schwester wie auch seine Mutter würden daher die 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Seine Schwester 

habe sich seinem Schwager (recte: dem Bruder seines Schwagers) ver-

weigert und auch ihren Ehemann verlassen. Damit habe sie sich gegen die 

religiös-moralischen Vorstellungen der Taliban gestellt, weswegen sie als 

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Seite 9 

Gegnerin des Taliban-Regime gelten müsse. Er – der Beschwerdeführer – 

habe seine Schwester gegen die vorherrschenden religiösen Vorstellungen 

verteidigt, wodurch auch er in den Augen der Taliban als Feind des Re-

gimes erscheine, zumal er sich dadurch für ein emanzipiertes Frauenbild 

eingesetzt habe. In der Folge sei das Bestehen einer Reflexverfolgung zu 

bejahen. 

Mit Blick auf seine Mutter sei festzuhalten, dass der Flüchtlingsbegriff de-

klaratorischer und nicht konstitutiver Natur sei, weshalb ihm – dem Be-

schwerdeführer – als minderjährigem Sohn einer Frau mit originärer Flücht-

lingseigenschaft zumindest derivativ Asyl zu gewähren sei. 

7.  

7.1 Zunächst stellt das Bundesverwaltungsgericht – mit Blick auf die gel-

tend gemachten Vorfluchtgründe – fest, dass der vorgebrachte familiäre 

Streit – wie von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt – grundsätzlich priva-

ter Natur ist, er betrifft die Ehe der Schwester sowie ihre Weigerung, sich 

mit ihrem Schwager einzulassen. Die geltend gemachte Furcht des Be-

schwerdeführers vor Verfolgung durch seinen Schwager beziehungsweise 

dessen Bruder, knüpft daher nicht an eines der in Art. 3 AsylG abschlies-

send genannten Motive an. Weil es hinsichtlich der geltend gemachten Ver-

folgung bereits an einem asylrelevanten Motiv fehlt, stellt sich vorliegend 

die Frage nach dem Schutzwillen und der Schutzfähigkeit der Taliban be-

ziehungsweise des afghanischen Staats nicht. Das Vorbringen erweist sich 

daher als nicht asylrelevant. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann an 

dieser Stelle auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden. 

Aus den Akten gehen auch keine konkreten Hinweise hervor, wonach der 

Beschwerdeführer aus der Sicht der Taliban als Oppositioneller oder Geg-

ner des Regimes gelten könnte, zumal er selbst keine Behelligungen sei-

tens der Taliban geltend machte, sondern angab, nie von Angesicht zu An-

gesicht mit einem Taliban gesprochen zu haben (vgl. A15/10 F1.08). Zu-

dem liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Taliban zum Zeit-

punkt seiner Ausreise aus Afghanistan Kenntnis von der privaten Streitig-

keit zwischen seiner Familie und derjenigen seines Schwagers hatte. Asyl-

relevante Vorfluchtgründe sind somit nicht ersichtlich; im Übrigen ist auf die 

diesbezüglich zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung 

zu verweisen. 

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Seite 10 

7.2 Mit Blick auf das Vorbringen, es bestehe aufgrund der Verbindungen 

des Vaters seines Schwagers zu den Taliban begründete Furcht, bei einer 

Rückkehr nach Afghanistan den Taliban übergeben zu werden, stellt das 

Gericht fest, dass es dem Beschwerdeführer auch auf Nachfrage hin nicht 

gelungen ist, die geltend gemachten Beziehungen in hinreichender Weise 

zu substantiieren. Hierzu gab der Beschwerdeführer an, er habe über ei-

nen Onkel erfahren, dass der Vater seines Schwagers sowohl mit der ehe-

maligen Regierung wie auch mit den Taliban Kontakt gehabt habe (A17/7 

F19), er – der Beschwerdeführer – habe jedoch keine weiterführenden In-

formationen dazu, nur dass er bei der Übernahme von Malestan die Taliban 

unterstützt habe (A17/7 F20 f.). Zudem beruhen seine weiteren diesbezüg-

lichen Ausführungen – wie von ihm selbst eingeräumt – auf Hörensagen. 

So gab er in der Anhörung zu Protokoll, sein Onkel habe seiner Mutter er-

zählt, der Vater seines Schwagers habe den Taliban bei der Einnahme von 

Malistan geholfen, indem er ihnen den Weg gezeigt und auf die Standorte 

der Polizei hingewiesen habe (vgl. A17/7 F20 und 21); auch habe ihm sein 

Onkel gesagt, der Vater seines Schwagers habe Kontakt zu den Taliban, 

ob dieser selbst Mitglied sei, wisse er hingegen nicht (A17/7 F37 ff.).  

Die Einschätzung der Vorinstanz ist zutreffend, wonach es dem Beschwer-

deführer nicht gelungen ist, eine auch objektiv begründete Furcht darzule-

gen, bei einer Rückkehr nach Afghanistan an die Taliban ausgeliefert zu 

werden. An dieser Einschätzung vermag auch der Einwand des Beschwer-

deführers, seine ethnische Zugehörigkeit würde sein Gefährdungsprofil 

schärfen, nicht zu ändern, zumal nach dem Gesagten ein Interesse der 

Taliban an der Person des Beschwerdeführers nicht nachvollziehbar er-

scheint. 

7.3  

7.3.1 Mit Blick auf die geltend gemachte Reflexverfolgung ist Folgendes 

festzustellen: Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts kann die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einer Ver-

folgung ausgesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen (vgl. Urteile des 

BVGer D-3396/2022 vom 29. September 2022 E. 6.2.1, D-1728/2022 vom 

10. Mai 2022 E. 7.4, D-2161/2021 vom 12. Januar 2022 E. 7.2 ff., 

E-3520/2014 vom 3. November 2015 E. 7.3). Für das Vorliegen einer Re-

flexverfolgung muss glaubhaft gemacht werden, dass begründeter Anlass 

zur Annahme besteht, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen. Hierfür müssen 

konkrete Indizien und tatsächliche Anhaltspunkte dargelegt werden, die die 

Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen 

D-4340/2023 

Seite 11 

lassen. Eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung ist mithin zu beja-

hen, wenn eine Person aufgrund konkreter Indizien mit guten Gründen, das 

heisst objektiv nachvollziehbar, befürchten muss, dass ihr mit Wahrschein-

lichkeit Verfolgung droht, und ihr deshalb ein weiterer Verbleib im Heimat-

staat nicht zugemutet werden kann (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5; Urteil 

des BVGer E-4140/2014 vom 13. Oktober 2014 E. 5.4). 

7.3.2 Es ist vorliegend nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-

rer Opfer einer Reflexverfolgung werden würde. Zwar brachte er vor, er 

habe die sexuelle Selbstbestimmung seiner Schwester im Verhältnis zum 

Bruder seines Schwagers verteidigt, wodurch er aus der Sicht der Taliban 

ebenfalls als Gegner ihres Regimes angesehen werde, zumal er als ältes-

tes männliches Familienmitglied für die Handlungen seiner Schwester ver-

antwortlich gemacht werden würde. Es liegen jedoch keine konkreten Hin-

weise dafür vor, dass die Taliban Kenntnis von der familiären Streitigkeit 

zwischen dem Beschwerdeführer und dem Bruder seines Schwagers hät-

ten. Daran vermag auch der Einwand des Beschwerdeführers, der Vater 

seines Schwagers habe Verbindungen zu den Taliban, nichts zu ändern, 

zumal es dem Beschwerdeführer auch auf Nachfrage hin nicht gelungen 

ist, die vorgebrachte Taliban-Verbindung in hinreichender Weise zu sub-

stantiieren (vgl. E. 7.2; A17/7 F19 f. und 37 ff.). In der Folge ist es dem 

Beschwerdeführer vorliegend nicht gelungen, konkrete Hinweise und tat-

sächliche Anhaltspunkte für die geltend gemachte Reflexverfolgung darzu-

legen. Das Gericht stellt demnach fest, dass eine Furcht vor einer real dro-

henden Verfolgung nicht nachvollziehbar erscheint, das Bestehen einer 

Reflexverfolgung ist daher zu verneinen. 

7.4  

7.4.1 Ferner brachte der Beschwerdeführer vor, er sei bereits aufgrund sei-

ner ethnischen Zugehörigkeit zu den Hazara einer Kollektivverfolgung aus-

gesetzt, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl 

zu gewähren sei. 

7.4.2 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind 

gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sehr hoch 

(vgl. BVGE 2013/21 E. 9.1; 2013/12 E. 6, je m.w.H.). Eine solche liegt vor, 

wenn eine relativ grosse Anzahl Personen eines bestimmten Kollektivs ei-

ner flüchtlingsrelevanten Verfolgung ausgesetzt ist. Als erstes Erfordernis 

wird der Betroffene die Zugehörigkeit zum entsprechenden Kollektiv nach-

weisen müssen. Sodann müssen die flüchtlingsrechtlich zu beurteilenden 

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Seite 12 

Massnahmen in gezielter Art und Weise gegen das Kollektiv gerichtet sein, 

eine gewisse Intensität aufweisen und über das hinausgehen, was andere 

Teile der Bevölkerung an Nachteilen und Übergriffen hinzunehmen haben. 

Aus der Verfolgung einzelner, zum Kollektiv gehörender Personen kann 

dabei nicht ohne Weiteres auf die Verfolgung des Kollektivs geschlossen 

werden. Die gezielten und intensiven Nachteile müssen vielmehr zum Ziel 

haben, möglichst alle Mitglieder des Kollektivs zu treffen, und sie müssen 

in Relation zur Grösse des Kollektivs eine bestimmte Dichte aufweisen, 

sodass der Einzelne aus der erheblichen Wahrscheinlichkeit heraus, selbst 

verfolgt zu werden, objektiv begründete Furcht hat (vgl. BVGE 2014/32 

E. 7.2). 

7.4.3 Die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur Ethnie der Hazara ist 

vorliegend unbestritten; auch ist nicht in Abrede zu stellen, dass sich die 

Situation der Hazara in Afghanistan schwierig präsentieren kann. Nichts-

destotrotz geht das Gericht auch nach der Machtübernahme der Taliban in 

Afghanistan nach wie vor nicht von einer Kollektivverfolgung von Angehö-

rigen der Ethnie der Hazara aus (vgl. Urteile des BVGer E-3278/2023 vom 

26. Juni 2023 E. 7.4.3, E-2318/2023 vom 16. Mai 2023 E. 5 und 6.4, 

D-3945/2021 vom 4. Mai 2023 E. 6.4, E-1578/2023 vom 6. April 2023 

E. 8.3, E-2800/2022 vom 2. Februar 2023 E. 5.8 und E-3700/2022 vom 

13. September 2022 E. 7.4). Insofern hat das SEM zu Recht festgehalten, 

dass keine Anzeichen dafür vorlägen, wonach Angehörige der Hazara ein-

zig wegen ihrer Ethnie einer gezielten Verfolgung ausgesetzt seien.  

7.5  

7.5.1 Des Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, es sei ihm derivativ 

Asyl zu gewähren, da seine Mutter als afghanische Frau die Voraussetzun-

gen an die Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung erfülle.  

7.5.2 Hierzu stellt das Gericht Folgendes fest: Gemäss Art.  51 Abs. 1 

AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten in der Schweiz Asyl, sofern keine 

besonderen Umstände dagegen sprechen. Zwar ist dem Beschwerdefüh-

rer insofern zuzustimmen, als dass die Flüchtlingseigenschaft rein dekla-

ratorischer Natur ist, und damit die Anerkennung erfolgt, weil jemand 

Flüchtling ist und nicht umgekehrt (vgl. UNHCR, Handbook on Procedures 

and Criteria for Determining Refugee Status and Guidelines for Internatio-

nal Protection, Rn. 28, Februar 2019, https://www.unhcr.org/media/hand-

book-procedures-and-criteria-determining-refugee-status-under-1951-

convention-and-1967, abgerufen am 05.09.2023; vgl. auch Urteil des 

D-4340/2023 

Seite 13 

EuGH vom 1. August 2022 C-279/20 Bundesrepublik Deutschland/XC, 

Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehen, Rn. 46 m.w.H.; vgl. 

auch Ziff. 14 der Präambel der Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 

29. April 2004 über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status 

von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Per-

sonen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen, und über den In-

halt des zu gewährenden Schutzes). Der massgebliche Zeitpunkt für die 

Feststellung, ob die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 1 AsylG erfüllt sind, 

ist der Zeitpunkt des Entscheids über den Einbezug (vgl. EMARK 2002/20 

E. 5a). Dies setzt nach Schweizer Asylpraxis – in materieller Hinsicht – vor-

aus, dass die Person, von welcher die Asylgewährung abgeleitet werden 

soll, sich bereits in der Schweiz befindet und – trotz deklaratorischer Natur 

der Flüchtlingseigenschaft – eine Anerkennung als Flüchtling und die Ge-

währung von Asyl durch die schweizerischen Behörden stattgefunden hat. 

Angesichts des Umstands, dass betreffend die Mutter des Beschwerdefüh-

rers bisher kein materieller Asylentscheid ergangen ist, zumal sie sich ge-

mäss Aktenlage bisher nicht in der Schweiz aufhält, ist eine derivative An-

erkennung des Beschwerdeführers als Flüchtling beziehungsweise eine 

derivative Asylgewährung vorliegend – zum Zeitpunkt dieses Urteils – aus-

geschlossen. Sollte seine Mutter in Zukunft in der Schweiz ein Asylgesuch 

stellen und als Flüchtling anerkannt werden sowie Asyl erhalten, steht es 

dem Beschwerdeführer jedoch frei, ein Gesuch um Einbezug zu stellen, 

sofern er die Voraussetzungen gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG (weiterhin) er-

füllen sollte. 

7.6 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass keine asylrelevanten Verfol-

gungsgründe ersichtlich sind, weshalb die Vorinstanz die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch ab-

gelehnt hat. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

D-4340/2023 

Seite 14 

9.  

Nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt 

und wegen der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situation in 

Afghanistan vom SEM infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

vorläufig in der Schweiz aufgenommen wurde, stellt sich die Frage nach 

dem Vorliegen der weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den 

Vollzug der Wegweisung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – derzeit 

grundsätzlich nicht, da diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind: 

Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als un-

durchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz 

gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Die mit der Beschwerde gestellten Gesuche um Gewährung der un-

entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung sind 

abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraus-

setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4340/2023 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der 

amtlichen Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Susanne Bolz-Reimann Jonas Perrin 

 

 

Versand: