# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c38359fe-ea63-5688-9c38-e8dfdaecb974
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-07-05
**Language:** de
**Title:** Kantonsgericht 1. Abteilung 05.07.2017 A1 2016 20
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/XX_Upload/ZG_UPL_001_A1-2016-20_2017-07-05.pdf

## Full Text

A1 2016 20.docx 

1. Abteilung A1 2016 20 

 

Kantonsrichterin lic.iur. D. Panico Peyer, Abteilungspräsidentin 

Kantonsrichter lic.iur. St. Szabó 

Kantonsrichter lic.iur. P. Stüdli 

Gerichtsschreiberin MLaw M. Casutt 

 

 

 

Entscheid vom 5. Juli 2017 

 

 

in Sachen 

 

 

A.________, 

vertreten durch RA lic.iur. B.________, 

Klägerin, 

 

gegen 

 

C.________, 

Beklagten, 

 

 

betreffend 

 

 

Scheidung der von den Parteien am tt.mm.2005 in D.________ geschlossenen Ehe 

 

 

Seite 2/30 

 

Rechtsbegehren  

 

Klägerin 

1. Die Ehe sei gestützt auf Art. 114 ZGB zu scheiden. 

2. Die gemeinsamen Kinder E.________, geb. tt.mm.2006, und F.________, geb. tt.mm.2010, 

seien unter die alleinige elterliche Sorge der Mutter zu stellen und ihr zur Pflege und Erzie-

hung zuzuweisen. 

3. Dem Beklagten sei ein gerichtsübliches Besuchsrecht von jedem zweiten Wochenende von 

Freitagabend, 18.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, sowie ein Ferienbesuchsrecht von 

drei Wochen im Jahr einzuräumen. 

4. Der Beklagte sei zu verpflichten, an den Unterhalt von E.________ und F.________ bis zum 

erfüllten 18. Lebensjahr und längstens bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen 

Erstausbildung monatliche Beiträge von je CHF 1'300.00 zuzüglich allfälliger Familienzula-

gen zu bezahlen, zahlbar je im Voraus auf den Ersten des Monats. Die Kinderunterhaltsbei-

träge seien gerichtsüblich zu indexieren. 

5. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin an den Unterhalt von E.________ ab 1. Ja-

nuar 2017 bis zum 16. Altersjahr von E.________ einen Betreuungsunterhalt von CHF 

497.50 zu bezahlen, zahlbar je im Voraus auf den Ersten des Monats. 

6. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin an den Unterhalt von F.________ ab 1. Ja-

nuar 2017 bis zum 16. Altersjahr von F.________ einen Betreuungsunterhalt von CHF 

595.00 zu bezahlen, zahlbar je im Voraus auf den Ersten des Monats. 

7. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin bis zum 16. Altersjahr von F.________ ei-

nen nachehelichen Unterhalt von CHF 624.90 zu bezahlen, zahlbar je im Voraus auf den 

Ersten des Monats.  

8. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung gestützt auf Art. 204 ff. ZGB vorzunehmen, 

wobei festzuhalten ist, dass jede Partei das behält, was sie bereits hat.  

9. Es sei die Vorsorgeeinrichtung des Beklagten anzuweisen, zwei Drittel des während der Ehe 

geäufneten Vorsorgeguthabens auf ein von der Klägerin noch zu errichtendes Freizügigkeits-

konto zu überweisen. 

10. Eventualiter sei die Vorsorgeeinrichtung des Beklagten anzuweisen, die Hälfte des während 

der Ehe geäufneten Vorsorgeguthabens auf ein von der Klägerin noch zu errichtendes Frei-

zügigkeitskonto zu überweisen. 

11. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich MWST zu Lasten des Beklagten. 

 

 

Sachverhalt 

 

1. A.________ (nachfolgend "Klägerin") und C.________ (nachfolgend "Beklagter") heirateten 

am tt.mm.2005 in D.________. Sie haben zwei gemeinsame Kinder, E.________, geboren 

am tt.mm.2006, und F.________, geboren am tt.mm.2010. 

 

2. Mit Entscheid des Kantonsgerichts Zug, Einzelrichter im summarischen Verfahren vom 

20. November 2014 wurde der eheliche Haushalt aufgehoben und festgestellt, dass die Par-

teien bereits seit dem 19. März 2014 getrennt leben. Dabei wurden die aus der Ehe hervor-

gegangenen Kinder unter die Obhut der Mutter gestellt und dem Vater ein Besuchs- und Fe-

rienrecht eingeräumt. Zusätzlich wurde die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des 

Kantons Zug ersucht, einen Besuchsrechtsbeistand gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB für die 

Seite 3/30 

 

beiden Kinder zu bestellen und diesem die Aufgabe zu übertragen, die Koordinierung und 

Überwachung des persönlichen Verkehrs zwischen den Kindern und den Eltern zu besorgen. 

Der Beklagte wurde verpflichtet, an den Unterhalt der Klägerin sowie der beiden Kinder mo-

natliche Unterhaltszahlungen von total CHF 2'700.00 (CHF 750.00 pro Kind zuzüglich Famili-

enzulagen sowie CHF 600.00 für die Klägerin) zu leisten. Ausserdem wurde die eheliche 

Wohnung für die Dauer des Getrenntlebens der Klägerin sowie den beiden Kindern samt 

Hausrat und Mobiliar zur alleinigen Benützung zugewiesen (vgl. dazu im Einzelnen ES 2014 

179, act. 34 und act. 1/2). 

 

3. Am 13. April 2016 reichte die Klägerin beim Kantonsgericht Zug die vorliegende Scheidungs-

klage ein (act. 1). 

 

4. Mit Entscheid des Einzelrichters des Kantonsgerichts Zug vom 19. April 2016 wurde der  Klä-

gerin für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (UP 2016 63).  

 

5. Das Beweisverfahren umfasste die Edition von Unterlagen betreffend die finanziellen Verhält-

nisse der Parteien (act. 3; act. 12 und act. 13). Sodann wurde ein schriftlicher Bericht der 

Beiständin betreffend den Umgang der Parteien mit ihren Kindern und die Entwicklung der 

Kommunikation der Parteien bezüglich der Kinder seit der Einsetzung der Beiständin einge-

holt (act. 6).  

 

6. In ihrer Eingabe vom 20. Mai 2016 führte die Klägerin aus, der Beklagte habe am 27. April 

2016 in D.________ ebenfalls ein Scheidungsverfahren anhängig gemacht (act. 12). 

 

7. An der Einigungsverhandlung vom 5. Juli 2016 ist der Beklagte unentschuldigt nicht erschie-

nen. Es konnte daher keine Einigung herbeigeführt werden (act. 16). Der Klägerin wurde da-

raufhin Frist zur Einreichung einer schriftlich begründeten Klage angesetzt (act. 17) . 

 

8. Mit Eingabe vom 27. Juli 2016 begründete die Klägerin ihre Scheidungsklage (act. 18).  

 

9. Die Aufforderung zur Einreichung einer Klageantwort wurde dem Beklagten am 9. Septem-

ber 2016 an seiner damaligen Wohnadresse in G.________ polizeilich zugestellt (act. 23). 

Eine Klageantwort reichte der Beklagte nicht ein. 

 

10. An der Parteibefragung und Hauptverhandlung vom 11. Januar 2017 ist der Beklagte unent-

schuldigt nicht erschienen. Die Klägerin präzisierte an der Hauptverhandlung das eingangs 

erwähnte Rechtsbegehren (act. 30 und act. 31). 

 

11. Mit Entscheid vom 16. Januar 2017 wurde die Klägerin aufgefordert, einen Beleg für ein Frei-

zügigkeitskonto sowie einen Familienausweis einzureichen. Zudem wurden durch das Ge-

richt Belege zum Einkommen des Beklagten bei der H.________AG respektive bei der 

I.________AG eingeholt (act. 33 und act. 38). 

 

12. Mit schriftlichem Schlussvortrag vom 27. März 2017 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest 

(act. 53). 

 

Seite 4/30 

 

13. Mit Editionsentscheiden vom 28. April 2017 wurden von der Klägerin weitere Belege zu ihrem 

Einkommen ediert (act. 57 f.). 

 

 

Erwägungen 

 

1. Sowohl die Klägerin als auch der Beklagte sind serbische Staatsangehörige. Die Klägerin hat 

ihren Wohnsitz in J.________, im Kanton Zug. Der Beklagte hatte bei Einleitung des vorlie-

genden Scheidungsverfahrens seinen Wohnsitz in G.________, im Kanton Schwyz. Es liegt 

somit ein internationaler Sachverhalt im Sinne von Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

das Internationale Privatrecht (IPRG) vor. 

 

1.1 Gemäss Art. 59 IPRG sind die schweizerischen Gerichte zuständig für Klagen auf Scheidung 

am Wohnsitz des Beklagten (lit. a) und am Wohnsitz des Klägers, wenn dieser sich seit ei-

nem Jahr in der Schweiz aufhält oder wenn er Schweizer Bürger ist (lit. b). Da die Klägerin 

schon seit mehr als einem Jahr Wohnsitz im Kanton Zug hat, ist das Kantonsgericht Zug so-

mit in örtlicher und gestützt auf § 27 Abs. 1 GOG sowie Art. 198 lit. c und Art.  274 ZPO auch 

in sachlicher und funktioneller Hinsicht zur Beurteilung der vorliegenden Scheidungsklage 

zuständig. Diese Zuständigkeit besteht auch hinsichtlich der Kinderbelange (Art. 85 Abs. 1 

IPRG i.V.m. Art. 5 ff., insbesondere Art. 10 des Haager Kindesschutzübereinkommens 

[HKsÜ; SR 0.211.231.011]), der Unterhaltsbeiträge (Art. 2 und Art. 5 Ziff. 2 LugÜ bzw. Art. 63 

Abs. 1 IPRG), des Güterrechts (Art. 63 Abs. 1 IPRG i.V.m. Art. 51 lit. b IPRG) und des Vor-

sorgeausgleichs (Art. 63 Abs. 1bis IPRG). 

 

1.2 Anwendbar ist schweizerisches Recht (Art. 61 IPRG [Statusfrage]; Art. 85 Abs. 1 IPRG i.V.m. 

Art. 15 Abs. 1 HKsÜ [Minderjährigenschutz]; Art. 83 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 1 des Haager 

Übereinkommens vom 2. Oktober 1973 über das auf Unterhaltspflichten anzuwendende 

Recht [HUntÜ, SR 0.211.213.01; Kinderunterhalt]; Art. 49 IPRG i.V.m. Art. 8 HUntÜ [nach-

ehelicher Unterhalt]; Art. 54 Abs. 1 lit. a und b IPRG [Güterrecht]; Art. 63 Abs. 2 IPRG und 

Urteil des Bundesgerichts 5A_176/2014 vom 9. Oktober 2014 E. 3.2 [Vorsorgeausgleich]). 

 

2. Die Klägerin bringt vor, der Beklagte habe am 27. April 2016 beim Gericht in D.________ 

ebenfalls eine Scheidungsklage eingereicht (vgl. act. 12).  

 

2.1 Ist eine Klage über denselben Gegenstand zwischen denselben Parteien zuerst im Ausland 

hängig gemacht worden, so setzt das schweizerische Gericht das Verfahren aus, wenn zu 

erwarten ist, dass das ausländische Gericht in angemessener Frist eine Entscheidung fällt, 

die in der Schweiz anerkennbar ist (Art. 9 Abs. 1 IPRG). Gemäss Art. 9 Abs. 2 IPRG ist zur 

Feststellung, wann eine Klage in der Schweiz hängig gemacht worden ist, der Zeitpunkt der 

ersten für die Klageeinleitung notwendigen Verfahrenshandlung massgebend.  

 

2.2 Die vorliegende Klage wurde bereits am 13. April 2016 am Kantonsgericht Zug anhängig ge-

macht (vgl. act. 1). Die Klage des Beklagten vom 27. April 2016 wurde in Serbien demzufolge 

nach der Rechtshängigkeit derselben Klage in der Schweiz eingeleitet, weshalb das Kan-

tonsgericht Zug das vorliegende Verfahren nicht auszusetzen hat.  

 

Seite 5/30 

 

3. Die Klägerin beantragt die Scheidung der am tt.mm.2005 in D.________ geschlossenen Ehe 

(act. 1 S. 2; act. 18 S. 2; act. 31 S. 1 und act. 53 S. 1). Der Beklagte machte während des 

gesamten Verfahrens keine Ausführungen. Gemäss Art. 114 ZGB kann ein Ehegatte die 

Scheidung verlangen, wenn die Ehegatten bei Eintritt der Rechtshängigkeit der Klage min-

destens zwei Jahre getrennt gelebt haben. Die Erfüllung dieser Voraussetzung ist von Amtes 

wegen zu prüfen. Im Eheschutzentscheid vom 20. November 2014 wurde festgestellt, dass 

die Parteien bereit seit dem tt.mm.2014 getrennt leben (vgl. act. 1/2 Dispositiv Ziff. 1). Bei der 

Klageeinleitung am 13. April 2016 lebten die Parteien mithin mehr als zwei Jahre getrennt, 

weshalb die Ehe antragsgemäss zu scheiden ist. 

 

4. Nachfolgend ist über die Nebenfolgen der Scheidung, vorab über die elterliche Sorge, die 

Obhut, den persönlichen Verkehr sowie über Kindesschutzmassnahmen betreffend die Kin-

der E.________ und F.________ zu befinden. 

 

4.1 Die Klägerin beantragt, die Kinder seien unter ihre alleinige elterliche Sorge zu stellen und ihr 

die Pflege und Erziehung zuzuweisen (Obhut). Zur Begründung führt sie aus, die gemein-

same elterliche Sorge bedinge, dass die Eltern gemeinsam in sämtlichen Fragen der elterli-

chen Sorge entscheiden. Vorliegend sei aber das gemeinsame Entscheiden nicht möglich.  

Der Beklagte verhalte sich in Kinderbelangen unkooperativ und sei alles andere als kommu-

nikationsbereit. Nicht nur, dass er die Kontaktversuche der Klägerin abblocke, sondern auch 

diejenigen der Beiständin. Sobald es um nicht alltägliche oder dringliche Angelegenheiten 

gehe, in welchen sie nicht alleine entscheiden könne, verweigere der Beklagte jegliche Zu-

sammenarbeit. Für die Passverlängerung von F.________ habe die Klägerin die Einver-

ständniserklärung des Beklagten benötigt, doch der Beklagte habe sich geweigert, ihr diese 

zu erteilen. Auch die Bestätigung seines Arbeitgebers betreffend Familienzulagen, habe sie 

von ihm nicht erhältlich machen können. Das Verhalten des Beklagten irritiere und verunsi-

chere die beiden Kinder sehr. Der Beklagte löse mit seinen unangekündigten Besuchen 

Angstzustände bei den Kindern aus. Er wecke bei ihnen jeweils Hoffnung, er werde Zeit mit 

ihnen verbringen. Stattdessen würden nur Fragen an die Kinder betreffend die Klägerin fol-

gen, welche nicht dem Kindesalter entsprechen würden. Nach den Antworten der Kinder, 

würde der Beklagte wieder verschwinden und die Kinder enttäuscht und verwirrt zurücklas-

sen (act. 18 S. 5 f.). 

 

4.2 Gemäss Art. 133 ZGB regelt das Gericht die elterliche Sorge, die Obhut und den persönli-

chen Verkehr nach den Bestimmungen über die Wirkungen des Kindesverhältnisses (Abs. 1). 

Es beachtet dabei alle für das Kindeswohl wichtigen Umstände (Abs. 2). Als Regelfall wird 

ein Kind geschiedener Eltern unter ihrer gemeinsamen elterlichen Sorge belassen. Nur wenn 

es zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist, überträgt das Gericht die alleinige elterliche 

Sorge einem Elternteil (Art. 298 Abs. 1 ZGB), wobei dies die Ausnahme bleiben sollte. In die-

sen Kinderbelangen erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen und entschei-

det ohne Bindung an die Parteianträge, wobei ein gemeinsamer Antrag der Eltern und, so-

weit tunlich, die Meinung des Kindes zu berücksichtigen sind (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO und 

Art. 133 Abs. 2 ZGB).  

 

 Wie erwähnt, ist die gemeinsame elterliche Sorge bei geschiedenen Eltern nach neuem 

Recht als Regelfall ausgestaltet. Die Gerichte sind folglich grundsätzlich verpflichtet, eine ge-

meinsame Sorge anzuordnen, es sei denn, die Kinder würden darunter leiden. Es ist somit 

Seite 6/30 

 

nicht mehr zu prüfen, ob die gemeinsame elterliche Sorge dem Kindeswohl entspricht (soge-

nannte positive Kindeswohlprüfung), sondern lediglich, ob die Anordnung der gemeinsamen 

elterlichen Sorge nicht dem Kindeswohl entspricht (sogenannte negative Kindeswohlprü-

fung). Eine Alleinsorge rechtfertigt sich mit anderen Worten nur dann, wenn dadurch einer 

Kindeswohlgefährdung überhaupt begegnet werden kann. Eine Alleinzuteilung kann gemäss 

Bundesgericht etwa dann erforderlich sein, wenn zwischen den Eltern ein schwerwiegender 

Dauerkonflikt oder eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit besteht, sich dieser Mangel 

negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von einer Alleinzuteilung eine Verbesserung erwar-

tet werden kann. Erforderlich ist aber in jedem Fall, dass der Konfl ikt oder die gestörte Kom-

munikation erheblich und chronisch ist. Kein Anlass für eine Alleinzuteilung besteht bei punk-

tuellen Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten, wie sie in allen Familien 

vorkommen und insbesondere mit einer Trennung oder Scheidung einhergehen können 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_923/2014 vom 27. August 2015 E. 4.6 und E. 4.7; Urteil 

des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Zivilkammer, vom 17. September 2014, ZK 14/183; 

Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familienrecht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 

5. A. 2014, N 10.135 ff. und N 17.87 ff.). 

 

4.3 Es ist somit zu prüfen, ob das Wohl der Kinder E.________ und F.________ gefährdet ist, 

wenn die elterliche Sorge bei beiden Parteien belassen wird.  

 

4.3.1 Die Besuchsrechtsbeiständin K.________ führt im edierten Bericht aus, beide Parteien hät-

ten nach der Errichtung der Beistandschaft an gemeinsamen Gesprächen teilgenommen. Der 

Beklagte habe angekündigt, definitiv aus der Schweiz auszureisen. Aus diesem Grund seien 

die Modalitäten seiner Kontakte zu den Kindern bis zur Abreise festgelegt worden, aber auch 

wie oft und in welcher Form die Kontakte aus der Distanz stattfinden sollten. Es konnte mit 

beiden Parteien eine einvernehmliche Lösung gefunden werden, welche in einer schriftlichen 

Vereinbarung festgehalten worden sei, die der Beklagte später nicht unterzeichnet habe. Er 

habe sich zudem entschieden, doch in der Schweiz zu bleiben. In der Folge habe er weitere 

gemeinsame Gespräche mit der Klägerin verweigert. Das letzte Gespräch der Beiständin mit 

dem Beklagten habe am 6. Mai 2015 stattgefunden. Er habe dabei bekannt gegeben, er sehe 

sich psychisch nicht in der Lage, seine Kinder zu sehen und auch nicht während einer kürze-

ren Zeit dafür regelmässig mit seinen Kindern Zeit zu verbringen. Die Klägerin sei stets für 

Gespräche bereit gewesen und habe offen über ihre Situation und Schwierigkeiten berichtet. 

Ihr sei bewusst, dass trotz der Trennung ein Kontakt zwischen Kindern und Vater wichtig für 

die Entwicklung der Kinder sei. Sie sei deshalb stets für Kompromisslösungen bereit gewe-

sen. Diese Bereitschaft sei umso höher zu werten, als dass der Beklagte die Klägerin oft zum 

Beispiel per SMS beschimpft habe. Was das Wohl der beiden Kinder anbelangt, führt die 

Beiständin aus, anfänglich sei der Beklagte unangemeldet vor der Tür der Kindsmutter auf-

getaucht und habe nur E.________ mitnehmen wollen. Für F.________ sei dies sehr schwie-

rig und traurig gewesen. Der Beklagte habe sich auf den Standpunkt gestellt, indem er 

F.________ mit Kontaktentzug strafe, werde sie begreifen, dass er der Vater sei und nicht 

der neue Partner der Klägerin. Er sei von dieser Einstellung nicht abzubringen gewesen. 

E.________ würde sich einen regelmässigen Kontakt zum Vater wünschen. Das Verhalten 

seines Vaters habe bei ihm eine grosse Unsicherheit ausgelöst, welche auch Auswirkungen 

auf sein Verhalten in der Schule gehabt habe. Die Verhaltensauffälligkeiten hätten sich zu-

nehmend gesteigert, so dass die Kinderschutzgruppe des Sozialdienstes J.________ eine 

Gefährdungsmeldung zuhanden der KESB verfasst habe. Seitdem der Vater nicht mehr 

Seite 7/30 

 

unverhofft vor der Tür stehe, habe sich laut Aussage der Mutter die Situation für die Kinder 

beruhigt und auch das Verhalten von E.________ in der Schule habe sich positiv verändert. 

Die Verweigerungshaltung des Beklagten verunmögliche es, auch mit Unterstützung durch 

die Beiständin, minimale konstruktive Lösungen zu erarbeiten. Um beiden Kindern einen re-

gelmässigen Kontakt zum Vater zu ermöglichen, könnte allenfalls die Verordnung zu zweimal 

monatlich begleiteten Besuchstagen eine Möglichkeit sein (act. 6). 

 

4.3.2 Sowohl die Ausführungen der Klägerin als auch jene der Beiständin zeigen, dass zwischen 

den Eltern seit Anfang 2015 eine anhaltende Kommunikationsunfähigkeit besteht. Der Be-

klagte ist nicht gewillt, mit der Klägerin über die Kinderbelange zu diskutieren. Schon bei 

kleinsten Angelegenheiten, wie beispielsweise bei der Zustimmung zur Erneuerung des Pas-

ses von F.________ oder der Bestätigung zum Erhalt der Familienzulagen, stellt sich der Be-

klagte quer. Mit seiner Verweigerungshaltung erschwert der Beklagte der Klägerin und den 

beiden Kindern das Leben. Auch die Termine mit der Beiständin nahm der Beklagte seit Mai 

2015 nicht mehr war. Zudem zeigen sowohl die Ausführungen der Klägerin als auch jene der 

Beiständin, dass die Kinder unter der Situation leiden. Vor allem bei E.________ hat das Ver-

halten des Beklagten grosse Unsicherheit ausgelöst, welche auch Auswirkungen auf sein 

Verhalten in der Schule zeigten.  

 

4.3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zwischen den Eltern eine erhebliche und gestörte 

Kommunikation herrscht, welche das Kindeswohl der beiden gemeinsamen Kinder gefährdet. 

Die Anordnung der gemeinsamen elterlichen Sorge würde daher nicht dem Kindeswohl ent-

sprechen. Die Kinder sind deshalb unter die elterliche Sorge der Mutter zu stellen und ihr die 

Pflege und Erziehung zuzuweisen. 

 

4.4 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die Obhut nicht zusteht, und das minder-

jährige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr. Die Klägerin 

führt zwar aus, die Ausübung des Besuchsrechts habe seit der Trennung nicht funktioniert. 

Es sei ihr aber dennoch wichtig, dass die Kinder Kontakt zu ihrem Vater pflegen würden. 

Deshalb sei ihm ein gerichtsübliches Besuchsrecht von jedem zweiten Wochenende von 

Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr, sowie ein Ferienbesuchsrecht von drei Wochen 

im Jahr einzuräumen (act. 18 S. 6). Auch die Beiständin betont in ihrem Bericht, dass es für 

die Kinder wichtig sei, den Kontakt zu beiden Elternteilen weiterhin pflegen zu können. Re-

gelmässige und zuverlässige Kontakte zu beiden Elternteilen seien dabei unabdingbar, um 

den Kindern Halt und Sicherheit zu vermitteln. Dem Beklagten ist daher antragsgemäss ein 

Besuchsrecht von jedem zweiten Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 

18.00 Uhr, sowie ein Ferienbesuchsrecht von drei Wochen im Jahr einzuräumen, wobei die 

Ausübung des Ferienbesuchsrechts praxisgemäss jeweils spätestens drei Monate im Voraus 

abzusprechen ist.  

 

4.5 Haben die Ehegatten unmündige Kinder, so trifft der Richter nach den Bestimmungen über 

die Wirkung des Kindesverhältnisses die nötigen Massnahmen. Erfordern es die Verhält-

nisse, so kann dem Kind ein Beistand ernannt werden, der die Eltern in ihrer Sorge um das 

Kind mit Rat und Tat unterstützt (Art. 308 Abs. 1 ZGB). Eine Beistandschaft zur Überwa-

chung des persönlichen Verkehrs ist immer dann – auch ohne ausdrücklichen Antrag – anzu-

ordnen, wenn eine erhebliche Gefahr besteht, dass sich bei der Ausübung dieses Rechts 

durch den nicht obhutsberechtigten Elternteil Schwierigkeiten ergeben. Anlass zur 

Seite 8/30 

 

Anordnung dieser Massnahme besteht vor allem dann, wenn sich derartige Schwierigkeiten 

bereits im Laufe des Trennungsverfahrens der Eltern gezeigt haben (vgl. BGE 108 II 373).  

 

4.5.1 Es ist unbestritten, dass es bei der Ausübung des Besuchsrechts schon vor dem Ehe-

schutzentscheid vom 20. November 2014 zwischen den Parteien zu Problemen gekommen 

ist. Beide Parteien haben daher im Eheschutzverfahren die Errichtung einer Besuchsrechts-

beistandschaft beantragt (act. 1/2 E. 5). Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des 

Kantons Zug wurde folglich beauftragt, das Besuchsrecht zwischen den Kindern und dem 

Vater zu überwachen, zu begleiten und zu koordinieren (act. 1/2 Dispositiv Ziff. 2.3). 

 

4.5.2 Die Beiständin von E.________ und F.________ führte in ihrem Bericht vom 22. April 2016 

aus, um beiden Kindern einen regelmässigen Kontakt zum Vater zu ermöglichen, könne al-

lenfalls die Verordnung zu zweimal monatlich begleiteten Besuchstagen eine Möglichkeit 

sein (act. 6 S. 2). Die Klägerin hegt die Befürchtung, dass der Beklagte bei solchen begleite-

ten Treffen nicht am Treffpunkt erscheinen, sie mit den Kindern allein lassen würde und die 

Kinder dann noch enttäuschter wären. Die begleiteten Besuchstage würden dann, wie die 

sonstigen Versuche, den Kontakt aufzubauen, zu einem Leerlauf führen. Von der Anordnung 

begleiteter Besuchstage sei daher abzusehen (act. 31 S. 5).  

 

4.5.3 Aufgrund der Ausführungen der Beiständin sowie des Verhaltens des Beklagten in der Ver-

gangenheit ist zu befürchten, dass es auch in Zukunft zu Schwierigkeiten bei der Ausübung 

des Besuchsrechts kommen wird. Die mit Entscheid vom 20. November 2014 angeordnete 

Besuchsrechtsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB ist daher im gleichen Rah-

men beizubehalten. Von der Anordnung begleiteter Besuchstage ist hingegen abzusehen.  

 Es wird Sache der Beiständin sein, bei der Überwachung des Besuchsrechts allenfalls die 

begleiteten Besuchstage mit den Eltern zu besprechen und zu installieren. 

 

4.6 Weiter ist über die Erziehungsgutschriften für die Berechnung künftiger AHV- und IV-Renten 

gemäss Art. 52fbis AHVV zu befinden. Indem die Klägerin die gemeinsamen Kinder  

 E.________ und F.________ alleine betreut, ist ihr antragsgemäss die ganze Erziehungsgut-

schrift anzurechnen.  

 

5. In einem nächsten Schritt ist über die finanziellen Nebenfolgen der Scheidung zu entschei-

den. Zuerst ist über den Kindesunterhalt, aufgeteilt in Betreuungsunterhalt (E. 7) und Barun-

terhalt (E. 8), danach über den nachehelichen Unterhalt der Klägerin (E. 9) zu befinden. 

 

6.1 Am 1. Januar 2017 ist das neue Kindesunterhaltsrecht in Kraft getreten, dessen Bestimmun-

gen auf hängige Verfahren sofort anzuwenden sind (Art. 407b Abs. 1 ZPO und Art. 13cbis 

Abs. 1 SchlT ZGB). 

 

6.2 Die Klägerin beantragt einen Kinderunterhaltsbeitrag von monatlich CHF 1'300.00 für jedes 

Kind zuzüglich allfälliger Familienzulagen. Bei der Festsetzung der Kinderunterhaltsbeiträge 

sei auf die Empfehlungen für die Bemessung von Unterhaltsbeiträgen für Kinder der Bil-

dungsdirektion des Kantons Zürich abzustellen. Gemäss dieser Tabelle betrage der Unter-

haltsbeitrag für ein Kind im Alter von F.________ CHF 1'707.00. Ohne die Kosten für Pflege 

und Erziehung, welche von der Klägerin übernommen werden würden, betrage der Unter-

haltsbedarf CHF 1'125.00. Für ein Kind im Alter von E.________ betrage der 

Seite 9/30 

 

Unterhaltsbedarf CHF 1'668.00. Da die Pflege und Erziehung auch hier von der Klägerin 

übernommen werden würden, seien die entsprechenden Kosten abzuziehen. Dies ergebe 

einen Unterhaltsbedarf von CHF 1'278.00. Aufgrund der finanziellen Verhältnisse erscheine 

es angebracht, den Kinderunterhalt pauschal auf CHF 1'300.00 pro Kind zu erhöhen und 

nicht dem Alter entsprechend abzustufen. Es sei zu berücksichtigen, dass der Vater sich 

nicht um die Kinder kümmere und deshalb die Kinder immer von der Klägerin zu betreuen 

seien (act. 31 S. 10 und act. 30 S. 7). 

 

 Zudem sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin an den Unterhalt von E.________ ab 

1. Januar 2017 bis zum 16. Altersjahr einen Betreuungsunterhalt von CHF 497.50 sowie an 

den Unterhalt von F.________ ab dem 1. Januar 2017 bis zum 16. Altersjahr einen Betreu-

ungsunterhalt von CHF 595.00 zu bezahlen. Bei der Kinderbetreuung sei festzuhalten, dass 

die Klägerin die L.________ habe kündigen müssen. Sie arbeite vielfach in der Nacht, wo 

sich kaum jemand für die Kinderbetreuung finden lasse. Zudem müsse sie flexibel sein in Be-

zug auf ihren Arbeitgeber. Dies sei mit der Betreuung durch die L.________ nicht vereinbar. 

Zudem seien die Auslagen für die Kinderbetreuung sehr hoch gewesen. Sie habe kaum die 

Rechnungen für die Betreuung der Kinder bezahlen können, auch wenn sie viel gearbeitet 

habe. Deswegen würden nun ihre Eltern abwechslungsweise die Kinder betreuen. Ab und zu 

springe auch ihr Freund aus der M.________ ein. Die Eltern würden jeweils einzeln für Mo-

nate in die Schweiz einreisen. Da die Eltern mittellos seien, müsse die Klägerin ihnen die 

Car-Karte bezahlen. Diese würde pro Reise ca. CHF 180.00 kosten. Zudem schliesse sie je-

weils pro Reise des Elternteils eine Reisekrankenversicherung ab. Diese würde pro Reise 

CHF 90.00 kosten. Diese müsse sie abschliessen, damit die Eltern hier zum Arzt könnten, 

wenn sie einen Unfall hätten oder krank werden würden. Natürlich trage sie auch die Kosten 

für die Verpflegung der Eltern. Zudem bringe die Klägerin in den Sommerferien jeweils die 

Kinder zu den Grosseltern nach Serbien. Sie müsse dann mehrfach hin- und herreisen. Die 

Kinder würden sich dann bei den Grosseltern austoben können, während die Klägerin hier , 

soweit möglich, Vollzeit arbeite (act. 31 S. 7 f.). 

 

6.3.1 Gemäss Art. 276 ZGB wird der Unterhalt durch Pflege, Erziehung und Geldzahlung geleistet 

(Abs. 1). Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder Elternteil nach seinen Kräften, für den ge-

bührenden Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Betreuung, Erzie-

hung, Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen (Abs. 2). Die Eltern sind von der Unter-

haltspflicht in dem Mass befreit, als dem Kinde zugemutet werden kann, den Unterhalt aus 

seinem Arbeitserwerb oder andern Mitteln zu bestreiten (Abs. 3). Die Unterhaltspflicht der  

Eltern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB). Hat das Kind nach Eintritt 

der Mündigkeit noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen 

nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, 

bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann (Art.  277 

Abs. 2 ZGB). Gemäss Art. 285 ZGB soll der Unterhaltsbeitrag den Bedürfnissen des Kindes 

sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen; dabei sind das Ver-

mögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen (Abs. 1). Der Unterhaltsbeitrag dient 

auch der Gewährleistung der Betreuung des Kindes durch die Eltern oder Dritte (Abs.  2). Mit 

der am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Revision des Kindesunterhaltsrechts ist mithin ne-

ben dem bereits bekannten Barunterhalt eines Kindes der sogenannte Betreuungsunterhalt 

getreten. Dieser bezweckt, die Kosten der bestmöglichen Betreuung des Kindes, welche sich 

nach dem Kindeswohl beurteilt, zum Bestandteil des Kindesunterhalts zu machen, und zwar 

Seite 10/30 

 

unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet (gewesen) sind oder nicht. Der Gesetzgeber 

trägt damit dem Umstand Rechnung, dass derjenige Elternteil, der die Kinder ganz oder 

überwiegend betreut, während der Betreuungszeit an einer eigenen Erwerbstätigkeit gehin-

dert wird und daher unter Umständen für seinen Lebensunterhalt nicht selber aufkommen 

kann. Nach bisherigem Recht musste bei unverheirateten Eltern oftmals der  

Vater den gesamten Barunterhalt des Kindes (d.h. Kosten für Kleidung, Nahrung, Wohnung, 

Krankenkasse usw.) finanzieren, im Gegenzug übernahm die Mutter den sogenannten Natu-

ralunterhalt (Betreuung und Pflege) des Kindes. Bei Kleinkindern mit hohem Betreuungsbe-

darf konnte bei dieser Unterhaltsaufteilung zwar der Vater vom (nach Abzug des Barunter-

halts verbleibenden) Einkommen seinen persönlichen Bedarf decken, die betreuende und 

daher nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätige Mutter hingegen war oftmals auf die Sozial-

hilfe verwiesen. Bei verheiratet gewesenen Eltern konnte der betreuende Elternteil den per-

sönlichen Unterhaltsbedarf als Ehegatten- bzw. Scheidungsunterhalt geltend machen. Die 

daraus resultierende Ungleichbehandlung der Kinder verheirateter und nicht verheiratet ge-

wesener Eltern will das neue Recht beheben. Deshalb sind gemäss Art.  276 und Art. 285 

Abs. 2 ZGB die Betreuungskosten neu in die Bemessung des Kindesunterhalts einzubezie-

hen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Kosten durch Eigen- oder Drittbetreuung 

handelt. Obschon bei persönlicher Betreuung der Betreuungsunterhalt für den Lebensunter-

halt des betreuenden Elternteils verwendet wird und damit wirtschaftlich betrachtet diesem 

zugutekommt, handelt es sich um einen Anspruch des Kindes, nicht um einen "Lohn" des be-

treuenden Elternteils (Botschaft zu einer Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 

[Kindesunterhalt] vom 29. November 2013 [nachfolgend "Botschaft"], S. 551 ff.; Jungo/Aebi-

Müller/Schweighauser, Der Betreuungsunterhalt, Das Konzept - die Betreuungskosten - die 

Unterhaltsberechnung, in FamPra.ch 1/2017., S. 171 ff.; Allemann, Betreuungsunterhalt – 

Grundlagen und Bemessung, in Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 5 f; Urteil des Kantonsge-

richts Luzern vom 27. März 2017, 3B 16 57 / 3U 16 107, E. 2.1.1). 

 

6.3.2 Im Gesetz nicht näher geklärt werden die Bemessung des Umfangs und die Dauer des Be-

treuungsunterhalts sowie die Berücksichtigung des Einkommens des betreuenden Elternteils. 

Der Botschaft sind lediglich vage Hinweise zu entnehmen; auch eine bestimmte Berech-

nungsmethode für den Kindesunterhalt will die Botschaft nicht vorschreiben. Gleichwohl gibt 

sie einige negative und positive Anhaltspunkte. Als nicht geeignet ausgeschlossen werden 

der Opportunitätskostenansatz (= Ersatz der konkreten Erwerbseinbusse) sowie der Markt- 

oder Ersatzkostenansatz (= Marktwert der Eigenbetreuung). Die Botschaft bezeichnet dem-

gegenüber – positiv – einen Ansatz als empfehlenswert, bei dem die Betreuung des Kindes 

dadurch gewährleistet ist, dass die Präsenz des betreuenden Elternteils soweit möglich wirt-

schaftlich sichergestellt wird (Botschaft S. 554 und 576). "Der Betreuungsunterhalt umfasst 

damit grundsätzlich die Lebenshaltungskosten der betreuenden Person, soweit diese auf-

grund der Betreuung nicht selber dafür aufkommen kann" (Botschaft S. 554). Was unter dem 

Begriff "Lebenshaltungskosten" zu verstehen ist, lässt sich der Botschaft nicht entnehmen. 

Nach der hier vertretenen Ansicht ist die Lebenshaltung des betreuenden Elternteils nicht an 

der (womöglich gehobenen) Lebenshaltung des anderen Elternteils zu messen, sondern ori-

entiert sich am erweiterten familienrechtlichen Existenzminimum. Ein höherer Lebensstan-

dard kann sich in bzw. nach der Ehe gestützt auf Art. 163 ZGB (im Eheschutz) oder gestützt 

auf Art. 125 ZGB (nachehelich) ergeben (so auch Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 

27. März 2017, 3B 16 57 / 3U 16 107, E. 2.1.1). Diesfalls sind aber die eigentlichen Betreu-

ungskosten vom Lebensstandard, wie er durch die ehe- und scheidungsrechtlichen Normen 

Seite 11/30 

 

garantiert wird, zu unterscheiden. Bei nicht verheiratet gewesenen Paaren hat der haupt-

sächlich betreuende Elternteil, anders als das Kind, keinen Anspruch auf Teilhabe am höhe-

ren Lebensstandard des nichtbetreuenden Elternteils. Wenn das Kind einen 100 %-igen Be-

treuungsbedarf hat und die Betreuung durch einen Elternteil sichergestellt wird, so muss der 

Betreuungsunterhalt die Lebenshaltungskosten des betreuenden Elternteils vollständig   

decken. Darunter fallen konkret der monatliche Grundbetrag, die Wohnkosten des betreuen-

den Elternteils (wobei der Wohnkostenanteil des Kindes bei diesem als Barunterhalt anzu-

rechnen ist), die Krankenkassenprämien der Grundversicherung – bei entsprechenden finan-

ziellen Verhältnissen auch Prämien nach VVG – (unter Berücksichtigung einer allfälligen Prä-

mienverbilligung) sowie die Auslagen für Kommunikation, Mobilität und Steuern (vgl. auch 

Aebi-Müller, Betreuungsunterhalt, Was bedeutet das neue Unterhaltsrecht für die Praxis?, 

Seminar des Luzerner Anwaltsverbandes vom 12. Januar 2017; Jungo, Betreuungsunterhalt: 

Konzept – Kosten – Berechnung, St. Galler Eherechtstagung vom 1. Dezember 2016, Kon-

gresshaus Zürich; Leitfaden des Obergerichts des Kantons Zürich zum neuen Unterhalts-

recht vom Mai 2017, S. 6 ff.).  

 

6.4 Da sich der Betreuungsunterhalt anhand der Lebenshaltungskosten berechnet, ist als erstes 

das erweiterte familienrechtliche Existenzminimum der Parteien zu bestimmen: 

  

Klägerin Beklagter E.________ F.________ 

Existenzminimum 

    

Grundbetrag Fr. 1'350.00 Fr. 1'200.00 Fr. 600.00 Fr. 400.00 

./. Reduktion (Drittbetreuung, Wohngemeinschaft) Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 

Mietzinsen Fr. 1'765.00 Fr. 1'200.00 Fr. 300.00 Fr. 300.00 

Nebenkosten Fr. 39.00 Fr. 200.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 

Anteil der Kinder an den Wohnkosten von Kläge-

rin 

-Fr. 600.00 Fr. 0.00 Fr. 300.00 Fr. 300.00 

Krankenversicherungsprämien (KVG & VVG) Fr. 248.35 Fr. 138.00 Fr. 126.15 Fr. 124.35 

Ungedeckte Behandlungskosten Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 50.00 

./. Prämienverbilligung -Fr. 207.55 Fr. 0.00 -Fr. 83.85 -Fr. 83.85 

Auswärtige Verpflegung Fr. 200.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 0.00 

Mobilitätskosten Fr. 150.00 Fr. 63.00 Fr. 20.00 Fr. 20.00 

Drittbetreuung der Kinder Fr. 0.00 Fr. 0.00 Fr. 300.00 Fr. 300.00 

Kommunikation 

Steuern 

Fr. 100.00 

Fr. 100.00 

Fr. 100.00 

Fr. 100.00 

Fr. 20.00 

Fr. 0.00 

Fr. 0.00 

Fr. 0.00      

Total Fr. 3'144.80 Fr. 3'001.00 Fr. 1'282.30 Fr. 1'110.50 

 

 Die einzelnen Positionen begründen sich wie folgt:  

 

• Grundbeträge der Parteien: Nach den Richtlinien des Obergerichts für die Berechnung des 

betreibungsrechtlichen Existenzminimums vom 10. Dezember 2009 (nachfolgend "Richtli-

nien") beträgt der Grundbetrag für eine alleinstehende Person ohne Betreuungspflichten für 

unmündige Kinder CHF 1'200.00 und für eine alleinerziehende Person CHF 1'350.00. In die-

sem Grundbetrag sind die Kosten für Nahrung, Kleidung und Wäsche (einschliesslich deren 

Instandhaltung), Körper- und Gesundheitspflege, Unterhalt der Wohnungseinrichtung, Privat-

versicherungen, Kulturelles (Telefon, Radio/TV usw.) sowie Auslagen für Beleuchtung, Koch-

strom und/oder Gas etc. enthalten. Ebenfalls im Grundbetrag enthalten sind die Kosten für 

Seite 12/30 

 

die Hausrats- und Haftpflichtversicherung (Urteil des Bundesgerichts 5C.53/2005 vom 

31. Mai 2005 E. 5.2). 

 

 Die Klägerin führt aus, der Beklagte wohne mit seiner Freundin zusammen, die aus Serbien 

hierhergekommen sei und hier arbeite (act. 31 S. 9). Eine kostensenkende Wohn- und Le-

bensgemeinschaft ist beim Grundbetrag zu berücksichtigen. Lebt eine Partei mit einem 

neuen Partner zusammen, so ist davon auszugehen, dass die Kosten partnerschaftlich getra-

gen werden. Insoweit erscheint es angebracht, für ein Konkubinatspaar, das eine dauernde 

Hausgemeinschaft bildet, den gleichen Grundbetrag wie für ein Ehepaar zu nehmen und für 

den im Konkubinat lebenden Schuldner grundsätzlich den halben Ehegatten-Grundbetrag, 

d.h. CHF 850.00, einzusetzen (BGE 130 III 765 E. 2.4). Voraussetzung einer Gleichstellung 

mit der Ehe ist aber auf jeden Fall, dass die Hausgemeinschaft partnerschaft licher Natur ist. 

Nur bei einer solchen ist nämlich anzunehmen, dass beide Personen nicht nur an die Wohn-

kosten, sondern etwa auch an die Aufwendungen für Nahrung oder Kulturelles beitragen 

(BGE 132 III 483 E. 4.2 und 4.3).  

 

 Die tatsächlichen Voraussetzungen, die rechtlich auf eine solche Lebensgemeinschaft zu 

schliessen gestatten, hat die Klägerin im ordentlichen Verfahren voll zu beweisen. Die Kläge-

rin hat Tatsachen darzutun, aus denen sich das Vorhandensein einer solchen umfassenden 

Lebensgemeinschaft ergibt. Ein Beweis gilt grundsätzlich als erbracht, wenn der Richter von 

der Richtigkeit der Sachbehauptung überzeugt ist (Art. 8 ZGB; vgl. BGE 138 III 97 E. 3.4.2; 

BGE 118 II 235 E. 3c). Hinsichtlich der Erforschung des für die Festlegung der Unterhaltsbei-

träge massgebenden Sachverhalts gilt zum Schutz des Kindes der (uneingeschränkte) Un-

tersuchungsgrundsatz (Wullschleger, in: FamKomm, Allgemeine Bemerkungen zu Art. 276-

293 N 20). Gemäss Art. 296 Abs. 1 ZPO erforscht das Gericht den Sachverhalt von Amtes 

wegen. Bei Säumnis einer Partei wird das Gericht von Sachverhaltsabklärungen nicht ent-

bunden und kann sämtliche Beweismittel berücksichtigen (sog. Freibeweis; vgl. Art. 168 

Abs. 2 ZPO; Willisegger, Basler Kommentar, 2. A. 2013, Art. 234 ZPO N 39; Schweighauser, 

in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung, 3. A. 2016, Art. 296 ZPO N 8 m.w.H). 

 

 Bei den Ausführungen der Klägerin, sie wisse, dass der Beklagte mit seiner Freundin zusam-

men wohne, handelt es sich lediglich um unsubstantiierte Behauptungen. Auch im Rahmen 

des Untersuchungsgrundsatzes haben die Parteien Mitwirkungspflichten. Die Klägerin hat 

weder Beweise eingereicht, die diese Behauptung stützen, noch hat sie diesbezüglich Be-

weisanträge gestellt. Die Klägerin ist ihren Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen. Dem 

Beklagten ist daher der Grundbetrag für eine alleinstehende Person ohne Betreuungspflich-

ten für unmündige Kinder in der Höhe von CHF 1'200.00 pro Monat anzurechnen. 

 

Der Grundbetrag für ein Kind unter zehn Jahren beträgt CHF 400.00, für ein solches von 

über zehn Jahren CHF 600.00. 

 

• Wohnkosten: Die Klägerin macht Wohnkosten von CHF 1'765.00 geltend. Gemäss Mietver-

trag für die 4½-Zimmer-Wohnung N.________ beträgt die monatliche Miete CHF1'865.00 in-

klusive akonto Nebenkosten (act. 1/11). Darin enthalten sind auch die Kosten für eine Ga-

rage in der Höhe von CHF 140.00 pro Monat. An der Parteibefragung hat die Klägerin jedoch 

diesbezüglich ausgeführt, sie habe die Garage im letzten Jahr – also im 2016 – gekündigt 

http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2015&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F118-II-235%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page235

Seite 13/30 

 

(act. 30 Ziff. 31 f.). Folglich ist bei der Klägerin von einem Mietzins von CHF 1'725.00 inklu-

sive akonto Nebenkosten (CHF 1'865.00 - CHF 140.00) auszugehen. Davon in Abzug zu 

bringen ist der Anteil der Mietkosten der Kinder inklusive Nebenkosten, der vorliegend er-

messensweise mit CHF 300.00 pro Kind veranschlagt wird (vgl. dazu Jungo/ Aebi-Mül-

ler/Schweighauser, a.a.O., S. 175). 

 

 Die Klägerin führt aus, der Beklagte wohne mit seiner Freundin zusammen bei seiner Mutter. 

Daher würden sich seine Mietkosten reduzieren. Es seien ihm Mietkosten von höchstens 

CHF 750.00 und Nebenkosten von höchstens CHF 125.00 pro Monat anzurechnen (act. 31 S. 

9). Wie bereits oben ausgeführt, handelt es sich dabei lediglich um unsubstantiierte Behaup-

tungen der Klägerin. Im Eheschutzentscheid vom 20. November 2014 wurde dem Beklagten 

eine Wohnungsmiete von CHF 1'200.00 zuzüglich Nebenkosten von CHF 200.00 pro Monat 

angerechnet (act. 1/2 E. 6.3). Es ist vorliegend ebenfalls von diesen Kosten auszugehen. 

 

• Nebenkosten: Gemäss Heiz- und Nebenkostenabrechnung musste die Klägerin für das Jahr 

2014 CHF 467.15 (CHF 75.95 + CHF 391.20) nachzahlen (act. 1/12). Dies entspricht einem 

monatlichen Betrag von rund CHF 39.00, welcher der Klägerin ebenfalls anzurechnen ist. 

 

• Krankenkassenprämien: Die Krankenkassenprämien der obligatorischen Krankenversiche-

rung der Klägerin betragen CHF 207.55, diejenigen von E.________ und F.________ je 

CHF 83.85 (act. 31/28). Vorliegend rechtfertigt es sich im Existenzminimum ebenfalls die mo-

natlichen Prämien für Zusatzversicherungen nach VVG in der Höhe von CHF 40.80 für die 

Klägerin, respektive CHF 42.30 für E.________ und CHF 40.50 für F.________ hinzuzurech-

nen. Gemäss Richtlinien ist der Prämienaufwand für die Krankenversicherung unter Ein-

schluss einer allfälligen Prämienverbilligung zum Grundbetrag hinzuzuzählen (vgl. Beschluss 

und Urteil des Obergerichts Zürich vom 22. April 2015, LC140029 E. 3.2.3). Die Klägerin hat 

keinen Beleg über die erhaltene Prämienverbilligung eingereicht.  Sie deklarierte für das Jahr 

2015 ein Nettoeinkommen bei O.________ in der Höhe von CHF 12'348.80 (act. 1/5), eine 

Arbeitslosenentschädigung in der Höhe von CHF 7'380.00 (act. 1/7), sowie bevorschusste 

eheliche Unterhaltsbeiträge von monatlich CHF 250.00 und Kinderunterhaltsbeiträge von ins-

gesamt CHF 1'500.00 pro Monat (act. 1/17). Dies entspricht einem Jahreseinkommen von 

rund netto CHF 40'700.00. Davon sind ermessensweise CHF 4'000.00 Abzüge vorzuneh-

men, was ein Reineinkommen von rund CHF 36'700.00 ergibt. Die Klägerin hatte 2015 keine 

nennenswerten Vermögenswerte (act. 1/15). Das Reinvermögen wird daher ermessensweise 

auf CHF 2'000.00 festgesetzt. Mit diesen Werten kommt sie gemeinsam mit den beiden Kin-

dern in den Genuss einer Prämienverbilligung für das Jahr 2017 von CHF 4'312.00 (vgl. On-

line-Rechner auf www.akzug.ch). Verbilligt werden nur die Prämien für die obligatorische 

Krankenpflegeversicherung. Die Krankenkassenprämien der Grundversicherung der Klägerin 

von CHF 207.55 sowie der beiden Kinder von je CHF 83.85 werden mithin vollständig von 

der Prämienverbilligung gedeckt. Ein allfälliger Überschuss wird nicht an die Prämien der Zu-

satzversicherung angerechnet (vgl. dazu Merkblatt der Ausgleichskasse Zug "Prämienverbil-

ligung im Kanton Zug 2017", S. 4). 

 

 Aufgrund nicht vorhandener Angaben zu den Krankenkassenprämien des Beklagten und da 

auch die Klägerin diesbezüglich keine Ausführungen machte, ist auf die Krankenkassenprä-

mien gemäss Eheschutzentscheid abzustellen. Dem Beklagten sind daher Krankenkassen-

prämien abzüglich einer allfälligen Prämienverbilligung in der Höhe von CHF 120.00 

http://www.akzug.ch/

Seite 14/30 

 

zuzüglich 15 % Zuschlag für jährlich steigende Krankenkassenprämien, d.h. in der Höhe von 

CHF 138.00 pro Monat anzurechnen (act. 1/2 E. 6.3). 

 

• Ungedeckte Arztkosten: Die Klägerin macht monatliche ungedeckte Arztkosten für 

F.________ in der Höhe von CHF 100.00 geltend, da F.________ an einer Sehschwäche 

leide und alle drei Monate auf eine neue Brille angewiesen sei. Zudem leide F.________ an 

Zahnproblemen. Als Beleg reichte die Klägerin eine Rechnung von P.________ vom 

16. September 2016 über CHF 173.40 (Gläser CHF 167.00 + Etui CHF 6.40) sowie eine 

Rechnung von Dr. med. dent. Q.________ über CHF 138.65 ein (act. 31/29 und act. 31/30). 

Selbst wenn F.________ alle drei Monate eine neue Brille braucht – was vorliegend nicht be-

legt ist –, muss nicht bei jedem Wechsel der Brille auch das Gestell gewechselt werden. In 

der Regel sollte der Austausch der Gläser genügen. Gemäss eingereichtem Beleg kosten 

zwei neue Brillengläser momentan rund CHF 90.00. Dies ergibt bei vier Wechseln pro Jahr 

Kosten von CHF 360.00. Hinzu kommen ungedeckte Zahnarztkosten von rund CHF 150.00 

pro Jahr. F.________ sind daher ungedeckte Arztkosten in der Höhe von rund CHF 50.00 

pro Monat anzurechnen. 

 

• Auswärtige Verpflegung: Im Weiteren macht die Klägerin Kosten für auswärtige Verpflegung 

in der Höhe von CHF 200.00 pro Monat geltend (vgl. act. 31 S. 8). Da die Klägerin seit April 

2017 in einem 100 %-Pensum erwerbstätig ist (vgl. E. 7.6 unten), werden ihr antragsgemäss 

Kosten für auswärtige Verpflegung von CHF 200.00 pro Monat angerechnet. 

 

 Dem Beklagten werden gemäss Lohnabrechnung Verpflegungsspesen in der Höhe von 

CHF 12.00 pro Tag vergütet (act. 41). Ihm sind deshalb keine Kosten für auswärtige Verpfle-

gung anzurechnen. 

 

• Mobilität: Die Klägerin macht Mobilitätskosten in der Höhe von CHF 400.00 pro Monat gel-

tend, da sie aufgrund ihrer Arbeitszeiten auf ein Taxi angewiesen sei. Sie müsse in 

R.________ um 04.45 Uhr beginnen. Der erste Bus fahre aber erst um 05.30 Uhr. Vielleicht 

werde sie in Zukunft den Führerschein machen (act. 30 Ziff. 42 und act. 31 S. 8). Belege für 

diese hohen Kosten reichte die Klägerin keine ein. Die Klägerin wohnt in J.________. Ihre 

Arbeitsstellen bei O.________ und der S.________GmbH befinden sich in R.________. Di-

rekt vor diesen beiden Arbeitsorten befindet sich eine Haltestelle, von der aus gemäss Fahr-

plan unter der Woche bis 00.30 Uhr Verbindungen nach J.________ existieren. Auch in die 

Gegenrichtung fährt morgens um 05.16 Uhr die erste Busverbindung (vgl. Fahrplan von 

J.________ Bahnhof nach R.________ unter www.sbb.ch). Gemäss eingereichtem Einsatz-

plan der S.________GmbH arbeitet die Klägerin im Januar von 14.00 bis 23.15 Uhr 

(act. 31/25). Aus dem eingereichten Beleg ist jedoch auch ersichtlich, dass die erste Schicht 

an der Tankstelle um 05.00 Uhr beginnt. Um diese Zeit hat die Klägerin noch keine Busver-

bindung. Bei O.________ hat die Klägerin meistens jeweils mittags gearbeitet (act. 31/26). 

Seit April 2017 arbeitet die Klägerin bei der T.________AG. Ihr Einsatzort befindet sich im 

Bahnhof U.________ (act. 58/38). Der Klägerin sind daher die Kosten für den öffentlichen 

Verkehr in der Höhe von CHF 71.00 pro Monat für einen Zuger Pass für drei Zonen 

(vgl. www.zvb.ch/ abos-und-billette/abonnemente/) sowie ein Zuschlag für gelegentliche Ta-

xifahrten anzurechnen. Dies ergibt monatliche Kosten für Mobilität von rund CHF 150.00, 

welche zum Grundbetrag hinzuzurechnen sind. 

 

http://www.sbb.ch/
http://www.zvb.ch/

Seite 15/30 

 

 Der Beklagte wohnt in J.________. Sein Arbeitgeber, die H.________AG, hat ihren Sitz 

ebenfalls in J.________. Aus den Lohnabrechnungen geht nicht hervor, ob der Kläger ein 

Firmenauto besitzt, welches er jeweils mit nach Hause nehmen kann. Dem Beklagten sind 

daher die Kosten für den öffentlichen Verkehr zu seinem Arbeitgeber in der Höhe von monat-

lich CHF 63.00 für einen Zuger Pass für eine Zone anzurechnen (vgl. www.zvb.ch/ abos-und-

billette/abonnemente/). 

 

• Fremdbetreuung der Kinder: Die Klägerin führt aus, sie habe die L.________ kündigen müs-

sen, da sie aufgrund ihrer Arbeitszeiten flexibel sein müsse und dies nicht mit der Betreuung 

der Kinder durch die L.________ vereinbar sei. Zudem seien die Kosten viel zu hoch gewe-

sen (act. 31 S. 7 f.). Momentan würden ihre Eltern jeweils einzeln für die Kinderbetreuung für 

mehrere Monate in die Schweiz reisen. Die Klägerin bezahle die Car-Karte in der Höhe von 

CHF 180.00 und die Reisekrankenversicherung in der Höhe von CHF 90.00 pro Reise. Zu-

dem übernehme sie die Kosten für Verpflegung der Eltern hier in der Schweiz. Die Kinderbe-

treuungskosten für beide Kinder würden sich auf rund CHF 600.00 pro Monat belaufen.  

Fremdbetreuungskosten von CHF 300.00 pro Kind pro Monat scheinen aufgrund des Alters 

der bereits schulpflichtigen Kinder angemessen und sind daher zum Grundbetrag der Kinder 

hinzuzurechnen. 

 

• Kommunikation: Im Sinne einer geringfügigen Erweiterung des Existenzminimums wird in der 

Praxis ein Zuschlag von CHF 100.00 für Kommunikation der Parteien, respektive CHF 20.00 

für E.________ veranschlagt (vgl. Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 172 m.w.H.). 

 

• Steuern: Im strikt nach betreibungsrechtlichen Grundsätzen ermittelten Existenzminimum 

bleiben Steuern unberücksichtigt (vgl. Ziff. III der Richtlinien; BGE 140 III 337 E. 4). Im Rah-

men einer geringfügigen Erweiterung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums und bei 

günstigen Verhältnissen sind jedoch auch die Steuern der Parteien anzurechnen (so auch 

Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 173; Heller, Betreuungsunterhalt & Co. – Unter-

haltsberechnung ab 1. Januar 2017, in Anwaltsrevue 11/12/2016, S. 468 f; Allemann, a.a.O., 

S. 7). Da weder von der Klägerin noch vom Beklagten aktuelle Steuerrechnungen vorliegen, 

sind den Parteien ermessensweise je CHF 100.00 Steuern pro Monat im erweiterten Exis-

tenzminimum anzurechnen. Was der Anteil der Steuern der Kinder betrifft, ist die Lehre unei-

nig. Bejaht wird ein Steueranteil der Kinder insbesondere von Jungo, Aebi-Müller und 

Schweighauser (vgl. Jungo/Aebi-Müller/ Schweighauser, a.a.O., S. 173 und S. 179). Der Leit-

faden des Obergerichts des Kantons Zürichs zum neuen Unterhaltsrecht spricht sich hinge-

gen gegen die Anrechnung von Steuern im Barunterhalt der Kinder aus. Die vom Obergericht 

des Kantons Zürich eingesetzte Arbeitsgruppe vertritt die Auffassung, dass im Bedarf der 

Kinder keine Steuern zu berücksichtigen seien, denn in den allermeisten Fällen (ausgenom-

men sehr hoher Lebensstandard) sei die Ausscheidung eines Steueranteils weder rechne-

risch möglich noch notwendig. Kinderunterhaltsbeiträge müsse der hauptbetreuende Eltern-

teil versteuern. Andererseits würden Kinder im selben Haushalt aufgrund der Abzugsmöglich-

keiten zu tieferen Steuern führen. Somit gleiche sich das wieder aus. Im Übrigen sei und 

bleibe die erwachsene Person das Steuersubjekt (vgl. Leitfaden des Obergerichts des Kan-

tons Zürich zum neuen Unterhaltsrecht vom Mai 2017, S. 5 f.). Nach vorliegend vertretener 

Auffassung ist der Meinung des Obergerichts des Kantons Zürich zu folgen und mithin kein 

Anteil für Steuern im Barunterhalt der Kinder anzurechnen. 

 

http://www.zvb.ch/

Seite 16/30 

 

6.5 Folgende von der Klägerin geltend gemachten Positionen können im familienrechtlichen 

Existenzminimum nicht berücksichtigt werden. 

 

• Hausrat- und Haftpflichtversicherung: Die von der Klägerin geltend gemachten Prämien für 

die Hausrat- und Haftpflichtversicherung von monatlich CHF 28.40 (act. 31 S. 6) sind nach 

den Richtlinien im Grundbetrag enthalten, weshalb sie nicht zusätzlich im Bedarf der Parteien 

berücksichtigt werden dürfen. 

 

• Kosten für Tanken von Kunden, die nicht bezahlt haben: Die von der Klägerin geltend ge-

machten Kosten für das Tanken von Kunden, die während ihrer Schicht ohne Bezahlen die 

Tankstelle verlassen in der Höhe von monatlich CHF 100.00 können im Bedarf der Klägerin 

nicht berücksichtigt werden. Die Klägerin hat lediglich einen Beleg eingereicht, auf dem er-

sichtlich ist, dass ihr einmal im März 2017 aufgrund einer Kassendifferenz CHF 160.00 vom 

Lohn abgezogen wurden (act. 58/35). Dabei handelt es sich nicht um regelmässig anfallende 

Kosten. Zudem wird dieser Abzug bereits in ihrem Lohn (vgl. E. 6.6.5 unten) berücksichtigt. 

 

6.6. In einem nächsten Schritt sind die Einkommen der Parteien zu ermitteln:  

 

6.6.1 Die Klägerin arbeitet gemäss eigenen Ausführungen rund ein bis zwei Tage pro Woche bei 

der S.________GmbH. Wenn jemand krank sei, arbeite sie mehr. Ansonsten sei sie froh, 

wenn sie im Monat auf netto CHF 2'000.00 bis CHF 2'5000.00 gesamthaft komme. Seit No-

vember 2016 habe sie auch noch einen dritten Job bei der T.________AG (Mutterschaftsver-

tretung). Darum habe sie im letzten Jahresquartal 2016 etwas mehr arbeiten und entschä-

digte Kurse besuchen können und sei so auf netto CHF 3'357.30 pro Monat gekommen (act. 

31 S. 6 und act. 30 Ziff. 17). Seit April 2017 habe sie einen neuen Arbeitsvertrag bei der 

T.________AG. Die Stelle bei O.________ in R.________, bei der sie zuvor ebenfalls im 

Stundenlohn angestellt gewesen sei, habe sie ab Juni 2017 nicht mehr (act. 58). 

 

 Im Jahr 2014 ging die Klägerin nachweislich keiner Arbeitstätigkeit nach und erzielte daher 

kein Einkommen (vgl. act. 1/17). 

 

 Gemäss Lohnausweis hat die Klägerin bei O.________ vom 10. Juni 2015 bis zum 31. De-

zember 2015 netto CHF 12'348.80 verdient (act. 13/5). Zusätzl ich hat die Klägerin im 2015 

Leistungen der Arbeitslosenversicherung in der Höhe von netto CHF 7'380.00 bezogen 

(act. 1/7). Bei der S.________GmbH hat die Klägerin im Dezember 2015 CHF 1'175.85 ver-

dient (act. 1/15). Dies ergibt ein durchschnittliches Monatseinkommen im Jahr 2015 von netto 

CHF 1'742.05 (exklusiv Familienzulagen). 

  

 Im Jahr 2016 hat die Klägerin bei O.________ netto CHF 22'202.50 und bei der 

S.________GmbH netto CHF 33'627.00 verdient (act. 58/36 und act. 58/35). Seit November 

2016 arbeitet die Klägerin zusätzlich bei der T.________AG im Stundenlohn. Sie verdiente 

im 2016 bei der T.________AG netto CHF 8'588.00 (act. 58/37). Die Klägerin hat somit im 

2016 ein Nettoeinkommen von insgesamt CHF 64'417.50 erzielt. Dies ergibt ein Durch-

schnittseinkommen im Jahr 2016 von netto CHF 5'368.15 pro Monat (exklusiv Familienzula-

gen). 

 

Seite 17/30 

 

 Ab April 2017 arbeitet die Klägerin bei der T.________AG zu einem festen monatlichen Salär 

von brutto CHF 3'250.00 (x 13) (act. 58/38). Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Ab-

züge ergibt dies ein monatliches Nettoeinkommen von CHF 3'193.85 (exklusiv Familienzula-

gen und inklusiv 13. Monatslohn). Zusätzlich arbeitet sie weiterhin bei der S.________GmbH 

(vgl. eigene Ausführungen der Klägerin in act. 58). Dort hat sie im Januar 2017 netto 

CHF 1'788.75, im Februar 2017 netto CHF 878.05 und im März 2017 netto CHF 399.95 ver-

dient (unter Berücksichtigung des Abzugs für Kassendifferenz, vgl. act. 58/35). Dies ergibt 

ein monatliches Durchschnittseinkommen im Jahr 2017 bei der S.________GmbH von netto 

CHF 1'022.25 und gesamthaft bei beiden Arbeitgebern zusammen von netto CHF 4'216.10 

(exklusiv Familienzulagen). 

 

 Grundsätzlich ist bei der Bestimmung des Verdienstes auf die Durchschnittswerte der letzten 

drei Jahre abzustellen (vgl. Urteil des Obergerichts Zug, Z2 2016 11 und Z2 2016 12 vom 

1. Juni 2016 E. 9.1). Da die Klägerin aber in den vergangenen drei Jahren derart unter-

schiedliche Einkommen generierte, sie seit April 2017 bei der T.________AG in einem fes-

ten, unbefristeten Arbeitspensum mit fixem Gehalt angestellt ist und ihr ausserdem aufgrund 

des Alters der Kinder kein höheres hypothetisches Einkommen anzurechnen ist, ist entspre-

chend auf das Einkommen ab April 2017 abzustellen. Es ist folglich bei der Klägerin von ei-

nem Monatseinkommen von netto CHF 4'216.10 (exklusiv Familienzulagen) auszugehen. 

 

6.6.2 Die Klägerin führt aus, beim Beklagten sei aufgrund der Akten aus dem Eheschutzverfahren 

von einem monatlichen Nettoeinkommen von CHF 6'400.00 (exklusiv Familienzulagen) aus-

zugehen (vgl. act. 31 S. 9). Die von der I.________AG eingereichten Lohnabrechnungen 

seien unstimmig. Es könne der Lohnabrechnung November 2016 entnommen werden, dass 

der Beklagte bereits im Oktober 2016 akonto Zahlungen der I.________AG erhalten habe. 

Kaum ein Arbeitgeber werde einem Angestellten einen Vorschuss zahlen, wenn dieser noch 

gar keine Arbeitsstunden geleistet habe, insbesondere, wenn der Arbeitnehmer im Stunden-

lohn angestellt sei. Ausserdem habe der Beklagte ein Ferienguthaben, welches dem ausbe-

zahlten Lohn hinzuzurechnen sei. Im Januar habe er sich das Ferienguthaben in Höhe von 

CHF 565.80 auszahlen lassen. Des Weiteren werde der Beklagte noch Bareinkünfte haben, 

so wie es während des Zusammenlebens der Parteien üblich gewesen sei. Gestützt auf die 

edierten Lohnbelege könne kein durchschnittliches Einkommen des Beklagten festgelegt 

werden. Daher sei dem Beklagten ein Einkommen von monatlich netto CHF 6'400.00, even-

tualiter von netto CHF 5'500.00 (exklusiv Familienzulagen) anzurechnen, was dem im Ehe-

schutzverfahren angerechneten Betrag entspreche (act. 53 S. 2 f.). 

 

 Entgegen der Ansicht der Klägerin wurde dem Beklagten für das Jahr 2014 als selbständig 

Erwerbender im Eheschutzentscheid ein Monatseinkommen von netto CHF 4'900.00 (exklu-

siv Familienzulagen) angerechnet (vgl. act. 1/2 E. 6.2.2). Das von der Klägerin vorgebrachte 

Nettoeinkommen von monatlich CHF 5'500.00 beinhaltet laut Eheschutzentscheid bereits die 

Familienzulagen in der Höhe von CHF 600.00. 

 

 Der Beklagte ist seit dem 7. November 2016 bei der I.________AG im Elektrogewerbe ange-

stellt. Er arbeitet im Stundenlohn bei der H.________AG. Sein Einkommen variiert daher von 

Monat zu Monat. Im November 2016 arbeitete der Beklagte nur 5 Tage und verdiente netto 

CHF 1'302.60. Im Dezember 2016 ist ein Nettolohn von 4'778.50, im Januar 2017 von 

CHF 5'783.50 belegt (act. 41). Die Klägerin führt aus, der Beklagte habe ein Ferienguthaben, 

Seite 18/30 

 

welches er sich bei Bedarf auszahlen lassen könne. Dieses sei zu seinem Lohn hinzuzurech-

nen. Es trifft zwar zu, dass sich der Beklagte das Ferienguthaben bei Bedarf auszahlen las-

sen kann. Entgegen den Ausführungen der Klägerin handelt es sich aber nicht um zusätzli-

ches Einkommen. Das Ferienguthaben ist jeweils im ausgewiesenen Monatslohn bereits mit-

eingerechnet. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Ausführungen der Klä-

gerin, die Lohnausweise des Beklagten seien unstimmig und es sei ersichtlich, dass der Be-

klagte bereits im Oktober 2016 Auszahlungen erhalten habe, lediglich um unsubstantiierte 

Behauptungen handelt. Es ist auf den von der I.________AG eingereichten Lohnausweis 

2016 abzustellen. Gestützt auf die drei vorliegenden Lohnabrechnungen der I.________AG 

ist dem Beklagten ein monatliches Einkommen von netto CHF 5'281.00 anzurechnen.  

 

7. Bei der Berechnung des Betreuungsunterhaltes stellt die Klägerin auf die Zürcher Tabellen 

ab. Anhand der Position "Pflege und Erziehung" betrage der Betreuungsunterhalt für 

F.________ CHF 590.00 und für E.________ CHF 395.00. Zu berücksichtigen sei, dass die 

Kinder nicht die ganze Zeit von der Klägerin betreut würden. Sie betreue diese unter der Wo-

che zu rund 50 %, während den restlichen 50 % würden die Kinder momentan von den Gros-

seltern betreut. Das ergebe einen Betreuungsunterhalt für F.________ von CHF 295.00 und 

für E.________ von CHF 197.50. Die Kinderbetreuung durch die L.________ habe die Kläger 

kündigen müssen, da diese nicht mit ihren unregelmässigen Arbeitszeiten vereinbar und aus-

serdem zu teuer gewesen sei. Hinzukommen würden noch die monatlichen Kinderbetreu-

ungskosten, die sich auf rund CHF 300.00 pro Kind belaufen würden. Dies ergebe einen Be-

treuungsunterhalt für F.________ bis zu ihrem 16. Altersjahr von CHF 595.00 und für 

E.________ bis zu seinem 16. Altersjahr von CHF 497.50 pro Monat (act. 31 S. 10 f.). 

 

7.1 Wie bereits oben unter E. 6.3.2 ausgeführt, schreibt zwar das Gesetz und die Botschaft nicht 

vor, nach welcher Berechnungsmethode der Betreuungsunterhalt zu berechnen ist, jedoch ist 

die Bemessung des Betreuungsunterhaltes nach den Zürcher Tabellen abzulehnen. Wie der 

Marktkosten- und Ersatzkostenansatz, gehen auch die Zürcher Tabellen von einer Bewer-

tung der Betreuungszeit mit einem gewissen Stundenansatz aus. Laut Botschaft wäre es 

schwierig zu ermitteln, wie viele Stunden für die Betreuung aufgewendet werden und die 

Höhe des Betreuungsunterhaltes hinge zudem massgeblich vom verwendeten Stundenan-

satz ab, dessen Wahl sich ebenfalls nur schwer begründen lasse. Zu berücksichtigen ist auch 

noch, dass die neue, seit 1. Januar 2017 geltende Zürcher Kinderkosten-Tabelle den Punkt 

"Pflege und Erziehung" gar nicht mehr aufführt. Die neue Tabelle gibt nur einen Überblick über 

die durchschnittlich anfallenden direkten Kosten eines Kindes (Barkosten). Zudem handelt es 

sich bei Drittbetreuungskosten um Kosten, die im Barunterhalt und nicht im Betreuungsunter-

halt zu berücksichtigen sind (Hartmann, Betreuungsunterhalt – Überlegungen zur Methode der 

Unterhaltsbemessung, in ZBJV, Band 153 2017, S. 94 m.w.H.). 

 

7.2 In der Lehre ist umstritten, ob Betreuungsunterhalt nur insoweit geschuldet ist, als der betreu-

ende Elternteil seine Lebenshaltungskosten aufgrund der Kinderbetreuung nicht decken kann 

(sog. Lebenshaltungskostenansatz), oder ob er unabhängig von der Deckung der Lebenshal-

tungskosten des betreuenden Elternteils insoweit geschuldet ist, als dieser zufolge der Kinder-

betreuung auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet und verzichten darf (sog. Betreuungsquotenme-

thode). Dabei wird zur Beantwortung der Frage, ob der betreuende Elternteil seine Lebenshal-

tungskosten decken kann, auf das familienrechtliche Existenzminimum abgestellt. Der Lebens-

haltungskostenansatz wird insbesondere von Allemann, Bähler und Spycher vertreten (vgl. 

Seite 19/30 

 

Allemann, Betreuungsunterhalt - Grundlagen und Bemessung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, 

N 17 und 61; Spycher/Bähler, Arbeitskreis 7: Reform des Kindesunterhaltsrechts, in: Büchler et 

al. [Hrsg.], Achte SchweizerFamilienrecht§Tage, Bern 2016, 279). Für die Betreuungsquoten-

methode plädieren Aebi-Müller, Jungo und Schweighauser (vgl. Jungo/Aebi-Müller/Schweig-

hauser, a.a.O., S. 174 ff.). Unbestritten ist, dass kein Anspruch auf Betreuungsunterhalt be-

steht, soweit die Erwerbsmöglichkeit des betreuenden Elternteils durch die Kinderbetreuung 

nicht eingeschränkt wird (vgl. Botschaft, S. 554 und 576). 

 

7.3 Wenn der betreuende Elternteil wegen der Kinderbetreuung auf eine Vollzeiterwerbstätigkeit 

verzichtet, erleidet er aufgrund der Kinderbetreuung einen erheblichen finanziellen Nachteil. 

Dieser wird bei Eltern, die nie miteinander verheiratet gewesen sind, nach dem Lebenshal-

tungskostenansatz (vgl. Spycher/Bähler, a.a.O., S. 258, 279 f.) in keiner Art und Weise ausge-

glichen. Damit besteht für den betreuenden Elternteil ein erheblicher finanzieller Druck, das 

Kind nicht persönlich zu betreuen, sondern durch Dritte betreuen zu lassen. Dadurch wird die 

Erreichung des Zwecks des Betreuungsunterhalts, die persönliche Betreuung durch einen oder 

beide Elternteile wirtschaftlich zu gewährleisten, soweit diese im Hinblick auf das Kindeswohl 

der bestmöglichen Betreuungsform entspricht, und die Benachteiligung von Kindern nie mitei-

nander verheirateter Eltern zu beseitigen, in Frage gestellt. Schliesslich führt der Lebenshal-

tungskostenansatz in vielen Fällen dazu, dass die Betreuungskosten alleine durch den betreu-

enden Elternteil zu tragen sind und der andere Elternteil finanziell davon profitiert, dass das 

Kind persönlich betreut wird und ihm damit die ganze oder teilweise Übernahme der Kosten 

einer Fremdbetreuung erspart bleiben. Dies ist unbillig (vgl. Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, 

a.a.O., S. 175 f.). Der Betreuungsunterhalt soll zwar den betreuenden Elternteil nicht entlöh-

nen, aber "die Auswirkungen der Betreuung auf beide Eltern verteilen" (Botschaft, S. 554). Aus 

den vorstehenden Gründen verdient die Betreuungsquotenmethode den Vorzug (vgl. dazu 

auch Urteil des Appellationsgericht Basel-Stadt vom 13. April 2017, ZB.2016.44, E. 5 sowie  

 Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 27. März 2017, 3B 16 57 / 3U 16 107, E. 2.1). 

 

7.4 Der Betreuungsunterhalt bemisst sich nach den Lebenshaltungskosten des betreuenden El-

ternteils (vgl. Botschaft, S. 576). Nach der Betreuungsquotenmethode sind mit dem Betreu-

ungsunterhalt die Lebenshaltungskosten des betreuenden Elternteils in demjenigen Umfang zu 

decken, in dem dieser aufgrund der Kinderbetreuung auf eine Erwerbstätigkeit verzichtet und 

verzichten darf (Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 174 f.). Betreut der hauptbetreu-

ende Elternteil die Kinder nicht zu 100 %, reduzieren sich die Betreuungskosten um die ent-

sprechende Quote. Dabei ist jede regelmässige Drittbetreuung während der üblichen Er-

werbszeiten (also grundsätzlich während der Wochentage) zu berücksichtigen, auch bei-

spielsweise jene der Grosseltern, sofern sie verlässlich und regelmässig geleistet wird. Aus-

schlaggebend ist, welchen eigenen Betreuungsanteil der fragliche Elternteil leistet oder an-

ders gesagt, in welchem prozentualen Umfang er zufolge der Kinderbetreuung auf eine Er-

werbstätigkeit verzichtet. Im Umfang der Betreuungsquote verzichtet der hauptbetreuende 

Elternteil auf die Erzielung einer Erwerbstätigkeit und darüber hinaus im selben Umfang auch 

auf Vorsorgemittel, die auf diesem Einkommen vom Arbeitgeber und der Arbeitnehmerin ent-

richtet würden, sowie auf eine Lohn- und Karriereentwicklung, die einer vollen Erwerbstätig-

keit entsprechen würde. Als Teil des Kindesunterhaltes werden jene Betreuungskosten be-

rücksichtigt, die im Rahmen der Eigenbetreuungsquote entstehen, weil der betreuende  

 Elternteil in diesem Rahmen auf ein Erwerbseinkommen verzichtet bzw. verzichten muss, 

während der andere Elternteil seine Erwerbskraft vollumfänglich ausschöpfen kann. Damit 

Seite 20/30 

 

wird nicht etwa der Opportunitätskostenansatz eingefügt, sondern vielmehr geht es um die 

Kosten der Eigenbetreuung gemessen an den Lebenskosten der betreuenden Person 

 (Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 174 f.).  

 

7.5 Bei der Berechnung des Betreuungsunterhalts ist daher auf die Lebenshaltungskosten der 

Klägerin und somit auf ihr erweitertes Existenzminimum abzustellen, worunter der monatliche 

Grundbetrag von CHF 1'350.00, die Wohnkosten (nach Abzug des Wohnkostenanteils der 

Kinder) von CHF 1'165.00, die Nebenkosten von CHF 39.00, die Krankenkassenprämien 

KVG und VVG (abzüglich Prämienverbilligung) von CHF 40.80, sowie die Auslagen für aus-

wärtige Verpflegung von CHF 200.00, Kommunikation von CHF 100.00, Mobilität von 

CHF 150.00 sowie Steuern von ermessenweise CHF 100.00 fallen. Das erweiterte Existenz-

minimum der Klägerin beträgt folglich CHF 3'144.80 (vgl. E. 6.4 oben). 

 

7.6 Die Klägerin führte an der Parteibefragung aus, sie arbeite bei einem Arbeitgeber 22 % und 

bei einem zweiten 40 %. Zusätzlich arbeite sie bei einem dritten Arbeitgeber auf Abruf wenn 

jemand krank sei (vgl. act. 30 Ziff. 15 f.). Unter der Woche betreue sie die Kinder zu 50 % 

selber. Die restlichen 50 % der Betreuung würden die Grosseltern aus Serbien oder ab und 

zu ihr Freund aus der M.________ übernehmen. Ab April 2017 hat die Klägerin einen neuen 

Arbeitsvertrag bei der T.________AG. Sie arbeitet dort 32,8 Stunden pro Woche. Gemäss 

anwendbarem L-GAV beträgt die wöchentliche Arbeitszeit bei einem 100 %-Pensum 

42 Stunden (vgl. Art. 15 Abs. 1 L-GAV). Eine wöchentliche Arbeitszeit von 32,8 Stunden 

ergibt daher ein Arbeitspensum von 78 %. Zusätzlich arbeitet die Klägerin weiterhin ein bis 

zwei Tage bei der S.________GmbH (vgl. act. 58). Dies entspricht einem Arbeitspensum von 

20 - 40 %. Es ist daher davon auszugehen, dass die Klägerin in einem 100 %-Pensum er-

werbstätig ist. Aus diesem Grund ist nach der Betreuungsquotenmethode grundsätzlich kein 

Betreuungsunterhalt geschuldet. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Betreuung des Kin-

des nur dann zu einem Betreuungsunterhalt führt, wenn sie während einer Zeit erfolgt, wäh-

rend der dem betreuenden Elternteil ansonsten die Ausübung einer Erwerbstätigkeit möglich 

wäre. Die Beteiligung eines Elternteils an der Betreuung der Kinder während der normaler-

weise erwerbsfreien Zeit, beispielsweise während des Wochenendes, lässt dementspre-

chend grundsätzlich keinen Anspruch auf Betreuungsunterhalt entstehen (Botschaft, S. 554). 

Es ist zu beachten, dass der Betreuungsunterhalt nicht einen Lohnausfall, der dem betreuen-

den Elternteil entsteht entschädigt. Die Höhe des Einkommens, welcher der selbstbetreu-

ende Elternteil in der betreuungsfreien Zeit erzielt, ist deshalb für die Berechnung des Be-

treuungsunterhalts nicht relevant. Es besteht daher auch dann ein Anspruch auf Betreuungs-

unterhalt, wenn der betreuende Elternteil genügend Einkommen hat, um seinen persönlichen 

Unterhaltsbedarf zu decken (Arndt/Brändli, Berechnung des Betreuungsunterhalts - ein Lö-

sungsansatz aus der Praxis, in FamPra.ch 1/2017, S. 240). Es ist davon auszugehen, dass 

die Klägerin auch jeweils am Wochenende arbeitet, was zu einer Verminderung des Arbeits-

pensums unter der Woche führt. In der Annahme, dass die Klägerin sowohl samstags als 

auch sonntags arbeitet, reduziert sich ihr Arbeitspensum unter der für den Betreuungsunter-

halt relevanten Woche um zwei Tage, sprich um 40 %. Es ist daher davon auszugehen, dass 

die Klägerin die Kinder zu 40 % unter der Woche selbst betreut. Dies ergibt einen Betreu-

ungsunterhalt von monatlich gerundet CHF 1'260.00 (CHF 3'144.80 x 40 % = CHF 1'257.92). 

Der Betreuungsunterhalt ist vom unterhaltsverpflichteten Elternteil, in casu vom Beklagten zu 

leisten. 

 

Seite 21/30 

 

7.7 Wenn mehrere Kinder zu betreuen sind, ist der soeben berechnete Betreuungsunterhalt auf 

die Kinder aufzuteilen. Diese Aufteilung darf nicht "nach Köpfen" erfolgen, weil der Betreu-

ungsbedarf mit zunehmendem Alter abnimmt. Entsprechend muss der tatsächliche Betreu-

ungsbedarf berücksichtigt werden. E.________ ist zehn, F.________ sieben Jahre alt. Es 

rechtfertigt sich somit, den Betreuungsunterhalt im Verhältnis ⅓ zu ⅔ auf die beiden Kinder 

aufzuteilen. Dies ergibt einen Betreuungsunterhalt von E.________ von monatlich 

CHF 420.00 und für F.________ von monatlich CHF 840.00. 

 

7.8 Seinem Zweck nach ist ein Betreuungsunterhalt nur solange geschuldet, wie das Kind die 

persönliche Betreuung tatsächlich benötigt. Insofern stellt sich die Frage, ab wann vom be-

treuenden Elternteil verlangt werden darf, einer Erwerbstätigkeit in einem Teilzeit - bzw. Voll-

zeitpensum nachzugehen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (zum alten Recht) 

kann die Eigenversorgungskapazität durch die Kinderbetreuung ganz oder teilweise einge-

schränkt sein. Als Richtlinie gilt, dass dem betreuenden Elternteil die (Wieder-)Aufnahme  

einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 50 %, sobald das jüngste Kind 10-jährig ist, und im 

Umfang von 100 %, sobald das jüngste Kind 16-jährig ist, zugemutet werden kann (sog. 

10/16-Regel). Diese Leitlinien behalten solange ihre Gültigkeit, als die unmittelbare persönli-

che Betreuung und Pflege vor allem kleiner und im obligatorischen Schulalter stehender Kin-

der deren Interessen dient und einen wesentlichen Gesichtspunkt für die Zuteilung der elterli-

chen Sorge bildet. Sie stellen jedoch keine starren Regeln dar. Ihre Anwendung ist von den 

konkreten Umständen des Einzelfalls abhängig. So wäre etwa eine darüber hinausgehende 

Erwerbsarbeit zumutbar, wenn sie bereits während des ehelichen Zusammenlebens ausge-

übt worden ist oder das Kind von Drittpersonen betreut wird und deshalb der Inhaber der el-

terlichen Sorge bzw. der Obhut nicht an einer Erwerbstätigkeit gehindert wird. Umgekehrt 

kann eine Erwerbsarbeit auch länger unzumutbar bleiben, etwa bei einem behinderten Kind 

oder wenn viele Kinder zu betreuen sind (Urteil des Bundesgerichts 5A_957/2014 vom 5. Mai 

2015 E. 3.7.2; vgl. auch Gabathuler, Unterhaltsrecht: Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit, 

in: plädoyer 5/16, S. 32 ff.; Büchler/Clausen, Die Eigenversorgungskapazität im Recht des 

nachehelichen Unterhalts: Theorie und Rechtsprechung, in FamPra.ch 1/2015, S. 1 ff.). Der 

erläuternde Bericht zum Vernehmlassungsentwurf zum revidierten Kindesunterhaltsrechts 

des Bundesamtes für Justiz vom Juli 2012 enthielt dazu noch folgende Überlegungen: "Die 

vom Bundesgericht angegebenen Altersgrenzen sind bereits nach geltendem Recht nicht als 

strikte Regeln zu betrachten, sondern als Richtlinien, die von Fall zu Fall zu beurteilen sind. 

Im Übrigen erscheinen diese Grundsätze auch deshalb problematisch, weil sie der Wieder-

aufnahme einer Erwerbstätigkeit der obhutsberechtigten Person im Wege stehen. Die vorlie-

gende Revision soll deshalb Anlass bieten, diese Rechtsprechung zu überdenken, indem be-

wusst darauf verzichtet wird, starre Grundsätze zur Bestimmung von Umfang und Dauer der 

Betreuung ins Gesetz zu schreiben. Vielmehr soll auch die berufliche Wiedereingliederung 

möglichst gefördert werden, jedenfalls soweit dies faktisch möglich und zumutbar ist. Es liegt 

nahe, sich hier an die deutsche Praxis anzulehnen, gemäss welcher während der ersten drei 

Lebensjahre des Kindes ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt besteht" (Erläuternder Bericht 

zum Vernehmlassungsentwurf zur Änderung des Zivilgesetzbuches [Kindesunterhalt], der Zi-

vilprozessordnung [Art. 296a] und des Zuständigkeitsgesetzes [Art. 7] des Bundesamtes für 

Justiz vom Juli 2012, S. 39). Die Botschaft des Bundesrates fiel in der Folge weniger konkret 

aus. Gemäss dieser soll jedes Kind weiterhin so lange von der Pflege und Erziehung durch 

einen Elternteil profitieren können, als es zu seinem Wohl erforderlich sei. In der Botschaft 

steht weiter: "Gleichzeitig soll mit dieser Revision jedem Kind die Gewährleistung der 

Seite 22/30 

 

bestmöglichen Betreuungsverhältnisse ermöglicht werden. Die Möglichkeit der Eltern, eine 

persönliche Betreuung weiterzuführen, soll dabei nicht gegenüber der Drittbetreuung bevor-

zugt werden. Sie soll einzig im Interesse des Kindes im Einzelfall statusunabhängig möglich 

sein." Beigefügt wurde, dass der betreuende Elternteil mit der Einführung des Betreuungsun-

terhalts keineswegs dazu angehalten werden soll, keine Erwerbstätigkeit auszuüben oder 

eine solche nicht aufzunehmen. Die vor der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts gelebte 

Familienorganisation sei für die Entscheidung über die Betreuungsverhältnisse nach der Auf-

hebung massgeblich. Zur konkreten Dauer des Betreuungsunterhalts lässt sich der Botschaft 

Folgendes entnehmen: "Dieser dauert grundsätzlich so lange an, wie das Kind die persönli-

che Betreuung im konkreten Fall tatsächlich benötigt." Es wird auf die bundesgerichtliche 

10/16-Regel hingewiesen, um dann anzumerken, dass die Revision Anlass gebe, diese 

Rechtsprechung zu überdenken. Es werde jedoch bewusst darauf verzichtet, starre Grund- 

sätze zur Bestimmung der Dauer ins Gesetz zu schreiben (Botschaft, S. 13, 24, 26 f. und 

50).  

 

 Klar ist gestützt auf die Botschaft des Bundesrates somit nur, dass die 10/16-Regel über-

dacht werden sollte – konkrete Hinweise, wie dies geschehen soll, fehlen jedoch. Während 

ein Teil der Lehre an der Weitergeltung der 10/16-Regel festhält und eine Übertragung dieser 

Praxis auf ledige Eltern befürwortet (Allemann, Betreuungsunterhalt - Grundlagen und Be-

messung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016 Rz. 36; Spycher, Rechtliche Grundlagen und prakti-

sche Herausforderungen - heute und demnächst, in FamPra.ch 1/2016, S. 23), erachtet ein 

anderer Teil der Lehre eine Anpassung der 10/16-Regel als begrüssenswert, wobei die Auto-

ren unterschiedliche Leitlinien aufstellen (Gabathuler, a.a.O., S. 34 f.; Arndt/Brändli, Heraus-

forderungen des neuen Rechts für die Anwaltschaft - Ergänzungen und Podiumsbeiträge, 

Fachtagung der Universität St. Gallen zum neuen Kindesunterhaltsrechts vom 16. Septem-

ber 2016). Gemäss Leitfaden des Obergerichts des Kantons Zürich zum neuen Unterhalts-

recht soll für verheiratete Eltern an der 10/16-Regelung festgehalten werden, während bei 

Kindern nicht verheirateter Eltern, auf welche Art. 125 Abs. 2 ZGB nicht direkt Anwendung 

finde, im Einzelfall zu differenzieren sei (Leitfaden des Obergerichts des Kantons Zürich zum 

neuen Unterhaltsrecht vom Mai 2017, S. 16).  

 

7.9 Da die Klägerin bereits jetzt zu 100 % erwerbstätig ist, sie die Kinder zu 40 % selber betreut 

und sie aufgrund der besagten 10/16-Regel grundsätzlich noch gar keiner Erwerbstätigkeit 

nachgehen müsste, erscheint es angemessen, den unter E. 7.7 festgelegten Betreuungsun-

terhalt bis zum jeweils 16. Altersjahr von E.________ und F.________ zu leisten. Der Be-

klagte hat der Klägerin mithin an den Unterhalt von E.________ bis zum 16. Altersjahr von 

E.________ einen Betreuungsunterhalt von monatlich CHF 420.00 und für F.________ bis 

zum 16. Altersjahr von F.________ einen Betreuungsunterhalt von monatlich CHF 820.00 zu 

leisten. 

 

8. In einem nächsten Schritt ist der Barunterhalt von E.________ und F.________ zu bestim-

men. Auch hier stützt sich die Klägerin auf die Zürcher Tabelle (act. 18 S. 8 und act. 31 

S. 10). Da jedoch alle Angaben für eine konkrete Berechnung des Barunterhalts vorliegen, ist 

der Barunterhalt von E.________ und F.________ im vorliegenden Fall nicht nach der Zür-

cher Tabelle, sondern konkret berechnet. Zum Bedarf von E.________ ist der Grundbedarf 

von CHF 600.00, ein Wohnkostenanteil von CHF 300.00, Krankenkassenprämien unter Be-

rücksichtigung der Prämienverbilligung von CHF 42.30, Mobilität von CHF 20.00, 

Seite 23/30 

 

Kommunikation von CHF 20.00 sowie die Drittbetreuungskosten von CHF 300.00 hinzuzu-

rechnen. Dies ergibt einen monatlichen Bedarf von E.________ von CHF 1'282.30, wovon 

nach Abzug der Familienzulagen (vgl. Botschaft S. 578 f.) von CHF 300.00 noch CHF 982.30 

verbleiben. Der Bedarf von F.________ beträgt CHF 810.50 (CHF 400.00 Grundbetrag, 

CHF 300.00 Wohnkostenanteil, CHF 40.50 Krankenkassenprämien unter Berücksichtigung 

der Prämienverbilligung, CHF 50.00 ungedeckte Arztkosten, CHF 20.00 Mobilität sowie 

CHF 300.00 Drittbetreuungskosten, abzüglich CHF 300.00 Familienzulagen).  

 

8.1 Im Weiteren ist zu ermitteln, wer die Kosten für den Barunterhalt der Kinder übernimmt. 

 

8.2 Der Barunterhalt ist – wie nach bisherigem Recht – nach der Leistungsfähigkeit der Eltern zu 

verteilen. Die Leistungsfähigkeit eines Elternteils ergibt sich grundsätzlich aus der Gegen-

überstellung seines Eigenbedarfs und seines Nettoeinkommens (Breitschmid, Basler Kom-

mentar, 5. A. 2014, Art. 285 ZGB N 12; Roelli, in: Breitschmid et al. [Hrsg.], Handkommentar 

zum Schweizer Privatrecht, 3. A. 2016, Art. 285 ZGB N 5; Wullschleger, in: Schwenzer 

[Hrsg.], FamKomm Scheidung, 3. A. 2017, Art. 285 ZGB N 42 ff.). Liegt kein Mankofall vor, 

ist zuerst der Betreuungsunterhalt zu berechnen und dem betreuenden Elternteil (gedanklich) 

anzurechnen. Erlauben es die Verhältnisse, neben dem prioritären Barunterhalt der Kinder 

auch Betreuungsunterhalt zu leisten, wäre es falsch, den Betreuungsunterhalt bei der Vertei-

lung des Barunterhaltes unberücksichtigt zu lassen. Andernfalls bestünde das Risiko, dass 

der nicht betreuende Elternteil im Ergebnis einen erheblich tieferen finanziellen Spielraum 

hätte als der betreuende Elternteil (Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., S. 184). 

 

 Der Anspruch auf Betreuungsunterhalt darf nicht dazu führen, dass der betreuende Elternteil 

schliesslich einen höheren Lebensstandard führen kann als der nicht betreuende Elternteil. 

Vielmehr ist die finanzielle Last des Kindesunterhalts auf beide Eltern nach ihren Kräften zu 

verteilen (Art. 276 Abs. 2 ZGB). Daher kann mit Rücksicht auf den bisherigen Lebensstan-

dard unter Umständen der Betreuungsunterhalt gekürzt werden. Erst danach ist allenfalls 

noch eine Kürzung des Barunterhaltes möglich (Jungo/Aebi-Müller/Schweighauser, a.a.O., 

S. 187). Ob der unterhaltsbegünstigte Elternteil Anspruch an der Fortführung des bisherigen 

Lebensstandards hat, beurteilt sich danach, ob die Ehe lebensprägend war oder nicht.  

 

8.3 Die Leistungsfähigkeit der Klägerin beträgt CHF 2'331.30 (CHF 4'216.10 Einkommen + 

CHF 1'260.00 Betreuungsunterhalt - CHF 3'144.80 Grundbedarf). Die Leistungsfähigkeit des 

Beklagten beträgt CHF 1'020.00 (CHF 5'281.00 Einkommen - CHF 1'260.00 Betreuungsun-

terhalt - CHF 3'001.00 Grundbedarf). Die Leistungsfähigkeit der Klägerin ist daher rund dop-

pelt so hoch wie jene des Beklagten. Der Barunterhalt von E.________ und F.________ ist 

daher zu ⅔ von der Klägerin und zu ⅓ vom Beklagten zu übernehmen. Der Beklagte hat mit-

hin ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids einen monatlichen Barunterhalt von 

CHF 327.00 für E.________ und von CHF 270.00 für F.________ an die Klägerin zu leisten.  

 

 Die am tt.mm.2005 geschlossene Ehe der Parteien hat bis zur tatsächlichen Trennung rund 

neun Jahre gedauert und aus ihr sind zwei gemeinsame Kinder hervorgegangen. Es ist da-

her von einer lebensprägenden Ehe auszugehen. Die Parteien haben somit Anspruch auf 

Fortführung des zuletzt gemeinsam gelebten Standards. Nach Bezahlung des Betreuungsun-

terhalts von CHF 1'260.00 sowie des Barunterhaltes von insgesamt CHF 597.00 und einem 

Grundbedarf von CHF 3'001.00 verbleibt dem Beklagten ein Überschuss von CHF 423.00 

Seite 24/30 

 

pro Monat. Der Klägerin und den beiden Kindern verbleibt ein Überschuss von CHF 1'135.50 

(CHF 4'216.10 Einkommen + CHF 1'260.00 Betreuungsunterhalt - CHF 3'144.80 Grundbe-

darf - CHF 1'195.80 Barunterhalt für beide Kinder). Unter Berücksichtigung des Umstandes, 

dass sich der Beklagte seit dem Eheschutzentscheid vom 20. November 2014 auch nicht im 

Rahmen der Besuchsregelung um die gemeinsamen Kinder gekümmert hat und die Klägerin 

daher auch an jedem Wochenende und in den gesamten Schulferien der Kinder die Betreu-

ung der Kinder sicherstellen muss, rechtfertigt es sich nicht, den Betreuungsunterhalt zu kür-

zen.  

 

9. Die Kinderunterhaltsbeiträge (Bar- und Betreuungsunterhalt) sind gemäss Art. 128 und 

Art. 286 Abs. 1 ZGB an die Teuerungsentwicklung anzupassen, wobei dem Unterhaltsschuld-

ner anheim zu stellen ist, den Nachweis zu erbringen, dass sein Einkommen nicht mit der 

Teuerung Schritt gehalten hat (vgl. BGE 127 III 289 E. 4a). 

 

10. Im Weiteren beantragt die Klägerin, der Beklagte sei zu verpflichten, ihr gestützt auf Art. 125 

ZGB einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von mindestens CHF 624.90 bis zum 16. Altersjahr 

von F.________ zu zahlen. Es liege eine lebensprägende Ehe vor. Beide Kinder seien noch 

minderjährig und die Klägerin könne nicht für ihren Bedarf selber aufkommen. Während un-

getrennter Ehe sei die Klägerin auch alleine für die Kinderbetreuung zuständig gewesen 

(act. 18 S. 9 und act. 31 S. 2). Der Beklagte hat auch bezüglich des nachehelichen Unter-

halts keine Ausführungen gemacht. 

 

10.1 Streitigkeiten im Bereich des nachehelichen Unterhalts werden von der Verhandlungsma-

xime beherrscht (Art. 277 Abs. 1 ZPO). Nach Art. 58 Abs. 1 ZPO gilt zudem der Dispositions-

grundsatz. Das Gericht darf sein Urteil mithin nur auf die von den Parteien im Prozess vorge-

brachten Tatsachen stützen. Die säumige Partei erleidet prozessuale Nachteile, insbeson-

dere für die Feststellung des massgeblichen Sachverhalts. Das Gericht kann grundsätzlich in 

seinem Entscheid uneingeschränkt auf die infolge Säumnis der Gegenpartei unbestritten ge-

bliebenen Tatsachen abstellen (Willisegger, a.a.O., Art. 234 ZPO N 42). Eine unstreitige Be-

hauptung gilt in diesen Fällen als (formell) wahr. Gilt die Verhandlungsmaxime, so darf das 

Gericht nicht aufgrund der Akten den Prozessstoff zusammentragen, ergänzen und gestützt 

darauf entscheiden. Die Partei, die im bisherigen Verfahren ihrer Behauptungs- und Substan-

tiierungslast nicht oder nicht genügend nachgekommen ist und am Termin ausbleibt, kann 

nicht besser gestellt sein als jene, die zur Hauptverhandlung erscheint (Willisegger, a.a.O., 

Art. 234 ZPO N 26). Da der Beklagte vorliegend weder eine Klageantwort einreichte noch an 

der Parteibefragung oder Hauptverhandlung erschienen ist, gelten die klägerischen Vorbrin-

gen als unbestritten. 

 

10.2 Mangels Antrags des Beklagten ist das Gericht an den Antrag der Klägerin gebunden. Da 

dem Unterhaltsverpflichteten in jedem Fall sein Existenzminimum zu belassen ist  

(vgl. BGE 135 III 66), kann der Klägerin nur der nach Abzug der Kinderunterhaltsbeiträge 

(Betreuungsunterhalt und Barunterhalt) und des Grundbedarfs des Beklagten übrig bleibende 

Überschuss als nachehelicher Unterhalt zugesprochen werden. Der Überschuss auf Seiten 

des Beklagten beträgt CHF 423.00 pro Monat (vgl. E. 8.5 oben). Der Beklagte hat der Kläge-

rin somit ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids einen nachehelichen Unterhalt von 

CHF 423.00 pro Monat bis zum 16. Altersjahr von F.________, also bis und mit April 2026, 

Seite 25/30 

 

zu bezahlen. Der Unterhaltsbeitrag ist jeweils im Voraus auf den Ersten eines Monats zu ent-

richten und praxisgemäss zu indexieren (Art. 128 ZGB). 

 

11. Bei der Scheidung der Ehe wird der zwischen den Eheleuten geltende Güterstand aufgelöst. 

Die güterrechtliche Auseinandersetzung regelt bei Beendigung der Ehe die Aufteilung des Ver-

mögens der Eheleute untereinander. 

 

 Die Klägerin führt aus, dass die Vermögensverhältnisse des Beklagten unklar seien. Die Kläge-

rin habe keine nennenswerten Vermögenswerte. Sie habe in die Liegenschaft des Beklagten in 

Serbien investiert, was sie allerdings nicht belegen könne (act. 31 Ziff. 29). Antragsgemäss 

wird daher jeder Partei zu Eigentum zugewiesen, was sich in ihrem Besitz befindet oder auf 

ihren Namen lautet. Damit sind die Parteien güterrechtlich auseinandergesetzt.  

 

12. In einem nächsten Schritt ist über die Teilung der Guthaben der beruflichen Vorsorge zu ent-

scheiden. 

 

12.1 Die Klägerin führt diesbezüglich aus, während der Ehe habe lediglich der Beklagte Vorsorge-

guthaben angespart. Aufgrund des Umstandes, dass die Klägerin die Kinder betreue und sie 

deswegen nicht 100 % erwerbstätig sei, der Beklagte die Kinder gar nicht betreue und er 

noch relativ jung sei, seien zwei Drittel des Vorsorgeguthabens des Beklagten der Klägerin 

zuzusprechen. Die überhälftige Teilung sei angemessen. Aufgrund seines Alters habe der 

Beklagte noch die Möglichkeit, zukünftig genügend Altersguthaben anzusparen. Bei der Klä-

gerin bestehe diese Möglichkeit aufgrund der Betreuungspflichten nur eingeschränkt. Die 

Klägerin erreiche zwar mit ihrem Gesamteinkommen die Eintrittsschwelle in Bezug auf die 

Vorsorgeguthaben. Allerdings würde sie bei keinem Arbeitgeber ausreichend viel arbeiten, 

dass sie der Versicherungspflicht unterliegen würde. Deswegen habe sie nichts ansparen 

können und werde dies auch zeitnah nicht können (act. 31 S. 12 und act. 53).  

 

12.2 Gemäss Art. 122 ZGB werden bei der Scheidung die bis zum Zeitpunkt der Einleitung des 

Scheidungsverfahrens erworbenen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge ausgeglichen. 

Der Stichtag für die Teilung wurde damit von der Rechtskraft des Scheidungsentscheids  

(altes Recht vor 1. Januar 2017) auf die Einleitung des Verfahrens verschoben. Es stellt sich 

die Frage, ob auch für bereits hängige Verfahren dieser neue Stichtag massgebend sein soll.  

Gemäss Art. 7d SchlT ZGB ist das neue Recht für die berufliche Vorsorge bei Scheidung an-

wendbar, sobald es in Kraft getreten ist (Abs. 1). Auf Scheidungsprozesse, die beim Inkraft-

treten der Änderung vom 19. Juni 2015 vor einer kantonalen Instanz rechtshängig sind, findet 

auch das neue Recht Anwendung (Abs. 2). Der Wortlaut dieser Übergangsbestimmung geht 

von einer Rückwirkung auf bereits hängige Verfahren aus. Abweichungen von einem klaren 

Wortlaut sind zulässig und sogar geboten, wenn triftige Gründe zur Annahme bestehen, dass 

der Wortlaut nicht dem wahren Sinn der Bestimmung entspricht. Solche Gründe können sich 

aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem 

Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben. Vom Wortlaut kann zudem abgewichen 

werden, wenn die wörtliche Auslegung zu einem Ergebnis führt, welches der Gesetzgeber 

nicht gewollt haben kann (vgl. BGE 124 III 266 E. 4). Grund für das allgemeine Rückwir-

kungsverbot ist das Bedürfnis der Rechtssicherheit. Es widerspricht Treu und Glauben, einen 

Sachverhalt nachträglich neuen Regeln zu unterstellen, die sich für eine Partei belastend 

auswirken. Die Parteien würden unterschiedlich von einer Rückwirkung betroffen, je 

Seite 26/30 

 

nachdem, seit wann ihr Verfahren hängig ist. Die Idee des Gesetzgebers war, die Verbesse-

rung des neuen Rechts so schnell wie möglich einzuführen (Grütter, Der neue Vorsorgeaus-

gleich im Überblick, in FamPra.ch 1/2017, S. 129 f.). In der Lehre wird daher überwiegend 

die Meinung vertreten, dass das neue Recht zwar sofort anzuwenden sei, aber ohne Rück-

wirkung, sondern ab dem Zeitpunkt seines Inkrafttretens. Stichtag für alle hängigen Prozesse 

sei entsprechend der Tag des Inkrafttretens des neuen Recht, d.h. der 1. Januar 2017. Dies 

insbesondere aus dem Grund, dass ein Abstellen auf den Stichtag des neuen Rechts na-

mentlich bei schon sehr lange hängigen Verfahren zu stossenden Ergebnissen führt und 

letztlich nicht vom Willen des Gesetzgebers gedeckt sei. (vgl. Grütter, a.a.O., S. 129; Geiser, 

Scheidung und das Recht der beruflichen Vorsorge, in AJP 2015, S. 1386). Anderer Meinung 

ist insbesondere Fankhauser, der sich für die Anwendung des neuen Stichtages auf vor kan-

tonalen Gerichten hängigen Scheidungsprozesse ausspricht (vgl. Fankhauser, Ein dritter 

Stichtag zwischen alten und neuem Vorsorgeausglich?, in FamPra.ch 1/2017, S. 157 ff.). Es 

wird daher vorliegend – mit der wohl herrschenden Lehre – auf den Stichtag 1. Januar 2017 

abgestellt. 

 

12.3 Während der Dauer der Ehe hat der Beklagte per 1. Januar 2017 bei der V.________Pensi-

onskasse ein Pensionskassenguthaben von CHF 339.55 angespart (act. 43). Zusätzlich ver-

fügt der Beklagte bei der W.________Stiftung über ein während der Ehe angespartes Pensi-

onskassenguthaben per 1. Januar 2017 von CHF 17'678.37 (act. 51). Dies ergibt ein Pensi-

onskassenguthaben von insgesamt CHF 18'017.92. Die Klägerin verfügt über kein Freizügig-

keitsguthaben (act. 31 S. 12 und act. 45). 

 

12.4 Gemäss Art. 123 ZGB sind die erworbenen Austrittsleistungen samt Freizügigkeitsguthaben 

und Vorbezügen für Wohneigentum hälftig zu teilen. Als Ausnahme von der hälftigen Teilung 

kann das Gericht dem berechtigten Ehegatten mehr als die Hälfte der Austrittsleistung zu-

sprechen, wenn er nach der Scheidung gemeinsame Kinder betreut und der verpflichtete 

Ehegatte weiterhin über einen angemessene Alters- und Invalidenvorsorge verfügt (Art. 124b 

Abs. 3 ZGB). Mit einer überhälftigen Teilung der Austrittsleistung soll die erst nach der Schei-

dung entstehende Vorsorgelücke, aufgrund der Betreuung der gemeinsamen minderjährigen 

Kinder, ausgeglichen werden. Dies unter der Voraussetzung, dass der belastete Ehegatte 

trotz überhälftiger Teilung weiterhin über eine angemessene Alters- und Invalidenvorsorge 

verfügt. Offen ist aber, welcher Vorsorgestandard mindestens erreicht werden muss, damit er 

noch angemessen ist. Die Frage der Angemessenheit der Alters- und Invalidenvorsorge hat 

das Gericht gemäss Art. 280 Abs. 3 ZPO zu prüfen. Für die Beurteilung der Angemessenheit 

sind die persönlichen Verhältnisse, insbesondere das Alter des Ehegatten, welcher eine 

überhälftige Leistung erbringt, von Bedeutung. Auch die Nähe des einen oder anderen Ehe-

gatten zum ordentlichen Rentenalter sowie der Altersunterschied zwischen den Ehegatten 

sind vom Gericht zu berücksichtigen, da ein jüngerer Ehegatte in den ihm verbleibenden Er-

werbsjahren seine Vorsorge weiter anhäufen kann. Weiter ist für die Beurteilung der Ange-

messenheit der Altersvorsorge das gesamte gebundene Vermögen der Ehegatten von Be-

lang, unabhängig davon, ob es sich um eheliches oder voreheliches Vermögen handelt . Aus-

schlaggebend ist nur, dass es sich nicht um frei verfügbares Vermögen handelt, sondern die-

ses Vermögen tatsächlich eine angemessene Altersvorsorge gewährleistet. So gelten insbe-

sondere auch Lebensversicherungen und Liegenschaften als zu berücksichtigende gebun-

dene Vorsorgemittel (Jungo/Grütter, in Schwenzer/Fankhauser [Hrsg.], FamKomm Schei-

dung, 3. A. 2017, Art. 124b ZGB N 4 ff.; Grütter/Vetterli, Vorsorgeausgleich – heute und 

Seite 27/30 

 

morgen, S. 228; Geiser, Gestaltungsmöglichkeiten beim Vorsorgeausgleich, in ZBJV Band 

153, 2017, S. 100; Botschaft zur Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Vorsor-

geausgleich bei Scheidung] vom 29. Mai 2013, S. 4919). 

 

12.5 Die Klägerin betreut die beiden zehn-, respektive siebenjährigen Kinder während der Woche 

zu 40 % selber (vgl. E. 7.6 oben). Es ist davon auszugehen, dass die Klägerin aufgrund der 

Kinderbetreuung auch in Zukunft gar keine oder nicht allzu grosse Pensionskassenbeiträge 

anhäufen kann, zumal sie auch bisher bis Ende 2016 trotz zwei Arbeitsstellen kein Vorsorge-

guthaben anhäufen konnte, da sie bei keinem der beiden Arbeitsstellen die Jahresmindest-

einkommensgrenze für die Beitragspflicht überschritten hat (vgl. act. 13). Aufgrund des Alters 

von F.________ ist weiter davon auszugehen, dass die Klägerin noch rund neun Jahre in ei-

nem ähnlichen Teilzeitpensum weiterarbeiten wird. Zwar wird sie bei der T.________AG seit 

April 2017 die Einkommensschwelle von CHF 21'500.00 pro Jahr für die obligatorische Versi-

cherung überschreiten (Art. 7 Abs. 1 BVG), dennoch ist es ihr aufgrund der kinderbetreu-

ungsbedingten Teilzeiterwerbstätigkeit nicht möglich, eine angemessene Altersvorsorge auf-

zubauen. Zudem ist der Beklagte mit 33 Jahren noch relativ jung und kann daher in den ihm 

verbleibenden Arbeitsjahren eine angemessene Alters- und Invalidenvorsorge erwirtschaften. 

Zudem ist der Beklagte gemäss Ausführungen der Klägerin Eigentümer einer Liegenschaft in 

Serbien, die ebenfalls als Altersvorsorge dient. Eine überhälftige Teilung der Pensionskas-

senguthaben scheint daher als angemessen. Mithin steht der Klägerin gegenüber dem Be-

klagten ein Anspruch auf Übertragung eines Vorsorgebetrages von zwei Dritteln, d.h. von 

CHF 12'011.95 zu (CHF 18'017.92 x ⅔). 

 

13. Die Prozesskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Hat 

keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem Ausgang des Ver-

fahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Die Klägerin dringt mit ihren Anträgen betreffend Sor-

gerecht und Obhut, güterrechtliche Auseinandersetzung und Vorsorge durch. Sie macht Un-

terhaltsansprüche von insgesamt CHF 4'317.40 geltend, wovon ihr insgesamt CHF 2'260.00 

zugesprochen werden. Es rechtfertigt sich daher beim vorliegenden Prozessausgang, die 

Prozesskosten zu ⅔ dem Beklagten und zu ⅓ der Klägerin aufzuerlegen. 

 

13.1 Die Entscheidgebühr bemisst sich nach § 13 Abs. 1 der Verordnung über die Kosten in der 

Zivil- und Strafrechtspflege vom 15. Dezember 2011 (KoV OG) und beträgt zwischen 

CHF 1'600.00 und CHF 10'000.00. Die im vorliegenden Scheidungsverfahren geltend ge-

machten güterrechtlichen Ansprüche belaufen sich auf weniger als CHF 100'000.00, so dass 

§ 13 Abs. 3 KoV OG nicht zur Anwendung gelangt. Unter Berücksichtigung der vorliegend 

durchgeführten Gerichtsverhandlungen und -anhörungen, der abzuhandelnden Themen im 

Zusammenhang mit den Scheidungsnebenfolgen und des Zeitaufwands erscheint eine Ent-

scheidgebühr von CHF 4'000.00 als angemessen. Hinzu kommen die Auslagen für die Über-

setzung im Umfang von CHF 230.00 (act. 15 und act. 29; § 9 lit. d KoV OG). 

 

13.2 Zu beachten ist sodann, dass der Klägerin mit Entscheid des Einzelrichters des Kantonsge-

richts Zug vom 19. April 2016 die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt wurde (UP 2016 63). 

RA lic.iur. B.________ ist eine Entschädigung nach Zeitaufwand sowie eine Auslagenvergü-

tung, zuzüglich Mehrwertsteuer (Art. 122 Abs. 2 ZPO; § 14 Abs. 2 AnwT) zuzusprechen. Da-

bei ist zu berücksichtigen, dass der geltend gemachte Aufwand mit CHF 220.00 pro Stunde 

entschädigt wird (§ 14 Abs. 2 AnwT). Die Klägerin stellt Honorarrechnungen von 

Seite 28/30 

 

CHF 8'286.60 (37,67 Stunden) sowie CHF 248.60 Auslagen und Spesen (act. 32), 

CHF 439.95 (2 Stunden) sowie CHF 13.20 Auslagen und Spesen (act. 46), CHF 659.95 

(3 Stunden) sowie 19.80 Auslagen und Spesen (act. 54) und CHF 165.00 (45 Minuten) sowie 

CHF 4.95 Auslagen und Spesen (act. 58). Dies ergibt einen Gesamtaufwand von 43,42 Stun-

den und ein Gesamthonorar von CHF 10'624.45 (Honorar CHF 9'550.90, Spesen und Ausla-

gen CHF 286.55, MWST CHF 787.00). Entsprechend dem Prozessausgang hat der Beklagte 

eine Parteientschädigung von ⅓ (= ⅔ ./. ⅓), d.h. von CHF 3'541.50 direkt an RA lic.iur. 

B.________ zu bezahlen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom 4. Februar 

2014 E. 5; Gasser/Rikli, Schweizerische Zivilprozessordnung, Kurzkommentar, 2. A. 2014, 

Art. 122 ZPO N 5). Für den Betrag von CHF 7'082.95 ist RA lic.iur B.________ aus der Ge-

richtskasse zu entschädigen. 

 

 

Entscheid 
 

1. Die von den Parteien am tt.mm.2005 in D.________ geschlossene Ehe wird geschieden. 

 

2.1 Die aus der Ehe hervorgegangenen Kinder E.________, geb. tt.mm.2006, und F.________, 

geb. tt.mm.2010, werden der elterlichen Sorge der Mutter zugeteilt und ihr zu Pflege und Er-

ziehung zugewiesen. 

 

2.2 Der Vater verbringt mit den Kindern E.________ und F.________ jedes zweite Wochenende 

von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr, sowie jährlich drei Wochen Ferien, wobei 

das Ferienrecht zwischen den Eltern drei Monate im Voraus abzusprechen ist.  

 

 Andere Vereinbarungen der Eltern bleiben vorbehalten. 

 

2.3 Die Erziehungsgutschriften für die Berechnung künftiger AHV-/IV-Renten werden aus-

schliesslich der Mutter angerechnet. 

 

2.4 Der Vater wird verpflichtet, mit Wirkung ab Rechtskraft des Scheidungsentscheids an den 

Unterhalt der Kinder E.________ und F.________ folgende monatlichen Beiträge zu bezah-

len, zahlbar je zum Voraus auf den Ersten des Monats: 

 

Für das Kind E.________: 

Barunterhalt CHF 327.00 zuzüglich allfälliger Familienzulagen mindestens bis 

 zum erfüllten 18. Altersjahr und längstens bis zum ordentlichen  

 Abschluss einer angemessenen Ausbildung 

Betreuungsunterhalt CHF 420.00 bis 31. Dezember 2022 

 

Für das Kind F.________: 

Barunterhalt CHF 270.00 zuzüglich allfälliger Familienzulagen mindestens bis 

 zum erfüllten 18. Altersjahr und längstens bis zum ordentlichen  

 Abschluss einer angemessenen Ausbildung 

Betreuungsunterhalt CHF 820.00 bis 30. April 2026 

 

2.5 Diese Unterhaltsbeiträge basieren auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bun-

desamtes für Statistik, Stand April 2017 = 100.9 Punkte (Basis Dezember 2015 = 100 

Seite 29/30 

 

Punkte). Sie sind jährlich auf den 1. Januar, erstmals auf den 1. Januar 2018, dem Index-

stand November des Vorjahres proportional anzupassen und auf ganze Franken aufzurun-

den. 

 

 Die Anpassung