# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 041b0c12-9e2e-5938-a59f-bea885a2687a
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-04-30
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 30.04.2020 VG.2020.00006 (VG.2020.918)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2020-00006_2020-04-30.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 30. April 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2020.00006

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______GmbH

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Departement Bau und Umwelt des Kantons
    Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch
    Rechtsanwältin C.______

    

  
  

  
	
   

  
	
   

  
	
  und

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Thomas Fischer Architekt GmbH

    	
    Beigeladene

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Projektwettbewerb
  Erweiterung Berufsschule Ziegelbrücke 

  
	
  (Zuschlag und
  Ausschluss)

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Das
  Departement Bau und Umwelt (DBU) schrieb am 23. Mai 2019 im Amtsblatt, auf
  der Ausschreibungsplattform simap.ch sowie in der Fachpresse den offenen
  Projektwettbewerb "Neubau Schulhaus mit Dreifachturnhalle" aus.
  Insgesamt gingen 53 Eingaben ein. Im Rahmen der Vorprüfung wurde bei fünf
  Projekten eine Verletzung der Anonymität festgestellt. Am 14. und
  15. November 2019 sowie am 6. Dezember 2019 beurteilte das Preisgericht
  die Projekte. Dabei setzte es das Projekt "Brückenbauer" der Thomas
  Fischer Architekt GmbH auf den ersten Rang. Am 27. Dezember 2019
  beantragte das DBU dem Regierungsrat die Kenntnisnahme des Berichts des
  Preisgerichts. Das DBU sei zu beauftragen, dem Wettbewerbsgewinner den
  planerischen Auftrag zur Weiterbearbeitung zu erteilen. Ferner sei es mit der
  Eröffnung des Beschlusses an alle Anbieter in geeigneter Form und mit dem
  weiteren Vollzug zu beauftragen. Der Regierungsrat folgte diesen Anträgen mit
  Beschluss vom 7. Januar 2020.

  
	
   

  
	
  1.2
  Am 8. Januar 2020 verfügte das DBU die Rangierung der sechs besten
  Projekte sowie den Ausschluss von fünf Teilnehmern, darunter die
  A.______GmbH, wegen Verletzung der Anonymität. Gleichzeitig vergab es den
  Auftrag der obsiegenden Thomas Fischer Architekt GmbH.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Dagegen erhob die A.______GmbH am 22.
  Januar 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte, es seien die
  Verfügung des DBU vom 8. Januar 2020 und der
  Regierungsratsbeschluss vom 7. Januar 2020 insofern aufzuheben, als sie vom
  Projektwettbewerb ausgeschlossen worden sei. Die Sache sei an das DBU
  zurückzuweisen und dieses sei anzuweisen, sie wieder zum Verfahren zuzulassen
  und das von ihr unter dem Kennwort "LENÙ" eingereichte Projekt zu
  beurteilen und zu rangieren. Eventualiter sei festzustellen, dass die
  Verfügung des DBU vom 8. Januar 2020 und der
  Regierungsratsbeschluss vom 7. Januar 2020 rechtswidrig seien; alles
  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des DBU. In prozessualer
  Hinsicht beantragte die A.______GmbH, dass der Beschwerde die aufschiebende
  Wirkung zu erteilen sei. Ihr sei zudem Einsicht in die Dokumente aller
  Projektteilnehmer zu gewähren, die einen Vermerk in der Fusszeile enthielten.

  
	
   

  
	
  2.2
  Das DBU schloss am 3. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde und des
  Gesuchs um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  2.3
  Mit Präsidialverfügung vom 5. Februar 2020 wies das Verwaltungsgericht
  das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab.
  Gleichzeitig gewährte es der A.______GmbH Einsicht in die Dokumente
  "Kosten + Daten Wettbewerbsprojekt".

  
	
   

  
	
  2.4
  Die A.______GmbH reichte am 17. Februar 2020 ihre Replik ein. Sie hielt
  an ihren Anträgen fest, soweit diese nicht bereits durch die Verfügung vom 5. Februar 2020
  beurteilt worden waren. Ferner beantragte sie Einsicht in den technischen
  Vorprüfungsbericht und vollumfängliche Einsicht in die Dokumente "Kosten
  + Daten Wettbewerbsprojekt", insbesondere in die Dokumente zu den
  Projekten Nr. 32 und Nr. 35.

  
	
   

  
	
  2.5
  Das DBU hielt in seiner Duplik vom 9. März 2020 an der Abweisung der
  Beschwerde fest. Gleichzeitig reichte es die Dossiers LIMMA und ABC nach. Das
  Verwaltungsgericht stellte am 10. März 2020 der A.______GmbH die Duplik und
  Kopien der beiden Dossiers zur Kenntnisnahme zu.

  
	
   

  
	
  2.6 Die A.______GmbH nahm am 13. März 2020 dazu
  unaufgefordert Stellung. In der Folge verzichtete das DBU auf eine weitere
  Stellungnahme.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
  vom 4. Mai 1986 (VRG) i.V.m. Art. 35 f. des kantonalen Submis­sionsgesetzes vom 4. Mai 1997 (SubmG) zur Behandlung der
  vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die weiteren
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Ein Projektwettbewerb ist ein Verfahren, das zur
  Erarbeitung von Lösungsvorschlägen zu klar umrissenen Aufgaben sowie zur
  Ermittlung von geeigneten Fachleuten zur Projektrealisierung durchgeführt
  wird, wobei der Projektgewinner in der Regel Anspruch auf einen weiteren
  planerischen Auftrag hat (Peter Galli et al., Praxis des öffentlichen
  Beschaffungswesens, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1019). Für
  die Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbs ist das Preisgericht
  zuständig. Es genehmigt das Wettbewerbsprogramm und beurteilt die
  Wettbewerbsbeiträge. Es entscheidet über die Rangierung und die Vergabe der
  Preise und spricht eine Empfehlung zuhanden der Auftraggeber aus für die
  Erteilung eines weiteren planerischen Auftrags, eines Zuschlags oder für das
  weitere Vorgehen (Art. 26 Abs. 1 der kantonalen Submissionsverordnung
  vom 17. Dezember 1997 [SubmV]).

  
	
   

  
	
  2.2 Gemäss Art. 24 Abs. 1 SubmV werden Wettbewerbe
  anonym durchgeführt. Der Auftraggeber sichert nach Art. 24 Abs. 2 SubmV die
  Anonymität, bis das Preisgericht die Wettbewerbsarbeiten beurteilt, rangiert
  und allfällige Preise zugesprochen sowie allenfalls eine Empfehlung für das
  weitere Vorgehen abgegeben hat. Teilnehmer, die gegen das Anonymitätsgebot
  verstossen, werden nach Art. 24 Abs. 3 SubmV vom Wettbewerb
  ausgeschlossen.

  
	
   

  
	
  2.3 Das Wettbewerbsprogramm sah in Ziff. 1.4 vor, dass
  die SIA-Norm 142 subsidiär gelte. Auch diese hält in Art. 1.4 fest, dass
  Wettbewerbe in anonymisierter Form durchgeführt werden. Der Auftraggeber, die
  Mitglieder des Preisgerichts, die Teilnehmer und die beteiligten Fachleute
  sichern die Anonymität der Wettbewerbsbeiträge, bis das Preisgericht
  Wettbewerbsbeiträge beurteilt, rangiert und die Preise sowie eine Empfehlung
  für das weitere Vorgehen abgegeben hat. Ein Wettbewerbsbeitrag muss nach Art.
  19.1 lit. a der SIA-Norm 142 unter anderem dann ausgeschlossen werden, wenn
  sein Verfasser gegen das Anonymitätsgebot verstossen hat. 

  
	
  3.

  
	
  3.1 Das Verwaltungsgericht hat in seiner
  Präsidialverfügung vom 5. Februar 2020 erwogen, die Anonymität sei
  zentraler Bestandteil des Wettbewerbsverfahrens. Mittlerweile seien die
  Projekte rangiert und der Projektbericht veröffentlicht worden. Damit könne
  das Wettbewerbsverfahren, nicht wiederholt werden, da die Anonymität nicht
  mehr gewährleistet werden könne. Es könne daher nicht mehr auf Aufhebung des
  Zuschlags und Wiederholung des Verfahrens entschieden werden.

  
	
   

  
	
  3.2 Daraus folgt nun aber nicht, dass der
  Beschwerdeführerin jeder Rechtsschutz verwehrt ist. Ist die Beschwerde in
  einem ordentlichen Submissionsverfahren begründet, der Vertrag aber bereits
  abgeschlossen, sieht Art. 39 Abs. 2 SubmG vor, dass das Verwaltungsgericht
  lediglich feststellen kann, inwiefern die Verfügung rechtswidrig ist. Diese
  Bestimmung ist analog auf das vorliegende Verfahren anzuwenden, in welchem
  ebenfalls nicht auf Aufhebung des Zuschlags und Wiederholung des
  Wettbewerbsverfahrens entschieden werden kann. Es ist (einzig) zu prüfen, ob
  die Verfügung des Beschwerdegegners vom 8. Januar 2020 rechtswidrig
  ist oder nicht, wobei die Beurteilung der Verfügung als rechtswidrig in einem
  Feststellungsentscheid zu erfolgen hätte.

  
	
   

  
	
  4. 

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der
  Dokumentenpfad in der Fusszeile des Datenblatts "Kosten + Daten
  Wettbewerbsprojekt" sei selbständig und ohne ihr Zutun generiert worden.
  Beim dort erscheinenden Namen "Theodor" handle es sich um die
  Bezeichnung des Computers ihres Gesellschafters, D.______. Der Name könne
  keinem ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugeordnet werden. Sie sei
  daher zu Unrecht aus dem Wettbewerbsverfahren ausgeschlossen worden. Der
  Beschwerdegegner führe nicht aus, worin er konkret eine Verletzung des
  Anonymitätsgebots ausmache. Es habe nie eine konkrete Gefahr der Bevorzugung
  ihres Projekts bestanden, was auch der Beschwerdegegner nicht geltend mache.
  Es reiche nicht aus, wenn lediglich eine entfernte hypothetische Möglichkeit
  bestehe, dass zwischen dem Lösungsvorschlag und dem Verfasser eine Verbindung
  hergestellt werden könne. Vielmehr müsste konkret dargetan werden, inwiefern
  durch die Verletzung der Anonymität ein Wettbewerbsbeitrag einer konkreten
  Architektin oder einem konkreten Architekten zugeordnet werden könne. Sodann
  seien andere Beiträge, bei welchen aufgrund der Fusszeile im Datenblatt auf
  den Verfasser habe geschlossen werden können, nicht ausgeschlossen worden.
  Dies verstosse gegen das Willkürverbot und das Rechtsgleichheitsgebot.

  
	
   

  
	
  4.2 Der Beschwerdegegner führt aus, das Preisgericht
  habe den Beitrag der Beschwerdeführerin von der Beurteilung ausgeschlossen,
  weil mit dem Wort "theodor" in der Fusszeile des Datenblatts
  "Kosten + Daten Wettbewerbsprojekt" die Anonymität verletzt worden
  sei. Gemäss Wettbewerbsprogramm prüfe er im Rahmen der technischen Vorprüfung
  der eingereichten Unterlagen u.a. die Einhaltung der Anonymität und halte die
  Ergebnisse schriftlich fest. Die Bewertung und Qualifizierung der Unterlagen
  erfolgten jedoch durch das Preisgericht. Das Preisgericht erstelle einen
  Bericht, worin es u.a. seine Entscheide bzw. Anträge über die Ausschlüsse
  festhalte und begründe. Die Jury schliesse Beiträge von der Beurteilung aus,
  wenn sein Verfasser gegen das Anonymitätsgebot verstossen habe. Dieses
  Vorgehen entspreche dem in der SIA-Norm 142 vorgeschlagenen Verfahren. Daraus
  ergebe sich, dass nach den vorliegend anwendbaren Verfahrensbestimmungen das
  Preisgericht darüber entscheide, ob die eingereichten Unterlagen gegen das
  Anonymitätsgebot verstiessen und daher von der Beurteilung auszuschliessen
  seien. Das Preisgericht setzte sich mehrheitlich aus qualifizierten und
  unabhängigen Fachleuten zusammen, weshalb sich seine rechtliche Stellung
  derjenigen einer unabhängigen richterlichen Instanz nähere. Damit bestehe
  hinreichende Gewähr dafür, dass der Entscheid über den Ausschluss von
  Teilnehmern aus sachlichen Gründen erfolge. Da die SIA-Norm 142 vorsehe, dass
  die Einhaltung der Anonymität durch das Preisgericht beurteilt werde und bei
  Verstössen das Preisgericht den Ausschluss beschliesse, könne das
  Anonymitätsgebot nicht so verstanden werden, dass eine konkrete Verbindung
  zwischen der Verletzung der Anonymität und dem tatsächlichen Verfasser
  vorliegen müsse. Diese Frage könnte das Preisgericht nur unter Aufhebung der
  Anonymität beantworten, weshalb es den entsprechenden Beitrag bei der
  Preiserteilung nicht mehr unvoreingenommen beurteilen könnte. Bei dem von der
  Beschwerdeführerin verwendeten Namen "theodor" könnte der Beitrag
  mit einem Architekten mit dem entsprechenden Namen verbunden werden. Dies
  könne die Beurteilung durch das Preisgericht unabhängig davon beeinflussen,
  ob der Beitrag tatsächlich von einem Architekten mit dem Namen Theodor stamme
  oder nicht. Denn auch wenn der Beitrag von einem anderen Teilnehmer stamme,
  würde die Objektivität des Entscheids des Preisgerichts beeinflusst, wenn dieses
  vermuten würde, der Beitrag stamme von einem bestimmten Architekten mit dem
  Namen Theodor. Beim Beitrag Nr. 36 mit dem Vermerk "BiKini"
  habe aufgrund der Wahrung der Anonymität keine Verbindung zu einem möglichen
  Architekten erkannt werden können. Hingegen habe er, der Beschwerdegegner,
  bei der Durchsicht der Beiträge nachträglich festgestellt, dass auch der
  Beitrag Nr. 52 hätte ausgeschlossen werden müssen. Da das Projekt nicht
  rangiert worden sei, habe der unterlassene Ausschluss keine Folgen auf das Ergebnis
  des Wettbewerbs. Die Beschwerdeführerin könne daraus keinen Anspruch auf
  Gleichbehandlung ableiten.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die Beschwerdeführerin reichte für ihr Projekt das
  geforderte Datenblatt "Kosten + Daten Wettbewerbsprojekt" ein. In
  der Fusszeile des Datenblatts befand sich der Dokumentenpfad Macintosh
  HD:Users:theodor:Desktop:Berufsschule_Ziegel-bruecke_
  Datenblatt_Kosten_190502.xlsx".

  
	
   

  
	
  5.2 Bei der Vorprüfung des Projekts der
  Beschwerdeführerin wurde festgehalten, dass die Anonymität nicht gewährleistet
  sei. Begründet wurde dies einzig mit der Bemerkung "Name ist auf
  Datenblatt Kosten ersichtlich". In der Folge wurde dem Preisgericht das
  Ergebnis der Vorprüfung der Projekte vorgestellt und beantragt, fünf
  Projekte, darunter dasjenige der Beschwerdeführerin, wegen einer Verletzung
  der Anonymität auszuschliessen. Das Preisgericht folgte diesem Antrag. 

  
	
   

  
	
  5.3 Am 8. Januar 2020 eröffnete der Beschwerdegegner der
  Beschwerdeführerin, dass ihr Projekt wegen Verletzung der Anonymität nach
  Art. 24 Abs. 3 SubmV von der Bewertung ausgeschlossen worden sei. In
  einem E-Mail vom 14. Januar 2020 informierte der Beschwerdegegner
  die Beschwerdeführerin über die näheren Gründe des Ausschlusses. Anlässlich
  der Vorprüfung seien bei fünf Projekten Ausdrücke/Hinweise in der Fusszeile
  des Datenblatts "Kosten + Daten Wettbewerbsprojekt" gefunden
  worden, welche sich auf Personen oder Büros beziehen könnten. Darunter falle
  der von der Beschwerdeführerin verwendete Namen "theodor". 

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  Soweit die
  Beschwerdeführerin geltend macht, der Beschwerdegegner trage eine
  Mitverantwortung, weil die Dokumentenvorlage "Daten + Kosten
  Wettbewerbsprojekt" die beanstandete Fusszeile automatisch generiert
  habe, kann sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Es trifft zwar zu,
  dass die Ausgestaltung der Vorlage unglücklich ist, da durch die automatisch
  generierte Fusszeile die Gefahr besteht, dass versehentlich das
  Anonymisierungsgebot verletzt wird. Dies zeigt sich exemplarisch bei den
  Projekten mit den Nrn. 7, 34 und 52, bei welchen jeweils in der klein
  gedruckten Fusszeile des Datenblatts der Name des verantwortlichen
  Architekten aufgeführt ist. Indessen ist in erster Linie der Projektverfasser
  dafür verantwortlich, dass sein Projekt in anonymisierter Form eingereicht
  wird. So konnte eine Verletzung des Anonymisierungsgebots bei sorgfältiger
  Durchsicht des Datenblatts ohne Weiteres erkannt und durch Löschen der
  Fusszeile oder durch die Verwendung eines anderen Dateinamens behoben werden,
  wobei entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin eine Löschung der
  Fusszeile nicht eine unzulässige Änderung des Formulars gewesen wäre. Daraus
  folgt, dass der Ausschluss aus dem Wettbewerb nicht alleine deshalb
  rechtswidrig war, weil der Beschwerdegegner ein Datenblatt zur Verfügung
  stellte, bei welchem die Fusszeile automatisch den Dokumentenpfad aufführt.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  7.1 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin durch den
  Druck der Fusszeile auf dem Datenblatt das Anonymitätsgebot verletzt hat.
  Anonymität im Sinne der SIA-Norm 142 und von Art. 24 SubmV bedeutet
  die konsequente Trennung zwischen der Kenntnis des Lösungsvorschlags
  einerseits und dessen Verfasser andererseits (vgl. SIA-Norm 142, S. 5).
  Wesentlich ist, dass das Preisgericht die eingereichten Projekte objektiv und
  unvoreingenommen beurteilen kann, was offensichtlich dann nicht mehr der Fall
  ist, wenn der Verfasser eines Projekts anhand der Projekteingabe erkennbar
  ist.

  
	
   

  
	
  Daraus folgt, dass eine
  Verletzung des Anonymitätsgebots stets dann zu bejahen ist, wenn Angaben bei
  der Projekteingabe Rückschlüsse auf den Verfasser des Projekts zulassen.
  Daneben ist mit dem Beschwerdegegner selbst dann von einer
  Anonymitätsverletzung auszugehen, wenn aufgrund der Angaben eine begründete
  Vermutung besteht, wer den Lösungsvorschlag verfasst hat, sich diese Vermutung
  im Nachhinein aber nicht bestätigt. Auch in einem solchen Fall besteht
  nämlich die Gefahr, dass das Preisgericht seine Beurteilung nicht mehr
  objektiv und unabhängig vornehmen kann. 

  
	
   

  
	
  Hingegen ist das
  Anonymitätsgebot dann nicht verletzt, wenn lediglich abstrakt die Möglichkeit
  besteht, dass zwischen dem Lösungsvorschlag und dem Verfasser eine Verbindung
  hergestellt werden kann. So sah beispielsweise das Verwaltungsgericht des
  Kantons St. Gallen keine Verletzung des Anonymitätsgebots darin, dass auf dem
  Paket als Absender der Name und die Adresse der Freundin jenes Mitarbeiters
  stand, der die Paketsendung mit dem Wettbewerbsbeitrag auf die Post gebracht
  hatte. Dies begründete das Gericht damit, dass sich keine Verbindung zwischen
  der Freundin und den Projektverfassern herstellen lasse (Urteil B 2015/133
  vom 17. Dezember 2015, E. 2.3.1 und 2.4.3).

  
	
   

  
	
  7.2 Entgegen der Darstellung des Beschwerdegegners
  reicht die rein abstrakte Möglichkeit, dass es einen Architekten mit dem
  Namen Theodor gibt, nicht. Er hätte zumindest dartun müssen, mit welchem
  Architekturbüro bzw. mit welchem Mitarbeiter dieser Name in Verbindung
  gebracht werden könnte. Indem er dies unterliess, ist nicht davon auszugehen,
  dass eine derartige konkrete Vermutung bestand, weshalb sich der Ausschluss
  des Wettbewerbsbeitrags der Beschwerdeführerin als rechtswidrig erweist.

  
	
   

  
	
  8.

  
	
  8.1 Hinzuweisen bleibt darauf, dass der Beschwerdegegner
  beim Ausschluss der Wettbewerbsteilnehmer nicht konsequent vorging, weshalb
  seiner Verfügung etwas Willkürliches anhaftet und diese den Anspruch der
  Beschwerdeführerin auf gleiche Behandlung ihres Beitrags (vgl. SIA-Norm 142,
  S. 4) verletzt. 

  
	
   

  
	
  8.2 Am offensichtlichsten tritt dies beim Beitrag Nr. 52
  zu Tage, bei welchem der Verfasser "Ivo Piazza" mit vollem Namen
  aus der Fusszeile des Datenblatts ersichtlich ist. Beim Beitrag Nr. 32 steht
  in der Fusszeile unter anderem "lgujer", was zwangslos auf die
  l-gujer / schäli e KIG schliessen lässt, welche den Beitrag eingereicht
  haben. Dass mit der Bezeichnung "gusun" beim Beitrag Nr. 20 der
  Architekt GuSung Lim gemeint ist, lässt sich ebenfalls erahnen. Dasselbe gilt
  für die Bezeichnung "BiKini" beim Beitrag Nr. 36, welcher sich auf
  das Architekturbüro "Bienert Kintat Architekten" bezieht. Wäre der
  Beschwerdegegner gleich streng vorgegangen wie beim Ausschluss des Beitrags
  der Beschwerdeführerin, hätte er ferner auch den Beitrag Nr. 25
  ausschliessen müssen, enthielt dieser doch die Bezeichnung "GF",
  was auf die Initialen eines Mitarbeiters hinweisen könnte
  bzw. tatsächlich für "Gröbly Fischer Architekten" steht. 

  
	
   

  
	
  8.3 Ob der Ausschluss des Wettbewerbsbeitrags alleine
  wegen der Verletzung des Gleichbehandlungsgebots rechtswidrig war, kann
  indessen offen bleiben, da sich die Rechtswidrigkeit bereits aus anderen
  Gründen (vgl. E. II/7) ergibt.

  
	
   

  
	
  9.

  
	
  Zusammenfassend ergibt
  sich, dass der Beschwerdegegner durch die unglückliche Ausgestaltung des
  Datenblatts "Kosten + Daten Wettbewerbsprojekt" zahlreiche
  Fusszeilen auf ihre Vereinbarkeit mit dem Anonymitätsgebot zu prüfen hatte.
  Dies tat er in einer nicht nachvollziehbaren Weise. Dabei erweist sich der
  Ausschluss des Wettbewerbsbeitrags der Beschwerdeführerin, welcher keinerlei
  Schlüsse auf die Verfasser des Projekts zulässt, als rechtswidrig.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde teilweise gutzuheissen. Es ist festzustellen, dass sich die
  Verfügung des Beschwerdegegners vom 8. Januar 2020 insofern als rechtswidrig
  erweist, als der Wettbewerbsbeitrag der Beschwerdeführerin aus dem
  Wettbewerbsverfahren ausgeschlossen wurde.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1.

  
	
  Auch wenn die
  Beschwerdeführerin mit ihrem Hauptantrag auf Aufhebung des Zuschlags und
  Wiederholung des Verfahrens nicht durchdringt, hat sie hinsichtlich der
  Kosten- und Entschädigungsfolgen als obsiegend zu gelten. Da den kantonalen
  Behörden nur unter besonderen Umständen Kosten auferlegt werden können
  (Art. 135 Abs. 1 VRG), sind die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu
  nehmen. Der Beschwerdeführerin ist der von ihr geleistete Kostenvorschuss in
  der Höhe von Fr. 4'000.- zurückzuerstatten. Ausgangsgemäss ist der
  Beschwerdegegner zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene
  Parteientschädigung von Fr. 3'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen
  (Art. 138 Abs. 3 lit. a VRG).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Gegen diesen Entscheid
  steht die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans
  Bundesgericht nur nach Massgabe von Art. 83 lit. f des Bundesgesetzes über
  das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) offen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Es wird festgestellt, dass die
    Verfügung des Beschwerdegegners vom 8. Januar 2020 insofern rechtswidrig
    ist, als der Wettbewerbsbeitrag der Beschwerdeführerin aus dem
    Wettbewerbsverfahren ausgeschlossen wurde.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen. Der Beschwerdeführerin
    wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von
    Fr. 4'000.- zurückerstattet.

    
	
    3.

    	
    Der
    Beschwerdegegner wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung von
    Fr. 3'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]