# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c0a31b1-e881-557e-bd81-970eab2f7902
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.03.2010 E-6163/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6163-2006_2010-03-05.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6163/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  5 .  M ä r z  2 0 1 0

Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Bruno Huber, 
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______,
Sudan,
vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
13. September 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6163/2006

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer, ein sudanesischer Staatsangehöriger mit letz-
tem  Wohnsitz  vor  der  Ausreise  in  B._______,  Provinz  Nord-Darfur, 
verliess sein Heimatland gemäss eigenen Angaben am 20. Juni 2006 
und erreichte die Schweiz via Libyen und Italien am 29. Juli 2006. Tags 
darauf ersuchte er um Asyl nach.

B.
Am 24. August 2006 wurde der Beschwerdeführer im damaligen Tran-
sitzentrum des BFM in C._______ zu seinen Asylgründen befragt und 
am 4. September 2006 erfolgte die direkte Anhörung durch das BFM.

C.
Das BFM lehnte mit Verfügung vom 13. September 2006 - eröffnet am 
19. September 2006 - das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und 
verfügte seine Wegweisung sowie deren Vollzug aus der Schweiz. Zur 
Begründung führte es aus, die Schilderungen des Beschwerdeführers 
genügten teilweise den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und teil-
weise jenen an die Flüchtlingseingenschaft nicht.

D.
Das BFM gewährte  dem Beschwerdeführer  am 28. September  2006 
auf dessen Gesuch vom 20. September 2006 hin Einsicht in die Asyl-
akten.

E.
Der Beschwerdeführer reichte am 16. Oktober 2006 durch seinen vor-
maligen  Rechtsvertreter  bei  der  damaligen  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission  (ARK)  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  vom 
13. September 2006 ein. Er beantragte deren Aufhebung und die Asyl-
gewährung. Eventualiter sei  festzustellen, dass der Vollzug der Weg-
weisung unzulässig sowie unzumutbar sei, und es sei ihm die vorläufi-
ge Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte 
er  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Verzicht auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  Ausrichtung  einer  ange-
messenen Parteientschädigung.

Als  Beweismittel  reichte der Beschwerdeführer eine  Fürsorgebestäti-
gung, ein Positionspapier des UNCHR vom Februar 2006 sowie Aus-

Seite 2

E-6163/2006

drucke aus dem Internet ein. Auf die Begründung der gestellten Be-
gehren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

F.
Die ARK verfügte mit Zwischenverfügung vom 20. Oktober 2006, dass 
der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten könne, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege gut  und verzichtete auf  die Erhebung eines Kostenvor-
schusses.

G.
Das BFM hielt  mit  Vernehmlassung vom 27. Oktober 2006 an seiner 
Verfügung  fest  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die 
Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 6. November 2006 
zur Kenntnis gebracht.

H.
Der Beschwerdeführer reichte am 4. Dezember 2006 beim Bundesver-
waltungsgericht  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe 
(SFH) vom 28. November 2006 über die "Rückkehrgefährdung für Per-
sonen aus Darfur" zu den Akten.

I.
Die aktuelle Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers orientierte das 
Gericht mit Eingabe vom 8. September 2008 unter Beilage einer Voll-
macht  über  die  Mandatsübernahme.  Der  vormalige  Rechtsvertreter 
legte sein Mandat am 10. September 2008 nieder.

J.
Der Beschwerdeführer machte mit Eingabe vom 18. Mai 2009 geltend, 
er sei seit 2007 Mitglied der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleich-
heit (JEM) Schweiz und habe die Funktion des (...) inne. Er organisiere 
Konferenzen für die JEM Schweiz und sei immer wieder Teilnehmer an 
Meetings in D._______. Dazu reichte er eine Kopie der Mitgliederkarte, 
ein  Bestätigungsschreiben  des  Präsidenten  der  JEM  Schweiz, 
mehrere Fotos und zwei Besucherausweise zu den Akten.

K.
Der Beschwerdeführer reichte am 10. Juli  2009 und am 10. Septem-
ber 2009 weitere  Unterlagen zu seinen politischen Aktivitäten in  der 
Schweiz zu den Akten.

Seite 3

E-6163/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des Asyls  endgültig  (Art. 105 des  Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel 
übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art. 53 
Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 
108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 
sowie Art. 50 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-

Seite 4

E-6163/2006

schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.

4.1 Zu seiner Person machte der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz 
geltend, er sei Angehöriger des Stammes der Zaghawa und stamme 
aus B._______/Nord-Darfur, wo er am (...) geboren sei und während 
(...)  Jahren  die  Schule  besucht  habe.  Im  Jahre  1990  habe  er  das 
Gymnasium  abgeschlossen.  Danach  habe  er  angefangen,  seinem 
Vater bei der Arbeit  als Kleiderhändler  auf dem grossen Markt  in ei-
nem Geschäft  in  B._______ zu helfen. Sein Vater sei  dort  einer der 
grössten  Händler  gewesen. Er  (der  Beschwerdeführer)  sei  seit  dem 
(...)  verheiratet;  Kinder  habe  er  keine.  Seine  Ehefrau,  seine  Mutter, 
zwei  Schwestern  sowie  mehrere  Onkel  und  Tanten  wohnten  in 
B._______  und  sein  Vater  sei  im  Gefängnis  E._______.  Einen 
Reisepass oder eine  Identitätskarte  habe er  nie beantragt,  und sein 
Nationalitätenausweis sei zu Hause bei seiner Ehefrau geblieben.

Zur Begründung seines Asylgesuches brachte der Beschwerdeführer 
im  Wesentlichen  vor,  dass  die  beiden  Oppositionsbewegungen  am 
20. April 2003 den Flughafen in El-Fasher angegriffen hätten. Noch am 
gleichen Tag sei er auf dem Markt in B._______ zusammen mit seinem 
Vater und weiteren Personen verhaftet worden. Ihnen sei vorgeworfen 
worden, die Opposition finanziell unterstützt zu haben, weil einer der 
beiden Oppositionsführer  sowie  weitere  wichtige  Personen  und  eine 
Mehrzahl der Kämpfer zum Zaghawa-Stamm gehörten. Bis zum 1. Juni 
2006  sei  er  – zusammen  mit  seinen  vier  Mitgefangenen –  täglich 

Seite 5

E-6163/2006

verhört  und gefoltert  worden. Danach hätten sie täglich unentgeltlich 
harte Arbeit für die Regierung leisten  müssen. Am 19. Juni 2006 sei 
ihm bei einem Arbeitseinsatz in El-Fasher die Flucht gelungen. Er sei 
kurz  nach  Hause zurückgekehrt,  habe  sein  Geld  mitgenommen und 
seiner Ehefrau mitgeteilt, dass er ins Ausland gehe. Er sei nie politisch 
aktiv gewesen und habe auch sonst nie Probleme mit der Polizei oder 
den Behörden gehabt.

4.2 Das BFM machte zur Begründung seiner Verfügung geltend,  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  seinem  Herkunftsort 
B._______,  zu  seiner  Flucht  aus  der  Gefangenschaft,  zu  der 
Inhaftierung und ihrer Umstände sowie zur Reise aus dem Heimatland 
in  die  Schweiz  seien  aufgrund  tatsachenwidriger,  unsubstanziierter 
und erfahrungswidriger Angaben unglaubhaft. Weil ihm nicht geglaubt 
werden könne, aus B._______ zu stammen, sei auch seine Herkunft 
aus  Darfur  nicht  glaubhaft,  zumal  nicht  einzusehen  sei,  weshalb  er 
– wenn er aus Darfur  stammen würde – einen Herkunftsort  angeben 
sollte, von dem er mangelhafte Kenntnisse habe.

Im Einzelnen führte das BFM aus, der Beschwerdeführer habe geogra-
fisch  falsche  Angaben  gemacht,  die  umliegenden  Ortschaften  nicht 
richtig  benennen können und ein grosses Flüchtlingscamp zwischen 
B._______ und El-Fasher nicht gekannt. Weiter habe er eine realitäts-
fremde  Angabe  zur  Einwohnerzahl  B._______  gemacht,  was  zeige, 
dass er zu diesem Ort keine so enge Beziehung haben könne wie je-
mand, der tatsächlich dort aufgewachsen sei. Vor dem Hintergrund der 
Tätigkeit seines Vaters sei sodann nicht einzusehen, dass er noch nie 
in El-Fasher gewesen sei und die Entscheidungsträger in seinem Dorf 
nicht gekannt habe. Zudem habe er kaum Angaben zu den in Darfur 
tätigen  Hilfsorganisationen  zu  machen  vermocht.  Die  Beschreibung 
der Flucht aus der Gefangenschaft sei als realitätsfremd zu bezeich-
nen. So habe er angegeben, dass es für ihn, seinen Vater und drei Mit-
inhaftierte fünf bewaffnete Bewacher gegeben habe. Es könne deshalb 
nicht geglaubt werden, dass er habe entkommen können, als sein Be-
wacher kurz zur Toilette gegangen sei, zumal es noch vier weitere Be-
wacher gegeben hätte, und sich diese untereinander hätten organisie-
ren  können.  Realitätsfremd  sei  sodann,  dass  der  Beschwerdeführer 
anschliessend an diese Flucht acht Stunden lang nach Hause gelau-
fen sei,  ohne dass ihn die Wächter oder andere Polizisten eingeholt 
und gefunden hätten. Weil die geltend gemachte Flucht nicht glaubhaft 
sei, könne auch die dreijährige Inhaftierung nicht geglaubt werden. Die 

Seite 6

E-6163/2006

Schilderungen zur Inhaftierung seien zudem unsubstanziiert ausgefal-
len und wiesen keinerlei subjektive Wahrnehmungen oder andere Re-
alkennzeichen auf. Die Schilderungen der Ausreise aus dem Heimat-
land schliesslich enthielten mehrere Punkte, die nicht den Tatsachen 
entsprechen könnten,  so dass die geltend gemachte Art  und Weise, 
wie er in die Schweiz gelangt sei, nicht geglaubt werden könne.

Die  geltend gemachte  Zugehörigkeit  zur  Ethnie  der  Zaghawa werde 
aufgrund mehrerer korrekter Angaben nicht bezweifelt, auch wenn sie 
nicht wirklich überprüft werden könne. In der Tat seien Angehörige die-
ser  Ethnie  bei  den  gewaltsamen  Auseinandersetzungen  um  Darfur 
massgeblich beteiligt gewesen, und auch Zivilisten seien davon in Mit-
leidenschaft gezogen worden. Dabei handle es sich jedoch um Nach-
teile, welche auf lokalen oder regional beschränkten Verfolgungsmass-
nahmen beruhten. Da sich  der  Beschwerdeführer  solchen Massnah-
men durch einen Wegzug in einen anderen Teil des Heimatlandes ent-
ziehen könne, sei  er  nicht  auf  den Schutz der Schweiz angewiesen. 
Personen seiner Ethnie müssten ausserhalb Darfurs nicht damit rech-
nen, aufgrund ihrer Ethnie verfolgt zu werden.

4.3 Der Beschwerdeführer führt in der Beschwerde aus, entgegen der 
Ansicht der Vorinstanz sei aufgrund seiner Aussagen zu den geografi-
schen Begebenheiten davon auszugehen, dass er in B._______ gelebt 
habe.  Richtig  sei  zwar,  dass  El-Fasher  (...)  davon  liege  und  nicht 
umgekehrt.  Diese  Angabe  beruhe  indessen  auf  einer  Verwechslung 
oder  einem Protokollierungsfehler. Seine  Angaben  zu  den  zeitlichen 
Distanzen seien realistisch. Zutreffend seien weiter die Aussagen zur 
Lage  von  verschiedenen  Ortschaften  und  dem  Flüchtlingslager  Abu 
Shouk. Dass er eine kleinere Ortschaft nicht gekannt habe, die zudem 
über  keine  direkte  Strassenverbindung  zu  B._______  verfüge, 
erstaune nicht, und dass er das auf dem Weg von B._______ nach El-
Fasher  liegende  Flüchtlingslager  F._______  nicht  gekannt  habe,  sei 
darauf zurückzuführen, dass dieses im Jahre 2003 nicht oder nur als 
sehr  kleines  Camp  existiert  habe.  Zutreffend  sei,  dass  er  die  Ein-
wohnerzahl  von B._______  falsch  angegeben,  indessen  richtig  fest-
gehalten habe, El-Fasher sei grösser als B._______. Insgesamt zeige 
sich, dass die meisten Angaben zutreffen würden. 

Rein  spekulativer  Natur  sei  der  vorinstanzliche  Vorhalt,  dass  nicht 
nachvollziehbar sei, weshalb ihn sein Vater nie zum Einkauf nach El-
Fasher mitgenommen habe. Nicht legitim sei aufgrund der dreijährigen 

Seite 7

E-6163/2006

Haft  der  Vorhalt,  dass  er  den  Namen des  Bürgermeisters  oder  Ge-
meindevorstehers  seines  Wohnortes  nicht  habe  nennen  können. 
Weiter  sei  nicht  zutreffend,  dass  er  keine  Angaben  zu  den  Hilfs-
organisationen habe machen können, zumal er mit  IKRK und Unicef 
zwei wesentliche Akteure erwähnt habe. Weitgehend in Spekulationen 
erschöpften sich die Vorhalte in Bezug auf die dem Beschwerdeführer 
vorgehaltene Unglaubhaftigkeit seines Haftaufenthalts und der Flucht, 
zumal seine diesbezüglichen Ausführungen bei den Befragungen sehr 
detailliert  und  substanziiert  ausgefallen  seien.  Ausführlich  habe  er 
auch  seine  Reise  beschrieben,  und  es  sei  eine  unbestreitbare  Tat-
sache, dass viele Migranten über Libyen nach Italien gelangten.

Bei  der  Annahme der Glaubhaftigkeit  seiner Vorbringen stehe deren 
asylrechtliche Relevanz ausser Frage. Eine wegen Unterstützung der 
von  den  Zaghawa  getragenen  Widerstandsbewegung  während  drei 
Jahren inhaftierte  Person sei  im Falle  einer  Rückschaffung zweifels-
ohne in asylrechtlich relevanter Weise gefährdet. Die Einschätzung der 
Vorinstanz,  wonach  er  in  einem  anderen  Teil  Sudans  leben  könne, 
widerspreche  den  Empfehlungen  sämtlicher  Menschenrechts-
organisationen und insbesondere auch der Position des UNHCR. Für 
zwangsrückgeführte  Angehörige  nichtarabischer  Ethnie  aus  Darfur 
bestehe gemäss dem UNHCR bereits bei der Einreisekontrolle ein er-
hebliches  Risiko  einer  willkürlichen  Verhaftung.  Aufgrund  ihrer  Ge-
fährdungssituation  fordere  das  UNHCR  die  Staaten  denn  auch  auf, 
diese  Personen  in  Anwendung  der  Genfer  Flüchtlingskonvention  als 
Flüchtlinge  anzuerkennen.  Es  sei  zudem  umfassend  dokumentiert, 
dass die darfurischen Widerstandsbewegungen massgeblich von An-
gehörigen der Ethnie der Zaghawa getragen würden und diese des-
halb  unter  dem  Generalverdacht  der  Regimefeindlichkeit  stünden. 
Selbst wenn die individuellen Vorbringen über die unzweifelhafte Zu-
gehörigkeit hinaus nicht glaubhaft seien, sei der Beschwerdeführer in 
Nachachtung der UNHCR-Position als asylberechtigter Flüchtling an-
zuerkennen.

In seinen ergänzenden Eingaben verwies der Beschwerdeführer unter 
Beilage  mehrerer  Beweismittel  auf  politische  Aktivitäten  in  der 
Schweiz. Unter anderem wies er darauf hin, dass er seit 2007 Mitglied 
der JEM Schweiz sei und die Funktion des (...) innehabe.

4.4 Das BFM hat in seiner Verfügung vom 13. September 2006 über-
zeugend dargelegt, weshalb die vom Beschwerdeführer vorgebrachten 

Seite 8

E-6163/2006

Asylgründe nicht glaubhaft erscheinen. Diese Einschätzung wird vom 
Bundesverwaltungsgericht  nach  eingehender  Prüfung  der  Akten  ge-
teilt. In der Beschwerde vom 16. Oktober 2006 wird nichts Substanzi-
iertes vorgebracht, was zu einer anderen Beurteilung der Glaubhaftig-
keit  der vorgebrachten Vorfluchtgründe führen könnte,  zumal es dem 
Beschwerdeführer nicht gelingt,  die vom BFM grösstenteils zu Recht 
hervorgehobenen Unglaubhaftigkeitsmerkmale plausibel zu erklären.

Mit  der  Vorinstanz  ist  festzustellen,  dass  die Schilderungen des Be-
schwerdeführers zu seiner Verhaftung, der Inhaftierung, der Flucht aus 
der Gefangenschaft und der Reise aus dem Heimatland in die Schweiz 
aufgrund  realitätsfremder,  unsubstanziierter  und  erfahrungswidriger 
Angaben  als  unglaubhaft  zu  erachten  sind. Abgesehen davon,  dass 
ein  Überfall  auf  den  Flughafen  von El-Fasher  gemäss  öffentlich  zu-
gänglichen  Quellen  am  25. April  2003  stattgefunden  hat  – der  Be-
schwerdeführer datierte diesen auf den 20. April 2003 – fällt auf, dass 
er insbesondere in seinen freien Schilderungen offensichtlich nicht in 
der Lage war, detailgenau und konkret Auskunft über seine Verhaftung 
und die daran anschliessende Inhaftierung zu machen. So erschöpfen 
sich seine Angaben im Wesentlichen darin, dass er nach seiner Ver-
haftung bis zum 1. Juni 2006 mit vier weiteren Personen, darunter sei-
nem Vater,  inhaftiert  gewesen sei,  und dass  sie  täglich  misshandelt 
worden  seien,  um  sie  zu  einem  Geständnis  der  Unterstützung  der 
"zwei Bewegungen" zu zwingen (vgl. Akten BFM A 6 S. 6). Auf Nach-
frage hin vermochte der Beschwerdeführer zwar etwas konkretere An-
gaben zu machen, wobei sich letztlich jedoch auch diese in stereoty-
pen  Aussagen  ohne  genügende  Realkennzeichen  erschöpfen,  was 
darauf schliessen lässt, dass er die geltend gemachte Verfolgung nicht 
selber erlebt hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dies von jeder-
mann in dieser Art und Weise erzählt werden könnte. Selbst wenn der 
Alltag in einem Gefängnis kaum Abwechslung bieten mag, wäre doch 
zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer, welcher immerhin 
über einen Mittelschulabschluss verfügt, differenzierter hätte berichten 
können, als dass er und seine vier in der gleichen Zelle inhaftierten 
Mitgefangenen jeden Tag um 7 Uhr geweckt und zusammen in einen 
Raum gebracht,  dort  befragt,  geschlagen  und danach wieder  in  die 
Zelle zurückgebracht worden seien, dass es um 12 und 18 Uhr Essen 
gegeben habe und dass sie nur für den Gang auf die Toilette aus der 
Zelle hätten gehen können. Angesichts der angeblich täglich erlittenen 
Misshandlungen (Schläge auf den Kopf und den Rücken mit der Faust, 
einem  Schlagstock  und  einer  Peitsche)  erscheint  es  denn  auch  als 

Seite 9

E-6163/2006

nicht  nachvollziehbar,  dass diese beim Beschwerdeführer  keine gra-
vierenderen Folgen als eine Gewichtsabnahme und ein gelegentliches 
Kranksein (vgl. A 6 S. 7 f.) hatten. Als realitätsfremd und konstruiert ist 
die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Flucht während seines 
Arbeitseinsatzes zu qualifizieren. Vor dem Hintergrund, dass jedem der 
fünf Gefangenen ein bewaffneter Bewacher zur Seite gestellt  und ih-
nen jeglicher Kontakt zu den anderen dort arbeitenden Personen ver-
boten worden sei (vgl. A 6 S. 9), kann es als ausgeschlossen betrach-
tet  werden,  dass der  Beschwerdeführer  von seinem Bewacher völlig 
unbewacht gelassen worden sei, als Letzterer die Toilette aufgesucht 
habe.

Als  nicht  nachvollziehbar  sind  sodann  auch  das  Verhalten  des  Be-
schwerdeführers  im  Anschluss  an  seine  Flucht  und  die  geltend  ge-
machten  Reiseumstände  zu  bezeichnen.  Ergänzend  zu  den  vorin-
stanzlichen Erwägungen kann festgehalten werden, dass es unrealis-
tisch erscheint, dass sich der Beschwerdeführer direkt nach Hause be-
geben habe, musste er doch damit rechnen, nach seiner Flucht gerade 
dort gesucht zu werden. Gemäss eigenen Angaben benötigte der Be-
schwerdeführer  acht  Stunden,  um  zu  Fuss  zu  seinem  Haus  in 
B._______ zurückzukehren, so dass den Bewachern  genügend Zeit 
zur  Verfügung  gestanden  hätte,  sich  auf  die  Suche  nach  dem 
Beschwerdeführer  zu  machen  und  sein  Haus  zu  überwachen. Dass 
der  Beschwerdeführer  – abgesehen  davon,  dass  er  nicht  auf  der 
Hauptstrasse  gelaufen  sei  und  sich  nur  eine  Stunde  zu  Hause 
aufgehalten habe – besondere Vorsichtsmassnahmen getroffen hätte, 
kann  seinen  Ausführungen  nicht  entnommen  werden.  Ebenfalls 
unrealistisch  erscheint,  dass  er  das  ganze  Geld,  welches  er  für  die 
Ausreise  benötigte,  einfach  so  zu  Hause  abholen  konnte.  Gemäss 
eigenen  Ausführungen  hat  der  Beschwerdeführer  zwar  für  seinen 
Vater gearbeitet, indessen nie einen Lohn dafür erhalten. Zudem habe 
seine  Ehefrau  während  den  drei  Jahren  seiner  Gefangenschaft  von 
seinen Ersparnissen gelebt, so dass es als fraglich erscheint, ob eine 
für die Ausreise genügende Summe Geld zu Hause vorhanden war. In 
Übereinstimmung mit dem Beschwerdeführer ist festzuhalten, dass es 
zu  zahlreichen  illegalen  Grenzübertritten  vom  Sudan  nach  Libyen 
kommt. Vorliegend  ist  jedoch  festzuhalten,  dass  der  Lastwagen,  mit 
welchem der Beschwerdeführer ausgereist sein will, gemäss Angaben 
bei der Bundesanhörung an der Grenze kontrolliert worden sei und der 
Fahrer  seine  Ausweispapiere  gezeigt  habe,  so  dass  es  nicht 
nachvollziehbar  ist,  dass  der  blosse  Hinweis  des  Fahrers,  beim 

Seite 10

E-6163/2006

Beschwerdeführer  handle  es  sich  um  seinen  Assistenten,  genügt 
hätte, um ihm die Einreise nach Libyen zu gestatten (vgl. A 6 S. 13). 
Schliesslich  ist  mit  dem  BFM  festzuhalten,  dass  die  vom 
Beschwerdeführer  angegebene  Einwohnerzahl  B._______  in  der  Tat 
derart  falsch  ist,  dass  daraus  der  Schluss  zu  ziehen  ist,  dass  der 
Beschwerdeführer nicht dort  aufgewachsen sein und 20 Jahre gelebt 
haben  kann.  Gerade  vor  dem  Hintergrund,  dass  er  in  B._______ 
während  (...)  Jahren  die  Schule  besucht  und  das  Gymnasium 
abgeschlossen habe,  dürfen von ihm  auch diesbezüglich zumindest 
einigermassen zutreffende Angaben erwartet werden.

Zur  Vermeidung  weiterer  Wiederholungen  kann  auf  die  zutreffenden 
und zu bestätigenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, 
welchen sich das Bundesverwaltungsgericht anschliesst.

Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass es dem Beschwerde-
führer insgesamt nicht gelungen ist, für den Zeitpunkt seiner Ausreise 
aus dem Sudan eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuwei-
sen oder glaubhaft zu machen. Vor diesem Hintergrund ist zu schlies-
sen, dass er im Zeitpunkt der Ausreise aus Sudan in den Augen der 
sudanesischen Behörden als unbescholtener Bürger galt oder zumin-
dest nicht aus asylrelvanten Gründen in ihr Visier genommen wurde. 
Eigenen Angaben zufolge war er  in  seinem Heimatland politisch nie 
aktiv.

4.5 Für die Beurteilung des Vorliegens der Flüchtlingseigenschaft  ist 
jedoch  nicht  allein  der  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus  dem Heimatland, 
sondern die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides massgebend 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 18 E. 7.1 S. 164).

4.6 Zunächst  stellt  sich  die  Frage  des  Bestehens  objektiver  Nach-
fluchtgründe, zumal Angehörige der Ethnie der Zaghawa im Rahmen 
kriegerischer Auseinandersetzungen auch nach der Ausreise des Be-
schwerdeführers  zum  Teil  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  waren 
beziehungsweise noch sind (vgl. EMARK 2006 Nr. 25). Da die von ihm 
geltend gemachten,  konkret  gegen ihn gerichteten Verfolgungsmass-
nahmen  als  unglaubhaft  erachtet  worden  sind,  ist  zu  prüfen,  ob  im 
heutigen Zeitpunkt jeder Angehörige dieser Ethnie begründete Furcht 
vor Verfolgung im Sudan haben muss. In diesem Zusammenhang ist 
festzustellen, dass die willkürlichen Übergriffe der so genannten Janja-

Seite 11

E-6163/2006

weed-Milizen  lokal  beschränkt  stattfinden.  Aus  den  Länderberichten 
ergeben sich keine Hinweise darauf, dass sich Angehörige der betrof-
fenen Minderheit im ganzen Sudan ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sähen (vgl.  MICHAEL KIRSCHNER und  ANNA FACH, Sudan: Rückkehrgefähr-
dung für Personen aus Darfur, Bern, 28. November 2006). Sicherheits-
probleme mit den Behörden können zwar im Einzelfall bestehen, aber 
sie betreffen nicht die Minderheit als Kollektiv. Es gibt Zaghawas, die 
sich bereits seit Jahrzehnten in anderen Landesteilen niedergelassen 
haben und von den Konflikten in Darfur kaum oder nur indirekt betrof-
fen sind. Allein aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit muss der Be-
schwerdeführer ausserhalb Darfurs somit keine begründete Furcht vor 
Verfolgung haben.

4.7 Nachfolgend bleibt  zu prüfen,  ob der  Beschwerdeführer im Falle 
der Rückkehr in seine Heimat aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe 
gefährdet  wäre. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hat  er  unter 
Vorlage mehrerer Beweismittel auf eine fortgesetzte und seines Erach-
tens erhebliche politische Aktivität in der Schweiz verwiesen, aufgrund 
welcher er in seiner Heimat flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu 
gewärtigen habe.

4.7.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch poli-
tische Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen wor-
den sei, sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe be-
ruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn 
der  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit 
von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb 
bei einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt wür-
de (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1 S. 10; EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a S. 
141 f.). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG 
zum Ausschluss der Asylgewährung. Die vom Gesetzgeber bezweckte 
Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Asylausschlussgrund 
verbietet ein Addieren solcher Gründe mit Fluchtgründen vor der Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat, die für sich allein nicht zur 
Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausreichen  (vgl.  EMARK 
1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 und 70).

4.7.2 Der Beschwerdeführer hat sich wie zahlreiche seiner im Exil le-
benden Landsleute in der Schweiz politisch engagiert. Gemäss seinen 

Seite 12

E-6163/2006

im  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Eingaben  und  Beweismitteln 
ist er seit 2007 Mitglied der JEM Schweiz. Er habe die Funktion des 
(...) inne. Als solcher organisiere er Konferenzen für die JEM Schweiz. 
Er  sei  zudem  mehrfach  Teilnehmer  an  Meetings  in  D._______ 
gewesen. Im Jahr 2009 habe er an der (...)  teilgenommen und  dort 
über Darfur  gesprochen. Weiter  habe er  an einer  Konferenz in  Genf 
teilgenommen und eine Sitzung im (...)  organisiert.  Als  Beweismittel 
brachte  er  ein  Schreiben  bei,  in  welchem  der  Präsident  der  JEM 
Schweiz  bestätigt,  dass  der  Beschwerdeführer  "ein  aktiver  Kader  in 
den  Tätigkeiten  unserer  Bewegung"  sei,  eine  Kopie  seiner 
Mitgliederkarte,  Fotos  von Meetings,  mehrere  Besucherkarten sowie 
ein Einladungsschreiben zu den Akten.

4.7.3 Das Interesse der sudanesischen Behörden ist gemäss den Er-
kenntnissen der schweizerischen Asylbehörden auf eigentliche, staats-
gefährdende  Regimegegner  ausgerichtet;  diese  werden  mit  den  zur 
Verfügung  stehenden,  beschränkten  Personalressourcen  überwacht, 
soweit  dies  überhaupt  möglich  ist.  Für  die  Beobachtung  von  unter-
schwelligen Aktivitäten seiner emigrierten Landsleute, mit denen diese 
häufig ein Bleiberecht in ihrem Zielland anvisieren, fehlen dem suda-
nesischen  Staat  die  Ressourcen.  Der  Beschwerdeführer  gehört  als 
Mitglied der JEM, welche mit anderen Oppositionsparteien Veranstal-
tungen  und  Kundgebungen  durchführt,  mit  überwiegender  Wahr-
scheinlichkeit nicht zu den zu überwachenden Zielpersonen, verfügt er 
doch über kein herausragendes staatsfeindliches Profil. Daran ändert 
auch nichts,  dass  er  vom Präsidenten der  JEM Schweiz  als  aktives 
Kadermitglied bezeichnet wird. Es kann nicht davon ausgegangen wer-
den, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten exilpolitischen Ak-
tivitäten von den sudanesischen Behörden als staatsgefährdend und 
damit  als  Bedrohung  wahrgenommen  werden.  Auch  der  Umstand, 
dass er an verschiedenen Konferenzen in der Schweiz teilgenommen 
hat (vgl. Eingaben vom 18. Mai, 10. Juli und 10. September 2009) ver-
mag zu keiner anderen Einschätzung zu führen. In seinen Ausführun-
gen zu seinen politischen Aktivitäten in der Schweiz bleibt er zudem 
vage und unsubstanziiert, und politische Aktivitäten vor seiner Ausrei-
se  hat  er  bereits  bei  der  Vorinstanz  verneint.  Entsprechend  besteht 
kein hinreichender Anlass zur Annahme, dass er wegen seiner exilpoli-
tischen Aktivitäten bei  einer  Rückkehr  in  den Sudan mit  ernsthaften 
Nachteilen von Seiten des sudanesischen Regimes zu rechnen hätte, 
weshalb  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  im  Sinne 
von Art. 54 AsylG zu verneinen ist.

Seite 13

E-6163/2006

4.8 In  Würdigung  der  gesamten  Umstände  und  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass dieser kei-
ne Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen kann 
und damit die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft nicht erfüllt sind. Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausfüh-
rungen in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel im Ein-
zelnen einzugehen,  da diese am Ausgang des Verfahrens nichts  zu 
ändern  vermögen. Die Vorinstanz hat  demnach das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.

6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 

Seite 14

E-6163/2006

0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers  nach Sudan  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner Ausschaffung nach Sudan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer 
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde 
(vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Fe-
bruar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 bis 127, mit  weiteren 
Hinweisen). Auch die allgemeine, wenn auch in vielen Bereichen unbe-
friedigende,  Menschenrechtssituation  im  Sudan  lässt  den  Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt  vorliegend nicht als unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung mit-
hin sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-

Seite 15

E-6163/2006

staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  – unter  Vorbehalt  von  Art. 83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. 
März 2002, BBl 2002 3818).

6.4.1 Der  Beschwerdeführer  rügt  in  seiner  Beschwerde,  bereits  die 
unbestrittene Tatsache, dass es sich bei ihm um einen aus Nord-Dar-
fur stammenden Angehörigen der Ethnie der Zaghawa handle, müsse 
einer Wegweisung auch nach Auffassung des UNHCR klarerweise ent-
gegenstehen.

6.4.2 Darfur, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Heimatre-
gion,  ist  seit  mehreren Jahren Schauplatz  eines blutigen Bürgerkrie-
ges. Es herrscht  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  und der  Vollzug 
der Wegweisung dorthin ist nicht zumutbar (EMARK 2006 Nr. 25). In-
dessen hat bereits die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass dem Be-
schwerdeführer  aufgrund der  bestehenden Niederlassungsfreiheit  im 
Heimatland die Möglichkeit offensteht und auch zumutbar ist, sich im 
Sinne einer innerstaatlichen Wohnsitzalternative in einem anderen Teil 
des sudanesischen Staatsgebietes, beispielsweise in Khartum, nieder-
zulassen. Den Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts zufolge 
besteht ausserhalb der Region Darfur keine Situation allgemeiner Ge-
walt, und es sind keine konkreten Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass 
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in einen ausserhalb der Re-
gion Darfur gelegenen Gliedstaat einer konkreten Gefährdung im Sin-
ne von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt wäre. Der Wegweisungsvollzug 
in den Sudan erweist sich damit als generell zumutbar.

6.4.3 Weiter sind sodann auch keine individuellen Gründe in der Per-
son des Beschwerdeführers ersichtlich,  die den Wegweisungsvollzug 
als unzumutbar erscheinen lassen würden. Es handelt sich bei ihm um 
einen relativ jungen und – laut Akten – gesunden Mann, der über eine 
abgeschlossene  (...)  Schulbildung  und  mehrjährige  Erfahrung  als 
Kleiderverkäufer  verfügt,  was  ihm bei  einer  Rückkehr  in  den  Sudan 
von Nutzen sein kann.

6.5 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 

Seite 16

E-6163/2006

der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt ist  der  durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug 
zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 20. Oktober 
2006 gutgeheissen wurde und sich den Akten keine Hinweise entneh-
men lassen, welche ein Zurückkommen auf diesen Entscheid erfordern 
würden, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 17

E-6163/2006

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand:

Seite 18