# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9297e18e-0416-5423-a4ff-b18f484bd101
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-31
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 31.05.2017 SK 2016 397
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2016-397_2017-05-31.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 16 397

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 31. Mai 2017 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi, Ober-
richter Aebi
Gerichtsschreiberin Eggli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

und

C.________
a.v.d. Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Nötigung, Drohung, Tätlichkeiten

Neubeurteilung des Urteils der 2. Strafkammer des Obergerichts 
des Kantons Bern vom 17. April 2015 (SK 14 311)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Prozessgeschichte

Mit Urteil vom 1. Juli 2014 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland den Be-
schuldigten/Berufungsführer (nachfolgend: Beschuldigter) der sexuellen Nötigung, 
der Drohung sowie der Tätlichkeiten, alles begangen zum Nachteil der Straf- und 
Zivilklägerin (nachfolgend: Privatklägerin), schuldig und verurteilte ihn zu einer be-
dingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 120 Ta-
gessätzen zu CHF 90.00, zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00 sowie zu 
den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten. Ferner wurde er zur 
Bezahlung einer Genugtuung von CHF 8‘000.00 an die Privatklägerin verurteilt. 
Freigesprochen wurde der Beschuldigte dagegen von der Anschuldigung der Tät-
lichkeiten, angeblich mehrfach begangen, durch mindestens zweimaliges Würgen, 
Schlagen mit dem «Postbüchlein» auf den Kopf sowie Schlagen mit dem Handrü-
cken oder der Faust ins Gesicht und gegen die Schulter. Weiter wurde das Verfah-
ren wegen Tätlichkeiten zwischen dem 6. Januar 2011 und dem 1. Juli 2011 infolge 
Verjährung eingestellt (pag. 650 ff.). 

Mit Berufung vom 10. Juli 2014 / 3. November 2014 sowie anlässlich der ersten Be-
rufungsverhandlung vom 17. April 2015 beantragte der Beschuldigte, er sei vollum-
fänglich freizusprechen. Die Generalstaatsanwaltschaft und die Privatklägerin, amt-
lich vertreten durch Rechtsanwalt D.________, verlangten die Verurteilung des Be-
schuldigten gemäss dem erstinstanzlichen Urteil. Das Obergericht des Kantons 
Bern bestätigte im Urteil vom 17. April 2015 die Rechtskraft der Einstellung, der 
Freisprüche sowie des Honorars des amtlichen Vertreters der Privatklägerin. Wei-
ter sprach es den Beschuldigten – gleich wie die Vorinstanz – der sexuellen Nöti-
gung, der Drohung und der Tätlichkeiten zum Nachteil der Privatklägerin schuldig. 
Es verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Mona-
ten, zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu CHF 90.00, zu einer 
Verbindungsbusse von CHF 600.00 sowie zu den auf die Schuldsprüche entfallen-
den erstinstanzlichen und den gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten. Des 
Weiteren setzte die Kammer das erst- und oberinstanzliche Honorar des amtlichen 
Verteidigers des Beschuldigten fest, wobei sie dieses erheblich kürzte (pag. 822 
ff.).

Gegen die Festsetzung des amtlichen Honorars erhob Rechtsanwalt B.________ 
am 4. Mai 2015 beim Bundesstrafgericht Beschwerde. Dort wurde das Beschwer-
deverfahren mit Beschluss vom 19. Mai 2015 bis zum Feststehen der eigenen Zu-
ständigkeit sistierte (pag. 838 ff.). 

In seiner Strafrechtsbeschwerde an das Bundesgericht vom 12. Oktober 2015 be-
antragte der Beschuldigte – mit Ausnahme der rechtskräftigen Ziff. I – die Aufhe-
bung des Urteils des Obergerichts vom 17. April 2015 und Freisprüche von den 
Vorwürfen der sexuellen Nötigung, der mehrfachen Drohung und der mehrfachen 

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Tätlichkeit. Eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz 
zurückzuweisen (pag. 898 ff.).

Mit Schreiben vom 19. Oktober 2015 teilte das Bundesstrafgericht mit, durch die 
Erhebung der Beschwerde in Strafsachen sei der Streitgegenstand des vorliegen-
den Verfahrens fixiert worden, das hiesige Gericht werde die Entschädigung des 
amtlichen Verteidigers nur für das Berufungsverfahren beurteilen. Mit Beschluss 
vom 16. Dezember 2015 hiess das Bundesstrafgericht die Beschwerde teilweise 
gut und wies das Obergericht an, Rechtsanwalt B.________ für das oberinstanzli-
che Verfahren zusätzlich CHF 316.65 zu bezahlen (pag. 995 ff.). 

Das Bundesgericht seinerseits hiess die Beschwerde des Beschuldigten gut, so-
weit es darauf eintrat (Urteil des Bundesgerichts 6B_1068/2015 vom 2. November 
2016; pag. 1014 ff.). Es hob das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 
17. April 2015 auf und wies die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz 
zurück. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen (betr. unentgeltlicher 
Rechtspflege hinsichtlich des Nichteintretens).

2. Neubeurteilungsverfahren

Mit Beschluss vom 21. November 2016 nahm die Kammer vom Bundesgerichts-
entscheid Kenntnis, stellte die Einvernahme der Privatklägerin und des Beschuldig-
ten in Aussicht, holte einen aktuellen Strafregisterauszug sowie ein Bericht über die 
aktuellen wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ein, nannte eine Frist für 
die weiteren Beweismittel und setzte den Termin zur Berufungsverhandlung auf 
den 30./31. Mai 2017 an (pag. 1027 f.). Keine der Parteien stellte weitere Beweis-
anträge (pag, 1047 f., pag. 1049, pag. 1059).

Die Privatklägerin beantragte im Vorfeld der oberinstanzlichen Verhandlung, es sei 
eine direkte Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten zu vermeiden (pag. 1069). 
Diesem Gesuch wurde mit Verfügung vom 12. Mai 2017 stattgegeben (pag. 1072 
f.). Am 30./31. Mai 2017 fand die zweite oberinstanzliche Verhandlung statt.

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung vom 30./31. Mai 2017 wurden über den 
Beschuldigten ein aktueller Strafregisterauszug vom 28. April 2017 (pag. 1067) und 
ein aktueller Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse vom 26. April 2017 
(pag. 1065 f.) eingeholt. Es wurden zudem die Zivilakten CIV 12 199 sowie CIV 12 
4629 ediert.

Weiter wurden der Beschuldigte sowie die Privatklägerin anlässlich der oberin-
stanzlichen Verhandlung noch einmal eingehend zu Person und Sache befragt 
(pag. 1081 ff.). 

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4. Anträge der Parteien

4.1 Beschuldiger

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der oberinstanzlichen 
Verhandlung für den Beschuldigten folgende Anträge (pag. 1109 f.):

«1. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der sexuellen Nötigung (Art. 189 StGB), an-
geblich begangen einmalig zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011 in E.________, z. N. 
von Frau C.________ (zu Anklageziffer I.1 i.V.m. Ziffer III.1. des Urteils des Regionalgerichts 
Bern-Mittelland v. 1. Juli 2014).

2. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB), angeb-
lich mehrfach begangen in der Zeit zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011 in 
E.________, z. N. von Frau C.________ (zu Anklageziffer I.2 i.V.m. Ziffer III.2. des Urteils des 
Regionalgerichts Bern-Mittelland v. 1. Juli 2014).

3. Herr A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der wiederholten Tätlichkeit (Art. 126 Abs. 2 
StGB), angeblich mehrfach begangen in der Zeit zwischen dem 2. Juli 2011 und Dezember 
2011 in E.________, z. N. von Frau C.________ (zu Anklageziffer I.3. i.V.m. Ziffer III. des Ur-
teils des Regionalgerichts Bern-Mittelland v. 1. Juli 2014).

4. Die Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen (zu Ziffer III. des Urteils des Regi-
onalgerichts Bern-Mittelland v. 1. Juli 2014).

5. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung im oberinstanzlichen Verfahren nach Rück-
weisungsurteil des Bundesgerichts vom 2. November 2016 sei gemäss heutiger Kostennote 
festzusetzen.

6. Die Zivilklage sei abzuweisen (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO) (zu Ziffer V. des Urteils des Regio-
nalgerichts Bern-Mittelland v. 1. Juli 2014).»

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Stv. Generalstaatsanwalt F.________ stellte und begründete seinerseits für die 
Generalstaatsanwaltschaft folgende Anträge (pag. 1106):

«I. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 1. Juli 2012 mit 
Bezug auf die Ziffern I, II und IV in Rechtskraft erwachsen ist.

II. A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der sexuellen Nötigung, einmalig begangen zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011 
in E.________ z.N. von C.________;

2. der Drohung, mehrfach begangen zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011 in 
E.________ z.N. von C.________;

3. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen zwischen dem 2. Juli 2011 und Dezember 2011 in 
E.________ z.N. von C.________.

III. A.________ sei zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, abzüglich 1 Tag Polizeihaft, mit bedingtem Voll-
zug bei einer Probezeit von 2 Jahren;

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2. zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 90.00, ausmachend total Fr. 10‘800.00, 
mit bedingtem Vollzug bei einer Probezeit von 2 Jahren;

3. zu einer Übertretungsbusse von Fr. 600.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 6 Tage);

4. zu den Verfahrenskosten erster Instanz von Fr. 12'396.00;

6. zu den Kosten des Neubeurteilungsverfahrens (inkl. Gebühr gem. Art. 21 VKD von 
Fr. 500.00).

III. Die Kosten des aufgehobenen oberinstanzlichen Verfahrens seien vom Staat zu tragen.»

4.3 Privatklägerin

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete an der Berufungsverhandlung für 
die Privatklägerin folgende Anträge (pag. 1107 f.):

«I.

Es sei festzustellen, dass die römischen Ziffern I, II, sowie IV des Urteils des Regionalgerichts vom 
1. Juli 2014 in Rechtskraft erwachsen sind.

II.

Herr A.________ sei schuldig zu erklären:

1. Der sexuellen Nötigung, einmalig begangen zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011, in 
E.________, zum Nachteil von C.________.

2. Der Drohung, mehrfach begangen zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011, in 
E.________, zum Nachteil von C.________.

3. Der Tätlichkeiten, mehrfach begangen zwischen dem 02.07.2011 und Dezember 2011, in 
E.________, zum Nachteil von C.________.

III.

Er sei zu den mit Urteil vom 17. April 2015 der 2. Strafkammer des Obergerichts ausgesprochenen 
Sanktionen sowie zu allen auf den Schuldspruch entfallenden vorinstanzlichen und oberinstanzlichen 
Verfahrenskosten zu verurteilen.

IV.

Herr A.________ sei in Anwendung von Art. 41 und Art. 49 OR sowie Art. 126 StPO weiter zu verur-
teilen:

1. Zur Bezahlung von CHF 5'000.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 01.04.2011 an die 
Privatklägerin, Frau C.________.

2. Für die Behandlung der Zivilklage seien keine Kosten auszuscheiden.

V.

1. Dem zuständigen Bundesamt sei die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils 
(PCN-Nr. .________) gestützt auf Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG zu erteilen.

2. Frau C.________ sei für das Verfahren um Neubeurteilung die unentgeltliche Rechtspflege zu 
gewähren, unter Beiordnung von Rechtsanwalt D.________ als amtlicher Anwalt.

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3. Das amtliche Honorar von Rechtsanwalt D.________ sei für das Verfahren um Neubeurteilung 
entsprechend der Honorar- und Kostennote festzusetzen, welche dem Gericht im Anschluss 
zum Parteivortrag ausgehändigt werden.»

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Ausgangspunkt bildet vorliegend das Urteil des Bundesgerichts 6B_1068/2015 vom 
2. November 2016. Darin wurde die Strafrechtsbeschwerde des Beschuldigten gut-
geheissen, soweit darauf eingetreten wurde. Der Entscheid der 2. Strafkammer 
vom 17. April 2015 wurde aufgehoben und die Sache zu neuer Beurteilung an die 
Kammer zurückgewiesen.

Die Rückweisung erfolgte zusammenfassend aus folgenden Gründen: 

- die vorinstanzliche Beweiswürdigung erweise sich als aktenwidrig (E. 1.4.1.); 
Vorerst sei die Feststellung unzutreffend, die Staatsanwaltschaft habe das 
Verfahren gegen den Beschuldigten wegen Vergewaltigung in Anwendung 
des Grundsatzes «in dubio pro reo» eingestellt. Dies könne nicht der gesetz-
lichen Konzeption entsprechen. Vielmehr gelte in diesem Verfahrensstadium 
der Grundsatz «in dubio pro duriore». Zudem könne der Vorinstanz nicht ge-
folgt werden, wenn sie der Verfahrenseinstellung wegen Vergewaltigung im 
Zusammenhang mit dem hier zu diskutierenden Vorfall der sexuellen Nöti-
gung keine Bedeutung beimesse;

- die vorinstanzliche Beweiswürdigung erweise sich als unvollständig 
(E. 1.4.2.); die Vorinstanz hätte sich nicht auf eine Plausibilitätskontrolle der 
erstinstanzlichen Beweiswürdigung beschränken dürfen. Sie verfüge über 
vollumfängliche Kognition. Bei diesem «Vier-Augen-Delikt» sei daher die er-
neute Befragung der Privatklägerin und der dabei gewonnene Eindruck un-
verzichtbar. Das Obergericht wurde angewiesen, die Privatklägerin oberin-
stanzlich zu den von ihr erhobenen Vorwürfen einzuvernehmen, denn «ob und 
wieweit die jeweiligen Aussagen glaubhaft und überzeugend sind, lässt sich erst aufgrund des 
persönlichen Eindrucks […] beurteilen». Dies gelte für sämtliche Delikte, für die der 
Beschuldigte schuldig gesprochen worden sei (also sexuelle Nötigung, Dro-
hungen und Tätlichkeiten).

Demgegenüber trat das Bundesgericht auf die Beschwerde des Beschuldigten ge-
gen die Höhe der amtlichen Entschädigung für Rechtsanwalt B.________ für das 
erstinstanzliche Verfahren nicht ein. Dies mit der Begründung, Rechtsanwalt 
B.________ hätte diesbezüglich eine eigene, separate Beschwerde einreichen 
müssen (E. 2). Das Bundesstrafgericht seinerseits hatte die Beschwerde gegen die 
Festsetzung der amtlichen Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ für die 
obere Instanz teilweise gutgeheissen, worauf der Kanton Bern CHF 316.65 nach-
zuzahlen hatte (vgl. Ziff. I.1 hiervor). 

Verfahrensthemen sind, gestützt auf diese Erwägungen, vorliegend die Folgenden: 

- erneute Beweiswürdigung für die sexuelle Nötigung nach durchgeführten 
Einvernahmen der beiden Parteien; dabei insbesondere Prüfung der Glaub-
haftigkeit der Aussagen der Privatklägerin angesichts deren «Schwachstel-
len» (bestrittene SMS, fehlende zeitliche Einordnung Analverkehr, mögliches 

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Rachemotiv) sowie des Umstandes, dass der Vorwurf der Vergewaltigung 
durch die Staatsanwaltschaft fallengelassen wurde; 

- rechtliche Würdigung nach dieser Beweiswürdigung;

- dasselbe für Drohungen und Tätlichkeiten;

- Strafzumessung oder (Teil-)Freispruch;

- Beurteilung der Zivilklage auf Genugtuung;

- Verfahrenskosten des erstinstanzlichen sowie des ersten und zweiten obe-
rinstanzlichen Verfahrens;

- Festsetzung der amtlichen Entschädigungen für das zweite oberinstanzliche 
Verfahren sowie der Rück- und Nachzahlungspflichten des Beschuldigten 
gegenüber dem Kanton bzw. Rechtsanwalt B.________ für das erstinstanzli-
che und das erste oberinstanzliche Verfahren;

- Verfügungen betreffend DNA und Mitteilungen.

Bereits in Rechtskraft erwachsen sind die Einstellung bzw. Freisprüche gemäss 
Ziff. I.1.1 und 1.2. des ersten oberinstanzlichen Urteilsdispositivs, die Festsetzung 
der amtlichen Entschädigung und des vollen Honorars von Rechtsanwältin 
G.________ bzw. Rechtsanwalt D.________ für das erstinstanzliche sowie das 
erste oberinstanzliche Verfahren sowie die Festsetzung der Höhe des amtlichen 
Honorars von Rechtsanwalt B.________ für die Teileinstellung des Verfahrens, für 
das erstinstanzliche und das erste oberinstanzliche Verfahren. 

II. Zum Vorwurf der sexuellen Nötigung (Art. 189 StGB)

6. Anklage und Vorinstanz

Die Staatsanwaltschaft stellte nach durchgeführter Untersuchung das Verfahren 
gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher Vergewaltigung zum Nachteil der Pri-
vatklägerin ein (pag. 467 ff.). Demgegenüber wirft sie dem Beschuldigten in der 
Anklageschrift vom 4. Februar 2014 (pag. 478 ff.) vor, die Privatklägerin zwischen 
Sommer 2010 und Dezember 2011 wie folgt sexuell genötigt zu haben:

«Im Rahmen von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr zwischen den Eheleuten A.________ und 
C.________, drehte A.________ seine Ehefrau plötzlich auf den Bauch und sagte, er wolle nun 
Analverkehr. Obschon C.________ ausdrücklich sagte, dass sie dies nicht wolle, weil dies schmerze, 
fasste A.________ die nun auf dem Bauch liegende C.________ mit beiden Händen um deren Hüfte, 
zog sie so an sich und drang anal in sie ein. C.________ sagte ihm mehrfach, sie habe Schmerzen, 
sie wolle nicht. Dabei versuchte sie für ihn erkennbar, nach vorne weg zu robben, dies jedoch 
erfolglos, weil A.________ sie an der Hüfte und ihren Haaren packte und zurückzog und so den 
Analverkehr bis zu seinem Orgasmus vollzog.»

Die Vorinstanz würdigte die Aussagen der Privatklägerin zum Vorwurf des 
Analverkehrs ausführlich und erachtete diese als glaubhaft (pag. 704 ff.). Sie hielt 
die Entstehungsgeschichte der Aussagen für günstig und sah Übereinstimmungen 
zu den objektiven Beweismitteln. Die Aussagen seien konstant und mit 
Realkennzeichen versehen. Demgegenüber hielt sie die Aussagen des 

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Beschuldigten für inkonstant, teilweise nicht nachvollziehbar und daher 
unglaubhaft. Sie schloss daraus, dass sich der Sachverhalt wie in der 
Anklageschrift beschrieben abgespielt habe und sprach den Beschuldigten der 
sexuellen Nötigung schuldig. 

7. Unbestrittenes Rahmengeschehen

Aus den bisherigen Verfahrensakten ergibt sich folgendes, unbestrittenes Rah-
mengeschehen: Die Privatklägerin stammt aus Mazedonien und kam nach ihren 
Angaben im Jahre 1990 zusammen mit ihrer Familie in die Schweiz. Ungefähr im 
Alter von 20 Jahren heiratete sie ein erstes Mal, liess sich aber bereits nach einem 
Jahr wieder scheiden und zog alleine nach E.________. Im Sommer 2006 reiste 
die Privatklägerin in den Kosovo in die Ferien und traf dort den Beschuldigten. 
Nach einer Fernbeziehung bis im Januar 2007 reiste die Privatklägerin – zusam-
men mit ihrer Nachbarin H.________ – erneut in den Kosovo und heiratete dort 
den Beschuldigten, gemäss dem Beschuldigten am 31. Januar 2007 (pag. 91 Z. 
55). Nach einer kurzen Wartezeit reiste der Beschuldigte am 22. März 2007 in die 
Schweiz ein und zog ebenfalls nach E.________ (pag. 90 Z. 38). 

Der Beschuldigte stammt aus dem Kosovo, wo er nach seinen Angaben die Schu-
len und das Gymnasium besuchte. Anschliessend studierte er in Pristina Jura, was 
er ein Jahr vor Abschluss aufgab und 2007 wie soeben beschrieben in die Schweiz 
einreiste. 

Das Zusammenleben der beiden Parteien in der Schweiz gestaltete sich bald als 
schwierig, häufig gerieten sie in Streit. Am 26. Juni 2007 nahm die Privatklägerin 
bei der I.________ (Bank) auf Ihren Namen einen Kredit über CHF 15‘000.00 auf, 
übergab das Geld aber mit Ausnahme von CHF 3‘000.00 dem Beschuldigten. Be-
reits ab August 2007 wohnte der Beschuldigte mehrmals für längere Zeit bei 
Freunden (vgl. u.a. die Vernehmlassung zum Eheschutzverfahren, pag. 254 und 
die Aussagen des Beschuldigten dazu auf pag. 100 Z. 142 ff.). Nachdem der Be-
schuldigte nach seiner Ankunft in der Schweiz drei bis vier Monate gearbeitet hatte, 
fand er gemäss der Privatklägerin bis im April 2011 keine Arbeit mehr. Damals be-
gann er bei der J.________ GmbH in Bern als Gipser zu arbeiten (pag. 257), wo er 
heute noch tätig ist (pag. 1093 Z. 486 ff.).

Im Sommer 2009 kumulierten sich die ehelichen Probleme derart, dass die Privat-
klägerin Rechtsanwältin G.________ mit dem Einreichen eines Eheschutzgesu-
ches beauftragte. Die Parteien versöhnten sich jedoch Ende 2009 wieder. Die Pri-
vatklägerin zog das Eheschutzgesuch zurück und der Beschuldigte zog nach fünf-
monatiger Abwesenheit wieder in E.________ ein. 

Am 13. Dezember 2011 zog der Beschuldigte dann definitiv aus der ehelichen 
Wohnung aus. Am 28. Dezember 2011 wandte sich die Privatklägerin an die Poli-
zei und meldete die Vorfälle, die Grundlage dieses Verfahrens bilden. Offenbar 
suchte sie ihre Anwältin am 6. Januar 2012 (pag. 283) erneut auf und liess am 
12. Januar 2012 wieder ein Eheschutzgesuch einreichen (pag. 231). Am 5. Juli 
2012 genehmigte das Regionalgericht Bern-Mittelland eine Vereinbarung im Ehe-
schutzgesuch unter den Parteien (pag. 277). Gleichentags beantragten die Partei-
en dem Gericht auch gemeinsam die Scheidung und schlossen eine Vereinbarung 

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über die Nebenfolgen der Ehescheidung ab (pag. 301 ff.). Gestützt darauf wurde 
die Ehe schliesslich mit Urteil vom 11. Juli 2012 geschieden und die Vereinbarung 
vom 5. Juli 2012 genehmigt, so dass die Parteien seit 28. August 2012 rechtskräftig 
geschieden sind (pag. 308 ff.). Kontakt haben die Parteien in den letzten Jahren 
keinen mehr gehabt (pag. 1082 Z. 58 ff.). 

Anlässlich der Befragung im Rahmen der zweiten oberinstanzlichen Verhandlung 
gab die Privatklägerin weitergehende Informationen zu ihrer Person zu Protokoll 
(pag. 1081 f.). So schilderte sie, sie habe die Ausbildung zur Coiffeuse absolviert 
und drei Jahre auf ihrem Beruf gearbeitet. Danach sei sie zu der Migros in den 
Verkauf, wo sie aber im Jahr 2007/2008 aufgehört habe. Heute arbeite sie im 
K.________ (Spital) und sei zuständig für die Reinigung. Auf Frage gab sie weiter 
an, vor der Ehe mit dem Beschuldigten bereits dreimal verheiratet gewesen zu 
sein. Alle diese Männer hätten sie jedoch nur ausnützen wollen, sie hätten wegen 
ihr ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz gehabt. Die Ehen hätten jeweils etwa ein bis 
zwei Jahre gedauert. Heute lebe sie in keiner neuen Beziehung. 

Der Beschuldigte führte zu seiner heutigen Situation ergänzend aus, er sei wieder 
verlobt, seine Partnerin lebe im Kosovo (pag. 1094). 

8. Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet nach wie vor, die Privatklägerin sexuell genötigt zu ha-
ben. Er gibt zwar zu, mit ihr Analverkehr praktiziert zu haben, dieser habe jedoch 
einvernehmlich stattgefunden. 

Im Rahmen der Beweiswürdigung ist deshalb erneut zu prüfen, ob der zitierte An-
klagesachverhalt zutrifft und eine Verurteilung wegen sexuelle Nötigung gerechtfer-
tigt ist oder nicht. Dabei ist den vom Bundesgericht speziell genannten Umständen 
besonderes Gewicht beizumessen. 

9. Objektive Beweismittel 

9.1 IRM-Gutachten 

Am Tag nach der Erstbefragung durch die Polizei wurde die Privatklägerin durch 
das Institut für Rechtsmedizin (IRM) körperlich und gynäkologisch untersucht. Dem 
Gutachten 27. Januar 2012 (pag. 19 ff.) ist zu entnehmen, dass dabei Hautunter-
blutungen an den Brüsten, in der Haut über dem Brustbein, am rechten Handge-
lenk, am linken Oberschenkel sowie am linken Schienbein festgestellt wurden. 
Gemäss dem IRM sind diese Verletzungen am ehesten durch stumpfe Gewalt ent-
standen und aufgrund ihrer Morphologie bereits als älter zu werten. Die gynäkolo-
gische Untersuchung brachte keine Hinweise auf Gewaltverletzungen und die 
Mammographie keinen Nachweis von Verletzungen des Brustdrüsengewebes. Das 
Gutachten hielt weiter fest, diese Befundkonstellation spreche nicht für einen zur 
Untersuchung zeitnah stattgefundenen gewaltsamen vaginalen oder analen Ge-
schlechtsverkehr. Damit lasse sich das von der Privatklägerin geschilderte Vorge-
hen weder bestätigen noch ausschliessen (pag. 22). Dieser gutachterlichen 
Schlussfolgerung schliesst sich die Kammer an. Dem IRM-Gutachten kann bezüg-

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lich dem Vorwurf der sexuellen Nötigung folglich nichts Weiterführendes entnom-
men werden.

9.2 Berichte von weiteren Medizinal-Personen 

Die Vorinstanz hat die Berichte des damaligen Physiotherapeuten der Privatkläge-
rin, L.________, sowie des behandelnden Arztes, Dr. med. M.________, ausführ-
lich zusammengefasst, sodass vorab darauf verwiesen wird (pag. 668 f.). Zusam-
menfassend ergibt sich daraus Folgendes: 

In seinem Bericht vom 3. Januar 2012 bestätigt Physiotherapeut L.________, dass 
die Privatklägerin Mitte November 2011 mit mehreren blauen Flecken im Hals-, 
Schultergürtel- und Brustbereich bei ihm zur Behandlung erschienen sei und auf 
Nachfrage gesagt habe, dies sei von ihrem Ehemann (pag. 24). 

Am 14., 20. und 23. Dezember 2011 untersuchte Dr. med. M.________ die Privat-
klägerin und berichtete darüber mit Schreiben vom 17. April 2012. Bei der Konsul-
tation vom 14. Dezember 2011 sei nebst Überresten eines respiratorischen Infekts 
eine Druckdolenz unterhalb des linken Schlüsselbeins und im Bereich des linken 
Brustmuskels aufgefallen. Auch sei der Drüsenkörper der linken Brust druckdolent 
gewesen, ebenso die Muskulatur in der Nacken- und Schulterregion. Erst am 
23. Dezember 2011 habe die Privatklägerin unter Tränen berichtet, dass sie von ih-
rem Mann geschlagen, mehrmals heftig im Brustbereich geklemmt und gedrückt 
worden sei, vor allem während des Sexualverkehrs (pag. 30). Retrospektiv, in 
Kenntnis der von der Privatklägerin zwischenzeitlich gemachten Äusserungen, 
könnten die schmerzhaften Befunde an der linken Brust durchaus Folgen der im 
November 2011 erlittenen Gewalt sein.

Diese beiden Berichte belegen, dass bei der Privatklägerin Mitte November bis En-
de Dezember 2011 körperliche Verletzungen vorlagen, welche sich anlässlich der 
Untersuchung des IRM vom 29. Dezember 2011 wiederfanden und die zu den von 
der Privatklägerin geschilderten gewalttätigen Einwirkungen des Beschuldigten auf 
sie passen. Im Übrigen bestätigen die Autoren der Berichte als Zeugen vom 
Hörensagen die von der Privatklägerin beschriebenen Schläge und das Klemmen 
der Brüste durch den Beschuldigten. 

Im Zusammenhang mit dem angeblich ungewollten Analverkehr helfen die beiden 
Berichte jedoch nicht weiter; der von der Privatklägerin erhobene Vorwurf kann 
damit weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden. 

9.3 Berichte über den psychischen Zustand der Privatklägerin

Auch für die Berichte über den psychischen Zustand der Privatklägerin kann vorab 
auf die ausführliche Zusammenfassung im erstinstanzlichen Motiv verwiesen wer-
den (pag. 669 ff.). Zusammengefasst ergibt sich daraus was folgt: 

In ihrem Bericht vom 17. August 2012 führen Dr. med. N.________ und Dr. med. 
O.________ aus, die Privatklägerin werde seit Januar 2012 ambulant psychiatrisch 
betreut. Bei ihr bestehe eine Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastungssi-
tuation (Trennung vom Ehemann), sie fühle sich vom Ehemann ausgenutzt und 
mache sich selbst massive Vorwürfe (zu naiv gewesen zu sein etc.). Die Privatklä-
gerin könne sich trotz medikamentöser Therapie nicht von den Trauma-Erlebnissen 

11

lösen. Zusätzlich bestehe bei ihr eine familiäre Belastungssituation wegen der psy-
chischen Dekompensation des Bruders und dessen Einlieferung in eine psychiatri-
sche Klinik (pag. 35).

Mit Schreiben vom 29. Oktober 2012 ersuchte Dr. med. M.________ die Staatsan-
waltschaft, den Einvernahmetermin mit der Privatklägerin vom 8. November 2012 
abzusagen, da diese nicht in der Lage sei, den Termin wahrzunehmen. Sie leide an 
einer starken posttraumatischen und psychosozialen Belastungsstörung und be-
wege sich zurzeit auch wegen anderer Belastungen (Betreuung ihres psychisch 
kranken Bruders und ihrer kranken Mutter) am Rande der zumutbaren Belastbar-
keit. Die Privatklägerin befinde sich in einem sehr labilen Zustand und «könne nicht 
mehr» (pag. 36). Am 5. November 2012 bestätigte Dr. med. N.________ die aktu-
elle Verschlechterung des psychischen Zustandes der Privatklägerin (pag. 164). 

Heute scheint es der Privatklägerin besser zu gehen. So gab sie anlässlich der 
oberinstanzlichen Befragung an, nicht mehr in psychiatrischer Behandlung zu sein. 
Diese habe sie schon mehr als zwei Jahre abgeschlossen, Medikamente habe sie 
bis vor sechs Monaten noch genommen, jetzt nehmen sie keine mehr (pag. 1081 
Z. 17 ff.)

Zur Frage nach dem hier zur Diskussion stehenden erzwungenen Analverkehr lässt 
sich auch diesen Berichten nichts entnehmen. Insbesondere können die psychi-
schen Probleme der Privatklägerin in der schwierigen Ehesituation an sich gründen 
und dienen nicht als Indiz für eine stattgefundene sexuelle Nötigung.

9.4 Bericht über den psychischen Zustand des Beschuldigten

Der Beschuldigte reichte anlässlich der ersten oberinstanzlichen Verhandlung zwei 
Berichte über seinen psychischen Zustand ein; einmal von Dr. med. R.________ 
vom 14. April 2015 (pag. 804) und einmal von Dr. med. P.________ / Dr. med. 
Q.________ vom 15. April 2015 (pag. 805 ff.).

Dem ersten Bericht ist zu entnehmen, dass sich der Beschuldigte seit 2008 in Be-
handlung befinde. Er leide nebst körperlichen Beschwerden an Schlafstörungen, 
innerer Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten. Ausserdem sei er zunehmend 
ängstlich und misstrauisch. Während der Therapie sei ganz klar ersichtlich gewor-
den, dass die ganze erwähnte Psychopathologie auf die Beziehung des Beschul-
digten zu seiner Ex-Ehefrau zurückzuführen sei, welche auf ihn jahrelang nicht 
normal, störend, erdrückend und zermürbend gewirkt habe und gemäss seiner 
Aussage bei ihm eine Krankheits-Beziehungs-Wahrnehmungsstörung ausgelöst 
habe. Ständig habe er Albträume, die einen negativen «Impuls» auf sein Leben 
auslösen würden. 

Dr. med. P.________ / Dr. med. Q.________ bestätigen im zweiten Bericht, dass 
sich der Beschuldigte vom 25. November 2008 bis am 20. November 2009 sowie 
vom 9. August 2012 bis am 24. September 2012 in ihrer ambulanten psychiatri-
schen Behandlung befunden habe. In sehr holprigem Deutsch führten sie Folgen-
des aus: Die Diagnose laute auf Anpassungsstörung, längere leichte depressive 
Reaktion bei anhaltender Ehekrise und Integrationsschwierigkeiten (ICD-10: 
F43.21) sowie Somatisierungstendenzen auf dem Boden selbstunsicherer, zurück-
haltender und ängstlicher Persönlichkeitszüge. Eine zunehmende Verschlechte-

12

rung seines psychischen Zustandes mit reaktiver depressiver Symptomatik bei 
Ehekonflikt sei anfangs 2008 entstanden. Aufgrund des ständigen Streitens mit 
seiner Ehefrau und grosser Arbeitsbelastungen, sprachlicher Einschränkungen und 
Gefühlen von Einsamkeit sei er psychisch dekompensiert worden. Er habe über 
ständigen Druck seitens der Frau geklagt. Sie sei eifersüchtig gewesen und habe 
ihn nach der Arbeit kontrolliert. Er habe seinen Monatslohn ihr abgeben müssen 
und nur Taschengeld bekommen. 2009 sei dem Beschuldigten wegen mangelnder 
Arbeitsleistung von seinem Chef gekündet worden. Damals sei er ambivalent ge-
wesen, ob er weiter mit seiner Frau unter diesen Umständen leben oder nach Ko-
sovo zurückzugehen wolle. In den Jahren 2009 bis Herbst 2010 sei die Ehe mehr 
oder weniger stabil gewesen und die Behandlung bei ihnen sei abgeschlossen 
worden. 

Die erneute Anmeldung sei im August 2012 erfolgt. Es sei zunehmend zu Streit mit 
seiner Frau gekommen. Er habe neben verbalen Ausbrüchen erlebt, dass er «phy-
sikalisch» von seiner Frau geschlagen worden sei. Er habe mehrere Male im Trep-
penhaus oder bei Arbeitskollegen geschlafen. 

Die beiden Ärzte beurteilen den Beschuldigten abschliessend als ängstlichen, ge-
hemmten und angespannten Patienten mit personenorientierten, schüchternen 
Persönlichkeitszügen und deutlichen psychosomatischen Beschwerden sowie re-
aktiver depressiver Symptomatik bei psychosozialen Belastungssituationen. 

Diese beiden Berichte zeichnen ein Bild des Beschuldigten, das von jenem, wel-
ches sich anhand der übrigen Akten ergibt, stark abweicht. So erwähnte der Be-
schuldigte in keiner seiner Einvernahmen seine psychischen Probleme oder den 
Umstand, dass er sich jahrelang in Therapie befunden habe. In seiner ersten Be-
fragung im Januar 2012 erwähnte er auch auf Fragen nach dem Zustand seiner 
Ehe nicht, dass er sich wegen eines Ehekonfliktes schon einmal beim Psychiater in 
Therapie befunden habe. Er betonte vielmehr, sie hätten schöne Zeiten zusammen 
gehabt (pag. 91 Z. 76 f.). Weiter verneinte er, je körperliche Auseinandersetzungen 
mit der Privatklägerin gehabt zu haben bzw. schilderte auch keine Gewalt von ihrer 
Seite (pag. 92 Z. 127 f.). Er gab jedoch an, es könne schon sein, dass er ihr gesagt 
habe, er habe die Macht und sei der Herr zu Hause (pag. 92 Z. 137 f.). Dies passt 
überhaupt nicht zu den Ausführungen im Bericht, wonach der Beschuldigte immer 
ängstlicher und zurückhaltender geworden sei bzw. es sich bei ihm um eine 
zurückhaltende und gehemmte Person handle. Auch anlässlich seiner zweiten Ein-
vernahme erwähnte er auf die Frage nach Eheproblemen seine Besuche beim 
Psychiater nicht und dies notabene, obwohl diese Befragung während des zweiten 
Behandlungszeitraumes von August bis September 2012 stattfand. Im Rahmen der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte er auf Frage, wie es ihm gesundheitlich 
gehe, aus, es gehe ihm allgemein gut (pag. 533). Diese Aussage steht im Wider-
spruch zum Bericht vom 14. April 2015, wonach der Beschuldigte in diesem Zeit-
raum noch immer bei Dr. med. R.________ in Behandlung gewesen sein soll. Die 
Frage seines Verteidigers, ob die Privatklägerin ihm gegenüber Gewalt angewen-
det habe, verneint er – anders als dies dem Bericht vom 15. April 2015 zu entneh-
men ist – explizit (pag. 110 Z. 520). Erst anlässlich der letzten staatsanwaltschaftli-

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chen Einvernahme schilderte der Beschuldigte einen einzelnen Vorfall, bei wel-
chem die Privatklägerin ihn geschlagen haben soll (pag. 115 Z. 147 ff.). 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen und das Verhalten des Be-
schuldigten an den ärztlichen Berichten vom 14. und 15. April 2015 erhebliche 
Zweifel aufkommen lassen. Die Kammer erachtet eine Beeinträchtigung des psy-
chischen Zustands des Beschuldigten als nicht erstellt. 

9.5 SMS-Verkehr zwischen den Parteien nach der Aufhebung des gemeinsamen 
Haushaltes 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschuldigte die Ab-
schrift einer Vielzahl von SMS-Nachrichten zwischen den Parteien aus der Zeit 
vom 16. November 2011 bis am 1. Februar 2013 zu den Akten (selber übersetzt 
auf pag. 540 ff.; gerichtlich auszugsweise im Rahmen der Hauptverhandlung über-
setzt auf pag. 523 f.; Fotos des Handy-Displays mit den albanischen SMS auf 
pag.543 ff.). Vorab ist festzuhalten, dass die Zusammenstellung der eingereichten 
Nachrichten zwar durch den Beschuldigten erfolgte. Eine möglicherweise selektiv 
erfolgte Auswahl darf ihm jedoch nicht nachteilig ausgelegt werden. Hätten die 
Strafverfolgungsbehörden es als relevant erachtet, über den gesamten Nachrich-
tenverkehr Bescheid zu wissen, hätten sie diesen selber festhalten lassen müssen.

Im Zusammenhang mit den SMS-Nachrichten stellen sich insbesondere zwei rele-
vante Fragen: Zum einen ist zu prüfen, weshalb Privatklägerin nicht zugibt, Urhebe-
rin dieser Nachrichten zu sein bzw. ob dieser Umstand sie unglaubwürdig erschei-
nen lässt. Zum anderen ist zu untersuchen, inwiefern sich der Inhalt dieser SMS-
Nachrichten auf die Glaubhaftigkeit der übrigen Aussagen der Privatklägerin aus-
wirkt. 

Die Kammer geht davon aus, dass – auch wenn die Privatklägerin dies hartnäckig 
bestreitet (selbst anlässlich der zweiten oberinstanzlichen Verhandlung brachte es 
die Privatklägerin nicht über sich, zuzugeben, mehr als nur einen Teil der Nachrich-
ten geschrieben zu haben; pag. 1085 Z. 183 ff.) – die SMS-Nachrichten von ihr ver-
fasst und versendet wurden. Dieses Bestreiten mutet angesichts der nachgewiese-
nen Absender- und Adressatenangaben etwas komisch an. Offensichtlich kann sie 
nicht zu ihrer eigenen Ambivalenz stehen (vgl. den nachfolgenden Absatz). Die 
Kammer hat zudem den Eindruck erhalten, die Privatklägerin gehe davon aus, sie 
müsse die Urheberschaft bestreiten, damit man ihr glaube. Für ihre Glaubwürdig-
keit wäre es auf jeden Fall besser gewesen, sie hätte zugegeben, dem Beschuldig-
ten diese Nachrichten geschickt zu haben. Dennoch erachtet die Kammer die Pri-
vatklägerin dadurch – anders als die Verteidigung – nicht per se als unglaubwürdig. 

Die SMS-Nachrichten enthalten sowohl Liebeserklärungen, Beschimpfungen, Dro-
hungen wie auch verzweifelte und traurige Passagen. Die Kammer teilt indes die 
Auffassung der Vorinstanz, wonach der Inhalt der SMS-Nachrichten nicht gegen 
die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin und die von ihr erhobenen 
Vorwürfe spreche. Die Vorinstanz führte auf pag. 705 zutreffend aus: «Durch die SMS 
wird vielmehr der innere Kampf und das Dilemma sichtbar, in welchem sich die Privatklägerin befand: 
Einerseits hatte sie noch Gefühle für A.________, andererseits war sie durch sein Verhalten verletzt.» 
Die Nachrichten zeigen eindrücklich die Ambivalenz der Privatklägerin gegenüber 

14

dem Beschuldigten. Ein Verhalten, welches sie immer wieder an den Tag legte, 
beispielweise als sie im Jahr 2009 die Trennung vom Beschuldigten widerrufen 
liess. 

Soweit die Verteidigung aus den SMS-Nachrichten ein Rachemotiv der Privatkläge-
rin gegenüber dem Beschuldigten sieht (besonders aus den SMS Nr. 6 und 7 auf 
pag. 523 könnten sich Hinweise darauf erkennen lassen), wird auf die Erwägungen 
in Ziff. 11.3.4 nachfolgend verwiesen. Zum Anklagesachverhalt der sexuellen Nöti-
gung (wie auch zu den anderen Anklagesachverhalten) tragen die SMS-
Nachrichten direkt nichts bei, die Privatklägerin hat nichts davon angesprochen. 

10. Aussagen Dritter

10.1 H.________ (pag. 41 ff.)

Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Zeugin H.________ ausführlich zusam-
men, es wird an dieser Stelle darauf verwiesen (pag. 700 ff.). Bei H.________ han-
delt es sich um die 60-jährige Nachbarin der damaligen ehelichen Wohnung der 
Privatklägerin in E.________. Sie beschreibt die Privatklägerin als «sehr guten 
Menschen», sie sei für sie «wie eine Tochter» (pag. 42 Z. 36). Offenbar wurde 
H.________ für die Privatklägerin zu einer Vertrauensperson, als diese mit ihren 
Eltern Streit hatte und nicht mehr mit ihnen sprechen konnte (pag. 43 Z. 54 f.).

H.________ kannte die Privatklägerin bereits vor deren Beziehung zum Beschul-
digten und bekam die Kennenlernphase und die ersten Ehejahre mit. Zusammen-
gefasst gab sie hinsichtlich der hier zu prüfenden Vorwürfe zu Protokoll, die Privat-
klägerin habe ihr erzählt, dass sie vom Beschuldigten zu Boden geschlagen wor-
den sei. Sie könne aber nicht konkret sagen, was er ihr angetan habe, sie habe sie 
lediglich zum Arzt geführt. Gehört habe sie Streitereien. Sie habe nie eine offene 
Verletzung, jedoch aber Flecken an der Schulter, am Handgelenk und an der Brust 
im Dekolleté gesehen. Eines Tages habe ihr die Privatklägerin wiederum von ei-
nem «Vorfall» zwischen ihr und dem Beschuldigten erzählt, worauf sie 
(H.________) gesagt habe, dass sie nicht schreien gehört habe. Darauf habe die 
Privatklägerin ihr gesagt, der Beschuldigte habe ihr den Mund zugehalten, damit 
sie nicht habe schreien können (pag. 44 Z. 145 ff.). 

Es habe viel Theater in dieser Ehe gegeben. Sie habe nicht verstanden, wieso die 
Privatklägerin den Beschuldigte immer wieder bei sich aufgenommen habe 
(pag. 43 Z. 92 ff.). Der Beschuldigte sei nicht verliebt in die Privatklägerin gewesen, 
sondern habe nur Arbeit und Geld haben und in der Schweiz bleiben wollen. Das 
zeige sich auch daran, dass er ja schon während der Ehe häufig längere Zeit ab-
wesend gewesen sei (pag. 45 Z. 151 ff.).

10.2 S.________ (pag. 48 ff.)

Bei S.________ handelt es sich um eine Polizistin, an deren Büroarbeitsplatz die 
Privatklägerin jeweils abends Reinigungsarbeiten ausführte. In ihrer Einvernahme 
gab sie zu Protokoll, die Privatklägerin arbeite seit ca. zwei Jahren (d.h. seit 2011) 
nicht mehr dort. Gegen Ende ihrer Tätigkeit habe ihr die Privatklägerin weinend er-
zählt, dass sie Zuhause «abgeschlagen» werde und habe ihr blaue Flecken ge-
zeigt. Sie habe der Privatklägerin daraufhin bestimmt geraten, sich das nicht bieten 

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zu lassen und es der Polizei in E.________ zu melden. Was genau gesprochen 
worden sei, wisse sie nicht mehr (pag. 49 Z. 38 ff. und Z. 53 ff.). Das Verhalten der 
Privatklägerin sei an diesem Abend völlig verändert gewesen, ihr sei sie vorher 
immer aufgestellt und freundlich erschienen (pag. 50 Z. 62 ff.). 

10.3 T.________ (pag. 52 ff.)

T.________ ist ein Arbeitskollege von S.________ und er kannte die Privatklägerin 
ebenfalls als Reinigungsfachfrau bei der Polizei. Die Privatklägerin sei bis Dezem-
ber 2011 bei der Polizei tätig gewesen. Eines Abends im Dezember 2011 habe er 
die Privatklägerin in sein Büro gebeten, da er gemerkt habe, dass es ihr nicht gut 
gehe. Sie habe zuerst nicht recht erzählen wollen und habe angefangen zu weinen. 
Er habe gesehen, dass sie an einem der Arme einen blauen Fleck gehabt habe. Er 
habe sie gefragt, ob Zuhause etwas sei. Sie habe dann gesagt, sie werde geschla-
gen. Sie habe dann erzählt, dass sie von ihrem Mann geschlagen werde. Er habe 
ihr gesagt, sie solle dies am nächsten Tag bei der Polizei in E.________ melden 
(pag. 53 Z. 40 ff.). Die Privatklägerin habe auch gesagt, dass ihr Mann sie nur ge-
heiratet habe, um in die Schweiz kommen zu können (pag. 54 Z. 74 ff.). 

10.4 Würdigung der Aussagen von Dritten

Keine dieser befragten Personen wurde selber Zeuge von tätlichen Übergriffen  
oder Drohungen seitens des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin. Alle drei 
Befragten konnten dagegen vom Hörensagen von tätlichem Einwirken des Be-
schuldigten auf die Privatklägerin berichten und stellten blaue Flecken an ihrem 
Körper fest, welche sie mit den geschilderten Vorkommnissen in Verbindung brach-
te. Zum Anklagepunkt des erzwungenen Analverkehrs konnte niemand – auch 
nicht indirekte – Angaben machen. 

11. Aussagen der direkt Beteiligten

11.1 Aussagen des Beschuldigten und Würdigung durch die Kammer

Für die Aussagen des Beschuldigten bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die 
ausführliche Zusammenfassung im Motiv der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 687 ff.). Anlässlich der Befragung vor der Kammer bestätigte der Beschuldig-
te seine bisherigen Aussagen (pag. 1094 ff.). Insbesondere machte er erneut gel-
tend, sie beide hätten den Analverkehr gewollt. Es stimme nicht, dass er der Pri-
vatklägerin gesagt habe, es tue nur am Anfang weh. Hätte sie es nicht gewollt, hät-
te er es gar nicht machen können (pag. 1095 Z. 581 ff.). 

Der Beschuldigte beschränkt sich mithin – etwas anderes kann in der vorliegenden 
Konstellation auch nicht erwartet werden – auf das Verneinen des erzwungenen 
Analverkehrs. Diesbezüglich ist gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten also 
kaum etwas herauszufinden. Seine Aussagen erwiesen sich jedoch insgesamt als 
wenig glaubhaft. Dies aus folgenden Gründen: 

Auffallend sind vorab seine weitläufigen Bemühungen, die Privatklägerin in ein 
schlechtes Licht zu rücken: die Privatklägerin sei beispielsweise immer sauer ge-
worden, wenn er Kaffee ausgeschüttet habe (pag. 91 Z. 62 f.); sie trinke viel Alko-
hol und falle gelegentlich zu Boden (pag. 92 Z. 91 f.); in diesem Zustand erzähle 

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sie dann viele Sachen (pag. 92 Z. 120 ff.; wobei dies nicht mit den geschilderten 
Trinkgewohnheiten korrespondiert, wonach die Privatklägerin nicht regelmässig ge-
trunken habe, aber er ihr ab und zu ein Bier gekauft habe pag. 110 Z. 502 ff.); sie 
habe im August 2009 in die Ferien fahren wollen, er aber habe kein Geld gehabt 
und habe sie gebeten, zu warten, bis auch er Geld habe. Das sei ihr egal gewesen 
und sie sei dann einfach alleine in die Ferien gegangen (pag. 101 Z. 163 ff.). 

Diese und weitere unplausible Anschuldigungen brachte der Beschuldigte zumeist 
vor, wenn ihm ein Vorwurf seitens der Privatklägerin vorgehalten wurde: 

- Auf Vorhalt der vom Physiotherapeuten festgestellten Spuren stumpfer Ge-
walt gibt der Beschuldigte zur Antwort, sie habe sicher ein gutes Verhältnis 
zu diesem Therapeuten (pag. 91 Z. 86 f.);

- auf Vorhalt der Vorwürfe nötigender sexueller Handlungen meint der Be-
schuldigte, die Privatklägerin sage das aus Neid, weil sie ihm vorwerfe, fremd 
zu gehen und mit andern Frauen Kinder zu haben;

- auf Vorhalt der Vorwürfe der Drohungen gibt der Beschuldigte zu Protokoll, er 
habe schon gesagt, dass er die Macht habe und der Herr im Hause sei; aber 
er habe ihr nie gesagt, dass er sie umbringen könnte. Im nächsten Satz führt 
der Beschuldigte – völlig zusammenhangslos – aus, kurz bevor sie ausein-
andergegangen seien, hätte sie ein Sofa gekauft. Dies habe sie mit ihrem 
Namen unterschrieben, er habe dies aber bezahlt (pag. 92 Z. 1137 ff.). Dies 
zeigt, wie der Beschuldigte versucht, von den ihm vorgehaltenen Vorwürfen 
auf etwas abzulenken, das irrelevant ist;

- auf Vorhalt des IRM-Gutachtens und des Berichts von Physiotherapeut 
L.________ sowie der mehrfach festgestellten Hautunterblutungen bei der 
Privatklägerin meinte der Beschuldigte, die Privatklägerin habe sich diese 
«vielleicht» selber zugefügt (pag. 105 Z. 332), indem sie sich z.B. mit dem 
Telefonbuch selbst ins Gesicht geschlagen und gesagt habe, nun würde sie 
die Polizei rufen (pag. 108 Z. 447 ff.) oder indem sie sich in alkoholisiertem 
Zustand ins Gesicht geschlagen habe (pag. 94 Z. 194 f.); 

- Auf Vorhalt, ihm werde von der Privatklägerin vorgeworfen, ihr das Postbüch-
lein auf den Kopf geschlagen zu haben, meinte der Beschuldigte, dies stim-
me nicht, hingegen habe sie sich mit dem Postbüchlein selber auf den Kopf 
geschlagen (pag. 116 Z. 164 f.).

Solche Gegenangriffe lassen die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft er-
scheinen. Im Verlauf des Verfahrens passte der Beschuldigte zudem seine Aussa-
gen stets dem Beweisergebnis an: Vorerst sagte er aus, er habe der Privatklägerin 
nie blaue Flecken verursacht, er wisse nicht wie sie auf die Idee komme, er hätte 
diese Flecken verursacht (pag. 91 Z. 85 ff.). Als dann die blauen Flecken gestützt 
auf die Akten kaum mehr wegzudiskutieren waren, fügte er in der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme im September 2012 an, die Privatklägerin habe solche 
Flecken beim Geschlechtsverkehr bekommen (pag. 105 Z. 332 f.). Dies könne vor 
allem an den Brüsten möglich sein (pag. 105 Z. 343), er habe sich aber nicht ge-
achtet, dass sie jemals blaue Flecken gehabt habe (105 Z. 347 ff.). Schliesslich 
räumte er sogar ein, es könne sein, dass er der Privatklägerin beim Geschlechts-

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verkehr leichte Verletzungen zugefügt habe, jedoch habe sich die Privatklägerin nie 
beklagt (pag. 106 Z. 374 ff.).

Anpassend ist das Aussageverhalten des Beschuldigten insbesondere auch zum 
Analverkehr. Während er vorerst angab, es sei auch zum Analverkehr gekommen, 
einfach immer dann, wenn es die Privatklägerin gewollt habe (pag. 106 Z. 385 ff.), 
glich er seine Aussagen ab der dritten Einvernahme an jene der Privatklägerin an. 
Es sei nur einmal vorgekommen, dies, nachdem sie vorher normalen Geschlechts-
verkehr gehabt und nachher eben spontan zum Analverkehr gewechselt hätten 
(pag. 120 Z. 333 f. bzw. pag. 535). 

Auf die Angaben des Beschuldigten kann angesichts dieses Aussageverhaltens 
gesamthaft gesehen nicht abgestellt werden: Den Widersacher in ein schlechtes 
Licht stellen, gilt als Lügensignal. Die geschilderte Selbstbeibringung der Verlet-
zungen der Privatklägerin durch das Postbüchlein, das Telefonbuch oder mit blos-
sen Händen widerspricht den Verletzungsbefunden des IRM und den Erkenntnis-
sen der Zeugen und erscheint darüber hinaus absurd. Die Anpassungen der Aus-
sagen an klare Beweissituationen gelten ebenfalls als Lügensignale (vgl. dazu 
BENDER ROLF/NACK ARMIN/TREUER WOLF-DIETRICH, Tatsachenfeststellung vor Ge-
richt, 4. Aufl. 2014). 

11.2 Aussagen der Privatklägerin

Die Vorinstanz fasste die Aussagen der Privatklägerin ausführlich zusammen, so-
dass auch hierfür auf das erstinstanzliche Motiv verwiesen werden kann (pag. 671 
ff.). Nachfolgend werden noch einmal die für den Vorwurf der sexuellen Nötigung 
wichtigsten Aussagen hervorgehoben sowie die diesbezüglichen Aussagen aus der 
Befragung durch die Kammer zusammengefasst. 

Anlässlich ihrer Erstbefragung vom 28. Dezember 2011 erwähnte die Privatklägerin 
den Analverkehr das erste Mal, wenn auch nur kurz. So gab sie einzig an, einmal 
habe der Beschuldigte sie auch anal vergewaltigt (pag. 59 Z. 124). Von Seiten der 
Polizei wurden keine weiteren Fragen dazu gestellt. Am 27. Juni 2012 wurde die 
Privatklägerin dann von der Staatsanwältin einvernommen (pag. 63 ff.). Auf Frage 
nach dem ungewollten Analverkehr gab die Privatklägerin an, dies sei 2010 oder 
2011 gewesen. Sie habe normalen Geschlechtsverkehr haben wollen, dann habe 
der Beschuldigte sie einfach gedreht und gesagt, dass er es jetzt von hinten probie-
ren wolle. Sie habe gesagt, dass sie das nicht wolle, dass dies schmerze. Er habe 
sie am Körper und an den Haaren gezogen. Dies sei nur einmal passiert. Wenn sie 
nein gesagt habe, sei er aggressiv geworden und habe sie einfach aggressiv hin-
gezogen an Körper und Haaren (pag. 72 Z. 335 ff.). Im Rahmen der dritten Einver-
nahme vom 14. Juni 2013 fragte die zuständige Staatsanwältin etwas detaillierter 
nach (pag. 77 ff.). Die Privatklägerin führte aus, es sei gegen Ende 2010 zum un-
erwünschten Analverkehr gekommen. Es sei Gott sei Dank nur einmal gewesen. 
Es sei nicht so, wie der Beschuldigte im Protokoll ausgesagt habe, dass sie das 
gewollt habe. Sie habe das von Anfang an nicht gewollt. Sie hätte normalen Ge-
schlechtsverkehr gewollt, er dann Analverkehr. Sie habe ihm gesagt, sie wolle das 
nicht, er habe gemeint, das tue nicht so weh und habe einfach weiter gemacht, bis 
er befriedigt gewesen sei. Er habe sie auf den Bauch gedreht und sei anal in sie 

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eingedrungen. Sie habe ihm mehrmals gesagt, dass es ihr weh mache. Sie habe 
versucht, nach vorne weg zu robben, aber er habe sie an den Hüften gepackt und 
zurückgezogen. Beim normalen Verkehr habe er immer ein Kondom benutzt, aber 
anal nicht. Er habe sie zwei- bis dreimal an den Hüften zurückgezogen. Auf Frage, 
was sie gemacht habe, wie sie reagiert habe, antwortete die Privatklägerin, was sie 
den hätten tun sollen? Er habe ja gesehen, dass sie weggewollt habe und sie habe 
ihm auch gesagt, dass sie Schmerzen habe. Er habe sie an den Hüften und an den 
Haaren gezogen (pag. 84 f.).

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurde die Privatklägerin erneut 
befragt (pag. 526 ff.). Sie führte aus, sie könne sich nicht erinnern, wann dieser 
Vorfall passiert sei, auch nicht das ungefähre Datum. Analverkehr sei nur einmal 
vorgekommen. Der Beschuldigte habe Analverkehr gewollt, sie habe ihm gesagt, 
es tue ihr weh. Sie habe immer versucht, wegzugehen, er habe sie aber immer 
wieder gepackt (pag. 527 f.). 

Im Rahmen der oberinstanzlichen Befragung bestätigte die Privatklägerin ihre Aus-
sagen, alles was sie bisher gesagt habe, sei wahr (pag 1083 Z. 118). Auf Vorhalt 
verneinte sie, den Beschuldigten zu Unrecht falsch zu beschuldigen, weil sie sich 
von ihm ausgenützt gefühlt habe und sich an ihm rächen wolle. Sie wolle nicht ge-
gen ihn zurück schlagen, sie hätte dies sonst im 2008 gemacht. Damals habe sie 
aber nur die Scheidung gewollt. Die Sachen seien nachher wirklich passiert. Sie sei 
schon 2008 enttäuscht gewesen, wieso hätte sie es nicht damals tun sollen? Die 
anderen drei Ehemänner hätten sie auch ausgenützt, von ihnen habe sie sich ein-
fach scheiden lassen (pag. 1084 Z. 152 ff.). Zum Analverkehr führte sie aus, sie 
habe das nicht gewollt, weil sie Schmerzen gehabt habe. Sie habe mehrmals 
«Nein» gesagt, immer wenn er es versucht habe. Er habe sie aber immer wieder 
gepackt und an den Haaren gezogen und gleich immer wieder probiert. Auf die 
Frage, ob der Beschuldigte gehört habe, dass sie nicht gewollt habe, führte sie aus 
(pag. 1086 Z. 243 f.): «Ja. Wenn jemand Nein sagt, und du packst ihn immer wieder und sagst, 
das tut nur am Anfang weh… Ich weiss nicht, wie das jemand nicht hören kann.» Er habe den 
Analverkehr einfach gemacht, obwohl sie sich gewehrt und Nein gesagt habe und 
gesagt habe, es tue ihr weh. Er habe von Anfang an kein Kondom benutzt. Er habe 
zuerst normal gewollt, dann habe er sie umgedreht und anal versucht. Er habe das 
Kondom noch nicht einmal an gehabt, er habe von Anfang an gewusst, was er wol-
le (pag. 1086 Z. 261 ff.). Sie wisse es nicht mehr, es könne aber gut sein, dass sie 
weder den Zeugen, noch ihrem Arzt oder Physiotherapeuten etwas vom Analver-
kehr erzählt habe. Sie habe sich so geschämt (pag. 1087 Z. 271 ff.).

Erwähnenswert ist zudem das nonverbale Verhalten der Privatklägerin während ih-
rer Befragung beim erstinstanzlichen Gericht wie auch vor oberer Instanz. So 
machte sie, während sie schilderte, wie der Beschuldigte sie beim Analverkehr ge-
packt haben soll, entsprechende Bewegungen mit den Armen bzw. zeigte, wie er 
sie an der Hüfte gepackt habe. Sie stellte mit einer Bewegung mit den Armen ge-
gen vorne sowohl ihre Wegrobb-Versuche wie auch das Zurückziehen durch den 
Beschuldigten dar. Dieses Verhalten wirkte auf die Kammer sehr intuitiv und au-
thentisch und vermag ihren Aussagen klar zu unterstützen. 

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11.3 Würdigung der Aussagen der Privatklägerin durch die Kammer 

Bei der Abklärung des Wahrheitsgehaltes von Zeugenaussagen hat sich die so 
genannte Aussageanalyse weitgehend durchgesetzt. Nach dem empirischen 
Ausgangspunkt der Aussageanalyse erfordern wahre und falsche Schilderungen 
unterschiedliche geistige Leistungen. Überprüft wird dabei in erster Linie die 
Hypothese, ob die aussagende Person unter Berücksichtigung der Umstände, der 
intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage eine solche Aussage auch 
ohne realen Erlebnishintergrund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in 
der Weise vorgenommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten 
Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so 
genannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der 
Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf 
Fehlerquellen überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person 
analysiert werden. Dabei ist immer davon auszugehen, dass die Aussage auch 
nicht realitätsbegründet sein kann. Ergibt die Prüfung, dass diese 
Unwahrhypothese (Nullhypothese) mit den erhobenen Fakten nicht mehr in 
Übereinstimmung stehen kann, so wird sie verworfen. Es gilt dann die 
Alternativhypothese, dass die Aussage wahr sei. Erforderlich ist dafür besonders 
auch die Analyse der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Aussage (BGE 
129 I 49 E. 5; BENDER ROLF/NACK ARMIN/TREUER WOLF-DIETRICH, Tatsachenfest-
stellung vor Gericht, 4. Aufl. 2014, N. 313 ff.). Weiter ist zu prüfen, inwiefern sich 
die Aussagen mit anderen Beweismitteln in Übereinstimmung bringen bzw. durch 
sie widerlegen lassen.

11.3.1 Entstehungsgeschichte 

Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit der Entstehungsgeschichte der Aussagen 
der Privatklägerin auseinandergesetzt (pag. 704 ff.). Es kann an dieser Stelle 
grundsätzlich darauf verwiesen werden. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Entstehungsgeschichte der Aus-
sagen der Privatklägerin bzw. der Anzeigeerstattung geradezu typisch ist für eine 
Situation, in welcher der gewaltausübende Partner das Domizil verlässt und das 
Opfer erst dann den Mut findet, sich anderen Personen zu öffnen. Dies wird vorlie-
gend durch die Aussagen der Nachbarin H.________ sowie der beiden Polizisten 
S.________ und T.________ sowie durch die Berichte von Dr. M.________ und 
des Physiotherapeuten L.________ dokumentiert. Bei der Entstehung der Erstaus-
sage der Privatklägerin bei der Polizei finden sich keine Auffälligkeiten. Insbeson-
dere fehlen Hinweise auf Suggestion oder Irrtum in den Aussagen, beides Umstän-
de, bei welchen die Aussagepsychologie versagen würde. Die Privatklägerin schil-
derte in freier Erzählform, was vorgefallen sein soll und erwähnte dabei auch be-
reits ein erstes Mal den ungewollten Analverkehr. Allerdings lag der Fokus auf den 
allgemeinen Eheproblemen, den Drohungen und den Tätlichkeiten. Bei der Zweit-
befragung ein halbes Jahr später wurde zwar bezüglich den sexuellen Handlungen 
vermehrt nachgefragt, allerdings lag hier der Schwerpunkt bei den vorgeworfenen 
Vergewaltigungen. Erst anlässlich der dritten Befragung, rund eineinhalb Jahre 
nach der Anzeigeerstattung, wurde konkret zum Vorwurf der sexuellen Nötigung 
nachgefragt. Anzeichen für Suggestion liegen aber auch in dieser Einvernahme 

20

keine vor – die Fragen wurden offen und neutral formuliert. Zudem fehlen neue, 
bisher noch nie erwähnte Vorfälle, die sich aufgrund der laufenden Psychotherapie 
hätten ergeben könne.

Die Vorinstanz nahm in diesem Zusammenhang auch zur Frage nach der Motivati-
on der Privatklägerin zur Anzeigeerstattung Stellung und schloss anhand der Aus-
sagen der Privatklägerin und trotz der vom Beschuldigten eingereichten SMS-
Nachrichten ein Motiv für eine Falschbeschuldigung aus, jedoch ohne dies wirklich 
zu begründen (pag. 705 unten: «Davon, in der möglicherweise nicht (wie von der Privatkläge-
rin) vorgestellten Ehe aber ein Falschaussagemotiv, respektive ein Rachemotiv zu sehen, geht das 
Gericht […] nicht aus»). Gerade damit wird sich die Kammer aber gestützt auf die Kritik 
des Bundesgerichts und der Verteidigung anhand der neuen Erkenntnisse aus der 
oberinstanzlichen Befragung der Privatklägerin zu befassen und diese Begründung 
zu liefern haben (vgl. hierzu nachfolgend Ziff. 11.3.4).

11.3.2 Inhaltliche Realkennzeichen

Inhaltliche Realkennzeichen sind Detailreichtum, Mitteilungen von Gesprächen, 
Schilderungen von Komplikationen, Gefühlen und Schmerzen oder sonstiger Emp-
findungen, Kritik am eigenen Verhalten, etc.

Vorliegend wurde die Privatklägerin erstmals anlässlich ihrer dritten Einvernahme 
eingehend zum ungewollten Analverkehr befragt. Ihre Schilderungen zum Analver-
kehr sind dabei nicht extrem detailliert ausgefallen, aber immerhin resultierte dar-
aus der Sachverhalt, wie er auch in der Anklageschrift festgehalten wurde. Dabei 
finden sich in den Aussagen der Privatklägerin doch verschiedene Realkennzei-
chen. So beispielsweise dass

- der Beschuldigte den Analverkehr angekündigt habe und sie ihm sogleich ge-
sagt habe, dass sie das nicht wolle, da dies schmerze (pag. 72 Z. 337 ff.);

- sich der Beschuldigte einfach darüber hinweggesetzt und gemeint habe, das tue 
nicht so weh und bis zu seiner Befriedigung weitergemacht habe (pag. 84 Z. 276 
f.);

- sie versucht habe, nach vorne weg zu robben (pag. 85 Z. 279). Dies erzählte die 
Privatklägerin nicht nur, sondern unterstrich es anlässlich der erstinstanzlichen 
und zweiten oberinstanzlichen Verhandlung spontan mit Gestik (pag. 528 und 
pag. 1090);

- der Beschuldigte sie am Wegrobben gehindert habe, indem er sie zwei- bis 
dreimal an den Hüften gepackt und zurückgezogen habe (pag. 85 Z. 280);

- der Beschuldigte sie dabei zudem auch an den Haaren gezogen habe (pag. 72 
Z. 339); 

- sie ihm im Anschluss an den Analverkehr gesagt habe, das sei das erste und 
letzte Mal gewesen, dass er das gemacht habe (pag. 85 Z: 296 f.);

- sie sich bei späteren Gelegenheiten dem von ihr ungewollten Geschlechtsver-
kehr nicht widersetzt habe, weil sie Angst gehabt habe, er wolle ansonsten viel-
leicht wieder Analverkehr (pag. 86 Z. 328 f.).

21

Diese Realkennzeichen lassen die Schilderungen der Privatklägerin grundsätzlich 
glaubhaft erscheinen. 

11.3.3 Logische Konsistenz der Aussagen

Bezüglich der logischen Konsistenz werfen die Aussagen der Privatklägerin einige 
Fragen auf, welche nachfolgend zu klären sind. 

Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil 6B_1068/2015 fest, der Umstand, dass die 
Privatklägerin den Zeitraum des angeblich ungewollt vollzogenen Analverkehrs 
nicht annähernd habe präzisieren können, lasse sich vorliegend nicht mit dem Ar-
gument erklären, es handle sich um ein «deliktstypisches» Aussageverhalten von 
Opfern lang anhaltender und wiederkehrender Gewaltdelikte. Die Kammer überse-
he, dass dem Beschuldigten gerade nicht vorgeworfen werde, den Analverkehr 
mehrfach gegen den Willen der Privatklägerin an ihr vollzogen zu haben und dass 
das Strafverfahren gegen ihn hinsichtlich der Vergewaltigungsvorwürfe eingestellt 
worden sei (E. 1.4.2).

Tatsächlich gelang es der Privatklägerin nicht, den einmaligen Analverkehr zeitlich 
einzuordnen. Anlässlich der Befragung vom Juni 2012 gab sie an, dieser habe 
2010 oder 2011 stattgefunden (pag. 72 Z. 335 ff.). Im Juni 2013 führte sie aus, der 
Analverkehr habe glaublich gegen Ende 2010 stattgefunden (pag. 84 Z. 266 ff.). Im 
Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab die Privatklägerin zunächst 
an, sich auch nicht mehr an das ungefähre Datum erinnern zu können (pag. 527). 
Erst auf weiteres Nachfragen des Gerichtspräsidenten gab sie an, es sei vielleicht 
im Jahr 2011 gewesen (pag. 528). Bei der oberinstanzlichen Befragung führte sie 
aus, der Vorfall habe vielleicht 2011 stattgefunden. Irgendwann um Novem-
ber/Oktober 2011 herum, sie könne sich wirklich nicht mehr erinnern (pag. 1084 
Z. 281 f.).

Die fehlende zeitliche Einordnung des Vorfalls spricht für die Kammer nicht gegen 
die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin. Dabei ist nämlich zu berück-
sichtigen, dass es sich aus ihrer Sicht beim Analverkehr nur um eine ungewollte 
sexuelle Handlung von vielen handelte. Zwar wurde das Verfahren gegen den Be-
schuldigten wegen mehrfacher Vergewaltigung nach den staatsanwaltschaftlichen 
Befragungen aus rechtlichen Gründen eingestellt (insbesondere weil es die Staats-
anwaltschaft als nicht erwiesen erachtete, dass die Privatklägerin gegenüber dem 
Beschuldigten mit der von der Rechtsprechung geforderten tatkräftige Willensbe-
zeugung klar und unzweideutig manifestierte, die sexuellen Handlungen nicht zu 
wollen), und nur der einzelne Vorfall des ungewollten Analverkehrs wurde überwie-
sen. Das Bundesgericht geht in seinen Ausführungen deshalb rückblickend davon 
aus, die einzige überwiesene sexuelle Handlung müsse von der Privatklägerin zeit-
lich eingeordnet werden können. Dabei muss jedoch der Umstand mitberücksichtigt 
werden, dass es aus Sicht der Privatklägerin über Jahre hinweg zu Übergriffen ge-
kommen ist. Unter diesen Umständen ist nachvollziehbar, dass eine genauere zeit-
liche Einordnung durch die Privatklägerin nicht vorgenommen werden kann.

Den im Raum stehenden Widerspruch betreffend die Verwendung eines Kondoms 
konnte bei der Befragung vor oberer Instanz geklärt werden. So hat der Beschul-
digte vor dem Analverkehr nicht das Kondom wieder ausgezogen, sondern er hatte 

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– wohl in der Absicht, Analverkehr zu praktizieren – noch gar kein solches überge-
streift (pag. 1086 Z. 255 ff.). 

Rechtsanwalt B.________ brachte weiter vor, es mute lebensfremd an, dass die 
Privatklägerin nach dem erzwungenen Analverkehr weiterhin freiwilligen Ge-
schlechtsverkehr mit dem Beschuldigten praktiziert haben wolle. Dabei handelt es 
sich tatsächlich um ein Verhalten, welches von aussen nicht leicht nachvollziehbar 
ist. Gleich verhält es sich mit den Aussagen der Privatklägerin, wonach es vorge-
kommen sei, dass sie bei Geschlechtsverkehr, welchen sie zu Beginn nicht gewollt 
habe, dann doch noch lustvoll gestöhnt habe (pag. 1087 Z. 300 ff.). Dennoch passt 
dieses Verhalten der Privatklägerin zu ihrer allgemeinen Ambivalenz gegenüber 
dem Beschuldigten. Es handelt es sich dabei um eine nicht untypische Handlungs-
weise von Opfern häuslicher Gewalt. Die Kammer hat zudem anlässlich der zwei-
ten oberinstanzlichen Verhandlung den Eindruck gewonnen, dass sich die Privat-
klägerin nichts sehnlicher gewünscht hat, als dass die Beziehung mit dem Be-
schuldigten – notabene ihrem vierten Ehemann – funktioniert. Wohl auch deshalb 
hat sie einiges an Beeinträchtigungen in Kauf genommen.

Die übrigen Aussagen der Privatklägerin zum erzwungenen Analverkehr sind 
schlüssig, stimmig und folgerichtig. Die vorhandenen Unstimmigkeiten lassen sich, 
wie soeben aufgezeigt, erklären. Folglich sind die Schilderungen der Privatklägerin 
auch unter dem Aspekt der logischen Konsistenz als glaubhaft zu qualifizieren.

11.3.4 Falschbezichtigung durch die Privatklägerin?

Die Verteidigung erblickt in den SMS-Nachrichten Hinweise auf ein Motiv für eine 
Falschbezichtigung des Beschuldigten durch die Privatklägerin. Diese habe sich 
nach der Erkenntnis, vom Beschuldigten bloss zu Aufenthaltszwecken benutzt 
worden zu sein, offensichtlich ausgenützt gefühlt. Das Bundesgericht seinerseits 
führte in seinem Urteil 6B_1068/2015 aus, die Erwägung der Kammer, wonach die 
Privatklägerin den Beschuldigten im Falle einer Falschbelastung stärker belastet 
hätte, sei spekulativ und insbesondere vor dem Hintergrund der Verfahrenseinstel-
lung wegen mehrfacher Vergewaltigung nicht nachvollziehbar. 

Für die Kammer ist – insbesondere nachdem sie von den Parteien einen persönli-
chen Eindruck erhalten hat – offensichtlich, dass die Privatklägerin vom Beschul-
digten schwer enttäuscht ist. Ihre Hoffnungen, dass es bei Ehemann Nr. 4 – nota-
bene dem ersten, den sie selber ausgesucht hat und nicht ihre Eltern – endlich 
klappt, waren gross. Umso grösser war dann die Enttäuschung, als sich heraus-
stellte, dass auch der Beschuldigte sie nur geheiratet hat, um ein Aufenthaltsrecht 
in der Schweiz zu erhalten (vgl. hierfür die Aussagen der Privatklägerin auf 
pag. 1082 f.). Ein Rachemotiv wäre mithin vorhanden. Dennoch ist die Kammer da-
von überzeugt, dass es sich bei den von der Privatklägerin erhobenen Vorwürfen 
nicht um falsche Anschuldigungen handelt. So ist ohne weiteres möglich, dass es 
zwar aus Rachegründen zu der Anzeigeerstattung gekommen ist, die zur Anzeige 
gebrachten Sachverhalte sich aber so zugetragen haben. Das gesamte Verhalten 
der Privatklägerin sowie der Inhalt ihrer Aussagen lassen nur diesen Schluss zu:

Die Privatklägerin brachte die Vorfälle erst zur Anzeige, nachdem sie von mehreren 
Leuten dazu ermutigt worden war. Inhaltlich belastete sie den Beschuldigten nicht 

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übermässig. Das Verfahren wegen mehrfacher Vergewaltigung wurde nämlich 
nicht eingestellt, weil die Aussagen der Privatklägerin unglaubhaft erschienen. Die 
Staatsanwaltschaft erachtete es vielmehr gestützt auf die Aussagen der Privatklä-
gerin als nicht erstellt, dass diese ihren Willen, den Geschlechtsverkehr zum be-
sagten Zeitpunkt nicht zu wollen, gegenüber dem Beschuldigten klar und unzwei-
deutig manifestiert hat. Es bestehen keine Zweifel daran, dass die Privatklägerin, 
hätte sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollen, wohl gerade dies klarer 
ausgesagt hätte. Sie hinterliess bei der Kammer zudem nicht den Eindruck, intel-
lektuell in der Lage und derart berechnend zu sein, um bewusst mit differenzierte-
ren, schwächeren Aussagen eine erhöhte Glaubhaftigkeit herbeizuführen zu versu-
chen. 

Die Kammer schliesst aus diesen Gründen eine Falschbezichtigung, trotz mögli-
cherweise vorhandenem Rachemotiv, aus. 

11.3.5 Abgrenzung zum ungewollten Geschlechtsverkehr

Im ersten oberinstanzlichen Motiv wurde ausgeführt, die Verfahrenseinstellung we-
gen Vergewaltigung habe keinerlei Einfluss auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen 
der Privatklägerin zu den weiteren Vorwürfen. Diese Äusserung gilt es gestützt auf 
die bundesgerichtliche Kritik zu präzisieren. Das Bundesgericht hielt diesbezüglich 
fest, die Kammer verkenne, dass die teilweise Einstellungsverfügung unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsen sei und damit einem freisprechenden Urteil gleich-
komme (Urteil 6B_1068/2015 vom 2. November 2016 E. 1.4.1). Auch wenn es sich 
beim Vorwurf der sexuellen Nötigung um eine eigenständige Tat im prozessualen 
Sinn handle, könne ein Zusammenhang mit den angeblich im gleichen Zeitraum 
verübten und gemeinsam zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungsvorwürfen nicht 
verneint werden. 

Wie bereits mehrfach angetönt, wurde das Verfahren wegen Vergewaltigung gegen 
den Beschuldigten mit folgender Begründung eingestellt: «Was die Vorwürfe der Verge-
waltigung anbelangt, so blieb sie [die Privatklägerin] in ihren Aussagen aber eher vage. Ihre Aussa-
gen wirken diesbezüglich karg und sie bleibt wenig konkret. Die eigentlichen Nötigungshandlungen 
des Beschuldigten umschreibt sie kaum. Es tauchen zudem Unregelmässigkeiten in ihren Aussagen 
auf. Schliesslich gab sie dann auch selber an, sie habe dann jeweils mitgemacht oder abgewartet bis 
es vorbei gewesen sei. […] Aus ihren Aussagen geht letztendlich nicht zweifelsfrei hervor, dass sie 
gegenüber dem Beschuldigten die von der Rechtsprechung geforderte tatkräftige Willensbezeugung 
klar und unzweideutig manifestierte, die sexuellen Handlungen nicht zu wollen. Eine rohe Gewaltan-
wendung durch den Beschuldigten lässt sich nicht nachweisen. Aufgrund der Aussagen der Privatklä-
gerin kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass sie erst nach der erfolgten Trennung vom Be-
schuldigten so richtig bewusst wurde, dass es während der Ehe zu Geschlechtsverkehr gekommen 
war, den sie zwar über sich ergehen liess, ohne ihren entgegengesetzten Willen unzweideutig zu ma-
nifestieren, den sie jedoch zumindest aus nachträglicher Sicht missbilligte.» 

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren mithin nicht deshalb eingestellt, weil sie 
die diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerin als unglaubhaft erachtete. Sie 
hatte vielmehr – gestützt auf ihre Aussagen – erhebliche Zweifel daran, dass die 
Privatklägerin ihren Willen klar und unzweideutig manifestiert hatte. Die Qualität der 
Aussagen bezüglich der übrigen hier zu beurteilenden Vorfälle ist jedoch eine ganz 

24

andere, sodass sich dieses Problem hier nicht stellt. Im Unterschied zu den ge-
schilderten Vergewaltigungen hat sich die Privatklägerin gegen den Analverkehr 
zudem nicht nur verbal, sondern auch physisch gewehrt, indem sie versuchte, nach 
vorne weg zu robben. Der Beschuldigte musste deshalb erkennen, dass sie den 
Analverkehr nicht wollte. 

Der Umstand, dass das Verfahren gegen den Beschuldigten wegen Vergewalti-
gung eingestellt wurde, hat unter diesen speziellen Begleiterscheinungen keinen di-
rekten Einfluss auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin bezüglich 
der übrigen Delikte.

11.4 Fazit der Würdigung der Aussagen der direkt Beteiligten

Die Aussagen der Privatklägerin zum erzwungenen Analverkehr sind glaubhaft, es 
ist darauf abzustellen. Die Aussagen des Beschuldigten hingegen erweisen sich 
aufgrund des Gesagten als unglaubhaft. 

12. Erwiesener Sachverhalt

Zwischen den Parteien kam es unbestrittenermassen zu Analverkehr. Dabei ist ge-
stützt auf die Aussagen der Privatklägerin davon auszugehen, dass sie den Anal-
verkehr klar, deutlich und mehrfach im Voraus ablehnte. Diese Ablehnung tat sie 
gegenüber dem Beschuldigten nicht nur verbal, sondern auch körperlich kund in-
dem sie mehrfach versuchte, nach vorne weg zu robben. Damit ist offensichtlich, 
dass der Beschuldigte die Ablehnung der Privatklägerin bemerkt haben musste. 
Den Hinweis der Privatklägerin, sie wolle das nicht, weil es weh tue, wischte der 
Beschuldigte mit den beschwichtigenden Worte weg, das tue nur am Anfang weh. 
Er packte sie an der Hüfte und Haaren, zog sie mit Kraft gegen sich und konnte so 
anal in sie eindringen.

13. Rechtliche Würdigung

Der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine 
Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Hand-
lung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychi-
schen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. 

Für die theoretischen Grundlagen zum objektiven und subjektiven Tatbestand wird 
auf die Zusammenfassung im erstinstanzlichen Motiv verwiesen (pag. 719 ff.). 

Der Beschuldigte drehte die Privatklägerin im Rahmen von beabsichtigtem Ge-
schlechtsverkehr auf den Bauch, sagte, er wolle Analverkehr, umfasste die Privat-
klägerin mit beiden Händen um deren Hüfte und zog sie zu sich. Die Privatklägerin 
versuchte mehrmals, nach vorne weg zu robben. Der Beschuldigte packte sie dann 
jeweils an ihren Hüften und Haaren und zog sie zurück zu sich, um so den Anal-
verkehr bis zu seinem Orgasmus zu vollziehen. Es handelt sich dabei um ein mehr-
faches Zurückziehen und um ein aggressives Verhalten des Beschuldigten, wel-
ches das Gewaltelement zweifellos erfüllt. Das Wegrobben der Privatklägerin ist als 
Fluchtbewegung zu werten. Die Privatklägerin versuchte so, den sexuellen Über-
griff abzuwehren und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu schützen, was ihr nicht 
gelang. Folglich hat der Beschuldigte die Privatklägerin mit Gewalt zur Duldung ei-

25

ner beischlafsähnlichen Handlung genötigt und damit den objektiven Tatbestand 
von Art. 189 Abs. 1 erfüllt. 

Der Beschuldigte handelte dabei vorsätzlich. Weil die Privatklägerin dem Beschul-
digten mehrmals sagte, dass sie keinen Analverkehr wolle, es sie schmerze und 
zudem versuchte, nach vorne weg zu robben, wusste der Beschuldigte um ihren 
entgegenstehenden Willen. Dies zeigt sich auch daran, dass er der Privatklägerin 
sagte, es tue nur am Anfang weh. Anders als beim normalen Geschlechtsverkehr, 
bei welchem die Privatklägerin zu Beginn oftmals auch sagte, sie wolle nicht, dann 
aber trotzdem mitmachte, wehrte sich die Privatklägerin hier auch physisch, indem 
sie weg zu robben versuchte. Zudem handelte es sich hier eben nicht um normalen 
Geschlechtsverkehr, sondern um eine in der Beziehung der beiden Beteiligten 
neue und sonst nicht vollzogene Sexualpraktik. Der Beschuldigte durfte mithin nicht 
vom widersprüchlichen Verhalten der Privatklägerin beim Geschlechtsverkehr auf 
ihr Einverständnis zum Analverkehr schliessen.

Damit ist der objektive und subjektive Tatbestand von Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt 
und der Beschuldigte der sexuellen Nötigung schuldig zu sprechen. 

III. Zum Vorwurf der Drohung

14. Anklage und Vorinstanz

Der in der Anklageschrift formulierte Vorwurf gegen den Beschuldigten lautet wie 
folgt (pag. 479):

Drohung (Art. 180 Abs. 2 StGB), mehrfach begangen zwischen Sommer 2010 und Dezember 2011, 
in E.________, zum Nachteil von C.________.

A.________ drohte C.________ mehrfach, im Wissen und Willen darum, dass er sie damit in Angst 
und Schrecken versetzte. Namentlich,

2.1 indem er ihr – nachdem sie ihm bezüglich der Tätlichkeiten ihr gegenüber gesagt hatte, er ma-
che dies in der letzten Zeit etwas häufig – sagte: „wenn ich dich umbringen will, mache ich 
das“ und „wenn ich dich schlagen will, schlage ich dich so fest, dass du nicht mehr rausgehen 
kannst“;

2.2 indem er ihr ein Messer gegen die Pulsschlagader ihrer Hand hielt, so dass sie die Klinge am 
Handgelenk spüren konnte, und sagte: „Schau, das tut weh";

2.3 indem er ihr die Pulsschlagader am Handgelenk mit seinen Fingern zudrückte, bis sie kein Ge-
fühl mehr in der Hand hatte, und sagte: „Schau, wie viel Kraft ich habe";

2.4 indem er ihr ein Messer an den Hals hielt, wobei sie die Klinge am Hals spüren konnte, und 
sagte: „Spür nur das Messer, es ist auch scharf“. 

Die Vorinstanz erachtete die Aussagen der Privatklägerin auch in diesem Zusam-
menhang als glaubhaft. Folglich war für sie erstellt, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin in der in der Anklageschrift beschriebenen Weise bedroht hatte. 

26

15. Vorbringen des Beschuldigten

Anlässlich der zweiten oberinstanzlichen Verhandlung brachte der Beschuldigte 
zum Vorwurf der Drohung vor, objektive Beweismittel gebe es keine. Bezüglich der 
Aussagen der Privatklägerin gelte das zur Vorwurf der sexuellen Nötigung Ausge-
führte. Zudem habe sie erstmals bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme an-
gegeben, was überhaupt Inhalt der Drohung gewesen sein solle. Bei der angebli-
chen Bedrohung mit dem Messer seien die Umstände bis heute unklar geblieben. 
Das Zudrücken der Pulsschlagader habe sie ausschliesslich in der ersten Einver-
nahme erwähnt, später nie wieder. Überdies sei Art. 180 StGB auch rechtlich nicht 
erfüllt. 

16. Sachverhaltsfeststellung durch die Kammer

16.1 Objektive Beweismittel und Aussagen Dritter

Für die Ausführungen über die objektiven Beweismittel wird auf Ziff. 9 hiervor ver-
wiesen. Auch zum Vorwurf der Drohung gibt es – wie bereits bei der sexuellen 
Nötigung – keine objektiven Beweismittel, welche die von der Privatklägerin ge-
schilderten Ereignisse bestätigen oder zu widerlegen würden. Dasselbe gilt für die 
Aussagen Dritter (Ziff. 10 hiervor).

16.2 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte beschränkt sich darauf, die Vorwürfe der Privatklägerin zu be-
streiten. Es kann mithin keine konkrete Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen 
werden. Für die allgemeine Unglaubhaftigkeit seiner Aussagen auf das in Ziff. 11.1 
hiervor Gesagte verwiesen werden. Auf die Aussagen des Beschuldigten kann mit-
hin nicht abgestellt werden. 

16.3 Aussagen der Privatklägerin

Zwar sind von der Privatklägerin – wie vom Beschuldigten geltend gemacht –
zahlenmässig nicht sehr viele Aussagen zu den Drohungen vorhanden. In ihrer ers-
ten Einvernahme bei der Polizei gab die Privatklägerin jedoch relativ ausführliche 
Schilderungen zu Protokoll. So führte sie beispielsweise aus (pag. 59 Z. 151 ff.): 
«Vor ca. 4-5 Monaten hat er [der Beschuldigte] mit seinem Messer gegen mich gezielt. Er hat ein 
graues Klappmesser, einhändig bedienbar, mit einer ca. 9 cm langen Klinge. Er ‹spielte› wieder mit 
mir und drückte mir die Messerspitze gegen die Pulsschlagader bei meiner Hand. Ich spürte die Klin-
ge deutlich an meinem Handgelenk. Er hatte mir keine Schnittwunde zugefügt. Er sagt zu mir, ‹schau, 
das tut weh›. Er terrorisierte mich immer mit seinen ‹Spielchen›. Er drückte mir manchmal auch mit 
seinen Fingern die Pulsschlagader am Handgelenk zu, bis ich kein Gefühl mehr in der Hand hatte. Er 
sagt mir, ‹schau, wieviel Kraft ich habe›! Oftmals packte er mich mit seiner Hand unten an meinem 
Kinn und drückte zu. Er sagte mir auch, ‹schau, wieviel Kraft ich habe!›. Ich gehe fast kaputt ab sei-
nen Spielchen.» Nachdem in einem Verbal festgehalten wurde, die Privatklägerin bre-
che währen den Erzählungen viel in Tränen aus und wirke aufgelöst und müde 
(pag. 59 f.), führte sie weiter aus (pag. 60 Z. 166 ff.): «Einmal hielt er mir auch sein Mes-
ser an den Hals. Ich spürte die Klinge ebenfalls am Hals. Er sagte mir ‹spür nur das Messer, es ist 
auch scharf›.» Und weiter unten (pag. 606 Z. 192 f.): «Er sagte mir oftmals, dass er mich um-
bringen könnte, wenn er wollte. Ich hatte Angst vor ihm. Er demonstrierte mir immer seine Macht da-
mit».

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Anlässlich ihrer ersten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft bestätigte die Pri-
vatklägerin den Vorfall mit dem Messer am Hals und sie beschrieb das Messer de-
tailliert (pag. 70 Z. 248 ff.). Zudem wiederholte sie den Vorwurf, wonach der Be-
schuldigte sie mit dem Tod bedroht habe und führte aus, dass sie dies ernst ge-
nommen habe (pag. 71 Z. 285 ff.). Im Rahmen der zweiten Einvernahme bei der 
Staatsanwaltschaft erwähnte die Privatklägerin noch die beiden Drohungen «wenn 
ich dich umbringen will, mache ich das» und «wenn ich dich schlagen will, schlage 
ich dich so fest, dass du nicht mehr rausgehen kannst» (pag. 83 Z. 232 ff.). Weitere 
Drohungen kamen ihr in dem Moment nicht in den Sinn (pag. 84 Z. 245). Während 
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte sie dann ihre bisherigen Aussa-
gen zu den Drohungen als richtig (pag. 529). 

Die Vorinstanz würdigte diese Aussagen der Privatklägerin umfassend und korrekt 
(pag. 710 f.). In den Aussagen der Privatklägerin findet sich eine erhebliche Anzahl 
an Realkennzeichen. Ihre Schilderungen sind stimmig und detailreich. So be-
schreibt sie beispielsweise, wie sie die Messerklinge deutlich am Handgelenk ge-
spürt hat oder die Gefühlslosigkeit ihrer Hand, als der Beschuldigte mit seinen Fin-
gern die Pulsschlagadern am Handgelenk zugedrückt hat. Sie gibt an, dass der 
Beschuldigte das Messer für CHF 40.00 auf dem Märit in Bern gekauft habe und 
dass man es mit nur einer Hand habe öffnen können. Die Privatklägerin schildert 
sodann Interaktionen und Gespräche zwischen ihr und dem Beschuldigten, den In-
halt der Drohungen gibt sie oftmals in direkter Rede wieder. Insgesamt handelt es 
sich um einmalige Schilderungen mit ausgefallenen Einzelheiten. Die Kammer geht 
auch hier – wie bereits im Zusammenhang mit der sexuellen Nötigung – nicht da-
von aus, dass die Privatklägerin in der Lage wäre, derartige Vorfälle zu erfinden 
bzw. dass von ihr erfundene Vorfälle so originell ausgefallen wären. Im Übrigen 
kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

Zur Entstehungsgeschichte ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in ihrer ersten 
Einvernahme bei der Polizei frei und detailliert schilderte, was alles vorgefallen sein 
soll. In den nachfolgenden Einvernahmen wurde dann zu einzelnen Vorwürfen 
noch konkret nachgefragt, zu anderen nicht. Folglich kommt es vor, dass die Pri-
vatklägerin zu einzelnen Vorfällen tatsächlich nur einmal aussagte (nämlich dort, 
wo nicht mehr nachgefragt wurde). Dies schadet der Glaubhaftigkeit der gemach-
ten Aussagen indes entgegen der Auffassung des Beschuldigten nicht. Soweit der 
Beschuldigte auch im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Drohung vorbringt, es 
handle sich dabei um einen Racheakt der Privatklägerin, kann auf das bereits in 
Ziff. 11.3.4 hiervor Ausgeführte hiervor verwiesen werden. Die Kammer schliesst 
mithin aus, dass die Privatklägerin die Vorfälle erfunden hat, um sich am Beschul-
digten zu rächen. Zusammen mit der Vorinstanz ist deshalb auch bezüglich der 
Aussagen zu den Drohungen festzuhalten, dass diese glaubhaft sind.

16.4 Fazit

Auch hinsichtlich des Vorwurfs der Drohung ist auf die glaubhaften Aussagen der 
Privatklägerin abzustellen. Die Kammer erachtet deshalb den Sachverhalt, wie er in 
der Anklageschrift aufgeführt ist, als erstellt.

28

17. Rechtliche Würdigung

Gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch schwere 
Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Damit werden schwerwiegende Angriffe 
unter Strafe gestellt, die in der Psyche des Opfers Schrecken oder Angst erzeugen 
(sollen). Geschützt wird somit ein Mass an innerer Freiheit, das jeder Person die 
freie Entfaltung ihrer Psyche garantieren soll. Der Tatbestand schützt auch das Si-
cherheitsgefühl einer Person vor massiver Erschütterung durch einen anderen. 
Nicht jede Freiheitsbeschränkung wird vom Gesetz verpönt. Die Grenze des Er-
laubten wird überschritten, wenn der Bedrohte in seinem Sicherheitsgefühl erheb-
lich verletzt wird durch einen Angriff, den er sich nicht gefallen zu lassen braucht 
(vgl. dazu BSK StGB I-DELNON/RÜDY, N. 5 f. zu Art. 180 StGB). Der Täter verletzt 
den inneren Frieden bzw. das Sicherheitsgefühl seines Opfers durch die Erzeu-
gung von Schrecken oder Angst, indem er ihm ein künftiges Übel ankündigt oder in 
Aussicht stellt, dessen Zufügung er direkt oder indirekt als von sich abhängig hin-
stellt. Die Verwirklichung des angedrohten Übels muss nicht geplant sein. Der Be-
drohte muss die Verwirklichung des angedrohten Übels aber befürchten. Der Tat-
bestand verlangt keine Willensbeeinträchtigung. Es genügt, wenn das Opfer in 
Schrecken oder Angst versetzt wird; insofern wird ein Erfolg verlangt (BSK StGB I-
DELNON/RÜDY, N. 10 f. zu Art. 180 StGB). 

Subjektiv ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz des Täters erforderlich. Er muss den 
Willen haben, sein Opfer in Schrecken oder Angst zu versetzen und er muss sich 
bewusst sein, dass seine Drohung diese Wirkung hervorruft oder dies zumindest in 
Kauf nehmen. 

Die Vorinstanz hielt zur Subsumtion des Sachverhaltes insbesondere Folgendes 
fest (pag. 723 f.):

«Indem A.________ gegenüber der Privatklägerin äusserte, dass wenn er sie umbringen wolle, er 
dies mache und wenn er sie schlagen wolle, er sie so fest schlage, dass sie nicht mehr rausgehen 
könne, hat er C.________ mit dem Tod und zumindest einfachen Körperverletzungen gedroht. Indem 
der Beschuldigte der Privatklägerin weiter das Messer gegen die Pulsschlagader und gegen den Hals 
hielt, so dass C.________ dieses am Handgelenk und am Hals spüren konnte, und zudem meinte: 
„Schau, das tut weh“ und „Spür nur das Messer, es ist auch scharf“, hat er der Privatklägerin mit zu-
mindest einfachen, wenn nicht gar mit schweren Körperverletzungen gedroht. Hätte A.________ der 
Privatklägerin mit dem Messer nämlich Schnittwunden am Hals oder am Handgelenk zugefügt, so 
hätten diese Verletzungen ohne weiteres und rasch lebensgefährlich werden können. Es handelt sich 
somit unzweifelhaft um schwere Nachteile im vom Gesetz geforderten Sinne, welche auch eine ver-
ständige Drittperson in derselben Situation als solche empfunden hätte.

Indem der Beschuldigte C.________ sodann die Pulsschlagader am Handgelenk mit seinen Fingern 
zudrückte, bis sie kein Gefühl mehr in den Hand hatte und sagte, „Schau, wie viel Kraft ich habe“, hat 
er der Privatklägerin ebenfalls eine Verletzung ihrer physischen Integrität angedroht. In Anlehnung an 
die Ausführungen des Verteidigers des Beschuldigten mag es sein, dass das Zudrücken der Puls-
schlagader alleine keine Androhung eines ernstlichen Nachteils darstellt. Vorliegend muss aber der 
Gesamtkontext beachtet werden, in dessen Rahmen diese Drohung gemacht wurde: C.________ war 
mehrere Jahre lang Opfer häuslicher Gewalt, in deren Rahmen der Beschuldigte sie nicht nur mit ei-
nem Messer, sondern sogar mündlich mit dem Tod bedrohte. A.________ wurde zudem – auch 

29

während des Geschlechtsverkehrs – handgreiflich gegen die Privatklägerin (vgl. sogleich zu den Tät-
lichkeiten) und nötigte sie einmal zum Analverkehr. Der Beschuldigte genoss es offensichtlich, seine 
körperliche Überlegenheit und Macht gegenüber der Privatklägerin auszuüben. Indem A.________ 
C.________ in diesem Gefüge die Pulsschlagader mit seinen Fingern zudrückte, bis sie kein Gefühl 
mehr in der Hand hatte und begleitend dazu meinte, dass sie nun sehe, wie viel Kraft er habe, hat er 
das Sicherheitsgefühl der Privatklägerin schwer erschüttert. Schliesslich war der Privatklägerin auf-
grund eigener Erfahrungen bewusst, dass sie dem Beschuldigten körperlich klar unterlegen war. Dass 
es dem Beschuldigten in diesem Moment „nur“ darum ging, ihr durch das Zudrücken der Pulsschlag-
ader seine Überlegenheit zu demonstrieren und dieser nicht noch stärker auf die körperliche Integrität 
der Privatklägerin einwirken würde, davon konnte C.________ aufgrund des bereits Erlebten in der 
vorliegenden Situation nicht ausgehen. Es handelt sich somit auch betreffend das Zudrücken der 
Pulsschlagader mit Blick auf den Gesamtkontext um einen schweren Nachteile im vom Gesetz gefor-
derten Sinne, welche auch eine verständige Drittperson in derselben Situation als solche empfunden 
hätte.»

Wie den theoretischen Ausführungen zum Tatbestand der Drohung zu entnehmen 
ist, kommt es für die Erfüllung des Tatbestands der Drohung darauf an, ob die Äus-
serungen geeignet waren, das Opfer nach den konkreten Gesamtumständen in 
Angst und Schrecken zu versetzen. Dies ist vorliegend – es wird auf das soeben 
Zitierte verwiesen – in allen vier angeklagten Sachverhaltsteilen zweifellos der Fall. 
Die Privatklägerin, vom Beschuldigten seit langer Zeit immer wieder gewalttätig an-
gegangen (vgl. dazu nachfolgend Ziff. IV) und in grosser Angst vor ihm, wusste nie, 
womit sie rechnen musste. Mit diesem Umstand spielte der Beschuldigte offen-
sichtlich und demonstrierte der Privatklägerin so seine Überlegenheit und Macht. 
Mit der bewusst offengelassenen Unklarheit der Drohung schuf der Beschuldigte 
auf hinterhältige Art ein einer offenen Morddrohung durchaus ebenbürtiges Drohpo-
tential und damit einen schweren Nachteil im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB. 

Dass die Privatklägerin dadurch in grosse Angst versetzt wurde, äusserte sie mehr-
fach in ihren Einvernahmen. Ihre emotionalen Zusammenbrüche, wenn die Rede 
auf die Drohungen kam, passen zudem – bei aller Vorsicht bei solchen Interpretati-
on – zum Gemütszustand der Privatklägerin. So behauptete nicht einmal der Be-
schuldigte, die Privatklägerin würde hier ein Theater vorspielen. 

Der Beschuldigte hat somit den Tatbestand der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 2 
Bst. a StGB mehrfach erfüllt und ist entsprechend schuldig zu erklären.

IV. Zum Vorwurf der Tätlichkeiten

18. Anklage und Vorinstanz

In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten hinsichtlich den Tätlichkeiten – soweit 
vorliegend noch Verfahrensgegenstand – Folgendes vorgeworfen (pag. 479):

«Tätlichkeiten, wiederholt (Art. 126 StGB)

mehrfach begangen zwischen [Datum Einstellungsverfügung minus 3 Jahre] und Dezember 2011, in 
E.________, zum Nachteil von C.________.

A.________ ging C.________ mehrfach wissentlich und willentlich tätlich an, namentlich: 

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[…]

3.3 indem er sie im Rahmen von Streitereien an den Unterarmen packte […], so dass sie blaue 
Flecken, unter anderem an den Handgelenken, davon trug; 

3.4 indem er sie im Rahmen von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr grob im Schulter- und 
Brustbereich anfasste, insbesondere an ihren Brüsten drückte, an diesen zog und sie klemmte, 
obschon sie ihm sagte, dies schmerze. Dabei erlitt sie unter mindestens einem Mal blaue 
Flecken am Hals-, Schultergürtel- und Brustbereich.» 

Nach Prüfung der objektiven und subjektiven Beweismittel erachtete die Vorinstanz 
die soeben zitierten Vorwürfe als erstellt. Freigesprochen wurde der Beschuldigte 
bezüglich weiterer Vorfälle, weil nicht nachgewiesen werden könne, ob sich diese 
vor oder nach dem 1. Juli 2011 abgespielt hätten, weshalb in dubio pro reo von der 
Verjährung der entsprechenden Straftaten ausgegangen wurde (pag. 718 f.). Dies-
bezüglich hätte der Beschuldigte jedoch nicht freigesprochen werden sollen, das 
Verfahren gegen ihn hätte vielmehr eingestellt werden müssen (vgl. dazu bei-
spielsweise SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, N 323 
und 1318). Dieser Teil des erstinstanzlichen Urteils ist jedoch rechtskräftig, wes-
halb er nicht mehr geändert werden kann. Materiell ergeben sich für die Parteien 
daraus keine Nachteile.

19. Sachverhaltsfeststellung durch die Kammer

19.1 Objektive Beweismittel und Aussagen Dritter

Für die Zusammenfassung der objektiven Beweismittel sowie der Aussagen Dritter 
wird auch an dieser Stelle auf Ziff. 9 und Ziff. 10 hiervor verwiesen.

Im Gegensatz zu den übrigen, nicht mit objektiven Beweismitteln belegten Vorwür-
fen liegen zur Frage, ob die Privatklägerin Verletzungen aus Tätlichkeiten aufwies, 
gleich mehrere objektive Beweise vor:

- Das IRM-Gutachten vom 27. Dezember 2012 (pag. 19 ff.), welches auf der 
Untersuchung der Privatklägerin vom 29. Dezember 2011 basiert. Festge-
stellt wurden unter anderem «[…] Hautunterblutungen an den Brüsten sowie der Haut 
über dem Brustbein und am rechten Handgelenk, am linken Oberschenkel und am linken 
Schienbein. Diese Verletzungen sind am ehesten durch stumpfe Gewalt entstanden […]» 
(pag. 22).

- Die schriftliche Bestätigung des Physiotherapeuten L.________ vom 3. Ja-
nuar 2012 (pag. 24), wonach die Privatklägerin Mitte November 2011 mit 
mehreren blauen Flecken am Hals, Schultergürtel und Brustbereich bei ihm 
erschienen sei und ausgesagt habe, dies sei vom Ehemann.

- Der Arztbericht von Dr. M.________ vom 17. April 2012 (pag. 30 f.), welcher 
bei einer Konsultation am 14. November 2011 eine Druckdolenz unterhalb 
des linken Schlüsselbeins und im Bereich des linken Brustmuskels feststellte. 
Auch seien der Drüsenkörper der linken Brust sowie die Muskulatur der Na-
cken-Schulterregion links druckdolent gewesen. 

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- Dem Bericht des KTD vom 18. Januar 2012 (pag. 37 ff.) liegen Fotos der 
festgestellten Hämatome im Bereich der Brust und am rechten Handgelenk, 
aufgenommen am 29. Dezember 2011, bei.

Zum Vorwurf der Tätlichkeiten bestehen des Weiteren kurz zusammengefasst die 
folgenden Zeugenaussagen: 

- T.________ (Kapo MEOA, pag. 52 ff.) berichtete, die Privatklägerin habe ihm 
im Dezember 2011 erzählt, sie werde Zuhause geschlagen. Selber habe er 
einen blauen Fleck an einem ihrer Arme festgestellt (pag. 53 Z. 47 ff.). 

- S.________ (ebenfalls Kapo MEOA, pag. 48 ff.) sagte aus, die Privatklägerin 
habe ihr einmal von Schlägen ihres Ehemannes berichtet und ihr blaue Fle-
cken gezeigt (pag. 49 Z. 41 ff.).

- H.________ (Nachbarin, pag. 41 ff.) sagte aus, die Privatklägerin habe ihr 
von Schlägen ihres Mannes erzählt (pag. 43 Z. 58 f.); es habe im Verlaufe 
der Jahre viele Streitereien gegeben. Weiter bestätigte sie, blaue Flecken am 
Handgelenk und im Brustbereich gesehen zu haben (pag. 44 Z. 116 ff.).

19.2 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte bestreitet, die Privatklägerin jemals geschlagen zu haben. Er sei 
nicht der Verursacher der Verletzungen und wenn, dann sicher nicht mit Absicht. 
Auch anlässlich der zweiten oberinstanzlichen Verhandlung hielt er an dieser Dar-
stellung fest (pag. 1094 f.)

Diese Aussagen des Beschuldigten sind aus den bereits unter Ziff. 11.1 hiervor 
ausgeführten Gründen wenig glaubhaft. Es wird an dieser Stelle auf die dortigen 
Erwägungen verwiesen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass er auf Vorhalte 
jeweils mit Gegenangriffen reagierte und sich selber als das eigentliche Opfer dar-
stellte bzw. die Privatklägerin in einem sehr schlechten Licht dastehen liess. In Be-
zug auf die Tätlichkeiten fällt – wie hiervor ebenfalls bereits ausgeführt wurde – 
insbesondere auf, dass der Beschuldigte die eigenen Aussagen laufend an das 
Beweisergebnis bzw. die objektiven Beweismittel anpasste:

Auf Vorhalt des Berichts des IRM führte er aus, er habe der Privatklägerin keine 
Verletzungen zugefügt und habe keine Ahnung, wie es zu den Hautunterblutungen 
gekommen sei (pag. 105 Z. 319 ff.). Auf die Frage, woher die Privatklägerin dann 
diese Flecken habe, machte er gelten, vielleicht habe sie sich diese selber zuge-
fügt. Während des Geschlechtsverkehrs habe sie auch solche Flecken bekommen 
(pag. 105 Z. 3311 ff.). Kurz darauf führte er dann aus, selber habe er solche Fle-
cken nie gesehen, er habe sich auch nie geachtet (pag. 105 Z. 347 f.). Schliesslich 
(pag. 106 Z. 374 ff.): «Es kann sein, dass ich ihr während des GVs leichte Verletzungen gemacht 
habe, aber sie hat sich nie darüber beklagt. Im Grund genommen hatte sie es gerne, wenn man beim 
GV ein bisschen gröber wurde […] Sie sagte manchmal zu mir, ich solle sie ein bisschen stärker an-
fassen und auch an den Haaren, das waren aber normale Sachen.» Er habe ihr nichts absicht-
lich getan. Er erinnere sich nicht, dass er ihr absichtlich irgendeinen Fleck angetan 
habe, welchen man gesehen habe (pag. 109 Z. 491 ff.). Sie habe gewollt, dass er 
sie fest am Hintern anpacke oder an den Haaren ziehe. Sie habe aber auch ge-
sagt, dass er ihre Brüste fester berühren solle (pag. 116 Z. 247 f.). Auf die Frage, 

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ob er je blaue Flecken im Brustbereich der Privatklägerin gesehen habe, führte der 
Beschuldigte aus (pag. 116 Z. 250 ff.): «Ja, aber ich habe mich nicht geachtet, was für Fle-
cken das waren. Darüber [recte: davon] war nie die Rede, als wir noch zusammen waren.» Kurz 
darauf dann aber auf den Vorhalt, wonach die Zeugen bei der Privatklägerin blaue 
Flecken gesehen hätten, führte er wieder aus, er habe sie nie so geschlagen, dass 
sie davon blaue Flecken gehabt hätte. Das seien alles blaue Flecken, welche sie 
sich selber zugefügt habe (pag. 118 Z. 263 ff.). Anlässlich der zweiten oberinstanz-
lichen Verhandlung führte der Beschuldigte dann wiederum aus, die grossen blau-
en Flecken seien von der Privatklägerin selber gewesen. Vielleicht kleine Flecken 
könnten von Geschlechtsverkehr sein. Nicht aber die groben, die habe sie selber 
gemacht (pag. 1094 Z. 529 f.). 

Auf die Aussagen des Beschuldigten kann folglich nicht abgestellt werden.

19.3 Aussagen der Privatklägerin

Die Privatklägerin berichtete bereits in ihrer ersten Einvernahme von mal mehr, mal 
weniger häufigen Gewalteinwirkungen durch den Beschuldigten seit dem Jahr 2007 
durch Schläge mit dem Handrücken gegen den Kopf, Schlagen gegen die Wand, 
Faustschlägen gegen Oberarme oder Hinterkopf, Treten gegen die Beine sowie 
Ziehen an den Haaren (pag. 58 Z. 73 ff.). Sie habe von ihm an den Oberarmen, am 
Kopf, am Oberkörper sowie an Armen und Händen Prellungen und Quetschungen 
gehabt (pag. 58 Z. 104 ff.). Während dem Sex habe er ihr regemässig Verletzun-
gen durch Klemmen, Drücken oder an den Brüsten ziehen zugefügt (pag. 59 Z. 119 
ff.).

Diese Aussagen zu den Tätlichkeiten des Beschuldigten bzw. ihren dabei erlittenen 
Verletzungen hielt die Privatklägerin in allen Befragungen konstant aufrecht. Sie 
stimmen zudem mit den objektiven Beweismitteln und den Aussagen der Zeugen 
überein. Im Übrigen kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (pag. 
711 f.) sowie betreffend die allgemeine Glaubwürdigkeit der Privatklägerin auf das 
unter Ziff. 11.3 hiervor Gesagte verwiesen werden. Die Aussagen der Privatkläge-
rin sind auch betreffend die Tätlichkeiten als glaubhaft zu bezeichnen.

19.4 Fazit

Die objektiven Beweismittel und die Zeugenaussagen erlauben zusammen mit den 
konstanten, nachvollziehbaren und nicht übertreibenden Aussagen der Privatkläge-
rin und im Vergleich mit den widersprüchlichen, unglaubhaften Aussagen des Be-
schuldigten zweifelsfrei die Annahme, dass die hier noch offenen Sachverhaltsele-
mente (Verursachen von Verletzungen durch grobes Halten/Drücken der Handge-
lenke, durch grobes Klemmen/Drücken/Ziehen der Brüste und groben Druck im 
Schulter- und Halsbereich gemäss den Ziff. 3.3 und 3.4 der Anklageschrift) nach-
gewiesen sind.

Insbesondere bestehen keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte der Verursa-
cher dieser Verletzungen ist. Dies wurde vom Beschuldigten (zumindest bezüglich 
der Verletzungen an der Brust) auch als möglich eingeräumt. Allerdings geht die 
Kammer – entgegen der Behauptung des Beschuldigten – davon aus, dass dies 
nicht auf Wunsch der Privatklägerin geschah. Die weiteren Argumente des Be-
schuldigten, wonach die Verletzungen aus Selbstverletzungen der Privatklägerin 

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entstanden sein sollen, sind unglaubhaft. Es liegen keinerlei konkrete Hinweise vor, 
die dafür sprechen würden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass auch für den Vorwurf der Tätlichkei-
ten vollumfänglich auf die Aussagen der Privatklägerin abzustellen ist. Die Kammer 
erachtet mithin den Sachverhalt in den hier noch zu prüfenden Punkten gemäss 
Anklageschrift erstellt.

20. Rechtliche Würdigung

Gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB wird auf Antrag mit Busse bestraft, wer gegen je-
manden Tätlichkeiten verübt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesund-
heit zu Folge haben. Der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er die Tat 
wiederholt an seinem Ehegatten während der Ehe begeht (Art. 126 Abs. 2 Bst. b 
StGB). Als Tätlichkeit gilt der geringfügige und folgenlose Angriff auf den Körper 
oder die Gesundheit eines anderen Menschen. Damit überhaupt eine strafbare Tät-
lichkeit vorliegt, ist eine Einwirkung gefordert, die mindestens eine bestimmte In-
tensität erreicht. Eine solche ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ge-
geben, wenn das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass einer Ein-
wirkung auf den Körper eines anderen überschritten, dabei aber noch keine Schä-
digung bewirkt wird (BSK StGB I-ROTH/KESHELAVA, N. 2 f. zu Art. 126 StGB). 

Die Vorinstanz subsumierte den vorliegenden Sachverhalt richtigerweise wie folgt 
(pag. 724):

Indem der Beschuldigte C.________ einerseits an den Unterarmen packte, so dass sie blaue Flecken 
an den Handgelenken davon trug und sie andererseits im Rahmen von einvernehmlichem Ge-
schlechtsverkehr grob im Schulter- und Brustbereich anfasste, insbesondere an den Brüsten drückte, 
an diesen zog und sie klemmte, wobei C.________ mindestens einmal blaue Flecken am Hals-, 
Schultergürtel und Brustbereich erlitt, hat er physisch auf die Privatklägerin eingewirkt und somit min-
destens den Tatbestand der Tätlichkeiten erfüllt. 

A.________ handelte vorsätzlich, etwas anderes ist aufgrund der vorliegenden Konstellation nicht 
denkbar. 

Der Beschuldigte hat den Tatbestand der Tätlichkeiten nach dem Gesagten mehr-
mals erfüllt. Er ist der mehrfachen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB 
schuldig zu sprechen.

V. Strafzumessung

21. Allgemeines zur Strafzumessung und Vorgehen der Vorinstanz

Die allgemeinen Ausführungen zur Strafzumessung der Vorinstanz auf pag. 725 
sind korrekt, es kann darau