# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2bc82e1b-1861-503f-905d-660967d8d4e3
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-21
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 21.04.2016 SB150309
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150309_2016-04-21.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB150309-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, Oberrichterin lic. iur.  

Ch. von Moos und Oberrichter lic. iur. B. Gut sowie die  

Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Grieder 

 

Urteil vom 21. April 2016 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Beschuldigte und I. Berufungsklägerin 

ab 13.01.2016 erbeten verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. X1._____ 

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Stammbach,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin 

 

betreffend  
vorsätzliche Tötung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom  
11. März 2015 (DG140187) 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. Juni 

2014 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 63). 

 

Urteil der Vorinstanz: 

Das Gericht erkennt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig 

- der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 

StGB sowie 

- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 271 Tage durch 

Untersuchungshaft erstanden sind. 

3. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 8. März 2013 beschlagnahmte 

Pfefferspray sowie die beiden Klappmesser (Sachkautions-Nr. ...) werden nach Ein-

tritt der Rechtskraft dieses Entscheids eingezogen und der Kasse des Bezirksge-

richts Zürich zur Vernichtung überlassen. 

4. Die folgenden Gegenstände werden der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden 

die Gegenstände nach Ablauf von 6 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft durch die 

Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu Gunsten der Staatskasse verwertet bzw. - so-

fern davon kein die Verwertungskosten übersteigender Erlös zu erwarten ist - ver-

nichtet: 

a. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 8. März 2013 beschlagnahmt 

(Sachkautions-Nr. ...) 

  - 1 Handycam "Aiptek" 

  - 3 USB Memorysticks 

  - 2 SD-Karten 

- 3 - 

  - 2 "PConKey" Karten 

  - 1 Ordner mit div. Papierware 

b. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 28. März 2013 beschlagnahmt 

(Sachkautions-Nr. ...) 

- 1 iPhone (Tigerfell-Muster-Schutzhülle) 

- 1 iPhone (silberne Schutzhülle) 

- 1 iPhone (schwarz) 

c. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 17. Oktober 2013 beschlag-

nahmt (Sachkautions-Nr. ...) 

  - 1 Festplatte Seagate 750 GB 

5. Die folgenden Gegenstände werden der Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden 

die Gegenstände nach Ablauf von 6 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft durch die 

Kasse des Bezirksgerichts Zürich vernichtet: 

a. die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 26. März 2013 beschlag-

nahmten und in derselben aufgelisteten diversen Gegenstände (Sachkauti-

ons-Nr. ...) 

b. eine sich bei den Akten befindende Schachtel mit unakturierten Gegenstän-

den (Dokumente, diverse Ausweise, Fotoaufnahmen, ein Küchenmesser) 

6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 29. August 2013 be-

schlagnahmten Gegenstände (Sachkautions-Nr. ...) werden der Kantonspolizei Zü-

rich nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur gutscheinenden Ver-

wendung überlassen: 

  - 1 Soft-Air-Pistole HFC 33 mit Magazin 

  - 1 Pistole "Glock" 17 mit Magazin 

  - 2 Magazine zu Pistole "Glock" 

7. Sämtliche beim Forensischen Institut Zürich gelagerten Spuren und weiteren  

Asservate werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids durch die Lager-

behörde vernichtet. 

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8. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._____ 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die 

Privatklägerin B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

9. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ CHF 10'000 zuzüglich 

5 % Zins ab 17. November 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird 

das Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

CHF 12'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

CHF 53'398.40   Auslagen Vorverfahren 

CHF 6'466.00   Kosten der Kantonspolizei Zürich 

CHF 6'000.00   Gebühr Strafuntersuchung gem. § 4 Abs. 1 Bst. d GebV StrV 

CHF 15'000.00   amtliche Verteidigung (Akontozahlung) 

CHF 48'072.85   amtliche Verteidigung 

CHF 9'583.70   unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen 

diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der  

Privatklägerschaft, werden der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf 

die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung. 

12. Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Ver-

teidiger der Beschuldigten mit CHF 63'072.85 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse 

entschädigt, wobei bereits eine Akontozahlung von CHF 15'000 erfolgt ist. 

13. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher Ver-

treter der Privatklägerin B._____ mit CHF 9'583.70 aus der Gerichtskasse entschä-

digt. 

14. (Mitteilungen) 

15. (Rechtsmittel) 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (Urk. 135 S. 1 f.) 

A. Hauptanträge 

1. Das Dispositiv Ziffer 1, 1. Spiegelstrich des Urteils des Bezirksgerichts Zürich 

vom 11. März 2015 (DG140187) sei aufzuheben und die Beschuldigte vom Vor-

wurf der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 

StGB freizusprechen.  

2. Die Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2015 

(DG140187) sei aufzuheben und die Beschuldigte wegen Vergehens gegen das 

Waffengesetz gem. Art. 33 lit. a WaffG mit einer angemessenen Geldstrafe zu 

bestrafen.  

3. Die Ziffern 8 und 9 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2015 

(DG140187) seien aufzuheben und die Schadenersatz- und Genugtuungsforde-

rungen der Privatklägerin B._____ seien abzuweisen. 

4. Ziffer 11 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2015 

(DG140187) sei aufzuheben und die Kosten der Untersuchung und des gericht-

lichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie 

der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft seien der Staatskasse auf-

zuerlegen.  

5. Für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft von 271 Tagen sei der Be-

schuldigten eine Genugtuungssumme von CHF 54'200.-- zuzusprechen.  

B. Eventualanträge 

1. Eventualiter sei das Dispositiv Ziffer 1, 1. Spiegelstrich des Urteils des  

Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2015 aufzuheben und die Beschuldigte 

der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB i.V.m. Art. 111 StGB, 15 

StGB, Art. 13 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

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2. Diesfalls sei Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 

2015 aufzuheben und die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von neun 

Monaten zu bestrafen, welche durch 271 Tage durch Untersuchungshaft  

bereits erstanden sind. 

3. Subeventualiter sei Ziffer 2 des Dispositivs des Bezirksgerichts Zürich vom 

11. März 2015 aufzuheben und die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe 

von maximal zwei Jahren zu bestrafen, deren Vollzug in dem die bereits  

erstandene Haft von 271 Tagen überschiessenden Anteil unter Ansetzung 

einer Probezeit aufzuschieben sei.  

C. Kosten des Rechtsmittelverfahrens  

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens seien der Staatskasse aufzuerlegen 

und der Beschuldigten im Umfang des Obsiegens eine Entschädigung ihrer 

Aufwendungen für die angemessene Ausübung der Verfahrensrechte zu-

zusprechen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 138) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2016 (DG140187) sei 

grundsätzlich zu bestätigen, mit folgender Ausnahme (Dispositiv Ziff. 2): 

2. Die Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 8 ½ Jahren 

unter Anrechnung der erstandenen Haft. 

c) Der Privatklägerschaft B._____: 

Keine Anträge 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang / Prozessgeschichte 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Der Verlauf des Verfahrens bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus 

dem Entscheid vom 11. März 2015 (Urk. 106 S. 4-7).  

1.2. Mit dem vorstehend aufgeführten Urteil sprach die Vorinstanz die Beschul-

digte der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 

Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 

Abs. 1 lit. a WG schuldig und bestrafte sie mit 5 Jahren Freiheitsstrafe abzüglich 

271 Tage erstandener Untersuchungshaft. Es wurde über diverse beschlagnahm-

te Gegenstände entschieden. Sodann wurde festgestellt, dass die Beschuldigte 

gegenüber der Privatklägerin B._____ aus dem eingeklagten Ereignis dem 

Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, wobei die Privatklägerin zur genauen 

Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen wurde. Die Beschuldigte wurde verpflichtet, der Privatkläge-

rin CHF 10'000 zuzüglich 5% Zins ab 17. November 2012 als Genugtuung zu be-

zahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Die Kos-

ten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenige 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger-

schaft, wurden der Beschuldigten auferlegt (Urk. 106 S. 97 ff.).  

1.3. Am 11. März 2015 erging das Urteil (Prot. I S. 27-31, Urk. 94). Gleichzeitig 

wurde mit Beschluss die bereits einmalig mit Verfügung des Zwangsmassnah-

mengerichts des Bezirksgerichts Zürich vom 18. Juli 2014 bis zum 12. März 2015 

verlängerte Ersatzmassnahme (Pass- und Schriftensperre) zur Sicherung des 

Strafvollzugs bis zum möglichen Strafantritt, längstens bis zum 11. September 

2015, verlängert (Prot. I S. 32 f., Urk. 95). Am 12. März 2015 wurden das Urteil 

und der Beschluss – in entschuldigter Abwesenheit der Beschuldigten – mündlich 

eröffnet (Prot. I S. 34). Gegen das Urteil liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 

13. März 2015 Berufung erheben (Urk. 99). Die Berufungsanmeldung der Staats-

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anwaltschaft datiert vom 16. März 2015 (Urk. 102). Das begründete Urteil konnte 

der Staatsanwaltschaft am 25. Juni 2015 (Urk. 105/1) und am 26. Juni 2015 je 

dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten und dem Vertreter der Privatklägerin 

zugestellt werden (Urk. 105/2-3).  

1.4. Am 3. Juli 2015 reichte die Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung ein 

(Urk. 107). Mit Eingabe vom 13. Juli 2015 reichte der amtliche Verteidiger der Be-

schuldigten die Berufungserklärung ein und stellte den Antrag, es sei ein neues 

Gutachten bzw. ein Obergutachten zu erstellen (Urk. 109).  

1.5. Mit Präsidialverfügung vom 5. August 2015 (Urk. 114) wurde der Beschul-

digten und der Privatklägerin je eine Kopie der Berufungserklärung der Staats-

anwaltschaft zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder 

Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Der Staatsanwaltschaft und der 

Privatklägerin wurde eine Kopie der Berufungserklärung der Beschuldigten zuge-

stellt und ihnen Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erhe-

ben oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Der Staatsanwaltschaft 

wurde Frist angesetzt, um obligatorisch zum Beweisantrag der Beschuldigten 

Stellung zu nehmen. Der Privatklägerin wurde die nämliche Frist für eine frei-

gestellte Stellungnahme angesetzt mit dem Hinweis, dass bei Stillschweigen Ver-

zicht auf Stellungnahme angenommen würde.  

1.6. Mit Eingabe vom 7. August 2015 wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, 

dass die Beschuldigte den praktisch gleichen Antrag bereits anlässlich der Haupt-

verhandlung habe stellen lassen. Das Bezirksgericht Zürich habe mit überzeu-

genden Argumenten den Beweisantrag abgewiesen und es könne auf diese Er-

wägungen verwiesen werden (Urk. 116). Eine Stellungnahme der Privatklägerin 

ist nicht eingegangen. Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft wurde in der 

Folge dem Verteidiger der Beschuldigten zur freigestellten Stellungnahme zuge-

stellt mit dem Hinweis, dass seitens der Privatklägerschaft keine Stellungnahme 

eingegangen sei (Urk. 119).  

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1.7. Mit Präsidialverfügung vom 10. November 2015 wurde der Beweisantrag 

der Beschuldigten auf Einholung eines neuen Gutachtens bzw. Obergutachtens 

einstweilen abgewiesen (Urk. 120).  

1.8. Mit Eingabe vom 12. Januar 2016 beantragte Rechtsanwältin Dr. iur. 

X1._____, das Mandat des amtlichen Verteidigers zu widerrufen und von der er-

betenen Verteidigung Vormerk zu nehmen (Urk. 122) und reichte eine entspre-

chende Vollmacht (Urk. 124) ein. Mit Präsidialverfügung vom 13. Januar 2016 

wurde der bisherige amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. X2._____, mit Wir-

kung ab 13. Januar 2016 als amtlicher Verteidiger entlassen. Die Parteivertreter, 

insbesondere die neue Verteidigerin Rechtsanwältin Dr. iur. X1._____, wurden 

darauf hingewiesen, dass die Berufungsverhandlung auf Donnerstag, den 21. Ap-

ril 2016, 08.00 Uhr (ganzer Tag), anberaumt sei. Ebenfalls wurde die Beschuldig-

te darauf hingewiesen, dass grundsätzlich keine Umwandlung der erbetenen Ver-

teidigung in eine amtliche Verteidigung in Frage komme (Urk. 125).  

1.9. In der Folge wurde am 12. Februar 2016 auf den 21. April 2016 zur Beru-

fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 127). 

1.10. Am 21. April 2016 fand die Berufungsverhandlung statt, an welcher die Be-

schuldigte und ihre erbetene Verteidigerin sowie der Staatsanwalt teilnahmen 

(Prot. II S. 6 ff.).  

2. Umfang der Berufung 

2.1. Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldpunkt betr. 

vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB  

(Dispositiv Ziffer 1 al. 1), gegen die Strafe (Dispositiv Ziffer 2), die Feststellung der 

Schadenersatzpflicht im Grundsatz (Dispositiv Ziffer 8), die Genugtuung (Disposi-

tiv Ziffer 9) und die Kostenauflage (Dispositiv Ziffer 11).  

2.2. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Strafzu-

messung und damit gegen die Höhe der Strafe (Dispositiv Ziffer 2).  

2.3. Nicht angefochten und demgemäss in Rechtskraft erwachsen sind:  

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Ziffer 1 al. 2: Schuldspruch betreffend Vergehen gegen das Waffengesetz im Sin-

ne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG.  

Ziffern 3-6: Entscheid betreffend diverse Beschlagnahmungen. 

Ziffer 7: Entscheid über die gelagerten Spuren und weiteren Asservaten. 

Ziffer 10: Kostenfestsetzung 

Ziffern 12 und 13: Entscheid betreffend Entschädigungen der amtlichen Verteidi-

gung und der unentgeltlichen Vertretung der Geschädigten.  

2.4. Die Rechtskraft der entsprechenden Dispositivziffern des vorinstanzlichen 

Urteils ist vorab mittels Beschluss festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Ver-

bindung mit Art. 402 und 437 StPO).  

3. Allgemeines 

Nachfolgend wird verschiedentlich auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-

instanz verwiesen. Dies geschieht in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne 

dass dies bei jedem Hinweis ausdrücklich erwähnt wird.  

II.  Schuldpunkt 

1. Anklagesachverhalt 

Der Anklagesachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 23. Juni 2014 

(Urk. 63).  

2. Äusserer Sachverhalt 

2.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 110 S. 11 f. Ziff. 1 lit. 

A. Vorbemerkungen), hat die Beschuldigte anlässlich der Schlusseinvernahme 

(Urk. 4/8 S. 6) den äusseren Ablauf des Sachverhaltes wie in der Anklageschrift 

geschildert (mit Bezug auf den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung) im Wesent-

lichen eingestanden. Nach umfassender Würdigung aller relevanten Beweismittel 

kommt die Vorinstanz zum Schluss, dass der in der Anklageschrift umschriebene 

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Sachverhalt vollumfänglich erstellt sei (Urk. 110 S. 11-65). Auf die diesbezügli-

chen Ausführungen kann verwiesen werden. 

2.2. Die Vorinstanz hat für die ersten beiden von der Beschuldigten abgegebe-

nen Schüsse das Vorliegen einer Notwehrsituation bejaht, eine solche aber für die 

letzten beiden Schüsse klar verneint (Urk. 106 S. 65 f.). Die Vorinstanz hat offen 

gelassen, ob beim dritten Schuss der Angriff noch andauerte oder dieser schon 

vor dem dritten Schuss beendet war.  

2.2.1. Die Verteidigung führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass 

aufgrund der Akten erstellt sei, dass ab dem vierten Schuss objektiv keine Not-

wehrlage mehr bestanden habe. Fraglich sei die Situation beim dritten Schuss 

gewesen. Es gebe ausreichende Anzeichen dafür, dass hier noch objektiv von ei-

nem Angriff gesprochen werden müsse (Urk. 135 S. 7 Rz 17). Der zweite Schuss 

habe bei C._____ zur Verletzung der Cauda Equina, der Spinalwurzelnerven am 

Ende des Rückenmarks, auf der Höhe des ersten Lendenwirbelkörpers geführt 

(Urk. 21/8 S. 3). Die genaue Art dieser Verletzung werde im Gutachten zum To-

desfall nicht explizit erläutert. Es werde an späterer Stelle darauf Bezug genom-

men, als es heisse, diese Verletzung stelle eine "mögliche Ursache für ein zu Bo-

denfallen von C._____ durch eine resultierende Lähmung der Beine dar" (Urk. 

21/8 S. 6). An keiner Stelle im medizinischen Gutachten werde davon gespro-

chen, dass C._____ so verletzt gewesen sei, dass er deshalb umgefallen sei, 

sondern die Verletzung sei nur eine mögliche Ursache. Es stelle sich die Frage, 

ob es denn auch noch möglich gewesen sei, dass er sich noch habe bewegen 

können, dass er noch eine Weile aufrecht gestanden sei oder dass er noch habe 

zupacken können, bevor er gefallen sei (Urk. 135 S. 7 Rz 18). C._____ habe beim 

vierten Schuss am Boden gelegen und sei beim dritten Schuss in geduckter Hal-

tung gewesen. Es sei "möglich" - aber nicht sicher, dass die geduckte Haltung ein 

Fallen gewesen sei, weil er entsprechend am Rückenmark verletzt gewesen sei. 

Es sei davon auszugehen, dass sich C._____ nach dem zweiten Schuss, der ihn 

am Rückenmark verletzt habe, zumindest noch mit dem Oberkörper erheblich ha-

be bewegen können: die Veränderung der Körperstellung nach dem zweiten 

Schuss beinhalte immerhin eine Oberkörperdrehung, weil C._____ den linken El-

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lenbogen vor den rechten Oberschenkel in eine Linie gebracht habe und dies im 

aufrechten Zustand. Trotz einer Verletzung der Rückenmarknerven könne es, 

wenn nicht eine vollständige Trennung vorliege, auch noch eine gewisse Zeit 

Stand-, wenn nicht sogar eine gewisse Bewegungsmobilität gegeben haben (Urk. 

135 S. 8 Rz 20). Es könne also auch so gewesen sein, dass C._____ beim dritten 

Schuss nicht schon nach hinten gekippt sei, sondern sich in einer Drehbewegung 

des Oberkörpers aktiv nach vorne gebeugt habe und dabei möglicherweise noch 

immer versucht habe, die Beschuldigte zu packen. Auf jeden Fall sei er, als der 

zweite Schuss gefallen sei, bereits in aktiver Vorwärtsbewegung auf sie zuge-

stürmt, nach vorne gebeugt und in einer Stellung, um nach ihr zu packen. Es sei 

nicht ausgeschlossen, dass dies auch beim dritten Schuss noch der Fall gewesen 

sei (Urk. 135 S. 8 Rz 21). Die Schussdistanz beim dritten Schuss habe zwar im-

mer noch mehr als einen Meter betragen (Urk. 21/8 S. 6), aber der Angriff selbst 

sei wohl äusserlich noch nicht unterbrochen gewesen. Wahrscheinlich habe seit 

dem Beginn der Schüsse sogar eine deutliche Annäherung stattgefunden, wie 

dies auch auf der 3-D Dokumentation dargestellt sei. Die Armspanne eines Man-

nes, der fast zwei Meter gross sei, dessen Armspannweite sei ebenso gross. 

Deshalb könne er mit seinem Armen diese Distanz überbrücken, ohne seine Bei-

ne zu bewegen (Urk 135 S. 9 Rz 23). Sei der Angriff objektiv aber noch nicht be-

endet gewesen, so habe immer noch eine Notwehrlage bestanden und eine 

Rechtfertigung stehe ausser Frage (Urk. 135 S. 9 Rz 24). Doch selbst wenn 

C._____ nicht mehr in der Lage gewesen wäre, sich der Beschuldigten aktiv ent-

gegen zu recken und zuzupacken, so müsse selbst bei einer tatsächlich massiv 

destabilisierenden Rückenmarkverletzung dieses "Schnell in-die-Beugehaltung-

Gehen" (es sei effektiv von einer Drehung des Oberkörpers mit den entsprechen-

den Armbewegungen auszugehen) auf die Beschuldigte den Eindruck gemacht 

haben, als würde C._____ nach ihr greifen, ja vielleicht sogar, dass er zum 

Sprung ansetzen würde. Diese Situation, der Angriff, das Auf-sie-zu-kommen, das 

Nach-vorne-gebeugt-sein beim zweiten Schuss und dann dieses Ducken, das 

Arme bewegen – all das könne gar keinen anderen Eindruck gemacht haben, als 

sei er nun so gefährlich wie nie zuvor. Dann aber habe sich die Beschuldigte in 

einem unvermeidbaren Irrtum über das Vorliegen einer Rechtfertigungslage be-

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funden, denn eine rationale Prüfung dieser Sichtweise sei hier mit Sicherheit ab-

solut unmöglich – es habe weder Zeit noch der Eindruck dazu bestanden. Ge-

mäss Art. 15, Art. 13 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Rechtsfolgenverweisung) sei der 

unvermeidbare Irrtum (Putativnotwehr) straflos (Urk. 135 S. 9 f. Rz 25). In jedem 

Falle sei der dritte Schuss somit ohne strafbare Folgen - sei es, weil er in Notwehr 

erfolgt sei, oder sei es, weil es so ausgesehen habe (Urk. 135 S. 10 Rz 26). Beim 

vierten Schuss müsse C._____ aufgrund der fast vertikalen Schusswinkel bereits 

am Boden gelegen haben, die Schussdistanz sei wieder ansteigend und habe 

mehr als zwei Meter betragen (Urk. 16/4 S. 23). Die Beschuldigte sei somit er-

kennbar auf dem Weg in Richtung Türe gewesen, als sie zum vierten Mal, und 

auch, als sie in schneller Folge zum fünften Mal geschossen habe. Eine objektive 

Notwehrlage sei nun sicher nicht mehr gegeben gewesen (Urk. 135 S. 10 Rz 27). 

Aber habe sie das nach dem, was sich soeben ereignet hatte, überhaupt erkannt? 

Die Frage, ob sie sich nun (oder weiterhin) in einem Irrtum befunden habe, sei 

bislang zu wenig geklärt worden. Hierbei gehe es zunächst nicht darum, ob sie 

einen solchen Irrtum, wenn er vorgelegen hätte, hätte erkennen können oder 

müssen  das sei eine Frage der Vermeidbarkeit –, sondern lediglich, ob sie sich 

rein tatsächlich in einem Irrtum befunden habe oder nicht (Urk. 135 S. 10 Rz 28). 

Nach dem dritten Schuss müsse C._____ gefallen sein. In dieser Zeit und bis zum 

vierten Schuss habe sich die Beschuldigte deutlich in Richtung Türe bewegt. Das 

werde ein oder zwei, vielleicht auch drei Sekunden gedauert haben, doch das Ni-

veau ihrer Panik, die Erregung selbst, habe sich in dieser Zeit in keiner Weise ge-

legt. Im Gegenteil: Wenn davon ausgegangen werde, dass C._____ sich vor dem 

dritten Schuss noch immer nach vorne gebeugt habe, vielleicht sogar nach ihr 

gepackt und sie angegriffen habe – was man nicht ausschliessen könne –, so ha-

be die Beschuldigte bei der Abgabe des dritten Schusses auch nicht erkennen 

können, dass er nun hinfallen würde. Er sei für die Beschuldigte unerwartet hinge-

fallen. In ihrer nachvollziehbaren massiven Erregung (der Gutachter habe es ei-

nen anhaltenden 'panikartigen Zustand' genannt, Urk. 55/10/6 S. 54), werde sie 

nun das unerwartete Fallen als zusätzliche Bedrohung empfunden haben, denn 

wenn ein 115 kg schwerer Mann falle, dann gehe das kein bisschen geräuschlos, 

im Gegenteil: Sie werde ein Rumpeln gehört haben und werde seine Änderung 

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des Körpers im Raum und eine Erschütterung am Boden wahrgenommen haben, 

all das innerhalb von wenigen Sekunden. Es sei nicht zu erwarten, dass sie diese 

Geschehnisse rational habe verstehen können, dazu sei die Zeit viel zu kurz ge-

wesen (Urk. 135 S. 11 Rz 32). Es sei ein Unterschied, ob man etwas in einem 

panikartigen Zustand wahrnehme oder ob man etwas erkenne. Erkennen würde 

bedeuten, es vernunftmässig zu realisieren, zu verstehen, was man sehe - mit der 

Folge, dass man darauf auch reagieren könne. Eine schemenhafte Wahrneh-

mung jedoch aktiviere Reflexe, unbewusste Abwehrreaktionen, und genau das sei 

hier wohl geschehen. Mehr als diese kaum wahrnehmbare Pause, die keine inne-

re Distanz ermöglicht habe, kein Zu-sich-kommen im Sinne einer Rationalisie-

rung, könne nicht passiert sein (Urk. 135 S. 11 Rz 33).  

2.2.2. Die Staatsanwaltschaft macht geltend, dass die Beschuldigte immer wieder 

behauptet habe, dass C._____ auf sie losgestürmt sei, Speed aufgenommen ha-

be und voll auf sie losgestürmt sei. Dies könne nicht stimmen. Wenn dieser über 

100kg-Mensch auf die Beschuldigte losgestürmt wäre, dann wäre er nicht dort zu 

liegen gekommen, wo er schliesslich am Boden gelegen habe und schliesslich 

dort verstorben sei. Dies zeige aber auch, dass der Sachverhalt sich doch leicht 

anders abgespielt habe, als es die Beschuldigte aufzeige. Es könne nicht stim-

men, rein physikalisch, dass C._____ an der fraglichen Stelle zu liegen gekom-

men sei, wenn er auf die Beschuldigte losgestürmt wäre. Wenn dies der Fall ge-

wesen wäre, dann hätte er nicht durch entsprechende Schüsse gestoppt werden 

können, insbesondere nicht bei einem Durchschuss, welcher nicht die entspre-

chende Energie auf den Körper abgebe. Es stimme also nicht, dass C._____ der-

art auf die Beschuldigte losgestürmt sei, wie diese das behaupte. Erstellt sei, dass 

sich C._____ bei Schussabgabe 2 mit der Hand bereits am Bauch bzw. Oberkör-

per gehalten habe, ansonsten der Durchschuss des Daumens nicht erklärbar sei. 

Das sei nicht eine Angriffshaltung, sondern eine Reaktion auf den ersten Schuss, 

nämlich, dass er getroffen worden sei und er habe sich mit der Hand an der Stelle 

gehalten oder habe sich an der Stelle halten wollen, wo er eben getroffen worden 

sei. Darin  beim zweiten Schuss eine Angriffshaltung zu sehen, sei nicht nachvoll-

ziehbar. Beim dritten Schuss sei es klar, dass C._____ am Fallen gewesen sei. 

Es könne nicht sein und sei wirklich sehr hypothetisch, dass es sich dabei um ei-

- 15 - 

ne weitere Angriffshaltung von C._____ gehandelt haben könne und dass dies die 

Beschuldigte so habe wahrnehmen wollen. C._____ sei am Fallen gewesen und 

deshalb sei der Durchschuss des Ellbogens und des Oberschenkels erfolgt. Darin 

eine Angriffsbewegung zu sehen, sei abwegig. Ob die Notwehrsituation bei zwei-

einhalb oder nach drei Schüssen aufhöre, sei irrelevant. Ganz klar sei, dass im 

Zeitpunkt der Schüsse 4 und 5 weder objektiv noch subjektiv eine Notwehrsituati-

on bestanden habe (Prot. II S. 12-14).  

2.2.3.  

2.2.3.1. In den Beilagen zum Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 

18. Juni 2013 (Urk. 16/5) sind auf den 3D-Bildern die Positionen von C._____ und 

der Beschuldigten bei den einzelnen Schussabgaben rekonstruiert. Der Schuss 1 

ist auf den Bildern 9 und 10, der Schuss 2 auf den Bildern 15-17, der Schuss 3 

auf den Bildern 21-23, der Schuss 4 auf den Bildern 24-26 und der Schuss 5 auf 

den Bildern 27 und 28 rekonstruiert. Der rekonstruierte Verlauf der gesamten 

Schussabgabe ist auf den Bildern 29 und 30 abgebildet.  

2.2.3.2. Auf den Bildern, welche das Tatgeschehen von der Seite darstellen, ist 

ersichtlich, dass beim Schuss 3 keine Vorwärtsbewegung bei C._____ zu sehen 

ist, sondern er – die Arme vor dem Körper gebeugt – nach hinten zusammensackt 

(Urk. 16/5 S. 22 und 23). Zu sehen ist weiter, dass zwischen C._____ und der 

Beschuldigten ein Salontisch steht und der Abstand zwischen den beiden Beteilig-

ten deutlich mehr als eine Armlänge von C._____ beträgt. Die Position der Be-

schuldigten ist - gegenüber der Anfangsposition bei Schuss 1 - schon leicht in 

Richtung Türe verschoben (Urk. 16/5 S. 23).  

2.2.3.3. Zwischen den Schüssen 2 und 3 ist bei C._____ keine Vorwärtsbewe-

gung mit Speed – wie von der Beschuldigten behauptet – ersichtlich, weil sich 

seine Standposition nur noch sehr geringfügig verändert hat, was anhand des 

Teppichrandes feststellbar ist (Urk. 16/5 S. 15, 21 und 30).  

2.2.3.4. Bei Schuss 4 lag C._____ bereits auf dem Boden. Die Beschuldigte war 

bei dieser vierten Schussabgabe noch nicht zum Gehen gewandt, aber sie hat ih-

- 16 - 

re Position in Richtung Türe verschoben (Urk. 16/5 S. 25). Bei Schuss 5 war die 

Beschuldigte bereits in Richtung Zimmerausgang unterwegs, was auf dem Bild 28 

ersichtlich ist (Urk. 16/5 S. 28).  

2.2.4. Insgesamt ergibt sich, dass zwischen den Schüssen 1 und 2 eine Vor-

wärtsbewegung von C._____ in Richtung der Beschuldigten und ein Zurückwei-

chen der Beschuldigten stattfand. Zwischen den Schüssen 2 und 3 fand seitens 

von C._____ keine Vorwärtsbewegung in Richtung der Beschuldigten mehr statt. 

Vielmehr sackte C._____ nach hinten in sich zusammen und hielt seine Arme vor 

dem Körper gebeugt, während er vom Schuss 3 getroffen wurde. Die von der Ver-

teidigung geltend gemachte Möglichkeit eines Griffes nach der Beschuldigten er-

scheint aufgrund der Position und der Körperhaltung von C._____ sowie der 

räumlichen Distanz zur Beschuldigten als unmöglich. Bei den Schüssen 4 und 5 

lag C._____ auf dem Rücken und veränderte seine Position nicht mehr, während 

sich die Beschuldigte in Richtung Türe bewegte. Zusammenfassend kann davon 

ausgegangen werden, dass eine Vorwärtsbewegung von C._____ nach dem 

zweiten Schuss nicht mehr erfolgte, was sich darin zeigt, dass C._____ bereits 

nach hinten fallend in sich zusammensackte, als ihn der dritte Schuss traf.  

2.3. Die Vorinstanz führte aus, dass das gesamte Verhalten der Beschuldigten 

nach der Tat – entgegen ihren entgegengesetzten Aussagen – nicht im Gerings-

ten darauf schliessen lasse, dass sie bis zuletzt gemeint habe angegriffen zu 

werden, was auch durch die Feststellungen im Gutachten gestützt werde. Daher 

könne entgegen der Verteidigung auch nicht einfach davon ausgegangen werden, 

die Beschuldigte habe lediglich den Vorsatz gehabt, sich gegen den Angriff zu 

wehren, was für den ganzen Tatvorgang zu gelten habe und nicht nur für die ers-

ten drei Schüsse. Dies habe eben gerade keine Gültigkeit, wenn im Verlaufe der 

abgegebenen mehreren Schüsse der Angreifer hinreichend habe ausser Gefecht 

gesetzt werden können und dies auch erkennbar gewesen sei, wobei auch immer 

mitberücksichtigt werden müsse, dass es eine kurze Pause zwischen den  

Schüssen gegeben habe (Urk. 106 S. 68). 

2.3.1. Die Verteidigung macht bezüglich solcher Pausen geltend, dass sich das 

Bezirksgericht für die Annahme einer Pause, die zur inneren Distanziertheit aus-

- 17 - 

gereicht haben solle, im Wesentlichen auf die Aussagen des Wohnungsnachbarn 

D._____ abstütze, der für das Gericht "absolut überzeugend" angegeben habe, 

es habe zwei Schuss-Serien gegeben: zwei bis drei Schüsse, danach eine Pause 

von 30-40 Sekunden, und dann nochmal drei bis vier Schüsse. Wiederum ca. 10-

15 Sekunden später, so habe dieser weiter ausgesagt, habe er durch den  

Türspion geschaut und jemanden im Treppenaus gesehen. Aus dieser angebli-

chen "Pause" habe das Bezirksgericht unter anderem geschlossen, dass die 

Notwehrlage beendet gewesen sei und dass diese Pause die Beschuldigte in die 

Lage versetzt habe, zu erkennen, dass C._____ "hinreichend ausser Gefecht" 

gesetzt gewesen sei (Urk. 106 S. 68). Die Aussagen des Zeuge D._____  

– so die Verteidigung – seien ganz offensichtlich anders zu verstehen, vor allem 

auch, wenn man sie mit den Aussagen des anderen Nachbarn und Zeugen  

E._____ vergleiche: Dieser habe von "eine(r) Sekunde zwei" Pause, und zwar 

entweder zwischen dem zweiten und dritten oder dem dritten und vierten Schuss 

(Urk. 7/5 S. 4) gesprochen. Der Zeuge D._____ werde – so argumentierte die 

Verteidigung weiter – zunächst gehört haben, wie das Sofa umgeworfen worden 

sei und das könne durchaus zweimal gescheppert haben: C._____ habe das Sofa 

zunächst in die Vertikale aufgebäumt, woraufhin es in die Horizontale gekippt sei; 

auch die Beschuldigte habe folgendes ausgesagt "Er hat es aufgebäumt und ich 

habe es aufgebäumt gesehen" (Urk. 5/1 S. 11). Es sei sehr plausibel, dass es 

dann 30-40 Sekunden gedauert habe, bis die Schüsse gefallen seien - alle 

schnell hintereinander. Nur so mache die Aussage des Zeuge D._____ Sinn. Die 

Pause, von der er spreche, jene 30-40 Sekunden, müsse jene Pause gewesen 

sein, in der die Beschuldigte realisiert habe, dass sich C._____ den Weg freige-

macht habe, dass er, der in voller Rage gewesen sei, nun auf sie zugehen würde. 

Es seien die Sekunden gewesen, in denen sie die Waffe behändigt habe, sie zur 

Abschreckung ausgestreckt und gerufen habe, er solle sie gehen lassen. In die-

sen 30-40 Sekunden habe C._____ entgegen jeder Vernunft entschieden, sich 

um die Waffe nicht zu kümmern – er sei wahrscheinlich so voller Kokain und Ad-

renalin gewesen, dass er sich unbesiegbar gefühlt habe – und sei nun umso 

schneller auf die Beschuldigte zugekommen. Sie habe geschossen, weil sie an-

gegriffen worden sei und sie habe schnell hintereinander geschossen. D._____ 

- 18 - 

erinnere sich nun an keine weitere Pause mehr. Es möge bis zu zwei Sekunden 

gedauert haben, wie Herr E._____ sich erinnert habe, bis die letzten beiden 

Schüsse gefallen seien, denn in dieser Zeit sei die Beschuldigte an C._____ vor-

bei gerannt und er sei hingefallen und sie habe sich von ihm fallend verfolgt ge-

fühlt und habe schnell weiter nach hinten geschossen. Und so werde auch erklär-

bar, warum D._____ wenige Sekunden nach seiner "zweiten" Schuss-Serie, die in 

Wahrheit die gesamt Schuss-Serie mit der minimalen Pause von ein bis zwei Se-

kunden gewesen sei, noch zum Türspion gekommen sei und die Beschuldigte 

gesehen habe, die ja bereits aus der Wohnung heraus gewesen sei (Urk. 135 

S. 11 f. Rz 35). All das aber – so die Verteidigung – zeige mit Deutlichkeit, dass in 

keinem Stadium dieser Abwehr eine Pause dergestalt eingetreten sei, dass die 

Beschuldigte in der Lage gewesen wäre zu erkennen, ob, und wenn ja, wann der 

Angriff beendet gewesen war. Für sie müsse sich das Szenario nach diesem hit-

zigen Angriff auch nach dem dritten Schuss noch immer so dargestellt haben, 

dass C._____ hinter ihr her gewesen sei. Das sicher deutliche Geräusch seines 

Falles werde eine weitere Angstwelle geschürt haben und die mit dem Fallen ein-

hergehende schnelle Bewegung im Raum, sowie die damit verbundene Armbe-

wegung, die durchaus auch ausholend gewesen sein könne, all das werde den 

Eindruck verstärkt haben, dass er von ihr noch nicht abgelassen habe (Urk. 135 

S. 12 Rz 36).  

2.3.2. Der Staatsanwalt führt aus, dass objektiv insbesondere erstellbar sei, das 

das Sofa umgestossen worden sei. Es sei weiter erstellt, dass es einen zeitlichen 

Abstand von ca. 20, vielleicht 30 Sekunden, vielleicht weniger gegeben habe. Die 

Beschuldigte habe gesagt, sie habe in diesem Zeitpunkt geschrien wie am 

Spiess. Kein Nachbar habe dies gehört. Die Nachbarn hätten die Schüsse und 

das Rumpeln des Sofas gehört (Prot. II S. 12). Auf die Aussagen des Zeugen 

D._____ betreffend die 20 bis 30 Sekunden habe er anlässlich der Hauptverhand-

lung nicht abgestellt und er gehe davon aus, dass das Bezirksgericht selber in 

seinem Urteil nicht von einer Pause von 20 bis 30 Sekunden ausgegangen sei, 

dies falsch wäre. Dann hätte er in der Berufung an der vorsätzlichen Tötung fest-

gehalten, weil dann wirklich genug Zeit da gewesen wäre, um zu realisieren, dass 

das Opfer wehrlos am Boden gelegen habe (Prot. II S. 15). Spannend sei – auch 

- 19 - 

die Verteidigung stelle darauf ab – dass zwischen dem Umstürzen des Sofas bis 

zur Schussabgabe 30 bis 40 Sekunden vergangen seien. Das Rumpeln des 

Sofas und die Schüsse später seien von den Nachbarn gehört worden. Fraglich 

sei, was dazwischen geschehen sei. Die Beschuldigte habe dazu gesagt, sie ha-

be wie am Spiess geschrien. Wenn das so gewesen wäre, hätten die Nachbarn 

das mitgekommen. Sie hätten auch zu früheren Zeitpunkten wiederholt Entspre-

chendes gehört, aber sicher nicht in diesem Ausmass wie sich dieser Konflikt ab-

gespielt habe. Wenn es sich so abgespielt hätte, hätten die Nachbarn das mit-

bekommen (Prot. II S. 16).  

2.3.3. Es ist unbestritten, dass zwischen dem Rumpeln des Sofas und dem ersten 

Schuss 20-30 Sekunden vergingen. Wann und ob es eine Pause zwischen den 

einzelnen Schüssen gab und wie lange diese war, lässt sich nicht feststellen. Zwi-

schen den einzelnen Schüssen gab es jedenfalls keine Pause von 30-40 Sekun-

den, denkbar ist eine solche von 1-2 Sekunden. Wie die Vorinstanz richtig zu-

sammenfasste (Urk. 106 S. 45 Ziff. 3.3.2.), sagte der Zeuge E._____ dazu aus, er 

habe fünf Schüsse gehört. Zuerst seien zwei Schüsse gefallen und dann habe es 

eine ganz kurze Unterbrechung gegeben und danach seien drei weitere Schüsse 

gefallen. Auf entsprechende Frage konkretisiert der Zeuge E._____, dass zwi-

schen der ersten und der zweiten Serie maximal ein bis zwei Sekunden verstri-

chen seien (Urk. 7/4 S. 1 f.).  

2.3.4. Vom Ablauf her wäre auch eine Pause zwischen dem 3. und 4. Schuss 

denkbar, weil in dieser Zeit C._____ nach hinten stürzte. Eine Pause zwischen 

dem 4. und 5. Schuss wäre allenfalls mit dem Positionswechsel der  

Beschuldigten erklärbar. Objektiv ist davon auszugehen, dass die eine Pause 

zwischen den Schussabgaben höchsten ein bis zwei Sekunden dauerte. 

2.4. Zusammenfassend ist bezüglich äusserem Sachverhalt auf die vorstehen-

den Ziffern II./2.2.4. und II./2.3.4. zu verweisen. Mithin ist davon auszugehen, 

dass 

− die Beschuldigte vorerst hinter dem Sofa war und ihr der Weg zur Tür  
– einerseits durch das Sofa, andererseits durch C._____ –  
versperrt war, 

- 20 - 

− C._____ das Sofa hochhob und umwarf, 

− C._____ frontal auf die Beschuldigte zuging, die Beschuldigte den ers-
ten Schuss abfeuerte, wobei dieser erste Schuss C._____ von vorn in 
den Oberbauch traf - der Schusskanal verlief praktisch waagrecht (Urk. 
16/5 Bilder 6, 9 und 10), 

− die Beschuldigte sich gegenüber der Position bei der ersten Schuss-
abgabe leicht Richtung Türe verschob, C._____ aber weiterhin frontal 
auf die Beschuldigte zuging, wobei sich C._____ nach dem ersten 
Schuss mit der linken Hand an den Bauch und die Brust griff, die Be-
schuldigte den zweiten Schuss abfeuerte, wobei dieser zweite Schuss 
C._____ von vorn in die Brust traf, der Schuss aber vorerst auf den 
Daumen der linken Hand traf und dann in die Brust eindrang - der 
Schusskanal verlief dabei minim von oben nach unten bei einem Nei-
gungswinkel von 15°, mithin der Einschuss vorn leicht höher war als 
der Austritt hinten (Urk. 16/5 Bilder 6, 15 und 16), 

− die Beschuldigte sich zwischen dem zweiten und dritten Schuss nur 
minim Richtung Tür bewegte, C._____ nach dem zweiten Schuss [dies 
entgegen der Darstellung der Beschuldigten] nicht mehr weiter auf die 
Beschuldigte zuging, sondern - wohl aufgrund der Wirkung der beiden 
ersten Schüsse - am Rückwärtsfallen war, er mithin bereits etwas "zu-
sammen geklappt" war, als die Beschuldigte den dritten Schuss abfeu-
erte, wobei dieser dritte Schuss im Bereich des Ellbogens durch den 
linken Arm und dann weiter in den rechten Oberschenkel von C._____ 
drang - die Schussrichtung war schon klar von oben nach unten, also 
mit etwas gesenkter Waffe (Urk. 16/5 Bilder 6, 8, 21, 22 und 23), 

− die Beschuldigte sich zwischen dem dritten und vierten Schuss weiter 
leicht Richtung Tür verschoben hatte, wobei C._____ rücklings auf dem 
Boden lag, die Beschuldigte dann den vierten Schuss auf C._____ ab-
feuerte und dieser Schuss C._____ im Unterbauch traf - die Waffe war 
hier wohl etwas weniger weit als beim dritten Schuss nach unten ge-
senkt, Neigungswinkel ca. 30° (Urk. 16/5 Bilder 24, 25 und 26), 

− die Beschuldigte sich zwischen dem vierten und fünften Schuss deut-
lich Richtung Tür verschoben hatte und sie praktisch bei der Tür ange-
langt war, wobei C._____ nach wie vor am gleichen Ort wie zuvor auf 
dem Rücken lag, als die Beschuldigte mit seitlich abgewinkeltem Arm 
den fünften Schuss Richtung Kopf von C._____ abfeuerte, wobei das 
Projektil nahe neben dem Kopf von C._____ im Boden einschlug, sich 
das Projektil in den Kern- und Mantelteil zerlegte, der Kernteil von 
rechts her in den Kopf von F._____ eindrang und der Mantelteil nach 
oben wegflog und gegen die Decke prallte (Urk. 16/5 Bilder 29 und 30), 

− sich sowohl die Beschuldigte und - anfänglich - auch C._____ im Raum 
bewegt haben, dass die Beschuldigte C._____ aber trotz der wech-
selnden Standorte treffen konnte, was den Schluss aufdrängt, dass sie 
bei allen Schüssen auf C._____ gezielt hat, 

- 21 - 

− die Beschuldigte alle Schüsse aus einer Distanz von mindestens 
1,5 Metern auf C._____ abgefeuert hat, 

− zwischen den einzelnen Schüssen – wenn überhaupt – Pausen von 
höchstens ein bis zwei Sekunden entstanden, und  

− C._____ letztlich aufgrund der Schussverletzungen innerlich verblutete. 

3. Innerer Sachverhalt 

3.1. Beim inneren [oder subjektiven] Sachverhalt ist zu prüfen, was die Be-

schuldigte gesehen und wie sie reagiert hat.  

3.2. Die Beschuldigte macht zusammenfassend geltend, dass sie alles wie 

durch einen Nebel wahrgenommen habe und C._____ gar nicht mehr gesehen 

habe, sondern auf einen sie verfolgenden Schatten geschossen habe.  

3.3. Auf die verschiedenen Beweismittel, welche den Tatort zeigen und den 

Tatablauf rekonstruieren, ist nachfolgend einzugehen:  

3.3.1. Auf den beiden Fotos des Tatortes mit dem Verstorbenen und dem Polizis-

ten, der als erster am Orte des Geschehens war (Urk. 15/1), ist das Zimmer gut 

beleuchtet. Betrachtet man das Wohnzimmer, indem C._____ aufgefunden wur-

de, so ist dieses farblich hell gehalten und nicht vollgestellt (Urk. 15/3). Ebenfalls 

waren keine Möbel, welche die Sicht behindert hätten, im Raum. Hält man sich 

vor Augen, dass der dunkelhäutige Verstorbene über 1.90 gross gewesen ist und 

nicht schmächtig war, sondern immerhin 115 kg wog, so ist ohne weiteres davon 

auszugehen, dass dieser gut sichtbar gewesen ist und auch seine Bewegungen 

von der Beschuldigten klar gesehen werden konnten - ja gesehen werden muss-

ten, bewegten sich doch beide im Raum und traf die Beschuldigte  

C._____ dennoch bei jedem Schuss (beim fünften Schuss traf sie knapp nicht den 

Kopf, es entstand aber ein Abpraller), was ein konkretes Zielen belegt.  

3.3.2. In den Beilagen zum Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 

18. Juni 2013 (Urk. 16/5) sind auf den 3D-Bildern die Positionen des Verstorbe-

nen und der Beschuldigten bei den einzelnen Schussabgaben rekonstruiert. Der 

Schuss 1 ist auf den Bildern 9 und 10, der Schuss 2 auf den Bildern 15-17, der 

Schuss 3 auf den Bildern 21-23, der Schuss 4 auf den Bildern 24-26 und der 

- 22 - 

Schuss 5 auf den Bildern 27 und 28 rekonstruiert. Der rekonstruierte Verlauf der 

gesamten Schussabgabe ist auf den Bildern 29 und 30 abgebildet. Es kann auf 

die vorstehende Zusammenfassung verwiesen werden. 

3.3.2.1. Auf den Bildern, welche das Tatgeschehen von der Seite darstellen, ist 

ersichtlich, dass beim Schuss 4 C._____ bereits auf dem Boden lag. Die Be-

schuldigte hatte sich vor der vierten Schussabgabe zwar leicht Richtung Tür ver-

schoben, war bei dieser vierten Schussabgabe aber noch nicht zum Gehen ge-

wandt (Urk. 16/5 S. 25). Beim Schuss 5 war die Beschuldigte bereits in Richtung 

Zimmerausgang unterwegs, was auf dem Bild 28 ersichtlich ist (Urk. 16/5 S. 28).  

3.3.2.2. Die Bilder der 3D-Rekunstruktionen zeigen in aller Deutlichkeit, dass die 

Beschuldigte beim Schuss 4 (Urk. 16/5 S. 25) so dastand, dass sie C._____, der 

bereits auf dem Boden lag, gut sehen konnte. Sie war noch nicht zum Gehen ab-

gewendet. Erst beim Schuss 5 war die Beschuldigte klar in Richtung Ausgang der 

Wohnung unterwegs und feuerte den letzten Schuss – mit seitlich abgewinkeltem 

Arm – leicht rückwärtsgewandt ab (Urk. 16/5 S. 28). 

3.3.3. Aufgrund der gesamten Situation im Wohnzimmer (Beleuchtung und  

Abmessung), der Gestalt von C._____ (Körpergrösse und -gewicht sowie dunkle 

Hautfarbe) und aufgrund der Bilder der 3D-Rekonstruktionen ist davon auszuge-

hen, dass die Beschuldigte sehen musste und auch gesehen hat, dass und wie 

C._____ beim Schuss 4 bereits auf dem Boden lag. Von einer fehlenden "Or-

tung", wie von der amtlichen Verteidigung auch im Berufungsverfahren nochmals 

geltend gemacht, kann nicht die Rede sein. Auch die These, dass die Schüsse 

drei bis fünf zufällige Treffer gewesen sein könnten, ist mit der rekonstruierten 

Waffenhaltung, den Einschussstellen am Körper des Verstorbenen und der 

Schiesserfahrung der Beschuldigten nicht vereinbar. Es muss von zielgerichteten 

Schussabgaben ausgegangen werden.  

3.4. Im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. G._____ vom 28. August 2013 

(Urk. 55/10/6) ist unter Tatdurchführung folgendes festgehalten:  

- 23 - 

"Die Beschuldigte zog die Waffe, als sie sich vom Verstorbenen gestellt und ohne Aussicht auf 

Fluchtmöglichkeit sah. Die bisherigen Gewalterfahrungen durch Herrn B._____ bedingten möglich-
erweise eine zunehmende Angst, solche nochmals erleben zu müssen und begünstigten damit den 

Schritt, die Waffe zur Drohung einzusetzen, ohne dieses a priori als untaugliches Mittel zu erken-
nen. Frau A._____ beschreibt eine panikähnliche Angst, schon als sie Herrn B._____ kurzfristig mit 

der Waffe stellen konnte. Dieser hielt kurz inne und soll dann rasch auf sie zu beschleunigt haben, 

was ihre Angst gesteigert und ihr Empfinden eingeschränkt habe. Sie beschrieb Schatten und 
Rauch und begann auf Herrn B._____ bzw. den "Schatten" zu schiessen. Sie beschrieb, während 

der weiteren Schussabgabe Richtung Tür gelaufen zu sein und traf dabei dennoch mit jedem 
Schuss, obwohl sich die Körperhaltung beider und der Schusswinkel veränderte und sie sich bei 

deutlicher Angst bewegte. Die Schilderungen in den Einvernahmen und Explorationen durch Frau 
A._____ sind von der Wahrnehmung im Tatzeitraum zu unterscheiden. Möglicherweise ist die Erin-

nerung erschwert, was keine eingehenderen Rückschlüsse auf die Tatverfassung zulässt. Sehr 
wohl darf von einem hohen affektiven Erregungsniveau im Sinne einer Affektakzentuierung ausge-

gangen werden (was gewöhnlich nicht klassischen Diagnosen zugeordnet werden kann), doch war 
die Beschuldigte in der Lage, den Kontrahenten bis zur endgültigen Flucht stetig zu verorten und zu 

treffen. Da die Schussrichtung sich zunehmend nach unten richtete, nahm Frau A._____ wohl wahr, 
dass Herr B._____ einknickte bzw. sich später am Boden befand, dennoch schoss sie weiter, was 

auch mit dem anhaltenden "panikartigen Zustand" vereinbar ist. Inwieweit eine billigende Inkauf-

nahme des Todes oder gar eine Intention in Frage kommt, lässt sich aus gutachterlicher Sicht nicht 
eingrenzen.  

Nachtatverhalten: Frau A._____ verliess die Wohnung und benutzte die Treppe ins Kellergeschoss, 
um über einen Durchgang durch weitere Häuser zum unterirdischen Parkplatz zu gelangen und fuhr 

mit ihrem Wagen ins Freie, während sie mit der Mutter telefonierte. Danach telefonierte sie mit der 
Polizei. Bei beiden Gesprächen war sie aufgebracht, doch ergibt die Tonbandaufzeichnung ihres 

Notrufs neben deutlicher psychomotorischer Unruhe und Aufgewühltheit insbesondere ein wieder-
holtes abschätziges Betiteln des Verstorbenen sowie die Sorge um sich selbst wegen möglicher In-

haftierung. Eine ausgeprägt selbstkritische Betroffenheit im Tatnachgang oder gar ein gerichtetes 
Hilfeverhalten für den Verstorbenen ist hieraus nicht zu erkennen. Dies relativiert die Annahme ei-

ner Affekttat bzw. die Ausprägung einer Affektakzentuierung. Dennoch ist letztlich von einer solchen 

Akzentuierung auszugehen, wenn es um Einschätzung von Einsicht- und Steuerungsfähigkeit geht. 
Während auf die Diskussion der einzelnen Kriterien für eine klassische Affekttat verzichtet werden 

- 24 - 

kann, ergeben sich zudem durch die bisherige Diskussion klar dagegen sprechende Befunde. Sei 

es die Mitnahme der Waffe, das Innehalten nach dem Ziehen der Waffe mit kurzem Zwiegespräch 
und die im Nachtatverhalten dominierende Sorge um sich selbst anstatt einer ernüchternden und 

schockierenden Betroffenheit mit deutlicher Distanzierung von der Tathandlung. Affekttaten in Rein-
form finden sich letztlich generell kaum bzw. werden diese auch von vielen Fachkollegen als zu-

nehmend nichtexistent angesehen.  

Nachvollziehbar ist aber die Annahme von Affektakzentuierungen. Zwar darf man bei jeder Tat-
handlung ein gewisses, oftmals auch deutliches affektives Erregungsniveau als gegeben und der 

Situation angemessen betrachten, eine Affektakzentuierung geht aber darüber bereits hinaus. Im 
vorliegenden Fall wird die Darstellung der Empfindungen der Explorandin angesichts der Bedro-

hung und erlittenen Gewalterfahrung als nachvollziehbar erachtet und führt zur Annahme einer wohl 
zumindest moderaten Affektakzentuierung als Zusatzkomponente zum erwartbaren Erregungs-

niveau. Möglicherweise wurde die Affektreaktion zusätzlich durch die unter 4.1 dargestellte leicht-
gradige psychische Instabilität mit Schlafmangel, Deprimiertheit etc. im Sinne einer Vulnerabilität 

begünstigt. Solche Affektakzentuierungen entsprechen keinen gängigen Diagnosen." 

(Urk. 55/10/6 S. 54 f.). 

Der Gutachter kommt zum Schluss, dass die Einsichtsfähigkeit in das Unrecht der 

Tathandlung als uneingeschränkt gegeben zu erachten sei. Es handle sich um 

keinen unmittelbaren Impulsdurchbruch, in dem die Beschuldigte die Waffe gezo-

gen und direkt geschossen hätte, sondern es sei ihr möglich gewesen, diese dro-

hend einzusetzen und sie habe – etwas unsicher erinnernd – auch einen kurzen 

Wortwechsel mit C._____ beschrieben und habe sich erst mit der Annäherung 

des Verstorbenen zur Schussabgabe entschieden. Es sei ihr im weiteren Tatver-

lauf möglich gewesen, die Schüsse zielgerichtet abzugeben. In der Zusammen-

schau dürfte aufgrund der Affektakzentuierung von einer nicht mehr als mittelgra-

digen Minderung der Steuerungsfähigkeit ausgegangen werden. Bereits für die 

Annahme einer nur leichtgradigen Verminderung verlange der Gesetzgeber eine 

deutliche Einschränkung. Damit ergebe sich eine höchstens mittelgradige Minde-

rung der Schuldfähigkeit gemäss Art. 19 Abs. 2 StGB. Die Annahme einer höher-

gradigen Minderung ergebe sich nicht, da die aus dem Tathergang aufzeigbare 

- 25 - 

Steuerungsfähigkeit doch noch mehrheitlich intakt gewesen sei (Urk. 55/10/6 S. 

56).  

3.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass aufgrund des Schussbildes und der 

äusseren Begebenheiten eine intakte Wahrnehmung der Beschuldigten an-

zunehmen ist, was auch vom Gutachter so bestätigt wurde. Es ist somit davon 

auszugehen, dass die Beschuldigte C._____ gesehen hat und auch wahrgenom-

men hat, dass dieser am Boden lag. Sie hat denn auch die Schussrichtung und 

das Halten der Waffe – von zweihändig bei den ersten vier Schüssen zu einhän-

dig beim letzten Schuss – laufend der konkreten Situation angepasst. Die Be-

schuldigte wollte auf C._____ zielen und ihn auch treffen. Deshalb ist die Version 

der Beschuldigten (so auch die Verteidigung in Urk. 135 S. 13 Rz 38), wonach sie 

– allerdings irrtümlich – geglaubt habe, sie werde nach wie vor verfolgt bzw. sie 

schiesse nicht auf C._____, sondern auf einen "Schatten" oder "Rauch" bzw. 

"Nebel", zu verwerfen. Von einem Irrtum im Sinne von Art. 13 Abs. 2 StGB – so 

die Verteidigung in Urk. 135 S. 16 ff., Rz 48 ff. – kann nicht ausgegangen werden, 

da die Beschuldigte sehr wohl sah und realisierte, dass C._____ sie nach dem 

zweiten Schuss nicht mehr verfolgte und nach dem dritten Schuss rücklings (und 

wehrlos) am Boden lag, wobei die Version des "Schatten" bzw. eines "Rauchs" 

bzw. eines "Nebels" aufgrund der konkreten Situation nicht überzeugt. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB 

1.1. Die Vorinstanz ist im Rahmen ihrer rechtlichen Erwägungen zum Schluss 

gekommen, dass der Tatbestand der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 

StGB, den die Beschuldigte in objektiver und subjektiver Hinsicht verwirklicht hat, 

zur Anwendung gelange (Urk. 106 S. 69-72). Auf diese Ausführungen kann ver-

wiesen werden.  

1.2. Ergänzend ist anzufügen, dass der Tatbestand des Mordes nicht einge-

klagt wurde und der Tatbestand des Totschlages zur Recht auch von der Vertei-

- 26 - 

digung nicht geltend gemacht wurde, weshalb es sich erübrigt, auf diese Tat-

bestände einzugehen.  

1.3. Der direkte Vorsatz verlangt neben dem Wissen um die reale Möglichkeit 

der Tatbestandserfüllung auch den Willen, den Tatbestand zu verwirklichen. Der 

Täter muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut entscheiden. Dieser Wille ist 

gegeben, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes das eigentliche Handlungs-

ziel des Täters ist oder ihm als eine notwendige Voraussetzung zur Erreichung 

seines Zieles erscheint (direkter Vorsatz ersten Grades; vgl. dazu Niggli/Maeder 

in BSK StGB I, 3. Auflage, Basel 2013, N 44 zu Art. 12 StGB). Dasselbe gilt, wenn 

der Täter in der Tatbestandsverwirklichung eine notwendige Durchgangsstufe  

oder Voraussetzung auf dem Weg zum eigentlichen Handlungsziel erblickt (Niggli 

/Maeder, a.a.O., N 46 zu Art. 12 StGB). Der direkte Vorsatz – man spricht in die-

ser Konstellation von direktem Vorsatz zweiten Grades – erstreckt sich auch auf 

diejenige Tatbestandsverwirklichung, die der Täter als notwendige Nebenfolge 

einkalkuliert, entweder für den Fall des Erreichens des eigentlichen Handlungs-

ziels oder schon einer seiner Vorbedingungen (Niggli/Maeder, a.a.O., N 47 zu 

Art. 12 StGB). Mit anderen Worten spricht man dann von direktem Vorsatz zwei-

ten Grades, wenn der Täter den objektiven Tatbestand eines Erfolgsdelikts be-

wirkt hat, er jedoch subjektiv den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges nicht 

direkt angestrebt hat, der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges aber bei sei-

nem andere Zwecke verfolgenden Handeln für unumgänglich hält. Eventualvor-

satz ist dem gegenüber gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs bzw. die 

Verwirklichung des Tatbestandes für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er 

den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB), sich 

mit ihm abfindet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4 

mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 6B_818/2015 vom 8. Februar 2016, 

E. 3.2.1).  

Die Beschuldigte schoss – jedes Mal aus kurzer Distanz – auf den Körper von  

C._____. Es ist der Beschuldigten zu glauben, dass sie C._____ in ihrer Angst, er 

werde sie angreifen und töten, in erster Linie stoppen und auf Distanz halten woll-

te, um letztlich die Wohnung verlassen zu können. Der primäre Zweck der 

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- 27 - 

Schussabgaben war somit nicht das Töten von C._____, doch musste die Be-

schuldigte bei der von ihr konkret gewählten Vorgehensart den Tod von  

C._____ als unumgänglich halten. Deshalb ist von einem direkten Vorsatz zwei-

ten Grades bezüglich aller Schüsse auszugehen (vgl. dazu Niggli/Maeder a.a.O., 

N 47 zu Art. 12 StGB), die Beschuldigte mithin den Tod von C._____ als notwen-

dige Nebenfolge einkalkulierte.  

2. Notwehr und schuldhafte Mitverursachung 

2.1. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass die Beschuldigte in Notwehr 

gehandelt habe, dass die Beschuldigte aber zumindest die Schüsse 4 und 5 in ei-

nem nicht entschuldbaren Notwehrexzess abgefeuert habe. Die Zweitberufung 

der Staatsanwaltschaft richtet sich einzig gegen die Sanktion und nicht gegen den 

vorinstanzlichen Schuldspruch. Damit hat die Staatsanwaltschaft – zu Recht –  

akzeptiert, dass die Beschuldigte in Notwehr gehandelt hat. Davon ist auch im 

Folgenden auszugehen. 

2.2. Die Vorinstanz hat sich nur am Rande mit den Voraussetzungen der Not-

wehr auseinandergesetzt bzw. sich im Wesentlichen auf den Aspekt des Not-

wehrexzesses beschränkt (Urk. 106 S. 65 - 69 sowie S. 73 Ziff. 2.6.2.). Damit 

nahm sie eine sehr enge Betrachtungsweise des Geschehens vor, isoliert auf den 

unmittelbaren Zeitraum der tödlichen Schüsse. Rechtliche Überlegungen zum 

Vorverhalten der Beschuldigten, d.h. einer schuldhaft oder zumindest fahrlässig 

mitverursachten Notwehrsituation drängen sich jedoch vorliegend auf, da die Be-

schuldigte eine Schiessausbildung hatte und ohne im Besitze eines Waffentrag-

scheins zu sein – somit rechtwidrig – eine geladene Pistole in die Wohnung des 

Opfers mitgenommen hatte, um sich im Falle eines Angriffs zur Wehr zu setzen. 

Dies obschon kein objektiv zwingender Grund bestand, sich in die Wohnung des 

Opfers zu begeben, insbesondere ohne Begleitung. Angesichts der Kenntnis der 

Beschuldigten von der krankhaften Eifersucht von C._____, seiner Impulsivität 

und Gewaltbereitschaft, seines Kokainkonsums – die Beschuldigte erwähnte, er 

sei nach dem Konsum von Kokain jeweils ein unberechenbares Pulverfass gewe-

sen (Prot. II S. 14) – und im Wissen um die früheren massiven verbalen und 

handgreiflichen Auseinandersetzungen war es denn auch keine Überraschung, 

- 28 - 

dass es erneut zum heftigen Streit kam, welcher eskalierte und infolge dessen  

eine Notwehrsituation entstand (Prot. II S. 11 ff.). 

Das Thema der mitverschuldeten Notwehrsituation bzw. eines kausalen Vor-

verhaltens des Angreifers wurde in der deutschen Lehre und Rechtsprechung 

ausführlich und kontrovers diskutiert (anstelle vieler: Claus Roxin, Die provozierte 

Notwehrlage, Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft [ZStW] 75 

(1963) S. 541 für die Fahrlässigkeitsprovokation und nochmals in: ZStW 93, 

S. 89 ff.; Christian Bertel, Notwehr gegen verschuldete Angriffe, in: ZStW 84 

(1972), S. 1 ff; Susanne Retzko, Die Angriffsverursachung bei der Notwehr, Bei-

träge zur Strafrechtswissenschaft, Bd. 5, Münster LIT 2001). Einig scheint man 

sich zu sein, dass ein bloss unkluges Verhalten eines Beschuldigten, mit welcher 

er sich einer objektiv voraussehbaren Gefahr für Leib und Leben aussetzt, die 

Notwehr nicht ausschliesst (Retzko, a.a.O. S. 20). Der deutsche Bundesgerichts-

hof in Strafsachen hat den Leitsatz bzw. den Ausdruck geprägt, dass ein sozial-

ethisch nicht zu missbilligendes Verhalten des Angegriffenen nicht zu einer Ein-

schränkung seiner Notwehrbefugnis führen könne (Entscheid vom 12. Januar 

1978, BGHSt 27 S. 336). So wurde beispielsweise das regelmässige Mitführen 

eines Messers noch nicht als Mitverschulden qualifiziert (BGH NJW 1980 

S. 2264). Die verwendete Formulierung in jenem Fall lässt allerdings vermuten, 

dass der Bundesgerichtshof das einmalige, an einem konkreten Zweck orientierte 

Einstecken und Mitführen einer Waffe möglicherweise etwas anders beurteilt hät-

te. Gunter Arzt schrieb in einem Aufsatz in der Juristischen Rundschau unter 

Verweis auf Roxin, dass die mit einem hohen Exzessrisiko behaftete Abwehrvor-

bereitung Grundlage für den Vorwurf der fahrlässigen Tötung sein könne. Dabei 

zieht er Parallelen zur Rechtsfigur der actio libera in causa (Juristische Rund-

schau [JR] 1980, S. 213).  

Auch die schweizerische Literatur und Rechtsprechung hat die Problematik be-

leuchtet. Meistens beschränken sich die Ausführungen auf die direkt provozierte, 

d.h. geplante oder manipulierte Notwehrsituation (BGE 102 IV 230 und 104 IV 56; 

Donatsch / Tag, Strafrecht I, 9. Aufl. Zürich 2013, S. 228; BSK StGB I - Seelmann, 

N 14 zu Art. 15; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, Die 

- 29 - 

Straftat, 3. Auflage Bern 2005, N 80 zu § 10). Vorliegend geht es demgegenüber 

mehr um eine fahrlässige oder eventualvorsätzlich herbeigeführte Notwehrsituati-

on, welche schwieriger dogmatisch einzuordnen ist. Stratenwerth schreibt, dass 

das Verschulden bei der Herbeiführung der Notwehrlage von sehr unterschiedli-

cher Schwere sein könne, weshalb es wohl kaum möglich sei, für alle denkbaren 

Fälle eine gemeinsame Regel zu finden (a.a.O. N 80). Andere Autoren gehen nä-

her auf verschiedene Varianten schuldhaften Vorverhaltens ein (Hans Dubs, Not-

wehr unter besonderer Berücksichtigung der provozierten Notwehr, Zeitschrift für 

schweizerisches Strafrecht (ZStrR), 89 (1973) S. 337 ff; Gian Martin, Defensivnot-

stand unter besonderer Berücksichtigung der "Haustyrannentötung", Diss Zürich 

2010, S. 50 f.). Gemäss Dubs (a.a.O., S. 351 f.) könne sich derjenige, der durch 

ein sozialethisch missbilligendes Verhalten eventualvorsätzlich eine gewaltsame 

Auseinandersetzung in Kauf nehme, nicht auf Notwehr berufen. Gleichzeitig 

mahnt er aber zu einer gewissen Zurückhaltung angesichts der schwierigen Ab-

wägung in einer Notwehrsituation (a.a.O. S. 357).  

2.3. Ob vorliegend von einem schuldhaften Vorverhalten der Beschuldigten im 

Sinne der genannten Erwägungen auszugehen ist, muss offen gelassen werden. 

Immerhin erscheint es diskutabel, ob das illegale Mitführen einer geladenen 

Schusswaffe, insbesondere unter vorgenannten Umständen, ein sozialethisch 

gebilligtes Verhalten darstellt oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hat im Gegensatz 

zur Vorinstanz die rechtliche Problematik in Bezug auf das Vorliegen einer unein-

geschränkten Notwehrsituation richtig erkannt, aber zähneknirschend (so die 

Formulierung in der Berufungsverhandlung) den vorinstanzlichen Entscheid dies-

bezüglich anerkannt (Urk. 138 S. 2). Sie ficht den Schuldpunkt und somit das Vor-

liegen einer Notwehrsituation im Sinne von Art. 15 StGB nicht an und beschränkte 

ihre Berufung, nebst dem Strafmass, auf die Frage, ob ein Notwehrexzess im 

Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB vorliege und ob die Beschuldigte im Sinne von 

Art. 16 Abs. 2 StGB die Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung 

über den Angriff überschritten habe oder nicht (Urk. 138 S. 1). Gemäss Bundes-

gerichtspraxis stellt eine härtere rechtliche Qualifikation ein Anwendungsfall des 

Verschlechterungsverbots nach Art. 391 Abs. 2 StPO dar (BGE 139 IV 282). Ge-

- 30 - 

stützt darauf darf auch auf die Frage des Vorliegens einer uneingeschränkten 

Notwehrsituation im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden.  

2.4. Immerhin erscheinen vorstehende Ausführungen aber wichtig, um bereits 

an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass das Problem der fahrlässig oder even-

tualvorsätzlich mitverschuldeten Notwehrsituation keinesfalls mit den Fragen im 

Zusammenhang mit dem Notwehrexzess und der entschuldbaren Aufregung im 

Sinne von Art. 16 Abs. 1 und 2 StGB vermischt werden darf. Beim oft als ent-

schuldbarer Notwehrexzess bezeichneten Fall von Art. 16 Abs. 2 StGB geht es 

gemäss Wortlaut dieser Bestimmung um die Entschuldbarkeit der Aufregung und 

nicht um das Verschulden an der Notwehrsituation. Darauf wird weiter unten noch 

eingegangen (Ziffer 3).  

2.5. Wie vorstehend unter Ziff. II./3. ausgeführt, ist zusammenfassend davon 

auszugehen, dass die Beschuldigte C._____ gesehen und auch wahrgenommen 

hat, dass dieser am Boden lag. Die Beschuldigte nahm damit auch wahr, dass der 

Angriff nach dem zweiten Schuss beendet war und konnte sich darüber nicht ir-

ren. Damit entfällt die Putativnotwehr, weshalb es sich – wie bereits vorstehend 

ausgeführt – erübrigt, auf die diesbezüglichen Ausführungen der Verteidigerin 

(Urk. 135 S. 10 f. Rz 29 f.) einzugehen. 

3. Notwehrexzess 

3.1. Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das 

Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB). Gemeint ist in Art. 16 Abs. 1 StGB nur 

der sogenannte intensive Exzess, bei dem es an der Angemessenheit der Ab-

wehr, der Proportionalität fehlt. Bei der anderen denkbaren Variante, dem so ge-

nannten extensiven Exzess, werden die zeitlichen Grenzen der Notwehr über-

schritten, das heisst, der Täter nimmt die Abwehrhandlung zu früh, bevor der An-

griff unmittelbar droht, oder zu spät, nämlich noch nach Abschluss des Angriffs, 

vor (vgl. dazu Seelmann in BSK StGB I, 3. A., Basel 2013, N 4 zu Art. 16 StGB).  

3.2. Werden die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufregung oder Be-

stürzung über den Angriff überschritten, so handelt der Täter nicht schuldhaft 

(Art. 16 Abs. 2 StGB). 

- 31 - 

3.3. Im Falle eines Notwehrexzesses ist somit zu prüfen, ob der Abwehrende 

die Grenzen der Notwehr in "entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den 

Angriff" überschritten hat. Mit dieser Formulierung in Art. 16 Abs. 2 StGB ist der 

entschuldbare Affekt (analog zu Art. 113 StGB) gemeint.  

3.3.1. Art. 113 StGB knüpft mit dem Begriff der heftigen Gemütsbewegung in sehr 

unspezifischer Weise an ganz unterschiedliche subjektive Gefühlszustände an. 

Sie werden in Anlehnung an die ältere Literatur immer noch in sthenische und  

asthenische Affekte unterteilt, wobei erstere "aus Kraft herrührende" Emotions-

zustände wie Zorn, Wut oder Empörung kennzeichnen sollen, während letztere 

die "aus Schwäche herrührenden" Emotionszustände wie Verwirrung, Furcht oder 

Schrecken betiteln. Sthenische und asthenische Affekte sind aber nicht mit der 

"grossen seelischen Belastung" gleichzusetzen. Beide Affektarten, insbesondere 

auch die "asthenischen" Affekte Furcht, Traurigkeit und Schrecken, äussern sich 

in neurobiologischen, physiologischen und psychologischen Körperreaktionen, die 

durch Spontaneität, emotionsbedingter Verminderung der Steuerungsfähigkeit 

und Gefühlswahrnehmung gekennzeichnet sind (vgl. dazu Schwarzenegger in 

BSK StGB II, 3. Auflage, Basel 2013, N 4 zu Art. 113 StGB). Mit der Formulierung 

in Art. 16 Abs. 2 StGB ist der asthenische (entschuldbare heftige Gemütsbewe-

gung) und nicht der sthenische (etwa Wut oder Rachegefühle) Affekt gemeint 

(Seelmann in BSK StGB I, 3. Auflage, Basel 2013, N 3 zu Art. 16 StGB).  

3.3.2. Hinsichtlich der heftigen Gemütsbewegung ergibt sich Folgendes: 

3.3.2.1. Die heftige Gemütsbewegung ist ein besonderer psychologischer Zu-

stand, der nicht pathologisch begründet, sondern dadurch gekennzeichnet ist, 

dass der Täter von einer starken Gefühlserregung überrollt wird, die in einem ge-

wissen Grad seine Fähigkeit, die Situation einzuschätzen und sich zu beherr-

schen, einschränkt (BGE 119 IV 203 mit Hinweisen). Typisch ist, dass der Täter 

mehr oder weniger unverzüglich auf ein Gefühl, das ihn plötzlich überwältigt, rea-

giert [(BGE 118 IV 236); Stratenwerth/Jenny/Bommer (Schweiz. Strafrecht, 

Bes. Teil I, 7. Auflage, Bern 2010, § 1 N 29) führen dazu aus, dass es um 

"die kurzschlüssige, direkte Umsetzung primitiv triebhafter, stark gefühlsbetonter 

Strebungen in Tat" handle, bei der eine "denkende und willentliche Verarbeitung 

- 32 - 

erschwert oder gar nicht möglich ist"]. Bei der heftigen Gemütsbewegung, die von 

Art. 113 StGB – und damit grundsätzlich auf Art. 16 Abs. 2 StGB übertragbar ist – 

erfasst wird, handelt es sich um normal-psychologische Einengungen des Be-

wusstseins nicht krankhafter Art. In diesem Zustand können in aller Regel noch 

kritische Überlegungen, Hemmungs- und Gegenvorstellungen gegenüber den 

emotionalen Impulsen steuernd und bremsend eingeschaltet werden. Für die  

Annahme eines Affekts in diesem Sinne gibt es mehrere Indikatoren: fehlende 

Ankündigung der Tat; Fehlen einer eventuellen Tatbereitschaft, Fehlen von Vor-

bereitungshandlungen; fehlende Konstellierung der Tatsituation durch den Täter; 

gegebener Zusammenhang zwischen Provokation, Erregung und Tat; nicht ziel-

gerichtete Gestaltung des Tatablaufs; nicht lange hingezogenes, sondern sehr 

plötzliches Tatgeschehen; kein etappierter Handlungsablauf; Einengung des Be-

wusstseinsfeldes (d.h. keine Wahrnehmung von Nebensachen, Perzeption einge-

schränkt auf das Gefühl der Kränkung, Wut, Niederlage, des Schädigungswillens, 

des Sich-Wehrens u.ä); aufgehobene Introspektionsfähigkeit während der Tat; 

fehlende Detailerinnerung; Unterbrechung des Erlebniszusammenhangs; nach-

trägliche Unerklärbarkeit der eigenen Tat (Schwarzenegger, a.a.O., N 6 zu 

Art. 113 StGB). 

3.3.2.2. Der Affekt muss nach den Umständen entschuldbar sein. Nach der bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung setzt der Begriff der Entschuldbarkeit voraus, 

dass die heftige Gemütsbewegung nicht nur psychologisch erklärbar, sondern bei 

objektiver Bewertung nach den sie auslösenden Umständen gerechtfertigt ist 

(Schwarzenegger in BSK StGB II, a.a.O., N 9 zu Art. 113 StGB mit zahlreichen 

Hinweisen). Die Tat muss dadurch bei ethischer Beurteilung in einem wesentlich 

milderen Licht erscheinen. Es geht darum, dass die Entstehung des Affekts aus 

der Sicht eines objektiv wertenden Betrachters als menschlich begreiflich bezie-

hungsweise verständlich, die Schuld des Täters demzufolge als vermindert er-

scheint. Ein Fehlen jeglicher eigener Schuld des Täters an der Entstehung der 

heftigen Gemütsbewegung wird nicht vorausgesetzt; sie darf aber nicht aus-

schliesslich oder überwiegend auf eigener Schuld beruhen beziehungsweise ego-

istischen Regungen entspringen, sondern muss z.B. durch Provokation, durch 

ungerechtfertigte Kränkung, durch eine Notlage oder durch physische Miss-

- 33 - 

handlung verursacht worden sein (Schwarzenegger, a.a.O., N 10 zu Art. 113 

StGB mit zahlreichen Hinweisen auf die Praxis). Es muss anzunehmen sein, dass 

ein "Durchschnittsmensch der Rechtsgemeinschaft [...], welcher der Täter nach 

Herkunft, Erziehung und täglicher Lebensführung angehört, unter den gleichen 

Umständen leicht in einen solchen Affekt geraten wäre" (Schwarzenegger, a.a.O., 

N 11 zu Art. 113 StGB jeweils mit Hinweisen auf die Praxis). Bei der Beurteilung 

ist von den persönlichen Verhältnissen des Täters auszugehen, das heisst (etwa 

bei einem Gastarbeiter) zu berücksichtigen, welcher Rechtsgemeinschaft er nach 

Herkunft, Erziehung und täglicher Lebensführung angehört. Ausser Betracht zu 

bleiben haben dagegen individuelle Persönlichkeitsmerkmale, wie beispielsweise 

besondere Erregbarkeit oder krankhafte Eifersucht; sie können nur das Mass der 

Tatschuld und damit das Strafmass (nach Art. 111 f.) beeinflussen (Stratenwerth 

/Jenny/Bommer, Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Auflage, Bern 

2010, § 1 S. 36 N 30). Kulturelle Besonderheiten einer bestimmten Person kön-

nen nur innerhalb der Grenzen dieser allgemeinen Abwägungskriterien einbezo-

gen werden, ansonsten sie im Rahmen der Strafzumessung zu erwägen sind 

(Bundesgerichtsentscheid 6S.918/1999 vom 5. September 2000).  

3.3.2.3. Abnorme Elemente in der Persönlichkeit des Täters vermögen die Ent-

schuldbarkeit der Gemütsbewegung nicht zu begründen, sondern sind allenfalls 

bei der Bemessung der konkreten Tatschuld zu berücksichtigen. Die Entschuld-

barkeit entfällt, wenn der Affekt durch eine krankhafte Veranlagung oder durch 

Persönlichkeitsstörungen des Täters bedingt ist (Schwarzenegger, a.a.O., N 11 

zu Art. 113 StGB). Die Entschuldbarkeit muss sich nicht auf die im Affekt began-

gene Tat beziehen, sondern einzig auf die heftige Gemütsbewegung selbst 

(Schwarzenegger, a.a.O., N 12 zu Art. 113 StGB mit Hinweisen auf die Praxis). 

3.3.3. Zur grossen seelischen Belastung als zweite Tatbestandsvariante ergibt 

sich Folgendes: 

3.3.3.1. Die grosse seelische Belastung zielt auf einen chronischen seelischen 

Zustand, einen psychischen Druck, der während eines langen Zeitraums konti-

nuierlich heranwächst und zu einem langen Leidensprozess führt, bis der Täter 

völlig verzweifelt ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Tat  

- 34 - 

(Schwarzenegger, a.a.O., N 14 zu Art. 113 StGB; BGE 119 IV 204 mit Hinwei-

sen). Die grosse seelische Belastung setzt somit voraus, dass die für den Täter 

bestehende Situation derart ist, dass der sich ihm durch die Tat eröffnete Ausweg 

als einfühlbar erscheint (Schultz, Die Delikte gegen Leib und Leben nach der  

Novelle 1989, in: ZStrR 108 [1991] S. 402). 

3.3.3.2. Obschon im Gesetzestext nicht ausdrücklich erwähnt, gilt die Vorausset-

zung der Entschuldbarkeit auch für die grosse seelische Belastung. Die Kriterien 

sind zwar sinngemäss die gleichen wie bei der ersten Tatbestandsalternative, 

aber nicht identisch. Eine psychologische Erklärbarkeit genügt nicht; vielmehr 

muss die grosse seelische Belastung bei objektiver Betrachtungsweise nach den 

sie auslösenden äusseren Umständen als menschlich begreiflich beziehungs-

weise verständlich erscheinen (Schwarzenegger, a.a.O., N 15 zu Art. 113 StGB 

jeweils mit Hinweisen auf die Praxis). Die Entschuldbarkeit kann sich wegen eines 

vorwerfbaren Verhaltens des Opfers gegenüber dem Täter, aber auch wegen des 

Verhaltens eines Dritten, äusserer Umstände oder einer vom Opfer und Täter 

gleichermassen zu verantwortenden Konfliktsituation ergeben. Der Täter darf aber 

nicht ganz oder überwiegend für die Konfliktsituation verantwortlich sein, die zur 

grossen seelischen Belastung führte. Zusätzlich ist abzuwägen, ob ein vernünf-

tiger Mensch aus den gleichen sozialen Verhältnissen wie der Täter unter den 

gleichen Bedingungen ebenfalls leicht in einen solchen seelischen Zustand ver-

setzt würde. Wie bei der heftigen Gemütsbewegung gilt auch bei der grossen see-

lischen Belastung, dass nicht die begangene Tat, sondern einzig der Zustand der 

grossen seelischen Belastung, in der sich der Täter im Zeitpunkt der Tat befand, 

entschuldbar sein muss (Schwarzenegger, a.a.O., N 18 zu Art. 113 StGB). 

3.4. Die Vorinstanz stellte fest, dass das Vorliegen eines entschuldbaren Not-

wehrexzesses im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB sei aufgrund der gesamten Situ-

ation und der bereits vorstehend gemachten Ausführungen klar zu verneinen 

(Urk. 106 S. 73 Ziff. 2.6.2.). Mit den "vorstehend gemachten Ausführungen" mein-

te die Vorinstanz wohl ihre auch im Rahmen der rechtlichen Würdigung – aller-

dings zum Affekt beim Totschlag – getätigten Erwägungen, dass auch wenn ge-

wisse Affekte bei der Tatbegehung der Beschuldigten eine gewisse Rolle gespielt 

- 35 - 

haben dürften, was auch aus dem Gutachten ersichtlich werde, es keine Hinweise 

auf eine heftige Gemütsbewegung im Sinne von Art. 113 StGB gebe. Auf einen 

kurzschlussartig gefassten Tatentschluss deute nichts hin, spreche doch auch 

das Gutachten davon, dass es der Beschuldigten jederzeit möglich gewesen sei, 

zielgerichtet zu handeln. Selbst wenn man das Vorliegen einer heftigen Gemüts-

bewegung bejahen würde, wäre diese – so die Vorinstanz – nicht entschuldbar. 

Es habe zwar fraglos eine Konfliktsituation bestanden, da die Beziehung seit län-

gerem mit vielschichtigen Problemen behaftet gewesen sei. Davon abgesehen sei 

nicht anzunehmen, dass auch ein anderer in der gleichen Situation leicht in einen 

solchen Affekt geraten wäre. Es gebe bekanntlich viele sehr konfliktbeladene Be-

ziehungen, ohne dass derartige Auseinandersetzungen für einen Beteiligten 

gleich tödlich enden würden. So hätten denn auch schon die Beschuldigte und 

C._____ unzählige ernsthafte Streitigkeiten miteinander ausgetragen, ohne dass 

es derart eskaliert wäre. Zudem sei nicht ersichtlich geworden, inwiefern sich die 

Situation an diesem Tag, als die Beschuldigte die Pistole erstmals mitgenommen 

habe, geändert hätte. Unter Hinweis auf die Ausführungen der Verteidigung hält 

die Vorinstanz fest, dass sich keineswegs der Schluss ziehen lasse, die Beschul-

digte habe nach der Tat unter Schock gestanden und nicht realisiert, was eigent-

lich passiert sei und dass sie in verständlicher Todesangst und Verzweiflung ge-

handelt habe. Gerade die aufgezeichneten Telefonate der Beschuldigten nach der 

Tat zeigten ein Bild von ihr auf, welches sie relativ gefasst zeige und worin sie re-

lativ genaue Angaben von den Geschehnissen machen könne. Daraus eine Ent-

schuldbarkeit ihres Handelns ableiten zu wollen, schlage definitiv fehl. Weiter führt 

die Vorinstanz aus, dass auch der Hinweis der Verteidigung, die Beschuldigte sei 

in eine Ecke gedrängt gewesen, als C._____ auf sie zugestürmt sei, derart pau-

schal nicht zu greifen vermöge. Zwar stimme diese Äusserung für die ersten bei-

den Schüsse, was nachfolgend bei der Beurteilung der Rechtswidrigkeit zu be-

rücksichtigen sein werde, sicher aber nicht für die letzten beiden, weshalb auch 

daraus keine entschuldbare heftige Gemütsbewegung abgleitet werden könne. 

Auch für ein Handeln unter grosser seelischer Belastung im Sinne einer längeren 

progressiven Entwicklung, die zu einer Lähmung der Antriebskräfte führe, sei den 

- 36 - 

Akten, insbesondere dem Gutachten, kein Hinweis zu entnehmen (Urk. 106 S. 71 

f. Ziff. 2.4.2.2.). 

3.5. Die Verteidigung macht zusammenfassend geltend, dass der Gesamtab-

lauf sehr nachvollziehbar sei. Die Aussagen der Nachbarn, das Schusswaffengut-

achten und die räumliche Darstellung, das Gutachten zum Todesfall, die Aussa-

gen der Beschuldigten, all das passe zusammen, wenn man das Geschehen so 

durchdenke. Auch der Notruf füge sich bruchlos in diese Deutung ein. Der Notruf 

habe aber auch für erhebliche Irritation gesorgt, denn man habe der Beschuldig-

ten an verschiedenen Stellen vorgeworfen, C._____ abschätzig betitelt zu haben 

und mehr in Sorge um sich selbst gewesen zu sein als in Sorge um C._____. Das 

Bezirksgericht habe sodann ausgeführt, es glaube der Beschuldigten nicht, sich 

verfolgt gefühlt zu haben, weil sie ein "erstaunlich rational(es) Denken" gezeigt 

habe, was man auch aus dem Notruf heraushöre - das stehe im Widerspruch zur 

behaupteten Panik (Urk. 106 S. 35). Damit blende das Bezirksgericht aus, dass 

gerade das sich-verfolgt-Fühlen die einzige von zwei rationalen Erklärungen dafür 

sei, wie die Beschuldigte reagiert habe. Entweder habe sie sich wirklich verfolgt 

gefühlt, oder nicht, dann aber wäre sie eine berechnende Killerin, eine Schauspie-

lerin, die es eiskalt darauf angelegt gehabt habe, ihren Lover um die Ecke zu 

bringen (Urk. 135 S. 13 f. Ziff. 41). Die Verteidigung macht geltend, es könne nicht 

ausgeschlossen werden, dass die vom psychiatrischen Gutachter anerkannte 

"massivste Bedrohung" (Urk. 56/10/6 S. 52), das hohe affektive Erregungsniveau, 

die Affektakzentuierung, der panikartige Zustand (Urk. 56/10/6 S. 54) nicht in jene 

entschuldbare Aufregung und Bestürzung geführt habe, welche Art. 16 Abs. 2 

StGB meine. Auch wenn der Gutachter eine klassische Affekttat im Sinne einer 

Schuldlosigkeit ausschliesse, so spräche das nicht dagegen, hier von einem ent-

schuldbaren asthenischen Affekt auszugehen, denn Art. 16 Abs. 2 StGB verlange 

nicht das gleiche Niveau eines Affekts wie Art. 19 Abs. 1 StGB, wie das Bundes-

gericht (BGE 102 IV 7) bestätigt habe. Es gehe bei Art. 16 Abs. 2 StGB nicht da-

rum, ob die Überschreitung der Notwehr, sondern ob der Affekt als solcher ent-

schuldbar gewesen sei. Und das sei eine Frage, die mehr den Moment als die 

Gesamtsituation in den Blick nehme, bei der es darauf ankomme, ob im massge-

- 37 - 

blichen Augenblick – und nicht generell – eine andere Haltung hätte eingenom-

men werden können (Urk. 135 S. 19 Rz 55).  

3.6. Der Staatsanwalt macht geltend, dass es nicht ganz stimme, dass sich die 

Beschuldigte nie darüber Gedanken gemacht habe, was geschehen könne. Fakt 

sei, dass sie sich entschlossen habe, zu C._____ zu gehen, um den Status zu re-

geln. "Ich wollte wissen, woran ich bei ihm bin und dass endlich das ewige Strei-

ten aufhört. Ich wollte Frieden." Dies sei eine Aussage der Beschuldigten vom 17. 

Januar 2013. Später in dieser Einvernahme habe sie gesagt, dass sie die Pistole 

mitgenommen habe zum Selbstschutz, um ihn auf Distanz zu halten im Fall eines 

Angriffs, um ihn so abzuschrecken. Sie habe die Waffe mitgenommen, weil sie 

schlechte Erfahrungen gemacht habe. Auf die Frage, wieso sie die Waffe nicht 

ohne Magazin und damit ohne Munition mitgenommen habe, habe die Beschul-

digte erklärt, dass dies keinen Sinn mache. Im allerschlimmsten Fall hätte sie sich 

nicht verteidigen, ihn abwehren können. Eine ungeladene Waffe sei nichts, sei 

ungefährlich, man müsse eine Ladebeweg machen, sonst passiere nichts. Sie 

habe in Kauf genommen, die Waffe gegen C._____ einzusetzen. Diese Gedan-

ken habe sie sich bereits schon vorgängig gemacht. Sie habe wohl gewusst, dass 

sie eine gute Schützin sei. Sie habe aber gehofft – das könne man ihr zugestehen 

– dass sie die Waffe grundsätzlich nicht einsetzen müsse. Aber sie habe sich 

schon vor dem Gang zu C._____ Gedanken gemacht. Und wer sich solche Ge-

danken mache, könne sich nachher nicht auf einen entschuldbaren Notwehrex-

zess berufen, weil sie sich derart in Panik befunden habe (Prot. II S. 14 f.).  

3.7. Zu prüfen ist demnach, ob die Beschuldigte die Grenzen der Notwehr in 

entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff überschritten hat. Für 

die Klärung dieser Frage muss zuerst das Entstehen der Notwehrsituation, den 

Geschehensablauf und dann das Nachtatverhalten der Beschuldigten einer nähe-

ren Betrachtung unterzogen werden.  

3.8. Dazu sind insbesondere die zur Tat zeitnahen Aussagen der Beschuldigten 

heranzuziehen:  

- 38 - 

3.8.1. In der staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 18. November 2012, 

um 00.22 Uhr (Urk. 4/1), sagte die Beschuldigte, es sei ein ständiges Auf und Ab 

gewesen. Es habe auch immer wieder Drohungen gegeben, er sei näher gekom-

men und habe sich dann wieder entfernt. Er habe die ganze Zeit gestichelt und 

habe sie mit dem Finger ständig wie gestichelt. Er habe sie eingeschüchtert und 

ihr Angst gemacht. Es sei so ein Hin und Her gewesen. Sie hätte gehen, nicht ge-

hen, ihm Alkohol bringen sollen. Er habe gesagt, er sei auf 180ig und wolle etwas 

trinken. Es sei immer schlimmer geworden. Sie seien dann aus dem Zimmer und 

raus in den Gang bzw. in das Wohnzimmer gegangen. Er habe angefangen sie 

richtig heftig zu schupfen, dies gegen die linke Brust bzw. die Schulter. Er habe 

sie mit der flachen Hand geschupft und sie sei in Richtung Boden gefallen, habe 

sich aber an der Couch festhalten können. Sonst wäre sie nach hinten umgefal-

len. Dann sei es weiter gegangen. Sie habe von ihm weggewollt und sei um die 

Couch rumgegangen. Sie habe bereits ihre Jacke an und ihr Tasche umgehängt 

gehabt. Sie habe ihm gesagt, er solle sie bitte gehen lassen. Sie habe aus der 

Wohnung raus gewollt aber er habe ihr den Weg versperrt. Er habe sie eingekes-

selt (Urk. 4/1 S. 6). Er habe sie um das Sofa rum gejagt und habe sie packen, 

dran nehmen, verprügeln wollen. Als es zum Äussersten gekommen sei, sei sie 

eingekesselt gewesen. Sie habe flüchten wollen, ums Sofa rum, zur Türe und 

raus (Urk. 4/1 S. 7). Wörtlich sagte die Beschuldigte dann folgendes: "Es war so, 

dass das Sofa zwischen mir und ihm stand. Er ergriff dann das Sofa und hat es 

weggeworfen, so dass nichts mehr zwischen uns stand, nichts mehr, nichts 

mehr". An dieser Stelle der Einvernahme begann die Beschuldigte zu weinen und 

führte weiter aus, dass sie in diesem Moment Todesangst gehabt habe. Sie habe 

gewusst, dass er sie jetzt kaputt mache. Sie habe keinen Ausweg mehr gesehen. 

Sie habe diese (gemeint ist die Waffe) dabei gehabt, weil sie so schlechte Erfah-

rungen mit ihm gemacht habe. Sie habe gelernt, dass man mit einer Waffe je-

manden auf Distanz halten könne. Sie habe dann die Waffe gezogen, eine Lade-

bewegung gemacht und geschrien wie am Spiess. Sie habe geschrien, er solle 

aufhören, weg weg. Sie wisse nicht mehr genau, was sie gesagt habe. Sie habe 

auch geschrien. Es sei alles sehr sehr schnell gegangen (Urk. 4/1 S. 7). Er habe 

nicht gestoppt, sondern sei auf sei losgegangen. Und dann habe sie geschossen, 

- 39 - 

sie sei seitlich weggerannt und habe weiter geschossen, sei aus der Wohnung 

raus und sei weg. Das sei wie im Nebel in der Erinnerung. Sie wisse nicht mal, 

wohin sie geschossen habe. Auf die Frage, wie viele Male sie abgedrückt habe, 

sagte die Beschuldigte, dass sie es nicht wisse. Sie habe Todesangst gehabt. Sie 

habe "ihren Arsch" retten wollen. Sie habe gewusst, er mache sie zum Krüppel 

oder bringe sie um. Er habe schon mehrere Male zuvor massive Drohungen ge-

äussert, dass er sie zum Krüppel mache, dass er sie unkenntlich mache, dass er 

sie in den Rollstuhl bringe, dass er sie umbringe. Er habe ihr gesagt, dass er sie 

"schlisse", sie sei jetzt "dran". Sie habe um ihr Leben gebettelt und ihm gesagt, 

dass sie gehen wolle. Es sei um Sekundenbruchteile gegangen. Das Sofa sei 

weg gewesen. Er sei auf sie zugekommen. Sie habe gehen wollen. Sie habe ihm 

dann gedroht und mit der Waffe in der Hand gesagt, er solle weg, Abstand halten. 

Er sei auf sie zugestürmt und sie habe direkt auf ihn geschossen. Dann sei sie 

raus gerannt und habe dabei noch geschossen. Sie wisse nicht mehr, ob sie ein- 

oder beidhändig geschossen habe. Es sei wie in Panik gewesen. Sie habe  

Todesangst gehabt. Als er auf sie zugestürmt sei, sei es um ihr Leben gegangen. 

Entweder er oder sie (Urk. 4/1 S. 8). Auf die Frage, wieso sie mehr als einen 

Schuss abgegeben habe, sagte die Beschuldigte, dass sie in Panik gewesen sei. 

Sie habe nicht mal mehr geschaut. Es sei ein päng, päng, päng gewesen. Sie ha-

be gedacht, dass sie sterben würde. Sie sei rausgerannt, die Treppe runter. Sie 

sei wie ein Psycho gewesen (Urk. 4/1 S. 11).  

3.8.2. Anlässlich des Augenscheins/Tatrekonstruktion vom 22. November 2012 

(Urk. 5/1) sagte die Beschuldigte, während sie neben dem Sofa stehend die Waf-

fe gezogen hatte, auf entsprechende Frage, dass sie versucht habe, ihn zu stop-

pen: Er solle sie gehen lassen; sofort; weg. Sie habe geschrien. Sie wisse den 

genauen Wortlaut nicht mehr. Sie habe gesagt, aufhören, stopp, lass mich gehen. 

Weg! (Urk. 5/1 S. 14). Auf die Frage, ob er immer am selben Ort gestanden habe, 

sagte die Beschuldigte, dass sie es nicht sagen könne. Sie habe ihn nicht mehr 

gesehen, sie habe nichts mehr gesehen. Sie wisse es nicht, sie habe ihn nie ge-

sehen. Das letzte Bild, das sie in Erinnerung habe… das letzte Bild, das sie gese-

hen habe, vor diesem Nebel… sie sehe nur noch Blitze und Nebel. Das sei das 

Letzte. Das Letzte, was sie von ihm gesehen habe, sei wie er losgestürzt sei. 

- 40 - 

Dort, als sie zum ersten Mal geschossen habe und nachher sei irgendetwas Wir-

res gewesen, aber sie wisse nicht, ob zweihändig oder einhändig… sie wisse 

nicht mehr, was weiter gewesen sei. Sie sei die Treppe hinuntergerannt, das wis-

se sie auch noch. Sie habe keinen Lift genommen und nichts. Aber bis sie wieder 

klar gedacht habe, sei sie unten auf der Strasse gewesen. Deshalb sage sie ja, 

dass sie nicht sagen könne, wie viele Male sie geschossen habe. Normalerweise 

wüsste sie das. Sie könnte sagen, sie habe zwei Mal, drei Mal oder vier Mal ge-

schossen, aber sie wisse es nicht. Sie habe sich den Weg freigeschossen. Sie 

habe ihn auch nie gesehen. Sie habe ihn nie gesehen, sie wisse nicht, wie er 

ausgesehen habe. Sie wisse auch nicht, ob sie ihn…. sie habe frontal geschos-

sen, aber sie habe keinen Einschlag gesehen. Es sei nicht wie in einem Film ge-

wesen. Sie warte, die ganze Nacht sei sie wach und warte, dass irgendwelche 

Bilder oder etwas in ihren Gedanken kommen würde oder ob es noch irgendeine 

Möglichkeit gegeben hätte, aber sie … habe in diesem Moment Todesangst hier 

drinnen gehabt. Sie habe gewusst – er habe ihr angedroht, ihr den Schädel zu 

zerschlagen – wenn er sie packe, sei sie am Arsch. Das verrückte sei, dass er 

nicht auf ihre Warnung gehört habe. Ihre Abschreckung habe ihn nicht interes-

siert. Es habe ihn nicht interessiert, eine Schusswaffe vor sich zu haben. Für ihn 

sei das nichts gewesen. Er habe trotzdem den Angriff gewagt (Urk. 5/1 S. 17). Bei 

der weiteren Rekonstruktion des Tatverlaufes zielte die Beschuldigte beidhändig 

mit der Waffe und sagte dazu, dass es dieser Schuss gewesen sei, aber nachher, 

wie viele Male sie geschossen habe… geschaut habe sie nicht mehr. Sie habe 

keine Bilder dazu. Sie wisse nicht, einhändig, zweihändig, rückwärts, sie wisse es 

nicht, sie könne es nicht sagen. Sie wisse es nicht, sie könne ihre Bewegungen 

nicht nachvollziehen, weil sie es nicht mehr wisse. Alles, was sie jetzt sagen wür-

de, wäre falsch, weil sie es nicht mehr wisse. Sie könne nichts sagen, das sie 

nicht mehr wisse (Urk. 5/1 S. 18). Auf die Frage, welche Art von Schiessaus-

bildung sie habe, sagte die Beschuldigte, dass sie verschiedene Sachen gemacht 

habe, mit Pistolen, von Basis bis Advanced. Sie habe das privat bei der … Trai-

ning gemacht. Geübt worden sei immer mit Mehrfachschuss (Urk. 5/1 S. 18). Auf 

den Vorhalt, ob es nicht so sei, dass man – um einen Gegner zu bekämpfen – 

nicht nur einen Schuss abgebe, sondern zwei, drei, vier, fünf Schüsse, sagte die 

- 41 - 

Beschuldigte, sie habe gelernt, dass die Waffe da sei, um Leute auf Distanz zu 

halten. Grössere Gegner abzuhalten und im schlimmsten Fall, wenn das Leben 

bedroht sei, frei zu schiessen. Dann spiele es keine Rolle mehr (Urk. 5/1 S. 19). 

Auf die Frage, ob sie noch sagen könne, in welchem Moment C._____ nicht mehr 

gestanden, sondern gelegen habe, führte die Beschuldigte aus, dass sie es nicht 

mehr sagen könne. Sie sei einfach irgendwie raus. Sie könne nicht mehr sagen 

wie, sie wisse es nicht. Sie könne es nicht sagen. Sie habe geschossen und sei 

raus. Aber das sei alles im Nebel. Auch die Geräusche (…). Sie habe geschossen 

und habe nichts gehört. Kein Pfeifen und nichts. Das sei ihr auch unerklärlich. Sie 

habe gedacht, dass sie da hinten sterbe. Sie habe gewusst, wenn C._____ sie 

jetzt packe, dann sei sie am Arsch, dann sei sie tot oder schwer verletzt oder was 

auch immer er mit ihr anstelle. Seine Aussage sei gewesen: Er mache sie kaputt. 

Bereits im Vorfeld habe er ihr immer wieder gesagt, er werde sie umbringen mit 

einem Schlag, er könne ihr das Genick brechen oder er werde sie zum Krüppel 

machen und sie in den Rollstuhl bringen. Sie habe seine Warnung ernst genom-

men. In jenem Moment habe sie Todesangst gehabt. Deswegen wisse sie nicht, 

wie ihr der Laden runtergegangen sei. Deshalb sage sie, dass alles Training, das 

sie jemals gemacht habe, nutzlos gewesen sei. Das habe alles nichts gebracht. 

Der Staatsanwalt habe sie gefragt, ob sie nicht auf ein Bein oder in die Decke hät-

te schiessen können. Das wäre Taktik, da hätte sie etwas überlegen müssen und 

denken, aha, ein Bein, ok. Das gehe nicht. Da seien ja auch Emotionen, weil das 

kein Fremder sei. Das sei nicht wie im Einsatz, wenn bei ihnen ein Spinner unter-

wegs sei und sie einschreiten müssten und man zielen könne und sie zu zehnt 

wären. Das sei ihr Freund gewesen. Sie vermisse ihn jetzt auch. Sie habe nie 

gewollt, dass er tot sei, auf keinen Fall (Urk. 5/1 S. 20). Auf die Frage, ob es eine 

Berührung zwischen ihnen gegeben habe, sagte die Beschuldigte, sie glaube 

nicht. Sie könne sich nicht erinnern. Sie glaube nicht, dass er sie angefasst habe. 

Sie wisse auch nicht, ob er noch etwas gesagt habe oder geschrien habe. Nichts, 

sie wisse nichts mehr. Sie könne das nicht sagen (Urk. 5/1 S. 21). Auf die Frage, 

ob sie sagen könne, wo die letzte Schussabgabe gewesen sei, wo sie das Gefühl 

habe, dass sie das letzte Mal geschossen habe, sagte die Beschuldigte: "Beim 

Rausgehen" (Urk. 5/1 S. 23). Nach entsprechender Aufforderung, sie solle die 

- 42 - 

Waffe halten und sich dorthin stellen, wo sie das Gefühl habe, dass die letzte 

Schussabgabe erfolgt sei, sagte die Beschuldigte, dass sie es nicht sagen könne, 

sie wisse es nicht. Sie habe auch nicht gezielt. Sie wisse es nicht mehr. Sie habe 

keine Bilder. Wenn sie jetzt schauen würde, dann würde sie ihn sehen. Sie habe 

nichts mehr gesehen. Sie könne nichts sagen, das sie nicht gesehen habe. Sie 

wisse, dass sie schiessend raus sei. Das sei ihr Gefühl. Sie könne es aber nicht 

sagen. Das einzige, woran sie sich erinnere, sei der Gedanke: "Notfall-

Freischiessen". Das sei das einzige Gefühl. Es sei nicht mal ein Gedanke. Es sei 

ein Gefühl. Das Gefühl von dort hinten sei einfach: "Weg; ich will weg. Ich will 

nach Hause, ich will hier raus. Ich sterbe jetzt. Ich habe gewarnt und er ist ge-

kommen. Aber ich kann nicht sagen, was abgegangen ist. Ich kann den Weg von 

hier hinten nicht sagen. Wie viele Male ich geschossen habe, ich weiss es nicht" 

(Urk. 5/1 S. 24). 

3.8.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte die Beschuldigte, dass 

C._____ gegen sie gewalttätig geworden war. Es habe verschiedene Vorfälle, von 

Würgen, Bedrohungen und Halten der Waffe gegen ihren Kopf gegeben und er 

habe sie gebissen. Er habe auch Bedrohungen gegen ihre Familie ausgestossen 

und habe sie am Wohnort kontrolliert. Wenn man nicht gemacht habe, was er ge-

sagt oder gewollt habe, dann habe das Konsequenzen gehabt. Die Konse-

quenzen seien Drohungen, Würgen oder Schütteln gewesen. Er habe sie auch 

gequetscht, das heisse richtig zugedrückt. Diese Konsequenzen habe es schon 

vor dem 17. November 2012 gegeben und sie habe versucht, mit diesen umzu-

gehen. Nahe bei der Tat, in der Endphase, habe ihr C._____ zweimal seine 

"Glock17" im geladenen und entsicherten Zustand an den Kopf gehalten. Der 

Grund sei Eifersucht gewesen; es habe sich immer ums Gleiche gedreht 

(Urk. 134 S. 11). Er habe die Waffe vor ihr geladen und durchgeladen. Er habe 

auch die Patronen vor ihr eingesetzt. Auf die Frage, ob die beschriebenen Atta-

cken jeweils überraschend oder diese im Rahmen einer eskalierenden Auseinan-

dersetzung gekommen seien, sagte die Beschuldigte, dass es etwas Spezifisches 

habe sein können, auch Lappalien. Meistens sei es mit einem Streit gekommen. 

Aber was er machen würde, habe sie nicht vorhersehen können. Er sei sehr auf-

brausend gewesen. Es habe zum Beispiel sein können, dass sie zu spät gekom-

- 43 - 

men sei und dies zu Streit geführt habe. Sie habe versucht deeskalierend zu sein. 

Sie habe nicht provoziert (Urk. 134 S. 12).  

Auf die Frage, weshalb sie C._____ nicht verlassen habe, nachdem es immer 

wieder zu auch tätlichen Auseinandersetzungen gekommen sei, sagte die Be-

schuldigte, dass ihr eigenes Verhalten aus heutiger Sicht für sie schwer nachvoll-

ziehbar sei. Wenn sie sich von ihm abgewandt habe, habe er ihr ein schlechtes 

Gewissen gemacht. Er habe es dann so gedreht, dass sie schuld gewesen sei. 

Heute würde sie sich sofort zurückziehen. Damals sei sie so da drin gewesen. Sie 

habe die Hoffnung gehabt, dass alles gut werde. Er habe auch ihre Familie einbe-

zogen. Sie sei der Meinung gewesen, dass man ihm helfen müsse, aus den Dro-

gen rauszukommen. Sie habe gedacht, dass er dann wieder so werde wie früher. 

Sie habe sich auch eine gemeinsame Zukunft mit C._____ vorgestellt. Auch von 

seiner Seite sei dies der Fall gewesen. Er habe das ihr und auch ihrer Mutter ge-

sagt. Er habe auch gesagt, dass er sich eine Familie mit ihr wünsche (Urk. 134 

S. 13).  

An diesem 17. November 2012 sei sie zu C._____ gegangen, weil er gewollt ha-

be, dass sie komme. Sie sei trotz des Umstandes, dass er "druff" (nach  

Kokainkonsum) und ein richtiges Pulverfass gewesen sei, zu ihm gegangen, weil 

es das Beste gewesen sei, ihn in solchen Situationen zu beschwichtigen. Sie ha-

be ihm zeigen müssen, dass alles in Ordnung sei, dass keine anderen Männer im 

Spiel seien. Sie habe ihn einerseits beruhigen und auch besprechen wollen, was 

laufe. Sie sei hingegangen, um ihn zu beruhigen. Sie hätten auch über ihren ak-

tuellen Status gesprochen. Aber der Grund, weshalb sie hingegangen sei, sei 

Angst gewesen. Sie habe ihn beruhigen gehen müssen. Er habe ihr gedroht, dass 

wenn sie ihm nicht gehorche, er sie und ihre Familie heimsuchen werde (Urk. 134 

S. 14 f.). Sie habe ihre Pistole aus Angst, dass er wieder seine eigenen Waffe 

hervornehme, mit sich geführt. Es sei ein Impuls gewesen. So wie er seine Waffe 

hervorgenommen habe, habe sie ihre mitgenommen. Es sei um ein Abschrecken 

gegangen. Sie habe nicht weiter gedacht. Das sei der grosse Fehler gewesen, 

den sie heute bereue. Sie hätte weiter denken müssen (Urk. 134 S. 17 f.). Es sei 

gehäuft vorgekommen, dass er die Waffe dabei gehabt habe, so dass sie sich 

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stärker bedroht gefühlt habe. Seine Waffe sei sehr präsent gewesen. Sie habe 

sich wie immer bedroht gefühlt. Dass sie die Waffe mitgenommen habe, sei, weil 

sie die Sache nicht fertig gedacht habe, die Waffe ein ultimatives Mittel gewesen 

sei (Urk. 134 S. 19). Die Frage, ob sie am 17. November 2012 mit einer heftigen 

Auseinandersetzung gerechnet habe, verneinte die Beschuldigte. Sie habe die 

Waffe zum Abschrecken mitgenommen. Wenn er sie bedroht hätte, hätte sie ihn 

auch bedrohen können. Wenn er ihr die Waffe an den Kopf gehalten habe, habe 

sie ja jeweils auch gehorcht. Für sie sei es ein Abschreckungsmittel gewesen. Der 

Gedanke, dass es zum Ernstfall komme, sei ihr nicht gekommen (Urk. 134 S. 20). 

Auf die Frage, ob es nicht naheliegend sei, das man auch schiesse, wenn man 

eine Waffe mit eingesetztem Magazin mit sich trage und sich die Sache allenfalls 

nicht so entwickle, wie man sich das zuvor vorgestellt habe, erwiderte die Be-

schuldigte das Folgende: "Nein, weil ich mehrere Erfahrungen mit seiner Waffe 

hatte, rechnete ich nicht damit, dass etwas passiert" (Urk. 134 S. 21).  

Die Beschuldigte bestätigte, dass sie sich nicht mehr an das Schiessen selbst er-

innern könne. Sie habe auch den Gutachter gefragt, was das sei. Sie habe keine 

Antwort. Für sie sei das unheimlich, dass sie den Ablauf nicht wisse. Das letzte, 

woran sie sich erinnern könne, sei, dass sie angefangen habe zu schiessen. Da-

nach sei es nur noch ein Gefühl gewesen. Man müsse dort raus, es sei Panik, 

dass C._____ nach ihr greife, hinter ihr her sei (Urk. 134 S. 22). Die erste Erinne-

rung, nachdem sie die Wohnung verlassen habe, sei, dass sie ihre Mutter angeru-

fen habe, dann der Anruf bei der Polizei (Urk. 134 S. 22).  

Auf die Frage, in welchem Moment sie sich entschlossen habe, die Waffe zu zie-

hen und warum sie das getan habe, erklärte die Beschuldigte, es sei dann ge-

wesen, als C._____ das Sofa entfernt habe. Sie habe nicht gewollt, dass er sie 

umbringe. Er habe ihr gesagt, dass er sie umbringe. In diesem Moment habe es 

kein Hindernis mehr gegeben zwischen ihr und C._____ (Urk. 134 S. 22 f.).  

Danach befragt, was im Unterschied zu früheren Auseinandersetzungen anders 

gewesen sei , dass sie diesmal eine Waffe mitgenommen habe, meinte die Be-

schuldigte, dass diesmal die Bedrohung stärker gewesen sei. C._____ habe ihr 

konkret gesagt, er bringe sie um. Das Empfinden sei mehr gewesen. Er habe 

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Probleme gehabt und habe ihr gesagt, er habe nichts mehr zu verlieren. Sein 

ganzes Leben sei bergab gegangen. Dass er das Sofa weggeworfen habe, habe 

ihr gezeigt, dass er es nun ernst meine (Urk. 134 S. 23).  

Die Frage, was genau sie dann letztlich in der Wohnung konkret veranlasst habe, 

jetzt die Waffe zu ziehen, erwiderte die Beschuldigte folgendes: "Weil ich einge-

kesselt war und nicht mehr weg konnte. Er versperrte mir den Fluchtweg. Er war 

vis-à-vis". Weiter bestätigte die Beschuldigte, dass sie den Eindruck gehabt habe, 

C._____ bringe sie jetzt um. Mit der Aussage, dass es letz