# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07aca092-32cc-548c-aada-fb909b2bce00
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2001-01-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 24.01.2001 SB 2000 78
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SB-2000-78_2001-01-24.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 24. Januar 2001 Schriftlich mitgeteilt am: 
SB 00 78 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vizepräsident Schlenker, Kantonsrichter Schäfer und Vital, Aktuarin ad hoc Bäder.

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In der strafrechtlichen Berufung

der X., Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Gieri Caviezel, Va-
zerolgasse 2, 7000 Chur,

gegen

das Urteil des Kreisgerichtsausschusses Belfort vom 5. September 2000, mitgeteilt 
am 10. Oktober 2000, in Sachen gegen die Berufungsklägerin,

betreffend grobe Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. X. wurde am _ in A., B., geboren. Dort wuchs sie in guten Verhältnissen 
zusammen mit zwei Geschwistern bei den Eltern auf. Als sie 14 Jahre alt war, trat 
sie in ein Internat in C. ein. Nach dem Gymnasium nahm X. in D. ein Sprachstudium 
auf, nach dessen Beendigung sie eine Ausbildung als Kosmetikerin und Kauffrau 
absolvierte. Im Jahre 1975 verheiratete sie sich mit E., welcher 1996 in F. verstarb. 
Ihrer Ehe entsprossen zwei Kinder.

Im Jahre 1997 versteuerte X. ein Reineinkommen von Fr. 225'000.--, während 
sich ihr steuerbares Reinvermögen auf Fr. 3'200'000.-- belief.

X. ist weder im Schweizerischen Zentralstrafregister noch im SVG-Massnah-
menregister (ADMAS) verzeichnet.

B. Die durch die Staatsanwaltschaft Graubünden zu Handen des Kreisge-
richtsausschusses Belfort am 8. März 2000 erhobene Anklage stützt sich auf fol-
genden Sachverhalt:

"Am 21. Juli 1998, ca. um 7.28 Uhr, fuhren zwei Mitarbeiter der Verkehrs-
polizei J. mit ihrem neutralen Dienstfahrzeug, einem VW Passat Syncro, 
_, von G. kommend auf der H. in Richtung I.. Nach der Örtlichkeit "K." 
schloss dieses auf einen Personenwagen auf. Hinter dem Polizeifahr-
zeug folgte die Angeklagte mit ihrem Personenwagen, einem VW Golf 
Syncro, _. Nachdem X. nach der RhB-Überführung bei "K." zwei entge-
genkommende Fahrzeuge passiert hatte, setzte sie kurz vor der rechts-
seitigen Einfahrt des dortigen Feldweges zu einem Überholmanöver des 
vor ihr fahrenden Polizeifahrzeuges an. Zu diesem Zeitpunkt konnte die 
Angeklagte die 6,3 m breite Fahrbahn auf höchstens 100 m bis zu der 
folgenden leichten Rechtskurve frei überblicken. Dieses Überholmanöver 
erstreckte sich gemäss der polizeilichen Videoaufzeichnung bis aus-
gangs der erwähnten Rechtskurve und bis nach der dortigen leichten 
Kuppe, wo die Strasse mit einem Gefälle von 2 % weiterverläuft. Zufolge 
dieses Gefälles und des sich nach der rechtsseitigen Einfahrt des Feld-
weges bis zum Ende der genannten Rechtskurve befindenden Bündner-
zaunes ist diese Rechtskurve teilweise unübersichtlich bzw. wird dadurch 
die freie Sicht auf den weiteren Strassenverlauf eingeschränkt."

C. Mit Verfügung vom 27. August 1998 eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden eine Strafuntersuchung gegen X. wegen grober Verletzung von Ver-
kehrsregeln und beauftragte das Untersuchungsrichteramt L. mit deren Durch-
führung. Am 5. Oktober 1998 stellte das Untersuchungsrichteramt L. zuhanden des 

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Kreisamtes Belfort einen entsprechenden Mandatsantrag. Gestützt auf den darge-
stellten Sachverhalt erliess der Kreispräsident Belfort am 26. September 1999, mit-
geteilt am 27. September 1999, folgendes Strafmandat:

"1. X. ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG.

2. Dafür wird sie mit Fr. 4'500.00 Busse bestraft.

3. Die Probezeit für die vorzeitige Löschung der Busse wird auf 1 Jahr 
festgelegt.

4. Die Kosten der Kantonspolizei Graubünden, der Staatsanwaltschaft 
Graubünden und des Kreisamtes Belfort, bestehend aus:

- Untersuchungsgebühr Fr.    245.00
- Barauslagen Staatsanwaltschaft Fr.    161.50
- Strafmandatsgebühr Kreisamt Fr.    250.00
Total mit Busse von Fr. 4'500.00 Fr. 5'156.50

gehen zu Lasten von X. und sind mittels beiliegenden ES innert 10 
Tagen seit Mitteilung der Kreiskasse Belfort zu überweisen.

5. (Rechtsmittelbelehrung)

6. (Mitteilung)"

D. Gegen dieses Strafmandat liess X. am 5. Oktober 1999 durch Rechtsan-
walt Dr. iur. Gieri Caviezel Einsprache erheben. Nach Ergänzung der Untersuchung, 
u.a. durch einen Augenschein am 16. Dezember 1999, versetzte die Staatsanwalt-
schaft Graubünden X. mit Anklageverfügung vom 8. März 2000 wegen grober Ver-
letzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit 
Art. 90 Ziff. 2 SVG in Anklagezustand und überwies den Fall gestützt auf Art. 346 
StGB und Art. 48 StPO dem Kreisgerichtsausschuss Belfort zur Beurteilung.

E. Die Hauptverhandlung vor dem Kreisgerichtsausschuss Belfort fand am 
5. September 2000 statt. Anwesend waren die Berufungsklägerin und ihr privater 
Verteidiger Gieri Caviezel. Mit Urteil vom 5. September 2000, mitgeteilt am 10. Ok-
tober 2000, entschied der Kreisgerichtsausschuss:

"1. X. wird der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig 
gesprochen.

2. Dafür wird sie mit einer Busse von CHF 4'000.-- bestraft.

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3. Bei Wohlverhalten ist die Busse nach einer Probezeit von einem 
Jahr im Strafregister zu löschen.

4. Die Kosten der Untersuchung und diejenigen des Kreisamtes, be-
stehend aus

- Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft CHF 1'156.50
- Gerichtsgebühr CHF 1'050.--,

total somit (inkl. Busse) CHF 6'206.50 gehen zu Lasten von X. und 
sind mit beiliegendem Einzahlungsschein innert 30 Tagen seit Mit-
teilung der Kreiskasse Belfort zu überweisen.

5. (Rechtsmittelbelehrung)

6. (Mitteilung)"

F. Gegen dieses Urteil liess X. an den Kantonsgerichtsausschuss von 
Graubünden mit Eingabe vom 31. Oktober 2000 Berufung erheben mit folgenden 
Anträgen:

"1. Das angefochtene Urteil sei aufzuheben.

2. X. sei in der Anklage der groben Verkehrsregelverletzung von 
Schuld und Strafe freizusprechen.

3. Eventualiter sei die Angelegenheit an den Kreisgerichtsausschuss 
Belfort zurückzuweisen.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz.

5. Prozessualer Antrag: Durchführung eines Augenscheins vor Ort un-
ter Beizug der Berufungsführenden und dem unterzeichneten 
Rechtsanwalt."

G. Mit Schreiben vom 3. November 2000 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
auf die Einreichung einer ausführlichen Vernehmlassung und beantragte unter Hin-
weis auf die Akten und das Urteil der Vorinstanz die Abweisung der Berufung.

Die Vorinstanz sah mit Schreiben vom 19. November 2000 unter Hinweis auf 
die Ausführungen im Urteil ebenfalls von der Einreichung einer Vernehmlassung ab 
und beantrage die Abweisung der Berufung.

H. Am 24. Januar 2001 fand auf Gesuch des Rechtsvertreters von X. an der 
H. G. – I. (RhB-Überführung) in Anwesenheit der Berufungsklägerin und ihres Ver-
treters ein Augenschein statt.

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Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die Erwägungen des ange-
fochtenen Urteils wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Die Zuständigkeit des Kantonsgerichtsausschusses zur Beurteilung des 
vorliegenden Falles bestimmt sich nach Art. 141 der bis am 31. Dezember 2000 
geltenden Fassung der bündnerischen Strafprozessordnung (vgl. Art. 2 Abs. 3 des 
Gesetzes über die Änderung der Gerichtsorganisation). Art. 141 Abs. 1 derselben 
bestimmt, dass der Verurteilte und der Staatsanwalt gegen Urteile der Kreisgerichts-
ausschüsse beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung erheben können. Die Beru-
fung ist innert zwanzig Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des angefochtenen 
Entscheides einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, welche Mängel 
des erstinstanzlichen Entscheides gerügt werden und ob das ganze Urteil oder le-
diglich Teile davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 StPO). Diesen Anforderun-
gen vermag die vorliegende Eingabe zu genügen, da diese frist- und formgerecht 
erfolgte. Auf die Berufung von X. ist daher einzutreten.

2. Für das Verfahren findet Art. 144 der geltenden StPO Anwendung (vgl. 
Art. 3 Abs. 1 des Gesetzes über die Änderung der Gerichtsorganisation). Art. 144 
Abs. 1 StPO sieht in Bezug auf das Berufungsverfahren vor, dass der Kantonsge-
richtspräsident von Amtes wegen oder auf Antrag eine mündliche Verhandlung 
durchführen kann, wenn die persönliche Befragung des Angeklagten für die Beur-
teilung der Streitsache wesentlich ist. Findet keine mündliche Berufungsverhand-
lung statt, so trifft der Kantonsgerichtsausschuss seinen Entscheid ohne Parteivor-
tritt auf Grund der Akten (Art. 144 Abs. 3 StPO). Der Angeschuldigte in einem Straf-
verfahren hat aber unabhängig von der kantonalen Verfahrensordnung gestützt auf 
Art. 6 Ziff. 1 EMRK Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise und öffent-
lich gehört wird. Dieser Anspruch ist Teilgehalt der umfassenden Garantie auf ein 
faires Verfahren. Das Gebot der Verfahrensöffentlichkeit gilt dem Grundsatz nach 
nicht nur für das erstinstanzliche Strafverfahren, sondern erstreckt sich auf die Ge-
samtheit eines konkreten Strafverfahrens inklusive des gesamten Rechtsmittelwe-
ges, somit auch auf das Berufungsverfahren gemäss Art. 141 ff. StPO. Die Art der 
Anwendung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf ein Verfahren vor einer Rechtsmittelinstanz 
hängt von deren Besonderheiten ab. Von einer mündlichen Verhandlung vor der 
Rechtsmittelinstanz kann etwa abgesehen werden, soweit die erste Instanz tatsäch-
lich öffentlich verhandelt hat, wenn nur Rechtsfragen oder aber Tatfragen zur Dis-
kussion stehen, die sich leicht nach den Akten beurteilen lassen, ferner wenn eine 

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reformatio in peius ausgeschlossen oder die Sache von geringer Tragweite ist und 
sich keine Fragen zur Person und deren Charakter stellen (vgl. BGE 119 Ia 316 E. 
2b, ZGRG 2/99, S. 46). Zudem darf einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges 
öffentliches Interesse entgegenstehen. Der Betroffene kann auch von sich aus auf 
eine öffentliche Berufungsverhandlung verzichten. Voraussetzung eines wirksamen 
Verzichts ist, dass er ausdrücklich erklärt wird oder sich aus dem Stillschweigen des 
Betroffenen eindeutig ergibt. Im vorliegenden Fall verzichtete die Berufungsklägerin 
stillschweigend auf die Durchführung einer öffentlichen Berufungsverhandlung, in-
dem sie zu keinem Zeitpunkt die Durchführung einer mündlichen, öffentlichen Ver-
handlung verlangte. Es stellt sich daher im Folgenden die Frage, ob auch die wei-
teren Voraussetzungen für einen Verzicht auf eine mündliche Hauptverhandlung er-
füllt sind.

Das angefochtene Urteil des Kreisgerichtsausschusses Belfort wurde, nach-
dem am 16. Dezember 1999 von der Staatsanwaltschaft Graubünden ein Augen-
schein durchgeführt worden war, am 5. September 2000 im Anschluss an eine 
mündliche Hauptverhandlung erlassen. Auch der Kantonsgerichtsausschuss führte 
am 24. Januar 2001 während der Berufungsverhandlung einen Augenschein durch, 
in dessen Rahmen die Berufungsklägerin und ihr Rechtsvertreter Gelegenheit hat-
ten, sich zur Sache zu äussern. Im nun anstehenden Rechtsmittelverfahren stellt 
sich primär die Frage, ob X. mit ihrem Überholmanöver tatsächlich Verkehrsvor-
schriften nach SVG verletzt hat. Der Kantonsgerichtsausschuss hat sich daher 
hauptsächlich mit Rechtsfragen auseinanderzusetzen. Die zu beurteilenden Tatfra-
gen in Bezug auf die Ausdehnung des Überholmanövers können aufgrund der vor-
liegenden Akten und des durchgeführten Augenscheins beantwortet werden. Eine 
reformatio in peius ist ebenfalls ausgeschlossen, da lediglich X. gegen das vorin-
stanzliche Urteil Berufung erhoben hat und der Kantonsgerichtsausschuss - wie-
wohl er nach Art. 146 Abs. 1 StPO das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich frei über-
prüfen kann - die Strafe oder Massnahme nicht verschärfen darf, wenn nur zuguns-
ten des Verurteilten Berufung erhoben worden ist. Auch steht im vorliegenden Fall 
einem nichtöffentlichen Verfahren kein wichtiges öffentliches Interesse entgegen. 
Der Kantonsgerichtsausschuss kommt daher zum Schluss, dass die streitige Straf-
sache ohne mündliche Verhandlung gestützt auf die vorliegenden Akten und den 
durchgeführten Augenschein sachgerecht entschieden werden kann. Ein über den 
Rahmen des Augenscheins hinausgehendes persönliches Vortreten von X. vor Ge-
richt ist somit nicht notwendig.

3. Für das Berufungsverfahren ist zu beachten, dass dem Kan-
tonsgerichtsausschuss als Berufungsinstanz gemäss Art. 146 Abs. 1 StPO eine um-

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fassende, uneingeschränkte Kognition zukommt, dass er jedoch das vorinstanzliche 
Urteil grundsätzlich nur im Rahmen der in der Berufung oder Anschlussberufung 
gestellten Anträge überprüft (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung 
des Kantons Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, Ziff. 1 f. zu Art. 146 StPO, S. 375).

4. Der Kantonsgerichtsausschuss hat sich vorliegend mit dem von X. am 
21. Juli 1998 auf der H. von G. herkommend, im Bereich der RhB-Überführung 
durchgeführten Überholmanöver zu befassen. Dabei hat er zu prüfen, ob die Beru-
fungsklägerin mit dem fraglichen Überholvorgang tatsächlich Verkehrsregeln 
gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG verletzt und sich dabei einer groben Verletzung 
von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig gemacht hat. Als ers-
tes stellt sich dabei die Frage, ob X. das fragliche Überholmanöver auf dem von ihr 
gewählten Strassenabschnitt durchführen durfte. Dabei ist die zu Beginn des Über-
holmanövers benötigte Länge des Überholweges sowie derjenige Abschnitt, wel-
chen ein entgegenkommendes Fahrzeug in der gleichen Zeit zurück gelegt hätte, 
von Bedeutung. Sollte der Kantonsgerichtsausschuss zum Schluss gelangen, dass 
sie das Überholmanöver auf diesem Strassenabschnitt nicht hätte durchführen dür-
fen, stellt sich als nächstes die Frage, ob und wie weit andere Verkehrsteilnehmer 
durch den fraglichen Überholvorgang erheblich gefährdet wurden. Bei einer Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils ist schliesslich noch die Strafzumessung zu über-
prüfen, da die Berufungsklägerin die Aufhebung des ganzen vorinstanzlichen Urteils 
beantragt. Dabei darf der Kantonsgerichtsausschuss, wie bereits erwähnt, nicht 
über die von der Vorinstanz ausgefällte Strafe hinausgehen.

5.a) Gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG ist das Überholen und Vorbeifahren an Hin-
dernissen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der 
Gegenverkehr nicht behindert wird. Der im Sinne des Gesetzes für das Überhol-
manöver geforderte übersichtliche Raum hat aus einer genügenden Breite sowie 
einer genügenden Ausdehnung der Überholstrecke zu bestehen (BGE 101 IV 74).

Das Überholen in unübersichtlichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnü-
bergängen ohne Schranken sowie vor Kuppen ist gemäss Art. 35 Abs. 4 SVG aus-
drücklich verboten. Wer in einer teilweise unübersichtlichen Strecke vorfahren will, 
muss daher berücksichtigen, dass bis zum Abschluss seines Manövers aus dem 
unübersichtlichen Streckenteil jederzeit ein Fahrzeug auftauchen und sich ihm nä-
hern kann. Daher muss nicht nur die für den Überholvorgang benötigte Weglänge 
übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein entgegenkommendes 
Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überholende die linke Strassen-
seite wieder freigibt. Es genügt daher nicht, dass der Überholende danach trachtet, 

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den Überholvorgang kurz vor der unübersichtlichen Stelle abzuschliessen, sondern 
er muss ihn schon so weit vor diesem Punkt beendet haben, dass ein während des 
Überholens auf der Gegenfahrbahn auftauchendes Fahrzeug seinen Weg unter 
Einhaltung einer angemessenen Geschwindigkeit fortsetzen kann, ohne gefährdet 
zu werden (BGE 121 IV 238; 109 IV 134 E. 2).

Wer ein Fahrzeug überholen will, muss sich somit vergewissern, dass die ge-
setzlichen Voraussetzungen dafür zu Beginn des Manövers erfüllt sind. Der Über-
holende muss von Anfang an die Gewissheit haben, sein Unternehmen sicher und 
ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können. Er muss sicher sein, dass er 
während des ganzen Überholmanövers niemanden gefährdet und insbesondere ge-
fahrlos vor dem überholten und vor dem entgegenkommenden Fahrzeug wieder 
einbiegen kann. Die Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer beurteilt sich 
nach den konkreten Umständen des Einzelfalls.

b) X. macht in ihrer Berufung geltend, dass kurz vor der RhB-Überführung, 
nach welcher sie ihr Überholmanöver ansetzte, die Strecke auf einer Länge von 300 
m überblickbar gewesen sei und auch kurz nach der Unterführung noch rund 280 
m überblickbar geblieben seien. Auch die Vorinstanz räume in Ziff. 2 seiner Erwä-
gungen ein, dass sie im Zeitpunkt, in welchem sie das Überholmanöver ansetzte, 
noch eine Sichtweite von 150 m gehabt habe. Anhand der Distanzangaben auf den 
polizeilichen Fotos könne die Überholstrecke ziemlich genau ermittelt werden. Das 
Überholmanöver könne aufgrund dieser Fotos höchstens 70 - 75 m betragen haben. 
Die Strecke, welche zum Zeitpunkt des Überholens nach vorne überblickt werden 
konnte, habe folglich gut das zweifache der Überholstrecke betragen, so dass das 
Überholmanöver vollends den in BGE 121 IV 235 ff. gemachten Anforderungen ent-
spreche. Damit könne keine Rede davon sein, sie habe beim diskutierten Überhol-
manöver spekuliert und eine erhöhte abstrakte Gefährdung des übrigen Verkehrs 
verursacht. Es könne folglich keine grobe Verkehrsregelverletzung vorliegen und 
das angefochtene Urteil sei aufzuheben und sie freizusprechen. Der Augenschein 
zeige, dass weder eine Kuppe noch der sich am Ende der Rechtskurve befindliche 
Bündnerzaun die Sicht nach vorne derart einschränken konnte, dass der Gegenver-
kehr nicht rechtzeitig hätte erblickt werden können. Unter diesen Umständen könne 
nicht von einer groben Verletzung der Verkehrsregeln nach Art. 90 Ziff. 2 SVG ge-
sprochen werden. Nicht ohne Grund habe sogar die Vorinstanz in ihrem Urteil ein-
geräumt, es handle sich vorliegend um einen Grenzfall einer groben Verkehrsregel-
verletzung. Richtig besehen liege dagegen überhaupt keine Verkehrsregelverlet-
zung vor.

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c) Der Kreisgerichtsausschuss Belfort hielt in seinem Urteil vom 5. Septem-
ber 2000 fest, dass aufgrund der polizeilichen Ermittlungen davon auszugehen sei, 
dass X. das fragliche Überholmanöver kurz vor der rechtsseitigen Einfahrt des dor-
tigen Feldweges einleitete und den Überholvorgang ausgangs der nach der RhB-
Überführung folgenden leichten Rechtskurve beendete. Von der Stelle aus, wo nach 
der Videoaufzeichnung das Überholmanöver eingeleitet worden sei, habe die Sicht-
weite rund 100 m betragen. Stütze man sich auf die Aussagen von X., wonach der 
Überholvorgang ausgangs der RhB-Überführung im Bereich der linken Stützmauer 
eingeleitet worden sei, würde die Sichtweite rund 150 m betragen. Auch die Vertei-
digung sei der Ansicht gewesen, dass bei Einleiten des Überholmanövers eine frei 
überblickbare Strecke von 180 m hätte bestehen müssen, dass eine Unterschrei-
tung vorliegend jedoch gerechtfertigt gewesen sei, da kurz vor der RhB-Über-
führung eine Strecke von rund 300 m überblickt werden konnte. Dieser Ansicht 
könne sich der Kreisgerichtsausschuss Belfort allerdings nicht anschliessen, da auf 
den Zeitpunkt der Einleitung des Überholvorgangs abgestellt werden müsse, in wel-
chem die Sichtweite klar ungenügend gewesen sei. Die Sicht auf den weiteren 
Strassenverlauf nach der leichten Rechtskurve sei ausserdem zufolge des in dieser 
Kurve am rechten Strassenrand stehenden Bündnerzaunes und der sich am Ende 
dieses Zaunes befindenden Kuppe stark eingeschränkt worden. Der Überholvor-
gang habe sich auf einer häufig benutzten Ausserortsstrecke ohne signalisierte Ge-
schwindigkeitsbeschränkung bei einwandfreien Strassenverhältnissen abgespielt. 
Auf einer solchen Strecke müsse jederzeit mit schnell fahrendem Gegenverkehr ge-
rechnet werden, wobei es immer wieder Motorfahrzeugführer gebe, welche die den 
örtlichen Verhältnissen angemessene Geschwindigkeit überschreiten würden. Als 
X. nach Passieren des Gegenverkehrs das Polizeifahrzeug zu überholen begonnen 
habe, habe sie entgegen ihrer Meinung nicht mit Sicherheit wissen können, dass 
sich ihr aus dem verdeckten Strassenabschnitt hinter der erwähnten Rechtskurve 
kein Fahrzeug nähere. Auf dem der Rechtskurve folgenden Strassenabschnitt wür-
den entgegenkommende Fahrzeuge zufolge des dortigen Strassengefälles jeweils 
für einige Sekunden verschwinden. Ausserdem sei die Sicht zum Zeitpunkt der Ein-
leitung des Überholvorganges zufolge des im Bereich der genannten Rechtskurve 
stehenden Bündnerzaunes für eine gewisse Zeit beschränkt gewesen. Die Video-
aufzeichnung ergebe klar, dass sich das Überholmanöver über die Kurve hinaus 
erstreckt habe. Zwar sei die Übersichtlichkeit auf der linken Überholspur sicherlich 
besser, doch habe diese Übersichtlichkeit erst bestanden, nachdem X. sich auf der 
Überholspur befunden und das Polizeifahrzeug überholt hatte. Beim Einleiten des 
Überholvorganges habe diese Übersichtlichkeit nicht bestanden. Die frei überblick-
bare Strecke habe für das fragliche Überholmanöver klar nicht ausgereicht. Wer 

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beim Überholen darauf spekuliere, dass sich ihm aus teilweise verdeckten Stras-
senpartien kein anderes Fahrzeug nähere, welches in seinen Überholbereich hin-
einfahren könnte, verletze Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG. Das fragliche Überholmanöver 
führe demnach in jedem Fall zu einer erhöhten abstrakten Gefährdung des Gegen-
verkehrs, und ein aus der Gegenrichtung plötzlich auftauchendes Fahrzeug sowie 
das überholte Polizeifahrzeug wären ernsthaft gefährdet worden. Da es sich bei Art. 
35 SVG um eine elementare automobilistische Sorgfaltspflichten regelnde Norm 
handle, wiege die Verletzung dieser Sorgfaltspflicht objektiv schwer. Es müsse dem-
nach von einer groben Verkehrsregelverletzung gesprochen werden.

d) Die exakte Rekonstruktion einer Überholsituation ist im Nachhinein sel-
ten möglich, wird vorliegend jedoch durch die polizeiliche Videoaufzeichnung er-
leichtert. Die urteilenden Instanzen müssen bei der objektiven Beurteilung eines 
Überholmanövers in den meisten Fällen von verschiedenen, sich möglicherweise 
abgespielten Varianten ausgehen, wobei sie dann bei der konkreten Beurteilung der 
Tat von der für den Betroffenen realistisch günstigsten Version ausgehen.

aa) Während vorliegendenfalls unbestritten ist, dass X. am 21. Juli 1998 das 
fragliche Überholmanöver ausgeführt hat, bestehen bei den dem Gericht vorliegen-
den Aussagen bezüglich des Ausgangspunktes und der Länge des Überholvorgan-
ges sowie der überblickbaren Strecke bei dessen Einleitung Divergenzen. Die 
Staatsanwaltschaft ging in der Anklageschrift vom 8. März 2000 davon aus, dass X. 
das fragliche Überholmanöver kurz vor der rechtsseitigen Einfahrt des dortigen 
Feldweges einleitete. Von dort aus habe die Sichtweite auf den folgenden Strassen-
abschnitt rund 100 m betragen. Davon ging auch die Vorinstanz in ihrem Urteil vom 
5. September 2000 aus. Das fragliche Manöver hat nach Ansicht der Staatsanwalt-
schaft 530 bis 708 m betragen (vgl. Ergänzung der Anklageschrift vom 8. März 
2000). Die Berufungsklägerin ihrerseits gab in der polizeilichen Einvernahme vom 
5. August 1998 an, das Vorfahrmanöver kurz vor der rechtsseitigen Einfahrt des 
Feldweges begonnen zu haben. Hingegen führte sie im Rahmen der untersu-
chungsrichterlichen Einvernahme am 26. Januar 2000 aus, das Überholmanöver im 
Bereich der linken Stützmauer nach der RhB-Überführung eingeleitet zu haben. 
Dies bestätigte sie auch anlässlich des am 24. Januar 2001 vom Kantonsgerichts-
ausschuss durchgeführten Augenscheins. Die Sichtweite habe an diesem Punkt 
150 m betragen. In der Berufungsschrift vom 31. Oktober 2000 hält sie fest, das 
Überholmanöver könne höchstens 70 bis 75 m betragen haben. Nach Aussage der 
beiden sich im überholten Fahrzeug befindenden Polizisten M. und N. im Polizei-
rapport vom 18. August 1998 setzte X. zum Überholmanöver an, als sie sich mit 
ihrem Polizeifahrzeug kurz vor der rechtsseitigen Einfahrt des dortigen Feldweges 

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befanden. Das Manöver habe sich auf eine Distanz von 90 m erstreckt. Diese Aus-
sagen decken sich bezüglich des Ausgangspunktes des Vorfahrmanövers weitge-
hend mit denjenigen von X. in der untersuchungsrichterlichen Einvernahme und 
beim Augenschein. Wenn sich die Polizisten bei der Einleitung des Überholvorgan-
ges kurz vor der rechtsseitigen Einfahrt des Feldweges befanden, ist anzunehmen, 
dass sich die Berufungsklägerin in diesem Zeitpunkt auf der Höhe der linken Stütz-
mauer der RhB-Überführung befand, zumal die Distanz vom Ende dieser Stütz-
mauer bis zu einem Punkt "kurz vor der Einfahrt des Feldweges" nur wenige Meter 
beträgt (vgl. Foto Nr. 1 des polizeilichen Fotoblattes). Der Kantonsgerichtsaus-
schuss sieht demnach vorliegend keine Veranlassung, die Aussagen der Polizeibe-
amten M. und N. in Frage zu stellen. In regelmässiger Praxis wurde zudem erkannt, 
dass Verkehrspolizisten aufgrund ihrer Ausbildung im Beobachten und Beurteilen 
von Verkehrssituationen besonders geschult und erfahren sind. Ihrer Sachverhalts-
darstellung kommt daher grundsätzlich eine gewisse Glaubhaftigkeit und Beweis-
kraft zu. Der Kantonsgerichtsausschuss geht demnach vorliegend davon aus, dass 
das Überholmanöver ausgangs der linksseitigen Stützmauer der RhB-Überführung 
eingeleitet wurde.

bb) Im Rahmen des vorinstanzlichen Augenscheins wurde festgestellt, dass 
von der Stelle der Einleitung des fraglichen Überholmanövers die weitere Strecke 
bis zur folgenden leichten Rechtskurve rund 150 m frei überblickt werden kann. 
Diese Sichtweite von 150 m bei Ansetzen des Überholvorganges hat sich beim vom 
Kantonsgerichtsausschuss durchgeführten Augenschein als richtig erwiesen. Es ist 
daher von diesem Wert auszugehen. Steht somit fest, wie lange die Sichtdistanz für 
das zu beurteilende Überholmanöver gewesen ist, ist nun in einem weiteren Schritt 
zu berechnen, ob diese Sichtdistanz genügte, um ein gefahrloses Überholmanöver 
durchführen zu können. Dabei ist der nötige Überholweg und die für ein allfällig ent-
gegenkommendes Fahrzeug benötigte Strecke zu berechnen.

cc) Anhand der Distanzangaben auf den polizeilichen Fotos, welche vom 
überholten Fahrzeug aus gemacht wurden, lässt sich die Überholstrecke ziemlich 
genau ermitteln. Die Distanzangabe auf Foto Nr. 5 steht auf 46'902 m, wobei auf 
diesem Foto das letzte entgegenkommende Fahrzeug zu sehen ist. X. konnte dem-
nach erst kurze Zeit später zum Überholvorgang ansetzten, also etwa nach 15 bis 
20 weiteren zurückgelegten Metern. Am Ende des Überholmanövers zeigt die Di-
stanzangabe gemäss Foto Nr. 7 46'993 m. X. fuhr in diesem Zeitpunkt ca. 10 m vor 
dem Polizeifahrzeug. Nimmt man nun die Differenz der polizeilichen Distanzanga-
ben von Foto Nr. 5 und Nr. 7, ergibt sich eine Strecke von 91 m. Davon sind nun 15 
bis 20 m abzuzählen, da die Berufungsklägerin, wie bereits erwähnt, im Zeitpunkt 

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von Foto Nr. 5 noch nicht zum Überholmanöver ansetzen konnte sowie die ca. 10 
m, die sie am Ende des Vorgangs vor dem Polizeifahrzeug fuhr, dazu zu zählen. 
Daraus ergibt sich, dass der fragliche Überholvorgang ca. 81 bis 86 m betragen hat. 
Unterlässt man es, die rund 10 m, welche die Berufungsklägerin im Zeitpunkt von 
Foto Nr. 7 vor dem überholten Fahrzeug fuhr, zum Überholweg zu zählen, errechnet 
sich eine Überholstrecke von ca. 71 bis 76 m. Selbst diese Distanz, welche den von 
der Berufungsklägerin in der Berufungsschrift vom 31. Oktober 2000 angeführten 
Angaben entspricht, reicht jedoch, wie noch zu zeigen sein wird, für ein gefahrloses 
Überholmanöver nicht aus.

Etwa zum selben Ergebnis führt auch die Betrachtung der Zeitangaben auf 
den Polizeifotos. Die Differenz zwischen Foto Nr. 5 und Foto Nr. 7 beträgt 5 Sekun-
den, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass der Beginn des Überhol-
manövers erst 1 bis 2 Sekunden nach Foto Nr. 5 erfolgte. Somit dauerte der ge-
samte Vorgang 3 bis 4 Sekunden. Die Strecke, die das Polizeifahrzeug demnach 
während dieser Zeit zurücklegte, betrug bei einer Geschwindigkeit von 72 km/h (20 
m pro Sekunde), die sich aus den Polizeifotos ergibt, 60 bis 80 m. Die Strecke, die 
X. für das Überholen des Polizeifahrzeugs benötigte, muss dementsprechend län-
ger sein. Nimmt man zu ihren Gunsten an, sie sei mit einer Geschwindigkeit von 85 
km/h (24 m/s) unterwegs gewesen, ergibt sich eine Länge des Überholmanövers 
von 72 bis 96 m.

dd) Nun stellt sich als Nächstes die Frage, ob der nach Abzug der Überhol-
strecke noch zur Verfügung gestandene überblickbare Strassenabschnitt theore-
tisch betrachtet genügt hätte, wenn sich während des Überholvorganges der Beru-
fungsklägerin ein entgegenkommendes Fahrzeug genähert hätte. Dabei ist neben 
dem nötigen Überholweg auch die für ein allfällig entgegenkommendes Fahrzeug 
benötigte Strecke zu berechnen.

Sowohl die Berufungsklägerin wie auch die Vorinstanz und die Staatsanwalt-
schaft lesen aus BGE 121 IV 235 ff. heraus, dass eine frei überblickbare Strecke, 
welche das Doppelte des Überholweges ausmacht, erforderlich ist, um sicher ohne 
Behinderung des Gegenverkehrs überholen zu können. Im erwähnten Entscheid ist 
allerdings nirgends von einer frei überblickbaren Strecke des doppelten Überholwe-
ges die Rede. Die Formulierung lautet vielmehr: "[...] Nicht nur die für den Überhol-
vorgang benötigte Strecke muss übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, 
die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Über-
holende die linke Strassenseite freigegeben haben wird. [...]" (BGE 121 IV 238). 
Daraus zu schliessen, es müsse eine frei überblickbare Strecke von der Grösse des 

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doppelten Überholweges vorliegen, wäre zu schematisch und würde den Umstän-
den des Einzelfalles zuwenig Rechnung tragen. Nur in jener Konstellation, in wel-
cher ein entgegenkommendes Fahrzeug exakt die gleiche Geschwindigkeit hätte 
wie das überholende Fahrzeug, wäre dies der Fall. In der Regel werden sich Fahr-
zeuge jedoch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten nähern.

Vorliegend spielte sich der Überholvorgang auf einer häufig benutzten Ausser-
ortsstrecke ohne signalisierte Geschwindigkeitsbeschränkung bei einwandfreien 
Strassenverhältnissen ab. Es ist auf einer solchen Strecke immer mit schnell fah-
rendem Gegenverkehr zu rechnen, zumal es sich beim Strassenabschnitt nach der 
leichten Rechtskurve um eine längere Gerade handelt und es ausserdem häufig 
Motorfahrzeugführer gibt, welche die den örtlichen Verhältnissen angemessene Ge-
schwindigkeit überschreiten. Das Bundesgericht entschied in BGE 118 IV 283, dass 
auf Hauptstrassen ausserorts generell nicht mit Geschwindigkeiten von über 90 
km/h zu rechnen ist, woraus sich umgekehrt ergibt, dass derjenige, welcher über-
holen möchte, bei der Bemessung des Überholweges zu berücksichtigen hat, dass 
ihm aus dem nicht überblickbaren Bereich ein Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit 
von 90 km/h entgegenkommen könnte (Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, 
J. 1999, S. 83).

Geht man vorliegend nun davon aus, dass der ganze Überholvorgang vier Se-
kunden gedauert hat, hätte X. bei einer Geschwindigkeit von 85 km/h (24 m/s) in 
dieser Zeit eine Strecke von rund 96 m zurückgelegt. Ein entgegenkommendes 
Fahrzeug wäre in dieser Zeit bei einer Geschwindigkeit von 90 km/h (25 m/s) rund 
100 m gefahren, was insgesamt eine Strecke von 196 m ergibt. Die überblickbare 
Distanz von 150 m wäre daher klar ungenügend gewesen. Nimmt man zugunsten 
der Berufungsklägerin an, dass der fragliche Überholvorgang bloss drei Sekunden 
gedauert hat, hätte sie bei einer Geschwindigkeit von 85 km/h in dieser Zeit rund 72 
m zurückgelegt und ein entgegenkommendes Fahrzeug mit 90 km/h rund 75 m, was 
insgesamt eine frei überblickbare Strecke von mindestens 147 m erfordert hätte. 
Selbst bei dieser Annahme bewegt sich das fragliche Überholmanöver bei einer 
Sichtweite von 150 m in einem unzulässigen Bereich. Es ist dabei zu bedenken, 
dass ein Überholender den Überholweg nicht so knapp bemessen darf, dass er bei 
einem allfällig mit 90 km/h entgegenkommenden Fahrzeug noch haarscharf vor das 
überholte Fahrzeug einbiegen kann. Dadurch entsteht nicht nur eine Gefahr für das 
überholte Fahrzeug, sondern auch für ein allfällig entgegenkommendes Fahrzeug, 
da der Lenker jenes Fahrzeuges durch das frontal auf ihn zukommende Fahrzeug 
erschrecken kann oder eine Vollbremsung vornehmen muss. In der Lehre wird die 
Meinung vertreten, dass zwischen dem Wiedereinbiegen des überholenden Fahr-

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zeugs und dem Kreuzen mit einem allfällig entgegenkommenden Fahrzeug eine 
Sicherheitsmarge von mindestens zwei Sekunden bestehen sollte (Boll, a.a.O., S. 
84). Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass die Sicht auf den weiteren Strassen-
verlauf zufolge des in der Rechtskurve am rechten Strassenrand stehenden 
Bündnerzaunes und der sich am Ende dieses Zaunes befindenden Kuppe einge-
schränkt war. Es steht somit fest, dass die zur Verfügung gestandene Sichtdistanz 
von 150 m weder bei einer Überholstrecke von 96 m, noch bei einer solchen von 72 
m für ein sicheres, gefahrloses Überholmanöver ausgereicht hätte. Das fragliche 
Überholmanöver konnte nicht ohne Gefährdung anderer potentieller Verkehrsteil-
nehmer durchgeführt werden.

Nicht gehört werden kann vorliegend der Einwand der Berufungsklägerin, kurz 
vor der RhB-Überführung habe eine Strecke von rund 300 m überblickt werden kön-
nen. Für die Beurteilung der zu einem sicheren Überholvorgang benötigten über-
blickbaren Strecke ist der Zeitpunkt massgebend, in welchem das entsprechende 
Manöver eingeleitet wird. Als sich X. kurz vor der fraglichen RhB-Überführung be-
fand, musste sie zudem zuerst zwei entgegenkommende Fahrzeuge abwarten, so 
dass vom Punkt aus, von welchem 300 m des folgenden Strassenabschnitts ein-
sehbar waren, noch einige Zeit verging, bis die Berufungsklägerin ihr Überholmanö-
ver ansetzte. In diesem Sinne rechtfertigt es sich - wie auch der Augenschein vor 
Ort ergab - nicht, die Anforderungen an die frei überblickbare Strecke bei Einleitung 
eines Überholmanövers vorliegend zu unterschreiten.

e) Aus den vorgehenden Ausführungen ergibt sich somit, dass die Beru-
fungsklägerin gegen Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG verstossen hat. So überholte X. ein 
Polizeifahrzeug auf einer frei überblickbaren Strecke von gut 150 m und einem 
Überholweg von 72 bis 96 m vor einer unübersichtlichen Kurve, aus welcher mit 
dem Entgegenkommen eines Fahrzeuges gerechnet werden musste. Dabei war 
weder der von Gesetzes wegen geforderte, für das Überholmanöver benötigte 
Raum vorhanden, noch hatte die Berufungsklägerin die Gewissheit, rechtzeitig und 
ohne Behinderung der anderen Verkehrsteilnehmer ihr Manöver beenden zu kön-
nen.

6. Steht demnach fest, dass die Berufungsklägerin gegen die in Art. 35 Abs. 
2 und 4 SVG festgeschriebenen Verkehrsregeln verstossen hat, so ist nun abzu-
klären, ob sie wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 
SVG zu verurteilen ist oder lediglich gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG wegen einfacher 
Verletzung derselben.

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a) Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird mit Gefängnis oder mit Busse bestraft, wer 
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicher-
heit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Objektiv grob ist ein Verstoss gegen die 
Verkehrsregeln dann, wenn eine wichtige Verkehrsvorschrift in gravierender Weise 
betroffen ist, das heisst, wenn der Verstoss nach den konkreten Umständen als 
schwerwiegend bezeichnet werden muss, der Täter die Verkehrssicherheit abstrakt 
oder konkret gefährdet hat und die Regelwidrigkeit oft zu Unfällen führt (PKG 1989 
Nr. 39 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Eine objektiv 
schwerwiegende Verletzung von Verkehrsregeln allein genügt aber nicht, um den 
Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG als erfüllt zu betrachten. Vielmehr ist erforderlich, 
dass sich die grobe Verletzung von Verkehrsregeln auch subjektiv manifestiert, in-
dem dem Fahrzeuglenker aufgrund seines rücksichtslosen oder sonstwie schwer-
wiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen 
werden kann (BGE 123 IV 91; 119 V 246 f.; 118 IV 86; 106 IV 390; 95 IV 2). Grobe 
Fahrlässigkeit liegt immer dann vor, wenn sich der Täter der allgemeinen Gefähr-
lichkeit seiner krass verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist, unter Umständen aber 
auch, wenn er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in 
Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf jedoch 
die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung (BGE 123 IV 93).

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine ernstliche Gefahr für 
die Sicherheit anderer im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG bereits beim Vorliegen einer 
erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Ob eine konkrete, eine erhöhte abs-
trakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, hängt nicht von der übertre-
tenen Verkehrsregel, sondern von der Situation ab, in welcher die Übertretung ge-
schieht. Wesentliches Kriterium für die Annahme einer ernstlichen oder erhöhten 
abstrakten Gefahr nach Art. 90 Ziff. 2 SVG ist die Nähe der Verwirklichung. Die 
allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt demnach nur dann 
zur Erfüllung des Tatbestandes von Art. 90 Ziff. 2 SVG, wenn aufgrund besonderer 
Umstände der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung nahe-
liegt. Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt damit eine naheliegende Möglichkeit einer 
konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE 123 IV 91 f).

Soweit nicht die beschriebenen qualifizierten Tatbestandsmerkmale von Art. 
90 Ziff. 2 SVG vorliegen, werden Verkehrsregelverstösse gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG 
mit Haft (Art. 39 StGB) oder mit Busse (Art. 48 StGB) bestraft. Bei Art. 90 Ziff. 1 
SVG handelt es sich damit um einen Übertretungstatbestand im Sinne von Art. 101 
StGB. Im Gegensatz dazu ist der mit Gefängnis oder Busse bedrohte, qualifizierte 

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Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG als Vergehen zu qualifizieren (Art. 9 Abs. 2 
StGB).

b) Dass Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG wichtige Verkehrsregeln beinhalten, be-
streitet die Berufungsklägerin zu Recht nicht. Die Zahl der Verkehrsunfälle, die auf 
fahrlässige Überholvorgänge zurückzuführen sind, spricht eine deutliche Sprache 
für die Notwendigkeit einer strengen Anwendung der gesetzlichen Vorschriften. Wer 
sich über diese Normen hinwegsetzt, handelt den Verkehrsvorschriften grundsätz-
lich in grober Weise zuwider.

Das Überholen gehört zu den unfallträchtigsten Verhaltensweisen im Stras-
senverkehr und erfordert deshalb erhöhte Vorsicht und Rücksichtnahme. Der Über-
holende muss von Anfang an die Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher 
und ohne Gefährdung Dritter abschliessen zu können. Er muss berücksichtigen, 
dass bis zum Abschluss seines Unternehmens – hier aus der unübersichtlichen 
Rechtskurve – ein Fahrzeug auftauchen und sich ihm nähern könnte. Nicht nur die 
für den Überholvorgang benötigte Strecke muss übersichtlich und frei sein, sondern 
zusätzlich auch jene, die ein entgegenkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt 
zurücklegt, wo der Überholende die linke Strassenseite freigegeben haben wird. 
Der Überholende muss sein Überholmanöver so rechtzeitig beendet haben, dass 
auch ein während des Überholvorganges auf der Gegenfahrbahn auftauchendes 
Fahrzeug seinen Weg fortsetzen kann, ohne gefährdet zu werden (vgl. BGE 121 IV 
237 f). Aufgrund der angestellten Berechnungen handelte X. nicht nach diesen 
Grundsätzen. An dieser Schlussfolgerung vermag auch die Tatsache nichts zu än-
dern, dass es im konkreten Fall nicht zu einem Unfall gekommen ist, da - wie bereits 
erwähnt - das Aussprechen einer Strafe nicht davon abhängt, ob konkret ein Unfall 
geschehen ist. Die offensichtliche Gefährlichkeit des Tuns der Berufungsklägerin 
ergibt sich auch aus der polizeilichen Video- und Fotodokumentation sowie dem 
durchgeführten Augenschein. Aufgrund der Tatsache, dass ein entgegenkommen-
des Fahrzeug bis zum Punkt, wo die Berufungsklägern die linke Strassenseite frei-
gab, 54 bis 78 m zur Verfügung hatte, effektiv bei 90 km/h aber 75 bis 100 m hätte 
zurücklegen können, erhellt, dass damit eine naheliegende Möglichkeit nicht nur 
einer konkreten Gefährdung, sondern sogar einer Verletzung bestand.

Der Kantonsgerichtsausschuss kommt daher zum Schluss, dass X. bereits zu 
Beginn ihres Überholmanövers nicht in der Lage gewesen war, mit Gewissheit zu 
sagen, dass sie das fragliche Überholmanöver ohne Gefährdung anderer Verkehrs-
teilnehmer hätte abschliessen können. In der polizeilichen Einvernahme vom 5. Au-
gust 1998 gab sie dem Polizeibeamten M. denn auch zu Protokoll, sie akzeptiere, 

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dass ihr Vorfahrmanöver an dieser Stelle nicht ganz korrekt war. Indem X. dennoch 
überholte, setzte sie sich pflichtwidrig über eine ernst zu nehmende Verkehrsvor-
schrift hinweg. Ob sich die Berufungsklägerin der potentiellen Gefährdung der an-
deren Verkehrsteilnehmer tatsächlich bewusst war, ist unbeachtlich, da jeder Ver-
kehrsteilnehmer, welcher die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig 
gar nicht in Betracht zieht, strafbar ist (vgl. BGE 123 IV 93).

c) Damit ergibt sich für den Kantonsgerichtsausschuss, dass X. gegen 
wichtige Normen des Strassenverkehrsrechts (Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG) verstos-
sen hat. Dieses Verhalten ist ihr klar vorwerfbar. Sie hätte in der vorliegenden Si-
tuation das fragliche Überholmanöver nie ausführen dürfen. X. ist daher der groben 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen. In 
diesem Sinne ist das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen und die Berufung dement-
sprechend abzuweisen.

7. Bei der Überprüfung der vorinstanzlichen Strafzumessung setzt der Kan-
tonsgerichtsausschuss sein Ermessen anstelle desjenigen der Vorinstanz und wen-
det die Regeln über die Strafzumessung selbständig an. Gemäss Art. 63 StGB be-
misst der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters. Er berücksichtigt 
dabei die Beweggründe, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Schul-
digen. Der Betrag der Busse ist im Weiteren so zu bemessen, dass der Schuldige 
die seinem Verschulden angemessene Einbusse erleidet. Es müssen insbesondere 
das Einkommen, das Vermögen und die Familienpflichten berücksichtigt werden 
(Art. 48 Ziff. 2 StGB).

Grundlage für die Bemessung der Schuld ist immer die Schwere der Tat. Bei 
der Beurteilung der Tatkomponente werden insbesondere das Ausmass des ver-
schuldeten Erfolges, die Art und Weise seiner Herbeiführung, die Willensrichtung, 
mit welcher der Täter gehandelt hat und die Beweggründe des Schuldigen berück-
sichtigt. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse 
sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, wie zum Beispiel Reue, 
Einsicht oder Strafempfindlichkeit. Das Mass des Verschuldens variiert unter ande-
rem mit der Schwere des deliktischen Erfolges, den unterschiedlich gravierenden 
Modalitäten der Tatbegehung und dem Mass an Entscheidungsfreiheit, das dem 
Täter zugeschrieben werden muss. Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Rechts-
gutverletzung zu vermeiden, je grösser also sein Handlungsspielraum war, desto 
grösser wiegt das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 113 f.; 118 IV 14 f.; 124 IV 44 ff.).

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X. muss sich den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit bei der Verletzung von 
Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG gefallen lassen. 
Durch ihr rücksichtsloses Verhalten hat sie die Gefährdung der anderen 
Verkehrsteilnehmer zumindest grob pflichtwidrig nicht bedacht. Strafmilderungs- 
und Strafschärfungsgründe liegen keine vor. Strafmindernd fällt die Vorstrafenlosig-
keit und der bislang ungetrübte automobilistische Leumund von X. ins Gewicht und 
ebenfalls der Umstand, dass sie über eine erhöhte Strafempfindlichkeit verfügt. 
Gemäss Auskunft der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden vom 7. Septem-
ber 1998 betrug das steuerbare Einkommen von X. für das Steuerjahr 1997 Fr. 
225'000.--, während sich ihr steuerbares Vermögen auf Fr. 3'200'000.-- belief. Unter 
Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe und insbesondere auf Grund 
der finanziellen Verhältnisse der Berufungsklägerin erscheint dem Kantonsgerichts-
ausschuss die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von Fr. 4'000.-- als an-
gemessen. Nicht zu beanstanden ist auch die von der Vorinstanz verhängte Probe-
zeit von einem Jahr, nach deren Ablauf der Eintrag der Busse bei Wohlverhalten 
vorzeitig gelöscht werden kann.

8. Nachdem die Berufung von X. vollumfänglich abzuweisen ist, erweist 
sich auch die von der Vorinstanz vorgenommene Verteilung der Verfahrenskosten 
als richtig. Die von der Berufungsklägerin unter Ziffer 4 ihrer Rechtsbegehren bean-
tragte Kostenregelung ist daher ebenfalls abzuweisen.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Berufungs-
verfahrens gestützt auf Art. 160 StPO vollumfänglich zu Lasten der Berufungsklä-
gerin.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'200.-- gehen zu Lasten der Be-
rufungsklägerin.

3. Gegen dieses Urteil kann, sofern Verletzung eidgenössischen Rechts geltend 
gemacht werden will, Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof des 
schweizerischen Bundesgerichts geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht 
innert 30 Tagen seit Zustellung der vollständigen Ausfertigung des Entschei-
des in der in Art. 273 des Bundesgesetzes über die Bundesstrafrechtspflege 
(BStP) vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Beschwerdelegitima-
tion und die weiteren Voraussetzungen der Nichtigkeitsbeschwerde gelten die 
Art. 268 ff. BStP.

4. Mitteilung an:

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin ad hoc