# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1363179-bc1b-5190-a6f3-e86aa254b16e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2006 PVG 2006 26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2006-26_2006-12-31.pdf

## Full Text

10/26 Raumordnung und Umweltschutz PVG 2006

Baubewilligungsverfahren. Einsprache. Verletzung der Be- 
stimmung betreffend Minimalbesonnungsdauer.
– Auch wenn ein im Gesetz statuierter Anspruch auf eine 

minimale Besonnung der Hauptwohnräume nicht abso- lut 
zu verstehen ist, so ist doch zu verlangen, dass die 
minimale Besonnung nur insoweit eingeschränkt wer- den 
darf, als ein Neubauvorhaben wenigstens die or- 
dentlichen Zonenvorschriften einhält.

Procedura di licenza edilizia. Opposizione.Violazione delle 
disposizioni sull’esposizione minima al sole.
– Anche se un diritto ad una esposizione minima al sole dei 

locali abitativi principali ancorato in una legge non è da 
intendersi in modo assoluto, occorre però a questo 
riguardo pretendere che l’insolazione minima possa es- 
sere limitata solo per quanto la nuova costruzione os- 
servi almeno le normali disposizioni di zona.

Erwägungen:
3.  a) Als  begründet  erweisen  sich  vorliegend demgegen-

über die rekurrentischen Einwände betreffend die Verletzung von 
Art. 26 BG (minimale Besonnungsdauer). Nach dieser Bestim- 
mung ist eine minimale Besonnungsdauer von 120 Minuten pro 
Tag für 50 % der Haupträume bzw. Räume für dauernden Aufent- 
halt zu ermöglichen (Abs. 1). Berechnet wird die Besonnung am
21. Dezember. Zur Ermittlung kann auf den theoretischen Horizont 
oder auf andere Methoden abgestellt werden (Abs. 2). Der Ge- 
suchsteller hat gegebenenfalls nachzuweisen, dass nach Aus- 
führung seines Projekts auch sämtliche Nachbargebäude und – 
grundstücke die Anforderungen an die Minimalbesonnung erfül- 
len können (Abs. 3). Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist 
kein Mehrlängenzuschlag gemäss Art. 25 BG mehr nötig und die 
Grenzabstände gemäss Art. 93 BG können gar unterschritten wer- 
den; der kleine Grenzabstand um 1 m, der grosse Grenzabstand 
um 1,5 m (Abs. 4).

b) Vorliegend hat die Gemeinde von der Bauherrschaft ei- 
nen entsprechenden Besonnungsnachweis für den 21. Dezember 
einverlangt, welchem – ausgehend von einem theoretischen Ho- 
rizont – entnommen werden kann, dass die Hauptwohnräume 
der Rekurrenten auf den benachbarten Liegenschaften spätes- 
tens ab 13 Uhr im Schatten liegen, mithin über keine Besonnung 
mehr verfügen. Aus dem Umstand, dass die Wohnungen aber

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(theoretisch) zwischen 9 und 13 Uhr besonnt seien, hat die 
Vorinstanz geschlossen, dass die minimale Besonnungsdauer er- 
reicht sei. Am Augenschein wurde seitens der Rekurrenten dem- 
gegenüber dargelegt, dass die Sonne erst gegen 12 Uhr  über 
dem Jakobshorn aufsteige und dass die Liegenschaften – sofern 
es die Witterung zulasse – erst ab diesem Zeitpunkt besonnt wür- 
den. Diese Darstellung wurde auch seitens der Rekursgegner 
nicht in Frage gestellt. Der Vergleich mit dem eingereichten Be- 
sonnungsnachweis zeigt, dass die im ersten und zweiten Ge- 
schoss liegenden Hauptwohnräume der Rekurrenten am 21. De- 
zember faktisch nicht einmal 60 Minuten Besonnungsdauer 
aufweisen. Hält man sich nun Sinn und Zweck von Art. 26 BG (Si- 
cherung einer minimalen Besonnung der Hauptwohnräume u.a. 
auch bei den Nachbarbauten; Reduktion der in einer Zone gel- 
tenden Grenzabstände, Verzicht auf Mehrlängenzuschlag ge- 
mäss Art. 25 BG) vor Augen und zieht in Betracht, dass von 
Gesetzes wegen auch andere Methoden zur Ermittlung der 
minimalen Besonnungsdauer zulässig sind, erhellt im konkreten 
Fall, dass eine allein von einem theoretischen Horizont ausge- 
hende Betrachtung, im konkreten Fall zu einem in mehrfacher 
Hinsicht geradezu stossenden Ergebnis führt. Zum einen würde 
die Bestimmung, mit welcher den benachbarten Liegenschaften 
(immer im Rahmen der ordentlichen Bestimmungen) eine mini- 
male Besonnung zugestanden werden soll, ihres durchaus sinn- 
vollen Inhalts beraubt. Zum andern werden mit einer derart weit- 
gehenden Auslegung zugunsten eines Bauprojekts  die im 
Zonenschema vorgesehenen Grenzabstände in geradezu un- 
zulässiger Art und Weise ausgehebelt, was nicht angeht. Wenn 
auch mit der Gemeinde davon auszugehen ist, dass Art. 26 BG 
angesichts der topografischen  Verhältnisse in einem  engen 
Hochtal keinen absoluten Anspruch auf eine minimale Beson- 
nung der Hauptwohnräume von 120 Minuten verschafft, so ist 
doch zu verlangen, dass die minimale Besonnung der Nachbarn 
nur insofern reduziert werden darf, als ein Neubauvorhaben we- 
nigstens die ordentlichen Zonenvorschriften (Grenz- und Gebäu- 
deabstände, Höhenbegrenzungsvorschriften) einhält. Eine ge- 
stützt auf Art. 26 BG gewährte, weitergehende Privilegierung 
eines Bauvorhabens (Reduktion der Grenzabstände, Verzicht auf 
Mehrlängenzuschlag) allein gestützt auf einen theoretischen Ho- 
rizont greift zu weit. Die gemeindliche Auslegung von Art. 26 BG 
verdient daher im konkreten Fall keinen Rechtsschutz. Der Re- 
kurs  ist  somit  gutzuheissen  und  der  angefochtene Einsprache-

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und Baubewilligungsentscheid vom 6. Dezember 2005 aufzuhe- 
ben.
R 06 7 Urteil vom 7. April 2006

Die an das Bundesgericht erhobene staatsrechtliche Beschwerde 
wurde mit Entscheid vom 14. August 2006 abgewiesen, soweit 
darauf einzutreten war (1P.346/2006).

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