# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aae7dbcd-b49b-5c28-b6ff-ca214cdb0e57
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.09.2010 E-6698/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6698-2010_2010-09-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6698/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli-Busi;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._______, Kosovo,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 30. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6698/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit  Verfügung vom 22. Februar 2005 das erste Asyl-
gesuch der Beschwerdeführerin vom 7. Dezember 2003 ablehnte,

dass die Beschwerdeführerin am 31. Oktober 2007 ein zweites Asylge-
such einreichte,

dass  für  die  Begründung  dieses  Gesuchs  auf  die  Akten  verwiesen 
wird,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  30.  August  2010  –  eröffnet  am 
2. September  2010  –  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, ihr Asylgesuch ablehnte und die Wegwei-
sung  aus  der  Schweiz  anordnete,  indessen  den  Vollzug  wegen Un-
zumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufschob,

dass  die  Beschwerdeführerin  am  16.  September  2010  gegen  diese 
Verfügung  Beschwerde  einreichte  und  beantragte,  es  sei  ihr  die  in 
französischer  Sprache  ergangene  Verfügung  mangels  ausreichender 
Französischkenntnisse auf Deutsch zuzustellen und in der Folge eine 
angemessene  Frist  für  die  Einreichung  einer  rechtsgenüglichen  Be-
schwerde anzusetzen,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des 
BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt  sind,  ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung hat  und daher zur Einreichung der 
Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-
gezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass gemäss Art. 16 Abs. 2 AsylG das Verfahren vor dem BFM in der 
Regel in der Amtssprache geführt wird, in welcher die kantonale Anhö-
rung stattfand oder die am Wohnort der asylsuchenden Person Amts-
sprache ist,

dass laut Art. 4  der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Ver-
fahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311)  von dieser Regel dann abgewi-
chen werden kann, wenn die asylsuchende Person oder deren Rechts-
vertreter  einer  anderen Amtssprache mächtig  ist  (Bst. a),  dies  unter 
Berücksichtigung  der  Gesuchseingänge  oder  der  Personalsituation 
vorübergehend für eine effiziente und fristgerechte Gesuchserledigung 
erforderlich  ist  (Bst.  b)  oder  die  asylsuchende  Person  nach  Art.  29 
Abs. 4 AsylG in einer Empfangsstelle direkt angehört und einem Kan-
ton mit einer anderen Amtssprache zugewiesen wird (Bst. c),

dass gemäss BVGE 2009/56 eine Ausnahme von der in Art.  16 Abs. 2 
AsylG statuierten Regel gestützt auf Art. 4 Bstn. b und c AsylV 1 zu-
lässig ist,  wenn die asylsuchende Person von einem professionellen 
Rechtsvertreter vertreten wird,

dass sich bei einer nicht vertretenen asylsuchenden Person eine Ab-
weichung von der Regel dann rechtfertigt, wenn gleichzeitig im Gegen-
zug geeignete Korrektiv-Massnahmen getroffen werden, die das Recht 
auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess gewähr-
leisten,

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dass eine  der  möglichen  Korrektiv-Massnahmen darin  besteht,  dass 
das BFM die ergangene Verfügung der asylsuchenden Person in eine 
ihr verständliche Sprache übersetzt,

dass die Vorinstanz verpflichtet ist, die Abweichung von der Regel in 
Art.  16  Abs.  2  AsylG  im  konkreten  Einzelfall  entsprechend  zu  be-
gründen,

dass in  allen  anderen  Fällen  ein  Verfahrensmangel  vorliegt,  der  die 
Kassation der angefochtenen Verfügung nach sich zieht,

dass  sich  die  vom Bundesamt  anzuwendende  Verfahrenssprache  im 
Sinne  von  Art.  16  Abs.  2  AsylG  bei  einer  Person,  die  einem  zwei-
sprachigen Kanton zugewiesen wird, nach den kantonalen Vorschriften, 
die für den Aufenthaltsort der betroffenen Person gelten, bestimmt,

dass das Bundesverwaltungsgericht vorliegend feststellt, dass die Vor-
aussetzungen von Art. 4 AsylV 1 für eine Abweichung von der in Art.  16 
Abs. 2  AsylG statuierten Regel  zur  Verfahrenssprache  vor  dem Bun-
desamt nicht erfüllt sind,

dass nämlich die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Eröffnung der 
in französischer Sprache ergangenen Verfügung nach deren Zuweisung 
in den Kanton X._______ vom 17. Dezember 2007 in Y._______, wo die 
Amtssprache gemäss den kantonalen Vorschriften Deutsch ist,  wohn-
haft war,

dass  sie  zum  fraglichen  Zeitpunkt  weder  von  einem  professionellen 
Rechtsvertreter vertreten war noch der französischen Sprache mächtig 
ist (Akten BFM B1/11 S. 3),

dass die Vorinstanz anlässlich der Eröffnung der Verfügung keine ge-
eigneten Korrektiv-Massnahmen (beispielsweise die Übersetzung ihres 
Entscheids in eine der Beschwerdeführerin verständliche Sprache) ge-
troffen und zudem auch nicht begründet hat, weshalb aus ihrer Sicht der 
Erlass einer französischsprachigen Verfügung gerechtfertigt erscheint,

dass der Entscheid des Bundesamtes aber auch deshalb zu kassieren 
ist, weil die angefochtene Verfügung keine Begründung für die materiel-
le Ablehnung des Asylgesuchs, sondern lediglich Ausführungen enthält, 
wonach auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei,

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dass die Beschwerde demnach im Sinne der Erwägungen gutzuheis-
sen,  die  angefochtene  Verfügung  vom  30.  August  2010  wegen  Ver-
letzung der Verfahrensvorschrift von Art. 16 Abs. 2 AsylG und der Be-
gründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG) aufzuheben und die Sache zur 
Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen ist,

dass bei  diesem Verfahrensausgang keine Kosten aufzuerlegen sind 
(Art. 63 Abs. 1 - 3 VwVG),

dass nicht davon auszugehen ist,  der nicht vertretenen Beschwerde-
führerin seien notwendige und verhältnismässig hohe Kosten entstan-
den, weshalb keine Parteientschädigung auszurichten ist (vgl. Art. 64 
Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art. 7  Abs.  1  und  4  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 30. August 2010 wird aufgehoben. Die Sache wird 
zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an das BFM zurückge-
wiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil  geht  an die Beschwerdeführerin,  das BFM und die zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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