# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e27f9481-48b9-5582-b8e7-719e73b0b57d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 24.04.2012 S 2011 62
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2011-62_2012-04-24.pdf

## Full Text

S 11 62

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 24. April 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. ..., geboren 1959, ist gelernter Maurer. 1979 erlitt er bei einem unglücklichen 

Sprung in die ... eine Schädelbasis- und eine Schädelkalottenfraktur sowie eine 

Kompressionsfraktur der Halswirbelkörper 6 und 7. Von den Unfallfolgen erholte 

er sich nicht ganz, die Beweglichkeit der Halswirbelsäule blieb eingeschränkt 

und er konnte keine sehr schweren Lasten mehr tragen. Die Suva sprach ihm 

deshalb im September 1980 eine 10%ige Rente zu. Bis Mitte der Achtzigerjahre 

arbeitete er mit reduzierter Belastung als Maurer und Schaler, und von 1987 bis 

1992 betrieb er eine Motorradreparaturwerkstätte. Danach arbeitete er als 

Computersupporter. Im Dezember 1996 zog er sich beim Eishockey eine 

Ruptur der cranio-lateralen Subscapularis-Sehne zu. 1998 wechselte er zurück 

in den Maurerberuf. Im August 2000 erlitt er eine Kontusion des linken 

Ellbogens und im Februar 2001 eine Trümmerfraktur des linken Schlüsselbeins. 

Als die gesundheitlichen Beschwerden erheblich zunahmen, gab er die 

Maurertätigkeit Ende 2006 wieder auf. In der Folge baute er einen kleinen 

Betrieb auf; seine Haupttätigkeit besteht jetzt darin, gebrauchte aber noch 

gebrauchsfähige Apparate zu demontieren (Küchen etc.) und in einem 

Internetshop zum Verkauf anzubieten.

2. Am 18. August 2009 meldete sich ... zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle gab beim Institut für Rheumatologie und 

Schmerztherapie „...“ eine medizinische Abklärung in Auftrag. Im 

Zusammenhang mit dieser Abklärung wurde am 25./26. Februar 2010 von 

einem Physiotherapeuten und Ergonomen eine Evaluation der funktionellen 

Leistungsfähigkeit (...) gemacht, welche ergab, dass die Leistungsbereitschaft 

des Versicherten zuverlässig sei, die Tätigkeit als Akkordmaurer sei nicht mehr,  

eine andere Tätigkeit hingegen ganztags ohne Einschränkungen zumutbar. 

Aufgrund eines Untersuchs am 22. März 2010 kam der Gutachter Dr. med. ... 

mit Bericht vom 23. März 2010 zum Schluss, der Patient sei als Akkordmaurer 

dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig, hingegen bestehe noch eine volle 

Arbeitsfähigkeit für ein sitzendes, leichtes und mittelschweres und knapp 

schweres Arbeitsplatzbelastungsniveau ohne Kälte- und Nässeexposition, 

Überkopfarbeit und ohne monoton-repetitive Bewegungen des Kopfes, der 

HWS und der Schultergelenke. Mit Abschlussbericht vom 19. April 2010 gab Dr. 

med. ... vom RAD an, auf die Ergebnisse des Gutachtens von Dr. med. ... 

könne abgestellt werden. Es sei umfassend, konsistent und schliesse die 

Ergebnisse der ... ein.

3. Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens reichte der Versicherte ein 

Parteigutachten der Unabhängigen medizinischen Gutachtenstelle ... vom 15. 

November 2010 ein. Darin stellte Dr. med. ... in seinem neurologischen 

Teilgutachten fest, der Status nach HWS-Kompressionsfraktur mit Fehlstellung 

und wahrscheinlich durchgemachter leichter Contusio spinalis verunmögliche 

schwere Arbeiten. Die etwas eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit müsse der 

wahrscheinlich durchgemachten leichten traumatischen Hirnverletzung (MTBI) 

angelastet werden. Die Arbeitsfähigkeit für leichtere Arbeiten mit 

Wechselbelastung sei schon seit einigen Jahren dauernd auf zirka 50% 

eingeschränkt. Dr. med. ... hielt in seinem orthopädischen Teilgutachten fest, 

die Fehlstatik der HWS bewirke eine lokale Reizung des Rückenmarks 

(Lhermitte-Phänomen). Als Maurer bestehe seit 2007 eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit. In einer leichteren Tätigkeit mit Wechselbelastung sei der 

Explorand zu 50 % arbeitsfähig. Dr. med. ... vom RAD führte am 9. März 2011 

aus, das ... Gutachten vermöge die bisherige, auf das Gutachten von Dr. med. 

... abgestützte Einschätzung nicht umzustossen. Die ...-Gutachter stellten im 

Wesentlichen dieselben Diagnosen wie Dr. med. ... Es fehle eine eingehende 

Begründung für eine bloss 50%ige Arbeitsfähigkeit. 

4. Mit Verfügung vom 29. März 2011 verweigerte die IV-Stelle die 

Kostengutsprache für eine Umschulung. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei 

zu 100% zumutbar, so dass kein invaliditätsbedingter Minderverdienst von 

mindestens 20% resultiere. Mit Verfügung vom 30. März 2011 verneinte die IV-

Stelle den Rentenanspruch. Der Invaliditätsgrad sei mit 7% zu tief. Das 

Valideneinkommen liege auf der Basis der LSE 2010, Sektor 2, Baugewerbe, 

Anforderungsniveau 4 bei Fr. 65'563.85. Das Invalideneinkommen liege bei 

einem medizinisch zumutbaren Arbeitspensum von 100% bei Fr. 61'184.50 

(LSE 2010, Anforderungsniveau 4, kein Leidensabzug). 

5. Gegen diese Verfügungen liess der Versicherte am 2. Mai 2011 Beschwerde 

ans Verwaltungsgericht erheben. Er beantragte, die angefochtenen 

Verfügungen seien aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. Februar 2010 eine 

halbe Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, um weitere medizinische Abklärungen 

vorzunehmen und den Rentenanspruch und den Anspruch auf berufliche 

Massnahmen erneut zu prüfen. Weiter beantragte der Beschwerdeführer, die 

Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, nebst den Gerichtskosten und der 

aussergerichtlichen Entschädigung auch die Kosten des ...-Gutachtens zu 

übernehmen. Im Bezug auf die Berechnung des Valideneinkommens machte er 

geltend, aufgrund seines beruflichen Werdegangs sei auf den Wert im 

Anforderungsniveau 3 statt 4 abzustellen. Zur Arbeitsfähigkeit wies er darauf 

hin, dass er gemäss übereinstimmender ärztlicher Aussage dazu neige, seine 

erheblichen Beschwerden herunterzuspielen. Weiter führte er aus, es könne 

nicht auf das Gutachten von Dr. med. ... abgestellt werden, da nicht nur ein 

rheumatologisches, sondern auch ein neurologisches und orthopädisches 

Problem vorliege. Die ... sei vorliegend kein geeignetes Instrument. Es sei auf 

das ...-Gutachten abzustellen und eine Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten 

Tätigkeit von 50% anzunehmen. So ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 58% 

und ein Anspruch auf eine halbe Rente. Sollte das Gericht von einer höheren 

Arbeitsfähigkeit ausgehen, so sei ein Leidensabzug von 25% vorzunehmen.

6. Die IV-Stelle beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen und sie sei nicht zu 

verpflichten, die Kosten für das ...-Gutachten zu übernehmen. Sie hielt an der 

Begründung der angefochtenen Verfügungen fest und machte geltend, Dr. 

med. ... sei zwar in der Tat Rheumatologe, sei aber trotzdem kompetent, die 

Beschwerden des Versicherten auch aus neurologischer und orthopädischer 

Sicht zu beurteilen, weil ihm die entsprechenden Fachbeurteilungen zur 

Verfügung gestanden hätten und weil er auch selber entsprechende 

Fachuntersuchungen vorgenommen habe. Der RAD halte denn auch fest, dass 

der Neurostatus abgeklärt und berücksichtigt worden sei. Das 

Invalideneinkommen sei somit korrekt, ein Leidensabzug sei nicht 

gerechtfertigt. Beim Valideneinkommen könne von Anforderungsniveau 3 

ausgegangen werden. Es ergebe sich so aber lediglich ein Invaliditätsgrad von 

15.48%. Abschliessend führte die IV-Stelle aus, das Gutachten von Dr. med. ... 

genüge für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache, so dass der 

Beschwerdeführer die Kosten für das von ihm in Auftrag gegebene ...-

Gutachten selber zu tragen habe. 

7. Auf Anfrage des Instruktionsrichters klärte der ...-Gutachter Dr. med. ... eine 

missverständliche Aussage in seinem Teilgutachten. Es ging um folgende 

Passage: „Prinzipiell ist die von den Gutachtern des Instituts für Rheumatologie 

und Schmerztherapie „...“ festgehaltene Restarbeitsfähigkeit mit den dort 

gemachten Einschränkungen für ein sitzendes, leichtes, mittelschweres 

Arbeiten vollzeitig, vollschichtig vertretbar. (…) Die einzige, zusätzliche hier 

noch relevante Einschränkung ist, dass ein vollzeitig, vollschichtiges Arbeiten 

illusorisch ist (…). Dem Exploranden kann höchstens noch ein 50% Pensum in 

(…) einer der Behinderung optimal angepassten Tätigkeit zugemutet werden“. 

Mit Schreiben vom 29. Januar 2012 erklärte Dr. med. ..., der erste Satz sei ein 

abgewandeltes Zitat, welches beim Leser offenbar nicht als solches, sondern 

unbeabsichtigt als seine eigene Meinung ankomme. Er bedaure dies. Er sei 

klarerweise der Ansicht, dass der Explorand für das von ihm modifizierte 

Arbeitsprofil höchstens zu einem 50% Pensum arbeitsfähig sei. Dr. med. ... 

teilte mit, er stehe ebenfalls hinter der von Dr. med. ... verfassten Erklärung.

8. Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Vernehmlassung zu den Schreiben 

der beiden ...-Gutachter. Die IV-Stelle hielt an ihrer Auffassung fest und machte 

geltend, die Stellungnahmen der ...-Gutachter vermöchten nicht nachvollziehbar 

aufzuzeigen, weshalb der Versicherte in einer behinderungsgeeigneten 

Tätigkeit lediglich 50% arbeitsfähig sein sollte.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird soweit erforderlich in 

den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt sind die Verfügungen der IV-Stelle vom 29. und 30. März 

2011, worin der Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulung und Rente 

verneint wird. Beschwerdegegenstand ist die Frage, ob die IV-Stelle die 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers korrekt eingeschätzt und den 

Invaliditätsgrad richtig bemessen hat. Für die Beurteilung dieser Fragen ist der 

Sachverhalt massgeblich, der sich zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses 

verwirklicht hatte (BGE 132 V 215 E. 3.1.1.).

2. a) Gemäss Art. 17 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) hat ein Versicherter Anspruch auf Umschulung auf eine neue 

Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und 

dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden 

kann. Dabei muss der Invaliditätsgrad ein bestimmtes erhebliches Mass erreicht 

haben; nach der Rechtsprechung ist dies der Fall, wenn der Versicherte in den 

ohne zusätzliche berufliche Ausbildung noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten 

eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 

Prozent erleidet (BGE 124 V 108 E 2.b.).

b) Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG hat ein Versicherter Anspruch auf eine ganze 

Rente, wenn er zu mindestens 70% invalid ist, auf eine Dreiviertelsrente wenn 

er zu mindestens 60% invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn er zu mindestens 

50% invalid ist und auf eine Viertelsrente, wenn er zu mindestens 40% invalid 

ist. Der Invaliditätsgrad wird gestützt auf Art. 16 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ermittelt, 

indem das Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in 

Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn 

er nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Massgebend für die 

Bemessung der Vergleichseinkommen ist der Zeitpunkt des frühestmöglichen 

Rentenbeginns (BGE 134 V 322 E. 4.1.), vorliegend angesichts der im August 

2009 erfolgten Anmeldung also Februar 2010 (Art. 29 IVG).

3. Die Parteien sind sich darin einig, dass das Valideneinkommen gestützt auf die 

Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik 

festzulegen ist (LSE 2010, Sektor 2, Baugewerbe). Der Beschwerdeführer 

wehrt sich aber gegen das Abstellen auf das Anforderungsniveau 4, welches 

definitionsgemäss einfache und repetitive Tätigkeiten umfasst. Der 

Beschwerdeführer hat eine Lehre als Maurer abgeschlossen und über viele 

Jahre sowohl als Angestellter als auch als Kundenmaurer Berufserfahrung 

gesammelt. Damit verfügt er klarerweise über die Berufs- und Fachkenntnisse, 

welche im Anforderungsniveau 3 verlangt sind. 

4. a) Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend, 

welche Arbeitsleistungen dem Versicherten in welchem Umfang noch 

zugemutet werden können. Für die Beantwortung dieser Frage sind 

Sozialversicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte auf medizinische 

Experten angewiesen (BGE 132 V 393 E. 3.2.). Entsprechend verpflichtet Art. 

43 Abs. 1 ATSG den Versicherungsträger, die erforderlichen medizinischen 

Auskünfte einzuholen. Dabei müssen die Auskünfte der Experten ein 

medizinisches Dossier ergeben, welches ein umfassendes Bild der 

entscheiderheblichen gesundheitlichen Verhältnisse vermittelt (Urteil des 

Bundesgerichts I 775/05 vom 6. März 2006, E. 4). Bei komplexen 

medizinischen Problemen sind poly- oder interdisziplinäre Gutachten 

einzuholen und die Begutachtung hat durch Spezialärzte zu erfolgen, welche 

mit der jeweiligen Problematik besonders vertraut sind (BGE 134 V 109 E. 9.5.).

b) Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers gestützt auf das Gutachten von Dr. med. ... vom Institut für 

Rheumatologie und Schmerztherapie ... beurteilt. Dr. med. ... ist Facharzt für 

Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation. Seine Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit erfolgte nach eigener, expliziter Angabe „aus rein 

rheumatologischer Sicht“. Der Beschwerdeführer rügt, dieses Gutachten stelle 

keine genügende Entscheidungsgrundlage dar. Dies trifft zu. Der 

Beschwerdeführer erlitt 1979 bei einem äusserst heftigen Aufprall auf den Kopf 

eine Schädelbasis- und Schädelkalottenfraktur sowie eine Kompressionsfraktur 

der Halswirbelkörper 6 und 7. Seither leidet er unter Kopf- und 

Nackenschmerzen und seine HWS bildete eine so ausgeprägte Fehlstellung 

aus, dass eine Kompression des Rückenmarks in Betracht zu ziehen ist. Damit 

liegt eine komplexe fachmedizinische Problematik vor, welche von einem 

Rheumatologen nicht genügend beurteilt werden kann. Die medizinische 

Fachdisziplin Rheumatologie befasst sich mit Erkrankungen des 

Bewegungsapparates, das heisst mit Erkrankungen von Gelenken, Knochen, 

Bändern, Muskeln und Sehnen (www.rheuma-net.ch/vorstellung_der_sgr; Urteil 

des Bundesgerichts 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 E. 4.1.). Damit vermag 

die Rheumatologie die vorliegende Problematik nicht umfassend abzudecken, 

stellt sich doch auch die Frage, inwieweit beim Sturzunfall das Gehirn 

mitbetroffen war, und inwieweit das Rückenmark durch die aktuelle Fehlstellung 

der HWS beeinträchtigt ist. Diese Fragen fallen ins Spezialgebiet Neurologie, 

welches die Erkrankungen des Nervensystems umfasst (Gehirn, Rückenmark, 

peripheres Nervensystem). Dass im vorliegenden Fall eine bloss 

rheumatologische Begutachtung nicht genügt, ergibt sich auch aus der Praxis 

des Bundesgerichtes bei HWS-Distorsionstraumen, wonach bei dieser 

Verletzungsart eine umfassende interdisziplinäre Begutachtung durchzuführen 

ist, welche insbesondere eine neurologische und eine orthopädische 

Begutachtung umfasst (BGE 134 V 109 E. 9.4.; Urteil 8C_65/2010 E. 3.2. vom 

6. September 2010). Dies gilt umso mehr bei HWS-Traumen, bei welchen wie 

im vorliegenden Fall nicht nur Weichteile, sondern auch knöcherne Strukturen 

verletzt wurden. 

c) Es hat sich gezeigt, dass die Beschwerdegegnerin ihrer Pflicht zur 

umfassenden Abklärung der entscheidwesentlichen medizinischen Grundlagen 

nicht nachgekommen ist. Ihre diesbezüglich erhobenen Argumente sind nicht 

stichhaltig. So macht sie vergeblich geltend, Dr. med. ... hätten die 

neurologischen und orthopädischen Fachbeurteilungen zur Verfügung 

gestanden und er habe auch selber entsprechende Fachuntersuchungen 

vorgenommen. Entscheidend ist wie gezeigt nicht nur die Kenntnis sämtlicher 

Vorakten und die Vornahme aller wesentlichen Untersuchungen, sondern eben 

auch die Fähigkeit, die vorhandenen und selber erhobenen Ergebnisse gestützt 

auf eine reiche Erfahrung im eigenen Spezialgebiet  interpretieren zu können. 

Hinzu kommt, dass die von Dr. med. ... vorgenommen neurologischen 

Untersuchungen entgegen der Ansicht von Dr. med. ... vom RAD nicht als 

umfassend angesehen werden können. Dr. med. ... beschränkte sich auf die 

Untersuchung der Berührungssensibilität, gewisser Eigenreflexe (PSR, TSR, 

ASR, PSR) und den Lasège- und Bragard-Test. Der Neurologe Dr. med. ... 

erhob demgegenüber im ...-Gutachten einen deutlich detaillierteren 

Neurostatus. So hat Dr. med. ... zum Beispiel keine Tests zur 

Gleichgewichtskontrolle gemacht und demzufolge die von Dr. med. ... 

festgestellte zentrale vestibuläre Störung mit deutlicher Beeinträchtigung der 

Gleichgewichtskontrolle nicht erkannt.

d) Der Beschwerdeführer hat bei der Unabhängigen medizinischen Gutachterstelle 

... selber ein neurologisches und orthopädisches Privatgutachten eingeholt, als 

die Beschwerdegegnerin seinem entsprechenden Antrag nicht nachkam. Wie 

gerade gezeigt, ist vorliegend eine interdisziplinäre, vor allem auch 

orthopädisch-neurologische Begutachtung nötig. Demnach schliesst das 

Privatgutachten eine entscheidwesentliche Lücke in der Sachverhaltsabklärung 

der Beschwerdegegnerin. Die Kosten des Gutachtens in der Höhe von Fr. 

7'770.-- sind deshalb von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen.

5. Um das Invalideneinkommen zu bemessen, ist zunächst die Arbeitsfähigkeit 

festzustellen. Dazu stehen folgende ärztliche Unterlagen zur Verfügung:

Gutachten Dr. med. ..., Institut für Rheumatologie und Schmerztherapie ..., 23. 

März 2010

Der Explorand leide an einem chronisch-intermittierenden zervicovertebralen 

und zervicozephalen Schmerzsyndrom, welches bedingt sei durch degenerative 

Veränderungen der mittleren und unteren HWS sowie bei sehr ungünstiger 

HWS-Statik mit ausgeprägter Hyperlordosierung nach Fraktur von HWK 6 und 

HWK 7. Daneben finde sich eine Hypermobilität beziehungsweise grenzwertige 

Instabilität in den Segmenten HWK 2/3 und HWK 5/6, wahrscheinlich 

kompensatorisch bedingt aufgrund der schlechten Beweglichkeit der unteren 

HWS. Weiter träten gelegentliche Beschwerden in der rechten Schulter auf. 

Diese seien bedingt durch eine verstärkte Belastung bei verminderter 

Beweglichkeit nach offener Subscapularisreinsertion und beginnender 

Omarthrose. (…) Subjektiv sehr störend, aber aktuell ohne Relevanz auf die 

Arbeitsfähigkeit seien regelmässig auftretende Krämpfe der Waden- und 

teilweise hinteren Oberschenkelmuskulatur. (…) Als Maurer sei der Explorand 

aufgrund der ... dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig. Hingegen bestehe immer 

noch eine volle Arbeitsfähigkeit für ein sitzendes, leichtes, mittelschweres und 

knapp schweres Arbeitsplatzbelastungsniveau (…) ohne Kälte- und 

Nässeexposition, Überkopfarbeit, sowie ohne monoton-repetitive Bewegungen 

des Kopfes, der HWS und der Schultergelenke.

Gutachten Dr. med. ... und Dr. med. ..., ..., 15. November 2010

Aus neurologischer Sicht gelangt Dr. med. ... zum Schluss, es sei überwiegend 

wahrscheinlich, dass beim Unfall auch eine contusio spinalis durchgemacht 

worden sei. Dies und die groteske Fehlstellung der HWS, durch welche lokal 

Druck auf das Rückenmark entstehe und eine Minderdurchblutung des Marks 

erfolge (Lhermitte-Zeichen), bewirke eine vorzeitige Ermüdung. Neben dieser 

direkten Beeinträchtigung der neuralen Strukturen sei auch die unglückliche 

Statik im HWS-Bereich mit der doppelten Knickbildung mitverantwortlich für die 

verfrühte Ermüdung und das Unvermögen, eine fixe (Kopf-)Position für längere 

Zeit ohne Beschwerden einzunehmen. Beim Unfall sei mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auch eine leichte traumatische Hirnverletzung (MTBI) 

durchgemacht worden, welche zu Konzentrationsstörungen und einer 

eingeschränkten Gleichgewichtsfunktion geführt habe. Aus orthopädischer Sicht 

gibt Dr. med. ... an, aufgrund der klinischen Befunde an der HWS finde sich 

eine recht drastische Schädigung, Rotation und Seitneigen seien praktisch zu 

2/3 eingeschränkt. Es sei anzunehmen, dass sich die Statik der HWS so 

auswirke, dass die ventrale Kompression des Myelons auf Höhe Hinterkante 

HWK 7 klinisch manifest werde (funktionelle claudication spinalis / Lhermitte-

Phänomen), bei Schwerarbeit ziemlich schnell, bei leichterer Arbeit 

beziehungsweise bei fixierter Kopfhaltung wie zum Beispiel bei einer Tätigkeit 

an einem PC erst nach einigen Stunden. Dr. med. ... und Dr. med. ... kommen 

übereinstimmend zum Schluss, als Maurer bestehe mindestens seit gut 3 

Jahren keine Arbeitsfähigkeit mehr. Bei der aktuellen Tätigkeit als Betreiber 

eines Internet-Verkaufsbetriebs mit häufigen handwerklichen Einsätzen spiele 

neben den Beschwerden von Seiten der HWS auch das eingeschränkte 

Konzentrationsvermögen eine limitierende Rolle. Für leichtere Arbeiten mit 

Wechselbelastung liege die Arbeitsfähigkeit bei 50%.

Stellungnahme Dr. med. …, RAD, 9. März 2011

Es sei auf das Gutachten von Dr. med. ... abzustellen. Die Gutachter des ... 

stellten im Wesentlichen dieselben Diagnosen, beschrieben dieselben 

Beschwerden und erhöben dieselben Befunde. Im ...-Gutachten fehle eine 

konkrete und eingehende Begründung für die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, 

und auch die Abweichung gegenüber der Einschätzung von Dr. med. ... werde 

nicht begründet. Für die Richtigkeit der Einschätzung von Dr. med. ... spreche 

auch, dass der Explorand im Rahmen der ... sogar Tätigkeiten im schweren 

Bereich bewältigt habe, dass er körperlich anspruchsvolle Hobbys wie 

Bergwandern, Skifahren, Motorradfahren ausübe, dass er seit Jahren keine 

Therapien mehr mache und keine Schmerzmittel nehme.

6. a) Liegen wie im vorliegenden Fall verschiedene ärztliche Beurteilungen vor und 

widersprechen sich diese in wesentlichen Punkten, so kann dem einen 

Beweismittel nur dann der Vorrang gegeben werden, wenn sein Beweiswert 

klarerweise grösser ist als derjenige des anderen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist dabei entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch 

die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge 

und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die 

Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1.; 125 

V 351 E. 3.a.). Zudem hängt der Beweiswert einer spezialärztlichen Expertise 

davon ab, ob die begutachtende Person über die entsprechende 

Fachausbildung verfügt (Urteil 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2.2.). Im 

Folgenden wird die Beweiskraft der beiden Gutachten im Lichte dieser Kriterien 

untersucht.

b) Das erste Kriterium besteht darin, ob die streitigen Belange umfassend 

abgedeckt werden. Dies ist sowohl beim Gutachten von Dr. med. ... als auch 

beim ...-Gutachten offensichtlich der Fall, zielen doch beide in ihrer ganzen 

Anlage auf die Beantwortung der Frage der verbleibenden Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers.

c) Das zweite Kriterium besteht darin, ob ein Bericht auf allseitigen 

Untersuchungen beruht. Während das ...-Gutachten dieses Kriterium erfüllt, gibt 

es beim Gutachten von Dr. med. ... - wie bereits erwähnt (vgl. oben 4.c.) – bei 

den neurologischen Untersuchungen gewisse Einschränkungen.

d) Das dritte Kriterium ist die Frage, ob ein Bericht die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt. Vorliegend haben alle Gutachter die aktuellen Beschwerden 

erfragt. Bei der Würdigung der geklagten Beschwerden ging Dr. med. ... davon 

aus, dass der Beschwerdeführer „eher indolent scheine“, während die ...-

Gutachter sogar annahmen, er „neige zur Dissimulation und spiele seine 

Beschwerden herunter“. 

e) Das vierte Kriterium besteht darin, ob ein Bericht in Kenntnis der Vorakten 

abgegeben worden ist. Während das ...-Gutachten dieses Kriterium erfüllt, gibt 

es beim Gutachten von Dr. med. ... eine Einschränkung. Dr. med. ... lag das 

MRI des …spitals … vom 25. März 2010 nur als schriftlicher Befund von Dr. 

med. ... mit folgendem Wortlaut vor: „Bei Status nach alten HWK6 und HWK7 

Frakturen Teilfusion dieser Wirbelkörper mit entsprechender Fehlstellung und 

Versatz der Wirbelkörperhinterkanten nach intraspinal mit ventraler Impression 

des Zervikalmarks ohne assoziierte Myelopathie oder signifikante spinale 

Einengung. (…)“. Den ...-Gutachtern stand das MRI demgegenüber auch in 

Bildform zur Verfügung. Dr. med. ... bezeichnet das Bild als „eindrücklich“; das 

Myelon werde im Doppel-S abgeknickt und im Prinzip über die Hinterkante von 

HWK 7 geführt, beziehungsweise durch dessen Hinterkante ventral auf ein 

Volumen von zirka einem Drittel zusammengepresst. Dr. med. ... wählt 

ebenfalls klare Worte: „Die radiologischen Kontrollen im Frühjahr 2010  zeigen 

hier eine groteske Fehlstellung mit deutlicher Einengung auch des 

Rückenmarkkanals und starker Verschmälerung und gleichzeitig Verbreiterung 

des Rückenmarks auf Höhe der engsten Stelle, wo im MRI ein richtiger Dorn 

von ventral her in Richtung Rückenmark sichtbar ist.“ Vergleicht man die 

Aussagen der ...-Gutachter mit der Aussage des Radiologen, welche keine 

Angaben über das Ausmass der Fehlstellung macht, so muss man schliessen, 

dass sich  Dr. med. ... allein gestützt auf die verbale Beurteilung kein 

angemessenes Bild hatte machen können. Dies äussert sich denn auch darin, 

dass Dr. med. ... nur von einer „leichten“ Einengung des Zervikalmarks spricht. 

Die Unkenntnis des MRI in Bildform ist deshalb als recht gravierender Mangel 

zu werten, welcher die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. med. ... deutlich 

beeinträchtigt.

f) Das fünfte Kriterium für die Beweiskraft eines Gutachtens liegt darin, ob es in 

der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet. Das Gutachten von Dr. med. ... weist in 

dieser Hinsicht Mängel auf. So ist die Diagnosestellung nicht umfassend; es 

fehlt die Erkenntnis, dass der Beschwerdeführer beim Unfall mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auch eine contusio spinalis und eine leichte Hirnverletzung 

erlitten hat. Entsprechend beachtet Dr. med. ... die Konzentrationsstörungen 

und die eingeschränkte Gleichgewichtsfunktion nicht. Weiter fehlt - wie vorhin 

gezeigt (vgl. 6.e.) - eine adäquate Vorstellung der aktuellen Situation der HWS 

und des Rückenmarks. Es ist deshalb anzunehmen, dass Dr. med. ... die durch 

den Druck auf das Rückenmark entstehenden Einschränkungen unterschätzt. 

Die Krämpfe des Beschwerdeführers führte er denn auch primär auf einen 

Magnesiummangel zurück. Dass die von ihm empfohlene hochdosierte 

Magnesiumsupplementation erfolglos war, spricht klar dafür, dass nicht ein 

Magnesiummangel, sondern das Lhermitte-Phänomen die Ursache der 

Krämpfe ist.

Das ...-Gutachten vermag demgegenüber alle Anforderungen zu erfüllen. Es 

differenziert zwischen den Angaben der zu begutachtenden Person, den 

Angaben von dritter Seite, den erhobenen Befunden, den gestellten Diagnosen 

und schliesslich der interpretierenden und wertenden eigenen Beurteilung 

dieses Materials. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin und des RAD 

fehlt es auch nicht an einer genügenden Begründung für die eingeschränkte 

Arbeitsfähigkeit. Dr. med. ... erklärt nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer 

bei allen Arten von Arbeiten infolge der Minderdurchblutung des Rückenmarks 

und der unglücklichen Statik der HWS schneller ermüde und nicht fähig sei, 

eine fixe Kopfposition für längere Zeit einzunehmen. Weiter erklärt er ebenfalls 

einleuchtend, dass der Beschwerdeführer durch die massive Kräfteeinwirkung 

auf den Kopf eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hatte, was zu 

Konzentrationsstörungen geführt habe, welche die Arbeitsfähigkeit ebenfalls 

beeinträchtigten. Dr. med. ... stützt diese Erklärungen. Er führt aus, die jetzige 

Klinik und das MRI vom März 2010 erklärten die vom Beschwerdeführer 

angegebenen Beschwerden (Krämpfe in Händen und Beinen bei schweren 

Arbeiten, Schulterschmerzen bei Arbeiten auf Schulterhöhe oder höher, Augen- 

und Nackenschmerzen bei längerer Arbeit am PC, täglich vorhandene 

Kopfschmerzen). Dr. med. ... erklärt dies nachvollziehbar dadurch, dass sich 

eine funktionelle claudicatio spinalis der HWS etabliert habe, die bei schwerer 

Arbeit ziemlich schnell manifest werde und sich bei leichterer Arbeit 

beziehungsweise bei fixierter Kopfhaltung erst nach einigen Stunden bemerkbar 

mache. Damit ist auch erklärt, weshalb der Beschwerdeführer bei der ... 

erstaunlich gute Ergebnisse erzielt hatte; ausser der eingeschränkten 

Beweglichkeit der HWS und der Schultern hatten sich bei den Tests keine 

Beeinträchtigungen gezeigt; diese wären erst manifest geworden, wenn die 

getesteten Bewegungsmuster über einen längeren Zeitraum hätten 

durchgehalten werden müssen. In dieses Bild passt schliesslich auch, dass der 

Beschwerdeführer Hobbys wie Bergwandern, Skifahren und Velofahren zwar 

noch ausüben kann, allerdings, wie er selber ausführt, jeweils nur für recht 

kurze Zeit. Weiter kann das ...-Gutachten auch als logisch und widerspruchsfrei 

gewertet werden. Zwar bestand aufgrund einer unglücklichen Formulierung von 

Dr. med. ... zunächst eine Unklarheit. Diese wurde durch die vom 

Instruktionsrichter eingeholte Stellungnahme aber gänzlich geklärt, und die 

betreffende Aussage fügt sich nun bei richtiger Interpretation widerspruchsfrei in 

den gesamten Zusammenhang des ...-Gutachtens ein (vgl. Sachverhalt 7.). 

Schliesslich nimmt das ...-Gutachten auch genügend Stellung zum anders 

lautenden Gutachten von Dr. med. .... Nach der Rechtsprechung muss die 

Stellungnahme zu abweichenden ärztlichen Einschätzungen so geartet sein, 

dass es dem Gericht möglich ist, gute Gründe dafür anzugeben, weshalb es auf 

die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 352 

E. 3.a.; Urteil 9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 4.5.2). Dabei ist 

allerdings nicht gefordert, dass sich ein Gutachten minutiös mit jeder 

abweichenden medizinischen Meinungsäusserung im Einzelnen ausführlich 

auseinandersetzt; vielmehr genügt es in der Regel, wenn bei der 

multidisziplinären Diskussion der Befunde die vorhandenen Akten zur Kenntnis 

genommen werden und die darin enthaltenen Informationen berücksichtigt 

werden (Urteil U 310/04 vom 21. April 2005 E. 5.2). Vorliegend geben beide ...-

Gutachter das Gutachten von Dr. med. ... bei ihrer Aktenzusammenfassung an 

und nennen dabei dessen wesentliche Aussagen. Dr. med. ... erwähnt, es falle 

auf, dass bei der Begutachtung durch Dr. med. ... das MRI vom März 2010 nur 

als schriftlicher Befund erfasst worden sei. Dies lässt darauf schliessen, dass 

sich Dr. med. ... im Detail mit dem Gutachten von Dr. med. ... 

auseinandergesetzt hat. Bei der Umschreibung der Restarbeitsfähigkeit bezieht 

sich Dr. med. ... ebenfalls auf das Gutachten von Dr. med. ... und gibt an, wie 

dort festgehalten dürfe keine Überkopfarbeit mehr geleistet werden sowie keine 

monoton-repetitiven Bewegungen des Kopfes oder der linken Schulter 

ausgeführt werden. Dann führt er aus, die im Gutachten von Dr. med. ... 

angegebene Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit sei 

illusorisch. Zur Begründung verweist er auf seine Erklärung der 

gesundheitlichen Einschränkungen und deren Auswirkungen auf die 

Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, welche – wie vorhin gezeigt – 

durchaus nachvollziehbar ist. Wesentlich ist schliesslich auch, dass das ...-

Gutachten eine interdisziplinäre, integrative Beurteilung enthält. 

Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die Beweiskraft des ...-

Gutachtens auch in diesem Punkt uneingeschränkt ist.

g) Schliesslich hängt der Beweiswert einer spezialärztlichen Expertise nach der 

Praxis des Bundesgerichts auch davon ab, ob die begutachtenden Personen 

über die entsprechenden Fachausbildungen verfügen. Ihre fachliche 

Qualifikation spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise eine erhebliche 

Rolle. Bezüglich der medizinischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen 

sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse der Expertin oder des 

Experten verlassen können. Deshalb ist für die Eignung einer Ärztin oder eines 

Arztes als Gutachtensperson in einer bestimmten medizinischen Disziplin ein 

entsprechender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender 

spezialärztlicher Titel vorausgesetzt (Urteil 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 

E. 2.2). Das ...-Gutachten wurde von Dr. med. ..., Facharzt für Neurologie, 

Physikalische Medizin und Rehabilitation, und von Dr. med. ..., Facharzt für 

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, erstellt. 

Beide Gutachter verfügen damit über den geforderten spezialärztlichen Titel 

und sind im Verzeichnis der FMH entsprechend aufgeführt 

(http://www.doctorfmh.ch).

h) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem ...-Gutachten ein 

uneingeschränkter Beweiswert zukommt, während der Beweiswert des 

Gutachtens von Dr. med. ... eingeschränkt ist. Die Beschwerdegegnerin hat 

deshalb zu Unrecht auf das Gutachten von Dr. med. ... abgestellt. 

7. Die Beschwerdegegnerin hat das Invalideneinkommen gestützt auf das ...-

Gutachten neu festzulegen. Angesichts der darin attestierten Arbeitsfähigkeit 

von 50% in adaptierter Tätigkeit wird sie dabei einen Leidenabzug infolge 

Teilzeitarbeit zu berücksichtigen haben. Bei der Festlegung des 

Valideneinkommens gestützt auf die LSE hat sie auf das Anforderungsniveau 3 

abzustellen (vgl. 3.). Gestützt auf den sich aus diesen beiden 

Vergleichseinkommen ergebenden Invaliditätsgrad hat sie erneut über den 

Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulung und Rente zu entscheiden. 

Die angefochtenen Verfügungen erweisen sich als nicht rechtmässig, und die 

dagegen erhobene Beschwerde ist gutzuheissen. 

8. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten 

um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- 

bis Fr. 1000.-- festgelegt. Vorliegend hat die unterliegende 

Beschwerdegegnerin Kosten in der Höhe von Fr. 700.-- zu übernehmen. 

Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt 

und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und 

nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. Vorliegend hat der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Honorarnote über Fr. 2'958.10 

eingereicht. Dieser Betrag ist angemessen, und die Beschwerdegegnerin hat 

deshalb eine aussergerichtliche Entschädigung von Fr. 2'958.10 zu bezahlen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtenen Verfügungen werden 

aufgehoben und die Angelegenheit wird zum Neuentscheid im Sinne der 

Erwägnungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) wird 

verpflichtet, die Kosten für das ...-Gutachten in der Höhe von Fr. 7770.-- zu 

übernehmen.

3. Die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 700.-- gehen zulasten der 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) und sind innert 

30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

4. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) 

entschädigt ... aussergerichtlich mit Fr. 2’958.10 (inkl. MWST).