# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6d4ce9ab-38aa-5b03-aae1-7b23dea52a34
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-23
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 23.08.2018 SK 2018 87
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-87_2018-08-23.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 18 87

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 23. August 2018 

Besetzung Oberrichter Vicari (Präsident), 
Oberrichter Gerber, Oberrichterin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Hiltbrunner

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz 

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 8. Dezember 2017 (PEN 17 549)

2

Erwägungen:

Inhaltsverzeichnis
I. Formelles ......................................................................................................................4

1. Erstinstanzliches Urteil ...............................................................................................4

2. Berufung.....................................................................................................................4

3. Anträge der Parteien ..................................................................................................4

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ...................................................7

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen.......................................................................7

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung ...........................................................................8

6. Bestrittener Vorwurf ...................................................................................................8

7. Beweismittel ...............................................................................................................9

7.1 Objektive Beweismittel........................................................................................9

7.2 Subjektive Beweismittel ......................................................................................9

8. Beweisergebnis der Vorinstanz................................................................................12

9. Vorbringen der Parteien ...........................................................................................13

10. Beweiswürdigung der Kammer ................................................................................14

10.1 Allgemeine Grundsätze der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse.......14

10.2 Chronologie der Geschehnisse.........................................................................16

10.3 Sichergestelltes Kokain.....................................................................................17

10.4 Aussagen des Beschuldigten............................................................................17

10.5 Relevante Aussagen anderer Personen ...........................................................22

10.6 Zur Drogenmenge.............................................................................................23

10.7 Zum finanziellen Verdienst................................................................................25

10.8 Zum Drogenkonsum (Zeitraum)........................................................................26

10.9 Fazit ..................................................................................................................27

III. Rechtliche Würdigung ...........................................................................................27

11. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 
und 2 BetmG ............................................................................................................27

11.1 Allgemein ..........................................................................................................27

11.2 Mengenmässige Qualifikation...........................................................................27

11.3 Qualifikation der Gewerbsmässigkeit................................................................28

11.4 Konkurrenzen....................................................................................................29

11.5 Subsumtion .......................................................................................................29

12. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19a BetmG 
(Konsum)..................................................................................................................29

3

13. Widerhandlungen gegen das AuG ...........................................................................30

IV. Strafzumessung .....................................................................................................30

14. Anwendbares Recht.................................................................................................30

15. Allgemeines..............................................................................................................31

16. Strafrahmen, Strafart und Vorgehen ........................................................................32

17. (Teilweise) retrospektive Konkurrenz.......................................................................32

18. Tatkomponenten qualifizierte Widerhandlung gegen das BetmG............................34

18.1 Objektive Tatschwere .......................................................................................34

18.2 Subjektive Tatschwere......................................................................................35

19. Asperation aufgrund der Widerhandlung gegen das AuG .......................................35

20. Täterkomponenten ...................................................................................................36

20.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse ............................................................36

20.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren..................................................36

20.3 Strafempfindlichkeit...........................................................................................36

21. Konkretes Strafmass................................................................................................36

22. Unbedingter Vollzug.................................................................................................37

23. Bemessung der Busse wegen Betäubungsmittelkonsum........................................37

V. Landesverweisung ....................................................................................................37

24. Anordnung................................................................................................................37

25. Dauer .......................................................................................................................38

VI. Kosten und Entschädigung ..................................................................................40

26. Verfahrenskosten .....................................................................................................40

27. Amtliche Entschädigung der Verteidigung ...............................................................40

VII. Verfügungen ...........................................................................................................41

28. Einziehung der Mobiltelefone...................................................................................41

29. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem...........41

30. DNA und biometrische erkennungsdienstliche Daten..............................................42

VIII. Dispositiv ................................................................................................................43

4

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 8. Dezember 2017 sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kol-
legialgericht) A.________ (im Folgenden: Beschuldigter) frei von den Anschuldi-
gungen der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, der mehrfachen versuchten 
sexuellen Nötigung, der Freiheitsberaubung und der mehrfachen Tätlichkeiten. Die 
auf die Freisprüche entfallenden Verfahrenskosten (60 Prozent) auferlegte es dem 
Kanton Bern. Das Regionalgericht (im Folgenden: Vorinstanz) erklärte den Be-
schuldigten hingegen schuldig der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel-
gesetz (BetmG; SR 812.121), mehrfach sowie mengenmässig qualifiziert und ge-
werbsmässig begangen, sowie durch Eigenkonsum und der Widerhandlungen ge-
gen das Ausländergesetz (AuG; SR 142.20) durch Missachtung einer Ausgren-
zung. Hierfür verurteilte es ihn zu einer Freiheitsstrafe von 52 Monaten, teilweise 
als Zusatzstrafe zum Urteil der regionalen Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland 
vom 23. Januar 2017, und zu einer Übertretungsbusse von CHF 600.00. Es sprach 
zudem eine Landesverweisung von 10 Jahren aus und auferlegte dem Beschuldig-
ten die auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten von insgesamt 
CHF 19‘595.00 (40 Prozent plus Gebühr für die schriftliche Urteilsbegründung). Der 
dem Beschuldigten mit Urteil der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 29. Juni 
2016 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen gewährte bedingte Vollzug wurde wi-
derrufen.

Gleichzeitig sprach das Regionalgericht Bern-Mittelland sein Urteil über den mitbe-
schuldigten C.________

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, verteidigt durch Rechtsanwalt 
B.________, am 18. Dezember 2017 fristgerecht die Berufung an (pag. 1041). 
Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 8. März 
2018 reichte Rechtsanwalt B.________ am 29. März 2018 form- und fristgerecht 
die Berufungserklärung ein. Die Berufung des Beschuldigten beschränkt sich auf 
die Schuldsprüche wegen Widerhandlungen gegen das BetmG, die Strafzumes-
sung, die Kostenfolgen, die ausgesprochene Landesverweisung und die Einzie-
hung von zwei Mobiltelefonen (pag. 1091 ff.). Die Generalstaatsanwaltschaft ver-
zichtete mit Eingabe vom 11. April 2018 auf die Erklärung einer Anschlussberufung 
und das Stellen eines Nichteintretensantrages (pag. 1098). Die Berufungsverhand-
lung fand am 23. August 2018 in Anwesenheit beider Parteien statt (pag. 1178 ff.).

3. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung vom 23. August 2018 folgende Anträge (pag. 1193 f.):

I

5

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. Der mengenmässig qualifiziert begangenen Widerhandlungen gegen das BetmG in der Zeit von 
Mitte Dezember 2016 bis am 10. Februar 2017 in Reconvilier, Bern, der Umgebung von Bern und 
in Biel durch Erwerb, Veräusserung, Verschaffung, Anstalten treffen sowie Besitz (einer den Ei-
genkonsum übersteigenden Menge) von total 70 Gramm Kokaingemisch (ausmachend 63 Gramm 
reines Kokain) (Ziff. 4 der Anklageschrift); 

2. Der Übertretung gegen das BetmG, begangen in der Zeit von November 2016 bis am 10. Februar 
2017 durch regelmässigen Konsum von Kokain und gelegentlichen Konsum von Cannabis (Ziff. 5 
der Anklageschrift). 

II

A.________ sei in Anwendung der
Art. 19 Abs. 1 und 2 lit. a BetmG, Art. 19a Ziff. 1 BetmG 
und 
Art. 46 Abs. 1, Art. 47 ff., Art. 51 StGB
sowie Art. 135 Abs. 1 und 2 und Art. 426 Abs. 1 StPO

teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 23.01.2017,

zu verurteilen 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten;

unter Anrechnung der ausgestandenen Haft von 560 Tagen (10.02.2017 - 08.06.2017 [119 Tage]; 
09.06.2017 - 23.08.2018 [441 Tage]); 

2. Zu einer Busse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung sei auf 
drei Tage festzusetzen

unter Ausrichtung einer Genugtuung an A.________ in der Höhe von CHF 200.00 pro Hafttag Über-
haft (ab dem 10. Juni 2018) und unter Ausscheidung von ¾ der erstinstanzlichen Verfahrenskosten 
unter Tragen durch den Kanton Bern sowie Ausrichtung einer Entschädigung in der Höhe von ¾ der 
Anwaltskosten vor der ersten Instanz;

unter Kosten- und Entschädigungsfolgen im 
erst- und oberinstanzlichen Verfahren. 

Ill

Es sei eine Landesverweisung von fünf Jahren auszusprechen. 

IV 

Weiter sei zu verfügen: 

1. A.________ sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen; 

2. Die zwei sichergestellten Mobiltelefone seien A.________ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils 
zurückzugeben; 

3. Soweit weitergehend sei die Rechtskraft des Urteils vom 08. Dezember 2017 festzustellen; 

6

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das oberinstanzliche Verfahren sei gemäss der einge-
reichten Honorarnote gerichtlich zu bestimmen; 

5. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete ihrerseits folgende Anträge 
(pag. 1195 f.): 
I.
Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland in Bezug auf C.________ in 
Rechtskraft erwachsen ist. 
II.
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 8. Dezember 

2017 in Bezug auf A.________ insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als 
1.1 der Beschuldige freigesprochen worden ist von den Anschuldigungen der Vergewaltigung, 

der sexuellen Nötigung sowie der mehrfachen versuchten sexuellen Nötigung, der Freiheits-
beraubung und der mehrfachen Tätlichkeiten, unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfah-
renskosten an den Kanton Bern; 

1.2 der Beschuldigte schuldig gesprochen worden ist wegen Widerhandlungen gegen das Aus-
länderrecht durch mehrfache Missachtung einer Ausgrenzung; 

1.3 der dem Beschuldigten mit Urteil vom 29. Juni 2016 der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen für 
eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen gewährte bedingte Vollzug widerrufen worden ist; 

1.4 die beschlagnahmten Drogen und Drogenutensilien zur Vernichtung eingezogen worden sind 
(Art. 69 StGB); 

1.5 der vom Beschuldigten beschlagnah[m]te Barbetrag von CHF 730.00 eingezogen worden ist 
(Art. 70 StGB). 

2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen wegen 
2.1 mengenmässig qualifiziert und gewerbsmässig begangener Widerhandlungen gegen das 

BetmG durch 
2.1.1 Erwerb von 700 Gramm Kokaingemisch von Dezember 2016 bis 10. Februar 2017 

in Biel
2.1.2 Veräussern von 400 Gramm Kokaingemisch von Dezember 2016 bis 10. Februar 

2017 in Reconvilier, Bern und anderswo 
2.1.3 Verschaffen von 100 Gramm Kokaingemisch zwischen 

Dezember 2016 und 10. Februar 2016 in Bern 
2.1.4 Besitz von 135 Gramm Kokaingemisch am 24. Dezember 2016, am 11., 14., 20. 

und 27. Januar sowie am 10. Februar 2017 in Bern 
2.1.5 Besitz von 60 Gramm Kokaingemisch am 28. Januar 2017 in Bern und Ittigen 
2.1.6 davon Veräussern einer unbekannten Menge

Kokaingemisch am 28. und 29. Januar 2017 in Bern und Ittigen 
2.2 Eigenkonsum einer unbekannten Menge Kokaingemisch und Haschisch in der Zeit von Mai 

2016 bis am 10. Februar 2017 in Reconvilier, Bern und anderswo. 
3. Der Beschuldigte sei zu verurteilen zu 
3.1 einer Freiheitsstrafe von 52 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil der regionalen 

Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland vom 23. Januar 2017, unter Anrechnung der aus-
gestandenen Haft und unter Feststellung des vorzeitigen Strafantritts; 

3.2 einer Übertretungsbusse von CHF 600.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 6 Tage); 
3.3 einer Landesverweisung von 10 Jahren; 
3.4 den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

7

4. Die Mobiltelefone Samsung und Wiko seien zur Vernichtung einzuziehen (Art. 69 StGB). 
5. Es seien im Übrigen die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen, Aus-

schreibung SIS, Honorar der amtlichen Verteidigung). 
6. Der Beschuldigte sei in den vorzeitigen Strafvollzug zurückzuführen.

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil wurde nur in Teilen angefochten. Nach Art. 404 Abs. 1 
StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten. Nicht angefochten und damit rechtskräftig sind das gesamte 
Urteil betreffend den Mitbeschuldigten, C.________, die Freisprüche des Beschul-
digten, der Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, der 
Widerruf, sowie die weiteren Verfügungen mit Ausnahme der Einziehung der Mobil-
telefone, der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system (SIS) und der Verfügungen über die DNA-Profile und die biometrischen er-
kennungsdienstlichen Daten des Beschuldigten.

Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 
398 Abs. 3 StPO). Sie hat das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochte-
nen Punkte umfassend zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Da nur der Beschul-
digte Berufung eingereicht hat, ist die Kammer an das Verschlechterungsverbot 
nach Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden und darf das erstinstanzliche Urteil nicht zu 
dessen Nachteil abändern.

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurde ein aktueller Strafregisterauszug sowie ein Führungsbe-
richt bei der Justizvollzugsanstalt Thorberg über den Beschuldigten eingeholt (pag. 
1113, pag. 1153 ff., pag. 1149 ff.). 

Mit Eingabe vom 27. Juli 2018 beantragte die Generalstaatsanwaltschaft die Editi-
on der Einvernahmeprotokolle von D.________ in dessen am Regionalgericht Ber-
ner Jura-Seeland hängigen Verfahren (pag. 1135 f.). Bei diesem handelt es sich 
um den angeblichen Drogenlieferanten des Beschuldigten. Die Verteidigung bean-
tragte die Abweisung des Beweisantrages respektive verlangte für den Falle einer 
Gutheissung Einsicht in die vollständigen Akten sowie eine Konfrontation (pag. 
1143 f.). Die Verfahrensleitung verfügte in der Folge am 7. August 2018 die 
vollständige Edition der Akten PEN 18 235 des Verfahrens am Regionalgericht 
Berner Jura-Seeland gegen D.________ sowie zwei weitere Beschuldigte und lud 
D.________ zur Einvernahme als Auskunftsperson vor (pag. 1147). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wurden sowohl der Beschuldigte als auch 
D.________ befragt (pag. 1181 ff.). 

8

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Bestrittener Vorwurf

In Bezug auf den Sachverhalt sind nur noch die dem Beschuldigten vorgeworfenen 
Betäubungsmitteldelikte Gegenstand des Berufungsverfahrens. Die Anklageschrift 
vom 4. Juli 2017 lautet folgendermassen (pag. 765):

4. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mengenmässig qualifiziert und 
eventuell gewerbsmässig begangen durch Erwerb, Besitz, Veräusserung und Ver-
schaffung von Betäubungsmitteln (Art. 19 Abs. 1 und 2 lit. a und c BetmG)

mehrfach in der Zeit von Mitte Dezember 2016 bis am 10.02.2017 in Reconvilier, in Bern, in 
der Umgebung von Bern und in Biel durch folgendes Tatvorgehen: 

a. A.________ kaufte in der Zeit von Mitte Dezember 2016 bis zu seiner Anhaltung am 
10.02.2017 in Biel ca. 700 Gramm Kokaingemisch von zwei Lateinamerikanern mit 
den Übernamen „Ko" und später „Tayssan", dies zu einem Preis von durchschnitt-
lich ca. CHF 60.00 pro Gramm, bei einem Reinheitsgrad von 72% bis 87% (Cocain 
Base) beziehungsweise 81% bis 97% (Cocain Hydrochlorid). (Erwerb) 

Von diesen ca. 700 Gramm Kokaingemisch verkaufte A.________ in derselben 
Zeitspanne insgesamt ca. 400 Gramm an verschiedene Drogeninteressenten zum 
Preis von durchschnittlich ca. CHF 90.00 pro Gramm weiter, einige wenige Gramm 
in Reconvilier, den Rest ab ca. Weihnachten 2016 in Bern, hauptsächlich im Re-
staurant H.________, aber auch in der Umgebung von Bern. (Veräusserung)

Weitere rund 100 Gramm verschenkte A.________ in derselben Zeitspanne in Bern 
im Restaurant H.________ unter einem Mal an verschiedene Personen. (Verschaf-
fung)

Weitere rund 135 Gramm Kokaingemisch wurden durch die Polizei am 24.12.2016, 
11.01.2017, 14.01.2017, 20.01.2017, 27.01.2017 und 10.02.2017 in Bern sicherge-
stellt. (Besitz) 

b. A.________ befand sich am 28.01.2017 in Bern und Ittigen im Besitz von weiteren 
ca. 500 Gramm Kokaingemisch zwecks Weiterveräusserung (Besitz), wovon er an 
diesem Tag und später den grössten Teil dieser Menge zum Preis von durchschnitt-
lich ca. CHF 90.00 pro Gramm weiterverkaufte. (Veräusserung) 

5. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Eigenkonsum und dem 
Eigenkonsum dienende Widerhandlungen (Art. 19a BetmG)

mehrfach begangen in der Zeit von ca. Mai 2016 bis am 10.02.2017 in Reconvilier, 
Bern und anderenorts in der Schweiz durch folgendes Tatvorgehen:

A.________ konsumierte in der Zeit von ca. Mai 2016 bis am 10.02.2017 in Recon-
vilier, Bern und anderenorts in der Schweiz in unregelmässigen Abständen eine 
insgesamt unbestimmte Menge Kokaingemisch und Haschisch.

Der Beschuldigte hat die ihm vorgeworfenen Taten grundsätzlich eingestanden. Er 
bestreitet nicht, mit Drogen gehandelt und diese konsumiert zu haben. Er bestreitet 
jedoch die ihm vorgeworfene Menge von gekauftem und gehandelten Kokainge-

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misch und will erst im November 2016 mit dem Konsum von Kokain begonnen ha-
ben.

7. Beweismittel

Für die Zusammenfassung der vorhandenen Beweismittel kann vorab auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 996 ff., S. 22 ff. der Urteilsbe-
gründung). Diese sind jedoch punktuell zu ergänzen. 

7.1 Objektive Beweismittel

Bei den objektiven Beweismitteln ist zu erwähnen das sowohl erstinstanzlich als 
auch oberinstanzlich Akten aus anderen Strafverfahren ediert wurden. Bei der 
Staatsanwaltschaft Kreuzlingen wurden am 12. Januar 2017 die Akten im Verfah-
ren gegen den Beschuldigten betreffend rechtswidrige Einreise ediert (pag. 559 ff.). 
Aus dem Verfahren der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland gegen 
D.________ und E.________ wurde von der Staatsanwaltschaft die delegierte Ein-
vernahme des Beschuldigten als Auskunftsperson vom 9. Mai 2017 ediert (pag. 
592 ff.). Zudem wurden die Akten der Staatsanwaltschaft Region Berner Jura-
Seeland BJS 17 1082 betreffend Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen 
Diebstahls beigezogen. Im Berufungsverfahren wurden dann die gesamten Akten 
des Verfahrens gegen D.________ und E.________, welches mittlerweile noch 
gegen einen dritten Beschuldigten geführt wurde und am Regionalgericht Berner 
Jura-Seeland unter der Verfahrensnummer PEN 18 235 rechtshängig war, ediert 
(pag. 1147).

7.2 Subjektive Beweismittel

Bei den subjektiven Beweismitteln hat die Vorinstanz nicht ganz alle Einvernahmen 
mit Aussagen den Beschuldigten zu den Vorwürfen betreffend Betäubungsmittel 
aufgeführt und zusammengefasst. Zusätzlich zu erwähnen sind folgende Einver-
nahmen:

7.2.1 Polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten vom 11. Januar 2017 (pag. 289 ff.)

Der Beschuldigte sagte ohne Anwesenheit seines Verteidigers, das an diesem Tag 
sichergestellte Kokaingemisch (rund 20 Gramm) gehöre nicht ihm. Er habe es nur 
für jemanden aufbewahrt (pag. 290 Z. 22 ff.). Er habe bereits Kokain verkauft. Er 
denke fünf bis sieben Gramm habe er dieses Jahr bereits verkauft. Für ein Gramm 
Kokain verlange er CHF 70.00 (pag. 290 Z. 47 ff.). Er konsumiere jeden Tag drei 
bis vier Gramm Kokain (pag. 290 Z. 63).

7.2.2 Einvernahme des Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft zur Hafteröffnung 
vom 11. Februar 2017 (pag. 21 ff.)

Der Beschuldigte sagte dort, er habe 5-6 Gramm Kokain pro Tag konsumiert, aber 
nicht jeden Tag (pag. 24 Z. 109 ff.). Ein Gramm Kokain koste CHF 50.00 (pag. 24 
Z. 112 f.). Er sei kein Händler. Er mache, was er mache, um seinen Eigenkonsum 
zu finanzieren (pag. 25 Z. 151 f.). Das Kokain, das er bei der Anhaltung auf sich 
getragen habe, sei nicht seines gewesen, jemand habe es in seine Manteltasche 
getan (pag. 25 Z. 144 ff.). Das Geld hätte er dieser Person weitergegeben (pag. 26 
Z. 164 f.). Er sei nicht alleine unterwegs gewesen (pag. 26 Z. 175). Er mache das 

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seit ca. 2-3 Wochen und wisse nicht, welche Menge er schon verkauft habe. Das 
gestern sei die grösste Menge gewesen (pag. 26 Z. 187 ff.). Die CHF 407.00, die er 
bei der Anhaltung auf sich getragen habe, würden aus Kokainverkauf stammen 
(pag. 27 Z. 201 f.). Er mache das, weil er Kokain süchtig sei und kein Geld habe 
(pag. 27 Z. 204 f.). 

7.2.3 Delegierte Einvernahme des Beschuldigten durch die Polizei vom 20. März 2017 
(pag. 483 ff.)

In dieser Einvernahme wurde der Beschuldigte ausser zum angeblichen Sexualde-
likt auch nach dem angeblich von F.________ am 28. Januar 2017 gesichteten Ko-
kain gefragt. Er gab zu Protokoll, es wäre schön, wenn er ein halbes Kilo gehabt 
hätte. Soviel habe er noch nie besessen (pag. 487 Z. 207). Er habe 60 Gramm da-
bei gehabt, mehr nicht (pag. 488 Z. 213). Er habe F.________ für CHF 180.00 zwei 
Gramm Kokain verkauft (pag. 488 Z. 233 f.). 

7.2.4 Einvernahmen des Beschuldigten als Auskunftsperson im Strafverfahren gegen 
D.________ und weitere (Akten PEN 18 235)

Der Beschuldigte wurde von der Bieler Polizei am 22. März 2017 als Auskunftsper-
son einvernommen. Er gab ausführlich Auskunft. Er sei in Biel in ein Coiffeurge-
schäft gegangen, wo er «Ko» kennengelernt habe. Dieser habe ihm vorgeschlagen 
im Kokainbusiness zu arbeiten. Die Qualität der Ware sei schlecht gewesen, wes-
halb er aufgehört habe, bei diesem zu kaufen. Zwischenzeitlich sei er ins Coiffeur-
geschäft zurückgekehrt, weil er verstanden habe, dass es dort Lieferanten habe. Er 
habe einen «Tyson» kennengelernt. Dieser habe ihm vorgeschlagen, für ihn Kokain 
zu verkaufen. Er habe sein Business bis zu seiner Verhaftung fortgeführt (pag. 581 
Z. 46 ff.). Er sei 4 bis 5 Mal zu Ko gegangen, um Kokain zu kaufen. Er glaube, von 
diesem im Total 40-50 Gramm Kokain gekauft zu haben. Das Gramm habe 
CHF 55.00 gekostet. Bei diesem habe er keine Schulden (pag. 582 Z. 65 ff.). «Ty-
son» sei Latino, 25-26 Jahre alt, mager, ungefähr 175cm und dunkelhäutig. Die 
Geschäfte seien bei ihm abgewickelt worden und seine Frau sei ebenfalls anwe-
send gewesen. Er habe mit Tyson Geschäfte gemacht, aber seine Frau habe ihm 
auch Ware übergeben. Die Transaktionen seien über sie gelaufen. Zu Beginn hätte 
er und Tyson sich nicht verstanden und sie habe die Übersetzung gemacht (pag. 
582 Z. 102 ff.). Er sei wohl von vor Weihnachten bis zu seiner Verhaftung ein bis 
zwei Mal zu ihnen gegangen um Ware zu holen. Die Mengen hätten variiert. Zu 
Beginn habe er 25 oder 50 Gramm Kokain und zum Schluss 100 Gramm Kokain 
genommen. Total glaube er, 650 Gramm Kokain genommen zu haben. Als er ver-
haftet worden sei, sei es nicht das erste Mal gewesen, dass er 100 Gramm ge-
nommen habe. Er glaube, das sei vorher schon einmal vorgekommen. Sie hätten 
ihm für CHF 55.00 oder CHF 60.00 pro Gramm verkauft. Er schulde ihnen 
CHF 24‘000.00. Er habe nie etwas bezahlt und sie hätten ihm trotzdem weiterhin 
gegeben. Er habe immer mit ihr Kontakt aufgenommen und sei zu ihnen gegangen. 
Wenn er nicht habe kommen können, habe sie ihm Kokain abgewogen und gege-
ben. Das Kokain sei in einer schwarzen Schachtel im Schlafzimmer neben dem 
Bett gewesen (pag. 583 Z. 115 ff.). Er glaube zu wissen, dass sie sich gestritten 
hätten und er eine Unterkunft vor dem Bahnhof genommen habe. Nach dem Streit 
habe er direkt mit ihm Kontakt aufgenommen (pag. 583 Z. 136 ff.). Die Wohnung in 

11

der Nähe vom Bahnhof sei im obersten Stock rechts. Tyson lebe dort mit seiner 
Tante (pag. 583 Z. 146 ff.). In den SMS, die er der Frau von Tyson geschickt habe, 
habe er Punkte geschrieben. Jeder Punkt habe 10 Gramm Kokain bedeutet (pag. 
583 Z. 163 f.). 

Anlässlich der parteiöffentlichen Einvernahme vom 9. Mai 2017 wollte der Beschul-
digte dann offenbar keine Aussagen mehr machen. Er habe nie 700 Gramm Kokain 
gehabt und erinnere sich nicht an diese Aussage (pag. 592 Z. 59 f.). Bei Taysson 
habe er nie Kokain gekauft (pag. 592 Z. 66 f.). D.________ (Taysson) und dessen 
Freundin wollte er auf den Fotos nicht mehr erkennen (pag. 592 Z. 69 ff.). Taysson 
sei ein Mädchen, das er in Biel kenne (pag. 592 Z. 93). Beim Vorlesen passte er 
diese Aussage dann an. Taysson sei ein Freund und sie hätten zusammen nur Bier 
getrunken und Pizza gegessen (pag. 593 Z. 101 ff.). Er wisse nicht, ob er schon 
einmal bei diesem zu Hause gewesen sei und wisse nicht, wo dessen Freundin 
wohne (pag. 593 Z. 129 ff.). Er erinnere sich nicht daran, dass die Frau bei Kokain-
verkäufen übersetzt habe (pag. 594 Z. 173 f.).

Bei diesen Einvernahmen als Auskunftsperson war die Verteidigung des Beschul-
digten nicht anwesend. Es kann daher nicht alleine auf diese Aussagen als den 
Beschuldigten belastende Beweismittel im vorliegenden Verfahren abgestellt wer-
den. Sie dürfen jedoch zur Würdigung von dessen Aussagen im vorliegenden Ver-
fahren beigezogen werden.

7.2.5 Einvernahme der Auskunftsperson im Berufungsverfahren (pag. 1184 ff.)

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 23. August 2018 wurde in Anwesenheit 
des verteidigten Beschuldigten D.________ als Auskunftsperson befragt. Er gab 
unter anderem zu Protokoll, er habe den Beschuldigten im Dezember 2016 in ei-
nem Coiffeurgeschäft kennengelernt (pag. 1184 Z. 25). Er habe dem Beschuldigten 
Kokain verkauft (pag. 1185 Z. 1 ff.). Es seien vielleicht 8 bis 9 Verkäufe gewesen 
(pag. 1185 Z. 12). Es seien immer 10 Gramm und das letzte Mal 100 Gramm, ins-
gesamt 180 bis 190 Gramm, gewesen (pag. 1185 Z. 22 ff.) Der letzte Verkauf habe 
am 5. Februar 2017 stattgefunden (pag. 1185 Z. 28). Der Beschuldigte habe ihm 
normalerweise bei der Übergabe die Drogen bezahlt. Das letzte Mal habe er noch 
nicht bezahlt. Beim Verlesen präzisierte er dann, der Beschuldigte sei nach der 
Übergabe zum Bezahlen zurückgekommen und habe nicht sofort bezahlt (pag. 
1185 Z. 35 ff.). Der Beschuldigte habe bei ihm für die 100 Gramm Kokain 
CHF 5‘500.00 Schulden. Er habe ihm am Anfang für den Preis von CHF 65.00 pro 
Gramm verkauft, dann für CHF 60.00 und am Ende für CHF 55.00 (pag. 1186 Z. 2 
ff.). Auf Vorhalt seiner früheren Aussage, wonach er dem Beschuldigten 280 
Gramm Kokain verkauft habe, sprach er von einem Fehler in der Übersetzung 
(pag. 1186 Z. 9 ff.). 

7.2.6 Einvernahme des Beschuldigten im Berufungsverfahren (pag. 1189 ff.)

Der Beschuldigte gab in seiner Befragung zur Sache anlässlich der Berufungsver-
handlung insbesondere zu Protokoll, er bleibe bei seinen letzten Aussagen. Er 
bestätige, dass er bei D.________ Drogen gekauft habe. Wenn dieser von 180 bis 
190 Gramm spreche, sei dies gewiss so (pag. 1189 Z. 14 ff.). Jedes Mal, wenn er 
Drogen gekauft habe, sei er angehalten worden (pag. 1189 Z. 24 ff.). D.________ 

12

habe ihm manchmal Kredit gegeben und er habe später bezahlt. Als er von Frank-
reich gekommen sei, habe er noch ein bisschen Geld gehabt und ihn damit bezah-
len können. Im angeklagten Zeitraum habe er 40 Gramm Kokain verkauft (pag. 
1189 Z. 31 ff.). Er habe jeden Tag ein Gramm oder ein halbes Gramm Kokain kon-
sumiert (pag. 1190 Z. 7 ff.). Er habe ab Ende November (2016), als er hier im Kan-
ton Bern angekommen sei, Kokain konsumiert (pag. 1190 Z. 12 ff.). Er habe EUR 
2‘000.00 bei sich gehabt, als er aus Frankreich gekommen sei. Die Polizei habe 
diese beschlagnahmt. Nach Hinweis auf den Widerspruch zu seiner vorherigen 
Aussage, wonach er von diesem Geld Drogen bezahlt habe, sagte er, die Polizei 
habe nicht das ganze Geld genommen (pag. 1190 Z. 27 ff.). In seiner Einvernahme 
vom 24. Februar 2017 habe er gelogen. Er habe Crystal (Meth) konsumiert gehabt 
und sei noch unter dessen Einfluss gestanden, als er zum Staatsanwalt gerufen 
worden sei (pag. 1190 Z. 35 ff.). Er habe gemeint, er sage es dem Staatsanwalt 
und würde sofort entlassen. Dann hätten ihn die Polizisten aber wieder geholt. Sie 
hätten ihm gesagt, er solle ihnen zeigen, wo die beiden (Lieferanten) wohnen und 
dann wäre er frei. Sie hätten ihn gut behandelt, ihm Zigaretten gegeben und Kaffee 
bezahlt. Er habe alles gemacht, was sie von ihm verlangt hätten (pag. 1191 Z. 32 
ff.). Crystal Meth habe er nur einmal konsumiert. Als er am 22. März 2017 bei der 
Polizei in Biel ausgesagt habe, habe er nicht unter Crystal Einfluss gestanden (pag. 
1192 Z. 12 ff.). 

Zu bemerken und in der folgenden Beweiswürdigung zu berücksichtigen ist, dass 
der Beschuldigte und D.________ sich vor den Einvernahmen im Berufungsverfah-
ren in der selben Haftanstalt aufhielten und die Möglichkeit hatten, miteinander zu 
verkehren. Eine Absprache der Aussagen wäre somit möglich gewesen.

8. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt fest, dass sich die Vorwürfe primär auf die polizeilichen Sicher-
stellungen (von Kokain) sowie die Aussagen des Beschuldigten stützen würden. 
Sie erwog, ob auf die Mengenangaben des Beschuldigten in seiner Einvernahme 
vom 24. Februar 2017, die er später wieder dementierte, abgestellt werden kann. 
Sie hielt die Behauptung des Beschuldigten, dass er Crystal Meth konsumiert und 
in der Folge ein falsches Geständnis abgelegt habe, für unwahrscheinlich. Ebenso 
erachtete sie es für nicht nachvollziehbar, dass das Geständnis nur deshalb erfolgt 
sei, weil der Beschuldigte sich erhoffte, aus der Untersuchungshaft entlassen zu 
werden. Die Mengenangaben vom 24. Februar 2017 würden ein realistischeres 
Verhältnis zwischen Erwerb, Verkauf und Konsum aufweisen als die späteren Aus-
sagen des Beschuldigten. Beachtlich sei zudem, dass der Beschuldigte in den wi-
derrufenen Aussagen relativ detailliert Auskunft gegeben habe. Die Aussagen vom 
24. Februar 2017 seien trotz geringer Widersprüche deutlich glaubhafter als die 
darauffolgenden Angaben, weshalb darauf abzustützen sei (pag. 1001 f., S. 27 f. 
der Urteilsbegründung).

In Bezug auf Ziffer I.A.4.b. der Anklageschrift, wonach der Beschuldigte am 28. Ja-
nuar 2017 im Besitz von weiteren 500 Gramm Kokaingemisch gewesen sein soll, 
führte die Vorinstanz aus, die Angabe der Auskunftsperson F.________ zur Menge 
sei nicht zuverlässig. Es stehe zwar ausser Zweifel, dass der Beschuldigte am 28. 

13

Januar 2017 eine nicht unerhebliche Menge Kokaingemisch besessen habe, zumal 
er gemäss eigenen Angaben gleichentags eine Lieferung erhalten habe. Ob es sich 
dabei um eine grössere Menge als die vom Beschuldigten eingestandenen 60 
Gramm Kokaingemisch gehandelt habe, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden. 
In dubio pro reo sei von 60 Gramm Kokaingemisch auszugehen (pag. 1002 f., 
S. 28 f. der Urteilsbegründung).

Insgesamt habe der Beschuldigte in der Zeit von Dezember 2016 bis zum Tag der 
Anhaltung am 10. Februar 2017 700 Gramm Kokaingemisch bei «Ko» und «Thay-
san» in Biel erworben. Davon habe er 400 Gramm Kokaingemisch zuerst in Re-
convilier und danach in Bern an verschiedene zum Teil unbekannte Abnehmer ver-
kauft. Von den restlichen 300 Gramm habe der Beschuldigte 100 Gramm ver-
schenkt und 147 der verbleibenden 200 Gramm seien bei ihm sichergestellt wor-
den. Da lediglich eine sichergestellte Menge von 135 Gramm Kokaingemisch an-
geklagt sei, habe das Gericht entsprechend dem Anklageprinzip auf diese geringe-
re Menge abzustellen. Zusätzlich habe der Beschuldigte am 28. Januar 2017 60 
Gramm Kokaingemisch besessen, wovon er am 28. und 29. Januar 2017 unbe-
kannte Mengen an verschiedene Abnehmer veräussert habe. Sie stelle anhand der 
in den forensisch-chemischen Abschlussberichten festgestellten Cocain Hydrochlo-
rid-Werten auf einen durchschnittlichen Reinheitsgrad von 90 Prozent ab. Weiter 
habe der Beschuldigte in der Zeit von Mai 2016 bis am 10. Februar 2017 eine un-
bestimmte Menge Kokain und Haschisch konsumiert (pag. 1003, S. 29 der Urteils-
begründung). 

9. Vorbringen der Parteien
Die Verteidigung des Beschuldigten brachte im Berufungsverfahren insbesondere 
vor, nach Art. 160 StPO müsse ein Geständnis überprüft und durch objektive Be-
weise gestützt werden. Die Vorinstanz habe den Sachverhalt unrichtig festgestellt. 
Die Kokainmenge gemäss Urteil stütze sich einzig auf die Aussage des Beschul-
digten vom 24. Februar 2017. Er habe glaubhaft ausgesagt, dass er bei dieser Ein-
vernahme unter dem Einfluss von Crystal Meth gestanden habe. Es gebe starke 
Hinweise, dass in der Zelle des Beschuldigten tatsächlich Crystal Meth geraucht 
worden sei. Das Verhalten des Beschuldigten bei der Einvernahme vom 24. Fe-
bruar 2017 lasse sich mit den Wirkungen von Crystal Meth erklären. Der Beschul-
digte habe so schnell wie möglich entlassen werden wollen. In dubio pro reo müsse 
von einem Crystal Meth Konsum ausgegangen werden. Einzig durch den Beschul-
digten hätten weitere Personen aus dem Drogenmilieu identifiziert werden können. 
D.________ habe konstant ausgesagt, dass er dem Beschuldigten nie 650 Gramm 
Kokaingemisch verkauft habe. Es gebe keine weiteren Beweismittel, die die Menge 
von 700 Gramm untermauern würden. Ausser F.________ und C.________ seien 
keine weiteren parteiöffentlich einvernommenen Abnehmer bekannt. Die Anzahl 
der Abnehmer müsse jedoch konkret nachgewiesen werden. Dem Beschuldigten 
sei einzig die sichergestellte Drogenmenge von 147 Gramm Kokaingemisch, wo-
von 135 Gramm angeklagt seien, nachweisbar. Ausserdem habe er eine Menge 
von 60 Gramm eingestanden. Insgesamt sei von 250 Gramm Kokaingemisch aus-
zugehen, die der Beschuldigte in mehreren Käufen in Biel von zwei Lateinamerika-
nern erworben habe. Davon habe er 40 Gramm zu CHF 90.00 pro Gramm ver-

14

kauft, betreffend 30 Gramm Anstalten getroffen zu verkaufen, und 135 Gramm sei-
en sichergestellt worden, worin die 30 Gramm enthalten seien. Erst im November 
2016 habe der Beschuldigte angefangen, Kokain und Haschisch zu konsumieren. 
Für einen früheren Konsum bestünden keine objektiven Beweise (pag. 1194 f.).

Die Generalstaatsanwaltschaft plädierte für die Bestätigung des erstinstanzlichen 
Urteils. Sie führte im Berufungsverfahren insbesondere aus, der Beschuldigte habe 
sich in allen seinen Einvernahmen in Widersprüche verstrickt. Die Zugeständnisse 
kämen der Wahrheit in der Regel am nächsten. Der Beschuldigte habe die Aussa-
gen vom 24. Februar 2017 in der Hoffnung auf einen Geständnisrabatt gemacht. 
Am 22. März 2017 habe er bei der Polizei in Biel die Aussagen vom 24. Februar 
2017 ohne angeblichen Drogeneinfluss bestätigt. Der Beschuldigte habe am 
24. Februar 2017 vorsichtig ausgesagt. Die später nach unten korrigierte Drogen-
menge gemäss Aussagen des Beschuldigten werde von den Beweismitteln nicht 
gedeckt. Innert kürzester Zeit seien bei ihm erhebliche Drogenmengen sicherge-
stellt worden, die nicht dem Eigenkonsum hätten dienen können. Seinen Lebens-
wandel hätte der Beschuldigte nicht mit Geld aus legalen Quellen finanzieren kön-
nen. 630 Gramm Kokaingemisch seien nicht für den Eigenkonsum bestimmt gewe-
sen. Bei einer Marge von CHF 30.00 pro Gramm Kokain ergebe sich ein Gewinn 
über CHF 10‘000.00. Betreffend Konsum habe der Beschuldigte seine Aussage 
erst ganz am Schluss angepasst. Es müsse auf die vorherigen Aussagen, wonach 
er bei Eintreffen in der Schweiz wieder angefangen habe zu konsumieren, abge-
stellt werden (pag. 1196 f.)

10. Beweiswürdigung der Kammer

10.1 Allgemeine Grundsätze der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach 
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung 
(Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 StPO). Ist die beschuldigte Person geständig, 
so prüfen Staatsanwaltschaft und Gericht die Glaubwürdigkeit ihres Geständnisses 
und fordern sie auf, die näheren Umstände der Tat genau zu bezeichnen (Art. 160 
StPO).

Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass jede verurteilende Erkenntnis auf der aus 
der Beweiswürdigung geschöpften Überzeugung des Gerichts von der Schuld der 
beschuldigten Person beruhen soll. Die freie Beweiswürdigung gründet auf gewis-
senhaft festgestellten Tatsachen und logischen Schlussfolgerungen; sie darf sich 
nicht auf blossen Verdacht oder blosse Vermutung stützen (THOMAS HOFER, in: 
Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Auflage 2014, N 58 ff. zu Art. 10 StPO). Beste-
hen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen 
der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person güns-
tigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Diese Bestimmung verbietet es, bei 
der rechtlichen Würdigung eines Straftatbestandes von einem belastenden Sach-
verhalt auszugehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise 
ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, 
oder wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerwei-
se nicht ausgeschlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt 

15

somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch keine absolute Gewissheit verlangt 
werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je ganz auszuräumen (Urteil 
des Bundesgericht 6B_804/2017 vom 23. Mai 2018 zur Publikation vorgesehen, E. 
2.2.1).

Liegen keine direkten Beweise vor, ist auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim 
Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheb-
lich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserheb-
liche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur 
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen 
und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, kann einen 
Anfangsverdacht verstärken und in seiner Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei 
objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt so 
verwirklicht hat (vgl. in BGE 143 IV 214 nicht publizierte E. 12.1 des Urteils 
6B_814/2016 vom 10. April 2017, Urteil 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 
2.8 mit Hinweisen). 

Steht Aussage gegen Aussage, so bedeutet das nicht zwingend, dass die beschul-
digte Person in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro reo» freizusprechen ist. 
Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf ihren inne-
ren Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (WOHLERS, in: Do-
natsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen StPO, 2. Aufla-
ge 2014, N 12 und 25 f. zu Art. 10 StPO, m.w.H.). 

Bei der Würdigung von Aussagen ist grundsätzlich zu beachten, dass jede (Zeu-
gen-) Aussage eine Leistung ist, die gewisse Sinnes- und Geistesangaben zur 
Wahrnehmung einer Tatsache sowie zur Mitteilung des Wahrgenommenen voraus-
setzt. Die drei notwendigen Bestandteile dafür sind Wahrnehmungs-, Erinnerungs- 
und Ausdrucksfähigkeit. Die Gefahr einer irrtümlich falschen Aussage liegt in der 
allgemeinen Unzulänglichkeit menschlichen Erkennens absoluter Wahrheit und in 
der Subjektivität des Zeugenbeweises (vgl. zum Ganzen JÜRG BÄHLER, in: Basler 
Kommentar StPO/JStPO, 2. Auflage 2014, N 1 ff. zu Art. 163 StPO).

Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen ist, ist nach Massgabe der 
modernen Aussagenpsychologie weniger die allgemeine Glaubwürdigkeit oder 
Wahrhaftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als vielmehr die spezielle 
Glaubhaftigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkreten Aussage von Be-
deutung (NACK, Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit, in Kriminalistik 4/95, S. 257 
ff., m.w.H.). Die Aussageanalyse stellt die konkrete Aussage in den Mittelpunkt ih-
rer Untersuchung. Dabei wird der Inhalt der Aussage anhand bestimmter Kriterien 
analysiert. Dahinter steht die Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis 
schildert, dies quantitativ und qualitativ anders tut, als jemand, der eine Fantasie-
geschichte erzählt. Eine Aussage hat umso mehr die Vermutung für sich, dass ein 
«realitätsbegründetes Ereignis» geschildert wird, umso weniger der Auskunftsper-
son/dem Zeugen zuzutrauen ist, dass sie/er die Geschehensabläufe, so wie von 
ihr/ihm dargestellt, aus eigener Kraft erfinden könnte (BENDER/NACK, Tatsachen-
feststellung vor Gericht, Band I, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, N 232). 

16

Die Analyse des Aussageinhaltes erfolgt anhand spezieller Textmerkmale oder in-
haltlicher Qualitäten, den so genannten Realkennzeichen oder Glaubwürdigkeitskri-
terien. Diese Kriterien beschreiben inhaltliche Qualitäten einer Aussage, die hinrei-
chend trennscharf zwischen realitätsbegründeten und fantasierten Aussagen diffe-
renzieren sollen. Eine Gruppe der Realkennzeichen basiert auf der Annahme, dass 
sie in einer fantasierten Aussage nur selten vorkommen, weil ein/e Auskunftsper-
son/Zeuge nicht in der Lage wäre, eine Aussage mit den in den Realkennzeichen 
beschriebenen Qualitäten ohne eigene Erlebnisgrundlage zu erfinden. Eine zweite 
Gruppe, die so genannten motivationsbezogenen Realkennzeichen, gehen dage-
gen von der Annahme aus, dass ein/e Auskunftsperson/ Zeuge derartige Äusse-
rungen vermeiden würde, um ihre/seine Glaubwürdigkeit nicht zu schädigen. Die 
Realkennzeichenanalyse kann aber nicht im Sinne einer Checkliste abgearbeitet 
werden, wobei einfach aufgezählt wird, wie viele Realkennzeichen in einer Aussa-
ge festgestellt wurden. Die inhaltlichen Merkmale erhalten ihre diagnostische Be-
deutung vielmehr erst durch ein In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnostischen 
Befunden (KÖHNKEN, Referat am Lehrgang richterlicher Tätigkeit, Die Beurteilung 
der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen). 

Zu den allgemeinen Realkennzeichen gehören etwa die Konstanz der Aussage im 
zentralen Handlungsablauf, die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, Homo-
genität und Folgerichtigkeit der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklich-
keitsnähe, die Freiheit von Widersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, de-
ren qualitativer Detailreichtum sowie das Fehlen von Fantasiesignalen wie Verle-
genheit oder Übertreibungen. Zu den inhaltsspezifischen Realkennzeichen gehören 
weiter die räumliche-zeitliche Verknüpfung der Aussagen, die Interaktionsschilde-
rung und die Wiedergabe von Gesprächen, die Schilderung von Komplikationen im 
Handlungsablauf und von ausgefallenen nebensächlichen Einzelheiten, die Schil-
derung eigener psychischer Vorgänge und von psychologischen Vorgängen beim 
Beschuldigten. Auch die spontane Verbesserung der eigenen Aussage, das Einge-
ständnis von Erinnerungslücken, Selbstbelastungen und Entlastungen des Be-
schuldigten sind Realkennzeichen. Demgegenüber stellen Widersprüchlichkeiten, 
Strukturbrüche, Kargheit und Verarmung der Aussagen, die Aussagenverweige-
rung, die Abstraktheit und Zielgerichtetheit der Aussagen sowie deren Stereotypie 
Lügensignale dar. Zu beachten sind schliesslich immer auch die Tatnähe der Aus-
sagen und eine allfällige reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit wegen Alkohol- oder 
Drogeneinflusses.

10.2 Chronologie der Geschehnisse

Der Beschuldigte wurde am 10. Februar 2017 in einem Taxi angehalten. Er trug 
Kokaingemisch auf sich und wurde festgenommen (pag. 16 ff.). Seither befand er 
sich in Haft (pag. 16 ff.). In den Monaten zuvor war er bereits mehrmals polizeilich 
aufgefallen. Am 24. Dezember 2016 wurde er von der Polizei angehalten, als er im 
Besitz von einem Minigrip Kokaingemisch war (pag. 278 f.). Am 11. Januar 2017 
wurde beim Beschuldigten bei einer Kontrolle im Restaurant H.________ in Bern 
erneut Kokaingemisch sichergestellt (pag. 281 f.). Dieses Szenario wiederholte sich 
nur drei Tage später, am 14. Januar 2017 (pag. 296 f.). Am 15. Januar 2017 wurde 
der Beschuldigte ebenfalls einer Polizeikontrolle unterzogen, wobei jedoch kein 

17

Kokaingemisch zum Vorschein kam (pag. 300 f.). Die nächste Polizeikontrolle im 
Restaurant H.________, anlässlich der jedoch einzig die Missachtung der beste-
henden Ausgrenzung gegen den Beschuldigten festgestellt wurde, war am 19. Ja-
nuar 2017 (pag. 302 f.). Bei der Kontrolle am Tag darauf, am 20. Januar 2017, 
wurden beim Beschuldigten dann aber wieder ein Minigrip mit Kokainstein sicher-
gestellt (pag. 310 f.). Auch am 27. Januar 2017 trug der Beschuldigte Kokain und 
etwas Haschisch auf sich (pag. 321 f.).

Am 28. Januar 2017 hatte der Beschuldigte unbestrittenermassen F.________ im 
H.________ getroffen und war mit ihr im Taxi zur Wohnung von C.________ in Itti-
gen gefahren. Als diese die Polizei anrief, verliess der Beschuldigte die Wohnung 
(vgl. pag. 344 ff.). 

10.3 Sichergestelltes Kokain

Es handelte sich bei den oben erwähnten Sicherstellungen mehrfach um kleinere 
Mengen an Kokaingemisch. Bei der Anhaltung am 10. Februar 2017 wurden inklu-
sive dem späteren Fund im Polizeifahrzeug jedoch insgesamt rund 100 Gramm 
Kokaingemisch (brutto) sichergestellt (pag. 95 ff., 125, 149). Die Menge des beim 
Beschuldigten sichergestellten Kokains ist grundsätzlich unbestritten. Bei der To-
talmenge gibt es allerdings leichte Abweichungen. Während die Anklageschrift von 
135 Gramm Kokaingemisch sprach (pag. 786), gelangte die Vorinstanz zu 147 
Gramm sichergestelltem Kokaingemisch (pag. 1003, S. 29 der Urteilsbegründung). 
Wie die Vorinstanz schrieb, muss in Achtung des Anklagegrundsatzes von 135 
Gramm Kokaingemisch ausgegangen werden. 

Das sichergestellte Kokain verfügte über hohe Reinheitsgrade von 81-97 % Ko-
kainhydrochlorid respektive von 72-87 % (+- 5.5 %) Kokainbase (vgl. insbes. pag. 
132 ff.). Die Gesamtmenge von Kokain, mit der der Beschuldigte nachweislich in 
Kontakt kam, lässt sich einzig anhand der subjektiven Beweismittel ermitteln.

10.4 Aussagen des Beschuldigten

10.4.1 Allgemeines

Der Beschuldigte wurde mehrfach zum Thema Drogenhandel und Drogenkonsum 
einvernommen. Er machte stark variierende Aussagen und tat sich offenbar 
schwer, bei einer Wahrheit zu bleiben. Dies gestaltet die Aussagewürdigung an-
spruchsvoll. Es ist mit Vorsicht zu prüfen, welche Aussagen als glaubhaft erachtet 
werden können. Hierzu sind sämtliche Hintergründe und Verknüpfungen verschie-
dener Beweismittel, sprich der Gesamtzusammenhang, von Bedeutung.

10.4.2 Aussagen zu Verfahrensbeginn

In einer polizeilichen Einvernahme vom 27. Januar 2017 gab der Beschuldigte zu 
Protokoll, er habe kein Kokain an andere Personen abgegeben (pag. 327 Z. 68 ff.). 
Er gab hingegen zu, dass er Kokain konsumiert habe (pag. 326 Z. 32) und gele-
gentlich Haschisch rauche (pag. 327 Z. 85). Auf die Frage, ob er die Wahrheit ge-
sagt habe, antwortete er: «Ich schwöre» (pag. 327 Z. 99 ff.). Am 10. Februar 2017 
sagte er, die 7 Gramm sichergestelltes Kokain gehörten ihm und er sei Kokainkon-
sument (pag. 177 Z. 35 ff.). Die Frau, mit der er im Taxi gewesen sei, sei einfach 
eine Freundin. Nach einer Überlegungspause gab er an, sie hätten zu Freunden 

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gehen wollen, die Adresse wisse er aber nicht (pag. 178 Z. 67 ff.). Zum Säcklein 
mit rund 70 Gramm Kokaingemisch wollte er nichts sagen (pag. 179 Z. 135 ff.). 
Dass das Kokain äusserlich betrachtet so aussehe wie dasjenige, das er auf sich 
getragen habe, sei eine Lüge (pag. 179 Z. 148 ff.). Viele Menschen würden Kokain 
verkaufen. Er verkaufe ein paar Gramm und finanziere sich so seinen Konsum 
(pag. 181 Z. 221 ff.). Er könne nicht sagen, wie viel er bereits verkauft habe, es 
seien sicher nicht 100 Gramm, sondern einfach ein paar Gramm (pag. 181 Z. 239 
ff.). Nachdem der Beschuldigte Kokainhandel am 27. Januar 2017 noch unter 
Schwur abgestritten hatte, gab er diesen also in Kleinstmengen und zur Eigenkon-
sumfinanzierung zu. Dies tat er zunächst auch in der Hafteröffnungseinvernahme 
vom 11. Februar 2017 (pag. 25 Z. 126 ff.). In der Folge räumte er dann jedoch 
Handel in grösserem Stil ein. So gestand er, – wenn auch auf umständliche Art und 
Weise – dass er das von der Polizei am 10. Februar 2017 sichergestellte Kokain für 
jemanden hätte verkaufen sollen (pag. 25 Z. 154 ff.). Er sagte, er hätte das Geld an 
die Person, die ihm das Kokain gegeben habe, weitergegeben und sei nicht alleine 
unterwegs gewesen (pag. 26 Z. 164 ff.). Er hätte die sichergestellten 75 Gramm 
Kokaingemisch für CHF 7‘500.00, d.h. CHF 100.00 pro Gramm, weiterverkaufen 
müssen (pag. 26 Z. 181 f.). 

Insgesamt ist den vielfach widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten zu Ver-
fahrensbeginn nur wenig Glaubhaftes zu entnehmen. Seine Aussagen zum 
Schluss der Haftungseröffnungseinvernahme, wonach er Kokain für jemanden hät-
te verkaufen sollen, sind angesichts der sichergestellten Drogenmenge plausibel. 
Auch dass er nicht alleine unterwegs war, deckt sich mit den polizeilichen Feststel-
lungen. Der Beschuldigte war am Tag seiner Anhaltung nämlich in Begleitung von 
G.________ (vgl. Anzeigerapport vom 8. Mai 2017, pag. 95 ff.). Der Beschuldigte 
bezeichnete diese in den ersten Einvernahmen noch als Freundin oder Geliebte 
(pag. 178 Z. 74, pag. 180 Z. 166 ff.). Er sagte aber auch, dass er sie aus Biel ken-
ne (pag. 178 Z. 69). D.________, der dem Beschuldigten gemäss eigenen und 
späteren Aussagen des Beschuldigten selbst, in Biel Kokain verkaufte, gab zu, 
dass G.________ eine Freundin von ihm sei (Akten PEN 18 235, pag. 475 Z. 81 
ff.). Unter Hinzunahme der Aussagen des Beschuldigten, wonach das Mädchen 
von Biel ihm ein Paket von 100 Gramm gebracht habe (pag. 190 Z. 243) und 
«Tayssan» (gemeint ist D.________) ihm seine Freundin mitschickte (pag. 192 Z. 
326 f.) ergibt sich hier ein stimmiges Gesamtbild, das deutlich auf eine Verstrickung 
des Beschuldigten im Drogenhandel hinweist.

10.4.3 Einvernahme vom 24. Februar 2017

Am 24. Februar 2017 wurde der Beschuldigte auf seinen eigenen Wunsch durch 
den zuständigen Staatsanwalt einvernommen (pag. 183 ff.). Der Beschuldigte hatte 
am 20. Februar 2017 aus der Untersuchungshaft einen handschriftlichen Brief ver-
fasst oder allenfalls verfassen lassen. Er schrieb, er habe entschieden, dem 
Staatsanwalt die ganze Wahrheit zu erzählen und zu kooperieren. Er habe gut 
nachgedacht und werde alles von A bis Z erzählen (pag. 225). Zu Beginn der Ein-
vernahme sagte der Beschuldigte dann, er wolle sagen, wo er das Kokain kaufte, 
wer dieses verkaufte und weshalb er das gemacht habe. Er wolle sagen, seit wann 
er «bei dem» (gemeint: Drogenverkauf) tätig sei (pag. 184 f. Z. 46 ff.). Es sei bes-

19

ser für ihn alles so schnell wie möglich zu erledigen, statt dass er drei Monate in 
Haft bleibe und der Staatsanwalt die Untersuchung machen müsse. Es sei besser 
seine Strafe entgegen zu nehmen (pag. 185 Z. 53 ff., so auch pag. 198 Z. 566 ff.). 
Daraus ist zu folgern, dass der Beschuldigte offenbar hoffte, die Strafuntersuchung 
durch seine Aussage zu verkürzen und allenfalls seine Strafe schneller absitzen zu 
können. Dass er damit rechnete, aufgrund der Aussage sofort aus der Haft entlas-
sen zu werden, ist aus seiner Aussage nicht ersichtlich. Zudem war der Beschul-
digte damals anwaltlich vertreten und beraten, sodass ihm die Unmöglichkeit einer 
sofortigen Haftentlassung bewusst sein musste. Nach Ansicht der Kammer ist es 
ausgeschlossen, dass der Beschuldigte aufgrund einer falschen Hoffnung auf Haft-
entlassung eine falsche selbstbelastende Aussage gemacht hätte. 

Der Beschuldigte gab in dieser Einvernahme sodann an, seit Mai 2016 in der 
Schweiz zu sein und Mitte Dezember 2016 habe er angefangen Drogen zu verkau-
fen (pag. 185 Z. 68 ff.). Er habe sich nicht notiert, was er verkauft habe. Gestartet 
habe er mit 10 Gramm, eine Woche später habe er 20 Gramm, danach 50 Gramm 
verkauft (pag. 185 Z. 82 ff.). Drei bis vier Mal pro Woche habe er dann ca. 20 
Gramm pro Mal/Tag verkauft (pag. 186 Z. 89 ff.). Die Aussagen des Beschuldigten 
fielen in dieser Einvernahme vielfach detailliert und auch kohärent aus. So ergänzte 
er zur Mengensteigerung beim Verkauf von sich aus, dass er ein zwei Wochen 
nach dem grammweisen Verkauf von 10 Gramm Leute kennengelernt habe und 
mehr gekauft und verkauft habe (pag. 186 f. Z. 120 ff.) und wiederholte dies zu ei-
nem späteren Zeitpunkt (pag. 187 Z. 143 f.). Am 15. Dezember 2016 habe er in 
Reconvilier mit dem Verkauf begonnen (pag. 186 Z. 116 und pag. 187 Z. 127) und 
am 24. Dezember 2016 sei er dann nach Bern gekommen (pag. 187 Z. 130). Ab 
Ende Dezember 2016 habe er dann ganz sicher an fünf Tagen pro Wochen 30 
Gramm pro Tag verkauft (pag. 187 f. Z. 157 ff.). Alles in allem habe er sicher ein 
halbes Kilo verkauft, aber nicht mehr (pag. 188 Z. 167). Auf Vorhalt der multiplizier-
ten Menge meinte er, es könne sein, dass er 700 Gramm gekauft habe, aber ver-
kauft habe er 350 bis 400 Gramm (pag. 188 Z. 180 ff.). Die ihm von der Polizei ab-
genommene Menge müsse auch berücksichtigt werden und er wisse nicht, was er 
verkauft habe (pag. 188). Selbst habe er 700 Gramm gekauft. Ein Teil habe er für 
sich genommen und den Rest verkauft (pag. 189 Z. 217). Er beschrieb auch von 
sich aus, wie er die Verteilung der Drogen per Taxi vornahm, nachdem ihn die Poli-
zei kannte (pag. 191 Z. 288). So wurde er ja auch am 10. Februar 2017 in einem 
Taxi mit grossen Drogenmengen angehalten. Die Angaben des Beschuldigten in 
der Einvernahme vom 24. Februar 2017 lassen sich auch anderweitig teilweise an-
hand von Übereinstimmungen mit den Aussagen anderer Personen und tatsächli-
chen Feststellungen verifizieren. So bezeichnete der Beschuldigte zwei Personen 
lateinamerikanischer Herkunft aus Biel als seine Kokainlieferanten (pag. 191 f. Z. 
306 ff.). Er sagte, er sei bereit, der Polizei deren Adressen zu zeigen (pag. 192 Z. 
337 f.). Am 22. März 2017 bezeichnete der Beschuldigte sodann gegenüber der 
Bieler Polizei zwei Adressen, an denen sein Drogenlieferant D.________ sowie 
dessen Freundin E.________ unter Sicherstellung von Kokain verhaftet werden 
konnten (Akten PEN 18 235, pag. 299 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung 
von 23. August 2017 hat D.________ eingeräumt, dem Beschuldigten mehrmals 
Kokain verkauft zu haben (pag. 1185 Z. 1 ff.). Glaubhaft wirkt die Aussage des Be-

20

schuldigten er habe, manchmal bei Kollegen gewohnt und ihnen dafür Kokain als 
Geschenk gegeben (pag. 190 Z. 258 f.). Dies wurde auch von C.________, bei 
dem der Beschuldigte unterkommen war, so geschildert (pag.170 Z. 90). Gegen 
Schluss der Einvernahme vom 24. Februar 2017 behauptete der Beschuldigte 
dann, er habe am 24. Dezember 2016 im H.________ etwa 100 Gramm Kokain 
und CHF 18‘000.00 verteilt (pag. 198 Z. 532 ff.). Die Untersuchungen der Polizei 
vermochten diese Schilderung weder eindeutig zu bestätigen noch zu widerlegen 
(pag. 114 f.). Allerdings ergibt sich aus den Akten nicht, woher der Beschuldigte ei-
ne so grosse Geldmenge gehabt haben könnte bzw. die einzige Möglichkeit wäre 
ein Drogenhandel in noch viel grösserem Stil, als er vom Beschuldigten in der Ein-
vernahme vom 24. Februar 2017 eingeräumt wurde. Im Verfahren gegen seine 
Drogenlieferanten in Biel wiederholte der Beschuldigte rund einen Monat später, 
am 22. März 2017, unter Nennung vieler Details weitgehend seine Aussagen vom 
24. Februar 2017 (Akten PEN 18 235, pag. 580 ff.). Er sagte, er habe 40-50 
Gramm Kokaingemisch bei «Ko» und 650 Gramm bei «Tyson» respektive 
D.________ und dessen Freundin erworben (Akten PEN 18 235, pag. 582 Z. 65 ff., 
pag. 583 Z. 120 f.). Auf diese Aussagen alleine kann zwar nicht abgestellt werden. 
Es ist allerdings beachtlich, dass sie für die Richtigkeit der Angaben vom 24. Fe-
bruar 2017 sprechen bzw. diese nicht in Zweifel ziehen.

Später behauptete der Beschuldigte durchgehend bis ins Berufungsverfahren, er 
habe am 24. Februar 2017 aufgrund eines Konsum von Crystal Meth vor der Ein-
vernahme im Gefängnis falsche Aussagen gemacht (z.B. pag. 1190 Z. 37 ff.). 
Gemäss Journalauszug des Regionalgefängnisses Bern vom 1. März 2017 be-
hauptete der Beschuldigte, sein Mitinsasse B. solle in der Zelle Crystal Meth ge-
raucht haben. Dieser wiederum sagte, Mitinsasse O. habe Crystal Meth geraucht 
und es befinde sich noch Crystal Meth in der Zelle. Daraufhin wurde die Zelle mit 
einem Hund abgesucht, wobei keine Drogen zum Vorschein kamen (pag. 728). Ob 
der Beschuldigte und zu welchem Zeitpunkt allenfalls in seiner Gefängniszelle Cry-
stal Meth konsumierte, lässt sich nicht abschliessend eruieren. Die Frage kann 
nach Ansicht der Kammer jedoch offengelassen werden. So sind doch wahrheits-
getreue Aussagen auch unter Drogeneinfluss möglich. Sogenanntes Crystal Meth 
respektive Methamphetamin kann insbesondere Müdigkeitsverminderung, erhöhte 
gesteigerte Wachheit, Hebung der Aufmerksamkeit, Stärkung des Selbstbewusst-
seins, Erhöhung des Leistungsvermögens, sogar Verbesserung der Reaktions-
fähigkeit, Wärme- und Energiegefühl, körperliche Aktivität, kurzfristig gesteigerte 
Leistungsfähigkeit, Gefühl der Stärke, gesteigerten Rededrang, Aufhellung der 
Grundstimmung sowie Euphorie bewirken (GUSTAV HUG-BEELI, Betäubungsmittel-
gesetz Kommentar, 2016, N. 947 zu Art. 2 BetmG). Keine dieser Wirkungen steht 
wahrheitsgetreuen Aussagen grundsätzlich entgegen. Zudem behauptete der Be-
schuldigte nicht, auch den Brief, die Wahrheit sagen zu wollen, unter Drogenein-
fluss geschrieben zu haben und wiederholte dieselben selbstbelastenden Aussa-
gen ebenfalls ohne Drogeneinfluss rund einen Monat später (vgl. pag. 1192 Z. 16 
ff.). Weder der Staatsanwalt noch die an der Einvernahme vom 24. Februar 2017 
anwesende Verteidigung bemerkten etwas, das auf Drogeneinfluss des Beschul-
digten hingedeutet hätte. Eine Falschaussage aufgrund von Crystal-Meth-Konsum 
erscheint offensichtlich als Schutzbehauptung.

21

Es ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten vom 
24. Februar 2017 zunächst auf dessen Wunsch, die Wahrheit zu sagen, entstan-
den, detailreich waren und in weiten Teilen anhand von tatsächlichen Feststellun-
gen und anderen Aussagen ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Weder die angeb-
liche Hoffnung auf eine Haftentlassung noch der angebliche Crystal-Meth-Konsum 
vermögen, auf eine falsche Aussage hinzudeuten. Es ergibt wenig Sinn, dass sich 
der Beschuldigte selbst so stark belasten sollte, wenn die Aussagen der Wahrheit 
nicht zumindest nahe kommen.

10.4.4 Spätere Einvernahmen

In den folgenden Einvernahmen nahm der Beschuldigte seine Mengenangaben 
vom 24. Februar 2017 dann wieder zurück. Ausser der Menge könne er jedoch al-
les bestätigen (pag. 213 Z. 258 f., pag. 907 Z. 41) Er habe insgesamt höchstens 
180 Gramm Kokaingemisch gekauft (pag. 213 Z. 262 ff., pag. 1189 Z. 19 ff.). 
Höchstens 20 bis 30 Gramm habe er verkauft und verschenkt (pag. 213 Z. 268). 

In der Einvernahme vom 30. Mai 2017 behauptete der Beschuldigte unter ande-
rem, die Polizei habe bei ihm im Gefängnis im Koffer ein Natel und Crystal Meth 
gefunden (pag. 212 Z. 234 f.), was nicht bestätigt werden konnte. Er sagte auch er 
habe eine ganze Woche lang im Gefängnis Crystal Meth konsumiert (pag. 213 Z. 
251 f.), während er in der Berufungsverhandlung deutlich sagte, er habe nur einmal 
konsumiert (pag. 1192 Z. 12 ff.). 

Der Beschuldigte äusserte am 24. Februar 2017 den Verdacht, die Polizei habe 
ihm Kokain gestohlen (pag. 190 Z. 242 f.). In seiner folgenden Einvernahme am 
5. Mai 2017 sagte er dann aber, er bereue es, den Polzisten beschuldigt zu haben. 
Der Taxifahrer habe von den 100 Gramm 30 an sich genommen (pag. 208 Z. 69 ff., 
pag. 209 Z. 130 f.). Am 30. Mai 2017 sagte er dann aber doch wieder, die Polizei 
habe die Differenz an sich genommen, wobei er auf Vorhalt seiner letzten Aussage 
wieder korrigierte, es sei der Taxifahrer gewesen (pag. 215 Z. 325 ff.). Dass sich 
der Beschuldigte nicht mehr an seine eigenen Aussagen zu erinnern vermochte 
und wahlweise andere Personen beschuldigte, spricht nicht für den Wahrheitsge-
halt dieser Aussagen. 

Anlässlich der Berufungsverhandlung verstrickte sich der Beschuldigte in zahlrei-
che Widersprüche bezüglich Geld, das er aus Frankreich in die Schweiz gebracht 
haben will. Zuerst behauptete er, er habe damit für Drogen bezahlt (pag. 1189 
Z. 31 f.). Dann sagte er, die Polizei habe dieses Geld beschlagnahmt (pag. 1190 
Z. 27 f.). Nach Hinweis auf den Widerspruch, sagte er dann die Polizei habe nicht 
das ganze Geld beschlagnahmt (pag. 1190 Z. 32). Allerdings hatte der Beschuldig-
te bereits im Verfahren gegen ihn im Kanton Thurgau bei einer Einvernahme am 
29. Juni 2016 ausgesagt, von den ca. EUR 2'000.00, die er bei der Einreise in die 
Schweiz bei sich gehabt habe, habe er nicht mehr viel (pag. 577).

Insgesamt sind den Aussagen nach dem 24. Februar 2017 vor allem Widersprüche 
zu entnehmen. Die Mehrheit der Aussagen wird nicht durch andere Aussagen oder 
Indizien gestützt und wirkt unglaubhaft. Insbesondere ist eine gekaufte Drogen-
menge von lediglich 180 Gramm Kokaingemisch, wie sie der Beschuldigte behaup-
tete, nicht kohärent mit zahlreichen anderen Angaben. So handelte er gemäss ei-

22

genen Angaben während rund zwei Monaten mit Kokain. Etwas verkaufte er, etwas 
verschenkte er, etwas wurde gestohlen, etwas (135 Gramm) wurde ihm von der 
Polizei abgenommen und etwas konsumierte er selbst. Eine Menge von 180 
Gramm hätte für all das niemals ausgereicht. Ausserdem verfügte der Beschuldigte 
offenbar über Geld, beispielsweise für Taxifahrten. Einzig mit CHF 65.00 pro Wo-
che vom Staat hätte er sich seinen Lebensstil nicht finanzieren können. Er musste 
somit über ein nicht unwesentliches Einkommen aus Drogenhandel verfügen. Das 
bedeutet, dass er eine grössere Menge als lediglich 20 bis 30 Gramm verkauft ha-
ben muss (mehr zur genauen Menge vgl. unten Ziff. II.10.5).

10.5 Relevante Aussagen anderer Personen

10.5.1 F.________

F.________ war Kokainkonsumentin und Klientin des Beschuldigten. Sie war auf-
grund eines Sexualdelikts, das der Beschuldigte angeblich gegen sie begangen 
habe, am Strafverfahren in erster Instanz beteiligt. Auf den Beschuldigten war sie 
folglich von vornherein nicht gut zu sprechen. Ausserdem befand sie sich jeweils in 
einem psychisch labilen Zustand, was ihre Einvernahmen schwierig gestaltete (vgl. 
pag. 345 ff.). Sie stellte in ihrer Einvernahme vom 14. März 2017 die Behauptung 
auf, der Beschuldigte habe am 28. Januar 2017 mehr als ein halbes Kilo Kokain 
dabei gehabt, das er ihr im Taxi gezeigt habe (pag. 427 Z. 90 ff.). Am 2. Juni 2017 
sagte sie lediglich, der Beschuldigte habe «viel» Kokain und Geld dabei gehabt 
(pag. 445 Z. 279 und Z. 294). Auf Vorhalt bestätigte sie aber das halbe Kilo (pag. 
445 f. Z. 297 ff.). Der Beschuldigte stritt dies vehement ab (pag. 216 Z. 350 ff., pag. 
487 Z. 207 f., pag. 907 Z. 45). Er meinte wiederholt, er habe nur 60 Gramm bei sich 
gehabt (pag. 488 Z. 213, pag. 908 Z. 1). Beiden Aussagen ist zu entnehmen, dass 
der Beschuldigte an diesem Tag eine grössere Menge Kokain dabei hatte. Dass 
dies wie von F.________ behauptet tatsächlich ein halbes Kilo war, ist zweifelhaft. 
Unter den gegebenen Umständen kann nicht einzig auf die Aussage von 
F.________ abgestellt werden. Zu Gunsten des Beschuldigten muss davon ausge-
gangen werden, dass es sich um 60 Gramm Kokaingemisch handelte. 

F.________ sagte ausserdem, sie habe dem Beschuldigten an diesem Tag 
CHF 180.00 für 2 Gramm Kokain bezahlt (pag. 428 Z. 125, pag. 442 Z. 173). Da 
dies der Beschuldigte ebenfalls sagte (pag. 484 Z. 38 f., pag. 488 Z. 234), kann auf 
diese Aussage abgestellt werden.

10.5.2 C.________

C.________ hatte den Beschuldigten im H.________ kennengelernt und hatte die-
sen wiederholt bei sich zu Hause übernachten lassen (pag. 169 Z. 41 ff.). Auch er 
war Kokainkonsument und hatte beim Beschuldigten Drogen gekauft. Er sagte, der 
Beschuldigte habe ihm zwischendurch Kokain spendiert. Grössere Mengen Kokain 
habe er nie gesehen (pag. 170 Z. 90 f.). Er habe mehrmals mitbekommen, dass 
der Beschuldigte mit jemandem Kontakt hatte, wo es etwa um 5 Gramm Kokain für 
CHF 500.00 ging (pag. 170 Z. 97 f.). Im H.________ habe ihm der Beschuldigte 
einmal für CHF 50.00 und einmal für CHF 100.00 Kokain verkauft (pag. 170 Z. 114 
f.). Diese Aussagen von C.________ wirken glaubhaft. Denn er belastete den Be-
schuldigten nicht übermässig, versuchte aber auch nicht ihn zu entlasten. Es sind 

23

keine Gründe ersichtlich, weshalb auf seine Angaben nicht abgestellt werden könn-
te. Allerdings sind sie zur Beantwortung der relevanten Beweiswürdigungsfragen 
auch nur beschränkt hilfreich.

10.5.3 D.________

D.________ räumte anlässlich seiner Einvernahme in der Berufungsverhandlung 
ein, dass er dem Beschuldigten zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 
mehrmals Kokain verkauft habe (pag. 1184 f. Z. 37 ff.). Seine Aussagen sind mit 
Vorsicht zu würdigen. Zum einem ist gegen ihn selbst ein Strafverfahren hängig 
und er belastet sich mit den Mengenangaben betreffend des an den Beschuldigten 
verkauften Kokains selbst. Ausserdem hatten der Beschuldigte und er vor der Ein-
vernahme die Möglichkeit, sich abzusprechen (vgl. pag. 1184 Z. 32). D.________ 
behauptete, der Beschuldigte habe bei ihm 8 bis 9 Mal, jeweils 10 und das letzte 
Mal 100 Gramm, insgesamt 180 bis 190 Gramm Kokaingemisch gekauft (pag. 
1185 Z. 12 ff.). Diese Menge stimmt mit der Behauptung des Beschuldigten nach 
seiner Einvernahme vom 24. Februar 2017 überein. Nicht plausibel erklären konnte 
D.________ jedoch, weshalb er in seinem Verfahren zuletzt von einer verkauften 
Menge von 280 Gramm gesprochen hatte (pag. 1186 Z. 9 ff.). Plausibel erscheinen 
immerhin die Preisangaben zwischen CHF 55.00 bis CHF 65.00 pro Gramm. Dies 
sagte der Beschuldigte etwa gleich (pag. 194 Z. 388 f.).

10.6 Zur Drogenmenge

Wie bereits ausgeführt, erachtet die Kammer die Angaben des Beschuldigten an-
lässlich der Einvernahme vom 24. Februar 2017 zum mengenmässigen Umfang 
seines Kokainhandels am plausibelsten (Ziff. II.10.4.3). Es ist glaubhaft, dass er 
sich die genauen Mengen – d.h. was er verkaufte, was er konsumierte etc. – nicht 
notierte und daher nicht im Detail Auskunft zu geben vermochte. Es handelt sich 
dennoch nicht um ein zufälliges Abstellen auf die höchsten Mengenangaben zu 
Ungunsten des Beschuldigten. Vielmehr sprechen zahlreiche Indizien dafür, dass 
eine durch den Beschuldigten erworbene Kokainmenge von insgesamt 700 Gramm 
von seinen zwei Lieferanten im angeklagten Zeitraum der Wahrheit immer noch zu 
Gunsten des Beschuldigten sehr nahe kommt. Wie bereits erwähnt, ist die zuletzt 
vom Beschuldigten behauptete gesamte gekaufte Menge von 180 Gramm Kokain-
gemisch unrealistisch. Schon aufgrund seiner Angaben zum Eigenkonsum, Ver-
schenken von Drogen, Bestohlen werden, der Höhe der Drogenschulden und auf-
grund der von der Polizei in zahlreichen Anhaltungen sichergestellten Mengen 
muss der Beschuldigte im Tatzeitraum von Mitte Dezember 2016 bis am 10. Fe-
bruar 2017 eine wesentlich grössere Drogenmenge umgesetzt haben. Demnach ist 
die Aussage des Beschuldigten vom 24. Februar 2017, wonach er insgesamt 700 
Gramm Kokain gekauft habe, weitaus realistischer. Der Beschuldigte sagte vor die-
ser Angabe auch klar, dass er die Menge, die er vom Händler gekauft habe, nen-
nen könne (pag. 189 Z. 206). Er beschrieb sodann auch von sich aus, dass er im-
mer 100 Gramm-Portionen gekauft habe (pag. 193 Z. 374). Dass der Beschuldigte 
von seinem Lieferanten so grosse Drogenmengen – dazu noch mit sehr hohem 
Reinheitsgrad – auf einmal erhältlich machen konnte und offensichtlich Drogenlie-
ferungen per Taxi machte, sind Tatsachen, die klar für das Betreiben von Drogen-
handel im grösseren Stil und nicht in der Nähe des Eigenkonsumbereichs spre-

24

chen. Es muss auf die Mengenangabe von 700 Gramm Kokaingemisch abgestellt 
werden. Eine geringere Menge kann vernünftigerweise ausgeschlossen werden. 

Anders als die Vorinstanz geht die Kammer davon aus, dass die 60 Gramm Ko-
kain, die der Beschuldigte gemäss Aussage von F.________ und seinen eigenen 
am 28. Januar 2017 besass, ebenfalls in die Gesamtmenge von 700 Gramm fallen 
müssen und nicht zusätzlich berücksichtigt werden können. Die Tatsache, dass der 
Beschuldigte am 28. Januar 2017 unbestrittenermassen im Besitz von 60 Gramm 
Kokain war, spricht im Übrigen ebenfalls für den mehrmaligen Bezug von grösse-
ren, d.h. eben von 100 Gramm-Portionen, von Kokain. 

Schwierig zu beantworten ist die Frage, welche Menge der Beschuldigte von die-
sen 700 Gramm für seinen Eigenkonsum verwendet hatte bzw. hätte und welche 
Menge er verkaufte bzw. verkaufen wollte oder an andere abgab. Die Vorinstanz 
nahm an, dass der Beschuldigte 400 Gramm an unbekannte Abnehmer verkaufte, 
er 100 Gramm verschenkte und 135 Gramm der verbleibenden 200 Gramm bei ihm 
sichergestellt worden seien (pag. 1003, S. 29 der Urteilsbegründung). Eine Aus-
scheidung der zum Eigenkonsum bestimmten Menge hatte sie nicht vorgenommen. 

Am 11. Januar 2017 hatte der Beschuldigte gesagt, er konsumiere jeden Tag 3 bis 
4 Gramm. Am 11. Februar 2017 wiederum waren es 5-6 Gramm pro Tag, wobei er 
ein bis zwei Mal pro Woche nicht konsumiere (pag. 24 Z. 110 ff.). Am 24. Februar 
2017 sprach er dann von einem Konsum von 5 Gramm pro Tag (pag. 189 Z. 220). 
Am 30. Mai 2017 sagte er, er brauche fast 10 Gramm Kokain pro Tag (pag. 218 Z. 
426 f.). Dies habe er nur gemacht, wenn es genug gegeben habe. Wenn es keines 
gegeben habe, habe er auch nichts konsumiert (pag. 219 Z. 481 f.). Schätzungs-
weise habe er von Dezember 2016 bis zur Anhaltung vielleicht 30 Gramm konsu-
miert (pag. 219 Z. 489). In der Berufungsverhandlung vom 23. August 2018 sagte 
er, er habe ein Gramm oder ein halbes Gramm pro Tag konsumiert (pag. 1193 Z. 9 
f.). Es ist somit schwer zu sagen, von welcher für den Eigenkonsum bestimmten 
Menge auszugehen ist. 

Der Beschuldigte hatte am 24. Februar 2017 mit deutlicher Formulierung ausge-
sagt: «Ganz sicher habe ich 400 Gramm Kokain verkauft» (pag. 190 Z. 258 f.). 
Diese Grösse erscheint auch in Anbetracht der Umstände als logisch. Der Be-
schuldigte war offenbar im angeklagten Zeitraum von rund zwei Monaten ständig 
mit dem Drogenhandel befasst, was schon seine zahlreichen Anhaltungen beim 
Restaurant H.________ aufzeigen. 

Gemäss Anklage und Vorinstanz soll der Beschuldigte zudem 100 Gramm Kokain-
gemisch an unbekannte Abnehmer verschafft bzw. verschenkt haben. Dieser An-
klagepunkt beruht insbesondere auf der Behauptung des Beschuldigten vom 
24. Februar 2017, er habe am 24. Dezember 2016 im Restaurant H.________ etwa 
100 Gramm Kokain verteilt (pag. 198 Z. 532 ff.). Der Beschuldigte erstellte eine Lis-
te mit Namen von damals angeblich anwesenden Personen (pag. 205). Wie bereits 
erwähnt, konnten Untersuchungen der Polizei diese Schilderung weder eindeutig 
bestätigen noch widerlegen (pag. 114 f.). Immerhin gaben die von der Polizei be-
fragten Personen an, gerüchteweise von der Verteilaktion des Beschuldigten 
gehört zu haben. Die Kammer nimmt an, dass der Beschuldigte tatsächlich Kokain 

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verteilte, wobei die Menge offengelassen werden muss. Der Beschuldigte gab auch 
an anderen Stellen zu Protokoll, dass er jeweils Kokain verschenkt habe, auch als 
Gegenleistung für beispielsweise Übernachtungen oder Alkohol (pag. 190 Z. 258 f.; 
pag. 213 Z. 268, pag. 1192 Z. 8 f.). Der Beschuldigte vermochte folglich durch das 
Verschenken von Kokain verschiedene seiner Bedürfnisse zu befriedigen. Er muss-
te hierfür eine nicht unerhebliche Menge an Kokain aufwenden. 100 Gramm er-
scheinen für den Tatzeitraum von rund zwei Monaten inklusive Verteilen ohne Ge-
genleistung als realistische Grösse. Weiter wurden beim Beschuldigten insgesamt 
135 Gramm Kokaingemisch durch die Polizei sichergestellt. Er war in Besitz des-
selben und beabsichtigte dessen Weitergabe (bzgl. des am 10. Februar 2017 si-
chergestellten Kokains: pag. 26 Z. 162, pag. 188 Z. 187 ff.). Von dem insgesamt 
700 Gramm erworbenen Kokaingemisch verbleibt somit eine Menge von 65 
Gramm. Zu Gunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass er diese für 
seinen Eigenkonsum verwendete. Diese Menge wäre bei den letzten Angaben des 
Beschuldigten, wonach er jeden Tag ein halbes oder ein Gramm konsumierte (pag. 
1190 Z. 10) in einem Tatzeitraum von etwa acht Wochen auch realistisch. 

Entgegen der Ansicht der Verteidigung, ist es nicht notwendig, dass die Abnehmer 
der verkauften Drogen alle bekannt sind. Dies ist auch der zitierten Rechtspre-
chung (Urteil SK 15 298 der 2. Strafkammer vom 1. März 2016) nicht zu entneh-
men. Vorliegend wird der Beweis, dass der Beschuldigte in grossem Umfang mit 
Drogen handelte anhand seiner Aussagen, die sich mit zahlreichen Indizien de-
cken, erbracht.

Für die Berechnung der Menge an reinem Kokain geht die Kammer zu Gunsten 
des Beschuldigten von dem tiefsten Reinheitsgehalt bei den sichergestellten Men-
gen aus. Es ist auf den Kokainbasenwert abzustellen (vgl. dazu unten Ziff. III.11.2). 
Wiederum zu Gunsten des Beschuldigten rechnet die Kammer mit dem tiefsten 
Basenwert von 72 % minus den Abweichungsbereich von 5 %, d.h. mit 67 % Rein-
heitsgrad. Bei einer gehandelten Drogenmenge von insgesamt 635 Gramm Ko-
kaingemisch ergibt dies rund 425 Gramm reines Kokain.

10.7 Zum finanziellen Verdienst

Auf die Frage, wie viel er mit seinen Drogengeschäften verdient habe, sagte der 
Beschuldigte, seine Kleider und den Konsum und das, was die Polizei ihm abge-
nommen habe (pag. 194 Z. 397 ff.). Der Beschuldigte befand sich im Tatzeitraum 
als Asylsuchender in der Schweiz. Seine einzige legale Einkommensquelle waren 
CHF 65.00, die er pro Woche vom Staat erhielt (pag. 22 Z. 36; pag. 272 Z. 630; 
pag. 1190 Z. 21). Er gab an, dies sei der Grund gewesen, weshalb er dann mit dem 
Kokain angefangen habe (pag. 223 Z. 633). Der vom Beschuldigten von seinen 
Kunden verlangte Preis lag gemäss den vorhandenen Aussagen jeweils zwischen 
CHF 70.00 bis zu CHF 100.00 pro Gramm Kokain (vgl. pag. 290 Z. 51: CHF 70.00, 
pag. 237 Z. 391 ff.: CHF 80.00, pag. 26 Z. 182: Verkauf von 75 Gramm für mindes-
tens CHF 7‘500.00, pag. 442 Z. 173 und pag. 438 Z. 233: F.________ kaufte für 
CHF 90.00 pro Gramm). Am 24. Februar 2017 hatte der Beschuldigte gesagt, dass 
er 100 Gramm für CHF 5‘500.00 oder CHF 6‘000.00 bezahlt habe (pag. 237 Z. 388 
f.). Der Grammpreis im Einkauf belief sich folglich auf CHF 55.00 bis zu CHF 60.00 
(vgl. auch pag. 272 Z. 646). Fast dieselben Verkaufspreise nannte D.________ 

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(pag. 1186 Z. 6 f.) Der Beschuldigte verdiente bei seinem Verkauf also wohl we-
sentliche Summen dazu, um sich damit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Die Vorinstanz ging von 400 Gramm verkauftem Kokain zu CHF 90.00 pro Gramm 
bei einem Einkaufspreis von CHF 60.00 pro Gramm aus und gelangte zu einem er-
zielten Gewinn von CHF 12‘000.00 (pag. 1009, S. 35 der Urteilsbegründung). Die 
Kammer ist aufgrund der variierenden Angaben zu Einkaufs- und Verkaufspreisen 
der Ansicht, dass sich diese nicht auf einen konkreten Betrag festsetzen lassen. 
Der Gewinn für 400 Gramm verkauftes Kokaingemisch beläuft sich je nach ver-
wendetem Einkaufspreis von minimal CHF 4‘000.00 bis zu CHF 18‘000.00. Die 
Verwendung von mittleren Zahlen, beispielweise ein Verkaufspreis von CHF 80.00 
bei einem Einkaufspreis von CHF 55.00, ergibt einen Gewinn von CHF 10‘000.00. 
Es ist von der für den Beschuldigten günstigsten Variante auszugehen. Die Kam-
mer geht davon aus, dass der Beschuldigte mit dem Verkauf von Drogen einen 
Gewinn unter CHF 10.000.00 erzielte.

10.8 Zum Drogenkonsum (Zeitraum)

Dass der Beschuldigte Kokain und Haschisch konsumierte, bestreitet er nicht (an-
statt vieler Aussagen: pag. 219 Z. 465 ff.). Die Verteidigung verlangt jedoch eine 
Überprüfung des Zeitraums, in dem er dies getan haben soll. Der Beschuldigte hat-
te am 11. Februar 2017 gesagt, er sei seit mehr als zehn Jahren süchtig und sei 
seit sieben bis acht Monaten in der Schweiz (pag. 27 Z. 207 ff.). Der Beschuldigte 
gab dann am 24. Februar 2017 an, er sei seit Mai 2016 in der Schweiz (pag. 185 Z. 
71 f.). Am 30. Mai 2017 sagte er, als er in der Schweiz angekommen sei, habe er 
wieder begonnen Kokain zu konsumieren und er sei seit ca. einem Jahr hier (pag. 
219 Z. 473 f.). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung hielt der Ge-
richtspräsident dem Beschuldigten vor, er habe von ca. Mai 2016 bis 10. Februar 
2017 mehrfach Kokain und Haschisch konsumiert und fragte, ob dies zutreffe. Der 
Beschuldigte bestätigte mit «ja» (pag. 908 Z. 40 ff.). Beim Verlesen des Protokolls 
korrigierte er dann aber, der Konsum habe erst im November begonnen und nicht 
vorher (pag. 909 Z. 4 f.). In der Berufungsverhandlung vom 23. August 2018 sagte 
der Beschuldigte, er sei im April 2016 in die Schweiz gekommen (pag. 1190 Z. 16 
f.). Er habe ab Ende November, als er im Kanton Bern angekommen sei, Kokain 
konsumiert (pag. 1190 Z. 12 ff.). Haschisch habe er praktisch im gleichen Zeitraum 
konsumiert (pag. 1991 Z. 27 f.). Laut den beim Kanton Thurgau bzw. der Staats-
anwaltschaft Kreuzlingen edierten Akten reiste der Beschuldigte am 20. Juni 2016 
rechtswidrig mit der Bahn von Frankreich herkommend in die Schweiz ein (vgl. 
Strafbefehl vom 29. Juni 2016). 

Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten, muss davon ausgegangen werden, 
dass er während seines gesamten Aufenthalts in der Schweiz Drogen konsumierte. 
Auf die erst ganz am Schluss angepasste Aussage in der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung, die er dann im Berufungsverfahren wiederholte, kann nicht abgestellt 
werden. Der Beschuldigte gibt keine Gründe für diese Aussageänderung an. Ent-
gegen der Anklageschrift ist jedoch als Beginn des Tatzeitraums nicht ca. Mai 
2016, sondern in Übereinstimmung mit dem rechtskräftigen Strafbefehl vom 
29. Juni 2016 Ende Juni 2016 anzunehmen.

27

10.9 Fazit

Es ist erstellt, dass der Beschuldigte zwischen Mitte Dezember 2016 und dem 
10. Februar 2017 insgesamt 700 Gramm Kokaingemisch mit einem durchschnittli-
chen Reinheitsgrad von 67 % Kokainbase von seinen zwei Lieferanten in Biel er-
warb. Hiervon verkaufte er 400 Gramm an zum Teil unbekannte Abnehmer, 100 
Gramm verschaffte er an unbekannte Abnehmer und 135 Gramm besass der Be-
schuldigte. Der Beschuldigte betrieb Drogenhandel mit einer den Eigenkonsum 
übersteigenden Menge von rund 635 Gramm Kokaingemisch. Im Zeitraum von En-
de Juni 2016 bis am 10. Februar 2017 konsumierte der Beschuldigte sodann wie-
derholt Kokain und Haschisch.

III. Rechtliche Würdigung

11. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1 und 
2 BetmG

11.1 Allgemein

Gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 
Geldstrafe bestraft, wer unter anderem Betäubungsmittel unbefugt erwirbt, besitzt 
(Bst. d), veräussert oder auf andere Weise einem anderen verschafft (Bst. c). Sub-
jektiv ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12 Abs. 1 und 2 des 
Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0]). 

Der Täter wird mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft, wenn er (a) 
weiss oder annehmen muss, dass die Widerhandlung mittelbar oder unmittelbar die 
Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann oder auch (c) durch gewerbs-
mässigen Handel einen grossen Umsatz oder einen erheblichen Gewinn erzielt 
(Art. 19 Abs. 2 BetmG).

11.2 Mengenmässige Qualifikation

Eine Gefährdung der Gesundheit vieler Menschen nach Art. 19 Abs. 2 Bst. a 
BetmG liegt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vor, wenn die Gesund-
heit von mindestens 20 Personen in Gefahr gebracht wird (BGE 108 IV 63 E. 2c, 
121 IV 332 E. 2a). Eine Gesundheitsgefährdung ist grundsätzlich bei Gefahr einer 
physischen oder psychischen Abhängigkeit gegeben (BGE 121 IV 332 E. 2a mit 
Hinweisen). In BGE 109 IV 143 setzte das Bundesgericht die Werte zur «Berech-
nung der das Risiko einer psychischen Abhängigkeit erzeugenden Betäubungsmit-
telmenge» für Heroin, Kokain, Cannabis und LSD fest. Bei Kokain gelangt Art. 19 
Abs. 2 Bst. a BetmG ab einer Menge von 18 Gramm zur Anwendung (zum Ganzen 
vgl. FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, BetmG Kommentar, 3. Auflage 2016, N. 176 
ff. zu Art. 19 BetmG). In BGE 119 IV 180 entschied das Bundesgericht, dass stets 
die Menge des reinen Wirkstoffes entscheidend ist. 

Das Bundesgericht hat im Gegensatz zum Heroin, wo zur Bestimmung des Rein-
heitsgrades bzw. der Berechnung der Menge des reinen Wirkstoffes vom Heroin-
Hydrochlorid ausgegangen wird (vgl. BGE 109 IV 143), keine Leitlinien aufgestellt, 
von welcher chemischen Form für die Bestimmung des Reinheitsgrades beim Ko-

28

kain auszugehen ist. Es hat in seiner Rechtsprechung verschiedentlich Fälle beur-
teilt, in denen die kantonale Vorinstanz für die mengenmässige Qualifikation auf 
das Kokainhydrochlorid abgestellt hatte (Urteile 6S.465/2004 vom 12. Mai 2005, 
1P.536/2006 vom 7. Dezember 2006, 6B_13/2012 vom 19. April 2012, 6B_76/2012 
vom 7. Mai 2012, 6B_846/2013 vom 16. Juni 2014, 6B_280/2014 vom 1. Septem-
ber 2014, 6B_421/2014 vom 1. September 2014) und in einem andern Fall auf die 
Kokainbase (6P.92/2006 vom 2. November 2006), ohne dies zu beanstanden. Zur 
Frage, ob für den qualifizierten Fall auf die Base oder das Hydrochlorid abzustellen 
ist, hat sich das Bundesgericht nie geäussert. Die 1.Strafkammer des Obergerichts 
des Kantons Bern geht grundsätzlich jeweils von der Kokainbase aus (so in den Ur-
teilen SK 16 338 vom 10. April 2017, SK 08 479 vom 4. Juni 2009). Im Urteil SK 17 
94 vom 7. August 2017 entschied die 1. Strafkammer, dass die bisherige bernische 
Praxis beibehalten und auf den Wert der Kokainbase abgestellt werde (E. III.9.3). 
Das Bundesgericht erachtete dies im betreffenden Fall nicht als willkürlich (Urteil 
des Bundesgerichts 6B_1040/2017 vom 14. Februar 2018). Daher stellt die Kam-
mer auch im vorliegenden Fall auf die Kokainbasenwerte ab.

In subjektiver Hinsicht muss der Täter um die objektiven Umstände wissen oder 
darauf schliessen (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 201 zu Art. 19 
BetmG). 

11.3 Qualifikation der Gewerbsmässigkeit

Das Bundesgericht geht für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit vom Begriff 
des berufsmässigen Handelns aus. Dieses liegt vor, wenn sich aus der Zeit und 
den Mitteln, die der Täter für die deliktische Tätigkeit verwendet, aus der Häufigkeit 
der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes sowie aus den angestrebten 
und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines 
Berufes ausübt. Eine «nebenberufliche» deliktische Tätigkeit kann dabei genügen. 
Wesentlich für die Gewerbsmässigkeit ist, dass sich der Täter darauf eingerichtet 
hat, durch deliktische Handlungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Bei-
trag an die Kosten zur Finanzierung seiner Lebensgestaltung darstellen (BGE 116 
IV 319).

Beim Drogenhandel muss zudem eine qualifizierte Gewerbsmässigkeit vorliegen 
(BGE 129 IV 188, E. 3.1.3; FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 213 zu Art. 
19 BetmG). Im Bereich des Betäubungsmittelgesetzes besteht das zusätzliche Er-
fordernis eines grossen Umsatzes oder eines erheblichen Gewinnes. Das Tatbe-
standsmerkmal des grossen Umsatzes bezieht sich auf den finanziellen Bruttoer-
lös, den das Bundesgericht (in BGE 117 IV 63, E. 2a und BGE 129 IV 188, 
E. 3.1.3) auf einen Betrag in der Grössenordnung von CHF 100'000.00 bestimmt 
hat. Gegenstand des erheblichen Gewinnes ist der finanzielle Vorteil, d.h. der Net-
toerlös, der sich aus den Drogengeschäften ergibt. Erheblich ist ein Gewinn, wenn 
dieser den Betrag von CHF 10'000.00 erreicht (BGE 129 IV 253, E. 2.2). In subjek-
tiver Hinsicht ist die Absicht vorausgesetzt, ein Erwerbseinkommen zu erzielen. 
Ferner muss die Bereitschaft zur Verübung einer Vielzahl von Delikten der fragli-
chen Art vorliegen (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 222 zu Art. 19 
BetmG).

29

11.4 Konkurrenzen

Die verschiedenen Handlungen gemäss Art. 19 Abs. 1 Bst. a bis e BetmG schützen 
allesamt das gleiche Rechtsgut. Die Erwerbshandlungen sind subsidiär zu den zeit-
lich daran anschliessenden Weitergabehandlungen (FINGER-
HUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 157 zu Art. 19 BetmG). Die Tathandlung des 
Besitzes ist als Auffangtatbestand konzipiert und gelangt subsidiär zu den Erwerbs- 
und Weitergabetatbeständen zur Anwendung (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, 
a.a.O., N. 159 zu Art. 19 BetmG). Die Tathandlungen gemäss Art. 19 Abs. 1 Bst. g 
BetmG (Anstalten treffen) werden durch die Tathandlungen der Bst. a bis f konsu-
miert (FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N. 162 zu Art. 19 BetmG).

Sobald ein Qualifikationsgrund nach Art. 19 Abs. 2 BetmG gegeben ist, gelangt der 
verschärfte Strafrahmen zur Anwendung. Dieser Strafrahmen kann auch bei Vor-
liegen eines weiteren Qualifikationsgrundes nicht mehr weiter verschärft werden, 
weshalb sich deren Prüfung für die Frage der Tatbestandsmässigkeit erübrigt. Ein 
weiterer Qualifikationsgrund kann sich jedoch bei der Strafzumessung innerhalb 
des Strafrahmens straferhöhend auswirken (BGE 120 IV 330 E. c).

11.5 Subsumtion

Der Beschuldigte hat 700 Gramm Kokaingemisch erworben, wobei jedoch ein Teil 
für seinen Eigenkonsum bestimmt war und unter Art. 19a Ziff. 1 BetmG (vgl. unten 
Ziff. III.12.) fällt. 400 Gramm davon hat er durch Verkaufen und 100 Gramm durch 
anderweitiges Verschaffen (Verschenken) weitergegeben. 135 Gramm hat er zu 
diesen Zwecken besessen. Er tat dies wissentlich und willentlich, d.h. vorsätzlich. 
Er hat die Tatbestände von Art. 19 Abs. 1 Bst. c und d BetmG erfüllt. 

Die nicht für den Eigenkonsum bestimmte Kokainmenge von 635 Gramm verfügte 
über einen durchschnittlichen Reinheitsgrad von 67 % Kokainbase (vgl. oben Ziff. 
II.10.6). Somit beträgt die reine Wirkstoffmenge rund 425 Gramm, was die bereits 
die Gesundheit Vieler gefährdende Menge von 18 Gramm Kokain um ein Vielfa-
ches übersteigt. Der Beschuldigte hatte Kenntnis von der grossen Drogenmenge, 
den hohen Reinheitsgraden und der Gefährlichkeit des Kokainkonsums (vgl. pag. 
198 Z. 541). Sowohl der objektive als auch der subjektive Tatbestand von Art. 19 
Abs. 2 Bst. a BetmG sind damit erfüllt. Der Beschuldigte ist somit der qualifizierten 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig zu erklären. 

Im Rahmen der Beweiswürdigung konnte dem Beschuldigten hingegen nicht nach-
gewiesen werden, dass er einen CHF 10‘000.00 übersteigenden Gewinn oder ei-
nen CHF 100‘000.00 übersteigenden Umsatz erzielt hätte (Ziff. II.10.7). Der objek-
tive Tatbestand der Gewerbsmässigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 Bst. c BetmG 
ist folglich nicht erfüllt. 

12. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19a BetmG 
(Konsum)

Wer unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert oder wer zum eigenen Kon-
sum eine Widerhandlung im Sinne von Art. 19 BetmG begeht, wird mit Busse be-
straft (Art. 19a Ziff. 1 BetmG). 

30

Der Beschuldigte konsumierte wiederholt Kokain und auch Haschisch und beging 
hierfür Delikte nach Art. 19 BetmG. Er handelte vorsätzlich. Der Tatbestand von 
Art. 19a Ziff. 1 BetmG ist damit klar erfüllt. Der Beschuldigte ist wegen Konsums 
von Betäubungsmitteln schuldig zu erklären.

13. Widerhandlungen gegen das AuG

Der Beschuldigte wurde ausserdem rechtkräftig der Widerhandlungen gegen das 
AuG durch mehrfache Missachtung einer Ausgrenzung schuldig erklärt (Art. 119 
Ziff. 1 i.V.m. Art. 74 AuG). Es wird auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 1010, S. 36 der Urteilsbegründung).

IV. Strafzumessung

14. Anwendbares Recht

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-
ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende 
Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzu-
stellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das 
alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist aus-
geschlossen. Hat der Täter mehrere selbständige strafbare Handlungen begangen, 
so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, ob das alte oder 
das neue Recht milder ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstrafe zu bilden (BGE 
134 IV 82, S. 88, E. 6.2.1 und 6.2.3). Ausschlaggebend ist, nach welchem der bei-
den Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt (vgl. 
zum Ganzen TRECHSEL/VEST, in: TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], Schweizerisches Straf-
gesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N 11 zu Art. 2 StGB mit Hinweisen; 
ANDREAS DONATSCH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Aufl., Zürich 2013, S. 
34 N 10 sowie BGE 126 IV 5 S. 8 – je mit Hinweisen). Der Gesetzesvergleich hat 
sich ausschliesslich nach objektiven Gesichtspunkten zu richten (BGE 134 IV 82, 
E. 6.2.2). Massgebend ist dabei das Ausmass der mit einer Sanktion verbundenen 
Beschränkung der persönlichen Freiheiten, namentlich der Bewegungsfreiheit, des 
Eigentums, der Ehre, der Betätigungsfreiheit und der Beziehungsfreiheit. Unter den 
möglichen Strafformen hat die Freiheitsstrafe als die strengste zu gelten, gefolgt 
von der Geldstrafe. Sind im Übrigen die Sanktionen im Einzelfall gleichwertig, so ist 
altes Recht anzuwenden (POPP/BERKEMEIER, in: Basler Kommentar zum Strafrecht, 
Bd. I, 3. Aufl. 2013, N 17 zu Art. 2 StGB mit weiteren Hinweisen).

Vorliegend erscheint bei keiner der vom Beschuldigten begangenen Taten das 
neue Recht als das mildere. Somit ist integral das alte Recht anzuwenden.

31

15. Allgemeines

Nach Art. 47 aStGB misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters 
zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die 
Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der 
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der 
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie da-
nach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in 
der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden. Bei der Strafzumes-
sung ist zwischen Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden. Die Tatkomponen-
te umfasst das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Bege-
hung der Tat, die Willensrichtung und die Beweggründe des Täters. Zur Täterkom-
ponente sind die persönlichen Verhältnisse des Täters, das Vorleben und die Vor-
strafen, das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren, die Strafempfindlichkeit 
sowie weitere strafmindernde und straferhöhende Aspekte zu zählen. Die für die 
Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren Gewichtung sind in der 
Urteilsbegründung festzuhalten (Art. 50 aStGB). 

Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht das Verschulden zu 
bewerten. Es hat im Urteil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche 
verschuldenserhöhenden Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer 
Gesamteinschätzung des Tatverschuldens zu gelangen (BGE 136 IV 55 E. 5.5). 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-
rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das 
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 aStGB). Die Bildung 
einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 aStGB ist nur bei gleichartigen 
Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Aspe-
rationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden 
(BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Mehrere gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Ge-
richt im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen aus-
fällt (konkrete Methode). Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt 
gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Im zur Publi-
kation vorgesehen Urteil 6B_483/2016 vom 18. April 2018 hat das Bundesgericht 
diese Regel nochmals eingehend bekräftigt. Um zu beurteilen, welche Einzelstra-
fen gleichartig sind, müssen zuerst sämtliche Einzelstrafen festgesetzt werden (Ur-
teil 6B_483/2016 vom 18. April 2018, E. 4.1.).

Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen 
Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Die-
ser wird durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch er-
weitert. Vielmehr ist der ordentliche Strafrahmen nur zu verlassen, wenn ausser-
gewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe 
im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, E. 5.8; Urteil des 
Bundesgerichts 6B_853/2014 vom 9. Februar 2015, E. 4.2.).

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16. Strafrahmen, Strafart und Vorgehen

Der Beschuldigte hat sich der qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG nach 
Art. 19 Abs. 2 Bst. a BetmG und der Übertretung nach Art. 19a Ziff. 1 BetmG 
schuldig gemacht. Ausserdem ist in die Strafzumessung der bereits rechtskräftige 
Schuldspruch des Beschuldigten wegen Widerhandlungen gegen das AuG durch 
Missachtung einer Ausgrenzung miteinzubeziehen. Erstere Tat ist mit einer Frei-
heitsstrafe nicht unter einem Jahr bedroht. Der Strafrahmen beträgt von einem bis 
zu 20 Jahren Freiheitsstrafe (vgl. Art. 19 Abs. 2 Bst. a BetmG sowie Art. 40 Abs. 2 
aStGB i.V.m. Art. 26 BetmG). Die Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz 
nach Art. 119 Abs. 1 AuG werden mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Gelds-
trafe bestraft. Der Konsum von Betäubungsmitteln wird hingegen mit Busse be-
droht. Diese beträgt bis zu CHF 10‘000.00 (Art. 106 Abs. 1 aStGB i.V.m. Art. 26 
BetmG). 

Für die qualifizierten Widerhandlungen gegen das BetmG ist zwingend eine Frei-
heitsstrafe auszusprechen. Die Vorinstanz erkannte auch bei den Widerhandlun-
gen gegen das AuG auf die Strafart der Freiheitsstrafe und bildete in Anwendung 
von Art. 49 Abs. 1 aStGB eine Gesamtfreiheitsstrafe. Sie begründete dies damit, 
dass aufgrund der wiederholten Tatbegehung und der teils einschlägigen Vorstra-
fen des Beschuldigten nicht davon ausgegangen werden könne, dass eine Gelds-
trafe weiterhin spezialpräventive Wirkung habe. Ausserdem habe die Missachtung 
der Ausgrenzung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit des Beschul-
digten als Drogenhändler gestanden (pag. 1014, S. 40 der Urteilsbegründung). Es 
ist eine Einzelbetrachtung der Taten vorzunehmen. Die Richtlinien für die Strafzu-
messung des Verbandes Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen 
und Staatsanwälte (VBRS), die bei der Strafzumessung der Orientierung und Ein-
heitlichkeit dienen, empfehlen für die Missachtung einer Ausgrenzung Strafen in ei-
nem tiefen Bereich von 25-60 Strafeinheiten (VBRS-Richtlinien Ziff. 3.V.). In die-
sem Bereich wäre grundsätzlich die mildere Geldstrafe auszusprechen (vgl. Art. 41 
aStGB). Vorliegend handelt es sich um die erste Verurteilung des Beschuldigten in 
der Schweiz wegen Missachtung einer Ausgrenzung. Es fragt sich, ob bei einer 
Einzelbeurteilung dieser Tat eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe auszuspre-
chen wäre. Die Kammer schliesst sich der Begründung der Vorinstanz insofern an, 
als dass eine Geldstrafe beim Beschuldigten keine spezialpräventive Wirkung mehr 
hätte. Denn er verfügt über zahlreiche Vorstrafen (vgl. unten Ziff. IV.19.1). Ausser-
dem ist er mittellos und nicht in der Lage eine ihm auferlegte Geldstrafe zu beglei-
chen. Es erscheint vor diesem Hintergrund verhältnismässig, auch für die Wider-
handlung gegen das AuG eine Freiheitsstrafe auszusprechen. Folglich ist in An-
wendung von Art. 49 Abs. 1 aStGB eine Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden. Für die 
Tat nach Art. 19a Ziff. 1 BetmG ist kumulativ eine Busse auszusprechen.

17. (Teilweise) retrospektive Konkurrenz

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er wegen 
einer anderen Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in einer 
Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Hand-
lungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 aStGB).

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Bei der Bemessung der Zusatzstrafe gemäss Art. 49 Abs. 2 aStGB setzt das Ge-
richt zunächst eine hypothetische Gesamtstrafe fest. Es hat sich zu fragen, welche 
Strafe es ausgesprochen hätte, wenn es sämtliche Delikte gleichzeitig beurteilt hät-
te. Dabei hat es nach den Grund