# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a34fbe94-1404-5307-a50a-fe85972d888f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 05.03.2024 VBE.2023.333
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-333_2024-03-05.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2023.333 / KB / sc 
Art. 36 

 

 

Urteil vom 5. März 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Jacober  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiberin Biehler          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

unentgeltlich vertreten durch Dr. iur. Urs Oswald, Rechtsanwalt, 

Krähenbühlstrasse 31, Postfach, 5620 Bremgarten AG  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

 
   

Beigeladene   B._____ 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 13. Juni 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1965 geborene Beschwerdeführer war zuletzt als Kranführer und Bau-

arbeiter tätig. Am 4. April 2018 meldete er sich nach einem erlittenen Herz-

infarkt am 9. bzw. 10. Oktober 2017 bei der Beschwerdegegnerin zum Be-

zug von Leistungen (berufliche Integration/Rente) der Eidgenössischen In-

validenversicherung (IV) an. Die Beschwerdegegnerin tätigte medizinische 

sowie erwerbliche Abklärungen, liess den Beschwerdeführer auf Empfeh-

lung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) durch das Zentrum für Me-

dizinische Begutachtung (ZMB), Basel, polydisziplinär begutachten (Gut-

achten vom 23. November 2020) und holte eine Stellungnahme des RAD 

hierzu ein. Im Rahmen des anschliessenden Vorbescheidverfahrens und 

nach erneuten Rücksprachen mit dem RAD liess die Beschwerdegegnerin 

den Beschwerdeführer durch die SMAB AG St. Gallen, St. Gallen, psychia-

trisch-neuropsychologisch begutachten (Gutachten vom 9. November 

2022). Daraufhin wies die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren mit 

Verfügung vom 13. Juni 2023 ab. 

 

1.2. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 14. August 2023 

fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung der SVA Aargau, IV-Stelle, vom 13. Juni 2023, sei voll-
umfänglich aufzuheben. 

 
 2. Die Invalidenversicherung sei anzuweisen und zu verpflichten, dem Be-

schwerdeführer eine Viertels-IV-Rente, rückwirkend ab 1. Oktober 
2018 auszurichten. 

 
 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 
 
Antrag betr. unentgeltliche Rechtspflege 
Dem Beschwerdeführer sei im vorliegenden Verfahren die unentgeltliche 
Rechtspflege zu bewilligen und der unterzeichnete Anwalt sei dem Be-
schwerdeführer als unentgeltlicher Rechtsvertreter zuzuweisen." 

 

1.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 21. August 2023 wurde dem 

Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und Dr. iur. Urs 

Oswald, Rechtsanwalt, Bremgarten AG, zu seinem unentgeltlichen Vertre-

ter ernannt.  

 

1.4. 

Mit Vernehmlassung vom 5. September 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 - 3 - 

 

 

1.5. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 8. September 2023 wurde die 

B._____ als berufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers, im 

Verfahren beigeladen. 

 

1.6. 

Mit Eingabe vom 25. September 2023 verzichtete die Beigeladene auf eine 

Stellungnahme. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenan-

spruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 13. Juni 2023 (Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 155) zu Recht verneint hat.  

 

2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_744/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.2). 

 

3. 

3.1. 

In medizinischer Hinsicht liegt das ZMB-Gutachten vom 23. November 

2020 vor, welches eine psychiatrische, eine internistisch-gastroenterologi-

sche, eine neurologische, eine kardiologische sowie eine neuropsychologi-

sche Beurteilung umfasst. Es wurden darin die folgenden Diagnosen ge-

stellt (VB 94.2 S. 7 f.): 

 

"4.2. Relevante Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä-
higkeit 
 
Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
- Koronare Dreigefässerkrankung: 

- 10.10.2017 akuter posterolateraler STEMI 

 - 4 - 

 

 

- Witnessed In-hospital Kreislaufstillstand bei Kammerflim-
mern, einmal Defibrillation 

- 10.10.2017 akut Koronarangiographie, dreimal Stent in RCX, 
signifikante Stenose mittlerer RIVA, proximale RCA, grenz-
wertige Stenose distaler/peripherer RIVA 

- 10.10.2017 erhaltene LV-Funktion bei inferolateraler Akinesie 
(EF 70 %) 

- Proximale Dreh- und Schwankschwindelattacken mit Husten und 
Nausea mit einer Dauer von 30 bis 60 Sekunden unklarer Ätiolo-
gie, EM 10/2017, DD atypische vestibuläre Paroxysmie 

- Panikstörung (F41.0 ICD-10) 
- Schwere neuropsychologische Störung im Rahmen der Pa-

nikstörung 
 
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 
- Schlafapnoesyndrom 
- Metabolisches Syndrom" 

 

Seit dem Myokardinfarkt im Oktober 2017 bestehe in der bisherigen Tätig-

keit eine Arbeitsunfähigkeit (von 100 %). In einer angepassten Tätigkeit be-

stehe seither aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von mindes-

tens 80 %; aus somatischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in einer Ver-

weistätigkeit nicht eingeschränkt. Aufgrund der multifaktoriellen Beschwer-

den seien dem Beschwerdeführer schwere Arbeiten dauerhaft nicht, mittel-

schwere Arbeiten nur stark eingeschränkt zumutbar. Eine angepasste Tä-

tigkeit müsse weiter eingeschränkt werden bezüglich des Führens von 

Kraftfahrzeugen und schweren Maschinen, des Arbeitens auf Leitern und 

Gerüsten sowie des Arbeitens mit längeren Gehstrecken, insbesondere auf 

unebenem Gelände, sowie des Überkopfarbeitens. Aus gesamtheitlicher 

Sicht bestehe für schwere und mittelschwere Arbeiten seit dem kardialen 

Ereignis im Oktober 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, für andere 

adaptierte Arbeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % (VB 94.2 S. 14 f.; 94.4 

S. 6; 94.5 S. 11; 94.6 S. 5). 

 

3.2. 

Auf die psychiatrische und neuropsychologische Beurteilung des ZMB-Gut-

achtens vom 23. November 2020 stellte die Beschwerdegegnerin nicht ab, 

sondern holte stattdessen, um den Gesundheitszustand des Beschwerde-

führers aus psychiatrisch-neuropsychologischer Sicht beurteilen zu kön-

nen, das SMAB-Gutachten vom 9. November 2022 (VB 147.1–147.4) ein. 

Darin wurde einzig folgende (psychiatrische) Diagnose mit Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit gestellt (VB 147.1 S. 13): 

 

"- Phobischer Schwankschwindel (ICD-10 F45.8)" 

 

In der angestammten Tätigkeit als Kranführer bestehe seit dem Herzinfarkt 

im Oktober 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. In einer angepassten 

Tätigkeit sollten emotional belastende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten, die 

gefahrenbehaftet seien (im Sinne der Gefährdung des Beschwerdeführers 

selbst oder von Dritten durch plötzlich auftretenden Schwindel), vermieden 

 - 5 - 

 

 

werden. Es müsse die Möglichkeit einer Unterbrechung der Arbeit und ge-

gebenenfalls einer kurzen Rückzugsmöglichkeit bestehen, im Sinne zu-

sätzlicher selbst gewählter Pausen bei Schwindelanfällen. Dem Beschwer-

deführer sei in einer solchen Tätigkeit eine maximale Präsenz von 8,5 Stun-

den pro Tag möglich, wobei die Leistungsfähigkeit um 20 % eingeschränkt 

sei wegen vermehrten Pausenbedarfs. Insgesamt sei seit dem Herzinfarkt 

im Oktober 2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer angepassten 

Tätigkeit auszugehen (VB 147.1 S. 3, 14, 16). 

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob 

dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchun-

gen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis 

der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün-

det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

4.2. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-

richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-

nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-

nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-

tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Den Gutachten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der So-

zialversicherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar 

zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts, 4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 

E. 5.2.8 S. 105). 

 

5. 

5.1. 

Die internistisch-gastroenterologische (VB 94.4 S. 1 ff.), die neurologische 

(VB 94.5 S. 1 ff.) und die kardiologische Beurteilung (VB 94.6 S. 1 ff.) des 

ZMB-Gutachtens vom 23. November 2020 sind nachvollziehbar und 

schlüssig und werden zudem vom Beschwerdeführer auch nicht gerügt 

(BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.), weshalb auf diese Teilgutachten abge-

stellt werden kann (vgl. BGE 143 V 124 E. 2.2.4 S. 128 ff.). Dass die Be-

schwerdegegnerin nicht auf die psychiatrische und neuropsychologische 

Einschätzung sowie die Gesamtwürdigung der ZMB-Gutachter abstellte 

und zusätzlich ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten einholte, 

ist aufgrund der – zu Recht erfolgten – Hinweise des RAD auf fehlende 

Konsistenz und Plausibilität des psychiatrischen und des 

 - 6 - 

 

 

neuropsychologischen Teilgutachtens (vgl. Stellungnahme des RAD vom 

14. Dezember 2020 [VB 98 S. 1 ff., S. 5] samt konsiliarischer Aktenbeurtei-

lung von RAD-Arzt med. pract. C._____, Facharzt für Psychiatrie und Psy-

chotherapie, vom 12. Dezember 2020 [VB 97 S. 1 ff., S. 3]; Stellungnahme 

des RAD vom 19. Mai 2021 [VB 107 S. 1 ff.]) nachvollziehbar und wird vom 

Beschwerdeführer ebenfalls nicht gerügt (BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f.). 

 

5.2. 

Im psychiatrisch-neuropsychologischen SMAB-Gutachten vom 9. Novem-

ber 2022 wird ausgeführt, dass sich hinsichtlich der vom Beschwerdeführer 

genannten kognitiven Einschränkungen (Konzentration, Gedächtnis) im 

Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hochgradige Auffällig-

keiten im Leistungsvalidierungsverfahren gezeigt hätten. Es seien deutli-

che Hinweise für eine ungenügende Anstrengungsbereitschaft des Be-

schwerdeführers in der Untersuchungssituation festgestellt worden. Das 

erhobene Testprofil sei nicht gültig. Es könne deshalb auch keine neu-

ropsychologische Diagnose gestellt werden (VB 147.1 S. 12; 147.3 S. 9, 

11 f.). Der Beschwerdeführer habe ausserdem in der neuropsychologi-

schen Untersuchung über häufige Schwindelanfälle, 20–30-mal täglich, ge-

klagt. Während der 80 Minuten dauernden psychiatrischen Untersuchung 

habe sich jedoch nur einmal ein Schwindelanfall gezeigt, was vor dem Hin-

tergrund der angegebenen täglichen Häufigkeit wenig sei. Es könne nicht 

ausreichend beurteilt werden, ob der Beschwerdeführer bezüglich der Häu-

figkeit der Schwindelanfälle übertreibe. Zudem habe der Beschwerdeführer 

über Müdigkeit geklagt, während der Untersuchung habe er sich aber nicht 

auffallend müde oder gar "verhangen" gezeigt (VB 147.1 S. 12). In Bezug 

auf den diagnostizierten phobischen Schwankschwindel (ICD-10 F.45.8) 

weisen die SMAB-Gutachter darauf hin, dass Hinweise auf eine Beschwer-

debetonung bzw. Aggravation bestünden, weshalb eine Quantifizierung der 

Arbeitsfähigkeit sehr erschwert sei. Würden der Beurteilung der Arbeitsfä-

higkeit die Angaben des Beschwerdeführers bezüglich der Häufigkeit und 

Dauer der Schwindelanfälle sowie der Erholungszeit zugrunde gelegt, 

ergäbe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (VB 147.1 S. 14 f.).  

 

Die Frage, ob auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des SMAB-Gutachtens 

vom 9. November 2022 trotz Hinweisen der Gutachter auf eine Beschwer-

debetonung durch den Beschwerdeführer abgestellt werden kann, kann 

offengelassen werden. Selbst wenn zu Gunsten des Beschwerdeführers 

und gestützt auf dessen Angaben zum Ausmass der Schwindelanfälle von 

einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 80 % in einer angepassten Tätigkeit 

ausgegangen wird, besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente, wie sich 

aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt (E. 6–8). 

 

 - 7 - 

 

 

6. 

6.1. 

Die Beschwerdegegnerin ermittelte in der angefochtenen Verfügung 

gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin des Beschwerde-

führers für das Jahr 2018 ein Valideneinkommen von Fr. 82'940.00 

(VB 155 S. 1 f.; 18.1 S. 5). Das Invalideneinkommen legte sie gestützt auf 

die Tabelle TA1 der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des 

Bundesamtes für Statistik des Jahres 2018, Total, Kompetenzniveau 1, 

Männer, sowie unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen 

Arbeitszeit und einer 80%igen Arbeitsfähigkeit auf Fr. 54'214.00 fest. Bei 

der daraus folgenden Erwerbseinbusse von Fr. 28'726.00 resultierte ein In-

validitätsgrad von 35 % (bei einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad 

von mindestens 40 %; Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). 

 

6.2. 

Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei ihm beim Invalideneinkommen auf-

grund seiner leidensbedingten Einschränkungen, seines Alters und seines 

Beschäftigungsgrades von 80 % ein Abzug vom Tabellenlohn von mindes-

tens 15 % zu gewähren (Beschwerde S. 4 ff.).  

 

6.3. 

Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, 

das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-

rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmass-

nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits-

marktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt 

zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 

ATSG; allgemeine Methode des Einkommensvergleichs). 

 

6.4. 

Das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Valideneinkommen des 

Beschwerdeführers ist unbestritten und gestützt auf die Akten nicht zu be-

anstanden (vgl. VB 18.1 S. 5). 

 

6.5. 

6.5.1. 

Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtspre-

chung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in wel-

cher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidi-

tät eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile 

Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr 

verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und er-

scheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen 

und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst 

als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen 

 - 8 - 

 

 

gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesund-

heitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue 

Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung 

die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2 

S. 301 mit Hinweis unter anderem auf BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475). 

 

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von lohnstatistischen 

Angaben ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür-

zen. Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen 

sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des 

konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienst-

jahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), welche 

nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Ein Abzug 

soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall 

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines 

oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Ar-

beitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnitt-

lichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Ab-

zuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invali-

deneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu 

schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu be-

grenzen (BGE 148 V 174 E. 6.3 S. 182; 146 V 16 E. 4.1 S. 19 f.; 135 V 297 

E. 5.2 S. 301; 134 V 322 E. 5.2 S. 327 f.; 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481; 126 V 

75 [insbesondere E. 5 S. 78 ff.]).  

 

6.5.2. 

Bei der Beschreibung des Zumutbarkeitsprofils einer angepassten Tätig-

keit, wonach "belastende Tätigkeiten" und "Tätigkeiten, die gefahrenbehaf-

tet sind (im Sinne der Gefährdung des Versicherten selbst oder der Gefähr-

dung Dritter durch plötzlich auftretenden Schwindel)" zu vermeiden seien 

(VB 155 S. 1), berücksichtigte die Beschwerdegegnerin gemäss ihrer Ver-

fügung vom 13. Juni 2023 offenbar nur die im psychiatrisch-neuropsycho-

logischen SMAB-Gutachten vom 9. November 2022 erwähnten Einschrän-

kungen (vgl. VB 147.1 S. 16). Zudem ging sie von einer Arbeitsfähigkeit 

von 80 % (ganztägige Präsenz mit 20 % Leistungsverminderung) aus 

(VB 155 S. 1). Der Grund hierfür liegt im erhöhten Pausenbedarf des Be-

schwerdeführers (VB 147.1 S. 16). In die Beurteilung miteinzubeziehen 

sind jedoch auch die Einschätzungen des neurologischen und des kardio-

logischen Teilgutachtens des ZMB vom 23. November 2020 zur Arbeitsfä-

higkeit in einer angepassten Tätigkeit. Gemäss dem neurologischen Teil-

gutachten ist zu berücksichtigen, dass eine angepasste Tätigkeit das Füh-

ren von Kraftfahrzeugen, das Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sowie Ar-

beiten, die mit längerem Gehen auf unebenem Gelände, dem Tragen von 

schweren Gegenständen und Überkopfarbeiten verbunden sind, aus-

schliesse. Die Fahrtauglichkeit sei nicht gegeben (VB 94.5 S. 11). Im kar-

diologischen Teilgutachten wird zudem darauf hingewiesen, dass eine 

 - 9 - 

 

 

angepasste Tätigkeit keine Arbeiten mit schweren und mittelschweren 

Anstrengungen beinhalten dürfe (VB 94.6 S. 4).  

 

6.5.3. 

Unter dem Titel des leidensbedingten Abzuges sind vorliegend sämtliche 

persönlichen und beruflichen Umstände des Beschwerdeführers zu be-

rücksichtigen, da diesen (zu Recht) nicht bereits (teilweise) im Rahmen ei-

ner Parallelisierung der Vergleichseinkommen Rechnung getragen wurde 

(vgl. BGE 134 V 322 E. 4.1 S. 325 f., E. 6.2 S. 329 f.). Der zugrunde gelegte 

Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 1 umfasst bereits eine Vielzahl von 

leichten Tätigkeiten. Deshalb ist der Umstand allein, dass nur noch leichte 

Arbeiten zumutbar sind, kein Grund für einen zusätzlichen leidensbeding-

ten Abzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_715/2022 vom 8. März 2023 

E. 10.4.2.1 mit Hinweisen). Dem allenfalls einkommensmindernden Faktor 

der festgestellten zusätzlichen qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfä-

higkeit des Beschwerdeführers im Rahmen von körperlich leichten Tätig-

keiten (vgl. E. 6.5.2) stehen einkommenserhöhende Faktoren gegenüber. 

So wirkt sich das Alter des 1965 geborenen Beschwerdeführers gemäss 

den LSE-Erhebungen zum monatlichen Bruttolohn bei Männern im Alters-

segment von 50 bis 64/65 bei Stellen ohne Kaderfunktion lohnerhöhend 

aus (vgl. BGE 146 V 16 E. 7.2.1 S. 27 mit Hinweisen; LSE-Tabelle T9_b, 

Monatlicher Bruttolohn nach Lebensalter, beruflicher Stellung und Ge-

schlecht des Jahres 2018). Gerade Hilfsarbeiten werden auf dem massge-

benden ausgeglichenen Stellenmarkt (Art. 16 ATSG) altersunabhängig 

nachgefragt. Zudem ist der Beschwerdeführer Schweizer Bürger (VB 11 

S. 1), was sich, statistisch betrachtet, ebenfalls lohnerhöhend auswirkt (vgl. 

LSE-Tabelle T12b, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert und Quartilbereich], 

Schweizer/innen und Ausländer/innen, nach beruflicher Stellung und Ge-

schlecht des Jahres 2018). Bei einer Gesamtbetrachtung der zu berück-

sichtigenden einkommensmindernden und einkommenserhöhenden Um-

stände rechtfertigt sich somit kein leidensbedingter Abzug. Dies gilt auch 

für den Umstand, dass der Beschwerdeführer in einem Vollzeitpensum eine 

wegen vermehrten Pausenbedarfs reduzierte Arbeitsleistung erbringt. 

Nach der Rechtsprechung begründet dieser unter dem Aspekt des Be-

schäftigungsgrades keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesge-

richts 8C_627/2021 vom 25. November 2021 E. 5.1 mit Hinweisen). 

 

6.6. 

Die – von der Beschwerdegegnerin korrekt vorgenommene – Gegenüber-

stellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt somit keinen renten-

begründenden Invaliditätsgrad von 40 % oder mehr (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c 

IVG). 

 

  

 - 10 - 

 

 

7. 

Sofern der Beschwerdeführer eine Unverwertbarkeit seiner Restarbeitsfä-

higkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters geltend macht (vgl. Be-

schwerde S. 6 f.), ist er darauf hinzuweisen, dass, ausgehend von einem 

relevanten Alter von 57 Jahren und 8 Monaten (Zeitpunkt der Erstattung 

des SMAB-Gutachtens vom 9. November 2022; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4 

S. 462; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_720/2020 vom 8. Januar 

2021 E. 7.2 mit Hinweisen), eine Aktivitätsdauer bis zur ordentlichen Pen-

sionierung von etwas mehr als 7 Jahren verbleibt. Das ordentliche Renten-

alter ist dabei bereits aufgrund der Tatsache massgeblich, dass die Rest-

erwerbsdauer in einer angepassten Tätigkeit zu berücksichtigen ist (wobei 

verschiedene Branchen in Frage kommen) und nicht diejenige, die ohne 

Gesundheitsschaden in der angestammten Tätigkeit im Baugewerbe be-

standen hätte. Eine allfällige sich aus dem Gesamtarbeitsvertrag für den 

flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe (GAV FAR) ergebende Über-

brückungsleistung für den Beschwerdeführer bei einem Altersrücktritt mit 

60 Jahren bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters und die 

dadurch theoretisch verkürzte Resterwerbsdauer kann daher vorliegend 

nicht berücksichtigt werden. Unter Berücksichtigung der bundesgerichtli-

chen Praxis, welche generell relativ hohe Hürden zur Annahme einer Un-

verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit älterer Menschen aufstellt (vgl. 

etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E. 5; 

8C_117/2018 vom 31. August 2018 E. 3.2 und 3.3.4), steht das Alter des 

Beschwerdeführers der Verwertbarkeit seiner Resterwerbsfähigkeit auf 

dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 und 7 Abs. 1 ATSG; BGE 148 V 

174 E. 9.1 S. 188) nicht entgegen. 

 

8. 

Somit hat die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerde-

führers mit Verfügung vom 13. Juni 2023 im Ergebnis zu Recht abgewie-

sen. 

 

9. 

9.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

9.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da diesem die unentgeltliche 

Rechtspflege bewilligt wurde, sind die Kosten einstweilen lediglich vorzu-

merken.  

 

 - 11 - 

 

 

9.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als 

Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch 

auf Parteientschädigung zu. Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter wird das 

angemessene Honorar nach Eintritt der Rechtskraft des versicherungsge-

richtlichen Urteils aus der Obergerichtskasse zu vergüten sein (Art. 122 

Abs. 1 lit. a ZPO i.V.m. § 34 Abs. 3 VRPG). 

 

9.4. 

Es wird ausdrücklich auf Art. 123 ZPO verwiesen, wonach eine Partei, der 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung der vor-

gemerkten Gerichtskosten sowie der dem Rechtsvertreter ausgerichteten 

Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege werden sie 

einstweilen vorgemerkt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

4. 

Das Honorar des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird richterlich auf 

Fr. 3'300.00 festgesetzt. 

 

Die Obergerichtskasse wird gestützt auf § 12 Anwaltstarif angewiesen, dem 

unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Dr. iur. Urs 

Oswald, Rechtsanwalt, Bremgarten AG, nach Eintritt der Rechtskraft das 

Honorar von Fr. 3'300.00 auszurichten. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

 - 12 - 

 

 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 5. März 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin:  Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

 

Peterhans Biehler