# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d038417-e510-55c2-bcd9-ba7775758390
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.06.2020 E-1144/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1144-2018_2020-06-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1144/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Jean-Pierre Monnet,    

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

amtlich vertreten durch MLaw Michèle Künzi,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 23. Januar 2018 / N (…). 

 

 

 

E-1144/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Angehöriger des (…), (…), (…), mit letztem 

Wohnsitz in B._______, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge im (…) 2015 und gelangte am 10. August 2016 in die Schweiz. Glei-

chentags stellte er – als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA) 

– im Empfangs- und Verfahrenszentrum C._______ ein Asylgesuch. Dort 

wurde er am 17. August 2016 zu seiner Person befragt (Befragung zur Per-

son, BzP, Protokoll in den SEM-Akten: A5/14).  

A.b Am 20. Oktober 2016 ordnete die Kindes- und Erwachsenenschutz-

behörde (KESB) D._______ für den Beschwerdeführer eine Vertretungs-

beistandschaft an. Am 3. November 2016 zeigte die mandatierte Rechts-

vertreterin die Übernahme der Rechtsvertretung im vorliegenden Fall an. 

A.c Am 20. Dezember 2016 und am 21. Februar 2017 wurde der Be-

schwerdeführer zu seinen Asylgründen angehört (Protokolle in den SEM-

Akten: A16/16 [nachgehend erste Anhörung] und A21/24 [nachgehend er-

gänzende Anhörung]). Beide Anhörungen fanden in Anwesenheit der 

Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers sowie seiner Tante als Begleit-

person statt.  

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im 

Rahmen seiner Befragungen im Wesentlichen vor, der Minderheitengruppe 

der (…) anzugehören, keine Schulbildung erhalten zu haben und ab dem 

neunten Lebensjahr als Schuhputzer tätig gewesen zu sein. Am 5. Januar 

2015 sei er in B._______ von Soldaten der somalischen Regierung aufge-

griffen und während dreier Monate militärisch ausgebildet worden.  

Er sei vorwiegend in der Küche tätig gewesen, habe beim körperlichen 

Training aber auch mitmachen müssen. Selbst als er krank geworden sei, 

sei er gezwungen worden, bei der Ausbildung aktiv mitzuwirken. Bei 

Verstössen gegen die Regeln, seien die Rekruten hart bestraft worden. 

Auch er selbst sei mehrmals geschlagen worden. Teilweise hätten sie zur 

Bestrafung auch Holzgewichte tragen und unter der Sonne ins Kies liegen 

müssen oder sie seien mit Öl begossen worden. Am 15. März 2015 sei die 

Militärkaserne von Mitgliedern der Al-Shabaab (eine militante islamistische 

Bewegung in Somalia) angegriffen und er sowie weitere Jugendliche seien 

von diesen mitgenommen worden. Unter der Androhung von Enthauptung 

und unter Zufügung von schweren Misshandlungen (unter anderem sei 

E-1144/2018 

Seite 3 

sein Ellenbogen gebrochen worden), sei er von der Al-Shabaab gezwun-

gen worden, Informationen zu den Personen preiszugeben, welche ihn da-

mals rekrutiert und ausgebildet hätten. Aufgrund der zugefügten Gewalt sei 

er dieser Forderung nachgekommen und habe den Namen des Führers 

seiner Einheit sowie eines weiteren Soldaten bekannt gegeben. Beide wür-

den dem Mehrheitsclan der (…), angehören. 

Nach einer Woche Gefangenschaft sei der Aufenthaltsort der Al-Shabaab 

am 23. März 2015 von der Luft aus bombardiert worden. Ein Geschoss sei 

hinter ihm eingeschlagen, so dass er Metallsplitter im Gesicht und auf den 

Rücken bekommen habe. Er habe daraufhin sein Bewusstsein verloren. 

Die Explosion habe zudem ein Feuer verursacht, weshalb er sich eine 

Brandverletzung am rechten Fuss zugezogen und in der Folge sein Be-

wusstsein verloren habe. Da die Al-Shabaab abgelenkt gewesen seien, 

hätten ihn drei andere Jugendliche vom Ort, wo sie festgehalten worden 

seien, weggebracht. Da er allerdings so schwer verletzt gewesen sei, hät-

ten sie ihn auf einem Termitenhügel liegen lassen. Dort sei er am nächsten 

Morgen von einem alten Nomaden gefunden worden. Dieser habe ihn mit-

genommen und bei sich zu Hause vier Monate lang gepflegt. Im August 

2015 seien sie gemeinsam in ein Dorf namens Boley gegangen, um Ein-

käufe zu tätigen. Auf dem Markt habe er einen Bekannten gesehen. Dieser 

habe ihm mitgeteilt, dass die beiden von ihm der al-Shabaab genannten 

Personen getötet worden seien. Deshalb sei er von der Regierung und den 

Clanangehörigen der Getöteten gesucht und sein Vater sei verhaftet wor-

den. Der Bekannte habe ihm in der Folge zur Flucht verholfen.  

C.  

Am 25. Oktober 2017 wurde durch die Fachstelle LINGUA im Rahmen ei-

nes Telefongesprächs eine linguistische und landeskundliche Analyse 

durchgeführt. Das LINGUA-Gutachten vom 11. Dezember 2017 kam zum 

Schluss, dass der Beschwerdeführer definitiv aus B._______ stamme.  

D.  

Am (…) wurde der Beschwerdeführer volljährig. 

E.  

Mit Verfügung vom 23. Januar 2018 – eröffnet am 24. Januar 2018 – stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an. Gleichzeitig wurde er aufgrund des als unzumutbar einge-

schätzten Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz aufgenommen.  

E-1144/2018 

Seite 4 

F.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin an das Bundesverwaltungsgericht 

vom 22. Februar 2018 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die 

Verfügung der Vorinstanz und beantragte, diese sei aufzuheben und ihm 

sei die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu gewähren.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und um Beiordnung der mandatieren Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin.  

Der Beschwerde legte er einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlings-

hilfe vom 9. September 2015 sowie Zeitungsauszüge aus der (…), in frem-

der Sprache, bei. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. April 2018 hiess die vormals zuständige In-

struktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und ordnete dem Beschwerdeführer die mandatierte Rechtsvertreterin als 

amtliche Rechtsbeiständin bei.  

H.  

H.a Mit Eingabe vom 12. April 2018 lud das Bundesverwaltungsgericht das 

SEM ein, zur Beschwerde eine Vernehmlassung einzureichen.  

H.b Das SEM liess sich am 20. April 2018 vernehmen.  

H.c Mit Replik vom 9. Mai 2018 nahm der Beschwerdeführer zu Vernehm-

lassung Stellung.  

I.  

Mit Eingabe vom 27. September 2018 reichte der Beschwerdeführer einen 

psychiatrisch-psychotherapeutischen Arztbericht von Dr. med. E._______, 

Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 24. September 2018 

zu den Akten. Als Diagnosen stellte die Ärztin eine Posttraumatische Be-

lastungsstörung (PTBS; ICD-10: F43.1), chronische Schmerzstörungen mit 

organischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) und Opfer von 

Bürgerkrieg, Gefangennahme, Entführung und Folterung (ICD-10: Z65.4, 

Z65.5).  

  

E-1144/2018 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

  

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Seite 6 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der Ablehnung des Asylgesuchs führte das SEM im 

Wesentlichen aus, angesichts der mehrfachen Verletzung der Mitwirkungs-

pflicht, der Abwesenheit von überprüfbaren Tatsachen und aussagekräfti-

gen Beweismitteln und der insgesamt wenig plausiblen Asylbegründung 

müsse davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer habe seine 

Heimat aus anderen Gründen und unter anderen Umständen verlassen, 

als er zu Protokoll gegeben habe.  

Insbesondere habe er während der Befragungen den Eindruck erweckt, 

dass er sprachliche Schwierigkeiten vorschiebe, um daraus Vorteile für 

sein Asylgesuch ziehen zu können. So habe er bei der BzP geltend ge-

macht (…) zu sprechen und die Dolmetscherin gebeten langsam zu spre-

chen, habe die Befragung dann aber ohne sichtbare Schwierigkeiten 

durchführen können. In der ersten Anhörung habe er dann wiederum be-

stritten, den Dolmetscher zu verstehen und behauptet, die Übersetzung 

auch bei der BzP nicht problemlos verstanden zu haben. Erst als der Be-

frager mit dem Abbruch der Anhörung gedroht habe, habe er eingelenkt.  

In der Folge habe die Kommunikation gut funktioniert. Das LINGUA-Gut-

achten vom 11. Dezember 2017 bestätige im Übrigen, dass das Standard-

Somali des Beschwerdeführers bis auf kleinere grammatikalische Fehler 

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Seite 7 

erwartungsgemäss gut sei. Die Vorbringen, einem Minderheiten-Clan an-

zugehören und aus der untersten sozialen Schicht ohne Schulbildung zu 

stammen, seien nicht glaubhaft, zumal er einen sehr gewandten Umgang 

mit Zahlen, Daten und schriftlichen Erzeugnissen offenbart habe. Seine 

Tante, Onkel und Mutter würden gemäss seinen Aussagen zwar dem Clan 

der (…) angehören, betreffend die besonderen Umstände einer Heirat un-

ter Ungleichen habe er aber nur stereotype Angaben machen können. Be-

züglich des Verwandtschaftsgrades und der Kontakte zur Tante habe er 

sich sodann in Widersprüche verstrickt. Die durch den LINGUA-Experten 

zu seinen Gunsten festgestellten Angaben zu seiner Herkunft und der 

Sprache würden nichts an den Ungereimtheiten ändern. 

Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, die vorgebrachten 

Ausreisegründe zu bestätigen, zumal die Geburtsurkunde nicht wie be-

hauptet, ein Original darstelle und eine Totalfälschung sein könnte. Insbe-

sondere würden die zu den Akten gereichten Arztberichte widerlegen, dass 

sich in seinem Körper, wie angegeben, Metallsplitter befinden würden. Die 

Ellenbogenprobleme seien offenbar nicht auf einen schlecht verheilten 

Bruch zurückzuführen, sondern würden eher entzündlicher Art zu sein 

scheinen. Der eingereichte Link und der Zeitungsartikel stünden mit der 

Sachverhaltsschilderung nicht im Zusammenhang. Die Eingaben erweck-

ten damit den Eindruck, als würde der Beschwerdeführer beliebige Ereig-

nisse und medizinische Probleme als Belege für seine Asylgeschichte zu 

instrumentalisieren versuchen. 

Es komme hinzu, dass sich die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Ereignisse um die Stürmung der Militärbasis und den Luftangriff auf das 

Lager der al-Shabaab in den für das SEM zugänglichen Dokumentation 

über militärische Zwischenfälle in der Region Bay nicht nachweisen lies-

sen. Eine Recherche habe keinerlei Übereinstimmung – auch nicht in örtli-

cher oder zeitlicher Nähe – ergeben, so dass der Verdacht entstehe, der 

Beschwerdeführer erfinde Ereignisse nach Belieben. Das Hauptvorbringen 

erscheine denn auch nicht plausibel. Zunächst erscheine fraglich, wie die 

Behörden überhaupt auf ihn als Verantwortlichen für die Ermordung der 

Offiziere hätten kommen können. Angesichts seiner verzweifelten Situation 

erscheine es aber auch nicht nachvollziehbar, dass die Behörden ihn als 

Verantwortlichen für den Tod seiner Offiziere betrachten würden, zumal er 

kaum delikate Informationen preisgegeben habe. Insgesamt erscheine 

seine Geschichte überfrachtet und konstruiert, und es sei kaum nachvoll-

ziehbar, dass an sich bereits unwahrscheinliche Ereignisse – wie eine 

Zwangsrekrutierung und anschliessende Ausbildung, eine Entführung aus 

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einem Militärlager durch die AI-Shabaab, ein folgender Luftangriff und die 

folgende abenteuerliche Rettung aus der Gefangenschaft, das Auffinden 

und die mehrmonatige Pflege durch eine ihm unbekannte Person sowie 

das zufällige Treffen eines Bekannten in einer peripher gelegenen Klein-

stadt – sich innerhalb kurzer Zeit in einem ansonsten offenbar unbewegten 

Leben kulminieren sollten. 

4.2 Dem wurde in der Beschwerde entgegengehalten, dass die Ausführun-

gen des Beschwerdeführers sehr wohl glaubhaft ausgefallen seien. So 

habe er seine Geschichte in den Anhörungen lebensnah und eindrücklich 

geschildert. Seine Erzählungen seien geprägt von Realkennzeichen, und 

es hätten sich keine nennenswerten Aussagewidersprüche ergeben. Es sei 

nicht nachvollziehbar, dass das SEM seine Schilderungen als überladen 

und konstruiert einschätze. Der Beschwerdeführer sei seiner Mitwirkungs-

pflicht sodann klar nachgekommen. 

Die von der Vorinstanz dargelegten Einwände seien nicht stichhaltig bezie-

hungsweise erklärbar. Das SEM sei seiner Pflicht zur Berücksichtigung der 

besonderen Aspekte der Minderjährigkeit, welche es in Verfahren mit UMA 

zu garantieren habe, nicht nachgekommen. Insbesondere habe sich der 

Befrager gegenüber dem Beschwerdeführer nicht neutral verhalten und 

der Befragungsstil sei nicht «UMA-konform» ausgefallen. Auch bei der 

Würdigung der Vorbringen müsse dem Alter Rechnung getragen werden, 

was nicht erfolgt sei. Zudem sei das SEM auch mit keinem Wort auf die 

Feststellungen der Hilfswerksvertretung und des Arztes eingegangen, wo-

nach der Beschwerdeführer traumatisiert sei. 

Was die eingereichten Beweismittel betreffe, so dürfe das SEM nicht die 

mit schweizerischen Standards vergleichbaren Massstäbe verlangen. In 

Somalia bestehe keine einheitliche Registrierung der Geburten; die Ver-

waltungen würden seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1991 nicht mehr 

funktionieren, weshalb die Behörden nicht imstande seien, offizielle Doku-

mente auszustellen. Der Beschwerdeführer habe die Geburtsurkunde über 

seinen Onkel mütterlicherseits besorgt, welcher diese für ihn habe ausstel-

len lassen. Dies ergebe sich so auch aus dem Dokument. Der Beschwer-

deführer habe mit der Beschaffung der Urkunde versucht, seiner Mitwir-

kungspflicht nachzukommen, wohingegen das SEM mit der Qualifikation 

des Dokuments als Totalfälschung einseitig nach Elementen suche, die ge-

gen den Beschwerdeführer sprechen könnten und damit den Eindruck der 

Voreingenommenheit erwecke. 

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Auch der Einwand betreffend die Sprache erscheine voreingenommen. 

Das LINGUA-Gutachten bestätige, dass die Muttersprache des Beschwer-

deführers (…) sei. Die Hilfswerksvertretung habe ebenfalls auf die Verstän-

digungsschwierigkeiten hingewiesen. Der Beschwerdeführer habe diese 

damit erklärt, dass der Dolmetscher der ersten Anhörung aus dem äthiopi-

schen Ogaden-Gebiet gestammt habe und entsprechend eine Varietät des 

Somali spreche und kein (…) verstehe. Die Dolmetscherin an der BzP 

stamme hingegen aus (…)somalia und habe seinen Dialekt verstanden. 

Dies sei auch bei der Dolmetscherin der ergänzenden Anhörung der Fall 

gewesen. Der Dolmetscher in der ersten Anhörung habe sich eindeutig zu 

parteiischen und wertenden Aussagen hinreissen lassen, indem er zum 

Bespiel gesagt habe, dass es auch Nigerianer gebe, welche sich als So-

malis ausgeben würden. Die ersten Fragen der Anhörung seien denn auch 

sehr angriffig gestellt worden. Der Beschwerdeführer habe dabei jedoch 

lediglich geltend gemacht, dass das Standard-Somali nicht seiner Mutter-

sprache entspreche und er Angst habe, etwas nicht zu verstehen. Bereits 

in der BzP habe er erklärt, dass die Dolmetscherin auf Somali langsam 

sprechen solle, damit er folgen könne. Dies sei auch der Grund gewesen, 

weshalb er seine Tante zur Anhörung mitgenommen habe. Sowohl hier in 

der Schweiz als auch auf der Flucht habe er sein Standard-Somali vertiefen 

können und spreche es immer besser.  

Die Angaben betreffend das Verwandtschaftsverhältnis zur Tante seien da-

mit begründbar, dass die Tante erst mit seiner Ankunft in der Schweiz vom 

Beschwerdeführer und ihrer Schwester (seine Mutter), welche nach der 

Heirat aus der Familie verstossen worden sei, erfahren habe. Die Mutter 

und die Tante hätten aber nur denselben Vater. Der in B._______ lebende 

Onkel, bei dem sich der Beschwerdeführer oft aufgehalten habe, sei ein 

gemeinsamer Verwandter. 2003 habe der damals rund (…)jährige Be-

schwerdeführer die Tante dort einmal gesehen; allerdings hätten sie von 

ihrer Verwandtschaft nichts gewusst und er habe erst später erfahren, dass 

dies seine Tante sei. Die Mutter habe den Beschwerdeführer erst als er 

gross gewesen sei über die schwierigen Familienverhältnisse aufgeklärt. 

Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz betreffend die Arztberichte seien 

gemäss Telefonat mit dem behandelnden Arzt vom 20. Februar 2018 halt-

los. Dass im Thorax keine Metallsplitter gefunden worden seien, heisse 

nicht, dass sich nicht ausserhalb dieser Körperregion solche befinden 

könnten oder sich diese bereits aus dem Körper herausgearbeitet hätten. 

Er spüre die Metallsplitter im Rücken und diese seien auch ertastbar. Ein 

ankylosierter Ellbogen schliesse einen vorangegangenen Bruch nicht aus. 

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Seite 10 

Vielmehr sei dem Arztbericht zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer 

eine «Ellbogenfraktur links angetan [worden sei], welche ohne ärztliche 

Versorgung ankylosiert» sei. Die Beschwerden seien gemäss Auskunft des 

behandelnden Arztes denn auch auf einen schlecht verheilten Bruch zu-

rückzuführen. Weiter habe er darauf hingewiesen, dass er den Beschwer-

deführer an eine Psychiaterin verwiesen habe, da er davon ausgehe, dass 

er schwer traumatisiert sei und unter einer Posttraumatischen Belastungs-

störung leide. Diese Vermutung sei bereits durch die Hilfswerkvertretung 

geäussert worden, worauf das SEM aber nicht eingegangen sei. Die Ver-

letzungen und die Traumatisierung würden klar für die Glaubhaftigkeit des 

Beschwerdeführers sprechen.  

Was den eingereichten Zeitungsartikel angehe, so sei der dort erwähnte, 

zusammen mit seiner Frau umgebrachte Friedensrichter im Militärlager 

B._______ Airport stationiert gewesen. Den Video-Link habe der Be-

schwerdeführer eingereicht, weil er mit einem der dort erwähnten Jugend-

lichen in B._______ rekrutiert worden sei und andere Jugendliche im zwei-

ten Lager in F._______ gesehen habe. Es sei aber richtig, dass das Video 

darüber hinaus keinen direkten Zusammenhang mit seinen Vorbringen auf-

weise. Selbst wenn das vom SEM ausgearbeitete Länderconsulting die be-

schriebenen Luftangriffe nicht erwähne, so bestätige die Recherche jeden-

falls, dass die Region um B._______ stark umkämpft sei. Die Tante des 

Beschwerdeführers habe sodann Kontakt zum Journalisten G._______ 

aufgenommen, welcher regelmässig für die nicht online verfügbare Wo-

chenzeitung (…) schreibe. Die beigelegten Artikel würden über die vom 

Beschwerdeführer erlebten Luftangriffe berichten.  

4.3 In der Vernehmlassung räumte das SEM ein, dass es anfangs der ers-

ten Anhörung zwar eine Verwirrung betreffend angeblicher Verständi-

gungsschwierigkeiten zwischen dem Beschwerdeführer und dem Dolmet-

scher entstanden sei. Daraus, dass der mit der Anhörung beauftragte SEM-

Mitarbeiter in seinen Fragen den Beanstandungen des Beschwerdeführers 

teilweise mit einer gewissen Verwunderung begegnet sei, könne jedoch 

nicht gefolgert werden, die Fragen seien aggressiv gestellt worden. Es 

stimme zwar und sei bedauerlich, dass sich der damals anwesende Dol-

metscher unbefugterweise zum Inhalt der Anhörung geäussert habe. Aus 

dem Protokoll gehe indessen nicht hervor, dass dadurch das Aussagever-

halten des Beschwerdeführers nachhaltig gestört worden wäre. Das SEM 

habe auf Gesuch der Rechtsvertreterin hin für die ergänzende Anhörung 

eine neue Dolmetscherin aufgeboten. Den besonderen Aspekten der Min-

derjährigkeit sei Rechnung getragen worden, zumal der Beschwerdeführer 

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Seite 11 

dazumal bereits (…) Jahre alt gewesen sei. Es stimme nicht, dass die An-

hörung kompliziert oder unpassend gewesen sei. Vielmehr könne man der 

Befragung an mehreren Stellen entnehmen, dass der SEM-Mitarbeiter die 

Fragen umformuliert habe, wenn der Beschwerdeführer damit Mühe be-

kundet habe. Er habe ihn sodann dazu aufgefordert, sich für seine Ausfüh-

rungen Zeit zu nehmen und sich nicht unter Druck zu fühlen. Schliesslich 

würden sich aus den Anhörungsprotokollen keine konkreten Hinweise er-

geben, dass der Beschwerdeführer traumatisiert sei oder seiner psychi-

schen Verfassung während der Befragung nicht hinreichend Rechnung ge-

tragen worden wäre.  

4.4 Der Beschwerdeführer führte in der Replik aus, das SEM übersehe, 

dass die anwesende Rechtsvertretung bereits im Protokoll vermerkt habe, 

dass der SEM-Mitarbeiter seine Ausführungen explizit in Zweifel gezogen, 

praktisch kein Blickkontakt zu ihm hergestellt und insgesamt keine Vertrau-

ensatmosphäre geherrscht habe. Auch der komplizierte Befragungsstil sei 

explizit moniert worden. Darüber hinaus würden sich den Protokollen wei-

tere Hinweise auf die fehlende Vertrauensatmosphäre ergeben und es sei 

auch nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer an der ergänzen-

den Anhörung nochmals seine ganze Geschichte habe wiederholen müs-

sen, was sehr belastend für ihn gewesen sei und den Eindruck vermittle, 

das SEM habe die Befragung dazu benutzt, Widersprüche zu provozieren.   

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer stellt in Frage, ob das SEM den zu beachtenden 

besonderen Verfahrensgarantien für unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende angemessen Rechnung getragen hat. Damit rügt er eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs, wobei sich auch die Frage stellt, ob der Sach-

verhalt hinreichend abgeklärt wurde. Da formelle Rügen unter Umständen 

geeignet sind, eine Kassation des Verfahrens zu begründen, sind diese 

vorab zu prüfen.  

5.2  

5.2.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-

sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte 

Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, 

sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), 

sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-

findung zu berücksichtigen. 

E-1144/2018 

Seite 12 

5.2.2 Ist eine asylsuchende Person – wie dies der Beschwerdeführer wäh-

rend des vorinstanzlichen Verfahrens noch war – minderjährig und unbe-

gleitet, so haben die Behörden spezifische verfahrensrechtliche Garantien 

zu beachten. Dies, um der besonderen Schutzbedürftigkeit der UMA Rech-

nung zu tragen und insbesondere sicherzustellen, dass sie hinreichend ge-

hört werden. Was die Anhörung betrifft, so hat diese in der Regel in Anwe-

senheit des gesetzlichen Vertreters oder der Vertrauensperson zu erfolgen. 

Die anhörende Person hat zudem dafür zu sorgen, dass den besonderen 

Aspekten der Minderjährigkeit Rechnung getragen wird (Art. 7 Abs. 5 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Dabei sind 

insbesondere das Alter und der Reifegrad und gegebenenfalls spezifische 

Verletzlichkeiten der UMA zu berücksichtigen. Sollte dies für das Wohlbe-

finden der UMA während der Anhörung angezeigt sein, sind geeignete 

Massnahmen zu treffen. Das SEM hat unter anderem in Bezug auf die Art 

und Weise der Befragung gewisse Regeln zu beachten. Ein grosses Au-

genmerk ist im Rahmen der Anhörung auf eine den UMA gerecht werdende 

Atmosphäre ab Beginn der Anhörung und eine empathische Haltung der 

befragenden Person – sowie insgesamt auf ein vertrauensvolles Klima – 

zu richten, das es den UMA ermöglichen soll, vom Erlebten zu berichten. 

Zu diesem Zweck soll die Vorinstanz den UMA bereits zu Beginn der An-

hörung in einer altersgerechten Sprache das Ziel der Befragung sowie die 

darauf anwendbaren Regeln erläutern. Ferner soll es ihr alle Personen, die 

an der Anhörung mitwirken, vorstellen und deren Rolle erklären. Die UMA 

sollen zu den sie im Verfahren unterstützenden Personen Vertrauen auf-

bauen können. Dazu ist es notwendig, dass die befragende Person das 

Verhalten der UMA während der Anhörung beobachtet und jede Form der 

nonverbalen Kommunikation vermerkt. Auch hat sie sich um eine wohlwol-

lende und neutrale Haltung zu bemühen. Insbesondere in einer ersten 

Phase sollten die Fragen sodann offen formuliert werden, um einen freien 

Bericht zu fördern (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/30 E. 2.3 m.w.H.).  

5.2.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG, Art. 13 VwVG). Die 

Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch ge-

würdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/ 

HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043).  

E-1144/2018 

Seite 13 

5.3 Die soeben dargelegten Grundsätze an ein Verfahren eines UMA wur-

den vorliegend kaum eingehalten: 

5.3.1 Zunächst ist festzustellen, dass von der Vorinstanz nicht in Frage ge-

stellt wurde, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen unbegleiteten 

Minderjährigen (vgl. Art. 1a Bst. d AsylV 1) handelt. Was die Verständi-

gungsschwierigkeiten bei den Befragungen betrifft, so gibt es aufgrund der 

Akten keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Muttersprache des Be-

schwerdeführers (…) ist. Darauf hatte er von Anfang an hingewiesen (vgl. 

Personalienblatt [SEM-Akte 1/2] S. 1; A5 S. 1; Schreiben vom 12. Dezem-

ber 2016), und seine Herkunft aus B._______ gilt aufgrund des vom SEM 

in Auftrag gegebenen LINGUA-Gutachtens als gesichert. Gemäss dem 

LINGUA-Experten ist (…) in dieser Region die vorherrschende Sprache 

und angesichts der in der somalischen Sprache des Beschwerdeführers 

enthaltenen Fehler und seines Akzents, gehe er davon aus, dass dessen 

Muttersprache, wie von ihm angegeben, (…) sei. Dem Gutachten ist auch 

zu entnehmen, dass sein Somali, wie es bei Personen aus dieser Region 

zu erwarten sei, der (…)-Varietät entspricht (vgl. ebd. S. 9 f.).  

5.3.2 Bei UMA ergeben sich im Asylverfahren oft Verfahrenssituationen, 

die sie aufgrund ihrer altersbedingten Unerfahrenheit überfordern und  

denen sie umso weniger gewachsen sind, je mehr sich der Kultur- und 

Rechtskreis, aus dem sie stammen, vom schweizerischen unterscheidet, 

und je weniger sie die Sprache verstehen, in welcher das Verfahren geführt 

wird. Beherrscht ein Beschwerdeführer die an der Anhörung gewählte 

Sprache nicht, so ist ihm eine Mitwirkung nicht zuzumuten (vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  

[EMARK] 1998 Nr. 13 E. 4.b.ee S. 94; 1993 Nr. 36 E. 4.b und d). Vor- 

liegend ist zwar davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in 

Somali verständigen und die Anhörung – auch dank der Anwesenheit der 

Tante, welche unterstützend eingreifen konnte – in dieser Sprache durch-

geführt werden konnte. Es ist aber naheliegend, dass es für ihn einfacher 

gewesen wäre, über die ohnehin schwierigen Erlebnisse in seinem Hei-

matland in seiner Muttersprache berichten zu können. Seine Erklärung, die 

Dolmetscherin der BzP und der ergänzenden Anhörung hätten aus (…)-

somalia gestammt (wo gemäss LINGUA-Bericht im Somali der (…)-Dialekt 

vorherrscht; vgl. ebd. S. 5), während der Dolmetscher der ersten Anhörung 

aus Äthiopien beziehungsweise aus dem Ogaden-Gebiet komme (wo der 

Darood-Dialekt vorherrschend ist; vgl. ebd.), weshalb ihm die Verständi-

gung bei dieser Befragung noch schwieriger gefallen sei, ist sodann über-

zeugend (vgl. A21 F4; Beschwerde S. 5 f.). Dass der Beschwerdeführer 

E-1144/2018 

Seite 14 

seine Sprache vorschob, um für sein Verfahren ungerechtfertigte Vorteile 

abzuleiten, ist den Akten nicht zu entnehmen. Nachdem er das SEM weder 

über seine Herkunft noch über seine Sprache getäuscht hat, ist der vo-

rinstanzliche Vorwurf der Verletzung der Mitwirkungspflicht unberechtigt.  

5.3.3 Hinzu kommt, dass sich – entgegen der Ansicht des SEM – aus den 

Akten deutliche Hinweise auf eine Traumatisierung des Beschwerdefüh-

rers ergeben (vgl. Arztbericht von Dr. med. H._______, Facharzt FMH, vom 

3. November 2016 S. 1 [SEM-Akten A22]; Stellungnahme der Hilfswerks-

vertretung [A21 Unterschriftenblatt der Hilfswerkvertretung]; Arztbericht 

von Dr. med. E._______, a.a.O., vom 24. September 2019, S. 1 ff.) und er 

geltend macht, als 15-Jähriger Opfer einer behördlichen Zwangsrekrutie-

rung geworden zu sein und massive Gewalt erfahren zu haben, was vom 

Gericht als glaubhaft erachtet wird (vgl. nachgehend E. 6). Auch wenn er 

bei der Anhörung bereits 17-jährig und damit in seiner Entwicklung bereits 

weiter fortgeschritten war, wären die gesundheitliche Vulnerabilität und die 

sprachbedingten Nachteile durch einfache, behutsame Fragen und die 

Schaffung einer besonders vertrauenswürdigen Atmosphäre auszuglei-

chen gewesen. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, 

dass sich bei zwangsrekrutierten Kindern und Jugendlichen spezielle völ-

kerrechtliche Verpflichtungen für die Schweizer Behörden ergeben (vgl. 

insbes. Art. 6 Abs. 3 des von der Schweiz ratifizierten Fakultativprotokoll 

zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteili-

gung von Kindern an bewaffneten Konflikten vom 25. Mai 2000; SR 0.107.1 

[Fakultativprotokoll zur KRK]). 

5.3.4 Dass auf die besondere Situation des minderjährigen Beschwerde-

führers eingegangen worden wäre, ist den Anhörungsprotokollen nicht zu 

entnehmen. Weder in der ersten noch in der ergänzenden Anhörung wur-

den einleitende Fragen des SEM zu Beginn der Befragung – etwa nach 

seinem Befinden, dem bisherigen Verlauf in der Schweiz oder Ähnlichem 

– gestellt (vgl. A16 F1 ff., A21 F1 ff.), welche darauf abzielten, eine Vertrau-

ensbasis aufzubauen. Der in der Beschwerde erhobene Einwand, dass 

sich der Dolmetscher der ersten Anhörung in wertender Weise über den 

Beschwerdeführer geäussert hat und die von ihm verlangte Objektivität 

vermissen liess, wird vom SEM nicht bestritten (vgl. Beschwerde S. 4 und 6 

sowie auch die im Nachgang der Anhörung eingereichte Stellungnahme 

der Rechtsvertretung vom 21. Dezember 2016 [vgl. SEM-Akte A17/2]). In 

der Vernehmlassung räumt die Vorinstanz vielmehr ein, es stimme und sei 

bedauerlich, dass der damals anwesende Dolmetscher sich unbefugter-

weise zum Inhalt der Anhörung geäussert habe (vgl. ebd. S. 2). Was die 

E-1144/2018 

Seite 15 

Haltung des Sachbearbeiters betrifft, lässt sich aus den Anhörungsproto-

kollen zwar per se nicht auf einen aggressiven Befragungsstil schliessen; 

er anerkennt jedoch selbst, zu Beginn auf die (wie dargelegt berechtigten) 

Beanstandungen des Beschwerdeführers «mit einer gewissen Verwunde-

rung» reagiert zu haben (ebd.). Die Fragen zur Sache wurden zudem nicht, 

wie es vor allem in der ersten Phase der Befragung angezeigt wäre, offen 

gestellt, sondern richteten sich einschränkend auf spezifische Themen und 

förderten damit das freie Berichten nicht (vgl. A16 F11 ff., A21 F2 ff.). Dass 

der Sachbearbeiter die Erzählungen des Beschwerdeführers an besonders 

schwierigen Stellen der Sachverhaltsgeschichte mit Fragen unterbrach 

(vgl. z.B. A21 F74) oder auf emotionale Regungen nicht in erkennbarer 

Weise einging (vgl. A21 F48 und F151) lässt nicht auf die emphatische 

Haltung schliessen, welche bei der Befragung eines UMA erforderlich ist. 

Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle auf die Stellungnahme der 

Hilfswerksvertretung sowie auf die von der Rechtsvertretung am Schluss 

der ergänzenden Anhörung angebrachte Bemerkung hinzuweisen, in wel-

chen ein fehlender Blickkontakt sowie ein unangemessener Befragungston 

seitens des Sachbearbeiters moniert wurde (vgl. A21 F149, Unterschriften-

blatt der HWV).  

5.3.5 An mehreren Stellen der Befragungen wird sodann offensichtlich, 

dass der Beschwerdeführer Mühe hatte, die Fragen zu verstehen oder so-

gar überfordert schien. Der Vorwurf in der Beschwerde, wonach die Frage-

stellungen teilweise kompliziert ausgefallen seien, ist berechtigt (vgl. z.B. 

A16 F40, F42, F78 f.; A21 F8–12, F15, F13–27, F71, F73 f., F87 ff.). Ins-

besondere versuchte der Sachbearbeiter den Beschwerdeführer in der er-

gänzenden Anhörung wiederholt zu einem Perspektivenwechsel zu bewe-

gen, womit der Minderjährige offenkundig überfordert war (vgl. z.B. A21 

F7 f., F11 f., F28, F36–38, F41 f.). Nachdem die erste Anhörung (am frühen 

Nachmittag) nicht aus einem aus den Akten erkennbaren Grund unter- 

brochen wurde (vgl. A16 F77), ist sodann nicht nachvollziehbar, weshalb 

das SEM in der ergänzenden Anhörung nicht einfach die Erstellung des 

Sachverhalts weiterführte, sondern den Beschwerdeführer das bereits Dar-

gelegte noch einmal erzählen liess (vgl. insbes. A21 F13–27). Im Verlauf 

dieser Anhörung forderte ihn der Sachbearbeiter zur gleichen Frage teil-

weise sogar mehrmals auf, seine Ausführungen noch einmal zu konkreti-

sieren, obwohl die vorigen Antworten bereits detailliert ausfielen (vgl. 

z.B. A21 F27–39, F41–49, F73–76, F83–86, F94 f.). Ob der in der  

Beschwerde erhobene Einwand, ein solches Verhalten erwecke den Ein-

druck, als wollte der Sachbearbeiter Widersprüche provozieren, berechtigt 

E-1144/2018 

Seite 16 

ist, muss nicht abschliessend geprüft werden; es ist zumindest nahelie-

gend, dass eine solche Befragungsweise für eine minderjährige Person 

verunsichernd sein kann, was an mehreren Stellen des Protokolls zum 

Ausdruck kommt (vgl. insbes. A21 F15 f., F19, F20, F22 ff., F48 f.). Unter 

den aufgezeigten Umständen dauerte die ergänzende Anhörung sodann 

insgesamt achteinhalb Stunden, was für eine minderjährige Person offen-

kundig zu lange ist.  

5.3.6 Nach dem zuvor Gesagten ist festzustellen, dass sowohl bei der ers-

ten als auch bei der ergänzenden Anhörung die nötige Atmosphäre und die 

erforderliche Neutralität, in welcher ein traumatisierter Jugendlicher gegen-

über den anwesenden erwachsenen Fachpersonen Vertrauen aufbauen 

könnte, nicht gegeben war.  

5.4 Es stellt sich unter diesen Umständen die Frage, ob aufgrund dieser 

Mängel der Sachverhalt als hinreichend erstellt betrachtet werden kann.  

5.4.1 Aufgrund der Anhörungsprotokolle ist zwar festzustellen, dass die 

Protokollierung der Aussagen des Beschwerdeführers aufgrund der nicht 

einwandfreien Verständigung an mehreren Stellen nur im Rahmen von 

Rückfragen des Dolmetschers oder durch Ergänzungen der anwesenden 

Tante gewährleistet werden konnte (vgl. A16 F76 S. 11; A21 F68; F42, F56, 

F72, F74, F83, F86, F96, F97, F99, F112, F114, F140, F144 ff.). Bei der 

Rückübersetzung der ergänzenden Anhörung räumte die Dolmetscherin 

bei der Beanstandung der Protokollierung der Frage 18 sodann ein, dass 

der Beschwerdeführer Vieles gesagt habe und sie nicht habe «Eins-zu-

Eins» übersetzen können (vgl. A21 S. 23), was weitere Fragen aufwirft. Es 

gibt auch zudem Hinweise auf Übersetzungsfehler beziehungsweise da-

rauf, dass das Protokoll an gewissen Stellen lückenhaft ist (vgl. A16 F76 

S. 11 versus A21 F72 [betreffend Toll anstatt (…)]; ausserdem A21 F139, 

F140, F144 ff.).  

5.4.2 Trotz dieser Besonderheiten ist den Protokollen aber eine insgesamt 

hinreichende Sachverhaltsschilderung zu entnehmen und dem Beschwer-

deführer ist es trotz der unvorteilhaften Befragungssituation gelungen, 

seine Ausreisegründe substanziiert darzulegen. So berichtete er sowohl 

bei der ersten als auch bei der ergänzenden Anhörung ausführlich über 

seine persönliche Situation und die Nachteile, die er in seinem Heimatstaat 

erfahren hat. Auf die Frage, was nach der Ausbildung im Rekrutie-

rungscamp passiert sei, antwortete der Beschwerdeführers beispielsweise 

über vier Protokollseiten hinweg in freier Rede (vgl. A16 F76 S. 10–13) und 

E-1144/2018 

Seite 17 

auch auf die mehrheitlich geschlossenen Fragen in der ergänzenden An-

hörung hin machte er regelmässig detaillierte Angaben (vgl. z.B. A21 F41, 

F51, F72, F83 f., F91 f.). Die Gesamtdauer aller Befragungen betrug mehr 

als 15 Stunden. Auf dieser Grundlage ist es möglich, ein vollständiges Bild 

über die Asylgründe des Beschwerdeführers zu erhalten und der rechts-

erhebliche Sachverhalt kann in diesem Sinne als hinreichend erstellbar 

qualifiziert werden.  

5.5 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt grundsätzlich in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise 

mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Die Wahl der Ent-

scheidform liegt weitgehend im pflichtgemässen Ermessen der Beschwer-

deinstanz, wobei die Urteilsform verhältnismässig und auf den jeweiligen 

individuell-konkreten Fall zugeschnitten sein muss. Eine Rückweisung 

kommt insbesondere dann in Betracht, wenn weitere Tatsachen festgestellt 

werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist 

(vgl. MADELEINE CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], VwVG-Kom-

mentar, 2. Aufl. 2019, Art. 61 Abs. 1 Rz. 10; PHILLIPE WEISSENBERGER / 

ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar 

VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG Rz. 16). 

Dies ist vorliegend nicht der Fall, da der Sachverhalt, wie zuvor dargestellt, 

als insgesamt hinreichend abgeklärt betrachtet werden kann. Inwiefern die 

oben erwähnten Mängel des erstinstanzlichen Verfahrens, für sich alleine 

oder insgesamt, eine Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz 

rechtfertigen würden, braucht hier nicht abschliessend geprüft zu werden. 

Nach einer Würdigung sämtlicher vorliegender Elemente, kommt das Ge-

richt nämlich zum Schluss, dass es die Entscheidreife selbst herstellen 

kann. Dem Beschwerdeführer erwächst mit einem reformatorischen Ent-

scheid schon deshalb kein Nachteil, weil die Beschwerde, wie gleich auf-

gezeigt wird, auch inhaltlich gutzuheissen ist.  

6.  

6.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. 

Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von 

ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, 

obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Entscheidend ist im Sinne einer 

Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachver-

E-1144/2018 

Seite 18 

haltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objek-

tivierte Sichtweise abzustellen (BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind 

insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet 

oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder 

massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-

den (Art. 7 Abs. 3 AsylG). 

Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im Rah-

men eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Realkenn-

zeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Differen-

zierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive verfälsch-

ten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, desto grös-

ser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem Erleben be-

ruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Person und die 

Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichtigen. Zu den 

Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsistenz, die un-

geordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der quantitative 

Detailreichtum, raum-zeitliche Verknüpfungen, die Wiedergabe von Ge-

sprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserungen der eige-

nen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken sowie die Schil-

derung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkeiten, unver-

standenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vorgängen 

(vgl. ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre 

Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL LUDEWIG / 

DAPHNA TAVOR / SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologische  

Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: AJP 

11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3 

E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). 

6.2 Nach einer Würdigung sämtlicher für und gegen die Glaubhaftigkeit der 

Schilderungen des Beschwerdeführers sprechenden Elemente, erachtet 

das Bundesverwaltungsgericht die geltend gemachten Asylgründe für 

überwiegend glaubhaft. 

6.2.1 Den Aussagen des Beschwerdeführers sind ungewöhnlich viele Re-

alkennzeichen zu entnehmen und zwar in Bezug auf alle für das Asylver-

fahren massgebenden Sachverhaltselemente: die behördliche Zwangsrek-

rutierung, den bei der Ausbildung erlebten Bestrafungsmethoden, der Ent-

führung durch Mitglieder der Al-Shabaab und die dort erlebte massive Ge-

walt sowie seine Flucht aus der Gefangenschaft und aus Somalia. Sowohl 

die Ausführungen bei der BzP als auch bei der ersten und ergänzenden 

E-1144/2018 

Seite 19 

Anhörung ergeben ein substanziiertes und widerspruchfreies Bild. Auch 

der Arztbericht vom 24. September 2019, welchem im Rahmen der ärztli-

chen Anamnese eine ausführliche Wiedergabe des vom Beschwerdeführer 

im Heimatland Erlebten zu entnehmen ist, lässt sich lückenlos in die bereits 

bei den Asylbehörden gemachten Aussagen einfügen. Obwohl die darin 

diagnostizierte schwere PTBS allein noch kein Beleg für die attestierten 

zugrunde gelegten Erfahrungen darstellt, kann der Bericht dennoch als In-

diz für die Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsdarstellung gewertet werden, 

zumal die von der Ärztin beschriebenen Erzählungen rund drei Jahre nach 

den Anhörungen des Beschwerdeführers im Rahmen des Asylverfahrens 

stattfanden. 

6.2.2 Auffallend bei den Schilderungen des Beschwerdeführers sind insbe-

sondere die vielen (auch unerwarteten) Details, welchen den Anhörungs-

protokollen zu entnehmen sind und zwar nicht nur in Bezug auf die Kern-

aussagen, sondern auch hinsichtlich scheinbar unwesentlicher Sachver-

haltselemente.  

6.2.3 Bei der Rekrutierung durch die behördlichen oder regierungsnahen 

Soldaten legt er nicht nur die relevanten Umstände ausführlich dar (vgl. 

A16 F74 S. 9; A21 F27 ff., F149), sondern beschreibt auch die Zeit der 

Festnahme (bei Sonnenuntergang, als er nach Hause habe gehen wollen), 

den genauen Ort der Rekrutierung (auf dem Weg nach Hause auf der as-

phaltierten Strasse an der I._______- und der J._______-Stelle) und den 

Ablauf lebensnah (vgl. A16 F74 S. 9; A21 F27, F39). Authentisch wirkt bei-

spielsweise die spontane Antwort auf die – an jener Stelle der ergänzenden 

Anhörung kaum zu erwartenden – Frage des Rechtsvertreters nach der 

Anzahl der Soldaten, welche ihn damals aufgegriffen hätten (vgl. A21 

F149). Auch die Umschreibung der beiden Ausbildungsorte, seiner Tätig-

keiten in der Küche sowie der von den Ausbildnern angewandten Bestra-

fungsmethoden weisen einen hohen Detailierungsgrad auf (vgl. A16 F74 

S. 9 f, F76 S. 10; A21 F27, F40, F51 f., F 62 f., F67 f.; A5 Ziff. 5.01 S. 9). 

Nicht nur Nebensächlichkeiten, wie etwa, dass sie bei der ersten Instruk-

tion durch die Soldaten auf rotem Sand gesessen seien und es heiss ge-

wesen sei (vgl. A21 F44 f.) oder es am zweiten Ort viele Läuse gehabt habe 

(vgl. A16 F76 S. 10), lassen die Erzählungen echt erscheinen. Auch der 

Umstand, dass er Situationen zu relativeren vermag (vgl. z.B. A21 F60 f.) 

sowie die Vielzahl an spontanen Verknüpfungen des Erlebten mit persön-

lichen Erinnerungen, zum Beispiel der Hinweis, die äthiopischen Soldaten 

habe man an einer Markierung «oben rechts» am T-Shirt erkannt (vgl. A21 

F58; weiter auch A16 F74 S. 10; A21 F51, F65), weisen auf selbst erlebte 

E-1144/2018 

Seite 20 

Erfahrungen hin. Die diversen Fragen des Sachbearbeiters namentlich zu 

seiner Einheit, dazu, wie sein Vorgesetzter geheissen habe und wie sie 

diesen gegrüsst hätten sowie wer die Personen gewesen seien, die ihn 

schlecht behandelt hätten, vermochte er alle, ohne Zögern zu beantworten, 

wobei er auch hier ungefragt und proaktiv weitere Details bekannt gab und 

das Erlebte teilweise mit Körpersprache untermauerte (vgl. A21 F56, F58, 

F59, F67 ff. F70, F74 S. 10). Die Schilderungen des Beschwerdeführers 

zur damaligen Situation in B._______ und der allgemeinen Lage fügen sich 

schliesslich in das durch die dem Gericht zugänglichen öffentlichen Quel-

len vermittelte Bild ein. So lässt sich diesen entnehmen, dass Zwangsrek-

rutierungen von Jugendlichen in Somalia nicht nur seitens der Al-Shabaab 

verbreitet sind, sondern auch durch das somalische Militär und ihre Ver-

bündeten vorkommen (vgl. insb. UNITED STATES DEPARTMENT OF STATE, 

Country Reports on Human Rights Practices for 2019, 

https://www.state.gov/wp-content/uploads/2020/03/SOMALIA-2019-HU-

MAN-RIGHTS-REPORT.pdf, alle Links zuletzt abgerufen am 21.4.2020, 

S. 1 und S. 12 f.). In der Zeit der geltend gemachten Zwangsrekrutierung 

des Beschwerdeführers im Januar 2015 wird zudem von politischen Span-

nungen und Demonstrationen in B._______ berichtet, was ebenfalls zur 

die Sachverhaltsschilderung des Beschwerdeführers passt (vgl. A16 F 74 

S. 9; A21 F28; insbes. EASO Country of Origin Information Report: Soma-

lia Security Situation, Februar 2016, S. 38 ff.; AllAfrica, […]).  

6.2.4 Die Aussagen in Bezug auf die Entführung durch die Al-Shabaab, die 

dort erlebten Misshandlungen sowie die nachfolgende Flucht aus dem 

Camp der islamistischen Miliz sind ebenfalls substanziiert und enthalten 

eine Vielzahl von Realkennzeichen, welche auf persönliche Erfahrungen 

hinweisen. Alles andere als stereotyp fällt etwa die Beschreibung aus, wie 

die Jugendlichen beim Angriff der behördlichen Militärbasis von den Al-

Shabaab-Kämpfern gezwungen worden seien, in eine Reihe zu stehen, er 

und vier weitere Personen aus dieser Reihe herausgenommen – und bevor 

sie mit dem Fahrzeug weggebracht – worden seien und noch hätten Waren 

aufladen müssen (vgl. A16 F76 S. 10 f.). Die Ergänzung, auch einige Al-

Shabaab-Mitglieder hätten beim Aufladen mitgeholfen (ebd.), wirkt eben-

falls lebensecht. Eindrücklich fällt auch auf, wie das Erlebnis, dass einem 

der entführten Soldaten der Kopf abgeschnitten und den Jugendlichen als 

Warnung gezeigt worden sei, offensichtlich in unterschiedlichem Kontext 

zum Referenzpunkt der Erinnerungen des Beschwerdeführers wird (vgl. 

A21 F77, F83, F79). Dass der Beschwerdeführer das Erlebte aus unter-

schiedlichen Blickwinkeln einzuordnen vermag, zeigt sich unter anderem 

E-1144/2018 

Seite 21 

an den kongruenten Antworten bei den Fragen in der ergänzenden Anhö-

rung (vgl. A21 F41 und F70), wo der Name der Person, welche getötet 

worden sei und welche ihn geschlagen habe, mit der Aussage in der der 

ersten Anhörung übereinstimmt, er habe jenen Namen bekannt gegeben, 

der sie oft beschimpft habe (vgl. A16 F76 S. 11). An mehreren Stellen 

zeigte er dem Sachbearbeiter sodann unaufgefordert Narben oder wies ihn 

auf Körperteile hin, von welchen er aufgrund der Schläge noch heute ge-

zeichnet ist (vgl. A21 F83, F84, F91). Auch die Umschreibung des Luftan-

griffs durch äthiopische Streitkräfte, welcher zur Befreiung aus dem Al-

Shabaab-Camp führte, sowie die nachgehende Flucht, enthalten viele le-

bensbasierte Eindrücke, unter anderem der Hinweis, dass er in jener Nacht 

aufgrund von Schmerzen nicht gut habe schlafen können und die spontane 

Verknüpfung der Geräusche, die er plötzlich gehört habe, mit einer Erinne-

rung aus vergangenen Tagen, als es in seiner Heimatregion zu Luftangrif-

fen gekommen sei (vgl. A21 F92; weitere Realkennzeichen: vgl. A5 Ziff. 

5.01 S. 9; A16 F76 S. 11 f.; A21 F72, F74, F83 f., F91 ff). 

6.2.5 Die Schilderung, wie er zusammen mit dem Nomaden, der ihm bei 

der Flucht geholfen habe, auf einem Markt einen Bekannten seiner Familie 

traf, scheint zwar auf den ersten Blick im Vergleich zu den soeben darge-

legten Aussagen etwas weniger substanziiert (vgl. z.B. A21 F14). Auch 

wirkt der Sachverhaltsvorhalt, wonach ein lokaler Radiosender den Namen 

des Beschwerdeführers bekannt gegeben und ihn im Beitrag spezifisch für 

die Tötung der somalischen Soldaten verantwortlich gemacht habe, was er 

über diesen Bekannten erfahren habe (vgl. A16 F76 S. 13), nicht nahelie-

gend. Die Darstellung, dass über das Radio in Erfahrung gebracht werden 

konnte, dass die entführten Jugendlichen insgesamt für die Tötung verant-

wortlich gemacht worden sind, wie es der Beschwerdeführer in der ergän-

zenden Anhörung nahelegt (vgl. A21 F12, F15, F18), erscheint hingegen 

nicht unwahrscheinlich. Immerhin lassen sich zumindest, wie zuvor festge-

stellt, in Bezug auf die Schilderung der von der Al-Shabaab erpressten In-

formationen, Realkennzeichen entnehmen (vgl. insb. A16 F76 S. 11; A21 

F10, F41, F70). Dies gilt auch für die Darstellung der Begegnung des Be-

schwerdeführers mit einem Bekannten, unter anderem der Hinweis auf die 

vielen Autos, die es beim Tiermarkt gehabt habe, dass er diese Person an 

einer religiösen Trauung kennen gelernt habe und, wie sie einander er-

kannt hätten, als der Blickkontakt entstanden sei (vgl. A16 F76 S. 13, A21 

F143 f.). Dass sein Vater nach seiner Flucht inhaftiert worden sei, erwähnte 

er sodann bereits bei der BzP und bestätigte dies an beiden Anhörungen 

(vgl. A5 Ziff. 7.01; A16 F76 S. 13; A21 F3 ff.). Es ist sodann festzustellen, 

E-1144/2018 

Seite 22 

dass sich gerade bei den diesbezüglichen Ausführungen einige Anhalts-

punkte für eine unvollständige Protokollierung ergeben (vgl. insbes. A21 

F15, F144–148). Angesichts des hier massgebenden Beweismasstabs 

dürfen gewisse Zweifel an einer Behauptung schliesslich bestehen bleiben, 

da es ausreicht, wenn sie das Gericht bei einer Abwägung der Gesamtum-

stände als überwiegend wahr ansieht. 

6.2.6 Im Rahmen dieser Gesamtabwägung ist festzustellen, dass ange-

sichts der Vielzahl der Realkennzeichen – welche oben im Übrigen noch 

nicht abschliessend dargelegt worden sind – die für die Glaubhaftigkeit des 

Beschwerdeführers sprechenden Elemente eindeutig überwiegen. Das 

SEM unterliess es indessen, diese bei seiner Glaubhaftigkeitsprüfung zu 

berücksichtigen und würdigte die wenigen, gegen die Glaubhaftigkeit spre-

chenden Punkte einseitig zu seinen Ungunsten. Die Argumente der Vor-

instanz vermögen dabei nicht zu überzeugen.  

So erscheinen etwa die vom SEM dargelegten angeblichen Ungereimthei-

ten zum Verwandtschaftsverhältnis des Beschwerdeführers und seiner 

Tante, gesamthaft betrachtet nicht wesentlich und sind angesichts des in 

der Beschwerde Dargelegten erklärbar (vgl. ebd. S. 6 f.). Dass die  

Vorinstanz nahelegt, aufgrund der fehlenden öffentlich zugänglichen Quel-

len bezüglich den geltend gemachten Luftangriffen, sei zu vermuten, dass 

der Beschwerdeführer Ereignisse nach Belieben erfinde, ist ein unzulässi-

ger Schluss. Zum einen heisst der Umstand, dass das SEM bei seinen 

Recherchen keine Belege für die vorgebrachten Ereignisse gefunden hat, 

noch nicht, dass solche nicht stattgefunden haben, zumal davon ausge-

gangen werden muss, dass über den kriegerischen Konflikt in (…)somalia 

nicht lückenlos berichtet wird. Zum anderen wurde bereits zuvor dargelegt, 

dass sich das Bild, das sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen ergibt, 

in die Schilderungen des Beschwerdeführers einfügen lassen. Die dort dar-

gelegten für den Beschwerdeführer sprechenden Erkenntnisse, welche 

zum Teil auch dem internen Länderconsulting zu entnehmen sind (vgl. 

SEM-Akte A25), blieben vom SEM jedoch ungewürdigt. Auch die Erkennt-

nisse aus den Arztberichten stehen der Sachverhaltsschilderung des Be-

schwerdeführers sodann nicht entgegen, und es wird im Rechtsmittel zu 

Recht darauf hingewiesen, dass der Umstand, wonach keine Metallsplitter 

im Thorax des Beschwerdeführers gefunden worden sind, nicht gegen die 

beschriebenen Schmerzen spricht. Es ist sodann richtig, dass der Arzt da-

rauf hinwies, dass die Entzündungen auf einen Ellbogenbruch in seinem 

Heimatland zurückzuführen sein könnten (vgl. Beschwerde S. 7 f.; Arztbe-

richt vom 3. November 2016, a.a.O., S. 1). Es erübrigt sich auf die weiteren 

E-1144/2018 

Seite 23 

Einwände des SEM einzugehen, da sie nicht geeignet sind, am Eindruck 

der insgesamt glaubhaft gemachten Sachverhaltsdarstellung etwas zu än-

dern. 

6.3 Im Ergebnis konnte der Beschwerdeführer demnach glaubhaft ma-

chen, dass er als Minderjähriger 2015 von behördlichen oder regierungs-

nahen Truppen zwangsrekrutiert wurde, um für den militärischen Kampf 

gegen die Al-Shabaab ausgebildet zu werden. Im Rahmen der Ausbildung 

wurde er durch Mitglieder der Al-Shabaab entführt und während dieser Ent-

führung Opfer massiver Gewalterfahrungen. Ebenfalls ist als überwiegend 

glaubhaft zu erachten, dass er den Mitgliedern der Al-Shabaab Namen  

somalischer Soldaten, welche dem (…)-Clan angehören, bekanntgab und 

diese im Anschluss an die Entführung der Jugendlichen von diesen getötet 

wurden. Bei dieser Sachlage ist auch das Vorbringen nachvollziehbar, dass 

die entführten Jugendlichen, inklusive der Beschwerdeführer, behördlich 

gesucht wurden. Aufgrund von durch ihn nicht beeinflussbaren Umständen 

konnte der Beschwerdeführer vom Camp der Al-Shabaab fliehen und 

schliesslich sein Heimatland verlassen.  

7.  

7.1 Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund 

des glaubhaft gemachten Sachverhaltes die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. 

7.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität be-

fürchten muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, 

jeweils m.w.H.). Die fünf in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Verfolgungsmo-

tive sind über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflich-

keit hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder in-

nerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des 

Opfers verbunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 

2014/27 E. 6.3). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen 

Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem vo-

raus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat kei-

nen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 

2008/4 E. 5.2). Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft 

E-1144/2018 

Seite 24 

ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, wobei allerdings erlittene Ver-

folgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor 

Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen 

der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zu-

lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 

E. 2, 2010/9 E. 5.2, 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.). 

7.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Würdigung der gesamten 

Aktenlage und aufgrund des als glaubhaft zu erachtenden Sachverhalts 

zum Schluss, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Soma-

lia einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt wäre. 

7.3.1 Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Zwangsrekrutierung von 

minderjährigen Personen im humanitären Völkerrecht grundsätzlich verbo-

ten ist. Die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren stellt ein Kriegsver-

brechen dar und wird im Rahmen des Universalitätsprinzips auch in der 

Schweiz strafrechtlich verfolgt, selbst wenn die Tat im Ausland begangen 

wurde (vgl. Art. 2 Fakultativprotokoll zur KRK; Art. 8 Abs. 2 Bst. b xxvi und 

Bst. e vii Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli 

1998, SR 0.312.1; Art. 264f i.V.m. Art. 264m StGB). Eine gegen den Willen 

eines minderjährigen Jugendlichen erfolgte Einziehung ins Militär und 

seine Ausbildung zur Teilnahme an Kampfhandlungen kann demnach per 

se keine staatlich legitimierte Massnahme darstellen (vgl. CHRISTA LUTER-

BACHER, Die flüchtlingsrechtliche Behandlung von Dienstverweigerung und 

Desertion, 2004, S. 61 ff.).  

Die behördliche Zwangsrekrutierung des damals knapp 15-jährigen Be-

schwerdeführers und dessen Aussetzung in einer kriegerischen Situation 

erfüllen die geforderte Intensität der ernsthaften Nachteile im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG demnach genauso wie die im Rahmen der Entführung 

durch die Al-Shabaab erlebten Misshandlungen. 

7.3.2 Betreffend das flüchtlingsrechtlich relevante Motiv ist Folgendes fest-

zustellen: Der Beschwerdeführer deutet in seinem Sachverhaltsvorhalt da-

rauf hin, dass seine Rekrutierung insbesondere auf seinen Beruf als 

Schuhputzer beziehungsweise seiner Zugehörigkeit zum als minderwertig 

angesehenen (…)-Clan zurückzuführen ist (vgl. A21 F28, F30, F32). Zwar 

fokussieren sich viele der öffentlich zugänglichen Quellen auf Zwangsrek-

rutierungen durch die radikal islamische Al-Shabaab, die dortigen Erkennt-

nisse lassen aber auch Rückschlüsse auf die Rekrutierungsprofile der Re-

gierungstruppen und regierungsnahen Milizen zu. Aufgrund dieser Quellen 

E-1144/2018 

Seite 25 

ist zu schliessen, dass Ziel von Zwangsrekrutierungen von Jugendlichen 

vor allem marginalisierte Gesellschaftsschichten betreffen (vgl. insb. Hu-

man Rights Watch, It’s Like We’re Always in a Prison: Abuses Against Boys 

Accused of National Security Offenses in Somalia, 21. Februar  

2018, https://www.hrw.org/sites/default/files/report_pdf/somalia0218_ 

web.pdf, S. 15 f.; in Bezug auf die Heimatregion des Beschwerdeführers 

vgl. REACH, Somalia: Joint Multi Cluster Needs Assessment – Initial Find-

ings, September 2018, https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/re-

sources/reach_som_initial_findings_report_joint_multi_ cluster_needs_as-

sessment_2018.pdf, S.6). Es war demnach kein Zufall, dass der Beschwer-

deführer als Schuhputzer und Angehöriger einer Minderheitengruppe Op-

fer der behördlichen Zwangsrekrutierung wurde. Diese war vielmehr gezielt 

und hing mit Merkmalen zusammen, die mit seiner Persönlichkeit untrenn-

bar verbunden sind. Die Verfolgungssituation wird durch die Tötung von 

Soldaten, welche dem in der Region vorherrschenden (…)-Clans angehö-

ren, um eine ethnische Komponente erweitert. Was die Entführung durch 

die Al-Shabaab betrifft, deren Ziel die Errichtung eines islamischen Staates 

in Somalia ist (vgl. BVGE 2013/27 E. 8.5.2), so ist das Motiv religiös bezie-

hungsweise politisch bedingt. 

7.3.3 Anders als die behördliche Zwangsrekrutierung, sind die zugefügten 

Nachteile durch die Al-Shabaab, welche in der Heimatregion des Be-

schwerdeführers nicht mehr die faktischen Kontrolle ausüben, nicht- 

staatlicher Natur. Aufgrund des jahrlangen Bürgerkriegs finden sich in So-

malia keine funktionierenden behördlichen Strukturen vor und zumal ge-

wisse Teile (…)somalias weiterhin von der Al-Shabaab beherrscht werden, 

kann bei einer Verfolgung durch die islamische Miliz nicht ohne Weiteres 

vom Schutz der Behörden ausgegangen werden (vgl. BVGE 2014/27 

E. 5.2 f.; 2013/27 insbes. E. 8.5.5; Hochkommissariat der Vereinten Natio-

nen für Flüchtlinge, UNHCR Position on Return to Southern and Central 

Somalia, Mai 2016, abzurufen unter: https://www.unhcr.org/ke/wp-con-

tent/uploads/sites/2/2016/05/UNHCR-Somalia-Returns-Advisory-May-201 

62.pdf, 21.4.202, S. 2 ff.).  

Der Beschwerdeführer ist als Angehöriger einer Minderheitengruppe nicht 

nur nicht durch einen Mehrheits-Clan geschützt; vielmehr dürfte ihm dieser 

aufgrund der Bekanntgabe der Namen von Soldaten des Mehrheits-Clans 

und der daraufhin erfolgten Tötung dieser Männer feindlich gesinnt sein. 

Auch angesichts des fluchtbedingten Entzugs aus der militärischen Ausbil-

dung kann er einen solchen Schutz nicht erwarten. Eine zumutbare inner-

staatliche Schutzalternative in einem anderen Landesteil Somalias kommt 

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Seite 26 

bereits deshalb nicht in Betracht, weil das SEM die Wegweisung nach So-

malia als grundsätzlich unzumutbar qualifiziert (und den Beschwerdeführer 

vorläufig in der Schweiz aufgenommen hat). Schliesslich war die Verfol-

gung im Zeitpunkt der Landesflucht noch aktuell.  

7.4 Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer So-

malia aufgrund einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung verlassen 

hat. Damit erfüllte er im Zeitpunkt seiner Flucht die Flüchtlingseigenschaft.   

7.5 Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlittener, mit der 

Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung ohne Weite-

res auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger 

Verfolgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.; WALTER 

KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 1990, S. 126 ff.). Vorliegend besteht 

kein Grund, von dieser Regelvermutung abzuweichen. 

7.6 Nach Würdigung der gesamten Aktenlage bleibt festzustellen, dass der 

Beschwerdeführer die Voraussetzungen für die Zuerkennung der originä-

ren Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Da den Akten 

keinerlei Anhaltspunkte zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Aus-

schlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG hindeuten würden, ist ihm in 

der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). Die Rüge der Verlet-

zung von Bundesrecht erweist sich damit als berechtigt. Die Beschwerde 

ist gutzuheissen.  

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. In ihrer Kos-

tennote vom 9. Mai 2018 weist die Rechtsvertreterin einen Betrag von ins-

gesamt mehr als Fr. 3'700.– aus. Die dort aufgeführte Spesenpauschale 

von Fr. 50.– ist vom Gericht nicht zu entschädigen, zumal keine besonde-

ren Verhältnisse vorliegen (Art. 11 Abs. 1 und 3 VGKE). Auch erscheint der 

ausgewiesene Zeitaufwand von insgesamt 19 Stunden nicht vollumfäng-

lich angemessen und ist auf 14 Stunden zu kürzen. Damit ist die Parteient-

schädigung aufgrund der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7 ff. VGKE auf 

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Seite 27 

insgesamt Fr. 2714.– (inkl. Mehrwertsteueranteil) festzusetzen und dem 

Beschwerdeführer durch das SEM auszurichten ist.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 28 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer erfüllt die Flüchtlingseigenschaft. Das SEM wird an-

gewiesen, ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2‘714.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Sibylle Dischler