# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e0037ac-4480-5bfa-b64e-9fe26a18e47e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 12.01.2023 200 2022 555
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-555_2023-01-12.pdf

## Full Text

200 22 555 IV
FUE/SCC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 12. Januar 2023

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Schertenleib Gamero

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 15. August 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1961 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich erstmals im September 2001 bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. 
Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche-
rung an (Akten der IVB [act. II] 1). Mit Verfügung vom 21. August 2002 
schrieb die IVB das Gesuch um berufliche Massnahmen ab und verneinte 
einen Rentenanspruch (act. II 24). Im Februar 2006 meldete sich die Versi-
cherte wegen Bandscheibenbeschwerden erneut bei der IVB an (act. II 27). 
Nach einer Begutachtung durch Dr. med. C.________, Facharzt für Innere 
Medizin und Rheumatologie (Gutachten vom 25. Oktober 2006; act. II 35), 
und Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 
(Gutachten vom 25. Juni 2007; act. II 41), beschied die IVB mit unange-
fochten gebliebener Verfügung vom 1. Oktober 2007 das Gesuch um Aus-
richtung einer Invalidenrente wiederum abschlägig (act. II 44).

Im September 2018 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf einen 
Bandscheibenvorfall abermals zum Leistungsbezug an (act. II 58). In der 
Folge veranlasste die IVB eine Begutachtung durch Dr. med. E.________, 
Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-
gungsapparates (Expertise vom 26. Mai 2020; act. II 101.1). Nach Durch-
führung eines Vorbescheidverfahrens (act. II 105, 110) nahm die Gutachte-
rin Dr. med. E.________ am 9. April 2021 Stellung zu den einwandweise 
aufgelegten Arztberichten (act. II 117). Nach einem weiteren Vorbescheid-
verfahren (act. II 118, 119, 121) holte die IVB zu den neu eingereichten 
Arztberichten eine Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. F.________, 
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, vom 4. August 2022 ein (act. II 133). Mit Verfügung vom 
15. August 2022 verneinte die IVB bei einem Invaliditätsgrad von 32 % den 
Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (act. II 134).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 3

B.

Mit Eingabe vom 14. September 2022 erhob die Versicherte, vertreten 
durch Rechtsanwältin B.________, beim Verwaltungsgericht des Kantons 
Bern Beschwerde. Sie beantragte, die Verfügung vom 15. August 2022 sei 
aufzuheben und ihr sei eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei 
ein Gerichtsgutachten in der Disziplin Neurochirurgie einzuholen und ge-
stützt darauf über die Ansprüche neu zu befinden.

Am 19. September 2022 reichte die Beschwerdeführerin den in Aussicht 
gestellten Bericht des behandelnden Dr. med. G.________, Facharzt für 
Neurochirurgie (Beschwerdebeilage [act. I] 18), ein und ergänzte die Be-
schwerde.

Mit Beschwerdeantwort vom 17. Oktober 2022 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 4

über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 15. August 2022 (act. II 
134). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf 
eine Rente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV) und weiterer Erlasse (insbesondere des ATSG) 
in Kraft getreten (AS 2021 705). In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich 
besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich diejenigen 
Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden 
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 
364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). Zwar datiert die angefochte-
ne Verfügung vom 15. August 2022 (act. II 134), womit sie nach dem In-
krafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indessen liegt die 
Neuanmeldung vom September 2018 (act. II 58) und damit der frühest 
mögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des Rentenanspruchs so-
wie sämtliche Revisionsgründe vor dem 1. Januar 2022, weshalb die   Be-
stimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. Januar 1961 
über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) in der bis 31. Dezember 
2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind (Rz. 9100-9102 des 
Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 
[KSIR]; zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen vgl. BGE 147 V 79 E. 
7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 5

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.4 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 6

2.5

2.5.1 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen Invali-
ditätsgrades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur 
geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad 
der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat 
(Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV).

2.5.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache 
materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten 
Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch 
tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Er-
lass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren 
hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch 
zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine ren-
tenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) Invalidität zu bejahen, 
und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche mate-
rielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; SVR 
2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

2.5.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b 
S. 200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

2.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 7

ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3). 

3.

3.1 Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung vom September 
2018 (act. II 58) eingetreten und hat den Leistungsanspruch materiell ge-
prüft. Folglich ist die Eintretensfrage durch das Gericht nicht zu beurteilen 
(BGE 109 V 108 E. 2b S. 114). Zu prüfen ist, ob zwischen der Verfügung 
vom 1. Oktober 2007 (act. II 44) und der hier angefochtenen Verfügung 
vom 15. August 2022 (act. II 134) eine wesentliche Änderung in medizini-
scher bzw. erwerblicher Hinsicht eingetreten ist, welche geeignet ist, den 
Invaliditätsgrad in anspruchsbegründender Weise zu beeinflussen (vgl. 
E. 2.5.3 hiervor).

3.2 Im Rahmen der im Juli 2007 durchgeführten Abklärung im Haus-
halt/Erwerb ging die Abklärungsfachperson von einem Status Erwerb von 
60 % und Haushalt von 40 % aus (act. II 42/4 Ziff. 3.5); darauf stellte die 
Beschwerdegegnerin in der unangefochten gebliebenen Verfügung vom 
1. Oktober 2007 ab (act. II 44). Insoweit ist offenkundig eine wesentliche 
Änderung eingetreten, denn die Beschwerdeführerin war ab 14. August 
2016 in einem vollen Pensum erwerbstätig (act. II 64), weshalb sie von der 
Beschwerdegegnerin nunmehr als Vollerwerbstätige qualifiziert wurde. 
Überdies ergibt sich auch in medizinischer Hinsicht ein Neuanmeldungs-
grund, da die Beschwerdeführerin am 4. Mai 2018 am Rücken operiert 
wurde (act. II 73/34 f.) mit konsekutiver mehrmonatiger und vollständiger 
Arbeitsunfähigkeit (act. II 73/3 f.). Damit ist eine wesentliche Änderung ein-
getreten und der Rentenanspruch ist in rechtlicher und tatsächlicher Hin-
sicht frei, d.h. ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen, zu prüfen 
(E. 2.5.4 hiervor).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 8

3.3 Zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit ist den medizini-
schen Akten im Wesentlichen das Folgende zu entnehmen:

3.3.1 Im Bericht vom 27. April 2018 diagnostizierten die Ärzte des Spitals 
H.________ ein lumbo-radikuläres Schmerzsyndrom L5 links und eine de-
generative linkskonvexe Skoliose (act. II 73/40). Aufgrund des aktuellen 
Leidensdruckes und der bereits viermonatig bestehenden Beschwerdedau-
er werde ein operatives Vorgehen empfohlen (act. II 73/41).

3.3.2 Im Austrittsbericht vom 9. Mai 2018 – betreffend einen stationären 
Aufenthalt vom 4. bis 9. Mai 2018 zur indirekten Dekompression, Segmen-
taufrichtung, Stabilisation und Fusion – hielten die Ärzte des Spitals 
H.________ fest, der peri- und postoperative Verlauf habe sich komplikati-
onslos gestaltet. Unter physiotherapeutischer Anleitung sei eine problemlo-
se Mobilisation erfolgt und es sei im Verlauf zur Schmerzregredienz ge-
kommen. Die Beinsymptomatik sei fast vollständig regredient gewesen, 
sensomotorische Defizite seien nicht aufgetreten. Die postoperative radio-
logische Kontrolle habe eine regelrechte Implantatlage gezeigt (act. II 
73/36).

3.3.3 In der Stellungnahme vom 13. August 2019 führte Dr. med. 
I.________, Facharzt für Arbeitsmedizin, RAD, nach Rücksprache mit der 
RAD-Orthopädie aus, in der Vergangenheit sei es bei der Beschwerdefüh-
rerin regelmässig zu Rückenschmerzen vornehmlich im Bereich der Len-
denwirbelsäule gekommen. Am 4. Mai 2018 sei eine erneute Operation der 
Lendenwirbelsäule in diesem Bereich vorgenommen worden. Seit dem 1. 
August 2018 werde durch den Operateur die Arbeitsfähigkeit in der ange-
stammten Tätigkeit mit 50 % beurteilt, spätestens ab diesem Zeitpunkt – 
drei Monate nach der Operation und auch in der Folgezeit ohne Hinweise 
für Komplikationen im Verlauf – könne medizinisch-theoretisch von einer 
Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer ideal angepassten Tätigkeit ausgegan-
gen werden (act. II 77/14). 

3.3.4 Im Bericht vom 14. Oktober 2019 diagnostizierte Dr. med. 
J.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 
Bewegungsapparates, Spital H.________, eine craniale und caudale An-
schlusssegmentdegeneration und progrediente degenerative Skoliose 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 9

mit/bei Status nach X-LIF L4/5 bei Rezidiv-Discushernie L4/5 am 4. Mai 
2018. Er hielt fest, auf der Höhe L4/L5, wo operiert worden sei, sollte die 
Situation in Ordnung sein. Man sehe auf den Bildern eine Zunahme der 
bereits vorgängig bekannten degenerativen Lumbalskoliose mit vor allem 
linksseitigem Kollaps des Segmentes L5/S1 und auch leichtgradiger Pro-
gredienz der Degeneration L3/L4. Er habe vorerst eine Arbeitsunfähigkeit 
bis Ende November 2019 attestiert. Er denke nicht, dass die Patientin – ob 
mit oder ohne Operation – auf Dauer wieder in der Lage sein werde, zu 
100 % in den Beruf zurückzukommen, da dauerhaft mit einer eingeschränk-
ten Belastbarkeit des Rückens gerechnet werden müsse (act. II 83). Im 
Bericht vom 25. November 2019 führte er aus, bei der im Verlauf sich eher 
verschlechternden Wirbelsäulensituation seien für die Patientin aktuell 
Tätigkeiten über mehr als vier Stunden am Stück hinaus nicht machbar, 
auch (nicht) in einer angepassten Tätigkeit mit wechselnd stehenden, ge-
henden und sitzenden Arbeiten unter Vermeidung von Zwangspositionen 
und repetitivem Heben und Tragen von Lasten unter 10 kg (act. II 89/9).

3.3.5 Im orthopädischen Gutachten vom 26. Mai 2020 (act. II 101.1) dia-
gnostizierte Dr. med. E.________ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 
das Folgende (act. II 101.1/21 f.):

• Lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei/mit 
- Status nach Mikrodiskektomie und bilateraler Fenestration von L4/5 

am 27. März 1998
- Status nach indirekter Dekompression, Segmentaufrichtung, Stabilisa-

tion und Fusion mit Depuy-Synthes Oracle-Cage. Percutane dorsale 
Stabilisation L4/5 mit VIPER CFX-Schrauben von Depuy-Synthes vom 
7. Mai 2018 

- keine Lockerungszeichen der intakten Stabilisation 
- a ktivierte Facettengelenksarthrosen im kranialen Anschluss Segment 

L3/4 linksbetont 
- nicht aktivierte Facettengelenksarthrosen L2/3 und L5/S1 beidseits 
- leichte linkskonvexe thoracolumbale Skoliose

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie das Folgende 
(act. II 101.1/22):

• Cervico-spondylogenes Schmerzsyndrom ohne radikuläre Zeichen bei/mit: 
- degenerativen Veränderungen C5-7 mit Hauptbefund C5/6 mit Spon-

dylarthrosen und fraglicher foraminaler Neurokompression von C6 
• Status nach CTS OP rechts (anamnestisch ca. 2006, beschwerdefrei) 
• Hallux valgus rechts 
• Status nach Epicondylitis humeri radialis rechts (beschwerdefrei) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 10

• Status nach Unfallereignis von 2002 – Auffahrkollision mit Commotio cere-
bri und Schleudertrauma HWS 

• Status nach Schmerzen im Daumensattelgelenk rechts (beschwerdefrei)

Die Gutachterin hielt fest, klinisch finde sich eine eingeschränkte Beweg-
lichkeit der HWS v.a. in der lnklination und in den Bewegungen nach links. 
Es fänden sich keine radikulären Zeichen an der oberen Extremität. Die 
LWS-Beweglichkeit sei eingeschränkt in allen Ebenen. Es fänden sich loka-
le Druckdolenzen in der unteren BWS und der oberen LWS und ein ein-
drücklicher paravertebraler Hartspann nur links ebenda. Es bestehe eine 
leichte Skoliose thoracolumbal. Es fänden sich keine radikulären Zeichen. 
Es bestünden lokale Druckdolenzen über beiden ISG links betont. In den 
kürzlich von den behandelnden Ärzten durchgeführten radiologischen Un-
tersuchungen fänden sich die folgenden Befunde: In der HWS fänden sich 
degenerative Veränderungen C5-7 mit Hauptbefund C5/6, dort rechtsbe-
tonte Spondylarthrosen, sodass radiologisch eine foraminale Neurokom-
pression von C6 möglich sei. Es lägen keine aktivierten Facettengelenksar-
throsen der HWS vor. Im Bereich der LWS fänden sich bei Status nach 
Stabilisation L4/5 keine Lockerungszeichen der intakten Stabilisation. Es 
lägen aktivierte Facettengelenksarthrosen im kranialen Anschluss Segment 
L3/4 linksbetont und nicht aktivierte Facettengelenksarthrosen L2/3 und 
L5/S1 beidseits vor. Es bestünden diskrete degenerativ bedingte Mehrspei-
cherungen im AC-Gelenk und Sternoklavikulargelenk, in den Ellbogen und 
im Handgelenk beidseits sowie in den Hüftgelenken und Grosszehen-
grundgelenken beidseits (act. II 101.1/21). Es bestehe orthopädisch das 
folgende Zumutbarkeitsprofil: Das Heben und Tragen von schweren Lasten 
von mehr als 5 kg sei nicht mehr zumutbar wie auch Arbeiten in Zwangs-
positionen des Kopfes und des Rumpfes. Überkopfarbeiten links und Arbei-
ten in gebückter Position und rein stehende sowie rein sitzende Arbeiten 
seien nicht mehr zumutbar (act. II 101.1/22 f.). Es bestünden sicherlich 
psychosoziale Faktoren mit dem IV-berenteten Ehemann und auch ein Mi-
grationshintergrund. Die Beschwerdeführerin habe jedoch persönlich gute 
Ressourcen und habe es auch geschafft, sich gut in eine verantwortungs-
volle Rolle in der …. von …. zu integrieren. Sollte es möglich sein, ihr im 
….. im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils eine Arbeit zu finden, so wäre 
dies sicherlich optimal (act. II 101.1/23). Zur Arbeitsfähigkeit in der bisheri-
gen Tätigkeit führte die Expertin aus, die schweren Tätigkeiten rein im Ste-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 11

hen und Gehen mit Heben von schweren Lasten seien nicht mehr zumut-
bar. Leichtere Arbeiten des Jobprofils wie …., ….Unterricht etc. könnten im 
Rahmen des Zumutbarkeitsprofils sicherlich durchgeführt werden. Eine 
angepasste Tätigkeit gemäss dem Zumutbarkeitsprofil sei mit einem Pen-
sum von achteinhalb Stunden pro Tag bei einer Leistungsfähigkeit von 
80 % zumutbar. Ab August 2018 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % 
auszugehen gefolgt von einer sukzessiven Steigerung über drei bis vier 
Monate (ausgenommen würden Phasen von akuter Exazerbation; act. II 
101.1/25).

3.3.6 Im Bericht vom 19. Oktober 2020 hielten Prof. Dr. med. 
K.________, Facharzt für Neurochirurgie, und Dr. med. G.________ fest, 
bei der Patientin liege eine familiäre schwere Skoliose vor. Aufgrund der 
bisher verfügbaren Daten liege eine progrediente, symptomatische Skolio-
se vor. Es sei von einer weiteren Verschlechterung auszugehen. In dieser 
Situation sei es der Patientin nicht mehr zumutbar, schwere Gewichte von 
über 5 kg zu tragen. Die Einschätzung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit sei 
nicht nachzuvollziehen (act. II 109). Im Bericht vom 10. November 2020 
führten sie aus, die Beschwerden der Patientin fänden sich unverändert im 
Bereich der linken mittleren LWS. Die Facetteninfiltration L2/3 habe keiner-
lei Verbesserung gebracht. Dagegen habe die Infiltration des Facettenge-
lenkes Th5/6 zu einer deutlichen Verbesserung geführt von subjektiv 60 % 
(act. II 112).

3.3.7 In der Stellungnahme vom 9. April 2021 hielt die Gutachterin 
Dr. med. E.________ fest, im Bericht von Prof. Dr. med. K.________ vom 
20. Mai 2020 werde nicht von einer familiären Skoliose berichtet, sondern 
lediglich von einer linkskonvexen Thorakolumbalskoliose und der Hauptas-
pekt der Beschwerden werde auf die Fazettengelenke L3/4 gelegt. Auch in 
den neuen Berichten vom 19. Oktober 2020 und vom 10. November 2020 
werde als Hauptproblematik auf ein aktiviertes Fazettengelenkssyndrom 
L3/4 im Anschlusssegment nach XLIF L4/5 hingewiesen, welches sehr gut 
auf Infiltrationen angesprochen habe. Eine Operation habe die Beschwer-
deführerin jedoch offensichtlich trotz den positiven Infiltrationsresultaten 
abgelehnt. In denselben Berichten werde erstmalig neurochirurgisch auf 
eine familiäre Skoliose hingewiesen. Die gutachterliche Beurteilung und die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 12

Beurteilung der behandelnden Neurochirurgen würden sich zusammenge-
fasst bei genauer Betrachtung prinzipiell betreffend die Ursachen der Be-
schwerden nicht unterscheiden. Im Bericht vom 19. Oktober 2020 werde 
zudem explizit erwähnt, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr als 5 kg 
heben dürfe, was sich ebenfalls mit dem gutachterlichen Zumutbarkeitspro-
fil decke. Die gutachterlich postulierte Arbeitsfähigkeit von 80 % in der an-
gestammten Tätigkeit wie auch in einer Verweistätigkeit beziehe sich auf 
alle Arbeiten innerhalb des postulierten Zumutbarkeitsprofils und attestiere 
damit eine Funktionseinschränkung der Wirbelsäule mit dem postulierten 
Zumutbarkeitsprofil wie auch einen erhöhten Pausenbedarf von 20 %. Die 
Rolle des Zumutbarkeitsprofils sei im Gutachten bei der Beurteilung der 
Arbeitsfähigkeit explizit erwähnt worden (act. II 117/3 f.).

3.3.8 Im Bericht vom 16. März 2022 hielt Dr. med. G.________ fest, bei 
der Patientin finde sich eine familiäre Skoliose. Aufgrund der bisherigen 
Klinik sei von einer bei Skoliosen häufigen langsamen Verschlechterung 
auszugehen. Es bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % vom 
15. November 2021 bis 30. April 2022, voraussichtlich längerfristig. Tätig-
keiten, bei welcher die Patientin über 5 kg tragen sollte, seien nicht zumut-
bar. Ebenso seien starke Beugebewegungen der LWS über 30° nicht zu-
mutbar (act. I 17). 

3.3.9 Im Bericht vom 24. März 2022 führte die praktische Ärztin 
L.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, aus, aktuell sei die 
Patientin in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Die Patientin könne keinen 
Wäschekorb von 4-5 kg tragen, die Wäsche nicht aufhängen, sie könne 
nicht mehr den Staubsauger bedienen, nicht mehr Bodenwischen, keine 
Einkäufe über 1-2 kg tragen. Sie könne mit Pausen vor der Küchentheke 
arbeiten, mit Hilfe kochen (ohne sich beugen, ohne schwere Töpfe heben 
oder halten). Sie könne in einer Position nicht länger als 30 Minuten blei-
ben, sie müsse die Position von Sitzen zum Stehen, vom Stehen zum Lie-
gen wechseln. Sie könne auf dem geraden Weg gehen, aber auch nur 40 
Minuten, dann habe sie wieder sehr starke Schmerzen, könne sich nicht 
mehr gerade halten und kippe zur Seite; sie habe besonders Schwierigkei-
ten, bei den Treppen auf- und abzusteigen. Sie sei nicht in der Lage, einer 
Erwerbstätigkeit nachzugehen (act. II 121/13). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 13

3.3.10 In einer E-Mail vom 23. Mai 2022 zuhanden der Rechtsvertreterin 
der Beschwerdeführerin führte Dr. med. G.________ aus, aufgrund der 
Skoliose liege eine ungünstige Statik der Wirbelsäule vor. Es sei davon 
auszugehen, dass eine Verschlechterung der Skoliose eintreten werde. Er 
schätze die Arbeitsfähigkeit auf 20 % ein. Eine Beugung nach links sollte 
vollständig vermieden werden (act. I 17).

3.3.11 In der Stellungnahme vom 4. August 2022 hielt der RAD-Orthopäde 
Dr. med. F.________ fest, die Ursache der Skoliose sei unerheblich, da die 
Diagnose der Skoliose an sich unbestritten sei. Ob diese nun degenerativer 
Natur oder familiär bedingt sei, spiele für die Minderbelastbarkeit keine Rol-
le. Im Zumutbarkeitsprofil werde keine rein stehende, sondern eine wech-
selbelastende Tätigkeit empfohlen. Unbestritten sei weiterhin, dass in der 
aktuellen Situation vor allem wegen degenerativer Veränderungen der Wir-
belsäule eine Minderbelastbarkeit bestehe (act. II 133/3). Es sei richtig, 
dass initial eine leichte Skoliose vorgelegen haben dürfte, welche sich im 
weiteren Verlauf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit verschlimmern 
werde bis eine mittelschwere Skoliose vorliege, da die degenerativen Ver-
änderungen weiter zunehmen würden. Massgeblich seien daher nicht das 
zum Zeitpunkt des Gutachtens geringe Ausmass der Skoliose, sondern die 
degenerativen Veränderungen, welche durch die Gutachterin auch berück-
sichtigt worden seien. Die Einteilung der Schwere einer Skoliose erfolge 
anhand des Cobb Winkels. Da dieser Winkel auf den letzten bzw. im 
Schreiben vom 31. März 2022 abgebildeten Röntgenbildern mit 20° als 
Übergang zwischen leicht und mittelschwer anzusehen sei, sei die Aussa-
ge, dass es sich zumindest um eine mittelstarke Skoliose handle, nicht 
nachvollziehbar (act. II 133/5). Aus den Angaben über Schmerzmittelein-
nahmen und Aktivitäten sei nicht ersichtlich, weshalb die versicherte Per-
son nur eine ca. 50%ige Leistungsfähigkeit bzw. Arbeitsfähigkeit haben 
sollte. Bei der Beschwerdeführerin bestünden keine dokumentierten neuro-
logischen Ausfälle. Es bestehe ein lokaler Rückenschmerz, welcher durch 
medikamentöse oder physikalische Massnahmen soweit beherrschbar sei, 
dass er die Einschätzung der Gutachterin mit einer 80%igen Leistungs-
fähigkeit nachvollziehen könne. Relevant sei die Einschätzung des Be-
handlers, dass gestützt auf den progredienten Charakter von einer Ver-
schlimmerung der Skoliose in ähnlichem Tempo ausgegangen werden 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 14

könne. Es stelle sich jedoch die Frage, weshalb im Rahmen der operativen 
Massnahmen nicht das eigentliche, degenerative, lokale Problem der obe-
ren und mittleren LWS mitadressiert worden sei. Der Lotverlust bzw. das 
Gefühl des Absinkens der Wirbelsäule nach links sei eine Folge der dege-
nerativen Veränderungen und der zunehmenden Skoliose. Hier könnte mit 
einer operativen Stabilisierung der gesamten Lendenwirbelsäule durchaus 
eine Verbesserung der Statik erreicht werden (act. II 133/6). Dr. med. 
J.________ habe im Bericht vom 7. November 2019 erwähnt, dass medizi-
nische Massnahmen aktuell keine Verbesserung erbringen würden. Er teile 
diese Meinung nicht. Es bestehe eine unbalancierte Wirbelsäule mit dege-
nerativen Veränderungen von Höhe T12 bis S1. Hier könnten sehr wohl 
doch medizinische Massnahmen, initial zu diesem Zeitpunkt konservative 
Therapieversuche, bei zunehmender Dekompensation auch operative 
Massnahmen, erfolgen. Dr. med. J.________ schreibe selber, dass mit 
sehr grosser Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt zumindest L5/S1 und 
wahrscheinlich auch die Segmente kranial von einer Stabilisation einmal 
versorgt werden müssten (act. II 133/7). Im Rahmen der Operation von 
2018 sei das eigentliche Problem der degenerativen, lumbalen Skoliose mit 
einem Scheitel auf Höhe L1/2 nicht adressiert worden. Es hätten gemäss 
Dossier keine neurologischen bzw. relevanten neurologischen Ausfälle, 
sondern vor allem ein lokaler Rückenschmerz bestanden. In dieser Situati-
on hätte eigentlich eine Korrektur der lumbalen Skoliose über die betroffe-
nen Segmente auf Höhe L1/2 erfolgen müssen. Es sei nicht erstaunlich, 
dass durch die Versteifung der unteren LWS eine rasch zunehmende De-
kompensation bei nicht korrigierter degenerativer Skoliose eingetreten sei. 
Diese sei jedoch derzeit stabil (Bericht vom 16. März 2022; act. II 133/8). 
Dr. med. G.________, behandelnder Neurochirurg, schreibe in seinem Be-
richt vom 16. März 2022, dass es sich um eine links konkave lumbale Sko-
liose handle. Dies sei falsch, da es sich um eine linkskonvexe Skoliose 
handle. Es sei von einem aktuell stabilen Zustand auszugehen. Die Tatsa-
che, dass es bei einer degenerativen Skoliose zu einer Zunahme kommen 
werde, sei jedoch unbestritten. Dies rechtfertige jedoch nicht, das durch die 
Gutachterin formulierte, nachvollziehbare Zumutbarkeitsprofil bereits jetzt 
infrage zu stellen. Eine Verschlechterung sei gemäss diesem Bericht nicht 
zu erkennen (act. II 133/9).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 15

3.4

3.4.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

3.4.3 Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen 
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersu-
chungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; 
SVR 2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2). 

3.5 Das orthopädische Gutachten von Dr. med. E.________ vom 
26. Mai 2020 (act. II 101.1) samt Ergänzung vom 9. April 2021 (act. II 117) 
erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutach-
tens (vgl. E. 3.4.2 hiervor). Die darin enthaltenen Ausführungen und Fest-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 16

stellungen beruhen auf eingehenden fachärztlichen Untersuchungen und 
wurden in Kenntnis der Vorakten (act. II 101.1/3 ff.) sowie unter Berück-
sichtigung der geklagten Beschwerden (act. II 101.1/15 ff.) getroffen. Basie-
rend darauf stellte die Gutachterin die medizinischen Befunde, die Diagno-
sen (act. II 19 f.) und die Schlussfolgerungen, dass die Beschwerdeführerin 
in einer angepassten Tätigkeit mit einem vollen Pensum und einer Ein-
schränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % arbeitsfähig ist (act. II 
101.1/25), nachvollziehbar und einleuchtend dar. Sodann ist das Zumut-
barkeitsprofil, wonach der Beschwerdeführerin das Heben und Tragen von 
schweren Lasten von mehr als 5 kg wie auch Arbeiten in Zwangspositionen 
des Kopfes und des Rumpfes sowie Überkopfarbeiten links und Arbeiten in 
gebückter Position und rein stehende und rein sitzende Arbeiten nicht mehr 
zumutbar sind (act. II 101.1/25), mit Blick auf die Befunde überzeugend. 
Schliesslich leuchtet ein, das dieses Zumutbarkeitsprofil aufgrund des ope-
rativen Eingriffs im Mai 2018 und der nachfolgenden Rehabilitationsphase 
seit ca. Januar 2019 gilt. 

Was die Beschwerdeführerin gegen das Gutachten einwendet, vermag an 
dessen Beweiskraft keine Zweifel zu wecken, wie nachfolgend aufgezeigt 
wird. 

Zunächst moniert die Beschwerdeführerin die gutachterliche Beurteilung, 
wonach es sich um eine leichte Skoliose handle (vgl. act. II 101/21 f.). Be-
reits auf dem Röntgenbild vom 7. Mai 2018 habe ein Cobb Winkel von 
20.65° bestanden, auf demjenigen vom 20. April 2020 habe er sich auf 
24.81° erhöht. Bei einem Fortschreiten der Skoliose in vergleichbarem 
Tempo betrage der Cobb Winkel im massgebenden Zeitpunkt der ange-
fochtenen Verfügung bereits gegen 30°; es sei somit nicht haltbar, von ei-
ner leichten Skoliose zu sprechen (Beschwerde S. 9 Ziff. 2). Der RAD-
Orthopäde Dr. med. F.________ hat sich mit Stellungnahme vom 4. August 
2022 ausführlich zur Frage geäussert, ob eine leichte oder mittelschwere 
Skoliose vorliege; seine Ausführungen, wonach – wie im Gutachten nach-
vollziehbar beurteilt – initial eine leichte Skoliose vorgelegen haben dürfte, 
welche sich im weiteren Verlauf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ver-
schlimmern werde bis eine mittelschwere Skoliose vorliege, da die degene-
rativen Veränderungen weiter zunehmen würden, überzeugen. Ebenfalls 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 17

leuchtet ein und ist in diesem Zusammenhang entscheidend, dass nicht der 
Schweregrad der Skoliose, sondern die klinischen Befunde bzw. die Aus-
wirkungen der degenerativen Veränderungen auf das funktionelle Leis-
tungsvermögen massgeblich sind (act. II 133/5, 133/6 [Zu 9.]). Gemäss 
höchstrichterlicher Rechtsprechung stellt bei Gesundheitsschäden im Be-
reich der Wirbelsäule denn auch die klinische Untersuchung die wichtigste 
und feinste Prüfung dar (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 12. Mai 
2020, 8C_839/2019, E. 3.2.1). Gestützt auf diese Befunde hat die Gutach-
terin die Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowie das Zumutbarkeitsprofil fest-
gesetzt (act. II 101/23 Ziff. 7.4, 101/24 f. Ziff. 8). Dass sich hinsichtlich der 
klinischen Befunde seit der Begutachtung bis zum hier massgebenden Ver-
fügungszeitpunkt (BGE 143 V 409 E. 2.1 S. 411) eine wesentliche Ver-
schlechterung eingestellt hätte, wird beschwerdeweise nicht substanziiert 
geltend gemacht und ergibt sich auch nicht aus den Akten. Gegenteils hielt 
Dr. med. G.________ zur Routinekontrolle vom 16. März 2022 fest, es sei 
zu keiner weiteren Verschlechterung gekommen (act. II 121/9). Daher 
überzeugt die Beurteilung des RAD-Orthopäden Dr. med. F.________, 
trotz der an sich degenerativen Skoliose rechtfertige es sich nicht, das gut-
achterliche Zumutbarkeitsprofil bereits jetzt infrage zu stellen (act. II 133/9). 
Im Übrigen sind auch seine Ausführungen zu den Therapieoptionen nach-
vollziehbar, wonach mit einer operativen Stabilisierung der gesamten Wir-
belsäule – ein solches Vorgehen wurde von Dr. med. J.________ bereits 
am 7. November 2019 thematisiert (act. II 87/1) – wieder eine Verbesse-
rung der Statik erreicht werde könnte (act. II 133/6-7).

Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, es sei nicht nachvollziehbar, wie 
ihr bei einer progredient degenerativen Skoliose mittelschweren Grades 
eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bis 100 % zugemutet werden könne. Sie sei 
denn auch seit 14. Oktober 2019 zu 100 % bzw. seit Mitte November 2021 
bis dato zu 80 % krankgeschrieben (Beschwerde S. 9 f. Ziff. 3). Die or-
thopädische Gutachterin äusserte sich ausführlich und überzeugend zum 
Zumutbarkeitsprofil und zur Arbeitsfähigkeit (act. II 101.1/23 f.). Die abwei-
chenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen namentlich des behandelnden Neu-
rochirurgen Dr. med. G.________ (Berichte vom 19. Oktober 2020 [act. II 
109] und 16. März 2022 [act. I 17 Beilage] sowie E-Mail vom 14. Septem-
ber 2022 [act. I 18]) vermögen an der gutachterlichen Beurteilung keinen 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-V-409%3Ade&number_of_ranks=0#page409

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 18

Zweifel zu wecken, gründen sie doch nicht auf konkreten Aspekten, die im 
Gutachten unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Zudem dürften 
sie die Erfahrungstatsache widerspiegeln, dass u.a. Hausärzte und behan-
delnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver-
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen 
(BGE 125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3). 
Dasselbe gilt auch für die Einschätzung der praktischen Ärztin L.________, 
welche im Bericht vom 24. März 2022 eine starke Einschränkung im Alltag 
beschrieb und von keiner Arbeitsfähigkeit ausging (act. I 17 Beilage), wobei 
es ihr als Internistin überdies an der fachärztlichen Befähigung fehlt, um die 
orthopädische Beurteilung der Gutachterin entkräften zu können (statt vie-
ler: Entscheid des BGer vom 6. Oktober 2014, 9C_139/2014, E. 5.2). Zu-
dem hat sich der RAD-Orthopäde in der Stellungnahme vom 4. August 
2022 mit der kontroversen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auseinander-
gesetzt und kam einleuchtend zum Schluss, der lokale Rückenschmerz – 
ohne dokumentierte neurologische Ausfälle – könne durch medikamentöse 
oder physikalische Massnahmen soweit beherrscht werden, dass die Ein-
schätzung der Gutachterin bezüglich der Arbeitsfähigkeit von 80 % nach-
vollziehbar sei bzw. eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit nicht gerechtfertigt sei 
(act. II 133/6). 

Die Beschwerdeführerin zweifelt die attestierte Arbeitsfähigkeit schliesslich 
mit der Begründung an, nach einer Stunde aufrechten Stehens träten star-
ke linksseitige Rückenschmerzen auf, sie müsse sich dann hinlegen, damit 
sich die Schmerzen zurückbilden könnten; dies werde durch die Berichte 
von Dr. med. J.________ vom 19. Oktober 2020, Dr. med. G.________ 
vom 16. März 2022 sowie der praktischen Ärztin L.________ vom 24. März 
2022 belegt (Beschwerde S. 10 Ziff. 4; vgl. auch Stellungnahme vom 
19. September 2022 S. 2 Ziff. 5). Auch damit dringt sie nicht durch. Die 
orthopädische Gutachterin empfahl im Zumutbarkeitsprofil eine wechselbe-
lastende Tätigkeit ("rein stehende und rein sitzende Arbeiten sind nicht 
mehr zumutbar"; act. II 101.1/23 Ziff. 7.4, 8), was im Einklang mit der Beur-
teilung des Dr. med. G.________ vom 14. September 2022 (act. I 18) steht, 
ist doch längeres Stehen oder Sitzen nicht zumutbar (vgl. auch act. II 117/3 
unten). Durch die Wechselbelastung wird den beschwerdeweise geltend 
gemachten Limitationen hinreichend Rechnung getragen bzw. wird das 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 19

Auftreten von erheblichen Schmerzen verhindert. Die Einschätzung der 
behandelnden Ärzte, dass die Beschwerdeführerin auch wechselbelastet 
lediglich noch zu 20 % arbeitsfähig sei, ist wiederum eine andere Beurtei-
lung desselben (unveränderten) Sachverhalts ohne Hinweise auf bisher 
nicht berücksichtigte Aspekte und wird zudem von den behandelnden Ärz-
ten vor allem mit dem Schweregrad der Skoliose begründet, wobei – wie 
bereits dargelegt – vielmehr die klinischen Befunde massgebend sind. Im 
Übrigen existieren auch gemäss Dr. med. G.________ keine Studien zur 
Korrelation von Skoliosegrad und Pausenbedarf (act. I 18), so dass selbst 
aus der postulierten mittelschweren Ausprägung der Skoliose nichts Ent-
scheidwesentliches abgeleitet werden könnte. Soweit Dr. med. 
G.________ im Bericht vom 14. September 2022 – nota bene erst nach 
dem für die Abklärung des Sachverhalts massgebenden Verfügungserlass 
(vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) – einen 
Nash&Moe-Grad II postulierte (act. I 18), ist einerseits festzuhalten, dass er 
im Bericht vom 16. März 2022 in der Diagnose noch eine Rotationsfehlstel-
lung Nash&Moe-Grad I konstatierte (act. I 17 Beilage). Andererseits ist 
auch hier nicht erkennbar, inwiefern das Mass der Rotation (Verdrehung) 
der Wirbelsäule entscheidwesentlich in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sein 
sollte. Schliesslich lässt sich auch aus der Angabe, dass sowohl …. wie 
auch eine …. von einer linkskonvexen Lumbalskoliose betroffen seien (act. 
I 17 Beilage, I 18), bezüglich der umstrittenen Arbeitsfähigkeit nichts ablei-
ten. 

Nach dem Dargelegten vermag die Beschwerdeführerin das schlüssige 
orthopädische Gutachten, ergänzt durch die gutachterliche Beantwortung 
der Nachfragen vom 9. April 2021 (act. II 117) und die RAD-Stellungnahme 
vom 4. August 2022 (act. II 133), nicht in Zweifel zu ziehen, weshalb darauf 
abzustellen ist. Weitere medizinische Sachverhaltserhebungen – insbeson-
dere im Sinne des Antrags auf Einholung eines Gerichtsgutachtens – erüb-
rigen sich in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 144 V 361 E. 6.5 S 368). 
Nach dem Dargelegten steht fest, dass der Beschwerdeführerin eine ange-
passte Tätigkeit in einem vollen Pensum zumutbar ist mit einer Leistungs-
einschränkung von 20 %. Gestützt darauf ist nachfolgend der Invaliditäts-
grad zu bestimmen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 20

4.

4.1

4.1.1 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222).

4.1.2 Die Beschwerdeführerin meldete sich im September 2018 bei der 
Beschwerdegegnerin an (act. II 58), nachdem sie ab April 2018 zu 100 % 
arbeitsunfähig geschrieben worden war (act. II 73/3). Unter Berücksichti-
gung der Wartezeit und der Karenzfrist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. 
Art. 29 Abs. 2 IVG) ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin 
den Einkommensvergleich per April 2019 vornahm (act. II 134/2).

4.2

4.2.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

4.2.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens stützte sich die Be-
schwerdegegnerin zu Recht auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgebe-
rin, der M.________ AG vom 1. Oktober 2018 (act. II 64). Bei dieser war 
die Beschwerdeführerin seit dem 14. August 2016 mit einem Pensum von 
100 % als Mitarbeiterin …. tätig und erhielt einen Monatslohn von 
Fr. 4'500.-- bzw. Jahreslohn von Fr. 58'500.-- (13 x Fr. 4'500.--; act. II 64/5). 
Indexiert auf das Jahr 2019 (Nominallohnindex, Frauen 2011-2021, Ziff. 86-
88 Gesundheitswesen, Heime und Sozialwesen, 2018: 103,1; 2019: 103.8) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 21

ergibt dieses ein Einkommen von Fr. 58'897.20 (Fr. 58'500.-- / 103.1 x 
103.8).

4.3 Was das Invalideneinkommen betrifft, ist vorab ist die (bestrittene) 
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu prüfen.

4.3.1 Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfrem-
der Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zu-
sammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu 
führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbs-
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht 
mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf 
die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Le-
bensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf 
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer 
allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Ein-
zelfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund-
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einar-
beitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitss-
truktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher 
Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem ange-
stammten Bereich sein. Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Rest-
erwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen 
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (BGE 145 V 2 E. 5.3.1 
S. 16, 138 V 457 E. 3.1 S. 460; SVR 2020 IV Nr. 5 S. 20 E. 7.1).

Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum 
der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für 
einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Massgeblicher 
Stichtag für die Beantwortung der Frage nach der Verwertbarkeit der  
(Rest-)Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter ist der Zeitpunkt, in welchem 
die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil)Erwerbstätigkeit feststeht. Dies 
ist der Fall, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuver-
lässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 146 V 16 E. 7.1 S. 25, 138 
V 457 E. 3.2 S. 460 und E. 3.3 S. 462; SVR 2020 IV Nr. 5 S. 20 E. 7.1 und 
Nr. 44 S. 156 E. 4.2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 22

4.3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, höchst wahrscheinlich finde 
sie in ihrem Alter keinen Arbeitgeber, welcher sie zu 80 % anstelle; dies sei 
in der angefochtenen Verfügung bei der Ermittlung des Invalideneinkom-
mens nicht berücksichtigt worden (Beschwerde S. 11 Ziff. 6). Massgebli-
cher Stichtag für die Beantwortung der Frage nach der Verwertbarkeit der 
Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 % in einer angepassten Tätigkeit ist 
vorliegend das Datum des orthopädischen Gutachtens vom 26. Mai 2020. 
Die am XX. …. 1961 geborene Beschwerdeführerin war damals 58 Jahre 
alt, weshalb ihr eine Aktivitätsdauer von sechs Jahren verblieb (dazumal 
AHV-Alter: 64 Jahre [Art. 21 Abs. 1 lit b des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung {AHVG; SR 
831.10}]; nunmehr für den Jahrgang 1964: AHV-Alter 64 Jahre und 3 Mo-
nate [vgl. Stabilisierung der AHV: Referenzalter der Frauen; 
www.bfs.admin.ch]). Im Jobprofil gemäss Arbeitgeberfragebogen wurden 
auch leichte, als adaptiert zu qualifizierende Arbeiten wie das Führen von 
Eintrittsgesprächen, Gesprächsberatungen und ….Unterricht erwähnt, wel-
che die Beschwerdeführerin bei ihrer früheren Arbeitgeberin im …. ausführ-
te (act. II 64/4). Aufgrund ihres Alters wie auch mit Blick auf das Zumutbar-
keitsprofil ist die verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt realistischerweise weiterhin nachgefragt. Die Verwertbarkeit 
der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit war (spätestens) ab Mai 
2020 somit grundsätzlich zu bejahen. Im Einklang damit ist den Akten denn 
auch zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in der N.________ als 
… eine Arbeit gefunden hat, womit der Tatbeweis der Verwertbarkeit 
grundsätzlich erbracht ist. Daran ändert nichts, dass sie diese Tätigkeit 
lediglich während sieben Stunden pro Woche ausübt, geht sie doch subjek-
tiv von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 20 % aus, worauf indes medizi-
nisch-theoretisch nicht abgestellt werden kann (vgl. E. 3.5 hiervor).

4.4

4.4.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 23

nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik (BFS) herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herange-
zogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 
E. 3.2).

4.4.2 Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Per-
sonen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im 
Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeit-
nehmern lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unter-
durchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit 
einem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 
E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem 
Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persön-
lichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidens-
bedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskatego-
rie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das 
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu 
schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen 
ist (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV 
Nr. 46 S. 148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurtei-
lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein-
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten 
Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge-
sichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

4.4.3 Die Beschwerdeführerin ist zwar für die N.________ als … tätig; 
diese Tätigkeit mit sieben Stunden pro Woche entspricht jedoch nicht dem 
noch zumutbaren Pensum. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die 
Beschwerdegegnerin bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf die 
Tabellenlöhne der LSE 2018 (Tabelle TA1, Monatlicher Bruttolohn [Zen-
tralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, To-
tal, Kompetenzniveau 1, Frauen) abstellte. Bei monatlich Fr. 4'371.--, auf-
gerechnet auf ein Jahr, angepasst an die betriebsübliche wöchentliche Ar-
beitszeit (41.7 Stunden) und indexiert auf das Jahr 2019 (Nominallohnin-
dex, Frauen 2011-2021, Total, 2018: 105.9; 2019: 107.0) sowie unter 
Berücksichtigung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80 % ergibt dies 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 24

ein Einkommen von Fr. 44'199.35 (Fr. 4'371.-- / 40 x 41.7 x 12 / 105.9 x 
107.0 x 0.8). Die Beschwerdegegnerin nahm zudem einen Tabellenlohnab-
zug von 10 % vor, was den Einschränkungen des Zumutbarkeitsprofils hin-
reichend Rechnung trägt (E. 3.5 hiervor). Somit resultiert ein hypotheti-
sches Invalideneinkommen von Fr. 39'779.40 (Fr. 44'199.35 x 0.9).

4.5 Bei der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von 
Fr. 58'897.20 und des Invalideneinkommens von Fr. 39'779.40 resultiert 
eine Einbusse von Fr. 19'462.55 und damit ein Invaliditätsgrad von gerun-
det 32 % ([Fr. 58'897.20 ./. Fr. 39'779.40] / Fr. 58'897.20 x 100 = 32.45 %).

4.6 Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdeführerin keinen An-
spruch auf eine Invalidenrente. Die angefochtene Verfügung vom 15. Au-
gust 2022 (act. II 134) ist somit nicht zu beanstanden und die dagegen er-
hobene Beschwerde ist abzuweisen.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Be-
zahlung auferlegt. 

5.2 Es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 IVG 
i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehrschluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/555, Seite 25

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.