# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfbe7129-8492-58db-9a0c-4d9aa653914c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-05-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.05.2017 D-97/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-97-2016_2017-05-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-97/2016 
wiv 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  M a i  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli-Mühlematter, 

Richter Thomas Wespi,    

Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Patrizia Carù,  

Amt für Jugend und Berufsberatung,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 4. Dezember 2015 / N (…). 

 

 

 

D-97/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine minderjährige sri-lankische Staatsangehö-

rige tamilischer Ethnie, kann sich nicht erinnern, wann sie ihr Heimatland 

verlassen habe, weil sie krank gewesen sei. Sie sei mit ihrer älteren 

Schwester (im gleichen Dossier des SEM) und einem Ehepaar, das wie 

Vater und Mutter zu ihr gewesen sei, aus Sri Lanka ausgereist. Gestützt 

auf die Aussagen der älteren Schwester verliess sie das Heimatland am 

15. Juni 2014 auf dem Landweg über B._______ bis C._______, von dort 

auf dem Luftweg in ein unbekanntes Land und weiter im Zug bis nach 

D._______, wo sie am gleichen Tag von ihrer Tante abgeholt worden sei. 

Am 20. Juni 2014 reichte sie das Asylgesuch in der Schweiz ein. Am 25. 

Juni 2014 fand die Befragung im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

E._______ statt und am 2. Dezember 2015 wurde die Anhörung durchge-

führt.  

Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe seit dem Tod ihrer Mut-

ter mit ihrem Vater, ihrem Bruder, ihrer Schwester und ihren Grosseltern 

mütterlicherseits in F._______ gelebt und zuletzt die (…) Klasse besucht. 

Der Vater und der Bruder seien nach einem Jahr weggegangen. Seither 

wisse sie nichts von ihnen. Einmal seien Steine gegen das Dach des Hau-

ses geworfen worden, worauf sie grosse Angst bekommen habe. Sie sel-

ber habe keine Probleme gehabt. Seit dem Tod ihrer Mutter habe sie zu-

dem vermehrt an (…) gelitten. Während ihre Grosseltern in F._______ ge-

blieben seien, habe sie mit ihrer Schwester die Reise in die Schweiz ange-

treten, weil sie mehr Sicherheit benötige. Hier würden eine Tante und ein 

Onkel leben. Auch in G._______, H._______ und in I._______ habe sie 

noch Tanten und Onkel.  

Die Beschwerdeführerin reichte beglaubigte Kopien ihrer Geburtsurkunde 

und des Todesscheines ihrer Mutter sowie Kopien des Todeszertifikates 

der Mutter, einer amtlichen Bestätigung der Freigabe der Leiche ihrer Mut-

ter und des Ehescheins ihrer Mutter zu den Akten.       

B.  

Mit Verfügung vom 4. Dezember 2015 – eröffnet am 7. Dezember 2015 – 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle und lehnte ihr Asylgesuch ab. Sie wurde aus der 

Schweiz weggewiesen; anstelle des Wegweisungsvollzugs wurde infolge 

dessen Unzumutbarkeit die vorläufige Aufnahme angeordnet. Auf die Be-

gründung wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen. 

D-97/2016 

Seite 3 

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 6. Januar 2016 be-

antragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung, die Anerkennung als Flüchtling, die Gewährung von Asyl und even-

tualiter die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Beizug der Akten ihres in 

der Schweiz lebenden Onkels ([…]) und um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Zur Begründung wird in 

den nachfolgenden Erwägungen Stellung genommen.   

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2016 wurde der Beschwerdefüh-

rerin mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der 

Schweiz abwarten könne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege wurde gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses verzichtet. Das SEM wurde zur Vernehmlassung eingeladen. 

E.  

In seiner Vernehmlassung vom 14. Januar 2016 stellte das SEM fest, dass 

keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vorlägen. Es hielt 

vollumfänglich an seinen Erwägungen fest. Die weitere Begründung lässt 

sich den nachfolgenden Erwägungen entnehmen.  

F.  

Am 18. Januar 2016 wurde die Vernehmlassung zur Replik gegeben. 

G.  

Mit Eingabe vom 2. Februar 2016 nahm die Beschwerdeführerin zur vor-

instanzlichen Vernehmlassung Stellung. Darauf wird in den folgenden Er-

wägungen näher eingegangen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

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Seite 4 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung 

mit drei Richtern oder Richterinnen.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Seite 5 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 In der angefochtenen Verfügung legte das SEM dar, dass zwar die Si-

tuation für die Beschwerdeführerin nach dem Tod ihrer Mutter und dem 

Weggang ihres Vaters und Bruders schwierig gewesen sei, indessen keine 

gezielt gegen sie gerichtete Verfolgungsmassnahme aus einem in Art. 3 

AsylG erwähnten Motiv darstelle. Vielmehr habe sie Nachteile erlebt, wel-

che in einem familiären und sozialen Kontext anzusiedeln und keinen 

Grund für eine Asylgewährung seien. Dem Vorbringen, wonach einmal 

Steine gegen das Dach des Hauses geworfen worden seien und sie in der 

Folge grosse Angst bekommen habe, fehle es an konkreten Hinweisen auf 

eine gezielt gegen die Beschwerdeführerin gerichtete Verfolgung. Vielmehr 

scheine sich die geltend gemachte Bedrohung gegen andere Familienmit-

glieder gerichtet zu haben. Die Beschwerdeführerin habe auch ausgesagt, 

im Heimatland ausser dem Erwähnten keine Probleme mit den Behörden 

oder Dritten gehabt zu haben. Unter diesen Umständen sei ihre Flucht aus 

dem Heimatland nicht als Folge von Verfolgungsmassnahmen aus den in 

Art. 3 AsylG genannten Gründen erfolgt. Ihre Vorbringen würden den An-

forderungen an die Flüchtlingseigenschaft somit nicht genügen.  

5.2 In der Beschwerde wurde vorgebracht, dass die Begründung des SEM 

nicht gerechtfertigt sei. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen sei vorliegend 

weder bei der Beschwerdeführerin noch bei ihrer Schwester bezweifelt 

worden. Zudem sei die Beschwerdeführerin noch sehr jung und habe nach 

bestem Wissen und Gewissen Auskunft gegeben. Dem jugendlichen Alter 

habe das SEM mit zwei sehr kurzen Befragungen und mehrfachen Verwei-

sen auf die Aussagen der älteren Schwester Rechnung getragen. Insge-

samt sei deshalb von der Glaubhaftigkeit der Angaben auszugehen. Die 

Beschwerdeführerin und ihre ältere Schwester hätten zusammen in der 

gleichen Familiensituation gelebt. Indessen habe die Schwester der Be-

schwerdeführerin aufgrund ihres Alters teilweise die Fragen ausführlicher 

beantworten können. Ihr sei Asyl gewährt worden, während der Beschwer-

deführerin Asyl verweigert werde, was nicht nachvollziehbar sei. Es dürfe 

der Beschwerdeführerin aufgrund ihres jungen Alters kein Nachteil entste-

hen, da die objektiven Tatsachen die gleichen seien und somit ihre alters-

entsprechende Erzählweise zum Nachteil ausgelegt werde. Aufgrund ihres 

Alters habe sie einen kleineren Bewegungsradius gehabt und sei praktisch 

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nie allein unterwegs gewesen, sondern immer begleitet und betreut wor-

den. Ihre ältere Schwester habe indessen eine weiter entfernte Schule und 

(…) besucht und sei infolge der erlebten Schwierigkeiten und Belästigun-

gen auf der Strasse vermehrt vom Grossvater begleitet worden. Mit zuneh-

mendem Alter wäre dies auch der Beschwerdeführerin passiert. Das Vor-

bringen, wonach Steine gegen das Haus geworfen und Gegenstände ge-

stohlen worden seien, lasse darauf schliessen, dass die Familie ins Blick-

feld der Regierung geraten sei, auch wenn die Beschwerdeführerin den 

Hintergrund dieser Tat nicht erfassen könne und lediglich von Angst und 

Einschüchterung spreche. Ihre Aussage, sie habe mit Behörden oder Drit-

ten keine Probleme gehabt, sei vor diesem Hintergrund zu betrachten und 

könne nicht als Rechtfertigung der Begründung des SEM, sie habe das 

Land infolge schwieriger Lebensbedingungen verlassen, gesehen werden. 

Es sei nachvollziehbar, dass ihr die Angehörigen nichts von der vermuteten 

politischen Motivation dieser Taten infolge der Tätigkeiten verschiedener 

Familienmitglieder für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gesagt 

hätten. Der gesamte familiäre Kontext und nicht nur die Aussagen eines 

damals zehnjährigen Mädchens müssten miteinbezogen werden. Dies 

aber habe die Vorinstanz unterlassen. Sie habe die Beschwerdeführerin 

nicht nach Tätigkeiten für die LTTE gefragt, obwohl sich aus den Aussagen 

ihrer Schwester Hinweise darauf ergeben hätten, dass verschiedene Fa-

milienmitglieder für diese Organisation tätig gewesen seien. Aus verschie-

denen Aussagen sei auch ersichtlich, dass man die Beschwerdeführerin 

und ihre Geschwister habe schützen wollen und ihnen gegenüber deshalb 

Informationen über die illegalen Tätigkeiten möglichst verschwiegen habe, 

um sie nicht zu gefährden. Aus den Aussagen der Tante, bei welcher die 

Beschwerdeführerin in der Schweiz wohne, ergebe sich, dass Verwandte 

für die LTTE tätig gewesen und später als Flüchtlinge anerkannt worden 

seien. Deshalb werde der Beizug der Asylakten des Onkels der Beschwer-

deführerin beantragt. Diesem sei auf Beschwerdeebene Asyl gewährt wor-

den. Ausserdem werde um Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme er-

sucht, sobald die Akten vorlägen. Schliesslich sei auch festzuhalten, dass 

aufgrund der hohen Militärpräsenz im Norden Sri Lankas viele mutmassli-

che Mitglieder der LTTE und deren Familien im Fokus der Sicherheitskräfte 

stünden und Ziel von Übergriffen und Einschüchterung würden. Es komme 

zu systematischen Misshandlungen, sexueller Gewalt vor allem Frauen ge-

genüber, Schikanen, willkürlichen Verhaftungen und illegalen Tötungen. 

Auch seien Übergriffe auf Familienangehörige von Personen im Ausland 

bekannt. Insgesamt würden viele Hinweise für ein sehr gefährdetes Fami-

lienprofil der beiden Schwestern sprechen. Die Gefahr einer Reflexverfol-

gung, wie sie bereits der Schwester der Beschwerdeführerin passiert sei, 

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bestehe auch für die Beschwerdeführerin selber, weshalb von einer be-

gründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung auszugehen sei. Die Aus-

sage der Vorinstanz, wonach die Ausreise aufgrund der allgemein schwie-

rigen Situation erfolgt sei und keine Verfolgungslage im Sinne von Art. 3 

AsylG vorliege, treffe nicht zu. Der Beschwerdeführerin sei wie ihrer 

Schwester Asyl zu gewähren.  

5.3 In ihrer Vernehmlassung legte die Vorinstanz dar, dass das SEM ent-

gegen der Argumentation in der Beschwerde nicht die altersentsprechende 

Erzählweise der Beschwerdeführerin zu deren Nachteil ausgelegt habe, 

sondern zum Schluss gekommen sei, dass aufgrund fehlender Hinweise 

auf eine zielgerichtete und individuelle Verfolgung durch Dritte oder durch 

Behörden im Zeitpunkt der Ausreise keine asylrelevante Gefahr bestanden 

habe. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin trotz ihres 

jugendlichen Alters fähig gewesen wäre, allfällige zielgerichtete Übergriffe 

oder andere Nachteile darzulegen. Dass der Angriff mit Steinen auf das 

Haus der Grosseltern gemäss der Darstellung in der Beschwerde gegen 

sie gerichtet gewesen sei, stelle lediglich eine Vermutung dar, welche nicht 

durch hinreichende Hinweise gestützt werde. Es sei nicht ersichtlich, wel-

ches Interesse Dritte oder die Behörden an einer Verfolgung der damals 

zehnjährigen Beschwerdeführerin gehabt hätten. Bezüglich des Vorwurfs, 

die Beschwerdeführerin sei nicht nach LTTE-Tätigkeiten von Familienan-

gehörigen gefragt worden, sei festzuhalten, dass auch die ältere Schwes-

ter – wie in der Beschwerde selber dargelegt worden sei – dazu kaum habe 

Angaben zu Protokoll geben können. Es sei deshalb nicht davon auszuge-

hen, dass die fünf Jahre jüngere Beschwerdeführerin darüber etwas hätte 

erzählen können. Zwar sei es denkbar, dass eine Person aufgrund von Tä-

tigkeiten ihrer Verwandten in Sri Lanka Verfolgungsmassnahmen ausge-

setzt sein könne. Vorliegend werde zudem nicht bezweifelt, dass Ver-

wandte der Beschwerdeführerin in Tätigkeiten für die LTTE involviert ge-

wesen seien. Indessen sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwer-

deführerin schon im Alter von zehn Jahren solchen Verfolgungsmassnah-

men ausgesetzt gewesen wäre. Zudem bestünden keine ausreichenden 

Indizien dafür, dass sie in nächster Zukunft asylrelevanten Nachteilen aus-

gesetzt würde.  

5.4 In der Replik entgegnete die Beschwerdeführerin, dass nicht ersichtlich 

sei, warum die ältere Schwester der Beschwerdeführerin Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt gewesen sei und die Beschwerdeführerin selber 

nicht, da beide Geschwister zusammengelebt hätten und Teil des gleichen 

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Familiensystems gewesen seien. Dieses sei – wie in der Beschwerde-

schrift ausgeführt und von der Vorinstanz nicht bestätigt – in exponierter 

Stellung für die LTTE aktiv gewesen. Für weitere Details sei der Beizug der 

Akten des Onkels der Beschwerdeführerin beantragt worden. Als Mitglied 

dieser Familie sei sie einer Reflexverfolgung ausgesetzt. Ferner sei akten-

kundig, dass ihre Familie Schikanen ausgesetzt gewesen sei. Die Be-

schwerdeführerin als Teil dieser Familie habe begründete Angst vor weite-

ren Verfolgungsmassnahmen gehabt. Aufgrund ihres Alters sei indessen 

das Ausmass der Gefährdung und der Bedrohung nicht ersichtlich gewe-

sen. Es sei aber falsch, deswegen von einer fehlenden Gefährdungs- und 

Verfolgungssituation auszugehen. Gerügt werde insbesondere, dass die 

Beschwerdeführerin ihr Heimatland aufgrund einer Situation allgemeiner 

Gewalt verlassen habe.  

6.  

6.1 Vorab ist festzuhalten, dass dem Eventualantrag auf Rückweisung der 

Sache an die Vorinstanz nicht entsprochen werden kann, weil der Sach-

verhalt in rechtsgenüglicher Weise feststeht und das Bundesverwaltungs-

gericht gestützt darauf eine Entscheidung fällen kann. Unter diesen Um-

ständen ist eine Rückweisung nicht gerechtfertigt. Zudem wurde in der Be-

schwerde um Ansetzung einer Frist zur Stellungnahme ersucht, mit der An-

gabe, sobald die Akten vorlägen. Weder wurde konkret dargelegt, um wel-

che Akten es sich handelt, noch wurde dieses Gesuch begründet. Ange-

sichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin am 18. Januar 2016 die 

Möglichkeit einer Stellungnahme eingeräumt wurde, ist dieses Gesuch als 

hinfällig geworden zu betrachten.  

 

6.2 Entsprechend der Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter 

Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Begründete Furcht 

vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liegt vor, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat oder in begründeter Weise in absehbarer 

Zukunft befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund von bestimmten, 

in Art. 3 Abs.1 AsylG aufgezählten Verfolgungsmotiven zugefügt worden 

sind oder zugefügt zu werden drohen, ohne dass im Heimatland effektiver 

Schutz erlangt werden könnte. Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn ist 

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keine Frage des Urhebers, sondern des Vorhandenseins adäquaten Schut-

zes im Herkunftsstaat. 

 

6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – aus 

der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

und in absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch 

aus heutiger Sicht – mit ebendieser Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit 

verwirklichen. Ob in einem bestimmten Fall eine solche Wahrscheinlichkeit 

besteht, ist aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu beurteilen. 

Diese objektivierte Betrachtungsweise ist mit dem der Furcht innewohnen-

den subjektiven Element zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine subjektive 

Furcht.  

6.4 Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor 

künftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die Aus-

reise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asy-

lentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurteilung der Flücht-

lingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlit-

tene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete 

Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelvermutung – auf eine andau-

ernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwischen Aus-

reise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden 

Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, 2010/9 E. 5.2,  

2007/31 E. 5.3 f.). 

6.5 Vorab ist festzuhalten, dass auf die Ausführungen in der Beschwerde 

bezüglich der Glaubhaftigkeit der Aussagen der minderjährigen Beschwer-

deführerin nicht näher einzugehen ist, zumal das SEM diese weder näher 

geprüft noch vorbehalten hat; vielmehr hat es die Asylgewährung aufgrund 

fehlender Asylrelevanz verneint. Zudem ergeben sich aus den Akten keine 

hinreichenden Hinweise darauf, dass die Aussagen der Beschwerdeführe-

rin nicht als glaubhaft zu betrachten wären, weshalb von deren Glaubhaf-

tigkeit auszugehen ist.  

6.6 Sodann sind angesichts des jugendlichen Alters der Beschwerdeführe-

rin und ihrer Einbindung in den Familienverband im vorliegenden Fall die 

Asylakten ihrer Schwester ([…]) und diejenigen ihrer in der Schweiz leben-

den Verwandten, insbesondere des Onkels ([…]), in die Beurteilung mitein-

zubeziehen.  

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6.7 Des Weiteren ergeben sich aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

selber offensichtlich keine asylrelevanten Gründe. Um unnötige Wiederho-

lungen zu vermeiden, ist auf die diesbezüglich zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz zu verweisen. Insbesondere kann der Vorfall, wonach 

Steine auf das Dach des Hauses, in welchem die Beschwerdeführerin im 

Familienverband gelebt habe, geworfen worden seien, nicht als konkret 

und gezielt gegen die Beschwerdeführerin gerichteter Angriff bezeichnet 

werden, zumal sich weder die Urheber noch die genaueren Umstände die-

ses Vorfalls den Akten entnehmen lassen, wobei in diesem Zusammen-

hang auch die Akten der Schwester der Beschwerdeführerin keine eindeu-

tigen Rückschlüsse erlauben, zumal blosse Vermutungen im Vordergrund 

stehen. Dem SEM ist beizupflichten, dass dieser Vorfall mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit nicht gegen die Person der damals zehnjährigen Be-

schwerdeführerin gerichtet war. In Ergänzung dazu kann festgehalten wer-

den, dass aus den Akten kein konkreter Grund ersichtlich ist, der eine ge-

genteilige Annahme stützen könnte, weshalb die Argumentation in der Be-

schwerde nicht geteilt werden kann. Die darüber hinaus dargelegten fami-

liären Probleme der Beschwerdeführerin aufgrund des Todes ihrer Mutter 

und des Weggangs ihres Vaters und Bruders können ebenfalls nicht als 

asylrelevante Nachteile betrachtet werden. Im Übrigen machte sie keine 

persönlichen Probleme mit Behörden oder Dritten geltend. Aus den Akten 

ist schliesslich – auch unter Berücksichtigung der Beizugsakten – entge-

gen der Darstellung in der Beschwerde nicht ersichtlich, dass die im Zeit-

punkt der Ausreise elfjährige Beschwerdeführerin mit hinreichender Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zeit eine asylrelevante Verfolgung im Hei-

matland hätte befürchten müssen. Somit ist im Sinne eines Zwischenfazits 

festzuhalten, dass aufgrund der Aussagen der Beschwerdeführerin keine 

konkreten und gezielt gegen sie gerichteten Nachteile im Sinne des Asyl-

gesetzes vorliegen sowie im Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer begrün-

deten Furcht vor Nachteilen im Sinne des Gesetzes auszugehen war.  

6.8 Insgesamt ist daher festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin 

nicht gelungen ist, eine asylrelevante Vorverfolgung glaubhaft zu machen. 

Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch daher zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Falle einer 

Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgungsmassnahmen zu befürchten hätte. Insbesondere ist un-

ter Berücksichtigung des familiären Umfeldes, in welchem sie aufwächst, 

die Frage der Reflexverfolgung zu klären, auch wenn sie selber von sich 

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Seite 11 

aus die Gefahr einer Reflexverfolgung nicht zur Sprache brachte, zumal 

diesbezüglich nicht auszuschliessen ist, dass ihr eine solche aufgrund ih-

res Alters gar nicht bewusst war.   

 

7.2 Das SEM stellte in seiner Vernehmlassung fest, dass eine Person auf-

grund von ehemaligen LTTE-Tätigkeiten von Verwandten in Sri Lanka Ver-

folgungsmassnahmen ausgesetzt sein könne, und dass vorliegend nicht 

bezweifelt werde, Verwandte der Beschwerdeführerin seien in Tätigkeiten 

der LTTE involviert gewesen. Indessen sei nicht davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin aufgrund dessen in Sri Lanka im Alter von zehn 

Jahren solchen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen wäre. Zu-

dem bestünden vorliegend zu wenige Indizien dafür, dass sie in nächster 

Zukunft asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt gewesen wäre. Damit macht 

das SEM geltend, dass die Beschwerdeführerin weder im Zeitpunkt ihrer 

Ausreise einer Reflexverfolgung unterlag noch im heutigen Zeitpunkt eine 

solche zu befürchten hat. 

7.3 Unter Reflexverfolgung sind behördliche Belästigungen oder Behelli-

gungen von Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die 

Behörden einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft 

werden oder schlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine sol-

che auch bei Angehörigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexver-

folgung kann insbesondere darin liegen, Informationen über effektiv ge-

suchte Personen zu erlangen, beziehungsweise Geständnisse von Inhaf-

tierten zu erzwingen (vgl. Urteil des BVGer D-4120/2014 vom 31. Mai 2016 

E. 5.3.1). 

7.4 Zu bemerken ist vorab, dass praxisgemäss die Tatsache allein, dass 

die Schwester und weitere Verwandte der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz als Flüchtlinge anerkannt worden sind, für die Annahme einer Re-

flexverfolgung nicht ausreicht (vgl. Urteil des BVGer E-5222/2015 vom 

5. August 2016 E. 8.3). Vielmehr müssen zusätzliche Kriterien erfüllt sein, 

um von einer Reflexverfolgung im oben erwähnten Sinn ausgehen zu kön-

nen.  

7.5 Aus den vorangehenden Erwägungen (vgl. Ziff. 6.6) ergibt sich, dass 

das Bundesverwaltungsgericht – in Übereinstimmung mit dem SEM – nicht 

vom Bestehen einer Reflexverfolgung im Zeitpunkt der Ausreise der Be-

schwerdeführerin ausgeht, zumal das Vorliegen einer begründeten Furcht 

im Zeitpunkt der Ausreise in den vorangehenden Erwägungen verneint 

wurde. Weder aus den Akten der Beschwerdeführerin noch aus denjenigen 

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Seite 12 

ihrer Schwester oder ihrer Verwandten in der Schweiz ergeben sich hinrei-

chende Anhaltspunkte dafür, dass sie im damaligen Zeitpunkt eine solche 

zu befürchten hatte, weil keine Hinweise ersichtlich sind, dass sie als Kind 

von zehn beziehungsweise im Zeitpunkt der Ausreise elf Jahren im Fokus 

der sri-lankischen Behörden oder Dritter gestanden wäre. Ebensowenig 

kann den Akten entnommen werden, dass sie im damaligen Zeitpunkt auf-

grund ihrer Verwandten hätte befürchten müssen, in absehbarer Zeit und 

mit hinreichender Wahrscheinlichkeit asylrelevante Nachteile erleiden zu 

müssen. Somit hatte sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise auch unter Einbezug 

der familiären Verhältnisse keine Reflexverfolgung zu befürchten. 

7.6 Vorliegend ist die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführerin in Be-

rücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka bei einer Rückkehr ins Hei-

matland ernsthafte Nachteile drohen würden. Diesbezüglich ist auf die bei-

den Urteile des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2011/24 und  

E-1886/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert) zu verweisen. 

Das Gericht hat sich in diesen Urteilen ausführlich zur Situation in Sri Lanka 

geäussert. In BVGE 2011/24 hat das Bundesverwaltungsgericht verschie-

dene Risikogruppen definiert, welche bei einer Rückkehr nach Sri Lanka 

einer erhöhten Verfolgungsgefahr unterliegen und damit begründete Furcht 

haben, zukünftig ernsthaften Nachteilen (Art. 3 Abs. 2 AsylG) ausgesetzt 

zu werden. Dazu gehören namentlich Personen, die auch nach Beendi-

gung des Bürgerkriegs verdächtigt werden, mit den LTTE in Verbindung zu 

stehen beziehungsweise gestanden zu sein, sowie allgemein Personen, 

die der politischen Opposition verdächtigt werden. Einer erhöhten Verfol-

gungsgefahr ausgesetzt sehen sich im Weitern auch kritisch auftretende 

Journalisten und Medienschaffende, Menschenrechtsaktivisten und Vertre-

ter von regimekritischen Nichtregierungsorganisationen, Personen, die Op-

fer oder Zeuge schwerer Menschenrechtsverstösse wurden oder diesbe-

züglich juristische Schritte einleiten sowie Rückkehrer aus der Schweiz, 

denen nahe Kontakte zu den LTTE unterstellt werden beziehungsweise die 

über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen. Innerhalb der Risikogruppen 

muss jeweils im Einzelfall untersucht werden, ob die individuellen Bege-

benheiten eine asylrelevante Verfolgungsgefahr zu begründen vermögen. 

In Bezug auf die Kategorie der Rückkehrer aus der Schweiz hat das Bun-

desverwaltungsgericht sodann in seinem Referenzurteil zu Sri Lanka ver-

schiedene Kriterien aufgestellt, welche ein Verfolgungsrisiko begründen 

(vgl. das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenz-

urteil publiziert], E. 8.5). Eine geltend gemachte Verbindung zu den LTTE 

vermag demnach dann eine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im 

asylrechtlichen Sinn zu begründen, wenn der betroffenen Person aus Sicht 

D-97/2016 

Seite 13 

der sri-lankischen Behörden ein Interesse am Wiederaufflammen des ta-

milischen Separatismus zugeschrieben wird (a.a.O., E. 8.5.3). Eine solche 

Zuschreibung kann insbesondere auf familiären Verbindungen zu LTTE-

Mitgliedern und vergangenen Hilfeleistungen für die LTTE beruhen (a.a.O., 

E. 8.4.1). Exilpolitische Aktivitäten vermöchten ebenfalls dann eine rele-

vante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-

gründen, wenn der betroffenen Person seitens der sri-lankischen Behörden 

ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamili-

schen Separatismus zugeschrieben werde. Neben der Teilnahme an re-

gimekritischen Veranstaltungen und der Mitwirkung bei regimekritischen 

Publikationen sei auch an die Verbindung zu einer von der sri-lankischen 

Regierung verbotenen exilpolitischen Organisation zu denken (Verweis auf 

The Gazette of the Democratic Socialist Republic of Sri Lanka, Part I: Sec-

tion [I] – General, Government Notifications, The United Nations Act. 

No. 45 of 1968, Amendment to the List of Designated Persons under Re-

gulation 4[7] of the United Nations Regulations No. 1 of 2012, 20. Novem-

ber 2015; vgl. dazu a.a.O., E. 8.5.4). 

7.7 In Bezug auf den vorliegenden Fall ergibt sich aus den Akten des On-

kels und der Tante der Beschwerdeführerin (Angabe in der Beschwerde: 

[…], recte: […]), dass ihnen in der Schweiz Asyl gewährt worden ist. Der 

Onkel machte im Bereich der Medien eigene öffentlichkeitswirksame Ver-

bindungen zu den LTTE und solche seines in einem anderen europäischen 

Land als Flüchtling anerkannten Bruders geltend, gestützt auf welche das 

SEM zur Annahme gelangte, im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka könn-

ten asylbeachtliche Verfolgungsmassnahmen nicht ausgeschlossen wer-

den. Zwar leben sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihre ältere 

Schwester bei diesem Onkel in der Schweiz, weshalb es offensichtlich ist, 

dass sie eine nahe Beziehung zu ihm haben. Indessen ist es äusserst frag-

lich, ob diese Verbindung im Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka bekannt 

würde, zumal für die sri-lankischen Behörden bei der Wiedereinreise des 

Mädchens kein hinreichender Anlass bestehen würde, sie nach diesem 

Onkel oder nach der Beziehung zu ihm zu fragen. Selbst wenn die Bezie-

hung der Beschwerdeführerin zu ihm bekannt würde, ist nicht davon aus-

zugehen, dass der heute im Teenager-Alter stehenden Beschwerdeführe-

rin von Seiten des sri-lankischen Staates unterstellt wird, aufgrund der Be-

ziehung zu diesem Onkel in der Schweiz ein regimkritisches Gedankengut 

zu pflegen, mit den LTTE in Verbindung zu stehen  

oder der Opposition anzugehören. Allein aufgrund ihrer Beziehung zum 

Onkel können auch die sri-lankischen Behörden nicht davon ausgehen, 

dass sie – als Kind im Alter von fast 14 Jahren – für den sri-lankischen 

D-97/2016 

Seite 14 

Staat eine ernsthafte Gefahr darzustellen vermag. Dies ist umso mehr der 

Fall, als sie bereits im Alter von elf Jahren aus Sri Lanka ausgereist ist. 

Somit kann die Beschwerdeführerin trotz ihrer Beziehung zu ihrem in der 

Schweiz lebenden Onkel nicht der Risikogruppe der mit den LTTE in Ver-

bindung stehenden Personen zugerechnet werden. Ebensowenig ergeben 

sich aus den Akten konkrete Hinweise darauf, dass sie einer der anderen 

vom Bundesverwaltungsgericht definierten Riskogruppen zuzurechnen 

wäre. Folglich ist in ihrer Angelegenheit nicht davon auszugehen, dass sie 

im Fall einer – infolge der vom SEM gewährten vorläufigen Aufnahme hy-

pothetischen – Rückkehr in ihr Heimatland einer reellen Verfolgungsgefahr 

im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt wäre.  

7.8 An dieser Einschätzung vermag die Tatsache, dass die Schwester der 

Beschwerdeführerin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und ihr Asyl 

gewährt wurde, nichts zu ändern, zumal in ihrem Fall die Asylgewährung 

aufgrund eigenständiger Vorfluchtgründe erfolgt ist, was bei der Beschwer-

deführerin – wie sich aus den vorangehenden Erwägungen ergibt – ausser 

Diskussion steht.  

7.9 Aus diesen Gründen besteht auch angesichts der spezifischen Verfah-

rensumstände und der verwandtschaftlichen Beziehungen der Beschwer-

deführerin kein ernsthaftes Risiko, dass sie von den sri-lankischen Behör-

den im Falle ihrer Rückkehr nach Sri Lanka verdächtigt würde, aufgrund 

ihrer Beziehung zu ihren in den LTTE aktiven Verwandten in der Schweiz 

für den sri-lankischen Staat eine Gefahr darzustellen.  

 

7.10 Demnach ist gestützt auf die vorstehenden Erwägungen insgesamt 

nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ei-

nem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt wäre und die Zufügung ernst-

hafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu befürchten hätte. Da-

mit erfüllt sie die Flüchtlingseigenschaft im Sinne der Flüchtlingskonvention 

nicht, weshalb keine relevante Verfolgungsfurcht vorliegt und sie nicht als 

Flüchtling anzuerkennen ist.  

 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

D-97/2016 

Seite 15 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

9.2 Die Vorinstanz nahm die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 4. De-

zember 2015 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

vorläufig auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Erörterung der beiden 

andern Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegweisungsvoll-

zugs – zu verzichten. Über diese müsste dann befunden werden, wenn die 

vorläufige Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs erübrigen sich im heutigen Zeitpunkt weitere Erwägun-

gen (BVGE 2009/51 E. 5.4).  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch 

das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 

12. Januar 2016 gutgeheissen worden ist, sind vorliegend keine Verfah-

renskosten zu erheben. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Eva Zürcher 

 

 

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