# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e288d27f-37fc-5152-89ce-20fa708541e8
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-09-23
**Language:** de
**Title:** Wegabstand, Grenzabstand. Geltung des Grenzabstandes zum Nachbargrundstück auch über einen öffentlichen, nicht durch Baulinien gesicherten Weg hinweg.
**Docket/Reference:** BRKE I Nr. 0250/2005
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_I_0250_2005_939.pdf

## Full Text

BRKE I Nr. 0250/2005 vom 23. September 2005 in BEZ 2005 Nr. 43 

7. Schliesslich  rügt  der  Rekurrent,  die  Vorinstanz  habe  zu  Unrecht  festgestellt,
die Balkone ragten in den Abstandsbereich zum Nachbargrundstück Kat.-Nr. 93 hin-
ein. Die Vorinstanz gehe offenbar davon aus, dass die projektierten Bauten gegen-
über diesem Grundstück, welches vom Baugrundstück durch einen öffentlichen Weg 
getrennt sei, den grossen Grundabstand von 12 m einzuhalten habe. Diese Auffas-
sung sei falsch. Oberirdische Gebäude hätten beim Fehlen von Baulinien gegenüber 
öffentlichen Wegen einen Abstand von 3,5 m einzuhalten. Die Gemeinde N habe von 
der in § 265 Abs. 1 PBG enthaltenen Möglichkeit, andere Weg- und Strassenabstän-
de vorzuschreiben keinen Gebrauch gemacht. Somit könnten die geplanten Gebäu-
de wesentlich näher an den Weg gebaut werden. Der Abstand von 3,5 m werde auch 
von den Balkonen unbestrittenermassen bei weitem eingehalten. 

Die  Vorinstanz  beharrt  demgegenüber  auf  dem  Standpunkt,  es  sei  – wie  im 
Verwaltungsgerichtsentscheid  VB.2001.00092  (=  BEZ  2001  Nr.  48)  festgehalten  –
über den Weg hinweg zum Grundstück Kat.-Nr. 93 der grosse Grundabstand von 12 
m zu messen. Da die Balkone auf mehr als einem Drittel der Fassadenlänge in den 
so  definierten  Abstandsbereich  ragten,  müsse  entweder  das  Projekt  bezüglich  der 
Balkone  überarbeitet  oder  ein  Näherbaurecht  mit  dem  Eigentümer  von  Grundstück 
Kat.-Nr. 93 vereinbart werden.

8. Fehlen Baulinien für öffentliche und private Strassen und Plätze sowie für öf-
fentliche  Wege  und  erscheint  eine  Festsetzung  nicht  nötig,  so  haben  oberirdische 
Gebäude  einen  Abstand  von  6 m  gegenüber  Strassen  und  Plätzen  und  von  3,5  m 
gegenüber  Wegen  einzuhalten,  sofern  die  Bau- und  Zonenordnung  keine  anderen 
Abstände vorschreibt (§ 265 Abs. 1 PBG). Das Verwaltungsgericht hat entschieden, 
dass  über  einen  öffentlichen,  nicht  durch  Baulinien gesicherten  Weg  hinweg  zum 
jenseits  des  Weges  liegenden  Grundstück  der  Grenzabstand  einzuhalten  sei  (RB 
2001 Nr. 73 = BEZ 2001 Nr. 48). Mit Entscheid vom 1. Juni 2005 modifizierte es die-
se Rechtsprechung dahingehend, dass die genannte Rechtsauffassung nur bei (nicht 
durch  Baulinien  gesicherten)  Wegen  zum  Tragen  komme,  die  weniger  als  3  m  breit 
sind.  Über  einen  nicht  durch  Baulinien  gesicherten,  öffentlichen  Weg  sei  demnach 
zum  gegenüberliegenden  Grundstück  «der  Grenzabstand,  höchstens  aber  6,5  m, 
einzuhalten» (VB.2005.00017, E. 3, www.vgrzh.ch).

Diese Rechtsprechung ist schon in ihrer ursprünglichen Form auf Kritik gestos-
sen (vgl. F. Huber, Grenzabstand von Gebäuden gegenüber der jenseits des Weges 
liegenden  Parzelle,  PBG  aktuell  1/2002,  S.  34  ff.;  Ch.  Fritzsche/P.  Bösch,  Zürcher 
Planungs- und  Baurecht,  3.  A.,  2003,  12-33  f.);  in  ihrer  modifizierten  Form  erweckt 
sie nach wie vor erhebliche Zweifel. Die der früheren Praxis regelmässig zu Grunde 
liegende  Auffassung,  wonach  lediglich  ein  Abstand  bis  zur  nächsten  Grenze  und 
nicht  darüber  hinweg  bis  zu  einer  weiteren  Grenze  einzuhalten  sei  (Huber,  S.  37), 

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dürfte  dem  Willen  des  Gesetzgebers  wohl  am  ehesten  entsprochen  haben,  wofür 
auch  die  Bestimmung  von  §  272  PBG  spricht.  Im  Übrigen  müsste  die  gegenteilige 
Auffassung, dass der Gesetzgeber auch eine Messung zum entfernteren Grundstück 
gewollt habe, konsequenterweise zwingend zur Einhaltung des vollen Grenzabstan-
des  führen. Die Einhaltung bloss eines reduzierten Grenzabstandes über (schmale) 
Wege hinweg entbehrt demnach der erforderlichen gesetzlichen Grundlage. 

Es  ist  indessen  nicht  Sache  der  Baurekurskommissionen,  die  Rechtsprechung 

des Verwaltungsgerichts zu korrigieren, weshalb diese vorliegend zu beachten ist.

Der Weg, welcher das Baugrundstück vom Grundstück Kat.-Nr. 93 trennt, ist 2,5 
m breit. Damit haben die geplanten Mehrfamilienhäuser in Anwendung obiger Recht-
sprechung einen Abstand von 6,5 m zum Grundstück Kat.-Nr. 93 einzuhalten. Dieser 
Abstand wird sowohl von den Westfassaden als auch von den diesen auf der ganzen 
Länge vorgelagerten Balkonen bei weitem und unbestrittenermassen eingehalten. Es 
besteht daher keinerlei Anlass, vom Rekurrenten eine Änderung des Projekts bezüg-
lich der Balkone oder die Beibringung einer Näherbaurechtsvereinbarung zu verlan-
gen.  Demgemäss ist der Rekurs in diesem Punkt gutzuheissen und die betreffende 
Nebenbestimmung ist aufzuheben.