# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d3d694d-1c22-51f0-80b6-ae813b61bb60
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.11.2010 D-8262/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8262-2007_2010-11-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8262/2007/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richter Robert Galliker; 
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.

A._______, geboren [...], Kroatien,
vertreten durch Christoph von Blarer, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 1. November 2007 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8262/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein kroatischer Staatsangehöriger serbischer 
Volkszugehörigkeit – stellte am 4. Februar 1992 ein erstes Asylgesuch. 
Mit Verfügung vom 18. März 1992 lehnte die Vorinstanz dieses Asylge-
such ab, ordnete die Wegweisung an, schob jedoch den Vollzug ge-
stützt  auf  den Beschluss  des Bundesrates  vom 18. Dezember  1991 
(vorläufige  Aufnahme  von  jugoslawischen  Staatsangehörigen)  zu 
Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Nach der Aufhebung der vor-
läufigen Aufnahme ersuchte der Beschwerdeführer am 30. November 
1998 mit als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichneter Eingabe erneut 
um Asyl. Dieses Gesuch wurde von der  Vorinstanz am 9. Juni  2000 
abgewiesen und die Wegweisung sowie deren Vollzug angeordnet. Die 
dagegen erhobene Beschwerde bezüglich des Wegweisungsvollzuges 
wurde  von  der  ehemaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK) gutgeheissen, und der Beschwerdeführer wurde gemäss Bun-
desratsbeschluss vom 1. März 2000 im Rahmen der Humanitären Ak-
tion 2000 (HUMAK) vorläufig aufgenommen. Diese vorläufige Aufnah-
me erlosch am 17. April  2007, weil  der Beschwerdeführer mit  seiner 
Familie freiwillig nach Kroatien zurückkehrte. 

B.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer den Heimat-
staat  erneut  am  16.  September  2007  und  reiste  mit  dem  Bus  von 
Z._______ (Republik Srpska) in die Schweiz, wo er am 24. September 
2007 wiederum ein Asylgesuch stellte. Am 27. September 2007 wurde 
der  Beschwerdeführer  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
Basel summarisch zum Reiseweg und zu den Asylgründen befragt. Die 
Bundesanhörung  gemäss  Art.  29  Abs.  4  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) erfolgte am 19. Oktober 2007.

Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, dass er nach 
der Heimkehr in sein Heimatland ständig provoziert worden sei. Auch 
seine Kinder seien belästigt worden, weil er gegen Kroatien gekämpft 
habe. Ende Juli 2007 sei er von der Polizei zum Sicherheitsdienst nach 
Y._______ gebracht worden, wo er von zwei Beamten in ziviler Klei -
dung befragt worden sei. Diese hätten ihm eine Liste mit sieben Na-
men vorgelegt und ihn aufgefordert, Auskunft darüber zu geben, ob er 
jemanden von diesen Personen kenne. Obwohl der Name eines ihm 
bekannten fanatischen Unteroffiziers einer Spezialeinheit der Infante-

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rie  auf  der  Liste  gestanden sei,  der  während des Krieges Personen 
umgebracht habe, habe er diese Frage verneint. Anschliessend sei er 
von der Sicherheitspolizei mit der Bemerkung entlassen worden, dass 
man  schon  noch  etwas  über  ihn  herausfinden  werde.  Als  er  seiner 
Ehefrau  von  diesem  Vorfall  berichtet  habe,  sei  zwischen  ihnen  ein 
Streit ausgebrochen. Dies habe ihn veranlasst, in die Republik Srpska 
zu ziehen, wo er bei einem Rentner ein Zimmer gemietet habe. Dort 
habe ihn eines Tages sein Sohn besucht und ihm einen Dokumentar-
film  des  mazedonischen  Fernsehens  gezeigt,  welcher  über  einen 
Kriegsvorfall  berichtet habe, an dem auch er (der Beschwerdeführer) 
beteiligt gewesen sei. Er fürchte sich nun davor, von der kroatischen 
Sicherheitspolizei festgenommen und verurteilt zu werden.

C.
Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 1. November 2007 – eröffnet  
am 5. November 2007 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig ver-
fügte  sie  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz 
und ordnete  den  Wegweisungsvollzug  an. Auf  die  Begründung wird, 
soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2007 erhob der Beschwerdeführer beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde einzig gegen den angeordne-
ten Wegweisungsvollzug und beantragte deren Aufhebung sowie die 
Gewährung der  vorläufigen Aufnahme,  weil  der  Wegweisungsvollzug 
unzulässig  beziehungsweise  unzumutbar  sei.  Weiter  sei  die  Sache 
eventuell zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. In prozess-
rechtlicher  Hinsicht  stellte  er  das  Gesuch um Verzicht  auf  die  Erhe-
bung  eines  Kostenvorschusses  und  die  Gewährung  der  unentgeltli-
chen Rechtspflege. Zudem reichte der Beschwerdeführer folgende Un-
terlagen ein: ein Country Summery Croatia der Human Rights Watch 
vom Januar 2007, die Kopie eines fremdsprachigen Artikels der Zei-
tung  [...]  vom 29. November  2007,  eine  E-Mail  von  B._______  vom 
30. November  2007  sowie  eine  Unterstützungsbescheinigung  des 
Wohnheims für Asylbewerber, X._______, vom 3. Dezember 2007.

E.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2007 verzichtete das Ge-
richt auf das Erheben eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig hielt der 
Instruktionsrichter fest, dass über das Gesuch um Gewährung der un-

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entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde, und lud 
das BFM zu einem Schriftenwechsel ein.

F.
Am 18. Dezember 2007 reichte der Beschwerdeführer ein Arztzeugnis 
von Dr. med. C._______ vom 11. Dezember 2007 zu den Akten.

G.
In der Vernehmlassung vom 9. Januar 2008 hielt die Vorinstanz vollum-
fänglich an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde. Auf den Inhalt der vorinstanzlichen Stellungnahme wird – 
soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

H.
Mit Verfügung vom 15. Januar 2008 wurde dem Beschwerdeführer die 
Vernehmlassung vom 9. Januar 2008 zugestellt,  und er erhielt  Gele-
genheit, dazu Stellung zu nehmen.

I.
Der Beschwerdeführer liess sich am 30. Januar 2008 vernehmen und 
reichte  gleichzeitig  einen  Internetausdruck  ("Serbische  Kriegsverbre-
cher in Den Haag verurteilt") der [...]zeitung Ausland vom 23.  Januar 
2008 zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht auf 
dem Gebiet  des Asyls Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 
VwVG. Das BFM gehört  zu den Behörden nach  Art. 33 VGG und ist 
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach-
gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. 
Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung 
der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich end-
gültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgeset-
zes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Der Beschwerdefüh-
rer ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die Verfügung des BFM vom 1. November 2007 ist, soweit sie die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung betrifft 
(vgl. Ziffern 1-3 des Dispositivs),  nicht angefochten worden und des-
halb mit Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen. Gegen-
stand des Beschwerdeverfahrens bildet im Folgenden somit einzig die 
Frage, ob das BFM den Vollzug der Wegweisung zu Recht angeordnet 
hat oder ob anstelle des Vollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen 
ist  (Art.  44  Abs.  2  AsylG  i.V  m.  Art.  83  des  Bundesgesetzes  vom 
16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

4.
Vorab ist  auf die formelle Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, 
wonach das BFM den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, 
indem es den Wegweisungsvollzug lediglich mit wenigen Standardsät-
zen begründet habe. 

4.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 der Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 
1999 [BV, SR 101], Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die 
verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, 
sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung berücksich-
tigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschla-
gen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Ferner soll  die Abfassung der 

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Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid gegebenen-
falls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl 
der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des 
Entscheides ein Bild machen können, wobei sich die verfügende Be-
hörde allerdings nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behaup-
tung  und  jedem rechtlichen  Einwand auseinandersetzen  muss,  son-
dern sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann. Die 
Begründungsdichte  richtet  sich  dabei  nach  dem  Verfügungsgegen-
stand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen, 
wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung  verlangt  wird 
(vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts 
[BVGE] 2008/47 E. 3.2 S. 674 f.). 

4.2 Diesen Anforderungen vermag die angefochtene Verfügung zu ge-
nügen. Das BFM hat betreffend den Wegweisungsvollzug nach Kroa-
tien dargelegt, warum es die Voraussetzungen hierfür als erfüllt erach-
tet. Vor dem Hintergrund, dass das Bundesamt die vom Beschwerde-
führer zur Begründung seines Asylgesuches geltend gemachten Vor-
bringen bereits im Rahmen der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft und 
der Asylgewährung gewürdigt und diese als unglaubhaft beurteilt hat, 
bestand für die Vorinstanz kein Anlass, diese im Zusammenhang mit 
der Frage der Zulässigkeit  respektive der Zumutbarkeit  des Wegwei-
sungsvollzugs nochmals zu prüfen. Vielmehr durfte es sich unter die-
sen Umständen auf die Feststellung beschränken, dass sich aus den 
Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dem Beschwerdeführer dro-
he im Falle der Rückkehr nach Kroatien mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine durch Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
verbotene Strafe  oder  Behandlung. Das BFM setzte  sich  zwar  nicht 
ausführlich mit der gegenwärtigen Lage in Kroatien auseinander, hielt 
aber zumindest fest, dass weder die aktuelle politische Situation noch 
andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  sprechen. 
Insgesamt hat das Bundesamt die Frage der Zulässigkeit beziehungs-
weise der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs und die diesbezüg-
lich relevanten Umstände angemessen gewürdigt und ist  seiner Prü-
fungs- und Begründungspflicht hinreichend nachgekommen. 

4.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine Verletzung des An-
spruchs auf das rechtliche Gehör festgestellt werden kann. Es besteht 

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deshalb kein Grund, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

5.
5.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

5.2
5.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  BV,  Art.  3  des  Übereinkommens  vom 
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschli-
che oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und 
der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmensch li-
cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

5.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-

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scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Ur-
teil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit 
weiteren Hinweisen).

Kroatien wurde am 6. November 1996 Mitglied des Europarats und im 
Oktober  2005  wurden  Beitrittsverhandlungen  über  eine  EU-Vollmit-
gliedschaft Kroatiens aufgenommen. Mit Beschluss vom 8. Dezember 
2006  hat  der  Bundesrat  sodann  Kroatien  zum  sogenannten  verfol-
gungssicheren  Herkunftsstaat  (Safe  Country)  im  Sinne  von  Art.  6a 
Abs. 2 Bst. a AsylG erklärt und ist bisher von dieser Einschätzung im 
Rahmen der periodischen Prüfung (vgl. Art. 6a Abs. 3 AsylG) nicht ab-
gewichen.

Dem Fortschrittsbericht  der  EU-Kommission  vom 9. November  2010 
(Memo /10/558) ist zu entnehmen, dass die Beitrittsverhandlungen mit 
Kroatien nun in die Endphase eingetreten sind, da das Land in vielen 
Bereichen insgesamt gute Fortschritte erzielt  habe. In Bezug auf Ju-
stiz- und Verwaltungsreformen wird im Bericht zwar festgehalten, dass 
schwierige  Aufgaben  –  namentlich  die  Anwendung  objektiver  und 
transparenter Kriterien für die Ernennung von Richtern und Staatsan-
wälten,  die  weitere  Verringerung  des  Verfahrensrückstaus  und  der 
Dauer der Verfahren wie auch die bessere Durchsetzung gerichtlicher 
Entscheidungen – noch nicht gelöst seien. Missstände hinsichtlich all -
fälliger  Menschenrechtsverletzungen  sind  dem  Fortschrittsbericht 
demgegenüber keine zu entnehmen. Demzufolge ist – mangels Vorlie-
gens gegenteiliger Anhaltspunkte und entgegen der Meinung des Be-
schwerdeführers – davon auszugehen, dass diesem bei einem all fälli-
gen Gerichtsverfahren (vorstehend Bst. B.) keine Menschenrechtsver-
letzungen drohen.

5.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

5.3
5.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-

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staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818). Diese Bestimmung wird vor allem bei 
Gewaltflüchtlingen angewendet,  das heisst  Ausländerinnen und Aus-
ländern, die mangels persönlicher Verfolgung weder die Voraussetzun-
gen der Flüchtlingseigenschaft  noch jene des völkerrechtlichen Non-
Refoulement-Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der  Folgen  von  Krieg, 
Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt nicht in ihren Hei-
matstaat zurückkehren können (BVGE 2008 Nr. 5).

5.3.2 Die Zumutbarkeit der Rückführung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 
AuG abgewiesener Asylsuchender nach Kroatien wird gemäss Recht-
sprechung  der  vormaligen  ARK  aufgrund einer  umfassenden  Würdi-
gung der allgemeinen Situation in  diesem Land grundsätzlich bejaht 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 10). Die allgemeine Lage in Kroa-
tien – auch in Bezug auf die serbische Minderheit – ist nicht von Krieg, 
Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt geprägt, so dass 
eine Rückkehr von Personen serbischer Ethnie nach Kroatien generell 
als unzumutbar erscheinen würde. Eine Änderung dieser Rechtspre-
chung rechtfertigt sich nicht, da sich die allgemeine Situation in Kroa-
tien offensichtlich seither nicht verschlechtert beziehungsweise weiter 
verbessert hat. Zu prüfen bleibt, ob persönliche Gründe des Beschwer-
deführers den Wegweisungsvollzug als nicht zumutbar erscheinen las-
sen.

5.3.3 Bei der Prüfung der Frage der Zumutbarkeit in ein Gebiet, wel-
ches grundsätzlich als sicher gilt, sind im Rahmen einer Gesamtwürdi-
gung  individuelle  Faktoren  – namentlich  das  Vorhandensein  bezie-
hungsweise  Fehlen  eines  familiären  oder  sozialen  Netzes  und  von 
Wohneigentum, das Alter, die Gesundheit, das Geschlecht und allfälli-
ge familiäre Verpflichtungen – zu gewichten.

5.3.4 Im Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten  gesundheitlichen  Problemen  ist  vorab  darauf  hinzuweisen, 
dass Gründe ausschliesslich medizinischer Natur den Wegweisungs-
vollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen lassen, es sei 
denn, die erforderliche Behandlung sei wesentlich und im Heimatland 

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nicht erhältlich. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dring li-
che medizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung ei-
ner menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Allein aus dem 
Umstand, dass der medizinische Standard in der Schweiz höher ist als 
im Heimat-  respektive Herkunftsland,  kann –  entgegen  der  Meinung 
des Beschwerdeführers – nicht bereits auf Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs geschlossen werden (vgl. BVGE 2009 / 2 E. 9.3.2, 
EMARK 2003 Nr. 24).

5.4 Der E-Mail von Dr. med. B._______ vom 30. November 2007 ist zu 
entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  einer  Akutabteilung  vom 
19. März 1998 bis 19. Juni 1998 hospitalisiert  gewesen sei. Er habe 
unter einer längeren depressiven Reaktion in einer psychosozial sehr 
belastenden  Situation  gelitten  beziehungsweise  habe  er  sich  regel-
mässig an Ereignisse der Frontzeit erinnert [...]. Der Beschwerdeführer 
habe sich vor zwölf Jahren unter antidepressiver Medikation sehr gut 
erholt, im Holzatelier Möbel repariert  und restauriert, er habe besser 
geschlafen und sei nach zwei Probewochenenden nach Hause entlas-
sen worden. Die antidepressive Therapie sei weitergeführt worden. Am 
11.  Dezember  2007  diagnostizierte  Dr. med. C._______  beim  Be-
schwerdeführer  Bluthochdruck und eine Depression. Beide Krankhei-
ten  werden  medikamentös  behandelt.  Weiter  bestehe  eine  grössere 
Diskushernie und eine allgemeine Arthrose der [...]  Wirbelsäule. Der 
Beschwerdeführer benötige eine ständige ärztliche Betreuung im west-
europäischen Sinn. 

5.5 Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  in  Würdigung  der  einge-
reichten Arztberichte  zum Schluss,  dass  die  dem Beschwerdeführer 
attestierten gesundheitlichen Probleme – entgegen dessen Meinung – 
nicht  dergestalt  sind,  dass eine Behandlung,  welche zur Gewährung 
einer menschenwürdigen Existenz notwendig ist,  nicht auch in Kroa-
tien erfolgen kann. Insbesondere ist festzustellen, dass entzündungs-
hemmende  Medikamente  beziehungsweise  solche  gegen  den  Blut-
hochdruck und gegen die Depression im Heimatland des Beschwerde-
führers ohne Weiteres erhältlich sind. Die medizinische Grundversor-
gung ist gemäss Erkenntnissen des Gerichts in den Krankenhäusern 
der grösseren Städte Kroatiens gewährleistet. Auch stützende psychia-
trisch-psychotherapeutische Gespräche von kriegstraumatisierten Per-
sonen können insbesondere in den regionalen städtischen Zentren in 
Kliniken mit psychiatrischen Abteilungen in Kroatien durchgeführt wer-
den.

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Der [...]jährige Beschwerdeführer wohnte bis zum Dezember 1991 mit 
seiner  Familie  in  seinem  Heimatland  und  anschliessend  bis  zum 
März 2007 in der Schweiz. Danach kehrte die ganze Familie freiwillig 
nach Kroatien zurück. Seine ehemalige Ehefrau – der Beschwerdefüh-
rer ist  in der Zwischenzeit von ihr geschieden – seine Tochter (Jahr-
gang [...]) respektive sein Sohn (Jahrgang [...]) wohnen nach wie vor in 
Kroatien. Dort begann sein Sohn nach seiner Rückkehr im Jahre 2007 
eine  Berufsausbildung  im  Bereich  des  Tourismus.  Zwischenzeitlich 
müsste er diese Ausbildung abgeschlossen haben (Akte C5 S. 5) und 
seinen  Vater  finanziell  unterstützen  können.  Der  Beschwerdeführer 
verfügt über einen Hochschulabschluss in Energietechnik für medizini-
sche Apparate (vgl. S. 1 der Befragung vom 5. Februar 1992) bezie-
hungsweise absolvierte er die Militärschule (Akte C1 S. 2). Aufgrund 
dieser guten Ausbildung sollte es ihm möglich sein – auch mit seinen 
gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  –  eine  Arbeitsstelle  zu  finden. 
Dass ferner der Beschwerdeführer nicht in seine Wohnung zurückkeh-
ren kann (Akte C1 S. 2), erweist sich nicht als ausschlaggebend, zu-
mal er sich aufgrund seiner kroatischen Staatsbürgerschaft im ganzen 
Staatsgebiet  Kroatiens  niederlassen  kann.  Demzufolge  ist  entgegen 
der Darstellung des Beschwerdeführers davon auszugehen, dass ihm 
die berufliche und soziale Reintegration in seinem Heimatland – allen-
falls mit der Unterstützung seines Sohnes – gelingen wird. Auch wenn 
er geltend macht, er habe die Verbindung zu seiner Familie abgebro-
chen (Akte C5 S. 7), kann ihm zugemutet werden, diese Kontakte al-
lenfalls  wieder  aufzunehmen. Nach dem Gesagten kann der  Vollzug 
der Wegweisung nicht als unzumutbar bezeichnet werden.

5.6 Schliesslich  obliegt  es  dem Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

6.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

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D-8262/2007

Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 

8.
Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da aufgrund der Aktenlagen aktuell  
von  einer  prozessrechtlichen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers 
auszugehen ist und die Rechtsbegehren nicht als aussichtslos zu be-
zeichnen sind,  werden in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege indessen keine Kosten auferlegt.

(Dispositiv nächste Seite)

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D-8262/2007

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65 
Abs. 1 VwVG wird  gutgeheissen.  Es  werden  demnach  keine  Verfah-
renskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Milva Franceschi

Versand: 

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