# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abc5bcfb-24cb-57b3-bea4-4259a24e1798
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-05-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.05.2021 E-6420/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6420-2020_2021-05-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6420/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  M a i  2 0 2 1   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  

Advokaturbüro,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 12. November 2020 / N (…). 

 

 

 

E-6420/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer 

Ethnie mit letztem Wohnsitz in B._______, Bezirk Jaffna (Nordprovinz) – 

verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben Ende 2014 und 

reiste am 9. Juni 2015 in die Schweiz ein, wo er am 12. Juni 2015 um Asyl 

ersuchte.  Am 19. Juni 2015 fand im Empfangs- und Verfahrenszentrum 

(EVZ) Basel die summarische Befragung zur Person (BzP) statt. Am 25. 

Juli 2016 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu seinen Asylgründen 

angehört. 

A.a Bei der BzP brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, er 

habe im Heimatland sowohl mit der sri-lankischen Armee als auch mit der 

Polizei und dem CID (Criminal Investigation Department) Probleme ge-

habt. In den Jahren 2006 oder 2007 habe er eine dreimonatige Grenz-

schützerausbildung bei den LTTE gemacht. Am 13. Juni 2011 sei er zu-

sammen mit seinem Bruder C._______ (im Nachfolgenden: C._______), 

welcher bei den LTTE gewesen sei, in B._______ festgenommen worden. 

Er sei einen Monat lang im Gefängnis festgehalten und etwa am 13. Juli 

2011 freigelassen worden. Sein Bruder sei acht Monate lang im Gefängnis 

in (…) gewesen und anschliessend nach (…) verlegt worden. 

Der Beschwerdeführer sei nach seiner Freilassung zweimal, am 2. und am 

29. Oktober 2014, zu Hause gesucht worden. Weil sein Leben in Sri Lanka 

in Gefahr gewesen sei, habe er Sri Lanka verlassen. 

Zu seinen familiären Verhältnissen gab er an, er habe von 2009 bis No-

vember 2014 in D._______ (Bezirk Kilinochchi, Nord Provinz) gelebt. Seine 

Eltern würden in B._______ leben; sein jüngerer Bruder E._______ lebe 

versteckt in (…) (Nord-Zentral Provinz).   

A.b Bei der einlässlichen Anhörung trug der Beschwerdeführer vor, sein 

Bruder C._______ sei etwa 1994/1995 von den LTTE zwangsrekrutiert 

worden, sei bis 2003 bei den LTTE gewesen und habe damals im Vanni-

Gebiet gelebt. Im Jahr 2003 sei er aus der Bewegung ausgetreten und ins 

Ausland – nach (…) – gegangen. Während des Auslandaufenthaltes von 

C._______ seien die Behörden mehrmals zur Familie nach Hause gekom-

men, hätten nach diesem Bruder gefragt und Hauskontrollen durchgeführt. 

Sein Vater sei dabei massiv geschlagen worden. 

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Seite 3 

Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2006 im (…)-Camp in (…) ein Training 

der LTTE begonnen. Die Trainings seien nicht einfach gewesen. Nach ein 

paar Tagen habe er sich im Camp krankgemeldet, habe dieses verlassen 

und sei aus Angst nach Hause zurückgekehrt.  Ansonsten habe er keine 

Kontakte zu den LTTE unterhalten und sei nie deren Mitglied gewesen.   

Der Beschwerdeführer habe mit seinem Bruder C._______ eine [Geschäft] 

geführt, nachdem dieser vom Ausland zurückgekehrt sei. Drei Monate 

nach der Gründung der [Geschäft] – am 13. Juni 2011 – seien die beiden 

Brüder verhaftet worden. Zurzeit sei C._______ im Gefängnis in (…) inhaf-

tiert. Der Beschwerdeführer sei nach der Verhaftung zunächst ins (…)-

Camp und danach nach (…)  gebracht worden, wo er zu eigenen Verbin-

dungen oder Kontakten seines Bruders zu den LTTE befragt worden sei. 

Er habe die Schreie seines Bruders gehört und habe Angst bekommen; er 

selbst sei in (…) und (…) nicht misshandelt worden. Nach einem Tag sei er 

weiter ins „vierte Geschoss“ des CID in Colombo geführt worden, wo er 

sich habe ausziehen müssen und 28 Tage lang misshandelt worden sei. Er 

sei durch die TID (Terrorist Investigation Division) zu den Verbindungen 

seines Bruders zu den LTTE befragt worden. Man habe ihn auch verdäch-

tigt, zusammen mit C._______ einen [terroristischen Anschlag] verübt zu 

haben. Nach einem Monat, am 13. Juli 2011, sei der Beschwerdeführer mit 

Hilfe eines Anwalts aus der Haft entlassen worden. Danach sei er einer 

Unterschriftspflicht im (…)-Camp unterstanden, sei dieser nach einem Mo-

nat jedoch nicht mehr nachgekommen. Bis 2013 habe er keine direkten 

Probleme gehabt. Seine Familie sei jedoch schikaniert und der Beschwer-

deführer gesucht worden.  

C._______ sei wegen des [terroristischen Anschlag] festgenommen und 

zum Gefängnis (…) in (…) respektive zum Gefängnis in (…) gebracht wor-

den. Als seine Eltern den Bruder in (…) besucht hätten, habe C._______ 

ihnen mitgeteilt, dass er sein Engagement bei den LTTE zugegeben habe. 

In (…) und (…) seien Gerichtsprozesse gegen den Bruder geführt worden.    

Sein zweiter Bruder E._______ sei letztmals vor drei Jahren zu Hause ge-

wesen; seither lebe er versteckt. Sein Cousin (…), welcher nicht LTTE-Mit-

glied gewesen sei, sei am 8. Juli 2007 in einem Markt erschossen worden. 

Die Familie kenne die Täterschaft nicht.  

Anfangs 2013 sei er tageweise zum Arbeiten mehrmals nach D._______ 

und (…) ins Vanni-Gebiet gegangen und habe dort Aufträge durch ehema-

lige Nachbarn seines Bruders erhalten. Er sei insgesamt dreimal von den 

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sri-lankischen Behörden nach (…) mitgenommen worden; er vermute, 

dass diese Mitnahmen im Zusammenhang mit der Inhaftierung seines Bru-

ders erfolgt seien. Am 1. November 2013 sei er aufgefordert worden, LTTE-

Angehörige anhand von Fotoaufnahmen zu identifizieren. Ab dem 4. April 

2014 bis zur Ausreise sei er im Vanni-Gebiet geblieben. Seine letzte Fest-

nahme sei am 28. März 2014 gewesen. Wegen der Probleme mit den Si-

cherheitskräften sei seine [Geschäft] seit Mai 2016 geschlossen.    

Sein Vater habe einen Schlepper kontaktiert, um seine Ausreise zu organi-

sieren. In der Schweiz habe er sich nicht mit der tamilischen Politik befasst.   

Seine Familie stehe seit etwa Mitte 2015 unter einer strengen Kontrolle der 

sri-lankischen Sicherheitskräfte. Letztmals seien die Behörden am 4. Juli 

(2016) zu Hause erschienen und hätten die Familie der LTTE-Zugehörig-

keit beschuldigt. Sein Vater sei geschlagen worden und habe dabei einen 

Hörschaden erlitten.   

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer die folgen-

den Beweismittel ein:  

- Schreiben des Anwaltes (…) LL.B. (…) vom 24. Juni 2015 (Original); 

- Schreiben des (…), (…) District, vom 12. April 2016 (Original);  

- mehrere fremdsprachige Zeitungsausschnitte (teilweise im Original), 
gemäss Übersetzungen betreffend [terroristischen Anschlag]. den Hun-
gerstreik und Gesundheitszustand der im Gefängnis in (…) Inhaftierten, 
bei welchen der Bruder C._______ namentlich aufgeführt wird;  

- Todesurkunde („Register of Deaths“) betreffend den Cousin des Be-
schwerdeführers (Original); 

- Ausweis des International Committee of the Red Cross (ICRC), Co-
lombo betreffend den Bruder (in Kopie); 

- fremdsprachiges, handschriftliches Schreiben (gemäss den Angaben 
des Beschwerdeführers: Bestätigungsschreiben des Dorfvorstehers; 
Original; vgl. zum Inhalt A13 F 11);  

- Schreiben des «President and Minister (…)» vom 13. Dezember 2011; 
Original)  

- fremdsprachiges sechs-seitiges Dokument mit Stempel des [Gericht] 
von (…) vom 23. Februar 2016, (gemäss eigenen Angaben: betreffend 
den Bruder des Beschwerdeführers);  

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- zwei Farbfotos (abgebildet sind: ein Pick-Up-Fahrzeug auf der Strasse 
respektive ein Uniformierter hinter diesem Fahrzeug); 

- eine CD-ROM (Inhalt: die beiden Farbfotos mit Pickup-Fahrzeug sowie 
eine Videosequenz über eine Gruppe von Personen, die ein Gespräch 
führen).  

Zu diesen Beweismitteln führte der Beschwerdeführer aus, seine Schwä-

gerin F._______, die Ehefrau seines Bruders (im Nachfolgenden: die 

Schwägerin), habe beim (…) eine Anzeige gemacht und dabei deponiert, 

dass ihr Sohn – der Neffe des Beschwerdeführers, G._______ – psychisch 

krank geworden sei. In den eingereichten Zeitungsartikeln werde sein Bru-

der namentlich erwähnt. Auf der Todesurkunde werde festgehalten, dass 

sein Cousin erschossen worden sei. In seinem Schreiben bestätige das 

IKRK, dass seine Mitarbeitenden den Bruder während seiner Haft besucht 

hätten. Im Weiteren bestätige der Dorfvorsteher handschriftlich, dass der 

Beschwerdeführer seit dem 4. Dezember 2014 nicht mehr in B._______ 

wohne. Beim Schreiben des Minister (…) handle es sich um eine Bestäti-

gung der Haft seines Bruders; bei den Gerichtsdokumenten des [Gericht] 

sei der Bruder C._______ namentlich erwähnt. Auf den Farbfotos seien 

das Haus des Beschwerdeführers sowie die Personen, die ihn gesucht hät-

ten, abgebildet. Auf der CD-ROM seien weitere Fotos und Videos gespei-

chert, welche aufzeigen würden, dass er vom CID gesucht worden sei. 

B.  

Mit Verfügung vom 22. Dezember 2016 lehnte das SEM das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Vollzug der Wegweisung an.  

Zur Begründung wurde ausgeführt, dem Beschwerdeführer sei es nicht ge-

lungen, eine begründete Furcht vor künftiger asylbeachtlicher Verfolgung 

glaubhaft darzutun. Seine Vorbringen würden in wesentlichen Punkten Wi-

dersprüche aufweisen. Zudem könne die geltend gemachte Intensität der 

behördlichen Suchen nicht geglaubt werden. Die eingereichten Beweismit-

tel würden an dieser Einschätzung nichts ändern. Zudem bestehe zwi-

schen der offiziellen Haftentlassung des Beschwerdeführers im Juli 2011 

und der Ausreise im November 2014 kein direkter Kausalzusammenhang. 

Es seien auch keine weiteren Faktoren ersichtlich, welche – kumuliert mit 

seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und seiner rund zweijährigen 

Landesabwesenheit – eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-

gründen vermöchten.   

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Der Wegweisungsvollzug wurde unter Verweis auf das soziale Bezie-

hungsnetz und die wirtschaftliche Reintegrierbarkeit im Heimatland als zu-

lässig, zumutbar und möglich qualifiziert.  

C.  

Gegen diese SEM-Verfügung vom 22. Dezember 2016 erhob der Be-

schwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Januar 2017 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.   

Unter dem Titel "Beweisanträge" (Beschwerde Ziff. 6, S. 26) wurde zudem 

beantragt, die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel zu sei-

nem Bruder, insbesondere die Gerichtsunterlagen und Zeitungsartikel, 

seien in eine Amtssprache zu übersetzen und korrekt zu würdigen. Ferner 

sei der Beschwerdeführer erneut ausführlich anzuhören.  

Zur Begründung wurde im Wesentlichen vorgetragen, das SEM habe die 

eingereichten Beweismittel (Unterlagen aus dem sri-lankischen Gerichts-

verfahren sowie Zeitungsartikel betreffend C._______) nicht übersetzen 

lassen und habe sich mit zahlreichen Vorbringen (LTTE-Training, familiäre 

Verbindungen zu Personen mit LTTE-Kontakten, bereits erfolgte Verhaf-

tung und behördliche Registrierung) und Beweismitteln nicht auseinander-

gesetzt und diese nicht gewürdigt. Es sei eine unvollständige Sachver-

haltsabklärung vorgenommen worden.  

Der Beschwerdeführer müsse im Zusammenhang mit seinem Bruder 

C._______ und dessen Involvierung in einen grossen LTTE-Anschlag mit 

Reflexverfolgung rechnen. Er erfülle mehrere der vom Bundesverwaltungs-

gericht in seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten 

Risikofaktoren. Im Falle einer Rückkehr müsse er mit flüchtlingsrelevanten 

Nachteilen rechnen. Im Weiteren sei der Wegweisungsvollzug unzulässig 

respektive unzumutbar.    

Zur Stützung seiner Vorbringen legte der Rechtsvertreter seiner Rechts-

mitteleingabe eine Vielzahl von Beweismitteln, insbesondere einen von sei-

nem Advokaturbüro recherchierten und verfassten 87-seitigen Bericht zur 

aktuellen Lage in Sri Lanka vom 12. Oktober 2016 (inklusive CD-ROM mit 

Quellen) bei.  

D.  

Mit Eingabe vom 13. Februar 2017 liess der Beschwerdeführer unter an-

derem ergänzend ausführen, seine Ausführungen würden eine hohe 

Dichte an Realkennzeichen aufweisen.  

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Der Eingabe wurde eine rudimentäre englische Übersetzung der Gerichts-

dokumente («Charge Sheet» des [Gericht] von […], datiert am 29. Juli 

2015), weitere Unterlagen zum Anschlag der LTTE [terroristischer An-

schlag] sowie eine Dokumentation zum Gefangenenstreik in Sri Lanka 

Ende 2015 beigelegt.  

Aus diesen Beweismitteln gehe hervor, dass dem Bruder C._______ am 

29. Juli 2015 (Anmerkung des Gerichts: Ausstellungsdatum des Gerichts-

dokuments) vorgeworfen worden sei, [terroristischer Anschlag] beteiligt ge-

wesen zu sein und sich deswegen gemäss dem PTA (Prevention of Terro-

rism Act) strafbar gemacht zu haben.  

E.  

Mit Eingabe vom 10. März 2017 liess der Beschwerdeführer ergänzende 

Ausführungen und Beweismittel (eine weitere CD-ROM [Beweismittel Nr. 

15] mit fünf Videoaufnahmen, Fotoaufnahmen von Körpernarben [Beweis-

mittel Nr. 16] sowie weitere Unterlagen zur aktuellen Lage in Sri Lanka [Be-

weismittel Nr. 17 bis 26]) nachreichen.  

Dazu wurde vorgetragen, diese Aufnahmen würden belegen, dass es sich 

bei den gefilmten Personen tatsächlich um die Familienangehörigen und 

bei den Örtlichkeiten um das Familienhaus des Beschwerdeführers handle. 

Die Aufnahmen würden zeigen, dass er ab 2013 zu Hause gesucht worden 

sei. Auf den Farbfotos würden seine Folternarben abgebildet, die bei seiner 

einmonatigen Inhaftierung entstanden seien. Ferner wurden weitere Aus-

führungen zu aktuellen Entwicklungen in Sri Lanka, unter Beilage entspre-

chender länderspezifischer Unterlagen, gemacht. 

F.  

Mit Eingabe vom 21. April 2017 reichte der Beschwerdeführer eine 

deutschsprachige Übersetzung der auf der im vorinstanzlichen Verfahren 

eingereichten CD-ROM (vgl. Sachverhalt oben, Bst. A.b) abgespeicherten 

Konversation in singhalesischer und tamilischer Sprache nach.  

G.  

Am 5. Dezember 2018 liess das Bundesverwaltungsgericht das im  

vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Gerichtsdokument («Charge 

Sheet" des [Gericht] von […]) betreffend das angebliche Strafverfahren ge-

gen den Bruder C._______ gerichtsintern übersetzen.  

H.  

Mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2019 führte das SEM unter anderem 

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Seite 8 

aus, der Umstand, dass der Bruder C._______ angeblich LTTE-Mitglied 

sein solle sowie die Inhaftierung des Beschwerdeführers im Jahr 2011 

seien bereits in der Verfügung vom 22. Dezember 2016 mitberücksichtigt 

worden. Die 2011 erfolgte Verhaftung sei als abgeschlossenes Ereignis 

ohne zeitlichen Zusammenhang zur Ausreise zu betrachten. Die für den 

Zeitraum danach vorgetragenen Ereignisse und die Reflexverfolgungssitu-

ation könnten nicht geglaubt werden.  

I.  

In seiner Replikeingabe vom 24. Januar 2019 liess der Beschwerdeführer 

ergänzend ausführen, das SEM habe die Wichtigkeit seines Bruders und 

dessen Prozesses verkannt. Es habe faktisch keine Stellung bezogen zur 

LTTE-Mitgliedschaft von C._______ und zur Verhaftung dieses Bruders 

und des Beschwerdeführers im Jahr 2011. Die Vorinstanz habe anhand 

kleiner Widersprüche versucht, die an sich glaubhafte Verfolgungsge-

schichte des Beschwerdeführers als unglaubhaft erscheinen zu lassen. Es 

sei naheliegend, dass der Beschwerdeführer mit seinem Profil klar zu einer 

verstärkt gefährdeten Gruppe gehöre und im Fall einer Rückkehr Opfer von 

asylrelevanten und völkerrechtswidrigen Verfolgungsmassnahmen werde. 

Zur Stützung der Vorbringen wurde erneut eine CD-ROM eingereicht, auf 

welcher insbesondere ein weiterer vom Rechtsvertreter verfasster Länder-

bericht (Stand: 22. Oktober 2018) abgespeichert wurde. 

J.  

Mit Urteil E-483/2017 vom 24. Oktober 2019 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht die gegen die SEM-Verfügung vom 22. Dezember 2016 erho-

bene Beschwerde vom 23. Januar 2017 (vgl. Sachverhalt oben, Bst. C) 

gut, hob die vorinstanzliche Verfügung auf und wies das SEM an, den 

rechtserheblichen Sachverhalt umfassend zu erstellen und in der Sache 

neu zu entscheiden. 

Das Gericht führte zur Begründung im Wesentlichen aus, der Beschwer-

deführer habe namentlich vorgetragen, er sei beschuldigt worden, zusam-

men mit seinem Bruder C._______ einen [terroristischer Anschlag] verübt 

zu haben. Er habe zur Untermauerung Gerichtsunterlagen [Gericht] einge-

reicht und dazu vorgebracht, während seiner Inhaftierung in Colombo «im 

vierten Stock» zu den Aktivitäten seines Bruders und zum [terroristischer 

Anschlag] befragt worden zu sein. Die eingereichten Beweismittel seien 

vom SEM nicht übersetzt worden. Namentlich bezüglich der Gerichtsakten 

und der Zeitungsberichte zum [terroristischer Anschlag] würden keine 

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Übersetzungen oder Zusammenfassungen des wesentlichen Inhalts bei 

den Akten liegen (vgl. E-483/2017, a.a.O., E. 4.1 mit Verweis auf die Akten: 

A13, F. 118-124 sowie E. 4.2). Dass diese Unterlagen keinen Bezug zum 

Beschwerdeführer hätten, wie die Vorinstanz erwäge, treffe nicht zu. Ge-

mäss den Abklärungen des Gerichts sei mehrfach über die [Angaben zum 

terroristischen Anschlag] berichtet worden. Die entsprechenden Untersu-

chungen würden auf [Angaben zum terroristischen Anschlag] (vgl. E-

483/2017 E. 4.3.1 mit Verweis auf mehrere internationale Medienquellen). 

Der Beschwerdeführer habe seine Verfolgungslage massgeblich von der 

LTTE-Mitgliedschaft seines Bruders C._______ und dessen behördlicher 

Verfolgung im Zusammenhang mit dem [terroristischen Anschlag] abgelei-

tet. Das SEM sei diesen Vorbringen nicht weiter nachgegangen, habe die 

diesbezüglich eingereichten Beweismittel nicht übersetzt und sich darauf 

beschränkt, pauschal auf den angeblich fehlenden Bezug zur Person des 

Beschwerdeführers zu verweisen; die entsprechenden Beweismittel seien 

deshalb in der Folge auch nicht gewürdigt worden. Die geltend gemachte 

Reflexverfolgung im Zusammenhang mit der LTTE-Mitgliedschaft seines 

Bruders und dessen allfälliger Verwicklung in ein LTTE-Attentat, über wel-

ches mehrfach in den internationalen Medien berichtet worden sei, habe 

das SEM nicht geprüft. Das SEM habe in seiner Vernehmlassung selbst 

nicht grundsätzlich in Frage gestellt, dass der Bruder C._______ wegen 

möglicherweise strafrechtlicher Delikte inhaftiert sei und habe auch keine 

grundsätzlichen Zweifel an der geltend gemachten Haft des Beschwerde-

führers erhoben. Die sich aufdrängenden, vertieften Abklärungen seien 

vom SEM nicht vorgenommen worden.  

Diese Vorbringen und Beweismittel seien für die Beurteilung des Asylge-

suches des Beschwerdeführers nicht irrelevant. Es sei nicht ausgeschlos-

sen, dass aktuell – und trotz Beendigung der kriegerischen Auseinander-

setzungen zwischen den sri-lankischen Sicherheitskräften und den LTTE 

– nach wie vor Angehörige von ehemaligen LTTE-Mitgliedern in Sri Lanka 

eine begründete Furcht hätten, Opfer von flüchtlingsrelevanter Reflexver-

folgung zu werden, wozu auf den als Referenzurteil publizierten Entscheid 

E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, E. 8.5.3 verwiesen wurde. Für die Beant-

wortung der Frage nach einer flüchtlingsrechtlich relevanten Reflexverfol-

gung des Beschwerdeführers sei die Beleuchtung seines familiären Umfel-

des unabdingbar. Im vorinstanzlichen Verfahren hätten sich sowohl weitere 

Abklärungen zum aktuellen Schicksal des Bruders C._______ (zur Frage, 

ob gegen diesen tatsächlich ein Prozess im Zusammenhang mit dem Ver-

dacht der Beteiligung an einem prominenten LTTE- [Anschlag], geführt 

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Seite 10 

wurde, ob diesfalls ein Gerichtsurteil betreffend diesen Bruder vorliegt, ob 

dieser nach wie vor inhaftiert sei und weshalb) als auch zur aktuellen Situ-

ation der übrigen Familienmitglieder im Heimatland aufgedrängt. Es stelle 

sich vorliegend die Frage, ob dem Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner 

Ausreise aus Sri Lanka oder allenfalls im Falle einer Rückkehr in sein Hei-

matland eine Reflexverfolgung gedroht habe beziehungsweise drohe.  

Die Vorinstanz habe den rechtserheblichen Sachverhalt, namentlich die 

aktuelle Situation des Bruders C._______, nicht respektive unvollständig 

abgeklärt, die diesbezüglich eingereichten Beweise nicht korrekt abgenom-

men und gewürdigt und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf 

rechtliches Gehör verletzt. Die aktuelle Aktenlage erlaube eine abschlies-

sende Beurteilung der Vorbringen des Beschwerdeführers nicht. Die Sache 

wurde dem SEM zur korrekten Erstellung des rechtserheblichen Sachver-

halts und zum neuen Entscheid überwiesen (vgl. E-483/2017, a.a.O. E. 

4.3.2 – 4.4). 

II. 

 

K.  

Am 10. Dezember 2019 liess das SEM die vom Beschwerdeführer einge-

reichte Identitätskarte auf ihre Echtheit hin überprüfen (vgl. Akte A30 und 

31).  

Ferner liess das SEM die eingereichten Beweisunterlagen übersetzen 

(Übersetzungen vom 3. Januar 2020; vgl. SEM Akten A14). 

L.  

Am 24. Januar 2020 forderte das SEM den Beschwerdeführer auf, ergän-

zende Fragen zu den Asylvorbringen, namentlich zum Bruder C._______ 

und dessen Strafverfahren sowie zum Schicksal seiner Familienangehöri-

gen in Sri Lanka, zu beantworten (vgl. Akte A32).   

M.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. Februar 2020 (Akte A34) äus-

serte sich der Beschwerdeführer ergänzend zu den gestellten Fragen und 

zur aktuellen Lage in Sri Lanka. Namentlich führte er aus, er müsse auf-

grund seiner familiären Nähe zu einem der meistgeächteten Terror-Be-

schuldigten der LTTE mit Vergeltungshandlungen seitens der sri-lanki-

schen Sicherheitskräften rechnen. Er befinde sich seit viereinhalb Jahren 

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Seite 11 

in der Schweiz und habe seit rund einem Jahr keinen Kontakt mehr zu sei-

ner Familie. Seine Anrufe nach Sri Lanka seien unbeantwortet geblieben. 

Er verwies auf die Ausführungen und Beweismittel im vorangehenden Be-

schwerdeverfahren E-483/2017. Seit den Präsidentenwahlen im Novem-

ber 2019 hätten sich zudem zwei neue Risikofaktoren ergeben. Angesichts 

der Rückkehr des Rajapaksa-Clans an die Macht stünden insbesondere 

Angehörige der tamilischen Minderheit, welche aus dem Ausland zurück-

kehren würden, unter Terrorverdacht. Zudem stelle eine Rückkehr aus der 

Schweiz aufgrund der speziellen Beziehung zwischen der Schweiz und Sri 

Lanka einen zusätzlichen, verschärfenden Risikofaktor dar. Der Bruder 

C._______ sei weiterhin in Haft, und das gegen ihn geführte Gerichtsver-

fahren sei weiterhin hängig. 

Zur Stützung der Vorbringen wurden ein Auszug aus der Gerichtsrolle des 

[Gericht] von (…) mit Stand August 2018, eine Registrierkarte des ICRC 

(welche belegen soll, dass C._______ in der Haft von Mitarbeitenden des 

ICRC besucht worden sei) sowie eine vom Rechtsvertreter verfasste, ak-

tuelle Zusammenstellung von Länderinformationen, Stand 23. Januar 2020 

beigelegt.  

N.  

Am 10. März 2020 beauftragte das SEM die Schweizerische Botschaft in 

Colombo mit Abklärungen im Zusammenhang mit dem Bruder des Be-

schwerdeführers, C._______, und dessen Gerichtsverfahren sowie zur 

Verwandtschaft und deren Schicksal in Sri Lanka (Akte A36).  

O.  

Die Schweizerische Botschaft in Colombo nahm mit Schreiben vom 6. Juli 

2020 (Akte A40) zu den vom SEM aufgeworfenen Fragen Stellung. Dabei 

führte die Botschaft im Wesentlichen aus, es sei korrekt, dass ein Gerichts-

verfahren mit der Nummer (…) am [Gericht] in (…) gegen den Bruder 

C._______ geführt werde. Das Verfahren sei 2011 von der TID eröffnet 

worden. C._______ sei unter der PTA angeklagt, am [terroristischer An-

schlag] beteiligt gewesen zu sein. [Angaben zum Anschlag]. Aufgrund der 

Corona-Epidemie habe der bereits einige Tage dauernde Gerichtsprozess 

unterbrochen werden müssen; der Prozess werde am (…) 2020 weiterge-

führt. Da es sich um einen hängigen Gerichtsfall handle, seien keine wei-

teren Informationen zum Gerichtsverfahren erhältlich. 

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Seite 12 

Die Familie des Beschwerdeführers habe an der angegebenen Adresse 

angetroffen werden können. Der Vater, die Mutter und die Ehefrau des jün-

geren Bruders, H._______, seien anwesend gewesen. Die Familie sei im 

Dorf bekannt als die Familie mit einem Sohn im Gefängnis und einem Sohn 

in der Schweiz. Der Vater habe schwere Hör- und Sehbeschwerden, daher 

habe er die Fragen der Botschaft nicht beantworten können. Die Mutter sei 

psychisch stark angeschlagen und sei sehr vergesslich. Daher habe vor 

allem H._______ wie folgt die Ereignisse geschildert:  

Der jüngere Bruder des Beschwerdeführers E._______ arbeite seit 2011 

als (…), habe den Status eines Staatsbeamten und habe H._______ 2009 

geheiratet. Der Beschwerdeführer habe etwa zehn (Geh-)Minuten vom Fa-

milienhaus entfernt eine [Geschäft] aufgebaut und betrieben. C._______ 

habe sich im Alter von 14 oder 15 Jahren den LTTE angeschlossen und die 

Bewegung 2005 während des Waffenstillstandes verlassen, um zu heira-

ten; etwa ein Jahr später sei er als Arbeitsmigrant nach (…) gegangen und 

sei nach seiner Rückkehr nach Sri Lanka im Jahr 2011 verhaftet worden. 

Darüber, ob C._______ bereits am Flughafen oder erst zu Hause in der 

[Geschäft] verhaftet worden sei, seien sich die Familienangehörigen nicht 

sicher gewesen. C._______ befinde sich bis heute im Gefängnis und die 

Familie, inklusive dessen Ehefrau, würden ihn aus eigenen Sicherheitsbe-

denken nicht besuchen. Während der Covid-19 Krise sei die Familie infor-

miert worden, dass C._______ vom (…) ins Gefängnis nach (…) transfe-

riert worden sei. Die Familie wisse nicht, ob C._______ tatsächlich am [An-

schlag] mitbeteiligt gewesen sei, doch er sei zu dieser Zeit ([…]) ein «fana-

tisches LTTE-Mitglied» gewesen. 

Nach der Verhaftung von C._______ im Jahr 2011 seien Armeesoldaten 

oft zur [Geschäft] gekommen und hätten den Beschwerdeführer befragt o-

der zur Befragung mitgenommen, anfangs fast täglich. Einmal sei er meh-

rere Tage nicht mehr nach Hause gekommen und sei «schwer geschlagen 

worden». Er sei dort in Colombo festgehalten worden, wo man all diese 

«Jungs» damals hingebracht habe. Wie oft der Beschwerdeführer insge-

samt aus der [Geschäft] zur Befragung mitgenommen worden sei, habe die 

Familie nicht mehr sagen können. Der Beschwerdeführer und sein jüngerer 

Bruder seien auch auf der Strasse angehalten und befragt worden. Die drei 

Brüder würden sich physisch sehr ähnlich sehen. Der Beschwerdeführer 

sei auch zu Hause aufgesucht worden. Obwohl sie nicht im Detail wüssten, 

worüber der Beschwerdeführer befragt worden sei, habe es immer mit der 

Verhaftung des Bruders C._______ und dessen LTTE-Mitgliedschaft zu tun 

gehabt. Die Familie sei verdächtigt worden, ebenfalls Verbindungen zu den 

E-6420/2020 

Seite 13 

LTTE gehabt zu haben. Der Gerichtsfall von C._______ sei sehr wichtig für 

die Regierung. Der jüngere Bruder sei anfangs auch befragt worden, doch 

sei er zu jung gewesen, um mit den LTTE in Verbindung gebracht zu wer-

den. Seine Befragungen hätten aufgehört, als er 2011 zum Staatsange-

stellten geworden sei. 

Im Jahr 2011 habe eine singhalesische Person das Nachbarhaus gekauft. 

Es hätten immer Polizisten und deren Familien das Haus bewohnt und 

viele Militärangehörige das Haus besucht. Wann immer einer der Brüder 

das Haus verlassen habe, seien die Soldaten gekommen, um die Familie 

zu kontrollieren und befragen. Diese Kontrollen durch die Personen vom 

Nachbarhaus hätten etwa zweieinhalb Jahre gedauert. Danach hätten die 

Polizisten das Haus verlassen, doch Armeesoldaten seien immer wieder 

gekommen und hätten kurzzeitig dort gewohnt. Die Familie gehe im Nach-

hinein davon aus, dass die Polizei- und Armeeangehörigen das Haus be-

nutzt hätten, um die Familie zu überwachen. 

Der Beschwerdeführer, welcher vor der Verhaftung des Bruders auch ein-

mal in (…) gearbeitet habe, habe B._______ aufgrund der Probleme mit 

den Sicherheitsbeamten an einem (der Familie) nicht bekannten Datum 

verlassen und sei nach Colombo gegangen. Aus Colombo habe er sich 

dann gemeldet, worauf der Vater seine Ausreise finanziert habe. Zwischen 

dem Weggang von B._______ und der Ausreise des Beschwerdeführers 

seien etwa sechs Monate vergangen. Irgendwann habe die Familie im Jahr 

2015 erfahren, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz angekommen 

sei. Seither würden sie mindestens alle zwei Monate von Polizisten und 

zivilen Personen besucht und nach den Familiendaten gefragt. Hinsichtlich 

des Beschwerdeführers würden sie angeben, dass dieser nach Colombo 

gegangen sei und die Familie seither nicht mehr mit ihm in Kontakt stehe. 

Der letzte Besuch der Polizei habe sich im Dezember 2019 zugetragen. 

Zwei Tage später seien nachts zwei Personen in Zivil über das Tor auf das 

Grundstück der Familie gelangt und hätten nach der Schwägerin, der Ehe-

frau des inhaftierten C._______, gefragt; sie hätten deren Namen mehr-

mals gerufen. Damals habe diese Schwägerin mit ihrem Sohn noch dort 

gewohnt. Die Mutter sei nach draussen gegangen und habe die sich als 

Polizisten ausgebenden Zivilpersonen angesprochen und diesen erklärt, 

die Schwägerin sei nicht zu Hause. Die Nachbarn seien dabei aufgewacht. 

Innert  zwei Tagen nach diesem Vorfall sei die Schwägerin nach Colombo 

gezogen; seither sei die Familie nicht mehr besucht worden.   

E-6420/2020 

Seite 14 

Gemäss Einschätzung der Botschaftsangestellten hätten die Mutter und 

die Schwägerin H._______ grosse Mühe gehabt, sich an Daten zu erin-

nern, weshalb nicht klar sei, wann der Beschwerdeführer B._______ tat-

sächlich verlassen habe. Sie hätten auch nicht erwähnt, dass er sich zwi-

schenzeitlich im Vanni-Gebiet aufgehalten habe; sie seien vielmehr davon 

ausgegangen, dass er direkt nach Colombo gegangen sei, was allerdings 

nicht unbedingt so gewesen sein müsse. Es dürfe davon ausgegangen 

werden, dass der Beschwerdeführer auch zum eigenen Schutz nicht alles 

mit der Familie geteilt habe. Insgesamt seien die Ausführungen der Fami-

lienangehörigen spontan und genügend substanziiert gewesen, weshalb 

kein Anlass bestehe, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln.        

P.  

Mit Verfügung vom 6. August 2020 (Akte A41) wurde dem Beschwerdefüh-

rer das rechtliche Gehör zur vorgenommenen Botschaftserklärung ge-

währt. Ihm wurden die Abklärungsergebnisse vollständig offengelegt und 

einzig die Angaben zu den Personalien der involvierten Botschaftsange-

stellten abgedeckt.  

Gleichzeitig führte das SEM aus, es seien zwischen den Angaben des Be-

schwerdeführers und den Aussagen seiner Familie im Rahmen der Bot-

schaftsabklärung Widersprüche feststellbar (namentlich hinsichtlich der 

Fragen, welche Personen verhaftet worden seien und wo diese Verhaftung 

stattgefunden habe, zu den Aufenthalten des Beschwerdeführer in Sri 

Lanka und im Ausland, zum Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss 

eigenen Angaben nach der Freilassung aus der Haft bis 2013 keine Prob-

leme mehr gehabt habe, zur effektiven Beteiligung von C._______ an dem 

ihm zur Last gelegten [terroristischer Anschlag] und zum Aufenthalt und zur 

Situation des jüngeren Bruders E._______).  

Q.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. August 2020 (Akte A42) liess 

sich der Beschwerdeführer zur Botschaftsabklärung und zu den im Schrei-

ben des SEM vom 6. August 2020 aufgeführten Widersprüchen verneh-

men. Hierauf wird in den Erwägungen (E. 8.3) eingegangen. 

Im Weiteren führte er aus, die Botschaftsabklärung habe im Wesentlichen 

seine Asylvorbringen bestätigt. Soweit das SEM auf Widersprüche hin-

weise, liessen sich diese erklären; namentlich müsse (wie bereits im ersten 

E-6420/2020 

Seite 15 

Beschwerdeverfahren E-483/2017) auf die erheblichen Verständigungs-

schwierigkeiten und Mängel in der Anhörung des Beschwerdeführers hin-

gewiesen werden. 

Im Weiteren habe die Schwägerin des Beschwerdeführers, die Ehefrau von 

C._______, vor einigen Wochen für sich und ihren Sohn in der Schweiz um 

Asyl ersucht, was die drohende Reflexverfolgung des Beschwerdeführers 

zusätzlich bekräftige.   

Schliesslich verwies der Beschwerdeführer auf ein «Länderupdate» seines 

Rechtsvertreters vom 26. Februar 2020, einen «Zusatzbericht vom 10. Ap-

ril 2020» und einen «Rapport Ländersituation Sri Lanka, 11. April bis 

26. Juni 2020» und hielt dazu fest, die menschenrechtliche und politische 

Lage habe sich in Sri Lanka weiter verschlechtert. Der Beschwerdeführer 

erfülle aufgrund seines Risikoprofils (Absolvierung einer LTTE-Ausbildung 

im Jahr 2006, älterer Bruder C._______ als aktives LTTE-Mitglied und fa-

natischer LTTE-Anhänger bekannt, Inhaftierung von C._______ und des-

sen seit 2011 hängiges Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit einem 

[Anschlag] der LTTE auf (…), Verhaftung des Beschwerdeführers, einmo-

natige Inhaftierung und dabei erlittene Misshandlungen, Auflage einer Mel-

depflicht und deren Nichteinhaltung, Ausreise aus Sri Lanka, mehrjähriger 

Aufenthalt in der tamilischen Diaspora, behördlicher Verdacht der Tätigkeit 

im Rahmen der Wiederaufbaubestrebungen der LTTE, persönliche und fa-

miliäre Verbindungen zu den LTTE) die Flüchtlingseigenschaft und werde 

im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka Opfer von Verfolgungsmassnah-

men, die  Art. 3 EMRK verletzen würden.  

R.  

Mit Verfügung vom 12. November 2020, eröffnet am 19. November 2020, 

lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers erneut ab und 

ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegwei-

sung an.  

Zur Begründung wurde ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers 

hielten weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss 

Art. 3 AsylG noch denjenigen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 

AsylG stand. 

Dem Anhörungsprotokoll vom 25. Juli 2016 sei zu entnehmen, dass dem 

Beschwerdeführer bei Verständnisschwierigkeiten Fragen erklärt oder 

diese neu formuliert worden seien. Dieser sei auch aufgefordert worden, 

E-6420/2020 

Seite 16 

bei nicht verstandenen Fragen nachzufragen. Daraus könne gefolgert wer-

den, dass auf Verständnisschwierigkeiten angemessen reagiert und allfäl-

lige Unklarheiten umgehend ausgeräumt worden seien. Das Anhörungs-

protokoll könne deshalb für die vorliegende Verfügung ohne Einschränkun-

gen herangezogen werden. 

Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, ab 2013 wiederholt zu 

Hause gesucht und für Befragungen mitgenommen worden zu sein. Ihm 

sei es jedoch nicht gelungen, eine begründete Furcht vor künftiger asylbe-

achtlicher Verfolgung glaubhaft darzutun, da sich seine Vorbringen in we-

sentlichen Punkten unterscheiden würden, namentlich zur Anzahl der be-

hördlichen Suchen und zu deren zeitlichen Einordnung. Er sei in der Anhö-

rung auf diese Widersprüche hingewiesen worden und habe diese nicht 

plausibel ausräumen können. Die geltend gemachte, tägliche Suche nach 

seiner Person könne daher nicht geglaubt werden.  

Zudem seien keinerlei Anhaltspunkte ersichtlich, weshalb die sri-lanki-

schen Behörden ihn im fraglichen Zeitpunkt in der vorgetragenen Intensität 

hätten suchen sollen. Abgesehen von einigen wenigen Tagen im Jahr 2006 

sei er nie in Kontakt mit den LTTE gestanden, er habe dies offensichtlich 

bei seiner Inhaftierung im Jahr 2011 überzeugend darlegen können und 

habe danach seinen Alltag als [Beruf] über mehrere Jahre hinweg fortfüh-

ren können, ohne dass er sich habe etwas zu Schulden kommen lassen. 

Deshalb sei seine Angst im Jahr 2014, demnächst verhaftet zu werden, 

nicht nachvollziehbar und unbegründet. Der Vergleich mit seinem Bruder, 

der während längerer Zeit für die LTTE aktiv gewesen sei, schlage auf-

grund der gänzlich unterschiedlichen Profile fehl. Gegen ein behördliches 

Interesse am Beschwerdeführer spreche schliesslich auch der Umstand, 

dass er nach der Haftentlassung im Jahr 2011 seiner Unterschriftspflicht 

nur während einem Monat nachgekommen sei und keine diesbezüglichen 

Folgen davongetragen habe.  

Die eingereichten Beweismittel würden an dieser Einschätzung nichts än-

dern. Das Schreiben des Anwaltes widerspreche inhaltlich den persönli-

chen Angaben des Beschwerdeführers, sowohl in Bezug auf den Ort seiner 

Verhaftung als auch hinsichtlich der Besuche beim Bruder im Gefängnis. 

Das Schreiben des (…) sei äussert oberflächlich und unkonkret formuliert 

und weise den Charakter eines Gefälligkeitsschreibens ohne Beweiswert 

auf. Sämtliche Zeitungsartikel, der Auszug aus den Gerichtsakten und die 

Todesurkunde seines Cousins, die IKRK-Registrierungskarte sowie die 

E-6420/2020 

Seite 17 

Haftbestätigung seines Bruders stünden in keinem direkten Zusammen-

hang zur Person des Beschwerdeführers. Sie seien daher ungeeignet, 

seine Vorbringen zu belegen. Dasselbe treffe auch auf das Schreiben des 

Dorfvorstehers zu, welcher bestätige, dass der Beschwerdeführer nicht 

mehr in B._______ wohne; daraus lasse sich kein Hinweis auf eine aktuelle 

Gefährdung entnehmen. Die beiden eingereichten Fotoaufnahmen und 

das Video würden zwar sri-lankische Sicherheitskräfte zeigen. Diesen Un-

terlagen lasse sich jedoch nicht entnehmen, wo und wann sie gemacht 

worden seien, noch weshalb diese Personen am besagten Ort erschienen 

seien. Der Inhalt des Gesprächs sei zudem nicht verständlich. Die Vorbrin-

gen zur intensiven Suche und Verhaftungsgefahr seien insgesamt als un-

glaubhaft einzustufen. 

Da der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben offiziell am 13. Juli 

2011 aus der Haft entlassen worden sei und sich danach bis zur Ausreise 

im November 2014 weitere drei Jahre lang unbehelligt in Sri Lanka aufge-

halten habe, ohne dass es zu weiteren Festnahmen gekommen wäre, be-

stehe zwischen seiner einmonatigen Inhaftierung im Sommer 2011 und sei-

ner Ausreise im November 2014 kein direkter Kausalzusammenhang. Die 

Haft im Jahr 2011 sei somit asylrechtlich nicht relevant, und deren Glaub-

haftigkeit könne offen bleiben. Immerhin sei festzuhalten, dass zwischen 

den Angaben des Beschwerdeführers zur Haft im Jahr 2011 und den Aus-

sagen der Familienangehörigen im Rahmen der Botschaftsabklärung er-

hebliche Widersprüche feststellbar seien.  

Soweit der Beschwerdeführer ein hängiges Gerichtsverfahren gegen sei-

nen Bruder C._______ und eine daraus abgeleitete Reflexverfolgung gel-

tend mache, sei festzustellen, dass die erfolgte Anklage gegen C._______ 

wegen Beteiligung am Anschlag auf [Angaben zum Anschlag] zutreffe und 

dieses Verfahren weiterhin hängig sei. Es gebe jedoch keinen Grund zur 

Annahme, dass dem Beschwerdeführer deshalb in Sri Lanka asylbeachtli-

che Nachteile drohten. Seine geltend gemachte Verfolgung ab 2013 sei 

nicht glaubhaft ausgefallen. Es würden sich keine Hinweise darauf erge-

ben, dass er nach 2011 von den sri-lankischen Behörden in flüchtlings-

rechtlicher Weise behelligt worden sei. Seine Familienangehörigen seien 

zwar bis vor Kurzem regelmässig von Polizisten und zivilen Personen be-

sucht und nach Familiendaten befragt worden. Aus den entsprechenden 

Aussagen würden sich aber keine Hinweise dafür ergeben, dass die Besu-

che spezifisch dem Beschwerdeführer gegolten hätten. Vielmehr hätten die 

Besuche aufgehört, nachdem die Ehefrau von C._______ im Dezember 

E-6420/2020 

Seite 18 

2019 weggezogen sei, was vermuten lasse, dass die Besuche hauptsäch-

lich ihr gegolten hätten. Aufgrund des laufenden Gerichtsverfahrens gegen 

den Bruder C._______ habe der Beschwerdeführer daher keine Verfol-

gung zu befürchten.  

Die geltend gemachte Verfolgung ab 2013 sei nicht glaubhaft und die Vor-

bringen betreffend die Haft im Jahr 2011 und die Reflexverfolgungssitua-

tion wegen des Bruders C._______ seien flüchtlingsrechtlich nicht rele-

vant.   

Es seien auch keine weiteren Faktoren ersichtlich, welche – kumuliert mit 

seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und seinem längeren Aufent-

halt in der Schweiz – eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-

gründen vermöchten. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-

deführer in den Augen der sri-lankischen Sicherheitskräfte als Person 

gelte, die eine besonders enge Beziehung zu den LTTE gepflegt habe. Er 

sei gemäss eigenen Angaben im Jahr 2011 unzählige Male befragt und 

nach einem Monat freigelassen worden. Wäre er in einem behördlichen 

LTTE-Verdacht gestanden, wäre er kaum freigelassen worden. Die für den 

Zeitraum von 2013 bis 2014 geltend gemachten behördlichen Suchen und 

Befragungen seien nicht glaubhaft ausgefallen. Es gebe keinen begründe-

ten Anlass zur Annahme, dass dem Beschwerdeführer asylbeachtliche 

Verfolgungsmassnahmen drohen würden. Unter Verweis auf das Refe-

renzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 

wurde festgestellt, es bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, dass 

der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-

licher Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrelevanten Verfolgungsmassnahmen 

ausgesetzt sein werde.   

Schliesslich wurde der Wegweisungsvollzug unter Verweis auf die aktuelle 

politische Lage in Sri Lanka, die – durch die getätigte Botschaftsabklärung 

bestätigte – Existenz eines grossen sozialen Beziehungsnetzes und die 

wirtschaftliche Reintegrierbarkeit des Beschwerdeführers im Heimatland 

als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert.  

S.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. Dezember 2020 (Postauf-

gabe) erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte in der Hauptsache, die Verfügung des SEM vom 

12. November 2020 sei wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtli-

ches Gehör (Rechtsbegehren 2) respektive eventualiter wegen Verletzung 

E-6420/2020 

Seite 19 

der Begründungspflicht (Rechtsbegehren 3) aufzuheben und die Sache an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfü-

gung aufzuheben und die Sache zur Feststellung des vollständigen und 

richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen (Rechtsbegehren 4) respektive es sei die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl 

zu gewähren (Rechtsbegehren 5). Eventualiter seien die Ziffern 3 und 4 

(recte: 4 und 5) der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Unzu-

lässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

festzustellen (Rechtsbegehren 6). 

In formeller Hinsicht wurde ferner beantragt, das Bundesverwaltungsge-

richt habe das Spruchgremium bekanntzugeben und die zur Bestimmung 

dieses Spruchgremiums relevanten objektiven und im vorliegenden Ver-

fahren angewandten Kriterien darzulegen (Rechtsbegehren 1). Zudem sei 

das SEM anzuweisen, gegen die beiden Verfasser der angefochtenen Ver-

fügung intern die Notwendigkeit disziplinarischer Massnahmen zu prüfen 

(Rechtsbegehren 7).   

Unter dem Titel "Beweisanträge" (Beschwerde Ziff. 5, S. 40) wurde zudem 

beantragt, die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel seien in 

eine Amtssprache zu übersetzen und korrekt zu würdigen. Ferner sei der 

Beschwerdeführer erneut ausführlich anzuhören und die Akten der Schwä-

gerin F._______ seien beizuziehen.   

Das SEM habe in Missachtung der Handlungsanweisungen des Bundes-

verwaltungsgerichts im Urteil E-483/2017 keine rechtliche Würdigung der 

Vorbringen des Beschwerdeführers vorgenommen, sondern pauschal die 

bewiesene und sich aus der Rechtsprechung ergebende Reflexverfolgung 

verneint. Weiterhin seien die eingereichten Beweismittel weder übersetzt 

noch gewürdigt worden. Das SEM habe eine «copy paste»-Verfügung er-

lassen. Die im Rahmen des (ersten) Beschwerdeverfahrens vorgebrachten 

und mit Beweismitteln belegten Folternarben des Beschwerdeführers 

seien in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt und die offensichtliche 

Tragweite des Verfahrens von C._______ nicht beachtet worden. Die Be-

hauptung, der Inhalt der eingereichten Videoaufnahme sei unverständlich, 

sei aktenwidrig, nachdem das Video vom Beschwerdeführer selbst über-

setzt worden sei. Die Beurteilung der Reflexverfolgung zum Zeitpunkt der 

Ausreise habe das SEM anhand seiner früheren Glaubhaftigkeitsprüfung 

in der mittlerweile kassationsweise aufgehobenen Verfügung vom 22. De-

E-6420/2020 

Seite 20 

zember 2016 vorgenommen, die in der vorliegend angefochtenen Verfü-

gung unverändert übernommen worden sei. Die Argumentation des SEM 

komme einem Beweisausschluss gleich, indem es ohne detaillierte förmli-

che und inhaltliche Auseinandersetzung die Beweismittel als unbeachtlich 

erklärt habe, obwohl das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 

24. Oktober 2019 festgestellt habe, dass die Beweismittel rechtserheblich 

und tauglich seien. Obwohl die BzP vom 12. Juni 2015 und die Anhörung 

vom 27. Juli 2016 mit gravierenden Mängeln behaftet seien, habe das SEM 

in der angefochtenen Verfügung neu pauschal behauptet, dass die Proto-

kolle ohne Einschränkungen verwendbar seien, und habe den Beschwer-

deführer nicht erneut und korrekt befragt. Das Gericht habe im besagten 

Urteil E-483/2017 explizit festgestellt, dass das SEM durch die unterlas-

sene Beweiswürdigung den rechtlichen Gehörsanspruch verletzt habe, 

und habe die Sache zur tatsächlichen Neubeurteilung an das SEM zurück-

gewiesen. 

Im Weiteren habe das SEM in seiner «Lagefortschreibung» vom 7. Februar 

2020 selbst festgestellt, dass sich die Sicherheitslage in Sri Lanka seit 

2018 insgesamt verschlechtert habe. Insbesondere sei darauf zu verwei-

sen, dass die Einwanderungsbehörde neu dem Verteidigungsministerium 

unterstellt worden sei, was zur Folge habe, dass das für die Verfolgung von 

separatistischen und terroristischen Aktivitäten zuständige sri-lankische 

Militär direkten Zugriff auf die Daten der Einwanderungsbehörde über zu-

rückgeschaffte abgewiesene Asylgesuchsteller erlange. Das Migrationsab-

kommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka setze voraus, dass die Da-

tenschutzbestimmungen eingehalten und nicht zweckentfremdet würden. 

Zudem hätten die heimatlichen Behörden unmissverständlich die angeb-

lich gezielten Versuche der tamilischen Diaspora, die LTTE wiederzubele-

ben, zur Bedrohung der nationalen Sicherheit erklärt. Deshalb sei der Aus-

tausch von Geheimdienstinformationen und die Überwachung des Inter-

nets, welche im J ahr 2020 zugenommen habe, besonders wichtig.   

Der Beschwerdeführer sei aufgrund der erstellten Risikofaktoren in flücht-

lingsrechtlich relevanter Weise gefährdet. Er habe im Jahr 2006 eine LTTE-

Ausbildung absolviert und stamme aus dem Vanni-Gebiet. Sein Bruder sei 

mehrere Jahre lang bei den LTTE gewesen und deswegen seit 2011 inhaf-

tiert; es laufe ein diesbezüglicher Gerichtsprozess gegen ihn im Zusam-

menhang mit einem (…) Anschlag der LTTE im Jahr [Angaben zum An-

schlag]; der Beschwerdeführer sei im Zusammenhang mit seinem Bruder 

im Jahr 2011 selbst verhaftet und einen Monat lang inhaftiert und dabei 

misshandelt worden. Er weise heute entsprechende Körpernarben auf. Er 

E-6420/2020 

Seite 21 

sei in der Folge einer Meldepflicht unterstanden, habe sich dieser Auflage 

entzogen und sei zweifellos auf einer «Stop»- oder «Watch-List» registriert. 

Es sei davon auszugehen, dass die heimatlichen Behörden ein Vergel-

tungsinteresse gegenüber dem Bruder hätten, weshalb der Beschwerde-

führer selbst auch reflexverfolgt würde. Mit seinen Narben, seiner Flucht 

ins Ausland und dem mehrjährigen Aufenthalt in einem Diasporagebiet der 

LTTE mache sich der Beschwerdeführer gegenüber den sri-lankischen Be-

hörden weiter verdächtig, Wiederaufbaubestrebungen der LTTE getätigt zu 

haben, insbesondere aufgrund seiner gut dokumentierten persönlichen 

und familiären Verbindungen zu den LTTE. Hinzu komme, dass sich seine 

Schwägerin seit Januar 2020 in einem Asylverfahren in der Schweiz be-

finde, nachdem sie in Sri Lanka jahrelang ebenfalls unter einer Reflexver-

folgung gelitten habe.   

Das SEM habe der angefochtenen Verfügung einen falschen oder akten-

widrigen, nicht weiter belegbaren Sachverhalt zugrunde gelegt und die in-

dividuellen Asylgründe des Beschwerdeführers und die Ländersituation im 

Heimatstaat unkorrekt abgeklärt. Insbesondere habe es die Reflexverfol-

gung in Missachtung der Anweisungen des Gerichts überhaupt nicht abge-

klärt. Die getätigte Botschaftsabklärung habe klare Hinweise auf eine Re-

flexverfolgung geliefert: die Familie des Beschwerdeführers sei bis Ende 

2019 durch die sri-lankischen Sicherheitsbehörden behelligt worden, bis 

die Schwägerin «weggezogen» respektive in Wahrheit in die Schweiz ge-

flüchtet sei. Durch diese Flucht der Schwägerin und ihres Sohnes sei für 

den Beschwerdeführer ein weiterer Verdachtsmoment geschaffen worden.  

Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unzulässig und unzumutbar.  

T.   

Mit Zwischenverfügung vom 23. Dezember 2020 hielt das Bundesverwal-

tungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylver-

fahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig gab das Gericht das voraus-

sichtliche Spruchgremium bekannt und erhob einen Kostenvorschuss in 

der Höhe von Fr. 1'500.- 

U.  

Mit Eingabe vom 28. Dezember 2020 beantragte der Beschwerdeführer 

Einsicht in die Asylverfahrensakten seiner Schwägerin F._______ (Verfah-

rensnummer N […]) und reichte ein Schreiben des SEM vom 23. Dezember 

2020 zu den Akten, aus welchem hervorgeht, dass das SEM dem Rechts-

vertreter die Akteneinsicht in die besagten Verfahrensakten unter Hinweis 

E-6420/2020 

Seite 22 

auf die noch nicht abgeschlossene Untersuchung im Verfahren der Schwä-

gerin verweigerte.  

V.  

Mit Eingabe vom 11. Januar 2021 ersuchte der Rechtsvertreter um weitere 

Auskünfte betreffend die Bildung des Spruchkörpers (elektronisches 

Spruchkörpergenerierungssystem) im vorliegenden Beschwerdeverfahren 

und verwies dazu auf eine Zwischenverfügung im Verfahren D-3427/2020 

vom 23. Juli 2020. 

W.  

Am 11. Januar 2021 wurde der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist mithin 

– unter nachstehenden Vorbehalten – einzutreten.  

E-6420/2020 

Seite 23 

1.5 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

2.  

Dem Beschwerdeführer wurde die voraussichtliche Zusammensetzung 

des Spruchgremiums mit Instruktionsverfügung vom 23. Dezember 2020 

bekanntgegeben. Auf die weiteren Anträge betreffend Spruchkörperbil-

dung ist praxisgemäss nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer D-

1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4). 

3.  

Soweit die Anordnung von Disziplinarmassnahmen gegen Mitarbeitende 

der Vorinstanz beantragt wird (Rechtsbegehren 7), ist auf diesen Antrag 

mangels Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts als Disziplinarbe-

hörde ebenfalls nicht einzutreten.  

4.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

5.  

In der Beschwerde werden diverse formelle Rügen erhoben, welche grund-

sätzlich vorab zu beurteilen wären, da sie – sofern begründet – allenfalls 

geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir-

ken. 

5.1 Angesichts des Ausgangs des Verfahrens kann auf die vorgängige Prü-

fung der formellen Rügen betreffend Verletzung des rechtlichen Gehörsan-

spruchs respektive der Begründungspflicht (Rechtsbegehren 2 und 3) in-

dessen verzichtet werden, da der Beschwerdeführer mit seinem Rechtsbe-

gehren 5 (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von 

Asyl) vollständig durchdringt.  

5.2 Auch auf die in der Rechtsmitteleingabe und der Eingabe vom 28. De-

zember 2020 gestellten Beweisanträge (Übersetzung von eingereichten 

Beweismitteln und zusätzliche Anhörung des Beschwerdeführers) ist nicht 

weiter einzugehen, da sie im Hinblick auf den Verfahrensausgang obsolet 

geworden sind.  

Festzuhalten bleibt, dass die Rüge, das SEM habe weiterhin die einge-

reichten Beweismittel nicht übersetzen lassen (vgl. Beschwerde S. 10, 11, 

E-6420/2020 

Seite 24 

19, 42 f.), nicht zutrifft (vgl. oben Bst. K). Wenn sich in der angefochtenen 

Verfügung der Satz findet, es könne "auf eine Übersetzung der nur in tami-

lischer Sprache vorliegenden Dokumente verzichtet" werden (Verfügung 

vom 12. November 2020 S. 5), wurde diese Überlegung unzutreffend of-

fenbar aus der früheren, mittlerweile kassationsweise aufgehobenen Ver-

fügung vom 22. Dezember 2016 übernommen. 

5.3 Was den Antrag betrifft, die Akten der Schwägerin F._______ zu edie-

ren, hat das SEM dieses Gesuch angesichts des weiterhin vorinstanzlich 

hängigen Asylverfahrens von F._______ gestützt auf Art. 27 Abs. 1 Bst. c 

VwVG zu Recht abgewiesen und eine derzeitige Akteneinsicht zu Recht 

verweigert. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Akten beigezogen. An-

gesichts des Ausgangs des vorliegenden Beschwerdeverfahrens kann auf 

eine vorgängige Anhörung des Beschwerdeführers in diesem Zusammen-

hang verzichtet werden (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG). 

6.  

6.1 Es gilt vorab festzustellen, dass Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 

Abs. 2 AsylG – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Be-

weismass bedeutet und durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 

an den Vorbringen des Gesuchstellers lässt. Eine wesentliche Vorausset-

zung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die 

eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen wider-

spruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. 

Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung 

ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision 

und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Er-

lebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten 

oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftma-

chung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstim-

mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und 

Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder 

gegen den Gesuchsteller sprechen. Dabei ist auf eine objektivierte Sicht-

weise abzustellen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die 

positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem-

gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 

in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. 

6.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

E-6420/2020 

Seite 25 

von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss, 

welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Or-

gane des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt wor-

den sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 

E. 5.2 S. 37), ohne dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Her-

kunftsstaat ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 

E.7.2.6.2, BVGE 2008/4 E. 5.2).  

Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation 

im Zeitpunkt des Entscheides. Die Verfolgung muss grundsätzlich auch im 

Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein, wobei erlittene Verfol-

gung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor 

Verfolgung auf eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderun-

gen der Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und 

Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person 

zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 

2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.). 

6.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 

3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet be-

fürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 

S. 225, unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-

rischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem 

EMARK 1994 Nr. 17). Dabei kommen in einem solchen Kontext bei der 

Prüfung einer begründeten Furcht vor Verfolgung beweiserleichternde 

Grundsätze zur Anwendung (vgl. dazu insbesondere EMARK 1993 Nr. 6, 

E. 4, S. 38 mit weiteren Verweisen; Weiterführung dieser Praxis durch die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, beispielsweise im Urteil 

des BVGer E-3738/2006 vom 5. Februar 2009 E. 5.3.1 und E-2734/2015 

vom 16. April 2018 E. 4.3.1).   

6.4  Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-

reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-

licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17

E-6420/2020 

Seite 26 

scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin-

reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die 

bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da-

mit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurtei-

lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol-

gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er-

lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-

gänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, 

hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 

2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2).  

7.  

Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der Verfahrensakten gelangt das Bun-

desverwaltungsgericht zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer gel-

tend gemachte Verfolgungssituation vor seiner Ausreise aus Sri Lanka, na-

mentlich die Suche nach seiner Person und die von ihm bereits erlittenen 

Behelligungen, entgegen der Einschätzung des SEM, überwiegend glaub-

haft ist. Seine Angaben geben insgesamt ein zusammenhängendes Ge-

samtbild wieder, welches asylrechtlich von Relevanz ist. Die vom Be-

schwerdeführer geschilderten Ereignisse und die daraus abgeleitete Ver-

folgungssituation werden in den Kernpunkten durch die von der Schweize-

rischen Botschaft in Colombo vorgenommenen Abklärungen bestätigt wer-

den. Zudem decken sich seine Vorbringen weitestgehend mit den entspre-

chenden Angaben und Schilderungen seiner Schwägerin und deren Soh-

nes in deren eigenen Befragungen zu den Asylgründen. 

8.  

8.1 Nachdem im Kassationsurteil E-483/2017 vom 24. Oktober 2019 fest-

gestellt worden war, dass das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt 

mangelhaft erfasst und die Vorbringen des Beschwerdeführers unvollstän-

dig gewürdigt habe, nahm das SEM weitere Untersuchungsmassnahmen 

vor, liess die eingereichten Beweismittel übersetzen und beauftragte na-

mentlich die Schweizerische Botschaft in Colombo mit weiteren Abklärun-

gen; eine zusätzliche Anhörung des Beschwerdeführers wurde nicht durch-

geführt. 

Zu den Ergebnissen der Botschaftsabklärung ebenso wie zu gewissen 

diesbezüglich entstandenen Widersprüchen wurde dem Beschwerdeführer 

schriftlich das rechtliche Gehör gewährt (vgl. oben Bst. P und Q). 

E-6420/2020 

Seite 27 

8.2 Die Botschaftsergebnisse haben die Hauptasylvorbringen des Be-

schwerdeführers im Wesentlichen bestätigt. Sie haben ergeben, dass der 

Bruder C._______ im Jahr 2011 verhaftet wurde, und dass die TID, die 

Sicherheitsbehörde, welche innerhalb der sri-lankischen Sicherheitskräften 

für die Terror-Bekämpfung zuständig ist, gegen ihn vor dem [Gericht] in (…) 

ein Gerichtsverfahren eröffnet hat. Der Bruder ist unter der PTA – der Ge-

setzgebung betreffend Terrorbekämpfung – angeklagt, [terroristischer An-

schlag]. Darüber wurde in den internationalen Medien ausführlich berichtet 

(vgl. dazu: Sachverhalt oben, Bst. Q, mit Verweis auf das Urteil E-483/2017 

a.a.O, E. 4.3.1).  

Im Weiteren liess sich durch die Abklärungen der Botschaft seitens der 

konsultierten Familienmitglieder bestätigen, dass C._______ sich im Ju-

gendalter der LTTE angeschlossen und diese Bewegung 2005 verlassen 

hatte. Ob er am Anschlag tatsächlich beteiligt gewesen sei, wussten seine 

Angehörigen nicht; hingegen gaben sie an, C._______ sei zum Zeitpunkt 

des fraglichen Anschlags "ein fanatisches LTTE-Mitglied gewesen". 

Ferner gab die Familie an, sie sei auch nach der Verhaftung von 

C._______ – bis in jüngste Zeit – von den Behörden kontrolliert und über-

wacht sowie immer wieder behelligt und aufgesucht worden. Die Nachstel-

lungen hätten sich namentlich gegen den Beschwerdeführer sowie gegen 

die Ehefrau von C._______ gerichtet. Der jüngere Sohn der Familie sei 

demgegenüber zu jung gewesen, um mit den LTTE in Verbindung gebracht 

zu werden. Die Aussagen des Beschwerdeführers, sie seien als LTTE-Fa-

milie bekannt gewesen (wobei sein jüngerer Bruder zu jung gewesen sei, 

um in selber Weise wie er und C._______ behelligt zu werden; vgl. A13 F 

199), finden demnach in den Aussagen der Familie im Rahmen der Bot-

schaftsabklärung ihre Bestätigung; es geht aus den Darstellungen ferner 

auch übereinstimmend hervor, dass die Behelligungen immer im Zusam-

menhang mit C._______ gestanden sind. Den Angaben der Familie zu-

folge seien sie seit 2011 unter Beobachtung und unter generellem Verdacht 

gestanden; die Behelligungen der Familie seien ferner auch nachdem der 

Beschwerdeführer das Land verlassen habe, weiter gegangen. 

Nach Einschätzung der mit der Botschaftsabklärung betrauten Person hät-

ten die Familienangehörigen spontan und substantiiert Auskunft gegeben; 

es bestehe kein Anlass, an der Glaubhaftigkeit der Aussagen zu zweifeln. 

8.3 Soweit sich in einzelnen Aussagen des Beschwerdeführers und seiner 

Angehörigen Widersprüche finden, ist Folgendes festzuhalten: 

E-6420/2020 

Seite 28 

8.3.1 Vorab ist zu berücksichtigen, dass die Angehörigen im Rahmen der 

Botschaftsabklärung an verschiedenen Stellen einräumten, sich in den Er-

innerungen nicht sicher zu sein; es ist durchaus denkbar, dass es zu ge-

wissen Verwirrungen gekommen ist. Die Botschaftsmitarbeiterin hielt fer-

ner fest, es sei wohl davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum 

eigenen Schutz nicht alle Begebenheiten mit seiner Familie geteilt habe 

und diese also nicht von allem wüssten. Schliesslich sei zu beachten, dass 

die Gesprächspartnerinnen der Schweizer Botschaft – die Mutter des Be-

schwerdeführers und die Ehefrau des jüngeren Bruders – Mühe gehabt 

hätten, sich an konkrete Daten zu erinnern; die Mutter sei psychisch stark 

angeschlagen, vergesslich und nicht bei guter Gesundheit; die Ehefrau des 

jüngeren Bruders ihrerseits sei bei den früheren Ereignissen in die Famili-

enangelegenheiten noch weniger involviert gewesen. 

Was demgegenüber die Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen 

des schweizerischen Asylverfahrens betrifft, muss festgehalten werden, 

dass die Anhörung des Beschwerdeführers offenbar von Verständigungs-

problemen geprägt war (vgl. die Anmerkungen der Hilfswerkvertretung, 

A13 S. 27). Verschiedentlich wurden die Aussagen des Beschwerdeführers 

nicht umfassend protokolliert, sondern es wurde lediglich in Klammern ver-

merkt, er wiederhole sich (vgl. A13 F 78, 115, 145, 150, 206). Zudem sind 

offenbar die Fragen nicht in der Form protokolliert worden, wie sie gestellt 

worden sind, da der Dolmetscher die Fragen selber – ohne dass sie aus 

dem Protokoll hervorgehen würden – umformuliert habe (vgl. A13 F 92 f., 

168). Schliesslich ergibt sich die Chronologie der Ereignisse aus dem Pro-

tokoll der Anhörung nur erschwert, und die Anhörung folgte nicht einem 

chronologisch geradlinigen Ablauf; teils verwechselte der Beschwerdefüh-

rer die Jahre 2011 und 2013 (vgl. A13 F 89), teils ist es unmöglich, aus dem 

Protokollkontext seine Aussagen in einen zeitlichen Rahmen zu setzen 

(vgl. z.B. die Aussage, der Beschwerdeführer sei mehrere Male für Befra-

gungen mitgenommen worden, ohne dass klar ist, wann das geschehen 

sein soll, A13 F 88 und 89). 

Was andererseits die Befragung des Beschwerdeführers in der BzP betrifft, 

ist festzuhalten, dass die gesamte BzP samt Rückübersetzung lediglich 1 

¼ Stunden dauerte; die Aussagen zu den Gesuchsgründen umfassen 

knapp eine halbe Seite (vgl. A3 S. 6). Bei dieser Sachlage erweist sich der 

in der angefochtenen Verfügung (S. 4) vom SEM erhobene Vorwurf, in der 

Anhörung seien Vorbringen nachgeschoben worden, die in der BzP nicht 

genannt worden seien, als unhaltbar. 

E-6420/2020 

Seite 29 

8.3.2 Vor diesem Hintergrund hält das Gericht fest, dass zunächst – entge-

gen den vom SEM angedeuteten, aber letztlich offen gelassenen Zweifeln 

– die einmonatige Inhaftierung des Beschwerdeführers im Jahr 2011 als 

glaubhaft gemacht gelten kann. 

Zwar bestehen diesbezüglich Ungereimtheiten zwischen den Aussagen 

des Beschwerdeführers und jenen seiner Angehörigen. Der Beschwerde-

führer wurde seinen Angaben gemäss im Sommer 2011 gleichzeitig wie 

sein Bruder verhaftet und für einen Monat inhaftiert; er sei zunächst kurze 

Zeit im (…) und in (…) festgehalten worden, wo man ihn noch nicht miss-

handelt habe, und dann nach Colombo ins "vierte Geschoss" verbracht 

worden; dort sei er einen Monat lang massiv misshandelt worden. Seine 

Familie sprach demgegenüber davon, im Jahr 2011 sei C._______ verhaf-

tet worden; danach sei der Beschwerdeführer von Armeeangehörigen wie-

derholt befragt oder zur Befragung mitgenommen worden; einmal sei er 

mehrere Tage nicht nach Hause gekommen, in Colombo festgehalten wor-

den und dabei schwer geschlagen worden.  

Diese Ungereimtheiten sind nach Ansicht des Gerichts nicht geeignet, die 

einmonatige Haft im Jahr 2011 als nicht glaubhaft zu werten. Der Be-

schwerdeführer – der die Haft bereits in der BzP anführte (vgl. A3 S. 6) – 

machte hierzu in der Anhörung ausführliche, detaillierte und substantiierte 

Aussagen, die Realkennzeichen aufweisen und durchaus den Eindruck 

von Selbsterlebtem wiedergeben (vgl. insbesondere A13 F 105 ff., 123 ff.). 

Festzuhalten ist sodann, dass die Schwägerin und der Neffe des Be-

schwerdeführers im Rahmen ihres Asylverfahrens in der Schweiz bestätigt 

haben, der Beschwerdeführer sei im Jahr 2011 zusammen mit C._______ 

für einen Monat verhaftet worden (vgl. nachfolgend E. 8.4). 

Das Gericht teilt ferner auch die Einschätzung des SEM nicht, dass das 

eingereichte Bestätigungsschreiben von Rechtsanwalt (…) vom 24. Juni 

2015 (vgl. A14 Bm 1) einen grundsätzlich fraglichen Beweiswert habe, weil 

es den Aussagen des Beschwerdeführers widerspreche. Der Rechtsanwalt 

bestätigt die Inhaftierung des Beschwerdeführers im Jahr 2011. Ferner 

führt er aus, er selber (der Rechtsanwalt) sei unter Beobachtung der TID 

geraten, nachdem die Angehörigen von C._______ (namentlich dessen 

Ehefrau und der Beschwerdeführer) jenen im Gefängnis besucht hätten; 

dem steht die Aussage des Beschwerdeführers gegenüber, er habe seinen 

Bruder nicht besucht (vgl. A13 F 164, 169). Dass dem Anwalt hier betref-

E-6420/2020 

Seite 30 

fend eine nicht auf eigener Wahrnehmung beruhende Tatsache möglicher-

weise ein Fehler unterlaufen ist, stellt nach Ansicht des Gerichts nicht die 

gesamte Beweiskraft seiner Bestätigung in Frage. 

8.3.3 Ungereimtheiten und Unterschiede zwischen den Aussagen des Be-

schwerdeführers und den Angaben seiner Familie der Botschaft gegenüber 

bestehen schliesslich zu den nach 2011 erfolgten behördlichen Behelligun-

gen. 

Unklar erscheint namentlich, welche Probleme der Beschwerdeführer nach 

seiner einmonatigen Haft im Jahr 2011 bis ungefähr ins Jahr 2013 gehabt 

habe. Wie bereits erwähnt, gab seine Familie an, er sei damals, im Jahr 

2011, sehr oft, anfangs fast täglich, von Armeeangehörigen aufgesucht, be-

fragt oder zur Befragung mitgenommen worden und einmal während meh-

reren Tagen nach Colombo verbracht und dort schwer geschlagen worden. 

Demgegenüber sprach der Beschwerdeführer zwar ebenfalls von Behelli-

gungen bereits ab dem Jahr 2011, wobei es sich aber anfangs um eher 

nebensächlich scheinende Schikanen gehandelt habe (es seien Steine ge-

worfen worden; man habe Brennholz (…) weggenommen; vgl. A13 F 150, 

155). Der Beschwerdeführer soll damals zwar Probleme gehabt haben, 

habe aber andererseits die Meldepflicht nach einem Monat einstellen kön-

nen, ohne dass dies Folgen gehabt hätte; seinen Angaben gemäss seien 

die Probleme erst ab dem Jahr 2013 ernsthafter geworden. Seit 2013 sei 

er wiederholt festgenommen und auch zu Hause gesucht worden (vgl. A13 

F 89, 147 ff., 152, 153 ff., 170 ff.). Auch im Rahmen des ersten Beschwer-

deverfahrens wies der Beschwerdeführer darauf hin, er sei namentlich ab 

2013 gesucht worden (vgl. Akten E-483/2017, Eingabe vom 10. März 2017; 

oben Bst. E). 

Dass die Familie – und damit auch der Beschwerdeführer – behördlich wei-

terhin behelligt und aufgesucht worden sei, und dass dies bis letztmals De-

zember 2019 angedauert habe (die Botschaftsauskunft erfolgte anfangs 

Juli 2020), gaben die Angehörigen des Beschwerdeführers auch im Rah-

men der Botschaftsabklärungen an.  

Die Schwägerin und der Neffe des Beschwerdeführers bestätigten im Rah-

men ihrer Asylbefragungen in der Schweiz sodann ebenfalls, dass die be-

hördlichen Überwachungen und Behelligungen jahrelang angedauert hät-

ten und auch nach ihrer eigenen Ausreise aus Sri Lanka im Januar 2020 

weiterhin stattgefunden hätten (vgl. nachfolgend, E. 8.4).  

E-6420/2020 

Seite 31 

Was die Darstellungen des Beschwerdeführers betrifft, die gegen ihn ge-

richteten behördlichen Behelligungen und die Suche nach ihm seien ab 

2013 intensiver geworden, könnte dies auch aufgrund der konkreten län-

derspezifischen Ereignisse zu erklären sein. So ist es nach Einschätzung 

des Gerichts durchaus nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer unmit-

telbar nach seiner Freilassung aus der Haft im Juli 2011 in weniger inten-

sivem Ausmass von den sri-lankischen Behörden behelligt wurde als ab 

dem Jahr 2013. [Angaben zum terroristischen Anschlag], beide abgerufen 

am 8.3.2021), scheint im Länderkontext plausibel, dass die behördlichen 

Ermittlungsmassnahmen im Zusammenhang mit [dem terroristischen An-

schlag] erst danach intensiviert wurden und auch die entsprechenden Be-

helligungen und Behördenbesuche beim Beschwerdeführer zunahmen.    

Wenn auch die Ungereimtheiten letztlich nicht vollständig ausgeräumt sind, 

geht das Gericht nach dem zuvor Gesagten (vgl. E. 8.3.1) davon aus, dass 

der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise weitere behördliche Behelligun-

gen erlebte und dass nach ihm gesucht wurde. Die Erwägung des SEM, 

seit 2011 sei dem Beschwerdeführer nichts mehr passiert, kann das Ge-

richt nicht teilen.  

Dass die behördlichen Besuche nicht spezifisch dem Beschwerdeführer, 

sondern offenbar eher der Ehefrau von C._______ gegolten hätten, wie 

das SEM weiter erwägt, überzeugt ebenfalls nicht und verkennt die Prob-

lematik der vorliegend interessierenden Konstellation einer Reflexverfol-

gung. Nachdem C._______ seit 2011 im Gewahrsam der sri-lankischen 

Behörden ist, kann sich die andauernde Behelligung seiner Angehörigen 

nicht darauf beziehen, dass die Behörden etwas über den Verbleib eines 

Gesuchten hätten erfahren wollen; vielmehr wird offenbar aus der Tatsa-

che, dass die Behörden mit C._______ einen prominenten Terroristen in 

Haft und vor Gericht wissen, eine entsprechende Verdächtigung auch sei-

ner engsten Verwandten in dem für LTTE-Verdächtigungen "passenden" 

Alter abgeleitet; damit richten sich entsprechende Verdachtsmomente pri-

mär auch gegen den Beschwerdeführer.  

8.4 Wie bereits erwähnt, haben die Schwägerin und der Neffe des Be-

schwerdeverfahrens im Rahmen ihres Asylverfahrens in der Schweiz ver-

schiedentlich auf den Beschwerdeführer Bezug genommen. 

Aus den vom Gericht beigezogenen Asylverfahrensakten der Schwägerin 

und deren Sohnes (N […]) ergibt sich Folgendes: 

E-6420/2020 

Seite 32 

8.4.1 Das im Januar 2020 von der Schwägerin und ihrem Sohn einge-

reichte Asylgesuch ist zurzeit vor dem SEM noch hängig. Die Personalien-

aufnahme der Schwägerin und ihres Sohnes wurde am 28. Februar 2020 

durchgeführt. Der Sohn G._______ wurde am 11. Juni 2020, die Schwä-

gerin am 19. August 2020 einlässlich angehört. Ob weitere Abklärungs-

massnahmen seitens des SEM in Betracht gezogen werden, lässt sich den 

derzeitigen Akten nicht entnehmen.  

8.4.2 Den Angaben von G._______ in seiner Anhörung vom 11. Juni 2020 

zufolge wurde sein Vater (der Bruder des Beschwerdeführers, C._______) 

zusammen mit dem Beschwerdeführer im Jahr 2011 festgenommen; der 

Beschwerdeführer wurde nach einem Monat wieder freigelassen. Die CID-

Leute seien immer wieder gekommen, um seinen Onkel zu befragen.   

G._______ nannte den Namen des Beschwerdeführers dabei explizit. Die 

Behörden hätten gewusst, dass sie eine «LTTE-Familie» gewesen seien 

(vgl. Anhörungsprotokoll des Sohnes: Antworten 8 ff., 86 und 88). Auch 

nach der Ausreise von G._______ und seiner Mutter seien die Behörden 

zu Hause erschienen und hätten bei den Grosseltern Erkundigungen vor-

genommen (vgl. Antworten 104 und 141). G._______ bestätigte weiter, 

dass seine Mutter ihren Ehemann (C._______) aus Angst vor Problemen 

mit den Sicherheitsbehörden nicht mehr im Gefängnis besucht habe (vgl. 

Antwort 148) und dass er selbst erlebt habe, wie das Haus seiner Familie 

unter Beobachtung gestanden habe (vgl. Antwort 156). 

8.4.3 Auch die Schwägerin F._______ gab im Rahmen ihrer Anhörung vom 

19. August 2020 zu Protokoll, zusammen mit ihrem Ehemann C._______ 

sei auch ihr Schwager – der Beschwerdeführer – am 13. Juni 2011 festge-

nommen worden; mit Hilfe eines Anwalts sei der Beschwerdeführer aus der 

Haft freigekommen; als ihr Ehemann ins «Vierte Geschoss» gebracht wor-

den sei, sei er vom Beschwerdeführer getrennt worden. Nach der Entlas-

sung ihres Schwagers sei sie – die Schwägerin – von den Behörden be-

fragt worden; dabei seien auch Fragen zum Beschwerdeführer und zu des-

sen Identitätspapieren gestellt worden. Am 26. Oktober 2019 seien zwei 

Personen zu ihrer Schwiegermutter gekommen und hätten auch nach dem 

Verbleib des Beschwerdeführers gefragt (vgl. Anhörungsprotokoll der 

Schwägerin: Antworten 16, 68ff., 86). Aus Angst habe sie ihren Mann nicht 

mehr im Gefängnis besucht (vgl. Antworten 99, 101). Die Schwägerin be-

stätigte auch, dass ihr Nachbarhaus von einer singhalesischen Familie be-

wohnt worden sei und dass Soldaten und Polizisten nachts zu jenem Haus 

gekommen seien (vgl. Antwort 93). 

E-6420/2020 

Seite 33 

8.4.4 Der Beizug der Verfahrensakten der Schwägerin und des Neffens 

des Beschwerdeführers ergibt damit ein übereinstimmendes Bild. Ein Ver-

gleich der jeweiligen Angaben dieser beiden Personen zeigt, dass sich die 

Schilderungen des Beschwerdeführers – namentlich zum Verfahren seines 

Bruders, dem LTTE-Hintergrund seiner Familie und den selbst erlittenen 

Behelligungen – weitgehend und ohne erwähnenswerte Widersprüche mit 

den Angaben seiner Schwägerin und seines Neffen decken. Aus diesen 

Akten geht übereinstimmend hervor, dass der Beschwerdeführer, wie sein 

Bruder C._______, aus einer Familie mit LTTE-Hintergrund und -verbin-

dungen stammt und im Jahr 2011 verhaftet wurde. C._______ hat wegen 

des Verdachts einer Mitbeteiligung an einem Angriff der LTTE das Augen-

merk der sri-lankischen Sicherheitskräfte auf sich respektive auf die ge-

samte Familie gezogen und diese hat in der Folge jahrelang unter ständi-

gen behördlichen Behelligungen, Schikanen und Überwachungen gelitten.  

9.  

Zu prüfen bleibt die flüchtlingsrechtliche Relevanz der als glaubhaft erach-

teten Vorbringen. 

9.1 Das SEM ging davon aus, dass die Verhaftung Beschwerdeführers im 

Jahr 2011 – deren Glaubhaftigkeit offen gelassen werden könne – zur Aus-

reise im Jahr 2015 jedenfalls keinen Kausalzusammenhang mehr auf-

weise. Dass der Beschwerdeführer nach dem Jahr 2011 noch Behelligun-

gen erlitten habe, würdigte das SEM als nicht glaubhaft gemacht. Damit 

habe im Zeitpunkt seiner Ausreise kein Anlass für eine begründete Furcht 

vor weiterer Verfolgung bestanden; namentlich müsse seine Furcht vor ei-

ner ihm möglicherweise drohenden Verhaftung als unbegründet bezeich-

net werden. Dass dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinem 

Bruder C._______ hätte eine Verfolgung drohen können, verneinte das 

SEM und wies auf die gänzlich unterschiedlichen politischen Profile des 

Beschwerdeführers einerseits und seines Bruders andererseits hin. Auch 

im Kontext, dass der Beschwerdeführer sich seit 2015 in der Schweiz be-

findet und aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren müsste, verneinte 

das SEM, unter Bezugnahme auf das Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. 

Juli 2016, eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. 

9.2 Das Gericht schliesst sich diesen Erwägungen nicht an. 

Zunächst ist nach dem oben Gesagten die Verhaftung des Beschwerde-

führers im Jahr 2011 als glaubhaft gemacht anzuerkennen (vgl. oben E. 

E-6420/2020 

Seite 34 

8.3.2). Damit ist auch eine glaubhafte Grundlage für die geltend gemach-

ten, während der Haft erlittenen massiven Misshandlungen (vgl. A13, Ant-

worten 112, 116 f. und 125-140) gegeben. Durch diese glaubhaft gemachte 

erlebte Vorverfolgung und das vom Beschwerdeführer in der Vergangen-

heit subjektiv Erlebte sind an die begründete Furcht vor weiterer Verfolgung 

herabgesetzte Anforderungen zu stellen (vgl. oben E. 6.4). 

Ferner erachtet das Gericht, anders als das SEM, es auch als glaubhaft 

gemacht, dass der Beschwerdeführer auch nach 2011 behördlich behelligt, 

verschiedentlich seines Bruders wegen verhört und selber gesucht wurde 

(vgl. oben E. 8.3.3). Entgegen dem vom SEM vertretenen Standpunkt han-

delt es sich bei der Festnahme und Inhaftierung im Sommer 2011 nicht um 

ein abgeschlossenes Ereignis, sondern die Repressalien gegen den Be-

schwerdeführer und seine Familie dauerten vielmehr nachhaltig an. Der 

Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe nach Juli 2011 bis zur Aus-

reise mehrere Jahre lang von staatlichen Repressalien unbehelligt in Sri 

Lanka ein normales Leben weiterführen können, hält einer Überprüfung 

nicht stand. Damit kann den vorinstanzlichen Erwägungen, der Kausalzu-

sammenhang sei seit 2011 abgebrochen, nicht gefolgt werden. 

Schliesslich vermag das Gericht auch die Einschätzung der Vorinstanz zur 

politischen Relevanz des gegen C._______ eröffneten Strafverfahrens und 

dessen Auswirkung auf die Situation des Beschwerdeführers nicht zu tei-

len. Es steht ausser Frage, dass C._______ angesichts der gegen ihn vor 

dem [Gericht] in (…) unter der PTA-Gesetzgebung zur Anklage gebrachten 

Vorwürfe in den Augen des sri-lankischen Regimes als prominenter und 

gefährlicher LTTE-Exponent gilt. Dass seine Familie während Jahren – ob-

wohl C._______ sich ja seit 2011 in behördlichem Gewahrsam befindet – 

unter Beobachtung stand, wegen C._______ und wegen LTTE-Verdächti-

gungen befragt, behelligt und gesucht wurde, erklärt sich offenbar dadurch, 

dass auch gegen nahe Familienangehörige von C._______, im Sinne einer 

Reflexverfolgung, entsprechende Verdächtigungen nachhaltig bestehen. 

Dass Reflexverfolgung in Sri Lanka vorkommt und dass das sri-lankische 

Regime die Strategie der Reflexverfolgung im Sinne von Überwachungs-

massnahmen und Repressalien gegenüber Familienangehörigen von Per-

sonen, die der Entfaltung politisch missliebiger Tätigkeiten verdächtigt wer-

den, gezielt anwendet, hat das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen sei-

ner Rechtsprechung mehrfach festgestellt (vgl. beispielsweise Urteil vom 

D-1345/2015 vom 8. Oktober 2015, D-1529/2020 vom 16. Dezember 2020 

E. 8.4). 

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9.3 Zwar mögen die einzelnen Behelligungen, die der Beschwerdeführer 

nach dem Jahr 2011 bis zu seiner Ausreise in Sri Lanka erlebt hat, für sich 

alleine nicht sehr intensiv gewesen sein und isoliert betrachtet für die Be-

jahung einer Verfolgungssituation nicht genügen. In ihrer Gesamtheit – und 

angesichts der Vorverfolgung, die der Beschwerdeführer während der Haft 

im Jahr 2011 bereits erlebt hat – waren aber die ständigen, andauernden 

behördlichen Vorsprachen und Behelligungen geeignet, eine begründete 

Furcht des Beschwerdeführers vor einer weiteren Festnahme und Inhaftie-

rung im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka zu begründen. 

Angesichts seines familiären Hintergrunds und der gegen seinen Bruder 

bestehenden Anklage betreffend die Beteiligung an einem prominenten ter-

roristischen Anschlag, sodann angesichts der bereits erlebten, mit Miss-

handlungen verbundenen Verhaftung und der Tatsache, dass die Behelli-

gungen der Behörden gegen die Familie von C._______, obwohl dieser 

nicht mehr gesucht werden musste, während Jahren andauerten, kann die 

subjektive Furcht des Beschwerdeführers vor einer erneuten Verhaftung im 

Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka auch objektiv ohne weiteres nach-

vollzogen werden. Der Beschwerdeführer musste im Zeitpunkt seiner Aus-

reise aus Sri Lanka in begründeter Weise befürchten, aufgrund politischer 

Verdächtigungen der LTTE-Unterstützung eine gezielte Verfolgung von 

ausreichender Intensität zu gewärtigen. 

Es ist ferner zu bejahen, dass diese Furcht vor Verfolgung auch zum heu-

tigen Zeitpunkt weiterhin aktuell ist. Aus den vorliegenden Angaben der An-

gehörigen des Beschwerdeführers (seiner Familie der Schweizer Botschaft 

gegenüber, beziehungsweise seiner Schwägerin und seines Neffen im 

Rahmen ihres Asylverfahrens in der Schweiz) geht hervor, dass die be-

hördlichen Überwachungen und Behelligung bis in jüngste Zeit weiterhin 

angedauert haben. Die allgemeine Situation in Sri Lanka und die Haltung 

der sri-lankischen Behörden der tamilischen Minderheit sowie den der 

LTTE-Aktivitäten verdächtigten Personen gegenüber haben sich zudem 

seit der Ausreise des Beschwerdeführers aus seiner Heimat nicht verbes-

sert. Die bei der Ausreise des Beschwerdeführers bestehende Furcht vor 

Verfolgung muss auch heute weiterhin als begründet bezeichnet werden 

und hat ihre Aktualität nicht eingebüsst. 

9.4 Nach dem Gesagten erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG. Da den Akten keine Hinweise zu entnehmen 

sind, die auf das Vorliegen von Ausschlussgründen (Art. 53 AsylG) hindeu-

ten, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 

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10.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. 

Die angefochtene Verfügung vom 12. November 2020 ist aufzuheben und 

das SEM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG).  

Dem Beschwerdeführer ist der bereits geleistete Kostenvorschuss in der 

Höhe von Fr. 1'500.- zurückzuerstatten.  

11.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand. Seitens des 

Rechtsvertreters wurde mit der Rechtsmitteleingabe vom 21. Dezember 

2020 eine Kostennote eingereicht, welche einen Arbeitsaufwand von 23 

Stunden, einen Stundenansatz von Fr. 240.- sowie Auslagen von Fr. 31.90 

ausweist. Dieser Aufwand erscheint im Verhältnis zu vergleichbaren Ver-

fahren zu hoch. Zudem gilt zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeein-

gabe sowohl redundante Passagen als auch weitschweifige und unnötige 

Ausführungen zur allgemeinen Lage in Sri Lanka enthalten, die sich in glei-

cher Form in einer Vielzahl von Eingaben seines Rechtsvertreters in ande-

ren Beschwerdeverfahren finden. Der zu entschädigende Arbeitsaufwand 

ist daher zu kürzen.   

Die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung ist in Berück-

sichtigung der genannten Umstände sowie der massgeblichen Bemes-

sungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 2’000.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzu-

setzen. 

(Dispositiv: nächste Seite) 

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Seite 37 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 12. November 2020 wird aufgehoben. 

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird an-

gewiesen, ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Der geleistete Vorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.- wird zurückerstattet.  

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2’000.– auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Sandra Bodenmann 

 

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