# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 83827ebc-dda1-52d3-a0cc-90ab59afe458
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-09-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.09.2012 SK.2011.29
**Docket/Reference:** SK.2011.29
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2011-29_2012-09-25

## Full Text

Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz (Art. 34 Abs. 1 lit. a i.V.m. lit. c KMG) und Urkundenfälschung (Art. 251 StGB).;;Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz (Art. 34 Abs. 1 lit. a i.V.m. lit. c KMG) und Urkundenfälschung (Art. 251 StGB).;;Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz (Art. 34 Abs. 1 lit. a i.V.m. lit. c KMG) und Urkundenfälschung (Art. 251 StGB).;;Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz (Art. 34 Abs. 1 lit. a i.V.m. lit. c KMG) und Urkundenfälschung (Art. 251 StGB).

Urteil vom 25. September 2012 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Vorsitz, 
Peter Popp und Daniel Kipfer Fasciati,  
Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch  
Peter Lehmann, Staatsanwalt des Bundes,  

 gegen 

 
 1. Friedrich Tinner-Göldi, privat verteidigt durch 

Rechtsanwalt Jakob Rhyner,  

2. Marco Walter Tinner, amtlich verteidigt durch 
Rechtsanwalt Peter Volkart,  

3. Urs Tinner, amtlich verteidigt durch Rechts-
anwalt Roman Bögli, 

 

Gegenstand 
 

Widerhandlungen gegen das Kriegsmaterialgesetz, 
Urkundenfälschung 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: SK.2011.29 
 

- 2 - 

Anträge der Parteien:  

Der Urteilsvorschlag vom 6. März 2012 / 10. August 2012 sei zum Urteil zu erheben. 

 

Sachverhalt: 

A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 13. Oktober 2004 gegen die Gebrüder 
Marco Walter Tinner (nachfolgend: Marco Tinner) und Urs Tinner sowie allfällige 
Mitbeteiligte ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Widerhandlun-
gen gegen Art. 7 des Bundesgesetzes über das Kriegsmaterial (Kriegsmaterial-
gesetz, KMG, SR 514.51) i.V.m. Art. 34 KMG und Art. 14 des Bundesgesetzes 
über die Kontrolle zivil und militärisch verwendbarer Güter sowie besonderer mili-
tärischer Güter (Güterkontrollgesetz, GKG, SR 946.202) sowie Art. 4 der Verord-
nung über die Aus-, Ein- und Durchfuhr zivil und militärisch verwendbarer Güter 
sowie besonderer militärischer Güter (Güterkontrollverordnung, GKV, 
SR 946.202.1 [pag. 1.1.1]). Am 18. August 2005 wurde das Verfahren auf Fried-
rich Tinner-Göldi (nachfolgend: Friedrich Tinner) – Vater der Obgenannten –
ausgedehnt (pag. 1.1.2). Gleichentags wurde das Verfahren gegen Friedrich 
Tinner und seine beiden Söhne auf den Tatbestand der Geldwäscherei 
(Art. 305bis StGB) erweitert (pag. 1.1.3). Es bestand der Verdacht, dass die Tin-
ners als Teil eines illegalen internationalen Beschaffungsnetzwerkes für Atom-
technologie um den pakistanischen Wissenschaftler Abdul Quadeer Khan (nach-
folgend: A. Q. Khan) in unterschiedlicher Funktion in der Zeit ab 1998 respektive 
die Söhne Tinner ab 1999 bis 2003 für die Herstellung wesentlicher proliferati-
onsrelevanter Komponenten von Gasultrazentrifugen zur Hochanreicherung von 
Uran massgebend zuständig gewesen sein sollen, was letztlich Libyen zur Ent-
wicklung von Nuklearwaffen hätte verhelfen sollen. Schliesslich hätten sie ver-
sucht, die Herkunft des für ihre Leistungen erhaltenen Entgelts zu verschleiern. 
Am 20. März 2007 dehnte die Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen Urs 
Tinner auf den Tatbestand der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 3 StGB aus 
(pag. 1.1.4).  

B. Friedrich Tinner war vom 5. September 2005 bis 31. Januar 2006 in Untersu-
chungshaft und Marco Tinner vom 5. September 2005 bis 23. Januar 2009 
(pag. 6.3.1.3–6.3.1.3.297; pag. 6.2.1.3–6.2.1.283). Urs Tinner wurde am 
8. Oktober 2004 in Deutschland wegen mutmasslicher Widerhandlungen gegen 
das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz und mutmasslichen Landesverrats ver-
haftet und auf Ersuchen des Bundesamtes für Justiz am 30. Mai 2005 an die 
Schweiz ausgeliefert. Er war vom 30. Mai 2005 bis 22. Dezember 2008 in der 
Schweiz in Untersuchungshaft (pag. 6.1.1.3–6.1.1.840). 

- 3 - 

C. Bei den Tinners, bei Personen aus dem näheren privaten Umfeld und bei zahl-
reichen Firmen wurden in der Zeit vom 11. November 2004 bis 4. Dezember 
2007 mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt (pag. 7.20.71 ff.; pag. 8.1.1 
ff.). Dabei wurde eine grosse Menge elektronischer Daten, Laptops, Geschäfts-
unterlagen, Handys, Reisepässe und ein Personenwagen sichergestellt 
(pag. 7.20.71 ff.; pag. 8.0002 ff.), wovon die beweisrelevanten von der Bundes-
anwaltschaft beschlagnahmt wurden. Die Bundesanwaltschaft sowie das Eidge-
nössische Untersuchungsrichteramt stellten vom 6. Dezember 2004 bis 3. Okto-
ber 2007 22 Rechtshilfegesuche an insgesamt 17 verschiedene Staaten 
(pag. 18.1.1.–18.20.7). Dadurch konnten diverse Akten und IT-Daten erhältlich 
gemacht sowie Zeugen im Ausland befragt werden. Mit zahlreichen Editionser-
suchen und Beschlagnahmeverfügungen der Bundesanwaltschaft vom 5. Sep-
tember 2005 bis 21. April 2010 wurden im Zusammenhang mit der Herkunft und 
dem Verbleib von mutmasslich deliktisch erlangten Vermögenswerten zahlreiche 
Unterlagen herausverlangt, Kontensperren angeordnet sowie Vermögenswerte 
auf Konten von Banken beschlagnahmt (pag. 7.1.1–7.26.1 ff.).  

D. Am 29. März 2007 stellte die Bundesanwaltschaft beim Eidgenössischen Unter-
suchungsrichter den Antrag auf Einleitung der Voruntersuchung (pag. 1.1.5–7). 
Mit Verfügung des Eidgenössischen Untersuchungsrichters vom 29. Juni 2007 
wurde der Antrag der Bundesanwaltschaft vorläufig abgewiesen (pag. 1.1.10–
11). Der Eidgenössische Untersuchungsrichter war der Ansicht, dass vor der Er-
öffnung der Voruntersuchung der Bundesrat über die Ermächtigung zur Strafver-
folgung betreffend die Verfolgung politischer Delikte nach Art. 271 StGB (Verbo-
tene Handlungen für einen fremden Staat) und Art. 301 StGB (Nachrichtendienst 
gegen fremde Staaten) entscheiden müsse (pag. 1.1.6). Am 29. August 2007 
lehnte der Bundesrat die beiden Ermächtigungsgesuche der Bundesanwaltschaft 
vom 18. April 2006 und 17. Oktober 2006 ab (pag. 1.1.21; siehe auch BBl 2009 
5026).  

E. Am 12. November 2007 hat der Vorsteher des Eidgenössischen Justizdeparte-
mentes festgestellt, dass "der Besitz dieser Akten ein schwerwiegendes Problem 
für die Eidgenossenschaft darstellt." Die Informationen würden ein Proliferations-
risiko bergen, "und die USA [drängten] auf die Übergabe der Daten an sie selber 
oder aber auf die vollständige Vernichtung der brisanten Informationen". 
(BBl 2009 5028). In einer Güterabwägung machte das EJPD geltend, dass die 
ausserordentliche Brisanz und Gefährlichkeit der Informationen, die völkerrecht-
lichen Verpflichtungen sowie die aussenpolitischen Überlegungen den Vorrang 
vor dem Interesse an der Durchführung eines rechtsstaatlichen Verfahrens habe. 
Der Antrag des EJPD an den Bundesrat wies darauf hin, dass mit der vorge-
schlagenen Vernichtung allen beschlagnahmten Materials dem Verfahren gegen 
die Tinners die Beweismittel weitgehend entzogen würden. Infolgedessen müss-

- 4 - 

te das gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren gegen die Tinners wohl einge-
stellt werden. Der Bundesrat stimmte dem Antrag des EJPD zu (BBl 2009 5029) 
und ordnete mit Beschluss vom 14. November 2007 an, den umfangreichen Be-
stand der bei der Familie Tinner beschlagnahmten Datenträger und Dokumente 
durch die Bundeskriminalpolizei unter der Aufsicht der Internationalen Atom-
energie-Agentur (nachfolgend: "IAEA") vernichten zu lassen (siehe Erklärung des 
Bundesrates vom 4. Juni 2008 [pag. 1.2.0068–69]). Diese Akten nahm die Bun-
deskriminalpolizei in Verwahrung und die Strafbehörden haben dazu keinen Zu-
gang erlangt. Akten nicht näher bestimmten grossen Ausmasses wurden ver-
nichtet. Am 6. Juni 2008 wurden die letzten Unterlagen unter Aufsicht vernichtet 
(BBl 2009 3032). Die Geschäftsprüfungskommission der Eidgenössischen Räte 
(nachfolgend: GKP) und deren Delegation (nachfolgend: GPDel) befassten sich 
in der Folge mit der Aktenvernichtung (siehe Bericht der GPDel vom 19. Januar 
2009 [Fall Tinner: Rechtmässigkeit der Beschlüsse des Bundesrats und Zweck-
mässigkeit seiner Führung, BBl 2009 5007–5062]; Jahresbericht der GPK und 
der GPDel vom 22. Januar 2010, BBl 2010 2671). Die GPDel betrachtete den 
Beschluss des Bundesrates vom 14. November 2007 als nicht verhältnismässig 
(BBl 2009 5052). Laut Jahresbericht der GPK/GPDel vom 22. Januar 2010 stiess 
der zuständige Staatsanwalt am 16. Dezember 2008 im Archiv auf eine Kopie 
des Schlussberichtes der BKP mitsamt 39 Beilageordnern aus dem Jahre 2006 
(BBl 2010 2739). Die beschlagnahmten Datenträger sowie sämtliche forensi-
schen Spiegelungen von weiteren Datenträgern sind vollumfänglich nicht mehr 
vorhanden.  

F. Am 31. Januar 2008 stellte die Bundesanwaltschaft beim Eidgenössischen Un-
tersuchungsrichter zum zweiten Mal Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung 
(pag. 1.1.20–23). 

G. Das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt eröffnete am 7. März 2008 die 
Voruntersuchung gegen Friedrich, Marco und Urs Tinner (pag. 1.1.32–33). Mit 
Verfügung vom 14. Januar 2010 dehnte es die Strafuntersuchung gegen Marco 
Tinner auf den Verdacht der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB aus 
(pag. 1.1.39–40).  

H. Das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt schloss die Voruntersuchung mit 
Verfügung vom 20. Dezember 2010 und erstattete gleichentags seinen Schluss-
bericht an die Bundesanwaltschaft (pag. 20.001 ff.).  

I. Die Bundesanwaltschaft gab mit Verfügung vom 8. November 2011 dem Gesuch 
von Friedrich Tinner und seinen Söhnen um Durchführung des abgekürzten Ver-
fahrens gemäss Art. 358 ff. StPO statt (pag. 4.1.140 f.).  

- 5 - 

J. Am 23. November 2011 übermittelte die Bundesanwaltschaft den Beschuldigten 
den Vorschlag für eine Anklageschrift im abgekürzten Verfahren, vom 15. No-
vember 2011 (pag. 4.1.142 f.; pag. 4.2.19 f; pag. 4.3.56 f.; pag. 4.4.1–37). Mit 
Eingaben vom 2. Dezember 2011 und 5. Dezember 2011 erklärten Friedrich und 
Marco Tinner bzw. Urs Tinner schriftlich ihre Zustimmungen zur Anklageschrift 
gemäss Art. 360 Abs. 4 StPO (pag. 4.1.144–181; pag. 4.2.21–58; 4.3.58–98). 

K. Die Bundesanwaltschaft vereinigte mit Verfügung vom 28. November 2011 das 
Verfahren gegen Marco Tinner, soweit der zu untersuchende Tatbestand der Ur-
kundenfälschung kantonaler Zuständigkeit unterliegt, gemäss Art. 26 Abs. 2 
StPO in der Hand der Bundesbehörden (pag. 2.00.0001–2.00.0002).  

L. Am 8. Dezember 2011 stellte die Bundesanwaltschaft das Strafverfahren gegen 
Urs Tinner wegen Pornografie gestützt auf Art. 319 Abs. 1 Bst. d StPO ein 
(pag. 3.3.1–4; pag. 3.00.0005–3.00.0011). Gleichentags stellte sie das Verfahren 
gegen die Tinners wegen Geldwäscherei ein (pag. 3.00.0005).  

M. Die Bundesanwaltschaft erhob am 13. Dezember 2011 beim Bundesstrafgericht 
Anklage im abgekürzten Verfahren (Datum der Anklageschrift: 15. November 
2011) gegen Friedrich, Marco und Urs Tinner wegen Widerhandlungen gegen 
das Kriegsmaterialgesetz und gegen Marco Tinner ausserdem wegen Urkunden-
fälschung.  

N. Mit Beschluss des Bundesstrafgerichts vom 2. Februar 2012 wurde die Anklage-
schrift zur Berichtigung zurückgewiesen und das gerichtliche Verfahren sistiert 
(pag. 146.950.7–11). 

O. Die Bundesanwaltschaft reichte am 26. März 2012 beim Bundesstrafgericht eine 
revidierte Anklageschrift im abgekürzten Verfahren, neu datiert vom 6. März 
2012, gegen Friedrich Tinner und seine Söhne mitsamt den erforderlichen Zu-
stimmungserklärungen der Beschuldigten vom 23. März 2012 ein 
(pag. 146.100.119; pag. 146.100.124–127).  

P. Das Bundesstrafgericht teilte mit Schreiben vom 5. April 2012 den Parteien mit, 
es bestünden ernsthafte Zweifel an der Angemessenheit der beantragten Sank-
tionen (Strafmass, Einziehung/Ersatzforderung), und wies auf die Möglichkeit 
hin, dem Gericht bis spätestens anlässlich der Hauptverhandlung einen modifi-
zierten Antrag zu den Sanktionen einzureichen (pag. 146.480.5 f.).  

Q. Am 11. Mai 2012 fand – auf Verlangen der Parteivertreter – am Sitz des Bun-
desstrafgerichts eine Vorverhandlung zur Regelung organisatorischer Fragen im 
Sinne von Art. 332 Abs. 1 StPO statt (pag. 146.940.1–6). Der Vorsitzende wies 

- 6 - 

dabei erneut darauf hin, dass die beantragten Sanktionen markant zu erhöhen 
seien, wenn mit einer Genehmigung des Urteilsvorschlags gerechnet werden 
wolle (pag. 146.940.2). Mit Präsidialverfügung vom 16. Mai 2012 gewährte der 
Vorsitzende Frist bis 15. August 2012 zur Einreichung einer modifizierten Ankla-
geschrift (pag. 146.950.16–18).  

R. Am 17. August 2012 reichte die Bundesanwaltschaft beim Bundesstrafgericht die 
in den Sanktionen modifizierte Anklageschrift vom 6. März 2012 / 10. August 
2012 im abgekürzten Verfahren gegen Friedrich Tinner und Söhne mitsamt den 
erforderlichen Zustimmungserklärungen von Friedrich Tinner vom 13. August 
2012 sowie Marco und Urs Tinner vom 14. August 2012 ein (pag. 146.100.128–
168; pag. 146.521.7; pag. 146.522.5–7; pag. 146.523.1). 

S. Am 24. und 25. September 2012 fand am Sitz des Bundesstrafgerichts die 
Hauptverhandlung im abgekürzten Verfahren in Anwesenheit der Parteien statt 
(pag. 146.920.1–9). 

 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Formelles 

1.1 Die Verfolgung und Beurteilung der Widerhandlungen gegen das KMG unterste-
hen der Bundesgerichtsbarkeit (Art. 40 Abs. 1 KMG). Soweit der in die kantonale 
Kompetenz fallende Tatbestand der Urkundenfälschung zur Anklage gelangt, ist 
die Verfolgung und Beurteilung gemäss Art. 26 Abs. 2 StPO rechtsgültig in die 
Bundeskompetenz überführt worden (pag. 2.00.0001 f.). Die sachliche Zustän-
digkeit ist somit gegeben.  

1.2 Die Bundesanwaltschaft beantragt in ihrer Anklageschrift für Friedrich Tinner 
eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie eine Geldstrafe von 780 Ta-
gessätzen zu je Fr. 90.–, für Marco Tinner eine Freiheitsstrafe von 41 Monaten 
sowie eine Geldstrafe von 259 Tagessätzen zu je Fr. 30.– und für Urs Tinner ei-
ne Freiheitsstrafe von 50 Monaten. Damit ist der Strafrahmen für das abgekürzte 
Verfahren (Art. 358 Abs. 2 StPO) nicht überschritten und die funktionelle Zustän-
digkeit der Strafkammer (Dreierbesetzung) für das vorliegende Verfahren gege-
ben. 

1.3 Das Gericht befindet frei darüber, ob die Durchführung des abgekürzten Verfah-
rens rechtmässig und angebracht sei (Art. 362 Abs. 1 lit. a StPO), die Anklage 

- 7 - 

mit dem Ergebnis der Hauptverhandlung und mit den Akten übereinstimme (lit. b) 
und die beantragten Sanktionen angemessen seien (lit. c).  

2. Voraussetzungen des abgekürzten Verfahrens 

2.1 Aufgrund der Anklageschrift vom 6. März 2012 / 10. August 2012 scheinen die 
Voraussetzungen zur Durchführung des abgekürzten Verfahrens vorzuliegen. 
Die Formvorschriften (Art. 358-360 StPO) sind eingehalten worden.  

2.2 Bei der gerichtlichen Befragung anlässlich der Hauptverhandlung haben die Be-
schuldigten den Anklagesachverhalt erneut anerkannt (pag. 146.930.11 ff.; 
Art. 361 Abs. 2 lit. a StPO).  

3. Materielle Prüfung der Anklage im Schuldspruch 

3.1 Der Umgang mit Kriegsmaterial wird auf Bundesebene durch das Kriegsmateri-
algesetz und das Güterkontrollgesetz geregelt. 

3.1.1 Mit dem Kriegsmaterialgesetz wird die Herstellung und der Transfer von Kriegs-
material sowie der entsprechenden Technologie hoheitlich kontrolliert (Art. 1 
KMG). Zu Kriegsmaterial werden nicht nur Waffen, Munition u.ä., sondern auch 
Ausrüstungsgegenstände gerechnet, welche für den Kampfeinsatz oder die Ge-
fechtsführung konzipiert oder modifiziert wurden und welche in der Regel so für 
zivile Zwecke nicht verwendet werden (Art. 5 Abs. 1 KMG). Zum Kriegsmaterial 
gehören auch Einzelteile und Baugruppen, "sofern erkennbar ist, dass diese Tei-
le in derselben Ausführung nicht auch für zivile Zwecke verwendbar sind" (Art. 5 
Abs. 2 KMG); es handelt sich gewissermassen um "Single-use"-Güter. Die Kon-
trolle wird dadurch erreicht, dass Herstellung und Transfer einer Bewilligungs-
pflicht unterworfen sind (Art. 9 ff. KMG). Eine besondere Behandlung erfährt 
Kriegsmaterial, soweit es durch internationale Abkommen – an denen die 
Schweiz beteiligt ist – einem totalen Verwendungs-/Produktionsverbot unterwor-
fen ist; das sind nach aktuellem Rechtsstand Kernwaffen, biologische und che-
mische Waffen – sog. ABC-Waffen –, sowie Antipersonenminen. Diesbezüglich 
gilt ein absolutes Verbot der Entwicklung, Herstellung und Verfügung (Art. 7 
Abs. 1, Art. 8 Abs. 1 KMG). Soweit es Kernwaffen betrifft, beruht das Gesetz auf 
der völkerrechtlichen Verpflichtung aus dem Atomsperrvertrag (Vertrag über die 
Nichtverbreitung von Kernwaffen, vom 1. Juli 1968, SR 0.515.03): Nach dessen 
Art. II verpflichten sich die Nichtkernwaffenstaaten, 

Kernwaffen und sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt darüber 
von niemandem unmittelbar oder mittelbar anzunehmen, Kernwaffen oder sons-
tige Kernsprengkörper weder herzustellen noch sonstwie zu erwerben und keine 

- 8 - 

Unterstützung zur Herstellung von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkör-
pern zu suchen oder anzunehmen. 

 Mit dem Art. 7 KMG löst die Schweiz ihre Verpflichtung aus dem Atomsperrver-
trag ein; mit der Kontrolle von zivilen Gütern, die sich zur Herstellung von Kern-
waffen eignen, wird diese Verpflichtung ergänzt (Botschaft vom 15. Februar 1995 
zur Volksinitiative "für ein Verbot der Kriegsmaterialausfuhr" und zur Revision 
des Bundesgesetzes über das Kriegsmaterial, BBl 1995 II, S. 1027 ff., 1057–
1058, nachfolgend: Botschaft KMG). Allerdings reicht das Verbot nach Art. 7 
KMG weiter, indem der Atomsperrvertrag den Nichtkernwaffenstaaten bloss die 
Eigenbewaffnung untersagt; das Verbot die fremde Atombewaffnung zu unter-
stützen, trifft nach seinem Art. I allein die Kernwaffenstaaten (Botschaft vom 
30. Oktober 1974 betreffend den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaf-
fen, BBl 1974 II, S. 1009 ff., 1022–1025). 

3.1.2 Das Güterkontrollgesetz schafft die Grundlage für eine Bundeskontrolle von 
doppelt verwendbaren Gütern ("dual use"); zu diesen gehören auch Technolo-
gien und Software (Art. 1, 2 Abs. 1, 3 lit. a, b und d GKG). Auch dieser Erlass be-
trifft den Bereich von ABC-Waffen (Botschaft vom 22. Februar 1995 betreffend 
das Bundesgesetz über die Kontrolle zivil und militärisch verwendbarer Güter 
[Güterkontrollgesetz, GKG], BBl 1995 II, S. 1301 ff., 1334). Das Kontrollinstru-
ment ist ebenfalls eine Bewilligungspflicht und zwar für die Ausfuhr solcher Gü-
ter, soweit sie in einem Anhang auf Verordnungsstufe (Art. 3 Güterkontrollver-
ordnung, GKV; Quelle der Anhänge 1–3 gemäss Fn. 55 zur GKV) genannt sind, 
ergänzt durch eine Meldepflicht für andere Güter, soweit der Exporteur vermutet 
oder weiss, dass sie u.a. für die Herstellung oder die Verwendung oder den Bau 
von ABC-Waffen bestimmt sind oder sein könnten (Art. 4 Abs. 1 GKV). Deren 
Durchführung obliegt dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Die Bewilli-
gung muss verweigert werden, u.a. wenn Grund zur Annahme besteht, dass die 
Ausfuhrgüter zur Entwicklung, zur Herstellung oder zum Gebrauch von A-Waffen 
verwendet werden oder der Weiterverbreitung solcher Waffen dienen (Art. 6 
Abs. 1 lit. b GKV). Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass nach Art. IV Abs. 2 des 
Atomsperrvertrages die Vertragsstaaten berechtigt sind, am "Austausch von 
Ausrüstungen, Material und wissenschaftlichen und technologischen Informatio-
nen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie … teilzunehmen".  

3.1.3 In der Tat besteht bei der Kernwaffenproliferation ein überschneidender Anwen-
dungsbereich: Weiss der Exporteur, dass ein in den Anhängen GKV nicht ge-
nanntes Gut der Entwicklung oder Herstellung von ABC-Waffen dient, so unter-
wirft ihn Art. 4 Abs. 1 GKV der Meldepflicht, Art. 7 Abs. 1 KMG der Unterlas-
sungspflicht; die Strafsanktion unterscheidet sich deutlich: Die vorsätzliche Un-
terlassung der Meldepflicht bzw. die Ausfuhr während des der Meldung automa-

- 9 - 

tisch folgenden einstweiligen Ausfuhrverbots werden mit Übertretungsstrafe ge-
ahndet (Art. 4 Abs. 5 und Art. 15 Abs. 1 GKV i.V.m. Art. 333 Abs. 3 StGB), die 
Missachtung der Unterlassungspflicht mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren 
(Art. 34 Abs. 1 KMG). Auch bei bewusster Fahrlässigkeit besteht eine Über-
schneidung; allerdings reduziert sich die Obergrenze nach Kriegsmaterialgesetz 
auf Freiheitsstrafe von 12 Monaten (Art. 34 Abs. 3 KMG).  

Für die Abgrenzung zwischen Kriegsmaterialgesetz und Güterkontrollgesetz ist 
die gesetzliche Subsidiaritätsklausel massgeblich, welche den Vorrang des ers-
teren bestimmt (Art. 2 Abs. 3 GKG). 

3.2 Die Anklageschrift muss den als strafbar erachteten Sachverhalt und die als er-
füllt erachtete Strafnorm anführen (Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO). Dies gilt 
auch für das abgekürzte Verfahren (Art. 360 Abs. 1 lit. a StPO). Das Gericht ist 
an den in der Anklageschrift bezeichneten Sachverhalt gebunden (Art. 350 
Abs. 1 StPO). 

Die Anklageschrift vom 6. März 2012 / 10. August 2012 lautet auf Förderung der 
Herstellung von Kernwaffen (Art. 34 Abs. 1 lit. c i.V.m. lit. a KMG). Die Bundes-
anwaltschaft wirft Friedrich, Marco und Urs Tinner vor, sie hätten im internationa-
len Beschaffungsnetzwerk von A. Q. Khan in der Zeit von 1998 (Friedrich Tinner) 
und in Mittäterschaft ab 1999 (Marco und Urs Tinner) bis längstens 18. Juni 2003 
in der Schweiz, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei, Malaysia und 
anderswo mitgewirkt, in dem sie: 

-  "Werkzeugmaschinen und Zubehör für die Ausbildung von Technikern beschafften 
und an die für Schulungszwecke gegründete Präzisionswerkstatt DEEF in Dubai lie-
ferten (Anklagepunkt 1.1.1); 

- Die Testmodule 09 und 19, d.h. technische Einrichtungen zum Testen von Gasultra-
zentrifugen (nachfolgend: GUZ) in 9er bzw. 19er Kaskaden, herstellten und diese in-
klusive Kühlsystem für eine Kondensationseinheit, Messgeräte, Lecksucher, Behäl-
ter für Probeentnahmen, etc. an die DEEF in Dubai lieferten (Anklagepunkt 1.1.2); 

- Die elektronische Steuerung P64, ausgelegt für die Steuerung der Ein- und Ausspei-
sung einer Kaskade mit 64 Einheiten, sowie Teile einer 64er Kaskade in der 
Schweiz in Auftrag gaben und an die DEEF in Dubai lieferten (Anklagepunkt 1.1.3); 

- Bedienungsanleitungen und Manuals zu Schulungszwecken erstellten und weiterga-
ben sowie von der englischen in die deutsche Sprache übersetzten und weitergaben 
(Anklagepunkt 1.1.4);  

- Mechaniker und Techniker in mechanischen Grundfertigkeiten, in Vakuum- und Ven-
tiltechnik, Massenspektometrie, Arbeiten an Testmodulen und in elektronischem 
Fachwissen in der DEEF in Dubai ausbildeten (Anklagepunkt 1.1.5); 

- 10 - 

- Technische Zeichnungen für die Herstellung von P1- und P2-GUZ-Bestandteilen 
nach Vorlagen von "blue prints" neu zeichneten (Anklagepunkt 1.1.6); 

- Speicherbehälter verschiedener Grössen für die Aufnahme von an- bzw. abgerei-
chertem UF6 und flüssigem Nitrogen sowie den dazugehörigen speziellen Behälter-
ventilen herstellten und im Auftrag von Tahir nach Dubai lieferten (Anklagepunkt 
1.1.7);  

- Werkzeugmaschinen zur Herstellung von GUZ-Bestandteilen in der Türkei sowie ei-
nen speziellen Mischer und Vakuumofen zur Aufbereitung von Araldit zur Vergies-
sung der Antriebsmotoren in die GUZ beschafften und in die Türkei exportierten 
(Anklagepunkt 1.1.8); 

- Mechaniker und Techniker in der Türkei ausbildeten (Anklagepunkt 1.1.9);  

- Die Werkstattausrüstung und das Produktionsequipement für die Firma SCOPE in 
Malaysia beschafften, so Werkzeug- und Drehmaschinen zur industriellen Massen-
anfertigung von GUZ-Bestandteilen (Anklagepunkt 1.1.10); 

- P2-Gasultrazentrifungenbestandteile bei der Firma SCOPE in Malaysia herstellten, 
das Rohmaterial für deren Herstellung sowie Aluminiumrohre für die Herstellung von 
P1-Rotoren beschafften und nach Dubai verschifften (Anklagepunkt 1.1.11); 

- P2-Gasultrazentrifugenkomponenten herstellen liessen und in verschiedene Länder 
lieferten (Anklagepunkt 1.1.12);  

- 1'382 Ventile für die Urananreicherungsanlage herstellten und teilweise lieferten 
(Anklagepunkt 1.1.13)." 

Friedrich Tinner habe dabei sein Beziehungsnetz zu Lieferanten von prolieferati-
ons-sensitiven Gütern genutzt und seinen Söhnen zugänglich gemacht. Er habe 
seine Kenntnisse in der Ein- und Ausspeisung zur Anreicherung von UF6 und 
der Fertigung von Bestandteilen von GUZ, in der Schweiss-, Vakuum- und Ven-
tiltechnik, in der Massenspektrometrie und Arbeiten mit Testmodulen und an 
GUZ an Mechaniker und Techniker vermittelt. Nachdem A. Q. Khan im Mai 1998 
in Pakistan erfolgreich Atombomben getestet habe, habe Friedrich Tinner zu-
mindest in Kauf genommen, dass er mit seinen Handlungen ein illegales Uranan-
reicherungsprogramm und damit ein Atomwaffenprogramm unterstütze. Marco 
Tinner habe als Geschäftsführer der Firmen Phitec und Traco sämtliche admi-
nistrativen Arbeiten im Zusammenhang mit den Geschäften mit A. Q. Khan und 
Buhary Seyed Abu Tahir (nachfolgend Tahir) abgewickelt. Er habe zudem Spei-
cherbehältnisse gezeichnet, hergestellt und an Tahir liefern lassen. Urs Tinner 
habe Mechaniker und Techniker für die Zeichnung und Produktion von GUZ-
Bestandteilen handwerklich geschult und proliferations-sensitive Güter weiterge-
leitet. Marco und Urs Tinner hätten spätestens ab 1999 zumindest in Kauf ge-

- 11 - 

nommen, dass sie mit ihren Handlungen ein illegales Urananreicherungspro-
gramm und damit ein Atomwaffenprogramm unterstützten.  

3.3 Nach dem in E. 3.1.1 – 3.1.3 Gesagten ist im Sinne von Art. 362 Abs. 1 lit. b 
StPO zu prüfen, ob zwischen den in der Anklageschrift in den Ziffern 1.1.1–
1.1.13 umschriebenen Handlungen (siehe E. 3.2) und den Akten Kongruenz be-
stehe und ob sie unter die Tatbestandsvariante der Förderung der Herstellung 
von Kernwaffen gemäss Art. 34 Ziff. 1 lit. a und c KMG fallen. In diesem Sinne 
bildet der Sachverhalt nicht in seiner rein faktischen Erscheinung Prüfungsge-
genstand, sondern in der durch den gesetzlichen Tatbestand umschriebenen 
Qualität (GREINER/JAGGI, Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessord-
nung, Basel 2011, Art. 362 StPO N. 11). 

3.4 Der Schuldspruch stellt keinen wesentlichen Bestandteil der Anklage des abge-
kürzten Verfahrens dar, auch wenn er ihr häufig als Teil eines Urteilsvorschlages 
angefügt wird (JOSITSCH/BISCHOF, in Niggli et al. [Hrsg.], Festschrift Riklin, Zürich 
etc. 2007, S. 429 ff., 432). Das Gericht muss diesen vielmehr in eigener Verant-
wortung nach einer positiv ausgefallenen Prüfung des Anklagesachverhaltes fäl-
len. Es ist dabei allerdings an die juristische Qualifikation desselben in der An-
klageschrift gebunden; denn diese bildet einen ihrer notwendigen Teile (ähnlich 
SCHWARZENEGGER, in Donatsch et. al. [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung, Zürich etc. 2010, Art. 362 StPO N. 6). Will es davon ab-
weichen, so hat es die Parteien darauf aufmerksam zu machen (Art. 333 Abs. 1 
StPO). Im abgekürzten Verfahren ist jedoch nicht nur nötig, dass diese sich dazu 
äussern können, sondern dass sie einer rechtlichen Qualifikation, welche von der 
in der Anklageschrift abweicht, zustimmen (Botschaft vom 21. Dezember 2005 
zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2005, S. 1085 ff., 1297 
SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung Praxiskommentar, Zürich/St. Gal-
len 2009, Art. 362 StPO N. 5; MAZOU, La procédure simplifiée dans le nouveau 
Code de procédure pénale …, ZStrR 129/2011, S. 1 ff., 16).  

3.5 Die Anklage lautet auf Widerhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz im Sinne 
von Förderung der Herstellung von Kernwaffen gemäss Art. 34 Abs. 1 lit. a 
i.V.m. lit. c KMG.  

3.5.1 Laut Anklageschrift wurden ein Teil der vorgeworfenen Taten im Ausland verübt 
(pag. 146.100.134 ff.; siehe E. 3.2). Nach Art. 34 Abs. 4 KMG setzt die Strafbar-
keit einer im Ausland verübten Tat voraus, dass diese "völkerrechtliche Verein-
barungen verletzt, an welche die Schweiz gebunden ist" (lit. a) und ihr Urheber 
Schweizer ist oder in der Schweiz wohnt (lit. b). Die subjektive Bedingung ist 
ausser Zweifel. Nicht ganz klar ist, was die objektive Bedingung beinhaltet. 

- 12 - 

Zunächst ist zu beachten, dass Staatsverträge zunächst nur die Staaten selbst 
binden und auf die Individuen keine unmittelbare Geltung entfalten. Eine Aus-
nahme machen die sogenannten "self-executing-treaties". Solche liegen vor, 
wenn eine Vertragsklausel justiziabel ist, d.h. die Rechte und Pflichten des Indi-
viduums umschreibt und sich an die rechtsanwendenden nationalen Behörden 
richtet (BGE 126 I 297 E. 8.1). Die Umschreibung der Rechte und Pflichten muss 
hinreichend bestimmt sein; das ist nicht der Fall bei programmatischen Bestim-
mungen oder wenn eine Materie vertraglich nur in Umrissen geregelt wird oder 
wenn nur Leitgedanken formuliert werden, welche der Gesetzgeber umsetzen 
muss (BGE 126 I 240 E. 2b; ZIEGLER, Einführung in das Völkerrecht, 2. Aufl., 
Bern 2011, Rn. 275). Das gilt umso mehr im Bereich des Strafrechts, wo das Be-
stimmtheitsgebot der Art. 1 StGB und Art. 7 Abs. 1 EMRK gilt. In concreto liegt 
die Problematik nicht auf der Tatbestandsebene, weil Art. 34 KMG sowohl den 
öffentlichrechtlichen wie den strafrechtlichen Kriterien genügt, sondern in der 
Unbestimmtheit des Atomsperrvertrages als verwiesenem Erlass bei der Ord-
nung des internationalen Strafanwendungsrechts: Art. II des Atomsperrvertrages 
richtet sich nur an die Staaten, nicht an Einzelpersonen. In der Botschaft wird im 
Atomsperrvertrag eine höchstens indirekte Verpflichtung der Nichtatomstaaten 
erblickt, einzelne Normen ins nationale Recht zu überführen, nämlich über die – 
in den Präambeln ausgedrückten – Vertragsabsichten; trotzdem wird von einer 
"Verletzung des Abkommens durch schweizerische Staatsangehörige" gespro-
chen (Botschaft KMG, 1069). Dazu kommt, dass das Übereinkommen vom 
13. Januar 1993 über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und 
des Einsatzes chemischer Waffen … (CWÜ, SR.0.515.08)  in Art. VII eine direkte 
Verpflichtung zur innerstaatlichen Umsetzung enthält, namentlich zum Erlass von 
Strafbestimmungen (Art. VII Abs. 1 lit. a). Als einzigen direkt auf diesen Staats-
vertrag ausgerichteten Erlass hat das Parlament das Bundesgesetz über die Un-
terstützung der Abrüstung und Nonproliferation von Chemiewaffen (SR. 515.08) 
erlassen. In der Botschaft zum CWÜ kündet der Bundesrat Strafnormen an, um 
die im Staatsvertrag enthaltenen Verbote umzusetzen, und zwar mit universel-
lem Anwendungsbereich für die eigenen Staatsangehörigen (Botschaft vom 
20. April 1994 betreffend das Übereinkommen …, BBl 1994 III S. 1 ff., 32). Im 
Lichte dessen ist die Bedingung in Art. 34 Abs. 4 lit. a KMG so zu verstehen, 
dass der Tatbestand bloss im Sachzusammenhang mit einem Staatsvertrag ge-
schaffen wurde, und dessen Zielen dient.  

3.5.2 Die Strafnorm von Art. 34 Abs. 1 KMG übernimmt im objektiven Tatbestand die 
Verbotsnorm von Art. 7 Abs. 1 KMG. Das Handlungsobjekt – ABC-Waffen – ist 
ein Unterfall von Kriegsmaterial, welches das KMG in der allgemeinen Bestim-
mung von Art. 5 definiert. Dort umschreibt es den Begriff des Kriegsmateriales 
nach Massgabe von "strikt objektiven und zudem leicht kontrollierbaren Merkma-
len", so dass es auf die mutmasslichen Absichten ihres Anwenders nicht an-

- 13 - 

kommt (vgl. Botschaft KMG, a.a.O., S. 1055–1056). Diese objektivierte Begriffs-
bestimmung ist sachgerecht, wo es um die Bewilligung zu Herstellung, den 
Transit von und den Handel mit militärischem Material geht; auf solche Handlun-
gen und Objekte ist die Strafnorm von Art. 33 Abs. 1 KMG ausgerichtet. In Bezug 
auf ABC-Waffen wird die rein objektive Sichtweise jedoch durch den Wortlaut 
des Tatbestandes von Art. 34 Abs. 1 KMG erweitert; denn er erfasst nicht nur 
den Verkehr mit ABC-Waffen, sondern schon deren Entwicklung und Herstellung 
(lit. a), ausserdem auch das Verleiten zu einer solchen Handlung (lit. b) und ihre 
Förderung (lit. c). Damit ist jede Art der Beteiligung eingeschlossen, wie es bei 
gleichem Wortlaut in Art. 261bis al. 3 StGB angenommen wird (NIGGLI, Rassen-
diskriminierung, 2. Aufl., Zürich etc. 2007, Rn. 1231) – bis hin zu Gehilfenschaft 
(SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommentar, 2. Aufl. Basel 2007, Art. 261bis 

N. 41; STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht – Besonderer Teil II, 
6. Aufl., Bern 2008, § 39 N. 35), Vorbereitungshandlungen (CORBOZ, Les infrac-
tions en droit suisse, Band II, 2. Aufl., Bern 2002, Art. 261bis N. 25a) und jeder 
anderen Art von Erleichterung tatbestandsmässigen Handelns durch einen Drit-
ten (NIGGLI, a.a.O., Rn. 1235). Mit dieser Ausweitung werden – nach den 
Grundsätzen der Gehilfenschaft – auch Unterstützungshandlungen strafbar, wel-
che für sich den Charakter von harmlosem Alltagsverhalten haben (TRECH-
SEL/JEAN-RICHARD, Schweizerisches Strafgesetzbuch – Praxiskommentar, Zü-
rich/St. Gallen 2008, Art. 25 StGB N. 7). Erforderlich ist allerdings auf der objek-
tiven Seite, dass das prinzipale Handeln anders abgelaufen wäre, wäre es nicht 
unterstützt worden (BGE 120 IV 265 E. 2c/aa). Entscheidend ist das finale Mo-
ment: In der Literatur wird dafür etwa vorausgesetzt, dass die Unterstützungs-
handlung das Risiko eines strafbaren Erfolges per se erhöhte (STRATENWERTH, 
Schweizerisches Strafrecht – Allgemeiner Teil I, 4. Aufl., Bern 2011, § 13 N. 120; 
DONATSCH/TAG, Strafrecht I, 8. Aufl., Zürich etc. 2006, S. 161); das Bundesge-
richt bejaht Gehilfenschaft, wenn ein legaler Zweck der Beihilfe praktisch nicht 
denkbar war (BGE 119 IV 289 E. 2 c/cc), oder wenn sonst mindestens in Kauf 
genommen wurde, zur Begehung einer strafbaren Haupttat beizutragen 
(BGE 132 IV 49 E. 1.1; zustimmend FORSTER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 
2007, Art. 25 StGB N. 33; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O.).  

3.5.3 Alle in der Anklageschrift den Beschuldigten zur Last gelegten Handlungen in 
den Anklagepunkten 1.1.1–1.1.13 sind auf die Herstellung von Gasultrazentrifu-
gen ausgerichtet sowie auf den Betrieb derselben in Kaskaden: Entwicklung und 
Lieferung einzelner Bestandteile der Zentrifugen und der Steuerung von Kaska-
den, Schulung von technischem Personal für die Produktion, Anfertigung von 
Zentrifugen samt Einrichtung solcher Werkstätten, Erstellung von technischen 
Produktionsunterlagen. An der Hauptverhandlung sagte Friedrich Tinner aus, sie 
hätten 100 bis 200 Ventile geliefert, zudem eine Einspeiseanlage, welche eine 
andere Firma hergestellt habe. Die Ventile seien eingesetzt worden für die Ein- 

- 14 - 

und Ausspeisung von Gas- und Flüssigkeiten. Die Anlage habe zur Einspeisung 
von Uranhexafluorid in fester Form gedient (pag. 146.930.3). Die vorgeworfenen 
und zugestandenen Dienstleistungen und Teile-Lieferungen waren auf die Her-
stellung von Gasultrazentrifugen und deren Betrieb in Kaskaden ausgerichtet, 
welche zur Hochanreicherung von Uran dienen sollten. Eine solche Tätigkeit hat 
keine Atomwaffe zum Gegenstand, sondern Anlagen, in denen spaltbares Mate-
rial hergestellt werden kann, also solche zur Urananreicherung. Dafür sind ver-
schiedene Methoden bekannt, darunter der hier thematisierte Einsatz von Gas-
zentrifugen. Soll waffenfähiger Kernsprengstoff gewonnen werden, so muss der 
Gehalt des spaltbaren U235-Atoms im natürlichen Uran auf das ca. 130-fache an-
gehoben werden bis auf einen Anteil von 90 %. Diese Anreicherung kann mithilfe 
von Uranaufbereitung – natürliches Uran wird mit Fluor verbunden und in gas-
förmigen Zustand versetzt – und anschliessender Konzentration in schnell dre-
henden Zentrifugen geschehen, welche die U235-Atome von den schwereren, 
nicht spaltbaren U238-Atomen separieren. Weil die Konzentrationskapazität der 
einzelnen Zentrifuge bescheiden ist, werden solche in grosser Zahl in Serie be-
trieben (zunehmende Verdichtung) respektive parallel geschaltet (zunehmende 
Materialmenge). Diese Methode der Anreicherung wurde von den Niederlanden, 
Grossbritannien und Deutschland entwickelt und wird in einem gemeinsamen 
Unternehmen, URENCO, bis heute für die Herstellung von U235-Brennstäben für 
Atomkraftwerke angewandt. Für die letzteren Zwecke ist allerdings eine viel ge-
ringere Anreicherung, nämlich auf einen Gesamtanteil von 3–5 % an U235-
Atomen, erforderlich. Mit einer vergleichsweise hohen Zahl von Zentrifugen  
– Kaskaden – lässt sich entweder eine hohe Menge an schwach angereichertem 
Uran für Energieerzeugung oder eine geringe Menge an hoch angereichertem 
Material für militärische Zwecke gewinnen; dieselbe Anlage kann durch Ände-
rung der internen Gasverbindungen auf den einen oder den anderen Zweck ka-
libriert werden. Obwohl Grossbritannien bekanntlich zu den Kernwaffenstaaten 
(gemäss Atomsperrvertrag) gehört, ist URENCO dort nur auf die Herstellung von 
Spaltmaterial für die Energiegewinnung ausgerichtet (http:// www.urenco.com/ 
content/41/Urenco-UK-Ltd-(Capenhurst).aspx). China wiederum, dessen Staats-
betrieb nuklearen Brennstoff für militärische und für Zwecke der Energiegewin-
nung herstellt (http://www.cnnc.com.cn/tabid/141/ Default.aspx), basiert ebenfalls 
mindestens teilweise auf der Anreicherung durch Gaszentrifugen (Zum Ganzen 
Expertise Pütter, pag. 18.1.1.5–7, ferner die entsprechende Darstellung unter 
http://de.wikipedia.org/ wiki/Urananreicherung).  

3.5.4 Der Unterschied zwischen Entwicklung und Herstellung ist darin zu sehen, das 
mit jener das Know-how der Produktion erarbeitet wird, und in dieser die Produk-
tion selbst. Dies charakterisiert das Ergebnis der Aktivität, nicht jedoch die Me-
thode. So umfasst jede Entwicklung auch praktische Anwendungstests und 
schliesst die Produktion und Verbesserung am Fertigungs-Know-how mit ein. In 

- 15 - 

diesem Lichte dienten die Handlungen der Beschuldigten nicht der Entwicklung, 
welche mit einer Zusammenfassung und Darstellung der Produktionsmethoden 
ihren Abschluss gefunden hätten, sondern der Schaffung von Anlagen für die 
Produktion von Uran, mit welchem atomare Sprengköpfe hätten angefertigt wer-
den sollen. Die rechtliche Subsumtion des Vorwurfes im Schuldspruch ist folglich 
zutreffend. 

3.5.5 Die Urananreicherung mithilfe von Gaszentrifugen ist entsprechend den Ausfüh-
rungen von E. 3.5.3 kein Vorgang, der zwingend auf die Herstellung von atoma-
rem Sprengstoff in Kernwaffen hinaus läuft. Die Zentrifugen werden ja auch als 
Dual-use-Güter definiert (Anhang 2 zur GKV Ziff. 0B001 lit. a und b, Ziff. 0D, 
Ziff. 0E; verbindliche Fassung im Internet [siehe Fn. 55 zur GKV]). 

Damit stellt sich die Frage, ob die Beschuldigten durch die angeklagten Aktivitä-
ten tatsächlich eine Hochanreicherung förderten und ob sie darum wussten. 

Am 3. Oktober 2003 wurde das deutsche Frachtschiff "BBC China" auf seinem 
Weg von Dubai nach Libyen aufgebracht. Es führte unter falscher Deklaration 
Aluminiumrohre und andere Teile mit sich, welche der Montage von 2'208 Gas-
zentrifugen dienen konnten. Der grössere Teil wurde in einem italienischen Ha-
fen beschlagnahmt, ein weiterer Teil blieb unentdeckt und gelangte mit diesem 
Schiff schliesslich nach Libyen (Schlussbericht, pag. 24.126). Dieser Vorfall ver-
anlasste Libyen zum Entschluss, Material, Ausrüstung und Programme zu besei-
tigen, welche "zur Herstellung international geächteter Waffen führen", und dies 
am 19. Dezember 2003 auch gegenüber dem Sicherheitsrat der UNO zu erklä-
ren. Am folgenden Tag eröffnete eine libysche Delegation dem Direktor der IA-
EA, ihr Land habe während mehr als zehn Jahren daran gearbeitet, die Fähigkeit 
zur Urananreicherung zu entwickeln. Dazu habe die Einfuhr einer zwischenzeit-
lich demontierten "pilot scale centrifuge facility" (IAEA-Bericht GOV/2004/12 
pag. 18.1.2362; in der deutschen Übersetzung "Großversuchs-
Zentrifugenanlage") gehört, ebenso Unterlagen zur Planung und Fertigung von 
Atomwaffen; allerdings habe Libyen kein angereichertes Uran produziert 
(pag. 18.1.2373). Die IAEA nahm in der Folge mehrere Kontrollen in Libyen und 
andernorts vor, um die libyschen Verlautbarungen zu überprüfen. Deren Resulta-
te wurden laufend in Berichten an das "Board of Governors" dargestellt, von wel-
chen sich ein Teil bei den Akten befindet. Im letzten derselben, vom 12. Septem-
ber 2008, heisst es, Abgesandte von Libyen hätten sich im Januar 1984 mit A. Q. 
Khan getroffen, der ihnen die Technologie zur Urananreicherung offeriert habe. 
Nach weiteren Kontakten zwischen 1989 und 1991 habe man sich mit dem 
"Netzwerk" auf die Lieferung von Unterlagen über die L-1-Zentrifugen-
Technologie geeinigt, indessen nicht befriedigendes Material erhalten. Gemäss 
mündlichen Informationen der IAEA an die deutsche Generalbundesanwaltschaft 

- 16 - 

(aus verschiedenen fremden Quellen stammend) sei dieses Netzwerk zur Be-
schaffung von Nuklearwaffen in den 80er-Jahren entstanden und habe Dubai als 
Drehscheibe benutzt; ihm habe A. Q. Khan angehört (pag. 18.1.2468; Weiteres 
zur Zusammensetzung des Netzwerkes im Bericht des Bundeskriminalamtes, 
pag. 18.1.3512 ff., S. 26–32). 1995 seien die Kontakte erneuert worden, und Li-
byen habe im Jahr 1997 20 vormontierte L-1-Zentrifugen und die Komponenten 
für 200 weitere erhalten. Im September 2000 seien Libyen zwei L-2-Zentrifugen 
geliefert worden und habe das Land eine Bestellung für 5'000 Stück davon plat-
ziert, später auf 10'000 Stück erweitert – jeweils inklusive der erforderlichen 
Hilfskomponenten; diese Teile seien ab Dezember 2002 in grossen Mengen in 
Libyen eingetroffen, hätten aber nicht zu Zentrifugen montiert werden können, 
weil die Rotoren gefehlt hätten (zu allem pag. 18.8.239–240). Anhand ihrer eige-
nen Abklärungen kommt die IAEA zum Schluss, es hätten sich keine Anzeichen 
für eine aktive Tätigkeit zur Entwicklung von Nuklearwaffen finden lassen; auch 
wenn sie wegen der Geheimhaltung, mit welcher Libyen sein Programm über 
zwei Dekaden hinaus betrieben habe, dieses nicht voll habe rekonstruieren kön-
nen, sei Libyens Darstellung, wonach es weder seine Absichten bezüglich von 
Kernwaffen fortgeführt, noch vollständige Kapazität zur Produktion von spaltba-
rem Material erlangt habe, mit dem Ergebnis der Abklärungen der IAEA nicht in 
Widerspruch stehend (pag. 18.8.241). Ausserdem besichtigte die IAEA Material, 
welches die USA aus der Schiffsladung der "BBC China" erhältlich gemacht hat-
ten, probeweise bei einem Besuch im November 2004. Sie stellte fest, dass die-
ses fast ausgereicht hätte, 200 L1-Zentrifugen aufzubauen, während nur wenige 
Bauteile für L2-Zentrifugen – auf welche es Libyen abgesehen hatte – darunter 
waren, jedoch Komponenten für deren Produktion (pag. 18.1.2509–2511).  

Im deutschen Strafverfahren wurde als Sachverständiger Horst Pütter (nachfol-
gend: Pütter) beigezogen. Er war bei Abfassung seines Berichts bei der UREN-
CO verantwortlich für das technical controlling (pag. 18.1.1.40). Aus seinen Un-
tersuchungen an Bauteilen, Komponenten, Einrichtungen und Dokumenten 
schliesst er, "dass die untersuchten Zentrifugen- und Anlagekomponenten … 
speziell auf die Hochanreicherung von Uran zur Herstellung von Nuklearwaffen 
ausgerichtet [gewesen seien]. Ein anderer Verwendungszweck [sei] auszu-
schliessen" (pag 18.1.1.4). Seine Feststellungen gründen auf dem Material, wel-
ches aus Libyen in die USA und von dort zu URENCO Deutschland geliefert 
worden war (pag. 5.10.363), ausserdem auf Unterlagen, welche auf dem Wege 
über Südafrika nach Libyen gelangen sollten und von den dortigen Behörden 
beschlagnahmt worden waren (pag. 8.1.1.13). Der Sachverständige sagte über 
das in Libyen erhobene Material, es handle sich um Bausätze zur Installation von 
200 Zentrifugen des in den Niederlanden entwickelten Typs L1/P1, um Aus-
rüstung zur Herstellung von Zentrifugenkaskaden und um 20'000 Einzelteile für 
Zentrifugen des in Deutschland entwickelten Typs L2/P2 – diese aber nicht aus-

- 17 - 

reichend, um einsatzfähige Zentrifugen zu montieren (pag. 18.1.1.10–11). Er er-
klärte weiter, "dass die von Libyen herausgegebenen Bauteile und Komponenten 
für die Herstellung von Material für Nuklearwaffen einsetzbar" seien, und zwar 
"durch die Zusammenschaltung einer grösseren Anzahl von Zentrifugen in ent-
sprechend ausgelegten Kaskaden." Diese Anreicherungsanlagen beruhten auf 
"Designprinzipien von Anreicherungsanlagen der URENCO", welche dort auf An-
reicherung von maximal 5 % beschränkt seien; nach den in Südafrika erhobenen 
Dokumenten und "Hardware" sei die Anlage jedoch auf 5'832 Zentrifugen ausge-
legt gewesen, womit sich monatlich Kernmaterial für nahezu drei Sprengköpfe 
produzieren lasse (pag. 18.1.11–12). Das "Designprinzip" der Anlage zur Hoch-
anreicherung von Uran habe "im Wesentlichen auf Grundlagen herkömmlicher 
URENCO-Anlagen" beruht (pag. 18.1.1.18).  

3.5.6 Diese beiden Quellen beruhen auf verschiedenen Prämissen: Die IAEA be-
zweckte zu verifizieren, ob der libysche Staat materiell-konkret Atomwaffen pro-
duziert oder selbst konkrete Schritte auf dieses Ziel unternommen hatte, wäh-
rend Pütter abklärte, ob durch und für Libyen technische Vorbereitungen zur 
Hochanreicherung von Uran getroffen worden seien. Seine Beurteilungsbasis 
bildeten im Wesentlichen die in Südafrika aufgefundenen Planungsunterlagen. 
Diese wertete er als Beleg dafür, dass die grundsätzlich auch zu blosser Ener-
gieerzeugung geeignete Methode der Urananreicherung auf die Gewinnung von 
hoch angereichertem, spaltbarem Kernmaterial verwendet werden sollte. Die IA-
EA visionierte  Dokumentationen über Entwicklung und Herstellung von Atom-
waffen, die es von Libyen erhielt, kam aber anhand der eigenen Ermittlungen 
zum Schluss, es habe keine Kapazität gehabt, Komponenten für Atomwaffen zu 
entwickeln oder herzustellen (pag. 18.8.240). Sie spricht von einer durch Libyen 
betriebenen "Entwicklung seiner Dual-Use-Infrastruktur" und der Mithilfe (auslän-
discher) Auftragnehmer dazu (pag. 18.1.2665).  

Wesentlichen Aufschluss über die auf Urananreicherung gerichteten libyschen 
Bestrebungen geben die Aussagen von Tahir, der im deutschen Verfahren ge-
gen Gotthard Lerch & Consorten rechtshilfeweise (pag. 18.1.201 ff.) und von der 
Bundesanwaltschaft fernmündlich (pag. 12.46.1 ff.) befragt wurde. Diese Person 
arbeitete bereits ab 1992/1993 (respektive 1994, pag. 12.46.1) mit A. Q. Khan 
zusammen. 1997 habe ihn dieser mit einer libyschen Delegation bekannt ge-
macht, welche A. Q. Khan gebeten habe, Zentrifugen für Libyens Nuklearpro-
gramm zu liefern. Ab 1998 hätten mehrere Treffen zwischen diesen Libyern und 
A. Q. Khan, den Tahir begleitete, stattgefunden. Dabei sei dieser Auftrag be-
sprochen worden. Tahir habe an diesen Besprechungen teilgenommen und spä-
ter auf A. Q. Khans Wunsch die Koordination zwischen ihm und den Lieferanten 
übernommen (pag. 12.46.4). Zuerst habe A. Q. Khan dafür gesorgt, dass eine 
gewisse Anzahl von Zentrifugen aus Pakistan nach Libyen geliefert würde. 

- 18 - 

(pag. 18.1.206–207 i.V.m. pag. 18.1.153). In der Folge habe A. Q. Khan ver-
schiedene Fachleute beauftragt, Einzelteile für Zentrifugen zu liefern, darunter 
die Beschuldigten; alle Auftragnehmer seien darüber im Bilde gewesen, dass ih-
re Lieferungen für das libysche "Zentrifugenprogramm" bestimmt seien. Friedrich 
und Urs Tinner hätten in Dubai, der Türkei und Malaysia libysche Techniker in 
Maschinenbau allgemein und in der Montage von Versuchsmodulen speziell 
ausgebildet. Urs Tinner habe auch Zentrifugenzeichnungen für A. Q. Khan digital 
erfasst; ein Satz Datenträger sei den Libyern ausgehändigt worden 
(pag. 18.1.208, 213, 215). Lerch sei dafür verantwortlich gewesen, das "Gas-
Handling-System und das Rohrwerk usw." in Südafrika herzustellen 
(pag. 18.1.208–209). Im Verlaufe des Jahres 2003 seien die Arbeiten in Südafri-
ka beendet und die Komponenten versandbereit gewesen. Sie hätten ursprüng-
lich über Jordanien nach Libyen gelangen sollen; dann habe man einen inneraf-
rikanischen Lufttransport erwogen, aber wegen des Aufbringens der BBC China 
nicht realisiert (pag. 18.1.210–211). Beim südafrikanischen Zugriff im September 
2004 fand man effektiv nur in der umfangreichen Dokumentation Belege für die 
Herstellung von Zentrifugen (vgl. pag. 18.1.2940 ff., 3047 ff.), während das in elf 
zur Verschiffung verpackten Containern sichergestellte Material die Uranfluorid-
gas-Aufbereitung betraf, nicht die Fabrikation von Zentrifugen (pag. 18.1.2483–
2487). Diese Indizien scheinen zu belegen, dass  der Bau von Anlagen zur Ura-
nanhochanreicherung – für die Zwecke von atomaren Sprengköpfen – auf mate-
rieller, planerischer und organisatorischer Ebene vorbereitet, aber noch nicht 
konkret begonnen worden war. Diesen Befund bestätigt das Urteil des Oberlan-
desgerichts Stuttgart vom 16. Oktober 2008, durch welches Gotthard Lerch im 
abgekürzten Verfahren für schuldig befunden wurde, er habe zusammen mit An-
deren die Herstellung einer Gasultrazentrifungeanlage in Südafrika – insbeson-
dere durch technische Hilfestellungen – unterstützt; diese Anlage sei von A. Q. 
Khan für das libysche Nuklearwaffenprogramm geplant worden (Pressemitteilung 
OLG Stuttgart, http:// www.olgstuttgart.de/servlet/PB/menu/1229053/index.html 
?ROOT=1182029&ARCHIV=1241014). Die Erklärungen von Tahir decken sich 
mit den Feststellungen von Pütter. 

Bei der Würdigung dieser Unterlagen gilt es in formeller Hinsicht festzuhalten, 
dass sich in den Akten keine Hinweise finden, wonach Pütter und Tahir in den für 
Sachverständige und Zeugen erforderlichen Weise in Pflicht genommen wurden. 
Dementsprechend können diese Informationen nicht den prozessualen Rang von 
Gutachten und Zeugenaussage haben (zum Ersteren SCHMID, a.a.O., Art. 184 
StPO N. 12; zur Letzteren Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2007.18 vom 
16. September 2008 E. 3.4.2), sondern nur denjenigen der Aussage einer Aus-
kunftsperson (SCHMID, a.a.O., Art. 178 StPO N. 2). Die IAEA-Berichte haben den 
Beweiswert von Indizien (SCHMID, a.a.O., Art. 195 StPO N. 3). Aus diesen Be-
weismitteln ergibt sich, dass die Aktivitäten in Südafrika auf eine Nuklearbewaff-

- 19 - 

nung in Libyen ausgerichtet waren, nicht auf eine eigene in jenem Land. In Liby-
en wiederum waren nach den Feststellungen der IAEA äussere Schritte in Rich-
tung einer Nuklearbewaffnung nicht erfolgt. Auch im Lichte ihrer schleppenden 
Aktivitäten im Zuge der Kontakte mit A. Q. Khan und dem Netzwerk um ihn her-
um sind die libyschen Beteuerungen, es habe bis zuletzt noch keinen definitiven 
Entschluss zu eigener Nuklearbewaffnung gefällt, mit einiger Wahrscheinlichkeit 
zutreffend, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass das Land nach Aufbringen 
der "BBC China" ein hohes politisches Interesse besass, Sanktionen seitens von 
Staaten wie den USA zu entgehen. Andererseits verfügt Libyen, wie allgemein 
bekannt, über grosse Vorräte an fossilen Energieträgern, weshalb praktisch aus-
geschlossen werden kann, seine Machthaber hätten den aufwändigen Weg einer 
atomaren Energieerzeugung in Betracht gezogen. Entsprechend den Kriterien 
der Gehilfenschaft waren die an Libyen gelieferten respektive für Libyen vorge-
sehenen Gaszentrifugen ein Mittel, um die Herstellung von Kernwaffen zu unter-
stützen. 

3.5.7 Objektiv bildeten die in der Anklageschrift genannten Handlungen einen Bestand-
teil der durch Libyen angestrebten und durch A. Q. Khan organisierten Beschaf-
fung von waffenfähigem Uran: Wie die Aussagen von Tahir belegen 
(pag. 12.46.1 ff.), gilt dies in erster Linie für die Beschaffung von Komponenten 
für eine Anlage zur Hochanreicherung von Uran, aber auch für Schulung und 
administrative Leistungen, wie Neuanfertigung oder Digitalisierung von techni-
schen Unterlagen (pag. 12.46.14–15). Die Grundlage bildeten demnach Gesprä-
che von A. Q. Khan mit Friedrich Tinner, später auch mit Urs Tinner 
(pag. 12.46.4–5). Die unter der Leitung von Urs Tinner in Dubai hergestellten re-
spektive verarbeiteten Komponenten, etwa Ventile und Testmodule, wurden nach 
Libyen verschifft (pag. 12.46.11).  

3.6 Die hier angeklagte Widerhandlung nach Art. 34 Abs. 1 KMG ist ein Vorsatzde-
likt. Diesbezüglich wirft die Anklageschrift den Beschuldigten vor, sie hätten ab 
Mai 1998 (Friedrich Tinner) respektive ab 1999 (Urs und Marco Tinner) in Kauf 
genommen, ein "illegales Urananreicherungsprogramm und damit ein Atomwaf-
fenprogramm eines … unbekannten Destinatärs" zu unterstützen. Im Schlussbe-
richt wird ihnen zur Last gelegt, es sei ihnen bereits an der initialen Besprechung 
im Jahre 1997 klar gewesen (Friedrich Tinner), respektive hätte gewesen sein 
müssen (Urs und Marco Tinner), dass die Bauteile für das libysche Zentrifugen-
programm bestimmt gewesen seien, und es hätte ihnen spätestens seit Pakis-
tans Atomtest vom 28. Mai 1998 klar sein müssen, dass A. Q. Khan die Zentrifu-
gen zur Hochanreicherung von Uran für militärische Zwecke einsetze 
(pag. 24.152–155). 

- 20 - 

3.6.1 Im abgekürzten Verfahren bedeutet die Zustimmung der beschuldigten Person 
auch eine Anerkennung des subjektiven Tatbestandes, also im konkreten Falle 
des Vorsatzes. Das Gericht muss prüfen, ob die Anklage in dieser Hinsicht mit 
den Akten übereinstimmt.  

Zu ihrem Wissen über den Zweck ihrer Aktivitäten haben sich die Beschuldigten 
im (Vor-) verfahren wie folgt geäussert:  

a) Friedrich Tinner konzedierte im Vorverfahren, dass er die Versicherung A. Q. 
Khans, die Urananreicherung diene friedlichen Zwecken, mit seinem erfolgrei-
chen Test einer Atombombe als unwahr erkannt habe. Allerdings fügte er bei, 
dass er erst nach Jahresbeginn 2002 – eventuell schon früher – misstrauisch 
geworden sei, als die ihm vom Sohn Urs vorgelegten Zeichnungen belegt hätten, 
dass es um Teile für P1-Zentrifugen gehe (pag. 13.3.25–26). Weiterhin aner-
kannte er, dass Ende Oktober 1998 eine "Initialbesprechung" zwischen ihm, sei-
nem Sohn Urs und A. Q. Khan sowie Tahir stattgefunden habe. Gemäss dem 
Protokoll würden sie – offensichtlich gemeint die Tinners – das Training für die 
"Anlagen inkl. Verrohrung bis zu den Maschinen" übernehmen und zwar für 
"AN09 und AN19"; ausserdem wurde die Anschaffung von Maschinen ins Auge 
gefasst, "die es gestatten, alle Teile für 2000 Maschinen pro Jahr herzustellen", 
dies auf partnerschaftlicher Basis (pag. 5.14.2194). Gemäss Friedrich Tinner soll 
an dieser Sitzung von Libyen nicht gesprochen worden sein; er habe daher an-
genommen, es gehe um Urananreicherung für Pakistan (pag. 13.3.394–396). In 
widersprüchlicher Weise konzedierte er, dass AN09 respektive AN19 neun re-
spektive neunzehn GUZ – gemeint Gasultrazentrifugen – bedeute, obwohl von 
GUZ an diesem Meeting "nie" gesprochen worden sei. Auch seien mit den 2000 
Maschinen "wahrscheinlich GUZ gemeint, wir gingen nicht davon aus". In Marco 
Tinners Computer fand sich ein Schema einer Urananreicherungsanlage, wel-
ches Friedrich Tinner Mitte Dezember 2000 digitalisiert hatte 
(pag. 5.14.118/1170) und welches die Verknüpfung von insgesamt 5'832 Zentri-
fugen ("machines") zur Anreicherung bis auf 90 % schematisch darstellte. An der 
Hauptverhandlung sagte er aus, sie hätten Ventile für 100 bis 200 Stück gelie-
fert. Die Anlage habe zur Einspeise von Uranhexafluorid in fester Form gedient 
(pag. 146.930.3).  

b) Urs Tinner erklärte gegenüber den deutschen Strafbehörden, anfänglich, als 
er nach Dubai gekommen sei, habe er den Verwendungszweck der ihm von Ta-
hir gegebenen Teile und Zeichnungen nicht erkannt. Später habe er die Bezeich-
nung P1 aus einer Zeichnung gelesen, aber nach Rückfrage bei Tahir nicht ge-
wusst, dass es sich dabei um eine Zentrifuge handle. Nach einem weiteren hal-
ben Jahr habe er aus Gesprächen mit A. Q. Khan oder Tahir geschlossen, es 
handle sich um eine Zentrifuge; eventuell sei der Verwendungszweck genannt 

- 21 - 

worden. Erst während der Zeit des Trainings habe er erfahren, dass es sich bei 
der P1 um eine Gas-Ultra-Zentrifuge handle, da er die Zentrifugenmontage habe 
schulen sollen und dafür von A. Q. Khan eine Zeichnung zur Montage von P1 er-
halten habe. Weil Tahir sein Auftraggeber und A. Q. Khan der Abnehmer gewe-
sen seien, habe er angenommen, die Zentrifugen würden nach Pakistan gehen. 
Anhand der Dokumente, die zu scannen man ihm später aufgetragen habe, habe 
er genau erkannt, was gebaut werden sollte. Als sich während eines Trainings 
ein Elektriker unbedacht als in Libyen wohnhaft offenbart habe, sei nicht mehr 
auszuschliessen gewesen, dass "Libyen mit im Spiel war". Dass die Zentrifugen 
effektiv für dieses Land bestimmt gewesen seien, habe er von Tahir erfahren, 
kurz bevor die BBC China aufgebracht worden sei (pag. 18.1.1255–1256). 

Im inländischen Verfahren äusserte sich Urs Tinner im Vorverfahren in dem Sin-
ne, dass er weder von A. Q. Khan noch von Tahir über den Verwendungszweck 
der Materialien, an welchen er Leute in Dubai und in Malaysia schulte, noch der 
Dokumentationen, die er in deren Auftrag digitalisierte, informiert worden sei. Erst 
nach seiner Rückkehr aus Malaysia nach Dubai habe er erkannt, dass seine Auf-
traggeber sich mit "Atomtechnologie" beschäftigten, welche "in Richtung Waffen-
technik gehen könnte"; daraus habe er geschlossen, im pakistanischen Atomwaf-
fenprogramm mitzuarbeiten (pag. 13.1.99/174). Er habe Kopien solcher Doku-
mente angefertigt und seinen Vater gefragt, was er davon halte, aber keine Ant-
wort bekommen (pag. 13.1.137). Am Anfang der Voruntersuchung bestritt er, 
durch seine Aktivitäten in Dubai und Malaysia zum libyschen Nuklearwaffenpro-
gramm beigetragen zu haben (pag. 13.1.366–368). An deren Ende lehnte er es 
weitgehend ab, sich zu diesen Vorwürfen zu äussern, bestritt aber, an der initia-
len Besprechung mit Tahir im Jahre 1997 oder durch Pakistans Atomtests Ende 
Mai 1998 erfahren zu haben, dass die Bauteile für das libysche Zentrifugenpro-
gramm respektive die Zentrifugen-Uranhochanreicherung für militärische Zwecke 
bestimmt gewesen seien (pag. 13.1.500–502). An der Hauptverhandlung sagte 
er aus, er sei nach Dubai gebeten worden, um Leute in mechanischer Tätigkeit 
auszubilden. Auf Frage, wann es zum Auslandeinsatz gekommen sei, antwortete 
er, er habe 1998 einen anderen Job im Ausland gesucht (pag. 146.930.8). Die 
Amerikaner hätten ihnen erklären können, um was es gegangen sei. Er habe 
vorher mit Nukleartechnologie nie etwas zu tun gehabt (pag. 146.930.18). Diese 
Einlassungen sind im Vergleich zu den in Deutschland gemachten Aussagen 
sehr ausweichend formuliert. 

c) Marco Tinner verfasste in Haft einen längeren Bericht zuhanden der Bundes-
anwaltschaft (pag. 13.2.838 ff.). Danach soll Tahir vor 1998 verschiedene Auf-
träge zur Lieferung technischer Teile erteilt haben, für die Marco Tinner jeweils 
ein Enduser-Zertifikat erhalten habe. 1998 habe es sein Bruder übernommen, in 
Dubai die "Desert Electric" aufzubauen und dort für Tahir zu arbeiten. Er selber 

- 22 - 

habe ab 1999/2000 davon ausgehen können, "dass es bei den Aufträgen von 
Tahir um sensible Güter für die Nukleartechnik ging"; allerdings hätten ihm erst 
die Amerikaner bestätigt, dass es sich um das Nuklearprogramm für Libyen han-
delte (pag. 841–842). Die früheren Lieferungen seien nicht unter die entspre-
chenden Kategorien der Güterkontroll-Liste – gemeint Anhang 2 zur GKV 
(E. 3.5.5 a.A.) – gefallen, weil sie nicht aus dem jeweiligen spezifischen Material 
bestanden hätten, und er habe sie daher bis 1999/2000 nicht als kritisch erachtet 
(pag. 848–850). Etwa 1998/1999 habe sein Vater aus einer Besprechung in Du-
bai den Auftrag für je ein Testmodul 09 und 19 gebracht und Zeichnungen ange-
fertigt; die genaue Verwendung dieser Kaskadenverrohrungen habe er nicht ge-
kannt und sie sei vom Vater nur rudimentär erklärt worden (pag. 853–854). Als 
ihm in der Folge sein Bruder Bedarfslisten mit "zunehmend ‘kuriose(n)’ Positio-
nen" geschickt habe, sei ihm klar geworden, "dass wir tiefer im Ganzen drin 
steckten, als erwartet", und er habe ab 2000 solche Anfragen zunehmend nicht 
mehr beantwortet (pag. 856).  

In seinen Einvernahmen im Vorverfahren äusserte sich Marco Tinner zurückhal-
tender: Erst "Mitte 2002 hatten wir die Vermutung, dass es sich um GUZ-Teile 
handeln könnte" (pag. 13.2.26/259). Auf den Vorwurf einer Schutzbehauptung 
konzedierte er, durch den Teilchenauftrag – zur Herstellung in der Schweiz – im 
März 2001 sei er stutzig geworden (pag. 13.2.520–521). Auf Vorhalt, er habe et-
wa im Oktober 1997 eine Bestellung der Desert Electrical & Equipment von im 
Verbund typischerweise für Urananreicherung gebrauchten Artikeln bestätigt und 
im Februar 1999 über Lieferungen an die DEEF und die Produktion von Bälgen 
für A. Q. Khan – unter seinem Decknamen Patlu – rapportiert, entgegnete er, 
nicht gewusst zu haben, wer zum Netzwerk gehörte (pag. 13.2.1027–1028). 
Nicht einlassen wollte er sich zum Verdacht, er sei Urheber von bei ihm zu Hause 
beschlagnahmten elektronischen Dateien, welche Tests an Gasultrazentrifugen, 
die Steuerung einer Ein- und Ausspeisung an solchen und zwar ausschliesslich 
zwecks Urananreicherung, beinhalteten. Wo als Ersteller "garf" vermerkt war, 
bestritt er, damit etwas zu tun gehabt zu haben, weil der Deckname "Garfield" 
nicht nur durch ihn benutzt worden sei (pag. 13.2.29–33). An der Hauptverhand-
lung sagte er aus, es treffe zu, dass er von Tahir angehalten worden sei, mit 
Decknamen zu arbeiten. Dies sei 1997 gewesen (pag. 146.930.7). 

3.6.2 Die beschuldigten Friedrich und Markus Tinner haben sich im Vorverfahren nicht 
eindeutig dazu bekannt, gewusst zu haben, dass die ihnen vorgeworfene Aktivi-
tät die Hochanreicherung von Uran im Hinblick auf atomare Bewaffnung unter-
stützt habe. Urs Tinner hat sich höchstens gegenüber den deutschen Behörden 
in affirmativer Weise geäussert. In keiner der Einvernahmen findet sich freilich 
ein Geständnis, wonach diese Bemühungen dem Staate Libyen zugutekommen 
sollten. Allerdings sind alle Beiträge der Beschuldigten den "Auftraggebern", 

- 23 - 

A. Q. Khan oder seiner Mittelsperson, Tahir, geleistet worden, die sich ihrerseits 
gegenüber den Vertretern Libyens zur Unterstützung der Urananreicherung ver-
pflichteten. Aufgrund der gesamten Umstände steht aber ausser Frage, dass die 
Beschuldigten vorsätzlich handelten; insbesondere aufgrund ihrer Kenntnisse 
über die von Khan 1998 gezündeten Atombomben. Der Vorsatz bzw. Eventual-
vorsatz, zu welchem sie sich bekannten, indem sie der Anklageschrift zustimm-
ten, steht daher nicht im Widerspruch zu den Akten.  

3.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Anklage im Sachverhalt und im bean-
tragten Schuldpunkt mit dem Ergebnis der Hauptverhandlung und mit den Akten 
übereinstimmt (Art. 362 Abs. 1 lit. b StPO). 

4. Materielle Prüfung der Anträge zur Strafe 

4.1 Das Urteil im abgekürzten Verfahren setzt einen Strafantrag voraus, welcher dem 
Schuldspruch angemessen ist (Art. 362 Abs. 1 lit. c StPO). Ob dem so sei, ist in 
Würdigung des konkret anzuwendenden Strafrahmens zu befinden, innerhalb 
desselben nach dem Verschulden und den übrigen ordentlichen Strafzumes-
sungsfaktoren (Art. 47 StGB), sowie nach dem Mass der konkret bejahten Straf-
schärfungs- und -milderungsgründe (dazu näher E. 4.2.2–4.2.3). Nicht ohne Wei-
teres klar ist der Beurteilungsmassstab, den das Gericht anzuwenden hat, wenn 
es die Angemessenheit des Strafantrags prüft.  

 Die Strafzumessung ist eine freie Entscheidung, für welche das Gesetz zwar 
einen geschlossenen Katalog von Bemessungsgesichtspunkten bestimmt, sie 
aber ihrerseits so offen formuliert, dass die Aspekte des Einzelfalles je nach ihrer 
Prägnanz schwerer oder geringer ins Gewicht fallen (WIPRÄCHTIGER, Basler 
Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 47 StGB N. 6; siehe auch BGE 128 IV 73 
E. 3b). Dieser Vorgang des Abwägens führt zu einem ganz bestimmten Mass 
(sog. Punkttheorie, TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, Praxiskommentar, a.a.O., 
Art. 47 StGB N. 4; in ähnlichem Sinne STRATENWERTH, Schweizerisches Straf-
recht – Allgemeiner Teil II, 2. Aufl., Bern 2006, § 6 N. 67). Die gegenteilige Auf-
fassung, wonach sich die Strafe innerhalb bestimmter Grenzen bewegen müsse 
(sog. Spielraumtheorie, REHBERG, Strafrecht II, 7. Aufl., Zürich 2001, S. 72; HUR-
TADO POZO, Droit pénal, partie générale, Zürich/Basel 2008, Rn. 1518 f.; 
s.a. SCHÖNKE/SCHRÖDER-STREE/KINZIG, Strafgesetzbuch, 28. Aufl., München 
2010, N. 20 vor § 38 m.w.H.), ist effektiv von prozeduraler Natur und bildet daher 
keine echte Gegenposition; denn sie beschreibt nicht, wie das Gericht die Strafe 
zu bemessen hat, sondern welchen Bereich ihm die Rechtsmittelinstanz dafür 
zugesteht (WIPRÄCHTIGER, a.a.O., N. 159 mit kritischer Würdigung). So ist sie 
denn auch vom Bundesgericht entwickelt worden, um seine Kognition als Be-
schwerdeinstanz abzustecken, welche es auf die Überschreitung oder den Miss-

- 24 - 

brauch von Ermessen beschränkt (etwa BGE 123 IV 10 E. 2; 122 IV 299 E. 2a); 
das Hohe Gericht schreitet also nur bei erheblicher Unangemessenheit ein. Das 
Sachurteil hinsichtlich des Sanktionsvorschlages im abgekürzten Verfahren ist 
freilich ein anderer Vorgang als die Überprüfung der im Sachurteil ausgespro-
chenen Sanktion durch eine Beschwerdeinstanz (dies übersieht JEANNERET, Les 
procédures spéciales dans le Code de procédure pénale suisse, in Pfister-Liechti 
[Hrsg.], La procédure pénale fédérale, Bern 2010, S. 137 ff., 182). Das Gesetz 
bringt dies mit der Wendung des freien Befindens zum Ausdruck, die sich auch 
in der italienischen Fassung (libera decisione) findet, während in der französi-
schen Wendung eines librement "apprécier" der Charakter einer eigenständigen 
Ermittlung der Sanktion weniger deutlich hervortritt. Unter diesen Auspizien un-
terscheidet sich die richterliche Prüfung des Sanktionsvorschlages nicht von der 
Strafzumessung im ordentlichen Verfahren in denjenigen Fällen, da ein überein-
stimmender Antrag der Parteien vorliegt. Er stellt somit einen Orientierungspunkt 
von erheblicher Überzeugungskraft dar, von dem aber nicht erst dann abgewi-
chen werden soll, wenn (so GREINER/JAGGI, a.a.O., Art. 362 StPO N. 15) der 
Vorschlag unvertretbar ist (ähnlich SCHMID, a.a.O. Art. 362 StPO N. 4 [dabei 
"grosse Zurückhaltung" empfehlend]; RIKLIN, a.a.O., Art. 362 StPO N. 2 [befür-
wortet eine "grosszügige Ausschöpfung der Ermessensspielräume"] und 
SCHWARZENEGGER, a.a.O., Art. 362 N. 5; a.M. PERRIN, Commentaire romand 
CPP, Art. 362 N. 5), sondern schon wenn das Gericht zu einem deutlich abwei-
chenden Strafmass gelangt (vgl. auch Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2011.21 
vom 15. Dezember 2011, E. 10). 

4.2 Für das Strafmass der unter Art. 34 Abs. 1 KMG fallenden Handlung der Be-
schuldigten fallen folgende Gesichtspunkte in Betracht: 

4.2.1 Übergangsrechtlich ist das Gesetz mit Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Teils 
(BG vom 13. Dezember 2002, in Kraft seit 1. Januar 2007) nicht milder ausges-
taltet, soweit es die Freiheitsstrafe (Art. 34 Abs. 1 KMG) betrifft. Allerdings ist der 
bedingte Strafvollzug für eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten nur unter gelten-
dem Gesetz möglich (Art. 42 Abs. 1 StGB; gegenüber Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 
aStGB). Nach altem und neuem Recht ist eine kumulative pekuniäre Sanktion 
möglich. Deren Maximum bleibt dasselbe (5 Mio. Fr. nach altem Recht; 1'666 
Tagessätze à Fr. 3'000 nach neuem Recht [Art. 333 Abs. 5 StGB]); ein Minimum 
war und ist gesetzlich weder für die altrechtliche Busse (Art. 48 aStGB), noch für 
die neurechtliche Geldstrafe (Art. 34 Abs. 2 StGB) vorgesehen. Bezüglich Straf-
schärfung und -milderung (dazu näher E. 4.2.2–4.2.3) ergeben sich keine Unter-
schiede. Indessen zwingt das neue Recht dazu, die Geldstrafe auf die konkreten 
finanziellen Verhältnisse des Bestraften auszurichten (Art. 34 Abs. 2 StGB). Da-
gegen war die altrechtliche Busse zwar nach den Verhältnissen des Täters zu 
bestimmen (Art. 48 Ziff. 2 aStGB), hatte die ökonomische Situation also ein ge-

- 25 - 

ringeres Gewicht (AMSLER/SOLLBERGER, Basler Kommentar, Basel 2003, Art. 48 
StGB N. 8). Im konkreten Fall, auf den es für die Frage des milderen Rechts 
(Art. 2 Abs. 2 StGB) ankommt (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1, 135 IV 113 E. 2.2), wer-
den mit 90 respektive 30 Franken Tagessätze vorgeschlagen, welche im unters-
ten Bereich liegen (BGE 135 IV 180 E. 1.4.2). Die wirtschaftliche Situation führt 
daher unter neuem Recht zu einer milderen Bemessung der pekuniären Situati-
on. Daher ist der Sanktionsvorschlag nach diesem zu würdigen.  

4.2.2 Der ordentliche gesetzliche Strafrahmen beträgt Freiheitsstrafe von einem bis 
zehn Jahren und fakultative Geldstrafe bis zu 1'666 Tagessätzen zu Fr. 3'000.–. 
Wegen Tatmehrheit ist die Strafe zu schärfen; das Strafmaximum erhöht sich auf 
fünfzehn Jahre Freiheitsstrafe (Art. 49 Abs. 1 StGB). 

4.2.3 Die Frage der Strafmilderung stellt sich in zweifacher Hinsicht: 

a) Zunächst ist erstellt, dass die Beschuldigten einverstanden waren, mit ameri-
kanischen Staatsinstanzen zusammen zu wirken und ihre Tätigkeit gleichsam als 
V-Personen fortzusetzen. Weil die Strafakten, welche diese Zusammenarbeit 
dokumentieren, durch den Bundesrat vollständig beseitigt worden sind (was nicht 
nur von der GPK als unverhältnismässig bezeichnet, sondern auch für das Ge-
richt schwer verständlich ist), ist offen, ob und inwieweit die Beschuldigten dazu 
beigetragen haben, libysche Bemühungen zur Atomanreicherung aufzudecken 
oder gar durch "Sabotage" zu behindern. Die Aktenvernichtung hatte allerdings 
zur Folge, dass die Bundesanwaltschaft die Anklage zeitlich eingrenzte 
(vgl. Schlussbericht, pag. 24.149–150), dies obwohl die gesetzlichen Ausnah-
men vom ABC-Waffen-Verbot (Art. 7 Abs. 2 lit. a KMG) und damit die Straffrei-
heit von Aktionen mit dem Ziel der Vernichtung von Kernwaffen, möglicherweise 
nicht durchwegs erfüllt waren. Damit stellt sich die Frage von tätiger Reue, die 
zwingend zu Strafmilderung führt (Art. 48 lit. d StGB). Eine solche Nachsicht ist 
auch bei Delikten gegen Gemeininteressen möglich (z.B. bei Verkehrsdelikten, 
TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, a.a.O., Art. 48 StGB N. 23). Sie setzt ein "beson-
deres, freiwilliges und uneigennütziges Verhalten" voraus. Dies lässt sich für die 
wie auch immer geartete Kooperation der Beschuldigten mit staatlichen Reprä-
sentanten der USA nicht sagen. Eine solche stellte, nachdem es in den Augen 
der Tinners klar geworden war, dass Libyen seine militärischen Interessen durch 
die Proliferation von Anlagen zur Herstellung waffenfähigen Urans zu fördern 
trachtete, ein strafbares Verhalten im Sinne von Art. 301 Ziff. 1 StGB dar. Auch 
wenn der Bundesrat die Ermächtigung zur Verfolgung (Art. 302 Abs. 1 StGB) 
verweigerte (siehe Lit. d), kann ein solches nicht Anlass zur Milderung sein. 

 b) Weiterhin kommt der Milderungsgrund des verhältnismässig langen Zeitrau-
mes zwischen Tat und Urteil in Betracht. Seine objektive Bedingung ist der Ab-

- 26 - 

lauf einer Zeitspanne von zwei Dritteln der Verjährungsfrist, wobei diese Grenze 
unterschritten werden kann, um der Art und Schwere der Tat Rechnung zu tra-
gen (BGE 132 IV 1 E. 6.2.1). Sie ist daher jedenfalls erfüllt für alle Handlungen, 
welche vor dem 25. März 2002 begangen worden sind. Jüngeren Datums sind – 
wenigstens nach den in der Anklageschrift enthaltenen Angaben zum Hand-
lungszeitraum – also bloss die Vorwürfe der Ausstattung einer Produktionsanlage 
in Malaysia und Herstellung von Zentrifugenbestandteilen in derselben (Anklage-
punkte 1.1.10 und 1.1.11) sowie ein bescheidener Teil des Vorwurfs der Schu-
lung technischen Personals in der Türkei (Anklagepunkte 1.1.8 und 1.1.9), näm-
lich im Wesentlichen nur die Beschaffung eines Vakuummixers für Klebestoff und 
die Instruktion daran. Die lange Zeit ist bezüglich aller anderen Anklagepunkte 
abgelaufen, so betreffend die zweimalige Ausstattung einer Werkstatt in Dubai 
und die dortigen Schulung von technischen Kräften, die Beschaffung der elektro-
nischen Steuerung einer Kaskade mit 64 Zentrifugen sowie die Aufbereitung von 
Unterlagen zur Schulung und zur Produktion von Zentrifugen. Gewichtet nach ih-
rer Bedeutung für das endliche Ziel der Urananreicherung, unterliegen diesem 
Milderungsgrund folglich die deutliche Mehrheit dieser Vorwürfe. Auf der subjek-
tiven Seite bedingt die Strafmilderung ein Wohlverhalten des Täters. Nach der 
Rechtsprechung des Bundesgerichts muss sich der Täter nicht nur straffrei ver-
halten, sondern auch andere Inkorrektheiten unterlassen (BGE 132 IV 1 E. 6.3). 
Darunter fällt es jedenfalls, mit ausländischen Funktionären zu kooperieren, statt 
eine Anzeige bei den inländischen Behörden zu erstatten – dies vor allem im 
Blick auf die dadurch erlangten finanziellen Vorteile (dazu E. 4.2.5). Eine Milde-
rung kommt also auch unter diesem Gesichtspunkt nicht in Frage. 

4.2.4 Die Schwere der Tat wird durch das Gefahrenpotential der Waffen bestimmt, 
dem die strafbaren Handlungen galten, und durch die Bedeutung des jeweiligen 
Tatbeitrages der Beschuldigten. 

a) Unter den in Art. 34 Abs. 1 KMG erfassten sind Atomwaffen diejenigen mit 
dem grössten Zerstörungspotential für Mensch und Umwelt, auch in langer Sicht. 
Innerhalb dieses Spektrums kommt es darauf an, welche Bedeutung die ohne 
Bewilligung ausgeführten Güter sowie die Schulung und administrativen Dienst-
leistungen für eine Atomwaffenproduktion in Libyen haben konnten. In diesem 
Zusammenhang ist wesentlich, dass mithilfe der Zentrifugentechnik spaltbares 
Uran hergestellt werden kann, welches einen essentiellen Bestandteil von ato-
maren Sprengkörpern bildet. Allerdings wurde für diese Anreicherung eine an-
spruchsvolle Technik gewählt, nämlich auf der Basis einer Umwandlung von na-
türlichem Uran in eine gasförmige Verbindung; ausserdem erheischt die Kom-
plettierung des Gefechtskopfs mit atomarem Sprengstoff ein beträchtliches 
Know-how. Tatsächlich haben die Untersuchungen der IAEA ergeben, dass in 
Libyen einerseits zwar Anlagen zur Uranaufbereitung vorhanden, aber nicht da-

- 27 - 

für verwendet worden waren (pag. 18.1.2414) – das Uranfluoridgas wurde in drei 
Behältern importiert (pag. 18.8.238) –, dass Libyen andererseits nicht nachweis-
lich Einrichtungen besass, welche die Planung, Fertigung oder Erprobung von 
eigentlichen Atomwaffenkomponenten erlaubt hätten (pag. 18.1.2418, 
pag. 18.8.246). Die Lieferungen waren also bloss für die mittlere Stufe einer 
Atomwaffenherstellung geeignet. Auch dabei wird in der Anklageschrift die Aus-
fuhr nur weniger, direkt für Gaszentrifugen geeigneter Komponenten (Ziff. 1.1.3, 
1.1.12, 1.1.13), sodann von Werkzeugeinrichtung für die Ausbildung sowie die 
Produktion von Gaszentrifugen und für Tests an solchen (Ziff. 1.1.1, 1.1.2, 1.1.8, 
1.1.10) behauptet, möglicherweise auch von Technologie (Ziff. 1.1.4). Dazu soll 
die Lieferung von Speicherbehältern für Uranfluoridgas gekommen sein (Ankla-
gepunkt 1.1.7), die aber kein technisch besonders anspruchsvolles Gut darge-
stellt haben dürften. Die übrigen Anklagepunkte (Ziff. 1.1.5, 1.1.6, 1.1.9, 1.1.11) 
betreffen in erster Linie die Schulung von Personal, nicht aber die Ausfuhr von 
kritischem Material. Aus alledem erhellt, dass die Beschuldigten eine wichtige 
Rolle spielten bei der Schulung von Personal, welches für den Bau von Gaszent-
rifugen-Anlagen in Libyen selbst zum Einsatz kommen sollte, und dass sie aus-
serdem für die Produktion einzelner Zentrifugenkomponenten aktiv wurden, aber 
auch dies nicht in einer Menge, welche die für Kernwaffen erforderliche Hochan-
reicherung von Uran erheischt. Auch nach Angaben des Sachverständigen Püt-
ter in einer Zeugenbefragung ergibt sich, dass die Anstrengungen der Beschul-
digten nicht über den Einsatz von Gaszentrifugen in kleinen Anlagen und zu 
Test- sowie Übungszwecken hinausgingen (pag. 12.26.54–57). Einzig aus einer 
Planungsunterlage, welche sich anscheinend auf den in Jenins, also beim Be-
schuldigten Marco Tinner, erhobenen Datenträgern (Schlussbericht, pag. 24.15) 
befand, wird als Endziel eine Anlage von 7'100 Zentrifugen ersichtlich 
(pag. 12.26.236–238), was der Zeuge Pütter als für Hochanreicherung charakte-
ristisches Design bezeichnete (pag. 12.26.58). Diese Unterlage macht für sich 
jedoch nicht den Eindruck eines technisch anspruchsvollen Beitrages. Das zeitli-
che Engagement der Beschuldigten für die ihnen vorgeworfenen Aktivitäten war 
beträchtlich, wobei sich die Anklageschrift auf den Zeitraum zwischen Mai 1998 
(Friedrich Tinner) bzw. Beginn 1999 (Marco und Urs Tinner) und 18. Juni 2003 
beschränkt; das Ende wird mit einer zugunsten der Beschuldigten unterstellten 
Anti-Proliferationstätigkeit begründet (E. 4.2.3a).  

 b) Die Beschuldigten spielten also eine wesentliche Rolle im Bereich von Vorstu-
fen der Fertigung von Kernwaffen, nämlich beim Aufbau von Urananreicherungs-
anlagen, und besorgten die Lieferung von wichtigen technischen Bestandteilen. 
Unter diesen ging es vor allem um die Ventile für Ein- und Ausspeisung des 
Uranfluoridgases – für Ventiltechnik hatte sich Friedrich Tinner über viele Jahre 
Spezialwissen und -fertigungskapazität erworben (Einvernahme, pag. 13.3.126–
128), und er soll daher wesentlichen Einfluss auf die Auswahl von Lieferanten für 

- 28 - 

die verschiedenen Komponenten der Gaszentrifugen ausgeübt haben (Schluss-
bericht, pag. 24.55). Sie operierten jedoch in einem Netzwerk des pakistanischen 
Atomphysikers A. Q. Khan, und darin fast ausschliesslich unter Leitung seines in 
Dubai tätigen Mittelsmanns Tahir (Schlussbericht, pag. 24.32-34, 41-42); mit dem 
effektiven Begünstigten dieser Aktivitäten, dem libyschen Regime, hatten sie kei-
nen Kontakt. Allerdings ist die Proliferation von ABC-Waffen, Tatbestand von 
Art. 34 Abs. 1 KMG regelmässig nur durch Zusammenwirken einer grossen Zahl 
von Personen möglich, weshalb dem Einzelnen, solange er nicht eine leitende 
Funktion innehat, zum Vornherein eine bloss beschränkte Rolle zukommt.  

c) Was die Bedeutung der je persönlichen Aktivitäten der Beschuldigten angeht, 
so waren Friedrich und Urs Tinner in die Proliferation unmittelbar involviert, und 
zwar Friedrich Tinner aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, seiner Kontakte 
mit A. Q. Khan und seiner führenden familiären Position, sodann Urs Tinner we-
gen der zeitlichen Intensität und der Nähe zu Tahir. Dagegen war Marco Tinner 
in erster Linie für die administrativen Belange verantwortlich, welche im Zusam-
menhang mit Materiallieferungen zwar unerlässlich, aber doch exekutiver Art wa-
ren. Urs Tinner wird insoweit entlastet, als er wegen der geschilderten Nähe zu 
einem mit grosser Geheimhaltung umgebenen Schulungsvorgang nicht mehr 
aussteigen konnte, ohne empfindliche persönliche Nachteile zu riskieren. 

d) Die Bundesanwaltschaft beantragt im Urteilsvorschlag eine Verurteilung von 
Marco Tinner wegen Urkundenfälschung. Marco Tinner wird vorgeworfen, er ha-
be im Januar 2003 zwei fiktive Bestellungen für Aufträge, die ausgeführt worden 
seien, hergestellt, um gegenüber der Bank A. mit Schreiben vom 25. Januar 
2003 die bis dahin erfolgten Transaktionen zu begründen und so die bereits er-
folgten Gutschriften der Gelder auf das Konto bei der Bank A. zu rechtfertigen. 
Die Bank habe die angeblichen Bestellungen von Marco Tinner angefordert und 
sie als beweisgeeignet angesehen. Dadurch habe sich Marco Tinner einen Vor-
teil verschafft, weil die Bank im Zusammenhang mit der bereits erfolgten Gut-
schrift keine Massnahmen ergriffen habe (pag. 146.100.160, Anklagepunkt 1.2). 
Der Urteilsvorschlag deckt sich mit den Akten und dem Ergebnis der Hauptver-
handlung und kann daher zum Urteil erhoben werden.  

4.2.5 Die finanziellen Vorteile der Beschuldigten waren beträchtlich: Marco Tinner und 
die TRACO-Gesellschaften, an denen er wirtschaftlich berechtigt war (Schluss-
bericht, pag. 24.27), erwirtschafteten während des durch die Anklage gedeckten 
Zeitraums hohe Zuflüsse aus dem Umfeld von Tahir, der rechten Hand von A. Q. 
Khan, gemäss Schlussbericht von nahezu 18 Mio. Franken (pag. 24.34, 134), 
gemäss Amtsgutachten von 22,5 Mio. Franken (pag. 10.4.331). Gemäss Letzte-
rem ergeben sich Anhaltspunkte für Einnahmen der Beschuldigten in der Höhe 
von ca. 1,26 Mio. Franken, die aber teilweise als Auslagenersatz gedient haben 

- 29 - 

könnten, und in ihrem persönlichen Interesse getätigten Investitionen von weite-
ren 3,8 Mio. Franken, die wiederum teilweise durch Eingänge finanziert worden 
sein könnten, welche die Beschuldigten nach dem Beginn ihrer Kooperation mit 
den Amerikanern erzielten (pag. 10.4.331–337; vgl. ausserdem E. 6.1.1). Wie 
diese Einkünfte unter den drei Beschuldigten aufgeteilt wurden, ist unklar. 

Unter den persönlichen Verhältnissen muss das Gericht auch die Strafempfind-
lichkeit der Beschuldigten in Betracht ziehen (BGE 135 IV 130 E. 5.5). Sie ist hö-
her, wenn sie einen Täter in äusserlich geordneten sozialen Verhältnissen trifft 
(BGE 118 IV 342 E. 2e mit E 1a). In diesem Zusammenhang ist Friedrich Tinner 
zugute zu halten, dass er sein privates und berufliches Leben weitgehend im 
gleichen Umfeld verbrachte und sein dabei gewonnenes Ansehen durch eine 
Bestrafung empfindlich beeinträchtigt wird; angesichts seines Alters wird er nicht 
mehr Gelegenheit haben, dieses wieder aufzuwerten. Bei Marco Tinner fällt die-
ser Gesichtspunkt nicht ins Gewicht, hat er seinen Lebensmittelpunkt doch 
schon vor Längerem ins asiatische Ausland verlegt. Urs Tinner hatte sich mit der 
Abreise ins Ausland, wegen seiner Scheidung, aus dem schweizerischen Le-
bensraum völlig absetzen wollen; er ist zwar nach Ende der zu diesem Verfahren 
führenden Tätigkeit wieder ins elterliche Umfeld zurück gekehrt, ohne aber feste 
persönliche und berufliche Bindungen einzugehen (EV HV, pag. 146.930.8–9). 
Beim Vater ist daher eine geringfügige Strafminderung angezeigt, nicht aber bei 
den Söhnen. 

4.3  
4.3.1 Die vorgeschlagenen Freiheitsstrafen von 24 Monaten für Friedrich Tinner, also 

im untersten Siebtel, für Marco Tinner von 41 Monaten, also im untersten Viertel 
und für Urs Tinner von 50 Monaten, also im untersten Drittel des Strafrahmens, 
können nicht als angemessene Sanktion gelten: Weder würden sie dem Gewicht 
der vorstehend genannten Tat- und Täterfaktoren ausreichend Rechnung tragen, 
noch stünden sie in angemessenem Verhältnis der persönlichen Verantwortung 
von Friedrich Tinner einerseits und Urs sowie Marco Tinner andererseits. Es ist 
nicht zu übersehen, dass die Parteien den Vorschlag bezüglich der Freiheitsstra-
fe nur in Bezug auf die Söhne erhöhten, freilich den quantitativen Rahmen der 
anzurechnenden Untersuchungs- und Auslieferungshaft nicht überstiegen, wäh-
rend sie sich für den Vater an der Grenze für den bedingten Strafvollzug (Art. 42 
Abs. 1 StGB) hielten, die schon der erste Urteilsvorschlag erreicht hatte. Müsste 
das Gericht für die Taten in dem durch das Geständnis gedeckten Rahmen eine 
Freiheitsstrafe als alleinige Sanktion bestimmen, so würde sie das Mass von fünf 
Jahren erreichen, für Friedrich Tinner sogar deutlich mehr.  

4.3.2 Der jetzt vorliegende Urteilsvorschlag sieht neben der Freiheitsstrafe Geldstrafen 
vor, nämlich von 780 Tagessätzen zu 90 Franken für Friedrich Tinner und von 

- 30 - 

359 Tagessätzen zu 30 Franken für Marco Tinner. Dabei handelt es sich nicht 
um allgemeine Verbindungsstrafen: bei Friedrich Tinner nicht, weil deren gesetz-
liches Höchstmass bei 360 Tagessätzen liegt (Art. 34 Abs. 1, Art. 42 Abs. 4 
StGB), bei Marco Tinner nicht, weil sie das Gesetz für unbedingte Strafen nicht 
vorsieht. Indessen ist eine fakultative Verbindungsstrafe in Art. 34 Abs. 2 KMG 
vorgesehen, nämlich nach neuem Recht Geldstrafe von maximal 1'666 Tages-
sätzen zu 3'000 Franken (Art. 333 Abs. 5 letzter Satz StGB). In einem solchen 
Falle muss die Sanktion insgesamt, das heisst Freiheitsstrafe und pekuniäre 
Sanktion, dem Verschulden angemessen sein (BGE 124 IV 134 E. 2c/bb; Urteil 
des Bundesgerichts 6P.138/2006 vom 22. September 2006, E. 4.2.2). Für die all-
gemeine Verbindungsstrafe (Art. 42 Abs. 4 StGB) verlangt das Bundesgericht, 
dass sie im Mass gegenüber der prinzipalen Sanktion, nämlich der Freiheitsstra-
fe, deutlich zurücktrete (BGE 134 IV 1 E. 4.5.2). Diese Einschränkung gilt aber 
nicht, wenn das Gesetz als Sanktion für einen bestimmten Tatbestand sowohl 
Freiheitsstrafe als auch Geldstrafe (resp. Busse nach altem Recht) vorsieht; das 
Gericht kann dann auf die eine oder andere Sanktion erkennen oder sie beide 
verbinden. Wenn es sogar ausschliesslich eine pekuniäre Sanktion verhängen 
darf (BGE 120 IV 67 E. 2b), so spricht nichts dagegen, eine Freiheitsstrafe mit 
einer gleich gewichteten Geldstrafe zu verbinden.  

Die Geldstrafe wird als Produkt aus einer Summe von Tagessätzen und Höhe 
desselben bemessen. Dabei ist für den ersten Faktor das Verschulden massge-
blich, für den zweiten die wirtschaftliche Situation des Verurteilten (BGE 134 IV 
60 E. 5.3–5.4). In diesem Lichte beinhalten der Urteilsvorschlag für Friedrich 
Tinner ein Gesamtstrafe im Zeitäquivalent von 50 Monaten – 24 Monaten Frei-
heits- und 26 Monaten Geldstrafe. In Bezug auf Marco Tinner werden eine Frei-
heitsstrafe von 41 Monaten und eine Geldstrafe von 259 Tagessätzen vorge-
schlagen, woraus eine Gesamtstrafe im Äquivalent von knapp 50 Monaten resul-
tiert. Ob der für Friedrich Tinner und für Marco Tinner vorgeschlagene Tagessatz 
der je persönlichen Situation der beiden Beschuldigten angemessen sei, vermag 
das Gericht nicht zu beurteilen: Zwar legt das Strafverfahren nahe anzunehmen, 
dass sie keine Einkünfte von Gewicht erzielen; über die Vermögensverhältnisse 
aber liegen keine verlässlichen Informationen vor, bleiben doch der Verbleib von 
substanziellen Geldzuflüssen während der inkriminierten Handlungen und an-
schliessend durch die Zusammenarbeit mit den Amerikanern weitgehend unklar 
(dazu E. 6.1.1).  

4.3.3 Unter Berücksichtigung der pekuniären Sanktion resultieren drei Urteilsvorschlä-
ge, welche sehr nahe beisammen, aber immer noch unter dem Masse liegen, 
welches das Verschulden der Täter verlangt. 

- 31 - 

4.3.4 Die Bundesanwaltschaft führt in der mündlichen Begründung des Urteilsvor-
schlages aus, dass sie erhebliche Schwierigkeiten hätte, im ordentlichen Verfah-
ren, wie es nach einer gerichtlichen Ablehnung stattfinden müsste (Art. 362 
Abs. 3 Satz 1 StPO), den genügenden Beweis für die den Beschuldigten vorge-
worfenen Taten zu erbringen. Berücksichtigt man ausserdem, dass die Verjäh-
rung noch weitere Tatvorwürfe erfassen müsste, bis ein Urteil gesprochen wer-
den könnte, so besteht für die Anklagebehörde ein hohes Prozessrisiko. Käme es 
zu einem Freispruch und/oder zu einer Einstellung wegen Verjährung, so bliebe 
ein Verhalten strafrechtlich ungeklärt, welches die inländische und ausländische 
Öffentlichkeit aufmerksam verfolgte und für dessen Strafbarkeit – nach dem all-
gemein bekannten deutschen Urteil gegen den in das gleiche Geschehen verwi-
ckelten Gotthard Lerch – vieles, wenn auch vielleicht nicht Ausreichendes spricht. 
Zur Prävention gegen die Verbreitung von Atomwaffen vermöchte ein solcher 
Ausgang nichts beizutragen. 

Das Bundesgericht hat es gelegentlich zugelassen, bei der Strafzumessung ge-
neralpräventive Aspekte zu berücksichtigen, freilich nur insoweit, als die Sankti-
on den Rahmen der persönlichen Schuld nicht sprengt (BGE 118 IV 342 E. 2g). 
Im vorliegenden Fall stellt sich dieser Gesichtspunkt freilich im umgekehrten Sin-
ne, als zu fragen ist, ob das Gericht ihm Rechnung tragen darf, wenn eine Verur-
teilung auf Messers Schneide steht und das abgekürzte Verfahren sie nur er-
laubt, weil die Beschuldigten ihre Zustimmung um den Preis einer Reduktion der 
Strafe unter das schuldadäquate Mass für die eingestandenen Taten erteilten. 
Dies kann für eine Ermässigung im Bereiche von bis zu einem Viertel bejaht 
werden. Jedenfalls stehen die in der Literatur geäusserten Bedenken, bei der 
Strafzumessung generalpräventive Elemente zu berücksichtigen (etwa 
TRECHSEL/AFFOLTER EIJSTEN, a.a.O., Art. 47 N. 8; SCHWARZENEGGER/HUG/ 
JOSITSCH, Strafrecht II, 8. Aufl. Zürich 2007, 105; STRATENWERTH, Strafrecht AT 
II, a.a.O., § 74–76), dem nicht entgegen, weil sie nicht an eine Einigung zwi-
schen Anklage und Beschuldigten anknüpfen. Folglich erscheinen Strafen mit ei-
nem zeitlichen Äquivalent von rund 50 Monaten als angemessen; denn die 
Nachsicht reduziert die schuldadäquate Sanktion für Marco und Urs Tinner um 
knapp 17 %, für Friedrich Tinner jedenfalls nicht um mehr als 25 %. Mit dieser 
Differenz wird auch dem Umstand Rechnung getragen, dass ein Scheitern der 
Anklage gegen den Vater wegen dessen herausragenden Rolle im Geschehen 
schwereres Gewicht hätte. 

4.3.5 Die in der Anklageschrift enthaltenen Sanktionsvorschläge können daher zum 
Urteil erhoben werden. 

 

- 32 - 

5. Kautionen 

5.1 Gemäss Art. 239 Abs. 1 lit. c StPO wird die Sicherheitsleistung freigegeben, 
wenn die beschuldigte Person die freiheitsentziehende Sanktion angetreten hat. 
Wird die von der beschuldigten Person geleistete Sicherheitsleistung freigege-
ben, so kann sie zur Deckung der Geldstrafen, Bussen, Kosten und Entschädi-
gungen verwendet werden, die der beschuldigten Person auferlegt worden sind 
(Art. 239 Abs. 2 StPO). Nach dem klaren Wortlaut von Art. 239 Abs. 2 StPO 
kommt die Verwendung der freigegeben Sicherheit zur Deckung der Geldstrafen, 
Bussen, Kosten und Entschädigungen nur in Betracht, wenn die beschuldigte 
Person die Sicherheit geleistet hat (HÄRRI, Basler Kommentar, Schweizerische 
Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 239 StPO N. 10). Hat eine Drittperson die 
Sicherheit geleistet und tritt ein Freigabegrund ein, ist sie der Drittperson zurück-
zuerstatten (HÄRRI, a.a.O., Art. 239 StPO N. 10). Die Verwendung zur Deckung 
von Geldstrafen, Bussen, Kosten und Entschädigungen, die der beschuldigten 
Person auferlegt worden sind, ist unzulässig (HÄRRI, a.a.O., Art. 239 StPO 
N. 10). 

5.2 Friedrich Tinner leistete zu Gunsten von Urs und Marco Tinner eine Kaution von 
Fr. 10'000.– bzw. Fr. 100'000.– (pag. 6.02.0001–4). Die beantragten freiheitsent-
ziehenden Sanktionen sind bereits verbüsst. Der Urteilsvorschlag sieht vor, die 
geleistete Sicherheit zuzüglich Zinsen freizugeben und mit der Geldstrafe und 
den Verfahrenskosten zu verrechnen. 

5.3 Die Voraussetzungen für die Freigabe der Kautionen sind erfüllt (Art. 239 Abs. 1 
lit. c StPO). Die Sicherheitsleistungen von Friedrich Tinner für seine Söhne stel-
len Kautionen einer Drittperson dar. Von Gesetzes wegen ist es nicht möglich, 
diese "Drittkaution" des Vaters mit Kosten der Söhne zu verrechnen. In erster Li-
nie sind die Kautionen zur Deckung von Geldstrafe und Verfahrenskosten von 
Friedrich Tinner zu verwenden. 

6. Materielle Prüfung der Massnahmen 

Zum essentiellen Teil der Anklageschrift im abgekürzten Verfahren gehören die 
Anträge betreffend allfälliger Massnahmen (Art. 360 Abs. 1 lit. c StPO). Wenn 
Art. 362 Abs. 1 lit. c StPO von Sanktionen spricht, deren Angemessenheit das 
Gericht überprüfen muss, so schliesst dies die Modalitäten des Strafvollzugs und 
die Massnahmen deshalb mit ein (GREINER/JAGGI, a.a.O., Art. 362 StPO N. 21; 
PERRIN, Commentaire romand CPP, art. 362 n° 5). Bei den letzteren geht es um 
die Prüfung von deren Voraussetzungen und deren Ausmass. In diesem Zu-
sammenhang ist die richterliche Kontrolle analog zu derjenigen von Schuld und 
Sanktion im Strafpunkt: Das Gericht vergewissert sich, ob die Anklageschrift 

- 33 - 

diesbezüglich mit den Tatsachen, wie sie sich aus den Akten und der Beweis-
aufnahme in der Hauptverhandlung ergeben, übereinstimmt und den gesetzli-
chen Voraussetzungen für die Massnahme entsprechen; anschliessend kontrol-
liert es die Angemessenheit der Rechtsfolge. 

6.1 Vermögenswerte, welche bestimmt waren, eine Straftat zu belohnen, müssen 
gerichtlich eingezogen werden (Art. 70 Abs. 1 StGB, Art. 59 Ziff. 1 al. 1 aStGB). 
Darunter fällt die Gegenleistung für eine deliktische Handlung (SCHMID, Einzie-
hung, Organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei, Band I, 2. Aufl., Zürich etc. 
2007, § 2 NN. 30, 37, 42; ähnlich STRATENWERTH, Strafrecht AT II, a.a.O., § 13 
N. 101). Sind Vermögenswerte, welche der Einziehung unterliegen, nicht mehr 
vorhanden, so ist auf eine Ersatzforderung des Staates zu erkennen; diese ist 
grundsätzlich in gleicher Höhe festzulegen, kann aber reduziert werden oder ent-
fallen, wenn sie voraussichtlich uneinbringlich ist oder die Wiedereingliederung 
des Betroffenen ernstlich behinderte (Art. 71 Abs. 1 und 2 StGB, Art. 59 Ziff. 2 
al. 1 und 2 aStGB). 

6.1.1 Das im Vorverfahren erstattete Amtsgutachten (pag. 10.4.329 ff., zusammenfas-
send pag. 10.4.331–337) hat in quantitativer Hinsicht festgestellt, dass auf die 
Konten der Beschuldigten und der ihnen gehörenden Gesellschaften im Zeitraum 
von 1996 bis Oktober 2002 insgesamt 22,5 Mio. Franken eingegangen seien, 
welche ihren Grund in den von Tahir erteilten Aufträgen hätten. Ausserdem wer-
den spätere Eingänge, darunter solche der von den amerikanischen Stellen ein-
gesetzten B. im Betrag von 0,8 Mio. Franken (Aussage Marco Tinner, 
pag. 1.2.61) aufgelistet; von 2 Bareinzahlungen über 1,5 Mio Franken konnte das 
Gutachten die Quelle nicht mit Sicherheit identifizieren (pag. 10.4.334/5), wobei 
jedoch der zeitliche Zusammenhang dafür spricht, dass es sich im Wesentlichen 
um die von den amerikanischen Agenten in bar überbrachten USD 1 Mio. ge-
handelt hat (Aussagen Marco Tinner, pag. 1.2.61, und Friedrich Tinner, 
pag. 13.3.47; vgl. auch Schlussbericht, pag. 24.144 ff. und "Testament" Marco 
Tinner, pag. 5.11.1542). Was die Mittelverwendung angeht, so listet das Gutach-
ten Barabhebungen, Checks und Bezüge der "Familie Tinner" (diese von 1,26 
Mio. Franken) auf, sodann Zahlungen an Lieferanten im Wert von knapp 9,3 Mio. 
Franken und Investitionen von 4,9 Mio. Franken – nach Abzug der Überweisun-
gen amerikanischen Ursprungs (Überweisung an die Anwaltskanzlei C. [Gegen-
wert von Fr. 1'216'274] und eine weitere in Malaysia, Transfer auf das Konto der 
D. Inc. bei der Bank E., U. sowie auf ein Konto der F. [im Gegenwert von total 
knapp 0,7 Mio. Franken], pag. 10.4.334) von rund 3 Mio. Franken (s.a. Schluss-
bericht, pag. 24.148). 

Die Beschuldigten gaben in der Hauptverhandlung kaum Informationen über Ur-
sprung und Verwendungszweck dieser Geldflüsse (EV HV pag. 146.930.11–16). 

- 34 - 

Gemäss Marco Tinner, der nach Erklärung seines Vaters die Übersicht über die 
Einnahmen hatte, gab es darüber eine Buchhaltung, die jedoch unter die spätere 
amtliche Aktenvernichtung fiel. In Bezug auf die Verwendung beschränkte er sich 
auf die pauschalen Erklärungen, mit den Mitteln seien Lieferanten, Fracht-, Rei-
se- und andere Unkosten usw. bezahlt worden; es habe ein "gewisser Profit" er-
zielt werden können. Viele Investitionen seien verloren gegangen, und es seien 
Mittel durch Drittpersonen veruntreut worden. Friedrich Tinner bestritt, dass mit 
den Geldzuflüssen Investitionen der Familie getätigt worden seien; diese habe 
nur von kleinen Löhnen gelebt.  

Die Zahlungen der Amerikaner für die Kooperation der Beschuldigten mit ihnen 
bezifferte Marco Tinner auf USD 1 Mio., zusätzlich Spesen und Lieferkosten für 
die von den Tinners übernommenen Ventile bezahlten, welche diese auf ein 
Bankkonto einbezahlt hätten.  

6.1.2 Die Vergütungen aus amerikanischen Quellen wurden nach Angabe von Marco 
und Friedrich Tinner (EV HV pag. 146.930.12, pag. 146.930.15) von der Firma 
G. geleistet. Aus dieser Quelle stammende Mittel sind durch die Bundesanwalt-
schaft bei der Bank E., U. beschlagnahmt worden (EV HV pag. 146.930.13), und 
zwar auf Konten der D. Inc., an welcher Marco Tinner wirtschaftlich berechtigt ist 
(pag. 146.522.10 ff./15 ff.). Im Vorverfahren bezifferte Marco Tinner die amerika-
nischen Leistungen auf initiale USD 1 Mio. in bar und spätere USD 0,25 Mio. 
USD (pag. 1.2.61).  

Für diese Leistungen sind die Voraussetzungen der Einziehung, nämlich Gegen-
leistung für eine strafbare Handlung gemäss Art. 301 StGB, gegeben, auch wenn 
diese nicht verfolgt werden kann (vgl. BGE 129 IV 305 E. 4.2.6 zur Einziehung 
trotz fehlendem Strafantrag); die Stoffgleichheit ist namentlich deshalb zu beja-
hen, weil die beschlagnahmten Mittel im Gegenwert von knapp Fr. 170'000.– 
(pag. 146.510.18) die zugeflossenen Mittel bei Weitem nicht erreichen. Der vor-
geschlagenen Einziehung ist daher zuzustimmen. 

6.1.3 Auch die von Tahir veranlassten Zahlungen unterliegen der Einziehung; denn sie 
bildeten das Entgelt für die strafbaren Proliferationshandlungen. Indessen ver-
mögen weder die Akten noch die Aussagen der Beschuldigten vor Gericht Klar-
heit über ihren Verbleib zu schaffen.  

a) Der Urteilsvorschlag beinhaltet die Einziehung zweier Vermögenswerte von 
Urs Tinner: eines Kontos bei der Bank H. mit einem Saldo von Fr. 7'185.55 zu-
züglich aufgelaufener Zinsen und des Erlöses aus dem Verkauf seines Autos in 
Höhe von Fr. 7'000.–. 

- 35 - 

Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung unterliegen der Einziehung nicht nur 
die aus der Straftat direkt hervorgegangenen Vermögenswerte, sondern auch 
deren Surrogate, also Werte, welche nachweislich an deren Stelle getreten sind 
(BGE 126 I 97 E. 3c/cc). Über die Herkunft der Mittel auf dem Bankkonto und 
derjenigen zum Kauf des Fahrzeugs liegen keine Beweismittel vor. Aus den Ak-
ten ergibt sich jedoch, dass das Konto Ende Mai 2004 eröffnet wurde und Urs 
Tinner am 1. Juni 2004 eine Einlage von Fr. 15'000.– leistete (pag. 7.2.11/14). 
Wann er das Fahrzeug erwarb, lässt sich den Akten nicht entnehmen; immerhin 
hatte es im Jahre 2007 eine Fahrleistung von nahezu 100'000 km 
(pag. 8.10.3/5). Dies alles sind Anhaltspunkte dafür, dass Urs Tinner in diesem 
Zusammenhang Geld verwendete, welches Verdienst für Arbeiten bildete, wel-
che er für die verbotene Waffenproliferation geleistet hatte. Wenn der Beschul-
digte und die Bundesanwaltschaft sich auf Einziehung einigten, so ergeben sich 
jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass die tatsächlichen Voraussetzungen 
dafür fehlen. Auch diesem Vorschlag ist also gerichtlich zuzustimmen. 

b) Hinsichtlich aller übrigen Zahlungen von Seiten des Tahir mangelt es komplett 
an Beweisen über ihren Verbleib respektive den Surrogaten. Folglich sind die 
Voraussetzungen für eine Ersatzforderung grundsätzlich gegeben. Die maximale 
Höhe beträgt die im Amtsgutachten ermittelte Summe von 22,5 Mio. Franken für 
den Zeitraum 1996 bis Oktober 2002. Die Verjährungsfrist beträgt fünfzehn Jahre 
(Art. 70 Abs. 3 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB) und betrifft daher nur einen klei-
nen Teil des Mittelzuflusses. In rechtlicher Hinsicht stellt sich die Frage, ob der 
Einziehung der Brutto- oder der Nettoerlös aus der strafbaren Handlung unter-
liegt; das Bundesgericht erachtet etwa die Abschöpfung des Nettoerlöses aus 
dem Verkauf von Kriegsmaterial als ausreichend (Urteil des Bundesgerichts 
6B_697/2009 vom 30. März 2010 E. 2.3).  

Das Quantitativum der Ersatzforderungen braucht jedoch nicht entschieden zu 
werden, wenn dem impliziten Antrag der Anklageschrift entsprochen wird, näm-
lich auf solche gänzlich zu verzichten. Dafür trägt die Bundesanwaltschaft vor, im 
Nachgang zu "Einziehung und … Bezahlung von Verfahrenskosten" würde es 
den Beschuldigten schwer fallen dürfen, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren 
(Anklageschrift S. 36, pag. 146.100.163). Solche Verzichtsgründe sind nicht er-
stellt: Die Ergebnisse der Untersuchung erlauben nicht zu prüfen, ob die Be-
schuldigten ausser den der direkten Einziehung und den für die Kostentragung 
nötigen Mittel nicht noch über verborgene Vermögenswerte verfügen. Nament-
lich ist über das Schicksal der Überweisung im Gegenwert von gut 
1,4 Mio Franken (ursprünglich gerichtet an die Bank I. [pag. 18.17.7] und in der 
Folge auf ein Anwaltskonto bei einer amerikanischen Bank im Gliedstaat Massa-
chusetts geleitet [Schlussbericht, pag. 24.159]) nichts bekannt. Die Bundesan-
waltschaft macht weiter geltend, eine Ersatzforderung sei in Ansehung der wirt-

- 36 - 

schaftlichen Verhältnisse der Beschuldigten uneinbringlich. In diesem Zusam-
menhang kann nicht daran vorbei gesehen werden, dass mit der Vernichtung 
von Beweismaterial in grossem Umfang es schwer halten dürfte, die Belege zu 
produzieren, um den weiteren Verbleib von Mitteln der Beschuldigten aufzuklä-
ren und entsprechende Vollstreckungsbehelfe zu benutzen. Namentlich die 
Rechtsverfolgung in den USA dürfte daran scheitern, dass sich deren Behörden 
nicht bereit erwiesen haben, zur Aufklärung der Fakten in diesem Fall beizutra-
gen. 

Es ist folglich auch der Verzicht auf Ersatz