# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0749369c-7604-51d5-b562-9baa0a0370bf
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-04-29
**Language:** de
**Title:** Frage des Rentenbeginns; Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG aufgrund durchgehender Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bei Neuanmeldung bereits erfüllt; Art. 88bis Abs. 1 IVV setzt das Vorliegen einer rentenbegründenden Invalidität voraus; sechsmonatige Wartezeit für Rentenausrichtung ab Neuanmeldung. (BGE 9C_421/2016)
**Docket/Reference:** IV.2015.00193
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00193.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00193
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Käser
Urteil
vom
29. April 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Philip
Stolkin
Freiestrasse
76, Postfach 1223, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1952, meldete sich am 16. September 2005 unter Hin
weis
auf seit Dezember 2004 bestehende Nacken-, Kopf- und Armschmerzen (teil
weis
e Einschlafen des rechten Armes)
bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons
Zürich, IV
Stelle, zum Bezug ei
ner Rente der Invalidenversicherung an (Urk. 8/1)
.
Ein
entsprechender
Anspruch wurde von der IV-Stelle zunächst ab
gelehnt (
Ver
fügung vom
7.
März 2006 und
Einspracheentscheid
vom 2.
November
2006,
Urk.
8/11 und
Urk.
8
/31). Nach an
gehobener Be
schwerde und Rückweisung der Sache an die Verwaltung (Urteil des
Sozialver
sicherungs
gerichts
des Kantons Zürich IV.2006.01101 vom
30. April 2008, Urk.
8
/43) sowie erneuten medizini
schen Abklärungen
(Urk.
8
/47-48)
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Ver
fügung
vom 14. Januar
2009 (Urk.
8
/57) eine
hal
be Rente ab 1. Dezember 2005 zu
.
1.2
Anlässlich der im Jahr 2011 eingeleiteten amtlichen Rentenrevision machte die Versicherte am 25. Oktober 2011 eine Verschlechterung des Gesundheitszustan
des (mehr Schmerzen in Händen und Rücken) geltend (Urk.
8
/59 Ziff. 1.1-1.2) und gab zudem an, als
Un
selbständigerwerbende
für
Y.___
in
Z.___
so
wie für die
A.___
Kirche tätig zu sein (Ziff. 2.3). In der Folge holte
die IV-Stelle
einen Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk. 8
/60
)
, zwei
Arbeit
geber
berichte
(Urk.
8
/61, Urk.
8
/64)
sowie
einen neuen medizinischen Bericht vom be
han
delnden Hausarzt, Dr. med.
B.___
,
Innere Medizin FMH,
ein
(Urk.
8
/
62)
.
M
it Verfügung vom 3. Mai 20
12 (Urk.
8/71
)
hob die IV-Stelle
die halbe Rente rückwirkend per Januar 2008 auf und stellte
die Rückforderung der seit Januar 2008 zu Unrecht bezogenen Leistungen in
Aus
sicht.
Am 8. Mai 2012 (Urk.
8
/
7
2) verfügte sie schliesslich die Rückzahlung der im Zeit
raum von 1. Januar 2008 bis 31. Mai 2012 bezogenen IV-Leistungen
von
total Fr.
53‘594.
--.
Am 31. Mai 2012 (Urk.
8
/73 S. 1) ersuchte die
Versicherte
die IV
Stelle um Erlass der Rück
erstattung sowie um Sistierung des
Erlassver
fahrens
bis zur rechtskräftigen Erledigung des Beschwerdeverfahrens gegen die
rentenaufhebende
Ver
fügung vom
3.
Mai 2012.
1.3
Gegen die Verfügung vom 3. Mai
2012
(Urk. 8/71)
betreffend rückwirkende
Ren
ten
auf
he
bung
sowie gegen die
Rück
forderungs
verfügung
vom 8. Mai 2012
(Urk. 8/72)
erhob die Versicherte am 31. Mai 2012 Be
schwerde (
Urk.
8/78
/3-12
) und beantragte, es sei ihr weiterhin eine halbe Rente auszurichten. Ferner sei von einer Rückforderung abzusehen. In prozessualer Sicht ersuchte sie um Ver
eini
gung der beiden Verfahren.
Mit Beschwerdeantwort vom 14. August 2012 (Urk.
8/80
) beantragte die IV-Stelle ebenfalls die Vereinigung der beiden Verfahren und schloss im Weiteren auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfü
gung vom 24. August
2012 (Urk. 8
/
81
) wurde der Prozess Nr. IV.2012.00592
(Beschwerde betreffend Rück
forderung der Ver
sicherungs
leistungen) mit dem Prozess Nr. IV.2012.00586
(Beschwerde betreffend rück
wir
kende Auf
hebung der halben Rente) vereinigt und unter letzterer
Prozess
num
mer
weiter
geführt. Der Prozess Nr. IV.
2012.00592 wurde als dadurch er
le
dig
t ab
ge
s
chrieben
.
Mit Stellungnahme vom 10. September 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (Urk.
8/84/17-20
). Am 25. Juni 2013 (
Urk. 8/84/21-22
) legte die
Versicherte
weitere medizinische Berichte
auf (
Urk. 8/84/23-33
).
Mit Urteil vom 2
7.
Juni 2013 (
Urk.
8/84/1-16) wurden die Beschwerden teil
weise gutgeheissen
und
die Verfügungen der
IV-Stelle
vom
3.
Mai 2012 respek
tive 8. Mai 2012 insoweit a
bgeändert
, als
festgestellt
wurde
, dass die
Versicherte
vom 1. Januar bis 31. Dezember 2008 Anspruch auf Ausrichtung einer
Vier
tels
rente
hat und f
ür
die
sen Zeitraum
in der Höhe des
Renten
be
treffnisses
der
Viertelsrente
kein
Rück
forderungsanspruch
besteht
.
Im
Ü
brigen
wurden
die Beschwer
den abgewiesen
(Dispositiv
-Z
iffer 1)
.
1.
4
Noch vor Zustellung dieses Urteils gelangte
die Versicherte
mit Schreiben vom
2.
Juli 2013 (
Urk.
8/83) an die IV-Stelle mit den Anträgen
, es sei die ursprüng
lich fehlerhafte Verfügung der Invalidenversicherung vom
3.
Mai 2012 aufzu
heben und ihr
„
ein Invaliditätsgrad von 100 % zuzusprechen
“
sowie von einer
Rückforderung abzusehen. Eventualiter sei das entsprechende Schreiben als Neu
anmeldung im Sinne von Art. 17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
und Art. 87
der Verordnung über die In
va
lidenversicherung (IVV)
entgegenzunehmen.
1.5
Am
3.
September 2013 (
Urk.
8/85/2-16) erhob die Versicherte gegen den Ent
scheid des hiesigen Gerichts vom 2
7.
Juni 2013 Beschwerde
ans Bundesgericht
unter anderem mit dem Antrag
, es sei Ziffer 1 des
Urteils v
om 2
7.
Juni 2013 dahingehend auf
zuheben, dass die IV-Stelle anzuweisen
sei
, von einer Rückfor
derung zur Gänze abzusehen. Soweit eine Rückfo
r
derung vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2008
untersagt
werde
,
sei das Urteil zu bestätigen.
Eventualiter
sei Ziffer 1 des Urteils aufzuheben und die Angelegenheit an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung zurückzusenden.
Mit Urteil vom 2
4.
März 2014 (
Urk.
8/88) wies das Bundesgericht die Be
schwer
de ab
.
1.
6
Mit Verfügung vom
9.
Mai 2014 (
Urk.
8/97) forderte d
ie IV-Stelle
die
zu U
nrecht bezogenen Leistungen von der Versicherten zurück. Aufgrund des Schrei
bens der Versicherten vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
8/
98
) überprüfte
sie
die bereits
eingereichten ärztli
chen Berichte (vgl.
Urk.
8/100) und
tätigte
einen
Ein
kom
mensvergleich
(
Urk.
8/104)
.
N
ach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
8/107 ff.) sprach
sie
der Versicherten mit
Verfügung
vom
9.
Januar 2015 eine
ganze Invalidenrente
(Invaliditätsgrad 72 %)
ab
1.
Januar 2014
zu (
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte
am 1
2.
Februar 2015 (Urk. 1) Beschwerde mit den Anträgen,
es sei die Verfügung vom
9.
Januar 2015 aufzuheben, de
r
Invali
ditätsgrad
auf der Basis
von
100 % zu bestätigen und de
r
Rentenbeginn auf den
1.
März 2013 zurück zu beziehen, eventualiter sei die Verfügung vom
9.
Januar 20
1
5 aufzuheben, de
r
Invaliditätsgrad auf der Basis von 100 % zu bestätigen und die Angelegenheit zur Festlegung des Rentenbeginns an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Zudem beantragte sie einen zweiten Schriftenwechsel, die Ge
währung von Akteneinsicht sowie eine entsprechende Nachfrist zur Begründung (S. 2).
D
ie IV-Stelle
schloss
am
28
. Mai 2015 auf Abweisung der Be
schwerde
(Urk.
7
).
D
ie Beschwerdeführerin
hielt
mit
Replik vom
2.
September 2015 an
den ge
stellten Anträgen
vollumfänglich fest (
Urk.
14 S. 2). Mit Duplik vom 1
1.
Septem
ber 2015
beantragte die
Beschwerdegegnerin
die
Androhung einer
reformatio
in
peius
beziehungsweise
Abweisung der Beschwerde
(Urk.
17). Mit Schreiben vom
2
9.
September 2015 (
Urk.
20) ersuchte die Beschwerdeführerin um
Fristanset
zung
zur Stellungnahme.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin führte zur Begründung ihrer Anträge aus, die Fest
setzung des Rentenbeginns sei anhand der Revisionsregeln gemäss
Art.
17 ATSG
und
Art.
88
bis
IVV festzulegen und die Wartezeit nicht von Neuem zu bestehen. Es handle sich vorliegend nicht um eine
Neuzusprache
einer Rente, sondern um eine Rentenerhöhung (
Urk.
1 S. 6 ff.). Sodann machte sie geltend, die
Sechsmo
natsfrist
(gemäss
Art.
29 IVG) sei nicht zu bestehen (
Urk.
14 S. 4).
1.2
Die Beschwerdegegnerin hielt dagegen,
Art.
88
bis
Abs.
1 IVV setze voraus, dass bei Eintritt der Änderung eine rentenbegründende Invalidität vorgelegen habe. Auch die Sechsmonatsfrist sei zu bestehen, handle es sich doch - bei Invalidität aus anderen als den bisherigen Gründen - um ein neues versichertes Ereignis (
Urk.
7 S. 2).
Duplicando
beantragte die Beschwerdegegnerin eine
reformatio
in
peius
mit der Begründung, seit dem Zeitpunkt der Rentenaufhebung seien mehr als vier Jahre vergangen, weshalb ein Wiederaufleben der Invalidität gemäss
Art.
29
bis
IVV nicht in Betracht falle. Die Wartezeit sei erneut zu bestehen, wes
halb sich der Anspruchsbeginn auf
1.
März (statt
1.
Januar) 2014 verschiebe (
Urk.
17 S. 2).
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Unbestritten und aufgrund der medizinischen Akten ausgewiesen ist, dass die
Beschwerdeführerin in
ihrer angestammten Tätigkeit
seit 21. März 2005 zu 50 % (vgl.
Urk.
8/
8
/
5 und
Urk.
8/48/11
) und seit 1
8.
März 2013 (
Hospitalisation
wegen Lungenerkrankung
, vgl. auch
Urk.
8/82
) zu
100
% arbeitsunfähig ist (
Urk.
8/101 und
Urk.
8/111).
Davon ist auszugehen.
3.
Zur Anwendbarkeit der Revisionsbestimmungen (mit der Folge, dass weder das Wartejahr noch die Sechsmonatsfrist zu bestehen wäre) ist der Wortlaut von
Art.
88
bis
Abs.
1
IVV zu rekapitulieren: Die Erhöhung der Renten, der
Hilflo
sen
entschädigungen
und der Assistenzbeiträge erfolgt frühestens (a.) sofern der Ver
sicherte die Revision verlangt, von dem Monat an, in dem das
Revisionsge
such
gestellt wurde; (b.) bei einer Revision von Amtes wegen von dem für diesen vorgesehenen Monat an; (c.) falls festgestellt wird, dass der Beschluss der
IV-Stelle zum Nachteil des Versicherten zweifellos unrichtig war, von dem Monat an, in dem der Mangel entdeckt wurde.
Hieraus erhellt, dass bei Eintritt der anspruchsbeeinflussenden Änderung im Sinne
von
Art.
88
bis
IVV das Vorliegen einer
rentenbegründende
n
Invalidität
vor
ausgesetzt
wird
, mithin
dass
ein Rentenanspruch
bereits
entstanden
ist
.
Vor
liegend handelt es sich jedoch um eine Neuanmeldung
nach befristeter
Renten
zusprache
.
Infolge Fehlens einer revidierbaren Rente im Zeitpunkt der massgeb
lichen Verschlechterung des Ge
sundheitszustand
s kann
Art.
88a
Abs.
2 Satz 1 IVV
in Verbindung mit
Art.
88
bis
Abs.
1
IVV
somit keine Anwendung finden.
4
.
4
.1
Gemäss
Art.
2
8. Abs.
1
lit
. b IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind.
Die Wartezeit im Sinne
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Als erheb
lich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeits
unfähigkeit im Sinne dieser Be
stimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen
Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012
vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
4.2
Die
Beschwerdeführerin stellte ihr Gesuch (Neuanmeldung)
am
2.
Juli 2013 (vgl.
Urk.
8/83).
Für die Bestimmung des Warteja
hres
ist
für die Zeit
vom
2.
Juli 2012
bis 1
7.
März 2013
von einer
Arbeitsunfähigkeit von
5
0 %
auszugehen (E. 2.2
hievor
)
.
Vom
1
8.
März 2013
bis
1.
Juli 2013
bestand
eine
solche
von
10
0 %. Dies entspricht einer Arbeitsunfähigkeit von
achteinhalb
Monaten à
5
0 % (=
425
%) und von
dreieinhalb
Monaten à 100 % (=
35
0 %
). Das Wartejahr war daher
– wie
in der angefochtenen Verfügung
richtig
ausgeführt
(vgl.
Urk.
2 S. 5) –
am
2.
Juli 2013
erfüllt (
425 % + 350 % =
775
%
: 12 =
64.6
%).
Bis zur
Ren
tenausrichtung
(vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG und E. 5.2 hinten) am 1. Januar 2014 war der (für eine ganze Rente) nötige Durchschnitt von 70 % längstens erreicht.
4.3
Von einem
Wiederaufleben der Invalidität gemä
ss Art.
29
bis
I
VV kann nicht aus
gegangen werden.
Nach dieser Bestimmung werden bei der Berechnung der Wartezeit früher zu
rück
gelegte Zeiten angerechnet, wenn die Rente nach Verminderung des
Invali
di
t
ätsgrades
aufgehoben wurde, jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein
rentenbe
gründendes
Ausmass erreicht.
Selbst wenn nun zugunsten der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 5) von einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen würde
– was bei neu diagnostizierter Lungenkrankheit offensichtlich nicht zutrifft –
,
sind zwischen dem Zeitpunkt der Aufhebung der Rente Ende 2008 und dem Ein
tritt der zu einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad führenden Ver
schlech
terung des Gesundheitszustandes
im März 2013
mehr als vier Jahre ver
gangen.
E
in Wiederaufleben der Invalidität im Sinne von
Art.
29 I
VV fällt da
mit ausser Betracht
.
4.4
Für eine
reformatio
in
peius
im Sinne einer Ausrichtung der Rente erst ab März 2014 besteht kein Raum: Die Beschwerdegegnerin übersieht mit ihrem entspre
chenden Antrag, dass die Wartezeit nicht erst mit der Diagnose des Lungenlei
dens im März 2013 zu laufen begonnen hat, sondern die Beschwerdeführerin seit Jahren im Ausmass von mindestens 20
%
arbeitsunfähig war. Die
Renten
aufhebung
erfolgte denn auch ausgehend von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
mit ang
e
nommener besserer wirtschaftlichen Verwertbarkeit der
Restarbeitsfä
hig
keit
(
Urk.
8/84/1-16 S.
6 E.
3). Von der Wiedererlangung der vollen Arbeits
fähig
keit oder einem Sinken der Arbeitsunfähigkeit unter die relevanten 20
%
kann keine Rede sein. Damit lief die Wartezeit unvermindert weiter.
5
.
5
.1
Die Beschwerdeführerin stellte sich
sodann
auf den Standpunkt, der massgebli
che Zeitpunkt für die Revision oder de
n
Eintritt der rentenerhöhenden Tatsache sei im März 2013 zu sehen, da es sich um ein rentenerhöhendes Begehren im Sinne von
Art.
88
bis
IVV beziehungsweise
Art.
17 ATSG handle
.
Die
sechs
mo
na
tige
Wartezeit
sei
bei einem Revisionsbegehren wie vorlieg
end nicht noch
mals anzurechnen.
Mithin
sei
also ab März 20
13 eine Rente zuzusprechen.
Die An
rechnung der Wartezeit
sei
eine Bun
desrechtsverletzung und verletze
Art.
17
ATSG (
Urk.
1 S. 7 f.
; vgl. auch
Urk.
14 S. 2 ff.
).
5
.2
Sind die Voraussetzungen für ein Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhe
bung der Rente gemäss
Art.
29
bis
I
VV
nicht erfüllt
und
b
eruht
die
Invalidität auf anderen Gründen als denjenigen, welche zu einer früheren (zwischenzeitlich aufgehobenen) befristeten Rente führten, so handelt es sich
um ein neues versi
chertes Ereig
nis. In diesem Fall wird die neue Rente frühestens nach sechs
Monaten seit Neuanmeldung bei der Invalidenversicherung ausgerichtet (vgl.
Art.
29
Abs.
1 IVG).
5.3
Der befristete Rentenanspruch der Beschwerdeführerin dauerte bis Ende 2008 (vgl. Sachverhalt E.
1.
3
hievor
). Am
2.
Juli
2013 erfolgte erneut eine Anmel
dung zum Bezug einer
Invalidenr
ente
wegen einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes
,
hauptsächlich verursacht durch ein
Lungenleiden (vgl
.
Urk.
8/
82).
Somit ist der frühestmögliche Rentenbeginn
– wie die
Beschwerde
gegnerin
zu Recht ausführte –
am
1.
Januar 201
4.
6
.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
Januar 2014
Anspruch auf eine
ganze
Rente hat.
D
ie Beschwerde
ist somit
abzuweisen
.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gan
g des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Philip
Stolkin
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubKäser