# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0dc91aea-2233-5599-87fe-9fd4aa15b86f
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-08-06
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 06.08.2021 RR.2021.154
**Docket/Reference:** RR.2021.154
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2021-154_2021-08-06

## Full Text

Auslieferung an Deutschland. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).
;;Auslieferung an Deutschland. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).
;;Auslieferung an Deutschland. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).
;;Auslieferung an Deutschland. Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG).

Entscheid vom 6. August 2021 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 
Roy Garré, Vorsitz, 
Giorgio Bomio-Giovanascini und Cornelia Cova, 
Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Haykaz Zoryan,  

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-
rung,  

Beschwerdegegner 
 
 

Gegenstand  Auslieferung an Deutschland 
 
Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2021.154 
Nebenverfahren: RP.2021.51 
 
 
 

- 2 - 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 
 

- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») mit Auslieferungsentscheid 
vom 28. Juni 2021 die Auslieferung des deutschen Staatsangehörigen A. an 
Deutschland für die den Auslieferungsersuchen des Justizministeriums 
Rheinland-Pfalz vom 28. Januar 2021 sowie des Justizministeriums Hessen 
vom 1. März 2021 zugrunde liegenden Straftaten bewilligte;  

 
- dagegen A. durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 29. Juli 2021 Be-

schwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts erheben 
lässt (act. 1); er in einem ersten Punkt beantragt, Ziff. 1 des Auslieferungs-
entscheids sei aufzuheben und von seiner Auslieferung sei abzusehen; er 
zweitens den Antrag stellt, es sei ein medizinisches Gutachten zur Frage 
seiner Auslieferungs- und Transportfähigkeit einzuholen; eventualiter die Sa-
che zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen sei (act 1 S. 2); 

 
- mit Schreiben vom 3. August 2021 die Verfahrensakten beim BJ angefordert 

wurden (act. 3), welche mit Schreiben vom 4. August 2021 eingereicht wur-
den (act. 4). 

 
 
 Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 
 
- für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland primär 

das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 
(EAUe; SR 0.353.1), die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 17. März 
1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und vom 10. November 2010 (ZPIII EAUe; 
SR 0.353.13) sowie der Vertrag vom 13. November 1969 zwischen der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland 
über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner Anwendung (ZV 
EAUe; SR 0.353.913.61) massgebend sind;  

 
- überdies das Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des 

Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchfüh-
rungsübereinkommen [SDÜ]; CELEX-Nr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom 
22. September 2000, S. 19–62; Text nicht publiziert in der SR, jedoch abruf-
bar auf der Website der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter «Rechts-
sammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 8.1 Anhang A; 
https://www.fedlex.admin.ch/de/sector-specificagreements/EU-acts-regis-
ter/8/8.1) i.V.m. dem Beschluss des Rates 2007/533/JI vom 12. Juni 2007 
über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informa-
tionssystems der zweiten Generation (SIS II), namentlich Art. 26–31 

- 3 - 

 

 

(CELEX-Nr. 32007D0533; Abl. L 205 vom 7. August 2007, S. 63–84; abruf-
bar unter «Rechtssammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 8.4 
Weiterentwicklungen des Schengen-Besitzstands), sowie diejenigen Be-
stimmungen des Übereinkommens vom 27. September 1996 über die Aus-
lieferung zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-Auslie-
ferungsübereinkommen; CELEX-Nr. 41996A1023(02); Abl. C 313 vom 
23. Oktober 1996, S. 12–23) anwendbar sind, welche gemäss dem Be-
schluss des Rates 2003/169/JI vom 27. Februar 2003 (CELEX-Nr. 
32003D0169; Abl. L 67 vom 12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter «Rechts-
sammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 8.2 Anhang B) eine 
Weiterentwicklung des Schengen-Besitzstands darstellen; 

 
- die zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmun-

gen aufgrund bilateraler oder multilateraler Abkommen unberührt bleiben 
(Art. 59 Abs. 2 SDÜ; Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungsübereinkommen); 

 
- für das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des ersuchten 

Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), namentlich das Bundesgesetz vom 
20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfege-
setz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 
1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) Anwendung findet, soweit 
die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen nicht abschliessend 
regeln; 

 
- das innerstaatliche Recht nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur An-

wendung gelangt, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe 
stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 
E. 3.1); die Wahrung der Menschenrechte vorbehalten bleibt (BGE 135 IV 
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; 2008 24 E. 1.1); 
 

- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten zu-
dem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; 
SR 172.021; vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des 
Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der Strafbehör-
den des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]) 
anwendbar sind, wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (sieh Art. 12 
Abs. 1 IRSG); 

 
-  gegen Auslieferungsentscheide des BJ innert 30 Tagen seit der Eröffnung 

des Entscheides bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Be-

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schwerde geführt werden kann (Art. 55 Abs. 3 IRSG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 
IRSG, Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. StBOG);  
 

- der Beschwerdeführer als Verfolgter (vgl. Art. 11 Abs. 1 IRSG) zur Einrei-
chung der vorliegenden Beschwerde legitimiert ist; auf die form- und fristge-
recht eingereichte Beschwerde einzutreten ist; 

 
- die Beschwerdekammer nicht an die Begehren der Parteien gebunden ist 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG); sie die Auslieferungsvoraussetzungen grundsätzlich 
mit freier Kognition prüft; die Beschwerdekammer sich jedoch nur mit Tat- 
und Rechtsfragen befasst, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 
(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5); 

 
- der Beschwerdeführer sich in der Beschwerde auf den Standpunkt stellt, die 

Frage der Transportfähigkeit sei eine Voraussetzung, um überhaupt über die 
Auslieferung zu befinden; es gehe nicht an, zunächst die Auslieferung zu 
bewilligen, welche anschliessend faktisch nicht durchführbar sei (act. 1 S. 3 
ff.); er vorbringt, er habe im Rahmen des rechtlichen Gehörs sowie des An-
spruchs aus Art. 6 EMRK das Recht auf gerichtliche Überprüfung allfälliger 
Ergebnisse des Gutachtens, weshalb diese Erkenntnisse Eingang in den 
Auslieferungsentscheid finden und gegebenenfalls im Rechtsmittelverfahren 
überprüft werden müssten (act. 1 S.5); 

 
- das BJ gemäss Art. 47 Abs. 2 IRSG anstelle der Haft andere Massnahmen 

zur Sicherung des Verfolgten anordnen kann, wenn die auszuliefernde Per-
son nicht hafterstehungsfähig ist; 

 
- die fehlende Hafterstehungsfähigkeit einer Auslieferung allerdings nicht ent-

gegensteht; 
 
- weder die vorliegend anwendbaren Staatsverträge noch das IRSG die Mög-

lichkeit vorsehen, eine Auslieferung aus gesundheitlichen Gründen zu ver-
weigern (s. zuletzt Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2021.78 vom 
1. Juni 2021; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts 1C_366/2021 vom 
29. Juni 2021); 

 
- im Gegensatz zu gewissen anderen Staaten (z.B. Russland, s. dazu 

TPF 2020 143 E. 5.2.1; vgl. ZIMMERMANN, La coopération judiciaire interna-
tionale en matière pénale, 5. Aufl. 2019, Rz. 699 S. 773 f.), weder die 
Schweiz noch Deutschland einen entsprechenden Vorbehalt zum EAÜ ge-
macht haben; 

 

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- nach ständiger Rechtsprechung daher ein Auslieferungsersuchen nicht we-
gen des schlechten Gesundheitszustands des Verfolgten abgelehnt werden 
kann; es Sache des ersuchenden Staates ist, dafür zu sorgen, dass der Aus-
zuliefernde eine angemessene medizinische Behandlung bekommt und sei-
nem Gesundheitszustand entsprechend untergebracht oder allenfalls, man-
gels Hafterstehungsfähigkeit, aus der Haft entlassen wird (vgl. nicht veröf-
fentlichte E. 8 von BGE 129 II 56; Urteile des Bundesgerichts 1C_366/2021 
vom 29. Juni 2021 E. 2.2; 1A.47/2005 vom 12. April 2005 E. 3.1; 
1A.116/2003 vom 26. Juni 2003 E. 2.1 mit Hinweisen); 

 
- der Vollzug der Auslieferung aus faktischen Gründen aufzuschieben wäre, 

wenn sich die auszuliefernde Person aufgrund ihres Zustandes exakt in die-
sem Zeitpunkt als nicht transportfähig erweisen sollte (vgl. HEIMGARTNER, 
Basler Kommentar, 2015, Art. 56 IRSG N. 9);  

 
- die Vorbringen des Beschwerdeführers nicht geeignet sind, die staatsver-

traglich vereinbarte Auslieferungsverpflichtung sowie die ständige Recht-
sprechung in Frage zu stellen; 

 
- der Beschwerdeführer nicht geltend macht und auch nicht ersichtlich ist, 

dass Deutschland eine angemessene medizinische Behandlung nicht garan-
tieren könnte; ausserordentliche Umstände, aufgrund welcher der Gesund-
heitszustand einer Auslieferung ausnahmsweise entgegenstehen würde 
(insbesondere ein Verstoss gegen Art. 3 EMRK), hier demnach offensichtlich 
nicht gegeben sind; 

 
- andere Auslieferungshindernisse weder geltend gemacht wurden noch sol-

che ersichtlich sind; 
 
- die Auslieferung des Beschwerdeführers an Deutschland daher zulässig ist 

und die Beschwerde sich als offensichtlich unbegründet erweist, weshalb sie 
ohne Durchführung eines Schriftenwechsels abzuweisen ist (vgl. Art. 57 
Abs. 1 VwVG e contrario); 

 
- der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsvertretung stellte (RP.2021.51, act. 1); 
 
- die Beschwerdekammer eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel 

verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern 
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und dieser 
einen Anwalt bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 
(Art. 65 Abs. 2 VwVG); 

 

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- gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren als aus-
sichtslos anzusehen sind, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer 
erscheinen als die Verlustgefahren; dagegen ein Begehren nicht als aus-
sichtslos gilt, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die 
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese (BGE 142 III 138 
E. 5.1 S. 139 f.; 139 III 475 E. 2.2 S. 476); 

 
- die vorliegende Beschwerde als aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG bezeichnet werden muss; der angefochtene Auslieferungsentscheid 
im Einklang mit der ständigen Rechtsprechung und den bestehenden aner-
kannten Grundsätzen im Auslieferungsrecht steht; die erhobenen Rügen von 
Anfang an ins Leere zielten;  

 
- demzufolge das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechts-

pflege abzuweisen ist; 
 
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG); 
 
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen ist (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG 

und Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). 
 
 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung wird ab-

gewiesen. 
 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 
 
 

Bellinzona, 6. August 2021 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Haykaz Zoryan 
- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung (unter Beilage eines Dop-

pels der Beschwerde) 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 
 
Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde einge-
reicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der 
Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer 
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 48 Abs. 1 
BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt massge-
bend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen sind, die 
auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die Be-
schwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von Ge-
genständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbe-
reich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 BGG). Ein 
besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass 
elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere 
Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).