# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a137dc1-4e70-5a36-a2dc-e48a8727f625
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-17
**Language:** de
**Title:** Von den Unfällen mit Verletzung des rechten Daumens bestehen nur noch geringe Befunde, welche weder die Arbeitsfähigkeit einschränken noch mit Therapien namhaft zu verbessern wären. Die Arthrose ist nicht unfallbedingt. Bezüglich des Auffahrunfalls ist die Adäquanz der schleudertraumatischen Beschwerden zu verneinen.
**Docket/Reference:** UV.2013.00103
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00103.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00103
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil
vom
17. Oktober 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 19
60
, war
bei der
Y.___
mit einem Teilpensum von 54
%
angestellt
(vgl.
Urk.
7/II/1)
und dadurch
bei der
Schweize
rischen
Unfall
versicherungsanstalt
(Suva)
obligatorisch gegen die
Fol
gen von Unfällen versi
chert, als sie sich am 29. Mai 2006 während einer Bahnfahrt an ihrer rechten Hand verletzte, nachdem sie bei der Beschleunigung des anfahren
den Zuges ihr Gleichgewicht zu verlieren drohte und sich an einer Stange fest
halten wollte, wobei sie ihren Daumen überdehnte
(Urk. 7/
I/
1,
7/
I/
5.2).
In der Folge
kam
die Suva
in Anerkennung ihrer Leistungspflicht für die Heilbehand
lung auf und entrichtete Taggelder
(Urk. 2 S.
2
). Mit Verfügung vom
2.
Nov
ember 2007
stellte die Suva
fest,
in Bezug auf die Handverletzung sei
die
Versicherte
seit dem 1. November 2007 zu 50
%
arbeitsfähig und ab dem
1. Dezember 2007 wieder zu 100
%
arbeitsfähig
(Urk.
7
/
I/44/1).
Diese Verfügung
blieb unangefochten
.
1.2
Am 16. Januar 2007 wurde die Versicherte
laut Unfallmeldung vom 23. Januar 2007
als Lenkerin des vorderen Personenwagens in einen Auffahrunfall verwi
ckelt, als sie vor einem roten Lichtsignal anhielt (Urk.
7
/II/1).
Die
Erstbehand
lung
erfolgte
am Folgetag
beim Hausarzt
Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt
für
Allgemeine Medizin
,
der ein
kranio
-zervikales
Beschleunigungs
trauma
zweiten Grades
nach der Québec-Task-Force-Klassifikation diagnostizierte
(Urk.
7
/
II/3/3).
Die Suva erbrachte
wiederum
die gesetzlichen
Leistungen
(Urk.
2 S. 2)
.
Am
15. November 2012
verfügte die Suva unter Verneinung der Adäquanz der geklagten Beschwerden zum Unfall die Leistungseinstellung per 1. März 2009, verzichtete jedoch auf eine Rückforderung der in der Zwischenzeit erbrachten Versiche
rungsleistungen. Des Weiteren verneinte sie den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente und/oder eine
Integritätsentschädigung
. Ferner bestätigte die Suva mit Bezug auf die Handverletzung die in der Verfügung vom
2.
November 2007 festgestellte Arbeitsfähigkeit
(Urk.
7
/
II/65).
Die von der Versicherten
gegen die Verfügung
erhobene Einsprache (Urk.
7
/
I
I/
67
) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
19. März 2013
ab (Urk.
7
/
II
/
72
= Urk. 2).
1.3
Die Versicherte war nach ihrer Anstellung bei der
Y.___
bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet und
dadurch
ebenfalls
bei der
Suva
gegen die
Fol
gen von Unfällen versi
chert, als sie am
4. Juli 2011 bei einem Spaziergang mit ihrem Hund die rechte Hand an einem Zaun
einquetschte
, weil der angeleinte Hund darüber gesprungen war (Schadenmeldung vom 16. August 2011,
Urk.
7
/III/6).
Nachdem
Dr.
med.
A.___
,
Facharzt
für
Chirurgie, s
p
ez.
Handchirurgie
, die Behandlung der Versicherten am
2.
September 2011 abgeschlossen hatte, stellte die Suva ihre diesbezüglichen Versicherungsleistun
gen
formlos
ein
(
vgl.
Urk.
2 S. 3).
Im
Einspracheentscheid
vom 19. März 2013 verneinte sie einen Kausalzusammenhang zwischen den damals aktuellen
Dau
menbeschwerden
und dem Ereignis vom 4. Juli 2011
(Urk.
2 S. 15).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
19. März 2013
erhob die Versicherte mit
undatierter
Eingabe
, eingegangen am 29. April 2013,
Beschwerde und bean
tragte
sinngemäss
, dieser sei aufzuheben und es sei
en
ihr
weiterhin Leistungen der Suva zu
zu
sprechen
(Urk. 1
). Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Mai
2014, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei
(Urk.
7
).
Die Beschwerdeantwort wurde der Versicherten am
17. Juni 2013
zuge
stellt (Urk.
8
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiel
e (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E.
4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b
,
je mit Hinweisen).
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen
, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtspre
chung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist
(vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer
zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässig
keit bestehen.
2.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Standpunkt,
die geklagten Beschwerden am rechten Daumen seien nicht unfallkausal (Urk.
2 S. 7-8). Im
Zusammenhang mit dem
Auffahru
nfall vom
16. Januar 2007 hielt sie fest,
dieser habe keine organisch-strukturelle Schädi
gung verursacht
. Die somatisch nicht erklärbaren Beschwerden stünden nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum allerhöchstens als mittelschwer im Grenzbereich zu leicht einzustufenden Unfall, denn von den Adäquanzkriterien gemäss
Schleudertrauma
-Praxi
s sei keines erfüllt (Urk. 2 S.
8
-1
4
).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, sie leide noch an den
Unfallf
olgen
, insbesondere an
den
Folgen
des
Auffahru
nfalls vom
16. Januar 2007,
und
benötige
deswegen
weiterhin Therapie. Dass sie bereits seit
dem
1.
Dezember 2007 wieder voll arbeitsfähig sei, treffe nicht zu
(Urk.
1).
3.
3.1
Am 26. Januar 2007 fand
im
B.___
die operative Sanie
rung
des
infolge des Ereignisses vom 29. Mai 2006 (Festhalten zum Verhin
dern eines Sturzes im Zug)
gelockerten
ulnaren
Seitenbandes am rechten Daumen
statt
(Urk. 7/
I/8/2
).
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt
für
Chirurgie,
Plas
tische,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie
sowie für
Handchirurgie
,
B.___
,
gab am 8. Oktober 2007 an, nach der Verletzung am rechten Daumen hätten letztendlich wieder seitengleiche Funktion und Stabilität bestanden, sodass
er
die Beschwerdeführerin am 20. August 2007 in ihrer Tätig
keit als Verkäuferin und Servicekraft wieder zu 50
%
arbeitsfähig geschrieben habe.
Sein
er Ansicht nach sei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100
%
spätestens vier Wochen später möglich gewesen. Die Beschwerdeführerin sei jedoch mit diesem Vorgehen in keiner Weise einverstanden gewesen und habe sich deshalb zwecks einer Weiterführung der
Arbeitsunfähigkeit
bei ihrer
Haus
ärztin
gemeldet
(Urk.
7
/
I/33). Letztere
,
Dr.
med.
D.___
,
Praktische Ärztin,
attestierte der Beschwerdeführerin
weiterhin
eine
vollumfänglich
e
Arbeitsunfähigkeit
, erlaubte ihr indes, für drei Wochen in die Ferien zu fahren
(Urk. 7/
I/29).
3.2
Dr.
Z.___
diagnostizierte nach dem
am 23. Januar 2007 gemeldeten
Auffahrun
fall vom 16. Januar 2007
(vgl.
Urk.
7/II/1)
ein
kranio
-zervikales
Beschleuni
gungstrauma
Grad II nach der Québec-Task-Force-Klassifikation
(Urk.
7
/
II/3/3)
.
Er attestierte der Beschwerdeführerin
mit Zeugnis vom 29. Januar 2007
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
bis
inklusive
2
5
. Januar 2007
(Urk. 7/
II/
9
/4
).
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt
für Neurologie,
gab an,
anlässlich seiner Untersuchung vom 17. Se
ptember 2008 neuro
graphisch durchwegs normale Verhältnisse vor
gefunden zu haben
. Die Beschwerden an der rechten Hand
(Kribbeln)
führte er bei Verdacht auf degenerative Veränderungen im unteren HWS-Segment auf eine
intermittierende
radikuläre
Reizung der
Hinterwurzel
C8 zurück
(Urk. 7/
II/29
). Auch
die MRT-Unte
r
suchung durch das
F.___
vom
18.
September 2008
sowie
diejenige des
G.___
vom 16. Juli 2012
ergab
en
keine
Hinweise auf traumatisch bedingte Läsionen
. Vielmehr
wurden
zystische
und degenerative
Veränderungen
beschrie
ben
(Urk. 7/
II/30/3
,
Urk.
7/II/58
)
.
3.
3
Am 24. Oktober 2007 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch
Dr.
med.
H.___
,
Facharzt
für orthopädische Chirurgie, statt
(Urk. 7/
I/37).
Dr.
H.___
berichtete über eine
ulnar
über dem Daumengrundgelenk
befindliche
reizlose Narbe, jedoch mit
subjektiver
Druckschmerzhaftigkeit.
Die Beweglichkeit im Daumensattelgelenk sei in etwa symmetrisch gewesen, beim rechten Daumen bestehe indes eine minimale Einschränkung der Abduktion. Die Beweglichkeit im Daumengrundgelenk sei mässig eingeschränkt, im IP-Gelenk habe sie sich weit
gehend normalisiert. Die
Trophik
der rechten Hand sei ungestört und es seien keine Hinweise auf einen Mindergebrauch der rechten Hand festzustellen gewe
sen. Insbesondere habe der muskuläre Zustand am dominanten rechten Arm einem Normalzustand entsprochen und nicht auf eine chronische
Minderbelas
tung
hingewiesen. Die bereits bei leichten Tätigkeiten angegebenen Beschwerden könne er nicht einordnen und die Angabe einer
Schmerzhaftigkeit beim
initialen
Händedruck bei der Begrüssung sei nicht nachvollziehbar, zumal die Beschwer
deführerin bei diesem Händedruck ganz bewusst den Daumen in Streckhaltung gelassen und lediglich mit den Langfingern den Händedruck erwidert habe. Über
dies habe sie nicht nur über Beschwerden in der rechten Hand geklagt, sondern zusätzlich auch über Stress bei der Bedie
nung von Kunden
.
Dr.
H.___
schlussfolgerte, er erkenne heute keine Elemente mehr, welche eine Wiederaufnahme der beruflichen Tä
tigkeit als Verkäuferin
als unzumutbar erscheinen lassen würde
n
. Er habe deshalb eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
ab dem 1. November 2007 sowie eine volle Arbeitsfähigkeit ab dem
1. Dezember 2007 in den Unfallschein eingetragen
(Urk. 7/
I/37.3-4).
3.
4
Am 9. Februar 2009 untersuchte der Kreisarzt
Dr.
med.
I.___
,
Facharzt
für Chirurgie, die Beschwerdeführerin
(Urk. 7/
I/74
=
Urk.
7/II/33
).
Bezüglich der
Verdrehung des rechten Daumens vom 29. Mai 2006 hielt er fest, der aktuelle Befund ergebe einen freien möglichen Bewegungsumfang mit leichter
Bewe
gungseinschränkung
endständig in maximaler Opposition und Beugung,
mit
leicht verbreiterter Grundgelenkskontur,
indes
ohne Schwellung, jedoch mit leichter
Druckdolenz
im
ulnaren
Gelenkspalt und über der
ulnaren
Rekonstruk
tion des Seitenbandes
. Dies
bei vollständiger Stabilität des
Daumengrundgelen
kes
. Die Kraft sei leicht vermindert.
Die Beweglichkeit könne nicht mehr verbes
sert werden und die Symptomatik sei minimal, weshalb die Ergotherapie am rechten Daumen nicht mehr sinnvoll sei.
Nach der Heckauffahrkollision vom
16. Januar 2007 bestehe noch eine leichte
Druckdolenz
der Nackenmuskulatur, jedoch ohne wesentliche Verspannung. Hingegen sei der Bewegungsumfang spontan frei und die
Halswirbelsäule
stelle sich in der Bildgebung unauffällig dar.
Die Beschwerdeführerin habe typische schleudertraumatische Symptome angege
ben. Des Weiteren bestünden konstitutionell vorbestehende
Nervenwurzelschei
denzysten
C8, C7 und T1, welche aber keinen Zusammenhang zum Unfallereignis aufweisen würden. Bezüglich des sinnvollen Rückenmuskelaufbautrainings sei die Beschwerdeführerin ausreichend instruiert, sodass sie das Training eigenver
antwortlich durchführen könne. Dabei handle es sich allerdings
ohnehin
um Prävention und nicht um eine unfallbedingt notwendige Therapie. In ihren kör
perlichen Fähigkeiten entsprechenden Tätigkeit
en
wie den bisherigen sei sie weder unfall- noch krankheitsbedingt eingeschränkt
. Die
Erheblichkeitsgrenze
für eine
Integritätsentschädigung
sei weder einzeln noch zusammen
mit den anderen Schädigungen
gegeben
(Urk. 7/
I/74/6-
8
)
.
3.
5
Nach dem in der Schadenmeldung vom 16. August 2011 geschilderten Vorfall mit dem Hund vom 4. Juli 2011 (vgl.
Urk.
7/III/6)
wurde am 25. Juli 2011 durch das
G.___
eine MRI-Untersuchung vorgenommen, welche eine partielle Gelenkkapselruptur
radialseits
auf
der
Höhe des Sattelgelenkes mit perifokalem Ödem sowie eine vorbestehende,
mässiggradige
Rhizarthrose
mit vermehrter intraartikulärer Flüssigkeit zeigte. Eine posttraumatische
ossäre
Läsion war hingegen nicht nachzuweisen
(Urk. 7/
III/19).
Dr.
A.___
attestierte
der Beschwerdeführerin
in seinem
Bericht vom 30. August 2011 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
bis zum 2. September 2011. Er gab an, der weitere Verlauf sei noch offen
(Urk. 7/
III/9).
Im Unfallschein ga
b er demgegenüber an, ab dem 3.
September 2011 bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit
mehr
(Urk. 7/
III/29).
Se
ine Behandlung schloss er am 2.
September 2011 ab
(Urk. 7/
III/27)
.
Am 25. Juli 2012 gab
Dr.
med.
J.___
,
Facharzt
für Radiologie, Röntgeninstitut
G.___
,
nach dem Röntgen beider Hände an, auf der Höhe der Sattel
gelenke sei beidseits, jedoch rechts mehr als links, eine
osteophytäre
Reaktion im Rahmen einer
mässiggradigen
Rhizarthrose
zu erkennen. Hinweise auf eine post
traumatische
ossäre
Läsion bestünden indes nicht
(Urk. 7/
II/54).
3.
6
Der Kreisarzt
Dr.
H.___
untersuchte die Beschwerdeführerin am
8. November 2012
erneut. Bezüglich des Unfalls vom 29. Mai 2006 hielt er fest, dieser Fall sei bereits abgeschlossen und es habe sich im Vergleich zur kreisärztlichen Beurtei
lung durch
Dr.
I.___
vom 9. Februar 2009 nichts verändert. Es ergebe sich keine funktionelle Einbusse und das Vorliegen eines erheblichen
Integritäts
schadens sei zu verneinen. Die Arthrose sei annähernd symmetrisch und habe nichts mit dem Schadenfall zu tun, sondern Arthrosen im CM-Gelenk des Strahls I seien sehr häufig, insbesondere beim weiblichen Geschlecht
. Eine über Jahre intermittierend durchgeführte Behandlung bei immer gleichen Restbesch
werden entspreche nicht dem Prinzip von Wissenschaftlichkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW;
Urk. 7/
II/59.12-59.1
3
).
Der Auffahrunfall habe nicht zu einer strukturellen Schädigung geführt. Die
Ner
venwurzelscheiden-Zyste
C8 rechts sei nicht auf den Unfall zurückzuführen.
Die
Kribbeldyästhesien
seien erstmals nach der Untersuchung durch
Dr.
E.___
vom 17. September 2008 dokumentiert worden.
Die fehlende Unfallkausalität sei
des
wegen
bereits durch die
initial
fehlende Schädigung im Bereich
des rechten Armes
ausgewiesen
.
Im Übrigen sei die C8-Symptomatik nun nicht mehr vorhan
den.
Aktuell finde sich einzig eine konstitutionell bedingte
ungünstige Statik der Wirbelsäule mit erheblich
eingesteiftem
Hohl-Rundrücken. Die Beweglichkeit der
Halswirbelsäule
sei altersentsprechend gut und
die Nackenmuskulatur und die neurologische Situation seien unauffällig. Die angegebenen panvertebralen Beschwerden seien als Symptomausweitung zu werten. Die seit Jahren durchge
führte Physiotherapie bestehe in rein passiven Massnahmen, mit welchen kein nachhaltiger Effekt erzielt worden sei.
Eine sinnvolle Therapie bestehe
einzig
in
ein
em
selbständige
n
Training der Beschwerdeführerin
(Urk. 7/
II/59.1
3
-59.15)
.
3.
7
Die
von
September 2011 bis Dezember 2012 behandelnden Physiotherapeuten gaben
in ihrem Bericht vom
9. Januar 2013 bezüglich des Auffahrunfalls
an,
die Beschwerdeführerin
klage
über Schmerzen und Kraftlosigkeit bis hin zur Ermü
dung der Stützmuskulatur. Es sei eine erhebliche Beeinträchtigung des
Bewe
gungs
- und Stützapparates zu attestieren
. Betreffend den Unfall vom 29.
Mai 2006 hielten sie fest,
klinisch sei die Beschwerdeführerin mit massiven Alltag
-
einschränkungen belastet. Zum Beispiel sei ihr das Öffnen einer Trinkflasche mit Schraubverschluss und das Greifen sowie Umschliessen von Gegenständen generell nicht schmerzfrei möglich, sondern es ergebe sich ein massives stechen
des Schmerzverhalten im Daumensattelgelenk mit Ausstrahlungsschmerz. Die Beschwerdeführerin leide an einer Arthrose zweiten Grades
(Urk. 7/
II/71).
4.
4.1
4.1.1
N
ach dem Unfall vom 29. Mai 2006, bei welchem die Beschwerdeführerin ein Abduktionstrauma des
rechten Daumen
s erlitt,
war s
ie nach der Beurteilung des behandelnden Facharztes des
B.___
ab dem 20. August 2007 in ihrer angestamm
ten Tätigkeit wieder zu 50
%
arbeitsfähig und spätestens vier Wochen danach wieder zu 100
%
.
Dass zu diesem Zeitpunkt keine unfallbedingten Einschränkun
gen der Arbeitsfähigkeit und keine Behandlungsbedürftigkeit mehr bestanden, wurde nachvollziehbar damit begründet, dass Funktion und Stabilität am
8. Oktober 2007 wieder seitengleich waren
(Urk. 7/
I/33). Die Hausärztin
Dr.
D.___
schrieb die Beschwerdeführerin zwar weiterhin arbeitsunfähig,
jedoch enthält ihr Arztzeugnis vom 19.
September 2007 keine Begründung und
nicht einmal einen Hinweis darauf, dass die
Arbeitsunfähigkeit
durch den fragli
chen Unfall verursacht wäre (vgl.
Urk.
7/I/29), weshalb ihr
Arbeitsunfähigkeits
zeugnis
keine Zweifel an der durch
Dr.
C.___
erfolgten Beurteilung zu erwecken vermag.
Auch
Dr.
H.___
,
welcher die Beschwerdeführerin am 24. Oktober 2007 untersuchte, gab unter Berücksichtigung der
Vorakten
sowie der Angaben der Beschwerdeführerin an, der Wiederaufnahme ihrer angestammten Tätigkeit stehe nichts im Wege.
Dies begründete
Dr.
H.___
mit der symmetrischen Beweglich
keit im Daumensattelgelenk,
der reizlosen Narbe, der ungestörten
Trophik
der rechten Hand ohne Hinweise auf einen Mindergebrauch
und
mit einem normalen muskulären Zustand des dominanten rechten Arms
(Urk. 7/
I/37/3-4).
Bei den nur noch diskreten objektiven Befunden, der nur teilweisen Nach
-
vollzieh
barkeit
der geklagten Beschwerden und dem normalen muskulären Zustand überzeugt die Einschätzung von
Dr.
H.___
.
Dementsprechend steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
spätestens ab dem 1. Dezember 2007 wieder voll arbeitsfähig war und keiner weiteren Therapie mehr bedurfte, sodass der Fallabschluss zu Recht erfolgte.
Bestätigt wurde dies auch vom Kreisarzt
Dr.
I.___
,
der trotz leichter Restfolgen
eine gute Funktion und
keine wesentliche Beeinträchtigung mehr vorfand, als er die Beschwerdeführerin am 9. Februar 2009 untersuchte
. Gleichzeitig hielt
Dr.
I.___
fest,
die Beweglichkeit am rechten Daumen könne nicht verbessert werden, wes
halb die Weiterführung der Ergotherapie keinen Sinn mache
(Urk. 7/
I/74/7).
Demnach ist
im Vergleich zur in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom
2.
November 2007 betreffend die Arbeitsfähigkeit keine Verschlechterung ersichtlich
, sodass
es beim
damals erfolgte
n
Fallabschluss
und der Einstellung
der Leistungen in Bezug auf den Vorfall vom 29. Mai 2009
bleibt
.
4.1.2
Nach dem Einquetschen der Hand in einem Zaun beim Spazieren mit ihrem Hund am 4. Juli 2011 (vgl.
Urk.
7/III/6) wurde die Beschwerdeführerin vom Handchirurgen
Dr.
A.___
behandelt.
Die Behandlung dauerte bis zum 2. September
(Urk. 7/
III/27). Anschliessend erachtete
Dr.
A.___
die Beschwer
deführerin von den Folgen dieses Unfalls her wieder als voll arbeitsfähig
(Urk. 7/
III/29).
Im Bericht über die
Röntgenuntersuchung vom 25.
Juli 2012
erwähnte
Dr.
J.___
denn auch die von ihm am 25. Juli 2011 beschriebene partielle Gelenkkapselruptur nicht mehr (
Urk.
7/II/54 beziehungsweise
Urk.
7/III/19).
Somit
ist plausibel, dass die Unfallfolgen verheilt sind.
D
ie objektiv noch vorhandenen
Beschwerden sind demgegenüber durch die Arthrose bedingt
, welche als nicht unfallbedingt beurteilt wurde
(Urk. 7/
II/59.13)
.
Dies
ist nachvoll
ziehbar,
denn
die Arthrose
ist
annähernd symmetrisch
zu der
der linken Hand
(Urk. 7/
II/59.12
-
13)
. Sie wurde bereits
bei der Röntgenuntersuchung vom 25. Juli 2011
durch
Dr.
J.___
als vorbestehend
beschrieben
(Urk. 7/
III/19).
Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht ihre
r
behandelnden Physio
therapeuten vom 9. Januar 2012
(Urk. 7/
II/71) widerspri
cht dem nicht. Denn darin wird im Wesentlichen
angegeben, dass die Beschwerdeführerin bei gewissen Tätigkeiten Schmerzen verspüre und dass sie an einer Arthrose zweiten Grades leide
(Urk. 7/
II/71.2).
Insgesamt steht somit
rechtsgenüglich
fest, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Fallabschlusses
, welcher formlos nach der am
2.
September 2011 erfolgten Beendigung der Behandlung (vgl.
Urk.
7/III/27) erfolgte,
keine unfallbedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
mehr bestand
en
und keine
zweckmässige Behandlung mehr angezeigt war
respektive durch eine weitere Behandlung keine
namhafte Verbesserung
d
es Gesundheits
zustandes
zu erwarten war
.
Der Fallabschluss
respektive die Einstellung der Leis
tungen
bezüglich des Unfalls vom 4. Juli 2011 ist daher nicht zu beanstanden.
4.2
Nebst den Verletzung
en
am rechten Daumen hat d
ie Beschwerdeführerin
unbestrit
tenermassen
als Folge des Auffahrunfalls vom
16. Januar 2007
ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten und wies von Anfang an zumindest teilweise das dafür typische Beschwerdebild auf
(Urk. 7/
II/3/3-4)
.
Der Unfall ver
ursacht
e
indes keine strukturellen Schädigungen (vgl. vorstehende E.
3.2,
3.4 und
3.
6
).
Insbesondere war die
Halswirbelsäule
in der Bildgebung abgesehen von degenerativen Veränderungen und Zysten unauffällig und die Beschwerden ver
ursachenden Nervenwurzelscheidenzysten wurden als vorbestehend und nicht durch den Unfall bedingt beurteilt
(Urk. 7/
II/59.12-13,
Urk.
7/I/74/6-8).
Gegentei
lige ärztliche Auffassungen sind keine vorhanden.
Die Beschwerdeführerin be
streitet diese Beurteilungen auch nicht direkt, sondern
beruft sich
darauf, dass sie immer noch an Problemen und Schmerzen leide
(Urk.
1)
. Aus dem Vorliegen von Schmerzen kann indessen nicht auf organisch (hinreichend) nachweisbare Un
fallfolgen geschlossen werden. Insbesondere können
Verspannungen der Musku
latur wie die bei der Beschwerdeführerin noch vorhandenen unspezifischen leichten Verspannungen der Nackenmuskulatur
(Urk. 7/
I/74/7)
für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_721/2008 vom 24. April 2009, E. 4.2 mit Hinweisen)
.
Demnach
ist die für die Leistungspflicht des Unfallversicherers vorausgesetzte adäquate Kausalität zwischen dem Unfallereignis und den
im Zeitp
unkt des Fallabschlusses vom 1.
März 2009 noch
vorhandenen gesundheitli
chen Beschwerden gestützt auf die Rechtsprechung zu den Unfallfolgen bei Schleudertrauma
ta
der Halswirbelsäule zu prüfen. Dabei ist auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten
(vgl. dazu die vorstehende E. 1.
3
).
4.3
Die Beschwerdegegnerin stufte den Unfall als
höchstens
mittleres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen
ein (
Urk.
2
S. 12)
. Massgebend für die Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwi
ckelnden Kräften. Rechtsprechungsgemäss werden einfache Auffahrkollisionen auf ein haltendes Fahrzeug regelmässig dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zugeordnet (Urteil des Bundesgerichts 8C_310/2010 vom 29. Juli 2010, E. 7.1). Eine andere Beurteilung drängt sich auch vorliegend nicht auf.
Denn die Beschwerdeführerin gab sogar selber an, das hintere Fahrzeug sei mit eher niedri
ger Geschwindigkeit auf ihr Auto aufgefahren, was damit korreliert, dass an kei
nem der Fahrzeuge ein sichtbarer Schaden entstand
en ist
. Die Unfallbeteiligten verzichteten denn auch darauf, die Polizei beizuziehen oder ein Unfallprotokoll auszufüllen
(Urk. 7/
II/9/2).
Bei sämtlichen von der Schwere her im mittleren Bereich anzusiedelnden Unfällen genügt das ausgeprägte Erfüllen eines Kriteri
ums, damit ein Kausalzusammenhang als adäquat beurteilt wird. Allerdings wird das ausgeprägte Erfüllen eines Kriteriums vom Bundesgericht nur mit grösster Zurückhaltung angenommen. Bei mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen müssen alternativ vier der massgeblichen Kriterien erfüllt sein, damit d
ie Adäquanz bejaht werden kann
(
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 63-65).
4.
4
4.
4
.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, ist objektiv zu beurteilen. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 69 mit Hinweisen). Der in Frage stehende Unfall
, so wie ihn die Beschwerdeführerin selber schildert,
hat sich in diesem Sinne weder unter
besonders dramatischen Begleitumständen ereignet noch war er objektiv betrachtet von besonderer Eindrücklichkeit. Vielmehr handelte es sich um einen alltäglichen Auffahrunfall.
4.
4
.2
Die Diagnose einer HWS-Distorsion genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung. Es bedarf hie
r
zu einer besonderen Schwere der für diese Verletzung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können. Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2009 vom
2.
November 2009, E. 7.3 mit Hinweis; BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Eine solche wird jedoch weder geltend gemacht noch ist sie dokumentiert
. Vielmehr war die Kopfstellung der Beschwerdeführerin gerade und ihr Kopf prallte an der Kopfstütze an
(
Urk.
7/II/3/4
Ziff.
2
).
Als Verletzung besonderer Art
gilt indes eine HWS-Distorsion, welche eine bereits durch einen früheren versicherten Unfall erheblich vorgeschädigte
Halswirbel
säule
trifft, da eine solche speziell geeignet ist, die „typischen“ Symptome hervor
zurufen (Urteil des Bundesgerichts 8C_194/2007 vom 4. Oktober 2007, E. 4.2.2 mit Hinweis).
Die Beschwerdeführerin hatte zwar
gemäss den Angaben im Dokumentationsbogen
bereits
im Jahr 1999 einen Unfall mit HWS-Beteiligung
erlitten (
Urk. 7/II/3/4),
jedoch war sie vor dem Auffahrunfall im Jahr 2007 von Seiten des Nacken- und Schulterbereichs
beschwerdefrei (Urk. 7/I/17.4), weshalb nicht von einer erheblich vorgeschädigten Halswirbelsäule auszugehen ist.
Auch zog sich
die Beschwerdeführerin
beim Unfall keine andere gravierende Verlet
zung zu
(Urk. 7/
II/3/3
Ziff.
7)
, sodass dieses Kriterium zu verneinen ist.
4.
4
.3
Behandelt wurde
die Beschwerdeführerin
mittels Schmerzmitteln
(Urk. 7/
II/3/3
Ziff.
8)
sowie
mit
Physiotherapie
(Urk. 7/
I/14-15)
. Die unfallbedingt durchge
führten Behandlungen lagen ohne weiteres im Rahmen dessen, was nach einem Schleudertrauma üblich ist, und stellen keine fortgesetzt spezifische oder belas
tende ärztliche Behandlung dar. Hinzu kommt, dass die getroffenen Massnahmen (Schmerzmitteleinnahme und Physiotherapie) nach der Rechtsprechung
klarer
weise
nicht als mit besonderen Belastungen verbunden zu bezeichnen sind (Urteile des Bundesgerichts 8
C_174/2011 vom
1.
Juni 2011, E.
2.4 mit Hinweisen und 8C_178/2007 vom 1
5.
Mai 2008, E.
4.4.3)
.
4.
4
.4
Bezüglich des Kriteriums der erheblichen Beschwerden ist zu berücksichtigen, dass die üblicherweise mit Schleudertraumen verbundenen Beschwerden nicht genügen, um das Kriterium bejahen zu können, ansonsten es bei jeder solchen Verletzung bejaht werden müsste und damit keine Bedeutung als
Differenzie
rungsmerkmal
mehr hätte (Urteil des Bundesgerichts 8C_46/2011 vom 1
8.
April
2011, E. 5.2.2).
Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass bei der Beschwerdeführerin
durch den Auffahrunfall
weitergehende als die üblicherweise mit
einem
Schleudertraum
a
verbundenen Beschwerden bestehen würden, weshalb auch dieses Kriterium nicht erfüllt ist.
4.
4
.5
E
s bestehen keinerlei Hinweise auf e
ine ärztliche Fehlbehandlung,
womit dieses Kriterium ebenfalls zu verneinen ist.
4.
4
.6
Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden.
Dieses
Kriterium setzt
vielmehr
voraus, dass besondere Gründe die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C
_
744/2008 vom 2
6.
November 20008, E.
8
.6;
8C_178/2007 vom 1
5.
Mai 2008, E. 4.4.5
, je
mit Hinweisen). Solche Gründe sind hier nicht ersichtlich.
Somit ist dieses
Kriterium nicht erfüllt.
4.
4
.7
Schliesslich verbleibt zu prüfen, ob eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit vorlag trotz ausgewiesener Anstrengungen, diese zu überwinden. Dabei geht es um die Erheblichkeit der Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Es muss der Wille der versicherten Person erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung
raschmöglichst
wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unan
nehmlichkeiten manifestieren. Weiter zu berücksichtigen ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen. Ebenfalls ins Gewicht fallen können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Ein
schränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss in erheblichem Mass arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann dieses Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7).
Der behandelnde Hausarzt attestierte der Beschwerdeführerin zuerst gar keine
Arbeitsunfähigkeit
(7/II/3/3), später rückwirkend eine kurze
Arbeitsunfähigkeit
vom Unfall
ereignis vom 1
6.
Januar 2007
bis
zu
m 2
5.
Januar 2007
(Urk. 7/
II/
9/4).
Die Arbeitsunfähigkeit
infolge des
Auffahrunfall
s
dauerte
damit
nicht lange
beziehungsweise sie war nicht
erheblich, womit die Erfüllung dieses Kriteriums ausser Betracht fällt
.
Des Weiteren wären auch keine besonderen Anstrengungen zur Eingliederung ersichtlich.
4.
4
.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass von den sieben relevante
n Kriterien kei
nes erfüllt ist, weshalb
es an der Adäquanz eines Kausalzusammenhangs zwi
schen dem
Auffahrunfall
und den
i
m Zeitpunkt de
s
Fallabschlusses noch
geklag
ten, organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden
fehlt
. Infolgedessen stehen
der Beschwerdeführerin
für die Zeit nach dem Fallabschluss per
1.
März
2009
keine Leistungen der Unfallversicherung mehr zu.
Demzufolge ist die Beschwerde
auch bezüglich dieses Unfalls
abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigWidmer