# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a796c0d5-85a4-53d7-8997-2560aac81c19
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-28
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 28.11.2017 SK 2017 219
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-219_2017-11-28.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 17 219

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 28. November 2017 

Besetzung Oberrichter Vicari (Präsident), 
Oberrichter Guéra, Oberrichterin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Hiltbrunner

Verfahrensbeteiligte A.________, z.Zt. Regionalgefängnis Thun, Allmendstrasse 34, 
Postfach, 3602 Thun
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, Drohung und Nöti-
gung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 26. Januar 2017 (PEN 15 435)

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Inhaltsverzeichnis

I. Formelles ......................................................................................................................4

1. Erstinstanzliches Urteil ...............................................................................................4

2. Berufung.....................................................................................................................4

3. Anträge der Parteien ..................................................................................................4

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ...................................................6

5. Beweisanträge und Beweisergänzungen...................................................................6

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung ...........................................................................6

6. Anklagevorwürfe ........................................................................................................6

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt...............................................................7

8. Zu den Vorwürfen zum Nachteil der Privatklägerin....................................................8

8.1 Beweismittel ........................................................................................................8

8.2 Beweisergebnis der Vorinstanz ..........................................................................9

8.3 Vorbringen der Parteien....................................................................................10

8.4 Beweiswürdigung der Kammer .........................................................................11

9. Vorwurf zum Nachteil der Zeugin.............................................................................28

9.1 Beweismittel ......................................................................................................28

9.2 Beweisergebnis der Vorinstanz ........................................................................29

9.3 Vorbringen der Parteien....................................................................................29

9.4 Beweiswürdigung der Kammer .........................................................................30

III. Rechtliche Würdigung...............................................................................................36

10. Vergewaltigung.....................................................................................................36

10.1 Rechtliche Grundlagen .....................................................................................36

10.2 Subsumtion .......................................................................................................37

11. Nötigung ...............................................................................................................38

11.1 Rechtliche Grundlagen .....................................................................................38

11.2 Subsumtion .......................................................................................................39

IV. Strafzumessung .........................................................................................................39

12. Allgemeines ..........................................................................................................40

13. Verminderte Schuldfähigkeit.................................................................................41

14. Einsatzstrafe für die schwerste Straftat (Vergewaltigung z.N. der Privatklägerin 
vom August 2010) ................................................................................................41

14.1 Objektive Tatschwere .......................................................................................41

14.2 Subjektive Tatschwere......................................................................................41

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15. Asperation weitere Vergewaltigungen z.N. der Privatklägerin in Wabern ............42

15.1 Objektive Tatschwere .......................................................................................42

15.2 Subjektive Tatschwere und Asperation.............................................................42

16. Asperation übrige Vergewaltigungen z.N. der Privatklägerin ...............................42

17. Asperation versuchte Vergewaltigung z.N. der Zeugin ........................................43

17.1 Objektive Tatschwere .......................................................................................43

17.2 Subjektive Tatschwere......................................................................................43

17.3 Versuch und Asperation....................................................................................43

18. Täterkomponenten ...............................................................................................43

18.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse ............................................................43

18.2 Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren..................................................44

18.3 Strafempfindlichkeit...........................................................................................44

19. Konkretes Strafmass ............................................................................................44

V. Massnahme ................................................................................................................45

20. Theoretische Grundlagen .....................................................................................45

21. Verwendbarkeit des Gutachtens ..........................................................................45

22. Prüfung der Voraussetzungen zur Anordnung einer Massnahme........................46

VI. Zivilpunkt ....................................................................................................................47

VII. Kosten und Entschädigung ......................................................................................48

23. Verfahrenskosten .................................................................................................48

24. Entschädigung der amtlichen Verteidigung ..........................................................49

25. Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands der Privatklägerin .............49

VIII. Verfügungen...............................................................................................................49

IX. Dispositiv....................................................................................................................51

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht) vom 26. Ja-
nuar 2017 wurde A.________ (im Folgenden: Beschuldigter) freigesprochen von 
der Anschuldigung der Drohung, angeblich mehrfach begangen im Zeitraum Au-
gust 2010 bis November 2011 in Wabern zum Nachteil von C.________. Er wurde 
hingegen schuldig erklärt der mehrfachen Vergewaltigung zum Nachteil von 
C.________, der versuchten Vergewaltigung zum Nachteil von E.________, der 
Nötigung und des Versuchs dazu zum Nachteil von C.________ (im Folgenden: 
Privatklägerin) und zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Zudem wurde 
eine stationäre therapeutische Massnahme angeordnet. Schliesslich wurde der Be-
schuldigte zur Bezahlung einer Genugtuung an die Privatklägerin im Betrag von 
CHF 12‘000.00, zuzüglich fünf Prozent Zins seit dem 1. März 2014 verurteilt. Er 
wurde in Sicherheitshaft versetzt (pag. 2022 ff.). 

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
walt B.________, form- und fristgerecht die Berufung an (pag. 2051). Nach Zustel-
lung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung vom 29. Mai 2017 (pag. 
2196 f.) erklärte der Beschuldigte am 13. Juni 2017 form- und fristgerecht die Beru-
fung. Diese richtete sich ausdrücklich nicht gegen den Freispruch von der Anschul-
digung der Drohung, hingegen gegen sämtliche Schuldsprüche, die damit zusam-
menhängenden Sanktionen und den Zivilpunkt (pag. 2205). Mit Eingabe vom 30. 
Juni 2017 schloss sich die Generalstaatsanwaltschaft der Berufung des Beschul-
digten an. Sie beschränkte ihre Anschlussberufung auf das Strafmass (pag. 2214). 
Die Privatklägerin, amtlich vertreten durch Rechtsanwalt D.________, verzichtete 
mit Eingabe vom 6. Juli 2017 auf Anschlussberufung und erhob keine Einwände 
gegen die Berufung (pag. 2220). Weder der Beschuldigte noch die Privatklägerin 
beantragten ein Nichteintreten auf die Anschlussberufung (pag. 2229 und pag. 
2236). 

Am 27. November 2017 fand in Anwesenheit der Parteien die mündliche Beru-
fungsverhandlung statt (pag. 2382 ff.). Das Urteil wurde am 28. November 2017 
mündlich eröffnet und begründet (pag. 2404). Das Dispositiv wurde den Parteien in 
der Folge schriftlich eröffnet (pag. 2416 ff.). 

3. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete anlässlich der Berufungsver-
handlung vom 27. November 2017 namens und im Auftrag des Beschuldigten fol-
gende Anträge (pag. 2395):
1. Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil hinsichtlich Freispruch gemäss Ziffer I in 

Rechtskraft erwachsen ist.

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2. A.________ sei von der Anschuldigung der Vergewaltigung (mehrfach), der versuchten Verge-
waltigung und der Nötigung sowie des Versuchs dazu gemäss Ziffer II des vorinstanzlichen Ur-
teils freizusprechen.

3. A.________ sei unverzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
4. Es sei A.________ für die seit dem 3. Mai 2014 ausgestandene Polizei-, Untersuchungs- und 

Sicherheitshaft sowie für den vorzeitigen Massnahmenvollzug eine Entschädigung/Genugtuung 
von CHF 100.00 pro Tag auszurichten.

5. Die erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton aufzuerlegen.
6. A.________ sei eine angemessene Entschädigung für die Verteidigungskosten im erst- und obe-

rinstanzlichen Verfahren gemäss eingereichten Honorarnoten auszurichten.
7. Die Zivilklage der Privatklägerin C.________ sei abzuweisen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Die gestellten und begründeten Anträge der Generalstaatsanwaltschaft lauteten 
folgendermassen (pag. 2398):
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 26. Januar 

2017 insofern in Rechtskraft erwachsen ist, als der Beschuldigte von der Anschuldigung der 
Drohung, angeblich begangen im Zeitraum von August 2010 bis November 2011 in Wabern z.N. 
von C.________ ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfah-
renskosten freigesprochen worden ist. 

2. Der Beschuldigte sei wie in erster Instanz schuldig zu erklären wegen
2.1 Vergewaltigung, mehrfach (insgesamt elfmal) begangen z.N. von C.________ in Wabern und 

Biel/Bienne in der Zeit vom 9./10.08.2010 bis Anfang März 2014 (Dispositiv II.1.1. bis 1.4.);
2.2 versuchter Vergewaltigung, begangen am 10.03.2011 in Bern z.N. von E.________;
2.3 Nötigung und Versuchs dazu, begangen z.N. von C.________

2.3.1 im Juli 2011 in Wabern;
2.3.2 am 8. April 2014 in Biel/Bienne (Versuch).

3. Er sei zu verurteilen
3.1.zu einer Freiheitsstrafe von 45 Monaten. Die Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie der 

vorzeitige Massnahmevollzug seien auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Es sei eine stationä-
re therapeutische Massnahme anzuordnen;

3.2.zu den erst- und den oberinstanzlichen Verfahrenskosten.
4. Der Beschuldigte sei zur Sicherung der Massnahme in Sicherheitshaft zu belassen.
5. Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA, AFIS, Mitteilungen, Honorar der amtlichen 

Verteidigung).

Rechtsanwalt D.________ stellte und begründete im Namen und im Auftrag der 
Privatklägerin folgende Anträge (pag. 2401 f.):
1. A.________ sei schuldig zu erklären der Vergewaltigung, mehrfach begangen, z.N. von 

C.________, gemäss Urteilsdispo Ziff. II /1.1 bis 1.4.
2. A.________ sei schuldig zu erklären der versuchten Vergewaltigung, begangen am 10. März 

2011, z.N. von E.________
3. A.________ sei schuldig zu erklären der Nötigung und Versuch dazu, begangen z.N. von 

C.________, gemäss Urteilsdispo Ziff. II / 3.1 bis. 3.2 
4. A.________ sei zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren, unter Anrechnung der Un-

tersuchungs- und Sicherheitshaft gemäss Urteilsdispo Ziff. II /1., unter Anordnung einer statio-
nären therapeutischen Massnahme

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5. A.________ sei zur Tragung sämtlicher Verfahrenskosten zu verurteilen
6. A.________ sei zu verurteilen, C.________ eine Genugtuung in der Höhe von CHF 12‘000.00 

zuzüglich 5% Zins seit dem 01.03.2014 zu bezahlen 
7. C.________ sei für das oberinstanzliche Verfahren eine Entschädigung gemäss eingereichter 

Kostennote zuzusprechen.

Zu den Anträgen der Privatklägerin ist zu bemerken, dass auf die Anträge Nummer 
2 und 4 nicht eingetreten werden kann. Denn in der Rolle als Privatklägerin ist sie 
weder legitimiert, die Strafverfolgung von Straftaten, die nicht zu ihrem persönli-
chen Nachteil gereichten, zu verlangen noch sich zu Höhe und Art der Sanktion zu 
äussern (vgl. Art. 119 Abs. 2 und Art. 382 Abs. 2 StPO).

4. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Rechtsmittelinstanz verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 
398 Abs. 3 StPO). Sie hat das erstinstanzliche Urteil im Rahmen der angefochte-
nen Punkte umfassend zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nicht angefochten 
und damit bereits rechtskräftig ist der vorinstanzliche Freispruch des Beschuldigten 
von der Anschuldigung der Drohung (Ziff. I. des Urteilsdispositivs). Da die General-
staatsanwaltschaft Anschlussberufung eingereicht hat, ist die Kammer im damit 
angefochtenen Strafmass nicht an das Verschlechterungsverbot nach Art. 391 Abs. 
2 StPO gebunden. Bei der Beurteilung der Zivilklage ist die Kammer hingegen an 
die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 Bst. a StPO).

5. Beweisanträge und Beweisergänzungen

Mit Berufungserklärung vom 13. Juni 2017 stellte der Beschuldigte den Beweisan-
trag, es sei bei Frau F.________, Psychologin, Zentrum für Psychiatrie und Psy-
chotherapie, Biel, ein Bericht über die Privatklägerin einzuholen (pag. 2206). Die 
Generalstaatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 30. Juni 2017 die Abwei-
sung dieses Beweisantrages (pag. 2215 f.). Die Privatklägerin beantragte ebenfalls 
die Abweisung (pag. 2220). Mit Beschluss vom 30. August 2017 wies die Kammer 
den Beweisantrag des Beschuldigten ab (pag. 2265 ff.)

Von Amtes wegen wurden ein aktueller Strafregisterauszug (pag. 2370), ein 
Führungsbericht des Regionalgefängnisses Bern (pag. 2368), der Austrittsbericht 
der Station Etoine der letzten Einweisung (pag. 2363 ff.) und ein Führungsbericht 
des Regionalgefängnisses Thun (pag. 2372 f.) über den Beschuldigten eingeholt. 
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 27. November 2017 wurden die Privat-
klägerin als Auskunftsperson, E.________ als Zeugin sowie der Beschuldigten ein-
vernommen (pag. 2385 ff.). 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Anklagevorwürfe

Gemäss Anklageschrift vom 24. Juni 2015 (pag. 981 ff.) wird dem Beschuldigten 
vorgeworfen, er habe die Privatklägerin, seine damalige Ehefrau, in der Nacht vom 
9. auf den 10. August 2010 geschlagen und danach gegen ihren Willen mit ihr den 

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Geschlechtsverkehr vollzogen (Ziff. I.1.1. Anklageschrift [AKS]). Im Zeitraum No-
vember 2012 bis Ende Januar 2014 soll er viermal bei der Ausübung des Besuchs-
rechts gegenüber dem gemeinsamen Kind gewaltsam auf die Privatklägerin losge-
gangen sein, ihre Ablehnung und Gegenwehr nicht akzeptiert und mit ihr den Ge-
schlechtsverkehr vollzogen haben (Ziff. I.1.2. AKS). Ebenso soll er im Zeitraum No-
vember 2012 bis September 2013 in Biel im Wohnhaus «G.________» der Stiftung 
H.________, gegen den Willen der Privatklägerin in ihrem Studio übernachtet ha-
ben und anlässlich von drei oder vier Vorfällen gegen ihren Willen Geschlechtsver-
kehr durchgesetzt haben (Ziff. I.1.3. AKS). Im Zeitraum Februar 2014 bis Anfang 
März 2014 soll er wiederum anlässlich von drei Vorfällen in der Wohnung der Pri-
vatklägerin gewaltsam mit ihr Geschlechtsverkehr vollzogen haben (Ziff. I.1.4. 
AKS). Im Übrigen wird ihm vorgeworfen, er habe der Privatklägerin im Juli 2011 
verbal gedroht, sie umzubringen, falls sie sich von ihm scheiden lasse (Ziff. I.3.1. 
AKS). Weiter soll er sie am 8. April 2014 angerufen haben und sie unter massiven 
psychischen Druck gesetzt und verlangt haben, sie müsse bei seinem Anwalt 
wahrheitswidrig bestätigen, dass sie wieder gemeinsam wohnten, um seine Aus-
schaffung zu verhindern. Die Privatklägerin habe darauf aus Angst Kontakt mit dem 
Frauenhaus aufgenommen und sei der Aufforderung nicht nachgekommen (Ziff. 
I.3.2. AKS). 

Neben den Vorwürfen betreffend die Privatklägerin wird der Beschuldigte ange-
schuldigt, am 10. März 2011 versucht zu haben, bei seiner Bekannten E.________, 
die sich wehrte, gewaltsam mit seinem Glied in ihre Scheide einzudringen (Ziff. 1.2. 
AKS). 

7. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet weder die sexuellen Kontakte mit der Privatklägerin 
noch mit E.________ (im Folgenden: Zeugin). Bestritten und zu prüfen ist einzig, 
ob diese sexuellen Kontakte, wie vom Beschuldigten behauptet, im gegenseitigen 
Einvernehmen stattfanden oder eben gemäss Anklage und Aussagen der beiden 
Opfer gegen deren ausdrücklichen Willen durchgesetzt wurden. Die Vorinstanz hat 
die Besonderheiten und Schwierigkeiten in diesem Fall zutreffend hervorgehoben 
(pag. 2062 f., S. 7 f. der Urteilsbegründung). Zum einen handelt es sich um eine 
klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation, die bei Sexualdelikten ohne direkte 
Tatzeugen und einschlägige objektive Beweise, üblich ist. Zudem weisen jedoch al-
le Beteiligten psychische Auffälligkeiten auf, die in der Beweiswürdigung zu 
berücksichtigen sind. Bekannt und unbestritten sind die Diagnosen des Beschuldig-
ten, der an einer paranoiden Schizophrenie leidet (zuletzt Austrittsbericht der Stati-
on Etoine vom 1. Oktober 2017, pag. 2363), und der Privatklägerin, die gemäss fo-
rensisch-psychiatrischem Gutachten vom 2. September 2016 während des gesam-
ten Tatzeitraums an einer schizoaffektiven Störung wechselnden Ausmasses litt 
(pag. 1731). Die Zeugin hat sich mit einer Entbindung ihrer Ärzte vom Arztgeheim-
nis nicht einverstanden erklärt. Ihre Diagnose ist daher unbekannt. Dass sie im 
Tatzeitpunkt unter psychischen Problemen litt, ist jedoch offensichtlich und eben-
falls unbestritten. Sie lebte damals in der Notaufnahmegruppe für Jugendliche 
(NAG) der Stadt Bern und tätigte im März 2011 einen Suizidversuch, worauf eine 

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fürsorgerische Unterbringung (damals fürsorgerische Freiheitsentziehung [FFE]) 
verfügt wurde (pag. 458).

8. Zu den Vorwürfen zum Nachteil der Privatklägerin

8.1 Beweismittel

In Bezug auf die Vorfälle zum Nachteil der Privatklägerin liegen folgende objektiven 
Beweismittel vor: Der Bericht der Kantonspolizei Bern zur Meldung vom 10. August 
2010 (pag. 237 f.), der Arztbericht der I.________ AG vom 10. August 2010 (pag. 
387 f.), der forensisch-toxikologische Abschlussbericht des Instituts für Rechtsme-
dizin (IRM) zur Haaranalyse beim Beschuldigten vom 10. Juni 2014 (pag. 389 f.), 
die Auszüge aus dem Dossier «A.________» der Heilpädagogischen Lebensge-
meinschaft J.________ (pag. 418 ff.) sowie die Auszüge aus dem Tagebuch der 
Privatklägerin (pag. 437 ff.). 

Von entscheidender Bedeutung sind jedoch die subjektiven Beweismittel. Dies sind 
vorab die Aussagen der Privatklägerin bei der Polizei vom 25. April 2014 (pag. 305 
ff.) und vom 1. Mai 2014 (pag. 318 ff.), bei der Staatsanwaltschaft vom 9. Juli 2014 
(pag. 2070 ff.), anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung am 20. Januar 
2016 (pag. 1477 ff.) und anlässlich der Berufungsverhandlung vom 27. November 
2017 (pag. 2385 ff.). Der Beschuldigte wurde am 3. Mai 2014 bei der Polizei erst-
mals einvernommen (pag. 275 ff.). Es folgten zahlreiche weitere Einvernahmen: 
Am 4. Mai 2014 anlässlich der Hafteröffnung (pag. 283 ff.), am 6. Mai 2014 vor 
dem Zwangsmassnahmengericht (pag. 292 ff.), am 27. November 2014 bei der 
Staatsanwaltschaft (pag. 294 ff.), anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 20. Januar 2016 (pag. 1475 ff.), anlässlich der Fortsetzungsverhandlung 
vom 25. Januar 2017 (pag. 1991 ff.) sowie anlässlich der Berufungsverhandlung 
vom 27. November 2017 (pag. 2393 f.). Neben den beiden Parteien wurden zahl-
reiche Personen als Auskunftspersonen oder Zeugen einvernommen. Es handelt 
sich überwiegend um Betreuerinnen und behandelnde Ärztinnen und Psychologin-
nen der Privatklägerin. Am 25. Juni 2014 wurde K.________ von der Heilpädagogi-
schen Lebensgemeinschaft J.________, in der die Privatklägerin von November 
2011 bis November 2012 lebte, von der Polizei befragt (pag. 343 ff.). L.________, 
Bewohnerin im Wohnhaus «G.________» zur selben Zeit wie die Privatklägerin, 
wurde am 21. Oktober 2014 einvernommen (pag. 352 ff.) und M.________, Sozial-
pädagogin und Betreuerin im Wohnhaus «G.________», am 29. Juli 2014 (pag. 
357 ff.). Weiter wurde am 14. August 2014 telefonisch (pag. 263 f.) und am 16. Ja-
nuar 2015 zu Protokoll (pag. 363 ff.) N.________ von der Polizei befragt. Als Be-
treuerin des Vereins ambulante psychiatrische Pflege in Biel betreute sie die Pri-
vatklägerin vom 25. Juni bis am 19. Dezember 2013 (pag. 365). Am 24. Juni 2014 
befragte die Polizei O.________, die behandelnde Psychiaterin der Privatklägerin 
von Dezember 2012 bis Dezember 2013 (pag. 369 ff.). P.________, Mitarbeiterin 
des Frauenhauses (pag. 260), Q.________ vom Verein ambulante psychiatrische 
Pflege in Biel (pag. 261) und R.________, behandelnde Psychiaterin der Privatklä-
gerin von 1999 bis 2002 und von September 2008 bis September 2013 (pag. 264 
f.) wurden von der Polizei lediglich telefonisch befragt und deren Antworten im Poli-
zeirapport vermerkt. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. 

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Januar 2016 wurde S.________, Beistand des Sohnes der Privatklägerin und des 
Beschuldigten, als Zeuge einvernommen (pag. 1491 ff.). 

In die Beweiswürdigung mit einzubeziehen sind sodann die forensisch-
psychiatrischen Gutachten über den Beschuldigten vom 14. April 2015 (pag. 540 
ff.) und über die Privatklägerin vom 2. September 2016 (pag. 1690 ff.). Letzteres 
gab die Vorinstanz in Auftrag, um das Ausmass der psychischen Störung der Pri-
vatklägerin, die Frage des Einflusses der psychischen Störung auf das Aussage-
verhalten der Privatklägerin und deren Möglichkeiten, in ihrem Zustand dem Be-
schuldigten Widerstand zu leisten, zu beurteilen (pag. 1690 ff.).

Für die Zusammenfassung der Beweismittel aus der Untersuchung und dem erst-
instanzlichen Verfahren wird auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 
2063 ff., S. 8 ff. der Urteilsbegründung). Zusätzlich sind die Aussagen der Privat-
klägerin und des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung wiederzuge-
ben:

Die Privatklägerin gab insbesondere zu Protokoll, das Erlebte gehe ihr nicht mehr 
so nahe, da es schon sieben oder sechs Jahre her sei. Seit der letzten Einvernah-
me habe es keine stationären Aufenthalte mehr gegeben. Mit dem Beschuldigten 
habe sie keinen Kontakt (pag. 2385). Die Aussagen, die sie bisher gemacht habe, 
würden stimmen (pag. 2386). Nach den Anschuldigungen gegenüber ihrem Vater 
gefragt sagte sie, das sei wirklich ihre Krankheit gewesen. Sie sei in einer Angst-
phase gewesen. Unter der Sache mit dem Beschuldigten habe sie gelitten. Sie sei 
von ihm bedroht worden und sei mehrfach im Frauenhaus gewesen. Sie habe dort 
auch Bestätigung erhalten, dass sie nicht schuld sei und sich gegen ihn wehren 
dürfe. Es erleichtere sie, wenn man ihr glaube und sie merke, dass sie das Recht 
habe, etwas zu sagen (pag. 2386). Die Privatklägerin wirkte auf das Gericht ruhig 
und gefasst und in keiner Weise psychotisch.

Der Beschuldigte sagte, er könne seine bisherigen Aussagen bestätigen (pag. 
2393). In der Trennungszeit hätten er und die Privatklägerin sich jede Woche ge-
sehen. Einmal sei er zu ihr gegangen, mal sei sie mit dem Kind zu ihm gekommen. 
Dies sei so gewesen, als sie im «G.________» gewohnt habe (pag. 2394). Er frag-
te, wie er seine Frau drei Jahre lang vergewaltigt haben solle. 2010 habe sie bei 
der Polizei angerufen. Sie habe den Mut gehabt, der Polizei zu sagen, was passiert 
sei. Danach sei sie dann ins Frauenhaus gegangen und sei dann zu ihm nach Ma-
rokko gekommen. Er wisse nicht, wie es eine Vergewaltigung geben solle, ohne 
zerrissene Kleider oder so. Die Privatklägerin habe behauptet, er nehme Drogen. 
Seine Haaranalyse sei aber negativ ausgefallen. Er nehme keine Drogen und habe 
sie nicht vergewaltigt (pag. 2394). Nach dem Verlesen des Protokolls ergänzte er 
noch, dass wenn die Geschichte der Privatklägerin wegen ihrem Vater nicht stim-
me, seine Geschichte auch nicht stimmen könne (pag. 2394).

8.2 Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete das forensisch-psychiatrische Gutachten über die Privat-
klägerin vom 2. September 2016 (pag. 1690 ff.) als nachvollziehbar und schlüssig 
(pag. 2086, S. 31 der Urteilsbegründung). Es sei für sie erstellt, dass die schizoaf-
fektive Störung die Aussagen während der polizeilichen Befragung nicht beeinflusst 

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habe. Ebenso gehe sie davon aus, dass die schizoaffektive Störung bei der Privat-
klägerin zu keiner Umdeutung/Dramatisierung geführt habe und dass die Privatklä-
gerin freiwilligen Sexualkontakt nicht in unfreiwilligen umgedeutet habe. Damit 
könnten die Aussagen der Privatklägerin, insbesondere diejenigen während den 
beiden polizeilichen Befragungen, mittels der Aussagenanalyse auf ihre Glaubhaf-
tigkeit überprüft werden (pag. 2087, S. 32 der Urteilsbegründung). 

Trotz kleinerer Unstimmigkeiten erschienen die Aussagen der Privatklägerin nach 
genauer Analyse gesamthaft betrachtet als glaubhaft. Sie seien im Kernbereich 
stimmig und ohne grössere innere oder äussere Widersprüche. Die Privatklägerin 
schildere insbesondere den Sachverhalt vom August 2010 und die Vergewaltigung 
in Wabern (als der Sohn geschrien habe) detailliert und mit verschiedenen originel-
len Details und Komplikationen, die man so nicht einfach erfinden würde. Die ande-
ren Übergriffe habe die Privatklägerin zwar weniger detailliert geschildert, sie aber 
konstant bestätigt. Sie mache auch entlastende Angaben und zeige mit einer Aus-
nahme keine Aggravierungstendenzen (pag. 2090, S. 35 der Urteilsbegründung). 
Die Aussagen des bestreitenden Beschuldigten erschienen insgesamt betrachtet 
mit einigen kleineren Widersprüchen und Unstimmigkeiten versehen. Ansonsten 
könnten aus der Aussagenwürdigung keine wesentlichen weiteren Erkenntnisse 
gewonnen werden (pag. 2091, S. 36 der Urteilsbegründung). Während aus den 
Aussagen des Beschuldigten für die Beweiswürdigung wenig abgeleitet werden 
könne, erschienen die Aussagen der Privatklägerin im Kernbereich überzeugend 
und glaubhaft. Ihre Angaben stünden sodann in klarem Einklang mit dem Polizei- 
und Arztbericht sowie den Aussagen der Zeugen, gegenüber welchen sie die Vor-
fälle geschildert habe. Es könne beweismässig auf die Aussagen der Privatklägerin 
abgestellt werden. Die in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalte Ziff. I.1. 
(mehrfache Vergewaltigung) und I.3. (mehrfache Nötigung), alle zum Nachteil der 
Privatklägerin, seien beweismässig erstellt (pag. 2091 f., S. 36 f. der Urteilsbegrün-
dung).

8.3 Vorbringen der Parteien
Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten rügte insbesondere, entgegen der Aus-
führungen der Vorinstanz sei die Privatklägerin nicht glaubwürdig. Sie sei von zahl-
reichen Auskunftspersonen als ambivalent und psychotisch mit Vermischung von 
Realität und Fiktion erlebt worden. Zudem habe sie Gründe für eine falsche An-
schuldigung des Beschuldigten. Zum einen habe sie vor dem Beschuldigten Ruhe 
haben wollen und zum anderen sei sie im Frauenhaus von Dritten in Bezug auf die 
Anzeige beeinflusst worden. Die Privatklägerin sei keine willensstarke Frau und 
leicht beeinflussbar. Gemäss Gutachten gebe es keine konkreten Hinweise, dass 
die Privatklägerin die Handlungen des Beschuldigten aufgrund ihrer Krankheit um-
gedeutet haben könnte, was anderes jedoch nicht ausschliesse. Es gebe auch Wi-
dersprüche in den Aussagen der Privatklägerin, während der Beschuldigte kon-
stant und widerspruchsfrei ausgesagt habe. Ihre Schilderungen vom Vorfall im Au-
gust 2010 seien nicht mit dem Polizeirapport und dem Bericht des I.________s in 
Einklang zu bringen. Die erste Vergewaltigung in Wabern habe die Privatklägerin 
unglaubhaft geschildert. Es stimme nicht, dass das Besuchsrecht ungenügend ge-
regelt gewesen sei und es erscheine lebensfremd, dass sie nach der Vergewalti-

11

gung noch gemeinsam mit dem Beschuldigten essen würde. Im Studio im 
«G.________» und in der Wohnung an der T.________(Strasse) sei es gemäss 
Aussagen der Privatklägerin auch zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr ge-
kommen. Es sei für den Beschuldigten nicht erkennbar gewesen, ob er gegen den 
Willen der Privatklägerin handle oder nicht (pag 2395 ff.).

Die Generalstaatsanwaltschaft und der amtliche Vertreter der Privatklägerin plä-
dierten hingegen für die Bestätigung des Beweisergebnisses der Vorinstanz (pag. 
2399 ff. und pag. 2402 f.). Beide vertraten die Auffassung, es könne auf die Aussa-
gen der Privatklägerin abgestellt werden.

8.4 Beweiswürdigung der Kammer

8.4.1 Vorbemerkungen

Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse 
wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 2081 ff., S. 
26 ff. der Urteilsbegründung). Vorliegend ist eine Vielzahl von Vorwürfen über ei-
nen Zeitraum von knapp vier Jahren zu untersuchen. Die Privatklägerin, zu deren 
Nachteil die Taten begangen worden sein sollen, war die Ehefrau des Beschuldig-
ten. Neben den Beweismitteln bzw. Aussagen zu den einzelnen Taten sind daher 
auch die Hintergründe und Umstände der Beziehung der Privatklägerin und des 
Beschuldigten von Bedeutung und entsprechend in die Beweiswürdigung miteinzu-
beziehen. Die folgenden Erwägungen gelten als Ergänzung der vorinstanzlichen 
Beweiswürdigung.

8.4.2 Zur Beziehung der Privatklägerin und des Beschuldigten

Der Ablauf und die Art der Beziehung zwischen der Privatklägerin und dem Be-
schuldigten kann anhand der Aussagen der beiden sowie der Auskunftspersonen 
rekonstruiert werden. Die Privatklägerin und der Beschuldigte lernten sich im Früh-
jahr 2010 in der UPD Waldau (Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychothera-
pie) kennen (pag. 276 Z. 28, 306 Z. 46, 1695). Der Beschuldigte wollte von Beginn 
weg heiraten. Die Privatklägerin sagte, sie sei damals psychotisch gewesen. Dass 
ein Mann sie habe heiraten wollen, habe ihr gut getan. Er habe ihr gesagt, wenn 
sie ihn nicht heirate, sei sie schuld, wenn er ausgeschafft werde (pag. 307 Z. 51 
ff.). Der Beschuldigte sei dann aus der Klinik geschmissen worden und sie habe 
ihm den Hausschlüssel zu ihrer Wohnung in Wabern gegeben und rund einen Mo-
nat später sei sie aus der Waldau ausgetreten (pag. 307 Z. 57 ff.). Die Privatkläge-
rin und der Beschuldigte wohnten von nun an zusammen und heirateten am 8. Juli 
2010 (pag. 637). Bei der Staatsanwaltschaft meinte die Privatklägerin, die Proble-
me hätten eigentlich schon am Hochzeitstag begonnen. Der Beschuldigte habe 
sich so stark betrunken, dass sie ihn fast nicht zum Termin habe bringen können 
(pag. 332 Z. 91 f.). Es sei ihr aufgefallen, dass er Drogen konsumiere. Er habe sehr 
viel Alkohol konsumiert und jeden Abend das gemeinsame Domizil verlassen. Er 
habe jeden Tag bis am Mittag geschlafen und nichts gearbeitet (pag. 307 Z. 74 ff.). 
Auch der Beschuldigte selbst gab an, er habe in dieser Zeit viel Alkohol getrunken 
(pag. 278 Z. 111 f.). Bereits kurz nach der Heirat, am 10. August 2010, rief die Pri-
vatklägerin morgens um 08:14 Uhr die Polizei und meldete einen Streit mit Tätlich-
keiten seitens ihres Mannes (pag. 251 f.). Sie begab sich daraufhin ins Frauenhaus 

12

Bern, wo sie sich vom 10. August 2010 bis am 27. September 2010 aufhielt (vgl. 
Angaben von P.________ pag. 260 f.). Bei ihrem Austrittsgespräch gab sie an, ih-
rer Ehe noch eine Chance geben zu wollen (pag. 261). Sie ging zum Beschuldigten 
zurück. Sie gab an, der Beschuldigte habe versprochen, es werde alles besser, 
was aber nicht der Fall gewesen sei. Er habe das gemeinsame Geld verprasst. Im 
März 2011 habe sie festgestellt, dass sie ca. im dritten Monat schwanger sei. Im 
Juli 2011 habe sie genug gehabt und gesagt, sie werde sich trennen, wenn er sei-
nen Lebenswandel nicht ändere (pag. 308 Z. 120 ff.). Am 10. Oktober 2011 kam 
der gemeinsame Sohn zur Welt (pag. 1645). Er kam nicht gesund zur Welt und 
benötigte über längere Zeit sehr viel Pflege (vgl. pag. 309 Z. 149 ff., 344 Z. 25 ff. 
und 57 ff.). Aufgrund einer Gefährdungsmeldung der Frauenklinik Bern bei der Kin-
des- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wurden die Privatklägerin und ihr 
Kind in der heilpädagogischen Lebensgemeinschaft J.________ platziert (pag. 
420). Der Beschuldigte ging im Spital offenbar nicht sehr sanft mit dem Kind um 
(pag. 309 Z. 151 f., 344 Z. 32 ff.). Auch in der Lebensgemeinschaft J.________, wo 
der Beschuldigte jeweils sein begleitetes Besuchsrecht ausübte, fiel er den betreu-
enden Personen wegen seinem groben Umgang mit dem Kind (pag. 345 Z. 79 f. 
und 107), aber auch mit der Privatklägerin auf (pag. 345 Z. 94 ff.). Die Betreuerin 
K.________ gab unter anderem zu Protokoll, der Beschuldigte sei von einem Be-
sitzverhältnis ausgegangen: Sein Kind und seine Frau (pag. 344 Z. 36 f.). Er habe 
immer wieder betont, er könne mit seinem Kind und seiner Frau tun, was er wolle 
(pag. 345 Z. 91 f.). Die Privatklägerin habe immer wieder den Wunsch geäussert, 
dass sie eine Familie haben wolle. Es sei aber öfters zu Streit zwischen den Ehe-
leuten gekommen. Der Beschuldigte habe sie oft dermassen bedroht, dass sie er-
kannt habe, dass es so nicht weiter gehen könne und bei den Betreuern Schutz 
gesucht habe. Die Privatklägerin habe jeweils zwischen Wunsch und Wirklichkeit 
gependelt (pag. 345 Z. 72 ff.). Am 8. Juni 2012 stellte die Privatklägerin ein Ehe-
schutzgesuch (pag. 418). Mit Entscheid vom 15. November 2012 genehmigte das 
angerufene Gericht die Trennungsvereinbarung (Trennung per 1. September 
2012). Die Obhut über das Kind wurde der Privatklägerin zugeteilt und dem Be-
schuldigten ein Besuchsrecht eingeräumt (pag. 1696). Von November 2012 bis Ja-
nuar 2014 lebte die Privatklägerin dann in einem Studio im Wohnhaus 
«G.________» der Stiftung H.________ in Biel (pag. 358 Z. 24 und 36). 
M.________, Betreuerin in der Stiftung, sagte aus, sie habe die Privatklägerin als 
ambivalent erlebt. Einmal habe sie gewollt, dass der Beschuldigte bei ihr sei, mal 
habe sie ein Rayonverbot erwirken wollen. Tendenziell habe die Privatklägerin dar-
auf hingewirkt, dass der Beschuldigte gar nicht mehr vorbeikomme (pag. 360 Z. 
126 ff.). In derselben Zeit besuchte die Privatklägerin gemeinsam mit ihrem Sohn 
den Beschuldigten wiederholt in der früheren gemeinsamen Wohnung (vgl. z.B. 
pag. 1479 Z. 28 ff.). Dies war bevor ihr im Dezember 2013 die Obhut über ihren 
Sohn entzogen wurde (pag. 1696). Die Privatklägerin sagte aus, der Beschuldigte 
habe sie in dieser Zeit mehrmals angerufen und ihr SMS geschrieben. Das Ganze 
habe ihr so sehr zugesetzt, dass sie wieder Medikamente benötigt habe (pag. 310 
Z. 215 ff.). Nach Auskunft des Beistandes S.________, der im Jahr 2013 einge-
setzt wurde, bestand zunächst keine Besuchsregelung, da die Privatklägerin und 
der Beschuldigte angegeben hätten, sie würden keine Regelung benötigen (pag. 

13

1491 Z. 26 f.). Zuerst habe die Privatklägerin mit dem Kind zum Beschuldigten ge-
hen wollen. Ca. Anfang/Mitte Dezember 2013 habe sie dies nicht mehr gewollt. Ir-
gendwann habe sie gesagt, dass er sie sexuell belästige (pag. 1491 Z. 43 f.).

Ende Januar 2014 bezog die Privatklägerin eine eigene Wohnung in Biel an der 
T.________(Strasse) (pag. 310, 1696). Der Beschuldigte half ihr beim Umzug (pag. 
339 Z. 384 f.). Mit Verfügung vom 31. März 2014 verweigerten die Migrationsdiens-
te die beantragte Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschuldigten (pag. 
637). Die Privatklägerin schilderte passend dazu, der Beschuldigte sei dann am 4. 
April 2014 plötzlich vor ihr im Bus gestanden und habe ihr den Ausschaffungsbe-
fehl vor die Nase gehalten (pag. 311 Z. 259 ff.). Sie habe Bedauern gehabt mit ihm 
(pag. 311 Z. 271 und Z. 282). Am 8. April 2014 habe der Beschuldigte sie angeru-
fen und unter Druck gesetzt, sie solle bei seinem Anwalt ein Formular unterschrei-
ben, um zu bestätigen, dass er bei ihr wohne bzw. dass sie wieder ein Paar seien. 
Sie habe grosse Angst bekommen und habe dann das Frauenhaus angerufen, das 
sie anderntags an einem anderen Ort platziert habe (pag. 311 f. Z. 291 ff.). Nach 
Gesprächen im Frauenhaus entschloss sie sich dann gemäss eigenen Angaben 
zur Anzeige gegen den Beschuldigten (vgl. pag. 1715, pag. 2386). Am 24. April 
2014 meldete sich die Privatklägerin bei der Polizei (pag. 237). 

Es ergibt sich bereits abgesehen von den einzelnen Tatvorwürfen ein Gesamtbild 
von einer durchwegs sehr schwierigen und konfliktreichen Beziehung zwischen der 
Privatklägerin und dem Beschuldigten. Die Auskunftsperson K.________ beschrieb 
die Beziehung zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten aus ihrer Wahr-
nehmung folgendermassen: «Sie wollte ihm dienen, ihrem Traum, dem Mann, dem 
Kind und er wollte herrschen.» (pag. 347 Z. 208). Diese Beschreibung scheint zu-
treffend. Die Beziehung war von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt. Der Be-
schuldigte war insbesondere auf die Privatklägerin angewiesen, um sich legal in 
der Schweiz aufhalten und finanzieren zu können. Die Privatklägerin 
wiederum wollte sich mit dem Beschuldigten ihren grossen Wunsch von einer 
glücklichen Familie erfüllen (vgl. auch Aussage K.________ pag. 348 Z. 220 f.).

8.4.3 Zum forensisch-psychiatrischen Gutachten über die Privatklägerin

Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen die Ergebnisse des forensisch-
psychiatrischen Gutachtens vom 2. September 2016 zusammengefasst, worauf 
verwiesen wird (pag. 2084 ff., S. 29 ff. der Urteilsbegründung). Wie für die Vorin-
stanz sind auch für die Kammer die Ergebnisse des Gutachtens schlüssig. An des-
sen Qualität und Professionalität bestehen keinerlei Zweifel. Das Gutachten weist 
klar darauf hin, dass es einen Bericht über den Krankheitsverlauf der Privatklägerin 
darstellt. Der Gutachter erstellte anhand der Akten, von Arztberichten und eigener 
Exploration die Krankheitsgeschichte der Privatklägerin, was sich nicht einfach ge-
staltete (vgl. pag. 1693). Daraus versuchte er, für einen bestimmten Zeitpunkt/eine 
bestimmte Zeitperiode den Zustand der Privatklägerin anzugeben. Es handelt sich 
ausdrücklich nicht um ein spezialisiertes Aussagegutachten (pag. 1736). Die Erwä-
gungen der Beschwerdekammer in ihrem Beschluss BK 16 450 vom 25. November 
2016 sind durchaus zutreffend. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die Pri-
vatklägerin während dem gesamten massgeblichen Zeitraum (9. August 2010 bis 
8. April 2014) an einer schizoaffektiven Störung (ICD-10 F25) wechselnden Aus-

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masses mit im Gesamtverlauf zunehmend deutlich hervortretender (affektiver) und 
psychotischer Symptomatik litt (pag. 1731). Bei der Privatklägerin gibt es zudem 
gemäss Gutachten keine konkreten Hinweise auf eine signifikante Beeinträchtigung 
von Wahrnehmung und Denken zum Zeitpunkt der polizeilichen Einvernahmen, da 
sich die Störung weitgehend in Remission befunden habe (pag. 1732). Auch gebe 
es keine konkreten Hinweise darauf, dass die Krankheit der Privatklägerin zu einer 
Umdeutung oder Dramatisierung von Handlungen des Beschuldigten geführt haben 
könnte (pag. 1733). Damit ist aber für die Beurteilung des Wahrheitsgehalts der 
einzelnen Aussagen noch wenig gewonnen. Denn das Gutachten kann nur leisten, 
was es letztlich ist, nämlich eine Aussage über den Krankheitsverlauf der Privatklä-
gerin und ihren Zustand im Tatzeitraum als auch im Zeitpunkt ihrer Befragungen 
(BK 16 450 E. 4). Das Fehlen konkreter Hinweise schliesst das Gegenteil freilich 
nicht klar aus. Aufgrund des Gutachtens kann nicht geschlossen werden, dass die 
Vorwürfe der Privatklägerin an die Adresse des Beschuldigten den Wahnvorstel-
lungen der Privatklägerin aufgrund ihrer Krankheit entspringen würden. Es schliesst 
dies aber eben auch nicht aus. Dass die Aussagen der Privatklägerin wahrheitsge-
treu sind, kann dem Gutachten nicht entnommen werden. Eine solche Beurteilung 
war denn auch nicht Teil des Gutachtensauftrages. Vielmehr obliegt diese Beurtei-
lung dem Gericht im Rahmen der Beweiswürdigung. Mit Sicherheit kann aufgrund 
des Gutachtens einzig gesagt werden, dass die Aussagen der Privatklägerin trotz 
dem Bestehen ihrer psychischen Krankheit einer Würdigung zugänglich sind. Die 
Aussagen der Privatklägerin bei der Polizei wurden in einer besseren Phase in ih-
rem Krankheitsverlauf, in weitgehender Remission, und jene bei der Staatsanwalt-
schaft in einer etwas schwierigeren Phase gemacht. Es war ihr grundsätzlich mög-
lich, wahrheitsgetreue Aussagen zu machen.

8.4.4 Allgemeine Würdigung der Aussagen der Privatklägerin

a) Ambivalenz

Dass die Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten eine Ambivalenz zeigt, 
bestätigen der Gutachter (pag. 1735) und mehrere der befragten Fachpersonen, 
die in der Vergangenheit mit der Privatklägerin zu tun hatten. So sagte 
K.________, die Privatklägerin habe unbedingt eine Familie sein wollen. Sie habe 
immer gependelt zwischen Wunsch und Wirklichkeit (pag. 345 Z. 81 ff.). 
M.________ sagte aus, sie habe die Privatklägerin so erlebt, dass die Liebe zu ih-
rem Mann immer noch da gewesen sei, und sie einfach kein Ende setzen konnte 
(pag. 359 Z. 57 f.). Alice P.________ meinte anlässlich ihrer telefonischen Befra-
gung durch die Polizei, die Privatklägerin sei im Frauenhaus als ambivalent aufge-
fallen. Sie habe der Beziehung mit dem Beschuldigten noch eine Chance geben 
wollen (pag. 261). Q.________ gab gegenüber der Polizei an, die Privatklägerin 
habe vermutlich unter Schuldgefühlen gegenüber ihrem Mann gelitten, und habe 
eine «heile» Familie haben wollen. Der Beschuldigte tue ihr vermutlich auch leid. 
Sie sei sich bewusst, dass der Beschuldigte sich aus Angst vor einer Ausschaffung 
auf keinen Fall von ihr scheiden lassen wolle (pag. 262 f.). Von derselben Ambiva-
lenz und den Schuldgefühlen der Privatklägerin sprach N.________ (pag. 363 ff.). 
Sie führte beispielsweise aus, die Privatklägerin habe Mitleid mit dem Beschuldig-
ten gehabt und habe sich zu ihm hingezogen gefühlt. Sie glaube, die Privatklägerin 

15

habe viel zu wenig Selbstvertrauen gehabt, um sich seine Handlungen nicht mehr 
gefallen zu lassen und sich von ihm zu lösen (pag. 366 Z. 106 ff.). Die Wunschvor-
stellungen, Schuldgefühle, das mangelnde Selbstbewusstsein und die Ambivalenz 
der Privatklägerin gehen auch aus ihren eigenen Aussagen deutlich hervor. Ge-
genüber dem Gutachter gab sie beispielsweise an, auch nach der Trennungsver-
einbarung sei immer noch ein bisschen Hoffnung dagewesen, sie könnten eine 
Familie werden (pag. 1713). Ebenso kommt in ihren Schilderungen glaubhaft zum 
Ausdruck, dass der Beschuldigte sie zu manipulieren vermochte. So sagte sie ins-
besondere, sie habe einfach heiraten wollen. Jede Frau wolle einmal heiraten. Er 
habe ihr auch gesagt, wenn sie ihn nicht heirate, sei sie Schuld, dass er zurück 
nach Marokko geschickt werde. Diese Schuld habe sie nicht auf sich nehmen wol-
len (pag. 306 f. Z. 48 ff.). Sie habe gegenüber dem Beschuldigten ein schlechtes 
Gewissen gehabt. Das habe er ausgenutzt (pag. 310 Z. 209 f.). Als der Beschuldig-
te den Ausschaffungsbefehl erhalten habe, sei sie einverstanden gewesen, dass er 
mit ihr nach Hause komme, weil sie Bedauern mit ihm gehabt habe (pag. 311 Z. 
270 f.). Wegen der Schuldgefühle und der Zermürbungstaktik des Beschuldigten 
sei es ihm auch immer wieder gelungen, dass sie ihn hereingelassen habe (pag. 
324 Z. 308 ff.). Die Privatklägerin reflektiert in diesen Aussagen ihr eigenes ambi-
valentes Verhalten. Sie versucht dies nicht zu verstecken. Neben den Wunschvor-
stellungen und den Schuldgefühlen der Privatklägerin, dürfte auch ein gewisser 
Druck durch die Behörden für das Verhalten der Privatklägerin prägend gewesen 
sein. So wusste sie, dass ihr womöglich ihr Kind weggenommen würde, wenn sie 
diesem keine stabilen Verhältnisse bieten kann (vgl. pag. 338 Z. 328 f.: «Ich hatte 
die Vormundschaftsbehörde am Hals. Ich musste mich an die Regeln halten.»). Sie 
war mit dem Kind alleine auch überfordert und erhoffte sich vom Beschuldigten ei-
ne gewisse Entlastung (vgl. Aussage O.________, pag. 372 Z. 112 f.). Dem Gut-
achter sagte sie, der Beschuldigte sei auch fürsorglich gewesen und habe bei den 
Besuchen «gekocht und gemacht». Das habe ihr imponiert und sie habe wahnsin-
nig Angst gehabt, alleine das Kind zu haben und sich gegenüber den Behörden 
beweisen zu müssen (pag. 1713). Unter diesen Umständen erscheint nachvoll-
ziehbar, weshalb die Privatklägerin nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt die 
Polizei informierte. Die Tatsache, dass sie trotz den angeblichen schlimmen Vorfäl-
len den Beschuldigten immer wieder zu sich liess oder zu ihm ging, ist der Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen in diesem Gefüge jedenfalls nicht abträglich.

b) Einordnung der Geschehnisse

Zum ambivalenten Hintergrund passen die Aussagen der Privatklägerin, die sie 
zunächst gegenüber dem Gutachter zum Ausdruck brachte. Sie gab an, sie würde 
es heute vielleicht nicht mehr so streng sehen mit der Vergewaltigung (pag. 1712). 
Wobei sie präzisierte, vielleicht schätze sie die Vorfälle jetzt weniger schlimm ein 
aus Mangel an Selbstbewusstsein (pag. 1713). Sie sei erst 2014 zur Polizei ge-
gangen. Sie habe einfach gedacht, es (Anm.: die Übergriffe) gehöre zur Beziehung. 
Wäre sie früher zu Polizei gegangen, dann wäre der Beschuldigte inhaftiert wor-
den, was sie nicht gewollt habe. Auch habe sie es (Anm. die Übergriffe) damals als 
nicht so schlimm angesehen. Nach Gesprächen im Frauenhaus und nachdem sie 
von der Anzeige der anderen Frau erfahren habe, habe sie die Ereignisse mit dem 
Beschuldigten doch als etwas Schlimmeres angesehen (pag. 1715). In der Beru-

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fungsverhandlung vom 27. November 2017 sagte sie wiederum, sie habe im Frau-
enhaus Bestätigung bekommen, dass sie nicht schuld sei und dass sie sich gegen 
den Beschuldigten wehren dürfe (pag. 2386). Sie habe die Bestätigung bekommen, 
dass sie nicht falsch liege, wenn sie den Beschuldigten beschuldige, schlecht mit 
ihr umgegangen zu sein (pag. 2387). In der Welt der Privatklägerin erschienen ge-
walttätige oder sexuelle Übergriffe in der Beziehung offensichtlich weitgehend als 
normal. Sie gehörten zu ihrem Alltag. Sie litt nachweislich an einem sehr geringen 
Selbstbewusstsein (pag. 1736, pag. 372 Z. 123 f.) und war eher leicht beeinfluss-
bar. Ihre Schilderung, wonach sie sich nach Gesprächen mit Betreuerinnen im 
Frauenhaus zur Anzeige gegen den Beschuldigten entschloss, passt ins Gesamt-
bild zur Person der Privatklägerin. Es lässt sich daraus nicht ableiten, dass die Pri-
vatklägerin durch Einfluss von Dritten, falsche Anschuldigungen machen würde 
oder etwas Schlimmeres schildern würde, als tatsächlich passiert ist. Es hat für sie 
lediglich die Einordnung des Geschehenen geändert. Es scheint nachvollziehbar, 
dass die Privatklägerin selbst aufgrund ihres angeschlagenen Selbstbewusstseins, 
den Schuldgefühlen und ihren Wünschen Mühe hatte, die Handlungen des Be-
schuldigten einzuordnen bzw. sich mit einer Anzeige zur Wehr zu setzen. 

Zu diesen Einordnungsschwierigkeiten passt, dass die Privatklägerin selbst 
grundsätzlich jeweils nicht den Begriff «Vergewaltigung» verwendete (so auch aus-
drücklich N.________, pag. 364 Z. 45 ff.). Sie sagte, der Beschuldigte habe gegen 
ihren Willen Geschlechtsverkehr vollzogen (z.B. pag. 337 Z. 284: «Er machte aber 
trotzdem Sex mit mir.»). In ihrem Tagebuch schrieb sie, sie komme schlecht mit 
dem Beschuldigten aus, weil er sie immer sexuell belästige, etwas von ihr wolle 
(pag. 448). Auch dem Beistand ihres Sohnes, S.________, sagte sie gemäss des-
sen Aussage, der Beschuldigte belästige sie sexuell (pag. 1491 Z. 43 f.). Nach den 
eigenen Aussagen der Privatklägerin meinte sie damit offenbar, dass es zu sexuel-
len Übergriffen komme (pag. 1479 Z. 42 f.). Bei einer falschen Anschuldigung wäre 
doch eher zu erwarten, dass von Vergewaltigung, Missbrauch oder Übergriffen ge-
sprochen wird, wie die Privatklägerin dies übrigens in Bezug auf ihren Vater tat. Sie 
gab an, ihr Vater habe sie sexuell missbraucht (pag. 323 Z. 234 ff. und pag. 327).

c) Psychotische Missbrauchsvorwürfe

Die Vorwürfe gegenüber ihrem Vater, die die Privatklägerin bei der polizeilichen 
Einvernahme äusserte, ordnete sie dann später als krankheitsbedingt ein (pag. 
1705). Der Gutachter stellte fest, dass bei der Privatklägerin in Phasen psychoti-
scher Dekompensation sexuelle Befürchtungen (Freiwild zu sein, vergewaltigt zu 
werden) und Anschuldigungen (Vergewaltigung durch ihren Bruder und ihren Vater; 
sexuelle Beziehung des Bruders mit Ex-Partner, Exmann habe an ihrem Sohn So-
domie begangen, sie selbst sei angeklagt wegen sexueller Übergriffe an ihrem 
Sohn) vorgekommen seien. Nach den psychotischen Phasen habe sie sich davon 
distanziert (pag. 1734). Von den Vorwürfen gegen den Beschuldigten hat sich die 
Privatklägerin jedoch nie distanziert, sondern diese höchstens abgeschwächt, wie 
beispielsweise mit der Aussage, sie würde das heute mit der Vergewaltigung nicht 
mehr so eng sehen. Die Anschuldigungen gegen ihren Vater erhob die Privatkläge-
rin in der polizeilichen Einvernahme vom 1. Mai 2014 (pag. 318 ff.), obwohl ihre 
Krankheit gemäss Gutachten sich damals weitgehend in Remission befand (pag. 

17

1732). Dieser Umstand hält zur Vorsicht an. Allerdings kann wegen der gleichzeitig 
auf Wahnvorstellung zurückzuführenden Aussagen, nicht geschlossen werden, 
dass auch die Aussagen in Bezug auf den Beschuldigten nicht der Realität ent-
sprechen können. 

d) Aussagen der Auskunftspersonen und Übereinstimmungen

Die Privatklägerin erzählte verschiedenen Personen von den angeblichen Vorfällen 
mit dem Beschuldigten, wenn auch nicht im selben Umfang. Von Gewalt des Be-
schuldigten und/oder Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erzählte sie den 
Frauen K.________, M.________, N.________, P.________, Q.________ und 
R.________ (vgl. Zusammenfassung im Rapport pag. 258 ff.). Keine dieser Perso-
nen gab an, diese Angaben der Privatklägerin nicht für wahr gehalten zu haben. 
N.________ erzählte, die Privatklägerin sei im November/Dezember 2013 sehr 
psychotisch geworden und habe ein Gemisch zwischen Realität und Fiktion ge-
macht (pag. 367 Z. 185 f.). Vorher sei sie auch schon psychotisch gewesen, aber 
viel weniger (pag. 367 Z. 192). Trotzdem konnte sich die Psychiatriepflegerin 
N.________ nicht vorstellen, dass die Schilderungen der Privatklägerin in Bezug 
auf Schläge oder verbale Attacken des Beschuldigten nur in deren Kopf stattgefun-
den haben sollen. Sie meinte, die Privatklägerin habe das schon sehr gut unter-
scheiden können (pag. 367 Z. 194 ff.). Sie habe die Schilderungen der Privatkläge-
rin betreffend den Beschuldigten stets ernst genommen und sei sicher, dass diese 
zutreffen würden (pag. 365 Z. 72 f.).

Die Art und Weise wie die Privatklägerin, das Verhalten des Beschuldigten be-
schreibt, stimmt in vielen Punkten auch mit den Aussagen von anderen Personen 
überein. Sie sagte, der Beschuldigte habe zur Zeit des Zusammenwohnens viel Al-
kohol konsumiert und sei jeden Abend weggegangen (pag. 307 Z. 75 f.). Dass er in 
dieser Zeit viel Alkohol trank, räumte sogar der Beschuldigte selbst ein (pag. 278 Z. 
111 f.), auch wenn er behauptet, nur ein einziges Mal, nämlich als die Polizei im 
August 2010 kam, stark betrunken gewesen zu sein (pag. 280 Z. 222 f.). Dazu 
passt die Aussage der Zeugin, die den Beschuldigten beim Rauchen auf der gros-
sen Schanze kennengelernt hatte und dort jeweils auch wieder traf (pag. 504 Z. 
129 ff.) und schilderte, dieser habe auf dem Weg ins Marzili ein Bier bei sich ge-
habt und während sie zusammen gewesen seien zwei Bier à 5 dl getrunken (pag. 
505 Z. Z. 201 ff.). K.________ beschrieb in ihrer Einvernahme die von ihr wahrge-
nommene impulsive Art des Beschuldigten. Er sei nicht durchgehend dieselbe Per-
son gewesen. Manchmal habe er sehr freundlich und kooperativ auftreten können. 
Dann habe sein Verhalten aber plötzlich ohne Vorwarnung geändert. Er habe grob 
gewirkt und sei fordernd und laut geworden. Er habe ständig Machtdemonstratio-
nen gezeigt und sei dabei sehr laut geworden. Durch sein Auftreten und seinen 
Ton habe er sehr bedrohlich gewirkt. Ein für ihn falsches Wort oder auch nur ein 
Nein sei für ihn etwas ganz Furchtbares gewesen (pag. 345 f. Z. 107 ff.). Die von 
der Privatklägerin erwähnten Wutausbrüche des Beschuldigten erscheinen somit 
plausibel (vgl. pag. 319 Z. 41 ff., 326 Z. 381 «aufbrausend»). Einzig zur vielfach 
geäusserten Vermutung der Privatklägerin, der Beschuldigte habe im relevanten 
Zeitraum Drogen, wahrscheinlich Kokain, konsumiert (vgl. z.B. pag. 322 Z. 173), 
finden sich keine konkreten Hinweise durch andere Personen in den Akten und der 

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beim Beschuldigten gemachte Drogentest fiel negativ aus (pag. 389). Dieser Um-
stand könnte also der Vorstellung der Privatklägerin entsprungen sein. Diese Vor-
stellung basiert jedoch immerhin auf nachvollziehbaren Umständen. Es ist bekannt, 
dass der Beschuldigte bereits mit Drogen zu tun hatte, wurde er doch in Italien im 
Jahr 2006 und im Jahr 2008 unter anderem wegen Betäubungsmittelwiderhandlun-
gen verurteilt (pag. 611). K.________ sagte aus, es könne durchaus sein, dass sie 
der Privatklägerin gesagt hätten, der Beschuldigte wirke, als ob er Kokain konsu-
mieren würde. Er habe gehetzt und fahrig gewirkt. Konkrete Beobachtungen, die 
auf Drogenkonsum schliessen lassen, hätten sie aber nie gemacht (pag. 348 Z. 
240 ff.).

e) Aussagequalität

Es ist zutreffend, dass – wie die Vorinstanz ausführt – die Privatklägerin nur zum 
Vorfall vom August 2010 und demjenigen beim Besuch beim Beschuldigten, als 
U.________ geschrien hat, wirklich detailreiche und originelle, gleichbleibende 
Ausführungen macht. Diese können kaum frei erfunden sein. Ansonsten blieb es 
bezüglich der behaupteten Vergewaltigungen bei der stereotypen Aussage, der 
Beschuldigte habe den Geschlechtsverkehr einfach gegen ihren Willen durchge-
setzt. Aufgrund der mehrfachen Repetition der Vorfälle ist jedoch nachvollziehbar, 
dass die Privatklägerin, die auch noch psychisch beeinträchtigt war, nicht mehr je-
den einzelnen Vorfall im Detail wiederzugeben vermag. So sagte die Privatklägerin, 
der Vorfall in Wabern, als U.________ geschrien habe, sei der Schlimmste gewe-
sen. Sonst sei es immer mehr oder weniger gleich abgelaufen (pag. 325 Z. 314 ff.). 
Die Aussagen zu den einzelnen Vorfällen sind jedoch im Anschluss noch einge-
hender zu würdigen.

Bezüglich der behaupteten Vergewaltigungen beschreibt die Privatklägerin, der 
Beschuldigte sei recht schnell zum Orgasmus gekommen (pag. 321 Z. 151). Auch 
sprach sie von plötzlichem bzw. überraschendem Hose Runterziehen (pag. 323 Z. 
229 f.). Auch hier zeigt sich eine gewisse Übereinstimmung mit den Schilderungen 
der Zeugin. Diese sagte, der Beschuldigte habe sie gepackt und habe ihr die Hose 
heruntergezogen, es sei alles sehr schnell gegangen (pag. 502 Z. 56 ff.). Das 
Sperma des Beschuldigten wurde nach diesem kurzem Vorfall auf dem Pullover 
der Zeugin festgestellt (pag. 520 f.). Es ist allerdings zu bemerken, dass es sich um 
keine originelle spezifische Vorgehensweise handelt.

Die Privatklägerin machte keine einseitigen lediglich den Beschuldigten belastende 
Aussagen. Vielmehr sagte sie, sie hätten auch gute Zeiten gehabt (pag. 319 Z. 39, 
pag. 323 Z. 254 f., pag. 331 Z. 87) und nennt Zeitspannen, in denen es keine nega-
tiven Vorfälle gegeben habe (pag. 309 Z. 189 f.) oder nicht zu Geschlechtsverkehr 
gegen ihren Willen gekommen sei (pag. 335 f. Z. 239 ff.). Sie räumt auch Erinne-
rungslücken ein (z.B. pag. 333 Z. 157). 

Nicht immer gleichbleibend und teilweise etwas unbestimmt sind die Aussagen der 
Privatklägerin zur Frage von einvernehmlichen sexuellen Kontakten und zu ihrer 
Gegenwehr bei nicht einvernehmlichen Kontakten. 

f) Aussagen zur Gegenwehr der Privatklägerin

19

Der Gutachter hielt fest, dass das angegriffene Selbstbewusstsein der Privatkläge-
rin, möglicherweise deren Entschiedenheit des Auftretens gegenüber ungewollten 
Wünschen oder Avancen Anderer beeinträchtigen und die Probleme der Abgren-
zung verstärken würden. Die von der Privatklägerin geäusserten Schuldgefühle 
könnten dazu beigetragen habe, dass sie sich dazu entschieden habe, die sexuel-
len Handlungen des Beschuldigten passiv oder mit geringerem Widerstand zu er-
dulden (pag. 1735 f.). Bei der Polizei sagte die Privatklägerin, es könne vielleicht 
sein, dass sie es einige Male einfach über sich habe ergehen lassen und sich kör-
perlich nicht gegen ihn gewehrt habe. Sie habe aber immer gesagt, dass sie nicht 
mit ihm Sex haben wolle. Er könne also nicht behaupten, er habe nicht gewusst, 
dass sie nicht mit ihm schlafen wolle (pag. 324 Z. 286 ff.). Bei der Staatsanwalt-
schaft sagte sie befragt zu den angebliche Vorfällen im Wohnhaus «G.________», 
er habe sie zum Sex überredet. Manchmal habe er auch geweint. Sie habe dann 
Mitleid gehabt und nachgegeben (pag. 337 Z. 301 f.). In der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung gab sie zu Protokoll, im «G.________» habe es auch sexuelle 
Kontakte gegeben, mit denen sie einverstanden gewesen sei. Es habe Tage gege-
ben, an denen sie einverstanden gewesen sei, und Tage, da sie nicht einverstan-
den gewesen sei. Für den Beschuldigten sei es klar gewesen, wann sie einver-
standen war und wann nicht. Sie habe dies klar gesagt und er habe es gewusst 
(pag. 1478 Z. 37 ff.). Auch in der Wohnung an der T.________(Strasse) sei es vor-
gekommen, dass sie einverstanden gewesen sei (pag. 1479 Z. 8 f.). Der Beschul-
digte habe den Unterschied bemerken können, durch ihre Aussage, dass sie heute 
keinen Sex wolle und kein Bedürfnis habe und auch durch ihre Abwehrhaltung 
(pag. 1481 Z. 40 ff.). Gegenüber dem Gutachter sagte die Privatklägerin, sie habe 
dem Beschuldigten schon gesagt, dass sie es nicht wolle, aber es sei bei ihm nicht 
angekommen (pag. 1715). In Anbetracht ihrer übrigen Aussagen meinte sie damit 
wohl, dass der Beschuldigte auf ihre Äusserungen keine Rücksicht nahm und ihren 
Willen überging. Sehr eindrücklich und glaubhaft wirken nämlich die Aussagen der 
Privatklägerin, in denen sie die Reaktion des Beschuldigten auf ihre Ablehnung von 
Sex beschrieb. Der Beschuldigte habe gesagt, es gefalle ihm, wenn es zu Sex 
komme, wenn sie nicht wolle (pag. 1478 Z. 40 f.). Bei ihrer Gegenwehr habe der 
Beschuldigte jeweils gegrinst. Er habe das Ganze lächerlich gefunden und habe 
dann das Kommando übernommen (pag. 1480 Z. 44 f.). Er habe Freude beim Sex, 
wenn er ihr Schmerzen zufügen könne (pag. 313 Z. 351 f.). Wenn sie anderen 
Männern sage, dass sie nichts mit ihnen haben wolle, würden sie gehen. Beim Be-
schuldigten sei das anders. Wenn sie Nein gesagt habe, habe er noch einen drauf-
gesetzt (pag. 320 Z. 93 ff.). Beim ersten Vorfall beschrieb sie, der Beschuldigte ha-
be gesagt, er hätte sonst keine andere mit der er Sex haben könne (pag. 320 Z. 
112). Auf ihre Ablehnung hin, habe er mit einem Lachen reagiert (pag. 321 Z. 114 
f.). Später habe er mal gesagt, dass es ihm gefalle und ihn anmache, wenn sie mit 
ihm wegen des Sex‘ kämpfen würde. Dies sei für ihn wie Fechten (pag. 321 Z. 154 
f.). Er habe ihr Nein einfach nicht akzeptiert. Er habe gesagt, sie sei seine Frau und 
er brauche Sex mit ihr. Er hätte sonst niemand anderes (pag. 322 Z. 162 f.). Er ha-
be ständig ein Lachen drauf gehabt, wenn sie ihm gesagt habe, sie wolle keinen 
Sex. Er habe betont, er habe Freude mit ihr Sex zu haben, wenn sie sich dagegen 
wehre (pag. 325 Z. 327 ff.). Diese Äusserungen des Beschuldigten der Privatkläge-

20

rin gegenüber passen zum einen zum Bild von ihm, das sich aus den Beweismitteln 
ergibt (vgl. unten Ziff. II.8.4.4) und weisen klar daraufhin, dass zwischen den Ehe-
gatten über die Tatsache, dass die Privatklägerin Sex ablehnte, gesprochen wurde. 
Die Frage, ob in Bezug auf die einzelnen angeklagten Handlungen von einer aus-
reichenden Gegenwehr der Privatklägerin ausgegangen werden kann bzw. ob für 
den Beschuldigten ihr fehlendes Einverständnis erkennbar war, ist bei der Würdi-
gung der einzelnen Anklagepunkte noch genauer zu prüfen.

g) Fazit

Zusammenfassend gibt es zu viele Übereinstimmungen mit anderen Aussagen 
oder Beweismittel, zu viele Details, mithin zu viele Realitätskriterien und zu wenig 
Lügensignale, die auf die Aussagen der Privatklägerin zutreffen, als dass ihre An-
schuldigungen gegen den Beschuldigten vollständig erfunden sein oder einer 
krankheitsbegründeten Wahnvorstellung entspringen könnten. Im Allgemeinen er-
scheinen die Aussagen der Privatklägerin zu den angeklagten Vorfällen mit dem 
Beschuldigten glaubhaft und es kann darauf abgestellt werden.

8.4.5 Allgemeine Würdigung der Aussagen des Beschuldigten

Die Aussagen des Beschuldigten vermögen der Glaubhaftigkeit der Aussagen der 
Privatklägerin nichts entgegen zu setzen. Aus der Tatsache, dass er die Vorwürfe 
der Privatklägerin bestreitet und sich mit verschiedenen Argumenten zu verteidigen 
sucht, kann freilich nichts abgeleitet werden. Auffallend ist jedoch, dass die Be-
schreibungen des Beschuldigten von der Beziehung mit der Privatklägerin und sei-
nem Verhalten, nicht nur den Aussagen der Privatklägerin, sondern auch von Dritt-
personen, so K.________, diametral widersprechen. Zum anderen verstrickt er sich 
in gewisse nicht auflösbare Widersprüche. 

Er sagte aus, die Privatklägerin habe bereits im ersten Monat der Ehe behauptet, 
er hätte sie geschlagen. Er erinnere sich nicht mehr an diese Zeit, er sei betrunken 
gewesen (pag. 277 Z. 60 ff.). Noch in derselben polizeilichen Einvernahme will er 
sich dann aber doch noch ganz genau erinnern, dass er seine Frau nie geschlagen 
habe (pag. 280 Z. 212 ff.). Zum Vorfall in der Nacht vom 9. auf den 10. August 
2010 gab der Beschuldigte bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll, er sei nach 
Hause gekommen und direkt schlafen gegangen (pag. 296 Z. 47). Ein paar Fragen 
später sagte er dann doch, es habe einen Streit gegeben (pag. 296 Z. 81). Er sagte 
von sich selbst, er habe nie Gewalt angewendet. Er sei ein ruhiger Mensch. Er 
würde sich als ruhig und seinen Charakter als still bezeichnen. Er werde nie laut 
und spreche auch nicht so viel (pag. 279 Z. 163 ff.). Es sei kein Problem für ihn 
gewesen, wenn die Privatklägerin keine Lust auf Sex gehabt habe (pag. 280 Z. 
236). Er sagte, wenn die Privatklägerin keine Lust gehabt habe, habe er probiert, 
dass sie Lust dazu habe, so wie dies jeder Mann tue. Wenn sie keine Lust gehabt 
habe, dann habe es eben nicht geklappt (pag. 280 Z. 240 ff.). Damit sagt der Be-
schuldigte doch immerhin, dass er sich nicht bereits von einer einmaligen Abwei-
sung der Privatklägerin beeindrucken liess, sondern noch probierte. Aufhorchen 
lässt sodann die Äusserung des Beschuldigten gegenüber dem Gutachter: Wolle 
der Mann Sex, müsse die Frau auch Sex wollen (pag. 576). Diese letzte Aussage 
passt unweigerlich zur Beschreibung des Beschuldigten von K.________. Der Be-

21

schuldigte habe immer wieder betont, er könne mit seinem Kind und seiner Frau 
tun, was er wolle (pag. 345 Z. 91 f.). Sie passt ebenso zu den Schilderungen der 
Privatklägerin, wonach der Beschuldigte beispielsweise gesagt haben soll, sie sei 
seine Frau und müsse mit ihm Sex haben (pag. 322 Z. 162 f.). Die Privatklägerin 
sprach offenbar auch gegenüber N.________ vom besitzergreifenden Verhalten 
des Beschuldigten, wonach sie seine Frau sei und ihm zu gehorchen habe (pag. 
367 Z. 162 f.).

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, ein 
Nein sei immer ein Nein, auch in Marokko (pag. 1499 Z. 21). Es gibt aber einige 
Hinweise darauf, dass dem Beschuldigten ein Nein oftmals Mühe bereitete. 
K.________ beschreibt den Beschuldigten folgendermassen: Er sei nicht durchge-
hend dieselbe Person gewesen. Er habe sehr freundlich und kooperativ auftreten 
können. Dann plötzlich und ohne Vorwarnung habe er sein Verhalten geändert, 
habe grob gewirkt und sei fordernd und laut geworden. Er habe ständig Machtde-
monstrationen gezeigt und sei dabei sehr laut geworden. Ein falsches Wort oder 
auch nur ein Nein sei für ihn etwas ganz Furchtbares gewesen. Dies sowohl wenn 
es von ihnen als auch von der Privatklägerin gekommen sei. Der Beschuldigte ver-
füge nur über eine schwache Impulskontrolle (pag. 345 f. Z. 107 ff.). Die allgemei-
nen Schwierigkeiten des Beschuldigten mit dem Wort ‚Nein‘ erwähnt auch die Pri-
vatklägerin. Wenn sie ‚Nein‘ gesagt habe, habe er noch einen draufgesetzt. Damit 
meine sie nicht nur das Sexuelle (pag. 320 Z. 94 f.). Im Journal der Lebensgemein-
schaft J.________ zu den Besuchen des Beschuldigten bei seinem Sohn ist ein 
Vorfall vermerkt, bei dem die Privatklägerin zwei bis drei Mal ‚Nein‘ gesagt habe, 
bis der Beschuldigte dies akzeptierte (pag. 425). Insgesamt wirken die Aussagen 
des Beschuldigten in Bezug auf sein eigenes Verhalten eher unreflektiert und be-
schönigend und wenig glaubhaft.

8.4.6 Zu Ziffer I.1.1. der Anklageschrift

Die Privatklägerin erzählte am 25. April 2014 detailliert, wie der Beschuldigte am 
besagten Abend im August 2010 nach Hause kam, ihr das Handy aus der Hand 
riss und begann auf sie eingeschlagen. Er habe mit der Handkante gegen ihren 
Kopf geschlagen und sie von einem Raum in den anderen gejagt. Sie habe Todes-
angst, Angst um ihr Leben gehabt. Sie habe das Gefühl gehabt, dass er Freude an 
der Sache habe. Es habe den Anschein gemacht, als wollte er ihr zeigen, wer zu 
Hause das Sagen habe (pag. 307 Z. 85 ff.). Am selben Abend sei es nach dem 
Vorfall zu Geschlechtsverkehr gekommen. Dieser habe gegen ihren Willen im 
Schlafzimmer stattgefunden (pag. 308 Z. 97 f.). Anderntags habe sie die Polizei ge-
rufen (pag. 308 Z. 106). Die Beschreibung dieses Vorfalls wiederholte sie im Kern-
geschehen mehrmals gleich. Bei der Staatsanwaltschaft beschrieb die Privatkläge-
rin wieder die Schläge auf die Schläfe (pag. 332 Z. 106) und erwähnte das ver-
schlagene Handy (pag. 333 Z. 151 f.). Als er danach zu ihr ins Bett gekommen sei, 
habe er natürlich Sex mit ihr gemacht (pag. 333 Z. 132 f.). Es habe sie nicht ver-
wundert (pag. 333 Z. 139). Sie sei sicher nicht einverstanden gewesen mit dem 
Sex. Sie wisse nicht mehr, was sie damals gesagt habe. Sie habe ihn aufgefordert, 
einen Arzt anzurufen, da es ihr schlecht gegangen sei wegen der Schläge. Sie ha-
be damals ganz bestimmt keinen Sex mit ihm gewollt. Sie wisse nicht, was sie da-

22

mals zu ihm gesagt habe. Es sei zu lange her (pag. 333 Z. 141 ff.). Auf Frage, ob 
der Beschuldigte Gewalt angewendet habe, sagte sie dann doch, er sei angetrun-
ken gewesen. Sie habe gesagt, dass sie so mit ihm keinen Sex haben wolle. Sie 
habe sich abgedreht und ihn weggestossen. Er habe aber trotzdem Sex gemacht 
mit ihr. Er sei stark und 1.80 m gross. Sie habe ihn nicht länger provozieren wollen. 
Sie habe sich einfach überlegt, ob sie überleben wolle oder nicht. Zuvor habe er sie 
ja mehrmals geschlagen (pag. 333 Z. 159 ff.). In der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung sagte sie, sie habe in ihrem Leben noch nie solch massive Gewalt erlebt 
(pag. 1477 Z. 32). Sie wisse nicht mehr, ob sie ihm signalisiert habe, dass sie keine 
sexuellen Kontakte mit ihm haben wolle. Es sei zu lange her. Er habe aber schon 
verstanden, dass sie nicht einverstanden sei. Sie habe ihm gesagt, dass sie keinen 
Sex haben wolle. Die sexuellen Kontakte hätten nach den Schlägen stattgefunden 
(pag. 1477 Z. 38 ff.). Die Privatklägerin erzählte im Frauenhaus (pag. 260) und 
später K.________ von diesem Vorfall (pag. 347 Z. 170 ff.). 

Das Stattfinden dieses Vorfalls wird gestützt durch die Tatsache, dass die Privat-
klägerin tatsächlich, wie erwähnt, am nächsten Morgen, am 10. August 2010 um 
8:14 Uhr die Polizei anrief. Dies geht aus dem entsprechenden Polizeirapport vom 
18. August 2010 hervor (pag. 251 f.). Vor Ort gab die Privatklägerin den Polizisten 
gemäss Rapport an, bei einem Streit von vergangener Nacht sei ihr Mann gegen 
sie tätlich geworden bzw. habe gegen sie mit Schlägen gedroht (pag. 252). Die Pri-
vatklägerin habe keine sichtbaren Verletzungen aufgewiesen und die Wohnung 
habe sich in einem ordentlichen Zustand befunden (pag. 252). Zudem begab sich 
die Privatklägerin am selben Tag in eine ärztliche Untersuchung im I.________ 
(pag. 387) und dann ins Frauenhaus (pag. 260). Dem Bericht des I.________ ist zu 
entnehmen, dass am Kopf, Hals, den Armen und am Rücken zahlreiche Rötungen 
und Exkoriationen bestanden hätten. Ein Zusammenhang zwischen den Hautläsio-
nen, dem Würgen und den Schlägen von letzter Nacht sei nicht offensichtlich (pag. 
387). Es ist hier zu bemerken, dass es sich vorliegend nicht um eine rechtsmedizi-
nische Untersuchung handelte. Als Tatsache kann dem Bericht lediglich entnom-
men werden, dass die Privatklägerin geringfügige Verletzungen aufwies. Ob diese 
von den Schlägen des Beschuldigten stammen oder nicht, kann aus dem Bericht 
alleine nicht abgeleitet werden. 

Erschreckend waren für die Privatklägerin offenbar vor allem die Schläge des Be-
schuldigten. Der unfreiwillige Geschlechtsverkehr scheint für sie der weniger prä-
gende Teil des Vorfalls gewesen zu sein. So ist es leicht zu erklären, dass die Pri-
vatklägerin, zur sexuellen Gewalt befragt, angab, der erste Vorfall nach September 
2012 in Wabern sei der erste bzw. der Schlimmste gewesen (vgl. pag. 320 Z. 102 
ff., pag. 325 Z. 312 ff.). Auch erscheint es nicht abwegig, dass die Privatklägerin 
der Polizei damals nicht vom unfreiwilligen Geschlechtsverkehr erzählte. Denn sie 
ordnete diesen im Vergleich zu den Schlägen nicht als schwerwiegend ein. 

In Bezug auf die Heftigkeit der Schläge und der Verletzungen dürfte die Privatklä-
ger etwas übertrieben haben bzw. diese in ihrer Erinnerung übertrieben abgebildet 
haben. Zumindest ihre Äusserung bei der Staatsanwaltschaft, ihr ganzes Gesicht 
sei aufgeschwollen gewesen und im Augenbrauenbereich habe sie ein Hämatom 
gehabt (pag. 332 Z. 124 f.), ist nicht in Einklang zu bringen mit den Feststellungen 

23

zu den Verletzungen im Polizeirapport und im Bericht des I.________. Dass die 
Wohnung sich in einem ordentlichen Zustand befand, sagt nichts aus über das 
Stattfinden der Auseinandersetzungen. Zum einen ist es aufgrund der Beschrei-
bung der Privatklägerin nicht zwingend, dass die Wohnung durch die Auseinander-
setzung in Unordnung geriet, zum anderen verfügte die Privatklägerin über Zeit 
zum Aufräumen bevor die Polizei am Morgen bei ihr zuhause erschien. 

Die Privatklägerin machte fast vier Jahre nach dem Vorfall zum ersten Mal Aussa-
gen. Dass sie sich nicht mehr im Detail zu erinnern vermochte, wie sie sich gegen 
den Beschuldigten wehrte, als dieser Geschlechtsverkehr wollte, ist nicht überra-
schend. Dass sie den Sex nicht wollte und dies dem Beschuldigten auch mitteilte, 
ist für die Privatklägerin aber unzweifelhaft. Auch aus objektiven Gesichtspunkten 
ist mehr als nur nachvollziehbar, dass die Privatklägerin erschrocken und benom-
men durch die Schläge des Beschuldigten und die Auseinandersetzung, nicht mit 
Geschlechtsverkehr einverstanden war. Die Kammer erachtet den Anklagesach-
verhalt Ziff. I.1.1. als weitgehend erwiesen. Offengelassen werden muss lediglich 
die Heftigkeit der Schläge des Beschuldigten und ob die Privatklägerin tatsächlich 
versuchte, den Beschuldigten wegzustossen vor dem Geschlechtsverkehr.

8.4.7 Zu Ziffer I.1.2. der Anklageschrift

Die Privatklägerin vermochte den ersten Vorfall in der Wohnung des Beschuldigten 
in Wabern bei der Polizei sehr detailreich mit originellen Einzelheiten zu schildern 
(pag. 320 f. Z. 104 ff.). Sie konnte insbesondere die Konversation zwischen ihr und 
dem Beschuldigten, in der sie ihm zu verstehen gab, nicht mit ihm schlafen zu wol-
len, wiedergeben. Sie beschrieb im Detail: Er sei zu ihr gekommen und habe sie 
ganz fest in die Arme genommen, festgehalten und einfach nicht mehr losgelassen. 
Der Beschuldigte habe sie daran gehindert, zu ihrem Sohn zu gehen, der nach ihr 
gerufen habe (pag. 321 Z. 120 ff.). Er habe ihr dann die Hose runtergezogen und 
dann seine eigene. Sie habe die Hose immer wieder hoch gezogen und er sie wie-
der runter (pag. 321 Z. 125 f.). Er habe sie nicht geschlagen, aber nicht losgelas-
sen. Er habe seine Kraft gebraucht, um sie aufs Bett zu drücken. Er habe sie an 
den Oberarmen und auch an den Handgelenken festgehalten, wenn sie sich von 
ihm habe losreissen wollen. Wenn sie sich habe aufrichten wollen, habe er sie wie-
der zurück gedrückt und geschubst. Er habe ihr auch die Hände immer wieder 
weggenommen, wenn sie versucht habe sich aufzurichten (pag. 321 Z. 141 ff.). 
Dieser erste Vorfall sei der schlimmste gewesen, da ihr Sohn so laut geschrien ha-
be und der Beschuldigten auf dieses Schreien so massiv reagiert habe (pag. 325 Z. 
314 f.). Bei der Staatsanwaltschaft schien die Privatklägerin vom selben Vorfall zu 
sprechen. Sie sagte, er sei in sie eingedrungen, ohne dass sie dies gewollt habe. 
Sie habe ihn mit Händen und Knien weggestossen, ihn geklemmt, aber es habe 
nicht gereicht. Er sei stärker gewesen als sie und habe sich einfach über sie hin-
weggesetzt, obwohl sie das nicht gewollt habe. Es sei ein Kampf gewesen und 
nicht Sex. Ihr Sohn habe dann angefangen zu weinen (pag. 339 Z. 352 ff.). 

Zu den weiteren Übergriffen in Wabern sagte die Privatklägerin, immer wenn sie 
mit ihrem Sohn beim Beschuldigten gewesen sei, sei es zu solchen Übergriffen ge-
kommen. Sie sei ungefähr alle zwei bis drei Wochen für ein paar Stunden zum Be-
schuldigten in die Wohnung gegangen. Jedes Mal sei es passiert (pag. 322 Z. 190 

24

ff.). Da es immer mehr oder weniger gleich gelaufen sei, habe es kaum Unter-
schiede gegeben (pag. 325 Z. 315 f.). Bei der Staatsanwaltschaft gab die Privat-
klägerin an, der Beschuldigte habe ein Besuchsrecht erhalten und in diesem Zu-
sammenhang habe sie ihn gemeinsam mit dem Kind in Wabern besucht (pag. 338 
Z. 333 f.). Es sei jedes Mal vorgekommen, wenn sie nach Wabern gegangen sei 
wegen dem 14-tägigen Besuchsrecht. Zu den gewaltsamen Übergriffen sei es ca. 
vier Mal gekommen (pag. 339 Z. 358 f.). Sie sei wegen dem Besuchsrecht nach 
dem ersten Mal wieder hingegangen. Er habe seinen Sohn sehen wollen und habe 
20‘000 Telefonate gestartet (pag. 339 Z. 362). Er habe das Recht gehabt, seinen 
Sohn zu sehen (pag. 339 Z. 366 f.). Sie habe keinen Sex haben wollen vor ihrem 
Sohn, auch wenn dieser geschlafen habe (pag. 1712).

Der erste Vorfall nach der Trennung wird von der Privatklägerin in einer Art und 
Weise beschrieben, die die Aussage besonders glaubhaft erscheinen lässt. Es sind 
gerade auch die eher seltsamen Elemente, die für die Glaubhaftigkeit sprechen. So 
sagte die Privatklägerin, vermutlich hätten sie dann alle zusammen noch etwas ge-
gessen, bevor sie die Wohnung verlassen habe. Der Beschuldigte sei wie immer 
nach dem Sex an seinen Computer gegangen und sei in seiner eigenen Welt ver-
sunken (pag. 321 Z. 134 ff.). Von aussen erscheint es unverständlich, dass jemand 
nach einem solchen Vorfall nicht umgehend aus der Wohnung flüchten würde. Un-
ter Einbezug der Persönlichkeit der Privatklägerin und der Beziehungsdynamik 
zwischen ihr und dem Beschuldigten, sieht dies jedoch anders aus. Dasselbe gilt 
für die Tatsache, dass die Privatklägerin, obwohl sie mit sexuellen Übergriffen 
rechnen musste, weiterhin beim Beschuldigten zu Besuch ging. Offenbar hatte die 
Privatklägerin die Ansicht, sie müsse dies tun, da der Beschuldigte gemäss Tren-
nungsvereinbarung ein Besuchsrecht hatte. Dass ein Besuchsrecht bestand, ohne 
dass zu Beginn eine klare Regelung vorhandenen gewesen war, hat auch der 
frühere Beistand des Sohnes bestätigt (pag. 1491 Z. 26 f.). N.________ gab zu 
Protokoll, die Privatklägerin habe zu Beginn das Besuchsrecht geregelt haben wol-
len, habe sich aber später nicht zu einer Regelung überwinden können (pag. 366 Z. 
143 f.). Andererseits wurde die Privatklägerin vom Beschuldigten, der drängte sei-
nen Sohn sehen zu wollen, mit Telefonaten überhäuft (pag. 310 Z. 213 ff., pag. 339 
Z. 362 f.). Gleichzeitig bestand bei ihr eine Überforderung mit der Betreuung des 
Kindes und trotz allem noch die vage Hoffnung, wieder mit dem Beschuldigten zu-
sammen zu kommen und noch eine Familie zu werden (pag. 1479 Z. 28 f., pag. 
1712 f.).

Dass die Privatklägerin die Vorfälle von unfreiwilligem Geschlechtsverkehr in Wa-
bern, welche nach dem ersten folgten, nicht im Detail beschrieb, kann ihr nicht ne-
gativ angelastet werden. Es ist nachvollziehbar, dass es ihr aufgrund der wieder-
holten ähnlichen Geschehnisse kaum noch möglich war, diese zu spezifizieren. Es 
ist auch nachvollziehbar, dass die Privatklägerin in Anwesenheit des Kindes nicht 
mit Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten einverstanden war. Ihre Aussage, 
dass es in Wabern wiederholt zu Übergriffen kam, ist glaubhaft. Die genaue Anzahl 
vermochte die Privatklägerin jedoch nicht zu nennen. Sie sprach von ca. vier Mal. 
Die Anklage lautete auf vier Vorfälle. Diese genaue Zahl lässt sich jedoch nicht 
nachweisen. Es muss auf die Aussagen der Privatklägerin abgestellt und von ca. 

25

vier Vorfällen ausgegangen werden. Im Übrigen ist der Sachverhalt gemäss Ziff. 
I.1.2. der Anklageschrift erstellt.

8.4.8 Zu Ziffer I.1.3. der Anklageschrift

Nach Aussage der Privatklägerin hat der Beschuldigte mehrmals gegen ihren Wil-
len bei ihr im Studio im Wohnhaus «G.________» der Stiftung H.________ in Biel 
übernachtet. Es sei jeweils zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen. Er sei 
jeweils auch sehr laut geworden. Sie habe wegen des Kindes versucht, nicht laut 
zu werden. Weiter habe der Beschuldigte einfach mit ihr geschlafen, sie habe das 
nicht gewollt (pag. 309 f. Z. 196 ff.). In der polizeilichen Einvernahme vom 1. Mai 
2015 sagte sie, auch an der V.________(Adresse) sei es zu sexuellen Übergriffen 
gekommen. Sie habe Frau M.________ von der Institution davon erzählt. Sie sei 
von November 2012 bis Januar 2014 in diesem Haus gewesen. Von September 
2013 bis Januar 2014 sei er dann nicht mehr dort aufgetaucht. Sie schätze, dass 
es vorher ungefähr drei bis vier Mal zu sexuellen Übergriffen gekommen sei (pag. 
323 Z. 213 ff.). Wegen der Schuldgefühle und mit seiner Zermürbungstaktik sei es 
ihm auch immer wieder gelungen, dass sie ihn hineingelassen habe (pag. 324 Z. 
308 ff.). M.________ bestätigte in ihrer Einvernahme, dass die Privatklägerin ihr 
gegenüber gegen Ende des Aufenthaltes im «G.________» einmal erwähnt habe, 
dass sie von ihrem Mann zum Sex gezwungen worden sei (pag. 359 Z. 97 ff.). Sie 
sagte auch, dass es strikte verboten sei, dass Männer in der Stiftung übernachte-
ten. In so einem Fall müssten die Frauen die Stiftung sofort verlassen (pag. 360 Z. 
121 f.). Auch der Psychiatriepflegerin N.________ hatte die Privatklägerin von ei-
nem Vorfall im «G.________» im Oktober 2013 erzählt, wobei sie in Bezug auf die 
Freiwilligkeit des Geschlechtsverkehrs offenbar undeutlich war (pag. 366 Z. 120 ff.). 
Bei der Staatsanwaltschaft gab die Privatklägerin zu Protokoll, männliche Beglei-
tung hätte um 22 Uhr das Zimmer verlassen müssen. Der Beschuldigte habe dies 
nicht getan (pag. 337 Z. 278 f.). Es sei dort sehr ringhörig gewesen. Sie habe das 
nicht gewollt, er habe aber trotzdem Sex gemacht mit ihr (pag. 337 Z. 284). Auf er-
neute Frage, führte sie an, sie habe den Sex nicht gewollt, er habe es aber trotz-
dem gemacht. Sie habe ihm gesagt, dass sie dies nicht wolle. Sie habe ihn so 
raufgestossen und gesagt «geh weg». Er habe darauf gesagt, sie brauche das und 
wolle das auch (pag. 337 Z. 293 ff.). Er habe sie zum Sex überredet. Manchmal 
habe er auch geweint. Sie habe dann Mitleid mit ihm gehabt und nachgegeben 
(pag. 337 Z. 301 f.). Er habe keine Gewalt angewendet (pag. 337 Z. 306 f.). In der 
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. Januar 2016 sagte die Privatklägerin 
zu diesen Vorfällen aus, sie habe dem Beschuldigten signalisiert, dass sie keinen 
Sex mit ihm wolle. Sie habe sich körperlich gewehrt und habe immer wieder ver-
sucht, die Hose hinaufzuziehen. Sie habe ihm gesagt, dass sie dies nicht wolle. Es 
habe auch sexuelle Kontakte gegeben, da sie einverstanden gewesen sei, dass es 
dazu gekommen sei. Für den Beschuldigten sei klar gewesen, wann sie einver-
standen gewesen sei und wann nicht (pag. 1478 Z. 32 ff.). 

Insgesamt geht aus den Aussagen der Privatklägerin hervor, dass es im 
«G.________» auch zu Geschlechtsverkehr kam, mit dem sie einverstanden war, 
bzw. wo sie sich den Wünschen des Beschuldigten fügte. Die Privatklägerin stand 
unter dem Einfluss ihrer Ambivalenz, aber litt auch unter der Angst, aus der Institu-

26

tion verwiesen zu werden oder ihr Kind aufzuwecken. So ist es nachvollziehbar, 
dass die Privatklägerin unter Umständen unter psychischen Druck geriet, den Ge-
schlechtsverkehr mit dem Beschuldigten zu dulden. Das Zwangsmittel des psychi-
schen Drucks ist jedoch nicht Teil der Anklage. Aus den Aussagen der Privatkläge-
rin geht aber ebenso deutlich genug hervor, dass sie sich mehrfach dem Beschul-
digten nicht fügen wollte, ihm mündlich deutlich zu verstehen gab, keinen Sex zu 
wollen und auch versuchte, ihn wegzustossen. Auch wenn diese Gegenwehr nicht 
besonders heftig gewesen sein dürfte, war sie für den Beschuldigten doch klar er-
kennbar. Er überwand diesen Widerstand und vollzog gewaltsam den Ge-
schlechtsverkehr. Die Privatklägerin sagte aus, es sei ungefähr drei bis viel Mal 
passiert. Im Zweifel für den Beschuldigten ist von der tieferen Schätzung von ca. 
drei Mal auszugehen. Im Übrigen ist der Anklagesachverhalt Ziff. I.1.3. erstellt.

8.4.9 Zu Ziffer I.1.4. der Anklageschrift

Im Dezember 2013 war der Sohn der Privatklägerin und des Beschuldigten in ei-
nem Kinderheim fremdplatziert worden. Die Privatklägerin zog Ende Januar 2014 
daher alleine in eine neue Wohnung an der T.________(Strasse) in Biel (vgl. pag. 
310 Z. 224 f.). Sie gab an, der Beschuldigte habe sie dann auch in der neuen 
Wohnung aufgesucht. Er habe bei ihr wohnen wollen, was sie nicht gewollt habe. 
Sie habe ihn in die Wohnung gelassen um Dinge zu besprechen. Es sei dann meis-
tens um seine Ausschaffung, das gemeinsame Kind und seinen Lebenswandel ge-
gangen. Sie habe sich dabei nicht viel überlegt. Es sei halt auch um das Kind ge-
gangen (pag. 310 Z. 231 ff.). Wenn er einmal bei ihr gewesen sei, sei er nicht mehr 
aus der Wohnung gegangen und habe bei ihr übernachtet. Sie habe nichts dage-
gen tun können. Auch in dieser Wohnung habe er gegen ihren Willen mit ihr ge-
schlafen. Sie habe sich gewehrt, aber dann sei er wieder sehr grob zu ihr gewor-
den. Somit habe sie es geschehen lassen. Sie habe nicht mehr gekonnt. Sie sei 
am Ende ihrer Kräfte gewesen (pag. 310 Z. 240 ff.). In der Einvernahme vom 
1. Mai 2014 gab die Privatklägerin an, ab Januar 2014 habe sie dann die Wohnung 
an der T.________(Strasse) gehabt. Dort sei es auch ein paar Mal passiert. Sie 
schätze drei bis vier Mal (pag. 323 Z. 221 f.). Bei der Staatsanwaltschaft schilderte 
sie unter anderem, der Beschuldigte habe ihr auch beim Umzug geholfen. Er sei 
sehr müde gewesen und habe bei ihr übernachten wollen. Sie sei in der Zeit auch 
noch in der Waldau und nur tageweise zuhause gewesen. Als er bei ihr übernach-
tet habe, habe er Sex von ihr gewollt. Sie habe gesagt, dass sie dies nicht wolle 
und habe sich gewehrt, wie sie es bereits beschrieben habe. Auf Frage, ob er Ge-
walt angewendete habe, sagte sie, ja das schon. Sie habe sich gewehrt, so gut sie 
konnte, bis sie erschöpft gewesen sei. Er habe sie runter gedrückt, ihr die Hände 
gehalten und sei in sie eingedrungen. Sie habe nicht gross Möglichkeiten gehabt, 
sich zu wehren. Sie sei an diesem Abend auch müde gewesen vom Umzug. Er ha-
be ihr die Hose herunter gerissen. Sie glaube, diese Übergriffe seien so drei Mal 
vorgekommen (pag. 339 f. 384 ff.). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sag-
te die Privatklägerin, an der T.________(Strasse) sei es zu sexuellen Übergriffen 
gekommen. Es sei dort vorgekommen, dass sie einverstanden gewesen sei. Sie 
sei aber immer wie mehr dagegen gewesen (pag. 1479 Z. 8 f.). 

27

Auch in Bezug auf diesen Anklagesachverhalt hat die Privatklägerin ihre Aussage 
in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung etwas abgeschwächt, indem sie auch 
von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr sprach. Ihre Aussagen, wonach es 
aber mehrmals gegen ihren Willen passiert sei und sie sich auch gewehrt habe 
bzw. versucht habe sich zu wehren, hat sie dadurch aber nicht zurückgenommen. 
Es bereitet wiederum Mühe, nachzuvollziehen, weshalb die Privatklägerin trotz al-
lem beim Beschuldigten Hilfe suchte für ihren Umzug und ihn wiederholt zu sich in 
die Wohnung liess. Zu erklären ist dies mit ihrer grossen Ambivalenz und ihrer da-
maligen Hilflosigkeit, die sie auch erwähnte. Sie sagte, sie sei unter grossem Druck 
gestanden wegen des Kindes. Man habe immer etwas davon gesprochen, dass sie 
alles richtig machen müsse, damit sie ihren Sohn zurückerhalte (pag. 1479 Z. 19 
f.). Im Gesamtzusammenhang auch mit den früheren Vorfällen, ist die Aussage der 
Privatklägerin, dass es auch in der Wohnung an der T.________(Strasse) drei bis 
vier Mal zu unfreiwilligem Geschlechtsverkehr mit Widerstandsüberwindung ge-
kommen ist, glaubhaft. Die Kammer geht aufgrund der Unsicherheiten bei der An-
zahl der Vorfälle von ca. drei Vorfällen aus. Auch der Anklagesachverhalt Ziff. I.1.4. 
ist erstellt.

8.4.10 Zu Ziffer I.3.1 der Anklageschrift

Im Juli 2011 soll der Beschuldigte der Privatklägerin in Wabern verbal gedroht ha-
ben, sie umzubringen, falls sie sich von ihm scheiden lasse (pag. 983). Die Privat-
klägerin sagte dies wiederholt und glaubhaft aus (pag. 308 Z. 124, pag. 335 Z. 227 
f., pag. 1480 Z. 18, pag. 1714). Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass sich die 
Privatklägerin damals nicht vom Beschuldigten trennte. Die gerichtliche Trennung 
erfolgte erst rund ein Jahr später. Es lässt sich allerdings aufgrund der vorhande-
nen Beweislage nicht eruieren, ob die Privatklägerin sich aufgrund dieser Drohung 
des Beschuldigten nicht von diesem trennte oder ob dies andere Ursachen hatte. 
Diesbezüglich sagte sie einzig aus, sie habe nur ein wenig Angst gehabt vor ihm. 
Sie habe sich im Frauenhaus Bern Hilfe geholt, wo ihr angeraten worden sei, in ein 
Haus für Frauen und Kinder zu gehen. Das habe sie beelendet und sie sei wieder 
zum Beschuldigten zurückgegangen (pag. 308 Z. 133 ff.). Der angeklagte Sach-
verhalt ist insofern zu ergänzen.

8.4.11 Zu Ziffer I.3.2. der Anklageschrift

Nach Angabe der Privatklägerin rief der Beschuldigte sie am 8. April 2014 an und 
setzte sie unter psychischen Druck, verlangte von ihr, sie müsse bei einem Anwalt 
wahrheitswidrig bestätigen, dass sie als Eheleute wieder gemeinsam wohnten 
(pag. 311 Z. 291). Dies geschah nachdem der Beschuldigte den Wegweisungsent-
scheid vom 31. März 2014 erhalten hatte. Die Privatklägerin gab weiter an, sie ha-
be grosse Angst bekommen. Sie habe im Frauenhaus angerufen. Von diesem sei 
sie anderntags an einem anderen Ort platziert worden. Den Termin beim Anwalt 
habe sie nicht wahrgenommen (pag. 311 f. Z. 295 ff.). Diese Aussage der Privat-
klägerin ist glaubhaft und stimmt mit den äusseren Gegebenheiten überein. Sach-
verhaltsmässig ist Ziff. I.3.2. der Anklageschrift erstellt.

8.4.12 Fazit

28

Die Hintergründe und die Schilderungen der Privatklägerin zu den angeklagten 
Vorfällen ergeben ein gesamthaft stimmiges Bild. Der grosse kräftige Beschuldigte, 
zu dem die Privatklägerin in einem ambivalenten Abhängigkeitsverhältnis stand, 
setzte sich mehrfach gewaltsam über den Willen der Privatklägerin und deren Wi-
derstand hinweg, um Geschlechtsverkehr mit ihr zu vollziehen.

9. Vorwurf zum Nachteil der Zeugin

9.1 Beweismittel

Zum Anklagevorwurf an den Beschuldigten zum Nachteil der Zeugin liegen einige 
objektive Beweismittel vor. Dies sind: Der Polizeirapport vom 9. Januar 2012 (pag. 
456 ff.), die Fotos der Polizei vom Tatort (pag. 470 f.), der Rapport des Kriminal-
technischen Dienstes (KTD) vom 20. Mai 2014, wonach auf dem Pullover der Zeu-
gin Sperma des Beschuldigten festgestellt wurde (pag. 520 ff.) und das rechtsme-
dizinische Konzil zur körperlichen Untersuchung der Zeugin vom 11. März 2011 
(pag. 524 ff.). 

Von entscheidender Bedeutung sind jedoch wiederum die subjektiven Beweismit-
tel. Diese bestehen einzig aus den Aussagen der Zeugin und denjenigen des Be-
schuldigten. Die Zeugin wurde am 14. Juli 2011 durch die Polizei befragt, dies al-
lerdings zu einem andern angeblichen Vorfall einer mehrfachen Vergewaltigung 
durch acht Männer (pag. 490 ff.). Darauf folgte eine Einvernahme bei der Polizei 
vom 15. November 2011 (pag. 501 ff.), eine bei der Staatsanwaltschaft vom 
14. Januar 2015 (pag. 510 ff.) und eine in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
vom 20. Januar 2016 (pag. 1485 ff.). Zuletzt wurde die Zeugin anlässlich der Beru-
fungsverhandlung vom 27. November 2017 nochmals befragt (pag. 2389 ff.). Der 
Beschuldigte wurde zu diesem Vorfall am 24. Juli 2014 (pag. 474 ff.). und am 12. 
September 2014 (pag. 483 ff.) polizeilich befragt. Die staatsanwaltschaftliche Ein-
vernahme folgte am 27. November 2014. Erneut einvernommen wurde der Be-
schuldigte dann anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 20. Januar 
2015 (pag. 1495 ff.), an der Fortsetzungsverhandlung vom 25. Januar 2017 (pag. 
1993) sowie anlässlich der Berufungsverhandlung vom 27. November 2017 (pag. 
2393 f.). 

Für die Zusammenfassung der Beweismittel aus der Untersuchung und von der 
Vorinstanz wird auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (pag. 2092 ff., S. 
37 ff. der Urteilsbegründung). In der Berufungsverhandlung hinterliess die Zeugin 
einen unauffälligen und guten Eindruck. Sie äusserte ihr Unverständnis darüber, 
dass sie so lange nach dem Vorfall nochmals aussagen musste (pag. 2389). Sie 
sei nicht mehr in psychologischer oder psychiatrischen Behandlung und müsse 
keine Medikamente einnehmen (pag. 2389 f.). Sie gab an, sie habe bei den bishe-
rigen Einvernahmen die Wahrheit gesagt. Der Einfluss der Medikamente sei nicht 
ganz klar gewesen, aber die Wahrheit sei schon rausgekommen. Dass es zu einem 
sexuellen Übergriff gekommen sei, könne sie heute bestätigen. Sie habe gemeint, 
sie habe neben dem anderen Vorwurf auch denjenigen gegen den Beschuldigten 
zurückgezogen. Wenn sie könnte, würde sie zurückziehen. Das sei aber eine ande-
re Frage, als ob der Vorwurf stimme. Dieser stimme (pag. 2390 f.). Der Beschuldig-
te gab zu Protokoll, mit der Zeugin habe es zwei Mal sexuellen Kontakt gegeben, 

29

einmal im Ostring und einmal im Marzili. Er habe mit ihr gespielt, so wie sie mit ihm, 
seinem Schwanz gespielt habe, bis er gekommen sei. Woher er denn hätte wissen 
sollen, dass sie Jungfrau sei und dies habe bleiben wollen. Er habe nicht versucht, 
sie zu vergewaltigen (pag. 2393). 

9.2 Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte beweiswürdigend zum Schluss, die Aussagen des Be-
schuldigten seien aufgrund des Abstreitens einer Aussagenanalyse kaum zugäng-
lich. Bei den Aussagen der Zeugin sei zu berücksichtigen, dass wer einmal lüge 
nicht zwingend immer lüge. Den Vorwurf der Massenvergewaltigung habe sie mit 
einer plausiblen Erklärung zurückgenommen. Ihre Aussagen zum hier zu beurtei-
lenden Vorfall seien zudem ganz anders. Sie schildere den Beginn wie auch das 
Kerngeschehen konstant, stimmig und ohne innere und äussere Widersprüche. Sie 
erwähne nebensächliche und originelle Details, beschreibe eigene psychische Vor-
gänge während der Tat, belaste den Beschuldigten nicht unnötig und übertreibe 
nicht. Sie erwähne Komplikationen im Handlungsablauf und könne den Vorfall 
räumlich-zeitlich verknüpfen. Dass sie kein Interesse für das vorliegende Verfahren 
mehr zeige, spreche nicht gegen ihre Glaubwürdigkeit. Es gebe auch objektive 
Hinweise, die die Aussagen der Zeugin untermauern würden. Auffallend sei über-
dies, dass die Zeugin den Übergriff fast gleich wie die Privatklägerin geschildert 
habe. Die Aussagen der Zeugin würden glaubhaft erscheinen und es könne be-
weismässig darauf abgestellt werden. Der in der Anklageschrift umschriebene 
Sachverhalt (Ziff. I.2.) sei erstellt (pag. 2098 f., S. 43 f. der Urteilsbegründung).

9.3 Vorbringen der Parteien
Der Verteidiger des Beschuldigten brachte gegen das Urteil der Vorinstanz vor, die 
Zeugin sei unglaubwürdig. Sie habe eine falsche Massenvergewaltigung detailreich 
beschrieben. Es handle sich um ein ungeheuerliches Lügengebäude. Die Er-
klärung der Zeugin für die falsche Anschuldigung sei nicht plausibel. Die Zeugin 
hätte auch die Anschuldigungen gegen den Beschuldigten zurücknehmen wollen. 
Sie sei aber unter Druck gewesen dies nicht zu tun, da sie sonst Gefahr laufen 
würde, sich wegen der falschen Anschuldigung strafbar zu machen. Die Weigerung 
der Zeugin, die Ärzte vom Arztgeheimnis zu entbinden, könne nur darin begründet 
sein, dass dies kontraproduktiv gewesen wäre. Aus der Vorgehensweise bei der 
angeblichen versuchten Vergewaltigung könne nichts abgeleitet werden, da es sich 
um eine übliche Vorgehensweise handle. Es mute seltsam an, dass die Zeugin die 
Aussage zu den vom Beschuldigen erwähnten sexuellen Handlungen im Ostring 
verweigere. Auch die Angaben der Zeugin gegenüber den Ärzten der Frauenklinik 
liessen aufhorchen. Im Zweifel müsse auf die Angaben des Beschuldigten abge-
stellt werden (pag. 2397 f.).

Die Generalstaatsanwaltschaft hingegen stützte die Erwägungen der Vorinstanz. 
Anders als im eingestellten Verfahren wegen Massenvergewaltigung mache die 
Zeugin bei diesem Vorfall realistische Schilderungen, auf die abstellt werden könne 
(pag. 2400 f.).

30

9.4 Beweiswürdigung der Kammer

9.4.1 Vorbemerkungen
Für die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung und der Aussagenanalyse 
wird nochmals auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
(pag. 2081 ff., S. 26 ff. der Urteilsbegründung).

Die Besonderheit bei der Beweiswürdigung zum Anklagevorwurf zum Nachteil der 
Zeugin ist, dass diese am 13. Juli 2011 bei der Kantonspolizei in Interlaken melde-
te, sie sei vor ca. drei Monaten in der Stadt Bern von acht Männern sexuell miss-
braucht worden. Aufgrund dieser Anzeige erfolgte am 14. Juli 2011 eine polizeiliche 
Einvernahme mit der Zeugin, in der sie weiter angab, vor ca. vier Monaten Opfer 
eines weiteren Sittlichkeitsdelikts geworden zu sein (pag. 457). Zu diesem zweiten 
Vorwurf, der den Beschuldigten betraf, wurde die Zeugin dann erst am 15. Novem-
ber 2011 polizeilich einvernommen. Dabei gab sie ihren Pullover ab, den sie beim 
Treffen mit dem Beschuldigten getragen habe (pag. 457 f.). Der KTD stellte auf 
dem Pullover Spermaspuren fest und konnte ein komplettes männliches DNA-Profil 
erstellen. Dieses ergab jedoch keine Übereinstimmung mit der DNA-Datenbank. 
Die Zeugin kannte nur den Vornamen des Beschuldigten und konnte ihn körperlich 
beschreiben. Der Beschuldigte konnte von der Polizei nicht ermittelt werden (pag. 
458 und pag. 521). Nach der Anzeige gegen den Beschuldigten durch die Privat-
klägerin im Frühling 2014 wurde von diesem ein DNA-Profil erstellt. Dies führte zu 
einer Übereinstimmung mit der DNA auf dem Pullover der Zeugin (pag. 521). Das 
Verfahren gegen die acht Männer, die die Zeugin mit Anzeige vom 13. Juli 2011 
beschuldigt hatte, wurde am 2. April 2012 eingestellt (pg. 658 ff.). Nachdem die 
Zeugin mit gegenteiligen Aussagen von drei der beschuldigten Männer konfrontiert 
worden war, sagte sie, es sei nicht zu Geschlechtsverkehr gekommen. Sie habe 
bei ihrer Einvernahme vom 14. Juli 2011 nicht gewusst, was eine Vergewaltigung 
sei. Es stimme, dass sie sich selbst ausgezogen und wieder angezogen habe. Die-
se Aussagen folgten kurz nach einer Einweisung bzw. einem Aufenthalt der Zeugin 
in einer psychiatrischen Klinik (pag. 659 f.). Die spezielle Konstellation ist im Rah-
men der folgenden Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Als weitere Basis für die 
Würdigung sind kurz die bekannten Informationen zur Bekanntschaft zwischen der 
Zeugin und dem Beschuldigten zu erörtern, bevor auf deren Aussagen im Allge-
meinen und insbesondere in Bezug auf den angeklagten Vorfall einzugehen ist. Die 
folgenden Erwägungen gelten als Ergänzung der vorinstanzlichen Beweiswürdi-
gung.

9.4.2 Zur Bekanntschaft zwischen der Zeugin und dem Beschuldigten

Zur Frage, wie sie sich kennen gelernt hatten und wie ihre Beziehungen in etwa 
aussah, machten die Zeugin und der Beschuldigte weitgehend übereinstimmende 
Aussagen. Sie trafen sich erstmals in Bern auf der Grossen Schanze etwas mehr 
als einen Monat vor dem angeklagten Vorfall vom 10. März 2011. Sie waren beide 
mit Kollegen da und hatten sich durchs Rauchen kennengelernt (pag. 504 Z. 129 
ff., 475 Z. 42 ff.). Es wurden die Nummern ausgetauscht und es entstand unter an-
derem telefonischer Kontakt (pag. 504 Z. 134 ff., pag. 476 f. Z. 101 ff.). Vor dem 
10. März 2011 kam es einmal zu einem Treffen der beiden im Ostring, wo die Zeu-
gin damals wohnte (pag. 476 Z. 54 f., pag. 504 Z. 137). Der Beschuldigte gab an, 

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die Zeugin habe mit ihm bleiben und eine feste Beziehung haben wollen (pag. 476 
Z. 66). Er sei schon in sie verliebt gewesen, aber habe seine Frau nicht wegen ihr 
verlassen wollen (pag. 479 Z. 213). Die Zeugin sagte in der Einvernahme vom 
15. November 2011 noch, sie hätte eine freundschaftliche Beziehung zum Be-
schuldigten gehabt und habe nie etwas Sexuelles von ihm gewollt (pag. 504 Z. 115 
ff.). Bei der Staatsanwaltsanwaltschaft räumte sie dann ein, man könne nicht so 
sagen, dass sie eine feste Beziehung gewollt habe, aber sie habe sich ein paar Mal 
mit ihm getroffen und sich auch in ihn verliebt gehabt (pag. 516 Z. 113 f., vgl. auch 
pag. 1485 Z. 35 und pag. 1488 Z. 29).

Am Abend des angeklagten Vorfalls, war die Zeugin gemäss ihren Angaben unter-
wegs ins Fitness und gerade am Bahnhof, als sich der Beschuldigte bei ihr melde-
te. Sie sei dann zu ihm auf die Grosse Schanze gegangen. Er habe gefragt, ob sie 
ein bisschen Spazieren ge