# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 376d8c3d-314a-5605-af5a-9037b79b5ae6
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-04-23
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 23.04.2012 SB110352
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110352_2012-04-23.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB110352/U/eh 
 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. M. Langmeier, Vorsitzender, Ersatzoberrichter 

lic. iur. J. Meier und Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie der 

Gerichtsschreiber lic. iur. T. Brütsch 

 

Urteil vom 23. April 2012 

 

in Sachen 

 

A._____, 
(alias A1._____, geb. tt.mm.1988; A2._____, geb. tt.mm.1983;  

A3._____, geb. tt.mm.1987; A4._____, geb. tt.mm.1987),  

Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. P. Gossner,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend  

versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom  
10. Februar 2011 (DG100521) 

- 2 - 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

14. Juli 2010 ist diesem Urteil beigeheftet (HD 46). 

 

Urteil der Vorinstanz: 
 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in  

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie in Verbindung mit  

Art. 15 und Art. 16 Abs. 1 StGB; 

− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB; 

− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. 

2. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 15. Novem-

ber 2009 ausgefällte bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– 

(wovon zwei Tage als durch Untersuchungshaft geleistet gelten) wird wider-

rufen. 

3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 

fünf Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon 
454 Tage durch Haft bis und mit heute bereits erstanden sind. 

4. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

28. April 2010 beschlagnahmte Taschenmesser, 2-klingig, mit gelben  

gerippten Metall-Griffschalen, mit grosser Klinge und kleiner gekrümmter 

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Klinge (sog. Abmantlerklinge), Bez. auf Griffschale "..." wird eingezogen und 

der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

5. Die übrigen mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

vom 28. April 2010 beschlagnahmten Gegenstände, 

− 1 Strick-Pullover, mehrfarbig, "Automuster", mit schwarzen Bordüren, 
Bez. "Monte Carlo"; 

− 1 Jeanshose, blau, Bez. "Eckö" mit eingeschlauftem und verknotetem 
hellblau/weissem Halstuch als Gurt; 

− 1 Paar Socken, braun lang; 

− 1 Unterhose grau/hellgrau gemustert; 

− 1 Paar Freizeitschuhe, schwarz/silber, Bez. "Nike" Gr. 41 

werden dem Beschuldigten auf erstes Verlangen nach Eintritt der Rechts-

kraft herausgegeben.  

6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 7'000.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 1'336.80   Kosten der Kantonspolizei  

Fr. 7'462.50   Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr.     amtliche Verteidigung (ausstehend) 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf 

die Gerichtskasse genommen. 

8. (Mitteilungen) 

9.  (Rechtsmittel) 

 

 

- 4 - 

 

Berufungsanträge: 
 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

1. Der Appellant sei vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung frei-

zusprechen. 

2. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 15. Novem-

ber 2009 ausgefällte bedingte Geldstrafe sei nicht zu widerrufen. 

3. Der Appellant sei mit einer angemessenen Freiheitsstrafe zu bestrafen. 

4. Die weiteren Auslagen der Kantonspolizei und der Untersuchung in der  

Urteilsbegründung seien nach freispruch- bzw. verurteilungsrelevanten  

Kosten aufzugliedern, zu substanzieren und zu begründen. 

5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien in  

angemessenem Umfang dem Appellanten aufzuerlegen und im übrigen auf 

die Gerichtskasse zu nehmen. 

6. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt) zulasten der 

Gerichtskasse. 

7. Der Beschuldigte sei im Fall des Freispruches sofort aus der Haft zu ent-

lassen. 

8. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 221'200.-- nebst Zins zu 

5% seit dem 1. Juli 2010 und eine Genugtuung ab dem 10. Februar 2011 bis 

heute, d.h. 438 Tage, von Fr. 87'600.-- plus Zins zu 5% ab dem 10. Februar 

2011 auszurichten. 

 

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b) Der Staatsanwaltschaft: 

1. Dispositiv Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 10. Februar 

2011 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit 7 Jahren Freiheitsstrafe 

zu bestrafen. 

2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen. 

 

Erwägungen: 

I. 
Verfahrensgang 

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 10. Februar 

2011 sprach das Bezirksgericht Zürich, 2. Abteilung, den Beschuldigten schuldig 

der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie in Verbindung mit Art. 15 StGB und 16 Abs. 1 

StGB, des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB und der Sachbeschädi-

gung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. Gleichzeitig widerrief die Vorinstanz die 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 15. November 2009 

ausgefällte bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.--, abzüglich zwei 

Tage geleisteter Untersuchungshaft. Der Beschuldigte wurde unter Einbezug der 

widerrufenen Strafe bestraft mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und  

zwei Monaten als Gesamtstrafe, abzüglich 454 Tage erstandener Haft. Sodann 

ordnete das Gericht die Einziehung verschiedener sichergestellter Gegenstände 

bzw. die Aushändigung diverser beschlagnahmter Kleidungsstücke an den  

Beschuldigten an. Mit Beschluss gleichen Datums verlängerte die Vorinstanz  

zudem die Sicherheitshaft bis zum möglichen Strafantritt (HD Urk. 82). Das Urteil 

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wurde anlässlich der Tagfahrt vom 10. Februar 2011 mündlich eröffnet (HD  

Urk. 78 S. 11). 

2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte noch vor Schranken der Vor-

instanz Berufung erklären. Auf Gesuch der amtlichen Verteidigung hin wurde dem 

Beschuldigten sodann mit Präsidialverfügung vom 5. Mai 2011 der vorzeitige 

Strafantritt bewilligt (HD Urk. 93 - 95). Das Urteil ging dem Beschuldigten und der 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich je am 5. Mai 2011 (HD Urk. 96/1; HD 

Urk. 96/2) in begründeter Fassung zu (HD Urk. 92). In der Folge wurde die Akten 

dem Obergericht des Kantons Zürich zugestellt (Art. 399 Abs. 1 StPO). 

3.1. Mit Eingabe vom 24. Mai 2011 reichte der Beschuldigte dem Obergericht 

des Kantons Zürich die Berufungserklärung ein (Urk. 102). Der Beschuldigte focht 

dabei den Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung an und beantrag-

te diesbezüglich einen Freispruch. Zudem stellte er den Antrag, es sei auf den 

Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom  

15. November 2009 ausgefällten bedingten Geldstrafe zu verzichten. Beweis-

anträge stellte der Beschuldigte keine.  

3.2. Bereits am 6. Mai 2011 hatte sich der Psychiatrisch-Psychologische Dienst 

der Justizdirektion an die Vorinstanz gewandt, um einen Hinweis auf die psychi-

sche Verfassung des Beschuldigten zu geben (Urk. 104). Die entsprechende  

Aktennotiz der Vorinstanz wurde in der Folge zu den Akten gelegt, ohne den  

Verfahrensbeteiligten davon Kenntnis zu geben. 

3.3. Mit Präsidialverfügung vom 1. Juni 2011 wurde der Staatsanwaltschaft IV 

des Kantons Zürich in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO, Art. 401 StPO 

und Art. 34 StGB eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist ange-

setzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begründet 

ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 105). Gleichzeitig wurde 

dem Beschuldigten gestützt auf Art. 345 StPO in Verbindung mit Art. 379 und 389 

Abs. 3 StPO nochmals Gelegenheit gegeben, Beweisanträge zu stellen. Ferner 

wurde der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich und der amtlichen Verteidi-

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gung Kenntnis von der Aktennotiz der Vorinstanz vom 6. Mai 2011 (Urk. 104)  

gegeben.  

4. In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich mit  

Eingabe vom 22. Juni 2011 Anschlussberufung. Dabei beschränkte sie die  

Berufung auf die Strafzumessung (Urk. 108).  

Am 24. Juni 2011 stellte der Präsident der erkennenden Kammer dem Beschul-

digten die Anschlussberufung der Anklägerin zu (Urk. 109). Mit Beschluss vom  

7. Juli 2011 wurde - nach Einsicht in die vorstehend erwähnte Aktennotiz des  

Bezirksgerichtes vom 6. Mai 2011 und nachdem weder die Staatsanwaltschaft IV 

des Kantons Zürich noch die amtliche Verteidigung je eine psychische Erkran-

kung des Beschuldigten geltend gemacht hatten und die allfällige psychische  

Störung gemäss dem Psychiatrisch-Psychologischen Dienst nicht auf die Haft  

zurückzuführen war - ein ärztliches Gutachten über den körperlichen und  

geistigen Zustand des Beschuldigten, dessen Schuldfähigkeit zur Zeit der Tat  

sowie die Zweckmässigkeit einer Massnahme nach den Artikeln 56 bis 64 StGB 

eingeholt. Als Gutachter wurde PD Dr. med. B._____ bestellt (Urk. 113). Am  

23. August 2011 erfolgte der Gutachtensauftrag an den genannten Experten 

(Urk. 120). Am 1. März 2012 ging das betreffende Gutachten ein; es datiert vom 

29. Februar 2012 (Urk. 125). Am 19. Mai 2011 war überdies ein aktueller Strafre-

gisterauszug über den Beschuldigten eingeholt worden (Urk. 100), welcher mit 

dem bereits bei den Akten liegenden (HD Urk. 38/6a) inhaltlich übereinstimmt.  

II. 
Gegenstand der Berufung / Anklagevorwurf 

1. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten 

vorsätzlichen Tötung. Sodann verlangt er den Verzicht auf den Widerruf der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 15. November 2009 aus-

gefällten bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätze zu Fr. 30.--. Demzufolge sind 

die Dispositivziffern 1 Abs. 1, Ziff. 2, 3, 6 und 7 des vorinstanzlichen Urteils ange-

fochten und stehen zur Disposition. Seitens der Verteidigung unangefochten  

blieben hingegen die Dispositivziffern 1 Abs. 2 und Abs. 3 (Schuldspruch wegen 

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Diebstahls und Sachbeschädigung) sowie Ziff. 4 und 5 (je Einziehungen). Somit 

ist mittels separaten Vorabbeschlusses festzustellen, dass die erstinstanzlichen 

Dispositivziffern 1 Abs. 2 und Abs. 3, sowie Ziff. 4 und 5 des Urteils rechtskräftig 

sind.  

2. Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet Ziffer I des Sachverhaltes  

gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Juli 

2010 (HD Urk. 46). Darin wird dem Beschuldigten das Folgende vorgeworfen:  

Zwischen dem Beschuldigten und dem Geschädigten C._____ sei es am 20. No-

vember 2009 an der ...strasse in Zürich zu einer erst verbalen, dann tätlichen 

Auseinandersetzung gekommen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung habe der 

Beschuldigte ein Taschenmesser mit zwei Klingen, einer grossen von 65 mm 

Länge und einer kleineren gekrümmten Abmantlerklinge aus seiner Hosentasche 

genommen und die normale (grössere) Klinge geöffnet.  

In der Folge habe der Beschuldigte dieses Messer gegen den Geschädigten  

C._____ eingesetzt, wobei durch eine Abwehrbewegung [des Geschädigten] die 

Messerklinge teilweise eingeklappt sei und dem Beschuldigten am rechten Dau-

men eine Schnittwunde zugefügt habe. Daraufhin habe der Beschuldigte das 

Messer erneut geöffnet und dieses insgesamt mehrere Male gegen den Kopf und 

den Halsbereich des Geschädigten geführt. Dergestalt habe der Beschuldigte 

dem Geschädigten eine Stichverletzung (Länge des Stiches 1 cm, Tiefe des 

Stichkanals 3 cm) unter dem Kinn links am Übergang zum Hals Richtung Hals-

schlagader und eine Stichverletzung (Länge des Stichs und Tiefe des Stichkanals 

je 1 cm) vor dem Ohr links mit Verletzung der Speicheldrüse zugefügt. Ebenso 

habe der Geschädigte durch den Messereinsatz eine oberflächliche Schnittverlet-

zung an der Stirn links und Kopfhaut rechts, am Hals links eine Y-förmige, schräg 

verlaufende, 14 cm lange, oberflächliche Hautabschürfung sowie weitere ca. fünf 

oberhalb davon befindliche, oberflächliche, eine Ausdehnung von 7 x 1 cm ein-

nehmende Hautabschürfungen erlitten. Hätte der Stichkanal - so die Anklagebe-

hörde fortfahrend - vor dem linken Ohr mit einer Tiefe von 2 cm eine Verletzung 

des Gesichtsnervs bewirkt, was mit leicht anderen Bewegungen des  

Beschuldigten, aber auch des Geschädigten hätte eintreten können, so hätten 

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Lähmungen bestimmter Gesichtspartien die Folge sein können. Bei nur geringfü-

gig abweichendem Stichkanal des mindestens 3 cm tiefen Stiches vom Hals in 

Richtung des Halsschlagader hätte sodann die Halsschlagader verletzt werden 

können, was eine lebensgefährliche Blutung hätte bewirken können. 

Der Beschuldigte habe den Geschädigten mit dem Messer verletzen wollen; er 

habe ihm Schnittverletzung zufügen wollen, wobei er dabei billigend in Kauf  

genommen habe, dass der Geschädigte bleibend entstellt, lebensgefährlich ver-

letzt und tödliche Verletzungen erleiden würde. Konkret hätten die Verletzungen 

keine Entstellung sowie auch keine nahe Wahrscheinlichkeit des Todeseintrittes 

bewirkt und der Geschädigte habe die Gewalttat des Beschuldigten überlebt. 

III. 
Sachverhalt 

1. Der Beschuldigte erklärte sich hinsichtlich des äusseren Anklagesachver-

haltes, wie er unter Ziffer I. der Anklageschrift umschrieben ist, im Laufe der  

Untersuchung und anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung geständig 

(HD Urk. 23/14 S. 2; HD Urk. 23/16 S. 6; HD Urk. 78 S. 13 f.). Insbesondere aner-

kannte er, dem Geschädigten mit dem erwähnten Taschenmesser die in der  

Anklageschrift beschriebenen Schnitt- und Stichverletzungen zugefügt zu haben 

(HD Urk. 78 S. 13). Ebenso wenig bestritt er die objektiven Folgen dieser Messer-

stiche gemäss den ärztlichen Berichten des ...spitals Zürich vom 15. Dezember 

2009 (HD Urk. 27/5), des Stadtspitals D._____ vom 29. Januar 2010  

(HD Urk. 27/10) sowie des Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin vom  

4. Dezember 2009 (HD Urk. 30/6). 

Hingegen stellte der Beschuldigte mit Entschiedenheit einen Tötungsvorsatz in 

Abrede. Er hielt dafür, dass er sich in einer Notwehrsituation befunden und bloss 

versucht habe, sich gegen den Angriff des Geschädigten zu verteidigen (HD  

Urk. 23/16, HD Urk. 78 S. 15). Bei dieser Version blieb der Beschuldigte auch in 

der heutigen Berufungsverhandlung (Urk. 130). 

- 10 - 

2. Zum Hergang der Auseinandersetzung wurden im Rahmen der Unter-

suchung neben dem Beschuldigten und dem Geschädigten auch der in die  

Geschehnisse involvierte E._____ polizeilich und staatsanwaltschaftlich befragt 

(HD Urk. 25/1, HD Urk. 25/6). Als Zeugen einvernommen wurden sodann die drei 

Polizeibeamten F._____ (HD Urk. 25/8), G._____ (HD Urk. 25/10) sowie H._____ 

(HD Urk. 25/13), welche zur eigentlichen Auseinandersetzung jedoch keine eige-

nen Wahrnehmungen machen konnten. Ihre Aussagen beschränken sich auf die 

der Tat folgende Verhaftung des Beschuldigten. In den Verfahrensakten liegen 

zudem ein Vorbericht des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich 

vom 8. Dezember 2009 (HD Urk. 29/2) betreffend die Kampf- bzw. Blutspuren an 

den Kleidern des Beschuldigten und des Geschädigten, die Auswertung der DNA-

Spuren durch das Institut für Rechtsmedizin vom 7. April 2010 (HD Urk. 29/4), die 

(bereits) erwähnten medizinischen Befunde (Berichte/Gutachten) betreffend den 

Geschädigten vom 23. November 2009, 4. Dezember 2009, 15. Dezember 2009, 

16. Dezember 2009 und 29. Januar 2010 (HD Urk. 30/6; HD Urk. 27/5 - 7,  

HD Urk. 27/10), das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 3. Dezember 

2009 (HD Urk. 31/1) und der ärztliche Befund des ...spitals Zürich vom  

10. Februar 2010 (HD Urk. 28/3), welche die erlittenen Verletzungen des Be-

schuldigten dokumentieren, und ein chemisch-toxologisches Gutachten des Insti-

tutes für Rechtsmedizin sowie ein ergänzender Bericht zur Blutalkoholanalyse 

vom 13. Januar 2010 (HD Urk. 31/7) bzw. 19. Februar 2010 (HD Urk. 31/10), wel-

che die Blutalkoholkonzentration des Beschuldigten im tatrelevanten Zeitpunkt be-

treffen.  

Schliesslich befindet sich bei den (Berufungs-)Akten auch das psychiatrische 

Gutachten von PD Dr. med. B._____, … [Funktion], vom 29. Februar 2012  

(Urk. 125) über den Beschuldigten, welches von der erkennenden Kammer ein-

geholt wurde. Die entsprechende Fragestellung bezieht sich auf die Einsichts- 

und Willensfähigkeit, die Legalprognose und eine allfällige Massnahmeindikation. 

3.1. Die amtliche Verteidigung bemängelte anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung, dass sowohl der Geschädigte C._____ als auch E._____ an-

lässlich ihrer polizeilichen Befragung eine falsche Rechtsbelehrung erhalten hät-

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ten (vgl. dazu den pauschalen Verweis des Verteidigers in der Berufungsverhand-

lung; Prot. II S. 8/9). Nach Auffassung der Verteidigung hätte die Polizei sowohl 

den Geschädigten als auch E._____ auf ein umfassendes Aussageverweige-

rungsrecht ohne Angabe von Gründen und nicht auf das beschränkte Aussage-

verweigerungsrecht nach § 131 StPO / ZH aufmerksam machen müssen. In An-

betracht der erheblichen Verletzungen des Beschuldigten hätte die Polizei 

C._____ und E._____ als Täter in Betracht ziehen müssen, zumal der Beschul-

digte am 21. September 2009 gegen den Geschädigten Strafantrag gestellt habe. 

Sodann habe die Staatsanwaltschaft den Geschädigten und E._____ als  

Zeugen einvernommen, was falsch gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft habe an 

der willkürlichen Rollenverteilung der Polizei festgehalten, obwohl C._____ und 

E._____ nicht als Täter ausgeschlossen werden konnten und somit als Aus-

kunftspersonen im Sinne von § 149a Ziff. 2 StPO / ZH hätten qualifiziert werden 

müssen (HD Urk. 80 S. 3 ff.). 

3.2. Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich hielt anlässlich der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung dafür, dass die mögliche Raubtat des Geschädigten  

C._____ mit dem Tötungsversuch des Beschuldigten nicht gleichgerichtet, son-

dern gegen den Haupttäter (den Beschuldigten) gerichtet sei, weshalb der Ge-

schädigte in Nachachtung eines Entscheides des Kassationsgerichts des  

Kantons Zürich vom 19. Mai 2004 nicht im Sinne von § 149 Ziff. 2 StPO / ZH habe 

einvernommen werden dürfen und daher als Zeuge einzuvernehmen gewesen 

sei. E._____ sei sodann formell korrekt als Zeuge befragt worden (HD Urk. 79 S. 

3). 

3.3.1. Wie die Vorinstanz zunächst richtig gesehen hat, behalten gemäss Art. 448 

Abs. 2 StPO Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten der (eidgenössischen) 

Strafprozessordnung angeordnet oder durchgeführt worden sind, ihre Gültigkeit. 

Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 92 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO). Konkret folgt aus Art. 448 Abs. 2 StPO, dass  

solche altrechtlich erhobenen Beweise, soweit sie im Einklang mit dem früheren 

Recht und den allgemeinen grundrechtlichen Voraussetzungen abgenommen 

wurden, unter der Herrschaft des neuen Rechts gültig, das heisst beweismässig 

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verwertbar bleiben und nicht mehr abzunehmen sind. Umgekehrt folgt aus  

Art. 448 Abs. 2 StPO, dass Beweise, die gemäss altem Recht ungültig und  

unverwertbar waren, dies auch unter dem neuen Recht bleiben (Niklaus Schmid, 

Übergangsrecht der Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich / St. Gallen 

2010, N 16 ff.). 

3.3.2. Es ist sodann unverkennbar, dass zwischen den in den Prozessordnungen 

vorgesehenen Zeugnisverweigerungsrechten und der Figur der Auskunftsperson 

ein wesentlicher innerer Zusammenhang besteht: Beide prozessualen Institute 

wollen dazu beitragen, dass der Aussagende einerseits vor negativen Auswirkun-

gen von Interessen- oder Gewissenskonflikten bewahrt wird. Anderseits soll im  

Interesse des Strafverfahrens bzw. der aussagenden Personen selbst von einer 

Zeugeneinvernahme abgesehen werden, wenn die Eignung dieser Personen, 

durch wahrheitsgemässe Aussagen zur Ermittlung der materiellen Wahrheit  

beizutragen, a priori als fragwürdig zu betrachten ist (Niklaus Schmid, Zur Aus-

kunftsperson, insbesondere nach zürcherischem Strafprozessrecht, in: ZStrR 112 

(1994) S. 89 f.). Ausgangspunkt ist die allgemeine Zeugnispflicht sowie die Fest-

stellung, dass die Auskunftsperson eine Abart des Zeugen darstellt. § 149a StPO 

/ ZH besagt denn auch, dass anstatt als Zeuge gewisse Personen als Auskunfts-

personen einzuvernehmen sind. Aus dieser Stellung folgt, dass die Figur der Aus-

kunftsperson als Ausnahme nur in den gesetzlich umrissenen Fällen in Betracht 

kommt und die relevanten Konstellationen deshalb tendenziell einschränkend und 

nicht extensiv zu interpretieren sind (Schmid, a.a.O., S. 91). 

3.3.3. Zwar kommt im Rahmen der Beweiswürdigung den Aussagen einer Aus-

kunftsperson grundsätzlich derselbe Beweiswert zu wie derjenigen eines Zeugen 

oder Angeschuldigten (Donatsch, in Donatsch / Schmid, Kommentar zur Straf-

prozessordnung des Kantons Zürich, N 7 zu § 149a und N 65 der Vorbem. zu 

§§ 128 ff.; Susanne Vogel, Die Auskunftsperson im Zürcher Strafprozessrecht, 

Diss. Zürich 1999, S. 25; vgl. auch Schmid, zur Auskunftsperson, a.a.O., S. 115). 

Die Frage nach dem Beweiswert ist jedoch zu unterscheiden von derjenigen, ob 

der Beweis in der dafür vorgesehenen gesetzlichen Form erhoben wurde oder 

nicht. Es geht nicht an, eine Person unter den weniger strengen Formalien der 

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Auskunftsperson zu vernehmen, wenn und solange eine Einvernahme nach den 

strengen Zeugenvorschriften möglich gewesen wäre (und nach wie vor möglich 

ist). So ist nur unter bestimmten, im Gesetz abschliessend (Donatsch, a.a.O.,  

N 32 zu § 149a StPO / ZH, Vogel, a.a.O., S. 48) genannten Gründen (v.a.  
Vermeidung von Konfliktsituationen; vgl. Donatsch, a.a.O., N 2) eine Person  

ausnahmsweise nicht als Zeuge, sondern als Auskunftsperson zu befragen  

(Vogel, a.a.O., S. 24; vgl. auch Hauser / Schweri / Hartmann, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. A., 2005, N 3a zu § 63); in den übrigen Fällen hat die  

Beweiserhebung zwingend nach den gesetzlichen Bestimmungen (insbesondere  

§ 141 StPO / ZH) über die Zeugeneinvernahme zu erfolgen. 

3.3.4. Der Entscheid darüber, ob eine Person als Zeuge, Auskunftsperson oder 

Angeschuldigter zu befragen ist, liegt beim Einvernehmenden, also beim zu-

ständigen Justizorgan. Er wird aufgrund der sich im Zeitpunkt der Befragung er-

gebenden Sach- und Rechtslage getroffen (Donatsch, a.a.O., N 15 zu § 149a 

StPO / ZH; Schmid, Strafprozessrecht, a.a.O., N 659h; Schmid, zur Auskunfts-

person, a.a.O., S. 99). 

Die Vorinstanz hat zunächst richtig gesehen, dass im Zeitpunkt der Verhaftung 

(20. November 2010) beim Beschuldigten keine - im Vergleich zur blutenden 

Halswunde des Geschädigten C._____ - gravierenden Verletzungen sichtbar wa-

ren. Sodann sei der Beschuldigte und nicht der Geschädigte bzw. E._____ mit ei-

nem Messer bewaffnet gewesen. Zu Recht hat die Vorinstanz daraus gefolgert, 

dass sich erst nach der Spitaleinlieferung des Beschuldigten vom  

21. November 2009 bzw. nach dem Erhalt des entsprechenden medizinischen 

Befundes des ...spitals Zürich vom 10. Februar 2010 (HD Urk. 28/3) aufgedrängt 

habe, in Betracht zu ziehen, dass der Geschädigte und E._____ dem Beschuldig-

ten gegenüber tätlich geworden sein könnten (HD Urk. 92 S. 8 f.). 

Vorliegend ist zudem klar, dass der Geschädigte C._____ und E._____ von der 

Staatsanwaltschaft nicht als Auskunftspeson befragt werden konnten. Ziffer 2 von 

§ 149a StPO / ZH kommt dann zur Anwendung, wenn eine Person einvernommen 

werden muss, die unter einem gewissen Tatverdacht steht. Als Auskunftsperso-

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nen sind vorerst jene Personen einzuvernehmen, die, ohne selber der abzuklä-

renden Straftat beschuldigt oder verdächtigt zu werden, als Täter oder Teilnehmer 

der (abzuklärenden) Tat nicht ausgeschlossen werden können. In Frage kommt 

hier zunächst die Situation, in denen bei unbekannter Täterschaft eine Mehrzahl 

verdächtigter Personen vorhanden ist; hier soll niemand gezwungen werden, sich 

selber belasten zu müssen (Schmid, zur Auskunftsperson, a.a.O., S. 94; Schmid, 

Strafprozessrecht, a.a.O., N. 659e; Donatsch, a.a.O., N. 34 zu § 149a StPO / ZH). 

Diese Fallkonstellation ist vorliegend nicht gegeben. 

Zu denken ist jedoch auch an die Fallkonstellation, in der die zu befragende  

Person durch eine andere in diffuser Art belastet wird (Donatsch, a.a.O., N 34 zu 

§ 149a StPO / ZH; Vogel a.a.O., S. 49). In diesem Zusammenhang kommt § 149a 

Ziff. 2 StPO / ZH aber nur zur Anwendung, soweit die mit der Haupttat in Zusam-

menhang stehende strafbare Handlung, welche die zu befragende Person  

begangen haben könnte, mit der Haupttat gleichgerichtet und mithin nicht gegen 

den Haupttäter gerichtet ist. Der Status der Auskunftsperson soll der aussagen-

den Person nämlich nicht ermöglichen, direkt gegen sich selber gerichtete Aus-

sagen zu verweigern, denn auch der Zeuge ist nicht gehalten, sich selber zu  

belasten. Der Sinn des Schutzes der Auskunftsperson kann nur darin liegen, dass 

letztere nicht verpflichtet werden soll, sich durch Aussagen, auf Grund deren sie 

mit dem eingeklagten Delikt in Zusammenhang gebracht werden könnte, indirekt 

zu belasten. Es ist dagegen nicht ersichtlich, weshalb die einzuvernehmende  

Person, die den Hauptangeschuldigten bereits belastet hat, diesen Schutz dann 

geniessen sollte, wenn sie Geschädigte der Haupttat ist (RB 2002 Nr. 127; 

Kass.G.-Nr. AC030105 vom 19.5.2004; vgl. auch RB 1996 Nr. 158). 

Gestützt auf § 149a Ziff. 2 StPO / ZH kommt somit als Auskunftsperson nur jene 

Person in Frage, gegen die zwar keine konkreten Beschuldigungen oder Ver-

dachtsgründe vorliegen, bei der aber gestützt auf die sich der zuständigen Behör-

de präsentierende Sachlage angenommen werden kann, dass sie für die Täter-

schaft des abzuklärenden Sachverhaltes in Frage kommt (Schmid, zur Auskunfts-

person, a.a.O., S. 95 Mitte). Eine solche Konstellation liegt ebenfalls nicht vor. 

- 15 - 

Schliesslich ist sodann jene Person als Auskunftsperson einzuvernehmen, die  

als Täter einer mit dem Gegenstand der Untersuchung bildenden Delikt im  

Zusammenhang stehenden anderen strafbaren Handlung in Frage kommt.  

Erforderlich ist demnach ein Konnex zwischen der durch die Untersuchung abzu-

klärenden und jener Handlung, deren Verübung dem Einzuvernehmenden nicht 

konkret zum Vorwurf gemacht wird, weil es hierfür an einem hinreichenden  

Tatverdacht fehlt. Als konnexe strafbare Handlungen kommen beispielsweise 

Hehlerei, Begünstigung, Geldwäscherei und Urkundenfälschungen in Frage, mit 

denen die primär zu untersuchenden Vermögensdelikte vorbereitet oder nach-

träglich verdeckt worden sein könnten (Donatsch, a.a.O., N 39 zu § 149a StPO; 

Schmid, zur Auskunftsperson, a.a.O., S. 96). Diese Konstellation ist hier aber 

auch nicht gegeben.  

3.3.5. Im Lichte obiger Betrachtung sind der Geschädigte C._____ und E._____ 

von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich am 4. Februar 2010 (HD Urk. 

24/2; HD Urk. 25/6) zu Recht als Zeugen befragt worden. Ihre Aussagen sind da-

her verwertbar.  

4.1. Die Aussagen der unter Ziff.III.2. erwähnten Personen wurden von der Vo-

rinstanz in ihrem Urteil ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb zur 

Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die Begründung des  

vorinstanzlichen Entscheides zu verweisen ist (HD Urk. 92 S. 13 - 41; Art. 82  

Abs. 4 StPO).  

4.2. Das Bezirksgericht hat die im Laufe des Untersuchungsverfahrens einge-

holten Berichte betreffend die Spurensicherung (HD Urk. 29/2, HD Urk. 29/4),  

die medizinischen Befunde betreffend den Geschädigten (HD Urk. 27/5; 

HD Urk. 27/10, HD Urk. 30/6) und den Beschuldigten (HD Urk. 28/3, 

HD Urk. 31/1, HD Urk. 31/7, HD Urk. 31/10) ebenfalls eingehend und korrekt  

wiedergegeben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutref-

fenden Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (HD Urk. 92 

S. 42 - 50; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

- 16 - 

5.1. Das Bezirksgericht hat in der Folge auch die theoretischen Grundsätze der 

richterlichen Beweiswürdigung korrekt zitiert, so dass vorab auf die entsprechen-

den Erwägungen zu verweisen ist (HD Urk. 92 S. 50 - 53; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

5.2. Der Beschuldigte hat die Darstellung des äusseren Anklagesachverhaltes 

durch die Anklagebehörde in der Untersuchung sowie auch vor erster Instanz als 

grundsätzlich richtig anerkannt. Er hat hingegen im Verlaufe des Verfahrens  

folgende Schilderungen deponiert, die sich im Detail nicht mit dem Sachverhalt 

der Anklage decken bzw. darin nicht aufgeführt sind: 

- das erste körperlich aggressive Verhalten sei vom Geschädigten C._____ aus-

gegangen, indem er ihm - dem Beschuldigten - zu allererst einen starken Faust-

schlag gegen die linke Kopfseite hinter dem Ohr gegeben habe, worauf er zu Bo-

den gegangen sei. Der Geschädigte habe ihn alsdann mit den Füssen  

gegen die Brust getreten, habe sich auf ihn geworfen und ihn mit einer Hand  

gewürgt. Mit der anderen Hand habe der Geschädigte ihn geschlagen. Es sei ihm 

dann gelungen aufzustehen und erst dann habe der das Messer hervorgenom-

men (HD Urk. 23/7 S. 2 und S. 10, HD Urk. 23/9, HD Urk. 23/13, HD Urk. 23/14, 

HD Urk. 23/16, HD Urk. 78 S. 9); 

- im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung sei er nicht nur vom Geschädigten 

C._____, sondern auch von E._____ geschlagen worden (HD Urk. 23/7 S. 2 und 

S. 11, HD Urk. 23/9, HD Urk. 23/13, HD Urk. 23/14, HD Urk. 23/16, HD Urk. 78 S. 

9); 

- im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung habe er erhebliche Verletzun-

gen erlitten, welche ihm vom Geschädigten und E._____ sowie der Polizei bei der 

Verhaftung zugefügt worden seien (HD Urk. 23/7 S. 2, HD Urk. 23/9 S. 7, HD Urk. 

23/13, HD Urk. 23/14, HD Urk. 23/16, HD Urk. 78 S. 13); 

- nachdem er das Taschenmesser aus seiner hinteren Tasche gezogen habe,  

habe er es aufgeklappt. Dann habe er das Taschenmesser mit leicht angewinkel-

tem Arm in der Faust haltend mit der Klinge leicht nach oben gerichtet, dem  

Geschädigten ein paar Mal gezeigt. Der Geschädigte habe nicht darauf reagiert 

- 17 - 

und ihn weiter attackiert. Dann habe er das Messer einsetzen müssen, um den 

Geschädigten fernhalten zu können (HD Urk. 23/7 S. S. 11; HD Urk. 78 S. 10);  

- er habe sich zweimal durch das Zuklappen des Taschenmessers an derselben 

Stelle beim Daumen geschnitten (HD Urk. 78 S. 10 und S. 11). 

5.3. Die Vorinstanz hat sich in ihren Erwägungen im Rahmen der Beweiswürdi-

gung ausführlich mit dem Vorbringen des Beschuldigten auseinandergesetzt,  

worauf vorab verwiesen werden kann (HD Urk. 92 S. 54 - 65; Art. 82 Abs. 4 

StPO). 

5.3.1. Bereits im angefochtenen Entscheid wurde die Sachdarstellung des  

Beschuldigten übernommen, wonach er vom Geschädigten zuerst angegriffen 

wurde und dieser ihm einen starken Faustschlag gegen die linke Kopfseite  

versetzt habe, so dass er zu Boden gegangen sei. Anschliessend habe der  

Geschädigte den Beschuldigten mit den Füssen gegen die Brust getreten, ihn mit 

einer Hand gewürgt und mit den anderen geschlagen (HD Urk. 92 S. 64). Erst  

danach habe der Beschuldigte sein Taschemesser hervorgenommen und gegen 

den Geschädigten eingesetzt. Diesen Geschehensablauf hat der Beschuldigte  

bereits anlässlich der delegierten Einvernahme vom 7. Dezember 2009 (HD  

Urk. 23/7) zu Protokoll gegeben und hat im Laufe der Untersuchung im Wesentli-

chen daran festgehalten. Die Sachdarstellung, wonach der Beschuldigte erst nach 

der tätlichen Auseinandersetzung das Taschenmesser zum Einsatz gebracht hat, 

wurde von E._____ sodann in der polizeilichen Einvernahme bestätigt. Ebenso, 

dass der Geschädigte den Beschuldigten tatsächlich geschlagen hat. Mit der Vo-

rinstanz ist davon auszugehen, dass die Behauptung des Geschädigten, er habe 

den Beschuldigten nicht geschlagen, als konstruiert taxiert werden muss, mit den 

vom Beschuldigten erlittenen erheblichen Verletzungen nicht in Einklang gebracht 

werden kann und somit als reine Schutzbehauptung zu erachten ist. 

5.3.2. Zuzustimmen ist der Vorinstanz weiter, dass der Beschuldigte einer poten-

tiellen Übermacht gegenüberstand. Auch wenn E._____ nicht aktiv in das  

Geschehen eingegriffen hat (vgl. dazu nachstehend Erw. 5.3.6), musste der  

Beschuldigte aufgrund des nahen Standortes von E._____ jederzeit damit rech-

- 18 - 

nen, dass sich dieser ebenfalls an der Auseinandersetzung beteiligen würde (HD 

Urk. 92 S. 71). 

5.3.3. Es erscheint sodann plausibel und nachvollziehbar, dass dem Beschuldig-

ten die erlittenen Verletzungen, die durch das Gutachten zur körperlichen Unter-

suchung des Institutes für Rechtsmedizin vom 3. Dezember 2009 (HD Urk. 31/1) 

und den ärztlichen Befund des ...spitals Zürich, …, vom 10. Februar 2011 (HD 

Urk. 28/3) dokumentiert sind, mehrheitlich durch den Geschädigten zugefügt wor-

den sind. Die drei bei der Verhaftung des Beschuldigten anwesenden Polizeibe-

amten F._____, G._____ und H._____ haben übereinstimmend in Abrede ge-

stellt, den Beschuldigten bei der Verhaftung geschlagen zu haben (HD Urk. 25/8 

S. 5 f., HD Urk. 25/10 S. 4 f. und HD Urk. 25/13 S. 5 f.). Rechtsgenügend erstellt 

ist indessen, dass der Geschädigte den Beschuldigten geschlagen und getreten 

hat. Zwar kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass es im Rahmen der 

Verhaftung zu kleineren Verletzungen wie z.B. Hautabschürfungen gekommen ist, 

zumal sich der Beschuldigte gemäss den Aussagen der drei Polizeibeamten teil-

weise aggressiv und renitent verhalten habe. Es kann aber praktisch ausge-

schlossen werden, dass die erheblichen Verletzungen des Beschuldigten (u.a. 

Schädel - Hirn - Trauma, Gesichtsschädelfrakturen, Extremitätenverletzungen, 

vgl. HD Urk. 28/3 S. 1) von der Verhaftung stammen. Insofern die Vorinstanz mit 

Blick auf die Verhältnismässigkeit der Notwehrmassnahme in Anwendung des 

Grundsatzes "in dubio pro reo" zu Gunsten des Beschuldigten davon ausgegan-

gen ist, dass alle beim Beschuldigten festgestellten Verletzungen durch den Ge-

schädigten verursacht wurden (HD Urk. 92 S. 61), ist dies nicht zu beanstanden. 

5.3.4. Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen ausgeschlossen, dass der  

Beschuldigte das Taschenmesser, nachdem er es hervorgenommen hatte, dem 

Geschädigten zunächst gezeigt hat. Mit dieser nachgeschobenen Schutzbehaup-

tung versucht der Beschuldigte offensichtlich, sich selber ein verhältnismässiges 

Verhalten in einer Notsituation zuzusprechen und dadurch sein Tatverschulden 

nach Kräften zu minimieren (vgl. auch Urk. 130 S. 11/12). Viel überzeugender 

sind in diesem Zusammenhang die konstanten Aussagen des Geschädigten,  

wonach der Beschuldigte das Taschenmesser überraschend gezückt habe. Es ist 

- 19 - 

auch nicht erstellt, dass der Geschädigte das Taschenmesser ergriffen hätte. 

Vielmehr ist erstellt, dass das Messer bei der Attacke des Beschuldigten wieder 

zugeklappt ist. Zu Recht ist die Vorinstanz daher davon ausgegangen, dass der 

Beschuldigte das Taschenmesser hervorgenommen und es unvermittelt, ohne 

Warnung gegen den Hals und das Gesicht des Geschädigten eingesetzt hat  

(HD Urk. 92 S. 59). 

5.3.5. Beizupflichten ist schliesslich der Vorinstanz, dass die erstmals an der  

vorinstanzlichen Verhandlung vom Beschuldigten vorgetragene Version, wonach 

das Taschenmesser zwei Mal zugeklappt sei und er sich zwei Mal an der selben 

Stelle in den Daumen geschnitten habe, wenig glaubhaft ist. Diese Anreicherung 

überzeugt nicht (HD Urk. 92 S. 59).  

5.3.6. Sodann behauptete der Beschuldigte auch heute wieder, er sei während 

der Auseinandersetzung auch von E._____ geschlagen worden (Urk. 130 S. 11). 

Aufgrund der konstanten und plausiblen Aussagen E._____s in der Untersuchung 

(vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 99 S. 33 f.) ist jedoch vielmehr erstellt, dass die-

ser sich insofern passiv verhielt; die gegenteiligen Angaben des Beschuldigten 

sind widersprüchlich und wenig glaubhaft. So räumte der Beschuldigte anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung an einer Stelle denn auch selber ein, es 

habe im schmalen Durchgang, wo er von C._____ attackiert worden sei, zuwenig 

Platz gehabt. E._____ sei in der Nähe gestanden und habe versucht  

(Unterstreichung durch das Gericht), ihn - den Beschuldigten - anzugreifen  

(Prot. I S. 11; vgl. dazu auch Urk. 130 S. 11,15). Dass er dann, in der Berufungs-

verhandlung auf den Widerspruch angesprochen, erklärte, E._____ habe ihn "mit 

den Füssen attackiert", wirkt einerseits konstruiert und ist andererseits noch  

immer nicht einleuchtend, braucht es doch auch für einen Angriff mit den Füssen 

Platz - welchen es aber offenbar eben nicht hatte. 

6.1. Der objektive Teil der Sachverhaltsdarstellung ist damit erstellt. Bestritten ist 

dagegen der innere Sachverhalt. Der Beschuldigte bestreitet in diesem Zusam-

menhang, dass er den Geschädigten tödlich verletzen bzw. dessen Tötung in 

Kauf nehmen wollte. 

- 20 - 

6.2. Richtig ist, dass das, was der Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, zum 

Inhalt des subjektiven Tatbestandes gehört. Dabei geht es aber um einen inneren 

Vorgang, auf den anhand der eingehenden Würdigung des äusseren Verhaltens 

des Täters sowie allenfalls weiterer Umstände geschlossen werden kann. Auch 

wenn die Feststellung des subjektiven Tatbestandes Bestandteil der Sachver-

haltsabklärung ist, erweist es sich in casu zwecks Vermeidung unnötiger Wieder-

holungen als zweckmässig, im Rahmen der nachfolgenden rechtlichen Würdigung 

(vgl. nachfolgend unter Ziffer IV.) darauf einzugehen, was der Beschuldigte bei 

seiner Handlung gewusst, gewollt bzw. in Kauf genommen hat, zumal in diesem 

Bereich Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind (Pra 82 

(1993) Nr. 237 S. 881 f.; BGE 119 IV 242 ff. und 248).  

IV. 
Rechtliche Würdigung 

1. Die Anklagebehörde qualifiziert das Verhalten des Beschuldigten als ver-

suchte (eventual-)vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB. Der Beschuldigte habe das Taschenmesser bewusst ge-

gen den Geschädigten geführt. Er habe dem Geschädigten direkt vorsätzlich am 

Kopf Schnitt- und Stichwunden zufügen wollen und ihm solche auch zugefügt. Es 

brauche kein Spezialwissen über die Anatomie des Körpers, um beurteilen zu 

können, dass Stiche und Schnitte in den Kopf- und Halsbereich, so wie sie vom 

Beschuldigten ausgeführt worden seien, äusserst gefährlich seien und nur wenig 

gefehlt habe, dass sich der Beschuldigte wegen einer vollendeten Tötung zu ver-

antworten gehabt hätte. Die Gefahr, dass der mögliche Erfolg eintrete, nämlich 

der Tod des Geschädigten, sei bei der erstellten Tathandlung objektiv derart 

gross, dass von einer billigenden Inkaufnahme des Todes durch den Beschuldig-

ten gesprochen werden müsse. Ingesamt habe der Beschuldigte bei seinem  

Gewalteinsatz gegen den Geschädigten im Bewusstsein gehandelt, dass er durch 

seine Messerattacken die körperliche Integrität des Geschädigten schwer ver-

letzen bzw. diesen dadurch sogar töten könnte, was er zumindest in Kauf  

genommen habe. Der vom Beschuldigten billigend in Kauf genommene und zur 

Vollendung der vorsätzlichen Tötung gehörende Erfolg sei jedoch - aus reinem 

- 21 - 

Zufall - nicht eingetreten, so dass es beim Versuch geblieben sei. Eine recht-

fertigende Notwehr liege zudem nicht vor. Die Stiche bzw. Schnitte mit dem  

Messer in den Hals- und Kopfbereich des Geschädigten seien absolut unver-

hältnismässig gewesen; es handle sich klarerweise um einen Notwehrexzess, 

soweit überhaupt von einer Notwehrsituation ausgegangen werden könne  

(HD Urk. 79 S. 1 ff.). 

2. Demgegenüber lässt der Beschuldigte geltend machen, er habe sich in einer 

Notwehrsituation befunden und lediglich versucht, sich gegen den Angriff des  

Geschädigten zu verteidigen bzw. den Geschädigten von sich fernzuhalten. Er 

habe den Geschädigten nicht tödlich verletzen bzw. dessen Tötung in Kauf  

nehmen wollen (HD Urk. 23/16, S. 6; HD Urk. 78 S. 15. HD Urk. 78 S. 15; Prot. II 

S. 8 ff.). 

3. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Vo-

raussetzungen der Art. 112 bis 117 StGB zutrifft, wird mit Freiheitsstrafe nicht  

unter fünf Jahren bestraft. Tritt der zum Tatbestand gehörende Erfolg nicht ein, ist 

zu prüfen, ob ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. 

3.1. Objektiver Tatbestand 

Über das Verletzungsbild des Geschädigten C._____ liegt ein Gutachten der Uni-

versität Zürich, Institut für Rechtsmedizin, IRM, vom 4. Dezember 2009 (HD Urk. 

30/6) vor. Der Gutachter stützt sich dabei sowohl auf selber vorgenommene kör-

perlichen Untersuchungen des Geschädigten als auch auf den Kurzbericht betref-

fend die ambulante Behandlung des Geschädigten im Stadtspital D._____ vom 

20. November 2009. Aus dem Gutachten ergibt sich, dass beim Geschädigten die 

folgenden Verletzungen im Kopfbereich festgestellt wurden (HD Urk. 30 S. 2):  

An der Stirn links eine schräg verlaufende, 5 cm lange, mit drei Einzelknopfnähten 

versorgte Wunde (laut Kurzbericht des Stadtspitals D._____ Schnittverletzung).  

Unterhalb davon, direkt oberhalb der linken Augenbraue, eine 0,3 cm lange, mit 

einer Einzelknopfnaht versorgte Wunde (laut Kurzbericht Schnittverletzung). Am 

Scheitel rechts eine schräg verlaufende 3 cm lange und mit drei Einzelknopf-

- 22 - 

nähten versorgte Wunde (laut Kurzbericht Schnittverletzung). Hinter dem linken 

Ohr eine dunkelblaue, 1 x 0,5 cm messende Hautunterblutung. Vor dem linken 

Ohr eine 2 cm lange, zum Jochbein ziehende, mit drei Einzelknopfnähten versorg-

te und druckdolente Wunde (laut Kurzbericht bis zu 2 cm in die Tiefe reichende 

Stichverletzung) mit einer umgebenden, dunkelblauen und 1,5 x 1 cm messenden 

und leicht geschwollenen Hautunterblutung. Am Hals vorne, direkt rechts neben 

der Mittellinie, eine schräg verlaufende, 2 cm lange und mit drei Einzelknopf-

nähten versorgte, geschwollene und druckdolente Wunde (laut Kurzbericht bis zu 

4 cm tangential in Richtung der Halsschlagader verlaufend). Am Hals links eine  

Y-förmige, schräg verlaufende 14 cm lange, oberflächliche Hautabschürfung, 

oberhalb davon, ca. fünf oberflächliche Hautabschürfungen, die parallel zur vorher 

beschriebenen Hautabschürfung verlaufen, in einer Ausdehnung von 7 x 1 cm.  

Alle frischen Hautveränderungen führte der Gutachter auf stumpfe und scharfe 

mechanische Gewalteinwirkung zurück. Das verursachende Instrument der  

Y-förmige Hautabschürfung und der vier weiteren flächigen Hautabschürfungen 

am Hals links sind für den Experten nicht typisierbar. Er habe derartige Verletzun-

gen beim Einsatz von Schlagringen auch schon beobachten können (HD  

Urk. 30/6 S. 3).  

Dieses Verletzungsbild samt der jeweiligen Ursache entspricht dem anerkannten 

Anklagesachverhalt. Eine konkrete Lebensgefahr bei diesen Verletzungen hat laut 

dem Gutachter nicht bestanden. Der Stichkanal von vor dem linken Ohr her sei 

laut chirurgischen Angaben bis zu 2 cm tief gewesen. Nach Dafürhalten des Gut-

achters hätte eine Verletzung des Gesichtsnervs, der in diesem Bereich in die 

Wangenweichteile austrete, auftreten können, was bleibende Schäden in Form 

einer Lähmung bestimmter Gesichtspartien zur Folge gehabt hätte. Der Stich-

kanal am Hals vorne sei 4 cm lang bzw. tief und führe tangential in Richtung der 

linken Halsschlagader. Aufgrund der Lokalisation der Verletzung hält der Gut-

achter dafür, dass bei einem leicht anderen Verlauf und/oder einer anderen Tiefe 

der Verletzungen eine konkrete Lebensgefahr hätte entstehen können. Es hätte 

zu einer lebensgefährlichen Blutung wegen der Verletzung der Halsschlagader 

kommen können (HD Urk. 30/6 S. 3). 

- 23 - 

Zu den gleichen Ergebnissen wie das Gutachten kommt auch der Bericht des 

Stadtspitals D._____ vom 20. Januar 2009 (HD Urk. 27/10). Danach wurde der  

Geschädigte am 21. November 2009 untersucht. Als Verletzung habe er unter 

anderem eine Stichverletzung submental links unterhalb des Kinns, am Übergang 

zum Hals, erlitten. Die Länge des Stiches betrage 1 cm. Der Stichkanal sei 3 cm 

lang und verlaufe nach seitlich links, Richtung Halsschlagader. Die festgestellte 

Verletzung hat nach Dafürhalten der Berichterstatter zu keiner Lebensgefahr  

geführt, da keine Beeinträchtigung von grösseren Strukturen (der Halsschlagader 

oder der Luftröhre) stattgefunden habe. Der Stichkanal ende aber palpatorisch, 

wie auch in der Computer-Tomographie nachgewiesen sei, in unmittelbarer Nähe 

der Halsschlagader, deren Verletzung eine unmittelbare Lebensgefahr dargestellt 

hätte (HD Urk. 27/10 S. 1). Schliesslich hält auch der Bericht des ...spitals Zürich, 

.., vom 15. Dezember 2009 (HD Urk. 27/5) fest, dass Stich- und Schnittverletzun-

gen im Kopf- und Halsbereich prinzipiell lebensgefährliche Verletzungen darstel-

len. Insbesondere könnten Verletzungen von Gefässen im Halsbereich lebensbe-

drohliche Folgen haben (HD Urk. 27/5 S. 1). Daran ändert selbstredend und ent-

gegen den Ausführungen des Verteidigers auch der Umstand nichts, dass die 

Verletzung dem Geschädigten in einem stark frequentierten Ausgangsviertel und 

in einer Stadt mit entsprechender medizinischer Notfallversorgung zugefügt wurde 

(vgl. Prot. II S. 12). Auch wenn sich der Geschädigte zu keinem Zeitpunkt in un-

mittelbarer Lebensgefahr befand und auch ohne ärztliche Versorgung keine Le-

bensgefahr bestanden hätte, hing es gemäss dem Gutachten letztlich nur vom 

Zufall ab, ob durch die Messerschnitte am Hals oder die Schnittverletzungen im 

Gesicht (bei leicht anderem Verlauf und/oder anderer Tiefe) lebensgefährliche 

Verletzungen der daneben verlaufenden Gefässe bewirkt wurden oder nicht. Die 

Stich- bzw. Schnittverletzung am Hals war demnach grundsätzlich geeignet, den 

Tod des Geschädigten C._____ zu bewirken. Damit ist der objektive Sachverhalt 

des Grundtatbestandes von Art. 111 StGB, bis auf den ausgebliebenen Erfolg, er-

füllt. 

3.2. Subjektiver Tatbestand 

- 24 - 

Dass der Beschuldigte die Tat mit Wissen und Wollen, also mit direktem Vorsatz 

(Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB), ausgeführt hätte, kann den Akten nicht entnommen 

werden; dies wird ihm von der Anklägerin auch nicht vorgeworfen. Vorsätzlich 

handelt indessen bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in 

Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB). Der eventualvorsätzlich handelnde Täter 

weiss demnach einerseits um die Möglichkeit bzw. das Risiko der Tatbestands-

verwirklichung und nimmt andererseits den Eintritt des als möglich erkannten  

Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; 

BGE 133 IV 9 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.2 und 8.3 m. H.). Gefordert ist mithin 

das Wissen des Täters darum, dass seine Handlungen beim Opfer mindestens 

möglicherweise den Tod bewirken können sowie sein auf den Tod des Opfers  

gerichteter Wille resp. die Inkaufnahme des Todes des Opfers. Nicht erforderlich 

ist, dass sich der Täter gerade die tatsächlich eingetretenen konkreten Folgen 

vorgestellt zu haben braucht (BSK StGB II - Andreas Roth/Anne Berkemeier,  

2. A., Basel 2007, N. 24 zu Art. 122 StGB; Donatsch, Strafrecht III, 9. A., Zürich 

2008, S. 41). Eventualvorsatz ist gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs 

bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil 

er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag 

er ihm auch unerwünscht sein (Urteil des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom  

11. September 2008 E. 2.4.; BGE 130 IV 58 E. 8.2; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 

121 IV 249 E. 3a; BGE 103 IV 65 E. 2). Diese unter altem Recht entwickelte  

bundesgerichtliche Definition ist mittlerweise Gesetzwortlaut geworden (vgl.  

Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB; Stefan Trechsel et al, Schweizerisches Strafgesetz-

buch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 13 ff. zu Art. 12 StGB). Even-

tualvorsatz kann unter anderem angenommen werden, wenn sich dem Täter der  

Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als so wahr-

scheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 

dieses Erfolgs gewertet werden kann (BGE 109 IV 137 E. 2b mit Hinweisen). 

Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des tat-

bestandsmässigen Erfolges bloss möglich ist, ja selbst dann, wenn sich diese 

Möglichkeit, statistisch gesehen, nur relativ selten verwirklicht. Doch darf nicht  

allein aus dem Wissen des Beschuldigten um die Möglichkeit des Erfolgseintritts 

- 25 - 

auf dessen Inkaufnahme und damit auf Eventualvorsatz geschlossen werden. 

Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (Urteile des Bundesgerichtes 

6S.133/2007 vom 11. September 2008 E. 2.6. und 6S.358/2003 vom 27. Oktober 

2004). Der Täter handelt im Übrigen schon dann mit Wissen, wenn ihm die  

wesentlichen Umstände im Sinne eines Begleitwissens mitbewusst sind (BGE 

125 IV 242 E. 3e mit Hinweis; BSK StGB I - Jenny, 2. A., Basel 2007, N 21 zu  

Art. 12 StGB). Die blosse Hoffnung auf das Ausbleiben der Tatbestandserfüllung 

schliesst dessen Inkaufnahme nicht aus. Auch die dem Täter bekannte Nähe des 

Verletzungsrisikos ist entscheidend (Urteil des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 

11. September 2008 E. 2.4. am Ende; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, 17. A., Zürich 2006, S. 57 zu Art. 12 Abs. 2 

StGB). Je näher die Möglichkeit der Tatbestandsverwirklichung liegt, desto eher 

lässt sich auf eine Inkaufnahme schliessen (BSK StGB I - Jenny, N 23 zu Art. 12 

StGB). Das Bundesgericht hat sich bereits mehrfach mit dem subjektiven Tat-

bestand bei Messerstechereien befasst. Jene Überlegungen können zumindest 

betreffend die Schnitte mit dem Messer im Halsbereich ohne weiteres auf den 

vorliegenden Fall übertragen werden: Das Wissen um das Vorhandensein von 

wichtigen Organen und Blutgefässen im Bauchbereich bzw. Brustbereich (hier 

von wichtigen Blutgefässen im Halsbereich) könne als allgemein bekannt voraus-

gesetzt werden (BGE 109 IV 6).  

Wer ausser sich ist und mit einem Taschenmesser von ca. 6.5 cm Klingenlänge 

zweimal in die linke Hals- bzw. Gesichtsseite eines sich in Bewegung befindlichen 

Menschen schneidet bzw. sticht, weiss jedenfalls, dass er durch dieses Verhalten 

namentlich lebenswichtige Blutgefässe verletzen oder gar durchtrennen und  

dadurch lebensgefährliche oder sogar tödliche Verletzungen verursachen kann. 

Der Beschuldigte war sich dessen ebenfalls bewusst. Wie im oben zitierten  

Bundesgerichtsentscheid (BGE 109 IV 6) erwähnt bedarf ein junger Mann keines 

besonderen Wissens und keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass 

ungezielte Messerschnitte in den Hals- und Gesichtsbereich eines Menschen den 

Tod zur Folge haben können. Im Übrigen ist als zum Allgemeinwissen gehörend 

anzusehen, dass sich im Hals- und Gesichtsbereich mehrere lebenswichtige  

Blutgefässe zur Versorgung von Kopf und Hirn befinden, deren Verletzung tödlich 

- 26 - 

enden kann. Auch der Beschuldigte selbst verfügt über diese Kenntnisse. So  

bestätigte er im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sein Wissen  

darüber, dass sich in der Nähe der von ihm dem Geschädigten zugefügten Ver-

letzungen wichtige Organe und lebenswichtige Blutgefässe befinden und dass 

namentlich die Verletzung der lebenswichtigen Blutgefässe den Tod eines  

Menschen bewirken kann. So führte der Beschuldigte auf die Frage, was sich im 

beim Menschen alles im Kopf- und Halsbereich befindet, konkret was folgt aus 

(HD Urk. 78 S. 14): "Arterien, Venen, das Hirn". Nach den Folgen eines Messer-

einsatzes im Kopf- und Halsbereich gefragt, äusserte sich der Beschuldigte so-

dann wie folgt: "Der Mensch kann beispielsweise verbluten oder ausbluten". Auf ent-

sprechende Nachfrage gab der Beschuldige schliesslich zu Protokoll (HD Urk. 78 

S. 15): "Der Mensch kann viel Blut verlieren und die Konsequenzen können tödlich sein. Den 
Schädel kann man wahrscheinlich nicht durchstechen, man kann höchstens die Halsarterien treffen. 
Aber ich habe nicht versucht, ihn tödlich zu verletzen, sondern ihn von mir fernzuhalten, mich zu 
verteidigen. Vor allem als er mich die ganze Zeit attackiert / mich angegriffen hat, war der Kopf der 
einzige Ort, wo ich ihn mit dem Messer verletzen konnte. Er trug ja ganz dickes Leder auf sich". 
Damit ist dem Beschuldigten auch das Wissen anzurechnen, dass ein sehr hohes 

Risiko bestand, na  mentlich lebenswichtige Blutgefässe zu treffen. Dass 

der  

Beschuldigte bei den Stichen bzw. Schnitten im Hals- und Gesichtsbereich nicht 

mit dem Tod der Geschädigten gerechnet hat, vermag nichts an seinem einge-

standenen Wissen um die möglichen Folgen derartiger Handlungen zu ändern. 

Weiter ist zu prüfen, ob der Beschuldigte durch dieses Handeln auch den Tod des 

Geschädigten in Kauf genommen hat bzw. hätte. Wie erwähnt darf aus dem  

Wissen des Erfolgseintritts allein noch nicht auf dessen Inkaufnahme und damit 

auf Eventualvorsatz geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände 

dazukommen. Macht ein wütender und aufgeregter, allenfalls infolge von Alkohol 

zusätzlich reduzierter Täter, seinem Opfer gegenüber derartige Schnitt- bzw. 

Stichbewegungen, dass es die vorstehend beschriebenen offenen Stich- und 

Schnittwunden gibt, und berücksichtigt man auch den Umstand, dass eine völlig 

aufgeregte Situation bestand, bei der die Reaktion des Geschädigten in keiner 

Weise voraussehbar war, dann liegt eine schwere und lebensgefährliche Ver-

- 27 - 

letzung des Opfers sehr nahe. Der Beschuldigte konnte nicht kontrollieren, wie er 

die Schnitte bzw. Stiche im Hals- bzw. Gesichtsbereich, auf den er bewusst ein-

stach, da der Geschädigte eine dicke Lederjacke trug (HD Urk. 78 S. 14 und 15) - 

genau applizierte. So gab er selber an, bei den Schnitten und Stichen mit dem 

Messer keine gezielten (Stich-)Bewegungen gemacht zu haben (HD Urk. 78  

S. 11). Auch heute führte er aus, er habe nicht genau gesehen, weil sein Gesicht 

aufgrund der Schläge des Geschädigten sehr angeschwollen gewesen sei 

(Urk. 130 S. 10). Der Geschädigte trug insgesamt (Hals und Gesicht) auch  

keineswegs nur unerhebliche Verletzungen davon. Wären die Messerschnitte im 

Halsbereich nur leicht anders oder leicht tiefer geführt worden, hätte dies ohne 

weiteres zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können. Dies aber konnte 

der Beschuldigte nicht kontrollieren. Ob das Opfer letztlich stirbt, "nur" schwer ver-

letzt wird oder glücklicherweise eben nicht, beschlägt einzig den Erfolg, der vor-

liegend vom Beschuldigten bei seiner Handlungsweise in keiner Weise willentlich 

gesteuert werden konnte. Hätte sich der Geschädigte in jenem Moment, als der 

Beschuldigte die Messerstiche und -schnitte gegen das Gesicht und den Hals 

führte, "unvorteilhaft“ bewegt, dann hätte dies ohne weiteres - wie auch die Gut-

achter des IRM darlegen - zum Tode führen können. Wer in einer solchen Situati-

on einer anderen Person im Hals- und Gesichtsbereich derartige Schnitte bzw. 

Stiche zufügt, nimmt eine lebensgefährliche Verletzung des Opfers ohne weiteres 

in Kauf. Wer sich so wie der Beschuldigte verhält, dem muss sich die Tatsache, 

dass er damit das Opfer in eine unmittelbare Lebensgefahr bringen kann, infolge 

seines Verhaltens als so wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten ver-

nünftigerweise nur als Inkaufnahme dieses Erfolgs (unmittelbare Lebensgefahr) 

gewertet werden kann. Aufgrund der Art und Weise der Tatbegehung war die 

Wahrscheinlichkeit von gravierenden Verletzungen, die eine lebensgefährliche  

Situation schaffen - in welcher die Möglichkeit des Todes des Geschädigten  

ernstlich und dringlich wahrscheinlich hätte sein können - derart eklatant, dass die 

Verhaltensweise des Beschuldigten schlechterdings nicht anders interpretiert 

werden kann, als dass er eine lebensgefährliche Verletzung des Opfers in Kauf 

nahm; der Beschuldigte konnte beim bestem Willen auch nicht darauf vertrauen, 

dass schon nichts passieren werde. Etwas anderes wäre auch lebensfremd.  

- 28 - 

Hinzu tritt, dass - wie schon mehrfach betont - die Messerschnitte und -stiche im 

Rahmen eines dynamischen Geschehens erfolgten. Hätte der Beschuldigte den 

Tatplan gehabt, dem Geschädigten nur und ausschliesslich solche Verletzungen 

zuzufügen, welche nicht lebensgefährlich sind, dann müsste sich der Beschuldig-

te aufgrund der gesamten Situation entgegen halten lassen, dass er schlicht nicht 

in der Lage war, diesen Tatplan auch umzusetzen. Insofern kann auch nicht damit 

argumentiert werden, die mit dem Messer zugefügten Verletzungen wären länger 

bzw. tiefer ausgefallen, wenn der Beschuldigte den Geschädigten hätte schwer 

verletzen bzw. sogar töten wollen. Es ging dem Beschuldigten jedenfalls gemäss 

eigenen Angaben darum, den Geschädigten zu verletzen, ihm Schmerzen zuzu-

fügen. Beweisbildend ist in diesem Zusammenhang das mehrfache Handeln, das 

Wissen des Beschuldigten um die Folgen solcher Handlungen, sowie die Erklä-

rung des Beschuldigten, der Kopf des Geschädigten sei der einzige Ort gewesen, 

wo er ihn mit dem Messer habe verletzen können (HD Urk. 78 S. 15). Zu betonen 

ist schliesslich, dass es den Beschuldigten keineswegs entlastet, wenn er nicht 

geplant, sondern spontan und plötzlich gehandelt hat. Auch nicht von Bedeutung 

ist, dass der Beschuldigte vorgibt, er habe den Geschädigten nicht tödlich ver-

letzen wollen. Entscheidend ist vielmehr, dass - wie gesehen - mehrere Umstände 

vorliegen, die darauf schliessen lassen, dass der Beschuldigte wissentlich und 

willentlich dem Geschädigten die Schnitte bzw. Stiche im Hals- und Gesichts-

bereich appliziert hat, obschon ihm dabei bewusst war, dass dies bei dem  

Geschädigten tödliche Verletzungen zur Folge hätte haben können. 

3.3. Versuch 

3.3.1. Fehlt es wie vorliegend an der Erfüllung des objektiven Elements des  

Todeseintrittes im Sinne von Art. 111 StGB, ist folglich der zum Tatbestand ge-

hörende Erfolg nicht eingetreten, so ist von einem Versuch auszugehen. Das  

revidierte Strafgesetzbuch spricht nicht nur nicht mehr vom untauglichen Versuch, 

sondern es differenziert prinzipiell auch nicht mehr zwischen dem unvollendeten 

und dem vollendeten Versuch (Bänziger/Hubschmid/Sollberger, Zur Revision des 

allgemeinen Teils des Schweizerischen Strafrechts und zum neuen materiellen 

Jugendstrafrecht, 2. A., Bern 2006, S. 13). Die Bestimmungen über den Versuch 

- 29 - 

wurden systematisch neu gegliedert, indem alle Versuchsformen in Art. 22 StGB 

zusammengefasst wurden. Zudem sind auch die Rechtsfolgen bei allen Ver-

suchsarten gleich, indem sie (wie schon bis anhin) zu einer (theoretisch nur)  

fakultativen Strafmilderung führen. Weil das revidierte StGB nur noch eine Art von 

Strafmilderung (Art. 48a StGB) kennt, besteht in Bezug auf die Rechtsfolgen 

grundsätzlich kein Unterschied mehr zwischen unvollendetem und vollendetem 

Versuch. Überdies war schon nach altem Recht die Unterscheidung zwischen 

vollendetem und unvollendetem Versuch in jenen Fällen, wo weder ein Rücktritt 

noch tätige Reue zur Diskussion standen, ohne praktische Bedeutung (BGE 127 

IV 97 E. 1; BGer 6S.46/2005 vom 2. Februar 2006, E. 10.4.2.). Diese Sichtweise 

könnte zum Schluss führen, es sei letztlich irrelevant, ob das Verhalten des  

Beschuldigten als vollendeter oder unvollendeter Versuch zu qualifizieren sei. 

Dass letztlich nach wie vor zwischen vollendetem und unvollendetem Versuch  

unterschieden wird, ergibt sich daraus, dass das Gesetz zwischen Rücktritt und 

tätiger Reue unterscheidet. Unter welchen Voraussetzungen der Täter vom Ver-

such zurücktreten oder tätige Reue üben kann, bestimmt sich danach, ob es sich 

um einen unvollendeten oder vollendeten Versuch handelt (Rücktritt ist nur beim 

unvollendeten Versuch möglich, tätige Reue beim vollendeten Versuch; vgl. dazu 

Donatsch/Tag, Strafrecht I, 8. A., Zürich 2006, S. 135 f.). Nachdem nun aber der 

Rücktritt und die tätige Reue im gleichen Art. 23 Abs. 1 StGB zusammengefasst 

und insbesondere mit derselben Rechtsfolge (fakultative Strafmilderung oder  

Umgangnahme von einer Bestrafung) versehen wurden, verstärkt sich der  

Eindruck, dass es sich um einen akademischen Streit handeln dürfte, ob ein voll-

endeter oder ein unvollendeter Versuch vorliegt (Donatsch/Tag, a.a.O., S. 139 ff.). 

Ob es sich um einen vollendeten oder unvollendeten Versuch handelt, muss  

jedenfalls im Urteilsdispositiv nicht mehr zum Ausdruck kommen (Stratenwerth, 

Schweizerisches Strafrecht, AT I, 3. A., Bern 2005, § 12 N 38). Wie weit ein  

Versuch gediehen ist, ist aber auch nach neuem Recht für die noch vorzu-

nehmende Strafzumessung von Bedeutung (vgl. nachstehende Erwägungen  

unter Ziffer V.1.2.3.). 

3.3.2. Ein vollendeter Versuch liegt vor, wenn die strafbare Tätigkeit zu Ende  

geführt wird, aber der tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt (Art. 22 Abs. 1 

- 30 - 

StGB, alte und neue Fassung). Die Abgrenzung des vollendeten vom unvoll-

endeten Versuch ist auf der Grundlage des konkreten Tatplans vorzunehmen.  

Es ist zu fragen, ob der Täter alle Voraussetzungen geschaffen hat, die nach  

seinem Plan zum Eintritt des Erfolges hätten führen sollen (BGer 6S.46/2005 vom 

2. Februar 2006, E. 10.4.2.). Es gibt aufgrund der Aussagen des Geschädigten 

und der Tatzeugen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte dem  

Geschädigten weitere Messerschnitte zufügen wollte, auch wenn der Beschuldig-

te, als der Geschädigte und E._____ nach der Tat flüchteten, diese mit dem Mes-

ser verfolgt hat. Es ist daher davon auszugehen, dass mit den Messerattacken in 

das Gesicht bzw. den Hals des Geschädigten die eigentliche Tathandlung zu En-

de war. Mithin ist von einem vollendeten Versuch auszugehen. Es lag nicht im 

Wirkungsbereich des Beschuldigten, ob der Erfolg letztlich eintrat oder nicht. 

3.4. Somit ist der Beschuldigte des eventualvorsätzlichen Tötungsversuchs im 

Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit  Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu  

sprechen. 

4. Notwehr / Notwehrexzess 

4.1.1. Der Beschuldigte hat stets geltend gemacht, er habe in Notwehr gehandelt, 

weil er vom Geschädigten zuerst angegriffen worden sei. Das Bezirksgericht hat 

dem Beschuldigten eine Notwehrsituation zugestanden (HD Urk. 92 S. 71). Es hat 

indes auf einen Notwehrexzess erkannt, weil der Beschuldigte den Messereinsatz 

zuvor nicht angedroht und unvermittelt auf den Geschädigten eingestochen habe 

(HD Urk. 92 S. 72).  

4.1.2. Der Beschuldigte rügt eine Verletzung von Art. 15 und 16 Abs. 2 StGB. Die 
Vorinstanz habe zu Unrecht erkannt, dass er die Grenzen der Notwehr in unan-

gemessener Weise überschritten und sich deshalb des Notwehrexzesses  

schuldig gemacht habe. Er sei nachweislich von zwei Personen mit Fäusten und 

Fusstritten angegriffen worden und habe deshalb mit erheblichen und gar lebens-

gefährlichen Verletzungen rechnen müssen. Sich gegen einen solchen Angriff nur 

mit Händen und Füssen zu wehren, sei keine Option. Der Messereinsatz sei  

daher gerechtfertigt gewesen. Bei seiner Abwehr habe er die Prinzipien der  

- 31 - 

Proportionalität und der Subsidiarität gewahrt (HD Urk. 78 S. 9 ff., HD Urk. 80; 

Urk. 130 S. 10 ff.; Prot. II S. 10 ff.). 

4.2.1. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff  

bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer 

den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschreitet 
der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe  

(Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet er die Grenzen der Notwehr in entschuld-
barer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft 

(Art. 16 Abs. 2 StGB). 

4.2.2. Nach der Rechtsprechung muss die Abwehr in einer Notwehrsituation nach 
der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen. Eine Rolle  

spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff und die Abwehr 

bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und dessen tatsächliche  

Verwendung (BGE 136 IV 49, BGE 102 IV 65 E. 2a mit Hinweisen, insb. BGE 79 
IV 148 E. 1). Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu  

beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat  

befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen darüber angestellt 

werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit anderen, weniger  

einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sollen (BGE 136 IV 

49, BGE 107 IV 12 E. 3a mit Hinweis). Dieser Rechtsprechung folgt die Lehre 

(BSK StGB I - Seelmann, 2. A., Basel 2007, N 12 zu Art. 15 StGB; siehe auch  

José Hurtado Pozo, Droit pénal, Partie générale, 2008, S. 239 Rz. 718). 

4.2.3. Besondere Zurückhaltung ist bei der Verwendung von gefährlichen Werk-

zeugen zur Abwehr (Messer, Schusswaffen etc.) geboten, da deren Einsatz stets 

die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Angemessen 

ist die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren 

Mitteln hätte abgewendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden 

ist und der Abwehrende vor der Benutzung des gefährlichen Werkzeugs das  

Nötige zur Vermeidung einer übermässigen Schädigung vorgekehrt hat. Auch ist 

eine Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter unerlässlich. Doch 

muss deren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch han-

- 32 - 

deln muss, mühelos erkennbar sein (BGE 136 IV 49, BGE 107 IV 12 E. 3b; zur 

"angemessenen" Abwehr im Sinne der Rechtsprechung vgl. auch Stratenwerth, 

Die Straftat, 3. A. 2005, § 10 Rz. 75 und 76; Donatsch / Tag, a.a.O., S. 225 f.). 

4.3.1. Ausgehend vom beweismässig erstellten Sachverhalt ist zu Gunsten des 

Beschuldigten davon auszugehen, dass es der Geschädigte C._____ war, der für 

den Beschuldigten eine Notwehrlage schuf, indem er einen Angriff auf ihn startete 

und ihm einen ersten Faustschlag an den Kopf versetzte. Somit kann nicht davon 

gesprochen werden, dass es der Beschuldigte selber war, der die Notwehrlage 

durch eine Provokation selber verschuldet hätte. Erstellt ist zudem, dass sich 
E._____ in jener Phase ebenfalls in der unmittelbaren Nähe der beiden  

Kontrahenten aufhielt. Der Beschuldigte musste damit rechnen, dass E._____ 

auch in die tätliche Auseinandersetzung eingreift. Dass sich der Beschuldigte vor-

liegend demzufolge in einer Notwehrsituation befand, als er sich mit dem Messer 

zur Wehr setzte, wird im angefochtenen Entscheid zu Recht bejaht (HD Urk. 92 S. 

71). Der Beschuldigte sah sich mit zwei Angreifern konfrontiert, wobei zumindest 

der eine ihn mit Faustschlägen und Fusstritten traktierte. Da er die Ursache für die 

Notwehrlage nicht vorgängig setzte bzw. den Abwehrhandlungen keine Provoka-

tion seinerseits vorausging, war er nicht verpflichtet, dem rechtswidrigen Angriff 

auszuweichen, sondern durfte sich verteidigen bzw. war er zur Abwehr befugt 

(BGE 136 IV 49, BGE 101 IV 119). 

4.3.2. Die Auffassung der Vorinstanz, der Beschuldige habe die Grenzen der  

erlaubten Notwehr überschritten, erweist sich (ebenfalls) als korrekt. Dem ange-

fochtenen Entscheid liegt keine zu enge Auffassung vom Umfang der Notwehr-

befugnis im Sinne einer angemessenen Abwehr in der konkreten Situation zu 

Grunde. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen 

werden (HD Urk. 92 S. 71 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Nach den vorinstanzlichen Feststellungen wurde der Beschuldigte vom Geschä-

digten angegriffen. Ein weiterer potentieller Angreifer stand in unmittelbarer Nähe 

des Geschädigten. Dieser war mithin zahlenmässig und körperlich einer Angriffs-

übermacht ausgesetzt. Der Angreifer bzw. der Geschädigte schlug ihn mit der 

Faust, trat ihn mit den Füssen und nahm ihn in den Schwitzkasten. Ein erster 

- 33 - 

Faustschlag ging in das Gesicht des Beschuldigten. Der Angriff gestaltete sich 

damit insgesamt keineswegs als harmlos, sondern war heftig, wenn nicht gar bru-

tal. Der Beschuldigte hat denn auch erhebliche Verletzungen davon getragen. Die 

Vorstellung des Angegriffenen bzw. des Beschuldigten, aufgrund von weiteren 

Tritten und Schlägen allenfalls noch schwerer verletzt zu werden, erscheint daher 

als keineswegs unbegründet. Einerseits kommt Solches - wie die Erfahrung leider 

zeigt - immer wieder vor, weshalb man eine entsprechende Befürchtung haben 

darf, und entspricht es andererseits allgemeiner Lebenserfahrung, dass derartige 

Gewalteinwirkungen insbesondere gegen den Kopfbereich eines Menschen zu 

schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können 

(Frakturen, Gehirnerschütterung, Bewusstseinsverlust oder Koma, Hirnblutungen 

usw.). Unter diesen Umständen war der Beschuldigte nicht gehalten, die  

Auseinandersetzung mit blossen Händen und Füssen zu führen bzw. zu ver-

suchen, den Angriff mit blosser Körpergewalt abzuwehren. Das Notwehrrecht gibt 

nicht nur das Recht, mit gleichen Mitteln abzuwehren, mit denen der Angriff  

erfolgt, sondern mit solchen, die eine effektive Abwehr ermöglichen. Das bedeu-

tet, dass der Verteidiger von Anfang an die voraussichtlich wirksamen Mittel  

einsetzen darf (BGE 107 IV 12 E. 3b). Angesichts der Art und Schwere des  

Angriffs, der zahlenmässigen Überlegenheit der Angreifer und des Risikos, im 

Laufe der Auseinandersetzung möglicherweise auch erhebliche Körperverletzun-

gen davonzutragen, kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, den  

Angriff mit dem Messer abgewehrt zu haben.  

Mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass der Messereinsatz als  

Solcher vorliegend nicht von vorneherein als unzulässig erscheint. Es kann auf 

die zutreffend vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (HD Urk. 92 S. 71; 

Art. 82 Abs. 4 StPO).  

Allerdings war der Beschuldigte beim Einsatz des Messers zu besonderer  

Zurückhaltung verpflichtet. Ein Solcher kann grundsätzlich nur das letzte Mittel 

der Verteidigung sein. Ob der Beschuldigte gehalten gewesen wäre, den Ge-

brauch des Messers zunächst anzudrohen bzw. den Angreifer zu warnen, kann 

vorliegend dahingestellt bleiben. Sicherlich wäre der Beschuldigte jedoch vor die-

- 34 - 

ser gefährlichen Art der Verwendung des Messers gehalten gewesen,  

einen schonenderen bzw. milderen Einsatz desselben zur Erreichung des  

Abwehrerfolgs zu versuchen, indem er dem Angreifer zunächst beispielsweise  

"lediglich" einen Stich gegen die Extremitäten (Hände oder Beine) versetzt hätte. 

Der Beschuldigte tat das indes nicht, sondern er stach vielmehr unvermittelt zu 

und zwar gezielt auf den Kopf- und Halsbereich des Geschädigten, die offensicht-

lich empfindlichste Stelle des Menschen. Mit anderen Worten hat der Beschuldig-

te nicht einmal versucht, den Geschädigten zunächst mit einem ersten milden 

bzw. milderen Einsatz des Messers abzuwehren. Und selbst wenn der (unbe-

waffnete) Geschädigte daraufhin nicht reagiert, sondern sein Tun unbeirrt fortge-

setzt hätte, hätte der Beschuldigte dem Geschädigten bei weiterdauerndem  

Angriff einen Stich in die Schulter oder in die Flanke versetzen können. Zu Recht 

hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang erwogen, dass die Argumentation 

des Beschuldigten, wonach Stiche im Rumpfbereich des Geschädigten aufgrund 

von dessen dicken Lederjacke zur Abwehr ungeeignet gewesen wären, sich als 

nicht zielführend erweist (HD Urk. 92 S. 72). Unter diesen Umständen muss die  

geschilderte Art der Abwehr des Beschuldigten in Übereinstimmung mit der Vo-

rinstanz als unangemessen bezeichnet werden. Die gezielten und unvermittelten 

Schnitte und Stiche in den Hals- und Kopfbereich des selbst nicht bewaffneten 

Geschädigten waren zur erfolgreichen Abwehr des Angriffs nicht erforderlich und 

berücksichtigten auch unter dem Gesichtspunkt der drohenden Rechtsgüter-

verletzungen das Verhältnis zu dessen Schwere nicht. Die hier zu beurteilende 

Abwehr erweist sich zusammenfassend als unangemessen. 

Wenn der Verteidiger hiezu ins Feld führt, auch ein Faustschlag könne schwere 

Verletzungen hervorrufen oder tödlich sein (Prot. II S. 11,12), so ist dem entgegen 

zu halten, dass das als Solches zwar stimmt, indessen als mögliches Szenario  

offensichtlich sehr viel unwahrscheinlicher ist, als dass ein mit einem Messer im 

Kopf-/Halsbereich Angegriffener schwere Verletzungen erleidet oder stirbt. Und 

genau in diesem Ungleichgewicht liegt die dem Beschuldigten vorzuwerfende  

Unverhältnismässigkeit seines unvermittelten Messereinsatzes gegen den 

Kopf/Hals des Geschädigten. Nur polemisch ist schliesslich, wenn der Verteidiger 

befindet, es sei absurd zu fordern, "dass der Beschuldigte zunächst den Ring-

- 35 - 

finden hätte treffen müssen einer Faust, die mit voller Wucht auf ihn zugeflogen 

kommt" (Prot. II S. 11): Davon abgesehen, dass Solches vom Beschuldigten 

selbstredend nicht gefordert wird, ist entscheidend, dass dieser eben überhaupt 

keine Anstalten zu einem milderen Einsatz seines Messers getroffen hat. 

4.3.3. Schliesslich hat das Bezirksgericht korrekt gewürdigt, dass der Notwehr-

exzess des Beschuldigten nicht entschuldbar war. Das Vorgehen mit dem Messer 

ist nicht als verzweifelter Befreiungsversuch zu verstehen, sondern als gezielter 

Gegenangriff, hat sich der Beschuldigte nach seinen eigenen Angaben doch  

Gedanken über den (wirkungsvollsten) Ort seines Messereinsatzes gemacht. 

Ferner - und das fällt stark ins Gewicht - ist der Beschuldigte nach der tätlichen 

Auseinandersetzung den flüchtenden C._____ und E._____ gefolgt, um sein Ei-

gentum (Pass, Geld, vgl. Urk. 130 S. 13) zurück zu erlangen, was klar gegen eine 

im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB entschuldigende Gemütsregung spricht. Ange-

sichts dessen kann - wie die Vorinstanz richtig erkannt hat - nicht von entschuld-

barer Aufregung oder Bestürzung seitens des Beschuldigten gesprochen werden 

(HD Urk. 92 S. 73). 

V. 
Sanktion 

1. Strafrahmen 

1.1. Die Vorinstanz hat den vorliegend zur Anwendung gelangenden Strafrah-

men korrekt abgesteckt. Der für die (eventual-)vorsätzliche Tötung massgebende 

Strafrahmen bemisst sich auf Freiheitsstrafe von fünf bis zwanzig Jahren. Es kann 

auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (HD Urk. 92 

S. 74 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).  

1.2.1. Richtig gesehen hat die Vorinstanz sodann, dass der ordentliche Strafrah-

men trotz Vorliegens von Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründen nur zu 

verlassen ist, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref-

fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint 

(HD Urk. 92 S. 74). Die Vorinstanz hat in der Folge aufgrund der bei der (eventu-

- 36 - 

al-)vorsätzlichen Tötung zu berücksichtigenden Strafmilderungsgründen (ver-

minderte Schuldfähigkeit, Versuch und Notwehrexzess) den Strafrahmen nach 

unten geöffnet mit dem Ergebnis, dass das Gericht nicht mehr an die für  

(eventual-)vorsätzliche Tötung festgelegte Mindeststrafe von 5 Jahren Freiheits-

strafe gebunden ist (HD Urk. 92 S. 75). Dafür besteht jedoch vorliegend keine 

Veranlassung (vgl. im Einzelnen nachfolgend Ziff. V 1.2.2.), und die Vorinstanz 

hat ihr Vorgehen letztlich insofern auch nicht begründet.  

1.2.2. Die tat- und täterangemessene Strafe ist - wie vorstehend erwähnt - grund-

sätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der (schwersten) Strafbestim-

mung festzusetzen (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, 8. A., Zürich 

2007, S. 74). Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst 

worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Entgegen  

einer auch in der Praxis verbreiteten Auffassung wird der ordentliche Strafrahmen 

durch Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe nicht automatisch erweitert, 

worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den üblichen  

Zumessungskriterien festzusetzen wäre (BGer 6S.73/2006 vom 5. Februar 2007 

E. 3.2). Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung darauf hinge-

wiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmenerweiterung vor (vgl. BGE 116 

IV 300 E. 2a S. 302). Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter 

infolge eines Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem 

Fall an die Grenze des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der ordentliche 

Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und 

die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu 

milde erscheint (Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 74). Die Frage einer 

Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn ver-

schuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv 

an sich leichten Tatvorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe innerhalb des 

ordentlichen Rahmens dem Rechtsempfinden widerspräche. Dabei hat der  

Richter zu entscheiden, in welchem Umfang er den unteren Rahmen wegen der 

besonderen Umstände erweitern will. Der vom Gesetzgeber vorgegebene ordent-

liche Rahmen ermöglicht in aller Regel, für eine einzelne Tat die angemessene 

Strafe festzulegen. Er versetzt den Richter namentlich in die Lage, die denkbaren 

- 37 - 

Abstufungen des Verschuldens zu berücksichtigen. Nur eine solche Betrach-

tungsweise vermag der gesetzgeberischen Wertung des Unrechtsgehaltes einer 

Straftat und damit letztlich der Ausgleichsfunktion (auch) des Strafrechts  

Rechnung zu tragen (BGE 136 IV 55). Vorliegend führen der Notwehrexzess  

(Art. 16 Abs. 1 StGB), die verminderte Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB) und 

der Versuch (Art. 22 StGB) nicht dazu, den ordentlichen Strafrahmen - und schon 

gar nicht von vornherein - zu unterschreiten. Dazu bedarf es weiterer ins Gewicht 

fallender Umstände, die einen objektiv leichten Tatvorwurf weiter relativieren bzw. 

das Verschulden als besonders leicht erscheinen lassen. Solcherart Umstände 

liegen indes vorliegend nicht vor bzw. sind nicht namhaft gemacht worden.  

1.2.3. Wie vorstehend unter Ziffer IV.3.3.2. ausgeführt, ist vorliegend von einem 

vollendeten Versuch auszugehen, da es nicht im Wirkungsbereich des Beschul-

digten lag, ob der Erfolg letztlich eintrat oder nicht. Bei der Verschuldensbewer-

tung spielt es eine Rolle, ob der Täter aus eigenem Antrieb zurückgetreten  

ist. Dies ist ein Umstand, welcher verschuldensmindernd zu gewichten ist. Tritt 

dagegen der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein, ohne vom Täter 

beeinflusst worden zu sein, bleibt das Verschulden unberührt. Gleichwohl hat sich 

dieser Umstand aber zugunsten des Täters auszuwirken (BGE 123 IV 49).  

Beim vollendeten Versuch geht es um eine Tatkomponente, die sich dadurch 

auszeichnet, dass sie verschuldensunabhängig ist. Deshalb wird sie bei der  

Gesamtseinschätzung des Verschuldens auch nicht einbezogen. Sie hat sich  

indessen im Sinne einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldens-

angemessenen Strafe auszuwirken (vgl. Mathys, Zur Technik der Strafzumessung 

in: SJZ 100 (2004) Nr. 8 S. 178). 

1.3. Richtig erwogen hat die Vorinstanz hingegen, dass eine Erweiterung des 

Strafrahmens nach oben aufgrund der Deliktsmehrheit nicht in Betracht fällt (HD 

Urk. 92 S. 74 f.). Korrekt ist ferner auch die unter Hinweis auf die geltende  

bundesgerichtliche Rechtsprechung gemachte Erwägung, dass sich Straf-

schärfungs- und Strafmilderungsgründe gegenseitig aufheben können. Sie sind 

indessen vom Gericht zumindest straferhöhend und strafmindernd zu berück-

- 38 - 

sichtigen (BGer 6B.238/2009 E. 5.8; BGer 6S.73/2006 E 3.2.; BGE 116 IV 302 E. 

2.a.). 

2. Strafzumessungsregeln  

2.1. Das Bezirksgericht hat in der Folge auch die theoretischen Grundsätze der 

richterlichen Strafzumessung korrekt zitiert, worauf verwiesen werden kann 

(HD Urk. 92 S. 75; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere hat die Vorinstanz zu-

treffend erwogen, dass der Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters 

zu bemessen hat, wobei er das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie die 

Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB). 

Die Bewertung des Verschuldens wird in Art. 47 Abs. 2 StGB dahingehend  

präzisiert, dass dieses nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des 

betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-

gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wieweit der Täter 

nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder 

Verletzung zu vermeiden (BGE 134 IV 17 E. 2.1 S. 19). Sowohl nach altem wie 

nach neuem Recht kommt somit dem (subjektiven) Tatverschulden bei der Straf-

zumessung eine entscheidende Rolle zu. 

2.2.1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten bei der Bewertung des subjektiven 

Tatverschuldens unter anderem zu Gute gehalten, dass er im Tatzeitpunkt eine 

Blutalkoholkonzentration von (höchstens) 1,59 Gewichtspromillen aufgewiesen 

habe. Es sei beim Beschuldigten daher von einer leichten Verminderung der 

Steuerungsfähigkeit auszugehen, was verschuldensmindernd zu berücksichtigen 

sei (HD Urk. 92 S. 77). Der psychiatrische Sachverständige geht in seinem Gut-

achten vom 29. Februar 2012 (Urk. 125) von einer (ebenfalls) leichten Verminde-

rung der Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB aus.  

2.2.2. Ist der Täter zur Zeit der Tat vermindert schuldfähig, so ist die Strafe  

gemäss dem Wortlaut des Gesetzes zu mildern (Art. 19 Abs. 2 StGB).  

In einem neueren Entscheid hat sich das Bundesgericht mit der Frage auseinan-

dergesetzt, wie bei einer Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne einer nach-

- 39 - 

vollziehbaren Strafzumessung vorzugehen ist (vgl. BGE 136 IV 55): In einem  

ersten Schritt ist aufgrund der tatsächlichen Feststellungen des Gutachters zu 

entscheiden, in welchem Umfange die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher 

Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des 

Tatverschuldens auswirkt. Das Gesamtverschulden ist zu qualifizieren und mit 

Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von einer Skala 

denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist in einem 

zweiten Schritt innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypo-

thetische) Strafe zu bestimmen, die diesem Verschulden entspricht. Die so  

ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem dritten Schritt aufgrund  

wesentlicher Täterkomponenten (sowie wegen eines allfälligen blossen Versuchs 

im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB) verändert werden. 

3. Konkrete Strafzumessung 

Die eigentliche Strafzumessung durch die Vorinstanz ist nicht zu bemängeln. Sie 

hat die massgeblichen belastenden und entlastenden Faktoren grundsätzlich  

zutreffend genannt und gewürdigt (Urk. 92 S. 76 - 81; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die 

nachstehenden Ausführungen sind - soweit nicht ausdrücklich als Korrekturen 

dargestellt - deshalb lediglich als Präzisierungen bzw. Ergänzungen zu verstehen. 

3.1. Objektive Tatschwere der eventualvorsätzlichen, mutmasslich vollendeten  

Tötung 

3.1.1. Zunächst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-

schuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Hierbei kann vorab auf die 

weitgehend zutreffenden und einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz im Urteil 

vom 10. Februar 2010 verwiesen werden (HD Urk. 92 S. 76; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Die nachfolgenden Ausführungen erfolgen lediglich zur Verdeutlichung und  

Präzisierung: 

3.1.2. Die Vorinstanz hat das Verschulden des Beschuldigten insgesamt als  

"bedeutend" taxiert (HD Urk. 92 S. 76). Die abschliessende Einschätzung bzw. 

Bezeichnung des objektiven Tatverschuldens durch die Vorinstanz erweist sich so 

als zu unpräzis. Die festgestellte Tatschwere wird üblicherweise mit den Begriffen 

- 40 - 

"äusserst leicht", "sehr leicht", "leicht", "noch nicht (besonders) schwer", "mittel-

schwer", "schwer", "sehr schwer" oder "äusserst schwer" eingeschätzt und  

bezeichnet (vgl. hierzu auch Mathys, a.a.O., S. 178). Insofern die Vorinstanz mit 

ihrer gewählten Formulierung das Tatverschulden des Beschuldigten insgesamt 

als "schwer" qualifizieren wollte, ist diese Einschätzung der Vorinstanz im Lichte 

der nachfolgenden Erwägungen zu relativieren. 

Beim Ausmass des Erfolges ist bei der objektiven Tatschwere grundsätzlich vom 

mutmasslich vollendeten Delikt auszugehen. Der Umstand, dass es vorliegend 

bei einem vollendeten Versuch blieb, beeinflusst die subjektive Verschuldens-

bewertung nicht (vgl. Mathys, a.a.O., S. 178). Diese Sichtweise ist auch dadurch 

gerechtfertigt, als im Rahmen der Beurteilung des Ausmasses des Erfolgs auch 

die Gefährdung resp. das Risiko eine Rolle spielt. Tötungsdelikte, auch versuchte, 

gehören - was schon der Strafrahmen aufzeigt - zu den schwersten Delikten  

unserer Rechtsordnung. Der Beschuldigte nahm das Taschenmesser hervor und 

setzte dieses unvermittelt mehrfach gezielt gegen den Beschuldigten ein. Dabei 

fügte er dem unbewaffneten Geschädigten eine 3 cm tiefe und 1 cm lange Stich-

verletzung im Bereich des Überganges vom Kinn zum Hals Richtung Halsschlag-

ader und eine weitere, je 1 cm tiefe und lange Stichverletzung im Bereich des  

linken Ohres zu. Die Verletzungen blieben zwar vergleichsweise gering. Derartige 

Messerstiche sind jedoch äusserst gefährlich und es ist nur einem glücklichen  

Zufall zu verdanken, dass eine unmittelbare und ernsthafte Gefahr für das Leben 

des Geschädigten nicht bestanden hat. Die Gewaltanwendung erfolgte sodann 

nicht mittels irgendeines Gegenstandes, der zufällig gerade in Reichweite war, 

sondern durch den gezielten Einsatz eines Taschenmessers, das der Beschuldig-

te, gewissermassen für alle Fälle, mit sich führte, in den Hals- und Gesichts-

bereich des Geschädigten. Zu bedenken ist aber anderseits, dass es durchaus 

auch (noch) gefährlichere mögliche Tatmittel gibt, beispielsweise Schusswaffen 

oder grössere Hieb- oder Stichwaffen, welche zum Einsatz bringen hätten können 

und bei welchem ein Tötungserfolg grundsätzlich näher liegt als beim Einsatz  

eines Taschenmessers in der vom Beschuldigten angewandten Art und Weise. 

Aufgrund der Vorgehensweise ist seine Tat insgesamt als mittelschwere  

(mutmasslich vollendete) Tötung zu qualifizieren.  

- 41 - 

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei 

leichtem Tatverschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis mittleren Drittel 

des vorgegebenen ordentlichen Strafrahmens ansiedelt, bei mittlerer Tatschwere 

eben im mittleren Drittel und bei schwerem Tatverschulden im oberen Drittel. 

Strafen im oberen Bereich, insbesondere Höchststrafen sind bloss ausnahmswei-

se und bei sehr schwerem Verschulden des Täters auszusprechen (BSK StGB I - 

Wiprächtiger, N 14 zu Art. 63 aStGB). Bei der vorliegenden Verschuldens- 

bewertung ist deshalb in objektiver Hinsicht von einer hypothetischen Einsatz-

strafe auszugehen, die noch im unteren Bereich des mittleren Drittels des or-

dentlichen Strafrahmens liegt. 

3.2. Subjektive Tatschwere der eventualvorsätzlichen, mutmasslich vollendeten  

Tötung 

3.2.1 Was das subjektive Verschulden anbelangt, so ist zunächst festzuhalten, 

dass das Verschulden eines Täters, der vorsätzlich gehandelt hat, wesentlich 

schwerer zu werten ist, als das Verschulden eines Täters, der „bloss“ fahrlässig 

oder mit Eventualvorsatz handelt (BGer 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Janu-

ar 2004, E. II.7.5.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II., 2. A. Bern 

2006, S. 185 f., N 25 ff.). Vorliegend ist von einer eventualvorsätzlichen Tatbe-

gehung auszugehen, was das Verschulden des Beschuldigten bzw. den Schuld-

vorwurf geringer erscheinen lässt. 

3.2.2. Ferner ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die Tat nicht lange 

im Voraus geplant war (HD Urk. 92 S. 76 f.). Vielmehr muss angenommen  

werden, dass sich der Beschuldigte und der Geschädigte am Tatabend rein  

zufällig im Bereich der ...strasse in Zürich getroffen haben und der Beschuldigte, 

nachdem er vom Geschädigten mit Faustschlägen attackiert worden war, sich 

plötzlich entschlossen hat, das Taschenmesser gegen den Hals- und Gesichts-

bereich des Geschädigten einzusetzen. Auch ein spontaner und innert Sekun-

denbruchteilen gefasster Tatentschluss ist zwar nicht zu entschuldigen, hat ver-

schuldensmässig aber doch nicht die gleiche Bedeutung, wie eine lange zum vo-

raus geplante Tat. 

- 42 - 

3.2.3. Sodann hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass dem Notwehrexzess 

des Beschuldigten im Rahmen der Strafzumessung Rechnung zu tragen ist (HD 

Urk. 92 S. 73). Angesichts der vorstehend beschriebenen konkreten Umstände 

(Art und Weise des Angriffs des Geschädigten; zahlenmässige Überlegenheit der 

Angreifer; erhebliche Verletzungen des Beschuldigten; Risiko, im Laufe der  

Auseinandersetzung noch schwerere Körperverletzungen davonzutragen) ver-

mindert der Notwehrexzess das subjektive Verschulden des Beschuldigten ganz 

erheblich. 

3.2.4. Der Beschuldigte wurde von PD Dr. med. B._____ ausführlich begutachtet. 

Der Gerichtsexperte kam in seinem Gutachten vom 29. Februar 2012 (Urk. 125) 

zum Ergebnis, dass der Beschuldigte an einer dissozialen  

Persönlichkeitsstörung (ICD - 10: F60.2) leide. Anhalte für das tatzeitaktuelle  

Bestehen einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis hätten sich nicht 

gefunden. Die Genese und genauere diagnostische Zuordnung der vom Beschul-

digten berichteten, lebhaften akustischen Halluzinationen müsse offen bleiben; 

eine Relevanz für das vorgeworfene Delikt hätten diese Phänomene jedoch nicht 

gehabt (HD Urk. 125 S. 66). Ausserdem stellte der Experte beim Beschuldigten 

tatzeitaktuell ein Abhängigkeitssyndrom von Alkohol (ICD - 10: F10.25) und von 

Kokain (ICD - 10: F14.25) sowie eine leichtgradige Alkoholintoxikation (ICD - 10: 

F10.0) fest. In der derzeitigen Gefängnisunterbringung bestehe - so der Experte 

fortfahrend - das Abhängigkeitssyndrom von Alkohol und Kokain fort, der  

Beschuldigte lebe derzeit abstinent, aber in beschützter Umgebung. Es müsse 

gemäss den Angaben des Beschuldigten davon ausgegangen werden, dass die 

Kokainabhängigkeit seit ca. 10 Jahren bestehe. Ebenso sei von einer langjährigen 

Alkoholabhängigkeit auszugehen. Ein Kausalzusammenhang zwischen der  

vorgeworfenen Tat und den Abhängigkeitssyndromen von Kokain und Alkohol sei 

jedoch nicht zu erkennen (Urk. 125 S. 67). Auch wenn der Beschuldigte im Tat-

zeitpunkt alkoholisiert gewesen sei, sei die Tat nicht primär durch die Sucht-

erkrankung bestimmt. Wenn das Gericht die Schuld des Beschuldigten erkennen 

sollte, so stelle sich die Tat als durch die dissoziale Persönlichkeitsstörung  

geprägt dar, wobei sich diese Prägung vorwiegend auf eine grundsätzlich bejahte 

Deliktsbereitschaft und einen deliktgenerierenden Lebensstil des Beschuldigten 

- 43 - 

beziehe (Urk. 125 S. 68). Weder das Ausmass der Alkoholabhängigkeit noch der 

Alkoholintoxikation noch die dissoziale Persönlichkeitsstörung rechtfertigen nach 

Dafürhalten des Gutachters die Annahme, dass die Einsichts- bzw. Steuerungs-

fähigkeit des Beschuldigten aufgehoben gewesen sei. Die Alkoholintoxikation 

könne, sofern man davon ausgehe, dass der Beschuldigte Opfer einer Attacke 

geworden sei, als geeignet angesehen werden, eine Verminderung der  

Hemmungskräfte zu bewirken. Zwar sei hierzu beachten, dass aufgrund der  

dissozialen Persönlichkeitsstörung auch eine Bereitschaft, körperliche Auseinan-

dersetzungen in Kauf zu nehmen, beim Beschuldigten bestanden habe. Jedoch 

falle es einer alkoholisierten Person schwer, mit einer ängstigenden und gefährli-

chen Situation angemessen und insbesondere deeskalierend umzugehen. Vor 

diesem Hintergrund erachtet es der Gutachter als vertretbar, dass bezüglich  

des Tötungsversuches vom 20. November 2009 eine leichte Verminderung der  

Steuerungsfähigkeit vorlag (Urk. 125 S. 69).  

Die Ausführungen von PD Dr. med. B._____ erscheinen schlüssig und überzeu-

gend. Es wurden denn auch keine Einwände seitens der Verfahrensbeteiligten 

gegen die gutachterlichen Schlussfolgerungen erhoben. Es ist daher den über-

zeugenden und klaren Aussagen von PD Dr. med. B._____ zu folgen und auf die-

se abzustellen. Beim Beschuldigten ist somit von einer in leichtem Grade vermin-

derten Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB auszugehen. Dem Beschuldig-

ten ist deshalb auch unter diesem Aspekt eine Verminderung der Schuldfähigkeit 

in leichtem Masse zuzubilligen. 

3.2.4. Das subjektive Tatverschulden wiegt damit gesamthaft betrachtet und im 

Sinne des soeben Ausgeführten leicht. 

3.3. Betrachtet man sodann das Gesamtverschulden des mutmasslich vollende-

ten Delikts (in objektiver und subjektiver Hinsicht), so ist dieses als noch nicht be-

sonders schwer zu beurteilen und führt zu einer hypothetischen Einsatzstrafe von 

7 Jahren.  

 

- 44 - 

3.4. Vollendeter Versuch als verschuldensunabhängige Tatkomponente 

Schliesslich gilt es zunächst in Betracht zu ziehen, dass es vorliegend beim Ver-

such blieb. Wie bereits vorstehend unter Ziffer V.1.2.3. ausgeführt, hat sich dies 

im Sinne einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldensangemessenen  

Einsatzstrafe auszuwirken. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe beim 

vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tatbestands-

mässigen Erfolgs und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der 

Strafe wird mit anderen Worten umso geringer, je näher der tatbestandsmässige 

Erfolg und je schwerwiegender die tatsächliche Folge der Tat war. Stets ist aber 

eine Herabsetzung der Strafe wegen des Ausbleibens des tatbestandsmässigen 

Erfolgs zulässig (BGE 123 IV 49). In Betracht zu ziehen ist hierbei, dass es  

- wie bereits mehrfach erwähnt - nur dem Zufall und nicht dem Verhalten des  

Beschuldigten zuzuschreiben ist, dass die linke Halsschlagader des Geschädig-

ten nicht getroffen wurde, was zu einer lebensgefährlichen Blutung geführt hätte. 

Allerdings sind die tatsächlichen Folgen der Tat nicht schwerwiegend. Der  

Geschädigte erlitt keine lebensgefährliche Verletzung; sein Leben musste nicht 

nur dank der sofortigen medizinischen Versorgung gerettet werden. Sodann hat 

er gemäss dem ärztlichen Bericht des Stadtspitals D._____ vom 29. Januar 2010 

(HD Urk. 27/10) auch nicht mit bleibenden Nachteilen zu rechnen. Zudem war er 

"lediglich" drei Tage hospitalisiert (HD Urk. 27/6). In casu führt der Versuch doch 

zu einer erheblichen Reduktion bzw. Strafminderung, sodass die laufende hypo-

thetische Einsatzstrafe nahe des untersten Randes des ordentlichen Straf-

rahmens zu liegen kommt.  

3.6. Täterkomponente 

3.6.1. Mit Bezug auf die Täterkomponente kann vorab ebenfalls auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (HD Urk. 92  S. 78; Art. 82 

Abs. 4 StPO).  

 

 

- 45 - 

3.6.2. Vorstrafen/Delinquieren während laufender Probezeit 

Der Beschuldigte hat unter dem Aliasnamen A4._____ zwei Eintragungen im 

Schweizerischen Strafregister zu verzeichnen. Diese beiden Verurteilungen sind 

im Strafregister in der Zwischenzeit gelöscht worden (HD Urk. 38/6a, Urk. 100). 

Die Vorinstanz hat daher unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Recht-

sprechung (BGE 135 IV 87) zutreffend erwogen, dass diese aus dem Strafregister 
entfernten Verurteilungen im vorliegenden Strafverfahren bei der Strafzumessung 

nicht mehr verwertet werden dürfen (HD Urk. 92 S. 79). 

Insofern die Vorinstanz die weiteren Vorstrafen des Beschuldigten in der Schweiz, 

I._____ und in J._____ (HD Urk. 78 S. 3) sowie das Delinquieren während  

laufender Probezeit (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat vom  

15. November 2009; Probezeit 2 Jahre) insgesamt merklich straferhöhend  

berücksichtigt hat (HD Urk. 92 S. 79 f.), ist dies nicht zu beanstanden. Gemäss 

gefestigter Rechtsprechung messen die Gerichte dem Umstand, dass der Täter 

durch Vorstrafen (auch im Ausland: BGE 105 IV 226) oder nur schon durch frühe-

re Strafverfahren gewarnt worden war, straferhöhende Wirkung zu. Dabei spielt 

es für die grundsätzliche Berücksichtigung als Strafzumessungsfaktor keine Rolle, 

ob mit dem früheren Entscheid eine Busse oder eine Freiheitsstrafe ausgefällt 

worden ist. Von dieser gefestigten Rechtsprechung abzuweichen, besteht vor-

liegend kein Anlass. Den Beschuldigten scheinen Interventionen durch die Behör-

den offenkundig nicht nachhaltig zu beeindrucken, zumindest hat er sich die  

Konsequenzen erneuter Verfehlungen nicht verinnerlicht. Zu Recht hat die Vo-

rinstanz in diesem Zusammenhang auch festgehalten, dass der Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 15. November 2009 dem Beschuldigten 

am selben Tag eröffnet wurde (HD Urk. 38/6). Nur wenige Tage später beging der 

Beschuldigte den vorliegend zu beurteilenden Tötungsversuch und die weiteren 

Delikte (vgl. nachstehend). 

3.6.3. Vorgeschichte und persönliche Verhältnisse 

Die Angaben zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschul-

digten ergeben sich aus den Vorakten (HD Urk. 23/9, HD Urk. 38/24; HD Urk. 78 

- 46 - 

S. 3 ff.) und aus dem vorinstanzlichen Entscheid (HD Urk. 92 S.78). Zur Ver-

meidung von unnötigen Wiederholungen und nachdem der sich seither in Haft  

befindliche Beschuldigte auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung 

nichts Neues vorgebracht hat, kann auf diese Ausführungen verwiesen werden 

(Art. 82 Abs. 4 StPO).  

Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt sich jedenfalls 

nichts für die vorliegende Strafzumessung Relevantes, was nicht bereits unter 

dem Gesichtspunkt der verminderten Schuldfähigkeit zu Gunsten des Beschuldig-

ten berücksichtigt wurde. 

3.6.4. Nachtatverhalten 

Zum Nachtatverhalten hat die Vorinstanz erwogen, dass sich das Geständnis des 

Beschuldigten hinsichtlich des äusseren Sachverhaltes leicht strafmindernd  

auswirke, wobei zu bemerken sei, dass sich die Behauptung des Beschuldigten, 

wonach er vom Geschädigten mit dem Messer angegriffen worden sei, aufgrund 

des Untersuchungsergebnisses als falsch erwiesen habe (HD Urk. 92 S. 80).  

Dieser Einschätzung der Vorinstanz ist beizupflichten. Sein Teilgeständnis ist  

angesichts der fehlenden Einsicht und Reue, welche sich (auch) in Relativierun-

gen seines Verhaltens (z.B. er habe zunächst mit dem Messer herumgefuchtelt) 

zeigen, nur marginal strafmindernd zu berücksichtigen. 

3.6.5. Strafempfindlichkeit 

Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass eine besondere Strafempfindlich-

keit beim Beschuldigten nicht gegeben ist (HD Urk. 92 S. 80). 

3.7. Einsatzstrafe für die versuchte eventualvorsätzliche Tötung  

Im Rahmen der Täterkomponente wirken sich die Vorstrafen und das Delinquie-

ren während laufender Probezeit spürbar straferhöhend aus. Leicht strafmindernd 

fällt das Nachtatverhalten des Beschuldigten ins Gewicht. Insgesamt fallen die 

Straferhöhungsgründe etwas stärker ins Gewicht als