# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe7475fe-1dff-50aa-888d-a579325cb641
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2006 PVG 2006 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2006-1_2006-12-31.pdf

## Full Text

Politische Rechte 1
Diritti politici

Politische Rechte. Anforderungen an die Traktandierung ei- ner 
Kreditvorlage.
– Die Stimmberechtigten müssen bei einer Kreditvorlage 

damit rechnen, dass die Gemeindeversammlung über den 
ziffernmässigen Antrag des Vorstandes hinausgeht; 
deswegen wird die Traktandierungspflicht nicht ver- 
letzt.

Diritti politici. Esigenze per la messa all’ordine del giorno di 
una richiesta di credito.
– Nell’ambito di una richiesta di credito, gli aventi diritto di 

voto devono contare sul fatto che l’assemblea comu- nale 
possa andare oltre la cifra proposta dalla sovra- stanza; 
con ciò non viene violato il principio dell’obbligo di allestire 
un ordine del giorno.

Erwägungen:
3. Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht, über den An-

trag aus der Mitte der Gemeindeversammlung, den Beitrag von
1.2 auf 2 Mio. Franken zu erhöhen, hätte nicht abgestimmt werden 
dürfen, da dadurch die Traktandierungspflicht verletzt worden sei. 
Dieser Einwand ist unzutreffend. Wohl sieht Art. 12 Abs. 2 GG vor, 
dass nur über traktandierte Verhandlungsgegenstände Beschluss 
gefasst werden darf. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass die 
Stimmberechtigten zu traktandierten Geschäften keine Abände- 
rungsanträge stellen dürften. Weder ist eine solche Einschränkung 
des Antragsrechtes im Gemeindegesetz vorgesehen, noch liesse 
sich dies mit dem hohen Stellenwert, den die Versammlungsde- 
mokratie in Graubünden geniesst, vereinbaren. Mit Blick auf die 
Traktandierungspflicht ist lediglich erforderlich, dass Abände- 
rungsanträge in einem hinreichend engen Sachzusammenhang 
zum traktandierten Geschäft stehen, so dass nicht faktisch über 
eine neue, nicht traktandierte Vorlage abgestimmt wird. Wann dies 
der Fall ist, lässt sich nicht allgemein sagen, sondern muss im Ein- 
zelnen bestimmt werden. Geht es um Vorlagen, mit welchen Aus- 
gaben beschlossen werden sollen, können diese nicht nur ange-

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1/1 Politische Rechte PVG 2006

nommen oder verworfen werden. Vielmehr gehört es in diesem 
Bereich zu den demokratischen Mitwirkungsrechten der Bürgerin- 
nen und Bürger, dass auf ihren an der Versammlung gestellten 
Antrag hin höhere oder tiefere Ausgaben beschlossen werden als 
von der Exekutive beantragt. Dies steht auch nicht in einem Span- 
nungsverhältnis zur Traktandierungspflicht, wie vom Beschwerde- 
führer und offenbar in anderen Kantonen mit weniger stark aus- 
geprägter Versammlungsdemokratie geglaubt wird. In Graubün- 
den ist demgegenüber davon auszugehen, dass sich die Stimm- 
berechtigten darüber bewusst sind, dass sich bei der Beschluss- 
fassung über Kreditvorlagen aufgrund von Anträgen aus der Mitte 
der Gemeindeversammlung höhere oder tiefere Beträge ergeben 
können, als vom Gemeindevorstand vorgeschlagen. Die Stimm- 
berechtigten müssen also damit rechnen, dass die Gemeindever- 
sammlung über den ziffernmässigen Antrag des Vorstandes hin- 
ausgeht. Dass deswegen die Traktandierungspflicht verletzt wür- 
de, ist nach dem Gesagten nicht einzusehen. In diesem Zusam- 
menhang ist schliesslich noch festzuhalten, dass  sich  entgegen 
der Ansicht des Beschwerdeführers den einschlägigen Gemein- 
deerlassen keine Vorschrift entnehmen lässt, welche die Bei-  
träge an Erstwohnungsprojekte auf 10 % der Anlagekosten plafo- 
nieren würde.
V 05 8 Urteil vom 17. März 2006

Die dagegen an das Bundesgericht erhobenen staatsrechtlichen 
Beschwerden wurden am 31. August 2006 abgewiesen (1P.250/ 
2006 und 1P.264/2006).

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