# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 235bccff-23e4-5d0c-8439-483802b1cc00
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.07.2010 D-4720/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4720-2010_2010-07-06.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4720/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  J u l i  2 0 1 0

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Maurice Brodard;
Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann.

A._______, geboren [...],
alias B._______, geboren [...], Nigeria,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 17. Juni 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4720/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 26. April 2010 in der Schweiz um Asyl 
nachsuchte,

dass  dem Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  Tatsache,  dass  er  am 
18. Februar 2009 in Italien registriert beziehungsweise daktyloskopiert 
worden ist und ein Asylgesuch eingereicht hat, am 06. Mai 2009 an-
lässlich  der  Befragung  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) 
Z._______ diesbezüglich das rechtliche Gehör gewährt worden ist,

dass er dabei ausgesagt hat, er könne nicht nach Italien zurückkehren, 
dass er dort  keine Unterkunft, keine Nahrung und keine Arbeit habe, 
und er ausserdem weggewiesen worden sei,

dass das BFM gestützt  auf  den oben erwähnten Eurodac-Treffer am 
17. Mai 2010 an Italien ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerde-
führers gestellt hat,

dass Italien bis  zum Fristablauf  vom 1. Juni  2010 keine Antwort  auf 
das Ersuchen erteilt hat,

dass  das BFM mit  Verfügung vom 17. Juni  2010 –  eröffnet  gemäss 
Track & Trace-Auszug der Schweizerischen Post am 23. Juni 2010 (vgl. 
A22, S. 2) – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein-
trat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordne-
te,

dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufforderte,  die 
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen, und festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung komme 
keine aufschiebende Wirkung zu,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer sei am 18. März 2008 in Italien daktyloskopisch erfasst 
worden,

dass Italien gestützt  auf  das Abkommen vom 26. Oktober  2004 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 
Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung des 
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder 

Seite 2

D-4720/2010

in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkom-
men  [DAA,  SR  0.142.392.68])  und  auf  das  Übereinkommen  vom 
17. Dezember  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft,  der  Republik  Island  und dem Königreich  Norwegen über  die 
Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands 
und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 
Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwe-
gen gestellten Asylantrags (Übereinkommen vom 17. Dezember 2004, 
SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei,

dass Italien den Antrag auf Übernahme des Beschwerdeführers bis am 
1. Juni 2010 nicht beantwortet habe, weshalb aufgrund der Verfristung 
davon auszugehen sei, Italien akzeptiere die Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers,

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs keine 
relevanten Gründe, welche die Durchführung des Dublin-Verfahrens in 
Frage stellen würden, geltend gemacht habe,

dass auf sein Asylgesuch daher nicht einzutreten sei,

dass die Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des Vollzugs zu 
bejahen seien,

dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom 24. Juni 2010  an  das 
[zuständige kantonale Behörde] (bei diesem eingegangen am 28. Juni 
2010, weitergeleitet ans Bundesverwaltungsgericht mittels Telefax am 
30.  Juni  2010,  Eingang  der  Originalbeschwerde  beim  Bundes-
verwaltungsgericht 5. Juli 2010) gegen diesen Entscheid beim Bundes-
verwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  sinngemäss  bean-
tragte, er wolle nicht nach Italien zurückgeschickt werden, sondern in 
der Schweiz bleiben und hier leben,

dass er zur Begründung seiner Beschwerde sinngemäss ausführte, er 
habe in Italien kein Leben,

dass er – weil er in Italien keine Unterkunft habe – nicht auf der Stras -
se leben wolle,

dass er  in  Italien über  keine Arbeitsbewilligung verfüge und deshalb 
auf der Strasse um Geld und Esswaren betteln müsse,

Seite 3

D-4720/2010

dass er es deshalb vorziehe, in der Schweiz zu bleiben und hier zu le-
ben,

dass die vorinstanzlichen Akten am 2. Juli 2010 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und 52 Abs. 1 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich demnach die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichtein-
tretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen ma-

Seite 4

D-4720/2010

teriellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die 
Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass aufgrund der Abklärungen des BFM bei  der EURODAC  Daten-
bank  die  Asylgesuchseinreichung  des  Beschwerdeführers  in  Italien 
feststeht und er diese auch nicht bestreitet,

dass  somit  Italien  für  die  Prüfung  seines  am 26.  April  2010  in  der 
Schweiz  eingereichten  Asylantrags  zuständig  ist  (vgl.  vorstehend 
S. 3 DAA sowie die Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 
des  Rates  vom 18.  Februar  2003  (Dublin  II-Verordnung)  zur  Fest le-
gung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, 
der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem 
Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist  [VO Dublin] und die 
Verordnung  [EG]  Nr. 1560/2003  der  Kommission  vom 2.  September 
2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin  II-Verordnung  des 
Rates [DVO Dublin], insbes. Art. 10 Abs. 1 VO Dublin),

dass die italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behör-
den  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  innert  zweier  Wo-
chen nicht beantwortet haben, womit die Zuständigkeit Italiens gemäss 

Seite 5

D-4720/2010

Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  so  genannten  Verfristung 
definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Dublin-II-VO),

dass Asylsuchende in Italien zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und 
dem Zugang zur medizinischen Infrastruktur gewissen Schwierigkeiten 
ausgesetzt sein können,

dass Italien aber sowohl  Signatarstaat  des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und 
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist,

dass  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vorliegen,  wonach  sich  Italien 
nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflichtungen 
hält,

dass Dublin-Rückkehrende betreffend Unterbringung von den italieni-
schen Behörden bevorzugt  behandelt  werden und sich – neben den 
staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen 
der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

dass die  Organisation  "Arci  con Fraternità"  seit  dem 1. Januar  2009 
die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom) organi-
siert und dort den Asylsuchenden kostenlose Rechtsberatung anbietet,

dass unter diesen Umständen keine konkreten Anhaltspunkte dafür er -
sichtlich  sind,  der  Beschwerdeführer  würde  im  Falle  einer  Rückkehr 
nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,

dass in der Beschwerde nichts vorgebracht wird (siehe vorne), was zu 
einer anderen Einschätzung führen würde,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegwei-

Seite 6

D-4720/2010

sung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorgehende 
Erwägungen),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnete,

dass es sich erübrigt, auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde 
und die eingereichten Beweismittel einzugehen, da diese an der Wür-
digung des vorliegenden Sachverhalts nichts zu ändern vermögen,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.– 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 
1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 7

D-4720/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.– werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt,  mit  den  Akten  Ref.-Nr.  [...]  (per 

Kurier; in Kopie)
- [die zuständige kantonale Behörde] (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel Schmid Daniel Stadelmann

Versand:

Seite 8