# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8a827ee-dc2a-5ad8-a93a-27113131719f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.03.2024 SB230172
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230172_2024-03-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: SB230172-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, lic. iur. K. Vogel und 

Ersatzoberrichter lic. iur. A. Kessler sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw J. Stegmann

Urteil vom 7. März 2024

in Sachen

A._____, 
Privatklägerin und Berufungsklägerin

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

sowie

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt lic. iur. D. Kloiber,

Anklägerin

gegen

B._____, 
Beschuldigter und Berufungsbeklagter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____

betreffend Erpressung

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 14. Juli 2022 
(GG220002)

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Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 19. Januar 2022 

(Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 47 S. 30 ff.)

«Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte B._____ ist der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB nicht schuldig 

und wird freigesprochen.

2. Auf die Anordnung einer Landesverweisung wird verzichtet.

3. Auf die Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im Sinne 

von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes wird verzichtet.

4. Die Privatklägerin wird mit ihren Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg 

des Zivilprozesses verwiesen.

5. Die Entschädigung von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ für die amtliche Verteidigung des Be-

schuldigten wird auf Fr. 8'680.80 (inkl. Barauslagen und 7.7% MWST) festgesetzt.

6. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 

der Privatklägerin wird auf Fr. 8'714.65 (inkl. Barauslagen und 7.7% MWST) festgesetzt.

7. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz, die weiteren Kosten betragen:

Fr. 2'500.00   Gebühr für das Vorverfahren

Fr. 450.00   Auslagen Polizei (Auswertung Mobiltelefon)

Fr. 8'680.80   Entschädigung amtliche Verteidigung

Fr. 8'714.65   Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung

Fr. 20'345.45   Total

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inkl. Kosten der amtlichen 

Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin) werden definitiv 

auf die Gerichtskasse genommen.

9. Dem Beschuldigten wird für die angeordnete Untersuchungshaft von 3 Tagen und die verfüg-

ten Ersatzmassnahmen eine Genugtuung in Höhe von insgesamt Fr. 1'000.– aus der Staats-

kasse zugesprochen.

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10. [Mitteilungen]

11. [Rechtsmittel]»

Berufungsanträge:

a) Der Vertretung der Privatklägerin A._____:

(Urk. 48; Urk. 74)

«1. Es sei der Beschuldigte in Aufhebung von Disp.-Ziff. 1.-4. des 
vorinstanzlichen Urteils im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen 
und angemessen zu bestrafen.

2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin als Genug-
tuung Fr. 8'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit 5. September 2021 
zu bezahlen.

3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin bis 30.6.22 
aufgelaufen Schadenersatz in der Höhe von Fr. 4'962.– zu be-
zahlen. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte für weiteren 
Schadenersatz herrührend aus dem Ereignis vom 5.9.21 ersatz-
pflichtig sei.

4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin 
Fr. 30'000.– zu bezahlen.

5. Die Kosten des Berufungsverfahrens sowie des Vorverfahrens und 
erstinstanzlichen Verfahrens inkl. diejenigen der unentgeltlichen 
Geschädigtenvertretung seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.»

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 75)

«1. Die Berufung der Privatklägerin sei abzuweisen und das Urteil des 
Bezirksgerichts Dielsdorf vom 14. Juli 2024 sei zu bestätigen und 
der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Erpressung i.S.v. Art. 156 
Ziff. 1 StGB freizusprechen und von einer Landesverweisung und 
Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem sowie einer Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe 
und Erstellung eines DNA-Profils i.S.v. Art. 5 des DNA-Profil-Ge-
setzes sei abzusehen.

2. Die Zivilforderungen (Schadenersatz, Genugtuung, Ungerechtfer-
tigte Bereicherung) der Privatklägerin seien auf den Zivilweg zu 
verweisen.

3. Dem Beschuldigten sei für die Dauer des seit dem Urteil des 
Bezirksgerichts Dielsdorf vom 14. Juli 2023 weiter hängigen 
Strafverfahrens eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.

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4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Privatklägerin auf-
zuerlegen und die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Beru-
fungsverfahren seien definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.»

Erwägungen:

I.  Verfahrensgang und Prozessuales

1. Verfahrensgang

1.1. Mit Eingabe vom 19. Januar 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

gegen B._____ beim Bezirksgericht Dielsdorf Anklage (Urk. 21). Der Verfahrens-

gang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid vom 14. Juli 

2022 (Urk. 47 E. I/1 ff. S. 4).

1.2. Die Vorinstanz befragte an ihrer Hauptverhandlung vom 11. Juli 2022 nicht 

nur den Beschuldigten (Prot. I S. 6; Urk. 42), sondern auch die Privatklägerin 

(Prot. I S. 6; Urk. 43). Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 14. Juli 2022 

wurde den Parteien mündlich eröffnet (Urk. 36; vgl. auch Urk. 40; Prot. I S. 27 ff.). 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten frei und verwies die Schadenersatz- und 

Genugtuungsbegehren der Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses. Ihre 

übrigen Entscheidungen lassen sich dem eingangs zitierten Dispositiv des Urteils 

entnehmen (Urk. 47 S. 30 f.). Überdies wurde die gegen den Beschuldigten erlas-

senen Ersatzmassnahmen mit Verfügung des gleichen Tages aufgehoben, was 

den Parteien ebenfalls mündlich eröffnet wurde (Urk. 37; vgl. auch Urk. 41; Prot. I 

S. 30 f.).

1.3. Die Privatklägerin liess mit Eingabe vom 18. Juli 2022 innert Frist Berufung 

anmelden (Urk. 39). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 45 = Urk. 47; 

Urk. 46/1-3) liess die Privatklägerin am 1. März 2023 fristgerecht die Berufungs-

erklärung einreichen (Urk. 48).

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 23. März 2023 wurde der Privatklägerin Frist 

angesetzt, um ihre aktuelle finanzielle Situation zu belegen und entsprechende 

Unterlagen einzureichen, um die Voraussetzungen für die Gewährung der unent-

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geltlichen Rechtspflege zu prüfen (Urk. 50). Mit Eingabe vom 6. April 2023 liess die 

Privatklägerin Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen einreichen (Urk. 52 

und 53/1-7).

1.5. Mit Präsidialverfügung vom 14. April 2023 wurde der Privatklägerin die 

unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren bewilligt und dem 

Beschuldigten sowie der Staatsanwaltschaft ein Doppel der Berufungserklärung 

der Privatklägerin zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschluss-

berufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. 

Gleichzeitig wurde der Beschuldigte unter Hinweis auf sein Aussageverweige-

rungsrecht aufgefordert, ein Datenerfassungsblatt auszufüllen und seine finan-

ziellen Verhältnisse darzulegen (Urk. 54). Die Staatsanwaltschaft vermeldete mit 

Eingabe vom 20. April 2023 den Verzicht auf Anschlussberufung und das Stellen 

von Anträgen (Urk. 56). Der Beschuldigte liess sich innert Frist nicht vernehmen.

1.6. Am 9. Januar 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 7. März 2024 

vorgeladen. Kurz vor der Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin unter 

Berufung auf ihre Opferrechte ein Gesuch um Dispensation von der Berufungs-

verhandlung stellen, welches schliesslich – nach vormaliger Ablehunung – mit 

Präsidialverfügung vom 5. März 2024 bewilligt wurde (vgl. dazu Urk. 61–62, 64/1-

2 und 65). Mit Eingaben vom 6. März 2024 liess der Beschuldigte Unterlagen zu 

seinen finanziellen Verhältnissen (Urk. 67 und 68/1-6) sowie Unterlagen zu 

Banktransaktionen sowie einem Gerichtsverfahren im Kosovo (Urk. 69 und 70/1-

19) einreichen. Heute nun erschienen zur Berufungsverhandlung der Beschuldigte 

in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie der unentgeltliche 

Rechtsvertreter der Privatklägerin. Vorfragen waren keine zu entscheiden, und 

abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten waren auch keine Beweise 

abzunehmen (Prot. II S. 8 ff.).

Das Verfahren ist spruchreif.

2. Umfang der Berufung

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

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Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht 

erfassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, Art. 402 

N 1 f.).

2.2. Die Privatklägerin hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung auf den 

Freispruch des Beschuldigten, den Verzicht auf die Anordnung einer Landesver-

weisung, den Verzicht auf die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines 

DNA-Profils sowie den Verweis ihrer Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren 

auf den Weg des Zivilprozesses beschränkt (Urk. 48). Sie ist gültig als Privatkläge-

rin konstituiert (Urk. 15/3). Der Beschuldigte liess die Bestätigung des angefochte-

nen Entscheids beantragen (Urk. 75 S. 2).

2.3. Somit gelten im Berufungsverfahren zunächst einmal die Dispositivziffern 1 

bis 4 als angefochten. Als Folge davon stehen auch die Kostenfestsetzung und 

Kostenauflage sowie die Zusprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten für 

die erstandene Untersuchungshaft sowie für die Ersatzmassnahmen (Dispositiv-

ziffern 7 bis 9) zur Disposition. Als unangefochten gelten demgegenüber die 

Dispositivziffern 5 und 6 des vorinstanzlichen Urteils (Entschädigung für die amt-

lichen Mandate der Rechtsvertreter). Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnun-

gen ist vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 

437 StPO sowie Art. 404 StPO).

2.4. In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht das erstin-

stanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO).

3. Formelles

3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c 

StPO) folgt die Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen. Die 

Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

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aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 

EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument 

gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; 

Urteil des Bundesgerichts  [BGer] 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit 

Hinweisen).

II.  Schuldpunkt

1. Ausgangslage

1.1. Verfahrensgegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bildet der 

nachstehend umrissene Tatvorwurf (Urk. 21):

Nachdem es am 27. oder 28 Juli 2021 in C._____ (Kosovo) zu einer Auseinander-
setzung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gekommen sei – an-
lässlich welcher der Beschuldigte die Privatklägerin mit einem Faustschlag gegen 
den Kopf verletzt habe –, habe der Beschuldigte, mutmasslich am 29. Juli 2021, im 
Kosovo für zwei Wochen in Haft und eine Busse in der Höhe von EUR 500,– bezah-
len müssen. Nachdem der Beschuldigte ungefähr am 12. August 2021 aus der Haft 
entlassen worden sei, habe er vom Ehemann der Privatklägerin in C._____ (Kosovo) 
Fr. 50'000.– als «Schadenersatz» für die erlittene Haft gefordert. Über diese Forde-
rung habe die Privatklägerin von ihrem Ehemann erfahren. Darauf habe sie befürch-
tet, der Beschuldigte oder seine Familie könnten ihr, ihren Kindern oder ihrem Ehe-
mann etwas antun, wenn sie oder ihr Ehemann der Forderung keine Folge leisten 
würden. Diese Furcht habe insbesondere auf einer Auseinandersetzung vom 
27./28. Juli 2021 gegründet sowie auf einem zweiten Vorfall, bei welchem ihr Ehe-
mann durch Familienangehörige des Beschuldigten verletzt worden sei. 

Als die Privatklägerin am 5. September 2021 in die Schweiz zurückgekehrt sei, habe 
der Beschuldigte sie gleichentags, um ca. 22 Uhr, an ihrem Wohnort aufgesucht. Die 
Privatklägerin habe die Türe geöffnet und dem Beschuldigten die zwischenzeitlich 
von einem Freund ihres Ehemannes im Kosovo erhältlich gemachten Fr. 30'000.– in 
bar ausgehändigt, da sie befürchtet habe, der Beschuldigte könnte ihr oder ihrer 
Familie – insbesondere ihren Kindern oder ihrem Ehemann – etwas antun. Der 
Beschuldigte habe das Geld gezählt und zur Privatklägerin gesagt, dass sie die 
fehlenden Fr. 20'000.– innert 24 Stunden beibringen müsse, er ihr ansonsten «den 
Kopf abbeissen» werde, wodurch die Privatklägerin erneut in Angst versetzt worden 

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sei und befürchtet habe, der Beschuldigte könnte ihr oder ihrer Familie etwas antun 
oder seine Familie im Kosovo damit beauftragen, ihrem Ehemann im Kosovo etwas 
anzutun.

Die Privatklägerin habe dem Beschuldigten einen Teil des von ihm geforderten 
Geldes übergeben, wodurch sie sich selber bzw. ihre Familie am Vermögen geschä-
digt habe. Der Beschuldigte habe durch sein Vorgehen von der Privatklägerin 
Fr. 30'000.– erhältlich gemacht, im Wissen darum, keinen rechtlichen Anspruch auf 
dieses Geld zu haben.

1.2. In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine 

Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB vor (Urk. 21 S. 3).

1.3. Wie auch schon vor Vorinstanz bestreitet der Beschuldigte, was ihm die 

Anklage vorwirft (Urk. 42 S. 9 ff.; Urk. 73 S. 6 ff.).

1.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin zusammen-

fassend geltend machen, dass die Vorinstanz die Aussagen der Parteien zwar 

streng aber nicht genau überprüft habe. Die Vorinstanz habe – so der Vertreter der 

Privatklägerin (Bezug nehmend auf BGer 6B_375/2015 vom 29. Oktober 2015 

E. 2.2.2 und 2.8.4) – die Aussagen der Parteien mit der Nullhypothese überprüft. 

Die Vorinstanz habe aber den Verlauf der Aussagen teilweise nicht korrekt wieder-

gegeben. Die Privatklägerin habe ihre Aussagen nicht aggraviert, sondern 

präzisiert. Die Vorinstanz habe die Nullhypothese jedoch zu Unrecht bejaht; offen-

bar habe sie die Unwahrhypothese nicht überprüfen, sondern nur mit fadenschei-

nigen Argumenten sicherstellen wollen. Richtig sei, dass das Mobiltelefon des 

Beschuldigten während des Vorfalls bei ihm zu Hause gewesen sei und noch 

während der Tatzeit Kommunikation stattgefunden habe und der Beschuldigte 

weder vor, anlässlich noch nach der Tatzeit mit der Privatklägerin Kontakt gehabt 

habe. Der Facebook-Kanal der Tochter des Beschuldigten sei aber für die Face-

book-Messenger Dienste genutzt worden, weshalb daraus kein Alibi zugunsten des 

Beschuldigten abzuleiten sei. Es sei auch nicht erklärt, weshalb eine Nachricht «Hoi 

Mutter» gelautet habe und somit an eine Frau gerichtet gewesen sei (Urk. 74 S. 2 

ff.; Prot. II S. 11 f. und S. 15 ff.).

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1.5. Die Verteidigung machte in der Berufungsantwort zusammenfassend 

geltend, dass das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen sei (Urk. 75 S. 2 ff.; Prot. II 

S. 12 ff. und S. 17 f.).

1.6. Der Anklagesachverhalt ist somit weitgehend bestritten, und es ist vor der 

rechtlichen Würdigung näher zu untersuchen, ob dem Beschuldigten die vorgewor-

fene Erpressung trotz seiner entgegenstehenden Aussagen in tatsächlicher 

Hinsicht nachgewiesen werden kann.

2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, Beweismittel

2.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltser-

stellung sowie die Beweiswürdigungsregeln (Urk. 47 E. II/3 S. 6 f.) zutreffend dar. 

Die vorhandenen Beweismittel sind grundsätzlich uneingeschränkt verwertbar (zur 

Verwertbarkeit der Aussagen von D._____ [Urk. 6] vgl. nachfolgend E. II/5.3.9).

2.2. Wenn, wie hier, für unmittelbar rechtserhebliche Punkte keine direkten 

Beweise vorliegen, ist der Nachweis anhand von Indizien, das heisst mit indirekten, 

mittelbaren Beweisen, zu führen. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis 

gleichgestellt, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren «Mosaik», zu 

würdigen ist. Massgebend ist nicht eine isolierte Betrachtung der einzelnen 

Beweise, welche für sich allein betrachtet nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit 

begründen und insofern Zweifel offenlassen, sondern deren gesamthafte Würdi-

gung (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4; ZK StPO-WOHLERS, Art. 10 N 27; OBERHOLZER, 

Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, Rz. 1090).

2.3. Die massgeblichen Beweismittel sind – wie von der Vorinstanz bereits 

zutreffend genannt (Urk. 47 E. II/4 S. 7 f.):

 die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 4/1–3; Urk. 42),
 die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 5/1–2; Urk. 43),
 die Akten zur Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten (Urk. 8/1–7),
 die von der Privatklägerin eingereichten Unterlagen (Urk. 7/3–4),

 der Polizeirapport der Kantonspolizei Zürich vom 7. September 2021 (Urk. 1; 
inkl. Nachtragsrapporte Urk. 2-3).

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Überdies befinden sich in den Akten auch noch polizeiliche Abklärungen betreffend 

(nicht vorhandenem) Videomaterial beim Hauseingang des Wohnorts des Beschul-

digten (Urk. 7/1–2; vgl. auch nachfolgend E. II/5.3.5), einen Arztbericht betreffend 

die Privatklägerin von der Psychiatrisch-Psychologischen Gemeinschaftspraxis 

E._____, Dr. med. F._____ und M.Sc. G._____ (Urk. 32/1; vgl. auch nachfolgend 

E. II/5.2.3; vgl. auch Urk. 64/2) sowie Bilder der verletzten Privatklägerin (Urk. 32/3; 

vgl. auch nachfolgend E. II/5.2.3).

3. Vorbemerkungen

Zur besseren Übersicht hilft es, zuerst die familiären Verhältnisse bzw. die familiäre 

Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin darzulegen: Die 

Privatklägerin ist mit H._____, dem im Kosovo lebenden Bruder des Beschuldigten, 

verheiratet. Der Beschuldigte ist also der Schwager der Privatklägerin. Beide, die 

Privatklägerin und der Beschuldigte, haben ihren gewöhnlichen Aufenthalt in der 

Schweiz. D._____ ist der Sohn und I._____ die Tochter des Beschuldigten.

Wie bereits von der Vorinstanz zutreffend ausgeführt, lässt sich der Anklagesach-

verhalt bzw. die Aussagen der Privatklägerin und auch diejenigen des Beschuldig-

ten in zwei Themenkomplexe – die Vorkommnisse im Kosovo (Vorfall im Zeitraum 

vom 27. bis 29. Juli 2021 und Vorfall vom 12. August 2021) einerseits und das an-

gezeigte Ereignis in der Schweiz (Vorfall vom 5. September 2021) andererseits – 

unterteilen. Vorliegend geht es nicht um eine strafrechtliche Beurteilung des (gege-

benenfalls) im Kosovo Vorgefallenen. Sofern Bezug auf die Vorfälle im Kosovo 

genommen wird, so dient dies lediglich der Aussageanalyse in Bezug auf die 

Aussagen des Beschuldigten sowie der Privatklägerin (vgl. dazu auch Urk. 47 

E. II/5.3 S. 10).

Der Beweiswürdigung vorauszuschicken ist schliesslich noch, dass diese Strafsa-

che offensichtlich im Kontext mit einem Familienkonflikt steht. In solchen Konflikten 

ist es besonders schwierig, hinter die komplexen Verstrickungen von Interessen 

und Einflüssen zu sehen. Ein Schwarz-/Weiss-Denken wäre fehl am Platz. Gleich-

zeitig liegt es auf der Hand, dass ein Motiv für belastende Falschaussagen denkbar 

wäre. Mehr aber noch besteht die konkrete Gefahr, dass Betroffene unter der 

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starken emotionalen Belastung – manchmal bewusst, öfters aber unbewusst – zu 

Übertreibungen neigen und auch dazu, ihren eigenen Anteil am Konflikt nicht oder 

nur verzerrt wahrzunehmen. Es ist notorisch, dass einem in einer solchen Situation 

die Objektivität ein Stück weit verloren geht. Eine gewisse Zurückhaltung bei der 

Würdigung der betreffenden Aussagen ist aufgrund alledem angezeigt.

4. Sachliche Beweismittel

4.1. Dem Bericht über die Auswertung des beim Beschuldigten sichergestellten 

Mobiltelefons, Apple iPhone 12 Pro (Urk. 8/5), kann entnommen werden, was folgt:

 Der Beschuldigte hatte (soweit bekannt) zwei Mobiltelefon-Rufnummern, wobei 

zwischen dem 4. und 6. September 2021 vom Beschuldigten einzig die Ruf-

nummer +1 verwendet wurde. Diese Rufnummer war im Zeitraum vom 4. bis 

6 September 2021 lediglich im iPhone 12 Pro des Beschuldigten eingelegt 

(S. 1 und S. 8 f.).

 Im Zeitraum vom 3. September 2021, 19:27:40 Uhr, bis 6. September 2021, 

09:41:20 Uhr, sind keine Standortdaten auf dem Mobiltelefon des Beschuldig-

ten registriert, weshalb daraus keine Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort des 

Beschuldigten bzw. dessen Mobiltelefon geschlossen werden können. Gemäss 

den aus der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation (nachfolgend: RTI) gewon-

nenen Standortdaten wurde die vom Beschuldigten benutzte Rufnummer im 

Zeitraum zwischen dem 4. und 6. September 2021 auf keiner Mobilfunk-

antenne im Gebiet des Wohnorts der Privatklägerin erfasst (S. 3 und 9).

 Der letzte (registrierte) telefonische Kontakt zwischen dem Beschuldigten und 

der Privatklägerin datiert vom 15. Juli 2021. Der letzte (registrierte) Chat-Kon-

takt zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin lag im Zeitraum vom 

16. bis 17. Juli 2021, ohne dass sich aus diesem Chat-Verlauf Hinweise auf 

Streitigkeiten zwischen den beiden ergeben hätten (S. 6 ff.).

 Der letzte (registrierte) Chat-Kontakt zwischen dem Beschuldigten und einem 

"J._____" (vermutlich H._____) lag im Zeitraum vom 14. Mai bis 17. Juli 2021 

(eine Extraktion des Chat-Verlaufs war nicht möglich; S. 7).

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 Das letzte (registrierte und nicht internetbasierte [vgl. nachfolgend E. II/4.2]) 

Telefonat vor der (angezeigten) Tatzeit führte der Beschuldigte am 5. Septem-

ber 2021, 20:59:55 Uhr, mit K._____ (im Einzugsgebiet der Mobilfunkantenne 

an der L._____-Strasse … in M._____). Das erste (registrierte und nicht inter-

netbasierte [vgl. nachfolgend E. II/4.2]) Telefonat nach der (angezeigten) Tat-

zeit führte der Beschuldigte am 6. September 2021, 05:03:01 Uhr, mit N._____ 

(im Einzugsgebiet der Mobilfunkantenne an der O._____-Strasse … in Zürich; 

S. 8).

Daraus kann geschlossen werden, dass sich sicherlich das Mobiltelefon des 

Beschuldigten zum Zeitpunkt der (angezeigten) Tatzeit am Wohnort des Beschul-

digten (bzw. im Einzugsgebiet der Mobilfunkantennen rund um den Wohnort des 

Beschuldigten in M._____) befand. Überdies haben die RTI-Daten keine Hinweise 

darauf ergeben, dass das Mobiltelefon des Beschuldigten (bzw. seine Rufnum-

mern) im Zeitraum vom 4. bis 6. September 2021 auf einer Mobilfunkantenne in der 

Umgebung des Wohnortes der Privatklägerin in P._____ eingewählt gewesen 

wäre. Auch haben sich aus dem Datenbestand des Mobiltelefons des Beschuldig-

ten keine Hinweise ergeben, dass es zur (angezeigten) Tatzeit zwischen dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin zu einer Kontaktaufnahme (Anrufe, Chats 

etc.) oder zu einer direkten Begegnung (Standortdaten) gekommen ist (S. 7 und 9 

f.).

4.2. Der Datenextraktion des Mobiltelefons des Beschuldigten kann weiter Nach-

folgendes entnommen werden (Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3):

 Die Datenextraktion vom Mobiltelefon des Beschuldigten ergab, dass sein 

Mobiltelefon zur (angezeigten) Tatzeit (in M._____) in regem Gebrauch war. So 

wurden insbesondere die Applikationen von Facebook (bzw. der Facebook 

Messenger), Viber und WhatsApp auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten 

verwendet. Es finden sich sowohl eingehende als auch ausgehende 

Nachrichten bzw. internetbasierte Telefonate im Protokoll der Kommunikations-

daten des Mobiltelefons des Beschuldigten (Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_Beilage 

7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_0958.21.01, #957 bis #1122).

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 Als «owner» des Facebook-Messenger-Accounts war – wie vom Rechts-

vertreter der Privatklägerin anlässlich der Hauptverhandlung zutreffend vorge-

bracht (Urk. 31 S. 6; so auch heute: Urk. 74 S. 8) – I._____ (die [zur 

angezeigten Tatzeit] ca. dreizehnjährige Tochter des Beschuldigten [vgl. 

Urk. 4/3 F/A 34]) verzeichnet (Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse 

Verlauf vom 5. September 2021_0958.21.01, u.a. #980 und #992). Als 

«owner» des Viber-Accounts war jeweils der Beschuldigte verzeichnet 

(Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 

2021_0958. 21.01, u.a. #977 und #984).

Aus der Datenextraktion ergibt sich auch, dass vom Mobiltelefon des Beschuldigten 

internetbasierte Telefonate geführt wurden, welche nicht in den Bericht der 

Kantonspolizei Zürich (Urk. 8/5, S. 8; vgl. vorstehend E. II/4.1, letztes Lemma) 

übernommen wurden. So korrigieren sich die letzten (internetbasierten) Telefonate 

vor der (angzeigten) Tatzeit auf 5. September 2021, 21:58:16 Uhr, mit Q._____ 

bzw. nach oder während der (angezeigten) Tatzeit, gleichentags um 22:01:29 Uhr, 

ebenfalls mit Q._____ (via Facbook-Messenger; vgl. Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_Bei-

lage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_ 0958.21.01, #1021 und #1024). 

Überdies finden sich weitere Hinweise auf internetbasierte Telefonate via Viber 

rund um die angezeigte Tatzeit vom Mobiltelefon des Beschuldigten mit einem 

gewissen «R._____» und einer gewissen «S._____» (Urk. 8/7 i.V.m. 

Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_0958.21.01, #987 

f. und #1091 f.; Telefonat mit «R._____» um 21:38:54 Uhr und um 22:18:32 Uhr mit 

«S._____»; vgl. dazu auch nachfolgend E. II/5.3.3).

4.3. Es wird im Folgenden darum gehen, die Aussagen des Beschuldigten und 

der Privatklägerin zu würdigen, und zwar mit besonderem Augenmerk auf den 

vorstehend resümierten sachlichen Beweismitteln und den daraus gewonnenen 

Erkenntnissen.

- 14 -

5. Aussagewürdigung

5.1. Zur Glaubwürdigkeit der Aussagepersonen

Zur Glaubwürdigkeit hob die Vorinstanz hervor, dass der Beschuldigte nicht der 

Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO unterliege. Als vom Verfahren 

direkt Betroffener habe er «ein – durchaus legitimes – Interesse daran, die 

Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen». Unter Verweis auf 

SCHMIDS 2. Auflage des Handbuchs zum Strafprozessrecht (2013) erwog die 

Vorinstanz, die Aussagen des Beschuldigten seien daher «nicht per se unglaub-

würdig», sie seien «jedoch mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen». Und hinsicht-

lich der Privatklägerin erwähnte die Vorinstanz unter anderem die an sie bei den 

Einvernahmen ergangene Strafandrohung. 

Solche häufig so oder ähnlich in Strafentscheiden verwendete Formulierungen, 

welche aus der prozessualen Stellung Schlüsse für die Glaubwürdigkeit ziehen, 

halten genauerer Betrachtung nicht stand respektive sind veraltet. Zur Unterschei-

dung von wahren und erfundenen Aussagen ist die prozessuale Stellung ein gänz-

lich untaugliches Kriterium – mit Blick auf den Beschuldigten, weil ein Unschuldiger 

dasselbe Interesse hat; oder es ist ein Zirkelschluss, indem von vornherein – ten-

denziell zumindest – von der Schuld des Beschuldigten ausgegangen wird. Aus-

serdem ist das Recht tangiert, sich nicht selbst belasten zu müssen (Art. 113 Abs. 1 

StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für die Sachverhaltserstellung 

nie etwas beizutragen, weder im positiven noch im negativen Sinne (vgl. Urteile der 

erkennenden Kammer SB180079-O/U vom 18. Oktober 2018 E. II/3.1 S. 9 und 

SB230003-O/U vom 20. November 2023 E. II/3.4.2; BGE 147 IV 409 E. 5.4.3). 

Korrekt ist stattdessen, dem Beschuldigten und der Privatklägerin grundsätzlich 

Glaubwürdigkeit zu attestieren oder dieses Kriterium schon gar nicht erst abzuhan-

deln, wenn es wie vorliegend nicht von Bedeutung ist. Es handelt sich hier aber 

wohlgemerkt um ein untergeordnetes Detail; im Vordergrund steht – mit der Vor-

instanz (Urk. 47 E. II/5.2 und 5.3 S. 9 ff.) – die Überzeugungskraft der Aussagen 

selbst, deren Glaubhaftigkeit. Hierbei kann allenfalls die Motivlage eine Rolle 

spielen, die prozessuale Stellung aber nicht.

- 15 -

5.2. Aussagen der Privatklägerin

5.2.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin – entgegen der Ansicht 

des Rechtsvertreters der Privatklägerin – zutreffend wiedergegeben, worauf vorab 

zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 86 

E. II/5.3.2 S. 16-25).

5.2.2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten (vgl. Urk. 47 E. II/5.3.2 lit. a S. 16 und lit. e 

S. 24), dass die Aussagen der Privatklägerin zu den Vorfällen im Kosovo einen 

hohen Detailierungsgrad und zahlreiche Merkmale reeller, tatsächlich erlebter 

Ereignisse aufweisen. Im Vergleich dazu wirken ihre Aussagen zum Vorfall vom 

5. September 2021 in der Schweiz eher karg, mit tiefem Detaillierungsgrad 

(vgl. nachfolgend E. II/5.2.7).

5.2.3. Die Aussagen der Privatklägerin zum ersten Vorfall im Kosovo weisen mit 

der Vorinstanz Aggravationstendenzen auf (vgl. dazu Urk. 47 E. II/5.3.2 lit. a S. 16 

ff.).

So erklärte die Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme, dass sie 

während des Streits vom Beschuldigten mehrmals am Körper und Kopf mit Faust-

schlägen geschlagen worden sei. Der Sohn des Beschuldigten habe sie mit dem 

Fuss getreten. Sie habe dadurch am Kopf eine Beule, überdies Schmerzen sowie 

Schwindel gehabt und eine Konzentrationsschwäche erlitten (Urk. 5/1 F/A 8, 

vgl.  auch F/A 15 und 32; die Privatklägerin nannte die erlittenen Verletzungen in 

Urk. 5/1 F/A 15 als «schwere Körperverletzung» und erklärte weiter: «[…] grosses 

Glück hatten, dass wir nicht schwerer verletzt wurden, und es auch überlebt 

haben»). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärte die Privat-

klägerin, dass der Beschuldigte ihr direkt eine Faust ins Gesicht geschlagen habe 

(Urk. 5/2 F/A 19 S. 7). Weiter erklärte sie, dass der Beschuldigte sie geschlagen 

bzw. zusammengeschlagen habe und sie mit dem Kopf auf den Plattenboden auf-

geschlagen sei (Urk. 5/2 F/A 48 f.; so auch in Urk. 43 S. 2, 3 und 10). Sie sei erst 

am 5. September 2021 von den Ferien zurückgekehrt, da sie aufgrund ihrer Ver-

letzungen nicht früher in die Schweiz habe zurückkehren können (Urk. 5/1 F/A 10). 

Auf die Frage, ob Schmerzen und eine Beule am Kopf eine schwere Körperverlet-

- 16 -

zung darstellen würden, erwiderte die Privatklägerin, dass dies für sie eine schwere 

Körperverletzung sei. Sie habe immer noch Probleme davon; sie habe immer noch 

Schwindel und auch immer wieder Kopfschmerzen. Wenn man von einem Zwei-

Meter-Mann geschlagen werde, dann sehe man Sterne. Wenn sie auf den Boden 

falle, dann sei das für sie schon eine schwere Körperverletzung (Urk. 5/2 F/A 65). 

Zu ihren Verletzungen liess die Privatklägerin ein Bild ihrer Verletzungen sowie 

Arztberichte einreichen (vgl. Urk. 7/3–4; Urk. 32/1–2). 

Objektiv betrachtet, gestützt auf die von der Privatklägerin eingereichten Bilder und 

gestützt auf die Arztberichte, ist nicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

der Privatklägerin anlässlich des ersten Vorfalles im Kosovo effektiv eine schwere 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB zugefügt hatte. Der Übergriff soll 

keineswegs bagatellisiert werden; die Bestrafung des Beschuldigten im Kosovo 

– welche sowohl vom Beschuldigten und der Privatklägerin übereinstimmend mit 

zwei Wochen Haft (Untersuchungshaft?) und Fr./EUR 500.– als Sanktion festge-

halten wurde (vgl. u.a. Urk. 4/1 F/A 6 und Urk. 5/1 F/A 9 f.). – spricht jedoch dafür, 

dass der Beschuldigte der Privatklägerin «nur» (aber dennoch) eine einfache 

Körperverletzung zufügte, so wie es auch von ihm eingeräumt wurde (Urk. 4/1 

F/A 6).

Einerseits ist Entrüstung über den inakzeptablen körperlichen Übergriff nur 

menschlich, andererseits sind aber die Übertreibungstendenzen in den Aussagen 

der Privatklägerin ihrer Glaubhaftigkeit nicht zuträglich. Mit der Vorinstanz entsteht 

nämlich der Eindruck, dass die Privatklägerin den Beschuldigten hinsichtlich des 

Vorfalls vom 5. September 2021 in ein besonders schlechtes Licht rücken möchte 

(Urk. 47 E. II/5.3.2 a] S. 18). Selbstreflexion oder ein Hintersinnen nach allfälligem 

eigenem Fehlverhalten fehlen in den Aussagen der Privatklägerin gänzlich (vgl. u.a. 

Urk. 5/1 F/A 32; Urk. 5/2 F/A 70 f.; so auch die Vorinstanz ausführlich in Urk. 47 

E. II/5.3.2 b] S. 21). 

Aggravationstendenzen in den Aussagen der Privatklägerin sind auch in Bezug auf 

den zweiten Vorfall im Kosovo zu erkennen. So brachte die Privatklägerin mehr-

mals vor, dass der Beschuldigte ihren Ehemann anlässlich des zweiten Vorfalls im 

Kosovo zusammengeschlagen habe (Urk. 43 S. 2: «Zwei Wochen später hat er 

- 17 -

dann meinen Mann zusammengeschlagen»; Urk. 43 S. 10: «[…] und er und seine 

Familie schlagen dann meinen Mann zusammen»). Dies obwohl der Beschuldigte 

sogar gemäss Schilderungen der Privatklägerin am zweiten Vorfall (wenn über-

haupt) nur am Rande beteiligt war (Urk. 5/1 F/A 9, 20; Urk. 5/2 F/A 20; Urk. 43 S. 14 

f.). Darauf angesprochen, dass doch der Beschuldigte am zweiten Vorfall nicht 

beteiligt gewesen sei, erklärte die Privatklägerin, dass es klar sei, dass dieser nicht 

selber gekommen sei. Er sei für zwei Wochen im Gefängnis gewesen, und der 

Vater, der Bruder, der Sohn und die Frau seien alle dort gewesen und hätten nichts 

gemacht. Am gleichen Tag, als er rausgekommen sei, hätten sie ihren Mann 

zusammengeschlagen. Deshalb denke sie (die Privatklägerin), dass dies vom 

Beschuldigten ausgegangen sei (Urk. 43 S. 16). Augenscheinlich wird aufgrund der 

Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten, dass die familiäre Situation 

wie eingangs schon angetönt, konfliktbeladen und angespannt war. Den Beschul-

digten jedoch als Hauptaggressor zu nennen und auszuführen, dass der Beschul-

digte den Ehemann der Privatklägerin zusammengeschlagen habe, ist eine klar un-

zutreffende Belastung und zeigt die Aggravationstendenzen in den Aussagen der 

Privatklägerin exemplarisch.

5.2.4. In den Aussagen der Privatklägerin ist überdies eine Tendenz zu erkennen, 

dass sie den Beschuldigten ganzheitlich zu diskreditieren sucht, indem sie immer 

wieder (effektiv stattgehabte oder bloss vermeintliche) Vorfälle mit dem Beschul-

digten vorbringt, die – falls stattgefunden – nur ganz peripher etwas mit dem hier 

zu beurteilenden Vorfall zu tun haben. 

So erklärte die Privatklägerin beispielsweise, dass sie gehört habe, dass der 

Beschuldigte vor vielen Jahren in einen Vorfall mit einer Waffe verwickelt gewesen 

sei. Genaueres wisse sie aber nicht (Urk. 5/1 F/A 21). In der Schweiz habe der 

Beschuldigte schon einige Sachen gemacht. Sie wisse aber nicht, ob er hier im 

Gefängnis war. Im Kosovo sei der Beschuldigte eben 14 Tage im Gefängnis gewe-

sen. Sie habe aber gehört, dass er im Kosovo bereits einmal im Gefängnis gewesen 

sei (Urk. 5/1 F/A 22). Um ihre Angst zu unterstreichen, erklärte die Privatklägerin, 

dass der Beschuldigte schon mehrmals mit der Polizei zu tun gehabt habe und kein 

Unbekannter sei (Urk. 5/1 F/A 25). Der Beschuldigte habe sie die Treppe herunter-

- 18 -

geschubst, als sie schwanger gewesen sei. Er habe dies gemacht, obwohl er 

gewusst habe, dass sie schwanger sei (Urk. 5/1 F/A 28; Urk. 5/2 F/A 50; Urk. 43 

S. 21). Der Beschuldigte sei wegen «Geldfälscherei» für zehn Jahre in den Kosovo 

geschickt worden. Und dort habe der Beschuldigte genau das Gleiche gemacht. Es 

laufe dort wegen «Geldfälscherei» im Umfang von 1 Million Dollar wieder ein 

Verfahren gegen ihn. Dies könne man überall lesen (Urk. 5/2 F/A 45). 

Auch wenn es in den Akten tatsächlich Hinweise darauf gibt, dass der Beschuldigte 

bereits früher in ein Strafverfahren in der Schweiz verwickelt war und im Kosovo 

tatsächlich wegen des ersten Vorfalls verurteilt wurde, so fällt doch auf, dass die 

Privatklägerin keine Gelegenheit auslässt, den Beschuldigten hinsichtlich des Vor-

falles vom 5. September 2021 in ein besonders schlechtes Licht zu rücken.

5.2.5. Die Vorinstanz schälte zutreffend heraus, weswegen bei der von der Privat-

klägerin geltend gemachten Geldforderung von Fr. 50'000.– vonseiten des 

Beschuldigten gegenüber H._____ vieles im Unklaren bleibt. Einerseits ergibt die 

angeblich ausgesprochene Drohung des Beschuldigten (Urk. 5/2 F/A 19 S. 9: 

«Fr. 50'000.–, oder das nächste Mal gehe es anders aus») im zeitlichen Kontext 

nur wenig Sinn, müsste diese doch am 12. August 2021 und vor dem zweiten Vor-

fall im Kosovo erfolgt sein. Nicht zu überzeugen vermögen andererseits die weni-

gen Aussagen der Privatklägerin in Bezug darauf, dass ihr Ehemann ihr später vom 

Erpressungsversuch des Beschuldigten erzählt habe (mit Verweis auf die zutref-

fenden Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 47 E. II/5.3.2 lit. c S. 21 f.).

5.2.6. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend feststellte, ergibt sich in den Aussagen 

der Privatklägerin eine Diskrepanz hinsichtlich der Herkunft der dem Beschuldigten 

(angeblich) übergebenen Fr. 30'000.– (Urk. 47 E. II/5.3.2 d] S. 22 f.). Einerseits 

sollen sie (die Privatklägerin bzw. ihr Ehemann) Geld von verschiedenen Personen 

erhalten haben, so dass sie dann total Fr. 30'000.– zusammen gehabt habe 

(Urk. 5/1 F/A 10), und andererseits soll ein Bekannter vom Ehemann der Privat-

klägerin ihm ein Darlehen über die Fr. 30'000.– gegeben haben (Urk. 5/2 F/A 34 ff., 

vgl. auch Urk. 7/3-4). Damit verstrickt sich die Privatklägerin – mit Verweis auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 47 E. II/5.3.2 d] S. 22 f.) – in einen 

unauflösbaren Widerspruch, welchen sie auch anlässlich der Hauptverhandlung 

- 19 -

nicht auflösen konnte (Urk. 43 S. 12). Fraglich ist tatsächlich auch, ob bzw. wie eine 

Privatperson im Kosovo kurzfristig einen solch hohen Bargeldbetrag in Schweizer-

franken hätte beziehen können.

5.2.7. Im Gegensatz zu den ausführlichen Schilderungen der Privatklägerin in Be-

zug auf die Vorfälle im Kosovo fielen ihre Aussagen zum Vorfall vom 5. September 

2021 relativ knapp aus (so zutreffend auch die Vorinstanz in Urk. 47 E. II/5.3.2 lit. a 

S. 16 ff. und lit. e S. 23 ff.). Gewiss, es handelte sich – gemäss den Ausführungen 

der Privatklägerin – um ein kurzes Aufeinandertreffen zwischen dem Beschuldigten 

und ihr (vgl. Urk. 43 S. 7). Die Aussagen der Privatklägerin fielen diesbezüglich 

aber auffällig detailarm aus, ja muten platt an, was bei einem zwar kurzen aber real 

erlebten Ereignis keineswegs zwingend so zu erwarten ist. In Bezug auf die gegen-

über dem Beschuldigten verspürte Angst glitt die Privatklägerin immer wieder in 

Ausführungen zu den (wie bereits vorstehend ausgeführt teilweise von der Privat-

klägerin übertrieben dargestellten) Gewaltvorfällen vonseiten des Beschuldigten im 

Kosovo ab (vgl. dazu beispielsweise Urk. 5/1 F/A 10 und 15; Urk. 43 S. 5 f.). Es 

wirkt sonderbar, wenn gleichzeitig die Angst in Bezug auf die vom Beschuldigten 

angeblich ausgestossene Drohung anlässlich des Vorfalles vom 5. September 

2021 («Ich fresse dir den Kopf ab» bzw. «Ich reisse dir den Kopf ab») von der 

Privatklägerin nicht nachvollziehbar bzw. plastisch vermittelt werden konnte.

Eine Kontaktaufnahme zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin vor der 

angezeigten Geldübergabe am 5. September 2021 wurde von der Privatklägerin 

nicht geltend gemacht (Urk. 5/2 F/A 42) und ergibt sich auch nicht aus den RTI-

Daten bzw. der Auswertung des Mobiltelefon des Beschuldigten. An den Ausfüh-

rungen der Privatklägerin bleibt daher unklar, wie sie sogleich gewusst haben 

konnte, dass es der Beschuldigte war, der am 5. September 2021, ca. 22 Uhr, an 

ihrer Haustür klingelte. Unlogisch erscheint auch, dass sie sich sogleich mit ihrem 

mit Fr. 30'000.– gefüllten Couvert zur Haupteingangstüre des Mehrfamilienhauses 

begab, bevor sie überhaupt gewusst haben konnte, dass es sich bei der klingelnden 

Person um den Beschuldigten handelte (vgl. dazu u.a. Urk. 43 S. 5 ff.). Unklar bleibt 

auch, weshalb die Privatklägerin die Identität des Beschuldigten nicht durch ein 

vorgängiges Abklären via Gegensprechanlage (sofern am Wohnort der Privatklä-

- 20 -

gerin vorhanden; vgl. dazu auch Urk. 73 S. 12) oder mit einem Blick durch die glä-

serne Haupteingangstüre, zu verifizieren versuchte, bevor sie zu später Stunde mit 

Fr. 30'000.– zur Hauseingangstüre des Mehrfamilienhauses schritt.

Auch der von der Privatklägerin beschriebene schnelle Vorgang des Geldzählens 

des Beschuldigten, wobei dieser im Hauseingang des Mehrfamilienhauses geistes-

gegenwärtig die 70 in seinen Händen gehaltenen Noten richtig zusammengezählt 

und die Restanz von Fr. 20'000.– sofort errechnet haben soll, vermögen nicht zu 

überzeugen (vgl. dazu Urk. 43 S. 7 ff.; die von der Privatklägerin geltend gemachte 

Stückelung hätten 20 Tausendernoten und 50 Zweihunderternoten umfasst 

[Urk. 47 S. 8]).

Eigenartig mutet in diesem Zusammenhang auch der Umstand an, dass die Privat-

klägerin – angesprochen auf die Dicke des Notenbündels – zögerlich antwortete 

und dieses Notenbündel dann auf eine Dicke von ein paar Zentimeter schätze. 

Nicht nur hat die Privatklägerin – nach ihrer Darstellung – diesen Geldbetrag vom 

Kosovo in die Schweiz transportiert, sondern auch noch dem Beschuldigten im 

Couvert überreicht (Urk. 43 S. 8). Sie hielt dieses Notenbündel demnach selbst in 

ihren Händen, was bei Fr. 30'000.– nicht alltäglich sein dürfte. Es verbleibt unklar, 

weshalb die Privatklägerin darauf lediglich eine zögerliche Schätzung abgeben 

konnte. Bei der von der Privatklägerin angegebenen Stückelung hätte sie dem 

Beschuldigten 70 Banknoten übergeben (Urk. 43 S. 8), welche bei einer Dicke 

einer Banknote von rund 0,1 mm insgesamt ein Notenbündel mit einer Dicke von 

nicht einmal 1 Zentimeter ergeben hätte (so auch die Verteidigung in Urk. 75 

S. 9 f.).

Nach dem Dargelegten muss konstatiert werden, dass die Aussagen der Privat-

klägerin zum (angezeigten) Tatablauf vom 5. September 2021 nicht zu überzeugen 

vermögen. Ihre Aussagen lassen sich überdies auch nicht – wie nachfolgend 

darzulegen sein wird (vgl. nachfolgend E. II./5.3.3) – mit den sachlichen Beweismit-

teln plausibilisieren.

- 21 -

5.3. Aussagen des Beschuldigten

5.3.1. Die Vorinstanz hat auch die Aussagen des Beschuldigten zutreffend wieder-

gegeben, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 86 E. II/5.3.1 S. 10–16).

5.3.2. Die Aussagen des Beschuldigten – insbesondere zu seinem Tagesablauf am 

5. September 2021 – sind konsistent und weisen keine verdächtigen bzw. relevan-

ten Widersprüche auf. Er hat diesen mehrmals gleichlautend geschildert (Urk. 4/1 

F/A 12, Urk. 4/2 F/A 12 Urk. 42 S. 9 f.; Urk. 73 S. 6 ff.). Überdies wirken seine Aus-

sagen lebensnah und vermögen zu überzeugen. Dass der Beschuldigte – trotz der 

heftigen Anschuldigungen durch die Privatklägerin – ein Bedauern darüber äussert, 

dass seine Kinder inskünftig keinen Kontakt mehr zu den Kindern der Privatklägerin 

und von H._____ haben werden (Urk. 4/1 F/A 20), ist bemerkenswert – eine ge-

wisse Reflexion ist da spürbar. In den Aussagen des Beschuldigten sind sodann 

keine Anhaltspunkte für Schutzbehauptungen zu erkennen. Der Beschuldigte 

zeigte sich von Anfang an gewillt, am Strafverfahren mitzuwirken. Nicht nur depo-

nierte er Aussagen, sondern wollte auch noch sein Mobiltelefon von der Staatsan-

waltschaft durchsucht haben, da er darauf entlastende Beweise vermutete 

(Urk. 11/4; vgl. dazu auch nachfolgend E. II/5.3.3).

5.3.3. Anlässlich der Hausdurchsuchung vom 6. September 2021 am Wohnort des 

Beschuldigten konnten überdies keine Geldbeträge oder sonstige Gegenstände 

sichergestellt werden (Urk. 11/2). Lediglich das Mobiltelefon des Beschuldigten 

wurde in der Folge aus den Effekten genommen, eingezogen und durchsucht, da 

der Beschuldigte darauf entlastendes Material – insbesondere seine Viber-Anruf-

liste, welche Telefonate zur (angezeigten) Tatzeit aufzeigen sollten – vermutete 

(Urk. 11/ 3–4 und 11/6; vgl. auch Urk. 12/3).

Mit Verweis auf die vorstehenden Ausführungen zu den sachlichen Beweismitteln 

(vgl. vorstehend E. II/4) gilt zwar mit der Rechtsvertretung der Privatklägerin fest-

zuhalten (Urk. 31 S. 6 f.; Urk. 74 S. 8), dass sich aus den RTI-Daten und den aus 

dem Mobiltelefon des Beschuldigten ausgelesenen Daten kein «wasserdichtes» 

Alibi für den Beschuldigten ergibt. Mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen 

der Vorinstanz ergibt sich aus diesen Daten jedoch indiziell, dass der Beschuldigte 

- 22 -

sein Mobiltelefon zum (angezeigten) Tatzeitpunkt bei sich gehabt und selbst (in 

M._____) genutzt hat (Urk. 47 E. II/5.3.1 lit. b S. 12 ff.). So weisen die geschriebe-

nen Nachrichten nicht nur einen Bezug zum Ableben einer Person (wie vom 

Beschuldigten vorgebracht seine Schwester; vgl. Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_Beilage 

7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_0958.21.01, #788: «Hat er/sie Kinder 

hinterlassen», #890: «Beileid», #926: «Ja, sie sind sehr traurig») und zum Friedhof 

T._____ auf (Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 

2021_0958.21.01, #181), sondern auch Hinweise zu einer tatsächlichen Nutzung 

des Mobiltelefons zur (angezeigten) Tatzeit durch den Beschuldigten selbst. Es ist 

zwar zutreffend, dass beim Facebook-Messenger-Account I._____ als «owner» 

verzeichnet war (vgl. vorstehend E. II/4.2 letztes Lemma). Zutreffend ist jedoch mit 

der Vorinstanz, dass jede beliebige Person eine Social-Media-Applikation nutzen 

kann, ohne zwingend Inhaber des jeweiligen Social-Media-Profils zu sein. Eine Nut-

zung des Facebook-Profils von I._____ durch den Beschuldigten selbst – wie vom 

Verteidiger zutreffend ausgeführt (Prot. I S. 24, vgl. auch a.a.O. S. 17; Prot. II S. 13) 

– erscheint vorliegend umso plausibler, als der Facebook-Messenger vom Mobilte-

lefon des Beschuldigten aus benutzt wurde (vgl. dazu Urk. 47 E. II/5.3.1 lit. c S. 14). 

Aber auch wenn der Facebook-Messenger von I._____ selbst auf dem Mobiltelefon 

des Beschuldigten genutzt worden wäre, so bewiese dies umgekehrt ebenfalls 

nicht, dass der Beschuldigte nicht in seiner Wohnung oder gar bei der Privatklägerin 

zu Hause gewesen wäre. An dieser Einschätzung vermag sodann auch die von der 

Rechtsvertretung der Privatklägerin ins Feld geführte Nachricht, welche «Hoi Mut-

ter» lautete und somit an eine Frau gerichtet gewesen sei (Urk. 74 S. 8), nichts zu 

ändern. Zudem ist die weitere Nutzung auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten 

eher dem Beschuldigten selbst zuzuordnen, war der Beschuldigte doch als «ow-

ner» des Viber-Accounts verzeichnet (vgl. vorstehend E. II/4.2 letztes Lemma), von 

welchem aus am 5. September 2021 um 22:18:32 Uhr ein Telefonat mit einer Per-

son namens «S._____» geführt wurde (Urk. 8/7 i.V.m. 

Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_0958.21.01, #1091 

f.). Einen Beleg für dieses Telefonat reichte der Beschuldigte bereits kurz nach sei-

ner Hafteinvernahme zu den Akten, da er um einen allfälligen Datenverlust fürch-

tete (Urk. 8/1). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte der Beschul-

- 23 -

digte, dass es sich bei «S._____» um seine Schwester handle und er mit dieser am 

Abend des 5. Septembers 2021 via Viber telefoniert habe (Urk. 73 S. 10 f.). Am 

5. September 2021, 21:38:54 Uhr, wurde vom Mobiltelefon des Beschuldigten über 

die Viber-Applikation auch ein Anruf mit einer Person namens «R._____» geführt 

(Dauer des Telefonats: 14 Minuten und 6 Sekunden; Urk. 8/7 i.V.m. 

Urk. 8/3_Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 5. September 2021_ 0958.21.01, #987 

f.). Heute erklärte der Beschuldigte, dass es sich bei «R._____» um seinen Bruder 

R1._____ handle und er mit diesem am Abend des 5. Septembers 2021 wegen des 

Ablebens seiner Schwester telefoniert habe (Urk. 73 S. 11). Wäre der Beschuldigte 

am 5. September 2021, ca. 22.00 Uhr, tatsächlich bei der Privatklägerin zu Hause 

gewesen, so wäre es äusserst unwahrscheinlich, dass er gut 21 Minuten vorher 

bzw. 18 Minuten nachher wieder zu Hause ein Telefonat geführt hätte, dauert die 

Autofahrt vom Wohnort des Beschuldigten zum Wohnort der Privatklägerin doch 

rund 31 Minuten pro Weg (vgl. Google-Maps; vgl. dazu auch Urk. 73 S. 12). Gleich 

verhält es sich auch mit dem von der Vorinstanz zitierten Chatverlauf, bei welchem 

vom Mobiltelefon des Beschuldigten aus (via die Viber-Applikation) die Nachricht 

an «R._____» versendet wurde: «Ist der Dreckskerl gekommen oder nicht», worauf 

«R._____» antwortete: «Ja, ja, er ist gekommen. Besser, wäre er gar nicht gekom-

men, der Dreckskerl» (Urk. 8/7 i.V.m. Urk. 8/3_ Beilage 7_Zeitachse Verlauf vom 

5. September 2021_0958.21.01, #1059 und #1067, Nachrichtenversand/-empfang 

um 22:06:44 Uhr bzw. 22:07:47 Uhr). Zu diesem Chat-Verlauf erklärte der Beschul-

digte anlässlich der Hauptverhandlung schlüssig, dass diese Konversation zwi-

schen ihm und seinem Bruder (R1._____) über den Bruder H._____ erfolgt sei 

(Urk. 42 S. 2 und 20 f.).

Nach dem Dargelegten kann festgehalten werden, dass die RTI-Daten und die aus 

dem Mobiltelefon des Beschuldigten ausgelesenen Daten die Sachverhaltsdar-

stellung des Beschuldigten stützen und die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen unter-

mauern (Hinweis auf das Ableben einer Person, Hinweis auf den Friedhof T._____, 

Standort des Mobiltelefons am Abend des 5. Septembers 2021, Nutzung des Mo-

biltelefons am Abend des 5. Septembers 2021 und am Morgen des 6. Septembers 

2021). Hinweise auf die Nutzung des Mobiltelefons (insbesondere der Viber-Appli-

kation) durch den Beschuldigten durch ein Zweitgerät zur (angezeigten) Tatzeit er-

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geben sich aus den Akten keine. Umgekehrt würde jedoch eine Nutzung durch ein 

Zweitgerät (bspw. durch eine Desktop-Version der Viber-Applikation) weder die Ab-

wesenheit des Beschuldigten aus seiner Wohnung noch die Anwesenheit am 

Wohnort der Privatklägerin beweisen (vgl. dazu auch die diesbezüglichen Aussa-

gen des Beschuldigten anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, Urk. 73 

S. 10).

5.3.4. Die Vorinstanz hat sich eingehend mit den Aussagen des Beschuldigten zur 

(möglichen) Motivlage der Privatklägerin auseinandergesetzt, worauf zur Vermei-

dung unnötiger Wiederholungen vorab verwiesen werden kann (Urk. 47 E. II/5.3.1 

d] S. 15 f.). Die Vorinstanz hat zutreffend hervorgehoben, dass der Beschuldigte 

– auf das Motiv der Privatklägerin angesprochen – vage antwortete, vorsichtige 

Mutmassungen anstellte und im Verlauf des Verfahrens stets darauf verzichtete, 

sich auf eine bestimmte Version festzulegen, mit dem Verweis darauf, dass er die 

Motive nicht kenne (Urk. 47 E. II/5.3.1 d]). Der Beschuldigte brachte als ein mög-

liches Motiv der Privatklägerin (bzw. seines Bruders H._____) Neid seines Bruders 

vor. Dieser wolle ihn einfach in den Knast bringen und habe dafür die Privatklägerin 

benützt (Urk. 4/1 F/A 14). Ein weiteres mögliches Motiv verortete der Beschuldigte 

bei einem BMW X6 seines Bruders H._____. Dazu erklärte der Beschuldigte, dass 

sein Bruder in der Schweiz ein Fahrzeugleasing abgeschlossen habe und dieses 

Auto auf seinem Gargenparkplatz im Kosovo habe parkieren wollen, was er aber 

nicht gestattet habe, da dieses Auto über Jahre von der Polizei gesucht worden sei. 

Die Polizei habe dieses Auto dann bei den Eltern im Kosovo gefunden, woraufhin 

sein Bruder dann behauptet habe, dass er (der Beschuldigte) der Polizei gesagt 

habe, wo sich das Auto befinde. Sein Bruder habe diesbezüglich zu ihm gesagt, 

dass er ihm nun die restliche Geldforderung von ca. Fr. 40'000.– bezahlen müsse 

(Urk. 4/1 F/A 5, Urk. 4/2 F/A 10; vgl. auch Urk. 42 S. 18 ff.). Anlässlich der Haupt-

verhandlung erklärte der Beschuldigte – mit vorheriger Antwort, dass er nicht wisse, 

weshalb die Privatklägerin und sein Brüder lügten –, dass ihn sein Bruder um finan-

zielle Hilfe gebeten habe, da sie drei Löhne hätten. Sein Bruder habe ihn darum 

gebeten, ihm bei einem Kredit auszuhelfen (Urk. 42 S. 10 f.). Der Beschuldigte 

schilderte sein Unwissen über das Motiv der Privatklägerin nicht unplausibel und 

glitt dabei nicht in eine übermässige Gegenbelastung bzw. Vorwurfserhebung ge-

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genüber der Privatklägerin bzw. seines Bruders. Auch versuchte der Beschuldigte 

nicht, die Privatklägerin oder seinen Bruder ganzheitlich zu diskreditieren, um so 

die Glaubhaftigkeit der Privatklägerin zu untergraben, sondern äussert sich auch 

diesbezüglich zurückhaltend. All dies spricht in der Tendenz zumindest für Glaub-

haftigkeit seiner Aussagen.

5.3.5. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten bzw. die Überzeugung 

des Sohnes des Beschuldigten (D._____), dass der Beschuldigte zur (angezeigten) 

Tatzeit zu Hause in M._____ war, wird dadurch untermauert, dass sich D._____ 

kurz nach seiner polizeilichen Einvernahme mit dem zuständigen Polizeibeamten 

hinsichtlich einer Videoüberwachungsanlage beim Wohnort des Beschuldigten in 

Verbindung setzte. So schrieb D._____ dem Polizeibeamten, dass es beim Ein-

gang seines Wohnortes bzw. desjenigen des Beschuldigten eine Videoüberwa-

chungsanlage habe, welche aufzeichne, wer wann das Gebäude verlasse 

(Urk. 7/1). Die weiteren Abklärungen haben dann jedoch ergeben, dass es sich 

wohl um eine echte Überwachungskamera handelt, diese aber noch nie in Betrieb 

war und lediglich der Abschreckung dient (Urk. 7/2). Anzeichen, dass D._____ von 

diesem Nichtfunktionieren der echten Überwachungskamera zum damaligen Zeit-

punkt wusste, gibt es nicht. Es wäre im vorliegenden Kontext auch wenig plausibel, 

dass der Sohn des Beschuldigten, zur Entlastung seines Vaters, eine solche Ne-

belpetarde zünden würde im Wissen darum, dass daraus rein gar nichts abgeleitet 

werden könnte, um damit die Strafverfolgungsbehörden hinters Licht zu führen. 

Vielmehr dürfte er tatsächlich auf Bildmaterial gehofft haben, das die Anwesenheit 

seines Vaters beweisen könnte.

5.3.6. Es mutet im zeitlichen Kontext auch lebensfremd an, dass der Beschuldigte 

– welcher am tt.mm.2021 seine Schwester an einer COVID-Infektion verloren hatte 

und den Tag des tt.mm.2021 zur rituellen Waschung seiner verstorbenen Schwes-

ter zusammen mit seiner Familie auf dem Friedhof T._____ verbrachte (Urk. 73 

S. 3 und 11) – am Abend des 5. Septembers 2021 zur Erpressung seiner Schwä-

gerin an ihren Wohnort gegangen wäre.

5.3.7. Nach dem Dargelegten sind die Aussagen des Beschuldigten insgesamt als 

valid zu qualifizieren. Insbesondere die Ausführungen des Beschuldigten zu sei-

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nem Tagesablauf am 5. September 2021 – und diese sind vorwiegend relevant – 

überzeugen und stehen im Einklang mit den objektiven Beweismitteln (vgl. dazu 

vorstehend E. II/5.3.3).

5.3.8. Vor diesem Hintergrund ist auch nicht weiter auf die vor der Berufungs-

verhandlung durch den Beschuldigten eingereichten Bankbelege einzugehen 

(Urk. 70/1-18), welche belegen sollen, dass der Ehemann der Privatklägerin bzw. 

die Privatklägerin über genügend finanzielle Mittel verfügt hätten, um einer allfälli-

gen Erpressungsforderung ohne Weiteres nachzukommen, ohne auf die Dienste 

eines Darlehensgebers angewiesen zu sein (vgl. dazu Urk. 69; Urk. 75 S. 10 f.). 

Der Vollständigkeit halber sei lediglich angefügt, dass diese Bankbelege in der Tat 

indiziell entlastend für den Beschuldigten zu werten sind und somit ins Bild passen, 

da es so scheint, als ob der Ehemann der Privatklägerin kurz vor der geltend 

gemachten Erpressung über grössere Geldbeträge verfügte (insbesondere diejeni-

gen von Mai und Juni 2021; Urk. 70/11-18).

5.3.9. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurde vom Rechtsvertreter 

der Privatklägerin vorgebracht, dass die Aussagen des Sohnes des Beschuldigten, 

welcher lediglich als polizeiliche Auskunftsperson einvernommen worden sei, nicht 

verwertet werden dürfen, da dieser nicht als Zeuge bzw. nicht parteiöffentlich 

befragt worden sei (Prot II S. 10; Urk. 74 S. 8). Diese in der Lehre umstrittene Frage 

(vgl. dazu BSK StPO-SCHLEIMINGER/SCHAFFNER, Art. 147 N 41 Fn 139; ZK StPO-

WOHLERS, Art. 147 N 10) kann vor dem Hintergrund des klaren Beweisergebnisses 

vorliegend offengelassen werden. Die Aussagen von D._____ sind für den Be-

schuldigten insgesamt entlastend, vorliegend jedoch aber nicht unabdingbar. Sei-

tens der Rechtsvertretung der Privatklägerin wurde keine Beweisergänzung im 

Sinne einer Zeugenbefragung von D._____ beantragt (so aber vom amtlichen Ver-

teidiger des Beschuldigten [Urk. 69 und Prot. II S. 10]). Vorliegend kann aber anti-

zipiert werden, dass von einer neuerlichen Einvernahme des Sohnes des Beschul-

digten keine neuen Erkenntnisse zu erwarten wären, welche die Beweislage erheb-

lich beeinflussen könnten, weshalb davon bzw. der Verwertung seiner Aussagen 

abzusehen ist.

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5.4. Fazit

5.4.1. Die Aussagen der Privatklägerin – insbesondere zum angezeigten Tatablauf 

am 5. September 2021 – vermögen nicht zu überzeugen und halten der Glaub-

haftigkeitsprüfung nicht stand. Die Vorinstanz hat festgehalten, dass die Angst der 

Privatklägerin nicht vorgetäuscht zu sein scheine (Urk. 47 E. 5.4.1 S. 25). Da sich 

die Privatklägerin von der heutigen Berufungsverhandlung dispensieren liess, 

konnte sich das Berufungsgericht keinen persönlichen Eindruck von der Privat-

klägerin oder ihrer Angst verschaffen (vgl. Urk. 61–62 und 64–65).

5.4.2. Die Aussagen des Beschuldigten zu seinem Tagesablauf am 5. September 

2021 erweisen sich demgegenüber als glaubhaft und lassen sich – im Gegensatz 

zu den Aussagen der Privatklägerin – überdies mit den sachlichen Beweismitteln 

verifizieren bzw. plausibilisieren.

5.4.3. Aus der Gesamtheit der einzelnen Indizien ergibt sich kein «Mosaik», aus 

dem sich der Sachverhalt zweifelsfrei herauslesen liesse. Mit anderen Worten lässt 

sich dem Beschuldigten eine Erpressung nicht nachweisen; es verbleiben unüber-

windbare Zweifel. Entsprechend ist die Beschuldigte gemäss der in Art. 10 Abs. 3 

StPO (sowie Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK) verankerten Maxime «in 

dubio pro reo» vom Vorwurf der Erpressung freizusprechen.

5.4.4. Vor diesem Hintergrund kommt eine Landesverweisung und die Abnahme 

einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils hinsichtlich des Beschuldigten 

nicht in Betracht.

III.  Zivilansprüche

Die Privatklägerin machte vor Vorinstanz eine Genugtuungsforderung in der Höhe 

von Fr. 8'000.–, Schadenersatz in der Höhe von Fr. 4'962.–, eine weitere Fest-

stellung der Schadenersatzpflicht des Beschuldigten sowie die Verpflichtung des 

Beschuldigten zur Rückzahlung der (durch diesen von der Privatklägerin abgenö-

tigten) Fr. 30'000.– geltend (Urk. 31 S. 1 f.; vgl. auch Urk. 48) und hält daran auch 

im Berufungsverfahren fest (Urk. 74 S. 1).

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Bei diesem Verfahrensausgang ist der vorinstanzliche Verweis der Schadenersatz- 

und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses 

– aufgrund des Nichtvorliegens der zivilrechtlichen Spruchreife (vgl. Art. 126 Abs. 2 

lit. d StPO) – zu bestätigen (Urk. 47 E. III/3 S. 26 f. und S. 31).

IV.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendispositiv 

(Dispositivziffern 7 und 8) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2. Kosten des Berufungsverfahrens / Entschädigung der amtlichen Verteidigung

2.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Auch eine im 

Berufungsverfahren unterliegende Privatklägerin hat demnach die Kosten (evtl. 

anteilig, vgl. Art. 418 Abs. 1 StPO) zu tragen. Wurde der Privatklägerschaft die 

unentgeltliche Prozessführung gewährt, sind die sie treffenden Kosten einstweilen 

auf die Gerichtskasse zu nehmen, und es ist in analoger Anwendung von Art. 135 

Abs. 4 lit. a StPO die Rückzahlung vorzubehalten (BGer 6B_370/2016 vom 

16. März 2017 E. 1.2, nicht publ. in BGE 143 IV 154; BGE 141 IV 262 E. 2.2). Zu 

beachten ist dabei allerdings, dass hinsichtlich der Kosten der amtlichen Vertei-

digung mangels Rechtsgrundlage keine Rückzahlungspflicht der Privatklägerschaft 

besteht (BGE 145 IV 90 E. 5; BGer 7B_8/2021 vom 25. August 2023 E. 9.3.4).

2.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'600.– festzuset-

zen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). Sodann ist ausgehend von den 

eingereichten Honorarnoten – unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer der 

Berufungsverhandlung – dem amtlichen Verteidiger eine pauschale Entschädigung 

von Fr. 5'300.– (inkl. Barauslagen) und dem unentgeltlichen Vertreter der Privat-

klägerin eine pauschale Entschädigung von Fr. 4'600.– (inkl. Barauslagen und 

MwSt.) zuzusprechen (Urk. 71 und Urk. 72).

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2.3. Die Privatklägerin unterliegt mit ihren Berufungsanträgen vollumfänglich. 

Somit sind der Privatklägerin die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme 

der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der 

Privatklägerin, aufzuerlegen. Die Kosten sind zufolge gewährter unentgeltlicher 

Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbe-

halt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 

StPO. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind definitiv auf die Gerichtskasse 

zu nehmen. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin sind einst-

weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht der Privatkläge-

rin bleibt jedoch gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO vorbe-

halten.

3. Genugtuung

3.1. Der Beschuldigte machte vor Vorinstanz für die erlittene Untersuchungshaft 

sowie die Ersatzmassnahmen – unter Bezugnahme auf die Einschränkungen für 

sein Erwerbsleben – eine Genugtuung von «mindestens Fr. 5'000.–» geltend 

(Urk. 33 S. 13). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte die 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils sowie eine (weitere) Genugtuung in der 

Höhe von Fr. 1'000.– beantragen (Urk. 75 S. 16; Prot. II S. 15).

3.2. Die Vorinstanz sprach dem Beschuldigten für die angeordnete Untersuch-

ungshaft (von 3 Tagen) und die verfügten Ersatzmassnahmen eine Genugtuung in 

der Höhe von insgesamt Fr. 1'000.– aus der Staatskasse zu (Urk. 47 E. IV/4.1 ff. 

S. 28-31).

3.3. Der Beschuldigte befand sich vom Montag, 6. September 2021, 17.45 Uhr, 

bis Mittwoch, 8. September 2021, 17.00 Uhr (vgl. Urk. 12/2 und 12/9), demnach 

– mit der Vorinstanz (Urk. 47 E. IV/4.2 S. 28; vgl. auch die Verteidigung Urk. 33 

S. 13) wohlwollend gerechnet – während (knapp) 3 Tagen in Untersuchungshaft.

Dem Beschuldigten wurden am 8. September 2021 – nach der Haftentlassung – 

verschiedene Ersatzmassnahmen auferlegt (Kontaktverbot gegenüber der 

Privatklägerin und Rayonverbot in Bezug auf den Wohnort sowie den Vorplatz des 

Wohnortes der Privatklägerin [Urk. 12/6 und 12/10]). Die Zwangsmassnahmen 

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wurden schliesslich mit Verfügung des Einzelgerichts am Beziksgerichts Dieldorf 

vom 14. Juli 2022 aufgehoben (Urk. 37 i.V.m. Urk. 41). Die Ersatzmassnahmen 

dauerten demnach 308 Tage an.

3.4. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person Anspruch 

auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen 

Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug, wenn sie ganz oder teilweise 

freigesprochen oder das Verfahren gegen sie eingestellt wird. Die Frage nach einer 

Genugtuung für unnötige/unschuldig erlittene Massnahmen (insb. Art. 429 Abs. 1 

lit. c StPO) beurteilt sich analog der Entschädigung und Genugtuung für 

Untersuchungshaft (BSK StPO-MANFRIN/VOGEL, Art. 237 N 121).

Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren Freiheitsentzügen Fr. 200.– pro Tag als 

angemessen, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere 

oder geringere Summe rechtfertigen. Bei längerer Untersuchungshaft (von meh-

reren Monaten Dauer) ist der Tagessatz in der Regel zu senken, da die erste 

Haftzeit besonders schwer ins Gewicht fällt (BGE 143 IV 339 E. 3.1; BGer 6B_ 

519/2022 vom 24. August 2022 E. 3.1).

3.5. Wie bei der Anrechnung an die Strafe ist bei Ersatzmassnahmen der Grad 

der Beschränkung der persönlichen Freiheit im Vergleich zum Freiheitsentzug bei 

Untersuchungshaft zu prüfen. Nur in diesem Umfang sind erlittene Ersatz-

massnahmen zu entschädigen resp. genugtuungspflichtig (BSK StPO-MANFRIN/ 

VOGEL, Art. 237 N 122). Das Verbot, die Privatklägerin zu kontaktieren, dürfte den 

Beschuldigten – wie von diesem selbst ausgeführt (Urk. 4/2 F/A 19 f.) – nicht 

tangiert haben. Einschneidende Beschränkungen, die mit dem Betretungsverbot an 

der Wohnadresse der Privatklägerin (U._____-Strasse …, P._____) einhergingen, 

bringt der Beschuldigte auch im Rahmen der Berufungsverhandlung (Urk. 73 S. 6) 

nicht schlüssig vor und sind auch nicht ersichtlich. Inwiefern ihn dies bei seiner 

beruflichen Ausübung als Taxifahrer bzw. Fahrer eines Limousinen-Service effektiv 

gehindert haben sollte, vermag der Beschuldigte nicht überzeugend darzutun 

(vgl. Urk. 33 S. 13 und Prot. I S. 15); die Adresse betrifft ein einziges Haus an einer 

wenig befahrenen Ortsstrasse. Deshalb ist in Bezug auf die gegen ihn verhängten 

Ersatzmassnahmen nicht von einer wesentlichen Beschränkung der persönlichen 

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Freiheit des Beschuldigten auszugehen, welche ihrerseits allenfalls eine 

Genugtuung gebieten könnte.

3.6. Der Beschuldigte befand sich während drei Tagen ungerechtfertigt in Unter-

suchungshaft. Aussergewöhnliche Umstände, die eine Reduktion oder Erhöhung 

der Fr. 200.– Genugtuung pro Tag rechtfertigen würden, liegen keine vor. Somit ist 

festzuhalten, dass dem Beschuldigten für die 3 Tage ungerechtfertigte Unter-

suchungshaft eine Genugtuung von Fr. 600.– zuzüglich Zins von 5 % seit dem 

8. September 2021 zuzusprechen ist.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 14. Juli 

2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

«Es wird erkannt:

1.-4. […]

5. Die Entschädigung von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ für die amtliche Verteidigung 

des Beschuldigten wird auf Fr. 8'680.80 (inkl. Barauslagen und 7.7% MWST) festge-

setzt.

6. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ für die unentgeltliche Rechts-

vertretung der Privatklägerin wird auf Fr. 8'714.65 (inkl. Barauslagen und 7.7% 

MWST) festgesetzt.

7.-9. […]

10. [Mitteilungen]

11. [Rechtsmittel]»

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte B._____ wird vom Vorwurf der Erpressung im Sinne von 

Art. 156 Ziff. 1 StGB freigesprochen.

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2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin werden 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

3. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 7 und 8) wird bestätigt.

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 50.–   EDV-Datensicherung

Fr. 4'600.–   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin

Fr. 5'300.–   amtliche Verteidigung.

5. a) Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden der Privatklägerin auferlegt. Die Kosten werden infolge gewährter un-

entgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, 

unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

b) Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden definitiv auf die Gerichts-

kasse genommen.

c) Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht der 

Privatklägerin bleibt gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO 

vorbehalten.

6. Dem Beschuldigten werden Fr. 600.– zuzüglich Zins von 5 % seit 8. Septem-

ber 2021 als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehr-

betrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten (übergeben)

 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (versandt)

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 die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 
zuhanden der Privatklägerin (übergeben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschul-
digten

 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
 die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und 

zuhanden der Privatklägerin

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger 

Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 das Migrationsamt des Kantons Zürich
 die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 

Abs. 1 PolG)
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 49.

8. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lau-

sanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebenen 

Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

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Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 7. März 2024

Der Präsident:

lic. iur. Ch. Prinz

Der Gerichtsschreiber:

MLaw J. Stegmann