# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8d21e7e-fb3f-5a4f-a099-31c365797dc6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2010 D-7440/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7440-2010_2010-10-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-7440/2010/wif
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  O k t o b e r  2 0 1 0

Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richter Bruno Huber, Richter Blaise Pagan; 
Gerichtsschreiberin Sara Steiner.

A._______, geboren (...),
und deren Kind B._______, geboren (...), Kosovo,
beide vertreten durch Stefan Hery,
Beschwerdeführerinnen,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 26. Februar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-7440/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass die  Beschwerdeführerinnen und ihr Ehemann respektive Vater  – 
nachdem sie gemäss Eurodac-Datenbank bereits in Ungarn (29. De-
zember 2008 und 2. Juni 2009) und in Frankreich (10. März 2009 und 
17. Juni 2009)  Asylgesuche  gestellt  hatten  – zusammen  mit  dessen 
Eltern  und  Geschwistern  am 20. Juni 2009  in  der  Schweiz  um Asyl 
nachsuchten,

dass ihnen am 3. Juli 2009 das rechtliche Gehör zu einem allfälligen 
Nichteintretensentscheid (Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]) sowie  einer  damit  verbundenen 
Wegweisung nach Ungarn beziehungsweise nach Frankreich gewährt 
wurde, und sie bezüglich Ungarn ausführten, sie hätten dort kein Asyl-
gesuch  gestellt,  hätten weder  Haus  noch  Dokumente  erhalten,  son-
dern draussen schlafen müssen und seien malträtiert worden,

dass das BFM am 28. August 2009 ein Gesuch um Wiederaufnahme 
der  Beschwerdeführerinnen  und  ihres  Ehemannes  respektive  Vaters 
an  die  zuständige  ungarische  Behörde  richtete,  welchem  diese  am 
9. September 2009 zustimmte,

dass das Bundesamt mit  Verfügung vom 26. Februar 2010 – eröffnet 
am 3. März 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf 
die Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen und ihres Ehemannes re-
spektive Vaters nicht eintrat, deren Wegweisung aus der Schweiz nach 
Ungarn sowie den Vollzug anordnete, feststellte, dass einer allfälligen 
Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, und die Aushän-
digung der editionspflichtigen Akten verfügte,

dass das BFM dabei  zur  Begründung im Wesentlichen anführte,  für 
den 29. Dezember 2008  und  den  2. Juni 2009  bestünden  Eurodac-
Treffer mit  Ungarn,  sodass Ungarn gestützt auf  das Abkommen vom 
26. Oktober  2004 zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in ei -
nem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags (Dublin-
Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.68) und auf das Über-
einkommen vom 17. Dezember  2004 zwischen der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island und dem Königreich  Norwe-
gen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-
Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 

Seite 2

D-7440/2010

zuständigen Staates für  die Prüfung eines in  der Schweiz,  in  Island 
oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags  (Übereinkommen  vom 
17. Dezember 2004, SR 0.362.32) für die Durchführung des Asylver-
fahrens  zuständig  sei  und  am 9. September 2009  einer  Übernahme 
zugestimmt habe,

dass die Rückführung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung 
gemäss Art. 19 Abs. 3 oder Verlängerung gemäss Art. 19 Abs. 4 Dub-
lin-II VO – bis spätestens am 9. März 2010 zu erfolgen habe,

dass die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen und ihres Ehemannes 
respektive Vaters im Rahmen des rechtlichen Gehörs, wonach sie in 
Ungarn draussen hätten übernachten müssen, kein Leben gehabt und 
weder  ein  Haus  noch  Dokumente  erhalten  hätten,  die  Rückführung 
nach Ungarn nicht zu verhindern vermöchten, da sie sich bezüglich ih-
rer persönlichen Situation an die verantwortlichen ungarischen Behör-
den wenden könnten und sich aus den Akten keine konkreten Hinwei-
se ergäben, Ungarn halte sich nicht an die massgeblichen völkerrecht-
lichen Bestimmungen oder einschlägigen Normen der Konvention vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Ungarn  zulässig,  zumutbar 
und möglich sei,

dass die Beschwerdeführerinnen und ihr Ehemann respektive Vater – 
handelnd durch ihren Rechtsvertreter  – gegen diesen Entscheid  am 
9. März 2010  (Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerde erhoben, die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie 
das Eintreten auf die Asylgesuche beantragten und um Erteilung der 
aufschiebenden Wirkung, um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) so-
wie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersuchten, 

dass sie dabei zur Begründung im Wesentlichen ausführten, nachdem 
Ungarn  ihrer  Übernahme  am  9. September 2009  zugestimmt  habe, 
hätte ihre Überstellung gemäss Art. 19 Abs. 3 Dublin-II-VO spätestens 
bis zum 9. März 2010 erfolgen müssen, und da sie bis zum Tag der 
Beschwerde  (9. März 2010)  nicht  überstellt  worden  seien  und  keine 
Ausnahmegründe gemäss Art. 19 Abs. 4 Satz 2 Dublin-II-VO vorlägen, 

Seite 3

D-7440/2010

gehe  die  Zuständigkeit  für  ihre  Asylgesuche  somit  auf  die  Schweiz 
über,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  am  9. März 2010  (per  Telefax) 
vorsorglich vollzugshemmende Massnahmen anordnete,

dass das BFM den ungarischen Behörden am 9. März 2010 mitteilte, 
die Überstellung könne nicht fristgerecht erfolgen, da eine Beschwerde 
mit aufschiebender Wirkung erhoben worden sei,

dass  die  vorinstanzlichen Akten am  10. März 2010  beim Bundesver-
waltungsgericht eintrafen, 

dass  die  Beschwerdeführerinnen durch ihren  Vertreter  –  gleichzeitig 
auch der  Rechtsvertreter  des Ehemannes – am 23. September 2010 
um  Verfahrenstrennung  ersuchten,  da  die  Beschwerdeführerin 
A._______ von ihrem Ehemann geschlagen und misshandelt werde,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM auf dem Gebiet des Asyls 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG, 
Art. 105 AsylG, Art. 6 AsylG).

dass  die  Beschwerdeführerinnen  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders berührt sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung  beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung 
der Beschwerde legitimiert sind (Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 

Seite 4

D-7440/2010

und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif -
tenwechsel verzichtet wurde,

dass das Verfahren des Ehemannes respektive Vaters der Beschwer-
deführerinnen auf Antrag des Vertreters beider Parteien hin aufgrund 
der  zerrütteten  Familienverhältnisse  vom vorliegenden  Verfahren  ge-
trennt behandelt wird (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 11, E. 1.3. S. 116 f.),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  gemäss 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG, wonach die Zuständigkeit der Schweiz für 
die  Durchführung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren  abgelehnt 
wird, die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich 
auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asyl -
gesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 
E. 2.1 S. 73 mit Hinweis auf EMARK 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass gemäss Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO Ungarn für die Behand-
lung der Asylgesuche der Beschwerdeführerinnen zuständig ist und ei-
ner  Wiederaufnahme  mit  Schreiben  vom  9. September 2009  denn 
auch zugestimmt hat,

dass gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin-II-VO die Überstellung spä-
testens innerhalb einer  Frist  von sechs Monaten nach der Annahme 
des  Antrags  auf  Wiederaufnahme  zu  erfolgen  hat,  es  sei  denn  ein 
Rechtsbehelf habe aufschiebende Wirkung, 

dass  ein  Rechtsbehelf  dann  aufschiebende  Wirkung  hat,  wenn  ge-
mäss den nationalen Vorschriften die Durchführung des Überstellungs-

Seite 5

D-7440/2010

verfahrens ausgesetzt wird (vgl. Urteil  des Europäischen Gerichtsho-
fes [EuGH]  vom 29. Januar  2009 i.S. Migrationsverket  [Schweden]  / 
Petrosian, C-19/08),

dass das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Fall den Vollzug 
der Wegweisung und damit die Überstellung in den zuständigen Mit-
gliedstaat mit Verfügung vom 9. März 2010 im Sinne von Art. 56 VwVG 
ausgesetzt hat,  und der Vollzug der Überstellung in den zuständigen 
Drittstaat damit aufgrund des eingereichten Rechtsbehelfes ab diesem 
Datum  und  damit  noch  innerhalb  der  Überstellungsfrist  nicht  mehr 
möglich war, was gemäss Dublin-II-VO zu einer Unterbrechung der re-
gulären Vollzugsfrist führt,

dass dabei irrelevant ist, ob dies nun am letzten Tag der Vollzugsfrist 
geschieht oder einige Tage früher, die Frist hingegen nicht bereits ab-
gelaufen sein darf und es im bilateralen Verhältnis zwischen den Mit -
gliedstaaten entgegen den anderslautenden Vorbringen in der Replik 
auch nicht darauf ankommen kann, aufgrund welcher nationalen Be-
stimmungen –  Art. 56 VwVG oder Art. 107a AsylG – die Überstellung 
verunmöglicht wird; massgebend ist allein die Wirkung der Massnah-
me, nämlich dass die Behörde die Überstellung nicht vollziehen darf 
(vgl.  auch  zur  Publikation  vorgesehenes  Urteil  des  Bundesverwal-
tungsgerichts E-6525/2009 vom 29. Juni 2010 E. 7.2.1), 

dass das Bundesamt denn auch noch am selben Tag und damit noch 
vor Ablauf der regulären Frist die ungarischen Behörden über den Voll -
zugsstopp informiert hat und damit seinen Verpflichtungen umfassend 
gerecht  geworden  ist  (vgl.  dazu  Art.  9  Abs.  2  Verordnung 
Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchfüh-
rungsbestimmungen  zur  Dublin-II-VO  [DVO]),  und  sich  im  Übrigen 
auch keinerlei  Anzeichen darauf ergeben, die ungarischen Behörden 
würden sich nicht mehr als zuständig erachten, 

dass diesen Erwägungen gemäss die Zuständigkeit nicht aufgrund des 
Ablaufs der Überstellungsfrist  auf die Schweiz übergegangen ist und 
die sechsmonatige Frist  vielmehr ab Urteilsdatum neu zu laufen be-
ginnt,

dass die Beschwerdeführerinnen weiter keine Gründe geltend machen, 
welche  in  rechtserheblicher  Weise  gegen  den  Wegweisungsvollzug 
nach Ungarn sprechen, und sich ein Selbsteintritt  nach Art. 3 Abs. 2 
Dublin-II-VO aus humanitären Gründen (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in 

Seite 6

D-7440/2010

Verbindung mit  Art.  29a  der  Asylverordnung 1  vom 11. August  1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]) nicht aufdrängt,

dass der Ehemann respektive Vater der Beschwerdeführerinnen zwar 
einwandte, er habe in Ungarn draussen schlafen müssen und sei mal-
trätiert worden (Akten BFM A1 S. 9), die Beschwerdeführerin aber aus-
führte, sie hätten in einem Heim geschlafen, gegessen und getrunken 
(A2 S. 10),  sodass kein Grund für die Annahme besteht,  die Aufent-
haltsbedingungen im Rahmen des Asylverfahrens in Ungarn sprächen 
gegen eine Überstellung dorthin,

dass Ungarn sodann Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK 
und des  Übereinkommens vom 20. November  1989 über  die  Rechte 
des Kindes (KRK,  SR 0.107) ist,  und keinerlei  Anhaltspunkte  vorlie-
gen,  wonach sich Ungarn nicht  an die daraus resultierenden völker-
rechtlichen Verpflichtungen hält,

dass vielmehr in Ungarn die Asylanträge der Beschwerdeführerinnen 
offenbar in einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren geprüft und ab-
gelehnt worden sind,

dass der Situation der Beschwerdeführerin als alleinerziehende Mutter 
eines kleinen Kindes in Ungarn Rechnung getragen wird,

dass  das  BFM folglich  zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerinnen nicht ein-
getreten ist,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegwei-
sung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren in den für die Prüfung des Asylgesuches zuständi-
gen Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum bleibt  für  Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 

Seite 7

D-7440/2010

Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  die  Frage  nach  der  Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegwei-
sungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG vielmehr 
bereits Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretens-
entscheides bildet,  und sich auch die Frage der Zumutbarkeit  in sol-
chen Verfahren nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 AuG, 
sondern ebenfalls vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen ei-
ner allfälligen Prüfung des Selbsteintrittsrechts aus humanitären Grün-
den (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG in Verbindung mit Art. 29a AsylV 1) 
stellt,

dass eine entsprechende Prüfung somit  – soweit notwendig  – bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss (vgl. vor-
stehende Erwägungen),

dass im Sinne dieser  Ausführungen der Vollzug der  Wegweisung im 
Einklang mit den massgeblichen gesetzlichen Bestimmungen steht,

dass einer allfälligen Gefährdung der Beschwerdeführerinnen durch ih-
ren Ehemann respektive Vater mit entsprechenden Massnahmen beim 
Vollzug der Wegweisung Rechnung zu tragen ist  (getrennte Wegwei-
sung, Mitteilung an die ungarischen Behörden),

dass es den Beschwerdeführerinnen demnach nicht gelungen ist, dar-
zutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist,

dass  die  Anträge um Erlass  des Kostenvorschusses angesichts  des 
vorliegenden Entscheides in der Hauptsache gegenstandslos sind,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten den Beschwerde-
führerinnen aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

dass jedoch die Begehren der Beschwerdeführerinnen nach dem Ge-
sagten nicht als aussichtslos zu erachten sind, und ihre Bedürftigkeit 
aufgrund der mit  der Beschwerde eingereichten Fürsorgebestätigung 
belegt ist,

Seite 8

D-7440/2010

dass demnach das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewäh-
rung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1 
VwVG gutzuheissen ist und keine Kosten zu auferlegen sind.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-7440/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
In  Gutheissung  des  Gesuches  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG werden keine Verfah-
renskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerinnen (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten Ref.-Nr. N (...)  und 

der Bitte zur Weiterleitung an 1AEC-EC gemäss Dossierbestellung 
(in Kopie; per Kurier)

- ...

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Sara Steiner

Versand: 

Seite 10