# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f8bf99e-7d7b-5481-a8ff-7c4c81ffa2b8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-05-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.05.2018 E-2479/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2479-2018_2018-05-31.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2479/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 1 .  M a i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Esther Marti, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. März 2018 / N (…). 

 

 

 

E-2479/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein der Volksgruppe der Hazara zugehöriger 

pakistanischer Staatsangehöriger afghanischer Herkunft und schiitischer 

Religion, mit letztem Wohnsitz in B._______ – verliess eigenen Angaben 

zufolge seinen Herkunftsstaat am (…) und gelangte über Iran, die Türkei, 

Griechenland und Deutschland am 10. November 2015 in die Schweiz. 

Gleichentags suchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum C._______ 

um Asyl nach, wo am 18. November 2015 die summarische Befragung zur 

Person (BzP; Protokoll in den SEM-Akten: A5/12) stattfand. Am 14. De-

zember 2017 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört (Protokoll 

in den SEM-Akten: A21/14).  

A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, 

Hazara und Schiiten stünden in Pakistan ständig unter der Gefahr, getötet 

zu werden. (…) sei auch er selbst mit vier Schüssen angeschossen wor-

den. Ein Afghane und ein Belutsche seien in das (...)geschäft, in dem er 

damals gearbeitet habe, gekommen und hätten auf ihn und seinen Arbeits-

kollegen gezielt, nachdem sie seinen Chef – ebenfalls ein Hazara – nicht 

hätten auffinden können. Er wisse nicht genau, weshalb sie Ziel des Über-

griffes geworden seien; es könnte aus Neid, weil ihr Geschäft gut gelaufen 

sei geschehen sei, allerdings sei es auch üblich, dass auf Hazara und Schi-

iten geschossen werde. Sein Kollege sei auf der Stelle verstorben, er selbst 

habe nur durch glücklichen Zufall und einer nachfolgenden langfristigen 

medizinischen Behandlung überlebt. Die erste Kugel habe ihn ins Gesicht 

und dann in die Hand getroffen. Er sei hingefallen, woraufhin er mit einem 

weiteren Schuss in den Hals getroffen worden sei. Die Kugel sei aus dem 

Mund wieder herausgekommen. Die dritte Kugel habe ihn im Nacken ge-

troffen und sei im Hals stecken geblieben. Die vierte Kugel sei durch die 

Schulter hindurch geschossen. Er habe noch gehört, wie sein Freund die 

Täter frage, weshalb sie dies täten, dann habe er das Bewusstsein verlo-

ren. Er sei erst im Spital wieder aufgewacht. Sein Vorgesetzter habe in der 

Folge eine Anzeige bei der Polizei erstattet; sie hätten diesbezüglich aber 

nie mehr etwas gehört.  

Der notwendig gewordene einmonatige Aufenthalt im (...)spital sei durch 

die Regierung finanziert worden; für die Medikamente sei der Onkel des 

Beschwerdeführers aufgekommen. Nach der Entlassung aus dem Spital, 

habe er für einen weiteren Monat zu Hause medizinisch behandelt werden 

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Seite 3 

müssen. Es sei ihm auch für längere Zeit nicht möglich gewesen zu arbei-

ten, später habe er im (...)geschäft eines Nachbarn wieder tätig sein kön-

nen, allerdings zu einem sehr tiefen Verdienst, da der Laden kaum Aufträge 

generiert habe. Seit dem Vorfall sei er nicht mehr in die Stadt gegangen 

und habe immer sein Gesicht verhüllt, wenn er nach draussen gegangen 

sei. Er habe schon viel eher ausreisen wollen, da es ihm aber gesundheit-

lich lange Zeit schlecht gegangen sei und er keine finanziellen Mittel gehabt 

habe, sei dies nicht möglich gewesen. Er habe aber in ständiger Angst ge-

lebt.   

Zu seinen persönlichen Lebensumständen brachte er vor, die Schule nicht 

beziehungsweise bis zur (…) Klasse besucht zu haben, bevor die Situation 

so schlecht geworden sei, dass er habe anfangen müssen zu arbeiten. 

Sein Vater sei (…) an einer Krankheit gestorben. Seine Mutter habe nach 

dem geschilderten Vorfall (…) einen Anfall erlitten und sei diesem einige 

Monate später erlegen. Seine vier Geschwister lebten alle noch in 

B._______. In gesundheitlicher Hinsicht gab er an, noch heute an Schmer-

zen sowie unter Erinnerungsproblemen zu leiden. Er fange an zu zittern, 

wenn er an das Erlebte denke. Er habe auch oft Kopfschmerzen und leide 

unter Schlafproblemen und Alpträumen. Wegen den Schussverletzungen 

sei er auch heute noch auf medizinische Behandlung angewiesen.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer unter anderem Ausdrucke 

von Fotographien sowie Dokumente in fremder Sprache und in Kopie ein. 

Zum Nachweis seiner Identität reichte er eine pakistanische Identitätskarte 

mit Ausstellungsdatum vom (…) ein. Diesbezüglich hatte er in der BzP an-

gegeben, nie ein Ausweisdokument besessen zu haben. In der Anhörung 

zu dieser Aussage befragt, gab er zu Protokoll, er sei ihm bei der BzP nicht 

gut gegangen, sein Gehirn funktioniere seit dem geschilderten Vorfall nicht 

mehr richtig, und er sei verwirrt gewesen. 

B.  

Mit Verfügung vom 29. März 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde-

führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.  

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlich aus, die geschilderten 

Vorbringen seien – unabhängig von den auch vorhandenen Unglaubhaftig-

keitselementen – flüchtlingsrechtlich nicht relevant, da weder ein hinrei-

chender Kausalzusammenhang noch eine gezielt gegen den Beschwerde-

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führer gerichtete Verfolgung vorliege, zumal auch ein asylbeachtliches Mo-

tiv fraglich sei. Auch liege keine Kollektivverfolgung vor. Von der Zulässig-

keit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung sei so-

dann auszugehen.   

C.  

Mit Eingabe vom 27. April 2018 liess der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht gegen diese Verfügung Beschwerde erheben und be-

antragen, diese sei aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuer-

kennen und es sei ihm Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme, zu ge-

währen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses sowie um Beiordnung des mandatierten Rechtsvertreters als 

amtlichen Rechtsbeistand.  

Der Rechtsmitteleingabe legte der Beschwerdeführer insbesondere einen 

Arztbericht von Dr. med. D._______, Facharzt der Orthopädie (…), vom  

11. April 2018 bei.  

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Er-

wägungen eingegangen.  

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 1. Mai 2018 den Eingang der 

Beschwerde und hielt fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten.  

E.  

Mit Eingabe vom 9. Mai 2018 reichte der Beschwerdeführer betreffend 

seine Krankengeschichte Auszüge von Behandlungseinträgen seiner be-

handelnden Ärzte der Praxis (…) vom 23. September 2015 bis am 15. No-

vember 2017 ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

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Seite 5 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-

messens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG); die Kog-

nition im Bereich des Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG, wes-

halb die Rüge der Unangemessenheit in diesem Bereich zugelassen ist 

(Art. 112 AuG; BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

Über offensichtlich unbegründete oder begründete Beschwerden wird in 

einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters 

entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt 

es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-

wechsel verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

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Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG).  

4.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht zuläs-

sig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise 

der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen 

Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 

AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, 

wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie 

Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret 

gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vor-

behalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der 

Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder 

in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-

sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.  

5.1 Das SEM führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung aus, da 

die Ausreise des Beschwerdeführers (…) Jahre nach dem geltend ge-

machten Angriff stattgefunden habe, fehle es am nötigen zeitlichen Kau-

salzusammenhang. Gemäss seinen eigenen Angaben habe er nach dem 

Vorfall (…) nämlich keine persönlichen Probleme mehr gehabt. Weshalb er 

auf dem Arbeitsweg jeweils sein Gesicht verdeckt habe, habe er nicht kon-

kret erklären können. Übergriffe durch Dritte seien sodann nur asylrelevant, 

wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in der 

Lage sei, Schutz zu gewähren. Dass die Polizei bis zur Ausreise des Be-

schwerdeführers betreffend die Anzeige durch seinen Vorgesetzten noch 

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keine Resultate vorzuweisen gehabt habe, lasse nicht automatisch auf ei-

nen fehlenden Schutzwillen oder fehlende Schutzfähigkeit der Behörden 

schliessen. Schliesslich sei sich der Beschwerdeführer über das Motiv des 

von ihm geschilderten Angriffs nicht im Klaren gewesen. So habe er in der 

BzP angegeben, dass auf Schiiten geschossen werde. In der Anhörung 

habe er zuerst gesagt, dass er den Grund nicht kenne, und auch, dass er 

mit der geschäftlichen Konkurrenz zusammengehängt habe; die Angreifer 

hätten zuerst nach seinem Chef gefragt. Ihm sei zum Verhängnis gewor-

den, dass er angefangen habe, in diesem Geschäft zu arbeiten. Falls der 

Angriff mit der Konkurrenz im Zusammenhang gestanden habe, so fehle 

es an einem asylrechtlich relevanten Motiv. Falls der Angriff auf den Be-

schwerdeführer aber erfolgt sei, weil er Schiite sei, fehle es der Verfolgung 

an einer auf seine Person gerichteten Gezieltheit.   

Betreffend Kollektivverfolgung führte das SEM aus, zwar anerkenne so-

wohl die Vorinstanz als auch das Bundesverwaltungsgericht, dass in Pa-

kistan ein insgesamt hohes Mass an religiös motivierter Gewalt gegen Ha-

zara herrsche. Die Angriffe, die meist von sunnitischen Extremisten aus-

gingen, würden sodann weitgehend straflos bleiben, und es bestehe kein 

oder nur ungenügender staatlicher Schutz davor. Die Heimatstadt des Be-

schwerdeführers, B._______, sei dabei einer der grossen Brennpunkte der 

religiösen Gewalt gegen Schiiten, und die Hazara im Besonderen. Die Häu-

figkeit und Anzahl der Übergriffe sei gemäss Praxis des Bundesverwal-

tungsgerichts gemessen an der Zahl der in B._______ und E._______ le-

benden Hazara jedoch nicht so hoch, dass von einer Kollektivverfolgung 

auszugehen sei. Nachdem der Nachweis einer gezielten, auf den Be-

schwerdeführer gerichteten Verfolgung nicht gelungen sei, reiche es zur 

Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft entsprechend nicht aus, dass 

er der Ethnie der Hazara angehöre und aus Pakistan stamme.  

In Bezug auf die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs hielt das SEM ins-

besondere fest, aus den Akten ergäben sich keine Anhaltspunkte dafür, 

dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe 

oder Behandlung drohe. Weder die im Heimatstaat herrschende politische 

Situation noch andere Gründe sprächen sodann gegen die Zumutbarkeit 

der Rückführung. Beim Beschwerdeführer handle es sich um einen jungen 

Mann, dem es auch nach dem besagten Angriff offensichtlich möglich ge-

wesen sei, in Pakistan als (...) zu arbeiten und so seinen Lebensunterhalt 

zu verdienen. Zudem verfüge er in Pakistan über einen ihm äusserst wohl-

gesonnenen Schwager, der bisher bereit und in der Lage gewesen sei, ihm 

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Medikamente sowie die Reise in die Schweiz zu finanzieren. Über weitere 

Fakten habe der Beschwerdeführer das SEM im Unklaren gelassen. So 

habe er in der BzP gesagt, er verfüge über keine Schulbildung und habe 

nie eine Identitätskarte beantragt. Später habe er jedoch eine Identitäts-

karte eingereicht, auf welcher der Jahrgang (…) aufgeführt sei, und nicht, 

wie bis dahin von ihm angegeben, (…). Bei der Anhörung habe er ausser-

dem angegeben, die Schule bis zur (…) Klasse besucht zu haben. Eine 

plausible Erklärung zu diesen Widersprüchen habe er nicht geben können. 

Deshalb könne die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht weiter 

beurteilt werden, woraus aber auch nicht einfach auf die Unzumutbarkeit 

des Vollzugs zu schliessen sei.  

5.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, die Argumentation der Vo-

rinstanz halte einer näheren Prüfung nicht stand. Zunächst lägen subjek-

tive und objektive Gründe im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen 

Rechtsprechung vor, die dazu führten, dass nicht von einem Durchbrechen 

des zeitlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Angriff und seiner 

Ausreise auszugehen sei, zumal sich diesbezüglich keine starre zeitliche 

Grenze festlegen lasse. Dem Beschwerdeführer sei bereits kurz nach dem 

Attentat geraten worden, seine Heimat zu verlassen, dies sei ihm jedoch 

insbesondere aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands, seiner fi-

nanzielle Lage sowie der schwierigen allgemeinen Lage nicht möglich ge-

wesen. Die Häufigkeit der Angriffe auf Hazara habe nach der Attacke bis 

zu seiner Ausreise stetig zugenommen. Aus Angst vor weiteren Übergriffen 

habe er sich seit dem Angriff nicht mehr aus den für Hazara etwas sicherer 

geltenden Regionen hinaus gewagt und begonnen, seine Gesichtszüge, 

die ihn klar als Hazara kennzeichneten, zu bedecken, um weiteren Mord-

anschlägen zu entgehen. Seine psychische Verfassung habe sich – zumal 

nach dem Tod seiner Mutter – zusehends verschlechtert. Auch in körperli-

cher Hinsicht sei er vor allem anfangs stark eingeschränkt gewesen, und, 

da er nicht mehr gewagt habe, ausserhalb der Hazara-Schutzzonen zu ar-

beiten, sei auch seine finanzielle Lage zusehends schlechter geworden. 

Diese Umstände hätten eine frühere Ausreise verunmöglicht, wobei die 

wirtschaftliche Einbusse – und damit das Hinauszögern der Ausreise – di-

rekt auf den Angriff zurückzuführen sei.  

Betreffend die Einschätzung des SEM, wonach im Fall des Beschwerde-

führers aufgrund der unterlassenen Reaktion seitens der Behörden auf die 

Anzeige nicht automatisch von deren fehlenden Schutzwillen beziehungs-

weise -fähigkeit auszugehen sei, missachte die Vorinstanz die in Pakistan 

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vorherrschende Situation. Zudem sei der Anschlag auf ihn und seinen Kol-

legen eindeutig ethnisch beziehungsweise religiös motiviert gewesen, was 

sich aus seinen Aussagen sowie der wegen seiner Gesichtszüge augen-

scheinlichen Zugehörigkeit zur ethnischen Minderheit der Hazara ergebe. 

Über die Motivation der Täter könne er naturgemäss nur spekulieren, in-

dessen habe er in der BzP drei Mal darauf hingewiesen, dass er ange-

schossen worden sei, weil er Schiite und Hazara sei. Selbst bei der Sug-

gestivfrage, ob es zutreffe, dass er nicht spezifisch verfolgt, sondern Opfer 

eines zufälligen Angriffs geworden sei, habe er entsprechend geantwortet. 

Die Beschreibung des Angriffs deute zudem auf eine beabsichtigte regel-

rechte Hinrichtung hin, welche nur durch einen glücklichen Zufall nicht zu 

seinem Tod geführt habe. Seine seither bestehende Furcht, erneut Opfer 

eines Anschlags zu werden, lasse sich nur mit ethnisch beziehungsweise 

religiös motivierter Verfolgung gegen ihn und seine Volksgruppe erklären. 

Weil er wegen seines Äusseren als Hazara zu erkennen sei, habe er – wie 

bereits ausgeführt – seit dem Angriff jeweils sein Gesicht versteckt, wobei 

er sich ohnehin nicht mehr getraut habe, sein Wohngebiet zu verlassen. 

Dass der Beschwerdeführer in der Anhörung angegeben habe, die Angrei-

fer hätten zunächst seinen Chef gesucht, ändere nichts am Vorliegen eines 

asylbeachtlichen Verfolgungsmotivs, zumal dieser ebenfalls Hazara sei. 

Auch die Quellen wiesen darauf hin, dass Ladenbesitzer in B._______ im-

mer wieder Opfer von gezielten Anschlägen würden; der vom Beschwer-

deführer geschilderte Angriff passe vor diesen Hintergrund. Was die Kol-

lektivverfolgung der Hazara betreffe, so habe sich die Vorinstanz auf einen 

Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts von 2014 und somit auf eine 

alte Lagebeurteilung gestützt. Aufgrund der seitherigen Entwicklungen für 

Hazara in B._______ sei heute von einer anderen, schlimmeren Situation 

auszugehen beziehungsweise sei der Entscheid des Gerichts aufgrund der 

heutigen Erkenntnisse überholt. Auch deshalb sei der Beschwerdeführer 

als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. 

Betreffend den Wegweisungsvollzug führte der Beschwerdeführer aus, da 

er – wie dargelegt – die Flüchtlingseigenschaft erfülle, sei von dessen Un-

zulässigkeit auszugehen, zumal ihm bei einer Rückkehr eine reale Gefahr 

unmenschlicher Behandlung drohe. Entsprechendes sei auch in einem Ur-

teil des Verwaltungsgerichts München vom 18. Mai 2016 festgestellt wor-

den. Darüber hinaus sei der Wegweisungsvollzug unzumutbar, zumal ge-

mäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts allein die Zugehö-

rigkeit zu den Hazara bereits ein starkes Indiz für die Annahme der Unzu-

mutbarkeit darstelle. Hinzu komme, dass der Beschwerdeführer nachge-

wiesenermassen noch heute an den Folgen der Schusswunden leide und 

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auch stark traumatisiert sei. Seine Geschwister lebten zwar noch in 

B._______, jedoch seien auch sie den harschen Lebensbedingungen in 

den Hazara-Ghettos ausgesetzt und könnten sich wirtschaftlich kaum über 

Wasser halten. Sein Schwager sei ihm zwar wohlgesinnt, er habe für seine 

medizinische Behandlung sowie die Ausreisekosten jedoch bereits seinen 

Laden und damit seine Existenzgrundlage aufgegeben. Auf weitere Unter-

stützung könne er nicht hoffen beziehungsweise stehe er bei ihm in der 

Schuld. Aufgrund der Lebensumstände wäre der Beschwerdeführer ge-

zwungen, in den Schutzzonen eine Arbeitsstelle zu finden, was ihm einer-

seits aufgrund seiner physischen und psychischen Verfassung äusserst 

schwer fallen und andererseits wegen der prekären Lage in diesen Gebie-

ten kaum möglich sein dürfte. Ihm stehe sodann keine innerstaatliche 

Fluchtalternative (recte unter dem Aspekt des Wegweisungsvollzugs: Auf-

enthaltsalternative) zur Verfügung.  

6.  

6.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) umfasst eine Anzahl verschiedener verfas-

sungsrechtlicher Verfahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte 

Teilgehalt verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, 

sich zu äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), 

sondern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheid-

findung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-

hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich 

die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-

fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung 

erkennen. Im Asylverfahren sind die Anforderungen an die Begründungs-

dichte regelmässig hoch, wiegen die rechtlich geschützten Interessen der 

Betroffenen im Asylentscheid doch allgemein schwer (PATRICK SUTTER, in: 

Kommentar VwVG, 2008, Art. 32 VwVG, Rz. 2). Insgesamt muss der Ent-

scheid so abgefasst sein, dass ihn der Betroffene gegebenenfalls sachge-

recht anfechten kann, was nur möglich ist, wenn sich sowohl der Betroffene 

als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein 

Bild machen können. Dabei kann sich die Behörde in ihrer Argumentation 

zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken; 

sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschweigend übergehen, die für 

den Entscheid erkennbarerweise unbehelflich sind. In diesem Sinne müs-

sen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich 

die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 

134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 E. 10.2 m.w.H.; SUTTER, a.a.O., Kommentar 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG, Rz. 2). 

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Seite 11 

Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-

gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufgelis-

teten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Die 

Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch ge-

würdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/ 

HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 

Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 1043).    

6.2 Nach Durchsicht der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, 

dass die Begründung des SEM sowohl betreffend Flüchtlingseigenschaft 

und Asyl als auch hinsichtlich der Prüfung allfälliger Wegweisungsvollzugs-

hindernisse mangelhaft ausgefallen ist. 

6.3 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1 A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30), wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise solche mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und auf-

grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates      

oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 

zugefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staat-

lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1 m.w.H.). Zu prüfen 

ist zudem, ob die Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Ausreise des Be-

troffenen noch aktuell gewesen ist beziehungsweise ob ein zeitlicher und 

sachlicher Kausalzusammenhang zwischen der erlebten Vorverfolgung 

und der Ausreise zu bejahen ist (BVGE 2009/51 E. 4.2.5). 

6.3.1 Das Vorliegen eines solchen zeitlichen Kausalzusammenhangs zwi-

schen dem vom Beschwerdeführer geschilderten Angriff und seiner Aus-

reise verneinte das SEM. Dies mit der alleinigen Begründung, dass der 

Beschwerdeführer seit dem Überfall keine weiteren Übergriffe mehr erlebt 

und ihm erst mehr als ein Jahr nach dem Vorfall zur Ausreise geraten wor-

den sei beziehungsweise er begonnen habe, diese zu organisieren sowie, 

dass er nicht habe konkrete Angaben machen können, weshalb er sein 

Gesicht nach dem Überfall verdeckt habe. Indessen prüfte es weder die 

vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründe, weshalb er nicht früher 

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Seite 12 

habe ausreisen können (vgl. insb. A21 F55, F65ff.) noch ging es im erfor-

derlichen Masse der Frage nach, ob für ihn im Zeitpunkt seiner Ausreise 

noch eine begründete Furcht vor Verfolgung bestanden hatte beziehungs-

weise im heutigen Zeitpunkt besteht. Insbesondere zu berücksichtigen 

wäre dabei gewesen, dass, wer bereits einmal Verfolgungsmassnahmen 

ausgesetzt gewesen war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (sub-

jektive) Furcht hat (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2). Ein feh-

lender zeitlicher Zusammenhang zwischen Vorverfolgung und Ausreise 

zerstört denn auch (nur) die Regelvermutung zugunsten des Vorliegens 

begründeter Furcht vor künftiger Verfolgung, schliesst aber nicht aus, dass 

im konkreten Einzelfall die früher erlittene Verfolgung einen der guten 

Gründe für die aktuelle Verfolgungsfurcht darstellen kann. Ausschlagge-

bend ist dabei, ob im Zeitpunkt der Ausreise nicht nur in subjektiver, son-

dern auch in objektiver Hinsicht eine Wiederholungsgefahr der früher erlit-

tenen Verfolgung noch bestanden hatte und ein Schutzbedürfnis demnach 

auch im Zeitpunkt der Ausreise weiterhin noch bestand (vgl. ausführlich 

BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Das SEM unterliess es, sich zu diesem 

entscheidenden Punkt in der Asylbegründung zu äussern, obwohl es offen-

bar die kritische Lage für Hazara in Pakistan, und insbesondere in der Her-

kunftsstadt des Beschwerdeführers zur Kenntnis genommen hat. Hinzu 

kommt, dass das Argument, wonach der Beschwerdeführer den Grund, 

weshalb er auf dem Arbeitsweg jeweils sein Gesicht verdeckt habe, nicht 

konkret habe erklären können, angesichts der leichten Erkennbarkeit von 

Hazara, was ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit betrifft, offensicht-

lich nicht überzeugt. Weitere relevante Sachverhaltsumstände – so etwa 

den prekären gesundheitlichen Zustand des Beschwerdeführers, der ihn 

an der Ausreise gehindert habe, der Hinweis des Beschwerdeführers, dass 

er sich nach dem Vorfall in seinem Bewegungsradius noch mehr einge-

schränkt habe und seine deutlich geäusserte Furcht, erneut Opfer eines 

Überfalls zu werden (vgl. insb. A21 F40, 41, 51, 78) – liess es unberück-

sichtigt.   

6.3.2 Was die Ausführungen des SEM zur Schutzfähigkeit und –willigkeit 

der pakistanischen Behörden im Fall von Gewalt gegen Schiiten und Ha-

zara betrifft, so führte es einerseits aus, der Umstand, dass die Polizei trotz 

der Anzeige des Chefs des Beschwerdeführers nicht tätig geworden sei, 

lasse nicht automatisch auf einen fehlenden Schutzwillen oder eine feh-

lende Schutzfähigkeit der Behörden schliessen (vgl. Verfügung E. II/2), 

ohne allerdings auch nur annähernd zu begründen, wieso der Beschwer-

deführer, der bereits konkret einen Übergriff erlebt hatte, auf hinreichenden 

Schutz im Sinne der massgeblichen Rechtsprechung zählen könne. In der 

E-2479/2018 

Seite 13 

Erwägung II/3, S. 4 oben, führte das SEM demgegenüber aus, es komme 

in Pakistan immer wieder zu religiös motivierten Gewaltakten, wobei der 

pakistanische Staat in der Regel entweder nicht willig oder nicht in der Lage 

sei, die Hazara vor solchen Übergriffen zu schützen. Diese Erwägungen 

sind widersprüchlich, zumal die Aussage des Beschwerdeführers die Ver-

mutung, wonach die Behörden in solchen Fällen keinen adäquaten Schutz 

gewährleisteten, gerade zu bestätigten scheint. Immerhin hatte der Be-

schwerdeführer bereits in der BzP darauf hingewiesen, dass er nicht wisse, 

ob die Polizei jemals etwas getan habe (vgl. A5 F 7.02 S. 8) beziehungs-

weise habe die Polizei sie gemäss Aussagen in der Anhörung nie darüber 

informiert, dass die Täter gefasst worden wären (vgl. A21 F76). Da im Fall 

von Pakistan keine gesetzliche Regelvermutung im Sinne von Art. 6a Abs. 

2 Bstb. a AsylG besteht, wonach dort von behördlichen Schutzstrukturen 

auszugehen ist, das SEM – wie gerade erwähnt – im Falle von Hazara 

dann auch noch eher vom Gegenteil ausgeht, wäre die Vorinstanz zwin-

gend gehalten gewesen, dicht zu begründen, weshalb gerade im Fall des 

Beschwerdeführers von einem hinreichenden Schutz auszugehen ist. Es 

fällt auch auf, dass dem Beschwerdeführer in der Anhörung keinerlei Fra-

gen zur Anzeige und allfälligen Massnahmen seitens der Polizei gestellt 

wurden. Der diesbezügliche Sachverhalt kann nur dank den Fragen der 

Hilfswerksvertretung am Ende der Anhörung als knapp erstellt erachtet 

werden (vgl. A21 F75).  

6.3.3 Schliesslich überzeugen auch die Ausführungen des SEM zum feh-

lenden asylrechtlich erheblichen Motiv und zur fehlenden Gezieltheit der 

Verfolgung keineswegs. Diesbezüglich führte das SEM aus, dem Be-

schwerdeführer sei es nicht gelungen, den Grund des geschilderten Über-

griffs darzulegen. Falls der Angriff auf den Laden mit der geschäftlichen 

Konkurrenz im Zusammenhang gestanden habe, fehle es ihm an einem 

asylbeachtlichen Verfolgungsmotiv. Falls der Angriff aber erfolgt sei, weil er 

Schiit sei, fehle es ihm an einer auf ihn gerichteten Gezieltheit. Diese Be-

gründung ist offensichtlich unzulässig, zumal das SEM nicht näher darlegt, 

inwiefern es denn an der Gezieltheit fehlen sollte, wäre von einem asylre-

levanten Motiv auszugehen. Die Gezieltheit einer Verfolgung setzt nämlich 

nicht zwingend voraus, dass dem Verfolger die verfolgte Person bekannt 

sein muss. Vielmehr genügt es, wenn die verfolgte Person zur Zielgruppe 

des Verfolgers gehört und die Wirkung der Verfolgung in dieser Person ein-

tritt (vgl. eingehend WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, 1990, S. 

75ff.). Mit den direkt auf den Beschwerdeführer gerichteten Schüssen, wel-

che schwere gesundheitliche Schäden zur Folge hatten, ist der Angriff ge-

radezu offensichtlich gezielt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass 

E-2479/2018 

Seite 14 

die Täter ursprünglich die Absicht gehabt hätten, den Chef des Beschwer-

deführers zu treffen.  

Unter diesen Umständen hätte das SEM die Frage nach einem asylrecht-

lich erheblichen Motiv nicht offenlassen dürfen beziehungsweise hätte es 

sich mit den diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers und der 

Lage vor Ort vertiefter auseinandersetzen müssen. Nicht beachtet hat das 

SEM etwa, dass der Beschwerdeführer – wie in der Rechtmitteleingabe zu 

Recht vorgebracht – angab, dass der Ladenbesitzer ebenfalls Hazara ge-

wesen sei (vgl. A21 F23). In der Beschwerde wurde sodann ausführlich 

dargelegt, dass solche Übergriffe auf Geschäfte von Hazara häufig seien 

(vgl. insb. die dortigen Hinweise in der Beschwerde S. 10f.). Im Übrigen hat 

der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe zu Recht darauf hinge-

wiesen, dass die Frage des Sachbearbeiters in der BzP, ob er (Sachbear-

beiter) richtigerweise davon ausgehe, dass er (Beschwerdeführer) nicht 

spezifisch verfolgt, sondern zufällig angegriffen worden sei (vgl. A5 F7.01 

S. 8), eine unzulässige Suggestivfrage darstellt. Allerdings fällt die Antwort 

des Beschwerdeführers dann ohnehin zu seinen Gunsten aus. Schliesslich 

ist klarzustellen, dass es nicht am Beschwerdeführer liegen kann, schlüs-

sig ein asylrechtlich erhebliches Motiv darzutun, vielmehr merkt er zu Recht 

an, er könne letztlich nur darüber spekulieren. Allerdings kann festgehalten 

werden, dass seine Vorbringen, die sich ohne weiteres mit der auch vom 

SEM als prekär erkannten Situation der Hazara in Pakistan vereinbaren 

lassen, ein asylrechtlich relevantes Motiv nahelegen. 

6.4  

6.4.1 Nachdem das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab-

lehnte, prüfte es in der angefochtenen Verfügung allfällige Wegweisungs-

vollzugshindernisse. Obwohl es den vom Beschwerdeführer geschilderten 

Vorfall nicht per se für unglaubhaft erachtet hat – eine hinreichende an-

derslautende Begründung fehlt jedenfalls –, eine hohe allgemeine Gewalt 

gegen Hazara in seiner Heimatregion des Beschwerdeführers anerkennt 

sowie von der fehlenden, jedenfalls ungenügenden Schutzfähigkeit und  

-willigkeit der pakistanischen Behörden ausgeht, setzt es sich nicht weiter 

mit der Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs auseinander, 

sondern beschränkt sich auf den üblichen Textbaustein und bemerkt ohne 

weitere Begründung, es lägen keine Hinweise für eine unter Art. 3 EMRK 

verbotene Behandlung vor. In Anbetracht der auch vom SEM anerkannten 

problematischen Lage vor Ort ist damit die Begründungpflicht offensichtlich 

verletzt, zumal der Beschwerdeführer bereits einmal Opfer eines Übergriffs 

geworden ist.  

E-2479/2018 

Seite 15 

6.4.2 Noch augenfälliger ist die Verfehlung des SEM in Bezug auf die Aus-

führungen zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts stellt bereits die Zugehörigkeit zur Minder-

heit der Hazara ein starkes Indiz für eine Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs dar. Dabei reicht ein zusätzliches Gefährdungsindiz, das 

sich aus der persönlichen Situation eines Beschwerdeführers ergibt und 

über die schwierige generelle Lage hinausgeht, aus, um den Wegwei-

sungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen (BVGE 2014/32 E.9.4). Diese 

Rechtsprechung lässt das SEM in seinen Erwägungen unerwähnt. Zwar 

weist es daraufhin, dass der Beschwerdeführer jung und in der Lage ge-

wesen sei, auch nach dem Übergriff Arbeit zu finden, sowie von seinem 

Schwager finanziell unterstützt werde (vgl. Verfügung S. 5). Mit dem Argu-

ment, bezüglich weiteren Informationen zu seiner Person habe er das SEM 

im Unklaren gelassen, geht es dann jedoch nicht weiter auf mögliche Un-

zumutbarkeitsgründe ein (vgl. ebd.), sondern bricht die Prüfung in sinnge-

mässer Annahme einer Mitwirkungspflichtverletzung ab. Dies obwohl es im 

Rahmen der Prüfung der Asylgründe keinerlei Zweifel an der Herkunft des 

Beschwerdeführers geäussert hatte. Einzig aufgrund der widersprüchli-

chen Angabe zum Schulbesuch und des erst verspäteten Einreichens der 

Identitätskarte auf eine Täuschungsabsicht des Beschwerdeführers zu 

schliessen, ist als verfehlt zu erachten, zumal nicht ersichtlich ist, was für 

Vorteile sich der Beschwerdeführer durch die zunächst zurückgehaltenen 

Informationen beziehungsweise das spätere Einreichen des Dokuments 

hätte verschaffen sollen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer bereits 

von Anfang an auf die erheblichen gesundheitlichen Probleme (vgl. insb. 

A5 F8.02; A21 F10, F70) sowie die Schwierigkeiten, Arbeit zu finden bezie-

hungsweise seine Existenz zu sichern, hingewiesen hatte (vgl. insb. A21 

F17f., F21f.). Diese Umstände hätten bei der Beurteilung der Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzug zwingend berücksichtigt werden müssen.  

6.5 Es erübrigt sich auf die weiteren Einwände in der Rechtsmitteleingabe 

– insbesondere etwa dem zu Recht aufgeführten Hinweis, dass sich das 

SEM bei der Beurteilung der Kollektivverfolgung auf einen Entscheid des 

Bundesverwaltungsgerichts von 2014 abstützte ohne sich mit der aktuellen 

Lage auseinanderzusetzen (vgl. Beschwerde S. 11) –, näher einzugehen, 

weil die Angelegenheit zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzu-

weisen ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG). Das SEM hat einer neuen Verfügung den 

vollständig erstellten Sachverhalt zu Grunde zu legen und einer sachge-

rechten, ernsthaften und ausgewogenen Würdigung zu unterziehen. Dabei 

hat es selbstverständlich der massgeblichen Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts in jeder Hinsicht Rechnung zu tragen. Auch mit den 

E-2479/2018 

Seite 16 

Vorbringen des Beschwerdeführers auf Beschwerdestufe und den einge-

reichten Beweismitteln hat es sich in sachgerechter Weise auseinanderzu-

setzen, bilden sie doch integralen Bestandteil des wiederaufzunehmenden 

erstinstanzlichen Verfahrens.  

7.  

Nach dem Gesagten verletzt die angefochtene Verfügung Bundesrecht 

und stellt den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig fest. Die Be-

schwerde ist gutzuheissen, die angefochtene Verfügung ist aufzuheben 

und die Sache ist zu neuer Entscheidung an das SEM zurückzuweisen.  

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), womit die Anträge auf Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses und auf Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos werden.  

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Der Antrag auf Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der 

Person des Rechtsvertreters im Sinne von Art. 110a Abs. 1 AsylG wird da-

mit hinfällig.  

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendi-

gen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 8 Abs. 2 und 

Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die Parteientschädigung auf 

insgesamt Fr. 1‘600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzu-

setzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2479/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 29. März 2018 wird aufgehoben und das SEM 

wird angewiesen, im Sinne der Erwägungen neu zu entscheiden.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1‘600.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Sibylle Dischler