# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** db77d982-2531-5c92-b3d1-ad70ba0f0d2a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.06.2008 E-1093/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1093-2008_2008-06-20.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1093/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  J u n i  2 0 0 8

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richter Fulvio Haefeli, 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, 
Gerichtsschreiber Mario Vena.

A_______, Kolumbien,
vertreten durch Kathrin Stutz, Zürcher Beratungsstelle für 
Asylsuchende, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2007 / 
N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1093/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest:

A.
Der  Beschwerdeführer  stellte  am  18.  April  2006  bei  der 
schweizerischen  Botschaft  in  Bogotà  (Kolumbien)  schriftlich  ein 
Asylgesuch.  Zu  dessen  Begründung  berief  er  sich  im  Wesentlichen 
darauf,  dass  er  als  Sohn  von  B_______  der  als 
Menschenrechtsaktivist  und  juristischer  Berater  einer  sich  für  intern 
Vertriebene  einsetzenden  Nichtregierungsorganisation  durch  die 
Paramilitärs  bedroht  werde,  bei  einem  Verbleib  in  Kolumbien 
mitgefährdet  sei.  B_______  hatte  seinerseits  bereits  mit  Schreiben 
vom 10. Februar 2006 für sich und seine Ehefrau C_______ sowie für 
den  Beschwerdeführer  und  dessen  zwei  weiteren,  ebenfalls 
volljährigen  Geschwister  D_______  und  E_______  bei  der 
schweizerischen  Botschaft  um  Asyl  nachgesucht  (BFM-
Verfahrensakten Nr. N ...).

B.
Mit an die schweizerische Vertretung in Bogotà adressierter Verfügung 
vom 2. August  2006 -  durch deren Vermittlung am 10. August  2006 
eröffnet  -  bewilligte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  sowie  seinen 
Eltern und seinen zwei volljährigen Geschwistern die Einreise in die 
Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens. 

Die  Mutter  und  die  beiden  Geschwister  des  Beschwerdeführers 
verliessen  in  der  Folge  -  nach  Gutheissung  ihres  Gesuchs  um 
Übernahme der Einreisekosten mit Verfügung des BFM vom 2. Februar 
2007 - Anfang März 2007 Kolumbien und reisten am 8. März 2007 in 
die Schweiz ein; der Vater des Beschwerdeführers war - nach einem 
mehrmonatigen Aufenthalt in Venezuela - bereits am 2. März 2007 in 
die  Schweiz  eingereist;  der  Beschwerdeführer  selbst  verblieb  in 
Kolumbien.

C.
Mit separaten Verfügungen des BFM vom 13. Dezember 2007 wurde 
den Eltern und Geschwistern des Beschwerdeführers in der Schweiz 
Asyl gewährt.

D.
Ebenfalls  mit  Verfügung  vom 13. Dezember  2007  hob  das  BFM die 
dem Beschwerdeführer am 2. August 2006 erteilte Einreisebewilligung 
auf,  verweigerte  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  sein 

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E-1093/2008

Asylgesuch ab. Zur Begründung dieses Entscheids führte das BFM im 
Wesentlichen aus,  aufgrund  des Verhaltens  des  Beschwerdeführers, 
der  gemäss  eigenen  Angaben  im  Hinblick  auf  den  bevorstehenden 
Abschluss seines Studiums in Kolumbien geblieben sei, jedoch nach 
wie vor nicht in die Schweiz eingereist sei, müsse davon ausgegangen 
werden, dass sich seine persönliche Situation in Kolumbien seit Erlass 
der Einreisebewilligung vom 2. August 2006 insofern geändert  habe, 
als er eine Möglichkeit gefunden habe, sich der Bedrohung durch die 
Paramilitärs zu entziehen, und dass eine Einreise in die Schweiz für 
ihn  somit  nicht  von  Dringlichkeit  sei.  Er  sei  demzufolge  keiner 
unmittelbaren  Gefahr  im  Sinne  des  Asylgesetzes  ausgesetzt  und 
bedürfe  dementsprechend  nicht  des  Schutzes  der  Schweizer 
Behörden. Im Übrigen könne das Asylgesuch auch deshalb abgelehnt 
werden,  weil  dem  Beschwerdeführer  aufgrund  der  gesamten 
Umstände zuzumuten sei, in einem anderen Land als der Schweiz um 
Asylgewährung  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der 
Nachbarstaaten Kolumbiens.

E.
E.a Mit Schreiben vom 14. Februar 2008 überwies die schweizerische 
Botschaft in Bogotà dem Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben des 
Beschwerdeführers vom 12. Februar 2008 (am 14. Februar 2008 bei 
der  Botschaft  eingegangen),  das  sie  als  "Rekurs  (...)  betreffend 
negativen Asylentscheid  vom 13. Dezember  2007"  bezeichnete. Der 
Beschwerdeführer  bekräftigte in  diesem Schreiben,  in  seiner  Heimat 
weiterhin  gefährdet  zu  sein,  und  erläuterte  im  Übrigen  die  Gründe 
dafür, dass er Kolumbien trotz der Einreisebewilligung vom 2. August 
2006 nicht mit seinen Familienangehörigen verlassen habe. 

E.b Mit  Zwischenverfügung  vom  26.  Februar  2008  nahm  die 
zuständige  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgericht  die 
Eingabe  des  Beschwerdeführers  bei  der  schweizerischen  Botschaft 
vom  14.  Februar  2008  als  sinngemässe  Beschwerde  gegen  die 
Verfügung  des  BFM  vom  13.  Dezember  2007  entgegen;  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde  verzichtet;  die  Akten 
wurden dem BFM zur Vernehmlassung überwiesen. 

E.c In seiner Vernehmlassung vom 10. März 2008 hielt  das BFM an 
der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

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F.
F.a Mit  einer  als  "Beschwerde"  bezeichneten  Eingabe  seiner 
Rechtsvertreterin  vom  14.  März  2008  beantragte  der 
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der 
Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2007, die Gewährung von Asyl 
oder  jedenfalls  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege und den Verzicht auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses.

Mit dieser Eingabe wurden diverse Schreiben des Beschwerdeführers 
beziehungsweise  seiner  Eltern  eingereicht  sowie  zwei  notariell 
beglaubigte  Erklärungen  von  F_______  und  G_______  vom  29. 
Februar  2008  (Kopien;  mit  Eingabe  vom 26.  März  2008  im  Original 
nachgereicht),  die  bestätigen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  seit 
dem 18. Oktober 2007 beziehungsweise 11. Dezember 2007 bei ihnen 
vor den Paramilitärs versteckt halte. 

F.b Mit  Zwischenverfügung  vom  27.  März  2008  stellte  das 
Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  sich  die  Eingabe  der 
Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  vom  14.  März  2008 
entgegen  ihrer  Bezeichnung  als  blosse  Beschwerdeergänzung 
erweise.  Der  Rechtsvertreterin  wurden  die  bisher  dem 
Beschwerdeführer gemachten Mitteilungen sowie die Vernehmlassung 
des  BFM  vom  10.  März  2008  zur  Kenntnisnahme  zugestellt;  die 
Verfahrensakten  wurden  zu  einer  erneuten  Vernehmlassung  an  das 
BFM überwiesen.

F.c In seiner "zweiten Vernehmlassung" vom 11. April 2008 beantragte 
das BFM erneut die Abweisung der Beschwerde.

F.d In  der  mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom 29.  April  2008 
eingereichten  Stellungnahme  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinen 
Begehren fest.

G.
Am 20. Mai  2008 reichte die Rechtsvertreterin  aufforderungsgemäss 
eine Kostennote zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt  gemäss Art. 31 des Ver-
waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 (VGG, SR 173.32)  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 
33 und 34 VGG genannten Behörden. Zu den anfechtbaren Entschei-
den gehören auch Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; 
das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Bereich endgül-
tig (Art. 105 Abs. 1 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-
setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die schweizerische Botschaft in Bogotà übermittelte dem BFM mit 
Schreiben vom 19. Februar  2008 (bei  diesem am 28. Februar  2008 
eingegangen) eine vom 15. Februar 2008 datierende, sich sinngemäss 
auf  die  Verfügung  vom  13.  Dezember  2007  beziehende  und  vom 
Beschwerdeführer  unterzeichnete  Empfangsbestätigung. Daraus wird 
aber deutlich,  dass es sich bei  der  Eingabe des Beschwerdeführers 
vom  14.  Februar  2008  -  entgegen  den  Feststellungen  in  den 
Zwischenverfügungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  26. 
Februar 2008 und 27. März 2008 - nicht bereits um eine gegen diese 
Verfügung  gerichtete  Beschwerde  handeln  konnte.  Die  eigentliche 
Beschwerde stellt vielmehr erst die Eingabe der Rechtsvertreterin des 
Beschwerdeführers vom 14. März 2008 dar, die sich also nicht - wie in 
der  Zwischenverfügung  vom 27. März  2008  festgestellt  -  als  blosse 
Beschwerdeergänzung  erweist.  Aus  diesem  behördlichen  Versehen 
sind dem Beschwerdeführer keine Nachteile erwachsen, zumal seiner 
Rechtsvertreterin vollständige Einsicht in die zunächst unmittelbar an 
ihn gegangenen Mitteilungen beziehungsweise in  die  vorinstanzliche 
Vernehmlassung  vom  10.  März  2008  gewährt  wurde  (vgl.  vorne, 
Sachverhalt  Bst.  F.b)  und  sie  hinreichend  Gelegenheit  hatte,  auch 
diesbezüglich  Stellung  zu  nehmen.  Weitere  Instruktionshandlungen 
erübrigen sich.

1.3 Festzustellen  bleibt,  dass  die  Beschwerde  vom  14.  März  2008 
form-  und  fristgerecht  eingereicht  wurde;  der  Beschwerdeführer  ist 
legitimiert  (Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG; Art. 108 
Abs. 1 AsylG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 

1.4 Die  Eingabe  des  Beschwerdeführers  an  die  schweizerische 
Botschaft vom 12. Februar 2008 ist - soweit erheblich -  im Hinblick auf 

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die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu 
berücksichtigen. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs. 1  AsylG). 
Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das 
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Begehren 
nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).

3.
Das Bundesamt kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, 
wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 
kann (Art. 3 und 7 AsylG) oder ihr die Aufnahme in einem Drittstaat zu-
gemutet werden kann (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). Ist dagegen eine Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft  gemacht worden oder 
kann der asylsuchenden Person der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung nicht zugemutet werden, ist die Ein-
reise in die Schweiz zu bewilligen, sei dies im Hinblick auf die Aner-
kennung als Flüchtling und Asylgewährung, sei dies zur näheren Ab-
klärung des Sachverhalts (vgl. Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG).

Die Voraussetzungen für  die Erteilung einer  Einreisebewilligung sind 
grundsätzlich restriktiv umschrieben. Den Asylbehörden kommt dabei 
ein weiter Ermessensspielraum zu. Neben der erforderlichen Gefähr-
dung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe 
zur Schweiz und zu anderen Staaten,  die Möglichkeit  der Schutzge-
währung  durch  einen  anderen Staat,  die  praktische  Möglichkeit  und 
objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die 
voraussichtlichen  Eingliederungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in 
Betracht  zu  ziehen.  Ausschlaggebend  ist  mit  anderen  Worten  die 
Schutzbedürftigkeit der betreffenden Person, das heisst die Beantwor-
tung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaub-
haft  erscheint  und  der  Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet  werden kann, beziehungsweise ob 
der betreffenden Person -  ohne nähere Prüfung einer  allfälligen Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG - zuzumuten ist, sich in einem an-
deren Staat um Aufnahme zu bemühen (vgl. zum Ganzen die in die-
sem  Zusammenhang  nach  wie  vor  massgeblichen  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

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1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f., 2004 Nr. 20 E. S. 130 f. und Nr. 21 E. 2 S. 
136 f., 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174 ff.).

4.
Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz 
zunächst,  das  heisst  mit  Verfügung  vom  2.  August  2006,  bewilligt, 
diese  Bewilligung  jedoch  mit  Verfügung  vom  13.  Dezember  2007 
aufgehoben und ihm die Einreise verweigert. Im Zentrum der Prüfung 
steht  daher  die  Frage,  ob  dieser  mit  Verfügung  vom 13.  Dezember 
2007 erfolgte Widerruf der Einreisebewilligung vom 2. August 2006 zu 
Recht erfolgt ist.

4.1 Private  sollen  sich  auf  Verfügungen  von  Verwaltungsbehörden 
verlassen  können,  ist  es  doch  gerade  die  Funktion  solcher 
Verwaltungsakte,  den  Privaten  Klarheit  über  ihre  konkreten  Rechte 
und  Pflichten  zu  verschaffen.  Entsprechend  darf  eine 
Verwaltungsbehörde  auf  eine  Verfügung,  die  sie  erlassen  hat,  aber 
nach  Eintritt  der  formellen  Rechtskraft  für  fehlerhaft  hält,  mangels 
einer  spezialgesetzlichen Regelung nur  noch unter  den allgemeinen 
Voraussetzungen  für  den  Widerruf  einer  Verfügung  zurückkommen. 
Danach ist  im Rahmen einer  Interessenabwägung  das  Interesse an 
der richtigen Anwendung des objektiven Rechts dem Interesse an der 
Rechtssicherheit  beziehungsweise  am  Vertrauensschutz 
gegenüberzustellen  (vgl.  im  Einzelnen  ULRICH HÄFELIN/GEORG 
MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5. Aufl., 
Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 632 und 994 ff.; BGE 121 II 273 E. 1.a/aa 
S. 276 f., 127 II 306 E. 7a S. 313 f.; BVGE 2007/29 E. 4.2 S. 350).

Das  Asylgesetz  enthält  keine  spezialgesetzliche  Regelung  für  den 
Widerruf einer Einreisebewilligung nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG; 
die  Zulässigkeit  eines  Widerrufs  beurteilt  sich  daher  nach  den 
beschriebenen allgemeinen Grundsätzen.

4.2 Zunächst  ist  in  formeller  Hinsicht  festzustellen,  dass  dem 
Beschwerdeführer  vor  dem  Widerruf  der  Einreisebewilligung  kein 
rechtliches Gehör gewährt wurde (vgl. Art. 30 Abs. 1 VwVG und Art. 30 
Abs.  2  Bst.  c  VwVG  e  contrario  sowie  Art.  29  Abs.  2  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 [BV, SR 101]; zum Recht auf vorgängige Anhörung im 
Allgemeinen  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  1680  -  1682;  zum 
Recht, sich  insbesondere  auch  zu  einem  abzusehenden  negativen 
Entscheid über ein Asylgesuch aus dem Ausland zumindest schriftlich 

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zu  äussern  BVGE  2007/30  E.  5.7  und  5.8  S.  367  f.).  Auf  diesen 
formellen  Mangel  und  dessen  mögliche  verfahrensrechtliche 
Konsequenzen braucht allerdings nicht näher eingegangen zu werden, 
da ein Widerruf der Einreisebewilligung, wie nachfolgend aufzuzeigen 
ist, ohnehin nicht gerechtfertigt war und die Verfügung des BFM vom 
13. Dezember 2007 daher auch in materieller Hinsicht mangelhaft ist.

4.3
4.3.1 Wie bereits erwähnt, hat sich der Beschwerdeführer - wie auch 
seine beiden volljährigen Geschwister D_______ und E_______ - zur 
Begründung  seines  Asylgesuchs  darauf  berufen,  in  Kolumbien  nicht 
wegen eigener Aktivitäten gefährdet zu sein, sondern ausschliesslich 
in  seiner  Eigenschaft  als  Familienangehöriger  eines 
Menschenrechtsaktivisten,  der  infolge  seines  Einsatzes  für  intern 
Vertriebene zur Zielscheibe der  Paramilitärs  geworden und aufgrund 
einer Anzeige bei den Behörden zusätzlich bedroht gewesen sei (vgl. 
bereits vorne, Sachverhalt Bst. A, sowie - für Einzelheiten betreffend 
die  Asylgründe  des  Vaters  des  Beschwerdeführers  -  die  BFM-
Verfahrensakten  N  ...).  Den  Geschwistern  des  Beschwerdeführers 
wurde mit Verfügung des BFM vom 13. Dezember 2007 Asyl gewährt, 
wobei  das  BFM  feststellte,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft 
"gemäss  Art.  3  Abs.  1  und  2  AsylG"  erfüllen  würden,  mit  anderen 
Worten  also  selbstständig,  und  nicht  etwa  erst  aufgrund  eines 
Einbezugs in die Flüchtlingseigenschaft  ihres Vaters (vgl. Art. 37  der 
Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
[AsylV 1,  SR  142.311]  i.V.m.  Art.  51  Abs.  2  AsylG).  Bei  dieser 
Sachlage ist anzunehmen, dass das BFM im Zeitpunkt der Erteilung 
der  Einreisebewilligung  (2.  August  2006)  mit  Bezug  auf  den 
Beschwerdeführer und seine beiden Geschwister von der Gefahr einer 
sogenannten  Reflexverfolgung  wegen  ihres  Vaters  ausging  (vgl.  zur 
Reflexverfolgung allgemein EMARK 1994 Nr. 5). Die Vorinstanz führt in 
der Vernehmlassung vom 10. März 2008 denn auch ausdrücklich aus, 
dem Beschwerdeführer  und seinen Geschwistern  sei  die  Einreise  in 
die Schweiz "aufgrund des Risikoprofils des Vaters" bewilligt worden, 
da  in  Kolumbien  "Reflexverfolgung  nicht  ausgeschlossen"  werden 
könne. 

4.3.2 Es  erscheint  jedoch  widersprüchlich  und  verstösst  in  diesem 
Sinne gegen das Prinzip von Treu und Glauben (vgl. Art. 5 Abs. 3 und 
Art. 9  BV;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz. 623 und 707 f.;  BVGE 
2007/19  E.  3.3  S.  224),  wenn  das  BFM  mit  Verfügungen  gleichen 

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Datums  (13.  Dezember  2007)  im  Falle  des  Beschwerdeführers 
festgestellt hat, dieser sei "keiner unmittelbaren Gefahr im Sinne des 
Asylgesetzes"  ausgesetzt,  während  es  seinen  Geschwistern  in 
Feststellung ihrer  Flüchtlingseigenschaft  Asyl  gewährt  hat  und damit 
bei  ihnen im Ergebnis von einer weiterhin bestehenden Gefahr einer 
Reflexverfolgung ausgegangen ist. Die Gründe, die vom BFM für diese 
unterschiedliche  Einschätzung  der  Verfolgungsgefahr  im  Falle  des 
Beschwerdeführers angeführt werden, vermögen nicht zu überzeugen, 
sondern sind vom Beschwerdeführer mit plausiblen Gegenargumenten 
widerlegt worden. 

In der angefochtenen Verfügung wird im Wesentlichen bereits aus dem 
Umstand  allein,  dass  der  Beschwerdeführer  auch  noch  nach  der 
Ausreise  seiner  Mutter  und  seiner  Geschwister  im  März  2007  in 
Kolumbien verblieben ist und sich weiterhin dort  aufhält, der Schluss 
gezogen, er habe "eine Möglichkeit gefunden (...), sich der Bedrohung 
durch die Paramilitärs zu entziehen". 

Der Beschwerdeführer hat in seiner Eingabe bei der schweizerischen 
Botschaft  vom  12.  Februar  2008  beziehungsweise  mit  seiner 
Beschwerde  vom  14.  März  2008  persönliche  Gründe  für  sein 
Verbleiben  in  Kolumbien  genannt  (unter  anderem  einen  Zustand 
persönlicher  "Verwirrung",  den  Gesundheitszustand  seiner  Ehefrau, 
den  bevorstehenden  Abschluss  seines  Rechtsstudiums,  ein 
Missverständnis  bezüglich  der  Tragweite  des  Ausgangs  des 
Asylverfahrens seiner Familienangehörigen für sein eigenes Gesuch), 
die  nicht  in  jeder  Hinsicht  nachvollziehbar  erscheinen  mögen.  Auf 
diese  Gründe  -  und  die  von  der  Vorinstanz  dagegen  erhobenen 
Einwendungen  -  braucht  jedoch  nicht  im Einzelnen  eingegangen  zu 
werden,  da  letztlich  allein  entscheidend  ist,  dass  er  jedenfalls 
überzeugend dargelegt hat, in Kolumbien weiterhin gefährdet zu sein 
und  sich  deshalb  versteckt  zu  halten,  was  er  überdies  mittels 
Einreichung zweier schriftlicher Bestätigungen (vgl. vorne, Sachverhalt 
Bst. F.a) auch hinreichend belegt hat. 

Soweit  die  Vorinstanz  gegen  das  Weiterbestehen  einer  konkreten 
Gefährdungssituation  einwendet,  dass  sich  der  Beschwerdeführer 
nach wie vor an seinem Herkunftsort aufhalte und daher "nicht einmal" 
eine  innerstaatliche  Fluchtalternative  wahrgenommen  habe  (vgl. 
Vernehmlassungen  vom  10.  März  und  11.  April  2008),  ist  zunächst 
festzuhalten,  dass  im  Falle  seiner  Geschwister  eine  solche 

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innerstaatliche  Fluchtalternative,  deren  Vorhandensein  eine 
Anerkennung als Flüchtling ausschliesst,  implizit  verneint worden ist, 
sind doch beide von der Vorinstanz als Flüchtlinge anerkannt worden. 
Im Weiteren legt der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 
29. April 2008 plausibel dar, dass er sich dank der Hilfe von Bekannten 
und  Freunden  an  seinem  Herkunftsort  beziehungsweise  in  dessen 
Nähe effektiver  vor den Paramilitärs  habe verstecken können als  an 
einem anderen, entlegeneren Ort in Kolumbien, an welchem er nicht 
mit derselben Unterstützung hätte rechnen können. 

4.3.3 Dem  Beschwerdeführer  kann  im  Weiteren  -  entgegen  der 
Ansicht  der  Vorinstanz  -  nicht  zugemutet  werden,  sich  bei  den 
Behörden  eines  Drittstaates  um  Aufnahme  zu  bemühen.  Die 
Vorinstanz  hebt  zwar  besonders  hervor,  dass  in  anderen 
lateinamerikanischen Staaten, das heisst in H_______ und I_______, 
verschiedene  Verwandte  des  Beschwerdeführers  leben  sollen,  zu 
denen  er  freilich  gemäss  eigenen  Angaben  zum  Teil  seit  längerem 
keinen Kontakt mehr habe. Abgesehen davon aber, dass aufgrund des 
Bekanntheitsgrads  seines  Vaters  (vgl.  dazu  im  Einzelnen  die  BFM- 
Verfahrensakten  N  ...)  fraglich  ist,  ob  er  in  einem  dieser  Staaten 
effektiven Schutz vor Verfolgung finden könnte, erscheint es vor allem 
deshalb nicht geboten, ihn gestützt auf Art. 52 Abs. 2 AsylG auf einen 
Schutz  durch  die  Behörden  eines  Drittstaates  zu  verweisen,  weil 
inzwischen seine nächsten Familienangehörigen in der Schweiz  Asyl 
erhalten  haben.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheint  es  vielmehr 
angezeigt,  dass  der  vom  Beschwerdeführer  benötigte  Schutz  vor 
Verfolgung durch die Schweiz gewährt wird.

4.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt damit aufgrund der Akten 
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in Kolumbien wegen seines 
Vaters  weiterhin  der  Gefahr  einer  Reflexverfolgung  und  damit  einer 
nach Art. 20 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 3 AsylG relevanten Gefährdung 
ausgesetzt  ist  und  kein  Drittstaat  eine  für  ihn  nach  Art.  52  Abs.  2 
AsylG  zumutbare  Schutzalternative  darstellt.  Zu  Unrecht  ist  die 
Vorinstanz daher von einer Veränderung der Sachlage seit  Erteilung 
der Einreisebewilligung vom 2. August 2006 ausgegangen, die deren 
Aufhebung  rechtfertigen  würde.  Vielmehr  sprechen  angesichts  der 
weiterhin  bestehenden  Gefährdung  des  Beschwerdeführers 
überwiegende Gründe gegen den Widerruf der Einreisebewilligung.

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5.
Nach  dem Gesagten ist  die Beschwerde im Sinne der vorstehenden 
Erwägungen  gutzuheissen,  und  die  Verfügung  des  BFM  vom  13. 
Dezember 2007 ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist gestützt auf 
die Einreisebewilligung vom 2. August 2006 weiterhin berechtigt, in die 
Schweiz einzureisen, und das BFM ist anzuweisen, nach der Einreise 
das Asylverfahren im Hinblick auf die Gewährung von Asyl oder - bei 
einem  allfälligen  Vorliegen  von  Asylausschlussgründen  -  der 
vorläufigen Aufnahme fortzusetzen. 

6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

6.2 Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Be-
schwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG für  die 
Kosten der Vertretung und allfällige weitere notwendige Auslagen eine 
Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. auch Art. 7 des Reglements 
vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten und Entschädigungen vor 
dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Seine 
Rechtsvertreterin  macht  gemäss der am 20. Mai  2008 eingereichten 
Kostennote  ein  Honorar  (inkl.  Auslagen)  von  insgesamt  Fr.  1'239.-- 
geltend,  das  unter  Berücksichtigung  von  Umfang  und  Schwierigkeit 
des vorliegenden Verfahrens angemessen erscheint, weshalb dem Be-
schwerdeführer  eine  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Parteient-
schädigung in entsprechender Höhe zuzusprechen ist (vgl. Art. 10 und 
Art. 14 Abs. 2 VGKE). 

(Dispositiv nächste Seite)

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E-1093/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2.
Die  Verfügung  des BFM vom 13. Dezember  2007  wird  aufgehoben. 
Der Beschwerdeführer ist  aufgrund der Bewilligung des BFM vom 2. 
August  2006  berechtigt,  in  die  Schweiz  einzureisen.  Das  BFM wird 
angewiesen,  nach  der  Einreise  des  Beschwerdeführers  das 
Asylverfahren fortzusetzen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag 
von Fr. 1'239.-- (inkl. Auslagen) an den Beschwerdeführer zu entrich-
ten. 

5.
Dieses Urteil geht an:
- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (eingeschrieben)
- die  Vorinstanz,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit 

den Akten (Ref.-Nr. N ...)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Christa Luterbacher Mario Vena

Versand:

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