# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 46b5c242-9e73-54a3-99ec-6357bf00ee81
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2010 E-1968/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1968-2010_2010-08-30.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1968/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 1 0

Richter Bruno Huber (Vorsitz), 
Richter Robert Galliker,
Richter François Badoud,
Gerichtsschreiberin Carmen Wittwer.

A._____, geboren (...),
Sri Lanka,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 25. Februar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1968/2010

Sachverhalt:

A.
Mit englischsprachiger Eingabe vom 1. August 2009 an die Schweize-
rische  Botschaft  in  Colombo (Eingang: 14. August  2009)  suchte  die 
Beschwerdeführerin um Asyl in der Schweiz nach.

Zur  Begründung führte  die Beschwerdeführerin aus,  sie sei  zwanzig 
Jahre  alt  und komme aus B._____  (kleine  Stadt  in  der  Nordprovinz 
Jaffna, Anm. BVGer). Sie lebe dort in Lebensgefahr, seit das B._____ 
Army Camp von jemandem darüber informiert worden sei, dass sie die 
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) unterstützt habe. Die eigent-
lichen  Probleme  hätten  am (...)  2008  begonnen,  als  Unbekannte  in 
Zivil nach Hause gekommen und sie und ihre Mutter mit einer Pistole 
bedroht  hätten.  Sie  sei  in  der  Folge  untergetaucht  und  habe  sich 
schliesslich am (...)  2008 dem Human Rights Commission Office ge-
stellt.  Daraufhin  sei  sie  bis  zum  (...)  2009  in  Schutzhaft  gewesen. 
Nachdem sie  das  Gefängnis  in  (...)  verlassen  habe,  sei  sie  zwecks 
Befragung  in  das  Army  Camp zitiert  und  dort  aufgefordert  worden, 
einmal  wöchentlich  vorbeizukommen.  Sie  habe  Angst,  eines  Tages 
getötet  zu  werden;  sie  könne  nicht  in  Jaffna  bleiben  und  benötige 
sofort Schutz in der Schweiz. 

B.
Mit  Schreiben  vom  24. August  2009  forderte  die  Botschaft  die  Be-
schwerdeführerin  auf,  im Falle  des Festhaltens am Gesuch zu ihren 
Vorbringen detaillierte Ausführungen zu machen, alle Beweismittel zu 
bezeichnen und Unterlagen (in Kopie) betreffend ihre Identität einzu-
reichen.

C.
In ihrer Zuschrift vom 18. September 2009 wiederholte die Beschwer-
deführerin die bereits bei  der ersten Eingabe gemachten Ausführun-
gen,  reichte  Kopien  verschiedener,  ihre  Identität  belegender  Doku-
mente  und  ihre  Vorbringen betreffender  Beweismittel  (ohne  entspre-
chende Übersetzung) ein.

Am 19. Oktober 2009 wandte sich die Beschwerdeführerin erneut an 
die Botschaft  und bat um eine baldige Anhörung, da das Warten für 
sie  in  Colombo sehr  schwer sei. In  der  Beilage stellte  sie englische 
Übersetzungen eines Teils der bereits eingereichten Dokumente zu.

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D.
Mit  Eingabe vom 9. November  2009 machte die Beschwerdeführerin 
geltend,  am  (...)  2009  seien  zwei  Männer  des  CID  (Criminal  In-
vestigation  Department)  zum  Haus  gekommen,  wo  sie  und  ihre 
Schwester  sich  aufgehalten  hätten.  Ihre  Schwester  sei  zur  (...)  mit-
genommen  und  zweieinhalb  Stunden  lang  ausgefragt  worden.  Die 
Männer hätten ihre Schwester vor allem über die Beschwerdeführerin 
befragt und ihr gesagt, dass sie beide zu weiteren Befragungen auf -
geboten würden. Seither würden sie in Angst leben. Sie könne nicht 
nach Jaffna zurück, weil die Army sich bei Personen, welche die IDP-
Camps (internally  displaced  persons)  verlassen  hätten,  über  sie  er-
kundigt habe.

E.
E.a Am 1. Dezember 2009 hörte die Botschaft die Beschwerdeführerin 
zu ihren Asylgründen an. Dabei ergänzte diese ihre schriftlichen Vor-
bringen dahingehend, dass sie im Jahre 2005 aus Armut für drei Mo-
nate in einem Trainingscamp der LTTE gewesen sei. Bevor sie an der 
Waffe ausgebildet worden sei, habe sie ihr Vater auf ihren Wunsch hin 
mit Hilfe ihres Onkels, einem (...) der LTTE, aus dem Camp geholt. Sie 
habe keine anderen Familienmitglieder bei den LTTE und mit diesen 
auch keine Probleme gehabt. 

E.b  Die Probleme hätten im (...)  2008 angefangen. Sechs Männer in 
Armeeuniform  seien  nach  Hause  gekommen,  hätten  die  Identitäts-
karten der Anwesenden geprüft und gesagt, die LTTE besuche dieses 
Haus. Die Männer hätten sie aufgefordert, zur Befragung in das Civil  
Office  zu  komme,  welcher  Aufforderung  sie  nicht  Folge  geleistet 
hätten. Später seien dieselben Männer erneut gekommen und hätten 
ihre Mutter verprügelt; sie seien dann zusammen zum Office gegan-
gen. Die Beschwerdeführerin sei gefragt worden, ob sie bei den LTTE 
gewesen sei,  was sie verneint  habe. Die Männer  hätten aber  davon 
gewusst  und  sie  geschlagen. Anschliessend  hätten  sie  von  ihr  ver-
langt, jeden Tag in das Civil Office zu kommen. Bis zum (...) 2008 sei 
sie  (...)  wöchentlich  dorthin  gegangen;  manchmal  sei  sie  dabei 
körperlich attackiert worden.

E.c Am  (...)  2008  sei  ein  Freund  von  ihr  wegen  Unterstützung  der 
LTTE erschossen worden. Drei  Tage später,  als  sie zum Civil  Office 
gegangen sei, seien die Männer sehr grob zu ihr gewesen und hätten 
viele  Fragen  gestellt.  Unter  anderem  hätten  sie  sich  nach  ihrem 

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Heimweg erkundigt. Zurück im Hause, seien drei Männer in Zivil  ge-
kommen, welche ihre Mutter mit einer Waffe bedroht hätten. Sie habe 
ihre  Mutter  schreien  gehört,  sei  geflohen  und  habe  sich  in  einem 
Tempel  versteckt.  Am  nächsten  Morgen  habe  sie  sich  zur  Human 
Right's Commission begeben. Ihre Familienmitglieder seien schikaniert 
worden, etwa durch die Aufforderung, zur Befragung in das Office zu 
kommen. 

E.d Die Leute, die ihr und ihrer Familie nachstellten, würden der EPDP 
(Eelam People's  Democratic  Party)  angehören. Nach der Entlassung 
aus  der  Schutzhaft,  wo  die  Beschwerdeführerin  oft  krank  geworden 
sei, sei sie nicht nach Hause gegangen, denn die EPDP habe von der  
Freilassung erfahren, zu Hause nach ihr gesucht und ihre Mutter mit  
dem Tode  bedroht,  falls  sie  nicht  sage,  wo  die  Beschwerdeführerin 
sich aufhalte. 

E.e Nach diesem Vorfall sei die Beschwerdeführerin am (...) 2009 zu-
sammen mit ihrer Mutter zum Civil Office gegangen. Man habe ihr ge-
sagt,  sie  müsse  (...)  in  der  Woche  vorbeikommen,  und  zwar  allein, 
ohne ihre Mutter. Sie sei aber nie allein hingegangen. 

E.f Im (...) 2009 habe sie durch Bestechung ihre "clearance" erhalten 
und  sei  nach  Colombo  gereist.  Am  (...)  2009  seien,  als  die  Be-
schwerdeführerin  abwesend  gewesen  sei,  zwei  Männer  in  Zivil  zum 
Haus ihrer Tante in Colombo gekommen. Die beiden hätten nach ihr 
gefragt. Die Tante habe gesagt, dass die Beschwerdeführerin nicht im 
Hause wohne. Nach diesem Vorfall  habe sie sich für  einige Zeit  bei 
einer entfernten Bekannten aufgehalten, sei dann aber nach Erhalt der 
Einladung zur Anhörung durch die Botschaft zur Tante zurückgekehrt.

F.
Mit  Schreiben  vom  2. Dezember  2009  überwies  die  Botschaft  dem 
BFM  das  Dossier  zur  abschliessenden  Beurteilung.  Im  Begleit-
schreiben wurde der geschilderte Sachverhalt wiedergegeben und un-
ter  dem Titel  "Einschätzung"  unter  anderem darauf  aufmerksam ge-
macht,  die  Beschwerdeführerin  sei  einer  Mitarbeiterin  der  Botschaft 
während einer Dienstreise im (...) in Jaffna vorgestellt und vom Leiter 
des Camps als von Paramilitärs ernsthaft bedroht beschrieben worden 
(s. dazu im Einzelnen nachstehend E. 6.1). 

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G.
Am 6. Januar  2010  leitete  die  Botschaft  dem BFM ein  von  der  Be-
schwerdeführerin  bei  ihr  eingereichtes  Bestätigungsschreiben  eines 
Bekannten  vom  17.  Dezember  2009  und  am  8. Februar  2010  eine 
weitere Eingabe der Beschwerdeführerin vom 2. Februar 2010 weiter;  
darin teilte die Beschwerdeführerin ihre neue Aufenthaltsadresse mit 
und führte aus, das Civil Office habe von der früheren Adresse Kennt-
nis erhalten, nachdem Unbekannte ihre Eltern zu deren Bekanntgabe 
gezwungen hätten. Wie erwartet seien in der Folge Personen an ihrem 
früheren  Aufenthaltsort  in  Colombo aufgetaucht  und hätten nach ihr 
gefragt. Gemäss vorgängiger Absprache habe man ihnen gesagt, die 
Beschwerdeführerin  sei  wieder  nach Jaffna  gegangen. Wenige  Tage 
später habe sie erfahren, dass sich Männer vom Civil Office bei ihren 
Eltern gemeldet hätten und sehr wütend geworden seien, weil sie sich 
nicht  dort  aufgehalten habe. Man habe die strikte Anweisung hinter -
lassen,  sie  müsse sich  sofort  nach  ihrer  Rückkehr  beim Civil  Office 
melden.

H.
Mit  Verfügung vom 25. Februar 2010 – eröffnet am 16. März 2010 – 
verweigerte  das  Bundesamt  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise  in 
die Schweiz und lehnte das Asylgesuch ab.

Auf  die  entsprechende  Begründung  wird  in  den  nachfolgenden  Er-
wägungen eingegangen.

I.
Am 3. März 2010 leitete die Botschaft dem BFM eine erneute Eingabe 
der  Beschwerdeführerin  vom 24. Februar  2010  zu,  in  welcher  diese 
ausführte, ihre Mutter sei vor fünf Tagen wieder von drei unbekannten 
Männern zu Hause aufgesucht  und wegen ihr  bedroht  worden. Man 
habe sie zu ihrer Auslieferung oder zur Bekanntgabe der Adresse in 
Colombo aufgefordert. Nach diesem Vorfall sei ihre Mutter aus Angst 
ebenfalls nach Colombo gereist.

J.
Mit  in  englischer  Sprache  abgefasster  Rechtsmitteleingabe  vom 
22. März  2010,  welche beim Bundesverwaltungsgericht  am 29. März 
2010 eingegangen ist, ersuchte die Beschwerdeführerin um Schutz in 
der Schweiz und stellt  damit  sinngemäss den Antrag auf  Aufhebung 
der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  Bewilligung  der  Einreise  in  die 

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Schweiz.

Auf  die  entsprechende  Begründung  wird  in  den  nachfolgenden  Er-
wägungen eingegangen.

K.
Am 18. Mai 2010 leitete die Botschaft ein weiteres Schreiben der Be-
schwerdeführerin  vom  19. April  2010  an  das  Bundesverwaltungs-
gericht  weiter,  in  welchem auf  die in  der  Zwischenzeit  erfolgten Be-
drohungen hingewiesen wird.

L.
Mit Schreiben vom 15. Juni 2010 bestätigte der Instruktionsrichter der 
Beschwerdeführerin durch Vermittlung der Botschaft den Eingang ihrer 
Beschwerde und teilte gleichzeitig mit, dass sich diese in Prüfung be-
finde.

M.
Mit von der Botschaft übermittelter Eingabe vom 8. Juli 2010 ersuchte 
die Beschwerdeführerin erneut um Schutz in der Schweiz und führte 
zu  den  jüngsten  Ereignissen  aus,  dass  ihre  Eltern  und  ihr  jüngerer 
Bruder schon wieder wegen ihr bedroht worden seien und sie erfahren 
habe, dass Kontaktleute der Army von B._____ sie auch in Colombo 
suchen würden. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Ju-
ni 1998 [AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Die  Beschwerde ist  nicht  in  einer  Amtssprache des Bundes ab-
gefasst.  Aus  prozessökonomischen  Gründen  wird  jedoch  praxisge-
mäss in Fällen wie dem vorliegenden auf  eine entsprechende Über-
setzung  verzichtet  und  die  in  englischer  Sprache  abgefasste  Be-
schwerde  akzeptiert.  Der  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts 
ergeht  in  deutscher  Sprache  (Art. 33a  Abs. 2  VwVG  i.V.m.  Art. 6 
AsylG).

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil -
genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist  somit einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 Gemäss  Art. 19  Abs. 1  AsylG  kann  ein  Asylgesuch  bei  einer 
schweizerischen Vertretung im Ausland gestellt werden. Die schweize-
rische Vertretung überweist das Gesuch mit einem Bericht dem Bun-
desamt, welches die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sach-
verhaltes bewilligt,  wenn der  asylsuchenden Person nicht  zugemutet 
werden kann,  im Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu bleiben oder  in 
ein anderes Land auszureisen (Art. 20 Abs. 1 und 2 AsylG).

Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 
die  asylsuchenden  Personen  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG).

4.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vor-
aussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt. Neben der  erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 

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AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglich-
keit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die Beziehungs-
nähe zu anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zu-
mutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen 
Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. 
Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei 
die Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen, mithin die Prüfung 
der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft 
gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der 
Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2004 Nr. 21 E. 2b S. 137).

5.
5.1 Das  BFM  begründete  die  Verweigerung  der  Einreisebewilligung 
und  die  Ablehnung  des Asylgesuchs  der  Beschwerdeführerin  damit, 
dass die von dieser befürchteten Übergriffe durch die EPDP nach kon-
stanter Praxis nur dann asylrelevant seien, wenn der Staat dafür ent -
weder die Verantwortung trage, indem er solche Handlungen anrege 
oder unterstütze, oder nicht willens und in der Lage sei, den notwen-
digen Schutz zu gewähren. Dies treffe aber im vorliegenden Fall gera-
de  nicht  zu,  da  die  Beschwerdeführerin  in  ein  staatliches  Schutz-
programm aufgenommen worden sei, indem sie sich zuerst in das (...) 
habe begeben können und später im (...)  Aufnahme gefunden habe. 
Die Tatsache, dass sie nach eigenen Angaben das (...)  freiwillig ver -
lassen habe, da sie aufgrund der schlechten Lebensbedingungen oft 
krank  geworden  sei,  gebe  zudem  Anlass  zur  Annahme,  sie  selber 
habe ihre  Bedrohung nicht  mehr  allzu  hoch eingeschätzt. Es sei  ihr  
schliesslich theoretisch auch möglich, bei einer akuten Gefährdungs-
situation erneut um Schutzhaft zu ersuchen. Dass ihr der srilankische 
Staat  ausserhalb  der  bestehenden  (...)  Centres  den  gewünschten 
Schutz nicht gewähren könne, sei auf die spezifische Situation in Sri 
Lanka  zurückzuführen.  Aufgrund  der  grossen  Zahl  von  betroffenen 
Personen und der aktuellen politischen und sozialen Situation könne 
vom  Staat  nicht  erwartet  werden,  dass  er  der  Beschwerdeführerin 
jederzeit  und  überall  absolute  Sicherheit  garantieren könne. Ebenso 
seien  die  mit  dem Aufenthalt  im (...)  verbundene  Perspektivlosigkeit 
und  die  misslichen  Unterbringungsverhältnisse  kein  Grund,  die  Ein-
reise zu bewilligen. Die schweizerische Gesetzgebung sehe nicht vor, 
Asylsuchenden,  welche  im Ausland  ein  Asylgesuch  stellen,  die  Ein-
reise unabhängig von einer Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – 

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und damit  der  Aussicht  auf  Asylgewährung  in  der  Schweiz  –  schon 
deshalb zu bewilligen, weil sie sich in einer schwierigen Situation oder 
in einer allgemeinen Notlage befänden.

Was  die  geltend  gemachte  Bedrohung  durch  den  CID  betreffe,  so 
könne diese aufgrund des Gefährdungsprofils der Beschwerdeführerin 
objektiv nicht nachvollzogen werden. Allein aus der Tatsache, dass sie 
als Jugendliche während drei Monaten ein Training bei den LTTE ab-
solviert  habe,  lasse  sich  keine  gegen  sie  gerichtete  zukünftige  Ver-
folgung ableiten. Zwar sei sie in ein (...)  verbracht worden und habe 
dort ihre kurze Mitgliedschaft bei den LTTE bekanntgegeben, aber es 
sei ihr danach die Entlassung aus dem Centre bewilligt worden und sie 
habe deswegen weder Nachteile noch ein Gerichtsverfahren erleiden 
müssen. Daraus lasse sich ableiten, dass sie von den Behörden "ge-
screent"  worden  sei  und  kein  weiteres  Verfolgungsinteresse  des 
srilankischen  Staates  gegen  sie  bestehe. Im  Übrigen  seien  die  An-
gaben zu den angeblichen Nachforschungen des CID widersprüchlich 
ausgefallen.

An ihren Vorbringen betreffend den Aufenthalt in den (...) und die Frei -
lassung aus denselben werde nicht  gezweifelt. Trotzdem fehle es im 
vorliegenden  Fall  an  konkreten  Anhaltspunkten  für  eine  zukünftige 
Gefährdung,  weshalb  sie  nicht  schutzbedürftig  im  Sinne  des  Asyl-
gesetzes sei. Ihr Asylgesuch sei daher abzulehnen und die Einreise in 
die Schweiz nicht zu bewilligen.

5.2 In  der Beschwerde wiederholte die Beschwerdeführerin ihre bis-
herigen Vorbringen und bekräftigte, wegen der Verfolgung durch das 
Civil  Office  der  Army in  B._____ weder  zu Hause in  Jaffna noch in 
Colombo, wo sie nun vom CID bedroht werde, sicher leben zu können. 
Am (...) 2010 seien erneut Männer in Zivil, sehr wahrscheinlich Leute 
vom Civil  Office der Army in B._____, bei ihr zu Hause in Jaffna er -
schienen  und  hätten  ihren  Vater  wegen  ihr  bedroht.  Sie  hätten  ihm 
gesagt,  sie  wüssten,  dass  die Beschwerdeführerin  Waffen besessen 
habe, und sie hätten ihn zu ihrer Auslieferung aufgefordert. Bei nicht  
Nichterfüllung ihrer Forderung hätten sie ihm seine Entführung in Aus-
sicht gestellt.

6.

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6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass entgegen der Ansicht des Bundesamtes eine der 
Beschwerdeführerin im Heimatstaat drohende Gefahr asylrechtlich re-
levanter  Behelligungen  nicht  ausgeschlossen  werden  kann.  So  ist 
insbesondere dem mit der Überweisung der Akten zum Entscheid an 
das  BFM  beigelegten  Schreiben  der  Schweizerischen  Botschaft  in 
Colombo vom 2. Dezember 2009 zu entnehmen, dass die Beschwer-
deführerin  einer  Mitarbeitenden  der  Botschaft  während  ihrer  Dienst-
reise im (...)  in Jaffna vorgestellt  und vom Leiter des Camps als von 
Paramilitärs als ernsthaft bedroht beschrieben worden ist. Eine Rück-
kehr der Beschwerdeführerin nach Jaffna wird nach Einschätzung der 
Botschaft als weder zulässig noch empfehlenswert eingestuft. Zudem 
wird  darauf  hingewiesen,  dass  das soziale  Netz  in  Colombo zeitlich 
begrenzt sei, da die Verwandten und Bekannten nur noch auf den Er -
halt  eines  Ausland-Visums  warten  würden.  Die  Realisierung  ihrer 
Ausreise  aus  Jaffna  via  Bestechungsgelder  sei  glaubwürdig,  da  sie 
nicht von der Armee, sondern von der EPDP verfolgt werde. Der Fall 
wurde zudem als Prioritätsfall deklariert .

6.2 Die  Vorinstanz  zog  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  in 
Bezug auf die geltend gemachte Verfolgung durch die EPDP nicht in 
Zweifel, sprach ihr jedoch die Asylrelevanz ab, da keine staatliche Ver-
folgung vorliege und der Staat genügend Schutz biete.

Dieser  Einschätzung  wird  vom Bundesverwaltungsgericht  entgegen-
gehalten, dass der militärische Flügel der EPDP gemäss diversen Be-
richten  weiterhin  aktiv  ist,  mit  dem srilankischen  Geheimdienst  und 
weiteren Sicherheitskräften zusammenarbeitet und in der Vergangen-
heit bei der Identifizierung und beim Verschwindenlassen beziehungs-
weise Töten von vermeintlichen LTTE-Sympathisanten mitwirkte. Trotz 
öffentlicher  Dementis von staatlicher Seite gibt  es zudem Anzeichen 
dafür, dass EPDP-Offizielle Schutz vor juristischer Verfolgung genies-
sen  (im  Sinne  von  Beispielen:  U.S.  Departement  of  State,  Country 
Reports  on  Human  Rights  Practices,  Sri  Lanka,  2007;  British  High 
Commission,  12.01.2010  in: Border  Agency, Country  of  Origin  Infor-
mation Report, Sri Lanka, 18.02.2010). 

Die  nach  dem Gesagten  mutmasslich  enge  (verdeckte)  Zusammen-
arbeit der EPDP mit dem Militär und dem srilankischen Geheimdienst 
führt  dazu,  dass  nicht  ohne  Weiteres  generell  von  einer  nichtstaat -
lichen Verfolgung gesprochen werden kann. Selbst wenn aber die vor-

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liegend geltend gemachte Verfolgung durch die EPDP als nichtstaat-
lich einzustufen wäre, ist fraglich, ob der Staat gewillt und in der Lage 
ist,  die  Betroffene  zu  schützen.  Zwar  konnte  sich  die  Beschwerde-
führerin, wie vom BFM ausgeführt, in Schutzhaft begeben. Dies kann 
jedoch keine ihr auf lange Dauer zumutbare Lösung darstellen.

6.3 Es  kann  somit  aufgrund  des  aktuellen  Aktenstandes  eine  asyl -
relevante  Gefährdung  der  Beschwerdeführerin  nicht  ausgeschlossen 
werden,  zumal  die  von  ihr  geltend  gemachte  Bedrohung  durch  die 
EPDP auch nach Einschätzung der Schweizerischen Botschaft in Co-
lombo (s. vorstehend E. 6.1) glaubhaft erscheint. Jedenfalls scheint es 
im vorliegenden Fall angezeigt, den Sachverhalt näher abzuklären.

Für die Frage, ob der Beschwerdeführerin zu diesem Zweck die Ein-
reise in die Schweiz zu bewilligen ist, ist entscheidend, ob ihr die Aus-
reise in ein anderes Land zuzumuten wäre. Diesbezüglich ist zunächst 
festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  besondere  Bezie-
hungsnähe zur Schweiz hat, da sie weder jemals in der Schweiz war 
noch über sich in der Schweiz aufhaltende Verwandte oder Bekannte 
verfügt (s. Anhörungsprotokoll S. 3 und 9). Sie hat aber gemäss den 
vorliegenden Akten auch zu keinem anderen Land einen Bezug, da sie 
nach eigenen Angaben weder über Verwandte und Bekannte im Aus-
land verfügt  noch selbst  jemals im Ausland war. In Anbetracht,  dass 
die Schweiz der einzige Staat in Europa ist, welcher Asylgesuche auf 
seiner  Botschaft  im Herkunftsstaat  der  Betroffenen  zulässt,  ist  nicht 
ersichtlich,  welchen  anderen  Staat  anstelle  der  Schweiz  die  Be-
schwerdeführerin um Schutz anrufen könnte. 

6.4 Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  somit  im  Ergebnis  zum 
Schluss, dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin die Einreise in 
die  Schweiz  zur  weiteren  Sachverhaltsabklärung  zu  Unrecht  nicht 
bewilligt  und  damit  Bundesrecht  verletzt  hat  (Art.  6  AsylG). Die  Be-
schwerde  ist  demnach  gutzuheissen,  die  Verfügung  des  BFM  vom 
25. Februar 2010  aufzuheben  und  das  Bundesamt  anzuweisen,  der 
Beschwerdeführerin im Hinblick auf weitere Abklärungen beziehungs-
weise  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  die  Einreise  in  die 
Schweiz zu bewilligen.

7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

Seite 11

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7.2 Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für 
die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kos-
ten  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  und  Art. 7  Abs. 1  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2).  Da  die  Beschwerde-
führerin nicht vertreten war, ist im vorliegenden Fall nicht von solchen 
Kosten  auszugehen  und  damit  keine  Parteientschädigung  zuzuspre-
chen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 25. Februar 2010 wird aufgehoben.

3.
Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin die Einreise in die 
Schweiz zur Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

6.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
Schweizerische Botschaft in Colombo.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Carmen Wittwer

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