# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8095de34-c370-5845-bc48-918070dbaee4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-17
**Language:** de
**Title:** RAD-Bericht nicht beweistauglich, Rückweisung zur weiteren Abklärung
**Docket/Reference:** IV.2020.00597
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00597.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00597
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
1
7.
März 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1970 geborene
X.___
war zuletzt seit
Juli 1998
als Reinigungsmitar
beiterin bei der
Y.___
AG tätig (
Urk.
8/
14/1 f.). Am 28. Juni 2012 erlitt sie einen Unfall, wofür die Suva die gesetzlichen Leistungen erbrachte und diese mit Verfügung vom 17. April 2013 per sofort einstellte (
Urk.
8/
19).
1.2
Am 19. Juli 2012 hatte sich die Versicherte unter Hinweis auf Bewegungs
-
apparatschmerzen
, verschiedene Unfälle und psychische Alterationen bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
8/
6). Die Sozial
versiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess die Versicherte insbesondere von der
Z.___
polydisziplinär
begut
achten (Expertise vom 7. Oktober 2013;
Urk.
8/
35). Im Rahmen des
Vorbescheid
verfahrens
tätigte
sie
erneut medizinische und erwerbliche Abklärungen und holte
bei Dr. med.
A.___
, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, und bei Dr. med.
B.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein
bidisziplinäres
Gutachten ein (Expertisen vom 12. August und 17. Juli 2015;
Urk.
8/
82 und
Urk.
8/
84). Mit Verfügung vom 22. Februar 2016 (
Urk. 8/
91
) wies
sie das Renten
begehren ab. Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde vom
5.
April 2016 (
Urk.
8/
93/3-12
) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom
2
1.
November 2017 (Prozess-Nr.
IV.2016.00396,
Urk.
8/
101
) ab.
1.3
Am
1
4.
August 2019
meldete sich
die Versicherte
erneut
bei der
Invaliden
-
versicherung
zum Leistungsbezug an (Urk.
8/
123
). Die IV-Stelle tätigte
wiederum
medizinische Abklärungen
und wies den Anspruch auf eine Invalidenrente n
ach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/
148
) mit Verfügung vom
7.
August 2020
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
0.
September 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es sei die Vorinstanz zu verpflichten, ihr allenfalls nach weiteren medizinischen Abklärungen die gesetzlichen Leistungen auszurichten
.
Am
1
6.
Oktober 2020
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle
, die Beschwerde sei abzuweisen
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1
9.
Oktober 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidi
erbar. Weiter sind, auch bei an
sich
gleich gebliebenem Gesundheitszusta
nd, veränderte Auswirkungen auf
den
Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V
131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesent
lichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
angefochtene
renten
abweisende Verfü
gung vom
7.
August 2020
(Urk. 2) damit, dass
der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
seit der letzten Verfügung unverändert sei. Die neu ange
gebenen Diagnosen und Beschwerden würden nicht zu einer dauerhaften
Ver
-
schlechterung
der Arbeitsfähigkeit führen. Die neurologischen Beschwerden hätten sich nach Optimierung der Therapie deutlich verbessert. Eine angepasste Tätigkeit sei ihr weiterhin im Umfang von 70
%
zumu
t
bar.
Beim Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen ergebe sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 36
%
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1),
die Beschwerdegegnerin habe ihren abweisenden Entscheid ausschliesslich auf eine regionalärztliche Beurteilung vom 2
6.
März 2020 gestützt. An deren Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit beständen - aus näher dargelegten Gründen -
ganz erhebliche
Zweifel, weshalb nicht auf sie abgestellt werden könne.
D
ie Annahme eines unveränderten Gesundheitszustandes
sei
unzutreffend
, vielmehr habe sich dieser in
neurologischer, psychiatrischer,
rheumatologisch-orthopädischer
und
gastroenterologischer
Hinsicht verschlechtert
, auch bezüglich ihres Asthma habe sie vermehrt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen
. Der
Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
habe sich nur mit den neurologischen, nicht aber mit den weiteren Diagnosen und Gesundheitsschäden auseinandergesetzt. Ein
Beizug
weiterer Fachärzte wäre notwendig gewesen, könne doch der Neurologe keine fachliche Beurteilung eines
lumbospondylogenen
Syndroms, einer depressiven Episode oder einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung abgeben
(S. 5-
11). Die behandelnden Ärzte hätten aufgezeigt, dass sie in keiner Tätigkeit mehr arb
eitsfähig sei. Eine
Indikatorenprüfung
ergebe, dass sie nicht über ausreichend Ressourcen verfüge, um ihre Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Ihr sei deshalb eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere medizinische Abklärungen tätige (S. 11-13).
3.
Vergleichs
zeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesund
heitszustands bildet die mit Urteil des hiesigen Gerichts vom
21.
Novem
ber 2017 (
Urk.
8/
101
) bestätigte Verfügung vom
2
2.
Februar 2016
(Urk.
8/
91
), mit wel
cher die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint hat
.
4.
Die
rentenabweisende
Verfügung vom
2
2.
Februar 2016
wurde vom hiesigen Gericht unter anderem gestützt a
uf folgende Berichte bestätigt:
4
.1
Dr. med.
C.___
, Facharzt für Innere Medizin und Onkologie FMH, Dr. med.
D.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie FMH, Dr. med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med.
F.___
, Facharzt für Neurologie FMH, von der
Z.___
stellten in ihrem Gutachten vom 7. Oktober 2013 (
Urk.
8/
35/1-39) folgende Diagnosen mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfä
higkeit (S.
12):
-
Mittelgradige bis schwere depressive Episode F32.1
-
Bandscheibenhernie links L3/4 mit Irritation und Dorsalverlagerung der Ner
ven
wurzel L3 links
-
Diskusprotrusion
L4/5 mit Nervenwurzelirritation L5 links
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit fest (S. 12 f.):
-
Asthma bronchiale ohne
spirometrische
Zeichen
-
Migräne
-
Status nach
Hemithyreoidektomie
rechts 2012
-
Status nach Hysterektomie 2002
Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin sei von 1989 bis 2010 in einer schwierigen Ehe mit ihrem Cousin verheiratet gewesen. Dieser sei gewalttätig, alkoholabhängig und spielsüchtig gewesen und habe ihr bei der Scheidung beträchtliche Schulden hinterlassen. Nach der Trennung seien sie und die Kinder
ständige
m «
Stalkin
g»
des Ehemannes ausgesetzt gewesen, inzwischen sei dieser jedoch in sein Heimatland zurückgekehrt. Es sei eine harte Zeit gewesen und im letzten Jahr sei es dann psychisch einfach nicht mehr gegangen. Ihre Depressio
nen seien zeitweise so stark gewesen, dass man ihr die Kinder habe wegnehmen wollen. Als sie psychiatrisch habe hospitalisiert werden sollen, habe der Sohn mit Suizid gedroht. So habe man sich auf ambulante Hilfen durch das Jugend
amt geeinigt. Der Sohn suche jetzt dreimal pro Woche einen Mittagstisch auf, einmal pro Woche komme eine Fachkraft vom Jugendamt zu seiner Betreuung. Er erhalte wegen eines neu diagnostizierten ADS-Syndroms Ritalin und habe sich jetzt stabilisiert. Insgesamt sei in die Gesamtsituation der Familie etwas Ruhe einge
kehrt und so habe sich im Verlauf auch die Depression gebessert
(S. 10, S.
20 und S. 33 f.).
Die psychiatrische Beurteilung ergebe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die bisherige Tätigkeit und von 30 % für eine wenig belastende Verweistätigkeit ohne Schichtarbeit. Aus orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der Bandschei
ben
vorfälle L3/4 sowie L4/5 ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die bisherige Tätigkeit, in einer Verweistätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit - seit jeher (vgl. S. 24) - mit Einschränkungen erhalten. Die im MRI vom 14. August 2013 bestätigte Irritation der Nervenwurzeln L3 und L5 links würden die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Kribbelgefühle im linken Bein sowie die klinisch nachgewiesene
Fussheberschwäche
links und die Rückenschmerzen erklären. Auf Grund der internistischen und neurologischen Untersuchung bestehe keine Ver
minderung der Arbeitsfähigkeit. Es ergebe sich eine Arbeits
unfähigkeit von 100 % für die bisherige Tätigkeit und von 30 % für eine den Beschwerden an
ge
passte Tätigkeit, wobei Arbeiten mit besonderer Anforderung an Präzision, Schnelligkeit und Zeitdruck vermieden werden sollten, ebenso Tätig
keiten mit Wechselschicht oder dem selbständigen Führen eines Kraftfahr
zeuges. Die Be
schwerdeführerin könne zudem nicht längere Zeit stehen oder sitzen (maximal 30 Minuten sitzen oder stehen) oder Gewichte über 7 kg heben oder tragen (S. 11 und S. 13).
Seit dem 10. Februar 2012 werde eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Diese setze sich mindestens bis März 2013 fort. Für die bisherige Tätigkeit werde diese Feststellung im gegenwärtigen Gutachten bestätigt. Aus psychischer Sicht habe sich im Verlauf eine Besserung eingestellt. Es sei jedoch weder den Unter
lagen noch den Angaben der Beschwerdeführerin zu entnehmen, wann diese ein
ge
setzt habe, insofern werde der Begutachtungszeitpunkt, mithin der 3. Juli 2013, als massgebliches Datum vorgeschlagen (S. 14 f. und S. 37 f.).
4
.2
Dr. med.
G.___
, Facharzt für Chirurgie FMH, Dr. med.
H.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie FMH, Dr. med.
I.___
, Facharzt für Anästhesi
ologie FMH, Dr. med.
J.___
, Facharzt für Physikalische Therapie/Rheumato
logie FMH, med.
pract
.
K.___
, Facharzt für Psychiatrie FMH, und Dr. phil.
L.___
, Klinischer Psychologe, vom Zentrum
M.___
hielten in ihrem Bericht vom 23. April 2014 (
Urk.
8/
61) fest, die Be
schwerden hätten in den letzten sechs Monaten zugenommen, die Beschwerde
führerin sei in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
4
.3
4
.3.1
Dr.
A.___
hielt in seinem orthopädischen Teilgutachten vom 12. August 2015 (
Urk.
8/
82) ein mildes
lumbospondylogenes
Syndrom fest; die Beschwer
de
führerin sei für sämtliche Tätigkeiten, die nicht eine dauernd vornüberge
beugte Haltung und kein repetitives Heben von Gewichten von 15 kg körperfern erfor
dern würden, zu 100 % arbeitsfähig, somit auch in ihrer angestammten Tätigkeit als Flugzeugreinigerin. Eine
Radikulopathie
lasse sich nicht nachwei
sen, ebenso wenig eine gröbere Degeneration. Wie die kreisärztliche Untersu
chung vom 8. April 2013 durch Dr. med.
N.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, von der Suva gezeigt habe, habe bereits da
mals eine normal funktionsfähige Lendenwirbelsäule bestanden (S. 8 f.).
4
.3.2
Dr.
B.___
führte in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 17. Juli 2015 (
Urk.
8/
84) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 18):
-
Leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0)
-
Anhaltend somatoforme Schmerzstörung bei psychosozialer Belastung (ICD-10 F45.4)
-
Differentialdiagnose Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion nach Trennung und Scheidung vom Ehemann (ICD-10 F43.21)
Dazu hielt er fest, die Beschwerdeführerin sehe ihre Psychologin einmal in zwei bis drei Wochen. Sie stehe um 6:45 Uhr auf, wenn sie Termine habe. Pausieren könne sie nicht, sie müsse aufstehen, auch wegen dem Sohn, insbesondere müsse sie kontrollieren, ob er sein Ritalin einnehme. Frühstück nehme sie kei
nes ein. Ein paar Mal treffe sie ihre Kollegin, diese komme meist zu ihr, manchmal gehe sie auch mit ihr spazieren. Zum Teil lege sie sich auch etwas hin, um den Schlaf nachzuholen. Am Mittwoch koche sie am Mittag mit dem Sohn, montags und dienstags sei dieser am Mittagstisch. Am Nachmittag gehe sie nach draussen. Sie schaue fern und nehme Therapien wahr. Am Abend müsse der Sohn Aufgaben machen, eventuell spiele sie etwas mit ihm. Zu Bett gehe sie zwischen 22:00
und
23:00 Uhr. Bei der Beschwerdeführerin seien Schlafstörungen schmerzbe
dingt vorhanden. Augenfällig seien eine stark be
sorgte Grundhaltung und eine gewisse Betonung der körperlichen Schmerzen im Sinne einer Verdeutlichungs
tendenz gewesen (S. 11 f. und S. 14).
Diagnostisch komme nebst einer leichtgradigen depressiven Episode auch eine prolongierte Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion infrage. Zwar kenne die
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) eine zeitliche Limitierung von zwei Jahren. Das im angloamerikanischen Sprachgebrauch ver
wendete Klassifikationssystem DSM-IV respektive DSM-5 kenne jedoch eine chronische respektive persistierende Form der Anpassungsstörung. Hier sei keine Begrenzung von zwei Jahren genannt. Aufgrund der präsentierten Schmerzsymp
tome, für welche im orthopädischen Teilgutachten keine entspre
chenden morpho
logischen Korrelate gefunden worden seien, müsse zusätzlich eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung
mit berücksichtigt
werden. Es bestünden soziale Probleme (finanzielle Probleme, Schwierigkeiten als alleiner
ziehende Mutter, ADHS-Erkrankung des Sohnes), welche die Schmerzproblema
tik beein
flussen und unterhalten würden. Eine schwere depressive Episode könne nicht mehr diagnos
ti
ziert werden, hier scheine es zu einer Remission ge
kommen zu sein. Insbe
sondere falle auf, dass keine adäquate antidepressive Medikation bestehe. Der
Vor
gut
achterin sei beizupflichten, dass die geschilder
ten Symptome von Schatten
sehen und imaginierten Gesichtern kaum als psy
chotische Symp
tome im Rahmen einer schweren depressiven Episode interpre
tiert werden könn
ten (S. 20-22).
Aufgrund der noch vorhandenen depressiven Symptome könne eine maximal 30%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten festgehalten werden. Dabei seien die möglichen Einschränkungen aufgrund der somatoformen Schmerz
störung mitberücksichtigt. Es sei zu einer Verbesserung der Symptomatik ge
kom
men, doch sei schwierig einzuschätzen, wann diese stattgefunden habe. Plausibel scheine eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bis Mitte 2014.
Im
weiteren Verlauf des Jahres 2014 sei eine progrediente Steige
rung der Arbeits
fähigkeit und Verbesserung des psychischen Gesamtzustandes anzunehmen (S. 22-25).
4
.4
Dr. med.
O.___
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. phil.
L.___
, Klinischer Psychologe, vom Zentrum
P.___
führten in ihrem Bericht vom 26. September
2016 (Urk.
8/98
) zu Händen
der Beschwer
de
führerin aus, diese leide nach wie vor an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3) und sei seit Februar 2012 zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 f.). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie fest:
«
Sub
jektiv ist die Pat.
100% arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten. Positives Leistungsbild: Haushaltung mit Hilfe einer Kollegin und verlangsamt, kurze Strecken Autofahren, spazieren mit Pausen; Negatives Leistungsbild: Keine längeren Tätigkeiten, kein Stress, kein Publikumsverkehr, keine schwere
ren Arbei
ten. Objektivere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit: Die Pat. ist aufgrund der Diagnosen auch für angepasste Tätigkeiten 100% arbeitsunfähi
g»
(S. 4).
4.5
Gestützt auf diese Berichte ging das hiesige Gericht im Urteil
vom
2
1.
November 2017 (
Urk.
8/101)
von einer aufgrund der somatischen Beschwerden seit Februar 2012 bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit sowie einer aus psychischen Gründen in jeglicher Tätigkeit 30%igen Arbeitsun
fähigkeit aus
. In einer den Beschwerden an
gepassten Tätigkeit mit maximal 30
Minuten
stehen oder sitzen
und ohne Ge
wichte über 7
kg heben oder tragen
,
erachtete es die Beschwerdeführerin als zu 70 % arbeitsfähig
(E. 4-6).
5.
Der vorliegenden Neuanmeldung liegen
unter anderem
nachstehende Beur
tei
lungen zugrunde:
5.1
Dr.
med.
Q.___
, Facharzt FMH für Neurologie, hielt in seinem Schreiben vom 19. Juli 2019 (
Urk.
8/117) fest, aufgrund der progredienten kognitiven Defizite sowie Spasmen in den Extremitäten mit wiederholten Sturzereignissen sei eine umfassende Diagnostik initiiert worden. In diesem Rahmen
sei eine ernstzu
neh
mende Gehirnentzündung (NMDA-Enz
ephalitis) gesichert worden. Es sei davon auszugehen, dass die aktuellen Defizite irreversibel bleiben würden. Gegenstand der vorliegenden Therapie sei das Aufhalten und Stabilisieren dieser Erkrankung. Eine berufliche Tätigkeit für das kommende Jahr werde krankheits
bedingt nicht möglich sein. Nach einem Jahr könne die Arbeitsfähigkeit das Therapieansprechen einbeziehend neu beurteilt werden.
5.2
Im Austrittsbericht der Klinik Innere Med
izin des Spitals
R.___
vom 30.
Sep
tember 2019 (
Urk.
8/140
/1-7)
, wo die Beschwerdeführerin vom 1
8.
bis 27. Sep
tember 2019
hospitalisiert war, wurden folgende Diagnosen festgehalten (S. 1):
-
Episoden von
Myocloni
und
Crampi
bei erhaltenem Bewusstsein
-
DD
neuroexzitatorisch
im Rahmen der latenten Hyperthyreose, DD medika
mentös bei Polypharmazie
-
NMDA-Rezeptor-Antikörper
Seropositivität
unklarer Ätiologie
-
klinisch kernspintomografisch,
liquor
-laborchemisch und
elektroenze
phalo
grafisch
im Verlauf keine Hinweise für Enzephalitis
-
klinisch und laborchemisch keine Hinweise für
Sjögren
-Syndrom
-
unauffällige weitgehende Tumorsuche
-
latente Hyperthyreose
-
leichte
Xerostomie
und Konjunktivitis
sicca
-
DD am ehesten Medikamenten-assoziiert (
Deanxit
,
Fluoxetin
)
-
SS-A/
Ro
(ANA): negativ
-
SS-B/La (ANA): negativ
-
Asthma bronchiale
-
DD COPD, DD Langerhans-Zell-
Histozytose
-
z
entrilobuläre
Noduli
und multiple
zystoide
Strukturen beidseits (CT-Thorax 1
9.
September
2019)
-
R
isikofaktor
: Nikotinkonsum (20py)
-
chronische Migräne
Dazu wurde ausgeführt,
bei erhaltenem Bewusstsein, den
konkomittierenden
Schmerzen und
elektroenzephalographisch
wiederholt fehlenden Hinweisen auf eine erhöhte zerebrale Erregbarkeit sei nicht von einem epileptischen Geschehen auszugehen.
Bei einer allgemeinen Müdigkeit und Konzentrationsschwäche (bei fehlendem fokal-neurologischen Defizit) sei ein Grossteil
der Präparate abgesetzt w
o
rden.
Der Beschwerdeführerin sei es rasch
besser gegangen
und es hätten Hin
weise auf eine kognitive Einschränkung gefehlt. Darüber hinaus habe sich eine deutliche
Regredienz
der Frequenz der erwähnten Episoden gezeigt, weshalb diffe
rentialdiagnostisch auch von einer unerwünschten Wirkung der medikamen
tösen Therapie ausgegangen werden könne. Laborchemisch habe ein stark supp
rimiertes TSH bei normwertigem Schilddrüsenhormon nachgewiesen werden können. Angesichts negativer Schilddrüsen-Antikörper seien die Befunde als latente Hyperthyreose zu interpretieren gewesen. Es habe keine Hinweise auf eine fokale Autonomie gegeben, sodass von einer
Eltroxin
-Überdosierung ausge
gangen worden sei. Klinisch, kernspintomografisch,
liquor
-laborchemisch und
elektroenzephalografisch
hätten
sich aktuell und auch in Zusammenschau der im Wesentlichen unauffälligen Vorbefunde über einen Verlauf von einem halben Jahr keine Hinweise für eine Enzephalitis ergeben. Es müsse deshalb eine NMDA-Rezeptor-A
ntikörper
Seropositivität
konstatiert werden. Für ein dies erklärendes
Sjögren
-Syndrom hätten sich klinisch keine Hinweise ergeben
, wobei die Versi
cherte für eine rheumatologische Beurteilung noch angemeldet werde
(S. 1-2). CT-graphisch habe sich ein pulmonaler
Emphysemaspekt
mit multifokalen Lun
gen
defekten gezeigt. Differe
nt
ialdiagnostisch seien eine COPD angesichts eines langjährigen Zigarettenkonsums sowie aufgrund nachgewiesener
Noduli
eine Langerhans-Zell-
Histozystose
in Frage gekommen. Die
Beschwerdeführerin habe am 27.
September 2019 in gutem Allgemeinzustand
nach
Hause entlassen werden können (S. 2).
5.3
In seinem V
erlaufsbericht
vom
6.
Dezember 20
19
(
Urk.
8/138/1
)
stellte
Dr.
Q.___
folgende Diagnosen:
-
NMDA-En
z
ephalitis
-
komplex-fokale Anfälle
-
Migräne-Kopfschmerz
Dazu führte er aus, am 1
1.
Oktober 2019 habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass ihr Gegenstände dauernd aus der Hand fallen würden.
Am 1
2.
Oktober 2019 ergänzte er, unter Kortison habe sich eine deutliche Rückbildung der
dystonen
Spasmen gezeigt. Am 1
6.
November 2019 hielt er fest, sie habe über
eine
Wie
derzunahme der Migränekopfschmerzen geklagt. Zudem habe sie über
eine
nächt
lich betonte
Kribbelmissempfindung
der Hände berichtet.
5.
4
Dr.
med.
S.___
, Facharzt FMH Radiologie, von der
T.___
beurteilte das Röntgen der Lendenwirbelsäule und
das
MRI der Lendenwirbelsäule und
Iliosakralgelenke
vom 2
9.
August 2018 wie folgt: (
Urk.
8/138/12
): Rechtskonvexe
thorakolumbale
Skoliose mit Cobb-Winkel 22°, deut
liche
Chondrose
beziehungsweise
erosive
Osteochondrose
L3-4 und L4-5,
breitbasige
Diskusprotrusionen
in beiden letztgenannten Segmenten, im Segment L4-5 mit grenzwertiger
birecessaler
Enge, Affektion der Wurzeln L5 möglich, aktivierte
Spondylarthrose
L4-5 rechts, unauffällige
Iliosakralgelenke
.
5.
5
RAD-Arzt
PD.
Dr.
med. univ.
U.___
, FA Neurologie, führte in seiner Stellungnahme vom 2
6.
März 2020 (
Urk.
8/14
7
/5
-7
)
zusammenfassend aus, bei nachgewiesener NMDA-Rezeptor-Antikörper
Seropositivität
sei die im Mai 2019 initial diagnos
tizierte En
z
ephalitis durch die umfangreichen Untersuchungen und anlässlich einer
Hospitalisation
am Spital
R.___
im Se
ptember 2019 nicht bestätigt worden. Der Neurostatus sei unauffällig gewesen, Hinweise auf ein epileptisches Gesche
hen hätten sich nicht konkretisiert. Die klinischen Beschwerden von intermit
tierend auftretenden Muskelzuckungen und -krämpfen seien einer latenten Hyper
thyreose und einer Polypharmazie kausal attribuiert worden. Nach Opti
mierung des Therapieregimes inklusive deutlicher
Substanzenreduktion
hätten sich die Beschwerden deutlich gebessert,
Hinweise
auf kognitive Einschrän
kungen hätten sich keine mehr ergeben. Eine dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen. Insgesamt ergebe sich daher ein Bild, das den Ergebnissen der vorgängigen Begutachtungen
entspreche. Mit den Diagnosen mildes
lumbospondylogenes
Syndrom, leichte depressive Episode und anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei psychosozialer Belastung bestehe weiterhin eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten.
5.6
Die behandelnden Fachpersonen des Zentrums
M.___
hielten in ihrem Verlaufsbericht zur interdisziplinären Schmerzbehandlung vom 5. August 2020 (
Urk.
8/160/23-33) 11 vorbestehende
- so etwa seit 2010 eine rezidivierende depressive Störung schweren Grades -
und 17 ab dem 2
1.
Februar 2019 neu aufgetretene Diagnosen (S. 1-3
und S. 9
) sowie eine seit
dem 1
0.
Feb
ruar 2012 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S.
4
) fest.
6.
6.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
renten
abweisenden Verfügung vom
7.
August 2020
auf die Stellungnahme ihre
s
RAD-
Arztes
Dr.
U.___
vom
2
6.
März 2020
(E. 5.
5
hievor
).
6.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
set
z
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfme
thoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der all
ge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014
vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht
darin, aus medizinischer
Sicht
gewisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu
ent
-
scheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit
Hin
-
weisen
).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxi
s
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1)
g
e
nügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmäs
sig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte aber kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
6.3
Der behandelnde
Dr.
Q.___
stellte nach umfassenden Abklärungen die Diagnose einer ernstzunehmenden Gehirnentzündung (NMDA-En
z
ephalitis
; E. 5.1
hievor
).
Das Vorliegen einer
solche
n
wurde vom
Spital
R.___
nach einer
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin
hingegen verneint
. NMDA-Rezeptor-Antikörper stellten jedoch auch
die Ärzte des Spitals
R.___
fest, deren Ätiologie war ihnen aber unklar.
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äusserten sie sich nicht
(E.
5.2
hievor
)
.
In Kenntnis der Abklärungen des Spitals
R.___
hielt
Dr.
Q.___
an
seiner Diagnose fest und wies darauf hin, dass der Beschwerdeführerin weiterhin dauernd Gegenstände aus der Hand fallen und ihre Migränekopf
schmerzen wieder zugenommen haben
(E. 5.3
hievor
, vgl. auch
Urk.
8/128)
.
Soweit RAD
-Arzt
Dr.
U.___
aus diesen Berichten schliesst, eine dauerhafte Ver
schlech
terung des Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen, kann ihm nicht
ohne Weiteres
gefolgt werden
, setzte er sich doch mit dem nach der
Hospitali
sation
ergangenen Bericht des
Dr.
Q.___
mit keinem Wort auseinander.
Dass im Vergleichszeitpunkt keine neurologische Problematik
vorlag
, ist unbestritten und ausgewies
en. Nach
dem der behandelnde Dr.
Q.___
nach umfas
senden Abklä
rungen eine NMDA-Enz
ephalitis diagnostizierte und im Spital
R.___
nach ebenso umfassenden Abklärungen das Vorliegen einer solchen verneint wurde, hätte
Dr.
U.___
einge
hender
und nachvollziehbarer
begründen müssen,
weshalb
die Ansicht der einen Fachärzte mehr überzeugt, als diejenige eines anderen Facharztes. Ebenso hätte von ihm dargelegt werden müssen, weshalb die
neurologischen Beschwerden die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beeinträchtigen, nachdem
Dr.
Q.___
von einer dadurch verursachten 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausging und sich die Fachärzte des Spitals
R.___
diesbe
züglich nicht äusserten.
Dr.
U.___
ging zudem fachfremd und ohne Begründung unverändert von einer leichten depressiven Episode aus. Nachdem die behandelnden
Fachpersonen
unter anderem die Diagnose einer schweren depressiven Störung gestellt hatten, wäre aber eine eingehendere Auseinandersetzung mit deren Einschätzung
durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erforderlich gewesen.
Hinzu kommt, dass gemäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung auch leichten oder mit
tel
schweren depressiven Störungen nicht mehr von vorn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden kann. Vielmehr ist anhand von auf den funktio
nellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren das tatsächlich erreich
bare Leis
tungsvermögen er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Die vor
han
denen medizinischen Beurteilungen erwei
sen sich dazu als zu wenig aussage
kräftig. Ohne eine überzeugende Begründung der angeblich gleichbleibenden Arbeits
fähigkeit beziehungsweise
ohne
schlüssige Auseinandersetzung mit den Berichten der behandelnden
Fachpersonen
kann ein unveränderter Zustand aus psychiatrischer Sicht jedenfalls nicht
ohne Weiteres
nachvollzogen werden.
Dasselbe gilt für die ebenfalls fachfremde Einschätzung von
Dr.
U.___
bezüglich des seiner Ansicht nach weiterhin bestehenden milden
lumbospondylogenen
Syndroms
. Im Röntgen und MRI der Lendenwirbelsäule vom 2
9.
August 2018 wurde eine deutliche
Chondrose
, eine aktivierte
Spondylarthrose
L4-5 rechts sowie
breitbasige
Diskusprotrusionen
L3-4 und L4-5, dabei im Segment L4-5 mit grenzwertiger
birecessaler
Enge und
möglicher
Affektion der Wurzeln L5, fest
gehalten. Ob bei solchen Befunden von einem milden
lumbospondylogenen
Syndrom ausgegangen werden kann, ist von einer orthopädischen Fachperson zu beurteilen. Hinzu kommt, dass sich die Beschwerdeführerin
im April 2020 eine
Sakrumfraktur
zugezogen zu haben scheint (vgl.
Urk.
8/160/24-25), womit zumindest
zusätzliche
Ausführungen erforderlich gewesen wären, um weiterhin
nachvollziehbar von
eine
r
(aus somatischer Sicht)
volle
n
Arbeitsfähigkeit in einer
Tätigkeit mit jeweils maximal 30 Minuten stehen oder sitzen
ausgehen zu können
.
6.
4
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn
-
wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und S
chlüssigkeit bestehen (vgl. E. 6
.2
hievor
).
6.
5
Auch gestützt auf die Berichte der behandelnden Fachpersonen ist es aber nicht möglich, die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Beschwerden zu beurteilen.
So
ist
etwa
die gemäss de
m
Zentrum
M.___
seit 2010 unveränderte rezidivierende depressive Störung schweren Grades sowie die
seit dem 1
0.
Februar 2012 unveränderte 100%ige Arbeitsunfähigkeit (E. 5.6
hievor
)
mit Blick auf die gemäss Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
1.
November 2017 (
Urk.
8/101)
im Laufe des Jahres 2014 verbesserten depressiven Beschwer
den sowie die ab Februar 2012 bestehende 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
nicht
nachvollziehbar.
Eine aktuelle Arbeitsunfähig
keits
einschätzung seitens
Dr.
Q.___
, welcher eine diesbezügliche Verbesserung je nach Therapieansprechen nicht ausschloss (E. 5.1
hievor
), liegt zudem nicht vor.
Inwie
fern sich die Rückenbeschwerden in einer angepassten Tätigkeit auswirken,
wurde ebenfalls nicht in
einem
schlüssigen
Arztbericht festgehalten.
Auch
die
Beschwer
deführer
in
erachtete
denn
ergänzende Abklärungen zumindest eventu
aliter als erforderlich (
Urk.
1 S.
13
).
6.
6
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, in welchem Umfang die Beschwerdefüh
rerin
arbeitsfähig ist. Angesichts des Verzichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der ange
fochtene Entscheid ist deshalb aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung und anschlies
sendem neuen Entscheid über die Leistungsansprüche de
r
Beschwerde
führer
in
an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
7.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine
Prozessentschädigung von
Fr.
2'200.--
(inkl.
Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
7.
August 2020
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklä
rung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
8
00.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine
Prozessent
-
schädigung von Fr.
2
‘200.-- (inkl. Barauslagen
und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsan
walt Kaspar Gehring
-
Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv
nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher