# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c297ff76-643e-57b4-8ba9-79369b94fc6d
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-05
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 05.01.2015 200 2014 463
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-463_2015-01-05.pdf

## Full Text

Eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenhei-
ten hat das Bundesgericht am 10. Juli 2015 abgewiesen (9C_107/2015).

200 14 463 IV
SCJ/SCM/KRK

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 5. Januar 2015

Verwaltungsrichter Scheidegger, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Grütter
Gerichtsschreiberin Schädeli

A.________
gesetzlich vertreten durch ihren Vater B.________,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 2. April 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Jan. 2015, IV/14/463, Seite 3

Sachverhalt:

A.

A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) wurde am 29. Juli 
2010 von ihrer behandelnden Psychologin lic. phil. D.________, Fachpsy-
chologin für Psychotherapie FSP, bei der IV-Stelle Bern (IVB bzw. Be-
schwerdegegnerin) zum Leistungsbezug für die durchgeführte Psychothe-
rapie angemeldet (act. II 33). Nach Vornahme der medizinischen Abklärun-
gen sowie nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (act. II 43, 45, 
47) verfügte die IVB am 4. März 2011 die Abweisung des Leistungsbegeh-
rens (act. II 49). Vorgängig hat sie im Jahre 2003 Kostengutsprache für 
Sonderschulmassnahmen erteilt (act. II 10 f.) und seit dem 28. September 
2007 einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung bejaht (act. II 26, 39, 57).

Am 18. Oktober 2013 (act. II 62) ersuchte die Versicherte erneut um medi-
zinische Massnahmen. Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2014 (act. II 75) 
stellte die IVB der Versicherten die Abweisung der Kostengutsprache für 
die beantragte Psychotherapie in Aussicht. Nach erhobenem Einwand 
(act. II 76) und Stellungnahme durch den Regionalen Ärztlichen Dienst 
(RAD; act. II 81) verfügte die IVB am 2. April 2014 (act. II 82) wie angekün-
digt. 

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, gesetzlich vertreten durch ihren Vater, 
dieser vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. C.________, am 16. Mai 
2014 Beschwerde. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge beantragt sie 
die Aufhebung des angefochtenen Verwaltungsaktes, die Kostenübernah-
me der weiterhin anstehenden Psychotherapie bei lic. phil. D.________ 
durch die IVB sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für 
das vorliegende Verfahren, wobei Rechtsanwältin C.________ als amtliche 
Anwältin einzusetzen sei. Am 10. Juni 2014 reichte die Beschwerdeführerin 
die von ihr in Aussicht gestellten Unterlagen bezüglich des Gesuchs um 
unentgeltliche Rechtspflege ein.

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Mit Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2014 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin – betreffend die Kostenübernahme der Psychotherapie – sinngemäss 
die Abweisung der Beschwerde.

Am 4. Juli 2014 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur Beschwerdeant-
wort und zog das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurück.

Mit Eingabe 22. August 2014 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf wei-
tere Bemerkungen und hielt am bisherigen Antrag fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art.  32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

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1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 2. April 2014 (act. II 82). Streitig 
und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf medizinische 
Massnahmen in Form von Psychotherapie.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität 
(Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustel-
len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den 
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Zu diesen 
Massnahmen gehören nach Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG i.V.m. Art. 12 f. IVG me-
dizinische Massnahmen.

2.2 Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf 
medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an 
sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in 
den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und 
wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu be-
wahren (Art. 12 Abs. 1 IVG).

2.2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversiche-
rung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) gelten als medizinische 
Massnahmen im Sinne von Art. 12 IVG chirurgische, physiotherapeutische 
und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustand eines Ge-
burtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beein-
trächtigung der Körperbewegung, der Sinneswahrnehmung oder der Kon-

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taktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und 
wesentlich zu verbessern oder vor wesentlichen Beeinträchtigungen zu 
bewahren. Die Massnahmen müssen nach bewährter Erkenntnis der medi-
zinischen Wissenschaft angezeigt sein und den Eingliederungserfolg in 
einfacher und zweckmässiger Weise anstreben.

2.2.2 Nach Art. 12 IVG sind nur solche Vorkehren von der Invalidenversi-
cherung zu übernehmen, die "nicht auf die Behandlung des Leidens an 
sich", also nicht auf die Heilung oder Linderung labilen pathologischen Ge-
schehens gerichtet sind. Bei nichterwerbstätigen Minderjährigen können 
medizinische Vorkehren schon dann von der Invalidenversicherung über-
nommen werden, wenn ohne Behandlung das (labile) Leiden mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere 
Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden, stabilen patholo-
gischen Zustand führen würde. Dabei muss prognostisch erstellt sein, dass 
ohne die vorbeugende Behandlung in naher Zukunft eine bleibende Beein-
trächtigung eintreten würde. Gleichzeitig muss ein ebenso stabiler Zustand 
herbeigeführt werden können, in welchem vergleichsweise erheblich ver-
besserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit 
bestehen. Daraus folgt, dass eine therapeutische Vorkehr, deren Wirkung 
sich in der Unterdrückung von Symptomen erschöpft, nicht als medizini-
sche Massnahme im Sinne des Art. 12 IVG gelten kann, selbst wenn sie im 
Hinblick auf die schulische und erwerbliche Eingliederung unabdingbar ist. 
Denn sie ändert am Fortdauern eines labilen Krankheitsgeschehens nichts 
und dient dementsprechend nicht der Verhinderung eines stabilen patholo-
gischen Zustandes. Deswegen genügt auch eine günstige Beeinflussung 
der Krankheitsdynamik allein nicht, wenn eine spontane, nicht kausal auf 
die therapeutische Massnahme zurückzuführende Heilung zu erwarten ist, 
oder wenn die Entstehung eines stabilen Defekts mit Hilfe von Dauerthera-
pie lediglich hinausgeschoben werden soll. Ein Zustand, der sich nur dank 
therapeutischer Massnahmen einigermassen im Gleichgewicht halten lässt, 
ist keine stabile Folge von Krankheit, Unfall oder Geburtsgebrechen. Ein 
solcher Zustand ist zwar, solange er im Gleichgewicht bewahrt werden 
kann, stationär, nicht aber im Sinne der Rechtsprechung stabil. Um eine 
von der Invalidenversicherung nicht zu übernehmende Behandlung des 

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Leidens an sich geht es somit in der Regel bei der Heilung oder Linderung 
eines labilen pathologischen Geschehens. Eine Psychotherapie bei Minder-
jährigen kann von der Invalidenversicherung nur übernommen werden, 
wenn sie keinen Dauercharakter hat, also nicht zeitlich unbegrenzt erfor-
derlich sein wird (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 12. Januar 
2011, 8C_648/2010, E. 2.2; vgl. zur zeitlichen Beschränkung der Psycho-
therapie auch den Entscheid des BGer vom 23. November 2010, 
9C_430/2010, E. 3).

2.3 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 
20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen 
(Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bun-
desrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt 
werden; er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von 
geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG).

Als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG gelten Gebrechen, die bei 
vollendeter Geburt bestehen (Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über Geburts-
gebrechen vom 9. Dezember 1985 [GgV; SR 831.232.21], vgl. auch Art. 3 
Abs. 2 ATSG). Als Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 405 Anhang GgV gelten 
Autismus-Spektrum-Störungen, sofern diese bis zum vollendeten fünften 
Lebensjahr erkennbar werden.

2.4 Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügun-
gen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos 
unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist 
(Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiedererwägung dient der nachträglichen Kor-
rektur einer ursprünglich unrichtigen Rechtsanwendung oder Sachverhalts-
feststellung durch die Verwaltung (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17, 115 V 308 
E. 4a cc S. 314). 

2.4.1 Nach der Rechtsprechung kann die Wiedererwägung rechtskräftiger 
Verfügungen nur in Betracht kommen, wenn es sich um die Korrektur gro-
ber Fehler der Verwaltung handelt (ZAK 1988 S. 555 E. 2b). Zweifellos ist 
die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die 
Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die 
Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (BGE 138 V 324 E. 3.3 S. 328; SVR 

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2012 IV Nr. 18 S. 82 E. 3.2). Zurückhaltung bei der Annahme zweifelloser 
Unrichtigkeit ist stets dann geboten, wenn der Wiedererwägungsgrund eine 
materielle Anspruchsvoraussetzung betrifft, deren Beurteilung massgeblich 
auf Schätzungen oder Beweiswürdigungen und damit auf Elementen be-
ruht, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen. 

2.4.2 Wenn die Verwaltung auf ein Wiedererwägungsgesuch eintritt, die 
Wiedererwägungsvoraussetzungen prüft und anschliessend einen erneut 
ablehnenden Sachentscheid fällt, ist dieser beschwerdeweise anfechtbar 
(ARV 1990 S. 60 E. 1b; ZAK 1989 S. 36 E. 1). Die nachfolgende gerichtli-
che Überprüfung hat sich in einem solchen Fall indessen auf die Beurtei-
lung der Frage zu beschränken, ob die Voraussetzungen für eine Wieder-
erwägung der bestätigten Verfügung gegeben sind. Prozessthema ist also 
diesfalls, ob die Verwaltung zu Recht die ursprüngliche, formell rechtskräf-
tige Verfügung nicht als zweifellos unrichtig oder ihre Korrektur als von un-
erheblicher Bedeutung qualifizierte (BGE 119 V 475 E. 1b cc S. 479; SVR 
2008 IV Nr. 54 S. 180 E. 3.3).

3.

3.1 In medizinischer Hinsicht ist den Akten im Wesentlichen Folgendes 
zu entnehmen:

3.1.1 Im Bericht vom 31. August 2010 (act. II 34 S. 2 ff.) diagnostizierte 
Dr. med. E.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin FMH, 
eine unterdurchschnittliche nonverbale intellektuelle Leistungsfähigkeit und 
beschrieb eine geistige Behinderung (ICD-10 F71) mit Verhaltensstörun-
gen, Hyperaktivität, Spracherwerbsstörungen und autistischen Verhaltens-
weisen (vgl. hierzu auch die Diagnosen gemäss ihrem Bericht vom 13. De-
zember 2013 [act. II 69], beinahe übereinstimmend mit den Diagnosen des 
Spitals G.________ [act. II 23 S. 1]). Die Beschwerdeführerin brauche nach 
Abschluss der heilpädagogischen Schule einen betreuten Platz für die Ta-
gesbeschäftigung, später auch eine betreute Wohnung (act. II 34 S. 5).

3.1.2 Dr. med. F.________, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
und -psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), stellte am 

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10. Dezember 2010 (act. II 40) die Diagnose einer reaktiven Bindungs-
störung des Kindesalters (ICD-10 F94.1), welche sich aus den Symptomen, 
die aus einer Frühverwahrlosung entstünden, ergebe. Diese Symptome 
ähnelten sehr den Symptomen eines frühkindlichen Autismus. Im ersten 
Bericht des … werde von einer deutlichen Frühverwahrlosung (Deprivation) 
gesprochen. Es bestehe eine mittlere geistige Behinderung (ICD-10 F71; 
IQ < 50) mit einer deutlichen Spracherwerbsstörung und Sehbehinderung. 
Nur schon diese geistige Behinderung könne massive Verhaltensstörungen 
verursachen. Die Diagnose Autismus dürfe erst nach Ausschluss anderer 
möglicher Diagnosen gestellt werden, was im vorliegenden Fall nicht mög-
lich sei. Ein Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 405 Anhang GgV liege nicht 
vor (act. II 40 S. 1). Die Beschwerdeführerin leide an einer geistigen Behin-
derung, die so schwer sei, dass ihre Kommunikationsfähigkeit und seeli-
sche Verarbeitungskompetenz eingeschränkt sei. Dies sei analog dem Ge-
burtsgebrechen Ziff. 403 Anhang GgV (kongenitale Oligophrenie) und be-
deute, dass eine Psychotherapie nicht zweckmässig und einfach sei, son-
dern eine unbestimmte Zeitdauer benötige. Ob sich durch die Psychothe-
rapie die spätere Eingliederungsfähigkeit erhöhe, sei sehr fraglich (act. II 40 
S. 2).

Mit einer weiteren Stellungnahme vom 11. Februar 2011 (act. II 47) führte 
Dr. med. F.________ aus, dass keine vor den fünften Geburtstag zurück-
reichenden medizinischen Unterlagen existierten (S. 1). Hinzu komme, 
dass die Beschwerdeführerin mit einer deutlichen Frühverwahrlosung mit 
grösster Wahrscheinlichkeit an einer reaktiven Bindungsstörung des Kin-
desalters (ICD-10 F94.1) leide, was die Diagnose eines Autismus aussch-
liesse (S. 2).

3.1.3 Mit ärztlichem Zeugnis vom 8. Januar 2013 (act. II 64) bestätigte 
Dr. med. E.________, dass die Beschwerdeführerin unter Autismus leide.

In einem weiteren Bericht vom 7. Februar 2014 (act. II 74) hielt Dr. med. 
E.________ fest, es liege eine schwere Form von Autismus vor. Eine ver-
bale Kommunikation sei anfangs nicht möglich gewesen, so dass mit der 
Zeichensprache gearbeitet worden sei. In der Zwischenzeit habe die Be-
schwerdeführerin begonnen einige Worte zu sprechen, eine Intelligenzprü-
fung sei nicht möglich. Die Psychotherapie bei lic. phil. D.________ finde 

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seit dem 12. Juli 2010 einmal wöchentlich während 1,5 Stunden statt. Seit-
her habe sich die Wahrnehmung verbessert, die Beschwerdeführerin trete 
vermehrt mit Menschen in Kontakt und grüsse. Zudem habe sich die visuel-
le Wahrnehmung verbessert. Früher sei sie mit dem Fahrrad in Menschen 
gelaufen oder gefahren. Heute nehme sie diese wahr und gehe oder fahre 
um diese herum. Die Psychotherapie sei für ca. zwei weitere Jahre geplant. 
Eine völlige Autonomie werde auch später nicht möglich sein, jedoch werde 
durch die verbesserte Wahrnehmung an intensiver Betreuung gespart wer-
den können.

3.1.4 Auf neuerliche Anfrage führte Dr. med. F.________ am 26. März 
2014 (act. II 81) aus, unbestritten liege eine geistige Behinderung vor. Auf-
grund dieser schweren Behinderung müsse die Beschwerdeführerin seit 
der Einschulung eine heilpädagogische Tagesschule besuchen. Voraus-
sichtlich werde sie beruflich nicht eingliederbar sein. Auch die Psychothe-
rapie bei lic. phil. D.________ werde die Ausbildungsfähigkeit und zukünfti-
ge Erwerbsfähigkeit nicht rentenmindernd verbessern können. Die Dauer 
und Prognose der Behandlung seien unbestimmt. Somit seien die Voraus-
setzungen für die Kostenübernahme der Psychotherapie nach Art. 12 IVG 
nicht erfüllt (S. 3).

3.1.5 Im Verlaufsbericht vom 9. Mai 2014 (act. II 85 S. 12 ff.) hielt lic. phil. 
D.________ fest, durch Fachpersonen sei die Diagnose einer tiefgreifen-
den Entwicklungsstörung im Sinne von Autismus erhoben worden. Dank 
der jahrelangen zahlreichen Bemühungen der Eltern und den absolvierten 
Förderprogrammen werde in sämtlichen Unterlagen eine positive Entwick-
lung beschrieben. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit 19. Juli 2010 
bei ihr in psychotherapeutischer Behandlung, dies unter Einbezug von ver-
haltensorientierten Massnahmen und Neurofeedback-Training zwecks Re-
gulation und Modulation der Gehirntätigkeit, Verbesserung der Konzentra-
tionsfähigkeit, Modifikation diverser Verhaltensweisen und Verbesserungen 
im verbalen Bereich. Nach anfänglich zwei Sitzungen pro Woche sei eine 
Reduktion auf eine Sitzung pro Woche à 90 Minuten erfolgt; seit Sommer 
2013 sehe sie die Beschwerdeführerin einmal pro Woche für 60 Minuten. 
Bei der ersten Begegnung im Sommer 2010 habe die Beschwerdeführerin 
deutliche autistische Verhaltensweisen gezeigt, welche nach wie vor vor-

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handen seien, jedoch habe sich das soziale Verhalten positiv verändert. 
Sie erachte eine möglichst kontinuierliche therapeutische Betreuung als 
wichtig. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin entwicklungsfähig und zur 
Mitarbeit bereit, weshalb sie die Möglichkeit von Fördermassnahmen auch 
nutzen können sollte.

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.3 Aufgrund der Akten ist erstellt und unbestritten, dass bei der Be-
schwerdeführerin eine autistische Störung vorliegt (vgl. act. II 82 S. 1). Hin-
gegen ist zunächst umstritten, ob die Beschwerdegegnerin mit Blick auf 
diese autistische Störung und gestützt auf Art. 13 IVG i.V.m. Ziff. 405 An-
hang GgV Leistungen für die bei lic. phil. D.________ besuchte Psychothe-
rapie zu erbringen hat.

3.3.1 In der hier angefochtenen Verfügung vom 2. April 2014 (act. II 82) 
führte die Beschwerdegegnerin aus, das Geburtsgebrechen Ziff. 405 An-

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hang GgV sei bereits mit Verfügung vom 4. März 2011 (act. II 49) abge-
lehnt worden, da bis zum vollendeten fünften Lebensjahr der Beschwerde-
führerin (25. Dezember 2001) keine krankheitsspezifischen Symptome er-
kennbar und somit die Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt gewesen 
seien. Unter diesen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin auf das 
erneute Gesuch um medizinische Massnahmen (act. II 62), soweit es sinn-
gemäss mit Ziff. 405 Anhang GgV begründet wurde (vgl. act. II 62 S. 4 f. 
Ziff. 5.1 f.), zufolge einer abgeurteilten Sache (res iudicata) nicht eintreten 
sollen. Weder machen die Parteien geltend noch ergibt sich aus den Akten, 
dass nach Verfügungserlass vom 4. März 2011 (act. II 49) erhebliche neue 
Tatsachen entdeckt oder Beweismittel aufgefunden worden wären, deren 
Beibringung zuvor nicht möglich gewesen wäre (Art. 53 Abs. 1 ATSG), und 
die geeignet wären, zu einer anderen rechtlichen Beurteilung zu führen, 
womit die ursprüngliche Verfügung hätte in Revision gezogen werden müs-
sen (BGE 127 V 466 E. 2c S. 469). 

3.3.2 Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass 
die Beschwerdegegnerin die erneute Anmeldung vom 18. Oktober 2013 
(act. II 62), soweit sie mit Ziff. 405 Anhang GgV begründet wurde, sinn-
gemäss als Gesuch um Wiedererwägung (vgl. E. 2.4 hiervor) der Verfü-
gung vom 4. März 2011 (act. II 49) aufgefasst hat, darauf eingetreten ist 
und erneut einen ablehnenden Sachentscheid gefällt hat. Diesfalls hat sich 
die gerichtliche Überprüfung auf die Frage zu beschränken, ob die Voraus-
setzungen für eine Wiedererwägung der ursprünglichen Verfügung vom 
4. März 2011 gegeben sind (vgl. E. 2.4.2 hiervor). 

Die Beschwerdeführerin vermag eine grobe Fehlerhaftigkeit der Verwaltung 
nicht darzutun (vgl. E. 2.4.1 hiervor) und eine solche ist auch nicht ersicht-
lich. Mit Blick auf die vorstehenden medizinischen Berichte (E. 3.1 hiervor) 
kann eine Autismus-Spektrum-Störung insbesondere mangels echtzeitli-
cher medizinischer Unterlagen nicht als im Sinne von Ziff. 405 Anhang GgV 
vor Vollendung des fünften Altersjahrs erkennbar betrachtet werden. Inso-
fern ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin diesbezüglich 
ohne Vornahme von zusätzlichen Abklärungen einen erneut ablehnenden 
Sachentscheid gefällt hat.

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3.4 Weiter ist umstritten und zu prüfen, ob ein Anspruch auf medizini-
sche Massnahmen gestützt auf Art. 12 IVG besteht. 

3.4.1 Sowohl in der hier angefochtenen Verfügung vom 2. April 2014 
(act. II 82) wie auch in der Verfügung vom 4. März 2011 (act. II 49) führte 
die Beschwerdegegnerin aus, die Voraussetzungen für die Kostenüber-
nahme gemäss Art. 12 IVG seien nicht gegeben, da die Prognose und 
Dauer der Psychotherapie unbestimmt seien (act. II 82 S. 1). Somit liegt 
auch diesbezüglich eine abgeurteilte Sache (res iudicata) vor, jedoch nur 
für die Verhältnisse im Zeitpunkt der Verfügung vom 4. März 2011. Es ist 
damit zu prüfen, ob sich seither eine andere Beurteilung ergibt.

3.4.2 Mit Blick auf die medizinischen Unterlagen, insbesondere den Be-
richt von Dr. med. E.________ vom 7. Februar 2014 (vgl. E. 3.1.3 hiervor), 
ist davon auszugehen, dass die Psychotherapie bei lic. phil. D.________ 
seit Juli 2010 mit einer (bzw. zu Beginn zwei) Sitzung(en) pro Woche an-
dauert (vgl. auch E. 3.1.5 hiervor) und für zirka zwei weitere Jahre geplant 
ist. Demnach liegt nach wie vor eine auf Dauer angelegte und somit zeitlich 
unbeschränkte Psychotherapie vor, was – wie die Beschwerdegegnerin zu 
Recht ausführt (vgl. Beschwerdeantwort) – über den Anwendungsbereich 
von Art. 12 IVG hinausgeht (vgl. E. 2.2.2 hiervor). Unter diesen Umständen 
kann offen bleiben, ob die weitere Begründung der Beschwerdegegnerin 
zutrifft, wonach medizinische Massnahmen auch deshalb nicht zu ge-
währen seien, weil dadurch die Möglichkeit einer späteren Eingliederung 
ins Erwerbsleben nicht wesentlich verbessert werden könne (vgl. act. II 82). 

3.5 Zusammenfassend erhellt, dass die Beschwerdegegnerin die bean-
tragte medizinische Massnahme in Form von Psychotherapie – aufgrund 
ihrer unbestimmten Dauer und Prognose sowie mangels Vorliegens der 
Voraussetzungen gemäss Ziff. 405 Anhang GgV – zu Recht abgewiesen 
hat. Die Verfügung vom 2. April 2014 (act. II 82) erweist sich daher als 
rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen. 

4.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Jan. 2015, IV/14/463, Seite 14

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 500.--, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss 
gleicher Höhe entnommen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist 
zufolge Rückzugs als erledigt vom Protokoll des Verwaltungsgerichts abzu-
schreiben.

4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird als erledigt vom Pro-
tokoll abgeschrieben.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Jan. 2015, IV/14/463, Seite 15

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin lic. iur. C.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.