# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e6682451-e7c4-5c9a-b68d-daeae867439f
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-25
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 25.01.2024 AK.2023.393-AK
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_AK-2023-393-AK_2024-01-25.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: AK.2023.393-AK

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 04.06.2024

Entscheiddatum: 25.01.2024

Entscheid Kantonsgericht, 25.01.2024
Art. 7 StPO; Ermächtigung. Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag 
veräusserte die Gemeinde im Jahr 2010 ein 1999 erworbenes Grundstück an 
eine Gesellschaft. Vier Jahre später wurde das Grundstück im Grundbuch 
mit der Anmerkung "belasteter Standort nach Art. 32 Abs. 2 
Umweltschutzgesetz" versehen. Die Gesellschaft erstattete 2023 
Strafanzeige gegen die Behördenmitglieder der Gemeinde und den 
Grundbuchverwalter, welche am Veräusserungsgeschäft mitgewirkt hatten. 
Der Vorwurf lautete auf Betrug und Urkundenfälschung, weil sie nicht 
informiert worden sei, dass auf dem Nachbargrundstück ein bis an die 
Grenze des Kaufgrundstücks reichender, abklärungsbedürftiger belasteter 
Standort im entsprechenden Kataster erfasst gewesen sei. Eine 
Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens wurde nicht erteilt, weil 
das Grundstück in einem seit langem genutzten Gewerbe- und 
Industriegebiet liegt und dort mit belasteten Standorten zu rechnen ist. Im 
Zeitpunkt des Abschlusses des Kaufvertrags war zudem nicht bekannt, dass 
sich der Belastungsherd auf dem Nachbargrundstück auf das veräusserte 
Grundstück ausgewirkt hätte.

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 
 
Anklagekammer 

 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 25. Januar 2024  

Besetzung  Präsident Urs Gmünder, Mitglieder Dr. Armin Bossart und  
Franziska Wenk, a.o. Gerichtsschreiber Dr. Thomas Scherrer 

   

Geschäftsnr.   AK.2023.393-AK, AK.2023.394-AK, AK.2023-395 AK (ST.2023.27409)  
 

   

Verfahrens-
beteiligte 

 A.___, 
 

Anzeigerin,  
 
vertreten von Rechtsanwalt R.___,  
 

  gegen 
 

  1. X.___,  
 
2. Y.___, 
 
3. Z.___,  
 

Angezeigte,  
 

 

   

Gegenstand  Ermächtigung 
 
 

  

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 2/10 

  

Erwägungen 

 

I. 

 

A.-  a)  Die Politische Gemeinde M.__ und die – damals noch nicht in die Politische Ge-

meinde integrierte – Schulgemeinde M.__ erwarben am 20. Dezember 1999 das Grund-

stück Nr. K.__, Grundbuch M. Das Grundstück mit einer Fläche von […] Quadratmetern 

liegt in der Gewerbe- und Industriezone B und grenzt im Osten an das Grundstück Nr. L... 

Eigentümerin dieses Grundstücks ist die W.__ AG.  

 

b)  In den Jahren 2004 und 2005 stellte das Amt für Umwelt fest, der Untergrund des 

Grundstücks Nr. L.__, auf welchem seit 1962 bis etwa 1990 Textilmaschinen unter Ver-

wendung eines Entfettungsbads produziert worden waren, sei wahrscheinlich mit – mög-

licherweise chlorierten – Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Der mögliche Schadstoffherd 

wurde zunächst als belasteter Standort ohne Untersuchungsbedarf mit der westlichen 

Begrenzung auf der Grenze zwischen den Grundstücken Nrn. L.__ und K.__ in den Ka-

taster der belasteten Standorte aufgenommen. Die Politische Gemeinde M.__, die nach 

der damaligen Gesetzgebung für alle Massnahmen hinsichtlich belasteter Standorte – mit 

Ausnahme des Eintrags – zuständig war, wurde darüber informiert.  

 

Nachdem Abklärungen der Eigentümerin des Grundstücks Nr. L.__ im Februar 2006 ei-

nen grundsätzlichen Sanierungsbedarf ergeben hatten, empfahl das kantonale Amt für 

Umwelt der Grundeigentümerin und der für den Vollzug zuständigen Politischen Gemein-

de M.__, den Herd der Verschmutzung mittels Porenluftproben besser zu lokalisieren. Die 

technische Detailuntersuchung erlaubte eine grobe Lokalisierung des Belastungsherds 

unter den Gebäuden Vers.-Nrn. […]  und […]  auf dem Grundstück Nr. L.__. Weil die Be-

lastung seitlich rasch abklang, wurde davon ausgegangen, der Konzentrationswert ge-

mäss Altlastenverordnung im Grundwasser werde in einer Entfernung von 10-15 Metern 

nicht mehr erreicht. Um die räumliche Verteilung und Konzentration der Schadstoffe im 

Untergrund und im Grundwasser erfassen zu können, wurde im Januar 2008 die Durch-

führung von Rammkernsondierungen vorgeschlagen. Die von der Grundeigentümerin in 

Auftrag gegebene Untersuchung ergab eine sich von Südosten nach Nordwesten ausbrei-

tende Belastungsfahne. Die vollständige Ausdehnung nach Nordwesten konnte nicht er-

mittelt werden. Festgestellt wurde aber, dass die Schadstoffbelastung vermutlich auch auf 

dem Grundstück Nr. K.__ unter dem Konzentrationswert der Altlastenverordnung liegt. 

Eine Gefährdung des nutzbaren Grundwassers wurde in diesem Zeitpunkt ausgeschlos-

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 3/10 

  

sen. Der Berichterstatter empfahl, in den nächsten vier Jahren auf eine Sanierung zu ver-

zichten und den Standort im Jahr 2012 neu zu beurteilen.  

 

Aufgrund dieses Berichts teilte das Amt für Umwelt der Eigentümerin des Grundstücks 

Nr. L.__ und der zum Vollzug zuständigen Politischen Gemeinde M.__ mit, es fehle eine 

Dringlichkeitsstudie für eine allfällige Sanierung sowie Abklärungen zur Belastung bis in 

den Rheinschotter und zur Ausdehnung der Belastungsfahne. Ein entsprechender Bericht 

werde bis November 2009 erwartet. Die Grundeigentümerin und die Politische Gemeinde 

blieben untätig.  

 

c)  Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 16. Juni 2010 veräusserte die Politische 

Gemeinde M.__, handelnd durch den Gemeindepräsidenten X.__ und den Gemeinde-

schreiber Y.__ mit Zustimmung des Gemeinderats, das Grundstück Nr. K.__ zum "Basis-

kaufpreis" von Fr. 812'000.– – demselben Quadratmeterpreis, zu welchem sie es im Jahr 

1999 erworben hatte – an die A.___. Z.__, stellvertretender Grundbuchverwalter des 

Grundbuchs M.__, beurkundete den Kaufvertrag.  

 

d)  Am 1. Januar 2012 ging die Zuständigkeit zum Vollzug der Sanierung belasteter 

Standorte von den Politischen Gemeinden auf den Kanton über. Gestützt auf eine von der 

Grundeigentümerin im Februar 2013 eingereichte Zusammenfassung bisheriger und wei-

terer Untersuchungsergebnisse erweiterte das Amt für Umwelt den Eintrag im Kataster 

der belasteten Standorte auch auf das Grundstück Nr. K.__ (die Darstellung des Sach-

verhalts in den Erwägungen I/Ab und Ad stützt sich auf die Verfügung des Amts für Um-

welt vom 16. März 2023; act. 3/2). Am 1. Juli 2014 wurde das Grundstück Nr. K.__ im 

Grundbuch mit der Anmerkung "belasteter Standort nach Art. 32c Abs. 2 Umweltschutz-

gesetz" versehen (act. 3/1; zum Ganzen die Darstellung im Sachverhalt der Verfügung 

des Amts für Umwelt vom 16. März 2023; act. 3/2).  

 

B.-  Am 24. Juli 2023 erhob die A.__ durch ihren Rechtsvertreter beim Untersuchungsamt 

Uznach Strafanzeige gegen die Eigentümerin des Grundstücks Nr. L.__ sowie gegen 

X.__ und Y.__, die den Kaufvertrag über das Grundstück Nr. K.__ vom 16. Juni 2010 als 

Gemeindepräsident und Gemeindeschreiber unterzeichnet hatten, und Z.__, der den 

Kaufvertrag als (stellvertretender) Grundbuchverwalter des Grundbuchs M.__ beurkundet 

hatte. Dem Gemeindepräsidenten, dem Gemeindeschreiber und dem stellvertretenden 

Grundbuchverwalter werden Betrug und Urkundenfälschung sowie "allfällige andere Ver-

mögensdelikte" vorgeworfen.  

 

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 4/10 

  

C.-  Das Untersuchungsamt Uznach leitete das Schreiben des Rechtsvertreters der A.__ 

vom 24. Juli 2023 samt Beilagen am 24. August 2023 zum Entscheid über die Ermächti-

gung zur Eröffnung von Strafverfahren gegen X.__, Y.__ und Z.__ wegen Betrugs und 

Urkundenfälschung an die Anklagekammer weiter. X.__ liess sich am 8. September 2023 

vernehmen und ersuchte, von einer Ermächtigung abzusehen. Am 18. Oktober 2023 liess 

sich Y.__ vernehmen. Er beantragt, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei keine 

Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen ihn zu erteilen. Das Untersu-

chungsamt ergänzte die Akten mit einer Eingabe vom 28. September 2023 der W.__ AG, 

gegen welche die A.__ ebenfalls Strafanzeige erhoben hatte. Am 19. Oktober 2023 liess 

sich der Gemeindepräsident der Politischen Gemeinde M.__ für Z.__, Grundbuchverwal-

ter, vernehmen. Die A.__ nahm am 26. Oktober 2023 zu den Vernehmlassungen Stellung.  

 

 

II. 

 

1.- a)  Bei Strafanzeigen, welche die Amtsführung von Behördemitgliedern und Mitarbeite-

rinnen und Mitarbeitern des Kantons St. Gallen oder seiner Gemeinden betreffen, hat die 

Anklagekammer zuständigkeitshalber über die Ermächtigung zur Eröffnung eines Straf-

verfahrens zu entscheiden (Art. 7 Abs. 2 lit. b StPO und Art. 17 Abs. 2 lit. b EG-StPO). Die 

Angeschuldigten waren im Zeitpunkt des Abschlusses des öffentlich beurkundeten Kauf-

vertrags vom 16. Juni 2010 als Präsident (X.__) und Schreiber (Y.__) des Gemeinderats 

beziehungsweise als stellvertretender Grundbuchverwalter des Grundbuchamts M.__ 

(Z.__) und damit als Mitarbeiter der politischen Gemeinde M.__ tätig. Dass X.__ und Y.__ 

mittlerweile nicht mehr in diesen Ämtern sind, wirkt sich auf den Bestand des Ermächti-

gungsvorbehalts nicht aus (BGE 106 Ib 273, Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_267/ 

2018 vom 12. Juli 2019 E. 2.5; BSK StPO-RIEDO/FIOLKA, 3. Aufl., 2023, Art. 7 N 90).  

 

b)  Z.__ hat den Kaufvertrag vom 16. Juni 2010 öffentlich beurkundet. Abgesehen davon, 

dass diese Beurkundung Teil seiner Amtsführung ist (vgl. Art. 55 Abs. 1 ZGB, Art. 15 

Abs. 1 lit. c EG-ZGB), verlangt nach der Rechtsprechung der Anklagekammer die Verfol-

gung strafbarer Handlungen öffentlicher Notare ein Ermächtigungsverfahren (vgl. GVP 

2014 Nr. 66).  

 

c)  X.__ und Y.__ haben den Kaufvertrag als Vertreter der Politischen Gemeinde M.__, 

welche das Grundstück veräusserte, unterzeichnet. Die Politische Gemeinde handelt bei 

der Veräusserung des Grundstücks wie eine Private. Die Anzeigerin wirft dem Gemeinde-

präsidenten und dem Gemeindeschreiber deshalb zu Recht nicht vor, sie hätten ihre 

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 5/10 

  

Amtsgewalt missbraucht (Art. 312 StGB). Dies schliesst aber nicht aus, dass die Strafver-

folgung ihres Handelns der Ermächtigung durch die Anklagekammer bedarf. Dass das 

Handeln im Geltungsbereich des Ermächtigungsverfahrens liegt, setzt nicht nur ein Han-

deln als Mandatsträger, sondern – darüber hinaus – ein Handeln als Amtsperson, mithin 

ein Zusammenhang zwischen der deliktischen Tätigkeit und der amtlichen Stellung voraus 

(vgl. StPO-RIEDO/FIOLKA, Art. 7 N 91). Das Grundstückgeschäft lag in der Zuständigkeit 

des Gemeinderats. Dessen Zustimmung zur Veräusserung lag vor (vgl. Ziff. 13 der weite-

ren Vertragsbestimmungen, Art. 32 der damals geltenden Gemeindeordnung, heute 

Art. 29 der seit 1. Mai 2012 in Vollzug stehenden Gemeindeordnung). Für den Gemeinde-

rat handelten beim Abschluss des Kaufvertrags der Gemeindepräsident und der Gemein-

deschreiber. Ihre amtliche Stellung und die Tätigkeit, die sie in strafbarer Weise ausgeübt 

haben sollen, hängen damit zusammen. Dementsprechend bedarf auch die Eröffnung des 

Strafverfahrens gegen X.__ und Y.__ der Ermächtigung durch die Anklagekammer.  

 

2.-  Die Einleitung eines strafrechtlichen Vorverfahrens setzt einen Verdacht, es sei eine 

Straftat begangen worden, voraus (vgl. Art. 299 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwaltschaft 

eröffnet eine Strafuntersuchung unter anderem dann, wenn sich aus den zur Verfügung 

stehenden Unterlagen ein hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). 

Dabei genügt grundsätzlich ein Anfangsverdacht. Eine vage Vermutung reicht für die Auf-

nahme von Ermittlungs- und Untersuchungshandlungen allerdings nicht aus. Der ange-

zeigte Sachverhalt muss Anhaltspunkte enthalten, welche die Verwirklichung eines Straf-

tatbestands sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht nahelegen (BSK StPO-

HAGENSTEIN, 3. Aufl. 2023, Art. 302 N 25; BSK StPO-OMLIN, 3. Aufl. 2023, Art. 309 N 26 

ff.). Dementsprechend ist rechtsprechungsgemäss für die Erteilung der Ermächtigung ein 

Mindestmass an Hinweisen auf strafrechtlich relevantes Verhalten zu verlangen. Nicht 

jeder behördliche Fehler begründet die Pflicht zur Erteilung der Ermächtigung zur Straf-

verfolgung. Vielmehr muss eine Kompetenzüberschreitung oder eine gemessen an den 

Amtspflichten missbräuchliche Vorgehensweise oder ein sonstiges Verhalten, das straf-

rechtliche Konsequenzen zu zeitigen vermag, in minimaler Weise glaubhaft erscheinen 

und es müssen genügend Anhaltspunkte für eine strafbare Handlung vorliegen (Urteil des 

Bundesgerichts [BGer] 1C_565/2022 vom 1. Mai 2023 E. 2.2).  

 

Im vorliegenden Verfahren ist allein unter strafrechtlichen Gesichtspunkten darüber zu 

entscheiden, ob bezüglich des angezeigten Sachverhalts – das vorgeworfene Verschwei-

gen des Umstands, dass das an die Anzeigerin veräusserte Grundstück an einen belaste-

ten Standort angrenzte und selbst möglicherweise ebenfalls in einem Ausmass belastet 

war, welches Sanierungsmassnahmen und damit einhergehend Nutzungsbeschränkun-

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 6/10 

  

gen nach sich zieht – die Voraussetzungen für die Erteilung der Ermächtigung zur Eröff-

nung eines Strafverfahrens gegen X.__, Y.__ und Z.__ erfüllt. Die Anzeigerin wirft ihnen 

vor, sie betrogen (Art. 146 StGB, dazu nachfolgend Erwägung 3) und eine Urkunde ge-

fälscht (Art. 251 und Art. 317 StGB, dazu nachfolgend Erwägung 4) sowie allenfalls ande-

re Vermögensdelikte (dazu Erwägung 5) begangen zu haben. Bei Z.__, der nicht nur als 

Urkundsperson, sondern – möglicherweise – mit der Eintragung der Handänderung im 

Grundbuch auch als Grundbuchverwalter mitwirkte, kann – neben den zur Anzeige ge-

langten Tatbeständen des Betrugs und der Urkundenfälschung – ein Amtsmissbrauch 

(Art. 312 StGB) in Frage stehen (dazu Erwägung 6).  

 

Die Zuständigkeit der Anklagekammer, die Strafverfolgungsbehörden zur Eröffnung eines 

Strafverfahrens zu ermächtigen, beschränkt sich nach Art. 17 Abs. 2 lit. b EG-StPO auf 

Verbrechen und Vergehen, das heisst auf Straftaten, die mit Freiheits- oder Geldstrafen 

bedroht sind (Art. 10 StGB). Die Straftatbestände des Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB), der 

Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 und Art. 317 Ziff. 1 StGB) und des Amtsmissbrauchs 

(Art. 312 StGB) sind gleichermassen mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe 

bedroht und erfüllen diese Voraussetzung.  

 

3.-  Des Betrugs macht sich schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrecht-

mässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen 

arglistig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich 

selbst oder einen andern am Vermögen schädigt (Art.  146 Abs. 1 StGB). Betrügerisches 

Verhalten ist strafrechtlich erst relevant, wenn der Täter mit einer gewissen Raffinesse 

und Durchtriebenheit täuscht. Mithin muss der Täter den Geschädigten in arglistiger Wei-

se – das heisst durch Errichtung eines Lügengebäudes oder Einsatz besonderer Machen-

schaften oder Kniffe – täuschen und dadurch beim Geschädigten einen Irrtum bewirken, 

so dass dieser zur Vornahme einer Vermögensdisposition bestimmt wird und bei ihm oder 

einem Dritten ein Vermögensschaden entsteht (BGer 6B_184/2017 vom 19. Juli 2017 

E. 1.2; BGE 135 IV 76 E. 5.1).  

 

Bei der Klage über Lug und Trug geht es um (straf-)rechtlich nicht relevante Verstösse 

gegen das ethische Gebot der Ehrlichkeit, sofern sie nicht in einer (Straf-)Rechtsnorm 

dupliziert sind (BSK StGB-MAEDER/NIGGLI, 4. Aufl. 2019, Art. 146 N 2). Einigkeit herrscht 

– zurzeit – darüber, dass nicht die Ehrlichkeit Rechtsgut von Art. 146 StGB sei, sondern 

die Täuschung (blosses) Angriffsmittel auf das Rechtsgut des Vermögens (BSK StGB-

MAEDER/NIGGLI, Art. 146 N 11). Es gibt keine grundsätzliche Rechtspflicht, wonach Infor-

mationsvorsprünge mit einer Vertragspartei geteilt werden müssten. Das gilt besonders 

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 7/10 

  

dort, wo solche Informationen die Basis für innere Tatsachen bilden (Beurteilung zukünfti-

ger Entwicklung; vgl. BSK StGB-MAEDER/NIGGLI, Art. 146 N 52). Täterseitig setzt Arglist 

eine qualifizierte Täuschungshandlung voraus. Massgebend ist, wie der Täter die dem 

Opfer zur Verfügung stehenden Möglichkeiten des Selbstschutzes einschätzt (vgl. BGE 

143 IV 302 E. 1.3). Art und Intensität der angewendeten Täuschungsmittel müssen eine 

erhöhte Gefährlichkeit offenbaren. Eine solche Situation liegt bei mehrfachen, raffiniert 

aufeinander abgestimmten Lügen (sogenannten Lügengebäuden) vor, durch welche sich 

selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt, oder bei besonderen Machenschaften im Sinn 

von Inszenierungen, die durch intensive, planmässige und systematische Vorkehrungen, 

nicht aber durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität gekennzeich-

net sind (vgl. BGE 143 IV 302 E. 1.3.1).  

 

Das den Angezeigten vorgeworfene Verhalten erschöpft sich darin, die Anzeigerin nicht 

über den Umstand informiert zu haben, dass auf dem Nachbargrundstück Nr. L.__ ein bis 

an die Grenze des Kaufgrundstücks reichender abklärungsbedürftiger belasteter Standort 

im entsprechenden Kataster erfasst war, dessen Belastungsherd sich möglicherweise 

auch auf das Kaufobjekt ausdehnte oder noch ausdehnen würde. Das von der Anzeigerin 

erworbene Grundstück liegt in einem seit langem genutzten Gewerbe- und Industriege-

biet. Dass in solchen Gebieten mit belasteten Standorten zu rechnen ist, entspricht einer 

Erfahrungstatsache, die insbesondere auch der Anzeigerin bekannt sein musste, zumal 

sie den Handel mit sowie die Verwaltung und Vermietung von Geschäfts- und Betriebslie-

genschaften bezweckt (Internet Information aus dem Handelsregister des Kantons 

St. Gallen, https://www.zefix.ch, Stand 24. Januar 2024). Der Anzeigerin wäre es ohne 

weiteres möglich gewesen, sich Einblick in diesen Kataster zu verschaffen und sich in der 

Folge bei der Verkäuferin und vor allem beim Amt für Umwelt zu künftigen Sanierungs-

pflichten und drohenden Nutzungsbeschränkungen zu erkundigen.  

 

Im Zeitpunkt des Abschlusses des Kaufvertrags war nicht bekannt, dass der Belastungs-

herd auf dem Grundstück Nr. L.__ sich bereits auf das Grundstück Nr. K.__ ausgewirkt 

hätte. Kann der Erwerberin daraus, dass sie die Beschaffenheit des Bodens auf dem 

Kaufgrundstück nicht untersucht hat, keine mangelnde Sorgfalt vorgeworfen werden (vgl. 

Erwägung II/c/bb der Verfügung des Amts für Umwelt vom 16. März 2023; act. 3/2, Seite 

14 Mitte), kann dies auch der Verkäuferin nicht vorgehalten werden. In den Kataster der 

belasteten Standorte wurde das Grundstück Nr. K.__ am 5. April 2013 aufgenommen und 

am 1. Juli 2014 mit der entsprechenden Anmerkung im Grundbuch versehen. Diese Um-

stände veranlassten aber die Erwerberin, die darüber zweifellos in Kenntnis gesetzt wur-

de, nicht, bereits damals – was sie ohne Weiteres hätte tun können – Strafanzeige zu 

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 8/10 

  

erstatten. Ob die Wegbedingung der Gewährleistung der Bodenbeschaffenheit im Rah-

men des gesetzlich Zulässigen (Ziff. 8 der weiteren Vertragsbestimmungen; act. 3/3) auch 

Belastungen wie die auf dem Grundstück mittlerweile festgestellten umfasst, ist eine Fra-

ge des Privatrechts. Strafrechtlich ist diese Wegbedingung jedenfalls nicht von Belang.  

 

Insgesamt lassen sich der Anzeige und den vorliegenden Akten nicht genügend Anhalts-

punkte dafür entnehmen, dass die Angezeigten der Anzeigerin gegenüber beim Ab-

schluss des Kaufvertrags neben dem Verschweigen des belasteten Standorts auf dem 

Nachbargrundstück Nr. L.__ mit weiteren Aussagen und Zusicherungen diese Tatsache 

vertuscht hätten. Vielmehr hätte der Ausschluss der Gewährleistung bezüglich der Bo-

denbeschaffenheit im gesetzlich zulässigen Rahmen durch die Verkäuferin in Ziffer 8 der 

weiteren Vertragsbedingungen bei der Erwerberin durchaus die Frage auslösen können, 

in welcher Hinsicht denn die Bodenbeschaffenheit bei der Nutzung des Grundstücks von 

Belang sein könnte.  

 

4.  Die Anzeigerin wirft den Angezeigten mit der Begründung des wissentlichen Nichtauf-

führens des belasteten Standorts auf dem Nachbargrundstück eine unrichtige Beurkun-

dung vor. Der Urkundenfälschung macht sich gemäss Art. 251 Ziffer 1 StGB unter ande-

rem strafbar, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu 

schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, 

eine Urkunde fälscht oder verfälscht oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig 

beurkundet oder beurkunden lässt. Soweit die Anzeigerin Z.__, der den Kaufvertrag öf-

fentlich beurkundete, Urkundenfälschung vorwirft, steht der Tatbestand der Urkundenfäl-

schung im Amt im Raum (Art. 317 StGB; vgl. BSK StGB-BOOG, 4. Aufl. 2019, Art. 317 N 

2). Bei der Tathandlung der Falschbeurkundung gelten bezüglich der Urkundenfälschung 

im Amt die gleichen Voraussetzungen wie bei Art. 251 StGB (PK StGB-TRECHSEL/ERNI, 

4. Aufl. 2021, Art. 317 N 6). Auch fahrlässige Urkundenfälschung im Amt ist strafbar, steht 

allerdings lediglich unter der Strafandrohung der Busse (Art. 317 Ziff. 2 StGB). Da es sich 

damit um eine Übertretung handelt, gilt hier der Ermächtigungsvorbehalt nicht.  

 

Die unrichtige Beurkundung einer rechtlich erheblichen Tatsache setzt voraus, dass sich 

die Urkunde zu dieser überhaupt äussert (vgl. BGE 133 IV 36 E. 4.2). Zu fragen ist also 

zunächst, welche Aussage die Urkunde enthält. Denn nur auf die in ihr selbst unmittelbar 

bezeugten Sachverhalte kann sich ihre Beweisfunktion überhaupt beziehen (vgl. BSK 

StGB-BOOG, 4. Aufl. 2019, Art. 251 N 73). Die Urkunde kann somit nur für den in ihr be-

zeugten Sachverhalt, niemals aber für dessen tatsächliche oder rechtliche Voraussetzun-

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 9/10 

  

gen Beweis erbringen, worauf bloss mittelbar aus den beurkundeten Tatsachen geschlos-

sen werden kann. Diese sind nicht konkludent mitbeurkundet (BGE 131 IV 125 E. 4.5).  

 

Der Kaufvertrag vom 16. Juni 2010 über das Grundstück Nr. K.__ enthält keine unrichti-

gen Inhalte. Er erweist sich deshalb nicht als unwahr. Die Anzeigerin wirft den Angezeig-

ten allerdings vor, der Vertrag habe etwas nicht enthalten, was er hätte enthalten müssen. 

Sie nennt allerdings keine rechtliche Grundlage dafür, dass im Kaufvertrag für dessen 

gültigen Abschluss auf den belasteten Standort auf dem Nachbargrundstück hätte hinge-

wiesen werden müssen. Der Inhalt des Kaufvertrags erscheint deshalb auch nicht als 

lückenhaft. Insbesondere ist er nicht geeignet, inhaltlich hinsichtlich der Bodenbeschaf-

fenheit zu belegen, dass der Untergrund des veräusserten Grundstücks unbelastet ist. 

Inwieweit der für den gültigen Abschluss des Kaufvertrags erforderliche und der in der 

Urkunde enthaltene Sachverhalt nicht übereinstimmen, ist deshalb nicht ersichtlich. Der in 

der Urkunde enthaltene Sachverhalt entspricht der Wirklichkeit.  

 

5.  Welche anderen Vermögensdelikte von Belang sein könnten, ist nicht ersichtlich. Steht 

mangels arglistiger Irreführung kein Betrug im Sinn von Art. 146 StGB in Frage, fällt ins-

besondere auch die arglistige Vermögensschädigung gemäss Art. 151 StGB ausser Be-

tracht.  

 

6.  Nach Art. 312 StGB zieht der Missbrauch der Amtsgewalt, um sich oder einem andern 

einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder einem andern einen Nachteil zuzufü-

gen, eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe nach sich. Art. 83 der 

Grundbuchverordnung (SR 211.4321.1, GBV) regelt die allgemeine Prüfungspflicht des 

Grundbuchamts. Die Prüfung des Rechtsgrunds durch den Grundbuchverwalter bezieht 

sich in erster Linie darauf, ob die für dessen Gültigkeit erforderliche Form erfüllt ist 

(Art. 965 Abs. 3 ZGB; Art. 83 Abs. 2 lit. g GBV); aus materiellen Gründen weist der 

Grundbuchverwalter die Anmeldung nur in offensichtlichen Fällen ab (vgl. BGer 

2C_484/2018 vom 19. August 2019 E. 2.2; BGE 141 III 13 E. 4.1, 124 III 341 E. 2b). Ziff. 8 

der weiteren Vertragsbestimmungen regelte die Gewährleistung bezüglich der Bodenbe-

schaffenheit. In seiner Funktion als stellvertretender Grundbuchverwalter bestand damit 

kein Anlass, die Anmeldung wegen offensichtlicher materieller Unrichtigkeit abzuweisen. 

Es bestehen damit auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Z.__ seine Amtsgewalt als 

Grundbuchverwalter missbraucht hätte.  

 

7.-  Zusammenfassend ergeben sich keinerlei hinreichend konkreten Anhaltspunkte für 

ein strafbares Verhalten der Angezeigten. Es ist deshalb keine Ermächtigung zur Eröff-

 

 

 

 

 

AK.2023.393-AK 10/10 

  

nung von Strafverfahren gegen X.__ und Y.__, die den Kaufvertrag vom 16. Juni 2010 als 

Gemeindepräsident und Gemeindeschreiber für den Gemeinderat der Politischen Ge-

meinde M.__ handelnd unterzeichnet haben, und gegen Z.__, welcher den Kaufvertrag 

als stellvertretender Grundbuchverwalter des Grundbuchs M.__ öffentlich beurkundet und 

– möglicherweise – im Grundbuch eingetragen hat.  

 

8.-  Im Ermächtigungsverfahren sind unabhängig vom Ausgang des Verfahrens praxis-

gemäss weder amtliche Kosten zu erheben noch Parteientschädigungen zuzusprechen 

(Art. 3 Abs. 1 EG-StPO).  

 

 

Entscheid 

 

1. Die Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen X.__, Y.__ und Z.__, 
Gemeindepräsident und Gemeindeschreiber der Politischen Gemeinde M.__ sowie 
stellvertretender Grundbuchverwalter des Grundbuchs M.__ im Zeitpunkt des Ab-
schlusses des Kaufvertrags mit der Anzeigerin über das Grundstück Nr. K.__ am 
16. Juni 2010, wird nicht erteilt.  

 
2. Es werden keine Kosten erhoben.  
 
 
 
 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 25.01.2024
	Art. 7 StPO; Ermächtigung. Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag veräusserte die Gemeinde im Jahr 2010 ein 1999 erworbenes Grundstück an eine Gesellschaft. Vier Jahre später wurde das Grundstück im Grundbuch mit der Anmerkung "belasteter Standort nach Art. 32 Abs. 2 Umweltschutzgesetz" versehen. Die Gesellschaft erstattete 2023 Strafanzeige gegen die Behördenmitglieder der Gemeinde und den Grundbuchverwalter, welche am Veräusserungsgeschäft mitgewirkt hatten. Der Vorwurf lautete auf Betrug und Urkundenfälschung, weil sie nicht informiert worden sei, dass auf dem Nachbargrundstück ein bis an die Grenze des Kaufgrundstücks reichender, abklärungsbedürftiger belasteter Standort im entsprechenden Kataster erfasst gewesen sei. Eine Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens wurde nicht erteilt, weil das Grundstück in einem seit langem genutzten Gewerbe- und Industriegebiet liegt und dort mit belasteten Standorten zu rechnen ist. Im Zeitpunkt des Abschlusses des Kaufvertrags war zudem nicht bekannt, dass sich der Belastungsherd auf dem Nachbargrundstück auf das veräusserte Grundstück ausgewirkt hätte.

		2026-01-28T05:33:27+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen