# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93a5c2d9-4887-55f8-af3d-9a59e1c69eec
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 E-3219/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3219-2011_2012-01-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­3219/2011

U r t e i l   v om   1 6 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter Walter Stöckli, 
Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer.

Parteien A._______, geboren am (…),
Sri Lanka, 
vertreten durch Barbara Frei­Koller, Freiplatzaktion Basel, 
Asyl und Integration, Beratungsstelle für Menschen aus 
Sri Lanka, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 
vom 4. Mai 2011 / N (…).

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Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat  Sri  Lanka  am  24.  Januar  2010  und  gelangte  über  den 
Flughafen  Colombo  via  Doha  (Katar)  und  Italien  unter  Umgehung  der 
Grenzkontrolle am 25. Januar 2010 in die Schweiz, wo er am 27. Januar 
2010  im  Emfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl 
nachsuchte.  Am  29. Januar  2010  fand  im  EVZ  B._______  die 
summarische  Befragung  zur  Person  statt  und  am  15.  Februar  2010 
erfolgte die Bundesanhörung zu den Asylgründen. 

Anlässlich  der  Kurzbefragung  sowie  der  Anhörung  machte  der 
Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und 
stamme  aus  C._______(Distrikt  Jaffna),  wo  er  zusammen  mit  (…) 
aufgewachsen sei. Als es im Jahre 2006 unweit seines Arbeitsplatzes zu 
einer  Bombenexplosion  gekommen  sei,  bei  welcher  ein  Armeefahrzeug 
stark  beschädigt  worden  sei,  sei  er  von  der  SLA  (Sri  Lanka  Artillery) 
wegen  Verdachts,  diesen  Bombenanschlag  verübt  zu  haben  und  in 
Kontakt  zu  den  LTTE  (Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam)  zu  stehen,  zu 
Hause  aufgesucht,  festgenommen  und  in  das  Militärcamp  Valvai 
abgeführt  worden.  Armeemitglieder  hätten  ihn  dort  verhört, misshandelt 
und  tags  darauf  wieder  freigelassen.  Wegen  der  dort  erlittenen 
Verletzungen  habe  er  sich  im  Spital  D._______  in  Jaffna  ärztlich 
behandeln  müssen  und  sei  hospitalisiert  worden.  Während  seines 
Spitalaufenthalts  von  ungefähr  eineinhalb Monaten  habe  er  von  seinem 
Vater  erfahren,  dass  er  von  der  SLA  zu  Hause  gesucht  worden  sei, 
weshalb er nach dem Spitalaustritt nach E._______ (Vannigebiet) zu (…) 
geflüchtet sei. Während seines Aufenthalts in E._______ sei er im Jahre 
2009  von  den  LTTE  zwangsrekrutiert  worden.  Nach  ungefähr  einem 
Monat  habe  er  aus  dem  Camp  entkommen  können  und  sei  nach 
F._______ zu einem Kollegen geflüchtet. Dort habe er von seinem Vater 
erfahren, dass er (der Beschwerdeführer) von der SLA weiterhin gesucht 
werde. Vor diesem Hintergrund sei er zusammen mit  seinem Vater, der 
inzwischen einen Schlepper organisiert habe, nach Colombo gereist, wo 
er sich sieben Monate lang in einer Lodge aufgehalten habe, bevor er Sri 
Lanka mit Hilfe des Schleppers am 24. Januar 2010 verlassen habe. 

Für  weitere  Ausführungen  kann  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten 
verwiesen werden. 

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Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  liess  der  Beschwerdeführer  mehrere 
Originaldokumente in englischer Sprache zu den Akten reichen.

B. 
Mit Verfügung vom 4. Mai 2011 – eröffnet am 5. Mai 2011 – stellte das 
BFM  fest,  der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft  nicht, 
und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung 
aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. 

C. 
Mit  Eingabe  vom  6.  Juni  2011  –  Datum  Poststempel  –  an  das 
Schweizerische  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer 
durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde erheben und beantragen, die 
angefochtene  Verfügung  des  BFM  sei  vollumfänglich  aufzuheben  und 
ihm  sei Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die Unzulässigkeit,  allenfalls 
die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  als 
Folge  davon  sei  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu 
gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die 
Zuerkennung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  die 
Gewährung  des  Replikrechts.  Gleichzeitig  liess  er  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersuchen.

Seiner  Beschwerde  liess  er  nebst  der  Vollmachtserklärung  seiner 
Rechtsvertreterin  zwei Stellungnahmen,  die  eine  zur Befragung  im EVZ 
B._______  vom  29.  Januar  2010  und  die  andere  zur  Bundesanhörung 
vom 15. Februar 2010 einreichen. 

Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  wesentlich,  in  den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Juni  2011  stellte  die  zuständige 
Instruktionsrichterin  fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten,  verwies  den  Entscheid  über  das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen 
späteren  Zeitpunkt  und  verzichtete  antragsgemäss  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  lud  sie  das  BFM  zur 
Stellungnahme ein.

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E. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  10.  Juni  2011  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Die  dem  Beschwerdeführer  am  17.  Juni 
2011 angesetzte Frist zur Replik verstrich ungenutzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Eine solche Ausnahme gemäss Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 
vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig.

1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.4. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der 
Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist daher zur Einreichung der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie 
genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen 
sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten 
nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den 
Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber 
hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die 
nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet 
ferner  –  im  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 
Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, 
welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  im 
Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  aller  Elemente  (übereinstimmende 
Angaben  bezüglich  des  vorgebrachten  Sachverhaltes,  Substanziiertheit 
und  Plausibilität  der  Vorbringen,  persönliche  Glaubwürdigkeit) 
überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise 
abzustellen  (vgl.  Art. 7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2005  Nr. 21  E. 6.1  S.   190  f.).  Für  das  Glaubhaftmachen  reicht  es 

http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21
http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21

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demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 
in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende 
Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung  sprechen 
(vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.149;  Handbuch  zum  Asyl­ 
und Wegweisungsverfahren, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], 
Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 161 ff.; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3.a S. 270).

4.  
4.1.  Das  BFM  führte  in  seiner  Verfügung  vom  4.  Mai  2011  zur 
Begründung  der  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft  des 
Beschwerdeführers  aus,  dessen  Vorbringen  genügten  den 
Anforderungen an das Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 7 AsylG nicht. 
So  habe  er  sich  in  Bezug  auf  die  Festnahme  widersprochen.  Im  EVZ 
habe er angegeben, er sei im Jahr 2006 festgenommen und am zweiten 
Tag  nach  der  Festnahme  wieder  freigelassen  worden. Während  dieser 
zwei  Tage  habe  man  ihn  geschlagen.  Bei  der  einlässlichen  Anhörung 
habe er demgegenüber angeführt, am ersten Tag der Festnahme sei er 
lediglich  kontrolliert  und  aufgefordert  worden,  sich  am  nächsten  Tag  im 
Militärcamp  zu  melden.  Er  habe  dies  getan  und  sei  dort  drei  bis  vier 
Stunden  lang  festgehalten,  verhört  und  danach  nach  Hause  geschickt 
worden. Am Tag darauf hätten  ihn die srilankischen Soldaten zu Hause 
festgenommen  und  im  Camp  massiv  gefoltert.  Im  Widerspruch  zur 
Aussage,  wonach  er  zwei  Tage  nach  der  Bombenexplosion  und  einen 
Tag nach dem ersten Besuch im Militärcamp festgenommen worden sei, 
stehe  in  den  abgegebenen  Beweismitteln,  dass  zwischen  der  ersten 
Meldung im Camp und der Festnahme zwei Wochen vergangen seien. Im 
Gegensatz zu den Ausführungen des Beschwerdeführers gehe aus den 
Beweismitteln sodann hervor, dass er der Aufforderung, sich im Camp zu 
melden,  nicht  nachgekommen  sei  und  erst  danach  festgenommen 
worden  sei.  Es  erstaune  unter  diesen  Umständen  nicht,  dass  der 
Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  über  den  Inhalt  der 
eingereichten Beweismittel Auskunft zu geben.

Weiter sei verwunderlich, dass er weder den genauen Zeitpunkt noch die 
genaue  Dauer  der  angeblichen  Aufenthalte  bei  den  LTTE  sowie  in 
F._______  und  in  E._______  anzugeben  vermocht  habe.  Zudem  sei 
zumindest  erstaunlich,  dass  er  sich  eines  Tages  problemlos  aus  dem 
Camp der LTTE habe entfernen und zu Hause weiterleben können. Dass 
der  Beschwerdeführer  sieben  Monate  lang  in  Colombo  gewohnt  habe, 
obschon  er  von  der  SLA  festgenommen,  gefoltert  und  gesucht  worden 

http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28
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sei,  widerspreche  der  allgemeinen  Lebenserfahrung,  da  es  für  die  SLA 
ein  Leichtes  gewesen  wäre,  ihn  dort  ausfindig  zu  machen.  Dies  umso 
mehr,  als  er  seinen  Angaben  zufolge  mehrere  Male  unter  Vorweisung 
seines Identitätsausweises kontrolliert worden sei. 

4.2.  Nach  eingehender  Prüfung  der  Akten  ist  festzustellen,  dass  die 
Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  die  Unglaubhaftigkeit  der 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  überzeugend  und  rechtskonform 
dargelegt  hat.  Diese  Erkenntnisse  vermag  der  Beschwerdeführer  in 
seiner  Rechtsmitteleingabe  nicht  umzustossen.  So  kann  das 
Bundesverwaltungsgericht  der  Meinung  in  seiner  Beschwerdeschrift, 
welche  durch  die  beigelegten  schriftlichen  Aussagen  der  an  den 
Befragungen  beteiligten  zwei  Substituten  untermauert  werden  soll  und 
wonach seine Aussagen zu seiner Festnahme durch die Armee im Jahre 
2006 wegen seiner verminderten intellektuellen Fähigkeit und wegen der 
Art  und  Weise  der  Durchführung  der  Befragung  sowie  der 
Bundesanhörung  widersprüchlich  ausgefallen  seien,  nicht  folgen.  Es 
ergeben  sich  aus  den  Akten  keine  Hinweise  darauf,  dass  das 
Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers  auf  einen  verminderten 
Intellekt,  eine  psychisch  angeschlagene  Situation  respektive  ein 
aggressives  oder  gleichgültiges  Befragungsklima  zurückzuführen 
gewesen wäre. Was letztere Behauptung anbelangt, ist insbesondere auf 
die  Anhörung  zu  verweisen,  wo  der  Sachbearbeiter  den 
Beschwerdeführer,  welcher  offenbar  auf  eine  Frage  zu  seinem Vater  in 
leises  Schluchzen  ausgebrochen  war,  sich  nach  dem  Befinden  des 
Beschwerdeführers erkundigte und ihn fragte, ob er eine Pause machen 
wolle  (vgl.  A14/15  S.  10  F:  108).  Dies  deutet  gerade  nicht  auf  eine 
aggressive Stimmung hin. Das Aussageverhalten des Beschwerdeführers 
veranlasste  die  Befrager  auch  nicht  zu  etwaigen  Unterbrüchen  oder 
Bemerkungen.  Der  Beschwerdeführer  machte  im  Verlaufe  der 
Befragungen  in  dieser  Hinsicht  denn  auch  keinerlei  Andeutungen  oder 
derartige Aussagen. Der bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertreter 
sowie auch der substituierte Rechtsvertreter hielten  im Nachgang an die 
Anhörung  ebenfalls  keine  gegen  die  Aussagefähigkeit  des 
Beschwerdeführers,  den  Befragungsstil  oder  die  Korrektheit  der 
Anhörung  sprechende  Einwände  fest.  In  diesem  Zusammenhang  geht 
aus  dem  Anhörungsprotokoll  hervor,  dass  die  Antworten  des 
Beschwerdeführers  auf  die  zwei  Nachfragen  des  Hilfswerksvertreters 
(vgl. A14/15 S. 12 F: 134 und F:135) und die insgesamt fünf Nachfragen 
des  substituierten Rechtsvertreters  (vgl. A14/15 S.  12  f.  F:  136,  F:  138, 
F: 140  –  143)  genauso  knapp  und  unsubstanziiert  ausfielen.  Es  ist  aus 

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den  Akten  auch  abzuleiten,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Bedeutung 
und Tragweite des Asylverfahrens  sehr wohl erfassen konnte. Hinweise 
auf  eine  allfällige Urteilsunfähigkeit  sind  zudem nicht  zu  entnehmen.  Im 
Rahmen  seiner  Mitwirkungspflicht  wäre  es  dem  Beschwerdeführer 
sodann  unbenommen  gewesen,  bei  Bedarf  ein  ärztliches  Zeugnis 
einzureichen, welches allfällige psychische Beeinträchtigungen respektive 
eine  verminderte  Intelligenz  oder  gar  fehlende  Fähigkeit,  auch  einfache 
Fragen  zu  beantworten,  belegt  hätten.  Zudem  ist  den  Protokollen  auch 
nicht  zu entnehmen, dass es  ihm wegen seines Alters  oder  infolge  von 
Geisteskrankheit,  Geistesschwäche,  Trunkenheit  oder  ähnlichen 
Zuständen  an  der  Fähigkeit  zu  vernunftgemässem  Handeln  gemangelt 
hätte. Auch wenn er über keine oder geringe Bildung verfügt und es  für 
ihn nicht einfach sein dürfte,  in einem  fremden Land  respektive  fremder 
Kultur  zu  sein,  darf  von  einer  asylsuchenden  Person  verlangt  werden, 
dass  sie  dazu  beiträgt,  an  der  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts  mitzuwirken  und  namentlich  die  Verfolgungssituation 
nachvollziehbar  zu  schildern,  wozu  dem  Beschwerdeführer  im  Übrigen 
hinreichend Gelegenheit  gegeben worden  ist.  Da  er  sich  anlässlich  der 
Anhörung  auf  die  Frage  nach  seinem  gesundheitlichen  Zustand 
respektive  seinen  Beschwerden  nicht  zu  einem  allfällig  schlechten 
psychischen  Zustand  geäussert  hat,  sondern  bloss  ausführte,  er  habe 
seit  seiner  Kindheit  ab  und  zu  (…),  habe  aus  der  Nase  geblutet  und 
wegen der Kälte Schmerzen im Arm (vgl. A14/15 S. 3 und 13), muss der 
Einwand  in  der  Beschwerde,  wonach  er  seit  längerem  psychisch 
angeschlagen  sei,  als  Schutzbehauptung  gewertet  werden.  Schliesslich 
ist  festzustellen,  dass  er  im  Nachgang  an  die  Befragung  und  die 
Anhörung  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift 
genehmigt  hat,  weshalb  er  sich  seine  Aussagen  grundsätzlich 
entgegenhalten lassen muss. Die Rüge, das BFM habe den Sachverhalt 
ungenügend festgestellt, stösst somit ins Leere. 

Den  übrigen  Vorhaltungen  des  BFM  hält  der  Beschwerdeführer 
bezeichnenderweise  nichts  Substanzielles  entgegen,  sondern  begnügt 
sich  im  Wesentlichen  damit,  unter  Verweis  auf  Protokollstellen  die 
Aussagen des Beschwerdeführers zu wiederholen und zu behaupten, die 
aufgetretenen  Widersprüche  seien  unwesentlicher  Natur.  In 
Übereinstimmung  mit  dem  BFM  geht  das  Bundesverwaltungsgericht 
davon  aus,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Verfolgungsgründe  insgesamt  als  unglaubhaft  zu  werten  sind  und  er 
folglich  im  Zeitpunkt  des  Verlassens  seines  Heimatlandes  nicht  in 
asylrelevanter  Weise  verfolgt  worden  ist.  Aufgrund  der  Akten  erweisen 

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sich die Erwägungen des BFM zu den Fluchtgründen als zutreffend und 
es  kann  vorweg  vollumfänglich  darauf  verwiesen  werden.  Ergänzend 
bleibt  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten 
Umstände und die Chronologie, die nach der Bombenexplosion zu seiner 
Festnahme geführt haben sollen, namentlich  in Bezug auf den genauen 
Ablauf des Vorfalls überaus vage ausgefallen sind (vgl. A14/15 S. 4  ff.). 
Den Äusserungen sind weder die zu erwartende persönliche Betroffenheit 
noch  der  erforderliche  Detailreichtum  einer  auf  tatsächlich  erlebten 
Ereignissen  basierenden  Schilderung  zu  entnehmen.  Bezüglich  der 
geltend  gemachten  Suche  nach  seiner  Person  durch  die  SLA  sowie  in 
Berücksichtigung  der  Gewaltbereitschaft  gegenüber  ehemaligen  LTTE­
Kollaborateuren  scheint  unrealistisch,  dass  sich  der  Beschwerdeführer 
nach seiner Flucht aus dem LTTE­Camp nach Hause begeben habe und 
sich sowie seine Familie damit einem erhöhten Risiko ausgesetzt hätte. 
Dass  er  sich  daraufhin  bei  Verwandten  im  Vanni­Gebiet  aufgehalten 
habe, obwohl er angeblich gesucht worden sei, wirkt ebenso unplausibel. 
Kaum  der  Realität  entsprechen  dürfte  auch  das  Vorbringen,  dass  er 
während seines Spitalaufenthaltes und auch noch nach seiner Ausreise 
aus  Sri  Lanka  von  der  SLA  gesucht  worden  sei,  ansonsten  er  nicht 
bereits nach einem Tag aus dem Militärcamp entlassen worden wäre (vgl. 
A14/15  S. 7).  Als  nachgeschoben  und  daher  unglaubhaft  ist  in  diesem 
Zusammenhang  zu  bezeichnen,  dass  der  Beschwerdeführer  erst 
anlässlich  der  Anhörung  zu  Protokoll  gab,  dass  er  bei  einer  allfälligen 
Rückkehr nach Sri Lanka auch Probleme wegen (…) erhalten würde, der 
angeblich  entführt  worden  sei  (vgl. A14/15  S. 13).  Schliesslich 
korrespondieren  die  eingereichten  Dokumente  (vgl.  Bst.  A)  nach 
zutreffender Auffassung der Vorinstanz inhaltlich in keiner Weise mit den 
Aussagen  des  Beschwerdeführers,  es  werden  vielmehr  zwei 
verschiedene Abläufe der Geschehnisse dargelegt. 

4.3. Nach  dem  Gesagten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  somit 
zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den 
Anforderungen  von  Art. 7  AsylG  an  das  Glaubhaftmachen  nicht  zu 
genügen  vermögen.  Das  BFM  hat  demnach  sein  Asylgesuch  zu  Recht 
abgelehnt.

5. 
5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

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5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

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Seite 11

6.  
6.1.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen 
(vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148). 

6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  und Art.  33  FK  verankerte Grundsatz  der Nichtrückschiebung  im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 

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Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren 
Hinweisen). 

Der  EGMR  hat  sich  mit  der  Gefährdungssituation  im  Hinblick  auf  eine 
EMRK­widrige  Behandlung  namentlich  für  Tamilen,  die  aus  einem 
europäischen  Land  nach  Sri  Lanka  zurückkehren  müssen,  wiederholt 
befasst (vgl. NA. v. United Kingdom, Application no. 25904/07, Entscheid 
vom 17. Juli 2008; P.K. v. Denmark, Application no. 54705/08, Entscheid 
vom  20.  Januar  2011;  T.N.  v.  Denmark,  Application  no.  20594/08, 
Entscheid vom 20. Januar 2011; E.G. v. United Kingdom, Application no. 
41178/08,  Entscheid  vom  31.  Mai  2011;  vgl.  das  zur  Publikation 
vorgesehene Urteil BVGE E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 10.4.2). 
Der  Gerichtshof  unterstreicht,  dass  nicht  in  genereller  Weise  davon 
auszugehen  sei,  zurückkehrenden  Tamilen  drohe  unmenschliche 
Behandlung;  eine  entsprechende  Risikoeinschätzung  müsse  vielmehr 
verschiedene Faktoren  in Betracht ziehen, aus denen sich  insgesamt  im 
Einzelfall  schliessen  lasse,  dass  der  Betreffende  ernsthafte  Gründe  für 
die  Befürchtung  habe,  die  Behörden  hätten  an  seiner  Festnahme  und 
Befragung ein Interesse. Als derartige risikobegründende Faktoren nennt 
der  EGMR  namentlich  Aspekte  wie  eine  frühere  Registrierung  als 
verdächtigtes  oder  tatsächliches  LTTE­Mitglied,  das  Bestehen  einer 
Vorstrafe  oder  eines  offenen  Haftbefehls,  die  Flucht  aus  der  Haft  oder 
aus  Kautionsauflagen,  die  Unterzeichnung  eines  Geständnisses  oder 
ähnlicher Dokumente, die Anwerbung als Informant der Sicherheitskräfte, 
die Existenz von Körpernarben, die Rückkehr nach Sri Lanka von London 
oder  von  einem  anderen  Ort,  welcher  als  LTTE­
Finanzmittelbeschaffungszentrum  gilt,  das  Fehlen  von  ID­Papieren  oder 
anderen  Dokumenten,  die  Asylgesuchstellung  im  Ausland  oder  die 
Verwandtschaft  mit  einem  LTTE­Mitglied.  Gleichzeitig  hält  der  EGMR 
fest,  dass  dem  Umstand  gebührende  Beachtung  geschenkt  werden 
müsse,  dass  diese  einzelnen  Faktoren,  für  sich  alleine  betrachtet, 
möglicherweise  kein  "real  risk"  darstellen,  jedoch  bei  einer  kumulativen 
Würdigung  diese  Schwelle  erreicht  sein  könnte,  namentlich  unter  der 

http://links.weblaw.ch/BVGer-E-6220/2006

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weiteren  Berücksichtigung  der  aktuellen,  gegebenenfalls  erhöhten, 
Sicherheitsvorkehrungen  aufgrund  der  im  Lande  herrschenden 
allgemeinen Lage (vgl. T.N. v. Denmark, a.a.O., § 93, S. 28). 

Was  die  Prüfung  derartiger  Risikofaktoren  betreffend  die  Situation  des 
Beschwerdeführers anbelangt,  ist an dieser Stelle auf die Erwägung 4.2. 
oben  zu  verweisen,  wonach  der  Beschwerdeführer  keiner  Risikogruppe 
im Hinblick auf die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft  zuzurechnen  ist. 
Nachdem dem Beschwerdeführer nicht gelungen  ist, seine Fluchtgründe 
glaubhaft darzustellen und dass er befürchten müsse, bei einer Rückkehr 
ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri­lankischen Behörden in einem 
flüchtlingsrechtlich  relevanten  Ausmass  auf  sich  zu  ziehen,  bestehen 
auch  keine Anhaltspunkte  dafür,  ihm würde aus demselben Grund eine 
menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Heimatland  drohen.  Allein  der 
Umstand,  dass  er  in  Sri  Lanka  angeblich  gefoltert  worden  sei,  deren 
Spuren  auch  heute  noch  sichtbar  seien,  vermag  für  sich  nicht  zu  einer 
Gefährdung zu führen. Weder die allgemeine Menschenrechtssituation in 
Sri  Lanka  noch  individuelle  Faktoren  in  Bezug  auf  die  Situation  des 
Beschwerdeführers  lassen  demnach  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der 
Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der 
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4. Nach Art. 83 Abs. 4 AuG  kann  der Vollzug  für Ausländerinnen  und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

6.4.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im  zur  Publikation 
vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  eine 
umfassende Analyse der Situation in Sri Lanka vor. Danach hat sich seit 
dem Ende des bewaffneten Konflikts zwischen der sri­lankischen Armee 
und den LTTE  im Mai 2009 die allgemeine Lage  in Sri  Lanka erheblich 
verbessert. Die Situation in der Ostprovinz hat sich weitgehend stabilisiert 
und  normalisiert,  so  dass  der  Wegweisungsvollzug  in  das  gesamte 
Gebiet  der  Ostprovinz  als  grundsätzlich  zumutbar  zu  erachten  ist  (vgl. 
Urteil a.a.O. E. 13.1). Die Lage in der Nordprovinz von Sri Lanka ist indes 
differenziert  zu  betrachten,  da  sich  die  Situation  gebietsweise  sehr 
unterschiedlich präsentiert. So herrscht  in den Gebieten, die bereits seit 

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längerer  Zeit  unter  Regierungskontrolle  stehen,  das  heisst  in  den 
Distrikten Jaffna und  in den südlichen Teilen der Distrikte Vavuniya und 
Mannar  (mit  anderen  Worten:  die  Nordprovinz  unter  Ausschluss  des 
sogenannten  "Vanni­Gebietes")  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt. 
Zudem ist die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt, dass 
eine Rückkehr dorthin als generell unzumutbar eingestuft werden müsste. 
Angesichts der im humanitären und wirtschaftlichen Bereich nach wie vor 
fragilen  Lage  drängt  sich  aber  beim  Wegweisungsvollzug  in  dieses 
Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen 
Zumutbarkeitskriterien  auf.  Nebst  der  allgemeinen  Zumutbarkeit  (u.a. 
sozio­ökonomische und medizinische Aspekte, Kindeswohl etc.) ist dabei 
auch  dem  zeitlichen  Element  gebührend  Rechnung  zu  tragen.  Für 
Personen, die aus der Nordprovinz stammen und dieses Gebiet erst nach 
Beendigung  des  Bürgerkrieges  im  Mai  2009  verlassen  haben,  ist  der 
Wegweisungsvollzug  (zurück)  in  dieses  Gebiet  als  grundsätzlich 
zumutbar  zu  beurteilen,  wenn  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass 
die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige  Lebens­  und 
Wohnsituation  zurückgreifen  kann,  die  im  Zeitpunkt  der  Ausreise 
geherrscht  hat  und  dem  Wegweisungsvollzug  zurück  dorthin  nichts  im 
Wege  steht.  Liegt  der  letzte  Aufenthalt  der  betreffenden  Person  in  der 
Nordprovinz  indessen  längere  Zeit  zurück  (vor  Beendigung  des 
Bürgerkrieges  im  Mai  2009)  oder  gehen  konkrete  Umstände  aus  den 
Verfahrensakten hervor, dass sich die Lebensumstände seit der Ausreise 
massgeblich  verändert  haben  können,  sind  die  aktuell  vorliegenden 
Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf  die 
Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  hin  zu  überprüfen.  In  diesem 
Zusammenhang  erscheinen  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen 
Beziehungsnetzes  und  die  konkreten  Möglichkeiten  der  Sicherung  des 
Existenzminimums  und  der  Wohnsituation  als  massgebliche  Faktoren. 
Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen, 
ist  die  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im 
Übrigen Staatsgebiet, namentlich im Grossraum Colombo zu prüfen (vgl. 
Urteil a.a.O. E. 13.2.1).

6.4.2. Der aus C._______  (Nordprovinz)  stammende Beschwerdeführer, 
verfügte  im Zeitpunkt der Ausreise  im Januar 2010 noch über seine (…) 
und  (…)  in  Jaffna  (vgl.  A2/9  S.  1  und  S.  3).  Es  ist  daher  davon 
auszugehen,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  auf  ein 
existierendes,  tragfähiges soziales Netz zurückgreifen kann und  ihm der 
Aufbau  einer  wirtschaftlichen  Existenz  –  allenfalls  auch mit  Hilfe  seiner 
Familie  –  möglich  sein  wird.  Da  der  Beschwerdeführer  erst  bald  zwei 

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Jahre  lang  landesabwesend gewesen  ist, bestehen keine Anhaltspunkte 
dafür,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  in  eine  existenzielle 
Notlage  geraten  würde.  Unter  der  von  ihm  anlässlich  der  Anhörung 
geltend  gemachten  (…)  leidet  der  Beschwerdeführer  bereits  seit  seiner 
Kindheit (vgl. A14/15 S. 3). In der Schweiz hat er diesbezüglich nie einen 
Arzt  aufgesucht  oder  sich  wegen  dieser  Krankheit  im  Zentrum  für 
Betreuung  gemeldet, weshalb  davon  ausgegangen werden  kann,  er  sei 
nicht  auf  die  tägliche  Einnahme  von Medikamenten  respektive  auf  eine 
engmaschige  ärztliche  Betreuung  angewiesen.  Zudem  befindet  sich  in 
C._______  ein  Krankenhaus,  wo  auch  die  Organisation  Ärzte  ohne 
Grenzen  seit  mehreren  Jahren  tätig  ist,  welche  mit  dem 
Gesundheitsministerium  zusammenarbeitet  (vgl.  www.aerzte­ohne­
grenzen.de>informieren>archiv>13.07.2009>Sri­Lanka:  Auch  Wochen 
nach  dem  offiziellen  Ende  der  Kämpfe  sind  die  Bedürfnisse 
gross>index.html).  Damit  kann  er  sein  bereits  vorbestandenes 
gesundheitliche  Problem  allenfalls  auch  in  seinem  Heimatland  (weiter­) 
behandeln lassen. 

6.4.3.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  demnach  nicht  als 
unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG.

6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

6.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 ­ 4 AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem 

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Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1  ­  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Nachdem  die 
Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausgewiesen ist und das Verfahren 
nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege, über welches bisher nicht entschieden 
worden  ist,  gutzuheissen,  und  es  sind  keine  Verfahrenskosten  zu 
erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Gabriela Freihofer Chantal Schwizer

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