# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3145e0a-9e65-5e8b-875d-dd8a0329941e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 D-6983/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6983-2011_2012-01-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­6983/2011
law/rep/sps

U r t e i l   v om   1 8 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter François Badoud, Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…),
Äthiopien,
c/o schweizerische Vertretung in Khartum, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;
Verfügung des BFM vom 31. Oktober 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit  der  schweizerischen  Botschaft  in  Khartum  am  20. Dezember  2010 
zugegangener  Eingabe  beantragte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss, 
es  sei  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz  zwecks  Durchführung  eines 
Asylverfahrens zu bewilligen.

B. 
Mit  Schreiben  vom  4. Februar  2011  teilte  das  BFM  dem 
Beschwerdeführer  mit,  dass  gemäss  Art.  20  Abs.  2  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  das  BFM  Asylsuchenden  für 
weitere  Abklärungen  zu  den  Asylgründen  die  Einreise  in  die  Schweiz 
bewilligen  könne,  falls  es  diesen  nicht  zugemutet  werden  könne,  im 
Drittstaat  (hier:  Sudan)  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land 
weiterzureisen.  Gemäss  aktueller  Entscheidpraxis  würden  solche 
Einreisebewilligungen  sehr  restriktiv  gehandhabt.  Eine 
Einreisebewilligung  in  die  Schweiz  setze  zunächst  (im  Sinne  einer 
Vorbedingung) eine akute und schwere Gefährdung von Leib und Leben 
des Asylsuchenden voraus. Weitere Faktoren bei der Prüfung der Frage 
einer  Einreisebewilligung  seien  die  Schutzmöglichkeiten  im 
gegenwärtigen Drittland  (hier: Sudan), die Beziehungsnähe zur Schweiz 
und die zu erwartende Integration in der Schweiz. Da der UNHCR (United 
Nations High Commissioner for Refugees) alle Eritreer (recte: Äthiopier), 
die im Sudan Zuflucht suchten, ungeachtet  ihrer Fluchtgründe registriere 
und  einem  Flüchtlingslager  zuweise,  und  sich  zusammen  mit  den 
sudanesischen  Behörden  um  die  Grundversorgung  kümmere,  erachte 
das  BFM  den  Verbleib  von  Schutzsuchenden  im  Sudan  als  zumutbar, 
weshalb  es  entsprechende  Asylgesuche  in  der  Regel  ablehne.  Diese 
Praxis  des  BFM  sei  durch  die  höchstrichterliche  Rechtsprechung  der 
Schweiz  in  Asylangelegenheiten,  also  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht,  bestätigt  worden,  das  etwa  im  Urteil  D­
2047/2010 vom 29. April 2010  festgehalten habe, dass die betreffenden 
Personen  im  Sudan  nicht  unüberwindbaren  Schwierigkeiten 
gegenüberstünden  und  aufgrund  des  vom  UNHCR  und  den 
sudanesischen  Behörden  garantierten  Schutzes  ein  dortiger  Verbleib 
erwartet  werden  könne.  Die  Erfolgsaussichten  für  die  Erteilung  einer 
Einreisebewilligung  seien  auch  im  vorliegenden Fall  gering. Gleichzeitig 
räumte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  ein,  sich  bis 
zum  4. März  2011  zur  Frage  zu  äussern,  ob  er  an  seinem  Asylgesuch 
festhalten wolle oder nicht.

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C. 
Mit  Eingabe  vom  3. März  2011  (Posteingang  Botschaft)  hielt  der 
Beschwerdeführer an seinem Asylgesuch fest.

D. 
Mit  Schreiben  vom  6. Juni  2011  teilte  das  BFM  dem Beschwerdeführer 
mit,  dass  gemäss  Mitteilung  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum  vom 
23. März 2010 eine Befragung vor Ort aufgrund des starken Anstiegs der 
Asylgesuche,  des  begrenzten  Personalbestandes  sowie  fehlender 
Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen Bereich nicht 
mehr möglich sei. Gleichzeitig ersuchte das BFM den Beschwerdeführer 
zur  Vervollständigung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  um 
Beantwortung  konkreter  Fragen  zu  dessen  Aufenthalt  in  Äthiopien,  zu 
Familienangehörigen und Verwandten in Drittstaaten und zum Aufenthalt 
im Sudan. Zudem wurde ihm die Mitteilung der Schweizer Botschaft vom 
23. März 2010 ausgehändigt.

E. 
Mit Stellungnahme vom 2. Juli 2011 (Posteingang Botschaft: 3. Juli 2011) 
beantwortete der Beschwerdeführer das Schreiben des BFM vom 6. Juni 
2011.  Dabei  reichte  er  Kopien  seines  Flüchtlingsausweises,  eines 
Empfehlungsschreibens  des  UNHCR  zugunsten  einer  medizinischen 
Untersuchung,  einen  Diagnosebericht  und  die  Kostenabrechnung  einer 
medizinischen Behandlung zu den Akten.

F. 
Der  Beschwerdeführer  machte  in  seinen  Eingaben  vom  20. Dezember 
2010, 3. März 2011 und vom 2. Juli 2011  im Wesentlichen geltend, sein 
Vater  sei  in  den  80­er  Jahren  von  Angehörigen  des  herrschenden 
Mengistu­Regimes  im Rahmen einer Säuberungswelle  gegen Mitglieder 
beziehungsweise  Sympathisanten  der  OLF  (Oromo  Liberation  Front) 
erschossen worden.  In  der  Folge  habe  er  sich  im  Jahre  1986  der OLF 
angeschlossen  und  sei  aktives  Mitglied  derselben  geworden.  Im  Jahre 
1992 habe er während des Bürgerkrieges im Anschluss an den Sturz des 
Mengistu­Regimes  Verletzungen  erlitten,  ohne  eine  medizinische 
Behandlung  erhalten  zu  haben.  Noch  im  selben  Jahr  sei  er  wegen 
Mitgliedschaft  bei  der OLF  im Militärgefängnis  von  B._______  inhaftiert 
und  ein  Jahr  später  wieder  entlassen  worden.  Weil  er  auch  danach  in 
Äthiopien  keinen  Frieden  gefunden  habe  und  ständiger  Beobachtung 
durch die Sicherheitskräfte ausgesetzt gewesen sei, habe er Äthiopien in 
den 90­er Jahren verlassen und sich in den Sudan begeben, wo er 1998 

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als  Flüchtling  registriert  worden  sei,  indessen  nie  in  einem 
Flüchtlingslager gelebt habe. Wiewohl er sowohl beim UNHCR als auch 
der  COR  (Sudan  Commission  for  Refugees)  um  medizinische 
Unterstützung  gebeten  habe,  habe  er  nie  solche  bekommen.  Einige 
seiner  Kollegen,  welche  ebenfalls  OLF­Aktivisten  gewesen  seien  und 
beim  UNHCR  und  bei  der  COR  um  Schutz  gebeten  hätten,  seien 
trotzdem  nach  Äthiopien  deportiert  worden  und  dort  ums  Leben 
gekommen.  Er  selber  fürchte  sich  ebenfalls  vor  einer  Deportation  nach 
Äthiopien.

G. 
Mit Verfügung vom 31. Oktober 2011 – eröffnet am 24. November 2011 – 
verweigerte das BFM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz 
und  lehnte  dessen Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das BFM  im 
Wesentlichen  aus,  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  liessen 
darauf  schliessen,  dass  seine  Schwierigkeiten  mit  den  äthiopischen 
Behörden  asylbeachtlich  sein  könnten.  Indessen  könne  aufgrund  des 
vollständig  erstellten  Sachverhaltes  davon  ausgegangen  werden,  dass 
keine  unmittelbare  Gefährdung  vorliege,  welche  eine  Einreise  des 
Beschwerdeführers  in  die  Schweiz  als  notwendig  erscheinen  lasse.  Im 
Folgenden sei zu prüfen, ob einer Asylgewährung durch die Schweiz der 
Asylausschlussgrund  von Art.  52  Abs.  2  AsylG  entgegenstehe,  wonach 
einer  Person  das  Asyl  verweigert  werden  könne,  wenn  ihr  zugemutet 
werden könne, sich  in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. 
Der Beschwerdeführer habe sich eigenen Angaben zufolge beim UNHCR 
im Sudan registrieren  lassen, den Flüchtlingsstatus erhalten, aber nie  in 
einem  Flüchtlingslager  gelebt.  Die  zahlreichen  Flüchtlinge  im  Sudan 
verfügten  nicht  über  ein  freies  Aufenthaltsrecht  für  das  ganze  Land, 
sondern würden nach ihrer Registrierung einem Flüchtlingslager zugeteilt, 
wo  sie  sich  aufzuhalten  hätten  und  die  nötige Versorgung  erhielten.  Es 
sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, sich zu diesem Zweck in das ihm 
zugewiesene  Flüchtlingslager  zu  begeben.  In  diesem  Sinne  habe  auch 
das  Bundesverwaltungsgericht  entschieden,  für  somalische  Flüchtlinge 
sei  der  Aufenthalt  in  äthiopischen  Flüchtlingslagern  grundsätzlich 
zumutbar. Diese Schlussfolgerung müsse auch für Flüchtlinge  im Sudan 
gelten, weil diese den gleichen Aufenthaltspflichten unterstünden wie die 
Flüchtlinge  in  Äthiopien.  Im  Weiteren  erachte  das  BFM  die  vom 
Beschwerdeführer  geäusserte  Befürchtung,  nach  Äthiopien  verschleppt 
zu werden, als klar unbegründet. Das Bundesamt verfüge namentlich mit 
der Schweizer Botschaft im Sudan über sehr gute Informationen über die 
Lage  vor  Ort.  Gemäss  gesicherten  Erkenntnissen  sei  das  Risiko  einer 

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Deportation oder Verschleppung für Äthiopier, die im Sudan vom UNHCR 
als Flüchtlinge anerkannt seien, als gering. Der Beschwerdeführer habe 
ferner  von  einer  vor  etwa  20  Jahren  im  Krieg  erlittenen  Verletzung 
berichtet  und  behauptet,  weder  seitens  des  UNHCR  noch  des  COR 
medizinische  Hilfe  erhalten  zu  haben.  Mit  den  von  ihm  eingereichten 
Diagnoseakten habe er aber im Ergebnis dargetan, medizinisch versorgt 
worden zu sein. Ausserdem habe er bereits viele Jahre ohne ersichtliche 
zunehmende  Nachteile  mit  den  Verletzungen  gelebt.  Aus  den  Akten 
könne  somit  nicht  entnommen  werden,  weshalb  er  eine  medizinische 
Unterstützung  oder  Behandlung  in  der  Schweiz  benötigen würde. Nach 
dem  Gesagten  benötige  er  den  zusätzlichen  subsidiären  Schutz  der 
Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG nicht und es sei ihm zuzumuten, im 
Sudan zu verbleiben.

H. 
Mit  am  18. Dezember  2011  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartum 
eingetroffener  und  von  dieser  zuständigkeitshalber  an  das  BFM 
beziehungsweise  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter 
englischsprachiger  Eingabe  (Eingang  beim  Bundesverwaltungsgericht: 
29. Dezember  2011)  beantragte  der  Beschwerdeführer  sinngemäss,  es 
sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und ihm die Einreise in die 
Schweiz  zwecks  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  bewilligen. 
Zur Begründung führte der Beschwerdeführer namentlich aus, er befinde 
sich  aktuell  im  Gefängnis  C._______  in  Khartum,  nachdem  ihn 
sudanesische Sicherheitskräfte ohne ersichtlichen Grund  festgenommen 
hätten, was ihn wiederum der Gefahr aussetze, nach Äthiopien deportiert 
zu  werden.  Das  UNHCR  unternehme  nichts,  um  seine  Freilassung  zu 
erwirken.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

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vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. c  Ziff. 1  und  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes 
abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung 
kann  indessen  verzichtet  werden,  da  der  in  Englisch  verfassten 
Beschwerdeeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und 
deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber 
befunden werden kann.

1.3.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf 
die  die  frist­  und  –  vom  sprachlichen Mangel  abgesehen  –  formgerecht 
eingereichte Beschwerde  ist einzutreten  (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  auf  die  Durchführung  eines 
Schriftenwechsels verzichtet.

4. 
4.1. Nach Art. 20 Abs. 2 und 3 AsylG  ist die Einreise  in die Schweiz zu 
bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr  für  Leib,  Leben oder Freiheit 
aus einem Grund nach Art. 3 AsylG glaubhaft  gemacht wird,  das heisst 
im Hinblick auf die Anerkennung als Flüchtling und Asylgewährung, oder 
aber  wenn  für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein 
weiterer Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise 
in einen Drittstaat nicht zumutbar erscheint.

4.2. Gemäss  Art. 3  AsylG  wird  ein  Ausländer  als  Flüchtling  anerkannt, 
wenn  er  in  seinem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  er  zuletzt  wohnte, 
wegen  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer 

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bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

4.3. Nach Art. 52 Abs. 2 AsylG  kann  einer Person,  die  sich  im Ausland 
befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden 
kann,  sich  in  einem anderen Staat  um Aufnahme  zu  bemühen. Bei  der 
Anwendung von Art. 52 Abs. 2 AsylG ist in einer Gesamtschau zu prüfen, 
ob es aufgrund der ganzen Umstände geboten erscheint, dass es gerade 
die  Schweiz  ist,  die  den  angesichts  der  bestehenden  Gefährdung 
erforderlichen  Schutz  gewähren  soll.  Dabei  sind  namentlich  die 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung 
durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die 
praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. Zusammenfassung 
der  Rechtsprechung  im  Urteil  D­2018/2011  vom  14. September  2011 
E. 7.1).

5. 
5.1.  Zunächst  ist  aufgrund  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
übereinstimmend  mit  der  Vorinstanz  darauf  zu  schliessen,  dass  seine 
Schwierigkeiten mit den äthiopischen Behörden in asylrechtlicher Hinsicht 
relevant  erscheinen,  weshalb  von  einer  Gefährdung  des 
Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist.

5.2. Mit  Blick  auf  die  Frage,  ob  es  dem  Beschwerdeführer  zugemutet 
werden kann, sich in einem anderen Drittstaat um Aufnahme zu bemühen 
(Art. 20 Abs. 2  und Art. 52 Abs. 2 AsylG),  ergibt  die Prüfung  der Akten, 
dass  sich  die  diesbezüglichen  Erwägungen  in  der  angefochtenen 
Verfügung  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  G)  als  zutreffend  erweisen.  Der 
Beschwerdeführer befindet sich gemäss seinen Angaben in der Eingabe 
vom 2. Juli 2011 seit Februar 1993 (vgl. act. A 8/6 S. 1), also seit beinahe 
19 Jahren  im Sudan, wo er vom UNHCR als Flüchtling registriert  ist. Es 
mag zutreffen, dass es im Sudan in vereinzelten Fällen zu Entführungen 
von  ehemaligen  Mitgliedern  der  OLF  gekommen  ist.  Die  Tatsache 
indessen,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  beinahe  19  Jahren  als 

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Flüchtling  im  Sudan  lebt,  spricht  im  Ergebnis  allerdings  dagegen,  dass 
hinsichtlich  seiner  Person  diesbezüglich  eine  konkrete  Gefahr  besteht. 
Soweit  der  Beschwerdeführer  behauptet,  seitens  des  UNHCR  und  der 
COR keine medizinische Hilfe erhalten zu haben, geht aus den von  ihm 
am  2. Juli  2011  eingereichten  Dokumenten  (vgl.  Sachverhalt  Bst.  E) 
hervor,  dass  er  im  Sudan  medizinisch  behandelt  worden  ist.  Dies 
erscheint  umso bemerkenswerter,  als die medizinische Behandlung des 
Beschwerdeführers erfolgte, obwohl er sich eigenen Angaben zufolge nie 
in  einem  sudanesischen  Flüchtlingslager  aufgehalten  hat,  wo  sich 
Flüchtlinge  im  Sudan  grundsätzlich  aufzuhalten  hätten.  Die  Tatsache, 
dass der Beschwerdeführer in Sudan allem Anschein nach und entgegen 
seinen  Behauptungen  auf  Fürsprache  des  UNHCR  hin  medizinisch 
behandelt worden ist, lässt auch gewisse Zweifel daran aufkommen, dass 
er aktuell  tatsächlich  im Gefängnis  inhaftiert  ist. Darüber hinaus gründet 
eine  eventuelle  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  im  Sudan 
mutmasslich gerade darin, dass er sich bis anhin offensichtlich geweigert 
hat,  sich  in  dem  ihm  zugewiesenen  Flüchtlingslager  aufzuhalten.  Dass 
sich der UNHCR in keiner Weise  für seine Freilassung eingesetzt hätte, 
ist  Übrigen  eine  blosse  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  welche 
zudem mit dem Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts, wonach der 
UNHCR durchaus bemüht  ist,  im Sudan verhaftete Flüchtlinge  juristisch 
zu unterstützen und deren Freilassung zu erwirken, in Widerspruch steht. 
Es wäre  dem Beschwerdeführer  deshalb  grundsätzlich  zuzumuten,  sich 
künftig  in  dem  ihm  zugewiesenen  Flüchtlingslager  aufzuhalten,  um 
allfällige  weitere  Inhaftierungen  zu  vermeiden.  Im  vorliegenden  Fall  tritt 
hinzu,  dass  der  Beschwerdeführer  zusammen  mit  seiner  Frau  und 
seinem  Kind  im  Sudan  lebt  und  keinerlei  Anhaltspunkte  für  eine 
besondere  Beziehungsnähe  des  Beschwerdeführers  zur  Schweiz 
bestehen.  Eine  Abwägung  der  Gesamtumstände  im  Sinne  von 
Art. 52 Abs. 2 AsylG  führt somit  im vorliegenden Fall zum Schluss, dass 
dem Beschwerdeführer ein Verbleib im Sudan zuzumuten ist.

5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  Abs. 1  AsylG).  Das 
BFM  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  aus  dem  Ausland  zu 
Recht  abgelehnt  und  ihm  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert.  Die 
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

6. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

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dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus 
verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Vertretung in 
Khartum und das BFM.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand: