# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e7777d5-5578-53d8-97dc-e3cf12208765
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.10.2022 E-2089/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2089-2020_2022-10-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2089/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Martina Stark. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 18. März 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2089/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a  

Die Beschwerdeführerin verliess eigenen Angabe zufolge ihren Heimat-

staat am (…) 2018. Sie habe zwar über ein humanitäres Visum für die 

Schweiz verfügt, bei der Ausreise habe aber die PKK (Arbeiterpartei Kur-

distan; Partiya Karkerên Kurdistanê) von ihr 1000 US-Dollar und Garantien 

von Zeugen verlangt. Aus diesem Grund sei sie schliesslich mit Hilfe eines 

Schleppers illegal ausgereist. Sie sei von Erbil via Istanbul am 8. Mai 2018 

in die Schweiz gelangt und habe sich bei ihrem Sohn in Winterthur aufge-

halten. 

A.b In der Folge reiste die Beschwerdeführerin nach B._______ zu einem 

ihrer Söhne und stellte am 13. Februar 2019 ein Asylgesuch. Im Rahmen 

des Dublin-Verfahrens wurde sie am 13. Februar 2019 für die Durchfüh-

rung des Asylverfahrens in die Schweiz überstellt. 

A.c An der Befragung zur Person (BzP) vom 25. Februar 2019 gab die 

Beschwerdeführerin zu Protokoll, die gesamte Familie sei politisch aktiv 

gewesen, weshalb auch sie manchmal an Demonstrationen teilgenommen 

habe. Sie hätten deswegen bereits seit dem Jahre (…) Probleme gehabt. 

Es sei der Familie 800 Hektaren Land entzogen worden und sie seien so-

wohl von den Türken als auch den Arabern und Kurden belästigt worden. 

Ihr verstorbener Ehemann sei früher politisch aktiv gewesen und deswe-

gen verhaftet worden. Die Behörden hätten ihm seine Identitätsdokumente 

entzogen und ihn dazu verpflichtet, sich alle sechs Monate in C._______ 

zu melden. Ausserdem hätten die PKK-Leute sie nicht in Ruhe gelassen 

und ihren jüngsten Sohn zwangsrekrutieren wollen, als dieser noch sehr 

jung gewesen sei. Sie hätten ihn deswegen mitgenommen, wobei sie ihm 

die Vorderzähne gebrochen hätten. In Bezug auf ihren Gesundheitszu-

stand gab sie an, ihre Schulter, ihr Herz sowie ihr Blutdruck würden ihr 

Probleme bereiten. 

B.  

Die am 27. Februar 2019 verfügte Kantonszuteilung wurde durch die Be-

schwerdeführerin mit Eingabe vom 11. März 2019 beim Bundesverwal-

tungsgericht angefochten. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Be-

schwerde mit Urteil vom 28. Mai 2019 ab. 

  

E-2089/2020 

Seite 3 

C.  

C.a Anlässlich des Anhörungstermins vom 26. September 2019 wurde am 

Anfang der Befragung durch die dolmetschende Person vermerkt, dass die 

Beschwerdeführerin Analphabetin sei und komplizierte Texte nicht zu ver-

stehen scheine, weshalb ihr die Fragen einfacher dargelegt werden müss-

ten. Zudem ist dem Protokoll zu entnehmen, dass zwar eine Hilfswerksver-

tretung ordentlich vorgeladen wurde, diese aber nicht zur Anhörung er-

schien, weshalb die Anhörung ohne deren Anwesenheit stattfand. 

C.b Hinsichtlich ihrer Asylgründe gab die Beschwerdeführerin an, ihre Fa-

milie sei politisch aktiv gewesen, weshalb sie von drei Seiten behelligt wor-

den seien: dem syrischen Regime, den Türken und den "Apoci" / PKK. Zu-

nächst sei ihr Ehemann politisch aktiv gewesen und habe eng mit 

D._______ zusammengearbeitet, weshalb er im Jahr (…) vom syrischen 

Regime verhaftet worden sei. Während der Haft sei er derart gefoltert wor-

den, dass er zwei Herzinfarkte erlitten habe und Jahre später an einem 

erneuten Herzinfarkt gestorben sei. Nach der Entlassung aus der Haft sei 

seine Identitätskarte konfisziert und ihm eine monatliche Unterschriftenleis-

tungspflicht auferlegt worden. Sie selber habe einige Male gemeinsam mit 

ihrem Mann demonstriert und manchmal habe sie an den Parteisitzungen 

der Frauen teilgenommen, wegen der Diskriminierung der Kurden. Es sei 

auch vorgekommen, dass die Behörden versucht hätten, sie an Demonst-

rationen zu verhaften, sie habe aber stets entkommen können. Ungefähr 

im Jahr (…) seien grosse Teile ihrer Grundstücke durch die Türkei be-

schlagnahmt worden. Ihre Söhne seien einerseits seitens des Regimes we-

gen der Aktivitäten ihres Ehemannes und andererseits seitens der "Apoci" 

behelligt worden, weil sie diese nicht hätten unterstützen wollen. Aus die-

sen Gründen hätten alle Söhne Syrien verlassen. Zuletzt sei ihr jüngster 

Sohn gesucht worden, weshalb sie ihn solange versteckt gehalten hätten, 

bis sie seine Flucht organisiert hätten. In der Folge hätten die "Apoci" ver-

langt, dass sich eine ihrer Töchter ihnen anschliesse, woraufhin die Familie 

deren Heirat organisiert und sie nach B._______ geschickt habe. 

Als sie mit dem humanitären Visum habe ausreisen wollen, sei sie krank 

gewesen und habe deshalb nicht in den E._______ reisen können. Beim 

Versuch über den F._______ auszureisen, hätten die "Apoci" 1000 Euro 

sowie Bürgschaften zweier Zeugen für ihre Rückkehr von ihr verlangt. Auf-

grund dessen habe sie einen Schlepper organisieren müssen, der sie ille-

gal über die Grenze gebracht habe. 

  

E-2089/2020 

Seite 4 

D.  

Mit Verfügung vom 18. März 2020 – eröffnet am 20. März 2020 – lehnte 

das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an. Der Vollzug der Wegweisung wurde we-

gen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme der Beschwer-

deführerin in der Schweiz aufgeschoben. 

E.  

Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 16. April 2020 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragte die Aufhe-

bung der Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung sowie die Feststel-

lung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie 

um Setzen einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Auf-

grund der mit der Corona-Pandemie beschlossenen Massnahmen und 

dem Umstand, dass sie der Corona Risikogruppe angehöre, sei es ihr 

schlicht nicht möglich gewesen, sich innert der ihr angesetzten Frist recht-

lich beraten zu lassen. 

Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte sie Kopien der Aufenthaltstitel 

ihrer Kinder sowie eine Fürsorgebestätigung ein. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. April 2020 respektive 12. Mai 2020 setzte 

das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin Frist zur Einrei-

chung einer Beschwerdeergänzung, ansonsten aufgrund der Aktenlage 

entschieden werde. 

G.  

Am 30. Mai 2020 vervollständigte die Beschwerdeführerin ihre Beschwer-

deeingabe vom 16. April 2020. 

H.  

Mit Verfügung vom 1. Juli 2020 informierte die vormalige Instruktionsrich-

terin darüber, dass das Verfahren der Beschwerdeführerin koordiniert mit 

dem Verfahren ihres Sohnes E-1948/2020 geführt werde. Zudem hiess sie 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut und 

setzte der Beschwerdeführerin Frist zur Nennung einer Rechtsvertretung, 

welche die Voraussetzungen von aArt. 110a Abs. 3 AsylG erfülle. 

E-2089/2020 

Seite 5 

I.  

Mit Eingabe vom 15. Juli 2020 informierte Rechtsanwalt Michael Steiner 

über seine Mandatierung und ersuchte um Einsicht in sämtliche Akten, zu-

mal ihm ausser der Verfügung vom 1. Juli 2020 keine Unterlagen vorliegen 

würden. 

J.  

In der Zwischenverfügung vom 17. Juli 2020 bestellte die Instruktionsrich-

terin Rechtsanwalt Michael Steiner als amtlichen Rechtsbeistand und 

stellte diesem zur Orientierung Kopien bisher eingereichter Eingaben der 

Beschwerdeführerin inklusive der Verfügung des SEM vom 18. März 2020 

und des Aktenverzeichnisses der Vorinstanz zu, verbunden mit einer Frist 

zur Einreichung allfälliger Ergänzungen. 

K.  

Am 6. August 2020 liess die Beschwerdeführerin eine weitere Beschwer-

deergänzung einreichen. 

L.  

Der Vorinstanz wurde mit Verfügung vom 6. Januar 2021 Gelegenheit zur 

Stellungnahme gewährt und ihr hierzu die Beschwerdeeingaben zugestellt. 

M.  

In seiner Vernehmlassung vom 12. Januar 2021 hielt das SEM an seinen 

Ausführungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Ab-

weisung der Beschwerde. 

N.  

Die Replik der Beschwerdeführerin datiert vom 1. Februar 2021. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-

ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet 

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Seite 6 

auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bis zu diesem Zeit-

punkt gültige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-

rung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Das vorliegende Verfahren wird mit demjenigen des Sohnes der Beschwer-

deführerin – G._______ (E-1948/2020, N […]) – koordiniert entschieden. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus, 

die Schilderungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der erfolgten Haus-

durchsuchungen seien widersprüchlich und inkonsistent ausgefallen. An 

der Anhörung habe sie ausgeführt, die erste Durchsuchung habe vor zehn 

bis zwölf Jahren stattgefunden und danach seien sie weitere Male gekom-

men; sicher fünf oder sechs Mal seien sie gekommen. Auf die Frage, wie 

lange vor ihrer Ausreise sie das letzte Mal zu Hause aufgesucht worden 

sei, habe sie ausweichend, ungenau und inkongruent geantwortet und zur 

Begründung angegeben, das sei alles schon lange her und sie sei inzwi-

schen alt geworden. Zudem habe sie die angeblichen Behelligungen sei-

tens des Regimes und der "Apoci"/PKK unterschiedlich dargelegt. Im Ge-

gensatz dazu habe sie an der BzP lediglich Behelligungen seitens des Re-

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Seite 7 

gimes vorgebracht. Die Darstellung des angeblichen Sachverhalts er-

scheine folglich konstruiert. Angesichts ihres Verhaltens sei auch nicht da-

von auszugehen, sie habe sich wegen des politischen Engagements ihrer 

Familie und insbesondere ihres verstorbenen Ehemannes in ernsthafter 

Gefahr durch die syrischen Behörden oder die "Apoci"/PKK befunden. So 

wäre zu erwarten gewesen, dass sie bei Vorliegen einer tatsächlichen Ver-

folgungsgefahr nicht mehrere Jahre und die Ausreise sämtlicher Kinder ab-

gewartet hätte. Vielmehr habe sie als Ausreisegründe in erster Linie ihre 

gesundheitliche Verfassung sowie die ihrer Familienmitglieder im Ausland 

genannt. Die Beschwerdeführerin habe jedenfalls nicht geltend gemacht, 

dass sie je verhaftet, angeklagt oder gar verurteilt worden sei. Selbst wenn 

von einem gewissen politischen Engagement der Beschwerdeführerin aus-

zugehen wäre, sei angesichts der Sachlage klar zu verneinen, dass die 

heimatlichen Behörden davon Kenntnis gehabt und deshalb ein Verfol-

gungsinteresse an ihr entwickelt hätten. So habe sie ihren Angaben zufolge 

letztmals fünf oder sechs Jahre vor ihrer Ausreise an einer Demonstration 

teilgenommen und seither weitgehend unbehelligt in ihrem Herkunftsdorf 

gelebt. Im Übrigen habe sie nie den Nachweis erbracht, ihr Ehemann habe 

das von ihr geltend gemachte politische Profil aufgewiesen, stattdessen 

gebe es Hinweise darauf, dass auch dieser nach der Haftentlassung nicht 

wirklich durch die heimatlichen Behörden kontrolliert und damit wohl nicht 

mehr als potenzielle Gefahr wahrgenommen worden sei. Die diesbezügli-

chen Vorbringen habe sie sodann auch widersprüchlich geschildert. 

Die eingereichten Fotos könnten die geltend gemachte Verfolgungsgefahr 

nicht bestätigen, insbesondere, weil daraus keine offensichtliche Verbin-

dung zu ihr und ihrer Familiengeschichte hervorgehe. Als Beweismittel 

seien diese Fotos deshalb nicht geeignet. Die geltend gemachten Nach-

teile aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation sowie den Drohungen sei-

tens der "Apoci"/PKK seien als Folgen der Situation in Syrien zu betrachten 

und würden damit keine Asylrelevanz entfalten. 

4.2  

4.2.1 In ihrer Beschwerdeschrift wies die Beschwerdeführerin erneut da-

rauf hin, dass sie aus einer politischen Familie stamme und fast alle ihre 

Familienangehörigen wegen ihrer politischen Aktivitäten über den Flücht-

lingsstatus verfügen würden. Deren Akten hätten auch für ihr Verfahren 

beigezogen werden müssen, insbesondere auch für die Beurteilung, ob ihr 

aufgrund des politischen Engagements ihrer Familienangehörigen Re-

flexverfolgung drohe. 

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Seite 8 

4.2.2 Die Beschwerdeführerin merkte in ihrer Beschwerdeergänzung vom 

30. Mai 2020 zunächst an, sie habe aufgrund ihrer gesundheitlichen Prob-

leme weiterhin weitgehend isoliert leben müssen, weshalb es ihr nach wie 

vor nicht möglich gewesen sei, mit einer Rechtsberatung zu sprechen. Sie 

vertrete die Ansicht, dass sie Anspruch darauf gehabt hätte, dass an ihrer 

Anhörung eine Hilfswerksvertretung anwesend gewesen wäre. Gerade 

weil sie Analphabetin sei, hätten nämlich ergänzende Fragen gestellt und 

der Befragungsstil angepasst werden müssen. Der Entscheid erweise sich 

deshalb als mangelhaft. Weiter sei zu berücksichtigen, dass sie aufgrund 

ihres Alters Mühe habe, sich an Sachen zu erinnern, und sie nur über einen 

geringen Bildungsstand verfüge, weshalb auch das zeitliche Einordnen von 

Geschehnissen für sie schwierig sei. Es sei dem SEM klar zu widerspre-

chen, soweit es davon ausgehe, sie sei nur ausgereist, weil sie alleine ge-

wesen sei. Vielmehr sei sie wiederholt wegen ihrer Familienangehörigen 

vom heimatlichen Regime angegangen worden. Hinzukommend sei sie 

selber politisch aktiv gewesen und deswegen in der Vergangenheit gesucht 

worden. Es seien ihr hierzu aber nur wenige Fragen gestellt worden. Ihre 

Aussagen hinsichtlich der Probleme ihres verstorbenen Ehemannes seien 

entgegen der Ansicht des SEM übereinstimmend ausgefallen. Bereits des-

halb drohe ihr in ihrem Heimatstaat Reflexverfolgung. In diesem Zusam-

menhang seien zudem die politischen Tätigkeiten der anderen Familien-

mitglieder zu berücksichtigen; hierzu seien einerseits deren Verfahrensak-

ten beizuziehen und andererseits das Asylverfahren ihres Sohnes 

G._______mit ihrem zu koordinieren.  

4.2.3 In einer weiteren Beschwerdeergänzung vom 6. August 2020 liess 

die Beschwerdeführerin die Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Ge-

hör sowie der Pflicht der vollständigen und richtigen Abklärung des rechts-

erheblichen Sachverhalts rügen, indem die Verfahren ihrer Kinder weder 

erwähnt noch beigezogen noch gewürdigt worden seien. Es hätte zumin-

dest eine Notiz betreffend die Verweiserdossiers erstellt werden müssen. 

Das SEM habe auch die Akten A19 und A20 nicht vollständig bezeichnet, 

womit nicht ersichtlich sei, worum es darin gehe. Sofern es sich dabei um 

Notizen betreffend die Verweiserdossiers handle, hätte Einsicht gewährt 

werden müssen, zumal diese entscheidrelevant seien. An der Anhörung 

seien sodann nur wenige offene Fragen sowie Nachfragen gestellt und ihr 

Bildungsgrad nicht entsprechend gewürdigt worden. Bezüglich Zeitpunkt 

der letzten Hausdurchsuchung sei ihr mit der Frage 60 gar ein suggestiver 

und falscher Vorhalt gemacht worden. Mit der gewählten Verfahrensspra-

che, welche im Zuteilungskanton nicht gesprochen werde, habe die Vor-

instanz ebenfalls eine Gehörsverletzung begangen. Es sei nicht konkret 

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Seite 9 

dargelegt worden, weshalb die Personalsituation die Verfahrensführung in 

deutscher Sprache verunmöglicht haben soll, es könne sich jedenfalls nicht 

um objektive Umstände gehandelt haben. Damit sei auch der Grundsatz 

der Verhältnismässigkeit verletzt worden. Nachdem das Verfahren bereits 

seit über einem Jahr hängig gewesen sei, wäre eine weitere Verzögerung 

von mehreren Monaten durchaus zumutbar gewesen. Die Beschwerdefüh-

rerin sei jedenfalls nicht in der Lage gewesen innert Beschwerdefrist eine 

vollständig ausformulierte Beschwerde zu verfassen. Die angefochtene 

Verfügung sei daher aufzuheben. 

4.3 In seiner Vernehmlassung vom 12. Januar 2021 hielt das SEM an sei-

nen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung fest. Hinsichtlich der 

Rüge der Beschwerdeführerin, es sei an der Anhörung zu ihren Asylgrün-

den keine Hilfswerksvertretung anwesend gewesen, führte es aus, die 

Hilfswerksvertretung sei rechtzeitig für den Anhörungstermin vorgeladen 

worden. Da die Anwesenheit einer Hilfswerksvertretung keinen prozessu-

alen Anspruch darstelle, habe dies allein nicht die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung zur Folge. Es sei dem Anhörungsprotokoll denn auch 

zu entnehmen, dass die Formulierung der Fragen an die Verständnisfähig-

keit der Beschwerdeführerin angepasst worden sei, nachdem diese ange-

geben habe, Analphabetin zu sein. Insofern sei dies nicht als Grund für die 

widersprüchlichen und unlogischen Antworten der Beschwerdeführerin zu 

erachten. Insgesamt sei davon auszugehen, die Beschwerdeführerin habe 

anlässlich der Anhörung die wesentlichen Gründe darlegen können, auf-

grund welcher sie ihren Heimatstaat verlassen habe. Aus ihren Ausführun-

gen könne nicht geschlossen werden, sie wäre im Falle einer Rückkehr in 

ihren Heimatstaat gegenwärtig oder zukünftig einer ernsthaften Verfol-

gungsgefahr ausgesetzt. Für diese Einschätzung spreche auch ihr Verhal-

ten nach dem Tod ihres Ehemannes sowie der Weggang ihrer Kinder. Auch 

aus den Akten der Kinder der Beschwerdeführerin, die als letzte den Hei-

matstaat verlassen habe, ergäben sich keine Hinweise darauf, dass sie 

jemals in asylrelevanter Weise verfolgt worden wäre. Es sei jedoch noch-

mals zu betonen, dass sämtliche Akten sorgfältig auf allfällige Hinweise auf 

eine mögliche Reflexverfolgung geprüft worden seien. Das Aktenstück A20 

vom 12. März 2020 betreffe gerade die vorgenommene Konsultation der 

Verfahrensakten der Kinder der Beschwerdeführerin. Betreffend die ge-

rügte Verfahrenssprache werde auf den SEM-Beschluss vom 18. März 

2022 verwiesen. Es werde daher die Abweisung der Beschwerde bean-

tragt. 

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Seite 10 

4.4 In ihrer Replik vom 1. Februar 2021 beharrte die Beschwerdeführerin 

darauf, dass gerade bei ihrer Anhörung die Anwesenheit einer Hilfswerks-

vertretung wesentlich gewesen wäre, zumal diese bei der Behebung ent-

sprechender Mängel hätte mitwirken können. Desweiteren würde es dem 

SEM nicht gelingen, mit den pauschalen Behauptungen ihre konkreten Ar-

gumente bezüglich der Mängel an der Anhörung zu entkräften. Es reiche 

sodann nicht aus, dass lediglich in einer internen Aktennotiz der Beizug 

von Verweiserdossiers behandelt worden sei, vielmehr hätte dies offenge-

legt und in der Verfügung darauf Bezug genommen werden müssen. Be-

züglich Reflexverfolgung stehe fest, dass die heimatlichen Behörden im 

Falle einer Rückkehr ein zusätzliches Interesse an ihr hätten, nachdem sie 

sich in Westeuropa bei ihren verfolgten Söhnen aufgehalten habe. 

5.  

5.1 In ihren Eingaben im Beschwerdeverfahren rügte die Beschwerdefüh-

rerin vorab in prozessualer Hinsicht die Verletzung ihres Anspruchs auf 

rechtliches Gehör und die unvollständige und falsche Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhalts, weil die Verfahrensakten ihrer Kinder we-

der beigezogen noch gewürdigt worden seien. Zudem rügte sie die feh-

lende Teilnahme einer Hilfswerksvertretung an ihrer Anhörung. Den Grund-

satz der Verhältnismässigkeit habe die Vorinstanz verletzt, indem sie das 

Verfahren in italienischer Sprache geführt habe, obschon keine objektiven 

Umstände vorgelegen hätten. Diese verfahrensrechtlichen Rügen werden 

vom Gericht vorab geprüft. 

5.2  

5.2.1 Im Asylverfahren ist der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 

festzustellen (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Asylbehörden haben 

aufgrund dieser Untersuchungspflicht für die richtige und vollständige  

Abklärung des Sachverhalts zu sorgen. Unvollständig ist die Sachverhalts-

feststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtserheblichen Sachum-

stände berücksichtigt wurden; unrichtig ist sie, wenn dem Entscheid ein 

falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, wie dies 

der Fall ist, wenn die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht ver-

neint und diese gar nicht erst zum Gegenstand eines Beweisverfahrens 

gemacht wurde. Die behördliche Untersuchungspflicht wird durch die den 

Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht ein-

geschränkt, wobei diese insbesondere bei der Anhörung vollständig anzu-

geben haben, weshalb sie um Asyl nachsuchen. 

E-2089/2020 

Seite 11 

5.2.2 Die Parteien haben ein aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör 

fliessendes Recht, an der Erstellung des Sachverhaltes mitzuwirken 

(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG). Der Grundsatz des rechtlichen Ge-

hörs verlangt unter anderem, dass sich die Parteien zumindest zu den 

Grundlagen des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt, vorweg äus-

sern und insbesondere ihre Standpunkte einbringen können (vgl. BGE 

132 II 257 E. 4.2). Ferner hat die verfügende Behörde die Vorbringen des 

Betroffenen tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in 

der Entscheidfindung zu berücksichtigen, was sich entsprechend in der 

Entscheidbegründung niederschlagen muss (Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach den Ver-

fahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und den Interessen der 

Betroffenen, wobei die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwie-

genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen 

eine sorgfältige Begründung verlangt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.). 

5.2.3 Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs 

folgt, dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteilig-

ten offen zu legen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfü-

gung darauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung 

des Akteneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfü-

gung betroffenen Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der 

Verwaltung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten fest-

zuhalten haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich 

sein kann (BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht 

setzt eine geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ab-

lage, Paginierung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenver-

zeichnis) voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1). 

5.3 Die Vorinstanz bezieht sich in der angefochtenen Verfügung bei der 

Darstellung der Vorbringen der Beschwerdeführerin auf die Verfahrensak-

ten ihrer Kinder und setzte sich zudem in der Verfügungsbegründung mit 

den politischen Aktivitäten ihrer Familienangehörigen auseinander (vgl. an-

gefochtene Verfügung S. 3 f.). Damit hat das SEM hinreichend zu erkennen 

gegeben, dass die Verweiserdossiers in der Entscheidfindung berücksich-

tigt wurden. Zudem wurde in der Vernehmlassung darauf hingewiesen, 

dass in der internen Akte A20 der Beizug dieser Dossiers festgehalten wor-

den sei. Vorliegend gilt ausserdem zu berücksichtigen, dass die Beschwer-

deführerin nicht geltend machte, sie sei wegen der Aktivitäten ihrer Kinder 

in ihrem Heimatstaat asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt gewesen. Infol-

E-2089/2020 

Seite 12 

gedessen bestanden für die Vorinstanz keine objektiven Gründe, der Be-

schwerdeführerin zu den Ergebnissen des Beizugs der Verfahrensakten 

ihrer Kinder das rechtliche Gehör zu gewähren. Im Übrigen sind bereits 

deshalb keine konkreten Hinweise auf eine allfällige Reflexverfolgung in 

den Akten der Kinder der Beschwerdeführerin zu erwarten, weil alle ihre 

Kinder mindestens ein Jahr vor ihr den Heimatstaat verlassen haben.  

5.4  

5.4.1 In Bezug auf die gerügte fehlende Anwesenheit einer Hilfswerksver-

tretung an der Anhörung führte das SEM in der Vernehmlassung zu Recht 

aus, dass diese rechtzeitig für den Anhörungstermin vorgeladen worden 

sei, weshalb deren Abwesenheit allein nicht die Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung zur Folge habe. 

5.4.2 Gemäss aArt. 30 Abs. 3 AsylG entfaltet die Anhörung auch dann volle 

Rechtswirkung, wenn die Hilfswerksvertretung nach rechtszeitiger Vorla-

dung dieser Einladung keine Folge leistet. . 

5.4.3 Vorliegend geht aus dem Anhörungsprotokoll hervor, dass der Dol-

metscher darauf hingewiesen habe, er werde die Fragen an die Beschwer-

deführerin einfacher darlegen, weil sie Analphabetin sei und komplizierte 

Texte nicht zu verstehen scheine (vgl. A18 S. 2). Im Weiteren wurde im 

Protokoll vermerkt, dass der Dolmetscher Fragen wiederholte und Erklä-

rungen anbrachte und der Beschwerdeführerin erklärt wurde, wie sie Fotos 

von ihrem Mobiltelefon als Beweismittel einreichen könne (vgl. A18 ad F26, 

ad F38 f.). Am Ende der Befragung verneinte die Beschwerdeführerin aus-

serdem die Frage danach, ob es noch etwas gebe, dass sie bisher nicht 

habe erzählen können (vgl. A18 ad F67). Insgesamt ist damit nicht darauf 

zu schliessen, dass die Anhörung ohne Anwesenheit einer Hilfswerksver-

tretung – die rechtzeitig für den Anhörungstermin vorgeladen wurde – ei-

nen Verfahrensmangel aufweisen würde. Es wurde den individuellen Vo-

raussetzungen der Beschwerdeführerin angemessen Rechnung getragen. 

5.5  

5.5.1 Hinsichtlich die gerügte Verfahrenssprache ist die Beschwerdeführe-

rin auf die in BVGE 2020 VI/8 bestätigte Praxis des Bundesverwaltungsge-

richts zu verweisen. Demgemäss kann als Ausnahme der Regel im Sinn 

von Art. 16a Abs. 3 Bst. b AsylG eine Verfügung des SEM in einer anderen 

Sprache ergehen, wenn geeignete Korrektiv-Massnahmen getroffen wer-

den, die das Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen 

Prozess gewährleisten.  

E-2089/2020 

Seite 13 

5.5.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung vom 18. März 2020 

zwar nachvollziehbar erklärt, aus welchen Gründen es vorliegend die Ver-

fügung in französischer Sprache erlassen hat. Daraus geht auch hervor, 

dass als einzige Korrektiv-Massnahme das Dispositiv der angefochtenen 

Verfügung auf Deutsch übersetzt wurde, aber einzig der italienische Haupt-

text rechtlich verbindlich sei. Nachdem keine weiteren Massnahmen ge-

troffen wurden, wie beispielsweise die Übersetzung der angefochtenen 

Verfügung auf Deutsch (vgl. a.a.O. E. 6.5.2 m.w.H.), hat das SEM keine 

genügenden Vorkehren getroffen, um das Recht der Beschwerdeführerin 

auf ein faires Verfahren und auf wirksame Beschwerde zu wahren.  

5.5.3 Entgegen des Beschwerdeantrags der Beschwerdeführerin führt die-

ser Verfahrensmangel allerdings nicht zur Kassation der angefochtenen 

Verfügung. In der Beschwerdeschrift vom 16. April 2020 machte die Be-

schwerdeführerin geltend, es sei ihr aufgrund der Corona-Massnahmen 

nicht möglich gewesen, sich rechtlich beraten zu lassen (vgl. Beschwerde 

S. 2 f.). In der Folge wurde ihr Frist zur Einreichung einer Beschwerdeer-

gänzung gewährt. In der Beschwerdeergänzung konnte sich die Beschwer-

deführerin mit der Begründung des Asylentscheids des SEM auseinander-

setzen, wies aber darauf hin, sie habe sich weiterhin nicht rechtlich beraten 

lassen können und es sei ihr kaum möglich den angefochtenen Entscheid 

zu lesen (vgl. Beschwerdeergänzung vom 30. Mai 2020 S. 7). Mit Zwi-

schenverfügung vom 1. Juli 2020 hiess die vormalige Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut, forderte 

sie zur Nennung einer Rechtsvertretung auf und informierte sie über eine 

in ihrer Wohnregion ansässige Rechtsberatungsstelle. Mit Eingabe vom 

15. Juli 2020 liess die Beschwerdeführerin über die Mandatierung ihres 

Rechtsvertreters informieren und sie erhielt in der Folge ein weiteres Mal 

Gelegenheit sich zur Verfügung des SEM zu äussern.  

5.5.4 Nach dem Gesagten wurde der in E. 4.5.3 genannte Verfahrensman-

gel insoweit geheilt, als sich die Beschwerdeführerin nach Mandatierung 

eines Rechtsvertreters erneut zur angefochtenen Verfügung des SEM vom 

18. März 2020 äussern konnte (vgl. EMARK 2004 Nr. 29). 

5.6 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen folglich als unbegründet, 

weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aus for-

mellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. Das diesbezügliche Eventualbegehen ist abzuweisen. 

  

E-2089/2020 

Seite 14 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Nach Durchsicht der Verfahrensakten gelangt das Gericht zum 

Schluss, dass das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht 

abwies. Insbesondere ist in den Schilderungen der Beschwerdeführerin 

anlässlich ihrer Befragungen keine konkret gegen sie gerichtete Verfolgung 

zu ersehen. 

7.2 An der BzP antwortete die Beschwerdeführerin auf die Frage, ob sie 

jemals verhaftet, angeklagt oder verurteilt worden sei: "Nein, ich nicht. Aber 

wie gesagt, wir wurden immer verfolgt. Auch die syrischen Behörden haben 

unser Haus durchsucht." (vgl. BzP S. 7). An der Anhörung führte sie sodann 

aus, das Regime habe wegen der Aktivitäten des Vaters die Kinder nicht in 

Ruhe gelassen und zudem hätten die "Apoci"/PKK verlangt, dass ihre Kin-

der sich ihnen anschliessen (vgl. A18 ad F21, F31, F33 und F43 f.). Nach-

dem alle Kinder ausgereist seien, habe sich niemand um sie kümmern kön-

nen und es habe keine Medizin gegeben (vgl. a.a.O. ad F16, F21, F52 und 

F59). Sie habe früher zwar auch an Demonstrationen teilgenommen, aber 

wegen der Kinder nur selten; zuletzt habe sie vor fünf oder sechs Jahren 

demonstriert (vgl. a.a.O. ad F29 und F35). Insgesamt geht aus ihren Aus-

sagen als Hauptgrund für die Ausreise hervor, dass sie nach der Ausreise 

ihrer Kinder ganz alleine gewesen sei und es für sie schwierig geworden 

E-2089/2020 

Seite 15 

sei, die nötige medizinische Behandlung zu erhalten. Hingegen ist nicht 

davon auszugehen, die Beschwerdeführerin sei infolge ihrer einzelnen De-

monstrationsteilnahmen als regierungskritische Person in den Fokus der 

heimatlichen Behörden geraten und sie deswegen gegen sie persönlich 

gerichtete Verfolgungsmassnahmen erlebt hätte (vgl. a.a.O. ad F46 ff.). Die 

geltend gemachten Nachteile erreichen jedenfalls nicht die erforderliche 

asylrelevante Intensität der Vorverfolgung. 

7.3 Nachdem vorliegend keine besondere individuelle Verfolgungssituation 

im Sinn von Art. 3 AsylG vorliegt (vgl. diesbezüglich die Praxis des Bun-

desverwaltungsgerichts in Referenzurteil E-2943/2019 vom 6. Juli 2022 

E. 7.4) entfaltet die illegale Ausreise aus Syrien sowie die Asylgesuchstel-

lung in der Schweiz für sich genommen keine flüchtlingsrechtliche Rele-

vanz.  

7.4  

7.4.1 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige oder Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung im dar-

gelegten Sinn zu werden, ist vor allem gegeben, wenn nach einem flüchti-

gen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermu-

tung hat, dass jemand mit der gesuchten Person in engem Kontakt steht 

(zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3, unter Hinweis auf 

Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommis-

sion [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK 1994 Nr. 17). 

Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfolgung 

betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG 

ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss. 

7.4.2 Die Verfolgung von Angehörigen vermeintlicher oder wirklicher politi-

scher Oppositioneller durch die syrischen Behörden ist durch diverse Quel-

len dokumentiert und es sind unterschiedliche Motive für eine solche Ver-

folgung erkennbar. So werden Angehörige verhaftet und misshandelt, um 

eine Person für ihre oppositionelle Gesinnung oder ihre Desertion zu be-

strafen, um Informationen über ihren Aufenthaltsort in Erfahrung zu brin-

gen, um eine Person zu zwingen, sich den Behörden zu stellen, um ein 

Geständnis zu erzwingen, um weitere Personen abzuschrecken oder um 

direkt Angehörige für eine unterstellte oppositionelle Haltung zu bestrafen, 

die ihnen aufgrund ihrer Nähe zu vermeintlichen oder wirklichen oppositio-

nellen Personen zugeschrieben wird. Die Bürgerkriegsparteien (darunter 

E-2089/2020 

Seite 16 

die syrische Armee und regierungsfreundliche Milizen) setzen dabei die 

Strategie der Reflexverfolgung gezielt ein. Könne ein Regimegegner nicht 

gefunden werden, würden Sicherheitskräfte – auch unter Anwendung von 

Gewalt – Familienangehörige, auch Kinder, willkürlich verhaften, in Isolati-

onshaft nehmen, foltern oder anderweitig misshandeln (vgl. Urteil des 

BVGer 3522/2020 vom 12. August 2020 E. 6.4 m.w.H.). 

7.4.3 Die vorinstanzliche Verfügung ist auch betreffend die in der Be-

schwerde gerügte Reflexverfolgung zu bestätigen. Die Beschwerdeführe-

rin machte an ihren Befragungen nicht geltend, sie habe wegen dem poli-

tischen Engagement ihrer Familienangehörigen (N […], N […] und N […]) 

persönliche Verfolgungsmassnahmen erlitten (vgl. E. 6.2). Zudem sind ih-

ren Aussagen auch keine konkreten Anhaltspunkte zu entnehmen, sie sei, 

nachdem alle ihre Kinder den Heimatstaat verlassen hatten, in den Fokus 

der Regierung oder der PKK geraten und deswegen ernsthaften Nachtei-

len im Sinn von Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt gewesen. Vielmehr haben 

sich die Repressalien seitens des Regimes und der PKK ausschliesslich 

gegen ihren Ehemann respektive ihre Kinder gerichtet. Vor diesem Hinter-

grund erscheint die Angst, Opfer einer gezielten Reflexverfolgung zu wer-

den, objektiv nicht begründet. 

7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin we-

der persönliche asylrelevante Verfolgung noch Reflexverfolgung wegen ih-

rer Familienangehöriger – und auch nicht aufgrund ihres Aufenthalts in der 

Schweiz bei ihren Söhnen (vgl. u.a. Urteil des BVGer E-5788/2017 vom 

23. April 2019 E. 6.5 m.w.H.) – darzulegen vermochte. Die Vorinstanz hat 

das Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

E-2089/2020 

Seite 17 

8.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 18. März 2020 die vorläufige 

Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz angeordnet hat, erübri-

gen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und 

Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

8.4 Im Sinn einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus 

den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde-

führerin sei in Syrien nicht gefährdet. Indessen ist ihre Gefährdungslage 

ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 Bundesgesetz vom 

16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die 

Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR 142.20) einzuord-

nen, wonach der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und Auslän-

der unzumutbar ist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von 

Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 

Notlage konkret gefährdet sind. Die durch das SEM angeordnete vorläufige 

Aufnahme bleibt von vorliegendem Entscheid unberührt und tritt mit dem 

heutigen Urteil formell in Kraft. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten – unter Be-

rücksichtigung des in Erwägung 5.5 abgehandelten Verfahrensmangels 

(vgl. EMARK 2004 Nr. 29) – der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 

Abs. 1 VwVG). Da mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2020 der Antrag auf 

unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen wurde, sind keine Kosten zu er-

heben. 

10.2 Mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2020 wurde Rechtsanwalt Mi-

chael Steiner als amtlicher Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin einge-

setzt. Diesem ist deshalb ein amtliches Honorar zulasten der Gerichts-

kasse zu entrichten, wobei nur der notwendige Aufwand zu entschädigen 

ist (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Es wurde keine Kostennote ein-

gereicht, weshalb der notwendige Aufwand anhand der Akten festzulegen 

ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massgebenden Bemessungs-

faktoren und unter Anwendung des in der Zwischenverfügung angekündig-

E-2089/2020 

Seite 18 

ten Stundenansatzes ist dem amtlichen Rechtsbeistand für die Beschwer-

deergänzung vom 6. August 2020 sowie die Replik vom 1. Februar 2021 

durch das Gericht ein Honorar von insgesamt Fr. 700.– (inkl. Auslagen und 

Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2089/2020 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand, Michael Steiner, wird zulasten der Ge-

richtskasse ein Honorar von Fr. 700.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Martina Stark 

 

 

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