# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fd7fafe7-5ff6-533b-ac15-12ec3e1bf7fb
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-28
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 28.07.2023 VBE.2022.414
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-414_2023-07-28.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.414 / ms / BR 
Art. 75 

 

Urteil vom 28. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Schweizer          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch lic. iur. Rudolf Studer, Rechtsanwalt,  

Laurenzenvorstadt 19, Postfach, 5001 Aarau    

     

 
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG,  

Direktion Bern, Bundesgasse 35, 3001 Bern   

     

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die 1968 geborene, als Tennislehrerin tätige Beschwerdeführerin war bei 

der Beschwerdegegnerin obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen ver-

sichert, als sie sich gemäss Schadenmeldung vom 27. Dezember 2021 am 

15. Dezember 2021 bei einer Ballabnahme beim Tennisspielen an der 

rechten Schulter verletzte. Nach entsprechenden Abklärungen und dem 

Einholen einer Beurteilung ihres beratenden Arztes verneinte die Be-

schwerdegegnerin mit Verfügung vom 17. März 2022 ihre Leistungspflicht 

im Zusammenhang mit den gemeldeten rechtsseitigen Schulterbeschwer-

den, weil weder ein Unfall noch eine leistungsbegründende unfallähnliche 

Körperschädigung vorliege. Die dagegen erhobenen Einsprachen der Be-

schwerdeführerin sowie deren Krankenversicherers wies die Beschwerde-

gegnerin mit Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2022 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2022 erhob die Be-

schwerdeführerin mit Eingabe vom 14. November 2022 fristgerecht Be-

schwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 11. Oktober 
2022 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, 
der Beschwerdeführerin die versicherten UVG-Leistungen, insbeson-
dere Unfalltaggelder, Heilungskosten, Kosten für Therapien etc., aus 
der Unfallversicherung zu bezahlen. 

 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MWSt zulasten der 

Beschwerdegegnerin." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 27. Februar 2023 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht 

hinsichtlich des Ereignisses vom 15. Dezember 2021 mit Einspracheent-

scheid vom 11. Oktober 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 55) zu Recht 

verneint hat. 

 

 - 3 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Zunächst ist zu prüfen, ob es sich beim von der Beschwerdeführerin ge-

meldeten Ereignis vom 15. Dezember 2021 um einen Unfall gemäss Art. 4 

ATSG handelt (vgl. Beschwerde S. 4 ff.). 

 

2.2. 

Gemäss Art. 6 UVG werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, 

die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und 

Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die 

plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnli-

chen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträch-

tigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den 

Tod zur Folge hat. Der Unfallbegriff enthält somit fünf Tatbestandsmerk-

male (Körperverletzung [bzw. Tod], äussere Einwirkung, Plötzlichkeit, feh-

lende Absicht und Ungewöhnlichkeit [der äusseren Einwirkung]; BGE 134 

V 72 E. 2.3 S. 75). 

 

Nach der Rechtsprechung ist der äussere Faktor ungewöhnlich, wenn er – 

nach einem objektiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt, 

was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 142 V 

219 E. 4.3.1 S. 221; SVR 2022 UV Nr. 13 S. 55, 8C_430/2021 E. 2.3). Das 

Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann unter anderem in ei-

ner unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei 

der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich 

dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den na-

türlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" be-

einflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der unge-

wöhnliche äussere Faktor zu bejahen, denn der äussere Faktor – Verän-

derung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Pro-

grammwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 

E. 2.1 S. 118; SVR 2021 UV Nr. 21 S. 101, 8C_586/2020 E. 3.3; zum Gan-

zen: Urteil des Bundesgerichts 8C_24/2022 vom 20. September 2022 

E. 3.2). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Gemäss der Schadenmeldung vom 27. Dezember 2021 sei die Beschwer-

deführerin am 15. Dezember 2021 beim freien (Tennis-)Spiel am Netz ge-

standen und habe einen harten Schlag durch Einwirkung eines sehr schnel-

len Balles des Gegners auf die rechte Schulter bekommen. Dabei sei es ihr 

heftig in die rechte Schulter geschossen und sie habe sofort einen stechen-

den, heftigen Schmerz verspürt (VB 2 S. 1 f.). Im Fragebogen zum Unfall-

hergang vom 5. Januar 2022 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe eine 

reflexartige Abnahme von einem sehr harten, schnellen Ball des Gegners 

 - 4 - 

 

 

 

beim Vorhand-Volley hinter dem Körper ausgeführt (VB 9 S. 1). In ihrer Ein-

sprache vom 19. April 2022 führte die Beschwerdeführerin zum Ereignis-

hergang aus, der Ball sei mit einer aussergewöhnlichen Geschwindigkeit 

und Stärke auf sie zugeflogen. Von diesem Ball überrascht, habe sie re-

flexartig ihren Arm gestreckt, um den Ball noch abzuwehren. Dabei habe 

sie sich bezüglich der Stärke und Geschwindigkeit des Balls verschätzt und 

diesen deshalb in einem anderen Winkel, nämlich mit rückwärts ausge-

strecktem Arm, getroffen (VB 31 S. 2). Beschwerdeweise hielt die Be-

schwerdeführerin fest, sie habe den Ball nicht wie geplant vor dem Körper, 

sondern noch während der Vorwärtsbewegung des Arms in der verrenkten, 

nach hinten geneigten Position des Schultergelenks erfasst. Der "harte 

Ball" habe die Schulter im Moment der Ausholbewegung "getroffen", somit 

als die Schulter mit gestrecktem Arm hinter die Körpermitte rotiert gewesen 

sei und mit Kraftaufwand habe nach vorne geführt werden sollen (vgl. Be-

schwerde S. 3). 

 

2.3.2. 

Dem von der Beschwerdeführerin geschilderten Ereignishergang mangelt 

es - entgegen den Ausführungen in der Beschwerde (vgl. Beschwerde S. 3, 

7) - am Merkmal der Ungewöhnlichkeit. So sind im Tennissport insbeson-

dere beim Netzspiel erwartungsgemäss reflexartige Schläge auszuführen, 

welche mit der Bewegung von der Grundlinie ans Netz und dem damit ver-

bundenen Verkürzen der Distanz zum Gegenspieler geradezu forciert wer-

den. So mag es zwar zutreffen, dass die Geschwindigkeit des Balles die 

Ausführung des Vorhand-Volleys vor dem Körper verhindert hat und die 

Ausführung nicht ideal verlaufen ist. Dass die Beschwerdeführerin vorlie-

gend den Ball mit "rückwärts ausgestrecktem Arm" (vgl. VB 31 S. 2) getrof-

fen hat, bewegt sich allerdings ohne Weiteres in der gewöhnlichen Band-

breite der Bewegungsmuster des Tennissports und stellt keine relevante 

Programmwidrigkeit dar (vgl. hierzu etwa Urteil des Bundesgerichts 

8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E. 5.2 mit Hinweisen). Dies gilt umso mehr, 

als das Vorliegen eines ungewöhnlichen Faktors nicht bereits zu bejahen 

ist, wenn eine Bewegung reflexartig ausgeführt wird (Urteil des Eidgenös-

sischen Versicherungsgerichts [EVG] U 144/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.2 

mit Hinweisen). Zudem scheint auch das Tempo des Balles unerheblich, 

gehört es doch zum Tennisspiel, dass die Bälle in unterschiedlichen Ge-

schwindigkeiten retourniert werden. Ein aussergewöhnlicher Faktor liegt 

nur vor, wenn er nach einem objektiven Massstab nicht mehr im Rahmen 

dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist 

(BGE 134 V 72 E. 4.1 S. 76 und 129 V 402 E. 2.1 S. 404 mit Hinweisen), 

was auf einen schnell gespielten Tennisball nicht zutrifft. Vorliegend hat 

sich ein dem Tennissport inhärentes Risiko einer Verletzung verwirklicht. 

Aufgrund eines fehlenden äusseren ungewöhnlichen Faktors ist der Unfall-

begriff damit gemäss Art. 4 ATSG nicht erfüllt, weshalb unter dem Titel "Un-

fall" keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin in Zusammenhang mit 

dem Ereignis vom 15. Dezember 2021 besteht.  

 - 5 - 

 

 

 

 

3. 

3.1. 

Zu prüfen bleibt daher, ob die diagnostizierte Listenverletzung an der rech-

ten Schulter (Supraspinatussehnenteilruptur [vgl. VB 13]) eine unfallähnli-

che Körperschädigung i.S.v. Art. 6 Abs. 2 UVG darstellt. 

 

3.2. 

Die Unfallversicherung erbringt ihre Leistungen auch für die in Art. 6 Abs. 2 

UVG aufgezählten Verletzungen, sofern diese Körperschädigungen nicht 

vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Damit 

wird der Unfallversicherer bei Vorliegen einer diagnostizierten Listenverlet-

zung grundsätzlich leistungspflichtig, solange er nicht den Nachweis dafür 

erbringt, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten 

Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zu-

rückzuführen ist (BGE 146 V 51 E. 8.2.2 S. 64 f.). 

 

3.3. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen Einspracheent-

scheid in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Aktenbeurteilung 

ihres beratenden Arztes Dr. med. B., Facharzt für Chirurgie, vom 10. Okto-

ber 2022 (VB 52). Dieser stellte die Diagnose eines krankhaft-degenerati-

ven Defekts der Supraspinatussehne der rechten Schulter (VB 52 S. 4). Er 

hielt fest, damit es zu einer Teilruptur der Rotatorenmanschette komme, 

müsse ein Vorzustand vorgelegen haben, denn eine gesunde Rotatoren-

manschette reisse auch bei einem noch so harten und schnellen Tennis-

ballschlag des Gegners nicht. Zusammen mit dem stark positiven Supra-

spinatus-Test nach Jobe bestätige die Arthro-MRI-Untersuchung vom 

21. Dezember 2021 das Vorliegen einer Impingement-Konfiguration im 

rechten Schultergelenk. Das verdickte Ligamentum coracoacromiale, die 

subkortikalen Geröllzysten, die Tendinose der Supraspinatussehne und die 

AC-Gelenksarthrose seien ein starker Hinweis, dass der ansatznahe De-

fekt in der Supraspinatussehne auf einen krankhaft-degenerativen Prozess 

zurückzuführen sei. Hinweise auf eine frische traumatische Ruptur in der 

Rotatorenmanschette (Hämatome, Knochenmarködem) würden fehlen. 

Somit würde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im rechten Schulterge-

lenk ein krankhaft-degenerativer Vorzustand vorliegen, wie er im Alter der 

Beschwerdeführerin häufig vorkomme (VB 52 S. 4). Weiter bestätigte 

Dr. med. B. das Vorliegen einer Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. f 

UVG und führte aus, der Riss in der Supraspinatussehne der rechten 

Schulter sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf einen krankhaft-de-

generativen Prozess zurückzuführen (VB 52 S. 5). 

 

Nachdem die Beschwerdeführerin am 11. Oktober 2022 an der Schulter 

operiert worden war, holte die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfah-

ren eine weitere Stellungnahme von Dr. med. B. ein (VB 88). Dieser hielt 

 - 6 - 

 

 

 

am 2. Februar 2023 gestützt auf den Operationsbericht von Dr. med. C., 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie sowie Traumatologie des Bewe-

gungsapparates, vom 11. Oktober 2022 (VB 69) sowie die intraoperativen 

Bilder (VB 76) im Wesentlichen an seiner Einschätzung fest. Er führte aus, 

ein durchgehender Defekt der Sehne habe mit der Arthrographie ausge-

schlossen werden können. Es fänden sich dafür Hinweise für einen krank-

haft-degenerativen Prozess mit subkortikalen Geröllzysten am Sehnenan-

satz des Musculus infraspinatus, einem verdickten Ligamentum cora-

coacromiale und einer Arthrose im Akromioklavikulargelenk. Zudem habe 

sich intraoperativ ein Knorpelschaden gezeigt. Die durchgeführte subakro-

miale Dekompression (Akromioplastik) sei ein Eingriff, der bei einem sub-

akromialen Impingement vorgenommen werde (VB 88 S. 4).  

 

3.4. 

3.4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3.4.2. 

Beratende Ärzte eines Versicherungsträgers sind, was den Beweiswert ih-

rer ärztlichen Beurteilungen anbelangt, versicherungsinternen Ärzten 

gleichzusetzen (Urteile des Bundesgerichts 8C_355/2021 vom 25. Novem-

ber 2021 E. 3.2; 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2 mit Hinweis). 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen 

Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee 

S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen 

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge 

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-

verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-

stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 

465 E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

 - 7 - 

 

 

 

3.4.3. 

Eine reine Aktenbeurteilung ist nicht an sich schon unzuverlässig. Entschei-

dend ist, ob genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Untersu-

chungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und 

gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige muss 

sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild 

machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2008 vom 9. April 

2009 E. 3.3.1 und U 224/06 1. November 2007 E. 3.5; je mit Hinweisen). 

 

3.5. 

3.5.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, weder aus dem Be-

richt der ersten Untersuchung noch aus der MR-Arthrographie noch aus 

dem Operationsbericht würde sich ergeben, dass die Schulter überwiegend 

degenerativ beeinträchtigt sei. Insbesondere gehe aus dem Operationsbe-

richt nicht hervor, dass ein Impingement-Syndrom vorliege (vgl. Be-

schwerde S. 6 f.). 

 

3.5.2. 

Dr. med. B. führte gestützt auf die zeitnah zum Ereignis vom 15. Dezember 

2021 aufgenommenen radiologischen Befunde (MR-Arthrographie der 

Schulter rechts vom 21. Dezember 2021; VB 8) sowie die von Dr. med. C. 

erhobenen klinischen Befunde aus, das verdickte Ligamentum coracoacro-

miale, die subkortikalen Geröllzysten, die Tendinose der Supraspinatus-

sehne und die AC-Gelenksarthrose seien ein starker Hinweis, dass der an-

satznahe Defekt in der Supraspinatussehne auf einen krankhaft-degenera-

tiven Prozess zurückzuführen sei. Hinweise auf eine frische traumatische 

Ruptur in der Rotatorenmanschette (Hämatome, Knochenmarködem) wür-

den fehlen (VB 52 S. 4). Ergänzend führte er in seiner Beurteilung vom 

2. Februar 2023 aus, die Beschwerdeführerin sei mit der Diagnose einer 

PASTA-Läsion der Supraspinatussehne an der rechten Schulter operiert 

worden. Der Begriff PASTA stehe für "Partial Articular Surface Tendon A-

vulsion", wobei es sich um eine gelenkseitige Ausdünnung (Abscherung) 

der Supraspinatussehne, eine der vier Sehnen der Rotatorenmanschette, 

handle. Die Sehne sei also nicht in der gesamten Dicke betroffen, was die 

Arthrographie vom 21. Dezember 2021 mit Kontrastmittel beweise, da kein 

Kontrastmittel aus dem Gelenk ausgetreten sei. Unter Hinweis auf medizi-

nische Fachliteratur führte Dr. med. B. weiter aus, die Ursache für die Aus-

dünnung sei ein krankhaft-degenerativer Prozess durch Belastungen der 

Sehne. Gefährdet seien vor allem Berufsleute, die Arbeiten über Kopf ver-

richten müssten, oder Sportler wie Werfer, Handballer, Tennisspieler etc. 

Dieser Prozess beginne bereits im Alter von ca. 40 Jahren und stehe meist 

im Zusammenhang mit einem Engpass-Syndrom, dem subakromialen Im-

pingement, wobei es zu einer Einklemmung der Supraspinatussehne zwi-

schen Humeruskopf und Akromion komme. Der typische klinische Test 

zum Nachweis dieses meist krankhaften subakromialen Impingements sei 

 - 8 - 

 

 

 

der Jobe-Test (VB 88 S. 2 f.; vgl. hierzu auch Pschyrembel, Klinisches 

Wörterbuch, 267. Auflage, Berlin/Boston 2017, S. 862). Zum gleichen Er-

gebnis kam auch die beratende Ärztin Dr. med. D., Fachärztin für Orthopä-

dische Chirurgie sowie Traumatologie des Bewegungsapparates, in ihrer 

Beurteilung vom 13. Januar 2022 (vgl. VB 12). Dr. med. B. begründete folg-

lich überzeugend, weshalb schon ein Impingement-Syndrom vorgelegen 

habe. Seine fachärztliche Einschätzung erweist sich ohne Weiteres als 

schlüssig und er legte überdies nachvollziehbar dar, weshalb mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit von einer degenerativen Ursache der Sehnen-

verletzung auszugehen sei. Entgegenstehende medizinische Einschätzun-

gen liegen sodann nicht vor. 

 

Die eigenen laienhaften (medizinischen) Würdigungen der Beschwerdefüh-

rerin (vgl. Beschwerde S. 6) vermögen an den Feststellungen von 

Dr. med. B. nichts zu ändern (Urteil des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 

15. April 2021 E. 4.3). 

 

3.6. 

Zusammenfassend ergeben sich damit keine auch nur geringen Zweifel an 

der Schlüssigkeit und Vollständigkeit der Beurteilung von Dr. med. B.. Der 

medizinische Sachverhalt erweist sich vor diesem Hintergrund als vollstän-

dig abgeklärt, sodass auf die Einholung weiterer Beweismittel in antizipier-

ter Beweiswürdigung zu verzichten ist, da davon keine zu einem anderen 

Ergebnis führenden zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. BGE 

137 V 64 E. 5.2 S. 69, 136 I 229 E. 5.3 S. 236). Da damit gestützt auf die 

beweiskräftige Beurteilung von Dr. med. B. davon auszugehen ist, dass die 

Sehnenruptur an der rechten Schulter zu mehr als 50 % auf Abnützung o-

der Erkrankung zurückzuführen ist, besteht auch keine Leistungspflicht 

nach Art. 6 Abs. 2 UVG (vgl. E. 3.2. hiervor). 

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht 

das Ereignis vom 15. Dezember 2021 bzw. die ihr am 27. Dezember 2021 

gemeldete rechtsseitige Schulterverletzung betreffend zu Recht verneint. 

Die gegen den Einspracheentscheid vom 11. Oktober 2022 erhobene Be-

schwerde ist daher abzuweisen. 

 

4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-

zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) keine Parteient-

schädigung zu. 

 - 9 - 

 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 28. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Peterhans Schweizer