# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3a1f60bb-d875-53d8-a6f0-e9baf73579bb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.01.2023 E-5709/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5709-2022_2023-01-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5709/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  J a n u a r  2 0 2 3   

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer,  

Richter Lorenz Noli,    

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am _______, 

Türkei,   

vertreten durch Fazil Ahmet Tamer, Verein Rechtsbüro, (…),  

Gesuchsteller,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Revision gegen das  

Urteil E-5477/2022 vom 1. Dezember 2022  

(Nichteintretensentscheid) / N (…). 

 

 

 

E-5709/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Gesuchsteller suchte am 25. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl nach. 

Mit Verfügung vom 24. Oktober 2022 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. 

B.  

Mit ebenfalls vom 24. Oktober 2022 datiertem Schreiben beantwortete das 

SEM ein Akteneinsichtsgesuch der damaligen Rechtsvertretung des Ge-

suchstellers. 

C.  

Mit Eingabe vom 28. November 2022 (Postaufgabe) liess der Gesuchstel-

ler durch seinen neu mandatierten Rechtsvertreter gegen den Asylent-

scheid des SEM vom 24. Oktober 2022 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde führen.  

D.  

Mit Urteil vom 1. Dezember 2022 trat das Bundesverwaltungsgericht im 

Beschwerdeverfahren E-5477/2022 auf die gegen die Verfügung des SEM 

vom 24. Oktober 2022 erhobene Beschwerde vom 28. November 2022 zu-

folge Verspätung nicht ein. 

E.  

Mit Eingabe vom 8. Dezember 2022 richtete sich der Rechtsvertreter des 

Gesuchstellers an die für den Nichteintretensentscheid des Bundesverwal-

tungsgerichts E-5477/2022 vom 1. November 2022 zuständige Einzel- res-

pektive Instruktionsrichterin. Er führte aus, er habe mit seiner Rechtsmitte-

leingabe vom 28. November 2022 fristgerecht gegen die SEM-Verfügung 

vom 24. Oktober 2022 Beschwerde erhoben. Das SEM habe dem Gesuch-

steller zwei separate Postsendungen vom 24. Oktober 2022 zukommen 

lassen – den eigentlichen Asylentscheid sowie das Schreiben betreffend 

Zusendung der editionspflichtigen Verfahrensakten –, deren Sendungsver-

folgungsnachweise offensichtlich miteinander verwechselt worden seien. 

Der Asylentscheid sei am 27. Oktober 2022 zugestellt worden. 

Die Frist für die Einreichung der Beschwerde (im ordentlichen Verfahren  

E-5477/2022) habe am Montag, 28. November 2022, geendet, womit die 

an diesem Tag aufgegebene Beschwerdeschrift fristgerecht eingereicht 

worden sei.  

E-5709/2022 

Seite 3 

Er ersuche deshalb um Aufhebung des Nichteintretensentscheides vom 

1. Dezember 2022.  

Der Eingabe wurden folgende Beweismittel beigelegt: 

- erste Seite der Postsendung des SEM an die frühere Rechtsvertretung des Gesuch-

stellers (B._______, (…) Beratungsstelle für Asylsuchende) bezüglich Akteneinsichts-
gesuch, welche mit einem Eingangsstempel vom 26. Oktober 2022 versehen ist; 

- erste Seite der Postsendung des SEM an die frühere Rechtsvertretung des Gesuch-
stellers bezüglich Asylentscheid, welche mit einem Eingangsstempel vom 27. Oktober 
2022 versehen ist; 

- E-Mail von B._______, Stellenleiterin (…) Beratungsstelle für Asylsuchende, an den 
aktuellen Rechtsvertreter des Gesuchstellers, datiert 5. Dezember 2022;  

- Bildschirmfotos, die von der (…) Beratungsstelle für Asylsuchende zur Verfügung ge-
stellt worden seien; 

- Fürsorgebestätigung des Erstaufnahmezentrums C._______ vom 31. Oktober 2022.   

F.  

Aufgrund der Eingabe des Gesuchstellers wurde unter der Verfahrensnum-

mer E-5709/2022 ein Revisionsverfahren eröffnet. 

G.  

Am 12. Dezember 2022 ordnete die zuständige Instruktionsrichterin ge-

stützt auf Art. 126 BGG die sofortige Aussetzung des Vollzugs der Wegwei-

sung an. 

H.  

Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Dezember 2022 

beim SEM haben ergeben, dass die Rückscheine für die beiden Sendun-

gen des SEM vom 24. Oktober 2022 (Asylentscheid respektive Schreiben 

betreffend Gewährung von Akteneinsicht/Zustellung der editionspflichten  

Verfahrensakten) nicht in den Verfahrensakten abgelegt wurden und nicht 

auffindbar sind.  

 

  

E-5709/2022 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG 

(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-

schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die 

es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 

2007/21 E. 2.1). 

1.2 Der Gesuchsteller hat in seiner Eingabe vom 8. Dezember 2022 sinn-

gemäss um Aufhebung des Nichteintretensentscheides E-5477/2022 vom 

1. Dezember 2022 ersucht. Er macht keine eigene Fristversäumnis aus 

entschuldbaren Gründen geltend, sondern bringt vor, dass im Urteil  

E-5477/2022 fälschlicherweise davon ausgegangen worden sei, die ange-

fochtene SEM-Verfügung (Asylentscheid) vom 24. Oktober 2022 sei ihm 

am 26. Oktober 2022 zugestellt und eröffnet worden. Korrekt sei indessen, 

dass der Asylentscheid erst am 27. Oktober 2022 bei der damaligen 

Rechtsvertretung eingegangen sei. Seine Beschwerdeeingabe vom 

28. November 2022 sei deshalb fristgerecht erfolgt.  

1.3 Die Eingabe ist daher als Revisionsgesuch anhand zu nehmen, da 

sinngemäss ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 121 Bst. d BGG geltend 

gemacht wird und die Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens bean-

tragt wird (Art. 45 und 47 VGG i.V.m. Art. 67 Abs. 3 VwVG). 

1.4 Über Revisionsgesuche, die nicht in die einzelrichterliche Zuständigkeit 

gemäss Art. 23 Abs. 1 VGG fallen, wird in der Regel in der Besetzung von 

drei Richtern oder Richterinnen entschieden. 

1.5 Der Gesuchsteller ist durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-5477/2022 vom 1. Dezember 2022 besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist da-

her zur Einreichung des Revisionsgesuchs legitimiert (Art. 89 Abs. 1 BGG). 

2.  

2.1 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich 

gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-

such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-

teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen 

(vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-

tungsgericht, 3. Aufl. 2022, S. 348 Rz. 5.36). 

E-5709/2022 

Seite 5 

2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus 

den in Art. 121‒123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).  

3.  

3.1 Vorliegend macht der Gesuchsteller sinngemäss geltend, dass das Ge-

richt in den Akten liegende erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht be-

rücksichtigt habe (vgl. Art. 121 Bst. d BGG), und deshalb zu Unrecht auf 

die Beschwerde nicht eingetreten sei. Das Beschwerdeverfahren sei wie-

der anhand zu nehmen.  

Es sei offensichtlich zu einer Verwechslung von Postsendungen durch das 

SEM gekommen. Das SEM habe zwei separate Postsendungen vom glei-

chen Tag, dem 24. Oktober 2022, dem Gesuchsteller zukommen lassen; 

die eine betreffe den Asylentscheid, die andere das Schreiben des SEM 

betreffend Gewährung der Akteneinsicht beziehungsweise Zusendung der 

editionspflichtigen Verfahrensakten. Der Asylentscheid vom 24.  Oktober 

2022 sei dem Gesuchsteller am 27. Oktober 2022 über seine Rechtsver-

tretung mit Einschreiben und Rückschein eröffnet worden. Das Schreiben 

des SEM betreffend Akteneinsicht/editionspflichtige Verfahrensakten sei 

ihm am 26. Oktober 2022 mit Einschreiben (recte: gemäss den Angaben 

des SEM: ebenfalls mit Rückschein) zugestellt worden. Die Situation werde 

bei einer Überprüfung der Verfolgungsnummer der als Einschreiben mit 

Rückschein verschickten Sendung klar.  

Die Frist für die Einreichung der Beschwerde (im ordentlichen Verfahren  

E-5477/2022) sei am 26. November 2022 abgelaufen; da dieser Tag auf 

einen Samstag gefallen sei, habe die Frist am Montag, 28. November 

2022, geendet.  

Das Gericht habe bei seinem Prozessurteil vom 1. Dezember 2022 auf ein 

falsches Eröffnungsdatum des Asylentscheids vom 24. Oktober 2022 ab-

gestellt. Aus den der Eingabe vom 8. Dezember 2022 beigelegten Unterla-

gen sei ersichtlich, dass das SEM die Sendungsverfolgungsbelege ver-

wechselt habe. Seine Beschwerde vom 28. November 2022 sei deshalb 

unter Einhaltung der 30-tägigen Beschwerdefrist der schweizerischen Post 

übergeben worden.   

3.2 Die Abklärungen des Bundesverwaltungsgerichts beim SEM haben er-

geben, dass das SEM tatsächlich am 24. Oktober 2022 zwei separate Sen-

dungen zuhanden des Gesuchstellers der Post übergeben hat. Nachdem 

E-5709/2022 

Seite 6 

das SEM dem Gericht bestätigt hat, dass die Rückscheine der beiden Sen-

dungen vom 24. Oktober 2022 beim Staatssekretariat in Verstoss geraten 

sind, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, welche der beiden Einschrei-

besendungen zu welchem Zeitpunkt dem Gesuchsteller eröffnet worden 

ist. 

3.3 Die der Eingabe vom 8. Dezember 2022 beiliegenden Akten bestätigen 

die Vorbringen des Gesuchstellers. So bestätigt die Rechtsvertreterin der 

Beratungsstelle, die den Gesuchsteller im erstinstanzlichen Verfahren ver-

treten hat, dass es bei der Zustellung der editionspflichtigen Verfahrensak-

ten Probleme gegeben habe. Gemäss einer Mitarbeiterin des SEM seien 

die editionspflichtigen Unterlagen erst am 28.11 (recte: 28.10) bei der 

Rechtsvertretung eingegangen. Sie habe zunächst Akten erhalten, ohne 

Asylentscheid, dann sei der Entscheid zugestellt worden und nochmals da-

rauf weitere Unterlagen, die ebenfalls zum Entscheid gehört hätten. Die 

Mitarbeiterin des SEM habe sich auf den Standpunkt gestellt, es müsse als 

Eröffnungsdatum für den Asylentscheid «die letzte Frist» gelten. Es sei da-

von auszugehen, dass der Inhalt des Couverts, welches am 26. Oktober 

2022 bei der damaligen Rechtsvertretung eingegangen sei, vom SEM 

falsch vermerkt worden sei (vgl. zum Ganzen Beschwerdebeilage 3). Die 

der Revisionseingabe beigelegten «screen shots» von Einträgen in der Da-

tenbank der Rechtsberatungsstelle und die Kommentare der damaligen 

Rechtsvertretung stützen diese Vorbringen.    

3.4 Das SEM hat dem Gericht gegenüber am 12. respektive 13. Dezember 

2022 bestätigt, dass es beim Versand der editionspflichtigen Akten zu un-

gewöhnlichen Schwierigkeiten gekommen sei. Es könne im heutigen Zeit-

punkt nicht nachweisbar belegt werden, welche Postsendung den SEM-

Asylentscheid vom 24. Oktober 2022 enthalten habe.  

3.5 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Darstellung des 

Gesuchstellers zutrifft. Bei Urteilsfällung im Verfahren E-5477/2022 hat das 

Bundesverwaltungsgericht für die Berechnung der Rechtsmittelfrist fälsch-

licherweise auf ein nicht korrektes respektive heute nicht eruierbares Eröff-

nungsdatum der SEM-Verfügung (Asylentscheid) abgestellt und nicht be-

rücksichtigt, dass am 24. Oktober 2022 zwei Sendungen des SEM der Post 

übergeben worden waren. Das SEM ist mangels aktenkundiger Ablage der 

Rückscheine dieser beiden Sendungen nicht in der Lage, den Beweis zu 

erbringen, an welchem Datum der SEM-Entscheid vom 24. Oktober 2022 

dem Gesuchsteller zugestellt und eröffnet wurde.  

E-5709/2022 

Seite 7 

3.6 Nach dem Gesagten liegt der Revisionsgrund von Art. 121 Bst. d BGG 

vor. 

3.7 Das Revisionsbegehren ist gutzuheissen, das Urteil E-5477/2022 vom 

1. Dezember 2022 ist in den Dispositivziffern 1 (Nichteintreten) und 2 (Kos-

tenfolge) aufzuheben. Das Beschwerdeverfahren ist unter neuer Verfah-

rensnummer wiederaufzunehmen. 

4.  

Der Gesuchsteller kann den Ausgang des wiederaufgenommenen Be-

schwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten (Art. 42 AsylG).  

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.1 Dem vertretenen Gesuchsteller ist angesichts seines Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

5.2 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die not-

wendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 

Abs. 2 in fine VGKE). Die vom Bundesverwaltungsgericht auszurichtende 

Parteientschädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen 

und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren dem-

nach von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 300.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-5709/2022 

Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen. 

2.  

Das Urteil E-5477/2022 vom 1. Dezember 2022 wird aufgehoben und das 

ordentliche Beschwerdeverfahren wird unter neuer Verfahrensnummer 

wiederaufgenommen.  

3.  

Der Gesuchsteller kann den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten.  

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Dem vertretenen Gesuchsteller wird zulasten der Gerichtskasse eine Par-

teienentschädigung von insgesamt Fr. 300.– zugesprochen. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Gesuchstellenden, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Sandra Bodenmann 

 

 

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