# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0eaecd1e-79ea-57d7-b5bd-f63a96882c44
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-14
**Language:** de
**Title:** Gutachten beweistauglich; 70%ige Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit; Einkommensvergleich gestützt auf Tabellenlöhne ergibt IV-Grad von 58 %; Gutheissung
**Docket/Reference:** UV.2017.00091
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2017.00091.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2017.00091
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
14. September 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Cristina
Schiavi
goldbach
law
Gustav-
Siber
Weg 4, Postfach 645, 8700 Küsnacht ZH
gegen
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
Direktion Bern
Bundesgasse 35, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Fürsprecherin Barbara Künzi-Egli
Advokaturbüro
Thunstrasse
84, Postfach 31, 3074 Muri b. Bern
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1971, war seit 1. April 1997 als Augenoptikerin bei der
Y.___
tätig und dadurch bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (im Folgenden: Mobiliar) gegen die Folgen von Unfällen versichert
(vgl. Urk. 7/1)
, als sie sich bei einem Verkehrsunfall vom 9. Mai 2002 eine
Humerusschaftfraktur
rechts, eine Schenkelhalsfraktur links, eine
zw
eit
gradig
offene
Femurschaftfraktur
links, eine Rissquetschwunde Patella links und eine
Bimalleolarfraktur
rechts
zuzog
(vgl. Austrittsbericht des
Z.___
, Klinik für Unfallchirurgie,
Urk. 7/3). Die Mobiliar trat auf den Schaden ein und leistete Heilbehandlung und Taggeld. Mit Verfügung vom 19. Juli
2012
sprach sie der Versicherten eine Integrationsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 40 % zu (Urk. 7/320)
.
M
it Verfügung vom
23. Mai 2016 sprach die Mobiliar der Versicherten mit Wirkung ab 1. Oktober 2013 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 28 % zu (Urk. 7/389). Die dagegen gerichtete Einsprache
vom 24. Juni 2016 (Urk. 7/393) hiess sie teilweise gut und sprach der Versicherten mit
Einspracheentscheid
vom 8. März 2017 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 44 % zu (Urk. 7/408 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 8. März 2017 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 12. April 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihr eine Invalidenrente ge
stützt auf einen Invaliditätsgrad von 65 % auszurichten (Urk. 1). Mit Beschwer
deantwort vom 15. Mai 2017 schloss die Mobiliar auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 27. Juni 2017 holte das Gericht bei
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Chirurgie und Tr
aumatologie,
B.___
,
eine ergänzende Stellungnahme ein (Urk. 8), w
elche dieser am 26. Februar 2018 erstattete (Urk. 11). Mit Replik vom 16. April 2018 (Urk. 14) beziehungsweise Duplik vom 14. Mai 2018 (Urk. 18) hielten die Parteien an ihren
R
echtsbegehren fest.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am
9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die
Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
ent
sprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 9. Mai 2002 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 Prozent inva
lid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art.
18 Abs.
1 UVG). Als invalid gilt, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist (Art.
18 Abs.
2 Satz
1 UVG). Für die Bestimmung des Inva
lidi
tätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliede
run
gs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art.
18 Abs.
2 Satz
2 UVG).
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne
des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 123 V 45 E.
2b, 119 V 335 E.
1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
-
waltung
beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a, 123 V 98 E. 3d, 139 E. 3c, 122 V 415 E. 2a, 121 V 45 E. 3a mit Hinweisen; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 172 E. 3a).
2.4
Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der rechtlichen Folgen sind Versicherungsträger und Gerichte auf Angaben ärztlicher Expertinnen und Experten angewiesen. Diese Angaben bilden die ausschlaggebenden Beweismittel. Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Be
weisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer
deverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging im
Einspracheentscheid
(Urk. 2)
zusammengefasst
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in Würdigung der ärztlichen Unterlagen
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist (S. 12). Daran
hielt sie mit Beschwerdeantwort (Urk. 6) und Duplik (Urk. 18)
fest
.
3.2
Die Beschwerdeführerin wandte dagegen im Wesentlichen ein (Urk. 1)
, gemäss Gutachten von
Dr.
A.___
vom 20. Februar 2015, auf welches abzustellen sei, bestehe in behinderungsangepasster Tätigkeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades sei ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 10 % vorzunehmen, so dass sich ein Invaliditätsgrad von 65 % ergebe. Hieran hielt sie mit Replik fest (Urk. 14).
3.3
Streitig und zu prüfen ist die Höhe der Invalidenrente und insbesondere in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin
arbeitsfähig
ist und ob bei der Berech
nung des Invaliditätsgrades ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist.
4.
4.1
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie
,
stellte im Gutachten vom 1. November 2006 (Urk. 7/100) folgende Diagnosen
(
S
. 4 Mitte)
:
-
Status nach Oberarmfraktur
-
mit Plattenosteosynthese versorgt, Platte liegend
-
lokale Restbeschwerden
-
kosmetisch wüste Narbe
-
Carpal-Tunnel-Syndrom rechts
-
Satus nach
Bimalleolärfraktur
rechter Fuss
-
Belastungsbeschwerden
-
Status nach
Metatarsale
-III-
Fraktur
rechts
-
beginnende Hammerzehe
III
-
lokale Belastungsschmerzen
-
Status nach Schenkelhals- und offener Oberschenkelfraktur
-
Status nach Pseudoarthrose
,
mit
Künschernagel
versorgt, noch liegend
-
medialer Meniskusriss linkes Knie
-
hintere Kreuzbandruptur
-
Status nach medialer Seitenbandzerrung
-
gelegentliches Herzrasen
-
panvertebrale Beschwerden, Verspannungen
Die von der Beschwerdeführerin geäusserten Beschwerden würden glaubhaft ge
schil
dert und könnten
orthopädischerseits
alle objektiviert werden (S. 4 unten).
Die gesundheitlichen Störungen könnten alle auf den Unfall zurückgeführt werden
(S
.
5 oben). Zur Verbesserung der Beschwerden seien zahlreiche näher dargelegte Behandlungsmassnahmen erforderlich, die eine längere Zeit benötigten (S. 5 unten).
Es lägen keine unfallfremden Faktoren vor (S. 7 oben), und es bestehe keine Arbeitsfähigkeit, weder in der ursprünglichen noch in einer behinde
rungs
angepassten Tätigkeit (S. 7 Mitte).
4.
2
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin und Rheuma
tologie,
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Rheumatologie und Physika
lische Medizin und Rehabilitation, sowie
F.___
, Physiothera
peutin, G.___
,
nannten im
Gutachten inklusive Evaluat
ion der arbeitsbezogenen funkti
onellen Leistungs
fähigkeit (EFL)
vom
2
0.
Mai
2008 (Urk. 7/136)
folgende
verkürzt dargestellten
Diagnosen (S. 2
Ziff.
1):
-
Zustand nach Polytrauma nach Verkehrsunfall (Frontalkollision) vom
9.
Mai 2002
-
Restbesch
werden linkes
Knie bei fortgeschrittener
Varusgonarthrose
und Zustand nach vorderer Kreuzbandläsion mit Instabilität
-
Periarthropathia
humeroscapularis
rechtsseitig mit klinisch Zeichen eines subacromialen Konfliktes
-
chronisches
zerviko
- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
-
symptomatisches
Karpaltunnelsyndrom rechts
-
anamnestisch Status na
ch Vorfussschmerzen rechts
bei Status nach in Fehlstellung abgeheilter
Metatarsale
-Schaftfraktur III
-
Zeichen
eines
dysfunktionalen Schmerz- und Krankheitsverhaltens
Eine Beurteilung der effektiven Leistungsgrenze sei mittels EFL-Tests infolge Selbstlimitierung nur begrenzt möglich.
Aufgrund eines ausgeprägten Instabili
tätsgefühls im linken Kniegelenk entlaste die Beschwerdeführerin im Gehen und Stehen konsequent das linke Bein und halte das Kniegelenk gestreckt
. Infolge erheblicher Selbstlimitierung seien die Resultate der Belastbarkeitstests nur teil
weise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei gutem
Effort
mehr leisten könnte, als was sie bei den Leistungstests gezeigt habe
(S. 4 Ziff. 3.1)
.
S
ie
zeige ein ausgeprägtes Schmerz- und Schonverhalten und
habe
in der EFL nur minimal belastet werden
können
.
Abgeleitet von den Beobachtungen in der Testsituation sei davon auszugehen, dass Einschränkungen im Stehen, Gehen, Treppensteigen und beinbelastenden Anforderungen bestünden (S. 4 f. Ziff. 3.2).
A
ufgrund der nachvollziehbaren Einschränkungen durch die linksseitige
Knie
ge
-
lenksproblematik
bestünden Einschränkungen bei der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Augenoptikerin in einem Fachgeschäft, da die Arbeitsanforderungen doch gelegentlich Gehen, Treppensteigen und längeres Stehen beinhalteten. Medizi
nisch-theoretisch dürfte die letzte Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht zu 33 % zumutbar sein (S.
5
f.
Ziff.
6.1
).
Eine körperlich vorwiegend sitzende Tätigkeit sei aus rheumatologischer Sicht mindestens 5 ½ Stunden täglich zumutbar mit zu
sät
zlichen Leistungsminderungen um 10 % aufgrund verschied
e
ner, sich teil
weise ungünstig beeinflussender Beschwerd
egebiete (S. 6 Ziff. 6.2).
4.3
Im Gutachten vom 13. Oktober 2008 (Urk. 7/149) legte
Dr.
med. H.___
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
dar
,
es lasse sich aktuell keine aus
ge
prägte psyc
hische Störung feststellen
. Eine posttraumatische Belastungsstörung
lasse sich retrospektiv nicht diagnostizieren beziehungsweise sei zwischenzeitlich wieder remittiert. Die vorübergehende ausgeprägte psychische Symptomatik sei als sekundäre Folge des Unfallerlebens sowie als Reaktion auf die Unfallfolgen, insbesondere d
ie chronischen Schmerzen zu ver
stehe
n (S.
10 Ziff.
4.6). Die Arbeits
fähigkeit als Augenoptikerin sei durch die chronischen Schmerzen und die somatischen Unfallfolgen beeinträchtigt, eine zusätzliche darüber hinaus gehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestehe
nicht (S. 11 Ziff.
9.1).
4.
4
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Chirurgie
und Traumatologie
,
B.___
,
stellte
im
Gutachten
vom
7.
Juni
2010 (Urk
. 7/200
) folgende
chirurgisch-
traumatologische
Diagnosen (S
. 19
Mitte):
-
mediale Kniegelenksarthrose bei Instabili
tät,
anteromedial
und möglicher
weise auch dorsal
-
persistierende Oberschenkelatrophie bei obigem Kniebefund und Status nach Femurfraktur mit mehreren Eingriffen bei liegendem
Femurnagel
-
Status nach lateraler Schenkelhalsfraktur konsolidiert, dynamische Hüft
schraube (DHS) entfernt
-
Status nach Oberarmfraktur in leichter Fehlstellung knöchern konso
lidiert
,
Osteosynthesematerial
liegend
-
Karpaltunnelsyndrom rechts, Verdacht
auf beginnendes Karpaltunnel
syn
drom links
-
Schulterimpingement
rechts (wahrscheinlich Folge des Krückengangs)
-
Keloid Oberarm rechts
Zudem nannte er einen Status nach posttraumatischer Belastungsstörung als psychiatrische Diagnose (S.
19
Mitte).
Zusammenfassend stehe vor allem die Entwicklung im Bereich des linken Kniegelenks im Vordergrund. Nicht vernachlässigt werden sollten die i
ndirekten Unfall
folgen wie das
K
arpaltunnelsyndrom rechts und neuerdings ein
Schulter
impingement
rechts (S.  23 unten).
Die Progredienz des K
arpaltunnelsyndroms rechts (Operation) sollte verhindert und das subacromiale
Impingement
der rechten Schulter (Infiltration) behandelt werden. Vordergründig sei aber die Behandlung der schmerzhaften Kniegelenks
-
arthrose (so lange wie möglich konservative
Ar
throsetherapie
; S. 26 Ziff. 7.1
Mitte
)
.
Die Arbeitsfähigkeit in der ursprünglichen Tätigkeit als Augenoptikerin sei massiv reduziert und betrage höchstens 20
%
(S. 27 f. Ziff. 8). In angepasster Tätigkeit sei aufgrund des Knieproblems links mit oder ohne Endoprothese nur eine sehr leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeit denkbar. Das Heben von Lasten bis zu 2 kg sei öfters, bis 5 kg selten, über 5 kg nicht zumutbar. Feinmotorische Arbeiten seien nicht zumutbar. Arbeiten über Schulterhöhe rechts seien nicht zumutbar. Hockstellung und Kniebeugen, Treppensteigen und Treppen hinunter gehen seien nur in Ausnahmesituationen kurzfristig zumutbar. Unter Einhaltung dieser Ein
schränkung sei eine ganztägige Arbeitstätigkeit zumutbar, allerdings müssten vor
nehmlich wegen der Kniebeschwerden Pausen eingeschaltet werden. Auf 2
Stunden Arbeit sollten 30 Minuten Pause folgen, was auf einen ganzen Arbeits
tag von 8 Stunden 2 Stunden Pause und somit 6 Stunden Arbeit ergebe. Ausgeh
end, dass auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Frauen eine leicht
e
bis mittel
schwere Arbeit zumutbar sei, resultiere unter Berücksichtigung der qualitativen und quantitativen Aspekte eine Arbeitsfähigkeit, die sicher unter 50
%
liege (S. 27) Ziff. 8.1).
In angepasster Tätigkeit bestehe eine Arbe
itsfähigkeit von zirka 70
%
(S. 29 Ziff. 3).
4.
5
Dr.
med.
J.___
, Facharzt für Chirurgie, nahm im Aktengutachten vom 1
1.
September 2010 (Urk
. 7/206
)
zum
Gutachten
von
Dr.
A.___
vom
7.
Juni 2010 (vorstehend
e
E. 4.
4
) Stellung. Er führte aus,
dass das Karpaltunnelsyndrom aus näher dargelegten Gründen nicht unfallkausal sei. M
it dem von
Dr.
A.___
festgelegte
n Tätigkeitsprofil sei er nicht einverstanden
; eine Begründung für die Notwendigkeit einer zweistündigen Pause könne physiologisch-anatomisch auf
grund der Schäden nicht abgeleitet werden. Die Möglichkeit, die Beinposition im Sitzen zu wechseln, sei eine ausreichende präventive Massnahme, um Beschwerden entgegenzuwirken.
Die Beschwerdeführerin gebe auch nicht an, dass sie bei längerem Sitzen verstärkt Kniebeschwerden habe. Im Knie habe sie einen kon
stanten Schmerz, der sich belastungsabhängig verstärke. Dagegen habe sie bei längerem Sitzen im Bereich der linken Hüfte Schmerzen, die nach links lumbal ausstrahlten.
Zudem sei weder auf organisch-struktureller Basis noch aufgrund der von der Beschwerdeführerin selbst
geschilderten Belastungsfähigkeit nach
vollziehbar, dass sie bei einem problemadäquaten Zumutbarkeitsprofil nur 6
Stun
den effizient arbeiten könne (S. 5 unten f.).
Am
1.
April 2011 (Urk
. 7/238
) führte
Dr.
J.___
ergänzend aus, es sei nicht ver
ständ
lich, dass
Dr.
A.___
auch für sitzende
Tätigkeiten mit freier Beinposi
tion eine Pause postuliere und diese hoch anse
tzte. Die Beschwerdeführerin be
laste die Arthrose im Sitzen nicht. Insofern seien sitzende Tätigkeiten mit der Möglichkeit, die Beine frei zu positionieren, g
anztägig voll zumutbar (S. 3 un
ten).
4.
6
Dr.
med.
K.___
, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie, nannte im Bericht vom 15. Juni 2011 (Urk. 7/246) folgende Spätzustände (S. 1):
-
ausgeprägte mediale Gonarthrose links mit komplexer Instabilität und Muskelatrophie des Oberschenkels
-
belastungsabhängige Beschwerden Hüfte links und Mittelfuss rechts
-
mässiges subacromiales
Impingement
Schulter rechts
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits, rechts ausgeprägter als links
Bezüglich Wichtigkeit stehe
das linke Kniegelenk eindeutig im Vordergrund
.
Es zeige sich eine ausgeprägte mediale Gonarthrose mit einer fast vollständigen
Ent
knorpelung
im medialen Kompartiment. In allen Gutachten werde die komplexe Instabilität bezüglich der Kreuzbänder und der Seitenbänder beschrieben und auch auf die deutliche Muskelatrophie des linken Oberschenkels hingewiesen (S. 1 unten).
Zurzeit lebe die Beschwerdeführerin in einem knapp kompensierten Zustand und habe sich mit den Beschwerden und Behinderungen arrangiert. Egal, welche Ope
ra
tion am linken Kniegelenk durchgeführt werde, müsste sie während Wochen zwei Stöcke verwenden, was zu einem Wiederaufflackern der Karpaltunnel
syn
drome und weiteren Operationen führen würde (S. 3 oben).
4.
7
Am 2
2.
Februar 2015 erstattete
Dr.
A.___
ein weiteres
chirurgisch-traumato
logisches
Gutachten (Urk
. 7/371)
und nannte folgende unfallbezogene Diagnosen (S. 25 Mitte):
-
mediale Kniegelenksarthrose bei Instabili
tät (
anteromedial
und möglicher
weise auch dorsal)
-
persistierende Oberschenkelmuskelhypotrophie bei Status nach offener Femurfraktur und mehreren Osteosynthesen (schlussendlich)
-
Status nach
Femurnagelosteosynthese
Oberschenkel links
-
Status nach lateraler Schenkelhalsfraktur
konsolidiert, DHS entfernt, ver
blei
bende
Spongiosaschrauben
im Schenkelhals
-
Status nach Oberarmfraktur in leichter Fehlstellung knöchern konsoli
diert,
Osteosynthesematerial
liegend
-
Status nach dislozierter
Metatarsale
-
III-Frakt
ur rechts, in leichter Fehl
stel
lung konsolidiert
-
Status nach
Bimalleolarfraktur
rechts, konservativ behandelt, verheilt
-
Keloid Oberarm rechts, Status nach Exzision, 2010 erneute
Keloidbildung
-
leichtes
Schulterimpingement
rechts
-
Karpaltunnelsyndrom rechts (richtunggebende Verschlimmerung)
-
Status nach posttraumatischer Belastungsstörung
Zudem nannte er folgende unfallfremde Diagnosen (S. 25 unten):
-
Status nach zweimaliger Sectio
cesarea
-
Hypothyreose
-
leichtes Karpaltunnelsyndrom links
-
cervico-cephales
Syndrom links mehr als rechts
5 Jahre seit der ersten eigenen Begutachtung habe subjektiv eine Progredienz der Schmerzen besonders im linken Kniegelenksbereich festgestellt werden können, ohne wesentliche Progredienz der objektiven klinischen Befunde. Auch psychisch seien seit dem Gutachten
H.___
keine wesentlichen Veränderungen aufgetreten. Es könne somit davon ausgegangen werden, dass aktuell ein gewisses «
steady
state
» erreicht sei. Der Grund für die Diskrepanz zwischen subjektiven Beschwer
den und objektiven Befunden dürfte in der Chronifizierung und veränderten subjektiven Schmerzempfindungen liegen. Hinzu komme die Gewöhnung chronischer Schmerzpatienten an Schmerzmittel (S. 29).
Ein endoprothetischer Eingriff am Kniegelenk sei rein technisch möglich, insge
samt sei ein solcher der Beschwerdeführerin zum jetzigen Zeitpunkt indes nicht zumutbar. Es sei zudem fraglich, ob dadurch eine Verbesserung der Arbeitsfähig
keit erreicht werden könne. Das Karpaltunnelsyndrom sei stationär, es habe auch in den letzten Jahren weder subjektiv noch objektiv zugenommen. Es bleibe weiterhin die chirurgische Behandlungsoption, aber auch hier handle es sich um eine relative Operationsindikation.
Im
L.___
-Bericht (vgl. Urk.
7/350)
werde postuliert, dass der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit Steige
rungspotenzial bis zu 70
%
zugemutet werden könne. De facto habe sie aber nicht länger als 3 Stunden aneinander eine behinderungsgerechte Arbeit verrichten
können. Es werde eine schmerzbegleitete, schonungsbedingte, mehrjährige
Deko
n
ditionierung
beschrieben, was nach einem schweren Unfall nicht ausserordentlich sei. Vorliegend müsse deshalb aktuell von einer Chronifizierung dieser
Dekon
ditionierung
ausgegangen werden (S. 30).
Unter zumutbarer Willensanstrengung könne in einer angepassten Tätigkeit ein ganztägiger Einsatz zugemutet werden, sofern alle zwei Stunden eine halbe Stunde Pause eingelegt werden könne. In einer langen Mittagspause sollte die Möglichkeit bestehen, sich hinzulegen und/oder das Bein
hochzulegen
. Die Pausen seien wegen der Beschwerden im linken Kniegelenk und der aktuellen chronifizierten körperlichen
Dekonditionierung
notwendig. Vorliegend dürfte die medizinisch-theoretisch Arbeitsfähigkeit 50
%
nicht erreichen.
4.
8
In der vom Gericht eingeholten ergänzenden
Stellungnahme vom 26. Februar 2018 (Urk. 11) erklärte
Dr.
A.___
,
auch in einer knieschonenden vorwiegend sitzenden Tätigkeit komme es zur Zunahme der Schmerzen im Bereich des Knie
gelenks. Das gesamte Bild werde am linken Knie durch eine persistierende Instabilität verschlimmert, was die relativ starken Beschwerden zusätzlich erkläre (S. 2
lit
. a). Die Schätzung der Arbeitsfähigkeit sei ziemlich theoretisch. Mit entsprechender Willensanstrengung und unter Einhaltung der erforderlichen Pausen und der Möglichkeit sich hinzulegen oder das linke Bein hochzulegen sowie eine längere Mittagspause einzuhalten, sollte eine ganztätige Beschäf
ti
gung möglich sein. Selbst aber wenn eine ganztägige Beschäftigung gelänge, kämen die bekannten qualitativen Einschränkungen der rechten Hand, des linken Beins und die körperliche
Dekonditionierung
hinzu, die zur Zeit des Gutachtens von 2015 wesentlich ausgeprägter gewesen sei als 201
0.
Unter Berücksichtigung aller ungünstiger Leistungseinflüsse ergebe sich eine
eingeschränkte
Arbeits
leistung, die unter 50 % liege
(
S. 4
lit
. b).
Die erhebliche körperliche
Dekonditionierung
äussere sich auch bei einer körperlich leichten Tätigkeit in vermehrter Ermüdbarkeit und entsprechender Verlangsamung und erhöhtem Pausenbedarf, besonders bei Beschäftigungen mit Maschinen, die eine erhöhte
Selbst- oder Fremdgefährdung hätten
(S. 4
lit
. d).
5.
5.1
Mit
rechtskräftigem
Urteil vom
3. April 2018 in Sachen des Beschwerdeführers gegen die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 3. April 2018 (Prozess Nr. IV.2017.00106) ist das Gericht zum Schluss gekommen, dass
das chirurgisch-
traumatologische
Gutachten von
Dr.
A.___
vom 22. Februar 2015
die
praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungs
grundlagen vollumfänglich erfülle (E. 4.3).
Das Gericht erwog im Weiteren, dass der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten sei, dass die Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Augenoptikerin nicht mehr ausüben könne, eine angepasste Tätigkeit jedoch unter Berücksichtigung
eines näher umschriebenen Belastungsprofils zu 70 % zumutbar sei (E. 4.7).
Hieran
ist auch im vorliegenden Fall festzuhalten
,
sind
im invalidenver
sicherungsrecht
lichen Verfahren
keine
Gesundheitseinbussen beurteilt worden, die nicht auch Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind, und liegen im vorliegenden Ver
fahren keine Gesundheitseinbussen im Streit, die nicht auch im invaliden
versi
cherungsrechtlichen Verfahren
berücksichtigt worden sind
.
5.2
Nachdem
Dr.
A.___
der Beschwerdeführerin im Gutachten vom 7. Juni 2010 (E. 4.4) eine Arbeitsfähigkeit
für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von 50 % und von zirka 70 % in angepasster Tätigkeit attestiert hatte,
ging
er
im Gutachten vom 22. Februar 2015 (E. 4.7)
bei unver
änderten objektiven Befunden, aber subjektiv empfundener Progredienz der
Schmerzen besonders im linken Kniegelenksbereich
davon aus, dass
der Beschw
er
deführerin
unter zumutbarer Willensanstrengung in einer angepassten Tätigkeit ein ganztägiger Einsatz zugemutet werden könne, sofern alle zwei Stunden eine halbe Stunde Pause eingelegt werden könne. Überdies solle in einer langen Mittagspause die Möglichkeit bestehen, sich hinzulegen und/oder das Bein hoch
zulegen.
Insgesamt
schätzte
Dr.
A.___
die Arbeitsfähigkeit dahingehend ein
, dass die Beschwerdeführerin eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 50 %
(in behinderungsangepasster Tätigkeit)
nicht erreiche
, und machte
- wie noch im Gutachten vom 7. Juni 2010 -
keine Unterscheidung mehr zwischen allgemeinem Arbeitsmarkt und angepasster Tätigkeit
.
Geht man von einem ganzen Arbeitstag aus,
sind
bei einer durchschnittlich
en
wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. Bundesamt für Statistik
[BFS]
,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, T03.02.03.01.04.01, Total
)
an einem Tag
knapp
8.5 Stunden Arbeit zu verrichten. Nebst der Mittagspause müssen der Beschwerdeführerin somit höchstens drei
zusätzliche
halbstündige Pausen eingeräumt werden, womit sich ihre Arbeitszeit um höchstens 1.5 Stunden verringert. Die erforderlichen Pausen entsprechen damit
17.6 % und nicht 50 %
. Selbst wenn
-
wie
Dr.
A.___
es
im Gutachten vom 7. Juni 2010
tat -
von
8 Stunden Arbeitsleistung pro Tag
ausgegangen wird,
sind
bei
halbstündigen
Pause
n
alle 2 Stunden neben der Mittagspause lediglich 2 zusätzliche Pausen im Gesamtumfang von 1 Stunde
nötig
, was einer Einschränkung von 12.5 %
ent
spricht
.
Bei der
Berechnung des zeitlichen Pausenbedarfs über den Arbeitstag verteilt scheint
Dr.
A.___
auch die Mittagspause miteingerechnet zu haben, welche indessen üblicherweise auch bei gesunden Arbeitnehmenden nicht als Arbeitszeit gilt und daher nicht von der zu leistenden Arbeitszeit abzuziehen ist
. Jedenfalls
aber
wurde
mit einer im Urteil vom 3. April 2018 angenommenen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % aufgrund
eines
vermehrten Pausen
bedarfs
der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin
g
enügend Rechnung getragen
.
Insofern
Dr.
A.___
in der ergänzenden Stellungnahme darlegte (E. 4.8), dass
die Beschwerdeführerin anlässlich der
L.___
-Abklärung
keine von ihm empfoh
lenen P
ausen habe ein
schalten können
und die Bemühungen wegen Verstärkung der Beschwerden nach etwa 4 Stunden habe abbrechen müsse
n
, was den Eindruck bestärke, dass eine ganztägige Beschäftigung an die Einhaltung dieser Pausen und vorgegebenen Lagerung des linken Beins gebunden sei, erklärt dies nicht, dass selbst unter Berücksichtigung der Pausen lediglich eine Arbeitsfähigkeit von unter 50 % gegeben sein soll.
Vielmehr legt dies den Schluss nahe,
dass
eine Arbeitsleistung verteilt auf den ganzen Tag
länger
möglich gewesen wäre
, wären die Pausen eingehalten worden
.
Die
Erklärung, dass die bekannten qualitativen
Einschränkungen
selbst
hinzukämen, wenn eine ganztägige Beschäftigung ge
länge
,
betrifft
nicht die Frage der zeitlich möglichen Belastung, sondern
da
s Profil der zumutbaren Arbeit.
5.3
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in angepasst
er Tätigkeit ausgegangen ist.
6.
6.1
Im
gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung
besteht zwar keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig, dennoch rechtfertigt es sich
auf
grund des medizinischen Sachverhalts
, für die Invaliditätsbemessung von den gleichen Einkommen auszugehen wie im invalidenversicherungsrechtlichen Ver
-
fahren,
wurde
doch auch
vom gleichen Gesundheitsschaden und der gleichen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen (vgl.
vorstehende
E. 5).
6.2
Das Gericht erachtete im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
(vgl. Urteil vom 3. April 2018 im Prozess-Nr. IV.2017.00106)
das Heranziehen des im Unfall
jahr erzielten Einkommens nach über 10 Jahren nicht me
h
r als rechtens und
zog das im Jahr 2012 von Frauen im Durchschnitt für Assistenzberufe im Gesund
heitswesen im privaten und öffentlichen Sektor erzielte Einkommen von Fr. 6'468.-- (
BSF
,
Schweizerische Lohnstrukturerhebung [
LSE
]
2012, Tabellen
gruppe T17,
Ziff. 32
Total
) pro Monat
heran
, welches u
nter Berücksichtigung
der allgemeinen Lohnentwicklung im Sektor 3 von 0.8 % im Jahr 2013 (
BFS,
Nominallohnindex 1993-201
7
, Tabelle T1.93, Sektor 3) und unter Berücksich
tigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeit
szeit im Gesundheitswesen von 41
.5 Stunden
pro Woche
im Jahr 2013
(BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, T03.02
.03.01.04.01,
Ziff. 86)
auf ein jährliches
Validenein
kommen
von
rund
Fr. 81'171.-- aufgerechnet wurde (
E. 5.3).
Betreffend die Ermittlung des Invalideneinkommens stützte sich das Gericht im
invalidenversicherungsrechtlichen Prozess auf den standardisierten Durch
schnitts
lohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
(Kompetenz
niveau 1)
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors gemäss
Tabelle TA1
der
LSE, welches im Jahr 2012
für Frauen
Fr.
4’112
.-- betrug. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2013 in der
H
öhe von 0.7 % (Nominallohnindex, a.a.O
.
) sowie der durchschnittlichen wöchent
lichen Arbeitszeit
im
Jahr 2013 von 41.7 Stunden (Bet
r
iebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaft
s
abteilungen, a.a.O
.
) und
einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin von 70 %
ergab dies
ein zumutbares Einkommen
im Jahr 2013
von
rund
Fr. 36'271.-- (E. 5.5). Von diesem Einkommen wurde ein Tabellenlohnabzug von 5 % vorgenommen mit der Begründung,
der
Beschwerdeführerin könn
t
e
n
nur noch s
ehr leichte, vorwie
gend sitzende Tätigkeit
en
mit der Möglichkeit, kurz auf
zustehen und herumzugehen,
zugemutet werden
, was ein Invalideneinkommen von Fr. 34'448.-- ergab (E. 5.6). Im Vergleich zum
Valideneinkommen
von Fr. 81'171.--
ergibt dies eine Einkommenseinbusse von Fr. 46'723.
--
beziehungs
weise von 58 %.
7.
Nach dem Dargelegten
erleidet
die Beschwerdeführerin
aufgrund des Unfalls vom
9
. Mai 2002 eine Erwerbseinbusse von 58 %, welche einen
Anspruch auf eine Rente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 58 %
begründet
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung. Deren Höhe ist gemäss
§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert
, zu bemessen
.
Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen
Stundenansatzes von Fr. 220.-- zuzüglich Mehrwertsteuer (
MWSt
) ist die Partei
-
entschädigung auf Fr. 2'700.-- inklusive Barauslagen und
MWSt
festzulegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als der
Einspracheentscheid
vom 8. März 2017 aufgehoben wird mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab Oktober 2013 Anspruch auf eine Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 58 %
hat
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2’700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
Dr.
Cristina
Schiavi
-
Fürsprecherin Barbara Künzi-Egli
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannTiefenbacher