# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9c354f5-eb12-58e7-ab9c-500288dd6707
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-23
**Language:** de
**Title:** Bewilligung eines Farb- und Materialkonzepts. Bemusterung bzw. Mock-up. Verzicht auf (zusätzlichen) Augenschein.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0030/2022
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_brge_iii_nr._0030_2022_vom_23._februar_2022_farb-_und_materialkonzept.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2021.00192 
0030/2022          

Entscheid vom 23. Februar 2022          

Mitwirkende 

Abteilungsvizepräsidentin Sabine Ziegler, Baurichter Martin Farner, Ersatz-
richter Ivo Brogle, Gerichtsschreiber Alain Thiébaud     

in Sachen 

Rekurrierende 

1.  DA und CS, […]  
2.  PH und EH, […] 

beide vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegnerschaft 

1.  Ressortvorsteher Hochbau X, […] 

vertreten durch […] 

2.  Baugenossenschaft Y, […] 

vertreten durch […] 

betreffend 

Verfügung des Ressortvorstehers Hochbau vom 4. Oktober 2021; Genehmi-
gung Material- und Farbkonzept, […] 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Verfügung vom 4. Oktober 2021 bewilligte der Ressortvorsteher Hoch-

bau X das Farb- und Materialkonzept für das mit Stammbaubewilligung vom 

28. August  2019  baurechtlich  bewilligte  Projekt  der  Baugenossenschaft  Y 

zur Erstellung von zwei Mehrfamilienhäusern auf den Parzellen Kat.-Nrn. 1 

und 2, A.-Strasse, X. 

B. 

Gegen diesen Entscheid erhoben DA und CS sowie PH und EH mit gemein-

samer Eingabe vom 5. November 2021 Rekurs an das Baurekursgericht des 
Kantons  Zürich  und  beantragten  die  Aufhebung  des  angefochtenen  Ent-

scheids sowie die Verweigerung der nachgesuchten Bewilligung; unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegner. 

C. 

Mit  Präsidialverfügung  vom  8. November  2021  wurde  vom  Rekurseingang 

Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die auf-

schiebende Wirkung des Rekurses wurde auf das Farb- und Materialkonzept 

beschränkt. 

D. 

Mit  Rekursvernehmlassung  vom  25. November  2021  beantragte  die  Vor-

instanz  die  Abweisung  des  Rekurses,  soweit  darauf  einzutreten  sei;  unter 

Kostenfolge zulasten der Rekurrierenden. Die private Rekursgegnerin bean-

tragte  mit  Rekursantwort  vom  30. November  2021  die  vollumfängliche  Ab-

weisung des Rekurses; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der 

Rekurrierenden. 

R3.2021.00192 

Seite 2 

 
 
E. 

Mit Präsidialverfügung vom 21. Dezember 2021 wurde das Augenscheinpro-

tokoll samt Fotografien des Verfahrens G.-Nr. R3.2019.00162 in das vorlie-

gende Verfahren beigezogen. 

F. 

Mit Replik vom 10. Januar 2022 hielten die Rekurrierenden an den gestellten 

Anträgen zur Sache fest. 

G. 

Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 14. Januar 2022 an den bisher gestellten 

Anträgen  fest.  Die  private  Rekursgegnerin  verzichtete  mit  Eingabe  vom 

25. Januar 2022 auf Erstattung einer Duplik. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Der Bewilligung des vorliegend angefochtenen Farb- und Materialkonzepts 

liegt die folgende prozessuale Vorgeschichte zugrunde: 

Mit Stammbaubewilligung vom 28. August 2019 erteilte der Gemeinderat X 

der privaten Rekursgegnerin die baurechtliche Bewilligung für den Neubau 

von zwei Mehrfamilienhäusern (mit Unterniveaugarage und Photovoltaikan-

lage) auf den Grundstücken Kat. Nrn. 1 und 2 an der A.-Strasse, X. 

Den hiergegen (unter anderem von den vorliegend Rekurrierenden) erhobe-

nen  Rekurs  hiess  das  Baurekursgericht  mit  BRGE III  Nr. 0046/2020  vom 

25. März  2020  (Verfahren  G.-Nr. R3.2019.00162)  teilweise  gut.  Die  ange-

fochtene  Stammbaubewilligung  wurde  mit  der  Nebenbestimmung  ergänzt, 

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Seite 3 

 
 
dass die private Rekursgegnerin vor Baufreigabe die Einhaltung der höchst-

zulässigen Baumasse im Sinne der Erwägungen mittels revidierter, zur Be-

willigung einzureichender Pläne nachzuweisen habe.  

Die  gegen diesen  Entscheid  (unter  anderem  von  den  vorliegend  Rekurrie-

renden)  erhobene  Beschwerde  wies  das  Verwaltungsgericht  mit 

VB.2020.00338 vom 22. Oktober 2020 ab. Auf eine (von den vorliegend Re-

kurrierenden)  erhobene  Beschwerde  trat  das  Bundesgericht  mit  Entscheid 

1C_697/2020 vom 30. März 2021 nicht ein. 

Die Rekurrierenden liessen in der Folge wiederum Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten gegen den verwaltungsgerichtlichen Entscheid 

bzw. eventualiter ein Revisionsbegehren hinsichtlich des verwaltungsgericht-

lichen und des bundesgerichtlichen Entscheids einreichen.  

Der  mit  BRGE III  Nr. 0046/2020  vom  25. März 2020  (Verfahren  G.-Nr. 

R3.2019.00162) eingeforderte Nachweis wurde noch während der laufenden 

Rechtsmittelverfahren erbracht und mit Entscheid vom 8. Oktober 2020 bau-

rechtlich  bewilligt.  Letzterer  Entscheid  ist  gemäss  Ausführungen  der    Vo-

rinstanz in Rechtskraft erwachsen. 

Mit Schreiben vom 11. Mai 2021 wurde von der Vorinstanz die Baufreigabe 

für die Aushubarbeiten erteilt. Mit Schreiben vom 12. August 2021 erteilte die 

Fachspezialistin öffentliches Bauwesen der Abteilung Hochbau/Planung der 

Gemeinde X der Baugenossenschaft Y die Teilbaufreigabe für Bauarbeiten 

bis und mit Oberkant Bodenplatte/Garagendecke. Gegen den letzteren Ent-

scheid erhoben die vorliegend Rekurrierenden mit Eingabe vom 20. August 

2021  (wiederum)  Rekurs  an  das  Baurekursgericht  (Verfahren  G.-Nr. 

R3.2021.00148). 

Mit Entscheid 1C_277/2021 vom 29. September 2021 wies das Bundesge-

richt die von den Rekurrierenden erhobene (erneute) Beschwerde sowie das 

Revisionsgesuch ab, soweit es darauf eintrat. 

Mit Entscheid BRGE III Nr. 0204/2021 vom 15. Dezember 2021 (Verfahren 

G.-Nr. R3.2021.00148) hiess das Baurekursgericht den gegen die Teilbauf-

reigabe bis und mit Oberkant Bodenplatte/Garagendecke erhobenen Rekurs 

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Seite 4 

 
 
unter  Hinweis  auf  die  Verletzung  der  kommunalen  Zuständigkeitsordnung 

auf. Letzterer Entscheid wurde nicht angefochten.  

2. 

Die  Rekurrierenden  sind  als  Miteigentümer  der  von  der  Bauparzelle 

Kat.-Nr. 2 nur durch den H.-Weg getrennten Parzelle Kat.-Nr. 3 zur Rekurs-

erhebung im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ohne 

weiteres legitimiert (vgl. bereits BRGE III Nr. 0046/2020 vom 25. März 2020, 

E. 1; bestätigt mit VB.2020.00338 vom 22. Oktober 2020). Da auch die wei-

teren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den vorliegenden Rekurs 

einzutreten. 

3.1. 

Mit Bezug auf das vorliegend streitgegenständliche Farb- und Materialkon-

zept sind die Rekurrierenden der Auffassung, dass dafür (bzw.: für die ge-

stalterische Beurteilung) ein Augenschein des von der privaten Rekursgeg-

nerin auf den Baugrundstücken erstellten Mock-up erforderlich sei. Die Er-

stellung des letzteren sei von der Bewilligungsbehörde verlangt worden und 

bilde mithin die Grundlage der umstrittenen Bewilligung. Unter Hinweis auf 

die  Angaben  im  Farb-  und  Materialkonzept  (Farbgebung  der  Materialien: 

dunkelgrau, tiefschwarz, schwarz eloxiert, natureloxiert) sei ersichtlich, dass 

aufgrund dieser Farb- und Materialwahl deutlich schwarz in Erscheinung tre-

tende Gebäude resultieren würden. Wenn der angefochtene Entscheid an-

führe, dass durch die beschriebene Materialwahl eine harmonische Einbet-

tung  in  die  Umgebung  erfolgen  solle,  sei  dies  gerade  nicht  der  Fall.  Die 

schwarzen  Gebäudeblöcke  würden  zu  einem  stossenden  Gegensatz  zur 

baulichen und landschaftlichen Umgebung führen. In der baulichen Umge-
bung  fänden  sich  keine  schwarzen  oder  auch  nur  dunklen  Gebäude.  Die 

dunklen Gebäudekörper würden daher äusserst unbefriedigend in Erschei-

nung  treten  und  unhaltbare  gestalterische  Gegensätze  zur  Nachbarschaft 

provozieren.  Die  Anforderungen  gemäss  § 238  Abs. 1 PBG  würden  nicht 

eingehalten. Durch die gleiche Farb- und Materialgebung der beiden projek-

tierten  Gebäude  entstehe  aufgrund  der  Farbgebung  zwar  eine  Ensemble-

Wirkung. Für eine solche Wirkung sei es aber nicht erforderlich, schwarze 

Gebäude zu gestalten, welche einen stossenden Gegensatz zur baulichen 

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Seite 5 

 
 
Umgebung  bzw.  zur  Nachbarschaft  bewirken  würden.  Durch  die  durchge-

hend  dunkle,  monotone  Gestaltung  aller  Bauteile  würden  die  projektierten 

Bauten auch in sich selber keine genügende Einordnung erreichen. Entspre-

chend sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Bewilligung des 

Farb- und Materialkonzepts zu verweigern. 

Die (fehlende) Bewilligung des Farb- und Materialkonzepts, so die Rekurrie-

renden weiter, sei vom Bundesgericht noch nicht berücksichtigt worden. Es 

liege keine abgeurteilte Sache vor. Dass sich die schwarze Farbe wohltuend 

von der Standardbauweise abheben würde, treffe nicht zu. Von einer hete-

rogenen baulichen Umgebung könne nicht die Rede sein. 

3.2. 

Im Zusammenhang mit der Bewilligung des streitgegenständlichen Farb- und 

Materialkonzepts  beantragen  die  Rekurrierenden  die  Durchführung  eines 

Augenscheins  (vgl. § 7  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  [VRG]).  Das 

Baurekursgericht hat unbesehen von Parteianträgen nur dann einen Augen-

schein durchzuführen, wenn die Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, 

auf Grund der Akten aber noch unklar sind. Diese Voraussetzung ist vorlie-

gend nicht erfüllt. Die Verhältnisse auf den Bauparzellen Kat.-Nrn. 1 und 2 

waren bereits im Verfahren G.-Nr. R3.2019.00162 Gegenstand eines (Abtei-

lungs-)Augenscheins.  Das  entsprechende  Protokoll  (inkl.  Fotografien) 

wurde, wie bereits erwähnt, mit Präsidialverfügung vom 21. Dezember 2021 

in das vorliegende Verfahren beigezogen. Die Besetzung des Spruchkörpers 

im vorliegenden Verfahren ist, unter Ausnahme des (vom Amt zurückgetre-

tenen)  Koreferenten  Fraefel,  dieselbe.  Entsprechend  ist  es  –  vorbehältlich 

besonderer Verhältnisse oder grösserer zeitlicher Distanz – nicht erforder-

lich, mit Bezug auf die Bewilligung eines Farb- und Materialkonzepts (erneut) 

einen Augenschein durchzuführen. Das vorliegend zur Beurteilung stehende 
Farb-  und  Materialkonzept  enthält  keine  derart  aussergewöhnlichen  Ele-

mente, als dass es einer erneuten Begutachtung auf Lokal bedürfte. Die Re-

kurrierenden haben sich anlässlich des zur Stammbaubewilligung durchge-

führten  Augenscheins vom  4. Februar  2020 zur  Frage  der  Einordnung  ge-

äussert. Ein entsprechendes, bebildertes Augenscheinprotokoll liegt bei den 

Akten des Verfahrens G.-Nr. R3.2019.00162. Dass sich die Situation auf Lo-

kal verändert habe, bringen die Rekurrierenden nicht vor. Wenn die Rekur-

rierenden  anführen, dass  eine  Besichtigung  des mit Stammbaubewilligung 

vom 25. März 2020 einverlangten Mock-up erforderlich sei, verkennen sie, 

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dass die Begutachtung eines solchen keine komplexeren räumlichen Wahr-

nehmungen erfordert, zumal es sich dabei um eine Bemusterung in – ver-

gleichsweise zum Bauvorhaben – geringer Grösse und Höhe handelt. Eine 

solche Bemusterung kann, vorbehältlich besonderer Verhältnisse, ohne wei-

teres in Form von Fotografien in das Rekursverfahren einfliessen. Entspre-

chend hat es zu genügen, wenn die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren 

eine Fotodokumentation des Mock-up eingereicht hat, zumal die private Re-

kursgegnerschaft das Mock-up in der Rekursvernehmlassung ebenfalls foto-

grafisch dokumentiert. Aus der Stammbaubewilligung lässt sich nichts Ande-

res herleiten. Entsprechend war vorliegend kein (zusätzlicher) Augenschein 

durchzuführen. 

3.3. 

Soweit den Gemeinden bei der Anwendung von Bestimmungen des kanto-

nalen  Rechts  als  Ausfluss  der  Gemeindeautonomie  eine  besondere  Ent-

scheidungs-  und  Ermessensfreiheit  zukommt,  überprüft  das  Baurekursge-

richt entsprechende Entscheide mit Zurückhaltung. Beruht der kommunale 

Entscheid auf einer vertretbaren Würdigung der massgebenden Umstände, 

so  hat  ihn  die  Rekursinstanz  zu  respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur 

dann einschreiten, wenn die Baubehörde ihren Ermessensspielraum über-

schreitet, indem sie sich von unsachlichen, dem Zweck der in Frage stehen-

den Regelung fremden Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprin-

zipien, wie das Verbot von Willkür oder den Grundsatz der Verhältnismäs-

sigkeit,  verletzt.  Dabei  darf  sich  die  Rekursinstanz  jedoch  nicht  auf  eine 

blosse Willkürprüfung beschränken, vielmehr muss die Eingriffsschwelle tie-

fer gesetzt werden (vgl. BGE 145 I 52, E. 3.6., mit Hinweisen). Ob eine Be-

stimmung  des  kantonalen  Rechts  den  Gemeinden  einen  autonomen  Ent-

scheidungsspielraum einräumt, ist durch Auslegung zu ermitteln (Marco Do-

natsch, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 62). 
Nach  ständiger  Praxis  der  kantonalen  Instanzen  betrifft dies  insbesondere 

§ 238 PBG, ferner aber auch etwa § 71 PBG betreffend die bauliche Gestal-

tung und Einordnung von Arealüberbauungen, § 237 PBG betreffend die Be-

urteilung der Verkehrssicherheit einer Zufahrt und § 357 Abs. 1 PBG betref-

fend  die  Beurteilung  zulässiger  Änderungen  an  vorschriftswidrigen  Bauten 

(Donatsch, § 20 Rz. 72). 

3.4. 

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Seite 7 

 
 
Für  die  Praxis  des  Baurekursgerichts  in  Einordnungssachen  bedeutet  das 

Gesagte, dass es nicht bereits von der kommunalen Anwendung von § 238 

PBG abweichen darf, wenn es unter Beachtung der Argumente der Baube-

hörde seine abweichende gestalterische Einschätzung begründet. Vielmehr 

darf es den Einordnungsentscheid der kommunalen Baubehörde nur aufhe-

ben, wenn diese bei der Anwendung von § 238 PBG ihren durch die Gemein-

deautonomie gewährleisteten Beurteilungs- und Ermessensspielraum über-

schritten  hat.  Dies  wiederum  trifft  nicht  nur  zu,  wenn  der  Einordnungsent-

scheid sachlich nicht mehr vertretbar und damit willkürlich ist. Da die kom-

munale Behörde ihr Ermessen pflichtgemäss ausüben muss, hat sie dabei 

vom Sinn und Zweck der anzuwendenden Regelung auszugehen und neben 

dem Willkürverbot – wie bereits erwähnt – auch das Rechtsgleichheitsgebot, 

das Verhältnismässigkeitsprinzip und das übergeordnete Gesetzesrecht zu 

beachten. Eine kommunale Behörde überschreitet daher den ihr bei der An-

wendung von § 238 PBG zustehenden Beurteilungs- und Ermessensspiel-

raum auch dann, wenn sie sich von unsachlichen, dem Zweck dieser Rege-

lung fremden Erwägungen leiten lässt oder die Grundsätze der Rechtsgleich-

heit und Verhältnismässigkeit verletzt. Bei der Prüfung der Verhältnismässig-

keit  sind  die  lokalen  ästhetischen  Interessen  gegenüber  den  privaten  und 

den überkommunalen öffentlichen Interessen an der Errichtung der geplan-

ten Baute abzuwägen (zum Ganzen BGE 145 I 52, E. 3.6, mit Hinweisen). 

3.5. 

Die Vorinstanz begründet den angefochtenen Einordnungsentscheid dahin-

gehend,  als  dass  die  Begutachtung  des  Mock-up  gezeigt  habe,  dass  das 

Farb- und Materialkonzept sowohl einer harmonischen Einbettung in die Um-

gebung als auch den wirtschaftlichen Aspekten entspreche. Zudem würden 

die (projektierten) Gebäude als Ensemble wahrgenommen. Das gut durch-

dachte Konzept entspreche den Anforderungen von § 238 PBG (definiert als: 
befriedigende Gesamtwirkung; vgl. den vorhergehenden Absatz des ange-

fochtenen  Entscheids)  vollumfänglich.  Vernehmlassungsweise  macht  die 

Vorinstanz  namhaft,  die  von  der  privaten  Rekursgegnerin  präsentierte  Lö-

sung  überzeuge  in  ihrer  Gestaltung  und  bautechnischen  Umsetzung.  Die 

vorgelagerte Verkleidung sei in Aluminium, einem leichtgewichtigen, aber wi-

derstandsfähigen Baustoff vorgesehen. Dank der Perforation der äusseren 

Verkleidung sei die filigrane Unterkonstruktion sichtbar und verleihe den Fas-

saden einen wohltuenden Rhythmus. Die Wetterschutzfolie trage einen le-

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bensfrohen Farbton und vervollständige das Gesamtsystem. Dank der Per-

foration  im  Bekleidungssystem  würden  die  einzelnen  Bestandteile  als  Ge-

staltungselement  genutzt.  Im  Ergebnis  hebe  sich  das  gewählte  Farb-  und 

Materialkonzept  wohltuend  von  der  verbreiteten  Standardbauweise  mittels 

verputzter  Aussendämmung  ab.  Die  umliegenden  Gebäude  unterschiedli-

chen Alters in der Wohnzone W1.7 würden über verschiedene äussere Ge-

staltungen verfügen. In sich würden die projektierten Neubauten eine stim-

mige  Gesamterscheinung  aufweisen.  Von  einem  unhaltbaren  gestalteri-

schen Gegensatz, wie dies die Rekurrierenden behaupten, könne in diesem 

heterogenen Umfeld keine Rede sein. 

3.6. 

In Nachachtung des von der Rechtsprechung – im Sinne der vorstehenden 

Ausführungen – definierten Kognitionsrahmens ist vorliegend anhand der be-

währten Dogmatik zu klären, inwiefern ein Eingriff in die dargestellte kommu-

nale Ermessensausübung überhaupt infrage kommt bzw. (allenfalls) käme. 

Zunächst ist festzuhalten, dass es den Rekurrierenden nicht gelingt, grund-

sätzliche Zweifel an der zulässigen vorinstanzlichen Ermessensausübung zu 

erwecken.  Dass  sich  die  Vorinstanz  von  unsachlichen,  dem  Zweck  der  in 

Frage  stehenden  Regelung  fremden  Erwägungen  hätte  leiten  lassen,  ist 

nicht ersichtlich. Zwar lässt bzw. liess die Vorinstanz in ihren Ausführungen 

(auch)  wirtschaftliche  Elemente  einfliessen.  Letztere  Überlegung  ist  –  im 

Sinne der Verhältnismässigkeit eines allfällig vorzunehmenden Grundrechts-

eingriffs  (Eigentumsgarantie  [Art. 26  der  Bundesverfassung  {BV}])  –  indes 

nicht unzulässig. Das rekurrentische Vorbringen, dass sich in der baulichen 

Umgebung keine ähnlich "schwarzen" Gebäude befänden, ist mangels (ent-

sprechender) Substantiierung nicht als Rechtsgleichheitsrüge aufzufassen. 

Weitere (möglicherweise) unsachliche Elemente in der vorinstanzlichen Prü-

fung vermögen die Rekurrierenden nicht zu benennen und sind aufgrund der 
Sachlage  auch  nicht  ersichtlich.  Insoweit  hat  der  angefochtene  Entscheid 

ohne weiteres als sachgerecht zu gelten. 

3.7. 

Die gesamten rekurrentischen Ausführungen laufen darauf hinaus, als dass 

eine – im Sinne der Definitionen gemäss Farb- und Materialkonzept (dunkel-

grau, 

tiefschwarz,  schwarz  eloxiert,  natureloxiert)  –  weitgehend  als 

"schwarz" wahrzunehmende Gestaltung der Gebäudefassaden monoton sei, 

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Seite 9 

 
 
einen stossenden (und damit unzulässigen) Gegensatz zur baulichen Umge-

bung bilde und dass angesichts der monoton "schwarzen" Gestaltung aller 

Bauteile  die  Bauten  in  sich  selber  die  Anforderungen  an  eine  genügende 

Einordnung und Gestaltung nicht erreichen würden. Diese Kritik trifft in ob-

jektiver Hinsicht im Ergebnis nicht zu. Am Mock-up (bzw. den entsprechen-

den  Fotografien)  ist  erkennbar,  dass  die  Fassaden  relativ  dunkel  (dunkel-

braun-dunkelgrau) gehalten sein werden. Indes kann von einer eigentlichen 

"pechschwarzen" Farbgebung nicht die Rede sein. Der dunkelbraun-dunkel-

graue Effekt wird vielmehr erreicht durch die Kombination zwischen der hin-

terliegenden Wetterschutzfolie (in Gelb) und dem darüber angeordneten, fein 

gelochten  und  gewellten  Aluminiumblech  (in  dunkelgrau).  Dass  sämtliche 

Applikationen monoton dunkelgrau gehalten seien, trifft sodann nicht (bzw.: 

nicht zwingend) zu. Das Farb- und Materialkonzept lässt offen, ob die Holz-

/Metallfenster in Aluminium natureloxiert oder dunkelgrau ausgeführt werden 

sollen.  Einzig  die  Glas-Glas-Module  der  Fotovoltaikanlage  werden  effektiv 

tiefschwarz in Erscheinung treten. 

Die  Bewilligungserteilung  für  die  beschriebene  Farbgebung  hält  sich  ohne 

weiteres an den vorgegebenen Rahmen. Auch farbliche Kontraste können 

sich befriedigend in die bauliche und landschaftliche Umgebung einordnen, 

was  vorliegend  der  Fall  ist.  Eine  besonders  grelle,  die  Nachbarschaft  stö-

rende Farbgebung liegt nicht vor (vgl. die fotografischen Beispiele bei Chris-

toph  Fritzsche/Peter  Bösch/Thomas  Wipf/Daniel  Kunz,  Zürcher  Planungs- 

und Baurecht, 6. Aufl., Wädenswil 2019, Bd. 2, S. 841 ff.). Die bauliche Um-

gebung weist, wie aus der Fotodokumentation des Augenscheins im Verfah-

ren G.-Nr. R3.2019.00162 ersichtlich wird, keine besonderen Qualitäten auf. 

Daraus,  dass  die  umliegenden  Gebäude  eine  (punkto  Farbtönung)  hellere 

Fassadengestaltung  aufweisen,  kann  gestützt  auf  § 238  Abs. 1 PBG  nicht 

eingefordert  werden,  dass  sich  dies  beim  rekursgegenständlichen Bauvor-
haben  ebenso  verhalte.  Besondere  Anforderungen  dürfen  angesichts  der 

Geltung von § 238 Abs. 1 PBG von der Vorinstanz gar nicht gestellt werden. 

Nur in einer Kernzone, in welcher gestützt auf § 50 Abs. 3 PBG kommunale 

Kernzonenvorschriften über die Masse und die Erscheinung von Bauten er-

lassen werden können, ist – beispielsweise – die Verweigerung der in unbe-

handeltem  Uginox  zu  erstellenden  Bauteile,  welche  durch  ihre  hellgraue 

Farbe auffallen und sich vom historisch geprägten Ortsbild, in dem herkömm-

liche Baumaterialien wie Kupfer und Holz dominieren, deutlich abheben wür-

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Seite 10 

 
 
den,  vom  Ermessensspielraum  der  Baubehörde  gedeckt.  Bereits  die  Ver-

wendung von brüniertem (d.h.: nicht auffallendem) Uginox ist jedoch auch in 

Kernzonen  zuzulassen  (VB.2010.00628  in  BEZ 2011  Nr.  3,  E.  4.4  und 

E. 4.5). Auch das Bundesgericht hat festgehalten, dass Eingriffen der Bau-

behörde punkto Farb- und Materialwahl (selbst in Kernzonen mit besonderen 

Gestaltungsanforderungen) mit Blick auf die Eigentumsgarantie (Art. 26 BV) 

und  das  Verhältnismässigkeitsprinzip  (Art. 36 BV)  klaren Grenzen unterlie-

gen. So ist es – beispielsweise – nicht zulässig, wenn eine Baubehörde an 

(nicht denkmalgeschützten) Gebäuden nur Holz- und keine Aluminiumläden 

bewilligt, obwohl die letzteren in Form und Farbe dem Gebäude angepasst 

wurden und auch eine gute Gesamtwirkung des Ortsbilds erreicht wurde. Im 

nachfolgenden  zitierten  Entscheid  hält  das  Bundesgericht  denn  auch  fest, 

dass  ästhetisch  motivierte  Eingriffe,  bei  welchen  sich  in  der  Praxis  eine 

rechtsungleiche Behandlung der verschiedenen Grundeigentümer nicht ver-

hindern 

lässt, 

vor  dem  Bundesrecht 

keinen  Bestand  haben 

(BGr 1C_578/2016 vom 28. Juni 2017, E. 4.6 und E. 4.7, mit Hinweisen). 

In  diesem  Lichte  stünde  eine  Vorschrift  oder  eine  behördliche  Praxis,  ge-

mäss welcher die Vorinstanz keine dunklen Farbtöne bzw. Fassadengestal-

tungen bewilligen würde, in einer gewöhnlichen Wohnzone sowohl mit dem 

kommunalen Kompetenzrahmen (§ 50 Abs. 3 PBG, im Umkehrschluss) als 

auch  mit  dem  Gebot  rechtsgleicher  Behandlung  in  latentem  Widerspruch. 

Der  angefochtene  Entscheid  im  Sinne  einer  Bewilligungserteilung  für  das 

von der privaten Rekursgegnerin eingereichte (ohne weiteres bewilligungs-

fähige und daher zu bewilligende) Farb- und Materialkonzept ist somit nicht 

nur im Rahmen der Beurteilung der von der Vorinstanz praktizierten Ermes-

sensausübung,  sondern  gleichsam  aus  (bundes-)rechtlich  zwingenden 

Gründen zu bestätigen. 

3.8. 

Die Rüge betreffend das mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte Farb- 

und Materialkonzept – und damit gleichsam der ganze Rekurs – erweist sich 

als unbegründet. 

4. 

Der Rekurs ist abzuweisen. 

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Seite 11 

 
 
5. 

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten den Rekurrentschaften 1 und 2 

je zur Hälfte unter solidarischer Haftung aufzuerlegen (§ 13 VRG). 

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder dem  tatsächlichen  Streitinteresse fest.  Liegt  wie  hier 

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr 

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV 

VGr).  Bei  der  Bemessung  der  Gebührenhöhe  steht  der  Rekursinstanz  ein 

grosser  Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,  3. 

Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.). Demnach ist die Gerichtsge-

bühr vorliegend auf Fr. 3'000.-- festzusetzen. 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte  oder 

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1). Demnach ist vorliegend der privaten Rekursgeg-

nerin  zulasten  der  Rekurrierenden  eine  Umtriebsentschädigung  zuzuspre-

chen. Angemessen erscheint ein Betrag von (gesamthaft) Fr. 1'300.--. Ange-

sichts  des  Verfahrensausgangs  steht  den  Rekurrierenden  von  vornherein 
keine Umtriebsentschädigung zu. 

R3.2021.00192 

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