# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37c83814-bb44-5f61-bc2b-6f2b82b4760e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.12.2022 D-3203/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3203-2021_2022-12-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3203/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien, 

vertreten durch lic. iur. Anol Eshrefi,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 23. Juni 2021 / N (…). 

 

 

D-3203/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein syrischer Staatsangehöriger – reiste gemein-

sam mit seiner Mutter B._______ (N […]) und seiner minderjährigen 

Schwester C._______ am 8. Februar 2021 in die Schweiz ein, wo sie glei-

chentags Asylgesuche stellten. Am 10. Februar 2021 wurde der Beschwer-

deführer zu seinen persönlichen Umständen und zum Reiseweg befragt. 

Mit Verfügungen vom 22. März 2021 erklärte das SEM das von ihm ange-

hobene Dublin-Verfahren für beendet und hörte den Beschwerdeführer am 

7. April 2021 einlässlich zu seinen Asylgründen an (vgl. SEM-eAkte […], 

nachfolgend A25). Mit Verfügung vom 14. April 2021 wurde er dem erwei-

terten Verfahren zugeteilt. 

Der Beschwerdeführer gab bei den Anhörungen im Wesentlichen an, er 

habe an der Universität von D._______ (…) studiert. Als er am (…) Juli 

2020 zur Universität gekommen sei, sei er einer Kommilitonin, die er auf 

dem Boden liegen gesehen habe, sofort zu Hilfe geeilt. Nachdem die Am-

bulanz die bewusstlose Frau abgeholt habe, habe er ihre Tasche zur Uni-

versitätsadministration gebracht, wo er seinen Namen angegeben habe. 

Drei Tage später, am (…) Juli 2020, habe die Universität ihn informiert, die 

Frau sei an einer Lungenentzündung verstorben und er müsse sicherheits-

halber einen Covid-Test machen. Darüber dürfe er aber mit niemandem 

sprechen. Daraufhin habe er sich zum Testlabor begeben, wo zwei Männer 

auf ihn gewartet und ihn für die Durchführung des Tests zu einem Arzt ge-

bracht hätten. Nach dem Test hätten sie den Arzt angewiesen, keine Infor-

mationen darüber an Dritte weiterzugeben. Sie hätten ihn, den Beschwer-

deführer, dann zu einem als Nr. (…) bekannten Posten des Geheimdiens-

tes gebracht. Dort sei er von einem Offizier mit dem Tod bedroht worden, 

falls er den Test und ein allfällig positives Ergebnis nicht geheim halten 

würde. Er habe auch ein Dokument unterzeichnen müssen, dessen Inhalt 

er nicht habe einsehen können. Zudem sei ihm eingeschärft worden, dass 

es in Syrien kein Corona gebe. Zuhause habe er seinen Kommilitonen in 

einem Gruppenchat dennoch mitgeteilt, er habe einen Covid-Test machen 

müssen, und ihnen geraten, dies auch zu tun. Er habe ihnen auch erzählt, 

dass ihre Kommilitonin an den Folgen einer Infektion mit Covid-19 verstor-

ben sei. Sein bester Freund habe ihm daraufhin gesagt, es sei dumm ge-

wesen, das zu schreiben. Der Beschwerdeführer habe dadurch Angst be-

kommen und beschlossen, am folgenden Tag nicht zur Universität zu ge-

hen. An diesem Tag habe sein Freund erneut angerufen und erzählt, der 

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Sicherheitsdienst der Universität habe ihn in der Vorlesung zweimal ge-

sucht. Ein weiterer Freund habe ihm mitgeteilt, dass der Sicherheitsdienst 

eine Untersuchung gegen ihn eröffnet habe. Auf Anraten seiner Mutter und 

seines Onkels habe er, der Beschwerdeführer, sich daraufhin bei einer 

Freundin der Mutter versteckt. Am nächsten Tag hätten Sicherheitsleute 

und ein Offizier des Geheimdienstes die Wohnung der Familie durchsucht. 

Dabei seien die Mutter und die Schwester schlecht behandelt und bedroht 

worden. Die Beamten hätten der Mutter befohlen, sich am Sonntag mit ihm, 

dem Beschwerdeführer, auf der Abteilung Nr. (…) des Geheimdienstes zu 

melden. Diesem Befehl seien sie nicht nachgekommen und die Mutter sei 

an den folgenden Tagen unentschuldigt ihrer Arbeit ferngeblieben. Durch 

eine Arbeitskollegin habe sie sodann erfahren, dass Sicherheitsbeamte sie 

am Arbeitsplatz gesucht hätten. Als sie erfahren habe, dass diese am 

Dienstag auch in ihrem Heimatdorf E._______ nach ihnen gesucht hätten, 

habe sie keinen anderen Ausweg als die Flucht aus Syrien gesehen. Am 

10. August 2020 hätten sie mit Hilfe eines Schleppers das Land verlassen. 

Sein Onkel habe vor ihrer Ausreise durch einen Bekannten auch erfahren, 

dass ein Haftbefehl gegen ihn, den Beschwerdeführer, erlassen worden 

sei. 

Zur Feststellung seiner Identität und seiner Dienstpflicht reichte der Be-

schwerdeführer seine Identitätskarte, seinen Führerschein, sein Militär-

büchlein, einen Uni-Ausweis sowie seinen Rekrutierungsbefehl des Rekru-

tierungsbüros der (…) vom (…) 2020 zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 23. Juni 2021 – eröffnet am 28. Juni 2021 – lehnte das 

SEM das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an, 

nahm den Beschwerdeführer aber wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs vorläufig auf. Gleichentags erging auch die Verfügung be-

züglich der Asylgesuche der Mutter und der Schwester mit gleichem Er-

gebnis. 

C.  

Mit Eingabe vom 12. Juli 2021 liess der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht gegen diese Verfügung 

Beschwerde erheben. Beantragt wurde die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh-

rung sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur 

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Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht wurde um unentgeltliche Pro-

zessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ersucht. 

D.  

Mit Schreiben vom 17. Juli 2021 reichte der Rechtsvertreter des Beschwer-

deführers Arztberichte ein. Zudem wurde der Sachverhalt dahingehend er-

gänzt, als dass der Beschwerdeführer nun auch zusätzlich wegen Wehr-

dienstverweigerung verfolgt werde. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. Juli 2021 wurde auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses verzichtet und der Beschwerdeführer aufgefordert, bis 

zum 3. August 2022 eine Fürsorgebestätigung einzureichen. Gleichzeitig 

hielt die Instruktionsrichterin fest, dass sein Verfahren mit demjenigen sei-

ner Mutter und Schwester wegen des engen persönlichen und sachlichen 

Zusammenhangs vereinigt würde. 

F.  

Mit Eingabe vom 26. Juli 2021 (Poststempel) wurde eine Fürsorgebestäti-

gung zu den Akten gereicht. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 3. August 2021 äusserte sich das SEM zur Be-

schwerde und beantragte deren Abweisung. 

H.  

Mit Replik vom 21. August 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehm-

lassung des SEM Stellung. 

I.  

Mit Schreiben vom 2. Oktober 2022 (Poststempel) wies der Rechtsvertre-

ter auf seine neue Adresse hin und erkundigte sich über den Verfahrens-

stand.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 5 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Vereinigung mit dem Verfahren der Mutter und Schwester  

(D-3206/2021) wird vorliegend insofern Rechnung getragen, als die Ver-

fahren koordiniert und am gleichen Tag abgeschlossen werden. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung der Begründungspflicht 

geltend gemacht sowie die formelle Rüge der willkürlichen Sachverhalts-

feststellung erhoben. Diese Rügen sind vorab zu beurteilen, da sie allen-

falls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu be-

wirken. 

3.2 Die Begründungspflicht ergibt sich aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV nor-

mierten Anspruch auf rechtliches Gehör und ist in Art. 35 Abs. 1 VwVG 

ausdrücklich geregelt. Danach obliegt es der verfügenden Behörde, alle 

erheblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen, wobei sich das 

Ergebnis der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschlagen 

hat. Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die Be-

hörde die Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf 

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die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde muss sich nicht mit jeder tatbe-

ständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern kann sich auf die für 

den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. BVGE 

2016/9 E. 5.1). Die Begründung des Entscheids muss jedoch so abgefasst 

sein, dass die Betroffenen ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kön-

nen und es der Beschwerdeinstanz möglich ist, die Rechtsanwendung zu 

überprüfen. 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). 

Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn der 

Verfügung ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zu-

grunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn 

die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG) 

den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für den 

Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. BENJAMIN 

SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29). 

Willkür liegt gemäss Lehre und Rechtsprechung nicht schon dann vor, 

wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuziehen 

wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, 

mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm 

oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossen-

der Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜL-

LER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S.11; 

BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.). Dabei muss rechtsgenüglich dargelegt wer-

den, inwiefern die beanstandete Begründung willkürlich sein soll (BGE 116 

Ia 426 S. 428, m.w.H.). 

3.3 Der Beschwerdeführer macht in diesem Kontext geltend, der Entscheid 

verletze die Begründungspflicht, da seine Aussagen rechtlich nicht gewür-

digt worden seien. Pauschal sei ohne ausreichende Begründung argumen-

tiert worden, dass seine Vorbringen nicht unter einem asylrelevanten Ver-

folgungsmotiv subsumierbar seien. Ihm werde damit verunmöglicht zu be-

urteilen, auf welche Gesichtspunkte sich das SEM bei der Entscheidfin-

dung abgestützt habe. Es sei nicht nachzuvollziehen, ob das SEM die Ge-

suche wegen fehlender Glaubhaftigkeit oder aufgrund der glaubhaften, 

aber nicht unter die Flüchtlingseigenschaft subsumierbaren Vorbringen ab-

gelehnt habe. Es habe zudem auf unbeholfene Weise die Glaubhaftigkeit 

geprüft. Da es sich nicht mit den Aussagen des Beschwerdeführers ausei-

nandergesetzt habe, habe es den Sachverhalt willkürlich erstellt. Zudem 

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sei nicht ersichtlich, warum es die Vorbringen nicht im beschleunigten Ver-

fahren abgehandelt habe, wenn es diese als offensichtlich nicht flüchtlings-

rechtlich relevant ansehe und von einer klaren Rechtslage ausgehe. Damit 

verfalle das SEM in Willkür.  

3.4 Die Entscheidbegründung des SEM ist zwar relativ knapp, den Erwä-

gungen ist jedoch klar zu entnehmen, weshalb aus Sicht des SEM die Vor-

bringen des Beschwerdeführers nicht unter eine flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung subsumiert werden könnten. Sowohl der Beschwerdefüh-

rer als auch das Bundesverwaltungsgericht konnten sich zudem von der 

Tragweite des Entscheides und den wesentlichen Überlegungen des SEM 

ein Bild machen und dem Beschwerdeführer war es offensichtlich möglich, 

den Entscheid sachgerecht anzufechten, weshalb die knappe Begründung 

keine Verletzung der Begründungspflicht darstellt. Weiter ist nicht zu bean-

standen, dass das SEM die Vorbringen im erweiterten Verfahren behan-

delte, da weitere Abklärungen nötig gewesen waren. Im Übrigen sind den 

Akten keinerlei Hinweise zu entnehmen, dass der Sachverhalt im Ent-

scheidzeitpunkt nicht rechtsgenüglich festgestellt gewesen wäre, zumal 

nicht ersichtlich ist, inwiefern die Vorinstanz die Vorbringen nicht vollstän-

dig berücksichtigt hätte oder bei deren Beurteilung in Willkür verfallen wäre. 

So führte sie alle wesentlichen Sachverhaltselemente in ihrem Entscheid 

auf und setzte sich damit – wenn auch knapp – auseinander. Nur weil sie 

keine ausführliche Glaubhaftigkeitsprüfung vornahm und das Gesuch im 

Wesentlichen gestützt auf die fehlende Asylrelevanz ablehnte, liegt keine 

willkürliche Sachverhaltsfeststellung vor. Der blosse Umstand, dass der 

Beschwerdeführer die Auffassung der Vorinstanz bezüglich der Subsumie-

rung unter eines der Verfolgungsmotive nicht teilt, begründet ebenfalls we-

der eine ungenügende Sachverhaltserstellung noch Willkür. Dies ist viel-

mehr eine Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, weshalb diesbe-

züglich auf die materiellen Erwägungen zu verweisen ist.  

3.5 Die formellen Rügen erweisen sich nach dem Gesagten als unbegrün-

det. Es besteht deshalb keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung 

aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist 

abzuweisen. Folglich hat das Gericht in der Sache zu entscheiden (Art. 61 

Abs. 1 VwVG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM hielt zur Begründung der Verfügung fest, die Vorbringen 

seien nicht asylrelevant, weil keine gezielte Verfolgung aus einem der in 

Art. 3 Abs. 1 AsylG abschliessend aufgezählten Verfolgungsmotive er-

kennbar sei. Der Vollständigkeit halber sei festzuhalten, dass die stereotyp 

erscheinenden Angaben, wonach der Beschwerdeführer ins Visier des sy-

rischen Geheimdienstes geraten sei, weil er seinen Kommilitonen mitgeteilt 

habe, dass ihre Mitstudentin entgegen anderslautenden Angaben an den 

Folgen von Covid-19 verstorben sei und er sich habe testen lassen, insge-

samt wenig plausibel seien, zumal die syrische Regierung schon seit Be-

ginn der Pandemie Covid-19-Infizierungen im eigenen Land eingeräumt 

habe. Tatsächlich sei in der Zwischenzeit sogar bekannt geworden, dass 

der syrische Staatspräsident sich mit dem Virus infiziert habe. Es möge 

zwar sein, dass Syrien das wahre Ausmass der Pandemie im eigenen Land 

deutlich optimistischer darstelle, als dies in Realität der Fall gewesen sein 

dürfte. Es könne aber keine Rede von einem Verschweigen der Pandemie 

sein. Die Aussagen würden somit nicht glaubhaft erscheinen. 

Zur Wehrdienstverweigerung des Beschwerdeführers hielt das SEM fest, 

diese sei im syrischen Kontext nur dann flüchtlingsrechtlich relevant, wenn 

sie als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst werde. Folglich müss-

ten neben der Dienstverweigerung zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Es 

sei geprüft worden, ob er aufgrund der Wehrdienstverweigerung seines äl-

teren Bruders (Anm. des Gerichts: F._______, N […]) und seiner Cousins 

zusätzlich gefährdet sei. Weder seinen Aussagen noch denjenigen seiner 

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Mutter würden sich diesbezüglich Hinweise entnehmen lassen. Es lägen 

somit keine zusätzlichen Risikofaktoren vor, die den Schluss zulassen wür-

den, dass das syrische Regime die Wehrdienstverweigerung als oppositi-

onspolitische Tat eingestuft habe und entsprechend schwer bestrafen 

würde.  

5.2 In der Rechtsmitteleingabe wurde in materieller Hinsicht festgehalten, 

die Schilderungen des Beschwerdeführers würden äusserst detailreich, wi-

derspruchsfrei und schlüssig ausfallen sowie verschiedene Realkennzei-

chen enthalten. So habe er zahlreiche Interaktionen in detaillierter Weise 

geschildert. Diese seien komplex, würden sich aber gegenseitig bedingen 

und sich aufeinander beziehen. Sie seien daher nicht undifferenziert und 

würden für die Richtigkeit seiner Aussagen sprechen. Ebenso detailliert 

und widerspruchsfrei habe seine Mutter ihre Erlebnisse und Interaktionen 

während der Hausdurchsuchung erläutert. Weiter habe er unvorherseh-

bare Schwierigkeiten, vergebliche Bemühungen und enttäuschte Erwar-

tungen beschrieben. Für die Glaubhaftigkeit spreche zudem, dass er die 

Handlungen der Behörden nicht durchschauen könne und ihm selbst nicht 

klar sei, weshalb sie ihn verfolgen würden. Die Vorbringen seien plausibel, 

da verschiedene Quellen ebenfalls berichtet hätten, dass die syrischen Be-

hörden Informationen über die tatsächliche Verbreitung des Virus unter-

drückt hätten. Somit würden die Aussagen des Beschwerdeführers die An-

forderungen an die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaften nach 

Art. 7 AsylG erfüllen.  

Der Beschwerdeführer habe aufgrund seiner Überzeugung, als angehen-

der Mediziner Menschen vor tödlichen Krankheiten zu schützen, Wider-

stand gegen die autoritäre Staatsmacht geleistet, indem er ihre Befehle, 

den Test geheim zu halten, nicht befolgt und ihre Angaben, wonach die 

Kommilitonin an einer Lungenentzündung gestorben sei, öffentlich demen-

tiert habe. Dies sei von den Behörden als Ausdruck einer oppositionellen 

Gesinnung angesehen worden, weil er sie öffentlich blossgestellt habe, in-

dem er aufgezeigt habe, dass sie einen Todesfall infolge einer Covid-19-

Infektion hätten vertuschen wollen. Es sei nicht bloss das Verhalten als 

solches, weswegen er verfolgt werde, sondern er werde als Mediziner ver-

folgt, der nicht bereit sei, Covid-19-Infektionen zu verheimlichen. Der Ver-

folgungsgrund liege folglich in der Identität des Beschwerdeführers. Den 

Verfolgungsmassnahmen der syrischen Behörden liege damit das asylre-

levante Verfolgungsmotiv «politische Anschauungen» zugrunde. Die Ver-

folgung sei zudem aktuell, da die Behörden aktiv nach ihm gesucht und 

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einen Haftbefehl erlassen hätten. Nur wenige Tage danach seien sie ge-

flüchtet. Es sei daher davon auszugehen, dass sie auch in Zukunft verfolgt 

werden würden. Auch die übrigen Voraussetzungen der Flüchtlingseigen-

schaft seien erfüllt. Die Verfolgung sei gezielt, da die Behörden ihn per 

Haftbefehl suchen würden. Überdies sei die Verfolgung ernsthaft, da er mit 

dem Tod bedroht worden sei. Eine innerstaatliche Fluchtalternative sei aus 

dem Sachverhalt nicht ersichtlich. 

Bei einer allfälligen Rückkehr in den Heimatstaat drohe dem Beschwerde-

führer zusätzlich eine Verfolgung wegen Wehrdienstverweigerung. So 

gehe aus dem Rekrutierungsbefehl vom (…) 2020 hervor, dass er bis zum 

(…) März 2021 eine weitere Dienstverschiebung hätte beantragen müs-

sen. Ein Versäumnis habe zur Folge, dass er sich automatisch per Marsch-

befehl bis am (…) April 2021 beim Rekrutierungszentrum hätte melden 

müssen. Da er dies aufgrund seiner Ausreise im August 2020 versäumt 

habe, habe er sich der Wehrdienstverweigerung strafbar gemacht. Nach 

eben Gesagtem sei er den syrischen Behörden bereits vor der Refraktion 

als kritische Person mit allenfalls oppositioneller Haltung gegenüber dem 

Regime aufgefallen. Damit würden genügend zusätzlich exponierende 

Faktoren vorliegen, die den Schluss zuliessen, dass er in den Augen des 

syrischen Regimes als politischer Gegner gelte, dem bei einer allfälligen 

Rückkehr eine asylrelevante Bestrafung drohe. 

5.3 In seiner Vernehmlassung konkretisierte das SEM, die Vorbringen des 

Beschwerdeführers würden weder die Rasse, Religion, Nationalität, sozi-

ale Gruppe noch die politischen Anschauungen betreffen. Was den letzten 

Aspekt anbelange, sei sein Asylgesuch vom SEM dem erweiterten Verfah-

ren zugewiesen worden, um von Amtes wegen abzuklären, ob in Syrien die 

Bekanntgabe in den sozialen Medien, dass eine einzelne Person an den 

Folgen von Covid-19 gestorben sei, möglicherweise als Ausdruck einer op-

positionellen Haltung betrachtet werden könne. Im Gegensatz zum Be-

schwerdeführer sei das SEM zum Schluss gelangt, dass dies nicht der Fall 

sei. Daran vermöchten die eingereichten Berichte nichts zu ändern, zumal 

der Beschwerdeführer kein behandelnder Arzt sei, der aufgrund seiner täg-

lichen Arbeit hätte feststellen müssen, dass eine grosse Diskrepanz zwi-

schen den staatlich bekannt gegebenen Infizierungen und denjenigen an 

seinem Arbeitsort herrsche. Er habe nur von einem einzigen mit Covid-19 

im Zusammenhang stehenden Todesfall berichtet, wodurch er die offiziel-

len Fallzahlen nicht habe in Frage stellen können. Hinzu komme, dass sich 

der Umgang der syrischen Behörden mit der Pandemie gewandelt habe, 

zumal der Staatspräsident im Frühjahr 2021 bekannt gegeben habe, er 

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habe sich selbst mit dem Virus angesteckt. Damit würden die zusätzlich 

exponierenden Faktoren entfallen, aufgrund derer er in den Augen des sy-

rischen Regimes nicht bloss als einfacher Dienstverweigerer, sondern als 

politischer Gegner gelten würde.  

5.4 In der Replik hielt der Beschwerdeführer dem entgegen, das SEM habe 

erneut versäumt, den Entscheid zu begründen und zu erklären, warum 

seine Aussagen nicht glaubhaft seien. Es habe zwar begründet, weshalb 

sie den Fall dem erweiterten Verfahren zugewiesen habe, aber nicht erläu-

tert, zu welchem Schluss es aufgrund der Abklärungen im erweiterten Ver-

fahrens gekommen sei. Dass der Beschwerdeführer nicht Arzt sei und des-

halb nicht verfolgt werde, überzeuge nicht, da die Frage, ob eine Verfol-

gung vorliege, nicht von der Ausbildung abhänge, sondern von der indivi-

duellen Situation des Verfolgten. Zudem sei nicht die Anzahl an veröffent-

lichten Todesfällen massgeblich für die Verfolgung, sondern dass er die 

Anweisungen der Behörden missachtet und zusätzlich den Militärdienst 

grundlos verweigert habe. Der Beschwerdeführer verfüge daher über ein 

Risikoprofil und werde verfolgt. Sodann führe das Argument, dass der 

Staatspräsident sich mit dem Virus infiziert habe und deshalb eine Verfol-

gung unplausibel sei, ins Leere. Es könne daraus nicht der Schluss gezo-

gen werden, dass auch normale Bürgerinnen und Bürger Informationen zu 

Covid-19-Infizierungen verbreiten dürften. 

6.  

Im Folgenden ist vorab zu prüfen, ob der Beschwerdeführer seine Vorbrin-

gen glaubhaft machen konnte. 

6.1 Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet ‒ im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der 

gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die 

Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-

gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-

ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der 

dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tat-

sächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Origi-

nalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft 

wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, wi-

dersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der 

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Seite 12 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbeurteilung aller 

Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, 

Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-

keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen. Glaub-

haft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente über-

wiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der 

Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten 

Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorge-

brachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1).  

6.2 Die Vorinstanz befasste sich nicht eingehend mit der Glaubhaftigkeit 

der Aussagen. So argumentierte sie nur, die stereotyp erscheinenden An-

gaben, wonach der Beschwerdeführer ins Visier des syrischen Geheim-

dienstes geraten sei, seien insgesamt wenig plausibel, zumal die syrische 

Regierung bereits seit März 2020 Corona-Fälle im eigenen Land einge-

räumt habe. Das Bundesverwaltungsgericht stellt hierzu fest, dass entge-

gen der vom SEM vertretenen Sichtweise die Aussagen des Beschwerde-

führers zu den geltend gemachten Erlebnissen vor seiner Ausreise mit ei-

ner Vielzahl von Realkennzeichen versehen sind. Er gab ausführlich seine 

Interaktionen mit den syrischen Behörden in direkter Rede wieder und er-

wähnte originelle Einzelheiten, wie etwa hinsichtlich der auf dem Boden 

verstreuten Gegenstände der verstorbenen Kommilitonin oder der Situa-

tion im Testlabor. Zudem zeigte er Emotionen, während er das ihm Wider-

fahrene schilderte. Obwohl der Sachverhalt eine hohe Komplexität auf-

weist, sind die Schilderungen auch stets mit denjenigen seiner Mutter kon-

sistent und mit der nötigen Präzision versehen. Die Ausführungen beinhal-

ten ausserdem keinerlei Widersprüche oder übertriebene Darstellungen. 

Die geschilderten Vorkommnisse fügen sich auch schlüssig in die damali-

gen zeitlichen Verhältnisse ein. Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, 

inwiefern die Ausführungen des Beschwerdeführers stereotyp seien. Ge-

rade die Geschehnisse auf dem Geheimdienstposten erläuterte er ausführ-

lich und präzise. Seine Schilderungen beinhalten auch verschiedene aus-

gefallene aber plausible Details. So habe er zunächst eine Viertelstunde 

im Büro des Geheimdienstoffiziers stehen müssen, während dieser am 

Computer gearbeitet habe. Danach habe er ihn gefragt: «Dr. G._______, 

hast du Angst? Was hast du Schlimmes getan?» Darauf habe der Be-

schwerdeführer geantwortet, er sei bloss zur Universität gegangen und 

sein Vater sei ein Märtyrer. Der Offizier habe ihn daraufhin als Idioten be-

schimpft und gesagt, auch wenn sein Vater Märtyrer sei, könne er etwas 

Schlimmes tun. Weiter habe er gedroht, er würde sie alle zu Märtyrern ma-

D-3203/2021 

Seite 13 

chen, wenn der Beschwerdeführer irgendjemandem von seinen Erlebnis-

sen erzähle (vgl. A25/F35 S. 6 f.). In Bezug auf dieses Geschehnis äussert 

er sich auch eingehend zu seinem damaligen emotionalen Zustand. So er-

läuterte er, er habe das Gefühl gehabt, sein Kopf zerspringe (vgl. A25/F35 

S. 7), und er sei sich auf dem Geheimdienstposten so vorgekommen wie 

in einem Zoo mit gefährlichen Tieren (vgl. A25/F50). Diese anschaulichen 

Beschreibungen sprechen klar für die Glaubhaftigkeit seiner Schilderun-

gen.  

6.3 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz lassen sich die Ereignisse 

auch in die Situation vor Ort einbetten. Die Argumentation der Vorinstanz, 

die Vorbringen seien unplausibel, da in Syrien die Pandemie nicht ver-

schwiegen worden sei und im März 2021 sogar mitgeteilt worden sei, dass 

der syrische Präsident an Covid-19 erkrankt sei, überzeugt aus verschie-

denen Gründen nicht. Die syrischen Behörden veröffentlichten zwar seit 

Beginn der Pandemie Infektionszahlen. Diese waren aber bis in den Som-

mer 2020 derart gering, sodass mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus-

gegangen werden muss, dass die Zahlen nicht die damalige Realität wie-

dergaben und Informationen aktiv und mit allen Mitteln unterdrückt wurden. 

Der statistische Anstieg der Infektionszahlen im Spätsommer 2020 weist 

auf einen politischen Strategiewechsel und einen verbesserten Informati-

onsfluss an die Öffentlichkeit hin, weshalb sich die Lage vom März 2021 

deutlich von derjenigen zu Beginn der Pandemie beziehungsweise dem 

Zeitpunkt der vom Beschwerdeführer geschilderten Ereignisse unterschei-

det. Verschiedene Quellen berichteten denn auch, dass die syrischen Be-

hörden im Jahr 2020 versuchten, Informationen über die Entwicklung der 

Pandemie zu unterdrücken und zu beschönigen. So hätten Geheim-

dienstbeamte Mitarbeitende von Gesundheitseinrichtungen eingeschüch-

tert und ihnen verboten, über die steigenden Infektions- und Todeszahlen 

zu sprechen (vgl. US Departement of State, 2021 Country Reports on Hu-

man Rights Practices: Syria, S. 43 f., https://www.state.gov/reports/2021-

country-reports-on-human-rights-practices/syria, abgerufen am 6. Septem-

ber 2022; Aljazeera, In COVID-hit Syria, people ‘prefer to die than come to 

hospital’, 5. Oktober 2020, https://www.aljazeera.com/features/2020/-

10/5/covid-19-syria-hospital). Verstarben Menschen an den Folgen einer 

Covid-19-Infektion, wurde in einer Vielzahl der Fälle eine Lungenentzün-

dung als Todesursache amtlich festgehalten (vgl. Spiegel, «Wir heissen 

den Tod willkommen», 1. April 2020, https://www.spiegel.de/aus-

land/corona-pandemie-in-syrien-wir-heissen-den-tod-willkommen-a-

e81248c2-c977-4d46-a862-b33cb08563d1). Die vom Beschwerdeführer 

https://www.state.gov/reports/2021-country-reports-on-human-rights-practices/syria
https://www.state.gov/reports/2021-country-reports-on-human-rights-practices/syria
https://www.aljazeera.com/features/2020/10/5/covid-19-syria-hospital
https://www.aljazeera.com/features/2020/10/5/covid-19-syria-hospital
https://www.spiegel.de/ausland/corona-pandemie-in-syrien-wir-heissen-den-tod-willkommen-a-e81248c2-c977-4d46-a862-b33cb08563d1
https://www.spiegel.de/ausland/corona-pandemie-in-syrien-wir-heissen-den-tod-willkommen-a-e81248c2-c977-4d46-a862-b33cb08563d1
https://www.spiegel.de/ausland/corona-pandemie-in-syrien-wir-heissen-den-tod-willkommen-a-e81248c2-c977-4d46-a862-b33cb08563d1

D-3203/2021 

Seite 14 

beschriebenen Ereignisse fanden im Juli 2020 und damit zu einem Zeit-

punkt statt, als die Informationen noch unterdrückt wurden. Entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz ist daher durchaus einleuchtend, dass die Sicher-

heitsbehörden dem Beschwerdeführer befahlen, niemandem vom Test zu 

erzählen und unabhängig vom Testergebnis weiterhin in die Vorlesungen 

zu gehen. Obwohl er nur eine Gruppe von Mitstudierenden über den Test 

und die vermutlich richtige Todesursache der Kommilitonin informierte, ist 

es im damaligen Länderkontext somit nachvollziehbar, dass die Behörden 

die Missachtung ihrer expliziten Befehle zum Anlass nahmen, ihn zu ver-

folgen. Die Vorbringen erweisen sich daher insgesamt auch als plausibel. 

6.4 Angesichts dessen erachtet das Bundesverwaltungsgericht die Vor-

bringen des Beschwerdeführers insgesamt als glaubhaft gemacht, zumal 

die Glaubhaftmachung nicht die Ausräumung sämtlicher Zweifel bedingt.  

6.5 In Anbetracht der vorliegenden Beweismittel und der auch von der Vor-

instanz nicht in Zweifel gezogenen Aussagen im Zusammenhang mit der 

Dienstpflicht des Beschwerdeführers in der staatlichen syrischen Armee 

erachtet das Gericht die geltend gemachte Wehrdienstverweigerung eben-

falls als glaubhaft. Gemäss dem eingereichten Militärbüchlein wurde dem 

Beschwerdeführer ein Dienstaufschub bis zum (…) März 2021 bewilligt. 

Aus dem Schreiben des Rekrutierungsbüros geht hervor, dass er bis zu 

jenem Datum Zeit gehabt hätte, eine weitere Verschiebung zu beantragen, 

und ein Versäumnis zur Folge hätte, dass er automatisch am (…) April 

2021 zum Dienst eingezogen werde. Da er allerdings im August 2020 aus 

Syrien ausreiste, hat er weder den Dienst angetreten noch dürfte er recht-

zeitig einen weiteren Aufschub beantragt haben. 

6.6 Das Gericht kommt nach einer Abwägung aller Umstände die für und 

gegen die Glaubhaftigkeit der wesentlichen Vorbringen sprechen ange-

sichts der überwiegenden Realkennzeichen zum Schluss, dass die von der 

Vorinstanz aufgestellte pauschale Behauptung, die Schilderungen seien 

stereotyp und unplausibel, nicht überzeugt. Demnach ist davon auszuge-

hen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise ins Visier der syri-

schen Behörden geriet. 

7.  

Weiter ist zu prüfen, ob die glaubhaft gemachten Vorbringen als flüchtlings-

rechtlich relevant im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zu erkennen sind.  

D-3203/2021 

Seite 15 

7.1 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person 

ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-

weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-

teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen 

oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-

desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung 

der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine 

Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die 

Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein 

(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).  

7.2 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen zur Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen des Beschwerdeführers (vgl. E. 6.2 ff.) ist erstellt, dass er in Syrien 

in den Fokus der Behörden geraten ist. Der Geheimdienstoffizier drohte 

ihm und seiner Familie den Tod an, sollte er jemandem vom Test erzählen 

oder bei einem positiven Testergebnis nicht mehr zu den Vorlesungen ge-

hen (vgl. A25/F35 S. 6). Nachdem er diese Befehle missachtet habe, hät-

ten der Sicherheitsdienst der Universität und der staatliche Geheimdienst 

nach ihm gesucht und eine Untersuchung gegen ihn eröffnet beziehungs-

weise einen Haftbefehl erlassen. Der Beschwerdeführer erlitt vor seiner 

Ausreise damit zwar noch keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 

AsylG. Seine glaubhaft gemachten Vorbringen lassen aber für den Zeit-

punkt seiner Ausreise auf eine unmittelbare und gezielt gegen ihn gerich-

tete Verfolgungsgefahr von hoher Intensität schliessen. Bei Ergreifung 

durch den syrischen Geheimdienst hätte er deshalb mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit mit ernsthaften Nachteilen rechnen müssen, weshalb von ei-

ner objektiv begründeten Furcht auszugehen ist.  

7.3 Die Verfolgungsgefahr knüpft entgegen der Ansicht der Vorinstanz sehr 

wohl an das Verfolgungsmotiv «politische Anschauung» an, da es weit zu 

verstehen ist und alle Meinungen, Grundhaltungen oder Überzeugungen 

umfasst, die sich auf das politische oder auch das gesellschaftliche oder 

wirtschaftliche System beziehen (vgl. dazu NULA FREI, in: Schweizerische 

Flüchtlingshilfe, Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl. 

2021, S. 207). Dabei kommt es weiter nicht darauf an, ob die Person selbst 

eine bestimmte politische Haltung einnimmt, sondern vielmehr auf die Mo-

tivation des verfolgenden Regierungsapparates, da es für die Frage, ob 

eine Gefahr droht, verfolgt zu werden, für die als politisch missliebig einge-

D-3203/2021 

Seite 16 

stufte Person keinen Unterschied macht, ob sie die ihr zugeschriebene po-

litische Anschauung tatsächlich teilt oder nicht (vgl. etwa Entscheidungen 

und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

1996/17 E. 6; FREI, a.a.O., S. 207). Da sich der Beschwerdeführer im vor-

liegenden Fall weigerte, den ausdrücklichen Befehlen nachzukommen, 

zeigte er seine fehlende Bereitschaft, die Ansicht der staatlichen Behörden 

in der Öffentlichkeit zu vertreten und sein eigenes Gewissen, möglichst 

viele Menschenleben vor einer schwerwiegenden Krankheit zu schützen, 

unterzuordnen. Damit unterminierte der Beschwerdeführer die politische 

Strategie, jegliche Informationen zu Covid-19-Fällen zu unterdrücken, und 

muss deshalb aus Sicht der Behörden als politisch missliebige Person qua-

lifiziert werden. Die drohenden staatlichen Verfolgungsmassnahmen erwei-

sen sich im vorliegenden Sachverhalt nicht als rechtstaatlich legitim, zumal 

der Beschwerdeführer mit seiner Warnung nach seinem besten Gewissen 

die Gesundheit anderer schützen wollte. Demnach ist davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise begründete 

Furcht vor asylrelevanter Verfolgung hatte. 

7.4 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer bei einer heutigen Rück-

kehr nach Syrien ernsthafte Nachteile drohen würden, die Verfolgung also 

auch als aktuell zu bezeichnen ist. Praxisgemäss ist von erlittener, mit der 

Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung in der Regel 

auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünftiger Ver-

folgung zu schliessen (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 m.w.H.). Dabei ist auch 

zu beachten, dass eine Person, die bereits einmal staatlicher Verfolgung 

ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) 

Furcht hat als jemand, der erstmals in Kontakt mit staatlichen Sicherheits-

kräften kommt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 m.w.H.).   

 

Die Vorinstanz geht implizit von einem Wegfall der Verfolgung aus, da die 

syrischen Behörden ihre Strategie bezüglich Informationen zu Corona-Fäl-

len offensichtlich angepasst haben. Dem ist insofern zu folgen, als allein 

aufgrund seines Wissens und Veröffentlichens eines Corona-Falles im Juli 

2020 kaum ein aktuelles Verfolgungsinteresse der syrischen Behörden ge-

geben sein dürfte. Auf der anderen Seite ist davon auszugehen, dass der 

Beschwerdeführer aufgrund der Suche nach ihm durch den Geheimdienst 

registriert ist. Er hat dann auch geltend gemacht, dass gegen ihn ein Haft-

befehl erlassen worden ist. Der Beschwerdeführer würde bei einer Rück-

kehr zwangsläufig bei der Einreisekontrolle in Kontakt mit den heimatlichen 

Behörden kommen. Dabei ist sehr wahrscheinlich, dass diese ihn aufgrund 

D-3203/2021 

Seite 17 

der Registrierung beziehungsweise des Haftbefehls zwecks weiterer Ab-

klärungen dem syrischen Geheimdienst übergeben würde (vgl. hierzu das 

Urteil des BVGer D-3506/2018 vom 20. August 2020 E. 5.5.3), wobei der 

willkürliche Umgang der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte mit miss-

liebigen Personen notorisch ist (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.2 sowie das Refe-

renzurteil BVGer D-5579/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2, je-

weils m.w.H., bestätigt u.a. in den Urteilen des BVGer E-1897/2019 vom 

31. März 2022 E. 6.1, D-317/2021 vom 7. Oktober 2021 E. 7.2,  

E-4558/2019 vom 15. März 2021). Vor dem Hintergrund dessen, dass der 

Beschwerdeführer ausserdem zum Wehrdienst nicht angetreten ist, ist auf-

grund dieser Erwägungen insgesamt von einer anhaltenden begründeten 

Furcht vor asylrechtlich relevanten Nachteilen auszugehen. Von der Regel, 

dass aufgrund einer im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden Verfolgungs-

situation auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, zukünf-

tiger Verfolgung zu schliessen ist, ist diesen Erwägungen vorliegend nicht 

abzuweichen. Eine innerstaatliche Schutzalternative ist im Übrigen nicht 

ersichtlich. Somit ist vorliegend eine aktuelle, objektiv begründete Furcht 

vor künftiger Verfolgung zu bejahen.  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich insgesamt, dass der Beschwerdefüh-

rer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Nachdem 

sich keine Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen (insbes. 

gemäss Art. 53 AsylG) ergeben, ist die Beschwerde gutzuheissen, die an-

gefochtene Verfügung aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling 

anzuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm in der Schweiz Asyl zu ge-

währen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der Vorinstanz eine 

Entschädigung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten 

zuzusprechen. 

9.3 Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die not-

wendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 

D-3203/2021 

Seite 18 

Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteient-

schädigung wird in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter 

Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren von Amtes we-

gen auf insgesamt Fr. 1’500.– festgelegt. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die angefochtene Verfügung des SEM vom 23. Juni 2021 wird aufgehoben. 

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in der Schweiz unter 

Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'500.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer 

 

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