# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d658b6e7-b2ba-5a7c-8df9-285f9e8a94ef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-10-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.10.2015 D-1345/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1345-2015_2015-10-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-1345/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  O k t o b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richter Thomas Wespi,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,   

alle vertreten durch Valérie Pimentel,  

Freiplatzaktion Basel, Asyl und Integration,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 27. Januar 2015 / N (…). 

 

 

 

D-1345/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 9. September 2009 ersuchten die Beschwerdeführerinnen bei der 

schweizerischen Botschaft in Colombo (nachfolgend: Botschaft) um Einrei-

sebewilligung zwecks Durchführung eines Asylverfahrens in der Schweiz. 

B.  

Das BFM lehnte dieses Gesuch mit Verfügung vom 27. Februar 2014 ab. 

Eine gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde vom Bundes-

verwaltungsgericht mit Urteil D-1679/2014 vom 2. Mai 2014 gutgeheissen. 

C.  

Daraufhin gelangten die Beschwerdeführerinnen in die Schweiz, wo sie am 

3. Juli 2014 um Asyl ersuchten. Die Beschwerdeführerin A._______ (nach-

folgend: Beschwerdeführerin) wurde am 10. Juli 2014 zu ihrer Person, zum 

Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt (Befragung 

zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung zu den Asylgründen fand 

am 19. Januar 2015 statt.  

Sie begründeten ihr Gesuch damit, dass zwei ihrer Brüder den Liberation 

Tigers of Tamil Eelam (LTTE) angehört hätten und sie (die Beschwerdefüh-

rerin) deswegen regelmässig bedroht worden sei. 

D.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2015 (Eröffnung am 30. Januar 2015) lehnte 

das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführinnen ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an, deren Vollzug allerdings zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme aufgeschoben wurde. 

E.  

Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführerinnen mit Eingabe ihrer 

Rechtsvertreterin vom 2. März 2015 (Poststempel) beim Bundesverwal-

tungsgericht an und beantragten die Aufhebung der Dispositivziffern eins 

bis drei der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingsei-

genschaft sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die Verfügung 

aufzuheben und zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersucht. 

D-1345/2015 

Seite 3 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. März 2015 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht das Ersuchen um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

unter dem Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gut. 

Diese wurde am 6. März 2015 zu den Akten gereicht. 

G.  

Mit Vernehmlassung vom 19. März 2015 äusserte sich das SEM zur Be-

schwerdeschrift, während die Beschwerdeführerinnen mit Replik vom 

7. April 2015 Stellung nahmen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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Seite 4 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.   

4.1 Die Beschwerdeführerin schilderte ihre Asylgründe wie folgt: Sie sei sri-

lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie und stamme aus 

D._______. Im Jahre 1993 sei sie ihrem Bruder E._______, welcher [Kom-

mandant] bei den LTTE gewesen sei, ins Vanni-Gebiet gefolgt. Dieser Bru-

der sei (…) bei Kämpfen ums Leben gekommen. 2001 habe sie geheiratet. 

In der Endphase des Bürgerkriegs im Jahre 2009 habe sie mit ihren Fami-

lienangehörigen an unterschiedlichen Orten Schutz gesucht. Bei den 

Kämpfen im April 2009 seien kurz nacheinander ihr Ehemann und ihr Sohn 

ums Leben gekommen. Zusammen mit ihrer Tochter B._______ sei sie 

vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hochschwanger ins 

Spital in F._______ evakuiert worden, wo sie ihre zweite Tochter zur Welt 

gebracht habe. Im Camp in F._______ sei sie von Anhängern der Karuna-

Gruppe identifiziert und bedroht worden. Ihr jüngerer Bruder G._______, 

der ebenfalls bei den LTTE gewesen sei, sei (…) 2009 in Rehabilitations-

haft gewesen. Nach Kriegsende habe sie zuerst einige Monate bei Bekann-

ten in H._______ gelebt, bevor sie zu ihren Eltern nach D._______ gezo-

gen sei. Im Frühjahr 2010 habe sie zwei bis drei Drohanrufe erhalten. Ihre 

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Mutter habe Anzeige erstattet und die Polizei habe zwei Verdächtige fest-

genommen, welche zu Geldbussen verurteilt worden seien. Seither habe 

sie versteckt gelebt. In den Jahren 2013 und 2014 habe sie weitere Droh-

anrufe erhalten. Die Anrufer hätten jeweils nach ihrer Tochter und nach ih-

rem Bruder G._______ gefragt, und sie habe befürchtet, ihre Töchter könn-

ten entführt werden. 

Als Beweismittel wurden Pässe, Kopien der Geburtsurkunden, die Identi-

tätskarte der Beschwerdeführerin, eine DVD mit Berichten über den Tod 

des Ehemannes und des Sohnes, eine Kopie des Erinnerungsbüchleins 

zum Tod des Bruders E._______, zwei Affidavits des Todes des Eheman-

nes und des Sohnes, ein Ausweis des Ehemannes des sri-lankischen Ro-

ten Kreuzes, ein ärztliches Zeugnis eines Spitals in D._______, Kopien von 

Zeitungsartikeln, eine Kopie einer bei der Human Rights Commission of Sri 

Lanka (…) eingereichten Beschwerde, einen Polizeirapport betreffend die 

Drohanrufe (…) 2010 respektive ohne leserliches Datum, ein IKRK-Aus-

weis, eine Haftbestätigung sowie die Entlassungspapiere eines Bruders 

G._______ eingereicht. 

4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Aussagen der 

Beschwerdeführerin zu den Drohanrufen in den Jahren 2013 und 2014 wi-

dersprüchlich seien. So habe sie in der Anhörung gesagt, im Mai oder Juni 

2014 zwei Anrufe erhalten zu haben, während sie im weiteren Verlauf der-

selben Anhörung drei bis vier Anrufe erwähnt habe, welche sich sowohl vor 

als auch nach der Befragung durch die Botschaft im November 2013 er-

eignet hätten. Anlässlich der BzP habe sie demgegenüber zu Protokoll ge-

geben, sie habe 2013 alle zwei bis drei Monate telefonische Drohungen 

erhalten und der letzte Anruf sei im April 2014 erfolgt. In der Befragung auf 

der Botschaft habe sie wiederum geltend gemacht, sie habe im August 

2013 zwei bis drei Anrufe erhalten. In der BzP habe sie ausgesagt, bei den 

Anrufen sei es immer um ihren Bruder G._______ gegangen, während sie 

in der Anhörung erläutert habe, es habe sich immer um ihre Töchter ge-

handelt. Schliesslich habe sie in der Anhörung ausgeführt, sie habe seit 

etwa 2010 versteckt gelebt, und nach der Freilassung des Bruders 

G._______ habe sich nichts verändert, während im Auslandverfahren auf 

Beschwerdeebene von ihrem in der Schweiz wohnhaften Bruder I._______ 

noch ausgeführt worden sei, sie sei seit März 2014 untergetaucht, und seit 

der Freilassung des Bruders G._______ hätten sich die Probleme enorm 

verschlimmert. 

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Seite 6 

Im Schreiben an die Botschaft vom (…) 2014 habe sie erstmals vorge-

bracht, sie werde stets von Unbekannten verfolgt. Dieser Umstand sei bei 

der kurz davor erfolgten Befragung auf der Botschaft nicht erwähnt worden. 

Die Erklärung, bei dieser Befragung nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, 

alles zu erzählen, stelle eine pauschale Behauptung dar. Dieser Umstand, 

bei welchem es sich nicht um eine Nebensächlichkeit, sondern um einen 

essentiellen Teil der Fluchtgründe handle, sei überdies weder in der BzP 

noch in der Anhörung spontan erwähnt worden. Erst als sie in der Anhö-

rung direkt darauf angesprochen worden sei, habe sie erklärt, sie habe das 

Gefühl gehabt, jemand habe sie beschattet.  

Es sei nicht nachvollziehbar, wieso sie, nachdem sie erfolgreich Anzeige 

erstattet habe, Mitte 2013 von derselben Telefonnummer erneut Drohan-

rufe erhalten habe, in welchen sich Unbekannte nach ihrer Tochter und ih-

rem Bruder G._______ erkundigt hätten, insbesondere, da sich ihr Bruder 

damals weiterhin in Rehabilitationshaft befunden habe. Bezeichnender-

weise habe sie es auch unterlassen, erneut Anzeige zu erstatten, obschon 

sich dieses Vorgehen zuvor als erfolgreich erwiesen habe. 

Die Schilderungen zu den Drohanrufen und der Beobachtung durch Unbe-

kannte in den Jahren 2013 und 2014 seien vage und allgemein ausgefallen 

und würden keine persönlichen Details enthalten. Diese Aussagen würden 

daher nicht den Eindruck von persönlichen Erlebnissen vermitteln. Hin-

sichtlich der Beschattung durch Unbekannte habe sie lediglich von einem 

Gefühl gesprochen und davon, dass Leute sich nach ihrem Wohnort er-

kundigt hätten. Sie sei in ihren Schilderungen in Ausführungen zur allge-

meinen Lage abgeschweift und habe erklärt, sie habe aufgrund der Anrufe 

Angst um ihre Kinder gehabt. Die Ausführungen zu den Drohanrufen seien 

ebenfalls allgemein und unpersönlich, und es erstaune, dass sie sich an 

diejenigen im Jahre 2010 genau erinnern könne, während sie zu denjeni-

gen in den Jahren 2013/2014 kaum Angaben machen könne. Da sie immer 

wieder in Ausführungen zur schwierigen Situation als alleinstehende Mut-

ter, den schweren Erinnerungen an die Endphase des Krieges sowie den 

Tod des Ehemannes und des Sohnes abschweife, sei davon auszugehen, 

dass dies ihre tatsächlichen Fluchtgründe seien. Die vorgebrachten Droh-

anrufe in den Jahren 2013/2014 und die Beschattung durch Unbekannte 

seien daher nicht glaubhaft 

Die telefonischen Erpressungsversuche im Frühjahr 2010 seien nicht asyl-

relevant, da sie in keinem genügenden zeitlichen Kausalzusammenhang 

zur Ausreise stünden und die diesbezügliche Anzeige erfolgreich gewesen 

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sei. Die allgemein schwierige Lebenssituation stelle keine gezielte Verfol-

gung dar und sei daher ebenfalls nicht asylrelevant. Die Befürchtung, ihre 

Töchter könnten entführt werden, erweise sich bei objektiver Betrachtung 

als unbegründet. Den Akten könne auch kein Verfolgungsinteresse der hei-

matlichen Behörden entnommen werden. Eine subjektive Furcht vor künf-

tigen Verfolgungshandlungen genüge nicht, zumal es vorliegend an kon-

kreten Indizien fehle, dass den Beschwerdeführerinnen in absehbarer Zu-

kunft asylrelevante Nachteile drohen würden.  

Die erhöhte Wachsamkeit, welche die sri-lankischen Behörden Rückkeh-

renden entgegenbrächten, die mehrmonatige Landesabwesenheit, die Zu-

gehörigkeit zur tamilischen Ethnie, die Herkunft aus dem Norden Sri Lan-

kas wie auch die Verwandtschaft mit ehemaligen Mitgliedern der LTTE 

könnten zwar die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden bei einer 

Rückkehr erhöhen. Trotz dieser Faktoren gebe es jedoch keinen begrün-

deten Anlass zur Annahme, dass Massnahmen zu befürchten wären, wel-

che über einen sogenannten Background-Check (Befragung, Überprüfung 

von Auslandaufenthalten sowie Tätigkeit in Sri Lanka und im Ausland) hin-

ausgehen würden. 

4.3 Diesen Ausführungen wurde in der Beschwerdeschrift entgegnet, das 

SEM blende bei seiner Analyse der Glaubhaftigkeit die Aussagefähigkeit 

der Beschwerdeführerin aus. So hätten traumatisierte Menschen Mühe, zu 

Erlebnissen strukturierte Aussagen zu machen. Vielmehr seien Widersprü-

che oder neue, ergänzende Aussageinhalte sehr wahrscheinlich. Bei einer 

Konfrontation mit Widersprüchen führe dies häufig zu einem Angleichen 

der widersprechenden Erinnerungsfragmente und zum Ausfüllen von Erin-

nerungslücken durch Deckannahmen, was zu einer Erinnerungs- und Aus-

sageverfälschung führe. Die Beschwerdeführerin leide an einer Posttrau-

matischen Belastungsstörung (PTBS) und depressiven Symptomen, was 

die Konzentrationsstörungen in den Befragungen erklären könne. Dabei 

seien die Erinnerungen, vor dem traumatischen Erlebnis ihren Ehemann 

und ihren Sohn verloren zu haben, sehr ausführlich geschildert worden, 

was auch von der Hilfswerkvertretung beobachtet worden sei. Die Drohan-

rufe hätten sich über eine lange Zeitperiode erstreckt, und die Beschwer-

deführerin sei aufgrund der vielen Wohnortwechsel und der ständigen 

Angst um ihre Kinder nicht zur Ruhe gekommen. Eine zeitliche Einordnung 

der Vorkommnisse sei daher – was auch der Psychotherapeut bestätige – 

nur beschränkt möglich. Die depressiven Symptome würden das Denkver-

mögen zusätzlich einschränken. Die unterschiedlichen Angaben zur An-

zahl der Anrufe seien daher erklärbar. Der Vorwurf der Vorinstanz, sich 

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beim Inhalt der Anrufe zu widersprechen, sei unzutreffend. So hätten sich 

die Anrufer zuerst nach dem Bruder G._______ erkundigt. Nach einer Pe-

riode ohne Anrufe seien dann Erkundigungen nach der Tochter erfolgt und 

erst nach der Freilassung des Bruders G._______ sei wieder nach dessen 

Verbleib gefragt worden. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, 

diese Anrufe als Ganzes zu betrachten. Vielmehr handle es sich um Mo-

mentaufnahmen. So sei es einerseits um die Tochter gegangen, während 

andererseits bei weiteren Anrufen der Bruder im Zentrum gestanden habe. 

Diese Art des Erläuterns widerspiegle die diagnostizierten Einschränkun-

gen und spreche daher für die Glaubhaftigkeit.  

Die Beschwerdeführerin sei als Schwester eines Kadermitglieds der LTTE 

von der Regierung ohne Zweifel mit dieser Organisation in Verbindung ge-

bracht worden. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann hätten den LTTE 

überdies ihren Minibus zur Verfügung gestellt und ihr Ehemann habe sogar 

selbst LTTE-Mitglieder zu Anlässen gefahren. Die Beschwerdeführerin sei 

von Soldaten und Mitgliedern der Karuna-Gruppe erkannt worden und bei 

den ersten Anrufen sei ihr mitgeteilt worden, man wisse vom Engagement 

ihrer Familie für die LTTE. Sie sei zudem Zeugin massiver Menschen-

rechtsverletzungen im Rahmen der Endphase des Krieges. Die Annahme 

des SEM, mit der Festnahme eines angeblichen Anrufers sei das Interesse 

an der Beschwerdeführerin erloschen, sei daher nicht haltbar. Entgegen 

der Ansicht der Vorinstanz sei die Anzeige auch nicht als erfolgreich zu 

bezeichnen. Die Beschwerdeführerin sei überzeugt, dass es sich bei den 

Anrufern um eine Bande handle. Dafür spreche auch, dass die Anrufe trotz 

Unterbruch wieder eingesetzt hätten. Die Beschwerdeführerin habe auch 

nicht selbst Anzeige erstattet. Vielmehr sei es ihre Mutter gewesen. Bei den 

späteren Drohanrufen habe sie sich bei Bekannten versteckt, und es wäre 

nicht nachvollziehbar, weshalb sie dieses Versteck hätte verlassen sollen, 

um sich den Behörden anzuvertrauen, vor allem im Hinblick darauf, dass 

die Drohanrufe trotz Anzeige fortgedauert hätten.  

Bei den unterschiedlichen Schilderungen zu den Wohnortswechseln 

handle es sich um ein Missverständnis. So möge es zutreffen, dass die 

Angaben des Bruders I._______ im Auslandverfahren zur Flucht der Be-

schwerdeführerin im Jahre 2014 nicht denjenigen der Beschwerdeführerin 

entsprächen. Aus dem Sachverhalt werde jedoch ersichtlich, dass es dem 

Bruder teilweise nicht möglich gewesen sei, die Beschwerdeführerin aus-

findig zu machen, zumal sie wiederholt den Wohnort gewechselt habe, was 

auch vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil D-1679/2014 vom 2. Mai 

2014 als Indiz für die unübersichtliche Wohnsituation genannt worden sei. 

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Die Beschwerdeführerin habe seit ihrem ersten Schreiben detaillierte An-

gaben gemacht, wo sie sich gerade befinde, und aus ihren Erläuterungen 

werde ersichtlich, dass der Ausreise eine lange Flucht vorausgegangen 

sei. Ihre Aussage, nach der Freilassung des Bruders G._______ habe sich 

nichts geändert, sei so zu verstehen, dass sie bereits zuvor in ständiger 

Angst gelebt habe. Die Frage nach der Veränderung könne somit dahinge-

hend verstanden werden, ob es zu einer Besserung gekommen sei, da die 

Situation für die Beschwerdeführerin aussichtslos gewirkt habe. Die Kom-

munikation zu ihrem Bruder I._______ sei eingeschränkt gewesen, so dass 

es sich bei diesem Widerspruch lediglich um ein Missverständnis unter den 

Geschwistern handle.  

Analysen des Amts des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nati-

onen (UNHCR) wie auch von Walter Kälin hätten ergeben, dass die Glaub-

haftigkeitsprüfung des SEM diverse Mängel aufweise. Insbesondere sei es 

wichtig, von einzelnen Widersprüchen nicht vorschnell auf die Unbegrün-

detheit des Gesuchs zu schliessen. 

Dem Vorwurf, die Angaben seien unsubstanziiert, könne der Kurzbericht 

der Hilfswerkvertretung entgegengehalten werden, welcher von einem gut 

substanziierten Gesuch gesprochen und die Vorbringen als plausibel und 

logisch betitelt habe. Sowohl der betreuende Psychotherapeut als auch die 

Hilfswerkvertretung würden die PTBS als plausible Erklärung für allfällige 

Unstimmigkeiten betrachten. 

Die von der Vorinstanz erwähnten Widersprüche seien daher nicht geeig-

net, die Glaubhaftigkeit der Vorbringen in Frage zu stellen. Auch das Bun-

desverwaltungsgericht gehe in seiner Rechtsprechung davon aus, dass 

der Nachweis einer PTBS zwar keinen direkten Beweis für Asylvorbringen 

darstelle, dennoch aber in die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussa-

gen einzufliessen habe.  

Die Beschwerdeführerin sei einem der vom Bundesverwaltungsgericht in 

BVGE 2011/24 definierten Risikoprofile zuzurechnen. So sei sie Zeugin 

massiver Menschenrechtsverletzungen und ihre zwei Brüder würden ge-

wichtige Verbindungen zu den LTTE aufweisen. Ihr noch lebender Bruder 

sei [Kommandant] der LTTE gewesen. Sie und ihr Ehemann hätten den 

LTTE ihren Van zur Verfügung gestellt und über den Tod des Ehemannes 

sei im Radio der LTTE berichtet worden. Ihre Familie sei von Soldaten, 

Mitgliedern der Karuna-Gruppe und den Anrufern als "LTTE-Familie" be-

zeichnet worden. Von 2010 bis 2014 habe sie Drohanrufe erhalten. Hinzu 

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komme, dass das andauernde Verstecken für eine alleinstehende Frau mit 

Kindern einen unglaublichen psychischen Druck darstelle, der ihr nicht wei-

ter zugemutet werden könne. Zudem drohe der Beschwerdeführerin sexu-

elle Gewalt.  

4.4 In der Vernehmlassung wurde diesen Ausführungen entgegnet, der 

Vorwurf in der Beschwerdeschrift, der durch die PTBS eingeschränkten 

Aussagefähigkeit sei zu wenig Rechnung getragen worden, verkenne, 

dass die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage sei, die tatsächlich er-

lebten und die das Trauma auslösenden Ereignisse – namentlich das 

Kriegsgeschehen und den Tod des Ehemannes und des Sohnes – präzise 

und substanziiert wiederzugeben sowie zeitlich genau einzuordnen. 

Ebenso genau – sowohl in inhaltlicher als auch in zeitlicher Hinsicht – habe 

sie den im Jahre 2010 erfolgten Erpressungsversuch zu schildern ver-

mocht, obwohl diese Anrufe mehrere Jahre zurückliegen würden und in viel 

näherem Zusammenhang zu den traumatischen Erlebnissen stünden. 

Demgegenüber würden die Angaben zu den erst im Jahre vor der Ausreise 

erfolgten Anrufen vage, knapp und unsubstanziiert ausfallen. Ebenso rudi-

mentär und undifferenziert habe sie sich zu den Leuten, welche sie beo-

bachtet und verfolgt hätten, geäussert. Dieses Vorbringen habe sie in der 

Anhörung zudem nicht von sich aus erwähnt. Der deutliche Strukturbruch 

in den Schilderungen der Beschwerdeführerin bestätige die Richtigkeit der 

Glaubhaftigkeitsprüfung des SEM. Anders als in der Beschwerde behaup-

tet, stelle das SEM nicht die Vorbringen als Ganzes in Frage, sondern 

zweifle lediglich einzelne Sachverhaltselemente an, was insbesondere die 

angeblichen Ereignisse in den Jahren 2013 und 2014 betreffe.  

Dem Argument, die Anzeige könne nicht als erfolgreich bezeichnet werden, 

sei entgegenzuhalten, dass die Anrufe 2010 nach erfolgter Anzeige aufge-

hört hätten. Dem Argument, die Anzeige sei nicht erfolgreich gewesen, da 

mehr als drei Jahre später erneut Anrufe von Unbekannten eingesetzt hät-

ten, könne eine gewisse Absurdität nicht abgesprochen werden. Das Argu-

ment verkenne, dass es einem Staat in keinem Fall möglich sei, hundert-

prozentigen effektiven Schutz zu gewähren. Daher sei es nicht nachvoll-

ziehbar, wieso die Beschwerdeführerin im Jahre 2013/2014 nichts unter-

nommen habe. Dies gelte insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass 

sie sich damals bei Verwandten und Bekannten aufgehalten habe, welche 

sie sicherlich bei einer Anzeigeerstattung unterstützt hätten. In der Be-

schwerde werde geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei als allein-

stehende Frau ein leichtes Opfer und habe aufgrund der vielen Wohnort-

wechsel bis zur Ausreise die Behörden meiden können. Dem Bericht des 

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Seite 11 

Spitals in D._______, wo sich die Beschwerdeführerin seit (…) 2012 in Be-

handlung befunden habe, sowie der Aussage, Leute hätten sie beobachtet 

und verfolgt, sei jedoch zu entnehmen, dass sie sich durchaus in der Öf-

fentlichkeit aufgehalten habe. Es müsse daher davon ausgegangen wer-

den, dass die sri-lankischen Behörden oder Dritte, hätten sie tatsächlich 

ein Interesse an den Beschwerdeführenden, ernsthafte Massnahmen er-

griffen hätten.  

4.5 Diesen Erwägungen wurde in der Replik entgegengehalten, dass die 

Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Todes des Ehemannes und des Soh-

nes eine gesunde Frau gewesen sei und erst dann die psychischen Leiden 

eingesetzt hätten. Somit sei erklärbar, wieso sie sich an die Ereignisse er-

innern könne. Die ersten Drohanrufe hätten dann erneut ein extrem belas-

tendes Ereignis dargestellt. Die Zeit nach den Anrufen im Jahre 2010 

werde von der Beschwerdeführerin lediglich noch diffus als Flucht wahrge-

nommen. Da sich die Umstände nicht gebessert hätten, habe sich der psy-

chische und körperliche Zustand verändert. Typischerweise würden bei ei-

nem solchen Verlauf vermehrt dissoziative Symptome in den Vordergrund 

rücken und die Beschwerdeführerin habe sich emotional zurückgezogen. 

Diese Symptome würden die Resignation und die Unfähigkeit erklären, 

sich an Ereignisse chronologisch und exakt zu erinnern. Der negative Asyl-

entscheid habe suizidale Gedanken ausgelöst und die depressiven Symp-

tome verstärkt. In Kombination mit dem typischen Vermeidungsverhalten 

in Bezug auf Situationen, welche an das Trauma erinnern würden, erkläre 

dies, wieso die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der erneuten Anrufe nicht 

in der Lage gewesen sei, weitere Anzeigen einzureichen. Denn dies hätte 

sie erneut mit dem traumatischen Erlebnis konfrontiert. Diese Reizvermei-

dung werde vom SEM ausgeklammert. Des Weiteren habe sich die Be-

schwerdeführerin in einem schlechten psychischen Zustand bei verschie-

denen Bekannten und nicht bei Verwandten aufgehalten, die sie bei einer 

Anzeige hätten unterstützen können. Die Spitalbesuche seien unabdingbar 

gewesen, da die Beschwerdeführerin nur so die Symptome habe lindern 

können, um ihrer Verantwortung als Mutter gerecht zu werden. Die man-

gelhafte Chronologie und Strukturiertheit könne aufgrund der PTBS nicht 

als einziges Kriterium herangezogen werden. Die Beschwerdeführerin ge-

höre einer gefährdeten Gruppe an und es spiele daher keine Rolle, ob im 

Zeitpunkt der Ausreise bereits ernsthafte Massnahmen ergriffen worden 

seien.  

5.   

D-1345/2015 

Seite 12 

5.1 Das SEM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Unrecht ab-

gelehnt. Allerdings ist dazu einschränkend zu erwähnen, dass sich die Ar-

gumentation der Vorinstanz hinsichtlich der Unglaubhaftigkeit der Drohan-

rufe in den Jahren 2013 und 2014 als zutreffend erweist, indem auf den 

markanten Strukturbruch in den Schilderungen der Beschwerdeführerin 

hingewiesen wurde. Dieser Strukturbruch wird vom SEM zu Recht als ge-

wichtiges Indiz für die Unglaubhaftigkeit dieses Sachverhaltselements an-

gesehen. Dabei wird auch in überzeugender Weise dargelegt, inwiefern die 

Berufung auf eine PTBS die Unglaubhaftigkeitsmomente in den Aussagen 

eben gerade nicht zu erklären vermag, während die Argumentation der Be-

schwerdeführerin auf Beschwerdeebene, wonach der Grund für die un-

stimmigen Aussagen in der Traumatisierung liege, nicht überzeugt. Dies-

bezüglich kann auf die zutreffenden Erwägungen in der Vernehmlassung 

verwiesen werden.  

5.2 Doch selbst in Anbetracht, dass die Sachverhaltsschilderung hinsicht-

lich der Drohanrufe in den Jahren 2013 und 2014 für nicht glaubhaft zu 

erachten ist, ist das Vorliegen begründeter Furcht vor einer Verfolgung zu 

bejahen.  

Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind in Sri 

Lanka unter anderem Personen, welche verdächtigt werden, mit den LTTE 

in Verbindung gestanden zu haben, sowie Personen, die Opfer oder Zeu-

gen der während oder nach dem Bürgerkrieg begangenen Menschen-

rechtsverletzungen geworden sind, einer erhöhten Verfolgungsgefahr aus-

gesetzt (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.1 und 8.3). Die Beschwerdeführerin ver-

fügt über enge familiäre Beziehungen zu den LTTE (vgl. Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts D-1679/2014 vom 2. Mai 2014 E. 6.4.3), obwohl in 

Präzisierung des soeben zitierten Urteils zu erwähnen ist, dass der Ehe-

mann der Beschwerdeführerin gemäss Aussagen der Beschwerdeführerin 

keine hohe Position bei den LTTE bekleidete (act. A44 F29). Allerdings ist 

dennoch anzunehmen, dass eine nicht unbedeutende Verbindung bestan-

den haben muss, zumal – wie aus dem eingereichten Datenträger hervor-

geht – im Nationalradio der LTTE über den Tod des Ehemannes berichtet 

wurde. Aus den Akten geht zudem hervor, dass der ältere Bruder 

E._______ der Beschwerdeführerin im Rang eines [Kommandanten] bei 

den LTTE tätig war, bevor er bei Kampfhandlungen getötet wurde. Ein wei-

terer Bruder (G._______) war zwar – gemäss Aussagen der Beschwerde-

führerin – selbst nicht Mitglied der LTTE, nahm aber diverse Unterstüt-

zungstätigkeiten wahr und befand sich in Rehabilitationshaft, was durch die 

im Beschwerdeverfahren D-1679/2014 sowie durch die vom Bruder 

D-1345/2015 

Seite 13 

G._______ im ihn selbst betreffenden, derzeit beim SEM hängigen Asyl-

verfahren (N […]) eingereichten Haftbestätigungen belegt ist. Die diesbe-

zügliche Diskrepanz, dass der Bruder in seinem Asylverfahren geltend 

machte, selbst LTTE-Mitglied gewesen zu sein (vgl. act. A3 [N {…}]), ist für 

die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin gewichtige familiäre Verbin-

dungen zu den LTTE aufweist, unerheblich.  

Aufgrund dieser Verbindungen sind die Beschwerdeführerin und ihre Kin-

der dem weiter oben skizzierten Gefährdungsprofil (Verbindungen zu den 

LTTE) zuzurechnen. Hinzu tritt, dass sich die Beschwerdeführerin gegen 

Ende des Bürgerkrieges in einer "No-Fire-Zone" aufgehalten hat, in wel-

cher Zivilisten von der sri-lankischen Armee eingekesselt und beschossen 

worden sind, wodurch sie persönlich Zeugin von massiven Menschen-

rechtsverletzungen wurde (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  

D-1679/2014 vom 2. Mai 2014 E. 6.4.3). Dadurch erfährt das Gefährdungs-

profil der Beschwerdeführerinnen eine zusätzliche Akzentuierung.  

Nach dem Gesagten haben die Beschwerdeführerinnen begründete 

Furcht, gezielten und ernsthaften Nachteilen aufgrund einer asylrechtlich 

relevanten Motivation ausgesetzt zu werden, insbesondere in Form einer 

staatlichen Reflexverfolgung aufgrund familiärer Verbindungen zu den 

LTTE. 

6.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerinnen als 

Flüchtlinge anzuerkennen sind. Die vorinstanzliche Verfügung ist dement-

sprechend aufzuheben und es ist den Beschwerdeführerinnen mangels 

Anzeichen für das Vorliegen eines Ausschlussgrundes (Art. 53 AsylG) in 

der Schweiz Asyl zu gewähren (vgl. Art. 49 AsylG). 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.  

Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei 

von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach-

sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 

Abs. 1 VwVG; Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Der in der Kostennote ausgewiesene Aufwand ist aufgrund 

D-1345/2015 

Seite 14 

des Schriftenwechsels auf insgesamt Fr. 2'800.– zu erhöhen. Dieser Be-

trag ist den Beschwerdeführerinnen zu Lasten der Vorinstanz als Partei-

entschädigung auszurichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-1345/2015 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des SEM vom 

27. Januar 2015 wird aufgehoben. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen Asyl zu gewäh-

ren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Den Beschwerdeführerinnen wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'800.– 

zugesprochen, die ihnen durch das SEM zu entrichten ist. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Bendicht Tellenbach Linus Sonderegger 

 

 

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