# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** abf1daab-d0f6-5f15-a186-acd27b8d8a51
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2017 D-4952/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4952-2014_2017-08-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4952/2014 

thc/kna/ 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  A u g u s t  2 0 1 7  

Besetzung 

 
Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Gérald Bovier, 

Richter Thomas Wespi, Richter Walter Lang,   

Gerichtsschreiberin Anne Kneer. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

vertreten durch Angela Stettler, MLaw, 

Advokatur Kanonengasse, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 31. Juli 2014 / N (…). 

 

 

 

D-4952/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger der Ethnie 

Hazara – hat gemäss eigenen Angaben von seiner Geburt bis 2007 zu-

sammen mit seiner Familie im Iran als Flüchtling gelebt. Nach der Rück-

kehr in sein Heimatland im Jahr 2007 habe er Afghanistan nach zwei Mo-

naten wieder verlassen und fortan bis im April 2012 erneut im Iran gelebt. 

Von dort reiste er über die Türkei, Griechenland und Italien am 23. Mai 

2012 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 

7. Juni 2012 wurde er summarisch befragt und am 14. Mai 2013 eingehend 

zu seinen Asylgründen angehört.  

Dabei machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Iran geboren und habe 

dort auch die Schule besucht und von kleinstem Kindesalter an (…) arbei-

ten müssen. Im April 2007 habe die ganze Familie aufgrund der abgelau-

fenen Flüchtlingsausweise, welche nicht verlängert worden seien, zurück 

nach Afghanistan gehen müssen. Dort habe er vorgehabt, sich eine Tazkira 

ausstellen zu lassen, um die Schule weiterführen zu können. Er sei aber 

auf dem Weg zum Einschreiben bei der neuen Schule überfallen und be-

wusstlos geschlagen worden. Die Räuber hätten alles mitgenommen, was 

er dabei gehabt habe, darunter auch seine iranischen Schulunterlagen. 

Sein Vater habe ihn bereits im Iran, aber auch in Afghanistan täglich ver-

prügelt. Diese Gründe hätten ihn veranlasst, Afghanistan zwei Monate 

nach der Rückkehr alleine ohne seine Familie wieder zu verlassen und in 

den Iran zu gehen, wo er sich ohne Aufenthaltstitel aufgehalten habe. In-

dessen sei sein Vater im Jahr 2011 bei einem Streit um Ländereien umge-

bracht worden. Im Iran habe er Mobiltelefone repariert und in diesem Zu-

sammenhang sein Handy einem afghanischen Kunden geliehen, welcher 

jedoch von der iranischen Polizei kontrolliert worden sei und weshalb die 

Polizei nun ihn (den Beschwerdeführer) als Besitzer des Handys suche. Er 

habe sich daher versteckt und sei dann im April 2012 geflohen.  

Im Iran habe er herausfinden wollen, warum Afghanistan unter den Gewalt-

taten leide, habe viele Bücher gelesen und mit Leuten gesprochen. Er habe 

herausgefunden, dass ihr Unglück der Islam sei, weshalb er sich vom Islam 

abgewandt habe. Er werde als "Mortad-e Fetri" (selbstgewollter Abtrünni-

ger) bezeichnet, habe aber den Mut nicht aufgebracht, das Ritual zum 

Glaubensaustritt zu vollziehen. Seine Familie wisse, dass er weder bete 

noch faste. Bei der Befragung habe er Angst vor dem Dolmetscher mit 

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paschtunischer Abstammung gehabt, weshalb er nichts von seinem Glau-

bensabfall gesagt habe. Er gehöre noch keiner Religion an, besuche aber 

in der Schweiz jeden Sonntag die Gottesdienste der Kirche der Heilsarmee 

und arbeite ehrenamtlich bei der Heilsarmee.  

Zur Stützung seiner Vorbringen, reichte er ein Bestätigungsschreiben einer 

privaten Drittperson bezüglich seiner Apostasie, eine Visitenkarte der 

Heilsarmee und diverse Fotos zu den Akten.  

B.  

Am 2. April 2013 reichte der Beschwerdeführer seine Tazkira zu den Akten 

und machte ergänzend geltend, dass sein Geburtsdatum darauf falsch ver-

merkt sei.  

C.  

Das BFM stellte mit Verfügung vom 31. Juli 2014 – eröffnet am 5. August 

2014 – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte dessen Asylgesuch vom 23. Mai 2012 ab und verfügte die Wegwei-

sung aus der Schweiz. 

D.  

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 4. September 2014 – han-

delnd durch seine Rechtsvertreterin – gegen diesen Entscheid beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und 

die Gewährung der vorläufigen Aufnahme zufolge Unzumutbarkeit respek-

tive Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In formeller Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsver-

beiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a 

AsylG (SR 142.31) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses.  

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer dabei ein 

Schreiben der Heilsarmee B._______, einen islamkritischen Text sowie die 

dazugehörenden Kommentare ([…]), einen Facebook-Auszug eines Streit-

gesprächs, ein Empfehlungsschreiben der (…), eine Bestätigung der (…), 

ein Zertifikat für Freiwilligenengagement im (…) und eine Fürsorgebestäti-

gung zu den Akten.  

E.  

Mit Verfügung vom 11. September 2014 stellte die Instruktionsrichterin fest, 

der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz 

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Seite 4 

abwarten, hiess die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung 

mit Art. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG gut, ordnete Frau Angela Stettler, MLaw, 

C._______, als amtliche Rechtsbeiständin bei und verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. Das BFM wurde gleichzeitig aufgefor-

dert, eine Vernehmlassung einzureichen.   

F.  

Das BFM reichte am 13. Oktober 2014 eine Vernehmlassung zu den Akten, 

wobei es die Abweisung der Beschwerde beantragte. 

G.  

Am 31. Oktober 2014 reichte der Beschwerdeführer – nach entsprechen-

der Aufforderung durch das Bundesverwaltungsgericht – eine Replik zu 

den Akten.  

Zur Stützung seiner Vorbringen legte er dabei einen Auszug aus einem E-

Mail-Account und seines Facebook-Profils, neun Referenzschreiben be-

züglich seiner Apostasie, zwei Artikel aus dem Internet sowie eine Hono-

rarnote ins Recht.  

H.  

Mit Eingabe vom 5. November 2015 reichte der Beschwerdeführer – nach 

entsprechender Aufforderung des Bundesverwaltungsgerichts – eine Aktu-

alisierung des Sacherhalts ein und legte ein auf Facebook geführtes Streit-

gespräch zwischen ihm und einem anderen afghanischen Staatsangehöri-

gen sowie eine aktualisierte Honorarnote ins Recht.  

I.  

Mit Eingabe 14. Juni 2016 (Poststempel) wurden zwei Sprachenzertifikate 

des Beschwerdeführers für die Sprache Deutsch zu den Akten gereicht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM respektive 

das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine 

Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betref-

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Seite 5 

fende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-

waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerde und entscheidet – wie auch vorliegend – auf dem Gebiet des 

Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des 

Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer hat 

am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene 

Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-

ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 

Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachgewiesen oder zumindest glaub-

haft gemacht werden. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr 

Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. 

Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

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4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das BFM im We-

sentlichen aus, die angeführten Probleme im Iran seien für die Beurteilung 

des Asylgesuchs unwesentlich, da diese sich ausserhalb des Staates, des-

sen Staatsangehörigkeit er besitze, ereignet hätten. Bezüglich des Abfalls 

vom islamischen Glauben sei anzumerken, dass er in der Befragung die-

ses Vorbringen mit keinem Wort erwähnt habe, weshalb es als Nachschub 

qualifiziert werden müsse. Ferner habe er zwar ausführlich über die Prob-

leme, welche die islamische Religion in Afghanistan und im Iran verursa-

che, erzählt. Er habe aber – gefragt nach den Büchern, welche er darüber 

gelesen habe – lediglich die Gedichte einer Person angeben können. Zu-

dem habe er auch angegeben, nie offiziell bezeugt zu haben, dass er aus 

dem Islam ausgetreten sei. Seine Familie beispielsweise wisse nichts dar-

über. Aufgrund dieser ausweichenden Angaben könne nicht davon ausge-

gangen werden, dass er bis heute ernsthaft aus dem Islam ausgetreten 

sei. Im Lichte dieser Überlegungen halte der Abfall vom Islam den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand. Daran vermöge auch das ein-

gereichte "Begleitschreiben" nichts zu ändern, das bestätige, dass er sich 

ernsthaft für den christlichen Glauben interessiere. Insbesondere wider-

spreche die in diesem Schreiben geäusserte Behauptung, er habe sich be-

reits in seiner Heimat vom islamischen Glauben abgewendet, seinen eige-

nen Angaben, wonach er erst nach der Ausreise aus Afghanistan begon-

nen habe, sich vom islamischen Glauben zu distanzieren. Demzufolge er-

fülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass sein Asylgesuch abzu-

lehnen sei.  

4.2 In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

geltend, entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er seinen Abfall vom 

islamischen Glauben bereits auf dem Personalienblatt erwähnt. In der Be-

fragung habe der Dolmetscher die Frage bezüglich der Religionszugehö-

rigkeit in suggestiver Weise mit "Du bist Hazara und Shia, ja?" übersetzt 

und angefügt: "Gott sei Dank sind wir alle Muslime", was ihn eingeschüch-

tert habe. Seine bejahende Reaktion sei hinsichtlich der Todesstrafe als 

Folge der Apostasie verständlich. Er sei im Iran vom islamischen Glauben 

abgefallen, weshalb er nicht aufgrund der Angst vor Bestrafung aus Afgha-

nistan ausgereist sei. Er habe bereits im Jahr 2010 im Iran unter einem 

weiblichen Pseudonym im Internet einen äusserst islamkritischen Beitrag 

auf der Seite (…) verfasst. Darin habe er die Macht der Mullahs und die 

Instrumentalisierung der Menschen durch den Islam und die Religionsfüh-

rer sowie die Ungleichbehandlung von Mann und Frau im Islam kritisiert. 

Zudem habe er seinen Glauben an die Menschen selbst und in die Wis-

senschaft manifestiert. Er habe somit aus Sicht eines gläubigen Muslims 

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Gotteslästerung begangen, da er den Islam mit anderen Glaubensrichtun-

gen und auch mit monotheistischen Religionen gleichsetze und den Koran 

beleidige. Um zu beweisen, dass es sich bei diesem Pseudonym um ihn 

handle, mache er dem Gericht seine E-Mail-Adresse zugänglich. Er habe 

zudem auch islamkritische Kommentare zu anderen Beiträgen verfasst, 

wobei er darauf hingedeutet habe, dass er nicht mehr an den Islam glaube. 

Er habe schon früh kritische Fragen zur Religion gestellt und sich bei der 

Rückkehr nach Afghanistan durch die strengen Sitten und Traditionen ein-

geengt gefühlt. Ferner sei er bei der Anhörung sehr nervös gewesen, wes-

halb ihm auf die Schnelle nur zwei Bücher eingefallen seien. Er habe aber 

fünf weitere Bücher sowie etliche Sachbücher über die Naturwissenschaf-

ten gelesen und vertrete daher eine Weltanschauung, welche sich auf die 

Wissenschaft und nicht auf die Religion stütze. Er habe zwar nicht direkt 

und offiziell bezeugt, vom Islam abgefallen zu sein. Eine öffentliche Prokla-

mation der Abwendung vom Islam sei selbstverständlich weder im Koran 

noch in der islamischen Lehre vorgesehen. Zudem sei hinsichtlich der ho-

hen Strafe für Apostasie nachvollziehbar, dass er im Iran nicht öffentlich 

davon geredet habe. Seine Familie habe ihn als Ungläubigen verstossen 

und den Kontakt abgebrochen. Bei einer Rückkehr würde seine Ablehnung 

des islamischen Glaubens schnell entdeckt, da der Glaube den Alltag stark 

präge, es eine Selbstverleumdung und schwierig sei, die muslimischen 

Praktiken trotzdem anzuwenden, und er unter anderem durch seinen kriti-

schen Geist und westliches Aussehen schnell als Ungläubiger identifiziert 

würde. Es wäre auch sehr auffällig, wenn er nicht mehr bei seiner Familie 

leben würde. Bezüglich des Begleitschreibens sei zu beachten, dass die-

ses von einem christlichen Freund geschrieben worden sei, der seine Ge-

schichte kenne. Mit Heimat habe er nicht ein bestimmtes Land, sondern 

den Glaubensabfall vor Ankunft in der Schweiz gemeint. Auch wenn der 

Iran nicht sein Herkunftsland sei, so wäre der Glaubensabfall zumindest 

als subjektiver Nachfluchtgrund zu berücksichtigen. Er habe sich äusserst 

detailliert und ohne jeglichen Widerspruch zu seinen Fluchtgründen geäus-

sert. Der Abfall vom islamischen Glauben könne nicht als nachgeschoben 

qualifiziert werden, da er es bereits auf dem Personalienblatt angegeben 

und schon davor islamkritische Texte veröffentlicht habe. Die Glaubhaf-

tigkeit seiner Aussagen sei somit zu bejahen. 

In Afghanistan werde der Islam durch Art. 3 der afghanischen Verfassung 

zur Staatsreligion erklärt. Apostasie und Blasphemie würden zwar nicht per 

Verfassung oder Gesetz unter Strafe gestellt, allerdings hätten die Gerichte 

bei einer fehlenden Bestimmung auf die Scharia abzustellen. Dabei werde 

für Abtrünnigkeit vom Islam die Todesstrafe gefordert. Er müsste somit bei 

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einer Rückkehr mit einer langjährigen Haftstrafe oder einer Verurteilung 

zum Tode rechnen. Zudem gehe auch von den Taliban und anderen radi-

kalen Gruppierungen sowie Einzelpersonen eine Gefahr für ihn aus. Er be-

gehe als Ungläubiger in den Augen der Taliban ein schlimmeres Verbre-

chen als Christen. Er sei zudem auf Facebook von einem afghanischen 

Hazara, welcher sich ebenfalls im Ausland aufhalte, beleidigt und bedroht 

worden, da er sich kritisch gegenüber dem Islam geäussert habe. Dies 

zeige, wie sensibel auf Kritik des Islams reagiert werde und dass er als 

Gefahr wahrgenommen werde. Der afghanische Staat sei unfähig und 

auch unwillig, gegen religiöse Verfolgung durch Taliban oder andere radi-

kale Gruppen und Einzelpersonen Schutz zu bieten. Es könne auch nicht 

von ihm erwartet werden, dass er seine Religion beziehungsweise Weltan-

schauung unterdrücke oder verheimliche, da diese unverzichtbare Merk-

male der Persönlichkeit darstellen würden und durch Art. 15 BV, Art. 9 

EMRK und Art. 18 des internationalen Pakts vom 16. Dezember 1966 über 

bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II; SR 0.103.2) geschützt 

würden. Es wäre für ihn eine komplette Selbstverleugnung und psychische 

Tortur, wenn er zurück in Afghanistan alle religiösen Handlungen des Is-

lams vornehmen müsste, um nicht aufzufallen und vorzugeben, ein Gläu-

biger zu sein. Hinzu käme die Angst, trotzdem eines Tages entdeckt und 

bestraft zu werden. Er würde zudem besonders schnell auffallen, da er sich 

westlich kleide und seine Familie verlassen habe, um mehrere Jahre im 

Westen zu leben. Dies würde für ihn einen unerträglichen psychischen 

Druck und somit einen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar-

stellen. Er könne seine Weltanschauung auch nicht "mit etwas Vorsicht" 

ausüben, da er nicht nur in seinem Verhalten, sondern auch in seinem Sein 

betroffen wäre. Dies habe auch der Gerichtshof der Europäischen Gemein-

schaften (EuGH) anerkannt, welcher festgehalten habe, dass bei der Ge-

fahr, wegen Homosexualität verfolgt zu werden, nicht von der betroffenen 

Person verlangt werden könne, durch Zurück- oder Geheimhaltung die Ge-

fahr der Verfolgung zu verringern (Urteil des EuGH vom 7. November 2013 

C-199/12, C-200/12,  

C-291/12 X, Y, Z gegen Minister voor Immigratie en Asiel). Dasselbe müsse 

auch bezüglich der Ausübung des eigenen Glaubens gelten. Es bestehe 

auch die Gefahr, dass er von seiner Familie denunziert würde. Er könne 

somit vorliegend nachweisen beziehungsweise glaubhaft machen, dass er 

im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen in Afghanistan gefährdet sei.  

4.3 In der Vernehmlassung machte das BFM im Wesentlichen geltend, 

trotz der Anmerkung auf dem Personalienblatt habe der Beschwerdeführer 

seinen Abfall vom Glauben in der Befragung mit keinem Wort erwähnt und 

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die Frage nach weiteren Gründen, die gegen eine Rückkehr in den Heimat- 

oder Herkunftsstaat sprächen, explizit verneint. Asylsuchende seien gehal-

ten, Sachverhalte, die zu einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfol-

gung führen könnten, zu nennen. Es sei nicht nachvollziehbar, warum der 

Beschwerdeführer den islamkritischen Text nicht schon im erstinstanzli-

chen Verfahren eingereicht habe. Es könne auch nicht nachgeprüft wer-

den, ob der behauptete islamkritische Beitrag wirklich von ihm stamme. 

Sonderbar erscheine zum einen auch der Umstand, dass der Beitrag nicht 

unter seinem Namen veröffentlicht worden sei. Zum anderen verwundere, 

dass er als Pseudonym einen weiblichen Namen verwendet haben wolle. 

Gerade in der patriarchalisch geprägten islamischen Gesellschaft hätte er 

wohl eher ein männliches Pseudonym verwendet, hätte er seinem Beitrag 

Gewicht verleihen wollen. Schliesslich müsse auch die Frage gestellt wer-

den, ob ein islamkritischer Text auf dieser Internetseite überhaupt geeignet 

sei, die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Er sei ja anonym aufgetre-

ten, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass ihm aufgrund dieses Textes 

in Afghanistan eine asylrelevante Verfolgung drohen würde. Eine Person, 

die etliche Bücher zu einem Thema gelesen habe, könne diese wohl auch 

in einer Stresssituation nennen. In der Zwischenzeit habe er genügend Zeit 

gehabt, nach entsprechenden Titeln zu suchen. Angesichts des Vorbrin-

gens, seine Familie habe sämtliche Kontakte zu ihm abgebrochen, er-

staune es, dass er in der Lage gewesen sei, im Iran eine Augenoperation 

zu finanzieren. Mutmasslich sei er dabei durch seine Familie finanziell un-

terstützt worden. Zudem habe er angegeben, dass sein Cousin ihm die 

Tazkira geschickt habe. Dies zeige, dass seine Familie nicht sämtliche 

Kontakte abgebrochen habe, sondern ihn auch in der Schweiz unterstütze. 

Es sei nicht möglich nachzuprüfen, ob es sich beim ersichtlichen Benutzer 

des angegebenen Facebook-Profils tatsächlich um den Beschwerdeführer 

handle. Es falle aber auf, dass er auch bei diesem Internetauftritt nicht un-

ter seiner Identität auftrete und auf seinem Profil auch keine Hinweise zu 

finden seien, die einen Rückschluss auf seine Identität zuliessen. Es stelle 

sich auch hier wiederum die Frage, ob dies überhaupt asylrelevant wäre. 

Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass es dem Beschwer-

deführer nicht gelinge, seinen Bruch mit dem Islam glaubhaft zu machen. 

Es möge sein, dass er im Vergleich zu anderen Afghanen eine eher säku-

lare, westlich orientiere Weltanschauung vertrete und seinen Alltag nicht 

streng nach den islamischen Sitten und Gebräuchen strukturiere. Wohl sei 

es ihm nicht zuzumuten, sich in der Heimat völlig zu verleugnen. Gemäss 

Erkenntnissen des BFM seien Probleme aufgrund von Apostasie, insbe-

sondere aber Konversion, nicht auszuschliessen. Jedoch seien Strafverfol-

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gungen selten und es sei davon auszugehen, dass sich die Lage in Gross-

städten anders gestalte als in ländlichen Provinzen. Es sei ihm zuzumuten, 

sich den kulturellen Begebenheiten in Herat soweit anzupassen, dass er 

darauf verzichte, andere Leute in der Öffentlichkeit aufgrund ihres islami-

schen Glaubens zu kritisieren.  

4.4 In seiner Replik machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-

tend, das BFM sei in der Vernehmlassung nicht auf den Dolmetscher der 

Befragung eingegangen. Er sei sich vor der erstinstanzlichen Verfügung 

nicht bewusst gewesen, dass sein Abfall vom islamischen Glauben nicht 

als glaubhaft erachtet werde, weshalb die Einreichung des islamkritischen 

Texts nicht als verspätet erachtet werden könne. Er habe in der Be-

schwerde die E-Mail-Adresse sowie sein Passwort der fraglichen Internet-

seite den Behörden zugänglich gemacht, womit sehr wohl nachgeprüft wer-

den könne, ob der Beitrag von ihm stamme. Die Verwendung eines Pseu-

donyms sei in den sozialen Netzwerken ein gängiger Brauch, insbeson-

dere da er zu dieser Zeit ein (…)-jähriger Teenager gewesen sei. Das Pseu-

donym habe ihm die Freiheit gegeben zu schreiben, was er denke. Er habe 

starke Angst gehabt, erkannt und verurteilt zu werden, wenn er seinen rich-

tigen Namen angeben würde. Dies sei angesichts des strikten Vorgehens 

der iranischen und afghanischen Behörden gegen Blogger verständlich. Er 

habe ein weibliches Pseudonym gewählt, da er dadurch eine grössere Auf-

merksamkeit erregt habe und ihm so viel mehr Leute schreiben würden. 

Der Text sei eingereicht worden, um seinen Abfall vom islamischen Glau-

ben aufzuzeigen. Es sei nie behauptet worden, dass das Veröffentlichen 

eines islamkritischen Textes an sich die Flüchtlingseigenschaft begründe. 

Er habe die gelesenen Bücher im PDF-Format auf CDs gespeichert, wes-

halb die Titel ihm weniger präsent seien, als wenn die Bücher im Regal 

stehen würden. Bezüglich der Augenoperation sei festzuhalten, dass im 

Iran 1,5 Millionen Afghanen lebten, welche sich illegal aufhalten würden. 

Die Augenoperation habe weniger als Fr. 300.– gekostet, was er durch Ge-

legenheitsjobs verdient habe. Aus der Augenoperation lasse sich somit 

nicht schliessen, er werde durch seine Familie unterstützt. Der Cousin, wel-

cher ihm die Tazkira besorgt habe, wisse nicht, dass er sich nicht an die 

muslimischen Riten halte, und könne ihn auch nicht weiter unterstützen. 

Auf seinem Facebookprofil seien zahlreiche Hinweise über seine Identität 

vorhanden. Zum Beispiel würden sich zwei Videos finden, welche er pro-

duziert und hochgeladen sowie mit seinem Vornamen unterschrieben 

habe. In einem weiteren Video richte er einen Dank an die (…). Zudem 

habe er auch über dieses Profil Fotos von sich an Bekannte geschickt. Aus 

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Seite 11 

den eingereichten Schreiben von Islamwissenschaftlern und anderen Be-

kannten könne zusätzlich sein Abfall vom islamischen Glauben entnom-

men werden. Es könne nicht von ihm verlangt werden, Kritik an anderen 

zu unterlassen. So gelte bezüglich der Religion, dass wenn sich jemand 

aufgrund seiner Überzeugung und Persönlichkeit verpflichtet fühle, aktiv zu 

missionieren, und deswegen Verfolgung zu befürchten habe, dies Teil sei-

ner im flüchtlingsrechtlichen Sinne geschützten Eigenart sei. Dies müsse 

auch für Agnostiker und Atheisten gelten. Er mache den Islam verantwort-

lich für alles Übel, das in Afghanistan herrsche. Der Islam sei für ihn eine 

komplett unlogische, widersprüchliche und rückständige Religion. Er fühle 

sich aufgrund seiner fehlenden Toleranz verpflichtet, seine Meinung kund-

zutun. und sei zudem stolz darauf, in der Schweiz einen Muslim überzeugt 

zu haben, sich vom Islam zu befreien. Bei anderen habe er Zweifel wecken 

können. In Afghanistan müsse er sich nicht nur vor staatlicher, sondern 

auch vor privater Verfolgung fürchten. Auch was das Leben in Grossstäd-

ten angehe, könne der Meinung des BFM nicht gefolgt werden. Auch in 

Grossstädten wie Kabul und Herat werde keine Kritik am Islam toleriert und 

der neue Präsident vertrete eine strenge Linie bezüglich Apostasie und 

Blasphemie.  

4.5 Im Schreiben vom 5. November 2015 ergänzte der Beschwerdeführer 

im Wesentlichen, die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich in den letz-

ten Jahren weiter verschlechtert. Er sei zudem als Hazara besonders ge-

fährdet, da diese von den Taliban gezielt entführt und getötet würden. Auch 

das Risiko, von Privaten aus religiösen Gründen verfolgt zu werden, habe 

zugenommen, zumal er sich äusserst kritisch zum Islam und insbesondere 

zum Koran äussere. Im Sommer 2015 habe er mit anderen Afghanen ein 

Gespräch über den Islam und Religion geführt. Der Grossteil der anwesen-

den Personen sei stolz auf den Islam gewesen, was er und sein atheisti-

scher Kollege nicht hätten akzeptieren können. Aus der Diskussion sei ein 

Streit entfacht, worauf sich sein soziales Netzwerk verringert habe. Afgha-

nische Staatsangehörige würden ihn meiden und er habe nur noch mit vier 

bis fünf Leuten Kontakt. Somit wisse einerseits die afghanische Gemein-

schaft in der Schweiz über seine Einstellung Bescheid, andererseits zeige 

der Vorfall, dass er nicht fähig sei, seine inneren Überzeugungen für sich 

zu behalten, sobald es zu einem Gespräch über Religion komme. Er emp-

finde ein grosses Bedürfnis, religiösen Personen zu widersprechen und 

ihnen die Mängel und Ungereimtheiten ihrer Religion aufzuzeigen. Er sei 

ferner erneut auf Facebook als Ketzer beschimpft und bedroht worden. Zu-

dem befinde er sich seit kurzem in psychiatrischer Behandlung.  

D-4952/2014 

Seite 12 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Beschwerde lediglich die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund seines Abfalls vom Islam 

beziehungsweise seiner Weltanschauung und die Anordnung der vorläufi-

gen Aufnahme. Das Bundesverwaltungsgericht kann dementsprechend 

darauf verzichten, sich mit seinen Vorfluchtgründen auseinanderzusetzen. 

Somit sind für das vorliegende Verfahren einzig die Apostasie und die 

Frage des geltend gemachten Agnostizismus im Sinne von subjektiven 

Nachfluchtgründen von Belang.  

5.2 Im Nachfolgenden wird vom Bundesverwaltungsgericht Atheismus als 

Weltanschauung, die die Existenz (eines) Gottes verneint beziehungs-

weise bezweifelt, Agnostizismus als Weltanschauung, nach der die Mög-

lichkeit einer Existenz des Göttlichen beziehungsweise Übersinnlichen ra-

tional nicht zu klären ist, also weder bejaht noch verneint wird, und Aposta-

sie als Abfall vom Glauben definiert (vgl. Meyers grosses Standardlexikon, 

Bd. 1, 1982 zu Atheismus, Agnostizismus und Apostasie; Meyers grosses 

Universallexikon, Bd. 1, 1991, zu Atheismus, Agnostizismus und Apostasie; 

Duden zu Atheismus, Agnostizismus und Apostasie, < www.du-

den.de/rechtschreibung/Atheismus >, <www.duden.de/recht 

schreibung/Agnostizismus>; <www.duden.de/rechtschreibung/Aposta 

sie>, jeweils zuletzt besucht am 2. Mai 2017). 

5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. 

Art. 54 AsylG). Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere ille-

gales Verlassen des Heimatlandes (sogenannte Republikflucht), Einrei-

chung eines Asylgesuches im Ausland oder aus der Sicht der heimatstaat-

lichen Behörden unerwünschte exilpolitische Betätigung, wenn sie die Ge-

fahr einer zukünftigen Verfolgung begründet. Subjektive Nachfluchtgründe 

begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, füh-

ren jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG), 

unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-

setzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche subjektive Nach-

fluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1; 2009/28, 

beide mit weiteren Hinweisen). 

D-4952/2014 

Seite 13 

6.  

In einem ersten Schritt ist zu klären, ob der Abfall des Beschwerdeführers 

vom Islam als glaubhaft erachtet werden kann.  

6.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch dar-stellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum 

strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für 

gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. 

Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von 

ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, 

obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht 

es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, 

die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 

oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). 

6.2 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit stellt bei einer geltend gemachten 

Konversion zu einer neuen Religion oder einer Apostasie oft das zentrale 

Element einer Asylgesuchsprüfung in diesem Bereich dar. Aufgrund des 

ausgeprägten inneren Charakters dieses Vorbringens ist diese Prüfung 

denn auch besonders heikel und schwierig. Die religiöse Zugehörigkeit 

kann – im Vergleich zu anderen Asylvorbringen – praktisch nur anhand der 

eigenen Aussagen der asylsuchenden Person beurteilt werden. Gegebe-

nenfalls können zwar gewisse Schlüsse aus externen Anhaltspunkten wie 

Besuche von Gottesdiensten, Bescheinigungen und Aussagen privater 

Dritter gezogen werden. Solche Urkunden sind im Gesamtkontext zusam-

men mit den Aussagen der asylsuchenden Person zu berücksichtigen, ver-

D-4952/2014 

Seite 14 

mögen in der Regel alleine jedoch die Konversion nicht glaubhaft zu ma-

chen. Die asylsuchende Person muss hingegen in jedem Fall mit ihren Aus-

sagen den Behörden glaubhaft machen können, dass sie sich aufgrund 

ihrer inneren Überzeugung zum einen von ihrer früheren Religion ab und – 

gegebenenfalls – zum anderen einer neuen Religion zugewandt hat. Eine 

lediglich formelle Konversion (z.B. durch die Taufe) ohne Hinweise auf in-

nere Überzeugung reicht für die Glaubhaftmachung in der Regel nicht aus. 

In den Befragungen während des Asylverfahrens können offene Fragen 

zum (familiären) Hintergrund der Person, zum Prozess der Konversion mit 

Hinblick auf die damit verbundenen Risiken (u.a. Auslöser, Kritik an der 

ursprünglichen Religion, Geschwindigkeit, Vorbereitung, Ablauf der eigent-

lichen Konversion, Reaktionen des Umfelds) sowie Kenntnisse der neuen 

Religion und deren Bedeutung und Ausübung im Alltag Hinweise auf diese 

innere Überzeugung geben. Dabei müssen aber immer die persönlichen 

Umstände, wie der soziale, wirtschaftliche und schulische Hintergrund, be-

sonders berücksichtigt werden. Zudem ist in diesem speziellen Kontext der 

offenen Fragestellung und der freien Erzählung über das innere Vorgehen 

gegenüber Wissensfragen mehr Gewicht beizumessen. Das nicht sofortige 

Geltendmachen der Konversion in den Befragungen muss nicht zwingend 

gegen die Glaubhaftigkeit des Vorbringens sprechen, wenn diese Ver-

spätung durch besondere Umstände erklärt werden kann. In Fällen – wie 

dem vorliegenden – einer Apostasie ohne Zuwendung zu einem neuen 

Glauben fällt auf, dass sich die Glaubhaftigkeitsprüfung zusätzlich er-

schwert, da lediglich der Abfall von einem Glauben, jedoch nicht die Zu-

wendung zu einem neuen Glauben (und somit das diesbezügliche Wissen) 

beschrieben werden kann (vgl. BERLIT/DOERIG/STOREY, Credibility Asses-

sement in Claims based on Persecution for Reasons of Religious Conver-

sion and Homosexuality: A Practitioners Approach, in: International Journal 

of Refugee Law, 2015, Vol. 27, No. 4, S.655 ff.; Amt des Hohen Flüchtlings-

kommissars der Vereinten Nationen [UNHCR], Guidelines on International 

Protection: Religion-Based Refugee Claims under Article 1 A (2) of the 

1951 Convention and/or the 1967 Protocol relating to the Status of Refu-

gees, HCR/GIP/04/06, 28. April 2004, Ziff. 28 ff.).  

6.3 In casu fällt bei der Durchsicht der Akten zunächst auf, dass der Be-

schwerdeführer in der Tat bereits auf dem Personalienblatt seine religiöse 

Haltung schriftlich klar mit "Believe in God but not religious" (vgl. act. A1) 

kundtat. Diese Umschreibung bei der Ausfüllung eines rudimentären For-

mulars unter der Rubrik „Religion“ ist aussergewöhnlich und weist auf eine 

eingehende Auseinandersetzung mit dem Thema hin. In der folgenden Be-

fragung wurde allerdings darauf nicht weiter eingegangen, sondern unter 

D-4952/2014 

Seite 15 

Religion "Schiite" ohne weiteren Kommentar oder explizite Nachfrage no-

tiert (vgl. A6 S. 3). Dies ist jedoch bei einer Befragung zur Person nicht 

unüblich und im Sinne des nicht formellen Austritts des Beschwerdeführers 

aus dem Islam auch korrekt. Diese Umstände lassen aber die Schilderung 

des Beschwerdeführers, dass er sich aufgrund des summarischen Charak-

ters der Befragung und der diesbezüglichen Suggestivfrage des Überset-

zers nicht getraut habe, anders als erwartet zu antworten, weshalb es zu 

dieser Protokollierung gekommen sei, durchaus möglich erscheinen (vgl. 

A15 F85). Insgesamt wurden die Fragen bezüglich der Gesuchsgründe in 

der Befragung stark auf die Vorfluchtgründe und somit auf die Gründe für 

die Ausreise aus Afghanistan fokussiert. Bei der Frage bezüglich der be-

fürchteten Nachteile bei einer Rückkehr nach Afghanistan sprach der Be-

schwerdeführer von einer Angst vor Diskriminierung, was ein Hinweis auf 

seine Abkehr vom Islam darstellen kann, da er in seinen vorangehenden 

Schilderungen nicht auf erlebte Diskriminierungsvorfälle in Afghanistan 

aufmerksam machte. Auf Nachfrage und Präzisierung dieser Aussage 

wurde jedoch verzichtet (vgl. A6 S. 10). Somit sind entgegen der Meinung 

der Vorinstanz bereits in dieser ersten Phase des Asylverfahrens Hinweise 

zu seiner Apostasie vorhanden, weshalb nicht von einem Nachschub ge-

sprochen werden kann. In der Anhörung machte der Beschwerdeführer 

denn auch bei der ersten – indessen allgemein gehaltenen – Frage nach 

seinen Befürchtungen bei einer Rückkehr nach Afghanistan auf seinen 

Glaubensabfall aufmerksam (vgl. A15 F79). An dieser Stelle ist anzufügen, 

dass der Beschwerdeführer auch seine Lebensgeschichte als Flüchtling im 

Iran, den Zwang zur Kinderarbeit, sein starkes Bedürfnis nach Bildung trotz 

Widrigkeiten, die Gewalttätigkeit des Vaters, die Rückkehr nach Afghanis-

tan und die dortigen Ereignisse samt Überfall sehr anschaulich, gespickt 

mit Realkennzeichen und ohne Übertreibungen zu schildern vermochte. 

Dies gilt ebenfalls für die Schilderungen bezüglich seiner Überlegungen 

und Empfindungen, welche ihn zum Abfall vom Islam gebracht haben, wel-

che ebenfalls substanziiert, detailliert und nachvollziehbar ausfallen. Dabei 

fällt auf, dass er unumwunden zugab, er habe sich erst im Iran, nach der 

Flucht vor seinem Vater, und nicht bereits in Afghanistan vom Islam abge-

wandt. Zudem schilderte er, dass die Abwendung vom Islam sich allmäh-

lich ereignet habe (vgl. A15 F80 f.). Er vermochte neben den auslösenden 

Gründen auch befürchtete sowie erlebte Reaktionen in seinem unmittelba-

ren Umfeld beziehungsweise seiner Familie nachvollziehbar darzustellen. 

Für die Glaubhaftigkeit spricht auch, dass der Beschwerdeführer anfangs 

seine Suche nach einer alternativen Religion insbesondere dem Christen-

tum beschrieb (vgl. A15 F91), um im späteren Verlauf des Verfahrens aus-

zuführen, nach intensivem Studium bezeichne er sich nun als Agnostiker. 

D-4952/2014 

Seite 16 

Er vermochte dabei seine entsprechenden Gründe und Überlegungen 

überzeugend aufzuzeigen. Der Umstand, dass er anlässlich der Anhörung 

im Zusammenhang mit seiner Apostasie nicht viele Bücher aufzählen 

konnte, welche er dazu gelesen habe, ist – entgegen der Argumentation 

der Vorinstanz – nicht als entscheidender Hinweis für die Unglaubhaftigkeit 

der Aussagen zu werten, sondern ihm ist im Gesamtkontext der Stresssi-

tuation der Anhörung ein gewissen Verständnis entgegenzubringen (vgl. 

A15 F87). Dabei ist auch zu beachten, dass der Beschwerdeführer bei der 

Aufzählung der Bücher unterbrochen und ihm eine Weiterführung dersel-

ben nicht explizit ermöglicht wurde. Zudem sprach er – entgegen der Be-

hauptung der Vorinstanz – von mehreren Büchern, wobei ihm zwar der Au-

tor des zweiten Buches nicht einfiel, er dieses jedoch inhaltlich zu beschrei-

ben vermochte, was ein klares Indiz für seinen eigenen inneren Prozess 

darstellt (vgl. A15 F87). An dieser Stelle ist darüber hinaus darauf hinzu-

weisen, dass es zwischen dem Befrager und dem Beschwerdeführer of-

fenbar zu diversen Unstimmigkeiten bezüglich der Schwerpunkte in den 

Erzählungen kam (vgl. A15 F51 f., F72 ff., F78, F88 ff., F98 ff., F105 f.), 

weshalb die Führung der Anhörung für eine Beurteilung der Glaubhaftigkeit 

der Vorbringen nicht als ideal bezeichnet werden kann. Aus diesem Grund 

kommt den zahlreichen Stellungnahmen von privaten Drittpersonen in der 

Schweiz auch besondere Bedeutung zu. Dabei handelt sich um ver-

schiedenste Personen aus dem näheren und weiteren Umfeld des Be-

schwerdeführers, welche alle persönliche Erlebnisse mit dem Beschwer-

deführer und seine zumindest kritische Haltung gegenüber dem Islam be-

schreiben.  

6.4 Im Sinne einer Gesamtbetrachtung aller Indizien, welche für oder ge-

gen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen sprechen, kommt das Bundesver-

waltungsgericht zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, die zu beurtei-

lende Apostasie entspreche in den wesentlichen Punkten den Tatsachen, 

höher ist als die – wenn auch nicht restlos auszuschliessende – Möglich-

keit, sie sei vom Beschwerdeführer zum Teil bloss erfunden worden. Bei 

einer Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwiegen die für 

die Richtigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers sprechenden Ele-

mente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien klar (vgl. BVGE 2012/5 

E. 2.2).  

 

7.  

D-4952/2014 

Seite 17 

7.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer bei einer Rück-

kehr in seinen Heimatstaat aufgrund seiner Abkehr vom Islam ernsthafte 

Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hätte. Dabei ist darauf 

hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer sich trotz seiner Besuche der 

christlichen Gottesdienste nicht als Christ, sondern als Agnostiker bezeich-

net (vgl. Beschwerdeschrift S. 5). Ob es sich beim Beschwerdeführer tat-

sächlich um einen Agnostiker, einen Atheisten oder lediglich um einen 

Apostaten handelt, kann angesichts der im vorliegenden Verfahren letztlich 

gleichen Rechtsfolgen offengelassen werden.  

7.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt 

und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden 

sein. Eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staat-

lichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person ei-

ner landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem ande-

ren Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die 

Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt 

der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer 

solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im 

Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls 

wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwi-

schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten 

der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 

2013/11 E. 5.1.1, 2010/28 E. 3.3.1.1, 2010/57 E. 2, 2008/12 E. 5, jeweils 

mit weiteren Hinweisen). 

7.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger 

Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-

lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten 

Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der 

betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in 

D-4952/2014 

Seite 18 

vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere 

(subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). 

7.4 Gemäss den einschlägigen UNHCR-Richtlinien kann eine Verfolgung 

aufgrund der Religion auf drei verschiedenen Elementen beruhen: Erstens 

auf dem Glauben einer Person, wobei theistische, atheistische und nicht-

theistische Überzeugungen erfasst sind, solange diese Überzeugungen o-

der Werte das Göttliche, eine endgültige Realität oder das spirituelle 

Schicksal der Menschheit betreffen. Zweitens kann Religion weniger durch 

den individuellen Glauben betroffen sein, sondern mehr als Identität 

dadurch, dass eine Person als Teil einer Gemeinschaft betroffen ist, die 

durch einen gemeinsamen Glauben oder gemeinsame Rituale  

oder Traditionen definiert wird. Drittens kann Religion als eine Lebensart 

betroffen sein, wenn sich die religiösen Überzeugungen darin äussern, wie 

sich Personen gegenüber ihrer Umwelt verhalten (z.B. durch Kleiderregeln, 

religiöse Praktiken, Feiertage oder Essensvorschriften). Geschützt ist auch 

das Recht, einer Religionsgemeinschaft nicht anzugehören oder einen 

Glauben nicht zu besitzen; das heisst, ohne Glauben zu leben oder einen 

Glauben zu haben, der ausdrücklich den Glauben an einen Gott ablehnt 

(vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.4 mit weiteren Hinweisen).  

7.5  

7.5.1 Nachfolgend ist die aktuelle Lage in Afghanistan bezüglich der Reli-

gionsfreiheit mit Fokus auf Agnostiker und Agnostikerinnen respektive 

Atheisten und Atheistinnen näher zu beleuchten. Dabei ist darauf aufmerk-

sam zu machen, dass es sehr wenige öffentliche Informationen zu Atheis-

ten/Atheistinnen und Nicht-Gläubigen in Afghanistan gibt. Auch Quellen, 

welche sich mit Religion, religiösen Minderheiten und Apostasie in Afgha-

nistan auseinandersetzen, enthalten meist keine expliziten Informationen 

zu Atheismus oder Nicht-Gläubigen (vgl. Landinfo, Afghanistan: Ateister, 

26. August 2014, www.landinfo.no/asset/2956/1/2956_1.pdf, zuletzt be-

sucht am 3. Mai 2016). Somit muss vorliegend in erster Linie auf die Be-

richte bezüglich Apostasie und Konversion zurückgegriffen und daraus 

Rückschlüsse auf Agnostiker und Agnostikerinnen respektive Atheisten 

und Atheistinnen gezogen werden. 

7.5.2 Gemäss der afghanischen Verfassung können Gläubige anderer Re-

ligionen als des Islams ihren Glauben innerhalb der gesetzlichen Grenzen 

frei ausüben. Jedoch bezeichnet die afghanische Verfassung den Islam 

gleichzeitig explizit als offizielle Staatsreligion und bestimmt, dass keine 

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Seite 19 

andere Religion den Grundsätzen und Regeln des Islams zuwiderlaufen 

dürfe. Die afghanische Bevölkerung ist denn auch überwiegend islamisch 

und die Gesellschaft ist sehr konservativ eingestellt. Die Gerichte haben 

sich an die Hanafi-Rechtslehre der Scharia zu halten, wenn weder das 

Strafgesetz noch die Verfassung zu einem bestimmten Verbrechen eine 

Norm enthält. Zwar wird Apostasie im afghanischen Strafgesetzbuch nicht 

als Straftat definiert, fällt jedoch nach afghanischer Rechtsauffassung unter 

die nicht weiter definierten ‚ungeheuerlichen Straftaten‘, die laut Strafge-

setzbuch nach der Hanafi-Rechtslehre bestraft werden. Damit wird Aposta-

sie als Straftat behandelt, obwohl nach der afghanischen Verfassung keine 

Handlung als Straftat eingestuft werden darf, sofern sie nicht als solche 

gesetzlich definiert ist. Gemäss dieser Hanafi-Rechtslehre würden Frauen 

lebenslang respektive bis zum Widerruf der Konversion in Haft genommen 

und Männer enthauptet werden. Wird die Todesstrafe nicht verhängt, sind 

die daneben vorgesehenen strafrechtlichen sowie auch gesellschaftlichen 

Konsequenzen aber äusserst hart: Volljährigen Männern sowie Frauen 

über 16 Jahren, die vom Islam konvertieren und ihre Konversion nicht in-

nerhalb von drei Tagen widerrufen, drohen unter anderem die Annullierung 

der Ehe und die Enteignung ihrer Grundstücke und Eigentümer. Ausser-

dem können sie von ihren Familien und Gemeinschaften zurückgewiesen 

werden und ihre Arbeit verlieren. Zwar gab es im Verlauf des Jahres 2015 

von offizieller Seite keine Verurteilungen für Apostasie. Dies mag aber auch 

damit zusammenhängen, dass es nur wenige öffentliche Konversionen 

gibt. Die Äusserung von nicht-religiösen Überzeugungen wird jedoch ver-

folgt oder schlicht durch soziale Zwänge verunmöglicht. Die soziale Kon-

trolle und der soziale Druck in Afghanistan sind dabei gross. Afghanische 

Familienbande sind sehr stark und werden grosszügiger begriffen, 

wodurch Missgunst und familiäre Konflikte auch dazu führen können, dass 

die Konversion in einem breiten Umfeld bekannt wird. Zwar ist das Be-

kanntwerden in städtischen Gebieten wegen der grösseren Anonymität we-

niger zu befürchten als in Dorfgemeinschaften. Jedoch ist es für eine Per-

son auch dort nicht einfach, die Konversion und somit den Abfall vom Islam 

gänzlich geheim zu halten (vgl. UNHCR, UNHCR Eligibility Guidelines for 

Assessing the International Protection Needs of Asylum-Seekers from Af-

ghanistan, 6. August 2013, < www.refworld.org/pdfid/51ffdca34.pdf >; 

United States Department of State, 2014 Report on International Religious 

Freedom – Afghanistan, 14. Oktober 2015, < www.state.gov/ 

j/drl/rls/irf/2014/sca/238488.htm >; Freedom House, Freedom in the World 

2015 – Afghanistan, 28. Januar 2015, < https://www.ecoi.net/local_link/ 

298953/435505_de.html >; Landinfo, a.a.O.; U.S. Commission on Interna-

D-4952/2014 

Seite 20 

tional Religious Freedom [USCIRF], 2015 Country Reports: Tier 2; Afghan-

istan, 30. April 2015, < www.uscirf.gov/sites/default/files/Afghanistan 

%202015.pdf >; British Broadcasting Corporation [BBC], Controversy of 

apostasy in Afghanistan, 14. Januar 2014, < www.bbc.com/news/world-

asia-25732919 >; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge [BAMF], Lage 

der Religionsgemeinschaften in ausgewählten islamischen Ländern, Au-

gust 2011, < www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/ 

Herkunftslaenderinformationen/lage-religionsgemeinschaft-islamische-la-

ender-2011-08.pdf?__blob=publi cationFile >; jeweils zuletzt besucht am 

2. Mai 2017).  

7.5.3 Die Situation für Atheisten und Atheistinnen wird verschiedentlich so-

gar als noch schlimmer als jene von Konvertiten bezeichnet. Zwar sind sie 

nicht einfach identifizierbar, weshalb es grundsätzlich möglich sein kann, 

dass – wenn der Abfall vom Islam nicht in der Öffentlichkeit gezeigt und 

dem Islam gegenüber Respekt gezollt wird – sie grundsätzlich nicht behel-

ligt werden. Im sogenannten Global Atheism Index for 2012 belegt Afgha-

nistan zusammen mit Ghana, Tunesien, Aserbaidschan, Irak, Vietnam und 

Malaysia den letzten Rang. Dabei wurden 1031 Personen befragt: 83% 

gaben an, eine religiöse Person zu sein, 15% bezeichneten sich als nicht 

religiös, 2% antworteten nicht auf die Frage respektive gaben an, dies nicht 

zu wissen, 0% bezeichneten sich als überzeugte Atheisten (vgl. Internatio-

nal Humanist and Ethical Union [IHEU], Freedom of Thought 2014, 10. De-

zember 2014, < https://drive.google.com/file/ d/0B3gXFZt5sXX1aD-

JLblBMbjBxd0E/view?usp=sharing >; Landinfo, a.a.O.; Worldwide Inde-

pendent Network/Gallup International Association [WIN/GIA], Global Index 

of Religiosity and Atheism – 2012, undatiert, < http://wingia.com/web/fi-

les/news/ 14/file/14.pdf >; jeweils zuletzt besucht am 2. Mai 2017). Im Jahr 

2014 wurde ferner einem jungen Atheisten, welcher sich bereits in seiner 

Kindheit vom Islam abgewandt hatte, in Grossbritannien Asyl gewährt. Da-

bei wurde auf die grosse Rolle des Islam in der afghanischen Gesellschaft 

sowie die Ahndung der Konversion mit der Todesstrafe verwiesen (vgl. 

BBC, Atheist Afghan granted religious asylum in UK, 14. Januar 2014, 

< www.bbc.com/news/uk-25715736 >, zuletzt besucht am 2. Mai 2017).  

7.5.4 An dieser Stelle sind kurz einige Einzelfälle zur Komplettierung des 

Gesamtbildes zu erwähnen:  

– Im März 2015 wurde eine junge Frau mitten in Zentrum von Kabul von 

einem Mob zu Tode geprügelt, da sie beschuldigt wurde, einen Koran 

verbrannt zu haben, was sich später als blosses Gerücht respektive 

D-4952/2014 

Seite 21 

Falschmeldung herausstellte. Das Gerücht sei verbreitet worden, weil 

die Frau die gängige Auslegung des Korans in Frage stellte. Die Polizei 

hat die Frau während der Attacke nicht beschützt (vgl. Afghanistan Ana-

lysts Network [AAN], The Killing of Farkhunda (2): Mullahs, feminists 

and a gap in the debate, 29. April 2015, < www.afghanistan-ana-

lysts.org/the-killing-of-farkhunda-2-mullahs-feminists-and-a-gap-in-

the-debate/ >, zuletzt besucht am 2. Mai 2017).  

– Im Jahr 2013 wurden zwei Personen wegen Blasphemie angeklagt, 

wobei nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. So ist 

lediglich bekannt, dass eine Person zu zehn Jahren Haft verurteilt wor-

den war, schliesslich jedoch Beschwerde eingelegt werden konnte. 

Weitere Informationen zu diesen Verfahren und den Anschuldigungen 

sind nicht verfügbar (vgl. United States Department of State, 2013 Re-

port on International Religious Freedom - Afghanistan, 28. Juli 2014, 

< www.state.gov/documents/organization/222535.pdf >, zuletzt be-

sucht am 2. Mai 2017) 

– Im Jahr 2006 erhielt ein Staatsangehöriger Afghanistans in Italien Asyl, 

nachdem dieser aufgrund seiner Konversion zum Christentum zum 

Tode verurteilt, jedoch auf internationalen Druck hin freigelassen wor-

den war (vgl. BBC, Controversy of apostasy in Afghanistan, a.a.O.).  

– Ein anonymer Atheist aus Afghanistan beschrieb seine Situation dahin-

gehend, dass er seine atheistischen Überzeugungen nicht frei äussern 

könne. Würden die Leute von seiner Überzeugung wissen, hätte er 

keine Zeit, vor der Strafe bei den Behörden Schutz zu suchen. Auch 

seine Familie gebe ihm keinen Schutz. Seine Überzeugung könne er 

lediglich im Internet und insbesondere auf den sozialen Medien mit an-

deren Gleichgesinnten teilen, wobei er aber ein Pseudonym verwenden 

müsse (vgl. IHEU, a.a.O.). 

7.5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die in Afghanistan ange-

drohten Strafen für Apostasie sowohl in gesellschaftlicher wie auch in straf-

rechtlicher Hinsicht als sehr hoch zu bezeichnen sind und sogar eine Ent-

hauptung angeordnet werden kann. Dass es im Jahr 2015 zu keinen Ver-

urteilungen gekommen ist, hängt auch mit der äusserst konservativen und 

islamisch eingestellten Gesellschaft zusammen, weshalb es kaum zu öf-

fentlichen Apostasien vom Islam kommt. Die Situation muss für Atheisten 

und Atheistinnen als zusätzlich verschärft bezeichnet werden. Aufgrund 

des bisher Gesagten ist grundsätzlich davon auszugehen, dass Personen, 

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Seite 22 

deren Apostasie öffentlich bekannt wird, objektiv begründete Furcht vor 

Nachteilen haben. Die angedrohten Verfolgungsmassnahmen vermögen 

aufgrund der Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit die 

Schwelle der Intensität der ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG 

klar zu erreichen.  

7.6  

7.6.1 Es stellt sich indessen weiter die Frage, ob und inwieweit von einer 

Person vernünftigerweise erwartet werden kann, die drohende Verfolgung 

durch das eigene Verhalten abzuwenden. So ist in casu genauer zu be-

leuchten, ob es dem Beschwerdeführer zugemutet werden kann, sich einer 

Verfolgungsgefahr durch diskretes Verhalten zu entziehen, indem er seine 

Apostasie verheimlicht beziehungsweise seine agnostische Meinung in Af-

ghanistan zurückhält und sich entgegen seiner Überzeugung gemäss den 

islamischen und landesüblichen Sitten und Gebräuchen verhält, oder ob 

ein solches Verhalten für ihn persönlich zu einem unerträglichen psychi-

schen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG führen würde.  

7.6.2 Die Annahme, das Verheimlichen einer persönlichen Überzeugung 

beziehungsweise einer mit der Persönlichkeit untrennbar verknüpften Ei-

genschaft bewirke einen unerträglichen psychischen Druck, setzt voraus, 

dass die betroffene Person in einem Umfeld zu leben gezwungen ist, in 

welchem sie Gefahr läuft, dass eben diese Überzeugung oder Eigenschaft 

entdeckt, denunziert und sanktioniert wird. Je grösser die Gefahr ist, durch 

eine unbedachte Geste oder Äusserung entdeckt zu werden, und je gra-

vierender die staatliche oder private Sanktionierung im Falle der Entde-

ckung ausfällt, desto eher ist davon auszugehen, die betroffene Person 

stehe unter einem psychisch unerträglichen Druck, weil sie gezwungen ist, 

ihre Persönlichkeit zu verleugnen und ein Doppelleben zu führen, um nicht 

entdeckt zu werden (in diesem Sinne auch Urteil des EuGH vom 5. Sep-

tember 2012 C-71/11 und C-99/11 Y und Z [Religion], Rn. 62; ferner 

Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), Handbuch zum Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren, 2. Aufl. 2015, S. 174 f.; ANNA LÜBBE, Verfolgungsvermei-

dende Anpassung an menschenrechtswidrige Verhaltenslenkungen als 

Grenze der Flüchtlingsanerkennung?, in: Zeitschrift für Ausländer- und 

Asylrecht [ZAR], 2012, S. 9 f.; CARONI ET. AL., Migrationsrecht, 3. Aufl. 

2015, S. 258 f.) 

7.7  

7.7.1 Wie unter E. 7.5 bereits erwähnt, ist davon auszugehen, dass dem 

Beschwerdeführer im Falle des Bekanntwerdens seiner agnostischen 

D-4952/2014 

Seite 23 

Überzeugungen respektive seiner Apostasie ernsthafte Nachteile bis hin 

zum Tod drohen können. So nimmt der Beschwerdeführer nicht nur eine 

kritische Haltung gegen den Islam ein, indem er diesen als das Übel vieler 

Probleme in Afghanistan beschreibt, sondern widersetzt sich auch aus-

drücklich grundsätzlichen islamischen Sitten, Gebräuchen und Glaubens-

regeln. Aufgrund dieser in Afghanistan nicht geduldeten Weltanschauung 

besteht daher einerseits die Gefahr des Entzugs von Eigentum und seiner 

zivilen Rechte, Haft oder gar die Todesstrafe von staatlicher Seite. Gefahr 

droht aber auch vom direkten privaten Umfeld, in dem sich der Beschwer-

deführer bewegen müsste. So kam es in der Vergangenheit auch zu Über-

griffe mit Todesfolge von privaten Dritten, vor denen kaum genügend staat-

licher Schutz besteht. Damit kann festgesellt werden, dass die drohenden 

Nachteile bei Bekanntwerden seiner Weltanschauung zweifelsohne die für 

die Begründung der Flüchtlingseigenschaft erforderliche Intensität errei-

chen.  

7.7.2 Bereits in der Schweiz wird der Beschwerdeführer gemäss seinen 

Aussagen aufgrund seines kritischen Wesens und seiner extrovertierten 

Art von der afghanischen Diaspora gemieden. In Afghanistan wäre der Be-

schwerdeführer jedoch gezwungen, sich tagtäglich den islamischen Riten 

anzupassen und diese – zum Schutz seines Lebens und seiner Freiheit – 

ebenfalls zu befolgen. Zwar ist nicht ganz auszuschliessen, dass es dem 

Beschwerdeführer in der Anonymität einer Grossstadt gelingen könnte, die 

religiösen Regeln wie das Fasten und das regelmässige Beten einigerma-

ssen ungefährdet ausser Acht zu lassen. So gibt es offensichtlich in den 

Grossstädten von Afghanistan durchaus auch Personen, die sich nicht 

streng an die religiösen Regeln halten. Hier würde sich aber wohl die Frage 

stellen, ob dem Beschwerdeführer eine Rückkehr in die Anonymität einer 

Stadt zuzumuten wäre, könnte er doch diesfalls eben nicht, wie bei Rück-

kehrenden nach Afghanistan gefordert, auf ein bestehendes Beziehungs-

netz zurückgreifen. Ausserdem müsste er sich aber bei jeglichen seiner 

Äusserungen und Tätigkeiten im Alltag äusserst vorsichtig und bedacht 

verhalten. Eine unbedachte Äusserung beispielsweise während eines 

harmlos erscheinenden Gesprächs über die Freizeitgestaltung unter 

Freunden könnte den Beschwerdeführer bereits in ernsthafte Gefahr brin-

gen. Ein Verheimlichen wird demnach auch dadurch praktisch verunmög-

licht, als es für den Beschwerdeführer nur schwer erkennbar sein dürfte, 

welches Verhalten ihn entlarven würde. Daher würde der Beschwerdefüh-

rer zum Führen eines Doppellebens quasi gezwungen werden beziehungs-

weise müsste er auf soziale Kontakte, ob freundschaftlicher oder berufli-

D-4952/2014 

Seite 24 

cher Art, weitgehend verzichten. Auch bei jeglichem Kontakt mit den Be-

hörden, zum Beispiel bei einer Heirat oder einer Ausstellung einer Tazkira, 

müsste der Beschwerdeführer darauf achten, seinen Abfall vom islami-

schen Glauben geheim zu halten (vgl. United States Department of State, 

2014 Report on International Religious Freedom – Afghanistan, a.a.O). 

Auch in der privaten Sphäre könnte sich der Beschwerdeführer nicht ge-

mäss seiner Überzeugung verhalten, geht doch ein erhebliches Risiko, ver-

raten zu werden, auch vom Familienverband aus.  

7.7.3 Damit kommt das Bundesverwaltungsgericht in casu zum Schluss, 

dass das tagtägliche und riskante Verstecken und Verleugnen seiner inne-

ren Überzeugung im Kontext der konservativ und religiös geprägten Ge-

sellschaft Afghanistans insbesondere in Anbetracht des persönlichen Pro-

fils des Beschwerdeführers als unerträglicher psychischer Druck im Sinne 

von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren ist. Da die befürchteten Nachteile 

sowohl von privaten Dritten als auch von den afghanischen Behörden aus-

gehen, ist im vorliegenden Fall auch nicht vom Bestehen einer sicheren 

innerstaatlichen Schutzalternative auszugehen. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aufgrund 

seiner Apostasie nach der Ausreise aus Afghanistan die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG und Art. 1A Ziff. 2 des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) erfüllt. Da es sich dabei um subjektive Nachfluchtgründe han-

delt, bleibt er vom Asyl ausgeschlossen (Art. 54 AsylG).  

9.  

9.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

D-4952/2014 

Seite 25 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 

AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über 

die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]). 

10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). 

10.3 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwer-

deführer begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG glaubhaft machen konnte und die Flüchtlingseigenschaft erfüllt. Der 

Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan erweist sich daher wegen dro-

hender Verletzung des flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoulement 

(Art. 5 AsylG) als unzulässig. 

11.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die Dispositivziffern 

1, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung des BFM vom 31. Juli 2014 sind 

aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling zu anerkennen und das 

Staatssekretariat anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläu-

fig aufzunehmen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

12.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihm erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzu-

sprechen. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat am 5. Novem-

ber 2015 eine aktuelle Kostennote zu den Akten gereicht, welche einen 

Gesamtaufwand von 13.95 Stunden zu einem Stundenansatz von 

Fr. 300.– zuzüglich Fr. 44.65 Auslagen ausweist. Der in der Kostennote 

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Seite 26 

ausgewiesene Aufwand ist jedoch nicht vollumfänglich angemessen und 

entsprechend zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-

sungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer zu Lasten der 

Vorinstanz eine Parteientschädigung von Fr. 2150.– (inklusive Auslagen 

und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Dementsprechend wird die Entschä-

digung für die gewährte amtliche Rechtsverbeiständung gegenstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 27 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt. 

3.  

Die Dispositivziffern 1, 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 31. Juli 2014 

werden aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer 

als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2150.– 

auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Anne Kneer 

 

 

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