# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f893914-b287-59cc-af7a-b06331babc44
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-09-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.09.2008 D-2658/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2658-2007_2008-09-19.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-2658/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 9 .  S e p t e m b e r  2 0 0 8

Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Gérald Bovier, 
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Gerichtsschreiberin Katarina Umegbolu.

Z1._______, geboren _______, alias Z2._______, 
geboren _______, und ihr Sohn Z3._______, alias 
Z4._______, geboren _______,
Kamerun,
vertreten durch Laura Rossi, _______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
9. März 2007 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-2658/2007

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführerin,  eine  kamerunische  Staatsangehörige  mit 
letztem Wohnsitz in A._______, verliess den Heimatstaat eigenen An-
gaben zufolge am 31. Januar 2006. Mit einem Direktflug der Flugge-
sellschaft  B._______  abfliegend  von  C._______  gelangte  die  Be-
schwerdeführerin am 1. Februar 2006 in die Schweiz, wo sie gleichen-
tags am Flughafen D._______ ein Asylgesuch einreichte. Am 4. Febru-
ar  2006  wurde  die  Beschwerdeführerin  durch  die  Flughafenpolizei 
D._______ angehört. 

Die Beschwerdeführerin machte betreffend ihre Identität und den Rei-
seweg  im  Wesentlichen  geltend,  sie  sei  Z2._______,  geboren  am 
_______ in A._______ Villag, Kamerun. Sie gehöre der Ethnie der Ba-
jangi an und ihre Muttersprache sei Englisch. Ihr Vater, E._______, sei 
im April 2001 nach einer kurzen Krankheit verstorben und ihre Mutter, 
F._______,  würde  zusammen  mit  den  Geschwistern  G._______, 
H._______ und I._______ in A._______ leben. In A._______ habe sie 
sich selbst bis Juli 2005 aufgehalten und sei danach bis zur Ausreise 
noch in J._______ und K._______ gewesen. Die katholische Primar-
schule in A._______ habe sie während sieben Jahren besucht und an-
schliessend mit der Familie auf dem Hof gearbeitet. Einen Reisepass 
oder eine Identitätskarte besitze sie nicht. Ins Flugzeug sei sie von ih-
rem Anwalt L._______ aus M._______ und einer weiteren Dame na-
mens N._______ vom Human Right Office gebracht worden. Es habe 
keine Kontrollen gegeben und sie seien über das Rollfeld zur Maschi-
ne gelangt. Die Reise in  die Schweiz,  den Pass als  auch den Flug-
schein habe der Anwalt organisiert und auch bezahlt. Von C._______ 
nach D._______ sei sie alleine geflogen. Hinsichtlich der Gründe, wel-
che sie zum Verlassen ihres Heimatlandes bewogen hätten,  brachte 
die  Beschwerdeführerin  Folgendes  vor:  Gemäss  den  in  ihrem  Dorf 
herrschenden Traditionen würden Mädchen im Alter von 12 Jahren be-
schnitten. Im Jahre  2001  sei  ihr  Vater  aufgefordert  worden,  sie  und 
auch ihre Cousine beschneiden zu lassen. Der Eingriff sei an der Cou-
sine vorgenommen worden, welche kurze Zeit später als Folge davon 
verstorben sei. Obwohl  nun sie  selbst  an  der  Reihe gewesen wäre, 
habe man sie wegen des Vorfalls mit der Cousine für gewisse Zeit in 
Ruhe  gelassen. Im  Jahre  2005  habe  der  Chief  des  Dorfes  namens 
O._______ sie auserwählt, seine 18. Ehefrau zu werden. Vorher hätte 
sie allerdings beschnitten werden  müssen. Sie habe sich den Plänen 

Seite 2

D-2658/2007

widersetzt.  Eines  Tages,  in  der  letzten  Maiwoche  des  Jahres  2005, 
hätten Männer des Chiefs sie beim Wasser holen gepackt und in den 
Palast  des  Chiefs  entführt,  wo  man  sie  eingesperrt  habe.  Immer 
wieder  habe  der  Chief  sie  bedrängt,  dass  sie  nun  beschnitten  und 
seine Ehefrau werden müsse. Schliesslich habe der Chief am 31. Mai 
oder 1. Juni 2005, als die anderen Frauen am Morgen Wasser holen 
gegangen  seien,  sich  an  ihr  vergangen.  Als  die  Frauen  später 
zurückgekehrt  seien, habe sie ihnen von der Vergewaltigung erzählt. 
Zwei Tage später, als die Frauen erneut weggegangen waren, sei es 
ihr gelungen, die Tür aufzubrechen und in den Busch zu fliehen. Sie 
habe sich in ein Haus geflüchtet und dort nach ihrer Mutter schicken 
lassen.  Ihre  Mutter  sei  gekommen  und  sie  seien  nach  M._______ 
gegangen. In der Zwischenzeit habe man im Palast nach ihr gesucht. 
In  M._______  habe  die  Mutter  sie  in  zwei  Büros  einer 
Menschenrechtsorganisation  gebracht,  wo  sie  jeweils  über  das 
Vorgefallene erzählt  habe. Daraufhin  sei  ihre  Mutter  ins  Dorf  zurück 
zum  katholischen  Priester,  welchem  sie  über  die  Erlebnisse  ihrer 
Tochter  berichtet  habe.  Der  Priester  sei  zu  ihr  nach  M._______ 
gekommen und  habe  ihr  mitgeteilt,  dass  der  Chief  nach  ihr  suchen 
lassen würde. In den Büros, in welchen sie sich befunden hätte, habe 
man nach einem Anwalt geschickt, welcher schliesslich gekommen sei. 
Zur gleichen Zeit habe sie vernommen, dass der Chief bei der Polizei 
gewesen sei und diese nun nach ihr suchen würde. Mit  dem Anwalt 
Tabe  Michel  habe  sie  M._______  verlassen.  Nach  diversen 
gesundheitlichen Problemen habe sie  realisiert,  dass  sie  schwanger 
sei. Zumal die Polizei sie gesucht habe und sie schwanger gewesen 
sei,  sich  somit  nicht  hätte  verstecken  können,  habe  der  Anwalt  ihr 
geraten, Kamerun zu verlassen. Er habe sie zunächst nach J._______ 
und  von  dort  nach  K._______  gebracht.  Eines  Tages  habe  er  ihr 
mitgeteilt,  dass er  ihre  Ausreise  in  die Schweiz  organisiert  habe. Er 
habe  ihr  einige  Dokumente,  welche  das  Vorgefallene  bestätigen 
sollten, mitgegeben und sie habe am 31. Januar 2006 ihr Heimatland 
verlassen.

Als  Nachweis ihrer  Identität  reichte die Beschwerdeführerin  eine am 
14.  Oktober  1992  in  M._______,  P._______  Distrikt,  Q._______ 
Provinz,  Kamerun,  ausgestellte  Geburtsurkunde  lautend  auf  den 
Namen  Z2._______  zu  den  Akten.  Des  Weiteren  brachte  sie  zur 
Stützung ihrer Asylvorbringen folgende Dokumente bei: Schreiben der 
Human Right Eye And Education Centre, Regional Office M._______ 
P._______ Division vom 21. und 30. Juni 2005, Schreiben der Catholic 

Seite 3

D-2658/2007

Mission  in  Cameroon,  A._______,  M._______  vom  2.  Juli  2005, 
Schreiben der National Association for the Protection of Women and 
Children, M._______ vom 18.  Juli  2005, Schreiben der Human Right 
Defence Group, M._______ vom 25. Juli  2005, zwei Haftbefehle des 
High Court von J._______ vom 25. August 2005 und 15. Oktober 2005, 
einen Affidavit of Support vom 7. November 2005 sowie ein Schreiben 
der  Anwaltskammer  des  Supreme  Court  of  Cameroon  vom 
7. November  2005,  allesamt  Bezug  nehmend  auf  die  Person 
2._______.

Anlässlich  der  Befragung  durch  die  Flughafenpolizei  wurde  der 
Beschwerdeführerin  die  Kopie  eines  kamerunischen  Reisepasses, 
lautend  auf  den  Namen  Z1._______,  geboren  am  _______, 
vorgehalten.  Gemäss  gesicherten  Erkenntnissen  sei  die 
Beschwerdeführerin  unter  Verwendung  dieses  Reisepasses  an  Bord 
des  Flugzeuges  der  B._______  gestiegen.  Die  Beschwerdeführerin 
nahm  zu  diesem  Vorhalt  keine  Stellung.  Des  Weiteren  wurde  die 
Beschwerdeführerin  mit  zwei  Fotos eines  jungen Mannes schwarzer 
Hautfarbe  konfrontiert,  welche  in  der  Bibel  der  Beschwerdeführerin 
gefunden worden waren. Die Beschwerdeführerin vertrat die Ansicht, 
dass die Polizei die beiden Fotos in ihrer Tasche gefunden habe. Auf 
die  Frage  betreffend  die  Identität  der  abgebildeten  Person  gab  die 
Beschwerdeführerin keine Antwort.

B.
Mit Verfügung vom 6. Februar 2006 bewilligte das BFM der Beschwer-
deführerin  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  wies  sie  für  das  weitere 
Verfahren dem Empfangszentrum R._______ zu. 

Am  12.  Februar  2006  gebar  die  Beschwerdeführerin  ihren  Sohn 
Z3._______.

C.
Am 22. Februar 2006 fand im Empfangszentrum R._______ die Kurz-
befragung der Beschwerdeführerin statt. Die Beschwerdeführerin ver-
wies  dabei  im Wesentlichen  auf  ihre  bisherigen  Vorbringen. Sodann 
wurde die Beschwerdeführerin zu geografischen, kulturellen und politi-
schen Gegebenheiten Kameruns befragt. Des Weiteren wurde die Be-
schwerdeführerin erneut auf die von ihr angegebene Identität, insbe-
sondere ihr Alter angesprochen und mit dem für die Reise mutmass-
lich  verwendeten  kamerunischen  Reisepass  konfrontiert.  Die  Be-

Seite 4

D-2658/2007

schwerdeführerin  bestritt,  überhaupt  mit  einem Pass gereist  zu  sein 
und verneinte die Übereinstimmung ihrer Person mit der im Reisepass 
abgebildeten Person.

D.
Am 17. März 2006 führte das vom BFM beauftragte Institut für Rechts-
medizin  der  Universität  Zürich-Irchel  (IRMZ)  eine  Altersbestimmung 
der Beschwerdeführerin durch. Das BFM erteilte der Beschwerdefüh-
rerin am 30. März 2006 zum Resultat der Untersuchung das rechtliche 
Gehör. Die Beschwerdeführerin hielt an dem von ihr geltend gemach-
ten Geburtsdatum fest.

E.
Am 31. März  2006 gewährte  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin 
erneut das rechtliche Gehör zu Fragen hinsichtlich ihrer Identität und 
den bei der Hinreise verwendeten Reisepapieren. Die Beschwerdefüh-
rerin bestritt im Wesentlichen wiederholt, je mit einem Reisepass ge-
reist  sowie mit  der Person im vorgehaltenen Reisepass identisch zu 
sein.

F.
Mit Verfügung vom 6. April 2006 trat das BFM auf das Asylgesuch ge-
stützt auf  Art. 32 Abs. 2 Bst. b  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG,  SR 142.31)  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  der  Be-
schwerdeführerin und ihres Sohnes aus der Schweiz sowie den sofor-
tigen  Vollzug  an.  Die  Geburtsurkunde  als  auch  die  weiteren  einge-
reichten  Dokumente  wurden  von der  Vorinstanz  gestützt  auf  Art. 10 
Abs. 4 AsylG eingezogen.

G.
Eine dagegen am 19. April 2006 erhobene Beschwerde hiess die da-
mals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) mit Ur-
teil  vom 15. August 2006 gut und wies das Verfahren zur materiellen 
Prüfung der Vorbringen an die Vorinstanz zurück. 

Für  den  genauen  Inhalt  des  vorstehend  genannten  Asyl-  und  Be-
schwerdeverfahrens  wird  auf  die  entsprechenden  Akten  verwiesen. 
Sofern entscheidwesentlich, wird nachfolgend im Einzelnen darauf Be-
zug genommen.

H.
Am  5.  März  2007  hörte  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  zu  ihren 

Seite 5

D-2658/2007

Asylgründen  an.  Die  Beschwerdeführerin  wiederholte  dabei  im  We-
sentlichen  ihre  bisherigen  Angaben.  Für  weitere  Ausführungen  wird 
auf das Protokoll verwiesen.

I.
Das Bundesamt stellt  mit  Verfügung vom 9. März 2007 fest,  die Be-
schwerdeführerin  und  ihr  Sohn  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht, und lehnte die Asylgesuche ab. Es begründete seinen Entscheid 
im Wesentlichen damit,  dass die Vorbringen der  Beschwerdeführerin 
den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht 
standhielten.  Ferner  verfügte  das  BFM  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz und ordnete den Vollzug an, dessen Voraussetzungen es als 
erfüllt  erachtete. Auf die Erwägungen im Einzelnen wird nachfolgend 
eingegangen. 

J.
Mit  Eingabe vom 13. April  2007 liess  die  Beschwerdeführerin  durch 
ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht gegen die vor-
instanzliche Verfügung Beschwerde erheben. Die Beschwerdeführerin 
beantragte dabei die Aufhebung der Verfügung, die Anerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  in  der  Schweiz. 
Eventualiter wurde die Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzuges sowie die Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme beantragt, subeventualiter die Rückweisung des Verfah-
rens  zwecks  neuer  Abklärungen  an  die  Vorinstanz.  In  prozessualer 
Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege sowie Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Die Nachreichung weiterer Beweismittel  sowie der Für-
sorgeabhängigkeitsbestätigung wurde in Aussicht gestellt. 

K.
Mit  Zwischenverfügung vom 19. April  2007 teilte  das Bundesverwal-
tungsgericht der Beschwerdeführerin mit,  dass sie und ihr  Sohn den 
Ausgang des Beschwerdeverfahrens in  der  Schweiz abwarten könn-
ten. Der Entscheid über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
wurde auf den Urteilszeitpunkt verwiesen und auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses  wurde  verzichtet.  Die  Beschwerdeführerin  wurde 
ferner aufgefordert, die in Aussicht gestellten Beweismittel innert Frist 
einzureichen. 

Seite 6

D-2658/2007

Gleichentags  ging  die  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  der 
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht ein.

L.
Mit Vernehmlassung vom 23. April 2007 beantragte das BFM die Ab-
weisung  der  Beschwerde.  Die  Beschwerdeführerin  hielt  ihrerseits  in 
der Replik vom 10. Mai 2007 vollumfänglich an ihren Anträgen fest.

M.
Am 23. Mai 2007 sowie am 26. Juli 2007 übermittelte die Beschwerde-
führerin die in Aussicht gestellten Beweismittel im Original zu den Ak-
ten. Die Beschwerdeführerin legte dabei ein Schreiben ihres Anwalts 
L._______  vom  13.  April  2007  sowie  eine  Bestätigung  der  katholi-
schen  Primarschule  A._______,  M._______  vom  3.  Mai  2007  ins 
Recht.

N.
Am  19.  Februar  2007  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht  die 
Schweizerische  Botschaft  in  Yaoundé,  Kamerun,  um  Abklärung  der 
von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Identität  sowie  der 
vorgebrachten Verfolgungsvorbringen. 

Die Botschaftsantwort traf am 30. Juni 2008 beim Bundesverwaltungs-
gericht ein.

O.
Mit Schreiben vom 3. Juli  2008 gewährte das Bundesverwaltungsge-
richt der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu den botschaftli-
chen Abklärungsergebnissen. Die Beschwerdeführer nahmen dazu in 
ihrer Eingabe vom 17. Juli 2008 Stellung. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 

Seite 7

D-2658/2007

nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführer  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise  Änderung.  Die  Beschwerdeführer  sind  daher  zur  Einreichung 
der Beschwerde legitimiert  (Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 
Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.  

Seite 8

D-2658/2007

4.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres ablehnenden Entschei-
des im Wesentlichen aus, die von der Beschwerdeführerin vorgebrach-
te Aussage, ohne Reisepass von C._______ bis in die Schweiz geflo-
gen zu sein, sei mit Sicherheit unzutreffend. So sei es der Fluggesell-
schaft B._______ gelungen, die Flugbuchung der Beschwerdeführerin 
zu eruieren und den von der  Beschwerdeführerin  mitgeführten Pass 
ausfindig zu machen. Es könne davon ausgegangen werden, dass es 
sich bei der im Pass abgebildeten Person namens Z1._______, gebo-
ren am _______, um die Beschwerdeführerin handle. Obwohl die Be-
schwerdeführerin  dies  bestreite  und  sich  dabei  auf  die  eingereichte 
Geburtsurkunde  berufe,  welche  auf  den  Namen Z2._______  ausge-
stellt sei, vermöge sie die Vorbehalte des BFM zu den tatsachen- und 
erfahrungswidrigen Vorbringen nicht zu entkräften. Sogar die damalige 
ARK habe  in  ihrem Urteil  vom 15. August  2006  angesichts  der  un-
glaubhaften und konstruierten Ausführungen der Beschwerdeführerin 
über  die  Ausreise  und  das Fehlen jeglicher  Reisedokumente  grund-
sätzliche Zweifel an der geltend gemachten Identität angebracht. Da-
mit seien aber die Angaben der Beschwerdeführerin zur angeblichen 
Minderjährigkeit nicht glaubhaft. Gemäss Passeintrag sowie aufgrund 
ihres Aussehens, ihres Verhaltens und gestützt auf das Gutachten des 
IRMZ  sei  die  Beschwerdeführerin  volljährig.  Die  damalige  ARK  sei 
ebenfalls  von  der  Tatsachenwidrigkeit  der  Altersangaben  ausgegan-
gen, auch wenn die Täuschung in der von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG 
verlangten Weise nicht habe nachgewiesen werden können. Den An-
gaben der Beschwerdeführerin zu ihrer Person könne demnach insge-
samt nicht geglaubt werden. Im Weiteren reiche die Beschwerdeführe-
rin zur Untermauerung ihrer Vorbringen zahlreiche zwischen Juni und 
November 2005 ausgestellte Beweismittel ein. Es sei indessen allge-
mein bekannt, dass im Heimatsaat der Beschwerdeführerin Dokumen-
te dieser Art ohne Weiteres unrechtmässig erworben werden könnten, 
weshalb ihr Beweiswert als äusserst gering einzustufen sei. Aufgrund 
ihres Erscheinungsbildes (Fotos, Darstellung,  Inhalt)  würden die bei-
gebrachten Schriftstücke den Eindruck erwecken, dass sie allesamt in 
der gleichen Werkstatt hergestellt worden seien. Zudem bezögen sich 
alle Dokumente auf die Person Z2._______, bei welcher es sich, wie 
dargelegt,  nicht  um  die  Beschwerdeführerin  handle.  Auch  die  ARK 
habe die Zweifel des BFM am Wahrheitsgehalt der Vorbringen und der 
von der Beschwerdeführerin eingereichten Beweismittel geteilt. Diese 
blieben demnach weiterhin gemäss Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen.

Schliesslich seien die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer Ver-

Seite 9

D-2658/2007

gewaltigung  und  zur  Flucht  innerhalb  Kameruns  nicht  glaubhaft.  So 
bringe  die  Beschwerdeführerin  vor,  Ende  Mai  2005  zum Palast  des 
Chiefs verschleppt worden zu sein, da man sie habe beschneiden wol-
len.  Die  Beschneidung  sei  jedoch  nie  vorgenommen  und  die  Be-
schwerdeführerin stattdessen am Sonntag oder Montag, dem 31. Mai 
beziehungsweise 1. Juni 2005 vergewaltigt worden. Diese Zeitangaben 
würden nicht den Tatsachen entsprechen, zumal es sich bei den be-
sagten Daten um einen Dienstag und Mittwoch gehandelt habe. Ferner 
habe  die  Beschwerdeführerin  zum  Geschehen  unmittelbar  nach  der 
Vergewaltigung unterschiedliche Angaben gemacht und nicht darzule-
gen vermocht,  weshalb sie von Stadt zu Stadt habe fliehen müssen. 
Gegen sie habe nichts vorgelegen und es sei nicht davon auszugehen, 
dass  die  Polizei  die  Beschwerdeführerin  landesweit  zur  Verhaftung 
ausgeschrieben  habe,  weil  sie  Opfer  einer  Vergewaltigung  gewesen 
sei  und der  Vergewaltiger  sie  angezeigt  habe. Darüber  hinaus habe 
der Beschwerdeführerin ein Anwalt zur Seite gestanden, der sie unter-
stützt und überallhin begleitet habe. Sodann soll die Beschwerdeführe-
rin  sich  eine gewisse Zeit  in  J._______ aufgehalten  haben,  in  einer 
Stadt, in der sie früher noch nie gewesen sein will. Gemäss Passein-
trag sei J._______ aber der Wohnort der Beschwerdeführerin.

4.2 In der Beschwerde wird zunächst auf gewisse formelle Mängel des 
Verfahrens  hingewiesen  und  das  Bundesverwaltungsgericht  ersucht, 
zu prüfen, ob eine Rückweisung des gesamten Verfahrens an die Vor-
instanz  angezeigt  sei. So sei  die Beschwerdeführerin  am 4. Februar 
2006,  mitunter  nur  acht  Tage vor  der  Niederkunft  angehört  worden, 
dies obwohl bekannt sei, welchen emotionalen Schwankungen bezie-
hungsweise hormonell bedingten Gedächtnisbeeinträchtigungen Frau-
en in einer solchen Lage ausgesetzt seien. Sodann sei die Beschwer-
deführerin nur zehn Tage nach der Geburt  ihres Sohnes an der Em-
pfangsstelle  angehört  worden,  was befremdlich anmute. Es sei  nicht 
auszuschliessen, dass die körperliche und emotionale Belastung, wel-
che eine Geburt nach sich ziehen würde, die Konzentrations- und Ge-
dächtnisfähigkeit  der  Beschwerdeführerin  beeinträchtigt  habe. Die  in 
der Befragung vom 5. März 2007 der Beschwerdeführerin vorgehalte-
nen vermeintlichen Widersprüche zu ihrer vorherigen Befragung könn-
ten damit  auf  hormonell  bedingte  Vergesslichkeit  und Ungenauigkeit 
zurückzuführen sein. Im Weiteren sei das Protokoll zur Befragung vom 
5. März 2007 nicht  im Aktenverzeichnis  aufgeführt  gewesen und sei 
der Beschwerdeführerin  mit  den Akten auch nicht  zugestellt  worden. 

Seite 10

D-2658/2007

Erst  nach  telefonischer  Intervention  der  Rechtsvertreterin  habe  das 
BFM  das  Protokoll  geschickt.  Diesem  sei  zu  entnehmen,  dass  die 
Anhörung  vom  5.  März  2007  von  einer  männlichen  Person 
durchgeführt  worden sei,  wobei  man für  den frauenspezifischen Teil 
eine weibliche Befragerin beigezogen habe. Dieses Vorgehen des BFM 
sei  jedoch  nicht  nachvollziehbar,  zumal  aus  den  Vorakten  bekannt 
gewesen  sei,  dass  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin 
allesamt  frauenspezifisch  gewesen  seien.  Die  ganze  Anhörung  von 
einer  Frau durchführen zu lassen,  wäre daher  angebracht  gewesen, 
zumal  der  Wechsel  der  Befragerperson  die  Beschwerdeführerin 
verwirrt habe. 

Hinsichtlich  der  vorinstanzlichen  Qualifikation  zur  fehlenden 
Glaubhaftigkeit  wird  sodann  entgegnet,  dass  das  BFM  mit  seinen 
Ausführungen im Wesentlichen falsch liege. So vermöge zunächst die 
Farbkopie des kamerunischen Reisepasses lautend auf  Z1._______, 
geboren  am  _______,  zur  Klärung  der  Identität  der 
Beschwerdeführerin  wenig  beizutragen,  wie  dies  im  Urteil  der  ARK 
vom  15.  August  2006  bereits  festgehalten  worden  sei.  Ungeachtet 
dessen ginge die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid davon aus, 
dass es sich bei der Beschwerdeführerin um die Passinhaberin handle. 
In  diesem  Zusammenhang  werde  aber  nicht  bestritten,  dass  die 
Beschwerdeführerin  allenfalls  mit  dem  von  der  B._______  ausfindig 
gemachten Pass in  C.________ eingecheckt  habe,  zumal  -  wie  aus 
den  Akten  hervorginge  -  der  Anwalt  L._______  für  die 
Beschwerdeführerin die Organisation der Ausreise übernommen habe. 
Nähere  Auskünfte  dazu  könne  somit  nur  der  Anwalt  selbst  erteilen, 
welcher  diesbezüglich  kontaktiert  worden  sei.  Gleichzeitig  sei  eine 
Anfrage  bei  der  katholischen  Primarschule  in  A._______  deponiert 
worden,  welche  darüber  Aufschluss  geben  könne,  ob  die 
Beschwerdeführerin  in  A._______  aufgewachsen  sei  und  dort  die 
Primarschule  besucht  habe.  Der  gesamte  Entscheid  der  Vorinstanz 
beruhe somit auf falschen Feststellungen, weshalb auch hier zu prüfen 
sei,  ob  das  Verfahren  nicht  an  das  BFM  zurückgewiesen  werden 
müsse. In demselben Sinne seien die Ausführungen der Vorinstanz zur 
Altersangabe  der  Beschwerdeführerin  unzutreffend,  zumal  die 
Beschwerdeführerin  -  wie  im  Urteil  der  ARK  vom  15.  August  2006 
festgestellt - nicht nachweislich die Person Z1._______ sei. Betreffend 
die eingereichten Beweismittel stelle die Vorinstanz sodann fest, diese 
beträfen eine andere Person und bringe pauschal vor, es handle sich 
um unrechtmässig  erworbene  Dokumente.  Ihr  Beweiswert  sei  daher 

Seite 11

D-2658/2007

gering. Damit umgehe die Vorinstanz eine Auseinandersetzung mit den 
beigebrachten Beweismitteln und den Asylvorbringen der Beschwerde-
führerin. Auch an dieser  Stelle  verletze die  Vorinstanz  den Untersu-
chungsgrundsatz, weshalb sich auch in diesem Punkt die Prüfung der 
Rückweisung zur Neubeurteilung aufdränge. Hinsichtlich der Vergewal-
tigung der  Beschwerdeführerin  durch den Chief  O._______seien die 
Vorbringen durch die Vorinstanz zu schnell als nicht glaubhaft abgetan 
worden. Die Verhaltensweise und das Verhaltensmuster der Beschwer-
deführerin  anlässlich  der  Befragungen  entsprächen  jedoch  explizit 
demjenigen von sexuell verfolgten Flüchtlingen und ihre Mühe über die 
erlittene sexuelle Gewalt zu sprechen sei verständlich. Die Vorinstanz 
ihrerseits halte der Beschwerdeführerin Widersprüche in den Wochen-
tagen  vor,  welche  gemäss  Rechtsprechung  mangels  Wesentlichkeit 
nicht geeignet seien, die Glaubwürdigkeit der Beschwerdeführerin zu 
zerstören. Auch dem Umstand der  Schwangerschaft  und der  Geburt 
eines Kindes als Folge der Vergewaltigung habe die Vorinstanz keine 
Rechnung getragen und eine Befragung dazu habe nicht  stattgefun-
den. Betreffend das Geschehen unmittelbar nach der Vergewaltigung 
verkenne das BFM ebenfalls den emotionalen Zustand der Beschwer-
deführerin  und die  Feststellungen  der  Vorinstanz  wiesen darauf  hin, 
dass sie der frauenspezifischen Dimension des Erlebten nicht genü-
gend Rechnung getragen habe. Gestützt auf die vorstehenden Ausfüh-
rungen sei somit von der überwiegenden Glaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen  der  Beschwerdeführerin  auszugehen.  Im  Weiteren  sei  die  Be-
schwerdeführerin in ihrem Heimatland der Gefahr der Frauenbeschnei-
dung sowie der Zwangsverheiratung ausgesetzt, weshalb ihr ernsthaf-
te Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Die Weigerung 
der  Beschwerdeführerin  sich den Traditionen ihres  Landes anzupas-
sen, sich beschneiden und verheiraten zu lassen, repräsentiere zudem 
eine Überzeugung, welche die politische Motivation der Verfolgung be-
gründe. Darüber hinaus sei die erlittene Vergewaltigung sowie die dro-
hende Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung zumindest mit-
telbar dem kamerunischen Staat anzurechnen. Schliesslich bestünde 
keine  innerstaatliche  Fluchtalternative,  zumal  der  Chief  beziehungs-
weise seine Gefolgsleute die Beschwerdeführerin auf dem ganzen Ge-
biet Kameruns aufgreifen könnten und Schutzwilligkeit der staatlichen 
Behörden nicht bestehe.

4.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz an ihrem abweisenden 
Entscheid fest, mit der Begründung, eine Änderung ihres Standpunk-
tes könne die Beschwerdeschrift  nicht rechtfertigen, zumal darin we-

Seite 12

D-2658/2007

der  neue erhebliche  Tatsachen noch  Beweismittel  angeführt  worden 
seien. Die Beschwerdeführerin verweise in ihrer Beschwerdeschrift auf 
die Ausführungen der ARK im Urteil vom 15. August 2006, worin fest-
gestellt worden sei, dass die Fotos in den Passkopien nicht eindeutig 
den Fotos aus dem Asylverfahren zugeordnet werden könnten, unter-
schlage jedoch  weitere  Erwägungen  der  ARK,  welche die  Einschät-
zung der Vorinstanz zur fehlenden Glaubwürdigkeit  der Beschwerde-
führerin und dem mangelnden Wahrheitsgehalt der Verfolgungsvorbrin-
gen sowie der beigebrachten Beweismittel bestätigen würden. Gestützt 
darauf  könne  die  von  der  Beschwerdeführerin  angegebene  Identität 
Z2._______ nicht  geglaubt  werden, woran die ausweichenden Erklä-
rungsversuche der Beschwerdeführerin ebenfalls nichts zu ändern ver-
möchten. Trotz Zweifel an der Identität der Beschwerdeführerin müss-
ten ihre Vorbringen jedoch materiell geprüft werden, was das BFM ge-
tan habe. Diesbezüglich sei das BFM zum Schluss gelangt, dass den 
widersprüchlichen,  realitätsfremden-  und  tatsachenwidrigen  Ausfüh-
rungen  der  Beschwerdeführerin  nicht  geglaubt  werden  könne. Dem-
nach sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit dem auf 
ihren Namen ausgestellen Pass legal in die Schweiz gereist sei.

4.4 In  ihrer  Replik  bringt  die  Beschwerdeführerin  diesbezüglich  vor, 
die Annahme der Vorinstanz - sie sei Z1._______ - sei nach wie vor 
falsch. Die  Möglichkeit  einer  eindeutigen  Zuordnung  der  Fotografien 
auf  den  Passkopien  zu  den  Fotografien  im  Asylverfahren  habe  die 
ARK im Urteil vom 15. August 2006 verworfen, weshalb es erstaune, 
dass sich das BFM über diese Feststellung hinwegsetze und weiterhin 
darauf abstütze, dass sie besagte Z1._______ sei. Darüber hinaus sei-
en  die  Ausführungen  in  ihrer  Beschwerdeschrift  nicht  -  wie  von der 
Vorinstanz suggeriert - reine „Erklärungsversuche“, zumal nicht bestrit-
ten werde, dass sie mit dem von der B._______ ausfindig gemachten 
Pass in  C._______ eingecheckt  habe. Allerdings bedeute dies nicht, 
dass der Pass auf ihren Namen ausgestellt worden sei, zumal der An-
walt, welche ihr bei der Ausreise geholfen auch den besagten Pass für 
sie besorgt habe. 

5.
Vorab ist auf das von der Beschwerdeführerin gestellte Begehren um 
Rückweisung  der  angefochtenen  Verfügung  aufgrund  „gewisser 
formeller  Verfahrensmängel“  (vgl.  dazu  vorstehende  Erwägung  4.2) 
einzugehen. 

Seite 13

D-2658/2007

5.1 Diesbezüglich ist festzustellen, dass den vorliegenden Akten kei-
nerlei  Hinweise zu entnehmen sind,  wonach die Beschwerdeführerin 
an  den  Anhörungen  vor  beziehungsweise  nach  der  Niederkunft  aus 
gesundheitlichen  Gründen  nicht  hätte  teilnehmen  können.  Ärztliche 
Schreiben, welche der Beschwerdeführerin eine allenfalls auch nur be-
grenzte  Konzentrationsfähigkeit  attestieren  würden,  liegen  nicht  vor 
und aus dem protokollierten Verfahrensablauf der beiden Anhörungen 
vom 4. und  22.  Februar  2004  geht  ebenfalls  nichts  hervor,  was  auf 
eine gesundheitsbedingte Einschränkung an der regulären Teilnahme 
der  Beschwerdeführerin  an  den  besagten  Einvernahmen  schliessen 
lassen könnte. In diesem Sinne hatte auch die der Beschwerdeführerin 
beigeordnete Vertrauensperson des Amtes für Jugend und Berufsbera-
tung anlässlich der Anhörung durch die Flughafenpolizei keine Bemer-
kungen anzubringen und die Beschwerdeführerin selbst hat zum da-
maligen Zeitpunkt mit Bezug auf ihren gesundheitlichen Zustand rund 
um  die  Schwangerschaft  das  Vorliegen  von  Gedächtnisschwächen 
oder Konzentrationsproblemen nie geltend gemacht.

5.2 Die Beschwerdeführerin rügt  ferner,  das Protokoll  zur  Befragung 
vom 5. März 2007 sei im Aktenverzeichnis nicht  aufgeführt  gewesen 
und ihr erst auf Intervention ihrer Rechtsvertreterin hin zugestellt wor-
den. Angesichts der Tatsache, dass die Vorinstanz der Beschwerdefüh-
rerin  -  abgesehen  vom  fraglichen  Befragungsprotokoll  -  in  die  ent-
scheidrelevanten  Akten  Einsicht  gewährt  und  das  Protokoll  vom 
5. März 2007 auf Nachfragen hin umgehend zugestellt hat, dürfte da-
von auszugehen sein, dass es sich bei der Unterlassenen Zusendung 
des Protokolls vom 5. März 2007 um ein Versehen seitens des BFM 
handelte. Das besagte Aktenstück hat die Beschwerdeführerin jedoch 
offensichtlich innert laufender Rechtsmittelfrist erhalten, so dass sie ihr 
Recht auf rechtgenügliche Beschwerdeerhebung ohne Weiteres wahr-
nehmen konnte. Der Beschwerdeführerin sind aus der separaten Zu-
sendung des Befragungsprotokolls  vom 5. März 2007 somit  keinerlei 
Nachteile entstanden.

5.3 Die  Beschwerdeführerin  rügt  schliesslich  den  Umstand,  wonach 
anlässlich der Anhörung vom 5. März 2007 ein Wechsel der Befrager-
person  stattgefunden  habe. Der  frauenspezifische  Teil  sei  von einer 
Befragerin durchgeführt worden, der Rest von einem männlichen Be-
frager. Allerdings seien alle ihre Vorbringen frauenspezifisch gewesen, 
weshalb  die  ganze  Anhörung  von  einer  weiblichen  Befragerin  hätte 
durchgeführt  werden müssen. Darüber hinaus habe sie der  Wechsel 

Seite 14

D-2658/2007

der Befragerperson verwirrt. Diesbezüglich ist aufgrund des protokol-
lierten  Befragungsablaufs  vom 5. März  2007  festzustellen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  in  Einhaltung  der   gesetzlichen  (Art.  17  Abs.  2 
AsylG  i.v.m. Art.  6  der  Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über 
Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]) und  verfahrensrechtlicher 
Vorschriften hinsichtlich ihrer  geschlechtsspezifischen Verfolgungsvor-
bringen von einer Person gleichen Geschlechts befragt wurde. Die Be-
fragung durch die männliche Befragerperson beschränkte sich gemäss 
Protokoll auf die Personalienaufnahme (vgl. Akte A76/14 S. 1 f.) sowie 
auf Fragen zu den Flucht- und Ausreiseumständen (vgl. a.a.O. S. 9 ff.), 
was aufgrund des allgemeinen Charakters dieser Fragen ohne Verlet-
zung gesetzlicher  Vorschriften  von einer  männlichen Befragerperson 
ausgeführt werden konnte. Dass der Wechsel der Befragerperson bei 
der Beschwerdeführerin zu einer den normalen Verfahrensablauf be-
einträchtigenden Verwirrung geführt habe, findet in den Akten keinerlei 
Stützte und selbst die anwesende Hilfswerkvertreterin hat diesbezüg-
lich keine Bemerkungen angebracht. 

Der Antrag auf Rückweisung der Akten an die Vorinstanz ist demnach 
abzuweisen.

6.
Im Folgenden gilt es somit zu klären, ob die Vorinstanz die Flüchtlings-
eigenschaft der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes zu Recht abge-
lehnt und deren Asylgesuche abgewiesen hat. 

6.1 In  ihrer  Beschwerdeeingabe hält  die  Beschwerdeführerin  an der 
Identität Z2._______ weiterhin fest und beteuert erneut die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Asylvorbringen. Das Bundesverwaltungsgericht hat vor die-
sem Hintergrund gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin die 
Schweizer Botschaft in Yaoundé um Vornahme diskreter Abklärungen 
gebeten, welche zu nachstehenden Resultaten geführt haben:

Gemäss  Auskunft  eines  2001  pensionierten  Staatsbeamten  A.W. in 
A._______ konnte dieser die Beschwerdeführerin anhand einer Foto-
grafie  nicht  erkennen  und  die  beiden  Namen  Z2._______  und 
Z1._______ waren ihm nicht bekannt. Auch der Mutter von A.W., wel-
che ihr ganzes Leben in A._______ verbracht hatte und alle Einwoh-
ner  kennt,  war  die Beschwerdeführerin  unbekannt. Nachforschungen 
auf dem Gemeindeamt von A._______ haben ergeben, dass der Fami-
lienname Z2._______ dort verzeichnet ist. Diesbezüglich konnte in Er-

Seite 15

D-2658/2007

fahrung gebracht  werden,  dass  der  Chef  von A._______ S._______ 
war, welcher 2006 verstorben ist. Bei seinem Tod hat er zwei Witwen 
hinterlassen,  von welchen eine zwischenzeitlich ebenfalls  verstorben 
ist. Gemäss Auskunft des Bruders des verstorbenen Dorfchefs existiert 
die  Person  O._______,  auf  welche  sich  die  Beschwerdeführerin  be-
zieht,  tatsächlich. O._______ ist  jedoch Dorfchef  von T._______ und 
nicht von A._______. Die Anzahl seiner Ehefrauen ist  nicht bekannt. 
Der Name Z2._______ beziehungsweise die weiteren Namen der Be-
schwerdeführerin waren nicht bekannt und andere Namen mit den An-
fangsbuchstaben  _______  nicht  existent.  Nachfragen  im  Hause  von 
F._______,  der  angeblichen  Mutter  der  Beschwerdeführerin  und  tat-
sächlichen  Ehefrau  von  D.B.,  haben  ergeben,  dass  weder  die  Be-
schwerdeführerin noch die von ihr angeführten Namen Z2._______der 
Familie _______ bekannt waren.

Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin war sodann im 
Anwaltsregister  der  in  Kamerun  verzeichneten  Anwälte  der  Name 
L._______ nicht aufgeführt und ein Anwalt mit besagtem Namen exi-
stiert  nicht. Gemäss Auskunft des Präsidenten der Generalversamm-
lung der Anwälte in J._______, A.A., war diesem ein Rechtsanwalt Na-
mens  L._______  nicht  bekannt.  L._______  praktiziert  weder  in 
J._______ noch in M._______ und die Anwaltskanzlei „_______“ exi-
stiert nicht. Darüber hinaus gehört die Anschrift „_______“, welche auf 
den Schreiben von L._______ aufgeführt wird, zur Anwaltskanzlei des 
Präsidenten der Generalversammlung, der seit  über 22 Jahren unter 
dieser Adresse praktiziert. Die Telefonnummer „_______“, welche auf 
dem Schreiben von „_______“ figuriert, entspricht der Nummer der ka-
tholischen Kirche in A._______.

Das  Schreiben  der  katholischen  Kirche,  adressiert  an  Rechtsanwalt 
L._______,  war  gefälscht,  zumal  weder  in  A._______  noch  in 
M._______ eine Révérend U._______ bekannt ist. Der Präsident der 
Katechetenvereinigung  des  Pfarrbezirks  und  der  Diözese  von 
M._______, T.E.O., kannte Révérend U._______ nicht.

Keine der von der Beschwerdeführerin angegebenen NGO's hat ihren 
Sitz oder ihre Vertretung in M._______.

Die  beeidigten  Erklärungen sowie  die  beiden Haftbefehle  waren ge-
fälscht, zumal L._______ nicht Rechtsanwalt ist und gemäss Auskunft 
der  Kanzlei  des  Tribunal  de  Première  Instance  in  J._______  der 

Seite 16

D-2658/2007

Magistrat V._______ im Jahre 2005 bereits im Dienste des Präsiden-
ten der Republik beschäftigt war und nie am Tribunal de Première In-
stance in M._______ gearbeitet hat.

Die  Authentizität  des  Schreibens  der  katholischen  Schule  in 
A._______  konnte  durch  den  Direktor  der  Schule  bestätigt  werden. 
Hingegen war dem Direktor die Beschwerdeführerin anhand einer Fo-
tografie  nicht  bekannt  und  an  die  Ausstellung  des  Schreibens  vom 
3. Mai 2007 konnte sich der Direktor nicht erinnern.

Die  Authentizität  der  eingereichten Geburtsurkunde  konnte  aufgrund 
örtlich bedingter Schwierigkeiten nicht überprüft werden.

6.2 Aufgrund vorstehender Ergebnisse steht somit fest, dass die Be-
schwerdeführerin nicht Z2._______ ist und den von ihr eingereichten 
Beweismitteln, welche sich allesamt auf die Person Z2._______ bezie-
hen, keinerlei Beweiswert zukommt. An dieser Einschätzung vermögen 
die Ausführungen der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 
17. Juli  2008 nichts  zu ändern. Gestützt  auf  die Abklärungsresultate 
der  Schweizer  Botschaft  gilt  als  erstellt,  dass  die  Anwaltskanzlei 
„_______“ nicht existiert und ein Rechtsanwalt namens L._______ we-
der in besagter Kanzlei praktiziert noch im Anwaltregister verzeichnet 
ist. Die von der Kanzlei „_______“ oder von L._______ ausgestellten 
Beweismittel  sind  gefälscht.  Sodann  ist  auf  dem  Gemeindeamt  von 
A._______  der  Familienname Z2._______ wohl  verzeichnet,  der  an-
geblichen Mutter der Beschwerdeführerin, F._______, sowie der restli-
chen  Familie  _______  ist  die  Beschwerdeführerin  jedoch  nicht  be-
kannt.  Entgegen  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin  leben  keine 
weiteren Personen unter dem Name F._______ in A._______. Die von 
der  Beschwerdeführerin  eingereichte  Geburtsurkunde,  welche  zwar 
auf ihre Authentizität hin nicht überprüft werden konnte, ist demzufolge 
ebenfalls gefälscht, zumal darin F._______ aus A._______ als leibliche 
Mutter  der  Beschwerdeführerin  aufgeführt  wird,  was  sich  als  offen-
sichtlich tatsachenwidrig erwiesen hat. Vertretungen der von der Be-
schwerdeführerin  angeblich  aufgesuchten  NGO's  existieren  in 
M._______ keine und das Schreiben des Schuldirektors ist der Person 
der Beschwerdeführerin nicht zuzuordnen. 

6.3 Angesichts  dieser  Erkenntnisse  können  der  Beschwerdeführerin 
deren  Angaben  zur  Identität  als  Z2._______,  geboren  am  _______ 
aus A._______ nicht geglaubt werden. Damit entbehren auch die wei-

Seite 17

D-2658/2007

teren  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin,  welche  sich  allesamt 
auf  erfolgte  Verfolgungshandlungen  gegenüber  der  Person 
Z2._______ beziehen, jeglicher Grundlage. Der von der Beschwerde-
führerin geltend gemachte Sachverhalt erweist sich als konstruiert und 
tatsachenwidrig.  Auf  eine  Auseinandersetzung  mit  den  diesbezügli-
chen Argumenten der Beschwerdeführerin in der Rechtsmitteleingabe 
kann  vor  diesem Hintergrund  somit  verzichtet  werden.  Es  ist  davon 
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin aus anderen Gründen, als 
den von ihr angegebenen, ihr Heimatland verlassen hat. 

6.4 Zur Frage der tatsächlichen Identität der Beschwerdeführerin dürf-
te - wenn auch weiterhin nicht zweifelsfrei - gestützt auf die Akten und 
die  Abklärungsresultate  der  Schweizer  Botschaft  mit  grosser  Wahr-
scheinlichkeit davon auszugehen sein, dass es sich bei der Beschwer-
deführerin um Z1._______, geboren am _______ aus J._______ han-
delt und die Beschwerdeführerin unter Verwendung ihres eigenen Rei-
sepasses  das  Heimatland  legal  verlassen  hat.  Diese  Annahme wird 
insbesondere dadurch gestützt, dass die von der Beschwerdeführerin 
vorgebrachten  Angaben  zu  den  Ausreiseumständen  angesichts  der 
strengen Ausreisekontrollen an internationalen Flughäfen bei Interkon-
tinentalflügen nicht der Realität entsprechen können und - wie bereits 
dargelegt - der von der Beschwerdeführerin angeführte Rechtsanwalt 
L._______, welcher die Beschwerdeführerin  ohne jegliche Kontrollen 
über das Rollfeld ins Flugzeug beleitet haben (vgl. Akte A8/36, S. 9) 
beziehungsweise in einer neuen Version der Ausreisemodalitäten unter 
Verwendung des ausfindig gemachten Passes die Beschwerdeführerin 
in  C._______ auf  den Flug nach D._______ eingecheckt  haben  soll 
(vgl.  Beschwerdeschrift  S.  6,  respektive  Replik  S.  2),  nachweislich 
nicht existiert.

6.5 Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  die 
Beschwerdeführerin keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder 
glaubhaft machen konnte. Es erübrigt sich demnach, auf die weiteren 
Ausführungen in der Beschwerde sowie auf weitere Unterlagen näher 
einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  Die  Be-
schwerdeführerin  und  ihr  Sohn  erfüllen  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht und die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt.

7.

7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 

Seite 18

D-2658/2007

ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

8.

8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 

Seite 19

D-2658/2007

schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen ist,  eine  asylrechtlich  er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen, kann 
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes in den Hei-
matstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-
rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihr Sohn und sie für 
den Fall einer Ausschaffung in den  Heimatstaat dort  mit beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis des Euro-
päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des 
UN-Anti-Folterausschusses müssten die Beschwerdeführer eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ih-
nen im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behand-
lung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hin-
weisen; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 
2001, Recueil  des arrêts et décisions 2001-I,  S. 327 ff.). Das ist  der 
Beschwerdeführerin  gemäss  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelun-
gen. Auch die  allgemeine Menschenrechtssituation  in Kamerun lässt 
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als 
unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Be-
stimmungen zulässig.

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  -  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG  -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

Die allgemeine Lage in  Kamerun lässt  den Vollzug der  Wegweisung 
dorthin nicht als generell unzumutbar erscheinen. Gestützt auf die vor-
stehenden Erwägungen zum Asylpunkt ist die geltend gemachte Ver-
folgung sodann als unglaubhaft  zu erachten,  weshalb in  diesem Zu-

Seite 20

D-2658/2007

sammenhang nicht von einer konkreten Gefahr der Beschwerdeführe-
rin und ihres Sohnes auszugehen ist. Es sind ferner auch keine indivi-
duellen Gründe ersichtlich, welche einem Wegweisungsvollzug entge-
genstehen könnten. Bei  der  Beschwerdeführerin  handelt  es  sich um 
eine junge,  aktenkundig gesunde Frau mit  einem 2½-jährigen Sohn, 
welche gemäss eigenen Angaben mindestens während sieben Jahren 
die Schule besucht hat und deren Mutter sowie drei weitere Geschwis-
ter im Heimatland wohnhaft  sind. Zumal die Beschwerdeführerin hin-
sichtlich ihrer  Identität  und Herkunft  offensichtlich unwahre Angaben 
vorgetragen hat, kann davon ausgegangen, dass die Beschwerdefüh-
rerin  in  ihrem  Heimatstaat  über  ein  soziales  und  familiäres  Bezie-
hungsnetz verfügt, auf dessen Unterstützung sie nach ihrer Rückkehr 
zurückgreifen kann. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der 
Wegweisung auch als zumutbar. 

8.5 Schliesslich  obliegt  es  den Beschwerdeführern,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

11.
Da sich das Verfahren im Nachhinein als unbegründet herausgestellt 
hat, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
nach Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Unter diesen Umständen und 
weil  die  Beschwerdeführer  infolge  ihrer  zahlreichen  Falschangaben 
eine finanziell aufwändige Überprüfung vor Ort bewirkt haben, sind ih-
nen die Kosten des Beschwerdeverfahrens in der Höhe von Fr. 600.--
und diejenigen der  Abklärungen vor Ort  von Fr. 993.--  aufzuerlegen. 
Die  Beschwerdeführer  haben  somit  insgesamt  die  Kosten  von 

Seite 21

D-2658/2007

Fr. 1'593.-- zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1-3 des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 22

D-2658/2007

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 

3.
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- und die Kosten der Abklärungen 
vor Ort in der Höhe von Fr. 993.-- werden den Beschwerdeführern auf-
erlegt.  Die  Beschwerdeführer  haben  somit  insgesamt  Kosten  in  der 
Höhe von Fr. 1'593.-- zu entrichten. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen 
ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N _______ (Kopie)

- ________ (Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Katarina Umegbolu

Versand: 

Seite 23