# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bb65234-b706-5adc-81ac-634d3433fb92
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.06.2008 C-1731/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-1731-2007_2008-06-06.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-1731/2007/mes
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  J u n i  2 0 0 8

Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), 
Richterin Elena Avenati-Carpani, 
Richterin Franziska Schneider, 
Gerichtsschreiberin Ingrid Künzli.

B._______,
vertreten durch Herr Rechtsanwalt André M. Brunner,
Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 
1211 Genf 2,
Vorinstanz.

Invalidenversicherung, Verfügungen vom 1. Februar 2007 
und 30. August 2007.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-1731/2007

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer am 5. März 2007 die Verfügung der  Eid-
genössischen  Invalidenversicherung,  IV-Stelle  für  Versicherte  im 
Ausland  (IVSTA),  vom  1.  Februar  2007  betreffend  IV-Renten beim 
Bundesverwaltungsgericht angefochten hat,

dass  das  diesbezügliche  Beschwerdeverfahren  (C-1731/2007)  mit 
Verfügung vom 20. April 2007 bis zum Entscheid der IVSTA über ein 
noch  hängiges  Gesuch  betreffend  berufliche  Massnahmen  sistiert 
worden ist,

dass  die  IVSTA mit  Verfügung vom 30. August  2007 das Leistungs-
gesuch  des  Beschwerdeführers  betreffend  berufliche  Massnahmen 
abgewiesen hat,

dass daher das Beschwerdeverfahren C-1731/2007 am 13. September 
2007 wieder aufgenommen worden ist,

dass der Beschwerdeführer am 1. Oktober 2007 auch die Verfügung 
vom 30. August 2007 beim Bundesverwaltungsgericht angefochten hat 
(Beschwerdeverfahren C-6590/2007),

dass  die  Beschwerdeverfahren  C-1731/2007  und   C-6590/2007  mit 
Verfügung  vom 19. Dezember  2007  vereinigt  worden  sind  und  dem 
Beschwerdeführer  antragsgemäss  für  beide  Verfahren  die  unent-
geltliche  Rechtspflege  unter  Beiordnung  des  beauftragten  Anwalts 
gewährt worden ist,

dass im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  das neue,  am 
1. Januar 2007 in Kraft getretene Verfahrensrecht anwendbar ist (vgl. 
Art.  53  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2006  über  das 
Bundesverwaltungsgericht [VGG], SR 173.32),

dass das Gericht gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung von Beschwer-
den gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 und 34 VGG 
zuständig ist, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt,

dass die  IVSTA  als Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG zu gelten 
hat,  und  vorliegend  keine  Ausnahme  von  der  Zuständigkeit  aus-
zumachen ist (vgl. auch Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 
19. Juni  1959  über  die  Invalidenversicherung  [IVG,  SR 831.20]),  so 

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dass  das  Gericht  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerden 
zuständig ist,

dass  der  Beschwerdeführer  ohne  Zweifel  zur  Beschwerdeführung 
legitimiert ist, so dass auf die frist- und formgerecht eingereichten Be-
schwerden einzutreten ist, 

dass  die  IVSTA  in  ihrer  Duplik  vom  16.  April  2008  beantragt,  die 
Beschwerde vom 5. März 2007 betreffend IV-Rente sei in dem Sinne 
gutzuheissen,  dass  die  Sache  zur  weiteren  Abklärung  des  medizi-
nischen  Sachverhaltes  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  sei,  dass 
dagegen die Beschwerde vom 1. Oktober 2007 betreffend  berufliche 
Massnahmen abzuweisen sei,

dass  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  in  seiner  Eingabe 
vom 9. Mai 2008 festhält, "dass sich die Parteien offenbar (mindestens 
im  Eventualpunkt)  einig  sind,  dass  das  Dossier  zur  Klärung  des 
Sachverhaltes  an  die  Verwaltung  zurückzuweisen  bzw. ein  neutrales 
medizinisches Obergutachten einzuholen ist",

dass  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  auf  telefonische 
Anfrage des Instruktionsrichters am 19. Mai 2008 bestätigte, dass sein 
Klient mit der Rückweisung der Sache an die Vorinstanz einverstanden 
sei  und  keine  materielle  Beurteilung  durch  das  Bundesverwaltungs-
gericht mehr wünsche,

dass die Beschwerden vom  5. März 2007 und vom 1. Oktober  2007 
daher infolge Modifikation der Rechtsbegehren insoweit abzuschreiben 
sind, als eine materielle Beurteilung der Leistungsansprüche beantragt 
worden ist,

dass  die  von  der  IVSTA beigezogene  IV-Stelle  des  Kantons  Basel-
Landschaft  in  ihrer  Stellungnahme vom 15. April  2008 überzeugend 
darlegt, dass die zur Beurteilung des Rentenbegehrens vorliegenden 
medizinischen Unterlagen unzureichend seien,  da insbesondere  das 
Gutachten von Dr. S._______ vom 2. Dezember 2007 nicht schlüssig 
sei,  so  dass  bezüglich  der  medizinischen,  insbesondere 
psychiatrischen  Beurteilung  der  Arbeitsfähigkeit  ein  Obergutachten 
eingeholt werden müsse,

dass damit nach übereinstimmender Auffassung der Parteien, welcher 
sich das Bundesverwaltungsgericht anschliessen kann, feststeht, dass 

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die angefochtene Verfügung vom 1. Februar 2007 auf einer mangelhaft 
ermittelten tatbeständlichen Grundlage beruht,

dass Art. 49 Bst. b des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021) die  unvollständige 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  ausdrücklich  als 
Beschwerdegrund nennt,

dass unter diesen Umständen die angefochtene Verfügung der IVSTA 
vom  1.  Februar  2007  betreffend  IV-Rente  in  Gutheissung  der  Be-
schwerde vom 5. März 2007 aufzuheben und die Sache zur Vornahme 
der  erforderlichen  weiteren  medizinischen  Abklärungen  an  die 
Vorinstanz zurückzuweisen ist (Art. 61 Abs. 1 VwVG), 

dass  damit  einzig  noch  über  die  Beschwerde  vom 1. Oktober  2007 
gegen  die  Verfügung  vom  30.  August  2007  betreffend  berufliche 
Massnahmen zu befinden ist,

dass die Vorinstanz die Abweisung dieser Beschwerde beantragt und 
dies zum einen damit begründet, dass der Beschwerdeführer in Folge 
des Bezugs von Arbeitslosengeldern in Deutschland keinen Anspruch 
auf  berufliche  Massnahme  der  IV  habe,  zum  andern  aber  die 
Voraussetzungen für  derartige  Massnahmen nicht  erfülle,  da er  sich 
subjektiv als eingliederungsunfähig erachte und denn auch eine ganze 
Rente beanspruche,

dass  nach höchstrichterlicher  Praxis  "l'octroi  simultané"  von Arbeits-
losengeldern eines EU-Staates und von beruflichen Massnahmen der 
IV  ausgeschlossen  ist,  da  derartige  Massnahmen  die  arbeitslosen-
rechtliche  Vermittelbarkeit  beeinträchtigen  (BGE  132  V  53,  insb.  E. 
6.5), 

dass im vorliegenden Verfahren den Akten zu entnehmen ist, dass der 
Beschwerdeführer vom 24. Februar bis zum 21. August 2005 und vom 
24.  Dezember  2005  bis  zum  8.  Mai  2006  in  Deutschland  Arbeits-
losengelder  bezogen  hat  (vgl.  Stellungnahme  der  IV-Stelle  des 
Kantons Basel-Landschaft vom 6. Dezember 2007),

dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung vom 30. August 
2007  festhält,  dem  Beschwerdeführer  früher  gewährte  berufliche 
Massnahmen seien per  Ende 2005 abgeschlossen worden,  so  dass 
das  Begehren  des  Beschwerdeführers  um  Wiederaufnahme  solcher 

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Massnahmen  vom  21.  Februar  2007  als  neues  Gesuch  entgegen-
genommen worden sei,

dass  der  Beschwerdeführer  damit  offenbar  weder  im  Zeitpunkt  der 
Gesuchseinreichung noch bei Erlass der angefochtenen Verfügung in 
Deutschland Arbeitslosengelder bezogen hat, so dass überaus fraglich 
ist,  ob  weitere  berufliche  Massnahmen  allein  wegen  des  früheren 
Bezuges von Arbeitslosengeldern verweigert werden könnten,

dass  damit  der  Entscheid  über  die  Gewährung  beruflicher  Mass-
nahmen auch davon abhängen dürfte, ob der Beschwerdeführer einen 
ausreichenden  Invaliditätsgrad  aufweist  und  ob  berufliche  Mass-
nahmen im Sinne von Art. 8 Abs. 1 IVG notwendig und geeignet sind, 
um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich 
zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern,

dass  die  Beantwortung dieser  Fragen  eine  fachärztliche  Beurteilung 
der  Arbeitsfähigkeit  und  der  objektiven  und  subjektiven  Eingliede-
rungsfähigkeit voraussetzt – umso mehr, als im vorliegenden Verfahren 
auch  psychiatrische  Leiden  des  Beschwerdeführers  zur  Diskussion 
stehen,

dass diese Fragen sich allerdings heute nicht beantworten lassen, da 
– wie bereits dargestellt  – eine erneute, insbesondere psychiatrische 
Begutachtung des Beschwerdeführers erforderlich ist,

dass  damit  feststeht,  dass  auch  die  Abweisung  des  Gesuches  um 
berufliche  Massnahmen  durch  die  angefochtene  Verfügung  vom 
30. August  2007 auf  einer  mangelhaft  ermittelten  tatbeständlichen 
Grundlage beruht (Art. 49 Bst. b VwVG),

dass  daher  die  angefochtene  Verfügung  der  IVSTA vom 30. August 
2007  betreffend  berufliche  Massnahmen  in  Gutheissung  der  Be-
schwerde vom 1. Oktober  2007  aufzuheben  und die  Sache  auch in 
dieser  Beziehung  zur  Vornahme  der  erforderlichen  weiteren  medizi-
nischen  Abklärungen  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  ist  (Art.  61 
Abs. 1 VwVG), 

dass bei  diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu 
erheben sind (Art. 63 Abs. 2 VwVG),

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dass  dem  –  angesichts  der  modifizierten  Rechtsbegehren  vollum-
fänglich – obsiegenden Beschwerdeführer eine von der Vorinstanz zu 
entrichtende Parteientschädigung zuzusprechen ist, 

dass  die  Parteientschädigung  mangels  Kostennote  gemäss  Art.  14 
Abs. 2 des Reglements  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320. 2) aufgrund der Akten zu bestimmen ist,

dass  das  einer  Partei  zu  entschädigende  Anwaltshonorar  sich  nach 
dem  notwendigen  Zeitaufwand  des  Vertreters  bestimmt,  wobei  ein 
anwaltlicher Stundenansatz von Fr. 200.- bis Fr. 400.- geltend gemacht 
werden kann (Art. 10 VGKE),

dass nach höchstrichterlicher Rechtsprechung in sozialversicherungs-
rechtlichen Verfahren vor einer  gerichtlichen Behörde die  Entschädi-
gung  anwaltlich  vertretener  Parteien  in  durchschnittlichen  Fällen 
Fr. 2'500.- (einschliesslich Auslagen und Mehrwertsteuer) zu betragen 
hat  (vgl.  Urteil  des  Eidgenössischen  Versicherungsgerichts  I  30/03 
vom 22. Mai 2003),

dass  im  vorliegenden  Verfahren  zu  beachten  ist,  dass  der  Be-
schwerdeführer  zwei  Verfügungen  anfechten  musste,  wobei  sich 
allerdings zu einem grossen Teil  gleichartige Fragen stellten und die 
Verfahren  vereinigt  wurden,  so  dass  trotz  der  Einreichung  von  zwei 
Beschwerdeschriften nicht von einem doppelten anwaltlichen Aufwand 
ausgegangen werden kann,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  der  Akten  einen  An-
waltsaufwand  von 12  Std. als  angemessen  und  notwendig  erachtet, 
der zu einem Stundenansatz von Fr. 250.- zu entschädigen ist,

dass die Mehrwertsteuer für im Ausland wohnende Personen, welche 
die Dienste eines in der Schweiz ansässigen Rechtsvertreters in An-
spruch nähmen, nicht geschuldet ist (Art. 5 lit. b in Verbindung mit Art. 
14 Abs. 3 lit. c  MWSTG; vgl. Urteil  des Bundesgerichts  I  30/03 vom 
22. Mai 2003),

dass  das  zu  entschädigende  Anwaltshonorar  (einschliesslich  Aus-
lagen,  ohne  Mehrwertsteuer)  daher  pauschal  auf  Fr. 3'000.-  festzu-
setzen ist (Art. 64 VwVG in Verbindung mit Art. 9 und Art. 10 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerden vom 5. März 2007 und vom 1. Oktober 2007 werden 
gutgeheissen, soweit sie nicht abzuschreiben sind.

2.
Die  angefochtenen  Verfügungen  vom  1.  Februar  2007  und  vom 
30. August 2007 werden aufgehoben und die Sachen werden mit der 
Weisung  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen,  die  erforderliche  zu-
sätzliche fachärztliche, insb. psychiatrische Begutachtung durchführen 
zu lassen und neu zu verfügen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Dem Beschwerdeführer wird für das Beschwerdeverfahren eine Partei-
entschädigung in der Höhe von Fr. 3'000.- zugesprochen, die von der 
Vorinstanz zu leisten ist. 

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. _______)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Stefan Mesmer Ingrid Künzli

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Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die 
Voraussetzungen  gemäss  den  Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (BGG,  SR  173.110) 
gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung 
mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der 
Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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