# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8014cfbd-d198-5ef5-86b7-260b8b8e836b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2019 E-397/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-397-2016_2019-06-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-397/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter Markus König,    

Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

gemäss eigenen Angaben China (Volksrepublik),   

vertreten durch lic. iur. Hans-Martin Allemann, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 17. Dezember 2015 / N (…). 

 

 

 

E-397/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge seinen Her-

kunftsort am (…) und reiste über Nepal und ihm unbekannte Länder am 3. 

September 2013 in die Schweiz ein, wo er gleichentags um Asyl nach-

suchte. Am 19. September 2013 wurde der Beschwerdeführer vom SEM 

zu seiner Person befragt (BzP, Protokoll in den SEM-Akten: A6/10). Am 

9. Mai 2014 fand die einlässliche Anhörung zu seinen Ausreise- und Asyl-

gründen (Protokoll in den SEM-Akten: A13/15) statt.  

A.b Der Beschwerdeführer begründete sein Asylgesuch im Wesentlichen 

damit, chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie zu sein. Er sei im 

Dorf B._______ in der Gemeinde C._______ des Kreises D._______ des 

Gebiets E._______ in Tibet geboren und aufgewachsen. Im Alter von acht 

Jahren sei er für zwei Jahre in die Schule gegangen, danach habe er auf-

gehört. Bis zu seiner Ausreise habe er seinen Eltern im Ackerbau geholfen. 

Am (…) 2013 habe in seinem Dorf das alljährliche Frühlingsfest stattgefun-

den. Er sei mit seinen Eltern dorthin gegangen, wobei sie Fleisch und 

Tsampa mitgenommen hätten. Es habe Rauchopferdarbietungen gegeben 

und, anders als an normalen Tagen, hätten sie ihre traditionellen Tibeter-

Röcke getragen. Er habe auch seine Gitarre dabei gehabt, da er gerne 

singe und auch Lieder komponiere. Irgendwann sei er von seinen Freun-

den aufgefordert worden, zu singen, was er in der Folge getan habe. Zu-

nächst habe er ein gewöhnliches Lied gesungen, bei dem es um die Kleider 

tibetischer Frauen gegangen sei. Das zweite Lied, das er gesungen habe, 

habe einen politischen Inhalt aufgewiesen; er habe dieses selber geschrie-

ben. Das Publikum sei aufgrund dieses Liedes sehr berührt gewesen; ei-

nige Personen hätten geweint. Er habe gemerkt, dass er damit offensicht-

lich ihre Herzen erreicht habe, und es habe ihn in diesem Moment mit Stolz 

erfüllt, Tibeter zu sein. Sein Vater habe ihm aber unmittelbar gesagt, es sei 

gefährlich, was er tue und habe ihn vom Fest weggebracht und für ein paar 

Tage zu seiner Schwester nach F._______ geschickt. Am (…) 2013 hätten 

drei Polizisten frühmorgens bei seinen Eltern nach ihm gesucht. Sein Vater 

habe ihn daraufhin angerufen und ihm mitgeteilt, dass er Tibet verlassen 

müsse. In der Folge sei er über Nepal ausgereist. 

 

 

E-397/2016 

Seite 3 

B.  

B.a Mit Schreiben vom 19. Mai 2014 gewährte das SEM dem Beschwer-

deführer das rechtliche Gehör zur Qualifizierung seiner Herkunft als unbe-

kannt.  

B.b Mit Eingabe vom 30. Mai 2014 nahm der Beschwerdeführer dazu Stel-

lung. 

B.c Im Auftrag des SEM wurde am 12. November 2015 durch eine externe 

sachverständige Person mittels eines Telefon-Interviews eine Sprach- und 

Herkunftsanalyse mit dem Beschwerdeführer durchgeführt. Die sachver-

ständige Person kam in ihrem landeskundlich-kulturellen und linguisti-

schen Herkunftsgutachten vom 19. November 2015 (sogenannte LINGUA-

Analyse; Protokoll in den SEM-Akten: A20/12) zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer trotz teilweise vorhandenen Kenntnissen zum Tibet sehr 

wahrscheinlich nicht wie von ihm angegeben im Kreis D._______, Tibet, 

sozialisiert worden sei, sondern in einer exiltibetischen Gemeinschaft aus-

serhalb der Volksrepublik China.  

B.d Mit Schreiben vom 30. November 2015 gewährte das SEM dem Be-

schwerdeführer zum Ergebnis der LINGUA-Analyse das rechtliche Gehör.  

B.e Der Beschwerdeführer nahm dazu am 7. Dezember 2015 Stellung. 

C.  

Mit Verfügung vom 17. Dezember 2015 stellte das SEM fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-

such ab, wies ihn aus der Schweiz weg und beauftragte den zuständigen 

Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Den Vollzug der Wegweisung 

nach China schloss es aus.  

D.  

Gegen die Verfügung des SEM erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe 

vom 18. Januar 2016 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und 

beantragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen sowie sein 

Asylgesuch gutzuheissen, eventualiter sei der Beschwerdeführer aufgrund 

des Vorliegens von subjektiven Nachfluchtgründen als Flüchtling vorläufig 

aufzunehmen.  

E-397/2016 

Seite 4 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltli-

chen Rechtspflege sowie die Beiordnung des mandatierten Rechtsvertre-

ters als unentgeltlichen Rechtsbeistand. Weiter begehrte er, es sei durch 

eine unabhängige, kompetente Fachperson abzuklären, ob im Heimatort 

des Beschwerdeführers der (…)-, oder ein anderer, etwa der (…)-Dialekt 

gesprochen werde, sowie es seien der tibetische Dialekt und die Ortskennt-

nisse des Beschwerdeführers zu prüfen. Nachdem die entsprechenden Ab-

klärungsergebnisse dann vorlägen, sei dem Beschwerdeführer Gelegen-

heit zu einer ergänzenden Stellungnahme einzuräumen. Im Übrigen sei der 

Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.  

Seiner Eingabe legte er ein Schreiben von O._______ vom 17. Januar 

2016 sowie eine Kopie von deren Identitätskarte bei. 

Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Er-

wägungen eingegangen.  

E.  

Mit Eingabe vom 22. Januar 2016 reichte der Beschwerdeführer eine Pro-

zessvollmacht vom 20. Januar 2016 sowie eine Fürsorgebestätigung vom 

18. Januar 2016 nach.  

F.  

F.a Mit Zwischenverfügung vom 26. Januar 2016 stellte das Bundesver-

waltungsgericht fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten, verzichtete vorderhand auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz ein, zur Beschwerde und 

den eingereichten Beweismitteln eine Vernehmlassung einzureichen.  

F.b Mit Eingaben vom 1. und vom 4. Februar 2016 reichte der Beschwer-

deführer weitere Beweismittel ein. 

F.c Mit Zwischenverfügung vom 8. Februar 2016 überwies das Bundesver-

waltungsgericht diese Beweismittel an das SEM und lud es unter Erstre-

ckung der bereits angesetzten Frist ein, diese in ihrer Vernehmlassung mit-

zuberücksichtigen.  

F.d Mit Vernehmlassung vom 8. Februar 2016 sowie einem Nachtrag vom 

11. Februar 2016 nahm das SEM zur Beschwerde und den eingereichten 

Beweismitteln Stellung.   

E-397/2016 

Seite 5 

F.e Nach erstreckter Frist nahm der Beschwerdeführer mit Replik vom 

15. März 2016 zur Vernehmlassung des SEM Stellung.  

F.f Mit Eingaben vom 15. und 18. März 2016 sowie vom 1. und 22. April 

2016 reichte der Beschwerdeführer weitere Beweismittel ein: ein Schrei-

ben von Dr. G._______, Central University of Tibetan Studies, H._______, 

Indien, vom 10. März 2016, in englischer Sprache, zunächst in Kopie, dann 

im Original, ein undatieres Schreiben von Ass. Prof. I._______, von dersel-

ben Universität, in Kopie, sowie eine „Notification“ der genannten Universi-

tät vom 12. Juni 2014, zunächst in Kopie, dann im Original.  

G.  

Mit Eingaben vom 4. August 2018 reichte der Beschwerdeführer zwei Ar-

beitsverträge – insbesondere einen unbefristeten Arbeitsvertrag des 

J._______ GmbH, Riedholz, vom 1. August 2018 – ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem-

ber 2015 [SR 142.31]). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 

E-397/2016 

Seite 6 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder 

zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigen-

schaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, 

die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüch-

lich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf ge-

fälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seines abweisenden Asylentscheides 

im Wesentlichen aus, die seitens des Beschwerdeführers geltend gemach-

ten Vorbringen hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht 

stand. Insbesondere sei nicht davon auszugehen, dass er in Tibet soziali-

siert worden sei. Diesen Schluss zog die Vorinstanz vorwiegend aus den 

Ergebnissen der LINGUA-Analyse. Die sachverständige Person habe fest-

gestellt, dass der Beschwerdeführer zwar durchaus gewisse Kenntnisse 

habe vorweisen können, gesamthaft betrachtet sei sein Wissen, insbeson-

dere an Stellen, wo dieses auf eigene Erfahrung beruhe, jedoch unbefrie-

digend oder lückenhaft ausgefallen.  

So habe er etwa über die administrative Gliederung in seiner Heimat Be-

scheid gewusst, indessen dafür sowie auch für seinen Heimatort veraltete 

E-397/2016 

Seite 7 

Begriffe verwendet. Im Bereich der Distanzen habe er zwar die korrekte 

Distanz zur Kreishauptstadt angeben können, nicht aber diejenige zum 

Hauptort des C._______, wo er gemäss seinen Angaben zwei Jahre lang 

die Schule besucht habe. Nach Flüssen in der Gegend gefragt, habe er 

richtigerweise den Fluss K._______, welcher in Richtung D._______ 

fliesse, angegeben. Ebenso habe er zutreffend die Namen von drei Klös-

tern in D._______ genannt, wobei er bezüglich zweien ungefragt und un-

erwartet ergänzt habe, dass es dort keine Mönche mehr gebe, was gemäss 

der sachverständigen Person nicht zutreffe. Auch bezüglich der Landwirt-

schaft, des Schulwesens und der Ausstellung des Personalausweises 

habe er teilweise richtige Angaben gemacht, andere Fragen hingegen nicht 

korrekt beantworten können. Nach besonderen Ereignissen im Jahr (…) 

befragt, habe er keines nennen können, obwohl es im Jahr (…) in 

D._______ ein grosses Erdbeben gegeben habe. Im Übrigen habe er zu 

den Preisen von Lebensmitteln keine Angaben machen können, sondern 

darauf hingewiesen, diese würden im Tauschhandel erworben, beispiels-

weise Fleisch gegen Gras. Das Tauschverhältnis sei ihm aber nicht be-

kannt. Vor diesem Hintergrund sei die sachverständige Person zum 

Schluss gekommen, dass er insgesamt keine hinreichenden Kenntnisse im 

landeskundlich-kulturellen Bereich habe nachweisen können, um eine 

Hauptsozialisation im Kreis D._______ zweifellos annehmen zu können.  

Zur Beurteilung der Sprache des Beschwerdeführers habe die sachver-

ständige Person als Referenzvarietät für die linguistische Analyse den (…)-

tibetischen Dialekt „(…)“ herangezogen, welcher in der nächsten Umge-

bung von D._______ gesprochen werde. In den Bereichen der Phone-

tik/Phonologie, Morphologie und Lexikon habe die sachverständige Person 

festgestellt, dass seine Sprache auf allen drei Ebenen der Analyse über-

haupt keine Ähnlichkeit mit dem (…)-Dialekt aufweise. Vielmehr zeige 

seine Sprache eine vollkommene Übereinstimmung mit dem (…)-Dialekt 

sowie mit der exiltibetischen Koine, was aufgrund der angegebenen Bio-

graphie nicht zu erklären sei. Auf allen drei Ebenen seien sodann Merkmale 

zu finden, die in keinem innertibetischen Dialekt vorkommen würden. Zu-

dem verfüge er über fast keine Kenntnisse des Chinesischen, was eher 

nicht einem Bewohner Tibets in seinem Alter entspreche. Die im Rahmen 

des rechtlichen Gehörs eingereichte Stellungnahme des Beschwerdefüh-

rers sei nicht geeignet, das fundierte Ergebnis des LINGUA-Gutachtens in 

Frage zu stellen.  

E-397/2016 

Seite 8 

Darüber hinaus habe er bis heute keinerlei Reise- und Identitätsdokumente 

zu den Akten gereicht, welche die von ihm geltend gemachten Staatsan-

gehörigkeit zu belegen vermöchten. Zu den Kontaktmöglichkeiten mit sei-

nen Eltern und seinem Schwager habe er sodann keine nachvollziehbaren 

Angaben gemacht. Unter diesen Umständen bestehe die Vermutung, dass 

der Beschwerdeführer seine Identitätspapiere den Asylbehörden bewusst 

vorenthalte, um seine Identität und seinen Reiseweg zu verschleiern und 

so den Vollzug einer möglichen Wegweisung in seinen tatsächlichen Hei-

matstaat zu erschweren oder zu verunmöglichen.  

Die Zweifel an seiner Herkunft und Staatsangehörigkeit würden durch die 

Schilderung des Reisewegs noch verstärkt, welche pauschal und unspezi-

fisch ausgefallen sei. Insbesondere habe es den Ausführungen gänzlich an 

persönlicher Prägung und Substanz gefehlt beziehungsweise entspreche 

die Darstellung exakt der Standard-Schilderung vieler tibetischer asylsu-

chender Personen und erwecke daher den Eindruck, dass sie nicht auf ei-

genem Erleben beruhe. Ebenso pauschal seien die Angaben zur Weiter-

reise nach Europa ausgefallen. Es sei davon auszugehen, dass er den von 

ihm geschilderte Weg von Tibet über die Grenze nach Nepal nie selber 

unternommen habe und auf einem anderen Weg in die Schweiz gelangt 

sei.  

Schliesslich vermöge auch die Schilderung der Asylgründe nicht zu über-

zeugen. Unter anderem habe der Beschwerdeführer das Motiv für das 

spontane Singen des Liedes nicht plausibel erklären können, und es sei 

auch nicht glaubhaft, dass er, wie vorgebracht, die Konsequenzen, die das 

Veröffentlichen des politischen Textes mit sich gebracht habe, nicht habe 

abschätzen können. Schliesslich sei er nicht in der Lage gewesen, ein kon-

kretes Bild zu vermitteln, wie sich die Situation nach dem Singen des Lie-

des abgespielt und was den Vater veranlasst habe, ihn unmittelbar vom 

Fest wegzubringen. Auch diese undifferenzierten und demnach unglaub-

haften Angaben stützten das Ergebnis des LINGUA-Gutachtens und be-

stätigten die Zweifel des SEM an der von ihm angegeben Herkunft und 

Staatsangehörigkeit. 

Unter diesen Umständen gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, seine 

Hauptsozialisierung in der VR China sowie seine Asylgründe glaubhaft dar-

zulegen. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu-

gehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz nicht in der VR China, 

sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da er aber keine kon-

E-397/2016 

Seite 9 

kreten, glaubhaften Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem Dritt-

staat geliefert habe, komme das SEM zum Schluss, dass in Berücksichti-

gung der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestünden.  

4.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe insbeson-

dere geltend, es sei im angefochtenen Entscheid eingeräumt worden, dass 

er die administrative Gliederung seiner Heimat kenne. Dass er – wie ihm 

vorgeworfen werde – veraltete Begriffe verwende, liege daran, dass die 

von der chinesischen Verwaltung eingeführten chinesischen Namen von 

den lokalen Tibetern nicht benützt würden. Er habe die im Sprachgebrauch 

der lokalen Bevölkerung gebräuchlichen tibetischen Bezeichnungen ver-

wendet. Das vom SEM als Beweis verwendete Kartenmaterial von 2012 

sei der Landbevölkerung in Tibet üblicherweise nicht bekannt. Indem die 

sachkundige Person sich dieser Argumentation bediene, lasse sie erken-

nen, dass sie mit dem praktischen Leben im ländlichen Tibet nicht vertraut 

sei. Es sei unrealistisch, von einfachen Bauern in Tibet die Kenntnis chine-

sischer Karten zu erwarten. Die Verwendung der althergebrachten tibeti-

schen Orts- und Verwaltungsbezeichnungen sei für die Tibeter auch als 

Ausdruck des passiven Protestes gegen die chinesischen Kolonialherren 

zu verstehen. Daraus könne nicht auf ein mangelndes Landes- und Alltags-

wissen geschlossen werden beziehungsweise belege dies gerade, dass er 

von dort komme. Die Vorinstanz habe es im Übrigen unterlassen, sich mit 

seinen diesbezüglichen Ausführungen in den Stellungnahmen vom 30. Mai 

2014 und vom 7. Dezember 2015 (Anmerkung des Gerichts: diese entspre-

chen im Wesentlichen den Argumenten in der Beschwerde) auseinander-

zusetzen.  

Auch betreffend die vom Beschwerdeführer genannten Klöster sei vom 

SEM eingeräumt worden, dass er zutreffende Angaben gemacht habe. Er 

habe indessen nur betreffend ein Kloster angegeben, dass dort keine Mön-

che mehr leben würden und nicht auch, wie dies das SEM behaupte, die 

anderen beiden Klöster. Obwohl der Beschwerdeführer darauf im Schrei-

ben vom 7. Dezember 2015 hingewiesen habe, habe das SEM dazu nichts 

ausgeführt.  

Sodann habe er detaillierte Informationen zum Ackerbau seiner Familie ge-

geben. Seitens des SEM sei lediglich bemängelt worden, dass er den Preis 

für Rapsöl nicht gekannt und die durchschnittliche Erntemenge sowie das 

E-397/2016 

Seite 10 

Familieneinkommen nicht habe angegeben können. Dies sei aber erklär-

bar, da seine Familie kein Rapsöl hergestellt habe, und es in der tibetischen 

Kultur üblich sei, dass sich die Eltern um die Finanzen kümmerten, was er 

bereits im Schreiben vom 7. Dezember 2015 moniert habe. Es wäre im 

Gegenteil eher unerwartet, wenn er entsprechende Angaben hätte machen 

können, weshalb die Aussageweise für seine Glaubwürdigkeit spreche.  

Als der Beschwerdeführer die Schule absolviert habe, habe diese noch fünf 

Klassenjahre umfasst. Dass sich dies mittlerweile geändert habe, habe er 

nicht gewusst, zumal er sich für das Schulwesen nicht interessiere. Der 

von ihm verwendete Begriff „Schule des Volkes“ sei der im Tibetischen ge-

bräuchliche Ausdruck, auch wenn er nicht der chinesischen Bezeichnung 

entspreche. Auch auf diesen, bereits im Schreiben vom 7. Dezember 2015 

dargelegten Einwand, sei das SEM nicht eingegangen.  

Die Behauptung des SEM, wonach Personalausweise nur in der Gemein-

dehauptstadt zu erlangen seien, sei tatsachenwidrig. Es sei zwar zutref-

fend, dass das eigentliche Büro für die Ausstellung in der Kreishauptstadt 

sei, der Vorinstanz beziehungsweise der fachkundigen Person sei aber of-

fenbar nicht bewusst, dass die betreffende Verwaltungsbehörde in gewis-

sen Abständen in die kleineren Orte gehe, um den Landbewohnern die Be-

antragung eines Personalausweises zu erleichtern. Dies sei auch so ge-

wesen, als der Beschwerdeführer seinen Personalausweis in C._______ 

beantragt habe.  

Bei der Frage nach besonderen Ereignissen im Jahr (…) habe der Be-

schwerdeführer an politische Vorkommisse gedacht. Es sei ihm nicht be-

wusst gewesen, dass die Frage auf allgemeine Ereignisse gerichtet gewe-

sen sei. Auch wenn es in seinem Dorf, anders als in anderen Gemeinden, 

damals keine grossen Zerstörungen gegeben habe, hätte er das Erdbeben 

ansonsten nennen können.  

Was die Sprache der Herkunftsgemeinde des Beschwerdeführers betreffe, 

so habe die sachverständige Person falsche Angaben gemacht. Der Be-

schwerdeführer spreche nämlich, wie alle Bewohner seines Dorfes, nicht 

den (…)-Dialekt, sondern (…), welcher dem (…)-Dialekt entspreche. Indem 

der Gutachter davon ausgegangen sei, dass der Dialekt des Beschwerde-

führers dem (…)-Dialekt entspreche, sei er zum falschen Schluss gelangt, 

dass er (Beschwerdeführer) keinen innertibetischen Dialekt spreche. Mit 

der Schlussfolgerung der Fachperson, dass der Dialekt des Beschwerde-

führers eine vollkommene Übereinstimmung mit dem (…)-Dialekt sowie mit 

E-397/2016 

Seite 11 

der exiltibetischen Koine aufweise, sei erwiesen, dass er den (…)-Dialekt 

spreche, der in seiner Heimatregion die Landessprache sei. Eine nochma-

lige, kompetente Expertise zur Sprache des Beschwerdeführers erweise 

sich zur Wahrung des rechtlichen Gehörs als unumgänglich.  

Im Übrigen seien auch seine Ausführungen zu den Reise- und Identitäts-

dokumenten, zur Fluchtgeschichte sowie zu den Asylgründen kohärent und 

substanziert ausgefallen.  

4.3 Das SEM äusserte sich in der Vernehmlassung in erster Linie zur im 

Gutachten erfolgten Verwendung des Referenzdialekts. Dabei hielt es fest, 

dass Ütsang „Zentraltibet“ eine traditionelle Landschaftsbezeichnung sei, 

die das Gebiet um N._______ und das Gebiet um E._______ umfasse. Es 

sei richtig, dass der Kreis D._______ (chin. L._______) administrativ zum 

Gebiet E._______ gehöre. Da im vorliegenden Fall jedoch die Sprache un-

tersucht werde, sei die linguistische Klassifizierung von D._______ und 

nicht seine administrative oder politische Einordnung von Bedeutung. So-

weit dies anhand der Datenlage beurteilt werden könne, sei der Dialekt von 

D._______ sowohl unter linguistischen als auch unter geografischen Ge-

sichtspunkten als (…)tibetisch zu klassifizieren. Wenn zu einem Dialekt, 

wie im Fall von D._______, nur begrenztes Material vorliege, bediene man 

sich in der Sprachwissenschaft eines möglichst nahe gelegenen Referenz-

dialekts, da oft von sogenannten Dialektkontinua ausgegangen werden 

könne. M._______ werde in der nächsten Umgebung von D._______ ge-

sprochen und sei zuverlässig beschrieben worden. Das „(…) Einwohner-

komitee [von C._______]“, wo der Beschwerdeführer gemäss seinen An-

gaben sein bisheriges Leben verbracht habe, sei von der Grenze zum 

M._______-Sprachgebiet nur circa (…) Kilometer entfernt. Insbesondere 

führe von C._______ aus eine direkte Strasse zum M._______-Sprachge-

biet. Aufgrund dieser Nähe und der direkten Verkehrsverbindung könne, 

zusätzlich zu Annahme eines Dialektkontinuums, von Sprachkontakt und 

gegenseitiger sprachlicher Beeinflussung zwischen Sprechern des (…)-Di-

alekts und des M._______ ausgegangen werden. M._______ sei als Re-

ferenzvarietät deshalb besonders gut geeignet. Da M._______ so nahe an 

D._______ liege, sei also davon auszugehen, dass der Dialekt von 

D._______ mehr Ähnlichkeiten mit M._______ aufweise, als beispiels-

weise mit dem Dialekt von N._______; N._______ sei nämlich (…) Kilome-

ter von C._______ entfernt.  

Eine Gegenüberstellung der vorhandenen Daten zum D._______-Dialekt 

mit den Daten des Dialekts E._______ und des Dialekts von N._______ 

E-397/2016 

Seite 12 

mache erkennbar, dass der Dialekt von D._______ überwiegend mit dem 

M._______-Dialekt übereinstimmend sei, nicht aber mit den Dialekten von 

E._______ und N._______. Der Dialektvergleich bestätige die vorherigen 

Annahmen und zeige, dass M._______ in diesem Fall als Referenzvarietät 

geeignet sei.  

4.4 In der Replik wiederholt der Beschwerdeführer, die Annahme der Vo-

rinstanz, er spreche eine Referenzvarietät des M._______-Dialekts sei 

falsch, weshalb dieser nicht für die Sprachanalyse hätte herangezogen 

werden dürfen. Dass der M._______-Sprachraum nur (…) Kilometer von 

seinem Heimatdorf entfernt liege, tauge nicht als Argument, zumal nicht 

nur eine Grenze, sondern auch ein Bergzug zwischen den Orten liege. 

Auch in der Region Chur werde zweifellos Schweizerdeutsch gesprochen, 

obwohl die italienische Sprachgrenze unmittelbar nebenan liege. Man 

habe beim Tibet-Experten Prof. Dr. G._______ von der Universität in 

H._______ (Indien) eine Expertise eingeholt. Dieser bestätige im einge-

reichten Schreiben vom 10. März 2016, dass die beiden Dialekte verschie-

den seien. In C._______, E._______ und F._______ werde der (…) Dialekt 

gesprochen. M._______ werde in C._______ nicht gesprochen, hingegen 

gebe es Händler, Gastwirte und Nomaden, welche das Weideland mit 

bhutanischen Nomaden teilen würden. Diese seien in der Lage, mit den 

Bhutanesen zu kommunizieren. Dies werde auch im Schreiben der in der 

Schweiz lebenden Frau O._______ bestätigt. Es sei deshalb ein gerichtli-

ches Gutachten einzuholen. 

5.   

5.1 Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 7 AsylG bedeutet ‒ im Gegensatz 

zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen eines Gesuch-

stellers. Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamt-

beurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen 

Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönli-

che Glaubwürdigkeit, usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller spre-

chen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Ele-

mente überwiegen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 

2.2; 2010/57 E. 2.3). 

5.2 Für asylsuchende Personen tibetischer Ethnie, die unglaubhafte Anga-

ben über ihren angeblichen Sozialisierungsraum in China machen, fallen 

bezüglich ihrer Staatsangehörigkeit drei Fallkonstellationen in Betracht. Sie 

besitzen die chinesische Staatsangehörigkeit und haben entweder eine 

E-397/2016 

Seite 13 

Aufenthaltsbewilligung in einem der Drittstaaten Nepal oder Indien oder sie 

werden in einem dieser Staaten bloss geduldet, oder, als dritte Möglichkeit, 

sie haben die Staatsangehörigkeit von Nepal oder Indien (und damit ein-

hergehend, die chinesische Staatsangehörigkeit verloren). Macht eine 

asylsuchende Person tibetischer Ethnie unglaubhafte Angaben zu ihrer So-

zialisierung, zu ihrer wahren Herkunft und zu ihren bisherigen Aufenthalts-

orten vor der Einreise in die Schweiz, verunmöglicht sie damit den Asylbe-

hörden die Eruierung, welche der drei Fallkonstellationen konkret vorliegt. 

Darin ist eine Mitwirkungspflichtverletzung zu sehen; den Asylbehörden 

wird so unter anderem verunmöglicht abzuklären, welchen effektiven Sta-

tus die betreffende Person in ihrem bisherigen Aufenthaltsstaat innehat, 

und damit namentlich, ob eine Drittstaatenkonstellation im Sinne von 

Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG vorliegt. Überdies wird durch die Verheimli-

chung und Verschleierung der wahren Herkunft auch die Prüfung der 

Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives 

Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.8 f.). Gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts wird bei solchen Personen vermutungs-

weise davon ausgegangen, dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbe-

achtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort 

bestünden (ebd. E. 5.10).  

5.3 Bei Zweifeln an der geltend gemachten Herkunft einer asylsuchenden 

Person lässt das SEM in der Regel durch einen amtsexternen Sachver-

ständigen mit entsprechenden Sprach- und Länderkenntnissen eine Her-

kunftsanalyse (sog. LINGUA-Analyse) durchführen. Bei dieser werden so-

wohl die landeskundlich-kulturellen Kenntnisse als auch die sprachlichen 

Fähigkeiten einer asylsuchenden Person geprüft. Bei solchen Analysen 

handelt es sich zwar nicht um Sachverständigengutachten im Sinne von 

Art. 12 Bst. e VwVG, sondern um schriftliche Auskünfte einer Drittperson 

im Sinne von Art. 12 Bst. c VwVG. Sofern bestimmte Anforderungen an die 

fachliche Qualifikation, Objektivität und Neutralität der analysierenden Per-

son und an die inhaltliche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit erfüllt 

sind, ist ihnen jedoch ein erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 4.2.1).  

6.  

6.1 Das Asylverfahren wird vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 

12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Behörden sind verpflichtet, von Amtes 

wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhaltes zu sorgen. Die Sachverhaltsfeststellung ist unrichtig, wenn 

der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt 

E-397/2016 

Seite 14 

wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, 

wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren 

und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 

2013, Rz. 1043). Die asylsuchende Person hat auf der anderen Seite ge-

mäss Art. 8 AsylG eine Pflicht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzu-

wirken und dabei insbesondere ihre Identität offenzulegen sowie vorhan-

dene Reise- oder Identitätspapiere abzugeben. Sofern die gesetzlichen 

Mitwirkungspflichten nicht verletzt worden sind, muss die Behörde nament-

lich dann weitere Abklärungen ins Auge fassen, wenn aufgrund der Vor-

bringen der asylsuchenden Person oder der eingereichten oder angebote-

nen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbeste-

hen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt wer-

den können (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2 m.w.H.).  

6.2 Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des mit Grundrechtsqua-

lität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) 

verpflichtet die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich zu 

äussern und ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), son-

dern sie auch sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfin-

dung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Be-

hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn, ob sich 

die Behörde tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien be-

fasst und auseinandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung 

erkennen. Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn der 

Betroffene gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur möglich 

ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über 

die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Dabei kann sich 

die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Entscheid wesent-

lichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur diejenigen Argu-

mente stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkennbarerweise 

unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegun-

gen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf 

die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 2007/21 

E. 10.2 m.w.H.; SUTTER, a.a.O., Kommentar VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG, 

Rz. 2). 

  

E-397/2016 

Seite 15 

7.  

7.1 Nach dem unter E. 5 Gesagten ist von entscheidender Bedeutung, ob 

die Angaben des Beschwerdeführers zum geltend gemachten Sozialisie-

rungsraum in der Volksrepublik China glaubhaft sind. Das SEM hat auf-

grund seiner Zweifel daran eine LINGUA-Analyse in Auftrag gegeben, die-

ser erhöhten Beweiswert zugemessen und gestützt darauf eine Mitwir-

kungspflichtverletzung des Beschwerdeführers angenommen. Es gibt nun 

aber konkrete Anhaltspunkte dafür, dass das vorinstanzliche Verfahren den 

Anforderungen an eine vollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts nicht zu genügen vermag. Gleichzeitig ist aufgrund der Akten 

zu schliessen, dass das SEM keine hinreichende Abwägung der für und 

gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers spre-

chenden Elemente vorgenommen hat, womit auch die Begründungspflicht 

verletzt ist. 

7.1.1 Bei der Durchsicht der Akten fällt zunächst auf, dass die Ausführun-

gen des Beschwerdeführers zu den Asylgründen nicht stereotyp ausgefal-

len und teilweise mit Realkennzeichen versehen sind. So konnte er etwa 

den Text des Liedes, das er gemäss seinen Aussagen am Frühlingsfest 

vorgetragen habe, auf Frage des SEM-Mitarbeiters hin bei der BzP spon-

tan aufschreiben (vgl. A6 Ziff. 7.02; Text samt Übersetzung im Beweiscou-

vert A14/1), wobei er diesen an der Anhörung identisch wiedergab (vgl. A13 

F117). Die Erklärungen, was ihn dazu bewegt habe, dieses Lied zu schrei-

ben (vgl. A13 F73), sind, entgegen der Auffassung des SEM, nachvollzieh-

bar und die Umschreibung der Reaktion des Publikums wirkt authentisch 

und nicht auswendig gelernt (vgl. A13 F79). Auch die Darstellung, wie sein 

Vater die Hausdurchsuchung geschildert habe, und insbesondere die 

spontane Ergänzung, der Vater habe ihm nicht erzählt, dass er geschlagen 

worden sei, dies habe er von seinem Schwager erfahren, erscheint nicht 

einfach stereotyp (vgl. A13 F97). Die in der angefochtenen Verfügung er-

hobenen Einwände sind demgegenüber nur teilweise wesentlich. Insge-

samt ist der Begründung jedenfalls nicht zu entnehmen, dass sich das SEM 

auch mit den zuvor dargelegten, für den Beschwerdeführer sprechenden 

Elemente auseinandergesetzt hätte.  

7.1.2 Zwar ist die Argumentation des SEM, die Ausführungen zum Reise-

weg entsprächen der Standard-Schilderung vieler Tibeter, nicht von der 

Hand zu weisen. Es ist ferner nicht glaubhaft, dass ihm alle Orte, die er auf 

seiner Reise ab Nepal passiert habe, unbekannt seien (vgl. A6 Ziff. 5.02). 

Auch hat der Beschwerdeführer in der Tat keine Identitätspapiere abgege-

ben. Auf der anderen Seite konnte er vergleichsweise detaillierte Angaben 

E-397/2016 

Seite 16 

zur Identitätskarte und zum Familienbüchlein machen (vgl. A13 F12 ff.). 

Auch sind die Erklärungen in der Beschwerde für das Nicht-Einreichen von 

Papieren nicht gänzlich unberechtigt; dazu nahm das SEM in der Vernehm-

lassung nicht Stellung. Schliesslich fallen, was den Reiseweg vor der 

Grenze betrifft, bei einem Blick ins Protokoll auch spontane und unerwar-

tete Aussagen auf, etwa der spontane Hinweis, nach einer Flussüberque-

rung mit einem Seil hätten sie zunächst für längere Zeit hochgehen müs-

sen, bevor es wieder herunter gegangen sei. Später seien sie in ein klei-

neres Dorf gelangt, wo ihm der Schlepper mitgeteilt habe, dass sie sich 

nun auf nepalesischem Boden befänden. In einer kleineren Strasse habe 

ein Auto gewartet, welches ihn schliesslich in die nepalesische Hauptstadt 

gebracht habe (vgl. ebd. F52 S. 7).  

7.1.3 Was die auf der LINGUA-Analyse basierenden Zweifel an der Her-

kunft des Beschwerdeführers betrifft, so stellt das Bundesverwaltungsge-

richt betreffend sein landeskundlich-kulturelles Wissen fest, dass die sach-

verständige Person ihm in allen von ihr untersuchten Bereichen (administ-

rative Einteilung, Distanzen, Geografie und Klöster, Landwirtschaft, Schul-

wesen, Personalausweis) Kenntnisse zu der von ihm geltend gemachten 

Herkunftsregion attestierte (vgl. LINGUA-Analyse S. 3 ff.; Verfügung S. 4). 

Bereits aus dem Protokoll der Anhörung geht hervor, dass der Beschwer-

deführer eine Vielzahl von Fragen zu Tibet, so unter anderem zur Identi-

tätskarte und zum Familienbüchlein (vgl. A13 F12 ff.), zu den Fernsehsen-

dern (vgl. A13 F37 ff.) sowie zum familieneigenen Pflanzenanbau (vgl. A13 

F46 ff.), ausführlich zu beantworten wusste, beispielsweise den Unter-

schied zwischen den Futtergräsern „(…)“ und „(…)“ darzulegen vermochte 

(vgl. A13 F21). Dies sind zumindest Anhaltspunkte, die für eine Sozialisa-

tion des Beschwerdeführers in Tibet sprechen. Aus den Akten wird jedoch 

weder ersichtlich, ob das SEM die vom Beschwerdeführer in der Anhörung 

gemachten Angaben überhaupt ausgewertet hat noch setzte sich das SEM 

später in der Verfügung näher mit diesen auch für Glaubhaftigkeit der gel-

tend gemachten Herkunft sprechenden Elementen auseinander. Der Be-

schwerdeführer wies in der Rechtsmitteleingabe sodann zu Recht darauf 

hin, dass das SEM sich auch mit den vom Beschwerdeführer in den Stel-

lungnahmen vom 30. Mai 2014 und vom 7. Dezember 2015 erhobenen 

Einwänden nicht konkret auseinandergesetzt, sondern einfach pauschal 

festgehalten habe, diese vermöchten die professionelle Herkunftsabklä-

rung des LINGUA-Experten nicht in Frage zu stellen (vgl. Verfügung S. 6). 

Auch auf Beschwerdeebene unterliess es die Vorinstanz, auf die Argu-

mente des Beschwerdeführers betreffend die Einschätzung zum landes-

kundlich-kulturellen Wissen einzugehen. 

E-397/2016 

Seite 17 

7.1.4 Bezüglich die von der sachverständigen Person in der LINGUA-Ana-

lyse gezogenen Schlüsse stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass 

diese nicht alle nachvollziehbar sind beziehungsweise gewisse Angaben 

des Beschwerdeführers nicht gegen seine Sozialisierung an dem von ihm 

angegebenen Ort sprechen.  

Dies betrifft zunächst die im Gutachten zugrunde gelegte Distanz zwischen 

B._______ und C._______, welche von der sachverständigen Person auf 

(…) Kilometer festgelegt wurde. Sie folgerte daraus, die vom Beschwerde-

führer angegebene Zeit von rund (…) Minuten, um von seinem Dorf nach 

C._______ zu gelangen, sei nicht realistisch. Es sei davon auszugehen, 

dass der Weg von (…) Kilometern nicht innerhalb von weniger als einer 

Stunde zu begehen sei (vgl. LINGUA-Bericht S. 3). Es ist dem Bundesver-

waltungsgericht nicht bekannt, welches Kartenmaterial die sachverstän-

dige Person für ihre Erkenntnisse verwendete. Misst man jedoch die Dis-

tanz von B._______ nach C._______ über das Distanz-Messwerkzeug 

Google Earth beziehungsweise Open Street Maps, so beträgt die Entfer-

nung nur circa (…) Kilometer beziehungsweise (…) Kilometer (vgl. Abruf 

Distanz von B._______ nach C._______ über Google Earth; Open Street 

Maps, Abruf vom 11. November 2018, GPS: 89.132853 / 27.748797, 

https://map.meurisse.org/?lon=89.132853&lng=89.132853&lat=27. 

748797&zoom=14). Die Distanzen gemäss Google Earth und Open Street 

Maps variieren demnach stark von den Angaben, die die sachverständige 

Person ihrem Gutachten zugrunde legte, zumal Anfang und Ende der Stre-

cke nicht exakt festgelegt werden können. Die vom Beschwerdeführer an-

gegebene ungefähre Zeit, die man benötige, um von seinem Heimatdorf 

nach C._______ zu gelangen, kann mithin nicht eindeutig als unplausibel 

eingeschätzt werden. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die sachver-

ständige Person die Angabe des Beschwerdeführers, wonach sein Dorf 

rund eineinhalb Autostunden von D._______ entfernt liege, als zutreffend 

einschätzte (vgl. LINGUA-Bericht S. 4), was Ortskenntnisse nahelegt.  

Betreffend die Angaben zum Schulwesen gab der Beschwerdeführer ge-

mäss Einschätzung des Gutachters zutreffend an, dass zu jener Zeit eine 

(…) worden sowie der (…), der (…), ein Schulfeiertag gewesen sei. Die 

Angabe des Beschwerdeführers, wonach man bis zur fünften Klasse habe 

in die Schule gehen können, wertete er hingegen als falsch. So umfasse 

die Grundschule in der Volksrepublik China sechs Schulstufen; anders sei 

dies etwa in P._______, wo es in der Grundschule lediglich fünf Stufen 

gebe (vgl. LINGUA-Bericht S. 5). Aus dem Gericht vorliegenden Quellen 

E-397/2016 

Seite 18 

ergibt sich zur Dauer der Grundschule in Tibet kein einheitliches und zu-

mindest kein Bild, das nicht auch den Schluss zuliesse, die Angaben des 

Beschwerdeführers seien korrekt. Zur Grundschuldauer einzelner Schulen 

in den Distrikten von E._______ liessen sich in den vom Gericht konsultier-

ten Quellen zwar keine spezifischen Informationen finden; solche wurden 

im Übrigen auch im LINGUA-Gutachten nicht genannt. Gemäss einem Be-

richt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 

(OECD) zur allgemeinen Schulbildung Chinas von 2016 dauert die Grund-

schule in China meistens sechs Jahre, es gebe aber auch Regionen, in 

denen sie nur fünf Jahre dauere (vgl. OECD, Education in China: A Snap-

shot, 2016, abzurufen https://www.oecd.org/china/Education-in-China-a-

snapshot.pdf, S. 10). Bezüglich Tibet wird sodann in mehreren Quellen auf 

die unterschiedliche Schuldauer hingewiesen. Insbesondere werden meh-

rere Orte, unter anderem auch ein Dorf in E._______, erwähnt, in denen 

der obligatorische Grundschulunterricht für lange Zeit beziehungsweise 

teilweise immer noch lediglich drei Jahre dauere (vgl. Xinhua, Relocation 

changing lives on Tibetan plateau, 21. Juni 2018, abzurufen unter: 

http://eng.tibet.cn/eng/life/news/ 201806/t20180621_5978125.html; BIG-

NOLD WENDY, Education of Tibetans in China, in: Chris Atkin, Education 

and Minorities, 2012, S. 139-140; POSTIGLIONE GERARD ET AL., From Ethnic 

segregation to impact integration: state schooling and identity construction 

for rural Tibetans, in: Asian Ethnicity, 2004, Vol. 5 No. 2, 195-217, S. 197). 

Insgesamt ist davon auszugehen, dass die von den chinesischen Regie-

rung betreffend das Bildungssystem vorgegebenen Richtlinien in den tibe-

tischen Regionen vielerorts erst nach 2000 und bis heute nicht überall 

gleich konsequent umgesetzt wurden (vgl. nebst den soeben erwähnten 

insb. BASS CATRIONA, Education in Tibet – Policy and Practice since 1950, 

S. 72-107; SFH, China/Tibet: Schulbildung, a.a.O., S. 2 f.). Entsprechend 

ist nicht ausgeschlossen, dass die Dauer der Grundschule im Dorf des Be-

schwerdeführers im Zeitpunkt als er die Schule besuchte (circa im Jahr 

[…]) und allenfalls auch noch bis zu seiner Ausreise fünf und nicht wie vom 

Sachverständiger sechs Stufen umfasste. Im Übrigen erscheint sein Hin-

weis in der Rechtsmitteleingabe, wonach er von allfälligen nach seinem 

Schulbesuch eingetroffenen Änderungen im Schulsystem nicht unbedingt 

erfahren haben muss (vgl. ebd. S. 11), nicht abwegig.  

Betreffend den vom Beschwerdeführer gesprochenen Dialekt ist den Akten 

zu entnehmen, dass er im Vorverfahren bereits bei der ersten Gelegenheit 

darauf hinwies, dass er den Standart- beziehungsweise den (…)-Dialekt 

spreche (vgl. Stellungnahme vom 30. Mai 2014 S. 1; Stellungnahme vom 

7. Dezember 2015 S. 2). Zur Analyse des von ihm gesprochenen Dialekts 

E-397/2016 

Seite 19 

zog der Gutachter als Referenzvarietät jedoch den (…)-Dialekt heran und 

stellte fest, dass die Sprache des Beschwerdeführers mit diesem keine 

Ähnlichkeit aufweise, sondern dieser viel eher dem in N._______ gespro-

chenen Dialekt entspreche und mehrere Merkmale des Exiltibetischen auf-

weise (vgl. Verfügung S. 5 f.; Vernehmlassung S. 2). Auch diesbezüglich 

ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass die Argumentation des Beschwer-

deführers, wonach der Umstand, dass er den (…)-Dialekt spreche, der dem 

(…)-Dialekt nicht aber dem (…)-Dialekt ähnlich sei, nicht gegen seine gel-

tend gemachte Herkunft spreche (vgl. insb. Beschwerde S. 12 f.; Replik S. 

11 ff.), zutreffen könnte, wobei es keine präzisen und korrekten Karten zu 

tibetischen Dialekten in den spezifischen Gebieten gibt (vgl. SFH, China/Ti-

bet: Tibetische Sprachen und Kenntnis der chinesischen Sprache, 10. De-

zember 2015, abzurufen unter: https://www.fluechtlingshilfe.ch/assets/her-

kunftslaender/asien-pazifik/chinatibet/151210-chn-sprachen.pdf, S. 2). 

Das vom Beschwerdeführer angegebenen Heimatdorf, B._______, liegt in 

der Region des Q._______-Tals, welches bezüglich der gesprochenen 

Sprachen eine grosse Heterogenität aufweist. Sprachwissenschaftler sie-

deln im oberen Teil des Tals insbesondere den (…)tibetischen und somit 

den (…)-Dialekt an; im unteren Tal kann unter anderem der sogenannte 

(…)- beziehungsweise (…)-Dialekt gefunden werden, der dem (…)-Dialekt 

nahe steht (vgl. VAN DRIEM GEORGE, Languages of the Himalayas Volume 

Two, 2001, S. 903; ders.; Endangered Languages of South Asia, in: Bren-

zinger Matthias (Hrsg.), Handbook of Endangered Languages, 2007, S. 

303-341, S. 312; Muturzikin, Asian Linguistic Maps: Bangladesh, Bhutan & 

Seven Sister States (India), 2008, abzurufen unter: http://www.mu-

turzikin.com/cartesasiesudest/7.htm; Glottolog, Middle old Tibet, Karte ab-

zurufen unter: https://glottolog.org/resour ce/languoid/id/tibe 1276.big-

map.html#6/30.998/90.534). Wo die Grenze zwischen dem oberen und 

dem unteren Q._______-Tal verläuft, lässt sich aufgrund der konsultierten 

Quellen jedoch nicht schliessen. Entsprechend ist es dem Gericht auch 

nicht möglich, zu eruieren, ob es wahrscheinlicher ist, dass in der Region, 

von wo der Beschwerdeführer angibt, zu stammen, eher ein dem (…)tibe-

tischen oder eher dem M._______ naher Dialekt gesprochen wird. Da aber 

beide Dialekte in dieser Region existieren, vermögen die vom SEM für die 

Heranziehung des (…)-Dialekts dargelegten Gründe, insbesondere die ge-

ographische Nähe (vgl. insb. Vernehmlassung S. 1 f.), das Gericht nicht zu 

überzeugen. Vielmehr bestehen unter den dargelegten Umständen Zwei-

fel, ob sich der (…)-Dialekt als Referenzvarietät für die Sprachanalyse eig-

nete, und es ist diesbezüglich von einem unzureichend abgeklärten Sach-

verhalt auszugehen.  

E-397/2016 

Seite 20 

Das SEM wertete auch die gemäss der sachverständigen Person kaum 

vorhandenen Chinesisch-Kenntnisse des Beschwerdeführers gegen seine 

Herkunft aus Tibet (vgl. Verfügung S. 6). Aus dem LINGUA-Bericht ergibt 

sich indessen, dass der Beschwerdeführer alle ausser einem der abgefrag-

ten Wörter und Sätze richtig ins Chinesische übersetzen konnte (vgl. LIN-

GUA-Bericht S. 10). Bereits in der Anhörung wies der Beschwerdeführer 

darauf hin, dass er gewisse für den Alltag gebräuchliche Kenntnisse der 

chinesischen Sprache habe und zählte spontan eine Vielzahl von Wörtern 

– so unterem jene für Süssigkeiten, Butter und Weizen – auf (vgl. A13 F31 

f.). Die spezifischen Fragen der SEM-Befragerin, wie man sich auf Chine-

sisch begrüsse, und was Mobiltelefon sowie Kilometer auf Chinesisch 

heisse, vermochte der Beschwerdeführer ebenfalls zu beantworten (vgl. 

A13 F34-36), wobei aus den Akten nicht hervorgeht, ob die Vorinstanz 

diese Antworten als korrekt einschätzte. Es trifft zwar zu, dass es unerwar-

tet erscheint, dass der Beschwerdeführer, wie die sachverständige Person 

im nicht editierten LINGUA-Bericht festhielt, das Wort „Tibeter“ bezie-

hungsweise „Ich bin Tibeter“ nicht übersetzen konnte (vgl. LINGUA-Bericht 

S. 10). Die als falsch gewertete Aussage wurde dem Beschwerdeführer 

jedoch nicht zum rechtlichen Gehör gegeben. Indessen wurde sowohl in 

der ihm zur Stellungnahme unterbreiteten Zusammenfassung des LIN-

GUA-Ergebnisses als auch in der Verfügung pauschal festgestellt, dass er 

über „fast keine Kenntnisse des Chinesischen“ verfüge (vgl. rechtliches 

Gehör vom 30. November 2015 S. 3; Verfügung S. 6). Aufgrund des 

soeben Dargelegten ist dieses Fazit aber nicht nachvollziehbar, da die Ak-

ten nahelegen, dass beim Beschwerdeführer von einem gewissen – ge-

rade im Alltag gebräuchlichen – chinesischen Sprachwissen auszugehen 

ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Übrigen bereits im Referenzurteil 

E-5846/2014 vom 4. August 2015 festgestellt, dass diverse Quellen darauf 

hinweisen, dass die offizielle Sprache in Tibet zwar Chinesisch ist, die 

meisten Tibeter – insbesondere jene aus ländlichen Gebieten – aber nur 

sehr schlecht oder gar kein Chinesisch sprechen (vgl. ebd. E. 6.3.2, S. 13), 

so dass die Begründung des SEM auch deshalb nicht überzeugt.  

Insgesamt ergeben sich damit an mehreren Punkten Zweifel an der inhalt-

lichen Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der LINGUA-Analyse, wes-

halb dieser vorliegend kein erhöhter Beweiswert beizumessen ist. Es erüb-

rigt sich auf die weiteren Einwände in der Beschwerde einzugehen.  

7.2 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass aus den 

Akten nicht hinreichend auf eine Verschleierung der Herkunft geschlossen 

E-397/2016 

Seite 21 

werden kann. Es ist nicht rechtsgenüglich erstellt, dass der Beschwerde-

führer vor seiner Flucht in die Schweiz nicht in der Autonomen Region Tibet 

gelebt hat. Der Sachverhalt ist somit mangelhaft erstellt worden. Im Übri-

gen ist die Begründungspflicht insofern verletzt worden, als die auch für die 

Glaubhaftigkeit des Sachvortrags des Beschwerdeführers sprechenden 

Elemente nicht in die Würdigung eingeflossen sind. Deshalb, und auch weil 

die in der Verfügung beziehungsweise im LINGUA-Gutachten getroffenen 

Schlussfolgerungen teilweise nicht schlüssig oder unvollständig ausgefal-

len sind, war es dem Beschwerdeführer nicht möglich, sich über die Trag-

weite des Entscheides ein Bild zu machen und diesen insgesamt sachge-

recht anzufechten.  

8.  

Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der 

Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Weisun-

gen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung ist insbe-

sondere dann angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müs-

sen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Da das Bun-

desverwaltungsgericht vorliegend die Entscheidreife nicht selber herstellen 

kann, ist die Sache zwecks Vornahme weiterer Abklärungen und neuem 

Entscheid an das SEM zurückzuweisen. Es ist insbesondere unter Berück-

sichtigung des Erwogenen nochmals eine landeskundlich-kulturelle und 

linguistische Analyse vorzunehmen, wobei gegebenenfalls auch an eine 

vertiefte Abklärung des Dialekts des Beschwerdeführers, verglichen mit der 

exiltibetischen Koine zu denken ist. Die Rechtsmitteleingabe sowie sämtli-

che im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingegangen weiteren Einga-

ben und Beweismittel werden dabei zum integralen Bestandteil des wie-

deraufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens. Nach vollständig er-

stelltem Sachverhalt wird das SEM bei der Entscheidfindung alle für und 

gegen den Beschwerdeführer sprechende Elemente zu berücksichtigen 

und unter Berücksichtigung der massgeblichen Rechtsprechung gegenei-

nander abzuwägen haben. Dem Beschwerdeführer kommt demgegenüber 

die Pflicht zu, an der Sachverhaltsdarstellung mitzuwirken (Art. 8 AsylG).  

9.  

Nach dem Gesagten hat das SEM Bundesrecht verletzt und den rechtser-

heblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

Die Beschwerde ist insofern gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung 

vom 17. Dezember 2015 aufzuheben und die Sache zur Abklärung und zu 

neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen an das SEM zurückzuweisen 

E-397/2016 

Seite 22 

ist. Damit erübrigt es sich, auf die weiteren Beschwerdevorbringen näher 

einzugehen.  

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen.  

Es wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb die notwendi-

gen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 8 Abs. 2 und 

Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die Parteientschädigung auf 

insgesamt Fr. 2‘000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) festzu-

setzen. 

10.3 Die noch offenen Anträge um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung werden 

nach dem Gesagten hinfällig.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-397/2016 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 17. Dezember 2015 wird aufgehoben und 

das SEM wird angewiesen, im Sinne der Erwägungen neu zu entscheiden.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2‘000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Sibylle Dischler 

 

 

Versand: