# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4aedd56b-3e7f-5980-9602-e101543cbf3a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.07.2008 A-8637/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-8637-2007_2008-07-09.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-8637/2007
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  J u l i  2 0 0 8

Richter Markus Metz (Vorsitz), 
Richterin Salome Zimmermann, Richter Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiberin Sonja Bossart.

X._______ GmbH, ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung,
Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Mehrwertsteuer (4. Quartal 2006); Höhe der 
Steuerschuld; Wiedererwägung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-8637/2007

Sachverhalt:

A.
Die  X.  ...  ist  im  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  bei  der 
Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV)  eingetragen.  Mit  dem 
Entscheid vom 17. September 2007 legte die ESTV die Steuerschuld 
der X. für das 4. Quartal 2006 (1. Oktober bis 31. Dezember 2006) auf 
Fr. 4'339.25 nebst Verzugszins von 5% ab dem 1. März 2007 fest und 
hob  den  Rechtsvorschlag  gegen  den  Zahlungsbefehl  Nr.  ...  des 
Betreibungsamts ... in diesem Umfang auf.

B.
Dagegen  erhob  die  X.  am  1.  Oktober  2007  Einsprache  mit  der 
Begründung, die Steuerschuld werde nicht bestritten; bestritten werde 
aber die Rechtsöffnung. Für das 2. und 3. Quartal 2006 habe sie den 
Betrag von Fr. 16'000.-- einbezahlt. Gemäss dem Einspracheentscheid 
vom 24. Mai  2007 habe die ESTV die Steuerschuld  für  die besagte 
Periode  von  Fr.  16'000.--  auf  Fr.  6'442.95  reduziert.  Entsprechend 
seien  Fr.  9'557.05  zuviel  bezahlt  worden.  Die  Steuerschuld  von  Fr. 
4'339.25  für  das  4.  Quartal  2006  sei  mit  diesem Guthaben  zu  ver-
rechnen. 

Die ESTV forderte mit  dem Schreiben vom 24. Oktober 2007 die X. 
auf, die Zahlung von Fr. 16'000.-- zu belegen. Mit dem Schreiben vom 
26. Oktober 2007 machte die X. geltend, für die Abrechnungsperioden 
4. Quartal 2005 und 1. Quartal 2006 Fr. 13'757.55 bezahlt, aber nur Fr. 
9'911.55 abgerechnet zu haben, und für das 2. bis 3. Quartal 2006 Fr. 
7'246.05 bezahlt und Fr. 6'442.95 abgerechnet zu haben. 

Am 31. Oktober 2007 teilte die ESTV der Steuerpflichtigen mit, für die 
Steuerperioden 4. Quartal  2005 und 1. Quartal  2006 liege nach der 
von ihr geltend gemachten Zahlung von Fr. 13'757.55 kein Guthaben 
vor,  da  diese  Zahlung  die  geschuldete  Steuer  gemäss  der  Ergän-
zungsabrechnung (EA) Nr. 930181 und dem diese bestätigenden Ent-
scheid vom 23. Oktober 2006 im Umfang von Fr. 13'000.-- zuzüglich 
Verzugszins,  Betreibungskosten  und  betreibungsamtliche  Inkassoge-
bühren  (total  Fr. 13'757.55  ergebend)  decke.  Die  Abrechnungen  für 
diese Perioden seien zu spät eingereicht worden und eine Wiederer-
wägung sei von der ESTV abgelehnt worden. Die Zahlung für die Steu-
erperioden 2. und 3. Quartal 2006 in der Höhe von Fr. 7'246.05 decke 
ebenfalls  die  geschuldete  Steuer  gemäss  der  EA  Nr.  930191  über 

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Fr. 16'000.--,  minus  die  aufgrund  der  nachträglich  eingereichten  Ab-
rechnungen für diese Steuerperioden über Fr. 6'442.95 erfolgten Gut-
schrift (GS) Nr. 072624 über Fr. 9'557.05, zuzüglich Verzugszins, Ver-
fahrenskosten, Zahlungsbefehlskosten und betreibungsamtliche Inkas-
sogebühren (total  Fr. 7'246.05); es resultiere damit  kein Überschuss. 
Die im Schreiben vom 1. Oktober 2007 geltend gemachte Zahlung der 
Beschwerdeführerin von Fr. 16'000.-- habe diese nicht belegt.

Im Schreiben  vom 5. November  2007  an  die  ESTV wiederholte  die 
Steuerpflichtige  die  Angaben  im  Schreiben  vom  26.  Oktober  2007, 
nämlich  für  das  4.  Quartal  2005  bis  3.  Quartal  2006  insgesamt 
Fr. 21'003.60  an  die  ESTV  bezahlt  zu  haben,  während  die  Abrech-
nungen für diese Quartale nur Fr. 16'354.50 betrügen. Daraus resultie-
re ein Guthaben zu ihren Gunsten von Fr. 4'648.95 [recte Fr. 4'649.10], 
welches mit dem 4. Quartal 2006 zu verrechnen sei.

C.
Im Einspracheentscheid vom 15. November 2007 wies die ESTV die 
Einsprache ab, stellte fest, dass die Steuerpflichtige der ESTV für das 
4. Quartal 2006 Fr. 4'339.25 Mehrwertsteuer nebst Verzugszins schul-
de und zu bezahlen habe, und hob den Rechtsvorschlag gegen den 
Zahlungsbefehl Nr. 20713785 auf.

D.
Am  10.  Dezember  2007  machte  die  X.  gegenüber  der  ESTV 
schliesslich ein Guthaben von Fr. 3'088.45 geltend und forderte eine 
korrigierte Rechnung für das 4. Quartal 2006. Der genannte Betrag er-
gab sich aus dem bereits mit Schreiben an die ESTV vom 5. Novem-
ber 2007 geltend gemachten Guthaben von Fr. 4'649.10 abzüglich der 
von  der  ESTV  geforderten  Verzugszinsen,  Verfahrenskosten,  Betrei-
bungskosten und Inkassogebühren von Fr. 1'560.65.

Die ESTV leitete das Schreiben als Beschwerde an das Bundesver-
waltungsgericht  weiter,  das  die  X.  (Beschwerdeführerin)  aufforderte, 
die Beschwerde mit  einer Begründung zu ergänzen. Mit der Eingabe 
vom 22. Januar 2008 machte die Beschwerdeführerin wie bereits im 
Verfahren  vor  der  ESTV  geltend,  sie  habe  bis  zum  Ende  des 
3. Quartals 2006 den Betrag von Fr. 21'003.60 überwiesen. Abgerech-
net  habe  sie  jedoch  nur  Fr.  16'354.50,  was  ein  Guthaben  von 
Fr. 4'649.10 ergebe. Die  aufgelaufenen Kosten und  Gebühren betrü-
gen Fr. 1'560.65, welche mit dem Guthaben zu verrechnen seien. Da-
mit sei der Betrag von Fr. 3'088.45 an das 4. Quartal 2006 anzurech-

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nen,  woraus  sich  ein  Guthaben  zugunsten  der  Mehrwertsteuer  von 
Fr. 1'250.80 ergebe.

E.
Die ESTV beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 14. März 2008, die 
Beschwerde unter Kostenfolge abzuweisen. Das angebliche Steuergut-
haben von Fr. 3'088.45 sei  die  Differenz  zwischen der  gemäss Ent-
scheid der ESTV vom 23. Oktober 2006 rechtskräftig verfügten Steuer-
forderung von Fr. 13'000.-- für die Steuerperioden 4. Quartal 2005 und 
1. Quartal 2006 und der von der Beschwerdeführerin für diese Perio-
den selbst deklarierten Steuerschuld in der Höhe von Fr. 9'911.55. Die 
Beschwerdeführerin  habe  die  Abrechnungen  für  die  Steuerperioden 
4. Quartal 2005 und 1. Quartal 2006 erst nach Ablauf der Rechtsmit-
telfrist gegen den Entscheid der ESTV vom 23. Oktober 2006 einge-
reicht, weswegen dieser in Rechtskraft erwachsen sei. Die ESTV habe 
diese Abrechnungen vom Mai 2007 als Wiedererwägungsgesuch ent-
gegengenommen und die Beschwerdeführerin am 16. Mai 2007 aufge-
fordert, bis zum 16. Juni 2007 alle fehlenden Abrechnungen (4. Quartal 
2005) einzureichen und eine rechtsgültig unterschriebene Bilanz und 
Erfolgsrechnung für die Jahre 2005 und 2006 beizulegen. Da die Be-
schwerdeführerin  die  einverlangten  Unterlagen  (Bilanz  und  Erfolgs-
rechnung für  die Jahre 2005 und 2006) nicht fristgerecht eingesandt 
habe, sei die ESTV mit dem Schreiben vom 18. Juni 2007 auf die Prü-
fung einer allfälligen Korrektur nicht eingetreten. Die Steuerschuld für 
die Steuerperioden 4. Quartal 2005 und 1. Quartal 2006 betrage des-
halb Fr. 13'000.--   (zuzüglich Zins und Verfahrens-  und Betreibungs-
kosten) und nicht Fr. 9'911.55. Die Beschwerdeführerin habe deshalb 
zu Recht Fr. 13'757.55 bezahlt.

F.
Auf die weiteren Begründungen der Parteien wird das Bundesverwal-
tungsgericht, soweit notwendig, in den Erwägungen Bezug nehmen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

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1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (Verwaltungsgerichtsgesetz,  VGG, 
SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern kei-
ne Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht 
vor und die ESTV ist eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bun-
desverwaltungsgericht  ist  daher für  die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde zuständig. 

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Einspra-
cheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Die  Be-
schwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst.  a  VwVG) und  der  unrichtigen oder  unvollständigen  Feststellung 
des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art.  49  Bst.  b  VwVG)  auch  die 
Rüge  der  Unangemessenheit  erheben  (Art.  49  Bst.  c  VwVG;  ANDRÉ 
MOSER, in André Moser/Peter Uebersax, Prozessieren vor eidgenössi-
schen  Rekurskommissionen,  Basel  und  Frankfurt  am  Main  1998, 
Rz. 2.59;  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines Ver-
waltungsrecht, 5. Aufl., Zürich 2006, Rz. 1758 ff.).

2.

2.1

2.1.1 Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt 
nach dem Selbstveranlagungsprinzip (Art. 46 f. des Bundesgesetzes 
vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  [MWSTG, 
SR 641.20]; vgl. ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweize-
rischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 421 ff.). Dies bedeutet, 
dass der Steuerpflichtige selbst und unaufgefordert über seine Umsät-
ze und Vorsteuern abzurechnen und innerhalb von 60 Tagen nach Ab-
lauf der Abrechnungsperiode den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag 
(Steuer  vom Umsatz abzüglich  Vorsteuern)  an die ESTV abzuliefern 
hat. Die ESTV ermittelt die Höhe des geschuldeten Mehrwertsteuerbe-
trages nur dann an Stelle  des Steuerpflichtigen,  wenn dieser seinen 
Pflichten  nicht  nachkommt  (vgl. ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS 
A. VALLENDER,  Handbuch zum neuen Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], 
2.Aufl., Bern 2003, Rz. 1680 ff.). Der Steuerpflichtige hat seine Mehr-
wertsteuerforderung selbst festzustellen; er ist allein für die vollständi-
ge und richtige Versteuerung seiner steuerbaren Umsätze und für die 
korrekte Ermittlung der Vorsteuer verantwortlich (vgl. Kommentar des 

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Eidgenössischen Finanzdepartementes zur  Verordnung vom 22. Juni 
1994 über die Mehrwertsteuer [Kommentar EFD], S. 38). Ein Verstoss 
des Steuerpflichtigen gegen diesen Grundsatz ist als schwerwiegend 
anzusehen, da der Steuerpflichtige durch das Missachten dieser Vor-
schrift die ordnungsgemässe Erhebung der Mehrwertsteuer gefährdet 
(Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-1527/2006  vom  6.  März 
2008 E. 2.1, A-1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 2.1, A-1531/2006 
vom 10. Januar 2008 E. 2.2,  A-1454/2006 vom 26. September  2007 
E. 2.2, A-1398/2006 vom 19. Juli 2007 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).

2.1.2 Liegen keine oder nur unvollständige Aufzeichnungen vor, oder 
stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachver-
halt  offensichtlich  nicht  überein,  so  nimmt  die  ESTV  nach  Art. 60 
MWSTG eine  Schätzung  nach  pflichtgemässem Ermessen vor. Eine 
Ermessenstaxation ist somit immer dann nötig, wenn eine steuerpflich-
tige  Person  ihren  Obliegenheiten  zur  Mitwirkung  nicht  ordnungsge-
mäss  nachkommt  und  entweder  überhaupt  keine,  oder  aber  unvoll-
ständige  oder  ungenügende  Aufzeichnungen  führt  (DIETER METZGER, 
Kurzkommentar zum Mehrwertsteuergesetz, Bern 2000, S. 190 Rz. 1). 
Die  Ermessenseinschätzung  ist  deshalb  auch  logische  Folge  von 
Art. 62  MWSTG,  der  die  ESTV  beauftragt,  die  Erfüllung  der  den 
Steuerpflichtigen obliegenden Pflichten zu überprüfen (PASCAL MOLLARD, 
TVA et taxation par estimation, veröffentlicht in ASA 69 S. 519).

2.2 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. d MWSTG trifft die ESTV von Amtes 
wegen oder auf Verlangen der steuerpflichtigen Person alle Entschei-
de zur Steuererhebung, wenn die steuerpflichtige Person die Steuer 
nicht  entrichtet.  Die  Entscheide  der  ESTV  können  innert  30  Tagen 
nach der Eröffnung mit Einsprache angefochten werden; nach Ablauf 
dieser  Zeit  werden  sie  rechtkräftig  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., 
Rz. 991).

2.3 Mit  dem Wiedererwägungsgesuch wird  eine Verwaltungsbehörde 
ersucht, eine von ihr erlassene und formell  rechtskräftige Anordnung 
nochmals zu überprüfen und sie entweder aufzuheben oder durch eine 
für den Gesuchsteller günstigere zu ersetzen (URSINA BEERLI-BONORAND, 
Die  ausserordentlichen  Rechtsmittel  in  der  Verwaltungsrechtspflege 
des Bundes und der Kantone, Zürich 1985, S. 49). Im Gegensatz zur 
Revision ist das Gesuch grundsätzlich ein formloser Rechtsbehelf und 
es besteht in der Regel kein Anspruch darauf, dass die Behörde auf 
das Wiedererwägungsgesuch eintritt  (Entscheid der Schweizerischen 

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Asylrekurskommission vom 11. November 1994,  veröffentlicht  in Ver-
waltungspraxis  der  Bundesbehörden  [VPB]  60.37  E.  1.b.;  ATTILIO 
R. GADOLA, Das verwaltungsinterne Beschwerdeverfahren, Zürich 1991, 
S.  166;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  1832). Das  Wiedererwä-
gungsgesuch ist damit auch an keine Formen und Fristen gebunden; 
es erlaubt grundsätzlich die Rüge sämtlicher Mängel einer erstinstanz-
lichen  Verfügung.  Das  Bundesgericht  leitet  unabhängig  von  der  ge-
setzlichen Regelung direkt aus Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung 
der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV, 
SR 101)  einen  Anspruch  auf  Eintreten  auf  ein  Wiedererwägungsge-
such ab in Fällen, in denen sich die Umstände seit  dem ersten Ent-
scheid wesentlich geändert haben oder wenn der Gesuchsteller erheb-
liche Tatsachen oder Beweismittel namhaft macht, die im früheren Ver-
fahren nicht bekannt waren oder die schon damals geltend zu machen 
für ihn unmöglich war oder keine Veranlassung bestand (BGE 120 Ib 
46,  BGE  118  Ib  137,  BGE  113  Ia  152;  RENÉ RHINOW/HEINRICH 
KOLLER/CHRISTINA KISS, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungs-
recht des Bundes, Rz. 596). Die erste der beiden Voraussetzungen be-
trifft die nachträgliche Fehlerhaftigkeit einer Verfügung. Bei der zweiten 
Voraussetzung geht es um einen ursprünglichen Fehler der Verfügung; 
in  diesem  Fall  ist  der  Anspruch  auf  Eintreten  auf  ein  Wiedererwä-
gungsgesuch insbesondere dann von praktischer Bedeutung, wenn ein 
entsprechender  gesetzlicher  Revisionsgrund  fehlt  (HÄFELIN/MÜLLER/ 
UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  1833;  BEERLI-BONORAND,  a.a.O.,  S. 51;  Entscheid 
der  Eidgenössischen  Personalrekurskommission  vom 14.  Juni  2005, 
veröffentlicht in VPB 69.124 E. 4 b/bb). Das Wiedererwägungsgesuch 
kann jedoch nicht  dazu dienen,  im ersten Verfahren versäumte oder 
unterlassene Mitwirkungspflichten gleichsam zu heilen und Tatsachen 
vorzubringen, die die Partei seinerzeit ins Verfahren einzubringen An-
lass  gehabt  hätte  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2D_45/2008  vom 
8. Mai 2008 E. 2.1.2; BGE 127 I 133 E. 6, 124 II 1 E. 3a).

2.4 Die Verrechnung einer Forderung gegenüber dem Gemeinwesen 
mit  einer  öffentlich-rechtlichen  Forderung  des  Gemeinwesens  nach 
Art. 125 Ziffer 3  des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 
220)  gegen  den  Willen  der  Verwaltung  ist  nicht  möglich  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-1403/2006 vom 5. Juli 2007 E. 1.4; vgl. 
auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 806).

3.

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3.1 Im  vorliegenden  Fall  ist  die  Steuerforderung  der  ESTV  für  die 
Steuerperiode 4. Quartal 2006 (Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 
2006)  in  der  Höhe  von  Fr. 4'339.25  nebst  5% Verzugszins  ab  dem 
1. März 2007 nicht streitig. Streitig ist lediglich, ob der Beschwerdefüh-
rerin aus der Steuerperiode 4. Quartal 2005 bis 1. Quartal 2006 (Zeit 
vom  1.  Oktober  2005  bis  31.  März  2006)  ein  Steuerguthaben  von 
Fr. 3'088.45  zustehe,  das  sie  mit  ihrer  Steuerschuld  (teilweise)  ver-
rechnen kann.

3.2 Da  die  Beschwerdeführerin  ihrer  Pflicht  zur  Selbstveranlagung 
(oben, E. 2.1.1) für die Steuerperiode 4. Quartal  2005 bis 1. Quartal 
2006 (Zeit  vom 1. Oktober 2005 bis 31. März 2006) nicht rechtzeitig 
nachgekommen  ist  und  die  Abrechnungen  nicht  zeitgerecht  einge-
reicht hat, hat die ESTV zu Recht eine Ermessensveranlagung vorge-
nommen  (oben,  E.  2.1.2)  und  den  Betrag  von  Fr.  13'000.--  durch 
pflichtgemässe Schätzung ermittelt.  Die  Beschwerdeführerin  hat  den 
entsprechenden Entscheid vom 23. Oktober 2006 (oben, E. 2.2) nicht 
angefochten; er ist damit in Rechtskraft erwachsen.

Erst viel später – im Mai 2007 – hat die Beschwerdeführerin Abrech-
nungen eingereicht. Sie  hat  jedoch die  weiteren,  von der  ESTV am 
16. Mai 2007 geforderten Unterlagen, nämlich die Bilanz und Erfolgs-
rechnung für die Jahre 2005 und 2006 nicht nachgereicht. Die ESTV 
ist deshalb auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten. Das ist 
nicht zu beanstanden, weil die Beschwerdeführerin zunächst ohnehin 
keinen  Anspruch  darauf  hatte,  dass  ihre  verspäteten  Abrechnungen 
als Wiedererwägungsgesuch behandelt würden; weder hatten sich die 
Umstände seit dem Entscheid vom 23. Oktober 2006 wesentlich geän-
dert  noch hat die Beschwerdeführerin erhebliche Tatsachen oder Be-
weismittel namhaft gemacht, die im früheren Verfahren nicht bekannt 
waren oder  die  schon damals geltend zu machen für  sie  unmöglich 
war oder keine Veranlassung bestand (oben, E. 2.3). Das Wiedererwä-
gungsgesuch sollte ihr vielmehr dazu dienen, im ersten Verfahren ver-
säumte  oder  unterlassene  Mitwirkungspflichten  gleichsam  zu  heilen 
und Tatsachen vorzubringen,  die  sie  rechtzeitig  ins  Verfahren einzu-
bringen  Anlass  gehabt  hätte. Die  ESTV durfte  ihr  Eintreten  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch deshalb ohne weiteres davon abhängig ma-
chen, dass die Beschwerdeführerin vollständige Unterlagen innerhalb 
einer  vorgegebenen  Frist  einreichte,  was  sie  jedoch  versäumte. Die 
ESTV hat deshalb den Entscheid vom 23. Oktober 2006 zu Recht nicht 
in  Wiedererwägung  gezogen  bzw.  aufgehoben,  weswegen  die  B-

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eschwerdeführerin  für  das 4. Quartal  2005 und das 1. Quartal  2006 
Mehrwertsteuern  von  Fr. 13'000.--,  Verzugszinsen,  Kosten  des  Zah-
lungsbefehls und betreibungsamtliche Inkassogebühren von insgesamt 
Fr. 13'757.55 zu Recht bezahlt hat und kein Guthaben gegenüber der 
ESTV  besitzt;  ihre  Mehrwertsteuerschuld  für  die  besagten  Perioden 
beträgt  nicht  lediglich  Fr.  9'911.55  (gemäss  ihren  Abrechnungen). 
Damit erübrigt sich die Frage der Zulässigkeit einer Verrechnung.

4.
Dem Gesagten  zufolge  ist  die  Beschwerde abzuweisen. Bei  diesem 
Verfahrensausgang  sind  der  Beschwerdeführerin  als  unterliegender 
Partei  sämtliche Kosten für  das Beschwerdeverfahren vor  dem Bun-
desverwaltungsgericht  aufzuerlegen  (vgl.  Art.  63  Abs. 1  VwVG). Die 
Verfahrenskosten werden auf Fr. 700.-- festgesetzt und mit dem Kos-
tenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 700.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 700.-- verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus Metz Sonja Bossart

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Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift  ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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