# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fa62fa9-6aad-5dea-9153-f101b4d3daa0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 12.01.2023 200 2022 707
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-707_2023-01-12.pdf

## Full Text

200 22 707 IV
JAP/GET/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 12. Januar 2023

Verwaltungsrichter Jakob, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Ackermann, Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiber Germann

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 21. Oktober 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die … geborene A.________ (nachfolgend Versicherte bzw. Beschwerde-
führerin), zuletzt als … sowie in den Bereichen … und … erwerbstätig, 
meldete sich im August 2019 unter Hinweis auf Beschwerden im Bereich 
der Schultern, Arme und Hände, eine Veränderung der Motorik und der 
lokalen Empfindung, Krafteinbussen, Schlafstörungen, eine erhöhte Er-
müdbarkeit sowie eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit bei der Eid-
genössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Akten 
der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin], [act. II], 1; 
72.1 S. 2). Die IVB holte die Akten des zuständigen Krankentaggeldversi-
cherers (C.________) ein (beinhaltend u.a. ein zu dessen Handen verfass-
tes interdisziplinäres Gutachten der Begutachtungsstelle D.________ vom 
24. Februar 2020 [act. II 40 S. 2 ff.]), zog Berichte behandelnder Ärzte bei 
und liess die Versicherte nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen 
Dienst (RAD) durch die Dres. med. E.________, Facharzt für Neurologie, 
und F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bidisziplinär 
begutachten (Expertise vom 20. November 2020 [act. II 68.1]). Nachdem 
die IVB Dr. med. F.________ um präzisierende Angaben zu möglichen 
Verweistätigkeiten ersucht hatte (act. II 82 f.), gewährte sie ein Belastbar-
keitstraining (act. II 99), welches die Versicherte in der ersten Woche unter 
Angabe von Beschwerden abbrach (act. II 104). Nach erneuter Rückfrage 
bei den Dres. med. F.________ und E.________ (act. II 112; 117) sowie 
beim RAD (act. II 120) veranlasste die IVB nach Beizug weiterer Berichte 
behandelnder Ärzte bei den Dres. med. G.________, Facharzt für Neurolo-
gie, und H.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein 
weiteres bidisziplinäres Gutachten (Akten der IVB [act. IIA] 190.1 ff.; Fertig-
stellung der Expertise am 28. Juni 2022 [vgl. act. IIA 190.1 S. 3]). Mit Vor-
bescheid vom 30. Juni 2022 (act. IIA 193) stellte die IVB der Versicherten 
die Abweisung des Leistungsbegehrens mit der Begründung in Aussicht, es 
liege keine gesundheitliche Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit vor. Dagegen liess die Versicherte Einwand erheben und 
einen Bericht ihres Hausarztes Dr. med. I.________, Facharzt für Allge-
meine Innere Medizin, vom 12. August 2022 (act. IIA 199 S. 2 ff.) sowie von 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 3

Dr. med. J.________, Fachärztin für Neurologie, Klinik K.________, vom 
25. August 2022 (act. IIA 204 S. 5-11), einreichen, woraufhin die IVB von 
den Dres. med. G.________ und H.________ eine Stellungnahme einholte 
(act. IIA 211 S. 1-6). Mit Verfügung vom 21. Oktober 2022 (act. IIA 212) 
entschied die IVB wie im Vorbescheid in Aussicht gestellt. 

B.

Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B.________, 
mit Eingabe vom 22. November 2022 Beschwerde erheben. Sie stellt die 
folgenden Rechtsbegehren: 

1. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Bern vom 21. Oktober 2022 sei 
aufzuheben.

2. Es sei die Angelegenheit an die kantonale IV-Stelle mit der Anweisung 
zurückzuweisen, über die Rentenansprüche der Beschwerdeführerin ab Fe-
bruar 2020 nach Einholung eines verwaltungsexternen medizinischen Gut-
achtens unter Einbezug der medizinischen Fachrichtungen Neurologie und 
Psychiatrie und Psychotherapie zu entscheiden.

- unter Kosten- und Entschädigungsfolgen -

Mit Beschwerdeantwort vom 14. Dezember 2022 beantragt die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 4

Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 21. Oktober 2022 
(act. IIA 212). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführe-
rin auf eine Invalidenrente der IV.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. In zeitlicher Hin-
sicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – 
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung 
des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes 
Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). 
Zwar datiert die angefochtene Verfügung vom 21. Oktober 2022 (act. IIA 
212), womit sie nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 
2020 erging. Indessen liegt der frühestmögliche Zeitpunkt der potentiellen 
Entstehung des Rentenanspruchs mit Blick auf die im August 2019 erfolgte 
Anmeldung zum Leistungsbezug (act. II 1) vor dem 1. Januar 2022 (Art. 28 
Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG), weshalb (mangels eines Revisions-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 5

grundes mit Neufestsetzung des Rentenanspruchs nach dem 1. Januar 
2022) die Bestimmungen des IVG und diejenigen der Verordnung vom 17. 
Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) in der bis 
31. Dezember 2021 gültigen Fassung (fortan: aArt.) massgebend sind (vgl. 
jedoch E. 3.2.2 hinten; Ziff. 9101 des Kreisschreibens über Invalidität und 
Rente in der Invalidenversicherung [KSIR]; zur Bedeutung von Verwal-
tungsweisungen, vgl. BGE 144 V 195 E. 4.2 S. 198). 

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer 
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen 
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem 
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 
ATSG). 

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf 
eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und 
c).

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und 
bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Wei-
teren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 6

der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet 
werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99).

3.

3.1 Bis zum Erlass der die zeitliche Grenze der gerichtlichen Prüfung 
bildenden (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243) angefochtenen Verfügung vom 
21. Oktober 2022 (act. IIA 212) präsentierte sich die (medizinische) Akten-
lage im Wesentlichen wie folgt: 

3.1.1 Dr. med. L.________, Fachärztin für Neurologie, hielt im Bericht 
vom 22. Februar 2019 (act. II 21 S. 17 f.) fest, die starken, neuropathisch 
anmutenden Schulterschmerzen links, welche seit gestern am Morgen 
beständen und klinisch und radiologisch keiner klaren muskuloskelettalen 
Schmerzursache zugeordnet werden könnten, seien verdächtig für eine 
beginnende Armplexusneuritis (Synonym: Neuralgische Schulteramyotro-
phie, Parsonage-Turner-Syndrom; vgl. z.B. <www.flexikon.doccheck.
com>).

Mit weiterem Bericht vom 27. März 2019 (act. II 21 S. 11 f.) hielt Dr. med. 
L.________ fest, es beständen weiterhin starke Schmerzen im Schulterbe-
reich mit weiterhin fehlenden klaren neurologischen Ausfällen. Auch elek-
trophysiologisch liessen sich keine Pathologien erfassen. Dieser Verlauf 
könnte weiterhin zu einer Armplexusneuritis passen, die Schmerzen seien 
hierfür mittlerweile aber eher zu prolongiert (S. 12).

Am 12. April 2019 berichtete Dr. med. L.________, bei anamnestisch weit-
gehend unveränderten Beschwerden zeige sich in der klinischen Untersu-
chung neu eine Parese für Extension des Zeigefingers links, während die 
Muskeleigenreflexe links an den oberen Extremitäten schwächer seien als 
rechts. Dieser Befund würde grundsätzlich zu einer Plexusneuritis passen, 
weiterhin sei jedoch die Dauer der Schmerzen hierfür etwas lange. Im MRI 
des Plexus brachialis links (vgl. act. II 21 S. 4) zeige sich kein Hinweis auf 
eine entzündliche Veränderung und auch keine Raumforderung mit kom-
pressiver Wirkung auf den Plexus (S. 2 f.).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 7

3.1.2 Im Bericht des Spitals M.________, Klinik N.________, vom 
7. November 2019 (act. II 43.3 S. 31-33) wurde in der Beurteilung festge-
halten, die Anamnese und klinische Untersuchung seien nicht konklusiv. 
Die fluktuierende Befundausprägung sowie die anatomisch nur schwer er-
klärbare Beschwerdelokalisation seien suggestiv für das Vorliegen einer 
anhaltenden Schmerzstörung, möglicherweise auf dem Boden eines soma-
tischen Kerns. Für eine abgelaufene Schulteramyotrophie oder eine here-
ditäre Plexopathie fänden sich bei fehlender Atrophie, führend sensibler 
Symptomatik, unauffälliger Elektrophysiologie sowie aktenanamnestisch 
regelrechter Darstellung des Plexus brachialis links keine Hinweise (S. 32).

3.1.3 Vom 1. bis 16. November 2019 war die Beschwerdeführerin in der 
Klinik K.________ hospitalisiert. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 
26. November 2019 (act. II 29 S. 7 ff.) wurde festgehalten, zunächst habe 
der Verdacht einer neuralgischen Schulteramyotrophie bestanden. Die se-
rologische Diagnostik habe sich negativ gezeigt. Ein MRI der HWS und 
Schulter habe keine relevante Diskusherniation oder andere wegweisenden 
Veränderungen gezeigt. Ebenso habe sich der Plexus cervicalis/brachialis 
unauffällig dargestellt. Jedoch sei bei Darstellung mehrerer Verkalkungen 
im Bereich des Recessus subscapularis und der Ansatzsehne der Verdacht 
auf eine aktivierte Peritendinitis subscapularis entstanden. Die beschriebe-
ne akute Symptomatik sei daher zum Teil im Rahmen einer Tendinitis hu-
meroscapularis interpretiert worden (S. 9). Betreffend die Diagnose einer 
hereditären neuralgischen Amyotrophie (S. 7) hätten sowohl eine craniale 
Computertomographie (CCT) wie auch eine Liquorpunktion unauffällige 
Befunde gezeigt. Elektroneurographische Untersuchungen der Arme beid-
seits seien jedoch mit einer kompletten Armplexusläsion beidseits ulnar 
betont zu vereinbaren gewesen (S. 10).

3.1.4 Im zu Handen des Krankentaggeldversicherers verfassten polydis-
ziplinären, auf einer internistisch-rheumatologischen, neurologischen und 
psychiatrischen Untersuchung beruhenden Gutachten der Begutachtungs-
stelle D.________ vom 24. Februar 2020 (act. II 40 S. 2 ff.) wurde als Dia-
gnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen eine 
sensomotorische, distal betonte, überwiegend axonale Polyneuropathie 
festgehalten (S. 21). In der Beurteilung hielten die Gutachter fest, aus der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 8

aktuellen rheumatologischen Untersuchung ergäben sich keine Hinweise 
auf ein in dieses Fachgebiet einzuordnendes polytopes Syndrom (S. 17). 

In neurologischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, bei der neuralgischen 
Schulteramyotrophie sei zwischen einer idiopathischen (INA) und einer 
hereditären neuralgischen Schulteramyotrophie (HNA) zu unterscheiden. 
Der Beginn der Symptomatik passe zur Annahme einer neuralgischen 
Schulteramyotrophie. Ungewöhnlich sei allerdings die deutliche sensible 
Beteiligung. Es beständen eine Reihe sensibler Defizite, welche über das 
Ausmass der Sensibilitätsstörungen bei einer Schulteramyotrophie hinaus-
gingen. Charakteristische Körpermerkmale, wie sie bei einer HNA vorliegen 
könnten, beständen bei der Beschwerdeführerin ebenfalls nicht. Auch die 
Beteiligung von Hirnnerven, einhergehend mit Schluckstörungen, sensiblen 
Defiziten im Gesichtsbereich sowie auch die unauffällige kernspintomogra-
fische Darstellung der Plexusregion sprächen eher gegen das Vorliegen 
einer neuralgischen Schulteramyotrophie. Auffallend sei auch, dass die 
Schmerzen und die Muskelatrophie deutlicher den pektoralen und peri-
glenohumeralen Bereich, jedoch weniger den periskapulären Bereich beträ-
fen. Auch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit ergebe bei einem 
typischen Parsonage-Turner-Syndrom in der Regel pathologisch verzöger-
te Werte wegen Demyelinisierung. Dies liege ebenfalls nicht vor, das elek-
troneurographische Bild spreche eher für ein axonales Geschehen. 
Differenzialdiagnostisch müsse daher an eine andere dysimmune Neuropa-
thie bzw. eine chronisch inflammatorische Polyneuropathie gedacht wer-
den. Schlussendlich sei am ehesten an eine axonale, überwiegend 
symmetrische, distal betonte Neuropathie mit Beteiligung von Hirnnerven 
zu denken (S. 19). Aus neurologischer Sicht sei ungeachtet der nicht ab-
schliessend geklärten Pathogenese der Neuropathie gegenwärtig eine Ar-
beitsunfähigkeit von 100% sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch 
in denkbaren Verweistätigkeiten durch neuropathische Schmerzen, Sensi-
bilitätsstörungen und motorische Defizite begründet (S. 20). 

In psychiatrischer Hinsicht lasse sich unter Berücksichtigung des psychi-
schen Befundes und der anamnestischen Angaben aktuell eine krank-
heitswertige affektive Störung, eine Angststörung, eine somatoforme 
Störung sowie eine Persönlichkeitsstörung mit hoher Wahrscheinlichkeit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 9

ausschliessen. Insgesamt könne auf psychiatrischem Gebiet aktuell keine 
krankheitswertige psychiatrische Störung erhoben werden (S. 21). 

Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten auf dem 
ersten Arbeitsmarkt (S. 23).

3.1.5 Dr. med. O.________, Fachärztin für Urologie sowie Chirurgie, 
RAD, hielt im Bericht vom 27. Februar 2020 (act. II 33) gestützt auf die Be-
richte der behandelnden Ärzte als Diagnose ein unklares, sich im Verlauf 
ausdehnendes Schmerzsyndrom fest (S. 6). Es bestehe ein noch immer 
unklares Krankheitsbild. Hierbei seien die bei den Untersuchungen erhobe-
nen Befunde stark wechselnd und die subjektiven Beschwerden nicht wirk-
lich einem Krankheitsbild zuzuordnen. Die Diagnose einer neuralgischen 
Amyotrophie der Schulter, die zu Beginn der Symptomatik im Raume ge-
standen habe, habe sich neurologisch bei unauffälliger Elektrophysiologie 
und unauffälliger MRI-Darstellung des Plexus nicht bestätigen lassen 
(S. 5). Noch viel weniger wiesen die diffusen und undulierenden Beschwer-
den mit Schluckstörungen und Sensibilitätsstörungen im Gesicht und an 
beiden Unterschenkeln ohne neurologische Zuordnung auf das Vorliegen 
einer hereditären Amyotrophie hin. Auch verwundere es, dass trotz maxi-
maler Schmerzüberlastung, damit verbundener Schlafstörungen und immer 
grösserer Beeinträchtigung im Alltag keine wirksamen schulmedizinisch 
erprobten Medikamente zum Einsatz gekommen seien, was den tatsächli-
chen Leidensdruck in Frage stelle. Objektivierbar seien lediglich leichte 
degenerative Schultergelenksalterationen beidseits, welche durch physika-
lische Massnahmen / Infiltrationen ins Gelenk behandelbar seien (S. 6). 

3.1.6 Im Bericht vom 29. Oktober 2020 (act. II 64 S. 6-13) hielt Dr. med. 
J.________ fest, die Elektroneurographie (ENG) der Arme und Beine vom 
Oktober 2020 habe kaum axonale Läsionen mehr an den Beinen und an 
den Armen gezeigt, es habe sich jedoch eine merkliche symmetrische Ver-
langsamung der Nervenleitgeschwindigkeit an allen Armnerven als ein 
Hinweis auf eine demyelinisierende Polyneuropathie / Polyradikuloneuropa-
thie (CIDP) an den Armen finden lassen. Die anfänglich vermutete Diagno-
se eines idiopathischen, erweiterten, neuralgischen, amyotrophen 
gegebenenfalls hereditären Syndroms wäre weiterhin nicht sicher auszu-
schliessen. Der aktuelle ENG-Befund ziehe eine atypische Form der CIDP 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 10

in Betracht. Andere supportive Kriterien wie unauffällige Befunde des Li-
quors und ein MRT des Plexus brachialis vom April 2019 und November 
2019 unterstützten die Diagnose einer CIDP nicht (S. 12). 

3.1.7 Im zu Handen der Beschwerdegegnerin erstellten neurologisch-
psychiatrischen Gutachten vom 20. November 2020 (act. II 68.1) stellte Dr. 
med. E.________ aus neurologischer Sicht die folgenden Diagnosen (S. 
19): 

Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

- Polyneuropathie unklarer Ätiologie mit distalbetonter Beeinträchtigung der 
Sensibilität in den Extremitäten und dadurch leicht gestörter Feinmotorik 
sowie neuropathischen Schmerzen im Bereich der unteren Extremitäten 
linksbetont 

- DD: Zustand nach neuralgischer Schulteramyotrophie möglich

Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

- Ausgeprägte Symptomausweitung bei ungewöhnlich ausgedehntem, ei-
nem neurologischen Zustandsbild nicht zuordenbarem Beschwerdekata-
log mit Schmerzen in den Armen, Beinen, im vorderen Halsbereich sowie 
Schluck- und Sprachstörungen, Kontaktschmerzen der Knochen, Ober-
bauchschmerzen sowie über dem Sternum, Krämpfen beim Schlucken, 
Artikulationsstörungen, erhöhtem Speichelfluss, gestörter Mundmotorik, 
wechselnden Sensibilitätsstörungen, Schlafstörungen, Beeinträchtigung 
der Kognition, imperativem Schlafzwang, Miktionsstörung etc. 

- Ausgeprägte Verdeutlichungstendenz/Aggravation im Rahmen der kli-
nisch-neurologischen Untersuchung 

- Diskushernie HWK6/7 median ohne Neurokompression 

Dr. med. F.________ stellte aus psychiatrischer Sicht die folgenden Dia-
gnosen (S. 33): 

Mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) 

- Neurasthenie (ICD-10 F48.0) 

- Akzentuierte Persönlichkeitszüge vom zwanghaften, zur psychosomati-
schen Symptomatik neigenden Typ (ICD-10 F73.1)

Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

Keine

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 11

In der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, aus neurologischer 
Sicht bestehe eine Polyneuropathie unklarer Ätiologie. Differentialdiagnos-
tisch sei ein Zustand nach Armplexusläsion am Rande denkbar, wobei auf-
grund des Beschwerdespektrums sowie des Untersuchungsverhaltens mit 
klarer Verdeutlichungstendenz davon auszugehen sei, dass seelische In-
terferenzen wesentlich im Vordergrund ständen und die organische Grund-
lage der Beschwerden und Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin im 
Rahmen des Beschwerdegeschehens deutlich im Hintergrund stehen dürf-
te. Aus rein neurologischer Sicht bestehe in den angestammten Tätigkeiten 
als … und … eine maximal 20%ige Beeinträchtigung. Die Untersucher be-
merkten, dass sich für eine ablaufende Schulteramyotrophie, eine hereditä-
re Plexopathie bei fehlender Atrophie, unauffälliger Elektrophysiologie 
sowie regelrechter Darstellung des Plexus brachialis links keine Hinweise 
ergäben. Wenn im weiteren Verlauf von Untersuchern die Organizität der 
Beschwerden in den Vordergrund gestellt werde, ignorierten diese offen-
sichtlich den auffälligen Symptomwechsel mit auch Seitenwechsel der 
Symptome und auch die auffällige Symptomausweitung.

Aus psychiatrischer Sicht lägen eine anhaltend somatoforme Schmerz-
störung und eine Neurasthenie vor. Diese Symptomatik bestehe seit An-
fang 2019. Die Arbeitsfähigkeit sei im angestammten Beruf unter 
Berücksichtigung aller Indikatoren aus psychiatrischer Sicht nicht mehr 
gegeben. Eine Verweistätigkeit mit einer allenfalls verminderten Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit könne aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht ohne 
Unterlagen nicht definiert werden. 

In der Gesamtbeurteilung kamen die Referenten zum Schluss, dass die 
psychiatrische Beurteilung hinsichtlich der Einschätzung der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit massgebend sei (S. 42).

Mit Stellungnahme vom 5. März 2021 (act. II 83) hielt Dr. med. F.________ 
auf das Ersuchen der Beschwerdegegnerin, zur Frage möglicher Ver-
weistätigkeiten ausführlicher Stellung zu nehmen (act. II 82), fest, es müsse 
mit der Beschwerdeführerin eine Berufsabklärung durchgeführt werden. 
Allenfalls komme eine einfache Bürotätigkeit, mit wenig Verantwortung, 
wenig zeitlichem Druck und wenig körperlicher Belastbarkeit, mit einer Teil-
arbeitsfähigkeit in Frage. Die genaue Bemessung der Teilarbeits- und Leis-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 12

tungsfähigkeit sei erst dann möglich, wenn die Berichte betreffend eine 
vergleichbare Tätigkeit vorlägen. Ohne diese Unterlagen wäre die Bemes-
sung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit arbiträr. Grundsätzlich könne von 
einer Teilarbeits- und Leistungsfähigkeit über 50% ausgegangen werden. 
Differenzierter könne er sich – Dr. med. F.________ – nicht äussern.

3.1.8 Im Bericht der Psychiatrischen Dienste P.________ vom 11. Mai 
2021 (act. IIA 181 S. 2-4) wurde festgehalten, die neuropsychologische 
Untersuchung zeige einen einzelnen Aufmerksamkeitstest mit minimal auf-
fälligen Reaktionszeiten bei ansonsten unauffälligem kognitivem Leistungs-
profil. Dieser singuläre Befund dürfte kaum hirnorganisch bedingt sein, 
sondern sei im Rahmen einer üblichen Leistungsvariabilität bei einer um-
fangreichen neuropsychologischen Untersuchung zu werten (S. 4).

3.1.9 Auf die Frage der Beschwerdegegnerin, inwiefern die von der Be-
schwerdeführerin abgebrochene berufliche Massnahme (act. II 104) sowie 
das im Bericht von Dr. med. J.________ vom 10. Mai 2021 (act. II 107 S. 2 
ff.) Dargelegte Einfluss auf das Zumutbarkeitsprofil habe (act. II 109), hielt 
Dr. med. F.________ mit Stellungnahme vom 3. August 2021 (act. II 112) 
fest, es fänden sich keine psychiatrisch oder medizinisch relevanten neuen 
Befunde und Angaben. Fest stehe, dass die Beschwerdeführerin die Mass-
nahme abgebrochen und ein Arztzeugnis vorgelegt habe. Der Abbruch sei 
ohne zusätzliche psychische Symptomatik erfolgt. Es fänden sich keine 
neuen psychiatrischen Befunde, welche die im Gutachten dargelegte Beur-
teilung in Frage stellten. Auch im Bericht von Dr. med. J.________ fänden 
sich keine neuen Daten, deren Bedeutung aus psychiatrischer Sicht neu zu 
beurteilen seien. Somit könne er keine neuen Aussagen machen.

Dr. med. E.________ hielt im Bericht vom 20. September 2021 (act. II 117) 
fest, der Bericht von Dr. med. J.________ vom 10. Mai 2021 ändere nichts 
an der ausgeprägten Symptomausweitung, welche organisch nicht erklärt 
werden könne. Er ändere ebenfalls nichts an der ausgeprägten Verdeutli-
chungstendenz / Aggravation im Rahmen der klinisch-neurologischen Un-
tersuchung.

3.1.10 Dr. med. J.________ hielt im Bericht vom 25. Januar 2022 (act. IIA 
142 S. 7 ff.) fest, klinisch-neurologisch sowie anamnestisch habe sich ein 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 13

eher stabiler Verlauf mit einer Tendenz zur Besserung gezeigt. Die neuen 
Augenbeschwerden träten am ehesten im Rahmen einer eigenen ophthal-
mologischen Pathologie auf. Das zur Abklärung der Augensymptome 
durchgeführte cMRT sei unauffällig gewesen. Klinisch habe sich weiterhin 
ein eher polyneuropathisches Schädigungsmuster mit distalen leichten 
Hand-Finger-Paresen beidseits, und einer möglichen latenten, eher belas-
tungsabhängigen proximalen Beinparese beidseits, ohne Verschlechte-
rung, gezeigt. Elektroneurographisch habe sich aktuell ebenso eine 
Besserung des Befundes präsentiert (S. 12 f.). 

3.1.11 Im Bericht des Spitals M.________, Klinik Q.________, vom 
3. Februar 2022 (act. IIA 140 S. 2 ff.) wurde festgehalten, es sei eine not-
fallmässige Selbstvorstellung bei visuellen Phänomenen am linken Auge 
und Fremdkörpergefühl erfolgt. Es habe sich eine Erosio corneae am linken 
Auge gezeigt, welche unter Behandlung komplikationslos abgeheilt sei. 
Zusätzlich habe sich eine symptomatische hintere Glaskörperabhebung 
ohne durchgreifende Netzhautdefekte gezeigt. Diesbezüglich seien klini-
sche Verlaufskontrollen erfolgt, in deren Rahmen sich stabile Verhältnisse 
bei gutem Visus präsentiert hätten.

3.1.12 Prof. Dr. med. R.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie 
und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt im Bericht vom 5. April 
2022 (act. IIA 160 S. 4 f.) fest, aus schulterorthopädischer Sicht bestehe 
keine fassbare Pathologie (S. 5).

3.1.13 Im Bericht des Spitals S.________ vom 31. Mai 2022 (act. IIA 
191.2) wurde nach einer elektiven Vorstellung der Beschwerdeführerin in 
der Beurteilung festgehalten, elektroneuro- / myografisch habe sich kein 
Hinweis auf eine Myopathie gezeigt. Auch die somatosensibel evozierten 
Potenziale (SEP) seien unauffällig gewesen. Ein Whole-Body-MRT mit der 
Frage nach myopathischem Verteilungsmuster habe einen unauffälligen 
Muskelbefund gezeigt. Bei aktenanamnestisch im Vorfeld bereits ausge-
dehnter unauffälliger neurologischer und internistischer Diagnostik sei auf 
eine weiterführende Abklärung verzichtet worden. In der Zusammenschau 
der aktuell erhobenen klinischen und apparativen Befunde sei von einer 
funktionellen neurologischen Störung auszugehen (S. 2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 14

3.1.14 Im zu Handen der Beschwerdegegnerin erstellten bidisziplinären 
Gutachten der Dres. med. G.________ und H.________ vom 28. Juni 2022 
(act. IIA 190.1 ff.) wurde interdisziplinär weder auf neurologischem noch auf 
psychiatrischem Fachgebiet eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit gestellt (act. IIA 190.2 S. 4). In der Beurteilung hiel-
ten die Dres. med. G.________ und H.________ fest, in neurologischer 
Hinsicht seien in der Klinik K.________ verschiedene Verdachtsdiagnosen 
jeweils ohne weitere Begründungen postuliert und genauso begründungs-
los wieder revidiert worden. Als krankheitsbegründend seien verschiedens-
te Neurografien, insbesondere einiger sensibler Nerven angenommen und 
Abweichungen von einer postulierten Norm als erklärend für die angegebe-
nen Schmerzen interpretiert worden. Niemals sei die schwere Ausweitung 
der Symptome diskutiert worden (S. 2). Abgesehen davon, dass im Spital 
M.________ und im Spital S.________ elektrophysiologisch keinerlei Pa-
thologie der peripheren Nerven habe gefunden und auch keine Hinweise 
für eine Erkrankung des Plexus oder des Myelons habe diagnostiziert wer-
den können, müsse festgestellt werden, dass die Neurologen der Klinik 
K.________ selbst einfachste qualitätssichernde Massnahmen bei Durch-
führung der Messungen nicht beachtet respektive nicht publiziert hätten (S. 
2 f.). Aus neurologischer Sicht lägen gravierende lnkonsistenzen einerseits 
und deutliche bewusstseinsnahe Aggravationstendenzen sowohl in der 
Vorbegutachtung bei Dr. med. E.________ als auch in der Zusammen-
schau der Ergebnisse bei Dr. med. G.________ vor. Vor diesem Hinter-
grund habe aus neurologischer Sicht keine Diagnose gestellt werden 
können (S. 3).

In psychiatrischer Hinsicht hielten die Experten fest, die bisher durchgeführ-
ten Begutachtungen hätten im Prinzip aus psychiatrischer Sicht immer die-
selben Sachverhalte ergeben, die Interpretation der Ergebnisse der 
Untersuchungen seien jedoch jeweils unterschiedlich. So habe Dr. med. 
T.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, im Gutachten 
der Begutachtungsstelle D.________ vom 24. Februar 2020 (vgl. act. II 40 
S. 2 ff.) in Übereinstimmung mit den Feststellungen im Rahmen der aktuel-
len Untersuchung durch Dr. med. H.________ keine krankheitswertigen 
psychiatrischen Affektionen feststellen können, dies im Gegensatz zu 
Dr. med. F.________, der die Diagnose einer "anhaltenden somatoformen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 15

Schmerzstörung, Neurasthenie und Akzentuierung von Persönlichkeitszü-
gen vom zwanghaften Typ mit Neigung zu psychosomatischen Sympto-
men" postuliert habe (act. IIA 190.2 S. 2). Dr. med. H.________ hielt im 
Rahmen des psychiatrischen Teilgutachtens hierzu fest, bei den deutlichen 
Hinweisen auf Aggravation könne die Diagnose Neurasthenie nicht gestellt 
werden. Hinsichtlich der Schmerzstörung würden im Gutachten von Dr. 
med. F.________ keine emotionalen Konflikte oder psychosozialen Pro-
bleme erwähnt, die schwerwiegend genug wären, um als entscheidende 
ursächliche Einflüsse bei der Entstehung der Schmerzen zu gelten (act. IIA 
190.1 S. 91). Es könne deshalb nicht nachvollzogen werden, weshalb aus 
Sicht von Dr. med. F.________ die ICD-10-Kriterien für die Diagnose der 
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erfüllt seien (S. 92). Weiter 
fänden sich eindeutige Hinweise auf Aggravation in der aktuellen neurolo-
gischen Teilbegutachtung und im neurologischen Vorgutachten. Dieses 
aggravatorische Verhalten könne nicht mit einer psychischen Störung er-
klärt werden (S. 88). 

Da weder auf neurologischem noch auf psychiatrischem Fachgebiet eine 
Diagnose gestellt werden könne, sei die Gesamtarbeitsfähigkeit nicht ein-
geschränkt. Es fänden sich keine zuverlässigen Hinweise dafür, dass das 
früher anders gewesen wäre (act. IIA 190.2 S. 5).

3.1.15 Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. I.________, hielt 
im Bericht vom 12. August 2022 (act. IIA 199 S. 2 ff.) fest, es werde seit 
längerem mit der Diagnose "V. a. idiopathisches, erweitertes, neuralgi-
sches, amyotrophes Syndrom (beidseitige Armplexusläsionen, N. trigemi-
nus-Neuropathie bds., Läsion des N. peroneus superficialis links), DD 
hereditäre neuralgische Amyotrophie, Erstdiagnose 11/2019" gearbeitet 
(S. 2). Die Schlussfolgerungen im Gutachten der Dres. med. G.________ 
und H.________ seien "lebensweltlich nicht nachvollziehbar". Nachvoll-
ziehbar sei, dass bei einer nicht vollständig geklärten Diagnose eine Unsi-
cherheit bestehe. Die trotz allem nicht geklärten objektiv pathologischen 
Befunde und die real vorhandenen Beschwerden und Einschränkungen 
könnten und sollten deshalb aber nicht übergangen werden (S. 3).

3.1.16 Dr. med. J.________ hielt im zu Handen des Rechtsvertreters der 
Beschwerdeführerin verfassten Bericht vom 25. August 2022 (act. IIA 204 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 16

S. 5-11) unter Bezugnahme auf die Gutachten der Dres. med. E.________ 
und F.________ sowie G.________ und H.________ fest, insgesamt lasse 
sich die anfänglich vermutete Diagnose eines idiopathischen, erweiterten, 
neuralgischen, amyotrophen gegebenenfalls hereditären Syndroms auf-
grund des typischen, sowohl klinischen als auch neurographischen Ver-
laufs, bei Ausschluss anderer Differentialdiagnosen und der laborchemisch 
nachgewiesenen positiven Hepatitis-E-Serologie aktuell als wahrscheinlich 
ansehen (S. 10).

3.1.17 In ihren Stellungnahmen vom 18. Oktober 2022 (act. IIA 211) hiel-
ten die Dres. med. G.________ und H.________ an ihren Einschätzungen 
im Gutachten vom 28. Juni 2022 fest. 

3.2

3.2.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Rückweisung an die Be-
schwerdegegnerin zwecks Einholung eines verwaltungsexternen Gutach-
tens (Rechtsbegehren, Ziff. 2). Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin 
keiner der im Recht liegenden Expertisen Beweiskraft zuerkennt, woraus 
weiter zu schliessen ist, dass sie die Expertise der Dres. med. G.________ 
und H.________ vom 28. Juni 2022 auch nicht als unnötige "second opini-
on" (vgl. BGE 140 V 507 E. 3.1 S. 510) betrachtet. Eine entsprechende 
Rüge hätte denn auch praxisgemäss unmittelbar nach der Mitteilung der 
Beschwerdegegnerin, es sei eine weitere Begutachtung erforderlich, erfol-
gen müssen – hier nach der Mitteilung vom 25. November 2021 (act. II 122; 
BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 275, 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258). Eine solche 
Rüge erfolgte unbestrittenermassen nicht, und die Beschwerdeführerin 
macht denn auch dergleichen im vorliegenden Verfahren nicht geltend. 
Dies zu Recht: Denn entscheidend für die Frage, ob weitere Abklärungen 
angeordnet werden können und müssen, ist, inwieweit die bereits vorlie-
genden Gutachten die von der Rechtsprechung gestellten inhaltlichen und 
beweismässigen Anforderungen erfüllen (vgl. Entscheid des Bundesge-
richts [BGer] vom 4. August 2022, 9C_561/2021, E. 4.1). Insoweit hielt die 
RAD-Ärztin Dr. med. U.________, Fachärztin für Neurologie, im Bericht 
vom 23. Juli 2020 überzeugend fest, dass auf das Gutachten der Begut-
achtungsstelle D.________ vom 24. Februar 2020 (sowie die übrigen me-
dizinischen Berichte) mangels klarer Einordnung der geltend gemachten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 17

Beschwerden nicht abgestellt werden könne (act. II 50 S. 9; vgl. auch E. 
3.5.2 hinten). Demnach sowie mit Blick darauf, dass es sich beim zu Han-
den des Krankentaggeldversicherers erstellten Gutachten der Begutach-
tungsstelle D.________ rechtsprechungsgemäss um eine versicherung-
sinterne Expertise handelt, bei der an die Beweiswürdigung strenge 
Anforderungen zu stellen sind, war die Beschwerdegegnerin gehalten, wei-
tere Abklärungen in Auftrag zu geben (vgl. Entscheid des BGer vom 27. 
Juni 2022, 8C_131/2022, E. 3.2.2). 

Hinsichtlich des bidisziplinären Gutachtens der Dres. med. E.________ und 
F.________ vom 20. November 2020 (act. II 68.1) ist sodann festzuhalten, 
dass sich Dr. med. F.________ trotz wiederholter Nachfrage seitens der 
Beschwerdegegnerin ausserstande sah, hinsichtlich der im interdiszi-
plinären Kontext für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als massgebend 
erachteten psychischen Beschwerden (S. 42) ein Zumutbarkeitsprofil zu 
formulieren (act. II 112; 117), womit auch insoweit die Durchführung einer 
weiteren Begutachtung indiziert war. Und dies umso mehr, als die Dres. 
med. E.________ und F.________ in medizinischer Hinsicht zu diametral 
gegensätzlichen Ergebnissen als zuvor die Experten der Begutachtungs-
stelle D.________ gelangten (vgl. E. 3.1.4 und 3.1.7 vorne). 

3.2.2 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, bei den drei im 
Recht liegenden Gutachten handle es sich um verwaltungsexterne Experti-
sen, welchen gleicher Beweiswert zukomme, weshalb unausweichlich ein 
Obergutachten zum Gesundheitsschaden und dessen Auswirkungen ein-
zuholen sei (Beschwerde, S. 7 f., Ziff. 2). Dem kann nicht gefolgt werden, 
ist doch nicht der nominelle Beweiswert, welcher einem ärztlichen Bericht 
aufgrund der von der Rechtsprechung entwickelten Richtlinien (vgl. BGE 
135 V 465 E. 4.4 S. 469) zukommt, massgebend, sondern es hat stets eine 
materielle Beweiswürdigung der im Recht liegenden medizinischen Doku-
mente Platz zu greifen, weshalb das formale Kriterium des nominellen Be-
weiswerts eines Dokuments allein nicht massgebend für die Frage nach 
der Erforderlichkeit weiterer Abklärungen ist. Davon abgesehen ist der Be-
weiswert der drei vorliegenden Gutachten entgegen der Beschwerde-
führerin nicht gleichwertig, wurde das Gutachten der Begutachtungsstelle 
D.________ vom 24. Februar 2020 doch nicht im gesetzlich vorgesehenen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 18

Verfahren nach aArt. 44 ATSG veranlasst (act. II 40 S. 2), womit ihm – wie 
in E. 3.2.1 vorne bereits dargelegt – lediglich der Beweiswert versiche-
rungsinterner ärztlicher Feststellungen zukommt. Sodann bleibt der 
Vollständigkeit halber anzumerken, dass die Gutachtensvergabe an die 
Dres. med. G.________ und H.________ anders als jene an die Dres. 
med. E.________ und F.________ nach dem Zufallsprinzip erfolgte (act. 
IIA 148; Art. 72bis Abs. 1bis und Abs. 2 IVV in der seit 1. Januar 2022 gelten-
den Fassung), womit – vorliegend indes nicht zur Debatte stehende – ge-
nerelle, aus den Rahmenbedingungen des Gutachterwesens fliessende 
Abhängigkeits- und Befangenheitsbefürchtungen neutralisiert werden (BGE 
139 V 349 E. 5.2.2.1 S. 355). 

3.2.3 Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich kritisiert, das 
Gutachten vom 28. Juni 2022 sei dem RAD nicht zur Prüfung und 
Beurteilung unterbreitet worden (Beschwerde, S. 8, Ziff. 2), kann sie auch 
daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten, besteht doch 
rechtsprechungsgemäss kein unbedingter Anspruch darauf, dass 
fachärztliche Berichte oder Gutachten dem RAD zur Stellungnahme 
vorgelegt werden (Entscheid des BGer vom 23. Juli 2020, 9C_257/2020, E. 
3.1).

3.2.4 Zu prüfen bleibt damit auf dem Wege der Beweiswürdigung, ob 
der Expertise der Dres. med. G.________ und H.________ vom 28. Juni 
2022 (act. IIA 190.1 ff.) im Lichte der übrigen medizinischen Berichte, na-
mentlich der bereits vorliegenden Gutachten, materieller Beweiswert der-
gestalt zukommt, dass sie zur Entscheidungsgrundlage der angefochtenen 
Verfügung vom 21. Oktober 2022 (act. IIA 212) erhoben werden durfte. 

3.3

3.3.1 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 19

ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.3.2

3.3.2.1 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352). 

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der 
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der 
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2020 IV Nr. 71 S. 246 E. 2.2).

3.3.2.2 Die im Rahmen der Weiterentwicklung der IV erfolgte und per 
1. Januar 2022 in Kraft getretene Neuordnung der Gutachtensvergabe (vgl. 
Art. 44 ATSG und Art. 7j ff. der Verordnung vom 11. September 2002 über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11] in 
den jeweils ab 1. Januar 2022 gültigen Fassungen) haben an der 
Rechtsprechung zum Beweiswert von Gutachten (vgl. E. 3.3.2.1 vorne) 
nichts geändert.

3.3.3

3.3.3.1 Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 20

trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 
145 V 215 E. 5.1 S. 221). Ferner muss in Anbetracht der sich mit Bezug auf 
Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten im Rahmen 
der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass 
die subjektiven Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich 
schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind. Dabei müssen 
die Schmerzangaben zuverlässiger medizinischer Feststellung und Über-
prüfung zugänglich sein (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 136 V 279 
E. 3.2.1 S. 281). Sowohl bei Leiden, deren Ursache bekannt oder (bildge-
bend) zu objektivieren ist, als auch bei Beschwerden mit unklarer Ätiologie 
und Kausalität vermögen die subjektiven Angaben der versicherten Person 
eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit jedenfalls 
nicht ohne Weiteres rechtsgenüglich nachzuweisen, sondern es hat stets 
eine sorgfältige Plausibilitätsprüfung der geltend gemachten Funktions-
einschränkungen zu erfolgen (BGE 140 V 290 E. 3.3.1 S. 296).

3.3.3.2 Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer 
ähnlichen Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheits-
schädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine 
erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem 
gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen 
angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine me-
dizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; de-
monstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig 
wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psy-
chosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 
51; SVR 2014 IV Nr. 7 S. 30 E. 4.2.2). Eine Aggravation kann auch von 
einem somatischen Gutachter festgestellt werden (Entscheid des BGer 
vom 3. März 2022, 8C_600/2021, E. 5.1.2). Deren Vorliegen führt recht-
sprechungsgemäss nicht automatisch zur Verneinung jeglicher versicher-
ten Gesundheitsschädigung, sondern nur insoweit, als die 
Leistungseinschränkung auf der Aggravation beruht oder als deren Folge 
nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann (Ent-
scheid des BGer vom 4. Juli 2022, 8C_2/2022, E. 6.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 21

3.4 Die gestützt auf die vollständige medizinische Aktenlage sowie in 
Auseinandersetzung mit den Vorgutachten erstellte bidisziplinäre Expertise 
der Dres. med. G.________ und H.________ vom 28. Juni 2022 (act. IIA 
190.1 ff.) erfüllt – einschliesslich der Stellungnahmen der Gutachter vom 
18. Oktober 2022 (act. IIA 211) – die Anforderungen der Rechtsprechung 
an Gutachten und erbringt vollen Beweis (vgl. E. 3.2.2 vorne). Die Experti-
se ist in Bezug auf die befundmässige und diagnostische Einschätzung in 
allen Teilen nachvollziehbar und es lassen sich gestützt darauf sämtliche 
vorliegend relevanten Tat- und Rechtsfragen zuverlässig beantworten. Da-
nach liegt weder in neurologischer noch in psychiatrischer Hinsicht eine 
gesundheitliche Beeinträchtigung vor, welche die Arbeits- und Leistungs-
fähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigt, was für den gesamten 
Beurteilungszeitraum gilt (act. IIA 190.2 S. 4 f.). 

3.5 Die Beschwerdeführerin macht unter Berufung auf den Bericht der 
behandelnden Neurologin Dr. med. J.________ vom 25. August 2022 
(act. IIA 204 S. 5-11) geltend, das neurologische Teilgutachten von Dr. 
med. G.________ leide an erheblichen Mängeln und könne nicht als 
verlässliche Entscheidungsgrundlage herangezogen werden (Beschwerde, 
S. 6, Ziff. 1.5). 

3.5.1 Entgegen der beschwerdeweisen Darstellung trifft es nicht zu, 
dass Dr. med. J.________ im nämlichen (zu Handen des Rechtsvertreters 
der Beschwerdeführerin verfassten) Bericht die Diagnose eines "idiopathi-
schen, erweiterten, neuralgischen, amyotrophen gegebenenfalls here-
ditären Syndroms" schlüssig nachgewiesen hat (Beschwerde, S. 6, Ziff. 
1.5). Dies namentlich deshalb nicht, weil im selben Bericht – insofern über-
einstimmend mit den meisten übrigen Berichten von Dr. med. J.________ 
(vgl. act. IIA 174 S. 8, 13, 22, 30, 34, 38, 42) – hinsichtlich des postulierten 
idiopathischen amyotrophen Syndroms lediglich eine Verdachtsdiagnose 
gestellt und die hereditäre neuralgische Amyothrophie einzig differential-
diagnostisch in Erwägung gezogen wurde (act. IIA 204 S. 5). Einzig im Be-
richt vom 11. Mai 2022 – welcher indes nicht von Dr. med. J.________ 
unterzeichnet wurde – wurde die hereditäre neuralgische Amyotrophie zur 
Diagnose erhoben (act. IIA 174 S. 3), um sie – wie eben gezeigt – im 
später erfolgten Bericht vom 25. August 2022 wieder allein differentialdia-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 22

gnostisch in Erwägung zu ziehen (act. IIA 204 S. 5). Damit ist eine gewisse 
Beliebigkeit in der Diagnosestellung in den Berichten der Klinik K.________ 
nicht gänzlich von der Hand zu weisen, worauf auch die Dres. med. 
G.________ und H.________ in ihrem interdisziplinären Gutachten hinwei-
sen (vgl. act. IIA 190.2 S. 2). Im Übrigen hat sich Dr. med. G.________ in 
seiner Stellungnahme vom 18. Oktober 2022 (act. IIA 211 S. 5 f.) ausführ-
lich mit dem Bericht von Dr. med. J.________ vom 25. August 2022 (act. 
IIA 204 S. 5-11) auseinandergesetzt und deren Kritik an seinem Gutachten 
schlüssig entkräftet. Darauf kann verwiesen werden. 

Sodann trifft es nach Lage der Akten nicht zu, dass Dr. med. L.________ 
im Jahr 2019 eine Schulteramyotrophie diagnostiziert hätte. Vielmehr wei-
sen die im Recht liegenden Berichte der erstbehandelnden Neurologin al-
lein entsprechende Verdachtsdiagnosen aus (vgl. act. II 21 S. 3, 5, 12, 16, 
18). In beweismässiger Hinsicht gilt eine Diagnose nicht als mit dem 
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 
144 V 427 E. 3.2 S. 429) ausgewiesen, wenn sie bloss als 
Verdachtsdiagnose gestellt werden kann (vgl. Entscheid des BGer vom 
17. Februar 2021, 8C_739/2020, E. 5.2). Inwieweit schliesslich Dr. med. 
V.________, Facharzt für Neurologie – gemäss Medizinalberuferegister 
handelt es sich hierbei ebenfalls um einen Arzt der Klinik K.________ (vgl. 
<www.medregom.admin.ch>) –, eine abschliessende neurologische Dia-
gnose gestellt hat (Beschwerde, S. 6, Ziff. 1.5, erster Aufzählungspunkt), 
lässt sich den von der Klinik K.________ mit dem Vermerk "wir hoffen auf 
Vollständigkeit" (act. IIA 174 S. 2) eingereichten Berichten nicht entneh-
men. Wohl wird dieser Arzt im Bericht von Dr. med. J.________ vom 
11. März 2020 erwähnt, es fehlen darin jedoch jegliche Hinweise auf eine 
diagnostische Einschätzung seinerseits (vgl. act. IIA 174 S. 43 f.). Wie es 
sich damit verhält, kann letztlich jedoch offen bleiben, da die Aktenlage 
hinsichtlich der Frage nach der Ausgewiesenheit der geltend gemachten 
neurologischen Störung insgesamt ein klares Bild zeigt. 

3.5.2 So ergibt sich – wie in E. 3.1 vorne dargelegt – aus den zahlrei-
chen Berichten der behandelnden und konsiliarisch hinzugezogenen Ärzte 
keine überwiegend wahrscheinlich organische Genese der geklagten Be-
schwerden (vgl. namentlich E. 3.1.1 f., E. 3.1.8 und E. 3.1.12 f. vorne). 

http://www.medregom.admin.ch

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 23

Doch auch die im Recht liegenden Berichte der RAD-Ärzte und die von der 
Beschwerdeführerin angerufenen Expertisen führen zu keinem anderen 
Ergebnis und vermögen die von Dr. med. J.________ im Bericht vom 
25. August 2022 postulierte Auffassung nicht zu untermauern: 

So hielt bereits die RAD-Ärztin Dr. med. O.________ nach Konsultation der 
vorliegenden medizinischen Berichte am 27. Februar 2020 fest, die Dia-
gnose einer neuralgischen Amyotrophie der Schulter habe sich neurolo-
gisch bei unauffälliger Elektrophysiologie und unauffälliger MRI-Darstellung 
des Plexus nicht bestätigen lassen und die diffusen und undulierenden Be-
schwerden ohne neurologische Zuordnung wiesen noch viel weniger auf 
das Vorliegen einer hereditären neuralgischen Amyotrophie hin (vgl. E. 
3.1.5 vorne). Diese Einschätzung deckt sich vorbehaltlos mit jener im Gut-
achten der Dres. med. G.________ und H.________.  

Ferner listete Dr. med. E.________ im gemeinsam mit Dr. med. 
F.________ verfassten bidisziplinären Gutachten vom 20. November 2020 
(act. II 68.1) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zwar eine 
Polyneuropathie unklarer Ätiologie auf (S. 19), was er mit Hinweisen in 
anamnestischer und klinisch-neurologischer Hinsicht begründete (S. 21), 
eine Einschätzung, welche Dr. med. G.________ jedoch mit Blick auf die 
nicht nachvollziehbaren Funktionseinschränkungen als fachlich nicht er-
klärbar bezeichnete (act. IIA 211 S. 5 f.). Im Übrigen wies Dr. med. 
E.________ – eigenständig aufgelistet unter den Diagnosen ohne Einfluss 
auf die Arbeitsfähigkeit – auf eine ausgeprägte Verdeutlichungstendenz 
bzw. Aggravation im Rahmen der neurologischen Untersuchung hin (act. II 
68.1 S. 19; vgl. auch E. 3.6.2 hinten) und hielt weiter fest, eine Beurteilung 
des Schweregrades der Beeinträchtigungen werde in hohem Mass durch 
den Umstand erschwert, dass die Beschwerdeführerin eine Vielzahl von 
Beschwerden und Beeinträchtigungen schildere, welche anscheinend in 
raschem Wechsel vorhanden sein könnten, einem neurologischen Krank-
heitsbild jedoch nicht zuordenbar seien (S. 19 f.). In der Konsensbeurtei-
lung gelangten die Experten zum Schluss, dass eine allfällige organische 
Grundlage der Beschwerden "deutlich im Hintergrund" stehen dürfte (S. 42; 
vgl. E. 3.1.7 vorne). Wenn beschwerdeweise geltend gemacht wird, im 
Gutachten der Dres. med. E.________ und F.________ werde ein objekti-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 24

vierbarer neurologischer Gesundheitsschaden bejaht (S. 6, Ziff. 1.4), so ist 
dies deshalb zumindest erheblich zu relativieren. Soweit Dr. med. 
E.________ aus neurologischer Sicht bei weitestgehend fehlender Zuor-
denbarkeit geklagter Beschwerden zu einer fassbaren Pathologie sowie 
gleichzeitig ausgeprägter Verdeutlichungstendenz dennoch eine 20%ige 
Arbeitsunfähigkeit (in der bisherigen Tätigkeit) attestierte (act. II 68.1 S. 
25), überzeugt dies – wie auch Dr. med. G.________ unter Hinweis auf die 
organisch nicht plausible Beschwerdepräsentation schlüssig darlegte (act. 
IIA 190.3 S. 25) – somit nicht und vermag namentlich keine Zweifel am 
Beweiswert dessen Gutachtens zu wecken. 

Sodann hielten die Experten der Begutachtungsstelle D.________ im Gut-
achten vom 24. Februar 2020 zwar fest, die subjektiv geklagten Beschwer-
den könnten auf neurologischem Gebiet "im Wesentlichen objektiviert 
werden". Die dabei postulierten Hinweise auf Nervenläsionen vom axona-
len Typ (act. II 40 S. 22) stellen jedoch bei Lichte besehen einzig eine (dif-
ferentialdiagnostisch in Erwägung gezogene) Vermutung dar, was denn in 
der Epikrise auch deutlich zum Ausdruck gelangt (vgl. S. 19; E. 3.1.4 vor-
ne). Die RAD-Ärztin Dr. med. U.________ hielt im Bericht vom 23. Juli 
2020 insoweit überzeugend fest, dass aus dem Gutachten der Begutach-
tungsstelle D.________ (wie auch den übrigen Unterlagen) weder die Ge-
nese der bestehenden Beschwerden noch das Ausmass und die daraus 
resultierenden Leitungseinbussen ableitbar seien. Es seien verschiedene 
neurologische Verdachtsdiagnosen gestellt worden, die jedoch alle nur die 
Symptomatik in unterschiedlicher Art und Weise beschrieben, ohne diese 
klar einordnen zu können (act. II 50 S. 9). In der Tat wurde im Gutachten 
der Begutachtungsstelle D.________ in Bezug auf die als objektivierbarer 
Befund deklarierten Nervenläsionen vom axonalen Typ (act. II 40 S. 22) 
lediglich festgehalten, das elektroneurographische Bild spreche "eher" für 
ein axonales Geschehen bzw. es sei "schlussendlich […] am ehesten an 
eine axonale, überwiegend symmetrische, distal betonte Neuropathie mit 
Beteiligung von Hirnnerven zu denken" (S. 19). In der Folge wurde eine 
weitergehende neurologische Diagnostik als "dringend" erachtet (S. 22). 
Trotz der – ausdrücklich als solche bezeichneten – nicht abschliessend 
geklärten Pathogenese der geklagten Beschwerden wurde basierend auf 
den Angaben der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 25

sämtliche Tätigkeiten attestiert (S. 20), was unter beweisrechtlichem Blick-
winkel nicht genügt (vgl. E. 3.3.3.1 vorne) und denn auch nicht überzeugt. 
Auffallend ist zudem, dass Dr. med. J.________ bereits im Bericht vom 
29. Oktober 2020 elektroneurographisch kaum mehr axonale Läsionen an 
Armen und Beinen feststellen konnte; hinsichtlich des im selben Bericht in 
Betracht gezogenen CIDP wies sie zudem darauf hin, dass die übrigen 
Befunde diese Diagnose nicht stützten (act. II 64 S. 12). Insgesamt kann 
auch auf die Folgeabschätzung im Gutachten der Begutachtungsstelle 
D.________, es liege (aus neurologischer Sicht) eine gänzliche Arbeitsun-
fähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vor (act. II 40 S. 23), nicht abgestellt 
werden und auch dieses Gutachten vermag die Schlussfolgerungen in der 
neurologischen Teilexpertise von Dr. med. G.________ bzw. in der 
interdisziplinären Beurteilung der Dres. med. G.________ und H.________, 
wonach in neurologischer Hinsicht keine Diagnose vorliege, nicht in Frage 
zu stellen. 

3.5.3 Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch aus dem Bericht 
von Dr. med. I.________ vom 12. August 2022 (act. IIA 199 S. 2 ff.) nichts 
zu ihren Gunsten abzuleiten. Zwar bezeichnete ihr Hausarzt deren 
Beschwerden als "real", vermochte aber kein entsprechendes organisches 
Korrelat zu benennen. Im Gegenteil räumte auch er ein, die Befundlage 
und die Diagnose seien nicht geklärt. 

3.6 Im Weiteren wurde im bidisziplinären Gutachten der Dres. med. 
G.________ und H.________ vom 28. Juni 2022 auch in psychischer 
Hinsicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt 
(act. IIA 190.2 S. 4), was beschwerdeweise (zu Recht) unbeanstandet 
blieb. Dennoch ist auf die folgenden Punkte hinzuweisen (Art. 61 lit. c 
ATSG): 

3.6.1 Die Einschätzung von Dr. med. H.________, wonach keine 
Diagnose aus dem psychiatrischen Formenkreis gestellt werden kann, 
deckt sich mit der Beurteilung im Gutachten der Begutachtungsstelle 
D.________ vom 24. Februar 2020 (vgl. act. II 40 S. 21), nicht jedoch mit 
jener in der Expertise der Dres. med. E.________ und F.________ vom 20. 
November 2020, worin aus psychiatrischer und in der Folge 
interdisziplinärer Sicht eine für die Beurteilung der Arbeits- und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 26

Leistungsfähigkeit massgebende anhaltende somatoforme Schmerzstörung 
und eine Neurasthenie diagnostiziert wurden (act. II 68.1 S. 42). Hierzu ist 
zunächst zu bemerken, dass Dr. med. F.________ selber einräumte, die 
Ursache für den Ausbruch der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung 
bleibe "im Dunkeln"; es müsse sich um eine Dekompensation im Rahmen 
des Psychischen handeln, die zu psychosomatischen Symptomen führe 
(S. 35 f.). Damit erweist sich seine Diagnosestellung im Ergebnis als 
spekulativ. Wie Dr. med. H.________ im Rahmen der interdisziplinären 
Beurteilung überzeugend ins Feld führte, müssten die bei einer 
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung vorherrschenden 
andauernden, schweren, durch einen physiologischen Prozess oder eine 
körperliche Erkrankung nicht vollständig erklärbaren Schmerzen in 
Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen 
auftreten, welche schwerwiegend genug seien, um als entscheidender 
ursächlicher Einfluss zu gelten (vgl. DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT [Hrsg.], 
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], 
Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 233). Indessen liegen 
solche Gegebenheiten hier nicht vor und haben nach der Aktenlage zu 
keinem Zeitpunkt vorgelegen (act. IIA 190.2 S. 2; vgl. E. 3.1.14 vorne). 
Auch wies er darauf hin, dass in Anbetracht der deutlichen Hinweise auf 
Aggravation (vgl. E. 3.6.2 sogleich) die Diagnose einer Neurasthenie nicht 
gestellt werden könne (act. IIA 190.1 S. 91). Im Übrigen erachtete sich die 
Beschwerdeführerin zu keinem Zeitpunkt als psychisch krank und nahm 
auch nie entsprechende Behandlungen in Anspruch (act. II 40 S. 9, 20; 
68.1 S. 37; 190.1 S. 94). Vielmehr legte sie selber ausführlich und 
durchaus plausibel dar, weshalb die Diagnosen einer anhaltenden 
somatoformen Schmerzstörung und einer Neurasthenie nicht gestellt 
werden können (act. II 75 S. 15 f.). In diesem Zusammenhang ist denn 
auch zu betonen, dass das Fehlen somatischer Befunde (vgl. E. 3.5 vorne) 
in medizinischer und in der Folge rechtlicher Hinsicht nicht automatisch zur 
Annahme einer psychischen Genese der geklagten Beschwerden führt (vgl. 
act. IIA 190.1 S. 90; Entscheid des BGer vom 24. September 2020, 
9C_398/2020, E. 2.3), sondern es müssen die spezifischen diagnostischen 
Kriterien für die Annahme einer psychischen Krankheit erfüllt sein. Im 
Weiteren bestehen auch keine Hinweise für das Vorliegen einer 
Persönlichkeitsstörung, wobei Dr. med. H.________ auch keine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 27

akzentuierten Persönlichkeitszüge bestätigen konnte (act. IIA 190.1 S. 87), 
welche von Dr. med. F.________ – fälschlicherweise als ICD-10 F73.1 
(statt Z73.1) codiert (act. II 68.1 S. 33) – unter den Diagnosen mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgelistet wurden. Selbst jedoch, wenn 
solche vorliegen würden, führte dies nicht zur Annahme eines 
invalidenversicherungsrechtlich relevanten Leidens (vgl. act. IIA 190.1 S. 
87; Entscheid des BGer vom 1. Juni 2022, 8C_804/2021, E. 4.1.3). 

Wenn Dr. med. H.________ deshalb mit Blick auf die anlässlich der 
Begutachtung blande Befundlage (act. IIA 190.1 S. 81 f.), die 
aktenanamnestisch fehlenden Hinweise auf eine psychische Erkrankung 
bei gleichzeitigem Fehlen jeglicher Anhaltspunkte für eine 
(krankheitswertige) Dissimulation sowie in überzeugender Widerlegung der 
anderweitigen Auffassung von Dr. med. F.________ das Vorliegen einer 
psychischen Störung von Krankheitswert verneinte, ist dies nachvollziehbar 
und überzeugend.

3.6.2 Schliesslich ist nochmals auf den bereits in E. 3.5.2 vorne ins Feld 
geführten Aspekt der Verdeutlichungstendenzen bzw. der Aggravation, auf 
welchen weder die Beschwerdeführerin noch die Dres. med. I.________ 
und J.________ in ihren Berichten vom 12. bzw. 25. August 2022 (act. IIA 
199 S. 2 ff.; 204 S. 5-11) eingehen, zurückzukommen: Insoweit wurde 
bereits im Gutachten der Begutachtungsstelle D.________ festgestellt, 
dass die geschilderte Schmerz- und weitere Empfindungssymptomatik in 
ihrem Detailreichtum und vor dem Hintergrund des bei der Beschwerdefüh-
rerin vorhandenen medizinischen Wissens bezüglich ihrer real dahinterste-
henden Pathologie den Untersucher vorerst etwas irritiere; dennoch wurde 
in der Folge vom Vorliegen eines somatischen Kerns hinsichtlich der gel-
tend gemachten Beschwerden ausgegangen (act. II 40 S. 17). Zu einem 
eindeutigeren Schluss gelangte Dr. med. E.________, welcher auf eine 
Vielzahl von Hinweisen bezüglich einer Verdeutlichung / Aggravation hin-
wies (act. II 68.1 S. 21), wobei er unter anderem feststellte, dass die ange-
gebenen Paresen vor dem Hintergrund der Einzelkraftprüfung zu einer 
Greif-, Steh- und Gehunfähigkeit der Beschwerdeführerin führen müssten, 
diese jedoch zügig und dynamisch auf einem Bein habe hüpfen können 
(S. 20). Während Dr. med. E.________ – wohl unter dem Eindruck der von 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 28

Dr. med. F.________ gestellten psychiatrischen Diagnosen – die Aggrava-
tion als bewusstseinsfern qualifizierte (S. 23), erachteten die Dres. med. 
G.________ und H.________ im Rahmen ihrer Expertise die als deutlich 
beurteilten Aggravationstendenzen als bewusstseinsnah (act. IIA 190.2 S. 
3). Deren Einschätzung überzeugt insofern, als diese Gutachter mit schlüs-
siger Begründung keine psychiatrische Diagnose stellen (vgl. E. 3.6.1 vor-
ne) konnten und Dr. med. H.________ im Übrigen auch ausdrücklich 
festhielt, das aggravatorische Verhalten könne nicht mit einer psychischen 
Störung erklärt werden (vgl. act. IIA 190.1 S. 88). Wird zudem berücksich-
tigt, dass – wie schon die RAD-Ärztin Dr. med. O.________ ins Feld führte 
– trotz geltend gemachter maximaler Schmerzüberlastung, damit verbun-
dener Schlafstörungen und immer grösserer Beeinträchtigung im Alltag 
kaum wirksame schulmedizinisch erprobte Medikamente zum Einsatz ge-
langten (vgl. act. II 33 S. 6; 40 S. 9; 68.1 S. 22; 190.1 S. 79), die in einem 
psychosozial intakten Umfeld lebende Beschwerdeführerin (act. II 40 S. 21; 
IIA 190.1 S. 89) ihr Verhalten in verschiedenen Untersuchungen gemäss 
Beobachtung und Einschätzung der Dres. med. G.________ und 
H.________ modulierte (act. IIA 190.2 S. 4) und im Rahmen der Begutach-
tung bei Dr. med. H.________ auch eine Blutentnahme sowie eine Urinun-
tersuchung verweigerte (act. IIA 190.1 S. 93), so sind die Voraussetzungen 
für die Annahme einer Aggravation mit Blick auf die dargelegte Rechtspre-
chung auch in rechtlicher Hinsicht ohne weiteres erfüllt (vgl. E. 3.3.3.2 vor-
ne). 

3.7 Aus dem Dargelegten folgt in (beweis-)rechtlicher Hinsicht, dass 
gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. med. G.________ und 
H.________ vom 28. Juni 2022 die geltend gemachten Einschränkungen 
weder fachärztlich einwandfrei diagnostiziert noch die geklagten Be-
schwerden durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare 
Befunde hinreichend erklärt bzw. die geltend gemachten Funktionsein-
schränkungen plausibilisiert werden konnten (vgl. E. 3.3.3.1 vorne). Darü-
ber hinaus besteht eine erhebliche Verdeutlichungstendenz bzw. eine 
Aggravation (vgl. E. 3.6.2 vorne). Ob deren Ausprägung bereits für sich 
genommen zur Verneinung jeglicher versicherten Gesundheitsschädigung 
führte, kann offen bleiben. Jedenfalls trägt die Aggravation massgeblich 
dazu bei, dass in deren Folge eine invalidenversicherungsrechtlich relevan-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 29

te Beeinträchtigung medizinisch nicht erstellt werden konnte, womit auch 
insoweit bzw. im Verbund mit dem weitgehenden Fehlen fassbarer objekti-
vierbarer Befunde das Vorliegen eines rechtlich relevanten Gesundheits-
schadens zu verneinen ist (vgl. E. 3.3.3.2 vorne). Folglich besteht kein 
Anspruch auf eine Invalidenrente (vgl. E. 2.2 f. vorne). 

3.8 Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung vom 
21. Oktober 2022 als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist 
abzuweisen.

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei 
diesem Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdeführerin zu 
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Diese werden dem 
geleisteten Kostenvorschuss gleicher Höhe entnommen. 

4.2 Gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG 
(Umkehrschluss) hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine 
Parteientschädigung. Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als Sozial-
versicherungsträgerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. 
dazu auch BGE 128 V 124 E. 5b S. 133).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 12. Jan. 2023, IV/22/707, Seite 30

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.