# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4bcfab7a-38e1-50ef-ad25-dc0d18c1906b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 D-5506/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5506-2011_2011-10-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5506/2011

U r t e i l   v om   1 1 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi,
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;   
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

Parteien A._______, geboren B._______,
Tunesien, 
und dessen Ehegattin
C._______, geboren D._______,
alias E._______, geboren D._______,
Tunesien, 
F._______,
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin­Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 16. September 2011 / N _______.

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  die  Beschwerdeführenden,  ein  tunesisches  Ehepaar,  eigenen 
Angaben zufolge Tunesien am 26. März 2011 verliessen und am 23. Juli 
2011  via  Italien  illegal  in  die  Schweiz  gelangten,  wo  sie  gleichentags 
Asylgesuche stellten,

dass  die  Beschwerdeführenden  anlässlich  der  Kurzbefragung  im 
Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  in  G._______  am  2.  August 
2011  zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  im  Wesentlichen  geltend 
machten, sie hätten ihre Heimat aus familiären Gründen verlassen,

dass die Beschwerdeführerin dazu ausführte,  ihr Stiefvater habe sie und 
ihre Mutter schlecht behandelt und die Mutter manchmal geschlagen,

dass  der  Stiefvater  auch  ihr  gegenüber  handgreiflich  geworden  sei, 
worauf  sie  ihn  bei  der  tunesischen  Polizei  angezeigt,  diese  ihr  jedoch 
nicht geglaubt habe,

dass  sie  bei  ihrem  Ehemann  Unterstützung  gefunden  habe  und  sie 
zusammen beschlossen hätten fortzugehen,

dass  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  erklärte,  die  Eltern  seiner 
Gattin seien mit ihrer Beziehung nicht einverstanden gewesen,

dass  der Stiefvater  der Beschwerdeführerin  ihn  geschlagen  und  ihn mit 
der  Behauptung  bei  der  Polizei  angezeigt  habe,  er  schlage  dessen 
Stieftochter, worauf er verhaftet worden sei,

dass  die  Cousins  der  Beschwerdeführerin  versucht  hätten,  ihn 
umzubringen,

dass  sie  in  Italien  im  Besitz  eines  bis  Mai  2012  gültigen  "permesso  di 
soggiorno" gewesen seien,

dass  ein  Abgleich  mit  der  Zentraleinheit  Eurodac  ergab,  dass  die 
Beschwerdeführenden  am  30.  März  2011  in  H._______  (Italien) 
daktyloskopiert worden waren und dort am 5. Juli 2011 um Asyl ersucht 
hatten,

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dass die Beschwerdeführenden mit Entscheid des BFM vom 11. August 
2011  für  den weiteren  Aufenthalt  während  des  Verfahrens  dem Kanton 
I._______ zugewiesen wurden,

dass  das  BFM  am  19.  August  2011  Italien  um  Übernahme  der 
Beschwerdeführenden ersuchte,

dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  3. 
September 2011 unbeantwortet liess,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  16.  September  2011  –  eröffnet  am 
19. September  2011  –  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche 
nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz nach Italien sowie den 
Vollzug  bis  spätestens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist 
anordnete,

dass gleichzeitig festgehalten wurde, einer allfälligen Beschwerde komme 
keine aufschiebende Wirkung zu,

dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  22.  September  2011 
(Poststempel: 23. September 2011) gegen die Verfügung der Vorinstanz 
via  BFM  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhoben  und  in 
materieller Hinsicht beantragten, diese Verfügung sei aufzuheben, es sei 
festzustellen,  dass  die  vorsorgliche  Wegweisung  in  einen  Drittstaat 
undurchführbar  sei  und  die  Beschwerdeführenden  den  Ausgang  des 
Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könnten,  es  sei  ihnen  die 
Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren  und  es  sei 
ihnen  die  vorläufige  Aufnahme  infolge  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit 
und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzuges zu gewähren, 

dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021),  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
und  eventualiter  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der 
Beschwerde ersuchten,

dass die Beschwerdeführerin eine Kopie ihrer Terminvereinbarung für die 
nächste Konsultation im J._______ der Rechtsmittelschrift beilegte,

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dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  5.  Oktober  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 
33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 
173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in 
casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig 
entscheidet,

dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde – 
unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden  Erwägungen  –  einzutreten  ist  (Art. 
108 Abs.  2 AsylG  sowie Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art.  52 
Abs. 1 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – 
offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

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dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der 
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 
und 2 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E.  2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass deshalb auf den Antrag auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 
und auf Gewährung von Asyl nicht einzutreten ist,

dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für 
Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 
1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass  eine  entsprechende Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits  im 
Rahmen  des  Nichteintretensentscheides  stattfinden  muss  (vgl.  BVGE 
2010/45 E. 10.2 S. 645),

dass  dementsprechend  die  Anordnung  von  Ersatzmassnahmen 
respektive  die  Feststellung  von  diesen  zugrundeliegenden 
Vollzugshindernissen  auch  nicht  Gegenstand  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens sein kann,

dass  deshalb  auf  die  Beschwerde  nicht  einzutreten  ist,  soweit  darin 
beantragt wird, es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen,

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dass  die  Vorinstanz  keine  vorsorgliche  Wegweisung  in  einen  Drittstaat 
verfügte,  weshalb  mangels  Anfechtungsgegenstandes  auf  den 
diesbezüglichen Antrag nicht einzutreten ist,

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  daktyloskopische 
Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführenden am 5. Juli 
2011 in Italien  Asylgesuche eingereicht hätten,

dass gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 
des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und 
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der  für die Prüfung eines 
Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in 
einem Mitgliedstaat gestellt hat (Dublin­II­VO), Italien für die Prüfung der 
am  23.  Juli  2011  in  der  Schweiz  eingereichten  Asylgesuche  der 
Beschwerdeführenden als zuständig zu erachten sei,

dass die Beschwerdeführenden im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 
2.  August  2011  die  Abklärungsresultate  des  BFM  bestätigt  und 
hinzugefügt  hätten,  in  Italien weder eine Arbeit  noch eine Unterkunft  zu 
haben, 

dass  die  Vorinstanz  gleichzeitig  ausführte,  diese  Aussagen  der 
Beschwerdeführerenden  würden  kein  Hindernis  für  eine  Wegweisung 
nach Italien darstellen, zumal es sich um logistische Probleme handle, die 
die  Beschwerdeführenden  mit  den  Behörden  des  zuständigen  Dublin­
Staates  regeln  müssten,  weil  Italien  seinen  rechtsstaatlichen 
Verpflichtungen nachkomme,

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  nach 
Italien zu bejahen seien,

dass  die  Beschwerdeführenden  in  der  Beschwerdeschrift  im 
Wesentlichen  vorbrachten,  weder  in  Tunesien  noch  in  Italien  ein 
normales Leben führen zu können,

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dass  die  Beschwerdeführerin  (…)  erfahren  habe,  ihr  Vater  sei  nicht  ihr 
leiblicher Vater, und es regelmässig zu Auseinandersetzungen zwischen 
ihnen gekommen sei,

dass sie vom Stiefvater gezwungen worden sei,  für die Familie arbeiten 
zu gehen, und sie  im Unterlassungsfall von  ihm geschlagen worden sei, 
weshalb  sie  auf  der  Strasse  oder  im  Park  gewohnt  habe,  um  nicht  zu 
Hause sein zu müssen, 

dass ihre Mutter nichts habe einwenden können, da diese an (…) leide,

dass sich die Beschwerdeführenden währenddessen kennengelernt und 
geheiratet hätten,  ihr Stiefvater  jedoch gegen diese Beziehung gewesen 
sei  und  Verwandte  beauftragt  habe,  ihren  Ehegatten 
zusammenzuschlagen, und (…),

dass  sich  die  Beschwerdeführerin  mit  ihren  Anliegen  an  soziale 
Einrichtungen  gewandt  habe,  jedoch  nichts  von  den  tunesischen 
Behörden unternommen worden sei, um ihr zu helfen,

dass sie  in  Italien auch  im Park habe übernachten müssen, weshalb sie 
nicht dorthin zurückkehren wolle, da es ihr in Italien weder möglich sei zu 
arbeiten noch ein normales Leben zu führen,

dass die Beschwerdeführenden seit drei Jahren verheiratet seien, (…) sie 
sich möglicherweise einer Operation unterziehen müsse und die Sorgen 
um ihren Gesundheitszustand an ihr zehren würden,

dass sie am 31. Oktober 2011 einen Arzttermin im J._______ habe,

dass sie zudem darum bittet, bis zur Operation in der Schweiz bleiben zu 
dürfen,

dass der Aufenthalt der Beschwerdeführenden in Italien unbestritten ist,

dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden 
um  Rückübernahme  der  Beschwerdeführenden  bis  zum  3.  September 
2011  nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italien  gemäss 
Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung 
definitiv geworden ist (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO),

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dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 
über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ist und keine konkreten Hinweise 
dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  daraus  resultierenden 
Verpflichtungen halten,

dass  Italien  die  Mindestnormen  der  EU  für  die  Aufnahme  von 
Asylsuchenden  anwendet  und  demzufolge  Aufnahmestrukturen  zur 
Verfügung stellt,

dass  die  medizinische  Grundversorgung  in  Italien  grundsätzlich 
gewährleistet ist,

dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der 
Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur 
zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können,

dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen 
Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert 
sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den 
Aufnahmezentren führt,

dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den 
Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen 
Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien 
verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie 
Nr. 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 (Aufnahmerichtlinie),

dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik 
steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen, 
welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber 
insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,

dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­
Rückkehrende  und  verletzliche  Personen,  bezüglich  Unterbringung  von 
den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich – 
neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private 
Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen 
annehmen,

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dass  vor  diesem  Hintergrund  die  allgemeine  Kritik  am  italienischen 
Asylverfahren  sowie  das  Vorbringen,  es  fehle  an  staatlicher 
Unterstützung, nicht zu überzeugen vermögen,

dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  erstmals 
darauf  hinweist,  an  (…)  zu  leiden,  diese  jedoch  weder  belegt  noch 
präzisiert wird und aus der Beschwerdeschrift  nicht  ersichtlich  ist, wann 
sie von diesem Befund Kenntnis erhielt, 

dass sie bei der Befragung vom 2. August 2011 im EVZ in G._______ – 
nach  den  Gründen,  die  gegen  die  Wegweisung  nach  Italien  sprechen 
könnten,  gefragt  –  keine  diesbezüglichen  Einwendungen  vorbrachte, 
sondern lediglich geltend machte, sie wolle nicht nach Italien zurück, weil 
sie dort  keine Arbeit finde,

dass  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Probleme  der 
Beschwerdeführerin im erstinstanzlichen Verfahren nicht erwähnt wurden, 
sie  indessen  einen  in  einem  Spital  in  H._______  erstellten  Arztbericht 
vom  30.  Juni  2011  bei  der  Vorinstanz  abgab  (vgl.  A9/S.  4),  der  Arzt 
jedoch nur bestätigt, dass die Beschwerdeführerin einen (...) habe, 

dass  sich  unter  den  vorinstanzlichen  Akten  zudem  ein  Arztbericht  vom 
5. August  2011  (A12/2)  befindet,  welcher  auf  einen  Spitalbesuch 
aufgrund (...) schliessen lässt, 

dass die Beschwerdeführerin  in der Rechtsmitteleingabe darauf hinweist 
und belegt,  für Ende Oktober 2011 einen Arzttermin beim J._______ zu 
haben, jedoch nicht weiter darauf einzugehen ist, da die gesundheitlichen 
Probleme  der  Beschwerdeführerin  –  wie  bereits  erwähnt  –  nicht  weiter 
substanziiert  wurden  und  auch  bei  einer  Verschlechterung  ihres 
Gesundheitszustandes  die  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  nicht 
angezeigt wäre, da nach Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts die 
medizinische Versorgung in Italien gewährleistet ist,

dass Italien die Aufnahmerichtlinie ohne Beanstandungen von Seiten der 
Europäischen  Kommission  umsetzte  und  nebst  den  staatlichen 
Strukturen  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen,  welche  Asylsuchende 
betreuten, existieren,

dass  deshalb  die  Beschwerdeführerin  gehalten  ist,  sich  betreffend  eine 
allfällige  medizinische  Betreuung  an  eine  medizinische  Einrichtung  in 

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Italien zu wenden, was sie nachgewiesenermassen bereits während ihres 
Aufenthaltes in Italien tat,

dass  die Beschwerdeführenden  auch  keine  anderen Gründe  vorbringen 
können,  die  die  Zuständigkeit  der  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl­ 
und Wegweisungsverfahrens nach sich ziehen würden beziehungsweise 
die der Ausreise in den Drittstaat entgegen stünden,

dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der 
Verhältnisse  in  Italien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  der 
Beschwerdeführenden Anlass zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts  im 
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht,

dass die Beschwerdeführenden weder  im Rahmen des  ihnen gewährten 
rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte 
Vorbehalte gegen eine Rückkehr nach  Italien geltend machten, weshalb 
keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  dass  sie  im  Falle 
einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten würden,

dass  das  BFM  aufgrund  dieser  Sachlage  –  entgegen  der  in  der 
Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – richtig folgerte, Italien habe die 
Beschwerdeführenden zurück zu übernehmen,

dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im 
konkreten Einzelfall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Wegweisung 
aus humanitärer Sicht im Sinne von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 
vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  als 
unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­7221/2009  vom  10.  Mai  2011  E.  8.2  und 
8.3, mit weiteren Hinweisen),

dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der 
Beschwerdeführenden  nach  Italien  weder  völkerrechtliche 
Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre Gründe  entgegenstehen, 
weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur 
Anwendung  gelangt  und  folglich  das BFM  zu Recht  in  Anwendung  von 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf die Asylgesuche nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG), 
vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und 
zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. BVGE 

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Seite 11

2008/34  E.  9.2  S.  510,  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK  2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass  – wie  bereits  erwähnt  –  im Rahmen  des Dublin­Verfahrens,  bei 
dem es sich um ein Überstellungsverfahren in den für die Prüfung des 
Asylgesuches  zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum 
bleibt für Ersatzmassnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. 
Art. 83 Abs. 1 AuG,

dass  eine  entsprechende  Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr 
bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl. 
vorstehende Erwägungen, BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass  die  Beschwerdeführenden  demnach  nicht  darzutun  vermögen, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist,

dass  das  Gesuch  um  Erstreckung  der  Ausreisefrist  zur  Vornahme 
einer Operation abzuweisen  ist,  da aufgrund der Akten einerseits gar 
nicht  feststeht,  ob  eine  solche  vorzunehmen  ist,  und  anderseits  eine 
solche auch in Italien durchgeführt werden könnte,

dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  und  der  Antrag  auf  Gewährung  der 
aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  mit  vorliegendem  Urteil 
gegenstandslos werden,

dass  die  Beschwerde  angesichts  der  vorstehenden  Erwägungen  als 
aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb das Gesuch um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2 
VwVG  –  unabhängig  von  der  Frage  der  Bedürftigkeit  der 
Beschwerdeführenden – abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.– 
(Art.  16 Abs.  1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  2  und  3  des Reglements  vom 

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Seite 12

21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  den 
Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

D­5506/2011

Seite 13

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Regula Frey

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