# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6152eb3f-4e3c-59e3-ab5f-79a305b59d18
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-22
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 22.03.2021 460 20 109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-20-109_2021-03-22.pdf

## Full Text

Seite 1  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

22. März 2021 (460 20 109) 

____________________________________________________________________ 

 
Strafrecht 

 
Versuchte schwere Körperverletzung etc. 

 

 

Besetzung Vizepräsident Markus Mattle, Richter Daniel Häring (Ref.),                   

Richterin Susanne Afheldt; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,                                            

Allgemeine Hauptabteilung,                                                       

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde 

 

A.____,  

vertreten durch Advokat Georg Ranert,                                       

Schulstrasse 23, 4132 Muttenz,  

Privatklägerin und Berufungsklägerin 

 

B.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt F.____,  

Privatklägerin und Berufungsklägerin 

 

C.____, 

vertreten durch Advokatin Elisabeth Vogel,  

Advokatur Horlacher Hofer & Vogel,  

Bäumleingasse 2, Postfach 1544, 4001 Basel,  

Privatkläger 

  

gegen 

 

 D.____,  

vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Trütsch,                             

Wolf Kuny Trütsch Rechtsanwälte, Postplatz 6, 6430 Schwyz,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

Gegenstand Versuchte schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft vom 

13. März 2020 

 

 

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A. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgericht) vom 13. März 

2020 wurde D.____ der versuchten schweren Körperverletzung, des mehrfachen Missbrauchs 

von Ausweisen und Schildern, der mehrfachen Urkundenfälschung, des mehrfachen Betrugs so-

wie der Unterlassung der Buchführung schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Frei-

heitsstrafe von 24 Monaten (ohne Berücksichtigung der Verletzung des Beschleunigungsgebots 

28 Monate), bei einer Probezeit von 4 Jahren, verurteilt. Das wegen Ungehorsams des Schuld-

ners im Konkursverfahren geführte Strafverfahren wurde zufolge Eintritts der Verfolgungsverjäh-

rung eingestellt und D.____ wurde vom Vorwurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten 

freigesprochen (Dispositiv-Ziffer 1.2). Des Weiteren wurden E.____ und D.____ in solidarischer 

Haftung verurteilt, C.____ Fr. 88.20 zuzüglich Zins zu 5% seit mittlerem Verfall am 22. Juni 2014 

als Schadenersatz sowie Fr. 4'500.-- zuzüglich Zins zu 5% ab 18. Juni 2014 als Genugtuung zu 

bezahlen. D.____ wurde zudem verurteilt, der B.____ Fr. 7’050.-- als Schadenersatz zu bezahlen. 

Die Mehrforderung wurde auf den Zivilweg verwiesen. Auf die Schadenersatzforderung von 

A.____ gegen D.____ über Fr. 12'240.-- zuzüglich Zins zu 5% seit Februar 2017 wurde nicht 

eingetreten (res iudicata) und die Zivilklage von A.____ gegen D.____ über Fr. 923.-- zuzüglich 

Zins zu 5% seit 1. Januar 2016 wurde abgewiesen (Dispositiv-Ziffer 2). In einem weiteren Punkt 

wurde das Honorar des amtlichen Verteidigers von D.____ in Höhe von insgesamt Fr. 13'927.30 

(Kostennote A: Fr. 2'068.65; Kostennote B: Fr. 11'858.65), wovon Fr. 2'014.80 für den Aufwand 

vor Anklageerhebung sowie Fr. 11'912.50 für den Aufwand nach Anklageerhebung, inkl. Ausla-

gen und MWST) aus der Gerichtskasse entrichtet, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflich-

tung von D.____ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Dispositiv-Ziffer 3.2). Advokatin Elisabeth Vogel 

wurde für die Opfervertretung aus der Gerichtskasse ein Honorar in Höhe von Fr. 5'544.60 (inkl. 

Auslage und MWST) entrichtet (Dispositiv-Ziffer 3.3). Advokat Oliver Borer wurde für die Privat-

klagevertretung aus der Gerichtskasse ein Honorar in Höhe von Fr. 4'520.45 (wovon Fr.  3'874.25 

für den Aufwand vor Anklageerhebung und Fr. 646.20 für den Aufwand nach Anklageerhebung, 

inkl. Auslagen und MWST) entrichtet (Dispositiv-Ziffer 3.4). Sodann wurde C.____ gemäss 

Art. 433 Abs. 1 StPO eine Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'283.90 zulasten von E.____ 

und D.____ zugesprochen, wobei jene hierfür solidarisch haften (Dispositiv-Ziffer 4). Schliesslich 

wurden D.____ die ihn betreffenden Verfahrenskosten, bestehend aus den Kosten des Vorver-

fahrens von Fr. 5'369.-- und der Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.--, auferlegt (Dispositiv-Ziffer 5.2). 

 

Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Parteianträge wird, soweit 

erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

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B. Gegen das obgenannte Urteil des Strafgerichts vom 13. März 2020 meldeten die Privat-

klägerin B.____ am 17. März 2020, der Beschuldigte am 18. März 2020 und die Privatklägerin 

A.____ am 20. März 2020 die Berufung an. In der Folge übermittelten sämtliche Berufungsklä-

ger/innen dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsge-

richt), ihre Berufungserklärung, nämlich die Privatklägerin B.____ am 18. Mai 2020, der Beschul-

digte am 19. Mai 2020 und die Privatklägerin A.____ am 2. Juni 2020.  

 

C. Die Privatklägerin A.____, dannzumal vertreten durch Advokat Oliver Borer, focht in ihrer 

Berufungserklärung vom 2. Juni 2020 vorsorglich sämtliche sie betreffenden Urteilspunkte, d.h. 

das Urteil des Strafgerichts insgesamt und somit auch betreffend die Zivilansprüche, an. Präzi-

sierend stellte die Privatklägerin A.____ in ihrer Berufungsbegründung vom 11. September 2020, 

nunmehr vertreten durch Advokat Georg Ranert, die Rechtsbegehren, (1.) es sei Dispositiv-Ziffer 

1.2 des Urteils, soweit der Beschuldigte vom Vorwurf der Vernachlässigung von Unterhaltspflich-

ten freigesprochen worden sei, aufzuheben und es sei der Beschuldigte der Vernachlässigung 

von Unterhaltspflichten schuldig zu sprechen, wobei die Strafzumessung dem Berufungsgericht 

überlassen werde, (2.) der Antrag des Beschuldigten, es sei Dispositiv-Ziffer 1.2 des angefoch-

tenen Urteils aufzuheben, soweit der Beschuldigte der Urkundenfälschung und des Betruges ge-

mäss Anklageziffer 5 für schuldig erklärt worden sei, und es sei der Beschuldigte insoweit der 

Urkundenfälschung und des Betruges gemäss Anklageziffer 5 freizusprechen, sei abzuweisen, 

(3.) der Privatklägerin sei die unentgeltliche Rechtspflege mit Advokat Georg Ranert als unent-

geltlichem Rechtsbeistand zu gewähren (4.) unter o/e Kostenfolge. 

 

D. Die Privatklägerin B.____ stellte in ihrer Berufungserklärung vom 18. Mai 2020 wie auch 

in ihrer Berufungsbegründung vom 10. September 2020 die Rechtsbegehren, (1.) es sei in Ab-

änderung des Urteils des Strafgerichts der Privatklägerin für das Vorverfahren eine Parteient-

schädigung zuzusprechen, (2.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

E. Demgegenüber stellte der Beschuldigte in seiner Berufungserklärung vom 19. Mai 2020 

wie auch in seiner Berufungsbegründung vom 9. September 2020 die Anträge, (1.) es sei Dispo-

sitiv-Ziffer 1.2 des angefochtenen Urteils, soweit der Beschuldigte der versuchten schweren Kör-

perverletzung gemäss Anklageziffer 1, des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern gemäss 

Anklageziffer 3 sowie der Urkundenfälschung und des Betruges gemäss Anklageziffer 5 für schul-

dig erklärt worden sei, aufzuheben und der Beschuldigte insoweit a) der einfachen Körperverlet-

zung schuldig zu sprechen, b) von den Vorwürfen des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern 

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gemäss Anklageziffer 3 und der Urkundenfälschung sowie des Betruges gemäss Anklageziffer 5 

freizusprechen und c) insgesamt mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 10.-- zu bestra-

fen, wobei der Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschie-

ben sei, (2.) es sei Dispositiv-Ziffer 2.1 des angefochtenen Urteils aufzuheben, es sei die geltend 

gemachte Schadenersatzforderung abzuweisen, evtl. auf den Zivilweg zu verweisen, und es sei 

der Beschuldigte zu verpflichten, C.____ maximal Fr. 500.--, zzgl. Zins zu 5% ab 18. Juni 2014, 

als Genugtuung zu bezahlen, (3.) es sei Dispositiv-Ziffer 2.2 des angefochtenen Urteils aufzuhe-

ben, es sei die Zivilforderung der B.____ vollumfänglich abzuweisen, eventualiter sei der Be-

schuldigte zu verpflichten, der B.____ Fr. 450.-- als Schadenersatz zu bezahlen und es sei die 

Mehrforderung abzuweisen, evtl. auf den Zivilweg zu verweisen, (4.) es sei Dispositiv-Ziffer 4 des 

angefochtenen Urteils, soweit es den Beschuldigten betreffe, ersatzlos aufzuheben, (5.) es seien 

Dispositiv-Ziffer 3.2 letzter Teilsatz und Dispositiv-Ziffer 5.2 aufzuheben und es seien die Kosten 

des Verfahrens, inkl. Kosten der amtlichen Verteidigung, in Höhe von insgesamt Fr. 25'296.30 zu 

4/10 dem Beschuldigten aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen, wobei die 

Kosten der amtlichen Verteidigung im Umfang des dem Beschuldigten auferlegten Teils aufgrund 

der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten einstweilen ebenso auf die Staatskasse zu 

nehmen seien, unter Vorbehalt der Rückzahlungsverpflichtung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO be-

schränkt auf diesen Teil, (6.) es sei dem Beschuldigten die amtliche Verteidigung mit Rechtsan-

walt Christoph Trütsch zu bewilligen, (7.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) 

zulasten des Staates, wobei der amtliche Verteidiger für das Berufungsverfahren gemäss noch 

einzureichender Honorarnote zu entschädigen sei. 

 

F. In ihrer Eingabe vom 17. Juni 2020 stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, All-

gemeine Hauptabteilung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), weder einen Antrag auf Nichteintre-

ten auf die Berufungen des Beschuldigten und der Privatklägerschaft noch erklärte sie Anschluss-

berufung.  

 

G. Der Privatkläger C.____ liess mit Schreiben vom 22. Juni 2020 ebenso verlauten, dass 

weder ein Antrag auf Nichteintreten auf die Berufungen gestellt noch Anschlussberufung erklärt 

werde. Des Weiteren ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbei-

ständung für das Berufungsverfahren. 

 

H. Demgegenüber teilte der Beschuldigte mit Eingabe vom 25. Juni 2020 mit, dass hinsicht-

lich der Berufungserklärung der Privatklägerin A.____ zwar keine Anschlussberufung erklärt, aber 

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beantragt werde, dass auf die Berufung – unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) 

– nicht einzutreten sei. Bezüglich der Berufungserklärung der B.____ werde ebenso wenig An-

schlussberufung erklärt, jedoch beantragt, dass auf die Berufung – unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen (zzgl. MWST) – nicht einzutreten sei. 

 

I. Mit Eingabe vom 7. Juli 2020 stellte die Privatklägerin A.____ erneut den Antrag auf 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Advokat Georg Ranert als unentgeltlichem 

Rechtsbeistand. 

 

J. Mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 9. Juli 2020 wurde unter anderem der Entscheid 

über den Antrag des Beschuldigten auf Nichteintreten auf die Berufungen der Privatklägerinnen 

A.____ und B.____ auf die noch anzusetzende Berufungsverhandlung verwiesen. Dabei wurde 

den Privatklägerinnen freigestellt, sich im Rahmen der Berufungsbegründung i.S.v. Art. 403 

Abs. 2 StPO zu diesem Antrag zu äussern. 

 

K. Der Privatkläger C.____ sekundierte in seiner Eingabe vom 7. September 2020 ebenso 

sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 

 

L. Mit weiterer Verfügung des Kantonsgerichts vom 15. September 2020 wurde unter an-

derem das Strafgericht zur Stellungnahme betreffend Form, Inhalt und Zeitpunkt der von der 

B.____ behaupteten Berufungsanmeldung aufgefordert. Des Weiteren wurde Rechtsanwalt 

Christoph Trütsch als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt. Zudem wurde sowohl 

der Privatklägerin A.____ als auch dem Privatkläger C.____ die unentgeltliche Rechtspflege mit 

ihrem jeweiligen Rechtsbeistand für das zweitinstanzliche Verfahren bewilligt. 

 

M. Mit Schreiben vom 22. September 2020 reichte das Strafgericht dem Kantonsgericht 

seine Vernehmlassung zur Frage der behaupteten Berufungsanmeldung der Privatklägerin 

B.____ ein. 

 

N. In seiner Stellungnahme vom 25. September 2020 hielt der Beschuldigte am Antrag, es 

sei auf die Berufung der Privatklägerin B.____, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 

MWST) nicht einzutreten, fest. 

 

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O. Die Privatklägerin B.____ begehrte in ihrer Stellungnahme vom 28. September 2020, 

(1.) es seien die Anträge des Beschuldigten, soweit auf diese überhaupt einzutreten sei und sie 

die Privatklägerin B.____ beträfen, abzuweisen, insbesondere seien der Antrag 1 resp. 1.b) zwei-

ter Halbsatz und Antrag 3 abzuweisen, (2.) unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

 

P. Sodann stellte die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme vom 16. Oktober 2020 hin-

sichtlich der Berufung des Beschuldigten das Rechtsbegehren, die Anträge 1.a) bis c) seien ab-

zuweisen und es sei Ziffer 1.2 des Dispositivs im Urteil des Strafgerichts vom 13. März 2020 zu 

bestätigen. Betreffend die Berufung der Privatklägerin B.____ verzichtete die Staatsanwaltschaft 

auf eine Stellungnahme. Hinsichtlich der Berufung der Privatklägerin A.____ schloss die Staats-

anwaltschaft sodann auf Abweisung des Rechtsbegehens 1 und Bestätigung des Urteils des 

Strafgerichts vom 13. März 2020 in diesem Punkt. 

 

Q. Die Privatklägerin A.____ beantragte ihrerseits in ihrer Stellungnahme vom 29. Oktober 

2020 eine Abweisung der Berufung des Beschuldigten, soweit sie die Privatklägerin betreffe.  

 

R. Der Beschuldigte stellte in seiner Stellungnahme vom 27. November 2020 hinsichtlich 

der Berufung der Privatklägerin A.____ die Rechtsbegehren, (1.) auf die Berufung sei nicht ein-

zutreten, eventualiter sei sie abzuweisen, (2.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 

MWST) zulasten des Staates. Betreffend die Berufung der Privatklägerin B.____ begehrte der 

Beschuldigte, (1.) auf die Berufung sei nicht einzutreten, eventualiter sei die Berufung abzuwei-

sen, (2.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten des Staates. 

 

S. Der Privatkläger C.____ beantragte sodann in seiner Stellungnahme vom 30. November 

2020, (1.) die Berufungsanträge des Beschuldigten gemäss Ziffern 1 und 2 der Eingabe vom 

9. September 2020 seien vollumfänglich abzuweisen, (2.) das Urteil des Strafgerichts vom 

13. März 2020 sei in allen Punkten, insbesondere Ziffer 1.2, 2, 3.3, 4 und 5.2, zu bestätigen. 

 

T. Schliesslich wurden mit Verfügung des Kantonsgerichts vom 2. Dezember 2020 unter 

anderem der Schriftenwechsel geschlossen, die Parteien zur kantonsgerichtlichen Berufungsver-

handlung geladen und über den Beschuldigten ein aktueller Auszug aus dem Strafregister einge-

holt. 

 

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U. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht am 22. März 2021 erscheinen 

als Vertreter der Staatsanwaltschaft Staatsanwalt Jörg Rudolf, der Beschuldigte D.____ mit sei-

nem Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Trütsch, die Privatklägerin A.____, vertreten durch Ad-

vokat Georg Ranert, sowie die Privatklägerin B.____, vertreten durch Rechtsanwalt F.____. Die 

Parteien wiederholen ihre bisher in Schriftform gestellten Anträge (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 1 ff.). Der Beschuldigte D.____ wird sowohl zur Person als auch zur Sache 

befragt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 3 ff.). Die Parteien erklären sich schliess-

lich damit einverstanden, dass auf eine mündliche Urteilseröffnung verzichtet wird (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 7). 

 
 

Erwägungen 

I. Formelles 

1. Allgemeines 

Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, 

mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gestützt auf Art. 398 

Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Über-

schreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), 

die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit 

(lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend über-

prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst 

dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich 

anzumelden und danach dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begrün-

deten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Schliesslich ergibt sich die Zu-

ständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht 

zur Beurteilung der vorliegenden Berufungen aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a 

des kantonalen Einführungsgesetzes vom 12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung (EG StPO; SGS 250). 

 

2. Berufung des Beschuldigten 

Die Legitimation des Beschuldigten zur Erhebung einer Berufung ergibt sich aus Art. 382 Abs. 1 

StPO. Aus den Akten (act. S 489) geht hervor, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichts dem 

Beschuldigten am 17. März 2020 zugestellt worden ist. Mit seiner Berufungsanmeldung vom 

18. März 2020 (act. S 609) hat der Beschuldigte die zehntätige Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO 

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eingehalten. Auch die Frist zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO wurde vorlie-

gend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichts wurde dem Beschuldigten am 29. April 

2020 zugestellt (act. S 602/1) und mit Datum vom 19. Mai 2020 hat der Beschuldigte die Beru-

fungserklärung beim Kantonsgericht eingereicht. Was die Form betrifft, so erfüllen alle Eingaben 

des Beschuldigten die Anforderungen von Art. 385 Abs. 1 StPO. Vorliegend macht der Beschul-

digte sowohl Rechtsverletzungen als auch die unrichtige Feststellung des Sachverhalts und damit 

zulässige Rügegründe geltend. Es ist demnach auf die Berufung des Beschuldigten einzutreten. 

 

3. Berufung der Privatklägerin B.____ 

3.1 Die Legitimation der Privatklägerin B.____ zur Berufung ergibt sich aus Art. 382 Abs. 1 

und Abs. 2 StPO. Laut Akten (act. S 495) wurde das Urteilsdispositiv des Strafgerichts der Pri-

vatklägerin am 17. März 2020 zugestellt. Innert der zehntägigen Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 

StPO hat die Privatklägerin am 17. März 2020 ein Schreiben beim Strafgericht eingereicht, ohne 

darin jedoch die Begriffe "Berufung" oder "Anmeldung" zu verwenden. Sie führte vielmehr aus, 

das Urteil sei am gleichen Tag bei ihr eingegangen und da dem Vertreter der Privatklägerin in der 

wohl falschen Annahme, er habe eine Organstellung innerhalb der B.____ bzw. er sei mit seinem 

Vater verwechselt worden, keine Parteientschädigung zugesprochen worden sei, sehe er sich 

"dazu gezwungen, die Begründung des Urteils zu verlangen" (act. S 613). Die Vorinstanz ver-

merkte darauf mit handschriftlicher Verfügung vom 19. März 2020, dass der Antrag auf Begrün-

dung des Urteils zur Kenntnis genommen wird. Ebenso versah das Strafgericht das fragliche 

Schreiben mit dem Stempel "BERUFUNG". Was sodann die Frist zur Berufungserklärung gemäss 

Art. 399 Abs. 3 StPO betrifft, so wurde gemäss Akten (act. S 602/5) das begründete Urteil des 

Strafgerichts der Privatklägerin am 18. Mai 2020 zugestellt und mit gleichentags erfolgter Eingabe 

hat die B.____ beim Kantonsgericht eine entsprechend bezeichnete Berufungserklärung einge-

reicht. Damit wurde die Frist zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO gewahrt. 

Schliesslich macht die Privatklägerin eine Rechtsverletzung und damit einen zulässigen Rüge-

grund geltend. 

 

3.2.1 In seiner Eingabe vom 25. Juni 2020 beantragt der Beschuldigte, es sei auf die Berufung 

der B.____ unter Kosten- und Entschädigungsfolgen nicht einzutreten. Zur Begründung macht er 

geltend, die StPO sehe ein zweigeteiltes Verfahren bei der Einlegung der Berufung vor. Die am 

Prozess beteiligten Personen müssten zweimal ihren Willen kundtun, das Urteil nicht zu akzep-

tieren, nämlich einmal im Rahmen der Anmeldung der Berufung nach der Eröffnung des Dispo-

sitivs und ein zweites Mal nach Eingang des begründeten Urteils durch eine Berufungserklärung. 

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Die explizite Unterscheidung zwischen dem Verlangen nach einer nachträglichen Urteilsbegrün-

dung gemäss Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO und der Ergreifung eines Rechtsmittels gemäss Art. 82 

Abs. 2 lit. b StPO bedeute, dass ein blosses Motivierungs- und Zustellungsbegehren einer Beru-

fungsanmeldung nicht gleichgesetzt werden könne. Damit eine gegenüber dem urteilenden Ge-

richt abgegebene Erklärung als rechtsgültige Anmeldung angesehen werden könne, müsse in ihr 

mit der erforderlichen Klarheit festgehalten werden, dass gegen das angefochtene Urteil Beru-

fung angemeldet werden wolle. Ein blosses "Motivierungsbegehren" erfülle dies nicht. In einem 

solchen Fall könne auf die nachfolgend rechtzeitig erfolgte Berufungserklärung nicht eingetreten 

werden. Über die Rechtzeitigkeit und Rechtsgültigkeit der Anmeldung entscheide das Berufungs-

gericht. Vorliegend gehe aus dem Schreiben der B.____ vom 17. März 2020 der Wille, gegen das 

Urteil ein Rechtsmittel einlegen zu wollen, nicht hervor. Der Wortlaut dieser Eingabe, zumal die 

Privatklägerin anwaltlich vertreten sei, lasse keinen Interpretationsspielraum zu und sei zweifels-

ohne als Begehren um Begründung des Urteils i.S.v. Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO und nicht als 

Berufungsanmeldung i.S.v. Art. 399 Abs. 1 resp. Art. 82 Abs. 2 lit. b StPO zu qualifizieren, zumal 

davon auszugehen sei, dass das von einem Anwalt im Rahmen einer formellen Prozesserklärung 

Geschriebene auch so gewollt sei. Selbst die Vorinstanz habe die Eingabe vom 17. März 2020 

denn auch nicht mit der Klausel "Die Anmeldung der Berufung wird zur Kenntnis genommen", 

sondern korrekterweise mit "Antrag auf Begründung des Entscheids wird zur Kenntnis genom-

men" versehen. Hinzu komme, dass es die Privatklägerin in ihrer Berufungserklärung ebenso 

unterlasse, konkret anzugeben, wie denn das Dispositiv des zu fällenden Berufungsurteils ihrer 

Ansicht nach lauten sollte. Entsprechend ermangele es auch an Abänderungsanträgen i.S.v. 

Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO, welche für das Eintreten auf die Berufung vorauszusetzen seien (vgl. 

S. 2 f. der Eingabe vom 25. Juni 2020).  

 

3.2.2 In ihrer Berufungsbegründung vom 10. September 2020 macht die Privatklägerin B.____ 

geltend, für die Berufungsanmeldung werde die explizite Verwendung der Wörter "Anmeldung" 

oder "Berufung" nicht vorausgesetzt. Es genüge, wenn der klare Wille kundgetan werde, den 

Entscheid nicht zu akzeptieren und diesen anfechten zu wollen. Dies gelte umso mehr, als ins-

besondere an die Eingabe der "Anmeldung" keine hohen Anforderungen gestellt würden. Mit Ein-

gabe vom 17. März 2020 habe die B.____ in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, mit dem 

Urteil der Vorinstanz bzw. mit dessen Kostenentscheid nicht einverstanden zu sein und diesen 

anzufechten. Zu berücksichtigen sei weiter, dass sich der Vertreter der B.____ am Tag der Zu-

stellung des Dispositivs beim zuständigen Gerichtsschreiber telefonisch erkundigt habe, wieso 

keine Parteientschädigung zugesprochen worden sei. Er habe als Antwort erhalten, dass der 

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Präsident der Verwaltung gleichzeitig deren Rechtsvertreter sei. Daraufhin sei der Gerichtsschrei-

ber unterrichtet worden, dass das Gericht einem Irrtum unterlegen sei. Nur so habe sich dieser 

Umstand im begründeten Urteil überhaupt niederschlagen können. Im Rahmen eines Gesprächs 

habe der Vertreter der Privatklägerin gegenüber dem Gerichtsschreiber kundgetan, dass er die 

Verweigerung der Zusprechung der Parteientschädigung nicht akzeptiere und Berufung gegen 

das Urteil erhebe. Demnach habe neben der schriftlichen zusätzlich noch eine mündliche Beru-

fungsanmeldung stattgefunden. Zusammen mit den Anmeldungen und der Berufungserklärung 

habe die B.____ dreimal ihren Willen kundgetan, mit dem erstinstanzlichen Urteil nicht einver-

standen zu sein. Unter Würdigung der gesamten Umstände erschiene ein Nichteintreten als un-

zulässig und überspitzt formalistisch. Vor dem aufgezeigten Hintergrund vermöge es nicht zu 

erstaunen, dass das angerufene Gericht die Eingaben der B.____ im Rahmen der Vorprüfung 

nicht beanstandet oder ein Verfahren nach Art. 403 StPO eingeleitet habe. In der Berufungser-

klärung sei dargelegt worden, welche Änderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt würden. 

In Abänderung des Urteils des Strafgerichts vom 13. März 2020 sei beantragt worden, der Pri-

vatklägerin für das Vorverfahren eine Parteientschädigung zuzusprechen, wobei das angerufene 

Gericht die bereits im Verfahren vor der ersten Instanz eingereichte Kostennote zu berücksichti-

gen habe. Sodann ergebe sich die geltend gemachte Parteientschädigung auch aus dem ange-

fochtenen Urteil. Damit sei angegeben worden, in welchem Punkt und wie das Dispositiv des 

Urteils zu ändern sei. Es sei damit eine genügende Spezifizierung erfolgt. Dies umso mehr, als 

in diesem Verfahrensstadium keine eigentliche Begründung der Berufung verlangt werde. Auch 

bezogen auf diesen Punkt zeugten die Ansichten des Beschuldigten von einem überspitzten For-

malismus (vgl. S. 2 f. der Berufungsbegründung).  

 

3.2.3 Das Strafgericht führt in seiner Vernehmlassung vom 22. September 2020 betreffend 

Form, Inhalt und Zeitpunkt der behaupteten Berufungsanmeldung durch die B.____ aus, dem 

Schreiben vom 17. März 2020 sei ein Telefonanruf des Vertreters der B.____ beim Gerichts-

schreiber vorausgegangen, anlässlich dessen sich herausgestellt habe, dass das Strafgericht 

offensichtlich versehentlich davon ausgegangen sei, es handle sich beim Rechtsvertreter der Pri-

vatklägerin um ein Organ derselben, weshalb er für seine Aufwendungen nicht entschädigungs-

berechtigt sei. Anlässlich dieses Telefonats seien die Möglichkeiten der Privatklägerin erörtert 

worden. Nach Rücksprache mit dem Präsidenten des Strafgerichts sei dem Rechtsvertreter der 

Privatklägerin durch den Gerichtsschreiber mitgeteilt worden, dass eine nachträgliche Korrektur 

des Urteils nicht mehr möglich sei. Daraufhin habe jener mitgeteilt, dass er sich gezwungen sehe, 

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Seite 11  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Berufung gegen das Urteil zu erheben. Das Strafgericht sei der Ansicht, dass es sich beim Schrei-

ben vom 17. März 2020 – trotz missverständlicher Wortwahl – um eine Berufungsanmeldung 

handle. Dieses Verständnis ergebe sich unmittelbar aus dem Wortlaut dieses Schreibens. Hierzu 

sei das vorerwähnte Telefongespräch zwischen dem Vertreter der Privatklägerin und dem Ge-

richtsschreiber, welches den übrigen Parteivertretern nicht mitgeteilt worden sei, nicht notwendi-

gerweise heranzuziehen. Für den unbefangenen Leser des Schreibens vom 17. März 2020 sei 

klar ersichtlich, dass der Vertreter der Privatklägerin dieses Urteil nicht so habe stehen lassen 

und in welchem Sinne er es abgeändert sehen wolle. Ihm die ungeschickte Wortwahl zum Nach-

teil gereichen zu lassen, liefe auf überspitzten Formalismus hinaus. 

 

3.2.4 In seiner Stellungnahme vom 25. September 2020 hält der Beschuldigte an seinem An-

trag auf Nichteintreten auf die Berufung der Privatklägerin fest. Er bringt darin auch sein Erstau-

nen über die fehlende Protokollierung und Information der übrigen Parteien betreffend Telefonate 

zwischen der Vorinstanz und der Privatklägerin B.____ zum Ausdruck. Eine "mündlich zu Proto-

koll gegebene Berufungsanmeldung" könne ohnehin nicht telefonisch erfolgen. Selbst wenn an-

ders zu entscheiden wäre, habe die Vorinstanz dieselbe nicht protokolliert. Da die Vorinstanz 

auch insoweit weder ein Protokoll noch eine Aktennotiz ins Recht lege, sei davon auszugehen, 

dass keine mündliche Berufungsanmeldung erfolgt sei. Die weitere Begründung der Vorinstanz, 

sie sei der Ansicht, dass es sich beim Schreiben vom 17. März 2020 um eine Berufungsanmel-

dung handle und sich dieses Verständnis unmittelbar aus dem Wortlaut des Schreibens bzw. mit 

hinreichender Deutlichkeit ergebe, widerspreche schliesslich ihrem eigenen Verhalten. Wäre dem 

so gewesen, sei schlechterdings nicht erklärbar, weshalb sie die Eingabe der Privatklägerin vom 

17. März 2020 nicht – wie bei den anderen Berufungsanmeldungen – mit dem Stempel "Die An-

meldung der Berufung wird z.K. genommen" versehe, sondern darauf handschriftlich vermerke: 

"Antrag auf Begründung des Entscheides wird z.K. genommen". Damit werde belegt, dass selbst 

die Vorinstanz davon ausgegangen sei, es liege keine Berufungsanmeldung vor, zumal der Prä-

sident der Vorinstanz, welcher die handschriftliche Anmerkung vorgenommen habe, sowohl über 

das angebliche Telefonat zwischen der Privatklägerin und dem Gerichtsschreiber als auch über 

dessen Inhalt bestens im Bilde gewesen sei. Die Argumentation der Vorinstanz in ihrer Stellung-

nahme erscheine damit als geradezu vorgeschoben. 

 

3.2.5 Schliesslich hält der Verteidiger des Beschuldigten in seiner Berufungsantwort vom 

27. November 2020 wie auch in seinem Parteivortrag vor dem Kantonsgericht am 22. März 2021 

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an seiner Auffassung fest (vgl. S. 11 f. des Parteivortrages). Ergänzend macht er in seiner Beru-

fungsantwort geltend, dass mit einer Berufungserklärung eine fehlende Berufungsanmeldung 

nicht geheilt werden könne (vgl. S. 5 der Berufungsantwort). 

 

3.3.1 Wie der Beschuldigte richtig ausführt, müssen die am Prozess beteiligten Parteien in der 

Regel zweimal ihren Willen kundtun, das Urteil nicht zu akzeptieren, nämlich zunächst im Rah-

men der Anmeldung der Berufung nach der Eröffnung des Dispositivs und ein zweites Mal nach 

Eingang des begründeten Urteils durch eine Berufungserklärung (vgl. Wortlaut von Art. 399 

Abs. 1 und Abs. 3 StPO sowie LUZIUS EUGSTER, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 399 N 1). 

Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 Tagen seit 

Eröffnung des Dispositivs schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden. Die Anmeldung der 

Berufung ist an keine Begründung gebunden. Notwendig ist einzig, dass der Wille zur Anmeldung 

der Berufung mit der erforderlichen Klarheit aus der abgegebenen Erklärung hervorgeht (vgl. 

SVEN ZIMMERLIN, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl., Art. 399 N 2, m.H. auf BGer 6B_170/2012 

vom 7. Mai 2012 E. 1.4; 6B_674/2012 vom 11. April 2013 E. 1.7; 6B_473/2013 vom 18. Juli 2013 

E. 1.3; LUZIUS EUGSTER, a.a.O., N 1a, m.H. auf BGer 6B_674/2012 vom 11. April 2013 E. 1.7).  

 

Das Begehren im Sinne von Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO, das Urteil zu begründen, mithin ein blosses 

"Motivierungsbegehren" stellt demgegenüber keine Berufungsanmeldung dar (vgl. SVEN 

ZIMMERLIN, a.a.O., N 4, m.H. auf BGer 6B_170/2012 vom 7. Mai 2012 E. 1.4.2; 6B_674/2012 vom 

11. April 2013 E. 1.7; LUZIUS EUGSTER, a.a.O., N 1a, m.H. auf BGer 6B_674/2012 vom 11. April 

2013 E. 1.7).  

 

Bei der "mündlich zu Protokoll" gegebenen Anmeldung ist an die Erklärung im Gerichtssaal im 

unmittelbaren Anschluss an die Gerichtsverhandlung zu denken. Ob eine solche Anmeldung 

auch in anderem Rahmen zulässig ist und vom Gericht zu Protokoll genommen werden muss, ist 

fraglich (vgl. SVEN ZIMMERLIN, a.a.O., N 5, u.H. auf BGer 1B_304/2013 vom 27. September 2013 

E. 2.4).  

 

3.3.2 Zunächst stellt sich die Frage, ob vorliegend von einer mündlich oder schriftlich abgege-

benen Berufungsanmeldung auszugehen ist. Für das Kantonsgericht kann in casu nur die schrift-

liche Eingabe vom 17. März 2020 von Relevanz sein, nicht aber eine allfällige mündliche Beru-

fungsanmeldung, welche sich aus den weiteren Umständen des angeblichen Telefonats zwi-

schen der Privatklägerin und dem zuständigen Gerichtsschreiber des Strafgerichts ergeben 

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Seite 13  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

könnte. Wie der Beschuldigte zutreffend ins Feld führt, ist die Zulässigkeit einer per Telefonat 

erfolgten Anmeldung der Berufung zu bezweifeln. Des Weiteren rügt der Beschuldigte zu Recht, 

dass weder eine Aktennotiz oder ein Protokoll über das obgenannte Telefonat in den Akten vor-

handen ist noch die Parteien über dieses in irgendeiner anderen Form informiert wurden. Der erst 

Monate später im Rahmen einer Vernehmlassung erfolgte Hinweis auf das angeblich am 

17. März 2020 erfolgte Telefonat vermag eine zeitnah erfolgte Aktennotiz, wie sie hier zu erwarten 

gewesen wäre, nicht zu ersetzen. Gerade mangels Festhaltens des angeblich am 17. März 2020 

erfolgten Telefonats liegt offensichtlich eine klare Verletzung der in Art. 76-79 StPO und Art. 100-

103 StPO statuierten Dokumentationspflicht der Strafverfolgungsbehörden und Gerichte vor. So 

sieht Art. 77 StPO (Verfahrensprotokolle) vor, dass die Verfahrensprotokolle alle wesentlichen 

Verfahrenshandlungen festhalten und darüber Auskunft geben. Auch Art. 100 StPO (Aktenfüh-

rung) schreibt das Anlegen eines Aktendossiers für jede Strafsache vor. Dieses enthält unter 

anderem die Verfahrensprotokolle (lit. a). Die Protokollierungsbestimmungen nach Art. 76-79 

StPO basieren auf der allgemeinen Dokumentationspflicht, d.h. der Pflicht der Strafbehörden, alle 

verfahrensrelevanten Vorgänge schriftlich festzuhalten und die entsprechenden Protokolle zu-

sammen mit den eingegangenen Schriftstücken sowie gefällten Entscheiden in die Akten (näher 

Art. 100-103 StPO) zu integrieren und diese in geordneter Form aufzubewahren (vgl. NIKLAUS 

SCHMID/DANIEL JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Vor 

Art. 76-79, N 1, unter Hinweis auf die BOTSCHAFT des Bundesrates zur Vereinheitlichung des 

Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 S. 1085 ff., S. 1155; BGer 6B_719/2012 

vom 12. November 2012 E. 4.5). Ziel der Dokumentationspflicht ist, dass alle verfahrensrelevan-

ten Vorgänge in schriftlich-lesbarer mindestens bildlich-visuell erfassbarer Form vorliegen und 

erhalten bleiben. Mündliche Informationen sind deshalb z.B. in Aktennotizen festzuhalten, elekt-

ronisch Gespeichertes auszudrucken etc. (NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, a.a.O., N 2). Eine 

weitere wesentliche Folgerung aus dem Dokumentationsprinzip ist das Verbot von Geheimakten, 

welches in der StPO nur indirekt zum Ausdruck kommt. Die Strafbehörde darf demgemäss nicht 

selektiv darüber entscheiden, was zu den Akten gehören soll. Aus diesem Verbot folgt unter an-

derem, dass eine Verurteilung gestützt auf Akten, die den Parteien nicht zugänglich waren, aus-

geschlossen ist (NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, a.a.O., N 3).  

 

Als Folge davon kann daher in casu in einem ersten Punkt nicht zu Lasten des Beschuldigten auf 

die angeblich per Telefon erfolgte Berufungsanmeldung – auch nicht in Kombination mit dem 

Schriftstück vom 17. März 2020 – abgestellt werden. 

 

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3.3.3 Es ist folglich die Eingabe vom 17. März 2020 als einzig relevantes Schriftstück näher 

zu beleuchten. Hierbei fragt sich, ob daraus allein der Wille zur Berufung mit der erforderlichen 

Klarheit hervorgeht. Zwar trifft der Einwand des Beschuldigten zu, dass die Privatklägerin in ihrer 

Eingabe vom 17. März 2020 weder die Begriffe "Berufung" noch "Anmeldung" verwendet und ein 

blosses Motivierungsbegehren i.S.v. Art. 82 Abs. 2 lit. a StPO gerade kein Ergreifen eines Rechts-

mittels i.S.v. Art. 82 Abs. 2 lit. b StPO bedeutet. Im vorliegenden Fall jedoch weisen die sich aus 

dem Text und den weiteren Umständen ergebenden Anhaltspunkte mit hinreichender Klarheit 

darauf hin, dass sich die Privatklägerin nicht bloss an einer Begründung des strafgerichtlichen 

Urteils interessiert zeigte, sondern darüber hinaus ihr fehlendes Einverständnis mit dem aus ihrer 

Sicht fehlerhaften Urteil zum Ausdruck brachte. Dies geht aus den Formulierungen "fälschlicher-

weise", und "sehe ich mich gezwungen" deutlich hervor. Wer unter derartigen Umständen eine 

Begründung des fraglichen Urteils verlangt, kann dies vernünftigerweise nur tun, weil er nicht 

damit einverstanden ist und eine Korrektur des Urteils will. Mithin konnte sich die Privatklägerin 

mit dieser als Berufungsanmeldung zu verstehenden Handlung die Option einer späteren Beru-

fungserklärung offenhalten (vgl. Erw. 3.3.1). Die vorliegende Konstellation lässt sich durchaus mit 

einer im Entscheid des Obergerichts Zürich SB170291 vom 16. August 2017 zu beurteilenden 

vergleichen: Dort erhob der Beschuldigte innerhalb der zehntägigen Frist gemäss Art. 399 Abs. 1 

StPO ebenso wenig ausdrücklich die Berufung, erklärte jedoch, dem erstinstanzlichen Urteil zu 

"widersprechen". Diese Erklärung wurde von der Vorinstanz als Berufungsanmeldung entgegen-

genommen und das Obergericht Zürich schützte diesen vorinstanzlichen Entscheid, indem es 

erwog, dass der Beschuldigte durch seine Eingabe unmissverständlich zum Ausdruck gebracht 

habe, mit dem Urteil nicht einverstanden zu sein und dieses nicht zu akzeptieren (vgl. Urteil des 

Obergerichts Zürich a.a.O., Erw. 2.1). Es ist aus den genannten Gründen auch im vorliegenden 

Fall von einer rechtzeitig innert zehn Tagen und unmissverständlich erhobenen Berufungsanmel-

dung auszugehen. Daran ändert selbst der Umstand, dass das Strafgericht – im Gegensatz zur 

üblicherweise bei Berufungsanmeldungen gewählten Formulierung "Die Anmeldung der Beru-

fung wird z.K. und zu den Akten genommen" – auf der Eingabe der Privatklägerin B.____ vom 

17. März 2020 "Antrag auf Begründung des Urteils wird z.K. genommen" (act. S. 617) verfügt hat, 

nichts, zumal einzig die Erklärung des Senders und nicht das Verständnis des Empfängers aus-

schlaggebend sein kann. Abgesehen davon liegt schliesslich die Zuständigkeit zum Entscheid 

über die Gültigkeit einer Berufungsanmeldung und –erklärung ohnehin nicht beim erstinstanzli-

chen, sondern beim Berufungsgericht (vgl. Art. 403 Abs. 1 lit. a StPO); mithin ist somit die vor-

instanzliche Einschätzung für die zweite Instanz nicht bindend.  

 

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3.3.4 Was des Weiteren die Berufungserklärung angeht, so hat die Partei, die Berufung ange-

meldet hat, dem Berufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils 

eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen und darin unter anderem anzugeben, ob sie 

das Urteil ganz oder nur in Teilen anficht (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) und welche Abänderungen 

des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Wer nur Teile des Urteils 

anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich anzugeben, auf welche Teile sich die Berufung 

beschränkt (vgl. Art. 399 Abs. 4 StPO).  

 

In diesem Zusammenhang ist mit Blick auf Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO wesentlich, dass sich der 

Berufungskläger nicht auf die Bezeichnung der angefochtenen Punkte gemäss Art. 399 Abs. 3 

lit. a und Abs. 4 StPO beschränken kann, sondern angeben muss, welche Änderungen er ver-

langt, d.h. wie das Dispositiv des zu fällenden Berufungsurteils lauten sollte. Diese Vorschrift gilt 

sowohl bei gänzlicher wie auch bei nur teilweiser Anfechtung. Eine Berufungserklärung, die allein 

die Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils verlangt, ist deshalb ungültig und es ist darauf nach 

Art. 403 StPO nicht einzutreten (vgl. NIKLAUS SCHMID/DANIEL JOSITSCH, a.a.O., Art. 399 N 12). 

 

3.3.5 Im vorliegenden Fall erweist sich die weitere Rüge des Beschuldigten, wonach die Be-

rufungserklärung der Privatklägerin B.____ den Anforderungen von Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO 

nicht zu genügen vermag, ebenso wenig als zutreffend: In ihrer Berufungserklärung vom 10. Sep-

tember 2020 stellte die Privatklägerin explizit die Rechtsbegehren, (1.) es sei in Abänderung des 

Urteils des Strafgerichts der Privatklägerin für das Vorverfahren eine Parteientschädigung zuzu-

sprechen, (2.) unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Damit ist zunächst mit genügender Klar-

heit ausgedrückt, dass das Urteil i.S.v. Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO nur in Teilen angefochten wird. 

Was sodann die konkreten Abänderungsanträge i.S.v. Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO angeht, so findet 

die Parteientschädigungsforderung der Privatklägerin über Fr. 11'983.08 zwar im Dispositiv des 

Urteils des Strafgerichts vom 12. März 2020 keinerlei Erwähnung. Wohl aber geht dieser Forde-

rungsbetrag aus den Erwägungen der Vorinstanz (S. 39 des angefochtenen Urteils) hervor. Zu-

sätzlich führt das Strafgericht an dieser Stelle aus, dass es aufgrund eines Versehens keine Par-

teientschädigung zugesprochen habe, obwohl der Privatklägerin eine solche zugestanden sei. 

Da es sich bei diesem Versehen nicht um einen Kanzleifehler handle, welcher gemäss Art. 83 

Abs. 1 StPO zu berichtigen wäre, sondern vielmehr um einen materiell fehlerhaften Entscheid, 

sei das Strafgericht nicht in der Lage, dieses Versehen nachträglich zu korrigieren, weshalb eine 

entsprechende Korrektur der Berufungsinstanz vorbehalten sei (vgl. angefochtenes Urteil, 

a.a.O.). Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Privatklägerin ihre Berufungserklärung noch näher 

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hätte spezifizieren können. Dass nunmehr mittels Berufung eine Parteientschädigung zugespro-

chen werden soll und dass sich diese nach wie vor auf einen Betrag von Fr. 11'983.08 bezieht, 

ergibt sich ohne Zweifel aus der Berufungserklärung vom 10. September 2020. 

 

3.3.6 Aus den obgenannten Ausführungen folgt somit, dass – entgegen dem Antrag des Be-

schuldigten – auf die Berufung der Privatklägerin B.____ einzutreten ist. 

 

4. Berufung der Privatklägerin A.____  

4.1 Die Legitimation der Privatklägerin A.____ zur Berufung stützt sich ebenfalls auf Art. 382 

Abs. 1 und Abs. 2 StPO. Aus den Akten (act. S 493) ergibt sich, dass das strafgerichtliche Ur-

teilsdispositiv am 17. März 2020 der Privatklägerin zugestellt worden ist. Mit ihrer Berufungsan-

meldung vom 20. März 2020 (act. S 617) hat die Privatklägerin die zehntägige Frist gemäss 

Art. 399 Abs. 1 StPO klarerweise eingehalten. Die Zustellung des begründeten Urteils des Straf-

gerichts erfolgte sodann bei der Privatklägerin am 11. Mai 2020 (act. S 602/3). Die Berufungser-

klärung der Privatklägerin datiert vom 2. Juni 2020. Vorliegend macht die Privatklägerin sowohl 

eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts als auch Rechtsverletzungen geltend, womit sie 

zulässige Rügegründe vorbringt. 

 

4.2.1 Der Beschuldigte beantragt auch hinsichtlich der Berufung der Privatklägerin A.____, 

dass auf diese nicht einzutreten sei. Zur Begründung führt er in seiner Eingabe vom 25. Juni 2020 

zunächst aus, das begründete Urteil sei bekanntlich am 28. April 2020 versandt worden, doch die 

Privatklägerin habe erst mit Eingabe vom 2. Juni 2020 eine Berufungserklärung eingereicht. In-

soweit könne nicht ausgeschlossen werden, dass diese verspätet erfolgt sei. Die Prüfung der 

Einhaltung der Frist habe jedoch ohnehin von Amtes wegen zu erfolgen. Hinzu komme, dass 

nach Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO in der schriftlichen Berufungserklärung anzugeben sei, welche 

Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt würden. Insoweit seien alle Anträge konkret 

zu beziffern bzw. auszuformulieren. Vorliegend lasse die Privatklägerin in der Berufungserklärung 

lediglich pauschal ausführen, dass sämtliche die Privatklägerin betreffenden Urteilspunkte ange-

fochten würden. Der Berufungserklärung lasse sich damit nicht ansatzweise entnehmen, welche 

konkreten Abänderungen sie im Ergebnis verlange. Es fehlten damit die für das Eintreten auf die 

Berufung erforderlichen Abänderungsanträge (vgl. S. 1 f. der Eingabe vom 25. Juni 2020). An 

diesen Ausführungen halten der Beschuldigte in seiner Stellungnahme vom 27. November 2020 

(vgl. S. 4 der Stellungnahme) wie auch der Verteidiger des Beschuldigten im Rahmen seines 

Plädoyers vor dem Kantonsgericht (vgl. S. 10 f. des Plädoyers) fest. 

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4.2.2 Demgegenüber macht die Privatklägerin A.____ in ihrer Berufungsbegründung vom 

11. September 2020 geltend, die Zustellung des begründeten Urteils sei gemäss Sendungsbe-

richt der Post am 11. Mai 2020 erfolgt. Demnach wäre die 20-tägige Frist zur Berufungserklärung 

am 31. Mai 2020 abgelaufen. Unter Berücksichtigung der Regelungen betreffend Fristende an 

Sonn- und Feiertagen habe der bisherige Vertreter der Privatklägerin die Eingabe der Berufungs-

erklärung am Tag nach Pfingsten am 2. Juni 2020 und damit innert der gesetzlichen Frist getätigt. 

Was die angeblich pauschale Berufungserklärung betreffe, so gehe daraus hervor, dass sämtli-

che die Privatklägerin betreffenden Urteilspunkte angefochten würden und damit gegen das Urteil 

insgesamt die Berufung erklärt werde. Da der Privatklägerin keine Nachfrist i.S.v. Art. 400 Abs. 1 

StPO zur Verdeutlichung angesetzt worden sei, habe davon ausgegangen werden dürfen, dass 

die Berufungserklärung gegenüber der Berufungsinstanz hinreichend klar gewesen sei. Im Übri-

gen könne die Privatklägerin nur jene Urteilspunkte anfechten, bei welchen sie als Geschädigte 

beteiligt gewesen sei und somit ein tatsächliches oder rechtlich geschütztes Interesse an einer 

allfälligen Aufhebung des Urteils besitze. Damit habe sich die Berufungserklärung von Vornherein 

nicht auf die Urteilspunkte 1 bis 4 und 8 beziehen können, da es sich dabei um Delikte handle, 

die mit der Privatklägerin nichts zu tun hätten. Weiterhin gebe es die Urteilspunkte 5 bis 7, bei 

welchen die Privatklägerin zwar beteiligt sei, indem sie direkt oder indirekt geschädigt worden sei, 

in welchen der Beschuldigte aber erstinstanzlich verurteilt worden sei. Verständlicherweise habe 

die Privatklägerin gar kein Interesse gehabt, diesbezüglich eine Abänderung zu fordern. Da der 

Beschuldigte aber im Urteilspunkt 9 der Vernachlässigung der Unterhaltspflichten nicht schuldig 

gesprochen worden sei und die Privatklägerin damit so nicht einverstanden sei, betreffe ihre Be-

rufung eben diesen einen Urteilspunkt (vgl. S. 2 f. der Berufungsbegründung vom 11. September 

2020).  

 

4.3.1 Was zunächst die Einhaltung der 20-tägigen Frist zur Berufungserklärung angeht, so ist 

der Privatklägerin darin beizupflichten, dass zufolge Zustellung des begründeten Urteils am 

11. Mai 2020 der letzte Tag der entsprechenden Frist auf den 31. Mai 2020, einem Pfingstsonn-

tag, gefallen ist, weshalb in Anwendung von Art. 90 Abs. 2 StPO die Frist effektiv erst am darauf-

folgenden Werktag, d.h. am Dienstag, den 2. Juni 2020, geendet hat. Die Berufungserklärung der 

Privatklägerin vom 2. Juni 2020 ist angesichts dessen – entgegen der Auffassung des Beschul-

digten – fristgerecht erfolgt.  

 

4.3.2 Ebenso wenig kann der Argumentation des Beschuldigten gefolgt werden, wonach die 

Berufungserklärung der Privatklägerin vom 2. Juni 2020 nicht die gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO 

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geforderten Abänderungsanträge enthalte: Für das Kantonsgericht geht aus der fraglichen Beru-

fungserklärung, wonach die Privatklägerin "vorsorglich sämtliche sie betreffende Urteilspunkte, 

d.h. das Urteil des Strafgerichts insgesamt und somit auch betreffend die Zivilansprüche", an-

fechte, mit hinreichender Klarheit hervor, dass die Privatklägerin das Urteil i.S.v. Art. 399 Abs. 3 

lit. a StPO vollumfänglich, d.h. sämtliche sie selbst betreffenden Punkte des vorinstanzlichen Ur-

teils angefochten hat, welche zu ihrem rechtlichen Nachteil ausgefallen sind, d.h. den Freispruch 

des Beschuldigten von der Anklage der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten (Dispositiv-

Ziffer 1.2), das Nichteintreten auf die Schadenersatzforderung der Privatklägerin gegenüber dem 

Beschuldigten über Fr. 12'240.-- zuzüglich 5% Zins seit Februar 2017 sowie die Abweisung der 

Zivilklage der Privatklägerin gegenüber dem Beschuldigten über Fr. 923.-- zuzüglich 5% Zins seit 

1. Januar 2016 (beide Dispositiv-Ziffer 2). Ohne dass die Privatklägerin in der Berufungserklärung 

i.S.v. Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO explizit hätte ausformulieren müssen, wie denn das Urteilsdispo-

sitiv ihrer Meinung nach stattdessen lauten sollte, ist offensichtlich und selbstredend, dass sie 

statt des Freispruchs einen Schuldspruch, statt des Nichteintretens ein Eintreten und statt der 

Abweisung eine Gutheissung beantragt. Wäre dies im Rahmen einer Vorprüfung gemäss Art. 400 

Abs. 1 StPO nicht so deutlich aus den Rechtsbegehren der Privatklägerin hervorgegangen, hätte 

die Verfahrensleitung die Privatklägerin zur Verdeutlichung ihrer Erklärung aufgefordert, was je-

doch in casu gerade nicht von Nöten war, zumal auch den übrigen Parteien offensichtlich klar 

sein musste, was seitens der Privatklägerin A.____ angefochten ist. Es würde nicht zuletzt dem 

Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO zuwiderlaufen und wäre über-

spitzt formalistisch, wenn das Berufungsgericht unter diesen Umständen nicht auf die Berufung 

der Privatklägerin A.____ eintreten würde.  

 

4.3.3 Nachdem somit alle formellen Erfordernisse erfüllt sind, ist – wiederum entgegen dem 

Antrag des Beschuldigten – auch auf die Berufung der Privatklägerin A.____ einzutreten.  

 

 

II. Gegenstand der Berufungen 

Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in 

den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Aufgrund des Gegenstandes der 

Berufungserklärungen des Beschuldigten vom 19. Mai 2020, der Privatklägerin B.____ vom 

18. Mai 2020 und der Privatklägerin A.____ vom 2. Juni 2020 steht vorliegend das gesamte Urteil 

des Strafgerichts vom 13. März 2020 betreffend D.____ im Streit, mit den nachfolgenden Aus-

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nahmen: Schuldspruch wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Anklagefall 2 (Dis-

positiv-Ziffer 1.2); Schuldspruch wegen mehrfacher Urkundenfälschung und Betrug in den Ankla-

gefällen 4 und 6 (Dispositiv-Ziffer 1.2); Schuldspruch wegen Unterlassung der Buchführung im 

Anklagefall 7 (Dispositiv-Ziffer 1.2); Einstellung des Strafverfahrens wegen Ungehorsams des 

Schuldners im Konkursverfahren zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung (Dispositiv-Ziffer 

1.2); Festlegung der Entschädigung an den amtlichen Verteidiger, nicht aber der Vorbehalt der 

Rückzahlungsverpflichtung des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Dispositiv-Ziffer 

3.2); Festlegung der Entschädigung an die Opfervertreterin, Advokatin Elisabeth Vogel (Disposi-

tiv-Ziffer 3.3); Festlegung der Entschädigung an den Privatklagevertreter, Advokat Oliver Borer 

(Dispositiv-Ziffer 3.4); Festlegung der Parteientschädigung für den Privatkläger C.____, nicht 

aber die unterbliebene Festlegung einer Parteientschädigung für die Privatklägerin B.____ (Dis-

positiv-Ziffer 4); Festlegung der Höhe der Verfahrenskosten, nicht aber deren Auferlegung (Dis-

positiv-Ziffer 5.2). 

 

Laut Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der be-

schuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist 

(sog. Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt in casu mangels Berufung der 

Staatsanwaltschaft vor. Entsprechend kann das Kantonsgericht das strafgerichtliche Urteil im 

vorliegenden Fall lediglich bestätigen oder zu Gunsten des Beschuldigten mildern, nicht aber zu 

dessen Lasten verschärfen. 

 

Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die 

tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung 

der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vor-

bringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen wer-

den (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 

3. Aufl., Art. 82 N 10). Vorliegend wird daher in Anwendung der obgenannten Bestimmung bezüg-

lich Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den unangefochten gebliebenen Punk-

ten bereits an dieser Stelle auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen und nur auf neu im Berufungs-

verfahren vorgebrachte Argumente eingegangen. 

 

 

 

 

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III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Versuchte schwere Körperverletzung (Fall 1) 

1.1 In ihrer Anklageschrift vom 29. Mai 2019, ergänzt am 11. Februar 2020, wirft die Staats-

anwaltschaft dem Beschuldigten vor, am Abend des 18. Juni 2014 C.____ niedergeschlagen und 

auf ihn eingetreten zu haben. Zuvor sei es zwischen dem Mitbeschuldigten E.____ und dem spä-

teren Opfer, C.____, zu Meinungsverschiedenheiten am gemeinsamen Arbeitsort, Firma H.____ 

AG in I.____, gekommen. Man habe sich zur Klärung derselben zu einem Treffen nach Feier-

abend um 18 Uhr ausserhalb des Firmengeländes am Velounterstand bei der Tankstelle verab-

redet. Hiervor habe E.____ seinen Bruder, den Beschuldigten, angerufen und ihn zur Unterstüt-

zung zum Erscheinen am Treffpunkt gebeten. Beim Eintreffen von C.____ zur vereinbarten Zeit 

habe der bereits zuvor eingetroffene Beschuldigte jenen von hinten angegriffen und danach von 

vorne geschlagen. Beide Beschuldigten hätten so mehrfach mit den Fäusten auf den Kopf und 

das Gesicht des Geschädigten eingeschlagen, bis er zu Boden gegangen sei. Die Beschuldigten 

hätten sodann nicht aufgehört, sondern mit den Füssen gegen den Rücken und den Kopf des am 

Boden liegenden Geschädigten getreten. Dabei habe der Geschädigte seinen linken Sicherheits-

schuh verloren. Diesen habe E.____ behändigt und damit dem Geschädigten ins Gesicht ge-

schlagen. Die Beschuldigten hätten so mit ihren Handlungen zumindest in Kauf genommen, dass 

sie dadurch den Geschädigten schwer verletzten, indem sie eine schwere Schädigung des Kör-

pers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursacht oder das Gesicht des Geschä-

digten arg und bleibend entstellt hätten. Dabei habe der Geschädigte eine Fraktur der Nase erlit-

ten und sei für zwei Tage zu 100% krankgeschrieben worden (vgl. S. 2 f der Anklageschrift, act. 

S 16/5 f.). 

 

1.2.1 Das Strafgericht stellte nach Würdigung der Aussagen des Privatklägers C.____ in der 

Voruntersuchung wie auch vor Strafgericht, des Zeugen J.____ anlässlich seiner Einvernahme 

vom 28. August 2014 wie auch vor Strafgericht, des Zeugen K.____ anlässlich seiner Einver-

nahme vom 17. Juni 2015, der Zeugin L.____ anlässlich ihrer Einvernahme vom 20. August 2015, 

des Mitbeschuldigten E.____ anlässlich seiner Einvernahmen vom 19. Juni 2014 und 20. Januar 

2015 und vor den Schranken des Strafgerichts sowie des Beschuldigten selbst anlässlich seiner 

Einvernahmen vom 2. August 2014 und 14. April 2015 in tatsächlicher Hinsicht fest, dass sämtli-

che Zeugen und auch der Geschädigte grundsätzlich darin übereinstimmten, zwei Personen hät-

ten auf den Geschädigten eingeschlagen respektive eingetreten. Es handle sich ausschliesslich 

um "ideale" Zeugen, da sie mit keiner der beteiligten Personen in irgendeiner Beziehung stünden, 

sondern zufällig am Tatort vorbeifahrende Passanten seien. Diese Zeugen, welche am Ausgang 

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des Verfahrens kein erkennbares Interesse hätten, hätten übereinstimmende Aussagen getätigt, 

welche sich auch mit den Äusserungen des Geschädigten deckten. Demgegenüber hätten die 

Beschuldigten ihre Aussagen im Verlauf des Verfahrens jeweils dem Wissensstand der Strafver-

folgungsbehörden angepasst. Zudem erschienen diese teilweise unplausibel. Das Gericht stelle 

daher auf die Aussagen der Zeugen sowie des Geschädigten ab, welche die Grundlage der An-

klage bildeten. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift sei deshalb erstellt (vgl. S. 6-15 des an-

gefochtenen Urteils).  

 

1.2.2 In rechtlicher Hinsicht verneinte die Vorinstanz zunächst eine seitens des Verteidigers 

des Beschuldigten geltend gemachte Verletzung des Anklageprinzips wegen angeblich mangel-

hafter Umschreibung des subjektiven Tatbestands (vgl. S. 15 f. des angefochtenen Urteils). Die 

Beschuldigten hätten dem Geschädigten nicht nur einen einzelnen, sondern im Verlaufe eines 

eigentlichen Überfalls mehrere heftige Faustschläge ins Gesicht verabreicht. Nachdem der Ge-

schädigte zu Boden gegangen sei, hätten sie zudem mehrmals in dessen Kopf getreten. Mit je-

dem zusätzlichen Schlag respektive Tritt nehme die Wahrscheinlichkeit von lebensgefährlichen 

Verletzungen zu. Angesichts dessen sowie unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtspre-

chung in vergleichbaren Fällen habe sich den Beschuldigten die Möglichkeit des Erfolgseintritts 

derart aufdrängen müssen, dass ihr Verhalten nur so verstanden werden könne, dass sie diesen 

in Kauf genommen hätten. Wer, wie die Beschuldigten dies getan hätten, einem Menschen mehr-

mals mit der Faust ins Gesicht schlage respektive dorthin Fusstritte versetze, der nehme nicht 

nur Kauf, jenen lebensgefährlich zu verletzen, sondern insbesondere auch, dabei eines oder 

beide Augen irreversibel zu schädigen. Aus diesen Gründen sprach die Vorinstanz den Beschul-

digten und den Mitbeschuldigten der versuchten schweren Körperverletzung schuldig (vgl. S. 16 

f. des angefochtenen Urteils). 

 

1.3.1 Der Beschuldigte macht demgegenüber in seiner Berufungsbegründung vom 9. Septem-

ber 2020 eine Verletzung von Art. 131 StPO, eine fehlerhafte Beweiswürdigung resp. eine un-

richtige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts, eine Verletzung des Anklagegrundsat-

zes, eine unrichtige Anwendung von Art. 122 StGB und eine Verletzung des Grundsatzes "in 

dubio pro reo" seitens der Vorinstanz geltend (vgl. S. 5 der Berufungsbegründung).  

 

1.3.2 So habe spätestens ab dem 11. August 2014, als gegen den Beschuldigten ein Verfah-

ren wegen versuchter schwerer Körperverletzung geführt worden sei, ein Fall von notwendiger 

Verteidigung vorgelegen. Der Beschuldigte sei jedoch erst ab dem 31. Oktober 2014 anwaltlich 

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vertreten gewesen. Aus diesem Grund seien die am 28. August 2014 erfolgte Einvernahme des 

Zeugen J.____ und die am 30. September 2014 erfolgte Einvernahme von C.____ gemäss 

Art. 131 Abs. 1 StPO unverwertbar, zumal auch kein Verzicht des Beschuldigten auf Wiederho-

lung vorliege. Unter Verweis auf die kantonsgerichtliche Rechtsprechung könne hinsichtlich 

Art. 131 Abs. 3 StPO ein blosses Untätigbleiben seitens der Verteidigung keinesfalls als still-

schweigender Verzicht auf eine Wiederholung einer Beweisabnahme ausgelegt werden. In casu 

liege keine Erklärung des Beschuldigten, dass auf die Wiederholung der Befragung des Zeugen 

J.____ vom 28. August 2014 und die des Privatklägers C.____ vom 30. September 2014 verzich-

tet werde, vor. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe die fehlende Sicherstellung der 

notwendigen Verteidigung gemäss Art. 131 StPO zu den fraglichen Zeitpunkten zur Folge, dass 

die anlässlich dieser Befragung zu Protokoll gegebenen Aussagen nicht zu Lasten des Beschul-

digten verwertet werden dürften. Zutreffend sei zwar, dass J.____ und C.____ an der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung befragt worden seien. Dies führe jedoch selbstverständlich nicht zur 

Verwertbarkeit der von ihnen am 28. August und 30. September 2014 deponierten Aussagen. 

Ebenso wenig könne auf etwaige vom Mitbeschuldigten E.____ am 19. Juni 2014 getätigte Aus-

sagen zu Lasten des Beschuldigten abgestellt werden. Verwertbar seien und blieben allein die 

von J.____ und C.____ anlässlich der Hauptverhandlung gemachten Aussagen (vgl. S. 6 f. der 

Berufungsbegründung).  

 

1.3.3 Verwertbar seien laut dem Beschuldigten indessen die Aussagen der Zeugen K.____, 

der Zeugin L.____, des Privatklägers C.____ anlässlich des Hauptverhandlung und des Zeugen 

J.____ anlässlich der Hauptverhandlung. Bei der Würdigung der Aussagen des Zeugen K.____ 

sei zunächst zu berücksichtigen, dass die Sicht von der M.____ Tankstelle in Richtung des an-

geblichen Tatorts massiv eingeschränkt gewesen sei. Den Depositionen von K.____ lasse sich 

nicht entnehmen, ob nur eine oder zwei Personen auf C.____ eingeschlagen bzw. getreten hät-

ten, ob eine oder beide Personen das Opfer tatsächlich ins Gesicht geschlagen und/oder getreten 

hätten, geschweige denn, welche Person was konkret gemacht haben solle. Im weiteren Verlauf 

seiner Aussagen habe der Zeuge K.____ nicht mehr Schläge gegen den Kopf des Opfers bestä-

tigt. Abgesehen davon habe der Zeuge die Auseinandersetzung laut eigenen Angaben nicht von 

Beginn weg beobachten können. Schliesslich habe der Zeuge K.____ nicht bestätigen können, 

dass der Beschuldigte als die zweite Person überhaupt an der Auseinandersetzung beteiligt ge-

wesen sei (vgl. S. 7-9 der Berufungsbegründung). Des Weiteren sei die Sicht der Zeugin L.____ 

eingeschränkt gewesen, so dass nicht nachvollziehbar sei, wie sie gesehen haben wolle, dass 

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Seite 23  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

die zweite Person Fusstritte verteilt habe und ob das Opfer von den angeblichen Fusstritten ge-

troffen worden sei (vgl. S. 9 der Berufungsbegründung). Sodann sei mit den verwertbaren Aus-

sagen von C.____ anlässlich der Hauptverhandlung vielmehr zweifelsfrei erstellt, dass der Be-

schuldigte gerade nicht mit den Füssen gegen den Rücken und den Kopf des am Boden liegen-

den Privatklägers getreten habe (vgl. S. 9 f. der Berufungsbegründung). Die Aussagen des Zeu-

gen J.____ schliesslich seien sehr allgemein und ohne jeden Detaillierungsgrad. Zudem setze 

sich dieser mit den Aussagen betreffend die Stahlkappenschuhe in Widerspruch zur Aktenlage 

(vgl. S. 10 der Berufungsbegründung). Zusammenfassend sei angesichts der Zeugenaussagen 

lediglich davon auszugehen, dass der Beschuldigte den Privatkläger geschlagen habe. Nicht er-

stellt sei demgegenüber, dass der Beschuldigte mehrfach mit den Fäusten auf den Kopf und das 

Gesicht des Privatklägers eingeschlagen habe, geschweige denn, dass der Beschuldigte den 

Privatkläger, als dieser am Boden gelegen sei, noch mit den Füssen gegen den Rücken und den 

Kopf getreten habe. Mehr als ein Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung könne damit 

bereits aus diesen Gründen nicht erfolgen (vgl. S. 10 der Berufungsbegründung).  

 

1.3.4 Des Weiteren liege eine Verletzung des Anklageprinzips vor, da in der Anklage nicht 

ausgeführt worden sei, welche schweren Verletzungen die Beschuldigten dem Geschädigten hät-

ten zufügen wollen. Weder eine irreversible Schädigung der Augen noch eine lebensgefährliche 

Verletzung sei dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen worden. Selbst wenn dem 

Beschuldigten nachgewiesen werden könnte, dass er den Privatkläger ins Gesicht geschlagen 

und/oder getreten habe, genügten Faustschläge gegen den Kopf allein nicht zwingend für die 

Annahme einer (versuchten) schweren Körperverletzung, sondern es müssten weitere Umstände 

hinzukommen. So habe das Bundesgericht Faustschläge ins Gesicht teils gar als blosse Tätlich-

keit qualifiziert. Solche "weiteren Umstände" liessen sich jedoch weder der Anklageschrift noch 

den Akten entnehmen, insbesondere sei der Privatkläger gerade nicht hernach mit dem Kopf auf 

den Boden aufgeschlagen, sondern sei gestolpert (vgl. S. 11 der Berufungsbegründung). 

 

1.3.5 Schliesslich dürfe hinsichtlich des angeklagten Versuchs der Schluss, der Täter habe 

die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, nicht allein daraus gezogen werden, dass ihm 

dieses Risiko bewusst gewesen sei und er gleichwohl gehandelt habe. Denn das Wissen um das 

Risiko der Tatbestandsverwirklichung werde auch bei der bewussten Fahrlässigkeit vorausge-

setzt. Für die Bejahung der Inkaufnahme der Tatbestandsverwirklichung müssten daher weitere 

dafür sprechende Umstände hinzukommen (vgl. S. 10 f. der Berufungsbegründung). So dürfe 

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laut Bundesgericht in Beachtung des Grundsatzes "in dubio pro reo" ein Eventualvorsatz hinsicht-

lich einer schweren Körperverletzung nicht leichthin angenommen werden und die in dubio-Regel 

beanspruche konsequente Beachtung. Selbst wenn dem Beschuldigten nachgewiesen werden 

könnte, dass er den Privatkläger ins Gesicht geschlagen und/oder getreten hätte, habe er man-

gels weiterer Umstände nicht in Kauf genommen, den Privatkläger auch schwer zu verletzen. So 

habe er nicht derart die Kontrolle verloren, dass er die Intensität der (bestrittenen) Schläge nicht 

hätte steuern können. Etwaige Schläge wären nicht besonders heftig gewesen, zumal der Be-

schuldigte keine Sicherheitsschuhe getragen habe. Abgesehen von einer Fraktur der Nase habe 

der Privatkläger denn auch keine weiteren Verletzungen, insbesondere keine Gehirnerschütte-

rung, davongetragen. Im Übrigen bestünden auch keine Motive des Beschuldigten, den Privat-

kläger schwer zu verletzen, zumal sich dieselben überhaupt nicht gekannt hätten. Mithin könne 

dem Beschuldigten nicht unterstellt werden, dass sich bei der (bestrittenen) Vorgehensweise das 

Risiko einer schweren Körperverletzung als derart wahrscheinlich aufgedrängt hätte, dass sein 

Verhalten nur als Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung gewertet werden könne. Damit 

hätte ein (Eventual-)Vorsatz des Beschuldigten hinsichtlich einer der in Art. 122 StGB umschrie-

benen Folgen ebenso wenig vorgelegen. Dass der Beschuldigte in Mittäterschaft gehandelt ha-

ben solle und ihm etwaige Verhaltensweisen des Mitbeschuldigten E.____ anzurechnen seien, 

werde dem Beschuldigten schliesslich zu Recht nicht angelastet (vgl. S. 11 f. der Berufungsbe-

gründung). 

 

1.3.6 In seinem Plädoyer vor Kantonsgericht hält der Verteidiger des Beschuldigten an seinen 

schriftlichen Ausführungen fest. Ergänzend macht er geltend, dass vorliegend von den Aussagen 

des Privatklägers C.____ und des Zeugen J.____ allein diejenigen vor Strafgericht verwertbar 

seien und diese auch nur insoweit, als ihnen die früheren Aussagen nicht vorgehalten oder darauf 

Bezug genommen worden sei. Sodann habe die Zeugin L.____ keine Angaben darüber machen 

können, auf welche Körperteile die Beschuldigten gezielt haben sollen. Zusammenfassend könne 

zweifelsohne nicht mehr als ein Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung erfolgen (vgl. 

S. 3-6 des Plädoyers des Verteidigers vor Kantonsgericht). 

 

1.4 Demgegenüber hält der Privatkläger C.____ in seiner Stellungnahme vom 30. November 

2020 die Berufung des Beschuldigten für unbegründet. So seien seine eigenen Aussagen sowie 

diejenigen von J.____ in der Voruntersuchung verwertbar, weil die Ungültigkeitsvoraussetzungen 

gemäss Art. 131 Abs. 3 StPO gerade nicht vorlägen. Die Wiederholung habe tatsächlich stattge-

funden und die im Rahmen der Hauptverhandlung gemachten Aussagen dieser Personen hätten 

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eine geschlossene Einheit mit den bereits im Ermittlungsverfahren protokollierten Äusserungen 

gebildet (vgl. S. 2 der Stellungnahme). Des Weiteren bestätigten sämtliche Zeugenaussagen die 

Schilderungen des Privatklägers, wonach der Beschuldigte mehrfach mit den Fäusten auf seinen 

Kopf und das Gesicht eingeschlagen und mit den Füssen gegen den Rücken und den Kopf des 

am Boden liegenden Privatklägers getreten habe. Die zusätzlichen konkreten Umstände, welche 

auf eine vom Vorsatz erfasste schwere Schädigung hindeuteten, seien angesichts der Art, Dauer, 

Intensität und Zielrichtung der Angriffshandlung unstreitig implizit. Der Privatkläger sei wiederholt, 

mit geballter Kraft von einem körperlich überlegenen und sichtlich enthemmten Täter mit einer 

gefahrerhöhenden, auf die Verletzungszufügung abzielenden Kraftkonzentration, hauptsächlich 

im Kopfbereich, wo sich lebenswichtige Körperorgane befänden, angegriffen worden. Das Aus-

bleiben dauerhafter, schwerer Schäden sei dem Zufall geschuldet. Angesichts der vom Beschul-

digten selbst behaupteten "Dosierung" seiner Schläge müsse ihm die aussergewöhnliche Ge-

fährlichkeit seines Tuns bewusst gewesen sein. Demgegenüber lägen keine Anhaltspunkte für 

die Annahme, dass der Beschuldigte auf das Ausbleiben wahrscheinlichen Schadens gehofft ha-

ben solle, vor. Somit sei der Beschuldigte zu Recht der versuchten schweren Körperverletzung 

verurteilt worden (vgl. S. 2 f. der Stellungnahme).  

 

1.5.1 Was zunächst die Rüge des Beschuldigte betrifft, es dürften die Aussagen von J.____ 

vom 28. August 2014 (act. 691 ff.) und von C.____ vom 30. September 2014 (act. 683 ff.) nicht 

verwertet werden, so ist in chronologischer Hinsicht in der Tat festzustellen, dass das Strafver-

fahren gegenüber dem Beschuldigten wegen versuchter schwerer Körperverletzung am 11. Au-

gust 2014 eröffnet (vgl. act. 525) und diesem seitens der Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 

26. Juni 2015 rückwirkend ab dem 6. Oktober 2014 die anwaltliche Verteidigung beigeordnet 

wurde (act. 211 f.). Die beiden obgenannten Aussagen wurden somit zeitlich vor der Beiordnung 

einer amtlichen Verteidigung für den Beschuldigten getätigt.  

 

In rechtlicher Hinsicht führt der Beschuldigte ebenso richtig ins Feld, dass spätestens seit der 

Einleitung des Strafverfahrens wegen versuchter schwerer Körperverletzung ein Fall von notwen-

diger Verteidigung vorlag, muss doch die beschuldigte Person unter anderem dann (notwendig) 

verteidigt werden, wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr, eine freiheitsentzie-

hende Massnahme oder eine Landesverweisung droht (vgl. Art. 130 lit. b StPO). Liegt ein Fall 

notwendiger Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung darauf, dass unverzüglich eine 

Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Wurden in Fällen, in denen die Verteidigung 

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erkennbar notwendig gewesen wäre, Beweise erhoben, bevor eine Verteidigerin oder ein Vertei-

diger bestellt worden ist, so ist die Beweiserhebung nur gültig, wenn die beschuldigte Person auf 

ihre Wiederholung verzichtet (Art. 131 Abs. 3 StPO). Daraus folgt zunächst, dass dem Beschul-

digten vorliegend mit Eröffnung des Strafverfahrens am 11. August 2014 wegen versuchter 

schwerer Körperverletzung umgehend eine notwendige Verteidigung hätte beigeordnet werden 

müssen, er diese jedoch erst per 6. Oktober 2014 durch Bewilligung der (notwendigen) amtlichen 

Verteidigung erhalten hat. Des Weiteren hat dies zur Konsequenz, dass vor Sicherstellung dieser 

Verteidigung erfolgte Beweiserhebungen wie die Einvernahme von Zeugen, mithin in casu die 

Einvernahmen von J.____ vom 28. August 2014 (act. 691 ff.) und von C.____ vom 30. September 

2014 (act. 683 ff.), mangels anwaltlicher Vertretung des Beschuldigten nicht gültig sind, ausser 

wenn der Beschuldigte auf eine Wiederholung verzichtet. Aus den Akten geht gerade nicht her-

vor, dass der Beschuldigte einen derartigen Verzicht geäussert hätte, sondern im Gegenteil hat 

dieser vielmehr die unterlassene Wiederholung explizit gerügt (vgl. Plädoyer der Verteidigung vor 

Strafgericht, S. 5). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kommt diese Rüge sodann weder 

vor Strafgericht noch vor Kantonsgericht zu spät, zumal prozessuale Fehler selbst noch an der 

Hauptverhandlung geltend gemacht werden können (vgl. nur Art. 339 Abs. 2 lit. d StPO sowie 

Art. 405 Abs. 1 StPO). Der Wortlaut der Bestimmung von Art. 131 Abs. 3 StPO ist klar und nicht 

zuletzt ist dem Beschuldigten darin beizupflichten, dass sich diese Bestimmung – entgegen der 

vorinstanzlichen wie auch der Auffassung der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor Kantons-

gericht (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 6) – entsprechend der Rechtsprechung 

des Kantonsgerichts gemäss dem Urteil 460 16 316 vom 19. September 2017 dahingehend aus-

zulegen ist, wonach es nicht Funktion und Aufgabe der Verteidigung sein kann, durch "rechtzei-

tiges" Geltendmachen der Unverwertbarkeit der Staatsanwaltschaft zu ermöglichen, das belas-

tende Beweismittel doch noch korrekt zu erheben und damit verwertbar zu machen. Insoweit hat 

sich die Verfahrensleitung bei der beschuldigten Person resp. deren Verteidigung zu erkundigen, 

ob eine Wiederholung der Beweiserhebung verlangt oder ob darauf verzichtet wird, und das Er-

gebnis dieser Erkundigung aktenmässig festzuhalten (vgl. Urteil des Kantonsgerichts a.a.O., 

S. 12).  

 

Als Folge davon sind der Rüge des Beschuldigten entsprechend die Aussagen von J.____ vom 

28. August 2014 (act. 691 ff.) und von C.____ vom 30. September 2014 (act. 683 ff.) nicht ver-

wertbar und es können nur deren spätere, anlässlich der Hauptverhandlung vor Strafgericht ge-

tätigten Depositionen in die Beweiswürdigung einbezogen werden. Festzuhalten bleibt an dieser 

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Stelle aber, dass die ebenfalls vor Beiordnung einer anwaltlichen Vertretung erfolgte Einver-

nahme von E.____ vom 19. Juni 2014 (act. 557 ff.) demgegenüber verwertbar bleibt, da der Be-

schuldigte diesbezüglich gerade keine Wiederholung verlangt, zumal E.____ den Beschuldigten 

nicht belastet hat. 

 

1.5.2 Hinsichtlich der weiteren Rüge der Verletzung des Anklageprinzips ist zu beachten, dass 

nach Art. 9 Abs. 1 StPO eine Straftat nur gerichtlich beurteilt werden kann, wenn die Staatsan-

waltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts beim 

zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (vgl. Art. 325 StPO). Der aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 

Abs. 2 BV abgeleitete Anklagegrundsatz verlangt, dass die Anklage einerseits die Person be-

stimmt, gegen die sich das Strafverfahren richtet, und andererseits den Sachverhalt umreisst, der 

Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung bildet (Umgrenzungsfunktion; vgl. auch Art. 6 Ziff. 1 

und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Anklageprinzip bezweckt darüber hinaus den Schutz der Ver-

teidigungsrechte der beschuldigten Person (Informationsfunktion) und garantiert den Anspruch 

auf rechtliches Gehör (BGE 140 IV 188 E. 1.3; 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a mit Hinweisen). 

Diese muss aus der Anklage ersehen können, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre 

Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Ge-

richtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (vgl. Urteile 6B_492/2015 

vom 2. Dezember 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 437; 6B_1079/2015 vom 29. Februar 

2016 E. 1.1; 6B_1073/2014 vom 7. Mai 2015 E. 1.2, je mit Hinweisen). Dies bedingt eine zu-

reichende, d.h. möglichst kurze, aber genaue (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) Umschreibung der 

Sachverhaltselemente, die für eine Subsumtion unter die anwendbaren Straftatbestände erfor-

derlich sind. Ungenauigkeiten sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die be-

schuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelastet wird (Urteil 

6B_100/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 2.3.1, mit Hinweis). Überspitzt formalistische Anforde-

rungen dürfen an die Anklageschrift nicht gestellt werden (vgl. Urteil 6B_966/2009 vom 25. März 

2010 E. 3.3).  Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden, 

nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 StPO; BGE 133 

IV 235 E. 6.3; 126 I 19 E. 2a). Die Feststellung des Sachverhalts ist Aufgabe des Gerichts 

(6B_716/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 2.3).  

 

Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB kann in drei möglichen 

Tatbestandsvarianten zu einer schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB werden: Bei 

einer lebensgefährlichen Verletzung eines Menschen (Art. 122 Abs. 1 StGB), bei Verstümmelung 

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oder Unbrauchbarmachen eines wichtigen Organs oder Glieds eines Menschen, bleibender Ar-

beitsunfähigkeit, Gebrechlichkeit oder Geisteskrankheit oder argem und bleibendem Entstellen 

des Gesichts eines Menschen (Art. 122 Abs. 2 StGB) sowie bei einer anderen schweren Schädi-

gung des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen (Art. 122 

Abs. 3 StGB).  

 

Vorliegend sind dem "möglichst kurz und genau" (vgl. Wortlaut von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) 

dargestellten Sachverhalt in der Anklageschrift die Worte, die Beschuldigten hätten in Kauf ge-

nommen, dass sie den Geschädigten "schwer verletzen", indem sie eine "schwere Schädigung 

des Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachen oder das Gesicht des 

Geschädigten arg und bleibend entstellen" und damit die möglichen Tatbestandsvarianten der 

bleibenden Verletzungen gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB wie auch des Auffangtatbestands gemäss 

Art. 122 Abs. 3 StGB klar zu entnehmen. Betreffend die Tatbestandsvariante der bleibenden 

Schädigung durch "arges und bleibendes Entstellen des Gesichts" ist es insbesondere unerheb-

lich, ob die Anklage nur auf eines oder beide Augen des Geschädigten Bezug nimmt, zumal ein 

derart hoher Detaillierungsgrad von einer Anklageschrift gerade nicht gefordert wird (vgl. nur 

Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). In dieser Hinsicht ist der vorliegende Fall vergleichbar mit dem im 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 zu beurteilenden: Dort wurde dem 

Beschuldigten vorgeworfen, er habe Fusstritte und Kniekicke gegen den Kopf und das Gesicht 

der Geschädigten verübt, wodurch er schwerwiegende Verletzungen zumindest in Kauf genom-

men habe (vgl. BGer a.a.O. E. 1.4.1). Die konkrete Beschreibung der gesundheitlichen Schäden 

oder des der Gesundheit zugrundeliegenden möglichen medizinischen Geschehens sei zur Wah-

rung der Verteidigungsrechte nicht notwendig (vgl. BGer a.a.O. E. 1.4.2). Es ist somit zunächst 

festzustellen, dass – entgegen der Auffassung des Beschuldigten – diesbezüglich dem Anklage-

prinzip genüge getan wurde und eine gerichtliche Beurteilung erfolgen durfte und darf. 

 

Was demgegenüber die seitens der Vorinstanz ebenfalls angenommene Tatbestandsvariante ei-

ner "lebensgefährlichen Verletzung" (vgl. S. 17 des angefochtenen Urteils) angeht, so ergibt sich 

ein derartiger Vorwurf, wie vom Beschuldigte zutreffend gerügt, nirgends in der Anklageschrift. 

Von einem diesbezüglichen Vorwurf wusste der Beschuldigte somit bis zur gerichtlichen Beurtei-

lung nichts und er konnte sich dementsprechend auch nicht dagegen wehren. Daher ist bezüglich 

der Tatbestandsvariante der lebensgefährlichen Verletzung gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB in der 

Tat festzustellen, dass das Anklageprinzip nicht gewahrt wurde, weshalb sich hier, entgegen der 

Auffassung der Vorinstanz, eine gerichtliche Beurteilung verbietet.  

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1.5.3 In tatsächlicher Hinsicht liegen folgende Beweismittel vor: Die Aussagen des Beschul-

digten vom 2. August 2014 (act. 879 ff.) und 14. April 2015 (act. 963 ff.) sowie vor den Schranken 

des Strafgerichts (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 18) und des Kantonsgerichts (vgl. 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 4), die Aussagen des Mitbeschuldigten E.____ vom 

19. Juni 2014 (act. 557 ff.), 20. Januar 2015 (act. 935 ff.) sowie vor dem Strafgericht (vgl. Prot. 

Hauptverhandlung Strafgericht, S. 13-17), die Aussagen des Privatklägers C.____ vor den 

Schranken des Strafgerichts (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 2-6), die Aussagen des 

Zeugen J.____ vor den Schranken des Strafgerichts (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, 

S. 6-9), die Aussagen des Zeugen K.____ vom 17. Juni 2015 (act. 1007 ff.) und der Zeugin L.____ 

vom 20. August 2015 (act. 1025 ff.) sowie verschiedene medizinische Berichte betreffend den 

Privatkläger C.____ (act. 225 ff., 474/3 ff.). 

 

Betreffend den Inhalt der oben aufgeführten Beweismittel kann zunächst auf die zusammenfas-

sende Darstellung auf S. 6-15 des angefochtenen Urteils verwiesen werden, zumal der Beschul-

digte selbst vor den Schranken des Kantonsgerichts keine weiteren Aussagen zur Sache mehr 

tätigen wollte (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 4). Mit der Ausnahme, dass unter 

den in Erw. 1.5.1 genannten Gründen die Depositionen von C.____ vom 30. September 2014 

(act. 683 ff.) und von J.____ vom 28. August 2014 (act. 891 ff.) nicht verwertet werden dürfen, 

folgt das Kantonsgericht der vorinstanzlich vorgenommenen, sorgfältigen Beweis- und insbeson-

dere Aussagenwürdigung auf S. 14 f. des angefochtenen Urteils. Es kann insofern in Anwendung 

von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen wer-

den. Demnach ist in einem ersten Punkt festzustellen, dass die Vorgeschichte sowie die tätliche 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und E.____ einerseits und dem Privatkläger 

C.____ an sich unbestritten ist. Divergenzen ergeben sich hingegen hinsichtlich der konkreten 

Vorgehensweise bzw. hinsichtlich der Schwere der Tathandlungen, weshalb diesbezüglich die 

vorliegenden Aussagen eingehend zu beleuchten sind. 

 

Zunächst ist betreffend die Angaben des Privatklägers C.____ ergänzend zu den vorinstanzlichen 

Ausführungen zu konstatieren, dass dieser seine in der Voruntersuchung getätigten (unverwert-

baren) Aussagen zum Geschehensablauf vor den Schranken des Strafgerichts grundsätzlich be-

stätigt hat, auch wenn in leicht abgeschwächter Form. Zusammenfassend blieb er aber dabei, 

dass er von zwei Personen, nämlich von E.____ und D.____, Schläge und Tritte erhalten habe, 

wobei er nur noch Tritte in den Rücken, nicht (mehr) gegen den Kopf, erwähnte (vgl. Prot. Haupt-

verhandlung Strafgericht, S. 2-6).  

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Auch die drei obgenannten Zeugen sagten betreffend das Kerngeschehen übereinstimmend mit 

den Depositionen von C.____ aus. So ist in erster Linie hinsichtlich des Zeugen J.____, welcher 

sich zum Tatzeitpunkt als Lastwagenchauffeur auf dem Areal befand, auf die einzig vor den 

Schranken des Strafgerichts getätigten, verwertbaren Aussagen hinzuweisen. Hier bestätigte der 

Zeuge im Wesentlichen den Geschehensablauf gemäss Sachverhaltsdarstellung in der Anklage-

schrift, wonach die beiden Beschuldigten mit den körperlichen Auseinandersetzungen angefan-

gen hätten, das Opfer zu Boden gegangen sei und die Beschuldigten sodann jenen hauptsächlich 

gegen den Kopf geschlagen und getreten hätten. Bei den Tritten seien die Beschuldigten gera-

dezu "wahllos" vorgegangen und einer der beiden Beschuldigte habe gar mit einem Stahlkappen-

schuh zugeschlagen (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 6-9).  

 

Ebenso führte der Zeuge K.____, welcher sich zum Tatzeitpunkt bei der gegenüber des Fir-

menareals liegenden M.____ Tankstelle befand, in seiner Einvernahme vom 17. Juni 2015 in 

Bestätigung des angeklagten Sachverhalts aus, er habe gesehen, dass zwei Personen auf eine 

andere Person, die am Boden gelegen sei, "auf jeden Fall auf den Kopf" eingeschlagen hätten, 

dass es "sehr heftig" ausgesehen habe, dass es "eine gröbere Sache" nicht nur mit Fäusten, 

sondern mit einem Gegenstand gewesen sei, dass man "richtig Gas gegeben" habe, dass die 

eine Person etwas aktiver gewesen sei als die andere und dass die Person am Boden "nichts 

gross gemacht" habe (vgl. act. 1007 ff.). Somit beschrieb auch dieser Zeuge, dass der Beschul-

digte und sein Bruder mit einer gewissen Heftigkeit auf den Privatkläger C.____ eingeschlagen 

haben, währenddem sich der Privatkläger bloss dagegen zur Wehr zu setzen versuchte. 

 

Des Weiteren ist bezüglich der Zeugin L.____, welche sich zum Tatzeitpunkt als Mitfahrerin in 

einem Fahrzeug im Kreisel neben dem Firmenareal befand, festzuhalten, dass diese anlässlich 

ihrer Einvernahme vom 20. August 2015 ebenfalls bestätigte, es hätten zwei Männer auf einen 

am Boden liegenden Mann eingeschlagen, der eine der beiden Männer habe einen Gegenstand 

in der Hand gehabt und der andere der beiden Männer habe Fusstritte verteilt (vgl. act. 1025 ff.). 

Sie beschrieb somit in den Grundzügen dieselbe Szenerie wie die übrigen Zeugen und der ge-

schädigte Privatkläger. 

 

Demgegenüber hielt der Mitbeschuldigte E.____ den Beschuldigten in seiner ersten Einvernahme 

vom 19. Juni 2014 zunächst völlig aus dem Geschehen raus (vgl. act. 557 ff.). In der weiteren 

Einvernahme vom 20. Januar 2015 wie auch vor Strafgericht relativierte E.____ seinen Tatbeitrag 

und auch denjenigen des Beschuldigten sowohl in inhaltlicher als auch in zeitlicher Hinsicht stark 

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und beschrieb eine eher kurze, wechselseitige körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei 

Kontrahenten auf Augenhöhe bzw. eine simple "Schlägerei", aus welcher jeder seine Blessuren 

davongetragen habe (vgl. act. 935 ff., Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 17). 

 

Der Beschuldigte selbst schliesslich hatte zunächst in der Voruntersuchung eine Beteiligung am 

Kerngeschehen gänzlich abgestritten. So gab er noch am 2. August 2014 an, er sei zur Tatzeit in 

Wien gewesen (vgl. act. 881). Knapp ein Jahr später, am 14. April 2015, gab der Beschuldigte 

demgegenüber zur Deposition, er sei zwar dabei gewesen, aber ohne in das Geschehen einzu-

greifen. Vielmehr habe er die "Schlägerei" von seinem Auto aus beobachtet, um seinen Bruder 

zu beschützen (vgl. act. 963 ff.). Zu guter Letzt verzichtete der Beschuldigte vor den Schranken 

des Strafgerichts (vgl. Prot. Hauptverhandlung Strafgericht, S. 18) wie auch des Kantonsgerichts 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 4) gänzlich auf eine Aussage zur Sache.  

 

Bei einer Würdigung aller obgenannten Aussagen gelangt das Kantonsgericht im Einklang mit 

der Vorinstanz zunächst zum Schluss, dass es sich hinsichtlich J.____, K.____ und L.____ um 

ideale Zeugen handelt, da diese mangels Bezugs zu den Parteien keinerlei Grund für eine (straf-

bare) Falschaussage hatten. Dies gilt in besonderem Masse für die Zeugen K.____ und L.____, 

welche, anders als der Zeuge J.____, absolut neutral sind, da sie keinerlei Bezug zur Arbeitsge-

berfirma des Mitbeschuldigten E.____ und des Privatklägers C.____ haben. Des Weiteren ist in 

inhaltlicher Hinsicht festzustellen, dass alle Zeugen unabhängig voneinander und übereinstim-

mend im Kern dieselbe Szene beschreiben: Das Schlagen und Treten, das Benützen eines Ge-

genstandes und dass zwei Männer gegen einen Mann, welcher bereits am Boden lag, vorgegan-

gen sind. Demgegenüber vermögen die Einwände des Beschuldigten hinsichtlich der Eignung 

der Zeugen nicht zu überzeugen. Entgegen dessen Behauptung hatten die Zeugen von ihrem 

Standort aus vielmehr jeweils eine gute Sicht auf den Tatort. Auch geht aus den Akten nirgends 

hervor, dass die Sicht der Zeugen zum Tatzeitpunkt in irgendeiner Weise vorübergehend blockiert 

gewesen wäre. Dass die Zeugen K.____ und L.____ betreffend Einzelheiten wie zum Beispiel 

die konkret von den Schlägen betroffenen Körperpartien des Geschädigten Unsicherheit äusser-

ten, spricht gerade für deren Glaubwürdigkeit, zumal die Erinnerung an Einzelheiten gerichtsno-

torisch schnell verblassen kann. Jedenfalls widersprechen sich die übrigen Depositionen zu den 

wichtigen Punkten betreffend Schläge bzw. Tritte gegen den Kopf oder gegen den Körper nicht. 

Gleiches gilt hinsichtlich der teilweisen Relativierung der Schilderungen seitens des Privatklägers 

C.____ vor dem Strafgericht, spricht doch das Vermeiden von (unnötigen) Belastungen des Be-

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Seite 32  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

schuldigten ebenso für eine Glaubhaftigkeit von Aussagen, zumal der Privatkläger im Kernge-

schehen bei mit den Zeugen übereinstimmenden Aussagen geblieben ist. Erhebliche Widersprü-

che und überwiegend fehlende Plausibilität liegen demgegenüber bei den Aussagen der beiden 

Beschuldigten vor, wie bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (vgl. nur S. 9, 14 f. des 

angefochtenen Urteils), weshalb angesichts des Aussageverhaltens des Beschuldigten dessen 

Depositionen kein Glauben geschenkt werden kann. 

 

Insgesamt ist somit in tatsächlicher Hinsicht auf die Aussagen des Privatklägers C.____ wie auch 

der drei obgenannten Zeugen abzustellen, währenddem den Behauptungen des Beschuldigten 

nicht gefolgt werden kann. Angesichts dieser Beweislage gelangt das Kantonsgericht mit dem 

Strafgericht zum Schluss, dass der angeklagte Sachverhalt, nämlich das mehrfache Schlagen 

und Treten gegen den Kopf und den übrigen Körper des Privatklägers C.____, und zwar in grober 

und heftiger Form, als erstellt zu erachten ist.  

 

1.5.4 In rechtlicher Hinsicht kann zunächst in Bezug auf die Tatbestandsvariante des Un-

brauchbarmachens eines wichtigen Organs wie insbesondere eines oder beider Augen auf die 

vorinstanzlich (S. 16 f. des angefochtenen Urteils) vorgenommene Subsumtion des oben erstell-

ten Sachverhalts unter den Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 122 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 verwiesen werden. Wie bereits erwähnt, fällt mangels An-

klage lediglich die Tatbestandsvariante gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB ausser Betracht. Die Aus-

führungen der Vorinstanz auf S. 17 des angefochtenen Urteils zur bundesgerichtlichen Recht-

sprechung können allerdings auch in Bezug auf die Tatbestandsvariante der übrigen schweren 

Schädigung gemäss Art. 122 Abs. 3 StGB herangezogen werden.  

 

Was den angeklagten Versuch angeht, so erfüllen Faustschläge und Fusstritte, gerade gegen 

eine bereits am Boden liegende Person, regelmässig den Tatbestand der versuchten schweren 

Körperverletzung. In casu ist der Erfolg nicht eingetreten; mit der Nasenfraktur und der zweitägi-

gen Arbeitsunfähigkeit kam es beim Privatkläger C.____ aktenkundig lediglich zu einer leichten 

Körperverletzung.  

 

Der Beschuldigte stellt im Rahmen seiner Berufung für den Fall des Nachweises des angeklagten 

Sachverhalts in Frage, dass er mit Eventualvorsatz (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB) oder gar mit 

direktem Vorsatz (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB) gehandelt hat. Er geht mithin allenfalls von einer 

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Seite 33  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

bloss (bewusst) fahrlässigen Begehungsweise (Art. 12 Abs. 3 StGB) aus, weil darüber hinausge-

hende Umstände nicht nachgewiesen seien. Nur im Falle einer mindestens eventualvorsätzlichen 

Tatbegehung hat sich der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 

Die Abgrenzung zwischen Eventualvorsatz und bewusster Fahrlässigkeit kann im Einzelfall 

schwierig sein. Sowohl der eventualvorsätzlich als auch der bewusst fahrlässig handelnde Täter 

weiss um die Möglichkeit des Erfolgseintritts bzw. das Risiko der Tatbestandsverwirklichung. Hin-

sichtlich der Wissensseite stimmen beide Erscheinungsformen des subjektiven Tatbestands 

überein. Unterschiede bestehen beim Willensmoment. Der bewusst fahrlässig handelnde Täter 

vertraut (aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit) darauf, dass der von ihm als möglich vorausgese-

hene Erfolg nicht eintreten, das Risiko der Tatbestandserfüllung sich nicht verwirklichen werde. 

Demgegenüber nimmt der eventualvorsätzlich handelnde Täter den Eintritt des als möglich er-

kannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und findet sich mit ihm ab. Wer den Erfolg dergestalt in 

Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB. Nicht erforderlich ist, dass der 

Täter den Erfolg "billigt". Ob er die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinn in Kauf genommen 

hat, muss das Gericht nach den Umständen entscheiden (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 16 ad aArt. 18 

Abs. 2 StGB; BGer 6B_870/2018 vom 29. April 2021 E. 3.7.1). Vorsatz ist eine innere Tatsache 

und nur anhand äusserer Kennzeichen feststellbar. Die Rechtsfrage ist ohne Bewertung der Tat-

frage kaum zu beantworten (BGE 119 IV 1 E. 5a S. 3). In der Rechtsprechung wird deshalb an-

genommen, dass sich der Sinngehalt der zum Eventualdolus entwickelten Formeln nur im Lichte 

der tatsächlichen Umstände des Falls prüfen lässt und das Bundesgericht in einem gewissen 

Ausmass die richtige Bewertung dieser Umstände im Hinblick auf den Rechtsbegriff des Eventu-

aldolus überprüfen kann (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 17, E. 4.2.3 S. 18; 119 IV 242 E. 2c S. 248 mit 

Hinweis auf MARTIN SCHUBARTH, Nichtigkeitsbeschwerde - Staatsrechtliche Beschwerde - Ein-

heitsbeschwerde?, in: AJP 7/1992 S. 851 f.).  Wie dargelegt, unterscheiden sich Eventualvorsatz 

und Grobfahrlässigkeit in der Willenskomponente: Der fahrlässig Handelnde vertraut darauf, 

"dass schon nichts passiert", während der eventualvorsätzlich Handelnde einen Erfolg nach der 

gesetzlichen Formel "in Kauf nimmt". Für die Willenskomponente des Vorsatzes gilt nach ständi-

ger Rechtsprechung, dass nicht unbesehen vom Wissen des Täters auf dessen Willen geschlos-

sen werden darf. In der Missachtung elementarer Sorgfaltsregeln kann aber eine Gleichgültigkeit 

gegenüber Integritätsinteressen Dritter zum Ausdruck kommen, welche in besonders krassen 

Fällen auch den Schluss auf die Inkaufnahme des Verletzungserfolgs zulässt (BGE 135 IV 

12 E. 2.3.2 S. 17). Neben der Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung kann auch ein besonders 

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grosses Risiko der Tatbestandsverwirklichung als Indiz für die Inkaufnahme des Verletzungser-

folgs gewertet werden (vgl. BGer 6B_870/2018 vom 29. April 2019 E. 7.3.2, unter Hinweis auf 

BGE 135 IV 12 E. 2.3.3 S. 18). 

 

Vorliegend vermögen die Einwände des Beschuldigten in seiner Berufung nicht zu überzeugen. 

Zwar kann dem Beschuldigten kein direkter Vorsatz nachgewiesen werden. Nach Ansicht des 

Kantonsgerichts sind jedoch in casu klarerweise gleich beide der nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung heranzuziehenden, alternativen Kriterien für die Abgrenzung zwischen bewuss-

ter Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz, d.h. sowohl die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung 

als auch die Grösse des Risikos des Erfolgseintritts, erfüllt. Es ist somit ohne Zweifel das Vorlie-

gen von Eventualvorsatz beim Beschuldigten zu bejahen. So entspricht es gerade bei Faust-

schlägen und Fusstritten in den Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers – selbst wenn 

sich dieses zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht – der allgemeinen 

Lebenserfahrung, dass diese zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität 

führen können und damit – je nach Verletzung – eine versuchte schwere oder vollendete schwere 

Körperverletzung darstellen (vgl. nur Urteil des Kant