# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 32c4f880-b424-5f18-a43b-f1cc697782e3
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-26
**Language:** de
**Title:** Abbruch einer erstmaligen beruflichen Ausbildung; unklarer Gesundheitsschaden; Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen.
**Docket/Reference:** IV.2014.00350
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00350.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00350
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Onyetube
Urteil
vom
26. Januar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch AXA-ARAG Rechtsschutz AG
Rechtsdienst Zürich, lic. iur.
P.___
Affolternstrasse 42, Postfach 6944, 8050 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Nachdem
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 4. März 2014 die mit Mitteilung vom 5. August 2013 (Urk. 7/20) zugespro
chene Übernahme von Kosten für eine erstmalige berufliche Ausbildung der am
24. Dezember 1992 geborenen Beschwerdeführerin zur Fachfrau Betreuung in der Fachrichtung Kind per 8. November 2013 aufgehoben hatte
(
Urk.
2
),
nach Einsicht in die Beschwerde vom
2
4.
März 2014
, mit welcher
die Beschwerde
führerin
die Aufhe
bung
der angefochtenen Verfügung
und die Fort
führung der
Ein
gliederungsmassnahmen
beantragt hat (
Urk.
1
), in die auf Ab
weisung der Be
schwerde schliessende Beschwerdeantwort
der Beschwerdegegnerin
vom
14. Mai
2014 (Urk. 6) sowie die weiteren Akten;
in Erwägung,
dass invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) bedrohte Versicherte Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen haben, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und die Vorausset
zung
en auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]),
dass die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art in Berufsberatung, erstmaliger be
ruf
licher Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung und Kapitalhilfe be
stehen
(Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG),
dass Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche
Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten haben, sofern die Ausbil
dung
den Fähigkeiten des Versicherten entspricht (Art. 16 Abs. 1 IVG),
dass
sich die Beschwerdeführerin am 23. August 2012 unter Hinweis auf einen Diabe
tes Mellitus Typ 1, eine Necrobiosis Lipoditica beidseits sowie eine Borderline-Störung bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
gemeldet hat
(Urk. 7/2)
,
dass die Beschwerdeführerin
ihre
im August 2011
begonnene Lehre als Fachfrau Be
treuung EFZ
in der
Y.___
per 10. August 2012 aus gesundheitli
chen Gründen abgebrochen hatte
und als Praktikantin in einem 40 %-Pensum verbleiben konnte
(Urk. 7
/7,
Urk. 7
/9/2),
dass sie
ihre Lehre
in der
Y.___
ab Sommer 2013 im zweiten Lehrjahr wieder
aufnehmen konnte
(Urk. 7
/15
),
dass
die Beschwerdegegnerin am 5. August 2013 die Mehrkosten der erstmaligen be
ruflichen Ausbildung zur Fachfrau Betreuung Fachrichtung Kinder (2. und 3. Lehr
jahr) bei der
Y.___
vom 12. August 2013 bis 7. August 2015
übernahm
(Urk. 7
/20) und der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 20. August 2013 ein
kleines Taggeld zusprach (Urk. 7
/2
3
),
dass
die
Y.___
der Beschwerdeführerin die Lehrstelle am 1. November
2013
wieder kündigte (Urk. 7
/33/6-7), worauf die Beschwerdegegnerin die be
ruf
lichen Massnahmen mit Verfügung vom 4. März 2014 per 8. November 2013 auf
hob (Urk. 2),
dass die Beschwerdeführerin um Fortführung der beruflichen Massnahmen ersuchte (Urk. 1),
dass dem Bericht des
Z.___
, Klinik für Endokrinologie, Dia
betologie und klinische Ernährung,
vom 11. Juli 2012 (Urk. 7/11) ein Diabetes mellitus Typ 1 (ED 2001), eine Adipositas sowie eine psychosoziale Belastungs
situation zu entnehmen sind,
dass im Bericht des
A.___
vom 2
6.
Oktober 2012 (Urk. 7/12)
die Diagnosen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, Boderline-Ty
pus
(ICD-10 F60.31) sowie eine deutliche Auswirkung des Diabetes mellitus Typ 1 erhoben und eine eingeschränkte Belastbarkeit sowie phasenweise immer wie
der eine ganz oder teilweise eingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert wurden,
dass
gemäss Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr.
med.
pract.
B.___
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, vom 1. November 2012 (Urk. 7/33/2-3) ein Gesundheitsschaden
ausgewiesen sei, weshalb die Aus
bildung zur Fachfrau Betreuung aufgrund der psychischen Er
krankung wie auch der diabetischen Schwankungen wenig geeignet sei,
dass Prof. Dr.
C.___
,
Z.___
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, im Bericht vom 24. Februar 2014 (Urk. 3/8) die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus (ICD-10 F60.31) als gegenwärtig remittiert diagnostizierte und aufgrund der zwischenzeitlichen psychischen Stabilisierung aus psychia
t
rischer Sicht keine Hinweise
sah, die gegen eine Tätigkeit als Kleinkindererzie
herin sprechen würden,
dass die Beschwerdeführerin
damit
zu Recht vortrug, die medizinisch
e Aktenlage sei un
klar,
dass
nämlich das
A.___
angesichts der diagnostizierten emotional instabilen Persön
lich
keitsstörung vom Borderline-Typus eine ein
ge
schränkte Belastbarkeit sowie eine phasenweise immer wieder ganz oder teilweise eingeschränkte Arbeits
fähig
keit attestierte,
dass auch Dr.
B.___
von einem ausgewiesenen Gesundheitsschaden ausging und
die Lehre zur Kleinkindererzieherin aufgrund der psychischen Erkrankung als nicht geeignet erachtete,
dass Prof.
C.___
jedoch von einer psychischen Stabilisierung ausging und aus psy
chiatrischer Sicht keine Hinweise sah, aufgrund derer die Tätigkeit als Kleinkin
dererzieherin als ungeeignet zu qualifizieren wäre,
dass die Sache daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die Beschwerdeführerin zur Klärung des Gesundheitsschadens sowie der Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
im Allgemeinen und
als Kleinkindererzieherin
im Speziellen
abklären lasse
und die
Geeignetheit der Ausbildung Fachfrau Betreuung
prüfe
,
dass
sie
hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin erneut ent
scheide,
dass die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), weshalb die Gerichts
kosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen und auf Fr. 600.-- festzulegen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
dass die obsiegende Person
nach
§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozial
versiche
rungsgericht (GSVGer) Anspruch auf Ersatz der Parteikosten
hat, wobei diese ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen werden (§ 34 Abs. 3 GSVGer) und vorliegend auf Fr. 1'200.-- (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen sind,
erkennt das Gericht:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 4. März 2014 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
1'200
.-- (inkl. Bar
auslagen und MWSt) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
AXA-ARAG Rechtsschutz AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstOnyetube