# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f6e3d6c4-e736-5d7a-8d8f-748c479cf879
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-06-18
**Language:** de
**Title:** Gewachsener Boden. Anbau an ein bestehendes Gebäude.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0082/2014
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_III_0082_2014_374.pdf

## Full Text

BRGE III Nr. 0082/2014 vom 18. Juni 2014 in BEZ 2015 Nr. 18 

in  Art.  38  BZO 

6.1.1  Ob  der  Carport  von  den 

formulierten 
Abstandsprivilegierungen  profitieren  kann,  hängt  davon  ab,  ob  er  als 
Besonderes  Gebäude  im  Sinne  von  §  273  PBG  zu  qualifizieren  ist.  Da  er von 
seiner  Funktion  her  die  an  ein  Besonderes  Gebäude  gestellten  Voraus-
setzungen  offensichtlich  und  unbestrittenermassen  erfüllt,  sind  seine 
Abmessungen,  insbesondere  die  Höhe  ausschlaggebend.  Die  Gebäudehöhe 
wird  gemäss  §  280  Abs.  1  PBG  von  der  jeweiligen  Schnittlinie  zwischen 
Fassade  und  Dachfläche  auf  den  darunterliegenden  gewachsenen  Boden  ge-
messen. Dieselbe Messweise gilt bei der «grössten Höhe» (= Gesamthöhe) von 
Besonderen Gebäuden. 

(Abs.  1).  Auf 

6.1.2  Gewachsener  Boden  ist  gemäss  §  5  ABV  der  bei  Einreichung  des 
Baugesuches  bestehende  Verlauf  des  Bodens 
frühere 
Verhältnisse ist zurückzugreifen, wenn der Boden (lit. a) innert eines Zeitraums 
von  10  Jahren  vor  der  Baueingabe  in  einem  im  Zeitpunkt  der  Ausführung  der 
Bewilligungspflicht  unterliegenden  Ausmass  aufgeschüttet  und  das  neue 
Terrain  in  der  baurechtlichen  Bewilligung  oder  in  einem  förmlichen  Planungs- 
oder Projektgenehmigungsverfahren nicht ausdrücklich als künftig gewachsener 
Boden erklärt worden ist oder (lit. b) im Hinblick auf die beabsichtigte Nutzung 
des Grundstückes oder zur Umgehung von Bauvorschriften umgestaltet worden 
ist (Abs. 2). 

Das Verwaltungsgericht hat bezüglich § 5 Abs. 1 ABV in einem Grundsatz-
entscheid  (VB.2005.00295  =  BEZ 2006  Nr.  9) festgehalten,  dass  bei Um-  und 
Erweiterungsbauten  auf  die  Verhältnisse  abzustellen  ist,  wie  sie  sich  bei 
Einreichung  des  ursprünglichen  Baugesuches  präsentiert  haben  –  dies 
unabhängig  davon,  ob  das  Terrain  auf  dem  Baugrundstück  inzwischen  abge-
graben  oder  aufgeschüttet  worden 
ist.  Würde  nämlich  bei  bewilligten 
Abgrabungen  das  gestaltete  Terrain  zum  gewachsenen  Boden,  hätte  dies  zur 
Folge,  dass  Bauten  namentlich  mit  ausgeschöpfter  Gebäudehöhe  oder 
Baumassenziffer  mit  ihrer  Erstellung  baurechtswidrig  würden,  indem  die 
Gebäudehöhe oder der umbaute Raum hernach ab dem  gewachsenen Boden 
gemessen würde. Diese Folge wurde als unsinnig und vom Gesetzgeber nicht 
gewollt abgelehnt. Je nachdem, ob bei der Erstellung abgegraben oder aufge-
schüttet  wurde,  wirkt  sich  die  besagte  Praxis  zu  Gunsten  des  Bauherrn  oder 
aber des Nachbarn aus. 

Die  vorstehend  zitierte  Rechtsprechung  gilt  für  Um-  und  Erweiterungs-
bauten. Als Erweiterung gilt insbesondere die Aufstockung um ein oder mehrere 

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Vollgeschosse.  Bezüglich  Anbauten  bzw.  seitlicher  Erweiterungen  wird  in  der 
Lehre  die  Auffassung  vertreten,  dass  es  auf  die  beanspruchte  Grundfläche 
ankomme.  Beschränke  sich  diese  auf  den  Bereich  von  Abgrabungen  oder 
Aufschüttungen, die seinerzeit bei der Erstellung des Gebäudes und in engem 
Zusammenhang  mit  diesem  vorgenommen  worden  seien,  sei  von  einer  Er-
weiterung  des  Bestehenden  zu  sprechen.  Diesfalls  sei  der  ursprünglich 
gewachsene Boden massgebend. Werde darüber hinausgegangen und würden 
Flächen  beansprucht,  die  seinerzeit  höchstens  im  Rahmen  der  Umgebungs-
gestaltung  verändert  worden  seien,  «kommt  die  Erweiterung  einem  Neubau 
gleich»,  für  welchen  der  aktuelle,  seit  zehn  Jahren  bestehende  Bodenverlauf 
massgebend  sei  (vgl.  Christoph  Fritzsche/  Peter  Bösch/Thomas Wipf,  Zürcher 
Planungs- und Baurecht, 5. A., 2011, Bd. 2, S. 912).  

Diese 

Interpretation  der  verwaltungsgerichtlichen  Rechtsprechung 

ist 
abzulehnen.  Ob  eine  Erweiterung  eines  Gebäudes  vorliegt  oder  aber  eine 
Anbaute,  entscheidet  sich  –  unbesehen  des  Umstandes,  dass  beide  Begriffe 
rechtssprachlich  nicht  definiert  sind  –  nicht  nach  der  Grösse  der  überstellten 
Fläche, sondern danach, ob dem neuen Bauteil eine gewisse architektonische 
Selbständigkeit zukommt oder nicht. Ein Anbau wird dem Bestand angefügt und 
kann in der Regel ohne grössere Eingriffe auch wieder beseitigt werden. Anders 
gesagt  kommt  zum  ursprünglichen  ein  zweites,  neues  Gebäude  hinzu.  Dem-
gegenüber  liegt  bei einer  Erweiterung  immer  noch  ein  und  dasselbe  Gebäude 
vor, wenn auch in veränderter Form. Nicht gegen diese Unterscheidung spricht, 
dass auch Grenzfälle denkbar sind.   

Alsdann  ist  die  Auffassung  in  Fritzsche/Bösch/Wipf  nicht  weniger  auch 
deswegen  abzulehnen,  weil  sie  zur  unhaltbaren  Situation  führte,  dass  bei 
früheren  Aufschüttungen  die  Erstellung  von  kleineren  untergeordneten  An-
bauten unabhängig von ihrer Funktion erschwert oder gar verunmöglicht würde, 
während  grossflächige  Erweiterungen  von  der  Terrainveränderung  profitieren 
könnten.  

Sachgerecht  ist  darauf  abzustellen,  ob  eine  Erweiterung  im  dargelegten 
Sinne vorliegt. Werden zum Beispiel bei einem Wohnhaus weitere Wohnräume 
hinzugefügt oder solche vergrössert, ist von einer Erweiterung auszugehen und 
dementsprechend ist gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung auf das 
im Zeitpunkt der Bewilligung dieses Gebäudes bestehende Terrain abzustellen. 
Wird  hingegen  eine  architektonisch  vom  Hauptbau  unabhängige  Anbaute 
erstellt,  die  zudem  auch  vom  bestehenden  Gebäude  abgetrennt  errichtet 
werden  könnte,  ist  die  Anbaute  als  Neubaute  zu  qualifizieren  und  ist  der 
gewachsene Boden für diese Anbaute neu und gesondert anhand von § 5 ABV 
zu  bestimmen.  §  5  Abs.  2  ABV  bietet  in  diesen  Fällen  genügend  Schutz,  um 
Rechtsmissbräuchen  vorzubeugen. Wurde  das  Terrain  mithin  vor  mehr  als  10 
Jahren  und  nicht  im  Hinblick  auf  den  nun  geplanten,  funktionell  vom 
Hauptgebäude  unabhängigen  und  auch  baulich  leicht  abtrennbaren  Anbau 
verändert, so ist auf das aktuell bestehende Terrain abzustellen. 

Der  Carport  ist  architektonisch  vom  Wohnhaus  vollkommen  unabhängig. 
Er  könnte  ohne  weiteres  von  diesem  abgesetzt  und  damit  freistehend  erstellt 
werden.  Dass  er  dem  Bewohner  des  Wohnhauses  dient  und  insofern  ein 

 
 
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funktioneller  Zusammenhang  besteht,  ist  mit  Blick  auf  die  hier  in  Rede 
stehenden Fragen unerheblich.   

Dass der Geländeverlauf an der betreffenden Stelle innert der letzten zehn 
Jahre verändert worden sei, macht der Rekurrent zu Recht nicht geltend. Auch 
ist  das  Vorliegen  eines  in  §  5  Abs.  2  ABV  geregelten  Tatbestandes  nicht 
ersichtlich. Somit besteht nach den vorstehenden Erwägungen kein Anlass, zur 
Bestimmung  der  Gebäudehöhe  auf  einen  früheren  Terrainverlauf  abzustellen, 
sondern es ist dem Bauvorhaben der aktuelle Geländeverlauf als gewachsener 
Boden zu Grunde zu legen.