# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aa7d5c5b-a88d-5eeb-9079-d7672d692a19
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.05.2020 200 2019 860
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2019-860_2020-05-04.pdf

## Full Text

200 19 860 ALV
KNB/SVE/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 4. Mai 2020

Verwaltungsrichter Knapp
Gerichtsschreiberin Schwitter

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern
Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 10. Oktober 2019

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Mai 2020, ALV/19/860, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1990 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich am 3. Januar 2019 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszen-
trum (RAV) Bern West zur Arbeitsvermittlung an (Akten des RAV [act. IIA] 
72-73) und stellte am 11. Januar 2019 Antrag auf Arbeitslosenentschädi-
gung ab 1. Januar 2019 (Akten der Arbeitslosenkasse B.________ [act. IIB] 
63-66). Mit Schreiben vom 29. Januar 2019 (act. IIA 55) gab das RAV der 
Versicherten Gelegenheit, den Nachweis von weiteren Arbeitsbemühungen 
vor Eintritt der Arbeitslosigkeit einzureichen und/oder die fehlenden Ar-
beitsbemühungen zu begründen. Mit E-Mail vom gleichen Tag (act. IIA 53-
54) nahm die Versicherte Stellung. Am 10. Mai 2019 (act. IIA 48-49) verfüg-
te das RAV die Einstellung in der Anspruchsberechtigung für neun Tage ab 
dem 1. Januar 2019 wegen erstmalig ungenügender Arbeitsbemühungen 
vor Antragsstellung, da die Versicherte ihrer Schadenminderungspflicht mit 
lediglich drei Arbeitsbemühungen während den drei Monaten vor der An-
meldung (1. Oktober bis 31. Dezember 2018) nicht genügend nachgekom-
men sei. Mit E-Mail vom 28. Juni 2019 (act. IIA 44-46) - welches in der Fol-
ge als Einsprache berücksichtigt wurde (act. IIA 38-39) - teilte die Versi-
cherte dem RAV mit, dass sie aufgrund einer neuen (vom RAV trotz Mittei-
lung nicht berücksichtigten) Adresse seit dem 15. Februar 2019 erst am 
25. Juni 2019 durch das Schreiben der Arbeitslosenkasse B.________ vom 
20. Juni 2019 (act. IIB 5-7) von der Einstellung erfahren habe. Das Amt für 
Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst (Beschwerde-
gegner), wies die Einsprache mit Entscheid vom 10. Oktober 2019 (Akten 
des Rechtsdienstes [act. II] 2-6) ab. 

B.

Hiergegen hat die Versicherte mit Eingabe vom 10. November 2019 (Post-
stempel) Beschwerde erhoben und beantragt sinngemäss die Aufhebung 
des Entscheides infolge mangelhafter Eröffnung. Eventualiter sei in Aufhe-

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bung des angefochtenen Einspracheentscheides eine angemessene Kür-
zung der Einstelltage vorzunehmen bzw. auf diese zu verzichten. 

Der Beschwerdegegner schliesst mit Beschwerdeantwort vom 17. Dezem-
ber 2019 auf Abweisung der Beschwerde.

Mit ergänzender Eingabe vom 30. Januar 2020 hält die Beschwerdeführe-
rin an ihrem Antrag fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung vom 31. August 
1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven-
zentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmungen über Frist 
(Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 
des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.

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1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 10. Oktober 
2019 (act. II 2-6). Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Einstel-
lung in der Anspruchsberechtigung von neun Tagen wegen ungenügender 
Arbeitsbemühungen vor Antragsstellung.

1.3 Bei einer Einstellung von neun Tagen liegt der Streitwert unter 
Fr. 20‘000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterli-
che Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Vorab rügt die Beschwerdeführerin sinngemäss, die Verfügung des 
RAV vom 10. Mai 2019 (act. IIA 48-49) sei mangelhaft eröffnet worden, 
indem diese aufgrund eines Systemfehlers per Briefpost an die falsche 
Adresse gesendet worden sei. Erst durch eigene Recherchen und 
Bemühungen habe sie am 25. Juni 2019 per E-Mail und nicht auf dem or-
dentlichen Postweg davon erfahren (Beschwerde S. 1). 

2.2 Die Eröffnung der Verfügung ist eine empfangsbedürftige, nicht aber 
annahmebedürftige einseitige Rechtshandlung; sie entfaltet daher ihre 
Rechtswirkungen vom Zeitpunkt der ordnungsgemässen Zustellung an. Ob 
die betroffene Person vom Verfügungsinhalt Kenntnis nimmt oder nicht, hat 
keinen Einfluss (BGE 119 V 89 E. 4c S. 95). Aus einer mangelhaften Eröff-
nung einer Verfügung darf der betroffenen Person kein Nachteil erwachsen 
(Art. 49 Abs. 3 ATSG). Aus dem im gesamten Sozialversicherungsrecht 
des Bundes anwendbaren Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter 
Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfe, folgt, dass dem beabsichtigten 
Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangel-
hafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Das bedeutet 
nichts anderes, als dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalles 
zu prüfen ist, ob die betroffene Partei durch den gerügten Eröffnungsman-
gel tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist. Richt-

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schnur für die Beurteilung dieser Frage ist der auch in diesem prozessua-
len Bereich geltende Grundsatz von Treu und Glauben, an welchem die 
Berufung auf Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (BGE 122 V 189 
E. 2 S. 194; SVR 2011 IV Nr. 32 S. 94 E. 2.2). Bei einer mangelhaften 
Eröffnung muss so verfahren werden, dass die Möglichkeit, ein Rechtsmit-
tel zu ergreifen, nicht eingeschränkt oder vereitelt wird (UELI KIESER, Kom-
mentar zum ATSG, 3. Aufl. 2015, Art. 49 N. 62).

2.3 Die Beschwerdeführerin erhielt zwar - nachdem sie das RAV auf die 
fehlende Zustellung der Verfügung vom 10. Mai 2019 (act. IIA 48-49) mit E-
Mail vom 28. Juni 2019 (act. IIA 44-46) aufmerksam gemacht hatte - ledig-
lich eine Kopie dieser Verfügung mit E-Mail vom 5. Juli 2019 (act. IIA 29) 
zugestellt, was eine nicht ordnungsgemässe Zustellung darstellt. Aus die-
ser mangelhaften Eröffnung erwuchsen ihr jedoch keine Nachteile, wurde 
doch ihre E-Mail vom 28. Juni 2019 (act. IIA 44-46), in welcher sie sich be-
reits gegen die verfügte Einstellung gewandt und sachbezogen dargelegt 
hatte, weshalb sie in den letzten drei Monate vor der Anmeldung lediglich 
drei Arbeitsbemühungen getroffen habe, als Einsprache behandelt. Dies 
lag denn auch in ihrem Interesse, beabsichtigte sie doch offensichtlich Ein-
sprache gegen diese Verfügung zu erheben.

3.

3.1 Weiter wird in der Beschwerde (S. 2) eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs geltend gemacht. Die Beschwerdeführerin bringt vor, die E-
Mail vom 28. Juni 2019 (act. IIA 44-46) sei nicht als Einsprache gedacht 
gewesen. Da ihr mitgeteilt worden sei (vgl. hierzu act. IIA 29), dass die Ver-
fügung (infolge Zustellung an eine falsche Adresse; vgl. act. IIA 29) wohl 
aufgehoben werden würde, sei sie davon ausgegangen, dies würde als 
Information reichen. Sie sei nicht darüber informiert worden, dass sie da-
nach keine weiteren Beweise oder Punkte mehr anbringen könne.

3.2 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche 
Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persön-
lichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass 
von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört insbe-

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sondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Ent-
scheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht 
in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden 
und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder 
sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, 
den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör um-
fasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräu-
men sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Gel-
tung bringen kann (BGE 143 V 71 E. 4.1 S. 72). Das Recht, angehört zu 
werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches 
Gehör führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sa-
che selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Es kommt mit 
anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den 
Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die 
Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht 
(BGE 127 V 431 E. 3d aa S. 437; SVR 2013 IV Nr. 26 S. 75 E. 4.2). Nach 
der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person 
die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die 
sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Hei-
lung eines allfälligen Mangels soll aber die Ausnahme bleiben (BGE 137 I 
195 E. 2.3.2 S. 197, 126 V 130 E. 2b S. 132; SVR 2013 IV Nr. 26 S. 76 
E. 4.2). Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen 
Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des Mangels selbst 
bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, 
wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf 
führen würde (vgl. BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197; SVR 2013 IV Nr. 26 S. 
76 E. 4.2).

3.3 Der zuständige Sachbearbeiter teilte der Beschwerdeführerin mit E-
Mail vom 5. Juli 2019 (act. IIA 29) einerseits mit, dass ihre E-Mail vom 
28. Juni 2019 (act. IIA 44-46) bereits als Einsprache weitergeleitet worden 
sei. Entgegen ihrer Auffassung hätte die Beschwerdeführerin trotz der Mit-
teilung, wonach die Verfügung allenfalls aufgehoben werde, jederzeit weite-
re Beweismittel einreichen resp. weitere Stellungnahmen einreichen kön-

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nen. Dies gilt umso mehr, als sie darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass 
ihre E-Mail bereits als Einsprache weitergeleitet worden war. 

Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin vorab durch die Arbeitslosen-
kasse B.________ über die Einstellung orientiert wurde und vom Be-
schwerdegegner erstmals am 5. Juli 2019 die Verfügung per Mail zugestellt 
erhielt, nachdem ihre E-Mail vom 28. Juni 2019 (act. IIA 44-46) bereits als 
Einsprache weitergeleitet worden war, ist auf einen nicht korrekt erfolgten 
Ablauf beim RAV (fehlender Eintrag der durch die Beschwerdeführerin mit-
geteilten Adressänderung; vgl. act. IIA 34) zurückzuführen und entspricht 
denn auch nicht der gesetzlich korrekten Vorgehensweise im Rahmen ei-
nes Einspracheverfahrens. Diesbezüglich ist somit eine Verletzung des 
rechtlichen Gehörs anzunehmen. Da das Verwaltungsgericht jedoch über 
eine umfassende Kognition verfügt, d.h. sowohl den Sachverhalt wie auch 
die Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. E. 3.2 hiervor), ist dieser Mangel 
vorliegend (ausnahmsweise) zu heilen. Dies umso mehr, als dass eine 
Rückweisung an die Verwaltung einen prozessualen Leerlauf bedeuten 
würde (vgl. E. 3.2 hiervor; Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 1. Juli 
2019, 9C_279/2019, E. 2.1).

4.

4.1 Zu prüfen ist somit materiell, ob die Beschwerdeführerin zu Recht 
wegen ungenügender Arbeitsbemühungen vor Antragsstellung in der An-
spruchsberechtigung eingestellt wurde. 

4.2 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG müssen Versicherte, die Versicherungs-
leistungen beanspruchen wollen, mit Unterstützung des zuständigen Ar-
beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei-
den oder zu verkürzen. Insbesondere sind sie verpflichtet, Arbeit zu su-
chen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufs. Sie müssen 
ihre Bemühungen nachweisen können. Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG 
ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn 
sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht. Bei der 
Beurteilung der Frage, ob sich eine versicherte Person genügend um zu-
mutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die 

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Qualität ihrer Bewerbungen von Bedeutung (BGE 139 V 524 E. 2.1.1 
S. 525 und E. 2.1.4 S. 528).

Aus der Pflicht, den Eintritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, fliesst die 
Last für die versicherte Person, sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung 
des früheren Arbeitsverhältnisses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosig-
keit intensiv um eine neue Arbeit zu bemühen. Die versicherte Person hat 
sich dementsprechend während einer allfälligen Kündigungsfrist, aber auch 
generell während der Zeit vor der Anmeldung, unaufgefordert um Stellen zu 
bemühen. Sie kann sich insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht ge-
wusst zu haben, dass sie schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug 
zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam 
gemacht worden sei. Bei der Anmeldung hat die arbeitslos gewordene Per-
son den Nachweis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen (Art. 20 Abs. 1 
lit. d AVIV). Auch bei kürzeren Kündigungsfristen sind grundsätzlich die 
letzten drei Monate vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung in 
Betracht zu ziehen.

In quantitativer Hinsicht werden in der Praxis durchschnittlich zehn bis 
zwölf Stellenbewerbungen pro Monat in der Regel als genügend erachtet 
(BGE 139 V 524 E. 2.1.4 S. 528). Dabei ist allerdings nicht schematisch auf 
eine rein quantitative Grenze abzustellen. Vielmehr ist die Qualität des 
Vorgehens der versicherten Person mit Blick auf die konkreten Umstände 
zu prüfen, wobei mitunter eine gezielte Arbeitssuche und gut dargestellte 
Bewerbungen besser sind als zahlreiche Arbeitsbemühungen (Entscheid 
des BGer vom 28. Juni 2010, 8C_589/2009, E. 3.2).

4.3 Bei der Schadenminderungspflicht der versicherten Person handelt 
es sich um einen allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts 
(BGE 129 V 460 E. 4.2 S. 463). Einer versicherten Person sind im Rahmen 
der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten, die ein vernünfti-
ger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Ent-
schädigung zu erwarten hätte (BGE 140 V 267 E. 5.2.1 S. 274). 

4.4 Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung setzt nicht (zwin-
gend) den Nachweis eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Verhal-
ten der versicherten Person und der Verlängerung der Arbeitslosigkeit, mit-

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hin dem (auch) der Arbeitslosenversicherung entstandenen Schaden vor-
aus. Vielmehr werden bestimmte Handlungen und Unterlassungen bereits 
dann sanktioniert, wenn sie ein Schadensrisiko in sich bergen (BGE 141 V 
365 E. 2.1 S. 367).

4.5 Bei der Prüfung der Arbeitsbemühungen vor der Antragsstellung 
(vgl. E. 2.1 hiervor) ist praxisgemäss (vgl. dazu das vom Staatssekretariat 
für Wirtschaft [SECO] herausgegebene Kreisschreiben AVIG-Praxis ALE, 
[abrufbar unter <www.arbeit.swiss>, Rubrik: Arbeitgeber/Publikationen/
Kreisschreiben/ AVIG-Praxis], B314) auf die letzten drei Monate vor An-
meldung zum Leistungsbezug abzustellen. Vorliegend erfolgte die Anmel-
dung am 3. resp. 11. Januar 2019 (act. IIA 72-73 resp. act. IIB 63-66) für 
einen Leistungsbezug ab diesem Zeitpunkt, womit die Arbeitsbemühungen 
zwischen dem 1. Oktober 2018 und Ende Dezember 2018 massgebend 
sind. Für diesen Zeitraum weist die Beschwerdeführerin unbestrittenermas-
sen lediglich drei Stellbewerbungen nach (act. IIA 66). Sie bestreitet denn 
auch nicht, sich quantitativ ungenügend beworben zu haben (Beschwerde 
S. 3). Vielmehr bringt sie vor, sich qualitativ sehr umfassend auf die Dokto-
randenstelle ab Februar 2019 vorbereitet zu haben. So hätte auch nur ein 
kleiner Verzicht in Bezug auf die Qualität der Bewerbung an der 
C.________ zugunsten der Quantität der Bewerbungen insgesamt ein er-
höhtes Risiko bedeutet, die Doktorandenstelle nicht zu bekommen (Be-
schwerde S. 2). Zwar trifft zu, dass nicht nur die Quantität, sondern auch 
die Qualität der Arbeitsbemühungen massgebend ist (E. 4.2 hiervor). Die 
Beschwerdeführerin machte in ihrer Stellungnahme vom 29. Januar 2019 
(act. IIA 53-54) jedoch auch geltend, dass sie sich insbesondere auf keine 
anderen (Zwischen-) Stellen beworben habe, weil sie nicht sicher war, ob 
sie die Doktorandenstelle erhalte und wie lange sie allenfalls eine Zwi-
schenlösung brauchen würde. Spätestens nach dem ersten Bewerbungs-
gespräch am 21. November 2018 hatte sie aber Kenntnis darüber, dass ein 
allfälliger Stellenantritt frühestens per 1. März oder 1. April 2019 vorgese-
hen war, womit sie sich im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht auch 
um eine Zwischenlösung hätte bemühen müssen. Dies umso mehr, als erst 
anlässlich des zweiten Bewerbungsgesprächs Mitte Dezember 2018 der 
allenfalls mögliche Stellenantritt auf den 15. Februar 2019 vorverlegt wurde 
(vgl. act. IIA 53-54), wobei sie in der ganzen Zeit davor (d.h. ab Oktober 

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2018) bis zur Zusage am 21. Dezember 2018 (act. IIA 54) nicht darauf ver-
trauen durfte, überhaupt eine Festanstellung zu erhalten. Aufgrund der be-
stehenden Unsicherheiten über die Anstellung einerseits und den Zeitraum 
bis zum allfälligen Stellenantritt wäre sie daher aus alv-rechtlicher Sicht 
nach dem allgemeinen Grundsatz der Schadenminderungspflicht - neben 
der Vorbereitung auf die allfällige Doktorandenstelle - gehalten gewesen, 
weitere Arbeitsbemühungen zu tätigen. Diese Pflicht gilt denn auch ganz 
allgemein und grundsätzlich unbesehen der persönlichen Situation der Be-
schwerdeführerin, da eine versicherte Person sich so zu verhalten hat, wie 
wenn sie keine Leistungen der Arbeitslosenversicherung erhalten könnte 
(E. 4.3 hiervor; AVIG-Praxis ALE B311). 

4.6 Nach dem Dargelegten hat der Beschwerdegegner die Beschwer-
deführerin aufgrund der offenkundig ungenügenden Arbeitsbemühungen im 
hier massgebenden dreimonatigen Zeitraum vor der Anmeldung zum Leis-
tungsbezug zu Recht in der Anspruchsberechtigung eingestellt.

5. Abschliessend bleibt die Angemessenheit der verfügten Sanktion 
von neun Einstelltagen zu prüfen.

5.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Ver-
schuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leich-
tem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem 
Verschulden (Art. 45 Abs. 3 lit. a - c AVIV; bis 31. März 2011 Art. 45 Abs. 2 
lit. a - c AVIV). Die Einstellung gilt nur für Tage, für die die arbeitslose Per-
son die Voraussetzungen der Anspruchsberechtigung erfüllt (Art. 30 Abs. 3 
Satz 1 AVIG). Massgebend ist das Gesamtverhalten der versicherten Per-
son, das unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände des Einzel-
falls, d.h. der objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu würdigen ist 
(BGE 141 V 365 E. 4.1 S. 369). Innerhalb dieses Rahmens entscheiden die 
Organe der Arbeitslosenversicherung nach pflichtgemässem Ermessen. 
Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht ohne triftigen 
Grund anstelle desjenigen der Verwaltung setzen; die Rekursbehörde 
muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche ihre abwei-

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chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 
123 V 150 E. 2 S. 152; ARV 2006 S. 230 E. 2.1).

5.2 Der Beschwerdegegner hat neun Einstelltage verfügt und damit die 
Sanktion im mittleren Bereich des leichten Verschuldens festgesetzt 
(Art. 45 Abs. 3 lit. a AVIV). Die Beschwerdeführerin hat in der Zeit vor der 
Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse - wie erwähnt - lediglich drei Arbeits-
bemühungen vorgenommen. Angesichts der damit eindeutig ungenügen-
den Arbeitsbemühungen während einer Frist von drei Monaten sowie mit 
Blick auf das - für das Verwaltungsgericht nicht verbindliche (vgl. BGE 144 
V 195 E. 4.2 S. 198) - „Einstellraster“ in der AVIG-Praxis ALE (D79 
Ziff. 1.A/3) erscheint auch das Einstellungsmass als angemessen. Ein Ein-
greifen in das der Verwaltung zukommende Ermessen (vgl. E. 5.1 hiervor) 
ist nicht angezeigt.

6. Nach dem Dargelegten ist der angefochtene Einspracheentscheid 
vom 10. Oktober 2019 (act. II 2-6) nicht zu beanstanden und die dagegen 
erhobene Beschwerde abzuweisen.

7.

7.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG sind 
keine Verfahrenskosten zu erheben.

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

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2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen.

3. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst

(samt Eingabe vom 30. Januar 2020)
- Staatssekretariat für Wirtschaft – seco

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden