# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 418a8d5c-4ec9-5dc0-bfc1-bb65a2472886
**Source:** Bundespatentgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-05-15
**Language:** de
**Title:** Entscheid O2016_010
**Docket/Reference:** O2016_010
**URL:** https://www.bundespatentgericht.ch/rechtsprechung/entscheidanzeige/136/

## Full Text

O2016_010 

1 

Entscheid i.S. Gebr. Loepfe AG / Uster Technologies AG vom 15. Mai 2019  

Regeste:  

Art. 26, 27 PatG; Klarheitsprüfung bei Änderung der Patentansprüche.  
Mangelnde Klarheit ist kein Nichtigkeitsgrund. Damit ein Rechtsbegehren auf Einschränkung 
von Ansprüchen im Patentnichtigkeitsprozess zulässig ist, muss aber auch dieses genügend 
bestimmt sein. Deshalb muss die Einschränkung klar formuliert sein.  
Der Verzicht auf einen erteilten unabhängigen Anspruch bildet zwar eine Einschränkung des 
Patents, kann jedoch keine Klarheitsfrage aufwerfen, wenn, nebst dem Anspruchsverzicht als 
solches, eine blosse Umformulierung eines erteilten abhängigen Anspruches als unabhängiger 
Anspruch vorgenommen wird (E. 34).  

Art. 26, 27 LBI; Vérification de la clarté des modifications des revendications de brevet. 
Le manque de clarté n'est pas un motif de nullité. Toutefois, pour qu'une conclusion en limita-
tion des revendications soit recevable dans un procès en nullité du brevet, elle doit également 
être suffisamment déterminée. Partant, la limitation doit être clairement formulée.  
La renonciation à une revendication indépendante délivrée constitue une limitation du brevet, 
mais cette renonciation ne peut soulever une question de clarté si, outre la renonciation en tant 
que telle à la revendication, elle n’entraîne qu’une simple reformulation d'une revendication dé-
pendante délivrée en une revendication indépendante (E. 34).  

Art. 26, 27 LBI; Verifica della chiarezza delle modifiche delle rivendicazioni di brevetto. 
L’assenza di chiarezza non è un motivo di nullità. Tuttavia, perché una conclusione sulla limita-
zione delle rivendicazioni sia ricevibile in una procedura di nullità di brevetto, essa deve anche 
essere sufficientemente determinata. Pertanto, la limitazione deve essere chiaramente formula-
ta. La rinuncia a una rivendicazione indipendente concessa costituisce una limitazione del bre-
vetto, ma tale rinuncia non può sollevare una questione di chiarezza se, oltre alla rinuncia alla 
rivendicazione in quanto tale, essa non comporta che una semplice riformulazione di una ri-
vendicazione dipendente concessa in una rivendicazione indipendente (c. 34). 

Art. 26, 27 PatA; Clarity on amendment of patent claims.  
Lack of clarity is not a ground for invalidity. However, in order for a prayer for relief for limitation 
of claims in a patent nullity suit to be admissible, it must also be sufficiently determined. There-
fore, the limitation of claims must be clearly formulated.  
The waiver of a granted independent claim constitutes a limitation of the patent, but this waiver 
cannot raise a question of clarity if, apart from the waiver of a granted independent claim, a 
mere reformulation of a granted dependent claim is made as an independent claim (E. 34).  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
B u n d e s p a t e n t g e r i c h t

T r i b u n a l   f é d é r a l   d e s   b r e v e t s

T r i b u n a l e   f e d e r a l e   d e i   b r e v e t t i

T r i b u n a l   f e d e r a l   d a   p a t e n t a s

F e d e r a l   P a t e n t   C o u r t

O2016_010

Besetzung

U r t e i l   v o m   1 5 .   M a i 2 0 1 9

Vizepräsident lic. iur. & Dipl. Mikrotech.-Ing. ETH Frank 
Schnyder (Vorsitz),
Richter Dr. sc. nat. ETH Tobias Bremi (Referent),
Richter Dipl. Ing. Phys. EPFL Christoph Müller,
Erste Gerichtsschreiberin lic. iur. Susanne Anderhalden

Verfahrensbeteiligte

Gebr. Loepfe AG, Kastellstrasse 10, 8620 Wetzikon, 

vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. iur. Simon Holzer und 
Dr. iur. Kilian Schärli, Meyerlustenberger Lachenal AG,
Schiffbaustrasse 2, Postfach 1765, 8031 Zürich, patentan-
waltlich beraten durch Dr. Kurt Sutter, E. Blum & Co. AG,
Vorderberg 11, 8044 Zürich,

Klägerin

gegen

Uster Technologies AG,
Sonnenbergstrasse 10, 8610 Uster, 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andri Hess, Homburger 
AG, Prime Tower, Hardstrasse 201, 8005 Zürich, patentan-
waltlich beraten durch Dr. Paul Pliska, Uster Technologies 
AG, Sonnenbergstrasse 10, 8610 Uster,

Beklagte

Gegenstand

Patentnichtigkeit
Symmetrieabgleichverfahren

O2016_010

Das Bundespatentgericht zieht in Erwägung:

Prozessgeschichte

1.
Mit  Klage  vom  21.  Juni  2016  stellte  die  Klägerin  folgende  Rechtsbegeh-
ren:

«1.  Es sei festzustellen, dass der schweizerisch-liechtensteinische Teil des Eu-

ropäischen Patents EP 2 347 250 nichtig ist.

2. Es sei festzustellen, dass der schweizerisch-liechtensteinische Teil des Eu-

ropäischen Patents EP 2 352 018 nichtig ist.

3.  Alles  unter  Kosten- und  Entschädigungsfolgen  zu  Lasten  der  Beklagten, 

einschliesslich der Kosten des mitwirkenden Patentanwalts.»

die 

beiden 

betreffend 

2.
Die  Nichtigkeitsklagen 
schweizerisch-
liechtensteinischen Teile der europäischen Patente wurden mit Verfügung 
vom  30.  Juni  2016  getrennt.  Das Verfahren  betreffend  schweizerisch-
liechtensteinischen Teil des europäischen Patents EP 2 347 250 B1 (Kla-
gepatent  1)  wird  unter  der  vorliegenden  Verfahrens-Nr.  O2016_010  und 
das  Verfahren  betreffend  schweizerisch-liechtensteinischen Teil  des  eu-
ropäischen Patents EP 2 352 018 B1 (Klagepatent 2) wird unter der Ver-
fahrens-Nr. O2016_011 geführt.

3.
Am  6. Oktober  2016  erfolgte  die  Klageantwort, die  Beklagte  stellte  darin 
folgende Rechtsbegehren:

«1.  Die Klage sei abzuweisen;

2.  Eventualiter sei der schweizerisch-liechtensteinische Teil des europäischen 

Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu halten:

"1. 

Verfahren für den Symmetrieabgleich einer Vorrichtung (1) zur kapa-

zitiven Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) 

wie  Kardenband,  Vorgarn, Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Konden-

satoranordnung (21), welche Vorrichtung (1)

mindestens  einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines 

elektrischen Wechselsignals an die Kondensatoranordnung (21), wo-

bei  die  Kondensatoranordnung  (21)  vom Wechselsignalgenerator  (3) 

durch eine Filter- und/oder Verstärkerstufe (5) derart abgekoppelt ist, 

Seite 2

O2016_010

dass  sie  Parameter  des  vom  Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten 

Wechselsignals nicht wesentlich beeinflusst,

eine Auswerteschaltung (6) zur Auswertung mindestens einer elektri-

schen Messgrösse eines an einer die Kondensatoranordnung (21) be-

inhaltenden Messschaltung (2) abgegriffenen elektrischen Signals,

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem min-

destens  einen  Wechselsignalgenerator  (3)  und  der  Filter- und/oder 

Verstärkerstufe (5) angeordnet sind und mittels derer mindestens ein 

Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart  veränderbar  ist, 

dass  ein  Ausgangssignal  der  Auswerteschaltung  (6)  bei  definierten, 

konstanten Bedingungen einen bestimmten Wert, vorzugsweise Null, 

annimmt, und

Steuermittel  (7)  zur  Abgabe  eines  elektrischen  Steuersignals  an  die 

Abgleichmittel  (4),  mittels  dessen  die  Veränderung  des  mindestens 

einen Parameters steuerbar ist,

beinhaltet, wobei

die  Kondensatoranordnung  (21)  ohne  Prüfgut  (9)  im  Wesentlichen 

zeitlich unverändert belassen wird,

ein  elektrisches Wechselsignal  von  dem mindestens  einen Wechsel-

signalgenerator  (3)  erzeugt  und  an  die  Kondensatoranordnung  (21) 

angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Messschaltung  (2)  abgegriffen 

wird, 

mindestens  eine  elektrische  Messgrösse  des  an  der  Messschaltung 

(2)  abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswer-

teschaltung (6) ausgewertet wird,

mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  in  dem 

elektrischen Pfad zwischen dem mindestens einen Wechselsignalge-

nerator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  derart  durch 

die  Abgleichmittel (4)  verändert  wird,  dass  ein  Ausgangssignal  der 

Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen bestimm-

ten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektri-

schen Steuersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das  elektrische  Steuersignal  durch  das  Ausgangssignal  beeinflusst 

wird.

Seite 3

O2016_010

2. 

Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Beeinflussung des elektrischen 

Steuersignals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem  ge-

schlossenen Regelkreis erfolgt.

3. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Vor-

richtung (1) eine Rückkopplung aufweist, mittels deren ein Ausgangs-

signal der Messschaltung (2) oder der Auswerteschaltung (6) auf die 

Steuermittel (7) einwirkt.

4. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Ab-

gleichmittel  (4)  eine  Mehrzahl  von  elektrischen  Widerständen  (421, 

431,  433)  beinhalten,  die  einzeln  oder  gruppenweise  zu- oder  weg-

schaltbar sind.

5. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Ab-

gleichmittel (4)  einen Modulator (442) für eine  Amplitudenmodulation 

des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

6. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Ab-

gleichmittel  (4)  einen  Verstärker  (452,  462)  mit  variabler  oder  pro-

grammierbarer  Verstärkung  zur  Verstärkung  des  elektrischen  Wech-

selsignals beinhalten.

7. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Ab-

gleichmittel (4) ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 

481) beinhalten.

8. 

Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Ab-

gleichmittel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

3.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin.»

4.
Im  Rahmen  der  Instruktionsverhandlung  vom  2.  Februar  2017  konnte 
keine Einigung erzielt werden. Am 2. Mai 2017 erstattete die Klägerin die 
Replik.

5.
Am 22.  Juni  2017  erfolgte die  Duplik,  wobei die  Beklagte geänderte 
Rechtsbegehren stellte.  Diese  werden  in  der  Folge  wiedergegeben,  wo-
bei  beim  Hauptantrag  die  Änderungen  bezüglich  der  erteilten  Fassung 
hervorgehoben sind, und bei den folgenden Eventualanträgen 1-5 die be-
züglich Hauptantrag vorgenommenen Änderungen und in Eventualantrag 
6 die Änderungen bezüglich der erteilten Fassung:

Seite 4

O2016_010

«Hauptantrag:

Der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil  des  europäischen  Patents  EP  2  347 

250 sei wie folgt eingeschränkt aufrecht zu halten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  welche 

Vorrichtung (1)

mindestens  einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen 

Wechselsignals  an  die  Kondensatoranordnung  (21),  wobei  die  Kondensatoran-

ordnung  (21)  vom  Wechselsignalgenerator  (3)  durch  eine  Filter- und/oder Ver-

stärkerstufe (5) zur Filterung und/oder Verstärkung des vom Wechselsignalgene-

rator  (3)  erzeugten  Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist,  dass  sie  Parameter 

des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeugten Wechselsignals nicht beeinflusst,

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse  eines  an  einer  die  der Kondensatoranordnung  (21)  beinhaltenden 

Messchaltung abgegriffenen elektrischen Signals,

Abgleichmittel (4), die  in  einem elektrischen Pfad  zwischen dem mindestens ei-

nen Wechselsignalgenerator  (3)  und  der  Messchaltung  (2)  Filter- und/oder  Ver-

stärkerstufe (5) angeordnet sind und mittels derer mindestens ein Parameter des 

elektrischen Wechselsignals derart veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der 

Auswerteschaltung  (6)  bei  definierten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimm-

ten Wert, vorzugsweise Null, annimmt, und

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist,

beinhaltet,

wobei

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird,

ein  elektrisches Wechselsignal  von  dem  mindestens  einen  Wechselsignalgene-

rator (3) erzeugt und an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Messschaltung  (2)  Kondensatoranordnung 

(21) abgegriffen wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Messschaltung (2) Konden-

satoranordnung  (21) abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die 

Auswerteschaltung (6) ausgewertet wird,

Seite 5

O2016_010

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad  zwischen  dem  mindestens  einen  Wechselsignalgenerator  (3)  und  der 

Messschaltung  (2)  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5) derart  durch  die  Ab-

gleichmittel (4) verändert wird, dass ein Ausgangssignal der Auswertung bei de-

finierten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert,  vorzugsweise  Null, 

annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuer-

signals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem geschlossenen  Regel-

kreis erfolgt.

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,  wobei die  Vorrichtung 

(1)  eine  Rückkopplung  aufweist,  mittels  deren  ein  Ausgangssignal  der  Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel (7) 

einwirkt.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Mehrzahl von elektrischen Widerständen (421, 431, 433) beinhalten, 

die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4)ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

2. Eventualantrag 1:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  1  sei  der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Seite 6

O2016_010

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  bei  wel-

cher Untersuchung das bewegte Prüfgut (9) die Kondensatoranordnung (21) be-

einflusst, welche Vorrichtung (1)

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsig-

nals  an die Kondensatoranordnung (21),  wobei die  Kondensatoranordnung (21) 

vom  Wechselsignalgenerator  (3)  durch  eine  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5) 

zur Filterung und/oder Verstärkung des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeug-

ten Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist,  dass  sie  Parameter  des  vom Wech-

selsignalgenerator (3) erzeugten Wechselsignals nicht beeinflusst,

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektrischen 

Signals,

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignal-

generator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet  sind  und 

mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart 

veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschaltung (6) bei definier-

ten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert,  vorzugsweise  Null,  an-

nimmt, und

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel(4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steuer-

bar ist,

beinhaltet,

wobei

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird,

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt und 

an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegriffen 

wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung (21) 

abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschaltung  (6) 

ausgewertet wird,

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator (3) und der Filter- und/oder Verstär-

kerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert  wird,  dass  ein  Aus-

gangssignal der Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen be-

stimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

Seite 7

O2016_010

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuer-

signals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem  geschlossenen  Regel-

kreis erfolgt.

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,  wobei die  Vorrichtung 

(1)  eine  Rückkopplung  aufweist,  mittels  deren  ein  Ausgangssignal  der  Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Mehrzahl von elektrischen Widerständen (421, 431, 433) beinhalten, 

die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten"

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen; 

3. Eventualantrag 2:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  2  sei  der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  welche 

Vorrichtung (1)

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsig-

nals  an die Kondensatoranordnung (21),  wobei die  Kondensatoranordnung (21) 

vom  Wechselsignalgenerator  (3)  durch  eine  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5) 

zur Filterung und/oder Verstärkung des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeug-

Seite 8

O2016_010

ten  Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist,  dass  sie  die  Parameter  Frequenz, 

Phase  und/oder  Amplitude des  vom  Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten 

Wechselsignals nicht beeinflusst,

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektrischen 

Signals,

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignal-

generator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet  sind  und 

mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart 

veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschaltung (6) bei definier-

ten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert,  vorzugsweise  Null,  an-

nimmt, und

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist,

beinhaltet,

wobei

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird,

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt und 

an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegriffen 

wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung (21) 

abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschaltung  (6) 

ausgewertet wird,

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator (3) und der Filter- und/oder Verstär-

kerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert  wird,  dass  ein  Aus-

gangssignal der Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen be-

stimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und 

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

Seite 9

O2016_010

2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuer-

signals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem  geschlossenen  Regel-

kreis erfolgt. 

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei d(e Vorrichtung 

(1)  eine  Rückkopplung  aufweist,  mittels  deren  ein  Ausgangssignal  der  Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Mehrzahl von elektrischen Widerständen (421, 431, 433) beinhalten, 

die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4)ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche 1wobei die Abgleichmit-

tel (4)eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten."

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

4. Eventualantrag 3:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  3sei  der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  welche 

Vorrichtung (1)

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektrischen 

Signals, 

einen  Referenzkondensator  (22),  welcher  in  Serie  zur  Kondensatoranordnung 

(21) geschaltet ist, 

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsig-

nals  von  zwei  elektrischen Wechselspannungen mit  entgegengesetzten  Phasen 

Seite 10

O2016_010

an die Kondensatoranordnung (21) bzw. an den Referenzkondensator (22), wo-

bei die Kondensatoranordnung (21) vom Wechselsignalgenerator (3) durch eine 

Filter- und/oder  Verstärkerstufe (5)  zur Filterung und/oder  Verstärkung des  vom 

Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten  Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist, 

dass sie Parameter des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeugten Wechselsig-

nals nicht beeinflusst,

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignal-

generator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet  sind  und 

mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart 

veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschaltung (6) bei definier-

ten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert,  vorzugsweise  Null,  an-

nimmt und

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist, 

beinhaltet,

wobei

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird, 

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt und 

an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegriffen 

wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung (21) 

abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschaltung  (6) 

ausgewertet wird,

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator (3) und der Filter- und/oder Verstär-

kerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert  wird,  dass  ein  Aus-

gangssignal der Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen be-

stimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

Seite 11

O2016_010

2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuer-

signals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem  geschlossenen  Regel-

kreis erfolgt.

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,  wobei die  Vorrichtung 

(1)  eine  Rückkopplung  aufweist,  mittels  deren  ein  Ausgangssignal  der  Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Mehrzahl von elektrischen Widerständen (421, 431, 433) beinhalten, 

die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche. wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

5. Eventualantrag 4:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  4  sei  der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten: 

"1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  welche 

Vorrichtung (1) 

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsig-

nals  an die Kondensatoranordnung (21),  wobei die  Kondensatoranordnung (21) 

vom  Wechselsignalgenerator  (3)  durch  eine  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5) 

zur Filterung und/oder Verstärkung des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeug-

ten Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist,  dass  sie  Parameter  des  vom Wech-

selsignalgenerator (3) erzeugten Wechselsignals nicht beeinflusst,

Seite 12

O2016_010

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektrischen 

Signals,

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignal-

generator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet  sind  und 

mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart 

veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschaltung (6) bei definier-

ten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert,  vorzugsweise  Null,  an-

nimmt

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist, und

eine Rückkopplung, mittels deren [recte derer] ein Ausgangssignal  der Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt,

beinhaltet, 

wobei

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird, 

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt und 

an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegriffen 

wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung (21) 

abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschaltung  (6) 

ausgewertet wird,

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator (3) und der Filter- und/oder Verstär-

kerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert  wird,  dass  ein  Aus-

gangssignal der Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen be-

stimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird,

wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuersignals durch das Ausgangssig-

nal automatisch in einem geschlossenen Regelkreis erfolgt.

Seite 13

O2016_010

2.  Verfahren  nach  Anspruch  1,  wobei  die  Abgleichmittel  (4)  eine  Mehrzahl  von 

elektrischen  Widerständen  (421,  431,  433)  beinhalten,  die  einzeln  oder  grup-

penweise zu oder wegschaltbar sind. 

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

6. Eventualantrag 5:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  5  sei  der  schweizerisch-Iiechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  bei  wel-

cher Untersuchung das bewegte Prüfgut (9) die Kondensatoranordnung (21) be-

einflusst, welche Vorrichtung (1)

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektrischen 

Signals,

einen  Referenzkondensator  (22),  welcher  in  Serie  zur  Kondensatoranordnung 

(21) geschaltet ist,

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsig-

nals  von  zwei  elektrischen Wechselspannungen mit  entgegengesetzten  Phasen

an die Kondensatoranordnung (21) bzw. an den Referenzkondensator (22), wo-

bei die Kondensatoranordnung (21) vom Wechselsignalgenerator (3) durch eine 

Filter- und/oder  Verstärkerstufe (5)  zur Filterung und/oder  Verstärkung des  vom 

Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten  Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist, 

dass sie die Parameter Frequenz, Phase und/oder Amplitude des vom Wechsel-

signalgenerator (3) erzeugten Wechselsignals nicht beeinflusst,

Seite 14

O2016_010

Abgleichmittel (4), die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignal-

generator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet  sind  und 

mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  derart 

veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschaltung (6) bei definier-

ten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert, vorzugsweise  Null,  an-

nimmt,

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4). mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist, und 

eine Rückkopplung, mittels deren [recte derer] ein Ausgangssignal  der Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt, 

beinhaltet, 

wobei 

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird,

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt und 

an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegriffen 

wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung (21) 

abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschaltung  (6) 

ausgewertet wird,

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator (3) und der Filter- und/oder Verstär-

kerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert  wird,  dass  ein  Aus-

gangssignal der Auswertung bei definierten, konstanten Bedingungen einen be-

stimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt, 

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird,

wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuersignals durch das Ausgangssig-

nal automatisch in einem geschlossenen Regelkreis erfolgt.

2.  Verfahren  nach  Anspruch  1,  wobei  die  Abgleichmittel  (4)  eine  Mehrzahl  von 

elektrischen  Widerständen  (421,  431,  433)  beinhalten,  die  einzeln  oder  grup-

penweise zu oder wegschaltbar sind.

Seite 15

O2016_010

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) ein digitales Potenziometer oder einen Rejustor (471, 481) beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

7. Eventualantrag 6:

Eventualiter  zu  Rechtsbegehren  6  sei  der  schweizerisch-liechtensteinische  Teil 

des europäischen Patents EP 2 347 250 wie folgt eingeschränkt aufrecht zu hal-

ten:

“1.  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  Vorrichtung  (1)  zur  kapazitiven 

Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kardenband, 

Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe  mittels  einer  Kondensatoranordnung  (21),  welche 

Vorrichtung (1) 

mindestens  einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  eines  elektrischen 

Wechselsignals an die Kondensatoranordnung (21), 

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse  eines  an  einer  die  der Kondensatoranordnung  (21)  beinhaltenden 

Messschaltung abgegriffenen elektrischen Signals, 

Abgleichmittel (4), die  in  einem elektrischen Pfad  zwischen dem mindestens ei-

nen Wechselsignalgenerator (3) und der Messschaltung Kondensatoranordnung 

(21)  angeordnet  sind  und  mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des  elektri-

schen Wechselsignals derart veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Aus-

werteschaltung  (6)  bei  definierten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten 

Wert, vorzugsweise Null, annimmt, wobei die Abgleichmittel (4) ein digitales Po-

tenziometer beinhalten, und

Steuermittel (7) zur Abgabe eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmit-

tel (4), mittels dessen die Veränderung des mindestens einen Parameters steu-

erbar ist,

beinhaltet,

wobei

Seite 16

O2016_010

die Kondensatoranordnung (21) ohne Prüfgut (9) im Wesentlichen zeitlich unver-

ändert belassen wird,

ein  elektrisches Wechselsignal  von  dem  mindestens  einen  Wechselsignalgene-

rator (3) erzeugt und an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Messchaltung  Kondensatoranordnung  (21)

abgegriffen wird, 

mindestens  eine  elektrische  Messgrösse  des  an  der  Messchaltung  Kondensa-

toranordnung  (21) abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Aus-

werteschaltung (6) ausgewertet wird, 

mindestens ein Parameter des elektrischen Wechselsignals in dem elektrischen 

Pfad zwischen dem mindestens einen Wechselsignalgenerator (3) und der Mes-

schaltung Kondensatoranordnung (21) derart durch die Abgleichmittel (4) verän-

dert  wird,  dass  ein  Ausgangssignal  der  Auswertung  bei  definierten,  konstanten 

Bedingungen einen bestimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen  Steu-

ersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und 

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

2. Verfahren nach Anspruch 1‚ wobei die Beeinflussung des elektrischen Steuer-

signals  durch  das  Ausgangssignal  automatisch  in  einem  geschlossenen  Regel-

kreis erfolgt.

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,  wobei die  Vorrichtung 

(1)  eine  Rückkopplung  aufweist,  mittels  deren  ein  Ausgangssignal  der  Konden-

satoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steuermittel  (7) 

einwirkt.

4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) eine Mehrzahl von elektrischen Widerständen (421, 431, 433) beinhalten, 

die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des  elektrischen 

Wechselsignals beinhalten.

6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Abgleichmit-

tel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmierbarer Verstär-

kung zur Verstärkung des elektrischen Wechselsignals beinhalten.

87.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche,  wobei  die  Abgleich-

mittel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.“

und es sei die Klage in diesem Umfang abzuweisen;

Seite 17

O2016_010

8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin.»

6.
Am 4. September 2017 erfolgte die Stellungnahme der Klägerin zur Dup-
lik

7.
Am 2. Oktober 2017 erfolgte eine Stellungnahme der Beklagten dazu, am
19.  Oktober  2017 nahm  wiederum  die  Klägerin  Stellung  und  am 1.  No-
vember 2017 nahm abschliessend die Beklagte nochmals Stellung.

8.
Am 3. Dezember 2018 erstattete Richter Tobias Bremi ein Fachrichtervo-
tum.

9.
Die Parteien nahmen dazu mit Eingaben vom 31. Januar 2019 und vom 
1. Februar 2019 Stellung.

10.
Die Hauptverhandlung fand am 20. März 2019 statt.

Prozessuales

11.
Beide  Parteien  haben  Sitz  in  der  Schweiz  und  es  geht  um  die  Feststel-
lung der Nichtigkeit des schweizerisch-liechtensteinischen Teils des euro-
päischen Patents EP 2 347 250 B1. Das Bundespatentgericht ist somit für 
die Beurteilung der vorliegenden Streitsache sachlich und örtlich zustän-
dig (Art. 26 Abs. 1 lit. a PatGG).

12.
Die Parteien sind in dem vom Klagepatent 1 betreffenden Gebiet, konkur-
rierende Unternehmen, weshalb das Feststellungsinteresse gegeben ist.

Sachverhalt, Parteivorbringen

13.
Das  Klagepatent  1,  angemeldet  am  12. Oktober  2009  unter  Beanspru-
chung  der  Schweizer  Priorität  der  CH16462008 vom  16.  Oktober  2008,
wurde  am  30.  Juli  2014  erteilt.  Der  Patentschutz  läuft  am  12.  Oktober 
2029 aus.

Seite 18

O2016_010

Die  Erfindung  liegt  auf  dem  Gebiet  der  elektrischen  Messvorrichtungen 
und  betrifft  ein  Verfahren  für  den  Symmetrieabgleich  einer  kapazitiven 
Messvorrichtung für  längliche  textile  Prüfgüter.  Ein  für  die  Erfindung  be-
vorzugtes  Einsatzgebiet  ist  die  kapazitive  Prüfung  von  textilen  Gebilden 
wie  Kardenband,  Vorgarn,  Garn  oder  Gewebe. Eine  derartige  Prüfung 
kann z.B. die Detektion von Fremdstoffen oder das Erkennen von Ände-
rungen  der  Masse  pro  Längeneinheit  und/oder  die  Messung  von  Feuch-
tigkeit im Prüfgut zum Ziel haben (vgl. Abs. [0002] der Beschreibung).

Die  im  Stand  der Technik  bekannten  Vorrichtungen  hätten  verschiedene 
Nachteile,  weshalb  es Aufgabe  der vorliegenden  Erfindung  sei,  ein  Ver-
fahren  für  den  Symmetrieabgleich einer  Vorrichtung  zur  kapazitiven  Un-
tersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes anzugeben, wo-
bei die Vorrichtung einfach, schnell, kostengünstig und insbesondere au-
tomatisch abgleichbar sein solle (vgl. Abs. [0009]). 

14.
Die Klägerin macht in der Klage geltend, es mangle dem Klagepatent 1 in 
der erteilten Fassung an Neuheit, eventualiter an erfinderischer Tätigkeit. 
Zudem sei Anspruch 1 unzulässig geändert worden.

In Bezug auf die in der Duplik gestellten eingeschränkten Anträge werden 
im Wesentlichen die gleichen Gründe geltend gemacht. Zum Hauptantrag 
gemäss  Duplik  wird  insbesondere  unzulässige  Änderung  vorgetragen, 
sowie  neu  mangelnde  Klarheit.  Mangelnde  Neuheit, die  ursprünglich ge-
genüber EP 1 124 134 A2 (in der Folge D1) behauptet worden war, wird 
für den neuen Hauptantrag nicht mehr geltend gemacht, dagegen weiter-
hin fehlende erfinderische Tätigkeit, ausgehend US 4,843,879 (in der Fol-
ge D2) oder ausgehend von der D1.

15.
Auf  die  Parteivorbringen  ist  im  Einzelnen  nachfolgend  insoweit  einzuge-
hen, als dies für die Entscheidfindung notwendig ist.

Seite 19

O2016_010

Beurteilung

Fachmann

16.
Der Fachmann, als juristische Fiktion, ist ein Mensch der Praxis, der dar-
über unterrichtet ist, was zum relevanten Zeitpunkt (Anmeldedatum oder 
Prioritätsdatum)  zum  allgemein  üblichen  Wissensstand  auf  dem  betref-
fenden  Gebiet  gehört.  Dabei  ist  auch  zu  unterstellen,  dass  er  zu  allem, 
was  zum  Stand  der  Technik  gehört,  Zugang  hat,  und  dass  er  über  die 
normalen  Mittel  und  Fähigkeiten  für  routinemässige Arbeiten  und  Versu-
che  verfügt. Der  Fachmann  ist  der  Durchschnittsfachmann  auf  dem  be-
treffenden technischen Gebiet, der selbst gerade keine erfinderische Be-
gabung hat.1

Der  durchschnittlich  gut  ausgebildete  Fachmann  ist  weder  Experte  des 
betreffenden  technischen  Sachgebiets  noch  Spezialist  mit  hervorragen-
den Kenntnissen.2 Er muss nicht den gesamten Stand der Technik über-
blicken, jedoch über fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten, über eine so-
lide Ausbildung  und  ausreichende  Erfahrung  verfügen  und  so  für  den  in 
Frage stehenden Fachbereich gut gerüstet sein. Bei der Bestimmung der 
erforderlichen  Qualifikation  ist  den  Besonderheiten  des  technischen 
Zweiges  Rechnung  zu  tragen.  Es  sind  insbesondere  die  gewerbliche 
Zielsetzung  und  die  in  einem  bestimmten  Bereich  übliche Art,  Fachleute 
einzusetzen, zu berücksichtigen.3

Der für die Beurteilung der Neuheit und erfinderischen Tätigkeit massge-
bende  Fachmann  und  das  ihm  zuzurechnende  Fachwissen  decken  sich 
mit  dem  für  die  Frage  der Ausführbarkeit  und  der  genügenden  Stützung 
durch  die  ursprünglich  eingereichten  Unterlagen  geltenden  Prüfungs-
massstab. 

17.
Die Klägerin definiert den Fachmann als Elektroingenieur mit Erfahrungen 
im Gebiet der elektronischen Messtechnik.

Die  Beklagte  definiert  den  Fachmann  demgegenüber  spezifischer  als 
Fachmann  auf  dem  Gebiet  der  textilen  Messtechnik,  der typischerweise 

1 Lindner  in  Singer/Stauder,  EPÜ,  7.  Auflage,  Art.  56,  Rdn  20  ff.  mit  weiteren 
Hinweisen auf die Rechtsprechung der Beschwerdekammern des EPA.
2 BGer Urteil 4C.52/2005 vom 18. Mai 2005, E 2.1.
3 BGE  123  III  485  E.  2b;  120  II  71  E.  2  mit  Hinweisen,  vgl.  auch Urteil 
4C.300/2002 vom 18. Dezember 2002 E. 2.1, sic! 2003, S. 600.

Seite 20

                                               
O2016_010

ein  Elektroingenieur  ist  mit  viel  Wissen  und  Erfahrung  bezüglich  des 
Messens von textilen Prüfgütern.

18.
Das  Klagepatent  geht  zurück  auf  eine  Priorität  vom  16.  Oktober  2008. 
Damals war ein Elektroingenieur in jedem Fall schon nicht nur im Gebiet 
der elektrischen Messtechnik, sondern auch im Gebiet der elektronischen 
Messtechnik bewandert. Die Erfindung bezieht sich nicht ganz allgemein 
auf  Messtechnik,  sondern  spezifisch  auf  solche  im  Zusammenhang  mit 
textilen Prüfgütern (vgl. Absätze [0001] und [0009] des Klagepatents 1).

Entsprechend  wird  der  Fachmann  für  die  folgende  Beurteilung  definiert 
als Elektroingenieur mit Wissen und Erfahrungen im Gebiet der elektroni-
schen  Messtechnik  und auf  dem Gebiet  der textilen  Messtechnik,  insbe-
sondere des Messens von textilen Prüfgütern.

Hauptantrag:

19.
Als  Merkmalsgliederung wird  in  der  Folge  von  der  Gliederung  von An-
spruch 1 von Klagepatent 1 ausgegangen (Änderungen bezüglich erteilter 
Fassung hervorgehoben):

1A 

1B 

1C 

1D‘ 

Verfahren für den Symmetrieabgleich einer Vorrichtung (1) 

zur  kapazitiven  Untersuchung  eines  bewegten  länglichen  textilen 

Prüfgutes (9) wie Kardenband, Vorgarn, Garn oder Gewebe

mittels einer Kondensatoranordnung (21),

welche Vorrichtung (1) mindestens einen Wechselsignalgenerator (3) 

zum  Anlegen  eines  elektrischen  Wechselsignals  an  die  Kondensa-

toranordnung (21),

1Da‘ 

wobei  die  Kondensatoranordnung  (21)  vom  Wechselsignalgenerator 

(3)  durch  eine  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  zur  Filterung 

und/oder Verstärkung des vom Wechselsignalgenerator (3) erzeugten 

Wechselsignals  derart  abgekoppelt  ist,  dass  sie  Parameter  des  vom 

Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten  Wechselsignals  nicht  beein-

flusst, 

1E‘ 

eine Auswerteschaltung (6) zur Auswertung mindestens einer elektri-

schen Messgrösse eines an einer die der Kondensatoranordnung (21) 

beinhaltenden Messschaltung (2) abgegriffenen elektrischen Signals,

1F 

Abgleichmittel (4),

Seite 21

O2016_010

1G“ 

die in einem elektrischen Pfad zwischen dem Wechselsignalgenerator 

(3) und der Messschaltung (2) Filter- und/oder Verstärkerstufe (5) an-

geordnet  sind  und  mittels  derer  mindestens  ein  Parameter  des 

elektrischen Wechselsignals derart veränderbar ist,

1H 

dass  ein  Ausgangssignal  der  Auswerteschaltung  (6)  bei  definierten, 

konstanten Bedingungen einen bestimmten Wert, vorzugsweise Null, 

annimmt, und

1I 

Steuermittel  (7)  zur  Abgabe  eines  elektrischen  Steuersignals  an  die 

Abgleichmittel  (4),  mittels  dessen  die  Veränderung  des  mindestens 

einen Parameters steuerbar ist,

beinhaltet,

1J 

wobei die  Kondensatoranordnung (21) ohne  Prüfgut (9) im Wesentli-

chen zeitlich unverändert belassen wird,

1K‘ 

ein  elektrisches Wechselsignal  von  dem mindestens  einen Wechsel-

signalgenerator  (3)  erzeugt  und  an  die  Kondensatoranordnung  (21) 

angelegt wird,

1L‘ 

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Messschaltung  (2)  Kondensa-

toranordnung (21) abgegriffen wird,

1M‘ 

mindestens  eine  elektrische  Messgrösse  des  an  der  Messschaltung 

(2)  Kondensatoranordnung  (21) abgegriffenen  elektrischen  Aus-

gangssignals durch die Auswerteschaltung (6) ausgewertet wird,

1N“ 

mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  in  dem 

elektrischen Pfad zwischen dem mindestens einen Wechselsignalge-

nerator (3) und der Messschaltung (2) Filter- und/oder Verstärkerstufe 

(5) derart durch die Abgleichmittel (4) verändert wird,

1O

dass ein  Ausgangssignal  der Auswertung  bei definierten, konstanten 

Bedingungen einen bestimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

1P 

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektri-

schen Steuersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

1Q 

das  elektrische  Steuersignal  durch  das  Ausgangssignal  beeinflusst 

wird.

Seite 22

O2016_010

Zulässigkeit  der  Änderungen  (Art.  26  Abs.  1  lit.  c PatG,  Art.  123 (2) 
EPÜ):

20.
Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  der  Beschwerdekammern  des  euro-
päischen  Patentamtes  darf  die geänderte  europäische  Patentanmeldung 
nichts  enthalten,  was  nicht  unmittelbar  und  eindeutig  den  ursprünglich
eingereichten  Anmeldungsunterlagen  entnommen  werden  kann.  Es  ge-
nügt  nicht,  wenn eine  vorgeschlagene  Änderung  «nicht  inkonsistent» ist 
mit  dem  ursprünglich Offenbarten.  Nach  dem  sogenannten  «Goldstan-
dard» ist  die  entscheidende  Frage:  Was  konnte  der  Fachmann  der  Ge-
samtheit  der  ursprünglichen Offenbarung unter Inanspruchnahme  seines 
allgemeinen  Fachwissens,  objektiv  und auf  den  Anmeldetag  bezogen, 
unmittelbar und eindeutig entnehmen.4

21.
Die Beklagte begründet die Stützung des Anspruchs 1 des Hauptantrags 
durch die ursprünglich eingereichten Unterlagen mit der Ausführungsform 
von Figur 1 und deren Beschreibung auf den Seiten 9:30 bis 11:11, wobei 
diese Textstelle und die Figur im Lichte der allgemeinen Beschreibung auf 
Seiten 5:1 bis 8:31 zu verstehen seien, und auch die ursprünglichen An-
sprüche 14-17 zu berücksichtigen seien. 

Zu  einzelnen  Aspekten,  die  die  Klägerin  zur  mangelnden  Stützung  des 
Anspruchs vor der Einreichung der eingeschränkten Fassung des Haupt-
antrags mit der Duplik vorgetragen hatte, bezieht die Beklagte spezifisch 
Stellung.  Dies insbesondere  zur  Beeinflussung  der  Kondensatoranord-
nung  durch  das  Prüfgut,  zur  Stelle,  wo  das  Signal  abgegriffen  wird,  zur 
Frage, ob die Rückkopplung zwingend ist, zur Filter und/oder Verstärker-
stufe, zur Auswahl von Varianten, zur Anordnung der Abgleichmittel, zum 
Abgleich ohne Prüfgut, sowie zum Symmetrieabgleich.

Die Klägerin macht zur eingeschränkten Fassung gemäss mit der Duplik 
eingereichtem  Hauptantrag  unzulässige  Änderungen geltend  und  sie 
fasst  die  entsprechenden Argumente  nicht  abschliessend  («zumindest») 
wie folgt zusammen:

4 Vgl.  Blumer  in  Singer/Stauder,  EPÜ,  7.  Auflage  Art.  123,  Rdn  45  sowie 
insbesondere T 1363/12, Nr. 1.2 sowie T 248/12, Nr. 3.3, mit Verweis auf G 2/10, 
Nr 4.3. 

Seite 23

                                               
O2016_010

«a) Zahl der Wechselsignalgeneratoren: In Rz. 18 der Duplik wird eingeräumt, 
dass Fig. 1 der ursprünglichen Anmeldung (woraus die Änderungen angeblich ih-

re  Offenbarung  schöpfen  sollen)  nur  einen  Wechselsignalgenerator  offenbart, 

während  der  vormalige  Eventualantrag  gemäss  der  Klageantwort  „mindestens 

einen  Wechselsignalgenerator“  erwähnte.  Deshalb  wurde  der  Anspruch  in  der 

Duplik nun so formuliert, dass die Vorrichtung „mindestens einen Wechselsignal-

generator ... beinhaltet“. Der Anspruch gemäss Hauptantrag schränkt jedoch die 

Anzahl von Wechselsignalgeneratoren weiterhin nicht ein (siehe oben Rz. 11 und 

28 f.).

b)  Beeinflussung  der  Kondensatoranordnung  durch  das  Prüfgut:  Auch  die 
neuen Ausführungen der Beklagten in Rz. 19-21 der Duplik vermögen nicht dar-

zulegen, wieso das Merkmal, wonach „das bewegte Prüfgut die Kondensatoran-

ordnung beeinflusst“ im Anspruch weggelassen kann (vgl. oben, Rz. 13-16).

c) Fehlende Rückkopplung: Die Ausführung gemäss Fig. 1, auf welche sich die 
Beklagte  zur  Offenbarung  des  neuen  Anspruchs  1  gemäss  Hauptbegehren 

stützt, verfügt als wichtiges Element über eine Rückkopplung, die im neuen An-

spruch fehlt und nicht hätte weggelassen werden dürfen (vgl. oben, Rz. 21-23) 

d) Erstreckung auf manuellen Abgleich: Neu behauptet die Beklagte in Rz. 36 
der Duplik, dass sich Anspruch 1 auch auf einen rein manuellen Abgleich bezie-

he. Sollte dies zutreffen, so würde eine unzulässige Erweiterung des Anspruchs 

vorliegen (siehe oben, Rz. 31 ff.). Sollte dem nicht so sein, so würde wie gezeigt 

die Rückkopplung in Anspruch 1 fehlen.

e)  Merkmal  "zwischen  dem  Wechselsignalgenerator  und  der  Filter-
und/oder  Verstärkerstufe":  Die  Anordnung  der  Abgleichmittel  „zwischen  dem 
Wechselsignalgenerator und der Filter- und/oder Verstärkerstufe“ wurde in unzu-

lässiger Weise herausgepickt. Fig. 1 liefert für die neue Anspruchsfassung keine 

Grundlage. Die neuen Argumente in Rz. 40-44 der Duplik vermögen dies nicht zu 

widerlegen (siehe oben)

f)  Symmetrieabgleich  ohne  Referenzkondensator:  Die  neuen  Ausführungen 
gemäss 51-56 der Duplik vermögen es auch im Zusammenhang mit dem neuen 

Anspruch  nicht  zu  entkräften,  dass  die  Einschränkung  auf  ein  Verfahren  zum 

Symmetrieabgleich“,  wie  sie  im  Prüfungsverfahren  erfolgte,  nicht  zulässig  ist. 

Zum  einen  ist  der  Symmetrieabgleich  in  der  ursprünglichen  Anmeldung  nur  im 

Zusammenhang  mit  dem  Stand  der  Technik  offenbart  (oben  Rz.  54)  und  zum 

anderen  wurde  der  Symmetrieabgleich  in  jedem  Fall  nur  für  Vorrichtungen  mit 

Referenzkondensator offenbart (oben, Rz. 56-60). Der Referenzkondensator wird 

im neuen Anspruch 1 gemäss Hauptantrag jedoch nicht erwähnt.

Seite 24

O2016_010

g) Verschiedenes: Weiter ist die Einführung des neuen Merkmals „während des 
Abgleichs  kein  Prüfgut  im  Kondensator  befinden“  so  nicht  zulässig  (oben,  Rz. 

53), und es fehlt das Merkmal, dass „drei parallele Kondensatorplatten“ vorgese-

hen sein müssen (oben, Rz. 60).»

Dazu  kommen  noch  die  weiter  vorne  im  gleichen  Schriftsatz  zusätzlich 
geltend  gemachten  Gründe,  die  an  dieser  Stelle  weiter  nummeriert  wer-
den sollen, um deren anschliessende Diskussion zu erleichtern:

h) es fehle in  den Ansprüchen  15  und 17, auf die sich die  Beklagte stütze, das 

Merkmal, dass die Kondensatoranordnung im Wesentlichen zeitlich unverändert 

belassen wird (act. 29 RZ 16);

i) im Anspruch werde nun  die Wechselspannung an  die Kondensatoranordnung 

angelegt,  während  in  Figur  1  nur  das  Anlegen  der  Wechselspannung  an  die 

Messschaltung gezeigt sei (act. 29 RZ 27 ff.);

j)  es  werde  eine  Vielzahl  von  Varianten  ausgewählt,  wobei  insbesondere  auf 

Replik RZ 33 Bezug genommen wird (act. 29 RZ 29 ff.).»

22.
Dazu ist Folgendes festzustellen:

a) Anspruch  1  – wie ursprünglich  eingereicht – spricht  von  «mindestens 
einen  Wechselsignalgenerator»,  gleiches  findet  man  in der  allgemeinen 
Beschreibung (vgl.  Anspruch  1  sowie  S.  5:20-21).  In  Figur  1  wird  ein 
Wechselsignalgenerator mit dem Bezugszeichen 3 und dem üblichen Pik-
togramm  dargestellt,  und  in  der  diesbezüglichen  Beschreibung  wird  von 
«ein Wechselsignalgenerator 3» gesprochen (S. 9:30 bis S. 11:11).

Wenn entsprechend im Rahmen von Merkmal 1D von einem Wechselsig-
nalgenerator die Rede ist, und das «mindestens» gegenüber Anspruch 1 
wie ursprünglich eingereicht gestrichen wird, kann darin keine unzulässi-
ge Änderung gesehen werden, soweit für andere Merkmale dann auf Fi-
gur 1 und die entsprechende Beschreibung abgestellt wird, da in diesem 
Zusammenhang  ein  Wechselsignalgenerator  offenbart wird. Da  die  For-
mulierung nicht auf «genau einen» oder «nicht mehr als einen» reduziert 
ist,  sondern  «einen»  ohne  weitere  Einschränkung, schliesst dies nicht 
aus,  dass  es  auch  noch  weitere Wechselsignalgeneratoren  geben  kann, 
aber bedingt auch nicht, dass es mehr als einen Wechselsignalgenerator 
geben  muss.  Allerdings  umfasst  der  geänderte Anspruch  auch  Situatio-
nen, in denen mehrere Wechselsignalgeneratoren vorhanden sind, da ei-

Seite 25

O2016_010

ner unter  mehreren Wechselsignalgeneratoren  immer  vorhanden ist und 
unter den so geänderten Anspruchswortlaut subsumiert werden kann.

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

23.
b) Anspruch  13  – wie  ursprünglich  eingereicht  – betrifft  das  Untersu-
chungsverfahren,  und Anspruch  17, gerichtet  auf  das Abgleichverfahren,
bezieht  sich  weder  direkt  noch  indirekt  auf  Anspruch  13.  Eine  Stützung 
kann deshalb nicht auf Anspruch 13 zurückgehen, sondern nur auf Seite 
1:14-15, und dort fehlt die von der Klägerin beanstandete Massgabe.

Die  eigentliche  Messung  nach  dem  Abgleich,  konkret  das  Merkmal  1B 
umzusetzen,  geht  gar  nicht  anders,  als  dass  das  bewegte  Prüfgut  die 
Kondensatoranordnung beeinflusst; das erkennt der Fachmann ohne wei-
teres. Andernfalls würde gar keine kapazitive Untersuchung erfolgen kön-
nen, und es gäbe keinen Grund für einen Symmetrieabgleich. 

Der  Fachmann  liest  die  nach  Ansicht  der  Klägerin  fehlende  Massgabe, 
dass  das  bewegte  Prüfgut  die  Kondensatoranordnung  beeinflusst,  ent-
sprechend innerhalb von Merkmal 1B mit.

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

24.
c) Aus der allgemeinen Beschreibung geht hervor, dass der automatische 
Abgleich eine bevorzugte, aber nicht die einzige Variante ist (S. 4:24-25, 
S.  5:6,  Beschreibung  der Möglichkeit  als  Option,  S.  8:24 der  Abgleich 
kann automatisch  erfolgen).  Dies  ergibt  sich  weiter  im  Zusammenhang 
mit  der  Beschreibung  von  Figur  1,  wo  ausdrücklich  beschrieben  wird, 
dass die Abgleichmittel 4 manuell eingestellt werden können auf S. 10:33 
bis  S.  11:1),  dass  es  aber  auch  möglich  ist,  die  Abgleichmittel  automa-
tisch, und insbesondere mit Rückkopplung, einstellen zu lassen (S. 11:2-
11). 

Somit ist manuelle und automatische Einstellung möglich, und die Rück-
kopplung bei einer Stützung auf Fig. 1 nicht zwingend.

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

Seite 26

O2016_010

25.
d) Wie unter c) dargelegt, werden die manuelle Einstellung und die auto-
matische Einstellung offenbart. 

Inwieweit das im Zusammenhang mit der Rückkopplung in einer Gesamt-
schau  eine  zulässige  oder  unzulässige  Änderung  ist,  wird  weiter  unten 
unter j) diskutiert.

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

26.
e) Im Schaltbild gemäss Figur 1 (siehe unten) ist erkennbar, dass die Ab-
gleichmittel  4  zwischen  dem  Wechselsignalgenerator  3  und  der  Filter- 
und/oder Verstärkerstufe 5 angeordnet sind (S. 10:18-19).

Inwieweit das dann in einer Gesamtschau eine zulässige oder unzulässi-
ge Änderung ist oder nicht, wird weiter unten unter j) diskutiert.

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

27.
f)  Tatsächlich  reflektiert  die  im  Rahmen  der  Diskussion  des  Standes  der 
Technik in den Absätzen [0004] und [0005] im Klagepatent und auf S. 2:9-
30  der  ursprünglichen  Unterlagen  aufgeführte  Beschreibung,  dass  bei 
Anordnung eines Referenzkondensators ohne Prüfgut die Messschaltung 
bei  angelegter  Wechselspannung  ein Ausgangssignal  mit  dem  Wert  null 
oder einem bestimmten Wert annimmt. 

Mithin  wird  dort  das  beschrieben,  was  im  ursprünglich  eingereichten An-
spruch  17  definiert  wird,  und  was  dem  Verständnis  des  Fachmanns  für 

Seite 27

einen  Symmetrieabgleich mit  Ausgangssignal  Null entspricht. Wie  sich 
aus  Seite  2:19-30  ergibt,  wird  der  Begriff  "Abgleich"  im  Zusammenhang 
mit  einer  solchen  gattungsgemässen  Vorrichtung  synonym  mit  dem  Be-
griff "Symmetrieabgleich" verwendet.

O2016_010

(symmetrisch 

gegenüber  was,  wenn 

Im Zusammenhang mit einem  Symmetrieabgleich  ist  nach  der  Beschrei-
bung allerdings ein Referenzkondensator zwingend, und es ist auf Basis 
der  ursprünglich  eingereichten  Unterlagen  für  den  Fachmann  auch  nicht 
ohne  weiteres  erkennbar,  wie  eine  derartige  Vorrichtung  gebaut  sein 
könnte, sodass ein Symmetrieabgleich ohne eine Referenz funktionieren 
könnte 
Refe-
renz(kondensator) vorhanden ist?). Es ist aber keine Alternative zu einem 
Referenzkondensator offenbart. Der Referenzkondensator wird zwar bei-
spielsweise auf S. 6:23-24 ausdrücklich als bevorzugte Ausführungsform 
beschrieben, gleiches gilt im Zusammenhang mit Anspruch 10, der eben-
falls eine bevorzugte Ausführungsform der Vorrichtung gemäss Anspruch 
1 offenbart. Dort ist dieses optionale Merkmal des Referenzkondensators 
aber  im  allgemeinen  Zusammenhang,  nicht  im  Zusammenhang  des 
Symmetrieabgleichs, aufgeführt. Im Zusammenhang mit dem Symmetrie-
abgleich ist die Anwesenheit eines Referenzkondensators zwingend.

kein(e)

Da  der  Symmetrieabgleich  unmittelbar  und  eindeutig  nur  für  einen  vor-
handenen  Referenzkondensator  offenbart  ist und  eine  Referenz  benötigt 
wird, um  überhaupt  einen Symmetrieabgleich  vornehmen zu  können,  ist 
ein Symmetrieabgleich ohne Referenzkondensator nicht offenbart. 

Es liegt diesbezüglich also eine unzulässige Änderung des Verfahrensan-
spruches vor.

28.
g) Hier  werden  eigentlich  zwei  Aspekte  von  der  Klägerin  aufgebracht, 
namentlich  die  Frage,  ob  "während  des Abgleichs  kein  Prüfgut  im  Kon-
densator  befinden"  zulässigerweise  in  den Anspruch  aufgenommen  wur-
de  und  ob  das  Merkmal  "drei  parallele  Kondensatorplatten"  zulässiger-
weise nicht in den Anspruch aufgenommen wurde.

Das Merkmal "während des Abgleichs kein Prüfgut im Kondensator befin-
den" wird zweifelsfrei in den ursprünglich eingereichten Unterlagen offen-
bart (S.  10:27).  Inwieweit  das  in  einer  Gesamtschau  eine unzulässige 
Änderung ist oder nicht, wird weiter unten unter j) diskutiert. 

Seite 28

O2016_010

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor.

Die Anwesenheit von drei Kondensatorplatten ist kein zwingendes Merk-
mal  der  ursprünglichen  Offenbarung.  Die  entsprechende  Textstelle  auf 
Seite  2:12-14  ist  ausdrücklich  nur  eine  Möglichkeit  für  einen  Referenz-
kondensator, ist aber nicht zwingend. 

Ein Weglassen dieses Merkmals ist demnach zulässig.

29.
h) Anspruch 17, wie ursprünglich eingereicht, bezog sich effektiv auf An-
spruch 15. Letzterer beschreibt, dass die Kondensatoranordnung im We-
sentlichen  zeitlich  unverändert  belassen  wird.  In  der  allgemeinen  Be-
schreibung  zum Anspruch  17  wird  diese  zusätzliche  Massgabe  dagegen 
nicht erwähnt (S. 7:5-13). 

Betrachtet man dieses Merkmal isoliert, liegt keine unzulässige Änderung 
vor. 

Inwieweit  das  in  einer  Gesamtschau  über  den  ursprünglichen  Offenba-
rungsgehalt hinausgeht, wird weiter unten unter j) diskutiert.

30.
i) Im  ursprünglich  eingereichten Anspruch  1  wird  vom  Wechselsignalge-
nerator  das  elektrische  Wechselsignal  an  die  Kondensatoranordnung  21 
angelegt. Bei der Beschreibung von Figur 1 auf S. 9:30-S. 11:11 wird da-
gegen  jeweils  nur  davon  gesprochen,  dass  das  Wechselsignal  an  die 
Messschaltung  2  angelegt  wird,  und  die  Kapazität 21,  oder  besser  der 
Kondensator 21  ist  nur  Teil  dieser  Messschaltung, aber  nicht  notwendi-
gerweise der Punkt, an den das Wechselsignal direkt angelegt wird. 

Die  Beschreibung  von  Figur  1  ist  aber  im  Lichte  der  allgemeinen  Be-
schreibung  von  S. 4:21 bis  S. 8:31  zu  verstehen,  und  im  Lichte  von An-
spruch 1, wie ursprünglich eingereicht, und beispielsweise auf S. 5:20-22 
wird  ebenfalls  davon  gesprochen,  dass  der  Wechselsignalgenerator  das 
elektrische Wechselsignal an die Kondensatoranordnung anlegt.

Es kann hier entsprechend keine unzulässige Änderung erkannt werden.

Seite 29

O2016_010

31.
j) Die oben beschriebenen Merkmale sind jeweils für sich isoliert betrach-
tet in den ursprünglich eingereichten Unterlagen offenbart, mit Ausnahme 
des  Symmetrieabgleichs,  der  eben  die Anwesenheit  eines  Referenzkon-
densators erfordert, um genügend offenbart zu sein (vgl. f) oben). 

Es muss zusätzlich geprüft werden, ob die verschiedenen Merkmale, ins-
besondere  wenn  in  den  ursprünglich  eingereichten  Unterlagen  verschie-
dene Optionen nebeneinandergestellt respektive kombiniert werden, in ih-
rer spezifischen beanspruchten Kombination als technische Lehre unmit-
telbar  und  eindeutig  dem  Fachmann  schon  aus  den  ursprünglich  einge-
reichten Unterlagen offenbart waren.

Die  Beklagte  stützt  sich  insbesondere  auf  die  Beschreibung  der  Figur  1 
(S. 9:30-S. 11:11). 

In  dieser  Beschreibung  wird  offenbart  (vgl. S. 10:27-28),  dass  während 
des Abgleichs  entweder  kein  Prüfgut  im  Kondensator  sein  soll,  oder die 
Kapazität  des  Prüfgutes  sich  zeitlich  nicht  ändern  sollte. Als  Merkmal  1J 
hat nur erstere Bedingung Eingang in den Anspruch gefunden.

Weiter wird im Zusammenhang mit der Beschreibung von Figur 1 darge-
legt, dass das vom Wechselsignalgenerator erzeugte Wechselsignal noch 
in  einer  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  gefiltert  oder verstärkt  werden 
kann.  Die Anwesenheit  dieses  Bauelements  wird  also  optional  beschrie-
ben, und nur die Option mit diesem Bauelement der Filter- und/oder Ver-
stärkerstufe hat Eingang in den Anspruch gefunden.

Weiter  beinhaltet  die  allgemeine  Beschreibung  von  Figur  1  die  Auswer-
teeinheit,  die  in  der  Figur  1 mit  dem  Bezugszeichen  6  angegeben  ist. In 
der Beschreibung wird ausgeführt (vgl. S. 11:10-11), dass die Regelgrös-
se  vor  oder hinter  dieser Auswerteeinheit  abgegriffen  werden  kann.  Ein-
gang in den Anspruch hat nur letztere Variante gefunden.

Zudem  wird  der  manuelle  oder der  automatische Abgleich  beschrieben;
infolge  der  Merkmalskombination  1I,  1P  und  1Q  wird  der  Abgleich  als 
Funktion  des Ausgangssignals  (1Q)  über  die  Steuermittel  (1I)  und  das 
von  diesen  erzeugte  elektrische  Steuersignal  (1I)  zur  Beeinflussung  der 
Abgleichmittel (1P) vorgegeben.

Damit wird aus an diesen vier Stellen, wo jeweils zwei verschiedene Op-
tionen angegeben werden, jene Möglichkeit ausgewählt, die auch effektiv 
in  Figur  1  als  Schaltbild  dargestellt  ist.  Da  auch  das  Steuermittel  7  als 

Seite 30

O2016_010

Merkmal im Anspruch vorkommt (vgl. Merkmal 1P), kann entsprechend in 
dieser  grundsätzlich  mehrfachen  Auswahl  keine  unzulässige  Änderung
gesehen  werden.  Für  diese Auswahl  gab  es  für  den  Fachmann  in  einer 
Gesamtschau  eine  unmittelbare  und  eindeutige  Offenbarung  in  den  ur-
sprünglich eingereichten Unterlagen. 

Dass die Rückkopplungsleitung 61, die in Figur 1 ebenfalls dargestellt ist, 
nicht Anspruchsmerkmal ist, steht dem nicht entgegen, da diese wenigs-
tens funktional als Merkmal 1I und 1Q Eingang gefunden hat.

32.
Zusammenfassend  findet  Anspruch  1  gemäss  Hauptantrag  keine  genü-
gende  Stützung  in  den  ursprünglich  eingereichten  Unterlagen,  und  dies 
aber  ausschliesslich  deshalb,  weil  für  einen  Symmetrieabgleich,  wie  er 
beansprucht  wird,  die  Anwesenheit  eines  Referenzkondensators  zwin-
gend ist (vgl. f) oben).

Der gleiche Mangel haftet auch den Eventualanträgen 1 und 2 an, diese 
wurden damit ebenfalls unzulässig geändert.

Eventualantrag 3:

Zulässigkeit  der  Änderungen  (Art.  26  Abs.  1  lit.  c PatG,  Art.  123 (2) 
EPÜ):

33.
Eventualantrag  3  nimmt  den  Referenzkondensator,  welcher  in  Serie  zur 
Kondensatoranordnung  geschaltet  ist,  in  Anspruch  1  auf.  Zu  diesem 
Zweck  fügt  er  dem  Hauptantrag  das  zusätzliche  Merkmal  1Ea  mit  dem 
Referenzkondensator  hinzu,  und  nimmt  dadurch  veranlasst  eine  Ände-
rung am Merkmal 1D' vor und verschiebt das Merkmal 1E' nach oben.

Dieser Eventualantrag findet eine genügende Stützung, da nun der oben 
unter f) geschilderte Vorbehalt nicht mehr gegeben ist. Der für den Sym-
metrieabgleich,  wie  er  beansprucht  wird,  zwingende  Referenzkondensa-
tor ist nun Anspruchsmerkmal.

Eine  unzulässige  Änderung  liegt  somit  bei  Anspruch  1  gemäss  Eventu-
alantrag 3 nicht mehr vor.

Seite 31

O2016_010

Klarheit

34.
Weder Art.  26 Abs.  1  PatG  noch Art.  138(1)  und  139  EPÜ  führen  man-
gelnde Klarheit als Nichtigkeitsgrund auf. Die Listen der Nichtigkeitsgrün-
den in diesen Bestimmungen sind abschliessend.5

Die  zivilprozessrechtliche  Zulässigkeit  eines  Rechtbegehrens  ist  nicht 
damit zu verwechseln. Damit aber ein Rechtsbegehren zulässig ist, muss 
auch dieses genügend bestimmt formuliert sein.6 Das Bestimmtheitsgebot 
betrifft  nicht  nur  Unterlassungsbegehren  im  Patentverletzungsprozess,7
sondern  auch Rechtsbegehren auf  Einschränkung  von  Ansprüchen  im 
Patentnichtigkeitsprozess (Art. 27 PatG).

Wie bei einem Teilverzicht müssen deshalb im Zivilprozess Rechtsbegeh-
ren  auf  Einschränkung  eines  Patentanspruches  (Art.  27  PatG)  klar  sein 
(vgl. Art. 97 Abs. 1 PatV). Ein Rechtsbegehren, das einen erteilten unab-
hängigen Anspruch durch die Aufnahme eines darauf bezogenen erteilten 
abhängigen Anspruchs beschränkt,  stellt keine materielle  Einschränkung 
des erteilten abhängigen Anspruchs dar. Damit wird auf den erteilten un-
abhängigen Anspruch verzichtet und der entsprechende abhängige erteil-
te Anspruch  wird  im  eingeschränkten  Patent  als  unabhängiger Anspruch 
weitergeführt.  Der  Verzicht  auf  den  erteilten  unabhängigen Anspruch  bil-
det  zwar  eine  Einschränkung  des  Patents  gemäss Art.  27 Abs.  1  PatG. 
Dieser  Verzicht kann jedoch  keine  Klarheitsfrage  aufwerfen,  denn  die 
blosse  Umformulierung  des  erteilten  abhängigen  Anspruches  als  unab-
hängiger Anspruch  bildet  keine  weitere Einschränkung  des  Patents  im 
Sinne  von  Art.  27  Abs.  1  PatG  und  kann  entsprechend  auch  nicht  auf 
Klarheit geprüft werden.8

35.
Die  Klägerin  macht  im  wesentlichen  mangelnde  Klarheit  infolge  zweier 
Aspekte geltend: 

5 BGer Urteil 4A_415/2018 vom 7. Dezember 2018 E.2.2.1.4.
6 BGer Urteil 4A_686/2014 vom 3. Juni 2015 E.4.3.1 bis 4.3.3 bestätigt in: BGE 
142  III  102  E.5.3.1  und  BGer  Urteil  5A_390/2017  vom  23.  Mai  2018  E.2.3.2; 
BSK ZPO-Willisegger Art. 221 Rz 18.
7 BGE 131 III 70 E.3.3.
8 BGE  92  II  280  E.  3.a),  BGE  120  II  357  E.  2;  BGer  Urteil  4C.108/1997  vom 
9. Juli 1998, E. 3.a) – „Betonpflasterstein II“, in: sic! 1999, 58 ff.; vgl. auch EPA 
Praxis in G 3/14.

Seite 32

                                               
O2016_010

(1)  im  Rahmen  von  Merkmal  1Da  sei  unklar,  welche  Parameter  gemeint 
seien, und ob allenfalls neben Frequenz, Phase und/oder Amplitude noch 
weitere davon gemeint sein könnten, und 

(2) durch die Änderung ergebe sich ein Widerspruch zur Beschreibung.

36.
In  der  Klageantwort  hat  die  Beklagte  ausdrücklich  erklärt,  dass  der Teil-
verzicht die Erklärung gemäss Art. 97 Abs. 2 PatV enthalten solle. Diese 
Erklärung wird als generelle Erklärung für Eventualanträge der Beklagten 
verstanden.  Die  von  der  Klägerin  behaupteten  Widersprüche  zur  Be-
schreibung nach der obigen Beanstandung (2) sind durch diese Erklärung 
ausgeräumt.

37.
Die  «Parameter»  im  Merkmal  1Da,  die  von  der  Klägerin  wegen  angebli-
cher  mangelnder  Klarheit  beanstandet  werden,  sind  Parameter  des  vom 
Wechselsignalgenerator erzeugten Wechselsignals. 

Das vom Wechselsignalgenerator erzeugte Wechselsignal wird ausdrück-
lich in  [0012]  verdeutlicht:  es  handelt  sich  um  ein  elektrisches  Span-
nungs- oder  Stromsignal  mit  mindestens  einem  sich  zeitlich  ändernden, 
vorzugsweise  periodischen Anteil  (AC-Anteil),  dem  zusätzlich  ein  zeitlich 
im  wesentlichen  konstanter  Anteil  (DC-Anteil,  Offset)  überlagert  sein 
kann. Weitere Erläuterungen finden sich im Zusammenhang mit Fig. 1 in 
[0022].

Es  gibt  unterschiedliche,  dem  Fachmann  bekannte  Weisen,  ein  solches 
Signal zu parametrisieren, zum Beispiel, wie von der Beklagten vorgetra-
gen,  durch  eine  Fourier-Reihe,  oder  auch  für  nicht-periodische  Signale 
generell durch eine Fourier-Analyse. 

Im  Grunde  kritisiert  die  Klägerin  den Hauptanspruch  wegen  der Breite
des  Begriffs  «Parameter»  im  Zusammenhang  mit  dem  erzeugten Wech-
selsignal. Eine für  den  Fachmann problematische  Mehrdeutigkeit  oder 
Unbestimmtheit  des  Begriffes  «Parameter»  trägt  die  Klägerin  in  diesem 
Zusammenhang  nicht  vor.  Eine  Unbestimmtheit  des  Begriffes,  die  einer
materiellrechtlichen Prüfung der Nichtigkeitsgründe entgegenstehen wür-
de, ist auch nicht zu erkennen. Die Tatsache, dass der Begriff «Parame-
ter»  tatsächlich  breit  ist,  wäre  gegebenenfalls  bei  der  Prüfung  von Nich-
tigkeitsgründen relevant.

Seite 33

O2016_010

Die  Klägerin  hat  nicht  aufgezeigt,  worin  die  Schwierigkeit  für  den  Fach-
mann  liegen  könnte,  gemäss  diesem  Merkmal  festzustellen,  ob  eine  be-
stimmte Filter- und/oder Verstärkerstufe welche konkreten Parameter des 
vom  Wechselsignalgenerator  erzeugten  Wechselsignals  beeinflusst  oder 
nicht, und eine solche Schwierigkeit ist auch nicht erkennbar.

Ein Mangel an Klarheit liegt entsprechend nicht vor.

Ferner war  der  Begriff  «Parameter»  schon  in  der  erteilten  Fassung  der 
Ansprüche  des  Klagepatents  1 (wenn  auch  in  etwas  anderem  Zusam-
menhang)  enthalten  und  dessen  Klarheit  wäre  so  auch  in  einem  Ein-
spruchsverfahren vor dem EPA nicht zu rügen.

Neuheit (Art. 26 Abs. 1 lit. a PatG, Art. 54(2) EPÜ):

38.
Mangelnde Neuheit wird von der Klägerin in Bezug auf den mit der Duplik 
neu  gestellten  Hauptantrag  und  die  Eventualanträge  nicht  mehr  geltend 
gemacht.

Erfinderische Tätigkeit (Art. 26 Abs. 1 lit. a PatG, Art. 56 EPÜ):

39.
Die Klägerin behauptet mangelnde erfinderische Tätigkeit und macht zu-
nächst  geltend,  dass  die  Merkmale  1G''  und  1N'' keine  technische  Wir-
kung hätten, vor allem soweit die Position der Abgleichmittel vor oder hin-
ter der Filter- und/oder Verstärkerstufe betroffen sei. 

Sodann  macht  die  Klägerin mangelnde  erfinderische  Tätigkeit  einerseits 
ausgehend  von  US  4,843,879  (D2)  und  andererseits  ausgehend  von 
EP 1 124 134 (D1) geltend. 

Ausgehend  von  D2 wird kombiniert mit WO 01/31351  (D11), mit  DE  195
35 177 (D5), mit D1, mit US 3,757,211 (D6), mit US 2007/00146019 (D4) 
mit dem allgemeinen Fachwissen, sowie mit der Publikation Huang (D3).

Ausgehend von D1 wird nicht mit weiteren Dokumenten kombiniert, son-
dern  nur  geltend  gemacht,  dass  der  einzige  Unterschied  zwischen  D1 
und dem Anspruchsgegenstand keine technische Wirkung hätte und ent-
sprechend auch keine erfinderische Tätigkeit begründen könne.

Seite 34

O2016_010

Erfinderische Tätigkeit ausgehend von D2:

40.
Ausgehend  von  D2  identifiziert  die  Beklagte  als Unterschiede  zwischen 
D2 und dem Anspruchsgegenstand folgende Merkmale: 1G'', 1N'', 1I, 1P, 
1Q.

Die  Klägerin gesteht  ausdrücklich  zu,  dass  das Merkmal  1I (elektrisches 
Steuersignal) in D2 nicht offenbart sei. 

Bezüglich  der  Merkmale  1P  und  1Q  behauptet  die  Klägerin,  in  D2  seien 
bereits Steuermittel offenbart. 

Nicht bestritten wird von der Klägerin, dass in D2 die Merkmale 1G'' und 
1N'' nicht offenbart sind, soweit eben in diesen Merkmalen gefordert wird, 
dass die Abgleichmittel vor der Verstärkerstufe angeordnet sein müssen.

41.
Die entscheidende Offenbarung des Dokuments D2 findet sich in Figur 5 
und Spalte 7: 12-34:

Seite 35

O2016_010

Wie  die  Klägerin  zugesteht,  werden  hier  keine  Steuermittel  zur  Abgabe 
eines elektrischen Steuersignals an die Abgleichmittel offenbart (Merkmal 
1I);  die Abgleichmittel  in  Form  der  Regulierer-Kondensatoren  69  und  70 
werden nicht weiter spezifiziert. 

In  D2  gibt  es  mithin  keine  Offenbarung  eines  elektrischen  Steuersignals 
für die Abgleichmittel 69 und 70, entsprechend können auch die Merkma-
le  1P  und  1Q  nicht  in  D2  offenbart  sein. Auch  ist  unstrittig,  dass  in  der 
Schaltung  gemäss  D2  die  Abgleichmittel  69  und  70  im  Pfad  zwischen 
dem  Wechselsignalgenerator  (in  D2  der  Oszillator  66)  und  dem  Mess-
kondensator (in D2 60) nicht vor den Verstärkern 67 respektive 68 ange-
ordnet sind, sondern dahinter, d.h. zwischen den Verstärkern 67 respekti-
ve 68 und dem Messkondensator 60.

Damit unterscheidet sich der beanspruchte Gegenstand von der Offenba-
rung der D2 in den folgenden Merkmalen: 1G'', 1N'', 1I, 1P, 1Q.

42.
Im Zusammenhang mit der objektiven Aufgabe ist zunächst die strittige 
Frage  zu  klären,  ob  der Anspruchswortlaut  zwingend  eine  automatische 
Einstellung des Abgleichs erfordert oder nicht.

Seite 36

O2016_010

Gemäss Merkmal 1F müssen Abgleichmittel vorhanden sein, mit denen 
mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen  Wechselsignals  verändert 
werden kann (Merkmal 1G''). 

Weiter  müssen  Steuermittel zur Abgabe  eines  elektrischen  Steuersig-
nals an  die  Abgleichmittel zur  Veränderung  dieses  Parameters  vorge-
sehen sein (Merkmal 1I). 

Das  elektrische  Steuersignal wird  gemäss  Merkmal  1Q  durch  das 
Ausgangssignal,  das  an  der  Kondensatoranordnung  abgegriffen  wird 
(Merkmal 1L'), beeinflusst, und die Veränderung dieses Parameters wird 
gemäss  Merkmal  1P  mit  dem  elektrischen  Steuersignal  durch  die  Steu-
ermittel gesteuert. 

All das wird im Zusammenhang mit einem Verfahren für den Symmetrie-
abgleich beansprucht, und insbesondere Merkmal 1P in Kombination mit 
Merkmal  1Q  gibt  ausdrücklich  vor,  dass  als  Funktion  des  Ausgangssig-
nals die Steuermittel über das elektrische Steuersignal die Abgleichmittel 
zur Veränderung des Abgleichs (Veränderung mindestens eines Parame-
ters) steuern.

Damit ist die Rückkopplung, d.h. die Verwendung der Eigenschaften des 
Ausgangssignals  der  Kondensatoranordnung  für  die  Regelung  der  Ab-
gleichmittel über die Steuermittel ein ausdrückliches Verfahrensmerkmal.

43.
Das von der Klägerin ausgewählte Ausgangsdokument D2 für die Diskus-
sion der erfinderischen Tätigkeit wird im Klagepatent 1 bei der Diskussion 
des Standes der Technik in Abs. [0007] ausdrücklich erwähnt. 

In solchen Situationen ist in der Regel als objektive Aufgabe von der Auf-
gabe, wie sie im Klagepatent 1 angegeben wird, auszugehen.9

Im  Klagepatent  1  wird  einerseits  als  Ziel  in  den Abs.  [0009]  für  die  Vor-
richtung  ein  einfacher,  schneller  und  kostengünstiger,  insbesondere  au-
tomatischer  Abgleich  vorgegeben.  In  Abs.  [0011]  wird  ausgeführt,  dass 
dadurch  die  Vorrichtung  abgeglichen  wird,  ohne  in  die  Kondensatoran-
ordnung  selbst  einzugreifen,  was  die  Möglichkeit  eines  automatischen 
Abgleichs der Vorrichtung eröffnet. Im Zusammenhang mit dem Abgleich 
der  Vorrichtung,  der  den  konkreten Anspruchsgegenstand  bildet,  wird  in
Abs. [0020]  erneut  der  einfache,  schnelle  und  kostengünstige  Abgleich 

9 Vgl. z.B. BPatGer O2013_008 vom 25. August 2015, E. 4.4.

Seite 37

                                               
O2016_010

erwähnt,  und  die  Möglichkeit,  dass  der Abgleich  automatisch  vom  Gerät 
selbst vorgenommen werden kann ohne Eingriff einer Bedienungsperson. 
Zusätzlich  wird  aber  auch  allgemeiner  die  Erhöhung  der  Messgenauig-
keit, der Messzuverlässigkeit, der Reproduzierbarkeit und allgemein eine 
Verbesserung der Messresultate hervorgehoben.

Folglich kann als Aufgabe im Sinne der Beklagten die Erhöhung der Qua-
lität der Messresultate formuliert werden. Diese Erhöhung der Qualität der 
Messresultate  kann unter  anderem  auch  durch  einen automatisch  erfol-
genden Abgleich der Abgleichmittel über die Steuermittel bewirkt werden, 
der  nach  Anspruchswortlaut,  wie  oben  dargelegt,  umfasst,  wenn  auch 
nicht zwingend gefordert ist.

44.
Die Einstellung der Abgleichmittel über die Steuermittel als Funktion des 
Ausgangssignals führt  zu  einer  Erhöhung  der Qualität  der  Messresultate 
(vgl. Abs. [0020]). 

Die Aufgabe  wird  entsprechend  durch  die  Merkmalskombination  von An-
spruch  1  mit  den vom  Stand  der  Technik  unterscheidenden  Merkmalen 
gelöst.

45.
Kombination  von  D2  mit  D4:  Die  Beklagte  macht  geltend,  der  Fach-
mann würde ausgehend von D2 das Dokument D4 nicht hinzuziehen, da 
D4 nicht auf dem Gebiet der textilen Messtechnik liege. 

Die  Klägerin führt demgegenüber im  Zusammenhang  mit  der  Kombinati-
on  der  Dokumente  D2  und  D4  aus,  dass  die  D4  ein  allgemeines  Doku-
ment aus dem Gebiet der Messvorrichtungen unter Verwendung von dif-
ferenziellen  Kapazitäten  sei  und  deswegen  vom  Fachmann  ausgehend 
von D2 berücksichtigt würde.

46.
Das Dokument D2 beschreibt einen doppelten Kondensator als Messvor-
richtung  für  einen  Faden  (Zusammenfassung).  Im  Zusammenhang  mit
der  Vorrichtung  gemäss  Figur  5 wird  ausgeführt,  dass  die  Regulierer-
Kondensatoren 69 und 70 so eingestellt werden können, dass bei leerem
Kondensator keine Ausgangsspannung vorliegt (Spalte 7:17-19). Wie die
Einstellung  der  Regulierer-Kondensatoren  69  und  70  geschieht,  be-
schreibt D2 nicht.

Seite 38

O2016_010

Es  stellt  sich  die  Frage,  ob  der  Fachmann  ausgehend  von  D2  im  Lichte 
der oben definierten Aufgabe der Erhöhung der Qualität der Messresulta-
te auf die Idee käme, ohne erfinderisches Zutun das Dokument D4 hinzu-
zuziehen.

Grundsätzlich  beschreibt  D2  wie  erwähnt  nicht,  wie  die  dort  beschriebe-
nen Regulierer-Kondensatoren 69 und 70 reguliert werden. Es wird auch 
kein  Zusammenhang  zwischen  der  Qualität  der  Messresultate  und  die-
sem Nullabgleich beschrieben. Es ist aber dem Fachmann bekannt, dass 
ein  besserer Abgleich  einer  Messvorrichtung  die  Qualität  der  Messresul-
tate positiv beeinflusst.

Das  Dokument  D4  betrifft  ebenfalls  einen  Nullabgleich  einer  Vorrichtung 
mit  zwei  Kondensatoren  in  Serie,  und  ist  gemäss  Zusammenfassung, 
Hauptanspruch und Abs. [0002] ganz allgemein für differenzielle Kapazi-
tätssensoren  gedacht.  MEMS  Technologie  wird  als  Möglichkeit  genannt, 
aber nicht zwingend, und die Ausführungsbeispiele sind auch nicht darauf 
beschränkt. 

Auf  der  anderen  Seite geht  es aber  bei  D4  effektiv  nicht  um  eine  Schal-
tung, die dafür eingesetzt wird, ein Messobjekt im Kondensator zu führen 
und die dadurch verursachte Änderung zu messen. Vielmehr geht es bei 
D4 um Anordnungen, bei welchen eine mechanische Abweichung von ei-
ner  Nullposition  über  die  Änderung  der  Kapazität  gemessen  werden  soll 
(Abs.  [0002]).  Dies  ist  eine  andere  Fragestellung  als  bei  D2;  bei  der  D2 
geht es nicht darum, über die Kapazität eine Position zu bestimmen.

Entsprechend würde der Fachmann nicht ohne erfinderischen Beitrag das
Dokument D4 hinzuziehen.

47.
Selbst wenn der Fachmann das Dokument D4 hinzuziehen würde, würde 
die  Kombination  aber  nicht  zum  beanspruchten  Gegenstand  führen.  Bei 
D2  wird  nicht  angegeben,  wie  die  beiden  einstellbaren Abgleichmittel  69 
und 70 geregelt werden. 

Bei  D4  gibt  es  einerseits  die  Beschreibung  einer  Vorrichtung  nach  dem 
Stand der Technik, die in Figur 2 dargestellt ist: 

Seite 39

O2016_010

Die  Figur  2  geht  aber  bezüglich  Einstellung  der  Abgleichmittel,  d.h.  der 
Einstellbarkeit  der  Trimmkondensatoren  6  nicht  über  den  Offenbarungs-
gehalt von D2 hinaus, denn auch hier gibt es keine Angaben, wie die Ab-
gleichmittel  zwischen  den  Messkondensatoren  und  den  Oszillatoren  ge-
steuert werden. Es heisst zwar programmable, aber was darunter konkret 
zu  verstehen  ist,  ist  der  D4  nicht  zu  entnehmen.  Die  Möglichkeit  einer 
Beeinflussung  der Abgleichmittel  durch  das Ausgangssignal  wird  im  Zu-
sammenhang mit der Figur 2 auf jeden Fall nicht beschrieben.

In der nach der Erfindung von D4 gestalteten Schaltung gemäss Figur 3 
gibt  es  gar  keine Abgleichmittel,  die  als  separate  Elemente  ausgestaltet 
sind. Der Nullabgleich erfolgt hier über die direkte Ansteuerung der Oszil-
latoren 12. 

Kombiniert  man  die  technische  Lehre  von  D2  mit  jener  von  D4,  so  wie 
das in Figur 3 von D4 dargestellt ist, so erhält man nicht die beanspruchte 
Lehre,  denn  die  Kombination  wäre  eine  Schaltung  gemäss  Figur  5  von 
D2, wo man die beiden Abgleichmittel 69 und 70 ersetzt durch die Rege-
lung  der  Oszillatoren  12.  Das  ist  auch  der  eigentliche  Kern  der  D4;  es 
geht gerade darum, den Nullabgleich mit den Oszillatoren zu machen und 
nicht mit Abgleichmitteln.

Die  automatische  Rückkopplung  gemäss  der  D4  nicht  für  die  Regelung 
der  Oszillatoren  einzusetzen,  sondern  für  die  Regelung  separater  Ab-
gleichmittel  hinter  den  Oszillatoren,  wäre  zwar  vielleicht  möglich  (could), 
es gibt dazu aber keine Veranlassung (would). 

Es  fehlt  mithin  an  der  Motivation,  den  eigentlichen  Kern  der  D4  gerade 
nicht zu übernehmen (Nullabgleich über die Oszillatoren), sondern nur ein 
Element  davon  (Rückkopplung  und  automatische  Regelung)  zu  über-
nehmen für die Abgleichmittel gemäss der D2.

Selbst  wenn  ausgehend  von  der  D2  die  D4  hinzugezogen  würde,  liegt 
entsprechend erfinderische Tätigkeit vor.

Seite 40

O2016_010

48.
Weiter  ist  Folgendes  festzuhalten:  Es  ist  unstrittig,  dass  weder  D2  noch 
D4 die Merkmale 1G'' und 1N'' offenbaren, soweit die Abgleichmittel nicht 
hinter,  sondern  vor  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe,  mithin  zwischen 
der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  und  dem  Wechselsignalgenerator, 
angeordnet sind.

Für die Klägerin kann aber dieser Unterschied, der unstrittig auch bei der 
Kombination  von D2  mit  D4  verbleibt,  keine  Abgrenzung  bewirken,  da 
sich aus diesem Unterschied keine technische Wirkung ergebe.

Der Anspruch definiert mit Merkmal 1G'' nicht nur die Anordnung des Ab-
gleichmittels  zwischen  dem  Wechselsignalgenerator  und  der  Filter-
und/oder Verstärkerstufe, sondern zusätzlich definiert Merkmal 1Da' auch 
ausdrücklich  die  technische  Funktion  dieser  Filter- und/oder  Verstärker-
stufe, auf jeden Fall soweit deren von der Klägerin als «Rückwärtsfunkti-
on» bezeichnete Aufgabe betroffen ist. Diese technische Funktion wird im 
Merkmal  1Da'  dargelegt:  Es  geht  darum,  das  Wechselsignal  des  Wech-
selsignalgenerators  von  der  Kondensatoranordnung  zu  entkoppeln.  Die 
technische  Wirkung  dieses  Merkmals  ist  also  ausdrücklich  in  den  An-
spruch  eingeschrieben  und  für  den  Fachmann  erkennbar  und  verständ-
lich. 

Diese  technische  Wirkung  muss  anspruchsgemäss  auch  für  die  bean-
spruchte  relative  Anordnung  gegeben  sein,  d.h.  für  die  Anordnung  des 
Abgleichmittels  vor der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe.  Bei  der  bean-
spruchten Anordnung vor der Filter- und/oder Verstärkerstufe schützt ge-
wissermassen die Filter- und/oder Verstärkerstufe nicht nur den Genera-
tor  vor  Rückkopplung  der  Kondensatoranordnung,  sondern  auch  die Ab-
gleichmittel,  was  die  Steuerung  der  Veränderung  des  Parameters  des 
Wechselsignals verbessert.

Entsprechend läuft das Argument der Klägerin, das Merkmal habe keine 
technische Wirkung, ins Leere.

49.
Offensichtlich  offenbaren  weder  D2  noch  D4  die  Anordnung  der  Ab-
gleichmittel  zwischen  dem  Wechselsignalgenerator  und  einer  Filter-
und/oder Verstärkerstufe. 

Die Klägerin behauptet auch nicht, warum eine solche relative Anordnung 
der  einzelnen  Bauelemente  eine nicht-erfinderische  Modifikation  der  Of-

Seite 41

O2016_010

fenbarung  von D2  und/oder  von D4  darstellen  soll,  sondern  beschränkt 
sich darauf zu behaupten, das Merkmal habe keine technische Wirkung. 

Dies ist aber aus den oben dargelegten Gründen nicht zutreffend.

50.
Die Kombination der Dokumente D2 und D4 kann entsprechend auf jeden 
Fall auch das Merkmal 1G'' im Lichte von 1Da' nicht nahelegen.

51.
Kombination von D2 mit D11:

Die Beklagte macht geltend, dass ausgehend von D2 das Dokument D11
vom  Fachmann  nicht  hinzugezogen  würde,  weil  es  in  Ersterem  um  die 
Messtechnik  mit  starren  Kondensatoranordnungen  gehe,  während  in 
Letzterem MEMS-Sensoren mit einer beweglichen Kondensatorplatte be-
schrieben  würden.  Weiter  macht  die  Beklagte  geltend,  würde  man  die 
beiden  Dokumente  dennoch  kombinieren,  dann  würde  selbst  der  Ersatz 
des  kapazitiven  Sensors  20A  der  Schaltung  gemäss  Figur  5  von D11 
durch die Messschaltung 60 gebildet durch die beiden Kondensatoren 62 
und  63  von D2  nicht  zum  beanspruchten  Gegenstand  führen,  weil  dann 
immer  noch  die  Merkmale  1B,  1Da'  sowie  1G''  nicht  offenbart  würden. 
Auch ein Ersetzen der Kondensatoren 69 und 70 von D2 durch die Kon-
densatorschaltung CS1 INT und CS2 INT von D11 würde der Fachmann 
nicht  in  Betracht  ziehen  und  würde,  selbst  wenn  so  kombiniert,  immer 
noch das Merkmal 1N'' nicht offenbaren.

Die Klägerin weist hingegen auf die allgemeine Einsetzbarkeit der gene-
rellen technischen Lehre von D11 hin und entsprechend darauf, dass der 
Fachmann ausgehend von D2 das Dokument D11 sehr wohl hinzuziehen 
würde.  Zum  Ersatz  des  kapazitiven  Sensors  20A  der  Schaltung  gemäss 
Figur  5  von D11  durch  die  Messschaltung  60, gebildet  durch  die  beiden 
Kondensatoren  62  und  63  von D2, weist  die  Klägerin  darauf  hin,  dass 
auch  die  Bauteile  220  sowie  230-232  in  D11  zu  berücksichtigen  seien, 
und dass am Ende bei Berücksichtigung von D11 nur fehle, dass die Ver-
stärkerstufe vor und nicht nach den Abgleichmitteln angeordnet sei. Die-
ser Unterschied sei aber ohne technische Wirkung und könne keinen Bei-
trag zur erfinderischen Tätigkeit liefern. Auch im Zusammenhang mit dem 
Ersetzen  der  Kondensatoren  69  und  70  von D2  durch  die  Kondensator-
schaltung CS1 INT und CS2 INT von D11 erläutert die Klägerin, dass nur 
ein Unterschied darin zu sehen sei, dass die Verstärkerstufe vor und nicht 
nach den Abgleichmitteln angeordnet sei.

Seite 42

O2016_010

52.
Auch bei D11 geht es um kapazitive Messvorrichtungen, bei welchen der 
Versatz einer Kondensatorplatte über die Veränderung der Kapazität ge-
messen wird. 

Aus  den  bereits  im  Zusammenhang  mit  D4  dargelegten  Gründen  würde 
der  Fachmann  ausgehend  von  D2  ein  solches  Dokument  nicht  ohne  er-
finderischen Beitrag hinzuziehen, wenn es darum geht, die Messgenauig-
keit zu verbessern.

53.
Zudem fehlt auch bei der Kombination der Dokumente D2 und D11 unbe-
stritten das Merkmal, dass die Verstärkerstufe vor und nicht nach den Ab-
gleichmitteln angeordnet ist.

Wenn  nun  gewissermassen  die  Messhalbbrücke  62,  63  von D2  mit  der 
Schnittstellenschaltung  von D11  ausgemessen  wird,  und  wenn  man  da-
von ausgeht, dass die Bauelemente 230-232 als Filter- und/oder Verstär-
kerstufe  betrachtet  werden  können,  dann  sind  die  Abgleichmittel  immer 
noch hinter und nicht vor dieser Filter- und/oder Verstärkerstufe angeord-
net, wie das beansprucht wird. 

Die  Kombination  führt  also,  wenn  man  dieser Argumentationslinie  folgt, 
nicht  zum  beanspruchten  Gegenstand,  und  wie  oben  dargelegt ist  die 
Anordnung der Abgleichmittel vor der Filter- und/oder Verstärkerstufe kein 
Merkmal ohne technische Wirkung. 

Die Klägerin hat auch nicht dargelegt, warum der Fachmann motiviert wä-
re und Aussicht auf Erfolg hätte, die Positionierung der Abgleichmittel an-
ders zu wählen, als dies in den Dokumenten D11 und D2 offenbart ist.

54.
Das  Argument,  die  Abgleichkondensatoren  69,  70  durch  die  Kondensa-
torschaltungen CS1_INT und CS2_INT zu ersetzen, ist schon deswegen 
nicht  überzeugend,  weil  nicht  erkennbar  ist,  warum  der  Fachmann  moti-
viert  sein  könnte,  nun  gerade  diese  Elemente  aus  dem  komplexen 
Schaltmuster gemäss  Figur  5  von D11  zu  isolieren  und  in  die  Schaltung 
gemäss Figur 5 von D2 einzusetzen. 

Das ist umso mehr keine offensichtliche Massnahme, als die Abgleichmit-
tel in Figur 5 von D2 in Serie zwischen dem Oszillator und dem Messkon-
densator angeordnet  sind,  während  die  Kondensatorschaltungen 
CS1_INT und CS2_INT parallel zum Messkondensator angeordnet sind. 

Seite 43

O2016_010

Wenn  man  davon  ausgeht,  dass  die  Bauelemente  230-232  als  Filter- 
und/oder  Verstärkerstufe  betrachtet  werden  können,  sind  aber  auch  bei 
diesem Ansatz die Abgleichmittel immer noch hinter und nicht vor dieser 
Filter- und/oder Verstärkerstufe, wie das beansprucht wird. Die Kombina-
tion führt also, auch wenn man dieser Argumentationslinie folgt, nicht zum 
beanspruchten  Gegenstand.  Zudem  ist,  wie  oben  dargelegt,  die  Anord-
nung  der  Abgleichmittel  vor  der  Filter-  und/oder  Verstärkerstufe  kein 
Merkmal ohne technische Wirkung. 

Die Klägerin hat auch nicht dargelegt, warum der Fachmann motiviert wä-
re und Aussicht auf Erfolg hätte, die Positionierung der Abgleichmittel an-
ders zu wählen, als dies in D11 und D2 offenbart ist.

55.
Kombination von D2 mit D5:

Im  Gegensatz  zu  D2  geht  es  bei  D5  um  ein  Verfahren,  bei  welchem  für 
die  Messung  eines  Fadens  in  einem  Kondensator  nicht  die Abweichung 
von  einem  Nullwert  nach  Kalibration  als  Messgrösse  verwendet  wird, 
sondern  es  wird  in  Serie  zum  Messkondensator  Cx  ein  geregelter  Kon-
densator  Cy  eingesetzt. Anschliessend  wird  immer  auf  null  geregelt  und 
die  Einstellwerte  des  geregelten  Kondensators  werden  als  Messgrösse 
genommen (vgl. Spalte 6:68 ff.). 

Die entscheidende Schaltungstopologie von D5 ist in Figur 4 dargestellt:

Ausgehend von D2, wo die Abweichung vom Nullwert die Messgrösse ist, 
würde der Fachmann das Dokument D5 nicht ohne erfinderischen Beitrag 
hinzuziehen.

Seite 44

O2016_010

56.
Zudem trifft es zu, dass, wenn man davon ausgeht, dass der Fachmann 
D2  mit  D5  ohne  erfinderischen  Beitrag  miteinander  kombinieren  würde, 
dann  die  Kombination  nicht  dazu  führen  würde,  dass  der  Fachmann  die 
Abgleichelemente  69,  70  von D2  durch  zwei  geregelte Kondensatoren 
des Typs Cy von D5 ersetzen würde. Die direkte Kombination der beiden 
Dokumente führt zu einer Bauweise, bei welcher der Kondensator 62 der 
D2 durch einen geregelten Kondensator ersetzt würde. 

Auch  bei  diesem  Ansatz  sind  dann  aber  die  Abgleichmittel  immer  noch 
hinter  und  nicht  vor  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe angeordnet,  wie 
das beansprucht wird. Die Kombination führt also nicht zum beanspruch-
ten  Gegenstand.  Zudem  ist,  wie  oben  dargelegt, die Anordnung  der Ab-
gleichmittel  vor  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  kein  Merkmal  ohne 
technische Wirkung. 

Die Klägerin hat auch nicht dargelegt, warum der Fachmann motiviert wä-
re und Aussicht auf Erfolg hätte, die Positionierung der Abgleichmittel an-
ders zu wählen als dies in D5 und D2 offenbart ist.

57.
Kombination von D2 mit D1:

Das Dokument D1 betrifft ebenfalls das Gebiet der Messung von Garnen. 
Die  Garne  werden durch  einen  Kondensator  geführt  und  die  Änderung 
der Kapazität wird als Messgrösse abgegriffen. Dass in D1 eine Vorrich-
tung beschrieben wird, bei welcher der Faden zwischen zwei Kondensa-
toren oszilliert, ändert nichts daran, dass es in D1 um eine gattungsglei-
che Vorrichtung geht, und entsprechend D2 und D1 dem gleichen Gebiet 
zuzuordnen sind. 

Der Fachmann würde daher D1 ausgehend von D2 hinzuziehen.

Die Tatsache, dass in D1 eine Varicap-Diode im Zusammenhang mit einer 
solchen  Vorrichtung  eingesetzt  wird – und  dann  auch  noch  unter  den 
schnell ändernden Bedingungen des Verfahrens gemäss D1 – zeigt, dass 
es  keine  grundsätzlichen  Vorbehalte  gab,  solche  Bauteile  in  derartigen 
Messschaltungen einzusetzen. Es mag zwar sein, dass das Bauteil unter 
gewissen Bedingungen für die Aufgabe nicht optimal ist, aber für die Auf-
gabe ungeeignet ist es offensichtlich nicht.

Seite 45

O2016_010

Auch  bei  D1  sind  aber die Abgleichmittel  23  und  24  hinter  und  nicht  vor 
der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  12,  21 angeordnet,  wie  das  bean-
sprucht wird. 

Die Kombination von D2 mit D1 führt also nicht zum beanspruchten Ge-
genstand,  und  wie  oben  dargelegt  ist  die  Anordnung  der  Abgleichmittel 
vor  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  kein  Merkmal  ohne  technische 
Wirkung. 

Die Klägerin hat auch nicht dargelegt, warum der Fachmann motiviert wä-
re  und  Aussicht  auf  Erfolg  hätte,  die  Positionierung  der  Abgleichmittel 
dann anders zu wählen als dies in D1 und D2 offenbart ist.

58.
Kombination von D2 mit D6:

Wie bei D5 geht es in D6 im Gegensatz zu D2 um ein Verfahren, bei wel-
chem für die Messung eines Fadens in einem Kondensator nicht die Ab-
weichung von einem Nullwert nach Kalibration als Messgrösse verwendet 
wird, sondern es wird hier in Serie zum Messkondensator 8 ein geregelter 
Kondensator  9  eingesetzt.  Dabei wird immer  auf  null geregelt,  und  die 
Einstellwerte  des  geregelten  Kondensators  werden  als  Messgrösse  ge-
nommen. 

Ausgehend von D2, wo die Abweichung vom Nullwert die Messgrösse ist, 
würde  der  Fachmann  deshalb  das  Dokument  D6 nicht  ohne  erfinderi-
schen Beitrag hinzuziehen.

Wenn man dennoch davon ausgeht, dass der Fachmann D2 mit D6 ohne 
erfinderischen  Beitrag  miteinander  kombinieren  würde,  dann  würde  die 
Kombination nicht dazu führen, dass der Fachmann die Abgleichelemente 
69,  70  von D2  ersetzen würde  durch  zwei  geregelte  Kondensatoren  des 
Typs 9 von D6. 

Die direkte Kombination der beiden Dokumente führt zu einer Bauweise, 
bei welcher der Kondensator 62 der D2 durch einen geregelten Konden-
sator  wie  in  der  D6  beschrieben  ersetzt  würde. Auch  bei  diesem Ansatz 
sind dann aber die Abgleichmittel immer noch hinter und nicht vor der Fil-
ter- und/oder Verstärkerstufe angeordnet, wie das beansprucht wird. 

Die  Kombination  führt  also  nicht  zum  beanspruchten  Gegenstand,  und 
wie  oben  dargelegt  ist  die  Anordnung  der  Abgleichmittel  vor  der  Filter-
und/oder Verstärkerstufe kein Merkmal ohne technische Wirkung. 

Seite 46

Die Klägerin hat auch nicht dargelegt, warum der Fachmann motiviert wä-
re  und  Aussicht  auf  Erfolg  hätte,  die  Positionierung  der  Abgleichmittel 
dann anders zu wählen als dies in D6 und D2 offenbart ist.

O2016_010

59.
Kombination von D2 mit dem Fachwissen:

Die Klägerin macht im Wesentlichen geltend, es sei für den Fachmann of-
fensichtlich  gewesen,  die Abgleichmittel  69  und  70  von  D2  automatisch 
ansteuerbar auszugestalten, und dann für den Nullabgleich das entspre-
chende Steuersignal durch den Ausgang der Messbrücke bereitzustellen.

Dazu  ist  zu  sagen,  dass  es für  den  Nachweis  der mangelnden  erfinderi-
schen Tätigkeit erforderlich ist, für die vorgeschlagene Änderung Motiva-
tion und Aussicht auf Erfolg aufzuzeigen. 

Es  ist  zwar  richtig,  dass  der  Fachmann  effektiv  auf  die  Idee  kommen 
könnte,  die  Abgleichmittel  69  und  70  automatisch  anzusteuern,  aus  D2 
selber  ist  dafür  aber  kein  Hinweis  zu  entnehmen.  Weiter  ist,  wenn  man 
die oben genannte Aufgabe vor Augen hat, die automatische Ansteuerung 
der Abgleichmittel 69 und 70 für den Nullabgleich nicht die einzige Mög-
lichkeit, die gestellte Aufgabe zu lösen. Es ist, wie D4 beispielsweise auf-
zeigt,  auch möglich,  den  Nullabgleich  über  die Ansteuerung  der  Verstär-
kung  oder  des  Oszillators  bereitzustellen.  Für  die  spezifische  automati-
sche Ansteuerung der Abgleichmittel 69 und 70 fehlt die konkrete Motiva-
tion, um mangelnde erfinderische Tätigkeit aufzuzeigen.

Dazu  kommt  weiter,  dass  selbst  wenn  der  Fachmann  in  Betracht  ziehen 
würde,  die  Abgleichmittel  69  und  70  automatisch  anzusteuern,  immer 
noch fehlt, dass die Abgleichmittel vor der Filter- und/oder Verstärkerstufe 
angeordnet sind. 

Warum der Fachmann motiviert sein sollte, diese weitere Modifikation bei 
der Schaltung von D2 vorzunehmen, hat die Klägerin nicht dargelegt, und 
aus den oben genannten Gründen ist es auch nicht so, dass die Platzie-
rung  der  Abgleichmittel  vor  der  Filter-und/oder  Verstärkerstufe  keine 
technische Wirkung haben.

Auch  die  Kombination  mit  dem  allgemeinen  Fachwissen  kann  entspre-
chend die beanspruchte Erfindung nicht nahelegen.

Seite 47

O2016_010

60.
Kombination von D2 mit D3:

Die Klägerin legt dar, dass in D3 im Kapitel 4 der automatische Abgleich 
von  kapazitiven  Messschaltungen  allgemein  beschrieben  werde.  Es  ist 
aber richtig, wie dies die Beklagte ausführt, dass in 4.1 von D3 von einem 
automatischen Abgleich keine Rede ist, und in 4.2 nur ein Verfahren be-
schrieben  wird,  bei  welchem  die  Messung  darin  besteht,  auf  null  zu  re-
geln (analog wie in D5). 

Der  Fachmann  würde  deswegen  ausgehend  von  D2  das  Dokument D3 
nicht  ohne  erfinderischen  Beitrag  hinzuziehen,  dies  aus  den  gleichen 
Gründen wie bereits oben im Zusammenhang mit D5 dargelegt.

Auch  hier  gilt  aber,  dass  selbst  wenn  der  Fachmann  in  Betracht  ziehen 
würde,  einen  automatischen Abgleich  aus  D3  in  Betracht  zu  ziehen  und 
die Abgleichmittel 69 und 70 automatisch anzusteuern, immer noch fehlt, 
dass  die Abgleichmittel vor  der  Filter- und/oder Verstärkerstufe  angeord-
net sind. 

Warum der Fachmann motiviert sein sollte, diese weitere Modifikation bei 
der Schaltung von D2 vorzunehmen, hat die Klägerin nicht dargelegt, und 
aus den oben genannten Gründen ist es auch nicht so, dass die Platzie-
rung  der  Abgleichmittel  vor  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  keine 
technische Wirkung hat.

Auch die Kombination mit D3 kann entsprechend die beanspruchte Erfin-
dung nicht nahelegen.

61.
Ausgehend von D2 ist damit zusammenfassend für Eventualantrag 3 er-
finderische  Tätigkeit  gegeben,  egal  ob  mit  dem  Fachwissen  des  Fach-
manns oder in einer Kombination mit den oben diskutierten Dokumenten.

Erfinderische Tätigkeit ausgehend von D1:

62.
Ausgehend  von  der  D1  identifiziert  die  Beklagte  als  Unterschiede zwi-
schen  D1  und  dem Anspruchsgegenstand  auf jeden  Fall  folgende  Merk-
male: 1G'', 1N'' sowie 1Ea.

Die  Klägerin  bestreitet  nicht  das  Vorhandensein  dieser  Unterschiede  an 
sich,  sondern  macht  geltend,  dass  diese  Unterschiede  keine  technische 

Seite 48

O2016_010

Wirkung  hätten  und  entsprechend  keine  erfinderische  Tätigkeit  begrün-
den könnten.

63.
Als  Aufgabe formuliert  die  Beklagte  eine  Erhöhung  der  Qualität  der 
Messresultate.  Zur Aufgabe  ausgehend  von  D1,  wenn  man  den  mit der 
Duplik gestellten Hauptantrag betrachtet, äussert sich die Klägerin nicht. 

Die von der Beklagten vorgeschlagene Aufgabe entspricht jener, die sich 
aus dem Patent ergibt, wie dies oben im Zusammenhang mit der erfinde-
rischen  Tätigkeit  ausgehend  von  D2  dargelegt  wurde,  davon  ist  mithin 
auch von der D1 ausgehend auszugehen.

Welche  Wirkung  diese  unterscheidenden  Merkmale  haben,  und  warum 
sie damit die Aufgabe lösen, legt die Beklagte dar, mithin unter anderem 
auch, warum, wie bereits erwähnt, entgegen der Behauptung der Klägerin 
nicht  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  es  keine  technisch  unter-
schiedliche  Wirkung  hat,  ob  die  Abgleichmittel  vor  der  Filter- und/oder 
Verstärkerstufe angeordnet sind oder dahinter.

Das einzige Argument, das die Klägerin im Zusammenhang mit der man-
gelnden  erfinderischen  Tätigkeit  des  mit  der  Duplik  gestellten  Hauptan-
trags  ausgehend  von  D1  geltend  macht  ist,  dass  in  diesem  Unterschied 
keine technische Wirkung zu sehen sei und entsprechend auch diese Un-
terschiede keine erfinderische Tätigkeit begründen könnten.

Aus den oben im Detail dargelegten Gründen ist es aber nicht zutreffend, 
dass die Anordnung der Abgleichmittel vor oder nach der Filter- und/oder 
Verstärkerstufe keinen technischen Unterschied machen. 

Da  die  Klägerin  auch  für die  Situation,  in  welcher von  D1  ausgegangen 
wird, nicht aufzeigt, warum der Fachmann in Betracht ziehen würde, eine 
andere Anordnung der Abgleichmittel vorzunehmen, ist entsprechend auf 
erfinderische Tätigkeit zu erkennen. 

64.
Ausgehend von D1 ist somit ebenfalls erfinderische Tätigkeit gegeben.

65.
Weitere Nichtigkeitsgründe werden nicht geltend gemacht. 

Demnach  ist  das  Klagepatent  wie  mit  der  Duplik  als  Eventualantrag  3 
eingeschränkt rechtsbeständig.

Seite 49

O2016_010

Kosten- und Entschädigungsfolgen

66.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend scheint es gerechtfertigt, die 
Kosten den Parteien je hälftig aufzuerlegen. In der Tat wurde das Klage-
patent mit wesentlichen Einschränkungen aufrechterhalten, die bevorzug-
ten  Ausführungsformen  des  Klagepatents  sind  aber  immer  noch  ge-
schützt.

Ausgehend von einem Streitwert von CHF 125'000 ist die Gerichtsgebühr 
auf CHF 22'000 festzusetzen (Art. 1 KR-PatGer), d.h. unter Berücksichti-
gung  der  zahlreichen  Patentbeschränkungsrechtsbegehren  und  Nichtig-
keitsangriffe  und  Entgegenhaltungen,  die  im  Verfahren  vorgetragen  wur-
den, im oberen Bereich des Tarifs.

Zur  Parteientschädigung  Folgendes:  Vorliegend  nicht  erheblich  ist  die 
Tatsache,  dass  von  der  Beklagten  im  Rahmen  der  Duplik  noch  weitere 
Rechtsbegehren  mit  Einschränkungen  des  Klagepatents  2  eingereicht 
wurden, die nach dem doppelten Schriftenwechsel mehrere entsprechen-
de  Parteistellungnahmen  verursachten.  Es  stimmt  zwar,  dass  das  späte 
Stadium,  in  welchem  diese  Einschränkungen  eingereicht  wurden,  das 
Verfahren  verlängert  hat  und  den  Prozessaufwand  für  die  Klägerin  ent-
sprechend  vergrössert  hat.  Die  Einschränkungen  waren  aber  anderer-
seits  veranlasst  durch  eine  Vielzahl  von  Dokumenten  des  Standes  der 
Technik,  die  von  der  Nichtigkeitsklägerin  eingeführt  wurden,  und  durch 
verschiedene  unterschiedliche  Kombinationen  von  Dokumenten  bei  der 
Diskussion  der  erfinderischen  Tätigkeit.  Es  ist  deshalb  nicht  ersichtlich, 
dass  dieses  Vorgehen  asymmetrisch  substantiellen  Mehraufwand für  die 
Gegenpartei  verursacht  hat.  Wie  oben  erwähnt,  haben  sowohl  Klägerin 
wie  Beklagte  aufwendig  prozessiert.  Es  wurde  zudem  nicht  behauptet 
und es ist auch nicht ersichtlich, dass die zahlreichen Angriffe der Kläge-
rin  oder  die  zahlreiche  Eventualrechtsbegehren  der  Beklagten  unnötig 
gewesen  wären  und  die  entsprechenden  Kosten  einseitig  auferlegt  wer-
den sollten (Art. 107-108 ZPO e contrario).

Die gesetzliche Möglichkeit für einen Patentanwalt, unter bestimmten Be-
dingungen  in  einem  Nichtigkeitsprozess  allein  die  berufsmässige  Vertre-
tung zu übernehmen (Art. 29 PatGG), rechtfertigt nicht, in einem Nichtig-
keitsprozess  generell  einer  Partei  nur  eine Vertretungsentschädigung 
(entweder für einen Patentanwalt oder für einen Rechtsanwalt) zuzuspre-
chen. Je nach Prozessverlauf kann es sich wie vorliegend ergeben, dass 
der Rechtsanwaltsbeitrag am Ende nicht den erheblichen Teil ausmacht. 

Seite 50

O2016_010

Das  können  die  Parteien  jedoch  nicht  im  Voraus  wissen.  Stellen  sich 
doch  oft  komplexe  rein  juristische  Fragen  erst  im  Laufe  des  Verfahrens. 
Auch  eine  Patentverletzungswiderklage,  die  keine  rein  patentanwaltliche 
Vertretung mehr zulässt (Art. 29 PatGG e contrario), kann von einer Klä-
gerin  bei  Einleitung  eines  Nichtigkeitsprozesses  nicht  ausgeschlossen 
werden.  Aus  der  Tatsache,  dass  einer  Partei  die  Möglichkeit  gegeben 
wird, sich durch einen Patentanwalt in Nichtigkeitsprozessen vertreten zu 
lassen (Art. 29 PatGG), kann weder eine Pflicht abgeleitet werden, keinen 
Rechtsanwalt  beizuziehen,  noch  kann  sie  es  rechtfertigen,  wenn  eine 
Partei von einem Rechtsanwalt vertreten wird, keine notwendigen Ausla-
gen für den Patentanwalt mehr zuzusprechen. 

Die  Tatsache,  dass  sich  die  stattgegebene  Einschränkung  von  Klagepa-
tent  1  auf  Merkmale  aus  der  Beschreibung  (und  nicht  bloss  auf  erteilte 
abhängige Ansprüche)  stützt,  ändert  vorliegend  nichts  an  der  Verteilung 
der  Prozesskosten.  Es  ist  zutreffend,  dass  gemäss  Rechtsprechung  des 
Bundespatentgerichts  eine  weiterbestehende  Verletzung  nach  einer  Pa-
tenteinschränkung gestützt auf Merkmale, die aus der Beschreibung ent-
nommen  wurden,  in  der  Regel  schwer  voraussehbar  ist  und  das  Ver-
schulden  des  Patentverletzers  in  Frage  stellt (Urteil  S2013_009  vom  18. 
März 2015 E.7.3). Vorliegend wurde jedoch – anders als in dieser Recht-
sprechung – nicht auf (Nicht-)Verletzung geklagt, sondern auf Nichtigkeit 
des  Klagepatents.  Demnach  geht  es  hier  nicht  um  die  Frage,  ob  eine 
konkrete  angegriffene Ausführungsform  nach  Einschränkung  des  Klage-
patents von diesem immer noch erfasst ist. Es geht hier um die Frage, ob 
ein  Patent  eine  von  der  Patentinhaberin  im  Rahmen  eines  Antrags  ge-
stellte  Fassung  eines  unabhängigen  Anspruchs  ermöglicht,  die  ein  Auf-
rechterhalten  des  Patents  in  eingeschränkter  Form  erlaubt.  Dass  damit 
nicht zu rechnen war, wurde nicht behauptet. Dass die Klägerin nicht mit 
der  vorliegenden  spezifischen  Einschränkung  zu  rechnen  hatte,  die  zur 
Aufrechterhaltung  des  Patents  führt,  mag  zutreffen.  Die  Klägerin  hat  je-
doch auf Nichtigkeit des Klagepatents in seinem ganzen Umfang geklagt. 
Demnach musste sie auch damit rechnen, dass das Klagepatent von der 
Patentinhaberin  eingeschränkt  und  ggf.  vom  Gericht  so  aufrechterhalten 
würde,  selbst  wenn  die  Einschränkung  gestützt  auf  Merkmale  aus  der 
Beschreibung  erfolgt.  Überraschend  erscheint  solch  ein  Ausgang  im 
Grundsatz nicht und etwas anderes wurde auch nicht behauptet.

Unter  der  Berücksichtigung,  dass  vorliegend  der  rechtsanwaltliche  Auf-
wand eher gering war und die technischen Fragen hauptsächlich von den 
Patentanwälten  behandelt  wurden  (was  sich  auch  aus  den  mündlichen 

Seite 51

O2016_010

Parteivorträgen in der Hauptverhandlung erkennen liess), ist die entspre-
chende  Parteientschädigung  im  unteren  Tarifbereich  auf  CHF 16'000 
festzusetzen (Art. 4 f. KR-PatGer). Gemäss Ausgang der Streitigkeit und 
je hälftiger Verteilung verrechnen sich die gegenseitigen Forderungen für 
die rechtsanwaltliche Parteientschädigung vollumfänglich.

Die  Klägerin  macht  patentanwaltliche  Auslagen 
CHF 44'841.20 geltend.

in  der  Höhe  von 

Unter  der  Berücksichtigung,  dass  der  patentanwaltliche  Aufwand  vorlie-
gend notwendig und erheblich, jedoch nicht aussergewöhnlich war, aller-
dings im oberen Tarifrahmen des entsprechenden Streitwerts anzusiedeln 
ist, sind die notwendigen Auslagen auf CHF 30'000 festzusetzen.10

Die Beklagte macht keine patentanwaltlichen Auslagen geltend.

In Anbetracht des Ausgangs des Prozesses ist die Beklagte zu verpflich-
ten,  der  Klägerin  eine  reduzierte  Parteientschädigung  von  insgesamt 
CHF 15'000 zu bezahlen. Weiter ist die Beklagte zu verpflichten, die Hälf-
te  der  Gerichtskosten  von  CHF  22'000,  d.h.  CHF  11’000  zu  tragen  und 
der Klägerin zu erstatten.

Das Bundespatentgericht erkennt:

1.

In  teilweiser  Gutheissung  der  Klage  wird  Patentanspruch  1  des 
schweizerisch-liechtensteinischen  Teils  des  europäischen  Patents 
EP 2 347 250 B1 wie folgt eingeschränkt:

«1. Verfahren für den Symmetrieabgleich einer Vorrichtung (1) zur kapaziti-

ven Untersuchung eines bewegten länglichen textilen Prüfgutes (9) wie Kar-

denband, Vorgarn, Garn oder Gewebe mittels einer Kondensatoranordnung 

(21), welche Vorrichtung (1)

eine  Auswerteschaltung  (6)  zur  Auswertung  mindestens  einer  elektrischen 

Messgrösse eines an der Kondensatoranordnung (21) abgegriffenen elektri-

schen Signals, 

einen  Referenzkondensator  (22),  welcher  in  Serie  zur  Kondensatoranord-

nung (21) geschaltet ist, 

10 BPatGer S2018_001, Urteil vom 23.05.2018 E. 5; BPatGer O2015_009, Urteil 
vom  21.03.2018  E.  11.2;  BPatGer  O2017_001,  Urteil  vom  03.10.2017,  E.  54; 
BPatGer O2012_043, Urteil vom 10.06.2016 E. 5.5.

Seite 52

                                               
O2016_010

einen  Wechselsignalgenerator  (3)  zum  Anlegen  von  zwei  elektrischen 

Wechselspannungen  mit  entgegengesetzten  Phasen  an  die  Kondensa-

toranordnung  (21)  bzw.  an  den  Referenzkondensator  (22),  wobei  die  Kon-

densatoranordnung (21)  vom Wechselsignalgenerator (3) durch  eine Filter-

und/oder  Verstärkerstufe  (5)  zur  Filterung  und/oder  Verstärkung  des  vom 

Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten  Wechselsignals  derart  abgekoppelt 

ist,  dass sie  Parameter  des  vom  Wechselsignalgenerator  (3)  erzeugten 

Wechselsignals nicht beeinflusst,

Abgleichmittel  (4),  die  in  einem  elektrischen  Pfad  zwischen  dem  Wechsel-

signalgenerator  (3)  und  der  Filter- und/oder  Verstärkerstufe  (5)  angeordnet 

sind und mittels derer mindestens ein Parameter des elektrischen Wechsel-

signals derart veränderbar ist, dass ein Ausgangssignal der Auswerteschal-

tung  (6)  bei  definierten,  konstanten  Bedingungen  einen  bestimmten  Wert, 

vorzugsweise Null, annimmt und

Steuermittel  (7)  zur  Abgabe  eines  elektrischen  Steuersignals  an  die  Ab-

gleichmittel (4), mittels  dessen die Veränderung  des  mindestens einen  Pa-

rameters steuerbar ist, 

beinhaltet,

wobei

die  Kondensatoranordnung  (21)  ohne  Prüfgut  (9)  im  Wesentlichen  zeitlich 

unverändert belassen wird, 

ein elektrisches Wechselsignal von dem Wechselsignalgenerator (3) erzeugt 

und an die Kondensatoranordnung (21) angelegt wird,

ein  elektrisches  Ausgangssignal  der  Kondensatoranordnung  (21)  abgegrif-

fen wird,

mindestens eine elektrische Messgrösse des an der Kondensatoranordnung 

(21)  abgegriffenen  elektrischen  Ausgangssignals  durch  die  Auswerteschal-

tung (6) ausgewertet wird,

mindestens  ein  Parameter  des  elektrischen Wechselsignals  in  dem  elektri-

schen  Pfad  zwischen  dem  Wechselsignalgenerator  (3)  und  der  Filter-

und/oder  Verstärkerstufe  (5)  derart  durch  die  Abgleichmittel  (4)  verändert 

wird,  dass  ein  Ausgangssignal  der  Auswertung  bei  definierten,  konstanten 

Bedingungen einen bestimmten Wert, vorzugsweise Null, annimmt,

die  Veränderung  des  mindestens  einen  Parameters  mit  dem  elektrischen 

Steuersignal durch die Steuermittel (7) gesteuert wird, und

das elektrische Steuersignal durch das Ausgangssignal beeinflusst wird.

Seite 53

O2016_010

2.  Verfahren  nach  Anspruch  1,  wobei  die  Beeinflussung  des  elektrischen 

Steuersignals durch das Ausgangssignal automatisch in einem geschlosse-

nen Regelkreis erfolgt.

3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Vorrich-

tung (1) eine Rückkopplung aufweist, mittels deren ein Ausgangssignal der 

Kondensatoranordnung  (21)  oder  der  Auswerteschaltung  (6)  auf  die  Steu-

ermittel (7) einwirkt.

4.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche,  wobei  die  Ab-

gleichmittel  (4)  eine  Mehrzahl  von  elektrischen  Widerständen  (421,  431, 

433) beinhalten, die einzeln oder gruppenweise zu- oder wegschaltbar sind.

5.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche, wobei  die  Ab-

gleichmittel  (4)  einen  Modulator  (442)  für  eine  Amplitudenmodulation  des 

elektrischen Wechselsignals beinhalten.

6.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche,  wobei  die  Ab-

gleichmittel (4) einen Verstärker (452, 462) mit variabler oder programmier-

barer  Verstärkung  zur  Verstärkung  des  elektrischen  Wechselsignals  bein-

halten.

7.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche,  wobei  die  Ab-

gleichmittel  (4)  ein  digitales  Potenziometer  oder  einen  Rejustor  (471,  481) 

beinhalten.

8.  Verfahren  nach  einem  der  vorangehenden  Ansprüche,  wobei  die  Ab-

gleichmittel (4) eine Kapazitätsdiode (492) beinhalten.»

Die Einschränkung erfolgt mit folgender Erklärung: 

«Soweit Teile  der  Beschreibung und der Zeichnungen mit der Neuordnung 

der Patentansprüche nicht vereinbar sind, sollen sie als nicht vorhanden gel-

ten.»

2.

Im Mehrumfang wird die Klage abgewiesen.

3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 22'000.

4. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt und mit dem 
Kostenvorschuss  der  Klägerin  verrechnet.  Im  nicht  beanspruchten 
Umfang  wird  der  Kostenvorschuss  der  Klägerin  zurückerstattet.  Die 
Beklagte hat der Klägerin die Kosten um Umfang von CHF 11'000 zu 
ersetzen.

Seite 54

O2016_010

5. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine reduzierte Parteient-

schädigung von CHF 15'000 zu bezahlen.

6. Schriftliche  Mitteilung  an  die  Parteien  unter  Beilage  des  Verhand-
lungsprotokolls sowie nach Eintritt der Rechtskraft an das Eidgenös-
sische Institut für Geistiges Eigentum, je gegen Empfangsschein.

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  Zivilsachen  geführt 
werden  (Art. 72  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amts-
sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Anga-
be der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene 
Entscheid  und  die  Beweismittel  sind beizulegen,  soweit  sie  die  be-
schwerdeführende Partei in Händen hat (vgl. Art. 42 BGG).

St. Gallen, 15. Mai 2019

Im Namen des Bundespatentgerichts

Vizepräsident

Erste Gerichtsschreiberin

lic. iur. & Dipl. Mikrotech.-Ing.
Frank Schnyder

lic. iur. Susanne Anderhalden

Versand: 21.05.2019

Seite 55