# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 06375cbd-c3e1-5be0-a1a8-2dbe21bf3528
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-06-28
**Language:** de
**Title:** Wiedererwägungsweise Rentenaufhebung. Voraussetzungen für eine Wiedererwägung nicht erfüllt. Beschwerdeführer auch bereits 58 Jahre alt. Gutheissung
**Docket/Reference:** IV.2011.00633
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2011.00633.html

## Full Text

IV.2011.00633
Sozialversicherungsgericht
des Kantons ZÃ¼rich
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter GrÃ¤ub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Ersatzrichterin Condamin
Gerichtsschreiberin Oertli
Urteil vom 28. Juni 2013
in Sachen
X.___
BeschwerdefÃ¼hrer
vertreten durch RechtsanwÃ¤ltin Christine Fleisch
Meier Fingerhuth Fleisch HÃ¤berli, RechtsanwÃ¤lte
Lutherstrasse 36, 8004 ZÃ¼rich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons ZÃ¼rich, IV-Stelle
RÃ¶ntgenstrasse 17, Postfach, 8087 ZÃ¼rich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1     Der 1952 geborene X.___ war vom 1. Oktober 1984 bis 31. Juli 2001 als Bereichsleiter Verkauf bei der Y.___ AG (heute: Z.___ Y.___ AG) tÃ¤tig. Seit August 1999 war er zu 100 % arbeitsunfÃ¤hig (Urk. 7/5). X.___ wies in seiner Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen vom 13. August 2000 auf zwei HalswirbelsÃ¤ulenoperationen sowie chronische Schmerzen im Nacken, in den Schultern, Armen und Beinen hin (Urk. 7/3). Mit VerfÃ¼gungen vom 17. Mai 2001 (Urk. 7/17; LeistungsverfÃ¼gung ab 1. Mai 2001) und 29. Juni 2001 (Urk. 7/19; LeistungsverfÃ¼gung vom 1. August 2000 bis 30. April 2001) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons ZÃ¼rich, IV-Stelle, dem Versicherten gestÃ¼tzt auf ein Ã¤rztliches Gutachten (Urk. 7/7) ab dem 1. August 2000 eine ganze Invalidenrente nebst Zusatzrente fÃ¼r Ehegatten und Kinderrente zu.
1.2     Im Rahmen amtlicher Revisionen bestÃ¤tigte die IV-Stelle mit Mitteilungen vom 17. Mai 2002 (Urk. 7/26) und 20. Oktober 2006 (Urk. 7/48) den Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
1.3     Nach einem externen Hinweis (Urk. 7/55) liess die IV-Stelle den Versicherten an fÃ¼nf Tagen im Februar und MÃ¤rz 2009 sowie an vier Tagen im April und Mai 2009 observieren (Urk. 7/66, Urk. 7/60 und Urk. 7/59). Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass der Versicherte einmal bei der Alp Scheidegg schlitteln ging (Urk. 7/60 S. 11) und dreimal am Abend mit Bekannten in einem Restaurant jasste (Urk. 7/59 S. 11). Der Regionale Ãrztliche Dienst der IV-Stelle (RAD) kam zum Schluss, es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem dokumentierten Beschwerdebild und den beobachteten AktivitÃ¤ten des Versicherten (Urk. 7/56). Nach GewÃ¤hrung des rechtlichen GehÃ¶rs (Urk. 7/58) sistierte die IV-Stelle die Ausrichtung der Rente wegen Verdachts auf Meldepflichtverletzung und ungerechtfertigten Leistungsbezug per 31. August 2009 (Urk. 7/70). Die vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 7/82/3-17) wurde vom Sozialversicherungsgericht des Kantons ZÃ¼rich mit Urteil vom 16. August 2010 abgewiesen (Urk. 7/101).
1.4     Die IV-Stelle veranlasste in der Folge bei der MEDAS-Stelle A.___ ein Gutachten, das am 11. Dezember 2010 erstattet wurde (Urk. 7/108). GestÃ¼tzt auf diese Expertise hob die IV-Stelle zum einen mit VerfÃ¼gung vom 7. MÃ¤rz 2011 die Rentensistierung wieder auf, nachdem der Rechtsdienst der IV-Stelle zum Schluss gekommen war, dass mit dem Gutachten der Vorwurf eines unrechtmÃ¤ssigen Leistungsbezugs dahinfalle (Urk. 7/119 S. 8). Zum anderen verfÃ¼gte die IV-Stelle aufgrund der medizinischen EinschÃ¤tzung im MEDAS-Gutachten sowie nach RÃ¼ckfrage beim ehemaligen Arbeitgeber zum Belastungsprofil und durchgefÃ¼hrtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/120, 7/133 und Urk. 7/139) am 4. Mai 2011 die wiedererwÃ¤gungsweise Aufhebung der RentenverfÃ¼gung vom 17. Mai 2001 und hob die Rente auf Ende des der Zustellung der VerfÃ¼gung folgenden Monats auf (Urk. 2).
2.       Gegen die VerfÃ¼gung vom 4. Mai 2011 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 6. Juni 2011 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die wiedererwÃ¤gungsweise Aufhebung der VerfÃ¼gung vom 17. Mai 2001 âabzuweisenâ und es sei ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Die Beschwerdegegnerin schloss am 6. Juli 2011 auf Abweisung der Beschwerde (Beschwerdeantwort, Urk. 6), was dem Versicherten am 8. Juli 2011 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht zieht in ErwÃ¤gung:
1.
1.1     Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes Ã¼ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes Ã¼ber die Invalidenversicherung (IVG) kann die IV-Stelle jederzeit auf formell rechtskrÃ¤ftige VerfÃ¼gungen zurÃ¼ckkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Die WiedererwÃ¤gung dient der Korrektur einer anfÃ¤nglich unrichtigen Rechtsanwendung, einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der WÃ¼rdigung des Sachverhalts. Darunter fÃ¤llt insbesondere eine unvollstÃ¤ndige SachverhaltsabklÃ¤rung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG). Eine auf keiner nachvollziehbaren Ã¤rztlichen EinschÃ¤tzung der massgeblichen ArbeitsfÃ¤higkeit beruhende InvaliditÃ¤tsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende VerfÃ¼gung zweifellos unrichtig im wiedererwÃ¤gungsrechtlichen Sinne. Erscheint die Beurteilung der Anspruchsvoraussetzungen vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskrÃ¤ftigen Leistungszusprechung darboten, indessen als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_397/2012 vom 30. Oktober 2012 E. 3.1 mit Hinweisen). Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernÃ¼nftiger Zweifel daran mÃ¶glich ist, dass die VerfÃ¼gung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der VerfÃ¼gung - denkbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2012 vom 15. April 2013  E. 2.2).
1.2     Ãndert sich der Grad der InvaliditÃ¤t des RentenbezÃ¼gers in einer fÃ¼r den Anspruch erheblichen Weise, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin fÃ¼r die Zukunft entsprechend erhÃ¶ht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 ATSG).
1.3     Das Bundesgericht geht in stÃ¤ndiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der ArbeitsfÃ¤higkeit grundsÃ¤tzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Ulrich Meyer, Rechtsprechung zum IVG, 2. Auflage, ZÃ¼rich 2010, S. 383). Praktisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attestierten Verbesserung der ArbeitsfÃ¤higkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der ErwerbsfÃ¤higkeit geschlossen und damit ein entsprechender Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen InvaliditÃ¤tsgrades) vorgenommen werden kann.
In ganz besonderen AusnahmefÃ¤llen hat die Rechtsprechung dennoch nach langjÃ¤hrigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener LeistungsfÃ¤higkeit vorderhand weiterhin eine Rente zugesprochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschÃ¶pft werden kann. Es kÃ¶nnen im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen LeistungsfÃ¤higkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung entgegen stehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgÃ¤ngige DurchfÃ¼hrung befÃ¤higender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht mÃ¶glich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/ 2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 dahin gehend prÃ¤zisiert, dass die revisions- oder wiedererwÃ¤gungsweise Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 55. Altersjahr zurÃ¼ckgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulÃ¤ssig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor Eingliederungsmassnahmen durchgefÃ¼hrt hat (E. 3.3).
Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden langjÃ¤hrigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wieder einzugliedern.
Dies fÃ¼hrt zwar fÃ¼r die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Rente grundsÃ¤tzlich erst nach geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt werden darf (vgl. erwÃ¤hntes Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.5).
2.
2.1     Der BeschwerdefÃ¼hrer stellte sich in seiner Beschwerdeschrift auf den Standpunkt, die Voraussetzungen fÃ¼r eine WiedererwÃ¤gung seien nicht gegeben. Seine gesundheitliche Situation habe sich seit der Zusprechung der Invalidenrente auch nicht gebessert. Ferner sei selbst bei der - bestrittenen - Annahme einer 80%igen ArbeitsfÃ¤higkeit in einer angepassten TÃ¤tigkeit der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente nach wie vor ausgewiesen (S. 15).
2.2      Die Beschwerdegegnerin begrÃ¼ndete die WiedererwÃ¤gung damit, die ursprÃ¼ngliche Rentenzusprache sei zum einen unter Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen, da die im Ã¤rztlichen Gutachten erwÃ¤hnte reaktive depressive Entwicklung nicht weiter abgeklÃ¤rt worden sei. Zum anderen sei die InvaliditÃ¤tsbemessung unter Gleichsetzung mit der ArbeitsunfÃ¤higkeit erfolgt. Die ursprÃ¼ngliche Rentenzusprache sei daher als zweifellos unrichtig im wiedererwÃ¤gungsrechtlichen Sinne zu betrachten (Urk. 2, S. 2 f.). Ferner verneinte sie gestÃ¼tzt auf die EinschÃ¤tzungen im MEDAS-Gutachten vom 11. Dezember 2010 (Urk. 7/108) den Anspruch auf eine Invalidenrente (S. 3).
2.3      Strittig ist, ob die Voraussetzungen fÃ¼r eine wiedererwÃ¤gungsweise Rentenaufhebung erfÃ¼llt sind. Zu prÃ¼fen ist allenfalls, ob diese angesichts des Alters und der langen Rentenbezugsdauer des BeschwerdefÃ¼hrers ohne vorangehende WiedereingliederungsbemÃ¼hungen gerechtfertigt war.
3.       GestÃ¼tzt auf das nach der Observation des BeschwerdefÃ¼hrers veranlasste interdisziplinÃ¤re MEDAS-Gutachten vom 11. Dezember 2010 (Urk. 7/108) der Dres. med. B.___, Facharzt fÃ¼r Rheumatologie FMH, C.___, Facharzt fÃ¼r Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie D.___, Facharzt fÃ¼r Innere Medizin FMH, vom A.__ sowie Angaben des ehemaligen Arbeitgebers zum Anteil der ReisetÃ¤tigkeit (Urk. 7/115/8) ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass der BeschwerdefÃ¼hrer in bisheriger TÃ¤tigkeit zu 80% arbeitsfÃ¤hig sei. Die Beschwerdegegnerin errechnete ferner einen InvaliditÃ¤tsgrad von 36 % und verneinte dementsprechend den Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2 S. 3).
4.
4.1      Fraglich ist, ob die rentenbegrÃ¼ndende VerfÃ¼gung vom 17. Mai 2001 (Urk. 7/17) tatsÃ¤chlich zweifellos unrichtig war (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
4.2      Sie erging gestÃ¼tzt auf die fachÃ¤rztliche EinschÃ¤tzung der E.___-Ãrzte vom 18. Oktober 2000 (Dr. med. F.___, Oberarzt, und Dr. med. G.___, Leitender Arzt) an den Unfallversicherer (Urk. 7/7). In diesem Gutachten wurden folgende Diagnosen aufgefÃ¼hrt (S. 12 und 16):
Chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom bei
-        Status nach HalswirbelsÃ¤ulen (HWS)-Extensionstrauma am 20. Juli 1990
-        Status nach Diskektomie C5/6 am 9. Februar 1998 und Spondylodese C5/6 am 10. August 1999
-        mÃ¤ssiggradiger Chondrose mit Protrusion C4/5
-        Schmerzverarbeitungsproblematik bei depressiver StÃ¶rung
Die Dres. F.___ und G.___ berichteten weiter, den Schmerzen dÃ¼rfte am ehesten eine segmentale FunktionsstÃ¶rung C4/5 oder auch C6/7 zugrunde liegen. Hinweise auf ein erneutes radikulÃ¤res Kompressionssyndrom wÃ¼rden sich nicht ergeben. Aufgrund der Anamnese mit beispielsweise Symptomausweitung (Myalgien der unteren ExtremitÃ¤ten) mÃ¼sse auch von einer Schmerzverarbeitungsproblematik ausgegangen werden bei zeitweise von Angst geprÃ¤gter depressiver StÃ¶rung. GegenÃ¼ber dem somatischen Grundleiden stehe diese Problematik aktuell aber im Hintergrund (S. 12 f.). Die chronischen Schmerzen und die dadurch bedingte BeeintrÃ¤chtigung der kognitiven LeistungsfÃ¤higkeit fÃ¼hrten zu einer erheblichen EinschrÃ¤nkung der ArbeitsfÃ¤higkeit. SpÃ¤testens seit dem Zeitpunkt des Gutachtens betrage die ArbeitsfÃ¤higkeit aber mindestens 25 % (S. 15 und 18), wobei der Endzustand noch nicht erreicht sei (S. 19). Die Ãrzte empfahlen gezielte Infiltrationen der Intervertebralgelenke C4/5 und C6/7 sowie in zweiter Linie auch des Epiduralraumes auf HÃ¶he C4/5 (S. 15 und 18) und fÃ¼hrten weiter aus, von den empfohlenen therapeutischen Massnahmen dÃ¼rfte eine sukzessive Steigerung erwartet werden (S. 15).
Die IV-Stelle schloss aus der attestierten ArbeitsfÃ¤higkeit von 25 % in bisheriger TÃ¤tigkeit auf einen InvaliditÃ¤tsgrad von 75 % (Urk. 7/14).
4.3     Es trifft zwar zu, dass die IV-Stelle von einem rechtlich falschen InvaliditÃ¤tsbegriff ausging, indem sie die InvaliditÃ¤t unbesehen der ArbeitsunfÃ¤higkeit gleichstellte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_342/2008 vom 20. November 2008 E. 5.3). Trotzdem erscheint das Ergebnis nicht als zweifellos unrichtig. Die Beurteilung der ArbeitsfÃ¤higkeit durch die begutachtenden Ãrzte bezog sich nÃ¤mlich auf die bisherige TÃ¤tigkeit des BeschwerdefÃ¼hrers als Bereichsleiter Verkauf und somit auf eine - diesen Schluss zieht die Beschwerdegegnerin in ihrer WiedererwÃ¤gungsverfÃ¼gung selber (Urk. 2 S. 3) - in Bezug auf das RÃ¼ckenleiden des BeschwerdefÃ¼hrers bereits angepasste TÃ¤tigkeit. Die Annahme, dass dem BeschwerdefÃ¼hrer gestÃ¼tzt auf eine rechtlich korrekte InvaliditÃ¤tsbemessung ohne Zweifel keine ganze Rente zugesprochen worden wÃ¤re, Ã¼berzeugt deshalb nicht.
4.4     Ebenfalls fraglich erscheint, ob die IV-Stelle den Untersuchungsgrundsatz verletzt hat, indem sie anlÃ¤sslich der Rentenzusprache keine weiteren AbklÃ¤rungen zur depressiven Symptomatik veranlasste. Denn die Schmerzverarbeitungsproblematik sowie die zeitweise von Angst geprÃ¤gte depressive StÃ¶rung standen nach EinschÃ¤tzung der Ãrzte im Rheumatologischen Gutachten des E.___ gegenÃ¼ber dem somatischen Grundleiden im Hintergrund.
5.       Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer WiedererwÃ¤gungsverfÃ¼gung davon aus, dass die Rentenherabsetzung nicht unter Zuhilfenahme der Revisionsbestimmungen gerechtfertigt werden kÃ¶nne (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes Ã¼ber den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, Urk. 2 S. 2), da die Ãrzte im MEDAS-Gutachten zum Schluss gekommen seien, dass sich der Gesundheitszustandes des BeschwerdefÃ¼hrers seit der Operation an der HalswirbelsÃ¤ule im Jahre 2001 nicht verÃ¤ndert habe (Urk. 2 S. 2; vgl. auch Urk. 7/108 S. 58 Ziff. 7.5). Diese ErwÃ¤gungen sind nicht zu beanstanden. Denn die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverÃ¤ndert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die ArbeitsfÃ¤higkeit im ME-DAS-Gutachten stellt fÃ¼r sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar.
6.       Zu Bemerkung Anlass gibt sodann das von der Beschwerdegegnerin angenommene Invalideneinkommen. Die Beschwerdegegnerin stÃ¼tzte sich dabei auf das zuletzt erzielte Einkommen des BeschwerdefÃ¼hrers als Bereichsleiter Verkauf bei der Z.___ Y.___ AG (Urk. 2 S. 3). Der BeschwerdefÃ¼hrer hat indessen seine Arbeitsstelle, bei der er im Jahr 1999 einen Spitzenverdienst von Fr. 154â000.-- erzielte, krankheitsbedingt verloren (Urk. 7/5). Diese Stelle als Bereichsleiter Verkauf kÃ¶nnte er - selbst wenn ihm eine Wiedereingliederung ohne Hilfestellung zugemutet werden kÃ¶nnte - nicht wieder antreten. Nach zehn Jahren Abwesenheit vom Arbeitsmarkt mÃ¼sste das Invalideneinkommen des BeschwerdefÃ¼hrers praxisgemÃ¤ss unter Beizug der TabellenlÃ¶hne gemÃ¤ss Schweizerischer Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, womit im Ergebnis ein erheblich tieferes Invalideneinkommen resultieren dÃ¼rfte.
7.
7.1     AnzufÃ¼gen ist sodann Folgendes: Der BeschwerdefÃ¼hrer war im Zeitpunkt der Rentensistierung 56 Jahre und im Zeitpunkt der RentenwiedererwÃ¤gung 58 Jahre alt und bezog seit August 2000, mithin seit Ã¼ber zehn Jahren, eine ganze Invalidenrente. Er fÃ¤llt damit unter den vom Bundesgericht besonders geschÃ¼tzten BezÃ¼gerkreis (E. 1.3).
7.2     Aufgrund der Aktenlage ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend gemacht, dass sie vor der Renteneinstellung die Frage der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung geprÃ¼ft oder dem BeschwerdefÃ¼hrer diesbezÃ¼glich Hilfeleistungen angeboten hÃ¤tte.
Damit ist den bundesgerichtlich geforderten Voraussetzungen zur Aufhebung von langjÃ¤hrigen Renten nicht GenÃ¼ge getan. Vielmehr muss sich die Beschwerdegegnerin vor der Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente vergewissern, ob sich ein medizinisch-theoretisches LeistungsvermÃ¶gen ohne Weiteres in einem entsprechend tieferen InvaliditÃ¤tsgrad niederschlÃ¤gt oder ob dafÃ¼r eine erwerbsbezogene AbklÃ¤rung (der Eignung, BelastungsfÃ¤higkeit usw.) und/oder die DurchfÃ¼hrung von Eingliederungsmassnahmen im Rechtssinne erforderlich ist. Dieser PrÃ¼fungsschritt zeitigt dort keine administrativen Weiterungen, wo die gegenÃ¼ber der Eingliederung vorrangige Selbsteingliederung direkt zur rentenausschliessenden arbeitsmarktlichen Verwertbarkeit des LeistungsvermÃ¶gens fÃ¼hrt. Das ist namentlich der Fall, wenn bisher schon eine erhebliche RestarbeitsfÃ¤higkeit bestand, so dass der anspruchserhebliche Zugewinn an LeistungsfÃ¤higkeit kaum zusÃ¤tzlichen Eingliederungsbedarf nach sich zieht, vor allem wenn das hinzugewonnene LeistungsvermÃ¶gen in einer TÃ¤tigkeit verwertet werden kann, welche die versicherte Person bereits ausÃ¼bt oder unmittelbar wieder ausÃ¼ben kÃ¶nnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
Davon kann vorliegend keine Rede sein. Der BeschwerdefÃ¼hrer hat - davon geht nunmehr auch die Beschwerdegegnerin aus - in guten Treuen jahrelang die ganze Invalidenrente bezogen und derweil keine ErwerbstÃ¤tigkeit ausgeÃ¼bt, so dass ihm angesichts der jahrelangen Arbeitsabstinenz die Selbsteingliederung auch bei der im MEDAS-Gutachten vom 11. Dezember 2010 attestierten 80%igen ArbeitsfÃ¤higkeit in einer kÃ¶rperlich leichten, wechselbelastenden TÃ¤tigkeit (Urk. 7/108 S. 57 f.) nicht mehr zumutbar ist.
7.3     Auch aus diesen GrÃ¼nden ist die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung nicht aktiv gefÃ¶rdert und den BeschwerdefÃ¼hrer nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet hat. Die Beschwerdegegnerin hat bislang entsprechende Massnahmen unterlassen.
7.4     Dies fÃ¼hrt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass der BeschwerdefÃ¼hrer einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente hat.
8.
8.1     Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhÃ¤ngig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2     Die HÃ¶he der gerichtlich festzusetzenden EntschÃ¤digung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne RÃ¼cksicht auf den Streitwert (Â§ 34 GSVGer in Verbindung mit Art. 61 lit. g ATSG). Es ist dem BeschwerdefÃ¼hrer demnach eine ProzessentschÃ¤digung von Fr. 2â200.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.         In Gutheissung der Beschwerde wird die VerfÃ¼gung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons ZÃ¼rich, IV-Stelle, vom 4. Mai 2011 mit der Feststellung aufgehoben, dass der BeschwerdefÃ¼hrer weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
2.         Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.         Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem BeschwerdefÃ¼hrer eine ProzessentschÃ¤digung von Fr. 2â200.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
-      RechtsanwÃ¤ltin Christine Fleisch
-      Sozialversicherungsanstalt des Kantons ZÃ¼rich, IV-Stelle
-      Bundesamt fÃ¼r Sozialversicherungen
sowie an:
-      Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.         Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes Ã¼ber das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht wÃ¤hrend folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren BegrÃ¼ndung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des BeschwerdefÃ¼hrers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in HÃ¤nden hat (Art. 42 BGG).