# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 17e8f66e-cbde-55a5-aa88-6182a9ae3690
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 14.12.2022 RR.2022.205
**Docket/Reference:** RR.2022.205
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2022-205_2022-12-14

## Full Text

Auslieferung an Deutschland; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Deutschland; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Deutschland; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG);;Auslieferung an Deutschland; Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG)

Entscheid vom 14. Dezember 2022 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Daniel Kipfer Fasciati und Felix Ulrich,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A.,  

vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Schläpfer, 

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung,  

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an Deutschland 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) 

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: RR.2022.205 

Nebenverfahren: RP.2022.46  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 13. Mai 2022 ersuchte das Ministerium der Justiz und für Migration Ba-

den-Württemberg das hiesige Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») 

um Inhaftnahme und Auslieferung des deutsch-brasilianischen Staatsange-

hörigen A. (act. 4.1). Das Gesuch erfolgte zur Vollstreckung des Urteils 

1 Ds 12 Js 8579/18 des Amtsgerichts Waldshut-Tiengen vom 15. Juni 2020. 

Darin wurde A. wegen Computerbetrugs in elf Fällen sowie Erschleichung 

von Leistungen in fünf Fällen, bei einem gesamthaften Deliktsbetrag von 

EUR 2’150.40, zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt 

(act. 4.1, Beilage 1). Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen widerrief mit Be-

schluss 1 BWL 38/21 vom 23. November 2021 die gewährte Strafaussetzung 

zur Bewährung und ordnete die Vollstreckung der Freiheitsstrafe an, weil der 

Beschwerdeführer in der laufenden Bewährungszeit mehrere neue vorsätz-

liche Straftaten begangen habe (act. 4.1, Beilage 2). 

 

 

B. Mit E-Mail vom 22. Juni 2022 ersuchte das BJ die kantonale Staatsanwalt-

schaft Aargau, A. zu einer Einvernahme vorzuladen und zum Auslieferungs-

ersuchen zu befragen. Auf eine Inhaftierung verzichtete das BJ vorläufig 

(act. 4.2). Am 6. Juli 2022 wurde A. in Gegenwart seines Rechtsvertreters, 

Rechtsanwalt Daniel Schläpfer, durch die kantonale Staatsanwaltschaft Aar-

gau zur Sache einvernommen (act. 4.3). Anlässlich dieser Einvernahme 

wurde A. eine Kopie des Auslieferungsersuchens inklusive Beilagen ausge-

händigt (act. 4.3, S. 2). A. verlangte die Durchführung des ordentlichen Aus-

lieferungsverfahrens (act. 4.3, S. 3). Mit schriftlicher Stellungnahme vom 

20. Juli 2022 liess A. beantragen, das Auslieferungsersuchen des Justizmi-

nisteriums Baden-Württemberg sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

abzuweisen (act. 4.4). 

 

 

C. Am 22. September 2022 bewilligte das BJ die Auslieferung von A. an 

Deutschland für die dem Auslieferungsersuchen des Justizministeriums Ba-

den-Württemberg zugrunde liegenden Straftaten (act. 1.4, 4.5). Dieser Ent-

scheid wurde dem Vertreter von A. am 26. September 2022 zugestellt 

(act. 4.6). 

 

 

D. Dagegen liess A. am 26. Oktober 2022 bei der Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts Beschwerde einreichen (act. 1). Er beantragt Folgendes: 

  

- 3 - 

 

 

1.  Es sei der Auslieferungsentscheid des Bundesamts für Justiz vom 22.09.2022, Ge-

schäfts-Nr. B-22-997, aufzuheben; 

2. Es sei darauf zu verzichten, A., geb. […], an Deutschland auszuliefern; 

3.  Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das Bundesamt für Justiz zurückzu-

weisen; 

4.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zzgl. 7.7% MWST, zulasten der Staats-

kasse.  

 

A. stellt zudem die folgenden prozessualen Anträge: 

 

1.  Es sei dieser Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren; 

2. Es sei A. die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm in Person des Un-

terzeichnenden einen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bestellen. 

 

Das BJ übermittelte der Beschwerdekammer am 3. November 2022 auf ent-

sprechendes Ersuchen die Verfahrensakten (act. 3 und 4). Am 7. Novem-

ber 2022 übermittelte die Beschwerdekammer A. das entsprechende Schrei-

ben des BJ vom 3. November 2022 mitsamt Aktenverzeichnis zur Kenntnis 

(act. 5).  

 

Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und die eingereichten Akten 

wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Be-

zug genommen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sind 

primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 

1957 (EAUe; SR 0.353.1), die hierzu ergangenen Zusatzprotokolle vom 

17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und vom 10. November 2010 (ZPIII 

EAUe; SR 0.353.13), welchen beide Staaten beigetreten sind, sowie der Ver-

trag vom 13. November 1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des EAUe 

und die Erleichterung seiner Anwendung (SR 0.353.913.61) massgebend. 

 

Überdies anwendbar sind das Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur 

Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 

(Schengener Durchführungsübereinkommen [SDÜ]; CELEX-Nr. 

42000A0922(02); Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62; Text nicht 

- 4 - 

 

 

publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Website der Schweizerischen 

Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den sektoriellen Abkommen 

mit der EU», 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/european-union/in-

ternational-agreements/008.html) i.V.m. dem Beschluss des Rates 

2007/533/JI vom 12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Betrieb und die 

Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten Generation (SIS 

II), namentlich Art. 26–31 (CELEX-Nr. 32007D0533; Abl. L 205 vom 7. Au-

gust 2007, S. 63–84; abrufbar unter «Rechtssammlung zu den sektoriellen 

Abkommen mit der EU», 8.4 Weiterentwicklungen des Schengen-Besitz-

stands), sowie diejenigen Bestimmungen des Übereinkommens vom 

27. September 1996 über die Auslieferung zwischen den Mitgliedstaaten der 

Europäischen Union (EU-Auslieferungsübereinkommen; CELEX-Nr. 

41996A1023(02); Abl. C 313 vom 23. Oktober 1996, S. 12–23), welche ge-

mäss dem Beschluss des Rates 2003/169/JI vom 27. Februar 2003 (CELEX-

Nr. 32003D0169; Abl. L 67 vom 12. März 2003, S. 25 f.; abrufbar unter 

«Rechtssammlung zu den sektoriellen Abkommen mit der EU», 8.2 An-

hang B) eine Weiterentwicklung des Schengen-Besitzstands darstellen (d.h. 

die Art. 2, 6, 8, 9 und 13 des EU-Auslieferungsübereinkommens sowie des-

sen Art. 1, soweit er für die anderen Artikel relevant ist). Die zwischen den 

Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bilate-

raler oder multilateraler Abkommen bleiben unberührt (Art. 59 Abs. 2 SDÜ; 

Art. 1 Abs. 2 EU-Auslieferungsübereinkommen). 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

finden das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; 

SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale 

Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) An-

wendung (Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt nach 

dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses geringere 

Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 147 II 432 E. 3.1 S. 437 f.; 145 

IV 294 E. 2.1 S. 297; 142 IV 250 E. 3; jeweils m.w.H.). Vorbehalten bleibt die 

Wahrung der Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1 S. 297; 123 II 595 

E. 7c S. 617; TPF 2020 64 E. 1.1 S. 67). Auf Beschwerdeverfahren in inter-

nationalen Rechtshilfeangelegenheiten sind zudem die Bestimmungen des 

Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren 

(Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 

Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts 

anderes bestimmt (siehe Art. 12 Abs. 1 IRSG). 

 

 

  

https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html
https://www.admin.ch/opc/de/european-union/international-agreements/008.html

- 5 - 

 

 

2.  

2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Eröff-

nung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; 

Art. 50 Abs. 1 VwVG).  

 

2.2 Der Auslieferungsentscheid vom 22. September 2022 ist dem Beschwerde-

führer am 26. September 2022 zugestellt worden (act. 4.6), womit die Be-

schwerde am 26. Oktober 2022 fristgerecht erhoben worden ist. Der Be-

schwerdeführer ist als Adressat des Auslieferungsentscheids ohne Weiteres 

zu dessen Anfechtung legitimiert. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grundsätzlich 

mit freier Kognition, befasst sich jedoch nur mit Tat- und Rechtsfragen, die 

Streitgegenstand der Beschwerde bilden (BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 

E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.1/2009 vom 20. März 2009 E. 1.6; 

TPF 2011 97 E. 5). 

 

 

4.  

4.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtli-

chen Gehörs. Er macht geltend, er habe in seiner Stellungnahme vom 

20. Juli 2022 im vorinstanzlichen Verfahren um Einsichtnahme in die voll-

ständigen Verfahrensakten ersucht, da nicht klar sei, ob er anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. Juli 2022 sämtliche Akten des 

Auslieferungsverfahrens in Kopie erhalten habe (vgl. act. 4.4, S. 6). Es liege 

im Bereich des Möglichen, dass der Beschwerdegegner nicht alle Akten, wel-

che er von der deutschen Behörde erhalten hat, an die Staatsanwaltschaft 

Aargau weitergeleitet habe. Der Beschwerdeführer habe Einsicht in «eine 

allfällige Kommunikation mit dem Justizministerium Baden-Württemberg und 

Dokumente, welche eine Abweichung zugunsten des Beschwerdeführers 

darstellen», nehmen wollen. Da der Beschwerdegegner diesem Antrag ohne 

jegliche Begründung nicht nachgekommen sei, habe er das Recht des Be-

schwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, und zwar unabhängig da-

von, ob die Akten vollständig der Staatsanwaltschaft übermittelt worden 

seien (act. 1, S. 7).  

 

4.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Ge-

hör. Dieser ist formeller Natur, d.h. seine Verletzung führt ungeachtet der 

materiellen Begründetheit des Rechtsmittels grundsätzlich zur Gutheissung 

- 6 - 

 

 

der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids 

(BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17 mit Hinweis auf 137 I 195 E. 2.2; vgl. aber auch 

TPF 2008 172 E. 2.3). Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf 

rechtliches Gehör wird im Bereich der internationalen Rechtshilfe in Art. 29 

ff. VwVG sowie, was das Auslieferungsverfahren betrifft, in Art. 52 IRSG und 

Art. 17 IRSV konkretisiert. Art. 52 Abs. 1 IRSG präzisiert bezüglich der Ak-

teneinsicht im Auslieferungsverfahren, dass der verfolgten Person und ihrem 

Rechtsbeistand das Ersuchen und die dazugehörigen Unterlagen vorgelegt 

werden müssen.  

 

4.3 Gemäss dem Einvernahmeprotokoll vom 6. Juli 2022 händigte die kantonale 

Staatsanwaltschaft Aargau dem Beschwerdeführer eine Kopie des Ausliefe-

rungsersuchens inklusive Beilagen aus (act. 4.3, S. 2). Das Einvernahme-

protokoll benennt die übergebenen Beilagen nicht einzeln, da es sich bei der 

verwendeten Formulierung um einen Standardsatz handelt. Auch die E-Mail 

des Beschwerdegegners an die kantonale Staatsanwaltschaft Aargau vom 

22. Juni 2022 benennt die übermittelten Beilagen des Auslieferungsgesuchs 

nicht einzeln (act. 4.2). Allerdings werden im Ersuchen selbst alle Beilagen 

einzeln aufgelistet (siehe act. 4.1). Zudem zitiert der Beschwerdeführer in 

seiner Stellungnahme vom 20. Juli 2022 das Urteil, den Bewährungsbe-

schluss sowie den Widerrufsbeschluss des Amtsgerichts Waldshut-Tiengen, 

womit nachgewiesen ist, dass ihm nebst dem Auslieferungsersuchen auch 

sämtliche dazugehörigen Beilagen übergeben wurden (act. 4.4, S. 2 f.). Es 

ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Akten der Beschwerdeführer einse-

hen will, kann oder muss. Art. 52 Abs. 1 IRSG sieht kein weitergehendes 

Einsichtsrecht in zusätzliche Unterlagen vor. Im Übrigen weist der vorlie-

gende Fall auch keine Besonderheiten auf, die es bedingt hätten, zusätzliche 

Akten anzulegen. Insbesondere bestehen keine Anzeichen für eine vom Be-

schwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift erwähnte «Kommunikation» 

zwischen dem BJ und der ersuchenden Behörde. Dass keine weiteren rele-

vanten Akten vorliegen, hätte der Beschwerdeführer ohne Weiteres dem 

Auslieferungsentscheid entnehmen können. Denn darin führt der Beschwer-

degegner aus, der Antrag auf Akteneinsicht sei «nicht nachvollziehbar», da 

dem Beschwerdeführer bei der Einvernahme das Auslieferungsersuchen 

samt Beilagen bereits ausgehändigt worden seien (act. 4.5, S. 4). Aufgrund 

des Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in voller 

Kenntnis der Aktenlage Beschwerde erheben konnte und ihm eine umfas-

sende Wahrnehmung seiner Verteidigungsrechte möglich war.  

 

Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs kann somit keine Rede sein. 

Die entsprechende Rüge erweist sich als unbegründet.  

  

- 7 - 

 

 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die in Deutschland zu vollziehende 

Freiheitsstrafe von acht Monaten stelle gemessen an den ihm zur Last ge-

legten Straftaten eine unerträglich harte, unmenschliche Strafe dar. Insbe-

sondere betrage der Deliktsbetrag lediglich EUR 2‘150.40, weshalb es sich 

um einen Bagatellfall handle (act. 1, S. 5 f.).  

 

5.2 Die Überprüfung der Strafzumessung rechtskräftiger Strafurteile ist nicht Sa-

che des Auslieferungsrichters (Urteil des Bundesgerichts 1A.265/2003 vom 

29. Januar 2004 E. 2.2). Soweit die Voraussetzungen des EAUe erfüllt sind, 

kann die Rechtshilfe nur verweigert werden, wenn das ausländische Strafur-

teil dem internationalen ordre public widerspräche (vgl. BGE 126 II 324 

E. 4c). Auch die besondere Strenge einer Strafe stellt grundsätzlich kein 

Auslieferungshindernis dar (vgl. BGE 121 II 296 E. 4a S. 299 f.; Urteil des 

Bundesgerichts 1A.135/2005 vom 22. August 2005 E. 3.4). Die Auslieferung 

kann in diesem Zusammenhang nur abgelehnt werden, wenn die Strafe in 

keinem Verhältnis mehr zur Schwere der Straftat und zum Verschulden des 

Täters steht und deshalb als unerträglich harte, unmenschliche Strafe i.S.v. 

Art. 3 EMRK erscheinen würde (Urteil des Bundesgerichts 1A.135/2005 vom 

22. August 2005 E. 3.4). Dass ein Staat eine Tat strafrechtlich anders wür-

digte oder andere Strafrahmen als die Schweiz kennt, stellte denn auch noch 

kein Auslieferungshindernis dar. Aus der EMRK ergibt sich kein Anspruch, 

nach dem Recht des Staates mit der milderen Strafandrohung verurteilt zu 

werden (BGE 129 II 100 E. 3.4; siehe zum Ganzen zuletzt u.a. den Entscheid 

des Bundesstrafgerichts RR.2019.222 vom 9. Oktober 2019 E. 3.3). 

 

5.3  

5.3.1 Dem Beschwerdeführer wird zur Last gelegt, zwischen August und Septem-

ber 2018 mit der EC-Karte seiner ehemaligen Lebensgefährtin an verschie-

denen Geldautomaten insgesamt EUR 2'130.– abgehoben zu haben. Dabei 

habe er gewusst, dass er zur Verwendung der Karte nicht berechtigt war und 

auf das Geld keinen Anspruch hatte. Zuvor habe er die Bankkarte unbemerkt 

aus dem Geldbeutel der Geschädigten entnommen. Zwischen August und 

Oktober 2018 sei der Beschwerdeführer zudem mit öffentlichen Verkehrs-

mitteln der Deutschen Bahn gefahren, ohne jeweils im Besitz eines gültigen 

Fahrausweises zu sein (act. 1.4, S. 3; act. 4.1, Beilage 1).  

 

5.3.2 Der dem Beschwerdeführer zur Last gelegte Sachverhalt weist keine offen-

sichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche auf und ist nach deutschem 

Recht strafbar (act. 4.1, Beilagen 1 und 4). Nach Schweizer Recht kann die-

ser Sachverhalt prima facie unter die Tatbestände des Diebstahls nach 

Art. 139 des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 

- 8 - 

 

 

(StGB; SR 311.0), des betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbei-

tungsanlage nach Art. 147 StGB und des Erschleichens einer Leistung nach 

Art. 150 StGB subsumiert werden. Die verhängte Freiheitsstrafe von acht 

Monaten bewegt sich im unteren Bereich des anwendbaren Strafrahmens 

gemäss den genannten Straftatbeständen im Schweizer Recht, wie der Be-

schwerdegegner zutreffend anführt (act. 1.4, S. 5). Zu berücksichtigen ist 

weiter, dass das Amtsgericht Waldshut-Tiengen mit Beschluss vom 23. No-

vember 2021 die mit Urteil vom 15. Juni 2020 gewährte Strafaussetzung zur 

Bewährung widerrief, weil der Beschwerdeführer in der laufenden Bewäh-

rungszeit mehrere neue vorsätzliche Straftaten begangen habe (act. 4.1, 

Beilage 3). Wie der Beschwerdegegner diesbezüglich ebenfalls zutreffend 

ausführt, hätte der Beschwerdeführer es in der Hand gehabt, die Bewäh-

rungsauflagen einzuhalten und die grundsätzlich als verhältnismässig zu er-

achtende Freiheitsstrafe zu vermeiden (act. 1.4, S. 5).  

 

Eine unerträglich harte, unmenschliche Strafe liegt angesichts des Gesagten 

nicht vor. Auch diese Rüge erweist sich somit als unbegründet. 

 

 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer sieht das Recht auf Achtung des Privat- und Famili-

enlebens nach Art. 8 EMRK verletzt. Zur Begründung führt er mitunter an, er 

sei Vater dreier Kinder im Alter von einem bis fünf Jahren. Seine Lebensge-

fährtin erwarte demnächst das vierte Kind. Das Wohl seiner Kinder sei bei 

einer Auslieferung in höchster Weise gefährdet, weshalb der Auslieferungs-

entscheid aufzuheben und auf die Auslieferung zu verzichten sei (act. 1, 

S. 7).  

 

6.2 Art. 13 Abs. 1 BV gewährleistet jeder Person einen grundrechtlichen An-

spruch auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens. Auch Art. 8 EMRK 

schützt einen solchen menschenrechtlichen Anspruch (Abs. 1). Eine Be-

hörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Eingriff 

gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig 

ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl 

des Landes, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Strafta-

ten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte 

und Freiheiten anderer (Abs. 2). Gemäss ständiger, restriktiver Rechtspre-

chung kann Art. 8 EMRK einer Auslieferung nur ausnahmsweise bei ausser-

gewöhnlichen familiären Verhältnissen entgegenstehen (BGE 129 II 100 

E. 3.5 m.w.H.; TPF 2020 81 E. 2.3.1 S. 85 m.w.H.). 

 

- 9 - 

 

 

6.3 In casu geht es um die Vollstreckung einer achtmonatigen und somit eher 

kurzen Freiheitsstrafe im süddeutschen Raum. Eine Einschränkung des Fa-

milienlebens des Beschwerdeführers kann in Bezug auf den Kontakt mit sei-

ner Familie so wenig wie in jedem andern Straffall vermieden werden, in wel-

chem eine Freiheitsstrafe vollstreckt wird. Die Familie des Beschwerdefüh-

rers wohnt in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze (act. 4.4, S. 5) und 

wird die Möglichkeit haben, ihn zu besuchen und den schriftlichen oder tele-

fonischen Kontakt aufrechtzuerhalten. Die vom Beschwerdeführer geltend 

gemachten Nachteile familiärer Art gehen auch unter Berücksichtigung der 

Situation seiner Lebensgefährtin und dem Alter seiner Kinder nicht wesent-

lich über das bei der Haft des Beschwerdeführers in der Schweiz Übliche 

hinaus. Ein Auslieferungshindernis in Form von aussergewöhnlichen famili-

ären Verhältnissen liegt folglich nicht vor. Die Rüge geht fehl. 

 

 

7. Andere Auslieferungshindernisse wurden weder geltend gemacht noch sind 

solche ersichtlich. Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Deutschland 

ist daher zulässig und die Beschwerde erweist sich in allen ihren Punkten als 

offensichtlich unbegründet, weshalb sie ohne Durchführung eines Schriften-

wechsels abzuweisen ist (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario). 

 

 

8.  

8.1 Der Beschwerdeführer stellt ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.  

 

8.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind 

Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten 

beträchtlich geringer erscheinen als die Verlustgefahren und die deshalb 

kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren 

nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren un-

gefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Mass-

gebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, 

sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Ob 

im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich nach den 

Verhältnissen zur Zeit, zu der das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 

gestellt wird (BGE 142 III 138 E. 5.1 S. 139 f.; 140 V 521 E. 9.1).  

 

- 10 - 

 

 

8.3 Die im vorliegenden Beschwerdeverfahren vorgebrachten Rügen des Be-

schwerdeführers erweisen sich als offensichtlich unbegründet. Anhand des 

oben Ausgeführten muss die Beschwerde als aussichtslos im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG bezeichnet werden. Demzufolge ist das Gesuch des 

Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ab-

zuweisen. Bei der Festsetzung der Gerichtsgebühr kann gemäss Art. 5 des 

Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, 

Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; 

SR 173.713.162) der schwierigen finanziellen Situation des Beschwerdefüh-

rers Rechnung getragen werden. 

 

8.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist 

auf Fr. 500.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG 

sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStKR). 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und um amtliche Verbeiständung 

im Beschwerdeverfahren wird abgewiesen. 

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 15. Dezember 2022 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 
 

- Rechtsanwalt Daniel Schläpfer 

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). Eingaben müssen spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post oder 
einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 48 
Abs. 1 BGG). Im Falle der elektronischen Einreichung ist für die Wahrung einer Frist der Zeitpunkt 
massgebend, in dem die Quittung ausgestellt wird, die bestätigt, dass alle Schritte abgeschlossen 
sind, die auf der Seite der Partei für die Übermittlung notwendig sind (Art. 48 Abs. 2 BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).