# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4f17a146-4044-5001-916d-7c0d78773d52
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-12-20
**Language:** de
**Title:** Polydisziplinäres Gutachten beweiskräftig. Vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bei nicht dislozierter Fraktur an der HWK infolge Autounfalls. In sämtlichen Fachbereichen der Begutachtung wurden Inkonsistenzen (und/oder Aggravation) festgestellt. Beweislosigkeit geht zu Lasten der Beschwerdeführerin. Abweisung Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (keine Bedürftigkeit).
**Docket/Reference:** IV.2024.00233
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00233.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00233
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Curiger
Sozialversicherungsrichter Kübler
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
20. Dezember 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Jonas Steiner
schadenanwaelte AG
Buchserstrasse 18, Postfach, 5001 Aarau 1
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Die 1996 geborene
X.___
(
seit Mai 2023
verheiratet
[Urk. 11/36/11]
), welche eine Ausbildung zur Köchin absolviert und ab dem 1. Dezember 2015 als
Köchin
, zuletzt als stellvertretende Küchenchefin,
tätig war
(Urk. 11/19)
, meldete sich am 15. August 2022 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf einen am 13. März 2022 erlittenen Unfall
mit somatischen Verletzungen
sowie einer posttraumati
schen Belastungsstörung bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 11/14
). Diese tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und zog die Akten des Unfallversicherers bei
, darunter auch das polydisziplinäre Gutachten der
Y.___
GmbH
(kurz:
Y.___
)
vom 15. August 2023
, welches auf Untersu
chungen
in den Fachbereichen Neurologie, Neuropsychologie, Orthopädie-Trau
matologie und Psychiatrie
basiert
(Urk. 11/36/1-48).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 9. November 2023 [Urk. 11/38], Ein
wand vom 17. November 2023 [Urk. 11/40-41]) wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren mit Verfügung vom 5. März 2024 ab (Urk. 2 = Urk. 11/53]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 21. April 2024 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese sei anzuweisen,
ein
neues psy
chiatrisches Gutachten im Einigungsverfahren (Art. 44 ATSG) in Auftrag zu geben. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 1. Mai 2024 legte die Beschwerdeführerin einen Bericht ihres behandelnden Psychotherapeu
ten auf (Urk. 6 und Urk. 7/1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde und nahm zum neu aufgelegten Bericht Stellung (Urk. 10), was der Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom 29. Mai 2024 angezeigt wurde (Urk. 12).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Ren
ten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invaliden
renten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl. Rz. 1008 des Kreisschreibens des Bundes
amtes für Sozialversicherungen zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des line
aren Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend ebenfalls frühestens ab diesem Datum in Betracht fällt
(bei einer Anmeldung am 15. August 2022 [Urk. 11/14])
, sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechtsvorschriften anwendbar.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditätsgrad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % (beziehungsweise von 40-49 %) gelten prozentuale Anteile von 25 bis 47.5 % (Abs. 4).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4
Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je m.w.H.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die Abklärun
gen hätten ergeben, dass keine erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen vorlägen, die sich längerdauernd auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Die von der
Vorsorgeeinrichtung sowie des Unfallversicherers veranlassten Abklärungen seien schlüssig. Aus dem Bericht des Psychotherapeuten ergäben sich keine
Tat
sachen, welche daran etwas ändern
würden
(Urk. 2)
.
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor, das
Gutachten der
Y.___
sei nicht in Kenntnis der Vorakten erstellt worden, insbesondere erfolge keine Auseinandersetzung mit dem von Dr.
Z.___
für die Vorsorgeeinrichtung erstell
ten Gutachten vom 6. Oktober 2022. Die Beschwerdegegnerin habe auch nie einen Bericht
des
behandelnden Psychotherapeuten eingefordert. Entsprechend fehle im Gutachten der
Y.___
auch diesbezüglich eine Auseinandersetzung
. Dasselbe gelte a
uch für die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung. Des Weiteren sei das Gutachten der
Y.___
im Auftrag des Unfallversicherers erstellt worden und damit auf die Prüfung einer durch den Unfall verursachten Arbeitsunfähigkeit beschränkt.
Die begutachtende Psychiaterin habe sodann fest
gehalten, die Entwicklung einer Schmerzverarbeitungsstörung nach Ablauf des Zeitlimits der Anpassungsstörung von 6 Monaten sei angesichts des sehr auffäl
ligen Verhaltens mit Betonung der somatischen Beschwerden eher wahrschein
lich, die Diagnose könne aber noch nicht gestellt werden. Es komme unter Umständen also eine weitere Diagnose hinzu, weshalb die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ein monodisziplinäres Gutachten in der Disziplin der Psychi
atrie in Auftrag zu geben (Urk. 1).
3.
Im polydisziplinären Gutachten der
Y.___
vom 15. August 2023, welches auf neurologischen, neuropsychologischen, orthopädisch-
traumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen basiert
(Urk. 11/36/1)
,
wurde
das Vorliegen von Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verneint (Urk. 11/36/33 f.).
Als
Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
, welche überwiegend wahrscheinlich unfallkausal
sei
,
wurde
ein
Status nach fremd verschuldetem Autoun
f
all auf der Autobahn am 13.
März
2022
erwähnt
mit/bei
(Urk. 11/36/3
3 f.
):
-
Status nach
Kopfpr
e
llung
(ICD-10 S06.9)
mit/bei
-
ohne Bewusstlosigkeit, ohne Nausea, ohne neurologische Auffällig
keiten gemäss initialen
Angaben (Einsatzprotokoll Rettungsdienst
A.___
vom 13.03.2022)
-
MR-Schädel vom 16.03.2022 und CT Schädel vom 21.03.2022
:
Keine Hinweise auf eine
intrakranielle Blutung
-
gegenwärtig keine Hinweise für peripher-neurogene, radikuläre oder zentrale Läsionen
-
bildgebend ohne Hinweise auf eine unfall
be
dingte Hirnläsion
-
ohne plausible unfall
be
dingte neuropsychologische Störung
-
mit posttraumatischem Kopfschmerz (
ICD-10
G44.3, ICHD-3 5.2)
-
Nicht dislozierte Fraktur des Tuberculum anterius des Processus transver
sus HWK
6 links
(ICD-10 S12.24)
mit
ödematösen Veränderungen para
vertebral links Höhe HWK
5
-
HWK
8
[recte wohl: 7]
(03/2022), unter kon
servativer Behandlung folgenlos ausgeheilt
-
ohne
Nachweis einer spinalen Stenose oder spinalen Läsion (MR
I
H
WS vom 22.03.2022)
-
St
atus nach
multiplen Kontusionen Gesicht (ICD-10 T00.0), Thorax (ICD-10 T00.1), obere (
I
CD-10
T00.2) und untere Extremität (ICD-10 T00.3), multiplen oberflächlichen
H
autläsionen an oberer Extremität 03/2022, folgenlos ausgeheilt
-
F43.2 Anpassungsstö
run
g
Als Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, welche überwiegend wahrscheinlich keinen kausalen
Z
usammenhang
zum
Ereignis vom 13. März 2022
hätten, wurden
auf
geführt
(Urk. 11/36/3
4
):
-
St
atus nach
Autounfall am 16.01.2017 mit HWS-Beschleunigungsmechanismus und Kopfprellung
(ICD-10 S13.4)
,
gemäss vorliegende
n
Akten (Bericht Stadtspital
B.___
vom 01.09.2017) ohne objektivierbare
organisch-strukturelle Läsionen
-
c
hronifizierter Rückenschmerz unklarer Ätiologie
(ICD-10 M54.9)
seit mindestens 2019 (Dr.
C.___
,
25.02.2019) mit/bei
-
MRI der BWS vom 28.05.2021: Keine Pathologie im Bereich der BWS sowie der umgebenden Weichteile. Regelrechte Stellung in den Kosto
ve
r
tebralgelenken.
-
CT Thorax inkl. Wirbelsäule vom 10.06.2021: BWS mit leichten dege
nerativen Veränderungen. Leichte Trichterbrus
t
mit anlagebedingt
e
r Sternumrotation, hierdurch Asymmetrie
des anterioren Rippenthorax. Keine post
t
raumatischen Rippenveränderungen.
-
Verdacht auf eine Esss
t
ö
ru
ng
(ICD-10
F50.9)
mit/bei
-
St
atus nach
laparoskopischer Magenbypass-Operation am 27.06.2018 mit einem ansc
hl
iessenden
Gewichtsverlust von 45
kg (Dr.
C.___
, 25.02.2019)
-
Status nach diagnostischer Laparoskopie
(ICD-10 K56.7)
, Konversion zur Laparotomie und Bridenlösung bei
Dünndarmbridenileus auf Höhe der Fusspunktanastomose am 27.12.2019 (Bericht Spital
A.___
vom 21.03.2022)
Die Gutachter hielten fest,
zusammenfassend bestehe auf neurologischem Gebiet ein Zustand nach Kopfprellung ohne nachweisbare neurologische Defizite sowie auf orthopädischem Gebiet ein Zustand nach inzwischen folgenlos verheilter Fraktur des Tuberculum anterius des Processus transversus HWK 6 links. Plau
sible neuropsychologische Defizite lägen nicht vor. Auf psychiatrischem Gebiet
sei
von einer Anpassungsstörung auszugehen
(Urk. 11/36/33).
Die Gutachter führten sodann aus, es bestünden Differenzen zwischen den sub
jektiven Beschwerden und den objektiven Befunden, indem die subjektiv geltend gemachten Beschwerden auf orthopädischem und neurologischem Gebiet nicht erklärbar seien. Zudem ergäben sich sowohl in der orthopädischen als auch in der neurologischen Untersuchung Differenzen, indem die Beschwerdeführerin unbeobachtet bzw. im Spontanverhalten Bewegungen mache, die in der gezielten Untersuchung angeblich schmerzbedingt nicht möglich seien. Auf orthopädi
schem und neurologischem Gebiet bestünden objektivierbar in der klinischen Untersuchung kaum pathologische Veränderungen, abgesehen von subjektiv gel
tend gemachten Schmerzen. Auch bildmorphologisch liessen sich in den vorlie
genden Berichten keine, die aktuellen Beschwerden erklärenden Befunde finden. In der neuropsychologischen Untersuchung zeigten sich erhebliche Differenzen und Inkonsistenzen zwischen Befunden und Spontanverhalten sowie Inkonsis
tenzen und Differenzen in den neuropsychologischen Befunden selbst und auch in der durchgeführten Beschwerden- und Symptom-Validierung. Gemäss den heute gültigen Kriterien zur Bestimmung von Aggravation in einer neuropsycho
logischen Untersuchung (Sherman et a
l.
, 2020) seien im vorliegenden Fall aus neuropsychologischer Sicht sämtliche Kriterien für Aggravation erfüllt. Dies könne auch von psychiatrischer Seite bestätigt werden, indem keine psychische Störung vorliege, die das Verhalten der Beschwerdeführerin und die Inkonsisten
zen erklären würde.
Bei der von psychiatrischer Seite diagnostizierten Anpas
sungsstörung handle es sich um eine eher leichte psychische Beeinträchtigung, die nicht geeignet sei, das Spektrum und den Schweregrad der subjektiv geltend gemachten Beschwerden zu erklären. Eine psychische Störung, die die subjekti
ven Beschwerden der Beschwerdeführerin erklären könnte, liege somit nicht vor. Nach dem Unfall
habe
initial vorübergehend eine gewisse Einschränkung bedingt durch die HWK
6
-
Fraktur
bestanden
, die inzwischen aber stabil verheilt
sei
. Dies
bezüglich
sei
von einer Beschwerdedauer von 6,
maximal 12
Wochen auszuge
h
en
(Erreichen status quo sine)
. Innerhalb dieser Zeit k
önne
auch von einer folgen
losen Abheilung der
Kopfprellung ausgegangen werden, bei allerdings verblei
benden subjektiven Kopfschmerzangaben,
welche
nicht objek
tivierbar seien (Urk. 11/36/34 f.
und Urk. 11/36/36
)
.
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Köchin, wie aber auch in einer angepassten Tätigkeit, zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 11/36/36).
4.
4.1
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG
eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 m.w.H.).
4.2
Es ist
darauf hinzuweisen
, dass sich
das zuhanden der Vorsorgeeinrichtung erstellte vertrauensärztliche Gutachten von Dr. med.
Z.___
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom 6. Oktober 2022
(Urk. 11/25)
nicht in den
beigezogenen
Akten
des
Unfallversicherer
s
findet und dieser auch nicht verpflichtet
war
, die Akten der Vorsorgeeinrichtung beizuziehen
. Es war
die
Beschwerdegegnerin, wel
che das vertrauensärztliche Gutachten
bei
gezogen hat
(vgl. Urk. 11/24)
, was keine Implikationen auf das unfallversicherungsrechtliche Verfahren zulässt
.
Aus die
sem Grund
kann
auch
nicht geschlossen werden
, das Gutachten der
Y.___
sei
nicht in Kenntnis der Vorakten erstellt w
orden
und
verlöre
aus diesem Grund
die Beweiskraft (vgl. das Vorbringen in Urk. 1 Rz. 25-27)
:
Massgebend für die Gut
achter waren die Vorakten des Unfallversicherers und nicht diejenigen der Inva
lidenversicherung.
Es trifft sodann nicht zu
, dass das vom Unfallversicherer veranlasste Gutachten
in casu
für die Invalidenversicherung nicht verwertbar wäre (Urk. 1 Rz. 30). Die Gutachter beschränkten sich nicht bloss auf die Einschätzung der unfallkausalen Arbeits(un)fähigkeit, sondern äusserten sich auch zur Arbeitsfähigkeit unter Ausschluss unfallkausaler Faktoren und gelangten zum Schluss, es lägen keine Dia
gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor, welche überwiegend wahr
scheinlich ohne kausalen Zusammenhang zum Ereignis vom 13. März 2022 seien (Urk. 11/36/34).
4.3
Abgesehen vom vorstehend Gesagten
ergibt sich aus dem vertrauensärztlichen Gutachten von Dr.
Z.___
keine relevante Divergenz
zum Gutachten der
Y.___
.
Dr.
Z.___
hielt
fest, bei der Beschwerdeführerin habe sich nach dem Hochrasanz
trauma auf der Autobahn am 13. März 2022 ein anhaltendes therapierefraktäres Schmerz-/Beschwerdebild mit Gangunsicherheit, Schwindel, Kopf-/Nacken
schmerzen, Rückenschmerzen, einer Schulter-/Armfunktionsstörung links sowie Kribbelparästhesien linksseitig entwickelt. Die eingeleiteten Therapiemassnahmen seien bisher ohne Erfolg gewesen. Seit dem 13. März 2022 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 11/25/14). Die durchgeführten Abklärungen hätten bis anhin keine somatische Ursache für die anhaltenden Beschwerden ergeben. Weder die ambulanten Therapien (Physiotherapie, medikamentöse Schmerz
therapie) noch die stationäre Rehabilitation hätten zu einer Regredienz der Symp
tome geführt, sodass der Verdacht auf eine funktionelle Beschwerdesymptomatik
geäussert worden sei.
Zum sicheren Ausschluss einer somatischen Ursache sei jedoch eine nochmalige neurologische und
elektro
physiologische Abklärung empfohlen. Eine ambulante Psychotherapie, bei Verdacht auf eine Anpassungs
störung nach akuter Belastungssituation, DD auf eine posttraumatische Belas
tungsstörung, sei aufgenommen worden, wie auch der Einsatz von Psychophar
maka. Aus Gutachtersicht fänden sich aktuell keine Hinweise
auf
eine Berufsun
fähigkeit (Urk. 11/25/18 f.). Sollte die Beschwerdeführerin bis April 2023 ihre Arbeitstätigkeit nicht wieder aufgenommen haben, empfehle sich eine Nachun
tersuchung (Urk. 11/25/20).
D
ies
e Ausführungen
zeig
en
, dass
Dr.
Z.___
, welche keine abschliessende Beur
teilung vornahm,
zum Zeitpunkt ihrer Beurteilung
auf die Berichte der behan
delnden Fachärzte abstellte, welche aus somatischer Sicht
keinen Grund für eine
längerfristige Arbeitsunfähigkeit
finden
konnte
n
.
Dass sie
die Dauer der
nach dem Unfallereignis eingetretenen vorübergehenden
Arbeitsunfähigkeit
etwas länger einschätzte als die Gutachter der
Y.___
(vgl. das Vorbringen in Urk. 1 Rz. 27)
, erweist sich dabei als
irrelevant.
4.4
In somatischer Hinsicht konnten die Gutachter
keine Befunde erheben, welche eine
längerdauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würden
.
Stattdessen fielen I
nkonsistenzen auf.
So wurde im Gutachten festgehalten, eine orthopädische Untersuchung des Bewegungsapparates sei bei der Beschwerdefüh
rerin aufgrund ihres Verhaltens mit unzureichender Kooperation und massiven geltend gemachten Beschwerden und Funktionseinschränkungen praktisch nicht möglich gewesen. Eine gewisse Aggravation erscheine zumindest möglich, wie sie bei der Untersuchung des linken Ellbogens anzunehmen sei. Hier werde aktiv bei gezielter Aktivierung eine Flexion von 90° erreicht und bei Ablenkung oder unbewusster Bewegung eine solche von über 130°. Anhand der radiologischen Befunde liessen sich keine, die Beschwerden erklärenden Befunde auf orthopädi
schem Gebiet finden. Auch in der klinischen Untersuchung sei nicht zu erkennen, weshalb bei der Versicherten solch erhebliche Bewegungseinschränkungen und Kraftminderungen vorliegen sollten. Eine orthopädische Ursache für einen fast schon Ganzkörper-Schmerz könne im orthopädischen Fachbereich nicht gefun
den werden, ebensowenig eine unfallkausale Ursache auf orthopädischem Gebiet, wenngleich eine erhebliche Dekonditionierung anzunehmen sei (Urk. 11/36/25). Klinisch-neurologisch sei, soweit beurteilbar, von einem unauffälligen Hirn
nervenstatus auszugehen; eine dedizierte Schwindeluntersuchung gelinge bei fehlendem Mitwirken und Schmerzüberlagerungen jedoch nicht. Der Reflexstatus sei seitengleich mittellebhaft und ohne Seitendifferenzen erhältlich, Pyramiden
bahnzeichen lägen nicht vor. In motorischer Hinsicht finde sich eine Minder
innervation linkskorporal, wobei bei wiederholter Aufforderung letztlich eine volle Kraftentfaltung gegen Widerstand möglich sei. Erweiterte Stand- und Gang
versuche gelängen nur mit erheblicher Unterstützung. Die beklagten Konzentra
tions- und Merkfähigkeitsstörungen würden sich während der Exploration nicht widerspiegeln (Urk. 11/36/26). Die Gangstörung, die beklagten Missempfindun
gen und sämtliche Einschränkungen im Alltag seien nicht nachvollziehbar. Es sei von einer erheblichen funktionellen Ausweitung und Symptomverdeutlichung auszugehen (Urk. 11/36/27). Diese Beurteilung erweist sich als schlüssig und vermag zu überzeugen
und steht den Beurteilungen der behandelnden Fachärzte auch nicht entgegen.
Die Gutachter gingen aus organisch-struktureller Sicht vom Erreichen des Status quo sine spätestens 12 Wochen nach dem Ereignis vom 13. März 2022
aus
(Urk. 11/36/36), was
ebenfalls
nachvollziehbar erscheint.
Damit
ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin
nach einer vorübergehenden
(unfallbedingten)
Arbeitsunfähigkeit von weniger als einem Jahr (vgl. die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch in E. 1.3)
aus somatischer Sicht in
der bisherigen
Tätigkeit
als Köchin wieder
zu 100
% arbeitsfähig ist
.
4.
5
4.5.1
Zur
neuropsychologische
n
Untersuchung
wurde
im Gutachten der
Y.___
fest
gehalten, es bestünden diverse
I
nkonsisten
zen
und nicht plausible
Ergebnisse
in den jetzt
erhobenen neuropsychologischen Bef
u
nden, und die
jetzt dur
c
hg
eführte Beschwerden
- und Symptomvalidierung w
erde
in eindeutiger
Weise
nicht bestan
den (alle 4
durchgeführten Beschwerden- und Symptomvalidierungstes
ts
fielen
auffällig
aus). Aufgrund dieser Inkonsistenzen und nicht plausiblen Befunde k
önne
aus n
e
uropsychologischer
Sicht in Bezug auf den Unfall vom 13.
März
2022 eine unfallbedingte neuropsychologische Störung nicht
mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit begründet werden, zumal auch die neurolo
gische Grundlage fehl
e
, um eine genuine unfallbedingte neuropsychologische Störung zu postulieren.
Das Verhalten der Versicherten und die neuropsycholo
gischen Befunde s
eien
am ehesten als Ausdruck
von Aggravation zu interpretie
ren
(Urk. 11/36/28).
Während der psychiatrischen Untersuchung fiel sodann auf, dass die Versicherte im Gespräch vital gewirkt habe, in normaler Zeit habe Antwort geben können, also keine Rede-Antwort-Verzögerungen aufgetreten seien. Dies kontrastiere mit der Messung der Reaktionsgeschwindigkeit (TAP-Alertn
e
ss) in der neuropsycho
logischen Untersuchung. Sobald der Ehemann den Raum betreten habe, um sie
einmal auf das WC und am Ende der Untersuchung aus dem Raum in den Auf
enthaltsraum zu begleiten, habe sie sich mimisch und g
e
stisch deutlich leidender gezeigt, sei sehr langsam aufgestanden, habe angegeben, sie habe starken Schwindel, wobei die Blickrichtung der Augen beim Absitzen gegenüber der Untersucherin keinerlei aussergewöhnliche Bewegungen (Nystagmus),
und sich
auch keine sonstigen vegetativen Begleitsymptome wie Wechsel der Hautfarbe, Nachlassen der allgemeinen Körperspannung etc. gezeigt hätten. Dieses Verhalten sei mit der subjektiven Einschätzung, dass sie eine Schwangerschaft jederzeit austragen könnte, nicht vereinbar (Urk. 11/36/30).
Die diagnostischen Kriterien einer posttrauma
t
isch
e
n Belastungsstörung s
eien
gemäss ICD-10 nic
ht erfüllt.
Die Versicherte schilder
e
den Unfall ohne besondere emotionale Regung (d.h. ohne Zeichen einer
vegetativen Übererregbarkeit mit Vigilanzsteigerung) in adäquater Weise, und es l
ägen
keine sich
aufdrängenden Erinnerungen an den Unfall (Flash
backs) vor. Es lieg
e
kein Meideverhalten vor, und es
besteh
e
auch keine Gleich
gültigkeit gegenüber anderen Menschen. Initial (Austrittsbericht der Ch
iru
r
gie
Spital
A.___
vom 21.
März
2022 und Austrittsbericht Klinik für Traumato
logie
D.___
vom
22.
März
2022) h
ä
tten Symptome einer posttrauma
t
isch
e
n psy
chischen Störung im Sinne einer akuten Belastungsr
e
ak
t
ion bestanden mit Angs
t
symptomatik, nächtlichen Intrusionen sowie Ein- und Durch
schlafstörungen, inzwischen besteh
e
diese Symptomatik nicht mehr, sondern
sei
übergegangen in die
zuvor genannte Anpassungsstörung, analog der Beurteilung im Bericht der
E.___
vom
10.
Mai
2022. Es hand
le
sich bei der Anpassungsstörung um eine eher leichte psychische Beeinträchtigung, die für sich allein genommen keine Arbeitsunfähigkeit rechtfertig
e (Urk. 11/36/31)
.
Die Gutachter gelangten betreffend den psychischen Gesundheitszustand zum Schluss, es seien aus neuropsychologischer Sicht sämtliche Kriterien für Aggra
vation erfüllt. Dies könne auch von psychiatrischer Seite bestätigt werden
,
indem keine psychische Störung vorliege, die das Verhalten der Versicherten und die Inkonsistenzen erklären würde (Urk. 11/36/34 f.).
4.5.2
E
s
ist
Teil der gutachterlichen Aufgabe, den erhobenen Befund anhand der Klinik kritisch zu überprüfen und dessen Auswirkungen bei der Untersuchung und im Alltag detailliert darzulegen. So darf der oder die medizinische Sachverständige die Angaben des Exploranden im Rahmen der klinischen Untersuchung nicht vorbehaltlos als richtig ansehen. Bestandteil einer stichhaltigen Begutachtung bilden unter anderem Angaben zum ärztlich beobachteten Verhalten, Feststellun
gen über die Konsistenz der gemachten Angaben wie auch Hinweise, welche zur Annahme von Aggravation führen können
(Urteil des Bundesgerichts 8C_149/2022 vom 19.
Januar 2023 E.
6.1 mit Hinweisen).
Besteht im Einzelfall
Klarheit darüber, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeut
lichenden Verhaltens klar überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Ver
halten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurück
zuführen wäre, fällt eine versicherte Gesundheits
schädigung ausser Betracht und ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_324/2015 vom 23. Dezember 2015 E. 3.2 mit Hinweis auf
BGE 141 V 281 E.
2.2.2
und
BGE 127 V 294 E.
5a ).
Die
Feststellung von Aggravation, Simulation oder Somatisierung
ist – betreffend den psychischen Gesundheitszustand –
grundsätzlich Sache des psychiatrischen Facharztes
(Urteil des Bundesgerichts 9C_658/2018 vom 11. Januar 2019 E. 4.1.2)
.
Auch d
ie Diagnosestellung
ist
Sache des (begutachtenden) Mediziners. Als Folge dessen kann eine fachärztliche Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nur gestützt auf eine ebenfalls fachärztlich abweichende Beurteilung entkräftet werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_584/2018 vom 13. November 2018 E. 4.1.1.2 mit Hinweisen)
. Über eine
solche
(fach)ärztliche Qualifikation verfügt d
er
Psychotherapeut
lic. phil. I
F.___
indessen nicht.
Seine Einwände (Urk. 11/40 und Urk. 7/1) sowie die darauf abgestützten Einwände der Beschwerdeführerin (Urk. 1 Rz. 29) vermögen die fachärztlich erstellte Expertise daher nicht in Zweifel zu ziehen, zumal die begutachtende Psychiaterin nachvollziehbar herleitete, weshalb die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie von lic. phil. I
F.___
postuliert, nicht gestellt werden könne
(E. 4.5.1)
.
Auffällig ist überdies, dass lic. phil. I
F.___
unter anderem auch eine rezidivierende depressive Störung mittleren Grades «diagnostizierte» (Urk. 7/1), obwohl die Beschwerdefüh
rerin eine Depressivität anlässlich der Begutachtung bei der
Y.___
ausdrücklich verneinte (vgl. die nachstehende E. 4.5.3).
Die von ihm genannten Diagnosen schliessen sich zudem teilweise gegenseitig aus (so z.B. die posttraumatische Belastungsstörung und die Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung [Urk. 7/1, vgl. ICD-10, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, Aus
führungen zu F62.0, S. 287]).
Ferner scheint lic. phil. I
F.___
das
Validierungsverfahren bei neuropsychologischen Untersuchungen
zu verkennen
, wenn er zu bedenken gibt, die mangelhafte Konzentration und Aufgabenbewäl
tigung decke sich mit den Aussagen der Beschwerdeführerin über ihre Alltags
aktivitäten (Urk. 7/1). Wie bereits erwähnt
,
ist es Aufgabe der Gutachter,
die Angaben de
r zu untersuchenden Person
nicht vorbehaltlos als richtig an
zu
sehe
n.
Bei der Validierung der Testleistungen mussten die Gutachter unter anderem fest
stellen, dass die stark verlangsamten Reaktionszeiten eine schwere hirnorgani
sche Beeinträchtigung voraussetzten, um als plausibel zu gelten, was bei der Beschwerdeführerin jedoch nicht der Fall sei (Urk. 11/36/27) – und abgesehen davon konnte eine solche Verlangsamung bei der psychiatrischen Untersuchung auch nicht beobachtet werden. Inwiefern der Beweiswert des Gutachtens der
Y.___
dadurch geschmälert werden soll
, dass die Beschwerdegegnerin keine Berichte des behandelnden Psychologen ein
holte
(Urk. 1 Rz. 28)
, lässt sich somit nicht nachvollziehen
, zumal die psychiatrische Gutachterin sowohl Kenntnis der psychotherapeutischen Behandlung als auch der in diesem Rahmen erhobenen Diagnose hatte (vgl. Urk. 11/18/201, Urk. 11/23/2) und sich damit in der Folge auch auseinandersetzte (Urk. 11/36/28 f.)
.
Auch
zielt der Hinweis darauf, die psychiatrische Untersuchung habe lediglich 1 Stunde und 21 Minuten gedauert (Urk. 1 Rz 12; vgl. Urk. 11/36/20), ins Leere. Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (Urteil des Bundesgerichts 8C_127/2022 vom 8. Juli 2022 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die Dauer der psychiat
rischen Exploration unterliegt grundsätzlich der Fachkenntnis und dem Ermes
sensspielraum des Experten (Urteil des Bundesgerichts 8C_262/2021 vom 10. September 2021 E. 5.2.1 mit Hinweisen)
und ist vorliegend nicht zu bean
standen.
4.5.3
Die
gutachterliche
Beurteilung vermag zu überzeugen
, gab die Beschwerdeführe
rin doch selbst an, sie schätze sich nicht als depressiv ein. Sie habe Antrieb, Lebensfreude und sehe für sich eine Zukunft, auch wenn es nun etwas länger dauern könnte, bis ihr Körper sich von dem Unfall erholen werde. Alle würden hoffen, dass es ihr besser gehe, und sie wolle dies auch, aber wenn der Köper mehr Zeit brauche, dann akzeptiere sie dies. Sie müsse Geduld haben und warten, bis er (der Köper) bereit sei, wieder zu funktionieren (Urk. 11/36/29).
Diskrepant dazu ergab sich
aber
nicht bloss
kein objektivierbarer Grund
dafür
, weshalb ihr Körper nicht funktionieren sollte
, sondern es
imponierte bei sämtlichen Untersu
chungen ein verdeutlichendes oder gar aggravatorisches Verhalten
.
In diesem Zusammenhang erweist sich
auch
der Hinweis der begutachtenden Psychiaterin, das Verhalten der Beschwerdeführerin sei mit der subjektiven Einschätzung, sie könnte jederzeit eine Schwangerschaft austragen, nicht vereinbar (Urk. 11/36/30), mehr als berechtigt.
Ein paar
Monate nach der psychiatrischen Untersuchung vom 19. Juli 2023 (Urk. 11/36/1) wurde die Beschwerdeführerin denn auch schwanger, was sich aus dem am 21. Mai 2024 unterzeichneten For
mular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit ergibt, gemäss welchem sie sich
zu diesem Zeitpunkt (21. Mai 2024)
in der 30. Schwangerschaftswoche befinde (Urk. 14).
An dieser Stelle
ist
darauf hinzuweisen,
dass
die Beschwerde
führerin, welche
ihren Angaben zufolge
unter starken Beschwerden leidet,
während der Schwangerschaft
die Mehrzahl der angegebenen
Medikamente (Urk. 11/36/46-48)
nicht einnehmen
durfte
, stell
t
eine Schwangerschaft
bei
den
meisten
Medikamenten
(insb. Mydocalm Filmtabl 150 mg, Novalgin Filmtabl 150 mg, Ibuprofen Mylan Ret Filmtabl 800 mg, Lixim Patch 70 mg, Pregabalin Mepha Kaps 100 mg,
Zolpidem-Mepha Teva Lactab 10
mg
,
P
antoprazol
Sandoz Filmtabl 40
mg
,
E
scitalopram
Sandoz Filmtabl 20
mg
) doch
eine Kontraindika
tion dar (vgl. www.compendium.ch)
.
4.5.4
Die Beschwerdeführerin wies darauf hin, die begutachtende Psychiaterin habe ausgeführt, die Entwicklung einer Schmerzverarbeitungsstörung nach Ablauf des Zeitlimits der Anpassungsstörung von 6 Monaten sei angesichts des sehr auffäl
ligen Verhaltens mit Betonung der somatischen Beschwerden eher wahrschein
lich, die Diagnose könne aber noch nicht gestellt werden.
Daraus folgerte die Beschwerdeführerin, es
komme hier unter Umständen eine weitere Diagnose hinzu, was sich notorisch auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auswirken könne (Urk. 1 Rz. 31
; vgl. auch Urk. 11/36/31
).
Es trifft zu, dass sich die Gutach
terin entsprechend äusserte.
Doch angesichts der festgestellten
Inkonsistenzen und/oder
der
Aggravation in sämtlichen Untersuchungen erweist
sich
diese
Pro
gnose
als sehr wohlwollend
, und es ist nicht einzusehen, was sich an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den blossen Zeitablauf ändern sollte.
Gemäss BGE 142 V 106 E.
4.4 sind bei psychischen Leiden die geltend gemachten Funktionseinschränkungen anhand einer sorgfältigen Plausibilitätsprüfung zu bestätigen oder zu verwerfen. Die materielle Beweislast für eine Invalidität liegt bei der versicherten Person
(Urteil des Bundesgerichts 8C_491/2023 vom 25. März 2024 E. 4.3.3)
.
Es kann
offen bleiben, ob von einem Ausschlussgrund nach BGE 141 V 281 E.
2.2.1 auszugehen ist
oder nicht
. So oder anders führen
– unabhängig der gestellten Diagnose –
die
im
Gutachten festgestellten Aggravationstendenzen und Inkonsistenzen im Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
zum Ergebnis, dass ein erhebliches psychisches Krankheitsgeschehen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden k
ann
.
Diese Beweislosigkeit geht zu Lasten de
r
Beschwerdeführer
in
(
Urteil des Bundes
gerichts 8C_288/2024 vom 29. Oktober 2024 E. 8.7 mit Hinweisen
).
4.5.5
Das Gutachten der
Y.___
vermag somit auch betreffend den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu überzeugen, und es ist von keiner
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden psychischen Erkrankung
auszugehen.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1), wie dies hier der Fall ist.
Auch erübrigen sich weitere Abklärungen, insbesondere eine nochmalige psychiatrische Begut
achtung.
4.6
Zusammengefasst erfüllt d
as Gutachten der
Y.___
sämtliche Kriterien eines be
weiskräftigen Beweismittels (E. 1.5), und es ist
gestützt
darauf
davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung des somatischen sowie des psychischen Gesundheitszustandes die bisherige Tätigkeit als Köchin
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
zu 100 % zumutbar ist.
5.
Die
angefochtene Verfügung
erweist sich
daher
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3 BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 11. Januar 2021 E. 1).
Bedürftig ist eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit
sind
einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse
zu berücksichtigen
(Urteil 9C_423/2017 vom 10.
Juli 2017 E.
2.1 mit Hinweisen).
Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgelt
lichen Rechtsvertretung geht der Unterhaltspflicht aus Familienrecht nach; erst wenn alle diese Mittel zur Finanzierung des Prozesses nicht ausreichen, ist die Mittellosigkeit gegeben (BGE 142 III 36 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 4A_250/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 2.3).
Das hiesige Gericht gewährt
Ehegatten praxisgemäss beim Vermögen einen Frei
betrag von Fr. 20'000.--.
Beide Ehegatten
zusammen
verfügten per 21. Mai 2024 über ein Bankguthaben von rund Fr. 30'000.--, wobei keine Schulden aufgeführt wurden und ein Vermögensverzehr aufgrund einer Gegenüberstellung der Aus
gaben und Einnahmen nicht geltend gemacht wurde (Urk. 14 und Urk. 15/2). Dementsprechend
ist ein freier Vermögensbetrag von rund Fr. 10'000.-- anzu
rechnen, womit
keine Bedürftigkeit ausgewiesen und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen
ist
.
6.2
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu beurtei
len war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen und ausgangsgemäss
der
unterliegenden
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht beschliesst:
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um
Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung und unentgeltlichen Rechtsvertretung wird abgewiesen
,
und erkennt sodann:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Jonas Steiner
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der beschwerdeführenden Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
PhilippMuraro