# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 282db212-1fdf-5e15-ac85-4cc99f14f279
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.12.2022 E-1880/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1880-2022_2022-12-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1880/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylrecht (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 18. März 2022 / N (…). 

 

 

 

E-1880/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 5. Juli 2021 in der Schweiz um Asyl 

nach.  

A.b Am 8. Juli 2021 wurde sie zu ihren Personalien befragt (Personalien-

aufnahme, nachfolgend PA). Anlässlich der Befragungen vom 20. Septem-

ber 2021 (Erstbefragung, nachfolgend EB), 31. Januar 2022 (1. ergän-

zende Anhörung, nachfolgend 1. EA) und 7. März 2022 (2. Ergänzende 

Anhörung, nachfolgend 2. EA) machte sie im Wesentlichen Folgendes gel-

tend: 

Sie sei muslimischen Glaubens, gehöre dem (…)-Clan an und sei in 

B._______ geboren. Als Kleinkind sei sie mit ihren Eltern und der jüngeren 

Schwester nach C._______ umgezogen, wo sie bis einige Monate vor ihrer 

Ausreise aus Somalia stets im selben Quartier wohnhaft gewesen seien. 

Ihren Vater habe sie bereits im Alter von (…) Jahren verloren. Ihre Mutter 

sei danach mit einem Onkel väterlicherseits verheiratet worden, welcher 

somit auch ihr Stiefvater sei. Sie habe weder eine herkömmliche Schule 

noch eine Koranschule besucht und sei bis kurz vor ihrer Ausreise Haus-

frau gewesen. Die letzten Wochen vor der Ausreise habe sie als (…) für 

eine Familie in Mogadischu gearbeitet. Mit (…) Jahren sei sie religiös ver-

heiratet worden und habe in den Jahren (…), (…) und (…) drei Töchter 

geboren.  

Der Grund für ihre Flucht aus Somalia seien ihr Mann und ihr Onkel gewe-

sen. Beide hätten ihr schlimme Dinge angetan. Ihr Onkel habe sie gegen 

(…) 2002 beschneiden lassen, sie immer wieder misshandelt und geschla-

gen und sie schliesslich im Alter von (…) Jahren gegen ihren Willen ver-

heiratet. Von ihrem Mann sei sie von Beginn an schlecht behandelt worden. 

Sie sei oft zu ihrer Familie geflohen, ihr Onkel habe sie aber immer wieder 

zu ihrem Mann zurückgeschickt. Bereits vor ihrer Flucht aus dem gemein-

samen Haus habe ihr Mann ihre älteste Tochter beschneiden lassen. Da er 

auch die jüngeren Töchter habe beschneiden lassen wollen, habe sie ihn 

schliesslich zusammen mit den drei Kindern verlassen. Zunächst habe sie 

sich eine Weile bei ihrer Freundin aufgehalten, bevor deren Vater sie an 

einen Mann in Mogadischu vermittelt habe, für welchen sie zuletzt gearbei-

tet habe. Nachdem sie der Ehefrau ihres Arbeitgebers ihre Geschichte er-

zählt habe, habe ihr Arbeitgeber ihr bei der Ausreise geholfen. 

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Seite 3 

Ihr Vater sei von Mitgliedern des (...)-Clans getötet worden, weil diese in 

seinen Einkaufstaschen Geld vermutet hätten. Davor habe er jedoch – ge-

nau wie sie – nie Probleme mit den Clanangehörigen von (...) gehabt. Zu-

dem seien auch ihre Mutter bereits im Jahr (...) sowie ihre jüngere Schwes-

ter im Jahr (...) gestorben. 

Im Falle einer Rückkehr nach Somalia fürchte sie sich vor ihrem Onkel und 

einer Wiederverheiratung. 

Sie habe Somalia am (...) 2019 auf dem Luftweg erlassen und sei mit ihrem 

Arbeitgeber in die Türkei geflogen. Von da an sei sie alleine nach Griechen-

land weitergereist. Mithilfe anderer Somalis sei sie nach über einem Jahr 

in Griechenland nach Italien gelangt und dort mit einem Bus Richtung 

Deutschland gereist. Bei der versuchten Grenzüberquerung nach Deutsch-

land am (...) 2021 sei sie aufgehalten und in die Schweiz zurückgewiesen 

worden, wo sie tags darauf ein Asylgesuch gestellt habe.  

Erst auf dem Weg in die Schweiz habe sie vernommen, dass ihr Mann bei 

einem [Unfall] ums Leben gekommen sei. Auch habe sie vor einiger Zeit 

von ihrer Freundin – bei welcher sie ihre Töchter zurückgelassen habe – 

erfahren, dass ihr Onkel bei ihr aufgetaucht sei und ihre Töchter zu sich 

genommen habe.  

A.c Die Beschwerdeführerin reichte Fotos ihrer drei Töchter ein. 

B.  

Zwecks Herkunftsabklärung wurde mit der Beschwerdeführerin am 27. Ok-

tober 2021 eine Lingua-Befragung durchgeführt. Die auf dieser Grundlage 

erstellte Lingua-Analyse vom 9. Dezember 2021 bestätigte ihre angege-

bene Herkunft und Sozialisierung in C._______/Südsomalien. 

C.  

Mit Verfügung vom 18. März 2022 – eröffnet am 23. März 2022 – verneinte 

die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin (Dispo-

sitivziffer 1) und lehnte ihr Asylgesuch ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig 

verfügte sie ihre Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3), deren 

Vollzug sie wegen Unzumutbarkeit jedoch zugunsten einer vorläufigen Auf-

nahme aufschob (Dispositivziffern 4-6). 

D.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 22. April 2022 be-

antragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung vom 

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Seite 4 

18. März 2022 in den Dispositivziffern 1 bis 3, die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung in Bezug auf die Dis-

positivziffern 1 bis 3. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

und Art. 102m Abs. 1 Bst. c (recte: Bst. a) AsylG inklusive Kostenvor-

schussverzicht sowie die amtliche Verbeiständung der rubrizierten Rechts-

vertreterin. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2022 hiess der zuständige Instrukti-

onsrichter die Gesuche der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung und amtlicher Rechtsverbeiständung gut, ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte die rubri-

zierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin der Beschwerdefüh-

rerin ein. Gleichzeitig lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehm-

lassung ein. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 29. Juni 2022 äusserte sich die Vorinstanz zu 

den Beschwerdevorbringen und stellte fest, dass die Beschwerdeschrift 

keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche 

eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. An den Erwägun-

gen im Asylentscheid werde vollumfänglich festgehalten. 

G.  

In ihrer Replik vom 4. August 2022 hielt die Beschwerdeführerin an ihren 

Beschwerdevorbringen fest und ersuchte um antragsgemässe Gutheis-

sung ihrer Beschwerde.  

H.  

Mit Eingabe vom 31. August 2022 reichte die Beschwerdeführerin eine 

ärztliche Bestätigung vom (...) August 2022 zu den Akten. Aus dieser geht 

hervor, dass die Beschwerdeführerin nach FGM (Female Genital Mutila-

tion) Klassifikation Typ III beschnitten ist.  

I.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

25. April 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG). 

  

E-1880/2022 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG), weshalb das Urteil 

nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

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Seite 6 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz befand die Vorbringen der Beschwerdeführerin für un-

glaubhaft (Art. 7 AsylG). Es sei der Eindruck entstanden, dass sie dem 

SEM Informationen über ihre Biographie und ihre Lebensumstände vor der 

Flucht absichtlich vorenthalte. Ihre Lebensumstände in der Obhut ihres On-

kels seien anhand der wenigen von ihr gemachten Angaben nicht nachvoll-

ziehbar. Auch habe sie nichts von Substanz über ihre angebliche Trauung 

zu berichten gewusst. Ihr Zusammenleben mit ihrem Ehemann habe sie 

ebensowenig anschaulich schildern können wie ihr Leben bei ihrem Onkel. 

Insgesamt erschöpften sich ihre Schilderungen über ihre rund (...) Zwangs-

ehe in einigen wenigen Sätzen. Die Schilderungen betreffend ihre Flucht 

zu ihrer Freundin seien ebenfalls substanzlos ausgefallen. Sodann sei es 

zu diversen (zeitlichen) Widersprüchen gekommen. Ferner erstaune ihre 

Entscheidung zur Ausreise ohne ihre Töchter, zumal sie diese ja vor einer 

drohenden Beschneidung hätte retten wollen. Auch erschienen ihre Anga-

ben zu den dargelegten Umständen ihrer Ausreise – finanziert und organi-

siert durch eine ihr grundsätzlich fremde Drittperson – konstruiert. Gesamt-

haft betrachtet habe sie nicht glaubhaft machen können, von ihrem Onkel 

misshandelt, unterdrückt und gegen ihren Willen verheiratet worden zu 

sein. Auch habe sie ihre Lebensumstände bei ihrem inzwischen verstorbe-

nen Ehemann und ihre Flucht vor diesem nicht glaubhaft machen können. 

Nicht zuletzt seien die von ihr geschilderten Reisemodalitäten anzuzwei-

feln.  

Hinsichtlich ihrer Beschneidung führte die Vorinstanz aus, dass sie Kennt-

nis davon habe, dass in Somalia 98 Prozent der Frauen im Alter von 15-49 

Jahren von FGM betroffen seien und dass die Mehrheit der somalischen 

Mädchen deren schlimmste Form – FGM/C Typ III – hätten erleiden müs-

sen. Ihre Beschneidung habe bedauerlicherweise bereits stattgefunden. 

Eine drohende erneute Genitalverstümmelung im Fall einer Rückkehr habe 

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sie nicht geltend gemacht. Selbst wenn sie eine solche geltend gemacht 

hätte, wäre diese im Lichte der Unglaubhaftigkeit ihrer Vorfluchtgründe zu 

betrachten. Obwohl es tragisch sei, dass sie beschnitten worden sei, liege 

keine begründete Furcht vor einer zukünftigen Beschneidung vor. Das 

Asylrecht diene nicht dazu, in der Vergangenheit erlittenes Unrecht wieder-

gutzumachen. Ihre diesbezüglichen Vorbringen hielten daher den Anforde-

rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

5.2  

5.2.1 Zur Begründung ihrer Beschwerde äusserte sich die Beschwerdefüh-

rerin zunächst zur Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, welche entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz zahlreiche Realkennzeichen enthalte. Die Vor-

instanz habe nicht gewürdigt, dass sie nicht nach westlichen Bildungsvor-

stellungen systematisch ausgebildet worden und nicht redegewandt sei. 

Anlässlich aller Befragungen erschienen die protokollierten Aussagen über 

weite Strecken – auf Nachfragen – ausgiebig und in gleichbleibender Qua-

lität. Die vom SEM angeführten mutmasslichen Widersprüche beträfen 

nicht die zentralen Fluchtgründe und seien auch nicht derart gravierend, 

als dass sie die überwiegende Glaubhaftigkeit ihrer Darstellungen erschüt-

tern könnten. Ihre Stellung und ihre finanziellen Möglichkeiten hätten ihr 

zudem nicht erlaubt, zusammen mit ihren Töchtern nach Europa zu fliehen, 

weshalb sie sie bei der Freundin habe zurücklassen müssen.  

Da die Beschwerdeführerin gegen die FGM eingestellt sei und ihren Töch-

tern diese habe ersparen wollen, müsse davon ausgegangen werden, dass 

sie aufgrund dieser Haltung von ihrem Onkel, dem Familienoberhaupt, ver-

folgt würde. Auch dies habe sie durch ihre glaubhaften diesbezüglichen 

Aussagen deutlich gemacht. Damit habe sie begründete Furcht vor zukünf-

tiger asylrelevanter Verfolgung und ihr sei Asyl zu gewähren. 

In ihrer konkreten sozialen Situation laufe sie zudem Gefahr, im Hinblick 

auf ihre erneute Zwangsverheiratung refibuliert (oder auch Reinfibulation: 

erneutes Verschliessen einer Infibulation nach Defibulation) zu werden, 

was ebenfalls zu Asyl führen müsse. Auch wenn sie dies im Hinblick auf 

ihre eigene Person so nicht expliziere, könne diesbezüglich von allgemei-

nen Erkenntnissen ausgegangen werden. 

5.2.2 Ihren Eventualantrag begründete die Beschwerdeführerin zum einen 

damit, dass die Vorinstanz die Asylrelevanz des Sachverhalts nicht geprüft, 

habe, dass sie Töchter in Somalia habe und diese zwecks Vermeidung der 

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Seite 8 

FGM in die Schweiz bringen möchte. Zum anderen müsse untersucht wer-

den, ob sie aufgrund des Erlebten (FGM, Zwangsheirat, häusliche Gewalt, 

FGM an einer Tochter) nicht aus zwingenden Gründen im Sinne der des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) Asyl erteilt werden müsste. In diesem Zusammenhang 

seien laut Bundesverwaltungsgericht vorab traumatisierende Erlebnisse zu 

betrachten, die es der betroffenen Person angesichts erlebter schwerwie-

gender Verfolgungen, insbesondere Folterung, im Sinne einer Langzeit-

traumatisierung psychologisch verunmöglichten, ins Heimatland zurückzu-

kehren. Das tatsächliche Erleiden der FGM und insbesondere das Erdul-

den der Beschneidung an der eigenen Tochter bei vehementer Ablehnung 

der Praxis dürfte durch die Betroffene als Folter wahrgenommen werden. 

Auch dieser Aspekt sei bei einer eventuellen Rückweisung zu prüfen. 

5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, die Beschwerde-

schrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, wel-

che eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Die auf Be-

schwerdeebene geäusserte Angst vor Refibulation sei erstaunlich, habe 

die Beschwerdeführerin während den drei Anhörungen diese Furcht doch 

nicht in Worte fassen können und nicht gewusst, wovor sie sich bei einer 

allfälligen Rückkehr in den Heimatstaat eigentlich konkret fürchte. Wäre sie 

respektive ihre Töchter effektiv einer Beschneidungsgefahr ausgesetzt ge-

wesen, hätte sie wohl bereits unmittelbar nach ihrer Ankunft in Griechen-

land ein Asylgesuch eingereicht. Die Tatsache, dass sie nachweislich be-

reits am (...) 2019 illegal in Griechenland eingereist sei, dort aber kein Asyl-

gesuch eingereicht und dann über eineinhalb Jahre bis zum Asylgesuch in 

der Schweiz zugewartet habe, obwohl sich ihre Töchter im Heimatland in 

angeblich akuter Gefahr befunden hätten, sei nicht nachvollziehbar. Zudem 

dränge sich die Vermutung auf, dass ihrer Ausreise nach Europa asyl-

fremde Motive zugrunde lägen.  

Weitere Abklärungen seien nicht angezeigt. An der Genitalverstümmelung 

zweifle das SEM nicht, da 98% der Frauen in Somalia beschnitten seien. 

Eine ärztliche Untersuchung wäre nur angezeigt gewesen, wenn die Be-

schwerdeführerin eine grundsätzliche Furcht vor Beschneidung geltend 

gemacht hätte. Da das SEM aber die ursprüngliche Beschneidung nicht 

angezweifelt habe, habe es auch keinen Anlass zu einer Untersuchung be-

züglich einer allfälligen Furcht vor Refibulation gesehen. Dies insbeson-

dere deshalb, weil sie eine solche im Verfahren nicht geltend gemacht 

habe.  

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Seite 9 

Weiter äusserte sich das SEM zu den Beschwerdeargumenten hinsichtlich 

der Glaubhaftigkeit der Vorbringen und wies darauf hin, dass wie bereits in 

der Anhörung ein Verweis auf die Protokolle der deutschen Polizei ange-

bracht sei und sich dort durchaus auch etwas Wahres finden dürfte. 

Die Beschwerdeführerin gehöre den (...) an, einem Minderheitenclan. Hier-

bei sei zu beachten, dass einige (...)-Gruppen sehr gut in die (...)-Clanfa-

milie (ein Mehrheitsclan) integriert seien. Ob dies bei ihr zutreffe sei 

schwierig abzuschätzen, genauso wie die Existenz allfälliger männlicher 

Familienmitglieder. Sie habe dem SEM eine Prüfung allfälliger vorhande-

ner Schutzmechanismen in Somalia de facto verunmöglicht, da nicht klar 

sei, ob sie nicht doch Familienangehörige habe, die sie nicht erwähnt habe. 

Diesbezüglich sei auf die Polizeibefragung in Deutschland zu verweisen, 

gemäss welcher sie einen Mann in Südafrika habe und für welchen sie, 

genauso wie für ihre Kinder, ein besseres Leben ermöglichen wolle. Wei-

tere Abklärungen erwiesen sich aufgrund der als nicht glaubhaft taxierten 

Vorfluchtgründe als nicht notwendig.  

5.4 In ihrer Replik äusserte sich die Beschwerdeführerin zunächst zum Vor-

wurf der Vorinstanz, sie habe ihre Angst vor der Refibulation erst spät kon-

kretisieren können. Dies rühre daher, dass das Thema sehr stark scham-

behaftet sei und es ihr nicht möglich gewesen sei, sich zu explizieren, ohne 

direkt darauf angesprochen worden zu sein. Dies sei eher spät im Verfah-

ren erfolgt, da hierfür ein gewisses Vertrauensverhältnis notwendig sei. Im-

merhin habe sie von Anfang an konstant deutlich gemacht, vor wem sie 

Angst habe, nämlich vor ihrem Onkel. Dieser würde sie – so die realistische 

Befürchtung – erneut zwangsverheiraten und hierfür auch refibulieren las-

sen. Auch wenn ihr die Vorinstanz einzelne Vorbringen nicht glaube, sei 

der Sachverhalt umfassend und insbesondere gemäss den von der ge-

richtlichen Praxis vorgegebenen Beurteilungskriterien abzuklären. Sie be-

tone erneut, dass es ihre finanzielle Situation und ihr Status nicht ermög-

licht habe, zusammen mit den Töchtern zu fliehen. Sie habe sich nicht vor-

stellen können, dass die Flucht insgesamt sowie die Verfahren in der 

Schweiz so viel Zeit in Anspruch nehmen würden. In Griechenland habe 

sie nämlich einen Versuch unternommen, Asyl zu beantragen. Ihr sei da-

mals aber erst für das Jahr 2023 ein Entscheid in Aussicht gestellt worden. 

Zudem habe sie Informationen anderer Gesuchstellenden geglaubt, wo-

nach der Familiennachzug aus Griechenland praktisch unmöglich sei.  

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Seite 10 

Sie habe sodann am (...) August 2022 eine frauenärztliche Untersuchung 

hinsichtlich der Beschneidung. Dabei dürfte die Art der Beschneidung, wel-

che – anders als das SEM festhalte – für die Frage der Gefahr der Refibu-

lation relevant sei, geklärt werden.  

Hinsichtlich der Protokolle der Vernehmung durch die deutsche Polizei sei 

zu wiederholen, dass sie desbezüglich nicht unter Wahrheitspflicht gestan-

den habe und deshalb – anders als das SEM behaupte – gerade nicht auf 

eine solche aufmerksam gemacht worden sei. Die Ermahnung betreffe 

ausschliesslich die Angaben zur Person. Erneut sei darauf hinzuweisen, 

dass die Vernehmung in Arabisch geführt worden sei, dessen sie nicht wirk-

lich mächtig sei.  

Schliesslich werde hinsichtlich ihrer Clan-Zugehörigkeit darauf hingewie-

sen, dass der aktuelle Präsident dem (...)-Clan angehöre und dass im 

neuen Parlament keine (...)-Vertreter sässen. Ihre Clanzugehörigkeit helfe 

ihr nicht. Insbesondere habe sie keine männlichen Beschützer.  

6.  

Die Beschwerdeführerin macht verschiedene formelle Rügen geltend. 

Diese sind vorab zu prüfen, da sie begründetenfalls geeignet wären, eine 

Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

 

6.1 Das Verwaltungs- beziehungsweise Asylverfahren wird vom Untersu-

chungsgrundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Behörde 

hat von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechts-

erheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwendigen 

Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzuklären 

und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Für das erstinstanzliche 

Asylverfahren bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen 

Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflich-

tet ist und auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der 

asylsuchenden Person sprechen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung 

dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter 

belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sach-

verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den 

Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für 

die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die 

Behörde ist jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement um-

fangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind 

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Seite 11 

vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als an-

gezeigt erscheinen. Alle erheblichen Parteivorbringen sind sodann zu prü-

fen und zu würdigen, wobei sich das Ergebnis der Würdigung in der Ent-

scheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 35 

Abs. 1 VwVG). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der 

gesetzlichen Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG und Art. 8 

AsylG). 

Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26-33 VwVG konkreti-

sierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst alle Befugnisse, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur Geltung 

bringen kann. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, 

die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent-

scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und 

fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der 

konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begrün-

dung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebe-

nenfalls sachgerecht anfechten kann, weshalb die für den Entscheid be-

deutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt werden müssen (vgl. 

BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 

6.2 Zunächst ist festzuhalten, dass weibliche Genitalverstümmelung eine 

Form geschlechtsspezifischer Gewalt darstellt, die sowohl psychisches wie 

physisches Leiden zur Folge hat und einer asylrelevanten Verfolgung 

gleichkommt (vgl. ausführlich dazu E-3512/2019 vom 27. Juli 2020 E. 8.2.4 

sowie auch bereits BVGE 2014/27). Die Rechtsprechung hat hinsichtlich 

der Gefahr einer Refibulation bei einer Rückkehr nach Somalia verschie-

dene Beurteilungskriterien erarbeitet (interne Vertreibung, Typus der Be-

schneidung, Vorhandensein eines männlichen Beschützers, Zugehörigkeit 

zu einem starken Clan; vgl. hierzu an Stelle vieler BVGE 2014/27 E. 5 f. 

und Urteil des BVGer E-3512/2019 vom 27. Juli 2020 E. 8.2). Anhand die-

ser Kriterien hat die Vorinstanz Abklärungen zur Gefahr einer Refibulation 

zu tätigen.  

6.3 Vorliegend wurde die Genitalverstümmelung beziehungsweise Infibu-

lation im vorinstanzlichen Verfahren mehrfach thematisiert. Die Beschwer-

deführerin hat sich im Rahmen der Anhörung an zahlreichen Stellen zu ih-

rer eigenen Genitalverstümmelung (und derjenigen ihrer ältesten Tochter) 

geäussert (vgl. vorinstanzliche Akten […]-34/13 [nachfolgend act. 34] F67, 

88-90, F98 ff., F107, F135-173). Mittlerweile liegt eine ärztliche Bestätigung 

über eine FGM Typ III vor (vgl. vorstehend Bst. H). Die Beschwerdeführerin 

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Seite 12 

führte an der Anhörung überdies aus, seit der Geburt ihrer Kinder nicht 

mehr so zugenäht zu sein wie am Anfang (vgl. act. 34 F172). Daraufhin 

wurde sie – offensichtlich im Hinblick auf eine allenfalls drohende Refibu-

lation – gefragt, ob für sie diesbezüglich im Falle einer Rückkehr eine Ge-

fahr bestehe (vgl. a.a.O. F173) respektive ob sie im Hinblick auf eine er-

neute Verheiratung etwas befürchte (vgl. a.a.O. F174 f.). Beide Fragen be-

antwortete sie zwar, vermochte allerdings ihre Befürchtungen nicht zu kon-

kretisieren und führte aus, sie wisse nicht, was sie alles erwarte und dass 

sie mit der Angst lebe respektive dass sie eigentlich nicht mehr heiraten 

wolle (vgl. a.a.O. F173-176). 

Es kann im Resultat offenbleiben, ob diese Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin – entsprechend der Ansicht der Vorinstanz – vorliegend gegen eine 

konkrete Befürchtung vor Refibulation sprechen. Eine Auseinandersetzung 

mit den von der Kasuistik entwickelten Risikofaktoren hat von Amtes we-

gen und daher ungeachtet einer entsprechenden Äusserung zu erfolgen, 

wenn aufgrund der Akten davon auszugehen ist, dass die beschwerdefüh-

rende Person effektiv beschnitten wurde (eine ärztliche Untersuchung der 

Beschwerdeführerin im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens wurde 

von der Vorinstanz als nicht nötig erachtet). Eine solche Prüfung fehlt in 

der angefochtenen Verfügung. Selbst auf Vernehmlassungsstufe – nach-

dem die Beschwerdeführerin in der Beschwerde explizit vorbrachte, im Hin-

blick auf die ihr drohende erneute Zwangsverheiratung eine Refibulation 

zu befürchten – enthält sich das SEM einer solchen Prüfung mit dem Argu-

ment, die Beschwerdeführerin habe diese Furcht zu spät geltend gemacht. 

Angesichts der nunmehr ärztlich bestätigten Beschneidung vom Typ III 

wäre das SEM unabhängig der Frage nach der Glaubhaftigkeit ihrer übri-

gen Vorbringen verpflichtet gewesen, die Gefahr einer allfälligen Refibula-

tion zu prüfen, zumal sie aufgrund der Geburt ihrer Kinder «nicht mehr so 

zugenäht wie am Anfang» sei (vgl. act. 34 F172) und die konkrete Befürch-

tung geäussert hat, im Falle einer Rückkehr erneut zwangsverheiratet zu 

werden. Unklar ist überdies, ob sie in ihrer Ablehnung der Beschneidung 

durch einen männlichen Beschützer oder ihren Clan allenfalls unterstützt 

respektive geschützt würde. Diesbezüglich räumte die Vorinstanz in ihrer 

Vernehmlassung unter Hinweis auf die Verletzung der Mitwirkungspflicht 

ein, dass sowohl die Frage nach der Integration ihres Minderheitenclans in 

den (...)-Mehrheitsclan als auch die Existenz allfälliger männlicher Famili-

enmitglieder respektive Beschützer «schwierig abzuschätzen» sei. Hin-

sichtlich ihrer Clanzugehörigkeit kann der Beschwerdeführerin jedoch nicht 

vorgeworfen werden, ihre Mitwirkungspflicht verletzt zu haben, zumal es 

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auch anlässlich der Lingua-Befragung keinen Anlass gab, an ihren diesbe-

züglichen Angaben zu zweifeln. Die Beschwerdeführerin gehört damit ei-

nem Minderheitenclan an. Ob und wie stark dieser an ihrem Herkunftsort 

effektiv mit einem Mehrheitsclan in Verbindung steht und inwiefern dies 

hinsichtlich des Schutzes von Frauen vor Beschneidung eine Rolle spielt, 

ist ungeklärt. In jedem Fall wäre eine vertiefte Auseinandersetzung der er-

wähnten Rechtsprechung zu frauenspezifischen Fluchtgründen gemäss 

BVGE 2014/27 in Bezug auf die persönlichen Umstände der Beschwerde-

führerin sowie insbesondere der Problematik der Beschneidung bezie-

hungsweise Defibulation und einer drohenden Refibulation erforderlich ge-

wesen (vgl. beispielhaft Urteile BVGer E-4200/2018 vom 14. Juli 2020, 

E. 6.4.; E-4577/2018 vom 20. Oktober 2020, E. 4).  

Insgesamt ist daher festzustellen, dass die Vorinstanz, indem sie sich hin-

sichtlich der Gefahr einer allfälligen Refibulation nicht mit den genannten 

Risikofaktoren auseinandergesetzt und hierzu auch keine weiteren Abklä-

rungen getätigt hat, die Begründungspflicht sowie die Pflicht zur vollständi-

gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts und damit das rechtli-

che Gehör der Beschwerdeführerin verletzt hat.  

6.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese mit verbindlichen Weisungen an 

die Vorinstanz zurück. Eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des 

Sachverhaltes führt grundsätzlich – das heisst ungeachtet der materiellen 

Auswirkungen – zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Eine Kas-

sation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist insbesondere an-

gezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen. Die in diesen 

Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch 

das Bundesverwaltungsgericht selbst hergestellt werden, wenn dies im 

Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint (vgl. 

BVGE 2012/21 E. 5). Das Gericht kann und soll aber die Grundlagen des 

rechtserheblichen Sachverhalts nicht gleichsam an Stelle der verfügenden 

Verwaltungsbehörde erheben, zumal die Partei bei einem solchen Vorge-

hen eine Instanz verlieren würde. Dies ist vorliegend der Fall, zumal zur 

rechtsgenügenden Erstellung des Sachverhaltes – und der korrekten Ein-

schätzung der Gefahr einer Refibulation – zusätzliche Abklärungen not-

wendig sein werden (u.A. Stand der FGM Typ III nach Geburt dreier Kinder, 

effektive Clanstruktur und Schutzmöglichkeiten sowie Vorhandensein 

männlicher Beschützer) und die hierauf basierende Würdigung der Vor-

instanz sodann nach den erwähnten Risikofaktoren zu erfolgen hat. Insge-

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Seite 14 

samt liegen hinsichtlich der Gefahr einer Refibulation der Beschwerdefüh-

rerin im Falle einer Rückkehr nach Somalia zu wenig gesicherte Anhalts-

punkte für einen materiellen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts 

vor.      

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde im Sinne der Erwägungen im 

Eventualbegehren gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 

18. März 2022 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts und anschliessenden Neubeurteilung 

unter Berücksichtigung der erwähnten Risikofaktoren an das SEM zurück-

zuweisen. Das SEM wird hierzu weitere Abklärungen in geeigneter Form 

(vgl. Ausführungen in vorstehender Erwägung) tätigen müssen. Hierbei 

steht es der Vorinstanz auch offen, Erkenntnisse aus dem erwähnten Pro-

tokoll der deutschen Polizei weiter abzuklären und in ihre weiteren Überle-

gungen einzubeziehen beziehungsweise mit angemessener Begrün-

dungsdichte in einen neuen Entscheid einfliessen zu lassen.   

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). Damit ist die mit Zwischenverfügungen vom 10. Mai 

2022 gewährte unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos geworden. 

9.  

Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in An-

wendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Der in der Kostennote vom 4. August 2022 ausgewiesene zeitliche Auf-

wand von 14 Stunden erscheint indes als zu hoch und ist um 2 ½ Stunden 

zu kürzen. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung ist 

demnach auf insgesamt Fr. 2353.– (inkl. Auslagen) festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 18. März 2022 wird aufgehoben und die Sa-

che zur neuen Beurteilung und Entscheidung an das SEM zurückgewie-

sen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2353.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori