# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 544879ed-35e4-5271-880d-6b0154f2b48d
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-12-02
**Language:** de
**Title:** AdBlue: Verfügung vom 2. Dezember 2019
**Docket/Reference:** AdBlue_Verf%C3%BCgung%20vom%202
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2020/adblue_verfuegung_vom_2._dezember_2019.pdf.download.pdf/AdBlue_Verf%C3%BCgung%20vom%202.%20Dezember%202019.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung  
vom 2. Dezember 2019 

in Sachen 

Untersuchung 22-0485 gemäss Art. 27 KG 
betreffend 

AdBlue 
wegen unzulässiger Wettbewerbsabrede gemäss Art. 5 KG 

gegen 

Brenntag Schweizerhall AG, Elsässerstrasse 231, 4002 Basel 

vertreten durch RA Klaus Neff, Vischer AG, Schützengasse 1, 8021 
Zürich 

und 

Bucher AG Langenthal, Bern-Zürichstrasse 31, 4900 Langenthal 

vertreten durch RA Martin Hütte und RA Christian Bernegger, Hüt-
teLAW AG, Postfach 1435, 6301 Zug 

Besetzung 

Andreas Heinemann (Präsident, Vorsitz), 
Danièle Wüthrich-Meyer (Vizepräsidentin), Armin Schmutzler 
(Vizepräsident), 
Florence Bettschart-Narbel, Nicolas Diebold, Winand Emons, 
Clémence Grisel Rapin, Andreas Kellerhals, Pranvera Këllezi, 
Isabel Martínez, Rudolf Minsch.  

22-00061/COO.2101.111.3.404403 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A. 

Verfahren .................................................................................................................... 3 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 3 
A.2.  Prozessgeschichte ....................................................................................................... 4 

B. 

Erwägungen ............................................................................................................... 7 

B.1.  Geltungsbereich ........................................................................................................... 7 
B.2.  Parteien/Verfügungsadressatinnen .............................................................................. 7 
B.3.  Vorbehaltene Vorschriften ........................................................................................... 7 
B.4.  Unzulässige Wettbewerbsabrede................................................................................. 7 
B.4.1  Wettbewerbsabrede ................................................................................................ 8 
B.4.1.1.  Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken ........................................................... 8 
B.4.1.2.  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung .................................. 9 
B.4.1.3.  Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen ............. 10 
B.4.1.3.1.  Verhältnis Brenntag – Bucher ............................................................................ 10 
B.4.1.3.2.  Verhältnis Brenntag – Lieferantin von AdBlue ................................................... 13 
B.4.1.4.  Abrededauer ......................................................................................................... 17 
B.4.2.  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs ............................................................. 17 
B.4.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 18 
B.4.3.1.  Relevante Märkte .................................................................................................. 19 
B.4.3.2.  Qualitative Beeinträchtigung des Wettbewerbs ..................................................... 20 
B.4.3.3.  Quantitative Beeinträchtigung des Wettbewerbs ................................................... 20 
B.4.3.4.  Fazit ...................................................................................................................... 21 
B.4.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen ..................................................................... 21 
B.4.5.  Ergebnis ................................................................................................................ 21 
B.5.  Massnahmen – einvernehmliche Regelung ............................................................... 22 

C. 

D. 

E. 

Kosten ...................................................................................................................... 24 

Ergebnis ................................................................................................................... 25 

Dispositiv ................................................................................................................. 26 

22-00061/COO.2101.111.3.404403  

2 

 
 
 
 
 
 
A. 

 Verfahren 

A.1.  Gegenstand der Untersuchung 

Fokus der Untersuchung 

Durch eine Selbstanzeige1 der Bucher AG Langenthal (nachfolgend: Bucher) erhielt das 
1. 
Sekretariat  der  Wettbewerbskommission  (nachfolgend:  Sekretariat)  Anhaltspunkte,  dass  Bu-
cher und die Brenntag Schweizerhall AG (nachfolgend: Brenntag) beim Vertrieb des Flüssig-
harnstoffs AdBlue in der Schweiz Kundinnen und Kunden untereinander aufgeteilt haben. Das 
Sekretariat eröffnete daher am 21. November 2017 im Einvernehmen mit dem Präsidenten der 
Wettbewerbskommission (nachfolgend: WEKO) eine Untersuchung gemäss Art. 27 KG2 gegen 
Bucher und Brenntag sowie deren konzernmässig verbundenen Gesellschaften (nachfolgend 
zusammen: Untersuchungsadressatinnen oder auch Parteien). Mit der Untersuchung sollte ge-
prüft  werden,  ob  die  Untersuchungsadressatinnen  eine  unzulässige  Wettbewerbsabrede  im 
Sinne von Art. 5 Abs. 3 Bst. c KG getroffen haben.3 In einem fortgeschrittenen Verfahrenssta-
dium brachte Brenntag vor, dass sie von der Yara International ASA (nachfolgend: eine Liefe-
rantin von AdBlue) zum Vertrieb von AdBlue in der Schweiz ermächtigt und als alleinige Vertrei-
berin von AdBlue in der Schweiz eingesetzt worden sei und gewissermassen «als verlängerter 
Arm der Produzentin» von AdBlue agiere (siehe unten, Rz 17).4 In der Folge wurde das Ver-
hältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue und dessen rechtlichen Konsequen-
zen  geprüft.  Eine  abschliessende  Beurteilung  dieses  Verhältnisses  hätte  zusätzliche  Ermitt-
lungsmassnahmen bedingt. Letztlich wurde auf weitere diesbezügliche Ermittlungen verzichtet 
(siehe unten, Rz 71 f.). Es ist deshalb nicht nachgewiesen, dass die absatzseitige Kundenauf-
teilung unzulässig im Sinne von Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG ist (siehe unten, Rz 76 ff.).   

Untersuchungsadressatinnen 

Brenntag handelt mit chemischen und pharmazeutischen Produkten.5 Sie ist die Schwei-
2. 
zer Landesgesellschaft der Brenntag AG mit Sitz in Deutschland. Im Jahr 2006 hat Brenntag 
(oder damals «Chemische Fabrik Schweizerhall») als erste Anbieterin in der Schweiz mit dem 
Vertrieb von AdBlue begonnen.6 Seit […] ist Brenntag durch ihre Schwestergesellschaft Brenn-
tag […] Vertreterin einer Lieferantin von AdBlue mit Sitz in Norwegen und zuständig für den 
Vertrieb von AdBlue unter der Marke Air1 in der Schweiz.7 

Bucher ist im Handel mit und in der Herstellung von Schmiermitteln und chemisch-tech-
3. 
nischen Produkten tätig8 und gehört zur Motorex-Bucher Group AG.9 Seit 2014 bezieht Bucher 
AdBlue von Brenntag und vertreibt das Produkt unter der Marke MOTOREX in der Schweiz.10  

1   Act. 1; act. 6; act. 8. 
2   Bundesgesetz  vom  6.10.1995  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen  (Kartellge-

setz, KG; SR 251).  

3   Act. 14 und 15. 
4   Act. 78a.  
5   Act. 13, 123 Rz 8, 1. Lemma. 
6   Act. 43, Rz 36.  
7   Act. 87, Beilage 1. 
8   Act. 12. 
9   Act. 59. 
10   Act. 1, 4; <https://www.motorex.com/de-ch/car-line/additive/motorex-adblue/> (10.10.2019). 

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AdBlue 

4. 
AdBlue ist eine wässrige Harnstofflösung, die den Ausstoss von Stickoxiden (NOx) bei 
Dieselmotoren reduziert. Mit AdBlue können die Abgase um bis zu 90 % reduziert werden. Die 
Flüssigkeit ist technisch normiert (ISO 22241-1). Erfüllt ein Anbieter diese Norm, kann er mit 
dem in Berlin ansässigen Verband der Automobilindustrie e.V11, dem Inhaber der Individual-
marke «AdBlue®», eine Lizenzvereinbarung treffen, um diesen Markennamen verwenden zu 
dürfen. 

A.2.  Prozessgeschichte 

5. 
Am  10.  Juli  2017  reichte  Bucher  beim  Sekretariat  eine  Selbstanzeige  im  Sinne  von 
Art. 49a Abs. 2 KG ein12 und ergänzte diese auf Nachfragen des Sekretariats13 mit Eingaben 
vom 14. September 201714 und 5. Oktober 201715.  

6.  Gestützt darauf eröffnete das Sekretariat am 21. November 2017 im Einvernehmen mit 
dem Präsidenten der WEKO eine Untersuchung gemäss Art. 27 KG gegen Bucher und Brenn-
tag sowie deren jeweils konzernmässig verbundenen Gesellschaften.16  

7. 
Am 21. November 2017 teilte das Sekretariat Bucher im Einvernehmen mit dem Präsi-
denten der WEKO mit, dass es die Voraussetzungen nach Art. 8 Abs. 1 SVKG17 für den Erlass 
der Sanktion hinsichtlich der im Rahmen der Selbstanzeige und deren Ergänzungen gemel-
deten Sachverhalte als gegeben erachte (Art. 9 Abs. 3 lit. a SVKG).18  

Auf die SHAB-Publikation der Untersuchungseröffnung vom 5. Dezember 201719 mel-
8. 
deten sich keine Dritten, die sich im Sinne von Art. 43 Abs. 1 lit. a KG mit Parteistellung am 
Verfahren beteiligen wollten.  

Am 18. Dezember 2017 nahmen Unternehmensvertreter von Brenntag in den Räumlich-

9. 
keiten des Sekretariats Einsicht in die Selbstanzeige von Bucher.20 

10.  Am 15. Januar 2018 präsentierte das Sekretariat Vertretern von Brenntag sein vorläufi-
ges  Beweisergebnis.  Das  vorläufige  Beweisergebnis  wurde  Brenntag  mit  Schreiben  vom 
22. Januar 2018 in schriftlicher Form mit Gelegenheit zur Stellungnahme zugestellt. Gleichzei-
tig stellte das Sekretariat Fragen zum Sachverhalt.21  

11.  Am 17. Januar 2018 präsentierte das Sekretariat das vorläufige Beweisergebnis Vertre-
tern von Bucher. Bucher signalisierte bei dieser Gelegenheit ihr Interesse am Abschluss einer 
einvernehmlichen Regelung mit Kurzverfügung. Mit Schreiben vom 22. Januar 2018 übermit-
telte das Sekretariat Bucher die Rahmenbedingungen der Verhandlungen über eine einver-
nehmliche Regelung (Rahmenbedingungen EVR), stellte ihr das vorläufige Beweisergebnis in 

11   <https://www.vda.de/de/verband/ueber-den-verband.html> (10.10.2019). 
12   Act. 1. 
13   Act. 3 und 7.  
14   Act. 6. 
15   Act. 8. 
16   Act. 14 und 15. 
17   Verordnung  vom  12.3.2004  über  die  Sanktionen  bei  unzulässigen  Wettbewerbsbeschränkungen 

(KG-Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5). 

18   Act. 16. 
19   Act. 23. 
20   Act. 28; act. 29; act. 30. 
21   Act. 31. 

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schriftlicher Form mit Gelegenheit zur Stellungnahme zu und stellte Fragen zum Sachverhalt. 22 
Am 8. Februar 2018 bzw. 15. Februar 2018 unterzeichneten Bucher bzw. das Sekretariat die 
einvernehmliche Regelung.23 Die vom Sekretariat gestellten Fragen beantwortete Bucher mit 
Eingabe vom 13. Februar 2018.24 

12.  Am 3. April 2018 nahm Brenntag zum vorläufigen Beweisergebnis des Sekretariats Stel-
lung und beantwortete die vom Sekretariat im Schreiben vom 22. Januar 2018 gestellten Fra-
gen.25  

13.  Gestützt auf die Stellungnahme von Brenntag unterbreitete das Sekretariat Bucher am 
17. April  2018  Nachfragen  zur  Selbstanzeige,26  welche  Bucher  mit  Schreiben  vom 
14. Mai 2018 beantwortete.27 

14.  Nachdem das Sekretariat am 24. Mai 2018 beiden Untersuchungsadressatinnen Akten-
einsicht gewährt hatte28 und der Rechtsvertreter von Brenntag am 1. Juni 2018 in den Räum-
lichkeiten des Sekretariats Einsicht in die Selbstanzeige von Bucher genommen hatte,29 fand 
am 5. Juli 2018 ein weiteres Gespräch zwischen dem Sekretariat und Brenntag statt. Im Rah-
men dieses Gesprächs präsentierte das Sekretariat Brenntag das vorläufige Beweisergebnis 
unter  Berücksichtigung  der  Stellungnahme  von  Brenntag  vom  3.  April  2018  (siehe  oben, 
Rz 12)  und  der  Stellungnahme  von  Bucher  vom  14.  Mai  2018  (siehe  oben,  Rz  13).  Dieses 
Beweisergebnis  entsprach  im Wesentlichen  demjenigen,  welches  das  Sekretariat  Brenntag 
am 15. Januar 2018 präsentiert hatte. Mit Schreiben vom 9. Juli 2018 fasste das Sekretariat 
den  wesentlichen  Inhalt  des  Gesprächs  zusammen  und  setzte  Brenntag  eine  Frist  bis  zum 
31. August 2018, um dem Sekretariat mitzuteilen, ob ein Interesse am Abschluss einer einver-
nehmlichen Regelung mit einer kurzen Verfügung besteht.30 

15.  Am  13.  Juli  2018  stellte  Brenntag  ein  Ausstandsgesuch,  in  welchem  u.a.  beantragt 
wurde,  die  mit  dem  Verfahren  22-0485 (AdBlue)  befassten  Mitarbeitenden  des  Sekretariats 
seien in den Ausstand zu versetzen.31 Das Ausstandsgesuch wurde nach der Stellungnahme 
des Direktors des Sekretariats vom 26. Juli 2018, dass keine Gründe für einen Ausstand der 
betreffenden Mitarbeiter vorliegen würden,32 am 30. August 2018 zurückgezogen.33 

16.  Am 24. September 2018 fand auf Ersuchen von Brenntag34 eine weitere Besprechung 
zwischen  dem  Sekretariat  und  Vertretern  von  Brenntag statt. Gegenstand  der  Besprechung 
waren die Grundlagen der Qualifikation der Vertragsbeziehung zwischen Brenntag und Bucher 
als horizontales Verhältnis.35   

22   Act. 32. 
23   Act. 38. 
24   Act. 36.  
25   Act. 43. 
26   Act. 46. 
27   Act. 51. 
28   Act. 54 ff.  
29   Act. 57 f.  
30   Act. 61. 
31   Act. 62. 
32   Act. 66.  
33   Act. 70. 
34   Act. 70.  
35   Act. 73. 

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17.  Mit  Schreiben  vom  5.  Oktober  2018  nahm  Brenntag  Stellung  zum  Gespräch  vom 
24. September 2018. Dabei legte Brenntag die neue Information vor, dass sie von einer Liefe-
rantin von AdBlue zum Vertrieb von AdBlue in der Schweiz ermächtigt und als alleinige Ver-
treiberin von AdBlue in der Schweiz eingesetzt worden sei und gewissermassen «als verlän-
gerter Arm der Produzentin» von AdBlue agiere.36  

18.  Am 17. Oktober 2018 stellte das Sekretariat Brenntag Ergänzungsfragen zum Verhältnis 
zwischen  Brenntag  und  ihrer  Lieferantin  von  AdBlue  und  verlangte  zusätzliche  Dokumente 
ein.37  Die  verlangten  Informationen  und  Dokumente  reichte  Brenntag  mit  Eingaben  vom 
30. November 2018 und – auf Nachfrage des Sekretariats – vom 21. Dezember 2018 ein.38  

19.  Mit Schreiben vom 23. Mai 2019 stellte das Sekretariat Brenntag ein aufgrund der von 
ihr neu eingereichten Informationen und Dokumente aktualisiertes Beweisergebnis zu und for-
derte sie auf, bei Interesse am Abschluss einer einvernehmlichen Regelung die unterzeichne-
ten Rahmenbedingungen EVR einzureichen.39  

20.  Am 28. Juni 2019 retournierte Brenntag die Rahmenbedingungen EVR40 und am 18. Au-
gust 2019 resp. 20. August 2019 unterzeichneten Brenntag resp. das Sekretariat die einver-
nehmliche Regelung (vgl. unten, Rz 105).41 

21.  Mit  Schreiben  vom  11.  September  2019  informierte  das  Sekretariat  Bucher  über  den 
Stand des Verfahrens und unterbreitete ihr eine aktualisierte, an den Stand des Verfahrens 
und die einvernehmliche Regelung mit Brenntag angepasste Version einer einvernehmlichen 
Regelung.42 Am 13. September 2019 resp. 24. September 2019 unterzeichneten Bucher resp. 
das  Sekretariat  die  aktualisierte  Version  der  einvernehmlichen  Regelung  (vgl. unten, 
Rz 104).43 

22.  Am 11. Oktober 2019 sandte das Sekretariat den Parteien seinen Antrag zur Stellung-
nahme gemäss Art. 30 Abs. 2 KG.44 Am 14. Oktober 2019 gewährte das Sekretariat den Par-
teien nochmals Akteneinsicht.45  

23.  Bucher nahm mit Eingabe vom 11. November 2019 Stellung zum Antrag des Sekretari-
ats. Darin erklärte sich Bucher mit der Sachverhaltsdarstellung des Sekretariats, dessen recht-
licher  Würdigung  und  dem  Vorschlag  der  zu  treffenden  Massnahmen  grundsätzlich  einver-
standen und ersuchte die WEKO um Genehmigung der einvernehmlichen Regelung zwischen 
dem Sekretariat und Bucher.46  

24.  Brenntag nahm mit Eingabe vom 14. November 2019 Stellung zum Antrag des Sekreta-
riats. Sie machte darin insbesondere geltend, dass die Unterstellung eines horizontalen Wett-
bewerbsverhältnisses  zwischen  Brenntag  und  Bucher  nicht  nachvollziehbar  sei  und  zudem 

36   Act. 78a, Rz 11 ff. 
37   Act. 79. 
38   Act. 85 ff. 
39   Act. 88. 
40   Act. 90. 
41   Act. 92. 
42   Act. 95.  
43   Act. 98. 
44   Act. 107 und 108.  
45   Act. 109.  
46   Act. 118.  

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keine sachlogische Grundlage habe.47 Des Weiteren wünschte Brenntag punktuelle redaktio-
nelle Anpassungen.48  

25. 
In  ihrer  Sitzung  vom  2. Dezember  2019 genehmigte  die WEKO  die  einvernehmlichen 
Regelungen zwischen Bucher resp. Brenntag und dem Sekretariat und fällte unter Berücksich-
tigung der Stellungnahmen von Bucher und Brenntag ihren Entscheid im vorliegenden Verfah-
ren. 

B. 

Erwägungen 

B.1.  Geltungsbereich 

26.  Das Kartellgesetz gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten wie 
auch für solche  des  öffentlichen  Rechts  (Art. 2  Abs. 1  KG).  Als  Unternehmen  im  Sinne  des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen 
im  Wirtschaftsprozess,  unabhängig  von  ihrer  Rechts-  oder  Organisationsform  (Art. 2 
Abs. 1bis KG).  Brenntag  ist  die  Schweizer  Landesgesellschaft  der  Brenntag  AG  mit  Sitz  in 
Deutschland (vgl. oben, Rz 2), welche einen Konzern darstellt und als Ganze den Unterneh-
mensbegriff von Art. 2 Abs. 1bis KG erfüllt. Bucher ist Teil der Motorex-Bucher Group AG (vgl. 
oben,  Rz 3),  welche  einen  Konzern  darstellt  und  als  Ganzes  den  Unternehmensbegriff  von 
Art. 2 Abs. 1bis KG erfüllt. 

27. 
In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG). Ob Brenntag und Bucher Wettbe-
werbsabreden  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG  getroffen  haben  und  ob  diese  im  Sinne  von 
Art. 5 KG unzulässig sind, ist Gegenstand der nachfolgenden Prüfung (siehe unten, Rz 30 ff.). 

B.2.  Parteien/Verfügungsadressatinnen 

28.  Gemäss Art. 6 VwVG49 (i.V.m. Art. 39 KG) gelten als Parteien Personen, deren Rechte 
oder Pflichten die Verfügung berühren soll. Vorliegend sind Brenntag und Bucher Verfügungs-
adressatinnen.  

B.3.  Vorbehaltene Vorschriften 

29. 
In den hier zu beurteilenden Märkten gibt es keine Vorschriften gemäss Art. 3 Abs. 1 und 
2 KG, die Wettbewerb nicht zulassen. Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den 
Parteien auch nicht geltend gemacht. 

B.4.  Unzulässige Wettbewerbsabrede 

30.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

47   Ausführungen zum Verhältnis zwischen Brenntag und Bucher finden sich in Rz 40 ff. 
48   Act. 120.  
49   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021). 

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B.4.1  Wettbewerbsabrede 

31.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). 

32.  Eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG definiert sich daher durch fol-
gende  Tatbestandselemente:  a)  ein  bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der 
Abrede beteiligten Unternehmen und b) die Abrede bezweckt oder bewirkt eine Wettbewerbs-
beschränkung.50 

B.4.1.1. Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

33.  Die in Art. 4 Abs. 1 KG aufgeführten Formen von Wettbewerbsabreden zeichnen sich 
alle dadurch aus, dass zwei oder mehrere wirtschaftlich voneinander unabhängige Unterneh-
men kooperieren.51 Am einfachsten gelingt der Nachweis eines bewussten und gewollten Zu-
sammenwirkens, wenn die Wettbewerbsabrede in der Form einer ausdrücklichen Vereinba-
rung vorliegt.52 

34.  Am 5. Mai 2014 schlossen Bucher und Brenntag eine Vereinbarung, die sie «Kooperati-
onsvertrag» nannten und die den Vertrieb von AdBlue auf dem Schweizer Markt zum Gegen-
stand hatte. Im Kooperationsvertrag vereinbarten Bucher und Brenntag eine exklusive Zusam-
menarbeit für den Vertrieb von AdBlue in der Schweiz. Ziel und Zweck der Vereinbarung war, 
den Markt für AdBlue in der Schweiz auszubauen und den Marktanteil substanziell zu steigern. 
Brenntag verpflichtete sich, Bucher zwecks Weiterverkaufs von AdBlue an bestimmte Kunden-
gruppen  exklusiv  mit  AdBlue  zu  beliefern,  während  Bucher  sich  verpflichtete,  AdBlue  oder 
Produkte mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung ausschliesslich von Brenntag zu bezie-
hen, falls das Angebot von Brenntag hinsichtlich Preis, Qualität und Service wettbewerbsfähig 
war.53 Der Kooperationsvertrag enthielt in Art. 7 eine Aufteilung von Kundengruppen zwischen 
Bucher und Brenntag. In Anlage 3 des Vertrags wurde explizit festgehalten, welche Kunden-
gruppen exklusiv nur durch Bucher bzw. Brenntag beliefert werden. Anlage 3 enthielt sodann 
eine Liste von Spezialfällen, die ausnahmsweise Lieferungen oder vorgängige Abstimmungen 
der Vertragsparteien vor einer Kontaktaufnahme bzw. einer Lieferung an die jeweiligen Kun-
dinnen und Kunden vorsahen. Bei den aufgeteilten Kundengruppen handelte es sich einerseits 
um  gewerbliche  Endverbraucher  (z.B.  Transportunternehmen,  Bauunternehmen,  öffentliche 
Verkehrsbetriebe, Recyclingbetriebe) und andererseits um Wiederverkäufer (z.B. Tankstellen, 
Bau- und Hobby-Märkte, Kleingerätehändler).54 Diese Kundenaufteilung wurde anlässlich ei-
nes Treffens zwischen den Untersuchungsadressatinnen vom 20. August 2015 bezüglich ein-
zelner Kundinnen und Kunden abgeändert bzw. präzisiert, was in einer Aktennotiz festgehal-
ten wurde.55 

35.  Die  Kundenaufteilung  ergab sich gemäss  den  Untersuchungsadressatinnen  aus  ihren 
spezifischen Stärken: Brenntag habe AdBlue importiert und verfüge über die für Grosshändle-
rinnen typischen Ressourcen, um AdBlue zu transportieren, zu lagern und in kleinere Behälter 
abzufüllen.  Brenntag  sei  daher  ausgerüstet,  um  Kundinnen  und  Kunden  in  der  Schweiz  zu 

50   So etwa auch das Urteil des BVGer, RPW 2014/3, 627 E. 6.3, Paul Koch AG/WEKO. 
51   Urteil  des  BVGer,  RPW  2013/4,  756  E. 3.2.2,  Gaba/WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW  2013/4,  813 
E. 3.2.4,  Gebro/WEKO;  THOMAS  NYDEGGER/WERNER  NADIG,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz, 
Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 4 Abs. 1 KG N 81.  

52   RPW 2016/2, 452 Rz 94, Nikon; BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 51), Art. 4 Abs. 1 KG N 82. 
53   Act. 43 Rz 6. 
54   Act. 1, 4, Beilage 2. 
55   Act. 1, Beilage 3. 

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8 

 
 
 
 
                                                
beliefern, die grössere Mengen AdBlue nachfragen würden (i.d.R. lose im Tankfahrzeug oder 
in grösseren Behältern). Bucher hingegen verfüge über eine starke Präsenz als Händlerin für 
kleinere Endkundinnen und Endkunden. Buchers Stärke sei folglich die Belieferung von Kun-
dinnen und Kunden mit kleineren Behältern von AdBlue.56  

36. 
In casu haben Brenntag und Bucher mit dem Kooperationsvertrag und der darin enthal-
tenen Kundenaufteilung eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen und die Kundenaufteilung 
mit der Aktennotiz zum Treffen der Untersuchungsadressatinnen vom 20. August 2015 aktua-
lisiert. Damit liegt ein bewusstes und gewolltes Zusammenwirken bezüglich der absatzseitigen 
Kundenaufteilung vor. 

B.4.1.2. Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

37.  Neben einem bewussten und gewollten Zusammenwirken muss die Abrede «eine Wett-
bewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken» (vgl. oben, Rz 32). Eine Abrede bezweckt 
eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn die Abredebeteiligten «die Ausschaltung oder Beein-
trächtigung eines oder mehrerer Wettbewerbsparameter zum Programm erhoben haben».57 
Dabei genügt es, wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung 
durch Ausschaltung eines Wettbewerbsparameters zu verursachen. Die subjektive Absicht der 
an der Abrede Beteiligten ist unerheblich.58  

38.  Die  vertragliche  Kundenaufteilung  regelte  das  absatzseitige  Verhältnis  zwischen  den 
Parteien. Auch wenn die Parteien geltend machen, dass das angestrebte Ziel der Kundenauf-
teilung eine möglichst vollständige Marktdurchdringung von AdBlue in der Schweiz bestanden 
habe und aus diesem Grund die Kundinnen und Kunden in der Anlage 3 so auf die beiden 
Vertragsparteien aufgeteilt worden seien, dass die Kundensegmente am besten zur bisherigen 
Kundenstruktur von Bucher und Brenntag gepasst hätten (siehe oben, Rz 34 f.),59 konnte mit 
der vertraglichen Regelung letztlich der Zweck verfolgt werden, sich bezüglich Kundinnen und 
Kunden nicht zu konkurrieren. Dass sich die vertragliche Kundenaufteilung nicht ohnehin so 
ergeben hätte, zeigt sich namentlich daran, dass sie ein gutes Jahr nach Beginn der Koope-
ration abgeändert wurde (vgl. oben, Rz 34). Ausserdem belieferten sowohl Brenntag als auch 
Bucher während des Untersuchungszeitraums, d.h. vom 5. Mai 2014 (Abschluss Kooperati-
onsvertrag) bis zum 9. Juni 2017 (Aufhebung der Kundenaufteilung), Kundinnen und Kunden, 
die vertragsgemäss der jeweiligen anderen Vertragspartnerin zugeordnet waren. So erzielte 
Bucher in den Jahren 2014, 2015, 2016 und 2017 rund [0–20] %, [0–20] %, [0–20] % und [0–
20] % des Umsatzes mit AdBlue mit «Brenntag-Kunden».60 Bei Brenntag lagen die Mengen-
anteile, die in den Jahren 2014, 2015, 2016 und 2017 an «Bucher-Kunden» geliefert wurden, 
bei [0–20] %, [0–20] %, [0–20] % und [0–20] %.61 Mengenmässig sind die Lieferungen an die 
Kundinnen und Kunden, die vertragsgemäss der jeweiligen Vertragspartnerin zugeordnet wa-
ren, im Untersuchungszeitraum sowohl bei Bucher als auch bei Brenntag gestiegen,62 wobei 

56   Act. 1, 5; act. 43, Rz 20 ff.; act. 51, 2.  
57   Urteil  des  BVGer,  RPW  2014/3,  632  E. 6.3.2.9,  Paul  Koch  AG/WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW 
2014/3, 571 E. 5.3.2.6, Siegenia-Aubi AG/WEKO; BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 51), Art. 4 Abs. 1 
KG N 69. 

58   Urteil  des  BVGer,  RPW  2014/3,  632  E. 6.3.2.9,  Paul  Koch  AG/WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW 
2014/3, 571 E. 5.3.2.6, Siegenia-Aubi AG/WEKO; BSK KG-NYDEGGER/NADIG (Fn 51), Art. 4 Abs. 1 
KG  N 71.  Urteil  des  BVGer,  RPW  2013/4,  756  f.  E. 3.2.3,  Gaba/WEKO;  Urteil  des  BVGer,  RPW 
2013/4, 813 E. 3.2.6, Gebro/WEKO.  

59   Act. 1, 5; act. 43, Rz 22. 
60   Act. 1, 6; act. 36, 41, Beilage 1. 
61   Act. 43, Beilage 3a. 
62   Act. 1, 6; act. 36, 41, Beilage 1; act. 43, Beilage 3a. 

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9 

 
 
 
 
                                                
zu beachten ist, dass der Absatzmarkt für AdBlue in der Schweiz in den letzten Jahren wach-
send war.63   

39.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  vereinbart  wurde,  den  Wettbe-
werbsparameter Kunden zumindest zu beeinträchtigen, was objektiv geeignet ist, eine Wett-
bewerbsbeschränkung zu verursachen.  

B.4.1.3. Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen  

B.4.1.3.1.  Verhältnis Brenntag – Bucher  

40.  Vorliegend  sind  die  beiden  Tatbestandselemente  einer  Wettbewerbsabrede  im  Sinne 
von  Art. 4  Abs. 1  KG (vgl.  oben,  Rz 32)  erfüllt. Strittig  ist,  ob  es  sich  bei  der  absatzseitigen 
Kundenaufteilung um eine horizontale oder eine vertikale Wettbewerbsabrede handelt. Zu prü-
fen ist also, ob Bucher und Brenntag beim Vertrieb von AdBlue auf demselben Markt tätig sind, 
womit ein horizontales Wettbewerbsverhältnis vorliegen würde, oder ob es sich um Unterneh-
men handelt, die auf verschiedenen Marktstufen tätig sind, womit ein vertikales Vertriebsver-
hältnis vorliegen würde. Diese Frage wird nachfolgend zuerst im Verhältnis zwischen Brenntag 
und Bucher, unabhängig vom Verhältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue, 
behandelt (siehe dazu unten, Rz 57 ff.) 

Rechtliche Grundlagen 

41.  Vertikale Wettbewerbsabreden  sind  erzwingbare  oder  nicht  erzwingbare Vereinbarun-
gen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  verschiedener 
Marktstufen, die eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken und Geschäfts-
bedingungen betreffen, zu denen die beteiligten Unternehmen bestimmte Waren oder Dienst-
leistungen beziehen, verkaufen oder weiterverkaufen können (Ziff. 1 VertBek64). 

In Erw.-Gr. VI. und VII. nimmt die Vertikalbekanntmachung Bezug auf die Vertikal-GVO65 
42. 
und die entsprechenden EU-Vertikalleitlinien66 und stellt klar, dass die europäischen Regeln 
in der Schweiz analog anwendbar sind. 

43.  Art. 1 Bst. a Vertikal-GVO enthält die folgende Präzisierung, die in Ziff. 1 VertBek nicht 
enthalten ist. Demnach wird eine vertikale Vereinbarung zwischen zwei oder mehreren Unter-
nehmen abgeschlossen, von denen jedes für die Zwecke der Vereinbarung67 auf einer ande-
ren Ebene der Produktions- und Vertriebskette tätig ist, und die Bedingungen betrifft, zu denen 
die beteiligten Unternehmen Waren oder Dienstleistungen beziehen, verkaufen oder weiter-
verkaufen dürfen.  

44.  Ziff. 8 Abs. 1 VertBek hält fest, dass die Bekanntmachung für vertikale Wettbewerbsab-
reden  gilt.  Weiter  findet  sie  auch  Anwendung,  wenn  Wettbewerber  eine  nicht  gegenseitige 
vertikale Vereinbarung treffen und a) der Anbieter zugleich Hersteller und Händler von Waren 
ist,  der  Abnehmer  dagegen  Händler,  jedoch kein Wettbewerber  auf  der Herstellungsebene; 

63   Act. 6, 5; act. 43, Rz 45, Beilage 5, Folie 8. 
64   Bekanntmachung der Wettbewerbskommission vom 28.6.2010 über die wettbewerbsrechtliche Be-
handlung  vertikaler  Abreden  (Stand  am  22.5.2017;  Vertikalbekanntmachung,  VertBek),  BBl  2017 
4543, abrufbar unter www.weko.ch > Dokumentation > Bekanntmachungen/Erläuterungen. 

65   Verordnung (EU) Nr. 330/2010 der Kommission vom 20.4.2010 über die Anwendung von Artikel 101 
Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf Gruppen von vertikalen 
Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen (nachfolgend: Vertikal-GVO), ABl. L 102 vom 
23.4.2010, 1. 

66   Leitlinien für vertikale Beschränkungen, Mitteilung der Europäischen Kommission (nachfolgend: EU-

Vertikalleitlinien), ABl. C 130 vom 19.5.2010, 1. 

67   Hervorhebung durch die WEKO. 

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10 

 
 
 
 
                                                
oder b) der Anbieter ein auf mehreren Handelsstufen tätiger Dienstleister ist, der Abnehmer 
dagegen Waren oder Dienstleistungen auf der Einzelhandelsstufe anbietet und auf der Han-
delsstufe, auf der er die Vertragsdienstleistungen bezieht, kein Wettbewerber ist (Ziff. 8 Abs. 2 
VertBek;  sog.  zweigleisiger  oder  dualer  Vertrieb).  Zudem  schliesst  die  Anwendung  der  Be-
kanntmachung  nicht  aus,  dass  ein  Sachverhalt  ganz  oder  teilweise  als  horizontale Wettbe-
werbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 KG qualifiziert oder von Art. 7 KG erfasst wird. Diesfalls ist 
der Sachverhalt unabhängig von der Bekanntmachung gemäss den einschlägigen Vorschrif-
ten des Kartellgesetzes zu beurteilen (Ziff. 8 Abs. 3 VertBek).  

45.  Die Vertikal-GVO enthält in Art. 2 Abs. 4 eine Bestimmung mit demselben Wortlaut wie 
Ziff. 8 Abs. 2 VertBek.  

46.  Ein Wettbewerber ist laut Definition der Vertikal-GVO (Art. 1 Abs. 1 Bst. c) ein tatsächli-
cher oder potenzieller Wettbewerber; ein «tatsächlicher Wettbewerber» ist ein Unternehmen, 
das auf demselben relevanten Markt tätig ist; ein «potenzieller Wettbewerber» ist ein Unter-
nehmen,  bei  dem  realistisch  und  nicht  nur  hypothetisch  davon  ausgegangen  werden  kann, 
dass es ohne die vertikale Vereinbarung als Reaktion auf einen geringen, aber anhaltenden 
Anstieg der relativen Preise wahrscheinlich innerhalb kurzer Zeit die zusätzlichen Investitionen 
tätigen oder sonstigen Umstellungskosten auf sich nehmen würde, die erforderlich wären, um 
in  den  relevanten  Markt  einzutreten.  Dies  zeigt,  dass  nicht  allein  auf  die  unterschiedlichen 
Produktions- oder Vertriebsstufen abzustellen ist, sondern auf ein konkretes Wettbewerbsver-
hältnis.68 

47.  Zur kartellrechtlichen Beurteilung von vertikalen Vereinbarungen zwischen Wettbewer-
bern, die nicht von der Ausnahmeregelung in Art. 2 Abs. 4 Vertikal GVO (dualer Vertrieb) er-
fasst werden, sind in der Europäischen Union (EU) die EU-Horizontalleitlinien69 einschlägig.70 
Diese halten in Rz 12 fest, dass vertikale Vereinbarungen zwischen Wettbewerbern, zum Bei-
spiel Vertriebsvereinbarungen, in den Anwendungsbereich der EU-Horizontalleitlinien fallen, 
da sie ähnliche Auswirkungen auf den Markt haben und ähnliche Wettbewerbsprobleme auf-
werfen können wie horizontale Vereinbarungen.  

48.  Die  dargelegten  europäischen  Bestimmungen  sind  ausführlicher  als  jene  in  der  Verti-
kalbekanntmachung. Sie gelten gestützt auf Erw.-Gr. VI. und VII. sowie Ziff. 8 VertBek auch in 
der Schweiz.  

Standpunkt Brenntag 

49.  Brenntag ist der Überzeugung, der Vertrag zwischen Brenntag und Bucher stelle eine 
vertikale  Abrede  dar,  da  Brenntag  und  Bucher  nicht  als  Konkurrentinnen  zu  qualifizieren 
seien.71 

50.  Brenntag bringt vor, Art. 1 Kooperationsvertrag sehe vor, dass Brenntag Bucher zwecks 
Weiterverkaufs mit AdBlue beliefere (siehe oben, Rz 34). Brenntag werde damit klarerweise 
als Lieferantin des Vertragsprodukts identifiziert, wohingegen Bucher Käuferin des betreffen-
den  Produkts  sei.  Brenntag  sei  die  Lieferantin  von  Bucher  und  Bucher  kaufe  AdBlue  von 
Brenntag  zum  Zweck  des Wiederverkaufs.  Brenntag  importiere  AdBlue  in  die  Schweiz  und 
verfüge über die notwendigen – für Grosshändlerinnen typischen – Ressourcen, um AdBlue 

68   DANIELA HENGST, Kartellverbot, in: Kartellrecht, Kommentar, Band 2, Europäisches Kartellrecht, Lan-

gen/Bunte (Hrsg.), 13. Aufl. 2018, Art. 101 AEUV N 166. 

69   Leitlinien zur Anwendbarkeit von Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen 
Union auf Vereinbarungen über horizontale Zusammenarbeit, Mitteilung der Europäischen Kommis-
sion (nachfolgend: EU-Horizontalleitlinien), Abl. C 11 vom 14.1.2011, 1. 

70   Vgl.  JÖRG-MARTIN  SCHULTZE/STEPHANIE  PAUTKE/DOMINIQUE  S. WAGENER,  Gruppenfreistellungsver-

ordnung für vertikale Vereinbarungen – Praxiskommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 2 Abs. 4 N 485. 

71   Act. 43, Rz 16 ff.; act. 123, Rz 2 ff. 

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11 

 
 
 
 
                                                
zu transportieren, zu lagern und in kleinere Behälter abzufüllen. Brenntag sei daher gut aus-
gerüstet, um Kundinnen und Kunden in der Schweiz zu beliefern, die grössere Mengen von 
AdBlue nachfragen würden (i.d.R. lose im Tankfahrzeug oder in grösseren Behältern). Bucher 
verfüge  hingegen  über  eine  starke  Präsenz  als  Händlerin  für  kleinere  Endkundinnen  und  -
kunden. Im Gegensatz zu Brenntag verfüge Bucher über einen sehr grossen Aussendienst in 
der Schweiz. Die Stärke von Bucher sei folglich die Belieferung von Kundinnen und Kunden 
mit kleineren Behältern von AdBlue (siehe oben, Rz 35).72  

51.  Der Umstand, dass Brenntag stets auch passive Verkäufe an Kundinnen und Kunden 
vornahm, die gemäss Kooperationsvertrag Bucher zugewiesen waren, und umgekehrt (siehe 
oben, Rz 38), würde zeigen, dass Brenntag und Bucher nur in sehr geringem Ausmass mitei-
nander im Wettbewerb stehen würden. Diese Situation ergebe sich zudem überhaupt nur des-
halb, weil Brenntag es Bucher ermöglicht habe, im Schweizer Markt für AdBlue als Wettbe-
werberin aufzutreten. Brenntag schliesse dabei zwar nicht aus, dass Bucher ohne den Vertrag 
nicht in der Lage wäre, AdBlue in der Schweiz zu vertreiben und – wie im Rahmen des Vertrags 
–  mit  Brenntag  bei  gewissen  Kundinnen  und  Kunden  im  Wettbewerb  zu  stehen,  die  kleine 
Mengen von AdBlue nachfragen. Brenntag gehe aber davon aus, dass es ziemlich unwahr-
scheinlich sei, dass Bucher in der Lage wäre, Brenntag über die ganze Vertriebskette hinweg 
zu  konkurrieren.  Brenntag  hätten  zu  keiner  Zeit  Hinweise  vorgelegen,  wonach  Bucher  eine 
solche Konkurrenzierung in Erwägung gezogen hätte. Es gäbe ökonomische und technische 
Hürden, die Bucher überwinden müsste, um auf allen Vertriebsebenen mit Brenntag im Wett-
bewerb stehen zu können.73  

Rechtliche Würdigung  

52.  Aus dem Kooperationsvertrag (siehe oben, Rz 34) wird ersichtlich, dass darin die Liefer- 
und Bezugsbeziehung zwischen Brenntag und Bucher zwecks Weiterverkaufs von AdBlue ge-
regelt wurde. Bezüglich dieser Liefer- und Bezugsbeziehung stehen Brenntag und Bucher auf 
verschiedenen  Marktstufen.  Während  Brenntag  Generalimporteurin  und  Anbieterin  des  Ad-
Blue ihrer Lieferantin ist, ist Bucher Abnehmerin. Somit handelt es sich bei dieser Liefer- und 
Bezugsbeziehung um ein vertikales Verhältnis. Zur Beantwortung der Frage, ob die im Koope-
rationsvertrag gleichzeitig vereinbarte absatzseitige Kundenaufteilung eine eigenständige ho-
rizontale Verhaltenskoordinierung darstellt, ist zu eruieren, ob sich die Vertragsparteien (ent-
lang  der  ganzen  Vertriebskette  von  AdBlue  oder  in  Teilbereichen)  als  Wettbewerberinnen 
(siehe oben, Rz 46) gegenüberstehen. 

53.  Bei den aufgeteilten Kundengruppen handelt es sich einerseits um gewerbliche Endver-
braucher (z.B. Transportunternehmen, Bauunternehmen, öffentliche Verkehrsbetriebe, Recyc-
lingbetriebe) und andererseits um Wiederverkäufer (z.B. Tankstellen, Bau- und Hobby-Märkte, 
Kleingerätehändler) (siehe oben, Rz 34). Die zugeteilten Kundengruppen in Anlage 3 des Ko-
operationsvertrags lassen sich nicht eindeutig in Grosskundinnen und -kunden, die ohnehin 
nur durch Brenntag hätten beliefert werden können, und Kleinkundinnen und -kunden, die oh-
nehin nur durch Bucher hätten beliefert können, einteilen. So wurden gewisse Branchen ex-
klusiv  einer  Untersuchungsadressatin  zugeteilt  und  diese  durfte  folglich  sowohl  Gross-  als 
auch  Kleinkundinnen  und  -kunden  dieser  Branche  mit  AdBlue  beliefern.74  Beide  Untersu-
chungsadressatinnen haben denn auch dieselben Gebindegrössen (Intermediate Bulk Contai-
ners  (IBC)75,  Fässer  und  Kleingebinde)  im  Angebot.76  Folglich  dürfte  es  eine  Schnittmenge 

72   Act. 43, Rz 16 ff.  
73   Act. 43, Rz 10 und 28 ff; act. 123, Rz 3. 
74   Act. 1, Beilage 2, Anlage 3.  
75  Intermediate  Bulk  Container  (IBC)  werden  für  Transport  und  Lagerung  flüssiger  und  rieselfähiger 
Stoffe verwendet. Je nach Bauweise und Ausführung haben die IBC ein Volumen von 500 bis zu 
3000 Litern. Quelle: <https://de.wikipedia.org/wiki/Intermediate_Bulk_Container> (10.10.2019). 
76   Act. 6, Beilage 6; <https://www.motorex.com/de-ch/car-line/additive/motorex-adblue/> (10.10.2019). 

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von Kundinnen und Kunden gegeben haben, welche beide Vertragspartnerinnen ohne bedeu-
tende  Investitionen  hätten  bedienen  können.  Anlage  3  des  Kooperationsvertrags  definierte 
denn auch Spezialfälle, die ausnahmsweise Lieferungen oder vorgängige Abstimmungen der 
Vertragsparteien vor einer Kontaktaufnahme bzw. einer Lieferung an die jeweiligen Kundinnen 
und Kunden vorsahen (vgl. oben, Rz 34). Weiter zeigen die mit Kundinnen und Kunden der 
jeweiligen Vertragspartnerin erzielten Umsatz- und Mengenanteile (siehe oben, Rz 38), dass 
die vertraglich vorgenommene Kundenzuteilung sich nicht ohnehin aus der unterschiedlichen 
Kundenausrichtung ergeben hätte.  

54.  Diese Elemente zeigen auf, dass Bucher und Brenntag absatzseitig entlang der gesam-
ten  Vertriebskette  von  AdBlue  Wettbewerberinnen  sind,  wenn  auch  mit  unterschiedlichen 
Schwerpunkten: Während Brenntag vor allem Grosskundinnen und -kunden beliefert, die grös-
sere Mengen von AdBlue nachfragen (i.d.R. lose im Tankfahrzeug oder in grösseren Behäl-
tern), verkauft Bucher überwiegend abgepackte Ware (Kanister) an kleinere Abnehmerinnen 
und Abnehmer über den Aussendienst.77 Im Übrigen haben die Abklärungen des Sekretariats 
ergeben, dass Bucher auch ohne Zusammenarbeit mit Brenntag ins Geschäft mit AdBlue ein-
gestiegen  wäre.78  Somit  war  Bucher  zum  Zeitpunkt  des  Abschlusses  des  Kooperationsver-
trags eine potenzielle Wettbewerberin von Brenntag. 

55.  Es stellt sich somit die Frage, ob das absatzseitige Wettbewerbsverhältnis zwischen Bu-
cher und Brenntag gemäss den einschlägigen Vorschriften des Kartellgesetzes (Ziff. 8 Abs. 3 
VertBek) oder als dualer Vertrieb gemäss den Regeln der Vertikalbekanntmachung zu würdi-
gen ist. Da es sich bei AdBlue um eine Ware handelt, ist Ziff. 8 Abs. 2 Bst. a VertBek einschlä-
gig. Die Ausnahmeregel des dualen Vertriebs gemäss Ziff. 8 Abs. 2 Bst. a VertBek greift vor-
liegend unter Ausklammerung des Verhältnisses zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von 
AdBlue (siehe dazu unten, Rz 57 ff.) allerdings nicht: Zwar liegt zwischen Bucher und Brenntag 
keine gegenseitige vertikale Vereinbarung vor, d.h. Bucher und Brenntag treten nicht zugleich 
als Käuferin und Verkäuferin auf.79 Allerdings ist Brenntag nicht Herstellerin von AdBlue, son-
dern Importeurin und selbst Distributorin. In einer solchen Konstellation liegt kein dualer Ver-
trieb im Sinne der Vertikalbekanntmachung vor.80 Das absatzseitige Horizontalverhältnis zwi-
schen  Bucher  und  Brenntag  ist  somit  gemäss  den  einschlägigen  Vorschriften  des 
Kartellgesetzes zu beurteilen (Ziff. 8 Abs. 3 VertBek). 

Fazit 

56.  Somit kann festgehalten werden, dass der Kooperationsvertrag zwischen Wettbewerbe-
rinnen abgeschlossen worden ist und nebst der Regelung der vertikalen Lieferbeziehung von 
AdBlue eine absatzseitige Verhaltenskoordination bezüglich der Kundenaufteilung enthält. Die 
Vertikalbekanntmachung kommt auf die Kundenaufteilung nicht zur Anwendung, da im Ver-
triebsverhältnis zwischen Brenntag und Bucher kein dualer Vertrieb im Sinne von Ziff. 8 Abs. 2 
Bst. a VertBek vorliegt. Die absatzseitige Kundenaufteilung ist somit als horizontale Wettbe-
werbsabrede zwischen Bucher und Brenntag zu werten, die nach den einschlägigen Bestim-
mungen des Kartellgesetzes zu würdigen ist (Ziff. 8 Abs. 3 VertBek).  

B.4.1.3.2.  Verhältnis Brenntag – Lieferantin von AdBlue 

57.  Brenntag bringt vor, dass sie von einer Lieferantin von AdBlue zum Vertrieb von AdBlue 
in der Schweiz ermächtigt und als alleinige Vertreiberin von AdBlue in der Schweiz eingesetzt 
worden sei und gewissermassen «als verlängerter Arm der Produzentin» von AdBlue agiere 

77   Act. 43, Rz 21 f., 58; act. 51, 2. 
78  Act. 51, 2 f. 
79   Vgl. SCHULTZE/PAUTKE/WAGENER (Fn 70), Art. 2 Abs. 4 N 473. 
80   Vgl. SCHULTZE/PAUTKE/WAGENER (Fn 70), Art. 2 Abs. 4 N 480, FRANK WIJCKMANS/FILIP 
TUYTSCHAEVER, Vertical Agreements in EU Competition Law, 3. Aufl., 2018, N 4.44.  

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13 

 
 
 
 
                                                
(siehe oben, Rz 17). Infolgedessen solle sie von der Privilegierung von Herstellerinnen gemäss 
Ziff. 8 Abs. 2 Bst. a VertBek profitieren. Nachfolgend soll deshalb geprüft werden, ob das Ver-
hältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue Einfluss auf die Beurteilung hat, 
dass es sich bei der absatzseitigen Kundenaufteilung zwischen Bucher und Brenntag um eine 
horizontale Wettbewerbsabrede handelt, die nach den einschlägigen Vorschriften des Kartell-
gesetzes zu beurteilen ist.  

58.  Das EU-Kartellrecht behandelt die Frage, unter welchen Voraussetzungen die Tätigkei-
ten eines Vertreters dem Auftraggeber zuzurechnen sind, anhand sog. «Handelsvertreterver-
träge». In Anlehnung an das EU-Recht (vgl. Erw.-Gr. VII VertBek) wird nachfolgend geprüft, 
ob das Vertragsverhältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue als «Handels-
vertreterverhältnis»  zu  qualifizieren  ist  (siehe  unten,  Rz  64 ff.).  Selbst  wenn  das  Verhältnis 
zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue als «Handelsvertreterverhältnis» zu qua-
lifizieren wäre, ist unklar, ob die von Brenntag mit Bucher getroffene Kundenaufteilungsabrede 
der Lieferantin von AdBlue zuzurechnen wäre (siehe unten, Rz 72). Würde das Verhältnis zwi-
schen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue als «Handelsvertretervertrag» qualifiziert und 
das Verhalten von Brenntag ihrer Lieferantin von AdBlue zugerechnet, ist darüber hinaus of-
fen, ob ein Handelsvertreter sich auf den dualen Vertrieb gemäss Ziff. 8 Abs. 2 lit. a VertBek 
berufen könnte und die VertBek Anwendung finden würde (siehe unten, Rz 73).  

Vertragliche Bestimmungen 

59. 

[…]81  

60. 

[…]82  

61.  Aufgrund des Agreements ist Brenntag von einer Lieferantin von AdBlue zum Vertrieb 
von AdBlue in der Schweiz ermächtigt.83 Brenntag vertritt ihre Lieferantin von AdBlue gemäss 
deren Instruktion und darf sie in diesen Schranken vertraglich binden. Verkäufe erfolgen im 
Namen von Brenntag, aber auf Rechnung der Lieferantin von AdBlue.84 

62.  Das Agreement sieht vor, dass Brenntag ein Konsignationslager führt. Das Eigentum an 
der Vertragsware geht direkt von der Lieferantin von AdBlue auf den Käufer über. Im Verhältnis 
zu Brenntag übernimmt die Lieferantin von AdBlue diverse Kosten wie solche, die aufgrund 
vertragsgemässer Durchführung des Vertrags entstehen, sowie Liefer- und Versicherungskos-
ten. Die Lieferantin von AdBlue übernimmt auch das Risiko der Nichterfüllung.85 

63.  Gemäss Agreement […]86 

«Handelsvertreterverhältnis»?  

64.  Gemäss den EU-Vertikalleitlinien sind bei Handelsvertreterverträgen die Ankaufs- und 
die Verkaufsfunktionen des Vertreters Teil der Tätigkeiten des Auftraggebers. Da der Auftrag-
geber die geschäftlichen und finanziellen Risiken trägt, die mit dem Verkauf und Ankauf der 
Vertragswaren  und  -dienstleistungen  verbunden  sind,  fallen  bei  Handelsvertreterverträgen 

81   Act. 87, Beilage 1, Ziff. 2.2.  
82   Act. 87, Beilage 1, Ziff. 24.3.  
83   Act. 78a, Rz 11.  
84   Act. 90.  
85   Act. 90. 
86   Act. 87, Beilage 1.  

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sämtliche dem Vertreter auferlegten Verpflichtungen bezüglich der im Namen des Auftragge-
bers geschlossenen und/oder ausgehandelten Verträge nicht unter Art. 101 Abs. 1 AUEV.87 

65. 
Im Schweizer Kartellrecht gibt es keine Bestimmungen, welche vorsehen, wie Personen, 
die im Auftrag einer anderen Person (Auftraggeber) entweder im eigenen Namen oder im Na-
men des Auftraggebers handeln, kartellrechtlich zu behandeln sind.88 Anders ist dies in der 
EU. Die EU-Vertikalleitlinien behandeln diese Konstellation mit dem Rechtsinstitut des Han-
delsvertreters (siehe oben, Rz 64). Gestützt auf die Erw.-Gr. VI. und VII. VertBek können die 
in der EU entwickelten Grundlagen bezüglich der Risikoverteilung zur Klärung der Frage her-
angezogen werden, ob die Tätigkeit des Auftragnehmers aufgrund des fehlenden unterneh-
merischen Risikos vollumfänglich dem Auftraggeber zuzurechnen ist.89  

66.  Gemäss den EU-Vertikalleitlinien ist ein Handelsvertreter eine juristische oder natürliche 
Person, die mit der Vollmacht ausgestattet ist, im Auftrag einer anderen Person (des Auftrag-
gebers) entweder im eigenen Namen oder im Namen des Auftraggebers Verträge auszuhan-
deln und/oder zu schliessen, die Folgendes zum Gegenstand haben: 

•  den Ankauf von Waren oder Dienstleistungen durch den Auftraggeber, oder 

•  den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen des Auftraggebers.90  

67.  Eine Vereinbarung gilt als Handelsvertretervertrag, wenn der Handelsvertreter bezüglich 
der  Verträge,  die  er  im Namen  des  Auftraggebers schliesst  und/oder  aushandelt,  bezüglich 
marktspezifischer  Investitionen für  diesen Tätigkeitsbereich  und  bezüglich  anderer Tätigkei-
ten,  die  der  Auftraggeber  für  denselben  sachlich  relevanten  Markt  als  erforderlich  erachtet, 
keine oder nur unbedeutende Risiken91 trägt.92 

68.  Sofern der (Handels-)Vertreter eines oder mehrere der vorgenannten Risiken oder Kos-
ten zu tragen hat, kann die Vereinbarung zwischen Vertreter und Auftraggeber nicht als Han-
delsvertretervertrag gewertet werden. Die Frage des Risikos muss allerdings im Einzelfall be-
antwortet werden, wobei vorzugsweise auf die tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten 
und weniger auf die Rechtsform abzustellen ist.93  

87   Rz  12  ff.  EU-Vertikalleitlinien  (Fn  66).  Zum  Handelsvertreterverhältnis  vgl.  auch  WIJCKMANS/ 

TUYTSCHAEVER (Fn 80), N 9.136 ff. 

88   Das Schweizer Zivilrecht kennt jedoch im Bundesgesetz vom 30.3.1911 betreffend die Ergänzung 
des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  (Fünfter  Teil:  Obligationenrecht)  (Obligationenrecht,  OR; 
SR 220)  mit  dem  Auftrag  (Art.  394  ff.  OR),  insb.  dem  Agenturvertrag  (Art.  418a  ff.  OR),  und  der 
Kommission (Art. 425 ff. OR) Vertragsverhältnisse, die das Handeln im Auftrag einer anderen Person 
entweder im eigenen oder im Namen des Auftraggebers regeln.  

89   Vgl. Urteil des BVGer B-3975/2013 vom 30.10.2019, E. 6.3, Les Editions Flammarion SA/COMCO; 
RPW 2013/4, 481 f. Rz 32 ff., Costa Kreuzfahrten; RPW 2016/1, 79 Rz 97 f., Online-Buchungs-
plattformen für Hotels; RPW 2017/4, 701 ff. Rz 45 ff., Gutachten: Vertrieb ausländischer Zeitschrif-
ten in der Schweiz; RPW 2018/2, 256 Rz 86 ff, marché du livre écrit en français. Siehe auch HADI 
MIRZAI/MARQUARD CHRISTEN, Handelsvertreterverhältnisse im Kartellrecht, in: Jusletter vom 
15.10.2018, welche u.a. einen Überblick über die Beratungspraxis des Sekretariats i.S. Handels-
vertreterverhältnisse geben. 

90   EU-Vertikalleitlinien (Fn 66), Rz 12.  
91   Für eine genauere Umschreibung dieser drei Arten finanzieller oder geschäftlicher Risiken, die für 
die Einstufung als Handelsvertretervertrag von Bedeutung sind, siehe EU-Vertikalleitlinien (Fn 66), 
Rz 14. In Rz 16 der EU-Vertikalleitlinien findet sich ausserdem eine nicht abschliessende Aufstel-
lung solcher Risiken.  

92   EU-Vertikalleitlinien (Fn 66), Rz 15. 
93   EU-Vertikalleitlinien (Fn 66), Rz 17. 

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69.  Brenntag macht geltend, dass sie von der Privilegierung der Herstellerin gemäss Ziff. 8 
Abs. 2 Bst. a VertBek profitieren sollte und zwar aus folgenden Gründen: Aufgrund des Agree-
ments  sei  Brenntag  alleinige  Vertreiberin  von  AdBlue  einer  Lieferantin  von  AdBlue  in  der 
Schweiz. Brenntag vertrete ihre Lieferantin von AdBlue gemäss deren Instruktion und dürfe 
sie in diesen Schranken vertraglich binden. Verkäufe erfolgten im Namen von Brenntag, aber 
auf Rechnung ihrer Lieferantin (siehe oben, Rz 61). Daraus werde ersichtlich, dass Brenntag 
im Anwendungsbereich des Agreements gewissermassen als verlängerter Arm der Produzen-
tin von AdBlue agiere.94 

70.  Nach Ansicht der WEKO lässt das Agreement den Schluss zu, dass Brenntag beim Ver-
trieb von AdBlue möglicherweise Risiken trägt (siehe oben, Rz 63), welche – wenn Brenntag 
denn solche tragen sollte – unter Umständen einen Umfang haben könnten, der über die Be-
deutungslosigkeit hinausgeht.  

71.  Für die Klärung der Frage, ob Brenntag tatsächlich wirtschaftliche Risiken trägt und falls 
ja, in welchem Umfang, wären weitere, möglicherweise umfangreiche Abklärungen nötig ge-
wesen. Eine abschliessende Erhebung des Sachverhalts scheint aufgrund des Vorliegens ei-
nes Einzelfalles, des voraussichtlichen Verfahrensaufwands, der Praktikabilität und Komplexi-
tät  des  Verfahrens,  der  Verfügbarkeit  von  Beweismitteln,  der  Kooperation  der  beteiligten 
Unternehmen, der  Einstellung  der  Verhaltensweise  und  des  Abschlusses  von  einvernehmli-
chen Regelungen unverhältnismässig. Aufgrund dieser Gesamtwürdigung der Interessenlage 
im vorliegenden Fall wurde auf solche Abklärungen verzichtet.  

Zurechnung Verhalten Brenntag an Lieferantin von AdBlue?  

72.  Würde das Verhältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue als «Handels-
vertretervertrag» qualifiziert, stellt sich die Frage, ob das hier in Frage stehende Verhalten von 
Brenntag, das heisst die Kundenaufteilung mit Bucher, mithin ein möglicherweise kartellrechts-
widriges Verhalten, ihrer Lieferantin von AdBlue zugerechnet werden kann, oder ob lediglich 
geschäftliche Tätigkeiten i.e.S. zugerechnet werden. Für eine Zurechnung des Verhaltens von 
Brenntag an ihre Lieferantin von AdBlue spricht beispielsweise die Rechtsprechung des Euro-
päischen Gerichts. Dieses hielt fest, dass «wettbewerbswidriges Verhalten des Handelsver-
treters im Rahmen dieser Tätigkeit dem Geschäftsherrn ebenso zugerechnet werden [kann], 
wie es bei einem Arbeitgeber in Bezug auf die von einem seiner Beschäftigten begangenen 
rechtswidrigen Handlungen der Fall ist, auch ohne Nachweis der Kenntnis des Geschäftsherrn 
vom wettbewerbswidrigen Verhalten des Handelsvertreters.»95  

Berufung Handelsvertreter auf dualen Vertrieb? 

73.  Würde das Verhältnis zwischen Brenntag und ihrer Lieferantin von AdBlue als «Handels-
vertretervertrag» qualifiziert und das Verhalten von Brenntag ihrer Lieferantin von AdBlue zu-
gerechnet, ist darüber hinaus offen, ob ein Handelsvertreter sich auf den dualen Vertrieb ge-
mäss  Ziff.  8  Abs.  2  lit. a VertBek  berufen  könnte.  Im  Falle  eines  dualen  Vertriebs  wird  die 
Auffassung vertreten, dass etwaige Auswirkungen auf das Wettbewerbsverhältnis zwischen 
Hersteller und Einzelhändler auf Einzelhandelsebene im Allgemeinen weniger bedeutsam sind 
als die potenziellen Auswirkungen der vertikalen Liefervereinbarung auf den Wettbewerb auf 
Hersteller- oder Einzelhandelsebene.96 Folglich soll es dem Hersteller, der im Wettbewerb mit 
anderen Herstellern steht, überlassen sein, wie er seinen Vertrieb gestaltet. Der duale Vertrieb 
ist somit grundsätzlich dem Hersteller vorbehalten. Offen bleibt, ob sich ein Handelsvertreter 
darauf berufen kann.  

94   Act. 78a, Rz 11 ff.  
95   Urteil des EuG vom 15.7.2015 T-418/10 voestalpine/Kommission, EU:T:2015:516, Rz 175.  
96   EU-Vertikalleitlinien (Fn 66), Rz 28. 

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Fazit 

74.  Aus Gründen der Verhältnismässigkeit wird nicht weiter abgeklärt, ob Brenntag im Ver-
hältnis mit ihrer Lieferantin von AdBlue wirtschaftliche Risiken trägt und falls ja, in welchem 
Umfang.  Infolgedessen  bleibt  offen,  ob  Brenntag  als  Handelsvertreterin  ihrer  Lieferantin  zu 
qualifizieren ist und die Verhaltensweisen von Brenntag somit grundsätzlich ihrer Lieferantin 
von AdBlue zuzurechnen sind. Weiter wird offengelassen, ob ein möglicherweise kartellrechts-
widriges Verhalten eines Handelsvertreters dem Auftraggeber zugerechnet werden kann, und 
ob sich ein Handelsvertreter auf den dualen Vertrieb berufen kann. Demgemäss ist nicht nach-
gewiesen, dass es sich bei der Kundenaufteilung um eine horizontale Abrede handelt, die nach 
den einschlägigen Bestimmungen des Kartellgesetzes zu beurteilen ist.  

B.4.1.4. Abrededauer 

75.  Der  Kooperationsvertrag  mit  der  darin  vereinbarten  Kundenaufteilung  ist  datiert  vom 
5. Mai 2014 (siehe oben, Rz 34). Mit Schreiben vom 9. Juni 2017 erklärte Bucher gegenüber 
Brenntag die in der Beilage zum Kooperationsvertrag festgehaltene Kundenaufteilung und die 
diesbezügliche Änderung vom 20. August 2015 wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken mit 
sofortiger Wirkung als ungültig.97 Brenntag erklärte sich mit Schreiben vom 29. Juni 2017 ein-
verstanden, dies «insbesondere im Licht der neusten Rechtsprechung des Bundes»98 und im 
Hinblick  darauf,  dass  diese  Regelungen  in  der gemeinsamen  Geschäftstätigkeit  in  der  Ver-
gangenheit kaum Beachtung gefunden hätte.99 Die vertragliche Kundenaufteilung wurde von 
den Parteien also im Juni 2017 infolge wettbewerbsrechtlicher Bedenken aufgehoben. Somit 
dauerte die Abrede rund drei Jahre. 

B.4.2.  Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs  

76.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs u.a. bei Abreden 
über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern vermutet, sofern sie 
zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder der Möglichkeit nach miteinan-
der im Wettbewerb stehen. 

77.  Vorliegend wird nicht abschliessend geklärt, ob Brenntag im Verhältnis mit ihrer Liefe-
rantin von AdBlue wirtschaftliche Risiken trägt, und falls ja, in welchem Umfang, und ob Brenn-
tags Verhalten demnach Brenntag oder ihrer Lieferantin von AdBlue zuzurechnen ist. Es ist 
deshalb nicht nachgewiesen, dass es sich bei der Kundenaufteilung, die Brenntag und Bucher 
vereinbart haben, um eine Abrede zwischen Konkurrenten handelt, die gemäss den einschlä-
gigen Bestimmungen des Kartellgesetzes zu beurteilen ist. Eine Abrede über eine Kundenauf-
teilung im horizontalen Verhältnis beseitigt vermutungsweise den wirksamen Wettbewerb. Da-
gegen erfüllt eine absatzseitige Abrede über eine Kundenaufteilung zwischen Wettbewerbern, 
die gestützt auf Ziff. 8 Abs. 2 lit. a VertBek nach der Vertikalbekanntmachung zu beurteilen ist, 
keinen der Vermutungstatbestände gemäss Art. 5 KG.  

78.  Zusammenfassend wird festgehalten, dass vorliegend nicht nachgewiesen ist, dass die 
Kundenaufteilung  unter  Art.  5  Abs.  3  lit.  c  KG  zu  subsumieren  ist.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die 
Kundenaufteilung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG den Wettbewerb erheblich beeinträchtigt.  

97   Act. 1, Beilage 4. 
98   Die WEKO geht davon aus, dass damit BGE 143 II 297 ff., Gaba, gemeint ist.  
99   Act. 1, Beilage 5. 

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B.4.3.  Erhebliche Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

79.  Für die nachfolgende Prüfung wird zu Gunsten der Parteien davon ausgegangen, dass 
das Verhalten von Brenntag ihrer Lieferantin von AdBlue zugerechnet wird, Brenntag als Han-
delsvertreterin sich auf den dualen Vertrieb berufen kann und die absatzseitige Kundenauftei-
lung demnach – gestützt auf Ziff. 8 Abs. 2 lit. a VertBek – nach der Vertikalbekanntmachung 
zu beurteilen ist (siehe oben, Rz 74).  

80.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sind unzulässig (Art. 5 Abs. 1 KG). Erweist sich die durch eine Abrede bewirkte 
Beeinträchtigung als erheblich, ist zu prüfen, ob die Abrede durch Gründe der wirtschaftlichen 
Effizienz im Sinne von Art. 5 Abs. 2 KG zu rechtfertigen ist.  

81.  Liegen keine Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 und 4 KG vor oder ist dies – wie im vorlie-
genden  Fall  –  nicht  nachgewiesen,  so  ist  die  Wettbewerbsabrede  nur  dann  als  erhebliche 
Wettbewerbsbeeinträchtigung  anzusehen,  wenn  die  Gesamtbeurteilung  anhand  qualitativer 
und quantitativer Kriterien ergibt, dass kein Bagatellfall vorliegt.100  

82.  Dabei kann eine qualitativ schwerwiegende Beeinträchtigung trotz quantitativ geringfü-
giger Auswirkungen erheblich sein. Umgekehrt kann eine Beeinträchtigung mit quantitativ be-
trächtlichen Auswirkungen den Wettbewerb erheblich beeinträchtigen, auch wenn sie qualita-
tiv nicht schwerwiegend ist (Ziff. 12 Abs. 1 lit. b VertBek). 

83.  Nachfolgend wird geprüft, ob die vorliegende Wettbewerbsabrede als erhebliche Wett-
bewerbsbeeinträchtigung anzusehen ist (siehe unten, Rz 89 ff.). Dies erfordert vorab die De-
finition des relevanten Marktes (siehe dazu Rz 84 ff.). 

100 RALF MICHAEL STRAUB, Die Erheblichkeit von Wettbewerbsbeeinträchtigungen, AJP 2016, 559, 568; 
BEAT ZIRLICK/SIMON BANGERTER, in: DIKE-Kommentar, Bundesgesetz über Kartelle und andere Wett-
bewerbsbeschränkungen,  Zäch/Arnet/Baldi/Kiener/Schaller/Schraner/Spühler  (Hrsg.),  2018,  Art. 5 
N 201. 

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B.4.3.1. Relevante Märkte 

Sachlich relevanter Markt 

84.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 lit. a VKU101 analog).102 Die Definition des sachlich re-
levanten Marktes erfolgt demnach aus Sicht der Marktgegenseite und fokussiert somit auf den 
strittigen Einzelfall: Massgebend ist, ob aus deren Optik Waren oder Dienstleistungen mitei-
nander  im Wettbewerb  stehen.103  Auszugehen  ist  vom Gegenstand  der konkreten  Untersu-
chung.104  

85.  Vorliegender Untersuchungsgegenstand ist die im Kooperationsvertrag zwischen Brenn-
tag und Bucher vereinbarte absatzseitige Kundenaufteilung. Marktgegenseite von Bucher und 
Brenntag sind gewerbliche Endverbraucher105 (z.B. Werkhöfe, Bauunternehmen, Verkehrsbe-
triebe, Kieswerke) und Wiederverkäufer (z.B. Tankstellenketten), die AdBlue nachfragen. Da 
die Nachfrage von Wiederverkäufern wiederum vom Nachfrageverhalten der Endverbraucher 
geleitet  wird  (abgeleitete  Endnachfrage),  ist  das  Verhalten  der  Endverbraucher  Ausgangs-
punkt der sachlichen Marktdefinition.  

86.  AdBlue ist eine wässrige Harnstofflösung, die den Ausstoss von Stickoxiden (NOx) bei 
Dieselmotoren reduziert (vgl. oben, Rz 4). Gemäss den verfügbaren Informationen ist AdBlue 
aus Sicht der Endverbraucher nicht mit anderen Produkten substituierbar und stellt daher ei-
nen eigenständigen sachlich relevanten Markt dar.106 Diese Ansicht deckt sich mit der Praxis 
der  EU-Kommission.107  Eine  weitere  Marktsegmentierung  nach  Liefermodalität  (Offenliefe-
rung/Gebinde) scheint aufgrund der Angebotssubstituierbarkeit nicht angezeigt zu sein (vgl. 
oben, Rz 53).  

Räumlich relevanter Markt 

87.  Der räumliche Markt umfasst das Gebiet, in welchem die Marktgegenseite die den sach-
lichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 3 lit. b 
VKU analog).  

88.  Vorliegend wird davon ausgegangen, dass gewerbliche Endverbraucher und Wiederver-
käufer in der Schweiz AdBlue in erster Linie in der Schweiz und nicht lokal nachfragen. Gegen 
eine grössere räumliche Marktabgrenzung als die Schweiz sprechen sodann die Umstände, 
dass laut Angaben von Brenntag jeglicher Import von loser Ware nur möglich sei, wenn das 

101  Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 

SR 251.4). 

102  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
103  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO; Urteil des 
BGer 2C_75/2014 vom 28.1.2015, E. 3.2 (= RPW 2015/1, 134 E. 3.2), Hors-Liste Medikamente/Pfi-
zer. 

104  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
105 Als Endverbraucher gelten nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch gewerbliche 
Endverbraucher.  Vgl.  dazu  EU-Vertikalleitlinien  (Fn  66),  Rz  55;  STEFFEN  NOLTE,  in:  Kartellrecht, 
Kommentar, Band 2, Europäisches Kartellrecht, Langen/Bunte (Hrsg.), 13. Aufl., 2018, nach Art. 101 
AEUV N 517; ANDREA GRABER CARDINAUX/ANDREAS MASCHEMER, in: DIKE-Kommentar, Bundesge-
setz  über  Kartelle  und  andere  Wettbewerbsbeschränkungen,  Zäch/Arnet/Baldi/Kiener/Schal-
ler/Schraner/Spühler (Hrsg.), 2018, Art. 6 N 193 ii.  

106  Act. 6, 7. 
107  KOMM, COMP/M.4730 vom 21.9.2007, Rz 189 ff., Yara/Kemira Growhow. 

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importierende  Unternehmen  über  die  entsprechenden  technischen  Einrichtungen  (Tankwa-
gen, Tank- und Abfüllvorrichtungen) verfüge. Deshalb würden Direkt- und Parallelimporte108 
nicht unerhebliche Investitionen in entsprechende Einrichtungen bedingen.109 Bucher schätzt 
die Rolle von Parallelimporten denn auch als beschränkt ein.110 Der räumlich relevante Markt 
für AdBlue wird deshalb national abgegrenzt. 

B.4.3.2. Qualitative Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

89.  Vorliegend ist erwiesen, dass Brenntag und Bucher zwischen 2014 und 2017 eine ab-
satzseitige Kundenaufteilung vereinbart haben. Zu prüfen ist, ob durch die Kundenaufteilung 
auch Passivverkäufe, d.h. die Erledigung unaufgeforderter Bestellungen einzelner Kundinnen 
und Kunden,111 eingeschränkt worden sind.  

90. 
In der Anlage 3 zum Kooperationsvertrag ist festgehalten, dass gewisse Kundinnen und 
Kunden exklusiv nur durch Bucher resp. Brenntag beliefert werden. Im Kooperationsvertrag 
wird nicht zwischen passiven und aktiven, d.h. die aktive Ansprache einzelner Kundinnen und 
Kunden,112 Verkäufen unterschieden, doch legt eine Auslegung dieser Klausel nach dem Wort-
laut nahe, dass Bucher resp. Brenntag die Kundinnen und Kunden exklusiv beliefern soll, un-
geachtet dessen, ob die Lieferung aufgrund einer unaufgeforderten Bestellung einzelner Kun-
dinnen  und  Kunden  oder  aktiven  Ansprache  einzelner  Kundinnen  und  Kunden  ausgelöst 
wurde. 

91.  Gemäss Ziff. 12 Abs. 2 lit. b VertBek wird eine Beschränkung der Kundengruppen, an 
die ein an der Vereinbarung beteiligter Abnehmer verkaufen darf, als qualitativ schwerwiegend 
betrachtet. Eine qualitativ schwerwiegende Beeinträchtigung des Wettbewerbs aufgrund des 
Gegenstandes liegt jedoch nicht vor bei Beschränkungen des aktiven Verkaufs an Kunden-
gruppen, die der Abnehmer sich selbst vorbehalten hat, vorausgesetzt, dass Passivverkäufe 
uneingeschränkt möglich sind (Ziff. 12 Abs. 2 lit. b i) VertBek). Diese Ausnahme greift vorlie-
gend nicht, weil Passivverkäufe aufgrund des Wortlauts der Kundenaufteilungsklausel im Ko-
operationsvertrag ausgeschlossen sind. Folglich liegt eine qualitativ schwerwiegende Abrede 
im Sinne von Ziff. 12 Abs. 2 lit. b VertBek vor.  

B.4.3.3. Quantitative Beeinträchtigung des Wettbewerbs  

92.  Die Prüfung der quantitativen Beeinträchtigung des Wettbewerbs erfolgt üblicherweise 
anhand  derselben  Konzepte  wie  die  Frage,  ob  die  Unzulässigkeitsvermutung  nach  Art. 5 
Abs. 4 KG widerlegt werden kann;113 d.h. im Fall von Vertikalabreden anhand des vorhande-
nen Intrabrand- und Interbrand-Wettbewerbs. Die Analyse unterscheidet sich jedoch im Mass 
der Wettbewerbsbeeinträchtigung, welches erreicht sein muss, damit eine Abrede den Wett-
bewerb beseitigt oder (nur) erheblich beeinträchtigt. 

93.  Da die absatzseitige Kundenaufteilung eine qualitativ schwerwiegende Abrede gemäss 
Ziff. 12 Abs. 2 lit. b VertBek darstellt (siehe oben, Rz 91), braucht es in quantitativer Hinsicht 
nur wenig, um die Abrede gestützt auf eine Gesamtbeurteilung der betrachteten qualitativen 

108  Von Direktimport wird gesprochen, wenn Endkundinnen und Endkunden Produkte im Ausland ein-
kaufen und in die Schweiz einführen. Von Parallelimporten wird gesprochen, wenn Händler Produkte 
im  Ausland  erwerben  und  ausserhalb  der  vom  Hersteller  vorgesehenen  Vertriebskanäle  in  die 
Schweiz einführen. 

109  Act. 43, Rz 53 f. 
110 Act. 6, 7. 
111 Näheres zur Definition von Passivverkäufen siehe Ziff. 3 VertBek. 
112  Näheres zur Definition von Aktivverkäufen siehe Ziff. 2 VertBek.  
113 Vgl. RPW 2005/2, 263 Rz 73, Swico/Sens. 

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und  quantitativen  Kriterien  als  erhebliche Wettbewerbsbeschränkung  zu  qualifizieren  (siehe 
oben, Rz 82).  

94.  Der mengenbasierte Marktanteil von Brenntag auf dem Schweizer Markt für AdBlue lag 
im  Untersuchungszeitraum  gestützt  auf  Schätzungen  von  Brenntag  zwischen  [20–30] %  im 
Jahr 2014 und [10–20] % im Jahr 2017. Gestützt auf die Schätzungen des Gesamtmarktvolu-
mens von Brenntag und die Liefermengen von Brenntag an Bucher ergeben sich geschätzte 
Marktanteile von Bucher in Höhe von [0–10] % im Jahr 2014 und [0–10] % im Jahr 2017.114 
Bucher schätzt die eigenen mengenbasierten Marktanteile auf [0–10] % im Jahr 2016 und [0–
10] % im Jahr 2017.115  

95.  Nebst Bucher und Brenntag gibt es eine Reihe anderer Anbieter mit Vertrieb von AdBlue 
in der Schweiz. Dazu gehört insbesondere die BASF SE, Deutschland, mit der Schweizer Ver-
triebspartnerin Thommen-Furler AG, die österreichische Borealis AG mit Vertrieb über ein ei-
genes Netz und externe Partner sowie die deutsche Hoyer mit der Schweizer Vertriebspartne-
rin  Oel  Pool  AG. Weitere Wettbewerber  sind Tankstellenketten (z.B.  Shell,  Avia,  Total)  und 
internationale Transportunternehmen.116  

96.  Aufgrund  der  Marktanteile  von  Brenntag  und  Bucher  und  der  Konkurrenzsituation  auf 
dem schweizerischen Markt für AdBlue zeitigte die absatzseitige Kundenaufteilung quantita-
tive Auswirkungen auf dem schweizweiten Markt für den Vertrieb von AdBlue.  

B.4.3.4. Fazit 

97.  Gestützt auf eine Gesamtbeurteilung der dargelegten qualitativen und quantitativen Kri-
terien kommt die WEKO zum Schluss, dass die absatzseitige Kundenaufteilungsabrede zwi-
schen Bucher und Brenntag den Wettbewerb auf dem schweizweiten Markt für den Vertrieb 
von AdBlue im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG erheblich beeinträchtigte.   

B.4.4.  Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

98.  Wettbewerbsabreden sind gemäss Art. 5 Abs. 2 KG durch Gründe der wirtschaftlichen 
Effizienz gerechtfertigt, wenn sie: 

a.  notwendig sind, um die Herstellungs- oder Vertriebskosten zu senken, Produkte oder 
Produktionsverfahren zu verbessern, die Forschung oder die Verbreitung von techni-
schem oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nut-
zen; und 

b.  den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wett-

bewerb zu beseitigen. 

99.  Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, welche die absatzseitige Kundenaufteilungs-
abrede im Sinne von Art. 5 Abs. 2 KG rechtfertigen könnten. Die Parteien haben auch keine 
möglichen Effizienzgründe geltend gemacht. 

B.4.5.  Ergebnis 

100.  Die WEKO kommt gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zu folgendem Ergebnis:  

114  Act. 1, 6; act. 36, 43, Rz 45 f. 
115  Act. 1, 6; act. 6, 5, act. 36, 41, 65. 
116  Act. 43, Rz 48 f.; act. 1, 6, act. 6, 2 f. 

22-00061/COO.2101.111.3.404403  

21 

 
 
 
 
                                                
•  Die im Kooperationsvertrag zwischen Brenntag und Bucher vereinbarte Kundenauftei-
lung  stellt  eine  Wettbewerbsabrede  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG  dar  (vgl.  oben, 
Rz 31 ff.).  

•  Vorliegend wird nicht abschliessend geklärt, wie die Risikoverteilung zwischen Brenn-
tag  und  ihrer  Lieferantin  von  AdBlue  aussieht,  und  ob  Brenntags  Verhalten,  d.h.  die 
absatzseitige Kundenaufteilung mit Bucher, folglich Brenntag selber oder ihrer Liefe-
rantin von AdBlue zuzurechnen ist (vgl. oben, Rz 71 f.). Es ist deshalb nicht nachge-
wiesen, dass es sich bei der Kundenaufteilung um eine Abrede zwischen Konkurrenten 
im Sinne von Art. 5 Abs. 3 lit. c KG handelt (vgl. oben, Rz 77 f.).  

•  Unter der Voraussetzung, dass das Verhalten von Brenntag ihrer Lieferantin von Ad-
Blue zugerechnet wird, Brenntag als Handelsvertreterin sich auf den dualen Vertrieb 
berufen kann  und  die  absatzseitige  Kundenaufteilung  demnach – gestützt  auf  Ziff. 8 
Abs. 2 VertBek – nach der Vertikalbekanntmachung zu beurteilen ist, beeinträchtigte 
die  absatzseitige  Kundenaufteilungsabrede  den Wettbewerb  auf  dem  schweizweiten 
Markt für den Vertrieb von AdBlue im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG erheblich (vgl. oben, 
Rz 79 ff.). 

•  Es  sind  keine  Rechtfertigungsgründe  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  2  KG  ersichtlich 

(vgl. oben, Rz 99).  

101.  Die  absatzseitige  Kundenaufteilungsabrede  zwischen  Bucher  und  Brenntag  ist  somit 
eine unzulässige Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG. 

B.5.  Massnahmen – einvernehmliche Regelung  

102.  Nach Art. 30 Abs. 1 KG entscheidet die WEKO über die zu treffenden Massnahmen oder 
die  Genehmigung  einer einvernehmlichen  Regelung.  Massnahmen  in  diesem  Sinn  sind  so-
wohl Anordnungen zur Beseitigung von möglichen Wettbewerbsbeschränkungen als auch mo-
netäre Sanktionen.  

103.  Im vorliegenden Fall hat das Sekretariat im Februar 2018 mit Bucher eine einvernehmli-
che Regelung abgeschlossen (siehe oben, Rz 11), welche im September 2019 an den aktuel-
len Stand des Verfahrens angepasst wurde (siehe oben, Rz 21). Die einvernehmliche Rege-
lung mit Brenntag hat das Sekretariat im August 2019 abgeschlossen (siehe oben, Rz 20).  

104.  Die einvernehmliche Regelung mit Bucher lautet wie folgt:117 

«A. Vorbemerkungen 

a)  Die  nachfolgende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  KG  erfolgt  im 
übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0485 zu vereinfa-
chen, zu verkürzen und – unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbs-
kommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b)  Zur Erreichung der Zielsetzung gemäss lit. a) werden die Sachverhaltsermittlungen 
und die rechtliche Würdigung soweit wie möglich reduziert. Entsprechend kann die 
Begründungsdichte und -tiefe der Verfügung der WEKO gegenüber einer Verfügung 
ohne einvernehmliche Regelung teilweise reduziert werden.  

c)  Mit der Unterzeichnung der vorliegenden einvernehmlichen Regelung werden (unter 
Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die WEKO)  die  Massnahmen  hinsichtlich  aller 

117 Act. 98.  

22-00061/COO.2101.111.3.404403  

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Gegenstand  der  Untersuchung  22-0485  bildenden  Wettbewerbsbeschränkungen 
gegenüber Bucher einvernehmlich und abschliessend geregelt. 

d)  Sollte  diese  einvernehmliche  Regelung  von  der  WEKO  nicht  genehmigt  werden, 

wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. 

e)  Selbst  wenn  der  Abschluss  der  vorliegenden  einvernehmlichen  Regelung  seitens 
von  Bucher  keine  Anerkennung  der  Sachverhaltsdarstellung  und  der  rechtlichen 
Würdigung der Wettbewerbsbehörden darstellt, hält Bucher fest, dass sich im Falle 
einer Genehmigung dieser EVR durch die WEKO die Ergreifung von Rechtsmitteln 
erübrigt. 

f)  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  gehen  die  Verfahrenskosten  zu  Lasten  von 

Bucher und der Brenntag Schweizerhall AG.  

B. Vereinbarung 

Bucher verpflichtet sich, sich mit der Brenntag Schweizerhall AG nicht über eine Aufteilung 
von Kunden von AdBlue auszutauschen.» 

105.  Die einvernehmliche Regelung mit Brenntag lautet wie folgt:118 

«A. Vorbemerkungen 

a)  Die  nachfolgende  einvernehmliche  Regelung  im  Sinne  von  Art. 29  KG  erfolgt  im 
übereinstimmenden Interesse der Beteiligten, das Verfahren 22-0485 zu vereinfa-
chen, zu verkürzen und – unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Wettbewerbs-
kommission (WEKO) – zu einem förmlichen Abschluss zu bringen. 

b)  Zur Erreichung der Zielsetzung gemäss lit. a) werden die Sachverhaltsermittlungen 
und die rechtliche Würdigung soweit wie möglich reduziert. Entsprechend kann die 
Begründungsdichte und -tiefe der Verfügung der WEKO gegenüber einer Verfügung 
ohne einvernehmliche Regelung teilweise reduziert werden.  

c)  Mit der Unterzeichnung der vorliegenden einvernehmlichen Regelung werden (unter 
Vorbehalt  der  Genehmigung  durch  die WEKO)  die  Massnahmen  hinsichtlich  aller 
Gegenstand  der  Untersuchung  22-0485  bildenden  Wettbewerbsbeschränkungen 
gegenüber Brenntag einvernehmlich und abschliessend geregelt. 

d)  Sollte  diese  einvernehmliche  Regelung  von  der  WEKO  nicht  genehmigt  werden, 

wird die Untersuchung im ordentlichen Verfahren zu Ende geführt. 

e)  Selbst  wenn  der  Abschluss  der  vorliegenden  einvernehmlichen  Regelung  seitens 
Brenntag keine Anerkennung der Sachverhaltsdarstellung und der rechtlichen Wür-
digung  der Wettbewerbsbehörden  darstellt,  hält  Brenntag  fest,  dass  sich  im  Falle 
einer Genehmigung dieser EVR durch die WEKO die Ergreifung von Rechtsmitteln 
erübrigt. 

f)  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  gehen  die  Verfahrenskosten  zu  Lasten  von 

Brenntag und der Bucher AG Langenthal.  

B. Vereinbarung 

Brenntag verpflichtet sich, sich mit der Bucher AG Langenthal nicht über eine Aufteilung von 
Kunden von AdBlue auszutauschen.» 

106.  Die genannten einvernehmlichen Regelungen umschreiben die Verpflichtungen, welche 
die  Parteien  eingegangenen  sind,  um  sich  künftig  kartellrechtskonform  zu  verhalten,  hinrei-
chend bestimmt, vollständig und klar.  

118 Act. 91.  

22-00061/COO.2101.111.3.404403  

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107.  Verstösse bzw. Widerhandlungen gegen die vorliegenden einvernehmlichen Regelun-
gen können nach Massgabe von Art. 50 bzw. 54 KG mit einer Verwaltungs- bzw. Strafsanktion 
belegt  werden.  Diese  Sanktionierbarkeit  ergibt  sich  ohne Weiteres  aus  dem  Gesetz  selber, 
weshalb auf eine entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktions-
drohung im Dispositiv verzichtet werden kann.119  

C. 

Kosten 

108.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG120 ist gebührenpflichtig, wer das Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

109.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt oder 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend haben die Verfügungsadressatinnen das be-
anstandete Verhalten aufgegeben und sich zu einer einvernehmlichen Regelung verpflichtet. 
Eine Gebührenpflicht ist daher zu bejahen. 

110.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis 400. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebühren ein-
geschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG).  

111.  Die aufgewendete Zeit beträgt vorliegend insgesamt 369 Stunden. Aufgeschlüsselt wer-
den demnach folgende Stundenansätze verrechnet:  

−  32 Stunden zu CHF 130, ergebend CHF 4’160 

−  323 Stunden zu CHF 200, ergebend CHF 64’600 

−  14 Stunden zu CHF 290, ergebend CHF 4’060 

112.  Demnach beläuft sich die Gebühr auf CHF 72’820. 

113.  Gemäss der Praxis der WEKO wird eine Pro-Kopf-Verlegung der Kosten vorgenommen, 
wobei  eine  Ausnahme  gemacht  werden  kann,  wenn  diese  Regelung  zu  einem  stossenden 
Ergebnis führt.121 Eine Pro-Kopf-Verteilung der Kosten entspricht dem Verursacherprinzip am 
besten, weil der grösste Teil des Aufwands nicht einer bestimmten Verfahrenspartei zuorden-
bar ist, sondern auf die Fallbearbeitung an sich entfällt. Hat allerdings eine bestimmte Partei 
ausnahmsweise nur sie und nicht den Fall als solchen, wozu u.a. Sachverhaltsabklärungen 
gehören, betreffenden Aufwand verursacht, etwa weil einzelne Verfahrensschritte nur bezüg-
lich einer Partei erforderlich wurden (z.B. der Erlass einer Auskunftsverfügung), so rechtfertigt 
das hinsichtlich dieses spezifischen Aufwands eine Abweichung von einer «Pro-Kopf-Vertei-
lung» und eine Auferlegung der dadurch verursachten Kosten an die entsprechende Partei. 122  

114.  Am 13. Juli 2018 stellte Brenntag ein Ausstandsbegehren, welches sie zurückzog, nach-
dem der Direktor des Sekretariats in seiner Stellungnahme dargelegt hatte, dass keine Aus-
standsgründe vorliegen würden (siehe oben, Rz 15). Die Kosten von CHF 3'700 (18,5 Stunden 

119 Vgl.  Entscheid  der  REKO/WEF,  RPW  2005/3,  530  E. 6.2.6,  Telekurs  Multipay;  Urteil  des  BVGer, 

RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique.  

120 Verordnung vom 25.2.1998 über die Gebühren zum Kartellgesetz (Gebührenverordnung KG, GebV-

KG; SR 251.2). 

121 RPW 2016/3, 717 Rz 449, Flügel und Klaviere m.w.H. auf RPW 2013/4, 646 Rz 1043, Wettbewerbs-

abreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  

122 Zum Ganzen RPW 2013/4, 646 Rz 1047, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton 

Zürich. 

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zu CHF 200) für die Bearbeitung des Ausstandsbegehrens sind einzig Brenntag aufzuerlegen, 
da ausschliesslich sie den betreffenden Aufwand verursacht hat.  

115.  Der übrige Aufwand des vorliegenden Verfahrens ist durch die Bearbeitung des Falles 
und insbesondere durch Sachverhaltsabklärungen entstanden. Die restlichen Verfahrenskos-
ten von insgesamt CHF 69’120 werden deshalb Bucher und Brenntag zu gleichen Teilen auf-
erlegt. 

D. 

Ergebnis 

116.   Die WEKO kommt gestützt auf die vorstehenden Erwägungen zu folgendem Ergebnis:  

•  Die im Kooperationsvertrag zwischen Brenntag und Bucher vereinbarte Kundenauftei-
lung  stellt  eine  Wettbewerbsabrede  im  Sinne  von  Art.  4  Abs.  1  KG  dar  (vgl.  oben, 
Rz 31 ff.).  

•  Vorliegend wird nicht abschliessend geklärt, wie die Risikoverteilung zwischen Brenn-
tag  und  ihrer  Lieferantin  von  AdBlue  aussieht,  und  ob  Brenntags  Verhalten,  d.h.  die 
absatzseitige Kundenaufteilung mit Bucher, folglich Brenntag selber oder ihrer Liefe-
rantin von AdBlue zuzurechnen ist (vgl. oben, Rz 71 f.). Es ist deshalb nicht nachge-
wiesen, dass es sich bei der Kundenaufteilung um eine Abrede zwischen Konkurrenten 
im Sinne von Art. 5 Abs. 3 lit. c KG handelt (vgl. oben, Rz 77 f.).  

•  Unter der Voraussetzung, dass das Verhalten von Brenntag ihrer Lieferantin von Ad-
Blue zugerechnet wird, Brenntag als Handelsvertreterin sich auf den dualen Vertrieb 
berufen kann  und  die  absatzseitige  Kundenaufteilung  demnach – gestützt  auf  Ziff. 8 
Abs. 2 VertBek – nach der Vertikalbekanntmachung zu beurteilen ist, beeinträchtigte 
die  absatzseitige  Kundenaufteilungsabrede  den Wettbewerb  auf  dem  schweizweiten 
Markt für den Vertrieb von AdBlue im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG erheblich (vgl. oben, 
Rz 79 ff.).  

•  Es  sind  keine  Rechtfertigungsgründe  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  2  KG  ersichtlich 

(vgl. oben, Rz 99).  

•  Die  Verfahrenskosten  belaufen  sich  insgesamt  auf  CHF  72’820.  Davon  werden 
CHF 3'700 für die Bearbeitung des Ausstandsbegehrens Brenntag auferlegt. Die rest-
lichen  Verfahrenskosten  von  CHF  69’120  werden  Bucher  und  Brenntag  zu  gleichen 
Teilen auferlegt (vgl. oben, Rz 108 ff.). 

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25 

 
 
 
 
 
 
E. 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die WEKO: 

1. 

2. 

3. 

4. 

Die WEKO genehmigt die nachfolgende von der Bucher Langenthal AG mit dem Sekre-
tariat  vereinbarte  einvernehmliche  Regelung  vom  13.  September  2019 resp.  24.  Sep-
tember 2019 mit nachfolgendem Wortlaut (vgl. für den gesamten Text inkl. Vorbemer-
kungen Rz 104): 

Bucher verpflichtet sich, sich mit der Brenntag Schweizerhall AG nicht über eine Auf-
teilung von Kunden von AdBlue auszutauschen. 

Die WEKO genehmigt  die  nachfolgende  von  der Brenntag  Schweizerhall  AG  mit  dem 
Sekretariat vereinbarte einvernehmliche Regelung vom 19. August 2019 resp. 20. Au-
gust 2019 mit nachfolgendem Wortlaut (vgl. für den gesamten Text inkl. Vorbemerkun-
gen Rz 105): 

Brenntag verpflichtet sich, sich mit der Bucher AG Langenthal nicht über eine Aufteilung 
von Kunden von AdBlue auszutauschen.  

Im Übrigen wird die Untersuchung eingestellt. 

Die Verfahrenskosten belaufen sich auf CHF 72’820 und werden wie folgt auferlegt:  

-  Bucher AG Langenthal 

-  Brenntag Schweizerhall AG  

Die Verfügung ist zu eröffnen: 

CHF 34’560 

CHF 38’260 

−  Brenntag Schweizerhall AG, Elsässerstrasse 231, 4002 Basel 

vertreten durch RA Klaus Neff, Vischer AG, Schützengasse 1, 8021 Zürich 

−  Bucher AG Langenthal, Bern-Zürichstrasse 31, 4900 Langenthal 

vertreten durch RA Martin Hütte, RA Christian Bernegger, Postfach 1435, 6301 Zug 

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26 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Andreas Heinemann 
Präsident 

Prof. Dr. Patrik Ducrey  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde geführt werden. Die Rechtsschrift hat die Begeh-
ren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Die 
angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei 
in Händen hat, beizulegen.  

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