# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a13a1a65-2e79-550f-9833-0480f4753aab
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-10
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 10.12.2014 100 2014 56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2014-56_2014-12-10.pdf

## Full Text

100.2014.56U
KEP/COZ/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 10. Dezember 2014

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Verwaltungsrichter Keller
Gerichtsschreiberin Conrad

1. A.________
2. B.________
beide vertreten durch Fürsprecher …
Beschwerdeführerinnen

gegen

C.________
handelnd durch die statutarischen Organe
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdegegnerin

und

Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
Reiterstrasse 11, 3011 Bern

sowie

Einwohnergemeinde Saanen
Baubewilligungsbehörde, Gemeindeverwaltung, 3792 Saanen

betreffend Abbruch und Neubau eines Wohnhauses; Art. 75b BV (Entscheid der Bau-, 
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern vom 29. Januar 2014; RA 
Nr. 110/2012/245)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Am 23. Juli 2012 stellten A.________ und B.________ bei der Einwohnergemeinde 
(EG) Saanen ein Baugesuch für den Abbruch des bestehenden Chalets mit 
Nebengebäuden und den Neubau eines Chalets mit zwei Wohnungen und Einstellhalle 
auf der in der Wohnzone W3 liegenden Parzelle Saanen Gbbl. Nr. 1___ an der 
…strasse 2___ in …. Dagegen erhob C.________ Einsprache. Sie rügte, das 
Bauvorhaben verstosse gegen den von Volk und Ständen am 11. März 2012 
angenommenen Art. 75b der Bundesverfassung (BV; SR 101) betreffend 
Zweitwohnungen. Mit Gesamtentscheid vom 29. November 2012 bewilligte die EG 
Saanen das Vorhaben und wies die Einsprache ab. 

B.

Gegen diesen Gesamtentscheid führte C.________ am 31. Dezember 2012 
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). 
Nachdem sich das Bundesgericht am 22. Mai 2013 in zwei Grundsatzurteilen zur 
Anwendbarkeit von Art. 75b BV auf hängige Verfahren geäussert hatte, fragte die BVE 
A.________ und B.________ an, ob sie mit der Auflage einverstanden wären, die 
neuen Wohnungen als Erstwohnungen zu nutzen. A.________ und B.________ 
äusserten sich hierzu nicht, hielten aber mit Eingabe vom 17. Dezember 2013 fest, 
dass die Dachwohnung bisher ausschliesslich als Ferienwohnung genutzt worden sei. 
Die BVE hiess die Beschwerde am 29. Januar 2014 gut und erteilte den Bauabschlag.

C.

Hiergegen haben A.________ und B.________ am 27. Februar 2014 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Sie beantragen, der Entscheid der BVE vom 
29. Januar 2014 sei aufzuheben und es sei ihnen für das Bauvorhaben die 
Baubewilligung zu erteilen. Eventuell sei das Beschwerdeverfahren bis zum Zeitpunkt 
des Inkrafttretens des Bundesgesetzes über Zweitwohnungen zu sistieren. Mit 
Beschwerdeantwort vom 22. März 2014 beantragt C.________, die Verwaltungs-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 3

gerichtsbeschwerde sei abzuweisen. Die BVE schliesst mit Vernehmlassung vom 
28. März 2014 auf Abweisung der Beschwerde. Die EG Saanen stellt keinen Antrag in 
der Sache, äussert sich aber mit Eingabe vom 4. April 2014 zur Nutzung der drei 
bestehenden Wohnungen. 

Der Instruktionsrichter hat A.________ und B.________ aufgefordert, sich im Licht von 
zwei Urteilen des Bundesgerichts vom 10. Juni 2014 dazu zu äussern, ob sie an ihrem 
Sistierungsantrag festhalten oder nicht. Mit Eingabe vom 11. September 2014 halten 
A.________ und B.________ an ihrem Sistierungsantrag fest. C.________ schliesst 
mit Stellungnahme vom 20. Oktober 2014 auf Abweisung des Sistierungsantrags. Die 
BVE und die EG Saanen haben hierzu keine Bemerkungen eingereicht.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale 
Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig. Die 
Beschwerdeführerinnen haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind 
durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges 
Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 40 
Abs. 5 i.V.m. Abs. 2 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). Auf die 
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG). 

2.

2.1 Am 11. März 2012 ist mit Annahme der Volksinitiative «Schluss mit uferlosem 
Bau von Zweitwohnungen!» Art. 75b BV in Kraft getreten (vgl. Art. 195 BV i.V.m. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 4

Art. 15 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die politischen Rechte [BPR; SR 161.1]; 
BGE 139 II 243 E. 8). Dessen Abs. 1 bestimmt, dass der Anteil von Zweitwohnungen 
am Gesamtbestand der Wohneinheiten und der für Wohnzwecke genutzten 
Bruttogeschossfläche einer Gemeinde auf höchstens 20 % beschränkt ist. Das 
Bundesgericht hat entschieden, dass Art. 75b Abs. 1 BV seit seinem Inkrafttreten 
anwendbar ist. Unmittelbar anwendbar ist die Bestimmung insoweit, als sie (in 
Verbindung mit Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV) ein Baubewilligungsverbot für Zweitwohnun-
gen in allen Gemeinden anordnet, in denen der 20 %-Zweitwohnungsanteil bereits 
erreicht oder überschritten ist. Indessen bedarf Art. 75b BV in weiten Teilen der 
Konkretisierung durch ein Bundesgesetz. Soweit Ausführungsrecht unabdingbar ist, 
um den Anwendungsbereich und die Rechtswirkungen der Verfassungsnorm definitiv 
und exakt bestimmen zu können, beschränkt sich die unmittelbare Anwendbarkeit von 
Art. 75b Abs. 1 i.V.m. Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV auf ein vorsorgliches Bau-
bewilligungsverbot für Zweitwohnungen in den betroffenen Gemeinden bis zum 
Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen. Dieses vorläufige Bauverbot kommt im 
Ergebnis einer Planungszone gleich. Es ist weit auszulegen, um dem Gesetzgeber 
nicht vorzugreifen und eine Präjudizierung der künftigen Ausführungsgesetzgebung zu 
vermeiden (BGE 140 II 378 E. 5, 139 II 243 E. 9 ff.; Bernhard Waldmann, Das 
Bundesgericht hat gesprochen – erste Leiturteile zur Zweitwohnungsinitiative, in 
BR 2013 S. 233 ff.). Insofern erfasst es nicht nur Bauten, die erklärtermassen als 
Zweitwohnungen genutzt werden sollen, sondern auch solche, die als Zweitwohnungen 
genutzt werden könnten (vgl. BGer 1C_666/2013 vom 25.11.2013, E. 4, 1C_289/2013 
vom 28.10.2013, E. 3.2; zum Ganzen VGE 2012/422 vom 10.2.2014, E. 2).

2.2 Die EG Saanen hat die Baubewilligung am 29. November 2012 und damit nach 
Inkrafttreten von Art. 75b BV erteilt. Der Zweitwohnungsanteil der EG Saanen liegt 
deutlich über 20 Prozent (vgl. <http://www.are.admin.ch>, Rubrik «Zweitwohnungen», 
«Gemeindeliste mit Zweitwohnungsanteil»; Art. 1 Abs. 2 i.V.m. Anhang der Verordnung 
vom 22. August 2012 über Zweitwohnungen [Zweitwohnungsverordnung; SR 702], 
Gemeinde Nr. 843). Das projektierte Haus lässt eine Nutzung mit Zweitwohnungen zu. 
Das Bauvorhaben der Beschwerdeführerinnen fällt somit unstreitig in den 
Anwendungsbereich von Art. 75b Abs. 1 BV. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 5

3.

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob das Beschwerdeverfahren 
bis zum Inkrafttreten des Bundesgesetzes über Zweitwohnungen 
(Zweitwohnungsgesetz, ZWG) zu sistieren ist und die Bewilligungsfähigkeit des 
Bauvorhabens unter neuem Recht abschliessend beurteilt werden kann.

3.1 Die instruierende Behörde kann von Amtes wegen oder auf Antrag das 
Verfahren einstellen, wenn dessen Ausgang vom Entscheid eines andern Verfahrens 
abhängt oder wesentlich beeinflusst wird oder wenn im andern Verfahren über die 
gleiche Rechtsfrage zu befinden ist (Art. 38 VRPG). Daneben können weitere Gründe 
der Prozessökonomie eine Sistierung als sachgerecht erscheinen lassen (Markus 
Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 90). Beispielsweise wenn 
eine Rechtsänderung kurz bevorsteht, die für den Verfahrensausgang wesentlich ist. 
Neue Vorschriften müssen aber beschlossen oder zumindest aufgelegt worden sein, 
um eine Einstellung zu rechtfertigen. Vage Aussichten auf eine Rechtsänderung oder 
eine Veränderung der Verhältnisse überhaupt genügen nicht. Ebensowenig darf sistiert 
werden, wenn eine Rechtsänderung zwar beabsichtigt, ihr Inhalt aber noch unbestimmt 
ist (Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 38 
N. 6). Im Hinblick auf die Anwendung neuen Rechts hat das Bundesgericht 
beispielsweise entschieden, dass die Anordnung einer Wiederherstellung des 
rechtmässigen Zustands unverhältnismässig sein kann, wenn das umstrittene 
Bauvorhaben aufgrund eines neuen Erlasses bewilligt werden könnte, der 
verabschiedet ist und zwar noch nicht in Kraft steht, jedoch innerhalb eines halben 
Jahres in Kraft treten sollte (BGer 1C_187/2011 vom 15.3.2012, in ZBl 2012 S. 610 
E. 3.4; dazu VGE 2011/257 vom 11.1.2013, E. 6.5.1).

3.2 Vorliegend steht zwar fest, dass ein Bundesgesetz über Zweitwohnungen 
erlassen wird: Art. 75b Abs. 2 BV verpflichtet den Bund zur Ausführungsgesetzgebung 
(BGE 139 II 271 E. 11.1) und es liegt ein Gesetzesentwurf vor, der zurzeit im 
Parlament beraten wird. Hingegen ist derzeit nicht absehbar, wann das Gesetz im 
Parlament verabschiedet und ob dagegen ein Referendum ergriffen wird. Unter diesen 
Umständen steht die Gesetzesänderung nicht so unmittelbar bevor, dass eine 
Sistierung des Verfahrens im Hinblick darauf gerechtfertigt wäre.

3.3 Die Beschwerdeführerinnen begründen ihren Sistierungsantrag damit, dass 
Abbruch und Wiederaufbau vorbestehender Wohnungen sowie die Frage der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 6

Bestandesgarantie ausdrücklich im Entwurf des Bundesgesetzes über 
Zweitwohnungen (nachstehend: E-ZWG; BBl 2014 S. 2325) geregelt würden und ihr 
Bauvorhaben mit dem für sie günstigeren neuen Recht dementsprechend bewilligt 
werden könne. Damit beziehen sich die Beschwerdeführerinnen auf Art. 12 Abs. 1 und 
2 E-ZWG (vgl. hinten E. 4.5). – Trotz der vorliegend zu bestätigenden Verweigerung 
der Baubewilligung (vgl. E. 4 hiernach) bleibt es den Beschwerdeführerinnen indessen 
unbenommen, das Baugesuch nach Inkrafttreten der Ausführungsgesetzgebung neu 
einzureichen; eine res iudicata läge zufolge Rechtsänderung nicht vor (BGer 
1C_89/2014 vom 10.6.2014, E. 6; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 
1983, S. 324). Daher besteht die Möglichkeit, das umstrittene Bauvorhaben ungeachtet 
einer Sistierung des Beschwerdeverfahrens unter neuem Recht zu beurteilen. Zudem 
würde das Verwaltungsgericht wohl auch nicht als erste Instanz über die Anwendung 
der Bestimmungen des neuen Bundesgesetzes entscheiden; diesfalls wäre zu 
gegebener Zeit ohnehin die Rückweisung an eine untere Instanz geboten. Nach dem 
Gesagten ist nicht ersichtlich, worin der Vorteil einer Sistierung des Verfahrens für die 
Beschwerdeführerinnen liegt. Der Antrag auf Sistierung des Verfahrens ist abzuweisen.

4.

In der Sache ist umstritten, ob der Abbruch und der Wiederaufbau des Chalets im Licht 
der Zweitwohnungsgesetzgebung zulässig sind und ob hierfür der Tatbestand der 
Umnutzung nach Art. 3 der Zweitwohnungsverordnung greift. 

4.1 Art. 3 Abs. 1 Zweitwohnungsverordnung bestimmt, dass Wohnungen, die am 
11. März 2012 bereits bestanden oder rechtskräftig bewilligt waren, im Rahmen der 
vorbestandenen, anrechenbaren Bruttogeschossfläche (BGF) und unter Vorbehalt 
bestehender Nutzungseinschränkungen von Erst- in Zweit- und von Zweit- in 
Erstwohnungen umgenutzt werden können. Die Umnutzung ist insbesondere 
gerechtfertigt, wenn sie im Zusammenhang mit einer Erbschaft, einem 
Wohnsitzwechsel oder einer Änderung des Zivilstands erfolgt (Art. 3 Abs. 2 Bst. a 
Zweitwohnungsverordnung). 

4.2 Die Vorinstanz hat erwogen, dass bei einer Umnutzung von Erst- in 
Zweitwohnungen Umbauten ohne Nutzungsbeschränkungen bewilligt werden könnten, 
wenn dadurch die bestehende BGF und die Anzahl Wohneinheiten nicht erweitert 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 7

würden und wenn ein besonderer Rechtfertigungsgrund nach Art. 3 Abs. 2 
Zweitwohnungsverordnung vorläge. Mangels einer ausdrücklichen gesetzlichen 
Bestimmung seien diese Voraussetzungen sinngemäss auch für den Abbruch und den 
Wiederaufbau bestehender Wohnungen anwendbar. Die drei Wohnungen des 
bestehenden Chalets würden als Erstwohnungen genutzt, womit der Abbruch und der 
Neubau eine Umnutzung von Erst- in Zweitwohnungen zur Folge habe. Ein Recht-
fertigungsgrund liege nicht vor, weshalb eine Umnutzung nicht möglich sei und zwar 
auch dann nicht, wenn die Dachwohnung, wie von den Beschwerdeführerinnen 
behauptet, bisher als Zweitwohnung genutzt worden sei, da sie eine weit kleinere BGF 
aufweise als jede der beiden neu projektierten Wohnungen. Weil sich die Art der 
Nutzung nur auf ganze Wohnungen beziehe, würde die anrechenbare BGF der 
Dachwohnung für keine der geplanten Wohnungen ausreichen. Das Bauvorhaben mit 
Zweitwohnungen könne aus diesen Gründen nicht bewilligt werden (angefochtener 
Entscheid, E. 3b-e). 

4.3 Die Beschwerdeführerinnen rügen, die Vorinstanz habe Art. 3 Abs. 1 
Zweitwohnungsverordnung falsch ausgelegt und in unzulässiger Weise auf den 
Abbruch und den Wiederaufbau angewandt. Die Bestimmung sehe keine 
Nutzungsbeschränkung für vorbestehende Liegenschaften vor. Abbruch und 
Wiederaufbau seien bewusst nicht geregelt worden, da der Zweitwohnungsartikel der 
Bundesverfassung hierzu nicht ermächtigt habe. Abbruch und Wiederaufbau innerhalb 
der gleichen BGF, die mit dem vorliegenden Bauvorhaben nicht vergrössert werde, 
sowie eine damit einhergehende Umnutzung seien uneingeschränkt zulässig. Die 
Dachwohnung sei als bestehende Zweitwohnung zu qualifizieren. Selbst wenn der 
Abbruch und der Wiederaufbau nur in den Fällen von Art. 3 Abs. 2 Zweit-
wohnungsverordnung möglich sein sollte, so könne das Bauvorhaben aufgrund von 
Bst. a dieser Bestimmung bewilligt werden, da zwei der bestehenden Wohnungen im 
Rahmen einer Erbteilung übernommen worden seien. Weiter machen die 
Beschwerdeführerinnen geltend, Nutzungsbeschränkungen für vorbestehende 
Liegenschaften seien mit der Eigentumsgarantie nicht vereinbar. Für einen solchen 
Eingriff in die Eigentumsgarantie stelle die Zweitwohnungsverordnung eine 
ungenügende rechtliche Grundlage dar, die bezüglich des Abbruchs und 
Wiederaufbaus auch ungenügend bestimmt sei. Schliesslich bemängeln die 
Beschwerdeführerinnen die Rechtmässigkeit der Zweitwohnungsverordnung im 
Allgemeinen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 8

4.4 In einem kürzlich publizierten Leiturteil vom 15. August 2014 betreffend den 
Um- und Ausbau einer bestehenden Zweitwohnung hat sich das Bundesgericht zur 
Anwendbarkeit der Zweitwohnungsverordnung im Allgemeinen und insbesondere zu 
deren Art. 3 geäussert. Da die in Art. 197 Ziff. 9 Abs. 1 BV statuierte Übergangsfrist 
zum Erlass eines Ausführungsgesetzes inzwischen abgelaufen ist, hat das 
Bundesgericht entschieden, aus kompetenzrechtlicher Sicht bestünden keine 
Bedenken mehr gegen die bereits vor Ablauf dieser Frist erlassene 
Zweitwohnungsverordnung. Die geltende Verordnung ist gemäss diesem Urteil daher 
bis zum Inkrafttreten des Zweitwohnungsgesetzes anzuwenden, sofern sie den Anwen-
dungsbereich von Art. 75b BV in zulässiger Weise präzisiert. Zu Art. 3 der 
Zweitwohnungsverordnung hat das Bundesgericht Folgendes erwogen: Die 
Bestimmung trägt die Überschrift «bestehende Wohnungen und Hotels». Sie regelt 
jedoch lediglich die Umnutzung von am 11. März 2012 bereits bestehenden oder 
rechtskräftig bewilligten Wohnungen. Nicht geregelt ist der Um- bzw. Ausbau einer 
Zweitwohnung, die weiterhin als Zweitwohnung genutzt werden soll. Insoweit bleibt es 
daher bei der Übergangsregelung gemäss Art. 197 Ziff. 9 Abs. 2 BV (BGE 140 II 378 
E. 4; vgl. vorne E. 2.1). Es handelt sich insoweit um eine bloss vorübergehende 
Einschränkung der Eigentumsgarantie. Für derartige vorsorgliche und zeitlich 
beschränkte Massnahmen sind keine hohen Anforderungen an die Bestimmtheit der 
Norm zu stellen (BGE 139 II 243 E. 10.5; zum Ganzen und zum Nachstehenden VGE 
2013/34 vom 5.11.2014, E. 4.5 f. [nicht rechtkräftig]).

4.5 Der Wiederaufbau bestehender Wohnungen ist in Art. 3 der Zweit-
wohnungsverordnung ebenfalls nicht geregelt; die Ausführungen des Bundesgerichts 
müssen für diesen Sachverhalt daher ebenso gelten, ungeachtet dessen, ob und 
inwiefern mit dem Wiederaufbau des Chalets eine Umnutzung von Erst- in 
Zweitwohnungen verbunden ist. Aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 
verbietet es sich daher, die derzeit geltende Zweitwohnungsverordnung sinngemäss 
auf den Abbruch und Wiederaufbau bestehender Wohnungen anzuwenden. Ob dieser 
ohne Nutzungsbeschränkung zulässig sein soll, wird der Gesetzgeber entscheiden 
müssen. Der E-ZWG sieht zwar vor, dass altrechtliche Wohnungen unter Vorbehalt 
bestehender oder künftiger Nutzungsbeschränkungen des kantonalen oder 
kommunalen Rechts in der Art der Wohnnutzung frei sind und im Rahmen der 
vorbestandenen Hauptnutzfläche erneuert, umgebaut und wieder aufgebaut werden 
dürfen (Art. 12 Abs. 1 und 2 E-ZWG). Wie erwähnt, ist indessen nicht absehbar, ob und 
wann das Gesetz in dieser Form beschlossen wird; es ist zudem nicht ausgeschlossen, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 9

dass dagegen das Referendum ergriffen wird (vgl. vorne E. 3.2). Aus dem neuen Recht 
lässt sich eine erweiterte Besitzstandsgarantie daher nicht ableiten, ebenso wenig aus 
der Eigentumsgarantie (vgl. dazu Bernhard Waldmann, Zweitwohnungen – vom 
Umgang mit einer sperrigen Verfassungsnorm, in Schweizerische Baurechtstagung 
2013, S. 123 ff., 150 f.; Alain Griffel, Die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative – eine 
Zwischenbilanz, in ZBl 2014 S. 59 ff., 76 f., 79; Fabian Mösching, Massnahmen zur 
Beschränkung von Zweitwohnungen, Diss. Bern 2014, S. 106). Die 
entscheidwesentlichen tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich mit genügender 
Klarheit aus den Akten. Eine Parteibefragung erübrigt sich; der entsprechende Antrag 
der Beschwerdeführerinnen wird abgewiesen (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., 
Art. 18 N. 10).

4.6 Beim Abbruch und Wiederaufbau von Gebäuden mit Zweitwohnungen handelt 
es sich somit um einen baubewilligungspflichtigen Tatbestand, dessen Vereinbarkeit 
mit Art. 75b BV zweifelhaft erscheint und der bis zur Klärung durch den Gesetzgeber 
nicht bewilligt werden kann (vgl. BGE 140 II 378 E. 5.3). Die beantragte Baubewilligung 
ist daher zu verweigern. Die BVE hat die Erteilung der Baubewilligung durch die 
Gemeinde im Ergebnis zu Recht aufgehoben, auch wenn andere Gründe zu dieser 
Erkenntnis führen (sog. Substitution der Motive; BVR 2012 S. 241 E. 3.4, 2010 S. 495 
E. 2.4).

5.

Offensichtlich unbegründete Beschwerden beurteilt das Verwaltungsgericht in 
Zweierbesetzung (Art. 56 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die 
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

6.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführerinnen 
vollumfänglich. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen und der anwaltlich 
vertretenen Beschwerdegegnerin die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 1 und 3 
i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 10

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Der Antrag auf Sistierung des Verfahrens wird abgewiesen.

2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf eine 
Pauschalgebühr von Fr. 1'500.--, werden den Beschwerdeführerinnen auferlegt.

4. Die Beschwerdeführerinnen haben der Beschwerdegegnerin die Parteikosten für 
das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, festgesetzt auf Fr. 2'627.-- (inkl. 
Auslagen und MWSt), zu ersetzen.

5. Zu eröffnen:
- den Beschwerdeführerinnen
- der Beschwerdegegnerin
- der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
- der Einwohnergemeinde Saanen
- dem Bundesamt für Raumentwicklung

und mitzuteilen:
- dem Regierungsstatthalteramt Obersimmental-Saanen

Der Abteilungspräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 
gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.12.2014, Nr. 100.2014.56U, Seite 11