# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a190b37e-69ce-50ba-8cc0-04a2ba9224cd
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-10-16
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 16.10.2018 IV.2018.2 (SVG.2018.323)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_IV-2018-2_2018-10-16.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 16.
Oktober 2018

 

 

Mitwirkende

 

Dr. A. Pfleiderer (Vorsitz), Dr. med.
W. Rühl, lic. iur. A. Lesmann-Schaub     

und
Gerichtsschreiberin MLaw P. Müller

 

 

 

 

Parteien

 

A____

[...]   

vertreten durch B____, [...]     

                                                                                                 Beschwerdeführer

 

 

 

IV-Stelle Basel-Stadt

Rechtsdienst, Lange Gasse 7,
Postfach, 4002 Basel   

                                                                                            Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

IV.2018.2

Invalidenrente

Beweiswert RAD-Berichte

 

 

Tatsachen

I.       
 

a)        Der 1974 geborene A____ hat in seinem Heimatland
Algerien eine Lehre als Konditor abgeschlossen (IV-Akte 66). Am 10. Juli
2003 meldete er sich mit dem Hinweis auf eine Diskushernie bei der
Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Nach Abklärungen
hat die IV-Stelle die beantragten beruflichen Massnahmen (IV-Akte 1)
abgewiesen (Verfügung vom 14. Oktober 2003 IV-Akte 17).

b)        Bei der Wiederanmeldung vom 10. Juli 2012 gab A____
Depressionen und psychische Instabilität an (IV-Akte 18). Seit Februar
2013 wohnt er begleitet in einer Wohnung des Schweizerischen Roten Kreuzes
(SRK) (Beschwerdebeilage 4). A____ befand sich ab dem 26. März 2014 in
einem mehrwöchigen stationären Aufenthalt in der Klinik C____ AG
(IV-Akte 57). Er wurde am 26. September 2014 am Rücken operiert (IV-Akte 84 S. 8 f.).

c)         Im Spätsommer bzw. Herbst 2015 gewährte die
IV-Stelle A____ Frühinterventionsmassnahmen in Form eines sechsmonatigen Aufbautrainings
bei der Bäckerei D____ AG (IV-Akten 72 und 91) und erteilte Kostengutsprache für
ein Coaching (IV-Akte 76). Im Rahmen der Abklärungen holte die IV-Stelle
insbesondere mehrere Berichte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
(IV-Akten 64, 120 und 135) und bei Frau Dr. E____, Oberärztin der spinalen Chirurgie
des Universitätsspitals, ein (IV-Akten 61, 84, 127 und 132). Vom 17. Mai
2016 bis am 31. Juli 2017 arbeitete A____ in einem 50% Pensum bei der
Firma F____ (vgl. Beschwerdebeilage 3).

d)        Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen (Mitteilung
vom 18. März 2016 IV-Akte 117), stellte die IV-Stelle A____ mit
Vorbescheid vom 7. November 2016 die Gewährung einer ganzen Rente für den
Zeitraum vom 1. April 2014 bis am 30. April 2015 in Aussicht. Am 29. November
2016 und 21. Februar 2017 erhob die versicherte Person Einwände
(IV-Akten 124 und 127). Nach Einholung weiterer Unterlagen, erliess die
IV-Stelle am 16. November 2017 eine dem Vorbescheid entsprechende Verfügung
(IV-Akte 138).

II.       

a)        Mit Beschwerde vom 3. Januar 2018 beantragt der
Beschwerdeführer, vertreten durch Frau B____, Advokatin, (1) es sei in
Abänderung der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 16. November 2017
zusätzlich zur zugesprochenen ganzen IV-Rente vom 1. April 2014 bis
30. April 2015 dem Beschwerdeführer ab dem 1. Februar 2013 bis zum
30. April (recte: 31. März) 2014 sowie ab dem 1. Mai 2015 mindestens
eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter sei (2)
eine Begutachtung in den Bereichen Rheumatologie/Psychiatrie anzuordnen.
Subeventualiter sei (3) die Beschwerdegegnerin anzuweisen, weitere berufliche Umschulungs-
oder Eingliederungsmassnahmen abzuklären und in die Wege zu leiten und
anschliessend nochmals die Rentenfrage zu prüfen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht der Beschwerdeführer
um Kostenerlass und unentgeltliche Verbeiständigung. Ferner wird der
Verfahrensantrag gestellt, es sei ein ärztlicher Verlaufsbericht bei Herrn Dr. G____,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, [...], zu den Diagnosen, der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht und den Auswirkungen der Schmerzen
auf die Arbeitsfähigkeit einzuholen, sowie zum Behandlungsverlauf.

b)        Die Beschwerdegegnerin schliesst in der
Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Für
den Fall, dass das Gericht die Einholung eines Berichts bei Herr Dr. G____
als notwendig erachtet, beantragt die Beschwerdegegnerin die Durchführung eines
zweiten Schriftenwechsels.

c)         Mit Replik vom 7. Mai 2018 hält der Beschwerdeführer
an den beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest.

d)        Die Beschwerdegegnerin verzichtet in der Duplik vom
1. Juni 2018 auf eine Stellungnahme.

III.      

Mit Verfügung vom 26. Februar 2018 bewilligt die
Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung
und die unentgeltliche Vertretung mit Frau B____, Advokatin.

IV.     

Mit Instruktionsverfügung vom 16. August 2018 wird der
Verfahrensantrag des Beschwerdeführers, auf Einholung eines ärztlichen
Verlaufsberichts bei Herr Dr. G____, vorläufig abgewiesen.

V.      

Am 16. Oktober 2018 findet die Urteilsberatung durch die Kammer
des Sozialversicherungsgerichts statt.

Entscheidungsgründe

1.              
 

1.1.          
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale
Instanz zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit zuständig (§ 82 des
kantonalen Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der
Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SR
154.100). Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1
lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20).

1.2.          
Da die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist (Art. 60 des
Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) und auch die übrigen formellen
Beschwerdevoraussetzungen erfüllt sind, ist auf diese einzutreten.

2.              
 

2.1.          
Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
16. November 2017 eine befristete ganze Invalidenrente vom 1. April
2014 bis am 30. April 2015 zugesprochen. Für den Zeitraum vom 1. Juni
2013 bis am 31. März 2014 und ab dem 1. Mai 2015 hat die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer keine Rente zugesprochen. In
medizinischer Hinsicht stützt sie sich dabei auf die Einschätzung des RAD.

2.2.          
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwerdegegnerin hätte einen
Verlaufsbericht bei Herr Dr. G____ bezüglich seines psychischen Gesundheitszustandes
einholen sollen. Im November 2015 habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
während des Arbeitstrainings verschlechtert. Weiter widerspreche die
Einschätzung des RAD, wonach der Beschwerdeführer in einer Verweistätigkeit
100% arbeitsfähig sei, dem Arztbericht von Frau Dr. E____. Der
Beschwerdeführer sei in einer Verweistätigkeit lediglich zu 50% arbeitsfähig,
wenn aus psychiatrischer Sicht nicht noch weitere Einschränkungen vorhanden seien.

3.              
 

3.1.          
Gemäss dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz
ist der rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln, und zwar
richtig und vollständig (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 136 V
376, 377 E. 4.1.1; BGE 133 V 196 E. 1.4). 

3.2.          
Im Rahmen der Invaliditätsbemessung ist es Aufgabe der ärztlichen
Fachperson, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
diese arbeitsunfähig ist. Des Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4).

3.3.          
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134
V 231 E. 3a mit weiteren Hinweisen).

3.4.          
Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen, zu
denen die Berichte des RAD gehören, kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur
geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V
225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts
8C_839/2016 vom 12. April 2017 E. 3.2).

4.              
 

4.1.          
Nachfolgend werden die zentralen medizinischen Akten dargestellt:

4.1.1. Dem Arztbericht der Klinik C____ AG (IV-Akte 57) vom
22. April 2014, wo sich der Beschwerdeführer ab dem 26. März 2014 in
einem mehrwöchigen stationären Aufenthalt befand, sind folgende Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: (1.) Rezidivierende
depressive Störung, bestehend seit dem Jahr 2009, aktuell mittelgradige Episode
(F33.1) und (2.) Verdacht auf eine narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung
(Z73.1). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Versicherten dokumentiert der
Bericht volle Arbeitsunfähigkeit seit Anfang des Jahres 2014 bzw. eine vorstellbare
50%ige Arbeitsfähigkeit nach dem stationären Aufenthalt.

4.1.2. Gemäss dem Operationsbericht des Universitätsspitals
wurde beim Beschwerdeführer am 26. September 2014 eine ventrale Fusion
L4/5 Syn Fix LR+Beckenkamm durchgeführt (IV-Akte 84 S. 8 f.). In
zwei Berichten vom 1. Oktober 2014 und 26. Februar 2015 (IV-Akten 84 S. 6 f.
und 61 S. 3 f.) berichtet Frau Dr. E____, [...], über einen
sehr erfreulichen postoperativen Verlauf. Sie führt weiter aus, der
Beschwerdeführer könne körperliche Tätigkeiten mit leichter bis mittelschwerer
Belastung, insbesondere der Wirbelsäule, ausführen, wobei die regelmässige
Einnahme von Zwangshaltungen für die Wirbelsäule oder auch das Heben und Tragen
von schweren Lasten langfristig nicht optimal seien.

4.1.3. Herr Dr. H____, Facharzt für Allgemeinmedizin und
Arbeitsmedizin FMH, des RAD bescheinigt dem Beschwerdeführer am 24. April
2015 (IV-Akte 64) nach der Rückenoperation volle Arbeitsfähigkeit für eine
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit. Wobei der Beschwerdeführer keine
regelmässige Zwangshaltung, wie vornüber geneigte Position, kein Heben und
Tragen von schweren Lasten, d.h. rückennah max. 12 bis 15 kg und nur
selten Überkopftätigkeiten, tätigen dürfe.

4.1.4. In seiner Stellungnahme vom 20. April 2015
(IV-Akte 62 S. 3) berichtet Herr Dr. G____, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2014 aufgrund einer depressiven Störung bei ihm in Behandlung
gewesen sei, welche im gleichen Jahr abgeschlossen worden sei. 

4.1.5. Im Coaching Bericht vom 4. Dezember 2015 (IV-Akte
93) wird der Beschwerdeführer als engagiert und motiviert beschrieben. Aus dem
Bericht geht hervor, dass das zunächst für drei Monate geplante Aufbautraining
bei der Bäckerei D____ AG, aus gesundheitlichen Gründen einerseits und, da die
Bäckerei von den Kenntnissen des Beschwerdeführers überzeugt gewesen sei,
andererseits, um weitere drei Monate verlängert wurde (IV-Akte 93 S. 2).

4.1.6. Von der Geschäftsführerin der Bäckerei D____ AG wird die
gute Motivation des Beschwerdeführers betont (Verlaufsprotokoll S. 17) und
erwähnt, dass sein Einsatz und Arbeitswille sehr hoch seien (Verlaufsprotokoll
S. 19). Weiter hat die Geschäftsführerin erklärt, dass die Arbeit des
Beschwerdeführers dem Zumutbarkeitsprofil des RAD entspreche (Verlaufsbericht
S. 23), insbesondere habe niemand in der Bäckerei schwere Gewichte tragen
müssen. Die Bäckerei hat dem Beschwerdeführer eine Anstellung in Aussicht
gestellt; diese kam in der Folge nicht zustande, da der Beschwerdeführer das
dafür benötigte Pensum von 80% nicht erreicht habe (Verlaufsbericht
S. 23). 

4.1.7. Frau Dr. E____ bestätigt in ihrem Bericht vom
21. Juli 2017 (IV-Akte 132) die zuvor verdachtsweise
(IV-Akte 127) geäusserte Diagnose einer Anschlusssegmentüberlastungsreaktion
mit Irritation der rezidivierende Iliosakralgelenke. Des Weiteren bescheinigt
sie dem Beschwerdeführer volle Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom
12. bis am 31. Januar 2017 und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
dem 1. Februar 2017.

4.1.8. Herr Dr. H____ des RAD hält in seiner Stellungnahme vom
20. Juni 2016 (IV-Akte 120) fest, es müsse angenommen werden, dass die
Tätigkeit in der Bäckerei nicht der formulierten Verweistätig entspreche. In
der Äusserung vom 15. August 2017 (IV-Akte 135) bescheinigt Dr. H____ dem Beschwerdeführer
volle Arbeitsfähigkeit in einer leichten Verweistätigkeit. Weiter hält
Dr. H____ in seinem Bericht fest, dass das Schreiben von Dr. E____
vom 21. Juli 2017 nicht geeignet sei, eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in
einer Verweistätigkeit zu bescheinigen. Zudem wirft er die Frage auf, was der
Versicherte seit dem Arbeitsende bei der D____ AG arbeite.

4.1.9. I____ des SRK begleitetes Wohnen berichtet am
28. November 2017 (Beschwerdebeilage 4), dass der Beschwerdeführer seit
dem Entscheid der Beschwerdegegnerin wieder psychiatrische Unterstützung beim
Psychiater Herr Dr. G____ in Anspruch nehme. Sie beschreibt, dass der
Beschwerdeführer bei Schmerzen, welche über seine alltäglichen Schmerzen
hinausgehen, mit Rückzug reagiere. Insbesondere könne er in diesen Zeiten
seinen Haushalt nicht mehr führen, pflege kaum mehr Kontakte und seine Gedanken
seien von Hoffnungslosigkeit geprägt.

4.2.          
Unbestritten ist vorliegend die Zusprache der befristeten ganzen
Rente vom 1. April 2014 bis am 30. April 2015. Die Beschwerdegegnerin
hat dem Beschwerdeführer korrekterweise aufgrund des stationären Aufenthalts in
der Klinik C____ AG im Jahr 2014 und der Rückenoperation vom 26. September
2014 eine befristete ganze Rente für den vorgenannten Zeitraum zugesprochen.

4.3.          
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht,
gestützt auf die Einschätzung des RAD, einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers vor dem 1. April 2014 und nach dem 30. April 2015
abgelehnt hat. 

Wie nachfolgend dargelegt wird, kann vorliegend nicht auf das Ergebnis der
RAD Berichte abgestellt werden. 

4.3.1. Der RAD erklärt den Beschwerdeführer für leichte Verweistätigkeit voll
arbeitsfähig. Dieser Einschätzung stehen die Arztberichte von Frau Dr. E____
(IV-Akten 61, 84, 127 und 132) entgegen, wonach der Beschwerdeführer für
leichte Verweistätigkeiten lediglich im Umfang von 50% arbeitsfähig sei. Die
deutlich abweichende Einschätzung der Spezialärztin Frau Dr. E____ lassen
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Einschätzung des RAD
aufkommen. Die diesbezüglichen Ausführungen des RAD
(vgl. IV-Akte 135), weshalb das Schreiben von Frau Dr. E____
nicht als Bescheinigung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit gelte, vermögen nicht
zu überzeugen. Der Behauptung des RAD, die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei
der Bäckerei D____ AG entspreche nicht der formulierten leichten Verweistätigkeit
(IV-Akte 135 Beschwerdeantwort S. 3), kann nicht ohne Weiteres gefolgt
werden. Ihre Aussage belegt die Beschwerdegegnerin mit einer Stellungnahme des
Beschwerdeführers aus dem Verlaufsprotokoll, wonach die Arbeit bei der Bäckerei
nicht so leicht sei, er habe schwere Kisten tragen müssen (Verlaufsprotokoll S.
22). Aus dem Verlaufsprotokoll ist jedoch ersichtlich, dass der Beschwerdeführer
die Frage, wie schwer die Kisten seien, nicht zu beantworten vermochte. Nach
dem Verweisprofil des RAD ist dem Beschwerdeführer das Tragen von maximal 15 kg
rückennah zumutbar (vgl. IV-Akte 64). Es ist durchaus denkbar, dass der
Beschwerdeführer das Tragen von Kisten bis zu 15 kg – subjektiv –
als schwer wahrnimmt. Der Beschwerdeführer hat mit seiner Angabe, er habe
schwere Kisten tragen müssen, jedenfalls nicht erklärt, dass seine Arbeit nicht
dem Zumutbarkeitsprofil des RAD entspricht. Das genaue Gewicht der genannten
Kisten, welche mit Produkten der Bäckerei gefüllt sind, ist aus den Akten nicht
ersichtlich. Die Geschäftsführerin der Bäckerei bestätigt jedoch ausdrücklich, dass
die Arbeit des Beschwerdeführers das Zumutbarkeitsprofil des RAD erfülle
(Verlaufsbericht S. 23). Es ist vorliegend kein Indiz vorhanden, dass das
Zumutbarkeitsprofil des RAD bei der Tätigkeit in der Bäckerei D____ AG nicht
eingehalten wurde. Aufgrund der Aktenlage, und insbesondere der ausdrücklichen
Erklärung der Geschäftsführerin der Bäckerei, ist im Gegenteil davon
auszugehen, dass das Zumutbarkeitsprofil des RAD eingehalten wurde.

4.3.2. Aus der Arbeitszeitkontrolle der D____ AG
(IV-Akte 112) ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer ungefähr zu 50%
der Zeit krank bzw. arbeitsunfähig war. Die vielen unstrittigen, krankheitsbedingten
Ausfälle des Beschwerdeführers während des Arbeitstrainings bei der Bäckerei sprechen
weiter gegen eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit gegen
die Richtigkeit der Einschätzung des RAD.

4.3.3. Der neuste Bericht des RAD (IV-Akte 135) wurde ausserdem nicht in
Kenntnisnahme sämtlicher Vorakten abgegeben. Im vorgenannten Bericht wirft der
RAD die Frage auf, was der Versicherte seit dem Arbeitsende bei der Bäckerei D____
AG arbeite. Aus den – dem RAD vorliegenden – Akten ist ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer nach der Bäckerei zeitweise zu 50% in einer
T-Shirt-Siebdruckerei gearbeitet hat (vgl. IV-Akte 127 Arztbericht
von Frau Dr. E____ vom 1. Februar 2018). Von der vorgenannten Tätigkeit
des Beschwerdeführers hat der RAD schlicht keine Kenntnis genommen. Die mangelhafte
Aktenwürdigung ziehen die Berichte des RAD weiter in Zweifel.

4.4.          
Vorliegend bestehen aufgrund der deutlich abweichenden Arztberichte
von Frau Dr. E____, der vielen krankheitsbedingten Ausfälle des
Beschwerdeführers während des Arbeitstrainings bei der Bäckerei und der
mangelnden Aktenwürdigung des RAD, erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der Einschätzung des RAD. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann daher nicht auf das Ergebnis der Berichte des RAD
abgestellt werden.

4.5.          
Dem Hauptbegehren des Beschwerdeführers, auf Zusprache einer mindestens
halben Rente vom 1. Februar 2013 bis zum 31. März 2014 und ab dem
1. Mai 2015 kann jedoch nicht entsprochen werden. Insbesondere ist die
psychische Verfassung des Beschwerdeführers ungeklärt, wobei frühere psychische
invalidisierende Einschränkungen des Beschwerdeführers unbestritten sind. So
hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer namentlich aufgrund des
Aufenthalts in der Klinik C____ AG und seiner schlechten psychischen Verfassung
in der angefochtenen Verfügung eine befristete ganze Rente vom 1. April
2014 bis am 30. April 2015 zugesprochen. Weiter deutet der Bericht von
Frau I____, mit Rückzug bei Schmerzen, Unvermögen seinen Haushalt zu führen,
kaum Pflege sozialer Kontakte und Gedanken von Hoffnungslosigkeit, auf eine
mögliche depressive Symptomatik des Beschwerdeführers hin. Die
Beschwerdegegnerin hat daher die gesundheitliche Verfassung des Beschwerdeführers
gründlich, anhand eines rheumatologischen-psychiatrischen Gutachtens,
abzuklären. 

Der Beschwerdegegnerin ist jedoch beizupflichten, dass sie aufgrund der
Aktenlage nicht gehalten war, einen Verlaufsbericht bei Herr Dr. G____
einzuholen. Im Zuge der weiteren Abklärungen ist die Beschwerdegegnerin jedoch
gehalten, einen aktuellen Verlaufsbericht beim behandelnden Psychiater Herr
Dr. G____ einzuholen. Damit wird der Verfahrensantrag des
Beschwerdeführers, auf Einholung eines ärztlichen Verlaufsberichts bei Herr Dr. G____,
hinfällig.

5.              
 

5.1.          
Aus den obenstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung
vom 16. November 2017 aufzuheben ist und die Sache in Gutheissung der Beschwerde
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie die notwendigen
Abklärungen vornehme und danach erneut über das Rentengesuch des Beschwerdeführers
entscheide.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind auf die Rügen des Beschwerdeführers
bezüglich des Valideneinkommens und des leidensbedingten Abzugs nicht einzugehen.

5.2.          
Die ordentlichen Kosten von Fr. 800.-- sind entsprechend dem Ausgang
des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

5.3.          
Die Beschwerdegegnerin hat dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. Das Sozialversicherungsgericht
spricht im Sinne einer Richtlinie in IV-Fällen mit durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad
bei Obsiegen eine Parteientschädigung von Fr. 3'300.-- (inklusive Auslagen)
zuzüglich Mehrwertsteuer zu. Im vorliegenden Fall ist in Anbetracht der sich
stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen von einem durchschnittlichen Fall
auszugehen. Daher ist ein Honorar von Fr. 3'300.-- (inklusive Auslagen)
zuzüglich Mehrwertsteuer (7.7%) zuzusprechen.

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        In Gutheissung der Beschwerde vom 3. Januar
2018 wird die Verfügung vom 16. November 2017 aufgehoben und die Sache zur
weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen.

            Die ordentlichen Kosten, bestehend aus einer
Gebühr von CHF 800.--, gehen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

            Die Beschwerdegegnerin zahlt dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von CHF 3‘300.--
(inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von CHF 254.10.

 

 

Sozialversicherungsgericht
BASEL-STADT

 

Die Präsidentin                                                         Die
Gerichtsschreiberin

 

 

 

Dr. A. Pfleiderer                                                         MLaw
P. Müller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die Beschwerdefrist
kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegründe sind in
Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführer

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt für Sozialversicherungen

 

Versandt am: