# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1ddeca0-7751-5da3-9c9e-7722ae798013
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.07.2010 E-4832/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4832-2010_2010-07-12.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4832/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 2 .  J u l i  2 0 1 0

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay.

A._______
Guinea,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin-Verfahren);
Verfügung des BFM vom 21. Juni 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4832/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  am 25.  März 
2010 illegal  in die Schweiz einreiste und gleichentags im Empfangs- 
und Verfahrenszentrum Vallorbe um Asyl nachsuchte,

dass er in der Folge in das Transitzentrum Altstätten transferiert wurde, 
wo  er  am  7.  April  2010  summarisch  befragt  wurde  und  dabei  als 
Geburtsdatum den 2. Februar 1995 abgab,

dass am 12. April 2010 im Auftrag des BFM eine radiologische Analy -
se des Knochenalters des Beschwerdeführers durchgeführt wurde,

dass der  Beschwerdeführer anlässlich einer  Anhörung vom 15. April 
2010 mit der Vermutung des BFM konfrontiert  wurde, er sei  in Wirk-
lichkeit nicht minderjährig, und er dabei an dem von ihm angegebenen 
Geburtsdatum festhielt,

dass dem Beschwerdeführer bei einer weiteren Befragung in Altstäten 
vom gleichen  Tag das  rechtliche  Gehör  zu  seiner  voraussichtlichen 
Überstellung nach Österreich gewährt wurde, nachdem die Recherche 
des  BFM in  der  daktyloskopischen  Datenbank  EURODAC bezüglich 
dieses Drittstaats ein positives Ergebnis ergeben hatte,

dass das BFM mit Verfügung vom 21. Juni 2010 – eröffnet am 28. Juni 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und 
die  Wegweisung des Beschwerdeführers  nach  Österreich  sowie  den 
Vollzug anordnete,

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, gestützt auf 
die einschlägigen Bestimmungen des Dubliner-Vertragswerks  (insbe-
sondere der Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 
2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des 
Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist 
[Dublin-II-VO])  sei  Österreich für  die Durchführung der Asylverfahren 
zuständig,

dass  die  österreichischen  Behörden  auf  Anfrage  hin  denn  auch  am 
23. April  2010  der  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  zuge-
stimmt hätten,

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dass der Vollzug der Wegweisung nach Österreich zulässig, zumutbar 
und möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer mit  Eingabe  vom  5. Juli 2010  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob 
und dabei insbesondere die Aufhebung der angefochtenen Verfügung 
und die Weiterführung des Asylverfahrens in der Schweiz beantragte,

dass er in prozessualer  Hinsicht die Herstellung der aufschiebenden 
Wirkung der Beschwerde und die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021) 
beantragte,

dass das Bundesverwaltungsgericht  am 6. Juli  2010 den Vollzug der 
angefochtenen  Verfügung  mittels  vorsorglicher  Massnahme  proviso-
risch aussetzte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass es im Asylbereich endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-
33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 37  VGG  i.V.m.  Art. 52 
VwVG),

dass gemäss Art. 111 Bst. e AsylG die Richterinnen und Richter mit 
Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin über 
offensichtlich  begründete  Beschwerden als  Einzelrichter  beziehungs-

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weise  Einzelrichterin  entscheiden  und  ein  solches  Rechtsmittel  hier 
vorliegt,

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent -
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass der Beschwerdeführer zu Protokoll gegeben hat,  er sei minder-
jährig,

dass den Akten zwar zu entnehmen ist, dass das BFM die Minderjäh -
rigkeit  offenbar  als  nicht  glaubhaft  gemacht  qualifiziert  hat,  die 
Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung indessen mit keinem Wort 
auf  dieses  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  eingegangen  ist  und 
auch  nicht  ausführt  hat,  aus  welchen  Gründen  die  spezifischen 
Schutzbestimmungen  der  Dublin-II-VO  und  der  schweizerischen 
Gesetzgebung  für  unbegleitete  Minderjährige  im  vorliegenden  Asyl-
verfahren nicht zur Anwendung kommen sollen, 

dass diese grobe Verletzung der Begründungspflicht die sachgerechte 
Anfechtung der  Verfügung  verunmöglicht  (vgl. BVGE 2008/47  E. 3.2 
mit weiteren Hinweisen), weshalb diese aufzuheben ist und die Akten 
zur korrekten Weiterführung des Asylverfahrens an die Vorinstanz zu 
überweisen sind,

dass  die Beschwerde demnach gutzuheissen ist und bei diesem Ver-
fahrensausgang keine Kosten zu erheben sind, womit sich das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65 
Abs. 1 VwVG als gegenstandslos erweist,

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dass dem nicht verbeiständeten Beschwerdeführer offensichtlich keine 
Parteikosten gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG erwachsen sind,  weshalb 
keine Parteientschädigung zuzusprechen ist, 

dass  mit  dem  vorliegenden  Direktentscheid  auch  das  Gesuch  um 
Herstellung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos wird.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die angefochtene Verfügung vom 21. Juni 2010 wird aufgehoben. Die 
Akten werden dem BFM zur korrekten Weiterführung des Asylverfah-
rens überwiesen.

3.
Es werden keine Kosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto-
nale Migrationsbehörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Eveline Chastonay

Versand: 

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