# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 69e8cc81-7b30-57ba-b6f8-f0911ca5f0d3
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-05-23
**Language:** de
**Title:** Steuerhoheit (ab 1.1.2012)
**Docket/Reference:** ST.2013.235
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2013_235_kl.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 ST.2013.235 

Beschluss 

23. Mai 2014 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter  
Michael Ochsner und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

A,    

vertreten durch B,  

In Sachen 

gegen 

S t a a t   Z ü r i c h ,   

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekurrentin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Steuerhoheit (ab 1.1.2012) 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. Mit Vorentscheid vom 26. Februar 2013 wurde A (nachfolgend die Pflichti-

ge) die Inanspruchnahme der Steuerhoheit ab dem 1. Januar 2012 durch den Kanton 

Zürich eröffnet.  

B. Die dagegen erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit Ent-

scheid vom 16. August 2013 ab.  

C.  Die  Pflichtige  liess  am  30. September  2013  durch  einen  beigezogenen 

Rechtsanwalt  Rekurs  erheben.  Dabei  wurde  u.a.  vorgebracht,  die  Rekursfrist  sei  ge-

wahrt,  da  der  Pflichtigen  der  Einspracheentscheid  infolge  Ferienabwesenheit  erst  am 

2. September 2013 zugestellt worden sei.  

Mit Verfügung vom 7. Oktober 2013 wurde der Pflichtigen – unter Beilage ei-

ner  Kopie  des  Sendungsverfolgungsauszugs  der  Schweizerischen  Post  –  Frist  ange-

setzt, um zur Verspätung des Rekurses schriftlich Stellung zu nehmen.  

Die Pflichtige hielt in ihrer Stellungnahme vom 21. Oktober 2013 an der recht-

zeitigen Rekurserhebung fest.  

Das Steuerrekursgericht zog die Einschätzungsakten bei.  

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Der Steuerpflichtige kann gemäss § 147 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 

8. Juni 1997 (StG) innert 30 Tagen nach Zustellung des Einspracheentscheids schrift-

lich Rekurs beim Steuerrekursgericht erheben. Die Einhaltung der Frist ist Gültigkeits-

voraussetzung  des  Rechtsmittels.  Auf  einen  verspäteten  Rekurs  darf,  vorbehältlich 

einer Fristwiederherstellung, nicht eingetreten werden.  

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

b)  Die  Zustellung  von  Verfügungen  und  Entscheiden  gilt  als  vollzogen, wenn 

sie  an  den  Adressaten  selbst  oder  ein  zu  seiner  Haushaltung  gehörendes  erwachse-

nes  Familienmitglied  oder  an  eine  Person  mit  Postvollmacht  erfolgt  und  von  diesen 

Personen  für  den  Adressaten  entgegengenommen  wird  (§  9  Abs. 1  der  Verordnung 

zum Steuergesetz vom 1. April 1998 [VO StG]). Wird die Zustellung einer eingeschrie-

ben Sendung vom Adressaten schuldhaft verhindert, gilt sie als am letzten Tag der von 

der Post angesetzten Abholfrist erfolgt (§ 9 Abs. 2 VO StG).  

Nach § 71 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, in 

der ab 1. Januar 2011 gültigen Fassung) finden die Vorschriften der ZPO (Schweizeri-

sche Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008, SR 272) betreffend die Prozesslei-

tung,  das  prozessuale  Handeln  und  die  Fristen  (1.  Teil,  9.  Titel)  sowie  die  für  den  

Zivilprozess  geltenden  Verfahrensbestimmungen  des  GOG  ([Gesetz  über  die  Ge-

richtsorganisation  im  Zivil-  und  Strafprozess  vom  10. Mai  2010,  LS  211.1];  6.  Teil, 

1. und 2. Abschnitt) ergänzend Anwendung. Diese Bestimmungen werden im Verwal-

tungs-  und  Verwaltungsrekursverfahren  analog  angewandt  (VGr, 10. Februar  2012, 

VB.2011.00803, E. 2.2.1 ff., www.vgr.zh.ch; RB 1998 Nr. 2).  

c) aa) Nach der zürcherischen Praxis liegt generell eine schuldhafte Verhinde-

rung  der  Zustellung  vor,  wenn  der  Adressat  die  erforderlichen  Vorkehren  für  die  Zu-

stellbarkeit  von  behördlichen  Postsendungen  unterlässt,  obwohl  er  aufgrund  des  Be-

stehens eines Prozessrechtsverhältnisses nach Treu und Glauben die Zustellung eines 

behördlichen  Aktes  im  konkreten  Einzelfall  mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  er-

warten muss (BGr, 11. April 2013, 2C_565/2012, E. 3.3.3, www.bger.ch; Richner/Frei/ 

Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz,  3. A.,  2013,  § 126  N 38, 

auch zum Folgenden). Ein Prozessrechts- oder Verfahrensverhältnis, das diese Emp-

fangspflicht  begründet,  entsteht  gegenüber  einem  Steuerpflichtigen  mit  der  förmlich 

bekannt  gegebenen  Einleitung  eines  Verfahrens  durch  die  Steuerbehörde  oder  mit 

einer  verfahrenseinleitenden  Handlung  des  Steuerpflichtigen  selbst  (z.B.  Einreichen 

eines  Rechtsmittels).  Die  einmal  begründete  Empfangspflicht  dauert  selbst  dann  fort, 

wenn über mehrere Monate keine Verfahrenshandlungen erfolgen, allerdings lediglich 

noch  in  abgeschwächter  Form,  sofern  seit  dem  letzten  verfahrensbezogenen  Kontakt 

mehr als ein Jahr verstrichen ist ("gelockerte" Empfangspflicht).  

Als  Ausfluss  des  Prozessrechtsverhältnisses  bzw.  der  Empfangspflicht  muss 

ein  Steuerpflichtiger  nach  Treu  und  Glauben  während  eines  hängigen  Verfahrens 

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

grundsätzlich mit einer Zustellung rechnen und dafür besorgt sein, dass ihm behördli-

che Sendungen zugestellt werden können; mithin kann von ihm verlangt werden, dass 

er  seine  Post  regelmässig,  spätestens  jeweils  nach  sieben  Tagen,  kontrolliert  (BGr, 

9. Februar  2012,  4A_660/2011,  E. 2.4.1,  www.bger.ch;  BGr,  23. März  2006, 

2P.120/2005, E. 3 und 4.2, www.bger.ch). Bei längerer Ortsabwesenheit hat er geeig-

nete Massnahmen zu treffen, um eine ordnungsgemässe Zustellung zu gewährleisten, 

z.B.  durch  einen  Nachsendeauftrag,  die  Bekanntgabe  der  Abwesenheit  oder  Adress-

änderung an die Behörde oder durch die Bestellung eines Zustellungsbevollmächtigen. 

Wer  Vorkehren  dieser  Art  unterlässt,  verhindert  schuldhaft  die  Zustellung  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  § 126  N 40;  RB 1992  Nr. 2).  In  der  Folge  hat  ein  Steuer-

pflichtiger  eine  am  bisherigen  Ort  versuchte  Zustellung  als  erfolgt  gelten  zu  lassen, 

wenn er sich während eines hängigen Verfahrens, in dem die Zustellung eines behörd-

lichen Aktes mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, für längere Zeit von 

dem den Behörden bekanntgegebenen Adressort entfernt, ohne für die Nachsendung 

der  an  die  bisherige  Adresse  gelangenden  Korrespondenz  zu  sorgen  und  ohne  der 

Behörde zu melden, wo er nunmehr zu erreichen ist bzw. ohne einen Vertreter zu be-

auftragen,  nötigenfalls  während  seiner  Abwesenheit  für  ihn  zu  handeln  (VGr, 

24. Januar 2013, VB.2012.00754, E. 2.2, www.vgr.zh.ch; BGE 119 V 89, E. 4b/aa).  

bb)  Hat  ein  Adressat  während  eines  hängigen  Verfahrens  mit  der  Zustellung 

von behördlichen Postsendungen zu rechnen, stellt ein vorgängig, für die Zeit der Ab-

wesenheit  des  Adressaten  erteilter  Postzurückbehaltungsauftrag  sowohl  nach  verwal-

tungsgerichtlicher wie bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine geeignete Massnah-

me  dar,  um  eine  ordnungsgemässe  Zustellung  zu  gewährleisten  (VGr,  4. November 

2013,  VB.2013.00314,  E. 2,  www.vgr.zh.ch;  VGr,  23. Oktober  2013,  VB.2012.00690, 

E. 3.2.1, www.vgr.zh.ch; VGr, 24. Januar 2013, VB.2012.00754, E. 2.2 ff., www.vgr.zh.

ch;  BGr,  30. Januar  2013,  9C_68/2013,  www.bger.ch;  BGr,  19. Dezember  2012, 

9C_1005/2012, E. 3, www.bger.ch; BGr, 15. August 2012, 4A_422/2012, www.bger.ch; 

BGr,  9. Februar  2012,  4A_660/2011,  E. 2.4,  www.bger.ch;  BGr,  3. März  2011, 

2C_740/2010,  E. 2,  www.bger.ch;  BGr,  28. Dezember  2001,  H 2/01,  E. 5b, 

www.bger.ch; BGr, 12. Juni 2001, C 422/00, www.bger.ch). 

d) aa) Nach ständiger verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung zu § 9 Abs. 2 

VO StG  gilt  der  letzte  Tag  einer  siebentägigen  Abholfrist  als  fingiertes  Zustelldatum, 

sofern  der  Adressat  die  Zustellung  schuldhaft  verhindert  hat  (VGr, 24. August  2011, 

SB.2011.00031,  E. 2.2,  www.vgr.zh.ch).  Die  fingierte  Zustellung  nach  sieben  Tagen 

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

(sogenannte Zustell- bzw. Zustellungsfiktion) entspricht der vom Bundesgericht für ein-

geschriebene  Sendungen  entwickelten  Praxis,  die  mittlerweile  in  Gesetzesrecht  über-

führt  worden  ist  (Art. 138  Abs.  3  lit. a  ZPO,  Art. 20  Abs. 2bis  des  Bundesgesetzes  

über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968/17. Juni 2005 

[VwVG; 

SR 172.021],  Art. 44  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  über  das  Bundesgericht  [BGG; 

SR 173.110],  Art.  38  Abs. 2bis  des  Bundesgesetzes  über  den  allgemeinen  Teil  des 

Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000/17. Juni 2005 [ATSG; SR 830.1]).  

bb)  Die  von  der  Praxis  festgelegte  Zustellfiktion  betrifft  Fälle,  in  denen  eine 

Sendung  innerhalb  der  siebentägigen  Abholfrist  nicht  abgeholt  wurde  (immer  voraus-

gesetzt, dass der Adressat mit der fraglichen Zustellung hat rechnen müssen). Die Frist 

bis zum Eintreten der Zustellfiktion wird dabei nicht verlängert, wenn ein Abholen nach 

den anwendbaren Bestimmungen der Post auch noch länger möglich ist, etwa in Folge 

eines Zurückbehaltungsauftrags. Auch andere Abmachungen mit der Post können den 

Eintritt der Zustellfiktion nicht hinausschieben. Es ist nicht überspitzt formalistisch, die 

Zustellfiktion  –  unabhängig  von  der  konkreten  durch  die  Post  gewährten  Abholfrist – 

immer  sieben  Tage  nach  dem  erfolglosen  Zustellversuch  eintreten  zu  lassen 

(VGr, 24. Januar  2013,  VB.2012.00754,  E. 2.3,  www.vgr.zh.ch;  BGE  127  I  31,  E. 2b, 

auch  zu  Folgendem).  Die  Rechtsicherheit  und  der  Grundsatz  rechtsgleicher  Behand-

lung verlangen für die Festlegung des Zeitpunkts der Zustellfiktion eine klare, einfache 

und vor allem einheitliche Regelung, nach der sich die verfügenden Behörden, allfällige 

Gegenparteien  und  Rechtsmittelbehörden  richten  können  und  die  ungerechtfertigte 

prozessuale  Privilegien  verhindert  (VGr, 24. August  2011,  SB.2011.00031,  E. 2.2, 

www.vgr.zh.ch;  VGr,  25. Februar  2009,  VB.2009.00027,  E. 4.4,  www.vgr.zh.ch;  BGr, 

24. Juli 2000, 1P.369/2000, E. 1b, www.bger.ch; BGE 123 III 492, E. 1; BGE 100 III 3, 

E. 3).  

Aus  diesen  Gründen  kommt  die  Zustellfiktion  auch  dann  zum  Tragen,  wenn 

ein  Steuerpflichtiger  die  in  der  Abholungseinladung  angesetzte  Abholfrist  verlängern 

lässt  und  die  zurückbehaltene  Sendung  anschliessend  tatsächlich  innert  verlängerter 

Frist  abholt  (VGr,  2. Oktober  2013,  SB.2012.00156,  E. 3.3;  VGr,  12. Dezember  2012, 

SB.2012.00097, E. 2.1; VGr, 23. Mai 2012, SB.2011.00180, E. 3.4; BGr, 2C_565/2012, 

E. 2 und 3.3.4, www.bger.ch). Die Schweizerische Post hält denn auch in ihren Allge-

meinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich fest, dass sich die rechtlichen Wirkungen 

einer Zustellung unabhängig vom postalischen Angebot nach den einschlägigen recht-

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
- 6 - 

lichen Vorgaben beurteilen (www.post.ch, Ziffer 2.3.7 lit. b AGB "Postdienstleistungen", 

Ausgabe Juni 2013).  

cc)  Nach  dem  Wortlaut  der  genannten  gesetzlichen  Bestimmungen  sind  von 

der  Zustellfiktion  indes  nur  Fälle  mit  einem  tatsächlich  unternommenen  erfolglosen 

(Briefkasten-  oder  Postfach-)Zustellungsversuch  mit  entsprechender  Abholungseinla-

dung erfasst, nicht jedoch jene Fälle, wo die Post aufgrund eines Auftrags des Adres-

saten  gar  nicht  erst  versucht  eine  Sendung  zuzustellen  und  daher  auch  keine  Abho-

lungseinladung  hinterlegt,  wie  z.B.  bei  postlagernd  adressierten  Briefsendungen  oder 

einem Postzurückbehaltungsauftrag.  

Mit  der  Dienstleistung  "Postlagersendung"  der  Schweizerischen  Post  können 

Personen,  die  über  keine  feste  Adresse  verfügen  oder  reisebedingt  abwesend  sind, 

Briefe postlagernd an eine Poststelle ihrer Wahl senden lassen und diese dort während 

der einmonatigen Aufbewahrungsfrist abholen. Erteilt der Kunde der Post den "Auftrag 

Post  zurückbehalten",  so  behält  die  Post  an  den  Kunden  adressierte  Postsendungen 

für die gemäss Auftrag bestimmte Dauer zurück. Sendungen mit Zustellnachweis kön-

nen  maximal  zwei  Monaten  lang  zurückbehalten  werden.  Der  Kunde  hat  eine Woche 

nach Ablauf des Auftrags die zurückbehaltenen Sendungen entweder auf der angege-

benen  Poststelle  abzuholen  oder  an  seine  Domiziladresse  zustellen  zu  lassen 

(www.post.ch,  AGB  "Postdienstleistungen",  AGB  "Auftrag  Post  zurückbehalten"  und 

Factsheet "Nachsendeauftrag", Ausgabe Juni 2013).  

Aus den in Erwägung E. 1d/bb genannten Gründen ist nach verwaltungs- wie 

bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  die  bei  Briefkasten-  und  Postfachzustellungen 

geltende  Zustellfiktion  bei  postlagernd  adressierten  Briefsendungen  und  Postzurück-

behaltungsaufträgen  jedoch  analog  anzuwenden.  In  der  Folge  gilt  bei  postlagernd  

adressierten  Briefsendungen  die  Sendung  als  am  letzten  Tag  einer  Frist  von  sieben 

Tagen  ab  Eingang  bei  der  Bestimmungspoststelle  als  zugestellt.  Dass  keine  Abho-

lungseinladung im Briefkasten bzw. Postfach hinterlegt wird, spielt keine Rolle, ist der 

Erhalt einer solchen sowieso entweder unmöglich (mangels fester Adresse) oder aber 

unerwünscht  (VGr, 24. August  2011,  SB.2011.00031,  E. 2.2,  www.vgr.zh.ch;  VGr, 

25. Februar  2009,  VB.2009.00027,  E. 4.4,  www.vgr.zh.ch;  BGr,  20. Januar  2006, 

5P.425/2005,  E. 3.2 

f.,  www.bger.ch;  BGr,  24. Juli  2000,  1P.369/2000,  E. 1b, 

www.bger.ch;  Maitre/Thalmann/[Plüss],  in:  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über 

das Verwaltungsverfahren, Zürich, 2009, Art. 20 N 40 f.).  

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

Nicht anders verhält es sich bei einem Postzurückbehaltungsauftrag, wo wäh-

rend  der  Dauer  des  Auftrags  auf  die  Zustellung  jeglicher  Sendungen  im  Briefkasten 

bzw. Postfach verzichtet wird, also auch auf den Erhalt von Abholungseinladungen. In 

der  Folge  gilt  bei  einem  Postzurückbehaltungsauftrag  eine  eingeschriebene  Sendung 

spätestens am letzten Tag einer Frist von sieben Tagen ab Eingang bei der Poststelle 

am  Ort  des  Empfängers  als  zugestellt.  Daran  vermag  auch  eine  –  nach  Ablauf  des 

Auftrags  –  hinterlegte  Abholungseinladung  der  Post  nichts  zu  ändern  (VGr, 

4. November  2013,  VB.2013.00314,  E. 2.2,  www.vgr.zh.ch;  VGr,  24. Januar  2013, 

VB.2012.00754,  E. 2.3 f.,  www.vgr.zh.ch;  BGr,  26. August  2013,  5D_142/2013,  E. 4, 

www.bger.ch;  BGr, 30. Januar  2013,  9C_68/2013,  www.bger.ch;  BGr,  19.  Dezem-

ber 2012,  9C_1005/2012,  E. 3,  www.bger.ch;  BGr,  15.  August  2012,  4A_422/2012, 

www.bger.ch; BGr, 9. Februar 2012, 4A_660/2011, E. 2.2 und 2.4, www.bger.ch; BGr, 

3. März  2011,  2C_740/2010,  E. 2,  www.bger.ch;  BGE  134  V  49,  E. 4;  BGr,  26. März 

2007,  1P.81/2007,  E. 3.2,  www.bger.ch;  BGr,  28. Dezember  2001  H 2/01,  E. 5b, 

www.bger.ch; BGE 123 III 492, E. 1; Maitre/Thalmann/[Plüss], Art. 20 N 39).  

2. a) Gemäss Sendungsverfolgung bzw. "Track and Trace Business" der Post 

wurde  der  an  die  Adresse  der  Pflichtigen  eingeschrieben  versandte  Einspracheent-

scheid vom 16. August 2013 gleichentags der Post übergeben und kam am Samstag, 

17. August  2013  bei  der  zuständigen  Poststelle  an,  wo  die  Sendung  aufgrund  eines 

von der Pflichtigen am 26. Juli 2013 für den Zeitraum vom 2. August bis am 24. August 

2013 erteilten Auftrags zurückbehalten wurde. Dabei wurde vereinbart, dass zurückbe-

haltene  Sendungen  nicht  auf  der  Poststelle  abgeholt,  sondern  der  Pflichtigen  am 

26. August  2013  zugestellt  werden  (siehe  auch  den  aufgedruckten  Vermerk  der  Post 

auf dem Originalkuvert des Einspracheentscheids. Am Montag, 26. August 2013 konn-

te der Einspracheentscheid jedoch nicht zugestellt werden, so dass eine Abholungsein-

ladung hinterlegt wurde, welche der Pflichtigen Frist zur Abholung der Sendung bis am 

Montag,  2. September  2013  einräumte.  Die  Pflichtige  holte  den  Einspracheentscheid 

am  letzten  Tag  der  Frist  ab.  Der  neu  hinzugezogene  Vertreter  erhob  sodann  am 

30. September 2013 Rekurs. 

b) aa) Die Pflichtige erachtet die Rekurserhebung am 30. September 2013 als 

rechtzeitig  erfolgt,  da  ihr  der  Einspracheentscheid  erst  am  2. September  2013  zuge-

stellt worden sei. Daran vermöge der erteilte Postzurückbehaltungsauftrag für die Zeit 

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

ihrer Ferienabwesenheit nichts zu ändern. Die Zustellfiktion gelange nicht zur Anwen-

dung.  

bb)  Die  Pflichtige,  selber  ausgebildete  Juristin,  hatte  Ende  März  2013  Ein-

sprache  erhoben  und  musste  daher  aufgrund  des  hängigen  Verfahrens  mit  einer  ge-

wissen Wahrscheinlichkeit mit der Zustellung eines behördlichen Aktes rechnen. Ob es 

sich dabei um eine Zwischenverfügung oder den verfahrensabschliessenden Entscheid 

handelt, ist unerheblich; mithin hilft es der Pflichtigen nicht weiter, wenn sie vorbringt, 

nach ihrem auf die Mahnung des Steueramts hin erfolgten Schreiben vom 11. Juli 2013 

noch  nicht  den  Einspracheentscheid  erwartet  zu  haben.  Da  sodann  seit  dem  letzten 

verfahrensbezogenen Kontakt nur etwas mehr als ein Monat verstrichen war, hätte die 

Pflichtige  für  die  Zeit  ihrer  ferienbedingten  längeren  Abwesenheit  von  über  drei  Wo-

chen geeignete Vorkehrungen (vgl. E. 1c/aa) für die ordnungsgemässe Zustellung von 

behördlichen  Sendungen  treffen  müssen.  Der  erteilte  Postzurückbehaltungsauftrag 

stellt jedoch wie erwähnt keine solche dar. Des Weiteren lässt sich aus dem Schreiben 

vom 11. Juli 2013 an das kantonale Steueramt auch keine Bekanntgabe der Abwesen-

heit  herleiten.  Entgegen  der  Ansicht  der  Pflichtigen  war  jenes  nicht  gehalten,  wegen 

der darin erfolgten Nennung der (Abfassungs-)Orte "C und D" auf eine ferienbedingte 

Ortsabwesenheit  von  D  bzw.  Anwesenheit  in  C  zu  schliessen;  im  Übrigen  enthielten 

sämtliche Einspracheeingaben der Pflichtigen – die auch im Briefkopf stets ihre beiden 

Wohnungsadressen  aufführte  –  diese  doppelten  Ortsangaben  und  war  überdies  auf 

den dazugehörenden jeweiligen Kuverts stets die Adresse der Wohnung in Zürich als 

Absenderadresse aufgeführt, an die das kantonale Steueramt während des Verfahrens 

denn auch sämtliche Schreiben gesandt hat, was von der Pflichtigen bislang nie bean-

standet wurde.  

Nach dem Gesagten liegt mithin eine schuldhafte Verhinderung der Zustellung 

vor.  Dabei  wäre  es  vorliegend gerade für  die  Pflichtige,  welche  gemäss eigenem  Be-

kunden  ihren  Lebensmittelpunkt/ihre  Heimat  in  C  hat,  wo  sie  seit  Juli  2012  eine  

3.5-Zimmer-Eigentumswohnung bewohnt und sich an den Wochenenden und während 

den Ferien aufhält, ein Leichtes gewesen, für die Zeit ihrer Ferienabwesenheit – in C – 

die  Zustellbarkeit  von  (behördlichen)  Sendungen  etwa  mittels  eines  befristeten  Nach-

sendeauftrags 

an 

ihre 

dortige 

(Wohn-)Adresse 

sicherzustellen 

(vgl. Einschätzung/Veranlagung 2011 [R-act. 13]).  

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

Im Übrigen sei noch angefügt, dass nach verwaltungsgerichtlicher Rechtspre-

chung  die  Parteien  eines  Verwaltungsverfahrens  auch  bei  gehörig  bekanntgegebener 

Abwesenheit  grundsätzlich  keinen  Anspruch  darauf  haben,  dass  ihnen  Sendungen  

– bei bestehendem Prozessrechtsverhältnis – nicht zugestellt werden, könnte andern-

falls  ein  Verfahren  doch  mutwillig  für  längere  Zeit  verzögert  werden,  was  dem  Be-

schleunigungsgebot  widerspräche.  Vielmehr  zählt  es  zu  den  Pflichten  einer  Verfah-

renspartei,  bei  eigener Abwesenheit  sicherzustellen,  dass  fristauslösende  Sendungen 

trotzdem  entgegengenommen  und  allfällige  Rechtsmittel  –  allenfalls  durch  einen  Ver-

treter – rechtzeitig erhoben werden können (VGr, 4. November 2013, VB.2013.00314, 

E. 2.3, www.vgr.zh.ch). Doch immerhin erlangt die Behörde bei entsprechender Mittei-

lung der Partei wenigstens Kenntnis von deren Abwesenheit, so dass sie bei Rechtzei-

tigkeit der Mitteilung allenfalls noch darauf reagieren bzw. die Partei kontaktieren könn-

te  (zur  Frage,  ob  eine  Partei  aufgrund  einer  ausbleibenden  Antwort  der  Behörde  aus 

deren  Schweigen  schliessen  darf,  ihr  würden  während  der  mitgeteilten  Abwesenheit 

keine fristauslösenden Sendungen zugestellt: vgl. BGr, 9. Februar 2012, 4A_660/2011, 

E. 2.4;  BVGer,  20. Juli  2012,  D-3512/2012,  E. 3.6).  Begnügt  sich  demgegenüber  eine 

Partei – wie vorliegend – damit, für die Zeit ihrer Abwesenheit bloss einen Postzurück-

behaltungsauftrag  zu  erteilen,  ohne  zugleich  die  Behörde  gehörig  über  die  Abwesen-

heit  zu  informieren,  hätte  dessen  unbesehene  Berücksichtigung  zur  Folge,  dass  die 

Zustellung  in  solchen  Fällen  einzig  und  allein  vom  Willen  des  Empfängers  abhängt, 

was  der  rechtsgleichen  Behandlung  aller  Zustellungsempfänger  eingeschrieben  ver-

sandter Sendungen zuwiderläuft (vgl. RB 1992 Nr. 28) und Missbrauchsmöglichkeiten 

Tür und Tor öffnet.  

cc)  Wie  vorstehend  dargelegt  (vgl.  E. 1d/cc),  ist  sodann  die  bei  Briefkasten- 

und  Postfachzustellungen  geltende  Zustellfiktion  bei  Postzurückbehaltungsaufträgen 

wie  demjenigen  der  Pflichtigen  analog  anzuwenden.  Dabei  ist  unerheblich,  dass  mit 

der  Pflichtigen  davon  auszugehen  ist,  es  sei  während  des  erteilten  Postzurückbehal-

tungsauftrags nie ein (erfolgloser) Zustellungsversuch unternommen bzw. sei ihr keine 

Abholungseinladung  hinterlegt  worden.  Denn  eine  eingeschriebene  Sendung  gilt  in 

solchen Fällen spätestens am letzten Tag einer Frist von sieben Tagen ab Eingang bei 

der Poststelle am Ort des Empfängers als zugestellt. Diese klare, einfache und einheit-

liche  Regelung  –  sämtliche  Abteilungen  des  Bundesgerichts  haben  ihr  zugestimmt 

(BGE 134 V 49, E. 4) – erweist sich sowohl für die involvierten Behörden wie auch den 

Adressaten als gleichermassen praktikabel, insbesondere heutzutage, wo es – wie die 

Pflichtige  selber  anführt  –  mit  den  entsprechenden  Codes  und  der  Service-Leistung 

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
- 10 - 

von Track and Trace Business für alle Beteiligten ein Leichtes ist, die einzelnen Verar-

beitungsschritte  der  Post  durch  Abruf  des  Sendungsverfolgungsauszugs  in  Erfahrung 

zu bringen, mithin auch den Zeitpunkt des Eingangs einer eingeschriebenen Sendung 

bei  der  zuständigen  Poststelle  während  eines  laufenden  Postzurückbehaltungsauf-

trags.  

Vorliegend  ging  der  Einspracheentscheid  am  Samstag,  17. August  2013,  bei 

der zuständigen Distributionspoststelle in D ein, wo er auftragsgemäss für die erst am 

Montag,  26. August  2013  zu  erfolgende  Zustellung  zurückbehalten  wurde.  Entspre-

chend dem Gesagten gilt der Einspracheentscheid nach einer Frist von sieben Tagen 

ab  17. August  2013,  mithin  am  24. August  2013,  als  zugestellt;  dies  ungeachtet  der 

davon abweichenden Abholungseinladung der Post vom 26. August 2013, welcher die 

Pflichtige erst am siebten Tag, am 2. September 2013, folgte (zum Ganzen exempla-

risch:  BGr,  19. Dezember  2012,  9C_1005/2012,  E. 3.3,  www.bger.ch).  Demnach  be-

gann  die  Rekursfrist  am  25. August  2013  zu  laufen  und  endete  am  Montag, 

23. September  2013  (nicht  erst,  wie  ursprünglich  angeführt,  am  26. September  2013. 

Der  erst  am  30. September  2013  der  Schweizerischen  Post  übergebene  Rekurs  er-

weist sich daher als verspätet.  

Schafft  somit  die  Pflichtige  durch  den  erteilten  Postzurückbehaltungsauftrag 

selber eine Situation wie die Vorliegende, darf sie nicht einfach davon ausgehen, dass 

erst  der  tatsächliche  Empfang  der  Sendung  fristauslösend  sei,  zumal  die  von  ihr  bei 

Auftragserteilung  akzeptierten  allgemeinen  Geschäftsbedingungen  der  Schweizeri-

schen Post ausdrücklich festhalten, dass sich die rechtlichen Wirkungen einer Zustel-

lung  unabhängig  vom  postalischen  Angebot  nach  den  einschlägigen  rechtlichen  Vor-

gaben  beurteilen.  Jene  können  in  solchen  Fällen  ohne  Weiteres  bei  einer  juristisch 

gebildeten  Person  oder  etwa  bei  der  Vor-/Rechtsmittelinstanz  in  Erfahrung  gebracht 

werden  (vgl.  VGr,  4. November  2013,  VB.2013.00314,  E. 2.4,  www.vgr.zh.ch).  Dass 

der  beigezogene  Rechtsanwalt,  in  Kenntnis  des  Postzurückbehaltungsauftrags,  die 

Frist gleichwohl versäumt hat, muss sich die Pflichtige, wie alle  Handlungen von Ver-

tretern,  zurechnen  lassen;  ein  Fristwiederherstellungsgesuch  wurde  in  diesem  Zu-

sammenhang  sodann  zu  Recht  nicht  gestellt,  hätte  dieses  doch  schon  deshalb  nicht 

gutgeheissen  werden  können,  weil  eine  rechtsirrtümliche  Annahme  über  den  Fristen-

lauf keinen Fristwiederherstellungsgrund darstellt. Zudem standen der Pflichtigen nach 

Empfang  des  Einspracheentscheids  noch  21 Tage  zur  Abfassung  des  Rekurses  zur 

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
- 11 - 

Verfügung, so dass sie durch die Zustellung des Entscheids während ihrer Abwesen-

heit nur einen geringfügigen Nachteil erlitten hat.  

dd) Der am 30. September 2013 erhobene Rekurs der Pflichtigen würde sich im 

Übrigen auch dann als verspätet erweisen, wenn die vom Verwaltungsgericht kürzlich, 

als  Ausnahme  zur  ansonsten  weiterhin  geltenden  Regel  geäusserte  Auffassung  zur 

Anwendung gelänge, wonach bei Sendungen, welche während eines Postzurückbehal-

tungsauftrags  an  einem  "Samstag"  bei  der  zuständigen  Poststelle  eingehen,  die  sie-

bentägige Frist für das Eintreten der Zustellfiktion erst ab dem darauffolgenden nächs-

ten  Werktag  zu  laufen  beginnt  (VGr,  23. Oktober  2013,  VB.2012.00690,  E. 3.2, 

www.vgr.zh.ch  [Entscheid  nicht  rechtskräftig,  derzeit  Beschwerde  am  Bundesgericht 

hängig]).  So  betrachtet,  würde  vorliegend  der  am  Samstag,  17. August  2013  bei  der 

Poststelle  eingegangene  Einspracheentscheid  nach  einer  Frist  von  sieben  Tagen  – 

berechnet  ab  Montag,  19. August  2013  –  als  am  Montag,  26. August  2013  zugestellt 

gelten, so dass die Rekursfrist schliesslich am Mittwoch, 25. September 2013 – 5 Tage 

vor Rekurserhebung – geendet hätte.  

Das  Bundesgericht  hat  diesbezüglich  hingegen  bereits  im  Entscheid  vom 

19. Dezember  2012  (9C_1005/2012,  E. 3.3)  ausdrücklich  festgehalten,  dass  auch  bei 

einer  an  einem  Samstag  bei  der  Poststelle  eintreffenden  Sendung  die  Zustellfiktion 

nach sieben Tagen eintrete.  

Wie es sich damit letztlich verhält, kann hier offen bleiben, da der Rekurs der 

Pflichtigen  in  jedem  Fall  verspätet  ist  (zumal  es  dem  verwaltungsgerichtlichen  Ent-

scheid ohnehin an Rechtskraft gebricht).  

3. Nach dem Gesagten ist auf den Rekurs zufolge Verspätung nicht einzutre-

ten.  Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  der  Pflichtigen  aufzuerlegen 

(§ 151  Abs.  1  StG)  und  ist  ihr  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (§ 152  StG 

i.V.m. § 17 Abs. 2 VRG).  

1 ST.2013.235 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 12 - 

Demgemäss beschliesst die Kammer: 

1.  Auf den Rekurs wird nicht eingetreten. 

[…] 

1 ST.2013.235