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**Case Identifier:** 10592e6c-2bbd-574e-a7b8-36c0bcee472f
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-22
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 22.04.2025 P1 24 156
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-24-156_2025-04-22.pdf

## Full Text

P1 24 156 

 

 

URTEIL VOM 22. APRIL 2025 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Kantonsrichter Michael Steiner; Gerichtsschreiber Bernhard Julen 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, vertreten durch 

Staatsanwalt Dominic Lehner, Brig-Glis 

 

gegen 

 

X _________, Beschuldigte und Berufungsklägerin, amtlich verteidigt durch Rechtsan-

wältin Erika Antille, Sierre 

 

(Massnahmeverfahren gemäss Art. 374 f. StPO; Vergewaltigung) 

Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Brig, Östlich-Raron und Goms vom 

21. August 2024 [BRI S1 24 22]  

- 2 - 

Verfahren   

A.  In dem auf Antrag der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Ober-

wallis (fortan: die Staatsanwaltschaft), gegen X _________ geführten selbstständigen 

Massnahmeverfahren gegen eine schuldunfähige beschuldigte Person (Art. 374 f. StPO) 

fällte das Bezirksgericht Brig, Östlich-Raron und Goms am 21. August 2024 folgendes 

Urteil, welches es gleichentags im Dispositiv eröffnete (S. 853 f.): 

1. Es wird festgestellt, dass X _________ den Tatbestand der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 

aStGB im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB 

erfüllt hat. 

2. Aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit wird von einer Strafe abgesehen. 

3. Für X _________ wird im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB eine ambulante Massnahme im Sinne einer 

psychoedukativen, verhaltenstherapeutisch basierten Psychotherapie angeordnet. 

4. Weder wird eine obligatorische Landesverweisung (aufgrund der Schuldunfähigkeit, Art. 66a Abs. 1 

StGB) noch eine fakultative Landesverweisung (mangels Massnahme im Sinne von Art. 66abis StGB) 

ausgesprochen. 

5. Die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 6'400.00, bestehend aus den Verfahrenskosten der 

Staatsanwaltschaft von Fr. 5'400.00 (Gebühr Anklage Fr. 1'224.00; Polizeirechnung Fr. 50.00, Dr. med. 

A _________ Fr. 376.00, Gutachten Dr. med. B _________ Fr. 3'750.00) sowie der Gerichtsgebühr des 

Bezirksgerichtes von Fr. 1’000.00, werden dem Staat Wallis auferlegt (Art. 419 StPO). 

6. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwältin Erika Antille als amtliche[r] notwendige[r] Verteidigerin von  

X _________ eine Parteientschädigung von Fr. 6’400.00 (inkl. MwSt. und Auslagen). Da der Beschul-

digten keine Verfahrenskosten auferlegt worden sind, wird kein Rückforderungsvorbehalt angeordnet 

(Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario). 

7. Eine Entschädigung beziehungsweise Genugtuung wird nicht zugesprochen. 

B.a  Gegen dieses Urteil meldete die Beschuldigte am Folgetag Berufung an (S. 856). 

Das begründete Urteil ging den Parteien am 27. November 2024 zu (S. 859 ff.). Am 

17. Dezember 2024 reichte die Beschuldigte ihre Berufungserklärung mit folgenden 

Rechtsbegehren ein (S. 890 ff.): 

1. Es sei auf die Berufungserklärung von X _________ vom 17.12.2024 einzutreten.  

2. Es sei X _________ vom Vorwurf der Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 aStGB) freizusprechen. 

3. Es seien die Verfahrenskosten vollumfänglich dem Staat aufzuerlegen. 

4. Es sei X _________ eine Genugtuungssumme von Fr. 500.00 zuzusprechen, zuzüglich Zins von 5% seit 

dem 06.01.2022. 

5. Es sei X _________ die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die Unterzeichnete als unentgelt-

liche Rechtsbeiständin von X _________ zu ernennen.  

 

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B.b  Die Staatsanwaltschaft erhob keine Anschlussberufung. 

C.a  Die Berufungsverhandlung fand am 4. April 2025 statt (S. 940 ff.). Zu dieser erschie-

nen die Beschuldigte und ihre amtliche Verteidigerin. Letztere stellte folgende Anträge: 

1. Es sei X _________ vom Vorwurf der Vergewaltigung (Art. 190 aStGB) freizusprechen. 

2. Die Verfahrenskosten seien vollumfänglich vom Staat zu tragen. 

3. Es sei X _________ eine Genugtuungssumme von Fr. 1'000.00 zuzusprechen, zuzüglich Zins von 5% 

seit dem 06.01.2022. 

4. Es sei die Unterzeichnete als Offizialverteidigerin von X _________ entsprechend der eingereichten 

Honorarnote zu entschädigen. 

C.b  Die Beschuldigte verzichtete auf eine öffentliche Urteilsverkündung. 

Erwägungen 

1.  Angefochten ist ein Bezirksgerichtsurteil (Art. 12 Abs. 1 lit. a und Art. 14 Abs. 1 und 

2 EGStPO i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO). Die Sachurteilsvoraussetzungen von Art. 379 

ff. und Art. 398 ff. StPO sind grundsätzlich erfüllt und geben zu keinen weiteren Vorbe-

merkungen Anlass. 

2.  Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten zusammengefasst vor, im Juli oder 

August 2019 – vor ihrer Geschlechtsumwandlung zur Frau – ihre Freundin C _________ 

vergewaltigt zu haben, wobei sie für diese Tat nicht schuldfähig gewesen sei.  

3.   

3.1  Die Vorinstanz erachtete den angeklagten Sachverhalt als erstellt. Sie ging zusam-

mengefasst davon aus, dass die Beschuldigte C _________ gegen deren Willen zu-

nächst an den Brüsten und an der Vulva berührte und schliesslich vaginal bis zum Sa-

menerguss penetrierte (angefochtenes Urteil E. 3.2 in fine S. 875). Bei der Prüfung der 

Frage nach dem Vorhandensein eines Nötigungsmittels berücksichtigte sie die gesam-

ten Umstände und hielt diesbezüglich im Wesentlichen fest, dass es vor dem angeklag-

ten Vorfall nie zu sexuellen Handlungen gekommen sei, obwohl die Beschuldigte und  

C _________ bereits früher im selben Bett übernachtet hätten. Letztere habe deshalb 

nicht mit dem Vorhaben der Beschuldigten rechnen müssen (angefochtenes Urteil E. 4.2 

in initio S. 876). Zum eigentlichen Tathergang bemerkte die Vorinstanz, C _________ 

habe vorerst mit dem Rücken zur Beschuldigten gelegen und deren mehrmalige Fragen, 

ob sie sie an den Brüsten berühren dürfe, jeweils verneint. Auch der Umstand, dass  

C _________ die Arme vor ihrer Brust verschränkt habe, sei als deutliches Signal zu 

- 4 - 

verstehen, dass sie weder die Berührungen noch den anschliessenden Geschlechtsver-

kehr gewollt habe. Dennoch habe die Beschuldigte sie auf den Rücken gedreht, nackt 

ausgezogen und vaginal penetriert. Die verbale und nonverbale Manifestation ihres  

Widerstandes sowie ihre Passivität im weiteren Verlauf zeigten in aller Deutlichkeit, dass 

C _________ den Geschlechtsverkehr nicht gewollt habe. Die Vorinstanz kam zusam-

menfassend zum Schluss, bei gesamthafter Betrachtung stellten die Handlungen der 

Beschuldigten ein grösseres Mass an körperlicher Kraft dar, als zum blossen Vollzug 

des Akts notwendig gewesen sei. Zudem erachtete sie die Drehung auf den Rücken als 

kausal dafür, dass die Beschuldigte den Beischlaf habe vollziehen können, zumal  

C _________ dadurch in eine Schockstarre gefallen sei. Damit habe diese sich weder 

verbal noch nonverbal wehren können (angefochtenes Urteil E. 4.2 S. 876 f.). 

Die Vorinstanz ging somit seitens der Beschuldigten von einer genügenden Kraftanstren-

gung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB und seitens von C _________ von fehlender 

Widerstandsfähigkeit infolge einer Schockstarre aus.  

3.2  Die Beschuldigte wendet sich teilweise gegen den von der Vorinstanz festgestellten 

Sachverhalt und insbesondere dessen rechtliche Würdigung. Sie macht geltend, eine 

ausreichende Nötigungshandlung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB (in der bis am  

30. Juni 2024 in Kraft gewesenen Fassung) sei nicht gegeben. 

Sie bestreitet nicht (bzw. nicht mehr), dass der infrage stehende Beischlaf nicht einver-

nehmlich stattgefunden hat. Ebenso anerkennt sie ausdrücklich, C _________ vorgän-

gig und trotz mehrmaliger verbaler Ablehnung an die Brüste gefasst zu haben. Sie wen-

det sich indessen insoweit gegen die vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts, wo-

nach sie C _________ auf den Rücken gedreht und nackt ausgezogen habe. Zur Be-

gründung macht sie geltend, weder sie noch C _________ hätten je entsprechende Aus-

sagen gemacht. Sie selber habe sich diesbezüglich nicht erinnern können. Und  

C _________ ihrerseits habe vor der Kantonspolizei D _________ zwar angegeben, 

dass sie, die Beschuldigte, angefangen habe, sie auszuziehen. Bei ihrer späteren Ein-

vernahme durch die Kantonspolizei Wallis habe sie dann jedoch ausgeführt, sich nur 

daran erinnern zu können, plötzlich nackt gewesen zu sein. Somit sei nicht erstellt, dass 

sie C _________ effektiv ausgezogen habe. Die verschiedenen Handlungen, die sie laut 

dem angefochtenen Urteil vor dem Geschlechtsverkehr vollzogen habe, seien demnach 

nicht bewiesen.  

Des Weiteren kritisiert die Beschuldigte die vorinstanzliche Feststellung, C _________ 

habe nicht damit rechnen müssen, dass die Beschuldigte mit ihr Geschlechtsverkehr 

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habe haben wollen, da erstellt sei, dass vorher keine sexuelle Beziehung bestanden 

habe und es auch nicht unüblich gewesen sei, dass beide im selben Bett geschlafen 

hätten. Sie wendet diesbezüglich ein, die beiden Involvierten hätten bereits vorher frei-

zügige Fotos von sich ausgetauscht. Dementsprechend sei ihre Freundschaft bereits vor 

dem Tatzeitpunkt sexuell konnotiert gewesen. 

3.3  Zu den im Rahmen dieses Verfahrens noch strittigen Sachverhaltsteilen liegen aus-

schliesslich Deklarationen der früheren Privatklägerin C _________ vor, zumal die Be-

schuldigte selber diesbezüglich keine konkreten Angaben machen konnte oder wollte 

(vgl. F/A 3 S. 35; F/A 25 S. 37; F/A 53 S. 40 f.; F/A 67 S. 42) bzw. sie ganz allgemein 

eine Nötigungshandlung in Abrede stellte (F/A 75 S. 43).  

3.3.1  Bei ihrer Anzeigeerstattung am 12. November 2021 auf einer Polizeiwache in  

E _________ wurden die Angaben von C _________ vom rapportierenden Sachbear-

beiter "sinngemäss" im Wesentlichen wie folgt festgehalten (S. 638 f.): 

"Ich kannte den Beschuldigten. [..] Wir waren eine Zeit lang befreundet. Eines Abends 

übernachtete ich wieder bei ihm ganz normal. Wir schliefen in einem Bett. Plötzlich fragte 

er mich, ob er mich berühren dürfe. Ich sagte mehrfach nein. Er hörte jedoch auch nicht 

auf mich zu fragen. Er berührte mich einfach. Auch in meinem Intimbereich. Er fing mich 

an auszuziehen. Bevor es zum Geschlechtsverkehr kam, sagte ich drei Mal Nein. Er 

legte sich auf mich und wir hatten Sex. Er musste mich nicht festhalten oder so. Ich habe 

mich nicht gewehrt. Ich war wie versteinert und liess es einfach über mich ergehen. Es 

tat sehr weh. Er benutzte ein Kondom und kam auch zum Orgasmus. Danach liess er 

von mir ab und ich weiss auch nichts mehr vom restlichen Abend. [..] Danach trafen wir 

uns weiter. Aus einer Freundschaft wurde eine Freundschaft Plus. In dieser Zeit hatten 

wir noch mehrfach Sex und dies wollte ich auch. [..]". 

3.3.2  Im Rahmen des Vorverfahrens wurde C _________ am 2. Februar 2022 förmlich 

durch die Kantonspolizei Wallis als Auskunftsperson einvernommen. Zu Beginn dazu 

aufgefordert, den angezeigten Sachverhalt nochmals frei zu schildern, gab sie zu Proto-

koll, sie habe sich mit dem Rücken zur Beschuldigten hin schlafen gelegt gehabt, als 

diese sie gefragt habe, ob sie ihre Brüste anfassen dürfe. Sie habe dies drei Male ver-

neint. Die Beschuldigte habe dann trotzdem ihre Brüste angefasst und dann auch wei-

tergemacht und sie zwischen die Beine gefasst. Es sei dann zum ungewollten Sex ge-

kommen. Sie habe zu dem Zeitpunkt nicht verstanden, dass es eine Vergewaltigung sei, 

habe auch nicht "Nein" sagen können, weil sie "perplex vom Schock" gewesen sei (F/A 

8 S. 18). Danach gefragt, was für eine Freundschaft sie und die Beschuldigte vor dem 

- 6 - 

Vorfall gepflegt hätten, gab sie insbesondere zur Antwort, es sei sofort Vertrauen da 

gewesen, man habe über Vieles sprechen können, über die Familie, die Beziehung, psy-

chische Probleme und Geschlechtsverkehr (F/A 13 S. 20). Auf weitere Nachfragen sagte 

sie namentlich aus, die Beschuldigte habe sie beim fraglichen Vorfall ganz sicher an den 

Brüsten und an der Vulva berührt. Ob auch an den Oberschenkeln, wisse sie nicht (F/A 

25 S. 21). Die Berührungen seien nicht gewaltvoll gewesen (F/A 26 S. 21). Anfänglich 

sei sie über den Kleidern berührt worden, danach auf der nackten Haut, da sie ja dann 

nackt gewesen sei (F/A S. 21). Sie habe zur Beschuldigten nichts mehr gesagt, sei still 

gewesen und habe sich auch körperlich nicht gewehrt. Sie sei geschockt gewesen, dass 

jemand, dem sie vertraut habe, das mit ihr mache. Sie sei perplex gewesen (F/A 29 

S. 21). Es sei unangenehm gewesen (F/A 30 S. 21). Die Beschuldigte habe sie nicht 

festhalten müssen, da sie wie versteinert gewesen sei, es über sich habe ergehen las-

sen, nichts gemacht habe (F/A 31 S. 22). Danach gefragt, wie die Beschuldigte sie aus-

gezogen habe, gab sie namentlich zur Antwort, sie könne sich nur daran erinnern, dass 

sie plötzlich nackt gewesen sei. Sie habe keine Ahnung, wie das passiert sei (F/A 33 

S. 22). Auf die Anschlussfrage, ob die Beschuldigte Gewalt angewendet habe, sagte sie 

aus, es habe den Moment gegeben, als sie auf dem Rücken gelegen habe. Sie wisse 

nicht, ob die Beschuldigte sie auf den Rücken gedreht habe. Die Beschuldigte habe 

keine Gewalt angewendet, um sie in diese Position zu bekommen. Jedenfalls sei ihr dies 

nicht bewusst (F/A 34 S. 22). Irgendwann habe sie auf dem Rücken gelegen und die 

Beschuldigte habe sie vaginal penetriert (F/A 38 S. 22). Sie habe darauf gar nicht rea-

giert, habe es einfach passieren lassen (F/A 39 S. 22). Auf die anschliessende Frage, 

weshalb sie sich nicht gewehrt habe, gab sie zu Protokoll, es sei zu dem Zeitpunkt wie 

ein Schock gewesen. Sie sei überrascht gewesen. Andererseits habe sie sich auch nicht 

getraut. Es sei eine Angst da gewesen, die Beschuldigte verletzen zu können (F/A 40 

S. 22). Auf weitere entsprechende Nachfragen sagte sie aus, als die Beschuldigte in sie 

eingedrungen sei, habe sie nicht wirklich reagiert, sei in dem Moment nicht imstande 

gewesen, etwas zu machen. Die Beschuldigte habe sie nur vaginal penetriert (F/A 41 ff. 

S. 23). Die Anschlussfrage, ob sie die Beschuldigte auf die dabei erlittenen Schmerzen 

hingewiesen habe, verneinte sie. Ergänzend fügte sie an, wahrscheinlich habe sie nichts 

gesagt, weil sie unter Schock gestanden habe und weil auch die Angst da gewesen sei, 

wie die Beschuldigte reagieren könnte (F/A 44 S. 23). Nach dem Vorfall hätten sie und 

die Beschuldigte normal Kontakt gehabt. Erst im Januar 2021 sei ihr bewusst geworden, 

dass dies eine Vergewaltigung gewesen sei. Die "Freundschaft plus" mit der Beschul-

digten sei ja auch schön gewesen. Sie habe erst später realisiert, dass dieses erste Mal 

eine Vergewaltigung gewesen sei. Dies sei ihr in einem Gespräch mit einer ihr naheste-

henden Person bewusst geworden (F/A 51 S. 23). Dass sie später mit der Beschuldigten 

- 7 - 

einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt habe, habe "definitiv" damit zu tun, dass 

sie damals nicht gewusst habe, dass es eine Vergewaltigung gewesen sei (F/A 56 S. 

24). Danach gefragt, ob sie von der Beschuldigten zu den sexuellen Handlungen genö-

tigt worden sei, gab sie zur Antwort: "bei der Vergewaltigung nein" (F/A 60 S. 24). 

3.3.4  Gegenüber dem sie kurzeitig behandelnden Psychotherapeuten Dr. med.  

F _________ hatte C _________ am 20. August 2021, knapp drei Monate vor der An-

zeigeerstattung, im Rahmen ihrer Erstkonsultation angegeben: "Es sei ein "Kuscheln" 

gewesen, welches immer weitergegangen sei, sie habe es nicht stoppen können, sie 

habe es bis zum Zeitpunkt des Gesprächs mit ihrem Vater aber letztlich gar nicht als 

eine eigentliche Vergewaltigung wahrgenommen; aber ganz klar: Das Weiterführen der 

Zärtlichkeit und schliesslich der Geschlechtsakt selber sei ganz klar nicht in ihrem Sinne 

gewesen" (Bericht Dr. med. F _________ zur Erstkonsultation vom 20. August 2021, 

S. 91). 

3.3.5  Gegenüber ihrer Psychotherapeutin Dr. med. A _________ gab sie anlässlich ei-

ner Konsultation am 18. Mai 2022 ebenfalls an, es "nicht als eine Vergewaltigung im 

Kopf" gehabt zu haben, um insbesondere zu ergänzen, sie "hätte sich wehren können", 

es aber nicht getan (Verlaufsbericht Dr. med. A _________ vom 18. Mai 2022, S. 102 f). 

3.4   

3.4.1  Die Glaubhaftigkeit der Aussagen von C _________ steht vorliegend grundsätz-

lich nicht zur Diskussion. Ihre Aussagen zum Kerngeschehen werden von der Beschul-

digten denn auch nicht grundsätzlich angezweifelt. Diese bzw. ihre amtliche Verteidigung 

wendet vielmehr ein, soweit im angefochtenen Urteil festgestellt werde, sie habe  

C _________ auf den Rücken gedreht und nackt ausgezogen, lägen keine entsprechen-

den Aussagen vor.  

3.4.2  Der Einwand ist teilweise berechtigt. Die Aussagen von C _________ zum ge-

nauen Geschehensverlauf beinhalten verschiedene Erinnerungslücken, die namentlich 

auch die beiden hier zur Diskussion stehenden Fragestellungen zur Drehung auf den 

Rücken und zum Ausziehen umfassen. Zu ersterer führte sie im Rahmen ihrer polizeili-

chen Detailbefragung lediglich aus, sie wisse nicht, ob die Beschuldigte sie auf den Rü-

cken gedreht habe, um später zu ergänzen, dass sie irgendwann auf dem Rücken gele-

gen habe (und die Beschuldigte sie vaginal penetriert habe). Dass die Beschuldigte sie 

auf den Rücken gedreht habe, sagte sie, soweit ersichtlich, demgegenüber nie aus. Zur 

zweiten Fragestellung gab sie bei ihrer Anzeigeerstattung offenbar zu Protokoll, die Be-

schuldigte habe angefangen, sie auszuziehen ("Er fing mich an auszuziehen"), um sich 

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im Rahmen der späteren Detailbefragung alsdann nur daran erinnern zu können, "dann 

nackt" bzw. "plötzlich nackt" gewesen zu sein, um zu ergänzen, sie habe "keine Ahnung", 

wie das passiert sei.  

3.4.3  Die Tatsache, dass sich C _________ nicht mehr im Detail daran erinnern kann, 

wie genau sie auf dem Rücken zu liegen kam, und der Umstand, dass diesbezüglich 

keine weiteren, aussagekräftigen Beweisergebnisse vorliegen, lassen die vorinstanzli-

che Feststellung bzw. den entsprechenden Anklagevorwurf, wonach die Beschuldigte  

C _________ auf den Rücken gedreht habe, als zu absolut erscheinen. Dies muss umso 

mehr gelten, als dass Letztere sowohl bei ihrer Anzeigeerstattung wie auch im Rahmen 

ihrer späteren freien Schilderung zum Vorgefallenen eine Drehung auf den Rücken un-

erwähnt liess und im Rahmen ihrer Detailbefragung in diesem Zusammenhang aus-

drücklich zu Protokoll gab, dass die Beschuldigte "keine Gewalt" angewendet habe. Mit-

hin ist gemäss Art. 10 Abs. 3 StPO in dem Sinne von einer für die Beschuldigte günsti-

geren Sachlage auszugehen, als dass sie C _________ nicht (aktiv) auf den Rücken 

gedreht hat, sondern diese ohne Fremdeinwirkung in dieser Position zu liegen kam. 

3.4.4  Entsprechendes gilt nicht für die vorinstanzliche Feststellung bzw. den Anklage-

vorwurf, dass die Beschuldigte C _________ ausgezogen habe. Zwar ist nicht zu über-

sehen, dass diese offenbar lediglich im Rahmen ihrer Anzeigeerstattung (sinngemäss) 

zu Protokoll gab, dass die Beschuldigte angefangen habe, sie auszuziehen. Ebenfalls 

fällt auf, dass sie im Rahmen ihrer späteren freien Schilderung keine entsprechenden 

Aussagen mehr machte und sich im Rahmen der Detailbefragung lediglich daran zu er-

innern vermochte, "dann nackt" bzw. "plötzlich nackt" gewesen zu sein. Daraus ist in-

dessen nicht abzuleiten, dass die Beschuldigte sie nicht oder nicht vollständig ausgezo-

gen oder sie diesbezüglich selber eine aktive Rolle gespielt hätte. Dass C _________ 

auch in diesem Zusammenhang eingestand, sich nicht im Detail erinnern zu können, ist 

als Realkennzeichen und nicht als mögliche Alternative zum inkriminierten Handlungs-

ablauf zu werten, zumal sie darum bemüht war, die Beschuldigte nicht unnötig zu belas-

ten. Aufgrund der Erstangabe von C _________ bei der Anzeigeerstattung ("Er fing mich 

an auszuziehen"), der beharrlichen und sexuell motivierten Vorgehensweise der Be-

schuldigten – sie fasste C _________ zunächst und gegen ihren mehrfach geäusserten 

Willen an die Brüste –, sowie der von C _________ wiederholt geschilderten passiven 

Reaktion darauf, ist für das erkennende Gericht nicht zweifelhaft, dass es die Beschul-

digte war, die C _________ nackt ausgezogen hat. Welche Nachtbekleidung diese dabei 

genau trug (Pyjama oder T-Shirt und Unterhose), welche Frage im Rahmen der Beru-

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fungsverhandlung thematisiert wurde, ist von untergeordneter Bedeutung und kann of-

fenbleiben. So oder anders ändert dieser Umstand nichts an der Glaubhaftigkeit der 

Aussagen von C _________. Folglich vermag die Beschuldigte auch daraus nichts zu 

ihren Gunsten abzuleiten. 

3.5  Zusammengefasst ist – in geringfügiger Abweichung von der vorinstanzlichen Be-

urteilung bzw. vom entsprechenden Anklagevorwurf – daher von folgendem äusserem 

Sachverhalt auszugehen: Die Beschuldigte fasste die mit dem Rücken zu ihr liegende  

C _________ gegen deren mehrfach geäusserten Willen und trotz vor der Brust ver-

schränkter Arme zunächst an die Brüste. In der Folge griff sie dieser zwischen die Beine, 

zog sie aus und penetrierte sie schliesslich vaginal bis zum Samenerguss. Demgegen-

über ist nicht erstellt, dass die Beschuldigte C _________ vor dem vollzogenen Ge-

schlechtsverkehr auf den Rücken drehte.  

4. 

4.1  Am 1. Juli 2024 ist das neue Sexualstrafrecht in Kraft getreten (BBl 2023 1521 ff.). 

Die Beschuldigte hat die zu beurteilende Tat im Sommer 2019 und damit vor dem In-

krafttreten der Gesetzesänderung begangen. Hat der Täter ein Verbrechen oder Verge-

hen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nach-

her, so ist dieses Gesetz anzuwenden, wenn es für ihn das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 

StGB). Ob das neue im Vergleich zum alten Gesetz milder ist, beurteilt sich nicht nach 

einer abstrakten Betrachtungsweise, sondern in Bezug auf den konkreten Fall (Grund-

satz der konkreten Vergleichsmethode). Das Gericht hat die Tat sowohl nach altem als 

auch nach neuem Recht (hypothetisch) zu prüfen und durch Vergleich der Ergebnisse 

festzustellen, nach welchem der beiden Rechte der Täter besser gestellt ist (BGE 142 

IV 401 E. 3.3; 134 IV 82 E. 6.2.1; Bundesgerichtsurteile 6B_1308/2020 vom 5. Mai 2021 

E. 4.2.2; je mit Hinweisen). Die günstigere Rechtslage bestimmt sich dabei nicht nach 

dem subjektiven Empfinden des Täters, sondern nach objektiven Gesichtspunkten 

(Grundsatz der Objektivität, BGE 134 IV 82 E. 6.2.2 mit Hinweisen). Steht einmal fest, 

dass die Strafbarkeit des fraglichen Verhaltens unter neuem Recht fortbesteht, sind die 

gesetzlichen Strafrahmen bzw. Sanktionen zu vergleichen (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1; Ur-

teil 6B_310/2014 vom 23. November 2015 E. 4.1.1; je mit Hinweis). Sind im Übrigen die 

Sanktionen im Einzelfall gleichwertig, so ist altes Rechts anzuwenden (POPP/BERKE-

MEIER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, N. 20 zu Art. 2 StGB). 

Gemäss erstelltem Sachverhalt wird der Beschuldigten vorgeworfen, C _________ ge-

gen deren Willen zum Beischlaf genötigt zu haben, was eine Vergewaltigungshandlung 

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im Sinne von neuArt. 190 Abs. 2 StGB darstellen kann. Nach altem wie nach neuem 

Strafrecht besteht diesbezüglich ein Strafrahmen von Freiheitsstrafe von einem Jahr bis 

zu zehn Jahren, womit altes Recht anzuwenden ist. Einschlägig bleibt daher das bis am 

30. Juni 2024 in Kraft gewesene Sexualstrafrecht (nachfolgend mit aStGB zitiert).   

4.2  Eine Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB begeht, wer eine Person 

weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie be-

droht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig 

macht.   

4.3  Art. 190 aStGB bezweckt – wie auch der Tatbestand der sexuellen Nötigung im 

Sinne von Art. 189 aStGB – den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Das Indivi-

duum soll sich im Bereich des Geschlechtslebens unabhängig von äusseren Zwängen 

oder Abhängigkeiten frei entfalten und entschliessen können. Die sexuellen Nötigungs-

tatbestände von Art. 189 und Art. 190 aStGB setzen übereinstimmend voraus, dass der 

Täter das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringt, eine sexuelle Handlung zu 

erdulden oder vorzunehmen. Die Tatbestände erfassen alle erheblichen Nötigungsmit-

tel, auch solche ohne unmittelbaren Bezug zu physischer Gewalt. Es soll ebenfalls das 

Opfer geschützt werden, das in eine ausweglose Situation gerät, in der es ihm nicht 

zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des Täters zu widersetzen, auch wenn dieser keine 

Gewalt anwendet. Dementsprechend umschreibt das Gesetz die Nötigungsmittel nicht 

abschliessend. Es erwähnt namentlich die Ausübung von Gewalt und von psychischem 

Druck sowie das Bedrohen und das Herbeiführen der Widerstandsunfähigkeit, wobei der 

zuletzt genannten Variante kaum eigenständige Bedeutung zukommt (zum Ganzen: 

BGE 148 IV 234 E. 3.3; 131 IV 167 E. 3; Bundesgerichtsurteil 6B_1050/2023 vom  

21. Dezember 2023 E. 3.3.2; je mit Hinweisen).   

4.4  Die sexuellen Nötigungstatbestände gelten als Gewaltdelikte und sind damit prinzi-

piell als Akte physischer Aggression zu verstehen. Das ist nicht schon bei jedem belie-

bigen Zwang gegeben. Die Einwirkung auf das Opfer muss erheblich sein (BGE 131 IV 

167 E. 3.1 mit Hinweisen). Gewalt im Sinne von Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 

aStGB ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein grösseres Mass an 

körperlicher Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des Akts notwendig ist bzw. wenn 

sich der Täter mit körperlicher Kraftentfaltung über die Gegenwehr des Opfers hinweg-

setzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität etwa in Form von 

Schlägen und Würgen ist indes nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Täter seine über-

legene Kraft einsetzt, indem er das Opfer festhält oder sich mit seinem Gewicht auf es 

legt (BGE 148 IV 234 E. 3.3; Bundesgerichtsurteile 6B_762/2023 vom 28. Dezember 

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2023 E. 3.1; 6B_1050/2023 vom 21. Dezember 2023 E. 3.3.3; je mit Hinweisen). Vom 

Opfer wird nicht verlangt, dass es sich gegen die Gewalt mit allen Mitteln zu wehren 

versucht. Es muss sich nicht auf einen Kampf einlassen oder Verletzungen in Kauf neh-

men. Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräf-

tige und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klar-

gemacht wird, mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein (Bundesgerichts-

urteile 6B_1050/2023 vom 21. Dezember 2023 E. 3.3.3; 6B_388/2021 vom 7. Juni 2023 

E. 1.2.3; 6B_117/2023 vom 1. Mai 2023 E. 1.1.3; je mit Hinweisen). Der Tatbestand der 

sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung ist auch erfüllt, wenn das Opfer unter dem 

Druck des ausgeübten Zwangs zum Voraus auf Widerstand verzichtet oder ihn nach 

anfänglicher Abwehr aufgibt (BGE 126 IV 124 E. 3c; 118 IV 52 E. 2b; Bundesgerichtsur-

teile 6B_117/2023 vom 1. Mai 2023 E. 1.1.3; 6B_643/2021 vom 21. September 2021 E. 

3.3.3; 6B_479/2020 vom 19. Januar 2021 E. 4.3.3; je mit Hinweisen). Die Aufgabe des 

Widerstands kann insbesondere aufgrund der Ausweglosigkeit bzw. aus Angst vor einer 

weiteren Eskalation der Situation erfolgen (BGE 147 IV 409 E. 5.5.3 mit Hinweisen; Bun-

desgerichtsurteil 6B_1050/2023 vom 21. Dezember 2023 E. 3.3.3).  

4.5  Die Tatbestandsvariante des Unter-Druck-Setzens stellt klar, dass sich die Ausweg-

losigkeit der Situation auch ergeben kann, ohne dass der Täter eigentliche Gewalt an-

wendet. Es kann vielmehr genügen, dass dem Opfer eine Widersetzung unter den ge-

gebenen Umständen aus anderen Gründen nicht zuzumuten ist. Damit wird deutlich, 

dass eine Situation für das Opfer bereits aufgrund der sozialen und körperlichen Domi-

nanz des Täters aussichtslos im Sinne der sexuellen Nötigungtatbestände sein kann. 

Diese Dominanz muss nicht notwendigerweise mit der Furcht des Opfers vor körperli-

cher Gewalt verknüpft sein (BGE 128 IV 106 E. 3a/bb S. 110 f. mit Hinweis). Der psychi-

sche Druck, welchen der Täter durch die Schaffung einer Zwangslage erzeugen muss, 

hat indes von besonderer Intensität zu sein. Zwar wird nicht verlangt, dass er zur Wider-

standsunfähigkeit des Opfers führt. Die Einwirkung auf dasselbe muss aber immerhin 

erheblich sein und eine der Gewaltanwendung oder Bedrohung vergleichbare Intensität 

erreichen. Dies ist der Fall, wenn vom Opfer unter den gegebenen Umständen und in 

Anbetracht seiner persönlichen Verhältnisse verständlicherweise kein Widerstand er-

wartet werden kann bzw. ihm ein solcher nicht zuzumuten ist, der Täter mithin gegen 

den Willen des Opfers an sein Ziel gelangt, ohne dafür Gewalt oder Drohungen anwen-

den zu müssen (BGE 131 IV 167 E. 3.1 S. 170 f. mit Hinweisen). Die Auslegung der Art. 

189 f. aStGB hat sich insoweit insbesondere an der Frage der zumutbaren Selbstschutz-

möglichkeiten des Opfers zu orientieren (BGE 128 IV 106 E. 3b S. 113; Bundesgerichts-

urteil 6B_145/2019 vom 28. August 2019 E. 3.2.4; je mit Hinweis).   

- 12 - 

4.6  Bei der Beurteilung, ob eine sexuelle Nötigung bzw. Vergewaltigung vorliegt, ist eine 

Gesamtwürdigung der konkreten Umstände vorzunehmen (BGE 148 IV 234 E. 3.3; 131 

IV 107 E. 2.2; Bundesgerichtsurteil 6B_1050/2023 vom 21. Dezember 2023 E. 3.3.5; je 

mit Hinweisen). Die Rechtsprechung hat namentlich den verbalen Widerstand des Op-

fers unter Berücksichtigung der Gesamtumstände als genügenden Widerstand qualifi-

ziert (Bundesgerichtsurteil 6B_803/2021 vom 22. März 2023 E. 7.1.1 mit Hinweis auf 

Bundesgerichtsurteil 6B_367/2021 vom 14. Dezember 2021 E. 2.3). 

4.7  Der Tatbestand der Vergewaltigung ist nur erfüllt, wenn der Täter vorsätzlich han-

delt, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 87 IV 66 E. 3). Dieser muss wissen oder zu-

mindest in Kauf nehmen, dass das Opfer mit dem Beischlaf bzw. den sexuellen Hand-

lungen nicht einverstanden ist (Bundesgerichtsurteile 6B_1149/2014 und 6B_1166/2014 

vom 16. Juli 2015 E. 5.1.4; 6B_494/2012 vom 21. Februar 2013 E. 2.2). 

5. 

5.1  Vorliegend ist unbestritten, dass es in der fraglichen Nacht zu sexuellen Handlungen 

bis hin zum vollzogenen Geschlechtsverkehr zwischen der Beschuldigten und  

C _________ kam. Eine erhebliche Gewaltanwendung, wonach Letztere z.B. an den 

Armen festgehalten worden wäre oder sie die Beine fest zusammengepresst und die 

Beschuldigte diese mit grossem Kraftaufwand auseinandergezwängt hätte, ist nicht er-

stellt. C _________ hatte denn auch explizit zu Protokoll gegeben, die Berührungen der 

Beschuldigten seien "nicht gewaltvoll" gewesen (F/A 26 S. 21) bzw. diese habe "keine 

Gewalt" angewendet (F/A 34 S. 22). Mithin ist entgegen der Vorinstanz einmal festzu-

halten, dass seitens der Beschuldigten nicht von einer erheblichen Kraftanstrengung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB auszugehen ist. Die infrage stehenden Handlungen der 

Beschuldigten stellen demnach nicht ein grösseres Mass an körperlicher Kraft dar, als 

zum blossen Vollzug des Akts notwendig war. Der blosse Vollzug des Geschlechtsver-

kehrs gegen den Willen von C _________ genügt demzufolge nicht für den Tatbestand 

der Vergewaltigung. 

5.2  Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich C _________ in einer ausweglosen Situation 

befand, in welcher sie in eine Art Schockstarre verfiel, widerstandsunfähig war und "es 

einfach über sich ergehen" bzw. "es einfach passieren liess".  

5.2.1  C _________ machte wiederholt Aussagen, die darauf schliessen lassen, dass 

sie – nach anfänglicher verbaler Ablehnung (Anfassen der Brüste) – keinen Widerstand 

(mehr) leistete und sich vollkommen passiv verhielt, als die Beschuldigte sie auszog und 

- 13 - 

mit ihr schlussendlich den Beischlaf vollzog. So gab sie in diesem Zusammenhang bei-

spielsweise an, sich "nicht gewehrt" bzw. "körperlich nicht gewehrt" und "nichts mehr 

gesagt" zu haben bzw. "wie versteinert" bzw. "still" bzw. "perplex" bzw. "geschockt" ge-

wesen zu sein. Diese Aussagen sprechen an und für sich dafür, dass C _________ 

aufgrund des Verhaltens der Beschuldigten in eine Art Schockstarre verfallen ist. 

5.2.2  Die Aussagen von C _________ enthalten indessen auch Passagen, die darauf 

schliessen lassen, dass ihr passives Verhalten auch aus einer Art Rücksichtnahme ge-

genüber der Beschuldigten erfolgte. So sagte sie beispielweise zur Frage, weshalb sie 

sich nicht gewehrt habe, zwar primär aus, es sei wie ein Schock gewesen, sie sei über-

rascht gewesen, um sogleich anzufügen, "andererseits" habe sie sich "nicht getraut". Es 

sei eine Angst da gewesen, dass sie die Beschuldigte verletzen könnte (F/A 40 S. 22). 

Später gab sie auf eine entsprechende Nachfrage zu Protokoll, wahrscheinlich habe sie 

nichts gesagt, weil sie unter Schock gestanden habe und weil auch die Angst da gewe-

sen sei, wie die Beschuldigte reagieren könnte (F/A 44 S. 23).  

Zu dieser für den Tatzeitpunkt in Betracht zu ziehenden Möglichkeit (der Rücksicht-

nahme) passen auch die späteren Deklarationen von C _________ gegenüber den von 

ihr konsultierten Psychotherapeuten, wonach es ein "Kuscheln" gewesen sei, welches 

immer weitergegangen sei und sie "nicht habe stoppen können" (Bericht Dr. med.  

F _________, S. 91) bzw. sie "sich hätte wehren können, es aber nicht tat" (Verlaufsbe-

richt Dr. med. A _________ vom 18. Mai 2022, S. 103). Auch die Aussage ihrer Schwes-

ter G _________, die ganz allgemein festgestellt haben will, dass die Beschuldigte sich 

in eine Opferrolle gebracht habe und "C _________" ihr habe helfen wollen (F/A 8 S. 48), 

geht in diese Richtung und lässt das Gesagte als plausibel erscheinen.  

5.2.3  Weiter ist zu berücksichtigen, dass C _________ im Tatzeitpunkt 18-jährig und 

damit volljährig und mit rund sechs Monaten nur unwesentlich jünger als die Beschul-

digte war. Ebenfalls ist zu beachten, dass sie im Tatzeitpunkt sexuell in dem Sinne nicht 

unerfahren war, als dass sie mit einer Drittperson bereits Geschlechtsverkehr gehabt 

hatte (vgl. F/A 69 S. 25). Gerade auch unter Berücksichtigung des zuletzt Gesagten ist 

schliesslich zu beachten, dass sie wiederholt angab, das Vorgefallene zunächst nicht als 

Vergewaltigung aufgefasst zu haben. So begründete sie die späte Anzeige namentlich 

damit, dass sie eineinhalb Jahre gebraucht habe, um überhaupt zu verstehen, dass sie 

vergewaltigt worden sei (S. 638). Im Rahmen ihrer freien Schilderung äusserte sie sich 

explizit dahingehend, "zu dem Zeitpunkt nicht verstanden [zu haben], dass es eine Ver-

gewaltigung sei" (vgl. F/A 8 S. 18). Im Rahmen der Detailfragen bestätigte sie diesen 

Umstand mehrfach (F/A 51 S. 23; F/A 56 S. 24).  

- 14 - 

5.3  Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist nicht hinreichend erstellt, dass  

C _________ sich in einer (subjektiv) ausweglosen Situation befand. Insbesondere steht 

nicht mit hinreichender Sicherheit fest, dass deren Passivität allein mit der erwähnten 

(und altrechtlich nicht vorgesehenen) Schockstarre zu erklären ist. Hinzu kommt, dass 

C _________ als im Tatzeitpunkt bereits Erwachsene eine stärkere Gegenwehr zuzu-

muten ist, sie der Beschuldigten weder kognitiv unterlegen und auch nicht in einer emo-

tionalen Abhängigkeit zu dieser stand. Vor diesem Hintergrund war die Fähigkeit von  

C _________ zur Gegenwehr nicht aufgehoben. Es wäre ihr zumutbar gewesen, der 

Beschuldigten in angemessener Weise kundzutun, dass sie keinen Geschlechtsverkehr 

wollte. Erst bei Hinwegsetzung über einen solchermassen geäusserten Willen mittels 

weiterem Insistieren wäre über einen psychischen Druck zu diskutieren, welcher sich mit 

einem gewalttätigen oder drohenden Akt vergleichen liesse. 

Dass C _________ während des Beischlafs passiv blieb und sich nicht aktiv an der se-

xuellen Handlung beteiligte, vermag den erforderlichen Widerstand nicht zu begründen. 

Zudem besteht objektiv betrachtet zumindest die valable Möglichkeit, dass die Passivität 

von C _________ auch mit der umschriebenen Rücksichtnahme erklärt werden kann, 

wonach sie sich insbesondere nicht zu wehren traute, weil sie die Beschuldigte nicht 

verletzen wollte. Dass diese psychische Drucksituation auf ein Verhalten der Beschul-

digten zurückzuführen ist, ist demgegenüber nicht erstellt. In diesem Sinne liegt auch mit 

Bezug auf die konkreten Handlungen der Beschuldigten keine Vergewaltigung im Sinne 

des alten Sexualstrafrechts vor, auch wenn ebenso wenig zu bezweifeln ist, dass  

C _________ den Geschlechtsverkehr innerlich nicht wollte. 

5.4  Mithin ist der objektive Tatbestand von Art. 190 Abs. 1 aStGB als nicht erfüllt anzu-

sehen. Dies führt in Gutheissung der Berufung zum Freispruch der Beschuldigten. Damit 

erübrigt sich auch die Anordnung einer Massnahme. 

6.  Die Beschuldigte macht gemäss den finalen Berufungsbegehren eine Genugtuung 

von Fr. 1'000.00 zuzüglich Zins von 5% seit 6. Januar 2022 geltend. 

6.1  Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird das Ver-

fahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere 

Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug (Art. 

429 Abs. 1 lit. c StPO). Nebst der Haft können auch eine mit starkem Medienecho durch-

geführte Untersuchung, eine sehr lange Verfahrensdauer oder eine erhebliche Präsen-

tation in den Medien eine schwere Verletzung der persönlichen Verhältnisse im Sinne 

von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO darstellen.  

- 15 - 

Materiellrechtlich beurteilt sich der Genugtuungsanspruch nach Art. 28a Abs. 3 ZGB und 

Art. 49 OR. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene immaterielle Unbill, 

indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung erträglicher 

gemacht wird. Bemessungskriterien sind vor allem die Art und Schwere der Verletzung, 

die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der 

Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des Ge-

schädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines 

Geldbetrags. Abzustellen ist auf einen Durchschnittsmassstab. Die Festlegung der Ge-

nugtuungssumme beruht auf der Würdigung sämtlicher Umstände und richterlichem Er-

messen (Art. 4 ZGB; BGE 146 IV 231 E. 2.3.1 mit Hinweisen). 

6.2  Vorliegend sind die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung als 

nicht erfüllt anzusehen, zumal die mit jedem Strafverfahren einhergehende psychische 

Belastung nicht für die Zusprechung einer solchen genügt (Bundesgerichtsurteil 

6B_1087/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.2) und im Übrigen keine Gründe für eine 

schwere Verletzung der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten ersichtlich sind. 

Das Genugtuungsbegehren wird deshalb abgewiesen.  

7. Es bleibt, über die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu befinden. 

7.1  Bei diesem Verfahrensausgang sind sowohl die Kosten des erstinstanzlichen Ver-

fahrens (Art. 423 StPO) als auch jene des Berufungsverfahrens (Art. 428 Abs. 1 StPO) 

vollumfänglich dem Staat Wallis aufzuerlegen.  

7.2  Die Gerichtskosten umfassen die Auslagen sowie die Gerichtsgebühr. Die Gerichts-

gebühr wird in Straffällen aufgrund des Umfangs und der Schwierigkeit des Falls, der Art 

der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation im gesetzlichen Ge-

bührenrahmen unter Berücksichtigung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips 

festgesetzt (Art. 13 GTar). Für das Untersuchungsverfahren beträgt die Gebühr Fr. 90.00 

bis Fr. 6'000.00, für jenes vor dem Bezirksgericht Fr. 90.00 bis Fr. 2‘400.00 (Art. 22 lit. b 

und c GTar). Für das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht bewegt sich die Gebühr 

zwischen einem Minimum von Fr. 380.00 und einem Maximum von Fr. 6'000.00 (Art. 22 

lit. f GTar).  

7.2.1  Vorliegend hat die Vorinstanz die Gebühr der Staatsanwaltschaft auf Fr. 1'224.00 

und die eigene auf Fr. 1'000.00 festgesetzt. Die Gerichtsgebühr bewegt sich jeweils im 

Rahmen des Tarifs, weshalb für das Kantonsgericht kein Anlass besteht, hier eine Än-

- 16 - 

derung vorzunehmen. Die Auslagen der Strafuntersuchung von Fr. 4'176.00 sind aus-

gewiesen. Die Verfahrenskosten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Ver-

fahrens von insgesamt Fr. 6'400.00 werden (weiterhin) dem Staat Wallis auferlegt. 

7.2.2  Im Berufungsverfahren fielen Auslagen im Betrag von Fr. 25.00 für den Weibel 

(Art. 10 Abs. 2 GTar) an. Das Dossier war nicht umfangreich. Es waren vorliegend ins-

besondere Rechtsfragen zu behandeln, die relativ einfach zu beantworten waren. Mit 

Rücksicht auf die vorgenannten Bemessungskriterien erscheint eine Gerichtsgebühr von 

Fr. 1'175.00 angemessen und die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens betragen da-

mit insgesamt Fr. 1'200.00. Sie gehen zu Lasten des Staats Wallis. 

7.3  Die Kosten des Rechtsbeistands umfassen das Honorar, welches sich nach den Art. 

27 ff. GTar berechnet, und weitere Auslagen (Art. 4 Abs. 3 GTar). Gemäss Art. 27 Abs. 

1 GTar bewegt sich das Honorar zwischen einem im Gesetz vorgesehenen Minimum 

und Maximum; berücksichtigt wird die Natur und Bedeutung des Falls, die Schwierigkeit, 

der Umfang, die vom Rechtsbeistand nützlich aufgewandte Zeit und die finanzielle Situ-

ation der Partei. Das Anwaltshonorar in Strafsachen beträgt in der Regel vor der Polizei 

und im Untersuchungsverfahren Fr. 250.00 bis Fr. 1'600.00, vor der Staatsanwaltschaft 

Fr. 550.00 bis Fr. 5'500.00, vor dem Zwangsmassnahmengericht Fr. 550.00 bis Fr. 

3'300.00, vor dem Bezirksgericht Fr. 550.00 bis Fr. 3'300.00 und bei Berufung vor Kan-

tonsgericht Fr. 1'100.00 bis Fr. 8'800.00 (Art. 36 GTar). 

7.3.1  Die Staatsanwaltschaft ernannte am 6. Mai 2022 Rechtsanwältin Erika Antille 

rückwirkend auf den 4. Februar 2022 als amtliche Verteidigerin (S. 656 f.). Die Höhe der 

erstinstanzlichen Parteientschädigung von Fr. 6'400.00 (inkl. Auslagen und MWST) er-

scheint angemessen und wird auch nicht beanstandet. Sie ist mithin zu bestätigen.  

7.3.2  Was das zweitinstanzliche Verfahren betrifft, macht die amtliche Verteidigerin ge-

mäss der eingereichten Honorarnote einen Stundenaufwand (ab 17. Dezember 2024) 

von rund neuneinhalb Stunden geltend, wobei sie die Reisezeit zum vollen Honorar und 

für die Berufungsverhandlung zwei Stunden veranschlagt hat (S. 967 f.). Davon ausge-

hend, dass die Reisezeit praxisgemäss nur zum halben Stundenansatz entschädigt wird 

und die Berufungsverhandlung lediglich knapp 40 Minuten gedauert hat, ist das geltend 

gemachte Honorar entsprechend herabzusetzen. 

Zudem ist zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend nicht um ein umfangreiches Dos-

sier handelt, wobei der Fall in Anbetracht der von der Vorinstanz festgestellten Tatbege-

hung in nicht selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit und der angeordneten Massnahme 

- 17 - 

für die Beschuldigte durchaus bedeutsam ist. Schliesslich wird die Verteidigung das Be-

rufungsurteil ihrer Klientin zur Kenntnis zu bringen haben. Unter Berücksichtigung des 

Kostenrahmens, der vorerwähnten Kriterien und des hier gerechtfertigten Aufwands er-

scheint eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2'600.00 (inkl. Auslagen und MWST) für 

das Berufungsverfahren angemessen.  

Da die Beschuldigte obsiegt, besteht keine Rückerstattungspflicht (vgl. Art. 135 Abs. 4 

lit. a StPO e contrario; LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung 

[StPO], Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 3. Aufl. 2020, N. 19 ff. zu Art. 135 StPO). 

* * * * 

Demnach wird erkannt: 

– in grundsätzlicher Gutheissung der Berufung – 

1. Die Beschuldigte wird vom Vorwurf der Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 aStGB) 

freigesprochen. 

2. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahren von Fr. 6'400.00 sowie jene des Beru-

fungsverfahren von Fr. 1'200.00 werden dem Staat Wallis auferlegt. 

3. Das Begehren um Genugtuung wird abgewiesen. 

4. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwältin Erika Antille als amtlicher und notwendiger 

Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von 

Fr. 6'400.00 und für das Berufungsverfahren eine solche von Fr. 2'600.00 (jeweils 

inkl. Auslagen und MWST). 

Sitten, 22. April 2025