# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** feae1658-6843-5d7e-be3d-d976b932f3bf
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 16.06.2023 SST.2022.183
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-183_2023-06-16.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.183 

(ST.2020.73; STA.2020.22) 

 

 

Urteil vom 16. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Yalin 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1982, von Bosnien-Herzegowina, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Renate Senn,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Diebstahl, Hausfriedensbruch, Widerhandlung gegen das 

Personenbeförderungsgesetz 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 16. Oktober 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen mehrfachen, teilweise versuchten 

Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfachen Hausfriedensbruchs 

gemäss Art. 186 StGB und mehrfacher Widerhandlung gegen das 

Bundesgesetz über die Personenbeförderung gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG.  

 

2. 

Das Bezirksgericht Brugg sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

9. November 2021 vom Vorwurf des mehrfachen Hausfriedensbruchs 

gemäss Art. 186 StGB frei (Anklageziffern 2.1 und 2.2) und des 

mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, 

teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, des Hausfriedensbruchs gemäss 

Art. 186 StGB (Anklageziffer 2.3) sowie der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG 

schuldig. Der Beschuldigte wurde als teilweise Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten und einer Busse von 

Fr. 200.00, ersatzweise 2 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. Auf den Antrag 

der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, der mit Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft Brugg-Zurzach vom 5. März 2018 für die Geldstrafe von 90 

Tagessätzen à Fr. 30.00 gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen, 

wurde nicht eingetreten. Weiter wurde auf die Anordnung einer 

Landesverweisung verzichtet und die Zivilforderung der Privatklägerin 

Stadt Q. auf den Zivilweg verwiesen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 18. August 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft Brugg-Zurzach, der Beschuldigte sei zusätzlich des mehrfachen 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB (Anklageziffern 2.1 und 2.2) 

schuldig zu sprechen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 10 

Monaten sowie einer Busse von Fr. 500.00, ersatzweise 5 Tage 

Freiheitsstrafe, zu bestrafen. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Brugg-Zurzach vom 5. März 2018 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

à Fr. 30.00 gewährte bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen und es sei 

gestützt auf Art. 66a StGB, eventualiter gestützt auf Art. 66abis StGB eine 

Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren anzuordnen.  

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 29. August 2022 beantragte der Beschuldigte, 

er sei vollumfänglich freizusprechen.  

 

 - 3 - 

 

 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsbegründung vom 13. September 2022 zog die 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ihren mit Berufungserklärung gestellten 

Antrag, der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

5. März 2018 für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.00 gewährte 

bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen, zurück.  

 

3.4. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 28. November 2022 beantragte der 

Beschuldigte, die Berufung der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach sei 

abzuweisen.  

 

3.5. 

Die Berufungsverhandlung fand am 16. Juni 2023 statt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des mehrfachen, teilweise 

versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB schuldig gesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vollumfänglich freizu-

sprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

1.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich des mehrfachen, teilweise 

versuchten Diebstahls strafbar gemacht zu haben, indem er am 

18. Oktober 2019 gegen 15.35 Uhr in der Damengarderobe des 

Sportausbildungszentrums B. an der X-Strasse in R. diverse Sporttaschen 

von sich im Sportunterricht befindenden Schülerinnen durchsucht und 

dabei zum Nachteil von C. MKD 4'000.00 (mazedonische Denar) im Wert 

von ca. Fr. 70.00, zum Nachteil von D. Bargeld im Wert von Fr. 20.25 sowie 

REKA-Schecks im Wert von Fr. 30.00 und zum Nachteil von E. Bargeld im 

Wert von Fr. 2.00 an sich genommen habe. Daraufhin habe er sich in die 

Herrengarderobe begeben, um dort weitere Sporttaschen zu durchsuchen, 

wobei er vom aus privaten Gründen anwesenden Polizeibeamten F. 

überrascht worden sei und fluchtartig die Garderobe mit den 

Vermögenswerten verlassen habe, um diese zu behalten und für sich zu 

verwenden. 

 

 - 4 - 

 

 

 

1.3. 

Der Beschuldigte bestreitet, sich am 18. Oktober 2019 in der Garderobe 

des Sportausbildungszentrums B. aufgehalten und dort Vermögenswerte 

entwendet zu haben (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 15).  

 

1.4. 

Einen Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB begeht, wer jemandem eine 

fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich oder einen 

andern damit unrechtmässig zu bereichern. Neben Vorsatz muss eine 

Aneignungsabsicht sowie die Absicht unrechtmässiger Bereicherung 

vorliegen.  

 

Richtet sich die Tat nur auf einen geringen Vermögenswert, so wird der 

Täter gemäss Art. 172ter Abs. 1 StGB, auf Antrag, mit Busse bestraft. Das 

Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung von Geringfügigkeit aus, 

wenn der Vermögenswert nicht mehr als Fr. 300.00 beträgt (BGE 142 IV 

129 = Pra 2016 Nr. 84 E. 3.1, Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2019 vom 

10. März 2020 E. 1.4.1). Aus dem Gesetzeswortlaut «richtet sich» folgt, 

dass Geringfügigkeit nur bejaht wird, wenn sich der Vorsatz bzw. die 

Absicht des Täters auch auf die Geringfügigkeit erstreckt. Dies bedeutet, 

dass der Täter selbst bei objektiver Geringfügigkeit nicht in den Genuss der 

Privilegierung gemäss Art. 172ter Abs. 1 StGB gelangt, wenn sein Vorsatz 

auf einen über der Schwelle von Fr. 300.00 liegenden Vermögenswert 

gerichtet ist (BGE 123 IV 113 E. 3f; Urteil des Bundesgerichts 6B_158/2018 

vom 14. Juni 2018 E. 2.2). Bei einem Taschen-, Geldbeutel- aber auch 

Einbruchdiebstahl wird ohne konkrete Gegenindizien Eventualvorsatz auf 

einen den Grenzwert von Fr. 300.00 übersteigenden Deliktsbetrag 

angenommen, was die Privilegierung gemäss Art. 172ter StGB ausschliesst 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_158/2018 vom 14. Juni 2018 E. 2.2; BGE 

123 IV 197 E. 2c). 

 

Eine versuchte Tatbegehung liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht 

eintreten kann.  

 

1.5. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

 - 5 - 

 

 

 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

1.6. 

Mit der Vorinstanz erachtet es das Obergericht als erstellt, dass der 

Beschuldigte am 18. Oktober 2019 gegen 15.35 Uhr in der Damen-

garderobe des Sportausbildungszentrums B. G., D. und E. Bargeld und 

REKA-Schecks im Gesamtwert von Fr. 122.25 zur Aneignung 

weggenommen und anschliessend in der Herrengarderobe eine weitere 

Sporttasche in der Absicht, weitere Vermögenswerte zu entwenden, 

durchsucht hat: 

 

Für eine Täterschaft des Beschuldigten sprechen in erster Linie die als 

glaubhaft zu qualifizierenden Aussagen des Polizeibeamten F., welcher 

sich am 18. Oktober 2019 aus privaten Gründen im 

Sportausbildungszentrum aufhielt. So hat dieser zu Protokoll gegeben, 

gesehen zu haben, wie der Beschuldigte aus der Männergarderobe 

weggerannt sei. Zuerst habe F. den Beschuldigten lediglich von hinten 

gesehen, wobei er ihn jedoch bereits in diesem Zeitpunkt erkannt habe. Er 

habe den Namen des Beschuldigten, den er von früheren Vorfällen her 

kannte, gerufen, woraufhin dieser sich kurz umgedreht habe. In diesem 

Moment sei für F. klar gewesen, dass es sich unzweifelhaft um den 

Beschuldigten handle. Er sei sich zu 100 Prozent sicher, dass es sich um 

den Beschuldigten gehandelt habe. Der Beschuldigte sei dann 

weggerannt, weshalb F. die Polizei angerufen und eine 

Personenbeschreibung des Beschuldigten durchgegeben habe. Die 

Diebstähle an sich habe F. nicht beobachten können. In der Garderobe 

seien sämtliche Kleider auf dem Boden gelegen und auch seine eigenen 

Kleider seien durchwühlt gewesen, wobei ihm aber nichts entwendet 

worden sei. Ein Lehrer habe zudem bemerkt, dass seine Tasche in der 

Männergarderobe durchsucht worden sei, wobei ebenfalls nichts 

weggenommen worden sei. Der Beschuldigte habe ca. zehn bis 15 Minuten 

später von der Regionalpolizei in S. angehalten werden können. F. gab 

weiter an, den Beschuldigten deshalb erkannt zu haben, weil 

letztgenannter ihm von der Arbeit her bekannt sei, da dieser bereits in der 

Vergangenheit andere Delikte begangen habe. So habe F. den 

Beschuldigten etwa zwei bis vier Wochen vor diesem Vorfall im 

Sportausbildungszentrum B. verhaftet (UA act. 66 ff.; GA act. 285.3 ff.; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Es ist kein Grund erkennbar, 

weshalb der als Zeuge einvernommene F. den Beschuldigten 

fälschlicherweise anschuldigen sollte. Insbesondere war sich der Zeuge 

auch anlässlich der Berufungsverhandlung zu 100 Prozent sicher war, dass 

 - 6 - 

 

 

 

es sich bei der aus der Garderobe flüchtenden Person um den im 

Gerichtssaal anwesenden Beschuldigten gehandelt hat.  

 

Im Einklang mit den Zeugenaussagen von F. steht sodann das beim 

Beschuldigten anlässlich seiner Anhaltung, welche nur wenige Minuten 

nach der Tatbegehung stattgefunden hat, gefundene Deliktsgut. So trug 

der Beschuldigte rund MKD 4'000.00 sowie Bargeld im Wert von Fr. 20.25 

und REKA-Schecks im Wert von Fr. 30.00 auf sich (UA act. 34 f.; 45 f.). 

Hinzu kommt, dass der Beschuldigte dem Polizeirapport vom tt.mm.2019 

zufolge bei seiner Anhaltung stark ausser Atem sowie verschwitzt gewesen 

sei (UA act. 35), was sich dadurch erklären lässt, dass er nur wenige 

Minuten nach seiner Tatbegehung und somit auf der Flucht angehalten 

werden konnte.  

 

Die Aussagen des Beschuldigten, mit welchen er bestreitet, am 

18. Oktober 2019 im Sportausbildungszentrum B. gewesen zu sein (UA 

act. 48 ff.; 55 ff.; GA act. 285.8 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 5 f.), sind als offensichtliche Schutzbehauptungen zu qualifizieren. So 

kann ihm aufgrund der vorgängigen Ausführungen nicht geglaubt werden, 

dass er stattdessen zuerst bei seinem Freund I. und anschliessend bei 

einem Freund namens J. zuhause gewesen sein soll, dessen Nachnamen 

und Adresse er jedoch nicht kenne (UA act. 49 f.). Wäre der Beschuldigte 

tatsächlich bei seinem Freund namens J. zuhause gewesen, so wäre zu 

erwarten, dass er sowohl dessen Nachnamen wie auch dessen Adresse 

kennen würde. Weiter sind auch seine Angaben zur Herkunft der 

Vermögenswerte, die er bei der polizeilichen Anhaltung auf sich getragen 

hatte, unglaubhaft. An seiner polizeilichen Einvernahme vom tt.mm.2019 

gab er zu Protokoll, die mazedonischen Dinar am Tag vor seiner Anhaltung 

von einem Freund namens K. erhalten zu haben (UA act. 50 ff.). An der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab er im Widerspruch dazu an, den 

Namen derjenigen Person, welche ihm die mazedonischen Dinar gegeben 

habe, nie gekannt zu haben (GA act. 285.10). Anlässlich der 

Berufungsverhandlung führte er wiederum aus, das Geld stamme von 

einem guten Kollegen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6). Auch 

betreffend die Herkunft der REKA-Schecks liegen sich widersprechende 

Aussagen vor. So hat der Beschuldigte an seiner ersten Einvernahme 

angegeben, er habe diese an einem Schalter am Bahnhof Q. bezogen (UA 

act. 50 ff.). An seiner zweiten Einvernahme führte er dagegen aus, nicht 

sicher zu sein, ob er die REKA-Schecks von der Bewährungshilfe erhalten 

habe (UA act. 57). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab 

er an, die REKA-Schecks entweder von der Bewährungshilfe erhalten oder 

im Zug gefunden zu haben (GA act. 285.11). Die Aussagen des 

Beschuldigten, mit welchen er seine Täterschaft bestreitet, sind in keiner 

Weise glaubhaft, weshalb diesen nicht gefolgt werden kann.  

 

 - 7 - 

 

 

 

Insgesamt bestehen bei freier Würdigung aller Beweise und einer aus dem 

gesamten Verfahren gewonnen Überzeugung keine Zweifel an der 

Täterschaft des Beschuldigten. 

 

1.7. 

Der Beschuldigte macht für den Fall, dass seine Täterschaft erstellt sein 

sollte, keine Ausführungen zur rechtlichen Würdigung. Indem er am 

18. Oktober 2019 in der Damengarderobe des Sportausbildungszentrums 

B. wissentlich und willentlich sowie mit Aneignungsabsicht G. 

MKD 4'000.00, D. Bargeld im Wert von Fr. 20.25 sowie REKA-Schecks im 

Wert von Fr. 30.00 und E. Bargeld im Wert von Fr. 2.00 weggenommen 

und sich angeeignet hat, um sich um deren Wert zu bereichern, hat er den 

objektiven wie auch den subjektiven Tatbestand des Diebstahls erfüllt. 

Unter Berücksichtigung der oben dargelegten bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, führt die aufgrund des Gesamtwerts von Fr. 122.25 

gegebene objektive Geringfügigkeit nicht dazu, dass ein geringer 

Vermögenswert im Sinne von Art. 172ter Abs. 1 StGB anzunehmen wäre. 

So ist auch beim vorliegenden Diebstahl, bei welchem im Übrigen aufgrund 

der zeitlichen, örtlichen und sachlichen Nähe und des auf einem 

einheitlichen Willensakt beruhenden Tätigwerden des Beschuldigten von 

einer natürlichen Handlungseinheit auszugehen ist (vgl. BGE 133 IV 256 

E. 4.5.3), ein Eventualvorsatz, welcher den Grenzwert des Deliktsbetrags 

von Fr. 300.00 übersteigt, zu bejahen. Dass vorliegend lediglich 

Schülerinnen bestohlen worden sind, vermag daran nichts zu ändern, 

führen solche doch heutzutage üblicherweise Vermögenswerte mit einem 

Wert von mehr als Fr. 300.00 mit sich, wie beispielsweise Smartphones. 

Hinzukommt, dass der Beschuldigte nicht wissen konnte, ob er jeweils eine 

Sporttasche eines Erwachsenen oder eines Schülers durchsuchte, waren 

doch beispielsweise auch Lehrer oder Drittpersonen, wie F., im 

Sportausbildungszentrum anwesend. 

 

Sodann hat der Beschuldigte, indem er in der Herrengarderobe mindestens 

eine weitere Sporttasche sowie Kleidungsstücke durchsucht hat, 

wissentlich und willentlich sowie mit Aneignungsabsicht und der Absicht 

unrechtmässiger Bereicherung versucht, Vermögenswerte zur Aneignung 

wegzunehmen, um sich damit unrechtmässig zu bereichern. Auch 

diesbezüglich ist gestützt auf die vorgenannte bundesgerichtliche 

Rechtsprechung aufgrund fehlender konkreter Gegenindizien von einem 

Eventualvorsatz auszugehen, welcher den Grenzwert eines Deliktsbetrags 

von mehr als Fr. 300.00 deutlich übersteigt, was die Privilegierung gemäss 

Art. 172ter StGB ausschliesst.  

 

Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. 

Somit hat sich der Beschuldigte des mehrfachen, teilweise versuchten 

Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

 - 8 - 

 

 

 

StGB schuldig gemacht. Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

unbegründet. 

 

2. 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten betreffend den Vorwurf des 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB hinsichtlich der Anklageziffern 

2.1 und 2.2 freigesprochen und hinsichtlich der Anklageziffer 2.3 schuldig 

gesprochen. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei 

zusätzlich betreffend die Anklageziffern 2.1 und 2.2 des mehrfachen 

Hausfriedensbruchs schuldigzusprechen (Berufungserklärung S. 1). Der 

Beschuldigte dagegen beantragt mit Berufung, er sei vollumfänglich 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

2.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in der Anklageziffer 2.1 vor, sich des 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB strafbar gemacht zu haben, 

indem er am 18. Oktober 2019 gegen 15.35 Uhr die Garderoben des 

Sportausbildungszentrums B. an der X-Strasse in R. wissentlich und 

willentlich zum Zweck des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls 

betreten habe.  

 

In der Anklageziffer 2.2 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich des 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB strafbar gemacht zu haben, 

indem er am 23. April 2020 um 13.30 Uhr wissentlich und willentlich die 

Toilettenanlage der L.-Filiale in T. betreten habe, obwohl ihm am 3. Juli 

2019 ein Hausverbot für alle Filialen der L. erteilt worden sei. Ihm seien das 

Hausverbot und die fehlende Zutrittsberechtigung bekannt gewesen.  

 

Schliesslich wird dem Beschuldigten in der Anklageziffer 2.3 vorgeworfen, 

sich des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB strafbar gemacht zu 

haben, indem er am 16. Juni 2020 um 19.38 Uhr wissentlich und willentlich 

den privaten, abgeschlossenen Teil des Parkhauses «M.» in Q. betreten 

und darin verweilt habe. Dies, obwohl ihm die fehlende Zutrittsberechtigung 

bekannt gewesen sei.  

 

2.3. 

Des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB macht sich strafbar, wer 

gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen 

abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem 

Hause gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen 

Werkplatz unrechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung eines 

Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Wo bestimmte 

Räumlichkeiten dem Publikum nur für bestimmte Zwecke offenstehen und 

 - 9 - 

 

 

 

ihre Zweckbestimmung für jedermann ohne jeden Zweifel klar zutage tritt, 

handelt gegen den Willen des Berechtigten, wer zu einem anderen Zweck 

in sie eindringt. Wer mit der Absicht, einen Diebstahl oder eine andere 

Straftat zu begehen, ein Verkaufsgeschäft oder ein Sportzentrum betritt, 

handelt offensichtlich gegen den Willen des Berechtigten. Erforderlich ist 

Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. 

 

Hausfriedensbruch ist ein Antragsdelikt. Zum Strafantrag legitimiert ist der 

Berechtigte, d.h. der Träger des Hausrechts (BGE 87 IV 120 E. 1).  

 

2.4. 

2.4.1. 

Der Beschuldigte macht betreffend den Vorwurf der Anklageziffer 2.1 

geltend, dass die Turnhalle an Wochentagen geöffnet sei, weshalb die 

Turnhalle am Freitag, 18. Oktober 2019, für die Öffentlichkeit zugänglich 

gewesen sei. Aufgrund dessen habe er die Turnhalle nicht gegen den 

Willen des Berechtigten betreten, weshalb der objektive Tatbestand des 

Hausfriedensbruchs nicht erfüllt sei (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 15; Berufungsantwort S. 2).  

 

2.4.2. 

Die Einwohnergemeinde T. hat am 18. November 2019 fristgerecht 

Strafantrag gegen den Beschuldigten gestellt (UA act. 42). Aus dem 

Grundbuchauszug der Liegenschaft R.(GA act. 204) wie auch aus dem 

Reglement der Miteigentümergemeinschaft Sportausbildungszentrum B. 

(GA act. 206 ff.) geht hervor, dass die Einwohnergemeinde T. 

Miteigentümerin zur Hälfte am Sportausbildungszentrum ist. Wie bereits die 

Vorinstanz korrekt ausgeführt hat, ist jeder Miteigentümer berechtigt, 

selbstständig Strafantrag zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_880/2013 vom 27. Februar 2014 E. 3). Die Einwohnergemeinde T. war 

somit berechtigt, in eigenem Namen Strafantrag zu stellen. 

 

Wie bereits vorgängig in E. 1.6 dargelegt, ist für das Obergericht erstellt, 

dass der Beschuldigte sich am 18. Oktober 2019 in das 

Sportausbildungszentrum B. begeben hat, um dort Vermögenswerte zu 

entwenden. Da er das Zentrum mit der (alleinigen) Absicht, Diebstähle zu 

begehen, betreten hat, hat er gegen den Willen der Einwohnergemeinde T. 

als Trägerin des Hausrechts gehandelt. Dass das Sportausbildungs-

zentrum nicht abgeschlossen war (GA act. 285.4), vermag entgegen der 

Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil E. 5.4), nichts daran zu ändern, hatte 

der Beschuldigte im Sportausbildungszentrum doch nichts zu suchen und 

ist auszuschliessen, dass er sich bloss versehentlich dorthin begeben 

hatte. Vielmehr hat er das Sportausbildungszentrum mit der Absicht 

betreten, dort Diebstähle zu begehen. Folglich hat er den objektiven und 

subjektiven Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt. Es liegen weder 

Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor.  

 - 10 - 

 

 

 

 

2.5. 

2.5.1. 

In Bezug auf den Vorwurf der Anklageziffer 2.2 gesteht der Beschuldigte 

ein, die Toilettenanlage der L. in Kenntnis des Hausverbots betreten zu 

haben. Er bringt jedoch vor, dass er dringend eine Toilette habe aufsuchen 

müssen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 f.).  

 

2.5.2. 

Die L. hat am 27. April 2020 und somit fristgerecht einen Strafantrag gegen 

den Beschuldigten wegen Hausfriedensbruchs gestellt (UA act. 79 f.). 

 

Indem der Beschuldigte am 23. April 2020 wissentlich und willentlich gegen 

das am 3. Juli 2019 für sämtliche Filialen der L. erlassene Hausverbot (UA 

act. 81) verstossen hat, ist er gegen den Willen der Berechtigten, 

vorliegend die L., in deren Toilettenanlage (vgl. GA act. 201) eingedrungen, 

wodurch er den objektiven Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt hat. 

Sodann hat er auch den subjektiven Tatbestand erfüllt, hat er doch 

eingestanden, trotz des ihm bekannten Hausverbots bewusst die Toilette 

der L. benutzt zu haben (UA act. 86; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 6 f.).  

 

Dass er die Toilette der L. nur deshalb aufgesucht haben will, weil es 

dringend gewesen sei, vermag sein Handeln nicht zu rechtfertigen. So geht 

aus seinen unterschiedlichen und darüber hinaus widersprüchlichen 

Aussagen (so sagte er einerseits aus, die Toilette der L. aufgesucht zu 

haben, weil es bei den Toilettenanlagen der N. zu viele Leute gehabt habe 

[UA act. 86] bzw. weil es bei der Toilette in der Unterführung beim Bahnhof 

in T. einen Blutfleck gehabt habe und er für die Benützung der Toilette der 

N. einen Franken gebraucht hätte [Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 7]) hervor, dass er ohne Weiteres Möglichkeiten gehabt hätte, andere 

Toiletten als die der L. aufzusuchen. Folglich liegen weder Rechtfertigungs- 

noch Schuldausschlussgründe vor. 

 

2.6. 

2.6.1. 

Betreffend den Vorwurf in der Anklageziffer 2.3 gesteht der Beschuldigte 

ein, sich im Parkhaus «M.» bzw. einem Teil davon, wo er nichts zu suchen 

hatte, aufgehalten zu haben (GA act. 285.20; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 7). Auf die Aussagen von O. und P. kommt es 

somit nicht an und es wird auch nicht darauf abgestellt. Mithin ist nicht 

weiter auf das Vorbringen des Beschuldigten, wonach sein 

Konfrontationsrecht betreffend diese beiden vorgenannten Personen 

verletzt worden sei (Berufungsantwort S. 2 f.), einzugehen. 

 

 - 11 - 

 

 

 

2.6.2. 

Die Stadt Q. hat am 19. Juni 2020 fristgerecht einen Strafantrag gegen den 

Beschuldigten wegen Hausfriedensbruch gestellt (UA act. 105). 

 

Indem der Beschuldigte am 16. Juni 2020 den privaten, abgeschlossenen 

Teil des Parkhauses «M.» in Q. betreten hat und darin verweilt hat, ohne 

dort Eigentümer oder Mieter eines Parkplatzes zu sein, hat er gegen den 

Willen der Berechtigten, die Stadt Q., gehandelt. Der Beschuldigte handelte 

wissentlich und willentlich, war ihm doch bewusst, dass sein Eindringen in 

den und das Verweilen im privaten Teil des Parkhauses «M.» nicht von der 

Zweckbestimmung dieses Parkhauses abgedeckt war. Somit hat der 

Beschuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand des 

Hausfriedensbruchs erfüllt. Es liegen weder Rechtfertigungs- noch 

Schuldausschlussgründe vor.  

 

2.7. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte betreffend die Anklageziffern 

2.1, 2.2 und 2.3 des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 

StGB schuldig gemacht. Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

unbegründet, während sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als 

begründet erweist. 

 

3.  

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG 

schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vollumfänglich 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

3.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der mehrfachen Wider-

handlung gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 

PBG strafbar gemacht zu haben, indem er am 25. August 2019 um 13.28 

Uhr den Zug der SBB (Kurs Nr. 8753) auf der Strecke Döttingen bis Baden 

sowie am 12. Oktober 2019 um 13.36 Uhr den Zug der SBB (Kurs Nr. 8746) 

auf der Strecke Turgi bis Klingnau benutzt habe, ohne über einen gültigen 

Fahrausweis verfügt zu haben, was er gewusst und gewollt bzw. zumindest 

billigend in Kauf genommen habe. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte bestreitet, am 25. August 2019 sowie am 12. Oktober 

2019 ohne gültigen Fahrausweis Zug gefahren zu sein (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 15).  

 

 - 12 - 

 

 

 

3.4. 

Der Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss 

Art. 57 Abs. 3 PBG macht sich strafbar, wer vorsätzlich oder fahrlässig 

ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung ein Fahrzeug 

benützt. 

 

3.5. 

Die SBB hat am 25. November 2019 und somit fristgerecht einen 

Strafantrag gegen den Beschuldigten gestellt (UA act. 90 f.).  

 

Mit der Vorinstanz erachtet es das Obergericht als erstellt, dass der 

Beschuldigte am 25. August 2019 sowie am 12. Oktober 2019 ohne 

gültigen Fahrausweis Zug gefahren ist. Dies ergibt sich einerseits aus dem 

Dokument «Reise ohne gültigen Fahrausweis» vom 25. August 2019, auf 

welchem der Vor- und Nachname des Beschuldigten sowie seine frühere 

Adresse, X-Strasse 17 in U., an welcher er bis Ende August 2017 wohnhaft 

war, wie auch seine ID-Nummer aufgeführt ist (UA act. 92). Die darauf 

vorhandene Unterschrift entspricht den weiteren in den Akten vorhandenen 

Unterschriften des Beschuldigten (vgl. UA act. 53; 61; 81; 89). Dasselbe 

ergibt sich aus dem Dokument «Reise ohne gültigen Fahrausweis» vom 

12. Oktober 2019 in Kombination mit dem dazugehörigen Personalienblatt 

(UA act. 93 f.), welches der Beschuldigte eigenhändig ausgefüllt und 

unterschrieben hat. Dass der Beschuldigte dabei teilweise seinen Vor- und 

teilweise seinen Nachnamen voranstellt (vgl. UA act. 53, 61), vermag nichts 

daran zu ändern. Hervorzuheben ist, dass die Unterschrift des 

Beschuldigten immer in Blockschrift niedergeschrieben wurde und dass 

sich beispielsweise bei einem genauen Vergleich der Unterschriften auf 

dem Dokument «Reise ohne gültigen Fahrausweis» (UA act. 92), auf dem 

Personenblatt (UA act. 94) und auf dem Hausverbot der L. (UA act. 81) 

zeigt, dass die Unterschriften denselben Buchstaben «v» aufweisen, 

dessen Strich auf der linken Seite kürzer ist, als auf der rechten Seite. 

Weiter sticht bei diesem Vergleich ins Auge, dass beim Vornamen jeweils 

die Buchstaben «e» und «m» in einem Zug niedergeschrieben worden sein 

müssen, da diese verbunden sind. Aufgrund der vorgängigen 

Ausführungen hat das Obergericht mit der Vorinstanz keinen Zweifel daran, 

dass der Beschuldigte das Dokument «Reise ohne gültigen Fahrausweis» 

am 25. August 2019 sowie das Personalienblatt am 12. Oktober 2019 

unterschrieben und damit bestätigt hat, an diesen Tagen ohne gültigen 

Fahrausweis gefahren zu sein. Dass auf dem Dokument «Reisen ohne 

gültigen Fahrausweis» vom 25. August 2019 ein falsches Geburtsdatum 

aufgeführt ist, vermag keine Zweifel daran aufkommen zu lassen. Wie 

bereits die Vorinstanz korrekt ausgeführt hat, handelt es sich beim 

Vorbringen des Beschuldigten, wonach möglicherweise eine Drittperson 

seine Identitätskarte, welche er nicht mehr habe, vorgezeigt und falsche 

Angaben gemacht haben könnte (GA act. 285.13; so ähnlich auch an der 

Berufungsverhandlung, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7), um eine 

 - 13 - 

 

 

 

reine Schutzbehauptung. So müsste diese Drittperson dem Beschuldigten 

sehr ähnlich aussehen, um dessen Identitätskarte benutzen zu können und 

es würde hinzukommen, dass diese im August 2019 hätte wissen müssen, 

dass der Beschuldigte zwei Jahre zuvor am X-Strasse 17 in U. wohnhaft 

war.  

 

Folglich ist für das Obergericht erstellt, dass der Beschuldigte am 

25. August 2019 sowie am 12. Oktober 2019 wissentlich und willentlich 

ohne gültigen Fahrausweis Zug gefahren ist. Dadurch hat er den objektiven 

und subjektiven Tatbestand mehrfach erfüllt. Es liegen weder 

Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Die Übertretungen 

sind entgegen dem Beschuldigten auch noch nicht verjährt, sind zwischen 

den Fahrten und dem vorinstanzlichen Urteil doch noch keine drei Jahre 

vergangen (Art. 109 StGB; Art. 104 i.V.m. Art. 97 Abs. 3 StGB; BGE 135 IV 

197). 

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet. Er ist wegen 

mehrfacher Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz 

gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG schuldig zu sprechen. 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten als teilweise Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten sowie zu einer Busse 

von Fr. 200.00, ersatzweise 2 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei – 

ausgehend von den zusätzlich beantragten Schuldsprüchen – mit einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie einer Busse von 

Fr. 500.00, ersatzweise 5 Tage Freiheitsstrafe, zu bestrafen (Berufungs-

erklärung S. 1). Der Beschuldigte hat für den Fall, dass er nicht freige-

sprochen werden sollte, keinen Antrag zur Strafzumessung gestellt 

(Berufungserklärung S. 2). 

 

4.2. 

Der Beschuldigte hat sich des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls 

gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, des 

mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB sowie der 

mehrfachen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz 

gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG schuldig gemacht. Dafür ist er angemessen zu 

bestrafen.  

 

4.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

 - 14 - 

 

 

 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.4. 

Der Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu 

fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Der Hausfriedensbruch gemäss 

Art. 186 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

bestraft. Die Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz 

gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG wird ausschliesslich mit Busse bestraft. 

 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

Der Beschuldigte ist mehrfach, zum Teil einschlägig vorbestraft. So wurde 

er mit Urteil des Bezirksgerichts Brugg vom 15. Oktober 2002 wegen 

mehrfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, 

mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfacher 

Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB und mehrfachen Raubs 

gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 9 Monaten sowie zu einer Massnahme für Süchtige und geistig 

Abnorme verurteilt, wobei der Vollzug der Strafe zu Gunsten der 

Massnahme aufgeschoben wurde. Sodann wurde der Beschuldigte mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 5. März 2018 

wegen mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG zu 

einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 

4 Jahre, sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 500.00 verurteilt. Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 9. Oktober 2018 wurde er 

sodann wegen mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB zu 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt (vgl. aktueller 

Strafregisterauszug). Die beiden weiteren im Strafregisterauszug 

vorhandenen Strafen wurden nach den vorliegend zu beurteilenden 

Delikten ausgesprochen, weshalb es sich hierbei zwar nicht um Vorstrafen 

handelt. Sie sind jedoch im Rahmen des Nachtatverhaltens des 

Beschuldigten als erheblich ungünstige Elemente zu berücksichtigen. So 

wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach vom 31. Oktober 2019 wegen Übertretung des Betäubungs-

mittelgesetzes gemäss Art. 19a BetmG und mehrfachen Diebstahls 

gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

2 Monaten sowie einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt. Mit Urteil des 

Gerichtspräsidiums Baden vom 6. Juli 2022 wurde er sodann wegen 

mehrfachen geringfügigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB i.V.m. 

 - 15 - 

 

 

 

Art. 172ter Abs. 1 StGB, mehrfachen geringfügigen betrügerischen 

Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 StGB i.V.m. 

Art. 172ter Abs. 1 StGB, mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 

StGB, Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB und mehrfachen 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB zu einer unbedingten 

Freiheitsstrafe von 8 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe von 

10 Tagessätzen à Fr. 30.00 sowie einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt 

(vgl. aktueller Strafregisterauszug). Die Vorstrafen des Beschuldigten, 

welche teilweise einschlägig sind, zeigen seine Ungerührtheit gegenüber 

dem hiesigen Straf- und Vollzugssystem und dass er sich durch die 

Ausfällung einer weiteren bedingten oder unbedingten Geldstrafe nicht 

beeindrucken lassen würde. So wurden bisher – nebst einer bedingt 

ausgesprochenen Geldstrafe, deren bedingt ausgesprochener Strafvollzug 

im Nachhinein widerrufen wurde – bereits zwei mehrmonatige unbedingte 

Freiheitsstrafen ausgefällt. Auch diese konnten ihn nicht von einer neuen 

Delinquenz abhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Beschuldigte 

den mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahl sowie den Hausfriedens-

bruch vom 18. Oktober 2019 nur neun Tage nach seiner Verurteilung durch 

die Staatsanwaltschaft Baden begangen hat, mit welcher er zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt worden ist. Den 

Hausfriedensbruch vom 16. Juni 2020 beging der Beschuldigte sodann 

lediglich 20 Tage nach der Eröffnung des Strafbefehls der 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019. Hinzukommt, 

dass der Beschuldigte, offenbar völlig unbeeindruckt von den bisherigen 

Strafverfahren, weiterdelinquiert und deshalb am 6. Juli 2022 vom 

Gerichtspräsidium Baden wegen mehrfachen Diebstahls, mehrfachen 

betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Be-

schimpfung und Hausfriedensbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 8 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 

Fr. 30.00 und eine Busse von Fr. 300.00 verurteilt worden ist (siehe 

aktueller Strafregisterauszug). 

 

Unter diesen Umständen erweist sich eine blosse Geldstrafe hinsichtlich 

jener Straftatbestände, die alternativ eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe 

vorsehen, aus spezialpräventiven Gründen auch dort nicht mehr 

ausreichend, wo dies allein aufgrund der Schwere des Verschuldens noch 

möglich wäre. Vielmehr ist in Anbetracht der einschlägigen Vorstrafen, der 

Ungerührtheit des Beschuldigten gegenüber dem hiesigen Straf- und 

Vollzugssystem und seinem Nachtatvorhalten davon auszugehen, dass 

nur eine Freiheitsstrafe als angemessene und zweckmässige Sanktion in 

Frage kommt. Damit sind – bis auf die Übertretungen – für sämtliche 

begangenen Straftaten Freiheitsstrafen auszufällen. Für die Übertretungen 

ist kumulativ eine Busse auszusprechen. 

 

 - 16 - 

 

 

 

4.5. 

4.5.1. 

Die Einsatzstrafe ist für den in natürlicher Handlungseinheit begangenen 

Diebstahl der Vermögenswerte von G., D. und E. im Gesamtbetrag von 

Fr. 122.25 als konkret schwerste Straftat festzusetzen: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der 

Straftatbestand des Diebstahls schützt das Vermögen (BGE 129 IV 223 

E. 7.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_786/2014 vom 10. April 2015 

E. 1.5.3). Der Beschuldigte hat am 18. Oktober 2019 in der 

Damengarderobe des Sportausbildungszentrums B. zwar nur gerade Fr. 

122.25 erbeuten können. Sein Handeln war jedoch darauf gerichtet, 

möglichst viel zu erbeuten. Er erhoffte sich, in den durchsuchten 

Sporttaschen und Kleidungsstücken nicht nur Bargeld, sondern auch 

Schmuck, Uhren oder elektronische Geräte zu finden. Gerade der 

Umstand, dass der Beschuldigte nicht nur Schweizer Bargeld, sondern 

auch REKA-Checks und ausländisches Bargeld gestohlen hat, zeigt auf, 

dass er nicht nur auf der Suche nach Schweizer Bargeld war. Mithin ist 

unter Verschuldensgesichtspunkten von einer nicht zu bagatellisierenden 

Gefährdung des geschützten Rechtsguts auszugehen. 

 

Verschuldenserhöhend wirkt sich die Art und Weise der Tatbegehung und 

damit einhergehend die Verwerflichkeit des Handelns aus. Der 

Beschuldigte ging zwar nicht besonders raffiniert vor, jedoch planmässig. 

So hat er ganz bewusst eine Garderobe im Sportzentrum aufgesucht und 

zwar im Wissen darum, dass sich dort regelmässig unverschlossene 

Wertsachen finden lassen. Dies zeugt von einer erheblichen kriminellen 

Energie, die über die blosse Erfüllung des Tatbestands des Diebstahls 

hinausgegangen ist. 

 

Dass der Beschuldigte aus rein monetären Beweggründen gehandelt hat, 

ist jedem Vermögensdelikt immanent und vorliegend zudem durch das 

Tatbestandsmerkmal der unrechtmässigen Bereicherung erfasst. Dieses 

Motiv darf deshalb nicht nochmals verschuldenserhöhend berücksichtigt 

werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/ 2015 vom 16. März 2016 E. 

4.2). Leicht verschuldenserhöhend ist jedoch das hohe Mass an 

Entscheidungsfreiheit, über welches der Beschuldigte hinsichtlich der 

Diebstähle verfügte, zu berücksichtigen. So war er zwar zu diesem 

Zeitpunkt obdach- und arbeitslos und auf Sozialhilfe angewiesen. Eine von 

ihm subjektiv als aussichtslos empfundene Drucksituation ist jedoch nicht 

ersichtlich. Vielmehr hat er mit den Garderobendiebstählen – anstatt sich 

um ein legales Einkommen zu bemühen – den aus seiner Sicht vermeintlich 

leichtesten Weg, um zu Geld zu kommen, gewählt. Es wäre somit für ihn 

ein Leichtes gewesen, sowohl fremdes Eigentum als auch Vermögen zu 

respektieren; umso schwerer ist seine Entscheidung dagegen zu gewichten 

 - 17 - 

 

 

 

(BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 

6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist für den Diebstahl in der Damengarderobe unter Berück-

sichtigung der Absicht des Beschuldigten, möglichst viel – und somit 

mehrere hundert Franken, wenn nicht sogar mehrere tausend Franken – 

zu erbeuten, der Verwerflichkeit seines Handelns und dem hohen Mass an 

Entscheidungsfreiheit in Relation zum Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis 

zu fünf Jahren und den davon erfassten Deliktsbeträgen und 

Handlungsweisen von einem knapp noch leichten Verschulden und einer 

dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 4 Monaten auszugehen. 

 

4.5.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für den versuchten Diebstahl in Anwendung des 

Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen: 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Der Beschuldigte hat am 18. Oktober 2019 in der Herrengarderobe des 

Sportausbildungszentrums B. zumindest eine Sporttasche sowie 

Kleidungsstücke durchsucht und dabei versucht, Vermögenswerte zur 

Aneignung wegzunehmen, um sich um deren Wert unrechtmässig zu 

bereichern. Wie bereits oben ausgeführt, war sein Handeln auf die 

Erzielung einer möglichst hohen Deliktsbeute gerichtet. Auch betreffend die 

Art und Weise der Tatbegehung und damit einhergehend die 

Verwerflichkeit des Handelns, die rein monetären Beweggründe des 

Beschuldigten sowie das grosse Mass an Entscheidungsfreiheit kann auf 

die obigen Erwägungen verwiesen werden. 

 

Insgesamt wäre für den vollendeten Diebstahl in Relation zum Strafrahmen 

von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe von einem leichten Verschulden und 

einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 4 Monaten Freiheitsstrafe 

auszugehen. Da es vorliegend bei einem Versuch geblieben ist, ist die 

Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei hat die 

Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der tatbestands-

mässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren 

(BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Beschuldigte wurde von F. überrascht, als er 

eine Sporttasche sowie Kleidungsstücke in der Herrengarderobe 

durchsuchte. Aufgrund dessen hat er von seinem Vorhaben abgelassen 

und ist geflüchtet. Der Beschuldigte sah somit nicht aus eigenem Antrieb, 

sondern einzig aufgrund äusserer Umstände von einer Weiterverfolgung 

der Tat ab. Der Umstand, dass es bei einem blossen Diebstahlsversuch 

 - 18 - 

 

 

 

geblieben ist, ist deshalb nur leicht verschuldensmindernd mit 1 Monat zu 

veranschlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 

25. August 2015 E. 1.3), so dass auf eine angemessene Einzelstrafe von 3 

Monaten Freiheitsstrafe zu erkennen wäre. 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass der versuchte 

Diebstahl in der Männergarderobe mit dem Diebstahl in der 

Damengarderobe, für welchen die Einsatzstrafe festgesetzt worden ist, in 

einem engen sachlichen, örtlichen und zeitlichen Zusammenhang steht. 

Entsprechend geringer ist deshalb der Gesamtschuldbeitrag zu 

veranschlagen. Nach dem Gesagten rechtfertigt sich für den versuchten 

Diebstahl eine angemessene Erhöhung der Einsatzstrafe um 2 Monate auf 

6 Monate.  

 

4.5.3.  

Die Strafe ist für den am 18. Oktober 2019 begangenen Hausfriedensbruch 

in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen: 

 

Der Beschuldigte ist am 18. Oktober 2019 in die Frauen- und 

Herrengarderoben des Sportausbildungszentrums B. eingedrungen, wo er 

die vorgefundenen Sporttaschen und Kleider nach Wertsachen durchwühlt 

und zum Teil am Boden zerstreut zurückgelassen hat. Dadurch hat er nicht 

nur die Privatsphäre der die Garderobe nutzenden Personen verletzt, 

sondern diese nicht unerheblich in ihrem Sicherheitsgefühl getroffen. Diese 

Folgen der Straftat sind für die Betroffenen vielfach gravierender als der 

eigentliche Diebstahlschaden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 

vom 25. August 2015 E. 1.3) 

 

Der Umstand allein, dass der Hausfriedensbruch mit der Absicht der 

Diebstahlsbegehung begangen worden ist, ist ausser Acht zu lassen, da 

dies gegen das Doppelverwertungsverbot verstossen würde (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_105/2015 vom 13. Januar 2016 E. 1.4.1). Leicht 

verschuldenserhöhend ist jedoch wiederum das hohe Mass an 

Entscheidungsfreiheit, über welches der Beschuldigte verfügte, zu 

berücksichtigen. 

 

Insgesamt ist von einem noch knapp leichten Tatverschulden und einer 

dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 3 Monaten als Einzelstrafe 

auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass der 

Hausfriedensbruch mit den (versuchten) Diebstählen einherging, was den 

Gesamtschuldbeitrag des Hausfriedensbruchs als geringer erscheinen 

lässt. Damit ist die Strafe für den Hausfriedensbruch um 2 Monate auf 8 

Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen. 

 

 - 19 - 

 

 

 

4.5.4. 

Im Rahmen der Täterkomponente fallen die mehrfachen, zum Teil 

einschlägigen Vorstrafen, mit denen er u.a. zu mehrmonatigen unbedingten 

Freiheitsstrafen verurteilt worden ist (siehe oben), straferhöhend ins 

Gewicht (BGE 136 IV 1 E. 2.6). Der Beschuldigte hat offensichtlich keine 

Lehren aus den früheren Strafverfahren gezogen. Vielmehr zeigt er eine 

grosse Gleichgültigkeit gegenüber der Schweizerischen Rechtsordnung. 

Mithin handelt es sich beim Beschuldigten um einen unbelehrbaren 

Wiederholungstäter. 

 

Der Beschuldigte bestreitet mit allerlei abenteuerlich anmutenden und sich 

widersprechenden Geschichten auch noch im Berufungsverfahren 

konstant, am 18. Oktober 2019 im Sportausbildungszentrum anwesend 

gewesen zu sein und damit einhergehend seine Täterschaft. Eine 

nachhaltige Einsicht und aufrichtige Reue, die über eine blosse 

Tatfolgenreue hinausgeht, ist unter diesen Umständen nicht auszumachen. 

Eine Strafminderung, wie sie einem von Anfang an vollumfänglich 

geständigen und nachhaltig einsichtigen Täter zu Gute kommt, ist somit 

ausgeschlossen. 

 

Der heute 41-jährige Beschuldigte ist geschieden, kinderlos und befindet 

sich aktuell im Gefängnis im Strafvollzug. Er hat nunmehr Anspruch auf 

eine Invalidenrente. Zuvor war er auf Sozialhilfe angewiesen (UA act. 6; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9 und 11). Mithin erscheint seine 

Strafempfindlichkeit nicht überdurchschnittlich. Ausserordentliche 

Umstände, welche eine erhöhte Strafempfindlichkeit zu begründen 

vermögen, liegen nicht vor (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 E. 3.4). 

 

Insgesamt überwiegen die negativen Faktoren deutlich, weshalb es sich 

rechtfertigt, die Täterkomponente im Umfang von 3 Monaten straferhöhend 

zu berücksichtigen.  

 

4.5.5. 

Der Beschuldigte hat die vorliegend neu zu beurteilenden (versuchten) 

Diebstähle und den Hausfriedensbruch im Sportausbildungszentrum am 

18. Oktober 2019 und somit in einem Zeitpunkt verübt, bevor er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 Monaten verurteilt worden ist. 

Es liegt hinsichtlich dieser Delikte somit ein Fall retrospektiver Konkurrenz 

vor, so dass die für die neu begangenen Straftaten auszusprechende 

Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zum vorgenannten Strafbefehl auszu-

sprechen ist.  

 

Handelt es sich – wie vorliegend – bei einer der neu zu beurteilenden Taten 

um die schwerste Straftat, ist diese um die rechtskräftige Grundstrafe 

 - 20 - 

 

 

 

gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach (Freiheitsstrafe 

von 2 Monaten) angemessen zu erhöhen. Die infolge Asperation 

eintretende Reduzierung der rechtskräftigen Grundstrafe ist von der Strafe 

für die neu zu beurteilenden Delikte abzuziehen und ergibt die Zusatzstrafe 

(BGE 142 IV 265 E. 2.4.4). Bilden bereits die jeweiligen Strafen – so wie 

vorliegend – Gesamtstrafen, ist der im Rahmen der Gesamtstrafenbildung 

erfolgten Asperation durch eine gemässigte Berücksichtigung bei der 

Zusatzstrafenbildung Rechnung zu tragen (vgl. BGE 142 IV 265 E. 2.4.4; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_837/2019 vom Dezember 2019 E. 1.1). 

 

Die der rechtskräftigen Grundstrafe gemäss Strafbefehl der Staats-

anwaltschaft Brugg-Zurzach zugrundeliegenden Straftaten stehen in 

keinem Zusammenhang mit den vorliegend zu beurteilenden Delikten. 

Entsprechend hoch ist bei der Asperation der Gesamtschuldbeitrag zu 

veranschlagen. Die für die vorliegend zu beurteilenden Delikte festgelegte 

Freiheitsstrafe von 11 Monaten ist um die rechtskräftige Grundstrafe 

(Freiheitsstrafe von 2 Monaten) angemessen auf eine gedankliche 

Gesamtstrafe 12 Monaten zu erhöhen. Davon ist die rechtskräftige 

Grundstrafe von 2 Monaten abzuziehen, was eine Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

von 10 Monaten Freiheitsstrafe ergibt. 

 

4.5.6. 

4.5.6.1. 

Was die beiden Hausfriedensbrüche vom 23. April 2020 (L.) und vom 16. 

Juni 2020 (Parkhaus «M.») betrifft, so haben sich diese erst nach dem 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

zugetragen, weshalb diesbezüglich keine Zusatzstrafe, sondern eine 

unabhängige Strafe auszufällen ist (BGE 145 IV 1). 

 

Es ist hinsichtlich dieser beiden Hausfriedensbrüche auch keine 

Zusatzstrafe zum Urteil des Gerichtspräsidiums Baden vom 6. Juli 2022 

auszufällen, denn dieses Urteil ist erst nach dem Urteil des Bezirksgerichts 

Brugg vom 9. November 2021, gegen welches sich die vorliegende 

Berufung richtet, ergangen (vgl. BGE 138 IV 113, demzufolge für die Frage, 

ob ein Fall retrospektiver Konkurrenz vorliegt, nicht das Berufungsurteil, 

sondern das Datum des Urteils der ersten Instanz massgebend). 

 

4.5.6.2. 

Die Einsatzstrafe für die unabhängig auszusprechende Strafe ist für den 

Hausfriedensbruch vom 23. April 2020, bei welchem ein Hausverbot 

bestand hat, als konkret schwerste Straftat festzusetzen: 

 

Der Beschuldigte ist am 23. April 2020 in die Toilettenanlage der L. 

eingedrungen, obwohl ein Hausverbot bestanden hat. Die Art und Weise 

des Handelns des Beschuldigten ist jedoch nicht über die blosse 

 - 21 - 

 

 

 

Tatbestandserfüllung hinausgegangen und es ist auch nicht davon 

auszugehen, dass dadurch die Privatsphäre oder das Sicherheitsgefühl 

anderer Personen verletzt worden ist, was sich neutral auswirkt. Leicht 

verschuldenserhöhend ist hingegen das sehr hohe Mass an 

Entscheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte bei seinem Entscheid, 

sich über das Hausverbot hinwegzusetzen, verfügt hat, zu berücksichtigen. 

Wie bereits ausgeführt (siehe dazu oben), wäre es ihm ohne Weiteres 

möglich gewesen, die Toiletten an einem anderen Ort aufzusuchen. 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Hausfriedensbrüchen und 

Handlungsweisen von einem vergleichsweise noch leichten Tat-

verschulden auszugehen, wofür eine angemessene Einsatzstrafe von 

1 ½ Monaten Freiheitsstrafe festzusetzen ist. 

 

4.5.6.3. 

Die Einsatzstrafe ist für den Hausfriedensbruch vom 16. Juni 2020 in 

Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen: 

 

Der Beschuldigte ist am 16. Juni 2020 gegen den Willen der Berechtigten 

unrechtmässig in den privaten Teil des Parkhauses «M.» in Q. 

eingedrungen. Auch hinsichtlich dieses Hausfriedensbruches ist die Art und 

Weise des Handelns des Beschuldigten nicht über die blosse Tatbestands-

erfüllung hinausgegangen und es ist auch nicht davon auszugehen, dass 

dadurch die Privatsphäre oder das Sicherheitsgefühl anderer Personen 

(nachhaltig) verletzt worden ist, was sich neutral auswirkt. Leicht 

verschuldenserhöhend ist wiederum das sehr hohe Mass an 

Entscheidungsfreiheit, über das der Beschuldigte beim Betreten des 

privaten Teils der Parkgarage verfügt hat, zu berücksichtigen. Er hatte denn 

auch keine wirklich plausible Erklärung, wieso er (und seine Kollegen) sich 

dort aufgehalten haben. 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Hausfriedensbrüchen und 

Handlungsweisen von einem vergleichsweise leichten Tatverschulden und 

einer dafür angemessenen Einzelstrafe von 1 Monat Freiheitsstrafe 

auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass 

zwischen den beiden Hausfriedensbrüchen kein Zusammenhang besteht. 

Angemessen erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe um ½ Monat auf 

2 Monate Freiheitsstrafe. 

 

4.5.6.4. 

Die negative Täterkomponente erscheint hinsichtlich der beiden 

Hausfriedensbrüche, für die eine eigenständige Strafe auszufällen ist, als 

vernachlässigbar, zumal die negative Täterkomponente bereits bei der 

Zusatzstrafe umfassend berücksichtigt worden ist (siehe dazu oben). 

 - 22 - 

 

 

 

 

Es bleibt bei den beiden Hausfriedensbrüchen vom 23. April 2020 und vom 

16. Juni 2020 somit bei einer dem Verschulden angemessenen Gesamt-

freiheitsstrafe von 2 Monaten. 

 

4.5.7. 

Zusammengefasst ist eine teilweise Zusatzstrafe von 12 Monaten, 

bestehend aus der Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 von 10 Monaten Freiheitsstrafe und 

der unabhängigen Freiheitsstrafe für die beiden Hausfriedensbrüche vom 

23. April 2020 und vom 16. Juni 2020 von 2 Monaten, auszusprechen. 

 

4.5.8. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei 

Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 

Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Die Bewährungsaussichten 

sind anhand einer Gesamtwürdigung der Tatumstände, des Vorlebens, des 

Leumunds sowie aller weiteren Tatsachen zu beurteilen, die gültige 

Schlüsse etwa auf den Charakter des Täters sowie Entwicklungen in seiner 

Sozialisation und im Arbeitsverhalten bis zum Zeitpunkt des Entscheids 

zulassen (BGE 134 IV 1 E. 4.2). 

 

Der Beschuldigte ist – wie bereits vorgängig ausgeführt – mehrfach und 

zum Teil einschlägig vorbestraft, was bei der Prognosestellung als 

erheblich ungünstiges Element zu gewichten ist. Sein mehrseitiger 

Strafregisterauszug verdeutlicht, dass er die ihm in der Vergangenheit 

gewährten Bewährungschancen wiederholt nicht genutzt hat. Weder die 

Geldstrafe noch mehrmonatige unbedingte Freiheitsstrafen – und damit die 

schärfste Sanktion – vermochten ihn vor weiterer, einschlägiger Delinquenz 

abzuhalten. Mithin handelt es sich beim Beschuldigten um einen 

unbelehrbaren Wiederholungstäter. Negativ ins Gewicht fällt weiter auch 

die Tatsache, dass der Beschuldigte im vorliegenden Strafverfahren nicht 

geständig war und sich weder einsichtig noch reuig gezeigt hat. Im 

Gegenteil gab der Beschuldigte trotz erdrückender Beweislage ungehemmt 

und mit erschreckender Selbstverständlichkeit jeweils neue abenteuerlich 

anmutende Versionen des Tatgeschehens zu Protokoll, mit welchen er 

seine Unschuld beteuerte. Das Verhalten des Beschuldigten weist auf ein 

mangelhaftes Unrechtsbewusstsein und einen grundsätzlich fehlenden 

Respekt gegenüber der Schweizerischen Rechtsordnung hin. Sein 

Verhalten ist von Einsichtslosigkeit und Gleichgültigkeit geprägt. Der 

Beschuldigte befindet sich zurzeit im Strafvollzug. Er ist verschuldet, erhält 

eine volle Invalidenrente und war zuvor auf Sozialhilfe angewiesen 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9 ff.). Für den Beschuldigten 

besteht sodann eine Vertretungsbeistandschaft. Er ist zudem geschieden, 

hat keine Kinder und hat seit seiner Jugend auch keinen Kontakt mehr mit 

 - 23 - 

 

 

 

seinem in der Schweiz lebendem Vater und seiner Stiefmutter (UA 5 f.; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9 f.). Mithin sind keine 

stabilisierenden Faktoren persönlicher oder beruflicher Art ersichtlich, 

welche die Erwartung auf Bewährung begründen würden, weshalb dem 

Beschuldigten eine eigentliche Schlechtprognose zu stellen und die 

Freiheitsstrafe von 12 Monaten unbedingt auszufällen ist. 

 

4.6.  

4.6.1. 

Für die beiden Übertretungen vom 25. August 2019 und 12. Oktober 2019 

ist als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vom 31. Oktober 2019, mit welcher der Beschuldigte zu einer Busse von 

Fr. 100.00 verurteilt worden ist, eine Zusatzbusse auszusprechen: 

 

Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 53 

Abs. 3 PBG werden mit Busse von Fr. 1.00 bis Fr. 10'000.00 bestraft. Der 

Beschuldigte hat am 25. August 2019 den Zug auf der Strecke Döttingen 

bis Baden sowie am 12. Oktober 2019 den Zug von Turgi bis Klingnau 

benutzt, ohne über gültige Fahrausweise zu verfügen. Die Art und Weise 

der Tatbegehung ist nicht über die blosse Erfüllung des Tatbestands 

hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. Verschuldenserhöhend ist 

jedoch wiederum das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit, über das der 

Beschuldigte hinsichtlich seiner Fahrten ohne Billett verfügt hat, zu 

berücksichtigen. Es ist denn auch nicht ersichtlich, weshalb er sich kein 

Billett oder Abonnement gekauft hat oder überhaupt auf die Fahrten 

verzichtet hat. Vielmehr zeigt sich der Beschuldigte völlig gleichgültig 

gegenüber dem Erfordernis eines gültigen Billetts. 

 

Insgesamt ist ausgehend von einem noch knapp leichten Verschulden und 

unter Berücksichtigung der wirtschaftlich angespannten Verhältnisse des 

Beschuldigten von angemessenen Einzelbussen von je Fr. 200.00 

auszugehen. Die beiden Übertretungen stehen in keinem engen 

Zusammenhang, entsprechend hoch erscheint der jeweilige Gesamt-

schuldbeitrag. Das gilt auch im Verhältnis zur Busse von Fr. 100.00, die mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 2019 

ausgesprochen worden ist. Im Rahmen der Asperation untereinander und 

bei der Bildung der Zusatzstrafe erscheint eine hypothetische 

Gesamtbusse von Fr. 400.00 als angemessen. Von dieser ist die 

rechtskräftige Busse von Fr. 100.00 in Abzug zu bringen, was eine 

Zusatzbusse von Fr. 300.00 ergibt. 

 

4.6.2. 

Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall, dass der Beschuldigte die Busse von 

Fr. 300.00 schuldhaft nicht bezahlt, ist ausgehend von einem 

Umwandlungssatz von Fr. 100.00 auf 3 Tage festzulegen (Art. 106 Abs. 2 

StGB). 

 - 24 - 

 

 

 

 

4.7. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu einer teilweisen Zusatzstrafe 

zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 31. Oktober 

2019 von 12 Monaten Freiheitsstrafe und einer Busse von Fr. 300.00, 

ersatzweise 3 Tage Freiheitsstrafe, zu verurteilen. 

 

5.  

5.1. 

Die Vorinstanz hat auf die Anordnung einer Landesverweisung verzichtet.  

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Berufung, der Beschuldigte sei für die 

Dauer von 5 Jahren des Landes zu verweisen (Berufungserklärung S. 1).  

 

5.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 145 IV 

161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1193/2021 

vom 7. März 2023 E. 6). Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Bosnien-Herzegowina. Er hat 

mit den (versuchten) Diebstählen in Verbindung mit Hausfriedensbruch 

eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB begangen, die eine 

obligatorische Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre zur Folge hat. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der 

besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der 

Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Art. 66a 

StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung hat sich 

daher an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu 

orientieren. 

 

5.4. 

Der heute 41-jährige Beschuldigte reiste im Oktober 1991 im Alter von 

9 Jahren in die Schweiz ein und verfügt über eine Niederlassungs-

bewilligung C (MIKA-Akten S. 4 ff.; S.466; GA act. 285.19; Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 9). Er hält sich demnach bereits seit 32 Jahren 

in der Schweiz auf und verbrachte hier auch seine prägenden Jugendjahre. 

Der Lebensmittelpunkt des Beschuldigten liegt in der Schweiz. Sprachlich 

 - 25 - 

 

 

 

ist er gut integriert; er spricht gut (Schweizer-)Deutsch, was in Anbetracht 

der langen Anwesenheitsdauer allerdings auch erwartet werden darf. 

 

Die persönliche und gesellschaftliche Integration des Beschuldigten 

erweist sich in Anbetracht seiner Aufenthaltsdauer als eher schwach: Der 

kinderlose Beschuldigte ist seit dem Jahr 2008 geschieden und hat keine 

Kinder. In der Schweiz wohnen sein Vater, seine Stiefmutter sowie zwei 

seiner Brüder und eine Schwester (GA act. 285.16). Zu seinem Vater und 

seiner Stiefmutter hat er seit seiner Jugend keinen Kontakt mehr (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S. 9 f.). Seit Juni 2019 besteht eine 

Vertretungsbeistandschaft. Die Beistandschaft umfasst die Aufgaben-

bereiche, stets für eine geeignete Wohnsituation, für das gesundheitliche 

Wohl und die medizinische Betreuung besorgt zu sein und den 

Beschuldigten bei der Erledigung der finanziellen Angelegenheiten sowie 

in administrativen Belangen zu vertreten (MIKA-Akten S. 399; UA act. 8; 

GA act. 285.16; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). Der 

Beschuldigte befindet sich aktuell im Gefängnis und war bis im November 

2019 obdachlos, bevor er in V. eine Wohnung bezog. Im November 2021 

war er im teilbetreuten Wohnzentrum H. wohnhaft (MIKA-Akten S. 398; GA 

act. 285.6). Über eine aktive Mitgliedschaft in einem Verein oder 

beispielsweise ein Engagement in einer gemeinnützigen Institution ist 

nichts bekannt. 

 

Seine wirtschaftliche und berufliche Integration erweist sich als unter-

durchschnittlich: Er hat in der Schweiz eine Lehre als Maler absolviert und 

in der Folge an verschiedenen Orten als Maler gearbeitet, wobei er immer 

wieder auch arbeitslos war (MIKA-Akten S. 103, 149, 225, 292, 395; UA 

act. 6; GA act. 285.16; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 9). Infolge 

einer unfallbedingten Fussfraktur erfolgte im Oktober 2019 eine Anmeldung 

bei der Invalidenversicherung (MIKA-Akten S. 399; GA act. 285.6). Der 

Beschuldigte bezieht seit Anfang April 2020 eine ganze Invalidenrente, 

welche aktuell jedoch wegen seines Haftaufenthalts sistiert ist (MIKA-Akten 

S. 571; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10). Zuvor war er immer 

wieder auf Sozialhilfe angewiesen (MIKA-Akten S. 520 ff.). Weiter geht aus 

diversen Betreibungsregisterauszügen aus den Jahren 2022 hervor, dass 

insgesamt 73 Verlustscheine im Gesamtbetrag von mehr als Fr. 90'000.00 

bestehen (MIKA-Akten S. 498 ff.). 

 

Negativ auf eine nachhaltige Integration wirken sich seine Verurteilungen 

aus. So wurde er mit Urteil des Bezirksgerichts Brugg vom 15. Oktober 

2002 wegen mehrfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB, mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfacher 

Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB und mehrfachen Raubs 

gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 9 Monaten sowie zu einer Massnahme für Süchtige und geistig 

Abnorme verurteilt, wobei der Vollzug der Strafe zu Gunsten der 

 - 26 - 

 

 

 

Massnahme aufgeschoben wurde. Sodann wurde der Beschuldigte mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 5. März 2018 

wegen mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 WG zu 

einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 

4 Jahre, sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 500.00 verurteilt. Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 9. Oktober 2018 wurde er 

sodann wegen mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB zu 

einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Monaten verurteilt. Weiter wurde 

der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach 

vom 31. Oktober 2019 wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes 

gemäss Art. 19a BetmG und mehrfachen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 

1 StGB zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2 Monaten sowie einer 

Busse von Fr. 100.00 verurteilt. Mit Urteil des Gerichtspräsidiums Baden 

vom 6. Juli 2022 wurde er sodann wegen mehrfachen Diebstahls gemäss 

Art. 139 Ziff. 1 StGB, mehrfachen geringfügigen betrügerischen 

Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage gemäss Art. 147 StGB i.V.m. 

Art. 172ter Abs. 1 StGB, Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB und 

mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe 

von 10 Tagessätzen à Fr. 30.00 sowie einer Busse von Fr. 300.00 

verurteilt. Hinzukommt, dass der aktuelle Strafregisterauszug eine 

Strafuntersuchung datierend vom 1. November 2022 wegen Diebstahls 

beinhaltet (vgl. aktueller Strafregisterauszug). Sodann geht aus den MIKA-

Akten hervor, dass der Beschuldigte mit Strafbefehl des Bezirksamts 

Zurzach vom 24. November 2010 wegen Lernfahrt mit angetrunkenem 

Begleiter gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 4 SVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 SVG zu 

einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt wurde (MIKA-Akten S. 114 f.). Mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 15. Januar 2011 

wurde er sodann wegen einfacher Verkehrsregelverletzung durch 

Überschreitung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit innerorts gemäss 

Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 32 Abs. 2 SVG zu einer Busse von Fr. 120.00 

verurteilt (MIKA-Akten S. 118). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Brugg-Zurzach vom 18. März 2013 wurde er wegen Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG zu einer Busse 

von Fr. 300.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 166). Sodann wurde er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 11. Februar 2014 

wegen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkurs-

verfahren gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB zu einer Busse von Fr. 300.00 

verurteilt (MIKA-Akten S. 172). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Baden vom 18. August 2014 wurde der Beschuldigte ebenfalls wegen des 

vorgenannten Delikts zu einer Busse von Fr. 200.00 verurteilt (MIKA-Akten 

S. 181). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 

30. Januar 2015 wurde der Beschuldigte sodann wegen Widerhandlung 

gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 2 lit. b PBG 

zu einer Busse von Fr. 80.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 189). Mit Strafbefehl 

 - 27 - 

 

 

 

der Staatsanwaltschaft Baden vom 27. Februar 2015 wurde er wegen 

Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren 

gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB zu einer Busse von Fr. 400.00 verurteilt 

(MIKA-Akten S. 191). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 

26. Mai 2015 wurde er wegen desselben Delikts zu einer Busse von 

Fr. 500.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 198). Mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Baden vom 5. August 2015 wurde er wegen 

Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 

Abs. 2 lit. b PBG zu einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt (MIKA-Akten 

S. 200). Weiter wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 23. Februar 2016 wegen 

Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren 

gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB zu einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt 

(MIKA-Akten S. 207). Wegen der Begehung desselben Delikts wurde er 

sodann mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

3. August 2016 zu einer Busse von Fr. 400.00 verurteilt (MIKA-Akten 

S. 217). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

6. September 2016 wurde er wegen Widerhandlung gegen das 

Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG zu einer Busse 

von Fr. 80.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 219). Weiter wurde er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 22. September 2016 wegen 

desselben Delikts zu einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt (MIKA-Akten 

S. 222). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

4. Oktober 2016 wurde er wegen Ungehorsams des Schuldners im 

Betreibungs- und Konkursverfahren gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB zu einer 

Busse von Fr. 500.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 236). Sodann wurde er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 12. Dezember 2016 wegen 

Widerhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 

Abs. 3 PBG zu einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 241). 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 19. Juli 2017 

wurde er wegen desselben Delikts zu einer Busse von Fr. 100.00 verurteilt 

(MIKA-Akten S. 247). Weiter wurde er mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 4. September 2017 wegen 

Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren 

gemäss Art. 323 Ziff. 1 StGB zu einer Busse von Fr. 600.00 verurteilt 

(MIKA-Akten S. 253). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 

26. Oktober 2017 wurde er sodann wegen mehrfacher Widerhandlung 

gegen das Personenbeförderungsgesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG zu 

einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt (MIKA-Akten S. 256). Wie bereits 

vorgängig dargelegt, weist das Verhalten des Beschuldigten auf einen 

grundsätzlich fehlenden Respekt gegenüber der Schweizerischen 

Rechtsordnung hin. Insgesamt erweist sich der Beschuldigte als eine 

Person, die seit Jahren immer wieder delinquiert. Seine bisherigen 

Straftaten haben sich zwar nicht gegen besonders schützenswerte 

Rechtsgüter wie Leib und Leben gerichtet. Hinsichtlich der von ihm 

 - 28 - 

 

 

 

begangenen Vermögensdelikte erscheint er jedoch als eigentlich 

unbelehrbarer Wiederholungstäter. 

 

Insgesamt hat der Beschuldigte den Grossteil seines bisherigen Lebens in 

der Schweiz verbracht und verfügt in der Schweiz auch über ein – wenn 

auch nicht besonders stark ausgeprägtes – soziales Netz, womit zweifellos 

von einer starken Verwurzelung in der Schweiz auszugehen ist. Im Hinblick 

auf seine wirtschaftliche Integration sowie die Beachtung der 

schweizerischen Rechts- und Werteordnung erweist sich seine Integration 

hingegen als mangelhaft. 

 

5.5. 

Die Integrationschancen in seinem Heimatland Bosnien-Herzegowina 

erweisen sich für den Beschuldigten als intakt. Er spricht Bosnisch, ist dort 

geboren und lebte dort bis zu seinem neunten Lebensjahr (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 8). Seine Mutter, sein Stiefvater sowie sein 

Stiefbruder leben in Bosnien-Herzegowina. Sein Heimatland besuchte er in 

der Vergangenheit mehrmals (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 12 f.). Mithin sind ihm die Kultur und Gepflogenheiten seines 

Heimatlandes zumindest nicht fremd. Dem Beschuldigten ist eine 

Invalidenrente zugesprochen worden. Damit ist er in seinem Heimatland 

nicht auf eine eigentliche Erwerbstätigkeit angewiesen. Seine 

gesundheitlichen Probleme lassen sich sodann auch in Bosnien-

Herzegowina behandeln.  

 

5.6. 

Der Beschuldigte wird vorliegend wegen (versuchten) Diebstählen in 

Verbindung mit Hausfriedensbruch – als Zusatzstrafe – zu einer einjährigen 

unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Die von ihm begangene Katalogtat 

reiht sich quasi nahtlos in die sowohl vorher als auch nachher von ihm 

begangenen Vermögensdelikte ein, so dass er als unbelehrbarer 

Wiederholungstäter erscheint. Entsprechend weist sein aktueller 

Strafregisterauszug denn auch sechs Seiten auf. Keine der bisher 

ausgesprochenen Geld- und Freiheitsstrafen hat ihn vor weiterer 

Delinquenz abhalten können. Selbst nach der erstinstanzlichen 

Verurteilung durch das Bezirksgericht Brugg hat er einschlägig weiter-

delinquiert. Dies führt die offensichtliche Unbelehrbarkeit des 

Beschuldigten und seinen Unwillen, sich an die Schweizer Rechtsordnung 

zu halten, deutlich vor Augen. Ihm ist deshalb eine sehr schlechte 

Legalprognose zu stellen. 

 

Auch wenn sich die Straftaten des Beschuldigten bis anhin nicht gegen 

besonders schützenswerte Rechtsgüter wie Leib und Leben gerichtet 

haben, so ist aufgrund seiner seit Jahren andauernden Delinquenz, von 

denen jeweils zahlreiche Personen in ihrem Vermögen und Sicher-

heitsgefühl betroffen sind, und der hohen Rückfallgefahr von einer 

 - 29 - 

 

 

 

erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und damit 

einhergehend einem hohen Interesse an seiner Wegweisung auszugehen. 

 

5.7. 

Insgesamt würde eine Landesverweisung den Beschuldigten, der seit 

seinem neunten Lebensjahr in der Schweiz lebt und hier verwurzelt ist, in 

eine schwere persönliche Situation versetzen, womit ein schwerer 

persönlicher Härtefall i.S.v. Art. 66a Abs. 2 StGB zu bejahen ist. Jedoch 

überwiegt das hohe öffentliche Interesse an der Landesverweisung die 

nicht unerheblichen privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in 

der Schweiz. Damit sind die Voraussetzungen für eine Landesverweisung 

erfüllt. Diese erweist sich sowohl unter dem Blickwinkel von Art. 66a Abs. 2 

StGB als auch unter demjenigen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK als 

verhältnismässig und rechtskonform. 

 

Unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, 

der Art, Vielzahl und Regelmässigkeit der von ihm begangenen Straftaten 

sowie der sehr ungünstigen Legalprognose, aber auch der Tatsache, dass 

es sich bei der vorliegenden Katalogtat noch um eine vergleichsweise 

weniger schwerwiegende und einmalige Tat handelt, ist die Dauer der 

Landesverweisung auf das gesetzliche Minimum von 5 Jahren 

festzusetzen. 

 

5.8. 

Mit vorliegendem Urteil wird der Beschuldigte zu einer mehrmonatigen 

Freiheitsstrafe verurteilt und es wird eine obligatorische Landesverweisung 

angeordnet. Entsprechend ist davon auszugehen, dass er eine Gefahr für 

die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

Verordnung darstellt. Gründe, welche eine Ausschreibung im SIS als 

unverhältnismässig erscheinen lassen würden, sind keine ersichtlich (vgl. 

BGE 146 IV 172 E. 3.2), zumal für die Ausschreibung im SIS kein schweres 

oder besonders schweres Delikt vorliegen muss (BGE 147 IV 340). Somit 

ist die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-

system (SIS) anzuordnen. 

 

6.  

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihrer 

Berufung betreffend die von ihr beantragten zusätzlichen Schuldsprüche, 

die Erhöhung der Freiheitsstrafe sowie die Landesverweisung und 

unterliegt lediglich betreffend die beantragte Bussenhöhe von Fr. 500.00. 

 - 30 - 

 

 

 

Dabei handelt es sich jedoch um einen untergeordneten Punkt. Der 

Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung, mit welcher er beantragt, er sei 

von Schuld und Strafe freizusprechen und es sei von einer 

Landesverweisung abzusehen, vollumfänglich. Bei diesem Verfahrens-

ausgang sind die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens von Fr. 5'000.00 

(§ 18 VKD) vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

6.2. 

Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die 

anlässlich der Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote, mit 

gerundet Fr. 2'710.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der 

Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT).  

 

Diese Entschädigung ist ausgangsgemäss vom Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).  

 

6.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO i.V.m Art. 426 Abs. 1 StPO). Nachdem der Beschuldigte 

betreffend sämtliche Anklagevorwürfe schuldig gesprochen wird, sind ihm 

die erstinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von insgesamt Fr. 3'494.00 

(inkl. Anklagegebühr von Fr. 900.00) vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

6.4. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 5'168.30 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückgekommen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 

vom 28. Januar 2019). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten ausgangsgemäss zurückzu-

fordern, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 

StPO).  

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO).  

 

  

 - 31 - 

 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 

 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB;  

- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Personenbeförderungs-

gesetz gemäss Art. 57 Abs. 3 PBG. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und 

2 StGB, Art. 40 StGB und Art. 106 StGB 

 

als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-

Zurzach vom 31. Oktober 2019 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten  

 

und zu einer Busse von Fr. 300.00, ersatzweise 3 Tage Freiheitsstrafe,  

 

verurteilt. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für 5 Jahre 

des Landes verwiesen.  

 

Die Landesverweisung ist im Schengener Informationssystem (SIS) 

auszuschreiben. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Zivilklage der Privatklägerin Stadt Q. wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

5. 

5.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'710.00 auszu-

richten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

 - 32 - 

 

 

 

 

6. 

6.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'494.00 (inkl. 

Anklagegebühr von Fr. 900.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

6.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 5'168.30 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 16. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six Yalin