# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 476ba6cb-b15d-51aa-b078-7d15603b1e98
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 16.05.2024 VBE.2023.496
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-496_2024-05-16.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

VBE.2023.496 / lc / ss       
Art. 41 

 

Urteil vom 16. Mai 2024 
 
 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiberin i.V. Comiotto 

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

 

 

 
   

Beschwerde- 

gegner  

 AWA - Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, Rain 53, 

5000 Aarau 

 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 14. November 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1995 geborene Beschwerdeführer war zuletzt als Receiving Assistent 

angestellt. Mit Schreiben vom 16. Januar 2023 kündigte die Arbeitgeberin 

das Arbeitsverhältnis per 31. März 2023. Der Beschwerdeführer meldete 

sich daraufhin am 23. Januar 2023 beim Regionalen Arbeitsvermittlungs-

zentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung und am 27. Januar 2023 bei der Öf-

fentlichen Arbeitslosenkasse des Kantons Aargau zum Bezug von Arbeits-

losenentschädigung ab dem 1. April 2023 an. Im Verlauf der zweimonati-

gen Kündigungsfrist war der Beschwerdeführer wiederholt zu 100 % ar-

beitsunfähig, weshalb sich die Kündigungsfrist bis zum 31. August 2023 

verlängerte. Mit Verfügung vom 11. September 2023 teilte ihm das RAV 

mit, dass ihm wegen fehlender Arbeitsbemühungen vor Anspruchstellung 

während der Zeit vom 16. Januar bis 1. September 2023 ab dem 1. Sep-

tember 2023 vier Taggelder nicht ausbezahlt würden. Die dagegen erho-

bene Einsprache wies der Beschwerdegegner mit Einspracheentscheid 

vom 14. November 2023 ab. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 14. November 2023 (Datum 

Postaufgabe) fristgerecht Beschwerde und beantragte sinngemäss die Auf-

hebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 14. November 

2023 und die Auszahlung der vier Taggelder. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2024 beantragte der Beschwerde-

gegner die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer 

mit Einspracheentscheid vom 14. November 2023 zu Recht wegen fehlen-

der Arbeitsbemühungen vor Eintritt der kontrollierten Arbeitslosigkeit für die 

Dauer von vier Tagen ab dem 1. September 2023 in der Anspruchsberech-

tigung eingestellt hat (Vernehmlassungsbeilage [VB] 28 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG muss die versicherte Person, die Versiche-

rungsleistungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Ar-

beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermei-

den oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, 

 - 3 - 

 

 

nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Be-

mühungen nachweisen können (BGE 139 V 524 E. 2.2.1 S. f.). Nach 

Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberech-

tigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare 

Arbeit bemüht. 

 

2.2. 

Grundsätzlich sanktioniert Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG eine Verletzung der in 

Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht, insbesondere 

der Pflicht, sich genügend um Arbeit zu bemühen. Diese Verknüpfung soll 

Arbeitslose zur Stellensuche anspornen und eine missbräuchliche Bean-

spruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die Einstellung in der 

Anspruchsberechtigung bezweckt eine angemessene Mitbeteiligung der 

versicherten Person an jenem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges 

Verhalten der Arbeitslosenversicherung natürlich und adäquat kausal ver-

ursacht hat (BGE 124 V 225 E. 2b mit Hinweisen). Kern der Pflicht, alles 

Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu ver-

kürzen, sind die persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten Person 

selbst, die in der Regel streng beurteilt werden. Es gilt gewissermassen der 

Grundsatz, dass die Arbeitsbemühungen umso intensiver sein müssen, je 

weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden. Dabei 

stehen sowohl Tatsache als auch Intensität, nicht aber der Erfolg dieser 

Bemühungen im Vordergrund (BGE 133 V 89 E. 6.1.1 mit Hinweisen). 

 

2.3. 

Nach konstanter Praxis des Bundesgerichts fliesst aus der Pflicht, den Ein-

tritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, die Last für die versicherte Person, 

sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des früheren Arbeitsverhältnis-

ses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Ar-

beit zu bemühen. Die versicherte Person hat sich dementsprechend wäh-

rend einer allfälligen Kündigungsfrist, aber auch generell während der Zeit 

vor der Anmeldung (bspw. bei einem befristeten Arbeitsverhältnis mindes-

tens in den drei letzten Monaten [BGE 141 V 365 E. 2.2 S. 367]), unaufge-

fordert um Stellen zu bemühen. Sie kann sich insbesondere nicht damit 

exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor der Anmeldung 

zum Leistungsbezug zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und 

nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (BGE 139 V 524 E. 2.1.2 

S. 526). Bei der Anmeldung hat die arbeitslos gewordene Person den 

Nachweis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen (Art. 20 Abs. 1 lit. d 

AVIV). Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird sie sämtliche während der 

Kündigungsfrist getätigten Stellenbewerbungen einzureichen haben. Sie ist 

daher auch dann in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie für 

die Zeit während der Kündigungsfrist resp. für die Zeit vor der Meldung auf 

dem Arbeitsamt keine oder nur ungenügende Arbeitsbemühungen vorwei-

sen kann (ARV 1993/1994 Nr. 26 S. 184 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch 

BGE 139 V 524 E. 2.1.2. f. und 4.2). 

 - 4 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Den Einspracheentscheid vom 14. November 2023 begründete der Be-

schwerdegegner im Wesentlichen damit, der Beschwerdeführer habe unter 

Berücksichtigung seiner während der Kündigungsfrist bis am 5. August 

2023 bestehenden Arbeitsunfähigkeit für den Beobachtungszeitraum vor 

Anspruchstellung vom 6. bis 31. August 2023 keine Arbeitsbemühungen 

nachweisen können. Er sei mit E-Mail vom 30. Juni 2023 von seiner zu-

ständigen RAV-Personalberaterin darauf aufmerksam gemacht worden, 

dass er – im Falle der Wiedererlangung seiner Arbeitsfähigkeit – unbedingt 

mit den Bewerbungen starten müsse (zwei Bewerbungen pro Woche). 

Auch ohne vorgängige entsprechende Aufklärung oder Verwarnung hätte 

er die Pflicht zur Vornahme persönlicher Arbeitsbemühungen gehabt. Da 

er damit seiner Schadenminderungspflicht gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG 

nicht ausreichend nachgekommen sei, sei er mit vier Einstelltagen zu sank-

tionieren (VB 28 ff.). 

 

Der Beschwerdeführer bringt dagegen im Wesentlichen vor, die ihm zuge-

wiesene RAV-Personalberaterin habe ihm nicht mitgeteilt, dass er sich 

während der Kündigungsfrist bei Wegfall seiner Arbeitsunfähigkeit sofort 

bewerben müsse. Aus der E-Mail vom 30. Juni 2023 gehe lediglich hervor, 

dass er als Arbeitsloser zwei Bewerbungen pro Woche machen müsse. Da 

er vom 6. bis 31. August 2023 zwar arbeitsfähig, aber noch nicht arbeitslos 

gewesen sei (befand sich bis zum 31. August 2023 noch in einem Arbeits-

verhältnis), sei er davon ausgegangen, dass er noch keine Bewerbungen 

machen müsse. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Der Beschwerdegegner hat für die Beurteilung der Arbeitsbemühungen vor 

Anspruchserhebung korrekterweise auf den Zeitraum vom 6. bis 31. Au-

gust 2023 (Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers bis zum 5. August 

2023 und Verlängerung der Kündigungsfrist bis zum 31. August 2023; 

AVIG-Praxis Arbeitslosenentschädigung des Staatssekretariats für Wirt-

schaft SECO [ALE], gültig ab 1. Januar 2024, Rz. B314 und B320) abge-

stellt. Zwischen den Parteien ist nach Lage der Akten zu Recht unumstrit-

ten, dass der Beschwerdeführer im relevanten Zeitraum keine Arbeitsbe-

mühungen vorgenommen hat. 

 

3.2.2. 

Der Beschwerdeführer wurde nach seiner Anmeldung beim RAV mit 

Schreiben vom 25. Januar 2023 darüber informiert, dass er alle getätigten 

Bewerbungen seit Kenntnis der Kündigung unter der Rubrik "Arbeitsbemü-

hungen" im Job-Room eintragen müsse. Dieses Formular werde am fünf-

ten Tag des Folgemonats automatisch dem RAV übermittelt (VB 85). 

 - 5 - 

 

 

Sodann teilte ihm die zuständige RAV-Personalberaterin mit E-Mail vom 

30. Juni 2023 ausdrücklich mit, dass er "unbedingt mit den Bewerbungen 

starten" und zwei Bewerbungen pro Woche machen müsse, falls er wieder 

arbeitsfähig sei (VB 64 f.). Vor diesem Hintergrund kann dem Vorbringen 

des Beschwerdeführers nicht gefolgt werden, er sei nicht darüber informiert 

worden, dass er sich bereits während der Kündigungsfrist des laufenden 

Arbeitsverhältnisses um eine neue Stelle bewerben müsse. 

 

3.2.3. 

Im Übrigen hat sich die versicherte Person während einer allfälligen Kündi-

gungsfrist und generell während der Zeit vor der Anmeldung im Rahmen 

der Schadenminderungspflicht unaufgefordert um Stellen zu bemühen. Sie 

kann sich insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, 

dass sie schon vor der Anmeldung zum Leistungsbezug zur ernsthaften 

Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht wor-

den sei (vgl. E. 2.3. hiervor).  

 

3.3. 

Zusammenfassend stellte der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer 

somit in Anwendung von Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG aufgrund fehlender per-

sönlicher Arbeitsbemühungen zu Recht in der Anspruchsberechtigung ein. 

Zu prüfen bleibt die Dauer der Einstellung. 

 

4. 

4.1. 

Die auf vier Tage festgelegte Dauer der Einstellung in der Anspruchsbe-

rechtigung entspricht einem leichten Verschulden nach Art. 45 Abs. 3 lit. a 

AVIV und steht in Übereinstimmung mit dem in den Verwaltungsweisungen 

des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) als Richtlinie enthaltenen Ein-

stellraster (AVIG-Praxis ALE Rz. D79), wonach fehlende Arbeitsbemühun-

gen vor Anspruchsstellung bei einer Kündigungsfrist von einem Monat (der 

Beschwerdeführer war im Rahmen der verlängerten Kündigungsfrist ledig-

lich im Zeitraum vom 6. bis 31. August arbeitsfähig) mit vier bis sechs Ein-

stelltagen zu sanktionieren sind (AVIG-Praxis ALE, Rz. D79 1.B1). 

 

4.2. 

Verwaltungsweisungen wie die AVIG-Praxis ALE richten sich zwar an die 

Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht 

verbindlich. Dieses soll eine Verwaltungsweisung bei seiner Entscheidung 

aber berücksichtigen, sofern die Weisung eine dem Einzelfall angepasste 

und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestim-

mungen zulässt. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von 

Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisie-

rung der rechtlichen Vorgaben darstellen (vgl. BGE 133 V 257 E. 3.2 

S. 258 f.; 132 V 121 E. 4.4 S. 125). 

 

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4.3. 

Solche triftigen Gründe, wonach in das Ermessen des Beschwerdegegners 

einzugreifen und von der AVIG-Praxis ALE abzuweichen wäre, werden 

vom Beschwerdeführer nicht vorgebracht und sind ausweislich der Akten 

nicht ersichtlich. Die gestützt auf das Einstellraster festgesetzte Einstell-

dauer von vier Tagen entspricht der mildesten Sanktion und ist nicht weiter 

zu beanstanden. Der Einspracheentscheid vom 14. November 2023 er-

weist sich demnach als rechtens. 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

5.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

5.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung 

als Sozialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 
 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

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Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 
   

Aarau, 16. Mai 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Gössi Comiotto