# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2eaf1c81-b3dd-5cb5-ba4b-d68ab328a074
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-20
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 20.10.2021 200 2021 475
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-475_2021-10-20.pdf

## Full Text

200 21 475 IV
SCP/ISD/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 20. Oktober 2021

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichterin Mauerhofer
Gerichtsschreiber Isliker

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 1. Juni 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1978 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin), 
Staatsangehörige von ... und seit dem 4. Juli 2003 in der Schweiz wohn-
haft, gelernte ... ohne Ausbildungsanerkennung in der Schweiz, meldete 
sich im September 2019 unter Hinweis auf verschiedene psychische 
Störungen bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (Ak-
ten der IV-Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage 
[AB] 1). Die IVB tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen, na-
mentlich holte sie ein vom 18. Januar 2021 datierendes psychiatrisches 
Gutachten inklusive neuropsychologischer Untersuchung (AB 41.1-4) ein, 
und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 10. Februar 2021 (AB 50) 
die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach Einwand der 
Versicherten (AB 51, 55), Rückfragen an die Gutachterstelle (AB 58.1) und 
erneutem Vorbescheidverfahren (AB 59) wies die IVB mit Verfügung vom 
1. Juni 2021 (AB 60) das Leistungsbegehren ab.

B.

Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 24. Juni 2021 Be-
schwerde. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung sowie die Zusprache einer IV-Rente. Daneben stellt sie ein Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege für die Verfahrenskosten.

Mit Beschwerdeantwort vom 2. August 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 3

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 1. Juni 2021 (AB 60). 
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 4

werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG).

2.2.1 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 
Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund-
lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an-
spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung 
ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 
E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, 
dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatori-
schen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 
127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285).

2.2.2 Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren lassen sich oft nicht klar 
vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen. Trotzdem können solche 
äusseren Umstände nicht als gesundheitliche Beeinträchtigungen im Sinne 
des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche Invaliditätsbegriff 
klar zwischen dem Gesundheitsschaden, an dem die versicherte Person 
leidet, und der durch ihn verursachten Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. 
Infolgedessen können psychische Störungen, welche durch soziale Um-
stände verursacht werden und bei Wegfall der Belastung wieder ver-
schwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Zwar kann einer fachge-
recht diagnostizierten psychischen Krankheit der invalidisierende Charakter 
nicht mit dem blossen Hinweis auf eine bestehende psychosoziale Belas-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 5

tungssituation abgesprochen werden. Je stärker aber psychosoziale und 
soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das 
Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich 
festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (BGE 
127 V 294 E. 5a S. 299; SVR 2012 IV Nr. 52 S. 189 E. 3.2). Nur wenn und 
soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbst-
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine – unabhängig 
von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlim-
mern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (BGE 
139 V 547 E. 3.2.2 S. 552; SVR 2010 IV Nr. 19 S. 59 E. 5.2).

2.2.3 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob 
ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende Invalidität 
zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten normativen 
Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). 
Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 
S. 429). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbe-
einträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung 
auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49, namentlich Aggravation, Simulation oder ähnliche 
Erscheinungen (vgl. auch BGE 127 V 294 E. 5a S. 299), standhält. Liegt 
auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Ge-
sundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene an-
hand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren 
eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und 
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich-
baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Re-
gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindikato-
ren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien "funktionel-
ler Schweregrad" (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen lassen (E. 4.4 
S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). Die Aner-
kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, 
wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge-
sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindi-
katoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 6

Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der 
Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen 
(E. 6 S. 308).

2.3

2.3.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.3.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

2.3.3 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach 
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs 
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollen-
dung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der Rentenanspruch entsteht 
nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG bean-
spruchen kann (Abs. 2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 7

3.

3.1

3.1.1 Die Beschwerdegegnerin veranlasste zur Klärung des medizini-
schen Sachverhaltes eine versicherungsexterne psychiatrisch-neuropsy-
chologische Begutachtung der Beschwerdeführerin durch die MEDAS 
B.________. Im Gutachten vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) diagnostizierte 
Dr. med. C.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, – unter 
Einbezug der neuropsychologischen Abklärung von lic. phil. D.________, 
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, – eine rezidivierende depres-
sive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4) mit persistierenden 
kognitiven Defiziten im Sinne einer leichten neuropsychologischen Funkti-
onsstörung (Frei et al, 2016) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als 
Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit hielt er Probleme mit 
Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73) im 
Sinne einer Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit ängstlicher (ver-
meidender), hypersensitiver sowie partiell asthenischer Komponente, psy-
chische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom, 
ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25), psychische und Verhal-
tensstörungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig 
abstinent/Vollremission (ICD-10: F12.202), psychische und Verhaltens-
störungen durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, gegen-
wärtig abstinent/Vollremission (ICD-10: F13.202) fest (AB 47.1/12 Ziff. 6).

Im Rahmen der Begutachtung habe als grundlegende Erkrankung des 
psychiatrischen Fachgebietes eine rezidivierende depressive Störung von 
gegenwärtig remittiertem Status (ICD-10: F33.4) mit noch persistierenden 
kognitiven Defiziten im Sinne einer leichten neuropsychologischen Funkti-
onsstörung verifiziert werden können. Das Vorliegen sozialer Phobien 
(ICD-10: F40.1) als eigenständige Krankheitsentität sei hingegen – bei 
strikter Beachtung der entsprechenden Kriterien im Katalog der ICD-10 – in 
Übereinstimmung mit der Stellungnahme des Arztes des Regionalen Ärztli-
chen Dienstes (RAD) Dr. med. E.________ vom 8. April 2020 (siehe dazu 
AB 34) nicht verifizierbar. Im Übrigen hätten sich die in den verschiedenen 
Berichten der Klinik F.________ der Jahre 2018 bis 2020 enthaltenen ba-
sisbildenden diagnostischen Einschätzungen im Wesentlichen bestätigen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 8

lassen (AB 47.1/14 f. Ziff. 7.2 f.). Auch wenn die Versicherte aktuell, auf-
grund der sich derzeit darstellenden hinreichenden Stabilität ihres psycho-
pathologischen Funktionsniveaus, rein formal zur Ausübung einer Tätigkeit 
im regulären Arbeitsgeschehen befähigt sei, so wäre aus psychiatrisch-
neuropsychologischer Sicht in Anbetracht ihrer äusserst vulnerablen Per-
sönlichkeitsstruktur allein aus präventiver Indikation eine dauerhafte Be-
schäftigung in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit zu priorisieren 
(AB 47.1/15 Ziff. 7.4).

In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe ein zumutbares Präsenzpen-
sum von achteinhalb Stunden mit einer Leistungsminderung von 20 % auf-
grund der festgestellten kognitiven Defizite, entsprechend einer Arbeits-
fähigkeit von 80 %. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe eine 
uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit. In retrospektiver Hinsicht 
habe sich die Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in ei-
ner angepassten Tätigkeit seit der weitgehenden Stabilisierung des psy-
chopathologischen Status bei zugleich jedoch persistierenden kognitiven 
Defiziten – also etwa ab Sommer 2020 – durchgehend auf dem besagten 
Niveau befunden. Während den stattgehabten Hospitalisierungs- und den 
daran anschliessenden Rekonvalenszenzphasen sowie schweren depres-
siven Episoden sei die Arbeitsfähigkeit aufgehoben gewesen. Des Weite-
ren werde auf die Aktenlage verwiesen (AB 47.1/16 f. Ziff. 8). Eine ange-
passte Tätigkeit sollte in einem allgemein wohlwollenden Arbeitsumfeld von 
wertschätzend kollegialem Miteinander und mit einer Anpassung der klar 
strukturierten Arbeitsvorgaben an das individuelle Leistungsvermögen er-
folgen. Es sollten keine Anforderungen an sprachliche Fertigkeiten wie 
Schreiben, Lesen und Verstehen sowie an das Rechnen gestellt werden. 
Tätigkeiten, bei denen das kurzfristige Aufrechterhalten von Informationen 
von Bedeutung sei (z.B. das Telefonieren sowie allgemeine administrative 
Aufgaben etc.) sollten vermieden werden. Bevorzugt seien Beschäfti-
gungsbereiche, die sich auf die individuellen Erfahrungen und die erworbe-
ne Routine stützten, etwa als Hilfskraft in … oder im Bereich der … bzw. 
der … von … (AB 47.1/16 Ziff. 8).

3.1.2 In der ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 7. April 
2021 (AB 58.1) hielt Dr. med. C.________ zu den zwischenzeitlich einge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 9

gangenen (medizinischen) Unterlagen fest, es sei nicht ungewöhnlich, dass 
das Ergebnis subjektiv vorgenommener Eigenbewertungen des individuel-
len Kompetenzniveaus vor dem Hintergrund einer fachpsychiatrisch dia-
gnostizierten Krankheitsentität gerade bei Personen mit einer deutlich neu-
rotischen Akzentuierung ihrer primären Persönlichkeitsstruktur, wie bei der 
Versicherten zutreffend, vom Fazit der gutachterlichen Befundermittlung 
divergiere. Und es sei auch nicht vorwerfbar, dass sich durch derartig über-
lagernde Einflüsse, welche gelegentlich eine nachhaltige, jedoch rein 
phänotypische Verfälschung des sich nach aussen aufzeigenden klinischen 
Zustandsbildes verursachen könnten, selbst erfahrene Behandler täuschen 
liessen. Dennoch ergäben sich dadurch keine Änderungen am realen Be-
stand der medizinischen Sachverhalte, wie im Gutachten objektiviert be-
schrieben. 

3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 
E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; SVR 
2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2).

Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti-
gen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestell-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 10

ten fachmedizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein medizini-
sches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und 
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden 
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben 
Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die be-
handelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpreta-
tion entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung 
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (SVR 2019 UV Nr. 31 S. 117 
E. 3, 2017 IV Nr. 49 S. 148 E. 5.5).

3.3

3.3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfü-
gung vom 1. Juni 2021 (AB 60) in medizinischer Hinsicht auf das psychia-
trisch-neuropsychologische Gutachten vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) und 
die gutachterliche Stellungnahme vom 7. April 2021 (AB 58.1). Sowohl das 
Gutachten als auch die ergänzende gutachterliche Stellungnahme erfüllen 
die vorerwähnten Anforderungen der Rechtsprechung an eine beweiskräf-
tige versicherungsmedizinische Expertise (vgl. E. 3.2 hiervor). Die darin 
enthaltenen Ausführungen und Feststellungen beruhen auf eingehenden 
fachärztlichen Abklärungen und sind in Kenntnis der Vorakten sowie unter 
Berücksichtigung der geklagten Einschränkungen getroffen worden. Ge-
stützt darauf haben die Gutachter die medizinischen Zusammenhänge ein-
leuchtend und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zum Gesund-
heitszustand sowie zur medizinisch-theoretisch zumutbaren Arbeitsfähig-
keit nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Die Ergebnisse der ver-
tieften neuropsychologischen Untersuchungen (vgl. dazu AB 47.2) wurden 
im Gutachten (AB 47.1/10 f.) integrierend gewürdigt (vgl. dazu Entscheid 
des Bundesgerichts [BGer] vom 13. November 2018, 8C_584/2018, 
E. 4.1.1.2, mit Hinweis auf BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195; vgl. auch SVR 
2017 IV Nr. 75 S. 231 E. 4.1.1). Das Gutachten ist im Übrigen in sich wi-
derspruchsfrei, schlüssig und überzeugend. 

3.3.2 Die übrigen medizinischen Akten, namentlichen die verschiedenen 
Berichte der Klinik F.________ (AB 15, 22/3 ff., 24, 30, 32/3 ff., 53), sind 
demgegenüber nicht geeignet, konkrete Zweifel an der Vollständigkeit und 
Schlüssigkeit des Gutachtens vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) zu wecken. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 11

Die erwähnten Berichte und insbesondere auch der von der Beschwerde-
führerin angeführte Arztbericht vom 18. März 2021 (AB 53) waren den Gut-
achtern allesamt bekannt (vgl. AB 47.1/20 ff. bzw. AB 58.1). Den Berichten 
sind keine wichtigen – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation 
entspringende – Aspekte zu entnehmen, die im Rahmen der Begutachtung 
unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären (vgl. E. 3.2 hiervor). Im Ge-
genteil schloss sich der psychiatrische Gutachter Dr. med. C.________, mit 
Ausnahme der diagnostischen Würdigung der sozialen Phobie sowie (teil-
weise) der Beurteilung der medizinisch-theoretisch zumutbaren Arbeits-
fähigkeit, im Wesentlichen den Beurteilungen der behandelnden Ärzte an. 
Dabei legte er in Bezug auf das fragliche Vorliegen einer sozialen Phobie 
(ICD-10: F40.1) respektive einer Essstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-
10: F50.9), unter Bezugnahme auf die diagnostischen Kriterien und ge-
stützt auf den klinisch erhobenen psychopathologischen Befund dar, dass 
die darauf hinweisenden Symptomkonstellationen nicht als eigenständige 
Entitäten zu gewichten, sondern im Sinne einer Akzentuierung von Persön-
lichkeitszügen mit ängstlicher (vermeidender), hypersensitiver sowie partiell 
asthenischer Komponente mit der Diagnose ICD-10: Z73 (Probleme mit 
Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung) zu erfassen seien 
(AB 47.1/9 und 11 f.). In diesem Zusammenhang ist sodann darauf hinzu-
weisen, dass es invalidenversicherungsrechtlich ohnehin regelmässig nicht 
auf die (genaue) Diagnose ankommt, sondern darauf, welche Auswirkun-
gen eine Beschwerdesymptomatik auf die Arbeitsfähigkeit hat (statt viele: 
Entscheid des BGer vom 28. Mai 2019, 9C_867/2018, E. 5.2.1). Zudem 
nahm der Gutachter bei der Beurteilung des Belastungsprofils sowie im 
Hinblick auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit auf die auch von ihm festge-
stellte äusserst vulnerable Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin 
augenscheinlich Rücksicht (vgl. AB 47.1/15 f. Ziff. 7.4 und 8). Es gilt denn 
auch bei der Beweiswürdigung zu beachten, dass die psychiatrische Explo-
ration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie 
eröffnet der begutachtenden Psychiaterin daher praktisch immer einen ge-
wissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-
psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, 
sofern die Expertin – wie vorliegend der Fall – lege artis vorgegangen ist 
(statt vieler: Entscheid des BGer vom 8. Januar 2021, 8C_720/2020, E. 4.2 
mit Hinweisen). Unter diesen Umständen vermögen die – gestützt auf den-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 12

selben medizinischen Sachverhalt erfolgten – abweichenden Einschätzun-
gen der behandelnden Ärzte in Bezug auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit 
kein Abweichen von der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu 
begründen (vgl. E. 3.2 hiervor).

3.3.3 Zu keinem anderen Ergebnis führt der von der Beschwerdeführerin 
weiter angeführte Bericht der sozialen Dienste G.________ vom 23. März 
2021 (AB 55/2 f.). So entbehrt die im betreffenden Bericht genannte Prä-
senz- und Leistungsfähigkeit von maximal 50 % sowohl eines entspre-
chenden medizinischen Korrelates als auch einer schlüssigen Begründung. 
Die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen ist 
aber nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in 
erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf 
der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu 
beantworten (vgl. Entscheid des BGer vom 8. Januar 2019, 8C_334/2018, 
E. 4.2.1 mit Hinweisen). Der psychiatrische Gutachter Dr. med. 
C.________ legte hierzu dar, dass diese subjektive Eigenbewertung zu 
einer phänotypischen Verfälschung des eigentlichen klinischen Zustands-
bildes führen könne, sich hieraus jedoch keine Änderung des medizini-
schen Sachverhaltes ergebe und damit sich auch keine Neubewertung der 
Arbeitsfähigkeit aufdränge (AB 58.1/1 f.). Dies überzeugt. Hinzu kommt, 
dass eine fehlende Tagesstruktur in der Vergangenheit zu einer Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes führte (vgl. AB 55/4), weshalb 
auch davon ausgegangen werden kann, dass sich eine leidensadaptierte 
Tätigkeit entsprechend dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil in einem 
Vollzeitpensum durchaus positiv auf die psychische Stabilität auswirken 
dürfte. Die demgegenüber von den behandelnden Ärzten – mutmasslich 
aus rein präventiven Gründen – empfohlene höchstens 50%ige Beschäfti-
gung (AB 55/6) ist vor diesem Hintergrund, nebst einer hierfür fehlenden 
nachvollziehbaren medizinischen Grundlage, nicht überzeugend, zumal 
auch der Gutachter der äusserst vulnerablen Persönlichkeitsstruktur bei 
seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Rechnung trug, indessen – wie hier-
vor dargelegt – nachvollziehbar nicht eine Reduktion des Beschäftigungs-
grades, sondern aus präventiven Gründen eine dauerhafte Beschäftigung 
in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit zu priorisieren empfahl 
(AB 47.1/15 Ziff. 7.4 in fine). Eine weitergehende Auseinandersetzung mit 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 13

den vorgenannten Abklärungsberichten stand schliesslich im Ermessen der 
Gutachter (vgl. dazu Entscheid des BGer vom 9. Juni 2015, 9C_212/2015, 
E. 4), wobei hierzu mangels (neuer) objektiver Aspekte kein Anlass be-
stand. Somit hat es bei der gutachterlichen Bewertung der medizinisch-
theoretisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit sein Bewenden.

3.4

3.4.1 Dem Voranstehenden zufolge bilden das psychiatrisch-neuropsy-
chologische Gutachten vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) einschliesslich der 
ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme vom 7. April 2021 (AB 58.1) 
für den anspruchsrelevanten medizinischen Sachverhalt eine zuverlässige 
Grundlage, weshalb auf die gutachterliche Einschätzung der Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit abzustellen ist. Der medizinische Sachverhalt erweist 
sich vor diesem Hintergrund als hinreichend abgeklärt, weshalb auf weitere 
Abklärungen verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 
144 V 361 E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; 
SVR 2019 IV Nr. 50 S. 163 E. 4).

3.4.2 Die Beschwerdeführerin ist somit gestützt auf das beweiskräftige 
Gutachten vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) – mit Ausnahme der stattgehab-
ten Hospitalisations- und sich anschliessenden Rekonvaleszenzphasen 
sowie während der schweren depressiven Episoden – in der angestamm-
ten Tätigkeit bei einer uneingeschränkten Präsenz in der Leistungsfähigkeit 
zu 20 % eingeschränkt, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80 %. In 
einer optimal leidensangepassten Tätigkeit in einem allgemein wohlwollen-
den Arbeitsumfeld von wertschätzend kollegialem Miteinander, mit Anpas-
sung der klar strukturierten Arbeitsvorgaben an das individuelle Leistungs-
vermögen, ohne Anforderungen an sprachliche Fertigkeiten wie Schreiben, 
Lesen und Verstehen sowie das Rechnen, unter Vermeidung von Tätigkei-
ten, bei denen das kurzfristige Aufrechterhalten von Informationen von Be-
deutung ist, bevorzugt in Beschäftigungsbereichen, die sich auf individuelle 
Erfahrungen und erworbene Routine stützen (z.B. Hilfskraft in … oder im 
Bereich der … bzw. der … von …), besteht eine uneingeschränkte Arbeits- 
und Leistungsfähigkeit (AB 47.1/16 f Ziff. 8).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 14

3.4.3 Angesichts der aus psychiatrischer Sicht ausgewiesenen hohen 
Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie einer angepassten Tätigkeit 
erübrigt sich vorliegend die Durchführung eines strukturierten Beweisver-
fahrens nach Massgabe von BGE 141 V 281 und 143 V 209 (vgl. BGE 145 
V 361 E. 4.3 S. 369; Entscheid des BGer vom 6. November 2018, 
8C_445/2018, E. 5.5; E. 2.2.3 hiervor). Denn unabhängig davon, ob aus 
rechtlicher Sicht von einem invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge-
sundheitsschaden mit Krankheitswert auszugehen und folglich auf die me-
dizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % abzustellen ist, 
besteht kein rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. E. 4 hiernach). 
Ebenso kann unter diesen Umständen offen bleiben, aus welchen Gründen 
die Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die Schweiz im Juli 2003 
(AB 1/1 Ziff. 1.4) ausweislich der Einträge im Individuellen Konto (IK; 
AB 49) offenkundig zu keiner Zeit eine vollzeitliche Beschäftigung ausübte.

4.

4.1

4.1.1 Die Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte im September 2019 
(AB 1/1 und 11), womit ein Rentenanspruch unter Berücksichtigung der 
sechsmonatigen Wartefrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG (vgl. E. 2.3 hiervor) 
frühestens ab März 2020 entstanden sein kann. Entsprechend muss in 
diesem Zeitpunkt während mindestens eines Jahres, das heisst zwischen 
dem 1. März 2019 und dem 29. Februar 2020, eine durchschnittliche Ar-
beitsunfähigkeit von mindestens 40 % ohne wesentlichen Unterbruch be-
standen haben (sog. Wartejahr; Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG; siehe zu den ver-
schiedenen Funktionen dieser Fristen: BGE 142 V 547 E. 3.2 S. 550 f.; vgl. 
ferner Rz. 2008 ff. des vom Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV] 
herausgegebenen Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der 
Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015). Ein wesentlicher 
Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG 
liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfol-
genden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29ter der Verordnung vom 17. Ja-
nuar 1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 15

4.1.2 Vorliegend ist gestützt auf die retrospektiven Angaben des beweis-
kräftigen psychiatrischen Gutachtens vom 18. Januar 2021 (AB 47.1) für 
den Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 11. September 2019 keine 
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (vgl. E. 3.4 hiervor). Anschliessend be-
stand zwar für die Zeit der stationären Behandlung und Rekonvaleszenz 
vom 12. September bis am 10. November 2019 eine relevante Arbeitsun-
fähigkeit, jedoch wurde das Wartejahr mangels einer ausgewiesenen fort-
währenden Arbeitsunfähigkeit zwischen dem 11. November 2019 und dem 
9. Februar 2020 unterbrochen (Art. 29ter IVV). Hinsichtlich der nachfolgend 
erstellten vollständigen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vom 
10. Februar bis 22. März 2020 sowie weitergehend bis "Sommer 2020" 
(vgl. AB 47.1/16 f. Ziff. 8 i.V.m. AB 30/5 Ziff. 11 bzw. AB 32/8) mit einer 
danach persistierenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 %, 
entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80 % (AB 47.1/16 f. Ziff. 8), kann 
offen bleiben, in welchem genauen Zeitpunkt der Gutachter die Beschwer-
deführerin im Sommer 2020 entsprechend dem Zumutbarkeitsprofil für ar-
beitsfähig hielt und ob im Zeitpunkt des frühestmöglich Rentenbeginns 
nach Ablauf des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), mithin im Februar 
2021, tatsächlich eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 
40 % während eines Jahres bestanden hat. Denn selbst unter der Annah-
me des erfüllten Wartejahres ist angesichts der gutachterlich attestierten 
Arbeitsfähigkeit von 80 % in der angestammten respektive von 100 % in 
einer leidensangepassten Tätigkeit (AB 47.1/16 f. Ziff. 8) ohne Weiteres 
davon auszugehen, dass der Invaliditätsgrad weniger als 40 % beträgt, 
weshalb sich ein ziffernmässiger Einkommensvergleich erübrigt (Entscheid 
des BGer vom 19. Juli 2019, 9C_27/2018, E. 6.3 mit Hinweisen).

4.1.3 Schliesslich würde selbst im Rahmen eines Einkommensvergleichs 
(vgl. E. 2.3.2 hiervor) kein Rentenanspruch bestehen. Für das Validenein-
kommen wäre dabei angesichts einer fehlenden substantiellen Erwerbs-
tätigkeit in der Schweiz vor Eintritt des Gesundheitsschadens (vgl. IK-
Einträge [AB 49]) und der fehlenden Anerkennung der beruflichen Ausbil-
dung (AB 1/5 Ziff. 5.2, 14/1 Ziff. 2) auf den lohnstatistischen Totalwert von 
Fr.4'371.-- (Bundesamt für Statistik [BfS], Monatlicher Bruttolohn [Zentral-
wert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater 
Sektor, 2018, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen) 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 16

abzustellen (vgl. BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; SVR 2019 UV Nr. 40 S. 153 
E. 6.2.3). Hochgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die wöchentliche 
Normalarbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2020 (vgl. BfS, Betriebsübliche 
Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, 2020, Total) und indexiert auf das 
Jahr 2020 (BfS, Nominallohnindex, Frauen 2016-2020, T1.2.15, Total: 
101.7 [2018] bzw. 103.6 [2020]) wäre demnach von einem höchstmögli-
chen Valideneinkommen von Fr. 55'702.-- (Fr. 4’371.-- x 12 / 40.0 x 41.7 
/ 101.8 x 103.6) auszugehen. 

Für das Invalideneinkommen wäre – im für die Beschwerdeführerin güns-
tigsten Fall – mit Blick auf die gutachterliche Empfehlung hinsichtlich einer 
optimal angepassten Tätigkeit etwa als Hilfskraft in … oder im Bereich der 
… bzw. der … von … (vgl. AB 47.1/16 Ziff. 8) und die fehlende Verwertung 
der medizinisch-theoretisch attestierten Arbeitsfähigkeit höchstens der 
(tiefste) lohnstatistische Wert von Fr. 3'900.-- (BfS, Monatlicher Bruttolohn 
[Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, 
Privater Sektor, 2018, TA1_tirage_skill_level, Ziff. 96 Erbringung von sons-
tigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen, Kompetenzniveau 1, 
Frauen) heranzuziehen (vgl. BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV 
Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3). Hochgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die 
wöchentliche Normalarbeitszeit von 41.8 Stunden im Jahr 2020 (vgl. BfS, 
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, 2020, Ziff. 94-96 
Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen) und 
indexiert auf das Jahr 2020 (BfS, Nominallohnindex, Frauen 2016-2020, 
T1.2.15, Ziff. 90-96 Kunst, Unterhaltung und Erholung, sonstige Dienstleis-
tungen: 102.0 [2018] bzw. 103.6 [2020]) wäre von einem Invalideneinkom-
men von Fr. 49'673.-- (Fr. 3’900.-- x 12 / 40.0 x 41.8 / 102.0 x 103.6) aus-
zugehen. Im Bereich der persönlichen Dienstleistungen ist ein dem Zumut-
barkeitsprofil entsprechendes wohlwollendes Arbeitsumfeld zu erwarten, 
weshalb kein Raum für einen zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. 
BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481) besteht. Dem-
nach würde bei Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen höchstens 
ein rentenausschliessender (vgl. E. 2.3.1 hiervor) IV-Grad von rund 11 % 
([Fr. 55'702.-- ./. Fr. 49'673.--] / Fr. 55'705.-- x 100; 10.82 %; zur Run-
dungspraxis vgl. BGE 130 V 121 E. 3.2 und 3.3 S. 123) resultieren.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 17

4.2 Nach dem Dargelegten erfolgte die Abweisung des Leistungsge-
suchs mit der angefochtenen Verfügung vom 1. Juni 2021 (AB 60) damit zu 
Recht. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.

5.

5.1 Die nicht rechtskundig vertretene Beschwerdeführerin beantragt 
schliesslich sinngemäss die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 
für die Verfahrenskosten (Beschwerde S. 2 Rechtsbegehren Ziff. 2).

5.2 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Kosten- und allfälligen Vorschuss- sowie Sicherstellungspflichten, 
wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter den gleichen Voraussetzun-
gen kann überdies einer Partei eine Anwältin oder ein Anwalt beigeordnet 
werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse es rechtferti-
gen (Art. 61 lit. f ATSG sowie Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG; SVR 2011 IV 
Nr. 22 S. 61 E. 2, 2011 UV Nr. 6 S. 22 E. 6.1).

5.3 Die prozessuale Bedürftigkeit ist in Anbetracht der Sozialhilfebedürf-
tigkeit ausgewiesen. Die Beschwerde ist sodann nicht als von vornherein 
aussichtslos zu qualifizieren. Demnach ist der Beschwerdeführerin an-
tragsgemäss die unentgeltliche Rechtspflege für die Verfahrenskosten zu 
bewilligen. 

6. 

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen. Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Be-
zahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen Rechtspflege 
(vgl. E. 5.3 hiervor) wird sie – unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 18

gemäss Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) 
– jedoch von der Zahlungspflicht befreit (Art. 113 VRPG).

6.2 Ausgangsgemäss besteht gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 
lit. g ATSG (Umkehrschluss) kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird für die Verfahrens-
kosten gutgeheissen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt. Aufgrund der gewährten unentgeltlichen 
Rechtspflege wird die Beschwerdeführerin – unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO – jedoch von der Zahlungspflicht 
befreit.

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen
- Steuerverwaltung des Kantons Bern, Bereich Inkasso, Postfach 8334, 

3001 Bern

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 20. Okt. 2021, IV/21/475, Seite 19

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.