# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a4ed6c7-86e0-5c36-b14b-b4706d164007
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2012 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2012-11_0000-00-00.pdf

## Full Text

3PKG 2012

11 – Im summarischen Verfahren auf Erlass vorsorglicher 
Massnahmen ergangener Entscheid über die Höhe der 
Gerichtskosten, die Kostenverteilung und die Höhe der 
aussergerichtlichen Entschädigung. Beim Weiterzug sol- 
cher Entscheide des Einzelrichters am Bezirksgericht mit- tels 
zivilrechtlicher Beschwerde ans Kantonsgericht kann 
gemäss Art. 320 ZPO die unrichtige Feststellung des 
Sachverhalts sowie die unrichtige Rechtsanwendung 
gerügt werden, wobei Letztere auch den Vorwurf der Un- 
angemessenheit umfasst. Die Kognitionsbefugnis des 
Kantonsgerichts ist somit in solchen Fällen umfassender, als 
sie es seinerzeit bei der Beschwerde nach Art. 232 der 
bündnerischen Zivilprozessordnung war.

Aus den Erwägungen:
2. Entscheide über die Höhe der Gerichtskosten, die Kostenvertei- 

lung sowie die Höhe der aussergerichtlichen Entschädigung sind typische 
Ermessensentscheide. Gemäss Art. 320 ZPO kann mit Beschwerde die un- 
richtige Rechtsanwendung sowie die offensichtlich unrichtige Feststellung 
des Sachverhalts gerügt werden. Der Begriff der unrichtigen Rechtsanwen- 
dung beinhaltet jeden Verstoss gegen das geschriebene und ungeschriebene 
Recht (Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, 
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich 2010, N. 3 zu 
Art. 320 ZPO; vgl. Spühler, in: Spühler/Tenchio/Infanger, Basler Kommentar 
zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2010, N. 2 zu Art. 310 ZPO; 
Botschaft ZPO, 7372). Unrichtige Rechtsanwendung umfasst auch Unange- 
messenheit (Kurt Blickenstorfer, in: Brunner/Gasser/Schwander, DIKE- 
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 
2011, N. 5 zu Art. 310 ZPO). Unangemessenheit ist gegeben, wenn ein ge- 
richtlicher Entscheid, der auf sachlichen Kriterien beruht und die Grenzen 
der Ermessensausübung beachtet, unter Berücksichtigung der Gegebenhei- 
ten des konkreten Falles dennoch als unzweckmässig erscheint (Reetz/Thei- 
ler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizeri- 
schen Zivilprozessordnung, Zürich 2010, N. 36 zu Art. 310 ZPO; Schott, in: 
Niggli/Uebersax/Wiprächtiger, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsge- 
setz, 2. Aufl., Basel 2011, N. 32 zu Art. 95 BGG). Die Rechtsmittelinstanz 
hätte folglich einen anderen, zweckmässigeren Entscheid getroffen, hätte sie 
anstelle der Vorinstanz zu entscheiden gehabt (Reetz/Theiler, a.a.O., N. 36 zu 
Art. 310 ZPO). Die Kognitionsbefugnis des Kantonsgerichts geht somit bei 
der Beschwerde nach Art. 320 ZPO weiter als diejenige bei der Beschwerde 
nach Art. 232 ZPO-GR, welche nur bei einer Gesetzesverletzung und damit

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nicht bei Unangemessenheit ergriffen werden konnte (Urteil der II. Zivil- 
kammer des Kantonsgerichts Graubünden ZK2 11 55 vom  13. Dezember 
2011 E. 3). Das Kantonsgericht überprüft die Rüge der unrichtigen Rechts- 
anwendung nach Art. 320 ZPO mit freier Kognition (vgl. Freiburghaus/Af- 
heldt, a.a.O., N. 4 zu Art. 320 ZPO; Botschaft ZPO, 7372). Mit dieser Ände- 
rung kommt der Gesetzgeber Art. 111 Abs. 3 des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110) nach, wonach die unmittelbare Vorinstanz des Bundes- 
gerichts mindestens die gleiche Kognition haben müsse, wie dem Bundesge- 
richt nach Art. 95 und 96 BGG zukommt (Kurt Blickenstorfer, a.a.O., N. 5 zu 
Art. 320 ZPO; vgl. Freiburghaus/Afheldt, a.a.O., N. 4 zu Art. 320 ZPO). Die 
Rechtsmittelinstanz hat bei der Überprüfung der Angemessenheit jedoch 
Zurückhaltung zu üben (Kurt Blickenstorfer, a.a.O., N. 5 zu Art. 320 ZPO). 
Unter diesen Gesichtspunkten ist die vorliegende Beschwerde zu prüfen.
ZK1 11 88 Urteil vom 10. Januar 2012

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