# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 636ab787-de28-5f5d-9962-a5da34d01edb
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-05-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.05.2012 SK.2012.10
**Docket/Reference:** SK.2012.10
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2012-10_2012-05-25

## Full Text

Qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (ausgehend von einer kriminellen Organisation; Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG), Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 305bis Ziff.2 lit. c StGB);;Qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (ausgehend von einer kriminellen Organisation; Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG), Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 305bis Ziff.2 lit. c StGB);;Qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (ausgehend von einer kriminellen Organisation; Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG), Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 305bis Ziff.2 lit. c StGB);;Qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (ausgehend von einer kriminellen Organisation; Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG), Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 305bis Ziff.2 lit. c StGB)

Urteil vom 25. Mai 2012 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Sylvia Frei, Vorsitzende, 

Giuseppe Muschietti und Joséphine Contu,  

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, Zweigstelle Zürich, ver-

treten durch Lucienne Fauquex, leitende Staatsanwäl-

tin des Bundes,     

 gegen 

 

 1. A., amtlich verteidigt durch Fürsprecher Adrian 

Blättler,  

2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt And-

reas Josephsohn,    
 

Gegenstand 

 

Qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz, Geldwäscherei 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer:  SK.2012.10 

 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

I. A. 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen 

-  der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG 
i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG; 

-  der Widerhandlung gegen Art. 305
bis

 Ziff. 1 aStGB i.V.m. Art. 305
bis 

Ziff. 2 lit. c 
aStGB. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren sowie mit einer Busse 
von Fr. 3'000.-- zu bestrafen. Auf die Freiheitsstrafe sei die erstandene Haft anzu-
rechnen.  

3. Es sei der zuständige Kanton mit dem Vollzug der Freiheitsstrafe zu beauftragen. 

4. Es sei der zuständige Kanton mit dem Einzug der Busse zu beauftragen. 

5. Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Verfahrens im Umfang von mindestens 
Fr. 108'801.-- aufzuerlegen. 

 

II. B. 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen 

-  der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4 und 5 aBetmG 
i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG; 

-  der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 305
bis

 Ziff. 1 aStGB. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren zu bestrafen, unter An-
rechnung der erstandenen Haft.  

3. Es sei der zuständige Kanton mit dem Vollzug der Freiheitsstrafe zu beauftragen. 

4. Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Verfahrens im Umfang von mindestens 
Fr. 98'236.-- aufzuerlegen. 

- 3 - 

Anträge der Verteidigung von A.: 

1. A. sei schuldig zu sprechen der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Ziff. 1 al. 3 und Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG so-
wie der mehrfachen Geldwäscherei gemäss Art. 305

bis
 StGB. 

2. Vom Vorwurf des Anstaltentreffens für eine weitere Banananlieferung mit grossen 
Mengen Kokain gemäss Ziff. 1.1.1.1.e) der Anklageschrift sei er freizusprechen. 

3. Er sei zu einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als 7½ Jahren zu verurteilen, unter 
Anrechnung von 807 Tagen erstandener Polizei-, Auslieferungs-, Untersuchungs- 
und Sicherheitshaft. 

4. Unter Kostenfolgen. 

Prozessualer Antrag: 

5. Die Sonderauflagen beim Haftregime seien aufzuheben. 

 

Anträge der Verteidigung von B.: 

1. B. sei der mehrfachen Gehilfenschaft zur qualifizierten Widerhandlung gegen das 
Betäubungsmittelgesetz schuldig zu sprechen. 

2. B. sei vom Vorwurf der Geldwäscherei freizusprechen. 

3 B. sei mit einer Freiheitsstrafe von maximal 4 Jahren zu bestrafen. 

4. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens seien B. anteils-
mässig aufzuerlegen; bei der Festlegung der Höhe dieser Kosten sei seinen finan-
ziellen Verhältnissen angemessen Beachtung zu schenken. 

Antrag bezüglich Haftregime: 

5. Die Einschränkungen im vorzeitigen Strafvollzug seien aufzuheben. 

- 4 - 

Sachverhalt: 

A. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 12. April 2006 ein gerichtspolizeiliches Er-

mittlungsverfahren gegen eine unbekannte "M2.“, in der Folge identifiziert als M., 

sowie gegen O. wegen Verdachts der qualifizierten Widerhandlungen gegen das 

Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 2 BetmG), ausgehend von einer kriminellen 

Organisation (Art. 260
ter

 StGB), und der Geldwäscherei (Art. 305
bis

 StGB) (cl. 2 

pag. 1.0.0.14). Am 5. Juli 2006 dehnte sie das Verfahren auf einen unbekannten 

"A1.“, in der Folge identifiziert als A. (cl. 2 pag. 1.0.0.36 i.V.m. pag. 1.0.0.37 ff.), 

und am 31. Januar 2007 auf B. (cl. 2 pag. 1.0.0.44 f.) aus. Sie präzisierte dabei 

den Tatbestand der Geldwäscherei jeweils im Sinne der Qualifizierung gemäss 

Art. 305
bis

 Ziff. 2 lit. a StGB. Am 4. September 2006 dehnte sie das Verfahren in 

Bezug auf den Verdacht der Betäubungsmitteldelikte auf einen unbekannten 

"N1.", in der Folge identifiziert als N., aus (cl. 2 pag. 1.0.0.40 f.).  

Mit Verfügung vom 19. Januar 2012 trennte die Bundesanwaltschaft das Verfah-

ren gegen M., O. und N. vom vorliegenden Verfahren ab (cl. 2 pag. 1.0.0.84 ff.). 

B. Auf Grund einer internationalen Ausschreibung zur Festnahme und Auslieferung 

wurden A. am 11. März 2010 (cl. 8 pag. 6.1.1.1 ff.) und B. am 25. Juni 2010 (cl. 11 

pag. 6.2.1.1 ff.) je in Spanien festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt.  

A. wurde am 22. September 2010 an die Schweiz ausgeliefert (cl. 8 pag. 

6.1.2.19 ff.) und in Untersuchungshaft versetzt (cl. 8 pag. 6.1.2.65 ff., 6.1.2.92 ff., 

6.1.2.147 ff., 6.1.2.270 ff.). Am 24. Januar 2012 wies die Bundesanwaltschaft 

dessen Gesuch um vorzeitigen Strafantritt ab (cl. 8 pag. 6.1.2.312 ff.). Mit Verfü-

gung des Bezirksgerichts Zürich, Zwangsmassnahmengericht, vom 22. März 2012 

wurde über A. – nach erfolgter Anklageerhebung – Sicherheitshaft bis 19. Ju-

ni 2012 angeordnet (cl. 109 pag. 109.501.3 ff.).  

B. wurde am 11. August 2010 an die Schweiz ausgeliefert (cl. 11 pag. 6.2.2.27 ff.). 

Er befand sich seither in Untersuchungshaft (cl. 11 pag. 6.2.2.64 ff., 6.2.2.112 ff., 

6.2.2.174 ff., 6.2.2.291 ff.). Mit Verfügung vom 24. Januar 2012 bewilligte die 

Bundesanwaltschaft B. den vorzeitigen Strafantritt mit bestimmten Einschränkun-

gen (cl. 11 pag. 6.2.2.319 ff.). 

C. Die Bundesanwaltschaft erhob am 20. März 2012 beim Bundesstrafgericht Ankla-

ge gegen A. und B. (cl. 109 pag. 109.100.1 ff.).  

Mit Beschluss vom 21. März 2012 wies die Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

die Anklage an die Bundesanwaltschaft zur Berichtigung und zu deren Neueinrei-

- 5 - 

chung unter Fristansetzung zurück. Sie sistierte das Verfahren; die Rechtshängig-

keit verblieb beim Bundesstrafgericht (cl. 109 pag. 109.970.1 ff.).  

D. Am 20. April 2012 reichte die Bundesanwaltschaft eine berichtigte Anklage ein 

(cl. 109 pag. 109.110.1 ff.). Sie erhob gegen A. Anklage wegen mehrfacher quali-

fizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Ziff. 1 

Abs. 3-6 i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG, ausgehend von einer kriminel-

len Organisation (Art. 260
ter

 StGB), und mehrfacher qualifizierter Geldwäscherei 

gemäss Art. 305
bis

 Ziff. 1 i.V.m. Art. 305
bis

 Ziff. 2 lit. c StGB und gegen B. Anklage 

wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-5 i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG, 

ausgehend von einer kriminellen Organisation (Art. 260
ter

 StGB), und mehrfacher 

Geldwäscherei gemäss Art. 305
bis

 Ziff. 1 StGB. 

E. Die Hauptverhandlung fand am 22., 23. und 25. Mai 2012 in Anwesenheit der 

Parteien vor der Strafkammer des Bundesstrafgerichts am Sitz des Gerichts statt 

(cl. 109 pag. 109.920.1 ff.). In deren Vorbereitung wurden über die Beschuldigten 

je ein Strafregisterauszug und ein Führungsbericht der Haftanstalten eingeholt, 

die von den Parteien eingereichten Beweisdokumente zu den Akten genommen 

und die Edition diverser Gerichtsurteile angeordnet (cl. 109 pag 109.430.1 f., 

109.920.4). In der Hauptverhandlung wurde H. als Zeuge einvernommen (cl. 109 

pag. 109.933.1 ff.). 

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales / Vorfragen 

1.1 Zuständigkeit  

Das Bundesstrafgericht ist unter anderem sachlich zuständig, Straftaten nach den 

Art. 260
ter

 und Art. 305
bis 

StGB sowie die Verbrechen, die von einer kriminellen 

Organisation im Sinne von Art. 260
ter

 StGB ausgehen, zu beurteilen, sofern die 

Handlungen zu einem wesentlichen Teil im Ausland oder kantonsübergreifend im 

Inland, aber ohne eindeutigen Schwerpunkt in einem Kanton, verübt worden sind 

(Art. 24 Abs. 1 StPO). Im Übrigen gilt für Straftaten des Bundesrechts der 

Grundsatz der sachlichen Zuständigkeit der kantonalen Strafbehörden (Art. 22 

StPO).  

- 6 - 

Die Bundesanwaltschaft eröffnete das Verfahren im Sommer 2006 bzw. im Januar 

2007 gegen beide Beschuldigte wegen des Verdachts der qualifizierten Betäu-

bungsmitteldelikte (Art. 19 Ziff. 2 aBetmG), ausgehend von einer kriminellen Or-

ganisation (Art. 260
ter

 StGB), sowie des Verdachts der qualifizierten Geldwäsche-

rei (Art. 305
bis

 Ziff. 1 und Ziff. 2 lit. a StGB; cl. 2 pag. 1.0.0.36 ff., 1.0.0.44 f.; Sach-

verhalt lit. A). Im Juni 2009 fanden Kontakte der Bundesanwaltschaft mit den 

Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich im Hinblick auf eine allfällige Ver-

fahrensabtretung statt; zu einer solchen kam es in der Folge nicht. Die Bundes-

anwaltschaft erachtete damals den Anfangsverdacht hinsichtlich des Bestehens 

einer kriminellen Organisation zumindest bei der Verfahrenseröffnung und in der 

Anfangsphase der Ermittlungen als klar gegeben und bejahte auch einen kan-

tonsübergreifenden und internationalen Sachverhalt (cl. 2 pag. 2.0.0.3 ff.). Grund-

sätzlich nicht zu hinterfragen ist im heutigen Zeitpunkt, ob die die Bundesgerichts-

barkeit begründenden Erfordernisse, welche in gleicher Weise auch gemäss 

Art. 337 aStGB (in der bis zum 31. Dezember 2010 geltenden Fassung) galten, im 

Vorverfahren erfüllt waren. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts zum al-

ten Recht darf die Strafkammer des Bundesstrafgerichts die Bundesstrafgerichts-

barkeit nach Anklageerhebung nur noch aus besonders triftigen Gründen vernei-

nen (BGE 133 IV 235 E. 7.1). Von dieser Rechtsprechung ist auch unter neuem 

Recht auszugehen. Besonders triftige Gründe, die gegen die Bundesstrafge-

richtsbarkeit sprechen würden, sind in casu nicht ersichtlich (vgl. auch cl. 2 

pag. 2.0.0.5). Demnach ist das Bundesstrafgericht für die Beurteilung der vorlie-

genden Anklage sachlich zuständig, auch wenn das Verfahren mit Bezug auf den 

einen die Bundeszuständigkeit begründenden Tatbestand des Art. 260
ter

 StGB 

nicht weitergeführt und insoweit keine Anklage erhoben wurde. Die diesbezügliche 

Formulierung im Ingress der Anklageschrift ("ausgehend von einer kriminellen Or-

ganisation"; cl. 109 pag. 109.110.1 f.) hat keine selbstständige Bedeutung. 

1.2 Schweizerische Strafrechtshoheit 

1.2.1 Eine Strafbarkeit nach inländischem Recht besteht nur für solche Handlungen, bei 

denen die Voraussetzungen von Art. 3-7 aStGB (Art. 3-8 StGB) erfüllt sind. Diese 

Bestimmungen regeln den Anwendungsbereich des schweizerischen Strafrechts 

in territorialer Hinsicht und unterliegen dem Rückwirkungsverbot von Art. 2 Abs. 1 

StGB (BGE 117 IV 369 E. 4e, 4g). Vorliegend kommen grundsätzlich die im 

Tatzeitpunkt, d.h. bis zum 31. Dezember 2006, geltenden Bestimmungen zur 

Anwendung. Das neue Recht gelangt hingegen zur Anwendung, wenn es milder 

ist als das im Tatzeitpunkt geltende Recht (Art. 2 Abs. 2 StGB; TPF 2009 3 E. 

3.1.2). Der räumliche Geltungsbereich des Strafgesetzbuches erstreckt sich auf 

die in der Schweiz begangenen Straftaten (Art. 3 Ziff. 1 aStGB; Art. 3 Abs. 1 

StGB). Als Begehungsort gilt gemäss Art. 7 Abs. 1 aStGB (Art. 8 Abs. 1 StGB) der 

Ort, wo der Täter die strafbare Handlung ausführt, und da, wo der Erfolg 

- 7 - 

eingetreten ist. Ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten als intra- oder 

extraterritorial zu betrachten ist, beurteilt sich nach dem in dieser Bestimmung 

verankerten Ubiquitätsprinzip (BGE 118 Ia 137 E. 2a). Auf die im Ausland 

begangenen schlichten Tätigkeitsdelikte ist das schweizerische Recht anwendbar, 

wenn sie in der Schweiz einen Erfolg – d.h. eine vom Täterverhalten räumlich und 

zeitlich getrennte Veränderung der Aussenwelt (BGE 118 Ia 137 E. 2a) – bewirkt 

haben; die Anwendung schweizerischen Rechts ist indessen ausgeschlossen, 

wenn das schlichte Tätigkeitsdelikt ein abstraktes Gefährdungsdelikt ist. Letzteres 

stellt schon als solches eine Gefährdung dar; das Gericht hat nicht zu prüfen, ob 

sich eine Gefahr verwirklicht hat. In Anwendung von Art. 3 und 7 aStGB (Art. 3 

und 8 StGB) ist in solchen Fällen nur auf den Ort abzustellen, wo der Täter 

gehandelt hat (BGE 97 IV 205 E. 2). Der Tatbestand der Geldwäscherei nach 

Art. 305
bis

 Ziff. 1 StGB stellt Handlungen unter Strafe, die geeignet sind, die 

Ermittlung der Herkunft, die Auffindung oder die Einziehung von 

Vermögenswerten zu vereiteln, die aus einem Verbrechen herrühren. Es handelt 

sich um ein abstraktes Gefährdungsdelikt; der Nachweis einer konkreten 

Vereitelungsgefahr oder einer gelungenen Vereitelung ist nicht erforderlich (BGE 

127 IV 20 E. 3a; 119 IV 59 E. 2e; STRATENWERTH/BOMMER, Schweizerisches 

Strafrecht, Besonderer Teil II, 6. Aufl., Bern 2008, S. 404). Die im Ausland 

begangene Geldwäsche unterliegt somit gemäss Art. 7 aStGB (Art. 8 StGB) nicht 

der schweizerischen Strafrechtshoheit. Allerdings sind Auslandstaten in der 

Schweiz unter den Voraussetzungen von Art. 6 und 6
bis

 aStGB (Art. 6 und 7 StGB) 

strafbar; bei Betäubungsmitteldelikten gilt Art. 19 Ziff. 4 aBetmG (wobei Art. 6
bis

 

aStGB nicht anwendbar ist; BGE 116 IV 244 E. 2) bzw. Art. 19 Abs. 4 BetmG. 

1.2.2 Hinsichtlich der Betäubungsmitteldelikte wird den Beschuldigten ein Handeln in 

der Schweiz vorgeworfen; es sind keine selbstständig strafbaren Auslandstaten 

angeklagt (Anklagepunkte Ziff. 1.1.1 und 1.1.2). Dasselbe gilt für den Vorwurf der 

Geldwäscherei bezüglich A. (Anklagepunkt Ziff. 1.2.1). Bei der B. vorgeworfenen 

Geldwäscherei (Anklagepunkt Ziff. 1.2.2) stellt sich hingegen die Frage, ob ein 

Handlungsort in der Schweiz gegeben ist.  

Konkret wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, er habe am 20. Dezember 2006 

von Amsterdam aus über GG. EUR 1'900.-- zugunsten von D. nach Brugg 

überwiesen, wobei er als Empfänger den Namen einer anderen Person 

vorgeschoben habe. Diese habe am 21. Dezember 2006 den überwiesenen 

Betrag in Landeswährung bei der GG. in Brugg in Empfang genommen. Sodann 

habe der Beschuldigte am 21. Dezember 2006 von Amsterdam aus über GG. 

EUR 952.50 zugunsten von E. nach St. Gallen überwiesen, wobei er als 

Empfänger den Namen einer anderen Person – nämlich dessen Ehefrau – 

vorgeschoben habe. Diese habe am 22. Dezember 2006 den überwiesenen 

Betrag in Landeswährung bei der GG. in St. Gallen in Empfang genommen. Diese 

- 8 - 

Gelder stammten aus dem Verkauf von (grossen Mengen) Kokain, das am 

28. November 2005 in die Schweiz gelangt und hierorts sowie im umliegenden 

Ausland verkauft worden sei, und seien vom Beschuldigten A. dem Beschuldigten 

B. übergeben worden (cl. 109 pag. 109.110.29 f.). Dem Beschuldigten B. wird 

mithin nicht vorgeworfen, Drogenerlös aus der Schweiz ins Ausland gebracht, 

sondern vom Ausland in die Schweiz transferiert zu haben.  

Das Verschieben von Vermögenswerten vom Ausland in die Schweiz kann 

objektiv betrachtet eine Einziehung verunmöglichen (BGE 127 IV 20 E. 2b/cc, mit 

Hinweis auf ACKERMANN, in: Schmid [Hrsg.], Kommentar Einziehung, 

organisiertes Verbrechen, Geldwäscherei, Zürich 1998, Bd. I, Art. 305
bis

 StGB 

N. 317). Vorliegend geht es jedoch nicht wie in BGE 127 IV 20 um einen 

physischen Transfer von – dort unterhalb des Armaturenbretts eines Autos 

verstecktem – Bargeld über die Landesgrenze hinweg, sondern um vom 

Beschuldigten einzig im Ausland veranlasste und durch GG. durchgeführte 

Geldüberweisungen an Dritte in die Schweiz. Der Handlungsort des Beschuldigten 

liegt demnach im Ausland. ACKERMANN (a.a.O., Art. 305
bis

 StGB N. 317) will 

Art. 305
bis

 StGB zwar auch auf Fälle, in denen – wie hier – die Spur des 

Vermögenstransfers als "paper trail" oder "electronic trail" vom Ausland in die 

Schweiz verfolgt werden kann, anwenden, weil sie typischerweise geeignet seien, 

die Einziehung durch den ausländischen Staat zu vereiteln. Das Verbot der 

Geldwäscherei will in erster Linie die Rechtspflege gegen den Entzug von 

einziehbaren Vermögenswerten krimineller Herkunft schützen. Ziel des Verbots ist 

insbesondere die Bekämpfung internationaler Kriminalität (BGE 127 IV 20 

E. 2b/cc S. 25). Die Art. 303 ff. StGB schützen grundsätzlich nur die 

schweizerische Rechtspflege (TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, in Trechsel et al. 

[Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 

2008, Art. 305
bis

 StGB N. 28; STRATENWERTH/BOMMER, a.a.O., S. 408). In BGE 

133 IV 324 E. 3.2 liess das Bundesgericht die Frage indes offen, ob der 

Schutzbereich von Art. 307 StGB (falsches Zeugnis) – bei welchem Tatbestand es 

sich wie bei Art. 305
bis

 StGB um ein Delikt gegen die Rechtspflege handelt – auf 

schweizerische gerichtliche Verfahren beschränkt sei. Die Zuständigkeit der 

Schweizer Behörden für eine im Ausland begangene Geldwäschereihandlung 

lässt sich jedoch nicht damit begründen, die Geldwäschereistrafnorm wolle ein im 

Ausland tangiertes Rechtsgut – in casu den Einziehungsanspruch bzw. die 

Rechtspflege der Niederlande – schützen (in diesem Sinne auch: PIETH, Basler 

Kommentar, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 305
bis

 StGB N. 41). Die in Ziff. 3 von 

Art. 305
bis

 StGB geregelte Ausdehnung des Schutzes auf die ausländische 

Rechtspflege setzt sodann als Haupttat eine inländische Tat voraus, nur die Vortat 

kann eine ausländische sein (vgl. TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, a.a.O., Art. 305
bis

 

StGB N. 28; STRATENWERTH/BOMMER, a.a.O., S. 408). Diese Bestimmung vermag 

daher vorliegend ebenfalls keine schweizerische Strafhoheit zu begründen. 

- 9 - 

Eine inländische Strafhoheit kann gegeben sein bei einem im Ausland 

handelnden Mittäter oder mittelbaren Täter, wenn dessen Mittäter oder Tatmittler 

in der Schweiz handeln. Ein Geldwäscher im Ausland untersteht schweizerischem 

Strafrecht, sofern er mit einem Geldwäscher, der auf Schweizer Territorium eine 

Tathandlung setzt, in Mittäterschaft handelte. Mittelbare Täterschaft gilt auch als 

dort begangen, wo der Tatmittler die objektiven Tatbestandsmerkmale 

verwirklicht; der ausländische mittelbare Täter hat sich im Inland allerdings nur 

bezüglich inländischer Tatmittlerhandlungen zu verantworten (ACKERMANN, a.a.O., 

Art. 305
bis

 StGB N. 488, 489, 493, 498 Ziff. 6). Dem Beschuldigten B. wird einzig 

eigenes Handeln vorgeworfen, ohne Einbezug von Mittätern oder Tatmittlern. 

Insbesondere wird ihm nicht vorgeworfen, er hätte mit den Begünstigten der 

beiden Geldüberweisungen jeweils in Mittäterschaft gehandelt oder GG. als 

Tatmittler bzw. Werkzeug in der Schweiz eingesetzt. Angeklagt wurden zudem nur 

die im Ausland vorgenommenen Handlungen von B.. Die Schweizerische 

Strafhoheit lässt sich demzufolge auch nicht in dieser Hinsicht begründen. 

1.2.3 Nach dem Gesagten handelt es sich bei der dem Beschuldigten B. vorgeworfenen 

Geldwäscherei um Auslandstaten. Art. 6 aStGB ist nicht anwendbar, da diese 

Bestimmung einzig Auslandstaten von Schweizern zum Gegenstand hat. Der 

Beschuldigte besass im Tatzeitpunkt und besitzt bis heute die kolumbianische 

Staatsangehörigkeit (vgl. BGE 117 IV 369 E. 6).  

Wer im Ausland ein Verbrechen oder Vergehen verübt, zu dessen Verfolgung sich 

die Schweiz durch ein internationales Übereinkommen verpflichtet hat, ist dem 

Schweizerischen Strafrecht unterworfen, sofern die Tat auch am Begehungsort 

strafbar ist, der Täter sich in der Schweiz befindet und nicht an das Ausland 

ausgeliefert wird (Art. 6
bis

 Ziff. 1 aStGB). Dieser Bestimmung, welche die 

stellvertretende Strafrechtspflege regelt, entspricht inhaltlich im neuen Recht Art. 6 

Abs. 1 StGB (TRECHSEL/VEST, in Trechsel et al. [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 6 StGB N. 1). Im 

Übereinkommen des Europarates über Geldwäscherei sowie Ermittlung, 

Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten vom 8. November 

1990 (SR 0.311.53) hat sich die Schweiz in Art. 6 Ziff. 1 zur Verfolgung der 

Geldwäscherei verpflichtet, jedoch nicht – was vorliegend für eine Anwendbarkeit 

von Art. 6
bis

 Ziff. 1 aStGB bzw. Art. 6 Abs. 1 StGB vorausgesetzt wäre – 

ausdrücklich zu jener von Ausländern im Ausland (ACKERMANN, a.a.O., Art. 305
bis

 

StGB N. 486 und N. 498 Ziff. 4 Satz 1; vgl. POPP/LEVANTE, Basler Kommentar, 

2. Aufl., Basel 2007, Art. 6 StGB N. 5). Im Übrigen hat die Bundesanwaltschaft 

nicht nachgewiesen, dass Geldwäscherei auch nach niederländischem Recht 

strafbar ist, obwohl sie im Beschluss vom 21. März 2012 (E. 3.6 betreffend 

Betäubungsmitteldelikte) darauf hingewiesen wurde, dass im Falle von 

angeklagten Auslandstaten das ausländische Recht nachzuweisen ist. Die 

- 10 - 

Voraussetzungen zur Anwendung von Art. 6
bis

 Ziff. 1 aStGB (bzw. Art. 6 Abs. 1 

StGB) sind daher auch insoweit nicht gegeben.  

Die Anwendung von neuem Recht (Art. 7 StGB) zur Begründung der 

Schweizerischen Strafhoheit steht nach dem Gesagten nicht zur Diskussion. Sie 

kommt bei einer nicht gegen einen Schweizer gericheteten Auslandstat eines 

Ausländers – zusätzlich zu den Voraussetzungen von Art. 7 Abs. 1 StGB – 

ohnehin nur in Frage, wenn das Auslieferungsbegehren aus einem Grund 

abgewiesen wurde, der nicht die Art der Tat betrifft, oder der Täter ein besonders 

schweres Verbrechen begangen hat, das von der internationalen 

Rechtsgemeinschaft geächtet wird (Art. 7 Abs. 2 StGB). Die inländische 

Strafhoheit entsteht nicht, solange der ausländische Staat nicht aktiv wird 

(POPP/LEVANTE, a.a.O., Art. 7 StGB N. 15). Die Niederlande haben gegen den 

Beschuldigten B. bisher offensichtlich kein Auslieferungsbegehren an die Schweiz 

gerichtet, obwohl sie seit geraumer Zeit Kenntnis vom schweizerischen 

Strafverfahren haben. Bei der Geldwäscherei handelt es sich sodann nicht um ein 

besonders schweres Verbrechen im Sinne dieser Bestimmung (TRECHSEL/VEST, 

a.a.O., Art. 7 StGB N. 14). Die Schweizerische Strafhoheit wäre demzufolge auch 

gemäss Art. 7 StGB nicht gegeben.  

1.2.4 In Bezug auf den Beschuldigten B. kann nach dem Gesagten in Folge eines nicht 

behebbaren Verfahrenshindernisses auf die Anklage im Anklagepunkt Ziff. 1.2.2 

nicht eingetreten werden (vgl. Art. 329 Abs. 1 und 4 StPO).  

1.3 Anklagegrundsatz 

1.3.1 Eine Straftat kann nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwaltschaft 

gegen eine bestimmte Person wegen eines genau umschriebenen Sachverhalts 

beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 StPO). Gemäss 

Art. 325 Abs. 1 StPO sind in der Anklageschrift die der beschuldigten Person 

vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der 

Tatausführung möglichst kurz, aber genau zu bezeichnen (lit f.) und die nach 

Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der 

anwendbaren Bestimmungen anzuführen (lit. g). Der Anklagegrundsatz bestimmt, 

dass die Anklageschrift die dem Angeklagten zur Last gelegten strafbaren 

Handlungen in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben hat, dass die 

Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind (BGE 

126 I 19 E. 2a; 120 IV 348 E. 2b); aus ihr muss sich erhellen, welcher 

Lebensvorgang Gegenstand der Beurteilung bilden soll und welcher 

strafrechtliche Tatbestand darin zu finden ist (BGE 120 IV 348 E. 3c). Konkretisiert 

wird der Anklagegrundsatz im Wesentlichen durch die formellen Anforderungen, 

welche das anwendbare Verfahrensrecht an die Anklageschrift stellt (Urteil des 

- 11 - 

Bundesgerichts 6B_8/2008 vom 28. August 2008, E. 3.1). Diese dient demnach 

einerseits der Bestimmung des Prozessgegenstandes (Umgrenzungsfunktion) 

und vermittelt andererseits dem Angeklagten die für die Durchführung des 

Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen 

(Informationsfunktion) und fixiert somit das Verfahrens- und Urteilsthema 

(HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., 

Basel/Genf/München 2005, § 50 N. 6, 8).  

Gemäss unter altem Strafprozessrecht (BStP) ergangener bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung hatte die Strafkammer des Bundesstrafgerichts im Falle einer 

mangelhaften Anklageschrift diese zur Verbesserung zurückzuweisen oder den 

Angeklagten freizusprechen (BGE 133 IV 93 E. 2.2.2). Das neue, seit dem 

1. Januar 2011 geltende Prozessrecht sieht in Art. 329 Abs. 2 StPO vor, dass eine 

Anklage bei behebbaren Mängeln in Anklageschrift oder Akten zur Ergänzung 

oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen ist. So ist 

insbesondere zu verfahren, wenn die Anklageschrift nicht dem Anklagegrundsatz 

nach Art. 9 StPO bzw. den Erfordernissen von Art. 325 StPO entspricht. In 

Anwendung von Art. 329 Abs. 4 StPO ist das Verfahren – gegebenenfalls nur in 

einzelnen Anklagepunkten (Art. 329 Abs. 5 StPO) – sodann einzustellen, wenn die 

Staatsanwaltschaft trotz Rückweisung nach Art. 329 Abs. 2 StPO eine mit Blick 

auf das Anklageprinzip immer noch unbrauchbare Anklageschrift einreicht 

(SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 

Zürich/St. Gallen 2009, Art. 329 N. 7, 15). Dies gilt auch in Verfahren vor 

Bundesstrafgericht (Art. 1 Abs. 1 StPO). 

1.3.2 Die Strafkammer wies mit Beschluss vom 21. März 2012 die Anklageschrift vom 

20. März 2012 an die Bundesanwaltschaft zur Berichtigung im Sinne der 

Erwägung zurück (Sachverhalt lit. C). Sie erwog in Bezug auf den Vorwurf der 

qualifizierten Betäubungsmitteldelikte, bei den eingeklagten Sachverhalten (in der 

Anklageschrift jeweils als "Kokainlieferung" übertitelt) müsse angegeben werden, 

welcher einzelne oder welche mehrere Tatbestände der Tatbestandsvarianten von 

Art. 19 Ziff. 1 aBetmG in rechtlicher Hinsicht erfüllt seien (Beschluss, E. 3.2). Es 

sei klarzustellen, ob die betreffend A. unter "Allgemeines" gemachten 

Ausführungen als tatbeständliches Verhalten zu würdigen seien (Beschluss, 

E. 3.3). Die Umschreibung der Tatausführung habe möglichst kurz und 

übersichtlich zu erfolgen, detaillierte Schilderungen hätten zu unterbleiben. 

Bezüglich Mittäterschaft sei anzugeben, welchen Tatbeitrag jeder Beschuldigte 

und Mitbeteiligte wann konkret geleistet habe. Die Umstände, die auf ein banden- 

und gewerbsmässiges Handeln schliessen liessen, seien darzulegen (Beschluss, 

E. 3.4 und 3.5). In Bezug auf den Vorwurf der Geldwäscherei verlangte die 

Strafkammer insbesondere auch nähere Angaben zur Vortat (Beschluss, E. 4.3). 

- 12 - 

1.3.3 Die berichtigte Anklageschrift vom 20. April 2012 genügt den an sie zu stellenden 

formellen Anforderungen. Sie enthält nicht mehr den Anklagesachverhalten 

vorangestellte allgemeine Ausführungen, und die einzelnen Tatbestandsvarianten 

von Art. 19 Ziff. 1 aBetmG sind nunmehr den jeweiligen Handlungen individuell – 

statt allen angeklagten Sachverhalten insgesamt – zugeordnet. Beim Vorwurf der 

Geldwäscherei sind die den einzelnen Wäschereihandlungen zu Grunde 

liegenden Vortaten konkretisiert. Die Schilderung der Tatausführung entspricht 

grundsätzlich dem gebotenen Detailliertheitsgrad; auf für das Verständnis der 

Anklageschrift entbehrliche bzw. gar hinderliche Detailangaben wurde nunmehr 

verzichtet. Bereits die ursprüngliche Anklageschrift spezifizierte sodann die 

Zeiträume, in welchen die Beschuldigten die Widerhandlungen gegen das 

Betäubungsmittelgesetz und die Geldwäscherei begangen haben sollen, 

hinreichend, und enthielt in örtlicher und sachlicher (insbesondere 

mengenmässiger) Hinsicht hinreichend konkrete Angaben, die den Beschuldigten 

eine wirksame Verteidigung ermöglichen und ein faires Verfahren garantieren (vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 6B_432/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.3 und 

6B_1067/2009 vom 31. Mai 2010 E. 2.4.1). Auch die neue Anklageschrift 

entspricht diesem Konkretisierungsgrad. 

Im Hinblick auf ein mittäterschaftliches Handeln sind die jeweiligen Tatbeiträge der 

Beschuldigten und der weiteren Mitbeteiligten hinreichend spezifiziert. Die 

diesbezüglich vom Verteidiger von A. in der Hauptverhandlung insbesondere in 

Bezug auf die Frage eines koordinierten Vorsatzes geäusserte Kritik geht fehl. Es 

genügt, wenn aus der Anklageschrift insgesamt ersichtlich ist, was dem 

Beschuldigten konkret vorgeworfen wird; einzelne Ungenauigkeiten bedeuten 

weder hinsichtlich der Informationsfunktion noch der Funktion der Umgrenzung 

des Prozessgegenstandes eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Die 

Organisation der Drogentransporte mittels jeweils einer Bananenlieferung aus 

dem Ausland nach XX., der Weitertransport der Bananenschachtelböden mit dem 

Kokain nach St. Gallen sowie dessen Weiterverteilung in der Schweiz sind in der 

Anklageschrift genügend umschrieben. So wird beispielsweise bei der ersten 

Kokainlieferung vom 17. Mai 2004 (Anklageschrift S. 3-6) ausgeführt, was A. 

vorgängig alles abgesprochen haben soll im Hinblick auf diese Kokaineinfuhr; 

danach wird umschrieben, wer ab Eintreffen des Kokains in der Schweiz bis hin 

zu dessen Weiterverteilung welche konkreten Handlungen gemacht haben soll. 

Bei der vor Eintreffen der Kokainlieferung angeblich von A. angeordneten 

Besprechung werden Zeitraum und Ort sowie die Namen der Teilnehmer 

angegeben. Bei den einzelnen Handlungen der Mitbeteiligten wird jeweils 

angegeben, dass ihnen eine Absprache mit dem Beschuldigten zu Grunde lag. 

Grundsätzlich gleich verhält es sich bei der Umschreibung der weiteren drei 

Kokainlieferungen und dem Anstaltentreffen zu einer fünften Kokainlieferung. Es 

geht aus der Anklageschrift mithin genügend klar hervor, dass und wie die 

- 13 - 

Beschuldigten sowie die weiteren angeblich involvierten Personen bei der 

Entschliessung, Planung und Ausführung der angeklagten Straftaten beteiligt 

gewesen sein sollen. 

In Bezug auf die Qualifikation der Bandenmässigkeit und der Gewerbsmässigkeit 

enthält die Anklageschrift sodann die erforderlichen Angaben, die im rechtlichen 

Sinne auf die entsprechende Qualifikation beim jeweiligen Grundtatbestand 

(Art. 19 Ziff.1 aBetmG und Art. 305
bis

 Ziff. 1 aStGB) schliessen lassen. 

1.3.4 Nach dem Gesagten kann in dieser Hinsicht auf die Anklage eingetreten werden. 

1.4 Beweisfragen 

1.4.1 Beweisanträge der Parteien: 

1.4.1.1 a) Der Verteidiger von A. beantragte im Vorverfahren, sämtliche Informationen 

über C., welche der Bundesanwaltschaft, eventuell auch aus anderen 

Strafverfahren oder aus anderen staatlichen Aufgaben, zugänglich seien, seien in 

möglichst authentischer und nachvollziehbarer Form in die Akten des 

vorliegenden Verfahrens zu integrieren. Zur Begründung führte er an, C. sei in der 

Zeit von 2004 bis 2006 ein agent provocateur der US-amerikanischen 

Drogenbekämpfungsbehörde DEA (Drug Enforcement Administration, 

nachfolgend "DEA") gewesen. Aus den Aussagen von H. ergebe sich 

unzweideutig eine Zusammenarbeit zwischen dieser Behörde und C. – dem 

Auftraggeber von A.. Es spiele vorliegend mit Blick auf Art. 293 Abs. 4 StPO eine 

wesentliche Rolle, welcher Art diese Kollaboration gewesen sei und wie lange sie 

gedauert habe (cl. 30 pag. 16.1.2.235 f.). Mit Verfügung vom 13. Januar 2012 

hiess die Bundesanwaltschaft den Antrag des Verteidigers insoweit gut, als 

Abklärungen, namentlich Informationsbeschaffung, zu C. erfolgen würden bzw. 

bereits früher an die Hand genommen worden und derzeit pendent seien (cl. 30 

pag. 16.1.2.249 f.).  

b) Vor der Strafkammer erneuerte der Verteidiger den vorgenannten Beweisan-

trag (cl. 109 pag. 109.521.2 ff.). Mit Verfügung vom 15. Mai 2012 wies die Vorsit-

zende als Verfahrensleitung den Antrag zufolge Gegenstandslosigkeit ab. Sie er-

wog, mit der von der Bundesanwaltschaft neu eingereichten Aktennotiz der Bun-

deskriminalpolizei vom 3. Mai 2012, welche zu den Akten genommen worden sei, 

seien die Abklärungen zur Person von C., soweit solche erforderlich und durch-

führbar seien, getroffen worden (cl. 109 pag. 109.430.1). Die Bundeskriminalpoli-

zei hatte in der Aktennotiz vom 3. Mai 2012 festgehalten, dass weder die beiden 

vorliegend Beschuldigten noch H. in den Einvernahmen detaillierte Angaben zu C. 

hätten machen können; die Personalien von C. seien somit nicht gesichert. Die 

- 14 - 

von der Bundeskriminalpolizei bei der zuständigen Stelle in den USA gemachten 

Anfragen seien am 14. Februar 2012 und 5. April 2012 beantwortet worden, hät-

ten aber keine Ergebnisse erbracht. Es hätten keine neuen Erkenntnisse über die 

Identität und den Aufenthalt von C. in Erfahrung gebracht werden können (cl. 109 

pag. 109.510.66 ff.). In der Hauptverhandlung wurden von keiner Seite neue Be-

weisanträge gestellt oder von der Verfahrensleitung abgelehnte Anträge erneuert 

(Art. 331 Abs. 3 und 345 StPO; cl. 109 pag. 109.920.5). Gemäss den Ausführun-

gen der Verteidigung soll C. in der Zeit von 2004 bis 2006 agent provocateur der 

US-Behörde DEA gewesen sein. Solange dessen Rolle beweismässig nicht ge-

klärt sei, sei diese Behauptung der Verteidigung als wahr zu unterstellen. Der be-

reits früher gutgeheissene Beweisantrag sei als Entlastungsbeweis zulässig und 

für die Strafzumessung relevant.  

c) Eine die rechtlichen Grenzen überschreitende verdeckte Ermittlung kann zwei 

verschiedenartige Konsequenzen nach sich ziehen. Einerseits steht in Frage, ob 

die Informationen, die aus einer solchen Ermittlung hervorgehen, als Beweis ge-

gen den Beschuldigten verwertet werden können. Sollte die Handlung mit ande-

ren Beweismitteln nachgewiesen sein, so steht andererseits in Frage, wie sich ei-

ne aktive Beeinflussung der Zielperson auf die rechtlichen Folgen auszuwirken 

hat. Zu diesen Fragen hat sich die Strafkammer – auch übergangsrechtlich – be-

reits in einem früheren Urteil eingehend geäussert (TPF 2011 42). Vor dem am 

1. Januar 2005 in Kraft getretenen Bundesgesetz vom 20. Juni 2003 über die ver-

deckte Ermittlung (BVE; durch die StPO per 1. Januar 2011 aufgehoben [Art. 446 

Abs. 1 und Anhang I StPO]) war gemäss konstanter bundesgerichtlicher Recht-

sprechung in Fällen, in denen der Täter aufgrund einer verdeckten Fahndung 

überführt wurde, bei der Bemessung der Strafe jede durch V-Leute bewirkte För-

derung der Straftaten angemessen zugunsten des Beschuldigten zu berücksichti-

gen. War das Drogengeschäft nicht durch aktives Handeln von V-Leuten eingelei-

tet, sondern ausschliesslich von den Tätern initiiert worden, konnte sich die auf ei-

ne Mitwirkung von V-Leuten zurückzuführende Erleichterung der Tatausführung 

auf die Höhe der auszusprechenden Strafe nur begrenzt auswirken, jedoch war 

der Mitwirkung in jedem Fall Rechnung zu tragen (BGE 124 IV 34 E. 3b). Über-

schritt ein V-Mann die Grenzen der zulässigen Einwirkung auf die Zielpersonen, 

war der Verstoss den jeweils zuständigen Strafverfolgungsbehörden jedenfalls 

dann zuzurechnen, wenn der agent provocateur in seiner Eigenschaft als polizeili-

cher V-Mann handelte (BGE 124 IV 34 E. 3d/bb). Die Rechtsfolgen konnten in ei-

nem Freispruch, in einer Einstellung des Verfahrens oder in der Berücksichtigung 

im Rahmen der Strafzumessung liegen (TPF 2011 42 E. 4.2.3 mit Hinweisen). 

Handelte es sich um einen ausländischen V-Mann, war vorab zu prüfen, ob dieser 

bei seinem verdeckten Einsatz auf Schweizer Hoheitsgebiet mit Wissen und Zu-

stimmung der zuständigen schweizerischen Behörden gehandelt hatte. War dies 

nicht der Fall, konnte ein Fehlverhalten des verdeckten Ermittlers nicht dem 

- 15 - 

schweizerischen Staat zugerechnet werden, und der Tatbeitrag des V-Mannes 

blieb ohne Einfluss auf die grundsätzliche Strafbarkeit des Beschuldigten. Aller-

dings liess das Bundesgericht die Frage offen, ob und inwiefern dieser Umstand 

bei der Strafzumessung zu berücksichtigen wäre (BGE 124 IV 34 E. 3d/bb, 3e).  

d) Der Beginn der A. vorgeworfenen Drogendelikte sowie dessen anfängliche 

Kontakte zu C. fallen in den Zeitraum vor Inkrafttreten des BVE. Welche rechtli-

chen Konsequenzen ein unzulässiges Vorgehen eines verdeckten Ermittlers hät-

te, kann vorliegend offen gelassen werden. Ein Einsatz von C. als ausländischem 

V-Mann auf Schweizer Hoheitsgebiet und mit Zustimmung der schweizerischen 

Behörden ergibt sich nämlich weder aus den Verfahrensakten noch wird dies von 

der Verteidigung ausdrücklich behauptet. Eine allfällige Einflussnahme von C. auf 

das Verhalten von A. könnte demnach nicht den schweizerischen Behörden ange-

lastet werden; eine Berücksichtigung hinsichtlich der grundsätzlichen Strafbarkeit 

des Beschuldigten entfällt zum vorneherein. Fraglich könnte somit nur sein, ob ei-

ne ohne Zustimmung der Schweizer Behörden im Ausland erfolgte Beeinflussung 

von A. durch einen ausländischen V-Mann im Rahmen der Strafzumessung zu be-

rücksichtigen wäre. Die Frage kann indes offen gelassen werden, denn gegen die 

Annahme, C. habe als agent provocateur der US-Behörde DEA Einfluss auf die 

angeklagten Drogengeschäfte von A. bzw. auf dessen Entschlussfassung ge-

nommen, sprechen schon die äusseren Umstände. So ist nur schwer einsehbar, 

weshalb C. den Beschuldigten zunächst vier Kokainlieferungen in grossem Stil 

hätte durchführen lassen sollen, um ihn dann im Rahmen der Vorbereitung der 

fünften Lieferung – bei welcher im Übrigen keine Drogen sichergestellt werden 

konnten – auffliegen zu lassen. Ausserdem liess C. nur H. auffliegen (vgl. Zeu-

genprotokoll H., cl. 109 pag. 109.933.6 f., 109.933.8, 109.933.10), aber keine wei-

teren laut Anklage beteiligten Personen (die Beschuldigten, D., E., I., K., L., G., F., 

M., J.). C. wusste mithin, dass H. in die vorliegend angeklagten Drogengeschäfte 

involviert war. H. hatte denn auch einen Schlüssel zu E.s (zweiter) Wohnung in 

St. Gallen, in welcher ihm nach der vierten Kokainlieferung ein Teil des in die 

Schweiz eingeführten Kokains übergeben worden war, auf sich und übergab die-

sen anlässlich einer Reise mit C. nach Miami, wo ca. im Februar 2006 ein Treffen 

mit Vertretern der DEA stattfand, an C. (cl. 109 pag. 109.933.7). In der Folge in-

formierte die DEA umgehend die Schweizer Behörden über das Kokainversteck in 

St. Gallen (cl. 6 pag. 5.2.0.49). Sodann behauptet der Beschuldigte A. selber 

nicht, er sei von C. zu den Kokaintransporten angestiftet worden. Aus dem Gesag-

ten ist zu schliessen, dass C. bloss ein Informant der DEA und nicht in deren Auf-

trag als agent provocateur tätig war; für die Annahme des Letzteren, insbesondere 

für eine Einflussnahme auf den Willensentschluss von A., fehlen mithin konkrete 

Anhaltspunkte. Demzufolge erübrigt es sich, zusätzlich zu den bereits getroffenen 

weitere Abklärungen zur Person und zur Rolle von C. vorzunehmen.  

- 16 - 

1.4.1.2 Die übrigen von den Parteien im Hauptverfahren gestellten Beweisanträge wur-

den von der Verfahrensleitung gutgeheissen, soweit sie sich nicht als obsolet er-

wiesen (cl. 109 pag. 109.430.1 f.). Von Amtes wegen wurden Gerichtsurteile in 

Sachen weiterer Beteiligter ediert und Amtsauskünfte über die Beschuldigten ein-

geholt (Sachverhalt lit. E; cl. 109 pag. 109.381.1, 109.382.1, 109.920.4). 

1.4.2 Hinsichtlich der Verwertbarkeit von belastenden Aussagen ist festzuhalten:  

1.4.2.1 a) Die bis zum 31. Dezember 2010 in Kraft gewesene BStP statuierte für das 

gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren keine Teilnahmerechte der Parteien 

(Art. 100-107
bis

 BStP). Gemäss Art. 118 BStP konnte der Eidgenössische 

Untersuchungsrichter in der Voruntersuchung den Parteien gestatten, 

Beweisaufnahmen beizuwohnen, wenn dadurch die Untersuchung nicht 

beeinträchtigt wurde. Im vorliegenden Strafverfahren fand infolge Aufhebung der 

Bundesstrafprozessordnung bzw. des Eidgenössischen Untersuchungs-

richteramtes vor Abschluss des Ermittlungsverfahrens keine Voruntersuchung 

statt (Sachverhalt lit. A und B). Die von der Bundesanwaltschaft gemäss der 

BStP bzw. von den kantonalen Strafbehörden gemäss ihrem kantonalen 

Strafprozessrecht durchgeführten – und in die vorliegenden Akten 

rechtshilfeweise integrierten – Einvernahmen behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 

Abs. 2 StPO). Seit dem 1. Januar 2011 statuiert Art. 147 Abs. 1 StPO das 

Anwesenheitsrecht des Beschuldigten bei Beweiserhebungen durch die 

Staatsanwaltschaft und die Gerichte sowie das Recht, den einvernommenen 

Personen Fragen zu stellen. Die Möglichkeit des Beschuldigten, an 

Beweisabnahmen teilzunehmen und dem Belastungszeugen Fragen zu stellen, 

ist Teil des Anspruchs auf ein faires Verfahren im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK 

und Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO. Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK gewährleistet der 

beschuldigten Person die Möglichkeit, mit dem Belastungszeugen konfrontiert zu 

werden, wobei als Belastungszeuge in diesem Sinne jede Person gilt, deren 

Aussage geeignet ist, den Beschuldigten zu belasten. Als Belastungszeugen 

gelten daher nicht nur Zeugen, sondern auch Sachverständige, von der Polizei 

als Auskunftspersonen einvernommene Personen, sowie gegebenenfalls auch 

Mitbeschuldigte (vgl. zum Ganzen: WOHLERS, in Donatsch/Hansjakob/Lieber 

[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, 

Art. 147 StPO N. 12).  

 b) Das Bundesgericht hält unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) fest, dem Anspruch, 

dem Belastungszeugen Fragen stellen zu können, komme ein absoluter 

Charakter zu. Ziel sei es, dem Beschuldigten in Gewährung eines fairen 

Verfahrens und zur Wahrung der Waffengleichheit eine angemessene und 

hinreichende Gelegenheit einzuräumen, eine belastende Aussage zu bestreiten 

- 17 - 

und den entsprechenden Zeugen zu befragen, sei es im Zeitpunkt des 

Zeugnisses selbst oder später. Danach genüge es grundsätzlich, wenn der 

Beschuldigte im Laufe des ganzen Verfahrens einmal Gelegenheit zum Stellen 

von Ergänzungsfragen erhalte. Damit die Verteidigungsrechte gewahrt seien, sei 

es erforderlich, dass die Gelegenheit zur Befragung angemessen und 

ausreichend sei und die Befragung tatsächlich wirksam ausgeübt werden könne. 

Der Beschuldigte müsse namentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer 

Aussage zu prüfen und den Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die 

Probe und in Frage stellen zu können. Das Abstellen auf belastende Aussagen, 

welche unter Missachtung eines Verteidigungsrechtes (so z.B. die wirksame 

Ausübung des Fragerechtes) zustande gekommen seien, sei nur unter der 

Voraussetzung zulässig, dass es sich bei dieser Aussage nicht um das 

ausschlaggebende Beweismittel für einen Schuldspruch handle (zum Ganzen 

BGE 133 I 33 E. 3.1; 132 I 127 E. 2; 131 I 476 E. 2.2 mit Hinweisen auf die 

eigene und die Rechtsprechung des EGMR; 125 I 127 E. 6c/dd mit Hinweisen; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_92/2008 vom 20. Juni 2008 E. 3.3.1).  

 Beruft sich bei einer Konfrontationseinvernahme eine Auskunftsperson auf ihr 

Recht zu schweigen oder ein Zeuge auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, 

nachdem sie ihre bzw. er seine unkonfrontierten belastenden Aussagen gemacht 

hat, oder beschränkt sich die Auskunftsperson oder der Zeuge anlässlich der 

Konfrontationseinvernahme darauf, die Angaben zu bestätigen, die in einem 

früheren Verfahren gemacht wurden, und schweigt in der Folge, nehmen 

Bundesgericht und Lehre unter Hinweis auf die Rechtsprechung des EGMR an, 

dass solche Aussagen unverwertbar sind, wenn die Behörden diesen Umstand 

zu vertreten haben (BGE 131 I 476 E. 2.3.4). Haben die Behörden nicht zu 

vertreten, dass die Auskunftsperson oder der Zeuge in der Konfrontations-

einvernahme nach Bestätigung der früher gemachten belastenden Aussagen 

schweigt, verneint der EGMR in einer solchen Fallkonstellation eine 

Konventionsverletzung bei Abstellen auf die belastenden Aussagen, sofern es 

sich nicht um das einzige Beweismaterial handelt (Urteil des EGMR vom 26. April 

1991, Asch c. Österreich, Nr. 203 Ziff. 30 = EuGRZ 19 [1992] 474; BGE 131 I 

476 E. 2.2). 

1.4.2.2 a) Die Verteidigung von A. machte in der Hauptverhandlung geltend, es habe mit 

verschiedenen Personen, so mit K. und L., keine Konfrontation mit dem 

Beschuldigten stattgefunden, und andere Personen, die den Beschuldigten 

belastet hätten, so D., hätten in der Konfrontationseinvernahme die Aussage 

verweigert. Die Aussagen Ersterer seien zum Vorneherein nicht verwertbar, die 

Aussagen Letzterer nicht, wenn es sich um das ausschlaggebende Beweismittel 

handle. 

- 18 - 

 b) Der Beschuldigte B. war gemäss Anklage an der zweiten bis vierten 

Kokainlieferung beteiligt. Er gab im Vorverfahren ein umfassendes schriftliches 

Geständnis zu den Akten und machte in den Einvernahmen detaillierte und klare 

Aussagen, auch was die Rolle des Beschuldigten A. betrifft. Nach dem 

schriftlichen Geständnis von B. fanden mehrere Konfrontationseinvernahmen 

zwischen den Beschuldigten B. und A. statt, wobei ihnen ihre früheren Aussagen 

zuvor gegenseitig eröffnet worden waren; auch das Geständnis von B. war A. vor 

der ersten Konfrontationseinvernahme bekannt. Eine weitere Konfrontations-

einvernahme erfolgte in der Hauptverhandlung. Die gegenseitig belastenden 

Aussagen beider Beschuldigter sind damit verwertbar. 

 c) Die Bundesanwaltschaft beantragte die Einvernahme von H. in der 

Hauptverhandlung, da bisher noch keine Konfrontationseinvernahme mit den 

Beschuldigten gemacht worden sei. H. habe bisher einzig im gegen ihn geführten 

kantonalen Strafverfahren Aussagen gemacht, welche die Beschuldigten 

belasteten (cl. 109 pag. 109.510.63 f.). Diesem Antrag wurde stattgegeben und 

H. vor Gericht als Zeuge befragt; die Beschuldigten konnten ihr Fragerecht 

wirksam ausüben (cl. 109 pag. 109.430.1, 109.933.1 ff.). Auch H.'s früher 

gemachte Aussagen sind demzufolge verwertbar. 

 d) Weitere Konfrontationseinvernahmen fanden im Vorverfahren sodann 

zwischen den beiden vorliegend Beschuldigten einerseits und den als 

Auskunftsperson oder Zeuge einvernommenen, gemäss Anklage an einzelnen 

oder mehreren Kokainlieferungen Mitbeteiligten andererseits statt, nämlich mit F., 

J., E., I. und D.. Mit Ausnahme des Letzteren, welcher durchwegs von seinem 

Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte, beantworteten alle Einver-

nommenen die an sie gestellten Fragen, auch jene der Verteidigung und der 

Beschuldigten selbst. Auch der hinsichtlich der ersten Kokainlieferung nur mit A. 

zu konfrontierende G. beantwortete in der Konfrontationseinvernahme als Zeuge 

die Fragen der Verteidigung, jedoch nicht alle der Bundeskriminalpolizei. Soweit 

das Fragerecht wirksam ausgeübt werden konnte, steht einer Verwertung aller 

belastenden Aussagen der einvernommenen Personen nichts entgegen. 

 e) Alle Kokainlieferungen liefen gemäss Anklage nach dem gleichen Muster ab 

wie die erste Kokainlieferung vom 17. Mai 2004. Diesbezüglich bestätigte E. in 

der Konfrontationseinvernahme ein Vorbereitungstreffen mit A. vor dem 

Eintreffen der ersten Lieferung, bei welchem nebst anderen D. anwesend 

gewesen sei, das Inspizieren seiner Wohnung durch A. hinsichtlich deren 

Eignung als Drogendepot, die Instruktion an ihn seitens A., die Kartons mit dem 

Kokain vom Lager in XX., wo D. die Dinge koordiniert habe, nach St. Gallen zu 

transportieren und in seiner Wohnung zu verstecken, und dass er danach von A. 

die weiteren Angaben erhalten würde. E. bestätigte ausserdem, dass er diese 

- 19 - 

Aufgaben bei allen vier Kokainlieferungen wahrgenommen habe. Nachdem das 

Fragerecht durch die Beschuldigten ausgeübt werden konnte, können die 

belastenden Aussagen von E. ohne weiteres verwertet werden. Hinsichtlich des 

generellen Ablaufs der Geschehnisse stellen die belastenden Aussagen von D. 

mithin nicht das einzige oder ausschlaggebende Beweismittel dar, weshalb auch 

diese grundsätzlich verwertet werden können.  

 f) K. und L., welche beide im Zusammenhang mit der Kokainlieferung vom 

17. Mai 2004 zum Einsatz kamen, wurden im Vorverfahren nicht mit den 

Beschuldigten konfrontiert. Ihre Aussagen sind indes verwertbar, soweit es sich – 

was hier der Fall ist – nicht um das ausschlaggebende Beweismittel handelt.  

 g) Im Übrigen ist festzuhalten, dass die belastenden Aussagen der angeblich an 

den Kokainlieferungen Mitbeteiligten für sich allein nicht das ausschlaggebende 

Beweismittel für einen Schuldspruch der Beschuldigten darstellen. Der Frage der 

Ausübung des Fragerechts kommt deshalb keine entscheidende Bedeutung zu. 

2. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – Rechtliches 

2.1 Anwendbares materielles Recht 

2.1.1 Die den Beschuldigten vorgeworfenen Straftaten fallen in einen Zeitraum vor dem 

31. Dezember 2006. Seither wurden die massgeblichen Strafbestimmungen 

geändert, nämlich per 1. Januar 2007 und 1. Juli 2011. Gemäss dem 

strafrechtlichen Rückwirkungsverbot gilt somit grundsätzlich das alte Recht (Art. 2 

Abs. 1 StGB). Art. 2 Abs. 2 StGB sieht jedoch vor, dass das neue Recht 

anwendbar ist, wenn es für den Täter das mildere ist als das zum Zeitpunkt der 

Tat geltende Recht (lex mitior). Welches Recht das mildere ist, ergibt sich aus 

dem Zusammenspiel der Vorschriften des Besonderen Teils (bzw. des 

Nebenstrafrechts – in casu des BetmG) und des Allgemeinen Teils des 

Strafgesetzbuches (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1). 

2.1.2 Die allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches finden auf 

Betäubungsmitteldelikte insoweit Anwendung, als das Betäubungsmittelgesetz 

(Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe vom 3. 

Oktober 1951, BetmG; SR 812.121) nicht selbst Bestimmungen aufstellt (Art. 26 

aBetmG bzw. Art. 26 BetmG). Mit der am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen 

Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches wurden einzig die 

Strafdrohungen des Betäubungsmittelgesetzes dem neuen Sanktionensystem 

angepasst, während dessen Strafbestimmungen bis zu der am 1. Juli 2011 in 

Kraft getretenen Teilrevision (nachfolgend E. 2.1.3) unverändert geblieben sind. 

- 20 - 

Die Frage, ob das neue Recht als milderes anzuwenden ist, stellt sich insoweit 

erst bei der Strafzumessung. 

2.1.3 Das Betäubungsmittelgesetz wurde am 20. März 2008 teilrevidiert; die 

Gesetzesänderung trat am 1. Juli 2011 in Kraft (AS 2009 2623, 2011 2559; vgl. 

Parlamentarische Initiative Teilrevision des Betäubungsmittelgesetzes, Bericht der 

Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 4. Mai 

2006 [BBl 2006 8573; Gesetzesentwurf: BBl 2006 8629] und Stellungnahme des 

Bundesrates vom 29. September 2006 [BBl 2006 8645]). Es ist daher zu prüfen, 

ob die geänderten Strafbestimmungen als lex mitior anzuwenden sind (Art. 26 

BetmG i.Vm. Art. 2 Abs. 2 StGB). Die Anklage stützt sich hinsichtlich des 

strafbaren Verhaltens auf Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3, 4, 5 und 6 aBetmG und hinsichtlich 

der Qualifikationsgründe auf Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c aBetmG. Die zitierten 

Strafbestimmungen entsprechen im neuen Recht Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g 

BetmG; sie haben trotz terminologischer Überarbeitung inhaltlich keine Änderung 

erfahren, wobei der Tatbestand des Anstaltentreffens (Art. 19 Abs. 1 lit. g) aus 

Gründen der Beweisführung beibehalten wurde (BBl 2006 8612) und neu – 

anders als im alten Recht – auch die Tatbestände gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. e und 

f erfasst (zum Ganzen: MAURER, in: Donatsch [Hrsg.], StGB-Kommentar, 

Schweizerisches Strafrecht, 18. Aufl., Zürich 2010, Art. 19 revBetmG N. 5-7, 9; 

ALBRECHT, in: Schubarth [Hrsg.], Die Strafbestimmungen des 

Betäubungsmittelgesetzes [Art. 19-28 BetmG], 2. Aufl., Bern 2007, Art. 19 BetmG 

N. 144, 147). Die Strafandrohung des Grundtatbestands gemäss Art. 19 Abs. 1 

BetmG entspricht dem bisherigen Recht (vgl. BBl 2006 8651), ebenso jene des 

schweren Falles gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG (vgl. Art. 19 Ziff. 1 Abs. 9 i.V.m. 

Art. 19 Ziff. 2 aBetmG). Die Qualifikationsgründe selbst wurden im neuen Recht 

insoweit geändert, als der Mengenbezug in Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG aufgegeben 

wurde, da nicht allein die Menge als Kriterium für die stoffinhärente 

Gesundheitsgefährdung herangezogen werden soll, sondern auch andere Risiken 

in Erwägung zu ziehen sind, und in Art. 19 Abs. 2 lit. d BetmG ein neuer 

Qualifikationsgrund geschaffen wurde (BBl 2006 8612 f., 8651 f.); die 

Qualifikationsgründe der Bandenmässigkeit und der Gewerbsmässigkeit erfuhren 

teilweise redaktionelle Änderungen (BBl 2006 8612). Allerdings ist die Aufzählung 

der Qualifikationsgründe im neuen Recht nunmehr abschliessend (MAURER, 

a.a.O., Art. 19 revBetmG N. 12; ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 BetmG N. 257 ff.). Das 

neue Recht ist insoweit nicht milder als das im Tatzeitpunkt geltende (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 6B_13/2012 vom 19. April 2012 E. 1.3.1). Ob allenfalls der 

neue Strafmilderungsgrund gemäss Art. 19 Abs. 3 BetmG zu einem anderen 

Ergebnis führt, ist erst im Rahmen der Strafzumessung zu prüfen. 

2.1.4 In Bezug auf Auslandstaten sieht Art. 19 Abs. 4 BetmG – im Gegensatz zu Art. 19 

Ziff. 4 aBetmG, welcher schweizerisches Recht für anwendbar erklärte (BGE 103 

- 21 - 

IV 80 E. 1) – neu vor, dass das Recht des Begehungsortes anwendbar ist, wenn 

dieses für den Täter das mildere ist. Wird dem Beschuldigten eine Auslandstat 

vorgeworfen, ist daher ausser der beidseitigen Strafbarkeit auch zu prüfen, ob das 

ausländische Recht milder ist. Trifft Letzteres zu, kommt das neue Recht als das 

mildere zur Anwendung (Art. 26 BetmG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie sich indes 

nachfolgend ergibt, brauchen vorliegend keine Auslandstaten geprüft zu werden.  

2.1.5 Die fahrlässige Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 aBetmG bzw. Art. 19 Abs. 1 

BetmG ist nach neuem Recht nicht mehr strafbar (vgl. Art. 19 Ziff. 3 aBetmG; 

BBl 2006 8613; Entscheid des Bundesstrafgerichts SK.2010.29 vom 

15. November 2011 E. 4.4). Vorliegend sind einzig vorsätzlich begangene 

Widerhandlungen angeklagt, weshalb das neue Recht in subjektiver Hinsicht nicht 

milder ist. 

2.2 Grundtatbestand  

2.2.1 Gemäss dem Grundtatbestand von Art. 19 Ziff. 1 aBetmG sind alle Formen einer 

Beteiligung am unbefugten Drogenverkehr strafbar, das heisst sowohl die 

Verbreitung wie auch schon der Erwerb von Betäubungsmitteln. 

Gesetzgeberisches Ziel ist die Verhinderung oder Eindämmung einer 

unkontrollierten Verbreitung der Betäubungsmittel (ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 

BetmG N. 1 ff.). Das Gesetz erwähnt in Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 aBetmG etwa das 

unbefugte Herstellen, Verarbeiten, Lagern, Befördern, Einführen, Anbieten, 

Verkaufen, Vermitteln, Abgeben, Besitzen, Aufbewahren oder Erlangen von 

Betäubungsmitteln. Die detaillierte Tatbestandsumschreibung erfüllt eine wichtige 

Beweisfunktion, indem sie die Rechtsanwendung erleichtert und Beweislücken 

möglichst vermeidet (ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 BetmG N. 4). Bei den einzelnen 

Tathandlungen handelt es sich um verschiedene Entwicklungsstufen derselben 

deliktischen Tätigkeit (ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 BetmG N. 185; STRATENWERTH, 

Schweizerisches Strafrecht Allgemeiner Teil I, 4. Aufl., Bern 2011, S. 524; 

TPF 2006 221 E. 2.1.1). Eingeklagte Auslandstaten müssen nicht nachgewiesen 

sein, falls sie sich in ein einheitliches, in der Schweiz strafbares Geschehen 

einordnen lassen; die Voraussetzungen von Art. 19 Ziff. 4 aBetmG sind bei einer 

solchen Konstellation nicht zu prüfen (TPF 2006 221 E. 2.2.2). Im Ausland 

vorangegangene Handlungen können jedoch aus Gründen der Beweisführung 

und im Hinblick auf die Strafzumessung nicht gänzlich ausser Acht gelassen 

werden (Entscheide des Bundesstrafgerichts SK.2006.14 vom 5. April 2007 E. 

II.2.2.2 und SK.2007.15 vom 26. September 2007 E. II.2.2.2).  

2.2.2 Nach Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG macht sich überdies strafbar, wer zum 

unbefugten Betäubungsmittelhandel oder zur Betäubungsmitteleinfuhr Anstalten 

trifft. Damit werden sowohl der Versuch als auch gewisse qualifizierte 

- 22 - 

Vorbereitungshandlungen erfasst und zu selbstständigen Straftaten mit derselben 

Strafdrohung wie die übrigen verbotenen Verhaltensweisen aufgewertet 

(ALBRECHT, a.a.O. Art. 19 BetmG N. 115).  

2.2.3 Wo das Gesetz zur Verstärkung des strafrechtlichen Schutzes vorbereitende 

Verhaltensweisen neben dem Vollendungstatbestand gesondert unter Strafe 

stellt, so dass man es mit verschiedenen Entwicklungsstufen desselben 

deliktischen Angriffs zu tun hat, da geht auch der abgebrochene 

Vorbereitungstatbestand im späteren Vollendungstatbestand auf, wenn die 

Mehrheit der Einzelakte kraft ihres engen räumlichen und zeitlichen 

Zusammenhangs bei natürlicher Betrachtung als ein einheitliches Tun erscheinen 

und auf ein und demselben Willensentschluss beruhen (BGE 111 IV 144 E. 3b 

S. 149). Diese Konstellation kann vorliegen, wenn jemand eine Drogeneinfuhr ins 

Auge gefasst hat und dann auf verschiedenen Wegen versucht, eine solche zu 

realisieren (Kontaktnahme mit verschiedenen möglichen Verkäufern; Suche nach 

Transportmöglichkeiten für ein noch nicht genau definiertes Quantum aus noch 

nicht definierter Quelle), aber auch, wenn jemand im Hinblick auf eine erwartete 

Lieferung über deren Absatz verhandelt. Trifft dies zu, so ist die Tat, welche sich 

schlussendlich konkret abwickelte, als eine einzige zu verstehen, die alle 

vorbereitenden Handlungen mit umfasst. In diesem Falle stehen die nach Art. 19 

Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG grundsätzlich strafbaren Vorbereitungshandlungen in einem 

Verhältnis der Subsidiarität zum Drogendelikt, welches einen höheren 

Konkretisierungsgrad erreicht hat, selbst wenn dieses Letztgenannte das Stadium 

des Anstaltentreffens auch nicht überschritten hat. Die Bestrafung erfolgt dann nur 

wegen Begehung des Letzteren, die grössere oder kleinere Intensität der 

grundsätzlich strafbaren Handlungen ist jedoch insgesamt bei der 

Strafzumessung zu berücksichtigen. 

2.3 Täterschaft und Teilnahme 

2.3.1 Nach der Rechtsprechung hat jede der in Art. 19 Ziff. 1 aBetmG aufgeführten 

Handlungen die Bedeutung eines selbstständigen Straftatbestandes, so dass der 

vollen Strafdrohung untersteht, wer in eigener Person einen dieser gesetzlichen 

Tatbestände objektiv und subjektiv erfüllt (BGE 133 IV 187 E. 3.2 S. 193 mit 

Hinweisen). Mittäter ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wer 

sogenannte „Tatherrschaft“ ausübt, d.h. wer bei der Entschliessung, Planung oder 

Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen 

Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Der Tatbeitrag 

begründet Tatherrschaft, wenn er nach den Umständen des konkreten Falles und 

dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm 

steht oder fällt (BGE 133 IV 76 E. 2.7 mit Hinweisen; zum Mittäterschaftsbegriff 

vgl. DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre, 8. Aufl., Zürich/Basel/Genf 

- 23 - 

2006, S. 168 f.; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, in: Trechsel [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, vor Art. 24 StGB N. 

12 f.; TRECHSEL/NOLL, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 6. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2004, S. 204; FORSTER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 

2007, vor Art. 24 StGB N. 7 ff.). Bei Betäubungsmitteldelikten ist Täterschaft 

anzunehmen, wenn der Betreffende eine der gesetzlichen Tatformen in direktem 

Zusammenwirken verübt oder wenn er die Tatausführung anderer durch Planung 

respektive Schaffung von Rahmenbedingungen wesentlich prägt (Entscheide des 

Bundesstrafgerichts SK.2006.14 vom 5. April 2007 E. II.1.5 und SK.2007.15 vom 

26. September 2007 E. II.1.4). Im Blickfeld steht bei dieser Konstellation somit die 

Gesamtheit der objektiven Umstände des Tatgeschehens. Nicht vorausgesetzt 

wird, dass der Tatbeitrag conditio sine qua non für den Taterfolg ist, führte dies 

doch zur unbefriedigenden Lösung, dass ein Teilnehmer, der Drahtzieher, bei 

ungenügender Ausführung seines Tatbeitrags nicht als Mittäter zu betrachten 

wäre. 

2.3.2 Bei Betäubungsmitteldelikten ist sodann Mittäterschaft in der Regel anzunehmen, 

wenn der Betreffende einer der Deliktsbegehung dienenden Organisation 

angehört, in welcher er bestimmte, ihm zugedachte Aufgaben übernimmt. Ist dies 

der Fall, muss er sich auch fremde, nicht von ihm selber begangene Handlungen 

zurechnen lassen. In aller Regel dürfte daher in solchen Fällen der Mittäterschaft 

gleichzeitig auch bandenmässiges Handeln gegeben sein, welches dadurch 

charakterisiert wird, dass eine Tätergemeinschaft zur Ausübung des unerlaubten 

Betäubungsmittelverkehrs bewusst zusammenwirkt (Urteil des Bundesgerichts 

6P.65/2004 vom 3. Juli 2004 mit Hinweisen). 

2.3.3 Gehilfe ist demgegenüber, wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich 

Hilfe leistet (Art. 25 aStGB bzw. Art. 25 StGB). Aufgrund der Strafandrohungen 

sind die Tatbestände von Art. 19 Ziff. 1 aBetmG Vergehen, jene von Art. 19 Ziff. 2 

aBetmG Verbrechen (Art. 9 aStGB bzw. Art. 10 StGB). Gehilfenschaft ist daher 

grundsätzlich möglich und strafbar. Generell ist in objektiver Hinsicht 

vorausgesetzt, dass der Gehilfe einen kausalen Beitrag zur Verwirklichung der Tat 

durch den Haupttäter leistet, und zwar in einer Art, dass sich die Geschehnisse 

ohne seinen Beitrag anders abgespielt hätten (BGE 132 IV 49 E. 1.1). Da Art. 19 

Ziff. 1 aBetmG indes nahezu alle Unterstützungshandlungen als selbstständige 

Handlungen umschreibt, hat diese hohe Regelungsdichte insbesondere eine 

starke Einschränkung des Anwendungsbereichs von Art. 25 StGB zur Folge. 

Gehilfenschaft liegt nur vor, wenn die objektive Mitwirkung an der Tat eines 

anderen sich auf einen untergeordneten, vom Gesetz nicht als selbstständiges 

Delikt erfassten Beitrag beschränkt (BGE 133 IV 187 E. 3.2 S. 193 mit 

Hinweisen). Hinsichtlich des eigenständigen Tatbestandes des Anstaltentreffens 

bedeutet das Gesagte, dass keine Anstalten trifft, wer keinen Plan zur Verübung 

- 24 - 

einer Straftat gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 aBetmG hegt und eine solche Tat 

somit weder versucht noch vorbereitet. Er ist allenfalls Gehilfe des anderen, zu 

dessen Tat im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 aBetmG er durch sein Verhalten 

beiträgt (BGE 133 IV 187 E. 3.2 S. 193 f. mit Hinweis). 

2.4 Qualifizierter Tatbestand 

Ein schwerer Fall liegt gemäss Art. 19 Ziff. 2 aBetmG insbesondere vor, wenn der 

Täter weiss oder annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge 

von Betäubungsmitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr 

bringen kann (lit. a); wenn er als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur 

Ausübung des unerlaubten Betäubungsmittelverkehrs zusammengefunden hat 

(lit. b); wenn er durch gewerbsmässigen Handel einen grossen Umsatz oder einen 

erheblichen Gewinn erzielt (lit. c). 

2.5 Subjektiver Tatbestand 

Die Beteiligung am Betäubungsmittelhandel ist (altrechtlich) sowohl bei Vorsatz 

als auch bei Fahrlässigkeit strafbar (Art. 19 Ziff. 1 Abs. 9 und Ziff. 3 aBetmG; vgl. 

vorne E. 2.1.5). Widerhandlungen gegen Art. 19 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 aBetmG sind 

gemäss Ziff. 1 Abs. 9 dieses Artikels bei Vorsatz strafbar; Eventualvorsatz genügt 

(ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 BetmG N. 230 f. m.w.H.). Der auf Art. 19 Ziff. 2 lit. a 

aBetmG bezogene Vorsatz erfordert in erster Linie die Kenntnis des Täters über 

Art und Menge der von ihm in tatbestandsmässiger Weise tangierten Betäu-

bungsmittel. Massgebend ist das Bewusstsein des Täters, dass die Drogenmenge 

quantitativ erheblich ist und der Gebrauch des betreffenden Betäubungsmittels 

beträchtliche Schädigungen der menschlichen Gesundheit zu bewirken vermag 

(BGE 104 IV 211 E. 2 S. 214; ALBRECHT, a.a.O., Art. 19 BetmG N. 233 m.w.H.). 

Banden- und Gewerbsmässigkeit sind persönliche Merkmale im Sinne von Art. 27 

StGB (MAURER, a.a.O. Art. 19 BetmG N. 45 und 47). Bei der Bandenmässigkeit ist 

wesentlich, ob der Täter die Tatsachen kannte und wollte, aus denen das Gericht 

den rechtlichen Schluss auf bandenmässige Tatbegehung zieht. Bandenmässig-

keit ist erst anzunehmen, wenn der Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung 

einer Mehrzahl von Delikten gerichtet ist (BGE 124 IV 86 E. 2b mit Hinweisen). 

Bei der Gewerbsmässigkeit ist erforderlich, dass der Täter in der Absicht handelte, 

ein Erwerbseinkommen zu erlangen, und dass aufgrund seiner Taten geschlossen 

werden muss, er sei zu einer Vielzahl von unter den fraglichen Tatbestand fallen-

den Taten bereit gewesen. Ob in einem konkreten Fall Gewerbsmässigkeit zu be-

jahen ist, hängt auch von der Höhe der angedrohten Mindeststrafe ab (vgl. BGE 

119 IV 129 E. 3a; TRECHSEL/CRAMERI, in Trechsel et al. [Hrsg.], Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008, Art. 146 StGB N. 37).  

https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-IV-86%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page86

- 25 - 

3. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz – Tatsächliches 

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden Beschuldigten vor, vorsätzlich, mengen-, 

banden- und gewerbsmässig qualifiziert, an vier (A.) respektive drei (B.) Kokainlie-

ferungen beteiligt gewesen zu sein, wobei das Kokain von Kolumbien über Bel-

gien und von dort per Lastwagen in Bananenschachteln versteckt in die Schweiz 

eingeführt und hier verteilt worden sei. A. soll danach Anstalten zu einem weiteren 

Kokaingeschäft getroffen haben. Die Beschuldigten sollen dabei nicht alleine, 

sondern im Verein mit anderen Akteuren gehandelt haben, was die Bundesan-

waltschaft als bandenmässiges Handeln qualifiziert. Beide Beschuldigten hätten 

ausserdem gewerbsmässig gehandelt. 

Der Beschuldigte A. ist teilweise geständig; er bestreitet insbesondere die ihm 

vorgeworfene Stellung, die er bei den Kokainlieferungen inne gehabt haben soll 

(cl. 29 pag. 13.2.0.825 ff., 13.2.0.866 ff.; cl. 109 pag. 109.931.4 ff.).  

Der Beschuldigte B. hat die ihm vorgeworfenen Taten grundsätzlich vollumfäng-

lich eingestanden (cl. 25 pag. 13.1.0.562 ff.; cl. 109 pag. 109.932.5 ff.). 

3.1 Strafbarkeit im Einzelnen 

3.1.1 Im Sinne eines grundsätzlichen Tatvorgehens wirft die Bundesanwaltschaft den 

beiden Beschuldigten vor, im Rahmen von mehreren Kokainlieferungen aus dem 

Ausland in bewusstem gegenseitigem Zusammenwirken sowie im 

Zusammenwirken mit C. (nur mit A.), G. (nur mit A.), F. (nur mit A.), D., E., I., 

J. (nur mit A.), M. (nur mit A.), H. sowie weiteren namentlich bekannten oder nicht 

bekannten Personen mittäterschaftlich und mit bestimmten vorgenannten 

Personen bandenmässig gehandelt zu haben, wobei jeder Beschuldigte mit den 

Tathandlungen der anderen Personen ausdrücklich oder durch konkludentes 

Verhalten einverstanden gewesen sei. Die Beschuldigten hätten nach vorgängiger 

Absprache und Übereinkunft mit diesen Personen gemeinsam in gleichsam 

arbeitsteiliger Weise Handel mit Betäubungsmitteln betrieben, indem sie in 

Bananenlieferungen aus Kolumbien verstecktes Kokain auf dem Seeweg nach 

Belgien und von dort mittels Lastwagen in Bananenschachteln verpackt in die 

Schweiz eingeführt hätten, um es hier an Verteiler und Abnehmer zu übergeben. 

Dabei hätten sie im Wissen darum gehandelt, dass sich die Widerhandlung 

jeweils auf eine Menge von Betäubungsmitteln beziehe, welche die Gesundheit 

vieler Menschen in Gefahr bringen könne. Die Beschuldigten hätten damit in der 

Schweiz einen gewinnbringenden Betäubungsmittelhandel aufgezogen und ihren 

Lebensunterhalt davon zumindest zum Teil finanziert. 

- 26 - 

3.1.2 Der in allen Anklagepunkten geschilderte äussere Sachverhalt (Herkunft der mit 

Kokain versehenen Bananenlieferungen, Transport der "Bananen" aus Kolumbien 

in die Schweiz, Anzahl Bananenschachteln pro Lieferung, Mieten eines 

Lagerraumes im Zollfreilager XX., in der Schweiz beheimatete Firmen, welche 

jeweils als Empfänger und Importeure der Bananenlieferung auftraten, Entfernen 

des Kokains aus den gelieferten Bananenschachteln, Verbringen des Kokains 

bzw. der Bananenschachtelböden mit dem Kokain nach St. Gallen, Lagern des 

Kokains in der Wohnung von E., Weitergabe des Kokains in der Schweiz und im 

Ausland) ist mit Ausnahme der genauen Kokainmengen beweismässig erstellt: 

a) Kokainlieferung vom 17. Mai 2004 (Anklagepunkt Ziff. 1.1.1.1a): 

Die zolltechnische Abfertigung enthält diesbezüglich insbesondere folgende Da-

ten: Einfuhrdeklaration am 17. Mai 2004, 09.21 Uhr; Einfuhr von Bananen in 

20 Tauschpaletten (960 Plateaux bzw. Kartons), Bruttogewicht 19'200 kg, Netto-

gewicht 17'414 kg; Empfänger und Importeur: Z. AG; Absender: CC., Santa Marta 

(Kolumbien); Versender in Europa: DD., Zeebrugge (Belgien); Transportmittel: 

LKW; Spediteur: EE. AG, Deklarant: P.. Entsprechend diesen Angaben erstellte 

die Eidgenössische Zollverwaltung am 17. Mai 2004 einen Einfuhrzollausweis. 

Einreise des Lastwagens in Basel und Ausreise in Koblenz erfolgten am 17. Mai 

2004 (cl. 6 pag. 5.2.0.148-171; Schlussbericht der Eidgenössischen Zollverwal-

tung vom 12. August 2008, cl. 6 pag. 5.2.0.133 ff.). Erstellt ist weiter, dass die Z. 

AG im Zollfreilager XX. bei der BB. AG, XX., in der Zeit vom 13. Mai 2004 bis 

15. Juni 2004 einen Lagerraum bzw. Nutzfläche anmietete (cl. 6 pag. 5.2.0.143 f.).  

b) Kokainlieferung vom 13. Dezember 2004 (Anklagepunkte Ziff. 1.1.1.1b und 

1.1.2.1a): 

Die zolltechnische Abfertigung enthält diesbezüglich insbesondere folgende Da-

ten: Einfuhrdeklaration am 13. Dezember 2004, 09.24 Uhr; Einfuhr von Bananen 

in 20 Tauschpaletten (960 Kartons), Bruttogewicht 19'200 kg, Nettogewicht 

17'414 kg; Empfänger und Importeur: AA. SA; Absender: CC., Santa Marta (Ko-

lumbien); Versender in Europa: DD., Zeebrugge (Belgien); Transportmittel: LKW; 

Spediteur: EE. AG, Deklarant: P.. Entsprechend diesen Angaben erstellte die Eid-

genössische Zollverwaltung am 13./14. Dezember 2004 einen Einfuhrzollausweis. 

Ein- und Ausreise des Lastwagens erfolgten am 13. Dezember 2004 in Basel 

(cl. 6 pag. 5.2.0.199-233; Schlussbericht der Eidgenössischen Zollverwaltung vom 

30. Mai 2008, cl. 6 pag. 5.2.0.172 ff.). Neu ist, dass an Stelle der Z. AG die 

AA. SA als "Empfänger" und "Importeur" aufgetreten ist. Erstellt ist weiter, dass 

die AA. SA im Zollfreilager XX. bei der BB. AG, XX., in der Zeit vom 22. Novem-

ber 2004 bis 31. Dezember 2004 einen Lagerraum mietete; dieser Mietvertrag 

wurde bis 28. Februar 2005 verlängert (cl. 60 pag. 18.2.1.2.278-280). 

- 27 - 

c) Kokainlieferung vom 5. September 2005 (Anklagepunkte Ziff. 1.1.1.1c und 

1.1.2.1b): 

Die zolltechnische Abfertigung enthält diesbezüglich insbesondere folgende Da-

ten: Einfuhrdeklaration am 5. September 2005, 06.50 Uhr; Einfuhr von Bananen in 

22 Einwegpaletten (980 Kartons), Bruttogewicht 19'930 kg, Nettogewicht 

17'777 kg; Empfänger und Importeur: AA. SA; Absender: CC., Santa Marta (Ko-

lumbien); Transportmittel: LKW; Spediteur: EE. AG, Deklarant: Q.. Die Zolldekla-

ration enthält den Vermerk: "CC. VIA FF." (mithin FF. AB, UU., Schweden). Ent-

sprechend diesen Angaben erstellte die Eidgenössische Zollverwaltung am 

5./6. September 2005 einen Einfuhrzollausweis. Auch diese Bananenlieferung er-

folgte via Zeebrugge (Belgien). Ein- und Ausreise des Lastwagens erfolgten am 

5. September 2005 in Basel (cl. 6 pag. 5.2.0.235-302; Schlussbericht der Eidge-

nössischen Zollverwaltung vom 30. Mai 2008, cl. 6 pag. 5.2.0.172 ff.). Wiederum 

trat die AA. SA als "Empfänger" und "Importeur" auf und mietete im Zollfreilager 

XX. bei der BB. AG in der Zeit vom 15. August 2005 bis 30. November 2005 einen 

Lagerraum (cl. 6 pag. 5.2.0.43). 

d) Kokainlieferung vom 28. November 2005 (Anklagepunkte Ziff. 1.1.1.1d und 

1.1.2.1c): 

Die zolltechnische Abfertigung enthält diesbezüglich insbesondere folgende Da-

ten: Einfuhrdeklaration am 28. November 2005, 09.13 Uhr; Einfuhr von Bananen 

in 20 Einwegpaletten (960 Kartons), Bruttogewicht 19'654 kg, Nettogewicht 

17'414 kg; Empfänger und Importeur: AA. SA; Absender: CC., Santa Marta (Ko-

lumbien); Versender in Europa: DD., Zeebrugge (Belgien); Transportmittel: LKW; 

Spediteur: EE. AG, Deklarant: Q.. Entsprechend diesen Angaben erstellte die 

Eidgenössische Zollverwaltung am 28. November/13. Dezember 2005 einen Ein-

fuhrzollausweis. Die Einreise des Lastwagens erfolgte am 28. November 2005 in 

Basel (cl. 6 pag. 5.2.0.303-330; Schlussbericht der Eidgenössischen Zollverwal-

tung vom 30. Mai 2008, cl. 6 pag. 5.2.0.172 ff.). Die AA. SA verlängerte zuvor die 

Miete des Lagerraums im Zollfreilager XX. bis 15. Dezember 2005 (cl. 6 

pag. 5.2.0.43). 

e) Anstaltentreffen zu einer weiteren Kokainlieferung (Anklagepunkt Ziff. 1.1.1.1e): 

Am 22. Dezember 2006 fanden die Zollbehörden in Rotterdam (Niederlande) in 

einer Bananenlieferung aus Kolumbien 181 kg Kokain, welches in den Böden von 

Bananenschachteln eingearbeitet war (cl. 6 pag. 5.2.0.331-332). Die AA. SA mie-

tete im Zollfreilager XX. einen Lagerraum vom 15. April 2006 bis 31. Mai 2006 (im 

Mietvertrag vom 8./28. März 2006 wurde offenbar versehentlich der 15. April 2005 

als Mietbeginn aufgeführt; cl. 60 pag. 18.2.1.2.351 f. und 18.2.1.2.360 f.). Der 

- 28 - 

Mietvertrag wurde zunächst bis 31. August 2006 (cl. 60 pag. 18.2.1.2.359) und 

danach bis Ende 2007 verlängert (cl. 6 pag. 5.2.0.193). 

Ebenso erstellt sind hinsichtlich der vorstehend genannten Anklagepunkte lit. a-d 

die Einlagerung des Kokains im Zollfreilager in XX., das Entfernen der Bananen-

schachtelböden mit dem Kokain aus den Kartonschachteln, das Verbringen der 

Bananenschachtelböden mit dem Kokain in die Wohnung von E. in St. Gallen und 

das Verteilen des Kokains innerhalb der Schweiz und ins Ausland (vgl. cl. 6 

pag. 5.2.0.74-86) und hinsichtlich des Anstaltentreffens (vorstehend lit. e) be-

stimmte Vorbereitungshandlungen (cl. 6 pag. 5.2.0.54-59, 5.2.0.87-88). Bei der 

ersten Kokainlieferung fungierte die Z. AG bzw. deren Verantwortlicher G., bei den 

weiteren Kokainlieferungen die AA. SA bzw. deren Verantwortlicher F. als Impor-

teur und Empfänger der Waren.  

3.1.3 Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft erfüllt das Handeln der Beschuldigten 

mehrere Tatvarianten gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-6 aBetmG. Die meisten der 

Beweise werden vorgelegt für den Vorwurf des Einführens, Verbringens und 

„Ausbauens“ der Drogen aus den Bananenschachteln sowie des (Zwischen-) 

Lagerns im Zollfreilager XX., des Beförderns der Drogen nach und ihres 

Aufbewahrens in St. Gallen, sowie des Verteilens der Drogen an weitere 

Personen.  

Alle Anklagepunkte betreffenden Sachverhalte umfassen verschiedene Stufen 

des illegalen Umgangs mit Drogen innerhalb ein- und desselben Handlungskom-

plexes. Es handelt sich um diverse Formen der Beteiligung am unbefugten Ver-

kehr mit Betäubungsmitteln, also um mehrere Entwicklungsstufen ein- und dersel-

ben deliktischen Tätigkeit. Für einen Schuldspruch genügt es daher, wenn von 

mehreren eingeklagten Handlungen, die sich jeweils auf die gleiche Drogenart 

und –menge beziehen, eine Handlung tatsächlich erwiesen ist und rechtlich unter 

eine Tatbestandsvariante von Art. 19 Ziff. 1 aBetmG fällt. Damit wird verhindert, 

dass dieselbe Drogenmenge mehrfach gezählt bzw. addiert wird. Demzufolge 

müssen die angeklagten Auslandtaten nicht nachgewiesen sein, falls sie sich in 

ein einheitliches, in der Schweiz strafbares bzw. begangenes Handeln (Art. 3 

Abs. 1 aStGB i.V.m. Art. 26 aBetmG) einordnen lassen. Die Voraussetzungen von 

Art. 19 Ziff. 4 aBetmG sind dann nicht mehr zu prüfen (TPF 2006 221 E. 2.2.2). 

3.1.4 In Vorwegnahme des Beweisergebnisses (hinten E. 3.4) ist hier festzuhalten, dass 

die in allen vier Anklagepunkten betreffend „Kokainlieferung“ (E. 3.1.2 lit. a-d) 

umschriebenen Sachverhalte als ein einheitliches Geschehen zu werten sind. Die 

rechtliche Würdigung kann sich bei diesen Anklagepunkten entweder auf das 

Einführen, Lagern, Aufbewahren oder Verteilen beschränken, sofern 

diesbezüglich nicht Freisprüche erfolgen sollten, wobei die einzelnen Handlungen 

- 29 - 

im Hinblick auf die Strafzumessung nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden 

können. 

3.2 Funktion / Rolle des Beschuldigten A. 

3.2.1 Die Bundesanwaltschaft hält in der Anklage dafür, der Beschuldigte A. sei für die 

Rekrutierung, Instruktion und Kontrolle der massgeblich in der Schweiz an den 

Drogengeschäften beteiligten Personen zuständig gewesen (cl. 109 

pag. 109.110.4 f., 109.110.6 f., 109.110.9 f., 109.110.11 f., 109.110.15).  

3.2.2 Bei der Beweisführung stützt sich die Bundesanwaltschaft hinsichtlich der 

Funktion/Rolle des Beschuldigten A. u.a. auf die Aussagen von G., F., D., E., I., J., 

H. und des Beschuldigten B., auf die Ergebnisse von Telefonüberwachungen 

sowie diverse Urkunden. Der Beschuldigte A. erscheint in diesen Beweisen auch 

unter den Bezeichnungen "A1." oder "A2.", der Beschuldigte B. auch unter den 

Bezeichnungen "B1." oder "B2.". 

3.2.3 Bei der Würdigung von Aussagen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des 

Aussagenden gemäss neueren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu 

(BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 3. Aufl., München 

2007, N. 214; ZWEIDLER, Die Würdigung von Aussagen, in: ZBJV 132 [1996] 

S. 105 ff.; ZR 87 [1988] Nr. 123 S. 290). Weitaus bedeutender bei der 

Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussagen. Dabei kommt es vorwiegend auf den inneren Gehalt der 

Aussage an, verbunden mit der Art und Weise, wie die fragliche Person ihre 

Angaben vorträgt. Für die Beurteilung ist die Aussageanalyse, d.h. die kritische 

Würdigung des Aussageinhalts, von grosser Bedeutung. Damit eine Aussage als 

zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein 

von Realitätskriterien zu überprüfen (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., N. 310 ff.; 

BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in: SJZ 

81 [1985] 53 ff.; DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, in: Plädoyer 

2/1997 S. 28 ff., 33 ff.). 

3.2.4 Aussagen der beteiligten Personen zur Rolle/Funktion von A.: 

3.2.4.1 Der Beschuldigte A. erklärte im Vorverfahren, er habe sich ab März bis gegen 

Ende Juli 2004 und ab Anfang Dezember 2004 bis ca. April 2005 in der Schweiz 

aufgehalten; er habe beide Male in Bern eine Wohnung bzw. ein Zimmer gemietet 

und jeweils M. aufgesucht, mit welcher er eine Liebesbeziehung unterhalten habe. 

Nach der Ausreise aus der Schweiz habe er vor allem in Holland gelebt (cl. 27 

pag. 13.2.0.35, 13.2.0.46 f., 13.2.0.58). Bezüglich des ersten Kokaingeschäfts 

machte er zusammengefasst geltend, er habe nie etwas organisiert, er hätte dies 

- 30 - 

auch nicht tun können, da er weder die Schweiz noch irgendwelche Personen 

oder Firmen gekannt habe, noch irgendeine Ahnung gehabt habe, wie solche 

Transporte überhaupt hätten organisiert werden müssen, bezüglich Zollformalitä-

ten etc.. Das einzige, was er von D. gewusst habe, sei, dass im Boden von eini-

gen Bananenschachteln Kokain gewesen sei und dass man das Kokain an einen 

Ort habe bringen müssen. Einmal sei er bei E. gewesen, dies auf Anfrage von C.. 

Mit E. habe er nie über Tätigkeiten gesprochen, ihm auch keine Instruktionen ge-

geben, auch nicht an D. oder G.. Der Organisator sei C. gewesen, welcher in Ko-

lumbien ein wichtiger Bananenhändler sei; er (der Beschuldigte) habe den Kontakt 

zwischen C. und D. hergestellt. D. sei derjenige in der Schweiz gewesen, der in 

der Schweiz alles gekannt habe, so auch G.. Er (der Beschuldigte) habe lediglich 

die Telefonnummer von G. an C. weitergeleitet. Auch habe er von E. die Zahl „38“ 

erhalten und diese an C. weitergegeben. Seine Tätigkeit habe lediglich darin be-

standen, Informationen von D. oder E. an C. weiterzugeben. Seine Verantwortung 

habe sich darauf beschränkt, dass er sich diesen oder jenen Mann angeschaut 

habe und er Geld erhalten habe, um dieses einem Firmeninhaber zu übergeben 

(cl. 29 pag. 13.2.0.830-840). Mit Bezug auf die weiteren Kokaingeschäfte wieder-

holte der Beschuldigte, dass er keinerlei Instruktionen an irgendwen erteilt habe, 

er habe auch F. nicht gekannt und den Wechsel von G. zu F. nicht bemerkt. 

C. habe ihn darüber informiert, dass eine zweite Lieferung versendet worden sei, 

dies zu einem Zeitpunkt, als er sich in Holland aufgehalten habe. Für C. sei nur 

wichtig gewesen, dass er ihn darüber informieren könne, was laufe. Seine Aufga-

be habe lediglich darin bestanden, Informationen an C. zu übermitteln oder von C. 

übermittelt zu erhalten. Auch bei diesem Geschäft sei es D. gewesen, der alles 

gemacht habe, er selber habe von nichts gewusst; weder habe er Kuriere gekannt 

noch sei er für die Überwachung verantwortlich gewesen, er sei ja gar nicht dort 

gewesen. Er habe von C. die Instruktion erhalten, dass das Kokain in einer Ta-

sche mit Einkäufen weitergegeben werden solle, dies habe er B. und E. übermit-

telt. Auch mit Bezug auf die Weitergabe des Kokains durch E. in St. Gallen habe 

er lediglich die Instruktionen von C. weitergegeben, er selber habe niemanden ge-

kannt und auch nirgendwohin liefern können. In Bern habe er von einer Person, 

welche von C. gekommen sei, Fr. 50'000.-- erhalten; dieses Geld habe er F. über-

geben. D. habe er nie Geld gegeben, hingegen sei es zutreffend, dass er B. Geld 

gegeben habe. C. habe B. nicht bezahlt, weshalb D. und E. diesem Geld geliehen 

hätten, und er habe versucht, B. soviel Geld zu geben, wie es ihm möglich gewe-

sen sei (cl. 29 pag. 13.2.0.840-855). Mit Bezug auf das dritte Kokaingeschäft hält 

der Beschuldigte dafür, er habe nie von Kolumbien aus Kokain versandt und auch 

nicht solches in der Schweiz entgegengenommen. D. und E. hätten immer für C. 

gearbeitet. Er sei zur Zeit der dritten Lieferung legal in Madrid gewesen und habe 

dort gearbeitet. D. und E. hätten ihn in Madrid auf Geheiss von C. besucht, um ihn 

dazu zu bewegen, in die Schweiz zu kommen, was er abgelehnt habe. Das einzi-

ge, was er bezüglich dieses Geschäftes gemacht habe, sei, dass er C. informiert 

- 31 - 

habe, es seien 78 kg Kokain angekommen. Wie bei den früheren Kokaingeschäf-

ten habe er nur Instruktionen von C. an E. weitergegeben; Geld habe er nieman-

dem übergeben respektive zukommen lassen (cl. 29 pag. 13.2.0.855-864). Hin-

sichtlich des vierten Kokaingeschäfts wiederholte der Beschuldigte, C. habe ihn 

gebraucht, um ihm die Daten der Kokainlieferung zu übermitteln, und er habe nur 

Anweisungen von C. an D. oder E. weitergegeben. Nie habe er, wie auch zuvor 

nicht, mit irgendjemandem etwas vereinbart; D. und E. seien autonom gewesen 

und hätten genau gewusst, was sie zu tun gehabt hätten. C. habe ihn lediglich 

gebeten, alles H. zu übergeben; Letzteren habe er in der Folge in Amsterdam ge-

troffen. Auch H. sei sehr autonom und in ständigem Kontakt mit C. gewesen. Be-

züglich der Menge des Betäubungsmittels habe er von C. gewusst, dass es sich 

um 98 kg Kokain gehandelt habe, welches H. hätte erhalten sollen und offenbar 

auch erhalten habe. Er habe E. gesagt, dass er alles an H. übergeben solle. 

B. habe als Zeuge für die Übergabe des Kokains an H. fungieren müssen und sei 

zu diesem Zweck von Amsterdam in die Schweiz gereist. Ihn selber habe es nur 

gebraucht, um die Daten gegenüber C. zu präzisieren, und weil er D. und E. ge-

kannt habe. Zudem habe er sich damals nicht in der Schweiz, sondern die ganze 

Zeit in Spanien aufgehalten, weshalb es gar nicht möglich gewesen sei, eine solch 

grosse Verantwortung von Spanien aus zu tragen (cl. 28 pag. 13.2.0.724, 

13.2.0.726, cl. 29 pag. 13.2.0.868-880). Der Beschuldigte gab an, dass ein weite-

res Kokaingeschäft nicht geplant gewesen sei; dies wäre auch nicht möglich ge-

wesen, weil C. im Dezember 2005 in die USA gefahren sei und dort Wohnsitz ge-

nommen habe. Das habe allfällige weitere Kokainlieferungen ausgeschlossen. Er 

habe lediglich ein Treffen zwischen C. und D. in die Wege geleitet; C. habe D. 

nach Medellin (Kolumbien) kommen lassen. D. und E. seien zusammen nach Ko-

lumbien gereist um herauszufinden, ob es noch mehr Kokainlieferungen geben 

werde, da er (A.) es nicht gewusst habe. Er (A.) habe D. begleitet, da er gehofft 

habe, endlich von C. Geld zu erhalten. C. sei dann aber nicht in Medellin erschie-

nen, sondern habe eine andere Person geschickt. C. habe dann nur noch spora-

disch telefonischen Kontakt mit ihm gehabt, da er (A.) jedes Mal Geld verlangt ha-

be. Zu Beginn habe C. ihm pro Lieferung Fr. 100'000.-- vorgeschlagen, danach für 

alle Lieferungen zusammen Fr. 100'000.--; schlussendlich habe C. ihm nicht ein-

mal Fr. 50'000.-- gegeben. Er habe nie erreichen können, dass C. ihn bezahlt ha-

be; er habe ihn nie mehr treffen können. Der Kontakt sei dann gänzlich abgebro-

chen, als in den kolumbianischen Medien veröffentlicht worden sei, dass C. ein 

Agent der Anti-Drogenbehörde der USA sei. Auch jenes Mal habe er D. kein Geld 

gegeben (cl. 28 pag. 13.2.0.733, cl. 29 pag. 13.2.0.880-886). A. gab an, er habe 

keine Verfügungsgewalt über das angekommene Kokain gehabt. C. sei jeder-

manns Chef gewesen; jede Entscheidung, welche getroffen werden sollte, habe er 

(A.) zuerst absprechen müssen. Er sei einfach ein weiterer Arbeiter gewesen, der 

andere Funktionen gehabt habe (cl. 28 pag. 13.2.0.733). 

- 32 - 

Der Beschuldigte A. bestritt vor Gericht zunächst den Anklagesachverhalt. Er führ-

te aus, dass er nicht der Organisator der Kokainlieferungen gewesen sei, er habe 

diese Fähigkeit nicht. Sein Wille sei nicht auf alle Sachverhalte gerichtet gewesen, 

er sei in seinem Willen psychologisch vergewaltigt worden. Auch sei er hierfür 

nicht bezahlt worden. Er bestätigte indes grundsätzlich seine im Vorverfahren ge-

machten Aussagen als zutreffend, namentlich in Bezug auf seine Beteiligung an 

den vier Kokainlieferungen, wobei er allerdings lediglich der Informationsbeauftra-

ge von C. gewesen sei, indem er dessen Informationen und Befehle an die in der 

Schweiz am Kokainhandel Beteiligten weitergeleitet und deren Informationen an 

C. zurückgeleitet habe (cl. 109 pag. 109.931.4). Er bestritt die vor Gericht ge-

machte Aussage von H., wonach er der Verbindungsmann zwischen C. und den 

Abnehmern des Kokains in Europa gewesen sei. H. habe ihn zwar als grossen 

Mann dargestellt, doch habe er seine Information von C. in Miami (USA) erhalten, 

als dieser sich mit Leuten der DEA getroffen habe. Da C. möglicherweise für die 

DEA gearbeitet habe, habe er ihn (den Beschuldigten) als grossen Mann verkauft. 

Wahr sei hingegen, dass sich alles aus einem Kontakt zwischen den Firmen C.s 

in Kolumbien und den Firmen in der Schweiz entwickelt habe (cl. 109 

pag. 109.931.6). Der Beschuldigte bestritt sodann die frühere Aussage von B., 

dass er gegenüber den Beteiligten wie ein Chef aufgetreten sei. Beim fraglichen 

Treffen mit E., D. und B. in Bern vor Eintreffen der (zweiten) Kokainlieferung vom 

13. Dezember 2004 habe er niemandem Instruktionen geben müssen, da er mit 

E., D. und eventuell B. von Amsterdam zurückgekommen sei. Er habe nicht mit 

jedem einzeln sprechen müssen. Möglicherweise habe er aber Informationen ge-

ben müssen (cl. 109 pag. 109.931.6). Der Beschuldigte bestätigte sodann seine 

im Vorverfahren gemachte Aussage, wonach er bei der dritten Lieferung vom 

5. September 2005 eigentlich habe aussteigen wollen, doch habe er weiterma-

chen müssen, weil er als Einziger Kontakt zu D. und E. gehabt habe, und als 

schliesslich H. (bei der vierten Kokainlieferung) in die Schweiz gekommen sei, ha-

be dieser nur E., aber nicht D. kennen gelernt, weshalb er (der Beschuldigte) wei-

terhin als Verbindungsmann habe fungieren müssen (cl. 109 pag. 109.931.5).  

3.2.4.2 G. wurde mit Bezug auf seine Beteiligung an der Kokainlieferung vom 17. Mai 

2004 (Anklagepunkt Ziff. 1.1.1.1a) mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich 

vom 22. Januar 2010 in Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 

8. Juli 2009 der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 5 i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG schuldig 

gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren bestraft. Dieser Ent-

scheid ist rechtskräftig (cl. 36 pag. 18.7.0.47-62, 18.7.0.68; Urteil des Bundesge-

richts 6B_294/2010 vom 15. Juli 2010, cl. 109 pag. 109.514.12-20). Das Oberge-

richt sah es als erwiesen an, dass G. die Z. AG zur Verfügung gestellt und instru-

mentalisiert hatte, um den Drogenimport zu ermöglichen. Der Import und die La-

gerung des Kokains in XX. seien unter dem Namen dieser Firma gelaufen, wobei 

- 33 - 

G. den Frachtbrief und den Mietvertrag für den Lagerraum im Freilager unter-

zeichnet habe. Zudem habe er D. die Kosten für den Seetransport vorgeschos-

sen. Für seine Dienste habe G. Fr. 50'000.-- erhalten.  

 G. wurde im Vorverfahren am 4. Mai 2011 in Anwesenheit des Beschuldigten A. 

und dessen Verteidiger als Zeuge befragt, wobei er zu allen ihm gestellten Fragen 

in direktem Zusammenhang mit dem Beschuldigten A. die Aussage verweigerte, 

mit Ausnahme der Frage, ob er vom Beschuldigten A. Instruktionen erhalten habe, 

was er verneinte. Dagegen gab G. an, den Lagerraum von der BB. AG auf Anwei-

sung von D. gemietet zu haben. Weiter führte G. aus, das entsprechende Geld für 

seine Dienste von D. erhalten zu haben, welcher auch das Ganze organisiert ha-

be (cl. 23 pag. 12.12.0.29-45 = cl. 27 pag. 13.2.0.409-423). G. hatte indessen in 

dem gegen ihn geführten Strafverfahren nach anfänglich zurückhaltenden Aussa-

gen detaillierte, gleich bleibende und mit anderen Beteiligten kongruente Angaben 

gemacht und schilderte die Rolle des Beschuldigten A.. Er gab zusammengefasst 

zu Protokoll, er habe D. 2002 kennengelernt und mit ihm über den Fruchthandel 

über Antwerpen gesprochen. D. habe das Kokain vermutlich von A2. oder eben 

A1. gehabt; dies sei die zweite Person, welche er aus der Drogenbande kenne, 

und er denke, dass dieser es gewesen sei, welcher die Bananen organisiert habe 

(cl. 23 pag. 12.12.0.2-9). In der darauf folgenden Einvernahme hielt G. dafür, es 

sei im Prinzip um ein Export-Import-Geschäft mit Bananen und Gallensteinen aus 

Brasilien gegangen. Über das Geschäft habe er mit D. gesprochen. Er gehe aber 

davon aus, dass der A1. das Ganze in Kolumbien und Antwerpen organisiert ha-

be. Letzteren habe er dann in WW. getroffen; es sei darum gegangen, sich per-

sönlich kennenzulernen. D. sei auch dabei gewesen, er habe übersetzt. Später 

habe er den A1. nochmals getroffen, als er die zweite Tranche seines Entgeltes 

erhalten habe. Den A1. habe er das letzte Mal im Jahr 2005 in Madrid gesehen. 

Direkten Kontakt (ohne D.) habe er mit dem A1. nur einmal via E-Mail gehabt, dies 

nach dem Treffen in Madrid. Dabei sei es um den Kauf einer Proteinmaschine ge-

gangen (cl. 23 pag. 12.12.0.12-16). In einer weiteren Einvernahme präzisierte G., 

er habe sein Entgelt in vier Tranchen erhalten, zweimal sei nebst D. auch der A1. 

anwesend gewesen; er habe gesamthaft zwischen Fr. 50'000.-- und Fr. 55'000.-- 

erhalten. Zwecks Rekonstruktion reichte er eine handschriftliche Zusammenstel-

lung zu den Akten. G. konnte überdies genaue Angaben zu den Zusammentreffen 

mit A1. machen; so führte er aus, er habe ihn das erste Mal zwecks Besprechung 

des Geschäftes in einem Café oberhalb des Bahnhofs von WW. und das zweite 

Mal in VV. getroffen (cl. 23 pag. 12.12.0.17-21). G. führte weiter aus, die Vorbe-

sprechungen hätten höchstens zwei bis drei Wochen vor dem Eintreffen der Liefe-

rung stattgefunden und er sei von den Beiden (A1. und D.) bewusst im Unklaren 

gelassen worden. Seine Aufgabe sei gewesen, die Firma (Z. AG) zur Verfügung 

zu stellen, die Transportrechnung zu bezahlen und den Frachtbrief zu unter-

- 34 - 

schreiben. Ferner habe er den durch D. vorbereiteten Mietvertrag für den Lager-

raum im Zollfreilager unterschrieben (cl. 23 pag. 12.12.0.22-25). 

3.2.4.3 F. wurde im Zusammenhang mit den hier interessierenden Kokaingeschäften 

(Anklagepunkte Ziff. 1.1.1.1b, 1.1.1.1c, 1.1.1.1d, 1.1.1.1e) in Bestätigung des Ur-

teils des Bezirksgerichts Bülach vom 9. September 2010 mit Urteil des Oberge-

richts des Kantons Zürich vom 6. Juni 2011 der mehrfachen qualifizierten Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 

und 6 i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c BetmG schuldig gesprochen und mit einer 

Freiheitsstrafe von 8 Jahren bestraft (cl. 36 pag. 18.7.0.194-225). Dieser Ent-

scheid ist rechtskräftig (Urteil des Bundesgerichts 6B_634/2011 vom 

26. April 2012, cl. 109 pag. 109.514.1-11). Das Obergericht sah es als erwiesen 

an, dass F. bei der zweiten bis vierten Kokainlieferung die AA. SA einbrachte und 

als Bestellerin und Adressatin der Bananenlieferungen zur Verfügung stellte, und 

dass die Lagerhalle in XX., in welche die Lieferungen verbracht worden waren, 

von dieser Firma gemietet wurde, wobei F. für die administrativen Belange den 

unterschriftsberechtigten Firmeninhaber als Werkzeug einsetzte. F. habe sich 

auch die auftrags dieser Firma ausgeführten Handlungen wie Löschen der La-

dungen in Belgien, Verladen und Transporte in die Schweiz sowie Einlagern der 

Ware in XX. anrechnen zu lassen. Er habe gewusst, dass die Kokainlieferungen 

von A1. organisiert worden seien und dass D. diese Lieferungen in XX. entgegen-

nehmen würde. Er habe pro Lieferung eine hohe Entlöhnung von Fr. 100'000.-- 

erhalten, total mithin Fr. 300'000.--; zusätzlich seien die Spesen von A1. über-

nommen worden. Er habe auch konkrete Anstalten für die Bestellung einer weite-

ren Lieferung getätigt.  

 F. wurde im Vorverfahren am 19. August 2011 in Anwesenheit beider Beschuldig-

ter und deren Verteidiger als Auskunftsperson befragt. Er bestätigte im Wesentli-

chen seine im gegen ihn geführten Strafverfahren gemachten Angaben als richtig 

und wahrheitsgemäss und verwies generell auf das früher Gesagte. Bezüglich des 

Beschuldigten B. erklärte er, diesen nicht zu kennen. Bezüglich des Beschuldigten 

A. erklärte er, diesen nicht zu kennen; er habe ihn lediglich zweimal gesehen, 

aber nie mit ihm gesprochen. Es treffe zu, dass er diese Person auf einem Foto-

bogen als "A1." erkannt habe. Auf Frage nach seiner eigenen Aufgabe gab er an, 

sein Beitrag sei administrativer Art gewesen; er habe sich nach den „Vehandlun-

gen“ mit D. entschieden, gegen eine Entschädigung von Fr. 100'000.-- pro Con-

tainer mitzumachen. Er habe sich um die Zollabfertigungen sowie Zahlungen für 

die Bananen, des Bananenlieferanten, des Schiffstransports und der Lastwagen 

gekümmert. Im Zusammenhang mit den Kokainlieferungen sei er mit D. in Kontakt 

gestanden. A. habe er bei einer Geldübergabe an ihn gesehen. Auf Vorhalt gab F. 

an, es könne sein, dass er von A. im Februar 2005 in Bern Fr. 50'000.-- erhalten 

habe, er könne es aber nicht mit Bestimmtheit sagen, da der Mann damals eine 

- 35 - 

Schirmmütze und eine Sonnenbrille getragen habe. Er habe dies in einer früheren 

Einvernahme schon so gesagt, dies sei aber offenbar so nicht ins Protokoll einge-

flossen. Der Beschuldigte A. bestätigte anlässlich dieser Konfrontationseinver-

nahme die Übergabe von Fr. 50'000.-- an F. und gab an, er habe dieses Geld von 

einer ihm unbekannten Person im Auftrag von C. entgegengenommen und ge-

mäss dessen Anweisung an F. gegeben. Bezüglich der Funktion von A. gab F. an, 

dass er diese nicht kenne, sofern A. überhaupt eine gehabt habe. Über die Ko-

kainmengen sei er immer von D. informiert worden (cl. 26 pag. 13.1.0.833-853). In 

der Berufungsverhandlung vor dem Obergericht des Kantons Zürich führte F. aus, 

er wisse, dass gegen A1. ein Verfahren bei der Bundesanwaltschaft hängig sei, 

und er habe bereits zweimal ausgesagt. Er habe A1. nicht gross belasten können, 

er habe ja nie mit ihm zu tun gehabt. Er habe gesagt, dass A1. ihm zweimal eine 

Teilzahlung geleistet habe (cl. 36 pag. 18.7.0.125). 

3.2.4.4 D. wurde im Zusammenhang mit den hier interessierenden Kokaingeschäften 

(Anklagepunkte Ziff. 1.1.1.1a, 1.1.1.1b, 1.1.1.1c, 1.1.1.1d, 1.1.1.1e) mit Urteil des 

Bezirksgerichts Bülach vom 9. September 2010 bzw. mit Urteil des Obergerichts 

des Kantons Zürich vom 6. Juni 2011 der mehrfachen qualifizierten Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 

i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a, b und c BetmG schuldig gesprochen und mit einer Frei-

heitsstrafe von 12 Jahren bestraft (cl. 35 pag. 18.6.0.71-141; cl. 36 

pag. 18.7.0.141-175). Das Urteil des Obergerichts Zürich ist rechtskräftig (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_608/2011 vom 26. April 2012, cl. 109 pag. 109.514.1-11). 

Das Obergericht sah es als erwiesen an, dass D. an allen vier Kokainlieferungen 

beteiligt war und bis Ende 2006 Anstalten für eine weitere Lieferung traf. Es hielt 

fest, dass D. G. und als dessen Nachfolger F. dem A1. vorstellte und dass da-

durch die Verbindung zu den Firmen Z. AG und AA. SA hergestellt wurde, über 

welche die Bananenbestellungen und Importe nach Belgien abgewickelt wurden. 

D. habe A1. öfters getroffen, auch im Ausland, und von ihm Anweisungen erhal-

ten, was in der Schweiz zu machen sei. Bei Gesprächen zwischen F. und A1. ha-

be er als Übersetzer fungiert. Er habe Spesengelder von A1. erhalten und weiter-

geleitet sowie im Auftrag von A1. zweimal die Entlöhnung an F. übergeben. Nach 

dem Aussteigen von G. habe er die Mietverträge für die Einlagerung der Lieferun-

gen in XX. unterzeichnet. Er habe die Lieferungen in XX. entgegengenommen 

und sei beim Abladen der Bananenschachteln, Auswechseln der Böden, Bündeln 

der ausgewechselten Böden und deren Weitergabe an E. beteiligt gewesen. Aus-

serdem sei er für den Verkauf bzw. das Entsorgen der Bananen, das Beschaffen 

neuer Schachteln und das Entsorgen der alten Schachteln zuständig gewesen. 

Für seine Tätigkeit habe er insgesamt Fr. 350'000.-- erhalten.  

 D. verweigerte in der direkten Gegenüberstellung mit den beiden Beschuldigten 

jede Aussage (cl. 26 pag. 13.1.0.965 ff.). Im gegen ihn geführten Strafverfahren 

- 36 - 

bestätigte er, dass eine erste Sitzung in Zürich stattgefunden habe. Weiter bestä-

tigte er, dass er sämtliche Bananenschachtelböden durch neue habe ersetzen, 

das Kokain (d.h. die Schachtelböden mit dem Kokain) zu Bünden habe schnüren 

und diese in den Lieferwagen von E. habe laden müssen. In der Einvernahme 

vom 10. Juli 2008 schilderte D. detailliert die Abläufe der Drogenlieferungen (cl. 21 

pag. 12.9.0.211 ff.). Er bestätigte unter anderem, dass er F. dem A1. vorgestellt 

habe, dass sich diese zwei Mal gesehen hätten, und dass der A1. F. Geld gege-

ben habe; F. habe dreimal Fr. 100'000.-- erhalten. Weiter bestätigte er, dass es 

jeweils der A1. gewesen sei, welcher die Höhe der Entschädigung vor jeder Liefe-

rung neu festgesetzt habe; dies sei in einer Wohnung in Bern geschehen. Diese 

Verhandlungen seien mit jedem Beteiligten separat geführt worden. Über die ein-

zelnen Lieferungen und darüber, dass mit den Bananenschachteln Kokain an-

kommen würde, sei er von A1. orientiert worden.