# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 49968033-121a-5bf4-86ba-255f8c030da8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.10.2021 E-2717/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2717-2020_2021-10-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
   
 

 

 

  

 

 Abteilung V 
E-2717/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  O k t o b e r  2 0 2 1   

Besetzung  Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richterin Gabriela Freihofer, 

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien  A._______,  

geboren am (…), 

Sri Lanka,  

vertreten durch lic. iur. Monique Bremi,  

Rechtshilfe Asyl und Migration,  

Beschwerdeführer,  

 

   gegen 

  Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand  Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 23. April 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2717/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge Sri Lanka am 

19. August 2016. Mit Hilfe eines Schleppers sei er mit gefälschtem Pass 

von Colombo via Katar nach Istanbul gereist, wo er sich drei Monate auf-

gehalten habe; via Griechenland und verschiedene weitere Länder sei er 

am 9. Dezember 2016 in die Schweiz gelangt; hier stellte er gleichentags 

ein Asylgesuch. 

Der Beschwerdeführer wurde am 21. Dezember 2016 im damaligen Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ zur Person und summa-

risch zu seinen Fluchtgründen befragt. Für die Dauer des Asylverfahrens 

wurde er dem Kanton C._______ zugewiesen. Die einlässlichen Anhörun-

gen zu seinen Asylgründen fanden am 21. November 2019 und ergänzend 

am 19. März 2020 statt. 

A.b Der Beschwerdeführer, ein aus dem Vanni-Gebiet 

(D._______/E._______) stammender Tamile, machte geltend, er habe in 

D._______ und F._______ elf Jahre die Schule besucht und im Jahr 2009 

mit dem O-Level abgeschlossen. Bei seinem Onkel G._______ (bzw. 

G._______ vgl. A14 Bm 9 sowie Beschwerde S. 8), der in F._______ ein 

(…) geführt habe, habe er den Beruf des (…) gelernt. Der Onkel sei im Jahr 

2008 verschwunden beziehungsweise entführt worden; danach habe er 

(der Beschwerdeführer) selbständig gearbeitet; er sei zudem auch als 

Chauffeur tätig gewesen. Sein letzter Wohnort sei in F._______ gewesen, 

beziehungsweise seit 2001 habe er an verschiedenen Orten in E._______, 

D._______, H._______, I._______ und J._______ gelebt. Ein älterer Bru-

der sei anerkannter Flüchtling in K._______; ein weiterer Bruder habe nach 

ihm Sri Lanka ebenfalls verlassen und lebe nun in L._______; die jüngere 

Schwester lebe weiterhin bei den Eltern in F._______. 

Verschiedene Geschwister seines Vaters hätten den Liberation Tigers of 

Tamil Eelam (LTTE) angehört und seien im Laufe des Krieges ums Leben 

gekommen. Der Grossvater sei im März 2009 in der letzten Phase des 

Kriegs gestorben sowie eine weitere Tante. Ein Onkel und eine Tante, die 

bei der Bewegung gewesen seien, lebten heute in M._______ beziehungs-

weise in L._______. Auch der Onkel G._______ habe Kontakte zu den 

LTTE gehabt und die Bewegung unterstützt; im August 2018 sei er telefo-

nisch an einen Treffpunkt in F._______ bestellt worden und seither ver-

schwunden. Im Jahr 2010 oder 2011 habe man hinter dem (…)geschäft des 

Onkels Waffen gefunden. Der Vater des Beschwerdeführers sei nach dem 

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Verlust seiner Geschwister psychisch erkrankt. 

Er selbst habe sich in Sri Lanka in verschiedener Hinsicht politisch oder 

sozial engagiert; er sei aber nie Mitglied einer Partei gewesen. Im Jahr 

2009 habe er sich ehrenamtlich zugunsten von Flüchtlingen engagiert und 

namentlich Hilfsgüter verteilt oder Nahrung und Häuser für die Flüchtlinge 

– unter denen auch Militante gewesen seien – organisiert. In den Jahren 

2013/2014 habe er die Tamil National Alliance (TNA) im Wahlkampf unter-

stützt; er habe als Chauffeur Personen transportiert und Flyer verteilt; für 

die Wahlpropaganda seien unter anderem Fotos und Videos, die sein On-

kel G._______ gemacht habe, verwendet worden, und ehemalige LTTE-

Leute hätten bei diesen Propagandaaktivitäten mitgewirkt. Im Jahr 2015 

habe er für einige Monate in Batticaloa für den Menschenrechtsaktivisten 

Mathisayan – der Mitte 2015 erschossen worden sei – gearbeitet. 

Der Beschwerdeführer gab an, er sei insgesamt dreimal – im Jahr 2011 für 

drei Tage, im Jahr 2013 für fünf Tage und im Jahr 2015 für zehn Tage – 

festgenommen und jeweils schlimm misshandelt worden. Im Einzelnen 

machte er folgende konkreten Vorfälle mit den sri-lankischen Behörden gel-

tend: 

Im Jahr 2011 sei er zusammen mit seinem Bruder N._______ unter dem 

Vorwurf, die LTTE zu unterstützen, vom Criminal Investigation Department 

(CID) und von der Terrorism Investigation Division (TID) in D._______ ver-

haftet und während drei Tagen gefoltert worden. Man habe ihn gewarnt, er 

solle nicht weiter Hilfeleistungen zugunsten der LTTE machen, und ihm ge-

droht, andernfalls würde man ihn töten. Nach drei Tagen sei er zu einem 

unbekannten Ort verbracht und dort liegen gelassen worden; ein Passant 

habe ihn ins Spital gebracht, wo er zwei Wochen habe gepflegt werden 

müssen. 

Im Juli 2012 habe er zusammen mit seinem Bruder in F._______ an einer 

Protestaktion und einem Hungerstreik teilgenommen, nachdem ein Mann 

namens O._______ ermordet worden sei. Sie seien beide festgenommen 

worden beziehungsweise es habe lediglich eine mehrstündige Einver-

nahme stattgefunden; im August 2012 hätten dann aber Unbekannte ihr 

Haus angegriffen, wobei der Bruder mit einer Axt verletzt worden sei. Der 

Bruder (N._______) sei dann nach K._______ geflüchtet. 

Im Jahr 2013 sei er – im Zusammenhang mit seinem Engagement bei der 

Wahlkampagne der TNA – zum zweiten Mal, nun für fünf Tage, festgenom-

men und gefoltert worden.  

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Im Jahr 2014 sei er in H._______ nach einer Demonstration festgenommen 

und vom CID verhört worden; man habe ihn nach ehemaligen LTTE-Mit-

gliedern, die er im Rahmen der TNA-Unterstützungstätigkeiten im Jahr 

2013 kennengelernt hatte, sowie nach den damals für Propaganda ver-

wendeten Videos befragt; ferner habe man ihn namentlich nach einer Per-

son namens Gobi befragt, der ein Kollege seines Onkels G._______ ge-

wesen beziehungsweise auch mit ihm (dem Beschwerdeführer) befreundet 

gewesen sei; schliesslich sei es auch um Waffenverstecke gegangen. Er 

sei zwei Tage lang einvernommen worden. 

Die Festnahme im Jahr 2015 sei im Zusammenhang mit seiner Hilfe für die 

Menschenrechtsaktivitäten von Mathisayan gestanden; man habe ihn ge-

fragt, warum er Mathisayan unterstütze, und ihm vorgeworfen, schon seine 

Familie habe Militante unterstützt; er sei in F._______ vom CID festgenom-

men und in einem Fahrzeug mitgenommen worden; am ersten Tag der Haft 

habe man ihm mitgeteilt, man werde ihn nur zehn Tage behalten; er sei 

schwer gefoltert worden, habe aber auch unter Folter nichts preisgegeben. 

Mathisayan sei am 1. Juni 2015 in Batticaloa erschossen worden; ein Kol-

lege habe dies ihm telefonisch mitgeteilt. Er habe Angst um die eigene Si-

cherheit bekommen und habe daher bei der Schweizer Botschaft in Co-

lombo einen Visumsantrag für die Schweiz eingereicht, der aber abschlä-

gig beantwortet worden sei. Im Jahr 2015 sei er ferner mit einem Visum 

nach Singapur und einen Monat später nach Indien gereist; aus Singapur 

sei er sofort wieder ausgeschafft worden und bei der Rückkehr in Colombo 

am Flughafen vom CID verhaftet und geschlagen worden; aus Indien sei 

er nach wenigen Tagen zurückgekehrt, weil seine Mutter schwer erkrankt 

sei. 

Ausschlaggebend für seine Ausreise seien schliesslich die Ereignisse im 

Jahr 2016 gewesen. Im Februar 2016 sei ein Kollege, ein gewisser 

P._______, von den Behörden attackiert worden. Er (der Beschwerdefüh-

rer) habe Fotos gemacht und Flugblätter gedruckt und verteilt. In der Folge 

hätten ihn die CID und TID im April 2016 zu Hause gesucht; er sei nicht 

anwesend gewesen und habe die Ereignisse später telefonisch von seiner 

Mutter erfahren; es sei eine Haussuchung gemacht worden, und man habe 

Fotos, Videos, Flyer sowie auch Dokumente noch von seinem Onkel – da-

runter auch Videos von den LTTE – beschlagnahmt. Er habe sich in der 

Folge während vier Monaten in J._______ bei Verwandten versteckt; in 

dieser Zeit habe man mit Hilfe eines Schleppers die Ausreise organisiert. 

Seine Familie habe ein Stück Land und den Goldschmuck der Mutter ver-

kauft, um die Reise zu finanzieren. Am 19. August 2016 sei er mit einem 

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vom Schlepper besorgten Pass ausgereist, sein eigener echter Pass sei 

beim Schlepper verblieben.  

In der Schweiz engagiere er sich exilpolitisch. Er nehme regelmässig am 

Heldentag teil, wo unter anderem auch seiner in den Reihen der LTTE ge-

fallenen Tante gedacht werde. Zudem nehme er an Demonstrationen, bei-

spielsweise in Q._______, sowie an tamilischen Kulturanlässen im Kanton 

R._______ teil; dabei (…) und sei demnach jeweils in den vordersten Rei-

hen sichtbar. Seit seiner Ausreise sei das CID bereits dreimal bei seinen 

Eltern vorbeigegangen und habe nach ihm gefragt; man habe den Eltern 

mitgeteilt, man wisse von seinen Aktivitäten in der Schweiz, (…). 

A.c Der Beschwerdeführer reichte dem SEM seine Identitätskarte und sei-

nen Führerschein ein. Ferner wurden unter anderem folgende Beweisun-

terlagen (A14 und A15) zu den Akten gereicht: 

- Verschiedene Beweisunterlagen betreffend seine verstorbenen Ver-

wandten und deren politisches Engagement, je mit Übersetzungen (To-

desscheine betreffend den Grossvater [A14 Bm 8, A15 Bm 24], die 

Tante S._______ [A14 Bm 5, A15 Bm 21], den Onkel T._______ [A14 

Bm 6, A15 Bm 22], die Tante U._______ [A14 Bm 7, A15 Bm 23]; vgl. 

die Aussagen des Beschwerdeführers in A13 F3, A18 F35, 38-40) 

- Unterlagen betreffend den seit 2008 vermissten Onkel (letztes Famili-

enfoto mit dem Onkel [A15 Bm 19]; Anzeige bei der Human Rights 

Commission HRC Sri Lanka vom 11. August 2008 betreffend das Ver-

schwinden, und Schreiben der HRC an die Polizei von F._______ vom 

12. August 2019 [beides A14 Bm 9]; vgl. die Aussagen des Beschwer-

deführers in A13 F3, 66, 115; A18 F35, 38 f., 43) 

- Unterlagen betreffend seinen Vater, der unter psychischen Problemen 

leide, nachdem er verschiedene Geschwister verloren habe (Unterla-

gen der Mental Health Unit, General Hospital F._______, mit Einträgen 

aus den Jahren 2014 bis 2018; zwei Schreiben der Mental Health Unit, 

General Hospital, vom 29. November 2012 und 3. März 2014 [A14 Bm 

11]: Fotos vom Vater an einer Gedenk-Protestkundgebung im Jahr 

2017 [A14 Bm 14]; vgl. die Aussagen des Beschwerdeführers in A13  

F3 und F10) 

- Diverse Fotos des Beschwerdeführers (Foto mit Bildern von verwand-

ten «Märtyrern» [A15 Bm 18], vgl. die Aussagen in A13 F3; Foto, das 

die Verletzungen im Gesicht dokumentieren soll [A14 Bm 10]) 

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- Ein Bericht vom 12. April 2014 betreffend den Tod von Gobi (A14 Bm 1) 

- Ein Bericht von TamilNet vom 1. Juni 2015 betreffend den Tod von Ma-

thisayan (A14 Bm 2) 

- Ein Bericht von TamilNet vom 13. Februar 2016 über eine Attacke der 

Sri Lanka Navy auf tamilische Fischer (A14 Bm 3) 

- Ärztliche Unterlagen betreffend Behandlungen des Beschwerdeführers 

in der Schweiz (A14 Bm 15, A15 Bm 16, A15 Bm 20). 

B.  

Mit Verfügung vom 23. April 2020 – eröffnet am Folgetag – hielt das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie 

den Wegweisungsvollzug an. 

Die Vorinstanz würdigte die Vorbringen des Beschwerdeführers im We-

sentlichen als nicht glaubhaft gemacht. Nachdem er nach Kriegsende bis 

zu seiner Ausreise noch jahrelang in Sri Lanka gelebt habe, ohne dass 

Verfolgungsmassnahmen glaubhaft geworden wären, sei auch nicht davon 

auszugehen, er könnte bei einer Rückkehr ins Heimatland in Zukunft – über 

blosse Kontrollmassnahmen hinausgehend – in den Fokus der Behörden 

geraten. Namentlich seien seine exilpolitischen Aktivitäten zu wenig expo-

niert, um darauf schliessen zu lassen, der Beschwerdeführer könnte bei 

den heimatlichen Behörden als regimefeindliche Person gelten. 

C.  

Mit Beschwerde vom 25. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer die Verfü-

gung durch seine Rechtsvertreterin anfechten und beantragen, es sei 

seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren; 

eventualiter sie er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter 

sei er wegen Unzulässigkeit, allenfalls wegen Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen, subsubeventualiter sei die Sa-

che zur hinreichenden Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

ersucht und beantragt, die Rechtsvertreterin sei dem Beschwerdeführer als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin beizuordnen. Ferner beantragte der Be-

schwerdeführer die Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung. 

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Zusammen mit der Beschwerde wurden folgende Beweisunterlagen zu 

den Akten gereicht: 

- Ein weiteres Märtyrerfoto eines Verwandten (Foto des Onkels 

U._______, der in einer höheren LTTE-Funktion gewesen und im Mai 

2009 ums Leben gekommen sei), 

- Verschiedene Fotos betreffend die Teilnahme des Beschwerdeführers 

an einer Kundgebung im September 2019 in Q._______, sowie Links 

der Videoaufnahmen dieser Demonstration, auf denen er zu sehen sei, 

- Eine «Diagnoseliste und Medikation» des Hausarztes des Beschwer-

deführers vom 27. April 2020 sowie ein (bereits beim SEM eingereich-

tes) Erstgesprächsprotokoll des Zentrums für Psychotraumatologie (…) 

vom 10. August 2018. 

D.  

Mit Verfügung vom 8. Juni 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin, der Be-

schwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwar-

ten, hiess das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte die Rechtsvertrete-

rin als unentgeltliche Rechtsbeiständin ein. Zur Einreichung der in Aussicht 

gestellten Unterlagen und zur allfälligen Beschwerdeergänzung setzte sie 

dem Beschwerdeführer antragsgemäss eine Frist an. 

E.  

Mit Eingabe vom 22. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer medizinische 

Unterlagen seines Hausarztes, Dr. V._______ – namentlich einen Bericht 

vom 26. Mai 2020 sowie eine DVD mit Fotografien zur Dokumentation von 

Narben – ein. Dr. V._______ diagnostiziert eine PTBS und eine depressive 

Symptomatik im Sinne einer mittelschweren depressiven Episode und hält 

fest, eine psychologische Betreuung sei bisher an sprachlichen Gründen 

gescheitert; eine tagesklinische Behandlung beim Zentrum (…) in 

W._______ sei aus geographischen Gründen nicht durchführbar gewesen. 

Ferner wurden Unterlagen betreffend eine fürsorgerische Unterbringung 

des Beschwerdeführers vom 23. Mai 2020 bis 3. Juni 2020 (Hospitalisie-

rung im Psychiatriezentrum X._______ der Spitäler C._______) einge-

reicht; der Beschwerdeführer war aufgrund von selbstschädigendem Ver-

halten und Selbstgefährdung aufgrund einer Anpassungsstörung und psy-

chosozialen Krisensituation hospitalisiert worden. Ausserdem reichte der 

Beschwerdeführer Fotos einer Kundgebung in der Schweiz, an der er teil-

genommen habe, sowie eine Kopie betreffend Verweigerung der Einreise 

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Seite 8 

am Flughafen von Singapur am 25. Februar 2015 ein. 

Der Beschwerdeführer äusserte sich ergänzend zu den in der angefochte-

nen Verfügung festgestellten Widersprüchen in seinen Aussagen und wies 

auf die politischen Entwicklungen in Sri Lanka, die zunehmende Militarisie-

rung und die weiterverbreitete Straflosigkeit für begangene Kriegsverbre-

chen hin. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 13. Juli 2020 schloss das SEM auf Abweisung 

der Beschwerde 

G.  

Mit Replik vom 31. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-

sung Stellung. Er reichte einen Abklärungsbericht der Integrierten Psychi-

atrie Y._______ ([…]) vom 24. Juni 2020 ein, in welchem über ein am 

18. Juni 2020 durchgeführtes Vorgespräch berichtet wird. Der leitende Arzt 

und die Fachpsychologin diagnostizieren eine posttraumatische Belas-

tungsstörung und eine leichte depressive Episode und halten fest, es sei 

bisher keine entsprechende Behandlung erfolgt, obwohl eine solche indi-

ziert wäre und empfohlen werde. Erneut wurde auf den LTTE-Hintergrund 

des Beschwerdeführers und die daraus resultierende Gefährdung im Fall 

der Rückkehr hingewiesen; die sri-lankischen Behörden seien bei Verbre-

chen gegen die tamilische Bevölkerungsgruppe schutzunwillig. 

H.  

Mit Eingabe vom 23. November 2020 reichte der Beschwerdeführer wei-

tere Fotografien ein, die ihn bei einer exilpolitischen Kundgebung im (…) 

2020 in Q._______ zeigen, (…); zum Beleg reichte er den Screenshot ei-

nes Youtube-Videos ein, auf dem er als (…) bei einer Demonstration zu 

sehen ist. Ferner reichte der Beschwerdeführer das Schreiben des Zent-

rums für Psychotraumatologie (…) des SRK W._______ vom 8. Oktober 

2020 ein, aus dem hervorgeht, dass er im Oktober 2020 in der Tagesklinik 

von (…) eine Behandlung beginnen konnte; der Beschwerdeführer führt 

aus, es sei eine Behandlung von sechs Monaten vorgesehen. 

I.  

Mit Eingabe vom 20. August 2021 reichte der Beschwerdeführer einen aus-

führlichen Bericht des Zentrums (…) W._______ vom 9. August 2021 sowie 

einen Bericht des Kantonsspitals C._______, Klinik für Innere Medizin, vom 

16. Februar 2021 zu den Akten. 

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Seite 9 

Im Bericht des Zentrums (…) wird über die tagesklinische Behandlung be-

richtet, die der Beschwerdeführer zwischen Oktober 2020 und März 2021 

erhalten hat; seit März 2021 sei er in einer ambulanten Nachsorgebehand-

lung. Der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe 

sich zunächst etwas stabilisieren können, sich in den letzten Wochen aber 

wieder zunehmend verschlechtert. Diagnostisch wird festgehalten, der Be-

schwerdeführer erfülle gemäss dem International Trauma Questionnaire 

die Kriterien einer Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung und 

es lägen Symptome einer rezidivierenden depressiven mittelgradigen Epi-

sode vor; ferner würden die Abklärungen auf eine klinisch bedeutsame Dis-

soziation hinweisen. Neben psychischen Folterspuren seien ausserdem 

somatisch objektivierbare Folterspuren wie zum Beispiel Narben am Kopf 

festzustellen. Die behandelnden Fachpersonen gehen für den Fall einer 

Wegweisung aus der Schweiz von einer weiteren und massiven Ver-

schlechterung des Gesundheitszustandes und von einem Dekompensati-

onsrisiko aus. Sie empfehlen eine erneute tagesklinische Behandlung und 

halten fest, der Beschwerdeführer benötige weiterhin therapeutische Hilfe. 

Im Bericht des Kantonsspitals C._______ wird über eine Untersuchung des 

Beschwerdeführers am 16. Februar 2021 berichtet. Nach einem Vorfall im 

Dezember 2020, als der Beschwerdeführer sich von einem Mann mit einer 

Pistole verfolgt gewähnt und sich zu Boden geworfen habe, wobei er sich 

eine Platzwunde im Gesicht zugezogen habe, sowie aufgrund der geschil-

derten Schlafprobleme und Albträume wurden namentlich Epilepsie-Abklä-

rungen vorgenommen, die aber keine entsprechenden Befunde aufzeig-

ten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

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vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt.  108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen 

ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck 

noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehen-

den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

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Seite 11 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Vorab sind die formellen Rügen zu beurteilen, aufgrund derer der Be-

schwerdeführer eventualiter die Kassation der angefochtenen Verfügung 

beantragt. Er macht zum einen geltend, die Vorinstanz habe im Rahmen 

ihrer Glaubhaftigkeitsprüfung seinem Gesundheitszustand und seinen psy-

chischen Problemen nicht Rechnung getragen; damit sei die Glaubhaftig-

keitsprüfung nicht umfassend ausgefallen und die Begründungspflicht ver-

letzt worden (vgl. Beschwerde S. 16 f., 25, Replik S. 2). Zum andern wird 

eine ungenügende Sachverhaltsabklärung gerügt; zahlreiche der vom 

SEM angeführten Widersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers 

würden darauf beruhen, dass klärende Nachfragen nicht gestellt worden 

seien (vgl. Beschwerde S. 14 oben, 20). 

4.2 Es trifft zu, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung die akten-

kundigen Hinweise auf gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers 

lediglich bei den Erwägungen betreffend die Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs gewürdigt hat, im Rahmen der Prüfung der Glaubhaftigkeit 

der Asylvorbringen hingegen den vorliegenden Hinweisen auf psychische 

Probleme nicht Rechnung getragen hat. 

Dem SEM lagen im erstinstanzlichen Verfahren ärztliche Unterlagen des 

Hausarztes des Beschwerdeführers, Dr. V._______, aus der Zeit von De-

zember 2018 bis März 2020 vor, aus denen insbesondere die Diagnose 

einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer depressiven Symp-

tomatik im Sinne einer mittelschweren depressiven Episode hervorgeht. 

Ferner war bekannt, dass der Beschwerdeführer am 10. August 2018 beim 

Zentrum für Psychotraumatologie (…) des SRK W._______ ein Erstge-

spräch geführt hatte, in welchem festgehalten worden war, eine tagesklini-

sche Behandlung wäre indiziert, aus geographischen Gründen aber nicht 

umsetzbar; es sei eine wohnortsnahe Psychotherapie ins Auge zu fassen 

(vgl. SEM Akten A14 Bm 15; A15 Bm 16 und Bm 20). Auch die bei der 

Anhörung vom 21. November 2019 anwesende Hilfswerkvertretung (HWV) 

hatte auf gesundheitliche Probleme des Beschwerdeführers, der psychisch 

nicht sehr stabil zu sein scheine, hingewiesen (vgl. A13 Unterschriftenblatt 

HWV). 

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Im Rahmen der Anhörungen hatte der Beschwerdeführer sodann an ver-

schiedenen Stellen darauf hingewiesen, er habe Schlafprobleme und habe 

auch letzte Nacht schlecht geschlafen, es gehe ihm nicht so gut, er sei 

verwirrt und habe Schwierigkeiten, sich zu erinnern (vgl. A13 F 12, 30 ff., 

73, 137, 210, 218 f., 227; A18 F 3-7). Bei Lektüre des entsprechenden Pro-

tokolls drängt sich auch der Eindruck auf, dass der Beschwerdeführer in 

der Anhörung vom 21. November 2019, die morgens um 9.40 Uhr begann, 

nach der nachmittäglichen Pause ab 15.10 Uhr müde zu werden begann 

und nur noch kurze Antworten geben konnte (vgl. A13/ F 164 ff.). 

Diese Umstände hätten in die Glaubhaftigkeitsprüfung des SEM einflies-

sen müssen; der Beschwerdeführer bemängelt das Fehlen von Erwägun-

gen, die seinen psychischen Gesundheitszustand berücksichtigt hätten, zu 

Recht. Dass indessen die Verfügung wegen einer Verletzung der Begrün-

dungspflicht kassiert werden müsste, ist insgesamt nicht zu bejahen; es 

handelt sich denn auch vielmehr um Einwände gegen die materielle Glaub-

haftigkeitsprüfung der Vorinstanz. Das SEM hat seine Würdigung, die Asyl-

vorbringen seien nicht glaubhaft geworden, insgesamt ausreichend, unter 

Darlegung der wesentlichen Überlegungen und in einer Weise, die eine 

sachgerechte Anfechtung ermöglicht hat, dargelegt. Mit den psychischen 

Problemen des Beschwerdeführers hat das SEM sich schliesslich in seiner 

Vernehmlassung auseinandergesetzt. Dort gelangt die Vorinstanz zur Ein-

schätzung, die diagnostizierte PTBS reiche nicht aus, um die zahlreichen 

Widersprüche zu erklären, zumal sich diese nicht ausschliesslich auf die 

Folterungen und Ereignisse rund um die Traumatisierung bezogen hätten, 

sondern es auch betreffend andere Geschehnisse zu gewichtigen Unge-

reimtheiten gekommen sei. Wie in den nachfolgenden materiellen Erwä-

gungen darzulegen ist, schliesst sich das Gericht dieser Einschätzung im 

Wesentlichen an. 

4.3 Ferner rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe den Sachver-

halt nicht genügend abgeklärt; etliche Widersprüche würden darauf beru-

hen, dass nicht gut genug gefragt worden sei. 

Tatsächlich bleiben an einigen Stellen trotz der ausführlichen ergänzenden 

Anhörung vom 19. März 2020 Fragen offen, ohne dass dem Beschwerde-

führer zur Klärung weitere Fragen gestellt worden wären. So bezeichnete 

die Vorinstanz es beispielsweise als nicht glaubhaft, dass der Beschwer-

deführer betreffend den Vorfall im Jahr 2011 – als er nach dreitägiger Haft 

vom CID an einem unbekannten Ort liegen gelassen worden sei, bis ihn 

ein Passant ins Spital gebracht habe – bis heute nicht wisse, wo er aufge-

funden worden sei, und dies auch nachträglich nicht in Erfahrung gebracht 

E-2717/2020 

Seite 13 

habe (vgl. angefochtene Verfügung E. II 1.c S. 6 f.). Diesbezüglich ist fest-

zuhalten, dass gerade hierzu keinerlei klärende Fragen gestellt worden 

sind (vgl. A13 F 112 f., 117 f.). Auch in Bezug auf die Ereignisse im Jahr 

2012 – als der Beschwerdeführer und sein Bruder an einem Hungerstreik 

für einen gewissen O._______ teilgenommen hätten und deswegen fest-

genommen worden seien (vgl. A6/ S. 7; A13 F 71, 118 ff., 127, 132 ff.), 

fehlen beispielsweise klärende Fragen dazu, was der Beschwerdeführer 

mit jenem O._______ genau zu tun gehabt habe. Schliesslich sind auch zu 

den Aussagen des Beschwerdeführers betreffend die erlittene Folter die 

nötigen klärenden Nachfragen unterblieben (vgl. E. 6.2). 

Auch in diesem Zusammenhang rechtfertigt sich indessen bei der heutigen 

Aktenlage – angesichts der verschiedenen Eingaben im Beschwerdever-

fahren und der eingereichten Beweismittel – eine Kassation nicht. Der 

Sachverhalt darf heute als hinreichend erstellt gelten und das Gericht kann 

sich gestützt auf alle vorliegenden Akten zur Sache ausreichend äussern. 

5.  

5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, der Beschwer-

deführer habe seine Vorbringen nicht glaubhaft machen können.  

Zunächst seien diese in weiten Zügen widersprüchlich. So würden die An-

gaben des Beschwerdeführers zu seinen Wohnorten seit dem Jahr 2011 

oder dazu, wo er bei den Behörden registriert gewesen sei, voneinander 

abweichen. Auch die Angaben, wie oft und wann er verhaftet worden sei, 

würden sich widersprechen, und er habe die Ungereimtheiten, in den An-

hörungen darauf angesprochen, nicht aufzulösen vermocht. Auch die Um-

stände der Reisen nach Singapur und Indien im Jahr 2015 habe er unter-

schiedlich dargelegt; ebenso seien die Angaben zu seinem Reisepass (be-

ziehungsweise zu seinen mehreren Pässen) widersprüchlich. Ferner habe 

der Beschwerdeführer die angeblich in der Haft erlittene Folter nicht wider-

spruchsfrei geschildert. Schliesslich seien auch die Angaben, wo er sich 

vor der Ausreise versteckt gehalten habe, nicht stimmig; einerseits habe er 

sich angeblich bei der Grossmutter versteckt, andererseits seien angeblich 

alle Grosseltern verstorben, und mit der Bezeichnung «Grossmutter» sei 

vielmehr die Schwester der Grossmutter gemeint gewesen. 

Weiter seien die Aussagen, namentlich zu den Verhaftungen und zur erlit-

tenen Folter, überwiegend unsubstanziiert und allgemein ausgefallen, und 

es habe an emotionsbehafteten und erlebnisbasierten Beschreibungen ge-

fehlt. Zudem seien die Schilderungen zur Inhaftierung im Jahr 2011, als er 

angeblich nach drei Tagen Haft vom CID an einem unbekannten Ort liegen 

E-2717/2020 

Seite 14 

gelassen worden sei, bis ein Passant ihn ins Spital gebracht habe, insofern 

nicht plausibel, als es höchst unwahrscheinlich scheine, dass der Be-

schwerdeführer bis heute nicht wisse, wo er aufgefunden worden sei. Dass 

er sich zudem angeblich an Daten oder an Details der Erlebnisse nicht 

habe erinnern können, stehe in auffälligem Widerspruch zu anderweitigen 

detailliert wiedergegebenen Einzelheiten etwa betreffend die Abflugzeiten 

bei der Ausreise oder die genaue Identität im gefälschten Reisepass. 

Unsubstanziiert und lediglich allgemein seien auch die Aussagen zu den 

eigenen politischen Aktivitäten, zu den Unterstützungstätigkeiten für die ta-

milische Bevölkerung, zur Teilnahme an einem Hungerstreik, zum Engage-

ment für die TNA oder zu seinen eigenen Reaktionen auf den Tod von Ma-

thisayan geblieben. Derartige Aussagen hätte jede beliebige Person ma-

chen können, ohne das Entsprechende selber erlebt zu haben. Was den 

angeblichen ehrenamtlichen Einsatz für Flüchtlinge, auch für LTTE-Ange-

hörige, im Jahr 2009 betreffe, habe der Beschwerdeführer nicht plausibel 

aufzeigen können, warum gerade er, als damals erst (…)-Jähriger, solche 

Tätigkeiten von relativ grosser Verantwortung hätte ausführen sollen. 

Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeignet, einen asylrelevanten 

Sachverhalt glaubhaft zu machen. Aus den Unterlagen (Todesanzeigen, 

Vermisstenanzeigen) betreffend seine Verwandten gehe hervor, dass 

diese bereits während der Kriegszeit verstorben oder verschwunden seien; 

die Vorfälle würden also Jahre zurückliegen und hätten sich auch lang be-

vor der Beschwerdeführer angeblich Probleme bekommen habe, ereignet, 

weshalb eine Auswirkung auf seine persönliche Situation praktisch ausge-

schlossen erscheine. Was das Beweismittel betreffend Mathisayan be-

treffe, stimme das darin genannte Todesdatum von Mathisayan nicht mit 

den Aussagen des Beschwerdeführers überein. Das Foto, das den Be-

schwerdeführer mit Verletzungen im Gesicht zeigen solle, sei von schlech-

ter Qualität und könne ohnehin nicht belegen, wann und wie er sich diese 

Verletzungen zugezogen hätte. Festzuhalten bleibe, dass der Beschwer-

deführer zu seinen angeblichen Verhaftungen sowie zum angeblichen En-

gagement für die LTTE oder die TNA keinerlei Beweisunterlagen einge-

reicht habe. 

Der Beschwerdeführer habe ferner auch nicht aufzeigen können, dass ihm 

in Zukunft, im Sinne von Nachfluchtgründen, im Heimatland eine Verfol-

gung drohen würde. Namentlich sei das geltend gemachte exilpolitische 

Engagement in der Schweiz – die Teilnahme am Märtyrertag und an De-

monstrationen oder Kulturanlässen, (…) – zu wenig exponiert und reiche 

E-2717/2020 

Seite 15 

nicht aus, um darauf zu schliessen, der sri-lankische Staat hätte ein Inte-

resse daran, den Beschwerdeführer als regimefeindliche Person zu identi-

fizieren und zu registrieren. Nachdem die Vorbringen betreffend die Vor-

fluchtgründe nicht glaubhaft geworden seien, sei es auch praktisch ausge-

schlossen, dass die sri-lankischen Behörden an seiner Person und seinem 

exilpolitischen Engagement ein Interesse gehabt haben sollten. 

Eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung sei gemäss den in der 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (Referenzurteil  

E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) umschriebenen Risikofaktoren zu prüfen; 

für den Beschwerdeführer sei zu verneinen, dass er bei einer Rückkehr in 

den Fokus der Behörden geraten sollte, nachdem er vor seiner Ausreise 

keinen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei und nach 

Kriegsende bis zur Ausreise im August 2016 noch jahrelang in Sri Lanka 

gelebt habe. Soweit Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine 

gültigen Identitätsdokumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren 

durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, am Flughafen zu ih-

rem Hintergrund befragt oder an ihrem Herkunftsort zwecks Registrierung 

und Identitätserfassung im Sinne von Kontrollmassnahmen befragt wür-

den, oder soweit allenfalls ein Strafverfahren wegen illegaler Ausreise er-

öffnet werden könne, stelle dies keine asylrelevanten Verfolgungsmass-

nahmen dar. Diese Einschätzung werde auch durch die im November 2019 

erfolgte Präsidentschaftswahl und die seitherigen politischen Entwicklun-

gen in Sri Lanka nicht umgestossen, nachdem der Beschwerdeführer zu 

diesen Ereignissen keinen persönlichen Bezug habe. 

5.2 In der Beschwerde sowie der Beschwerdeergänzung vom 22. Juni 

2020 setzt sich der Beschwerdeführer mit den vom SEM angeführten Un-

glaubhaftigkeitsargumenten auseinander (vgl. Beschwerde S. 12 ff.; Ein-

gabe vom 22. Juni 2020 S. 3 f.). Seine verschiedenen Wohnorte seit 2011 

habe er in den Anhörungen genannt; er habe arbeitsbedingt an verschie-

denen Orten, teils bei Verwandten, teils bei Freunden gewohnt. Dass er an 

zwei Orten registriert gewesen sei, erkläre sich damit, dass die Familie in 

diesen Orten Grundstücke gehabt habe. Verschiedene Ungereimtheiten 

hätte das SEM mit geeigneten Nachfragen aufklären können, und sie wür-

den ausserdem teils nicht zentrale asylrelevante Vorbringen betreffen. 

Dass er auch die Schwester der Grossmutter als «Grossmutter» bezeich-

net habe, entspreche einer kulturbedingten Terminologie, die dem SEM 

hätte bekannt sein müssen. Soweit die Erzählweise teils durch ein Durch-

einander geprägt gewesen sei, scheine dies durch seinen psychischen Ge-

sundheitszustand bedingt gewesen zu sein. 

E-2717/2020 

Seite 16 

Dass er seine Inhaftierungen und die erlebte Folter nicht habe erlebnisba-

siert und emotionsbehaftet schildern können, sei zu bestreiten. Er habe im 

Gegenteil mit vielen Emotionen erzählt, geweint, seine Narben gezeigt und 

die Wirkungen, unter denen er bis heute leide, geschildert. Er habe dies-

bezüglich ärztliche Berichte vorgelegt, in denen eine posttraumatische Be-

lastungsstörung diagnostiziert worden sei. Die Vorinstanz habe seinem 

Gesundheitszustand bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu Unrecht nicht 

Rechnung getragen und habe diesbezüglich auch die Begründungspflicht 

verletzt. So könne eine erlebte Traumatisierung unterschiedliche Darstel-

lungen von Ereignissen durchaus erklären, wie in wissenschaftlichen Stu-

dien anerkannt werde. Dass er sich noch an Details des Reisewegs habe 

erinnern können, stehe nicht in Widerspruch dazu, dass er sich an andere, 

traumatisierende Aspekte seiner Erlebnisse weniger gut erinnere. Es treffe 

ferner auch nicht zu, dass er die Verhaftungen und Misshandlungen un-

substanziiert geschildert habe; vielmehr würden seine Aussagen eindeu-

tige Realkennzeichen beinhalten. Zu Unrecht nehme die Vorinstanz so-

dann auf angebliche Widersprüche betreffend die erlebte Folterung Bezug; 

vielmehr habe er anlässlich mehrerer Inhaftierungen Folter erlitten, und die 

Vorinstanz hätte diesbezüglich präziser nachfragen müssen. 

Auch dass er angeblich sein politisches Engagement, namentlich die Tä-

tigkeiten im Jahr 2009, nicht plausibel geschildert habe, vermöge nicht zu 

überzeugen, und die Vorinstanz verletze diesbezüglich auch ihre Begrün-

dungspflicht. Dass er schon als junger Mann mit verantwortungsvollen Auf-

gaben betraut worden sei, sei angesichts seiner verschiedenen bei den 

LTTE stark engagierten Angehörigen durchaus nachvollziehbar. Das Krite-

rium angeblich fehlender Plausibilität und Logik dürfe ohnehin nur zurück-

haltend zur Anwendung kommen. 

Zusammenfassend habe er seine Vorbringen, namentlich die erlebten Ver-

haftungen und Folterungen, glaubhaft gemacht. Diese stellten eine asylre-

levante Vorverfolgung dar und würden auch eine begründete Furcht vor 

zukünftiger Verfolgung untermauern. Ferner erfülle er zahlreiche Risikofak-

toren gemäss dem einschlägigen Referenzurteil des Bundesverwaltungs-

gerichts. Neben dem eigenen politischen Engagement und den erlebten 

Verhaftungen und Einvernahmen seien der familiäre Hintergrund einer 

stark mit den LTTE verbundenen Familie und zahlreiche bei den LTTE teils 

in hohen Positionen aktiv gewesene Verwandte relevant; zudem sei er exil-

politisch aktiv und trage sichtbare Folterspuren. Es müsse davon ausge-

gangen werden, dass er auf einer «Stop-Liste» figuriere. 

E-2717/2020 

Seite 17 

5.3 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM daran fest, dass der Be-

schwerdeführer auch angesichts der im Beschwerdeverfahren eingereich-

ten Beweismittel (Fotos von Demonstrationen) nicht in derart exponiertem 

Ausmass exilpolitisch tätig sei, dass sich daraus eine flüchtlingsrechtliche 

Gefährdung ergeben würde. 

5.4 In seiner Replik sowie in der Eingabe vom 23. November 2020 unter-

strich der Beschwerdeführer, seine exilpolitischen Aktivitäten seien in einen 

Kontext zu seiner Herkunft aus eine Familie von LTTE-Kämpfern zu setzen. 

Er werde deshalb von den sri-lankischen Behörden nicht lediglich als un-

bedeutender Mitläufer eingestuft. Nach seiner Teilnahme am Heldentag 

hätten denn auch die Sicherheitsdienste seine Familie in Sri Lanka aufge-

sucht und eingeschüchtert. An den Demonstrationen in der Schweiz 

nehme er jeweils als (…) in vorderster Reihe teil und (…), wie aus den 

eingereichten Unterlagen ersichtlich werde, (…); auch dies hebe ihn von 

einer blossen Mitläuferposition klar ab. Ferner reichte der Beschwerdefüh-

rer weitere Unterlagen betreffend seinen psychischen Gesundheitszustand 

ein, aus denen hervorgehe, dass er im Heimatland eine Traumatisierung 

erlitten habe; eine zwangsweise Ausschaffung an den Ort der Traumatisie-

rung müsste zu einer starken gesundheitsgefährdenden Dekompensation 

führen; es wäre auch zweifelhaft, ob in Sri Lanka die erforderlichen Be-

handlungen zur Verfügung stehen würden. 

6.  

6.1 Das SEM würdigte die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

Fluchtgründe insgesamt als nicht glaubhaft gemacht. 

 

6.2 Vorab ist festzuhalten, dass nicht alle Erwägungen des SEM im Rah-

men der Glaubhaftigkeitsprüfung zu überzeugen vermögen. Dass die ver-

schiedenen Hinweise auf einen psychisch labilen Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers hätten Berücksichtigung finden müssen, wurde bereits 

festgehalten (vgl. oben E. 4.2).  

Zu wenig Gewicht wurde auch dem familiären Hintergrund des Beschwer-

deführers beigemessen. Das SEM zog (angesichts der eingereichten Be-

weisunterlagen zu Recht) nicht in Zweifel, dass verschiedene Verwandte 

des Beschwerdeführers in den Reihen der LTTE gekämpft haben und ge-

fallen sind; es verneinte aber die Relevanz dieser Tatsachen für die Verfol-

gungssituation des Beschwerdeführers mit der Begründung, die Angehöri-

gen seien bereits während der Kriegszeit und somit Jahre bevor der Be-

schwerdeführer angeblich Probleme bekommen habe, ums Leben gekom-

men. Diese Erwägungen verkennen, dass die Herkunft aus einer von den 

E-2717/2020 

Seite 18 

LTTE geprägten Familie durchaus auch nach Kriegsende als gefährdender 

Faktor gelten muss. Zudem überzeugt namentlich die Erwägung des SEM 

nicht, der Beschwerdeführer habe seine Motivation für ein politisches En-

gagement und die Gründe, weshalb man ausgerechnet ihm als jungem 

Mann im Jahr 2009 hätte verantwortungsvolle Tätigkeiten für die LTTE an-

vertrauen sollen, nicht plausibel aufgezeigt. Vielmehr wies der Beschwer-

deführer in diesem Zusammenhang nachvollziehbar auf seinen familiären 

Hintergrund und die daraus erwachsene Motivation hin; diese kann jeden-

falls nicht als unplausibel gelten (vgl. A13 F 92, 115). 

Ebenfalls nicht zu überzeugen vermag die Erwägung des SEM, der Be-

schwerdeführer habe die erlebte Folter – Schläge mit einem Rohr bezie-

hungsweise einem Plastikrohr, Eisenrohr oder Holzknüppel – widersprüch-

lich geschildert (vgl. Verfügung vom 23. April 2020 E. II 1.a S. 5). Wie in 

der Beschwerde (vgl. a.a.O. S. 19 ff.) zu Recht festgehalten, verkennt diese 

Erwägung offenkundig, dass der Beschwerdeführer von Misshandlungen 

anlässlich verschiedener Festnahmen – seinen Angaben gemäss im Jahr 

2011, 2013 und 2015 – sprach (vgl. A6 S. 7 f.; A13 F 72 ff., 98, 104, 178, 

182), und dass es daher keinen Widerspruch darstellt, wenn er Misshand-

lungen einerseits mit einem Rohr, andererseits mit einem Holzknüppel 

schilderte. Ferner muss die protokollierte Passage «Öfters haben sie in 

mein Gesicht geschlagen. Sie haben ein Rohr verwendet, um in mein Ge-

sicht zu schlagen. Das Plastikrohr war ein Eisenrohr gewesen.» (vgl. A13  

F 73) auffallen, die während der Befragung hätte zu klärenden Nachfragen 

Anlass geben müssen; solche sind allerdings ausgeblieben. Aus dieser 

Passage Widersprüche ableiten zu wollen, ist nicht haltbar. 

6.3 Zutreffend weist das SEM allerdings darauf hin, dass der Beschwerde-

führer in verschiedenen Aussagen vage und unsubstantiiert blieb, während 

er in anderem Kontext präzise Einzelheiten bis in Details (so etwa die Per-

sonalien in seinem gefälschten Reisepass, die Daten betreffend das nicht 

gewährte schweizerische Visum oder die genauen Abflugzeiten auf der 

Reise nach Europa (vgl. A6/ S. 6, A13 F 71), wiedergeben konnte. 

Diese Diskrepanz der Aussagendichte fällt in der Tat auf. So vermochte der 

Beschwerdeführer beispielsweise die erste Inhaftierung, die er im Jahr 

2011 erlebt habe, nicht ansatzweise zeitlich zu verorten; sie soll sich im 

September 2011 beziehungsweise zwischen Januar und März 2011 ereig-

net haben (vgl. A6 S. 8, A13 F 93). Auch unter Berücksichtigung des fragi-

len psychischen Gesundheitszustands bleiben die vagen Aussagen auffäl-

lig; sie betrafen nicht nur traumatisierende Ereignisse wie Inhaftierung oder 

E-2717/2020 

Seite 19 

Folter, sondern etwa auch den Inhalt der angeblichen politischen Tätigkei-

ten (vgl. nachfolgend E. 6.4).  

6.4 Während zwar die Erwägung des SEM, der Beschwerdeführer habe 

die Motivation für sein Engagement für die LTTE im Jahr 2009 nicht aufzei-

gen können, nicht überzeugt und den familiären Hintergrund des Be-

schwerdeführers ausblendet (vgl. vorstehend E. 6.2), so ist der Vorinstanz 

aber beizupflichten, dass seine Aussagen zu seinen jeweiligen politischen 

Aktivitäten in der Tat sehr vage und unsubstantiiert ausgefallen sind. 

Der Beschwerdeführer gab an, bei Kriegsende im Jahr 2009 Flüchtlingen 

in einem Flüchtlingslager geholfen und im Vanni Hilfsgüter verteilt zu haben 

(vgl. A6 S. 7, A13 F 71). Seine diesbezüglichen Aussagen – er sei mit den 

Chefs der Hilfsorganisationen befreundet gewesen, und so habe man dort 

Hilfsgüter abholen und nachher weiterverteilen können (vgl. A13 F 80 ff.; 

A18 F 102 ff.), er sei überall hingegangen, gerade in abgelegene schwach 

besiedelte Dörfer, und habe leere Häuser gefunden (vgl. A13 F 89 ff.) – 

sind stereotyp geblieben (vgl. A13 F 109 f.) und insgesamt nicht plausibel 

und substantiiert dargelegt worden. 

Auch die Aktivitäten für die TNA im Jahr 2013 schilderte er nur unsubstan-

tiiert. Er habe bei den Wahlen beziehungsweise bei der Wahlkampagne 

geholfen, namentlich indem er Propaganda gemacht habe und als Chauf-

feur mit einem gemieteten Auto Politiker transportiert habe (vgl. A13 F 67 

ff., 143; A18 F 64 ff., 70, 84 ff.). Für die Wahlkampagne der TNA sollen 

angeblich Videos benutzt worden sein, die noch der Onkel des Beschwer-

deführers, G._______, und dessen Kollegen im Vanni-Gebiet während des 

Kriegs gemacht hatten (vgl. A6 S. 7; A13 F 71, 136, 151; A18/18 F 88 ff.). 

Ausser den Angaben, man habe die Videos und Bilder gezeigt und den 

Leuten berichtet, wie die Armee im Krieg Leute gefoltert, Frauen vergewal-

tigt und Zivilisten geschlagen habe (vgl. A13 F 138 ff.), vermochte der Be-

schwerdeführer die angeblichen Propagandaaktivitäten nicht zu substanti-

ieren. (…). Festzuhalten bleibt, dass der Beschwerdeführer auch keine Be-

weisunterlagen betreffend derartiges angeblich selber hergestelltes Propa-

gandamaterial zu den Akten reichte. 

Schliesslich schilderte der Beschwerdeführer auch sein angebliches Enga-

gement im Jahr 2015 an der Seite von Mathisayan nur stereotyp und vage. 

Seine Darstellung, wie er Mathisayan kennengelernt habe – er habe sich 

einmal mit ihm am Telefon unterhalten und ihm gesagt, er sei bereit, mit 

ihm zusammenzuarbeiten, er habe einen Führerschein und wolle helfen, 

und so habe die Arbeit begonnen (vgl. A13 F 162 f.); beziehungsweise er 

E-2717/2020 

Seite 20 

habe damals einen Job gebraucht, habe Mathisayan kontaktiert und dann 

die Stelle erhalten (vgl. A18 F 96 f., 99) – lässt nicht auf ein pointiertes 

politisches Engagement schliessen. 

Insgesamt wird eine exponierte politische Tätigkeit des Beschwerdeführers 

in Sri Lanka nach dem Gesagten nicht glaubhaft. Offenbar hat der Be-

schwerdeführer, namentlich als Chauffeur sowie durch das Verteilen von 

Flyern und Flugblättern im Jahr 2013 im Wahlkampf der TNA mitgeholfen; 

die Tätigkeit als Chauffeur (wie auch seine angebliche Tätigkeit für Mathi-

sayan im Jahr 2015) bezeichnete er denn auch als bezahlte Erwerbstätig-

keit. Dass er ein massgeblicher Organisator gewesen wäre –beim Hunger-

streik für O._______ im Jahr 2012, im TNA-Wahlkampf 2013 oder für Ma-

thisayan im Jahr 2015 – wird nicht glaubhaft; aus dem eingereichten Be-

weismittel betreffend Mathisayan, einem Bericht über dessen Tod im Jahr 

2015, lässt sich denn auch betreffend den Beschwerdeführer nichts ablei-

ten 

6.5 Zu Recht stellte die Vorinstanz ferner Widersprüche in den Aussagen 

fest. 

Der Beschwerdeführer konnte im Rahmen der freien Rede in der BzP und 

in der ersten Anhörung die geltend gemachten Ereignisse in einem über-

einstimmenden chronologischen Ablauf darstellen (vgl. A6 S. 7 f.; A13 

F 71). Allerdings stimmen bei Durchsicht auch der vertiefenden und auf 

Nachfrage hin dargelegten Aussagen die Einzelheiten der Vorbringen nicht 

mehr überein. 

Zunächst fällt auf, dass der Beschwerdeführer mehrmals zu Protokoll gab, 

er sei insgesamt drei Mal – nämlich 2011 für drei Tage, 2013 für fünf Tage 

und 2015 für zehn Tage – inhaftiert worden (vgl. A6 S. 8, A13 F 72, 222; 

vgl. auch A13 F 74 betreffend die erlebte Folter). Diese Aussage steht nicht 

in Einklang mit seinen weiteren Darstellungen, er sei auch im Jahr 2012 im 

Zusammenhang mit einem Hungerstreik festgenommen worden (vgl. A6 

S. 7; A13 F 127 ff., 132), beziehungsweise es habe damals lediglich eine 

Einvernahme auf der Strasse gegeben (vgl. A13 F 132), und auch im Jahr 

2014, im Anschluss an eine Demonstration, sei eine Festnahme durch den 

CID erfolgt, in welchem Zusammenhang er namentlich nach Gobi und nach 

Waffenverstecken befragt worden sei (vgl. A6 S. 7; A13 F 71, 152 f., 158; 

A18 F 75-81). Sodann stimmen die Angaben des Beschwerdeführers sei-

nen Ärzten in der Schweiz gegenüber – er sei 2013 für drei Tage, 2014 für 

fünf Tage und 2015 für zehn Tage festgenommen und schwer misshandelt 

worden und jedes Mal im Spital erwacht (vgl. Bericht Integrierte Psychiatrie 

E-2717/2020 

Seite 21 

Y._______ vom 24. Juni 2020, Beilage zur Replik vom 31. Juli 2020), be-

ziehungsweise er habe namentlich im Jahr 2013 Misshandlungen sowie 

Schläge und Verletzungen am Kopf erlitten (vgl. Schreiben Dr. V._______ 

vom 26. Mai 2020, Beilage 1 zur Beschwerdeergänzung vom 22. Juni 

2020; Austrittsbericht Psychiatriezentrum C._______ vom 2. und 9. Juni 

2020, Beilage 4 zur Eingabe vom 22. Juni 2020; Protokoll Erstgespräch 

(…) W._______ vom 10. August 2018, SEM-Akten A14 Bm 15) – mit den 

bei den Befragungen durch das SEM zu Protokoll gegebenen Aussagen 

nicht überein. 

6.6  

6.6.1 Es mag glaubhaft sein, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2013 ver-

haftet und misshandelt worden ist; diese Festnahme sei im Zusammen-

hang mit seinen Tätigkeiten im Wahlkampf der TNA gestanden, wo sich 

auch ehemalige LTTE-Leute engagiert hätten (vgl. A13 F 71, 148 ff.). Eine 

Verhaftung im Jahr 2013, anlässlich der er misshandelt worden sei, hat der 

Beschwerdeführer auch seinen Schweizer Ärzten gegenüber wiederholt 

geschildert (vgl. oben, E. 6.5); aufgrund der vorliegenden Arztberichte 

muss jedenfalls davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer 

offenbar ein traumatisierendes Erlebnis in Sri Lanka erlitten hat. 

Nicht glaubhaft werden hingegen die angeblichen Verhaftungen im Jahr 

2014 und im Jahr 2015 sowie die angebliche Suche nach dem Beschwer-

deführer im Jahr 2016, die dazu geführt habe, dass er sich einige Monate 

versteckt habe und schliesslich ausgereist sei. 

6.6.2 Die angebliche Festnahme im Jahr 2014 soll nach einer Demonstra-

tion in H._______ erfolgt sein; der Beschwerdeführer sei damals vom CID 

während zwei Tagen einvernommen und namentlich nach Gobi sowie nach 

Waffenverstecken verhört worden; auch nach ehemaligen LTTE-Mitglie-

dern, die er im Jahr 2013 kennengelernt habe und nach den Ereignissen 

im Zusammenhang mit den Wahlen von 2013 sei er befragt worden (vgl. 

A6 S. 7; A13 F 71, 152; A18 F 75, 81). Die Festnahme soll sich zwischen 

Januar und März 2014 ereignet haben (vgl. A13 F 153). Der Beschwerde-

führer gab zu Protokoll, der CID habe irgendwie erfahren, dass er mit Gobi 

befreundet gewesen sei; seinen Angaben gemäss habe er dies auch nicht 

verneint, sondern eingeräumt, Gobi zu kennen; er habe im Verhör gesagt, 

er wisse nicht, wo dieser sei, er habe ihn seit längerer Zeit nicht gesehen 

(vgl. A13 F 157, A18 F 78 ff.). 

E-2717/2020 

Seite 22 

Dieser Ablauf der Dinge, namentlich dass der Beschwerdeführer zum da-

maligen Zeitpunkt nach zwei Tagen freigelassen worden wäre, obwohl man 

ihn als einen Freund von Gobi betrachtet habe, muss als gänzlich realitäts-

fremd bezeichnet werden. Vielmehr wurde zum damaligen Zeitpunkt Gobi 

– ein LTTE-Mitglied, welchem vorgeworfen wurde, mit Hilfe der tamilischen 

Diaspora in Sri Lanka die LTTE wieder ins Leben rufen zu wollen – von den 

sri-lankischen Behörden intensiv gesucht. Dass im Norden Sri Lankas Ver-

suche zur Wiederbelebung der LTTE im Gange seien, beobachteten die 

Sicherheitskräfte bereits seit Mitte 2013; auch Gobi kehrte offenbar im Juli 

2013 aus dem Ausland nach Sri Lanka zurück. Ab Anfang 2014 wurde auch 

die Zivilbevölkerung intensiver überwacht; mutmassliche Helfer von Gobi – 

so beispielsweise die Menschenrechtsaktivistin Balendran Jeyakumari, die 

ihn beherbergt haben soll – wurden gestützt auf den Prevention of Terro-

rism Act verhaftet (vgl. Office fédéral des migrations ODM, Focus Sri 

Lanka, Présence de l'armée sur le territoire nationale et nouvelles tensions 

sécuritaires, Bern 31. Juli 2014, S. 13 ff.; International Crisis Group, Sri 

Lanka Between Elections, Asia Report N 272, 12. August 2015 S. 17; vgl. 

auch UNO-Menschenrechtsrat [OHCHR], Genf, Report of the OHCHR In-

vestigation on Sri Lanka [OISL]. A/HRC/30/CRP.2. 16.09.2015). Im April 

2014 meldete die sri-lankische Armee, dass Gobi und zwei weitere LTTE-

Aktivisten getötet worden seien (vgl. BBC News Colombo 11. April 2014, 

Suspected Tamil rebels shot dead in Sri Lanka, www.bbc.com/news/world-

asia-26984716, abgerufen am 20.09.2021). 

Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner angeblichen Freundschaft 

mit Gobi und zur Festnahme im Jahr 2014 sind denn auch widersprüchlich 

und ungereimt. Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 6.5), nannte der Be-

schwerdeführer eine angebliche Festnahme im Jahr 2014 im Rahmen der 

Aufzählung der erlebten Verhaftungen nicht. Dass der im Jahr 2008 ver-

schwundene Onkel des Beschwerdeführers Gobi gekannt haben könnte 

(vgl. A18 F 75; vgl. allerdings auch A18 F 53, wo Gobi unter den angebli-

chen Kollegen des Onkels nicht genannt wird), mag sein; dass aber auch 

der Beschwerdeführer eine Bekanntschaft, gar Freundschaft mit Gobi ge-

pflegt habe, wird nicht glaubhaft. Dass er angeblich mit Gobi befreundet 

gewesen sei, gab der Beschwerdeführer erst im Rahmen der ergänzenden 

Anhörung zu Protokoll (vgl. A18 F 78); in der Anhörung vom 21. November 

2019 war von der Bekanntschaft mit «einer Familie namens Kobi» die Rede 

gewesen (vgl. A13 F 3), was angesichts der Tatsache, dass Gobi ein Alias-

name ist, ungereimt erscheint. Aus dem beim SEM eingereichten Beweis-

mittel (ein Bericht oder Flugblatt vom 12. April 2014 betreffend den Tod von 

Gobi; A14 Bm 1) geht kein Zusammenhang zwischen Gobi und dem Be-

schwerdeführer hervor. 

E-2717/2020 

Seite 23 

6.6.3 Ebenfalls nicht glaubhaft wird die angebliche Festnahme des Be-

schwerdeführers im Jahr 2015, welche zehn Tage gedauert haben soll.  

Wann die Haft stattgefunden haben soll, schilderte der Beschwerdeführer 

widersprüchlich; einerseits sei dies anfangs des Jahres, im Januar oder 

Februar 2015 gewesen, und er wisse nicht, wo er festgenommen worden 

sei (vgl. A6 S. 8). Andererseits war von einer Festnahme durch den CID 

am Flughafen die Rede, nachdem der Beschwerdeführer aus Singapur zu-

rückgeschafft worden sei (vgl. A13 F 60); gemäss der im Beschwerdever-

fahren eingereichten «Notice of Refusal Entry» des Changi Airport Singa-

pur ereignete sich die Rückschaffung von Singapur nach Sri Lanka am 

25. Februar 2015 (vgl. Beschwerdeergänzung vom 22. Juni 2020 S. 4 so-

wie Beilage 10). 

In einer weiteren Version der Dinge soll die Festnahme im Juni 2015 erfolgt 

sein und in einem Zusammenhang zur Arbeit bei Mathisayan gestanden 

haben. Nachdem Mathisayan in Batticaloa erschossen worden sei – der 

Beschwerdeführer nannte diesbezüglich das Datum des 1. Juni 2015 (vgl. 

A6 S. 7; A13 F 71, 167), das mit Mathisayans tatsächlichem Todesdatum 

allerdings nicht übereinstimmt –, habe der Beschwerdeführer Sri Lanka aus 

Angst verlassen wollen. Er habe erfolglos ein Visum für die Schweiz bean-

tragt, welches gemäss den aktenkundigen Auszügen der schweizerischen 

Visa-Datenbank am 15. Juni 2015 verweigert wurde. Er sei am 27. Juni 

2015 festgenommen worden (vgl. A13 F 171); er sei in F._______ festge-

nommen und dann mit dem Auto an einen unbekannten Ort verbracht wor-

den; man habe ihn insbesondere nach seiner Zusammenarbeit mit Mathi-

sayan verhört (vgl. A13 F 172, 174 ff., 177; Beschwerde S. 6). 

Auch wenn der Beschwerdeführer in der Beschwerde auf seine psychi-

schen Probleme hinweist und geltend macht, dies vermöge ein gewisses 

«Durcheinander» in seinen Aussagen zu erklären, so bleiben doch die vor-

liegenden Widersprüche – insbesondere, ob die Festnahme anfangs Jahr, 

und lange vor dem Tod Mathisayans, oder erst im Juni, nach Mathisayans 

Erschiessung und dem erfolglosen Visumantrag des Beschwerdeführers, 

erfolgt sei – derart erheblich und lassen die angebliche Festnahme je in 

völlig anderem Kontext erscheinen, dass die Inhaftierung im Jahr 2015 

letztlich ebenfalls nicht geglaubt werden kann. 

6.6.4 Schliesslich hat das SEM zu Recht auch die angeblichen Ereignisse 

im Jahr 2016, die zur Ausreise des Beschwerdeführers geführt haben sol-

len, als nicht glaubhaft gemacht gewürdigt. 

E-2717/2020 

Seite 24 

Seinen Angaben gemäss habe der Beschwerdeführer im Februar 2016, als 

ein Kollege von ihm namens P._______ von den Behörden attackiert wor-

den sei, von diesem Vorfall Fotos gemacht und damit ein Flugblatt gestal-

tet. Zwei Monate später, am 18. April 2016, hätten CID und TID ihn zu 

Hause – in seiner Abwesenheit – gesucht und bei dieser Gelegenheit Vi-

deos, Fotos und Flugblätter sowie noch vom Onkel hergestellte Videos be-

schlagnahmt. Der Beschwerdeführer sei von der Mutter telefonisch infor-

miert worden und habe sich danach versteckt (vgl. A6 S. 7 f.; A13 F 71, 

185 ff., 193 ff.; A18 F 114, ff.). 

Das angeblich damals hergestellte Flugblatt oder die damals angefertigten 

Fotos konnte der Beschwerdeführer nicht mehr einreichen; in dem beim 

SEM eingereichten Artikel von TamilNet (SL Navy brutally assaults Tamil 

fishermen from Mannar near Ira'nai-theevu islet; 13. Februar 2016; vgl. A14 

Bm 3) wird zwar eine Person namens P._______ erwähnt; ein Zusammen-

hang zum Beschwerdeführer geht aus dem Artikel aber nicht hervor. 

In den vier Monaten bis zur Ausreise am 19. August 2016 habe sich der 

Beschwerdedführer in J._______ versteckt aufgehalten. Widersprüchlich 

blieben seine Angaben, bei wem er sich versteckt habe; die Ungereimthei-

ten konnten auch im Beschwerdeverfahren nicht ausgeräumt werden (vgl. 

Beschwerdeergänzung vom 22. Juni 2021 S. 3). Gemäss den Angaben in 

der BzP und in der ergänzenden Anhörung sei der Beschwerdeführer bei 

seiner Grossmutter väterlicherseits gewesen; diese lebe in J._______ (vgl. 

A6 S. 8; A18 F 17 f., 21, 116-121); auf Nachfrage hin, dass seine Grossel-

tern anderen Angaben gemäss verstorben seien, korrigierte er seine Aus-

sage dahingehend, er habe sich bei der Schwester der Grossmutter väter-

licherseits, welche er ebenfalls Grossmutter nenne, aufgehalten (vgl. A18 

F 153). Mit diesen Angaben stimmen demgegenüber die Aussagen in der 

Anhörung vom 21. November 2019 nicht überein; hier war die Rede davon 

gewesen, er habe sich bei entfernten Verwandten – die durch Heirat mit 

ihm verwandt seien – aufgehalten; diese würden in J._______ leben (vgl. 

A13 F 44 ff., 199). 

6.6.5 Zusammenfassend erachtet auch das Gericht, wie die Vorinstanz, je-

denfalls die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend angebliche Ver-

haftungen im Jahr 2014 und 2015 sowie die angebliche Suche im Jahr 

2016, die zu einem viermonatigen Verstecktleben in J._______ und an-

schliessend zur Ausreise geführt habe, nicht als glaubhaft gemacht. Auch 

unter Berücksichtigung der psychischen Probleme des Beschwerdeführers 

E-2717/2020 

Seite 25 

und seiner Schwierigkeiten, zu traumatisierenden Erlebnissen auszusa-

gen, bleiben bei diesen Vorbringen letztlich zu viele nicht geklärte Unge-

reimtheiten bestehen. 

Das Gericht bestreitet nicht, dass der Beschwerdeführer offenbar Trauma-

tisierungen erlitten hat; es kann angesichts der übereinstimmenden Anga-

ben im Asylverfahren und den behandelnden Ärzten gegenüber auch als 

glaubhaft gelten, dass der Beschwerdeführer offenbar im Jahr 2013 ver-

haftet und misshandelt worden ist; aus den Arztberichten geht die Diag-

nose einer Posttraumatischen Belastungsstörung und einer Depression 

hervor, die nicht bezweifelt wird; seinen Ärzten gegenüber sprach der Be-

schwerdeführer neben der im Jahr 2013 erlebten Inhaftierung und den da-

maligen Misshandlungen insbesondere auch von seinen Verwandten, die 

für die LTTE tätig gewesen und getötet worden seien. Im Rahmen der ta-

gesklinischen Behandlung im Zentrum (…) brachte der Beschwerdeführer 

ferner erlittene sexuelle Misshandlungen zur Sprache (vgl. Bericht […] vom 

9. August 2021). 

Die Ereignisse in den Jahren nach 2013 sind demgegenüber nach dem 

Gesagten nicht glaubhaft geworden. Damit muss zwischen den Erlebnis-

sen des Beschwerdeführers im Heimatland und seiner Ausreise im August 

2016 insbesondere der erforderliche zeitliche und kausale Zusammenhang 

verneint werden. Dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise 

aus Sri Lanka eine begründete Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung ge-

habt habe, die ihm damals mit erheblicher Wahrscheinlichkeit und für die 

absehbare Zukunft gedroht hätte, kann nicht bejaht werden. 

7.  

7.1 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer aufgrund der seit seiner 

Ausreise bestehenden Sachlage bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 

AsylG zu befürchten hat, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft im Sinne 

von subjektiven Nachfluchtgründen festzustellen wäre 

7.2 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie 

erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen 

ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG 

wurden (sog. subjektive Nachfluchtgründe). Personen mit subjektiven 

Nachfluchtgründen werden als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen. Mass-

gebend ist dabei, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten der asylsu-

chenden Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei ei-

ner Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

E-2717/2020 

Seite 26 

befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis 

einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG; vgl. zum Gan-

zen BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1). 

7.3 Diesbezüglich ist auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-

richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zu verweisen, in welchem das Ge-

richt eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri 

Lanka vorgenommen (vgl. a.a.O., E. 8) und festgestellt hat, dass aus Eu-

ropa respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende 

nicht generell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter 

ausgesetzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der 

Beurteilung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in 

Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofakto-

ren. Dabei handelt es sich unter anderem um das Vorhandensein einer 

Verbindung zu den LTTE und um das Vorliegen früherer Verhaftungen 

durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit 

einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE (sog. stark 

risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1-8.4.3). Einem gesteiger-

ten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unterliegen ausserdem 

Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka ein-

reisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt werden oder die über die 

Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkeh-

ren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobe-

gründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im 

Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asyl-

rechtlich relevante Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei 

zieht es in Betracht, dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete 

Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen 

seitens der sri-lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt 

sind, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. 

E. 8.5.1). Die Einschätzungen des Referenzurteils E-1866/2015 sind wei-

terhin aktuell (vgl. statt vieler in jüngerer Zeit die Urteile des BVGer               

D-6855/2019 vom 20. Mai 2021 E. 6.2, E-6131/2019 vom 18. Mai 2021 

E. 6.5.1, E-4795/2017 vom 22. Juli 2021 E. 6.6). 

7.4 Im Zusammenhang mit der Prüfung einer zukünftig drohenden Verfol-

gung in Sri Lanka hat sich das SEM in der angefochtenen Verfügung zum 

geltend gemachten exilpolitischen Engagement des Beschwerdeführers 

geäussert. Keine Beachtung fand demgegenüber diesbezüglich der famili-

äre Hintergrund des Beschwerdeführers und seine Herkunft aus einer Fa-

milie mit etlichen in den Reihen der LTTE gefallenen Angehörigen. 

E-2717/2020 

Seite 27 

Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinen zahlreichen Verwandten 

väterlicherseits, die im Bürgerkrieg in den Reihen der LTTE aktiv gewesen 

und inzwischen teils aus Sri Lanka ausgereist, teils seit Jahren verschollen, 

teils im Krieg ums Leben gekommen sind, sind widerspruchsfrei und sub-

stantiiert ausgefallen (vgl. A6 S. 8; A13 F 3, 8 f., 72, 91, 111, 225; A18 F 33, 

35 ff.), und der Beschwerdeführer hat diverse Beweisunterlagen beibringen 

können, die sich auf seine Angehörigen beziehen (vgl. Akten SEM A14 und 

A15 sowie oben Bst. A.c; im Beschwerdeverfahren Beschwerde S. 10 und 

Beilage Nr. 10). Aus den eingereichten Unterlagen geht ferner hervor, dass 

der Vater des Beschwerdeführers unter erheblichen psychischen Proble-

men leidet, die auf den Verlust etlicher Angehöriger im Krieg zurückzufüh-

ren sind (ebenfalls oben Bst. A.c). Glaubhaft hat der Beschwerdeführer 

schliesslich auch dargelegt dass er insbesondere zu seinem Onkel 

G._______, der im Jahr 2008 verschollen ist, eine enge Beziehung gehabt 

habe, in dessen (…) den (…)beruf gelernt und dort gearbeitet habe (vgl. 

A13 F 66, 115; A18 F 44 ff., insbesondere F 46); auch in diesem Zusam-

menhang wurden Beweisunterlagen eingereicht (vgl. oben Bst. A.c). Sei-

nen Ärzten in der Schweiz gegenüber sprach der Beschwerdeführer da-

von, sein Onkel sei ermordet worden (vgl. Bericht Psychiatriezentrum 

C._______ vom 2. Juni 2020 S. 2; Bericht Integrierte Psychiatrie 

Y._______ vom 24. Juni 2020 S. 2); das dürfte zweifellos leider eine rea-

listische Einschätzung sein. Wie genau dieser Onkel engagiert war, geht 

aus den Akten nicht zweifelsfrei hervor; dass im (…)geschäft angeblich im 

Jahr 2010 Waffen gefunden worden seien (vgl. A18 F 48), brachte der Be-

schwerdeführer beispielsweise erst in der ergänzenden Anhörung vor, was 

den Eindruck eines nachgeschobenen Vorbringens erweckt; glaubhaft ge-

schildert wird indessen, dass der Onkel während des Bürgerkriegs LTTE-

Kontakte gehabt habe und Fotos und Videos erstellt habe, die auch später 

noch zu Propagandazwecken verwendet worden seien (vgl. A6 S. 8; A13 

F 71, 136, 151; A18 F 87 ff.). 

Zwar trifft es zu, dass die im Krieg in den Reihen der LTTE gefallenen Ver-

wandten des Beschwerdeführers Jahre vor seiner Ausreise ums Leben ge-

kommen sind, und dass eine unmittelbare Gefährdung dieser Angehörigen 

wegen im Jahr 2016, als der Beschwerdeführer Sri Lanka verlassen hat, 

nicht bestanden hat. Im Rahmen der Prüfung bestehender Risikofaktoren 

für eine zukünftige Gefährdung, sollte der Beschwerdeführer aus der 

Schweiz nach Sri Lanka zurückkehren, kommt der Tatsache eines durch 

zahlreiche LTTE-Aktivisten geprägten familiären Hintergrunds aber Bedeu-

tung zu. 

Im Rahmen des jährlichen «Heldentags» wird der in den Reihen der LTTE 

E-2717/2020 

Seite 28 

Gefallenen weiterhin gedacht und sie werden als «Märtyrer» geehrt. Der 

Beschwerdeführer machte diesbezüglich geltend, dass er in der Schweiz 

regelmässig am Heldentag teilnehme, und reichte ein entsprechendes 

Foto zu den Akten, welches ihn mit dem Märtyrerbild seiner Tante zeigt 

(vgl. A13 F 206; A18 F 34, 121 f., 125; A15 Bm 18; es dürfte sich um die 

Tante S._______ handeln, vgl. A14 Bm 5 und A15 Bm 21). 

Das exilpolitische Engagement des Beschwerdeführers charakterisiert sich 

ausserdem dadurch, dass er als (…) an Kundgebungen und Demonstrati-

onen teilnimmt und sich somit jeweils in vorderster Reihe befindet (vgl. A18 

F 121 f. sowie die mit der Beschwerde, der Beschwerdeergänzung vom 

22. Juni 2020 und der Eingabe vom 23. November 2020 eingereichten Fo-

tos und Weblinks). Die vom SEM vertretene Einschätzung, der Beschwer-

deführer sei ein blosser Mitläufer an den Kundgebungen und sei nicht in 

einem Ausmass exilpolitisch exponiert, das flüchtlingsrechtlich relevant 

werden könnte, ist insofern zumindest zu relativieren. Den widerspruchs-

freien Angaben des Beschwerdeführers zufolge sollen seine Eltern zudem 

wiederholt aufgesucht und auf die exilpolitischen Aktivitäten des Sohnes 

angesprochen worden sein (vgl. A13 F 201 ff.; A18 F 34, 135 ff.). Dies ist 

vorstellbar, da der Beschwerdeführer nachweislich in Internetvideos zu se-

hen ist, (…) (vgl. Angaben zu den Links in der Beschwerde, sowie Beilage 

Beschwerdeakten Nr. 11).  

7.5 Bei der geschilderten Aktenlage geht das Gericht davon aus, dass der 

Beschwerdeführer verschiedene Risikofaktoren in seiner Person erfüllt, die 

darauf schliessen lassen, dass er zum heutigen Zeitpunkt bei einer Rück-

kehr in seinen Heimatstaat einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt 

wäre und die Zufügung ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG berechtigterweise zu befürchten hätte. 

Relevant ist zum einen sein familiärer Hintergrund, der enge Beziehungen 

der Familie zu den LTTE zur Zeit des Bürgerkriegs beinhaltet. Hinzu kommt 

ein exilpolitisches Engagement des Beschwerdeführers, das ihn zwar nicht 

als exponierte Kaderpersönlichkeit erscheinen lässt, aber dennoch entge-

gen der Einschätzung der Vorinstanz auch nicht als unbedeutend charak-

terisiert werden kann. Schliesslich ist die Tatsache von Bedeutung, dass 

der Beschwerdeführer mittlerweile mehrere Jahre lang in der Schweiz ge-

weilt hat und er von der Schweiz aus nach Sri Lanka zurückkehren würde. 

Seine fünfjährige Landesabwesenheit und sein Aufenthalt in einem tamili-

schen Diasporazentrum, in welchem die LTTE – anders als in anderen eu-

ropäischen Ländern – als Organisation nicht verboten ist, stellen zwar für 

sich alleine nur schwach risikobegründende Risikofaktoren im Sinne des 

E-2717/2020 

Seite 29 

zitierten Referenzurteils dar. Sie können jedoch die Gefahr von künftigen 

Verfolgungsmassnahmen verstärken, zumal der Beschwerdeführer zu den 

LTTE eine familiär begründete Verbindung hat. Es muss nach Einschät-

zung des Gerichts mit erheblicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen 

werden, dass dem Beschwerdeführer aus Sicht der sri-lankischen Behör-

den ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zu-

geschrieben und er entsprechend als Gefahr für die nach dem Krieg wie-

dergewonnene Einheit des Landes wahrgenommen würde.  

Zwar war der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise im Jahr 2016, 

wie oben dargelegt, nicht in flüchtlingsrechtlich relevantem Ausmass ge-

fährdet. Seine mehrjährige Landesabwesenheit im Verbund mit seinem fa-

miliären Hintergrund, insbesondere seiner Abstammung aus einer aus 

Sicht des sri-lankischen Regimes politisch missliebigen Familie, und sein 

langjähriger Aufenthalt in der Schweiz, wo er sich auch exilpolitisch betä-

tigt, führen insgesamt aber zum Vorliegen von stark risikobegründenden 

Faktoren. Im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka besteht die erhebliche 

Wahrscheinlichkeit, dass sich seine Gefährdung aufgrund dieser Faktoren 

in flüchtlingsbeachtlichem Ausmass akzentuiert.  

Eine begründete Furcht vor zukünftigen flüchtlingsrelevanten Nachteilen – 

im Sinne subjektiver Nachfluchtgründe – ist daher zu bejahen. 

7.6 Damit erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft, zumal 

keine Hinweise auf relevante Ausschlussgründe gemäss Art. 1 Bst. F des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) ersichtlich sind. Eine Asylgewährung bleibt jedoch ausge-

schlossen, weil die Flüchtlingseigenschaft auf subjektiven Nachfluchtgrün-

den beruht (Art. 54 AsylG).  

8.  

8.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf ein-

tritt. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

[AsylV 1, SR 142.311] und BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung 

wurde zu Recht angeordnet. 

8.2 Allerdings ist im Sinne einer Ersatzmassnahme das Anwesenheitsver-

hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-

nahme zu regeln, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht 

E-2717/2020 

Seite 30 

zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG 

[SR 142.20]; BVGE 2009/51 E. 5.4). Für den vorliegenden Fall ergibt sich 

aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Beschwerdeführer subjek-

tive Nachfluchtgründe glaubhaft machen konnte. Der Vollzug der Wegwei-

sung nach Sri Lanka erweist sich daher wegen drohender Verletzung des 

flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non-Refoulements (Art. 5 AsyG; Art. 33 

Abs. 1 FK) sowie auch mit Blick auf Art. 3 EMRK als unzulässig, da davon 

ausgegangen werden muss, dass er im Falle seiner Rückkehr ins Heimat-

land mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer menschenrechtswidrigen 

Behandlung ausgesetzt wäre. 

9.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit damit die Feststellung der Flücht-

lingseigenschaft und der Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung so-

wie die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragt wurden. Im Übri-

gen ist sie abzuweisen. Die vorinstanzliche Verfügung vom 23. April 2020 

ist demnach in den Dispositivziffern 1, 4 und 5 aufzuheben und die Vor-

instanz ist anzuweisen, den Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig auf-

zunehmen. 

10.  

10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen 

(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüg-

lich seiner Anträge auf Kassation und auf Gewährung von Asyl unterlegen. 

Hingegen hat er bezüglich der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und 

infolgedessen der Anordnung der vorläufigen Aufnahme obsiegt. Praxisge-

mäss ist bei der vorliegenden Konstellation von einem Obsiegen zu zwei 

Dritteln auszugehen. 

10.2 Die Kosten des Verfahrens wären demnach im Umfang des Unterlie-

gens – mithin zu einem Drittel – dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da 

sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Zwi-

schenverfügung vom 8. Juni 2020 gutgeheissen wurde und keine Verän-

derungen in den finanziellen Verhältnissen ersichtlich sind, sind ihm keine 

Verfahrenskosten aufzuerlegen.  

10.3 Der Beschwerdeführer ist im Beschwerdeverfahren vertreten. Mit In-

struktionsverfügung vom 8. Juni 2020 wurde die von ihm mandatierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt.  

E-2717/2020 

Seite 31 

Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Auf deren Nachforderung kann 

jedoch verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand 

zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Berücksichtigung 

der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist der Ge-

samtaufwand für die Einreichung der Beschwerde, der Beschwerdeergän-

zung vom 22. Juni 2020, der Replik sowie der Eingaben vom 23. November 

2020 und 20. August 2021 insgesamt auf Fr. 3'800.– (inkl. Auslagen) fest-

zusetzen. 

10.3.1 Im Umfang des Obsiegens im Beschwerdeverfahren – das heisst zu 

zwei Dritteln – ist dem Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 

VwVG eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen 

Vertretungskosten zu Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (vgl. Art. 7 

VGKE). Diese ist auf Fr. 2533.– festzusetzen. 

10.3.2 Im Umfang des Unterliegens – das heisst zu einem Drittel – ist der 

Rechtsvertreterin zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar in der 

Höhe von Fr. 1267.– auszurichten. 

  

E-2717/2020 

Seite 32 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird teilweise – betreffend die Flüchtlingseigenschaft und 

den Wegweisungsvollzug – gutgeheissen. Die Dispositivziffern 1, 4 und 5 

der SEM-Verfügung vom 23. April 2020 werden aufgehoben. Betreffend die 

Abweisung des Asylgesuchs und die Anordnung der Wegweisung wird die 

Beschwerde abgewiesen. 

2.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling anzu-

erkennen und vorläufig aufzunehmen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 2533.– 

auszurichten. 

5.  

Frau lic.iur. Monique Bremi wird ein amtliches Honorar von Fr. 1267.– aus-

gerichtet.  

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Susanne Bolz 

Versand: