# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 861a2fdb-2ecd-5ab0-a744-6f5027ca8a03
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.12.2008 D-6220/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6220-2008_2008-12-15.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6220/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Fulvio Haefeli, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig.

A._______, geboren (...),
Syrien,
vertreten durch lic. iur. Tarig Hassan,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom
26. August 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6220/2008

Sachverhalt:

A.

A.a Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein syri-
scher Staatsangehöriger kurdischer Ethnie und sunnitischer Konfessi-
on  aus  der  Provinz  (...),  seinen  Heimatstaat  im  Oktober  2006  und 
gelangte  am 13. November  2006  illegal  in  die  Schweiz,  wo  er  glei-
chentags ein Asylgesuch einreichte. Am 16. November  2006 fand in 
(...)  die  Empfangszentrumsbefragung  statt,  am  26.  Februar  2007 
erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen durch die (...), und am 18. 
August  2008  fand eine  ergänzende  Anhörung  durch  das  BFM statt. 
Der Beschwerdeführer machte dabei im Wesentlichen geltend, er habe 
vom 15. Februar 2003 bis am 2. Juli 2005 Militärdienst geleistet. Weil 
er  verbotenerweise  kurdisch  gesprochen  habe,  sei  er  während  25 
Tagen inhaftiert worden. Beim Newroz-Fest im Jahr 2004 habe er an 
der Entfachung des Feuers teilgenommen und sei deshalb 40 Tage in 
Haft  genommen worden. Im Oktober  2005 habe er  eine gerichtliche 
Vorladung  erhalten,  sei  jedoch  nicht  vor  Gericht  erschienen,  da  er 
befürchtet habe, zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt zu werden. 
Inzwischen sei diese Anzeige in eine Geldstrafe umgewandelt worden.

Der  Beschwerdeführer  habe  sich  in  die  Maktumin  X.X. verliebt.  Die 
Angehörigen seien jedoch gegen die Heirat gewesen. So hätten er und 
X.X. sich im August 2005 heimlich nach Damaskus begeben, um sich 
dort von einem Imam trauen zu lassen. Im März 2006 sei X.X. deswe-
gen von ihrem Bruder umgebracht worden. Aus Angst, von den Ange-
hörigen  von  X.X.  ebenfalls  getötet  zu  werden,  habe  sich  der  Be-
schwerdeführer  ein  halbes  Jahr  lang bei  einem Freund aufgehalten, 
bis  er  im  Oktober  2006  Syrien  illegal  verlassen  habe  und  Richtung 
Schweiz gereist sei.

A.b Seit März 2007 sei er Mitglied der Schweizer Sektion der Kurdisch 
Demokratischen  Partei  Syriens  (PDKS)  und  nehme  regelmässig  an 
Kundgebungen und Parteisitzungen teil. Einmal sei er bei einem Hun-
gerstreik dabei gewesen.

A.c Am 13. Juni 2008 machte das BFM eine Botschaftsanfrage, wel-
che mit Schreiben vom 13. Juli 2008 beantwortet wurde. Anlässlich der 
Anhörung vom 18. August  2008 wurde dem Beschwerdeführer  dazu 
das rechtliche Gehör gewährt.

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A.d Zur Untermauerung der Vorbringen reichte der Beschwerdeführer 
folgende  Beweismittel  zu  den  Akten:  Eine  Mitgliederbestätigung  der 
PDKS vom 16. August 2008, diverse Fotos von exilpolitischen Anläs-
sen  und  ein  Flugblatt  zur  Solidarität  mit  den  arabischen  und  kurdi-
schen Meinungshäftlingen in Syrien.

B.

B.a Mit Verfügung vom 26. August 2008 - eröffnet am 28. August 2008 
- wies das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit  der Be-
gründung  ab,  seine  Vorbringen  würden  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) sowie denjenigen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Gleichzeitig verfügte es 
die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug.

B.b Die Vorinstanz machte geltend, der Beschwerdeführer habe vor-
gebracht,  seine Familie  und die Angehörigen von X.X. seien mit  der 
Heirat nicht einverstanden gewesen, weil sie eine voreheliche Bezie-
hung gehabt hätten (A27/S. 3). Es sei nicht nachvollziehbar, dass die 
Eltern des Beschwerdeführers unter diesen Umständen trotzdem zwei-
mal um die Hand von X.X. angehalten hätten (A1/S. 7; A27/S. 3). Im 
Weiteren habe der Beschwerdeführer angegeben, sein Nachbar habe 
ihn telefonisch über den Mord an X.X. informiert  (A23/S. 11). Er  sei 
aber nicht in der Lage gewesen - auch nach wiederholter Aufforderung 
- seine Gefühle und Reaktionen beim angeblichen Erhalt dieser tragi-
schen Nachricht  zu schildern  (A27/S. 5). Er habe nur ausweichende 
Antworten gegeben, indem er wiederholt habe, dass sein Freund und 
gleichzeitig Nachbar ihn angerufen habe, und dass er nicht habe nach 
Hause gehen können. Es wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass der 
Beschwerdeführer dieses Telefongespräch detaillierter hätte wiederge-
ben können. Zudem habe der Beschwerdeführer ausgesagt, dass ihm 
sein Nachbar nicht erzählt habe, ob er noch einen Täter gesehen habe 
(A27/S. 5). Angesichts dieser Aussage sei es nicht logisch, wenn der 
Beschwerdeführer  geltend gemacht habe, sein Freund habe ihm am 
Telefon mitgeteilt, dass der Bruder von X.X. den Mord begangen habe 
(A27/S. 5). Die Vorinstanz führte aus, dass die geltend gemachte Ver-
folgung durch die Angehörigen von X.X. aufgrund dieser Ungereimt-
heiten nicht geglaubt werden könne.

B.c Das BFM brachte darüber hinaus vor, der Beschwerdeführer habe 
geltend  gemacht,  mehrere  Gerichtsvorladungen  erhalten  zu  haben, 

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um sich für die Entfachung des Newroz-Feuers zu verantworten. Da er 
nicht  vor Gericht  erschienen sei,  sei  die  Anzeige in  eine  Geldstrafe 
umgewandelt  worden. Ausserdem habe er diese Angelegenheit  nicht 
sehr ernst genommen (A27/S. 7-8). Im Übrigen hätten auch die Abklä-
rungen der Schweizer Vertretung in Damaskus ergeben, dass der Be-
schwerdeführer deswegen von seinen heimatlichen Behörden nicht ge-
sucht werde. Der Beschwerdeführer habe zudem vorgebracht,  er be-
fürchte,  von den syrischen Behörden aufgrund seines bisherigen re-
gimekritischen  Engagements  verfolgt  zu  werden.  Er  habe  sowohl  in 
Syrien als auch in der Schweiz an Newroz-Festen teilgenommen, habe 
im Januar 2007 bei einem Hungerstreik mitgemacht und gehe regel-
mässig an Kundgebungen und andere Parteianlässe (A23/S. 11). Die 
syrischen Behörden wüssten auch über seine exilpolitischen Aktivitä-
ten  in  der  Schweiz  Bescheid  und  würden  ihn  deshalb  suchen.  Das 
letzte Mal hätten sie im Frühling 2008 in seinem Elternhaus nach ihm 
gefragt  (A27/S.  9).  Wie  jedoch  die  Botschaftsabklärungen  vom  Juli 
2008  ergeben  hätten,  werde  der  Beschwerdeführer  behördlich  nicht 
gesucht  (A27/S. 9).  Die  Vorinstanz  kam zum Schluss,  dass  die  Be-
fürchtungen  des  Beschwerdeführers  infolgedessen  als  unbegründet 
und als nicht asylbeachtlich zu betrachten seien.

C.
Mit Beschwerde vom 29. September 2008 an das Bundesverwaltungs-
gericht beantragte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertre-
ter, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, es sei 
die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit 
des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und die vorläufige Aufnah-
me anzuordnen. Im Weiteren sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu 
bewilligen,  auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten 
und  ihm  in  der  Person  des  Unterzeichnenden  ein  unentgeltlicher 
Rechtsbeistand zu bestellen.

D.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Oktober 2008 wies der zuständige Inst-
ruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  um  Ein-
sicht in die Akten der Botschaftsabklärung sowie das Gesuch, mit der 
Urteilsfällung bis zum Vorliegen des Gutachtens der SFH zuzuwarten, 
ab. Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art.  65 Abs. 1  und 2  des  Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um 

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Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wies er ebenfalls 
ab und forderte den Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnis-
folge auf, innert Frist einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.-- 
zu leisten.

E.
Der Kostenvorschuss wurde am 18. Oktober 2008 fristgemäss einbe-
zahlt.

F.
Mit  Eingabe  vom 13. November  2008  reichte  der  Beschwerdeführer 
folgende Dokumente als Beweismittel  zu den Akten: Eine Kopie des 
Ehescheins, der die Eheschliessung zwischen ihm und seiner angeb-
lich verstorbenen Ehefrau belegen soll sowie eine Kopie ihrer Todesur-
kunde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorins-
tanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende 
Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegen-
den  Beschwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer  ist  durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-
hungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer ist  daher  zur  Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, 
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um eine  solche 
Beschwerde,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung des Schriftenwechsels verzichtet.

4.  

4.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.3 Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Aus-
reise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhal-

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tens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden 
(Art. 54 AsylG).

5.

5.1 In  der  Rechtsmitteleingabe  hält  der  Beschwerdeführer  an  der 
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen fest. Er macht durch seinen Rechts-
vertreter  insbesondere geltend,  nach der Ablehnung des ersten Hei-
ratsantrages habe er gewusst, dass dies einen Racheakt der Familie 
- namentlich  die  Tötung  seiner  damaligen  Freundin  - zur 
Wiederherstellung  der  Familienehre  nach  sich  ziehen  würde.  Der 
zweite Heiratsantrag sei die einzige Chance gewesen, seine damalige 
Freundin  noch  zu  retten.  Zudem  gehe  aus  seinen  Ausführungen, 
entgegen der Ansicht  des BFM, klar  hervor, wie hilflos er  sich nach 
dem Tod seiner Frau gefühlt habe. Im Weiteren handle es sich bei der 
Bedrohung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Familie  seiner 
verstorbenen  Frau  um  eine  nicht  staatliche  Verfolgung.  Diese  sei 
insofern  asylrelevant,  als  der  Staat  ihm  jeglichen  Schutz  versage 
beziehungsweise es unterlasse, die Aggressoren zu bestrafen.

Der  Beschwerdeführer  stellte  dem  Gericht  ein  Gutachten  der  SFH-
Länderanalyse in Aussicht, das die Asylrelevanz der geltend gemach-
ten nicht staatlichen Verfolgung beweisen solle.

Was die subjektiven Nachfluchtgründe betrifft, bringt der Beschwerde-
führer  vor,  wenn  er  allenfalls  gerichtlich  oder  „offiziell“  nicht  als  ge-
suchte Person erscheine, bedeute dies in keiner Art und Weise, dass 
er nicht durch die zahlreichen syrischen Geheimdienste gesucht wer-
de. Die Botschaftsabklärung könne daher nicht als Begründung heran-
gezogen werden,  in  seinem Heimatland drohe ihm keine Verfolgung. 
Aufgrund seiner bisherigen Verhaftungen und Misshandlungen in Syri-
en sei ohne Weiteres davon auszugehen, dass er beim syrischen Ge-
heimdienst  bereits  als  aktiver  Kurde  registriert  worden  sei.  Wie  ihm 
sein Vater mitgeteilt  habe, hätten denn auch bereits Angehörige des 
syrischen Geheimdienstes  nach ihm gesucht. Da er  insgesamt über 
ein genügendes politisches Profil verfüge, hätte er bei einer allfälligen 
Rückkehr in sein Heimatland Verfolgungsmassnahmen zu befürchten. 
Ausserdem sei das Bundesverwaltungsgerichts im Urteil E-6722/2006 
vom 1. Juli 2008 zur Auffassung gelangt, dass die syrischen Geheim-
dienste die politischen Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland 
beobachten würden und dass Oppositionelle bei der Rückkehr Verhör 

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und Verfolgung zu befürchten hätten,  mithin  exilpolitische Aktivitäten 
als asylrelevant gelten und zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 
führen würden.

5.2

5.2.1 Mit Beschluss vom 8. April 2008 hat die Vorinstanz ihre bisherige 
Amtspraxis, bestimmte Personengruppen aus Syrien in der Regel in-
folge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufzuneh-
men, aufgrund neuester Erkenntnisse zur Lage in Syrien aufgehoben. 
Diese  Änderung  der  Wegweisungspraxis  für  syrische  Asylsuchende 
entspricht der Praxis der europäischen Staaten und betrifft unter ande-
rem Kurden mit Herkunft Nordsyrien. Da es sich beim Beschwerdefüh-
rer um einen aus der nördlichen Provinz (...)  stammenden syrischen 
Staatsangehörigen kurdischer Ethnie handelt,  gehört  er zu einer der 
von der Praxisänderung des BFM betroffenen Personengruppen.

5.2.2 Im  Asylverfahren  -  wie  im  Übrigen  Verwaltungsverfahren  -  gilt 
der  Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst  die  Asylbehörde  hat  den 
rechtserheblichen Sachverhalt vor ihrem Entscheid von Amtes wegen 
vollständig und richtig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, 
Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Dabei muss sie die für das Verfahren er-
forderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich rele-
vanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis füh-
ren. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber 
die Pflicht und - unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sin-
ne von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) - auch das Recht, an 
der  Feststellung  des  Sachverhalts  mitzuwirken  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2003 Nr. 13, EMARK 2004 Nr. 16 
E. 7a, EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.1).

Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind Verfügungen sodann zu begründen. 
Das Bundesgericht bezeichnet die Pflicht der Behörden, ihre Entschei-
de zu begründen als Konkretisierung des verfassungsrechtlichen An-
spruchs  auf  rechtliches  Gehör  (vgl.  BGE  128  V  272  E.  5b;  Art.  29 
Abs. 2 BV). Die Anforderungen an die Begründungspflicht sind unter 
Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles sowie der Interessen 
der Betroffenen festzulegen. Die Begründung eines Entscheids muss 
jedenfalls so abgefasst sein, dass ihn die Betroffenen gegebenenfalls 
sachgerecht anfechten oder  - nach Eintritt der Rechtskraft  - ein Wie-

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dererwägungs- beziehungsweise Revisionsgesuch hinlänglich begrün-
den können und die Rechtsmittelinstanz in der Lage ist, die Rechtmä-
ssigkeit  eines angefochtenen Entscheids zu überprüfen. Dies ist  nur 
möglich, wenn Adressatinnen und Adressaten sowie die Rechtsmittel-
instanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen kön-
nen. Wichtigstes Messkriterium für die erforderliche Begründungsdich-
te  bildet  die  Eingriffsschwere.  Je  einschneidender  eine  behördliche 
Anordnung in die Rechtspositionen der betroffenen Personen eingrei-
fen kann, desto einlässlicher ist sie zu begründen. Dies gilt es insbe-
sondere bei ausländerrechtlichen Fernhaltemassnahmen zu beachten 
(vgl.  LORENZ KNEUBÜHLER in:  AUER/MÜLLER/SCHINDLER [HRSG.],  VwVG, Kom-
mentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren, 
Zürich/St. Gallen 2008, Rn. 4-6, 10 zu Art. 35 VwVG).

5.2.3 In der angefochtenen Verfügung führt die Vorinstanz zur Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers in sein Hei-
matland  lediglich  aus,  weder  die  in  Syrien  herrschende  politische 
Situation noch andere Gründe würden gegen die Rückführung spre-
chen. Der Verfügung lässt sich demgegenüber kein expliziter Hinweis 
auf die erfolgte Praxisänderung des BFM entnehmen. Da in casu der 
Beschwerdeführer aus der Schweiz weggewiesen werden soll, mithin 
es  sich  um  eine  einschneidende  behördliche  Anordnung  in  seine 
Rechtsposition handelt, sind im Sinne der obgenannten Ausführungen 
erhöhte Anforderungen an die Begründungsdichte zu stellen. Demzu-
folge hätte das BFM in der angefochtenen Verfügung ausdrücklich aus-
führen müssen, dass es seine Praxis geändert hat und der Beschwer-
deführer davon betroffen ist. Im Weiteren hätte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer bekannt machen müssen, aufgrund welcher Erkennt-
nisse sie nunmehr den Wegweisungsvollzug nach Syrien generell als 
zumutbar erachtet, mithin die vorläufige Aufnahme nicht mehr anord-
net. Durch die Verletzung der Begründungspflicht  hat  das BFM dem 
Beschwerdeführer  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  er-
schwert und der Beschwerdeinstanz verunmöglicht, sich ein Bild über 
die Gründe der Praxisänderung zu machen.

Darüber hinaus hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sachverhalt 
unvollständig abgeklärt,  mithin den Untersuchungsgrundsatz verletzt, 
zumal aus der angefochtenen Verfügung nicht klar ersichtlich ist, aus 
welchen allgemeinen beziehungsweise individuellen Gründen die Vor-
instanz eine Rückführung des Beschwerdeführers in sein Heimatland 

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als zumutbar erachtet (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG, Art. 106 
Abs. 1 Bst. b AsylG).

6.
Angesichts dieser Umstände ist  die Beschwerde im Sinne der Erwä-
gungen  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom  26.  August 
2008 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zu-
rückzuweisen.  Die  Vorinstanz  ist  aufzufordern,  ihre  Begründung  im 
Sinne der obigen Erwägungen ausführlich darzulegen.

7.
Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  sind  keine  Verfah-
renskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der am 18. Oktober 
2008  geleistete  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.--  ist  dem 
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

8.
Dem rechtlich vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Ob-
siegens  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  notwendigerweise  er-
wachsenen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 16 
Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 7 Abs. 1, Art  8 und 9 des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]. Aufgrund der Akten 
können die Vertretungskosten vorliegend zuverlässig abgeschätzt wer-
den  und  sind  auf  Fr. 500.--  (inkl.  MwSt  und  Auslagen)  festzusetzen 
(Art. 14 Abs. 2 VGKE), weshalb auf die Einforderung einer Kostennote 
verzichtet werden kann.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des BFM vom 
26. August 2008 wird aufgehoben. 

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 18. Oktober 2008 
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer 
zurückerstattet.

3.
Die Akten werden dem BFM zur Neubeurteilung im Sinne der Erwä-
gungen überwiesen.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 500.-- (inkl. MwSt und Auslagen) auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Formular Rückerstattung)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)

- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Karin Schnidrig

Versand:

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