# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 83d2364b-6e70-5f9c-81f3-2b691e78e80d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 15.02.2024 SST.2023.31
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-31_2024-02-15.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.31 
(ST.2021.227; StA.2022.70) 

 

 

Urteil vom 15. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Bekaj 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

 
    

Beschuldigter   C._____,  

geboren am tt.mm.1988, von Eritrea, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Carmen Emmenegger,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 3. Dezember 2021 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB und versuchter 

schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 3 [in der bis 30. Juni 2023 

geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. 

 

Der Sachverhalt gemäss Anklage lautete wie folgt: 

 

Ort:   Aarau 

Zeit:  04.04.2020, ca. 23.45 Uhr bis 23.59 Uhr 

Zivil- und Strafkläger: A._____ 

Strafantrag:  05.04.2020 

 

Am 04.04.2020, kurz vor Mitternacht, waren D._____ (sep. Anklage), der Beschuldigte und 

B._____ (sep. Anklage) in alkoholisiertem Zustand in Aarau unterwegs und unterhielten 

sich lautstark. Der Zivil- und Strafkläger (sep. Anklage), welcher an der Q-Strasse wohnte, 

forderte sie vom Küchenfenster aus auf, wegzugehen, da seine Kinder nicht schlafen 

könnten. Da es nicht ruhiger wurde ging der Zivil- und Strafkläger zum Beschuldigten, 

D._____ und B._____, welche sich vor dem E._____ Shop aufhielten, und sagte ihnen, 

dass sie leiser sein sollten. Anschliessend entfernte sich der Zivil- und Strafkläger in 

Richtung seiner Wohnung, kehrte aber zum Beschuldigten, D._____ und B._____ zurück, 

da sie nicht leiser wurden. Der Zivil- und Strafkläger forderte den Beschuldigten, D._____ 

und B._____ erneut auf, leiser zu sein, da seine Kinder schlafen möchten. Zudem sagte 

der Zivil- und Strafkläger etwas auf Arabisch, worauf B._____ ihn wegstiess und der 

Beschuldigte aggressiv wurde. D._____ versuchte B._____ und den Beschuldigten zu 

beruhigen und zurückzuhalten. In der Folge begannen nacheinander der Beschuldigte, 

B._____ und D._____ mit den Fäusten auf den Zivil- und Strafkläger einzuschlagen, 

welcher ebenfalls mit den Fäusten zurückschlug und dabei gegen deren Köpfe zielte. Der 

Beschuldigte schlug mehrmals mit der Faust gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers. 

Der Zivil- und Strafkläger schlug zwei Mal mit der Faust auf den Mund des Beschuldigten 

und kurz darauf auf dessen rechtes Ohr. Mit der Zeit verschob sich die Auseinandersetzung 

zum Denkmal. Die Ex-Freundin des Zivil- und Strafklägers hörte den Lärm und schrie vom 

Küchenfenster der Wohnung des Zivil- und Strafklägers aus, dass sie aufhören sollten. 

 

Der Zivil- und Strafkläger wurde zu Boden gestossen und über den Boden gezogen. Die 

Auseinandersetzung verschob sich weiter zum F._____-Shop. Der Zivil- und Strafkläger 

lag auf dem Rücken und der Beschuldigte sass mit gespreizten Beinen auf der Brust des 

Zivil- und Strafklägers, wobei die Knie des Beschuldigten rechts und links des Zivil- und 

Strafklägers am Boden waren. Der Beschuldigte hielt die Arme des Zivil- und Strafklägers 

mit beiden Händen fest, so dass sich dieser nicht bewegen konnte. In dieser Zeit kickten 

D._____ und B._____ mehrfach den Zivil- und Strafkläger, wobei jeder von ihnen auf einer 

Seite des Zivil- und Strafklägers stand. D._____ trat den Zivil- und Strafkläger mehrfach 

mit den Füssen und zielte dabei gegen den Kopf und Oberkörper des Zivil- und 

Strafklägers. Seine Kickbewegungen erfolgten einmal mit links und einmal mit rechts. 

Zudem trat er auch von oben nach unten auf ihn ein. Er schlug mit dem Fuss wie mit einem 

Hammer auf den Zivil- und Strafkläger ein und trat ihn mit dem Fuss auf die linke Seite des 

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Kopfes. B._____ kickte mehrmals in den Brustbereich des Zivil- und Strafklägers. Der 

Beschuldigte schlug mit der Faust mehrmals gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers, 

währendem er auf dessen Brust sass. Irgendwann wurde der Zivil- und Strafkläger 

bewusstlos. Im Verlaufe der gesamten Auseinandersetzung biss der Zivil- und Strafkläger 

D._____ in zwei Finger der linken Hand und B._____ in den rechten Kleinfinger. 

 

Als die Ex-Freundin des Zivil- und Strafklägers aus dem Gebäude kam und ihn am Boden 

liegen sah, bat sie die Anwesenden, aufzuhören ihn zu schlagen. Sie ging näher und sah, 

dass D._____ etwas in der Hand hielt, worauf sie Angst bekam und retour ging. Als sie sich 

erneut den Streitenden näherte, sagte D._____ ihr, dass er sie auch schlagen würde, wenn 

sie näherkomme. Sie trat daher zurück und der Streit ging weiter. Zudem suchte D._____ 

am Boden seinen Schlüssel, welchen er zuvor in der Hand hielt und nun verloren hatte. Die 

Auseinandersetzung dauerte solange, bis schliesslich ein Taxi anhielt und der 

Taxichauffeur sowie sein Beifahrer hinzukamen und B._____ festhielten. Der Beschuldigte 

und D._____ entfernten sich vom Tatort, konnten jedoch kurz darauf von der Polizei 

angehalten werden. Der Beschuldigte wusste, dass Faustschläge gegen den Kopf, 

insbesondere bei einer Person, welche auf harten Pflastersteinen bzw. Asphalt liegt, 

erfahrungsgemäss schwere Verletzungen hervorrufen, und nahm dies zumindest in Kauf. 

 

Der Zivil- und Strafkläger erlitt bei dieser Auseinandersetzung folgende Verletzungen als 

Folgen stumpfer Gewalt: Zahnwurzelfraktur, wodurch der 2. Schneidezahn am Unterkiefer 

links operativ entfernt werden musste; Bluterguss mit Weichteilschwellung an der Stirn 

rechts; Blutergüsse an beiden Geheimratsecken, links zusätzlich mit Schürfkomponente; 

Druckschmerzhaftigkeit an der gesamten Kopfhaut ohne objektivierbare Schwellung oder 

Verfärbungen der Haut; streifiger Bluterguss am Nasenrücken; Schleimhautläsion an der 

Unterlippeninnenseite links auf Höhe des 2. Schneidezahns; Schwellung und braune 

Verfärbung am Zahnfleisch des fehlenden 2. Schneidezahns im Unterkiefer links und 

Druckschmerzhaftigkeit des 1. Schneidezahns im Oberkiefer rechts; kleine, strichförmige 

Hautabschürfung rechts des Brustbeins; Druck- und/oder Bewegungsschmerz der rechten 

Schulter, des rechten Handgelenkes und der Wirbelsäule ohne objektivierbare Schwellung 

oder Verfärbungen der Haut; kleinflächige Hautabschürfung am rechten Daumenballen, 

am linken Handrücken, am linken Mittelfinger und an der rechten Unterschenkel-

aussenseite; Bluterguss an der linken Unterarmkleinfingerseite; flächige Haut-

abschürfungen über beide Knie sowie Weichteilschwellung des rechten Knies. 

 

Der Beschuldigte erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mehrere, 

überwiegend chirurgisch versorgte, Hautläsionen ohne Schürfsaum und glatten 

Wundrändern an der rechten Ohrmuschel aussen und innen; streifige Hautabschürfung an 

der rechten Wange; streifige, verkrustete Hautabschürfung mit zweizipfeligen Wundwinkeln 

und umgebender Hautrötung an der linken Rumpfaussenseite; runde, nebeneinander 

angeordnete Blutergüsse an den Schultervorderseiten, in Verlängerung der Achselhöhlen; 

bandförmiger Bluterguss an der linken Oberarmaussenseite; feinstreifige Hautabschürfung 

an der rechten Unterarmbeugeseite; kleinflächige Hautabschürfungen an beiden Knien und 

am rechten Ellenbogen sowie eine Lockerung des 1. Schneidezahns im Unterkiefer links 

(Zahn Nr. 31). 

 

D._____ erlitt folgende Verletzungen als Folgen stumpfer Gewalt: oberflächliche, kleine 

Quetschwunde an der Stirn links; streifige Hautabschürfung hinter dem linken Ohr; 

landkartenartige Hautläsionen an der Kleinfingerseite des Mittel- und Ringfingers der linken 

Hand; kleinflächige Hautläsion an der Daumenseite des Mittelfingers der linken Hand; 

flächige Hautabschürfungen am linken Handteller, an der Streckseite des rechten 

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Mittelfingers und am linken Knie sowie eine kleinflächige Hautabschürfung am rechten 

Handrücken. 

 

B._____ erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mässige 

Weichteilschwellung des gesamten rechten Kleinfingers; an der rechten 

Kleinfingerbeugeseite, auf Höhe des Mittelgelenkes und des Mittelgliedes, eine chirurgisch 

versorgte Hautläsion mit, soweit beurteilbar, unregelmässigen Wundrändern und 

angrenzend eine runde Hautläsion sowie an der rechten Kleinfingerstreckseite, 

fingerspitzenabwärts des Mittelgelenkes, eine strichförmige, quer zur Fingerlängsachse 

verlaufende, braun verkrustete Hautläsion. 

 

1.2. 

Mit Urteil vom 19. Mai 2022 erkannte das Bezirksgericht Aarau:  

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB, 
- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB. 
 
2.  
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40 StGB, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre 
festgesetzt. 
 
[…] 
 
4. 
Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (5. April 2020 bis 6. April 2020) wird gestützt auf 
Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet.  
 
5. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 106 StGB i.V.m. Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Busse von Fr. 1'000.00 verurteilt. 
 
6.  
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 
vollzogen. 
 
7.  
Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes verwiesen. 
 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 
im Schengener Informationssystem angeordnet. 
 
8. 
8.1 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger A._____ Fr. 500.00 zzgl. 
Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 

  

 - 5 - 

 

 

8.2 
Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Strafkläger A._____ die gerichtlich auf Fr. 366.00 (inkl. 
Fr. 26.20 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
9. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr von  Fr. 2'500.00 

b) der Anklagegebühr von  Fr. 1'550.00 

c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  9'226.45 

d) andere Auslagen Fr.  2'787.55 

Total Fr.  16'064.00 

 

Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 

gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 6'837.55 auferlegt. 

 

Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 9'226.45 (inkl. Fr. 659.65 MwSt.) werden 
einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton 
Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 9'226.45 
(inkl. Fr. 659.65 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

2. 

Mit Berufungserklärung vom 15. Februar 2023 beantragte der 

Beschuldigte, er sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körper-

verletzung freizusprechen und wegen einfacher Körperverletzung und 

Raufhandels schuldig zu sprechen. Auf die Landesverweisung sei zu 

verzichten und die Zivilforderung sei abzuweisen.  

 

3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 15. Februar 2024 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. D._____ (SST.2023.112) und B._____ 

(SST.2023.30) statt. A._____ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2021.226 vom 19. Mai 2022 vom Vorwurf des Raufhandels rechtskräftig 

freigesprochen. 

  

 - 6 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Dem Beschuldigten wurde mit Anklage vorgeworfen, sich am 4. April 2020 

kurz vor Mitternacht in Aarau an einem Raufhandel beteiligt zu haben und 

dabei – zusammen mit D._____ und B._____ – auf A._____ eingeschlagen 

und eingetreten zu haben. 

 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt gemäss Anklageschrift grundsätzlich 

als erstellt erachtet. Gestützt darauf hat sie den Beschuldigten wegen 

Raufhandels und – in Mittäterschaft begangener – versuchter schwerer 

Körperverletzung schuldig gesprochen. 

 

1.2. 

1.2.1. 

Gemäss Art. 133 StGB wird bestraft, wer sich an einem Raufhandel 

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge 

hat (Abs. 1). Ein Raufhandel ist nach der Rechtsprechung eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. 

Strafbar macht sich, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am 

Raufhandel teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern 

bzw. deren Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Tätliche 

Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft derart 

unübersichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung 

oder den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 

StGB ist, in solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen 

straflos bleiben. Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die 

Beteiligung am Raufhandel unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim 

Raufhandel mithin um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, obschon ein 

Erfolg eintreten muss (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 und Urteil des Bundesgerichts 

6B_1163/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1.1, beide mit Hinweisen). Wer 

ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet, macht sich indessen 

nicht strafbar (Art. 133 Abs. 2 StGB). Dies ist der Fall, wenn eine Person 

sich zwar aktiv am Raufhandel beteiligt, dies jedoch ausschliesslich 

abwehrend oder trennend, d.h. ausschliesslich Schläge austeilt, um sich zu 

schützen, andere zu verteidigen oder Streitende zu scheiden (BGE 131 IV 

150 E. 2.1). Subjektiv ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Der Vorsatz muss sich nur auf die objektiven Tatbestandsmerkmale 

beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge (BGE 141 

IV 454 E. 2.3.2; BGE 139 IV 168 E. 1.1.1). Der Täter muss insbesondere 

erkennen und in Kauf nehmen, dass sich mehr als zwei Personen an der 

tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2; BGE 106 

IV 246 E. 3b). 

 

 - 7 - 

 

 

1.2.2. 

Gemäss Art. 122 StGB [in der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] macht 

sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer vorsätzlich einen 

Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend 

arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines 

Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine 

andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Eine lebens-

gefährliche Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung darf nur 

angenommen werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, 

in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet hat, dass sie 

zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde, was aber nicht 

bedeutet, dass die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich unmittel-

bare, akute sein muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche Wahr-

scheinlichkeit des tödlichen Verlaufs (BGE 131 IV 1 E. 1.1). Vorsätzlich 

begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für 

möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB).  

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektive Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 E. 2.2.2, nicht 

publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen).  

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von 

Faustschlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. 

Massgeblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die 

Verfassung des Opfers. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

handelt es sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen Bereich 

des menschlichen Körpers. Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen 

der Hirnregion, können demnach gravierende Folgen nach sich ziehen 

(Urteile des Bundesgericht 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.4; 

6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2). Das Bundesgericht hat 

mehrfach festgehalten, es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, 

dass Fusstritte und Faustschläge gegen den Kopfbereich eines am Boden 

liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf 

mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden 

Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1024/2017 E. 2.2.1; 6B_1180/2015 E. 4.1; 

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6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4; 6B_181/2015 vom 23. Juni 

2015 E. 2.3). Es ist jedoch nicht generell davon auszugehen, dass Schläge 

oder Tritte gegen den Kopf regelmässig zu schweren und bleibenden 

Schäden oder lebensgefährlichen Verletzungen führen, es sind stets die 

konkreten Tatumstände zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_161/2016 vom 12. Oktober 2016 E. 1.4.1 f.). Im Übrigen setzt die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Erfüllung des Tatbestandes der 

versuchten schweren Körperverletzung nicht voraus, dass neben den 

eigentlichen Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes 

Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des 

Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung 

mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteile des Bundesgerichts 

6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. 

Mai 2016 E. 4.1; je mit Hinweisen). 

 

Eine (versuchte) schwere Körperverletzung kann nicht nur eigenhändig, 

sondern auch in Mittäterschaft begangen werden. Nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, 

Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender 

Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter 

dasteht. Nach den Umständen des konkreten Falls muss der Tatbeitrag des 

Mittäters als für die Ausführung des Delikts wesentlich erscheinen. Das 

blosse Wollen der Tat allein genügt nicht; es ist allerdings nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu 

beeinflussen vermag. Die Mittäterschaft setzt einen gemeinsamen 

Tatentschluss voraus, der indessen nicht notwendigerweise ausdrücklich 

sein muss, sondern sich auch im konkludenten Handeln äussern kann, 

wobei Eventualvorsatz bezüglich des Erfolgs genügt. Es ist nicht 

erforderlich, dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er 

kann später dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass von Beginn 

an ein Vorsatz besteht; der Mittäter kann sich den Vorsatz während der 

Ausführung zu eigen machen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am 

Entschluss, ein Delikt zu begehen, oder an seiner Ausführung unter 

Umständen oder in einem Mass beteiligt ist, die ihn nicht als weiteren 

Beteiligten, sondern als Hauptbeteiligten erscheinen lassen (BGE 135 IV 

152 E. 2.3.1). Erscheint die Tat demnach als Ausdruck eines gemeinsamen 

Willens und Handelns, ist jeder der Mittäter für die Tat als Ganzes 

verantwortlich (BGE 120 IV 17 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 

6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 1.2.2). Auch an spontanen, nicht 

geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist Mittäterschaft 

möglich (Urteile des Bundesgerichts 6B_759/2021 vom 16. Dezember 

2021; 6B_180/2011 vom 5. April 2012 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 138 IV 

113]). 

 

 - 9 - 

 

 

1.3. 

1.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

4. April 2020 gegen Mitternacht in Aarau zu einer tätlichen 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, den beiden Mitbe-

schuldigten B._____ und D._____ sowie A._____ gekommen ist. Erstellt 

und unbestritten geblieben sind zudem die nach der Auseinandersetzung 

durch Dr. med. G._____, Dr. med. H._____ und Dr. med. I._____ vom 

Institut für Rechtsmedizin im Kantonsspital Aarau festgestellten und in den 

jeweiligen Gutachten vom 7. Mai 2020 dokumentierten Verletzungen des 

Beschuldigten, der beiden Mitbeschuldigten (B._____ und D._____) und 

A._____ (UA act. 73 ff., act. 107 ff. act. 147 ff., act. 159 ff.). 

 

Umstritten ist mit Blick auf den Tatbestand des Raufhandelns und der 

versuchten schweren Körperverletzung jedoch, welche Handlungen der 

Beschuldigte und die Mitbeschuldigten begangen haben und welches die 

Rolle des Beschuldigten während dieser Auseinandersetzung war. 

 

1.3.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Der Grundsatz 

«in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des 

urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen 

vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

1.3.3. 

Mit der Vorinstanz bestehen keine Zweifel daran, dass sich der 

Beschuldigte aktiv an der tätlichen Auseinandersetzung zwischen ihm, den 

beiden Mitbeschuldigten (B._____ und D._____) und A._____ beteiligt hat. 

 

Die Vorinstanz hat die Aussagen von J._____ (vorinstanzliches Urteil E. 

2.4.5), K._____ (vorinstanzliches Urteil E. 2.4.6), A._____ (vorinstanzliches 

Urteil E. 2.4.4) sowie des Beschuldigten (vorinstanzliches Urteil E. 2.4.1) 

zusammengefasst. Darauf kann verwiesen werden.  

 

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1.3.3.1. 

Mit der Vorinstanz ist auf die im Kerngeschehen konstanten, detaillierten 

und widerspruchsfreien und damit glaubhaften Aussagen des Zeugen 

J._____, der selber nicht an der Tat beteiligt war und als die neutralste 

Person zu werten ist, abzustellen: 

 

Der Mitbeschuldigte B._____ habe angefangen, A._____ wegzustossen 

(UA act. 314; UA act. 350 und 352, wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, 

B._____ als denjenigen identifizierte, der zuerst gestossen habe; Protokoll 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7, wonach 

die drei mit dem Schubsen angefangen hätten, er aber nicht mehr wisse, 

welcher angefangen habe). Danach sei es von beiden Seiten zu 

Faustschlägen gekommen, wobei der Beschuldigte mit den Faustschlägen 

begonnen habe (UA act. 314; UA act. 349 f. und 353, wonach J._____ auf 

Vorlage von Fotos, den Beschuldigten als denjenigen identifizierte, der 

begonnen habe mit den Fäusten; vgl. Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7 f., wobei er nicht mehr wisse, 

wer angefangen habe). Als er habe filmen wollen, hätte ihn der 

Mitbeschuldigte B._____ entdeckt und weggeschickt. Er habe sich 

versteckt und sei dann zurückgekommen (UA act. 314; UA act. 350, 

wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, B._____ als denjenigen 

identifizierte, der ihn weggeschickt habe; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 12, wonach B._____ ihm gedroht 

habe; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 13, wonach B._____ ihn 

habe schlagen wollen). A._____ sei dann am Boden gelegen. Sie hätten 

ihn getreten (UA act. 315 f.; UA act. 350; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 8 f.). Der Beschuldigte sei auf 

A._____ draufgesessen und habe ihn mit Fäusten gegen den Kopf 

geschlagen (UA act. 315 f.; UA act. 347 und 350 f., wonach J._____ auf 

Vorlage von Fotos, den Beschuldigten als denjenigen identifizierte, der auf 

A._____ draufgesessen sei) und ihn festgehalten, sodass er sich nicht 

habe bewegen können (UA act. 352). Die Mitbeschuldigten D._____ und 

B._____ hätten im Kopf- und Schulterbereich auf ihn eingekickt (UA 

act. 316; UA act. 350 f., wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, D._____ 

und B._____ als diejenigen identifizierte, die gekickt haben; Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 9, wonach der 

Abwesende [D._____] und B._____ gegen den Oberkörper gekickt hätten). 

Es seien dann Personen mit einem Motorrad gekommen (UA act. 316; UA 

act. 356; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 10; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 14).  

 

Der Zeuge J._____ schilderte den Vorfall vor allem in den zwei tatnächsten 

Einvernahmen detailliert. Er konnte Nebensächlichkeiten schildern. Die 

Gruppe sei beim Schild des E._____ Shops gestanden (UA act. 314) oder 

dass er die Kinder habe weinen hören (UA act. 356). Zudem war es ihm 

möglich, die Auseinandersetzung mit den örtlichen Verhältnissen zu 

 - 11 - 

 

 

verknüpfen, wonach es beim E._____ Shop angefangen habe, sich danach 

zur Statue und schliesslich weiter zum F._____ Shop verlagert habe (UA 

act. 315, 350 und 355). Dabei gab der Zeuge J._____ seine eigenen 

psychischen Vorgänge wieder. Er sei im Schockzustand gewesen und 

habe Herzrasen gehabt. Dadurch habe er vergessen den Knopf für die 

Aufnahme zu drücken (UA act. 354). In dieser Hinsicht machte er sich denn 

auch Selbstvorwürfe, weil er es nicht geschafft habe, die Auseinander-

setzung zu filmen, obwohl es – seiner Ansicht nach – seine Aufgabe 

gewesen wäre (UA act. 354 f.). Nicht zuletzt äusserte er sich, wenn er 

etwas nicht (mehr) wusste. Alsdann ist kein Motiv des Zeugen J._____ zu 

erkennen, jemanden falsch belasten oder entlasten zu wollen. Er steht in 

keinem besonders nahen Verhältnis zu A._____, zum Beschuldigten oder 

zu den beiden Mitbeschuldigten. Der Zeuge J._____ hat zwar angegeben, 

dass A._____ ein Kollege von ihm sei, erweckt aber mit seinen 

Äusserungen nicht den Anschein, dass es sich um eine enge 

freundschaftliche Beziehung handelt. Gelegentliches gemeinsames Essen 

oder Telefongespräche zwischen A._____ und J._____ sprechen dem 

Zeugen seine Glaubwürdigkeit nicht ab. Es sind keine Anhaltspunkte 

ersichtlich, die auf eine Befangenheit des Zeugen J._____ hindeuten 

würden. Der Zeuge äusserte sich denn auch hinsichtlich des Beitrags von 

A._____ dahingehend belastend, dass dieser recht geladen gewesen sei, 

als er zu der Gruppe ging (UA act. 352).  

 

An den glaubhaften Aussagen des Zeugen J._____ ändert nichts, dass er 

anlässlich seiner ersten Einvernahme ausgesagt hat, der Kleinste sowie 

die Person mit der schwarz/weissen Jacke – den er zuvor als den 

Mittelgrossen (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl der 

Beschuldigte) bezeichnet hatte (UA act. 315) – hätten A._____ getreten, 

während der Grösste (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl 

D._____) auf ihm gesessen habe (UA act. 316), zumal Grössen-

verhältnisse in einer Schlägerei zufolge des regen Bewegens der 

Beteiligten keine verlässliche Angabe darstellen. Er stellte dies denn auch 

– als ihm die Fotos der Beschuldigten das erste Mal im Rahmen der zweiten 

Einvernahme vorgelegt wurden – umgehend richtig und äusserte sich 

dahingehend, dass es sich bei der Person mit der schwarz/weissen Jacke 

um den Mitbeschuldigten D._____ – und folglich nicht um den 

Beschuldigten – gehandelte habe (UA act. 347). Dieser habe zusammen 

mit dem Mitbeschuldigten B._____ den am Boden liegenden A._____ mit 

Füssen getreten, während der Beschuldigte auf A._____ gesessen habe. 

Dies bestätigte er anlässlich der zweiten Einvernahme mehrmals (UA act. 

350, Frage 46 sowie Frage 49; UA act. 351, Frage 55; UA act. 352, Fragen 

63, 64 und 65; UA act. 356, Fragen 94 und 97). Ebenso wenig sind die 

Abweichungen in seinen Aussagen vor Vorinstanz sowie im Rahmen der 

Berufungsverhandlung im Vergleich zu seinen zwei tatnächsten Aussagen 

geeignet, die Glaubhaftigkeit seiner überwiegend kongruenten Aussagen 

in Frage zu stellen: Er äusserte sich insofern abweichend, als er davon 

 - 12 - 

 

 

ausging, dass es keine Faustschläge mehr gegeben habe, als A._____ am 

Boden gelegen habe (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

vom 19. Mai 2022, S. 9), dass A._____ nicht gegen den Kopf gekickt 

worden sei (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, S. 9; 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 13), dass er die gesamte 

Schlägerei gesehen habe (Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung, S. 10) oder dass er nicht mehr genau sagen könne, wer auf 

A._____ draufgesessen sei bzw. er nach mehrmaliger Nachfrage auf den 

Mitbeschuldigten B._____ zeigte, wobei er nicht mehr wisse, was der 

Beschuldigte gemacht habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f.). 

Die vorinstanzliche Hauptverhandlung fand zwei Jahre und die Berufungs-

verhandlung rund vier Jahre nach dem Ereignis statt. Dabei ist es 

offenkundig, dass nach einer so langen Zeitspanne die Erinnerung an 

einzelne Handlungen eines dynamischen Ereignisses wie einer Schlägerei, 

wo Schläge und Tritte von allen Seiten her fielen, nicht mehr im Detail 

wiedergegeben werden kann. Es ist auf seine frühen und tatnächsten 

Aussagen abzustellen. Es war dem Zeugen J._____ aufgrund seines 

ursprünglichen Standorts nahe der Auseinandersetzung denn auch 

durchaus möglich, diese mitzuverfolgen; dies sodann auch nachdem er 

kurz weggerannt war, sich dem Geschehen dann aber wieder genähert 

hatte und die Auseinandersetzung wiederum bewusst hat beobachten 

können (vgl. UA act. 355). Dass er – wie er selbst aussagte – kurzzeitig, 

als er zwischen den Toren war, nichts sehen konnte, ändert nichts daran, 

zumal er das Geschehen zuvor und danach sehen konnte (UA act. 355).  

 

1.3.3.2. 

Damit übereinstimmend sagte A._____ schlüssig und nachvollziehbar aus, 

dass er während der Auseinandersetzung vom Beschuldigten und den 

beiden Mitbeschuldigten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und, 

als er am Boden gelegen und eine Person ihn festgehalten habe, auch mit 

den Füssen gegen den Kopf, den Oberkörper und gegen die Beine getreten 

worden sei (UA act. 301, 303; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 21 und 24; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 5 ff.). Als er den zwei bzw. drei Beschuldigten 

an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022 bzw. der 

Berufungsverhandlung gegenüberstand, identifizierte er den Beschuldigten 

als denjenigen, der sich auf ihn gesetzt und ihn festgehalten habe, als er 

am Boden gelegen habe (Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

vom 19. Mai 2022, S. 23 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 5-7). 

Die Mitbeschuldigten D._____ und B._____ hätten gegen seinen 

Oberkörper, die Beine und den Kopf getreten (Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 23 f., wonach ihn 

beide gegen den Kopf getreten hätten; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 5-7, wonach B._____ ihn auf die Füsse und die 

Knie geschlagen habe, während D._____ ihm gegen den Kopf getreten 

habe). Dass seine Aussagen hinsichtlich der einzelnen Tatbeiträge des 

 - 13 - 

 

 

Beschuldigten bzw. der beiden Mitbeschuldigten nicht im gesamten 

Verfahren kongruent erscheinen und er sich insbesondere anders dazu 

äusserte, ob eine oder zwei Personen Tritte gegen seinen Kopf ausgeführt 

haben, ist insofern nachvollziehbar, als im Zeitpunkt der gerichtlichen 

Verhandlungen bereits zwei bzw. rund vier Jahre vergangen waren, sein 

Fokus während der Auseinandersetzung darauf lag, sich zu schützen und 

nicht darauf, zu schauen, wer welche Schläge/Tritte austeilt und er im 

Übrigen erst während den Einvernahmen vor Gericht die Beschuldigten 

bildlich vor sich hatte, nachdem dies im Vorverfahren nicht der Fall war. 

Das ändert nichts am basierend auf den glaubhaften Aussagen des Zeugen 

J._____ erstellten Sachverhalt, wonach beide Mitbeschuldigten D._____ 

und B._____ A._____ gegen den Kopf getreten haben (vgl. oben). 

 

1.3.3.3. 

Ebenso im Kerngeschehen – für die Zeit ihrer Beobachtung – überein-

stimmend sagte die Zeugin K._____ schlüssig und nachvollziehbar aus: Als 

sie nach draussen gegangen sei, sei A._____ bereits auf dem Boden 

gelegen und die drei Beschuldigten hätten auf ihn eingeschlagen. Einer 

habe ihn festgehalten und die anderen beiden hätten mit den Füssen gegen 

seinen Kopf getreten (UA act. 321, 324 f.; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14, 16 f.; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 17 f., 20). Zu den jeweiligen Tatbeiträgen 

äusserte sich die Zeugin zwar grossmehrheitlich konstant, jedoch auf den 

ersten Blick im Widerspruch zu den Aussagen des Zeugen J._____ 

dahingehend, dass der Mitbeschuldigte B._____ auf A._____ gesessen 

habe, während die anderen beiden ihn mit den Füssen getreten hätten. 

Nachdem sich der Beschuldigte selbst (vorinstanzliches Protokoll der 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 31) in Übereinstimmung mit dem 

Zeugen J._____ und A._____ (vgl. oben) dahingehend äusserte, dass er 

auf dem Bauch von A._____ gekniet sei und die Hände festgehalten habe, 

ist davon auszugehen, dass K._____ zwei der drei Beteiligten (den 

Beschuldigten und den Mitbeschuldigten B._____) miteinander 

verwechselt hat. Das ist denn auch umso verständlicher, zumal sie 

wahnsinnig im Stress gewesen sei, ihre Kinder geweint hätten und sie vom 

Mitbeschuldigten D._____ bedroht worden sei (vorinstanzliches Protokoll 

der Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 16). Dass die Zeugin K._____ 

aussagte, den Mitbeschuldigten D._____ nicht schlagen gesehen zu haben 

(Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 18 

f.; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 18) bzw. dass einer auf A._____ 

gewesen sei, der andere getreten habe und D._____ ihr gedroht habe 

(Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14 

und 16), erscheint bei einer gesamthaften Betrachtung nicht als 

Widerspruch, haben sich ihre Äusserung doch nicht auf die ganze Dauer 

der Auseinandersetzung bezogen, sondern jenen, als sie von D._____ 

bedroht worden war (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 20, 

 - 14 - 

 

 

wonach ein Mann ihn von der einen Seite und ein anderer ihn von der 

anderen Seite geschlagen habe).  

 

Es ist denn auch kein Motiv für eine falsche Aussage der Zeugin K._____ 

erkennbar. Es ist zwar so, dass sie und A._____ gemeinsame Kinder 

haben. Sie sind jedoch seit mehreren Jahren getrennt und der Kontakt zu 

A._____ sei nur wegen den gemeinsamen Kindern vorhanden (UA act. 

321, 322; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 13; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 16). Auch wenn ihre 

Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen sind, ist bei ihr 

kein Belastungseifer auszumachen und auch sonst liegen keine 

Anhaltspunkte für eine bewusste Falschaussage, eine falsche 

Anschuldigung oder Begünstigung vor.  

 

1.3.3.4. 

Die im medizinischen Gutachten beschriebenen Verletzungen von A._____ 

stehen sodann im Einklang mit den obigen Schilderungen des Zeugen 

J._____, die von der Zeugin K._____ sowie von A._____ bestätigt wurden. 

 

A._____ hat mehrere Verletzungen im Kopfbereich (Blutergüsse, Weich-

teilschwellungen und Schürfkomponenten an der Stirn, Druckschmerz-

haftigkeit an der gesamten Kopfhaut, Bluterguss am Nasenrücken) und 

mehrere Verletzungen im Mundbereich (Schleimhautverletzungen an der 

Unterlippeninnenseite, Schwellungen und braune Verfärbungen am Zahn-

fleisch, im Unterkiefer und Druckschmerzhaftigkeit) erlitten. Zudem war 

seine Zahnprothese nach der Auseinandersetzung defekt (UA act. 163). 

Diese Verletzungen, die sich A._____ nicht selbst beigebracht hat, lassen 

sich gestützt auf das medizinische Gutachten «plausibel durch mehrere 

Faustschläge und/oder Fusstritte gegen den Kopf erklären» (UA act. 164), 

wobei die Zahnschäden und die Schäden an der Prothese sich nicht allein 

durch die zugestandenen Bisse von A._____ in die Finger des Beschul-

digten sowie des Mitbeschuldigten B._____ erklären liessen. Vielmehr 

würden die bei B._____ und dem Beschuldigten festgestellten 

Verletzungen dafür sprechen, dass die Prothese zum Zeitpunkt der Bisse 

bereits defekt war (UA act. 164). Ebenso seien die Verletzungen am 

Oberkörper (Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungsschmerzen der 

rechten Schulter, des rechten Handgelenkes und der Wirbelsäule sowie 

Taubheitsgefühle an der Aussenseite des rechten Armes) «durch die 

Schläge, Tritte und / oder Stürze zu Boden im Rahmen der 

Auseinandersetzung zu erklären» (UA act. 165). 

 

1.3.3.5. 

Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich hingegen sowohl in Bezug 

auf seine Handlungen als auch seine Rolle während der Auseinander-

setzung als widersprüchlich, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann 

 - 15 - 

 

 

bzw. seine verharmlosenden oder ihn als Täter ausschliessenden 

Aussagen als Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind. 

 

In der delegierten Einvernahme vom 6. April 2020 sagte der Beschuldigte 

bezüglich des Beginns der Auseinandersetzung aus, A._____ habe 

begonnen, auf ihn und die beiden Mitbeschuldigten einzuschlagen (UA 

act. 264), wobei dieser zuerst ihn und danach die Mitbeschuldigten 

geschlagen habe (UA act. 262). Anlässlich der Hauptverhandlung 

schilderte er hingegen, dass er nicht beobachten konnte, dass A._____ die 

anderen beiden Mitbeschuldigten geschlagen habe (VA act. 503). Im 

Rahmen der Berufungsverhandlung sagte er wiederum, dass A._____ die 

beiden Mitbeschuldigten angegriffen habe (Protokoll Berufungs-

verhandlung, S. 26). Der Mitbeschuldigte B._____ berichtete seinerseits 

hingegen von keinem Schlag gegen ihn, vielmehr habe er zum ganzen 

Geschehen Abstand gewahrt. Der Beschuldigte sei am Boden gelegen und 

A._____ habe auf ihn eingeschlagen (UA act. 263). Auch den weiteren 

Verlauf der Auseinandersetzung beschrieb der Beschuldigte diskrepant. In 

der Einvernahme vom 6. April 2020 sagte er aus, er habe einen Schlag auf 

dem rechten Ohr gespürt und sei zu Boden gegangen (UA act. 263). 

Anlässlich der Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte aus, A._____ 

habe ihn am Fuss gepackt, worauf er zu Boden gefallen sei (VA act. 502). 

In der delegierten Einvernahme schilderte der Beschuldigte, ein Kollege 

von ihm habe versucht, auf A._____ einzuschlagen (UA act. 263), 

wohingegen er anlässlich der Hauptverhandlung ausführte, er habe nicht 

beobachten können, was die anderen gemacht hätten (VA act. 503). Auf 

die Frage, ob er A._____ im Rahmen der Auseinandersetzung ebenfalls 

geschlagen habe, antwortet der Beschuldigte widersprüchlich. Zunächst 

sagte er aus, dass es durchaus denkbar sei, dass A._____ ein paar 

Schläge von ihm und den beiden Mitbeschuldigten bekommen hätte (UA 

act. 269). In der Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte zunächst, er 

habe nicht geschlagen, sondern sich nur gewehrt. Danach sagte er aus, 

dass es sein könne, dass er A._____ geschlagen habe, weil er wütend 

gewesen sei (VA act. 502). Im Rahmen der Berufungsverhandlung sagte 

der Beschuldigte, er habe sich gewehrt, indem er A._____ geschlagen 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 26). Allgemein ist die Version 

des Beschuldigten, ein einzelner Fremder habe ihn und die beiden 

Beschuldigten aus dem Nichts und grundlos angegriffen, nicht glaubhaft. 

Auf die wiederholt widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten kann 

nicht abgestellt werden. 

 

1.3.3.6. 

Nach dem Gesagten ist in sachverhaltlicher Hinsicht erstellt, dass es 

zwischen dem Beschuldigten, den beiden Mitbeschuldigten D._____ und 

B._____ sowie A._____ zu einer gegenseitigen, wechselseitigen 

Auseinandersetzung gekommen ist, bei der der Beschuldigte aktiv 

mitgewirkt hat, indem er A._____ geschlagen und im Verlauf der 

 - 16 - 

 

 

Auseinandersetzung den auf dem Boden liegenden A._____ festgehalten 

hat, sodass die Mitbeschuldigten D._____ und B._____, ungehemmt mit 

den Füssen mitunter in Form von Kickbewegungen gegen den Oberkörper 

und den Kopf von A._____ eintreten konnten.  

 

1.4. 

1.4.1. 

Gestützt auf den erstellten Sachverhalt steht fest, dass sich der 

Beschuldigte an einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung 

zwischen ihm, D._____, B._____ und A._____, bei dem alle vier Beteiligten 

Verletzungen (darunter solche, bei denen es sich mindestens um einfache 

Körperverletzungen im Sinne der Strafbarkeitsbedingung handelt) erlitten 

haben, aktiv beteiligt und damit den objektiven Tatbestand des 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB erfüllt hat. Fest steht auch, dass der 

Beschuldigte nicht bloss abgewehrt oder die Streitenden auseinander-

gehalten hat. Subjektiv hat der Beschuldigte im Wissen um die tätliche 

Auseinandersetzung gehandelt und das auch gewollt. Er ist somit wegen 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB schuldig zu sprechen. Daran ändert 

auch nichts, dass A._____ mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2021.226 vom 19. Mai 2022 vom Vorwurf des Raufhandels rechtskräftig 

freigesprochen worden ist (vgl. Art. 133 Abs. 2 StGB, wonach nicht strafbar 

ist, wer sich bloss als Abwehrender an einem Raufhandel beteiligt; BGE 

137 IV 1 E. 4.2.2), was vom Obergericht nicht zu überprüfen ist. 

 

1.4.2. 

Der Beschuldigte hat gestützt auf den erstellten Sachverhalt sodann auch 

den objektiven und subjektiven Tatbestand der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB – begangen in 

Mittäterschaft mit den Mitbeschuldigten D._____ und B._____ – erfüllt. 

 

Auch wenn die Auseinandersetzung mit A._____ nicht zum vornherein 

geplant war, zeigt sich aufgrund des Ablaufs und der erstellten Handlungen 

des Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldigten D._____ und B._____, 

dass diese nicht einfach unabhängig voneinander agiert haben, sondern 

den sich stets steigernden Konflikt letztlich ganz bewusst gemeinsam 

gegen A._____ ausgetragen haben, so dass alle Beschuldigten als 

Hauptbeteiligte und damit Mittäter anzusehen sind: Der Beschuldigte teilte 

zusammen mit den Mitbeschuldigten B._____ und D._____ wechselseitig 

Schläge gegen A._____ aus. Als dieser auf dem Boden lag, hielt der 

Beschuldigte die Arme von A._____ fest, sodass dieser sich nicht mehr 

wehren konnte und die Mitbeschuldigten D._____ und B._____ mehrfach 

auf A._____ eintreten konnten. Dieses Vorgehen der Beteiligten 

ermöglichte es ihnen, koordiniert auf A._____ einzutreten, indem ihn der 

Beschuldigte am Boden festhielt und nahezu unbeweglich und wehrlos 

machte, und die anderen beiden von beiden Seiten auf ihn eintraten. Der 

Beschuldigte wirkte folglich vorsätzlich und in massgebender Weise bei der 

 - 17 - 

 

 

Tatausführung mit, wobei die Tatausführung durch die Beteiligten 

gemeinsam erfolgte. Ist – wie vorliegend – von Mittäterschaft auszugehen, 

sind dem Beschuldigten auch die Tathandlungen der anderen beiden 

Mittäter D._____ und B._____ anzurechnen. 

 

Durch die Faustschläge und Fusstritte des Beschuldigten bzw. der 

Mitbeschuldigten gegen A._____, hat dieser mehrere Verletzungen unter 

anderem im Kopfbereich erlitten (vgl. medizinisches Gutachten, UA act. 

163, vgl. vorstehend E. 2.4.1). Gemäss dem medizinischen Gutachten 

konnten bei A._____ relevante Verletzungen des Hirnschädels und des 

Gehirns ausgeschlossen werden und es ergaben sich keine Anhaltspunkte 

für das Vorliegen einer konkreten Lebensgefahr. Dem Gutachten ist jedoch 

zu entnehmen, dass Schläge gegen den Kopf, neben den von aussen 

sichtbaren Verletzungen, grundsätzlich auch zu Schädel-Hirn-

Verletzungen führen, die, je nach Lokalisation und Ausdehnung, unter 

Umständen tödlich enden können (UA act. 165). Die Intensität der 

Fusstritte wurde durch A._____ als «wie mit einem Hammer» ausgeführt, 

beschrieben (UA act. 301). Der Zeuge J._____ beschrieb die Intensität der 

Faustschläge als extrem, die Beschuldigten hätten voll auf A._____ 

eingeschlagen und eingetreten (UA act. 317), resp. als «brutal» (Protokoll 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7). Auf 

Nachfrage der Vorinstanz hin schätzte der Zeuge J._____ die Intensität der 

Fusstritte auf einer Skala von 1 bis 10 auf 8 ein (UA act. 351). Die Zeugin 

K._____ schätzte die Intensität der Schläge und Tritte auf einer Skala von 

1 bis 10 gar auf 9 ein (UA act. 326). 

 

Die mit einer erheblichen Intensität gegen den Kopf ausgeführten Schläge 

und Tritte des ohne Abwehrmöglichkeit am Boden liegenden bzw. fixierten 

A._____ waren zweifellos geeignet, ihm eine schwere Körperverletzung mit 

Todesfolgen, wie etwa eine Schädel-Hirn-Verletzung (vgl. auch 

medizinisches Gutachten, UA act. 165), zuzufügen. Der Beschuldigte und 

die beiden Mitbeschuldigten D._____ und B._____ nahmen als Mittäter 

handelnd den Eintritt lebensbedrohlicher Verletzungen zumindest in Kauf, 

als sie während der Auseinandersetzung zunächst mehrfach Faustschläge 

und danach mehrfach Fusstritte gegen den Kopfbereich von A._____ 

erteilten, zumal dieser für die Beteiligten offensichtlich wehrlos am Boden 

lag, da er durch den Beschuldigten, der auf ihm sass, fixiert wurde. Der 

Beschuldigte und die beiden Mitbeschuldigten führten die Fusstritte und 

Faustschläge völlig unkontrolliert aus und es war während dieser 

dynamischen Auseinandersetzung für die Beteiligten unmöglich, die 

Faustschläge und Fusstritte derart gezielt durchzuführen, sodass mögliche 

lebensbedrohliche Verletzungen hätten vermieden werden können. Indem 

sie mehrmals auf den Kopf- und Brustbereich von A._____ einschlugen und 

– als dieser wehrlos am Boden lag – mit den Füssen eintraten, kann 

vernünftigerweise nur davon ausgegangen werden, dass sie derartige 

Verletzungen auch als möglich erkannt und mindestens in Kauf genommen 

 - 18 - 

 

 

haben, zumal sie von A._____ erst abgehalten haben, als Drittpersonen 

eingegriffen haben. Dass A._____ keine schweren Verletzungen erlitten 

hat, bleibt unter den vorliegenden Umständen ohne Bedeutung, da es in 

der Natur der Sache liegt, dass der tatbestandliche Erfolg bei einem 

Versuch nicht eintritt. 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

 

1.5. 

Zwischen den Tatbeständen des Raufhandels und den Körperverletzungs-

delikten besteht echte Konkurrenz, weil beim Raufhandel nicht nur die 

verletzte Person, sondern alle Beteiligten und auch Dritte zumindest 

abstrakt gefährdet werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_555/2018 vom 

11. September 2018 E. 2.2.1; BGE 118 IV 227 E. 5b; BGE 83 IV 192). 

 

Der Beschuldigte ist folglich sowohl wegen Raufhandels gemäss Art. 133 

StGB als auch versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 

i.V.m. Art. 22 StGB zu verurteilen. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und des Raufhandels 

gemäss Art. 133 StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu 

bestrafen ist. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre, sowie zu einer Verbindungsbusse von 

Fr. 1'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

Der Beschuldigte beantragt – in der Annahme einer Verurteilung wegen 

einfacher Körperverletzung – eine Verurteilung zu einer bedingten 

Geldstrafe von 150 Tagessätzen à Fr. 30.00, Probezeit 2 Jahre und einer 

Verbindungsbusse von Fr. 900.00. 

 

2.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

 - 19 - 

 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die versuchte schwere Körperverletzung gemäss 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von A._____ 

festzusetzen, da es sich hierbei gemäss dem abstrakten Strafrahmen von 

Art. 122 StGB um das schwerste Delikt handelt. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

sieht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung; seit 1. Juli 2023 beträgt die Mindeststrafe 1 Jahr] bis 

zu zehn Jahren vor. Bleibt es beim Versuch, so kann das Gericht die Strafe 

mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Ausgangsganspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der schweren 

Körperverletzung schützt die körperliche und gesundheitliche Integrität des 

Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben. 

 

Der Beschuldigte hat zusammen mit D._____ und B._____ u.a. mehrfach 

auf den Kopf von A._____ eingeschlagen und eingetreten. Auch wenn es 

dabei nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen gekommen ist, hätten dem 

rechtsmedizinischen Gutachten zufolge aufgrund der Vielzahl, der 

Intensität und der Ausführung der Fusstritte und Faustschläge schwer-

wiegende Schädel-Hirn-Verletzungen eintreten können (siehe dazu oben). 

Unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher Verletzungen 

und Verletzungsfolgen im Rahmen des Tatbestands der schweren 

Körperverletzung wäre somit hinsichtlich des vollendeten Delikts von einer 

lebensgefährlichen Kopfverletzung mit möglicherweise irreparabler 

Schädigung des Hirns und damit einer sehr schweren Form der schweren 

Körperverletzung auszugehen. Entsprechend schwer wiegt beim 

vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung der hypothetische 

Taterfolg. 

 

Der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten D._____ und B._____ haben 

ihr Vorgehen zwar nicht von langer Hand geplant, sondern – nachdem sie 

mit A._____ zuerst verbal aneinandergeraten sind – aus der zunehmend 

eskalierenden Situation heraus gehandelt. Es besteht jedoch kein Zweifel, 

dass der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten D._____ und B._____ in 

 - 20 - 

 

 

voller Kenntnis der Sachlage bewusst zusammengewirkt und schliesslich 

auf den Kopf des am Boden fixierten und somit weitgehend wehrlosen 

A._____ mehrfach und mit erheblicher Intensität eingeschlagen und 

eingetreten haben. Die Art und Weise der Tatbegehung und die damit 

einhergehende Verwerflichkeit des Handelns ging allerdings nicht 

wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands, der in der 

vorliegenden Tatbestandsvariante eine lebensgefährliche Verletzung 

voraussetzt, hinaus, was sich neutral auswirkt. Leicht verschuldens-

mindernd ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten lediglich 

eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist, was verschuldensmässig 

weniger schwer wiegt als direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 55 

E. 5.6). 

 

Auch wenn der Beschuldigte die Auseinandersetzung mit A._____ nicht 

von Anfang gesucht hatte und die Situation zunehmend eskaliert ist, 

verfügte er hinsichtlich der Schläge und Tritte gegen den Kopf des am 

Boden liegenden A._____ über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. 

Ihm wäre es durchaus möglich gewesen, sich aus der Auseinandersetzung 

mit A._____ rauszuhalten oder diese zu beenden, zumal er sich zusammen 

mit D._____ und B._____ in einer überlegenen Mehrheit befand. Es ist 

auch nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte nur unter dem Druck der Mit-

beschuldigten D._____ und B._____ oder aus einer subjektiv aussichtlos 

empfundenen Lage heraus gehandelt hätte. Dies wird im Übrigen auch 

nicht vorgebracht. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, sich aus der 

Auseinandersetzung rauszuhalten oder klar zu distanzieren und damit die 

körperliche Integrität von A._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das den Beschuldigten 

treffende Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des weiten Strafrahmens von 

6 Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung von Art. 122 StGB] für die vollendete schwere 

Körperverletzung in Form einer lebensgefährlichen Kopfverletzung mit 

möglicherweise irreparabler Hirnschädigung von einem mittelschweren bis 

schweren Tatverschulden auszugehen, wofür eine Freiheitsstrafe von 7 

Jahren angemessen wäre. Da es vorliegend bei einem Versuch geblieben 

ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei 

hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der 

tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der 

Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). 

 

Vorliegend ist es einzig dem Zufall zu verdanken, dass sich die nahe 

liegende Gefahr einer lebensgefährlichen Verletzung von A._____ nicht 

verwirklicht hat. Der Beschuldigte hat im Zusammenwirken mit D._____ 

und B._____ alles getan, was für die Vollendung des Tatbestands der 

 - 21 - 

 

 

schweren Körperverletzung notwendig gewesen wäre. Sie liessen denn 

auch nicht aus Eigeninitiative von A._____ ab. Erst als Drittpersonen 

hinzugekommen sind, konnte die Auseinandersetzung beendet werden. 

Auch wenn es nur glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass A._____ 

keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten hat, ist zugunsten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die tatsächlich eingetretenen 

Verletzungsfolgen von A._____ – ohne diese zu bagatellisieren – deutlich 

davon entfernt sind, weshalb eine Strafminderung um 50 % auf 3 ½ Jahre 

angemessen erscheint.  

 

2.4.2. 

Diese Einsatzstrafe wäre für den Raufhandel gemäss Art. 133 StGB in 

Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen oder es 

wäre – wenn die Schwere des Verschuldens dies noch zuliesse und eine 

Geldstrafe nicht unzweckmässig wäre, was an dieser Stelle offen bleiben 

kann – eine zusätzliche Geldstrafe auszusprechen. Vorliegend hat jedoch 

nur der Beschuldigte ein Rechtsmittel erhoben, weshalb das Obergericht 

an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden 

ist und es somit – auch bei Annahme einer Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots (siehe dazu unten) – bei der von der Vorinstanz 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 18 Monaten bleibt, zumal sich die 

Täterkomponente neutral (vgl. unten) auswirkt – (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge 

nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen 

asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des Verschlech-

terungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person abgeändert wer-

den darf). 

 

2.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der aktuelle 

Strafregisterauszug des Beschuldigten weist keine Vorstrafen auf. Die 

Vorstrafenlosigkeit hat allerdings als Normalfall zu gelten und ist neutral zu 

werten (BGE 136 IV 1). Andere Faktoren wie Einsicht, Reue oder ein 

Geständnis, welche eine Strafminderung rechtfertigen würden, liegen nicht 

vor. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist nur bei aussergewöhnlichen 

Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesgerichts 6B_301/2019 vom 

17. September 2019 E. 1.4.1; 6B_1354/2021 vom 22. März 2023 E. 2.4.3). 

Solche aussergewöhnlichen Umstände sind nicht ersichtlich und werden 

im Übrigen auch nicht konkret (vgl. Plädoyer der Verteidigung S. 9) 

vorgebracht. Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente neutral aus. 

 

2.6. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden.  

 - 22 - 

 

 

Gemäss Art. 408 Abs. 2 StPO [in Kraft seit 1. Januar 2024] entscheidet das 

Berufungsgericht innerhalb von zwölf Monaten. Das vollständig begründete 

Urteil ist den Parteien sodann innert 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen 

zuzustellen (Art. 84 Abs. 4 StPO). Diese Ordnungsfristen sind vom 

Obergericht nicht eingehalten worden. Die Berufungserklärung des 

Beschuldigten datiert vom 15. Februar 2023. Die Berufungsverhandlung 

hat sodann zwar am 15. Februar 2024 stattgefunden. Eine mündliche 

Eröffnung oder schriftliche Eröffnung im Dispositiv ist jedoch nicht erfolgt 

und bis zum Vorliegen des begründeten Urteils hat es knapp zwölf Monate 

gedauert. Es ist bei einer Gesamtbetrachtung von einer nicht mehr leichten, 

jedoch auch noch nicht sehr schweren Verletzung des Beschleunigungs-

gebots im Berufungsverfahren auszugehen. Dieser wäre mit einer 

Strafminderung im Umfang von drei Monaten angemessen Rechnung zu 

tragen, was aber nicht zu einer Reduktion der vorinstanzlichen Strafe führt, 

da es bei dieser nur aufgrund des Verschlechterungsverbots bleibt und 

ansonsten eine – auch unter strafmindernder Berücksichtigung der 

Verletzung des Beschleunigungsgebots – deutlich höhere Strafe 

auszufällen gewesen wäre (siehe dazu oben; Urteil des Bundesgerichts 

6B_127/2022 vom 22. März 2023 E. 5.3.2). Die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots ist jedoch im Urteilsdispositiv aufzunehmen. 

 

2.7. 

Nach dem Gesagten kann die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheits-

strafe von 18 Monaten nicht herabgesetzt werden. Das Obergericht hätte 

bereits für die schwerste Straftat, die versuchte schwere Körperverletzung, 

eine deutlich höhere Freiheitsstrafe als die Vorinstanz ausgesprochen, 

ohne dabei die Strafe für den Raufhandel festzulegen. Aufgrund des 

Verschlechterungsverbots hat es damit sein Bewenden. 

 

2.8. 

Die Vorinstanz hat die Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt 

ausgesprochen, worauf aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht 

zurückzukommen ist. 

 

Der Beschuldigte hat bei der Tatbegehung über ein hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit verfügt. Im Strafverfahren hat er sich sodann nicht 

geständig gezeigt und weder Einsicht noch Reue gezeigt. Unter 

Berücksichtigung dieser Umstände bestehen nicht unerhebliche Bedenken 

an seiner Legalbewährung. Diesen ist – nebst der Ausfällung einer 

Verbindungsbusse (siehe dazu unten) – mit einer erhöhten Probezeit von 

drei Jahren, wie sie von der Vorinstanz ausgesprochen worden ist, 

Rechnung zu tragen. 

 

 - 23 - 

 

 

2.9. 

Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (5. April 2020 bis 6. April 2020) ist dem 

Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. 

Art. 110 Abs. 7 StGB) 

 

2.10. 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse 

verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der 

bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um 

dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung – hier einer Tätlichkeit 

statt einer versuchten schweren Körperverletzung – zu verantworten hat 

und dafür mit einer Busse bestraft wird, nicht besser gestellt werden (sog. 

Schnittstellenproblematik). 

 

Mit Blick auf die Höhe der Verbindungsbusse ist zu berücksichtigen, dass 

das Obergericht aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht über die 

vorinstanzlich ausgefällte Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 hinaus-

gehen kann. Eine Herabsetzung der Verbindungsbusse ist jedoch auch 

nicht angezeigt, zumal nach der Rechtsprechung der Verbindungsbusse 

nicht lediglich symbolische Bedeutung zukommen soll und bei einer 

bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten weit höhere Verbindungsbussen 

denkbar wären (vgl. BGE 149 IV 321 E. 1.3.1 f.). 

 

2.11. 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der 

Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 ist gemäss Art. 106 Abs. 2 und Abs. 3 

StGB ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden 

Tagessatz von Fr. 100.00 (BGE 149 I 248 E. 5.4.2) – abweichend von der 

Vorinstanz – auf 10 Tage festzusetzen.  

 

2.12. 

Zusammenfassend wird der Beschuldigte zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre, sowie einer 

Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage Freiheitsstrafe, 

verurteilt. 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für eine 

Dauer von 7 Jahren des Landes verwiesen. 

 

Der Beschuldigte beantragt ein Absehen von der Landesverweisung.  

 

 - 24 - 

 

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 

145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4). Darauf kann verwiesen werden. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger. Er hat mit der 

versuchten schweren Körperverletzung eine Katalogtat für eine 

obligatorische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB 

begangen (vgl. zur Anwendung auf den Versuch: BGE 144 IV 168 

E. 1.4.1). Er ist somit grundsätzlich für die Dauer von 5 bis 15 Jahre aus 

der Schweiz zu verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

die Ausnahme sein sollte, wurde u.a. bei Straftätern mit einer langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») oder solchen, 

die sich auf das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 EMRK 

berufen können, durch die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert 

(siehe dazu unten). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Der eritreische Beschuldigte ist am tt.mm.1988 in Keren (Eritrea) geboren 

(VA act. 511). Er ist im Jahr 2014 illegal in die Schweiz eingereist (VA 

act. 511; MIKA-Akten, S. 7). Am 19. August 2016 wurde dem Beschul-

digten Asyl gewährt und er wurde als Flüchtling anerkannt (MIKA-Akten, 

S. 24). Ihm wurde die Aufenthaltsbewilligung B erteilt. Er lebt damit seit 

rund 10 Jahren in der Schweiz. Damit ist er nach der Rechtsprechung des 

EGMR als «long-term immigrant» anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4.6.1 mit Verweis auf das Urteil des 

EGMR Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 17. 

September 2024, § 28), was es bei seinen persönlichen Interessen zu 

berücksichtigen gilt. Die Muttersprache des Beschuldigten ist Bilen, wobei 

 - 25 - 

 

 

er angibt auch Tigrinya, Tigre und wenig Arabisch zu sprechen (MIKA-

Akten, S. 4, VA act. 511). Trotz seines mehrjährigen Aufenthalts in der 

Schweiz und eines besuchten Deutschkurses spricht er nur gebrochen 

Deutsch. Für die Berufungsverhandlung war er grösstenteils auf einen 

Dolmetscher angewiesen, obschon er die Fragen zur Person ohne Hilfe der 

Dolmetscherin beantworten konnte. Mithin ist er sprachlich nur 

ungenügend integriert. Auch wenn der Beschuldigte erst im Alter von ca. 

25 Jahren in die Schweiz eingereist ist und sich seine persönliche und 

gesellschaftliche Integration in Anbetracht seiner mehrjährigen 

Anwesenheit in der Schweiz als sehr schwach erweist, befindet sich sein 

Lebensmittelpunkt nunmehr in der Schweiz. Dies obwohl der Beschuldigte 

hier – ausser einer Tante in Winterthur (VA act. 40) – weder Familien-

angehörige noch enge Freunde hat. Ein aktuelles Engagement in einem 

Verein, einer gemeinnützigen Organisation oder Institution in der Schweiz 

ist nicht ersichtlich. Seine wirtschaftliche und berufliche Integration erweist 

sich insgesamt als mangelhaft: Er ist seit seiner Einreise zwar immer 

wieder einer (unqualifizierten) Arbeit nachgegangen, verfügt aber nicht 

über eine Festanstellung, was mitunter auf seine mangelnden sprachlichen 

Fähigkeiten zurückzuführen sein dürfte. Seit 2023 und im Zeitpunkt der 

Berufungsverhandlung arbeitete er wohl in der Logistik (Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 27 f.). Er hoffte, bald einen festen Arbeitsvertrag 

zu erhalten (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 28). Sein Vorgesetzter 

wisse jedoch nichts von dem Verfahren. Er verdiene monatlich Fr. 4'200.00 

zzgl. 13. Monatslohn (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 29). 

Schulden habe er im Betrag von ca. Fr. 5'000.00. Einträge im Strafregister 

weist er keine auf.  

 

3.4.2. 

Der in Eritrea geborene Beschuldigte hat gemäss eigenen Angaben dort 

bis zum 6. Schuljahr die Schule besucht. Danach habe er als Gärtner 

gearbeitet (MIKA-Akten, S. 4). Er sei in Eritrea für 2.5 Jahre im Gefängnis 

gewesen. Es seien Razzien durchgeführt worden, um Leute zwangs-

zurekrutieren. Bei einer solchen Razzia sei er aufgegriffen worden und ins 

Gefängnis gekommen. Von dort habe man ihn dann zwangsrekrutieren 

wollen, er sei aber im Jahr 2013 geflohen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 27 und 30).  

 

Nachdem der Beschuldigte mit der Sprache, der Kultur und den 

Gepflogenheiten bestens vertraut ist, sind keine Gründe dafür ersichtlich, 

weshalb er sich in Eritrea nicht resozialisieren können sollte, zumal er dort 

nach eigenen Angaben noch gewisse Verwandte hat, die ihn bei der 

Resozialisierung unterstützen könnten, insofern eine solche überhaupt 

nötig ist. Aus den Akten ergeben sich – abgesehen von der Inhaftierung in 

Eritrea – sodann keine Hinweise darauf, dass der Beschuldigte Probleme 

mit den eritreischen Behörden gehabt hätte. Eine konkrete Gefährdung 

seines Leib und Lebens ist nicht ersichtlich und wird denn auch nicht belegt 

 - 26 - 

 

 

oder glaubhaft gemacht. Es stellte sich denn auch heraus, dass er gar nie 

den Militärdienst angetreten hat. Es ist folglich nicht davon auszugehen, 

dass ihm bei einer Rückkehr nach Eritrea Folter oder eine anderweitige 

unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung im Sinne von 

Art. 3 EMRK drohen würde. Das Bundesgericht hat sodann in Bezug auf 

eritreische Flüchtlinge wiederholt festgestellt, dass die Flüchtlings-

eigenschaft allein der Anordnung der Landesverweisung nicht entgegen-

steht (Urteile des Bundesgerichts 6B_1367/2022 vom 7. August 2023 

E. 1.4.3; 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2, 6B_348/2020 vom 14. 

August 2020 E. 1.2, 6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2.2 und 2.3).  

 

3.4.3. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte, bei dem es sich 

um einen anerkannten Flüchtling handelt und der über die Aufenthalts-

bewilligung B verfügt, seit rund zehn Jahren in der Schweiz lebt und 

deshalb zufolge EGMR als «long-term immigrant» gilt, auch wenn seine 

sprachliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration alles andere 

als mustergültig erscheint. Angesichts seiner Aufenthaltsdauer in der 

Schweiz, der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen anerkannten 

Flüchtling handelt und er hier seinen Lebensmittelpunkt hat, ist von einem 

hohen privaten Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz auszugehen, auch wenn eine berufliche, soziale und kulturelle 

Wiedereingliederung in der Heimat für ihn durchaus zu bewältigen wäre. 

Es ist insgesamt von einem schweren persönlichen Härtefall auszugehen. 

 

3.5. 

Der Beschuldigte hat sich u.a. der Katalogtat der versuchten schweren 

Körperverletzung schuldig gemacht. Er wird insgesamt zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Auch wenn die «Zwei-

jahresregel», derzufolge es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe 

von zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände bedarf, damit das 

private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz das 

öffentliche Interesse an einer Landesverweisung überwiegt, nicht starr 

anzuwenden ist und ein (erhebliches) öffentliches Interesse auch bei 

tieferen Strafen vorliegen kann (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts 

6B_1114/2022 vom 11. Januar 2023 E. 4 und 6B_108/2024 vom 1. Mai 

2024 E. 5), so liegt die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Monaten 

doch deutlich unter der Grenze von zwei Jahren. Vor allem aber ist im 

Lichte der zitierten Rechtsprechung des EGMR i.S. P.J. und R.J. gegen die 

Schweiz zu beachten, dass die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen 

worden ist und der nicht vorbestrafte Beschuldigte somit gemäss EGMR 

keine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Auch hat 

sich der Beschuldigte seit der Tatbegehung – soweit ersichtlich – wohl 

verhalten. 

 

 - 27 - 

 

 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten, der seinen 

Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, aufgrund seines langen Aufenthalts 

in der Schweiz («long-term immigrant») nicht nur ein Härtefall zu bejahen, 

sondern ihm auch ein hohes privates Interesse an einem Verbleib zu 

attestieren ist, welches unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des 

EGMR und des Bundesgerichts das nicht unerhebliche öffentliche 

Interesse an der Anordnung der Landesverweisung überwiegt. Damit 

erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt als begründet 

und es ist von einer Landesverweisung abzusehen. 

 

4. 

4.1. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

den Beschuldigten schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die 

Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre 

Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b 

StPO). Ein Zivilanspruch ist sodann auch auf den Zivilweg zu verweisen, 

wenn die vollständige Beurteilung unverhältnismässig aufwendig wäre 

(Art. 126 Abs. 3 StPO). 

 

4.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, A._____ Fr. 500.00 zzgl. 

Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen.  

 

Der Beschuldigte beantragt, die Zivilforderung sei abzuweisen, eventualiter 

auf den Zivilweg zu verweisen, da die Voraussetzungen nicht gegeben 

seien.  

 

4.3. 

Im strafrechtlichen Adhäsionsprozess gilt die Dispositions- wie auch die 

Verhandlungsmaxime (Urteile des Bundesgerichts 7B_269/2022 vom 

11. Juni 2024 E. 4.2.1, 6B_193/2014 vom 21. Juli 2014 E. 2.2 und 

6B_267/2016 vom 15. Februar 2018 E. 6.1; MARCO WEISS, Der 

Adhäsionsprozess, Basel 2023, S. 39 und Fussnote 252; ANNETTE DOLGE, 

in: Basler Kommentar, StPO, 3. Aufl. 2023, N. 22 f. zu Art. 122 StPO). 

 

Gemäss Art. 47 OR kann das Gericht dem Verletzten bei Vorliegen einer 

Körperverletzung unter Würdigung der besonderen Umstände eine 

angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Die Genugtuung 

bezweckt den Ausgleich für erlittene seelische Unbill. Nicht jede physische 

oder psychische Verletzung oder Beeinträchtigung führt zu einer 

Genugtuung (BGE 125 III 70 E. 3c). Verlangt wird eine gewisse Schwere 

der Beeinträchtigung. Die Körperverletzung, die sowohl physische als auch 

psychische Beeinträchtigungen umfasst, muss grundsätzlich mit 

erheblichen körperlichen oder seelischen Schmerzen verbunden sein oder 

eine dauerhafte Gesundheitsschädigung verursacht haben. Ist die 

 - 28 - 

 

 

Zusprechung einer Genugtuung gerechtfertigt, ist diese unter Würdigung 

der besonderen Umstände festzulegen. Hierzu zählen u.a. die Art und 

Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die 

Persönlichkeit des Betroffenen und das Verschulden des Haftpflichtigen, 

ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf 

Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die 

Festsetzung ist eine Entscheidung nach Billigkeit. Das Bundesgericht hat 

es daher abgelehnt, dass die Bemessung der Genugtuung nach 

schematischen Massstäben oder festen Tarifen erfolgt (BGE 141 III 97 

E. 11.2; BGE 132 II 117 E. 2.2.2 f.; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1070/2015 vom 2. August 2016 E. 1.3.2). 

 

4.4. 

Der Beschuldigte hat A._____ zusammen mit B._____ und D._____ im 

Rahmen einer tätlichen Auseinandersetzung mehrere Verletzungen 

zugefügt, wofür er u.a. der versuchten schweren Körperverletzung schuldig 

gesprochen wird (siehe oben). 

 

A._____ hat einen Bruch der Zahnwurzel erlitten, ein Zahn musste operativ 

entfernt und die Zahnprothese angepasst werden. Hinzu kommen weitere 

Verletzungen im Kopfbereich sowie anderen Körperteilen (siehe oben). Die 

körperlichen Verletzungen von A._____ sind mittlerweile mehrheitlich 

verheilt, er hat jedoch nach wie vor Knieprobleme und unterzieht sich 

weiterhin einer sogenannten Elektrokonvulsionstherapie («EKT»), um die 

Geschehnisse zu vergessen (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 8 f.). 

A._____ hat schlüssig und nachvollziehbar ausgeführt, dass er aufgrund 

des Vorfalls Angstzustände und Albträume gehabt habe und auch heute 

noch habe und sich deshalb auch nach wie vor in psychologischer 

Behandlung befinde, wo er versuche, das Geschehene zu verarbeiten. Aus 

Angst, den drei Beschuldigten in Aarau zu begegnen, sei er auch von Aarau 

weggezogen (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 8 f.). 

 

Für das Obergericht steht damit fest, dass er noch heute an den Folgen 

des Vorfalls vom 4. April 2020 leidet und die Voraussetzungen für die 

Zusprechung einer Genugtuung erfüllt sind.  

 

Es liegt zumindest eine eventualvorsätzliche und nicht bloss fahrlässige 

Tatbegehung vor, wobei von einem erheblichen Verschulden auszugehen 

ist. Bei einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände erscheint mit 

der Vorinstanz eine Genugtuung von Fr. 500.00 nebst Zins zu 5 % seit 

4. April 2020 angemessen. Diese kann unter keinem Titel herabgesetzt 

werden. Andererseits ist eine Erhöhung ausgeschlossen, nachdem die 

zugesprochene Genugtuung nur vom Beschuldigten angefochten worden 

ist.  

 

 - 29 - 

 

 

5. 

5.1.  

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutge-

heissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1). 

 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren gegen 

den Beschuldigten und die Mitbeschuldigten D._____ und B._____ 

belaufen sich auf insgesamt Fr. 12'000.00 (§ 18 VKD i.V.m. § 29 GebührD), 

der auf den Beschuldigten entfallende Anteil auf Fr. 4'000.00 (Art. 418 Abs. 

1 StPO). 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass von einer 

Landesverweisung abgesehen wird und die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle 

des Nichtbezahlens der Verbindungsbusse anstatt 20 Tage lediglich 10 

Tage beträgt. Im Übrigen wird seine Berufung abgewiesen und es bleibt 

auch bei der vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafe und der 

Verbindungsbusse. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, ihm die 

auf ihn entfallenden Verfahrenskosten zur Hälfte mit Fr. 2'000.00 

aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die 

von ihr eingereichten Kostennote, jedoch angepasst an die effektive Dauer 

der Berufungsverhandlung aus der Staatskasse entschädigen (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). Hinsichtlich 

des geltend gemachten Mehrwertsteuersatzes von 8.1 % ist darauf 

hinzuweisen, dass dieser Steuersatz lediglich für Aufwände ab dem 

1. Januar 2024 Berücksichtigung findet. Für erbrachte Leistungen bis zum 

31. Dezember 2023 findet hingegen noch der (alte) Mehrwertsteuersatz 

von 7.7 % Anwendung. Für die Urteilsnachbesprechung ist ihr eine 

Entschädigung für einen Dolmetscher von Fr. 150.00 zu entrichten. Dies 

ergibt eine gerundete Entschädigung von Fr. 4'700.00.  

 

Diese Entschädigung ist – ohne die Dolmetscherkosten von Fr. 284.50 – 

zur Hälfte vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.3. 

5.3.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die vorinstanzlichen Kostenfolgen (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

Im Hinblick darauf, dass der vorinstanzliche Schuldspruch bestätigt wird, 

 - 30 - 

 

 

sind die vorinstanzlichen Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 6'837.55 

vom Beschuldigten zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

5.3.2. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 9'226.45 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. 

Januar 2019).  

 

Diese Entschädigung ist – ohne die Dolmetscherkosten von Fr. 524.00 – 

vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.4. 

Die dem Privatkläger A._____ für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Parteientschädigungen ist im Berufungsverfahren 

unbestritten geblieben, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO).  

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist.  

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre, 

sowie einer Busse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage Ersatz-

freiheitsstrafe, verurteilt.  

 

 - 31 - 

 

 

3.2. 

Die im vorliegenden Verfahren ausgestandene Untersuchungshaft von 2 

Tagen wird dem Beschuldigten gestützt auf Art. 51 StGB an die Freiheits-

strafe angerechnet.  

 

4. 

Von einer Landesverweisung wird gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB 

abgesehen. 

 

5. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._____ Fr. 500.00 

zzgl. Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 

 

6. 

6.1. 

Die anteilsmässig auf den Beschuldigten entfallenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem Beschuldigten zur Hälfte 

mit Fr. 2'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.  

 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 4'700.00 auszu-

richten. 

 
Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne die Dolmetscherkosten 

von Fr. 284.50 zur Hälfte und zwar im Betrag von gerundet Fr. 2'200.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'837.55 (inkl. 

Anklagegebühr von 1'550.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für das erst-

instanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'226.45 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne die Dolmetscherkosten 

von Fr. 524.00 zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse 

erlauben. 

 

 - 32 - 

 

 

7.3. 

Der Beschuldigte ist zu verpflichten, dem Privatkläger A._____ für das 

vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 366.00 zu 

bezahlen.  

 
 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

  

 - 33 - 

 

 

   

Aarau, 15. Februar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six     Bekaj