# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 148d3ac7-49a1-5ef5-bb43-f17bb087b518
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-05
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 05.07.2023 C1 22 240
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_C1-22-240_2023-07-05.pdf

## Full Text

C1 22 240 

 

 

URTEIL VOM 5. JULI 2023 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Zivilrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Lionel Seeberger, Präsident; Jérôme Emonet und Dr. Thierry Schnyder, 

Kantonsrichter; Flurina Steiner, Gerichtsschreiberin 

 

in Sachen 

 

X _________ und Y _________, Beklagte und Berufungskläger, vertreten durch Rechts-

anwalt Severin Bellwald, 4601 Olten 

 

gegen 

 

Z _________, Klägerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Beat  

Rieder, 3900 Brig  

 

(Volljährigenunterhalt) 

Berufung gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Leuk und Westlich-Raron 

vom 19. September 2022 [LWR Z1 21 42] 

  

- 2 - 

Verfahren 

 

A.a.  Z _________ reichte am 11. März 2019 beim Bezirksgericht in Leuk gegen  

X _________ und Y _________ eine Klage auf Unterhaltsleistung gemäss Art. 277 Abs. 

2 ZGB ein mit folgenden Rechtsbegehren (S. 9): 

1. Y _________ und X _________ bezahlen Frau Z _________ unter solidarischer Haftbarkeit einen mo-

natlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 1‘400.00. Dieser Betrag ist rückwirkend auf den 01. September 

2018 und in Zukunft bis zum ordentlichen Abschluss des Masterstudiums zu entrichten. 

2. Die Kosten von Verfahren und Entscheid gehen zu Lasten von Y _________ und X _________. 

3. Y _________ und X _________ seien primär zu verpflichten, Z _________ eine angemessene Partei-

entschädigung zu bezahlen. Subsidiär sei Z _________ die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 

und RA Beat Rieder als Offizialanwalt einzusetzen. 

X _________ und Y _________ stellten in ihrer Klageantwort vom 28. Juni 2019 nach-

stehende Anträge (S. 40): 

1. Auf die Klage sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die Klage abzuweisen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin 

A.b.  In der Folge beschränkte das Bezirksgericht das Verfahren am 15. Juni 2020 auf 

die Frage der Prozessvoraussetzungen und trat mit Entscheid vom 16. November 2020 

(LWR Z1 19 8) in Bejahung einer res iudicata auf die Klage nicht ein. Dagegen erhob die 

Klägerin Berufung beim Kantonsgericht, welches diese am 19. September 2022 wegen 

fehlender Spruchreife zufolge lückenhafter Beweiserhebung guthiess, den angefochte-

nen Entscheid aufhob und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der  

Erwägungen an die Vorinstanz zurückwies (C1 20 313; nachstehend: Ersturteil). 

B.  Mit Verfügung vom 7. Juli 2021 setzte das Bezirksgericht das Verfahren fort, wobei 

es an dessen Beschränkung auf die Prozessvoraussetzungen festhielt. Nach Durchfüh-

rung des Haupt- und Beweisverfahrens fällte es am 19. September 2022 nachstehenden 

Entscheid (S. 92; nachfolgend: Zwischenentscheid): 

1. Es wird festgestellt, dass zum aktuellen Zeitpunkt sämtliche Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und 

auf die Klage einzutreten ist. 

2. Über die Prozesskosten wird im Endentscheid befunden. 

Das Bezirksgericht verneinte das Vorliegen einer res iudicata bzw. den Nachweis der 

diesbezüglich relevanten Tatsachen. 

- 3 - 

C.  Gegen diesen Entscheid erhoben die erstinstanzlichen Beklagten am 19. Oktober 

2022 Berufung beim Kantonsgericht mit den Begehren (S. 97): 

1. Der Entscheid des Bezirksgerichtes Leuk und Westlich Raron vom 19. September 2022 sei aufzuhe-

ben. 

2. Es sei festzustellen, dass auf die Klage der Berufungsbeklagten vom 1. März 2019 nicht einzutreten 

sei. 

3. Die Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu überneh-

men und den Berufungsklägern eine angemessene Parteientschädigung zu leisten. 

4. U.K.u.E.f. zulasten der Berufungsbeklagten.  

Die Berufungsbeklagte erstatteten ihre Berufungsantwort am 9. Dezember 2022. Sie be-

antragte die vollumfängliche Abweisung der Berufung, in Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils und unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Berufungskläger 

(S. 133). 

Sachverhalt und Erwägungen 

1.  Das Kantonsgericht hat in seinem Ersturteil in E. 1 die allgemeinen Eintretensvoraus-

setzungen hinsichtlich der Berufung ausführlich dargetan, worauf verwiesen werden 

kann. Angefochten wird ein erstinstanzlicher Zwischenentscheid im Sinne von Art. 237 

Abs. 1 ZPO in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit mit einem Streitwert von Fr. 

30'800.00, welcher nach Abs. 2 der genannten Gesetzesbestimmung i.V.m. Art. 308 

Abs. 1 lit. a sowie Abs. 2 ZPO selbständig mit Berufung anzufechten ist. Die erstinstanz-

lichen Beklagten haben den erstinstanzlichen Zwischenentscheid am 20. September 

2022 entgegengenommen und demnach am 19. Oktober 2022 fristgerecht (Art. 312 Abs. 

2 ZPO) Berufung erhoben. 

2.  Die Klägerin ist die volljährige Tochter der beiden Beklagten und klagt gegen diese 

auf Unterhalt während des Masterstudiums.  

Gemäss Art. 276 Abs. 2 ZGB sorgen die Eltern gemeinsam für den Unterhalt, u.a. die 

Ausbildung, des Kindes. Sie sind von der Unterhaltspflicht in dem Masse befreit, als dem 

Kinde zugemutet werden kann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder andern 

Mitteln zu bestreiten (Art. 276 Abs. 3 ZGB). Die elterliche Unterhaltspflicht endet grund-

sätzlich mit der Volljährigkeit (Art. 14 ZGB) des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB). Hat dieses 

bis dahin noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen 

- 4 - 

nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukom-

men, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann 

(Art. 277 Abs. 2 ZGB).  

Die am 2. Mai 1996 geborene Klägerin hatte am 1. August 2013 eine Malerlehre begon-

nen, diese jedoch per 31. Juli 2015 abgebrochen, nachdem sie die Aufnahmeprüfung an 

der Berner Fachhochschule der Künste bestanden hatte. Am 15. September 2015 nahm 

sie ihr Bachelorstudium auf. Obwohl die Eltern den Lehrabbruch nicht unterstützt hatten, 

leisteten sie ab Studienbeginn Unterhalt an ihre Tochter. Diesbezüglich zu Unstimmig-

keiten kam es, als die Tochter bei den Eltern auszog, wodurch höhere Lebenskosten 

anfielen (s. Zwischenentscheid E. 2.2). Da sich die Parteien nicht einigten, leitete die 

Tochter ein (erstes) Schlichtungsverfahren ein. An der Schlichtungsverhandlung vom  

15. November 2016 legten die Parteien den Streit vergleichsweise bei. Im vorliegenden 

Verfahren ist – wie bereits im Ersturteil, nunmehr aber nach Abnahme zusätzlicher Be-

weise – allein strittig, ob die Parteien in diesem Vergleich den von den Eltern zu leisten-

den und der Tochter zustehenden Unterhalt abschliessend geregelt haben, d.h. ob eine 

abgeurteilte Sache, eine sog. res iudicata, vorliegt.  

Die Vorinstanz gelangte in Würdigung der verschiedenen Aussagen sowie der weiteren 

Umstände zum Schluss, dass die erhobenen Beweise keinen eindeutigen Beweis dar-

über zuliessen, was der wirkliche Wille der Parteien bei Abschluss des Vergleichs war. 

Es gebe Elemente, die für eine ab- bzw. weitere Unterhaltsansprüche ausschliessende 

Regelung sprächen, aber auch solche, die eine andere Schlussfolgerung zuliessen. Da 

unbekannt sei, was die Parteien bezüglich der Dauer der Unterhaltsleistung besprochen 

hätten, könne das Gericht ebenfalls nicht beurteilen, ob zwischen den Parteien ein nor-

mativer Konsens bestanden habe. Da die von den Beklagten behaupteten Tatsachen, 

die auf eine abgeurteilte Sache schliessen würden, unbewiesen geblieben seien, gehe 

dies zulasten der beweisbelasteten Beklagtenpartei (Zwischenentscheid E. 2.10 mit Hin-

weis auf Rechtsprechung und Lehre). Ob und gegebenenfalls inwieweit materiell-recht-

lich ein Unterhaltsanspruch bestehen würde, hat die Vorinstanz hingegen nicht geprüft; 

diese Frage bildet demzufolge auch nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens. 

  

- 5 - 

3.   

3.1  Laut Protokoll der Schlichtungsverhandlung vor dem Gemeinderichteramt vom 

15. November 2016 schlossen die Parteien gestützt auf nachstehende Rechtsbegehren  

der klagenden Partei 

1. Die Beklagten bezahlen der Klägerin unter solidarischer Haftung rückwirkend auf ein Jahr und in 

die Zukunft bis zum Ausbildungsende einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 2'094.85. 

2. Die Beklagten bezahlen sämtliche Kosten des Verfahrens und des Entscheids. 

3. Der Klägerin ist eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen. 

der beklagten Partei 

1. Die Klage sei abzuweisen, soweit damit mehr als eine Bezahlung von monatlich CHF 660.00 (Sack-

geld, Krankenkassenversicherung) die Übernahme der Krankheitskosten, Studiengebühren und 

kostenlose Verpflegung und Logis in A _________ verlangt wird. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

folgenden Vergleich: 

1. Die Beklagten bezahlen der Klägerin unter solidarischer Haftung rückwirkend auf den 1. September 

2016 und bis zum ordentlichen Abschluss der Bachelor-Ausbildung am 30. Juni 2018 einen mo-

natlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'400.-- inklusive Kinder- / Ausbildungszulagen. 

2. Bei nicht Bestehen der Bachelor-Prüfung bezahlen die Beklagten der Klägerin unter solidarischer 

Haftung vom 1. Juli 2018 bis zum 30. Juni 2019 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'000.-

- inklusive Kinder- / Ausbildungszulagen. 

3. Der monatliche Unterhalt wird jeweils im Voraus am 25. des Vormonates bezahlt. 

4. Die Klägerin informiert die Beklagten jährlich im September über den Ausbildungsstand sowie den 

Bachelor-Abschluss. 

5. Die Gerichtskosten von Fr. 170.-- werden von den Parteien je zur Hälfte übernommen, welcher 

Betrag in laufender Sitzung bezahlt wurde. 

6. Jeder trägt seine Anwaltskosten. 

3.2  Das Gericht tritt auf eine Klage nebst anderem dann nicht ein, wenn die Sache be-

reits rechtskräftig entschieden ist (Art. 59 Abs. 1 und 2 lit. e ZPO [e contrario]). Ein ge-

richtlicher Vergleich hat dabei die Wirkung eines rechtskräftigen Entscheids (Art. 241 

Abs. 2 ZPO). Ein formell rechtskräftiges Urteil wie auch eine gerichtliche Vereinbarung 

als Urteilssurrogat sind in einem späteren Verfahren unter denselben Parteien verbind-

lich. Diese materielle Rechtskraft hat eine positive und eine negative Wirkung. In positi-

ver Hinsicht bindet sie das Gericht in einem späteren Prozess an alles, was im Urteils-

dispositiv des früheren Prozesses festgestellt wurde (sogenannte Präjudizialitäts- oder 

- 6 - 

Bindungswirkung). In negativer Hinsicht verbietet sie jedem späteren Gericht, auf eine 

Klage einzutreten, deren Streitgegenstand mit dem rechtskräftig beurteilten identisch ist. 

Demjenigen, welcher sich auf die materielle Rechtskraft beruft, obliegt der Beweis (Art. 

8 ZGB). So hat die klagende Partei die Tatsachen vorzutragen und zu belegen, welche 

die Zulässigkeit ihrer Klage begründen, die beklagte Partei diejenigen Tatsachen, wel-

che sie angreifen. Aus Art. 60 ZPO ist nicht zu schliessen, dass das Gericht in Verfahren, 

die der Verhandlungsmaxime folgen, von sich aus nach den Tatsachen forschen müsste, 

welche die Zulässigkeit der Klage berühren (Bundesgerichtsurteil 5A_624/2019 vom  

5. November 2019 E. 3.2.2; BGE 141 III 294 E. 6.1; 139 III 278 E. 4.3). Sofern die Iden-

tität der Streitgegenstände zwischen dem in einem neuerlichen Zivilprozess eingeklag-

ten und dem in einem früheren Verfahren rechtskräftig beurteilten bzw. durch gerichtli-

chen Vergleich geregelten Zivilanspruch nicht nachgewiesen ist, kann die Einrede der 

materiellen Rechtskraft nicht geschützt werden (vgl. TC/FR vom 16. Januar 2015 [101 

2014 94] E. 2c). 

3.3  Mit dem Vergleichsvertrag legen die beteiligten Parteien einen Streit oder eine Un-

gewissheit über ein Rechtsverhältnis mit gegenseitigen Zugeständnissen bei. Das gilt 

auch, wenn der Vergleich eine gerichtliche Auseinandersetzung beendet (Bundesge-

richtsurteil 4A_92/2018 vom 29. Mai 2018 E. 3.1). Wie das Kantonsgericht in seinem 

Ersturteil in E. 2.3.4.1 ausgeführt hat (vgl. ZWR 2021 S. 238 ff.), gelten für die Auslegung 

eines gerichtlichen Vergleichs die üblichen Regeln. Danach ist nach Art. 18 Abs. 1 OR 

im Sinne einer subjektiven Auslegung zunächst massgebend, was die Parteien tatsäch-

lich gewollt haben. Die subjektive Vertragsauslegung bezieht sich auf den Willen der 

Vertragsparteien im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Nachträgliches Parteiverhalten 

kann berücksichtigt werden, wenn es Rückschlüsse auf den tatsächlichen Willen der 

Parteien zulässt (BGE 132 III 626 E. 3.1). Lässt sich ein wirklicher Wille nicht feststellen, 

so sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der Parteien im 

Rahmen der objektivierten Vertragsauslegung aufgrund des Vertrauensprinzips so aus-

zulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umstän-

den verstanden werden durften und mussten (BGE 138 III 659 E. 4.2.1; Bundesgerichts-

urteil 4A_92/2018 vom 29. Mai 2018 E. 3.1). Die objektive Vertragsauslegung ergibt sich 

nicht allein aus dem Wortlaut, sondern kann sich auch aus anderen Elementen ergeben 

wie aus dem verfolgten Ziel, der Interessenlage der Parteien oder aus den Gesamtum-

ständen; von einem klaren Vertragswortlaut ist jedoch nur abzuweichen, wenn sich 

ernsthafte Anhaltspunkte dafür ergeben, dass dieser nicht dem Willen der Parteien ent-

spricht (BGE 137 III 444 E. 4.2.4). Im Zweifel und zur Füllung von Lücken in einem Ver-

- 7 - 

trag sind die dispositiven Bestimmungen der einschlägigen Gesetze heranzuziehen, so-

weit sich nicht genügend klar aus dem Vertrag ergibt, dass die Parteien davon abwei-

chen wollten (BGE 133 III 607 E. 2.2). Aufgrund der Zielsetzung des Vergleichs, einen 

Streit oder eine Ungewissheit über ein Rechtsverhältnis zu beenden, darf in der Regel 

davon ausgegangen werden, dass die Parteien mangels eines Vorbehalts im Vergleich 

mit dessen Abschluss sämtliche Fragen regeln wollten, die in engem Zusammenhang 

mit den vergleichsweise beigelegten Meinungsverschiedenheiten stehen und deren Be-

antwortung sich zur Beilegung des Streits aufdrängt, wenn auch der Umfang einer ver-

gleichsweisen Beilegung von Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten unter-

schiedlich weit gezogen werden kann. Nach dem mutmasslichen Willen der Parteien 

rechtfertigt sich daher in der Regel die Annahme, dass solche Fragen sinngemäss im 

Vergleich beantwortet sind, wozu regelmässig eine sog. Saldoklausel verwendet wird. 

Der Inhalt der Vereinbarung über solche sinngemäss vom Vergleichsvertrag erfassten 

Fragen ist nach dem mutmasslichen Parteiwillen auszulegen oder eventuell nach dem 

hypothetischen zu ergänzen (Bundesgerichtsurteile 4A_596/2014 vom 18. März 2015 E. 

3.1 und 4A_288/2014 vom 6. August 2014 E. 2.2). Sodann trifft jene Partei die Beweis-

last für Bestand und Inhalt eines vom Wortlaut abweichenden Willens, die daraus eine 

Rechtsfolge ableitet (Hartmann, Zürcher Kommentar, 4. A., 2014, N. 45 zu Art. 18 OR). 

3.4  Allein von seinem Wortlaut her regelt der Vergleich einzig den von den Beklagten 

als Eltern zu leistenden Unterhalt an den Bachelor-Studiengang ihrer Tochter. Der End-

termin hierfür wird in Ziff. 1 letztlich auf zweifache Weise bestimmt, indem einerseits der 

ordentliche Abschluss der Bachelor-Ausbildung eingesetzt und anderseits dieser zeitlich 

auf den 30. Juni 2018 festgelegt wird. Mit dieser doppelten Befristung stellt sich die 

Frage, was gelten soll, wenn die Klägerin bis dahin keinen Bachelor erlangt hat. Darauf 

antwortet Ziff. 2, welcher für den Fall des nicht ordentlichen Bestehens der Bachelor-

Prüfung einen herabgesetzten monatlichen Unterhaltsbeitrag für ein weiteres Jahr bis 

zum 30. Juni 2019 vorsieht. Keinen Niederschlag im Text des Vergleichs findet der Mas-

terstudiengang. Ein Unterhalt für diese Zeit wird von den Parteien weder ausdrücklich 

vereinbart oder vorbehalten noch ausgeschlossen. 

Die Parteien sind sich darin einig, dass erst der Master einen berufsqualifizierenden  

Abschluss bildet, dass dies von der Klägerin an der Vergleichsverhandlung so kommu-

niziert wurde – wobei diese bei den Diskussionen erwähnt haben will, dass der Bachelor 

in wenigen Fällen bis zu vier Jahre dauern könne (S. 33 F/A 8) –, dass deren damaligen 

Rechtsbegehren auf Unterhalt während der gesamten Studiendauer abzielten und dass 

- 8 - 

die Beklagten mit ihren Antwortbegehren keine Begrenzung desselben auf das Bachelor-

studium verlangten.  

3.4.1  Aktenkundig und unbestritten ist, dass sich die Eltern in der vorprozessualen Kor-

respondenz nicht ausdrücklich gegen eine Beteiligung an den Kosten des Masterstudi-

ums ausgesprochen haben und dass die Mutter an der Schlichtungsverhandlung ihre 

Präferenz für ein Masterstudium mit Lehrdiplom in Musik anstelle eines solchen Richtung 

Konzertsängerin zum Ausdruck gebracht hat. Soweit die Vorinstanz gestützt darauf fest-

hält, die Eltern seien mit der grundsätzlichen Bereitschaft in die Schlichtungsverhandlung 

gegangen, Unterhalt sowohl für das Bachelor- als auch das Masterstudium zu leisten 

und die Mutter sei einem Masterabschluss nicht grundsätzlich negativ gegenübergestan-

den, erscheint dies zutreffend. Daraus lässt sich jedoch, wie die Berufungsbeklagten zu 

Recht vorbringen, nicht bereits ein Zugeständnis der Eltern zur (Mit-)Finanzierung des 

Masterstudiums – weder im Grundsatz noch in betragsmässiger Hinsicht – ableiten, zu-

mal das damalige Verfahren durch Vergleich erledigt worden ist. 

Im Rahmen dieses Vergleichs gingen beide Parteien aufeinander zu, liegt doch der 

schliesslich für das Bachelorstudium vereinbarte Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'400.00 in 

etwa in der Mitte zwischen den von der Klägerin geforderten Fr. 2'094.85 und den von 

den Beklagten in ihren Anträgen zugestandenen Fr. 660.00 (Sackgeld, Krankenkassen-

versicherung) zuzüglich Übernahme der Krankheitskosten und Studiengebühren (sowie 

des Angebots von kostenloser Verpflegung und Logis bei den Eltern, welches die Klä-

gerin mit ihrem Auszug aus dem Elternhaus faktisch bereits zuvor abgelehnt hatte). Wei-

ter verzichtete die Klägerin im Vergleich teils auf die rückwirkende Nachzahlung von Un-

terhaltsbeiträgen (so Zwischenentscheid E. 2.5 in fine), wobei mit den Berufungsbeklag-

ten zu präzisieren ist, dass sie insoweit lediglich auf die Nachzahlung der Differenz zwi-

schen bereits erbrachten Leistungen der Eltern – laut Klageantwort, 11. (S. 45),  

Fr. 660.00 – und dem vergleichsweise festgesetzten höheren Betrag (Fr. 1'400.00) ver-

zichtete. Bei einem 3-jährigen Bachelorstudium mit Beginn im Herbst und Abschluss im 

Juni, mithin einer Dauer von 34 Monaten, mit 22 monatlichen Beiträgen von Fr. 1'400.00 

gemäss Vergleich und 12 «reduzierten» monatlichen Beiträgen von Fr. 660.00 beläuft 

sich der diesbezügliche «Verzicht» der Klägerin auf Fr. 8'800.00 (12 x [Fr. 1'400.00 - 

Fr. 660.00]). Allerdings ergibt sich aus den Akten nicht, aus welchen Beweggründen und 

Überlegungen sich die Parteien auf die schliesslich getroffene Vereinbarung, insbeson-

dere auch den monatlichen Betrag, verständigten. Dies wurde gemäss Usanz nicht pro-

tokolliert. Aussagen der an der Vergleichsverhandlung anwesenden Personen bleiben 

unbestimmt. Der damalige Rechtsanwalt der Klägerin vermochte sich an den Inhalt der 

- 9 - 

Diskussionen nicht zu erinnern. Er wies auf die Schwierigkeit hin, überhaupt eine Ver-

einbarung zu finden (S. 74 f. F/A 7 und 19). Der Beklagte sagte aus, es sei ein Gefeilsche 

um den Betrag gewesen (S. 43 F/A 5). Ging der Vereinbarung aber ein zähes Ringen 

voraus und beruhte diese nicht so sehr auf konkreten Berechnungen, so ist der vorge-

nannte «Verzicht» der Klägerin wie auch das Entgegenkommen der Eltern eher theore-

tischer Natur und jedenfalls nicht in Zahlen fassbar. Deshalb lässt ein zahlenmässiger 

Vergleich der ursprünglichen Rechtsbegehren und der vergleichsweise vereinbarten Un-

terhaltsleistungen keinen Rückschluss darauf zu, ob die Parteien mit der schliesslich 

gefundenen einvernehmlichen Lösung eine abschliessende oder nur den Bachelor be-

treffende Regelung treffen wollten. 

3.4.2  Zur Vor- und Entstehungsgeschichte des Vergleichs ist festzuhalten, dass das 

Verhältnis zwischen Eltern und Tochter seit längerem schwierig war. Jene hätten es vor-

gezogen, wenn diese die Malerlehre ordentlich beendet hätte. Diese setzte jedoch deren 

Abbruch durch und trat das Bachelorstudium an. Mit dem von der Klägerin erzwungenen 

Wechsel entfiel auf der einen Seite der Lehrlingslohn und kamen auf der anderen Seite 

die Studienkosten hinzu. Durch den von der Tochter vollzogenen Auszug aus dem elter-

lichen Haushalt wuchsen die Kosten weiter an. Die Klägerin war daran interessiert, dass 

ihr ihre Eltern die gesamte Ausbildung vollumfänglich finanzieren. Ihre Eltern wiesen eine 

Beteiligung an diesen Kosten zwar nicht kategorisch zurück, wollten diese aber be-

schränkt wissen und erwarteten von ihrer Tochter neben dem Studium die Ausübung 

einer Teilerwerbstätigkeit. Diese gegensätzlichen Interessen widerspiegelten sich in den 

Rechtsbegehren der Parteien vor dem Gemeinderichteramt. Sie kommen aber auch in 

den Parteistandpunkten im vorliegenden Verfahren zum Ausdruck. 

So führte die Klägerin aus, ihr damaliger Rechtsvertreter und der Schreiber hätten ge-

sagt, dass man sich über die Unterhaltszahlungen während des Masterstudiums zu ei-

nem späteren Zeitpunkt unterhalten würde, womit alle Anwesenden einverstanden ge-

wesen seien (S. 34 F/A 14). Man habe keine Zeit mehr gehabt, um über den Master zu 

diskutieren (S. 35 F/A 15), und auch nicht, um den Vergleich in diesem Sinne – spätere 

Erörterung des Masterstudiums – nochmals anzupassen; sie hätten gedacht, dass man 

eher einen Konsens darüber finden werde, wenn dies mündlich festgehalten werde (S. 

35 F/A16). Demgegenüber erklärte die Beklagte, sie habe den Gerichtsschreiber gefragt, 

wie lange sie bezahlen müssten und ob auch ein Unterhalt für den Master geschuldet 

sei. Ihr Gatte habe nachgefragt, was Ausbildungsende heisse, und genau wissen wollen, 

wie lange er bezahlen müsse und ob der Master ebenfalls geschuldet sei. Es habe dann 

eine Diskussion zwischen dem Gerichtsschreiber, dem Rechtsanwalt der Klägerin und 

- 10 - 

der Gemeinderichterin gegeben. Letztere habe gesagt, sie wisse es nicht. Der Gerichts-

schreiber habe erklärt, er habe Jus studiert und es komme auf den Studiengang an, ob 

für den Masterstudiengang Unterhalt geschuldet sei. Die Klägerin und deren Rechtsan-

walt müssten sagen, ob der Master auch geschuldet sei. Sie wisse nicht mehr genau 

weshalb, sie habe das Gespräch zwischen dem Gerichtsschreiber, dem Rechtsanwalt 

und der Klägerin nicht mehr verfolgt, da sie müde gewesen sei, aber diese drei hätten 

gesagt, dass für den Master kein Unterhalt geschuldet sei (S. 38 F/A 5 und 6). Ähnlich 

schilderte der Beklagte die Vergleichsverhandlungen. In einem Konsens sei dann ver-

einbart worden, dass bis zum Bachelor und nicht für den Master Unterhalt bezahlt wer-

den müsse (S. 43 F/A 5 und 6). 

Die Parteien umschreiben das Resultat der Vergleichsgespräche also unterschiedlich. 

Dabei vermögen sie allein mit ihren Aussagen keinen Beweis für ihre jeweilige Darstel-

lung zu erbringen, weil beide Seiten ein offensichtliches Interesse am Verfahrensaus-

gang haben und im Wissen um die Bedeutung ihrer Antworten ausgesagt haben. Der 

von der Klägerin behauptete Zeitdruck, welcher von den anderen Teilnehmern an der 

Schlichtungsverhandlung nicht bestätigt wird, hätte es bei objektiver Betrachtung nicht 

verunmöglicht, im Vergleichstext eine spätere Diskussion über das Masterstudium vor-

zusehen. Die Beklagten legten die Sache im Wesentlichen zwar gleich dar, womit sie 

aber im Ergebnis lediglich ihren Parteistandpunkt wiedergeben. Sodann ist die sinnge-

mässe Darstellung der Mutter, dass der Entscheid über die Dauer der Unterhaltspflicht 

letztlich der Klägerin und deren Rechtsanwalt habe überlassen werden müssen, jedoch 

aus mehreren Gründen falsch oder wenigstens unglaubhaft. Erstens widerspricht dies 

der Schilderung des Vaters, wonach um den Betrag gefeilscht worden sei. Zweitens hät-

ten die Klägerin und deren Rechtsvertreter zweifellos den Masterabschluss als massge-

blich erklärt, hätte dies tatsächlich in ihrem Belieben gestanden. Drittens war laut über-

einstimmendem Parteistandpunkt im vorliegenden Verfahren allen Beteiligten am dama-

ligen Vergleichsgespräch bewusst, dass erst der Master berufsqualifizierend ist, so dass 

es darüber nichts weiter zu diskutieren und insbesondere keinen Anlass gab, hier den 

Entscheid ins Belieben der Klägerin zu stellen. Zusammengefasst sind die Aussagen 

von Klägerin und Beklagten wenig hilfreich für die Feststellung ihres damaligen tatsäch-

lichen Willens. Aus dem Wortlaut des Vergleichs ergibt sich weder der Standpunkt der 

einen noch der anderen Partei. 

3.4.3  Nach übereinstimmender Schilderung der bei der Vergleichsverhandlung anwe-

senden Personen war es vorab der Gerichtsschreiber – im Hauptberuf Anwalt und Notar 

- 11 - 

–, welcher die Diskussion, gerade auch im Zusammenhang mit dem Ende der Ausbil-

dung und der Zahlungspflicht, leitete und den Vergleich aufsetzte. Indes gab dieser bei 

seiner schriftlichen Befragung lapidar an, er könne sich an das damals Besprochene 

nicht mehr im Detail erinnern (S. 244). Die Gemeinderichterin, eine juristische Laiin, be-

stätigte Diskussionen über das Ende der Ausbildung, darüber, was es brauche, um ar-

beiten zu können, auch dass der Beklagte ein Enddatum gewünscht habe, wobei sie 

sich nicht mehr näher zu erinnern vermochte und die Führung der Diskussion ihrem Ge-

richtsschreiber überlassen hatte. Am Ende sei entschieden worden, dass es der Ba-

chelor sei. Die Klägerin sei damit einverstanden gewesen. Sie wisse nicht mehr, wer 

gesagt habe, es sei der Bachelor (S. 70 F/A 10). Die Frage, ob noch ein anderes End-

datum ausser dem Bachelorabschluss zur Debatte gestanden habe, verneinte sie (S. 71 

F/A 1). Sie könne nicht sagen, ob verschiedene Abschlüsse diskutiert worden seien (S. 

71 F/A 15). Sie habe gedacht, dass das Thema erledigt sei, weil der Beklagte ein End-

datum und eine Erledigung der Sache gewünscht habe, und sei überrascht gewesen, 

als das neue Gesuch eingegangen sei (S. 72 F/A 16). Es sei ihr nicht bekannt, dass man 

an der Schlichtungsverhandlung mündlich diskutiert habe, dass man über einen allfälli-

gen Unterhalt während des Masters zu einem späteren Zeitpunkt diskutieren wolle. Sie 

erinnere sich nicht daran, ob der Master überhaupt ein Thema gewesen sei. Bachelor 

könne sie auch nur sagen, weil es im Protokoll gestanden habe. Sie wisse nicht mehr, 

was da diskutiert worden sei (S. 72 F/A 19). An der Schlichtungsverhandlung habe kein 

Zeitdruck geherrscht (S. 70 F/A 8); eine Anpassung der Vergleichs wäre, natürlich nur 

wenn alle einverstanden gewesen wären, auch am Ende noch möglich gewesen (S. 72 

F/A 20). 

Die Aussage des für die Ausarbeitung des Vergleiches hauptverantwortlichen Gerichts-

schreibers ist inhaltsleer und trägt damit nichts zur Klärung des Sachverhalts bei. Die 

Gemeinderichterin schilderte den Gesprächsverlauf aus ihrer Erinnerung, wobei sie ge-

rade in Bezug auf das hier strittige Ausbildungs- bzw. Unterhaltsende Lücken und Vor-

behalte anbrachte. So war aus ihrer Sicht die Angelegenheit mit dem Vergleich zwar 

beendet. Gleichzeitig gab sie an, es sei diskutiert worden, was es brauche, um arbeiten 

zu können, zweifelte aber dennoch an, ob der Master überhaupt ein Thema gewesen 

sei. Ohne diesbezüglich klare, verlässliche Äusserung lässt sich ihrer Aussage nicht ent-

nehmen, dass die Unterhaltspflicht nach dem Willen von Eltern und Tochter mit dem 

Bachelorabschluss enden sollte bzw. dass dies so vereinbart worden wäre. Nicht bestä-

tigen konnte sie, dass abgemacht worden wäre, über den Master und den damit verbun-

denen Unterhalt zu einem späteren Zeitpunkt zu verhandeln. Dies war ihr nicht bekannt 

und Zeit, um solches im Vergleich vorzumerken, hätte durchaus bestanden. Mithin ist 

- 12 - 

aufgrund der Aussagen der Gemeinderichterin und deren Gerichtsschreibers – mit und 

ohne Berücksichtigung der Antworten der Parteien in ihrem Parteiverhör – weder darge-

tan, dass bezüglich der Kosten des Masters weitere Gespräche vorbehalten worden wa-

ren, noch bewiesen, dass die Klägerin diesbezüglich auf eine finanzielle Unterstützung 

durch ihre Eltern verzichtete oder dass sich die Parteien in die eine oder andere Richtung 

geeinigt hätten.  

Wenig aussagekräftig ist schliesslich das Zeugnis des bei seiner Einvernahme bereits 

85-jährigen vormaligen Rechtsvertreters der Klägerin. Er zeigte sich eingangs erstaunt, 

dass dieser Fall immer noch nicht erledigt war, obwohl damals eine Vereinbarung ge-

troffen worden sei (S. 73 F/A 4), konnte sich aber an den Inhalt der Diskussionen nicht 

mehr erinnern (S. 74 F/A 7) und somit nicht sagen, ob vorerst nur der Bachelor geregelt 

worden war und ob man über den Master laut mündlicher Absprache zu einem späteren 

Zeitpunkt diskutieren wollte (S. 74 F/A 10). Er ergänzte, meistens sei der Bachelorab-

schluss nicht ausreichend zur Berufsausübung. So wie er dies nachträglich interpretiere, 

habe man der Klägerin nicht zugetraut, dass sie die Ausbildung erfolgreich abschliesse. 

Aus diesem Grund habe man dies auf ein bestimmtes Datum begrenzen wollen (S. 75 

F/A 13). Auf die Nachfrage, ob er der Meinung sei, dass dieser Vergleich die Frage der 

Unterhaltszahlungen abschliessend regle, gab er an, aus dessen Ziff. 2 sehe man, dass 

die Regelung nicht abschliessend sei. Aber dies sei wiederum eine rechtliche Interpre-

tation (S. 75 F/A 16). Ziff. 2 regle den Fall, wenn die Prüfung nicht zum ersten Mal be-

standen werde. Wenn die Prüfung bestanden werde, sei weiter zu bezahlen für den Mas-

ter. Dies sei die gesetzliche Regelung (S. 75 F/A 18). Auf die Frage, weshalb dies nicht 

so in den Vergleich aufgenommen worden sei, antwortete er, es sei sehr schwierig ge-

wesen, überhaupt eine Vereinbarung zu treffen (S. 75 F/A 19). Liest man seine Aussage, 

so stellt man fest, dass er den Vergleich v.a. interpretiert, also auszulegen versucht, und 

kaum Sachverhaltselemente einbringt. Eindeutig sachverhaltsmässiger Natur ist einzig 

seine Aussage, dass es schwierig gewesen sei, überhaupt eine Vereinbarung zu treffen. 

Hingegen vermochte er nicht zu bestätigen, dass der Master mündlich für eine spätere 

Diskussion aufgespart worden war, womit diese Darstellung der Klägerin unbewiesen 

bleibt. 

3.4.4  Die Klägerin informierte ihren Eltern am 6. Juni 2018 per Mail über den Bachelor 

mit einem exzellenten Notendurchschnitt und hielt darin gleichzeitig fest, dass sie für die 

Masterausbildung weiter auf die Fr. 1'400.00 monatlich angewiesen sei, da sie viel reisen 

müsse, um an Vorsingen teilzunehmen, so dass es ihr kaum möglich sein werde, zu 

arbeiten (S. 28). In ihrer Antwort-E-Mail vom 8. Juni 2018 lehnten die Eltern eine weitere 

- 13 - 

Unterstützung ab. Gestützt auf das «Schlichtungsurteil» vom 15. November 2016 wür-

den sie ihre elterliche Pflicht als erfüllt und abgeschlossen erachten. Der Betrag von 

Fr. 1'400.00 beziehe sich auf die Bachelor-Ausbildung und sei bei bestandener Prüfung 

laut Vergleich Punkt 1 bis am 30. Juni 2018 zahlbar. Die Anmeldung zum Master sei 

ohne Vorabsprache mit ihnen und ohne ihre Zustimmung erfolgt. Sie erachteten ihre (der 

Tochter) Forderung daher als nichtig. Zudem wüssten sie aus verschiedensten Quellen, 

dass sie eine Stelle angenommen habe und somit zurzeit arbeitstätig sei (S. 27).  

Auf Vorhalt dieser E-Mail durch das Bezirksgericht erklärte die Beklagte, sie hätten ge-

wusst, dass sie nicht bezahlen müssten, dies sei so abgemacht gewesen. Sie hätten 

einen Artikel der Budgetberatung gehabt, aus welchem sie hätten entnehmen können, 

dass, wenn Unterhalt geschuldet gewesen wäre, die Tochter mit ihnen hätte absprechen 

müssen, welchen Master sie mache. Sie habe sich nicht von sich aus für den Master 

anmelden und sie vor fertige Tatsachen stellen und dann erwarten dürfen, dass sie be-

zahlen würden. Sie habe die Forderung ihrer Tochter als eine Frechheit empfunden, da 

sie mit dem Vergleich klare Abmachungen gehabt hätten. Und der Master sei nicht ge-

schuldet gewesen (S. 39 F/A 10).  

In ihrer Antwort-E-Mail führen die Eltern die Anmeldung der Tochter zum Master ohne 

ihre Zustimmung als (Mit-)Grund für die Ablehnung einer weiteren finanziellen Unterstüt-

zung an und die Mutter verweist in diesem Zusammenhang auf einen Artikel der Bud-

getberatung. Die Stellungnahmen der Eltern und der Mutter erscheinen ambivalent, in-

dem sie einerseits eine weitere Unterstützung zwar unter Bezugnahme auf den Vergleich 

zurückweisen, anderseits aber ihre Ablehnung neben dem weiteren Hinweis auf die Aus-

übung einer Erwerbstätigkeit im Wesentlichen mit dem selbstbestimmten, mit ihnen nicht 

abgesprochenen Vorgehen ihrer Tochter begründen und sich dabei zudem auf eine Pub-

likation berufen. Diese Begründung mag ein Indiz dafür sein, dass die finanzielle Unter-

stützung durch die Eltern während des Masterstudiengangs vor dem Gemeinderichter-

amt nicht abschliessend geklärt worden war. Einen Beweis stellt sie jedoch keineswegs 

dar, weil die Eltern sich immer auch auf den Vergleich gestützt haben. 

3.4.5  Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist daher der Vorinstanz im Ergebnis zu-

zustimmen, dass die von den Beklagten behaupteten Tatsachen, die auf eine abgeur-

teilte Sache schliessen würden, unbewiesen geblieben sind, was ihnen aufgrund der 

Beweislast zum Nachteil gereicht (Zwischenentscheid E. 2.10; zu den Beweisregeln 

siehe auch vorne E. 3.3). Wohl darf im Allgemeinen davon ausgegangen werden, dass 

die Parteien in einem Vergleich sämtliche strittigen Fragen regeln wollten. Vorliegend 

befasst sich der Vergleich, welcher im formarmen Schlichtungsverfahren geschlossen 

- 14 - 

wurde, von seinem Wortlaut her jedoch ausschliesslich mit dem Bachelorstudium. Die 

Masterausbildung bildete wohl Gesprächsstoff, wird im Vergleich indes nicht themati-

siert. Weiter konnte die Gemeinderichterin nicht bestätigen, dass die Klägerin insoweit 

mündlich auf Unterhalt verzichtet hätte. Ein solcher Verzicht auf einen gesetzlichen An-

spruch hätte seinen Niederschlag im Vergleich finden müssen. Dabei trifft es zu, dass 

die Beklagten vor dem Gemeinderichteramt nicht anwaltlich vertreten waren. Der Ver-

gleich wurde jedoch durch den juristisch ausgebildeten und erfahrenen Gerichtsschrei-

ber – im Hauptberuf Anwalt und Notar – verfasst, welcher gegebenenfalls einen Verzicht 

ebenso wie einen ausdrücklichen Vorbehalt sicherlich in den Text aufgenommen hätte. 

Dafür spricht auch, dass die Parteien den Bachelor im Detail regelten, aus welchem 

Grund auch immer, sei dies nun, weil die Eltern der Tochter das Bestehen der Bachelor-

prüfungen nicht zutrauten (in diesem Sinne die vage Äusserung ihres Rechtsanwalts), 

oder sei es, dass sie zu einem überlangen Bachelorstudiengang (laut Klägerin aus-

nahmsweise mehrere Jahre) nicht akzeptierten. Vor diesem Hintergrund kann ausge-

schlossen werden, dass der Vergleich sich darüber ausgeschwiegen hätte, falls die Par-

teien sich nach zähem Ringen tatsächlich auf ein Ende der Unterhaltspflicht auf den 

Zeitpunkt des Bachelorabschlusses geeinigt hätten. Da im Vergleichstext beides – so-

wohl ein Verzicht als auch ein Vorbehalt bezüglich weiterer Unterhaltsleistungen – fehlt 

und eine Einigung laut klägerischem Anwalt wie auch der Gemeinderichterin und dem 

Beklagten, welcher von einem Gefeilsche sprach, schwer zu erzielen war, erachtet es 

das Kantonsgericht vielmehr als erwiesen, dass sich die Parteien im Sinne «des kleins-

ten gemeinsamen Nenners» nur (aber immerhin) bezüglich der Kostenbeteiligung der 

Eltern an der Bachelorausbildung geeinigt hatten und diese partielle Einigung in Form 

des Vergleichs festhielten. Mithin ist den Beklagten nicht nur der Beweis für die materi-

elle Rechtskraft des Vergleichs bezüglich des Unterhalts während des an den Bachelo-

rabschluss anschliessenden Masterstudium misslungen, sondern das Kantonsgericht 

beurteilt es als erstellt, dass die Parteien diese Frage im Vergleich offenliessen. Demzu-

folge beurteilt sich der weitere Anspruch der Klägerin auf Unterhalt während des Mas-

terstudiums nach den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. 

3.4.6  Zum gleichen Ergebnis würde man bei einer objektivierten Auslegung des Ver-

gleichs gelangen, ausgehend von der ausführlichen, abschliessenden Regelung des Ba-

chelorunterhalts sowie dem völligen Schweigen zur Masterausbildung und zu den dies-

bezüglichen Kosten und unter Berücksichtigung der beiderseitigen Interessenlage sowie 

der gesetzlichen Regelung. Wäre die Streitfrage, ob auch während des Masterstudiums 

noch Unterhaltsleistungen zu leisten sind, vergleichsweise in einem verneinenden Sinne 

beigelegt worden, so müsste dies – gerade bei Abfassen der Vereinbarung durch einen 

- 15 - 

erfahrenen Gerichtsschreiber und Rechtsanwalt – aus dem Vergleich hervorgehen. Es 

wäre technisch nämlich ein leichtes gewesen, einen entsprechenden Vermerk dem Text 

beizufügen, hätte zwischen den Parteien darin wirklich ein Konsens bestanden. Mit Ver-

weis auf E. 2.3.4.2 des Ersturteils sei wiederholt, dass die Klägerin einen allfälligen Un-

terhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern für das Masterstudium ebenso wenig aus pro-

zessualen Gründen verwirkt hat. Der Vergleich wurde im Schlichtungsverfahren ge-

schlossen, in welchem nicht die gleiche prozessuale Strenge wie für das eigentliche Kla-

geverfahren gilt, indem insbesondere eine Änderung der Klagebegehren oder ein Nicht-

nutzen der Klagebewilligung ohne Rechtsverlust zulässig ist. Zudem ist ein vorbehaltlo-

ser Klagerückzug (so Art. 208 Abs. 2 ZPO) nicht erfolgt, so dass im Zweifelsfall von 

einem blossen Rückzug des Schlichtungsgesuches auszugehen ist. 

3.5  Folglich ist die Berufung abzuweisen. Damit ist noch nicht entschieden, ob und in-

wieweit die Klägerin gegenüber den Beklagten für das Masterstudium Anspruch auf  

Unterhalt hat. Die Akten gehen deshalb zur Fortsetzung des Verfahrens und zur Prüfung 

des gesetzlichen Anspruchs im Rahmen der klägerischen Vorbringen zurück an die  

Vorinstanz. 

4.  

4.1  Das Gericht entscheidet in der Regel im Endentscheid über die Prozesskosten, die 

einerseits die Gerichtskosten, welche mit den von den Parteien geleisteten Kostenvor-

schüssen verrechnet werden (Art. 98 und Art. 111 ZPO), und anderseits die Parteient-

schädigung umfassen (Art. 104 Abs. 1, 105 Abs. 1 und 95 ZPO). Die Höhe der Prozess-

kosten richtet sich nach kantonalen Tarifen (Art. 96 und 105 Abs. 2 Satz 1 ZPO), im 

Kanton Wallis nach dem Gesetz betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigungen 

vor Gerichts- oder Verwaltungsbehörden (GTar) vom 11. Februar 2009. Die Verteilung 

der Prozesskosten richtet sich grundsätzlich nach dem Ausgang des Verfahrens, indem 

die Prozesskosten im Allgemeinen der unterliegenden Partei auferlegt werden (Art. 106 

Abs. 1 und 2 ZPO), d.h. vorliegend den Berufungsklägern, deren Berufung abgewiesen 

wird. Während die Gerichtskosten von Amtes wegen festgesetzt und verteilt werden (Art. 

105 Abs. 1 ZPO), wird eine Parteientschädigung einer Partei nur auf Antrag hin zuge-

sprochen; sie kann hierfür eine Kostenliste einreichen (Art. 105 Abs. 2 Satz 2 ZPO). 

4.2  Die Gerichtskosten setzen sich zusammen aus Pauschalen, insbesondere für den 

Entscheid (Entscheidgebühr), sowie aus bestimmten bei Gericht angefallenen Kosten 

(Art. 95 Abs. 2 ZPO; ‚Auslagen’ nach der Terminologie von Art. 7 ff. GTar). Die Gerichts-

gebühr wird aufgrund des Streitwerts, des Umfangs und der Schwierigkeit des Falls, der 

Art der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation festgesetzt (Art. 

- 16 - 

13 Abs. 1 GTar). Sie bewegt sich zwischen einem Minimum und einem Maximum und 

wird unter Berücksichtigung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips festgesetzt 

(Art. 13 Abs. 2 GTar); besondere Umstände können eine Verdoppelung der Ansätze 

oder eine verhältnismässige Kürzung der Gebühr rechtfertigen, Letzteres namentlich 

wenn bloss eine Teilfrage entschieden wird (Art. 13 Abs. 3 und Art. 14 Abs. 1 GTar). 

Bei einem Streitwert von Fr. 30’800.00 bewegt sich die Gerichtsgebühr in einem ordentli-

chen Rahmen von Fr. 1'800.00 bis Fr. 6'000.00 (Art. 16 Abs. 1 GTar). Für das Beru-

fungsverfahren kann ein Reduktions-Koeffizienten von maximal 60% berücksichtigt wer-

den (Art. 19 GTar). 

Das Berufungsverfahren beschäftigte sich ausschliesslich mit der Frage der res iudicata 

als Prozessvoraussetzung und in diesem Zusammenhang mit der Auslegung des von 

den Parteien in einem früheren Zeitpunkt abgeschlossenen Vergleichs. Es wurde ein 

einziger Schriftenwechsel ohne mündliche Verhandlung angeordnet. Die Parteien legten 

ihre Standpunkte und ihre Einwände in der gebotenen Kürze umfassend dar. Das Dos-

sier war von bescheidenem Umfang. Der zu lösenden Streitpunkt war von mittlerer 

Schwierigkeit. Deshalb ist unter Berücksichtigung der vorstehend angeführten Kriterien 

eine Gerichtsgebühr von Fr. 2’000.00 angemessen. Diese ist mit dem von den Beru-

fungsklägern geleisteten Kostenvorschuss in nämlicher Höhe zu verrechnen. 

4.3  Die Parteientschädigung umfasst den Ersatz notwendiger Auslagen, die Kosten der 

berufsmässigen Vertretung und, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist, in 

begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung (Art. 95 Abs. 3 lit. a, b 

und c ZPO). Das Honorar des Rechtsbeistands richtet sich in der Regel nach dem Streit-

wert (Art. 27 Abs. 2 und 28 Abs. 1 GTar).  

Laut Art. 32 Abs. 1 GTar beläuft sich das ordentliche Honorar beim gegebenen Streitwert 

auf Fr. 4'700.00 bis Fr. 6'800.00 bzw. mit einem Reduktions-Koeffizienten von 60% für 

das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht (Art. 35 Abs. 1 lit. a GTar) auf im Prinzip 

minimal Fr. 1’880.00 und maximal Fr. 2'720.00, in welchen Honraransätzen die Mehr-

wertsteuer inbegriffen ist (Art. 27 Abs. 5 GTar). Bei ausserordentlicher Arbeit darf ein 

höheres Honorar zugesprochen werden (Art. 29 Abs. 1 GTar). Besteht ein offensichtli-

ches Missverhältnis zwischen Streitwert und Prozessinteresse oder zwischen der Ent-

schädigung gemäss Tarif und der effektiven Arbeit des Rechtsbeistands, darf das er-

wähnte Minimum des Honorars unterschritten werden (Art. 29 Abs. 2 GTar; vgl. auch 

Art. 29 Abs. 3 GTar). Innerhalb des vorgegebenen Rahmens bemisst das Gericht das 

Honorar mit Rücksicht auf die Natur und Bedeutung des Falles, dessen Schwierigkeit 

- 17 - 

und Umfang sowie der vom Rechtsbeistand nützlich aufgewandten Zeit und der finanzi-

ellen Situation der Partei (Art. 27 Abs. 1 GTar).  

Im Berufungsverfahren wurde ein einfacher Schriftenwechsel durchgeführt. Die Beru-

fungsbeklagte nahm zur angemessen knapp gehaltenen Berufung gleichermassen ein-

gehend wie auch kurz Stellung. Eine mündliche Berufungsverhandlung fand nicht statt. 

Streitpunkt war wie zuletzt vor erster Instanz die Frage der res iudicata als Prozessvo-

raussetzung. In Anwendung der oben genannten Kriterien, insbesondere mit Rücksicht 

auf die Schwierigkeit des Falls und den Arbeitsumfang, ist es gerechtfertigt, die Entschä-

digung auf Fr. 2’000.00 (Honorar mitsamt Auslagen und inkl. MWST) festzusetzen. Aus-

gangsgemäss schulden die Berufungskläger der Berufungsbeklagten diesen Betrag.  

 

*     *     *     *     *     *     * 

 

Das Kantonsgericht erkennt 

 

1. Die Berufung wird abgewiesen. Die Sache geht zur Fortsetzung des Verfahrens zu-

rück an die Vorinstanz. 

2. Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens, bestimmt auf Fr. 2'000.00, werden 

den Berufungsklägern auferlegt und mit dem von ihnen geleisteten Kostenvor-

schuss verrechnet. 

3. Die Berufungskläger bezahlen der Berufungsbeklagten für das Berufungsverfahren 

eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.00 (inkl. Auslagen und MWST). 

 

Sitten, 5. Juli 2023