# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f3faba9-d00a-5bdf-87ef-9a720b116c2f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 22.02.2021 S 2020 65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2020-65_2021-02-22.pdf

## Full Text

a8

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 20 65

2. Kammer als Versicherungsgericht

Einzelrichterin von Salis

Aktuarin ad hoc Hartmann

URTEIL

vom 22. Februar 2021

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführer

gegen

Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden,

Beschwerdegegner

betreffend Einstellung in der Anspruchsberechtigung

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I. Sachverhalt:

1. A._____ war zuletzt als Staplerfahrer tätig. Am 14. Februar 2020 meldete 

er einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 

100 % ab selbigem Datum an.

2. Ohne Angabe von Gründen blieb A._____ einem Beratungsgespräch vom 

24. Februar 2020 beim zuständigen Regionalen 

Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend RAV) fern.

3. Am 25. Februar 2020 wurde A._____ vom Amt für Industrie, Gewerbe und 

Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA) aufgefordert, zu obigem 

Sachverhalt Stellung zu nehmen. Ansonsten werde aufgrund der Akten 

entschieden. A._____ reichte innert Frist bis zum 6. März 2020 keine 

Stellungnahme ein.

4. Mit E-Mail vom 9. März 2020 nahm A._____ sehr allgemein zu seiner 

Situation Stellung und bat nach Angaben des KIGA darum, "sämtliche 

Sperrtage" zu überdenken.

5. Mit Verfügung vom 10. März 2020 stellte das KIGA den Anspruch von 

A._____ auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 20 Tagen ein. 

Das KIGA führte dazu begründend aus, dass A._____ einem 

Beratungsgespräch ohne Angabe von Gründen ferngeblieben sei und in 

der E-Mail vom 9. März 2020 keine Rechtfertigungsgründe dafür 

angegeben habe. Die Tatsache, dass A._____ bereits mehrfach wegen 

Nichtbefolgens von Weisungen des zuständigen RAV sanktioniert werden 

musste, habe sich straferhöhend ausgewirkt. In der Folge behandelte das 

KIGA die Stellungnahme von A._____ vom 9. März 2020 als Einsprache 

gegen die Verfügung vom 10. März 2020.

6. Mit Schreiben vom 6. April 2020 forderte das KIGA A._____ auf, innert der 

in der Verfügung vom 10. März 2020 aufgeführten und durch die 

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Gerichtsferien verlängerten Rechtsmittelfrist schriftlich mitzuteilen, ob er 

gegen die Verfügung vom 10. März 2020 eine Einsprache erheben wolle, 

und es erläuterte die Formerfordernisse einer allfälligen Einsprache. 

Überdies klärte es ihn über das Erfordernis eines 

Wiedererwägungsgesuchs innert derselben Frist auf, sollte er mit den 

bereits in Rechtskraft erwachsenen Verfügungen nicht einverstanden sein. 

A._____ wurde darüber informiert, dass bei Verzicht auf eine formell 

korrekte Einsprache bzw. auf ein Wiedererwägungsgesuch anhand der 

Akten entschieden würde oder gegebenenfalls auf das E-Mail-Schreiben 

vom 9. März 2020 nicht eingetreten würde. 

7. Mit Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 trat das KIGA nicht auf die 

Eingabe von A._____ ein, da er es versäumt habe, rechtzeitig eine formell 

korrekte Einsprache einzureichen.

8. Hiergegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 28. Mai 

2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und 

beantragte sinngemäss die Aufhebung der 20 Einstelltage. Der 

Beschwerdeführer machte geltend, dass er aufgrund seiner ADHS-

Erkrankung vergessen habe, den eingeschriebenen Brief bei der Post 

abzuholen, weshalb er es versäumt habe, innert Frist eine Einsprache 

einzureichen. Den Beratungstermin vom 24. Februar 2020 habe er 

versäumt, da er in B._____ im Hotel C._____ ein Vorstellungsgespräch 

gehabt habe. 

9. In der Vernehmlassung vom 8. Juni 2020 schloss das KIGA (nachfolgend 

Beschwerdegegner) auf Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher 

Kostenfolge. Zur Begründung wurde angeführt, dass die angefochtene 

Verfügung vom 10. März 2020 am 11. März 2020 via A-Post Plus versandt 

worden sei. Gemäss Bestätigung der Post sei sie dem Beschwerdeführer 

am 12. März 2020 zugegangen. So sei sie, entgegen der 

Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers, in seinen Besitz gelangt. 

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Er habe somit keinen eingeschriebenen Brief von der Post abholen 

müssen. Im Übrigen sei sein Hinweis auf die ADHS-Erkrankung 

unbewiesen geblieben. Die 20-tägige Einstellung der 

Anspruchsberechtigung sei korrekt. Aufgrund der Tatsache, dass der 

Beschwerdegegner beim Erlass des angefochtenen 

Einspracheentscheids die Verordnung über den Stillstand der Fristen in 

Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz im 

Zusammenhang mit dem Corona-Virus (Covid-19; SR 173.110.4) 

übersehen habe, sei der Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 zwar 

einige Tage zu früh ergangen, er sei aber nach Dafürhalten des 

Beschwerdegegners inhaltlich korrekt, zumal die erste unterzeichnete 

Eingabe des Beschwerdeführers jene an das Verwaltungsgericht sei, 

welche der Post am 28. Mai 2020 übergeben worden sei. So sei die 

angefochtene Verfügung in Rechtskraft erwachsen, weshalb die 

Beschwerde abzuweisen sei. 

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und den 

angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht liegenden 

Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:

1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der 

Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 6. Mai 2020, womit er 

die Eingabe des Beschwerdeführers gegen die Verfügung vom 10. März 

2020 abwies und die Einstellung der Anspruchsberechtigung des 

Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 20 

Tagen bestätigte. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 

(AVIG; SR 837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

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Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen 

Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung 

Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden. 

Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die 

obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung 

(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen 

Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das 

Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der 

angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als 

kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die 

örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die 

sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des 

kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 

370.100). 

1.2. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der 

Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an 

dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur 

Beschwerdeerhebung legitimiert ist (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im 

Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und 

Art. 61 lit. b ATSG) ist demnach einzutreten.

2. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz, 

wenn der Streitwert CHF 5'000.00 nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3 lit. a 

VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist. 

Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der 

versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) des Beschwerdeführers von 

CHF 3'737.00 (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 1). Dieser 

Verdienst wird zum Taggeldsatz von 80 % (Art. 22 Abs. 1 AVIG) 

entschädigt (Bg-act. 1). Der Beschwerdeführer hat demzufolge Anspruch 

auf ein Taggeld von CHF 137.80 (ermittelt aus: CHF 3'737.00 x 0.8 : 21.7 

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Tage [Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner verfügten, hier 

angefochtenen Einstellungsdauer von 20 Tagen in der 

Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt 

CHF 2'756.00 (20  Tage x CHF 137.80). Da der Streitwert somit unter 

CHF 5'000.00 liegt und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung 

entschieden werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin 

gegeben.

3.1. Im Folgenden ist streitig und zu prüfen, ob der Beschwerdegegner im 

angefochtenen Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 zu Recht nicht auf 

die als sinngemässe Einsprache behandelte Eingabe des 

Beschwerdeführers per E-Mail vom 9. März 2020 eingetreten ist. 

3.2. Gegen Verfügungen kann – mit Ausnahme der vorliegend nicht weiter 

interessierenden prozess- und verfahrensleitenden Verfügungen – 

gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden 

Stelle Einsprache erhoben werden. Diese gesetzliche Frist kann nicht 

erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 39 Abs. 1 ATSG ist 

die 30-tägige Frist nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am 

letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen 

Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen 

diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die 

Einsprachefrist unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in formelle 

Rechtskraft mit der Wirkung, dass die Einspracheinstanz auf die verspätet 

eingereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 134 V 49 E.2 m.H.). 

3.3. Vorliegend wurde die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März 

2020 am 11. März 2020 per A-Post Plus versandt (vgl. Bg-act. 10).

3.4. Zunächst gilt es zwischen der Versandmethode der eingeschriebenen 

Sendung und der Zustellung mittels A-Post Plus zu unterscheiden. Bei der 

Versandmethode A-Post Plus wird die Sendung mit einer Nummer 

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versehen und ähnlich wie ein eingeschriebener Brief mit A-Post spediert. 

Im Unterschied zu den eingeschriebenen Sendungen wird aber der 

Empfang durch den Empfänger nicht quittiert. Entsprechend wird der 

Adressat im Falle seiner Abwesenheit auch nicht durch Hinterlegung einer 

Abholungseinladung avisiert. Die Zustellung wird vielmehr elektronisch 

erfasst, wenn die Sendung in das Postfach oder in den Briefkasten des 

Empfängers gelegt wird. Auf diese Weise ist es möglich, mit Hilfe des von 

der Post zur Verfügung gestellten elektronischen Suchsystems "Track & 

Trace" die Sendung bis zum Empfangsbereich des Empfängers zu 

verfolgen (vgl. BGE 142 III 599 E.2.2; Urteil des Bundesgerichts 

8C_53/2017 vom 2. März 2017 E.4.1 m.w.H).

3.5. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Praxis erfolgt die fristauslösende 

Zustellung einer uneingeschriebenen Sendung bereits dadurch, dass sie 

in den Briefkasten oder in das Postfach des Adressaten gelegt wird und 

damit in den Macht- bzw. Verfügungsbereich des Empfängers gelangt. 

Dass der Empfänger von der Verfügung tatsächlich Kenntnis nimmt, ist 

nicht erforderlich (vgl. BGE 142 III 599 E.2.4.1; Urteile des Bundesgerichts 

8C_271/2019 vom 11. Juni 2019 E.6.1, 8C_586/2018 vom 6. Dezember 

2018 E.5, 8C_53/2017 vom 2. März 2017 E.4.1). 

3.6. Der vorliegenden Sendungsverfolgung "Track & Trace" der Post lässt sich 

entnehmen, dass die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März 

2020 dem Beschwerdeführer am 12. März 2020 (8:43 Uhr) zugestellt 

wurde (vgl. Bg-act. 10). Zwar wird mit einem "Track & Trace"-Auszug nicht 

direkt bewiesen, dass die Sendung tatsächlich in den Empfangsbereich 

des Empfängers gelangt ist, sondern bloss, dass durch die Post ein 

entsprechender Eintrag in ihrem Erfassungssystem gemacht wurde. Aus 

diesem Eintrag lässt sich aber immerhin im Sinne eines Indizes darauf 

schliessen, dass die Sendung in den Briefkasten oder in das Postfach des 

Adressaten gelegt wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_10/2016 vom 

8. September 2016 E.2.2.1 m.w.H.). 

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3.7. Die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers, wonach er 

vergessen habe, den eingeschriebenen Brief bei der Post abzuholen, ist 

widerlegt. Vielmehr ist erstellt, dass ihm die Verfügung des 

Beschwerdegegners vom 10. März 2020 am Donnerstag 12. März 2020 

zugegangen ist, was als fristauslösender Moment zu gelten hat. Die 

Begründung in der Beschwerde, dass er "somit" keine Einsprache habe 

erheben können (vgl. Bg-act. 10), verfängt daher nicht.

Die 30-tägige Frist zur Einreichung der Einsprache gemäss Art. 52 Abs. 1 

ATSG begann mithin am darauffolgenden Tag, dem Freitag, 13. März 

2020 zu laufen. Bezüglich dem Ende der Frist findet zusätzlich die 

bundesrätliche Verordnung vom 20. März 2020 über den Stillstand der 

Fristen in Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz 

im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) (SR 173.110.4) 

Anwendung. Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung bestimmt, dass gesetzliche 

oder gerichtlich angeordnete Fristen vom 21. März 2020 bis 19. April 2020 

stillstehen. Folglich stand die Frist vom 21. März 2020 bis und mit dem 19. 

April 2020 still und begann erst wieder am 20. April 2020 zu laufen. Somit 

endete die Frist am Montag, 11. Mai 2020. Dies bedeutet, dass die 

Einsprache spätestens am 11. Mai 2020 beim Beschwerdegegner 

eingereicht oder der Schweizerischen Post hätte übergeben werden 

müssen (vgl. Art. 39 Abs. 1 ATSG).

3.8. Anzumerken ist, dass sich die E-Mail des Beschwerdeführers vom 9. März 

2020 nicht auf die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März 2020 

beziehen konnte, da diese erst einen Tag nach Eingang der E-Mail 

erlassen und ihm erst am 12. März 2020 zugestellt wurde. Der 

Beschwerdegegner ist deshalb von einer sinngemässen Einsprache des 

Beschwerdeführers ausgegangen. Deshalb forderte der 

Beschwerdegegner den Beschwerdeführer am 6. April 2020 zur 

Stellungnahme hinsichtlich der Frage auf, ob er eine Einsprache innert der 

COVID-19-bedingt verlängerten Rechtsmittelfrist zur Verfügung vom 

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10. März 2020 erheben wolle, welche den Formvorschriften von Art. 10 

der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSV; SR 830.11) zu entsprechen hätte, bzw. ob er bezüglich der 

rechtskräftigen Verfügungen ein Wiedererwägungsgesuch innert Frist 

einreichen möchte (Bg-act. 8). Der Beschwerdegegner legte dar, dass der 

Entscheid ansonsten aufgrund der Akten gefällt werde bzw. auf die E-Mail 

vom 9. März 2020 nicht eingetreten werde, sofern keine Einsprache bzw. 

kein Wiedererwägungsgesuch innert Frist eingehe. Der Beschwerdeführer 

selbst bestätigt in der Beschwerde vom 28. Mai 2020 den Zugang des 

Schreibens des Beschwerdegegners vom 6. April 2020, welches ebenfalls 

per A-Post Plus versandt wurde. Der Beschwerdeführer ist damit 

offensichtlich im Besitz des Schreibens vom 6. April 2020. Es erfolgte 

keine Antwort auf das Schreiben vom 6. April 2020 und somit keine 

fristgerechte Einsprache gegen die Verfügung vom 10. März 2020.

3.9. Würde man die E-Mail des Beschwerdeführers vom 9. März 2020 dennoch 

als Einsprache betrachten wollen, so käme Art. 10 Abs. 1 ATSV zur 

Anwendung, wonach die Einsprache ein Rechtsbegehren und eine 

Begründung enthalten muss. Die schriftlich erhobene Einsprache muss 

die Unterschrift der Einsprache führenden Person oder ihres 

Rechtsbeistands enthalten (Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV). Eine per E-Mail 

erhobene Einsprache ist mangels der gemäss Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV 

bei schriftlich erhobenen Einsprachen erforderlichen Unterschrift nicht 

zulässig (BGE 142 V 152 E.2.4 und 4.6). Genügt die Einsprache den 

Anforderungen nach Art. 10 Abs. 1 ATSV nicht oder fehlt die Unterschrift, 

so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung des 

Mangels an und verbindet damit die Anordnung, dass sonst auf die 

Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV). Das 

Einspracheverfahren wird mit einem Nichteintretensentscheid 

abgeschlossen, wenn die Eintretensvoraussetzungen nicht erfüllt sind 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2011 vom 26. Mai 2011 E.2.1).

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3.10. Am 9. März 2020 sandte der Beschwerdeführer ein E-Mail an den 

Beschwerdegegner, worin er im Wesentlichen erklärte, er habe sich am 

24. Februar 2020 in B._____ zwecks Vorstellungsgesprächen bzw. 

Bewerbungen aufgehalten; dies als Stellungnahme zum verpassten RAV-

Beratungsgespräch (Bg-act. 7). Der Beschwerdegegner nahm dieses E-

Mail als sinngemässe Einsprache gegen (die am nächsten Tag erlassene) 

Verfügung vom 10. März 2020 entgegen. Er wies den Beschwerdeführer 

mit Schreiben vom 6. April 2020 auf die formellen Anforderungen an eine 

Einsprache hin, was im konkreten Fall eine Nachbesserung erforderte, 

und informierte ihn über die Einsprachefrist (Bg-act. 8). Gleichzeitig wurde 

der Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass im 

Unterlassungsfall auf die sinngemässe Einsprache vom 9. März 2020 nicht 

eingetreten werden könne (Bg-act. 8). Der Aufforderung zur 

Nachbesserung seiner sinngemässen Einsprache und einer allfälligen 

Ergänzung durch ein Arztzeugnis kam der Beschwerdeführer innert Frist 

indessen nicht nach. 

3.11. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer 

innert der Rechtsmittelfrist keine formell korrekte Einsprache erhoben hat 

– obiter dictum ebensowenig ein Wiedererwägungsgesuch gegen bereits 

rechtskräftige Verfügungen gestellt hat - und der Beschwerdegegner somit 

zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten ist.

4.1. In seiner Beschwerde vom 28. Mai 2020 bringt der Beschwerdeführer vor, 

sein Fall sei aufgrund seiner Krankheit und seinem zur Zeit 

angeschlagenen psychischen Zustand neu zu beurteilen. Er legt dazu ein 

ADHD-Assessment der D._____ GmbH vom 16. März 2020 ins Recht 

(Beschwerdeführerische Akten [Bf-act. 3]). Durch seine belegte Krankheit 

ADHS habe er vergessen, den eingeschriebenen Brief abzuholen und 

somit habe er keine Einsprache in nützlicher Frist machen können. Der 

Beschwerdeführer macht damit sinngemäss geltend, es sei ihm die Frist 

zur Einsprache wiederherzustellen, was nachstehend zu prüfen ist.

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4.2. Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise 

abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wieder 

hergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach 

Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte 

Rechtshandlung nachholt (Art. 41 ATSG). Die Hinderung kann auf einen 

objektiven oder auf einen subjektiven Grund zurückzuführen sein. Objektiv 

ist ein Hindernis, wenn es der gesuchstellenden Person oder ihrer 

Vertretung infolge eines von ihrem Willen unabhängigen Umstandes 

objektiv unmöglich war, die Frist zu wahren. Eine Wiederherstellung wurde 

etwa zugelassen bei schweren Krankheiten, bei einer Rechtsänderung, 

deren Tragweite nicht ohne weiteres absehbar war, oder in engen 

Grenzen bei sprachlichen Schwierigkeiten; eine Ablehnung erfolgte 

demgegenüber etwa bei Krankheiten, welche eine Wahrung der Frist nicht 

völlig ausschlossen. Ein subjektives Hindernis liegt etwa vor, wenn die 

gesuchstellende Person sich in einem Irrtum befindet. Bei den 

anerkannten Wiederherstellungsgründen handelt es sich demnach um 

Situationen, in welchen es der betroffenen Person überhaupt nicht oder 

nur mittels unverhältnismässigen Aufwandes möglich war, die Frist 

einzuhalten. Gemäss Lehre und Rechtsprechung soll der Behörde bei der 

Beurteilung des geltend gemachten Wiederherstellungsgrundes zwar ein 

weiter Ermessensspielraum zukommen, doch darf ein Hinderungsgrund 

gerade im Interesse eines geordneten Verfahrensablaufs nicht leichthin 

angenommen werden. Das Säumnis muss ohne Verschulden von Seiten 

der um Wiederherstellung der Frist ersuchenden Partei eingetreten sein. 

Jedes Verschulden einer Partei oder ihres Vertreters schliesst die 

Wiederherstellung unabhängig davon aus, ob es sich dabei um grobes 

oder leichtes Verschulden handelt (vgl. zum Ganzen 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013, 

Rz. 587 f.; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, 

Art. 41 Rz. 8 ff.).

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4.3. Der Bericht der D._____ GmbH wurde auf Selbstanmeldung des 

Beschwerdeführers hin nach der Untersuchung vom 4. März 2020 am 16. 

März 2020 erstellt und in einem Befundgespräch am 19. März 2020 mit 

dem Beschwerdeführer besprochen (Bf-act. 3). Hinsichtlich der 

Untersuchungsperformance wurde festgehalten, dass die Bearbeitung 

von Aufgaben zur Überprüfung des Denkens und Problemlösens mit 

Widerwillen durch den Beschwerdeführer stattgefunden habe, weshalb die 

diesbezüglichen Aufgaben nicht valid seien. Der Beschwerdeführer weise 

erhöhte Theta Amplituden auf, welche häufig bei Menschen mit 

Aufmerksamkeitsstörungen anzutreffen seien. Dem Beschwerdeführer 

wurde eine kombinierte Störung der Aufmerksamkeit (DSM 5:314.01), 

eine depressive Episode (DSM 5:296.22), sowie eine posttraumatische 

Belastungsstörung (Trauma und Stress Folgestörungen) diagnostiziert 

(Bf-act. 3 S. 3 f). Hinsichtlich Massnahmen kämen Alltagsstrategien 

(bewusste Aktivierung/Deaktivierung), Medikation und Therapien 

(Psychotherapie/neurokognitive Verhaltenstherapie, Alphastimulation) in 

Frage. Wie die neuropsychologische Untersuchung zeige, seien die 

meisten der untersuchten Funktionen vom Beschwerdeführer im Rahmen 

der Norm oder überdurchschnittlich gut bearbeitet worden. 

Schwierigkeiten hätten sich bei der Untersuchung der Aufmerksamkeit, 

beim Arbeitsgedächtnis, beim Erkennen von Details in Bildern, beim 

Vorstellungsvermögen sowie bei Aspekten des exekutiven Systems 

(antizipieren, entscheiden) gezeigt. Der Konzentrations-

verlaufstest habe aufgezeigt, dass die Werte des Beschwerdeführers 

hinsichtlich Aufmerksamkeit, Impulsivität und Arbeitskonstanz massiv 

auffällig seien; zu viele Aufmerksamkeitsfehler und eine hohe Inkonstanz 

würden oft bei Menschen mit ADHD (Aufmerksamkeitsstörungen) 

beobachtet (Bf-act. 3 S. 3 ff.).

4.4. Vorliegend hat der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 28. Mai 

2020 geltend gemacht, dass er aufgrund der Krankheit keine Einsprache 

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habe erheben können. Hingegen bestreitet er nicht, den Beratungstermin 

beim RAV am 24. Februar 2020 verpasst zu haben, und führt dies auch 

nicht auf krankheitsbedingte Gründe zurück, sondern darauf, es 

vergessen zu haben, weil er an jenem Tag für ein Vorstellungsgespräch in 

B._____ weilte. Im Untersuchungsbericht der D._____ GmbH vom 16. 

März 2020 wird dem Beschwerdeführer zwar attestiert, dass die Werte 

hinsichtlich der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Arbeitskonstanz massiv 

auffällig seien, und er Schwierigkeiten habe, über längere Zeit seine 

Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Dem besagten Bericht ist aber nicht 

zu entnehmen, inwiefern eine Krankheit vorgelegen haben soll, die eine 

Wahrung der Einsprachefrist völlig ausgeschlossen hätte (vgl. KIESER, 

a.a.O., Rz. 14 zu Art. 41 ATSG). Auch war der Beschwerdeführer im 

besagten Zeitraum zur Erhebung einer frist- und formgerechten 

Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden in der 

Lage. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründe, weshalb es ihm 

gesundheitsbedingt nicht möglich gewesen sein soll, frist- und formgerecht 

Einsprache zu erheben sind somit nicht stichhaltig. Es wäre ihm ohne 

unverhältnismässigen Aufwand möglich gewesen, die Einsprachefrist zu 

wahren. Die gesetzlichen Anforderungen an eine Wiederherstellung der 

Frist sind somit nicht erfüllt. 

5. Der Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 auf Nichteintreten ist letztlich 

rechtens, obschon er zeitlich zu früh erfolgt ist. Der Beschwerdeführer hat 

sich nur und erst mit seiner Beschwerde vom 28. Mai 2020 an das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden gewandt, ohne einen 

Instanzenverlust zu rügen. Eine Rückweisung an den Beschwerdegegner 

würde einen formalistischen Leerlauf darstellen, da die gerichtliche 

Prüfung ergeben hat, dass der Einspracheentscheid des 

Beschwerdegegners vom 6. Mai 2020 nicht zu beanstanden ist. Die 

Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

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6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG ist das kantonale 

Beschwerdeverfahren in arbeitslosenversicherungsrechtlichen 

Streitigkeiten – ausser bei mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung 

– kostenlos. Vorliegend sind keine Hinweise ersichtlich, dass der 

Beschwerdeführer mutwillig oder leichtsinnig an das Verwaltungsgericht 

gelangt wäre. Es sind ihm demnach keine Kosten aufzuerlegen. Dem 

obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).

III. Demnach erkennt die Einzelrichterin:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]