# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3de9195c-d8f3-55ec-8d06-ede7620ecc2d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-03-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.03.2007 A-1535/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1535-2006_2007-03-14.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1535/2006
{T 0/2}

Urteil vom 14. März 2007

Mitwirkung: Richter Markus Metz (Vorsitz); Richter Thomas Stadelmann; 
Richterin Salome Zimmermann; Gerichtsschreiber Johannes 
Schöpf.

X._______, ...
Beschwerdeführer,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 
Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,
Vorinstanz,

betreffend
Mehrwertsteuer (MWSTG; 1. Quartal 2001 bis 2. Quartal 2002 / 
Buchführung, Ermessenseinschätzung, etc.)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

2

Sachverhalt:

A. X._______  ist  Inhaber  der  Einzelfirma  "A._______"  mit  dem  Sitz  in  .... 
Deren  Zweck  ist  gemäss  Handelsregistereintrag  mit  "Europäische 
Marketing- und Vertriebsberatung für die Informatikbranche" umschrieben. 
Nach einer Kontrolle durch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), 
die am 8., 14. und 15. November 2002 erfolgte, wurde er rückwirkend per 
27.  November  1997  in  das  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen 
(Mehrwertsteuernummer ...) eingetragen. Die Verwaltung bewilligte ihm die 
Abrechnung  der  Mehrwertsteuer  nach  vereinnahmten  Entgelten  und 
mittels Anwendung der Saldosteuersatzmethode. Da X._______ anlässlich 
der Kontrolle für das Jahr 2001 keine Buchhaltung vorlegen konnte, nahm 
die  ESTV  die  Erlösermittlung  auf  der  Basis  der  von  ihm  vorgelegten 
Bankauszüge  und  Belege  vor.  Mangels  Belegen  und  Bankauszügen  für 
das 1. Halbjahr 2002 (zum Zeitpunkt der Kontrolle) schätzte die ESTV die 
massgebenden Umsätze und errechnete für die Steuerperioden 1. Quartal 
2001 bis 2. Quartal 2002 (Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis zum 30. Juni 
2002) unter Anwendung des Saldosteuersatzes von 6% den geschuldeten 
Mehrwertsteuerbetrag  auf  Fr.  11'370.--,  zuzüglich  5%  Verzugszins  ab 
1. März  2002  (mittlerer  Verfall).  Entsprechend  stellte  die  Verwaltung  die 
Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. ... vom 14. November 2002 aus.

B. Nach  einer  internen  Überprüfung  der  Ergebnisse  der  Kontrolle  bei 
X._______ widerrief die ESTV am 17. Dezember 2002 die Bewilligung zur 
Abrechnung  der  Mehrwertsteuer  mittels  Saldosteuersatz  rückwirkend  ab 
dem 1. Januar 2001, da er den überwiegenden Teil  seines Umsatzes an 
die von ihm beherrschte, am 5. Juni 1998 im Handelsregister des Kantons 
...  eingetragene,  nach  der  effektiven  Methode  abrechnende,  B._______ 
GmbH, mit dem Sitz in ..., erbracht hatte. An dieser Gesellschaft sind die 
beiden Gesellschafter X._______ und Y._______ mit einer Stammeinlage 
von  je  Fr.  10'000.--  beteiligt.  Zweck  dieser  Gesellschaft  ist  gemäss 
Handelsregistereintrag  die  Erbringung  von  Beratungsdienstleistungen  in 
der  Informatikbranche;  sie  kann  sich  auch  an  anderen  Gesellschaften 
beteiligen,  gleichartige oder verwandte Unternehmen erwerben oder sich 
mit  solchen  zusammenschliessen,  Grundstücke  erwerben  oder  weiter 
veräussern.  Die  Gesellschaft  wurde  mit  Beschluss  der 
Gesellschafterversammlung  vom  22.  Dezember  2004  aufgelöst  und 
befindet  sich  in  Liquidation.  Geschäftsführer  bzw.  Geschäftsführer  und 
Liquidator war bzw. ist X._______.

Die  ESTV  stornierte  die  EA  Nr.  ...  und  forderte  mit  der  EA  Nr. ...  in 
Anwendung des Normalsatzes auf den für die Zeit vom 1. Januar 2001 bis 
30.  Juni  2002 bestimmten  steuerbaren  Umsätzen Fr. 13'385.--  zuzüglich 
5% Verzugszins seit dem 17. Januar 2002 (mittlerer Verfall). Für den Fall 
der  Einreichung  der  detaillierten  und  quartalsweise  geordneten 
Vorsteuerlisten  mit  den  dazugehörigen  Lieferantenrechungen  und  unter 
Beilage der detaillierten Bilanzen und Erfolgsrechnungen für den fraglichen 
Abrechnungszeitraum  bis  zum  31.  Januar  2003  stellte  die  ESTV 
X._______ die Prüfung des Vorsteueranspruchs in Aussicht. Nachdem er 

3

die entsprechende Frist ungenutzt verstreichen liess, bestätigte die ESTV 
die  Mehrwertsteuerforderung  am  28.  April  2003  mit  einem  förmlichen 
Entscheid.

C. Gegen  diesen  Entscheid  erhob  X._______  fristgerecht  bei  der  ESTV 
Einsprache  und  beanstandete,  dass  für  das  Jahr  2001  eine 
Darlehenszahlung  als  steuerbarer  Erlös  einbezogen  worden  sei,  die 
Umsatzschätzung  für  das  erste  Halbjahr  2002  erachte  er  als  völlig 
realitätsfremd. Der Unternehmer legte Kontenblätter zu den Umsatz- und 
Umsatzsteuerkonten und eine "Korrekturabrechnung" vor und berechnete 
unter  Berücksichtig  der  Vorsteuern  von  Fr.  2'970.35  den  geschuldete 
Mehrwertsteuerbetrag  für  den  Zeitraum  vom  1.  Januar  2001  bis  zum 
30. Juni 2002 auf Fr. 4'919.95. Die ESTV gab X._______ am 16. Juni 2003 
noch  einmal  Gelegenheit,  sämtliche  Buchhaltungsunterlagen  für  den 
genannten  Zeitraum  beizubringen.  Am  27.  Juni  2003  reichte  der 
Mehrwertsteuerpflichtige  eine  Reihe  ergänzender  Unterlagen  ein.  Im 
Rahmen  des  Einspracheverfahrens  reduzierte  die  ESTV  unter 
Berücksichtigung der vorgelegten Belege die Mehrwertsteuerforderung um 
insgesamt  Fr.  2'837.55,  da  sie  auf  Grund  der  eingereichten  Belege 
anerkannte, dass eine Zahlung der B._______ GmbH von Fr. 25'173.60 im 
Jahr  2001  kein  Entgelt,  sondern  ein  an  X._______  gewährtes  Darlehen 
war. Im Übrigen hielt sie im Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2005 
im  Umfang  von  Fr.  10'547.45  zuzüglich  5%  Verzugszins  seit  dem  17. 
Januar 2002 an ihrer Mehrwertsteuerforderung fest.

D. Gegen  den  Einspracheentscheid  vom  7.  Dezember  2005  reichte 
X._______  (Beschwerdeführer)  am 20.  Januar  2006  Beschwerde  an die 
Eidgenössische Steuerrekurskommission (SRK) ein und stellte  folgendes 
Rechtsbegehren:

"1.  Der  Einspracheentscheid  sei  auf  die  buchhalterisch  korrekten 
Umsatzzahlen  und  den  Tatsachen  entsprechenden  Vor-  und 
Nachsteuerabrechnungen zu korrigieren.

2. Wir bestreiten hiermit die Richtigkeit der Einschätzung und beantragen 
die Korrektur der Werte auf die buchhalterisch richtige Umsatzzahl.

3.  Werden  die  Spesen  als  Vorsteuerabzug  nicht  gewährt,  dürfen 
logischerweise auch die Spesenrückvergütungen nicht als Umsatz gelten.

4. Ferner bestreiten wir die Behauptungen der ESTV, keine Buchhaltung 
geführt  zu  haben,  Unterlagen  seien  nachträglich  erstellt  worden, 
Buchhaltungsunterlagen seien nicht komplett  und es seien unrealistische 
Spesenentschädigungen entrichtet worden.

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."

Zur  Begründung  führte  der  Beschwerdeführer  insbesondere  aus,  er 
anerkenne,  dass  die  vollständigen  Abschlüsse  am  14.  November  2002 
anlässlich der Mehrwertsteuerkontrolle noch nicht vorgelegen hätten.  Die 
bestehenden  Probleme  führte  er  im  Wesentlichen  auf  den  Umstand 
zurück,  dass die ESTV ihm erst  am 17. Dezember 2002 die Bewilligung 

4

zur Abrechnung der  Mehrwertsteuer  mittels  Saldosteuersatz  rückwirkend 
auf  den  1.  Januar  2001  widerrufen  hätte,  was  umfangreiche 
Buchhaltungskorrekturen für die besagten Perioden ausgelöst habe mit der 
Unmöglichkeit,  den Vorsteuerabzug sowie die gesamte Buchhaltung neu 
aufzusetzen.

E. Gestützt  auf  die  neu  eingereichten  Unterlagen  des  Beschwerdeführers 
überprüfte  die  ESTV  die  eingereichten  Spesenbelege  und 
Kreditorenrechnungen  noch  einmal  auf  ihre  Zulassung  zum 
Vorsteuerabzug.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom 28.  April  2006 reduzierte 
die Verwaltung die Mehrwertsteuerforderung um Fr. 1'571.05. Im Übrigen 
hielt sie an ihrer Forderung fest und beantragte, die Verfahrenskosten dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen.  Zur  Begründung  führte  die  ESTV 
insbesondere  aus,  es  habe  im  Zeitpunkt  der  Kontrolle  der 
Buchhaltungsabschluss  gefehlt.  Ohne  Abschluss  könne  nicht  mit 
Sicherheit  festgestellt  werden,  ob  alle  Konten  offengelegt  und  ob  der 
Mehrwertsteuerpflichtige  seine  gesamte  Geschäftstätigkeit  in  seinen 
Mehrwertsteuerabrechnungen erfasst habe.

F. Mit Schreiben vom 12. Februar 2007 teilte das Bundesverwaltungsgericht 
den Parteien mit, dass es das hängige Beschwerdeverfahren übernommen 
hat.

Auf  die  weitere  Begründung  der  Eingaben  wird  -  soweit 
entscheidwesentlich  -  im  Rahmen  der  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid unterliegt ab 1. Januar 2007 der Beschwerde 
an und der Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 bzw. 
53  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz [VGG], SR 173.32). 
Die  Beurteilung  erfolgt  nach  Art.  53  Abs.  2  VGG  nach  dem  neuen 
Verfahrensrecht  bzw.  dem Bundesgesetz  vom 20.  Dezember  1968  über 
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021).

1.2 Die Beschwerde erfolgte seinerzeit form- und fristgerecht an die SRK. Der 
Beschwerdeführer  ist  beschwert  und zur  Anfechtung befugt  (vgl.  Art.  48 
Abs.  1  Bst.  b  und  c  VwVG).  Der  vom  Beschwerdeführer  einverlangte 
Kostenvorschuss von Fr.  1'000.-- ist  fristgerecht  bezahlt  worden.  Auf die 
Beschwerde ist deshalb einzutreten.

2.

2.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen 
Einspracheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Der 
Beschwerdeführer  kann  neben  der  Verletzung  von Bundesrecht  (Art.  49 
Bst.  a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des 
rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der 

5

Unangemessenheit  erheben  (Art.  49  Bst.  c  VwVG;  vgl.  ANDRÉ MOSER,  in 
ANDRÉ MOSER/PETER UEBERSAX,  Prozessieren  vor  Eidgenössischen 
Rekurskommissionen,  Basel  und  Frankfurt  am  Main  1998,  S.  59  f. 
Rz. 2.59;  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,  Allgemeines 
Verwaltungsrecht,  5.  Auflage,  Zürich  2006,  S.  378  f.  Rz.  1758  ff.).  Das 
Bundesverwaltungsgericht  übernimmt  die  Rechtsprechung  der  SRK  und 
auferlegt  sich  bei  der  Überprüfung  von  Ermessensveranlagungen  eine 
gewisse Zurückhaltung,  soweit  die Zweckmässigkeit  der Entscheidung in 
Frage steht (Entscheid der SRK vom 9. Oktober 1996 i.S. V. [SRK 1995-
030], E. 3e; Entscheid der SRK vom 14. Mai 2003 i.S. X. [SRK 2002-035], 
E. 3C, veröffentlicht in VPB 67.112).

2.2 Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach  dem 
Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  46  f.  des  Bundesgesetzes  vom 
2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  [MWSTG],  SR 641.20;  vgl. 
ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER,  System  des  Steuerrechts,  6.  Auflage, 
Zürich 2002, S. 421 f.). Dies bedeutet, dass der Mehrwertsteuerpflichtige 
selbst  und  unaufgefordert  über  seine  Umsätze  und  Vorsteuern 
abzurechnen  und  innerhalb  von  60  Tagen  nach  Ablauf  der 
Abrechnungsperiode den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom 
Umsatz  abzüglich  Vorsteuern)  an  die  ESTV  abzuliefern  hat.  Die 
Verwaltung ermittelt  die Höhe des geschuldeten Mehrwertsteuerbetrages 
nur  dann  an  Stelle  des  Mehrwertsteuerpflichtigen,  wenn  dieser  seinen 
Pflichten nicht nachkommt (Art. 60 MWSTG, Ermessenseinschätzung; vgl. 
ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A.  VALLENDER,  Handbuch  zum 
Mehrwertsteuergesetz [MWSTG], 2. Auflage, Bern 2003, Rz. 1680 ff.). Ein 
Verstoss  des  Mehrwertsteuerpflichtigen  gegen  diesen  Grundsatz  ist  als 
schwerwiegend anzusehen, da durch die Nichteinhaltung dieser Vorschrift 
der  Mehrwertsteuerpflichtige  die  ordnungsgemässe  Erhebung  der 
Mehrwertsteuer  und damit  das  Steuersystem als  solches  gefährdet  (vgl. 
Entscheide der SRK [zur Mehrwertsteuerverordnung] vom 18. September 
1998, veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden [VPB] 63.80 
E. 2a, vom 25. August 1998, veröffentlicht in VPB 63.27 E. 3a; vgl. auch 
den Entscheid der SRK vom 5. Januar 2000, veröffentlicht in VPB 64.83 
E. 2).

2.3 Gemäss  Art.  58  Abs.  1  MWSTG  hat  der  Mehrwertsteuerpflichtige  seine 
Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu  führen  und  so  einzurichten,  dass 
sich aus ihnen die für die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht sowie für 
die  Berechnung  der  Steuer  und  der  abziehbaren  Vorsteuern 
massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig  ermitteln  lassen.  Die 
ESTV  kann  hierüber  nähere  Bestimmungen  aufstellen.  Von  dieser 
Befugnis  hat  sie  in  der  "Wegleitung  2001  zur  Mehrwertsteuer"  vom 
Sommer  2000  (Wegleitung  2001),  gültig  ab  1.  Januar  2001,  Gebrauch 
gemacht.  In der Wegleitung 2001 sind genauere Angaben enthalten,  wie 
eine  Buchhaltung  auszugestalten  ist  (Rz.  878  ff.).  Alle  Geschäftsfälle 
müssen  fortlaufend,  chronologisch  und  lückenlos  aufgezeichnet  werden 
(Rz.  884  der  Wegleitung  2001)  und  alle  Eintragungen  haben  sich  auf 
entsprechende Belege zu stützen, so dass die einzelnen Geschäftsvorfälle 

6

von  der  Eintragung  in  die  Hilfs-  und  Grundbücher  bis  zur 
Steuerabrechnung  und  bis  zum Jahresabschluss  sowie  umgekehrt  leicht 
und genau verfolgt  werden können (Rz.  890 der Wegleitung 2001).  Das 
Bundesgericht hat (bereits unter dem Warenumsatzsteuerrecht und später 
auch  unter  der  Mehrwertsteuerverordnung)  entschieden,  dass  der 
Steuerpflichtige  selbst  bei  geringem  Barverkehr  zur  Führung  zumindest 
eines einfachen ordentlichen Kassabuches verpflichtet ist. Er ist zwar nicht 
gehalten,  kaufmännische Bücher im Sinne des Handelsrechts zu führen; 
die Bücher müssen die erzielten Umsätze jedoch lückenlos erfassen und 
die entsprechenden Belege sind aufzuheben (Archiv für Schweizerisches 
Abgaberecht [ASA] 63 S. 236 E. 2a; 55 S. 574 E. 2c; vgl. auch VPB 63.27 
E. 3).

2.4 Der Vorsteuerabzug nach Art. 38 ff. MWSTG ist ein wesentliches Element 
der  schweizerischen  Mehrwertsteuer,  welche  von  ihrem  System  her  als 
Nettoallphasensteuer  ausgestaltet  ist.  Er  ermöglicht  es,  dass  der 
Unternehmer nur seinen effektiven "Mehrwert" zu versteuern hat. Praktisch 
funktioniert der Vorsteuerabzug so, dass der Mehrwertsteuerpflichtige - bei 
gegebenen  (insbesondere  formellen)  Voraussetzungen  -  von der  Steuer 
auf seinem Ausgangsumsatz (= Ausgangsumsatzsteuer) diejenige Steuern 
abziehen  darf,  welche  ihm  von  seinen  Lieferanten  und  Auftragnehmern 
überwälzt wurden. Damit reduziert die Vorsteuer seine Zahllast gegenüber 
der  ESTV.  Der  Vorsteuerabzug  ist  das  Gegenstück  zur 
Ausgangsumsatzsteuer. Beide Bereiche sind deshalb auseinanderzuhalten 
und es ist die Steuer auf dem Ausgangsumsatz von der Vorsteuer getrennt 
zu  ermitteln  (vgl.  ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER,  Handbuch  zur  neuen 
Mehrwertsteuer,  Bern  1994,  S.  237  ff.  Rz.  866  ff.).  Damit  ein 
Vorsteuerabzug  geltend  gemacht  werden  kann,  ist  grundsätzlich 
vorausgesetzt,  dass  die  bezogene  Lieferung  oder  Dienstleistung  für 
Zwecke  gemäss  Art.  38  Abs.  2  Bst.  a-d  MWSTG  verwendet  wird  (vgl. 
STEPHAN KUHN/PETER SPINNLER, Mehrwertsteuer, Muri/Bern 1994, S. 100). Die 
Durchführung  des  Vorsteuerabzugs  verlangt  insbesondere  auf  der  Seite 
der  Verwaltung  nach  Belegen,  die  eine  rasche,  einfache  und  effiziente 
Kontrolle der Selbstveranlagung zulassen und Missbräuche ausschliessen. 
Art. 38 Abs. 1 Bst. a MWSTG sieht daher vor, dass zum Vorsteuerabzug 
nur berechtigt  ist,  wer die geltend gemachten Beträge mit  Belegen nach 
Art.  37  Abs.  1  MWSTG  nachweisen  kann.  Demnach  muss  ein 
Mehrwertsteuerpflichtiger,  um  die  ihm  von  einem  anderen 
Mehrwertsteuerpflichtigen  in  Rechnung  gestellte  Steuer  von  seiner 
Ausgangsumsatzsteuer  abziehen  zu  dürfen,  Belege  beibringen  können, 
welche  den  Namen,  die  Adresse  und  die  Mehrwertsteuernummer  des 
Lieferers (Art. 37 Abs. 1 Bst. a MWSTG), den Namen und die Adresse des 
Empfängers  (Bst.  b)  sowie  Datum  oder  Zeitraum  der  Lieferung  oder 
Dienstleistung enthalten (Bst. c). Ferner müssen auf diesen Belegen Art, 
Gegenstand und Umfang der Lieferung oder  Dienstleistung umschrieben 
sein  (Bst.  d)  sowie  das  hierfür  zu  bezahlende  Entgelt  (Bst.  e)  und  der 
darauf geschuldete Steuerbetrag bzw. für den Fall,  dass das Entgelt  die 
Steuer  einschliesst,  der  Steuersatz  (Bst.  f).  Diese  Anforderungen  an 

7

Belege,  welche  zum Vorsteuerabzug  berechtigen,  sind  sachgerecht  und 
verletzen  die  übergeordneten,  systemtragenden  Grundprinzipien  der 
Mehrwertsteuer, wie etwa das Überwälzbarkeitsprinzip, den Grundsatz der 
Allgemeinheit der Steuer, der Steuerneutralitätsgrundsatz, den Grundsatz 
der einmaligen Besteuerung oder das Bestimmungslandprinzip nicht (vgl. 
dazu auch MWST-Journal 4/98, S. 168 ff. und den Entscheid der SRK vom 
22. Oktober 1997 i.S. S. [SRK 1996-050] E. 2c). Eine genaue Anwendung 
dieser  eher  formellen  Anordnungen  durch  die  ESTV  liegt  im  Interesse 
einer gerechten und missbrauchsfreien Erhebung der Mehrwertsteuer. Die 
einzelnen Anforderungen an mehrwertsteuerkonforme Belege sind von den 
Mehrwertsteuerpflichtigen  ohne  übermässigen  Aufwand  erfüllbar  und 
können auch vom Empfänger einer Lieferung oder Dienstleistung einfach 
und rasch überprüft werden.

2.5

2.5.1 Bei  Vorliegen  der  entsprechenden  Voraussetzungen  (vgl.  hierzu  VPB 
63.27  E.  4)  kann  eine  Schätzung  des  geschuldeten 
Mehrwertsteuerbetrages  durch  die  Verwaltung  entweder  nach 
vorangehender  Kontrolle  des  Betriebes  des  Mehrwertsteuerpflichtigen 
(insbesondere  der  Geschäftsbücher;  so  genannte  "externe  Schätzung") 
oder  ohne  eine  derartige  Kontrolle  vor  Ort  vorgenommen  werden  (so 
genannte  "interne  Schätzung"),  dies  jedoch  unter  dem  Vorbehalt  einer 
späteren Kontrolle. Die interne Schätzung wird vor allem dann Anwendung 
finden,  wenn  der  Mehrwertsteuerpflichtige  seiner  Aufzeichnungs-  und 
Abrechnungspflicht  nicht  nachgekommen  ist  bzw.  er  nicht  einmal 
rudimentäre geschäftliche Aufzeichnungen vorweisen kann oder er seine 
Abrechnung  nicht  eingereicht  hat.  Obwohl  Art.  60  MWSTG  keine 
Unterscheidung  zwischen  einer  Schätzung  mit  einer  vorhergehenden 
Kontrolle  und  einer  Schätzung  ohne  vorgängige  Kontrolle  vornimmt,  ist 
gegen die diesbezügliche Praxis der Verwaltung nichts einzuwenden (vgl. 
zur Mehrwertsteuerverordnung: Entscheid der SRK vom 25. August 1998, 
a.a.O.,  E.  4c;  zum  Mehrwertsteuergesetz:  Entscheid  der  SRK  vom 
24. April  2003  i.S.  A.  [SRK  2003-022]  E.  2b;  Entscheid  der  SRK  vom 
19. Mai 2004, veröffentlicht  in VPB 68.131 E. 2b).  Zur Durchsetzung der 
Zahlungen  des  Mehrwertsteuerpflichtigen  muss  die  Verwaltung  über  ein 
Mittel verfügen, um den geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag festzusetzen, 
falls der Mehrwertsteuerpflichtige seiner Abrechnungspflicht nicht oder nur 
ungenügend  nachkommt.  In  diesem  Fall  ist  zur  Festsetzung  des 
Mehrwertsteuerbetrages  die  Schätzung  des  geschuldeten  Betrages 
unumgänglich. Die Methode der internen Schätzung ist zur Ermittlung des 
Mehrwertsteuerbetrages als sachgerecht,  angemessen, praktikabel  sowie 
als  mit  Art.  9  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) vereinbar anzusehen 
und deshalb vom Richter nicht zu beanstanden (vgl. Entscheide der SRK 
vom 27. August 1998 i.S. B. [SRK 1997-103] E. 2d/aa und vom 16. April 
1999 i.S.  C.  [SRK 1998-001]  E.  3b;  vgl.  auch VPB 63.27 E.  5).  Bei  der 
internen Schätzung handelt  es sich nicht  um eine definitive,  sondern um 
eine  provisorische  Schätzung.  Die  interne  Schätzung  kann  zu  einer 

8

definitiven werden, wenn ein diese Schätzung bestätigender Entscheid in 
Rechtskraft  erwächst,  und  die  ESTV in  der  Folge  auf  eine  Kontrolle  im 
Betrieb  bzw.  der  Geschäftsunterlagen  des  Mehrwertsteuerpflichtigen 
verzichtet.

2.5.2 Voraussetzung für die Anwendung des Verfahrens der internen Schätzung 
ist  jeweils  eine  Verletzung  des  Selbstveranlagungsprinzips  durch  den 
Mehrwertsteuerpflichtigen.  Ein  derartiger  Fall  liegt  insbesondere  immer 
dann vor,  wenn der Mehrwertsteuerpflichtige die Abrechnung innert  Frist 
nicht  einreicht.  Eine steuerpflichtige Person hat indes grundsätzlich zwei 
Möglichkeiten, um sich gegen eine Schätzung der ESTV zu wehren (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts vom 13. Oktober 1998, veröffentlicht in ASA 68 
S. 435 E. 3c/bb und 3d, 61 S. 532 E. 2b, 59 S. 562 E. 1; Entscheid der 
SRK  vom  24.  April  2003  i.S.  A.  [SRK  2002-034]  E.  2c):  Sie  reicht 
zusammen  mit  ihrer  Einsprache  bzw.  Beschwerde  eine  vollständig 
ausgefüllte  und  unterzeichnete  Abrechnung  ein,  welche  sich  auf  die 
Buchhaltung  ihres  Betriebes  abstützt.  Sämtliche  Positionen  müssen 
wahrheitsgemäss  ausgefüllt  sein,  so  dass  die  sich  ergebende 
Steuerzahllast begründet ist (vgl. den Entscheid der SRK vom 25. August 
1998,  a.a.O.,  E.  5c/bb).  Es  besteht  auch  die  Möglichkeit,  die  Höhe  der 
Schätzung zu bestreiten. 

2.5.3 Vom Wortlaut  des  Art.  60 MWSTG her  ist  dabei  nicht  eindeutig,  ob  die 
Verwaltung  bloss  den  Ausgangsumsatz  schätzen  soll,  oder  ob  sie  auch 
eine  Schätzung  der  Vorsteuern  vornehmen  muss.  Zu  beachten  gilt  es 
vorerst einmal, dass die Berechnung der Steuer auf dem Ausgangsumsatz 
von derjenigen der Vorsteuern auseinanderzuhalten ist. Ohne Bedeutung 
ist die Frage ausserdem bei jenen Mehrwertsteuerpflichtigen, welche nach 
Saldosteuersätzen  abrechnen,  denn  hier  hat  die  ESTV  den 
Ausgangsumsatz  zu  schätzen  und  die  Steuer  sodann  mittels  dem 
branchenkonformen  Saldosteuersatz,  der  die  Vorsteuer  pauschal 
berücksichtigt,  zu  berechnen.  Bezüglich  der  übrigen  Fälle  scheint  die 
Lehre eher zur Auffassung zu neigen, es sei bei fehlenden Belegen auch 
die Vorsteuer nach pflichtgemässem Ermessen zu schätzen. So erachten 
es  KUHN/SPINNLER (a.a.O.,  S.  117  f.)  als  gerechtfertigt,  in  Fällen  von 
Ermessenstaxationen  einen  angemessenen  geschätzten  Vorsteuerbetrag 
zum  Abzug  zuzulassen,  da  auch  beim  Fehlen  von  entsprechenden 
Rechnungen mit Gewissheit davon ausgegangen werden könne, dass der 
Mehrwertsteuerpflichtige  zumindest  in  einem  bestimmten  Umfang 
Leistungen  von  anderen  Mehrwertsteuerpflichtigen  bezogen  hat. 
CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER (a.a.O.,  S.  572  Rz.  1687)  schlagen  vor,  bei 
der  Ermittlung  des  Vorsteuerabzugs  solle  die  ESTV  auf  die  für  jede 
Branche ermittelten Pauschalsätze abstellen. Bühlmann (JÖRG R. BÜHLMANN, 
Das  Schweizer  Mehrwertsteuer-Handbuch,  Zürich  1994,  S.  225  f.) 
schliesslich  lässt  diese  Frage  offen,  weist  jedoch  darauf  hin,  dass  in 
Deutschland eine Schätzung nur dann als zulässig erachtet werde, wenn 
davon ausgegangen werden könne, dass vollständige Unterlagen für den 
Vorsteuerabzug vorhanden waren.

2.5.4 Die  vorgenannten  Autoren  -  soweit  sie  eine  Schätzung  der  Vorsteuer 

9

befürworten  -  übersehen,  dass  es  der  Verwaltung  bloss  obliegt,  den 
pflichtwidrig  nicht  oder  falsch  deklarierten  Umsatz  des 
Mehrwertsteuerpflichtigen zu ermitteln. Die Geltendmachung der eventuell 
angefallenen  Vorsteuern  ist  demgegenüber  ein  Recht  des 
Mehrwertsteuerpflichtigen,  ihm  ist  es  anheim  gestellt,  ob  er  davon 
Gebrauch machen will. Es ist nicht die Aufgabe der ESTV, ein Recht, das 
dem Mehrwertsteuerpflichtigen  zusteht,  für  diesen  auszuüben.  Sofern  er 
von  der  selbst  deklarierten  bzw.  der  von  der  ESTV  geschätzten 
Ausgangsumsatzsteuer  Vorsteuern  abziehen  will,  so  hat  er  dafür  den 
vollen  Nachweis  gemäss  Art.  38  Abs.  1  Bst.  a  i.V.m.  Art.  37  Abs.  1 
MWSTG zu erbringen. Ohne diesen Nachweis kann nicht mit genügender 
Wahrscheinlichkeit  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Lieferer  oder 
Dienstleistungserbringer,  von  dem  der  Mehrwertsteuerpflichtige  eine 
Lieferung  oder  Leistung  bezog,  selber  steuerpflichtig  war  und  den 
geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag auch tatsächlich abgeliefert  hat  oder 
noch abliefern wird.

Im Weiteren  bestünde  bei  der  Möglichkeit  einer  Vorsteuerschätzung  die 
Gefahr,  dass  ein  Mehrwertsteuerpflichtiger,  welcher  sich  von  einem 
Nichtsteuerpflichtigen  Lieferungen  und  Dienstleistungen  erbringen  lässt, 
ein Interesse daran hätte, die entsprechenden Fakturen verschwinden zu 
lassen,  um seine Vorsteuer  alsdann von der  ESTV schätzen zu lassen. 
Um  solchen  und  ähnlichen  Missbräuchen  vorbeugen  zu  können,  ist  es 
deshalb  unabdingbar,  dass  der  Anfall  von  Vorsteuern  immer 
nachgewiesen  werden  muss.  Da  es  sich  bei  den  Vorsteuern  um 
steuermindernde Tatsachen handelt, obliegt der formgerechte Beweis (vgl. 
Art. 38 Abs. 1 Bst. a i.V.m. mit Art. 37 Abs. 1 MWSTG) für deren Vorliegen 
dem Mehrwertsteuerpflichtigen (BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  416).  Zwar 
muss  die  ESTV  den  Grundsatz  der  Neutralität  der  Mehrwertsteuer 
respektieren.  Dies  kann  indes  nur  dann  gelten,  wenn  der 
Mehrwertsteuerpflichtige  seinen  aus  dem  Selbstveranlagungsprinzip 
fliessenden  Pflichten  nachkommt.  Es  bleibt  sodann  darauf  hinzuweisen, 
dass es dem Steuerpflichtigen unbenommen ist,  sogar noch im Rahmen 
einer  Beschwerde gegen eine Schätzung  mittels  Belegen  den  Nachweis 
für  angefallene  Vorsteuern  zu  erbringen.  Schliesslich  bleibt  anzufügen, 
dass die ESTV Vorsteuern,  für  welche ihr  die notwendigen Belege nach 
Art.  38  Abs.  1  Bst.  a  i.V.m.  Art.  37  Abs.  1  MWSTG  im  Zeitpunkt  der 
Schätzung  vorliegen,  auch  ohne  ausdrücklichen  Antrag  des 
Mehrwertsteuerpflichtigen  an  die  geschätzte  Ausgangsumsatzsteuer 
anrechnen sollte. Hingegen ist sie nicht verpflichtet, nach entsprechenden 
Vorsteuerbelegen zu suchen. Es obliegt dem Mehrwertsteuerpflichtigen, im 
Rahmen  seiner  Mitwirkungspflicht  die  entsprechenden  Dokumente  zur 
Verfügung zu stellen Entscheid der SRK vom 12. Mai 2005 i.S. H. [SRK 
2003-167]  E.  4b  bb;  Entscheid  der  SRK vom 10.  Oktober  2005  i.S.  H. 
[SRK 2003-186] E. 4f). Es besteht daher für das Bundesverwaltungsgericht 
kein Anlass, diese Rechtsprechung der SRK zu ändern.

2.5.5 Im  Beschwerdeverfahren  kann  der  Mehrwertsteuerpflichtige  die 
vorgenommene  Schätzung  der  Ausgangsumsatzsteuer  als  solche 

10

bestreiten  und  er  hat  die  Möglichkeit,  die  erforderlichen  Beweismittel 
einzureichen,  um  die  Unrichtigkeit  der  durch  die  Verwaltung 
vorgenommenen  Schätzung  nachzuweisen.  Sind  die  Voraussetzungen 
einer  Ermessenstaxation  erfüllt,  obliegt  es  ihm,  den  Beweis  für  die 
Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen (vgl. ASA 61 S. 819, 58 S. 384, 
50 S. 432 E. 1b; BGE 105 Ib 186; Entscheide der SRK vom 19. Februar 
1998  i.S.  S.  [SRK  1997-021]  E.  2b  und  vom  15.  Oktober  1999, 
veröffentlicht in VPB 64.47 E. 5b). Dabei ist eine ausführliche Begründung 
unter  Hinweis  auf  Beweismittel  erforderlich,  inwiefern  die 
Mehrwertsteuerforderung tiefer sein soll als von der ESTV geschätzt. Erst 
wenn der Mehrwertsteuerpflichtige den Nachweis dafür erbringt, dass der 
Vorinstanz bei der Schätzung grössere Ermessensfehler unterlaufen sind, 
setzt das Bundesverwaltungsgericht sein eigenes Ermessen an die Stelle 
jenes  der  Vorinstanz  (vgl.  Entscheide  der  SRK  vom  5.  Januar  2000, 
veröffentlicht  in  VPB 64.83  E.  2,  vom 25.  August  1998,  veröffentlicht  in 
VPB 63.27 E. 5c, vom 21. Juni 1999 i.S. S. [SRK 1998-138], E. 4C; vom 
24. Oktober 2005 i.S., veröffentlicht in VPB 70.41 E. 2d/bb).

3.

3.1 Im vorliegenden Fall bestreitet der Beschwerdeführer zu Recht nicht, dass 
die  Voraussetzungen zur  Abrechnung nach der  Saldosteuersatzmethode 
nach Art.  59 MWSTG ab dem 1.  Januar  2001 dahingefallen  sind,  da er 
vorwiegend  an  die  von  ihm  massgeblich  beherrschte  B._______  GmbH 
Leistungen erbracht  und diese Gesellschaft  nach der effektiven Methode 
abrechnet  hat  (vgl.  Spezialbroschüre  Nr.  03,  Saldosteuersätze,  vom Juli 
2000). Er hatte deshalb ab 1. Januar 2001 gegenüber der ESTV nach der 
effektiven Methode abzurechnen und insbesondere neben der Offenlegung 
seiner  Umsätze auch die Belege zur Berechnung des Vorsteuerabzuges 
vorzulegen.

3.2 Anlässlich der Kontrolle im November 2002 konnte der Beschwerdeführer 
weder für das Jahr 2001 noch für das 1. Halbjahr 2002 eine korrekte und 
vollständige,  den  Vorschriften  der  Mehrwertsteuergesetzgebung 
entsprechende, Buchhaltung vorlegen. Erst im Verlauf des Verfahrens hat 
er immer wieder weitere einzelne Unterlagen über seine erzielten Entgelte 
und Belege für den Vorsteuerabzug eingereicht (so am 27. Mai 2003 mit 
seiner  Einsprache an die ESTV,  am 27.  Juni  2003 auf  Aufforderung der 
ESTV und am 20. Januar 2006 mit  der Beschwerde an die SRK), wobei 
auch diesen Unterlagen nicht den Anforderungen entsprechen.  Zu Recht 
hat deshalb die ESTV den Umsatz für das Jahr 2001 und denjenigen für 
das 1. Halbjahr 2002 nach Art. 60 MWSTG geschätzt. Es bleibt zu prüfen, 
ob die Schätzung korrekt ist.

3.2.1 Für das Jahr 2001 bezeichnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde 
den  Umsatz  im  Betrag  von  Fr.  7'016.60  ohne  nähere  Begründung  als 
"überschätzt". Er verkennt jedoch dabei wie die ESTV zu Recht feststellt, 
dass  der  von  der  Verwaltung  festgelegte  Umsatz  von  Fr.  99'337.--  die 
Mehrwertsteuer einschliesst, während der Beschwerdeführer den in seiner 
Buchhaltung  ausgewiesenen  Umsatz  aus  Honorar  und 

11

Spesenentschädigung  auf  den  entsprechenden  Erlöskonten  ohne 
Mehrwertsteuer  verbucht  hat.  Der  vom  Beschwerdeführer  in  der 
Beschwerde  anerkannte  Umsatz  inklusive  Mehrwertsteuer  entspricht 
deshalb genau dem von der ESTV festgelegten Umsatz. Im Übrigen liegt 
der von der ESTV geschätzte Umsatz für das Jahr 2001 weit  unter dem 
Umsatz  von  Fr.  149'517.95,  den  der  Beschwerdeführer  mit  seinem 
"Jahresabschluss 2001" vom 4. März 2003 als Beweis eingelegt hat.

3.2.2 Für die behauptete "Überschätzung" des Umsatzes, den die ESTV für das 
erste  Halbjahr  2002  mit  Fr.  50'000.--  eingeschätzt  hat  und  den  der 
Beschwerdeführer  lediglich  mit  Fr.  11'498.95  anerkennt,  vermag  der 
Mehrwertsteuerpflichtige,  der  für  seine  Behauptung  mit  dem  Beweis 
belastet ist (vgl. ASA 58 S. 384 E. 3a, 61 S. 819 E. 3a, 68 S. 434 E. 3c/aa, 
68 661 E. 4; Entscheid der SRK vom 18. Juli 2003, veröffentlicht in VPB 
68.19  E.  4c/aa),  keine  genügenden  Beweise  zu  erbringen.  Sein  nur 
allgemein gehaltener Hinweis auf die wirtschaftliche Rezession durch den 
teilweisen Zusammenbruch der Schweizerischen IT-Branche genügt dafür 
nicht (vgl. ASA 46 S. 520 E. 4). Der Beschwerdeführer hätte sich mit den 
Elementen der Ermessensschätzung im Einzelnen befassen und aufzeigen 
müssen, dass und inwieweit die Schätzung nicht auf haltbaren Grundlagen 
beruht  (ASA 68  S.  667  f.  E.  8;  Entscheid  der  SRK vom  18.  Juli  2003, 
veröffentlicht in VPB 68.19 E. 4c/aa). Mit der bloss pauschalen Bestreitung 
des durch die ESTV geschätzten Umsatzes und dem allgemeinen Verweis 
auf  die  Verschlechterung  des  Geschäftsganges,  wie  es  der 
Beschwerdeführer tut, genügt er seiner Beweispflicht nicht. Auch durch die 
Einreichung  seiner  Spesenrückvergütungen  kann  der 
Mehrwertsteuerpflichtige nichts für sich ableiten. Zum ersten hätte er den 
Umsatzrückgang nachzuweisen und zweitens hat die ESTV überzeugend 
dargelegt,  dass  im  fraglichen  Zeitraum  die  vom  Beschwerdeführer 
behauptete  Zunahme  von  Akquisitionsspesen  zur  Ankurbelung  des 
Umsatzes nicht den Unterlagen entspricht, die er beigebracht hat. An dem 
durch  die  ESTV  festgelegten  Umsatz  für  das  erste  Halbjahr  2002  ist 
deshalb festzuhalten.

3.2.3 Für die Behauptung des Beschwerdeführers, der Vorsteuerabzug sei auch 
einer  Schätzung  durch  die  ESTV  zu  unterziehen,  wird  auf  die  bereits 
gemachten  Ausführungen  (siehe  E.  2.5  hiervor)  verwiesen.  Das 
diesbezügliche Begehren ist deshalb abzuweisen.

3.2.4 Gleiches  gilt  für  das  Begehren  des  Beschwerdeführers,  die 
Spesenrückvergütungen nicht in den Umsatz einzurechnen. Art. 33 Abs. 2 
MWSTG hält  ausdrücklich fest,  dass die Gegenleistung auch den Ersatz 
aller  Kosten  umfasse.  Dazu  gehört  alles,  was  der  Leistungsempfänger 
oder ein Dritter für ihn als Gegenleistung für die Leistung aufwendet.  Die 
Gegenleistung umfasst  auch den Ersatz  aller  Kosten,  selbst  wenn diese 
gesondert in Rechnung gestellt werden (Art. 33 Abs. 2 MWSTG). Nur jene 
Zuwendungen des Abnehmers gehören nicht zum steuerbaren Entgelt, die 
keinen  ursächlichen  Zusammenhang  mit  der  steuerbaren  Leistung 
aufweisen  und  ihren  Rechtsgrund  in  einem  selbständigen,  von  der 
Leistung  unabhängigen  Leistungsaustauschverhältnis  haben.  Im 

12

Kommentar  des  Eidgenössischen  Finanzdepartements  zur  Verordnung 
über  die  Mehrwertsteuer  vom  22.  Juni  1994  (Kommentar  EFD)  wird  zu 
dieser  Bestimmung  ausgeführt  was  folgt:  "Zur  Vermeidung  von 
Abgrenzungsschwierigkeiten und in Anlehnung an die bundesgerichtliche 
Rechtsprechung  zum  gleich  konzipierten  Entgeltsbegriff  im  Recht  der 
Warenumsatzsteuer  wird  ausdrücklich  statuiert,  dass  auch  der  dem 
Abnehmer überbundene Kostenersatz zum Entgelt gehört" (S. 29). Begriff 
und Umfang des Entgelts ist aus der Sicht des Abnehmers zu definieren 
(CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER,  a.a.O.,  S.  399  Rz.  1161). 
Berechnungsgrundlage  ist  letztlich,  was  der  Verbraucher  (Abnehmer) 
bereit  oder  verpflichtet  ist,  für  die erhaltene  Leistung aufzuwenden  bzw. 
um die Leistung zu erhalten (Entscheide der SRK vom 13. Februar 2001 in 
Sachen S. [SRK 2000-067] E. 4b und vom 31. März 2004, veröffentlicht in 
VPB 68.126 E. 3d).

3.2.5 Schliesslich ist noch das Begehren des Beschwerdeführers zu prüfen, den 
angefochtenen  Entscheid  hinsichtlich  der  Vorsteuerabrechnungen  zu 
überprüfen  und  zu  korrigieren.  Der  Mehrwertsteuerpflichtige  hat  im 
Rahmen  der  Mehrwertsteuerkontrolle,  des  Einsprache-  und  des 
Beschwerdeverfahrens  zahlreiche  Belege  zur  Geltendmachung  von 
Vorsteuern eingereicht. Die ESTV hat sämtliche eingereichten Belege der 
zu beurteilenden Periode 1. Januar bis 31. März 2001 und Juni 2002 auf 
ihre Vorsteuerabzugsfähigkeit  überprüft  und hat für die übrigen Perioden 
vom 1. April 2001 bis 31. Mai 2002 den Vorsteuerabzug auf dieser Basis 
übernommen.  Dabei  hat  sich  gezeigt,  dass  60.7%  der  vom 
Beschwerdeführer  verbuchten  Vorsteuern  anrechenbar  sind;  diese 
Vorsteuern  ergeben  Fr.  1'571.05  entsprechend  dem  von  der  ESTV 
anerkannten  Betrag.  Auch  gegen  dieses  Vorgehen  der  ESTV  ist  nichts 
einzuwenden.  Die  Verwaltung  ist  nicht  gehalten,  sämtliche  eingelegten 
Belege aller Perioden im Einzelnen zu prüfen. Solches würde schon dem 
Prinzip  der  Selbstveranlagung  widersprechen  (vgl.  oben  E.  2.2).  Der 
Beschwerdeführer  vermag  denn  auch  in  seiner  Beschwerde  nicht 
annähernd  mit  genügender  Begründung  und  Hinweis  auf  Beweise 
darzulegen,  inwiefern  die  Berechnung  des  Vorsteuerabzugs  durch  die 
Verwaltung nicht korrekt wäre. Der blosse Verweis auf eingereichte Belege 
kann  dazu  nicht  genügen.  Der  Beschwerdeführer  müsste  im  Einzelnen 
dartun,  dass  sowohl  die  Methode  der  ESTV  zur  Berechnung  des 
Vorsteuerabzugs  falsch  ist  wie  auch  den  Umfang  der  fehlerhaften 
Berechnung  aufzeigen.  Er  kommt  jedoch  seiner  Pflicht  zum  Beweis 
steuermindernder  Tatsachen  nicht  nach  (vgl.  E.  2.6.4  hiervor).  Die 
Beschwerde ist aus diesem Grund in diesem Punkt abzuweisen.

3.3 Die  Beschwerde  ist  daher  insgesamt  im  von  der  ESTV  beantragten 
Umfang  von  Fr.  1'571.05  teilweise  gutzuheissen,  sodass  der 
Beschwerdeführer  der  Verwaltung  noch  den  Betrag  von  Fr.  8'976.40 
(Fr. 10'547.45 ./. Fr. 1'571.05) nebst 5% Verzugszins seit 17. Januar 2002 
(mittlerer  Verfall)  zu  bezahlen  hat.  Im  Übrigen  ist  die  Beschwerde 
abzuweisen.

3.4 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG werden die Verfahrenskosten in der Regel 

13

der  unterliegenden  Partei  auferlegt;  unterliegt  diese  nur  teilweise,  so 
werden die Verfahrenskosten ermässigt. Einer obsiegenden Partei dürfen 
nur  Verfahrenskosten  auferlegt  werden,  die  sie  durch  Verletzung  von 
Verfahrensvorschriften verursacht  hat  (Art.  63 Abs.  3 VwVG).  Durch das 
ungenügende  Führen  seiner  Buchhaltung  hat  der  Beschwerdeführer  die 
ihm  obliegenden  Pflichten  nicht  erfüllt.  Der  Mehrwertsteuerpflichtige  hat 
erst  im  Verlauf  des  Verfahrens  sukzessive  immer  wieder  weitere 
Unterlagen  über  seine  erzielten  Entgelte  und  Belege  für  den 
Vorsteuerabzug  eingereicht;  diese  Unterlagen hätte  er  bereits  anlässlich 
der  Kontrolle  vorlegen  können.  Unter  den  gegebenen  Umständen 
rechtfertigt  es  sich  daher,  dem  Beschwerdeführer  die  gesamten  Kosten 
des  Beschwerdeverfahrens  vor  der  SRK  bzw.  dem 
Bundesverwaltungsgericht,  welche  gemäss  Art.  4  des  Reglements  vom 
11. Dezember  2006  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  auf  Fr.  1'000.-- 
festgesetzt  werden,  aufzuerlegen.  Die  Beschwerdeinstanz  hat  im 
Dispositiv  den Kostenvorschuss mit den Verfahrenskosten zu verrechnen 
und  einen  allfälligen  Überschuss  zurückzuerstatten.  Eine 
Parteientschädigung ist aus demselben Grund nicht zuzusprechen (Art. 64 
Abs. 1 VwVG).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die  Beschwerde  von  X._______  vom  20.  Januar  2006  gegen  den 
Einspracheentscheid  der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  vom 
7. Dezember  2005  wird  teilweise  gutgeheissen.  X._______  schuldet  der 
Eidgenössischen Steuerverwaltung für die Steuerperioden 1. Quartal 2001 
bis  2.  Quartal  2002  (Zeit  vom  1.  Januar  2001  bis  30.  Juni  2002) 
Fr. 8'976.40 zuzüglich 5% Verzugszins seit 17. Januar 2002.

2. Die  Verfahrenskosten  im  Betrage  von  Fr.  1'000.--  werden  X._______ 
auferlegt  und  mit  dem  von  ihm  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 1'000.-- verrechnet.

3. X._______ wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4. Dieses Urteil wird eröffnet:

- dem Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)

- der Vorinstanz (Gerichtsurkunde)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus Metz Johannes Schöpf

14

Rechtsmittelbelehrung

Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  können  innert  30  Tagen  seit  Eröffnung  beim 
Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne angefochten werden. Die Rechtsschrift ist 
in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Sie muss spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 
Post  oder  einer  schweizerischen  diplomatischen  oder  konsularischen  Vertretung 
übergeben werden (Art. 42, 48, 54, 83 Bst. l und m und Art. 100 des Bundesgesetzes 
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]).

Versand am: