# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5a8b34fc-93ed-5f88-b8a7-c48995638f25
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-30
**Language:** de
**Title:** Rentenrevision. Aufhebung der bisherigen ganzen Rente. Rein sitzende Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Aufgrund ADHS und depressiver Störung (leichtgradig) keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2014.00876
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00876.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00876
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Sozialversicherungsrichter Vogel
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
30. November 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Karl
Kümin
advokaturbüro
kernstrasse
Kernstrasse 10, Postfach 1149, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962
geborene
X.___
, welcher
über eine
Ausbildung als Reprofotograf
verfügt und
die Hotelfachschule
absolvierte,
hielt sich in den Jahren 2004 bis 2009 in
Y.___
auf, wo er am
28
. Juni 2009
einen Motorradunfall
mit offenen Frakturen am Fuss, am Elle
n
bogen und an der Hand
erlitt
.
Daraufhin kehrte er
in die Schweiz
zurück. A
m 20. April 2011
meldete er sich
unter Hinweis auf die Unfallfolgen
bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 8/3
; vgl. auch Urk. 8/7/
72-75
und Urk. 8/10
)
. Die
IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse
ab. Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/14-15)
verneinte sie mit Verfügung vom 12. Oktober 2011 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 8/19) und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom
28. Dez
ember 2011 eine ganze Rente der
Invalidenversicherung ab dem 1. Oktober 2011 zu (Urk. 8/18 und Urk. 8/20-23).
Am
16. August 2012 (Urk. 8/49-50) erteilte
sie
Kostengut
sprache für orthopädische Spezialschuhe
sowie
für eine Unterschenkel-Orthese und
am
27. September 2012 für Zehenorthesen (Urk. 8/51).
1.2
Im September 2012 eröffnete die IV-Stelle ein ordentliches
Rentenrevisionsver
fahren
(Urk. 8/52). Sie klärte
wiederum
die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und führte am 25. Juni 2013 mit dem Versicherten ein Standortgespräch
durch
(Urk. 8/64). Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2013 stellte
sie
dem Versicherten in Aussicht, die bisherige Invalidenrente aufzuheben (Urk. 8/68).
Nach erstreckter Frist erhob der Versicherte am 19. Februar 2014 dagegen Einwand (Urk. 8/86)
und legte diverse medizinische Unterlagen auf (
Urk.
8/83, 8/84, 8/89)
.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2014 hob die IV-Stelle
die bisherige ganze Invalidenrente auf den ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung auf (Urk. 2 [= Urk. 8/93]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 8. September 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihm die bisherige ganze Invalidenrente weiterhin auszurichten
; eventuell sei
bloss
eine Kürzung vorzunehmen. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung und zum Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
17. Oktober 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer am 20. Oktober
2014
angezeigt wurde (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle im Wesentlichen, gemäss dem Psychiater Dr.
Z.___
habe sich die Depression gebessert und es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
mehr
. Mit der Diagnose von
Re
stbeschwer
den
bei mehrfach voro
periertem Fuss nach Motorradunfall liege weiterhin ein die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden vor. Unfallbedingte Beschwerden und Funktionseinschränkungen nach mehreren Operationen des
linken Fusses mit
orthetischer
Versorgung seien gemäss Klinik
A.___
rückläu
fig.
Weiter bestehe für eine gehende/
stehende Tätigkeit weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall. Für eine sitzende Tätigkeit bestehe aller
dings eine Rest-Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der Gesundheitszustand habe sich somit gebessert. Bei einem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 14 %. Im Gespräch im Frühjahr 2013 habe der Beschwerdeführer noch keine Eingliederungsmassnahmen gewünscht. Sollte er Unterstützung bei der Stellensuche benötigen, kö
nne er dies schriftlich melden (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen im Wesentlichen vor, es bestehe eine ADHS-Erkrankung, welche bis in die Kindheit zurückreiche. Er habe sich auch bereits vor der
Rentenzusprache
in psychiatrischer Behandlung befunden (Urk. 1 S. 5).
Die von den orthopädischen Fachärzten attestierte Arbeitsfähigkeit, wel
che nicht bestritte
n
werde, dürfe nicht losgelöst von den psychischen Ein
schränkungen betrachtet werden. Mit der ADHS-Erkrankung sei eine rein sit
zende Tätigkeit nicht zumutbar. Der Arztbericht von Dr.
Z.___
vom 6. Juni 2013 sei inhaltlich nicht korrekt. Gemäss aktuellem Bericht von Dr.
B.___
bestehe neben dem ADHS auch eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig
leichtgradig
ausgeprägt. Er attestiere deshalb eine 50-60%ige Arbeits
unfähigkeit, auch in einer sitzenden Tätigkeit. Die Beschwerdegegnerin trage die Folgen der nicht bewiesenen Verbesserung des Gesundheitszustandes. Falls eine Verbesserung nicht bewiesen, sondern bloss wahrscheinlich sei, reiche dies nicht für eine Herabsetzung der Rente (Urk. 1 S. 5 f.).
Die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt (Urk. 1 S. 8).
Eine rein sit
zende Tätigkeit im Umfang von 40 % sei höchstens an einem geschützten Arbeitsplatz möglich. Das
Inv
alideneinkommen betrage damit etwa Fr. 6‘000.-- (Urk. 1 S. 6). Es sei ihm zudem nicht zumutbar, die verbleibende
Restarbeitsfä
higkeit
zu verwerten, da es ihm bereits früher nie gelungen sei, sich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Es rechtfertige sich darüber hinaus ein maximaler Leidensabzug von 2
5 % (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
vom 28. Dezember 2011
(Urk. 8/18
und Urk. 8/20-23) erfolgte
gestützt auf die
Beurteilung
von
Dr.
med. C.___
, Facharzt FMH für Chirurgie und Traumatologie des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), welcher
zu den Berichten der behandelnden Ärzte
am 31. August 2011 wie folgt Stellung nahm: M
it der Diagnose eines Status nach Motorrad-Unfall mit Polytrauma am 28. Juni 2009 mit persistierenden Infekten und
Pseudarthrosen
lieg
t
ein relevanter Gesundheitsschaden vor, der die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtig
t
. Die Arztberichte seien schlüssig und weitgehend deckungsgleich beziehungsweise sich ergänzend. Es könne auf diese Bezug genommen werden. Die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und in angepasster Tätig
keit betrage seit dem 28. Juni 2009 auf Dauer 0 %. Eine vorzeitige medizinische Überprüfung sei bei besserungsfähigem Gesundheitszustand in einem Jahr vor
zunehmen (Urk. 8/12/4).
3.2
3.2.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung lagen
im Wesentlichen
die folgen
den (Arzt-)Berichte vor:
3.2.2
Dr.
med. D.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte
in seinem Konsiliarbericht vom 30. Mai 2012 (Urk. 8/63/6-13; mitunter
zeichnet von
E.___
, Psychologin
lic
. phil. hum.) die Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (Mischtypus) sowie einer Stö
rung mit oppositionellem Trotzverhalten, teilremittiert,
auf
(Urk. 8/63/13). Angaben
über die Arbeitsfähigkeit machte
Dr.
D.___
nicht
.
3.2.3
Dr.
med. F.___
, Facharzt FMH für Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates und Oberarzt an der
A.___
, stellte in seinen
Bericht
en
vom 11. Juni 2012
(Urk. 8/37/1) sowie vom 6. Juli 2012 (Urk. 8/46/3)
die folgenden Diagnosen:
-
Status nach
Flexorentenotomie
, Hohmann-Prozedur II/III sowie
Kleinze
hen-Korrektur
V (innere Resektion P1, Release MP-V sowie dorsale Köpfchenresektion) links am 25.04.2012 mit/ bei
-
s
törender Krallenzehen-Deformität
Dig
. II, III und V mit aktuell reizlo
sem lokalen Hautbefund bei Drucküberlastung Fuss links bei
-
Status nach Wundinfekt und Exploration Zehenkuppe
Dig
. II
pedis
links im April 2011
-
Subtalare
Pseudarthrose
mit Rückfuss-
varus
sowie
Talusnekrose
links, aktuell kaum symptomatisch
-
Status nach mehrmaligem
Wunddebridement
und
Abszessausräu
mung
,
Vac
-Einlage Fuss links am 31.12.2009 bis 11.01.2010 bei abs
zedierendem Wundinfekt Fuss links bei
-
Status nach offener Achillessehnenverlängerung, komplettem
peritala
rem
Release, offener R
e
position
und
subtalarer
Distraktions
arthrodese
(2x6.5mm Titanschrauben;
Synthes
) mit Interposition eines autologen,
trikortikalen
Beckenkammspans und Interposition von
autologer
Beckenkammspongiosa
Rückfuss
links, sowie
Zehenkor
rektur
Dig
. V links am 11.12.2009
-
Status nach Zehenamputation
Dig
. IV bei Status nach Motorradunfall
Dr.
F.___
berichtete von einem regelrechten Verlauf sechs Wochen posto
perativ und einer problemlosen Drahtentfernung. Das Alignement der Zehen sei durchaus zufriedenstellend und die fixierte Krallenzehen-Deformität mit
Schmerzen über den Zehenkuppen sicherlich deutlich verbessert. Inwiefern sich das Nagelwachstum normalisiere, bleibe abzuwarten. Die Lymphdrainage sei aufgrund
residueller
Lymphödeme wiederaufzunehmen. Vorerst würden keine weiteren Nachkontrollen geplant. Für eine stehende/gehende Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, für eine sitzende Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/37/2
und Urk. 8/46/4
).
3.2.
4
Dr.
med. et
dipl.
psych. Z.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, stellte in seinem Bericht vom 6. Juni 2013 die Diagnose eines ADHS F90 seit Kindheit (Urk. 8/63/1). Er hielt zudem fest, aufgrund der ADHS-Symptomatik bestehe eine verminderte Konzentrationsfähigkeit, und die Auf
merksamkeit könne weniger fokussiert werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe allerdings keine
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/63/2 f.).
3.2.5
Dr.
med.
G.___
, Facharzt FMH für Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates und Oberarzt an der
A.___
, berichtete am 20. Dezember 2013
(wohl eher 23. Dezember 2013)
über die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers
vom 1
6.
bis 23. Dezember 2013
sowie die
am
16. Dezember 2013 durchgeführte
Amputation des
Dig
.
III am linken Fuss
nach einer
Osteo
myelitis
Dig
. III links bei chronischem Ulk
us
Dig
. III links (Urk. 8/83/1). Es liege ein komplikationsloser
peri
- und postoperativer Verlauf vor. Der Beschwerde
führer habe bei reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen werden können (Urk. 8/83/2).
3.2.6
Med.
pract
.
B.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 29. Januar 2014 zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
leichtgradig
ausgeprägt, auf dem Boden einer selbstunsicheren Per
sönlichkeitsakzentuierung und
einem ADHS im Erwachsenenalter (Urk. 8/84/1). Eine Arbeitsfähigkeit in rein sitzender Tätigkeit von über 40-50 % halte er zum aktuellen Zeitpunkt aus psychiatrischer Sicht als wenig realistisch (Urk. 8/84/2).
3.2.7
Dr.
G.___
hielt in seinem Bericht vom 11. März 2014 zuhanden des Rechtsvertre
ters des Beschwerdeführers fest, dessen Gesundheitszustand habe sich seit der
Rentenzusprache
und insbesondere nach der Operation vom 16. Dezember 2013 durch die Amputation der dritten Zehe klar gebessert, da die lokalen Verhält
nisse nun stabil sein dürften und der Fuss entsprechend wieder besser belastet werden könne.
Stehende Arbeiten oder Arbeiten, bei denen grössere Distanzen zu Fuss zurückgelegt werden müssten, seien nicht zumutbar. I
n einer
leidensan
gepassten
Tätigkeit
sei der Beschwerdeführer
grundsätzlich voll
arbeitsfähig
(Urk. 8/89).
4.
4.1
Es ist unbestritten und aufgrund der ärztlichen Berichte (vgl. E.
3.2.3
und E. 3.2.7) ausgewiesen, dass dem Beschwerdeführer aus
rein
somatischer Sicht
mittlerweile
eine
sitzende
Tätig
keit
zu 100 %
zumutbar ist und damit eine
Ver
besserung des Gesundheitszustandes
vorliegt
(E. 3.2.7
;
Urk. 1 S. 5
)
. Mit der
somatischen
Verbesserung
des
Gesundheitszustandes
ist
– entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
(Urk. 1 S. 6)
–
auch
ein Revisionsgrund
ausgewiesen.
Es
gilt
der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der ü
berwiegenden Wahrscheinlichkeit; ein strikter Beweises ist nicht zu führen.
4.2
4.2.1
Aus psychiatrischer Sicht
ist auf die
von den behandelnden Ärzten einhellig
gestellte
Diagnose eines ADHS im Erwachsenenalter
abzustellen, obwohl sich als unbefriedigend erweist
, dass
einerseits
Dr.
D.___
auf eine Wechsel
wirkung zwischen dem
–
zumindest
im Jahr 2012 noch
bestehenden
-
Kokain
konsum
(circa ein Gramm pro Woche, vgl. Urk. 8/63/9)
und dem
Befund bezie
hungsweise der Verhaltensbeobachtung (Urk. 8/63/10)
nicht eingegangen war
und andererseits weder Dr.
Z.___
(Urk. 8/63/1-4) noch
Dr.
B.___
(Urk. 8/84) erwähnten, ob
der Kokainkonsum mittlerweile sistiert wurde.
4.2.2
Dr.
Z.___
behandelte den Beschwerdeführer vom 3. Oktober 2011 bis am 6. Juni 2013, wobei eine delegierte Psychotherapie (ADHS-Coaching) sowie eine Pharmakotherapie durchgeführt wurden.
Dr.
Z.___
hielt fest, das psychiatri
sche Leiden sei behandelt worden, der Beschwerdeführer habe davon profitiert und die Prognose sei nicht schlecht.
Er empfahl
deshalb
die Weiterführung die
ser Therapiemethoden
und erachtete eine 100%ige Arbeitstätigkeit für zumut
bar.
Dabei berücksichtigte er, dass der Beschwerdeführer aufgrund der ADHS-Symptomatik über eine verminderte Konzentrationsfähigkeit verfüge und er seine Aufmerksamkeit weniger fokussieren könne (Urk. 8/63/1-3). Die Einschät
zung von
Dr.
Z.___
erschein
t schlüssig und nachvollziehbar, zumal
der Beschwerdeführer bereits gegenüber Dr.
D.___
berichtet hatte, mit Ritalin habe er sich besser konzentrieren können und mehr Energie gehabt. Die Einnahme dieses Medikamentes habe er
bloss
deshalb eingestellt, weil er davor gewarnt worden sei; auch sei es ihm
damals
nicht ärztlich verschrieben worden (Urk. 8/63/9). E
ine verminderte Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit
steht sodann
einer 100%igen Arbeitstätigkeit nicht grundsätzlich en
tgegen
.
S
ol
che Einschränkungen
sind allenfalls
in qualitativer Hinsicht (leidensbedingter Abzug) zu berücksichtigen
(vgl. E. 4.3.4)
.
4.2.3
Dr.
B.___
attestierte dem Beschwerdeführer in einer sitzenden Tätigkeit ledig
lich eine 40-50%ige Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung
der Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
leichtgradig
ausgeprägt, auf dem Boden einer selbstunsicheren Persönlichkeitsakzentuierung und einem ADHS im Erwachsenenalter (Urk. 8/84/1).
B
eim Vorlie
gen einer aktuell leicht
gradigen depressiven Störung
ist indes
nicht
von einer invalidi
sierenden Wir
kung auszugehen
. Leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten als behandelbar (Urteil des Bundesgerichtes 9C_454/2014 vom 29. Oktober 2013 E.
4.1 mit Hinweisen). Dass
das depressive
Leiden
des Beschwerdeführers
medikamentös behandelt wird
, lässt sich dem Bericht von
Dr.
B.___
nicht entnehmen. Er erwähnt lediglich das Medika
ment
Methylphenidat
(Urk. 8/84/2), welches zur Behandlung des ADHS einge
setzt wird. Angesichts der nicht ausgeschöpften medikamentösen
Behand
lungsmöglichkeiten
kann von einem Scheitern einer konsequent befolgten Depressionstherapie, wel
ches das Leiden als resistent ausweisen würde, vorlie
gend somit nicht die Rede sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen, 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Hinzu kommt, dass
ein Zusammenhang zwischen Kokainkonsum und
depressivem
Befund
(vgl. E. 4.2.1)
nicht thematisiert wurde. Die Schilderung des Beschwerdeführers gegenüber Dr.
D.___
, im Jahr 2000 sei er nach
H.___
gegangen, um Französisch zu lernen,
wobei es dort keine Drogen gegeben habe und er in dieser Zeit auch keine depressiven Phasen erlebt habe (Urk. 8/63/8),
lässt
einen solchen Zusammenhang immerhin vermuten.
Dr.
B.___
verknüpfte eine rein sitzende Tätigkeit mit hohen Anforderungen an D
aueraufmerksamkeit, innere Ruhe/
Impulskontrolle und Konzentration, wes
halb er eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ausschloss (Urk. 8/84/2). Eine sitzende Tätigkeit ist jedoch nicht zwingend mit
hohen
Anforderungen
an die erwähnten Fähigkeiten
verbunden, weshalb der von Dr.
B.___
hergestellte Konnex so nicht zutrifft.
Darüber hinaus ist bei einer sitzenden Tätigkeit nicht grundsätz
lich ausgeschlossen, dass sich der Beschw
erdeführer zwischendurch bewegt, wozu er letztlich noch immer in der Lage ist.
Dr.
G.___
hielt in seinem Bericht vom 11. März 2014 schliesslich fest, der linke Fuss sei wieder besser belastbar. Er schloss denn auch bloss stehende Arbeiten oder Arbeiten, bei denen der Beschwerdeführer grössere Distanzen zu Fuss zurücklegen müsse, aus (E. 3.2.7).
Aus dem
Umstand, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit keiner ge
regelten Arbeit nachging
,
lassen
sich sodann
keine S
chlüsse auf
seine
Arbeitsfähigkeit
ziehen
.
Dass er wiederholt den Sommer in
Y.___
verbrachte, erklärt seine temporären Arbeitseinsätze in der Schweiz (Urk. 8/63/8) hinrei
chend.
Dass
sich
der Beschwerdeführer
schliesslich
dafür entschied, ganz nach
Y.___
überzusiedeln,
wo er sich von 2004 bis 2009 aufhielt,
kann
ebenso wenig
mit
eine
r
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
erklärt werden
.
4.2.4
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige Arbeitstätigkeit zumutbar ist, welche keine
allzu
hohen Anforderungen an Konzentratio
n und Aufmerksamkeit
stellt
. Weitere Abklärungen in psychiatrischer oder somatischer Hinsicht sind
somit
nicht angezeigt.
4.3
4.3.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüberge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
4.3.2
Dass die Beschwerdegegnerin sowohl
für die Bemessung des
Valideneinkom
mens
als auch des Invalideneinkommens
auf
die Tabellenlöhne
der Schweizeri
sche
n
Lohnstrukturerhebung (LSE)
2010
abstellte
, ist nicht zu beanstanden.
4.3.3
Mit der Beschwerdegegnerin sind zur Ermittlung des
Valideneinkommens
die
statistischen Werte
der LSE
im Bereich Gastgewerbe, Niveau 3, her
anzuziehen.
Damit ist von einem monatlichen Einkommen von Fr. 4‘383.-- (LSE 2010, S. 27
, Tabelle TA1
,
Ziff.
55-56,
Anfor
derungsniveau
3
)
auszugehen. Unter Berücksich
tigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2014 von 42,4 Stunden pro Woche
(
vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebsübliche Arbeitsze
it nach
Wirt
schaftsabteilungen
, I 55-56
, Gastgewerbe
)
sowie der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2014
(Indexstand 2151 [2010] auf 2220 [2014],
vgl.
Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, T 39: Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpre
ise und der Reallöhne, 1976-2014, Männer
)
ergibt sich bei einem Arbeitspensum von 100 % ein
Valideneinkommen
von Fr.
57
‘
540.
-- (Fr. 4‘383.--
: 40 x 42,4 x 12 : 2151 x 2220).
4.3.4
Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers
sind ihm nicht nur Tätigkeiten in einem geschützten Rahmen zumutbar (vgl.
E.
4.2).
Vielmehr
ist
auch hier auf die statistischen Werte
der
LSE abzustellen
und
von einem monatlichen Ein
kommen
im Bereich Dienstleistungen, Niveau 4,
von Fr. 4‘
536.-- (LSE 2010, S. 27
, Tabelle TA1
,
Ziff.
45-96,
Sektor 3
Dienstleistungen
,
Anfor
derungsniveau
4
)
auszugehen. Unter Berücksichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2014 von 41,7 Stunden pro Woche
(
vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebs
übliche
Arbeitsze
it
nach Wirtschaftsabteilungen, G-S
)
sowie der
Nominallohn
entwicklung
bis ins Jahr 2014
(Indexstand 2151 [2010] auf 2220 [2014],
vgl.
Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, T 39: Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpre
ise und der Reallöhne, 1976-2014, Männer
)
ergibt sich bei einem Arbeitspensum von 100 % ein Jahreseinkommen von Fr.
58‘566
.
-- (Fr. 4‘536.-- : 40 x 41,7 x 12 : 2151
x 2220).
Die
Beschwerdegeg
nerin
berücksichtigte den Umstand, dass der Beschwerdeführer nur noch sit
zende Tätigkeiten ausüben kann, in grosszügiger Weise als lohnmindernden Faktor im Umfang von 15 %.
Wie bereits erwähnt
(E. 4.2.2-3)
, sind
darüber hin
aus auch
die Einschränkungen des Beschwerdeführers in der Konzentrationsfä
higkeit
und der Aufmerksamkeit
zu berücksichtigen. Allerdings resultiert selbst bei einem maximalen Leidensabzug von
25 % kein
rent
enbegründender
Invali
ditätsgrad
, was sich der nachfolgenden Ziffer entnehmen lässt.
Das
Invaliden
einkommen
betrüge
bei einem maximalen Leidensabzug
Fr.
43
‘
925.
-- (
Fr.
58‘566.-- x 75 %)
.
4.3.5
Die
aus dem Einkommensvergleich resultierende
Erwerbseinbusse beträgt
dem
nach maximal
Fr. 13‘615.-- (
Valideneinkommen
von
Fr.
57
‘
540.
--
abzüglich
Invalideneinkommen
von Fr. 43‘925.--
), was einem Invaliditätsgrad von 23,66 %, gerundet 24
%, ent
spricht.
Ein
Invaliditätsgrad von
weniger als
40 %
vermag keinen
Rentenanspruch
zu begründen
.
4.4
Die Rentenaufhebung erfolgte somit zu Recht, weshalb
die Beschwerde abzuwei
sen
ist
.
5.
5.1
Gestützt auf die einge
reichte
n
Belege
(Urk. 3) sind die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu bejahen.
Antrags
gemäss ist dem Beschwerdeführer
deshalb die unentgeltlich
e Prozessführung zu bewilli
gen und Rechtsanwalt Karl
Kümin
als unentgelt
licher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen.
5.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtkasse zu nehmen.
5.3
Rechtsanwalt Karl
Kümin
machte mit seiner
Honorarnote vom
23. November 2015
einen Aufwand von
6,5
Stunden und Barauslagen von Fr.
64.70 geltend (Urk. 10
), was angemessen erscheint. Er
ist deshalb mit Fr.
1‘473.
90
(= Honorar von Fr. 1‘300
.-- plus Barauslagen von Fr.
64.70
zuzüglich Mehrwertsteuer [
109.
20
]) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.4
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
(
GSVGer
) hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Entschädigung an
Rechtsanwalt Karl
Kümin
verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom 8. September 2014 wird dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung gewährt und es wird ihm in der Person von Rechtsan
walt Karl
Kümin
, Zürich, ein unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt,
und erkennt sodann:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Karl
Kümin
, Zürich,
wird mit
Fr.
1‘473.
90
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse ent
schädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Karl
Kümin
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstMuraro