# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4243afd3-abd5-55c0-afcd-603d232346d4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.01.2024 F-476/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-476-2024_2024-01-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-476/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  J a n u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Susanne Genner, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;   

Gerichtsschreiberin Selina Schmid. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Schmid,  

Beschwerdeführer,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 16. Januar 2024. 

 

 

 

F-476/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer ersuchte am (…) in der Schweiz um Asyl. Ein Ab-

gleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Datenbank ergab, dass er 

am (…) illegal in Italien in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist 

und dort daktyloskopisch erfasst worden war. 

B.  

Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 18. Oktober 2023 das 

rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der 

Möglichkeit der Überstellung nach Italien, dessen Zuständigkeit für die Be-

handlung des Asylgesuchs grundsätzlich in Frage komme. Der Beschwer-

deführer führte aus, er sei insgesamt einen Tag und eine Nacht in Italien 

gewesen. Italien sei nicht sein Zielland gewesen. Dort sei er nur angekom-

men, weil das Schiff nicht mehr weitergefahren sei. Die Fingerabdrücke 

seien ihm gegen seinen Willen abgenommen worden. Körperlich gehe es 

ihm gut. Psychisch und seelisch sei er am Anfang sehr müde gewesen, 

jetzt gehe es ihm besser. Er habe einen Onkel in der Schweiz. 

C.  

Die Vorinstanz ersuchte die italienischen Behörden am 15. November 2023 

um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

D.  

Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen unbeantwor-

tet. 

E.  

Mit Verfügung vom 16. Januar 2024 (eröffnet am 17. Januar 2024) trat die 

Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

seine Wegweisung nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte 

sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, einer 

allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende 

Wirkung zu. 

F-476/2024 

Seite 3 

F.  

Am 22. Januar 2024 (Poststempel) gelangte der Beschwerdeführer an das 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte, der Nichteintretensentscheid 

vom 16. Januar 2024 der Vorinstanz sei aufzuheben und es sei auf sein 

Gesuch um Asyl vom (…) einzutreten. Eventualiter sei die Sache an die 

Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Der Beschwerde sei die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen; eventualiter sei superprovisorisch von 

einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis über die aufschiebende Wir-

kung entschieden worden sei und über seinen Gesundheitszustand ein zur 

Abweisung günstiges richterliches Gutachten vorliege. Es sei ihm die un-

entgeltliche Prozessführung zu gewähren und in der Person des Unter-

zeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. 

G.  

Am 23. Januar 2024 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisori-

schen Vollzugsstopp an. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG (SR 142.31) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 

Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG] und Form [Art. 52 Abs. 1 VwVG]) sind offensichtlich 

erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb 

sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines 

zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

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Seite 4 

3.  

3.1 Der Beschwerdeführer moniert, die Vorinstanz wäre aufgrund seiner 

Aussagen bezüglich seines Gesundheitszustands gehalten gewesen, ein 

psychologisches Gutachten zu veranlassen. Ohne dieses Gutachten sei 

der rechtserhebliche Sachverhalt nicht vollständig und spruchreif. Eine so-

fortige Vollziehung der Wegweisung nach Italien würde daher aufgrund ei-

nes unvollständigen Sachverhalts erfolgen, was zumindest eine Aufschie-

bung der Wegweisung bis zum Vorliegen eines psychologischen Gutach-

tens erfordere. 

3.2 Im Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 ff. 

VwVG). Die Behörden sorgen – unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten 

der Parteien – für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts (BGE 140 I 285 E. 6.3.1). Die unrichtige oder unvoll-

ständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts kann nach 

Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unvollständig ist die Sachverhaltsfest-

stellung dann, wenn die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsma-

xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen rechtsgenüglich abgeklärt 

oder nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksich-

tigt hat (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 

2019, Art. 49 N. 29). Soweit der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer 

eine ungenügende Sachverhaltserstellung geltend macht, ist er auf seine 

Mitwirkungspflichten aufmerksam zu machen (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst. a 

VwVG).  

3.3 Der Beschwerdeführer führte am 18. Oktober 2023 im Rahmen des 

rechtlichen Gehörs in Bezug auf seine psychische Gesundheit an, psy-

chisch und seelisch am Anfang sehr müde gewesen zu sein; jetzt gehe es 

ihm besser. Weder reichte die damalige Rechtsvertretung medizinische 

Unterlagen zu seinem Gesundheitszustand ein, noch finden sich in den 

Akten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer diesbezüglich bei der 

Pflege vorstellig geworden wäre. Bei dieser Sachlage drängten sich wei-

tere psychologischen Untersuchungen durch die Vorinstanz nicht auf. Erst 

recht gab es keine Veranlassung, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag 

zu geben. Die Vorinstanz hat den Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt. 

  

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Seite 5 

3.4  

3.4.1 Auch zum jetzigen Zeitpunkt erweist sich der Sachverhalt als genü-

gend erstellt. Der Beschwerdeführer führt in der Beschwerdeschrift aus, 

dass er «psychisch müde» gewesen sei, könne auch mit einer «gedrückten 

Stimmung» und «fehlendem Antrieb» gleichgesetzt werden. Ein solches 

Empfinden stelle ein starkes Indiz für eine depressive Störung wie Depres-

sion, Manie oder affektive Störung dar. Weiter liege es aufgrund der trau-

matischen Erlebnisse im Irak und auf der Flucht in die Schweiz nahe, dass 

er unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte. Er habe 

sich im Zusammenhang mit seinen Angstzuständen an das B._______ in 

C._______ gewandt. Ein Bericht stehe noch aus. 

3.4.2 Zwar schildert der Beschwerdeführer, inwiefern die Aussage, «psy-

chisch müde» gewesen zu sein, in medizinischer Sicht auf depressive Stö-

rungen hindeuten könnte, und erwähnt die Möglichkeit, dass er unter einer 

posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte. Er unterlässt es je-

doch weiterhin, die konkreten psychischen Leiden näher zu schildern. Er 

führt insbesondere nicht aus, wie sich diese Leiden äussern und wie es 

ihm seit seiner Aussage am 18. Oktober 2023 – nunmehr vor über drei 

Monaten – gesundheitlich ergangen ist. Zwar führt er aus, sich in der Zwi-

schenzeit an das B._______ in C._______ gewandt zu haben. Diese Kon-

taktaufnahme wird jedoch weder genauer geschildert, noch belegt. Ebenso 

wenig wird über den aktuellen Abklärungsstand informiert. Angesichts der 

fehlenden Ausführungen in Bezug auf die psychische Gesundheit des Be-

schwerdeführers und aufgrund der bestehenden Mitwirkungspflicht des 

(anwaltlich vertretenen) Beschwerdeführers ist der (medizinische) Sach-

verhalt als erstellt zu erachten; auf die Einholung oder das Abwarten eines 

psychologischen Gutachtens ist in antizipierter Beweiswürdigung zu ver-

zichten. Der entsprechende Antrag zur Erstellung eines richterlichen Gut-

achtens ist abzuweisen.  

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

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Seite 6 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaats wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

4.3 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die 

Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat, 

ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung 

des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet 

gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-

tritts.  

4.4 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-

rodac»-Datenbank ergab, dass er am (…) in Italien aufgegriffen und glei-

chentags daktyloskopisch erfasst worden war. Das Asylgesuch in der 

Schweiz stellte er am (…) und damit weniger als zwölf Monate nach dem 

illegalen Grenzübertritt in Italien. Das Aufnahmeersuchen der Vorinstanz 

vom 15. November 2023 liessen die italienischen Behörden innert der Frist 

von Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO unbeantwortet. Damit anerkannten sie die 

Zuständigkeit Italiens gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO implizit 

(Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO), womit die grundsätzliche Zuständigkeit Itali-

ens gegeben ist. Die Einwände, welche der Beschwerdeführer auf Be-

schwerdeebene mit Blick auf das Nichtreagieren der italienischen Behör-

den erhoben hat, ändern daran nichts. Sodann ist dem Einwand des Be-

schwerdeführers, die Fingerabdrücke seien ihm gegen seinen Willen ab-

genommen worden, entgegenzuhalten, dass sich die Abnahme der Finger-

abdrücke von illegal einreisenden ausländischen Personen und Asylsu-

chenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 des Europä-

ischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 (Eurodac-Verord-

nung) stützt.  

5.  

5.1 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als 

zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-

bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grund-

rechtecharta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um fest-

zustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund 

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der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten 

Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so 

wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitglied-

staat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-

von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel-

len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz 

Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler Referenzurteile des BVGer D-

4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 

E. 9, E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). An dieser Rechtspre-

chung ist festzuhalten. Es steht dem Beschwerdeführer damit frei, in Italien 

um internationalen Schutz, mithin um Zugang sowie Integration ins italieni-

sche Asylsystem zu ersuchen (vgl. Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO). Konkrete 

Hinweise darauf, Italien werde sich entgegen seiner Verpflichtung in Art. 18 

Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO (i.V.m. Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO) weigern, 

den Beschwerdeführer aufzunehmen oder ihm dauerhaft die ihm zustehen-

den minimalen Lebensbedingungen vorenthalten, sind nicht ersichtlich. 

6.  

6.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Ent-

scheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht 

darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 

E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

6.2 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine zwangs-

weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur 

ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen (vgl. 

BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H. und Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 

vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, Nr. 41738/10, §§ 180–193., 

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Seite 8 

bestätigt durch Urteil des EGMR Savran gegen Dänemark vom 7. Dezem-

ber 2021, Grosse Kammer, Nr. 57467/15, §§ 121 ff.). 

6.3 Wie bereits dargelegt, unterlässt es der Beschwerdeführer vollständig, 

seine geltend gemachten psychischen Leiden näher zu schildern. Aus den 

Akten sowie den Ausführungen des Beschwerdeführers ergibt sich kein 

Hinweis auf eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK. Konkrete Anhalts-

punkte für die Annahme, dass die Gesundheit des Beschwerdeführers bei 

einer Überstellung nach Italien ernsthaft gefährdet würde, liegen nicht vor. 

Italien verfügt grundsätzlich über eine ausreichende medizinische Infra-

struktur, weshalb die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden – 

sofern überhaupt nötig – in Italien behandelt werden können (vgl. statt vie-

ler Urteile des BVGer E-2008/2023 vom 21. April 2023 E. 10.3.3;  

E-922/2023 vom 14. Februar 2023 E. 8.3; F-1584/2022 vom 12. April 2022 

E. 6). Hinweise darauf, dass dem Beschwerdeführer in Italien eine allen-

falls nötige, adäquate Behandlung verweigert würde, liegen nicht vor (vgl. 

Referenzurteil des BVGer D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10.4.3.3; Ur-

teil des BVGer D-2926/2021 vom 19. Juli 2021 E. 11).  

6.4 Es bestehen keine Hinweise darauf, dass die Vorinstanz ihr Ermessen 

überschritten hat, indem sie das Vorliegen humanitärer Gründe im Sinne 

von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 verneinte. Daran vermögen auch die – nach-

folgend – dargelegten Ausführungen des Beschwerdeführers betreffend 

des in der Schweiz lebenden Onkels nichts zu ändern.  

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er lebe nun seit mehreren Mo-

naten bei seinem Onkel. Dieser wolle ihm mit sämtlichen Belangen in der 

Schweiz helfen, ihn auch finanziell unterstützen. Dies helfe ihm bei der Be-

wältigung seiner psychischen Probleme und bei der Genesung sehr.   

7.2 Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO setzt voraus, dass zwischen dem Antrag-

steller und seinen Kindern, Geschwistern oder Elternteilen ein Abhängig-

keitsverhältnis wegen schwerer Krankheit, ernsthafter Behinderung oder 

hohen Alters besteht. Sofern sich der Beschwerdeführer implizit auf ein Ab-

hängigkeitsverhältnis zu seinem Onkel beruft, ist darauf hinzuweisen, dass 

dieses Verwandtschaftsverhältnis nicht von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO er-

fasst ist. Die weiteren Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO 

sind daher nicht zu prüfen. 

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Seite 9 

7.3 Aus dem Umstand, dass der volljährige Beschwerdeführer über einen 

Verwandten in der Schweiz verfügt, kann er nichts zu seinen Gunsten ab-

leiten, auch wenn verständlich ist, dass er aufgrund dieser Beziehung 

gerne in der Schweiz sein Asylverfahren durchlaufen möchte. Sein Onkel 

gilt nicht als Familienangehöriger im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III VO. 

8.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwer-

deführers nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach Italien angeord-

net. 

9.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-

den Urteil fällt der am 23. Januar 2024 angeordnete superprovisorische 

Vollzugsstopp dahin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wir-

kung ist gegenstandslos geworden. 

10.  

10.1 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen ist.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-

ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR173.320.2]). 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

(Dispositiv nachfolgende Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Versand des vorliegenden 

Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Selina Schmid 

 

 

 

Versand: