# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0d377e82-5761-5036-b33d-d3d500a1a9d0
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-10-26
**Language:** de
**Title:** Es kann auf die Beurteilung des RAD abgestellt werden. Selbst wenn auf die behandelnden Ärzte abzustellen wäre, ergäbe sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad.
**Docket/Reference:** IV.2019.00506
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00506.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00506
V. Kammer
Sozialversicherungsrichter Vogel, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Kuoni
Urteil
vom
26. Oktober 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
Advokatur
Glavas
AG
Markusstrasse 10, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1955 geborene
X.___
, gelernter Koch (Urk.
7/19) und seit Jahren als
Pächter eines Pubs selbständig
erwerbend,
meldete sich a
m 28.
Februar 2018 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf
einen
am 5. November 2017 erlittenen
cere
brovaskulären
Insult
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an (Urk.
7/7/1, Urk.
7/20
und Urk. 7/25
)
. Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerbliche sowie medi
zinische Abklärungen
und zog
die Akten des Krankentaggeldversicherers bei
(Urk. 7/31)
.
Mit Schreiben vom 16.
Juli 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk.
7/34).
Nach Erhalt der neusten Akten des Krankentaggeldversicherers, in welchen sich auch die Tagesrapporte zur im Juni/Juli 2018 durchgeführten Observation des Versi
cherten befanden (Urk. 7/36/13-16 und Urk. 7/18-21),
kündigte die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom 13. November 2018
an, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk.
7/43), wogegen der Versicherte mit Schreiben vom 27.
November 2018 Ein
wand erhob (Urk.
7/44). Mit Eingabe vom 15.
Februar 2019
begründete
der Ver
sicherte seinen Einwand (Urk.
7/55).
Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 5.
Juni 2019 ein
en Anspruch auf
eine Invalidenr
ente (Urk.
2 [
=
Urk.
7/
61]
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
5.
Juli 2019 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, es sei die angefochtene Ver
fügu
ng vom 5.
Juni 2019 aufzuheben und die vorliegende Streitsache sei zu wei
teren Abklärungen (insbesondere einer Begutachtung) an die IV-Stelle zurück
zu
weisen (Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
10.
September 2019
schloss die IV-Stelle auf Abweisun
g der Beschwerde (Urk.
6), was dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12.
Septem
ber 2019 mitgeteilt wurde (Urk.
8)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V
58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in de
r angefochtenen Verfügung (Urk.
2),
der B
eschwerde
führer sei seit dem 5.
November 2017 aufgrund der gesundheitlichen Situation nicht mehr in der Lage
gewesen
, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der Gesundheitszustand habe sich aber bereits im Frühling 2018 verbessert. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe nicht, da der Beschwerdeführer nur vorübergehend in seiner Erwerbstätigkeit eingeschränkt gewesen sei. Da er seit Juni 2018 wieder als Wirt arbeite, feh
le es an der Dauerhaftigkeit
der Einschrän
kung in der Arbeitsfähigkeit und somit sei kein Rentenanspruch begründet.
Im Zusammenhang mit dem Einwand w
u
rde festgehalten, dass es auf
grund des Arztberichtes von Dr.
Y.___
vom 15.
Februar 2019 keine neuen unberücksich
tigten medizinischen Fakten
gebe
, die eine Ergänzung der
Beurteilung
vom 13.
November 2018 erfordern würden. Da der Beschwerdeführer sein Leistungs
vermögen bereits demonstriert habe, ergebe sich auch keine Notwendigkeit hin
sicht
lich weiterer Abklärungen (Urk.
2).
2.2
Demgegenüber liess der B
eschwerdeführer vortragen (Urk.
1),
die IV-Stelle hätte ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag geben sollen. Indem sie dies unterlassen habe, habe sie den Untersuchungsgrundsatz gemäss
ATSG
verletzt. Der Beschwer
deführer habe am 5.
November 2017 einen Hirnschlag erlitten
und sein
Hausarzt habe ihm
am 17.
Mai 2018
eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
. D
er Krankentag
geldversicherer
habe
im Juni 2018
eine Observation veranlasst, anlässlich wel
cher
beobachtet
worden sei
, wie er in seinem Pub Menus
gekocht
, sich zwischen
durch aber immer wieder
habe hinsetzen müssen
und müde gewirkt habe. Die IV-Stelle habe nun, ohne weitere Abklärungen zu tätigen, den Anspruch des Beschwerdeführers auf ei
ne
Invalidenrente abgewiesen. Dr.
Y.___
habe am 21.
Januar 2019 neuropsychologische Tests durchgeführt. Dabei habe sich gezeigt, dass der Beschwerdeführer an einer mittelgradigen neuropsychologi
schen Störung leide und aus rein neuropsychologischer Sicht eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 50-70
% bestehe. Diese Arbeitsunfähigkeit habe sich auch im Rahmen der neur
ologischen Untersuchung vom 18.
Juni 2019 bestätigt.
Der RAD habe
in seiner Stellungnahme vom 28.
Mai 2019 behauptet, die Ergeb
nisse der neuropsychologischen Testung von Dr.
Y.___
seien nicht verwertbar. Da der Beschwerdeführer sein Leistungsvermögen gezeigt habe, seien weitere Abklärungen nicht notwendig.
Dabei habe der
RAD übersehen, dass der Beschwerdeführer bloss beobachtet worden sei, wie er über Mittag ausgeholfen habe
. Die kurze Zeit über Mittag könne nich
t mit einem 100 %-
Pensum
als Wirt verglichen werden. Der Beschwerdeführer sei weiterhin weder als Wirt noch in einer angepassten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig. Die IV-Stelle wäre gehalten gewesen, aufgrund der vorhandenen medizinischen Dokumentation weitere Abklärungen, insbesondere eine neurologische und eine neuropsycholo
gische Begutachtung
,
durchzuführen. Auch im Lichte der EMRK sei es erforder
lich, einen Anspruch einer gesundheitlich angeschlagenen Person nicht nur mit
tels Observation abzuklären, sondern vielmehr deren Ergebnisse in einer medizi
nischen Begutachtung zu berücksichtigen
(Urk.
1).
3.
3.1
Im Austrittsberich
t der Z.___
vom 30.
Dezember 2017
wurden folgende Diagnosen festgehalten
(Urk.
7/31/5)
:
-
St. n.
cerebrovaskulärem
Insult
Gyrus
frontalis
inferior und
medius
am 6.
November 2017
-
Verschluss A.
Subclavia
links
-
Diabetes mellitus Typ II (E
rstdiagnose
2014)
-
Arterielle Hypertonie
-
COPD GOLD Stadium I (E
rstdiagnose
2014)
-
Alkoholüberkonsum seit über 20 Jahren
-
Schwere Koronarsklerose
-
Ektasie der A.
ascendens
bis 45 mm, normal dimensionierte A.
descendens
-
St. n. Gichtanfall
Der behandelnde
Facha
rzt
für Neurologie
führte aus, dass bei Eintritt
in die Klinik
eine mittelgradige bis schwere ne
u
ropsychologische Störung bestanden habe. Anamnestisch und vom klinischen Eindruck
her
sei das Störungsbild durch ein vermindertes
Self
-Monitoring, eine deutlich verminderte mentale Belastbarkeit sowie ein rasch abnehmendes Konzentrationsvermögen nach kurzer mentaler Beanspruchung dominiert worden. Es bestehe aufgrund der kognitiven Ein
schränkungen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Prognostisch dürfe – erst zwei Monate nach dem Hirninfarkt – mit einem weiteren Störungsabbau gerechnet werden (Urk.
7/31/7)
.
3.2
Med. pract. A.___
,
Oberärzt
in
in
der
Abteilung für Neurologie am
B.___
, führte in ihrem Bericht vom 8.
Mai 2018
aus,
beim Beschwerdeführer
zeige sich
ein erfreulicher
Verlauf. Es ergebe sich kein Anhalt für
erneute
ischämieverdächtige
Ereignisse. Der Beschwerdeführer habe berichtet, in der Abteilung Neuropsychologie der
C.___
gewesen zu sein. Hier habe sich kein relevantes Defizit mehr gezeigt.
Auch die Fahreignung sei
wieder
gegeben
(Urk.
7/36/4).
3.3
Der Hausarzt Dr.
med. D.___
attestierte dem Besc
h
werdeführer
in seinem Bericht vom 17.
Mai 2018
für die angestammte Tätigkeit als Gastronom eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Es bestehe absolut keine Möglichkeit, durch Verla
gerung der beruflichen Tätigkeit eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erzie
len (Urk.
7/36/8).
3.4
Im Rahmen der durch die Krankentaggeldversicherung durchgeführten Observa
tionen wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum Juni/Juli 2018 in seinem Pub tätig war. Er wurde dabei mehrfach beobachtet, wie er für Gäste kochte, wie er Mahlzeiten servierte und wie er einkassierte (Urk. 7/36/13-21).
3.5
Im Bericht vom 21. Januar 2019, welchen die IV-Stelle im Rahmen des
Einwand
verfahrens
abwartete (Urk. 7/52), hielten
Dr.
med.
Y.___
, Verhaltensneu
rologin,
und MSc.
E.___
, Psychologin FSP/Neuropsychologin,
fest
(Urk.
7/53)
,
e
s lägen mnestische De
fizite im Sinne
einer fluktuierenden Lernkurve und einer verbalen Abrufschwäche sowie Einschränkungen in den
attentional
-exekutiven Funktionen sowie
eine
leichte Verlangsamung der Aufmerksamkeits
verschiebung nach links vor
. Sprachlich seien Wortfindungsschwierigkeiten und vereinzelt semantische und phonematische
Paraphasien
feststel
l
bar, zudem wür
den häufig Kraftausdrücke
(im Sinne einer leicht verminderten Impulskontrolle)
verwendet
(was gemäss Angaben des Beschwerdeführers
aber
vorbestehend sei)
. Im Verlaufe der Untersuchung hätten sich nach 1.5
Stunden
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfluktuationen, eine Distanzminderung und motorische Unruhe bei sichtbarer Ermüdung gezeigt. Die Befunde entsprächen einer Funktionsstö
rung rechtsbetonter
fronto
-temporaler Hirnareale und seien hinreichend durch residuelle Folge
n
der vaskulären Läsionen erklärbar. Die neuropsychologischen
Defizite
seien von der Ausprägung her einer mittelgradigen neuropsychologi
schen Störung zuzuordnen. Mehr als ein Jahr nach dem akuten Ereignis sei von keiner signifikanten Besserung/Erholung der neurokognitiven Befunde im Ver
lauf mehr auszugehen
. Es bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht um 50-70
%. Zusätzlich würde sich auch die verminderte Belastbarkeit leistungslimitierend auswirken (
Urk.
7/53).
3.6
Gestützt auf die medizinischen Unterlagen führte med.
pract. F.___
, Facharzt für Neurologie, vom regionalen är
ztlichen Dienst (RAD), in seinen
Stel
lungnahme
n
vom
24.
Oktober 2018 sowie
28.
Mai 2019 aus,
gemäss den Obser
vationsberichte
n
der Krankentaggeldversicherung bestünden keine Einschrän
kungen in Bezug
auf die
bisherige Tätigkeit
des Beschwerdeführers
als Wirt
(Urk.
7/42 und Urk.
7/60)
. A
uch der Bericht von Dr.
Y.___
(vgl. E.
3.
5
)
ändere nichts an den Fakten.
Med. pract.
F.___
stellte fest, dass die vom Krankentag
geldversicherer
getätigten
umfangreichen Abklärungen zur beruflichen Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht in die abschliessende Beurteilung von Dr.
Y.___
eingeflossen seien. Es hätten sich Inkonsistenzen ergeben, die durch das Krankheitsbild des Beschwerdeführers nicht zu erklären seien. Der Beschwer
deführer habe
ein Verhalten demonstriert, welches
mit den Befunden von Dr.
Y.___
nicht übereingestimmt habe. Der Beschwerdeführer habe ohne erkennbare Beeinträchtigungen in seinem Pub gearbeitet. Defizite in Bezug auf sein Leistungsvermögen seien nicht erkennbar gewesen. Vor dem Hintergrund dieser Unklarheiten hätte zwingend eine ergänzende testdiagnostische Beschwer
devalidierung im Rahmen der neuropsychologischen Diagnostik eingesetzt wer
den müssen, was nicht passiert sei. Dr.
Y.___
stelle keinen sinnvollen Zusam
menhang zwischen den erhobenen Befunden und den Auswirkungen auf das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in seiner Tätigkeit als Wirt her. Es würden konkrete Beispiele, wie sich die vermeintlichen Defizite auf den berufli
chen Alltag auswirken würden, fehlen. Die Beurteilung hinsichtlich der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers sei deshalb unzutreffend und nicht nachvoll
ziehbar. Da der Beschwerdeführer sein Leistungsvermögen demonstriert habe, ergebe sich keine Notwendigkeit weiterer Abklärungen. Kognitive Defizite seien nach einem
zerebrovaskulären
Infarkt durchaus möglich, im Fall des Beschwer
deführers seien sie aber nicht derart ausgeprägt, dass sich Einschränkungen auf seine Tätigkeit als Wirt ergeben würden (Urk.
7/60).
4
.
4.1
Als Grundlage für ihre Verfügung vom
5.
Juni 2019
(
Urk.
2) dienten der Beschwerdegegnerin gemäss den versicherungsinternen Feststellungsblättern vom 13.
November 2018 und 5.
Juni 2019 (Urk.
7/42, Urk.
7/60)
die aktenge
stützte
n
Stellungnahme
n
des RAD-Arztes
med. pract.
F.___
(E.
3.6).
Dies ist nicht
zu
beanstanden. Er hat schlüssig und einleuchtend dargelegt, warum keine
wesentlichen
Einschränkung
en
des Leistungsvermögens des Beschwerdeführers vorhanden
sind
,
insbesondere unter Berücksichtigung der Observationsberichte des Krankentaggeldversicherers
(Urk.
7/36/13-21)
.
Zwar bietet ein
Observationsbericht für sich allein keine sichere Basis für Sach
verhaltsfeststellungen betreffend den Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähig
keit der versicherten Person. Im Verbund mit einer – schlüssigen – fachärztlichen Stellungnahme ist er jedoch verwertbar und in eine gesamthafte Beweiswürdi
gung miteinzubeziehen (Urteil des Bundesgerichtes 9C_492/2012 vom 25. Sep
tember 2012 E.
4.2 und E.4.3).
4
.2
Dass es zu einer vorübergehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen ist, wird nicht in Frage gestellt. Allerdings wurde im
Austrittsbericht der
Z.___
ausgeführt, dass zwei Monate nach dem Hirninfarkt mit einem wei
teren Störungsabbau gerechnet werden könne (Urk.
7/31/
7). Des Weiter
e
n
wurde im
Bericht vom 8.
Mai 2018 ein erfreulicher Verlauf
beschrieben
(
Urk.
7/36/4).
Dies konnte
im Rahmen der Observation bestätigt
werden
, was der RAD-Arzt
med. pract.
F.___
zutreffend in seine Beurteilung einfliessen liess
(vgl. E. 3.6)
.
D
ie Ausführungen des behandelnden Hausarzt
es
Dr.
D.___
in seinem Bericht vom
17. Mai 2018
(vgl. vorstehend E.
3.2) ergeben nichts, was auf eine anderweitige Einschätzung der Lage hindeuten würde.
Schliesslich entbehrt das Ausmass der von Dr.
D.___
attestierten Arbeitsunfähigkeit jeglicher Begründung und damit Nachvollziehbarkeit. Vielmehr
hat das Gericht in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Hausärztinnen und Hausärzte der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitu
nter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Dasselbe ergibt sich in Bezug auf
die Einschät
z
ung
von Dr.
D.___
.
4.
3
Nach dem Gesagten
kann auf die Beurteilung des RAD-Arztes
med. pract.
F.___
abgestellt werden
. Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheits
schaden mit andauernder Arbeitsunfähigkeit ist nicht ausgewiesen.
4.4
Selbst
wenn ab
er auf die Einschätzung von Dr.
Y.___
abzustellen und von einer 50-70%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen wäre
(was im Bericht vom 18. Juni 2019 des
B.___
, welcher im Beschwer
deverfahren eingereicht wurde, wiederholt wurde [Urk. 3/7])
, ergäbe sich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, was nachfolgend zu zeigen ist. Damit erüb
rigen sich weitere medizinische
Abklärungen
,
und eine Verletzung des Untersu
chungsgrundsatzes durch die Beschwerdegegnerin ist zu verneinen.
5
.
5
.1
Bei der
Annahme
, der Beschwerdeführer wäre bloss noch im Umfang von 30 % für einfache Hilfsarbeiten arbeitsfähig
, wovon allerdings nicht auszugehen ist,
wäre e
in Einkommensvergleich
für November 2018
durch
zuführen, also nach Ablauf des Wartejahres (Art.
28 Abs.
1 lit.
b IVG
; Art.
29 Abs.
3 IVG
).
Der
Beschwerdeführer hat seine selbständige Erwerbstätigkeit gemäss Bericht von Dr.
Y.___
vom 21. Januar 2019 aufgegeben
und das Pub per Beginn des Jahres 2019 an einen neuen Pächter übergeben
(Urk. 3/6 S. 1 f.).
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5
.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
5
.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014, Rn 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.5
Der Beschwerdeführer war seit
1998 als Wir
t selbständig
erwerbs
tätig (Urk.
7/25)
. Es finden sich in den Akten keine Hinweise dafür, dass er sich mit seinem beschei
denen Einkommen nicht
zufrieden
gegeben
hätte
; dieses betrug seit 2008 jährlich weniger als Fr. 30'000.--
. Des Weiter
e
n
bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass er ohne die gesundheitliche Bee
inträchtigung seine langjährige
Se
lb
ständigkeit aufgegeben hätte, weshalb das Valideneinkommen
anhand des zuletzt in dieser Tätigkeit erzie
lten Einkommens zu bestimmen
ist
. Nach der Rechtspre
chung des Bundesgerichts ist bei Einkommensschwankungen auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abz
ustellen, wobei die aus
dem IK-Auszug
(Urk. 7/25)
ersichtlichen
Einkommen
heranzuziehen sind
. Bei einer Berücksichtigung
der
G
eschäftsjahre 2011 bis 2015
erge
be
n
sich
die folgen
den, an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2018 angepassten Einkom
menszahlen: Fr.
20'612.--
(
Fr. 19'800.--:
Indexstand
2171
[2011] auf
2260
[2018]), Fr.
19‘005
.
-- (
Fr. 18’400--:
Indexstand
2188
[2012
]
auf
2
260
[2018]), Fr.
16‘714.--
(Fr. 16‘300.--: Indexstand
2204
[2013
]
auf
2
260
[2018]), Fr.
28‘097.--
(Fr. 27‘600.--: Indexstand
2220
[2014
]
auf
2
260
[2018]) und Fr.
11‘270.--
(Fr. 11‘100.-
-: Indexstand
2226
[2015
]
auf
2
260
[2018]). Der daraus errechnete Durchschnittswert und damit das für das Jahr 2018
massgebende
Valideneinkommen beträgt Fr.
19‘140.--.
5.6
Dem Beschwerdeführer wäre es zumutbar gewesen, im Jahr 2018
eine
unselb
ständige Erwerbstätigkeit
aufzunehmen und
beispielsweise als Angestellter in einem anderen Pub oder in einer Bar
Hilfsarbeitertätigkeiten ausz
u
üben
. Es bestehen aufgrund der Observationsrapporte des Krankentaggeldversicherers keine Zweifel daran, dass
er
solche Hilfsarbeitertätigkeiten
noch auszuüben ver
mochte
(Urk. 7/13-16 und Urk. 7/18-21).
In Anbetracht der jahrelangen Erfah
rung als Wirt wäre ein
solcher beruflicher Wechsel
durchaus
möglich
gewesen
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen
auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Zur Ermittlung des Invalideneinkommens ist
daher auf das standardisierte monatliche Einkommen für männliche Arbeitskräfte
im Bereich
Gastgewer
be/Beherbergung u
nd
Gastronomie
(LSE 2016,
Ziff. 55-56
in der Tabelle TA1
, Männer
) im Kompetenzniveau
1
von
F
r.
3’935
.--
abzustellen
. Dieses monatliche Einkommen ist unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2018 von
4
2,3
Stunden
pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszei
t nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008]
, in Stunden pro Woche, 2004-2018
G
-S
, Ziff. 56, Gastronomie
) sowie der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2018 (Indexstand
2239
[2016]
auf
2260
[2018]
; vgl. Bundesamt für Sta
tistik, Schweizerischer Lohnindex, Landesindex der Konsumentenpreise, T39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne
,
2010-2018, Nominallöhne Männer) auf ein Jahreseinkommen hochzurechnen. Es resultiert somit ein Invalideneinkommen von
Fr.
15
’
121.
--
bei einem
3
0
%
-
Pen
sum (Fr.
3'935.--
x
12 :
40 x
4
2,3
: 2239 x 2260 x 0.
3
)
.
W
ird
das Valideneinkommen von
Fr. 19‘140.--
dem
so bemessenen
Invalidenein
kommen von
Fr.
15
’
121.
--
gegenübergestellt, resultiert
eine
Erwerbseinbusse
von Fr. 4'019.--
und somit ein Invaliditätsgrad von
gerundet 21
%.
Damit wird
k
ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 % erreicht.
5.7
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr
.
600.--
festzulegen und ausgangsgemäss vom
Beschwerdeführer
zu tragen
(Art. 69 Abs.
1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt. Rechnung und
Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
VogelKuoni