# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d793d9c-77bc-5b80-be5f-961b8fb9c2ad
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 17.01.2023 S 2022 41
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-41_2023-01-17.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 41

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Meisser und Pedretti

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 17. Januar 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend Schadenersatz nach AHVG

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I. Sachverhalt:

1. Die H._____ AG, mit Sitz in Z._____/GR, wurde am 13. Juli 2012 im Han-

delsregister des Kantons Graubünden eingetragen und am 25. Februar 

2021 im selbigen wieder gelöscht. Die Aktiengesellschaft war vom 1. Juli 

2012 bis 31. August 2020 der AHV-Ausgleichskasse des Kantons 

Graubünden (nachfolgend AHV-Ausgleichskasse) angeschlossen. 

A._____, wohnhaft in C._____, war vom 6. Oktober 2014 bis 17. Juli 2020 

einzige Geschäftsführerin und einziges Verwaltungsratsmitglied mit Ein-

zelunterschrift der H._____ AG.

2. Am 29. August 2018 ergingen Nachzahlungsverfügungen der AHV-Aus-

gleichskasse für Lohnbeiträge der drei Zahnärzte D._____, E._____ und 

F._____ für die Jahre 2014 bis 2016, inkl. entsprechende Verzugszinsver-

fügungen. Mit Einspracheentscheid vom 6. Februar 2019 wies die AHV-

Ausgleichskasse die dagegen erhobene Einsprache wegen mangelhafter 

Mitwirkung bei der Sachverhaltsermittlung ab, wogegen die H._____ AG 

am 7./11. März 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden (Beschwerdeverfahren S 19 24) erhob.

3. Mit Entscheid vom 26. August 2020 eröffnete das Regionalgericht 

G._____ den Konkurs über die H._____ AG, mit Konkursentscheid vom 

2. Oktober 2020 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt. 

Infolge Wegfalls des Rechtsschutzinteresses der damaligen, inzwischen 

gelöschten Beschwerdeführerin H._____ AG an der materiellen Beurtei-

lung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 6. Februar 2019 

schrieb das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden das Beschwer-

deverfahren S 19 24 mit Verfügung vom 2. Juni 2021 als erledigt ab.

4. Weil die offenen Forderungen der AHV-Ausgleichskasse gegenüber der 

Gesellschaft aufgrund des Konkurses nicht mehr beglichen werden konn-

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ten, erliess die AHV-Ausgleichskasse am 6. August 2021 gegenüber 

A._____ gestützt auf Art. 52 AHVG eine Schadenersatzverfügung in der 

Höhe von CHF 11'107.85 für entgangene Sozialversicherungsbeiträge der 

Jahre 2014 bis 2016 samt Verzugszinsen und Mahngebühren.

5. Am 13. August 2021 erhob A._____ gegen die Schadenersatzverfügung 

bei der AHV-Ausgleichskasse Einsprache mit dem Antrag um deren Auf-

hebung. Mit Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022 wies die AHV-Aus-

gleichskasse die Einsprache von A._____ mit der Begründung ab, dass 

der AHV-Ausgleichskasse aufgrund grobfahrlässiger Missachtung von 

Vorschriften durch die Nichtbezahlung von paritätischen Sozialversiche-

rungsbeiträgen ein Schaden von CHF 11'107.85 entstanden sei, den 

A._____ als verantwortliches Organ der Gesellschaft zu ersetzen habe.

6. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) mit Eingabe 

vom 11. Mai 2022 (Datum Poststempel der Schweizerischen Post) Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit den 

sinngemässen Anträgen um Aufhebung des angefochtenen Einspra-

cheentscheids und Feststellung, dass gegenüber der AHV-Ausgleichs-

kasse keine persönliche Haftung der Beschwerdeführerin bestehe. Die 

Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, die Forderungen der 

AHV-Ausgleichskasse gegenüber der H._____ AG seien nicht hinreichend 

begründet. Die Konsiliarzahnärzte seien über die Art der Abrechnung ihres 

Salärs informiert gewesen; diese hätten ihre Einnahmen selbständig ver-

steuert und versichert. Sämtliche Nachweise der Löhne seien den Unter-

lagen zur Einsicht der Kontrolle beim Treuhänder vorgelegen. Dies sei ihr 

so seitens des Treuhänders und auch der SVA geraten worden. Der Kon-

trollbehörde bzw. der SVA seien die Adressen der Zahnärzte bekannt ge-

wesen, es sei ihnen also auch möglich gewesen, an gegebener Stelle 

nachzufragen bzw. zu kontrollieren. Die Beschwerdeführerin bestritt, ab-

sichtlich oder grobfahrlässig gehandelt und durch Missachtung von Vor-

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schriften der SVA Schaden verursacht zu haben. Sie sei aus persönlichen, 

gesundheitlichen Gründen gezwungen gewesen, die Gesellschaft zu ver-

lassen. Da sich keine "vertretungsberechtigte" Person gefunden habe und 

sie sich in C._____ habe anmelden bzw. in der Schweiz abmelden müs-

sen, sei die H._____ AG per 1. Januar 2020 von der B._____ GmbH 

vollständig übernommen worden.

7. Mit Vernehmlassung vom 1. Juni 2022 beantragte die AHV-Ausgleichs-

kasse (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Beschwerdeabweisung, 

wobei sie zur Begründung grundsätzlich auf die Ausführungen im ange-

fochtenen Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022 verwies, an welchem sie 

vollumfänglich festhielt. Ergänzend führte sie aus, entgegen der Auffas-

sung der Beschwerdeführerin ergebe sich die Rechtmässigkeit der Nach-

zahlungsverfügungen vom 29. August 2018 und der Verzugszinsverfü-

gungen vom 29. August 2018 wie auch des (rechtskräftigen) Einspra-

cheentscheids vom 6. Februar 2019 deutlich aus den Akten. Die Be-

schwerdeführerin als verantwortliches Organ der H._____ AG sei zu Recht 

verpflichtet worden, den der Ausgleichskasse aufgrund der entgangenen 

Beiträge der Jahre 2014 bis 2016 entstandenen Schaden in der Höhe von 

CHF 11'107.85 zu ersetzen, müsse sich doch das ins Recht gefasste Or-

gan, welchem im Zeitpunkt der Lohnzahlungen Organstellung zukomme, 

die rechtmässigen Nachzahlungs- und Verzugszinsverfügungen vom 

29. August 2018 entgegenhalten lassen. Die Beschwerdegegnerin hielt 

ausserdem daran fest, dass es sich bei der B._____ GmbH nicht um die 

Rechtsnachfolgerin der H._____ AG handle.

Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und den ange-

fochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den nachste-

henden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

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1. Die zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen den in Anwendung von 

Art. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversiche-

rung (AHVG; SR 831.10) ergangenen Einspracheentscheid vom 2. Mai 

2022, mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache der Be-

schwerdeführerin vom 13. August 2021 abwies. Gegen solche sozialver-

sicherungsrechtlichen Entscheide kann Beschwerde beim kantonalen 

Versicherungsgericht erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 des Bundesgeset-

zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 

830.1] i.V.m. Art. 57 ATSG). Für die Beurteilung dieser Beschwerde ist in 

Abweichung zu Art. 58 Abs. 1 ATSG das kantonale Versicherungsgericht 

örtlich zuständig, in welchem die Arbeitgeberin ihren Wohnsitz hat bzw. 

bis zum Konkurs hatte (Art. 52 Abs. 5 AHVG; KIESER, in: STAUFFER/CARDI-

NAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 52 AHVG Rz. 143). Nachdem die Gesell-

schaft vor ihrer Löschung in Z._____ und damit im Kanton Graubünden 

domiziliert war (vgl. Akten der Beschwerdegegnerin betreffend die Be-

schwerdeführerin [Bg-act.–AA._____] 1), ist für die Beurteilung der vorlie-

genden Streitigkeit demnach das Versicherungsgericht des Kantons 

Graubünden, d.h. das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden zu-

ständig (Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-

pflege [VRG; BR 370.100]). Das angerufene Gericht ist für die Beurteilung 

der vorliegenden Beschwerde folglich örtlich und sachlich zuständig. Als 

formelle und materielle Adressatin ist die Beschwerdeführerin vom ange-

fochtenen Einspracheentscheid überdies unmittelbar berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung (Art. 59 

ATSG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

damit einzutreten (Art. 60 f. ATSG).

2. Vorliegend geht es um die Arbeitgeberhaftung gemäss Art. 52 AHVG, wel-

cher in der seit dem 1. Januar 2020 geltenden Fassung wie folgt lautet:

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1Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vor-

schriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen.
2Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär 

die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation 

befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwort-

lich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch.
3Der Schadenersatzanspruch verjährt nach den Bestimmungen des Obligationen-

rechts über die unerlaubten Handlungen.
4Die zuständige Ausgleichskasse macht den Schadenersatz durch Erlass einer Ver-

fügung geltend.
5In Abweichung von Artikel 58 Absatz 1 ATSG ist für die Beschwerde das Versiche-

rungsgericht des Kantons zuständig, in welchem der Arbeitgeber seinen Wohnsitz 

hat.
6Die Haftung nach Artikel 78 ATSG ist ausgeschlossen.

In materieller Hinsicht unbestritten ist die Organstellung der Beschwerde-

führerin als Geschäftsführerin und einziges Verwaltungsratsmitglied mit 

Einzelunterschrift der H._____ AG (nachfolgend H._____ AG) im fragli-

chen Zeitraum vom 6. Oktober 2014 bis zum 17. Juli 2020 (siehe Auszug 

aus dem Handelsregisteramt des Kantons Graubünden [Bg-act.–

AA._____ 1]). Bestritten werden hingegen explizit die Höhe des geltend 

gemachten Schadens und die Haftbarkeit bzw. das Verschulden der Be-

schwerdeführerin für den geltend gemachten Schaden von 

CHF 11'107.85.

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Die Arbeitgeber sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Ein-

kommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge 

in Abzug zu bringen, mit der Ausgleichskasse abzurechnen sowie die er-

forderlichen Angaben zu machen, und die Beiträge zusammen mit dem 

Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu entrichten (Art. 14 

Abs. 1 und Art. 51 AHVG; Art. 34, 35 und 36 der Verordnung über die Al-

ters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Missach-

tung von Pflichten als Arbeitgeber verletzt Vorschriften der Versicherung 

im Sinne von Art. 52 AHVG, der eine Verschuldenshaftung nach öffentli-

chem Recht vorsieht. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, 

müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein 

Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und schuldhaftes 

Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss 

zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen 

Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang erfüllt sein.

3.1. Vorab ist eine allfällige Verjährung der Schadenersatzforderung zu prüfen. 

Seit dem 1. Januar 2020 gilt eine drei- statt der zuvor zweijährigen relati-

ven Verjährungsfrist gemäss Art. 52 Abs. 3 AHVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 

des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zi-

vilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220]; siehe Bot-

schaft zur Änderung des Obligationenrechts [Verjährungsrecht] BBl 2014 

235, 275). Demnach verjährt die Schadenersatzforderung, wenn sie nicht 

innert drei Jahren seit Kenntnis des Schadens und der Person des Ersatz-

pflichtigen durch Erlass einer Schadenersatzverfügung geltend gemacht 

wird, auf jeden Fall aber mit Ablauf von zehn Jahren seit dem Tag, an dem 

das schädigende Verhalten erfolgte oder aufhörte (vgl. Art. 60 Abs. 1 OR; 

BBl 2014 235, 275). Massgebend für den Beginn dieser Frist ist der Zeit-

punkt, ab welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutba-

ren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Gegebenhei-

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ten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Scha-

denersatzpflicht begründen können (vgl. dazu BGE 128 V 10 E.5a m.H.; 

Urteil des Bundesgerichts 9C_275/2021 vom 23. Februar 2022 E.3.2). 

Grundlage für die Höhe des Schadens bildet die ausstehende Beitragsfor-

derung, womit die Schadenskenntnis erst angenommen werden kann, so-

bald die Ausgleichskasse in der Lage ist, die voraussichtliche Höhe des 

infolge der unbezahlt gebliebenen Beiträge zu erwartenden Verlusts ab-

zuschätzen (siehe Urteile des Bundesgerichts 9C_275/2021 vom 23. Fe-

bruar 2022 E.3.2.2, 9C_260/2021 vom 6. Dezember 2021 E.4.1.1 m.H.). 

Praxisgemäss kann die Schadenskenntnis üblicherweise angenommen 

werden mit der Zustellung des definitiven Pfändungsverlustscheins, der 

Auflage des Kollokationsplans sowie der Einstellung des Konkursverfah-

rens mangels Aktiven (siehe Urteile des Bundesgerichts 9C_275/2021 

vom 23. Februar 2022 E.3.2.2, 9C_260/2021 vom 6. Dezember 2021 

E.4.1.2 m.H.). Für den Beginn der absoluten Verjährungsfrist ist nicht mehr 

der Eintritt des Schadens massgeblich, sondern der Tag, an dem das 

schädigende Verhalten erfolgte oder aufhörte (vgl. Art. 60 Abs. 1 OR; BBl 

2014 235, 251).

3.2. Am 26. August 2020 eröffnete das Regionalgericht G._____ den Konkurs 

über die H._____ AG und mit Konkursentscheid vom 2. Oktober 2020 

wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt (vgl. Akten der 

Beschwerdegegnerin betreffend die H._____ AG [Bg-act.–H._____ AG] 

364 und 369). Der Beginn der (relativen) Verjährungsfrist, d.h. die Kennt-

nis des Schadens und der Ersatzpflichtigen, kann demnach mit der Ein-

stellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven am 2. Oktober 2020 ge-

sehen werden. In Anwendung des Verjährungsrechts, wie es zum Zeit-

punkt der Schadenersatzverfügung vom 6. August 2021 und auch des an-

gefochtenen Einspracheentscheids vom 2. Mai 2022 in Kraft stand, ist 

demnach bezüglich der ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge zu-

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züglich Verwaltungskosten für die Jahre 2014 bis 2016 die Verjährung 

nicht eingetreten.

4.1. Nachstehend sind die spezifischen Haftungsvoraussetzungen gemäss 

Art. 52 AHVG zu prüfen. Sie macht einen Schaden von CHF 11'107.85 

geltend für entgangene Sozialversicherungsbeiträge der Jahre 2014 bis 

2016 durch unvollständige Abrechnung der ausgerichteten Löhne an die 

Mitarbeitenden (u.a. an die Zahnärzte D._____, E._____ und F._____) 

samt Verzugszinsen und Mahngebühren (vgl. Einspracheentscheid vom 

2. Mai 2022 [Bg-act.–AA._____ 10 S. 5]; siehe dazu auch die Unterlagen 

der am 23. August 2018 durchgeführten Arbeitgeberkontrolle [Bg-act.–

H._____ AG 177 ff.], die Nachzahlungs- und Verzugszinsverfügungen 

vom 29. August 2018 [Bg-act.–H._____ AG 183–189], die Abrechnung 

vom 29. August 2018 [Bg-act.–H._____ AG 186] sowie der Einspracheent-

scheid vom 6. Februar 2019 [Bg-act.–H._____ AG 224]). Die Beschwer-

deführerin bestreitet hingegen die Höhe des geltend gemachten Schadens 

unter Hinweis auf die rechtmässige Abrechnung des Salärs durch die 

selbständigerwerbenden Konsiliarzahnärzte D._____, E._____ und 

F._____.

4.2.1. Der Schaden nach Art. 52 AHVG besteht darin, dass der AHV ein ihr ge-

setzlich geschuldeter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht 

dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (NUSSBAUMER, Die 

Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Art. 52 AHVG, 

ZAK 1991, S. 383 ff. und 433 ff.). Der Schaden gemäss Art. 52 AHVG um-

fasst in erster Linie die geschuldeten paritätischen AHV/IV/EO/ALV- und 

FAK-Beiträge sowie Verwaltungskosten. Hinzu kommen unbezahlt geblie-

bene Mahngebühren, Verzugszinsen und Betreibungskosten (REICHMUTH, 

Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, 

Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 329 ff.; FORSTER, in: STEIGER-SACKMANN/MO-

SIMANN [Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit, Basel 2014, Rz. 11.6; NEDI, 

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Die Haftung der GmbH als Arbeitgeberin nach Art. 52 AHVG und Art. 52 

BVG, S. 145). In zeitlicher Hinsicht ist die Haftung beschränkt. Der Bei-

tragsausstand, für den das Organ haftbar gemacht wird, muss im Zeit-

punkt seines effektiven Austritts aufgelaufen sein bzw. müssen die Bei-

tragsforderungen bis dahin fällig sein (siehe FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, 

AHVG-/IVG-Kommentar, Aufl. 2018, Art. 52 AHVG Rz. 7; KIESER, a.a.O., 

Art. 52 AHVG Rz. 17 ff. und 86 ff. zu). Der Schaden entsteht nicht schon 

mit der Fälligkeit der Beiträge, sondern erst in dem Zeitpunkt, in dem an-

zunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder 

tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben werden können, sei es durch 

Beitragsverwirkung, sei es durch Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin. 

Zahlungsunfähigkeit wird bejaht, wenn der Konkurs eröffnet oder ein defi-

nitiver Verlustschein ausgestellt wurde (siehe BGE 141 V 487 E.2.2, 

136 V 268 E.2.2 und 2.6, 129 V 193 E.2.2; KIESER, a.a.O., Art. 52 AHVG 

Rz. 18). Unbestritten und aus den Akten ersichtlich ist, dass die Beschwer-

degegnerin den Schaden durch die Zahlungsunfähigkeit der H._____ AG 

nicht mehr bei dieser einfordern konnte und deshalb den Schaden ge-

genüber der subsidiär haftenden Organperson geltend machte. Bestritten 

ist hingegen das Beitragsstatut der Zahnärzte D._____, E._____ und 

F._____ in den Jahren 2014 bis 2016 und damit die Höhe des eingefor-

derten Schadenersatzes.

4.2.2. Nach Art. 4 Abs. 1 AHVG schulden die erwerbstätigen Versicherten Bei-

träge auf dem aus einer unselbständigen oder selbständigen Erwerbstätig-

keit fliessenden Einkommen. Einkommen aus selbständiger Erwerbstätig-

keit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger 

Stellung geleistete Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG). Art. 17 AHVV 

zählt auf, welche in selbständiger Stellung erzielten Einkünfte als selbstän-

dige Einkommen gelten. Der H._____ AG wurde im damaligen Verwal-

tungsverfahren mangelhafte Mitwirkung durch Unterlassen der Einrei-

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chung von Nachweisen über die vorgegebene selbständige Erwerbstätig-

keit der Konsiliarzahnärzte D._____, E._____ und F._____ vorgeworfen 

(siehe dazu den Einspracheentscheid vom 6. Februar 2019 [Bg-act.–

H._____ AG 224]). Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob die Beschwer-

degegnerin zu Recht eine unselbständige Tätigkeit der Zahnärzte 

D._____, E._____ und F._____ in den Jahren 2014 bis 2016 für die 

H._____ AG und damit eine entsprechende Beitragspflicht der H._____ 

AG angenommen hat. Waren die genannten Zahnärzte hingegen in dieser 

Zeit selbständig erwerbend, so kann für die Beschwerdegegnerin durch 

das Verhalten der Beschwerdeführerin diesbezüglich von vornherein kein 

Schaden entstanden sein.

4.2.3. Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren und der Sozial-

versicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Da-

nach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht von Am-

tes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserhebli-

chen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die-

ser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, er wird ergänzt durch 

die Mitwirkungspflicht der Parteien. Diese umfasst insbesondere die Pflicht 

der Parteien, die durch die Art des Rechtsstreits und der geltend gemach-

ten Tatsachen gebotenen Beweise zu erbringen, soweit dies vernünftiger-

weise von ihnen verlangt werden kann (BGE 125 V 195 E.2, 122 V 158 

E.1a, je m.H.). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwer-

defall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen anneh-

men, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversiche-

rungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht et-

was Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten 

Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die 

Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie 

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von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste wür-

digen.

4.2.4. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Be-

weisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache der verfügenden 

Verwaltungsstelle oder des Sozialversicherungsgerichts ist, für die Zu-

sammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversiche-

rungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur 

insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten je-

ner Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt 

Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn 

es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes 

aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu-

mindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entspre-

chen (BGE 144 V 427 E.3.2 m.H.; Urteil des Bundesgerichts 8C_563/2020 

vom 7. Dezember 2020 E.2.3). In Nachachtung des Untersuchungsgrund-

satzes von Art. 43 und Art. 61 lit. c ATSG ist bei Erlass eines Entscheides 

der gesamte sich bis zum Entscheidzeitpunkt entwickelnde Sachverhalt zu 

berücksichtigen (BGE 142 V 337 E.3.2.2, 132 V 215 E.3.1.1; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_71/2017 vom 20. April 2017 E.8.2.1).

4.2.5. In ihrer Vernehmlassung vom 22. März 2019 im früheren Verfahren S 19 

24 hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass weder die Versicherten, d.h. 

die Zahnärzte D._____, E._____ und F._____, noch die Arbeitgeberin, 

d.h. die H._____ AG, mit Bescheinigung hätten nachweisen können, dass 

die genannten Zahnärzte als Selbständigerwerbende der Sozialversiche-

rung in der Schweiz oder dem Sozialversicherungssystem eines bestimm-

ten EU- oder EFTA-Mitgliedstaates unterlägen. Dementsprechend sei die 

AHV-Ausgleichskasse verpflichtet gewesen, die Einkommen, welche die 

Zahnärzte in den Jahren 2014 bis 2016 bei der H._____ AG erzielt hätten, 

aufgrund der anwendbaren Bestimmungen der AHV/IV/EO/(ALV) zu un-

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terstellen (vgl. Bg-act.–H._____ AG 257 S. 3). Demgegenüber hatte sich 

die H._____ AG in ihrer Einsprache vom 10. September 2018 auf den 

Standpunkt gestellt, dass die besagten Zahnärzte über eine eigene Pra-

xisbewilligung bzw. eigene Praxen in I._____ und J._____ verfügten und 

bei der H._____ AG als selbständige Zahnärzte konsiliarisch tätig gewe-

sen seien, so dass ihre Leistungen nicht über die H._____ AG hätten ab-

gerechnet werden müssen (vgl. Bg-act.–H._____ AG 194; siehe dazu 

auch Beschwerde vom 7. März 2019 an das Verwaltungsgericht im Ver-

fahren S 19 24 [Bg-act.–H._____ AG 253 S. 4]).

4.2.6. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat die Ausgleichskasse die 

Schadenersatzforderung soweit zu substanziieren, dass sie überprüft wer-

den kann. Dabei hat die Ausgleichskasse den eingeklagten Forderungs-

betrag zeitlich und masslich zu spezifizieren, d.h. gestützt auf eine Bei-

tragsübersicht darzulegen, wie sich der eingeklagte Betrag zusammen-

setzt. Andererseits hat sie den eingeklagten Forderungsbetrag oder Teile 

davon zu belegen, beispielsweise durch Einreichung von Lohnabrechnun-

gen, Nachzahlungs- oder Veranlagungsverfügungen die in der Beitrags-

übersicht enthaltenen Zahlungsvorgänge zu beweisen. Nach bundesge-

richtlicher Praxis bestehen höhere Anforderungen an die Substanziierung 

des Schadens, wenn dessen Umfang mit konkreten, nicht ohne weiteres 

widerlegbaren Einwendungen bestritten wird oder sich auf Grund der Ak-

ten greifbare Anhaltspunkte für Unrichtigkeiten ergeben (siehe dazu die 

Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 301/00 vom 13. Fe-

bruar 2002 E.2c zur Pflicht der Ausgleichskassen, die Schadenersatzfor-

derung zu substanziieren, und H 438/00 vom 13. Februar 2002 E.3c; vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 9C_901/2008 vom 8. Juli 2009 E.4.1; GRONER, 

Art. 52 – Praxis und Zweck der Arbeitgeberhaftung, in: SZW 2006, S. 85 

mit Hinweis auf die Urteile des Bundesgerichts H 34/04 vom 15. Septem-

ber 2004 E.5.2.1 und H 173/03 vom 4. Dezember 2003).

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4.2.7. Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Schadenersatzforderung 

vom 6. August 2021 (vgl. Bg-act.–AA._____ 5) insbesondere auf die 

Nachzahlungsverfügungen vom 29. August 2018 zu den Lohnbeiträgen 

für die Jahre 2014 bis 2016 und die diesbezüglichen Verzugszinsverfü-

gungen für die Jahre 2014 bis 2016 (vgl. Bg-act.–AA._____ 1 S. 3; Bg-

act.–H._____ AG 183–185, 186, 187–189) sowie auf den nachfolgenden 

Einspracheentscheid vom 6. Februar 2019 (vgl. Bg-act.–H._____ AG 

224). Die Nachzahlungsverfügungen wiederum gehen zurück auf die am 

23. August 2018 durchgeführte AHV-Arbeitgeberkontrolle betreffend die 

H._____ AG, bei der betreffend Lohnbeiträge für Fremdleistungen der 

Konsiliarzahnärzte D._____, E._____ und F._____ moniert wurde, hierfür 

keine Lohnbeiträge der Arbeitgeberin entrichtet zu haben (siehe Unterla-

gen zur Arbeitgeberkontrolle vom 23. August 2018 [Bg-act.–H._____ AG 

177 ff.]).

4.2.8. Gegen die Nachzahlungsverfügungen vom 29. August 2018 hatte die Be-

schwerdeführerin im Namen der H._____ AG am 10. September 2018 Ein-

sprache erhoben mit der Begründung, dass die Zahnärzte D._____, 

E._____ und F._____ alle über eine eigene Praxisbewilligung bzw. Praxen 

in I._____ und J._____ verfügten und bei der H._____ AG als selbständige 

Zahnärzte konsiliarisch tätig seien, so dass sie nicht über die genannte 

Gesellschaft hätten versichert sein müssen (vgl. Bg-act.–H._____ AG 

194). Folglich forderte die Beschwerdegegnerin die H._____ AG am 

13. September 2018 auf, Unterlagen in Bezug auf die Konsiliarzahnärzte 

E._____ (Entsendebescheinigung der Ausgleichskasse FL), D._____ 

(Entsendebescheinigung der Ausgleichskasse DE) und F._____ (Beschei-

nigung über selbständige Erwerbstätigkeit CH bzw. Nachweis, dass Gut-

schrift an K._____ GmbH erfolgte) einzureichen, aus denen hervorgehen 

sollte, dass die Konsiliarzahnärzte ihre Sozialversicherungsbeiträge sel-

ber oder in anderen Staaten entrichteten (vgl. Bg-act.–H._____ AG 193). 

- 15 -

Mit erneutem (nicht zugestelltem) Einschreiben vom 28. November 2018 

räumte die Beschwerdegegnerin der H._____ AG nochmals Frist zur Ein-

reichung der angeforderten Unterlagen ein (vgl. Bg-act.–H._____ AG 213, 

216, 218, 219). Trotz nachfolgender Zustellung der Aufforderung mit A-

Post erhielt die Beschwerdegegnerin bis Ende Januar 2019 keine weiteren 

Belege der H._____ AG (vgl. Bg-act.–H._____ AG 221). Mit Einspra-

cheentscheid vom 6. Februar 2019 wies die Beschwerdegegnerin die Ein-

sprache ab (vgl. Bg-act.–H._____ AG 224). Begründend führte sie an, 

dass anlässlich der Arbeitgeberkontrolle vom 23. August 2018 u.a. Lohn-

beiträge für Fremdleistungen von D._____ (CHF 9'500.--, 08.–10.2014), 

E._____ (CHF 5'000.--, 10.–12.2014; CHF 6'800.--, 01.–02.2015; 

CHF 6'200.--, 02.–10.2016) sowie F._____ (CHF 5'600.--, 07.–12.2015; 

CHF 18'700.--, 01.–11.2016) festgestellt worden seien. Da es die H._____ 

AG unterlassen habe, eine Bescheinigung der entsprechenden Aus-

gleichskasse über eine selbständige Erwerbstätigkeit als auch eine Ent-

sendebescheinigung einzureichen und damit keine Belege dazu vorgele-

gen hätten, bei welchem Sozialversicherungsträger die jeweiligen Begüns-

tigten angeschlossen waren bzw. welchem Beitragsstatut sie unterstan-

den, habe die Beschwerdegegnerin eine Versicherungspflicht in der 

Schweiz bzw. massgebenden Lohn festgestellt und mit Verfügungen vom 

29. August 2018 der Arbeitgeberin H._____ AG u.a. auf den obgenannten 

Honoraren der Konsiliarzahnärzte Lohnbeiträge sowie Verzugszinsen er-

hoben.

4.2.9. Mit E-Mail vom 5. März 2019 beantragte der Rechtsvertreter der H._____ 

AG die Wiedererwägung des am 6. Februar 2019 ergangenen Einspra-

cheentscheids, wobei er darauf hinwies, dass er über diverse Unterlagen 

verfüge, darunter das eingereichte E-Mail von Frau L._____ seitens der 

M._____ AG aus N._____, worin beispielsweise betreffend Dr. F._____ 

eine Abrechnungsnummer der SVA St. Gallen (Nr. AB._____) angegeben 

- 16 -

worden sei (vgl. Bg-act.–H._____ AG 240). Die Beschwerdegegnerin ver-

neinte mit E-Mail vom 6. März 2019 wiederum das Vorliegen der entspre-

chenden Nachweise betreffend Abrechnung der Konsiliarzahnärzte als 

Selbständigerwerbende (vgl. Bg-act.–H._____ AG 241). Mit Schreiben 

vom 7. März 2019 ersuchte der Rechtsvertreter der H._____ AG bei den 

jeweiligen AHV-Amtsstellen in St. Gallen und Vaduz um Bestätigung, dass 

die Konsiliarärzte die bei der H._____ AG erbrachten Leistungen bei deren 

Kassen abgerechnet hätten (vgl. Bg-act.–H._____ AG 243 ff.).

4.2.10. Mit Eingabe vom 7. bzw. 11. März 2019 erhob die H._____ AG beim Ver-

waltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde gegen den Ein-

spracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 6. Februar 2019 (Verfah-

ren S 19 24) wobei sie die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 

6. Februar 2019 und die Feststellung, dass die Fremdleistungen der 

Zahnärzte D._____, E._____ und F._____ als Selbständigerwerbende kei-

ner Versicherungspflicht zu Lasten der Beschwerdeführerin unterstellt 

seien, beantragte (vgl. Bg-act.–H._____ AG 253 S. 9). Die H._____ AG 

machte geltend, dass sie der Beschwerdegegnerin sehr wohl sämtliche 

Unterlagen, welche für sie hätten erhältlich gemacht werden können, ein-

gereicht habe, insbesondere die Bescheinigungen wie auch die entspre-

chenden Abrechnungsnummern. Die H._____ AG sei davon ausgegan-

gen, die Beschwerdegegnerin hole gestützt auf diese Angaben bei den 

anderen Kassen die gewünschten Informationen ein, was für sie selbst als 

"Privatperson" nicht möglich respektive einholbar erschien. Da dies au-

genscheinlich nicht der Fall (gewesen) sei, seien durch den Rechtsvertre-

ter der H._____ AG am 7. März 2019 bei den anderen Kassen entspre-

chende Gesuche gestellt worden (vgl. Bg-act.–H._____ AG 253 S. 4 und 

11). Mit Schreiben vom 12. März 2019 teilte die SVA St. Gallen dem 

Rechtsvertreter der H._____ AG auf dessen Anfrage betreffend D._____ 

mit, dass eine entsprechende Vollmacht einzureichen sei und die AHV-

- 17 -

Nummer 

oder das Geburtsdatum des Zahnarztes anzugeben sei (Bg-act.–H._____ 

AG 345 S. 8). Mit Schreiben vom 15. März 2019 bestätigte die Liechten-

steinische Alters- und Hinterlassenenversicherung, Invalidenversiche-

rung, Familienausgleichskasse (Liechtensteinische AHV-IV-FAK), dass 

E._____ in Liechtenstein als Selbständigerwerbender erfasst sei und die 

Beitragserhebung aufgrund der rechtskräftigen Steuererklärung und deren 

darin deklarierten Angaben erfolgten (vgl. Bg-act.–H._____ AG 345 S. 7). 

Gemäss Auskunft der SVA St. Gallen vom 18. März 2019 gegenüber der 

Beschwerdegegnerin war F._____ nie als Selbständigerwerbender, und 

die GmbH ab August 2010 normal erfasst worden (Bg-act.–H._____ AG 

254; siehe dazu auch die Webseite der K._____ GmbH, abrufbar unter: 

O._____, letztmals besucht am 17. Januar 2023). Am 12. April 2019 be-

scheinigte E._____, konsiliarisch in der H._____ AG tätig zu sein und alle 

Sozialversicherungsabgaben über seine Firma in Liechtenstein abzurech-

nen. Er verwies zudem darauf, dass er als Schweizer Staatsbürger über 

eine Praxisbewilligung im Kanton Graubünden verfüge und deshalb ein 

Entsendungsauftrag nicht notwendig und vorgesehen sei (vgl. Bg-act. 

H._____ AG 345 S. 6 und 263; siehe dazu auch die Auflistung der 

Zahnärzte des Amtes für Gesundheit, Fürstentum Liechtenstein, von Ok-

tober 2016, abrufbar unter: AC._____; letztmals besucht am 17. Januar 

2023). Am 11. Dezember 2019 teilte der Rechtsvertreter der H._____ AG 

der Beschwerdegegnerin mit, dass keine neuen und zusätzlichen Unterla-

gen betreffend die (allfällige) Abrechnungsverpflichtung der H._____ AG 

für die aufgelisteten Zahnärzte P._____, Q._____ und R._____ beizubrin-

gen seien. Er verwies darauf, der Beschwerdegegnerin sämtliche Be-

weise, wonach diese Zahnärzte selbständig abgerechnet hätten, und alle 

vorhandenen Informationen wie Abrechnungsnummern oder zuständige 

Ausgleichskassen und dergleichen bereits wiederholt zugestellt zu haben. 

- 18 -

Das zusätzlich Gewünschte könne nicht vorgelegt werden; dazu fehlten 

schlicht die Möglichkeiten (Bg-act. H._____ AG 320).

4.2.11. Bereits im verwaltungsgerichtlichen Verfahren S 19 24 stand die Recht-

mässigkeit der Nachzahlungsforderung im Raum, wie sie mit AHV-Nach-

zahlungsverfügungen vom 29. August 2018 und angefochtenem Einspra-

cheentscheid vom 6. Februar 2019 gegenüber der H._____ AG geltend 

gemacht wurde. Indessen erging im genannten Verfahren mit der Ab-

schreibung der Beschwerde kein materieller Entscheid, und damit erfolgte 

auch keine Überprüfung der Nachzahlungsforderung (VGU S 19 24 vom 

2. Juni 2021 E.5.4). Eine Überprüfung der verfügungs- und klageweise 

geltend gemachten Forderung in umfangmässiger Hinsicht findet nicht 

mehr statt, soweit diese auf einer Nachzahlungsverfügung beruht, die un-

angefochten geblieben und damit in Rechtskraft erwachsen ist (siehe GRO-

NER, a.a.O., S. 85 m.H.a. die Urteile des Bundesgerichts H253/02 vom 

23. Januar 2003 E.5.1 und 2P.284/1998 vom 21. Februar 2001). Eine Aus-

nahme besteht bei zweifellos falsch festgesetzten Beiträgen (vgl. BGE 134 

V 401 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_223/2019 vom 23. Mai 2019 

E.5). Durch die Möglichkeit, gegen die Verfügung Einsprache zu erheben 

und Beschwerde zu führen, wird genügend Gewähr dafür geboten, dass 

die Organe des zahlungsunfähig gewordenen Arbeitgebers nicht mit un-

gerechtfertigten Schadenersatzforderungen konfrontiert werden (vgl. dazu 

KIESER, a.a.O., Art. 52 Rz. 21 f. und 147 ff. m.H.). Vorbehalten bleiben 

aber Fälle, in denen sich aus den Akten Anhaltspunkte für eine zweifellose 

Unrichtigkeit der durch die Verfügung festgesetzten Beiträge ergeben. Hat 

bereits ein Gericht die Richtigkeit der Verfügung festgestellt, ist eine Über-

prüfung einzig unter den Voraussetzungen der gerichtlichen Revision 

zulässig (REICHMUTH, a.a.O., Rz. 1088 m.H.). Die Beschwerdegegnerin 

leitet die Schadenersatzforderung, welche Gegenstand des vorliegenden 

Verfahrens S 22 41 bildet, u.a. aus dem ihrer Ansicht nach inzwischen 

- 19 -

rechtskräftigen Einspracheentscheid vom 6. Februar 2019 ab (vgl. Bg-

act.–H._____ AG 224). Vorliegend hat das Verwaltungsgericht mit Prozes-

sentscheid vom 2. Juni 2021 das diesbezügliche Verfahren S 19 24 we-

gen Wegfalls des Rechtsschutzinteresses infolge der in der Zwischenzeit 

gelöschten (Beschwerdeführerin) H._____ AG abgeschrieben und liess in 

Erwägung 5.4 offen, ob die Beschwerde materiell gutzuheissen wäre, wo-

bei es gegebenenfalls der Abklärungen und Entscheide gegenüber den 

verantwortlichen Organen bedürfe. Letzteres war indes nicht Gegenstand 

jenes Beschwerdeverfahrens S 19 24.

4.2.12. Der Ansicht der Beschwerdegegnerin, dass der von ihr geltend gemachte 

Schadenersatzbetrag von CHF 11'107.85 durch ihre Vorbringen und die 

Akten substanziiert und belegt sei, kann das Gericht nicht folgen. So ist 

aufgrund der dem Gericht vorliegenden Akten bis heute nicht ausreichend 

dargelegt bzw. kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit daraus 

geschlossen werden, dass die Leistungen der Zahnärzte D._____, 

E._____ und F._____ bei der H._____ AG in den Jahren 2014 bis 2016 

aufgrund unselbständiger Tätigkeit für die H._____ AG erbracht oder ob 

sie doch vielmehr, wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht, in 

selbständiger Erwerbstätigkeit erbracht wurden. So geht aus dem Melde-

formular für im Ausland ausgeübte Erwerbstätigkeiten hervor, dass 

D._____ im Jahr 2014 als Grenzgänger in einem Pensum von 40 % für die 

H._____ AG tätig war und gleichzeitig eine selbständige als auch eine un-

selbständige Tätigkeit in mehreren Staaten ausübte bzw. in C._____ über 

eine eigene Praxis verfügte; ein Antrag auf Versicherungsunterstellung in 

der Schweiz wurde nicht gestellt (Bg-act.–H._____ AG 43). Auch führt das 

Schreiben der SVA St. Gallen vom 12. März 2019 an den Rechtsvertreter 

der H._____ AG, wonach eine entsprechende Vollmacht einzureichen und 

die AHV-Nummer oder das Geburtsdatum des Zahnarztes anzugeben sei, 

um weitere Auskünfte zu erhalten, nicht weiter (Bg-act.–H._____ AG 345 

- 20 -

S. 8). Aus den Akten ergibt sich zudem, dass D._____ im Zeitpunkt seiner 

Mitwirkung bei der H._____ AG eine eigene Praxis in I._____ führte (vgl. 

E-Mail des Rechtsvertreters der H._____ AG vom 18. März 2019 [Bg-act.–

H._____ AG 255]). Aus den vorliegenden Unterlagen lässt sich auch be-

treffend die Tätigkeit von E._____ in den Jahren 2014 bis 2016 nicht mehr 

herauslesen. Der Bescheid der Liechtensteinischen AHV-IV-FAK vom 

März 2019, wonach E._____ in Liechtenstein als Selbständigerwerbender 

erfasst sei, erhellt auch nicht, was dessen konkrete Tätigkeit für die 

H._____ AG anbelangt (vgl. Bg-act.–H._____ AG 345 S. 7). Zudem be-

scheinigte E._____ am 12. April 2019, alle Sozialversicherungsabgaben 

über seine Firma in Liechtenstein abgerechnet zu haben; wobei er die Not-

wendigkeit eines Entsendeauftrags aufgrund seiner Schweizer Staatsbür-

gerschaft und seiner Praxisbewilligung im Kanton Graubünden verneinte 

(Bg-act.–H._____ AG 263). Aus der Auflistung des Amtes für Gesundheit 

des Fürstentums Liechtenstein von Oktober 2016 geht denn auch hervor, 

dass E._____ in dieser Zeit in J._____ / FL als Zahnarzt tätig war. Betref-

fend F._____ findet sich in den Akten zudem lediglich der Hinweis auf die 

E-Mail der M._____ AG mit der Abrechnungsnummer der SVA St. Gallen 

betreffend die K._____ GmbH (vgl. E-Mail des Rechtsvertreters der 

H._____ AG vom 5. März 2019 [Bg-act.–H._____ AG 240] und das Aus-

kunftsersuchen des Rechtsvertreters der H._____ AG vom 7. März 2019 

an die SVA St. Gallen [Bg-act.–H._____ AG 245]; siehe dazu auch den 

Eintrag im zentralen Firmenindex, abrufbar unter: S._____, letztmals be-

sucht am 17. Januar 2023) sowie eine undatierte Aktennotiz zur Auskunft 

der SVA St. Gallen, wonach F._____ nie als Selbständigerwerbender tätig 

gewesen und die GmbH ab August 2010 normal erfasst worden sei (Bg-

act.–H._____ AG 254). Schliesslich werden die genannten Zahnärzte 

auch in den an die Beschwerdegegnerin eingereichten Lohnabrechnun-

gen der Jahre 2014 bis 2016 nicht aufgeführt (Bg-act.–H._____ AG 54, 

69, 73, 80 und 112).

- 21 -

4.2.13. Da der Sachverhalt sich diesbezüglich als unvollständig und der ausge-

wiesene Saldo gemäss Nachzahlungsverfügungen vom 29. August 2018 

gegenüber der H._____ AG bzw. gemäss Schadenersatzverfügung vom 

6. August 2021 respektive angefochtenem Einspracheentscheid vom 

2. Mai 2022 gegenüber der Beschwerdeführerin damit allenfalls als unzu-

treffend erweist, ist gestützt darauf eine Schadenersatzforderung durch 

die Beschwerdegegnerin (bislang) nicht rechtsgenüglich substanziiert und 

belegt. Auch ist es dem Gericht aufgrund der vorliegenden Akten nicht 

möglich, die konkrete Schadenssumme zu berechnen. Nach dem Gesag-

ten lassen sich die Sozialversicherungsbeiträge der Zahnärzte D._____, 

E._____ und F._____ aus ihrer Tätigkeit für die H._____ AG in den Jahren 

2014 bis 2016 aufgrund der vorliegenden Unterlagen (bislang) nicht ab-

schliessend beurteilen.

4.2.14. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 32 Abs. 1 lit. c ATSG geben die 

Verwaltungs- und Rechtspflegebehörden des Bundes, der Kantone, Be-

zirke, Kreise und Gemeinden den Organen der Sozialversicherungen auf 

schriftliche und begründete Anfrage im Einzelfall namentlich kostenlos die 

Daten bekannt, die für die Festsetzung und den Bezug der Beiträge erfor-

derlich sind. Mit dem Erfordernis der schriftlichen und begründeten An-

frage wird der erforderlichen Abwägung zwischen den Interessen einer 

möglichst einfachen Durchführung und dem Interesse am Schutz der Da-

ten nachgekommen (siehe KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 

2020, Art. 32 Rz. 33 f. und 40 ff. [nachfolgend KIESER, ATSG-Kommen-

tar]). Ebenso leisten die Organe der einzelnen Sozialversicherungen ein-

ander Verwaltungshilfe (Art. 32 Abs. 2 ATSG; vgl. auch Art. 50a AHVG), 

denn Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist es, einen raschen Austausch 

von Informationen unter den verschiedenen Versicherungsträgern ohne 

ungerechtfertigte Barrieren sicherzustellen (siehe dazu BGE 136 V 2 

E.2.6; KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 32 Rz. 50). Ergänzend dazu haben 

- 22 -

die Versicherten und ihre Arbeitgeber beim Vollzug der Sozialversiche-

rungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (Art. 28 Abs. 1 ATSG). Art. 28 

Abs. 1 ATSG hat eine umfassende Bedeutung in allen sozialversiche-

rungsrechtlichen Verfahren, d.h. in Unterstellungsverfahren, Beitragsver-

fahren und Leistungsverfahren (siehe KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 28 

Rz. 35). Diese Mitwirkungspflicht bei der Abklärung des Sachverhalts bil-

det das Korrelat zur Untersuchungspflicht nach Art. 43 ATSG, sie vermag 

aber die Abklärungspflicht des Versicherungsträgers nicht aufzuheben 

(siehe KIESER, ATSG-Kommentar, Art. 28 Rz. 12a und 19). Zu den Mitwir-

kungsverpflichtungen gehören etwa die Verpflichtung zur Auskunftsertei-

lung oder das Einreichen von bestimmten Unterlagen, wobei der Verhält-

nismässigkeitsgrundsatz zu beachten ist (siehe KIESER, ATSG-Kommen-

tar, Art. 28 Rz. 29 f. und 38 f.).

Dieser Mitwirkungspflicht ist die H._____ AG – soweit ersichtlich – im Rah-

men ihrer Möglichkeiten nachgekommen. So versuchte der Rechtsvertre-

ter der H._____ AG nach Ergehen des Einspracheentscheids vom 6. Fe-

bruar 2019 u.a., Bestätigungen darüber zu erlangen, dass die Zahnärzte 

D._____, E._____ und F._____ ihre Sozialversicherungsbeiträge selber 

bzw. in anderen Staaten entrichteten, indem er bei der SVA St. Gallen und 

der Liechtensteinischen AHV-IV-FAK um Auskunft betreffend die Abrech-

nung der Tätigkeiten der Zahnärzte für die H._____ AG ersuchte (Bg-act.–

H._____ AG 243 ff.). Weiter machte der Rechtsvertreter der H._____ AG 

auch mit Beschwerde vom 7. März 2019 an das Verwaltungsgericht im 

früheren Verfahren S 19 24 geltend, laut Darlegungen der verantwortli-

chen Personen der H._____ AG seien der Beschwerdegegnerin sämtliche 

Unterlagen, welche für sie erhältlich gemacht hätten werden können, ein-

gereicht worden; darunter die Bescheinigungen wie auch die entsprechen-

den Abrechnungsnummern (vgl. Bg-act.–H._____ AG 253 S. 5). Der 

Rechtsvertreter der H._____ AG wies zudem mit Schreiben vom 2. März 

- 23 -

2020 an das Verwaltungsgericht darauf hin, dass die genannten Zahnärzte 

keine Vollmachten zur Einholung von Auskünften erteilt hätten (vgl. Bg-

act. H._____ AG 345 S. 3).

4.2.15. Aus dem Gesagten erhellt, dass der Beschwerdegegnerin eine Ab-

klärungspflicht oblag, welcher sie in casu nicht rechtsgenüglich nachge-

kommen ist, indem sie – soweit ersichtlich – die Amts- und Verwaltungs-

hilfe gemäss ATSG respektive die Datenbekanntgabe gemäss AHVG 

nicht pflichtgemäss beansprucht hat. Da die Beschwerdegegnerin den 

rechtserheblichen Sachverhalt (bislang) in Verletzung der sie treffenden 

Abklärungspflicht (Art. 43 ATSG) unvollständig festgestellt hat und es nicht 

Aufgabe des kantonalen Versicherungsgerichts ist, im Verwaltungsverfah-

ren Versäumtes nachzuholen, ist es Sache der Beschwerdegegnerin, die 

für die Bemessung der Sozialversicherungsbeiträge der H._____ AG für 

die Jahre 2014 bis 2016 notwendigen Abklärungen durchzuführen und da-

nach neu zu entscheiden. Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegeg-

nerin folglich insbesondere abzuklären, ob die Dienstleistungen der 

Zahnärzte D._____, E._____ und F._____ im Rahmen von unselbständi-

ger Erwerbstätigkeit für die H._____ AG oder als Selbständigerwerbende 

erbracht wurden. Sollte Letzteres der Fall sein, ist die Höhe der entspre-

chenden Sozialversicherungsbeiträge der H._____ AG neu zu bemessen 

und der Schadenersatzanspruch gegenüber der Beschwerdeführerin in ei-

nem neuen Entscheid festzulegen.

4.3. Aus verfahrensökonomischen Gründen ist überdies noch auf die weiteren 

Haftungsvoraussetzungen einzugehen.

4.3.1. Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die 

Widerrechtlichkeit bzw. Pflichtverletzung. Dabei geht es um eine doppelte 

Prüfung: Zum einen stellt sich die Frage, ob Vorschriften der AHV verletzt 

wurden; zum anderen ist zu beantworten, ob die entsprechende Verlet-

- 24 -

zung dem Arbeitgeber bzw. dem Organ entgegenzuhalten ist (Verletzung 

der Organpflicht; siehe dazu KIESER, a.a.O., Art. 52 AHVG Rz. 39 f.). An-

wendbar sind Art. 14 Abs. 1 AHVG und Art. 51 Abs. 1 AHVG, wonach die 

Beiträge vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit bei jeder 

Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit 

dem Arbeitgeberbeitrag periodisch zu entrichten sind. Weiter zu beachten 

sind Art. 34 ff. AHVV. Gemäss Art. 34 Abs. 1 AHVV sind die Beiträge 

durch den Arbeitgeber monatlich oder, übersteigt die Lohnsumme 

CHF 200'000.-- nicht, vierteljährlich zu zahlen (lit. a). Die für eine Zah-

lungsperiode geschuldeten Beiträge sind innert zehn Tagen nach deren 

Ablauf zu entrichten (Art. 34 Abs. 3 AHVV). Der Arbeitgeber hat mit der 

Ausgleichskasse periodisch abzurechnen und die für die Führung der in-

dividuellen Konten erforderlichen Angaben zu machen (Art. 51 Abs. 3 

AHVG). Er hat die Löhne innert einem Monat nach Ablauf der Abrech-

nungsperiode abzurechnen (Art. 36 AHVV). Erhält die Ausgleichskasse 

Kenntnis davon, dass ein Beitragspflichtiger keine Beiträge oder zu nied-

rige Beiträge bezahlt hat, verlangt sie die Nachzahlung der geschuldeten 

Beiträge und setzt diese nötigenfalls durch Verfügung fest (Art. 39 AHVV). 

Bei Nichtbezahlung innert Frist sind Verzugszinsen geschuldet (vgl. 

Art. 41bis Abs. 1 AHVV).

4.3.2. Die Beschwerdeführerin war ohne Zweifel spätestens ab Oktober 2014 als 

Geschäftsführerin und einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunter-

schrift formelles Organ der H._____ AG (siehe Bg-act.–AA._____ 1; 

REICHMUTH, a.a.O., Rz. 631). Gleich nach dem Handelsregistereintrag im 

Juli 2012 wurde die H._____ AG mit Schreiben der Beschwerdegegnerin 

vom 27. Juli 2012 wie folgt über die AHV-Abrechnungs- und Beitragspflicht 

informiert: "Gemäss Publikation im Amtsblatt des Kantons Graubünden 

vom 13. Juli 2012 wurde ihre Gesellschaft ins Handelsregister eingetra-

gen. Wir gestatten uns deshalb, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass 

- 25 -

für sämtliche Löhne und sonstige Entschädigungen die AHV-Abrech-

nungs- und Beitragspflicht in Bezug auf die AHV/IV/EO/ALV und FAK be-

steht. (…)." (vgl. Bg-act.–H._____ AG 2; siehe dazu auch das Schreiben 

vom 23. Oktober 2012 [Bg-act.–H._____ AG 7]). Darauf folgend erliess die 

Beschwerdeführerin im Dezember 2012 namens der H._____ AG eine Mit-

arbeitermeldung (Bg-act.–H._____ AG 9). Die Darstellung der Beschwer-

degegnerin, wonach es die H._____ AG bzw. die Beschwerdeführerin in 

Verletzung der Zahlungspflicht gemäss Art. 14 AHVG und Art. 34 AHVV 

unterlassen habe, die fälligen und verfallenen Lohnbeiträge für die Jahre 

2014 bis 2016 vollständig zu bezahlen und sich mit der nur teilweisen Ab-

rechnung der in den Jahren 2014 bis 2016 ausgerichteten Löhnen auch 

hinsichtlich der Abrechnungspflicht widerrechtlich verhalten habe, ist zu-

mindest für die unbestrittenermassen unbezahlt gebliebenen Beiträge der 

übrigen Mitarbeitenden T._____ U._____ V._____ W._____ X._____ und 

Y._____ belegt (siehe Arbeitgeberkontrolle vom 23. August 2018 [Bg-act.–

H._____ AG 178 S. 1, 181 S. 1]). Demnach liegen zumindest in Bezug auf 

die genannten ordentlich angestellten Mitarbeitenden Verstösse gegen die 

beitragsrechtlichen Bestimmungen von AHVG und AHVV vor.

4.3.3. In den Jahren 2014 bis 2016 war die Beschwerdeführerin alleiniges ge-

schäftsführendes Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunterschrift der 

H._____ AG (vgl. Bg-act.–AA._____ 1). Als solches traf sie die Pflicht, ihre 

Aufgaben mit aller Sorgfalt zu erfüllen und die Interessen der Gesellschaft 

in guten Treuen zu wahren (Art. 717 Abs. 1 OR). Gemäss Art. 716a Abs. 1 

Ziff. 1, 3 und 5 OR hat der Verwaltungsrat die folgenden unübertragbaren 

und unentziehbaren Aufgaben: die Oberleitung der Gesellschaft und die 

Erteilung der nötigen Weisungen; die Ausgestaltung des Rechnungswe-

sens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese für die 

Führung der Gesellschaft notwendig ist; und die Oberaufsicht über die mit 

der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die 

- 26 -

Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen. Ange-

sichts dieser unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben ist die Ver-

letzung der Abrechnungs- und Zahlungspflicht (Art. 14 und 51 AHVG 

i.V.m. Art. 34 ff. AHVV) der H._____ AG bezüglich der Sozialversiche-

rungsbeiträge auf den in den Jahren 2014 bis 2016 für die übrigen ordent-

lich angestellten Mitarbeitenden T._____ U._____ V._____ W._____ 

X._____ und Y._____ (siehe Abweichung zwischen abgerechneter und 

beitragspflichtiger Lohnsumme im Jahr gemäss AHV-Arbeitgeberkontrolle 

vom 23. August 2018 [Bg-act.–H._____ AG 178 S. 1] und Lohnabrechnun-

gen der H._____ AG der Jahre 2014 bis 2016 [Bg-act.–H._____ AG 54, 

80 S. 1, 112]) ausbezahlten Löhnen der H._____ AG als Arbeitgeberin wie 

auch der Beschwerdeführerin als einzigem formellem Organ anzulasten, 

womit die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit bzw. Pflichtver-

letzung zu bejahen ist.

4.4.1. Was die Haftungsvoraussetzung des Verschuldens anbelangt, statuiert 

Art. 52 Abs. 1 AHVG eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. 

Sowohl den Arbeitgeber wie auch das allfällige Arbeitgeberorgan muss ein 

Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppeltes oder zweistufiges 

Verschulden (vgl. REICHMUTH, a.a.O., Rz. 535; KIESER, a.a.O., Art. 52 

AHVG Rz. 40; BGE 136 V 268 E.3 zum qualifizierten Verschulden). Art. 52 

Abs. 1 AHVG setzt weiter für die Haftbarkeit des Arbeitgebers voraus, 

dass die Missachtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässi-

ger Weise erfolgt ist. Die Abrechnungs- und Beitragspflichten treffen sub-

sidiär zur juristischen Person die natürlichen Personen, die eine Organ-

stellung innehaben (BGE 114 V 219 E.3c). Es ist abzuwägen, ob und in-

wieweit eine Handlung der Unternehmung einem Organ im Hinblick auf 

dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen 

ist. Ob ein Organ schuldhaft handelt, hängt demnach entscheidend von 

der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen 

- 27 -

Person übertragen wurden (vgl. NEDI, a.a.O, S. 146 ff.). Wenn auch die 

Sorgfaltspflicht der Organe einer Aktiengesellschaft grundsätzlich streng 

ist, ist doch das Ausmass der Sorgfaltspflicht nach den Verhältnissen im 

Einzelfall zu beurteilen (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 52 AHVG Rz. 43 ff.). Das 

Mass der zu verlangenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg-

faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitskategorie, 

welcher der Betroffene angehört, üblicherweise erwartet werden kann und 

muss. Die Differenzierung des Sorgfaltsmasstabs richtet sich nach der Or-

ganisation und Rechtsform des Arbeitgebers, sie ist nicht abhängig von 

der Branche der Gesellschaft oder der Berufsgattung des Organs (vgl. 

dazu BGE 108 V 199 E.3a; FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O., Art. 52 

AHVG Rz. 4 und 14 f.; siehe dazu auch FORSTER, a.a.O., Rz. 11.22 f.). 

Vom Verwaltungsratspräsidenten, der einziges ausführendes Organ einer 

Gesellschaft ist, ist ein höheres Mass an Sorgfalt zu verlangen als vom 

Organ eines Grossunternehmens, dessen Kontrollmöglichkeiten einge-

schränkt sind. Demnach ist nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen 

Aufgaben einer Arbeitgeberin ohne Weiteres als qualifiziertes Verschulden 

ihrer Organe zu werten; vielmehr wird ein Normverstoss von einer gewis-

sen Schwere verlangt. Der Verwaltungsrat kann sich aber seiner Überwa-

chungspflicht im Sinne von Art. 716a OR durch eine Delegation seiner Ge-

schäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse an Dritte nicht entledigen. 

Auch wenn sich das Verwaltungsratsmitglied auf die Überprüfung der 

Tätigkeit der Geschäftsleitung und des Geschäftsganges beschränken 

darf, wird diesbezüglich verlangt, dass es sich laufend über den Ge-

schäftsgang informiert, Rapporte verlangt und sie sorgfältig studiert, nöti-

genfalls ergänzende Auskünfte beizieht und Irrtümer abzuklären versucht. 

Massgebend sind dabei die gesetzlich nicht übertragbaren Pflichten des 

Verwaltungsrates (siehe dazu FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O, Art. 52 

AHVG Rz. 15; KIESER, a.a.O., Art. 52 AHVG Rz. 41 ff. m.H.).

- 28 -

4.4.2. Die Beschwerdeführerin bringt dazu einzig vor, dass sie weder durch ab-

sichtliche noch grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften Schaden 

verursacht und ihr Möglichstes für die H._____ AG und somit für die Aus-

gleichskasse getan habe.

4.4.3. Kein grobfahrlässiges Verhalten liegt vor, wenn bestimmte Entgelte erst 

im Nachhinein – insbesondere aufgrund einer nach der Konkurseröffnung 

durchgeführten Arbeitgeberkontrolle – der Beitragspflicht unterstellt wer-

den, sofern sich über deren beitragsrechtliche Qualifikation bei objektiver 

Betrachtungsweise in guten Treuen verschiedene Auffassungen vertreten 

liessen. Dies kann namentlich in Grenzfällen von unselbständiger und 

selbständiger Erwerbstätigkeit der Fall sein, in welchen gewichtige Ge-

sichtspunkte für eine selbständige Erwerbstätigkeit sprechen. Das Bun-

desgericht verneinte das Vorliegen eines Exkulpationsgrundes indes bei 

einem Arbeitgeber, welcher die bei ihm vorgenommene objektiv un-

selbständige Tätigkeit eines Versicherten als selbständige Tätigkeit be-

trachtete, obwohl ihm bei der gegebenen Sachlage ernstlich als zweifel-

haft hätte erscheinen müssen, ob die Tätigkeit wirklich als selbständig be-

wertet werden darf, er es jedoch nicht für nötig erachtete, sich bei der Aus-

gleichskasse über die Abrechnungspflicht zu vergewissern (BGE 98 V 30 

E.6; Urteil des Bundesgerichts 9C_276/2013 vom 28. Juni 2013 E.3.2.3 

m.H.; siehe zum Ganzen REICHMUTH, a.a.O., Rz. 640 ff.).

4.4.4. Als Kriterien der Beurteilung des Verschuldens werden u.a. die Organisa-

tion und Aufgabendelegierung innerhalb des Arbeitgebers, die Passivität 

des Arbeitgebers und seiner Organe, die Dauer der Beitragsausstände so-

wie die Unternehmensgrösse berücksichtigt (vgl. NEDI, a.a.O., S. 148). 

Strengere Anforderungen an die Überwachungs- und Kontrollpflichten gel-

ten bei Kleinunternehmen. Es wird vom zuständigen Organ erwartet, über 

sämtliche Belange der Gesellschaft inklusive des Beitragswesens im Bilde 

zu sein, selbst wenn die Befugnisse delegiert wurden (vgl. NEDI, a.a.O., 

- 29 -

S. 149). Wenn eine Gesellschaft bei objektiver Betrachtung durch einfache 

und leicht überschaubare Betriebsverhältnisse (wenige Angestellte, einfa-

che Verwaltungsstruktur) gekennzeichnet ist, so ist ein strenger Sorgfalts-

massstab anzulegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_763/2018 vom 

16. Juli 2019 E.4.1.1).

4.4.5. Die Ausgleichskasse, welche feststellt, dass sie einen durch Missachtung 

von Vorschriften entstandenen Schaden erlitten hat, darf rechtspre-

chungsgemäss davon ausgehen, dass die Vorschriften absichtlich oder 

mindestens grobfahrlässig verletzt wurden, sofern keine Rechtfertigungs- 

oder Exkulpationsgründe gegeben sind (siehe BGE 121 V 243 E.4b, 108 V 

199 E.1, 108 V 186 E.1b; Urteile des Bundesgerichts 9C_37/2019 vom 

1. Juli 2019 E.5.3.2, 9C_599/2017 vom 26. Juni 2018 E.4.2.1 ff., 

9C_906/2017 vom 21. Juni 2018 E.4.2.3 f.; vgl. FREY/MOSIMANN/BOLLIN-

GER, a.a.O., Art. 52 AHVG Rz. 12; NUSSBAUMER, Die Haftung des Verwal-

tungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des Verwaltungsrates], in: 

AJP 1996, S. 1071 ff., 1077 f. m.H.a. BGE 108 V 186 E.1b). Der Begriff 

der Grobfahrlässigkeit im Sinne von Art. 52 AHVG ist gleich zu verstehen 

wie im übrigen Haftpflicht- und Versicherungsrecht. Grobfahrlässig han-

delt, wer eine elementare Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. ausser 

Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter 

gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Die Ver-

schuldensfrage wird primär nach den Umständen beurteilt, die zum Zah-

lungsrückstand geführt haben (BGE 124 V 255 E.3b); dabei stellt der 

Normverstoss von einer gewissen Schwere eine grobe Fahrlässigkeit im 

Sinne von Art. 52 AHVG dar (vgl. zum Ganzen KIESER, a.a.O., Art. 52 

AHVG Rz. 41 ff. m.H.). Solches Verhalten ist den verantwortlichen Orga-

nen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zuzurechnen, was die 

volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern ein adäquater Kausal-

zusammenhang zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften 

- 30 -

und dem Schadenseintritt besteht und die Ausgleichskasse kein Mitver-

schulden trifft. Der Grund für diese Praxis liegt in der besonderen Natur 

der AHV-Beiträge, hinsichtlich welcher der Arbeitgeber die Funktion eines 

Vollzugsorgans ausübt (Art. 51 AHVG). Daraus resultiert eine besondere 

Pflicht, für die ordnungsgemässe Bezahlung der Beiträge zu sorgen (vgl. 

auch KIESER, a.a.O., Art. 52 AHVG Rz. 48 ff.).

4.4.6. Die Beschwerdegegnerin macht zumindest grobfahrlässiges Verschulden 

der Beschwerdeführerin geltend, weil die H._____ AG bzw. die Beschwer-

deführerin als deren Organ von den rechtlichen Verpflichtungen – gerade 

auch im Beitragswesen – Kenntnis haben musste bzw. insbesondere als 

geschäftsführendes einziges Verwaltungsratsmitglied mit Einzelunter-

schrift auch für das Beitragswesen verantwortlich war und dennoch das 

gebotene Handeln unterliess, indem durch die H._____ AG die in den Jah-

ren 2014 bis 2016 ausgerichteten Löhne widerrechtlich nur teilweise ab-

gerechnet und nicht vollständig bezahlt wurden.

4.4.7. Vorliegend handelte es sich bei der H._____ AG um ein kleines Unterneh-

men mit einfacher, überschaubarer Verwaltungsstruktur. Die Beschwerde-

führerin war als Geschäftsführerin und einzige Verwaltungsrätin einziges 

formelles Organ und in den Jahren 2014 bis 2016 waren lediglich maximal 

acht ordentlich Angestellte für die Gesellschaft tätig. Aufgrund ihrer allei-

nigen Organstellung bzw. ihrer Funktion als alleinige Verwaltungsrätin mit 

dem entsprechenden Pflichtenheft (Art. 717 OR und Art. 716a OR) und 

der einfachen, überschaubaren Verwaltungsstruktur, oblag ihr der Über-

blick über alle wesentlichen Belange der Firma, inklusive Beitragswesen 

(siehe dazu u.a. Lohnabrechnungen der H._____ AG der Jahre 2013 bis 

2016 [Bg-act.–H._____ AG 24, 54, 80, 112]) und es traf sie eine hohe 

Sorgfaltspflicht. Die Beschwerdeführerin unterliess es demnach pflichtwid-

rig, dafür zu sorgen, dass die H._____ AG die in den Jahren 2014 bis 2016 

ausgerichteten Löhne vollständig abrechnete und die Beiträge der Jahre 

- 31 -

2014 bis 2016 vollständig bezahlte, obschon die H._____ AG – kurz nach 

ihrem Handelsregistereintrag – bereits mit Schreiben vom 27. Juli 2012 

auf ihre Meldepflicht aufmerksam gemacht worden war (Bg-act.–H._____ 

AG 2). Auch war sie nicht dafür besorgt, dass nach der erfolgten Arbeitge-

berkontrolle und den in diesem Zusammenhang ergangenen Nachzah-

lungs- und Verzugszinsverfügungen, als die H._____ AG noch über genü-

gend finanzielle Mittel verfügte (vgl. dazu die Bilanz der H._____ AG per 

31. Dezember 2018 [Bg-act. H._____ AG 384]), die nachzuzahlenden Bei-

träge und Verzugszinsen beglichen wurden, zumindest diejenigen, die un-

bestritten blieben. Indem die Beschwerdeführerin diese Sorgfaltspflicht 

missachtete, hat sie ausser Acht gelassen, "was jedem verständigen Men-

schen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte 

einleuchten müssen". Bei pflichtgemässer Ausübung ihrer Sorgfalts-, 

Oberleitungs- und Überwachungspflichten als Geschäftsführerin und ein-

ziges Verwaltungsratsmitglied der H._____ AG hätte die Beschwerdefüh-

rerin mit erhöhter Aufmerksamkeit für die Abrechnung und die Beglei-

chung der ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge für die Mitarbeiten-

den der H._____ AG besorgt sein müssen. Die Beschwerdeführerin hat 

sich bis zur Niederlegung ihres Verwaltungsratsmandats am 17. Juli 2020 

jedoch nicht mit der pflichtgemässen Sorgfalt um die Begleichung der (un-

bestrittenen) nachzuzahlenden Beiträge und Verzugszinsen gekümmert. 

So ist der Beschwerdegegnerin zu folgen, dass dieses Verhalten umso 

schwerer wiege, als die H._____ AG seit 2019 keine Buchhaltung mehr 

geführt habe (siehe dazu die E-Mails der M._____ AG vom 9. und 13. Ok-

tober 2020 [Bg-act.–H._____ AG 400 S. 1] und die Notizen zur Arbeitge-

berkontrolle vom 13. Oktober 2020 [Bg-act.–H._____ AG 397 S. 1 und 

398]) und sich zudem die Anfang 2020 nach C._____ weggezogene Be-

schwerdeführerin seit März 2020 zu Unrecht nicht mehr für die H._____ 

AG verantwortlich gesehen habe (siehe dazu die E-Mail der Beschwerde-

führerin vom 26. November 2020 [Bg-act.–H._____ AG 408]) und die 

- 32 -

H._____ AG am 17. Juli 2020 ohne Verwaltungsrat und ohne vertretungs-

berechtigte Person zurückgelassen habe (siehe Einspracheentscheid vom 

2. Mai 2022 S. 10 [Gerichtsakten B1]). Diese Passivität bzw. Unterlassung 

stellt eine Verletzung ihrer Sorgfalts-, Oberleitungs- und Überwachungs-

pflichten als Verwaltungsratsmitglied dar, welche ihr zumindest als grob-

fahrlässiges Verhalten vorwerfbar ist. Es wurden von ihr weder Umstände 

substanziiert dargetan, welche ihr Verhalten als berechtigt oder entschuld-

bar erscheinen liessen, noch ergeben sich hierfür Anhaltspunkte aus den 

Akten (vgl. BGE 108 V 199 E.3b).

4.5.1. Zwischen dem bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen Schaden und 

dem pflichtwidrigen Verhalten des Arbeitgebers muss sodann ein adäqua-

ter Kausalzusammenhang bestehen (BG 119 V 401 E.4a; Urteil des Bun-

desgerichts 9C_165/2017 vom 8. August 2017 E.3.2). Ein Ergebnis hat 

dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an 

sich geeignet ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, 

der Eintritt des Erfolgs durch das Ereignis also allgemein als begünstigt 

erscheint (vgl. BGE 128 V 124 E.4f m.H.a. 125 V 456 E.5a). Daran fehlt 

es, wenn auch ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden nicht hätte ver-

hindern können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2017 vom 26. Juni 

2018 E.4.3.1.1). Oder wenn der Ausgleichskasse eine grobe Pflichtverlet-

zung wie die Missachtung elementarer Vorschriften der Beitragsveranla-

gung und des Beitragsbezugs vorzuwerfen ist, was für die Entstehung 

oder Verschlimmerung des Schadens adäquat kausal war. In diesem Fall 

kann der Schadenersatz ermessensweise herabgesetzt werden (vgl. NEDI, 

a.a.O., S. 151). Letzteres kann indes vorliegend ohne Weiterungen ver-

neint werden, wird dies doch weder von der Beschwerdeführerin vorge-

bracht noch sind den Akten entsprechende Anhaltspunkte zu entnehmen.

- 33 -

4.5.2. Vorliegend hat trotz der geschilderten Umstände ohne Zweifel das pflicht-

widrige Verhalten der H._____ AG bzw. der Beschwerdeführerin als ge-

schäftsführendes einziges Verwaltungsratsmitglied dazu geführt, dass die 

Abrechnung der ausgerichteten Löhne unvollständig erfolgte und die Bei-

träge nicht vollständig beglichen wurden. Wäre die H._____ AG bzw. die 

Beschwerdeführerin ihren Abrechnungs- und Zahlungspflichten fristge-

recht nachgekommen und wären die geschuldeten Sozialversicherungs-

beiträge bei Fälligkeit beglichen worden, wäre der Schaden nicht eingetre-

ten. Die Unterlassungen der H._____ AG bzw. der Beschwerdeführerin als 

geschäftsführendes einziges Verwaltungsratsmitglied waren nach dem 

gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung ge-

eignet, den eingetretenen Erfolg (Schaden) herbeizuführen. Der adäquate 

Kausalzusammenhang ist somit ebenfalls zu bejahen.

4.5.3. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sämtliche Haftungs-

voraussetzungen gemäss Art. 52 AHVG gegenüber der Beschwerdefüh-

rerin zumindest hinsichtlich der unbestrittenen Beiträge der ordentlich an-

gestellten Mitarbeitenden erfüllt sind. Was den Schaden anbelangt, wel-

cher allenfalls auch aus der Erwerbstätigkeit der Zahnärzte D._____, 

E._____ und F._____ für die H._____ AG und darauf nicht entrichteter 

Beiträge entstanden ist, bedarf es erneuter Abklärungen durch die Be-

schwerdegegnerin. In Gutheissung der Beschwerde ist demnach der an-

gefochtene Einspracheentscheid vom 2. Mai 2022 aufzuheben und die Sa-

che zu erneuter Abklärung bezüglich der Schadenssumme im Sinne der 

Erwägungen und zu neuem Entscheid zurückzuweisen.

5. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die 

Verwaltung zur weiteren Abklärung und zu neuem Entscheid als vollstän-

diges Obsiegen (BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 57 E.2.2; vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_192/2017 vom 25. August 2017 E.8.1). In Anwendung 

der geänderten Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl. dazu VGU S 21 48 

- 34 -

vom 8. Februar 2022 E.4.1. ff. und S 21 49 vom 8. Februar 2022 E.3.1. ff.) 

richtet sich die Kostenpflicht und der Kostenrahmen von versicherungsge-

richtlichen Verfahren gemäss Art. 61 ATSG bei Verfahren mit Einleitung 

ab dem 1. Januar 2021 (Art. 82a ATSG) im Anwendungsbereich des 

ATSG, die nicht als Leistungsstreitigkeiten im Sinne von Art. 61 lit. fbis 

ATSG gelten, wie insbesondere Beitragsstreitigkeiten, grundsätzlich nach 

dem kantonalen Recht und somit nach den allgemeinen Kostenverle-

gungsgrundsätzen für Rechtsmittel- und Klageverfahren vor dem Verwal-

tungsgericht (Art. 72 ff. VRG). Die Staatsgebühr beträgt in der Regel 

höchstens CHF 20'000.-- und richtet sich nach dem Umfang und der 

Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse und der wirtschaftli-

chen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen. Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens sind die Gerichtskosten von CHF 1'000.-- demnach der unter-

liegenden Beschwerdegegnerin zu überbinden (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die 

nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat praxisgemäss keinen 

Anspruch auf einen Parteikostenersatz (Art. 61 lit. g ATSG).

6. Nach BGE 137 V 51 E.4.3 muss die Rechtsmittelbelehrung die subsidiäre 

Verfassungsbeschwerde im Sinne von Art. 85 Abs. 1 lit. a BGG i.V.m. 

Art. 52 AHVG vorsehen, sofern die Streitwertgrenze von CHF 30'000.-- 

nicht erreicht wird, was hier der Fall ist (vgl. dazu VGU S 19 98 vom 

24. November 2020 E.4.2 und S 18 88 vom 27. August 2019).

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid der Sozia-

lversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, AHV-Ausgleichskasse, 

vom 2. Mai 2022 aufgehoben und die Angelegenheit für weitere Abklärun-

gen bezüglich der Schadenssumme im Sinne der Erwägungen sowie zu 

neuem Entscheid an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons 

Graubünden, AHV-Ausgleichskasse, zurückgewiesen.

- 35 -

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 1'000.--

- und den Kanzleiauslagen von CHF 662.--

Zusammen CHF 1'662.--

gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

AHV-Ausgleichskasse.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilung]