# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** da8b08a3-07ca-5726-ae2e-93b1c62508c4
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-05-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 31.05.2005 SF 2005 11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SF-2005-11_2005-05-31.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 31. Mai 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
SF  05 11 (mündlich eröffnet)

(Eine gegen diese Beschwerde erhobene staatsrechtliche Beschwerde 
wurde vom Bundesgericht mit Urteil vom 17. Januar 2006 (1P.707/2005) ab-
gewiesen.)

Urteil
Strafkammer

Vorsitz Vizepräsident Schlenker
RichterInnen Sutter-Ambühl, Tomaschett-Murer, Rehli und Vital
Aktuar ad hoc L. Duff

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In der Strafsache

des AF., Angeklagter, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty, 
Postfach 528, Alexanderstrasse 8, 7002 Chur,

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 24. Februar 2005, 

wegen mehrfacher sexueller Nötigung, einfacher Körperverletzung, mehrfacher 
Drohung, vollendeten Versuchs der Nötigung, etc. 

in Anklagezustand versetzt,

hat sich ergeben:

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A. AF. wuchs zusammen mit einem jüngeren Bruder bis zu seinem 14. 
Altersjahr in rechten Familienverhältnissen bei seinen Eltern in A. auf. Da seine El-
tern danach für den Antritt einer Arbeitsstelle in die Schweiz reisten, verbrachte er 
die restliche Jugendzeit bei seinen Grosseltern in A.. In B. absolvierte AF. während 
8 Jahren sechs Klassen der Volksschule. Nach der Schulentlassung übersiedelte 
er in die Schweiz und arbeitete während 1½ Jahren als Tellerwäscher im Restaurant 
"C." in N.. Danach kehrte der Angeklagte nach AH. zurück und leistete dort ein Jahr 
lang Militärdienst. In der Folge kam er erneut in die Schweiz und arbeitete während 
10 Jahren als Steward bei der Schweizerischen Speisewagengesellschaft. Im Jahre 
1990 trat AF. bei der D. eine Stelle an und wurde dabei als Refiner-Müller angelernt. 
Ab September 1997 war er bei der E. in F. angestellt. Diese Stelle wurde ihm nach 
3 Jahren wegen Rückenproblemen gekündigt. Seither ist er arbeitslos. Weil der An-
geklagte sich im November 2002 bei einem Autounfall Verletzungen zuzog, bezieht 
er von der SUVA eine Rente von 50 %  im Betrag von Fr. 1'940.-- pro Monat. Zu-
sätzlich bezahlt die Wohngemeinde G. für ihn nebst den Prämien für die Kranken-
kasse monatlich Fr. 500.-- zur Bestreitung des Lebensunterhaltes. AF. besitzt kein 
steuerbares Vermögen. Im Betreibungsregister des Kreises H. ist er mit 14 Betrei-
bungen im Betrag von insgesamt ca. Fr. 26'600.-- und mit 13 offenen Verlustschei-
nen im Betrag von ca. Fr. 25'400.-- eingetragen.

Im Sommer 1983 verheiratete sich AF. mit AG.. Aus dieser Ehe sind zwei 
Kinder hervorgegangen, wovon eines mittlerweile mündig geworden ist. Die Ehefrau 
des Angeklagten lebt seit dem 18. August 2002 zusammen mit der 15-jährigen 
Tochter I. getrennt vom Angeklagten. Sie bezieht von der IV und der Pensionskasse 
Invalidenrenten im Betrag von insgesamt ca. Fr. 3'460.-- pro Monat. Mit Verfügung 
des Bezirksgerichtspräsidenten L. vom 11. Oktober 2002 ist der Angeklagte ver-
pflichtet worden, während der Trennung der Ehe für die Tochter I. einen Unterhalts-
beitrag von Fr. 800.-- pro Monat, zuzüglich Kinderzulagen, zu bezahlen. Da der An-
geklagte diese Verpflichtung nicht erfüllt, werden ihm von seiner SUVA-Rente mo-
natlich Fr. 470.-- für den Unterhalt seiner Tochter abgezogen.

Aus einer Verbindung von AF. mit einer in der Slowakei lebenden Freundin 
ist im August 2003 ein Kind hervorgegangen, an dessen Unterhalt der Angeklagte 
keine Beiträge bezahlt. 

Im Schweizerischen Strafregister ist AF. mit folgenden fünf Vorstrafen ver-
zeichnet:

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01.02.1989 Kantonsgerichtsausschuss AI.

Vorsätzliches Fahren in angetrunkenem Zustand, 

100 Tage Gefängnis;

29.11.1996 Kreispräsident AJ.

Grobe Verletzung von Verkehrsregeln. 

Fr. 1'000.-- Busse

31.10.1997 Kreispräsident AJ.

Einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten, vollendeter Nötigungsversuch, Widerhand-
lung gegen das BG über die Spielbanken,

30 Tage Gefängnis, bedingt bei einer Probezeit von 3 Jahren, Fr. 400.-- Busse;

11.12.2002 Bezirksgericht O.

Einfache Körperverletzung, 

60 Tage Gefängnis, bedingt bei einer Probezeit von 3 Jahren;

16.03.2004 Untersuchungsamt AK.

Vergehen gegen das BG über explosionsgefährliche Stoffe (Versuch)

Fr. 150.-- Busse

Aufgrund der mehreren Vorstrafen und der zahlreichen Betreibungen ist der 
Leumund des Angeklagten als angeschlagen zu bezeichnen.

AF. wurde während der Strafuntersuchung durch den Forensischen Dienst 
der Psychiatrischen Dienste Graubünden einer psychiatrischen Begutachtung un-
terzogen. In ihren Gutachten vom 31. Juli 2003 diagnostizierten die Psychiaterinnen 
Frau Dr.med. J., Chefärztin, und Frau Dr.med. K., Oberärztin, beim Angeklagten 
eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine schwere Alkoholabhängigkeit. Die 
Zurechnungsfähigkeit war in leichtem Grade vermindert. Zur Vermeidung der Rück-
fallgefahr empfehlen die Gutachterinnen eine ambulante Massnahme im Sinne von 
Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB und die Anordnung einer unbefristeten 
Schutzaufsicht. Im Rahmen der ambulanten Behandlung sollte eine lebenslange, 
mindestens 3-jährige Antabustherapie mit begleitender Suchtberatung und eine 
engmaschige Betreuung (Schuldensanierung, Tagesstruktur, Arbeit) durchgeführt 
werden, wobei der sofortige Vollzug der Strafe mit dieser Massnahme vereinbar 
wäre.

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AF. wurde am 23. Mai 2003 durch die Kantonspolizei AI. in L. festgenommen 
und befand sich anschliessend bis zum 20. Juni 2003 in der Strafanstalt M. in N. in 
Untersuchungshaft. Mit Entscheid des Haftrichters des Bezirksgerichtes O. vom 20. 
Juni 2003 wurde er auf freien Fuss gesetzt, wobei ihm im Sinne einer Ersatzmass-
nahme anstelle der Untersuchungshaft die Weisung erteilt wurde, die während der 
Untersuchungshaft begonnene Antabuskur unter ärztlicher Aufsicht fortzusetzen 
und während des Strafverfahrens jeglichen Kontakt zu seiner Ehefrau und zu seiner 
Tochter I. zu unterlassen. Im Weiteren hatte er eine Kaution im Betrag von Fr. 
7'000.-- zu leisten, welche dem Staat verfällt, wenn der Angeklagte diese Weisun-
gen nicht erfüllt oder sich nicht jederzeit der Untersuchungsbehörde, vor Gericht 
oder zur Erstehung einer Freiheitsstrafe stellt.

Ab ca. Mitte April 2004 verweigerte AF. die Einnahme von Antabus mit der 
Begründung, dass er das Antabus nicht vertrage. Bereits zuvor hatte er die bei der 
Beratungsstelle des Blauen Kreuzes, wo dem Angeklagten das Antabus verabreicht 
wurde, vorgesehenen Gespräche im Zusammenhang mit seiner Alkoholproblematik 
abgelehnt. In der Folge war er nicht bereit, sich den vom Untersuchungsrichter an-
geordneten antabusspezifischen Untersuchungen in der Psychiatrischen Klinik AD. 
zu unterziehen.

B. AF. wird der mehrfachen sexuellen Nötigung, der einfachen Körper-
verletzung, der mehrfachen Drohung, des vollendeten Versuchs der Nötigung, der 
mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör 
und Munition, der groben Verletzung von Verkehrsregeln, des mehrfachen pflicht-
widrigen Verhaltens bei Unfall, der (einfachen) Verletzung von Verkehrsregeln und 
der Widerhandlung gegen Bestimmungen der ARV angeklagt. Dieser Anklage liegt 
nach Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 24. Februar 2005 fol-
gender Sachverhalt zugrunde:

„1. Bis Mitte August 2002 kam es während mehreren Jahren etwa ein Mal 
wöchentlich vor, dass AF. vor allem nach dem Konsum von Alkohol seine Ehefrau grundlos 
körperlich misshandelte, indem er ihr Ohrfeigen verpasste und öfters auch Faustschläge 
sowie Fusstritte versetzte und sie an den Haaren zog. Im Weiteren demütigte er seine Ehe-
frau mehrmals dadurch, dass er ihr befahl, aus der Küche das grosse Fleischmesser zu 
holen, mit welchem er dann vor ihr herumfuchtelte und ihr dadurch Angst bereitete.

Etwa ab Mai 2000 litt AG. unter chronischen Unterbauchschmerzen und Scheiden-
entzündungen, so dass sie sich deswegen vorwiegend ambulant (zwei Mal stationär) im 
Frauenspital Fontana in N. behandeln liess. Die Eheleute AF. und AG. hatten wegen diesen 

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körperlichen Beschwerden von AG. ab diesem Zeitpunkt nur noch selten Geschlechtsver-
kehr. 

Im Zeitraum von ca. Februar 2002 bis zum 15. August 2002 vollzog AF. mehrmals, 
nämlich insgesamt ca. sechs Mal, im Wohnhaus der Liegenschaft P. in Q. mit seiner Ehe-
frau den Analverkehr, obwohl ihm diese jeweils erklärt hatte, dass ihr dies Schmerzen be-
reite und sie dies nicht wolle und sie während des Analverkehrs weinte. Schmerzen berei-
tete AG. der Analverkehr insbesondere wegen Hämorrhoidalbeschwerden, die zuvor im 
Frauenspital in N. operativ behandelt worden waren. Der Angeklagte erzwang den Analver-
kehr, indem er seine ihm körperlich unterlegene Frau mit den Armen und den Beinen um-
klammerte. Vor dem letzten Analverkehr vom 15. August 2002 drohte er ihr zudem, dass er 
sie umbringe, wenn sie nicht mit ihm schlafe. 

AG. stellte am 7. September 2002 gegen ihren Ehemann Strafantrag unter anderem 
wegen Vergewaltigung.

Mit Eingabe vom 18. Januar 2005 macht die Rechtsvertreterin von AG., Frau K. 
Bichsel, Advokatin, Basel, eine Forderung im Betrag von Fr. 30'000.--, zuzüglich 5 % Zins 
seit dem 15. Mai 2002, als Genugtuung geltend. Sodann sollte der Angeklagte gemäss 
dieser Adhäsionsklage dem Grundsatze nach zur Bezahlung von Schadenersatz und einer 
angemessenen Parteientschädigung verpflichtet werden.

2. An einem Abend ca. anfangs August 2002 drückte AF. seiner Ehefrau AG. 
im Schlafzimmer ihres Wohnhauses in Q. eine brennende Zigarette auf die blosse Haut 
ihres Rückens und löschte damit die Zigarette aus. 

Gemäss dem Bericht von Dr.med. R., N., vom 9. März 2003 stellte dieser Arzt am 
15. August 2002 bei AG. ca. Mitte der Wirbelsäule rechtsseitig am Rücken eine Brandver-
letzung fest, "wie man sie durch das Ausdrücken einer Zigarette beobachten kann, mit ei-
nem zentralen Hautdefekt und einem entzündeten rundlichen Areal darum herum." Gemäss 
diesem Bericht muss der Kontakt zwischen der brennenden Zigarette und der Haut "einige 
Sekunden" gedauert haben. Diese Verletzung wurde gemäss dem Bericht von Oberarzt 
pract.med. S. vom Kantonalen Frauenspital Fontana, N., vom 5. Mai 2003 auch bei einem 
Untersuch vom 17. August 2003 in diesem Spital festgestellt. 

AG. stellte am 7. September 2002 gegen ihren Ehemann einen Strafantrag unter 
anderem wegen Körperverletzung

3. Nachdem AG. am 17. August 2002 mit ihrer Tochter I. aus dem Wohnhaus 
der Eheleute AF. und AG. in Q. ausgezogen war und sie sich in ein Frauenhaus begeben 
hatten, teilte der Angeklagte mit seinem Natel in der Zeit bis zum 7. September 2004 seiner 

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Ehefrau mehrmals mit, dass er sie und das Kind töten bzw. "metzgen" werde, wenn er sie 
finden werde.

Am 7. September 2002 stellte AG. gegen ihren Ehemann Strafantrag unter anderem 
wegen Drohung.

4. Am Abend des 20. Mai 2003 rief AF. mit seinem Natel seine Ehefrau an, die 
sich seit der Trennung von ihrem Ehemann an einem diesem unbekannten Ort aufhält und 
teilte ihr mit, dass er sie an der ...strasse - er nannte dabei die Strasse, an welcher AG. 
wohnt - besuchen und dass Blut fliessen werde, wenn sie nicht ihre gegen ihn gemachten 
Anzeigen zurückziehen würde.

5. Am 22. April 2004, um 22.15 Uhr, wurde bei einer Kontrolle beim Grenzü-
bergang T. festgestellt, dass AF., der von Österreich in die Schweiz eingereist war, im Sei-
tenfach seines Personenwagens ein Messer, welches über einen einhändig bedienbaren 
Mechanismus manuell einsatzbereit gemacht werden kann, mitführte. Dieses Messer weist 
eine Klingenlänge von 10.5 cm auf. AF. hatte dieses Messer nach seinen Angaben schon 
mehrmals mitgeführt.

Das Stellmesser wurde am 22. April 2004 von der Kantonspolizei U. sichergestellt 
und am 23. Dezember 2004 durch den Untersuchungsrichter beschlagnahmt.

6. Am 30. Juli 2004, um 14.00 Uhr, lenkte AF. den Lastwagen "Mercedes", TI 
V., samt einem Anhänger innerorts auf der A.-Strasse in W. in Richtung X.. Nach seinen 
Angaben fuhr er dabei mit einer Geschwindigkeit von ca. 60 km/h und schloss auf einen 
vorausfahrenden, von Y. mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h gelenkten Roller auf. 
Vor einer leichten Rechtskurve und vor einer in der Mitte der Strasse sich befindlichen 
Schutzinsel setzte er zum Überholen des Rollers an. Während des Überholmanövers lenkte 
der Angeklagte den Anhängerzug auf die rechte Fahrbahn zurück, um rechts an der Schutz-
insel, vorbeifahren zu können, wobei die rechte Fahrbahn auf der Höhe der Schutzinsel 3.0 
m breit war. Y. wurde dadurch nach rechts abgedrängt. Dabei touchierte das Heck des 
Anhängers den linken Rückspiegel des Rollers, worauf Y. zu Fall kam und auf die Strasse 
geschleudert wurde. Sie erlitt zufolge dieses Sturzes massive Schürfverletzungen am gan-
zen Körper.

AF. hielt nach diesem Unfall an. Y. verzichtete auf der Unfallstelle, einen Arzt auf-
zusuchen. Der Angeklagte notierte auf einem Zettel seine Natel-Nr. und die Nummer der 
Kontrollschilder des Lastwagenanhängers und übergab den Zettel Y.. Hierauf setzte er 
seine Fahrt fort, ohne die Polizei vom Unfall verständigt zu haben.

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Aufgrund dieses Unfalles wurden an dem von Y. gelenkten Motorrad die Ver-
schalung links, die Lenkerarretierung, der Rückspiegel und seitliche Anbauteile beschädigt. 
Der Schaden beziffert sich dabei auf insgesamt ca. Fr. 1'000.--.

Y. suchte am Nachmittag des 30. Juli 2004 zur Behandlung der beim Unfall 
erlittenen Verletzungen einen Arzt (Dr. Z.) in X. auf. Sie stellte innert der Antragsfrist von 
drei Monaten indessen keinen Strafantrag gegen AF. wegen fahrlässiger Köperverletzung.

7. Am Nachmittag des 30. Juli 2004, ca. um 16.00 Uhr, führte AF. als Lenker 
des obgenannten Anhängerzuges auf dem Areal der Firma AA. an der Fahrhüttenstrasse 
in X. ein Wendemanöver durch. Dabei streifte der Lastenzug vor einem Gebäude der Firma 
AA. eine Betonsäule und fuhr eine weitere Betonsäule um, welche dadurch entzwei brach. 
Anschliessend verursachte er bei diesem Fahrmanöver in der angrenzenden Wiese einen 
Flurschaden. Ungeachtet der bei diesem Fahrmanöver entstandenen Sachschäden, die 
sich auf insgesamt ca. Fr. 1'000.-- belaufen, setzte AF. seine Fahrt fort, ohne zuvor die 
Polizei oder die Geschädigte benachrichtigt zu haben.

Eine bei der Tatbestandsaufnahme durch die Polizei durchgeführte Kontrolle 
des Fahrtschreibers des vom Angeklagten gelenkten Lastwagens ergab, dass der Ange-
klagte am 30. Juli 2004 den Tachografen nicht richtig bedient hatte und dadurch die Lenk-
pausen nicht registriert worden waren.“

C. Mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidums vom 25. Februar 2005 
wurde die Einsetzung von Rechtsanwalt lic. iur. Dieter R. Marty als amtlicher Ver-
teidiger des Angeklagten bestätigt. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 31. Mai 
2005 vor der Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden war der Ange-
klagte, dessen amtlicher Verteidiger und der ausserordentliche Staatsanwalt, AB., 
anwesend. Gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichtes wur-
den keine Einwände erhoben. Im Rahmen der Verlesung der Akten zur Person 
führte AF. auf entsprechende Frage des Vorsitzenden aus, die meiste Zeit zu Hause 
vor dem Fernseher und teilweise bei seinem Bruder zu verbringen. Die Arbeitssuche 
sei bis dato nicht zuletzt wegen seinen gesundheitlichen Beschwerden (Rücken-
schmerzen) erfolglos gewesen. Seit eineinhalb Jahren trinke er keinen Alkohol 
mehr. In der Sache bestritt der Angeklagte wie bereits im Untersuchungsverfahren 
die sexuellen Übergriffe auf seine Ehefrau. Ebenso wenig habe er ihr gegenüber 
Drohungen ausgesprochen und sie auch nicht absichtlich mit einer brennenden Zi-
garette am Rücken verletzt. Er sei sich keiner Schuld bewusst; offenbar beabsich-
tige seine Ehefrau, ihn zu ruinieren. Zudem habe AG. auch die Kinder gegen ihn 
aufgebracht. 

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Nach Abschluss des Beweisverfahrens stellte und begründete der ausseror-
dentliche Staatsanwalt folgende Anträge:

"1. AF. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.

2. Dafür sei er unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 29 
Tagen mit 30 Monaten Gefängnis und Fr. 500.-- Busse, teilweise als Zusatz-
strafe zum Urteil des Bezirksgerichtes O. vom 11.12.2002, zu bestrafen.

3. Der mit Urteil des Bezirksgerichtes O. vom 11.12.2002 für die Gefängniss-
trafe von 60 Tagen gewährte bedingte Vollzug sei zu widerrufen.

4. Das beschlagnahmte Stellmesser sei gestützt auf Art. 31 Abs. 1 lit. a und 
Abs. 3 des Waffengesetzes richterlich einzuziehen.

5. Es sei über die vom Haftrichter des Bezirksgerichtes O. am 20. Juni 2003 
festgesetzte Kaution von Fr. 7’000.-- zu befinden.

6. Kostenfolge sei die gesetzliche.“

Der in der Anklageschrift erwähnte Sachverhalt beruhe mit Ausnahme der 
SVG-Widerhandlungen im Wesentlichen auf den Aussagen von AG.. Der Ange-
klagte bestreite insbesondere die sexuelle Nötigung, aber auch andere Straftaten 
zum Nachteil seiner Ehefrau. Im Rahmen der vorzunehmenden Beweiswürdigung 
sei zu beachten, dass in den entsprechenden Aussagen des Opfers keine wesent-
lichen Widersprüche ausgemacht werden könnten. Zudem sei die Darstellung der 
Geschehnisse deutlich, klar und detailliert. Im Übrigen lieferten die bei AG. immer 
öfters auftgetretenen Scheidenentzündungen die Erklärung dafür, weshalb der An-
geklagte zunehmend am Analverkehr interessiert gewesen sei. Zwar habe die me-
dizinische Untersuchung zwei Tage nach dem letzten behaupteten Analverkehr 
keine Spuren zutage gefördert, doch sei dies nach Auffassung der Gutachterin vom 
gerichtsmedizinischen Institut in U. aufgrund der Anatomie und Funktion des End-
darmes nichts Aussergewöhnliches. Aus dem Fehlen von Spermien könne dem-
nach nicht der Schluss gezogen werden, es habe kein Analverkehr stattgefunden. 
Abgesehen davon würden auch die gemeinsamen Kinder die gewalttätigen Aus-
brüche ihres Vaters seiner Frau und ihnen gegenüber bestätigen, was ein weiteres 
Indiz dafür sei, dass die Aussagen von AG. zuträfen. Demgegenüber könne sich 
AF. mit Ausnahme gelegentlichen Alkoholkonsums erstaunlicherweise weder an 
eine erniedrigende Behandlung seiner Ehefrau und der gemeinsamen Kinder noch 
an die verschiedenen, AG. zugefügten Verletzungen erinnern. Immerhin habe er 

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aber eingeräumt, anfangs August 2002 von ihr Sex gewollt zu haben. Insgesamt 
müsse auf die Aussagen der Ehefrau abgestellt werden. Bezüglich der Subsumtion 
bestehe kein Zweifel, dass der mehrfach vollzogene Analverkehr eine gewaltsam 
erzwungene sexuelle Nötigung darstelle. Das Ausdrücken der Zigarette sei ebenso 
vorsätzlich erfolgt und sei als einfache Körperverletzung zu werten. Ebenfalls aus-
gewiesen seien die mehrfach ausgesprochenen Drohungen und die versuchte Nöti-
gung. Das Tatverschulden wiege schwer, habe sich der Angeklagte doch rück-
sichtslos an seiner Ehefrau vergangen. Strafschärfend seien das Zusamentreffen 
verschiedener strafbarer Handlungen und die mehrfache Begangenschaft zu 
berücksichtigen. Leicht strafmildernd wirke sich die gutachterlich diagnostizierte, 
leichtgradige Verminderung der Zurechnungsfähigkeit aus. Kaum strafmildernd falle 
indessen der Umstand ins Gewicht, dass es im Falle der Nötigung beim Versuch 
geblieben sei. Die Vorstrafen und der angeschlagene Leumund seien straferhöhend 
in Rechnung zu stellen. Strafminderungsgründe lägen nicht vor, habe sich AF. doch 
weder geständig noch einsichtig gezeigt. 

Die Adhäsionsklägerin qualifizierte das Verhalten des Angeklagten als 
schweren Fall häuslicher Gewalt. Das Verhalten von AG. zeige die in solchen Si-
tuationen typische Verhaltensweise des Opfers - erst nach langer Zeit habe sie den 
Mut zur Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann gefasst. AF. habe seine Ehe-
frau psychisch und physisch ruiniert und darüber hinaus auch die gemeinsamen 
Kinder gedemütigt. Insbesondere hätten diese immer wieder zusehen müssen, wie 
ihr Vater die Mutter verbal und zuweilen mit einem Messer in Hand bedroht habe. 
AF. bagatellisiere bewusst sein Verhalten, währenddem feststehe, dass die Ge-
schädigte auch im gegenwärtigen Zeitpunkt noch erheblich traumatisiert sei und 
eine ganze IV-Rente beziehe. Auch nach der Trennung habe der Angeklagte seine 
Ehefrau am Telefon bedroht und sie weiter terrorisiert. AG. habe Angst vor Män-
nern, könne nachts nur mit Licht schlafen und fürchte sich vor Menschenansamm-
lungen. Nur langsam gewinne sie die Fähigkeit zu einer normalen Lebensführung 
zurück. Die Schwere der zugefügten immateriellen Unbill rechtfertige ohne weiteres 
eine Genugtuung in Höhe von Fr. 30'000.--. Die geltend gemachte Schadenersatz-
forderung sei vom Gericht dem Grundsatze nach gutzuheissen und im Übrigen ins 
Zivilverfahren zu verweisen.

Der amtliche Verteidiger anerkannte den in der Anklageschrift relevierten 
Sachverhalt sowie die von der Staatsanwaltschaft vorgenommene rechtliche Sub-
sumtion zumindest dem Grundsatze nach. Es lägen zerrüttete Familienverhältnisse 
vor und vom Angeklagten werde das Bild eines tyrannischen Ehemannes und Fa-

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milienvaters gezeichnet. Erwiesenermassen sei AF. seiner Frau gegenüber tätlich 
geworden und habe sie bedroht. Was den Vorwurf der sexuellen Nötigung anbe-
lange, dürfe jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass sich die Ehefrau mög-
licherweise an ihrem Mann rächen wolle. Ein medizinischer Nachweis für den an-
geblichen Analverkehr sei nicht vorhanden; bei der Würdigung der Aussagen von 
AG. sei demzufolge eine gewisse Vorsicht am Platze. Unter Verzicht auf Stellung 
bestimmter Anträge zur Strafzumessung beantragte der private Verteidiger eine 
sach- und tätergerechte Verurteilung durch das Kantonsgericht. 

Auf die weitere Begründung der Anträge des Anklagevertreters, der Adhäsi-
onsklägerin und des amtlichen Verteidigers wird, soweit erforderlich, in den nach-
folgenden Erwägungen näher eingegangen.

Die Strafkammer zieht in Erwägung :

1. Der Angeklagte bestreitet die ihm in Ziff. 1 bis 4 der Anklageschrift zur 
Last gelegten Tatbestände der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 
Abs. 1 und 2 StGB, der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB, der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB und des vollendeten 
Nötigungsversuchs gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 2 StGB. 
Zur Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts sind deshalb seine Aussagen 
sowie diejenigen der in der Anklageschrift genannten Personen einer umfassenden 
Prüfung und Würdigung zu unterziehen. Dabei gelten folgende Grundsätze: 

a) Die Beweislast für die dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat liegt 
grundsätzlich beim Staat (Willy Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des 
Kantons Graubünden [StPO], 2. Auflage, N. 1996, S. 306). Bei der Würdigung der 
Beweismittel entscheidet das Gericht nach freier Überzeugung (Art. 125 Abs. 2 
StPO). An den Tatbeweis sind hohe Anforderungen zu stellen; verlangt wird mehr 
als eine blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft, 
denn mit solcher Gewissheit lassen sich infolge der Unzulänglichkeit des 
menschlichen Erkenntnisvermögens Tatsachen kaum je beweisen (Padrutt, a.a.O., 
S. 306). Nach der aus Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK fliessenden Beweis-
würdigungsregel „in dubio pro reo“ darf sich der Strafrichter jedoch nicht von der 
Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt 
erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachver-
halt so verwirklicht hat, oder mit anderen Worten Zweifel an den tatsächlichen 
Voraussetzungen für ein verurteilendes Erkenntnis bestehen (BGE 124 IV 87 f.). 

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Bloss theoretische Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil solche immer 
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich 
vielmehr um erhebliche und schlechterdings nicht zu unterdrückende Zweifel 
handeln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen 
(BGE 120 Ia 37). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung an starre Beweisregeln 
die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für einen 
bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeugung 
objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Beschuldigten muss 
sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige Zweifel in 
ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen (Padrutt, a.a.O., S. 307). Diese 
allgemeine Rechtsregel kommt im Übrigen nicht bereits dann zur Anwendung, wenn 
Aussage gegen Aussage steht; vielmehr ist anhand sämtlicher sich aus den Akten 
ergebender Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der Staatsanwaltschaft 
oder jene des Beschuldigten den Richter zu überzeugen vermag. Nur für den Fall, 
dass eine solche Überzeugung weder in der einen noch in der anderen Richtung zu 
gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz „in dubio pro reo“ der für den 
Beschuldigten günstigere Sachverhalt Anwendung finden (Padrutt, a.a.O., S. 308), 
und es hat alsdann ein Freispruch zu erfolgen.

b) Zu den verschiedenen Beweismitteln ist anzumerken, dass der Grund-
satz der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung verbietet. Demnach sind die 
Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen wie auch jene des Angeschuldigten voll 
gültige Beweismittel mit derselben Beweiseignung. Bei der Würdigung der Beweise 
ist weniger die Form, sondern vielmehr der Inhalt, das heisst deren innere Autorität, 
massgebend (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Auflage, Zürich 1997, N 613). 
Entsprechend interessiert im Rahmen des Gerichtsverfahrens nicht in erster Linie 
die persönliche Glaubwürdigkeit des Angeschuldigten oder von Zeugen, sondern 
die sachliche Glaubhaftigkeit ihrer konkreten Aussagen (Robert Hauser, Der Zeu-
genbeweis im Strafprozess mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, 
S. 311 ff.). Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere 
Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die 
konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu werten. Die Schilderung 
des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu 
erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Indiz für die Richtigkeit 
der Deposition. Für die Korrektheit einer Aussage sprechen im weiteren die 
Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge, die 
Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle, 
Entlastungsbemerkungen zu Gunsten des Beschuldigten und die Konstanz in der 

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Aussage bei verschiedenen Befragungen. Bei wahrheitswidrigen Bekundungen 
fehlen diese Kennzeichen regelmässig. Indizien für bewusst oder unbewusst 
falsche Aussagen sind Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen 
Aussagen, Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im 
Verlaufe mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende 
Antworten und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen. 

2. Gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren 
oder mit Gefängnis bestraft, wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen 
oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, 
Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig 
macht. Geschütztes Rechtsgut ist das Recht auf Selbstbestimmung in sexueller Hin-
sicht. Bezüglich Täter und Opfer kennt Art. 189 StGB im Gegensatz zu Art. 190 
StGB keine Einschränkung. Die ersten drei im Gesetz erwähnten Nötigungsmittel 
brauchen nicht zu einer vollständigen Widerstandsunfähigkeit des Opfers zu führen; 
es genügt die Schaffung einer tatsituativen Zwangslage, welche dem Opfer eine 
Gegenwehr verunmöglicht oder unzumutbar macht und es dazu bewegt wird, dem 
Ansinnen des Täters nachzugeben. Das nach Art. 189 StGB dem Opfer abgenötigte 
Verhalten besteht in der Duldung beziehungsweise der Vornahme der bei-
schlafsähnlichen oder sexuellen Handlung (BGE 127 IV 198 ff.); zwischen Einsatz 
des Nötigungsmittels und dem Taterfolg muss ein Kausalzusammenhang bestehen. 
Der Täter muss gerade durch die Nötigungshandlung die Duldung der sexuellen 
Handlung erzwungen haben (Stefan Trechsel, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 
Kurzkommentar, 2. Auflage, Zürich 1997, N 11 zu Art. 189 StGB). Unter den Begriff 
der sexuellen Handlungen fallen orale und anale Penetrationen, Einführung von Ge-
genständen in Vagina und Anus, Reiben des Geschlechtsteils des Täters oder der 
Täterin an den Genitalien oder an der Brust des Opfers, aber auch etwa das längere 
oder intensive Betasten des weiblichen oder männlichen Geschlechtsteils über der 
Kleidung sowie Zungenküsse (Philipp Maier, in: Marcel A. Niggli/Hans Wiprächtiger 
[Hrsg.], Basler Kommentar, Strafgesetzbuch II, Art. 111-401 StGB, Basel 2003, N 
31 ff. zu Art. 189). Unter dem Begriff der beischlafsähnlichen Handlung versteht 
man eine körperliche Vereinigung, die in ihrer Erscheinung und Innigkeit mit dem 
Beischlaf vergleichbar ist. Als Beispiele können das Reiben des männlichen Gliedes 
an den Oberschenkeln direkt unterhalb des Geschlechtsteils des Partners oder das 
Stimulieren der Vagina oder des Gliedes durch Zunge oder Lippen genannt werden. 
Die Vollendung der Tat tritt mit der beischlafsähnlichen beziehungsweise sexuellen 
Handlung ein, zu deren Duldung das Opfer genötigt wird. Subjektiv ist Vorsatz er-
forderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. Wer es ernstlich für möglich hält, das Op-

13

fer könnte mit der sexuellen Handlung nicht einverstanden sein und nach Einsatz 
des Nötigungsmittels dennoch die sexuelle Handlung vornimmt oder das Opfers zu 
deren Duldung veranlasst, erfüllt den subjektiven Tatbestand der sexuellen Nöti-
gung. Gemäss Art. 189 Abs. 2 StGB wird die Tat auf Antrag verfolgt, wenn der Täter 
der Ehegatte des Opfers ist und mit diesem in einer Lebensgemeinschaft zusam-
menlebt. 

a) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 17. August 2002 (act. 
5.2) machte AG. geltend, dass der Angeklagte ein grosses Problem mit dem Alkohol 
habe und sie bereits am 3. Tag nach der Hochzeit im Jahre 1983 von ihm geschla-
gen worden sei. Die Lage sei zunehmend prekärer geworden, insbesondere das 
Intimleben habe sich mehr und mehr verschlechtert. Seit einem halben Jahr habe 
der Angeklagte verschiedentlich gegen ihren Willen den Analverkehr vollzogen, 
letztmals am 15. August 2002. In der darauffolgenden polizeilichen Einvernahme 
vom 7. September 2002 (act. 5.3) bestätigte sie die körperlichen Übergriffe seitens 
des Ehemannes; dieser sei vielfach betrunken nach Hause gekommen, habe sich 
wie ein wildes Tier aufgeführt, habe sie und die Kinder beschimpft und gedroht, sie 
umzubringen. Aus Angst vor den Konsequenzen habe sie gegen ihren Willen den 
Geschlechtsverkehr über sich ergehen lassen, so auch an jenem, bereits in der ers-
ten Einvernahme erwähnten 15. August 2002. Gleichlautende Angaben machte AG. 
schliesslich im Rahmen des Konfrontverhörs vom 5. Juni 2003 zwischen ihr und 
dem Angeklagten (act. 5.6). Ihr Ehemann sei häufig stark alkoholisiert nach Hause 
gekommen. Erwähnt werden zudem wiederholte Scheideninfektionen, weswegen 
sie sich seit dem Jahre 2000 immer wieder in ärztliche Obhut habe begeben müssen 
und zunehmend Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verspürt habe; schliesslich 
habe sie den Intimverkehr mit dem Angeklagte gänzlich abgelehnt. Die Ehefrau 
blieb im Rahmen der Konfronteinvernahme bei ihrer Aussage, wonach AF. mit ihr 
in der Zeit von Mitte Februar bis Mitte August 2002 mehrfach gegen ihren erklärten 
Willen Analverkehr gehabt habe, indem er sie mit Armen und Beinen umklammerte 
und ihr so jegliche Gegenwehr verunmöglichte. Insbesondere der letzte Analverkehr 
vom 15. August 2002 sei für sie ganz schlimm gewesen, er habe sie danach ge-
demütigt, an den Haaren gezogen und sich auf den Standpunkt gestellt, dass er als 
gesunder Mann Verkehr brauche - sie müsse dies entsprechend aushalten. Die ge-
meinsamen Kinder AC. und I. konnten zwar keine sexuellen Übergriffe beobachten, 
bestätigen jedoch den häufigen Alkohokonsum und die Aggressivität des Angeklag-
ten, welcher in diesem Zustand auch ihnen gegenüber gewalttätig geworden sei. 
Den Angaben von AC. zufolge (polizeiliche Einvernahme vom 17. August 2002, act. 
5.1) konsumiere sein Vater sehr oft alkoholische Getränke, verteile grundlos Ohrfei-

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gen und Faustschläge - seit er sich erinnern könne, sei der Angeklagte unter Alko-
holeinfluss ihnen gegenüber immer sehr aggressiv gewesen. Vor allem seine Mutter 
sei oftmals gechlagen und erniedrigt worden. I. machte in ihrer Einvernahme vom 
16. März 2004 ebenfalls geltend, dass der Angeklagte sehr viel Alkohol getrunken 
habe, sehr aggressiv gewesen sei und auch vor Tätlichkeiten vor allem der Mutter 
gegenüber nicht zurückgeschreckt sei; vielfach sei AG. ohne jeden Grund geschla-
gen worden (vgl. act. 5.16). AF. bestreitet sexuelle Übergriffe seiner Frau gegenüber 
und macht geltend, er habe seit zwei bis drei Jahren keinen Geschlechtsverkehr 
mehr mit ihr gehabt. Seine Frau sei im Übrigen psychisch krank und könne erzählen, 
was sie wolle (act. 5.6, 5.17). Unzutreffend seien grösstenteils auch die Aussagen 
der Kinder, namentlich habe AG. die Tochter I. gegen ihn aufgestachelt. Möglicher-
weise, so die Ausführungen des Angeklagten anlässlich der Hauptverhandlung, 
seien überdies Rachegelüste seiner Ehefrau im Zusammenhang mit seinen ausser-
ehelichen Affären im Spiel. Zutreffend sei lediglich, dass er seine Ehefrau gelegent-
lich geohrfeigt habe, was in seinem Kulturraum nichts Aussergewöhnliches sei und 
nicht mit Schlägen gleichgesetzt werden könne (act. 5.6). Weitgehend zugestanden 
ist der von den übrigen Familienmitgliedern angeführte intensive Alkoholkonsum. 
Es sei zutreffend, dass er sehr häufig Alkohol konsumiert habe; seit seiner Jugend-
zeit trinke er häufig, fast täglich. Wenn er trinke, dann so viel, bis er betrunken sei - 
nach dem ersten Bier könne er nicht mehr aufhören (act. 5.10). AF. stellte jedoch in 
Abrede, dass er sich nach dem Konsum aggressiv fühle. Wie nachfolgend gleich 
dargetan wird, steht diese Schlussfolgerung in umittelbarem Widerspruch zu den im 
Rahmen der Gutachtenserstellung gemachten Aussagen des Angeklagten.

b) Dem im Auftrag des zuständigen Untersuchungsrichters erstellten 
Gutachten der Psychiatrischen Klinik AD. vom 31. Juli 2003 (act. 2.26) ist zu ent-
nehmen, dass AF. an einer schweren Alkoholabhängigkeit leidet. Des Weiteren wur-
den beim Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie eine niedrige 
Intelligenz diagnostiziert. Die Alkoholproblematik ist in der Familie des Angeklagten 
offensichtlich sehr ausgeprägt; sowohl die Eltern als auch der Bruder hätten dies-
bezüglich erhebliche Probleme. Eigenen Angaben zufolge habe er mit 16 Jahren 
begonnen, Alkhol zu konsumieren; nach einem halben Liter Bier verspüre er die 
Lust zu unkontrolliertem weiteren Konsum. Nach etwa fünf Litern Bier fühle er sich 
immer stärker und selbstbewusster, werde langsam aggressiv und vermehrt reizbar 
(S. 15 Ziff. 1.3). Einen Verlust der Impulskontrolle erlebe er nur unter Alkoholein-
fluss; nüchtern ertrage er blöde Bemerkungen und Provokationen anderer relativ 
lange. Mit Alkohol öffneten sich jedoch die Schleusen zu aggressivem Verhalten 
aber rasch und er sei dann nicht mehr fähig, sein Verhalten zu steuern (S. 18/19, 

15

Ziff. 4). Zu beachten ist insbesondere auch die Aussage, wonach die Provozierbar-
keit in den letzten Jahren infolge seiner Arbeitslosigkeit und der gesundheitlichen 
Probleme deutlich zugenommen habe (S. 26 Ziff. 4). Bei der Beurteilung der Zu-
rechnungsfähigkeit gelangen die Experten zum Schluss, dass der Alkohol beim An-
geklagten zu einer Enthemmung und Störung der Impulskontrolle führe (S. 29 Ziff. 
3). Die festgestellte dissoziale Persönlichkeitsstörung stelle gewissermassen den 
Nährboden für Straftaten dar; hinzu kämen die unter Alkoholeinfluss niedrigere 
Frustrationstoleranz und das Bewusstsein beim Angeklagten, über gesundheitliche 
Probleme zu verfügen. Durch diese Umstände werde die im Alltag notwendige 
Selbstbeherrschung beeinträchtigt. Da es AF. als Pflicht seiner Ehefrau ansehe, mit 
ihm den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, sei die Gefährdung im Hinblick auf all-
fällige sexuelle Übergriffe am grössten, wenn er in alkoholisiertem Zustand ent-
hemmt sei und sein sexuelles Bedürfnis mit ihr nicht stillen könne (S. 31). AF. 
machte geltend, mit seiner Frau seit etwa 2 ½ bis 3 Jahren keinen Intimverkehr 
mehr gehabt zu haben (act. 5.17). Grund dafür waren die seit dem Jahre 2000 im-
mer häufiger eintretenden Scheideninfektionen von AG., was den Geschlechtsver-
kehr für sie zunehmend zum schmerzhaften Erlebnis machte. Dass das sexuelle 
Verlangen beim Angeklagten jedoch nicht erloschen war, bestätigte er anlässlich 
der polizeilichen Einvernahme vom 24. September 2002 (act. 5.4). Anfangs August 
2002 habe er Sex mit seiner Frau haben wollen, was diese jedoch ablehnte. Unzu-
treffend sind daher die Angaben von AF. in der untersuchungsrichterlichen Einver-
nahme vom 7. Mai 2004 (act. 5.17), wonach auch er keinen Geschlechtsverkehr 
mehr mit seiner Ehefrau pflegen wollte. In sämtlichen Einvernahmen machte AG. 
detaillierte und widerspruchsfreie Angaben zum Geschehnisablauf; die Konstanz im 
Aussageverhalten in den zeitlich auseinanderliegenden Befragungen ist als Indiz für 
wahrheitsgetreue Ausführungen zu werten. Insbesondere die Ereignisse am Abend 
des 15. August 2002 - dem Zeitpunkt des letzten Analverkehrs - wurden in solch 
charakteristischer und anschaulicher Weise geschildert, wie es nur von demjenigen 
zu erwarten ist, der das Geschehene tatsächlich miterlebt hat. AG. hat das Erlebte 
als sehr schlimm empfunden; zu den aufgrund der Hämorrhoidenoperation erlitte-
nen Schmerzen beim Verkehr kam die Demütigung durch den Angeklagten hinzu, 
indem er seiner Frau gegenüber handgreiflich wurde und sie - da sie nicht imstande 
sei, seinen sexuellen Bedürfnissen gerecht zu werden - als Mensch herabwürdigte 
(act. 5.6). Die beiden Kinder AC. und I. konnten die geltend gemachten Übergriffe 
wie erwähnt nicht aus eigener Wahrnehmung bestätigen, jedoch stimmen ihre Aus-
sagen mit jenen von AG. überein, wonach grundlose gewaltsame körperliche Über-
griffe und andere Schikanen seitens des Angeklagten an der Tagesordnung waren. 
Soweit AF. Übergriffe verneint, sein Verhalten bagatellisiert (er habe nur gelegent-

16

lich Ohrfeigen erteilt), seine Frau als psychisch krank bezeichnet und auch die Aus-
sagen seiner Kinder als gänzlich unwahr taxiert, ist er nicht zu hören. Wie erläutert, 
war sich AF. bewusst, in alkoholisiertem Zustand zunehmend aggressiver und ent-
hemmter zu werden. Trotz seinen diversen ausserehelichen Beziehungen, von wel-
chen die Ehefrau zumindest teilweise Kenntnis hatte, suchte er auch in der Ehe 
noch nach sexueller Befriedigung. Es passt durchaus ins beschriebene Verhaltens-
muster, wenn AF. - da infolge der Scheideninfektion seiner Ehefrau kein „normaler“ 
Geschlechtsverkehr in Frage kam - in alkoholisiertem und entsprechend aggressi-
vem Zustand seinen Drang auf die in der Anklageschrift genannte Weise zu befrie-
digen suchte. Gerade die geringe Frustrationstoleranz nach Alkoholgenuss dürfte 
vor dem Hintergrund der immer öfters abweisenden Haltung seiner Ehefrau zu zu-
nehmender Aggressivität geführt haben, machte AF. doch selbst eine deutlich ge-
stiegene Provozierbarkeit im Verlaufe der letzten zwei Jahre geltend (act. 2.26, S. 
26 unten). Gemäss Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin U. liessen sich zwei 
Tage nach dem von der Ehefrau geltend gemachten Analverkehr vom 15. August 
2002 zwar keine Spermien mehr im Bereich des Afters nachweisen (nach Einschät-
zung der Experten würden diese im Regelfall innert 2 Tagen absterben;  vgl. act. 
4.6). Aus dem fehlenden Sachbeweis kann der Angeklagte indessen nichts zu sei-
nen Gunsten ableiten. Neben den bereits erwähnten Aussagen sprechen weitere 
Indizien für erfolgte Übergriffe: Seit März 2003 steht AG. bei Dr. med AL. in ambu-
lanter psychiatrischer Behandlung. Dem Arztbericht vom 23. Mai 2004 (vgl. act. 
1.84, Beilage 1 zur Adhäsionsklage) ist zu entnehmen, dass sie auch mehr als 1 ½ 
Jahre nach der Trennung von AF. noch an körperlichen und seelischen Folgen leide 
(schwere Schlafstörungen, Angstzustände, reduzierte Widerstandskraft, grosses 
Misstrauen gegenüber neuen Bekanntschaften, usw.). Dr. med AM. untersuchte 
den körperlichen Zustand von AG. erstmals am 20. Dezember 2002. Bei dieser Kon-
sultation sei die Patientin in sehr schlechter psychischer und physischer Verfassung 
gewesen (act. 1.84, Beilage 2). Auch in letzter Zeit habe die Patientin häufig weinen 
müssen und leide unter Bauchschmerzen, Migräneattacken und Schlafstörungen. 
Das im Auftrag der IV durchgeführte Gutachten gestehe AG. seit Anfang 2003 eine 
hundertprozentige Arbeitsunfähigkeit infolge schwerer posttraumatischer Belas-
tungsstörung zu. Im Lichte all dieser Ausführungen besteht kein Zweifel, dass sich 
der Sachverhalt wie in der Anklageschrift dargestellt zugetragen hat.

c) Das Tatmittel der Gewalt ist gegeben, wenn der Täter auf den Körper 
des Opfers einwirkt. Dies kann entweder mittels Brachialgewalt (Schlagen, Stechen, 
Festhalten) oder durch Betäubung, Narkotisierung und Einsatz von Tränengas (wei-
tere Beispiele bei Maier, Basler Kommentar, op. cit. N 12 ff. zu Art. 189 StGB) erfol-

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gen. Dass das Opfer widerstandsunfähig wird, ist nicht erforderlich. Es genügt jene 
Gewalt, welche nötig ist, dieses gefügig zu machen. Nicht nötig ist insbesondere, 
dass sich das Opfer andauernd wehrt - unter Umständen gibt es auf, weil es eine 
weitere Abwehr für zwecklos hält oder zermürbt ist (Trechsel, a.a.O., N 5 zu Art. 189 
StGB). Der seiner Ehefrau körperlich eindeutig überlegene Angeklagte hat sein Op-
fer nach dem oben Dargelegten mit Armen und Beinen umklammert und so den 
Analverkehr erzwungen. Darin ist Gewaltanwendung im Sinne des Gesetzes zu er-
blicken, sah sich AG. doch zur Gegenwehr ausserstande. In subjektiver Hinsicht 
handelte der Angeklagte vorsätzlich, wusste er doch um den Widerstand seiner 
Ehefrau und darum, dass ihr der Verkehr aufgrund der erfolgten Operation im Anal-
bereich Schmerzen bereitete. Nichts zugunsten des Angeklagten lässt sich aus dem 
Umstand herleiten, dass er aus dem jugoslawischen Kulturraum stammt. Nach bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung sind auch bei solchen Tätern keine anderen 
Massstäbe als bei Schweizern anzusetzen; auch die dortige Rechtstradition schützt 
Frauen grundsätzlich vor sexuellen Übergriffen (Maier, Basler Kommentar, a.a.O., 
N 36 zu Art. 189 StGB). Indem AF. seine Frau in der Zeit zwischen Anfangs März 
2002 und August 2002 insgesamt rund sechs Mal gegen ihren Willen zur Duldung 
des Analverkehrs gezwungen hat, verstiess er mehrfach gegen Art. 189 Abs. 1 
StGB. Den zur Strafverfolgung notwendigen Strafantrag hat AG. am 7. September 
2002 gestellt (act. 4.3). 

3. a) Der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 
macht sich schuldig, wer vorsätzlich einen Menschen an Körper oder Gesundheit 
schädigt. Eine Körperverletzung im Sinne einer Schädigung von Körper oder Ge-
sundheit kann im Allgemeinen erst dann angenommen werden, wenn durch die Be-
einträchtigung ein krankhafter Zustand herbeigeführt wird - bloss vorübergehende, 
unwesentliche Störungen des Wohlbefindens sind zur Begründung der Strafbarkeit 
nicht ausreichend (Andreas Roth, Basler Kommentar, a.a.O., N 14 f. Vorbemerkun-
gen zu Art. 122 StGB). So liegt eine Schädigung der körperlichen Integrität immer 
dann vor, wenn die zugefügten Verletzungen oder Schädigungen mindestens eine 
gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern. Dies trifft beispielsweise auf Kno-
chenbrüche zu, selbst wenn diese unkompliziert sind und verhältnismässig rasch 
und problemlos ausheilen. Gleiches gilt für durch Schläge oder Stösse hervorgeru-
fene Quetschungen, sofern diese nicht lediglich eine vorübergehende harmlose 
Störung des Wohlbefindens zur Folge haben. Dass die körperlichen Beeinträchti-
gungen den Beizug eines Arztes nötig machen, ist nicht erforderlich (Andreas Roth, 
Basler Kommentar, a.a.O., N 4 zu Art. 123 StGB; BGE 103 IV 65). Ähnliches gilt für 
die Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit. So sind jene – 

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vorübergehenden – Störungen als einfache Körperverletzung zu behandeln, welche 
einem eigentlichen krankhaften Zustand gleichkommen, wie beispielsweise die Zu-
fügung erheblicher Schmerzen (Trechsel, a.a.O., N 2 zu Art. 123 StGB).

b) Der Angeklagte stellt in Abrede, seiner Frau anfangs August 2002 ab-
sichtlich eine brennende Zigarette auf dem Rücken ausgedrückt zu haben; AG. sei 
vielmehr zufällig mit der brennenden Zigarette in Kontakt gekommen und habe sich 
leicht verbrannt. An erster Stelle ist anzumerken, dass das Aussageverhalten des 
Angeklagten in diesem Zusammenhang widersprüchlich ist. In der Einvernahme 
vom 23. Mai 2003 (act. 3.4) machte AF. geltend, seine Frau habe geschlafen. 
Später führte er aus, sie sei wach gewesen und habe ihm den Rücken zugedreht 
(act. 5.4 und 5.6). AG. machte stets geltend, bei vollem Bewusstsein gewesen zu 
sein (act. 5.3 und 5.6). Unbestrittenermassen wollte der Angeklagte an jenem 
Abend Sex mit ihr, was AG. indes ablehnte. Wegen der Verbrennung begab sie sich 
am 15. August 2002 zu Dr. med. R.. In seinem Bericht vom 9. März 2003 an die 
Staatsanwaltschaft Graubünden hielt dieser fest, dass die vorgefundene Verletzung 
durch das Ausdrücken einer Zigarette entstanden sein könnte, wobei es unwahr-
scheinlich sei, dass die Brandspur durch einen unachtsamen Kontakt zwischen Rü-
cken und Zigarette entstehen konnte. Abgesehen von den überzeugenden Aus-
führungen des behandelnden Arztes sprechen auch die Tatumstände für ein ab-
sichtliches Ausdrücken der Zigarette auf dem Rücken des Opfers. AG. war nicht 
bereit, dem Ansinnen ihres Ehemannes nachzukommen. Es ist naheliegend anzu-
nehmen, dass AF. - da der „übliche“ Geschlechtsverkehr zwischen den Ehegatten 
bereits seit längerem ausgeblieben war - über die aus seiner Sicht bestehende 
Pflichtvergessenheit seiner Ehefrau nicht sehr erbaut war, sah er sich doch ausser-
stande, mit ihr auf diesem Wege seine Bedürfnisse zu stillen. AG. machte geltend, 
dass ihr Mann mit ihr habe schlafen wollen und sehr böse gewesen sei (act. 5.3). 
Angesichts der widerspruchsfreien Aussagen und des nachvollziehbaren Arztbe-
richtes von Dr. med. R. besteht kein Zweifel, dass der Angeklagte seine Frau vor-
sätzlich verletzt und damit sowohl den objektiven wie den subjektiven Tatbestand 
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt hat. Ein rechtsgültiger Strafantrag liegt vor.

4. a) Gemäss Art. 180 StGB wird, wer jemanden durch schwere Drohung 
in Schrecken oder Angst versetzt, auf Antrag mit Gefängnis oder mit Busse bestraft. 
In objektiver Hinsicht muss der Täter einen schweren Nachteil in Aussicht stellen, 
dessen tatsächliche Zufügung er als von seinem Willen abhängig darstellt. Ob das 
angedrohte Übel ernst gemeint ist und der Täter es realisieren kann, ist unerheblich 
(Trechsel, a.a.O., N 2 zu Art. 180 StGB). Bei verbaler Drohung ist zu prüfen, ob die 

19

gefallenen Äusserungen nach den gesamten Umständen geeignet gewesen sind, 
das Opfer in Angst und Schrecken zu versetzen. Dabei ist ein objektiver Tatbestand 
anzuwenden; nur diejenige Drohung soll als schwer gelten, die ein verständiger 
Mensch mit durchschnittlicher Belastbarkeit als solche empfindet (BGE 99 IV 212 
ff.). Mimosen werden vom Strafrecht nicht geschützt. Vollendet ist das Delikt, wenn 
das Opfer tatsächlich in Angst und Schrecken versetzt wird; der Bedrohte muss die 
Verwirklichung des angedrohten Übels befürchten. Daran fehlt es, wenn das Opfer 
nur von einem Bluff der Täterschaft ausgeht oder ihm der angedrohte Nachteil 
lediglich unangenehm ist (Delnon/Rüdy, Basler Kommentar, a.a.O., N 19 zu Art. 180 
StGB). Subjektiv ist Vorsatz bzw. Eventualvorsatz erforderlich. Der Bedrohende 
muss sein Opfer mit Wissen und Willen in Schrecken oder Angst versetzen oder 
zumindest in Kauf nehmen, dass sein Verhalten eine solche Wirkung zeitigt.

b) Nach Aussagen von AG. habe sie der Angeklagte nach ihrem Auszug 
aus dem Wohnhaus mehrfach auf dem Natel angerufen und sowohl ihr als auch der 
Tochter I. mit dem Tod gedroht. Dies sei täglich mehrmals erfolgt. Anschaulich hat 
AG. die erfolgten Äusserungen im Konfrontverhör mit dem Angeklagten beschrie-
ben (act. 5.6, S. 12). Ihr Ehemann habe gedroht, dass er sie (die ganze Familie) „in 
Stücke metzgen und im Sarg nach Jugoslawien schicken würde.“ Für diesen „Trans-
port“ habe er bereits Geld im Tresor bereitgestellt. Auch die Tochter I. bestätigte die 
ausgesprochenen Drohungen (act. 5.16). Der Angeklagte bestreitet dies vollum-
fänglich; nichts davon stimme. Telefonate seien erfolgt, gedroht habe er AG. jedoch 
nie. Er habe sie lediglich gebeten, wieder nach Hause zurückzukommen. Er wolle, 
dass man wieder normal miteinander leben könne (vgl. act. 5.4 und 5.6). Die Aus-
führungen des Angeklagten sind unglaubwürdig. Dass des öfteren Telefonate er-
folgt sind, ist aktenkundig erstellt (act. 5.7) und wird von AF. nicht grundsätzlich in 
Abrede gestellt. Zu dieser Zeit trank er eigenen Angaben zufolge auch noch regel-
mässig Alkohol. Wenn nun der Angeklagte - vor der im Zusammenhang mit dem 
Alkoholkonsum hinlänglich erstellten Aggressivität und erhöhten Provozierbarkeit - 
geltend macht, er habe seine Ehefrau jeweils gebeten, nach Hause zu kommen, so 
erscheint ein solch friedfertiges Verhalten geradezu als persönlichkeitsfremd. Auf-
grund der Verfahrensakten ist der Beweis für die ausgestossenen Drohungen klar 
erbracht. Die Schwere der in Aussicht gestellten Nachteile war durchaus geeignet, 
AG. in Angst und Schrecken zu versetzen, umso mehr, als sie in der Vergangenheit 
zur Genüge gewalttätige Übergriffe über sich hatte ergehen lassen müssen. In sub-
jektiver Hinsicht handelte AF. vorsätzlich. Der Strafantrag von AG. liegt bei den Ak-
ten (act. 4.3).

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5. a) Der Nötigung nach Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer jemanden 
durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschrän-
kung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. 
Der Tatbestand schützt die Freheit der Willensbildung, Willensentschliessung und 
Willensbetätigung des einzelnen Menschen; strafbar macht sich, wer diese in un-
zulässiger Weise einschränkt (Delnon/Rüdy, Basler Kommentar, a.a.O., N 8 zu Art. 
181 StGB). Der objektive Tatbestand setzt voraus, dass der Täter in rechtswidriger 
Weise eines der genannten Nötigungsmittel (Gewalt, Androhung ernstlicher Nach-
teile oder andere Beschränkung in der Handlungsfreiheit) anwendet und damit ei-
nen entsprechenden Taterfolg erzielt (Jörg Rehberg/Niklaus Schmid/Andreas Do-
natsch, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen, 8. Auflage, Zürich 2003, S. 370). 
Der Begriff der Gewalt umfasst Einwirkungen auf  den Körper eines Menschen mit 
physikalisch oder chemisch fassbaren Mitteln; ihre Intensität braucht nicht derart zu 
sein, dass das Opfer widerstandsunfähig wird. Zur Anwendung gelangt ein relativer 
Massstab - es genügt, wenn Art und Intensität der vom Täter gewählten Gewaltein-
wirkung den freien Willen des Opfers zu brechen vermögen (Trechsel, a.a.O, N 2 f. 
zu Art. 181 StGB). Drohung ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung das In-
aussichtstellen eines Übels, dessen Eintritt jedenfalls nach der beim Opfer geweck-
ten Vorstellung vom Willen des Täters abhängt und dessen Androhung geeignet ist, 
den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit einzuschränken. Nicht erforderlich 
ist die Absicht, die Drohung wahrzumachen, doch muss das Opfer sie ernst nehmen 
(BGE 120 IV 19, 106 IV 128; Trechsel, a.a.O., Delnon/Rüdy, a.a.O., N 25 f. zu Art. 
181 StGB). Massgebend für die Ernstlichkeit des angedrohten Nachteils sind im 
Grundsatz objektive, absolute Kriterien. Die Androhung muss geeignet sein, auch 
eine verständige Person in der Lage der Betroffenen gefügig zu machen (BGE 120 
IV 19; Trechsel, a.a.O., N 5 zu Art. 181 StGB). Die Generalklausel der „anderen 
Beschränkung der Handlungsfreiheit“ ist aus rechtsstaatlichen Gründen einschrän-
kend zu interpretieren. Das Zwangsmittel muss in seiner Wirkung der Gewalt oder 
der Drohung gleichkommen, mithin geeignet sein, das Opfer zu einem Tun, Dulden 
oder Unterlassen zu bewegen. Besonders zu erwähnen ist, dass die Rechtswidrig-
keit bei der Nötigung positiv begründet werden muss. Rechtswidrig ist eine Nötigung 
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wenn das Mittel oder der Zweck uner-
laubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis 
steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und 
einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (Pra 1995 Nr. 262, 
BGE 108 IV 168 f.). Als Erfolgsdelikt ist Nötigung erst vollendet, wenn sich das Op-
fer gemäss dem Willen des Täters verhält. Misslingt die Bestimmung von Willens-
bildung oder -betätigung, bleibt es beim Versuch (BGE 106 IV 129; Trechsel, a.a.O., 

21

N 9 zu Art. 181 StGB; Delnon/Rüdy, a.a.O., N 47 zu Art. 181 StGB). Subjektiv wird 
Vorsatz bzw. Eventualvorsatz verlangt. Der Nötigende muss den Willen haben, sein 
Opfer in der Handlungsfreiheit zu beschränken, und er muss sich bewusst sein oder 
zumindest billigend in Kauf nehmen, dass sein Verhalten diese Wirkung hervorruft 
(BGE 101 IV 46; Trechsel, a.a.O., N 14 zu Art. 181 ZGB; Delnon/Rüdy, a.a.O., N 48 
zu Art. 181 StGB). 

b) AG. macht geltend, am Abend des 20. Mai 2003 einen Telefonanruf 
des Angeklagten erhalten zu haben und von ihm zum Rückzug der eingereichten 
Strafanzeige angehalten worden zu sein. Im Weigerungsfalle käme er sie an der 
betreffenden Wohnadresse - der Angeklagte hatte den geheim gehaltenen Aufent-
haltsort seiner Ehefrau in Kenntnis gebracht - besuchen und es werde Blut fliessen 
(act. 5.6). Es besteht auch hier keinerlei Veranlassung, den eindrücklichen Aussa-
gen von AG. – die in jeder Hinsicht als glaubhaft wirken – nicht zu folgen. Auch in 
diesem Zusammenhang macht AF. geltend, AG. „ganz normal zum Rückzug der 
Strafanzeige gebeten zu haben (act. 5.17).“ Es ist nicht leichthin anzunehmen, dass 
der Angeklagte, welcher aufgrund der Anzeige mit der Aufnahme strafrechtlicher 
Ermittlungen rechnen musste, seine Ehefrau ohne jegliche Einschüchterungsversu-
che zum Rückzug der Anzeige bewegen wollte. Dies stünde in geradezu diametra-
lem Widerspruch zu seiner Persönlichkeitsstruktur, welche sich durch aggressives 
Verhalten, geringe Frustrationstoleranz und mangelnde Konfliktfähigkeit ausweist. 
Dass AF. - angesichts der gescheiterten Ehe und seiner persönlichen Schwierigkei-
ten (Arbeitslosigkeit und Verlust sozialer Kontakte, gesundheitliche Beschwerden) - 
gerade in einer solchen Krisensituation ein geändertes Verhalten an den Tag lege, 
ist auszuschliessen. AG. musste und durfte die Drohung vor dem Hintergrund des 
Erlebten als ernsthaft auffassen. Die Drohung mit Gewalt ist ohne weiteres als 
rechtswidriges Mittel zu taxieren. Am Vorsatz des Angeklagten ist nicht zu zweifeln. 
Trotzdem AF. alles getan hat, um seine Frau zum Rückzug der Strafanzeige zu 
bewegen, blieb der Taterfolg aus. Im Ergebnis liegt somit vollendet versuchte Tat-
begehung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 181 StGB vor. Der 
Strafantrag wurde auch in diesem Fall gestellt.

6. Der Angeklagte ist überführt und geständig, anlässlich einer Kontrolle 
beim Grenzübergang T. am Abend des 22. April 2004 ein Messer mit einhändig 
bedienbarem Mechanismus mitgeführt zu haben. Eigenen Angaben zufolge habe 
er damit bereits mehrmals die Grenze passiert, was nie beanstandet worden sei 
(vgl. act. 7.2). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass Rechtsunkenntnis 
ebensowenig vor Strafe schützt wie der Hinweis, das Messer werde nur zum Sala-

22

mischneiden verwendet. Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. c des Waffengesetzes (WG; SR 
514.54) gelten Dolche und Messer mit einhändig bedienbaren Schwenk-, Klapp-, 
Fall-, Spring- oder anderen Auslösemechanismen als Waffen. Unzweifelhaft fällt 
das genannte Messer mit einer Klingenlänge von 10.5 cm darunter. Der Angeklagte 
verfügt nachweislich nicht über eine Waffentragbewilligung im Sinne von Art. 27 
Abs. 1 WG. Als jugoslawischer Staatsbürger, der seit Jahren in der Schweiz wohnt, 
musste sich AF. bewusst sein, eine bewilligungspflichtige Waffe mit sich zu führen. 
Daraus, dass das Messer bis zu diesem Zeitpunkt nie beanstandet worden war, 
lässt sich nichts zugunsten des Angeklagten ableiten. Nach dem Dargelegten hat 
AF. zumindest in Kauf genommen, gegen das Waffengesetz zu verstossen, er hat 
sich somit einer Widerhandlung gegen Art. 27 WG in Verbindung mit Art. 33 Abs. 1 
lit. a WG schuldig gemacht. 

7. In Ziff. 6 der Anklageschrift wird AF. vorgeworfen, anlässlich eines am 
30. Juli 2004 auf der A.-Strasse in W., Fahrtrichtung X., ausgeführten Überholmanö-
vers mit dem von ihm gelenkten Lastzug die auf einem Roller sich befindliche Y. 
angefahren und zum Sturz gebracht zu haben. Der Angeklagte bestreitet den Vorfall 
nicht.

a) Überholen gehört unbestrittenermassen zu den gefährlichsten Fahr-
manövern. Aus diesem Grund und insbesondere, um die damit verbundenen Risi-
ken zu minimieren, hat der Gesetzgeber verschiedene Bestimmungen aufgestellt, 
welche vom überholenden Fahrzeugführer zu beachten sind. Gemäss Art. 35 Abs. 
2 SVG ist das Überholen nur gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei 
ist und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder gefährdet werden. Der Fahr-
zeugführer muss in dem Moment, in welchem er das Überholmanöver beginnt, die 
Gewissheit haben, dass diese Voraussetzungen gegeben sind. Der Teil der Fahr-
bahn, den er zum Überholen benötigt, muss übersichtlich und frei sein. Dabei 
genügt es in aller Regel nicht, nur die für das Überholmanöver selbst benötigte Stre-
cke einsehen zu können. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass dieses selbst dann 
ohne Behinderung oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer beendet werden 
kann, wenn etwa aus der Gegenrichtung ein korrekt entgegenfahrender Fahrzeug-
lenker erscheint (René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenver-
kehrsrechts, Band I, 2. Auflage, Bern 2002, N 722 ff.). Der zum Überholen nötige 
Raum muss aber nicht nur im Sinne einer genügenden Länge gegeben sein, son-
dern auch eine genügende Breite aufweisen. Art. 35 Abs. 3 SVG enthält eine Ver-
haltensanweisung an den Überholenden, auf die übrigen Strassenbenützer, na-
mentlich jene, die überholt werden, besonders Rücksicht zu nehmen. Mit der nöti-

23

gen Vorsicht darf auch bei Gegenverkehr überholt werden, sofern der Platz für ein 
gefahrloses Überholen und Kreuzen ausreicht. Zu beachten ist in diesem Zusam-
menhang die Bestimmung von Art. 34 Abs. 4 SVG, wonach gegenüber allen 
Strassenbenützern aureichender Abstand zu wahren ist, namentlich beim Kreuzen 
und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren. Die Bestimmung 
verpflichtet den Fahrzeugführer, sich mit einer gewissen Sicherheitszone zu 
umgeben. Wie gross der seitliche Abstand jeweils sein muss, lässt sich nicht in 
Zahlen ausdrücken. Das hängt zu sehr von den örtlichen Verhältnissen, der 
Fahrbahnbreite und -beschaffenheit, der Dichte und der Zusammensetzung des 
Verkehrs, der eigenen und der fremden Geschwindigkeit sowie den 
Sichtverhältnissen ab (BGE 91 IV 87; Hans Giger, Kommentar zum SVG, 6. 
Auflage, Zürich 2002, S. 107). Seitliche Abstände sollen jedenfalls so gross sein, 
dass nicht schon geringe Kursabweichungen und Fehlreaktionen anderer 
Verkehrsteilnehmer Berührungsmöglichkeiten herbeiführen. Der Abstand ist umso 
grösser zu wählen, je mehr mit solchen Abweichungen zu rechnen ist (BGE 81 IV 
85). Art. 34 Abs. 4 SVG missachtet somit, wer vor der Einleitung des 
Überholmanövers zu nahe auf das voranfahrende Fahrzeug aufschliesst, während 
des Überholvorgangs einen ungenügenden seitichen Abstand zu diesem einhält 
und beim Abschluss des Überholmanövers zu nahe vor dem Überholten wieder 
nach rechts einbiegt. Art. 34 Abs. 4 SVG ist aber auch dann verletzt, wenn bei 
gleichzeitigem Überholen und Kreuzen ein ungenügender seitlicher Abstand zum 
entgegenkommenden Fahrzeug eingehalten wird (vgl. Bundesgerichtsurteil 6P. 
35/2004, E. 2.3). Gerade beim Kreuzen kommt dem Erfordernis eines genügenden 
seitlichen Abstands massgebliche Bedeutung zu, sind doch im Falle einer Kollision 
die Folgen bekanntlich besonders gravierend (Schaffhauser, a.a.O., N 703).

b) An jenem Ort, an welchem das zu beurteilende Überholmanöver 
erfolgte, beschreibt die A.-Strasse eine übersichtliche Rechskurve mit einer 
Verengung infolge einer sich dort befindlichen Schutzinsel mit Fussgängerstreifen 
(vgl. Fotoblatt, act. 8.2). Diese Verengung war für den Angeklagten ohne weiteres 
erkennbar. Zudem war es ihm eigenen Angaben zufolge bewusst, dass er einen 
Lastenzug erheblicher Grösse fuhr und im Bereich der Verkehrsinsel der Durchgang 
für die Rollerfahrerin vermutlich sehr eng werden würde (act. 8.4). Im Bereich der 
Schutzinsel beträgt die Strassenbreite noch 3 m, während der Lastwagen eine 
Breite von mindestens 2.30 m aufwies (act. 8.6 und 8.7). Obwohl Y. ganz an den 
rechten Rand fuhr, streifte der Anhänger den linken Aussenspiegel des Rollers und 
brachte die Lenkerin zur Fall. Wegen der erlittenen Schürfwunden begab sie sich in 
ärztliche Behandlung. Die Strassenverengung im Bereich der Schutzinsel, aber 

24

auch die mangelnde Fahrpraxis des Angeklagten liessen an besagtem Ort ein 
sicheres Überholen nicht zu. Indem AF. das Fahrmanöver gleichwohl ausführte, 
verletzte er nach dem unter lit. a hiervor Dargelegten Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 
Abs. 2 und Art. 35 Abs. 3 SVG. Zudem liegt ein Verstoss gegen Art. 10 Abs. 1 VRV 
vor, wonach der Fahrzeugführer dann nicht überholen darf, wenn sich vor dem 
voranfahrenden Fahrzeug Hindernisse befinden, wie Baustellen, eingespurte 
Fahrzeuge oder Fussgänger, welche die Strasse überqueren. Als Hindernis im 
Sinne dieser Bestimmung gilt auch die auf dem Fotoblatt erkennbare Schutzinsel, 
welche mit der Fahranordnung „Hindernis rechts umfahren“ (vgl. Anhang II zur 
Signalisationsverordnung [SSV], Vorschriftssignal 2.34) versehen ist. 

c) Es bleibt zu prüfen, ob die vom Angeklagten begangenen 
Regelwidrigkeiten eine grobe Verkehrsregelverletzung darstellen.

aa) In objektiver Hinsicht setzt Art. 90 Ziff. 2 SVG voraus, dass der Täter 
eine wichtige Verkehrsvorschrift in schwerwiegender Weise missachtet und durch 
sein Verhalten zudem konkret eine ernstliche Gefahr hervorgerufen oder abstrakt 
die Möglichkeit einer ernstlichen Gefahr geschaffen hat. (BGE 106 IV 49). Die 
Verletzung einer Verkehrsregel ist objektiv dann als grob zu bezeichnen, wenn der 
Verstoss nach den konkreten Umständen als schwerwiegend bezeichnet werden 
muss und die Regelwidrigkeit oft oder leicht zu Unfällen führt. Das Hervorrufen einer 
ernstlichen Gefahr für die Sicherheit anderer setzt nicht etwa voraus, dass es 
tatsächlich zu einem Unfall kommt oder jemand konkret gefährdet wird; vielmehr 
genügt die Schaffung einer erhöhten abstrakten Gefahr (BGE 105 IV 136). Ob eine 
konkrete, eine erhöhte abstrakte oder nur eine abstrakte Gefahr geschaffen wird, 
hängt nicht von der übertretenen Verkehrsregel, sondern von der Situation ab, in 
welcher die Übertretung geschieht (BGE 123 IV 91 f.). Wesentliches Kriterium für 
die Annahme einer ernstlichen oder erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der 
Verwirklichung. Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt damit die naheliegende 
Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE 118 IV 288 
sowie PKG 1999 Nr. 24).

Gerade die Bestimmungen über das Überholen und das Einhalten eines 
genügenden seitlichen Abstandes stellen angesichts des Gefahrenpotentials dieses 
Verkehrsmanövers wichtige Verkehrsvorschriften dar. Ihre Missachtung führt - vor 
allem bei höheren Geschwindigkeiten - erfahrungsgemäss immer wieder zu 
schweren und schwersten Unfällen. AF. hat mit seiner Fahrweise einen 
Verkehrsunfall mit Personenschaden herbeigeführt. Letztlich ist es glücklichen 

25

Umständen zu verdanken, dass sich Y. keine schwerwiegenderen Verletzungen 
zugezogen hat. Der objektive Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist somit erfüllt.

bb) Subjektiv setzt Art. 90 Ziff. 2 SVG voraus, dass dem Täter aufgrund 
eines rücksichtslosen oder sonst wie schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens ein 
schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit, 
vorzuwerfen ist. Dies ist immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der 
allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe 
Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer 
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst 
fahrlässig handelt. In solchen Fällen bedarf jedoch die Annahme grober 
Fahrlässigkeit sorgfältiger Prüfung und kann nur dann bejaht werden, wenn das 
Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf 
Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders vorwerfbar ist (BGE 118 IV 290 
sowie BGE 123 IV 93). Dass der fehlbare Verkehrsteilnehmer die erhöhte Gefahr 
oder die aufgrund der Umstände gebotene Verhaltensalternative nicht bedacht hat, 
ist geradezu typisch für die unbewusste Fahrlässigkeit und schliesst den 
Schuldvorwurf rücksichtslosen Verhaltens nicht von vorneherein aus (PKG 1999 Nr. 
24). In Fällen unbewusster Fahrlässigkeit darf nicht einfach aus dem objektiven 
Tatbestand auf die Erfüllung des subjektiven geschlossen werden. Es ist vielmehr 
aufgrund sämtlicher Umstände zu ermitteln, ob das Übersehen eines Signals oder 
einer Gefahrensituation auf Rücksichtslosigkeit beruht oder nicht. Je schwerer die 
Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird man die Rücksichtslosigkeit 
bejahen müssen, sofern nicht besondere Gegeninindizien vorliegen (vgl. 
Bundesgerichtsurteil 6S.11/2002 vom 20. März 2002). 

AF. verfügte eindeutig nicht über die notwendige Fahrpraxis, um einen 
Anhängerzug dieser Grössenordnung zu lenken. Die Fahrweise des Angeklagten 
illustriert mit aller Deutlichkeit, dass er auch den Abmessungen seines Fahrzeuges 
zu wenig Rechnung getragen hat und für das Überholmanöver keine Notwendigkeit 
bestand, zumal der Angeklagte in diesem Innerortsbereich auch nicht erheblich 
schneller als die Rollerlenkerin Y. fahren konnte. Insgesamt ist das Fahrmanöver 
des Angeklagten als grobfahrlässig zu werten. Wie er der Polizei gegenüber 
ausführte, war ihm die Gefährlichkeit seines Überholmanövers denn auch bewusst 
(vgl. act. 8.4). Nach dem Gesagten ist somit auch der subjektive Tatbestand der 
groben Verkehrsregelverletzung erfüllt.

26

d) Die Staatsanwaltschaft wird AF. überdies pflichtwidriges Verhalten bei 
Unfall im Sinne von Art. 51 Abs. 1, 2 und 3 in Verbindung mit Art. 92 Abs. 1 SVG 
vor. Wie nachfolgend gleich dargetan wird, ist dem nur teilweise zuzustimmen.

aa) Ereignet sich ein Unfall, an dem ein Motorfahrzeug oder Fahrrad 
beteiligt ist, so müssen alle Beteiligten sofort anhalten. Sie haben nach Möglichkeit 
für die Sicherung des Verkehrs zu sorgen (Art. 51 Abs. 1 SVG). Sind Personen 
verletzt, so haben alle Beteiligten für Hilfe zu sorgen, Unbeteiligte, soweit es ihnen 
zumutbar ist. Die Beteiligten, in erster Linie die Fahrzeugführer, haben die Polizei 
zu benachrichtigen. Alle Beteiligten, namentlich auch Mitfahrende, haben bei der 
Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken. Ohne Zustimmung der Polizei dürfen 
sie die Unfallstelle nur verlassen, soweit sie selbst Hilfe benötigen, oder um Hilfe 
oder die Polizei herbeizurufen (Art. 51 Abs. 2 SVG). Ob das Opfer schwere oder 
leichte Verletzungen erliten hat, ist irrelevant; auch Prellungen, Quetschungen und 
Schürfungen begründen prinzipiell die Meldepflicht (Hans Giger, SVG-Kommentar, 
6. Auflage, Zürich 2002, S. 157 f.). Ist nur Sachschaden entstanden, so hat der 
Schädiger sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und Namen und Adresse 
anzugeben. Wenn dies nicht möglich ist, hat er unverzüglich die Polizei zu 
verständigen (Art. 51 Abs. 3 SVG). 

bb) AF. hat sein Fahrzeug nach der Unfallverursachung sofort angehalten 
und sich zu Y. begeben; diese habe starke Schürfwunden aufgewiesen (act. 8.4). 
Er sei ca. 15. Minuten bei ihr geblieben und habe ihr einen Zettel mit seiner 
Natelnummer und seiner Kontrollschildnummer gegeben. Damit ist er der aus Art. 
51 Abs. 1 SVG sich ergebenden Pflicht nachgekommen, weshalb sich der Vorwurf 
der Staatsanwaltschaft als unbegründet erweist. Ebensowenig liegt eine Verletzung 
von Art. 51 Abs. 3 SVG vor, ist doch beim Unfall nicht nur Sach-, sondern auch 
Personenschaden entstanden und verfügte Y. sowohl über die Natel-, als auch über 
die Nummer des Kontrollschildes des unfallverursachenden Fahrzeuges. Hingegen 
liegt ein Verstoss gegen Art. 51 Abs. 2 SVG vor, weil AF. die Benachrichtigung der 
Polizei unterlassen hat, obwohl er sich noch während ca. 15 Minuten am Ort des 
Geschehens aufhielt. Gemäss Art. 92 Abs. 1 SVG wird dieses pflichtwidrige 
Verhalten mit Haft oder mit Busse bestraft. 

8. Der Angeklagte ist überführt und geständig, am Nachmittag des 30. 
Juli 2004, um ca. 16.00 Uhr, mit dem gleichen Anhängerzug auf dem Areal der 
Firma AA. einen Verkehrsunfall verursacht und sich danach ohne Benachrichtigung 
der Polizei oder der Geschädigten entfernt zu haben. 

27

a) Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig 
so beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Dieses 
Gebot verlangt, dass der Fahrzeugführer während der Benützung öffentlicher 
Strassen alle relevanten Informationen über Strassen-, Sicht- und 
Witterungsverhältnisse, Signale und Markierungen und das Verkehrsgeschehen 
selbst aufnimmt, verarbeitet und sein Verhalten nötigenfalls rasch und zweckmässig 
ändert. Er muss jederzeit „Herr der Maschine sein“ (René Schaffhauser, Grundriss 
des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, Bern 2002, N 539 ff.). Die 
unzureichende Praxis im Umgang mit dem Lastzug zeigte sich darin, dass AF. auf 
dem eingangs erwähnten Firmenareal einen Betonpfosten umfuhr, da er im 
Manövrieren des Fahrzeuges nicht geübt war. Darin ist eine mangelhafte 
Beherrschung des Fahrzeuges im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG zu erblicken.

b) Da der Angeklagte nach der Unfallverursachung weder angehalten 
noch den Geschädigten verständigt hat, verstiess er zudem gegen Art. 51 Abs. 1 
und 3 SVG. Bei der Tatbestandsaufnahme durch die Polizei ergab sich zudem, dass 
der Angeklagte den Tachografen nicht richtig bedient hatte und dadurch die 
Lenkpausen nicht registriert worden waren. Damit hat AF. gegen Art. 14 Abs. 1 
ARV1 (Chauffeurverordnung; SR 822.221) verstossen. Gemäss Art. 21 Abs. 2 lit. b 
ARV 1 wird mit Haft oder Busse bestraft, wer diese Kontrollbestimmung verletzt. 

9. Bei der Strafzumessung hat der Richter gemäss Art. 63 StGB vom 
Verschulden des Täters auszugehen und insbesondere die Beweggründe, das 
Vorleben und die persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Der Begriff des 
Verschuldens bezieht sich dabei auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der 
konkreten Straftat. Im Rahmen der Tatkomponente sind insbesondere zu beachten 
das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise seiner Herbeiführung 
sowie die Beweggründe des Schuldigen, während die Täterkomponente vor allem 
das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und 
im Strafverfahren - beispielsweise Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit - umfasst 
(BGE 117 IV 113 f.). Die Tatschwere hängt auch von der Entscheidungsfreiheit des 
Täters ab; je leichter er die übertretene Norm hätte befolgen können, desto 
schwerer wiegt seine Entscheidung, sie zu verletzen, und folglich seine Tat (Pra 90, 
Nr. 140). Die in die Waagschale gelegten Elemente wirken strafmindernd oder 
straferhöhend, wobei die Überlegungen des Richters nachvollziehbar sein müssen; 
das Strafmass muss mit anderen Worten plausibel erscheinen (BGE 121 IV 56 f.). 
Bei der Gewichtung der einzelnen, im Rahmen der Strafzumessung zu beachtenden 
Komponenten steht dem Sachrichter ein erheblicher Spielraum des Ermessens zu 

28

(BGE 121 IV 4). Je höher die Strafe ist, desto vollständiger muss die Begründung 
sein; dies gilt vor allem, wenn die Strafe innerhalb des gesetzlichen Rahmens als 
vergleichsweise sehr hoch erscheint. 

a) Wenn jemand durch eine oder mehrere Handlungen mehrere 
Freiheitsstrafen verwirkt hat, so verurteilt ihn der Richter nach dem in Art. 68 Ziff. 1 
StGB statuierten Asperationsprinzip zu der Strafe der schwersten Tat und erhöht 
deren Dauer angemessen. Er kann jedoch das höchste Mass der angedrohten 
Strafe nicht um mehr als die Hälfte überschreiten und ist dabei zudem an das 
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden. Schwerste Tat ist diejenige, welche 
unter den mit der höchsten Strafe bedrohten Tatbestand fällt. Hat der Richter eine 
mit Freiheitsstrafe bedrohte Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er 
wegen einer andern Tat zu Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, so bestimmt der 
Richter die Strafe so, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die 
mehreren strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 68 Ziff. 2 
StGB); der Täter soll mit anderen Worten durch die Aufteilung der Strafverfolgung 
in mehrere Verfahren nicht benachteiigt und soweit als möglich auch nicht besser 
gestellt werden (SJZ 96 [2000], S. 56 ff.). Letzgenannte Bestimmung regelt die 
sogenannte retrospektive Konkurrenz. Es ist eine Zusatzstrafe auszufällen, welche 
die Differenz zwischen der ersten (Einsatz- oder Grundstrafe) und der Gesamtstrafe 
ausgleicht, die nach Auffassung des Richters bei Kenntnis der später beurteilten 
Straftat ausgefällt woren wäre (Trechsel, a.a.O., N 18 zu Art. 68 StGB.) Der Richter, 
der die Zusatzstrafe ausfällt, hat sich in die Lage zu versetzen, in der er sich 
befände, wenn er selber die Gegenstand des rechtskräftigen ersten Entscheides 
und die Gegenstand des neuen Verfahrens bildenden Straftaten in einem einzigen 
Entscheid zu beurteilen hätte. Der Richter hat für diese Taten im Rahmen der 
diesfalls massgebenden gesetzlichen Bestimmungen nach seinem Ermessen 
gedanklich eine Gesamtstrafe festzulegen und in den Strafzumessungserwägungen 
zu beziffern. Davon hat er die Dauer der im rechtskräftigen Entscheid ausgefällten 
Strafe in Abzug zu bringen. Die Differenz ist die Zusatzstrafe (BGE 109 IV 90 E. 2d 
S. 93, mit Hinweisen; Trechsel, a.a.O., N 25 zu Art. 68 StGB). Bei der Bemessung 
der gedanklich zu bestimmenden Gesamtstrafe und damit auch der Zusatzstrafe ist 
der Richter sowohl in Bezug auf die Strafart als auch hinsichtlich der Art des 
Vollzugs nicht an den rechtskräftigen ersten Entscheid gebunden 
(Bundesgerichtsurteil 6S. 442/2000 vom 23. Februar 2001, E. 2a). 

b) Sind strafbare Handlungen zu beurteilen, die der Täter teils vor, teils 
nach einem Urteil begangen hat, ist eine Gesamtstrafe auszufällen, wobei die 

29

Zusatzstrafe (für die vor der früheren Verurteilung begangenen Straftaten) Teil 
dieser Gesamtstrafe ist (Ackermann, Basler Kommentar, a.a.O., N 66 ff. zu Art. 68 
StGB). Bei der Bildung dieser Gesamtstrafe ist wie folgt vorzugehen: Ist die vor der 
ersten Verurteilung begangene Tat schwerer als die nachher begangene, so ist die 
Dauer der für die frühere Tat ausgesprochenen Strafe unter Berücksichtigung der 
späteren Tat angemessen zu erhöhen. Ist dagegen die nach der früheren 
Verurteilung begangene Tat die schwerere, so ist von der für diese Tat verwirkten 
Strafe auszugehen und deren Dauer wegen der vor der ersten Verurteilung 
begangenen Tat angemessen zu erhöhen, und zwar unter Berücksichtigung des 
Umstandes, dass für die frühere Tat eine Zusatzstrafe auszufällen ist (BGE 127 IV 
107; 115 IV 25). Eine gewisse Komplizierung ergibt sich für den Fall, dass mehrere 
Taten vor und nach einer früheren Verurteilung zu beurteilen sind. Die 
Vorgehensweise bleibt dabei grundsätzlich dieselbe mit der Präzisierung, dass die 
mehreren Taten vor beziehungsweise nach einer früheren Verurteilung zu einer 
Gesamtbeurteilung zusammengefasst werden (Trechsel, a.a.O., N 25a zu Art. 68 
StGB). Damit die Begründung der Strafzumessung nachvollziehbar bleibt, muss der 
Richter bei der retrospektiven Konkurrenz ausnahmsweise Zahlenangaben 
machen. Es ist offenzulegen, wie sich die auszufällende Gesamtstrafe 
zusammensetzt; Einsatz und Zusätze sollen quantitativ benannt werden. Diese 
Quotenausscheidung ist auch deshalb von Bedeutung, als sich bei Delinquenz nach 
einer Verurteilung während noch laufender Probezeit die Frage nach einem 
allfälligen Widerruf des in diesem Urteil gewährten bedingten Strafvollzuges stellt. 
Folgedessen muss der Richter durch Erläuterung seines Urteils bekannt geben, 
welche Strafe er einzig für die in der Probezeit begangenen Delikte verhängt hätte 
(Schneider, Basler Kommentar, a.a.O., N 206 zu Art. 41 StGB). Mit anderen Worten 
ist nach der Grösse der Quote für nachfolgend begangene Straftaten zu beurteilen, 
ob die Deliktsbegehung während der Probezeit noch als leichter Fall im Sinne von 
Art. 41 Ziff. 3 Abs. 2 StGB gelten kann oder der Anteil der nachträglichen Delinquenz 
an der Gesamtstrafe zu einem Widerruf führen muss.

c) Ausgehend von diesen grundsätzlichen Überlegungen ist 
festzuhalten, dass die vor der Verurteilung durch das Bezirksgericht O. am 11. 
Dezember 2002 begangenen Taten offenkundig schwerer wiegen und ihr Anteil an 
der Gesamtstrafe demzufolge grösser ist, als die nach diesem Urteil erfolgten 
Tatbegehungen. Augenscheinlich wird dies vor dem Hintergrund der abstrakten 
Strafdrohung für die von AF. begangenen sexuellen Nötigungen (Gefängnis oder 
Zuchhaus bis zu zehn Jahren). Es ist somit eine Grundstrafe für diese Taten 
auszusprechen, welche gleichzeitig Zusatzstrafe zur Strafe des Urteils des 

30

Bezirksgerichts O. ist und im Hinblick auf die nach dem 11. Dezember 2002 
begangenen Taten angemessen erhöht werden muss (Ackermann, Basler 
Kommentar, a.a.O., N 67 zu Art. 68 StGB).

aa) Das Verschulden des Angeklagten wiegt sowohl hinsichtlich der Tat 
als auch der Täterkomponente schwer. In alkoholisiertem Zustand wurde er seiner 
Frau gegenüber immer wieder gewalttätig, schlug sie grundlos und zwang sie gegen 
ihren erklärten Willen und trotz Schmerzen zum Analverkehr. Dabei liess er es 
zumindest teilweise nicht beim blossen Verkehr bewenden. Vielmehr wurde AF. 
auch danach handgreiflich und äusserte sich in herabwürdigender Weise über die 
Unfähigkeit seiner Frau, seine Bedürfnisse angemessen zu befriedigen. Wohl steht 
das Verhalten des Angeklagten in Zusammenhang mit seiner Alkoholabhängigkeit 
und der dissozialen Persönlichkeitsstörung, zeugt aber dennoch von einem respekt- 
und gewissenlosen, geradezu tyrannischen Umgang mit seiner Ehefrau und den 
Kindern. Strafschärfend wirken sich vorliegend die mehrfache Begangenschaft und 
das Zusammentreffen verschiedener Straftatbestände aus. Straferhöhend sind die 
Vorstrafen zu werten. Aufgrund der Uneinsichtigkeit des Angeklagten kann dieser 
zudem nicht mit Milde rechnen, wies AF. doch sämtliche Vorwürfe rundweg von 
sich. Strafminderungsgründe sind nicht vorhanden. Strafmildernd fällt die vom 
Gutachter festgestellte, leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit ins Gewicht. Unter 
Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint es als angemessen 
und gerechtfertigt, AF. für die vor dem 11. Dezember 2002 begangenen Taten eine 
Gefängnisstrafe von 24 Monaten, teilweise als Zusatz zur zweimonatigen bedingten 
Gefängnisstrafe des Bezirksgerichts O., aufzuerlegen. 

bb) Leichter wiegt das Verschulden hinsichtlich der nach der Verurteilung 
vom 11. Dezember 2002 begangenen Taten. Dies gilt im Rahmen der 
Tatkomponente vor allem in Bezug auf das Ausmass des deliktischen Erfolges. 
Grösstenteils stehen Widerhandlungen gegen das SVG zur Diskussion. Allerdings 
besteht kein Anlass zur Bagatellisierung, verursachte AF. doch in grober Verletzung 
der Verkehrsregeln einen Unfall mit Verletzungsfolgen. Auf Seiten der 
Tatkomponente ist zudem festzuhalten, dass der Angeklagte einmal mehr nicht 
davon zurückschreckte, seine Ehefrau mit massiven Drohungen einzuschüchtern. 
Strafschärfend wirken sich die mehrfache Begangenschaft und das 
Zusammentreffen verschiedener Straftatbestände aus, straferhöhend fallen die 
Vorstrafen ins Gewicht. Strafmindernd kann das Teilgeständnis in Rechnung 
gestellt werden. Strafmildernd fallen die versuchte Tatbegehung und die vom 
Gutachter festgestellte, leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit ins Gewicht, 

31

letztere allerdings nur insoweit, als es um den vollendeten Versuch der Nötigung 
geht. Eine Gesamtwürdigung der genannten Umstände führt das Kantonsgericht 
zum Schluss, dass die in lit. aa hiervor festgelegte Grundstrafe von 24 Monaten 
Gefängnis um weitere vier Monate zu erhöhen ist, was - teilweise als Zusatz zur 
Verurteilung vom 11. Dezember 2002 durch das Bezirksgericht O. - zu einer 
Gesamtstrafe von 28 Monaten Gefängnis führt. Bei diesem Strafmass ist der 
bedingte Strafvollzug (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) bereits objektiv ausgeschlossen.

d) Da AF. während der ihm mit Urteil des Bezirksgerichts O. vom 11. 
Dezember 2002 auferlegten Probezeit von drei Jahren weiter delinquiert hat, ist 
nach dem unter lit. b Dargelegten die Frage des Widerrufs des bedingten 
Strafvollzuges zu prüfen. Gemäss Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 lässt der Richter die Strafe 
vollziehen, wenn der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder 
Vergehen begeht; wenn jedoch begründete Aussicht auf Bewährung besteht, kann 
er in leichten Fällen, je nach den Umständen, den Verurteilten verwarnen, 
zusätzliche Massnahmen nach Art. 41 Ziff. 2 StGB anordnen und die im Urteil 
bestimmte Probezeit um höchstens die Hälfte verlängern. Für die Beurteilung, ob 
ein leichter Fall vorliegt, ist hauptsächlich auf das Strafmass abzustellen. Nach 
bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt die Grenze im Regelfall bei drei Monaten 
(vgl. BGE 117 IV 97 ff.), wobei bei Vorliegen bestimmter objektiver und subjektiver 
Umstände der Richter auch bei einer höheren Strafe vom Widerruf Umgang nehmen 
kann. So etwa, wenn der nachträgliche Vollzug eine unverhältnismässige Härte für 
den Täter bedeuten würde oder sich der Rückfall erst gegen Ende der Probezeit 
ereignet hat. Nichtsdestotrotz ist ein leichter Fall nur dann anzunehmen, wenn die 
Freiheitsstrafe in der Nähe von drei Monaten liegt (Schneider, Basler Kommentar, 
a.a.O., N 234 ff. zu Art. 41 StGB). Die Quote für die in der Probezeit begangenen 
Delikte wurde vorliegend auf vier Monate festgelegt, womit die vom Angeklagten 
verwirkte Freiheisstrafe über der von der Rechtsprechung gezogenen Regelgrenze 
von drei Monaten liegt. Besondere, den Angeklagten entlastende Umstände sind 
nicht auszumachen, liess sich AF. doch nicht davon abhalten, seiner Frau alsbald 
nach der Verurteilung wieder mit massiven Drohungen aufzuwarten. Die Tatsache, 
dass die Strassenverkehrsdelikte keinen Zusammenhang mit den Gewaltdelikten 
seiner Ehefrau gegenüber aufweisen, vermag den Angeklagten nicht zu entlasten. 
Das Vorliegen eines leichten Falles ist somit zu verneinen. Beim Angeklagten 
besteht aber auch keine begründete Aussicht auf Bewährung, zeigte er sich doch 
weitgehend uneinsichtig und ist er nicht bereit, sich einer umfassenden Therapie zu 
unterziehen. Bei seiner Alkoholproblematik und bei seiner Persönlichkeitsstruktur 
wäre dies jedoch dringend angezeigt. Folgedessen ist der vom Bezirksgericht O. in 

32

seinem Urteil vom 11. Dezember 2002 gewährte bedingte Strafvollzug zu 
widerrufen.

e) Nach Art. 69 StGB rechnet der Richter dem Verurteilten die Unter-
suchungshaft auf die Freiheitsstrafe an, sofern der Täter diese nicht durch sein 
Verhalten nach der Tat herbeigeführt oder verlängert hat. Von der Anrechnung darf 
nach der neueren Praxis des Bundesgerichts nur abgesehen werden, wenn der 
Beschuldigte durch ein gemäss rechtsstaatlichen Grundsätzen objektiv vor-
werfbares Verhalten, welches ihm zum Verschulden gereicht, die Untersuchungs-
haft in der Absicht herbeigeführt oder verlängert habe, den Strafvollzug zu ver-
kürzen oder zu umgehen (BGE 117 IV 406). Als solches Verhalten gilt weder die 
blosse Verweigerung von Aussagen noch das blosse Leugnen der Tat, denn der 
Beschuldigte ist nicht zur Offenbarung von Straftaten verpflichtet. Die Anrechnung 
hat indessen zu unterbleiben, wenn der Beschuldigte die Behörden durch unwahre 
Behauptungen und Einwendungen zu weiteren und unnötigen Erhebungen 
veranlasste oder wenn er seine Verteidigungsrechte zur Erreichung sachfremder     
Zwecke missbrauchte (BGE 117 IV 406; BGE 105 IV 241). Ablehnungsgründe im 
Sinne der aufgeführten Rechtsprechung bestehen in Bezug auf AF. nicht, so dass 
einer Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 29 Tagen an die 
ausgefällte Strafe nichts entgegensteht.

10. Nach Ansicht der Gutachter erscheint die Behandlung der beim 
Angeklagten diagnostizierten dissozialen Persönlichkeitsstörung und der schweren 
Alkoholabhängigkeit im Rahmen einer unbefristeten ambulanten Massnahme 
verbunden mit einer unbefristeten Schutzaufsicht im Sinne von Art. 43 Ziff. 2 Abs. 2 
StGB empfehlenswert. Darüber hinaus sollte eine lebenslange, mindestens jedoch 
drejährige Antabustherapie etabliert werden. Sollte sich diese ambulante 
Massnahme als für die Bekämpfung der Rückfallgefahr unzureichend erweisen, sei 
die Einweisung in eine geeignete Anstalt - mithin die Anordnung einer stationären 
Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 3 Abs. 2 oder Abs. 3  StGB - zu prüfen. Im 
Übrigen sei der sofortige Strafvollzug grundsätzlich mit der Fortsetzung der 
Antabustherapie und einer ambulanten Begleitbehandlung vereinbar Die 
Einweisung in eine Trinkerheilanstalt gemäss Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB halten die 
Gutachter für zweckmässig, jedoch nicht durchführbar (act. 2.26, S. 34/35). In 
diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass AF. die begonnene 
Antabusbehandlung mit der Begründung der Unverträglichkeit des Medikaments 
abgebrochen hat; letztmals erfolgte die Einnahme am 14. April 2004 (vgl. act. 1.51). 
Zu einer medizinischen Untersuchung der behaupteten Unverträglichkeit mit 

33

Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik AD. war der Angeklagte nicht bereit 
(act. 4.36). Diese nachträglich eingetretenen Umstände lassen erhebliche Zweifel 
am Therapiewillen des Angeklagten aufkommen und sprechen insofern für ein 
Abweichen von den Schlussfolgerungen der Experten (vgl. BGE 102 IV 226; BGE 
101 IV 129). Gerade bei der Durchführung einer ambulanten Massnahme sind hohe 
Anforderungen an die Motivation und Kooperationsbereitschaft des Betroffenenen 
zu stellen (Heer, Basler Kommentar, a.a.O., N 64 ff. und 98 ff. zu Art. 43 sowie N 
54 f. zu Art. 44 StGB). Angesichts des Verhaltens von AF. bestehen nach Ansicht 
des Kantonsgerichts nur geringe Aussichten auf einen Behandlungserfolg im 
Rahmen einer suchtspezifischen Therapie, so dass von der Anordnung einer 
Massnahme abzusehen ist.

11. Gemäss Art. 55 Abs. 1 StGB kann der Richter den Ausländer, der zu 
Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt wird, für drei bis fünfzehn Jahre aus dem 
Gebiet der Schweiz verweisen. Bei Rückfall kann die Verweisung auf Lebenszeit 
erfolgen. Die Landesverweisung ist Nebenstrafe und Sicherungsmassnahme 
zugleich (BGE 114 Ib 3 f.). Auch wenn der zweite Gesichtspunkt im Vordergrund 
steht, verlangt ihre Eigenschaft als Nebenstrafe, dass sie in Anwendung von Art. 63 
StGB nach dem Verschulden des Täters festgesetzt wird, unter Berücksichtigung 
der Beweggründe, des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des 
Schuldigen. Damit ist der Sicherungszweck jedoch nicht ausgeschaltet; das 
Sicherungsbedürfnis wird in der Regel umso höher sein, je grösser das im Einzelfall 
zu berücksichtigende Verschulden des Täters ist. Es ist Sache des Richters, im 
Einzelfall dem Straf- und Sicherungszweck der Landesverweisung Rechnung zu 
tragen (BGE 123 IV 108 f.). Lebt der Ausländer bereits seit langem in der Schweiz, 
ist er hier verwurzelt und bestehen kaum mehr Beziehungen zum Ausland, darf 
diese nur mit Zurückhaltung ausgesprochen werden (BGE 123 IV 109). Bezüglich 
der Länge des Landesverweises ist anzumerken, dass zwischen der Dauer der 
Hauptstrafe und jener der Nebenstrafe eine gewisse Übereinstimmung bestehen 
sollte. Dies deshalb, weil, wie bereits erwähnt, bei einem schweren Verschulden in 
der Regel ein erhöhtes Sicherungsbedürfnis gegeben ist, welches bei leichtem 
Verschulden entsprechend geringer einzustufen ist. Das schliesst nicht aus, dass 
bei einer verhältnismässig tiefen Hauptstrafe eine lange Landesverweisung (und 
umgekehrt) ausgesprochen werden kann, doch hat der Richter diesfalls seinen 
Entscheid hinreichend und in einer für den Betroffenen nachvollziehbaren Weise zu 
begründen (BGE 123 IV 110 f.). 

34

AF. befindet sich seit über 20 Jahren in der Schweiz; während dieser Zeit hat 
er verschiedentlich gegen die geltende Rechtsordnung verstossen. Angesichts der 
in der Vergangenheit begangenen wie auch der vorliegend zur Beurteilung 
stehenden Delikte ist feszuhalten, dass er in nicht unerheblichem Masse geltende 
Rechtsnormen missachtet hat, jedoch keine eigentliche Gefahr für die öffentliche 
Sicherheit darstellt, wie dies oftmals bei Drogendelinquenten der Fall ist. Er hat hier 
eine Familie gegründet und pflegt insbesondere zu seinem mittlerweile mündigen 
Sohn AC. sowie zu seinem Bruder und dessen Ehefrau persönliche Kontakte. 
Daneben bestehen weitere freundschaftliche Beziehungen zu Landsleuten, woraus 
klar ersichtlich wird, dass AF. hier über ein soziales Umfeld verfügt und aufgrund 
seiner langjährigen Anwesenheit in der Schweiz verwurzelt ist. Im Lichte des Straf- 
und Sicherungszwecks besteht daher kein überwiegendes Interesse daran, den 
Angeklagten von der Schweiz fernzuhalten. Der Abbruch der Beziehungen hätte für 
AF. eine unverhältnismässige Härte zur Folge. Von einer Landesverweisung ist 
deshalb abzusehen. 

12. Nach Art. 58 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht ohne Rücksicht auf die 
Strafbarkeit einer bestimmten Person die Einziehung von Gegenständen, die zur 
Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder bestimmt waren, oder die 
durch eine strafbare Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese Ge-
genstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ord-
nung gefährden. Gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung kann das Gericht an-
ordnen, dass die eingezogenen Gegenstände unbrauchbar gemacht oder vernichtet 
werden. Für eine Einz von Gegenständen nach Art. 58 StGB ist wie dargelegt unter 
anderem erforderlich, dass diese einen Deliktskonnex aufweisen, indem sie tatsäch-
lich zur Begehung einer strafbaren Handlung gedient haben oder aber im Hinblick 
auf eine zu begehende Straftat ernstlich als Tatmittel in Aussicht genommen worden 
sind. Die blosse Eignung eines Gegenstandes, bspw. einer Schusswaffe, zur Bege-
hung einer strafbaren Handlung rechtfertigt keine Einziehung (BGE 129 IV 93; Bau-
mann, Basler Kommentar, a.a.O., N 9 ff. zu Art. 58 StGB). Gemäss Art. 31 Abs. 1 
lit. a WG beschlagnahmt die zuständige Behörde Waffen, die von Personen ohne 
Berechtigung getragen werden; die beschlagnahmten Gegenstände werden defini-
tiv eingezogen, wenn die Gefahr missbräuchlicher Verwendung besteht (Abs. 3). 
Eigenen Angaben zufolge verwendete der Angeklagte das einhändig bedienbare 
Messer zum Schneiden von Salami. Angesichts der Tatsache, dass er seine Ehe-
frau in angetrunkenem Zustand verschiedentlich mit einem Küchenmesser be-
drohte, kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass AF. auch das beschlag-
nahmte Messer zweckwidrig verwenden könnte. Dies, zumal er nach dem Konsum 

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von Alkohol zu Gewalttätigkeiten neigt und, wie die Vorstrafen zeigen, auch schon 
Landsleute tätlich angegriffen hat. Um der Gefahr missbräuchlicher Verwendung 
vorzubeugen, wird das Messer definitiv eingezogen. 

13. Am 18. Januar 2005 reichte AG. eine Adhäsionsklage gegen ihren 
Ehemann ein mit folgenden Rechtsbegehren:

"1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine Genugtuung von Fr. 
30'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Mai 2002 (mittl. Verfall) zu bezah-
len.

2. Überdies sei festzustellen, dass der Bekagte für einen bis anhin nicht bezif-
ferbaren Schaden grundsätzlich entschädigungspflichtig ist. In Anwendung 
von Art. 9 Abs. 3 OHG sei diese Schadenersatzforderung dem Grundsatze 
nach gutzuheissen und bezüglich der Höhe der Forderung auf den Zivilweg 
zu verweisen.

3. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin eine angemessene Parteien-
tschädigung zu bezahlen, eventualiter sei diese infolge Uneinbringlichkeit 
aus der Strafgerichtskasse auszurichten.

4. Der Klägerin sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltiche Prozess-
führung mit der Unterzeichneten als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu ge-
währen.

5. Unter o/e Kostenfolge.

a) Als in ihrer körperlichen, sexuellen und psychischen Integrität unmit-
telbar beeinträchtigte Betroffene fällt AG. sowohl unter den Opferbegriff des Art. 2 
Abs. 2 OHG als auch unter jenen des Geschädigten gemäss Art. 129 ff. StPO. Dem-
zufolge ist sie ohne weiteres zur Geltendmachung von Zivilansprüchen berechtigt 
und kann vom Beklagten namentlich Schadenersatz und Genugtuung fordern (Art. 
8 und 9 OHG). Art. 9 Abs. 1 OHG hält denn auch ausdrücklich fest, dass, solange 
der Täter nicht freigesprochen oder das Verfahren nicht eingestellt ist, das Strafge-
richt auch über die Zivilansprüche des Opfers entscheidet. Eine Relativierung die-
ses Grundsatzes enthält Abs. 3 von Art. 9 OHG, wonach das Strafgericht die An-
sprüche des Opfers nur dem Grundsatze nach beurteilen und diese im Übrigen ans 
Zivilgericht verweisen kann, wenn die vollständige Beurteilung der Zivilansprüche 
einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde. Ansprüche geringer Höhe 
werden jedoch nach Möglichkeit vollständig beurteilt. Beide Begriffe - Beurteilung 

36

dem Grundsatze nach und unverhältnismässiger Aufwand - erweisen sich als kon-
kretisierungsbedürftig. Ein Urteil dem Grundsatze nach stellt nichts anderes dar als 
ein Feststellungsurteil über die Haftung. Auch das Strafgericht hat indessen bei Vor-
liegen eines Feststellungsbegehrens vorerst dessen Zulässigkeit zu prüfen und eine 
Klage auf Feststellung eines dem eidgenössischen Recht unterstehenden Rechts-
verhältnisses nur zuzulassen, wenn der Kläger an der sofortigen Feststellung ein 
schutzwürdiges Interesse hat. Dieses kann rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein, 
muss aber erheblich erscheinen (BGE 114 II 255; Gomm/Steiner/Zehntner, Kom-
mentar zum Opferhilfegesetz, Bern 1995, N 15 f. zu Art. 9 OHG). Gerade bei Kör-
perverletzungen und psychischen Beeinträchtigungen können die Folgen im Zeit-
punkt des Strafprozesses unter Umständen noch lange nicht überblickbar sein. In 
diesem Fall besteht ohne Weiteres ein Interesse des Opfers, nicht nur fällige Leis-
tungen als Teil des Schadens einzuklagen, sondern das den Ansprüchen zugrunde 
liegende Rechtsverhältnis für deren künftige Abwicklung grundsätzlich feststellen 
zu lassen (vgl. BGE 114 II 256). Unverhältnismässiger Aufwand im Sinne der ge-
nannten Bestimmung liegt vor, wenn zur Beurteilung der Forderung ein derart um-
fangreiches Beweisverfahren notwendig wäre, dass sich die richterliche Urteilsfin-
dung ungebührlich lange verzögern würde (BGE 123 IV 81 ff.).

b) Die Adhäsionsklägerin beantragt gestützt auf Art. 49 OR die 
Ausrichtung einer Genugtuung. Die Bemessung der Genugtuungssumme hängt im 
Wesentlichen von der Art und der Schwere der Verletzung, von der Intensität und 
der Dauer der Auswirkungen sowie vom Grad des Verschuldens des Schädigers 
und des Verletzten ab (BGE 112 II 131). Je intensiver die seelische Unbill für die 
betroffene Person ist, desto höher ist grundsätzlich die Genugtuungssumme (Heinz 
Rey, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, Zürich 2002, N 487 ff.). Dem Richter steht 
bei der Festlegung ein weiter Ermessensspielraum zu (BGE 118 II 413, BGE 123 III 
12 f.). Nicht jede erlittene immaterielle Unbill rechtfertigt die Zusprechung einer 
Genugtuungsleistung; die Persönlichkeitsverletzung muss vielmehr von relativ 
hoher Intensität sein. Bei kleineren Verletzungen liegt die Genugtuung im 
Bewusstsein, dass der Täter einer gerechten Strafe zugeführt wurde. Nach dem 
Dargelegten hat das Gericht alle massgeblichen Umstände des Einzelfalls zu 
berücksichtigen; nichtsdestotrotz können einschlägige Präjudizien als Richtschnur 
oder Ausgangspunkt für einen Vergleich mit einem neuen Fall dienen (vgl. 
Hütte/Ducksch, Die Genugtuung, 3. Aufl., T. 1996, I/100f.). Schliesslich sei erwähnt, 
dass für die Bemessung der Genugtuung die wirtschaftlichen Verhältnisse 
(Einkommen/Vermögen) der Berechtigten zwar massgebend sein können. 
Allerdings ergibt sich aber aus der Natur des Genugtuungsanspruches, dass er ein 

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Wohlbefinden nach einem erlittenen Schmerz erwirken soll (BGE 121 III 255, 125 II 
554 ff.). Es soll damit ein gewisser Ausgleich für erlittene seelische Unbill 
geschaffen werden, wobei den finanziellen Verhältnissen des Schädigers keine 
vorrangige Bedeutung zukommen kann. 

AF. hat seine Ehefrau in alkoholisiertem Zustand immer wieder bedroht, 
geschlagen und sie mehrmals gegen ihren erklärten Willen zum Analverkehr 
gezwungen. Die zugefügten Verletzungen und das Verschulden des Angeklagten 
wiegen umso schwerer, als AF. wusste, dass seine körperlich unterlegene Frau 
infolge einer bei ihr durchgeführten Hämorrhoidenoperation erhebliche Schmerzen 
beim Analverkehr hatte. Es ist aktenmässig erstellt, dass AG. während des 
erzwungenen Verkehrs verschiedentlich weinte. Hinzu kamen weitere 
Demütigungen und Erniedrigungen, indem der Angeklagte auch nach dem Verkehr 
handgreiflich wurde und seine Frau, weil sie seine Bedürfnisse nicht zu seine 
Zufriedenheit befriedigen könne, als Mensch herabwürdigte. Trotzdem der 
Angeklagte immer wieder aussereheliche Kontakte hatte und seine Ehefrau um die 
Beziehung zu AE. wusste, bestand er auf sexueller Verfügbarkeit. Zum Repertoire 
des Angeklagten gehörten ferner regelmässige Todes- und Morddrohungen an die 
Adresse seiner Ehefrau, nachdem sie mit ihrer Tochter Zuflucht im Frauenhaus 
gesucht hatte. Die Intensität und die lange Dauer, während der AG. den 
gewalttätigen Eskapaden ihres Ehemannes schutzlos ausgeliefert war, führten beim 
Opfer zu einer massiven Traumatisierung und körperlichen Schwächung. Mehr als 
1 ½ Jahre nach der Trennung vom Angeklagten leidet AG. noch immer an 
erheblichen körperlichen und seelischen Folgen. Der Arztbericht von Dr. med AL. 
vom 23. Mai 2004 (act. 1.84, Beilage 1) nennt unter anderem schwere 
Schlafstörungen, Angstzustände, reduzierte Widerstandskraft und grosses 
Misstrauen gegenüber neuen Bekanntschaften. In ihrem Bericht vom 10. Juli 2004 
(act. 1.84, Beilage 2) führt Dr. med AM. aus, dass die Patientin auch in letzter Zeit 
häufig geweint habe und unter Bauchschmerzen, Migräneattacken und 
Schlafstörungen leide. Im Lichte all dieser Umstände erhellt, dass die erlittene Unbill 
als schwerwiegend bezeichnet werden muss und sich ohne weiteres mit jener 
vergleichen lässt, die ein  Opfer mehrfacher Vergewaltigung erfährt. Aus 
entsprechenden Präjudizien lassen sich demzufolge Anhaltspunkte für die 
Bemessung der Genugtuungssumme finden. So führte das Bundesgericht im Urteil 
6S.200/2004 vom 14. Dezember 2004 aus, dass diese seit 1990 mehrheitlich 
zwischen Fr. 10'000.-- und Fr. 15'000.-- und in den letzten Jahren tendenziell höher, 
nämlich zwischen Fr. 15'000.-- und Fr. 20'000.--, angesetzt worden seien (E. 11.2). 
In