# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78bd819c-5a86-5a12-861e-a78d773ea2e4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.05.2010 E-2902/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2902-2010_2010-05-11.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2902/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  M a i  2 0 1 0

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

A._______,
Sudan,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin-Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 25. März 2010 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2902/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge Ende 2007 nach 
Italien gelangte, wo er sich rund zwei Jahre lang illegal aufhielt, ohne 
ein Asylgesuch zu stellen,

dass er am 18. Oktober 2009 in die Schweiz einreiste und hier glei-
chentags ein Asylgesuch stellte,

dass dem Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung im Empfangs- 
und  Verfahrenszentrum  B._______  vom  2.  November  2009  das 
rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien gewährt 
wurde und er  dabei  zu  Protokoll  gab,  es  sprächen aus seiner  Sicht 
keine  Gründe  gegen  die  Zuständigkeit  Italiens  zur  Behandlung  des 
Asylgesuchs  und  gegen  die  Rückkehr  in  diesen  Drittstaat  (vgl. 
Protokoll S. 9),

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  25.  März  2010  –  eröffnet  am 
20. April 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d  des Asylge-
setzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch 
nicht eintrat und den Beschwerdeführer nach Italien wegwies,

dass es zur Begründung seiner Verfügung ausführte, gestützt auf die 
einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Abkommen  vom 
26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und der Europäischen Gemeinschaft über die Kriterien und Verfahren 
zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in 
einem Mitgliedstaat oder in der Schweiz gestellten Asylantrags [Dub-
lin-Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68];  Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kri-
terien  und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO];  Verordnung  [EG] 
Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit Durchfüh-
rungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates 
[DVO Dublin]) sei Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zu-
ständig,

dass sich Italien auf Anfrage hin bis zum 12. Januar 2010 nicht habe 
vernehmen lassen, weshalb davon auszugehen sei, dem Ersuchen um 
Übernahme  des  Beschwerdeführers  sei  stillschweigend  zugestimmt 
worden,

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dass  die  Rückführung  nach  Italien  –  vorbehältlich  einer  allfälligen 
Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 13. Juli  2010 
zu erfolgen habe,

dass die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Gewährung 
des  rechtlichen  Gehörs  zur  Wegweisung  nach  Italien  offensichtlich 
nichts  an  der  Zuständigkeit  dieses  Staates  für  die  Behandlung  des 
Asylgesuchs zu ändern vermöchten, 

dass der Vollzug der Wegweisung nach Italien zulässig, zumutbar und 
möglich sei,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom 26.  April  2010  gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhob 
und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anweisung 
der Vorinstanz, den Selbsteintritt  der Schweiz und ihre Zuständigkeit 
für die Behandlung des Asylgesuchs zu erklären, beantragte,

dass das Bundesverwaltungsgericht am 27. April 2010 den Vollzug der 
angefochtenen  Verfügung  mittels  vorsorglicher  Massnahme  proviso-
risch aussetzte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass es im Asylbereich endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. Ent-
scheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl-
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass der Beschwerdeführer sich eigenen Angaben zufolge vor seiner 
Einreise in die Schweiz rund zwei Jahre lang in Italien aufgehalten hat,

dass  gemäss  Art.  10  Abs.  2  Dublin-II-VO vorliegend  Italien  für  die 
Behandlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständig ist,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grausame, unmenschli-
che oder  erniedrigende Behandlung oder  Strafe (FoK,  SR 0.105) ist 
und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, dieses Land werde sich 
im vorliegenden Fall nicht an die aus diesen Übereinkommen resultie-
renden Verpflichtungen halten,

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dass namentlich kein konkreter Grund zur Annahme besteht, der Be-
schwerdeführer  würde  von Italien  ohne  korrekte  Prüfung  seiner  Ge-
suchsgründe in die Heimat zurückgeführt (vgl. Beschwerde S. 2 f.),

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen 
Gehörs zu einer allfälligen Wegweisung nach Italien die beiden Fragen 
"Esistono dei  motivi  specifici  contrari  alla  competenza dell'IItalia  per 
trattamento  della  sua  domanda  d'asilo?"  und  "Esistono  dei  motivi 
specifici  contrari  al  suo  allontanamento  verso  l'Italia?"  mit  "No"  be-
antwortet  hat  (vgl.  Protokoll  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum 
Chiasso S. 9),

dass hingegen in der Beschwerdeschrift allgemeine Vorbehalte gegen-
über  den  Aufenthaltsbedingungen  für  Asylsuchende  respektive  an-
erkannte Flüchtlinge in Italien geäussert werden,

dass das Bundesverwaltungsgericht sich in letzter Zeit in zahlreichen 
Urteilen  zu  dieser  Thematik  geäussert  hat  (vgl.  etwa  Entscheide 
E-2368/2010  vom  3.  Mai  2010,  D-2626/2010  vom  23.  April  2010, 
E-2522/2010  vom 21.  April  2010,  E-2414/2010  vom 20.  April  2010, 
D-2416/2010  vom 19.  April  2010,  D-2048/2010  vom 16. April  2010, 
D-2157/2010 und D-2265/2010 vom 12. April 2010, D-2050/2010 und 
D-2177/2010 vom 8. April  2010, E-1960/2010 vom 1. April  2010 und 
D-1793/2010 vom 29. März 2010),

dass das Gericht dabei festgestellt hat, dass sich Asylsuchende in Ita-
lien zwar bei der Unterkunft, der Arbeit und dem Zugang zu medizini-
scher  Infrastruktur  durchaus  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt 
sehen könnten,

dass Dublin-Rückkehrende betreffend Unterbringung von den italieni-
schen  Behörden  jedoch  bevorzugt  behandelt  und  sich  –  neben  den 
staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen 
der  Betreuung  von Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annehmen wür-
den,

dass die  Organisation  "Arci  con Fraternità"  seit  dem 1. Januar  2009 
die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino (Rom) organi-
siert und dort den Asylsuchenden kostenlose Rechtsberatung anbiete,

dass erneut  darauf  hinzuweisen ist,  dass der  Beschwerdeführer  kei-
nerlei Einwendungen gegen eine Wegweisung nach Italien zu Protokoll 

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gegeben hat und auch in seinem Rechtsmittel  mit  keinem Wort  eine 
besondere Schutzbedürftigkeit geltend macht,

dass angesichts der in der Beschwerde enthaltenen pauschalen Ein-
wendungen gegen eine Wegweisung nach Italien nach dem oben Ge-
sagten  keine  Veranlassung  besteht,  die  Vorinstanz  anzuweisen,  die 
Ausübung  ihres  Selbsteintrittsrechts  zu  erklären,  und  dieser  Antrag 
abzuweisen ist,

dass den Akten somit keine Gründe zu entnehmen sind, die einer Zu-
ständigkeit Italiens für die Behandlung des Asylgesuchs entgegenste-
hen könnten,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
keine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  wurde  und 
auch kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht, weshalb die 
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen 
steht und demnach zu bestätigen ist, 

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens  –  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat handelt – systembedingt kein Raum bleibt für Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Beurteilung soweit  notwendig vielmehr  be-
reits im Rahmen der Prüfung des Selbsteintritts stattfinden muss,

dass in diesem Sinn das BFM den Vollzug der Wegweisung nach Ita-
lien zu Recht für zulässig, zumutbar und möglich erklärt hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

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dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
gemäss Art. 65 Abs. 1  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) schon wegen der 
Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebegehren  abzuweisen  ist  und  bei 
diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 1-3 des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2])  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),

dass  die  Gesuche  um  Befreiung  von  der  Vorschusspflicht  und  um 
Herstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  mit  dem  vorliegenden  Di-
rektentscheid gegenstandslos werden.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto-
nale Ausländerbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand:

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