# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67533d84-3901-5e71-8aef-f748215a73cb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-11-25
**Language:** de
**Title:** Restarbeitsfähigkeit nach Handgelenksverletzung mit Gebrauchsunfähigkeit der Hand. Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit in einer einarmigen Tätigkeit. Auf A.___-Gutachten kann abgestellt werden. Einkommensvergleich, Parallelisierung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00015
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00015.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00015
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiber Nef
Urteil
vom
25. November 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Adrian Zogg
Advokatur Bülach
Sonnmattstrasse 5, Postfach, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 196
7
,
war a
b
1
9.
August
20
13
als Monteur
und Gipser
im Bereich
Trockenbau
bei der
Firma
Y.___
in einem Pensum von 100
%
angestellt (
Urk.
8/61,
Urk.
8
/
73
/
40-42
).
Am 3
1.
Oktober 2017
zog er sich eine Verletzung am linken
Handgelenk
zu
,
als er bei der Montage von Gipskarton von einem Rollgerüst fiel (
Urk.
8
/5/160
, Urk. 8/5/147-148
). Die Suva als obligato
rische
r
Unfallversicher
er
stellte die von ihr erbrachten Heilkosten- und Taggeld
leistungen n
ach
einer kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 11.
August 2020 (
Urk.
8/30/
4
-18)
per 30. November 2020 ein (Urk. 8/73/67-69).
Es
wurde ein Integritätsschaden von 30
%
durch den Kreisarzt
festgelegt
(Urk. 8/30/2)
und die
Rentenprüfung nach Abschluss der bei der Invalidenversicherung laufenden Eingliederungsmassnahmen in Aussicht gestellt (Urk. 8/73/19)
.
Zwischenzeitlich
,
am 28. November 2018 (
Urk.
8/2)
,
hatte
sich der Versicherte unter
Hinweis auf mehrere Operationen
nach
Handgelenkbruch
zufolge des
Unfallereignis
ses
vom 3
1.
Oktober 2017
zum Leistungsbezug (Berufliche Integra
tion/Rente) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung an
gemeldet
(
Urk.
8
/
2
Ziff.
6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, k
oordi
nierte ihre
medizinischen und beruflichen
Abklärungen mit der Suva (vgl.
Urk.
8/10
, 8/18, 8/22, 8/24
-
25, 8/27
, 8/29
).
Für die Zeit v
om 2
3.
November bis 1
8.
Dezember 2020 erteilte sie Kostengutsprache
zuzüglich Taggelder
für eine Potentialabklärung (
Urk.
8/34).
In der Folge
gewährte sie
Kostengutsprache für Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die
Stiftung Z.___
(
Urk.
8/41
, Urk. 8/45
)
.
Am
1
9.
Juli 2021 teilte die IV-Stelle
den Abschluss der beruflichen Wiedereingliederung
sbemühungen
mit
und
verwies auf
die
laufende
Prüfung des Rentenanspruchs (
Urk.
8/65).
Sodann veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Abklärung bei der
A.___ AG
(
A.___
-Gutachten
vom
2
0.
März
2023;
Urk.
8
/
94
). Mit Vorbescheid vom
3.
M
ai
2023 stellte sie dem Versicherten bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von
13
% die Verneinung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
8
/
98
). Daran hielt sie nach erhobenem Einwand (
Urk.
8
/
102,
8
/110,
8/118,
8
/120
) mit Verfügung vom
23
.
November
2023 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
der Versicherte am
8.
Januar
202
4
Beschwerde mit dem Rechts
begehren (
Urk.
1 S. 2), es sei die Verfügung aufzuheben und es
seien die gesetz
lichen Leistungen
, insbesondere eine ganze Invalidenrente
,
auszurichten.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und unent
geltlichen Rechtsbeistand.
Die Beschwerdegegnerin schloss am
9.
Februar 2024
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
), was dem Beschwerdeführer am
21
.
Februar
202
4
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13
).
Am
2.
und am 1
1.
April 2024 (
Urk.
19
und
Urk.
21) äusserte sich der Beschwerdeführer erneut zu
r
Sache.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im November 2018 anhängig gemachten Anmeldung bei der Invalidenversicherung könnten allfällige
Rentenl
eistungen frühestens ab
April 2019
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrecht
lichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (
Urk.
2), dass d
ie Anmeldung am 1
9.
Dezember 2018
eingegangen und
der Beschwerdeführer
mit Eingliederungsmassnahmen unterstützt
worden sei
.
Die Massnahmen seien im
Juli 2021 abgeschlossen und die Rentenprüfung eingeleitet
worden
.
Dazu sei die
medizinische Situation
geprüft,
diverse Unter
lagen
eingeholt
und der
Beschwerdeführer zusätzlich von der
A.___ AG
untersucht worden. Dabei habe sich ergeben, dass eine einhändige Arbeitstätigkeit mit nur geringer Belastung der linken Hand in einem vollen Pensum zumutbar sei. Um den Invaliditätsgrad zu bemessen,
sei
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf die Angaben in der Unfallmeldung der Suva abgestellt worden.
Verglichen mit den - wegen
Einhän
digkeit
- um 20
%
verminderten anwendbaren Tabellenlöhnen
resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 13
%.
Dabei
seien
durchaus auch
berufliche Tätigkeiten
vorhanden
, die einarmig in einem Vollzeitpensum ausgeübt werden könnte
n
, zumal die Hand zwar stark beeinträchtigt, aber keineswegs unbrauchbar sei und als
Zudienhand
gebraucht werden könne.
Es korrelierten auch d
ie geltend gemachten
massive
n
Schmerzen und Beschwerden
nicht mit den vergleichsweisen schwachen Analgetika
zur
Schmerzlinderung
und
Phasen
,
während derer
gar
keine
Medikation benötigt
werde
.
Dem Beschwerde
führer sei
auch die
Benutzung von Verkehrsmitteln
und
täglich
es
Autofahren
möglich.
Dass sich
eine
neuropsychologische Untersuchung deutlich von einer Beurteilung durch einen Job Coach
unterscheide,
reiche
nicht
,
um
ein ärztliches Gutachten
anzuzweifeln. D
enn
die
auffälligen Resultate der Performanz-Validierungs
verfahren
hätten
auf eine
ungenügende Anstrengungsbereitschaft hin
gewiesen
und diese
Einschätzung
sei von einer
neuropsychologisch versierten Unter
sucherin mit entsprechendem Fachwissen abgegeben
worden. D
ie angeblich fehlende Unterschrift der Neuropsychologin finde sich auf S. 83
und di
e fehlende Unter
schrift in der
Konse
n
susbeurteilung
sei
darauf
zurückzuführen, dass die
Konsen
susbesprechung
am 2
0.
Februar
2023 per HIN-geschützter Mail stat
tge
funden habe.
Mit Blick auf den
kritisierten Einkommensvergleich
resultiere
selbst abgestellt auf die
vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Zahlen und
selbst
wenn
ein
Leidensabzug von 25
%
berücksichtig
t
würde
immer
noch
ein renten
ausschliessende
r
IV-Grad von 20
%
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1
S. 5), auf das
A.___
-Gutachten könne nicht abgestellt werden
.
Er leide nach wie vor an massiven Schmerzen und Beschwerden
,
die linke Hand sei praktisch unbrauchbar und der Funktionsausfall irreversibel ohne Aussicht auf Besserung.
Die Potenzialabklärung vom 2
3.
Dezember 2021 habe ein
realistisches Bild
seiner
aktuellen Leistungsfähigkeit ergeben
und es sei festgehalten worden, dass sich
die
berufliche Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt schwierig gestalten
werde. Dabei sei er stets als sehr motiviert wahrgenommen worden.
D
ie Eingliederungsberatung habe festgehalten, dass der Schnuppereinsatz nicht erfolgreich gewesen
sei
und
subjektiv wie objektiv keine verwertbare Arbeits
leistung für den ersten Arbeitsmarkt mehr
bestehe
.
Von S
eiten des Job Coaches
sei, da
keine verwertbare Arbeitsfähigkeit für ein Pensum von 50
%
bestanden habe, beschlossen worden,
dass
die Unterstützung für die Suche eines Arbeits
versuches vorzeitig ab
geschlossen werde
(S. 6)
.
Selbst wenn davon ausgegangen werden sollte, dass eine theoretische Rest
arbeitsfähigkeit vorhanden wäre, sei diese nicht verwertbar. Dies zeigten die Erkenntnisse der Eingliederung.
Die
A.___
-Ärzte h
ätten
die Erkenntnisse der Eingliederung nicht gewürdigt.
Die
A.___
-Ärzte
hätten auch nicht
begründet, wie sie auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit kämen und auch nicht
beachtet
, dass er unter massiven Schmerzen und Beschwerden leide und er deshalb nicht als gewöhnlicher funktionell Einarmiger beurteilt werden könne (S. 7). Auf das
A.___
-Gutachten d
ürfe
auch aufgrund einer Titelanmassung des federführenden Gutachters, Prof.
Dr.
B.___
, nicht abgestützt werden.
Denn er nenne sich
unter anderem Facharzt für Tropenmedi
zin und Infektiologi
e und dies
gehe
a
us dem
Medizinalberuf
e
register
nicht hervor (S. 8). Des
W
eiter
e
n sei das Gesamtgutachten von der neuropsychologischen Teil
gutachterin nicht unterzeichnet worden und
da
im Auftrag zum Gutachten
darauf hingewiesen worden sei, dass
die psychiatrische Diagnose korrigiert werden müsse
, sei
auch
die
Auftragserteilung zum Gutachten nicht korrekt erfolgt (S. 10).
Dr.
C.___
komme im Bericht vom 2
6.
Juni 2023 zum Schluss, dass eine berufliche Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei
.
Dr.
D.___
komme im orthopädischen Gut
achten
zum Schluss,
dass eine schwere Beeinträchtigung der
Lebensqualität vorliege
und eine berufliche Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zumutbar sei (S. 11).
Insbesondere durch die nächtlichen brennenden Beschwer
den der linken Hand, wie diese für eine solche Erkrankung typisch seien, sei die Lebensqualität ausgeprägt herabgesetzt.
Ferner sei das festgesetzte
Validenein
kommen
- aus näher dargelegten Gründen -
zu tief. Das Invalideneinkommen ha
be
die Beschwerdegegnerin zu hoch festgesetzt
.
A
ufgrund
des
einschränkenden Belastungsprofils
sei
ein Leidensabzug von 25
%
vorzunehmen (S. 12).
3.
3.1
Kreisarzt
Dr.
med
.
E.___
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation
,
führt
e
anlässlich seiner Abschlussuntersuchung vom 1
1.
August 2020
(
Urk.
8/30/4-18)
zu Händen der Suva aus, beim Beschwerdeführer bestünden erhebliche Funktionseinschränkungen im Bereich der linken Hand nach einer
im Jahr
2017 erlittenen ausgedehnten distalen Radiusfraktur. Die linke Hand sei allenfalls noch zu leichtesten Tätigkeiten als Hilfshand einsetzbar. Belastungen
seien nicht zulässig, ein leichter Gegenstand könne nicht sicher gehalten werden. Es
fänden
sich eine Muskelatrophie im Bereich des linken Unterarmes und trophische Störungen im Bereich der linken Hand. Zuletzt sei diskutiert worden, ob hier eine Arthrodese eine relevante Verbesserung des Beschwerdebildes beziehungsweise der Funktion bringen könn
t
e, was
handchirurgischerseits
nicht ausgeschlossen,
die
se
Option aber
aufgrund der
Situation mit trophischen Störungen an der linken Hand
aktuell
nicht möglich
sei
. Deswegen m
üsse
davon ausgegangen werden,
dass aktuell
eine
weitere Verbesserung der unfallbedingten Folgen
nicht
erwartet
werden k
önne, auch wenn
theoretisch damit zu rechnen
sei
, dass sich im Laufe der Zeit die trophische Störung
zurückbilde und ev
entuell
später einmal noch eine
Handgelenk
a
rthrodese
in Erwägung gezogen werden
könne
(S. 14)
.
Der Beschwerdeführer könne
,
wie von der Ergotherapeutin angedeutet, als funk
tioneller
«
Einarmer
»
bezeichne
t werden
(S. 14)
. Zur Frage, welche
Tätigkeiten
in welchem
zeitlichen und leistungsmässigen Umfang
noch ausgeübt werden könnten, führte der Kreisarzt aus, mit
der linken Hand könn
t
en keine regel
mässigen Tätigkeiten mehr zugemutet werden, allenfalls gelegentlich k
önne
die linke Hand bei leichtesten Tätigkeiten ohne Gewichtsbelastung als Hilfshand eingesetzt werden. Für Tätigkeiten einhändig mit der rechten Hand best
ünden
keine Einschränkungen
der funktionalen Leistungsfähigkeit, sofern die linke Hand dabei zeitweilig auf einer Fläche
,
zum
Beispiel einem Tisch
,
abgelegt werden k
önne
. Insgesamt soll
t
en keine Tätigkeiten mit wechselnden
Temperatur
belastungen oder in Kälte abverlangt werden
(
S. 15
).
3.2
Im Bericht
der
Z.___
Arbeitsintegration vom 2
0.
Juli 2021 (
Urk.
8/67
/
1-4
), welcher im Zusammenhang mit einer Assessmentphase vom 1
1.
Januar bis 11.
März
2021
mit
Arbeitsversuch vom 1
2.
März bis zur vorzeitigen Beendigung per 2
0.
Juli 2021
erstellt wurde,
hielt
der zuständige Case Manager
fest
, der Beschwerdeführer habe sich stets pflichtbewusst, engagiert und zuverlässig gezeigt und die Termine für Schnuppereinsätze und Gespräche stets pünktlich und eigenständig wa
h
rgenommen. Aufgrund des reduzierten Sprachverständnis
ses in der deutschen Sprache habe er für die Umsetzung und das Verstehen von Instruktionen teilweise mehr Zeit mit Wiederholungen benötigt. Mit den funk
tionellen Einschränkungen habe er einen grossen Aufwand für den geringen Ertrag betrieben. D
abei habe die
Konzentrationsfähigkeit aufgrund erhöhter Schmerzen oder Misserfolgen eingeschränkt sein
können
. Die Geduld
sei
bei Misserfolgen reduziert
gewesen
und
dies habe
ihn
nervös, teilweise frustriert und hoffnungslos b
eziehungsweise
perspektivlos
gemacht
.
Aufgrund der
Perspek
t
iv
losigkeit und
aufgrund
finanzielle
r
Schwierigkeiten
habe er
vielfach ein hilfloses
Verhalten
gezeigt,
jedoch
s
eine Pflichten, auch gegenüber dem RAV
,
immer
zuverlässig
erledigt. Er habe
verschiedene Tätigkeiten in drei Schnuppereinsätzen aus
geübt
. Dies in einer Gärtnerei mit Umtopfen von Kräutern sowie die Liefer
vorbereitung der Kräuter. Dann als
Verteiler von Drucksachen
u
nd zuletzt in einer Sicherheitsfirma
auf
Baustellen
mit
Zutrittskontrolle
n
sowie
bei Schliessrunden. Er
habe
die unterschiedlichsten Tätigkeiten
versucht auszuüben, sei
jedoch stets an seine Grenzen
gestossen
.
Seine körperlichen Einschränkungen mit den funktionellen Limitierungen und den Schmerzen
hätte
n
keine verwertbare Leistung zu
gelassen
. Zusammen mit
seinem Bildungsstand sowie den sprach
lichen Einschränkungen
hätten
kaum Fachkompetenzen evaluiert und
eruiert werden
können
.
Anhand dieser Abklärungen
sei
keine verwertbare Arbeits
leistung und Arbeitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt
und
für einen Arbeits
versuch feststellbar
(S. 3)
.
3.3
3.3.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten interdisziplinären Gutachten de
r
A.___ AG
vom
2
0.
März
2023 (
Urk.
8
/
94
), beruhend auf Untersuchungen in den Fachdisziplinen
Innere Medizin, Neuropsychologie, Neurologie, Psychiatrie
und
Handchirurgie
, wurden die folgenden Diagnosen gestellt (S. 8):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Posttraumatische Radiokarpalarthrose links nach mehrfragmentärer, intra
artikulärer, dislozierter, distaler Radius
fra
ktur am 3
1.
Oktober 2017 mit im Verlauf nahezu kompletter
Einsteifung
2.
Nach Entwicklung eines CRPS
I
(komplex
es
regionales Schmerzsyndrom) ca. 01/2018
,
jetzt residualer Endzustand mit
h
ochgradig trophischen Verände
rungen am distalen Unterarm sowie an der Hand links mit Einschränkung jeglicher Greiffunktionen bei defizitärer Kraftentwicklung und aufgehobener Feinmotorik, verbleibende chronische Schmerzen
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Verdacht auf Small-
Fibre
-Neuropathie, Erstdiagnose 09/2021
2.
Aktenanamnestisch: Status nach Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
3.
Adipositas (BMI 30)
4.
Diabetes mellitus Typ 2
5.
Verdacht auf arteriellen Hypertonus
6.
Hypoka
l
zämie (als pathologischer Laborwert)
3.
3
.2
Der fallführende internistische Gutachter
führte aus
(S. 2
8
f.),
befragt nach de
r
aktuellen Beschwerdesymptomatik nenn
e
der
Beschwerdeführer
seine Probleme mit der linken
Hand
, im Prinzip, dass er die
linke
Hand nicht mehr
benutzen könne
. Seit etwa drei Jahren sei zudem ein Diabetes mellitus bekannt.
Er
leide
auch
unter einer Blockade der Muskulatur beider Unterschenkel, wobei Krämpfe in der Wadenmuskulatur, insbesondere auch nachts
,
auftreten würden, sodass Durchschlafstörungen bestünde
n
.
Zur medizinischen Beurteilung hielt d
er Experte
fest
(S. 32 f.)
, es würden keine fachspezifischen Beschwerden mit resul
tierenden Einschränkungen geltend gemacht. Die Akten widerspiegelten nachvollziehbar den bisherigen Verlauf und es bestünden keine Gegensätze im Verlauf. Auf
i
nternistischem Fachgebiet ergäben sich keine Diagnosen, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
3.3.3
Die neurologische Sachverständige führte aus
(S. 40)
, der Beschwerdeführer bericht
e
, dass seine linke Hand nicht mehr funktioniere. Er lebe mit den Schmerzen seit mehreren Jahren. 2017 habe er den Unfall gehabt. Er sei noch vor Ort notfallmässig medizinisch behandelt und in der Nacht sei die erste Operation an seinem linken Handgelenk durchgeführt worden. Gleich am ersten Tag nach der Operation habe e
r
elektrisierende Schmerzen im linken Handgelenk sowie in der linken Hand verspürt. Aktuell erlebe er ähnliche Schmerzen. Vor allem im Handgelenk und in der Hand habe er einschiessende, pulsierende, elektrisierende Schmerzen, die in alle Fingerspitzen ausstrahlten. Insbesondere bei Wechsel von warm und kalt bzw. allgemeinen Temperaturwechseln und nachts würden die elektrisierenden Schmerzen zunehmen. Zudem berichte er, bereits von Anfang an, das heiss
e
sofort nach
der
Operation, Sensibilitätsstörungen im Bereich der linken Hand verspürt zu haben im
Sinne einer Hyp
ästh
esie.
Dabei we
i
se er
auf seine Handgelenksmanschette
hin
, ohne di
e er
die Hand
gar nicht mehr bewegen
könne. Sei
t
dem Unfall habe er nicht mehr arbeiten können
und er
fühle sich ak
t
uel
l
auch überhaupt nicht
arbeitsfähig
. D
ie Schmerzen w
ü
rden ihm
die
letzten Nerv
en
rauben.
Zum Tagesablauf schilder
e er
(S. 42)
,
gegen 8
Uhr
stehe er auf,
frühstücke
,
schaue dann im
I
nternet nach
Jobs, lese Nachrichten und schlafe manchmal wieder ein. Er gehe manchmal spazieren, erledige
kleinere Einkäufe im Supermarkt und tausche sich mit seiner Familie aus. Oft verbringe er auch Zeit vor
dem Fernseher
.
Abends könne er meistens sehr gut einschl
a
fen, jedoch niemals durchschlafen
,
da er
aufgrund von Schmerzen im
l
inken Handge
l
enk oftmals wach werde.
Hobbys im
engeren
Sinne hab
e er keine. Er
könne auch keinen
Sport mehr machen, denn egal
,
we
l
chen Sport er mache
,
würde
es im Handgelenk links
pulsieren und
dies
zu weiteren Schmerzen führen. Einzig spazieren gehe
und helfe
ihm
,
ein
weni
g
Stress abzubauen.
Im Haushalt könne
er kaum Aufgaben
übernehmen.
Er könne weder kochen noch
p
utzen
oder waschen. Auch seine Ehefrau könne ihn
nicht unterstützen
,
da es ihr noch schlechter
gehe
als ihm
.
Er sei glücklich
darüber,
dass die Frau seines Sohnes, seine Schwiegertochter, bei ihnen wohne
.
Sie übernehme
den
kompletten Haushalt für die Familie. Die Schwiegert
o
chter und der Sohn seien
dazu
extra aus
Italien angereis
t
, um ihn im Haushalt zu unter
stützen.
Er habe
einen Führerschein
und fahre fast
täglich mit dem Auto kürzere Strecken. Da sein Auto ein Au
t
omatikgetriebe und keine Gangschaltung
habe,
habe
er hierbei auch kaum Probleme. Öffentliche Verk
ehrsmittel
benut
ze
er so gut wie
gar nicht
und
er habe auch keine Monatskarte.
Zur Untersuchung sei er aber mit dem Zug angereist
und vor
ca. einem Jahr
sei er
für zwei Wochen
i
m
Urlaub in Mazedonien gewesen.
Zum Untersuchungsbefund führte die Expertin aus
(S. 44 f.)
, es seien Achillessehnen
-
, Abduktoren
-
, Bauchdecken
-
, Bizepssehnen
-
, Bizeps
-
femo
ri
s
-
, Extensor-digitorum-, Fingerbeuge, Masseter
-
, Patellarsehnen
-
,
Pronatoren
-
, Radiusperiost
-,
Tibialis-posterior
-,
Trizepssehnen
-
und Zehenbeugereflex
e
geprüft worden. Zusammenfassend sei
e
n die Muskeleigenreflexe mittellebhaft seiten- und etagengleich auslösbar und es bestünden keine pathologischen Reflexe oder andere Pyramidenbahnzeichen. Jedoch h
abe
d
er
Radi
us
periostreflex
auf der linken Seite
bei Angabe starker Schmerzen im Bereich des linken Handgelenks nicht erhoben werden können. Oberflächen- und tiefensensible Reize seien ubiquitär seitengleich angegeben worden und bis auf eine Hypästhesie im Bereich der linken Hand sowie palmar als auch dorsal inklusive
Dig
2-5
, wobei
Dig
1 nicht betroffen
sei
und hier keine Sensibilitätsstörung im Sinne einer Hypästhesie
bestehe
.
Der Beschwerdeführer gebe
Dysästhesien im Sinne eines starken perma
nenten Brennens im Bereich des linken Handgelenks sowie in der Hohlhand
an
. Zusammenfassend ergäben sich bis auf die Sensibilitätsstörungen beziehungs
weise Dysästhesie am linken Handgelenk sowie an der linken Hand keine weiteren objektivierbaren sensiblen Defizite für Berührung, Schmerz, Temperatur oder Vibration.
In der dezidierten Kraftprüfung hätten sich Auffälligkeiten im Bereich des linken Handgelenks sowie der linken Hand gezeigt. Darüber hinaus aber keine Auffälligkeiten beziehungsweise Paresen. Eine Flexion im linken Handgelenk sei kaum möglich und schmerzbedingt deutlich eingeschränkt. Ein Faustschluss gelinge nicht.
Aus neurologischer Sicht sei retrospektiv eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit spätestens seit dem 2
2.
Dezember 2017 zu beschreiben, da erstmals Bewegungs
einschränkungen der Finger und elektrisierende Beschwerden im Sinne einer Erstsymptomatik eines CRPS
I
dokumentiert
worden
seien. Vor diesem Zeitpunkt
habe aus rein neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestanden und seit dem neurologischen Konsilium in der Reh
a
klinik
F.___
vom 1
1.
September 2018 könne von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, da die Budapester Kriterien für das CRPS
I
nicht mehr erfüllt gewesen seien (S. 50).
3.3.4
Der psychiatrische Gutachter hielt fest (S. 54 f.), der Beschwerdeführer beklage zwar derzeit keine grösseren psychischen Probleme,
gebe aber an
,
er
sei nicht mehr die gleiche Person wie früher. Er
werde
rasch nervös
, sei
leicht reizbar und im Alltagsgeschehen insgesamt vergesslicher geworden. Zudem verspüre er eine deprimierte Gemütsverfassung und habe nahezu jegliches Selbstwertgefühl verloren. In früheren Zeiten habe er gelegentlich auch unter Albträumen gelitten, welche sich thematisch beispielsweise mit Themen aus dem Krieg oder toten Leuten aus seiner Familie beschäftigt hätten.
Die deutliche Funktionseinschrän
kung seiner linken Hand sei
jedoch
der
wesentliche Faktor, welcher
seine Arbeits
fähigkeit limitiere.
Den
im Untersuchungszeitpunkt verfügbaren Akten liessen
sich
aus fachpsy
chiatrischer Sicht keine beurteilten Sachverhalte entnehmen. Die in einzelnen Berichten zur Darstellung gelangte diagnostische Bewertung einer Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion habe rein aktenanamnestisch bestätigt werden können, habe sich aber im Zeitpunkt der Begutachtung bereits remittiert gezeigt (S. 60). In retrospektiver Bewertung
könne nach stattgehabter
Remission der im
Zusammenhang m
it dem
Unfallereignis Ende
Oktober
2017 dokumentier
ten Anpassungsstö
rung
bei
längerer
depressiver Reaktion
davon ausgegangen werden, dass
etwa a
b
Anfang
Dezember
2019
die
Arbeitsfähigkeit
wieder
ein durchgehend
uneingeschränktes Niveau
umfasst habe (S. 62).
3.3.5
Der
h
andchirurgische Experte führte
aus (S. 67 f), der Beschwerdeführer beklage ein permanentes Kältegefühl am Unterarm und an der linken Hand. Unter Tragen der Handgelenksmanschette habe er keinen Ruheschmerz, jedoch häufig einschiessende
,
elektrisierende Schmerzen in der linken Hohlhand bis auf die Finger ziehend. Er könne mit der rechten (richtig
:
linken) Hand keinerlei Kraft mehr entwickeln. Das Handgelenk sei nahezu steif, sämtliche Langfingerspitzen seien taub
,
er könne die Finger nicht mehr feinmotorisch bewegen
,
er habe keinerlei Greiffähigkeit und keine Kontrolle beim Halten von Gegenständen.
Wenn er die Handgelenksmanschette trage, könne er bereits Gegenstände von drei Kilogramm nicht mehr über Hüfthöhe heben, danach würden Schmerzen am Unterarm und an der Hand auftreten. Er könne die linke Hand nur noch stützend einsetzen und im Wesentlichen verrichte er sämtliche manuelle
n
Tätigkeiten mit der rechten Hand.
Unter Versicherungsmedizinischer Beurteilung
,
Prognose und Fähigkeiten hielt der Experte fest (S. 73), die beim Unfall am 3
1.
Oktober 2017 erlittene schwere Verletzung des distalen Radius mit Beteiligung des Radiokarpalgelenks sei durch operative Versorgung
,
nachfolgend
e
konservative Behandlung
und
unter Beteiligung eines schmerztherapeutischen Zentrums
im
Verlauf
standar
d
gemäss durchgeführt worden. Mit sämtliche
n
Therapien einschliesslich eines stationären Reha
bilitations
verfahren
s
h
abe
keine relevante Besserung des jetzt
v
orgefunde
nen Zustandes mit posttraumatischer
Einsteifung
des Handgelenks und
residuel
len
trophischen Störungen an Unterarm und Hand mit hochgradigen Funktions
störungen erreicht werden können. Beim jetzigen Endzustand
könne
die linke Hand lediglich noch für leichteste
Beihandfunktionen
beanspruch
t werd
en.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit 0 Stunden pro Tag. Optimal angepasst sei eine Tätigkeit
,
bei der keine
Anforderungen an die linke Hand
gestellt würden
. D
ie
linke Hand
könne
lediglich gelegentlich im Sinne einer stützenden
Beihand
als funktionsfähig
angesehen werden. In einer solchen Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit im freien Arbeitsmarkt 100
%
(S. 7
4 f.
).
3.3.6
Auf dem Fachgebiet der Neuropsychologie führte die zuständige
Expertin
aus (
Urk.
8/94/81
f.
), beim Beschwerdeführer hätten anlässlich der Untersuchung keine validen Befunde erhoben werden können.
Dies
habe
sich einerseits
aus
den beiden du
r
chgef
ührten
Performan
ce
va
li
dierungsve
rfahren
ergeben
, die
beide auf
fällige
Resultate
ausgewiesen hätten
, was für eine ungenügende
Anstren
gungsbereitschaft spreche.
Zudem
seien auch
die übrigen Befunde
teilweise
inkonsistent
gewesen. So
seien
schwieriger
e
Au
fgaben
besser
als
leichtere
Aufgaben
derse
l
ben Funktion
bewältigt
worden
und d
as einfacher
e
Wiedererken
nen von gelernten Informationen
habe sich stärker beeinträchtigt gezeigt als der schwierigere Spontanabruf dieser Informationen. Zudem
habe sich
das Arbeits
tempo teilweise schwer beeinträchtigt, teilweise aber auch durchschnittlich ge
zeigt
, wobei die starke Verlangsamung im späteren Verlauf der Untersuchung
dann
nicht aufgetreten sei.
A
l
lenfalls hätte man dies
mit einer erhöhten Ermüdung erklären können,
die
zwar subjektiv vom Beschwerdeführer angegeben worden
,
in de
n
Beobachtung
en
aber nicht aufgefallen sei. Kognitiv
e
Defizite h
ätten
deshalb weder bestätigt noch ausgeschlossen werden können.
3.3.7
In der Interdisziplinären Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus (
Urk.
10/94/7
f.),
die
Angaben des
Beschwerdeführers wirkten im
Hinblick auf die Beschwerden
i
m Bereich der linken Hand
authentisch und plausibel. Auch in Bezug auf das psychiatrische
Fachgebiet wirkten die Angaben
authentisch und pl
ausibel,
wenngleich anteilig überlagert von einem subjektiv determinierten
Bew
ert
ungshorizont.
Bei der neuropsycho
logischen
Erhebung
hätten
Validie
rungstests
auffällige Resultate
und
verschiedene Inkons
istenzen
bei den übrigen
Befunden
gezeigt
. Dementsprechend
habe
keine Aussage bezüglich des kogni
tiven
Funktionsniveaus gemacht werden können.
Zu
r
Begründung der Gesamtarbeitsunfähigkeit ergebe sich aus handchirurgischer Sicht, dass die Funktionsfähigkeit der linken Hand nahezu aufgehoben sei und dass damit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit vorliege
(S. 9). Eine optimal angepasste Tätigkeit stelle keinerlei Anforderungen an die Funktion der linken Hand, die lediglich gelegentlich im Sinne einer stützenden
Beihand
als funktionsfähig angesehen werden könne. Zudem sollten keine Tätig
keiten mit wechselnden Temperaturbelastungen ausgeübt werden.
Die maximale Präsenz
in einer solchen Tätigkeit betrage 8.5 Stunden ohne Einschränkung der Leistung.
Im zeitlichen Verlauf sei ab dem Unfall vom 31.
Oktober 2017 die Arbeitsfähigkeit bis zur kreisärztlichen Untersuchung vom 1
2.
August 2020 auch in einer angepassten Tätigkeit aufgehoben. Ab dem 12.
August 2020 sei der Endzustand erreicht und eine angepasste Tätigkeit könne vollumfänglich ausge
übt werden (S.
10
).
3.4
Dr.
med.
C.___
,
Fachärztin FMH für Chirurgie und Handchirurgie
,
führte im Bericht vom 2
6.
Juni 2023 (
Urk.
10/109)
aus
, der Beschwerdeführer melde sich drei Jahre nach der letzten Konsultation, da er trotz entsprechenden Versuchen bislang nicht als
Einhänder
habe eingesetzt werden können. Er beklage eine deutliche Funktionslimitierung der linken Hand, nur der Daumen sei beweglich
. Das
Hauptproblem sei aber die Schmerzsituation, die ihn auch nachts nicht schlafen
lasse
, sodass er eine ausgesprochene Tagesmüdigkeit verspüre. Der Beschwerdeführer sei nach wie vor ein funktioneller
Einhänder
und könne Tätig
keiten nur mit der rechten Hand verrichten. Es sei aber nicht nur die funktionelle Einschränkung der linken Hand, die den Einsatz in einer auch wenig belastenden beruflichen Tätigkeit limitiere, sondern ganz wesentlich die trophische Störung und die neuropathischen Schmerzen und die damit einhergehende ausge
sprochene Tagesmüdigkeit. Eine berufliche Tätigkeit sei
ihm
nicht mehr zumut
bar.
3.5
Dr.
med.
D.___
, Orthopädie,
G.___
, berichtete am 2
8.
September 2023 (
Urk.
10/121),
er sei vom
Beschwerdeführer am 1
9.
Juni 2023
um ein orthopä
disches Gutachten gebeten
worden
.
Der Beschwerdeführer habe
eine schwere Handgelenkverletzung
mit
komplikationsbehaftete
m
Verlauf
erlitten, wobei
es zu
r
Ausbildung eines chronische
n
regionalen Schmerzsyndroms mit weitgehen
der Gebrauchsunfähigkeit der linken Hand
gekommen sei.
Im Vordergrund st
ünden
hierbei die neuropathischen Schmerzen, die neben den regionalen
Schmerzen äquivalent auch eine schwere Beeinträchtigung der Lebensqualität
da
r
stellt
en
.
Insbesondere durch die nächtlichen brennenden Beschwerden der linken Hand, wie diese für eine
solche Erkrankung typisch
sei
en
,
sei
die Lebens
qualität ausgeprägt herabgesetzt.
Dies f
ühre
zu einer einschneidenden Verringe
rung der Alltagstauglichkeit
, was
eine berufliche Tätigkeit auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt als nicht mehr zumutbar erscheinen
lasse
.
Die Einschätzung der
IV-Versicherung, dass eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit für leichte
körperliche Tätigkeiten weiterhin gegeben sei, k
önne
nicht geteilt werden, insbesondere unter dem
Aspekt der neuropathischen
Schmerzchronifizierung
.
3.
6
RAD-
Ärztin
Dr.
med.
H.___
, Fachärztin für Urologie und Chirurgie
,
wies in ihrer Stellungnahme vom
1.
November 2023 (
Urk.
10/127/3-6) darauf hin, dass
auch
die behandelnde Handchirurgin
Dr.
C.___
trotz
der vorausgegangenen
missglück
te
n
Eingliederungsphase für den Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit ein Pensum von
acht
Stunden pro Tag als zumutbar erachtet habe. Da
die
Behandlerin
ihrerseits den Beschwerdeführer bereits seit vielen Jahren begleite und den protrahierten Krankheitsverlauf im Detail kenne, sei ihre Einschätzung nachvollziehbar. Zu
r
gleiche
n
Einschätzung
seien auch die
S
uva
-Kreisärzte und
die
A.___
-Gutachter
gekommen
, wodurch deren Beurteilung gestützt w
erde
.
Die
vom Rechtsvertreter
geltend gemachten massiven Schmerzen überzeugten auch nicht
,
nachdem der Beschwerdeführer schmerzmitteltechnisch nur unter einer Bedarfsmedikation von
Novalgin
bzw. Mefenacid, also schwachen Analgetika
,
stehe.
Er
gebe auch an
,
täglich Auto zu fahren, die wichtigsten Einkäufe
v
ormittags zu tätigen, sich häufig mit Freunden zu treffen, was die vom
Rechts
vertreter
angeführten massiven Beschwerden und Schmerzen und die depressive
Problematik relativiere
. Zudem gebe selbst der Beschwerdeführer
an, er könne sich durchaus Tätigkeiten vorstellen, die im Wesentlichen einhändig
auszuführen s
eien.
Inso
weit
der Rechtsvertreter auf eine
Titelanmassung des
f
allführenden
A.___
-Gutachters Prof.
B.___
(geb. 1948
) hinweise, liege eine solche nicht vor. Lebenslauf und Facharztbezeichnung liessen sich ohne Weiteres dem Internet und unter anderem dem
I.___
entnehmen.
Das neurologische Teilgutachten nehme ausschliesslich zu einer möglichen Nervenschädigung Stellung und da ein
e
solche nicht habe nachgewiesen werden können, sondern die trophischen Veränderungen eine andere Entstehung hätten
,
s
ei
dies mit einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit beurteilt worden. Dieselbe Vorgehensweise gelte auch für das psychiatrische und das internistische Teilgutachten, die beide keine relevante Erkrankung im jeweiligen Fachgebiet hätten sehen können und im Konsens zur Anerkennung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit gelangt seien.
Was die angeblich fehlende Unterschrift der Neuropsychologin betreffe, so finde sich diese auf S. 83
des Gutachtens
und ihre Beurteilung
sei damit
gültig. Die fehlende Unterschrift in der
Konsesusbeurteilung
sei darauf zurückzuführen, dass die
Konsesusbesprechung
am 2
0.
Februar 2023 per HIN-geschützter Mail statt
gefunden habe.
Die aktuellen Arztbericht
e
von
Dr.
C.___
spiegelten lediglich die subjektive Empfindung des
Beschwerdeführers
wi
e
der ohne Vorlage von fach
ärztliche
n
Abklärungsberichten von Schlafmedizinern oder Lungenfachärzten. Das gleiche gelte auch für die neu geltend gemachte depressive Reaktion mit Fatigue und die Schmerzkrankheit, wofür fundierte fachärztlich Berichte fehlten.
4.
4.1
Das interdisziplinäre Gutachten der
A.___ AG
vom 2
0.
März 2023 (
Urk.
8/94)
erging in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(vgl. S. 13 bis S. 25)
, den geklagten Beschwerden sowie gestützt auf eigene Untersuchungen. Die Gutachter begründeten ihre Diagnosen und Schlussfolgerungen ausführlich und differenziert und nahmen zu den Beurteilungen in den
entscheidrelevanten
Vorakten
einlässlich Stellung.
Dabei wurden auch die Berichte über
die
Poten
zialabklärung, Eingliederungsberatung, Arbeitsintegration und Arbeitsvermitt
lung in
s
Gutachten
einbezogen
(vgl. S. 22
f. des Gutachten
s
).
In formeller Hinsicht
wurde
das Gutachten von den
Experten
rechtsgenüglich unterzeichnet
. Ein
Verdacht auf eine
Titelanmassung
,
wie dies von Seiten des Beschwerdeführers
mit Bezug auf
Prof.
Dr.
B.___
behauptet wird, da dieser nebst dem Facharzt
titel für Allgemeine Innere Medizin (vgl.
MedReg
) auch einen Facharzttitel für
Tropenmedizi
n und Infektiologie führt
,
ist unbegründet. Dafür ergeben sich
keine Anhaltspunkte, worauf der RAD der Beschwerdegegnerin zu Recht hingewiesen hat (vgl. E. 3.6 hiervor).
Dass die RAD-Ärztin in der Auftragserteilung
zur Begutachtung
darauf hingewiesen hat, dass seit dem Reha-Aufenthalt in
F.___
im Oktober 2018
auch
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion geführt werde und
die Diagnose
, da nicht länger als
zwei
Jahre dauern
d
,
nach
fast
drei
Jahren
psychiatrisch
re
e
val
u
iert
und korrigiert werden
müsse
(vgl.
Urk.
8/94/5)
,
begründet auch keine
V
oreingenommenheit der Gutachter (vgl.
Urk.
1
Ziff.
17.6).
Dabei handelt es sich
erkennbarerweise
um die Wiedergabe der medizinischen Einschätzung des RAD-Arztes (wovon die Gutachter zwingend Kenntnis zu nehmen hatten) und der Gutachtensmanagerin der Beschwerdegeg
nerin (
Urk.
8/86/3-5), welche selbst nicht Ärztin ist und deren Einschä
t
zung im vorliegenden Kontext keinerlei Relevanz zukommt.
Mithin genügt das Gutachten
grundsätzlich
den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage gestellten Anforderungen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018
vom 1
1.
Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.; vgl. auch E. 1.6 hiervor).
4.2
Insoweit
der
Beschwerdeführer
vor
tragen lässt,
d
ie Potenzialabklärung
(vgl.
E. 3.2)
habe
ergeben, dass
subjektiv wie objektiv keine verwertbare Arbeitsleistung für den ersten Arbeitsmarkt
erbracht
werden könne
und
bereits deshalb auf keine verwertbare
Restarbeitsfähigkeit
zu schliessen sei
, kann ihm
nicht
gefolgt werden
. Denn
einerseits
bestimmt sich
die Restarbeitsfähigkeit anhand objektivierbarer medizinischer Befunde, die von
f
achärztlicher Seite
zu erheben sind
,
und
nicht aufgrund de
s
subjektiven
Leistungsverhalten
s
,
welches im
Rahmen
eines
Arbeits
versuch
s
präsentiert
w
ird.
Anderseits
bildete
gerade
die unklare
medizinische
Situation
im Rahmen der Wiedereingliederungs
bemühungen
Anlass und
Ausgangspunkt
für
ein
e
interdisziplinäre medizinische
Untersuchung
. Dies war auch angezeigt
,
nachdem
der Unfallversicherer zuvor seine Abschlussunter
suchungen
bezüglich der
unfallbedingten Beeinträchti
gungen
getätigt hatte
und unklar war, ob zusätzliche unfallfremde Leiden die Arbeitsfähigkeit beeinflussen.
Die
Gutachte
r
zeigten dazu
auf
, dass
die
Beeinträchtigung
en
aufgrund
d
e
r
V
erletzung
en
an der
nicht dominanten
linken
Hand
, welche die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in bisheriger wie auch in angepasster Erwerbstätigkeit beeinfluss
en
,
einzig
noch
auf
neurologischem und handchirurgischem
Fachgebiet zu erheben
sind
.
Nachdem keine Psychopathologie erhoben werden konnte und der Beschwerdeführer auch nicht in einer psychiatrischen Behandlung st
and
, ist auch nachvollziehbar, d
ass
keine
psychiatrische
Diagnose
zu stellen
war
und
eine
früher diagnostizierte
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
einzig
noch
aktenanamnestisch
bestätig
t
wurde
,
jedenfalls
aber
im
Zeitpunkt der Begutachtung remittiert
sein musste
.
Da zudem i
m Rahmen
der
neuropsy
chologischen Abklärung
keine validen Befunde erhoben werden k
onnten
,
weil
die
durchgeführten Performancevalidierungsverfahren
auf
eine ungenügende Anstrengungsbereitschaft
hingewiesen ha
tten
, ist auch die Würdigung der Arbeitsfähigkeit im Gesamtkonsens nachvollziehbar.
Da
zu
wies
auch
d
ie
RAD
-Ärztin
zu Recht
darauf hin
, dass
sich
das
neurologische Teilgutachten
mit
einer möglichen Nervenschädigung
zu
befass
en
h
atte
und da
für
eine solche
kein Nach
weis erbracht werden konnte
,
die trophischen Veränderungen
andere
n
Entste
hung
sgründen
zuzuschreiben waren. Dennoch wurde
dies
em Umstand
mit einer 30%igen
Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit
aus
neurologischer Sicht und im Gesamtk
onsens
mit der
Anerkennung einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit in angestammter Tätigkeit
Rechnung
getragen
. Dies obwohl
weder
psychiatrisch
noch
internistisch
eine
relevante Erkrankung
festzustellen war
.
Vor diesem Hintergrund überzeugt die Gesamteinschätzung der Gutachter, d
ie im Übrigen auch nicht der kreisärztlichen
Abschlussuntersuchung
der
Suva
entgegensteht (vgl. E. 3.1).
Daran vermögen auch die nach dem Gutachten erfolgten Einschätzungen von
Dr.
C.___
(E. 3.4) und
Dr.
D.___
(E. 3.5) nichts zu ändern
, stellten doch diese primär auf die subjektiven
A
ngaben des Beschwe
r
deführers ab.
Denn
Dr.
C.___
, welche den Beschwerdeführer
bereits
seit dem Unfallereignis im Oktober 2017
(vgl.
Urk.
8/5/149)
be
gleitet
,
schloss
im Bericht vom 28.
Juli 2021 (
Urk.
8/71/5)
, dass
trotz
Funktionseinschränkungen
an der
linke
n
Han
d, die
keinen
Einsatz
mehr zul
ässt
(
Ziff.
3.4)
, e
ine dem Leiden angepasste Tätigkeit
im Umfang von acht Stunden pro Tag zumutbar
ist
(
Ziff.
4.2).
Dr.
D.___
begründete seine Einschätzung
unter anderem
mit den
Diagnosen
CRPS Typ
I
, chronische Schmerzkrankheit
Gerbershagen
2
,
d
epressive Reaktion mit
Fatigue
symptomatik
und damit
vorweg
mit
psychiatrische
n
Diagnosen ausserhalb seines Fachbereichs
.
Zudem
war
die Diagnose eines
CRPS Typ
I
m
angels erfüllter Budapester Kriterien
auch
nicht mehr zu
stellen
. O
ffen
sichtlich
gründeten diese Unzulänglichkeiten auch darin, dass
Dr.
D.___
nur selektiv Akten
vor
gelegen haben
und
insbesondere
das
A.___
-Gutachten
fehlte
(vgl.
Urk.
8/121/1)
, weshalb seine Einschätzung den praxisgemässen Anforderun
gen nicht entspricht
.
Basierend auf der Berichterstattung des
A.___
ist
damit sei
t
dem Unfall vom 31.
Oktober 2020 in der bisherigen Tätigkeit
auf
k
eine Restarbeitsfähigkeit
mehr
zu schliessen
. In einer angepassten Tätigkeit
,
ohne Anforderungen an die Funktion der linken Hand
,
wobei
diese lediglich gelegentlich
als
stützende
Beihand
beansprucht
werden kann
,
sowie
unter Vermeidung von Tätigkeiten mit wechselnden Temperaturbelastungen
,
besteht
demgegenüber seit 1
2.
August 2020 eine
100%
ige Arbeitsfähigkeit.
Zu prüfen bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkungen.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Valideneinkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditäts
bemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohnein
bussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herab
setzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297
E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise nicht den Tabellenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzu
nehmen ist. Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirtschaft
lichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durchschnitt
liches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetz
widriger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invalideneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöpfung des wirt
schaftlichen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden können, sondern demjenigen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.4.3).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufsaus
bildung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Validen
einkommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchen
üblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren praxisgemäss nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxis
gemäss nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
5.2.2
Die Beschwerdegegner
i
n bezifferte
das
Validene
inkommen
per
2021
mit
Fr.
61
'
143
.
75
(
Urk.
8
/
96
)
. Sie stütz
t
e
sich
dabei auf
die
Angaben
in der Unfall
meldung
(
Urk.
8
/
5
/
160
)
ab
.
Gemäss
aktuelleren Angaben des Arbeitgebers betreffend den Lohn für das Jahr 2021
(
Urk.
8/73/12) hätte der Beschwerdeführer
ab April
2021
monatlich
Fr.
5'117.-- verdient und damit
Fr.
61'404
.--
pro Jahr
.
Der vom Bundesamt für Statistik im Rahmen seiner periodisch durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE) ermittelte Tabellenwert betrug im Bereich
Bau
ge
werbe
im Jahr 20
20
monatlich
Fr.
5
’
731
.-- (LSE 20
20
, TA1, Kompetenzniveau 1, Wirtschaftszweig
41
-
43
, Männer). Angepasst an die branchenübliche Arbeits
zeit von 4
1
.
3
Stunden im Jahr 20
21
bei einer Nominallohnanpassung von 0
%
(103 Punkte 2020 und 103 Punkte 2021 [Nominallohnindex Männer 2018-2023, Sektor 2 Produktion Baugewerbe, Tabelle T1.1.15])
ergibt sich ein zur Beurteilung der Unterdurchschnittlichkeit massgebendes Jahreseinkommen von
Fr.
71
'0
07
.
--
(
Fr.
5
'
731
.-- x
12 :
40 x 4
1
.
3
). Demnach erweist sich das vom Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte Einkommen bei einer Differenz von
Fr.
9'603.--
(Fr.
71'007.--
minus
Fr.
61’404
.--
) als um
13
.
5
%
unterdurchschnitt
lich.
Die Gründe für die Unterdurchschnittlichkeit sind invaliditätsfremd und liegen überwiegend wahrscheinlich im
F
ehlen
von
Schuldbildung
/
Berufsabschluss sowie in den mangelnden Deutschkenntnissen
(
vgl.
Urk.
8/
67/2)
. Demnach hat eine Parallelisierung in dem die
Erheblichkeitsgrenze
von 5
%
übersteigenden Umfang, zu erfolgen (vgl. E.
5
.
2
.1). Es resultiert ein parallelisiertes
Validenein
kommen
von
Fr.
67'457.--
(
Fr.
71'007.--
x 0.95).
5.
3
Hinsichtlich des Invalideneinkommens sind bei fehlender Ausschöpfung der Rest
arbeitsfähigkeit die Tabellenwerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) massgebend (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
). Die Beschwerdegegnerin zog dazu den Standardwert für Hilfs
arbeiter Kompetenzniveau 1, einfache Tätigkeiten körperlicher und handwerk
licher Art, bei. Abgestellt auf den im Verfügungszeitpunkt aktuellsten Tabellen
wert (vgl. BGE 143 V 295 E. 2.2 f. und 142 V 178 E. 2.5.7 und E. 2.5.8.1)
ergibt sich
aufgrund der LSE 2020 TA1, Zentralwert Männer, Kompetenzniveau 1, einfache Tätigkeiten körperlicher und handwerklicher Art, unter Berücksich
tigung der betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. Tabelle T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen)
und
n
ominallohnbereinigt im Jahr 2021
(vgl. Tabelle Nominallöhne und Reallöhne und die Veränderung der Konsumentenpreise T39)
ein Einkommen von
Fr.
65'
328
.
--
(
Fr.
5’261.-- x 12 : 40 x 41.7
:
2298 [2020] x 2281 [2021]
)
.
Bezüglich der Frage, ob
Anlass
für
eine
n
Abzug vom Tabellenlohn auf Seiten des hypothetischen Invalideneinkommens besteht, ist festzuhalten,
dass
der
Umstand
,
dass
der Beschwerdeführer
im Prinzip nur noch für einarmige
Tätigkeiten
eingesetzt werden kann, die Berücksichtigung eines
l
eidensbedingten Maximalabzuges von 25
%
(statt den von der Beschwerdegegnerin gewährten 20
%
)
nicht
als
naheliegender erscheinen lässt
.
Die Frage kann
aber
offengelassen werden
. Denn
in diesem Fall
würde das
Invalideneinkommen
Fr.
48
'
996
.
--
betr
agen und in
Gegenüberstellung zum parallelisierten
Valideneinkommen
von
Fr.
67'457.--
ergäbe dies
eine
n
Invaliditätsgrad von
27
%
. Folglich
besteht k
ein Invaliditätsgrad in rentenbegründender Höhe von mindestens 40
%
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtsvertretung gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt sind (vgl. insbesondere
Urk.
3, 11 und 12
), ist dem Beschwerdeführer antrags
gemäss (
Urk.
1 S. 2)
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es ist ihm
Rechtsanwalt Adrian Zogg
,
Bülach
, als unentgeltliche
r
Rechtsvertreter zu bestellen, welche bei diesem Ausgang des Verfahrens aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
de
m
Beschwer
deführer aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen,
6.
3
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Adrian Zogg
, ist nach Einsicht in seine Honorarnote
n
vom
2.
und 1
1.
April 2024 (
Urk.
20 und
Urk.
22)
mit
Fr.
3'646.95
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
6.4
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom
8.
Januar 2024 wird dem Beschwerdeführer
die unent
geltliche Prozessführung gewährt und
Rechtsanwalt Adrian Zogg, Bülach
,
als unentgelt
liche
r
Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt
,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen. Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
Adrian Zogg, Bülach
,
wird mit
Fr.
3'646.95
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt. Der Beschwerdeführer wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinge
wiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Adrian Zogg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
19 und
Urk.
21
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubNef