# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd957b3b-6483-5de1-b904-ccefc47fc2e9
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.11.2011 RR.2011.237
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2011-237_2011-11-10.pdf

## Full Text

Entscheid vom 10. November 2011 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Stephan Blättler,  
Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Dieter Roth, 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS-
LIEFERUNG, 

Beschwerdegegner 
 

Gegenstand  Auslieferung an Ungarn 
 
Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2011.237 + RP.2011.43 
 
 
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Das Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Justiz der Republik Ungarn 
ersuchte die Schweiz mit Schreiben vom 23. Mai 2011 um Auslieferung des 
ungarischen Staatsangehörigen A. für die ihm im Haftbefehl des Stadtge-
richts Székesfehérvár vom 11. Januar 2011 zu Last gelegten Straftaten, 
wie des geschäftsmässigen Diebstahls, des Missbrauchs öffentlicher Ur-
kunden und der Belästigung einer Person mit Androhung einer Gewalttat 
(act. 4.2). 

 
B. Am 11. Juli 2011 konnte A. im Z. festgenommen werden. Gleichentags ord-

nete das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) die provisorische Auslie-
ferungshaft von A. an (act. 4.3). Anlässlich seiner Einvernahme vom 11. Ju-
li 2011 widersetzte er sich der vereinfachten Auslierung an Ungarn (act. 4.4 
S. 2). Am 13. Juli 2011 erliess das BJ den Auslieferungshaftbefehl (act. 
4.5), gegen den keine Beschwerde erhoben wurde.  

 
Mit Verfügung vom 9. August 2011 bewilligte das BJ die Auslieferung von 
A. an Ungarn für die dem Auslieferungsersuchen vom 23. Mai 2011 
zugrunde liegenden Straftaten (act. 4.10).  
 

C. A. gelangt mit Beschwerde vom 9. September 2011 an die II. Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts und beantragt, es sei der Entscheid der 
Vorinstanz aufzuheben, und er sei aus der Auslieferungshaft zu entlassen 
(act. 1 S. 2). In prozessualer Hinsicht lässt A. die Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und die Beigabe eines amtlichen Rechtsvertreters in 
der Person von Rechtsanwalt Dieter Roth beantragen. Am 23. September 
2011 reicht der Vertreter von A. das unterzeichnete Formular betreffend die 
unentgeltliche Rechtspflege ein (RP.2011.43 act. 3 und 3.1). 

 
Das BJ beantragt in seiner Beschwerdeantwort vom 23. September 2011 
die Abweisung der Beschwerde und, soweit erforderlich, der Einrede des 
politischen Delikts (act. 4). A. hält in der Replik vom 7. Oktober 2011 an 
seinen Anträgen fest (act. 6). Die Replik wurde dem BJ am 10. Okto-
ber 2011 zur Kenntnis zugestellt (act. 7). 
 
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
 
 

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Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Ungarn sind pri-

mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-
ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie das zu diesem Übereinkommen am 
15. Oktober 1975 ergangene erste Zusatzprotokoll (1. ZP; SR 0.353.11) 
und das am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 
0.353.12) massgebend. Überdies sind für die Auslieferung zwischen der 
Schweiz und Ungarn die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Übereinkom-
mens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von 
Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, 
SDÜ; ABl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19-62) zwecks Ergänzung 
und Erleichterung der Anwendung des EAUe massgebend. 

 
1.2 Soweit die einleitend genannten Staatsverträge bestimmte Fragen nicht 

abschliessend regeln, findet auf das Auslieferungsverfahren ausschliesslich 
das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend 
also das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe 
in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 
1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV; SR 351.11). 
Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann 
zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung 
stellt (BGE 136 IV 82, E. 3.1; 129 II 462 E. 1.1 S. 464; 122 II 140 E. 2 
S. 142). Das Günstigkeitsprinzip gilt auch innerhalb der massgebenden in-
ternationalen Rechtsquellen (vgl. Art. 59 SDÜ). Vorbehalten bleibt die Wah-
rung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3 S. 215; 123 II 595 E. 7c 
S. 616 ff., je m.w.H.). 

 
2.  
2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innert 30 Tagen seit der Er-

öffnung des Entscheids bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde geführt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 
IRSG; Art. 12 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 37 Abs. 2 lit. a 
Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der 
Strafbehörden des Bundes, StBOG; SR 173.71; Art. 19 Abs. 2 des Organi-
sationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht, 
BStGerOR; SR 173.713.161). Der Auslieferungsentscheid vom 9. Au-
gust 2011 wurde vom Beschwerdeführer mit Eingabe vom 9. Septem-
ber 2011 angefochten. Die vorliegende Beschwerde ist demnach fristge-
recht erhoben worden, weshalb darauf einzutreten ist. 

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2.2 Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebun-
den (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungshaftvoraussetzungen 
grundsätzlich mit freier Kognition. Die II. Beschwerdekammer befasst sich 
jedoch nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwer-
de bilden (Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.2 vom 
9. Juli 2009, E. 2.4; RR.2007.34 vom 29. März 2007, E.3, je m.w.H.). Nach 
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die urteilende Instanz 
sodann nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen 
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf 
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt, wenn 
die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich 
leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 124 II 146 E. 2a 
S. 149; 122 IV 8 E. 2c S. 14 f.; Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 
16. Juli 2004, E. 5.2, m.w.H.). 

 
3.  
3.1 Gemäss Art. 1 EAUe sind die Vertragsparteien grundsätzlich verpflichtet, 

einander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersu-
chenden Staates wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Voll-
streckung einer Strafe oder einer sichernden Massnahme gesucht werden. 
Auszuliefern ist wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersu-
chenden als auch nach dem des ersuchten Staates mit einer Freiheitsstrafe 
oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme im Höchstmass 
von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe bedroht sind. 
Ist im Hoheitsgebiet des ersuchenden Staates eine Verurteilung zu einer 
Strafe erfolgt oder eine sichernde Massnahme angeordnet worden, so 
muss deren Mass mindestens vier Monate betragen (Art. 2 Ziff. 1 EAUe; 
vgl. auch Art. 35 Abs. 1 IRSG).  
 
Die Auslieferung wird nicht bewilligt, wenn die strafbare Handlung, derent-
wegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische oder eine 
mit einer solchen zusammenhängende strafbare Handlung angesehen wird 
(Art. 3 Ziff. 1 EAUe; Art. 3 Abs. 1 IRSG). Das gleiche gilt, wenn der ersu-
chende Staat ernstliche Gründe hat, anzunehmen, dass das Ausliefe-
rungsersuchen wegen einer nach gemeinem Rechts strafbaren Handlung 
gestellt worden ist, um eine Person aus rassischen, religiösen, nationalen 
oder auf politischen Anschauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen 
oder zu bestrafen, oder dass die verfolgte Person der Gefahr einer Er-
schwerung ihrer Lage aus einem dieser Gründe ausgesetzt wäre (Art. 3 
Ziff. 2 EAUe; Art. 2 lit. b IRSG).  

 

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3.2 Um den Schutz der Bestimmungen von Art. 3 Ziff. 2 EAUe und Art. 2 lit. b 
IRSG beanspruchen zu können, genügt es nicht, dass die Person, deren 
Auslieferung verlangt wird, behauptet, aufgrund einer besonderen rechts-
politischen Lage bedroht zu sein. Sie muss vielmehr in glaubhafter Weise 
darlegen, inwiefern ernsthafte und objektive Risiken einer verbotenen Dis-
kriminierung bestehen sowie konkret aufzeigen, dass die strafrechtliche 
Verfolgung nur vorgeschoben und in Wirklichkeit politisch motiviert ist 
(BGE 132 II 469 E. 2.4 S. 472 f.; 129 II 268 E. 6.3 S. 272). 

 
3.3 Der Beschwerdeführer argumentiert, dass das Auslieferungsgesuch Un-

garns politisch motiviert und nur als Vorwand gestellt worden sei. Der Be-
schwerdeführer habe Statuen national-historischer Persönlichkeiten Un-
garns beschädigt, um seine gegen das aktuelle Staatsregime gerichtete po-
litische Einstellung zum Ausdruck zu bringen. Als aktiver Gegner der ge-
genwärtig stark rechtsextremen Bewegungen in Ungarn habe er begründe-
ten Verdacht, unter dem Vorwand anderer Tatvorwürfe an Ungarn ausge-
liefert zu werden, damit seinem politischen Widerstand gezielt begegnet 
werden könne (act. 1 S. 5 und act. 6 S. 1). 

 
Ob der Beschwerdegegner diese bereits vor Vorinstanz vorgebrachten Rü-
gen (vgl. act. 4.9 S. 3) als Einrede des politischen Delikts hätte behandeln 
und daher die Akten der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 
zum Entscheid im Sinne von Art. 55 Abs. 2 IRSG hätte unterbreiten müs-
sen, kann vorliegend offen bleiben. Auch bei Erhebung der Einrede des po-
litischen Delikts bleibt das Bundesamt zuständig, über die Auslieferung des 
Verfolgten zu entscheiden (Art. 55 Abs. 1 IRSG), wenn auch unter Vorbe-
halt des Entscheides über die Einrede des politischen Delikts, welcher erst-
instanzlich durch das Bundesstrafgericht vorgenommen wird (Art. 55 Abs. 2 
IRSG). Die Rüge des Beschwerdeführers, das Bundesamt sei nicht zu-
ständig gewesen, den Auslieferungsentscheid zu fällen, geht damit fehl.  
 
In Bezug auf die geltend gemachte politische Verfolgung des Beschwerde-
führers ist sodann Folgendes auszuführen: Der Beschwerdeführer unter-
lässt es, konkret und glaubhaft darzulegen, inwiefern er derzeit aus ras-
sistischen, nationalen oder politischen Gründen strafrechtlich verfolgt wird. 
Der blosse Hinweis auf einen Presseartikel in der NZZ vom 3. Okto-
ber 2011, wonach Ungarns früherer Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany 
wegen Machtmissbrauchs angeklagt worden ist und dieser die Anklage als 
politisch motiviert betrachtet, ist in keiner Art und Weise geeignet, die kon-
krete politische Verfolgung des Beschwerdeführers glaubhaft zu machen. 
Auch können aus der Behauptung des Beschwerdeführers, er habe in Un-
garn staatliche Symbole, wie Statuen wichtiger politischer Persönlichkeiten, 

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beschädigt, keine Schlüsse auf eine politische Verfolgung gezogen werden. 
Die Beschwerde erweist sich daher in diesem Punkt als unbegründet.  

 
4. 
4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet sodann, dass sich der angefochtene 

Auslieferungsentscheid nicht zur Geltung des Spezialitätsprinzips äussere 
(act. 1 S. 4 f.). 

 
4.2 Gemäss Art. 14 EAUe darf der Ausgelieferte wegen einer anderen, vor der 

Übergabe begangenen Handlung als derjenigen, die der Auslieferung 
zugrunde liegt, nur verfolgt, abgeurteilt, zur Vollstreckung einer Strafe oder 
sichernden Massnahme in Haft gehalten oder einer sonstigen Beschrän-
kung seiner persönlichen Freiheit unterworfen werden, wenn der Staat, der 
ihn ausgeliefert hat, zustimmt (Ziff. 1 lit. a) oder wenn der Ausgelieferte, 
obwohl er dazu die Möglichkeit hatte, das Hoheitsgebiet des Staates, dem 
er ausgeliefert worden ist, innerhalb von 45 Tagen nach seiner endgültigen 
Freilassung nicht verlassen hat, oder wenn er nach Verlassen dieses Ge-
biets dorthin zurückgekehrt ist (Ziff. 1 lit. b; vgl. auch die Erklärung der 
Schweiz zu dieser Bestimmung). Wird die dem Ausgelieferten zur Last ge-
legte Handlung während des Verfahrens rechtlich anders gewürdigt, so darf 
er nur insoweit verfolgt oder abgeurteilt werden, als die Tatbestandsmerk-
male der rechtlich neu gewürdigten strafbaren Handlung die Auslieferung 
gestatten würden (Art. 14 Ziff. 3 EAUe). 

 
4.3 Mit Auslieferungsentscheid vom 9. August 2011 bewilligte der Beschwer-

degegner die Auslieferung des Beschwerdeführers an Ungarn ausdrücklich 
nur für die dem Auslieferungsersuchen der ungarischen Behörden vom 
23. Mai 2011 zugrunde liegenden Straftaten (act. 4.10 Ziff. 1 des Disposi-
tivs). Art. 14 EAUe entfaltet in Ungarn als Unterzeichnerstaat dieses Ab-
kommens direkte Wirkung. Nach dem im Rechtshilfeverkehr geltenden Ver-
trauensgrundsatz wird das völkerrechtskonforme Verhalten von Staaten, 
die – wie Ungarn – mit der Schweiz durch einen Rechtshilfevertrag verbun-
den sind, vermutet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_408/2007 vom 21. 
Dezember 2007, E. 2.2). Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Ungarn das 
in Art. 14 EAUe verankerte Spezialitätsprinzip verletzen könnte, werden 
vom Beschwerdeführer weder dargelegt noch sind solche ersichtlich. Die 
Einholung einer speziellen Zusicherung ist vorliegend somit nicht erforder-
lich. Die diesbezügliche Rüge geht fehl. 

  
5. 
5.1 Der Beschwerdeführer moniert ferner die Verletzung des Prinzips „ne bis in 

idem“. Einen Teil der im ungarischen Haftbefehl erwähnten Strafen (Haftbe-

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fehl Ziffern I bis VII) habe er bereits verbüsst. Mangels Zugriff auf die sich 
in Ungarn befindlichen Akten könne der Beschwerdeführer jedoch nicht 
beweisen, dass er dort bereits für die Delinquenz, die bis zum Sommer 
2008 erfolgt sei, abgeurteilt worden sei. Der Beschwerdegegner habe es zu 
Unrecht unterlassen, einen ungarischen Strafregisterauszug zu verlangen 
(act. 1 S. 6; act. 6 S. 2).  

 
5.2 Gemäss Art. 9 Satz 1 EAUe wird die Auslieferung nicht bewilligt, wenn der 

Verfolgte wegen Handlungen, derentwegen um Auslieferung ersucht wird, 
von den zuständigen Behörden des ersuchten Staates rechtskräftig abge-
urteilt worden ist. 

5.3 Ein rechtskräftiges Strafurteil, mit dem der Beschwerdeführer hinsichtlich 
der im Haftbefehl vom 7. Januar 2011 unter Ziffer I bis VII aufgeführten 
Strafen in Ungarn bereits abgeurteilt worden wäre, liegt nicht vor. Auch  
lässt sich weder dem Rechtshilfeersuchen noch dem beiliegenden Haftbe-
fehl das Vorhandensein eines solchen entnehmen. Es ist nicht einzusehen, 
weshalb Ungarn einen Haftbefehl im Hinblick auf die strafrechtliche Verfol-
gung erlassen sollte, der sich teilweise auf bereits abgeurteilte Straftaten 
bezieht. Angesichts dieser durch nichts glaubhaft dargelegten Behauptung  
war der Beschwerdegegner auch nicht verpflichtet, bei der ersuchenden 
Behörde weitere Abklärungen zu tätigen. Die Rüge erweist sich damit als 
unbegründet. 

6. 
6.1 Der Beschwerdeführer macht in einem weiteren Punkt geltend, hinsichtlich 

der ab Herbst 2009 vorgeworfenen Straftaten (Haftbefehl Ziffern VIII bis  
XIII) ein Alibi zu haben. Er sei nach seiner Haftentlassung im Herbst 2009 
nach Deutschland und in die Schweiz gereist, was auch die Lohnsteuerkar-
te 2009 belege (act. 1 S. 6 f.). 

6.2 Behauptet der Verfolgte, beweisen zu können, dass er zur Zeit der Tat 
nicht am Tatort war, so nimmt das Bundesamt die gebotenen Abklärungen 
vor (Art. 53 Abs. 1 IRSG). In klaren Fällen wird die Auslieferung verweigert 
(Art. 53 Abs. 2 Satz 1 IRSG). Andernfalls wird der ersuchende Staat unter 
Vorlage der entlastenden Beweise aufgefordert, innert kurzer Frist zu erklä-
ren, ob er das Ersuchen aufrechterhalten will (Art. 53 Abs. 2 Satz 2 IRSG). 
Im Gegensatz zu Art. 53 IRSG sieht das hier massgebliche EAUe den Ali-
bibeweis des Verfolgten als Auslieferungshindernis nicht ausdrücklich vor. 
Trotz der in Art. 1 EAUe verankerten grundsätzlichen Auslieferungspflicht 
ist der Möglichkeit eines Alibibeweises jedoch nach der Praxis des Bun-
desgerichts auch im Rahmen eines gemäss Staatsvertrag durchgeführten 
Auslieferungsverfahrens angemessen Rechnung zu tragen (BGE 123 II 

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279 E. 2b S. 281; 113 Ib 276 E. 3b - c S. 281 ff., je m.w.H.). Den Alibibe-
weis kann der Verfolgte allerdings nur mit dem Nachweis führen, dass er 
zur fraglichen Zeit überhaupt nicht am Tatort war oder dass es sich um ei-
nen Irrtum in der Person handelt. Dieser Nachweis ist unverzüglich und oh-
ne Weiterungen zu erbringen (BGE 123 II 279 E. 2b S. 281; 113 Ib 276 
E. 3b - c S. 281 ff., je m.w.H.; Entscheid des Bundesstrafgerichts 
RR.2007.72 vom 29. Mai 2007, E. 5.3; ROBERT ZIMMERMANN, La coopéra-
tion judiciaire internationale en matière pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 625 
f. N. 673). Ein bloss partiell geltend gemachter Alibibeweis, d.h. ein solcher, 
der sich nur auf einen Teil des Auslieferungsersuchens bezieht, ist unbe-
achtlich (BGE 123 II 279 E. 2b S. 282 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 
1A.199/2006 vom 7. Dezember 2006, E. 3.5.2).  

Der vom Beschwerdeführer geltend gemachte Alibibeweis bezieht sich 
nicht auf alle Sachverhaltsvorwürfe, sondern nur auf einen Teil des Auslie-
ferungsersuchens. Er ist deshalb im Sinne der zitierten Rechtsprechung 
unbeachtlich. Im Übrigen ist die Lohnsteuerkarte 2009 der Gemeinde Y 
nicht geeignet, den Alibibeweis gemäss Art. 53 Abs. 1 IRSG zu erbringen. 
Dem Beschwerdeführer wird unter den Ziffern VIII bis XIII des Haftbefehls 
vom 11. Januar 2011 vorgeworfen, Anfang Dezember 2009, zwischen 
Weihnachten und Neujahr 2009/2010 sowie Anfang Januar 2010 in Ungarn 
verschiedene Einbrüche und Diebstähle begangen zu haben (act. 4.2) 
Selbst wenn sich der Beschwerdeführer seit August 2009 in Deutschland 
aufgehalten haben sollte, ist es nicht ausgeschlossen, dass er zur Bege-
hung der betreffenden Straftaten nach Ungarn gereist ist. Bei dieser Sach-
lage bestand für den Beschwerdegegner demnach keine Veranlassung, 
weitere Abklärungen hinsichtlich des Alibis des Beschwerdeführers vorzu-
nehmen.  

7. 
7.1 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, dass die angeblich geschä-

digte B., welche ihn belaste, sie am 18. Februar 2010 bedroht zu haben 
(Haftbefehl Ziffer XIII), psychisch krank sei. Deren Belastungsaussage sei 
daher unglaubwürdig und der Vorwurf haltlos (act. 1 S. 7). 

7.2 Der Rechtshilferichter hat weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und 
grundsätzlich auch keine Beweiswürdigung vorzunehmen, sondern ist 
vielmehr an die Sachdarstellung im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht 
durch offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche sofort entkräftet 
wird (BGE 133 IV 76 E. 2.2 S. 79; 132 II 81 E. 2.1 S. 85; Entscheide des 
Bundesstrafgerichts RR.2009.39 vom 22. September 2009, E. 8.1; 
RR.2008.158 vom 20. November 2008, E. 5.3, je m.w.H ). Offensichtliche 
Fehler, Lücken oder Widersprüche im ungarischen Rechtshilfeersuchen 

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sind nicht auszumachen. Inwiefern die Belastungsaussage der Geschädig-
ten B. als glaubwürdig einzustufen ist, hat nicht im Rechtshilfeverfahren 
beurteilt zu werden. Dies wird Thema im ungarischen Strafverfahren sein.  

 
 Andere Auslieferungshindernisse werden weder geltend gemacht noch sind 

solche ersichtlich. Die Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen. 
 
8. 
8.1 Die II. Beschwerdekammer befreit eine Partei, welche nicht über die erfor-

derlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskos-
ten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG 
i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG) und bestellt dieser einen Anwalt, wenn es 
zur Wahrung ihrer Rechte notwendig erscheint (Art. 65 Abs. 2 VwVG i.V.m. 
Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 
sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaus-
sichten beträchtlich geringer erscheinen als die Verlustgefahren und die 
deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein 
Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlust-
gefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als 
diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mit-
tel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschlies-
sen würde. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten bestehen, beur-
teilt sich nach den Verhältnissen zurzeit, zu der das Gesuch um unentgelt-
liche Rechtspflege gestellt wird (BGE 129 I 129 E. 2.3.1; 128 I 225 E. 2.5.3; 
124 I 304 E. 2c). 

 
8.2 Die Auslieferung des Beschwerdeführers an Ungarn ist offensichtlich zu-

lässig, und seine Begehren müssen als aussichtslos bezeichnet werden. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist somit 
abzuweisen. Der vermutungsweise schwierigen finanziellen Situation kann 
aber gemäss Art. 5 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) i.V.m. Art. 63 Abs. 4bis VwVG 
mit einer reduzierten Gerichtsgebühr Rechnung getragen werden. 

 
8.3  Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Ge-

richtskosten selber zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 
lit. b StBOG). Für die Berechnung der Gerichtsgebühren gelangt das 
BStKR i.V.m. Art. 63 Abs. 5 VwVG zur Anwendung. Unter Berücksichtigung 
aller Umstände ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 1'500.-- festzuset-
zen. 

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Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird ab-

gewiesen. 
 

3. Die reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer 
auferlegt. 

 
 
 

Bellinzona, 10. November 2011 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Dieter Roth 
- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung,  
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).