# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21b9cdd2-f1e4-5965-97fd-7cacb7d9d49b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-10-04
**Language:** de
**Title:** Rentenanspruch bei psychisch-somatischem Beschwerdebild; Ergebnis einer beruflichen Eingliederungsmassnahme weckt Zweifel an RAD-Untersuchungsergebnissen; IV-Stelle hat polydisziplinäres GA einzuholen
**Docket/Reference:** IV.2018.00093
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00093.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00093
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
4.
Oktober 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Gabriela
Gwerder
Advokaturbüro
Langstrasse 4, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene, aus Portugal stammende
X.___
ist Mutter von zwei Kindern
(geboren 1984 und 1988
)
und lebt ge
trennt von ihrem Ehemann
(
Urk.
6/6/1
-2
,
Urk.
6/7,
Urk.
6/
41
).
Sie hat keinen
Beruf erlernt und
arbeitet
e zuletzt
vom 1. Mai 1986 bis zum 31. Oktober 2015
als
Produktionsm
itarbeiterin f
ür die
Y.___
AG
(Urk.
6/
6/
4,
Urk.
6/60
).
Am 11. Septem
ber 2014
meldete sie sich unter
Hinweis auf
ein
e 50%ige Arbeitsunfähigkeit wegen eines
lumboradikulären
Reizsyndrom
s
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur
Früherfassung an (Urk. 6/2
).
Aufgrund des Ergeb
nisses des Früherfassungsgesprächs vom 1
9.
September 2014
(Urk. 6/4)
er
folg
te
am
6.
Oktober 2014
die Anmeldung der Versicherten bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug
wegen
Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine und Füsse
sowie
Schulter
-,
und Handschmerzen
(Urk. 6/6).
D
ie IV-Stelle
traf zunächst beruf
liche Abklärungen
(
Urk. 6/21
, Urk. 6/29
)
und
holte Berichte der behandelnden Ärzte
(Urk. 6/24,
Urk.
6/27,
Urk.
6/30,
Urk.
6/31,
Urk.
6/34
,
Urk.
6/38,
Urk.
6/40,
Urk.
6/42
,
Urk.
6/49,
Urk.
50,
Urk.
6/55)
sowie die Akten des Krankentaggeld
ver
sicherers
ein
(Urk. 6/36).
Ausserdem
liess sie
die Versicherte am 11. März 2016 von Dr. med.
Z.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, so
wie Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
Regio
nalen Ärztlichen Dienst (
RAD
)
untersuchen
(
Berichte vom 15. März 2016
[
Urk. 6/
53-54
]
).
Am 26. Mai 2016 leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für eine Potenzialabklärung (Urk. 6/61
; vgl. auch
Urk.
6/63,
Urk.
6/68
)
; mit Verfügung
vom 3
0.
Mai 2016 wurde ihr für die Dauer der Abk
l
ärung vom 3
0.
Mai bis 2
6.
Juni
2016 ein Taggeld zugesprochen (
Urk.
6/64).
Nach Vorliegen des
Bericht
s
der
B.___
GmbH vom 24. Juni 2016
,
wonach die Voraus
setzungen für eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt gegenwärtig nicht erfüllt seien (
Urk.
6/71),
schloss
die IV-Stelle
die berufliche Eingliederung am
28. Juni 2016
vorerst ab (Urk.
6
/7
4).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle Berichte bei den behandelnden Ärzten ein (Urk.
6/76
-
80,
Urk.
6/94,
Urk.
6/96/1,
Urk.
6/97,
Urk.
6/101,
Urk.
6/102).
Gestützt auf
die
erneuten
Stellungnahme
n der RAD-Ärzte
Dr.
Z.___
und
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 1
9.
April 2017
(Urk. 6/104/15 f)
und ihre abschliessende Beurteilung (Urk. 6/103, 6/104/17)
sprach die IV-Stelle der Versicherten n
ach Durchführung des
Vorbescheidver
fah
rens
(Urk. 6/106, Urk. 6/108,
Urk.
6/113,
Urk.
6/114-115,
Urk.
6/120-122
) mit Verfügung vom 8. Dezember 2017
ab dem 1. Dezember 2015 eine halbe Inva
li
denrente
bei einem Invaliditätsgrad von 55
%
zu
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen
erhob die Versicherte am 23. Januar 2018 Beschwerde und beantragte,
die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihr eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Eventualiter habe das Gericht eine Begut
achtung durch
zuführen,
s
ubeventualiter
sei die Sache zur Einholung eines MEDAS-Gut
achtens an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 10).
Die IV-Stelle beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Mit Eingabe vom 22. Februar 2019 reichte die
Versicherte einen Bericht von Dr. med.
D.___
, Facharzt
FMH für
Rheumatologie,
Klinik
E.___
, vom 8. Februar 2019 ein (Urk. 8 und 9).
D
ie IV-Stelle
verzichtete
auf eine Stellung
nahme
hierzu
(Urk. 11)
, was der Versicherten am
7.
März 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
12)
.
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die
Akten
wird, soweit erforderlich, im Rah
men der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetztes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Ge
burts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeg
liche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
psychischer Krankheiten,
nach
BGE 141 V 281 E. 4.2,
BGE 142 V 342 und BGE 143 V 409 namentlich auch
anhaltender somatoformer Schmerzstörungen oder damit vergleichbarer psycho
so
matischer Leiden
,
posttraumatischer Belastungsstörungen und leichter bis mit
tel
schwerer Depressionen,
sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
den
s
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist mit jenem externer medizinischer Sachverständi
gengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Aller
dings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen –
zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 8. Dezember 2017
begründete
die
IV-Stelle
die Zusprechung der halben Rente
ab dem 1. Dezember 2015
im We
sentlichen damit, gestützt auf die neutrale Beurteilung ihres RAD stehe fest, dass die Be
schwer
deführerin seit Dezember 2014 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich einge
schränkt sei. Die bisherige Tätigkeit als Mitarbeiterin Schlüsselfabrikation, welche einer angepassten Tätigkeit entspreche, könne sie aber weiterhin im Rahmen eines 50%-Pensums ausüben. Aus somatisch-orthopädischer
und internistischer
Sicht würden die im
Vorbescheidverfahren
eingeholten
weiteren
medizinische Unterla
gen entweder keine neuen medizinischen Befunde oder Diagnosen dokumen
tie
ren, oder dann aber solche, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht keine wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit begründen würden
.
Die von den behandelnden Ärzten bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit entspreche einer anderen Beurteilung derselben medizinischen Tatsachen. Es sei anerkannt, dass langjährig behandelnde Ärzte in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen würden
(Urk. 2 S. 3
f.
).
Das hypothetische
Einkommen, welches d
ie
Beschwerdeführer
in
ohne gesund
heit
liche Einschränkung im Jahr 2014
erzielen könnte,
sei gestützt auf die Angaben vom 18. März 2015 im Arbeitgeberfragebogen auf
Fr.
61
'
15
8.
—
festzu
setzen
.
Aus medizinischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Schlüssel
fabrikation weiterhin zu einem Pensum von 50 % zumutbar und ent
spreche einer angepassten Tätigkeit. In einem auf 50
%
reduzierten Pensum hätte die Beschwer
deführerin im Jahr 2014
Fr.
30'579.-- erzielen können. Unter zu
sätzlicher Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
wegen des Alters und der langjährigen Betriebszugehörigkeit resultiere ein Invalidenein
kommen von
Fr.
27'521.1
0.
Bei einer invaliditätsbedingen Erwerbseinbusse von
Fr.
33
'
636
.
90
ergebe der Einkommensvergleich einen
Invaliditätsgrad von
55
%
, welcher zum Anspruch auf eine halbe Rente führe (
Urk.
2 S. 4).
2.2
Die
Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt, sie habe Anspruch auf eine ganze Rente.
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
durch die RAD-Ärzte
sei zu berücksichtigen
,
dass
diese bei der Untersuchung im März 2016 kein
e nachweisbaren Nervenwurzelrei
zungen fest
ge
stellt
hätten
und
auch keine posttraumatische
Belastungsstörung,
sondern eine Persönlichk
eitsveränderung diagnostiziert
hätten
.
Nach der RAD-Untersuchung im März 2016 sei allerdings eine
Nervenwurzelreizung festgestellt worden
; zudem habe
sich
die
Situation in der Hals- und Lendenwirbelsäule
laufend verschlech
tert
,
und es sei festgestellt worden, dass sie an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung
leide,
wie auch den aktuellen Berichten der Klinik
F.___
vom
5.
Januar 2018 und von
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Rheumatologie, vom 1
6.
Januar 2018 entnommen werden könne
.
Im Übrigen
sei es nach nur einem psychiatrischen Untersuchungstermin gar nicht möglich, das Krankheitsge
scheh
en bei Patienten
mit einer posttraumatischen Belastungsstörung
korrekt zu erfas
sen und zu beschreiben. Gemäss aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sei
ein
verzögertes, beginnendes Auftreten einer posttraumatischen Belastungsstö
rung häufig.
Die RAD-Ärzte hätten in ihrer Beurteilung die medizinische Situa
tion nicht vollständig erfasst, und ihre Schlussfolgerung, sie könne in einer ange
pass
ten Tätigkeit zu 50
%
arbeiten, se
i
nicht zuletzt angesichts des anderslau
tenden Ergebnisses der Potentialabklärung unverständlich.
Es sei korrekterweise von einer 100%igen Arbeitsu
nfähigkeit auszugehen
. Eventualiter sei ein Ge
richts
gut
achten einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur Einholung eines MEDAS-Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk. 1 S.
7-10
).
3.
3.
1
Die
RAD
-Ärzte Dr. med.
Z.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie
, und
Dr. med.
A.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, untersuchten
die
Beschwerdeführerin
am
11. März 2016
. Ihren Berichten vom
15. März 2016
sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbei
tsfähig
keit zu entnehmen (Urk. 6/53/9, 6/54
/6
):
-
Chronische Lumbalgie mit anamnestischer Ausstrahlung ins rechte Bein bei
-
Z
ustand nach Re-Dekompression und
Spondylodese
L2/3 rechts am 13. Mai 2015 mit reizfreier Operationsnarbe
-
klinisch fehlenden
radikulären
Symptomen
-
klinisch guter Beweglichkeit der Wirbelsäule
-
muskulären Verspannungen im Bereich LWS und
thorakolumbaler
Übergang
-
rezidivierende depressive
Störung
, gegenwärtig
leichtgradige
Episode
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0)
-
Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person ausserhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.5)
Dr.
Z.___
hielt im orthopädischen Untersuchungsbericht fest,
die Beschwerde
füh
rerin habe über Einschränkungen beim Sitzen (während 10-15 Minuten möglich),
S
tehen (bis zu 5 Minuten möglich)
und
L
aufen (
nicht länger als
20 Minuten mög
lich) berichtet. Zudem habe sie über Schmerzen im unteren Rückenbereich und in beiden Oberschenkeln und Kniegelenken, rechts stärker als links, geklagt. Fer
ner brenne
gemäss ihren Angaben
das Gesäss «wie Feuer», ebenfalls rechts stärker als links, und auch die Hände und Füsse würden seit einem Jahr brennen. Die brennenden Schmerzen besserten bei Schonung (
Urk.
6/53/1).
Laut
Dr.
Z.___
prä
sentierte sich
u
nter Berücksichtigung sowohl der Anamnese als auch des klini
schen Befundes
eine erstaunlich gute
Wirbelsäulenbeweglichkeit
sowie
eine
freie
Beweglichkeit sämtlicher
Extremitätengelenke
.
Eine Nervenwurzelreizung sei derzeit nicht nachweisbar, der neurologische Status sei bis auf leichte, diffuse, nicht–
dermatombezogene
Abschwächungen der Berührungssensibilität im linken Arm und rechten Bein unauffällig.
Die
beklagten, insgesamt doch sehr diffusen
Beschwerden
könnten
nicht einem fassbaren organisch-pathologis
chen Korrelat zugeordnet werde
n.
Eine erhebliche psychische Überlagerung
,
beispielsweise im Sinne einer Schmerzverarbeitungsstörung
,
sei aus orthopädischer Sicht als wahr
scheinlich anzunehmen.
Anzeichen einer bewussten Verdeutlichung hätten hin
gegen nicht erhoben werden können.
Die sowohl vom Hausarzt Dr.
G.___
(vgl.
Urk.
6/50
)
als auch vom Orthopäden Dr.
H.___
(vgl.
Urk.
6/38,
Urk.
6/40,
Urk.
6/42)
fortgesetzt attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit differenziere jedoch in diesem Fall ganz offensichtlich nicht zwischen einer tatsächlichen fassbaren, organischen Ursache der Beschwerden und eben dieser Überlagerung.
Die eben
falls zu stellenden Diagnosen anamnestisch brennender Parästhesien an Händen und Füssen unklarer Ätiologie sowie eines
myofaszialen
Schmerzsyndroms, dif
ferentialdiagnostisch eines
Fibromyalgiesyndroms
,
wirkten sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus.
In ihrer bisherigen Tätigkeit als Mitarbeiterin in der Produk
tion bestehe unter Berücksichtigung des erhobenen Befundes aus rein somatisch-orthopädischer Sicht medizintheoretisch eine Arbeitsfähigkeit von etwa 50 % unter der Voraussetzung, dass diese Tätigkeit in zwei Blöcken von je zwei Stun
den mit einer dazwischenliegenden Pause von ein bis zwei Stunden absolviert werden könne. Diese Aufteilung der Arbeitsfähigkeit sei insbesondere wegen der doch schon recht langen Absenz vom Arbeitsleben und einer entsprechenden
Dekonditionierung
erforderlich. Unter Berücksichtigung der Angaben der Versi
cherten sei davon auszugehen, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im vorlie
gen
den Fall einer optimal angepassten Tätigkeit entsprochen habe.
Das Bela
s
tungs
profil einer optimal behinderungsangepassten Tätigkeit sei eine körperlich leichte Tätigkeit, wechselbelastend und dabei vorwiegend stehend und gehend, ohne häufiges Bücken oder Arbeiten in Zwangshaltungen des Rumpfes, ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als
etwa fünf bis se
chs Kilogramm (Urk. 6/53/8
f
f.).
Laut den Ausführungen von
Dr.
A.___
im psychiatrischen Untersuchungs
be
richt gab die Beschwerdeführerin an, als Folge der körperlichen Schmerzen haupt
sächlich unter Schlafstörungen sowie einer depressiven Stimmungslage zu leiden
(
Urk.
6/54/2). Gemäss der RAD-Psychiaterin war
en
die
Aufmerksamkeit, Konzentration sowie das Gedächtnis der
Beschwerdeführerin
i
m Rahmen der psy
chiatrischen Exploration
grobkursorisch unauffällig.
Hinsichtlich der Jahreszah
len bezüglich der Operationen sei sie etwas durcheinander gewesen. Im formalen Denken sei
sie
auf ihre Schmerzen sowie ihre gesundheitliche Situation einge
schränkt gewesen.
Die Versicherte habe meistens
euthym
gewirkt, auch wenn sie von schwierigen Dingen berichtet habe. Dabei sei sie affektiv auslenkbar
gewesen
und
habe
einen guten Sinn für Humor
gezeigt
. Die Kra
nkheitseinsicht sei gege
ben, da
sie plane,
wegen
des als Kind erlebten sexuellen Missbrauchs durch einen Bekannten
in eine Selbsthilfegruppe
zu gehen.
Nachdem die Intrusionen in Form von wiederkehrenden Bildern und Flashbacks auf bestimmte Schlüsselreize hin stärker geworden seien, habe sie sich erstmals im Dezember 2014 dazu durch
rin
gen können, die traumatischen Erlebnisse in der Kindheit im Rahmen einer
The
rapie aufzuarbeiten. Die Erinnerungen seien immer präsent gewesen, aufg
rund von
Scham- und Schuldgefühlen habe sie bis dahin aber darüber geschwiegen.
Hin
weise auf Zwangsge
danken respektive -handlungen
oder eine Fremd- bezieh
ungsweise Selbstgefährdung hätten sich nicht ergeben.
Sie habe lediglich von Ängsten berichtet, wenn sie eine Apotheke betrete, da der
sexuelle
Missbrauch in einer Apotheke stattgefunden habe.
Sie leide unter Schlafstörungen und Herz
ra
sen bei Flashbacks und habe seit der Trennung abgenommen. Ein sozialer Rück
zug sei nicht gegeben (Urk. 6/54/
3-5
). Vor diesem Hintergrund gelangte Dr.
A.___
zum Schluss, dass
die
von den behandelnden Psychiater
n der
I.___
festgestellte rezidivierende depressive Störung mittelgradiger Ausprä
gung gegenwärtig nur noch in leichtgradiger Form vorliege. Anstelle der von
diesen Ärzten diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung
(vgl.
Urk.
6/
31)
müsse in diagnostischer Hinsicht eher von einer andauernden Persön
lichkeitsänderung nach Extrembelastung gesprochen werden, da der Missbrauch schon viele Jahre zurückliege.
Funktionell einschränkend wirkten sich
die
erhöhte Affektlabilität
und Reizbarkeit
,
das
eingeschränkte
Konzentrationsvermögen,
die
erhöhte Tagesmüdigkeit aufgrund nächtlicher Albträume sowie
der verschlech
terte
Schlaf
aus
. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
seit Beginn der
ambulanten
Therapie in der
I.___
AG
am
2.
Dezember 2014
(vgl.
Urk.
6/31)
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
für eine Tätigkeit ohne hohe Anforderungen an das Konzentrationsvermögen und die motorische Geschicklichkeit. Ob ihre bisherige Tätigkeit diesem Profil entspreche, sei nicht beurteilbar. Aus medizinischen Grün
den sei die integrative störungsspezifische Behandlung unbedingt fortzusetzen. Ob dadurch die Arbeitsfähigkeit erhöhte werden könne, sei jedoch fraglich (Urk. 6/54/
6).
In ihrer abschliessenden Konsens-Stellungnahme bescheinigten die RAD-Ärzte der Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht eine 50%ige Restarbeits
fähig
keit in leidensangepassten Tätigkeiten mit dem Hinweis, dass die zuletzt ausge
übte Tätigkeit einer optimal angepassten Tätigkeit entsprochen habe (
Urk.
6/104/10).
3.2
Laut dem Abschlussbericht Potentialabklärung der
B.___
GmbH
vom 2
4.
Juni 2016 nahm die Beschwerdeführerin motiviert am Programm vom 3
0.
Mai bis 2
4.
Juni 2016 teil. Sie sei jedoch schnell an ihre kör
perlichen und psychischen Grenzen gestossen.
A
n den Arbeits- und Bewe
gungs
modulen habe sie nur sehr eingeschränkt teilnehmen können und
sie
sei häufig auf Pausen angewiesen gewesen; während der Präsenzzeit habe sie hauptsächlich ihre Übungen absolviert oder habe sich hinlegen müssen. Im Rahmen der zuletzt erreichten Präsenzzeiten (Montag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 sowie Dienstag und Donnerstag zusätzlich von 13.00 bis 16.00)
sei von einer Leistungsfähigkeit von
weniger als 50
%
auszugehen.
Im Gespräch habe sich gezeigt, dass aktuell von der Weiterführung des Programms im Rahmen eines Belastbarkeitstrainings keine deutliche Verbesserung zu erwarten sei. Deshalb sei am 2
2.
Juni 2016 ent
schieden worden, das Programm nicht weiterzuführen. Eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sei gegenwärtig nicht möglich (
Urk.
6/71
; vgl. auch
Urk.
6/75/4).
3.3
Die
seit dem 2. Dezember 2014
ambulant
psy
chiatrisch-psychotherapeutisch behan
delnden Ärzte
der
I.___
AG
stellten i
m Bericht
vom
2
8.
Juli 2016
folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/94
/2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.1)
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
ak
zentuierte Persönlichkeitszüge (d
ifferentialdiag
nostisch eine
kombi
nierte Persönlichkeitsstörung
) mit abhängigen und selbstunsicher-ver
mei
denden Zügen
(ICD-10: Z73.1)
-
Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person ausserhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.5)
Die Ärzte führten aus, b
ei vorhandenen organischen Befunden und wiederholten chirurgischen Eingriffen sei die Schmerzsymptomatik mit hoher Wahrsche
in
lich
keit organisch begründet. Angesichts der
Chronifizierung
der Schmerzsymp
toma
tik mit mittlerweile mehrjährigem Verlauf sei eine psychogene Komponente im Sinne einer dysfunktionalen Schmerzbewältigung hingegen ebenfalls wahr
scheinlich.
Ob organische oder psychische Faktoren für die Aufrechterhaltung der Schmerzsymptomatik höher zu gewichten seien, könne aus psychiatrischer Sicht nicht beurteilt werden
(Urk. 6/94/2
-4
).
Die posttraumatische Belastungsstörung und die mittelgradig depressive Störung führten zu einer insgesamt stark ernie
d
rigten Arbeitsfähigkeit mit erhöhten Fehlzeiten, einer erhöhten Fehlerquote, geringem Arbeitstempo, erhöhtem Pausenbedarf, rascher Überforderung, einer ge
rin
gen Ausdauer und einer reduzierten
Anpassungsfähigkeit sowie Frust
ra
ti
ons
toleranz.
Wegen der än
g
stlich-vermeidenden Persönlichkeitszüge komme es zu vermehrten Konflikten am Arbeitsplatz mit Kollegen, Vorgesetzten und gege
benenfalls Kunden.
Ab dem
2.
Dezember 2016 (richtig wohl: 2014) bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, ab dem
1.
Januar 2016 sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit bestehe nicht. Zudem sei nicht zu erwarten, dass sich die Einschränkungen mit medizinischen Massnahmen soweit vermindern
liessen
, dass eine Wiederaufnahme der Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich
sei
(
Urk.
6/94/5-7).
3.
4
Vom
21. Januar bis 16. Februar 2017 befand sich die
Beschwerdefü
h
r
erin
zwecks psychosomatischer Rehabilitati
on im
J.___
. Die Ärzte diagnostizierten im
Austrittsbericht vom
6.
April 2017
unter anderem neu
ch
r
o
nische Schmerzen mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41).
Sie hielten fest,
es
sei der Beschwerdeführerin
im Verlauf ihres Aufenthaltes gelungen, körperliche Symptome als Ausdruck intra- und interpsychischer Kon
flikte zu sehen und im Rahmen gesteigerter Selbstsorge eigene Grenzen zu erken
nen und diese zu wahren.
Sie
sei vom 21. Januar bis 5. März 2017
zu
100 % arbeitsunfähig. Ab Austrittszeitpunkt
sei
vor einem
berufliche
n Wiedereingliede
rungsversuch ein tragfähiges ambulantes Therapiesetting
aufzugleisen zur
Stei
gerung der psychophysischen Leistungsfähigkeit. Mittelfristig könne ein Arbeits
versuch im stundenwe
i
se
n
Teilzeitpensum
in einer wechselbelastenden
Tätigkeit mit regelmässigen Pausen
r
eevaluiert
werden (Urk. 6/102
).
3.5
Am
1.
Juli und 1
3.
Oktober 2016 sowie
am 1
9.
April 2017 nahm der Orthopäde
Dr.
Z.___
vom RAD zu den
bei
der
Beschwerdegegnerin
seit der
bidisziplinären
RAD-Untersuchung vom 1
1.
März 2016
eingegangenen
Verlaufsberichten
der behandelnden Ärzte
Stellung.
Er
hielt fest, das E
rgebnis der Potentialabklärung ä
ndere nichts an seiner bisherigen Beurteilung, welche ausschliesslich die aus medizinischer Sicht objektiv bestehenden Einschränkungen der funktionellen Leistungsfähigkeit
würdige
(
Urk.
6/104/11
). Die seither von
Dr.
H.___
neu diagnostizierte rechtsseitige
Zervikobrachialgie
bei MR-tomographisch gesicher
ter Kompression der Nervenwurzel C6 rechts
intraforaminal
durch eine ausge
prägte
osteodiskale
Protrusion
im Segment C5/6
(vgl.
Urk.
6/76-77,
Urk.
6/96/1)
sei anlässlich der RAD-Untersuchung nicht bekannt gewesen, damals hätten aber auch keine Hinweise für eine von der Halswirbelsäule ausgehende
radikuläre
Symptomatik bestanden.
Im Übrigen habe
Dr.
H.___
seit 2015
eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert, ganz gleich, welche der von ihm gestellten Diagno
sen gerade im Vordergrund gestanden habe. Der Gesundheitszustand
habe sich seit der
bidisziplinä
ren
RAD-Untersuchung vom März 2016 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nicht
wesentlich verschlechtert (
Urk.
6/104/13-14); die neu eingereichten Arztberichte enthielten keine neuen Diagnosen und objektiven Befunde. Plausibel sei, dass die Beschwerdeführerin während der stationären Rehabilitation in
J.___
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei (
Urk.
6/104/16).
Am 1
9.
A
p
r
il 2017 äusserte sich auch die RAD-Psychiaterin
Dr.
C.___
zu den aktuellsten Verlaufsberichten und empfahl, weiterhin auf die Ergebnisse der
bidisziplinären
RAD-Untersuchung
abzustellen und von einer 50%igen Restar
beitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
6/104/16).
Mit weiteren Stellungnahmen vom 1
1.
August sowie 2
0.
November 2017 hielten die RAD-Ärzte
Dr.
Z.___
und
Dr.
A.___
an ihren bisherigen Beurteilungen fest,
da ihrer Ansicht nach auch mit Blick auf die weiteren eingereichten Verlaufsbe
richte keine wesentlichen neuen medizinischen Tatsachen ausgewiesen seien (
Urk.
6/122/5,
Urk.
6/122/7-8).
4.
4.1
Der psychiatrisch-orthopädische Untersuchungsbericht der RAD-Ärzte
Dr.
A.___
und
Dr.
Z.___
vom 15. März 2016 beruht auf eingehenden medizinischen Abklärungen und leuchtet in der Beurteilung
der medizinischen Situation
und der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit grundsätzlich ein. Die von diesen Ärzten attestierte 50%ige Restarbeitsfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten
wird allerdings durch das Ergebnis
der kurze Zeit
später
vom 3
0.
Mai bis 2
4.
Juni 2016
durchge
führten Potentialabklärung
der
B.___
GmbH
in Frage gestellt
. Die Eingliederungsfachleute
gelangten zum Ergebnis, dass
die Beschwerdeführerin im Rahmen der erreichten Präsenzzeiten (Montag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 sowie Dienstag und Donnerstag zusätzlich von 13.00 bis 16.00) eine Leistungsfähigkeit von weniger als 50
%
aufweise und dass eine Ein
gliederung in den ersten Arbeitsmarkt gegenwärtig nicht möglich sei (
Urk.
6/71; vgl. auch
Urk.
6/75/4).
Dabei ist von Bedeutung, dass dem
Abschlussbericht der Potentialabklärung vom 2
4.
Juni 2016 keine Hinweise für eine Aggravation
zu entnehmen sind - vielmehr wurde die Motivation der Beschwerdeführerin
her
vorgehoben (
Urk.
6
/71/3) -, und ein solches Verhalten im
bidisziplinären
RAD-Bericht vom 1
5.
März 2016
explizit verneint wurde
(
Urk.
6/53/9,
Urk.
6/54/5).
Der Potentialabklärung,
einer konkreten beruflichen
Eingliede
-
rungsmassnahme
, kann nicht jegliche Aussagekraft für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abgesprochen werden
, zumal sie, im Gegensatz zum
bidis
-
ziplinären
RAD-Bericht vom 1
5.
März 2016, auf Beobachtungen während eines längeren Zeitraums beruht
;
deshalb
wäre
angesichts der erheblichen Diskrepanz zur medizinischen Einschätzung eine eingehende Auseinandersetzung der RAD-Ärzte mit dieser Abklärung vonnöten
gewesen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2007 vom 4. Juli 2008 E. 3.3.2).
Eine solche unterblieb in der Folge
. Während sich die RAD-Psychiaterinnen
Dr.
A.___
und
Dr.
C.___
in ihren Stellungnahmen vom
1
9.
April
sowie 1
1.
August
2017
gar nicht zur Potentialabklärung äusserten
(
Urk.
6/104/16,
Urk.
6/122/5
)
,
ging
Dr.
Z.___
in seiner Stellungnahme vom
1.
Juli 2016
nur oberflächlich und unter Bezugnahme auf die somatisch-objektivierba
ren Befunde darauf ein (
Urk. Urk.
6/104/11
).
Seine
letzten
Beurteilung
en
fusste
n
zudem auf der Thematik, ob seit der RAD
Untersuchung eine wesentliche Ver
schlechterung ausgewiesen sei, welche
Frage bei der vorliegenden erstmaligen
Rentenzusprache
von vornherein
nicht ausschlaggebend
ist.
Der
RAD hat folglich die durch
das Ergebnis der Potentialabklärung
hervorgeru
fenen Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Einschätzungen nicht ausgeräumt. Bereits deshalb kann
gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung (vorstehend
E.
1.3) auf die Beurteilung der RAD-Ärzte
Dr.
Z.___
,
Dr.
A.___
und
Dr.
C.___
, dass die Beschwerdeführerin in
einer leidensangepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfä
hig ist, nicht abgestellt werden.
4.2
Dass die Beschwerdeführerin unter einem komplexen Beschwerdebild leidet,
des
sen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht einfach zu erfassen sind,
wird nicht nur durch die erhebliche Diskrepanz zwischen der Beurteilung der RAD-Ärzte
einerseits
und dem Ergebnis der Potentialabklärung
und den Attesten der behandelnden
Fachä
rzte andererseits
deutlich. Bei den von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen einer depressiven Störung, einer posttraumatischen Belastungsstörung und chronischer Schmerzen mit psychischen und somatischen Faktoren handelt es sich durchwegs um Störungen, deren Auswirkungen auf die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit schwierig zu objektivieren sind.
Das
vollständige
Fehlen einer Auseinandersetzung mit den
vom Bu
ndesgericht bei solchen Störung
en für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als massgeblich bezeichneten
Standardindikatoren
(vorstehend E. 1.2)
in den
Stellungnahmen des RAD und der behandelnden Ärzte
verunmöglicht eine Bestimmung der zumutba
ren Restarbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit. Überdies ergeben sich aus den Berichten der behandelnden
Ärzte
Hinweise dafür, dass im zeitlichen
Verlauf
weitere Beschwerden
aufgetreten und neue Befunde erhoben worden sind: eine MR-tomographisch gesicherte Kompression der Nervenwurzel C6 rechts
intraforaminal
durch eine ausgeprägte
osteodiskale
Protrusion
im Segment C5/6 (MRI-Befundbericht
e
vom 1
6.
Juni 2016 [
Urk.
6/76]
sowie
5.
Januar 2018 [
Urk.
3/3]
), eine mögliche Reizung der L5-Wurzel rechts
rezessal
aufgrund einer
Bandscheibenhernierung
bei L4/5 (MRI-Befundbericht
e
vom 2
7.
Juni 2016 [
Urk.
6/78]
sowie
5.
Januar 2018 [
Urk.
3/3]
), eine COPD und ein
Restless
-
Legs
-Syndrom
(
Bericht des O
.___
Spitals vom
3.
August 2017 [
Urk.
6/121/3-4]) sowie eine entzündliche Erkrankung an den Gelenken (Bericht
e
von
Dr.
D.___
vom
6.
November 2017
sowie 1
6.
Januar 2018
[
Urk.
3/4,
Urk.
6/121/1]).
Deshalb muss die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin durch ein polydiszip
linäres medizinisches Gutachten geklärt werden. Die Gutachter werden die Stan
dardindikatoren gemäss
BGE 141 V 281 E. 4.3.1
(vorstehend E. 1.2)
in ihre
Beur
teilung ein
zu
beziehen und sich zu den abweichenden ärztlichen Einschätzungen
und speziell auch zum Ergebnis der Potentialabklärung
zu äussern haben. Ange
sichts der Hinweise, dass die Arbeitsfähigkeit im massgeblichen Zeitraum seit
April 2014 (vgl.
Urk.
6/2/1,
Urk.
6/6/3)
unter anderem wegen postoperativer Rehabilitationsphasen schwankte
(vgl. etwa den Verlaufsbericht von
Dr.
H.___
vom
8.
Juli 2015 [
Urk.
6/38])
, werden sie aus interdisziplinärer Sicht detailliert zur Entwicklung der zumutbaren Arbeits
fähigkeit in der angestammten und in behinderungsangepassten Tätigkeiten seit dem
April 2014
Stellung zu nehmen haben.
Da die
Beschwerdegegnerin
bisher kein solches Gutachten eingeholt hat, ist die Sache
– entsprechend dem
Subeven
-
tualantrag
der Beschwerdeführerin
–
hierzu an sie zurückzuweisen
und ist
des
-
halb
kein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
700.
--
zulasten der unter
liegenden
Beschwerdegegnerin
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Nach § 34
Abs. 3
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
)
wird der Anspruch
auf
Ersatz der Parteikosten
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
,
der Schwierigkeit des Prozesses
und dem Mass des Obsiegens bemessen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien ist dem Beschwerdeführer eine P
rozess
ent
schädigung von Fr. 2'400.-- zuzusprechen (inklusive Barauslagen und Mehr
wert
steuer).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass
die
angefochtene
Verfügung vom
8.
Dezember 2017 aufgeho
ben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter
Abklärung im Sinne der Erwägun
gen, neu
über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2'400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Gabriela
Gwerder
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrKlemmt