# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a0d6b92-3550-5224-bb1d-8a152c10139d
**Source:** Zug (ZG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-02
**Language:** de
**Title:** Zug Obergericht Strafabteilung 02.02.2023 S 2022 27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZG_Obergericht/ZG_OG_002_S-2022-27_2023-02-02.pdf

## Full Text

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Strafabteilung S 2022 27-28

Oberrichter A. Sidler, Abteilungspräsident
Oberrichter St. Dalcher
Ersatzrichter A. Dormann
Gerichtsschreiber F. Eller

Urteil vom 2. Februar 2023

in Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, An der Aa 4, Postfach, 6301 Zug, 
vertreten durch Staatsanwalt A.________
Anklägerin, Berufungsklägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsbeklagte,

und

B.________, weitere Personalien dem Gericht bekannt, 
Privatkläger im Straf- und Zivilpunkt, Berufungsbeklagter und Anschlussberufungsbeklag-
ter,

gegen

C.________, geb. tt.mm.1991 in D.________, von E.________, zurzeit in der Justizvollzugsanstalt 
Bostadel, Bostadel 1, 6313 Menzingen,
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt F.________,
Beschuldigter, Berufungskläger, Anschlussberufungskläger und Berufungsbeklagter,

betreffend

versuchte schwere Körperverletzung

(Berufung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug und des Beschuldigten sowie Anschlussberu-
fung des Beschuldigten gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug, Kollegialgericht, vom 
21. Juni 2022; SG 2022 5)

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Sachverhalt

1. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) wirft C.________ 
(nachfolgend: Beschuldigter) vor, er habe am 7. Februar 2021 B.________ ohne Vorwarnung 
und mit voller Wucht mitten ins Gesicht geboxt. Zudem habe er ihm sofort weitere Male so 
heftig ins Gesicht geschlagen, so dass B.________ zu Boden gegangen sei. Der Beschuldig-
te habe seine Attacke gegen B.________, der praktisch wehrlos gewesen sei, mit unge-
bremster Wucht fortgesetzt und ihm mit beiden Fäusten mehrere weitere Male mit voller 
Wucht ins Gesicht geschlagen. B.________ habe durch diese Attacke ein leichtes Schädel-
Hirn-Trauma, eine mehrfragmentäre dislozierte Nasenbeinfraktur und Nasenseptumfraktur, 
eine Rissquetschwunde oberhalb der Nase, ein Weichteilemphysem der Orbita links und 
Weichteilverletzungen im Mundinnern erlitten. Mit seinem Verhalten habe der Beschuldigte 
eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen (SG GD 1). 

2. Das Strafgericht des Kantons Zug, Kollegialgericht (nachfolgend: Vorinstanz), führte in An-
wesenheit des Beschuldigten, seines amtlichen Verteidigers und des zuständigen Staatsan-
walts am 7. Juni 2022 die Hauptverhandlung durch (SG GD 8/1). Mit Einverständnis der Par-
teien eröffnete die Vorinstanz das Urteil schriftlich. Das am 21. Juni 2022 gefällte Urteil wur-
de gleichentags im Dispositiv an die Parteien versendet (SG GD 9/1, 9/2). Der Beschuldigte 
nahm das Dispositiv am 23. Juni 2022 über seinen amtlichen Verteidiger in Empfang (SG GD 
9/2/2). Die Zustellung an die Staatsanwaltschaft erfolgte am 22. Juni 2022 (SG GD 9/2/1). Mit 
Schreiben vom 22. Juni 2022 meldete die Staatsanwaltschaft Berufung an (SG GD 3/2). Die 
amtliche Verteidigung meldete nach dem Fristenende am Sonntag, 3. Juli 2022, am darauf-
folgenden Montag, 4. Juli 2022, Berufung an (SG GD 4/7). 

3. Das schriftlich begründete, 75-seitige Urteil der Vorinstanz wurde am 12. Juli 2022 versandt 
und den Parteien am 13. Juli 2022 zugestellt (SG GD 9/3 S. 75; 9/4/1, 9/4/2, 9/4/3). Der Ur-
teilsspruch der Vorinstanz lautete wie folgt: 

"1. Der Beschuldigte C.________ wird der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 
StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. 

2. Es wird die Rückversetzung des Beschuldigten in den Vollzug der mit Urteil S 2019 23 des 
Obergerichts des Kantons Zug vom 24. März 2020 sowie mit Urteil SE 2020 4 des Strafgerichts 
des Kantons Zug vom 2. April 2020 ausgesprochenen Freiheitsstrafen angeordnet.

3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der vollziehbaren Reststrafe der mit Urteil S 2019 23 des 
Obergerichts des Kantons Zug vom 24. März 2020 sowie mit Urteil SE 2020 4 des Strafgerichts 
des Kantons Zug vom 2. April 2020 ausgesprochenen Freiheitsstrafen (von insgesamt 254 Ta-
gen) bestraft mit einer (Gesamt-)Freiheitsstrafe von 42 Monaten; dies unter Anrechnung der Un-
tersuchungshaft von 65 Tagen und des seit dem 15. April 2021 andauernden vorzeitigen Straf-
vollzugs.

4. Es wird überdies gestützt auf Art. 63 Abs. 1 StGB (vollzugsbegleitend) eine ambulante Behand-
lung des Beschuldigten angeordnet.

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5. Die Verfahrenskosten betragen

CHF 20'959.90 Untersuchungskosten (inkl. Kosten Zwangsmassnahmengericht)
CHF 5'000.00 Entscheidgebühr 
CHF 470.00 gerichtliche Auslagen
CHF 26'429.90 Total

und werden dem Beschuldigten auferlegt.

6.1 Der ehemalige amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt MLaw G.________, wird 
für seine Bemühungen mit CHF 9'167.40 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt. Es wird 
davon Vormerk genommen, dass ihm bereits eine Akontozahlung von CHF 7'000.00 ausgerich-
tet wurde.

6.2 Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. F.________, wird für seine Bemühungen mit 
CHF 12'472.80 (inkl. MWST) aus der Staatskasse entschädigt.

6.3 Der Beschuldigte hat dem Staat die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, so-
bald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B.________ eine Genugtuung in Höhe von 
CHF 1'500.00 zu bezahlen. Im darüberhinausgehenden Betrag wird dessen Genugtuungsforde-
rung auf den Zivilweg verwiesen.

8.1 Rechtsmittel Berufung […]"

4. Im Übrigen wird hinsichtlich des Verlaufs des Untersuchungsverfahrens und des erstinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens auf die Darlegungen der Vorinstanz verwiesen (OG GD 1 S. 2-5).

5. Mit Eingabe vom 14. Juli 2022 an das Obergericht des Kantons Zug (nachfolgend: Gericht) 
reichte die amtliche Verteidigung die Berufungserklärung ein, beantragte die Aufhebung des 
Urteils der Vorinstanz ausser die Dispositivziffern 6.1 und 6.2 (amtliche Verteidigung) und 
stellte folgende Anträge (OG GD 3/1): 

"1. C.________ sei vollumfänglich freizusprechen. 

2. Eventualiter sei C.________ der fahrlässigen einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen und er sei mit einer 
Freiheitsstrafe von 60 Tagen zu bestrafen, wobei auf eine Rückversetzung in den Vollzug der 
Urteile S 2019 23 (Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 23. März 2020) und SE 2020 4 
(Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 2. April 2020) zu verzichten und ihm die durch 
Untersuchungshaft (65 Tage) sowie vorzeitigen Strafvollzug (seit 15. April 2021) erstandene 
Haft an die Strafe anzurechnen sei. Die Probezeit sei um ein Jahr zu verlängern. 

3. Subeventualiter sei C.________ der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und er sei in den Voll-
zug der Urteile S 2019 23 (Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 23. März 2020) und 
SE 2020 4 (Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 2. April 2020) rückzuversetzen, wobei 
er unter Einbezug des Strafrests von 254 Tagen Freiheitsentzug mit einer Gesamtfreiheitsstrafe 
von 15 Monaten zu bestrafen sei, dies unter Anrechnung der durch Untersuchungshaft (65 Ta-
ge) sowie vorzeitigen Strafvollzug (seit 15. April 2021) erstandenen Haft. 

4. Für die erstandene Überhaft sei C.________ im Sinne der mündlichen Ausführungen angemes-
sen zu entschädigen.

5. Eventualiter und subeventualiter sei die mit Urteil vom 2. April 2020 des Strafgerichts des Kan-
tons Zug (SE 2020 4) angeordnete ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB zu bestätigen 
bzw. zu verlängern.

6. Die Zivilforderung des Privatklägers sei abzuweisen bzw. diese sei auf den Zivilweg zu verwei-
sen. 

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7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen inkl. der Kosten der Verteidigung (zahlbar an den 
Rechtsvertreter, zzgl. 7.7 % MWST) für das Vorverfahren sowie das erst- und zweitinstanzliche 
Verfahren zulasten der Staatskasse. 

8. Eventualiter und subeventualiter seien die Kosten C.________ aufzuerlegen, mit Ausnahme der 
Kosten der Verteidigung sowie der Kosten für die forensische psychiatrische Begutachtung." 

6. Mit Eingabe vom 28. Juli 2022 an das Gericht reichte die Staatsanwaltschaft die Berufungs-
erklärung ein und stellte folgende Anträge (OG GD 2/1): 

"1. Für C.________ sei eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung von psychi-
schen Störungen im geschlossenen Massnahmevollzug gemäss Art. 59 StGB anzuordnen.

2. Der Vollzug der (Gesamt-)Freiheitsstrafe gemäss Ziff. 5.3 des Urteilsspruchs sei zu Gunsten der 
stationären therapeutischen Massnahme aufzuschieben."

In prozessualer Hinsicht beantragte die Staatsanwaltschaft die Ergänzung des forensisch-
psychiatrischen Gutachtens von Dr. J.________. 

7. Mit Präsidialverfügung vom 3. August 2022 stellte die Verfahrensleitung den Parteien die Be-
rufungen der Staatsanwaltschaft und der amtlichen Verteidigung zu und setzte Frist zur Er-
hebung einer Anschlussberufung oder zur Einreichung von Nichteintretensanträgen hinsicht-
lich der beiden Berufungen (OG GD 5/1).

8. Mit Eingabe vom 14. August 2022 erklärte die amtliche Verteidigung Anschlussberufung hin-
sichtlich des gesamten Urteils der Vorinstanz, ausgenommen Ziff. 6.1 und Ziff. 6.2 (Entschä-
digung amtliche Verteidigung). Die amtliche Verteidigung beantragte die Abweisung des Be-
weisantrags der Staatsanwaltschaft (OG GD 3/2).

9. Mit Präsidialverfügung vom 29. August 2022 stellte die Verfahrensleitung der Staatsanwalt-
schaft und dem Privatkläger die Anschlussberufung der amtlichen Verteidigung zu und setzte 
Frist für Nichteintretensanträge. Sodann wurde der Beweisantrag der Staatsanwaltschaft 
gutgeheissen und es wurde ein Ergänzungsgutachten bei Dr. J.________ angeordnet. Den 
Parteien wurde Frist angesetzt, um sich zur sachverständigen Person zu äussern und um 
Ergänzungsfragen bekannt zu geben. Sodann wurde mitgeteilt, dass die Strafabteilung des 
Gerichts in der ordentlichen Zusammensetzung tagen wird (OG GD 5/2).  

10. Die Verfahrensleitung holte diverse Berichte ein und versandte am 14. Oktober 2022 den 
Auftrag betreffend ein Ergänzungsgutachten mitsamt den Verfahrensakten an 
Dr. J.________ (OG GD 7/7). Dieser erstattete am 19. Dezember 2022 sein Ergänzungsgut-
achten (OG GD 7/12). Dieses wurde den Parteien am 20. Dezember 2022 von der Verfah-
rensleitung hinsichtlich Stellungnahmen eröffnet (OG GD 7/14). Anschliessend wurden mit-
tels Präsidialverfügung vom 4. Januar 2023 die Termine für die Hauptverhandlung festge-
setzt und die notwendigen Vorladungen ausgestellt (OG GD 5/4). Die amtliche Verteidigung 
nahm mit Eingabe vom 9. Januar 2023 u.a. zum Ergänzungsgutachten Stellung (OG GD 
3/7).

11. Der Beschuldigte, sein amtlicher Verteidiger und der fallzuständige Staatsanwalt erschienen 
am 27. Januar 2023 zur Berufungsverhandlung. Der Beschuldigte wurde zur Sache und zur 
Person befragt und ihm wurde die Möglichkeit eröffnet, ein Schlusswort zu halten. Die Par-

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teien warfen keine Vorfragen auf. Die Staatsanwaltschaft reichte diverse Urkunden ein, wel-
che praxisgemäss zu den Akten genommen wurden. Weitere Beweisanträge stellten die Par-
teien nicht. In ihren Plädoyers hielten der amtliche Verteidiger und der fallzuständige Staats-
anwalt an ihren Berufungsanträgen fest. Die anwesenden Parteien erklärten sich ferner damit 
einverstanden, dass anstelle eines neu anzusetzenden Termins für die mündliche Urteils-
eröffnung das Urteil schriftlich eröffnet werden kann (OG GD 8/1). 

Erwägungen

I. Prozessuales und Formelles

1. Eintreten und Rechtskraft 

1.1 Die amtliche Verteidigung hat fristgerecht zuerst bei der Vorinstanz Berufung angemeldet 
und anschliessend ebenfalls innert Frist beim Gericht Berufung erklärt. Insbesondere die Be-
rufungsanmeldung der amtlichen Verteidigung erfolgte unter Beachtung des gesetzlichen 
Fristenlaufs nach Art. 90 Abs. 2 StPO bei Sonn- und Feiertagen rechtzeitig am letzten Tag 
der Frist. Die Staatsanwaltschaft hat ebenfalls fristgerecht zuerst bei der Vorinstanz Berufung 
angemeldet und anschliessend ebenfalls innert Frist beim Gericht Berufung erklärt. Es wur-
den von den Parteien keine Nichteintretenseinträge gestellt und Nichteintretensgründe sind 
auch nicht ersichtlich. Auf die Berufungen des Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft ist 
folglich einzutreten.

1.2 Die amtliche Verteidigung hat, nachdem sie bereits gegen das Urteil der Vorinstanz vollum-
fänglich (ausser Disp. Ziff. 6.1 und 6.2) Berufung erklärte, nochmals Anschlussberufung auf 
die Berufung der Staatsanwaltschaft hin erhoben und erneut beantragt, das Urteil (ausser 
Disp. Ziff. 6.1 und 6.2) aufzuheben. Die gleichen Anträge einer Partei können nicht parallel 
Gegenstand einer gültigen Berufung und einer Anschlussberufung zur Berufung einer ande-
ren Partei sein. Nachdem auf die Berufung der amtlichen Verteidigung eingetreten wird, 
bleibt kein Raum für eine Anschlussberufung im gleichen Punkt. Auf die Anschlussberufung 
der amtlichen Verteidigung ist folglich in analoger Anwendung von Art. 403 StPO nicht einzu-
treten (BGE 147 IV 36 E. 2.4.2 und 2.5.2). 

1.3 Im Berufungsverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Der Berufungskläger muss in seiner Be-
rufungserklärung angeben, ob er das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (Art. 399 
Abs. 3 lit. a StPO). Ficht er nur Teile des Urteils an, hat er in der Berufungserklärung verbind-
lich anzugeben, auf welche Teile (Schuldpunkt, allenfalls bezogen auf einzelne Handlungen, 
Bemessung der Strafe etc.) sich die Berufung beschränkt (Art. 399 Abs. 4 StPO). Das Beru-
fungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 
Abs. 1 StPO). Es kann zugunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte 
überprüfen, um gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 
StPO). Soweit die Einschränkung der Berufung auf einzelne Punkte eindeutig und der 
Grundsatz der Untrennbarkeit oder inneren Einheit nicht verletzt ist, muss die Einschränkung 
durch das Berufungsgericht respektiert werden. Die nicht angefochtenen Urteilspunkte wer-
den – unter dem Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO – rechtskräftig. Eine spätere Ausdeh-

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nung der Berufung ist ausgeschlossen, nicht aber eine weitere Beschränkung (vgl. dazu um-
fassend Urteil des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 1.3 m.H.).

1.4 Die Berufung der amtlichen Verteidigung ist im Hauptpunkt darauf gerichtet, einen vollum-
fänglichen Freispruch zu erlagen. Die amtliche Verteidigung ficht mithin – ausser der Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung – sämtliche Dispositivziffern des vorinstanzlichen Ur-
teils an. Sie wendet sich insbesondere gegen den ergangenen Schuldspruch (Ziff. 1), die 
Sanktion (Ziff. 2), die Rückversetzung (Ziff. 3), die ambulante Massnahme (Ziff. 4), die Zivil-
forderung (Ziff. 7) sowie den Kostenspruch (Ziff. 5, Ziff. 6.3). Aufgrund des unzweideutigen 
Wortlauts der Berufungserklärung richtet sich die Berufung sachlogisch auch gegen die am-
bulante Massnahme, deren Anordnung die amtliche Verteidigung nur eventualiter und sub-
eventualiter beantragt. Da das Urteil der Vorinstanz aufgrund des Schuldspruchs nicht zu ei-
ner Entschädigung des Beschuldigten führen konnte, beantragte die amtliche Verteidigung 
sodann eine Entschädigung für die Überhaft. 

1.5 Die Berufung der Staatsanwaltschaft ist darauf ausgerichtet, anstellte der ambulanten thera-
peutischen Massnahme eine stationäre therapeutische Massnahme zu erwirken. Die Staats-
anwaltschaft beantragte vor diesem Hintergrund auch folgerichtig, den Vollzug der Strafe zu 
Gunsten der stationären Massnahme aufzuschieben. 

1.6 Einzig die Entschädigung der amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt F.________ und Rechts-
anwalt G.________, ist folglich in Rechtskraft erwachsen, was durch das Gericht im Urteils-
dispositiv festzustellen ist. Für die von der Staatsanwaltschaft nicht angefochtenen Ziffern 
des Urteilsdispositivs (Ziff. 1, 2, 3, 5 und 7) gilt das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 
Abs. 2 StPO.

2. Beweisanträge und Beweiserhebungen von Amtes wegen 

2.1 Das Rechtsmittelverfahren beruht gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO auf den Beweisen, die im 
Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind. Von Amtes we-
gen oder auf Antrag einer Partei kann die Rechtsmittelinstanz die erforderlichen zusätzlichen 
Beweise erheben (Art. 389 Abs. 3 StPO). Notwendig ist dies aber nur dann, wenn die zusätz-
lich erhobenen Beweise den Ausgang des Verfahrens beeinflussen können (vgl. auch Urteil 
des Bundesgerichts 6B_288/2015 vom 12. Oktober 2015 E. 1.3.1 m.H.). Eine unmittelbare 
Beweisabnahme im Rechtsmittelverfahren hat gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 
StPO auch zu erfolgen, wenn eine solche im erstinstanzlichen Verfahren unterblieb oder un-
vollständig war und die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die Urteilsfällung not-
wendig erscheint. Weiter kann eine unmittelbare Beweisabnahme durch das Berufungsge-
richt in den Fällen von Art. 343 Abs. 3 StPO erforderlich sein, wenn dieses von den erstin-
stanzlichen Sachverhaltsfeststellungen abweichen will (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1). Das Ge-
richt erachtete es nicht als notwendig, ausser den nachfolgenden Beweisabnahmen weitere 
Beweise abzunehmen oder Beweisabnahmen zu wiederholen. 

2.2 Die Staatsanwaltschaft beantragte ein Ergänzungsgutachten. Sie verwies in ihrem Beweisan-
trag vom 28. Juli 2022 darauf, dass die Vorinstanz bestimmte Lücken in Form von nicht aus-
reichend begründeten Passagen im Gutachten von Dr. J.________ erkannt habe, weswegen 

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das Gutachten zu ergänzen sei (OG GD 2/1). Die amtliche Verteidigung beantragte die Ein-
setzung eines neuen Sachverständigen (OG GD 3/3). Die Verfahrensleitung hiess den Be-
weisantrag der Staatsanwaltschaft gut und ordnete ein Ergänzungsgutachten bei 
Dr. J.________ an (OG GD 5/2). 

2.1.1 Ein durch die Verfahrensleitung des Gerichts gutgeheissener Beweisantrag hinsichtlich eines 
Ergänzungsgutachtens bedeutet nicht, dass durch das Gericht damit direkt oder indirekt zu-
gestanden wird, dass das ursprüngliche Gutachten lücken- oder mangelhaft war. So ist evi-
dent, dass die Verfahrensleitung des Gerichts bei der Gutheissung eines Beweisantrags das 
Urteil des Gerichts (Dreiergericht) weder vorwegnimmt noch präjudiziert. Inwiefern bereits 
das Gutachten von Dr. J.________ den rechtlichen Standards genügt und ein Rückgriff auf 
das Ergänzungsgutachten überhaupt notwendig wird, ist mithin durch das Gericht im Rah-
men dieses Urteils zu prüfen.

2.1.2 Ein Ergänzungsgutachten nach Art. 189 StPO bei der gleichen sachverständigen Person war 
vorliegend sachgerecht. So zeigte die amtliche Verteidigung nicht auf, dass das Gutachten 
von Dr. J.________ vom 16. Dezember 2021 inhaltlich auf groben handwerklichen Fehlern 
beruht, auf unsachlichen Animositäten oder Vorurteilen basierte oder es weitere zwingende 
Gründe für ein Obergutachten gab (vgl. dazu Heer, Basler Kommentar, 2. A. 2014, Art. 189 
StPO N. 16). Es ging folglich bei den bemängelten Punkten der Vorinstanz nicht um die Fül-
lung einer gravierenden Lücke oder eines unauflöslichen Widerspruchs, welche den Gutach-
ter und das Gutachten unheilbar kompromittieren könnten, sondern einzig um eine detaillier-
tere Begründung von bestimmten Punkten, welche die Vorinstanz als ungenügend begründet 
taxierte (wobei zum Zeitpunkt der Prüfung des Beweisantrags durch die Verfahrensleitung 
naturgemäss offen war, ob das Gericht dieser Ansicht überhaupt folgen würde). Die 
grundsätzliche Integrität des Gutachters Dr. J.________ hinsichtlich seiner fachlichen Kom-
petenz oder seines Verhaltens gegenüber dem Beschuldigten steht damit nicht zur Diskussi-
on, weswegen die Verfahrensleitung des Gerichts gestützt auf den Beweisantrag der Staats-
anwaltschaft eine Ergänzung des Gutachtens im Sinne von Art. 189 StPO als sinnvoll erach-
tete. Vor diesem Hintergrund liegt grundsätzlich keine Vorbefassung des Gutachters vor (vgl. 
Urteil des Bundesgerichts 1B_165/2022 vom 31. August 2022 E. 2.4), und es wurde vom Be-
schuldigten korrekterweise auch kein Ausstandersuchen gegen Dr. J.________ eingereicht.

2.1.3 Entgegen der Argumentation der amtlichen Verteidigung musste der Gutachter 
Dr. J.________ im Rahmen des Ergänzungsgutachtens seine frühere Expertise nicht über-
prüfen (vgl. OG GD 3/7 S. 21), sondern diese gestützt auf den eingereichten Fragekatalog 
der Staatsanwaltschaft in bestimmten Punkten detaillierter begründen (OG GD 5/2 S. 2 
Ziff. 2.1 und 2.2). Ob und inwiefern das Gutachten von Dr. J.________ alleine oder allenfalls 
in Verbindung mit dem Ergänzungsgutachten eine ausreichende Grundlage für eine Mass-
nahme bildet, ist durch das Gericht im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu prüfen. Sodann 
wurde von der amtlichen Verteidigung vorgebracht, eine stationäre Massnahme sei unver-
hältnismässig, was indessen eine rechtliche Bewertung betrifft, welche nicht der Gutachter 
fällt, sondern dem Gericht gestützt auf die gutachterlichen Tatsachenfeststellungen obliegt.

2.1.4 Weitere Argumente der amtlichen Verteidigung betreffend den Begutachtungsprozess, ins-
besondere (1.) ein Anspruch des Beschuldigten auf Wahl des Gutachters, (2.) ein Anspruch 
auf eine doppelte Begutachtung oder (3.) ein Anspruch des amtlichen Verteidigers auf Teil-

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nahme am Explorationsgespräch des Gutachters sind nicht zu hören (vgl. OG GD 3/7 S. 24 
ff.). Entsprechende durchsetzbare Ansprüche einer beschuldigten Person sind zurzeit weder 
in der aktuell geltenden Strafprozessordnung noch in der zukünftigen Strafprozessordnung 
(Teil-Revision) vorgesehen (vgl. BBl 2022 1560). Der Wortlaut der aktuell geltenden Bestim-
mungen, insbesondere Art. 147 Abs. 1 StPO und Art. 185 StPO, lässt keinen Raum für eine 
Teilnahme der amtlichen Verteidigung am Explorationsgespräch des Gutachters zu 
(BGE 144 I 253 E. 3.7). Darüber hinaus schliesst der Gesetzeswortlaut eine doppelte Begut-
achtung oder ein Wahlrecht des Beschuldigten hinsichtlich des Gutachters aus (Art. 184 
Abs. 1 und 2 StPO). Ein entsprechender Anspruch der beschuldigten Person contra legem 
ergibt sich auch nicht aus der Auslegung der Bundesverfassung durch das Bundesgericht 
oder aus der Auslegung der Europäischen Menschenrechtskonvention durch den Europäi-
schen Gerichtshof für Menschenrechte (BGE 144 I 253 E. 3.8-3.9). 

2.1.5 Die Auffassung des Bundesgerichts ist dabei gesamthaft überzeugend. Wie das Bundesge-
richt schlüssig im Fall der Zulassung von Verteidigern zu Explorationsgesprächen ausführt, 
sind die von der amtlichen Verteidigung argumentativ aufgeführten Rechtsbehelfe für eine 
beschuldigte Person nicht zwingend notwendig, um ein faires Verfahren zu gewährleisten. So 
garantiert einerseits bereits Art. 307 Abs. 1 StGB den korrekten Ablauf des Gutachterprozes-
ses. Andererseits erscheinen die Ausstandvorschriften als ausreichend, um einen neutralen 
Sachverständigen zu gewährleisten. Darüber hinaus ist das rechtliche Gehör der Parteien im 
Begutachtungsprozess umfassend mittels Zusatzfragen und der Möglichkeit zur Stellung-
nahme gewahrt (inkl. Anträge auf Obergutachten, Befragung des Gutachters als sachver-
ständigen Zeugen oder schriftliche Ergänzungsfragen an den Gutachter). Wie das Bundes-
gericht sodann schlüssig aufzeigt, wären ein einseitiges Teilnahmerecht der Verteidigung am 
Explorationsgespräch nachteilig für den Ablauf eines unparteiischen und unbeeinflussten 
Begutachtungsprozesses und damit letztlich nachteilig für die Wahrheitsfindung (Urteil des 
Bundesgerichts 1B_527/2019 vom 7. August 2020 E. 3.2). Insbesondere im Hinblick auf den 
für Beeinflussungen durch beschuldigte Personen besonders anfälligen Strafrechtsbereich 
muss zudem ergänzt werden, dass ein Wahl- oder Vorschlagsrecht der beschuldigten Person 
betreffend eines Gutachters eine erhebliche Gefahr schafft, dass der Begutachtungsprozess 
manipulativ kompromittiert wird. 

2.1.6 Dass Privatpersonen oder Organisationen vereinzelt in ihren juristischen Meinungsäusserun-
gen entsprechende Rechte postulieren, ändert nichts an der Tatsache, dass diese gesetzlich 
in Art. 182 ff. StPO nicht vorgesehen sind und der demokratische Gesetzgeber auch keine 
Notwendigkeit erkannte, entsprechende Rechte im Rahmen der StPO-Revision einzuführen 
(vgl. zur sog. "Dissertation Urwyler": Urteil des Bundesgerichts 1B_527/2019 vom 7. August 
2020 E. 4.2). Dazu kommt, dass der amtliche Verteidiger vorliegend zu keinem Zeitpunkt gel-
tend machte, dass er an einer Begutachtung teilzunehmen wünschte. Auch Ausstandgründe 
nach Art. 56 lit. a-f StPO gegen den Gutachter Dr. J.________ wurden von der amtlichen 
Verteidigung nie dargelegt und prozessual verfolgt. Darüber hinaus wurde vor dem Beru-
fungsverfahren zu keinem Zeitpunkt argumentiert, es hätten vorliegend von Anfang an zwei 
Sachverständige anstatt einem eingesetzt werden müssen. 

2.1.7 Sofern der amtliche Verteidiger darüber hinaus seine persönlichen Ansichten betreffend eine 
ideale Ausgestaltung der Schweizer Prozessvorschriften bezüglich eines Gutachtens in sei-
ner Stellungnahme vom 9. Januar 2023 sowie in seinem Plädoyer an der Berufungsverhand-

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lung darlegt, so kann darauf verwiesen werden, dass diese Ansichten nicht der Auffassung 
des demokratischen Gesetzgebers in der Schweiz entsprechen. 

2.2 Die Verfahrensleitung des Gerichts holte während des Berufungsverfahrens zur Vorbereitung 
des Ergänzungsgutachtens von Amtes wegen die nachfolgenden Berichte über den Beschul-
digten ein und zirkulierte diese bei der Staatsanwaltschaft und der amtlichen Verteidigung: 

- Verlaufsbericht der ambulanten Massnahme durch die Psychiatrischen Dienste Aargau 
(PDAG) vom 10. Oktober 2022; 

- Verlaufsbericht der Interkantonalen Strafvollzugsanstalt Bostadel vom 26. September 
2022. 

2.3 Die Verfahrensleitung des Gerichts holte ferner von Amtes wegen Auskünfte bei früheren Ar-
beitgebern des Beschuldigten (d.h. K.________GmbH bzw. L.________AG) ein. Der Be-
schuldigte nahm zu den entsprechenden Auskünften Stellung (OG GD 3/5). 

3. Verwertbarkeit der Beweise / Einschränkung der freien Beweiswürdigung 

3.1 Die amtliche Verteidigung rügt die Verwertbarkeit der Befragung der Zeugin M.________ 
(recte: M.________) sowie aller weiteren Befragungen von Auskunftspersonen am 7. Febru-
ar 2021 durch die Polizei. Zu Beginn der Einvernahme der Zeugin M.________ (17:33 Uhr) 
hätte bereits ein Strafverfahren eröffnet sein müssen. Den zuständigen Beamten hätte ohne 
weiteres klar gewesen sein müssen, dass vorliegend ein Fall nach Art. 307 Abs. 1 StPO vor-
liegen würde und sich das Aufbieten eines Pikettstaatsanwalts aufdrängte. Dass dieser erst 
um 17:41 Uhr angerufen worden sei, sei irrelevant; das Verfahren hätte bereits zu einem 
frühen Zeitpunkt materiell als eröffnet gelten müssen. Eine Heilung der Verletzung der Teil-
nahmerechte sei nicht möglich gewesen. Ferner seien die Einvernahmen vom 18. bzw. 22. 
Februar 2022 wegen des augenfälligen suggestiven Fragestils nicht verwertbar, bzw. diese 
Aussagen seien mit besonderer Vorsicht zu würdigen (OG GD 3/7 S. 2 ff.). 

3.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und 
B.________ am Sonntagnachmittag, 7. Februar 2021, um ca. 16:30 Uhr stattfand. Der Ret-
tungsdienst wurde durch die Polizei um 16:34 Uhr orientiert, um 17:11 Uhr erfolgte ein Bei-
zug des Piketts der Regionenpolizei und um 17:41 Uhr fand eine telefonische Orientierung 
des Pikettstaatsanwalts statt. Die polizeiliche Befragung der Auskunftsperson M.________ 
begann um 17:33 Uhr (act. 1/2), die polizeiliche Befragung der Auskunftsperson N.________ 
um 17:50 Uhr (act. 1/3), die polizeiliche Befragung der Auskunftsperson O.________ um 
17:55 Uhr (act. 1/4). Die handschriftlich protokollierte polizeiliche Befragung des Geschädig-
ten B.________ im Zuger Kantonsspital begann um 19:10 Uhr (act. 1/5). Die Staatsanwalt-
schaft ordnete sodann am Sonntagabend, 7. Februar 2021, mündlich eine Hausdurchsu-
chung und eine Vorführung des Beschuldigten an. Der genaue Zeitpunkt der mündlichen An-
ordnung wurde auf den Befehlen nicht vermerkt (act. 5/3; act. 6/2). Die mündlich angeordne-
te Hausdurchsuchung wurde zwischen 19:50 Uhr und 20:15 Uhr unter Beizug der Kantons-
polizei Zürich am Wohnort des Beschuldigten im Kanton Zürich vollzogen (act. 6/2). Der Er-
mittlungsauftrag der Staatsanwaltschaft an die Polizei datiert vom 11. Februar 2021 
(act. 2/3). 

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3.3 Gemäss Art. 307 Abs. 1 StPO informiert die Polizei die Staatsanwaltschaft unverzüglich über 
schwere Straftaten sowie andere schwer wiegende Ereignisse. Die Staatsanwaltschaft eröff-
net dabei gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO eine Untersuchung, wenn sich aus den Informa-
tionen und Berichten der Polizei, aus einer Strafanzeige oder aus den eigenen Feststellun-
gen ein hinreichender Tatverdacht ergibt. Dies ist jedenfalls dann der Fall, wenn die Staats-
anwaltschaft Zwangsmassnahmen anordnet und erste Untersuchungshandlungen selber 
vornimmt (BGE 141 IV 20 E. 1.1.4). 

3.4 Es ist im Polizeirapport eine einzelne Kontaktaufnahme seitens der Polizei um 17:41 Uhr mit 
dem Pikettstaatsanwalt vermerkt. Aus dem Hausdurchsuchungs- und Vorführbefehl der 
Staatsanwaltschaft ergibt sich sodann, dass die Massnahmen am Sonntagabend angeordnet 
und gleichentags vollzogen wurden. Die zweite Kontaktaufnahme in der Angelegenheit sei-
tens der Polizei erfolgte gemäss den Stundenabrechnungen der Staatsanwaltschaft um ca. 
acht Uhr abends, d.h. nach Abschluss der Einvernahmen der drei Auskunftspersonen und 
des Geschädigten (OG GD 8/1/2-5). 

3.5 Es ist nicht plausibel, dass an der ersten Kontaktaufnahme um 17:41 Uhr zwischen der Poli-
zei und der Staatsanwaltschaft bereits mündlich die Hausdurchsuchung und die Vorführung 
des Beschuldigten angeordnet wurden. Es ist lebensnah gestützt auf die eingereichten Stun-
denabrechnungen des fallzuständigen Staatsanwalts davon auszugehen, dass die mündliche 
Anordnung während der zweiten Kontaktaufnahme gegen acht Uhr abends im Zeitraum des 
entsprechenden Einsatzes dringlich erfolgte. Insgesamt gibt es keine Hinweise, dass die 
mündlichen Hausdurchsuchungs- und Vorführbefehle ausgesprochen wurden, bevor die Be-
fragungen der Auskunftspersonen und des Privatklägers begannen. 

3.6 Es ist nicht erstellt, dass die Kontaktaufnahme der Polizei um 17:41 Uhr eine Meldung eines 
schweren Falles nach Art. 307 Abs. 1 StPO beinhaltete. Bei meldungspflichten Fällen nach 
Art. 307 Abs. 1 StGB handelt es sich um die Meldung von Schwerstkriminalität wie Tötungs-
delikten und dergleichen, welche einen Brandtour-Einsatz der Staatsanwaltschaft mit einer 
üblichen Leitung der Untersuchung vor Ort auslösen (Rüegger, Basler Kommentar, 2. A. 
2014, Art. 307 StGB N. 2 und 3). Ein Fall von Schwerstkriminalität lag vorliegend unbestritte-
nermassen nicht vor. Die Schilderung der Staatsanwaltschaft, dass der fallzuständige Polizist 
um 17:41 Uhr wegen einer allfälligen notwendigen Verteidigung hinsichtlich der Befragung 
des Beschuldigten eine Rechtsauskunft einverlangte, ist mithin glaubhaft (vgl. OG GD 8/1/5 
S. 9). 

3.7 Ebenfalls ist nicht plausibel, dass die entsprechende Meldung der Polizei um 17:41 Uhr über 
eine übliche Vorabinformation eines allenfalls pikettrelevanten Ereignisses hinausging. Ohne 
Erstbefragung der Auskunftspersonen und des Geschädigten mitsamt der Unterzeichnung 
des Protokolls bestand kein ausreichendes Fundament seitens der Polizei, um eine tatsa-
chenbasierte Meldung an den Pikettstaatsanwalt abzugeben. Es kann dabei durchaus sein, 
dass die Polizei bereits vorab am Tatort mündlich von den Auskunftspersonen oder Dritten 
über eine Schlägerei informiert worden ist. Ausmass der Verletzungen, Täterschaft und kon-
krete wesentliche Tathandlungen (Faustschläge, Tritte, Gegenwehr etc.) waren indessen 
noch nicht abschliessend ermittelt worden. Ebenfalls bestanden keine Beweismittel in der 
Form von Befragungsprotokollen, welche nach entsprechender Rechtsbelehrung von den 

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Auskunftspersonen unterzeichnet waren. Es stand folglich um 17:41 Uhr einzig verlässlich 
fest, dass eine Person mit Verletzungen ins Spital eingeliefert werden musste. Vor Abschluss 
der Befragungen des Privatklägers und der drei Auskunftspersonen durch die Polizei lag eine 
ausreichende und vor allem verlässliche Verdichtung der Verdachtslage im Sinne von 
Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO nicht vor. Dass in solchen Situationen mangels gesicherter Fakten 
durch die Staatsanwaltschaft ermessensweise kein Strafverfahren eröffnet wird (vgl. Omlin, 
Basler Kommentar, 2. A. 2014, Art. 309 StPO N. 31), ist vorliegend nachvollziehbar und 
sachlich begründet, zumal die Einsetzung eines amtlichen Verteidigers für den flüchtigen Be-
schuldigten und die Anordnung von delegierten Untersuchungshandlungen die laufende poli-
zeiliche Ermittlung des Sachverhalts (was wiederum für das Haftverfahren zentral ist) erheb-
lich verzögern würden. Ferner besteht bei einer frühzeitigen Verfahrenseröffnung die Gefahr 
eines administrativen Leerlaufs, falls sich die ermittelte Lage anschliessend anders heraus-
stellt, als dies gerüchteweise mündlich am Tatort geschildert wurde. 

3.8 Es bestand vorliegend mithin während den ersten Befragungen der Auskunftspersonen durch 
die Polizei gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO noch keine Parteiöffentlichkeit (vgl. bspw. 
Urteil des Bundesgerichts 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.2.). Da während der zweiten, 
delegierten polizeilichen Einvernahme des Privatklägers als Auskunftsperson und der drei 
Zeugen am 18. und 22. Februar 2021 das Anwesenheits- und Fragerecht dem amtlichen Ver-
teidiger und der beschuldigten Person gewährt wurden, sind auch die im polizeilichen Ermitt-
lungsverfahren getätigten Einvernahmen beweisrechtlich verwertbar (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_780/2021 vom 16. Dezember 2021 E. 1.2). 

3.9 Wie im Übrigen noch in der Beweiswürdigung darzulegen ist, sind die im Rahmen des sog. 
ersten polizeilichen Angriffs erfolgten Befragungen der drei Auskunftspersonen und des Pri-
vatklägers nicht von wesentlicher Bedeutung. Im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdi-
gung wird entsprechend einzig auf die zweite Befragung der drei Zeugen unter Wahrung der 
Parteirechte abgestellt (vgl. E.II.3. Ziff. 3.8 ff. mit Verweisen auf act. 1/9 [EV M.________], 
act. 1/11 [EV N.________] und act. 1/12 [EV O.________]). In den Zweitbefragungen vom 
18. Februar 2021 und vom 22. Februar 2021 mit Gewährung des Konfrontationsrechts wird 
zudem die vorangehende Einvernahme nochmals wiederholt und nur in einer Einvernahme 
marginal auf die Erstbefragung Bezug genommen (vgl. act. 1/12 Ziff. 41), weswegen die 
Zweitbefragung unter Wahrung der Parteirechte beweisrechtlich verwertbar ist. Entsprechend 
legt die amtliche Verteidigung auch nicht dar, welche Fragen und Beweiserkenntnisse in den 
Zeugenvernehmungen vom 18. Februar 2021 und vom 22. Februar 2021 bei einer Unver-
wertbarkeit der Ersteinvernahme ebenfalls unter ein Verwertungsverbot fallen würden. 

3.10 Letztlich ist auch die Darlegung der amtlichen Verteidigung, dass bei den drei Zeugenver-
nehmungen am 18. Februar 2021 und am 22. Februar 2021 ein suggestiver Fragestil ver-
wendet worden sei, nicht zutreffend. Vielmehr wurden alle drei Befragungen von der zustän-
digen Kriminalpolizeibeamtin lege artis durchgeführt. Sämtliche Befragungen begannen nach 
der korrekten Rechtsbelehrung bei der ersten Frage mit einem freien Bericht des festgestell-
ten Sachverhalts durch die Zeugen, gefolgt von einer langsamen Einengung des Befra-
gungsgegenstands mittels detaillierten, sachlichen und kurzen Fragen (vgl. act. 1/9, 
act. 1/11, act. 1/12). Sämtliche relevanten Themen wurden dabei systematisch und struktu-
riert durch die Befragung abgedeckt. Die Zweitbefragungen vom 18. und 22. Februar 2022 
stützten sich nicht auf die Erstbefragungen am 7. Februar 2021 ab, sondern griffen nur im 

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Ausnahmefall auf die Erstbefragung zurück, wenn sich ein zu klärender Widerspruch ergab 
(vgl. zum fachlichen Standard bei Einvernahmen: Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststel-
lung vor Gericht, 4. A. 2014, N. 836 ff. insbesondere N. 887). Zu keinem Zeitpunkt gaben die 
Zeugen ferner zu Protokoll, dass sie sich während der Befragung beeinflusst, manipuliert 
oder generell unwohl fühlten. Dass die Zeugin M.________ von sich aus bei der Schilderung 
des Sachhergangs von Opfer und Täter sprach, entspricht ihren unmittelbaren Wahrneh-
mungen (vgl. act. 1/9 Ziff. 16). Dass die ermittelnde Polizeibeamtin im späteren Verlauf der 
Befragungen diese Termini von der Zeugin wie auch der weiteren Zeugen N.________ und 
O.________ übernahm, stellt keine Beeinflussung dar, zumal sich die entsprechende Rollen-
verteilung bereits aus der freien Schilderung des Beobachtungen durch die Zeugen ergab 
(vgl. auch Plädoyer Staatsanwaltschaft, OG GD 8/1/5 S. 13). Es ist vorliegend nicht erkenn-
bar, wie durch die vorliegend ausgeführte Art und Weise der Befragungen die Einvernahmen 
der drei Zeugen verfälscht oder beeinflusst worden sein könnten. 

4. Gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO kann das Gericht für die tatsächliche und die rechtliche Würdi-
gung des Anklagesachverhalts aus Gründen der Prozessökonomie auf die Begründung der 
Vorinstanz verweisen, wenn es dieser beipflichtet. Ein Verweis erscheint bei nicht streitigen 
Sachverhalten und abstrakten Rechtsausführungen sinnvoll, kommt hingegen bei strittigen 
Sachverhalten und Beweiswürdigungen sowie der rechtlichen Subsumtion des konkreten 
Falls nur dann in Frage, wenn den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beigepflich-
tet wird (BGE 141 IV 244 E. 1.2.3). Falls das Gericht in diesem Sinne von der Verweisungs-
möglichkeit Gebrauch macht, wird Art. 82 Abs. 4 StPO jeweils nicht mehr separat aufgeführt.

II. Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil von B.________ 

1. Recht

1.1 Die Vorinstanz legt die rechtlichen Vorgaben zum Tatbestand der versuchten schweren Kör-
perverletzung sowie die Grundlagen der Aussagewürdigung und der Unschuldsvermutung 
umfassend und korrekt dar, so dass darauf verwiesen werden kann (OG GD 1, S. 9 ff., 
Ziff. 3.1-3.3; S. 41 ff., Ziff. 5.1). 

1.2 Sofern notwendig, erfolgt eine ergänzende Darstellung der vorliegend anwendbaren Rechts-
bestimmungen in der Subsumption des festgestellten Sachverhalts. 

2. Standpunkte der Vorinstanz und der Parteien 

2.1 Die Vorinstanz legte dar, dass die Aussagen des Beschuldigten aus verschiedenen Gründen 
nicht plausibel seien, während die Aussagen von B.________ und der befragten Personen 
als überzeugend gewertet werden müssten (OG GD 1, S. 35 ff., Ziff. 4.4.1 und Ziff. 4.5.1). 
Die Vorinstanz erachtete es deswegen als erwiesen, dass der Beschuldigte am 7. Februar 
2021 B.________ auf der Höhe Chamerstrasse 22 in Zug traf, diesem unvermittelt und ohne 
Vorwarnung die Faust ins Gesicht schlug, wobei sich B.________ gegen den Schlag nicht 
habe schützen können. Der Beschuldigte habe daraufhin B.________ mehrfach mit grosser 
Wucht mit der Faust ins Gesicht geschlagen. B.________ sei daraufhin rücklings zu Boden 

Seite 13/53

gegangen. Der Beschuldigte habe sich über den rücklings liegenden B.________ gebeugt 
und mehrere Schlagbewegungen gegen den Kopf von B.________ gemacht, wobei Wucht 
und genaue Aufschlagstelle der Faust offen bleiben müssten. Der Beschuldigte sei dann vom 
Tatort geflüchtet (OG GD 1, S. 40 ff., Ziff. 4.6.1). Aufgrund der wuchtigen Schläge und der 
fehlenden Abwehrmöglichkeiten von B.________ sei für den Beschuldigten das Verletzungs-
risiko von B.________ nicht mehr kalkulierbar gewesen und er habe insgesamt innerlich eine 
schwere Verletzung von B.________ zumindest billigend in Kauf genommen (OG GD S. 46 
f., Ziff. 5.2.1)

2.2 Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf weitergehende Ausführungen zum Sachhergang vom 
7. Februar 2021 und verwies auf das Urteil der Vorinstanz (OG GD 8/1/5 S. 3). 

2.3 Die amtliche Verteidigung führte zur Sache aus, dass den Aussagen der drei Zeugen hin-
sichtlich des Kerngeschehens keine grosse Beweisrelevanz zugeschrieben werden könne. 
Sie hätten insbesondere über das Kerngeschehen nicht berichten können. Die von den Zeu-
gen wahrgenommenen Schlagbewegungen dürften dabei insbesondere nicht mit eigentlichen 
Schlägen gleichgesetzt werden. Inwiefern der Beschuldigte den Privatkläger tatsächlich ge-
troffen habe, ergebe sich aus den Zeugenaussagen nicht. Auch zur Heftigkeit der Schläge 
liessen sich keine Aussagen treffen. Das Arztzeugnis diene ferner nur dem Nachweis einer 
einfachen Körperverletzung, eine versuchte schwere Körperverletzung lasse sich dadurch 
nicht nachweisen. Der Privatkläger könne die Anzahl Schläge nicht genau wiedergeben. Ins-
gesamt bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Aussagen (OG GD 3/7 S. 4-6). 
Aus dem festgestellten Sachverhalt könne sodann keine versuchte schwere Körperverlet-
zung hergeleitet werden. Die von der Vorinstanz zitierten Urteile würden Faustschläge und 
Fusstritte gegen den Kopf betreffen sowie vollendete und nicht versuchte Delikte zum Ge-
genstand haben. Am festgestellten Verhalten fehle es an der notwendigen abstrakten Ge-
fährlichkeit wie auch an der Heftigkeit der Schläge und der Privatkläger habe diese abwehren 
können. Auch aus der asphaltierten Strasse könne eine entsprechende Gefährlichkeit nicht 
abgeleitet werden (OG GD 3/7 S. 6-11). Sodann würde ein Erlaubnistatbestandsirrtum vor-
liegen. Die entsprechenden Aussagen des Beschuldigten dürften nicht einfach als Schutzbe-
hauptungen verworfen werden. Er sei an der Befragung aufgebracht gewesen. Es sei durch-
aus plausibel, dass der Privatkläger eine Bewegung mit seiner Hand in Richtung seiner Ja-
cke gemacht habe (OG GD 3/7 S. 11-15). 

3. Sachverhalt 

3.1 Ausgangslage

3.1.1 Die Vorinstanz legt die im Untersuchungsverfahren erhobenen Beweismittel detailliert dar 
(Aussagen des Beschuldigten: OG GD 1, S. 13 ff, Ziff. 3.1; Aussagen des Privatklägers: 
OG GD 1 S. 15 ff., Ziff. 3.2; Aussagen der Zeugen/Auskunftspersonen: OG GD 1 S. 19 ff. 
Ziff. 3.3; Verletzungen des Privatklägers: OG GD 1 S. 26 ff. Ziff. 3.4; Polizeirapport: OG GD 1 
S. 26 ff. Ziff. 3.4). Darauf kann verwiesen werden. 

3.1.2 Unumstritten ist, dass der Beschuldigte am 25. Dezember 2020 bedingt aus der Haft entlas-
sen wurde und B.________ erstmals seit seiner Entlassung am 7. Februar 2021 um ca. 

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16:30 Uhr zufällig sah. Gemäss der Darstellung des Beschuldigten war dieser dabei auf dem 
Weg ins Restaurant "Podium 41" in Zug (act. 1/8 Ziff. 5; gemäss Internetauftritt ist das Podi-
um 41 ein "Begegnungsort mit gastgewerblichem Angebot ohne Konsumationszwang für ein 
durchmischtes Publikum" in Zug, vgl. www.ggzatwork.ch/podium41/kontakt [besucht am: 
04.01.2023]).

3.1.3 Ebenfalls unbestritten sind die Fotoaufnahmen der Polizei nach der Begegnung am 7. Fe-
bruar 2021, d.h. insbesondere vom versehrten Zustand des Gesichts (act. 1/14 S. 5) und von 
den unversehrten Händen von B.________ (act. 1/14 S. 6) unmittelbar nach dem Zusam-
mentreffen mit dem Beschuldigten. Unbestritten ist sodann, dass zwei Tage später (am 
9. Februar 2021) Fotoaufnahmen der Hände des Beschuldigten durch die Polizei erstellt 
wurden, welche an den Fingerknöcheln, insbesondere am Ringfinger und am kleinen Finger, 
sichtbare Verletzungen aufwiesen (act. 1/14 S. 8). 

3.1.4 Unbestritten sind ferner die ärztlichen Berichte (1.) vom 8. Februar 2021 über den Spitalauf-
enthalt von B.________ im Zuger Kantonsspital vom 7. Februar 2021 bis am 9. Februar 2021 
mit den Diagnosen eines leichten Schädel-Hirn-Traumas Grad I sowie einer mehrfrag-
mentären dislozierten Nasenbeinfraktur und Nasenseptumfraktur mit Weichteilemphysem der 
Orbita links (act. 3a/2); sowie (2.) der Operationsbericht vom 25. Februar 2021 von 
Dr. P.________ über die offene Nasenreposition mit Lokalanästhesie und Reposition der Na-
se und des Nasenseptums (inkl. Schienung, Wundversorgung, etc.), ausgeführt am 16. Fe-
bruar 2021 (act. 3a/3). 

3.1.5 Abschliessend ist zu bemerken, dass der zum Tatzeitpunkt 45-jährige B.________ ca. 
1.73 m gross ist und ca. 66.5 Kilogramm wiegt (act. 1/13 Ziff. 71). Der zum Tatzeitpunkt 29-
jährige Beschuldigte ist hingegen ca. 1.86 m gross und wiegt ca. 90 Kilogramm (act. 6/6 
Ziff. 14, Ziff. 15). B.________ war körperlich betreffend Grösse und Masse dem Beschuldig-
ten deutlich unterlegen. 

3.2 Das frühere Verhältnis zwischen dem Beschuldigten und B.________ 

3.2.1 Bei seiner Befragung an der Hafteinvernahme vom 10. Februar 2021 führte der Beschuldigte 
aus, dass er eine Vorgeschichte mit B.________ gehabt habe und deswegen schon zum 
Strafgericht habe gehen müssen. B.________ habe damals im Podium 41 versucht, ihn mit 
einem Messer anzugreifen. B.________ sei daraufhin wieder ins Podium gegangen und die 
Polizei und die Strafrichterin müssten deswegen "doch einmal checken, das B.________ 
lügt" (act. 1/8 Ziff. 5). 

3.2.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die erste Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten 
und B.________ vermutlich am 10. November 2018 stattfand, wobei letzterer angeblich 
gemäss den Aussagen des Beschuldigten ein Messer gezogen haben soll (act. 15/26 S. 5). 
Gemäss dem rechtskräftigen Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug vom 2. April 2020 hat 
der Beschuldigte daraufhin am 11. November 2018 und am 16. November 2018 diverse has-
serfüllte Textnachrichten an B.________ versendet 

(vgl. Protokollbegründung des Strafgerichts, act. 14/1/65, S. 7: "ich bis C.________ chum 
podium du nuttesohn ich fick dini ganze familie"; "ich fick dini tochter"; ich chume oberwil"; 

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"du bissh tod B.________", "warts ab ich fick dini ganz familie du nuttesohn dini mutter"; 
etc.). 

Am 22. November 2018 um ca. 16:00 Uhr näherte sich der Beschuldigte sodann gemäss den 
Feststellungen des Strafgerichts im Podium 41 B.________ von hinten und stiess diesen un-
angekündigt zu Boden, wobei sich B.________ Schürfungen am Ellbogen zuzog 
(act. 14/1/65 S. 8). Ungefähr eine halbe Stunde nach diesem Vorfall im Podium 41 konnte ein 
zufällig anwesender Polizist beobachten, wie der Beschuldigte dem fliehenden B.________ 
in der Stadt Zug nachjagte, ihn zu Boden brachte und ihn mit voller Wucht in den Bereich des 
Brustkorbs kickte. Bei B.________ wurde ärztlich eine leichte Gehirnerschütterung, eine 
oberflächliche Schürfwunde Wange links, eine Rissquetschwunde an der Ober- und Unterlip-
pe sowie Prellungen im Bereich Hand links und Thorax rechts festgestellt (act. 14/1/65 S. 9 
ff.). 

Der Beschuldigte wurde (neben weiteren Delikten zum Nachteil von anderen Personen) u.a. 
wegen Tätlichkeiten, einfacher Körperverletzung und mehrfachen Drohungen zum Nachteil 
von B.________ vom Strafgericht mit Urteil vom 2. April 2020 zu einer unbedingten Frei-
heitsstrafe von 14 Monaten verurteilt (act. 14/1/66). Der Beschuldigte trat diese Freiheitsstra-
fe von 14 Monaten zusammen mit einer anderen Verurteilung wegen versuchter einfacher 
Körperverletzung und Raufhandel an; in diesem Zusammenhang war er vom Obergericht des 
Kantons Zug mit Urteil vom 24. März 2020 zu 11 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden 
(act. 14/1/68 S. 70). Der Beschuldigte wurde anschliessend am 25. Dezember 2020 bedingt 
aus diesen gemeinsam vollzogenen Freiheitsstrafen entlassen (act. 14/1/1 S. 11).

3.2.3 Angesichts der dokumentierten Vorgeschichte der Auseinandersetzung ist ausreichend plau-
sibel, dass die Zufallsbegegnung mit B.________ am 7. Februar 2021 vor dem Kontext er-
folgte, dass der Beschuldigte B.________ grundsätzlich eine (Mit-)Schuld für seinen früheren 
Gefängnisaufenthalt gab, aus dem er ca. eineinhalb Monate vorher bedingt entlassen wurde. 
Ein Rachemotiv des Beschuldigten ist – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Ankla-
gesachverhalt, wie noch aufgezeigt wird, ausreichend bewiesen wurde – glaubhaft. So fürch-
tete im Übrigen nicht nur B.________ die Wut und Rache des seiner Ansicht nach gewalttäti-
gen Beschuldigten (act. 3b/11; act. 1/13 Ziff. 44), sondern solche ungehemmten und wutge-
prägten Gefühle des Beschuldigten entsprechen auch gemäss dem Gutachter 
Dr. J.________ am ehesten einem normalpsychologischen Motiv für die Auseinandersetzung 
mit B.________ (act. 3b/23 S. 46; vgl. auch das Gutachten Dr. H.________, act. 15/26 
S. 31). Ferner hat der Beschuldigte bereits in einem anderen Verfahren vor Schranken des 
Strafgerichts zugestanden, dass er aufgrund seiner Rachebedürfnisse wegen einer vorheri-
gen Anzeigeerstattung durch B.________ diesen im November 2018 tätlich angegangen ha-
be (Akten Staatsanwaltschaft, Ordner 5, Lasche 9, SG GD 9/2 S. 5). Dass die Begegnung 
am 7. Februar 2021 zwischen dem Beschuldigten und B.________ vor dem Hintergrund von 
starken Ressentiments des Beschuldigten stattfand, ist damit erstellt. 

3.3 Äusserer Tathergang hinsichtlich des Beginns der Auseinandersetzung 

3.3.1 Der Beschuldigte schilderte an der Hafteinvernahme vom 10. Februar 2021 den Ablauf der 
Konfrontation mit B.________ am 7. Februar 2021 summarisch wie folgt (act. 1/8 Ziff. 5): 

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(1) Zufälliges Treffen des Beschuldigten mit B.________ an der Hauptstrasse, 
(2) B.________ äusserte Worte, an die sich der Beschuldigte nicht mehr erinnern kann, 
(3) unprovozierter Faustschlag von B.________ in den Bauch des Beschuldigten, 
(4) Griff von B.________ in die Jackentasche, Angst des Beschuldigten vor seinem Mes-

ser,
(5) zwei bis drei Ohrfeigen des Beschuldigten gegen B.________, 
(6) B.________ wankt und reisst den Beschuldigten mit sich zu Boden, 
(7) B.________ bricht sich dabei die Nase,
(8) der Beschuldigte liegt zusammen mit B.________ am Boden, welcher ihn festhält,
(9) der Beschuldigte schlägt ihn deswegen mit der flachen Hand, wobei er nicht angibt, 

wohin die Schläge gerichtet sind,
(10) der Beschuldigte steht auf und rennt davon.

Wie bereits die Vorinstanz feststellte, divergieren diese Aussagen des Beschuldigten zum 
Tathergang an der Hafteinvernahme in mehreren Punkten sowohl vom fotographisch festge-
haltenen Zustand der Hände des Beschuldigten und dem Verletzungsbild bei B.________ 
wie auch den Aussagen der Zeugen, welche die Auseinandersetzung in einer späteren Pha-
se beobachten konnten. 

3.3.2 Angesichts der im Kerngehalt übereinstimmenden Aussagen der drei Zeugen kann ausrei-
chend sicher ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte in der Endphase der Konfronta-
tion zusammen mit B.________ zu Boden gestürzt ist, ihn am Boden mit der flachen Hand 
schlug, weil er festgehalten wurde und anschliessend aufstand und davonrannte (s. unten 
E. II.3. Ziff. 3.4.1 ff.). Die Schilderungen des Beschuldigten betreffend die Endphase der 
Auseinandersetzung und seine Flucht stehen damit in Widerspruch zu den Zeugenaussagen. 

Der Beschuldigte kann sich damit entgegen seinen Aussagen die fotographisch dokumentier-
ten Verletzungen an der rechten Hand nicht zugezogen haben, als er zusammen mit 
B.________ zu Boden stürzte. So finden sich die Verletzungen an den Fingerknöcheln am 
Fingergrundgelenk vor den Fingergliedern der Hand und korrelieren damit deutlich mit einer 
Verletzung, die durch den Schlag mit der geballten Faust zu erwarten ist. So wären allenfalls 
Schürfverletzungen an den Handballen zu erwarten gewesen, wenn der Beschuldigte zu-
sammen mit B.________ gestürzt wäre und sich Handverletzungen zuzog, indem er versuch-
te, sich abzustützen. Allerdings schildern alle Zeugen übereinstimmend, dass B.________ 
am Boden lag, während der Beschuldigte über ihm war bzw. über ihm stand (vgl. E. II.3. 
Ziff. 3.4.1 ff.), was ausreichend klar indiziert, dass der Beschuldigte effektiv nie zu Boden ge-
stürzt ist. 

Auch die gebrochene Nase von B.________ lässt sich nur durch einen heftigen Schlag ins 
Gesicht erklären. Sofern der Beschuldigte behauptet, B.________ habe sich beim Fall die 
Nase gebrochen, so steht dies erneut im Widerspruch zum Beweisergebnis. Wie dargelegt, 
schilderten die Zeugen, dass B.________ rücklings (oder später etwas seitlich gedreht rück-
lings) auf dem Boden lag, während der Beschuldigte über ihm war. Wie die Vorinstanz schon 
bemerkte, wäre ein Bruch der Nase hingegen nur möglich, wenn der Beschuldigte nach vor-
ne gefallen und mit der Nase heftig am Boden aufgeschlagen wäre. Das ist aber angesichts 

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der Beschreibungen durch die Zeugen (und den Darlegungen von B.________ als Aus-
kunftsperson) nicht plausibel.  

3.3.3 Angesichts der vorstehenden Feststellungen kann es folgerichtig auch nicht zutreffen, dass 
der Beschuldigte B.________ nur ein paar Ohrfeigen gab bzw. mit der flachen Hand schlug 
(act. 1/8 Ziff. 5: "Deshalb gab ich ihm Ohrfeigen, wirklich nur Ohrfeigen"). Dadurch lassen 
sich das zerschlagene Gesicht und der mehrfache Nasenbruch von B.________ nicht plausi-
bel erklären. Auch die zu Faustschlägen passenden Handverletzungen des Beschuldigten 
würden bei dieser Hypothese ohne vernünftige Erklärung bleiben. Gleichfalls widersprüchlich 
sind diese angeblichen Ohrfeigen, wenn man sich vor Augen führt, dass der Beschuldigte 
seinen Aussagen nach erst von B.________ ohne Veranlassung mit einem Faustschlag in 
den Bauch tätlich angegriffen wurde und er dann sah, dass B.________ in die Tasche griff 
und er fürchtete, dass dieser ihn mit dem Messer angreifen würde. Wäre der Beschuldigte 
tatsächlich nach einem unprovozierten Angriff von einer unmittelbaren Lebensgefahr durch 
einen Messerangriff ausgegangen, dann sind zwei bis drei Ohrfeigen keine plausible Reakti-
on, welche geeignet wäre, den Messerangriff abzuwenden. Vor diesem Hintergrund wären 
entweder eine Flucht oder ein heftiger Angriff als präventive Handlung plausibel. 

Ebenfalls wird die Furcht vor einer Messerattacke durch B.________ vom Beschuldigten zu-
sätzlich argumentativ ins Feld geführt, um sein abruptes Wegrennen vom Tatort zu erklären. 
Auch dies widerspricht den Feststellungen aller Zeugen über den gesundheitlichen Zustand 
von B.________ nach den Schlägen. So berichteten die Zeugen, dass B.________ im Rah-
men der Auseinandersetzung deutlich unterlegen war, am Boden lag (während der Beschul-
digte stand) und im Gesicht stark blutete. B.________ war damit in der Endphase der Aus-
einandersetzung angeschlagen. Es ist wenig plausibel, dass er in diesem Zustand den Ein-
druck vermittelte, er würde den Beschuldigten plötzlich mit dem Messer angreifen. Es ist 
auch nicht stimmig, dass der Beschuldigte nun seine Flucht mit dem vermeintlichen Messer 
begründet, beim durch ihn geschilderten Griff von B.________ in die Tasche aber nicht ge-
flohen ist, sondern diesem stattdessen zwei bis drei Ohrfeigen gegeben haben will. Im Übri-
gen erhellen auch die beiden Tatabläufe vom 22. November 2018, dass der Beschuldigte 
keine Furcht vor einer Messerattacke von B.________ hatte. So stiess er am genannten Tag 
B.________ erst im Restaurant Podium 41 unprovoziert von hinten, so dass dieser zu Boden 
fiel. Etwa eine halbe Stunde später jagte der Beschuldigte B.________, brachte diesen zu 
Boden und kickte diesen kräftig in den Bereich des Brustkorbs. Dieses Verhalten zeigt auf, 
dass der Beschuldigte bereits im November 2018 die Konfrontation mit dem ihm körperlich 
unterlegenen B.________ aktiv suchte, wobei der äussere Tathergang nicht darauf schlies-
sen lässt, dass der Beschuldigte damals einen Messerangriff oder eine sonstige Gefahr 
durch B.________ fürchtete. Seine abrupte Flucht vom Tatort lässt sich vielmehr dadurch er-
klären, dass die Autofahrer hupten und Passanten auf die Auseinandersetzung aufmerksam 
wurden (vgl. act. 1/11 Ziff. 2).

Die amtliche Verteidigung argumentiert sodann, dass es alternativ auch denkbar sei, dass 
B.________ die Earpods (wireless Kopfhörer) herausnahm und in seiner Jacke verstauen 
wollte, was der Beschuldigte als Griff zu einem Messer interpretiert habe (OG GD 3/7 S. 14). 
Diesbezüglich ist anzumerken, dass B.________ glaubhaft aussagte, dass er unmittelbar vor 
dem ersten Schlag ins Gesicht mit dem linken Arm den Earpod herausgenommen habe. Sei-
ne Arme seien nach unten ausgerichtet gewesen (act. 1/13 Ziff. 11). B.________ schilderte 

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mithin nicht, dass er eine Hand in die Tasche geführt habe. Eine Fehlinterpretation einer an-
stehenden Angriffshandlung durch B.________ ist somit auch unter diesen Gesichtspunkten 
nicht plausibel. 

3.3.4 Was die sprachliche Qualität der Aussagen des Beschuldigten anbelangt, so imponieren 
dessen starke Ausweichtendenzen bei den Antworten, was die Vorinstanz zu Recht als Indiz 
dafür interpretierte, dass der Beschuldigte nicht wahrheitsgemäss antwortete. Darauf kann 
verwiesen werden (OG GD 1 S. 34 f. Ziff. 4.4.1). Ferner ist auch nicht plausibel, dass sich 
der Beschuldigte drei Tage später bei der Hafteinvernahme nicht mehr daran erinnern konn-
te, was B.________ ihm sagte, als sie sich zufällig trafen und bevor B.________ ihn angeb-
lich ohne Vorwarnung oder vorherige Provokation mit der Faust in den Bauch schlug (act. 1/8 
Ziff. 5). Dieser Anlassmoment vor der behaupteten unberechtigten Aggression war kein ne-
bensächliches Detail, sondern bedeutend. Die behauptete Erinnerungslücke betreffend das 
Verhalten des Aggressors unmittelbar vor der angeblich unprovozierten Attacke stellt einen 
auffälligen Strukturbruch in der ansonsten detaillierten Schilderung des Ablaufs durch den 
Beschuldigten dar und kann als Indiz dafür herangezogen werden, dass der vom Beschuldig-
ten geschilderte Ablauf nicht der Realität entspricht. 

3.3.5 Die genannten Umstände deuten insgesamt deutlich darauf hin, dass der Beschuldigte seine 
unwahren Aussagen an der Hafteinvernahme gezielt und strategisch platzierte, um die ihn 
belastenden Handverletzungen zu plausibilisieren und um sich auf eine Notwehrsituation be-
rufen zu können. Der Beschuldigte war nach dem Vorfall zwei Tage auf der Flucht, konsul-
tierte dabei neben Rechtsanwalt G.________ mindestens noch eine weitere Anwältin und 
hatte mithin ausreichend Zeit, sich seine bagatellisierende Version der Geschehnisse auszu-
denken (vgl. act. 6/2 S. 2). Seine Aussagen sind deswegen weder einzeln noch gesamthaft 
als glaubhaft einzustufen. 

3.3.6 Demgegenüber sind die Schilderungen von B.________ betreffend die initiale Phase trotz 
seiner etwas eingeschränkten Glaubwürdigkeit wegen der früheren Streitereien mit dem Be-
schuldigten grundsätzlich glaubhaft. Wie bereits die Vorinstanz in ihrer detaillierten Analyse 
feststellte, sind die Aussagen von B.________ konstant, in den wesentlichen Punkten wider-
spruchsfrei, stimmen weitgehend mit den Zeugenaussagen und den weiteren Beweismitteln 
überein, und es gibt entgegen der damaligen (und im Berufungsverfahren aufrechterhalte-
nen) Argumentation der Verteidigung insgesamt keine Hinweise auf Übertreibungen oder 
Falschaussagen. Auf die Ausführungen der Vorinstanz kann somit verwiesen werden 
(OG GD 1 S. 36 ff., Ziff. 4.5.1-4.5.3). Dass B.________ nach einem unvermittelten Faust-
schlag ins Gesicht benommen war und die Anzahl Schläge nicht mehr exakt nachvollziehen 
und wiedergeben kann, ist plausibel und kann nicht als Tendenz zu übermässiger Belastung 
oder Übertreibung interpretiert werden. Im Übrigen divergieren die Aussagen von 
B.________ betreffend die Faustschläge nicht wesentlich, zumal sich die Anzahl von fünf bis 
sechs Schlägen ins Gesicht auf die gesamte Auseinandersetzung bezieht, während die An-
zahl von zwei bis drei Schlägen bzw. zwei und mehr Schläge ins Gesicht auf die Zeitphase 
vor seinem Sturz rücklings auf den Asphalt Bezug nimmt (vgl. act. 1/13 Ziff. 14, 18, 29). 

3.3.7 Entsprechend sieht es das Gericht aufgrund der genannten Sachbeweise sowie der glaub-
haften Aussagen von B.________ und den in den wesentlichen Punkten widerlegten Aussa-
gen des Beschuldigten ohne unüberwindliche Zweifel nach Art. 10 Abs. 3 StPO als erstellt 

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an, dass der Beschuldigte in der ersten Phase B.________ über die Chamerstrasse hinweg 
mit seinem Namen anrief. Geleitet wurde der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt durch seine 
starken Ressentiments gegen B.________, weil er mit diesem verfeindet war und ihn wegen 
seinen Anzeigen und Aussagen hinsichtlich der Vorfälle vom 11., 16. und 22. November 
2018 für seinen Gefängnisaufenthalt mitverantwortlich machte. Nachdem B.________ auf die 
Aufforderungen des Beschuldigten, zu ihm zu kommen, nicht reagierte, wechselte der Be-
schuldigte die Strassenseite und konfrontierte B.________ direkt. Nachdem B.________ 
dem Beschuldigten sagte, ob es nicht gereicht hatte, was er das letzte Mal mit ihm gemacht 
habe, schlug er ihm mindestens zweimal gerade mit beiden Fäusten ins Gesicht, wobei das 
Nasenbein von B.________ brach. B.________ stürzte dann aufgrund der Schläge unkon-
trolliert und allein nach hinten zu Boden, wobei er allenfalls zuerst mit seinem Gesäss auf-
schlug. Dass der Beschuldigte dabei mit voller Kraft zuschlug, ergibt sich nicht nur aus den 
glaubhaften Aussagen von B.________ (act. 1/13 Ziff. 26), sondern auch aus dessen Verlet-
zungsbild und dem erstellten Umstand, dass er aufgrund der Schläge rücklings zu Boden 
ging.

3.4 Äusserer Tathergang der Schlussphase der Auseinandersetzung 

3.4.1 B.________ gab zu Protokoll, dass er die zweite Phase der Auseinandersetzung nach sei-
nem Sturz zu Boden kaum mehr mitbekommen habe, da ihm das Blut in die Augen lief, er 
stark benommen und nur noch halb bei Bewusstsein gewesen sei (act. 1/13, Ziff. 30). Indes-
sen wurden nach Beginn der Auseinandersetzung mehrere Zeugen auf die Vorgänge auf-
merksam. 

3.4.2 Die Zeugin M.________ ist als Zufallszeugin einzustufen, die auf der Chamerstrasse parallel 
zum Tatort mit ihrem Fahrzeug heranfuhr. Ihre Glaubwürdigkeit steht als ordentlich einge-
schworene Zufallszeugin ohne Interesse am Ausgang des Verfahrens ausser Frage. Eher 
problematisch sind hingegen die Sichtverhältnisse der Zeugin M.________ auf den Tatort. 
Einerseits war das Wetter regnerisch, andererseits war die Zeugin M.________ im Fahrzeug 
unterwegs und musste sich auf den Verkehr konzentrieren. Sie nahm dabei gemäss ihren 
Schilderungen den Vorfall erst dann als aggressiv war, als der Beschuldigte vom Tatort weg-
rannte. Erst als dieser an ihrem Auto vorbeirannte, habe sie realisiert, dass etwas nicht in 
Ordnung sei (act. 1/9 Ziff. 1). Aus dem Zeugenprotokoll erhellt, dass sich die Zeugin ihrer 
eingegrenzten Wahrnehmung betreffend die Schlussphase der Auseinandersetzung klar be-
wusst war und sie dementsprechend präzise schildert, wo der Fokus ihrer Wahrnehmungen 
lag. Die Zeugin konnte betreffend die Auseinandersetzung immerhin wahrnehmen, dass der 
Beschuldigte und B.________ nicht mehr auf gleicher Höhe waren und der Beschuldigte 
stand (act. 1/9 Ziff. 12, Ziff. 5). Die Zeugin interpretierte die Haltung von B.________ als de-
fensive Abwehrhaltung, während der Beschuldigte einen aggressiven und bedrohlich Ein-
druck machte, wobei sie dachte, dass sie eine Bewegung mit dem Arm in die Richtung des 
Mannes mit der blauen Jacke wahrnahm (act. 1/9 Ziff. 4 ff.). Wesentlich sind sodann die 
Aussagen der Zeugin insbesondere über den Zustand von B.________ nach der Auseinan-
dersetzung. So gab sie zu Protokoll, dass dieser viel Blut verloren hatte ("Handtuch voller 
Blut"), sich dessen Auge langsam färbte und er insgesamt ziemlich übel zugerichtet aussah 
(act. 1/9, Ziff. 28).

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3.4.3 Auch der Zeuge O.________ ist als Zufallszeuge einzustufen. Seine Glaubwürdigkeit steht 
nicht zur Diskussion. Er hatte als Fussgänger eine etwas bessere Sicht auf den Vorfall als 
die Zeugin M.________ und lenkte seinen Wahrnehmungsfokus bereits auf die Auseinander-
setzung, als diese noch im Gange war. Allerdings sah der Zeuge O.________ nur den Rü-
cken des Beschuldigten und verfügte damit über eine begrenzte Sicht (act. 1/12 Ziff. 29). Zu-
dem beschrieb er den Vorfall als Schockmoment (act. 1/12 Ziff. 6). Die begrenzten Aussagen 
des Zeugen über seine Wahrnehmungen an der Zeugenvernehmung können vor diesem Hin-
tergrund plausibel erklärt werden. Der Zeuge schilderte immerhin, dass B.________ auf dem 
Rücken gelegen sei und sich später seitlich gedreht habe, als sie bereits bei ihm ankamen 
und der Beschuldigte weggerannt sei (act. 1/12 Ziff. 1, Ziff. 9). Der Beschuldigte sei oben 
gewesen (act. 1/12 Ziff. 1). Der Zeuge beschreibt, wie er zwei Faustschläge mit der rechten 
und der linken Hand des Beschuldigten wahrgenommen habe (act. 1/12 Ziff. 11, Ziff. 12). Die 
Schläge hätten in den Bereich von der Brust an aufwärts gezielt (act. 1/12 Ziff. 13). Das Op-
fer habe versucht, sich mit den Armen gegen die Schläge zu schützen (act. 1/12, Ziff. 19, 
Ziff. 20). Betreffend das Opfer sagte der Zeuge aus, dass sie versucht hätten, ihm aufzuhel-
fen und er fast schon von alleine auf den Beinen gewesen sei (act. 1/12 Ziff. 34), er sich aber 
letztlich kaum alleine auf den Beinen habe halten können (act. 1/12 Ziff. 36). 

3.4.4 Die Zeugin N.________ ist ebenfalls als vollumfänglich glaubwürdige Zufallszeugin einzustu-
fen. Ihre Position und ihre Sichtverhältnisse auf die Situation waren vergleichbar wie beim 
Zeugen O.________, der sie begleitete; der Beschuldigte war ihr mit dem Rücken zuge-
wandt. Die Zeugin schilderte, wie B.________ am Boden lag, während der Beschuldigte über 
ihm gewesen sei und auf ihn eingeschlagen habe (act. 1/11 Ziff. 1). B.________ habe ver-
sucht, sich mit den Händen über dem Körper zu schützen (act. 1/11 Ziff. 5). Der Beschuldigte 
habe auf seinen Füssen gestanden, seine Position sei gebeugt etwa auf Hüfthöhe des auf 
dem Rücken liegenden B.________ gewesen und für sie habe es so ausgesehen, als habe 
der Beschuldigte auf B.________ eingeschlagen (act. 1/11, Ziff. 6, Ziff. 10, Ziff. 13). Sie habe 
wahrgenommen, wie der Beschuldigte seine beiden Arme nach unten bewegt habe, während 
es für sie aussah, als habe B.________ sich schützen wollen (act. 1/11 Ziff. 11, Ziff. 12). 
Aufgrund der Bewegungen würde sie glauben, dass die Bewegungen der Arme des Beschul-
digten gegen den Kopf von B.________ gerichtet gewesen seien (act. 1/11 Ziff. 14). Sie habe 
vielleicht drei bis vier dieser Armbewegungen wahrgenommen, könne aber nicht sagen, ob 
die Hand offen oder geschlossen gewesen sei (act. 1/11 Ziff. 19). Betreffend den angetroffe-
nen Zustand von B.________ sagte die Zeugin aus, dass dieser aufgestanden sei. Als er am 
Boden war, habe es wegen dem vielen Blut schlimmer ausgesehen. Sie sei überrascht ge-
wesen, dass er bereits wieder gestanden sei und geredet habe (act. 1/11 Ziff. 40). Sein Ge-
sicht und die Hände seien voller Blut gewesen, wobei das Tuch, welches ihm die Frau gege-
ben habe, ebenfalls voller Blut gewesen sei (act. 1/11, Ziff. 44). 

3.4.5 Aus den Zeugenaussagen ergeben sich – angepasst an die jeweiligen unterschiedlichen 
Wahrnehmungsperspektiven des Ereignisses – grundsätzlich keine wesentlichen Wider-
sprüche. Eine Tendenz zu dramatisieren oder zu übertreiben ergibt sich aus keiner der drei 
Zeugenaussagen. Vielmehr waren sich die Zeugen der Limitierung ihrer Wahrnehmung auf-
grund der jeweiligen Distanz und Blickwinkel zur Auseinandersetzung deutlich bewusst und 
beantworteten die zahlreichen kurzen und präzise formulierten Fragen der einvernehmenden 
Kriminalpolizistin, soweit sie dies aufgrund ihrer begrenzten Wahrnehmung konnten. Auf-
grund der drei Zeugenaussagen ist mit ausreichender Sicherheit der oberflächliche Ablauf 

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der Schlussphase der Auseinandersetzung des Beschuldigten mit B.________ erstellt, näm-
lich dass (1.) der Beschuldigte nach unten gebeugt stand und B.________ gleichzeitig mit 
dem Rücken auf dem Boden lag; (2.) der Beschuldigte von oben herab mehrfach in den Be-
reich Brust/Kopf von B.________ schlug; (3.) der Beschuldigte anschliessend wegrannte; 
und (4.) B.________ benommen, mit erheblichen Verletzungen im Gesicht stark blutend 
zurück liess. 

3.4.6 Der Zeuge O.________ beschrieb, dass er wahrnahm, dass der Beschuldigte seine Hände 
zur Faust geballt hatte (act. 1/12 Ziff. 11, Ziff. 12), während die Zeugin N.________ dazu kei-
ne Aussagen machen konnte (act. 1/11 Ziff. 19). Auch wenn der Beschuldigte dem Zeugen 
O.________ den Rücken zuwandte, ist eine solche Wahrnehmung möglich, da sich die Hän-
de bewegen und es ohne weiteres möglich ist, dass die Faust beim Aufziehen der Hand 
durch den Zeugen O.________ erkannt werden konnte. Auch der gesamte dynamische Ab-
lauf der Auseinandersetzung stützt diese Wahrnehmung des Zeugen O.________. So ist es 
nicht plausibel, dass der Beschuldigte in der ersten Phase B.________ mit den Fäusten mit 
voller Kraft mehrfach ins Gesicht schlug und dann – als dieser zu Boden ging – plötzlich nur 
noch mit der offenen Hand leicht gegen den Oberkörper schlug. Diese Zäsur im gesamtheitli-
chen, dynamischen Geschehen wäre nicht nachvollziehbar. So hinterlassen insbesondere 
die Aussagen der Zeugin N.________ den deutlichen Eindruck, dass der Beschuldigte, der 
über eine jahrelange einschlägige Strafverfolgungserfahrung verfügt und bei der Tat seinen 
Kopf mit einer Kapuze verhüllte, innert möglichst kurzer Zeit B.________ maximale Schmer-
zen zufügen wollte, um dann unerkannt zu entkommen (act. 1/11 Ziff. 29). Damit stimmt auch 
überein, dass die besondere Aggressivität des Beschuldigten von den beiden forensischen 
Gutachtern festgestellt wurde. So führte Dr. J.________ im Gutachten vom 16. Dezember 
2021 aus, dass der Beschuldigte gemäss den Akten gegenüber Bekannten wie auch ge-
genüber Fremden ein wut- und aggressionsgeprägtes dominantes Verhalten zeigen würde, 
welches er bagatellisiere (act. 3b/23 S. 71). Auch der forensische Gutachter Dr. H.________ 
stellte beim Beschuldigten eine chronifizierte Gewaltbereitschaft fest (act. 15/23 S. 29). Letzt-
lich schilderte auch B.________ keine Verletzungen im Oberkörperbereich, sondern 
Schmerzen im Gesicht und am Rücken (act. 1/13 Ziff. 59). Entsprechend ist erstellt, dass der 
Beschuldigte in der zweiten Phase in schneller Abfolge stehend von oben herab kraftvoll 
zwei- bis viermal mit beiden Armen mit geschlossenen Fäusten gegen das Gesicht des rück-
lings liegenden B.________ schlug, welcher benommen versuchte, den Schlagbereich abzu-
decken.

3.5 Tatfolgen und subjektiver Tatbestand 

3.5.1 Betreffend die Tatfolgen stimmen die Schilderungen von B.________ bis auf kleinere Abwei-
chungen beim Datum weitgehend mit den im Vorverfahren erhobenen Arztzeugnissen übe-
rein (act. 1/12 Ziff. 59 ff.). Es ist erstellt, dass als kausale Tatfolge des Angriffs durch den 
Beschuldigten (1.) das Augenlid und die Verletzung zwischen den Augen bei B.________ 
genäht werden mussten, (2.) ein operativer Eingriff betreffend die mehrfach gebrochene Na-
se erfolgte, (3.) das Gesicht von B.________ blau und geschwollen war und (4.) er auch Ver-
letzungen im Mundinnenbereich davontrug (act. 1/12 Ziff. 59). Die Schilderungen von 
B.________, wonach er vom Tatzeitpunkt am 7. Februar 2021 bis mindestens am 26. Febru-
ar 2021 (Datum der zweiten Einvernahme) Schmerzmittel einnehmen musste, an Kopf-

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schmerzen litt und vollständig arbeitsunfähig war (act. 1/12 Ziff. 62 ff.), sind plausibel und de-
cken sich mit dem Verletzungsbild. 

3.5.2 Es steht für das Gericht ausser Zweifel, dass der Beschuldigte in subjektiver Hinsicht mit der 
Absicht handelte, sich an B.________ zu rächen und diesem innert möglichst kurzer Zeit 
durch mehrere absichtlich gegen den Kopf gezielte Faustschläge maximale Schmerzen zuzu-
fügen. Ob B.________ durch die Schläge oder den Sturz allenfalls dabei erhebliche Gesund-
heitsschäden davontrug, kümmerte den Beschuldigten, dessen wutgeprägte Handlungen 
einzig auf Befriedigung seiner Rachebedürfnisse ausgerichtet waren, nicht. Aus (1.) der 
schnellen Abfolge der Faustschläge gegen den Kopf, (2.) der stets vorhandenen Möglichkeit, 
dabei bspw. den Orbitaboden am Auge, die Nase, den Kieferknochen oder die Schläfe von 
B.________ mit voller Wucht zu treffen und entsprechende Frakturen zu verursachen und 
(3.) der unkontrollierten, enthemmten Wut des Beschuldigten kann nur gefolgert werden, 
dass das effektive Verletzungsrisiko von B.________ für den Beschuldigten nicht mehr steu-
erbar und damit auch nicht mehr kalkulierbar war. Es kann bei dieser Konstellation insbeson-
dere nicht mehr zu Gunsten des Beschuldigten davon ausgegangen werden, dass er seine 
Schläge genau dosierte und steuerte, um das Verletzungsbild als Folge der Schläge auf eine 
einfache Körperverletzung zu begrenzen. Aus dem äusseren Ablauf der Tat kann letztlich nur 
gefolgert werden, dass der Beschuldigte B.________ starke Schmerzen zufügen wollte und 
ihn etwaige Verletzungsfolgen des Opfers zum Tatzeitpunkt überhaupt nicht kümmerten. 

3.5.3 Aufgrund dieser Feststellungen zum äusseren Ablauf des Tatvorgehens handelte der Be-
schuldigte bei seinen Faustschlägen gegen den Kopf von B.________ wissentlich und wil-
lentlich. Dass diese Faustschläge bei B.________ zu massiven gesundheitlichen Nachteilen 
führen könnten, war dem Beschuldigten zwar bewusst, aber letztlich völlig egal. Etwaige Er-
wägungen hinsichtlich der Verletzungsfolgen seiner Schläge sind hinter die Befriedigung sei-
ner Rachegelüste vollständig zurückgetreten. 

4. Subsumption 

4.1 Die Verletzungen von B.________, welche gemäss den Feststellungen des Gerichts als di-
rekte Folge der Faustschläge des Beschuldigten entstanden sind, gehen in objektiver Hin-
sicht deutlich über eine einfache Tätlichkeit hinaus und müssen in ihrer Gesamtheit in rechtli-
cher Hinsicht als einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB qualifiziert werden 
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_822/2020 vom 13. April 2021 E. 3.3).  

4.2 Mehrere wuchtige Faustschläge gegen den Kopf (und insbesondere gegen das Gesicht) sind 
nach der allgemeinen Lebenserfahrung grundsätzlich geeignet, eine dauerhafte Versehrung 
eines Menschen herbeizuführen. 

4.3.1 Eine wahrscheinliche Verletzungsform von wuchtigen Faustschlägen gegen das Gesicht ist 
eine Hirnverletzung im Sinne eines Schädelhirntraumas mit langdauernden kognitiven Beein-
trächtigungen oder chronischen Beschwerden (vgl. dazu Mumenthaler/Mattle, Neurologie, 
13. A. 2013, S. 38 ff.), bzw. bei einem schlimmeren Verlauf eine Hirnblutung oder eine sons-
tige Schädelverletzung, welche ohne weiteres zu einer dauerhaften Invalidität führen können. 

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4.3.2 Ebenfalls als wahrscheinliche Verletzungsfolge von wuchtigen Faustschlägen gegen das Ge-
sicht kommt eine Orbitabodenfraktur ("Blow Out Fracture") mit der Verletzung des Sehnervs 
oder der Ansammlung von Blut im Augapfel in Frage, welche zu langdauernden visuellen 
Beschwerden führen kann (vgl. dazu Gabel-Pfisterer, Orbitale Traumata, Kompass Ophtal-
mol 2021; 7_181-183 S. 182 [abrufbar unter www.karger.com/Article/Pdf/520729 [besucht 
am: 4. Januar 2023]; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_1314/2020 vom 8. Dezember 
2021 E. 1.3, wo Schläge ins Gesicht u.a. eine Orbitabodenfraktur mitsamt Verletzung des 
Sehnervs verursachten). Gleichfalls ist allgemein bekannt, dass bspw. auch ein Kieferbruch 
zu langwierigen und sehr schmerzhaften Einschränkungen führen kann.  

4.3.3 Sodann sind Schläge gegen die Schläfe – etwa, wenn das Opfer in Erwartung des Schlages 
in letzter Sekunde den Kopf wegdreht oder der Schlag seitlich erfolgt – geeignet, einen 
Schläfenbeinbruch mit langdauernden Gesundheitsschäden wie eine Gesichtslähmung, ei-
nem Hörverlust oder dergleichen herbeizuführen. 

4.3.4 Letztlich ist auch allgemein bekannt, dass ein unkontrollierter Sturz nach einem heftigen 
Faustschlag ins Gesicht in besonders unglücklichen Fällen eine dauerhafte Invalidität oder 
gar den Tod zur Folge haben kann (vgl. bspw. Sachverhalt gemäss Urteil des Bundesge-
richts 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.3.4). 

4.3.5 Mehrere wuchtige Faustschläge gegen das Gesicht mitsamt der Verursachung eines Sturzes 
tragen mithin ein unkalkulierbares, erhebliches Risiko der Verursachung von schweren Ge-
sundheitsschäden im Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 StGB mit sich. Ob und wie sich dieses 
Risiko von schweren Verletzungen zusätzlich bei Brillenträgern (insbesondere hinsichtlich 
Folgeschäden bspw. durch zersplittertes Glas, welches ins Auge eindringt etc.) noch erhöht, 
kann dabei offen bleiben.

4.4 Auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Kopf ein besonders sensibler Be-
reich eines Menschen, wo Verletzungen schnell irreparable Schäden nach sich ziehen kön-
nen (Urteil des Bundesgerichts 6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.3.2). So ent-
spreche es der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und/oder Faustschläge in den 
Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers, selbst wenn dieses sich zu schützen ver-
sucht, zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1314/2020 vom 8. Dezember 2021 E. 1.2.2). Weiter hält das 
Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung fest, dass für die Erfüllung des Tatbestands der 
versuchten schweren Körperverletzung neben den Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf 
keine weiteren aggravierenden Merkmale wie eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehr-
losigkeit des Opfers, die Einwirkung durch mehrere Täter oder die Traktierung mit Ge-
genständen dazu treten muss (Urteil des Bundesgerichts 6B_553/2021 vom 17. August 2022 
E. 3.3 m.w.H.). Das Bundesgericht hält dabei fest, dass sich versuchte schwere Körperver-
letzungen nicht schemenhaft nach einer bestimmten Anzahl Tritte, Stösse oder Schläge ein-
ordnen lassen, sondern die Gefährlichkeit des Einzelfalls detailliert zu würdigen ist (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_617/2019 vom 14. November 2019 E. 1.3.3).

4.5 Gesamthaft gilt damit zu würdigen, dass der Beschuldigte mindestens vierfach und mit voller 
Wucht mit der Faust gegen das Gesicht des körperlich unterlegenen B.________ schlug. Die 
ersten beiden Faustschläge unterlagen zusätzlich (1.) dem Gefahrenpotential eines unkon-
trollierten Sturzes rücklings nach hinten auf den Asphaltboden (mit dem entsprechenden ge-

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sundheitlichen Risiko betreffend Verletzungen an der Halswirbelsäule und im Kopfbereich) 
und (2.) der fehlenden Möglichkeit zur Abwehr der plötzlich erfolgten Schläge durch 
B.________. Die weiteren Faustschläge waren ebenfalls vom Gefahrenpotential her erheb-
lich, da sie von oben herab auf den am Boden liegenden B.________ erfolgten und dieser 
Blut in den Augen hatte und bereits so benommen war, dass er die genauen Abläufe nicht 
mehr schildern konnte. Obwohl die Zeugen zwar eine Abwehrhaltung von B.________ schil-
derten, als dieser rücklings auf dem Boden lag, wird diese angesichts seines angeschlagen-
en Zustands kaum effektiv gewesen sein. Obwohl gemäss der Rechtsprechung nicht not-
wendig, lagen mithin in casu in mehrfacher Hinsicht aggravierende Merkmale vor, welche die 
Schläge des Beschuldigten gegen den Kopf von B.________ rein objektiv als erhöht gefähr-
lich erscheinen lassen. Es kann damit vor diesem Hintergrund entgegen der Argumentation 
des amtlichen Verteidigers offen bleiben, ob bereits ein einzelner Faustschlag ins Gesicht 
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ausreichen kann, um auf eine versuchte 
schwere Körperverletzung zu schliessen. Denn eine solche Sachverhaltsvariante weicht von 
den tatsächlichen Feststellungen des Gerichts ab, wobei eine schematische und starre Ein-
ordnung von Tathandlungen nach Tritt oder Schlag ohne konkrete Prüfung der Gefährlichkeit 
des Vorgangs im Übrigen nie sachgerecht ist. 

4.6 Entgegen der grob beschönigenden Darstellung der Sachlage durch die amtliche Verteidi-
gung an der Berufungsverhandlung handelte es sich bei der Auseinandersetzung zwischen 
dem Beschuldigten und B.________ damit nicht einfach um eine harmlose "Schlegi" (d.h. ei-
ne Schlägerei, vgl. OG GD 8/1 S. 10). Vielmehr ging die Auseinandersetzung einseitig vom 
jüngeren und körperlich deutlich überlegenen Beschuldigten aus, beinhaltete eine brutal aus-
geführte Sequenz von "knock out"-Faustschlägen gegen das Gesicht von B.________ und 
wies insgesamt alle Charakteristika einer zwar spontanen, dafür umso vehementer ausge-
führten Abrechnung auf. Darüber hinaus gibt es entgegen der Darstellung der Verteidigung 
keine Hinweise, dass der Gutachter selber eine rechtliche Qualifikation vornahm oder von ei-
ner rechtlichen Qualifikation beeinflusst wurde und seine Feststellungen im Gutachten eine 
Überreaktion der Vorinstanz bewirkt hätten (vgl. OG GD 8/1 S. 11). Die Vorinstanz legte ihre 
Schlussfolgerungen im angefochtenen Urteil sorgfältig und luzide unter Bezugnahme auf die 
Rechtsprechung dar und nahm die rechtliche Qualifikation nicht anhand des Gutachtens vor. 

4.7 Vor diesem Hintergrund muss dem Beschuldigten in subjektiver Hinsicht auch ohne medizi-
nische Fachkenntnisse das Risiko der Verwirklichung eines langandauernden oder dauerhaf-
ten Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 StGB bei B.________ deutlich 
bewusst gewesen sein. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass dem ansonsten in ko-
gnitiver Hinsicht unauffälligen Beschuldigten im Verfahren S 2019 22-24 vor dem Obergericht 
des Kantons Zug schon einmal eine versuchte schwere Körperverletzung mittels eines ein-
zelnen Faustschlages an den Kopf eines Geschädigten im Rahmen einer wechselseitigen 
Auseinandersetzung in der Nacht vom 15. April 2018 mit mehreren Personen vorgeworfen 
wurde (act. 14/1/68 S. 40 Ziff. 5.5) respektive seine früheren Kollegen Q.________ und 
R.________ im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung vom 15. April 2018 am sog. 
"Goldenen Kiosk" in Zug effektiv wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt wor-
den sind (act. 14/1/68 S. 69 ff.), wobei zumindest Q.________ deswegen des Landes ver-
wiesen wurde. Der Beschuldigte war damit in rechtlicher Hinsicht mit dem Konzept des Even-
tualvorsatzes bei einer versuchten schweren Körperverletzung und diesem zu Grunde lie-

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genden Implikationen (insbesondere dem prägnanten Risiko eines erheblichen Gesundheits-
schadens bei Schlägen und/oder Tritten gegen das Gesicht) vertraut. 

4.8 Dass der Beschuldigte vor diesem Hintergrund wutentbrannt zuschlug und dabei unbewusst 
oder bewusst fahrlässig die abstrakte Gefährlichkeit und die konkreten Risiken dieser Schlä-
ge für die Gesundheit von B.________ nicht richtig einschätzte oder nicht richtig einschätzen 
konnte, ist lebensfern. Natürlich ist die Gesundheitsschädigung eines Schlages ins Gesicht 
häufig beliebig, was aber nicht bedeutet, dass einer erwachsenen Person mit normalen ko-
gnitiven Fähigkeit nicht bewusst ist, dass mehrere Schläge ins Gesichts mitsamt Sturz rück-
lings sehr riskant sind und mit einer prägnanten Wahrscheinlichkeit auch schwere Gesund-
heitsschäden nach sich ziehen können. Gleichfalls ist es auch als Erfahrungssatz nahelie-
gend, dass jemand, der einer anderen Person aus Rache unbedingt Schmerzen zufügen will 
und bei der Tatausführung keine Hemmungen und Selbstkontrolle an den Tag legt, schlicht 
keine Rücksicht auf die Gesundheit dieser Person nimmt. Insgesamt bestehen keine wesent-
lichen Zweifel, dass beim Beschuldigten in subjektiver Hinsicht der Wunsch nach Befriedi-
gung seiner Rachebedürfnisse mittels der Zufügung maximaler Schmerzen gegenüber 
B.________ derart stark im Vordergrund stand, dass er das ihm bekannte und prägnante Ri-
siko einer Tatbestandsverwirklichung hinsichtlich einer schweren Körperverletzung in Kauf 
nehmen musste. 

4.9 Gesamthaft gewürdigt war damit der Wunsch des Beschuldigten, B.________ als Rache für 
sein Verhalten und seine Anzeige maximale Schmerzen zuzufügen, derart prägnant und be-
stimmend, dass er bei den gefährlichen, heftigen Schlägen gegen den Kopf von B.________ 
subjektiv im Sinne von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB zumindest billigend in Kauf nahm, 
B.________ schwere Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 und 3 StGB zuzufügen. Das 
entsprechende Gesundheitsrisiko war prägnant und dem Beschuldigten überdies aus ande-
ren Verfahren bestens bekannt. Der Beschuldigte hat damit in subjektiver Hinsicht zumindest 
eventualvorsätzlich schwere Verletzungen von B.________ billigend in Kauf genommen. Da 
in objektiver Hinsicht keine schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB vorliegt, 
ist der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB 
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

4.10 Ein Fall von rechtfertigender oder entschuldbarer Notwehr nach Art. 15 oder 16 StGB oder 
einer Putativnotwehr (bzw. eines "Erlaubnistatbestandsirrtums") lag gemäss den Feststellun-
gen des Gerichts zum Tathergang nicht vor. Der Angriff des Beschuldigten war unprovoziert 
und der Ablauf der Auseinandersetzung war einseitig zu Lasten von B.________. Die ent-
sprechenden Aussagen des Beschuldigten betreffend den Griff zum vermuteten Messer in 
der Jackentasche oder der Furcht vor einem Messerangriff in der Schlussphase wurden in 
tatsächlicher Hinsicht als Schutzbehauptungen qualifiziert. Die Berufung der Verteidigung auf 
die Rechtsfolgen von Putativnotwehr, Notwehr oder Notwehrexzess gemäss Art. 13, Art. 15 
und Art. 16 StGB ist mangels entsprechenden gerichtlichen Feststellungen nicht zulässig.

III. Rückversetzung

1.1 Mit Urteil vom 2. April 2020 wurde der Beschuldigte vom Strafgericht des Kantons Zug der 
einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB, der mehrfachen Tätlichkeiten 

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gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB, der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB, der 
mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Drohung gemäss 
Art. 180 Abs. 1 StGB, des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB sowie der 
Hinderung einer Amtshandlung gemäss Art. 286 StGB verurteilt und mit einer Freiheitsstrafe 
von 14 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft bestraft (act. 14/1/66). 

1.1.1 Anlass zu dieser Strafe boten einerseits die genannten Drohungen, Tätlichkeiten, Beschimp-
fungen und die Körperverletzung vom November 2018 zum Nachteil von B.________ (vgl. 
zum Sachverhalt: E. II.3.2 Ziff. 3.2.2).

1.1.2 Andererseits wurde der Beschuldigte auch gegenüber seinen damals 66-, 68-, und 78-
jährigen Nachbarn in S.________ ausfällig, indem er einen der Nachbarn bei mehreren Vor-
fällen zwischen Juni und August 2019 als Hurensohn bezeichnete, ihn mehrfach bespuckte 
und ihm androhte, er werde seine Mutter ficken und ihn zusammenschlagen (act. 11/1, fünf-
tes Blatt). Der Beschuldigte bezeichnete eine weitere Nachbarin als Nutte, Schlampe und 
sagte ihr, dass sie nicht mehr lange leben werde; er werde die Nachbarin und ihren Ehe-
mann umbringen und niemand werde wissen, dass er es gewesen sei. Er griff ferner einen 
Nachbarn an, versuchte, diesen zu würgen, beschimpfte ihn als Hurensohn, sagte ihm, er 
würde ihn zu seiner deutschen Mutter ins Grab legen und bezeichnete die Ehefrau des 
Nachbarn, welche wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs im Sterben lag, als Schlampe. Ferner 
spuckte der Beschuldigte seine Nachbarn an und bedrohte sie mit dem Tod. 

1.1.3 Betreffend die Sanktion ist aus der Protokollbegründung des genannten Urteils des Strafge-
richts vom 2. April 2020 zu entnehmen, dass der von der Gemeinde E.________ eingebür-
gerte, aus der Republik Kosovo stammende Beschuldigte zum Zeitpunkt der Urteilsfällung 
bereits wegen einfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung, geringfügigem Erschleichen 
einer Leistung, Fälschung von Ausweisen, Mitfahrt in einem entwendeten Motorfahrzeug, er-
neuter einfacher Körperverletzung, Angriff und Drohung vorbestraft war. Wegen der vielen 
Vorstrafen sowie der deutlichen bis sehr hohen Rückfallgefahr gemäss dem Gutachten 
H.________ hielt das Strafgericht fest, dass dem Beschuldigten eine schlechte Prognose ge-
stellt werden müsse. Die Sanktion von 14 Monaten Freiheitsstrafe wurde folglich durch das 
Strafgericht unbedingt ausgesprochen (act. 14/1/65). 

1.2 Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 24. März 2020 wurde der Beschuldigte so-
dann der versuchten einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 
Abs. 1 StGB und des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. 
Aus dem Urteil ergibt sich, dass der Beschuldigte am 15. April 2018, ca. 01:30 Uhr nachts 
am Alpenquai am Zugersee war, als er zusammen mit zwei weiteren Kollegen mit zwei Pas-
santen in eine tätliche Auseinandersetzung verwickelt wurde. Im Rahmen der aggressiven 
Stimmung und der folgenden Schlägerei der insgesamt fünf Personen, welche insgesamt zu 
erheblichen Verletzungen der beiden Passanten führte, konnten die zahlreichen Schläge und 
Tritte gegen die Passanten nur schwer deren konkreten Verletzungen zugeordnet werden. 
Neben seiner Beteiligung an der Schlägerei sah es das Gericht einzig als erstellt an, dass 
der Beschuldigte einem der Passanten mit der Faust gegen den Kopf schlug (act. 14/1/18 
S. 35). Weitere konkrete Gewalttaten und damit kausale nachteilige Folgen auf die Gesund-
heit der beiden Passanten im Rahmen der Schlägerei konnten dem Beschuldigten nicht 
nachgewiesen werden (act. 14/1/18 S. 41). Betreffend die Sanktion hielt das Obergericht 

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fest, dass der Beschuldigte sich aus nichtigem Anlass prominent an einer brutalen und sinn-
losen Schlägerei beteiligt hatte. Die zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten würden die 
gesetzliche Vermutung einer günstigen Prognose widerlegen. Warnstrafen würden den Be-
schuldigten offenkundig nicht im Geringsten beeindrucken, weswegen die Sanktion von 11 
Monaten Freiheitsstrafe unbedingt auszusprechen sei (act. 14/1/68 S. 51, 53). 

1.3 Mit Verfügung vom 20. November 2020 hielt der Vollzugs- und Bewährungsdienst des Kan-
tons Zug (nachfolgend: VBD) fest, dass der Beschuldigte am 25. Dezember 2020 bedingt 
aus dem Freiheitsentzug im Zusammenhang mit den beiden eingangs genannten Urteilen 
entlassen werde. Die noch offene Reststrafe betrage 254 Tage Freiheitsentzug. Es wurde ei-
ne Probezeit von einem Jahr bis am 24. Dezember 2021 mit Bewährungshilfe und striktem 
Drogenkonsumverbot angeordnet (act. 14/1/61). 

1.4 Aufgrund des Schuldspruchs wegen versuchter schwerer Körperverletzung ist erstellt, dass 
der Beschuldigte am 7. Februar 2021 und damit innerhalb der verfügten, bis am 24. Dezem-
ber 2021 dauernden Probezeit im Zusammenhang mit der bedingten Entlassung erneut ein 
Verbrechen begangen hatte (Art. 89 Abs. 1 StGB). Wie noch nachfolgend in E. IV. Ziff. 9, 14 
aufzuzeigen ist, muss aufgrund des progredient gewalttätigen Verhaltens des Beschuldigten 
in der Vergangenheit sowie den gutachterlichen Einschätzungen erwartet werden, dass er 
weitere Verbrechen oder Vergehen begehen wird (Art. 89 Abs. 2 StGB). Entsprechend ist der 
Beschuldigte hinsichtlich des Strafrests von 254 Tagen Freiheitsentzug in den Strafvollzug 
zurück zu versetzen. Der Strafrest ist gemäss Art. 89 Abs. 6 StGB im Rahmen einer Ge-
samtstrafenbildung nach Art. 49 StGB nachfolgend in die Sanktionsbemessung miteinzube-
ziehen, sofern die Sanktion für die versuchte schwere Körperverletzung ebenfalls als unbe-
dingte Freiheitsstrafe ausgefällt wird. 

1.5 Die Rückversetzung erfolgt innerhalb der Verjährungsfrist nach Art. 89 Abs. 4 StGB. 

IV. Sanktion 

1. Betreffend die rechtlichen Bestimmungen der Sanktionsfestsetzung wird auf die Ausführun-
gen der Vorinstanz verwiesen (OG GD 1 S. 48, Ziff. 1.1). Dies mit der Ergänzung, dass je-
weils der ordentliche Strafrahmen gemäss Gesetz als Vorgabe der Sanktionsbemessung gilt 
und eine Kongruenz herzustellen ist zwischen dem ordentlichen Strafrahmen einerseits und 
Tatschwere/Verschulden andererseits. Durch die Herstellung von Kongruenz zwischen dem 
ordentlichen Strafrahmen einerseits und Tatschwere/Verschulden andererseits erfolgt die 
Umsetzung der Vorgabe des demokratischen Gesetzgebers, welcher bei den jeweiligen 
Straftaten die breiten Leitplanken der ausgefällten Strafe durch den ordentlichen Strafrahmen 
festsetzte (sinngemäss: Mathys, Leitfaden Strafzumessung, 2. A. 2019, N. 425). 

2. Der Beschuldigte wurde der versuchten schweren Körperverletzung schuldig gesprochen. 
Gemäss Art. 122 StGB beträgt der ordentliche Strafrahmen Freiheitsstrafe von sechs Mona-
ten bis zehn Jahren. Der Versuch führt nicht dazu, dass der untere Strafrahmen aufgrund ei-
ner Strafmilderung zwingend aufgehoben werden muss; eine Strafminderung durch Herab-
setzung innerhalb des ordentlichen Strafrahmens ist indessen zwingend (BGE 121 IV 49 
E. 1b). 

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3. Betreffend die objektive Tatschwere ist einleitend festzuhalten, dass ein Versuch einer 
schweren Körperverletzung vorliegt, d.h. der objektive Tatbestand einer schweren Körperver-
letzung nicht erstellt wurde. Es ist damit in methodischer Hinsicht vorerst die hypothetische 
verschuldensangemessene Strafe zu ermitteln, welche bei einer vollendeten Tatbegehung 
ausgefällt worden wäre. Der Richter muss anschliessend anhand der konkreten Annäherung 
des Versuchs an das vollendete Delikt die Strafe herabsetzen (vgl. Mathys, Leitfaden der 
Strafzumessung, 2. A. 2019, N. 299 f.). 

4. Von der objektiven Tatschwere her ist somit vorab einmal zu würdigen, dass der körperlich 
überlegene Beschuldigte unprovoziert und einseitig als Aggressor die Konfrontation mit 
B.________ herbeizwang. Er schlug dabei weiter auf B.________ ein, als dieser am Boden 
lag. Die Auseinandersetzung war nicht wechselseitig. Die Schwere der vom Beschuldigten 
billigend in Kauf genommenen Verletzungsfolgen waren objektiv aufgrund der mehreren 
Schläge auf den Kopf und aufgrund des Umstandes, dass B.________ benommen zu Boden 
ging, erheblich. Es drohten konkret primär die Folgen einer Hirnverletzung, d.h. langandau-
ernde kognitive Einschränkungen (bspw. in der Konzentrationsfähigkeit) und chronische Be-
schwerden (bspw. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Tinnitus, Erschöpfung etc.) im Sinne 
des Beschwerdebilds nach einem Schädelhirntrauma. Bei einem noch schlimmeren Verlauf 
kämen ferner Beschwerdebilder nach einer Hirnblutung oder eines Schädelbruchs (bspw. 
Lähmungen, Sprachstörungen, schwerere neuropsychologische Störungen etc.) in Frage. 
Sodann drohte realistischerweise auch eine Orbitabodenfraktur ("Blow Out Fracture") mit der 
Notwendigkeit einer chirurgischen Rekonstruktion der Orbita mitsamt der Möglichkeit von 
neurologischen Störungen (Doppelbilder) oder der Erblindung eines Auges. Die möglichen 
Folgen eines vollendeten Delikts liegen damit von ihrer Schwere her sicherlich nicht im Be-
reich einer Para- oder Tetraplegie, einer schweren Verbrennung, einer vollständigen Erblin-
dung oder eines dauerhaften komatösen Zustands, welche auf eine Sanktionierung im obers-
ten Bereich des Strafrahmens von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe hindeuten würden. Sie 
sind aber auch nicht mehr im leichten Bereich der Verletzungen nach Art. 122 Abs. 2 und 3 
StGB anzusiedeln, welche von der Verletzungsschwere her an den Tatbestand der einfachen 
Körperverletzung grenzen. Insgesamt kann aufgrund dieser hypothetischen Gedanken vor-
liegend die objektive Tatschwere – für das vollendete Delikt – bereits als erheblich bezeich-
net werden. 

5. Vom subjektiven Tatverschulden kommt dem Beschuldigten zu Gute, dass er nur eventual-
vorsätzlich handelte, d.h. seine primäre Motivation in einer Bestrafung mittels Zufügung ma-
ximaler Schmerzen lag und die naheliegende Möglichkeit von schweren Folgeverletzungen 
von B.________ nur in Kauf nahm. Dieser Umstand mitigiert das subjektive Tatverschulden. 
Dies wird allerdings auf der anderen Seite durch die in mehrfacher Hinsicht verwerflichen 
Motive des Beschuldigten aufgewogen. So sieht es das Gericht im Gegensatz zur Vorinstanz 
als erstellt an, dass der Beschuldigte B.________ im Rahmen einer zufälligen Begegnung 
angriff, um ihn für seine früheren Aussagen gegenüber Justiz und Polizei abzustrafen und 
seine jahrelang gehegten Bedürfnisse nach Rache zu befriedigen. Angesichts des Um-
stands, dass B.________ den Beschuldigten im Jahr 2018 wegen diversen Straftaten bean-
zeigte, gegen ihn aussagte und damit mit der Polizei und Justiz kooperierte, hat ein Angriff 
auf B.________ nicht nur eine persönliche Rachekomponente, sondern der Beschuldigte 
drückt damit indirekt auch aus, wie gering er die staatliche Ordnung schätzt und dass er eine 
Kooperation mit dem Staat grundsätzlich als verachtenswert und bestrafungswürdig einstuft. 

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So handelt letztlich derjenige, welcher einen Zeugen des Staats aus Rache für dessen Aus-
sagen tätlich angreift, in subjektiver Hinsicht in einem besonderen Mass verwerflich. Auch 
unter wesentlicher Gewichtung des Eventualvorsatzes zu Gunsten des Beschuldigten muss 
damit das subjektive Tatverschulden gesamthaft betrachtet als mittelschwer bis schwer ein-
gestuft werden. Dies führt unter Berücksichtigung der eingangs festgelegten objektiven 
Tatschwere zu einem insgesamt mittelschweren Gesamttatverschulden. Dies rechtfertigt die 
Ansetzung der Einsatzstrafe im mittleren Drittel des ordentlichen Strafrahmens. Das Gericht 
erachtet eine hypothetische Einsatzstrafe von 48 Monaten – unter der Hypothese eines voll-
endeten Delikts mit dem Eintritt von schweren Verletzungsfolgen nach Art. 122 Abs. 2 und 3 
StGB – als tat- und schuldangemessen. 

6. Die hypothetische Einsatzstrafe ist wegen des Versuchs angemessen herabzusetzen. Hier-
bei ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Verletzungen welche B.________ erlitt, nicht 
nur über längere Zeit schmerzhaft waren, sondern auch operative Eingriffe einerseits bei der 
Wundversorgung, andererseits aber auch bei der Reposition der Nase erforderten. Trotzdem 
lagen die Verletzungen nicht sehr nahe an den Verletzungsfolgen einer schweren Körperver-
letzung. Wie erwähnt, war es trotz des Gefahrenpotentials den letztlich trotzdem glücklichen 
Umständen zu verdanken, dass bei B.________ keine schwerere Verletzung resultierte. Der 
Eintritt des Erfolgs der schweren Körperverletzung war damit vom Zufall abhängig und konn-
te vom Beschuldigten nicht mehr kontrolliert werden. Mit der Vorinstanz kann deswegen die 
hypothetische Einsatzstrafe wegen des Versuchs leicht- bis mittelgradig um einen Drittel her-
abgesetzt werden. Dies ergibt eine tat- und schuldangemessene Strafe für das versuchte De-
likt von 32 Monaten Freiheitsstrafe. 

7. Von der Täterkomponente ist aktenkundig, dass der Beschuldigte im Jahr 1991 im Westen 
des Kosovos geboren wurde und im Alter von drei bis vier Jahren in die Schweiz kam. Er ab-
solvierte die obligatorische Schulzeit, über einen Lehrabschluss verfügt der Beschuldigte in-
dessen nicht. Mit ca. 16 Jahren wurde er in der Gemeinde E.________ eingebürgert. Er 
wohnte seit ca. dem Jahr 2011 zusammen mit seiner Familie in S.________, wo sich ein 
schwelender Nachbarschaftsstreit des Beschuldigten mit den vorwiegend älteren Nachbarn 
entwickelte (vgl. E. III. Ziff. 1.1). Der Beschuldigte ist ferner seit 2012 Betäubungsmittelkon-
sument, seit dem Jahr 2015 arbeitslos und hat erhebliche Schulden angehäuft. Der Beschul-
digte wurde möglicherweise bereits im Alter von 12-13 Jahren polizeilich registriert und trat 
seit dem Jahr 2010 erstmalig strafrechtlich in Erscheinung (act. 3b/23 S. 37 f. und act. 
15/15). Es ergibt sich aus der Täterkomponente keine Hinweise auf eine besondere Straf-
empfindlichkeit. 

8. Auf der anderen Seite wirken die mehrfachen und einschlägigen Vorstrafen des Beschuldig-
ten straferhöhend (BGE 121 IV 3 E 1b). Dies sind zum Urteilszeitpunkt des Gerichts die 
nachfolgenden Vorstrafen: 

Behörde Tatzeitpunkt Tatbestand Sanktion / Massnahme
Staatsanwaltschaft 
Zug

2012 Mitfahrt in einem entwen-
deten Motorfahrzeug

Bedingte Geldstrafe von 20 Tagessät-
zen; Busse von CHF 550.00

Staatsanwaltschaft 
Zug

2013 Einfache Körperverlet-
zung, Angriff 

Geldstrafe von 120 Tagessätzen 

Staatsanwaltschaft 2016 Drohung Bedingte Geldstrafe von 20 Tagessät-

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Zug zen; Busse von CHF 150.00
Obergeri