# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aedede19-5f9b-5e3a-9645-4ee3a42aa8ac
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-02
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 02.05.2022 SST.2022.39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-39_2022-05-02.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 3. Kammer 

 

 

SST.2022.39 
(ST.2021.137; StA.2021.3881) 

 

 

Urteil vom 2. Mai 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiberin i.V. Hirt 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1981, von Portugal, 

[…]  

verteidigt durch Rechtsanwalt Tobias Figi,  

[…]  

 

 

  

 
 

Gegenstand  Verletzung der Verkehrsregeln durch Missachtung der signalisierten und 

zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Mit Strafbefehl vom 14. Juni 2021 sprach die Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau den Beschuldigten der Verletzung der Verkehrsregeln durch 

Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit innerorts gemäss 

Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG schuldig und bestrafte ihn mit 

einer Busse von Fr. 600.00, ersatzweise 6 Tage Freiheitsstrafe.  

 

Dem Strafbefehl liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beschuldigte 

soll am 11. Februar 2021, um ca. 20.45 Uhr, auf der Bernstrasse West in 

Suhr als Lenker des Lieferwagens Iveco, B, mit einer Geschwindigkeit von 

77 km/h gefahren sein. Nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 km/h habe 

er die dort signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 22 km/h 

überschritten. 

 

1.2. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Aarau sprach den Beschuldigten auf 

Einsprache hin mit Urteil vom 27. Oktober 2021 der Verletzung der 

Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG 

schuldig und bestrafte ihn dafür mit einer Busse von Fr. 600.00, 

ersatzweise 6 Tage Freiheitsstrafe.  

 

2. 

2.1. 

Mit bereits begründeter Berufungserklärung vom 21. Februar 2022 

beantragte der Beschuldigte, er sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

2.2. 

Mit Verfügung vom 23. Februar 2021 wurde die Durchführung des 

schriftlichen Verfahrens angeordnet. 

 

2.3. 

Am 14. März 2022 reichte der Beschuldigte seine abschliessende 

Berufungsbegründung ein. 

 

2.4. 

Mit Berufungsantwort vom 18. März 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft die Abweisung der Berufung. 

 

 
   

 - 3 - 

 

 

 

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen Verletzung der 

Verkehrsregeln durch Missachtung der signalisierten und zulässigen 

Höchstgeschwindigkeit innerorts schuldig gesprochen. Der Beschuldigte 

beantragt einen Freispruch.  

 

1.2. 

Nach Art. 90 Abs. 1 SVG macht sich wegen Verletzung der Verkehrsregeln 

strafbar, wer Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes oder der 

Vollziehungsvorschriften des Bundesrates verletzt. 

 

Art. 27 Abs. 1 SVG hält fest, dass u.a. Signale zu befolgen sind. Zu den 

Signalen im Sinne von Art. 27 Abs. 1 SVG gehören auch die 

Geschwindigkeitssignale gemäss Art. 22 SSV. Gemäss Art. 32 Abs. 2 SVG 

beschränkt der Bundesrat die Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge auf 

allen Strassen. Entsprechend wird in Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV festgehalten, 

dass die allgemeine Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften 50 km/h beträgt. 

 

Der Tatbestand der Verletzung der Verkehrsregeln nach Art. 90 Abs. 1 

SVG kann vorsätzlich oder fahrlässig begangen werden (Art. 100 Ziff. 1 

SVG). Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für 

möglich hält und in Kauf nimmt (sog. Eventualvorsatz, Art. 12 Abs. 2 StGB). 

 

1.3. 

Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens bildete ausschliesslich 

die mit Busse bedrohte Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 1 SVG und somit eine Übertretung (Art. 103 StGB). Mit Berufung kann 

daher nur geltend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die 

Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf 

einer Rechtsverletzung (Art. 398 Abs. 4 Satz 1 StPO). Die Rüge der 

offensichtlich unrichtigen oder auf Rechtsverletzungen beruhenden 

Feststellung des Sachverhalts entspricht Art. 97 Abs. 1 BGG (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_560/2015 vom 17. November 2015 E. 2.1). 

Offensichtlich unrichtig ist eine Sachverhaltsfeststellung, wenn sie 

willkürlich ist. Somit prüft das Obergericht den von der Vorinstanz 

festgestellten Sachverhalt nur auf Willkür (Urteil des Bundesgerichts 

6B_764/2016 vom 24. November 2016 E. 2.3.2). Willkür liegt vor, wenn der 

angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder zur tatsächlichen 

Situation in klarem Widerspruch steht. 

 

Gemäss Art. 398 Abs. 4 Satz 2 StPO können neue Behauptungen und 

Beweise nicht vorgebracht werden. Neu im Sinne dieser Bestimmung sind 

Tatsachen und Beweise, die im erstinstanzlichen Verfahren nicht 

 - 4 - 

 

 

 

vorgebracht worden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_764/2016 vom 

24. November 2016 E. 2.3.2 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 

6B_362/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 8.4.1). 

 

2. 

2.1. 

In formeller Hinsicht rügt der Beschuldigte eine Verletzung des 

Anklagegrundsatzes. Ihm werde (im zur Anklage erhobenen Strafbefehl) 

vorgeworfen, er sei mit 77 km/h auf der Bernstrasse West in Suhr gefahren. 

Die konkrete Hausnummer sei dabei jedoch nicht angegeben worden. Es 

sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte mit 77 km/h auf der 

Bernstrasse West auf einem 80-er Streckenabschnitt gefahren sei. Weiter 

moniert der Beschuldigte, die Staatsanwaltschaft dürfe nicht ohne Weiteres 

von einer vorsätzlichen Tatbegehung ausgehen. Wenn die Vorinstanz 

aktenwidrig behaupte, die Staatsanwaltschaft habe die vorsätzliche 

Begehung der Fahrt mit überhöhter Geschwindigkeit auf dem 50-er 

Streckenabschnitt angeklagt, so verletze sie den Anklagegrundsatz 

(Berufungserklärung, E. 4.2. und Berufungsbegründung, E. 3.). 

 

Es ist keine Verletzung des Anklagegrundsatzes auszumachen. Der 

anwaltlich vertretene und ortskundige Beschuldigte wusste gestützt auf den 

zur Anklage erhobenen Strafbefehl genau, was ihm vorgeworfen worden 

wird, nämlich eine am 11. Februar 2021, 20.45 Uhr, mit dem Lieferwagen 

Iveco mit dem Kennzeichen B in Suhr auf der Bernstrasse West innerorts 

begangene Geschwindigkeitsüberschreitung um toleranzbereinigte 22 

km/h. Auch der im Strafbefehl aufgeführte Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV macht 

deutlich, dass es um eine Überschreitung der allgemeinen 

Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h in Ortschaften ging. Dementsprechend 

wurde bei der zulässigen Geschwindigkeit auch «50 km/h» angegeben. 

Dass es in der Folge beim Ort nur «5034 Suhr, Bernstrasse West» heisst 

und nicht zusätzlich eine Hausnummer angegeben worden ist, schadet 

unter diesen Umständen nicht. Die Annahme, es sei von einer Messung 

auf einem 80-er Streckenabschnitt auszugehen, ist abwegig. Im Übrigen 

handelt es sich bei der Frage, wo genau die Messung stattgefunden hat, 

aber sowieso nicht um eine Frage des Anklagegrundsatzes, sondern der 

Beweiswürdigung. Diesbezüglich kann festgehalten werden, dass sowohl 

auf dem Polizeirapport (act. 1) als auch auf dem Messprotokoll (act. 23) die 

Hausnummer 72 aufgeführt worden ist. Somit ist die Richtigkeit des in der 

Anklage vorgebrachten Sachverhaltes anhand der Aktenlage überprüfbar. 

Mithin ist nicht ersichtlich, inwiefern eine wirksame Verteidigung erschwert 

oder verunmöglicht worden sein soll. 

 

Soweit der Beschuldigte zudem vorbringt, dass sich aus der Anklage nicht 

ergebe, ob ihm Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorgeworfen werde 

(Berufungsbegründung, E. 3), so ist ihm nicht zu folgen. Im zur Anklage 

erhobenen Strafbefehl heisst es vielmehr «Der Beschuldigte hat 

 - 5 - 

 

 

 

vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, die örtlich zulässige 

Höchstgeschwindigkeit missachtet». Inwiefern der Beschuldigte tatsächlich 

vorsätzlich gehandelt hat, betrifft sodann nicht den Anklagegrundsatz, 

sondern ist eine Frage der Beweiswürdigung. 

 

2.2. 

Der Beschuldigte macht mit Berufung weiter geltend, dass die 

Radarmessung vom 11. Februar 2021 unverwertbar und er somit von 

Schuld und Strafe freizusprechen sei. Er führt aus, dass das erste 

Messprotokoll, welches die Messung an der Ringstrasse Helgenfeld in Suhr 

von 15.21 Uhr bis 18.02 Uhr betrifft, ein «Bredar Messgerät RS-GS11» mit 

METAS-Nummer 15588 aufführt. Weiter sei ersichtlich, dass zu Beginn der 

Geschwindigkeitsmessung an diesem Standort Wm mbV D. Testbilder 

geschossen habe. Beim Messprotokoll betreffend den Standort 

Bernstrasse West hingegen sei ein «Bredar-Messgerät GS 11» vermerkt. 

Zudem sei auch keine Metas Nummer protokolliert worden und die 

Testbilder sowie die Objektbrennweite seien nicht angegeben. Somit sei 

das Messprotokoll nicht verwertbar und der Beschuldigte sei aus diesen 

Gründen freizusprechen (Berufungsbegründung, E. 4.8.). 

 

Soweit der Beschuldigte vorbringt, dass das Messprotokoll den ASTRA-

Weisungen widerspreche und für sich allein schon zur Unverwertbarkeit der 

Geschwindigkeitsmessung führen müsse, ist festzuhalten, dass mit dem 

Messgerät «Bredar GS 11», welches im Messprotokoll betreffend den 

Standort an der Bernstrasse West aufgeführt ist (act. 23), offensichtlich 

dasselbe Messgerät der Firma Bredar mit der Bezeichnung «RS-GS11» 

gemeint ist, wie im Messprotokoll betreffend den Standort an der 

Ringstrasse Helgenfeld aufgeführt (act. 22). Es ist dem Beschuldigten zwar 

dahingehend zuzustimmen, dass das Messprotokoll der Messung an der 

Bernstrasse West unsorgfältig ausgefüllt wurde und gewisse Angaben 

fehlen. Da der Messbeamte Wm mbV D. am selben Tag und in kurzer 

Zeitdistanz an zwei unterschiedlichen Orten Messungen durchführte, ist 

jedoch nicht daran zu zweifeln, dass es sich bei beiden Geräten um das 

identische Messinstrument handelt. Indem der Beschuldigte die 

Unverwertbarkeit mit einem Widerspruch zu den ASTRA-Weisungen 

begründen will, übersieht er, dass das ASTRA über keine delegierte 

Gesetzgebungskompetenz verfügt, die es ihm erlauben würde, für die 

Gerichte verbindliche und von der Strafprozessordnung abweichende 

Regeln für die Beweiserhebung, Beweisverwertung und Beweiswürdigung 

zu erlassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1023/2014 vom 23. Februar 

2015 E. 1.3.2). Vielmehr ist mit der Vorinstanz, auf deren Erwägungen 

verwiesen werden kann, festzuhalten, dass an der Richtigkeit des 

Messprotokolls keine Zweifel bestehen (vorinstanzliches Urteil, E. 4.3.; Art. 

82 Abs. 4 StPO). 

 

 - 6 - 

 

 

 

Entgegen dem Beschuldigten (Berufungsbegründung, E. 4.7) bestehen 

auch keine Zweifel an der Echtheit des Ausbildungszertifikats von Wm mbV 

D.. Das angezweifelte Zertifikat bestätigt, dass Wm mbV D. die Schulung 

für das Radarsystem «GATSO Radar RS-GS11» bei der Regionalpolizei 

Suret mit Erfolg absolviert hat (act. 25). Es bestehen keine Hinweise, dass 

an der Echtheit des Zertifikats zu zweifeln ist oder dass der Polizist nicht 

über die erforderliche Ausbildung verfügt haben soll. Mit der Vorinstanz ist 

von der gehörigen Ausbildung des Polizisten auszugehen.  

 

Im vorinstanzlichen Verfahren monierte der Beschuldigte, dass Wm mbV 

D. für ein Messgerät des Typus «Gatso RS-GS11» ausgebildet sei und 

nicht für die Handhabung eines Messgerätes des Typus «Gatso GS11» 

(act. 57). Sofern der Beschuldigte nun erstmals im Berufungsverfahren 

vorbringt, dass das Ausbildungszertifikat an sich nicht echt sei, ist darauf 

gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO nicht einzutreten. Damit ist auch der 

Beweisantrag auf Befragung von Oblt E. und Wm mbV D. von der 

Regionalpolizei Suret (Berufungsbegründung, E. 4.7) ohne Weiteres 

abzuweisen.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte bestreitet mit Berufung, die dem vorinstanzlichen 

Schuldspruch zugrundeliegende Geschwindigkeitsüberschreitung 

begangen zu haben, da nicht er das Tatfahrzeug am 11. Februar 2021, um 

20.45 Uhr auf der Bernstrasse West in Suhr gelenkt habe. Bei dem auf dem 

Radarbild abgebildeten Lenker handle es sich um eine andere Person 

(Berufungsbegründung, E. 5).  

 

3.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt sowie unbestritten, dass der 

Lieferwagen Iveco mit dem Kontrollschild B am 11. Februar 2021 um 20:45 

Uhr auf der Bernstrasse West in Fahrtrichtung Oberentfelden mit einer 

Geschwindigkeit von 77 km/h (ohne Toleranzabzug) geblitzt worden ist. 

Ferner steht fest, dass der Lieferwagen auf die «C.», dessen Gesellschafter 

und Geschäftsführer der Beschuldigte ist und an dessen Wohnadresse die 

«C.» ihre Domiziladresse hat, eingelöst worden ist. Die «C.» unterhält vier 

Firmenfahrzeuge und beschäftigt acht Mitarbeiter (act. 4). Fraglich ist, ob 

die Annahme der Vorinstanz, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt am 

Steuer des besagten Lieferwagens Iveco sass, auf Willkür beruht. 

 

Die Vorinstanz hat hinsichtlich der Identifikation des Beschuldigten als 

Lenker ausgeführt (vorinstanzliches Urteil, E. 5.3.), dass auf dem Radarfoto 

(act. 11) ohne Zweifel zu erkennen sei, dass es sich um eine männliche 

Person, die eine Gesichtsmaske trägt, handle. Sodann hat sich die 

Vorinstanz anlässlich der Hauptverhandlung vom 27. Oktober 2021, an 

welcher der Beschuldigte persönlich anwesend war, davon überzeugt, dass 

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es sich bei der Person auf dem Radarfoto um den Beschuldigten gehandelt 

hat. Darin ist keine Willkür zu erkennen, woran sich auch durch den 

offensichtlichen Verschrieb in E. 5.3. des vorinstanzlichen Urteils («oben 

rechts in act. 43») nichts ändert. Auf der Aufnahme der Radarmessung, 

wenn auch etwas undeutlich, ist eine männliche Person mit dunklem 

Haaransatz und dunklen, markanten Augenbrauen sowie schmaler 

Nasenpartie zu erkennen (act. 11). Der Beschuldigte weist auf dem 

Passfoto diesbezüglich identische Gesichtszüge auf (act. 43 und 

Berufungsbegründung, Beilage 2). Dabei ist unerheblich, dass die 

Mitarbeiter des Beschuldigten, die zum Tatzeitpunkt ebenfalls Lenker des 

besagten Fahrzeuges hätten sein können auch dunkle Haare haben und 

sich optisch nicht gänzlich vom Beschuldigten unterscheiden. Über ein Alibi 

verfügt der Beschuldigte für den Tatzeitpunkt unbestrittenermassen nicht. 

Im Gegenteil spricht auch der Umstand, dass die Missachtung der 

zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Februar relativ spät um 20.45 Uhr in 

Suhr in Fahrtrichtung Oberentfelden, also in Richtung des Wohnortes des 

Beschuldigten, erfolgt ist, ebenfalls für die Täterschaft des Beschuldigten. 

Die bloss theoretische, jedoch unwahrscheinliche Möglichkeit, dass auch 

ein anderer zur Lenkung des Lieferwagens berechtigter Mitarbeiter um 

diese Uhrzeit an diesem Ort unterwegs gewesen sein soll, lässt das von 

der Vorinstanz aufgrund eigener Wahrnehmung gewonnene 

Beweisergebnis jedenfalls nicht als willkürlich erscheinen. 

 

Zusammenfassend ist somit erstellt, dass der Beschuldigte am 11. Februar 

2021 um 20.45 Uhr auf der Bernstrasse West in 5034 Suhr die zulässige 

Höchstgeschwindigkeit nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 km/h um 

22 km/h überschritten hat. 

 

3.3. 

Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten (Berufungsbegründung, 

E. 3.) ist mit der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, E. 7.2.) von einer 

vorsätzlichen Tatbegehung auszugehen. Der in Q. wohnhafte Beschuldigte 

ist zweifellos ortskundig, handelt es sich bei der Bernstrasse West doch um 

die Hauptverbindungsstrasse zwischen Suhr und Q.. Der Beschuldigte ist 

auf der Bernstrasse West in Fahrtrichtung Oberentfelden gefahren. Er ist 

somit aus dem signalisierten Innerortsbereich gekommen. Am Ort der 

Geschwindigkeitsmessung befinden sich auf der rechten Seite entlang der 

Bernstrasse West mehrere Häuser. Mithin ist ausgeschlossen, dass der – 

ortskundige – Beschuldigte hätte davon ausgehen können, sich bereits im 

Ausserortsbereich mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h 

befunden zu haben. Die 80er-Strecke beginnt in Richtung Oberentfelden 

vielmehr erst im Bereich, wo es rechts keine Häuserreihe mehr hat, was 

mit einem entsprechenden Verkehrssignal angezeigt wird und dem 

ortskundigen Beschuldigten auch bestens bekannt ist. 

 

 - 8 - 

 

 

 

4. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Verkehrsregelverletzung 

gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG mit einer Busse von Fr. 600.00, ersatzweise 6 

Tage Freiheitsstrafe, bestraft. 

 

Der Beschuldigte setzt sich in seiner Berufung mit der vorinstanzlichen 

Strafzumessung nicht auseinander, sondern bemängelt diese einzig als 

Konsequenz des angefochtenen Schuldspruches aufgrund der 

Geschwindigkeitsüberschreitung. Es kann deshalb grundsätzlich auf die 

unbestritten gebliebenen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(vorinstanzliches Urteil, E. 8.). Die ausgefällte Busse von Fr. 600.00 

befindet sich trotz der deutlichen Überschreitung der Höchst-

geschwindigkeit am unteren Ende des Strafrahmens von bis zu 

Fr. 10'000.00 Busse. Da es dem Beschuldigten ohne weiteres möglich 

gewesen wäre, sich an die Geschwindigkeitsvorschriften zu halten, 

erscheint die Höhe der Busse als vergleichsweise mild, zumal entgegen 

der Vorinstanz unter den vorliegenden Umständen nicht mehr von einem 

bloss «sehr leichten» Verschulden ausgegangen werden kann. Sie kann 

unter keinem Titel herabgesetzt werden. Aufgrund des 

Verschlechterungsverbots ist eine Erhöhung der Busse jedoch 

ausgeschlossen, so dass es bei der von der Vorinstanz festgesetzten 

Busse von Fr. 600.00 sowie der Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen sein 

Bewenden hat. 

 

5. 

5.1. 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet und ist daher 

abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die oberge-

richtlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00 (§ 18 VKD) dem 

Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO) und er hat keinen 

Anspruch auf Entschädigung (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO 

e contrario). 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Kostenverlegung erweist sich als zutreffend und bedarf 

keiner Korrektur. Der Beschuldigte wird verurteilt und hat deshalb die 

Verfahrenskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte auch seine erstinstanzlichen 

Parteikosten selbst zu tragen (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das vorinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 - 9 - 

 

 

 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschuldigte ist der Verletzung der Verkehrsregeln durch Missachtung 

der signalisierten und zulässigen Höchstgeschwindigkeit gemäss Art. 90 

Abs. 1 SVG i.V.m Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 4a 

Abs. 1 lit. a VRV schuldig. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG sowie in 

Anwendung von Art. 102 Abs. 1 SVG, Art. 47 StGB und Art. 106 StGB zu 

einer Busse von Fr. 600.00, ersatzweise 6 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

3. 

3.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00 und die 

erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'353.00 (inkl. Anklagegebühr 

von Fr. 500.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

3.2. 

Der Beschuldigte hat seine erst- und zweitinstanzlichen Parteikosten selbst 

zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…]  

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 - 10 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 2. Mai 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six     Hirt