# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0b576d48-9f22-5915-8a0f-06124c924cad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.09.2023 E-2811/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2811-2022_2023-09-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2811/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Deborah D'Aveni, Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiberin Emine Zaimi-Husejni. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw LL.M. Fabian Baumer-Schuppli, 

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren Ostschweiz, 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug); 

Verfügung des SEM vom 2. Juni 2022 / N (…). 

 

 

 

E-2811/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 17. April 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 21. April 2022 bevollmächtigte er die ihm zugewiesene 

Rechtsvertretung. 

A.b Am 3. Mai 2022 fand die Erstbefragung für unbegleitete minderjährige 

Asylsuchende (UMA) und am 23. Mai 2022 die Anhörung statt. Im Wesent-

lichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei pastunischer Ethnie 

und komme aus dem Dorf B._______, Provinz Kunduz, wo er geboren und 

aufgewachsen sei. Seine Mutter sowie zwei jüngere Brüder (14-jährig und 

8-jährig) lebten immer noch im Dorf. Der Vater sei Anfang August 20(…) 

an (…) gestorben. Zudem habe er zwei Onkel, die ebenfalls dort leben 

würden. 

Schon vor der Machtübernahme seien die Taliban in die Schulen gekom-

men und hätte ihnen den Umgang mit Waffen gezeigt, wobei sie die Waffen 

auch in die Hand hätten nehmen müssen. Nach dem Ausbruch des Kriegs 

hätten die Anwerbungsversuche durch die Taliban zugenommen. Nament-

lich hätten diese verlangt, dass sich pro Haushalt eine Person für den 

Dschihad zur Verfügung stellen soll. Als ältester Sohn der Familie sei er auf 

der Liste der Taliban gestanden und von diesen zu Hause aufgesucht wor-

den. Er sei aufgefordert worden, sich innerhalb von zwei Tagen zur Ausbil-

dung zu melden. Er selbst, aber auch seine Mutter hätten dies nicht ge-

wollt, weshalb er noch am gleichen Abend das Dorf verlassen habe. 

Weil er sich nicht zur Ausbildung gemeldet habe, seien die Taliban nach 

seinem Weggang zu ihm nach Hause gekommen und hätten seinen jün-

geren, 14-jährigen Bruder mitgenommen. Ein Onkel habe gute Verbindun-

gen zu den Taliban und erreichen können, dass der Bruder nach Hause 

habe zurückkehren können. Seither sei nichts mehr geschehen. 

A.c Am 31. Mai 2022 unterbreitete das SEM der Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers den Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Gleichentags 

reichte die Rechtsvertretung eine solche ein. 

B.  

Mit Verfügung vom 2. Juni 2022 stellte die Vorinstanz fest, der Beschwer-

deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab 

und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den Vollzug der Weg-

E-2811/2022 

Seite 3 

weisung schob sie wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf. 

C.  

C.a Mit Eingabe vom 28. Juni 2022 reichte der Beschwerdeführer Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragt, die ange-

fochtene Verfügung sei in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben, er sei 

als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei 

die angefochtene Verfügung in den Dispositivziffern 1 bis 3 aufzuheben 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

prozessualer Hinsicht beantrag er die Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2022 das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzich-

tete antragsgemäss auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud 

die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. 

E.  

E.a Am 4. Juli 2022 reichte der Beschwerdeführer durch eine neu manda-

tierte Rechtsvertretung eine weitere Beschwerde gegen die Verfügung des 

SEM ein. Unter anderem beantragt sie darin die Einsetzung als amtlicher 

Rechtsvertreter. 

E.b Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2022 wies die Instruktionsrichterin 

dieses Gesuch ab und forderte die zweite Rechtsvertretung auf mitzuteilen, 

ob sie als gewillkürte Rechtsvertretung auftreten möchte. 

E.c Mit Schreiben vom 14. Juli 2022 verzichtete die zweite Rechtsvertre-

tung auf eine weitere Vertretung des Beschwerdeführers. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 18. August 2022 beantragt die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde. Diese wurde dem Beschwerdeführer am 

23. August 2022 zur Kenntnis gebracht. 

 

 

 

E-2811/2022 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.  

2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. 

 

E-2811/2022 

Seite 5 

2.2 Gemäss Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flüchtlingsei-

genschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche im Falle ei-

ner Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und 

in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsu-

chenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive dro-

hen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die geltend ge-

machte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 2008/12 E. 5., 

2010/57 E. 2). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die schwie-

rigen Lebensumstände in wirtschaftlicher, sozialer und familiärer Situation 

seien auf die Kampfhandlungen im Heimatland des Beschwerdeführers zu-

rückzuführen und asylrechtlich unerheblich. Dem Rekrutierungsversuch 

durch die Taliban liege sodann kein Grund nach Art. 3 AsylG zugrunde. 

Deren Vorgehen verfolge nicht das Ziel, den Beschwerdeführer aufgrund 

seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe zu treffen be-

ziehungsweise deswegen zu verfolgen. Er habe in jenem Zeitpunkt die von 

den Taliban gewünschten Eigenschaften erfüllt, weshalb er für deren Zwe-

cke geeignet erschien. Den Akten seien keine Hinweise betreffend zusätz-

liche Risikofaktoren zu entnehmen, wonach die Taliban ihn nicht als «nor-

malen» Jugendlichen, sondern als Feind und Verräter betrachten, ihm mit-

hin eine oppositionelle Gesinnung unterstellen würden. Sodann sei infolge 

der Machtübernahme durch die Taliban zu prüfen, ob er mit seiner vorma-

ligen Weigerung, sich den Taliban anzuschliessen, nachträglich einen 

Grund für eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bei einer Rückkehr 

geschaffen habe. Afghanistan befinde sich in einer Übergangsphase und 

es sei noch nicht vollständig absehbar, wie die Taliban mit solchen Sach-

verhalten umgehen würden. Bisher seien Übergriffe auf vormalige Rekru-

tierungsverweigerer nicht dokumentiert, mithin bestehe kein Anlass für die 

Annahme, dass sich die Lageänderung risikoverschärfend auf den Be-

schwerdeführer auswirke und er im Entscheidzeitpunkt bei einer Rückkehr 

deshalb mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsmassnahme ausgesetzt sein 

werde.  

3.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer, die Vorinstanz 

habe ihn zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt, womit sie Bundesrecht 

verletze.  

http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/12

E-2811/2022 

Seite 6 

Zur Begründung führt er aus, ihm drohe wegen seines Geschlechts, Alters 

beziehungsweise seiner Eigenschaft als Kind sowie seines Wohnorts, mit-

hin der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, eine illegitime 

Zwangsrekrutierung und damit eine relevante Verfolgung durch die Taliban. 

Auch wenn er nicht explizit darauf hingewiesen habe, drohe ihm bei einer 

Rückkehr eine drastische Strafe und damit eine asylrelevante Verfolgung 

aufgrund einer ihm unterstellten politischen beziehungsweise religiösen 

Anschauung. Als Verweigerer einer Rekrutierung durch die Taliban weise 

er ein einschlägiges Profil auf.  

4.  

4.1 Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung grundsätzlich von 

der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführer aus, bringt aber 

diesbezüglich dennoch gewisse Vorbehalte an, wobei darauf vorliegend 

nicht weiter einzugehen ist.  

Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Zwangsrekrutierung er-

scheint im zeitlichen und länderspezifischen Kontext grundsätzlich plausi-

bel. Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Kunduz. Bereits zum 

damaligen Zeitpunkt war der Einfluss der Taliban in dieser Provinz sehr 

hoch (vgl. euaa, Kunduz, <https://euaa.europa.eu/country-guidance-af-

ghanistan-2020/kunduz>, abgerufen am 15. August 2023) und traten sie 

mit Zwangsrekrutierungsversuchen von Minderjähriger in Erscheinung 

(vgl. UNAMA, Afghanistan, Protection of Civilians in Amred Conflict, Annual 

Report 2020, S. 33 - 34 <https ://unama.unmissions.org/sites/default/fi-

les/afghanistan_protection_of_civilians_report_2020_revs3.pdf>, abgeru-

fen am 15. August 2023). Verschiedene Berichte weisen zudem darauf hin, 

dass die Taliban vorwiegend junge Paschtunen aus ländlichen Gebieten zu 

rekrutieren versuchten, wobei unklar ist, ob sie dabei stets Gewalt anwand-

ten beziehungsweise anwenden oder sich auf die Rekrutierung von Frei-

willigen fokussieren (vgl. UK Home Office, Afghanistan: Unaccompanied 

children, April 2021, S. 45 ff., <https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/2050110/Afghanistan-unaccompanied-+children-CPIN-v2.0%28Ar-

chived%29.pdf> m.w.H., abgerufen am 15. August 2023). 

4.2 Die Frage, ob dem minderjährigen Beschwerdeführer im Zeitpunkt der 

Ausreise von Seiten der Taliban tatsächlich ernsthafte Nachteile aufgrund 

eines Motivs nach Art. 3 AsylG drohten, kann mit Verweis auf die nachfol-

genden Erwägungen mangels Aktualität offenbleiben. Sodann ist festzu-

halten, dass das vom Beschwerdeführer angeführte Urteil E-5072/2018 

vom 17. Dezember 2020 weder ein Grundsatz- noch ein Referenzurteil ist 

https://euaa.europa.eu/country-guidance-afghanistan-2020/kunduz
https://euaa.europa.eu/country-guidance-afghanistan-2020/kunduz

E-2811/2022 

Seite 7 

und in diesem Zusammenhang auf weitere Urteile des Gerichts zu verwei-

sen ist, in denen nicht von einem diskriminierenden Ansatz im Zusammen-

hang mit Zwangsrekrutierungen ausgegangen wurde (vgl. statt vieler Ur-

teile BVGer D-72/2022 vom 12. September 2022 E. 5.4; D-2116/2022 vom 

5. September 2022 E. 7.4; E-2456/2018 vom 26. Juni 2020 m.w.H.;             

D-1257/2020 vom 16. März 2020 E. 5.5.2; D-7291/2017 vom 2. April 2019 

E. 5.2). Im heutigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass die Taliban nach 

der im August 2021 erfolgten Machtübernahme wohl nicht mehr auf 

Zwangsrekrutierungen angewiesen sind. Gemäss aktuellen Berichten zur 

Lage in Afghanistan gibt es keine Hinweise auf systematische Zwangsrek-

rutierungen. Vielmehr deutet einiges darauf hin, dass die Taliban heute 

eher Mitglieder der ehemaligen Sicherheitskräfte zu rekrutieren versuchen 

(vgl. UK Home Office, Afghanistan: Fear of the Taliban, April 2022, Ziff. 

6.11, <https://www.ecoi.net/en/file/local/2068081/AFG_CPIN_Fear_of_ 

the_Taliban.pdf>, vgl. UN Security Council, Thirteenth report of the Analyt-

ical Support and Sanctions Monitoring Team submitted pursuant to resolu-

tion 2611 concerning the Taliban and other associated individuals and en-

tities constituting a threat to the peace stability and security of Afghanistan, 

Ziff. 35, <https://www.ecoi.net/en/file/local/2073803/N2233377.pdf>, alle 

abgerufen am 15. August 2023). Auch wenn die aktuelle Informationslage 

in Bezug auf die Rekrutierungsstrategie als schlecht zu bezeichnen und 

davon auszugehen ist, dass nicht alle Vorfälle von Menschenrechtsverlet-

zungen gemeldet werden, ist gemäss den zur Verfügung stehenden Infor-

mationen aber dennoch nicht mehr von systematischen Zwangsrekrutie-

rungen auszugehen, wie sie vor der Machtübernahme der Taliban offenbar 

in einigen Regionen vorgekommen sind. Von einer hohen Wahrscheinlich-

keit einer möglichen zukünftigen Rekrutierung des derzeit immer noch min-

derjährigen Beschwerdeführers ist daher nicht auszugehen (vgl. Urteile 

des BVGer D-4869/2021 vom 2. Mai 2023 E. 7.3, E-4756/2022 vom 1. No-

vember 2022 E. 5.5, D-3480/2021 vom 10. August 2022 E. 5.3.1). 

4.3 Den Akten sind sodann keine Hinweise zu entnehmen, dass der Be-

schwerdeführer durch das Nichtbefolgen der Aufforderung der Taliban und 

dem Verlassen des Heimatlandes aktuell in deren Fokus stehen und des-

halb von ihnen bestraft werden könnte. Entgegen der in der Rechtsmitte-

leingabe vertretenen Auffassung weist der Beschwerdeführer kein beson-

deres Risikoprofil auf. Aufgrund seiner Aussagen kann nicht geschlossen 

werden, er habe in den Augen der Taliban als religiöser oder politischer 

Oppositioneller gegolten. Vielmehr gab er an, er sei weder politisch aktiv 

gewesen noch habe er sich anderweitig aufgrund seiner Familie, persönli-

cher Merkmale oder Aktivitäten gegenüber den Taliban besonders ex-

E-2811/2022 

Seite 8 

poniert. Ferner kann seinen Ausführungen nicht entnommen werden, dass 

er in der Vergangenheit ihn persönlich betreffende Probleme flüchtlings-

rechtlichen Ausmasses ausgesetzt gewesen war. Schliesslich machte er 

nicht geltend, seine in Afghanistan verbliebene Familie sei seinetwegen 

ernsthaft behelligt worden. Er bringt lediglich vor, sein 14-jähriger Bruder 

sei nach seiner Ausreise von den Taliban mitgenommen worden, jedoch 

durch die Vermittlung eines Onkels – der gute Verbindungen zu den Taliban 

habe – wieder nach Hause entlassen worden. Danach sei nichts mehr pas-

siert, insbesondere seien die Familie nicht weiter durch die Taliban behelligt 

worden. Darüber hinaus macht er auch nicht geltend, nach der Ausreise 

von den Taliban gesucht worden zu sein, was ebenfalls gegen das Vorlie-

gen einer andauernden, erheblichen und gezielten Verfolgung spricht. 

Schliesslich kann dem Vorbringen in der Beschwerde nicht gefolgt werden, 

wonach die Weigerung des Beschwerdeführers, sich den Taliban anzu-

schliessen, von diesen als politischer Verrat verstanden und er bei einer 

Rückkehr schwere Nachteile erleiden werde. Diesbezüglich ist davon aus-

zugehen, dass seine in Afghanistan verbliebene Familie wohl intensiver 

behelligt und nach dem Beschwerdeführer befragt worden wäre, würde 

dieser im Fokus der Taliban stehen. Dementsprechend ist davon auszuge-

hen, dass dem Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr keine ge-

zielten Nachteile drohen, die über die allgemeine Gefährdungslage hinaus-

gingen. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine 

konkret drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Das SEM 

hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht 

verneint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt. 

5.  

5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

5.2 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung 

aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht ein-

tritt. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

E-2811/2022 

Seite 9 

6.  

Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Verfü-

gung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der 

weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – nicht, da diese Vollzugshinder-

nisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der Vollzug der Wegwei-

sung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

7.  

Das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an die Vorinstanz wird 

in der Beschwerdeschrift nicht begründet. Es sind auch keine Gründe er-

sichtlich, die eine Rückweisung rechtfertigen würden. Der entsprechende 

Antrag ist abzuweisen.  

8.  

Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene 

Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden 

ist (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung 

vom 4. Juli 2023 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde, sind 

keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2811/2022 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Emine Zaimi-Husejni 

 

 

Versand: