# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc58d543-72b6-5c20-adcd-ff47792a15bc
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 20.12.2012 SB120351
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120351_2012-12-20.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    

 
 

Geschäfts-Nr.: SB120351-O/U/eh 
 
 
Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, und lic. iur. 

 M. Langmeier, Ersatzoberrichter lic. iur. H. Meister sowie der  

Gerichtsschreiber lic. iur. M. Hauser 

Urteil vom 20. Dezember 2012 

in Sachen 
 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger,  

Anklägerin und I. Berufungsklägerin (Rückzug) 
 

sowie 
 

A._____,  
Privatkläger und II. Berufungskläger 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____  
 

gegen 
 

B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____  

 

betreffend  

fahrlässige Körperverletzung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht,  
vom 9. März 2012 (GG110026) 
 

-  2  - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2. Dezember 

2011 (Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 42) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 

2. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.  

3. Die Entscheidgebühr und die Gebühr für die Strafuntersuchung fallen ausser  

Ansatz. Die Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 4'730.80 werden auf die 

Staatskasse genommen. 

4. Dem Beschuldigten wird aus der Staatskasse eine Entschädigung für Anwalts-

kosten von Fr. 12'853.80 (inkl. MwSt) ausgerichtet. 

5. Dem Privatkläger wird keine Entschädigung zugesprochen. 

6. (Mitteilungen) 

7. (Rechtsmittelbelehrung)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Privatklägerschaft A._____: 

(Urk. 62 S. 1) 

8. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der fahrlässigen Körperver-

letzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB. 

9. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung von 

Fr. 4'800.– plus 5% Zins seit 17. November 2009 zu zahlen. 

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10. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Umtriebsent-

schädigung von Fr. 1'000.– zu zahlen. 

11. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Prozessent-

schädigung in der Höhe von Fr. 8'831.80 inkl. 8% MwSt für das erstinstanzli-

che Verfahren sowie eine Prozessentschädigung zuzüglich 8% MwSt für das 

Berufungsverfahren zu zahlen; 

unter Kostenfolgen zu Lasten des Beschuldigten. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 49) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

c) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 63 S. 2) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 9. März 2012 sei vollum-

fänglich zu bestätigen. 

12. Dementsprechend sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizu-

sprechen. 

13. Die Anträge des Privatklägers auf Zusprechung einer Genugtuung von 

Fr. 4'800.– nebst Zins zu 5% seit dem 17. November 2009 und einer  

Umtriebsentschädigung von Fr. 600.– seien auf den Zivilweg zu verweisen; 

eventualiter seien abzuweisen. 

14. Der Antrag des Privatklägers auf Zusprechung einer Prozessentschädigung 

für das erstinstanzliche Verfahren sei abzuweisen. 

15. Die Kosten für das Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzu-

erlegen, und der Privatkläger sei zu verpflichten, dem Beschuldigten für das 

Berufungsverfahren eine angemessene Entschädigung in der Höhe seiner 

Anwaltskosten zu bezahlen. 

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16. Eventualiter sei dem Beschuldigten aus der Staatskasse eine Entschädi-

gung in der Höhe seiner Anwaltskosten von auszurichten. 

Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 9. März 2012 wurde der  

Beschuldigte vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von  

Art. 125 Abs. 1 StGB (gemäss Anklage begangen durch eine Verletzung der Ver-

kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 4 

SVG, Art. 14 Abs. 1 VRV und Art. 17 Abs. 4 VRV) freigesprochen. Als Folge  

davon wurden die Zivilansprüche des Privatklägers auf den Zivilweg verwiesen, 

die Verfahrenskosten auf die Gerichtskasse genommen und dem Beschuldigten 

aus derselben eine Entschädigung für seine erbetene Verteidigung zugespro-

chen. Dem Privatkläger wurde eine Entschädigung verweigert (Urk. 42 S. 19 f.). 

1.2. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl die Staatsanwaltschaft am 16. März 

2012 als auch der Privatkläger durch seine (erbetene) Vertreterin am 19. März 

2012 fristgerecht die Berufung an (Urk. 35 und 35). Nach Zustellung des begrün-

deten Urteils (Urk. 39/1; Urk. 41) zog die Staatsanwaltschaft ihre Berufung mit 

Eingabe vom 19. Juli 2012 jedoch wieder zurück (Urk. 43). Der Privatkläger liess 

seine Vertreterin am 3. September 2012 fristgerecht die Berufungserklärung  

einreichen (Urk. 45). 

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 4. September 2012 wurde die Berufungserklä-

rung des Privatklägers in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den  

weiteren Parteien übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben 

oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem  

Beschuldigten Frist angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhältnissen verschie-

dene Auskünfte zu erteilen und zu belegen (Urk. 47). Am 11. September 2012 

teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie beantrage die Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils (Urk. 49), und am 3. Oktober 2012 reichte der Verteidiger verschie-

dene Unterlagen zur finanziellen Situation des Beschuldigten ein (Urk. 54).  

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Anschlussberufung wurde beidseits nicht erhoben, und ebenso wenig wurde ein 

Nichteintreten auf die Berufung beantragt.  

1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldig-

te in Begleitung seines erbetenen Verteidigers Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ und 

der Privatkläger in Begleitung seiner Vertreterin Rechtsanwältin lic. iur. X._____  

erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzu-

nehmen (Prot. II S. 4 ff.). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die  

Berufungsverhandlung (Prot. II S. 11 ff.). 

2. Umfang der Berufung 

Der Privatkläger lässt die Dispositivziffern 1 (Freispruch), 2 (Verweis der  

Zivilklage auf den Zivilweg) sowie 5 (Verweigerung einer Entschädigung an den 

Privatkläger) anfechten und möchte die Dispositivziffern 3 (Übernahme der  

Kosten auf die Gerichtskasse) und 4 (Zusprechung einer Entschädigung an den 

Beschuldigten) vom Berufungsverfahren ausnehmen (Urk. 45 S. 2). Mit der  

Anfechtung des Schuldpunkts gelten jedoch für den Fall der Gutheissung der  

Anträge automatisch auch die damit zusammenhängenden Folgepunkte des  

Urteils als mitangefochten (z.B. Zivilpunkt, Kosten- und Entschädigungsfolgen: 

Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 

2009, N. 1548; ders., StPO Praxiskommentar, Art. 399 N. 18; ZHK StPO-Hug,  

Art. 399 N. 19; BSK StPO-Eugster, Art. 399 N. 6, mit Verweis auf die sog. Trenn-

barkeitsformel nach deutschem Recht). Vorliegend wird die Berufungsinstanz 

deshalb auch die Kosten- und Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Urteils 

(d.h. die Dispositivziffern 3 und 4) zu überprüfen haben, sofern sie im Schuldpunkt 

zu einer anderen Auffassung als die Vorinstanz gelangt. Würde nämlich der  

Beschuldigte zweitinstanzlich anklagegemäss (bzw. im Sinne der Berufungsan-

träge des Privatklägers) schuldig gesprochen und blieben aber die erstinstanzli-

chen Kosten- und Entschädigungsfolgen (Übernahme der Kosten auf die  

Gerichtskasse, Zusprechung einer Prozessentschädigung an den Beschuldigten) 

bestehen, litte das Urteil vor dem Hintergrund von Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO an 

einem inneren Widerspruch. 

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2.1. Das vorinstanzliche Urteil ist damit in keinem Punkt in Rechtskraft erwach-

sen und bildet vollumfänglich Berufungsgegenstand (vgl. Prot. II S. 6 f.). 

3. Sachverhalt 

3.1. Hinsichtlich des massgeblichen Sachverhalts kann grundsätzlich auf die  

Anklageschrift bzw. die daraus abgeleitete Zusammenfassung im vorinstanzlichen 

Urteil (Urk. 42 S. 4/5; Art. 82 Abs. 4 StPO) verwiesen werden. Präzisierend ist - 

weitgehend im Sinne der Vorbringen der Vertreterin des Privatklägers anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 29 S. 2/3) - festzuhalten, dass ange-

sichts der leicht nebligen Witterung und einer Sichtweite von rund 100 Metern von 

guten Sichtverhältnissen auszugehen war und stockender Kolonnenverkehr 

herrschte. Weiter steht im Sinne der Aussagen des Beschuldigten und den Erhe-

bungen in der technischen Unfallanalyse fest, dass sich das Fahrzeug des  

Beschuldigten beim Anfahren zum Abbiegemanöver einen halben Meter seitlich 

rechts der Führungslinie befunden hat (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 42 

S. 12/13; Urk. 9/9 S. 2/3). Und schliesslich ist davon auszugehen, dass der  

Beschuldigte für sein Abbiegemanöver nach Blicken in den Seitenspiegel und  

zurück relativ zügig angefahren ist, entsprechend seiner Zugabe vor Vorinstanz, 

er könne "wegen dem möglicherweise mit 80 km/h nahenden Gegenverkehr nicht 

herausschleichen, ohne diesen zu gefährden" (Urk. 27 S. 5). Entsprechend ist 

auch mit der Vorinstanz anzunehmen, dass der letzte Blick des Beschuldigten vor 

dem Anfahren dem - möglichen - Gegenverkehr gegolten hat (Urk. 27 S. 4;  

Urk. 42 S. 17). 

Was die Fahrweise des Privatklägers betrifft, ist davon auszugehen, dass er mit 

einem Abstand von ca. 1 Meter links der Führungslinie (Urk. 5/1 S. 2; Urk. 9/9 

S. 3) und einer Geschwindigkeit von 79 km/h (Urk. 9/9 S. 2; zugunsten des  

Beschuldigten ist von diesem höheren Wert auszugehen, vgl. Urk. 42 S. 17) auf  

der Gegenfahrbahn den stockenden Kolonnenverkehr überholt hat. Gemäss  

seinen eigenen Aussagen hatte er zu Beginn des Überholmanövers den (linken) 

Blinker gestellt, ihn dann aber wieder zurückgesetzt (Urk. 5/2 S. 3). 

 

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3.2. Wie dem Situationsplan (Urk. 7/5) und den Fotoblättern (Urk. 7/6) der  

Kantonspolizei Zürich entnommen werden kann, befindet sich vor dem Bauernhof 

an der C._____-Strasse … in … D._____, d.h. auf der Höhe des vorliegend zu 

beurteilenden Verkehrsunfalls, ein Vorplatz. Zwar wird dieses private Grundstück 

entlang der Grenze zum Fahrradstreifen teilweise durch einen Baumstamm abge-

grenzt. Dieser verunmöglicht es aber - entgegen der Vertreterin des Privatklägers 

(Urk. 62 S. 6 f.) - nicht, mit einem Fahrzeug auf den Vorplatz zu fahren. Entspre-

chend kann das private Gelände sowie der Fahrradstreifen - wie vom  

Beschuldigten beabsichtigt - genutzt werden, um darauf ein Fahrzeug zu wenden 

und es danach wieder in den Verkehr einzufügen. 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Zunächst ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es vorliegend nicht um 

die Beurteilung eines Wendemanövers im Sinne des Strassenverkehrsgesetzes 

geht, sondern um ein "Abbiegen nach links" (vgl. dazu Urk. 42 S. 9; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Auch wenn der Beschuldigte sein Fahrzeug in einem laienhaften Ver-

ständnis durchaus wenden wollte (und denn auch mehrheitlich selbst von einem 

"Wenden" sprach: Urk. 4/1 S. 1, 2; Urk. 4/2 S. 2, 3; Urk. 27 S. 4 - vgl. aber Urk. 27 

S. 3 und 6), ist im Gesetzesverständnis entscheidend, dass er eben nicht - ent-

gegen der Vertreterin des Privatklägers (Urk. 62 S. 7) - auf der Strassenfläche 

wenden wollte, sondern die Gegenfahrbahn zu überqueren beabsichtigte, um auf 

den Vorplatz des Bauernhofs an der C._____-Strasse … zu gelangen (vgl. eben-

so die Verteidigung, Urk. 63 S. 4). So ist der Beschuldigte - wie vorstehend aus-

geführt - mit seinem Fahrzeug bis auf einen halben Meter seitlich rechts an die 

Führungslinie gefahren, um danach auf den Vorplatz vor dem Bauernhof zu  

gelangen. Er hatte gerade nicht zuerst auf der eigenen Fahrspur rechts ausgeholt, 

um dadurch einen grösseren Wendekreis zu erhalten, was für ein direktes  

Wenden auf der Strassenfläche notwendig gewesen wäre. Was er dort - auf dem 

Vorplatz - angekommen, weiter hat tun wollen (Wiedereinfügen des Fahrzeugs in 

den Verkehr Richtung D._____, anhalten/parkieren/Weiterfahrt auf dem  

Gelände des Bauernhofs), ist für die rechtliche Einordnung des zur Anklage  

gebrachten Sachverhalts nicht von Bedeutung. 

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Es ist deshalb nicht zu prüfen, ob der Beschuldigte gegen Art. 36 Abs. 4 SVG 

verstossen hat, und es kann auch offen bleiben, ob - wie die Vorinstanz etwas 

apodiktisch festhält - der Privatkläger "aus Art. 36 SVG nichts für sich ableiten 

[könnte], wenn ein Wendemanöver vorläge" (Urk. 42 S. 9). 

4.2. Die Vorinstanz hat den Begriff der Fahrlässigkeit richtig umschrieben  

(Urk. 42 S. 10/11). Zu entscheiden ist die Frage, ob der Beschuldigte eine ihn  

treffende Sorgfaltspflicht verletzt und so den Unfall verursacht hat. Im Bereich des 

Strassenverkehrs richten sich Art und Mass der zu beachtenden Vorsichtsmass-

nahmen nach den gesetzlichen Regelungen im SVG und den dazugehörigen 

Verordnungen sowie nach den gesamten Umständen der konkreten Verkehrs-

situation. 

4.3. Wer - wie der Beschuldigte - nach links abbiegen will, muss sich gegen die 

Strassenmitte halten, den entsprechenden Richtungsanzeiger betätigen und den 

entgegenkommenden Fahrzeugen den Vortritt lassen (Art. 36 Abs. 1 und 3 SVG; 

Art. 39 Abs. 1 lit. a SVG). Das alles hat der Beschuldigte - entgegen der Vertrete-

rin des Privatklägers (Urk. 62 S. 8 f.) - getan; den zutreffenden vorinstanzlichen 

Erwägungen ist nichts beizufügen (Urk. 42 S. 13/14). Den entsprechenden Aus-

führungen der Vertreterin des Privatklägers, wonach die Zeugin E._____ den 

Blinker des Autos des Beschuldigten einzig aufgrund ihrer erhöhten Sitzposition 

gesehen habe und nicht deshalb, weil der Beschuldigte links hin zur  

Führungslinie eingespurt sei (Urk. 62 S. 4), kann nicht gefolgt werden. Indem die 

Zeugin lediglich eine leicht erhöhten Sitzposition (Urk. 6/2 S. 4) hatte, kann zwar 

davon ausgegangen werden, dass sie - gemäss ihren eigenen Angaben (Urk. 6/2 

S. 4) - eine gute Sicht hatte und sie die Kollision sah. Dass sie aber die Blinklich-

ter des zwei bis maximal drei Fahrzeuge vor ihr fahrenden bzw. stehenden Autos 

des Beschuldigten (vgl. Urk. 6/2 S. 3 f.) nur deshalb gesehen haben soll, weil sie 

eine erhöhte Sitzposition hatte, wurde weder von der Zeugin so geltend gemacht 

noch erscheint dies plausibel. Die zwei bzw. drei Fahrzeuge vor der Zeugin  

mussten zweifelsohne die Sicht auf die Blinklichter des Fahrzeuges des Beschul-

digten versperrt haben, dies selbst bei leicht erhöhter Sitzposition. Vielmehr ist - 

mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 14) - davon auszugehen, dass die Zeugin den  

linken Blinker des Fahrzeuges des Beschuldigten deshalb wahrnehmen konnte, 

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weil der Beschuldigte bis auf einen halben Meter zur Führungslinie fuhr und er 

sich damit aus der geradeaus fahrenden Fahrzeugkolonne löste. Indem der  

Beschuldigte vor dem Abbiegen bis zu einem halben Meter an die Führungslinie 

fuhr und er sich damit gegen die Strassenmitte hielt, ist der Beschuldigte - mit der 

Vorinstanz (Urk. 42 S. 13 f.) und der Verteidigung (Urk. 63 S. 5) - hinreichend  

eingespurt.  

4.4. Demgegenüber durfte der Privatkläger die stockende Autokolonne nicht 

überholen, jedenfalls nicht mit der von ihm gefahrenen Geschwindigkeit: Ent-

weder hat er gegen Art. 47 Abs. 2 SVG verstossen, wonach Motorradfahrer ihren 

Platz in der Fahrzeugkolonne beizubehalten haben, wenn der Verkehr angehalten 

wird (was dann der Fall ist, wenn das Fahrzeug vor ihm oder jenes, das er gerade 

überholt, anhält: BGE 129 IV 155 E. 3.2.2), oder dann hat er Art. 35 Abs. 2 SVG 

missachtet, welche Bestimmung das Überholen im Kolonnenverkehr nur demjeni-

gen gestattet, der die Gewissheit hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer 

Fahrzeuge wieder einbiegen zu können. Wer mit 79 km/h eine zähflüssige, im 

"Stop and Go" abwechslungsweise stehende und sich langsam rollend fortbewe-

gende Fahrzeugkolonne (so die Zeugin E._____: Urk. 6/1 S. 1; Urk. 6/2 S. 4) 

überholt, kann unmöglich beide genannten Bestimmungen respektieren. Entwe-

der hat der Privatkläger stehende Autos überholt, oder aber er hätte in Anbetracht 

der von ihm gefahrenen Geschwindigkeit nicht erfolgreich geltend machen kön-

nen, die Gewissheit zum gefahrlosen Wiedereinbiegen gehabt zu  

haben, selbst wenn er dann letztlich doch genügend Raum gehabt hätte  

(BGE 129 IV 155 E. 3.3.2). Hinzu kommt, dass gemäss Art. 35 Abs. 5 SVG Fahr-

zeuge nicht überholt werden dürfen, wenn der Führer die Absicht anzeigt, nach 

links abzubiegen. Der Privatkläger wurde denn auch mit Strafbefehl des Statt-

halteramts des Bezirkes Dielsdorf vom 29. August 2011 wegen "unvorsichtigen 

Überholens" (Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 

Abs. 1 VRV) mit einer Busse von Fr. 400.– bestraft (Urk. 10/10). 

4.5. Mit der Vorinstanz ist damit hinsichtlich des Verhaltens des Beschuldigten 

entscheidende Frage, ob er - insbesondere vor dem Hintergrund des aus Art. 26 

Abs. 1 SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatzes - verpflichtet gewesen wäre,  

zusätzliche Vorsichtsmassnahmen zu treffen (Urk. 42 S. 14 ff.). 

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1.1.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf der Linksabbieger, der  

korrekt eingespurt ist und den linken Blinker gestellt hat, in der Regel - ohne un-

mittelbar beim Abbiegen nochmals den Verkehr hinter ihm beobachten zu müssen 

- darauf vertrauen, dass ihn kein Verkehrsteilnehmer vorschriftswidrig links über-

holt (BGE 125 IV 83). Namentlich muss der Abbiegende mangels gegenteiliger 

Anzeichen nicht damit rechnen, dass ein nachfolgendes Fahrzeug überraschend 

mit weit übersetzter Geschwindigkeit auftauchen könnte oder dass ein bereits 

sichtbarer Fahrzeugführer seine Geschwindigkeit plötzlich stark erhöhen werde, 

um verkehrsregelwidrig links zu überholen (a.a.O. E. 2c). Begründet wird diese 

Rechtsprechung damit, dass den Abbiegenden die primäre Sicherungspflicht 

nach vorne und zur Seite trifft und nicht im Interesse der Verkehrssicherheit läge, 

wenn diese Pflicht zugunsten einer erhöhten Aufmerksamkeit auf den Rück-

spiegel und allfällige illegal Überholende vernachlässigt würde (a.a.O. E. 2d). 

1.1.2. Allerdings kann sein, dass sich aus der Unklarheit oder Ungewissheit einer 

bestimmten Verkehrslage Umstände ergeben, die nach allgemeiner Erfahrung die 

Möglichkeit fremden Fehlverhaltens unmittelbar in die Nähe rückt (BGE 125 IV 83 

E. 2b; BGE 118 IV 277 E. 4a). Dann ergibt sich gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG eine 

besondere Vorsichtspflicht. In diesem Kontext hatte sich das Bundesgericht in 

den letzten Jahren einige Male mit Sachverhalten zu befassen, die mit dem vor-

liegend zu Beurteilenden vergleichbar sind: 

1.1.2.1. Im BGE 125 IV 83 hat es befunden, dass ein korrekt nach links einge-

spurter Automobilist nicht damit rechnen musste, dass ihn ein Radfahrer vor-

schriftswidrig links überholen würde, nur weil ein - korrektes - Rechtsüberholen für 

den Radfahrer wegen des dort vorhandenen Kopfsteinpflasters risikoreich  

gewesen wäre (E. 2d). 

1.1.2.2. Im Entscheid 6B_1009/2008 vom 25. Februar 2009 bezeichnete es das 

Bundesgericht als alltäglich, dass Zweiradfahrer innerorts stehende und stocken-

de Kolonnen links überholen, und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass Zweirad-

fahrer dafür in Missachtung von Markierungen beispielsweise für Busse reservier-

te Verkehrsflächen befahren. Entsprechend schloss das Gericht, dass der Auto-

lenker, der in der Stadt Zürich sein Fahrzeug zu wenden beabsichtigte, damit  

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habe rechnen müssen, dass er im stockenden Kolonnenverkehr verbotenerweise 

von einem Zweiradfahrer links überholt wird, der dabei in unzulässiger Weise eine 

Busspur benützte. Mit dieser Begründung wies das Bundesgericht die Beschwer-

de des wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilten Autolenkers ab (E. 5.2). 

1.1.2.3. Am 16. September 2011 (Entscheid 1B_264/2011) wies das Bundes-

gericht die Beschwerde eines Motorradlenkers gegen die Einstellung der Straf-

untersuchung gegen den Führer des Autos ab, mit welchem er während eines 

Linksabbiegemanövers des letzteren kollidiert war. Hier erwog das Bundesgericht, 

dass sich der - korrekt eingespurte - Autolenker im Wesentlichen darum habe  

darauf verlassen dürfen, nicht verbotenerweise links überholt zu werden, weil ein 

regelkonformes Überholmanöver an der betreffenden Stelle im Hinblick auf Art. 35 

Abs. 2 und 3 SVG ganz allgemein "praktisch nicht möglich" gewesen sei (E. 5.4). 

1.1.2.4. In der Sache gleich entschied das Bundesgericht schliesslich im Urteil 

1B_206/2012 vom 29. August 2012: Es schützte auch hier die Einstellung der 

Strafuntersuchung gegen einen Automobilisten, in dessen Fahrzeug beim Links-

abbiegen ein überholendes Motorrad geprallt war. Für das Gericht war in diesem 

Fall von ausschlaggebender Bedeutung, dass der Motorradfahrer innerorts mit 

der erheblich übersetzten Geschwindigkeit von 73 bis 89 km/h unterwegs war und 

überdies eine Verkehrsinsel verbotenerweise links umfahren hatte, nach welcher 

der Automobilist sein Abbiegemanöver vornahm. Dem Automobilisten, der korrekt 

eingespurt, den Blinker gestellt und sich durch Blicke in den Innen- und Aussen-

spiegel von der Verkehrslage hinter ihm Kenntnis verschafft hatte, war unter  

diesen Umständen keine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen, den Motorrad-

fahrer nicht gesehen zu haben. 

1.1.2.5. Vor diesem Hintergrund ist auch vorliegend dem Beschuldigten - mit der 

Vorinstanz (Urk. 42 S. 17; Art. 82 Abs. 4 StPO) - nicht anzulasten, er habe die  

erforderliche Sorgfalt nicht beachtet. Er hatte korrekt eingespurt, sich durch Blicke 

in den Rückspiegel und seitlich zurück vergewissert, nicht überholt zu werden, 

den Blinker gesetzt und nach einem letzten Blick in Richtung des möglichen  

Gegenverkehrs ohne zu zögern zum Abbiegemanöver angesetzt. Es kann ihm 

nicht vorgeworfen werden, nicht nochmals zurückgeblickt zu haben, womit er den  

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Privatkläger wohl gesehen, indessen der primären Gefahrenquelle des Gegen-

verkehrs nicht mehr die erforderliche Aufmerksamkeit zugewandt hätte. Denn er 

hatte nicht damit zu rechnen, dass ihn, entweder stehend oder höchstens im  

Kolonnenverkehr langsam rollend, ein Motorradfahrer mit nahezu der ordentli-

cherweise erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h überholen würde. An-

ders als im vorstehend umrissenen Entscheid des Bundesgerichts 6B_1009/2008 

vom 25. Februar 2009, wo es um die Verkehrsverhältnisse in einer Grossstadt 

ging, ist es ausserorts nicht als alltäglich zu bezeichnen, dass stockende Kolon-

nen verbotenerweise von Zweiradfahrern überholt werden - zumal noch mit einer 

Geschwindigkeit von 79 km/h. Hinzu kommt, dass gemäss Sachlage im erwähn-

ten Urteil des Bundesgerichts der die stockende Kolonne überholende Motorrad-

lenker eine Busspur benützt hatte, mithin eine Verkehrsfläche, auf welcher seitens 

des dort beschuldigten Automobilisten grundsätzlich mit erlaubterweise nahen-

dem Verkehr zu rechnen war, währenddem es vorliegend um eine zweispurige 

Überlandstrasse geht, auf welcher der Verkehr grundsätzlich auf je bloss einer 

Fahrspur in Richtung G._____ einerseits bzw. D._____ andererseits fliesst. 

1.1.2.6. An diesen Überlegungen ändert nichts, dass im Gutachten zur techni-

schen Unfallanalyse die Auffassung vertreten wird, der Beschuldigte hätte den 

Unfall vermeiden können, "wenn er sich zunächst langsam bis an die Führungsli-

nie vorgetastet und dort noch einmal zurück geschaut hätte" (Urk. 9/9 S. 4; was 

so von der Anklage übernommen wird: Urk. 19 S. 3): Dieser Schluss ist als sach-

verhaltliche Feststellung zwar zweifelsohne zutreffend - in einer ex post-

Betrachtung allerdings auch schon beinahe eine Binsenwahrheit. Er sagt insbe-

sondere - und das ist entscheidend - nichts darüber aus, ob der Beschuldigte von 

den gesetzlichen Voraussetzungen her zu einem solchen Sich-vortasten und 

Noch-einmal-zurückschauen verpflichtet gewesen wäre. Das wurde vorstehend 

eben verneint. 

Viel eher hätte es dem Privatkläger oblegen, Vorkehrungen zur Verhinderung des 

Unfalls zu treffen. Davon abgesehen, dass der Privatkläger - wie gesehen - ohne-

hin verbotenerweise überholt hat, wäre gemäss dem genannten Gutachten die 

Kollision eindeutig zu vermeiden gewesen, wenn der Privatkläger weniger als 33 

km/h gefahren wäre bzw. zu vermeiden möglich gewesen, wenn der Privatkläger 

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eine Geschwindigkeit von weniger als 58 km/h eingehalten hätte (Urk. 9/9 S. 4). 

Auch ohne dies an dieser Stelle zu vertiefen, erhellt ohne Weiteres, dass der  

Privatkläger mindestens seine Geschwindigkeit dergestalt zu mässigen verpflich-

tet gewesen wäre. 

4.6. Der Beschuldigte hat damit keine Verkehrsregeln verletzt. Entsprechend ist 

ihm keine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen und ist er mithin vom Vorwurf 

der fahrlässigen Körperverletzung freizusprechen. 

5. Zivilansprüche 

Nachdem es beim vorinstanzlichen Freispruch bleibt, hat es auch beim ebenfalls 

schon vorinstanzlich entschiedenen Verweis der Zivilforderungen des Privat-

klägers auf den Zivilweg zu bleiben (Urk. 42 S. 17). 

6. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

6.1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungs-

regelung zu bestätigen (Dispositivziffern 3 bis 5 des angefochtenen Urteils). 

6.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage an die Parteien nach 

Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem 

der Privatkläger mit seiner Berufung vollumfänglich unterliegt und der Beschuldig-

te entsprechend obsiegt, sind deshalb die Kosten dem Privatkläger aufzuerlegen. 

Der Rückzug der Berufung durch die Staatsanwaltschaft zieht keine Kostenfolgen 

nach sich, da dieser noch innerhalb der Frist zur Einreichung der Berufungs-

erklärung erfolgte (ZR 110 Nr. 37). 

6.3. Bei der gegebenen prozessualen Ausgangslage - es steht einzig eine  

Berufung des Privatklägers gegen das freisprechende Erkenntnis der Vorinstanz 

zur Diskussion - wird der vollständig unterliegende Privatkläger gegenüber dem 

Beschuldigten für das Rechtsmittelverfahren entschädigungspflichtig (Art. 432 

Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 436 Abs. 1 StPO; vgl. Entscheid 6B_802/2011 

des Bundesgerichts vom 8. November 2012 E. 1.2, zur Publikation vorgesehen). 

Es erscheint angemessen, dem Beschuldigten unter diesem Titel für das  

-  14  - 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 5'600.– (einschliesslich MwSt) für 

anwaltliche Verteidigung zuzusprechen. 

Es wird beschlossen: 

1. Vom Rückzug der Berufung der Staatsanwaltschaft wird Vormerk genom-

men und das Verfahren insofern als erledigt abgeschrieben. 

17. Es werden für diesen Beschluss keine Kosten erhoben. 

18. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

19. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte B._____ wird vollumfänglich freigesprochen. 

2. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen. 

3. Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Ziff. 3 bis 5) wird 

bestätigt. 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–. 

20. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Privatkläger auferlegt. 

-  15  - 

21. Der Privatkläger wird verpflichtet, dem Beschuldigten für das Berufungs-

verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'600.– für anwaltliche  

Verteidigung zu bezahlen. 

22. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 
− die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden  

des Privatklägers (übergeben) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten  
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  
− die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden  

des Privatklägers 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung all-

fälliger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 44 
− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben 

(§ 34a POG) 
− das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 

Administrativmassnahmen, 8090 Zürich (PIN-Nr. …) 
 

23. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

-  16  - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 20. Dezember 2012 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. P. Marti 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. M. Hauser 
 

 
 

	Urteil vom 20. Dezember 2012
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 42)
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen.
	2. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.
	3. Die Entscheidgebühr und die Gebühr für die Strafuntersuchung fallen ausser  Ansatz. Die Kosten des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 4'730.80 werden auf die Staatskasse genommen.
	4. Dem Beschuldigten wird aus der Staatskasse eine Entschädigung für Anwaltskosten von Fr. 12'853.80 (inkl. MwSt) ausgerichtet.
	5. Dem Privatkläger wird keine Entschädigung zugesprochen.
	6. (Mitteilungen)
	7. (Rechtsmittelbelehrung)"
	Berufungsanträge:
	8. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB.
	9. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 4'800.– plus 5% Zins seit 17. November 2009 zu zahlen.
	10. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Umtriebsentschädigung von Fr. 1'000.– zu zahlen.
	11. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 8'831.80 inkl. 8% MwSt für das erstinstanzliche Verfahren sowie eine Prozessentschädigung zuzüglich 8% MwSt für das Berufungsverfahren zu zahlen;
	unter Kostenfolgen zu Lasten des Beschuldigten.
	Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
	1. Das Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 9. März 2012 sei vollumfänglich zu bestätigen.
	12. Dementsprechend sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.
	13. Die Anträge des Privatklägers auf Zusprechung einer Genugtuung von Fr. 4'800.– nebst Zins zu 5% seit dem 17. November 2009 und einer  Umtriebsentschädigung von Fr. 600.– seien auf den Zivilweg zu verweisen; eventualiter seien abzuweisen.
	14. Der Antrag des Privatklägers auf Zusprechung einer Prozessentschädigung für das erstinstanzliche Verfahren sei abzuweisen.
	15. Die Kosten für das Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzuerlegen, und der Privatkläger sei zu verpflichten, dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine angemessene Entschädigung in der Höhe seiner Anwaltskosten zu bezahlen.
	16. Eventualiter sei dem Beschuldigten aus der Staatskasse eine Entschädigung in der Höhe seiner Anwaltskosten von auszurichten.
	Erwägungen:
	1. Prozessgeschichte
	1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 9. März 2012 wurde der  Beschuldigte vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von  Art. 125 Abs. 1 StGB (gemäss Anklage begangen durch eine Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90...
	1.2. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl die Staatsanwaltschaft am 16. März 2012 als auch der Privatkläger durch seine (erbetene) Vertreterin am 19. März 2012 fristgerecht die Berufung an (Urk. 35 und 35). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk....
	1.3. Mit Präsidialverfügung vom 4. September 2012 wurde die Berufungserklärung des Privatklägers in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den  weiteren Parteien übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die...
	1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ und der Privatkläger in Begleitung seiner Vertreterin Rechtsanwältin lic. iur. X._____  erschienen ...

	2. Umfang der Berufung
	Der Privatkläger lässt die Dispositivziffern 1 (Freispruch), 2 (Verweis der  Zivilklage auf den Zivilweg) sowie 5 (Verweigerung einer Entschädigung an den Privatkläger) anfechten und möchte die Dispositivziffern 3 (Übernahme der  Kosten auf die Gerich...
	2.1. Das vorinstanzliche Urteil ist damit in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen und bildet vollumfänglich Berufungsgegenstand (vgl. Prot. II S. 6 f.).

	3. Sachverhalt
	3.1. Hinsichtlich des massgeblichen Sachverhalts kann grundsätzlich auf die  Anklageschrift bzw. die daraus abgeleitete Zusammenfassung im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 42 S. 4/5; Art. 82 Abs. 4 StPO) verwiesen werden. Präzisierend ist - weitgehend im...
	Was die Fahrweise des Privatklägers betrifft, ist davon auszugehen, dass er mit einem Abstand von ca. 1 Meter links der Führungslinie (Urk. 5/1 S. 2; Urk. 9/9 S. 3) und einer Geschwindigkeit von 79 km/h (Urk. 9/9 S. 2; zugunsten des  Beschuldigten ist...
	3.2. Wie dem Situationsplan (Urk. 7/5) und den Fotoblättern (Urk. 7/6) der  Kantonspolizei Zürich entnommen werden kann, befindet sich vor dem Bauernhof an der C._____-Strasse … in … D._____, d.h. auf der Höhe des vorliegend zu beurteilenden Verkehrsu...

	4. Rechtliche Würdigung
	4.1. Zunächst ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass es vorliegend nicht um die Beurteilung eines Wendemanövers im Sinne des Strassenverkehrsgesetzes geht, sondern um ein "Abbiegen nach links" (vgl. dazu Urk. 42 S. 9; Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch wen...
	4.2. Die Vorinstanz hat den Begriff der Fahrlässigkeit richtig umschrieben  (Urk. 42 S. 10/11). Zu entscheiden ist die Frage, ob der Beschuldigte eine ihn  treffende Sorgfaltspflicht verletzt und so den Unfall verursacht hat. Im Bereich des Strassenve...
	4.3. Wer - wie der Beschuldigte - nach links abbiegen will, muss sich gegen die Strassenmitte halten, den entsprechenden Richtungsanzeiger betätigen und den entgegenkommenden Fahrzeugen den Vortritt lassen (Art. 36 Abs. 1 und 3 SVG; Art. 39 Abs. 1 lit...
	4.4. Demgegenüber durfte der Privatkläger die stockende Autokolonne nicht überholen, jedenfalls nicht mit der von ihm gefahrenen Geschwindigkeit: Entweder hat er gegen Art. 47 Abs. 2 SVG verstossen, wonach Motorradfahrer ihren Platz in der Fahrzeugko...
	4.5. Mit der Vorinstanz ist damit hinsichtlich des Verhaltens des Beschuldigten entscheidende Frage, ob er - insbesondere vor dem Hintergrund des aus Art. 26 Abs. 1 SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatzes - verpflichtet gewesen wäre,  zusätzliche Vorsi...
	1.1.1. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf der Linksabbieger, der  korrekt eingespurt ist und den linken Blinker gestellt hat, in der Regel - ohne unmittelbar beim Abbiegen nochmals den Verkehr hinter ihm beobachten zu müssen - darauf vertrau...
	1.1.2. Allerdings kann sein, dass sich aus der Unklarheit oder Ungewissheit einer bestimmten Verkehrslage Umstände ergeben, die nach allgemeiner Erfahrung die Möglichkeit fremden Fehlverhaltens unmittelbar in die Nähe rückt (BGE 125 IV 83 E. 2b; BGE 1...
	1.1.2.1. Im BGE 125 IV 83 hat es befunden, dass ein korrekt nach links eingespurter Automobilist nicht damit rechnen musste, dass ihn ein Radfahrer vorschriftswidrig links überholen würde, nur weil ein - korrektes - Rechtsüberholen für den Radfahrer w...
	1.1.2.2. Im Entscheid 6B_1009/2008 vom 25. Februar 2009 bezeichnete es das Bundesgericht als alltäglich, dass Zweiradfahrer innerorts stehende und stockende Kolonnen links überholen, und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass Zweiradfahrer dafür in Miss...
	1.1.2.3. Am 16. September 2011 (Entscheid 1B_264/2011) wies das Bundesgericht die Beschwerde eines Motorradlenkers gegen die Einstellung der Strafuntersuchung gegen den Führer des Autos ab, mit welchem er während eines Linksabbiegemanövers des letzt...
	1.1.2.4. In der Sache gleich entschied das Bundesgericht schliesslich im Urteil 1B_206/2012 vom 29. August 2012: Es schützte auch hier die Einstellung der Strafuntersuchung gegen einen Automobilisten, in dessen Fahrzeug beim Linksabbiegen ein überhole...
	1.1.2.5. Vor diesem Hintergrund ist auch vorliegend dem Beschuldigten - mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 17; Art. 82 Abs. 4 StPO) - nicht anzulasten, er habe die  erforderliche Sorgfalt nicht beachtet. Er hatte korrekt eingespurt, sich durch Blicke in d...
	1.1.2.6. An diesen Überlegungen ändert nichts, dass im Gutachten zur technischen Unfallanalyse die Auffassung vertreten wird, der Beschuldigte hätte den Unfall vermeiden können, "wenn er sich zunächst langsam bis an die Führungslinie vorgetastet und d...
	4.6. Der Beschuldigte hat damit keine Verkehrsregeln verletzt. Entsprechend ist ihm keine Sorgfaltspflichtverletzung vorzuwerfen und ist er mithin vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freizusprechen.

	5. Zivilansprüche
	6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	6.1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung zu bestätigen (Dispositivziffern 3 bis 5 des angefochtenen Urteils).
	6.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage an die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der Privatkläger mit seiner Berufung vollumfänglich unterliegt und der Beschuldigte entsprechend obsi...
	6.3. Bei der gegebenen prozessualen Ausgangslage - es steht einzig eine  Berufung des Privatklägers gegen das freisprechende Erkenntnis der Vorinstanz zur Diskussion - wird der vollständig unterliegende Privatkläger gegenüber dem Beschuldigten für das...

	Es wird beschlossen:
	1. Vom Rückzug der Berufung der Staatsanwaltschaft wird Vormerk genommen und das Verfahren insofern als erledigt abgeschrieben.
	17. Es werden für diesen Beschluss keine Kosten erhoben.
	18. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	19. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte B._____ wird vollumfänglich freigesprochen.
	2. Die Zivilklage des Privatklägers wird auf den Zivilweg verwiesen.
	3. Die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung (Ziff. 3 bis 5) wird bestätigt.
	4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
	20. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden dem Privatkläger auferlegt.
	21. Der Privatkläger wird verpflichtet, dem Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'600.– für anwaltliche  Verteidigung zu bezahlen.
	22. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden  des Privatklägers (übergeben)
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vertreterin des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden  des Privatklägers
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 44
	 die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 34a POG)
	 das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung Administrativmassnahmen, 8090 Zürich (PIN-Nr. …)

	23. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.