# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af512dd5-2307-5faf-9538-79625be30c4f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-11-29
**Language:** de
**Title:** Antrag der beschwerdeführenden Pensionskasse ist gutzuheissen, da Abklärungen der AF durch IV-Stelle unzureichend: ganze Rente an Beigeladenen aufgrund Eingliederungsbericht und telefonischer Bestätigung durch behandelnde Psychiaterin
**Docket/Reference:** IV.2024.00061
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00061.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00061
V. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Philipp, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Curiger
Sozialversicherungsrichter Kübler
Gerichtsschreiberin Muraro
Urteil
vom
29. November 2024
in S
achen
Alvoso
Pensionskasse
Gemeindehausweg 1, 6330 Cham
Beschwerdeführerin
Zustelladresse:
Alvoso
Pensionskasse
Zürcherstrasse
104, 8952 Schlieren
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
X.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
Der
1970 geborene,
zum
Werkzeugmacher ausgebildete (Urk. 8/3)
und
seit
1998 für die
Y.___
AG tätige
X.___
meldete sich unter Hinweis auf seit Januar 2021 bestehende psychische Beeinträchtigungen am 27. Mai 2021 bei der Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen an (Urk. 8/4).
Diese klärte den Sachverhalt in erwerblicher
und medizinischer
Hinsicht ab
, wobei sie unter anderem das von der zuständigen Krankentaggeld
versicherung in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten vom 27. April 2022 beizog (Urk. 8/32).
Nachdem sich der Versicherte vom 16. Juni bis zum 18. August 2022 stationär im Sanatorium
Z.___
aufgehalten hatte (Urk.
8/46)
, unter
stützte ihn die IV-Stelle unter Gewährung eines Taggeldes (Urk.
8/72) mittels Aufbautrainings vom 30. Januar bis zum 29. Juli 2023 (Urk.
8/66
).
Da es in die
sem Rahmen nicht gelang, das Arbeitspensum auf 50
% auszubauen (
Abschluss
bericht vom 24. Juli 2023, Urk. 8/79
)
, schloss die IV-Stelle die Eingliederungs
massnahmen mit Mitteilung vom 28. Juli 2023 (Urk. 8/80) ab.
Mit Vorbescheid vom 1. September 2023 zeigte sie
X.___
an,
ihm
ab 1. Juli 2023 eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zu
zu
sprechen
(Urk. 8/85).
Hiergegen erhob die zuständige
E
inrichtung
für berufliche Vorsorge mit Schreiben vom 6.
Oktober 2023 Einwand mit der Begründung, in Bezug auf die Höhe der attestierten Arbeitsunfähigkeit ergebe sich in den Akten eine deutliche Diskrepanz, welche zu beurteilen der RAD unterlassen habe. Mithin seien gegebenenfalls weitere Abklä
rungen sowie eine Würdigung durch den RAD zu veranlassen (Urk. 8/93).
Mit Verfügung vom 21. Dezember 2023
hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest und sprach dem Versicherten wie angekündigt eine ganze Rente der Invaliden
versicherung mit Wirkung ab 1. Juli 2023 zu (Urk. 8/117-122; vgl. auch Urk. 2).
2
.
Hiergegen erhob die
Alvoso
Pensionskasse mit Eingabe vom 26. Januar 2024 Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts
, insbesondere zur Einholung weiterer medizinischer Stellungnahmen,
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeant
wort vom 18. April 2024 um Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, als die Sache zu weiteren Abklärungen an sie zurückzuweisen sei (Urk. 7).
Mit Verfügung vom 24. April 2024 wurde
X.___
zum Prozess beigeladen (Urk.
9), welcher sich am 16. Mai 2024 vernehmen liess (Urk. 11). Am 22. Mai 2024 ordnete das Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an (Urk. 13). Nachdem sich die Beschwer
deführerin innert Frist nicht mehr vernehmen liess (Urk. 16)
,
erweist sich die Streitsache als
spruchreif.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer hat sich im Mai 2021
bei der Invalidenversicherung
ange
meldet. Da indessen noch bis Juli 2023 Eingliederungsmassnahmen durchgeführt wurden und ein Taggeld zur Ausrichtung kam,
könnten allfällige
Rentenl
eistun
gen frühestens ab
Juli 2023 gewährt
werden (vgl. Art. 29 Abs.
2
IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die seit 1. Januar 2022 geltende Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.  ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer
Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellun
gen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkun
gen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid dafür, es sei dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich, irgendwelche Tätigkeit
en
auszuüben
. Mit
hin bestehe
ein Invaliditätsgrad von 100 %
, was ab Juli 2023 Anspruch auf eine ganze Rente
begründe
. Diese Einschätzung stütze sich auf die Institution, welche die Eingliederung über ein halbes Jahr hinweg durchgeführt habe, auf die Beur
teilung der behandelnden Psychiaterin sowie auf
jene der
eigene
n
Eingliede
rungsberatung
. Diese Einschätzungen seien schlüssig und eindeutig, weshalb eine Beurteilung durch den RAD entbehrlich sei (Urk. 2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin insbesondere entgegen, in den Akten liege ein
zig ein Gutachten des
zuständigen
Krankentaggeldversicherers, wonach von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepasster Tätigkeit auszugehen und die bisherige Tätigkeit des Versicherten, welche Leitungsfunktionen umfasst habe, infolge psychischer Beeinträchtigungen als unzumutbar zu qualifizieren sei. Damit habe sich die Beschwerdegegnerin mit keinem Wort auseinandergesetzt, sondern
, ohne vorgängig ihren RAD zu konsultieren,
bloss auf die
Behandlerin
abgestellt, welche - telefonisch - erklärt habe, eine Verlängerung der Eingliede
rungsmassnahmen sei nicht mehr zumutbar und die Rentenprüfung
sei
durchzu
führen (Urk. 1).
2.3
Im Rahmen der Beschwerdeantwort führte
die Beschwerdegegnerin
aus, es sei den Akten nicht ohne Weiteres zu entnehmen, ob respektive inwiefern seit der Begut
achtung am
A.___
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versi
cherten eingetreten sei, weshalb in Übereinstimmung mit dem Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin zwingend weitere Abklärungen zu tätigen seien (Urk. 7).
2.4
Zu diesen Eingaben
äusserte sich der Beigeladene sinngemäss dahingehend, dass den über ein halbes Jahr hinweg andauernden Eingliederungsbemühungen sowie der Einschätzung der seit zwei Jahren behandelnden Psychiaterin mehr Gewicht zukomme, als einem einstündigen Interview. Der Abschlussbericht über die Eingliederungsmassnahmen komme klar zum Schluss, dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei (Urk. 11).
3.
3.1
Vorab zu prüfen ist, ob die angefochtene Verfügung vom 21. Dezember 2023 (Urk. 2) eine Bindungswirkung für die Beschwerdeführerin entfaltet, ihr damit ein schützenswertes Interesse an der Aufhebung oder Änderung derselben zukommt und sie demzufolge beschwerdelegitimiert ist.
3.2
3.2.1
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 59 ATSG). Entsprechend dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens dürfen an die Beschwerdebefugnis auf kantonaler Ebene nicht strengere Anforderungen gestellt werden, als sie Art. 89 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über das Bundesgericht (BGG)
für die Legitimation im Verfahren vor dem Bundesgericht vorsieht. Wer im letzt
instanzlichen Verfahren beschwerdebefugt ist, muss im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren ebenfalls zum Weiterzug berechtigt sein. Daher sind die
Legitimationsvoraussetzungen gemäss Art. 89 Abs. 1 BGG sowie die hierzu ergangene Praxis auch für das kantonale Rechtsmittelverfahren massgebend (BGE 131 V 298 E. 2, 130 V 560 E. 3.2). Namentlich ist der Begriff des schutz
würdigen Interesses gemäss Art. 59 ATSG gleich auszulegen wie derjenige nach Art. 89 Abs. 1
lit
. c BGG für das bundesgerichtliche Beschwerdeverfahren (BGE 133 V 188 E. 4.1 mit Hinweis). Die Rechtsprechung betrachtet als schutz
würdiges Interesse im Sinne von Art. 89 Abs. 1
lit
. c BGG jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem Entscheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem
Entscheidadressaten
verschaffen würde, oder – anders ausge
drückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die von der
beschwerde
führenden
Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht überein
zustimmen. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch den angefochtenen Entscheid stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Bezie
hung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 E. 4.3.1
m.w.H
.; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_751/2018 vom 6. Mai 2019 E. 3.1 f.).
3.2.2
Besondere Bedeutung kommt dem Legitimationserfordernis zu, wenn nicht der Verfügungsadressat im materiellen Sinn, sondern ein Dritter (Drittbeschwerde
führer) den Entscheid anficht (BGE 127 V 80 E. 3a/
aa
m.w.H
.). Hier haben die Legitimationsanforderungen die Funktion, die
Popularbeschwerde
auszuschlies
sen, weshalb bei der Bejahung der Beschwerdebefugnis von Drittbeschwerde
führern Zurückhaltung geboten ist. Erforderlich ist ein spezifisches Rechtsschutz
interesse, welches nur bejaht wird, wenn der Dritte ein unmittelbares und konkretes Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat oder eine spezifische, besonders nahe Beziehung zur Streitsache für sich in Anspruch nehmen kann. Das allgemeine Interesse an der richtigen Auslegung und Durch
setzung des Bundesrechts genügt nicht (BGE 133 V 188 E. 4.3.3
m.w.H
.).
3.2.3
Ein Entscheid der IV-Stelle oder – im Beschwerdefall – des kantonalen Sozialver
sicherungsgerichts (Art. 57 ATSG) respektive des Bundesgerichts ist für eine Ein
richtung der beruflichen Vorsorge verbindlich, sofern sie in das invaliden
versi
cherungsrechtliche Verfahren einbezogen wurde, die konkrete Fragestellung für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung entscheidend war und die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhalt
bar erscheint. Diese Bindungswirkung findet ihre positivrechtliche Grundlage in den Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
, welche an die Regelung des IVG anknüpfen und diese übernehmen (BGE 143 V 434 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.3
Die Beschwerdeführerin wurde ins
Vorbescheidverfahren
einbezogen (Urk. 8/85, 93) und ihr wurde der Rentenentscheid eröffnet (Urk. 2).
Der Rentenanspruch ent
steht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach dessen Geltendmachung (Art. 29 Abs. 1 IVG) und setzt voraus, dass die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits
unfähig gewesen ist (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG).
Der
Beigeladene
hatte sich am
27.
M
ai 2021
zum Leistungsbezug angemeldet (Urk.
8/4
)
. In Übereinstimmung mit den Akten der Krankentaggeldversicherung legte die
IV-Stelle
den Beginn des Wartejahres
auf den
4. Januar 2021 fest (Urk. 8/82/7, Urk. 14/24-25)
; mithin erfolgte die Anmeldung de
s
Beigeladenen
aus IV-rechtlicher Sicht nicht verspätet und
er
stand im fraglichen Zeitraum
in einem Vorsorgeverhältnis mit der Beschwerdeführerin (
Urk. 1 S. 2;
Arbeitgeberbescheinigung
Urk. 8/35,
Auflösung des Arbeitsverhältnisses per
3. Januar 2023 durch Konkurseröffnung, Urk. 8/55).
Damit kommt der Invaliditätsbemessung und der Festlegung des Rentenbeginns durch die IV-Stelle grundsätzlich Bindungswirkung für die Beschwerdeführerin zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_315/2013 vom 27. Oktober 2013 E. 3.1), was zu ihrer Beschwerdelegitimation im vorliegenden Verfahren führt.
4.
4.1
Im
psychiatrischen
Gutachten
,
welches
das
A.___
zu Händen des zuständigen Krank
entaggeldversicherers am 27. April 2022 erstattet
hatte
(Urk. 8/32), wurden als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
eine (1)
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1)
, eine (2)
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1
) sowie eine (3)
Panikstörung (ICD-10: F41.0)
aufgeführt. Den darüber hinaus
gestellten
Diagnosen einer psychischen- und Verhaltensstörung durch Opioide sowie durch Sedativ
a
und Hypnotika
mass der Gutachter
keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit zu (Urk. 8/31/12).
Der Gutachter hielt unter Berücksichtigung des
Akti
vitätenniveaus
des
Beigeladenen
eine adaptierte Tätigkeit in einem Pensum von 50 % (2.5 Stunden am Vormittag, 2.5 Stunden am Nachmittag mit einer Leis
tungsminderung von 10 %) für zumutbar (Urk. 8/32/14, 16), während in ange
stammter Tätigkeit, welche mit Leitungsfunktionen verbunden gewesen sei und damit hohe Anforderungen gestellt habe, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe (Urk. 8/32/15).
Eine weitere,
von den
Behandlern ins Auge gefasste
stationäre Therapie sei aktuell medizinisch indiziert und würde mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten führen (Urk.
8/32/16).
4.2
Im
Arzt
bericht des Sanatoriums
Z.___
vom 24. August 2022 (Urk. 8/46), wo sich der Beigeladene vom 16. Juni bis zum 18. August 2022 hatte behandeln lassen, wurde als Hauptdiagnose eine Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie als Nebendiagnose psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom
,
genannt (Urk. 8/46/3). Die Fachpersonen bezeichneten die Prognose zur Arbeitsfähigkeit bei Fortsetzung der ambulanten Psychotherapie mit regelmässigen Expositionstrainings als gut und erachteten ein Eingliederungspotential in bisheriger als auch angepasster Tätigkeit von zwei bis drei Stunden
täglich
für gegeben (Urk. 8/46/4).
4.3
Med.
pract
.
B.___
, Fachärztin für Psychiatrie
,
diagnostizierte mit Bericht vom 8. Oktober 2022 (Urk. 8/50) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung (ICD-10: F41.0), welche ab 16. Mai 2021 zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit geführt habe; ohne Auswirkung sei das Abhängigkeits
syndrom von Methadon. Sie erachtete die Prognose zur Arbeitsfähigkeit als gut und hielt fest, der Beigeladene arbeite gerne und wolle Anfang 2023 im Sinne ein
e
s Arbeitsversuches die bisherige Tätigkeit mit einem Pensum von 20 % wieder aufnehmen (Urk. 8/50/3).
4.4
Gemäss Abschlussbericht vom 24. Juli 2023 (Urk. 8/79) über das vom 30. Januar bis zum 29. Juli 2023 bei der
C.___
durchgeführte Aufbautraining des Beigelade
nen beträgt
die empfohlene Präsenz
bzw. das Arbeitspensum 35 %. Mehr sei infolge Schwindels und Brustschmerzen nicht möglich.
Ein Pensum von fünf wöchentlichen
Halbtage
n habe
der Beigeladene
bloss während einer Woche durchgehalten.
Seine
Leistungsfähigkeit entspreche knapp der eines Gruppen
leiters. Diese gute Leistung habe er während der ganzen Arbeitszeit aufrechterhal
ten können. In der Praxis sei das Verhalten des Beigeladenen einwandfrei und entspreche knapp dem
ersten
Arbeitsmarkt. Er organisiere sich selber, zeige eine sehr gute Selbständigkeit und denke mit sowie vorausschauend. Das Tempo sei angepasst. Wenn er mit der Arbeit fertig gewesen sei, habe er sich selbständig etwas Neues gesucht oder sich beim Gruppenleiter gemeldet (Urk. 8/79/3). Nach
dem der Beigeladene Ende März einen gesundheitlichen Aufschwung verspürt habe, sei am 21. April ein gemeinsames Treffen mit der Psychiaterin durchgeführt worden, anlässlich dessen Ziele formuliert worden seien (
Temestakonsum
herun
terschrauben, Pensum moderat steigern, die sehr gute Arbeitsqualität beibehalten, soziale Kontakte weiter pflegen). Ab Mai habe der Beigeladene den
Temesta
konsum
wieder bis auf die doppelte Menge gesteigert, Ende Mai sei er an der für
ihn möglichen Obergrenze des Pensums angelangt. Ein Einsatz im ersten Arbeits
markt sei für ihn nicht denkbar, da seine Spannungszustände gegen Ende der Massnahme wieder stark zugenommen hätten.
Er habe oft betont, dass die gesamte Zeit eine richtige Qual sei. Schliesslich habe die behandelnde Psychiate
rin anlässlich des Telefontermins vom 20. Juli 2023 erklärt, einer Verlängerung der
Eingliederungsm
assnahme nicht zuzustimmen, da der Beigeladene nicht fähig sei, mehr zu leisten und sein Höchstniveau der Arbeitsfähigkeit jeweils nach eineinhalb Stunden erreicht sei. Sie empfehle die Rentenprüfung (Urk. 8/79/4).
4.5
Gestützt auf diesen Abschlussbericht beendete die Beschwerdegegnerin die Eingliederungsmassnahmen (Urk. 8/80, 8/81/2) und hielt in einer internen Notiz fest,
a
ufgrund der klaren Rückmeldungen während der beruflichen Massnahmen sei auf eine RAD-Anfrage zu verzichten. Es zeige sich deutlich, dass dem Versi
cherten keine Erwerbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zumutbar sei, was einem IV-Grad von 100 % entspreche (Feststellungsblatt, Urk. 8/82/6).
Trotz Einwands der Beschwerdeführerin gegen den Vorbescheid vom 1. September 2023 (Urk.
8/85), die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die deutlichen Diskre
panzen in der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit des Versicherten
mittels weiteren Abklärungen aufzulösen
(Urk. 8/93), sah die Beschwerdegegnerin
hier
für
keine Veranlassung
, sondern sprach dem Beigeladenen vielmehr in Bestäti
gung ihres Vorbescheids mit Verfügung vom 21. Dezember 2023 eine ganze Rente zu
(Urk.
2).
5.
5.1
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c
i.V.m
.
Art. 2 ATSG)
und
den Sachverhalt
soweit zu ermitteln,
bis dieser zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklich
keit zu entsprechen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachen
feststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklä
rungsmassnahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
5.2
Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe den Unter
suchungsgrundsatz in
gravierender
Weise verletzt, da sie die erheblichen Diver
genzen in der Einschätzung der Leistungsfähigkeit des Beigeladenen nicht ausgeräumt habe (E. 2.2), ist berechtigt. Während der
psychiatrische
Gutachter des
A.___
im Frühjahr 2022 noch von einer - mittels geeigneter Therapievor
kehr
- steigerbaren Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50 %
ausgegan
gen war
(E.
4.2)
, soll
ab Juli 2023
den Angaben der behandelnden Psychiaterin zufolge
nunmehr
gar keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit mehr vorliegen (E.
4.4 am Schluss). Eine Erklärung dafür ist weder aktenkundig noch liesse sich eine solche Verschlechterung mit Blick auf die derzeit greifbaren Akten begrün
den, erachtete die behandelnde Psychiaterin im Oktober 2022 doch - wie bereits der Gutachter zuvor - die Prognose als gut und liess sich im Aufbau
training doch immerhin ein
Pensum von 35 % erreichen, im Rahmen dessen der Beigeladene eine gute Leistung zeigte, die knapp der eines Gruppenleiters entspr
ochen habe
(E. 4.4).
Das Vorbringen
des Beigeladenen sowie seiner
Behand
lerin
, sein Höchst
niveau sei nach eineinhalb Stunden erreicht, nachher sei alles eine Qual (E. 4.4 am Ende), lässt sich jedenfalls mit den in der Eingliederung gewonnenen Erkennt
nissen nicht begründen.
Ohnehin ist rechtsprechungsgemäss bei unklaren Verhältnissen respektive bei sich widersprechenden ärztlichen Berichten grund
sätzlich nicht alleine gestützt auf die B
er
ichte der behandelnden Ärzte zu ent
scheiden, sondern es ist als objektive Beurteilungsgrundlage in der Regel ein medizinisches Gutachten einzuholen (Urteil des Bundesgerichts 9C_577/2020 vom 9. Dezember 2020 E. 3.3.1).
Dies gilt umso mehr, als
grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind (E. 1.4). Hieran vermag nichts zu ändern, dass sich die Ziele der Eingliederungsmassnahmen offenbar nicht errei
chen liessen, ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeits
leistungen rechtspre
chungsgemäss nach Massagabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschä
di
gung in erster Linie durch die medizinischen Fachpersonen und nicht durch die Eingliederungsfachleute
auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteil des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23.
September 2021 E. 5.1.2.2).
Mithin bleiben unüberbrück
bare Zweifel an der Vollständigkeit beziehungsweise Richtigkeit des von der Beschwerdegegnerin abgeklärten medizinischen Sachverhalt
s
,
was die Beschwer
degegnerin denn nun auch einräumt (E. 2.3) und weitere
Abklärungen unum
gänglich
macht
(E. 5.1)
.
5.3
Zusammenfassend
erweist sich
der Gesundheitszustand des Beigeladenen
als unzureichend
abgeklärt
. Es ist in erster Linie Aufgabe des Versicherungsträgers, von Amtes
wegen die notwendigen Abklärungen
vorzunehmen, um den rechts
erheblichen Sachverhalt vollständig festzustellen (vgl. BGE 149 V 218 E. 5.7). Die angefochtene Verfügung vom 21. Dezember 2023 ist demnach aufzuheben und
die Sache - wie von der
Beschwerdeführerin (E. 2.
2
) und der
Beschwerdegegnerin beantragt (
E. 2.3
) - zur Durchführung weiterer Abklärungen und zu neuem Ent
scheid über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind
ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen
(
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
21. Dezember 2023
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit sie nach ergänzenden Abklärun
gen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch de
s
Beigeladenen
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Alvoso
Pensionskasse
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Beilage
je einer Kopie
von Urk.
11
und
12/1-3
-
X.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
PhilippMuraro