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**Case Identifier:** 52012474-d578-51c4-86f3-d82c956afafe
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-31
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 31.03.2025 SST.2024.73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-73_2025-03-31.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2024.73 
(ST.2023.41; StA.2021.866) 

 

 

Urteil vom 31. März 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin i.V. Lehmann 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, 

Seetalstrasse 8, 5630 Muri  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.2000, von Leutwil, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Willy Bolliger,  

[…] 

 

 
 

Gegenstand  Qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erhob am 27. Juni 2023 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen diverser Widerhandlungen gegen das 

Strassenverkehrsgesetz, teilweise in mehrfacher Tatbegehung. 

 

2. 

Mit Urteil vom 16. Januar 2024 sprach das Bezirksgericht Muri den 

Beschuldigten von den Vorwürfen der qualifiziert groben Verkehrsregelver-

letzung gemäss Anklageziffer 1.1, des mehrfachen Fahrens ohne Haft-

pflichtversicherung sowie des Fahrens ohne Fahrzeugausweis und ohne 

Kontrollschilder frei. Es verurteilte den Beschuldigten wegen qualifiziert 

grober Verkehrsregelverletzung gemäss Anklageziffer 2 zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von 3 Jahren. Zudem 

widerrief es den mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

vom 13. Februar 2020 für die Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00, 

d.h. Fr. 4'400.00, gewährten bedingten Vollzug und verurteilte den Be-

schuldigten wegen Fahrens ohne Berechtigung zu einer Zusatzstrafe in der 

Form einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. 

Fr. 4'400.00, mit einer Probezeit von 3 Jahren. Die Verfahrenskosten von 

insgesamt Fr. 2'416.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 550.00) wurden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 18. April 2024 beantragte der Beschuldigte, er 

sei auch vom Vorwurf der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung ge-

mäss Anklageziffer 2 sowie des Fahrens ohne Berechtigung freizuspre-

chen. Entsprechend sei auch auf den Widerruf des mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Februar 2020 für die Geld-

strafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. Fr. 4'400.00, gewährten be-

dingten Vollzugs zu verzichten. 

 

3.2. 

Am 20. Juni 2024 reichte der Beschuldigte vorgängig zur Berufungsver-

handlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 11. Juli 2024 beantragte die Staats-

anwaltschaft Muri-Bremgarten die Abweisung der Berufung. 

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 31. März 2025 zusammen mit dem 

Berufungsverfahren in Sachen B._____ (SST.2024.89) statt. 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Vorwurf der qualifi-

ziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss Anklageziffer 2 sowie des 

Fahrens ohne Berechtigung. In der Konsequenz mitangefochten sind die 

Strafzumessung sowie die Kostenverlegung. Nicht angefochten und damit 

nicht zu überprüfen ist der vorinstanzliche Freispruch von den Vorwürfen 

der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss Anklageziffer 1.1, 

des mehrfachen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung sowie des Fahrens 

ohne Fahrzeugausweis und ohne Kontrollschilder (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Bezüglich der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss Ankla-

geziffer 2 wurde dem Beschuldigten im Wesentlichen vorgeworfen, er sei 

am 26. März 2020 zwischen 21:00 und 23:00 Uhr mit seinem Audi S4 Avant 

Quattro mit dem Kontrollschild «AG [...]» in Hallwil auf der Seetalstrasse 

Richtung Lenzburg ein nicht bewilligtes Autorennen gegen den Mitbe-

schuldigten B._____ gefahren. Dabei hätten B._____ und der Beschuldigte 

ihre Fahrzeuge nebeneinander über eine Strecke von mehreren hundert 

Metern maximal beschleunigt. Ausserorts sei der Beschuldigte mit einer 

Geschwindigkeit von mindestens 128 km/h gefahren, wobei er auch bei 

Erreichen des Innerortsbereichs nicht abgebremst und somit die signali-

sierte Höchstgeschwindigkeit massiv überschritten habe. Zudem habe er 

ein waghalsiges Überholmanöver durchführen wollen, welches aufgrund 

der Geschwindigkeitsüberschreitung durch B._____ gescheitert sei. 

 

Die Vorinstanz hat diesen Sachverhalt im Wesentlichen gestützt auf ein 

geschnittenes Video (act. 422, VID-20200327-WA0000.mp4), das bei der 

Auswertung des Mobiltelefons von B._____ im Rahmen des Strafver-

fahrens gegen Letzteren gefunden worden war, als erstellt erachtet und 

den Beschuldigten der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss 

Art. 90 Abs. 3 SVG schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte bestreitet mit Berufung seine Täterschaft und beantragt 

einen vollumfänglichen Freispruch (Berufungsbegründung S. 8). Diesbe-

züglich bringt er vor, dass die auf dem Mobiltelefon von B._____ gefunde-

nen Videos nicht verwertbar seien, weil es sich um Zufallsfunde handle 

(Berufungsbegründung S. 5 ff.). Im Übrigen würde das geschnittene Video 

nicht beweisen, dass sich der Beschuldigte während des gefilmten Ren-

nens am Steuer befunden habe (Berufungsbegründung S. 12 ff.). 

 

2.2. 

Betreffend die Verwertbarkeit der auf dem Mobiltelefon von B._____ 

gefundenen Videos bringt der Beschuldigte vor, dass es sich hierbei um 

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Zufallsfunde handle (Berufungsbegründung S. 5). Dem ist zuzustimmen 

(vgl. zur Definition von Zufallsfunden: BGE 139 IV 128 E. 2.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_381/2024 vom 13. Januar 2025 E. 1.3; je mit Hinwei-

sen). Jedoch sind weder Art. 278 StPO noch die dazugehörige bundesge-

richtliche Rechtsprechung, auf die sich der Beschuldigte beruft (Beru-

fungsbegründung S. 6 f. mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 

6B_1381/2017 vom 25. Juni 2018), einschlägig. Der Beschuldigte verkennt, 

dass Art. 278 StPO einzig auf die Verwertbarkeit von Zufallsfunden in 

Bezug auf geheime Überwachungsmassnahmen i.S.v. Art. 269 ff. StPO 

anwendbar ist. Vorliegend handelt es sich jedoch um eine Durchsuchung 

eines Mobiltelefons gemäss Art. 241 ff. StPO, bei welcher zufällig entdeckte 

Videodateien, die mit der abzuklärenden Straftat nicht in Zusammenhang 

stehen, aber auf eine andere Straftat hinweisen, sichergestellt werden 

(Art. 243 Abs. 1 StPO; vgl. GFELLER/THORMANN, in: Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 6 ff. zu Art. 243 

StPO). Solche Zufallsfunde können ohne Einschränkungen Anlass zur Er-

öffnung eines neuen Strafverfahrens geben und in diesem als Beweismittel 

verwendet werden, soweit die ursprüngliche Massnahme rechtmässig war. 

War die Massnahme, die zum Zufallsfund führte, rechtswidrig, dürfen die 

Ergebnisse nur unter den Einschränkungen von Art. 141 Abs. 4 i.V.m. 

Art. 141 Abs. 2 StPO verwertet werden (Urteile des Bundesgerichts 

6B_381/2024 vom 13. Januar 2025 E. 1.3; 6B_584/2022 vom 14. August 

2023 E.1.3.2; 6B_194/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.5.3; je mit Hinweisen). 

 

Der Beschuldigte behauptet zurecht nicht, dass die ursprüngliche 

Durchsuchung und Auswertung des Mobiltelefons von B._____ rechts-

widrig gewesen sei (vgl. Berufungsbegründung S. 5). Ganz im Gegenteil 

wurde die Entsiegelung des fraglichen Mobiltelefons mit Urteil des Bundes-

gerichts 1B_386/2021 vom 6. Dezember 2021 letztinstanzlich bestätigt 

(act. 204 ff.). Damit kann nicht von einer unrechtmässigen «fishing expedi-

tion» gesprochen werden, wie dies der Beschuldigte im Widerspruch zu 

seinen eigenen Ausführungen, insbesondere seiner Qualifikation der Vi-

deos als Zufallsfunde, vorbringt (Berufungsbegründung S. 7; vgl. zur Defini-

tion von «fishing expeditions»: BGE 139 IV 128 E. 2.1; Urteil des Bundesge-

richts 6B_381/2024 vom 13. Januar 2025 E. 1.3; je mit Hinweisen). 

Vielmehr ist die Auswertung des Mobiltelefons von B._____ im Rahmen 

des gegen ihn laufenden Strafverfahrens rechtmässig erfolgt, weshalb die 

darauf gefundenen Videoaufnahmen des Beschuldigten als Zufallsfunde 

gemäss Art. 243 StPO zu qualifizieren und entsprechend ohne Einschrän-

kung verwertbar sind. Dies gilt auch für sämtliche daraus resultierenden 

Folgebeweise. Dass sich der Beschuldigte im Rahmen des gegen B._____ 

angestrengten Strafverfahrens nicht bezüglich der Verwertung dessen 

Mobiltelefons äussern konnte (vgl. Berufungsbegründung S. 6), liegt in der 

Natur eines Zufallsfundes. Erst durch den Zufallsfund wird ein neuer 

Tatverdacht begründet, den man bisher noch nicht hatte. Basierend auf 

diesem neuen Tatverdacht gegen den Beschuldigten wurde von der 

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Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten am 3. Mai 2022 denn auch ein neues 

Strafverfahren eröffnet (act. 18; vgl. Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO und Art. 243 

Abs. 2 StPO), in welchem der Beschuldigte sämtliche Verteidigungsrechte 

geltend machen konnte. 

 

Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass, selbst wenn die ursprüngli-

che Auswertung des Mobiltelefons von B._____ unrechtmässig erfolgt 

wäre, dies gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zumindest hin-

sichtlich der vorgeworfenen Raserfahrt vom 26. März 2020 nicht zur 

Unverwertbarkeit der Videoaufnahmen führen würde. Gemäss Art. 141 

Abs. 2 StPO dürfen Beweise, die Strafbehörden in strafbarer Weise oder 

unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften erhoben haben, nicht verwer-

tet werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung schwerer 

Straftaten unerlässlich. Damit beinhaltet Art. 141 Abs. 2 StPO eine Inte-

ressenabwägung; je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher 

überwiegt das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private 

Interesse der beschuldigten Person daran, dass der fragliche Beweis 

unverwertet bleibt (BGE 149 IV 352 E. 1.3.3; BGE 147 IV 9 E. 1.3.1; BGE 

146 I 11 E. 4.2; je mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung sämtlicher 

Umstände des konkreten Falles (vgl. dazu unten) hat sich der Beschuldigte 

der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht und wird 

entsprechend bestraft. Bei der vorgeworfenen Raserfahrt im Sinne von 

Art. 90 Abs. 3 SVG ist der Beschuldigte wissentlich und willentlich ein 

erhöhtes Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder gar Todesopfern 

eingegangen, weshalb zweifellos von einer schweren Straftat im Sinne von 

Art. 141 Abs. 2 StPO auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_381/2024 vom 13. Januar 2025 E. 2.4, wonach bereits eine grobe 

Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG eine schwere Straftat 

im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO darstellen kann). Somit wären die Vi-

deodateien, sollten sie nicht als Zufallsfunde qualifiziert werden, auch in 

Anwendung von Art. 141 Abs. 2 StPO verwertbar, sofern sie die qualifiziert 

grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Anklageziffer 2 betreffen. 

 

2.3. 

2.3.1. 

Der Beschuldigte bestreitet auch bei Verwertbarkeit der Aufnahmen, dass 

er sich während des gefilmten Rennens in Hallwil am Steuer befunden 

habe (Berufungsbegründung S. 8, 12 f.). 

 

Gestützt auf die sich in den Akten befindende Videoaufnahme (act. 422, 

VID-20200327-WA0000.mp4), hat – wie bereits die Vorinstanz – auch das 

Obergericht keine Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten. 

 

2.3.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

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unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzun-

gen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven Sach-

lage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio pro reo»). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche 

immer möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, 

dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Beschuldigten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel «in 

dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden 

Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet worden sind und 

nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante Zweifel bestehen 

(BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichgestellt (BGE 144 IV 345 

E. 2.2.3.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_1059/2019 vom 10. November 

2020 E. 3.3.3). Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet 

nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache 

oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in 

ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen 

rechtsgenüglichen Beweis von Tat und Täter erlaubt (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_390/2021 vom 18. März 2022 E. 1.2.2 mit Hinweisen). 

 

2.3.3. 

Sowohl im Untersuchungsverfahren als auch anlässlich der vorinstanz-

lichen Hauptverhandlung sowie der Berufungsverhandlung verweigerte der 

Beschuldigte jegliche Aussage (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13; 

act. 603 ff., 761). Zur Sachverhaltsfeststellung dient somit insbesondere 

der geschnittene Kurzfilm, der im Rahmen des Strafverfahrens gegen 

B._____ auf dessen Mobiltelefon gefunden wurde (act. 422, VID-

20200327-WA0000.mp4). In einer ersten Videosequenz ist ersichtlich, wie 

B._____ auf seinen blauen Subaru mit dem Kontrollschild «AG [...]» zugeht, 

die Fahrertür öffnet und einsteigt. Aus einer anderen Perspektive wurde 

gefilmt, wie der blaue Subaru davonfährt und wiederum eine neue Szene 

zeigt, wie er beschleunigend aus einer Kurve auf eine Hauptstrasse 

einbiegt, wo er noch weiter beschleunigt. Ab Sekunde 35 ist der Beschul-

digte zu sehen, wie er mit einer Zigarette im Mund vor seinem schwarzen 

Audi S4 Avant Quattro mit dem Kontrollschild «AG [...]» posiert und an-

schliessend auf der Fahrerseite einsteigt. Die folgende Szene zeigt aus 

einer anderen Perspektive, wie der Fahrer des Audis eine Zigarette aus 

dem Fenster wirft und das Auto startet. Nochmal aus einer neuen Perspek-

tive wurde gefilmt, wie der Audi beschleunigend auf eine Hauptstrasse 

einbiegt. In der nächsten Videosequenz ist zuerst der fahrende Subaru von 

vorne auf der Seetalstrasse in Hallwil Richtung Boniswil zu sehen, worauf-

hin der dahinterfahrende schwarze Audi auf die linke Fahrbahn wechselt 

und den blauen Subaru zu überholen versucht. Die beiden Fahrzeuge 

fahren während etwa sechs Sekunden nebeneinander, bevor wiederum die 

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Perspektive wechselt. In der darauffolgenden, aus einem nachfahrenden 

Auto gefilmten Szene sind die beiden Fahrzeuge von hinten auf der See-

talstrasse zwischen Boniswil und Hallwil Richtung Lenzburg zu sehen, wie 

sie nebeneinander – der Audi befindet sich wiederum auf der linken 

Fahrbahn – während mindestens zehn Sekunden über eine Strecke von 

mehreren hundert Metern maximal beschleunigen. Auch beim Erreichen 

des Innerortsbereiches von Hallwil bremst keines der Fahrzeuge ab. 

 

Diese Aufnahmen wurden von einem «C._____» zum vorgebrachten 

Kurzfilm zusammengeschnitten und am 27. März 2020 um 01:17 Uhr in 

einem WhatsApp-Gruppenchat namens «J._____» an den Beschuldigten, 

den Mitbeschuldigten B._____ sowie den Zeugen E._____ geschickt 

(act. 421). Bezüglich der Person des Filmers schwiegen sich sämtliche im 

Rahmen der Berufungsverhandlung einvernommenen Personen aus, je-

doch gaben sowohl B._____ als auch E._____ zu Protokoll, dass der 

zweite Zeuge D._____ mit dem im Chatverlauf als «C._____» bezeichne-

ten Absender der Nachricht identisch sei (Protokoll der Berufungsverhand-

lung S. 8, 18). Bereits anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

zeigte sich der Mitbeschuldigte B._____ bezüglich seiner eigenen Täter-

schaft als Fahrer des blauen Subarus geständig, verweigerte aber jegliche 

Aussage bezüglich der Person, die am Steuer des Audi S4 Avant Quattro 

sass (act. 756). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung machte er kei-

ne weiteren Angaben (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 18, 22) und 

sowohl D._____ als auch E._____, die vor Obergericht erstmals als Zeugen 

einvernommen wurden, machten keine Aussagen bezüglich des Fahrers 

des schwarzen Audis (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 5, 11). 

 

Entgegen den Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung 

S. 12 ff.) bestehen jedoch trotz des Umstandes, dass in den relevanten 

Filmsequenzen aufgrund der Lichtverhältnisse weder der Fahrer noch das 

Kontrollschild des Audis deutlich zu erkennen sind, keine ernstzunehmen-

den Zweifel an seiner Täterschaft. Insbesondere der Umstand, dass der 

Kurzfilm aus verschiedenen Videosequenzen zusammengeschnitten und 

mit Musik hinterlegt wurde, schliesst die verlässliche Identifikation des 

Beschuldigten als Lenker nicht aus (vgl. Berufungsbegründung S. 12). Die 

Aufnahmen sind zwar offensichtlich zu einem fliessenden Video zusam-

mengeschnitten worden. Hinweise darauf, dass die einzelnen Videose-

quenzen inhaltlich verändert oder mit früher oder später erstellten Aufnah-

men einer anderen Fahrt zusammengeschnitten worden wären, liegen 

jedoch nicht vor. Aus der WhatsApp Nachricht vom 27. März 2020, mit 

welcher «C._____» das geschnittene Video an die Gruppe «J._____» 

geschickt hat (act. 421), geht vielmehr hervor, dass nur ein Zusammen-

schnitt im Sinne einer Verkürzung erfolgt ist. Davon ist denn auch aufgrund 

der Licht- und Witterungsverhältnisse sowie der Aussagen von B._____, 

dass alle Videosequenzen am selben Abend aufgenommen worden seien 

(vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 23 f.), auszugehen. 

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Aufgrund der deutlich erkennbaren und unbearbeiteten ersten Videose-

quenz, die den schwarzen Audi S4 Avant Quattro zeigt, ist für das Oberge-

richt erstellt, dass der Beschuldigte am besagten Abend auf der Fahrerseite 

eben dieses Fahrzeuges eingestiegen ist. Hinweise darauf, dass daraufhin 

– vor den gefilmten Szenen, die gemäss Anklage in qualifiziert grober Wei-

se die Verkehrsregeln verletzen – ein Fahrerwechsel stattgefunden hätte 

(vgl. Berufungsbegründung S. 14), gibt es keine (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 5, 11). Vielmehr spricht für die Lenkereigenschaft des Be-

schuldigten anlässlich der gefilmten Fahrt, dass der nicht erkennbare Fah-

rer, der den Audi startet, eine Zigarette aus dem Fenster wirft, nachdem der 

Beschuldigte in der ersten Szene mit einer Zigarette im Mund eingestiegen 

ist. 

 

Hinzukommt, dass der Beschuldigte der eingetragene Halter des Audi S4 

Avant Quattro ist (act. 385), dessen Kontrollschild «AG [...]» in der ersten 

Vorstellungsszene klar zu entziffern ist. Auch wenn der Halter eines 

Fahrzeugs nicht zwingend dessen Lenker sein muss (vgl. Berufungs-

begründung S. 13), kann nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

bei einem Strassenverkehrsdelikt, das von einem nicht eindeutig identifi-

zierbaren Fahrzeuglenker begangen worden ist, die Haltereigenschaft ein 

Indiz für die Täterschaft sein (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_686/2024 vom 27. November 2024 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Das 

Gericht kann im Rahmen der Beweiswürdigung ohne Verletzung der 

Unschuldsvermutung zum Schluss gelangen, der Halter habe das Fahr-

zeug selber gelenkt, wenn dieser die Tat bestreitet und sich über den 

möglichen Lenker ausschweigt, unglaubhafte oder widerlegte Angaben 

zum Lenker macht, sich auf sein Aussageverweigerungsrecht beruft oder 

lediglich die Möglichkeit ins Spiel bringt, nicht selber gefahren zu sein (statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_686/2024 vom 27. November 2024 

E. 2.2.1 mit Hinweisen). Des Weiteren gestand der Mitbeschuldigte 

B._____ sowohl anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als 

auch anlässlich der Berufungsverhandlung, dass er sich während des 

Rennens am Steuer des blauen Subarus befunden habe (Protokoll der Be-

rufungsverhandlung S. 22; act. 756). Somit erhellt nicht, weshalb B._____ 

im Video korrekterweise als Fahrer seines blauen Subarus vorgestellt 

wurde, der Audi S4 Avant Quattro jedoch von einer anderen Person als 

dem vorgängig vorgestellten Beschuldigten gefahren worden sein soll. 

Ohnehin ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte ein Video 

seines eigenen Autos erstellen lassen, vorgängig vor dem Fahrzeug 

posieren und anschliessend inszenieren sollte, wie er gleich losfährt, wenn 

während des gefilmten Rennens in Tat und Wahrheit eine andere Person 

am Steuer gesessen habe. Vielmehr liegt der Schluss nahe, dass im 

Kurzfilm zuerst beide Fahrer und ihre jeweiligen Autos vorgestellt worden 

sind und sich diese danach ein Rennen geliefert haben. 

 

 - 9 - 

 

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (vgl. Berufungsbegründung 

S. 14, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30) erstaunt auch nicht, dass 

das inkriminierende Video nicht auf seinem Mobiltelefon gefunden werden 

konnte, als dieses am 25. August 2022 beschlagnahmt und anschliessend 

durchsucht wurde (act. 218 ff.). Nachdem am 3. März 2021 ein Strafver-

fahren gegen B._____ eröffnet wurde (act. 17) und der Beschuldigte am 

8. April 2021 im Rahmen des eingestellten Strafverfahrens gegen D._____ 

als Auskunftsperson einvernommen wurde (nicht paginierte Beizugsakten 

der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten STA4 ST.2021.866, Einvernahme 

von A._____ vom 8. April 2021), liegt nahe, dass er in der Zwischenzeit 

allfälliges Videomaterial auf seinem Mobiltelefon gelöscht hat. Ebenfalls 

nichts zu seinen Gunsten ableiten lässt sich aus dem Umstand, dass ihn 

die Vorinstanz bezüglich eines ähnlichen Vorwurfes gemäss Anklagezif-

fer 1.1 nicht als Täter erkannt und freigesprochen hat (vgl. Berufungsbe-

gründung S. 7 f., 13). Der vorinstanzliche Freispruch vom Tatvorwurf ge-

mäss Anklageziffer 1.1 ist nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens und 

deshalb auch nicht zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO); vielmehr würde 

ein diesbezüglicher Schuldspruch gegen das Verschlechterungsverbot 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) verstossen. 

 

2.3.4. 

Insgesamt hat das Obergericht bei einer Gesamtwürdigung aller relevanten 

Beweise keine ernstzunehmenden Zweifel daran, dass der Beschuldigte 

am 26. März 2020 zwischen 21:00 und 23:00 Uhr am Steuer des schwarzen 

Audi S4 Avant Quattro gesessen ist und die gefilmten Fahrten in Hallwil, 

insbesondere jene, die gemäss Anklage in qualifiziert grober Weise die 

Verkehrsregeln verletzen, unternommen hat. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Nach Art. 90 Abs. 3 SVG macht sich strafbar, wer durch vorsätzliche 

Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko eines Unfalls mit 

Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch besonders 

krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsiges 

Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motor-

fahrzeugen. 

 

Eine qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 

SVG liegt in jedem Fall vor, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 

mindestens 60 km/h überschritten wird, wo sie höchstens 80 km/h beträgt 

(Art. 90 Abs. 4 lit. c SVG), oder wenn sie um mindestens 50 km/h 

überschritten wird, wo sie höchstens 50 km/h beträgt (Art. 90 Abs. 4 lit. b 

SVG). Liegen weitere Umstände vor, welche das hohe Risiko eines Unfalls 

im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG erhöhen, kann eine krasse Geschwindig-

keitsüberschreitung auch dann angenommen werden, wenn der Grenzwert 

von Art. 90 Abs. 4 SVG nicht erreicht ist (vgl. BGE 142 IV 137 E. 8.1; Urteile 

 - 10 - 

 

 

des Bundesgerichts 6B_429/2021 vom 3. Mai 2022 E. 2.4; 6B_148/2016 

vom 29. November 2016 E. 1.4.4). 

 

Ein Rennen im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG setzt zwei Personen voraus, 

die sich spontan oder geplant dazu entschliessen, sich gegenseitig in ihrer 

fahrerischen Stärke und Leistungskraft des eigenen Wagens zu überbieten 

(BGE 130 IV 58 E. 9.1.1; Urteil des Bundesgericht 6B_1399/2016 vom 

3. Oktober 2017 E. 1.3.4). Unerheblich ist, ob das Rennen im Vorfeld ver-

einbart wurde oder der Wille, einen Wettstreit abzuhalten, konkludent 

erfolgte beziehungsweise sich aus den Umständen ergeben hat. Ebenso 

irrelevant sind die Gründe, weshalb ein Lenker schneller als der andere 

sein wollte und sie sich ein Rennen geliefert haben (vgl. WEISSENBERGER, 

Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. Zürich 2015, N. 146 zu Art. 

90 SVG). 

 

Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG kann auch durch die Kumulation 

mehrerer einfacher und grober Verkehrsregelverletzungen nach Art. 90 

Abs. 1 und Abs. 2 SVG erfüllt sein. Dies ist insbesondere dann anzuneh-

men, wenn die Häufung grober Verkehrsregelverletzungen auf einer Fahrt, 

die den von Art. 90 Abs. 3 SVG geforderten Schweregrad jeweils knapp 

nicht erreichen, in ihrer Gesamtheit als Verletzung elementarer Verkehrsre-

geln zu werten ist und damit das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwer-

verletzten oder Todesopfern geschaffen hat (WEISSENBERGER, Kommentar 

Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. Zürich 2015, N. 156 zu Art. 90 SVG). 

 

Das nach Art. 90 Abs. 3 SVG geforderte Risiko muss sich auf einen Unfall 

mit Todesopfern oder Schwerverletzten beziehen und somit ein qualifi-

ziertes Ausmass erreichen. Der Erfolgseintritt muss vergleichsweise nahe-

liegen; gefordert ist ein «hohes» Risiko. Damit wird zum Ausdruck ge-

bracht, dass es sich um eine höhere als die in Art. 90 Abs. 2 SVG geforderte 

«ernstliche» Gefahr handeln muss. Diese muss analog der Lebensgefähr-

dung nach Art. 129 StGB unmittelbar, nicht jedoch unausweichlich sein. Da 

bereits die erhöhte abstrakte Gefahr im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG die 

naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraussetzt, ist für 

die Erfüllung von Abs. 3 die besonders naheliegende Möglichkeit einer 

konkreten Gefährdung zu verlangen. Die allgemeine Möglichkeit der Ver-

wirklichung einer Gefahr kann in Anlehnung an Art. 90 Abs. 2 SVG nur 

genügen, wenn aufgrund besonderer Umstände, wie Tageszeit, Verkehrs-

dichte, Sichtverhältnisse usw. der Eintritt einer konkreten Gefahr oder gar 

einer Verletzung besonders nahelag und es letztlich nur vom Zufall abhing, 

dass sich diese nicht verwirklicht hat. Wird eine krasse Verkehrsregelver-

letzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG objektiv bejaht, folgt daraus nahe-

zu zwangsläufig, dass auch ein dadurch geschaffenes hohes Risiko von 

Unfällen mit Todesopfern oder Schwerverletzten angenommen werden 

muss (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1188/2021 vom 14. September 

 - 11 - 

 

 

2022 E. 4.3.1; 6B_1404/2019 vom 17. August 2020 E. 3.3; 6B_1349/2017 

vom 2. Oktober 2018 E. 2.1 mit Hinweisen). 

 

Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz bezüglich der Verletzung einer 

elementaren Verkehrsregel und der Risikoverwirklichung, wobei Eventual-

vorsatz genügt. Ein Gefährdungsvorsatz oder der Vorsatz, einen bestimm-

ten Erfolg herbeizuführen, ist nicht erforderlich (BGE 142 IV 137 E. 3.3; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1164/2023 vom 7. Oktober 2024 E. 4.2; je 

mit Hinweisen). 

 

2.4.2. 

Das Obergericht hat keinen vernünftigen Zweifel daran, dass der Beschul-

digte sowohl die zulässige Höchstgeschwindigkeit in krasser Weise im 

Sinne von Art. 90 Abs. 4 SVG missachtet hat als auch ein nicht bewilligtes 

Beschleunigungsrennen im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG gegen B._____ 

gefahren ist und somit elementare Verkehrsregeln in qualifiziert grober 

Weise verletzt hat. 

 

Auf der Seetalstrasse zwischen Hallwil und Boniswil gilt die allgemeine 

Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h (vgl. Art. 4a Abs. 1 lit. b 

VRV). Ab der Signalisierung des Innerortsbereiches gilt die Höchstge-

schwindigkeit von 50 km/h (Art. 4a Abs. 1 lit. a VRV). Zudem ist die Ge-

schwindigkeit stets den Umständen anzupassen, namentlich den Beson-

derheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen‑, Verkehrs- und 

Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 SVG). 

 

Der Weg-Zeit-Analyse vom 23. Oktober 2022 ist zu entnehmen, dass die 

ermittelte Abschnittsgeschwindigkeit des Audi S4 Avant Quattro in der 

letzten Videoszene auf der Seetalstrasse Richtung Lenzburg mindestens 

128.23 km/h betragen habe (act. 419). Nach diesen Berechnungen habe 

der Beschuldigte die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Seetal-

strasse ausserorts um mindestens 48 km/h überschritten (act. 419). Auf 

diese Weg-Zeit-Analyse kann ohne Weiteres abgestellt werden, zumal die 

Frames vollständig vorhanden sowie keine Zeitsprünge feststellbar sind 

und schliesslich dennoch zu Gunsten des Beschuldigten eine gewisse 

Ermittlungsunsicherheit berücksichtigt wurde (act. 418). Somit besteht für 

das Obergericht kein Anlass, an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen zu 

zweifeln oder davon abzuweichen. Zudem bestätigte anlässlich der erstin-

stanzlichen Hauptverhandlung der Mitbeschuldigte B._____, der während 

des Beschleunigungsrennens selbst am Steuer des blauen Subarus sass, 

dass die ermittelten Geschwindigkeiten durchaus möglich seien (act. 756). 

Auch anlässlich der Berufungsverhandlung schätzte er seine damalige Ge-

schwindigkeit auf 120 oder 130 km/h (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 22). 

 

 - 12 - 

 

 

Zwar erreicht die ermittelte Geschwindigkeitsüberschreitung ausserorts 

den Schwellenwert von Art. 90 Abs. 4 lit. c SVG nicht, jedoch wurde in der 

Weg-Zeit-Analyse explizit festgehalten, dass sich der Beschuldigte inner-

halb der Messstrecke und auch darüber hinaus in einer Beschleunigungs-

fahrt befunden habe, weshalb die maximale Geschwindigkeit sehr wahr-

scheinlich deutlich höher gewesen sei als die ermittelte Abschnittsge-

schwindigkeit (act. 419). Ohnehin ist spätestens bei Erreichen des signali-

sierten Innerortsbereiches kurz vor Ende des Videos der niedrigere Grenz-

wert von Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG – eine Geschwindigkeitsüberschreitung 

von mindestens 50 km/h, wo die zulässige Geschwindigkeit höchstens 

50 km/h beträgt – erfüllt. Da kein vorgängiges Abbremsen der Fahrzeuge 

ersichtlich ist, ist anzunehmen, dass beide Personenwagen nach Erreichen 

des Innerortsbereiches weiterhin eine Geschwindigkeit von weit über 

100 km/h aufgewiesen haben. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab 

B._____ zudem zu Protokoll, dass nicht abgemacht gewesen sei, vor 

Erreichen des Innerortsbereiches abzubremsen (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 23). Die beiden Fahrer seien aber wohl nicht in der massiv 

überhöhten Geschwindigkeit durch das ganze Dorf weitergefahren, son-

dern hätten «dort dann relativ schnell gebremst» (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 23). Somit bestätigte er, dass die Fahrer zumindest mit 

massiv überhöhter Geschwindigkeit in den signalisierten Innerortsbereich 

gefahren sind, wie dies auch im Video zu erkennen ist. 

 

Zusätzlich wurde das nach Art. 90 Abs. 3 SVG erforderliche hohe Risiko 

eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern durch den Umstand 

begünstigt, dass der Beschuldigte für mindestens zehn Sekunden mit 

massiv überhöhter Geschwindigkeit parallel zum Subaru auf der linken 

Fahrbahn, die grundsätzlich für den Gegenverkehr vorgesehen ist, ge-

fahren ist. Auf einer geraden Strecke wie der vorliegend zu beurteilenden 

ist das kurze Überholen eines voranfahrenden Fahrzeugs bei fehlendem 

Gegenverkehr bzw. ausreichender und überblickbarer Überholstrecke 

sowie Einhaltung der regelkonformen Geschwindigkeit – sofern es nicht 

ausdrücklich verboten ist – erlaubt und führt damit einhergehend auch nicht 

zur Annahme eines hohen Risikos eines Unfalls. Das gilt jedoch nicht für 

das nicht bloss kurze Nebeneinanderfahren mit massiv überhöhter Ge-

schwindigkeit auf einer Strasse, die nicht dafür konzipiert worden ist. Bei 

der Seetalstrasse zwischen Boniswil und Hallwil handelt es sich um eine 

Inner- und Ausserortsstrecke mit jeweils je einer Fahrbahn in jede 

Fahrtrichtung und nicht um eine richtungsgetrennte Autobahn oder -strasse 

mit entsprechend breiten und für höhere Geschwindigkeiten bestimmten 

Fahrbahnen. Mithin wäre aufgrund der hohen und nicht an die Umstände 

angepassten gefahrenen Geschwindigkeiten bei einem parallelen Be-

schleunigen und Nebeneinanderfahren mit entsprechend geringem seitli-

chen Abstand während mindestens zehn Sekunden auf der nicht dafür 

konzipierten Seetalstrasse bereits bei einem geringen Fahrfehler, einem 

Ausbrechen eines der Fahrzeuge beim starken Beschleunigen, einem tech-

 - 13 - 

 

 

nischen Defekt oder einem kurzen Schreckmoment und vorübergehenden 

Kontrollverlust (z.B. aufgrund eines die Fahrbahn querenden Tiers oder 

einer Unebenheit in der Fahrbahn) ein Unfall mit Schwerverletzten oder gar 

Toten kaum zu verhindern gewesen. Dieses Risiko wurde dadurch erhöht, 

dass die beiden Fahrzeuge zu Beginn der Sequenz an einem schlecht ein-

sehbaren Haus vorbeifuhren, dessen Vorplatz sowie Hauseingang hinter 

einer Hecke versteckt sind. Ohne auf diese konkreten Umstände Rücksicht 

zu nehmen, haben sich der Beschuldigte und B._____ ein nicht bewilligtes 

Beschleunigungsrennen im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG geliefert, indem 

beide ihr Fahrzeug sehr stark beschleunigt haben und dabei während 

mindestens zehn Sekunden bei hoher Geschwindigkeit nebeneinander 

gefahren sind. Ob der Beschuldigte und B._____ dabei testen wollten, 

welches Fahrzeug schneller ist, oder die beiden Fahrer mit Blick auf die 

Videoaufnahme darauf geschaut haben, dass beide Fahrzeuge immer etwa 

auf der gleichen Höhe fahren (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 19), spielt keine Rolle, da dies nichts an dem durch diese Fahrweise 

bewirkten hohen Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Toten än-

dert. 

 

Zusammengefasst ist unter den gegebenen Umständen eine qualifiziert 

grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG objektiv 

zu bejahen, zumal der Beschuldigte bei Erreichen des Innerortsbereichs 

den Grenzwert von Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG weit überschritten hat und im 

Übrigen bereits ausserorts im Rahmen eines nicht bewilligten Beschleuni-

gungsrennens eine Geschwindigkeitsüberschreitung begangen hat, die 

mindestens eine vergleichbare Schwere mit jener von Art. 90 Abs. 4 lit. c 

SVG aufweist. 

 

Schliesslich ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt. Bei Überschreiten 

der in Art. 90 Abs. 4 SVG vorgesehenen Grenzwerte – wie vorliegend 

zumindest ab Erreichen des Innerortsbereiches – kann nur in besonderen 

Konstellationen, wie z.B. bei einem technischen Defekt am Fahrzeug, einer 

äusserlichen Drucksituation oder einer Notfallfahrt ins Spital, allenfalls auf 

das Fehlen eines (Eventual-)Vorsatzes erkannt werden (BGE 142 IV 137 

E. 11.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1164/2023 vom 7. Oktober 2024 

E. 4.2). Solche besonderen Umstände sind nicht ersichtlich. Wie bereits 

ausgeführt, kommt es auch nicht darauf an, ob sich der Beschuldigte und 

B._____ ein Rennen im Sinne eines Kräftemessens liefern wollten oder ein 

inszeniertes Beschleunigungsrennen nebeneinanderfahrender Fahrzeuge 

für ein Imagevideo gedreht werden sollte (vgl. Berufungsbegründung S. 14; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 19; act. 756), ändert dies doch 

nichts am Vorsatz, die Fahrzeuge nebeneinander auf einer nicht dafür 

konzipierten Strasse während mindestens zehn Sekunden stark zu be-

schleunigen und dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit massiv zu 

überschreiten. Von Bedeutung ist lediglich, dass beide Fahrer offensichtlich 

ihr Interesse, ein Beschleunigungsrennen durchzuführen oder zu inszenie-

 - 14 - 

 

 

ren, über dasjenige einer korrekten Fahrweise gestellt haben. Mithin 

drängte sich dem Beschuldigten die Verwirklichung des Risikos eines 

Unfalls mit Schwerverletzten oder gar Todesopfern derart auf, dass sein 

Verhalten nur als Inkaufnahme dieses möglichen Verlaufs ausgelegt 

werden kann. 

 

2.5. 

Zusammengefasst erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem 

Punkt als unbegründet und er ist wegen qualifiziert grober Verkehrsregel-

verletzung gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG (betr. Anklageziffer 2) schuldig zu 

sprechen. 

 

3. 

3.1. 

Bezüglich des Fahrens ohne Berechtigung wurde dem Beschuldigten 

vorgeworfen, er habe zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 2. März 2021 

im Industriegebiet Birren in Seon einen Lastwagen des Typs Saurer D290 

gelenkt, ohne über den erforderlichen Führerausweis der Kategorie C zu 

verfügen. 

 

Die Vorinstanz hat diesen Sachverhalt im Wesentlichen gestützt auf drei 

Videos (act. 425), die im Rahmen des Strafverfahrens gegen B._____ auf 

dessen Mobiltelefon gefunden worden waren, als erstellt erachtet und den 

Beschuldigten im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 

SVG schuldig gesprochen. 

 

Bezüglich des vorgeworfenen Sachverhalts beantragt der Beschuldigte im 

Hauptpunkt einen vollumfänglichen Freispruch. Er bringt vor, dass die 

Videos nicht verwertbar seien, da es sich um Zufallsfunde handle (Beru-

fungsbegründung S. 5 ff.). Im Übrigen sei das SVG gar nicht anwendbar, 

weil er den Lastwagen nicht auf einer öffentlichen Strasse gelenkt habe 

(Berufungsbegründung S. 17). Im Eventualpunkt macht der Beschuldigte 

geltend, dass der Anklagegrundsatz verletzt und das Strafverfahren infolge 

Verjährung einzustellen sei (Berufungsbegründung S. 17 f.). 

 

3.2. 

Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei den auf dem Mobiltelefon von 

B._____ gefundenen Videos um Zufallsfunde im Sinne von Art. 243 Abs. 1 

StPO, die ohne Einschränkungen Anlass zur Eröffnung eines neuen 

Strafverfahrens geben und in diesem als Beweismittel verwendet werden 

können, soweit die ursprüngliche Massnahme rechtmässig war (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_194/2022 vom 12. Mai 2023 E. 2.5.3; 6B_825/2019 

vom 6. Mai 2021 E. 2.3.5; 6B_1409/2019 vom 4. März 2021 E. 1.6.3; je mit 

Hinweisen). Dies war vorliegend der Fall (siehe dazu oben). Entgegen dem 

Vorbringen des Beschuldigten ist unerheblich, ob es sich beim Fahren ohne 

Berechtigung um eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO 

 - 15 - 

 

 

handelt (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 30), da der Beweis 

rechtmässig erhoben worden ist und Art. 141 Abs. 2 StPO somit gar nicht 

zur Anwendung kommt. 

 

3.3. 

Auch bezüglich dieses Tatvorwurfes verweigerte der Beschuldigte sowohl 

im Untersuchungsverfahren als auch anlässlich der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung sowie der Berufungsverhandlung jegliche Aussage 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13, 16; act. 625 ff., 761). Für die 

Sachverhaltsfeststellung ist somit ebenfalls auf die drei verwertbaren 

Videos abzustellen, die im Rahmen des Strafverfahrens gegen B._____ auf 

dessen Mobiltelefon gefunden wurden (act. 422). 

 

Eine der Aufnahmen zeigt einen parkierten blauen Lastwagen des Typs 

Saurer D290 von aussen (act. 425, VID-20200114-WA0002.mp4). Auf den 

anderen beiden Videos (act. 425, VID-20200404-WA0032.mp4 und 

VID-20200404-WA0031.mp4), die während der Fahrt vom Beifahrersitz 

aus gefilmt wurden, ist der Beschuldigte zweifellos am Steuer eines Last-

wagens zu identifizieren, wobei er nicht bestreitet, dass es sich um den 

besagten blauen Lastwagen des Typs Saurer D290 handelt. Anhand der 

Gebäude im Hintergrund ist auf der ersten Aufnahme (act. 425, 

VID-20200404-WA0032.mp4) klar ersichtlich, wie der Beschuldigte das 

Fahrzeug auf der Quartiererschliessungsstrasse 13b «Birren» bis zur 

Einfahrt auf die Hauptsammelstrasse 13a «Birren» lenkt, wo am Ende der 

Sequenz das Gebäude der Meva Schalungs-Systeme AG zu erkennen ist 

(vgl. Strassenklassifizierungsplan und Strassenverzeichnis Gemeinde 

Seon). Im zweiten Video (act. 425, VID-20200404-WA0031.mp4) befindet 

sich der Beschuldigte auf der Hauptsammelstrasse 13a «Birren» und fährt 

am Tierkrematorium Seon sowie an der Schneiter Agro AG vorbei, bis die 

Aufnahme kurz vor der Kurve endet, die in den kommunalen Verbindungs-

weg 75a «Sigismühlestrasse» mündet, der dem Waldrand entlang vom 

Industriegebiet wegführt (vgl. Strassenklassifizierungsplan und Strassen-

verzeichnis Gemeinde Seon). 

 

Es trifft somit nicht zu, dass die Aufnahmen auf einem privaten Firmen-

gelände gemacht worden seien (Berufungsbegründung S. 17; act. 628). 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten handelt es sich sowohl bei 

der Quartiererschliessungsstrasse 13b «Birren» als auch bei der Haupt-

sammelstrasse 13a «Birren» und dem kommunalen Verbindungsweg 75a 

«Sigismühlestrasse» um öffentliche Strassen im Sinne von Art. 1 Abs. 1 

SVG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 VRV, da sie nicht ausschliesslich privatem 

Gebrauch dienen (vgl. § 4 Strassenreglement Gemeinde Seon i.V.m. 

dessen Anhang S. 16 f. und Strassenverzeichnis Gemeinde Seon). Somit 

findet das Strassenverkehrsgesetz Anwendung. 

 

 - 16 - 

 

 

3.4. 

Betreffend die Rüge, dass der Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 Abs. 1 

StPO und Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO verletzt sei, bringt der Beschuldigte vor, 

dass das Tatzeitfenster in der Anklage zu weit gefasst sei und im Übrigen 

nicht ausgeschlossen werden könne, dass der Beschuldigte die Last-

wagenfahrt gar zu einem früheren Zeitpunkt unternommen habe und in der 

Zwischenzeit die Verjährung eingetreten sei (Berufungsbegründung S. 17). 

 

In der Anklage wurde als möglicher Tatzeitraum ein Zeitfenster vom 

1. Januar 2020 bis zum 2. März 2021 festgehalten. Auch wenn dem 

Beschuldigten zuzustimmen ist, dass dieser Tatzeitraum weit gehalten ist, 

verletzt die Anklageschrift den Anklagegrundsatz nicht. Die Videoauf-

nahmen müssen zweifellos vor dem 3. März 2021 entstanden sein, als 

B._____ um 04:14 Uhr festgenommen wurde (act. 122). Sein Mobiltelefon, 

auf welchem sich die Videoaufnahmen befanden, wurde am 4. März 2021 

vorläufig sichergestellt (act. 158 ff.). Laut Erstelldatum der Videodateien hat 

B._____ diese vermutlich am 13. Januar 2020 um 17:16 Uhr bzw. am 

4. April 2020 um 17:57 Uhr auf WhatsApp erhalten und auf sein Mobil-

telefon heruntergeladen (vgl. Erstelldatum der Videos in act. 425). 

Aufgrund der fehlenden Kooperation des Beschuldigten bestand für die 

Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten jedoch keine Möglichkeit, den 

Tatzeitpunkt durch weitere Ermittlungen einzuschränken. Wenn sich die 

zeitlichen Verhältnisse nicht exakt rekonstruieren lassen, genügt nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Angabe eines bestimmten Zeit-

raums, solange für die beschuldigte Person kein Zweifel darüber besteht, 

welches Verhalten ihr vorgeworfen wird (Urteile des Bundesgerichts 

6B_466/2021 vom 13. Oktober 2021 E. 1.3; 6B_1416/2020 vom 30. Juni 

2021 E. 1.3; 6B_600/2020 vom 7. September 2020 E. 4.7; je mit 

Hinweisen). Vorliegend war für den Beschuldigten aufgrund des unver-

wechselbar und genügend konkret umschriebenen Anklagevorwurfs zwei-

felsfrei ersichtlich, welche Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden, nämlich 

das Führen eines Lastwagens des Typs Saurer D290 ohne Führerausweis 

der Kategorie C im Industriegebiet Birren. Der Anklage liegen drei Video-

aufnahmen zugrunde, die den beschriebenen Sachverhalt bildlich darstel-

len. Nach dem Gesagten war der Beschuldigte ohne Weiteres in der Lage, 

sich angemessen zu verteidigen. Strafrechtlich bildet der exakte Tatzeit-

punkt im vorliegenden Fall keine ausschlaggebende Angabe, mit der ein 

Schuldspruch steht oder fällt oder eine effektive Verteidigung behindert 

oder in Frage gestellt würde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_489/2018 

vom 31. Oktober 2018 E. 2.4). Mithin liegt keine Verletzung des Anklage-

grundsatzes vor. 

 

Auch wenn der exakte Tatzeitpunkt nicht festgestellt werden kann, ist ent-

gegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Berufungsbegründung S. 17 f.) 

der Eintritt der Verjährung auszuschliessen. Gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c 

StGB verjährt die Strafverfolgung beim Fahren ohne Berechtigung nach 

 - 17 - 

 

 

zehn Jahren, sofern vor Ablauf der Verjährungsfrist kein erstinstanzliches 

Urteil ergangen ist (Art. 97 Abs. 3 StGB). Somit stellt sich die Frage, ob die 

Verjährung anlässlich des vorinstanzlichen Urteils vom 16. Januar 2024 

bereits eingetreten war. Dies wäre der Fall, wenn der Beschuldigte die 

Straftat vor dem 16. Januar 2014, mithin mit 13 Jahren, begangen hätte, 

was mit Blick auf das Videomaterial, welches den Beschuldigten augen-

scheinlich volljährig zeigt, ausgeschlossen werden kann. Nach dem Gesag-

ten ist das Verfahren nicht infolge Verjährung einzustellen. 

 

3.5. 

Nach Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG macht sich strafbar, wer ohne den erforderli-

chen Führerausweis ein Motorfahrzeug führt. Der Tatbestand bezweckt die 

Sicherung diverser verkehrsrechtlicher Normen, welche sich auf die Person 

des Fahrzeuglenkers beziehen und die Nichtbeachtung von Vorschriften 

über die individuelle Fahrberechtigung ahnden. Dies betrifft zunächst den 

Grundsatz von Art. 10 Abs. 2 SVG, wonach das Führen eines Motorfahr-

zeugs eines Führerausweises bedarf und im Umkehrschluss jegliches 

Fahren ohne notwendigen Führerausweis untersagt ist. Objektiv tatbe-

standsmässiges «Führen» ist bereits das Steuern eines rollenden oder 

eines abgeschleppten Gefährts auf einer öffentlichen Strasse. Das Adjektiv 

«erforderlich» spricht Konstellationen an, in denen der Betroffene zwar 

einen bestimmten Führerausweis besitzt, dieser jedoch nicht für den 

konkreten Sachverhalt gültig ist, etwa nicht für die entsprechende 

Fahrzeugkategorie gilt (Urteile des Bundesgerichts 6B_840/2022 vom 

19. Februar 2024 E. 2.2.1; 6B_974/2017 vom 5. April 2018 E. 2.1.2). 

 

Der Führerausweis der Kategorie B wird für Motorwagen und dreirädrige 

Motorfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von nicht mehr als 3500 kg und 

maximal acht Sitzplätzen ausser dem Führersitz erteilt. Übersteigt das 

Motorfahrzeug ein Gesamtgewicht von 3500 kg, wird ein Führerausweis 

der Kategorie C benötigt (Art. 3 Abs. 1 VZV). Für das Obergericht ist erstellt, 

dass der Beschuldigte vor dem 3. März 2021 im Industriegebiet Birren in 

Seon einen Lastwagen des Typs Saurer D290 gelenkt hat, für dessen 

Grösse und Gewicht ein Führerausweis der Kategorie C notwendig gewe-

sen wäre. Im Tatzeitpunkt verfügte er jedoch lediglich über einen Führer-

ausweis der Kategorie B. Einen gültigen Lernfahrausweis der Kategorie C 

erhielt er gemäss der sich in den Akten befindlichen Unterlagen erst am 

16. März 2022, die praktische Prüfung bestand er am 22. Juni 2022 

(act. 424). Der objektive Tatbestand von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG ist somit 

erfüllt. 

 

Als Inhaber eines Führerausweises der Kategorie B war dem Beschul-

digten im Tatzeitpunkt bewusst, dass er lediglich dazu berechtigt war, 

Motorwagen und dreirädrige Motorfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht 

von nicht mehr als 3500 kg und maximal acht Sitzplätzen ausser dem 

Führersitz zu führen, und dass er einen gültigen Führerausweis der Katego-

 - 18 - 

 

 

rie C benötigte, um einen Lastwagen des Typs Saurer D290 zu fahren. 

Dennoch hat er sich ganz bewusst ohne entsprechenden Ausweis ans 

Steuer gesetzt. Damit hat der Beschuldigte auch den subjektiven Tatbe-

stand erfüllt. 

 

Zusammengefasst erweist sich die Berufung des Beschuldigten auch in 

diesem Punkt als unbegründet und er ist wegen Fahrens ohne Berechti-

gung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG schuldig zu sprechen. 

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 15 Monaten mit einer Probezeit von 3 Jahren verurteilt. Zudem hat sie 

den mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Feb-

ruar 2020 für die Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. 

Fr. 4'400.00, gewährten bedingten Vollzug widerrufen und den Beschuldig-

ten zu einer Zusatzstrafe in der Form einer bedingten Geldstrafe von 

40 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. Fr. 4'400.00, mit einer Probezeit von 

3 Jahren verurteilt. 

 

Der Beschuldigte stellt für den Fall, dass die vorinstanzlichen Schuldsprü-

che vollumfänglich bestätigt werden, weder einen Antrag zum Strafmass 

noch zur Widerrufsstrafe. 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Bildung einer Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips 

nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur möglich, wenn das Gericht im konkreten 

Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt (sog. 

«konkrete Methode»). Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen (teil-

weise) abstrakt gleichartige Sanktionen androhen, genügt nicht. Geld- und 

Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49 Abs. 1 

StGB. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen (BGE 144 IV 

217; BGE 142 IV 265 E. 2.3.2; BGE 138 IV 120 E. 5.2). 

 

Der Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss 

Art. 90 Abs. 3 SVG sieht lediglich eine Freiheitsstrafe vor. Art. 90 Abs. 3ter 

SVG [in Kraft seit 1. Oktober 2023], wonach der Täter alternativ auch mit 

Geldstrafe bestraft werden kann, wenn er nicht innerhalb der letzten zehn 

Jahre vor der Tat wegen eines Verbrechens oder Vergehens im Strassen-

 - 19 - 

 

 

verkehr mit ernstlicher Gefahr für die Sicherheit anderer, respektive mit 

Verletzung oder Tötung anderer verurteilt wurde, erwiese sich zwar als 

milderes Recht (Art. 102 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 StGB), ist vor-

liegend jedoch nicht anwendbar. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Muri-Bremgarten vom 13. Februar 2020 – und somit innerhalb der letzten 

zehn Jahre vor der am 26. März 2020 begangenen qualifiziert groben 

Verkehrsregelverletzung – wurde der Beschuldigte wegen fahrlässiger ein-

facher Körperverletzung verurteilt, nachdem er im Strassenverkehr einen 

Fahrradfahrer angefahren und verletzt hatte. Somit bleibt es hinsichtlich der 

qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung beim ordentlichen Strafrahmen 

gemäss Art. 90 Abs. 3 SVG und damit bei einer Freiheitsstrafe. 

 

Der Tatbestand des Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 

lit. a SVG ist alternativ mit einer Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe 

bedroht. Unter präventiven Gesichtspunkten erachtete die Vorinstanz eine 

Geldstrafe für die vorliegend zu beurteilende Lastwagenfahrt ohne Berech-

tigung als zweckmässig (vorinstanzliches Urteil S. 25), worauf aufgrund des 

Verschlechterungsverbots nicht zurückzukommen ist (Art. 391 Abs. 2 

StPO). Damit fällt die Bildung einer Gesamtstrafe mit der für die qualifiziert 

grobe Verkehrsregelverletzung auszusprechenden Freiheitsstrafe ausser 

Betracht. 

 

4.3.2. 

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor 

er wegen einer anderen Tat verurteilt worden ist (sog. retrospektive Kon-

kurrenz), so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht 

schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig – 

und somit in Anwendung des Asperationsprinzips im Sinne von Art. 49 

Abs. 1 StGB – beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). 

 

Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-

Bremgarten vom 13. Februar 2020 wegen fahrlässiger einfacher Körper-

verletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00, 

d.h. Fr. 440.00, mit einer Probezeit von 2 Jahren sowie einer Verbindungs-

busse von Fr. 1'100.00 verurteilt. Im Rahmen der Strafzumessung ist zu 

Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er die Lastwagen-

fahrt ohne Berechtigung begangen hatte, bevor er mit vorgenanntem 

Strafbefehl zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist. Es liegt damit ein Fall 

retrospektiver Konkurrenz vor, so dass die Geldstrafe als Zusatzstrafe zum 

vorgenannten Strafbefehl auszusprechen ist. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Der Tatbestand der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss 

Art. 90 Abs. 3 SVG sieht eine Freiheitsstrafe von einem bis zu vier Jahren 

vor. Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens 

 - 20 - 

 

 

nach dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die 

Strafzumessung bildet die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des 

betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). 

 

Geschütztes Rechtsgut ist bei der qualifiziert groben Verkehrsregelver-

letzung die Verkehrssicherheit bzw. der Schutz von Leib und Leben der 

Verkehrsteilnehmer. Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG normiert ein 

abstraktes Gefährdungsdelikt, wobei das Gefährdungselement der Inten-

sität und dem Ausmass des Risikos nach qualifiziert wird und ein Erfolgs-

eintritt naheliegen muss. 

 

Der Beschuldigte hat am 26. März 2020 zwischen 21:00 und 23:00 Uhr auf 

der Seetalstrasse zwischen Boniswil und Hallwil im Rahmen eines paralle-

len Beschleunigungsrennens seinen Audi S4 Avant Quattro massiv 

beschleunigt und während der mindestens zehn Sekunden dauernden 

Fahrt eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 128 km/h erreicht. Somit 

liegt im Ausserortsbereich eine Überschreitung der erlaubten Höchstge-

schwindigkeit um 48 km/h und im Innerortsbereich eine Überschreitung der 

erlaubten Höchstgeschwindigkeit um 78 km/h vor. Im Innerortsbereich hat 

der Beschuldigte damit den Grenzwert für die Annahme einer qualifiziert 

groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG – eine 

Geschwindigkeitsüberschreitung von 50 km/h – nicht nur knapp, sondern 

um 28 km/h überschritten. 

 

Der gefahrenen Geschwindigkeit kommt im Rahmen der Strafzumessung 

bei Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG eine vorrangige Rolle zu, was sich bereits 

daraus ergibt, dass diese von Gesetzes wegen für die Frage des Vorlie-

gens einer qualifiziert groben Verletzung der Verkehrsregeln entscheidend 

ist. Mit anderen Worten nimmt mit steigender Fahrgeschwindigkeit gemäss 

der Gesetzeskonzeption notwendigerweise auch das (abstrakte) Unfallri-

siko und folglich die Gefährdung des geschützten Rechtsguts zu. Ohne 

zusätzliche Umstände, die das bereits gesetzlich vermutete hohe Risiko 

eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfer erhöhen, hat sich die 

Strafe folglich bei einer bloss geringen Überschreitung der Grenzwerte an 

der gesetzlichen Regelmindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe zu ori-

entieren. Risikoerhöhende Umstände können insbesondere die Strassen- 

und Sichtverhältnisse, die Dauer der Geschwindigkeitsüberschreitung 

sowie das Verkehrsaufkommen sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_1358/2017 vom 11. März 2019 E. 3.2 und 5). 

 

Neben der krassen Geschwindigkeitsüberschreitung wirkt sich vorliegend 

zusätzlich risiko- und damit verschuldenserhöhend aus, dass der Beschul-

digte seinen Audi S4 Avant Quattro über eine Zeitspanne von mindestens 

zehn Sekunden parallel zum Subaru des Mitbeschuldigten B._____ auf der 

linken Fahrbahn einer Strasse, die nicht für das parallele Beschleunigen 

und Nebeneinanderfahren mit hoher Geschwindigkeit konzipiert ist, gelenkt 

 - 21 - 

 

 

hat. Im Gegensatz zu einer Autobahn oder -strasse ist die Seetalstrasse 

insbesondere schmaler gebaut, weshalb bereits ein kurzweiliger Kontroll-

verlust schwerwiegende Konsequenzen nach sich gezogen hätte. 

 

Weder ein tatsächlich provozierter Unfall noch eine konkrete Gefährdung 

sind für die qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung erforderlich, weshalb 

der Umstand, dass es während des parallelen Beschleunigungsrennens zu 

keinem Unfall gekommen ist und auch keine anderen Verkehrsteilnehmer 

konkret gefährdet worden sind, nicht verschuldensmindernd berücksichtigt 

werden kann, sondern sich neutral auswirkt. Auch die relativ guten 

Strassen- und Sichtverhältnisse – mit Ausnahme des verdeckten Haus-

eingangs zu Beginn der Videosequenz (siehe dazu oben) – sowie die 

grundsätzliche Fahrfähigkeit des Beschuldigten stellen den Normalfall dar 

und können deshalb nicht verschuldensmindernd berücksichtigt werden. 

 

Des Weiteren ist die grosse Gleichgültigkeit gegenüber den für die 

Sicherheit im öffentlichen Strassenverkehr wichtigen Verkehrsregeln, die 

der Beschuldigte an den Tag gelegt hat, verschuldenserhöhend zu berück-

sichtigen. Ohne dass eine Notwendigkeit ersichtlich wäre, hat sich der Be-

schuldigte über die Sicherheitsvorschriften hinweggesetzt und mithin äus-

serst leichtfertig und verantwortungslos gehandelt. Als Grund für die massi-

ve Geschwindigkeitsüberschreitung sowie das parallele Beschleunigen auf 

einer nicht dafür vorgesehenen Fahrbahn brachten sowohl die Verteidi-

gung (Berufungsbegründung S. 14; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 34) als auch der Mitbeschuldigte B._____ (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 19; act. 756) vor, dass lediglich zu Werbezwecken ein 

Rennen habe inszeniert werden sollen. Dies verdeutlicht jedoch umso 

mehr, dass der Beschuldigte über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit 

verfügt hat und es für ihn ein Leichtes gewesen wäre, sich an die zulässige 

Höchstgeschwindigkeit sowie die übrigen Verkehrsregeln zu halten und die 

Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Umso schwerer wiegt somit die be-

wusste Entscheidung dagegen (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1; Urteil des Bun-

desgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3; je mit Hinweisen). 

 

Insgesamt ist von einem in Relation zum Strafrahmen von einem Jahr bis 

zu vier Jahren Freiheitsstrafe nicht mehr leichten bis mittelschweren Ver-

schulden und einer dafür angemessenen Freiheitsstrafe von 15 Monaten 

auszugehen. 

 

4.4.2. 

In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist im einschlägigen Deliktsbereich vorbestraft (siehe 

Strafregisterauszug), was sich leicht straferhöhend auswirkt, hat er aus die-

ser Verurteilung doch nicht die nötigen Lehren gezogen (vgl. BGE 136 IV 1 

E. 2.6.2 mit Hinweisen). Es ist dabei zu berücksichtigen, dass aus dem 

 - 22 - 

 

 

täterbezogenen Strafzumessungskriterium der Vorstrafen nicht indirekt ein 

tatbezogenes Kriterium gemacht wird. Mithin sind Vorstrafen nicht wie 

eigenständige Delikte zu würdigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 

vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 mit Hinweisen), zumal es sich vorliegend bloss 

um eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen und somit eine Bagatellstrafe am 

untersten Ende des Strafrahmens handelt. 

 

Im Gegensatz zum Mitbeschuldigten B._____ hat sich der Beschuldigte 

trotz erdrückender Indizienlage weder geständig noch kooperativ gezeigt 

und auch noch im Berufungsverfahren konstant bestritten, sich mit Letzte-

rem ein Beschleunigungsrennen geliefert zu haben. Vielmehr hat er sich 

auf den Standpunkt gestellt, die auf dem Mobiltelefon von B._____ sicher-

gestellten Videoaufnahmen seien nicht verwertbar, weshalb nicht erstellt 

sei, dass er überhaupt am Steuer seines schwarzen Audi S4 Avant Quattro 

gesessen habe. Dies ist zwar sein gutes Recht (vgl. Art. 113 Abs. 1 StPO), 

jedoch ist unter diesen Umständen keine nachhaltige Einsicht und aufrich-

tige Reue, die über eine blosse Tatfolgenreue hinausgeht, auszumachen. 

Eine Strafminderung, wie dies bei einem von Anfang an vollumfänglich ge-

ständigen, nachhaltig einsichtigen und aufrichtig reuigen Straftäter möglich 

ist, ist somit ausgeschlossen. 

 

Weitere relevante, sich auf die Strafhöhe auswirkende Täterkomponenten 

sind nicht ersichtlich. Insbesondere ist eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur 

bei aussergewöhnlichen Umständen, die vorliegend weder geltend ge-

macht werden noch ersichtlich sind, zu bejahen (vgl. statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_910/2024 vom 11. Februar 2025 E. 1.3.4 mit Hinwei-

sen). 

 

Nach dem Gesagten wäre die dem Verschulden angemessene Freiheits-

strafe von 15 Monaten aufgrund der negativen Täterkomponente leicht zu 

erhöhen, was aufgrund des Verschlechterungsverbots jedoch nicht möglich 

ist. 

 

4.4.3. 

Auf die Gewährung des bedingten Strafvollzuges ist aufgrund des Ver-

schlechterungsverbotes nicht zurückzukommen (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

 

Aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte, der keinerlei Einsicht und 

Reue zeigt, noch während laufender Probezeit erneut im einschlägigen De-

liktsbereich straffällig geworden ist, verbleiben nicht unerhebliche Zweifel 

an seiner Legalbewährung, welchen mit der Vorinstanz mit einer Probezeit 

von 3 Jahren Rechnung zu tragen ist (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

 - 23 - 

 

 

4.4.4. 

Zusammengefasst hat es bei der von der Vorinstanz angeordneten beding-

ten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von 3 Jahren sein 

Bewenden. 

 

4.5. 

4.5.1. 

Hinsichtlich der als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Muri-Bremgarten vom 13. Februar 2020 auszusprechenden Geldstrafe für 

das Fahren ohne Berechtigung ergibt sich Folgendes: 

 

Die Einsatzstrafe ist – da die fahrlässige einfache Körperverletzung 

gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB und das Fahren ohne Berechtigung gemäss 

Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG den gleichen abstrakten Strafrahmen aufweisen – 

für die konkret schwerste Straftat festzusetzen. Dabei handelt es sich unter 

Berücksichtigung des grossen Masses an Entscheidungsfreiheit sowie der 

zu Tage gelegten Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit der Verkehrs-

teilnehmer um das Führen eines Motorfahrzeuges der Kategorie C ohne 

erforderliche Berechtigung. Diese Einsatzstrafe ist sodann für die fahr-

lässige einfache Körperverletzung durch Asperation der hierfür ausge-

sprochenen, rechtskräftigen Grundstrafe angemessen zu erhöhen. Von der 

(gedanklich) gebildeten (hypothetischen) Gesamtstrafe ist schliesslich die 

Grundstrafe abzuziehen, was die Zusatzstrafe ergibt (BGE 142 IV 265 

E. 2.4.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_1292/2023 vom 20. November 2024 

E. 13.1.3). 

 

4.5.2. 

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird gemäss Art. 95 

Abs. 1 lit. a SVG bestraft, wer ohne erforderlichen Führerausweis ein Mo-

torfahrzeug führt. Geschütztes Rechtsgut ist beim Tatbestand des Fahrens 

ohne Berechtigung die Verkehrssicherheit bzw. der Schutz von Leib und 

Leben der Verkehrsteilnehmer vor einer abstrakten Gefahr. Das Gesetz 

fingiert, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der nicht im Besitz einer Fahrbe-

rechtigung ist, sein Fahrzeug nicht genügend beherrscht und deswegen 

andere Verkehrsteilnehmer (abstrakt) gefährdet (BUSSMANN, in: Basler 

Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014, N. 4 zu Art. 95 SVG, mit Hin-

weisen). 

 

Obwohl der Beschuldigte wusste, dass er nicht über den erforderlichen 

Führerausweis der Kategorie C verfügte, hat er sich hinter das Steuer eines 

Lastwagens des Typs Saurer D290 gesetzt und ihn auf eine öffentliche 

Strasse gelenkt (siehe dazu oben). Damit hat er eine grosse Gleichgültig-

keit gegenüber dem aus Gründen der Sicherheit im öffentlichen Strassen-

verkehr bestehenden Erfordernis eines Führerausweises der Kategorie C 

manifestiert. Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten ist die vorlie-

gende Fahrt, auch wenn sie nicht besonders lang gewesen sein mag, kei-

 - 24 - 

 

 

neswegs zu bagatellisieren (vgl. Plädoyer S. 17, 19). Fahrzeuge der 

Kategorie C stellen aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichts eine erhöhte 

Gefährdung der Verkehrssicherheit sowie anderer Verkehrsteilnehmer dar. 

Aus diesem Grund wiegt das Verschulden beim Führen eines Lastwagens 

ohne Besitz eines Führerausweises der Kategorie C nicht weniger schwer 

als das Fahren eines gewöhnlichen Personenfahrzeuges ohne jeglichen 

Führerausweis. Auch der Umstand, dass es sich nicht um eine stark 

befahrene Strasse handelt und im Video keine Fussgänger ersichtlich sind, 

kann nicht verschuldensmindernd berücksichtigt werden. Ganz im Gegen-

teil verschuldenserhöhend ins Gewicht fällt, dass die Lastwagenfahrt am 

helllichten Tag stattgefunden hat, wodurch zumindest mit anderen 

Verkehrsteilnehmern zu rechnen war. Der Beschuldigte fuhr insbesondere 

am Tierkrematorium Seon, einem Gebäude der Meva Schalungs-Systeme 

AG sowie der Schneiter Agro AG vorbei. Zudem befanden sich der Mam-

mut Store Seon und die Bushaltestelle Seon Birren Süd in unmittelbarer 

Nähe. Daher war u.a. auch mit Fussgängern und Fahrradfahrern zu rech-

nen, weshalb keinesfalls von einer gefahrlosen Strecke für eine Lastwagen-

fahrt die Rede sein kann. Darüber hinaus erfordert der Tatbestand des Fah-

rens ohne Berechtigung weder das Vorliegen eines Unfalls noch eine kon-

krete Gefährdung, sodass der Umstand, dass sich das geschaffene Risiko 

letztlich nicht konkretisiert hat, nicht verschuldensmindernd berücksichtigt 

werden kann. 

 

Zudem verschuldenserhöhend zu berücksichtigen ist der Umstand, dass 

sich der Beschuldigte über die für die Sicherheit im Strassenverkehr wichti-

gen Vorschriften hinweggesetzt hat, ohne dass eine Notwendigkeit ersicht-

lich wäre. Mithin hat er über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfrei-

heit verfügt und äusserst leichtfertig und verantwortungslos gehandelt. Es 

ist weder ersichtlich noch dargetan, weshalb er nicht auf die Fahrt verzich-

tet hat. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, das für ihn geltende 

Verbot zum Führen eines Motorfahrzeugs der Kategorie C zu respektieren 

und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, 

desto schwerer wiegt seine Entscheidung dagegen (vgl. BGE 117 IV 112 

E. 1; Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3; 

je mit Hinweisen). 

 

Insgesamt ist von einem in Relation zum Strafrahmen von bis zu 3 Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Fahrten ohne Berechtigung ge-

rade noch leichten Verschulden und einer dafür angemessenen Geldstrafe 

von 100 Tagessätzen auszugehen. 

 

4.5.3. 

Diese Einsatzstrafe wäre für die fahrlässige einfache Körperverletzung 

gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Feb-

ruar 2020 angemessen zu erhöhen, indem die rechtskräftige Grundstrafe 

zu asperieren wäre. Dies kann jedoch unterbleiben, da bereits für das 

 - 25 - 

 

 

Fahren ohne Berechtigung – sowie in Anbetracht der sich leicht negativ 

auswirkenden Täterkomponente (siehe dazu oben) – von einer deutlich 

höheren als der von der Vorinstanz hypothetisch festgelegten Gesamtgeld-

strafe von 80 Tagessätzen auszugehen wäre, was nach Abzug der rechts-

kräftigen Grundstrafe von 40 Tagessätzen zu einer entsprechend höheren 

als der von der Vorinstanz ausgefällten Zusatzstrafe von 40 Tagessätzen 

führen würde. Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht mög-

lich (Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 

18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die 

weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine 

Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der beschul-

digten Person abgeändert werden darf). 

 

4.5.4. 

Nach dem Gesagten hat es für das Fahren ohne Berechtigung bei der von 

der Vorinstanz als Zusatzstrafe ausgesprochenen Geldstrafe von 40 Ta-

gessätzen sein Bewenden. 

 

4.5.5. 

Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den 

persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt 

des Urteils zu bemessen, insbesondere nach dem Einkommen und Vermö-

gen, dem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflich-

ten sowie dem Existenzminimum. Das Bundesgericht hat die Kriterien für 

die Bemessung der Geldstrafe dargelegt (BGE 142 IV 315 E. 5; BGE 

134 IV 60 E. 5 f.; BGE 135 IV 180 E. 1.4). Darauf kann verwiesen werden. 

 

Der Beschuldigte ist nicht verheiratet und hat keine Kinder (Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 16, Eingabe vom 25. März 2025 S. 2). Seine 

finanzielle Lage hat sich seit dem erstinstanzlichen Urteil jedoch ver-

schlechtert. Aktuell ist der Beschuldigte in einem 100%-Pensum als 

Landwirt bei F._____ angestellt (Beilage 4 zur Eingabe vom 25. März 2025 

S. 10) und verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen von rund 

Fr. 3'490.00 ([Fr. 20'939.00 / 6 Monate]; Beilage 1 zur Eingabe vom 

25. März 2025). Die vorgebrachten Darlehensschulden von Fr. 94'000.00, 

die der Beschuldigte durch die Aufnahme eines Darlehens bei seinen Eltern 

sowie dem Unternehmen seiner Mutter eingegangen ist (Beilage 4 zur 

Eingabe vom 25. März 2025 S. 9) und deren Grund er selbst nicht erklären 

konnte bzw. durch die verursachten Kosten des vorliegenden Strafver-

fahrens erklärt hat (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 17), sind 

vorliegend – da es sich höchstens um gewöhnliche Schulden handelt – 

nicht zu berücksichtigen. Reduzierend berücksichtigt werden lediglich 

aussergewöhnliche finanzielle Belastungen, die einen situations- oder 

schicksalsbedingt höheren Finanzbedarf darstellen (vgl. BGE 142 IV 315 

E. 5.3.4; BGE 134 IV 60 E. 6.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_900/2020 

vom 1. Oktober 2020 E. 2.2). Unter Berücksichtigung eines Pauschal-

 - 26 - 

 

 

abzugs von 20 % für Krankenkasse, Steuern und notwendige Berufs-

auslagen ergibt sich ein Tagessatz von abgerundet Fr. 90.00. 

 

4.5.6. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten für die ausgesprochene Geldstrafe 

den bedingten Strafvollzug gewährt (vorinstanzliches Urteil S. 28 f.). 

Nachdem vorliegend nur der Beschuldigte Berufung erhoben hat, hat es 

aufgrund des Verschlechterungsverbots dabei sein Bewenden (Art. 391 

Abs. 2 StPO). 

 

Mit Blick auf den Umstand, dass der Beschuldigte noch während laufender 

Probezeit erneut im einschlägigen Deliktsbereich straffällig geworden ist 

und sich weder einsichtig noch reuig zeigt, ist den nicht unerheblichen, ver-

bleibenden Zweifeln an seiner Legalbewährung mit der Vorinstanz mit einer 

Probezeit von 3 Jahren Rechnung zu tragen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

4.5.7. 

Nach dem Gesagten ist für das Fahren ohne Berechtigung als Zusatzstrafe 

zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Februar 

2020 eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 90.00, d.h. 

Fr. 3'600.00, Probezeit 3 Jahre, zu verhängen. 

 

4.6. 

Ein Widerruf des dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Muri-Bremgarten vom 13. Februar 2020 für die Geldstrafe von 40 Tages-

sätzen à Fr. 110.00 gewährten bedingten Vollzugs ist aufgrund des Ablaufs 

der Frist von 3 Jahren seit dem Ablauf der Probezeit nicht mehr möglich 

(Art. 46 Abs. 5 StGB) und daher nicht im Dispositiv des Urteils festzuhalten. 

Die Probezeit von 2 Jahren lief bis zum 17. Februar 2022, woraufhin die 

dreijährige Widerrufsfrist von Art. 46 Abs. 5 StGB am 17. Februar 2025 

verstrichen ist. Massgebend für die Einhaltung dieser Frist ist das Urteil der 

Berufungsinstanz, welches das erstinstanzliche Urteil vom 16. Januar 2024 

auch betreffend den Widerruf ersetzt (vgl. Art. 408 StPO; BGE 143 IV 441 

E. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_209/2022 vom 18. August 2023 

E. 4.3.3; 6B_114/2013 vom 1. Juli 2013 E. 7). 

 

4.7. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 15 Monaten mit einer Probezeit von 3 Jahren sowie als Zusatzstrafe 

zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Februar 

2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 90.00, d.h. 

Fr. 3'600.00, mit einer Probezeit von 3 Jahren zu verurteilen. Ein Widerruf 

des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 13. Feb-

ruar 2020 für die Geldstrafe von 40 Tagessätzen à Fr. 110.00 gewährten 

bedingten Vollzugs ist infolge Ablaufs der Widerrufsfrist nicht mehr möglich. 

 

 - 27 - 

 

 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheits- und Geldstrafe kann mit einer 

Busse verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend wäre die 

Anordnung einer Verbindungsbusse offensichtlich angezeigt gewesen, um 

dem Beschuldigten im Sinne eines spürbaren Denkzettels die Ernsthaftig-

keit der Sanktion und die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Au-

gen zu führen. Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbot jedoch nicht 

möglich (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutge-

heissen wurden (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1). 

 

Sind mehrere beteiligte Personen kostenpflichtig, so werden die Kosten 

anteilsmässig auferlegt (Art. 418 Abs. 1 StPO). Die obergerichtlichen Ver-

fahrenskosten für das Berufungsverfahren gegen den Beschuldigten sowie 

den Mitbeschuldigten B._____ (SST.2024.89) belaufen sich auf insgesamt 

Fr. 6'000.00 (§ 18 VKD i.V.m. § 29 GebührD). Unter Berücksichtigung des 

Umstandes, dass das Berufungsverfahren in Sachen B._____ einen ge-

ringeren Aufwand verursacht hat, entfallen 2/3 der Verfahrenskosten, d.h. 

Fr. 4'000.00, auf den Beschuldigten. 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass die Tagessatzhöhe an 

seine aktuellen finanziellen Verhältnisse anzupassen ist und die Widerrufs-

strafe gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 

13. Februar 2020 nicht mehr vollzogen werden kann. Im Übrigen erweist 

sich seine Berufung als unbegründet. Die veränderte Einkommenssituation 

als Voraussetzung für die Herabsetzung der Tagessatzhöhe hat sich je-

doch erst nach dem erstinstanzlich ausgefällten Urteil ergeben. Beim nicht 

mehr möglichen Vollzug der Widerrufsstrafe handelt es sich zudem um 

einen untergeordneten Punkt, zumal es bei den vorinstanzlichen Schuld-

sprüchen und der vorinstanzlich dafür ausgesprochenen Freiheitsstrafe 

von 15 Monaten und der Geldstrafe von 40 Tagessätzen bleibt. Ohne Gel-

tung des Verschlechterungsverbots wären sogar höhere Strafen auszu-

sprechen gewesen. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, dem Be-

schuldigten den auf ihn entfallenden Anteil der obergerichtlichen Verfah-

renskosten von Fr. 4'000.00 vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 

lit. a und b StPO). 

 

5.2. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 47; 

BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte seine 

 - 28 - 

 

 

Parteikosten des Berufungsverfahrens selbst zu tragen (Art. 436 Abs. 1 

StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

5.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

Der Beschuldigte trägt im erstinstanzlichen Verfahren die Verfahrens-

kosten, wenn er verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wird er nur 

teilweise schuldig gesprochen, so sind ihm die Verfahrenskosten grund-

sätzlich nur anteilsmässig aufzuerlegen. Er kann in diesem Fall aber auch 

vollumfänglich kostenpflichtig werden, wenn die ihm zur Last gelegten 

Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle 

Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunkts notwendig 

waren. Bei einem einheitlichen Sachverhaltskomplex ist vom Grundsatz der 

vollständigen Kostenauflage nur abzuweichen, wenn die Strafuntersu-

chung im freisprechenden Punkt zu Mehrkosten geführt hat (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_491/2023 vom 7. August 2023 E. 3.3 mit Hinweisen). 

 

Sind mehrere beteiligte Personen kostenpflichtig, so werden die Kosten 

anteilsmässig auferlegt (Art. 418 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr des 

erstinstanzlichen Verfahrens gegen den Beschuldigten sowie den Mitbe-

schuldigten B._____ (ST.2023.40) beläuft sich auf insgesamt Fr. 3'500.00 

(§ 17 Abs. 1 VKD) und wurde mit Berufung nicht angefochten. Unter 

Berücksichtigung des Umstandes, dass das erstinstanzliche Verfahren in 

Sachen B._____ einen wesentlich höheren Aufwand verursacht hat, entfällt 

lediglich ¼ der Gerichtsgebühr, d.h. Fr. 875.00, auf den Beschuldigten. Da-

mit beläuft sich der gesamte auf den Beschuldigten entfallende Anteil der 

erstinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. Anklagegebühr von Fr. 550.00 

sowie auf ihn entfallende Untersuchungskosten und Spesen) auf 

Fr. 2'416.00 (vorinstanzliches Urteil S. 30, 32). 

 

Der Beschuldigte wurde von der Vorinstanz, was mit Berufung nicht 

angefochten worden ist, vom Vorwurf der qualifiziert groben Verkehrsregel-

verletzung gemäss Anklageziffer 1.1, des mehrfachen Fahrens ohne Haft-

pflichtversicherung und des Fahrens ohne Fahrzeugausweis und ohne 

Kontrollschilder freigesprochen; im Übrigen ist er gemäss Anklage wegen 

qualifiziert grober Verkehrsregelverletzung gemäss Anklageziffer 2 und 

Fahrens ohne Berechtigung schuldig gesprochen worden. Zwei der erst-

instanzlich ergangenen Freisprüche betreffen Vorwürfe, die in engem und 

direktem Zusammenhang mit dem Schuldspruch wegen Fahrens ohne Be-

rechtigung stehen, wobei keine Mehrkosten der Strafuntersuchung ersicht-

lich sind. Einzig die Vorwürfe gemäss Anklageziffer 1 betreffen einen Sach-

verhaltskomplex, der in keinerlei Zusammenhang mit den Schuldsprüchen 

steht, jedoch bereits im Rahmen des Strafverfahrens gegen den Mitbe-

 - 29 - 

 

 

schuldigten B._____ (SST.2024.89) untersucht wurde. Damit rechtfertigt es 

sich, dem Beschuldigten die auf ihn entfallenden erstinstanzlichen Verfah-

renskosten von Fr. 2'416.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 550.00) lediglich 

zu 7/8 mit Fr. 2'114.00 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse 

zu nehmen. 

 

5.4. 

Wird der freigewählt verteidigte Beschuldigte ganz oder teilweise freige-

sprochen oder wird das Verfahren gegen ihn eingestellt, so hat er Anspruch 

auf eine nach dem Anwaltstarif festgelegte Entschädigung seiner Aufwen-

dungen für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte (Art. 429 

Abs. 1 lit. a StPO). Diese Entschädigung ist dem Wahlverteidiger zuzuspre-

chen (Art. 429 Abs. 3 StPO). Ausgangsgemäss ist dem Wahlverteidiger 

des Beschuldigten 1/8 seiner im Berufungsverfahren für das erstinstanzli-

che Verfahren geltend gemachten Entschädigung von Fr. 9'773.85, d.h. ge-

rundet Fr. 1'222.00, zuzusprechen. 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, fällt es ein 

neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

- der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung (betr. Anklageziffer 1.1); 

- des mehrfachen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung; 

- des Fahrens ohne Fahrzeugausweis und ohne Kontrollschilder. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der qualifiziert groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 3 

SVG (betr. Anklageziffer 2); 

- des Fahrens ohne Berechtigung gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 102 Abs. 1 SVG, Art. 47 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 49 Abs. 2 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB und 

Art. 44 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, Probezeit 3 Jahre, 

 

 - 30 - 

 

 

und als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-

Bremgarten vom 13. Februar 2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 

40 Tagessätzen à Fr. 90.00, d.h. Fr. 3'600.00, Probezeit 3 Jahre, 

 

verurteilt. 

 

4. 

4.1. 

Die anteilsmässig auf den Beschuldigten entfallenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem Beschuldigten vollumfäng-

lich auferlegt. 

 

4.2. 

Der Beschuldigte hat seine obergerichtlichen Parteikosten selbst zu tragen. 

 

5. 

5.1. 

Die anteilsmässig auf den Beschuldigten entfallenden erstinstanzlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 2'416.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 550.00) 

werden dem Beschuldigten zu ⅞ mit Fr. 2'114.00 auferlegt und im Übrigen 

auf die Staatskasse genommen. 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird angewiesen, dem Verteidiger des 

Beschuldigten für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung 

von Fr. 1'222.00 auszurichten. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe 

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

 
  

 - 31 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 31. März 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six Lehmann