# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c6568bd3-0087-527f-bccf-f4f3ef1e0308
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-11-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.11.2015 RR.2015.119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2015-119_2015-11-10.pdf

## Full Text

Entscheid vom 10. November 2015 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 

Parteien 

  

A1., vertreten durch Fürsprecher Michael Burkard,  

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, Fachbereich Ausliefe-

rung, 

 

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand  Auslieferung an die Türkei 

 

Auslieferungsentscheid (Art. 55 IRSG); 

Einrede des politischen Delikts (Art. 55 Abs. 2 

IRSG); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 VwVG) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummern: RR.2015.119, RP.2015.23 

 

 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit diplomatischer Note vom 13. April 2012 (act. 4.1) übermittelte die Bot-

schaft der türkischen Republik dem Bundesamt für Justiz (nachfolgend 

«BJ») das Ersuchen der türkischen Justizbehörden um Auslieferung des tür-

kischen Staatsangehörigen A1. zwecks Vollstreckung einer Freiheitsstrafe 

von 36 Jahren (act. 4.1.1). Diese basiert auf einem Urteil des Schwurgerichts 

Isparta vom 12. Dezember 2006 (act. 4.1.1/9D), welches seinerseits mit dem 

am 4. Februar 2009 gefällten und am 5. Februar 2009 öffentlich verkündeten 

Urteil der 1. Strafkammer des Kassationsgerichtshofs bestätigt worden ist 

(act. 4.4). Das BJ ersuchte diesbezüglich die türkische Botschaft am 27. Ap-

ril 2012 um Ergänzung des Auslieferungsersuchens mit weiteren Angaben 

und Unterlagen (act. 4.2). Die verlangten Angaben und Unterlagen wurden 

dem BJ mit diplomatischer Note vom 27. Februar 2013 bzw. vom 7. März 

2013 übermittelt (act. 4.4 und 4.5). 

 

 

B. Nachdem das Bundesamt für Migration (nachfolgend «BFM») am 13. Au-

gust 2014 das von A1. gestellte Asylgesuch in erster Instanz ablehnte 

(act. 4.11), leitete das BJ das Auslieferungsverfahren ein. A1. wurde am 

7. November 2014 durch die Kantonspolizei Bern zum Auslieferungsersu-

chen befragt. Hierbei erklärte dieser, nicht mit seiner Auslieferung an die Tür-

kei einverstanden zu sein (act. 4.17). Am 4. Dezember 2014 nahm A1. 

schriftlich zum Auslieferungsersuchen Stellung. Er beantragte hierbei, die 

Auslieferung sei zu verweigern, eventualiter habe das BJ die gebotenen Ab-

klärungen vorzunehmen (act. 4.22). 

 

Mit Entscheid vom 25. März 2015 bewilligte das BJ die Auslieferung von A1. 

an die Türkei für die dem Auslieferungsersuchen der Botschaft der türki-

schen Republik vom 13. April 2012, ergänzt am 7. März 2013, zugrunde lie-

genden Straftaten. Dieser Entscheid wurde A1. am 26. März 2015 eröffnet 

(act. 4.25) und erfolgte unter der Voraussetzung eines rechtskräftigen, ab-

lehnenden Asylentscheids (act. 1.1). 

 

 

C. Hiergegen gelangte A1. mit Beschwerde vom 27. April 2015 an die Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (act. 1). Er beantragt Folgendes: 

 

1. Der Auslieferungsentscheid des BJ vom 25. März 2015 sei aufzuheben und die Ausliefe-

rung des Beschwerdeführers zu verweigern. 

2. Eventualiter: Der Auslieferungsentscheid des BJ vom 25. März 2015 sei aufzuheben und 

die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an das BJ zurückzuweisen und die gebotenen Ab-

klärungen über das Alibi des Beschwerdeführers vorzunehmen. 

 

 

3. Subeventualiter: Der ersuchende Staat (Republik Türkei) sei unter Vorlage der entlasten-

den Beweise aufzufordern, innert kurzer Frist zu erklären, ob er das Ersuchen aufrechterhal-

ten will, und zu belegen, dass das Alibi des Beschwerdeführers nicht standhält (Art. 53 Abs. 1 

und 2 IRSG). 

4. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm der un-

terzeichnende Anwalt als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizuordnen. 

– unter Kosten- und Entschädigungsfolgen – 

 

Im Rahmen seiner Beschwerde machte A1. u. a. geltend, das eigentliche 

Motiv der gegen ihn gerichteten Strafverfolgung bestehe darin, ihn wegen 

seiner kurdisch-autonomistischen Haltung und seines Engagements für sein 

Dorf und seine Region kalt zu stellen (vgl. act. 1, Ziff. II.4.3 f.). 

 

 

D. Mit Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2015 beantragt das BJ, die Beschwerde 

sei abzuweisen und die Einrede des politischen Delikts sei abzulehnen 

(act. 4). Mit Eingabe vom 10. Mai 2015 ergänzte A1. sein Gesuch um unent-

geltliche Rechtspflege mit weiteren Angaben und Unterlagen (RP.2015.23, 

act. 3, 3.1, 3.2). 

 

 

E. Im Rahmen seiner Replik vom 26. Oktober 2015 hält A1. grundsätzlich an 

seinen Beschwerdebegehren fest. Für den Fall, dass seinen Anträgen 1 

bis 3 nicht entsprochen werden sollte, stellt er folgenden zusätzlichen Antrag 

(act. 12): 

 

3a. Subsubeventualiter: Das Dispositiv des Auslieferungsentscheides des BJ vom 25. März 

2015 sei wie folgt zu ergänzen: Der Vollzug der Auslieferung wird von der zusätzlichen Be-

dingung abhängig gemacht, dass die ersuchende Behörde folgende förmliche Garantieerklä-

rung abgibt: 

«Der schweizerischen Botschaft in Ankara wird das Recht zugesichert, Vertreter zu bezeich-

nen, die den Verfolgten nach dessen Auslieferung ohne Überwachungsmassnahmen jeder-

zeit besuchen können. Ebenso dürfen diese Vertreter sich jederzeit über den Verfahrensstand 

erkundigen sowie an sämtlichen Gerichtsverhandlungen teilnehmen. Der Verfolgte hat jeder-

zeit das Recht, sich an diese Vertreter zu wenden.» 

 

Die Replik wurde dem BJ am 27. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht 

(act. 13). 

 

F. Die zwischenzeitlich von A1. gegen den ablehnenden erstinstanzlichen Asyl-

entscheid erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungsgericht mit 

Urteil vom 13. Juli 2015 abgewiesen (act. 5). Dagegen hat A1. mit Eingabe 

vom 17. August 2015 beim Bundesgericht Beschwerde erhoben (vgl. act. 7). 

 

 

 

Die von der Beschwerdekammer gestützt auf Art. 55a IRSG beigezogenen 

Akten aus dem Asylverfahren wurden dieser am 20. bzw. am 21. Okto-

ber 2015 übermittelt (act. 10 und 11). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und der Türkei sind pri-

mär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-

ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1) und das hierzu ergangene zweite Zusatzpro-

tokoll vom 17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12), welchem beide Staaten 

beigetreten sind, massgebend. 

 

1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln, 

findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-

suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesge-

setz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die Ver-

ordnung vom 24. Februar 1982 über internationale Rechtshilfe in Strafsa-

chen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11). Das innerstaatliche Recht 

gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn die-

ses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 140 IV 123 E. 2 

S. 126; 137 IV 33 E. 2.2.2 S. 40 f.; 136 IV 82 E. 3.1; jeweils m.w.H.). Vorbe-

halten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 

II 595 E. 7c S. 617; TPF 2008 24 E. 1.1 S. 26). Auf Beschwerdeverfahren in 

internationalen Rechtshilfeangelegenheiten sind zudem die Bestimmungen 

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-

ren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 

Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a StBOG), wenn das IRSG nichts anderes 

bestimmt (siehe Art. 12 Abs. 1 IRSG). 

 

 

 

2.  

2.1 Über ausländische Auslieferungsersuchen entscheidet das BJ (vgl. Art. 55 

Abs. 1 IRSG). Macht der Verfolgte geltend, er werde eines politischen Delikts 

bezichtigt, oder ergeben sich bei der Instruktion ernsthafte Gründe für den 

politischen Charakter der Tat, so entscheidet die Beschwerdekammer des 

http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595
http://links.weblaw.ch/BGE-123-II-595

 

 

Bundesstrafgerichts darüber auf Antrag des BJ und nach Einholung einer 

Stellungnahme des Verfolgten (Art. 55 Abs. 2 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1.1.1 

S. 339; 128 II 355 E. 1.1.1 S. 357 f.; TPF 2008 24 E. 1.2). Das Verfahren der 

Beschwerde nach Art. 25 IRSG ist dabei sinngemäss anwendbar (Art. 55 

Abs. 3 IRSG). Die Beschwerdekammer hat nur über die Einrede des politi-

schen Delikts in erster Instanz zu befinden und dem BJ den Entscheid über 

die übrigen Auslieferungsvoraussetzungen zu überlassen (BGE 130 II 337 

E. 1.1.2; 128 II 355 E. 1.1.3-1.1.4 S. 358 f.; TPF 2008 24 E. 1.2 m.w.H.). 

Gegen letzteren Entscheid kann innerhalb von 30 Tagen nach dessen Eröff-

nung bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde ge-

führt werden (Art. 55 Abs. 3 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG; Art. 50 Abs. 1 VwVG). 

Die Frist beginnt an dem auf ihre Mitteilung folgenden Tage zu laufen (Art. 20 

Abs. 1 VwVG). 

 

2.2 Der Beschwerdeführer hat im Rahmen des Auslieferungsverfahrens sinnge-

mäss geltend gemacht, er sei wegen einer nach gemeinem Recht strafbaren 

Handlung verurteilt worden, welche er nicht begangen habe. Das wahre (po-

litische) Motiv hinter der gegen ihn gerichteten Strafverfolgung sei aber seine 

kurdisch-autonomistische Haltung und sein Engagement für sein Dorf und 

die Region (act. 4.22, Ziff. 2.3.2.7; act. 1, Ziff. II.4.3). Mit Entscheid vom 

25. März 2015 bewilligte das BJ die Auslieferung des Beschwerdeführers 

unter Vorbehalt eines rechtskräftigen, ablehnenden Asylentscheids (act. 1.1) 

und beantragte der Beschwerdekammer im Rahmen seiner Beschwerde- 

antwort, die Einrede des politischen Delikts sei abzulehnen (act. 4). Die dies-

bezügliche Stellungnahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 55 

Abs. 2 IRSG liegt vor (act. 12). 

 

Der Auslieferungsentscheid selbst wurde dem Beschwerdeführer am 

26. März 2015 eröffnet (act. 4.25). Seine am 27. April 2015 hiergegen erho-

bene Beschwerde erweist sich als fristgerecht. Die übrigen Eintretens- 

voraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Be-

schwerde ist daher einzutreten. 

 

 

3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden 

(Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungsvoraussetzungen grund-

sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch nur 

mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden 

(BGE 132 II 81 E. 1.4; 130 II 337 E. 1.4; TPF 2011 97 E. 5; Entscheide des 

Bundesstrafgerichts RR.2015.256 vom 20. Oktober 2015, E. 3; RR.2015.117 

vom 13. August 2015, E. 3). 

 

 

 

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 1 EAUe sind die Vertragsparteien grundsätzlich verpflichtet, ei-

nander Personen auszuliefern, die von den Justizbehörden des ersuchen-

den Staates wegen einer strafbaren Handlung verfolgt oder zur Vollstre-

ckung einer Strafe oder einer sichernden Massnahme verfolgt werden. Aus-

zuliefern ist wegen Handlungen, die sowohl nach dem Recht des ersuchen-

den als auch nach demjenigen des ersuchten Staates mit einer Freiheits-

strafe (oder die Freiheit beschränkenden sichernden Massnahme) im 

Höchstmass von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe 

bedroht sind (Art. 2 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 35 Abs. 1 IRSG). Die Auslie-

ferung wird nicht bewilligt, wenn nach den Rechtsvorschriften des ersuchen-

den oder des ersuchten Staates die Strafverfolgung oder Strafvollstreckung 

verjährt ist (Art. 10 EAUe; Art. 5 Abs. 1 lit. c IRSG). 

 

4.2 Unter dem Gesichtspunkt des hier massgebenden Art. 12 EAUe reicht es in 

der Regel aus, wenn die Angaben im Rechtshilfeersuchen sowie in dessen 

Ergänzungen und Beilagen es den schweizerischen Behörden ermöglichen 

zu prüfen, ob ausreichende Anhaltspunkte für eine auslieferungsfähige Straf-

tat vorliegen, ob Verweigerungsgründe gegeben sind bzw. für welche mut-

masslichen Delikte dem Begehren allenfalls zu entsprechen ist. Der Rechts-

hilferichter muss namentlich prüfen können, ob ein politisches Delikt vorliegt 

und ob die Voraussetzung der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt ist. Es kann 

hingegen nicht verlangt werden, dass die ersuchende Behörde die Tatvor-

würfe bereits abschliessend mit Beweisen belegt. Der Rechtshilferichter hat 

weder Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Be-

weiswürdigung vorzunehmen. Er ist vielmehr an die Sachverhaltsdarstellung 

im Ersuchen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken 

oder Widersprüche entkräftet wird (BGE 133 IV 76 E. 2.2 m.w.H.; TPF 2012 

114 E. 7.3 m.w.H.). 

 

4.3 Dem Auslieferungsersuchen ist zu entnehmen, dass es am 21. Juni 1997 im 

Dorf Hacıhalil zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Mitglie-

dern der Familie B. und Angehörigen der Familie A. gekommen sei. Letztere, 

darunter der Beschwerdeführer, hätten der erstgenannten, sich gemeinsam 

fortbewegenden Gruppe den Weg abgeschnitten und gemeinsam mit ver-

schiedenen Gewehren und Pistolen auf sie geschossen. Drei Personen 

seien infolge dieses Angriffs noch am Tatort verstorben; sechs weitere seien 

verletzt worden (vgl. u. a. act. 4.1.1/9A). Dem Urteil des Schwurgerichts Is-

parta vom 12. Dezember 2006 (act. 4.1.1/9D) kann u. a. entnommen wer-

den, dass bei der Tat zumindest eine auf den Beschwerdeführer registrierte 

Waffe zum Einsatz gekommen, jedoch durch den Mitangeklagten A2. ver-

wendet worden sei. Die entsprechende Waffe sei nach der Tat bei einer 

 

 

Hausdurchsuchung in der Wohnung des Beschwerdeführers gefunden wor-

den. Der Geschädigte B1. habe ausgesagt, der sich auf einem Traktor be-

findende Beschwerdeführer und Dorfvorsteher habe den Angehörigen seiner 

Gruppe den Befehl erteilt, auf die Mitglieder der Familie B. zu schiessen. 

Gemäss Aussage der Nebenklägerin B2. seien ausser dem Angeklagten A3. 

alle anderen Mitangeklagten (darunter der Beschwerdeführer) am Tatort ge-

wesen. Bestätigt worden sei die Anwesenheit des Beschwerdeführers am 

Tatort auch vom Geschädigten B3. Dieser habe zudem ausgeführt, die 

Schiesserei habe auf Befehl des Beschwerdeführers begonnen. Das 

Schwurgericht sprach den Beschwerdeführer der mehrfach begangenen 

(versuchten) Tötung mitschuldig und verurteilte diesen zu einer Freiheits-

strafe von 36 Jahren. Mit dem am 4. Februar 2009 gefällten und am 5. Feb-

ruar 2009 öffentlich verkündeten Urteil der 1. Strafkammer des Kassations-

gerichtshofs wurden der gegen den Beschwerdeführer ergangene Schuld-

spruch und die diesbezüglich verhängte Strafe bestätigt (act. 4.4). 

 

4.4 Die Angaben im Rechtshilfeersuchen und in den diesem zugrunde liegenden 

Urteilen sind hinreichend klar, um die beidseitige Strafbarkeit der dem Be-

schwerdeführer zur Last gelegten Taten zu bejahen. Der entsprechende 

Sachverhalt kann nach schweizerischem Recht ohne Weiteres unter die Tat-

bestände der vorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB) sowie der schweren und 

der einfachen Körperverletzung (Art. 122 f. StGB) subsumiert werden. Die 

entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid werden vom 

Beschwerdeführer grundsätzlich nicht bestritten.  

 

 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer bringt im Rahmen des Auslieferungsverfahrens pri-

mär vor, er sei zum Zeitpunkt der Tat, wegen welcher er verurteilt worden 

sei, nicht am Tatort gewesen. Er habe diesbezüglich einen Alibibeweis im 

Sinne des Art. 53 IRSG (act. 1, Ziff. 4). 

 

5.2 Behauptet der Verfolgte, beweisen zu können, dass er zur Zeit der Tat nicht 

am Tatort war, so nimmt das BJ die gebotenen Abklärungen vor (Art. 53 

Abs. 1 IRSG). In klaren Fällen wird die Auslieferung verweigert. Andernfalls 

wird der ersuchende Staat unter Vorlage der entlastenden Beweise aufge-

fordert, innert kurzer Frist zu erklären, ob er das Ersuchen aufrechterhalten 

will (Art. 53 Abs. 2 IRSG). Das bedeutet freilich nicht, dass in der Schweiz 

ein spezielles und komplexes Untersuchungsprozedere eingeleitet wird, 

wenn jemand ein Alibi geltend macht; es werden keine eigentlichen Recher-

chen verlangt (BGE 112 Ib 215 E. 5b S. 221 m.w.H.; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2014.333 vom 21. Januar 2015, E. 4.2). Den Alibibeweis 

kann der Verfolgte nur mit dem Nachweis führen, dass er zur fraglichen Zeit 

 

 

überhaupt nicht am Tatort war oder dass es sich um einen Irrtum in der Per-

son handelt. Dieser Nachweis ist unverzüglich und ohne Weiterungen zu er-

bringen. Sind bei einem angerufenen Zeugen des angeblichen Alibis Zweifel 

über die Glaubwürdigkeit nicht zum vornherein ausgeschlossen, so ist das 

Alibi nicht ohne Verzug nachgewiesen. Gemäss der bundesgerichtlichen 

Praxis sind solche Zweifel nicht von vornherein von der Hand zu weisen, 

wenn es sich bei den angerufenen Zeugen um dem Verfolgten nahe ste-

hende Bezugspersonen handelt und somit die Möglichkeit besteht, dass es 

sich um Gefälligkeitserklärungen handelt (siehe hierzu BGE 123 II 279 E. 2b 

S. 282 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 1A.174/2006 vom 2. Oktober 2006, 

E. 4.5; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2015.256 vom 20. Okto-

ber 2015, E. 5.4). 

 

5.3 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens verweist der Beschwerdeführer 

diesbezüglich auf die Aussage des angeblichen Hauptentlastungszeugen C., 

dem Kommandanten des Gendarmerie-Postens Besyol-Besni. Dessen Aus-

sagen würden beweisen, dass der Beschwerdeführer an jenem 21. Juni 

1997 vor und während der Tat mit seinem Auto zwischen der Kreisstadt 

Besni und dem Dorf Besyol-Besni unterwegs gewesen sei und folglich nicht 

gleichzeitig am Tatort im weit entfernten Hacıhalil habe sein können (act. 1, 

Ziff. II.4.2). Die Übersetzung der entsprechenden Zeugenaussage findet sich 

in den Akten des Auslieferungsverfahrens (act. 4.22/49A, Beilage 2). Dem-

zufolge habe C. am fraglichen Tag um 15.30 Uhr ein Telefonat vom Sitz der 

Gendarmerie in Besni erhalten, wonach es im Dorf Hacıhalil zu Streitigkeiten 

kommen könnte. Er habe sich dementsprechend auf einen Einsatz vorberei-

tet. Ca. 5 Minuten später sei der Angeklagte A4. mit seinem Auto aus der 

Richtung des Dorfs Hacıhalil gekommen und habe vom selben Geschehen 

erzählt. Hierauf sei er zum Tatort gefahren. Bevor er aber den Posten ver-

lassen habe, sei der Dorfvorsteher (der Beschwerdeführer) mit seinem Auto 

gekommen und zwar aus der Richtung Besni. Der Beschwerdeführer kommt 

unter Verweis auf die verschiedenen Lokalitäten und den angegebenen Zeit-

punkt zum Schluss, dass diese Aussage beweise, dass er gar nicht am Tat-

ort habe sein können. 

 

Diesbezüglich ist vorneweg festzuhalten, dass sich in den Akten keine An-

gabe zum Zeitpunkt der Verübung der dem Beschwerdeführer zur Last ge-

legten Tat finden lässt. Dass die Tat sicher vor seinem Eintreffen beim Poli-

zeiposten verübt worden ist, ergibt sich auch aus den eigenen Ausführungen 

des Beschwerdeführers, wonach dieser erst zum fraglichen Gendarmerie-

Posten gefahren sei, nachdem er von seiner Schwester erfahren habe, dass 

diese Schüsse höre (act. 4.22/49, Ziff. 2.3.2.2; vgl. auch die Aussage des 

Beschwerdeführers anlässlich der ergänzenden Anhörung durch das BFM 

am 11. April 2014, S. 13). Diesbezüglich besteht ein Widerspruch zu den 

 

 

Angaben des Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörung durch das 

BFM vom 29. Juli 2009 (siehe dort S. 8), wonach er erst eine Stunde nach 

dem Ereignis am Telefon davon erfahren habe. So oder anders ist aber klar, 

dass die fragliche Schiesserei zeitlich vor dem Eintreffen des Beschwerde-

führers beim von C. geleiteten Gendarmerie-Posten stattgefunden haben 

muss. Bemerkenswert ist zudem, dass der ebenfalls für seine Mitbeteiligung 

an der Schiesserei verurteilte A4. noch vor dem Beschwerdeführer im von 

C. geleiteten Posten eingetroffen sei. Allein aus seiner Präsenz im Gendar-

merie-Posten nach 15:30 Uhr lässt sich zu Gunsten des Beschwerdeführers 

demnach nichts ableiten. Insbesondere ist die Aussage von C. nicht geeig-

net, den Nachweis zu erbringen, dass der Beschwerdeführer zum Tatzeit-

punkt nicht am Tatort gewesen sein soll. Abgesehen davon, dass auch Spe-

kulationen über den Ort, von welchem sich der Beschwerdeführer zum Pos-

ten bewegt haben könnte, an diesem Ergebnis nichts ändern, bleibt auch 

nicht nachvollziehbar, inwiefern der Zeuge C. selbst festgestellt haben will, 

woher der Beschwerdeführer gekommen sei, wenn er doch im Posten ange-

kommen sei, bevor er selbst (C.) diesen habe verlassen können. 

 

Die weiter angerufenen Aussagen bzw. Schreiben von seinem Anwalt D. und 

E. (siehe act. 4.22/49A, Beilage 2) beschränken sich auf persönliche Ein-

schätzungen bzw. auf Angaben vom Hörensagen und tragen ebenfalls nichts 

zum Nachweis bei, dass der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Tat nicht 

am Tatort anwesend gewesen sei. Die weiter in allgemeiner Weise ange-

führte Aussage des Zeugen F. liegt nur in der türkischen Originalfassung vor 

(act. 4.22/49A, Beilage 1). Diesbezüglich unterlässt es der Beschwerdefüh-

rer gänzlich auszuführen, inwiefern sie inhaltlich überhaupt zum Nachweis 

seines Alibis beitragen soll. 

 

5.4 Nach dem Gesagten gelingt es dem Beschwerdeführer mit den angeführten 

und eingereichten Beweismitteln nicht, unverzüglich und ohne Weiterungen 

nachzuweisen, dass er sich zum Tatzeitpunkt nicht am Tatort befunden 

habe. Seine Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

6. Ebenso verhält es sich mit der vom Beschwerdeführer unter Hinweis auf 

Art. 25 Abs. 4 IRSG erhobenen Rüge der offensichtlich unrichtigen Anwen-

dung fremden Rechts bzw. im vorliegenden Fall des zum Urteilszeitpunkt in 

Kraft gestandenen Art. 463 des türkischen Strafgesetzbuchs. Hierzu macht 

der Beschwerdeführer lediglich geltend, dieser Artikel hätte nicht angewen-

det werden dürfen, weil er zum Tatzeitpunkt gar nicht am Tatort gewesen sei 

(act. 1, Ziff. II.5.2). Diesbezüglich kann nach dem oben Ausgeführten (E. 5.3, 

5.4) auf Weiterungen verzichtet werden.  

 

 

 

 

7.  

7.1 Die Auslieferung wird nicht bewilligt, wenn die strafbare Handlung, derent-

wegen sie begehrt wird, vom ersuchten Staat als eine politische oder als eine 

mit einer solchen zusammenhängende strafbare Handlung angesehen wird 

(Art. 3 Ziff. 1 EAUe; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 und Art. 55 Abs. 2 IRSG). In der 

Praxis wird zwischen so genannt «absolut» politischen und «relativ» politi-

schen Delikten unterschieden. «Absolut» politische Delikte stehen in unmit-

telbarem Zusammenhang mit politischen Vorgängen. Darunter fallen na-

mentlich Straftaten, welche sich ausschliesslich gegen die soziale und poli-

tische Staatsorganisation richten, wie etwa Angriffe gegen die verfassungs-

mässige Ordnung, Landes- oder Hochverrat. Ein «relativ» politisches Delikt 

liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn einer gemeinrechtlichen Straftat im 

konkreten Fall ein vorwiegend politischer Charakter zukommt. Der vorwie-

gend politische Charakter ergibt sich aus der politischen Natur der Um-

stände, Beweggründe und Ziele, die den Täter zum Handeln bestimmt haben 

und die in den Augen des Rechtshilferichters vorherrschend erscheinen. Das 

Delikt muss stets im Rahmen eines Kampfes um die Macht im Staat began-

gen worden sein und in einem engen Zusammenhang mit dem Gegenstand 

dieses Kampfes stehen. Darüber hinaus müssen die fraglichen Rechtsgüter-

verletzungen in einem angemessenen Verhältnis zu den angestrebten Zielen 

stehen, und die auf dem Spiel stehenden politischen Interessen müssen 

wichtig und legitim genug sein, um die Tat zumindest einigermassen ver-

ständlich erscheinen zu lassen (BGE 131 II 235 E. 3.2 S. 244 f.; 130 II 337 

E. 3.2 S. 342 f.; 128 II 355 E. 4.2 S. 364 f.; Urteil des Bundesgerichts 

1C_274/2015 vom 12. August 2015, E. 5.3; TPF 2008 24 E. 3.1 S. 27). 

 

7.2 Die Auslieferung wird ebenfalls nicht bewilligt, wenn der ersuchte Staat ernst-

liche Gründe hat zur Annahme, das gleiche Auslieferungsersuchen wegen 

einer nach gemeinem Recht strafbaren Handlung sei gestellt worden, um 

eine Person aus rassischen, religiösen, nationalen oder auf politischen An-

schauungen beruhenden Erwägungen zu verfolgen oder zu bestrafen, oder 

dass die verfolgte Person der Gefahr einer Erschwerung ihrer Lage aus ei-

nem dieser Gründe ausgesetzt wäre (Art. 3 Ziff. 2 EAUe; vgl. auch Art. 2 lit. b 

und c IRSG). Um den Schutz der Bestimmungen von Art. 3 Ziff. 2 EAUe und 

Art. 2 lit. b und c IRSG beanspruchen zu können, genügt es nicht, dass die 

Person, deren Auslieferung verlangt wird, behauptet, aufgrund einer beson-

deren rechtspolitischen Lage bedroht zu sein. Sie muss vielmehr in glaub-

hafter Weise darlegen, inwiefern ernsthafte und objektive Risiken einer ver-

botenen Diskriminierung bestehen sowie konkret aufzeigen, dass die straf-

rechtliche Verfolgung nur vorgeschoben und in Wirklichkeit politisch motiviert 

ist (vgl. BGE 132 II 469 E. 2.4 S. 473; 129 II 268 E. 6.3; TPF 2008 24 E. 3.1 

S. 27 f.; siehe auch ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en 

 

 

matière pénale, 4. Aufl., Bern 2014, N. 629 m.w.H.; HEIMGARTNER, Ausliefe-

rungsrecht, Zürcher Diss., Zürich/Basel/Genf 2002, S. 124). 

 

7.3 Bei der Straftat, für welche die Türkei um Auslieferung des Beschwerdefüh-

rers ersucht, handelt es sich weder um ein absolut noch um ein relativ politi-

sches Delikt im Sinne der oben angeführten Rechtsprechung. Derartiges 

wird auch vom Beschwerdeführer selbst nicht geltend gemacht. Er bringt 

stattdessen vor, er sei wegen einer nach gemeinem Recht strafbaren Hand-

lung verurteilt worden, welche er nicht begangen habe. Das wahre (politi-

sche) Motiv hinter der gegen ihn gerichteten Strafverfolgung sei aber seine 

kurdisch-autonomistische Haltung und sein Engagement für sein Dorf und 

die Region (act. 4.22, Ziff. 2.3.2.7; act. 1, Ziff. II.4.3). Diesbezüglich fällt auf, 

dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Auslieferungsverfahrens nebst 

diesem nur in pauschaler Form erhobenen Einwand kaum konkrete Gründe 

benannt hat, welche die Annahme rechtfertigen würden, dass dem Be-

schwerdeführer die oben geschilderte Straftat aus politischen Motiven unter-

geschoben worden sein soll. Allein aus dem Umstand, dass Mitglieder seiner 

Familie in Drittstaaten wegen ihrer Nähe zur PKK Asyl erhalten haben (act. 1, 

Ziff. II.4.4), kann er persönlich nichts zu seinen Gunsten ableiten. Dies umso 

weniger, als er im Rahmen des erstinstanzlichen Asylverfahrens anlässlich 

seiner Anhörung vom 29. Juli 2009 angab, er selber sei kein «PKK'ler», son-

dern nur ein (kurdischer) Patriot gewesen (vgl. dort S. 7). Im Asylverfahren 

machte der Beschwerdeführer zu den Geschehnissen vor dem 21. Juni 1997 

zusammengefasst geltend, er sei als frisch gewählter Dorfvorsteher durch 

staatliche Sicherheitskräfte zu Spitzeldiensten aufgefordert worden. Na-

mentlich hätte er die türkischen Sicherheitskräfte über Bewegungen von Mit-

gliedern der PKK informieren sollen. Das habe er jedoch nicht getan und es 

verheimlicht, wenn Mitglieder der PKK in sein Dorf gekommen seien. Aus 

diesem Grunde sei er durch Angehörige der Familie B. bedroht worden. In 

diesem Zusammenhang sei er in früheren Jahren insgesamt viermal inhaf-

tiert worden, wobei er auch misshandelt worden sei. Es sei nie zu einer ge-

richtlichen Verurteilung wegen Unterstützung der PKK und wegen Beherber-

gung von Mitgliedern der PKK gekommen. Zweimal sei er vor dem Staatssi-

cherheitsgericht angeklagt, in der Folge jedoch freigesprochen worden. Ab-

gesehen davon, dass der Beschwerdeführer zu all diesen Vorgängen keiner-

lei Aktenstücke einreichte, welche die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen zu 

erhöhen vermöchten, bleibt letztlich nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-

schwerdeführer gerade nach zwei Freisprüchen vom Vorwurf der Unterstüt-

zung der PKK Zielscheibe politischer Verfolgung sein sollte. Auch das BFM 

kam im Rahmen seines Asylentscheides vom 13. August 2014 zum Schluss, 

dass keine substantiellen Hinweise auf ein gezieltes Unterschieben einer 

Tatbeteiligung des Beschwerdeführers vorliegen (act. 4.11, S. 8). Insgesamt 

 

 

muss seine Einrede des politischen Delikts als blosse Schutzbehauptung be-

trachtet werden. Sie ist dementsprechend abzuweisen. 

 

 

8.  

8.1 Der Beschwerdeführer bringt im Rahmen seiner Replik neu vor, in der Folge 

des Anschlags in der türkischen Stadt Suruç am 20. Juli 2015 hätten die 

Spannungen zwischen türkischen Nationalisten und kurdischen Separatis-

ten wiederum massiv zugenommen. Dem Beschwerdeführer drohe alleine 

vor dem Hintergrund dieser aktuellen politischen Entwicklungen im Falle ei-

ner Auslieferung mindestens eine Erschwerung seiner Lage im Sinne von 

Art. 3 Ziff. 2 EAUe (act. 12, S. 2). Aus diesem Grunde verlangt er subsube-

ventualiter die Abgabe der von ihm  formulierten Garantieerklärung durch die 

ersuchende Behörde (vgl. oben unter Lit. C). 

 

8.2 Die Schweiz prüft die Auslieferungsvoraussetzungen des EAUe auch im 

Lichte ihrer grundrechtlichen völkerrechtlichen Verpflichtungen. Einem Er-

suchen wird nicht entsprochen, wenn Gründe für die Annahme bestehen, 

dass das ausländische Verfahren den Grundsätzen der Konvention vom 

4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 

(EMRK; SR 0.101) oder des Internationalen Pakts vom 16. Dezember 1966 

über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II; SR 0.103.2) nicht ent-

spricht oder andere schwere Mängel aufweist (Art. 2 lit. a und d IRSG). Der 

im ausländischen Strafverfahren Beschuldigte muss hierbei glaubhaft ma-

chen, dass er objektiv und ernsthaft eine schwerwiegende Verletzung der 

Menschenrechte im ersuchenden Staat zu befürchten hat (BGE 130 II 217 

E. 8.1 in fine m.w.H.; TPF 2010 56 E. 6.3.2 S. 62 f.; Entscheid des Bun-

desstrafgerichts RR.2015.252 vom 28. Oktober 2015, E. 3.2). 

 

Gemäss der Rechtsprechung gibt es Fälle, in denen zwar ernsthafte Gründe 

für die Annahme bestehen, dass der Verfolgte im ersuchenden Staat einer 

menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt sein könnte, dieses Risiko 

aber mittels diplomatischer Garantien behoben oder jedenfalls auf ein so ge-

ringes Mass herabgesetzt werden kann, dass es als nur noch theoretisch 

erscheint, so dass dem Auslieferungsersuchen, unter Auflagen, dennoch 

stattgegeben werden kann (vgl. zum Ganzen ausführlich den Entscheid des 

Bundesstrafgerichts RR.2013.258 vom 6. Juni 2014, E. 10.3 m.w.H.). Eine 

gänzliche Verweigerung der Auslieferung rechtfertigt sich nur ausnahms-

weise, wenn das Risiko einer menschenrechtswidrigen Behandlung auch mit 

diplomatischen Zusicherungen nicht auf ein Mass herabgesetzt werden 

kann, dass es als nur noch theoretisch erscheint (BGE 134 IV 156 E. 6.7 

S. 169 f.; TPF 2012 144 E. 5.1.3). 

 

 

 

8.3 Im Auslieferungsverkehr mit der Türkei wird in der Regel die Einholung von 

Garantien nicht vorausgesetzt (s. Urteile des Bundesgerichts 1C_356/2014 

vom 3. September 2014, E. 2.2.2; 1A.215/2000 vom 16. Oktober 2000, 

E. 6c). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt von der Türkei dip-

lomatische Zusicherungen der menschenrechtskonformen Behandlung des 

Verfolgten lediglich in heiklen Fällen mit politischem Hintergrund (Urteile des 

Bundesgerichts 1C_356/2014 vom 3. September 2014, E. 2.2.2 unter Hin-

weis auf BGE 133 IV 76 E. 4.4, 4.5 und 4.6 S. 88 ff.; 1A.215/2000 vom 

16. Oktober 2000, E. 6b f.; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2015.50 

vom 2. Juli 2015, E. 10.5.4; RR.2013.261 vom 30. Oktober 2014, E. 6.9).  

 

8.4 Vorliegend kann kein besonders heikler Fall mit politischem Hintergrund an-

genommen werden (vgl. nochmals oben stehende E. 7), welche seitens der 

Türkei diplomatische Zusicherungen der menschenrechtskonformen Be-

handlung notwendig erscheinen liessen. Der bloss allgemein gehaltene Hin-

weis des Beschwerdeführers auf vermehrte Spannungen in der Türkei ver-

mag nicht darzulegen, inwiefern ihm persönlich und konkret schwerwie-

gende Verletzungen der Menschenrechte drohen würden. Zu bemerken ist 

abschliessend, dass die türkischen Behörden im Rahmen ihres Ersuchens 

um Auslieferung von sich aus bereits die Einhaltung des Spezialitätsprinzips 

sowie die Menschenrechtsgarantien, welche sich aus der EMRK sowie aus 

dem UNO-Pakt II ergeben, ausdrücklich zugesichert haben. Die Beschwerde 

erweist sich somit auch in diesem Punkt als unbegründet. 

 

 

9. Nach dem Gesagten sind die Vorbringen des Beschwerdeführers allesamt 

unbegründet. Den Akten sind zudem keine anderen Gründe zu entnehmen, 

welche einer Auslieferung des Beschwerdeführers entgegenstünden. 

10.  

10.1 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen 

Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern 

ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt 

dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist 

(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV. 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren 

als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich gerin-

ger erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als 

aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr 

die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend 

ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger 

Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 139 III 475 E. 2.2 

S. 476 f.; 139 III 396 E. 1.2; 138 III 217 E. 2.2.4). 

 

 

 

10.2 Nach dem oben Ausgeführten muss die vorliegende Beschwerde als aus-

sichtslos bezeichnet werden. Die Einrede des politischen Delikts erwies sich 

als Schutzbehauptung. Die vom Beschwerdeführer darüber hinaus gegen 

den Auslieferungsentscheid erhobenen Einwände erwiesen sich ebenfalls 

als offensichtlich unbegründet. Im Wesentlichen handelte es sich hierbei um 

dieselben Vorbringen, welche der Beschwerdeführer schon vor dem Be-

schwerdegegner ins Feld führte und mit welchen sich dieser im Rahmen sei-

nes Entscheides in überzeugender Weise auseinandergesetzt hat, ohne zu 

jeglicher Kritik Anlass zu geben. Unter diesen Voraussetzungen erweist sich 

die Beschwerde als offensichtlich aussichtslos. Allein aus diesem Grund ist 

das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege – trotz der schwerwiegenden 

Bedeutung des angefochtenen Entscheides für den Beschwerdeführer 

(siehe hierzu GLESS, Internationales Strafrecht, 2. Aufl., Basel 2015, N. 413) 

– abzuweisen. Bei der Festsetzung der Spruchgebühr kann gemäss Art. 63 

Abs. 4bis VwVG der womöglich schwierigen finanziellen Situation des Be-

schwerdeführers Rechnung getragen werden. 

 

 

11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die reduzierte Ge-

richtsgebühr ist auf Fr. 1'000.– festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. 

Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-

desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-

schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). 

 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Einrede des politischen Delikts wird abgewiesen. 

 

2. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

3. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 

 

4. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.– wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 10. November 2015 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Fürsprecher Michael Burkard  

- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Auslieferung 

- Bundesverwaltungsgericht 

- Bundesgericht 

- Staatssekretariat für Migration SEM 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

 

 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).