# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dcf3c128-0b13-5ccf-bd84-04c1b2c240d5
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2000 21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2000-21_0000-00-00.pdf

## Full Text

PKG 2000

7. Eine Überprüfung der angefochtenen Einstellungsverfügung des 
Kreispräsidenten hätte im vorliegenden Fall indessen die Staatsanwalt- 
schaft verlangen können. Nachdem sie dies jedoch nicht getan hat und auf 
die Berufung der Geschädigten mangels Beschwer nicht eingetreten wer- 
den kann, muss eine Überprüfung der angefochtenen Einstellungsverfü- 
gung unterbleiben.

8. Gemäss Belastungsanzeige vom 1. Februar 2000 überwies die Be- 
rufungsbeklagte die ausstehenden Unterhaltsbeiträge am 31. Januar 2000. S. 
bestätigte anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom
28. April 2000, die ausstehende Summe erhalten zu haben. Der Berufungs- 
klägerin war somit vor Mitteilung der Einstellungsverfügung am  10. Juli 
2000 bereits der gesamte Schaden ersetzt worden. Die  Berufungsklägerin 
war demnach bereits bei der Erhebung der Berufung am 31. Juli 2000 nicht 
mehr beschwert. Sie hat daher die Kosten des Berufungsverfahrens zu tra- 
gen und überdies den Berufungsbeklagten mit Fr. 500.– zu  entschädigen 
(Art. 160 StPO).
SB 00 56 Urteil vom 6. September  2000

– Jagdrecht; weidgerechte Jagdausübung (Art. 15 Abs. 1 
und 2 KJG). Ein Schuss ins Hinterteil einer Hirschkuh un- 
mittelbar neben dem «Waidloch» ist objektiv nicht weid- 
gerecht, subjektiv aber nicht als Fahrlässigkeit vorwerf- bar, 
wenn der ursprünglich weidgerecht angesetzte Schuss 
infolge einer unerwarteten Drehung des Tiers zu dem nicht 
weidgerechten Einschuss geführt hat.

Aus den Erwägungen:
5. J. hat die Hirschkuh unbestrittenermassen am Hinterteil unmit-

telbar neben dem «Waidloch» getroffen. Gemäss Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG 
hat sich der Jäger bei der Ausübung der Jagd weidgerecht zu verhalten. Ins- 
besondere hat er sich vor der Schussabgabe zu vergewissern, dass das Wild 
jagdbar, die Schussdistanz und die Stellung des Tieres weidgerecht und eine 
Gefährdung von Menschen und Dritteigentum ausgeschlossen sind. J. führte 
anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung vor Kantonsgerichtsaus- 
schuss aus, die Hirschkuh sei breit dagestanden, als er zum Schuss angesetzt 
habe. Als sich das Tier plötzlich bewegt habe, habe er den Schuss nicht mehr 
aufhalten können. Das Tier sei jedoch sofort tot zusammengebrochen und 
habe keine Qualen erleiden müssen.

Zweifellos ist der Einschuss in Waidlochnähe als unweidgerecht zu 
qualifizieren. Es stellt sich jedoch die Frage, ob J. auch den subjektiven Tat- 
bestand der unweidmännischen Jagdausübung im Sinne von Art. 15 Abs. 1

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und 2 KJG erfüllt hat. Dass J. den unweidgerecht zu qualifizierenden Schuss 
vorsätzlich im Sinne von Art. 47 Abs. 1 KJG abgegeben hat, kann ausge- 
schlossen werden, da hiefür keine Indizien vorliegen. Gemäss Art. 47 Abs. 2 
KJG ist auch die fahrlässige Widerhandlung gegen eine Bestimmung des 
Jagdgesetzes strafbar. Ist die Tat darauf zurückzuführen, dass der Täter die 
Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht 
oder darauf nicht Rücksicht genommen hat, so begeht er  das Verbrechen 
oder Vergehen fahrlässig. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der 
Täter die Vorsicht nicht beobachtet, zu der er nach den Umständen und nach 
seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 18 Abs. 3 StGB).Vor- 
liegend gilt es zu berücksichtigen, dass sich das Tier in Bewegung befand. 
Aufgrund der glaubhaften Sachverhaltsschilderung des Berufungsklägers 
kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Hirschkuh im Zeitpunkt der 
Schussabgabe unerwartet gedreht hat, so dass der weidgerecht angesetzte 
Schuss unverhofft und unvermeidbar zu einem nicht weidgerechten Resul- 
tat geführt hat. Kann dem Berufungskläger nicht nachgewiesen werden, dass 
er pflichtwidrig gehandelt und damit den subjektiven Tatbestand des Art. 15 
Abs. 1 und 2 KJG erfüllt hat, so ist er von der Anklage der Verletzung von 
Art. 15 Abs. 1 und 2 KJG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 KJG freizuspre- 
chen. Die Berufung ist mithin auch in diesem Punkt gutzuheissen.
SB 00 17 Urteil vom 17. Mai 2000

– Jagdrecht; weidgerechte Jagdausübung (Art. 15 Abs. 1 
KJG). Das Liegenlassen eines erlegten Murmeltierkätz- 
chens vor dem Bau ist nicht weidgerecht.

Erwägungen:
Der  Kreisgerichtsausschuss  Bergün  hat  M.  derVerletzung  von

Art. 15 Abs. 1 KJG für schuldig befunden. Nach dieser Bestimmung hat sich 
der Jäger bei der Ausübung der Jagd weidgerecht zu verhalten. Gemäss Aus- 
führungen der Vorinstanz hätte sich M. nach der Schussabgabe persönlich 
zum erlegten Tier begeben und es angemessen entsorgen müssen. Indem M. 
das Murmeltierkätzchen in unmittelbarer Nähe des Baues liegen gelassen 
habe, habe er keine Achtung gegenüber dem erlegten Tier gezeigt. Sein Ver- 
halten sei deshalb als unweidmännisch im Sinne von Art. 15 Abs. 1 KJG zu 
qualifizieren. Der Berufungskläger macht in diesem Zusammenhang gel- 
tend, es entspreche der gängigen Übung im Kanton Graubünden, den Auf- 
bruch eines Tieres sowie allfällige Fleischstücke, welche zum Beispiel infol- 
ge eines schlecht sitzenden Schusses nicht verwertet werden könnten, an Ort 
und Stelle liegen zu lassen. Es könne davon ausgegangen werden, dass die 
Verhaltensweisen, welche seit altersher auf der Jagd praktiziert würden, als

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